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eine Zierde seines Lebens. Trotz der glänzenden Gaben und der edlen Abstammung desselben erfällt Wallenstein der Gedanke, dass er es wagt, an seine Tochter, an die Friedländerin zu denken, mit Erstaunen. Er will seine grosse Lebensrolle nicht zuletzt mit gemeiner Verwandtschaft beschliessen. So verlangt er auch von Max, dass er ihm folge in seinem Verrat gegen den Kaiser und an seinen Eid und seine Pflicht nicht denken soll. Dem von deu heftigsten innersten Kämpfen Zerrissenen erklärt er:¹)
„Auf mich bist du gepflanzt, ich bin dein Kaiser,
Mir angehören, mir gehorchen, das
Ist deine Ehre, dein Naturgesetz“.
Wallenstein soll ihm wie der Stern sein, auf dem er lebt und wohnt.
Zwar klagt er, als Max gefallen ist: ²)
„Die Blume ist hinweg aus meinem Leben“. Aber auch in dieser trüben Stimmung erklärt er Gordon, wenn er gewusst, dass es den liebsten Freund ihm kosten würde:
„Kann sein, ich hätte mich bedacht— kann sein auch nicht“. Und wir können hinzufügen: „Das letztere ist seinem Charakter gemäss.“
Als Wallenstein dem Oktavio, was dieser längst auf anderem Wege in Erfahrung gebracht, anvertraut, dass er mit Hülfe der Schweden den Kaiser zwingen wolle, da ist Oktavio von Abscheu erfüllt, dass Wallenstein solches plane und dass er ihm, dem Manne von altem Adel, dem die Ehre seines Hauses über alles gilt, dem eifrigen Anhänger des Kaisers, dem strengen Katholiken, zutraut, er könne ein Werkzeug des Verräters werden. Darum bricht er gegen Max so heftig los, er, der ge- haltene Mann, als er fürchtet, Max könne sich„dem Schändlichen verkaufen, dies Brandmal aufdrücken ihres Hauses Adel“. ³)
Er teilt dem Kaiser mit, was er gehört hat; der Kaiser verlangt von ihm, dass er bleibe; er schreibt ihm sein Benehmen vor. Offen handeln kann der Kaiser nicht, weil Wallenstein zu mächtig ist. Oktavio kann auch nicht öffentlich als Kläger auftreten. Wie hätte er den Beweis liefern können; nicht einmal sein Sohn würde ihm geglaubt haben. Oktavios Lage ist sehr misslich, sein Leben steht auf dem Spiel. Das ist der Fluch der bösen That, dass sie fortzeugend Böses muss gebären. Weil Wallenstein Verrat sinnt, muss Oktavio, wenn er dem Reich und dem Kaiser dienen will, eine arge Rolle spielen. Dass er den Wallenstein von seinem Plane hätte abbringen können, daran denkt er nicht. „Wann hätte Friedland unsers Rats bedurft?“ Oktavio weiss, mit welchen Mitteln Wallenstein die Generale wie Buttler und Isolani gewinnt, was für Leute Illo und Terzky sind. Ja er traut Wallen- stein zu, dass er Max absichtlich auserwühlt, seine Gemahlin und Thekla abzuholen, um ihn durch ein neues Band zu fesseln. Wallenstein hat nicht daran gedacht, Oktavio sieht zu schwarz; aber die Gräfin Terzky hat denselben Argwohn. Wallenstein ist nur zu sicher, dass Max nicht von ihm lässt er braucht hier keine besonderen Mittel.
Obgleich wir hieraus ersehn, dass Oktavio nach seinem Charakter, nach seiner Anschauung von Walleusteins Charakter und nach seinem Verhältnis zum Kaiser nicht anders handeln konnte, so köunen wir sein Thun doch nicht billigen.
Wie sagt Schiller in dem Briefe an Boettiger?
„Er wählt ein schlechtes Mittel, aber er verfolgt einen guten Zweck“.
Der Dichter will nicht, dass man, um einen guten Zweck au erreichen, ein schlechtes Mittel brauchen soll. Der weck heiligt nicht die Mittel. Pr hat dafür gesorgt, dass wir dies im Gedicht erkennen.
¹) W. Tod. III. 18. ¹) w. Tod. V. 5. ³) W. Tod. II. 7.


