unſäglich läppiſcher, ſeichter und durch Entnervung ſitten⸗ verderblicher Bücher“(Gervinus) für das Kind der Waldeinſamkeit minder gefährlich ſei, als für das Stadt⸗ kind, iſt hier nicht zu unterſuchen. Aber gewiß iſt, daß auch dieſe Fluth hier höher anſchwillt als dort, und daß ohnedieß ſchon überreizte Naturen am leichteſten in jene Leſewuth verfallen, die Schleiermacher für ſo ſchlimm hält als„Spielwuth.“ Unter allen Umſtänden bedarf es einer ſehr behutſamen Auswahl, wenn nicht die Kinder⸗ lektüre ſtatt Bildung Verbildung, und ſtatt der Sammlung und Beſchwichtigung, die wir geben ſollten, gerade das Gegentheil wirken ſoll. Es ließe ſich viel über Nutzen und Schaden und über die rechte Leitung ſolcher Lektüre ſagen. Hier ſei es an einer Regel genug,— an Luther’'s Wort:„Nicht viel leſen, ſondern gut Ding viel⸗ und oft leſen macht fromm und gelehrt dazu.“ Die Erziehung denkt noch auf ein anderes Mittel der Sammlung und Beſchwichtigung. Sie urtheilt ganz richtig, daß das Uebermaß zerſtreuender Erregungen und zufällig wirkender Bildungsmittel ein bedeutendes Gegengewicht in dem Ernſte der Schularbeit finden müſſe. Aber dieſes geſunde Urtheil greift fehl, wenn man nun auch die ganze Thätigkeit des Kindes auf dieſem einen Wege hinzuleiten ſucht, indem man dafür auch noch möglichſt viel häusliche Stationen und Wegweiſer— durch Privatunterricht— anlegt. Denn nicht alle Kraft des Kindes darf durch Schularbeit verbraucht werden. Wenn der Privatunterricht mehr giebt, als eine, in beſonderen Fällen vielleicht nöthige Nachhülfe und Ergänzung des Schulunterrichts, ſo wird es leicht geſchehen, daß er im Hauſe Schularbeit giebt, um das Kind in der Schule müſſig ſein zu laſſen, oder daß er den Gang des Schulunterrichts durchkreuzt,
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