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der Apologie von seiner Thätigkeit gibt und von dem Eindruck, welchen sie auf die Leute gewöhnlichen Schlags, namentlich aber auf die auf ihr Wissen eingebildeten, eiteln Leute machte, wie Euthyphron einer war*), und wie sich in Folge davon nach und nach der Hass ansammelte, welcher am Ende zu seiner Verurtheilung führte. Auch jetzt noch verfolgt ihn Sokrates mit seinem Spott, indem er ihm nachruft: Freund, was machst du, du gehst fort und nimmst mir meine Hoffnung, dass ich von dir lernen würde, was fromm ist und das Gegentheil, um von dem Process mit dem Meletos loszukommen, indem ich ihm zeigte, dass ich nun in den göttlichen Dingen durch Euthyphron unterrichtet wäre, dass ich nun nicht mehr aus Unwissenheit ins Gelag darüber rede und Neuerungen mache, und dass ich hinfüro mein Leben besser einzu- richten gedächte.
Fassen wir nun noch einmal übersichtlich das Ganze zusammen. Uebersicht des Gesprächs. Historische Einleitung. 1. Veranlassung von Sokrates Anwesenheit in der Nähe des Gerichtshofs: Process mit Meletos. cp. 1— 3. 2. Veranlassung von Euthyphrons Anwesenheit: Process gegen seinen Vater. cp. 4— 6.
Das wissenschaftliche Gespräch von der Frömmigkeit.
A. Erster Theil, welcher das unmethodische und mehr negative Verfahren enthält. Wider- legung der Volksreligion. Auf die Frage des Sokrates nach dem Begriff der Frömmig- keit erfolgt als Antwort,
1. ein Beispiel, nemlich die beabsichtigte Handlung des Euthyphron, cp. 6, und nachdem das Unlogische dieser Antwort nachgewiesen ist(cp. 7), so erfolgt 2. eine Definition: fromm ist das den Göttern Wohlgefällige. Dieselbe wird widerlegt a. in so fern sie einen Widerspruch in sich schliesse, da die Götter unter einander im Streit seien, cp. 8— 11; b. weil sie Ursache und Wirkung mit einander verwechsle und also nicht das wesent- liche Merkmal enthalte, cp. 12— 13, p. 11 C.
B. Zoweiter Theil, welcher das methodische und mehr positive Verfahren enthält. Grund- züge der wahren Frömmigkeit. Der Uebergang gibt ein lebendiges Bild von der αραοοα des Euthyphron.
1. Sokrates gibt nun Anleitung, die richtige Definition zu finden, indem er durch die Er- klärung: alles fromme ist gerecht auf das genus proæimum hinweist, cp. 13, p. 11 E.
2. Das Verhältnis beider Begriffe, als das genus und die species bezeichnend, wird fest- gestellt durch Vergleichung der Begriffe Furcht und Scham, cp. 13, p. 12 B.
3. Als das unterscheidende Merkmal(die differentia specifica) wird gefunden die Sorge um die Götter, cp. 14.
4. Der Zoeck dieser Sorge wird festgestellt als ein den Göttern gewidmeter Dienst, cp. 15.
5. Diesen Dienst will Sokrates als von den Göttern zu höheren Zwecken benutzt ansehen, wonach die Frömmigkeit etwa so viel wäre als Gerechtigkeit im Dienste der Gottheit zum Besten der Menschheit, cp. 15— p. 13 E.
*) Vgl. oben S. 13. A.*.


