— 95— Der Schmerz des Fürſten iſt für Antonio die ſchwerſte Strafe ſeines Vergehens. Muß er ſich doch in den Augen deſſelben als den an dem ganzen Zerwürfnis allein Schuldigen betrachten (S. 221). Die bittere Erfahrung iſt ihm aufbehalten, daß die böſe That einmal begangen ſich als Nemeſis gegen den Ur— heber ſelber kehrt und zu einer Macht wird, die oft genug durch keine Reue, keine Bemuͤhung den unſeligen Folgen vorzubeugen ſich in ihrem verheerenden Zuge aufhalten läßt. Bereitwillig nimmt Antonio die ganze Verantwortlichkeit nicht bloß für ſeine That, ſondern auch für alle Folgen derſelben auf ſich. Nur um Verzeihung bittet er und um das Vertrauen, daß er ſich alle erdenkliche Mühe gegeben den Dichter zu verſöhnen und von ſeinem Vorſatze abzubringen. Beides wird ihm zu Theil, denn der Fürſt hat eine zu genaue Kenntnis ſowohl von der Zuver⸗ läßigkeit und Pflichttreue Antonios, wie von der unbezähmten Leidenſchaftlichkeit Taſſos, als daß er das Mislingen der Aus— ſöhnung Antonio Schuld geben und nicht vielmehr in der Hart⸗ näckigkeit und dem Eigenſinn Taſſos ſuchen ſollte. Mit vollem Rechte ſpricht darauf Antonio ſeine Misbilligung über die Rück⸗ ſichtsloſigkeit, Maßloſigkeit und Schwarzſeherei des Dichters aus und entwickelt mit pſychologiſchem Scharfblick die Gründe ſeines launiſchen, grillenhaften Weſens. Aber„kein Hauch einer Ge⸗ reiztheit oder einer perſönlichen Abneigung gegen Taſſo entflieht dem Antonio. Durch die Erkenntniß der Schwäche des verfinſter⸗ ten Dichters blickt zugleich das menſchlichſte und ungekünſteltſte Wohlwollen hindurch. Dadurch iſt Antonio für den Hörer als der natürliche Hort Taſſos vorbereitet, an den ſich der tief Ge— fallene, dem blutigſten Schmerze und der zerſtörendſten Ver⸗ zweiflung Preis gegebene endlich klammert.“*) Zuletzt bittet
*) Rötſcher, S. 189.— übrigens offenbart ſich auch in dieſer Scene des Fürſten erhabnerer, umfaßenderer Standpunkt, worin er für Antonio geradezu als Vorbild daſteht. Auf die Frage Antonios nämlich(S. 224):


