Aufsatz 
Fürst Bismarck : Rede, gehalten am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers, 27. Januar 1897 / von Otto Ankel
Entstehung
Einzelbild herunterladen

XVIII

Ich glaube, wir sollten den Handschuh bereitwillig aufnehmen und kein Unglück. sondern einen Fortschritt der Krisis zur Besserung darin sehen, wenn eine Majorität in Frankfurt einen Beschluss fasst, in welchem wir eine berschreitung der Kompetenz, eine willkürliche Anderung des Bundes- zweckes, einen Bruch der Bundesverträge finden. Je unzweideutiger die Verletzung zu Tage tritt, desto besser..... Ich glaube, dass wir einen erheblichen Umschlag in die Stimmung bringen könnten, wenn wir gegen die ijberhebungen unserer deutschen Bundesgenossen die Saite selb- ständiger preussischer Politik in der Presse anschlügen.... Das Wortdeutsch fürpreussisch möchte ich gern erst dann auf unsere Falme geschrieben sehen, wenn wir enger und zweck- mässiger mit unseren übrigen Landsleuten verbunden wären als bisher; es verliert von seinem Zauber, wenn man es schon jetzt, in Anwendung auf den bundestäglichen Nexus, abnützt..... Ich sehe in unserm Bundesverhältnis ein Gebrechen Preussens, welches wir früher oder später ferro et igni werden heilen müssen, wenn wir nicht bei Zeiten in günstiger Jahrzeit eine Kur dagegen vornehmen. Auch der österreichisch-italienische Krieg, an dem Preussen trotz Bismarcks Warnungen teilzunehmen sich anschickte, machte ihm Sorge. Am 2. Juli 59 schrieb er an seine Frau:Unsere Politik gleitet mehr und mehr in das österreichische Kielwasser hinein, und haben wir erst einen Schuss am Rhein abgefeuert, so ist es mit dem italienisch-österreichischen Kriege vorbei, und statt dessen tritt ein preussisch-französischer auf die Bühne, in welchem sterreich, nachdem wir die Last von seinen Schultern genommen haben, uns soviel peisteht oder nicht bei- steht, als seine eigenen Interessen es mit sich bringen. Dass wir eine glänzende Siegerrolle spielen, wird es gewiss nicht zugeben. Die Gefahr ging glücklich vorüber, da Osterreich aus Eifersucht auf Preussen einen raschen Frieden schloss. In einem Briefe vom 16. Juni 60 sprach Bis- marck von den mittelstaatlichen Ministern, die noch immer Angst nätten, er möchte in eine führende Stellung berufen werden und dies durch Schimpfen über ihn und seine französisch-russischen Ge- sinnungen zu hintertreiben suchten.Wenn ich einem Teufel verschrieben bin, so sagte er, so ist es ein teutonischer und kein gallischer. Im Juli 61 hatte er mit, König Wilhelm, der grosse Stücke auf Bismarck hielt, ohne doch jetzt schon auf all seine Ideen einzugehen, eine Zusammenkunft in Baden-Baden und legte bald darauf seine Ansichten über die Aufgaben der preussischen Politik in einer Denkschrift nieder, deren Grundgedanken wohl in einem im September desselben Jahres von Stolpmünde aus an einen konservativen Freund gerichteten Brief Bismarcks zu finden sind. Wir kommen dahin, schrieb er, den ganz unhistorischen, gott- und rechtlosen Souveränitäts- schwindel der deutschen Fürsten, welche unser Bundesverhältnis als Piedestal benutzen, von dem herab sie europäische Macht spielen, zum Schosskind der konservativen Partei Preussens zu machen. ppreussens und Deutschlands Unabhängigkeit ist für die Zukunft bedroht, So lange der Un- sinn der jetzigen Bundesverfassung besteht, die nichts ist als ein Treib- und Konservierhaus ge- fährlicher und revolutionärer Partikularbestrebungen.

Von dem Augenblicke an, wo König Wilhelm die Zügel der Regierung ergriffen hatte, wehte ein andrer Wind in Berlin, und wer Ohren hatte zu hören, vernahm sein Brausen.Es ist Preussens Bestimmung nicht so sagte Wilhelm in dem Erlasse an Sein Volk vom 7. Januar 61 dem Genuss der erworbenen Güter zu leben. In der Anspannung seiner geistigen und sittlichen Kräfte, in dem Ernst und der Aufrichtigkeit seiner religiösen Gesinnung, in der Vereinigung von Ge- horsam und Freiheit, in der Stärkung seiner Wehrkraft liegen die Bedingungen seiner Macht;