— 96—
Antonio den Fürſten Taſſo gnädig zu entlaßen, damit der Auf⸗ enthalt in der Ferne ihn zu der Einſicht führe, daß nirgends als in Ferrara ſeine Heimath und die Stätte ſei, wo er einzig finden könne was er jetzt in ſeinem Trübſinn vermiße.
2. Scene. Das nun folgende Geſpräch Taſſos mit dem Fürſten liefert den traurigſten Beweis von dem Seelenzuſtand des Dichters. Unter dem Scheine des Dankes dafür, daß Al⸗ fons ihm ſeinen Fehler vergeben, daß er den Widerſacher ihm verſöhnt, daß er ihm die Erlaubnis zur Abreiſe ertheilt habe und auch in der Ferne ihm ſeine Gunſt bewahren wolle, birgt Taſſo den Uberdruß an ſeinen bisherigen Verhältniſſen, das Mis⸗ trauen und die Abneigung gegen die Perſonen ſeiner Umgebung. Die Huld des Fürſten, der ihn auch abweſend ganz als den Seinen betrachten und für ihn ſorgen will; der freundliche Zu⸗ ſpruch des Wohlthäters, der ihn mahnt vor der Abreiſe durch eine Cur ſeine geſtörte Geſundheit wiederherzuſtellen;
Und willſt du einem ſolchen Ruh und Glück, Willſt du von ihm wohl Freude dir verſprechen? antwortet Alfons: Du hätteſt Recht, Antonio, wenn in ihm Ich meinen nächſten Vortheil ſuchen wollte! Zwar iſt es ſchon mein Vortheil, daß ich nicht Den Nutzen grad und unbedingt erwarte. Nicht alles dienet uns auf gleiche Weiſe; Wer Vieles brauchen will, gebrauche Jedes In ſeiner Art, ſo iſt er wohl bedient. Das haben uns die Medicis gelehrt, Das haben uns die Päbſte ſelbſt gewieſen. Mit welcher Nachſicht, welcher fürſtlichen Geduld und Langmuth trugen dieſe Männer Manch groß Talent, das ihrer reichen Gnade Nicht zu bedürfen ſchien und doch bedurfte!


