dazu gerechneten Disciplinen nach dem Baumeiſter durchgegangen und erklärt worden, beſonders die Grundbegriffe und Definitionen und die wichtigſten daraus hergeleiteten Sätze. Weil Baumeiſter die Phyſik, den amuſanteſten Theil der Philoſophie für junge Leute, ausgelaſſen hat, ſo trug ich ſie in gewiſſen beſonderen Stunden den Liebhabern derſelben vor, mit den nothwendigſten Experimenten und Erläuterungen aus der Naturgeſchichte begleitet. Die Rhetorik habe ich nach dem eingeführten Compendio völlig zu Ende gebracht, öftere Exempel, Fabeln, kleine Erzählungen, Charaktere, Briefe ꝛc. bald in teutſcher, bald in lateiniſcher Sprache noch außer den gewöhnlichen Uebungen ausarbeiten laſſen, auch noch beſondere Stunden der Bildung des Geſchmacks aus Regeln ſowohl als durch Bekanntſchaft mit guten Muſtern gewidmet und nach Anleitung meines Handbuchs in einer beſonderen Stunde die Bücherkenntniß von den beſten Werken des Geſchmacks und der ſchönen Wiſſenſchaften zu befördern geſucht.
In der Poeſie habe ich mich mehr damit beſchäftigen können, meinen Zuhörern das Weſentlichſte derſelben zu erklären und zu zeigen, wie man Poeten mit Nutzen leſen und verſtehen ſoll, als ich mich des Glücks rühmen könnte, viele poetiſche Genies erweckt und gebildet zu haben, ſo ſehr ich auch beſtändig dazu aufgemuntert und ſelbſt Entwürfe gegeben habe. Ich habe die Aeneis des Virgils in der poetiſchen Lection einmal ganz durchleſen. Ferner die ſämmtlichen Oden des Horaz nach Abzug derer wenigen, die man in geſitteten Schulen nicht überſetzen muß. Hiernach haben wir auch das erſte Buch ſeiner Satiren mit einander durchgeleſen.
Was 2) die Sprachen betrifft, ſo ſind in der griechiſchen Sprache einige Evangeliſten und einige der längſten apoſtoliſchen Briefe im N. T. durchgegangen worden. Außerdem haben wir das Epiktetiſche Handbuch und das Gemählde des Kebes geleſen. Griechiſche Ausarbeitungen habe ich nur ſelten machen laſſen, und Reden oder griechiſche Verſe niemals, weil ich in dieſem Stücke von den richtigen Urtheilen eines Gesner und Erneſti völlig überzeugt bin. In der lateiniſchen Sprache iſt der Curtius, Cicero's Bücher von den Pflichten nebſt den angehängten Geſprächen von dem Alter und der Freundſchaft, eben desſelben auserleſene Reden und die Briefe des jüngeren Plinius durchgeleſen worden. Inſonderheit habe ich auf den Parallelismus der Autoren fleißig geſehen und gezeigt, wie man dieſelben unter einander ſelbſt vergleichen ſoll. Außer den gewöhnlichen zwei Exercitien in der Woche haben die Selectaner zur Ver⸗ mehrung der Fertigkeit(denn elegant wird der Styl dadurch eben nicht) dasjenige gleich latein geſchrieben, was ich für die andern teutſch dictirte. Zur Vermehrung ſowohl der Real⸗ als Verbal⸗Erkenntniß und zur Nahrung für den Geſchmack habe ich Auszüge aus den Autoren zu machen angerathen und deßwegen unter dem Leſen immer die Aufmerkſamkeit auf die ſchönſten Stellen vorzüglich gelenkt und den allgemeinen Begriff oder Hauptgedanken beſtimmt, darunter ſie könnten ausgeſchrieben werden, auch ſeltner vorkommende Wörter oder Wortfügungen, oder Ausdrücke von einer beſonderen Energie; und dieſe Sammlungen wurden zu deſto mehrerer Bequemlichkeit nach alphabetiſcher Methode wie ein Lexikon eingerichtet. Gut teutſch reden und ſchreiben iſt auch dann noch für einen Teutſchen eine Pflicht, wenn er ſchon Griechiſch und Latein genug verſtünde. Ich habe dieſes Stück der Unterweiſung aber mehr praktiſch, als durch viele Theorien von Regeln getrieben, die der Lernende zu leicht wieder vergißt, wenn ihm das Exempel nicht hilft.
Der ältere Wenck(1752—1761) findet die weſentlichen Erforderniſſe einer Schule in den Lehr⸗ Stücken(docenda), der Lehrart(Methode), der Zucht(Disciplin), wozu er als viertes die Lebens⸗Art oder leibliche Verpflegung der Lernenden inſonderheit(victus et amictus) hinzufügt. Als das vornehmſte Lehr⸗ ſtück bezeichnet er das Chriſtenthum, in zweiter Linie erſcheinen die Sprachen und zwar zuerſt die Deutſche, die nun endlich auch verdiene in die Zahl der Schul⸗Sprachen aufgenommen zu werden, ferner die allgemeine Sprache der Gelehrten, die Lateiniſche, dann die heiligen Sprachen(welche ſind die Hebräiſche, Chaldäiſche und Griechiſche) und endlich wegen ihres angenehmen und galanten, wie auch andern vielfach nützlichen Gebrauchs, die Franzöſiſche. Dann kommen die nützlichen Wiſſenſchaften als: die Gottesgelahrtheit und die Weltweisheit, wie ſie in ihren vielfachen Arten betrachtet werden: die Mathematik, die Rede⸗ und Dichtkunſt, Hiſtorie, Geographie, Chronologie, Heraldik,


