43 dem Atlas(besonders im bellum gallicum wichtig) oder dem einschlagenden geschichtlichen Handbuch widmen.
§ 16.
Zuletzt habe ich eine Reihe nü tzlicher Hilfsmittel genannt und sie führen mich zur Be- sprechung der schädlichen. Quis talia fando temperet a lacrimis! Wie schwer ist es Ueber-— setzungen und andere Eselsbrücken aus den Händen der Schüler zu verbannen, wie entziehen sie sich so leicht der Controlle des Lehrers! Unter allem, was verboten ist, fühlt sich der Schü- ler, selbst der strebsame, hierzu am meisten versucht. Setzt es ihn doch in den Stand in der Lehrstunde den Anforderungen des Lehrers besser zu genügen.—
Fragen wir zunächst: Worin liegt der Schaden des Gebrauchs von Uebersetzungen, Prä- parationen und anderen„derartigen Hilfsmitteln?
Wörter aufzuschlagen, aus der logischen Verknüpfung der Wörter und Sätze den Sinn des Autors zu finden, den gefundenen Sinn in das Gewand eines deutschen Satzes zu kleiden, das ist allerdings harte, umständliche Arbeit. Wörter, Sinn und deutsches Kleid werden in der Uebersetzung wie auf einer Schüssel zusammen angeboten, und alles, was noch zu thun ist, besteht darin, nachzusehen, ob das Kleid den Körper deckt oder ob es nicht— was bei schlech-— ten Uebersetzungen auch nicht selten vorkommt— doch noch Blössen unbedeckt lässt. Es ist dieses eine Geistesthätigkeit âhnlich der des Kindes, welches ein Bild durchzeichnet und den Abdruck mit dem Original vergleicht.— Wer sich auf einen Berg tragen lässt, kommt freilich hinauf; wird er auch ein tüchtiger Bergsteiger? Wohl spürt er kräftige Bergluft, aber es fröstelt ihn, weil seinen Gliedern die Bewegung fehlt. Was durch Bewegung und Arbeit der Körper an Kräften gewinnt, das entspricht genau dem Nutzen, welchen der Geist aus selbständigem Nachdenken zieht, und was durch Trägheit und Ruhe der Körper, zumal der jugendliche, an Kräften verliert, entspricht ge- nau dem Schaden, welchen unselbständiges Denken dem Geiste zufügt. Auch kommt es bei selbständiger Arbeit gar nicht darauf an, ob das gewünschte Ziel erreicht wird. Wer sich anstrengt, ohne den Sinn einer Stelle zu finden, bildet doch seinen Geist, wie der Turner seinen Körper stärkt, auch wenn die beabsichtigte Uebung nicht gelingt, wie der Fuss- sänger, auch wenn er nicht soviel Weges zurücklegt, als er will. Aus diesen Gründen schon ist die pädagogische Welt einig in der Ansicht von der Schädlichkeit jener Hilfsmittel, abge- sehen von der Wahrheit, dass im Geistesleben überall, wo Anstrengung fehlt, nicht nur keine Kraft gewonnen sondern sogar Schwäche und Erschlaffung erzeugt wird. ¹)
*) Die Sache hat auch noch eine aundere, tiefernste, sittliche Seite. Ich finde ihr Ausdruck gegeben in den Worten Perthes', Zur Reform des lateinischen Unterrichts(Zeitschr. für Gymnasialw., 27. Jahrg.):„Die Schule hat eine heilige Pflicht, den Gefahren, welche die weitverbreitete Benutzung unerlaubter Hilfsmittel für die Wahrhaftigkeit unserer J ugend in sichschliesst, mit allem Ernste entgegen zu treten. Welche tiefgreifende Folgen dieses mehr und mehr als ein lautes Geheimnis zu Tage tretende Unwesen in Bezug auf die Charakterbildung unserer Schüler haben muss und bereits gehabt hat, das werden am besten diejenigen wissen, deren Reminiscenzen aus den eigenen Schülerjahren in nicht allzu ferne Zeiten zurückreichen.— Da aber von Seiten der Schule eine derartige Vorbereitung verboten wird und füglich verboten werden muss, so kann es nicht ausbleiben, dass auch die sittlich ernsteren Schüler in ihrem Gewissen irre werden und von Semester zu Semester sich mehr daran gewöhnen, ein Hintergehen des Lehrers in diesem Punkte nicht mehr als ein Unrecht anzusehen. Ist aber erst an einer Stelle die Bresche geschossen, dann dürfte bald die stolze
6*


