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er zu Anfang des Jahres 1828 als Collaborator an dem Obergymnasium zu Braunschweig in sein erstes Lehramt eintrat, in welchem er sich durch seine vielversprechenden Leistungen allgemeine Anerkennung, insbesondere das Vertrauen seines Vorgesetzten, des Directors und Professors Dr. G. T. A. Krüger erwarb. Schon im Frühjahr 1830 wurde der talentvolle, mit tüchtigen philologischen Kenntnissen und einer nicht gewöhnlichen Lehrgabe ausge- stattete Lehrer seinem nassauischen Heimatlande, welchem er immer grosse Anhänglichkeit bewahrt hat, wiedergewonnen, indem er eine Berufung als Hilfslehrer an das Gymnasium zu Weilburg erhielt. An dieser Anstalt, an welcher ihm unter’m 13. August 1837 die Beför- derung zum ausserordentlichen Professor zu Theil ward, wirkte er bis zum Herbste 1839, zu welcher Zeit er als Prorector an das Pädagogium zu Hadamar versetzt wurde. Seit Herbst 1843 gehörte er in gleicher Eigenschaft dem Pädagogium zu Wiesbaden an und blieb hier, wo er am 1. Juni 1844 zum Professor an der zu einem vollständigen Gymnasium erhobenen Lehr- anstalt ernannt wurde, bis zum Schlusse seiner irdischen Laufbahn in Wirksamkeit. Seine Lehrthätigkeit war vorzugsweise dem Unterrichte in den altclassischen Sprachen in den oberen Classen gewidmet und überdies ertheilte er Unterricht in der französischen Sprache, erwarb sich in früheren Jahren auch ein besonderes Verdienst um die Anstalt qurch eifrige Pflege und Förderung der an derselben neu eingeführten gymnastischen Uebungen. In den letzten Jahren war die berufliche Thätigkeit des einst so rüstigen Mannes vielfach gehemmt qurch ein hartnückiges Körperleiden, von welchem er nach kurzem Krankenlager durch einen sanften Tod befreit wurde. Am Grabe des Verewigten wurden von dem Sängerchore des Gymnasiums unter Leitung des Conrectors Bogler Trauergesänge vorgetragen und Herr Pfarrer Köhler widmete dem Hingeschiedenen Worte der Erinnerung, welche ihres Eindrucks auf die Gemitther der Anwesenden, unter welchen sich auch viele dankbare Schü- ler des Verewigten aus älterer Zeit befanden, nicht verfehlen konnten. Sit illi terra levis!
Die Weihnachtsferien dauerten vom 22. December bis zum 2. Januar.
Die diesjährige Maturitätsprüfung, zu welcher 23 Schüler der Oberprima und ausnahms- weise ein Schüler der Unterprima zugelassen worden waren, fand in ihrem schriftlichen Theile am II., 12., 13. und 14. Februar statt. Das Ergebniss der Prüfung, deren münd- liehet Theil noch boporskeht, wird im nächsten Osterprogramme mitgetheilt werden.
lam 15. März folgten Lehrer und Schüler der Leiche des Professors Friedrich Sch ulz, welcher um Neujahr 1866 von unserem Gymnasium an das zu Hadamar versetzt worden war, wegen gestörter Gesundheit aber diese Stelle nicht angetreten und seinen Wohnsitz i in unserer Stadt beibehalten hatte. Der Verstorbene, ein begabter und kenntnissreicher Lehrer, der sich auch durch Biederkeit des Charakters und Meuschenfreundlichkeit allgemeine Achtung und Liebe erworben hatte, wirkte eine lange Reihe von Jahren hindurch mit an- erkanntem Erfolge an dem Gymnasium zu Weilburg und gehörte nur kurze Zeit unserer Anstalt an, an welcher seine Lehrthätigkeit zuletzt durch ein langwieriges Leiden unter- brochen wurde, dem er am 12. März im vier und fünfzigsten Lebensjahre unterlag. Herr Pfarrer Conrady schildeyte Leben, Character und Wirken des Verewigten, dessen


