ahresbericht Kurfürſtliche Gymnaſium zu Hanau zu den am 30. und 31. März und 1. April d. J. Statt findenden Schulfeierlichkeiten ergebenſt einladet Dr. Weinrirh Anguſt Srhiet, Gymnaſialdirector. 1. Die Himmelsgloben des Archimedes.— Ein Beitrag zur Aufhellung des Alterthums. Zweite Abtheilung. Vom Director. 2. Schulnachrichten. Vom Director. Hanaun, Druck der Waiſenhausbuchdruckerei, 1846. Zweiter Theil. Die Sphäre des Archimedes. Vorbemerknngen. Der Syracuſaner Archimedes¹), geb. 287, bei Eroberung von Syracus durch Marcellus im Jahre 212 v. Chr. von einem römiſchen Soldaten*) getödtet, gehörte zu den bevorzugten Menſchen, welchen es gegeben iſt, durch außerordentliche Leiſtungen nicht nur ihre Zeitgenoſſen zu erleuchten, ſondern auch der Nachwelt zu nützen und zum Lohne dafür Unſterblichkeit des Namens zu empfangen. Ausgeſtattet mit ungewöhnlichen Geiſteskräften, begünſtigt durch äußere Verhältniſſe, getragen durch die hohe wiſſenſchaftliche Cultur ſeiner Zeit, mit ungetheiltem, raſtloſem Eifer den mathematiſchen Studien ergeben, die ſeinen Neigungen zuſagten,— bewirkte er durch die Tiefe ſeines Nachdenkens, durch die ſeltene Schärfe ſeiner Combinationen, wie durch die Größe ſeiner vielſeitigen Entdeckungen in der Mathematik nach ihrem ganzen Umfange nicht ſowohl eine überraſchende Weiterförderung, als vielmehr durch die Reuheit ſeiner Grundſätze eine völlige Umgeſtaltung. Feſſelte das Großartige von dieſen ſchon an und für ſich die Aufmerkſamkeit der Sachkundigen, ſo mußte die ſinnreiche Anwendung derſelben in verſchiedenen Zweigen der Mechanik, je augenfälliger dieſe wirkte, um ſo allgemeinere Bewunderung erregen. 1) Fabrie. Biblioth. Gr. III. cap. XXII, pag. 544.— Groddeck Init. hist. Gr. lit. T. II, p. 126.— Encyelopädie der Wiſſenſch. v. Erſch u. Gr. sub Archimed. 2) Plin. KHiet. Rat. VII. 38(7)— Valer. Ma. VIII. 7. Eat. 7.— Iir. XMV. 1.— Plutreh. vit. Marcell. cap. 20. 1 2 Das war beſonders der Fall hinſichtlich des Verdienſtes, welches ſich Archimedes durch ſein mechaniſches Kunſtwerk zur erklärenden Darſtellung der Geſtirnbewegungen erwarb. Es läßt ſich in Wahrheit ſagen, daß Archimedes durch alle übrige Leiſtungen groß, durch dieſe berühmt geworden ſei. Seine belehrenden Schriften haben eine dauernde Hochachtung begründet, das Außerordentliche, was ſein mechaniſches Talent zur Vertheidigung) ſeiner Voterſtadt gethan, ſowie die hydrauliſchen Apparate haben ihm Bewunderer erweckt; aber die kunſtreiche Zuſammenſetzung ſeines nachahmenden Weltgebäudes hat ein allgemeines Stau⸗ nen hervorgerufen, und, weil es mit den höchſten Intereſſen des Menſchen in Berührung ſteht, in den Herzen ſeiner Verehrer eine dankbare, innige Zuneigung hervorgebracht. Mit Begierde ergriffen daher Philoſophen, Hiſtoriker und Dichter jede paſſende Gelegenheit, die Tiefe des Geiſtes zu verherrlichen, welcher die Grenzen der menſchlichen Natur erweitert zu haben ſchien. Wenn wir nun einen Blick in die Beſchaffenheit jener bewunderten Sphäre zu thun verſuchen: ſo gehorchen wir mit Vorliebe dieſem Verlangen einer natürlichen und durch den Gegenſtand, worauf ſie ſich richtet, gerechtfertigten Neugierde, auf Rachſicht hoffend, auch wenn wir das vorgeſteckte Ziel nicht erreichen. Vielleicht haben Sachkundigere, als der Verfaſſer, die Sache bereits ins Licht geſetzt; in dieſem Fall wird die Unkenntniß ihrer Belehrungen ſich rächen in den zu überwindenden Schwierigkeiten, obwohl die Genugthuung, einem anziehenden Gegenſtande ſelbſtthätigen Fleiß zugewandt zu haben, eine immer noch gro⸗ ße Ermunterung in ſich trägt. Cap. I. Beweiſe für Archimedes Sphäre. Es bedarf keiner künſtlichen Rachweiſung, daß Archimedes wirklich Sphären verfertigt habe. Die Anzahl der Berichterſtatter über ſie iſt eben ſo groß, als deren Glaubwürdig— keit anerkannt iſt. Die lautere Abſicht, dem Talente des großen Syracuſaners die verdiente 1) ef. Liv. XXIV, 34 ff.— Polyb. VIII, 5.— Zonaras Chron. Libr. IX. e. p 320— Plut. vit. Marcell. 14 ff. 3 Huldigung zu bringen, ward durch Umſtände genährt und erleichtert, da unſtreitig einige Schriftſteller das Kunſtwerk durch Autopſie kannten, andere die Beſchreibung der Augen— zeugen zur Grundlage ihrer Berichte machten. Daher hat auch die Schärfe der Kritik in den neueren Zeiten es nicht gewagt, dieſe Erfindung in Zweifel zu ſtellen, obgleich ſie ſich befugt erachtete, die Brennſpiegel, womit Archimedes die Schiffe der Belagerer verbrannt haben ſoll, für eine Erdichtung ¹) ſpäterer Schriftſteller zu erklären, ſo laut auch die Ein⸗ fachheit, Beſtimmtheit und Ausführlichkeit der claſſiſchen Erzählungen, ſowie die Verwandt⸗ ſchaft dieſer Erfindung mit den übrigen Erfindungen des Archimedes uud die ſeinen Ramen tragende, aus dem Arabiſchen überſetzte Abhandlung über Brennſpiegel gegen dieſes Verfah⸗ ren proteſtirt. Auch war die zur Fertigung einer Sphäre führende Veranlaſſung natürlich genug in Archimedes erſtem Nachdenken über Erd? und Himmelskörper gegeben. Indem ſich ſein umfaſſendes Talent dieſen Studien widmete, konnte es nicht fehlen, daß die Wiſſen⸗ ſchaft durch gehaltreiche Beſtimmungen an Sicherheit und Umfang gewann. Wie er die runde Erdgeſtalt, für die ſich ſeit Plato die ſcharfſinnigſten Philoſophen erklärt hatten, durch neue Beweiſe ſtützte'), beſtimmte er den Umfang und das Verhältniß der Erde, die in der Mitte der Welt unbeweglich ſtehe und durch ihre Kugelrundung auch dem ſie umgeben⸗ den Waſſer runde Geſtalt verleihe, und berechnete die Entfernung, Größe und Bewegung der Himmelskörper, von denen zuerſt der Mond, dann Merkur, Venus, die Sonne der Erde benachbart zuſtehes). Je mehr dieſe und ähnliche Anſichten bei ihm zur Ueberzeugung reiften, deſto dringender mußten ſie zu dem Entſchluſſe rathen, die Mechanik zu ihrer Er— läuterung und Veranſchaulichung wirken zu laſſen. In wiefern dieſer Entſchluß zur Aus⸗ führung gekommen oder gelungen ſei, darüber mögen der Reihe nach und in ihren eigenen Worten die Zeugen des Alterthums reden. 1) Erſch u. Grub. Encyelopäd. sub Arch.— Fabrie. Bibl. Gr. Libr. III. e. XXII. p. 548— 551. — J. D. Beck(Anleitg. zur Kenntn. d. allgem. Welt- u. Völker⸗Geſch. Th. 2. e. 137. Leipzig 1788.) erwähnt der Sache im Vorbeigehen, und verweiſet auf Abhdlg. von Dupuy, Buffon, Käſtner, welche dem Verf. nicht gelungen iſt zur Einſicht zu erhalten. 2) Uuckert, Geogr. d⸗ Gr u R. S h S 3) Schaubach, Geſch. d. Aſtronom. bei d. Griech. bis auf Eratoſth. 4 §. 2. Cicero eröffnet die Reihe in ſeiner, durch Angelo Mai bekannt gemachten Schrift vom Staate ¹). Hier läßt er nämlich bei Gelegenheit einer ernſten Unterhaltung in Rom angeſehener, durch Talente wie durch wiſſenſchaftliche Bildung hervorleuchtender Männer, welche ſich zur Zeit der Feriae latinae auf dem Landgute des P. Scipio Africanus zu einem trauten Kreiſe vereint hatten, um die Mußeſtunden angenehm zu verleben,— einen Zeit— genoſſen des gefeierten Lälius, den Philus, auftreten, um, auf Veranlaſſung der wunder⸗ baren Erſcheinung einer Rebenſonne, den wißbegierigen Freunden ſeine Anſichten darüber mitzutheilen. So intereſſant es nun auch wäre, dieſe Anſichten über das denkwürdige Phänomen kennen zu lernen, und daraus einen ſichern Maßſtab zur Beurtheilung des Standpunktes jener Zeit in phyſicaliſcher Hinſicht entnehmen zu können: ſo hat doch ein mißgünſtiges Geſchick uns dieſes lehrreiche Vergnügen durch Vernichtung der Expoſition gänz⸗ lich entzogen und nur einen Blick in die Einleitung derſelben geſtattet. Dieſer Blick aber iſt ſchon ſehr erfreulich, ſo fern er uns mit der Archimedeiſchen Sphäre einige Bekanntſchaft gewährt. Philus ſagt nämlich: „Ich erinnere mich recht gut, daß C. Sulpicius Gallus'), ein, wie ihr wißt, aus⸗ gezeichneter Gelehrter, als von einer gleichen Raturerſcheinung die Rede ging und er zu⸗ fällig beim M. Marcellus, ſeinem Collegen im Conſulate, ſich befand,— den Wunſch äußerte, daß die Sphäre herbeigebracht würde, welche Marcellus Großvater, nach Er⸗ »oberung von Syracus, aus dieſer mit Reichthümern und Kunſtwerken angefüllten Stadt, »ohne ſich etwas anderes aus der ſo großen Beute anzueignen, mit nach Hauſe genommen »hatte. Wiewohl ich den Namen dieſer Sphäre, wegen Archimedes Ruhm, ſehr häu⸗ ofig hatte nennen gehört: ſo ſetzte mich doch der Anblick ſelbſt nicht ſonderlich in Verwun⸗ »derung; denn jene war weit augenfälliger und im Munde des Volkes gefeierter, welche, »von demſelben Archimedes verfertigt, derſelbe Marcellus im Tempel der Virtus »aufgeſtellt hatte. Rachdem aber Gallus angefangen, Weſen und Einrichtung die— 1) De republ. I. 14. 2) Plin. H. N. II. 12 redet mit Achtung von Sulpic. Gallus und entwickelt die Finſterniſſe im cap. 11. 5 »ſes Kunſtwerkes mit großer Sachkenntniß auseinander zu ſetzen, ſo urtheilte ich, daß in jenem Siculer mehr Geiſt geweſen ſei, als die menſchliche Natur faſſen zu können ſchien. „Denn Gallus verſicherte: jene andere körperdichte Sphäre ſei eine alte Erfindung; ſie »ſei zuerſt vom Mileſier Thales ins Runde') gearbeitet; nachmals ſei aber dieſelbe von „Eudoxus aus Cnidus, einem Schüler, wie er ſagte, des Plato, mit den Geſtirnen des Himmels bezeichnet worden; und ihre ganze Ausſchmückung und Bezeichnung, entlehnt „von Eudoxus, habe viele Jahre nachher nicht mit aſtronomiſcher Kenntniß, aber mit einigem poetiſchen Talente Aratus verherrlicht. Dieſe Einrichtung der Sphäre jedoch, »daß die Bewegungen der Sonne und des Mondes und der 5 Sterne, welche Irrſterne »oder Wandelſterne genannt werden, daran angebracht wären, hätte an jener körperdichten „Sphäre nicht können angebracht werden. Und an ihr ſei die Erfindung Archimedes zu »bewundern, daß er ausgeklügelt habe, wie bei ſo ungleichen Bewegungen eine Umdrehung »die abweichenden, verſchiedenartigen Bahnen im richtigen Verhältniſſe darſtellen könne. »Wenn Gallus dieſe Sphäre in Bewegung ſetzte, dann wurde bewirkt, daß der Mond ein eben ſo vielen Umdrehungen an jener metallenen Kugel der Sonne nachfolgte(d. i. ſich »um die Sonne drehete), in wie viel Tagen er ſich am Himmel ſelbſt umdreht; wodurch'), »wie am Himmel, ſo auf der Sphäre dieſelbe Sonnenfinſterniß erfolgte und der Mond dann ein den Punkt trat, welcher den Erdſchatten ausmacht, ſobald die Sonne gegenüber——— Mit gleicher Achtung redet Cicero von derſelben Sphäre in ſeinen Tusculaniſchen Ge⸗ ſprächen*):»Indem Archimedes die Bewegungen des Mondes, der Sonne und der 5 »Irrſterne auf einer Sphäre anbrachte, bewirkte er daſſelbe, was jener Platoniſche Gott, welcher im Timäus die Welt baute, daß nämlich Eine umdrehung die an Langſamkeit „und Schnelligkeit ſich ſo ganz ungleichen Bewegungen hervorbrachte.⸗ Roch bezeichnender ſind Cicero's Aeußerungen in der Schrift über die Ratur der Götter).»Wenn jemand“, ſpricht er,»nach Seythien oder Britannien die Sphäre brächte, 4) Veg. 12 2) Die Schlußworte des Tertes von ex quo ete. geben nur einen richtigen Sinn, wenn man lieſet ex quo, ut in coelo, in Sphaera ete. 3) Tuscul. Disput. I. 25. 4) De Nat. Deor. II. 34, 35. 6 »die neulich mein Freund Poſidonius gemacht hat, deren einzelne Umdrehungen in Hin⸗ ſicht des Mondes, der Sonne und der 5 Irrſterne daſſelbe bewirken, was am Himmel an »jedem Tage und in jeder Racht bewirkt wird: wer von den Barbaren würde wohl zweifeln, »daß dieſe Sphäre vollkommenen Verſtand habe? Sie aber(die Epicuräer) erheben im »Betreff der Welt, woraus alles entſteht und gebildet wird, den Zweifel, ob ſie durch Zu⸗ fall, oder durch eine Nothwendigkeit, oder durch göttliche Vernunft und Ueberlegung hervor— »gebracht ſei, und ſind der Meinung, daß Archimedes in der Nachbildung der ſphäriſchen »Bewegungen mehr Verſtand entwickelt habe, als die Ratur in deren Einrichtung und Bil⸗ »dung, da doch dieſe in vielen Beziehungen mit mehr Kunſt vollendet iſt, als jene Rach⸗ »ahmung.« S5 In voller Uebereinſtimmung mit Cicero gedenkt Sertus Empiricus') des Archi⸗ medeiſchen Kunſtwerkes.»Wir gerathen«, verſichert er,— v»bei dem Anblick der Sphäre »des Archimedes, an welcher ſich die Sonne, der Mond und die übrigen Geſtirne be⸗ »wegen, in große Bewunderung, indem wir, bei Gott! nicht über das hölzerne Geſtell „(er zo7s booec), noch über die Bewegung dieſer Weltkörper, ſondern über den Künſtler »und die bewegenden Urſachen erſtaunen.« Der Kirchenvater Cäcil. Lactantius') glaubte ſeine Beweiſe, daß die Bewegung dieſer Geſtirne keine freiwillige, ſondern durch die Weisheit Gottes in beſtimmte Bahnen gewieſene, nothwendige ſei, auch dadurch zu ſtützen, daß er die Zweifler an der göttlichen Waltung in die Nothwendigkeit ſetzte, entweder dieſelbe einzugeſtehen, oder den Kunſtſinn eines Menſchen über die göttliche Weisheit zu ſtellen, indem er ihnen die Frage vorlegt: »Konnte etwa der Siculer, Archimedes, eine Nachbildung der Welt künſtlich her⸗ vorbringen durch eine metallene Hohlkugel, auf welcher er die Sonne und den Mond ſo geſchickt anbrachte, daß ſie ihre ungleiche, aber denen am Himmel ähnliche Bahnen durch »die einzelnen Umdrehungen, als wären es Tage, zurücklegten, und jene Kugel, wenn ſie 1) Sextus Emp. Libr. IX. adv. Physic. 1. Edit. Fabric. Lips. 1718. p. 577. 2) Caecil. Lactant. Instit. Libr. II. c. 5. Edit. Bünem. Lips. 1738. p. 197. 7 »gedreht wurde, nicht nur die Annäherung und das Zurückweichen der Sonne oder das „Zunehmen und Abnehmen des Mondes, ſondern auch die ungleichen Bahnen der Firſterne »und Planeten darſtellte? Und die Gottheit hätte nicht vermocht, auf ſinnige Weiſe die »Wirklichkeit hervor zu bringen und zu geſtalten, wovon der menſchliche Kunſtſinn ein Abbild »durch Nachahmung zu geſtalten vermocht hat?— Würde nun wohl der Stoiker, wenn er die auf jener Metallkugel mit Farbe und nach ihrer Geſtalt bezeichneten Sternbilder geſehen, »behaupten, daß ſie ſich nach eignem Plane, und nicht vielmehr, daß ſie ſich durch das Talent »des Künſtlers bewegten?« Aus Stolz auf ſein Vaterland unterläßt es der Siculer Jul. Firmicus Maternus) nicht, in ſeinen Rativitätsträumereien auch des Archimedes zu gedenken und, wegen der außerordentlichen Leiſtungen in der Mechanik, deſſen Geburt auf eine beſonders günſtige Conſtellation zurück zu führen; denn er verkündet mit aller Zuverſicht:»Wenn Saturnus, »in die 9ie Stelle des Horoſcop's geſtellt, das Zeichen des Schützen berührt: ſo bildet die Geburtsſtunde einen unvergleichlichen Erfinder in der Mechanik. Und das iſt jener, unſer Landsmann, deſſen mit Kunſtſinn gefertigte Sphäre die Bewegung des Himmels »und die Bahnen aller Geſtirne in einem Muſter von vollendeter Nachahmung vor Augen *geſtellt hat; es iſt der Syracuſaner Archimedes.⸗ Was wundern wir uns nun, daß auch die poetiſche, durch das Meiſterwerk entzündete Begeiſterung dieſem Gegenſtande reichen Schmuck verliehen hat! Von Bewunderung durch⸗ drungen ſingt Ovid'): Aehnlich dem Ball iſt die Erd' und, von keiner Stütze getragen Schwebt ſo mächtige Laſt über der fluthenden Luft. Selbſt hält gleichen Gewicht's die Kraft, ſich zu drehen, den Erdkreis; Daß nicht ſinke der Theil, fehlen die Ecken hier ganz. Steht ſie nun gleich in dem All auf dem mittelſten Platze und ſtößt auch Weniger oder auch mehr keine der Seiten wo an,— Wär' ſie nicht ringsum gewölbt, ſo neigte ſie dennoch zur Seite Und zum Mittelpunkt nicht diente die Erde der Welt. 1) Jul. Firmicus Maternus mathes. Libr. V. p. 76.(nach einem Citat des Fabricius bei Serxt. Empir. p. 477). 2) cf. Ovid. Fastor. VI. 270— 280. 8 Durch ſyracuſiſche Kunſt auch ſchwebt des unendlichen Himmels Winziges Bildniß, der Glob', in der verſchloſſenen Luft. Und von oben ſo weit, wie von unten, ſtehet die Erde Ab; daß dieſes geſchieht, wirket die runde Geſtalt. §. 7. Größeres Intereſſe jedoch gewährt das ſinnreiche Epigramm, in welchem der Alexandriner Claudius Claudianus') der Archimedeiſchen Sphäre ein Denkmal geſetzt hat: Als in dem winzigen Glaſ' den Himmel Jupiter ſchaute, Da, zu den Obern gewandt, ſprach er halblachend das Wort: Hat ſich menſchliche Kraft bis zu ſolchem Beginnen vermeſſen? Was ich mühſam erſchuf, ward durch die Kugel zum Spiel! Rechte des Himmels, der Dinge Verhalt, die Geſetze der Götter,— Seht, der ſiculiſche Greis hat durch die Kunſt ſie entführt. Knechtiſch dient die verſchloſſene Luft den verſchiednen Geſtirnen, Treibet das lebende Werk fort im gemeſſenen Lauf. Es durchläuft das eigene Jahr der erlogene Thierkreis, Und der erkünſtelte Mond kehret im Nuulicht zurück. Seine Welt umdrehend frohlockt der verwegene Kunftfleiß, Weiſet durch Menſchenverſtand ſelbſt den Geſtirnen die Bahn. Staun ich Salmoneus noch an, deß künſtlicher Donner nicht ſchadet? Buhlt doch die ſchwache Hand mit der Natur um den Preis! §. 8. Auch Marcianus Capella, aus Madaura in Afrika, welcher um 470 n. Chr. ſchrieb, berichtet darüber in den Worten*): Herrlich ſtrahlte ſie ſelbſt in der wohlgeglätteten Sphäre Und war ähnlich der Welt, wie den Geſtirnen gemacht. Denn die Kugel, die Kreiſ' und die Zonen und blitzenden Zeichen, Künſtlich ein jedes geſtellt, kehrten in Reihe zurück. Doch ſtillſtehend die Erd', die ſtützet den eiligen Himmel, Klein, wie ein Punkt, und allein ſaß in dem Mittelpunkt feſt. Weiche, und mit durchſichtigen, ringsumſtrömenden Dünſten Sie umfaſſende Luft träufelte Regen herab; Doch war die Erde vom Meer, deß' ungemeſſene Tiefe Sie umgürtet, durch zwei ſtrömende Waſſer*) getrennt. 1 ef. Claudian. Epigr. Libr. I. 26. Edit. Barth. 2) ef. Satiricon. Libr. VI, 35. 3) Die Textesworte heißen: Quae tamen immenso, qui eingitur illa profundo Interrivata marmore tellus erat. 9 Aber des Aethers Lichter mit einem Sternengewande Deckte der äußere Kreis, der an der Kugel erglänzt. Dieſes Abbild der Welt erblickt Trinakrien ſtaunend; Denn Archimedes Hand baute das Sternengezelt. §9. Neben den angeführten Zeugniſſen gedenken, wiewohl in geringerer Ausführlichkeit, auch andere Nachrichten, z. B. bei Plutarch'), Caſſiodor') der Sphäre, ſo daß es hinreicht, darauf hinzuweiſen, um die achtungsvolle Aufmerkſamkeit des Alterthums auf die außer⸗ ordentliche Leiſtung des großen Siculers wahrzunehmen. Was die ſpätern Jahrhunderte darüber geurtheilt und aufgezeichnet haben, das liegt gänzlich außer dem Kreiſe dieſer Darſtellung und würde auch wegen des augenblicklichen Mangels an den erforderlichen literariſchen Hülfsmitteln müſſen ausgeſchloſſen bleiben. Cap. II. Schickſale der Archimedeiſchen Sphäre. Es ſind nur wenige Spuren vorhanden, durch deren Verfolgung es möglich wird, das Schickſal der Archimedeiſchen Sphäre bis zu einiger Glaubhaftigkeit und Vollſtändigkeit zu enthüllen. Gleichwohl lohnt es ſich der Mühe, die einzelnen Nachrichten, ſo dürftig ſie auch ſein mögen, zu einem Ganzen zu verbinden, weil hierdurch nicht bloß eine neue Beſtätigung für die Sphäre ſelbſt ermittelt wird, ſondern auch manche Frage, welche das Wohlgefallen an menſchlicher Auszeichnung ſo gern thut, auf eine natürliche Weiſe Befriedigung findet. §. 10. JZeit der Erſindung. So weit es erlaubt iſt, in den Gang von Archimedes Leben und Wirken zu blicken, ſo ergibt ſich, daß er der Mathematik im engern Wortſinne, vorzugsweiſe der Geometrie Wie überhaupt in der Sprache, ſo zeigt Mareian auch in der Verletzung der gewöhnlichen proſo⸗ diſchen Geſetze ſein geſunkenes Zeitalter; denn interrivata iſt nicht der Ablativus easus, ſondern der Nomirativus, zu tellus gehörig. 1) cf. vita Marcell. e. 19. sub. f. 2) ef. Libr. 1. var. ep. 45. 10 und zwar der Theorie früher, als den angewandten mathematiſchen Wiſſenſchaften zugethan war. Da es für jetzt verſagt iſt, vollſtändigere Lebensbeſchreibungen Archimed's*) einzu⸗ ſechen und darin vielleicht einen ſicher leitenden Faden zu weiterer Ermittelung der Lebens⸗ periode, in welche die Erfindung der Sphäre zu ſetzen iſt, aufzufinden: ſo mag die Vermu⸗ thung Raum gewinnen, daß Archimedes erſt nach Erlangung vollendeter und umfaſſender Einſichten in der Mathematik, namentlich in Folge gemachter Entdeckungen z. B. über die Schwerfraft der Körper und der daraus fließenden Geſetze, ſein Auge auf die Weltkörper gerichtet, ihren Bewegungen nachgeſpürt, und auf die bereits in ſeiner Seele lebenden Ge⸗ ſetze zurückzuführen verſucht habe. Es würden demnach ſeine aſtronomiſchen Studien und Leiſtungen nicht vor ſeinem vorgerückten Mannesalter begonnen haben, welches ſich durch die gefeierten mechaniſchen Erfindungen verherrlicht hat. Doch gingen von dieſen die mehr der Wiſſenſchaft angehörigen und die, wiewohl practiſchen, doch friedlichen Erfindungen denen voran, welche für kriegeriſche Zwecke berechnet waren. Ein bedeutender Einfluß auf dieſe läßt ſich unbedenklich dem königlichen Verwandten und Gönner, Hiero M., bei⸗ meſſen; wenigſtens in Betreff der Kriegswerkzeuge, durch welche ſpäterhin die Römer bei der Belagerung von Syracus*) ſo große Verluſte erlitten, iſt dieſer Einfluß außer allen Zweifel geſtellt. Plutarch') verſichert, daß Hiero, voll Erſtaunens über die Wirkungen eines Hebels bei der Fortbewegung eines großen Schiffes), Archimedes erſucht habe, ſeinen erfindungsreichen Geiſt auf Erbauung von Vertheidigungswerkzeugen zu richten, die freilich der friedliche König ſelbſt nicht in Anwendung gebracht hat. Nimmt man an, daß, während Archimedes ganze Seele ſich mit Zurüſtung dieſer Werkzeuge beſchäftigte, an Erfindungen anderer Art wohl nicht zu denken war; daß dieſe Zurüſtung unſtreitig den Zeitraum mehrerer Jahre in Anſpruch nahm und, wie aus Plu tarch's Worten hervorgeht,— hauptſüchlich in die letzten Lebensjahre des Hiero fällt, welchem, als treuem Bundes⸗ 1) Die Biographien von J M. Mazzuchelli(notizie istoriche ed eritiche intorno alla vita ed egli seritti di Archimedes. Brescia, 1734. 4.) u. von C. M. Brandel(dissert., sistens Archimedis vitam ejusque in mathesin merita. Gryphiswaldae 1789. 4.) hat ſich der Verfaſſer nicht verſchaffen können. 2) Die umſtändlichen Erzählungen bei Plut. vit. Marcell. e. 14. ff., und bei Liv. XXIV, 33. ff. 3 4) ef. die intereſſante Mittheilung bei Athenaeus V, 40. ed. Dindorf. Vol. I. S. 453. ff. 11 genoſſen der Römer, der in Italien wüthende Krieg gegen Hannibal die Möglichkeit einer baldigen Nöthigung zur Selbſtvertheidigung das Bedürfniß hinreichender Sicherungs⸗ mittel mehr, als je, fühlbar machen mochte; daß endlich die Erfindung der Sphäre vor Hiero's Tod(215 v. Chr.) fallen muß, weil weder unter Hieronymus kurzer Regie⸗ rung, noch nach deſſen Ermordung bis zur Eroberung der Stadt eine paſſende Mußezeit für dergleichen Kunſtleiſtungen eintrat: ſo durfte es nicht unangemeſſen ſein, anzunehmen, daß die letzten Jahre vor 215 vor Chriſto die Periode ausmachen, in welcher ſich Archi— medes mit aſtronomiſchen Gegenſtänden, wenigſtens mehr, als ſonſt, beſchäftigt und demnach auch den Himmelsglobus verfertigt habe. . Aufbewahrungsort. Auch über den Aufbewahrungsort der Sphäre ruht noch Dunkelheit. Man ſollte glau— ben, daß unter den Auszierungen der Stadt und den verſchiedenen Kunſtwerken, womit Märkte, Säulenhallen, Tempel und Paläſte beſonders durch den bauluſtigen und kunſt⸗ liebenden Hiero faſt überladen waren, auch die Sphäre einen paſſenden Platz werde gefun⸗ den haben, und daher von den Klaſſikern in ihren Schilderungen der ſyracuſiſchen Pracht beachtet worden ſei; allein weder Diodor aus Sieilien'), noch Cicero, dieſer Verehrer des Archimedes, welcher als Quäſtor in Sicilien die in Vergeſſenheit liegende Grabſtätte des großen Mathematikers wieder aufdeckte), die Schönheit der Stadt weitläufig beſchrieb*), und überhaupt in ſeinen Schriften der Sphäre ſo gern Erwähnung that, noch auch irgend ein Anderer redet davon. Athenäus iſt der Einzige, welcher einen, obwohl unſichern, Fingerzeig gibt. In der ausführlichen Beſchreibung des coloſſalen Schiffbaues, welchen Hiero dem Archimedes, als oberſtem Aufſeher, übertragen hatte, finden ſich die beachtungswerthen Worte): Gleich daneben(— neben einer Kapelle der Venus—) war ein Studienſaal „mit einem Lager für 5 Perſonen; die Wände und Thürflügel deſſelben waren aus Buchs— 1) Diodor. Sicul. XVI. 83.(S4.) 2) Ciceron. Quaest. Tuscul. IV, 23. 3) Ciceron. Act. II in Verr. Libr. IV, 53. 4) Athenaeus V. c. 42. Edit. Dindorf. p. 456. 12 „baum gefertigt; er enthielt eine Bibliothek, an der Decke aber einen wolos(earc de 17 6oo— ei Rachbildung der Sonnenuhr in der Achradina.“— Ricol. Heinſius verfehlt daher nicht!), in dieſer künſtlichen Nachbildung die von Ovid beſungene Sphäre Archimed's zu erkennen und demnach den Aufbewahrungsort derſelben für gefun⸗ den zu erklären; indeß läßt er ſich, einem guten Feldherrn vergleichbar, den Rückzug offen in dem Zuſatz: seio aliter interpretari viros doctos, ohne die Gegner zu nennen oder ihre Erklärungen zu widerlegen. Und wirklich möchte es nöthig ſein, das triumphirende zlywa noch zurückzuhalten, nicht ſowohl deshalb, weil es zweifelhaft iſt, ob jene Kunſtleiſtung dem Archimedes beizumeſſen ſei— ſondern vielmehr deshalb, weil das von Athenäus erwähnte Kunſtwerk ganz verſchieden von dem war, welches Ovidius beſchrieben hat,— wie ſich bald zeigen wird. An und für ſich nämlich könnte zwar kein zur Aufnahme der Sphäre paſſenderer Ort gedacht werden, als ein Saal, welcher der Muße und dem ſtillen Rachdenken gewidmet und mit dem nöthigen Büchervorrathe verſehen war; überdieß wäre mit der außerordent⸗ lichen Sorgfalt, wie mit dem königlichen Aufwande, durch welchen Hiero die Ausführung ſeiner Lieblingsidee unterſtützte, die Annahme recht wohl vereinbar, daß der fürſtliche Wille jenes Schiff nicht bloß zum Vereinigungspunkte der ſeltenſten Pracht, ſondern auch der ungewöhnlichſten Kunſtwerke habe machen gewollt. Gleichwohl würde es unſtatthaft ſein, ſich eine Sphäre, nach Art der oben bezeichneten, an der Decke des Saales angebracht zu denken; der Zweck der Anſchauung wäre auf die Weiſe erſchwert, der Zweck des Gebrauches aufgehoben worden. Zudem kann der Ausdruck wolos nicht als gleichbedeutend mit opcioa betrachtet werden. Herodot, welcher die Bekanntſchaft der Griechen mit Stunden? und Sonnenzeiger und die Eintheilung des Tages in 12 Stunden von den Babyloniern ablei⸗ tet'), trennt die Ausdrücke wolos und jn; und Bähr, der kenntnißreiche Herausgeber des Herodot, hat ſich in einer Anmerkung zu dieſer Stelle, nach Aufführung abweichender Erklärungen, mit Recht für die von Bailly und Delambre beſtätigte Anſicht des ge⸗ lehrten Miot entſchieden, welcher für die in einer Ebene aufgerichtete Säule, um ¹) ef. Nic. Heins. Commeutar. in Ovid. Nas. Opera.(eura Fischeri). Lips. 1758. ad. Fast VI. Vers. 277. Pag. 942. 2) ef. Herodot. II. 109. sub f., mit der hierher gehörigen Anmerk. 13 aus ihrem Schatten den Sonnenſtand zu ermitteln, dagegen oos für ein Inſtrument zur Bezeichnung der Tagesſtunden, erklärt. Mit dieſer Anſicht ſtimmt auch Ideler') in ſeiner weitern Auseinanderſetzung der Sonnenuhren bei den Griechen überein, ſo daß wir unter rrlos eine der vielen Arten von Sonnenuhren der Alten zur Beſtimmung der Stun⸗ den zu verſtehen haben. Wir erfahren alſo durch Athenäus wahrſcheinlich die Thatſache, daß es ſchon lange vor Chriſto dem menſchlichen Nachdenken gelungen war, die Stunden⸗ meſſung durch künſtliche Vorrichtungen innerhalb der Zimmer, wie hier in dem bezeichneten Studienſaale, zu bewirken; allein von einer künſtlichen Nachbildung des Himmels mit ſeinen Geſtirnen iſt nicht die Rede; und wenn auch zuzugeben wäre, daß auf dem Becken, wie Pollur'*) ſagt, oder auf der Fläche, auf welcher durch Hülfe eines Zeigers die Tages⸗ ſtunde angedeutet wurde, die Himmelszeichen angegeben geweſen: ſo bleibt doch immer der Begriff einer Sphäre nach den obigen Beſchreibungen gänzlich ausgeſchloſſen. Wie übrigens die innere Einrichtung dieſes w6los oder Stundenmeſſers beſchaffen geweſen ſei, darüber erhalten wir weiter keinen Aufſchluß. Die Ausſage des Athenäus, der wöos ſei als eine Nachahmung der Sonnenuhr in dem Stadtviertel Achradina anzuſehen, und die Ablei⸗ tung des Wortes(von wolo oder ril, drehen, wenden—) weiſen darauf hin, daß ein verborgener Mechanismus, der als roher Vorläufer der ſpätern Uhrwerke gelten mag, den Stundenzeiger in Bewegung ſetzte. Zu dieſer Meinung fühlt man ſich beſonders geneigt, wenn man ſich an den runden Speiſeſaal im goldenen Palaſte des Nero erinnert, deſſen Decke ſich, nach Suetonius') Erzählung, Tag und Racht unaufhörlich, wie die Welt, umdrehete. Der Mechanismus, welcher hier wirkte, läßt ſich in ſeinem Urſprunge wohl ohne Bedenken auf frühere Zeiten und ältere mechaniſche Talente zurückführen, da ja die Römer in den verſchiedenen Zweigen der Mathematik durch das Ausland belehrt worden waren. Mithin leitet Athenäus keineswegs zur Auffindung des Ortes, wo die Sphäre Archimed's aufbewahrt wurde, und es bleibt nur noch in Plutarch's Lebensbeſchrei⸗ bung des Marcellus eine Quelle ſichtbar, aus der ſich eine Vermuthung ſchöpfen läßt. Indem nämlich der Biograph die verſchiedenen Sagen über Archimed's Tod angibt, 1) ef. Ideler's techniſche Chronologie. Th. l. S. 232 ff. Vergleiche die Einleitung S. 84 ete. 2) Pollux. Onom. 17. 19. 110. 3) ef. Sueton. vit. Neron. c. 31. 14 berichtet er¹):»Eine dritte Sage geht, daß auf Archimed, als er von ſeinen mathema⸗ tiſchen Inſtrumenten Sonnenuhren, Sphären und Winkelmeſſer, womit die Größe der „Sonne zur Anſchauung gebracht wird, zum Marcellus hintrug, zufällig Soldaten geſtoßen „wären und in dem Wahne, daß er in den Inſtrumenten Gold trage, ihn getödtet hätten.⸗ Ziehet man in Betracht, daß die Sphären Archimed's wirklich in Marcellus Hände gekommen ſind: ſo dürfte der Schluß richtig ſein, daß Archimedes jene Kunſtwerke in ſeinem eignen Hauſe bewahrt gehabt, bis ihn der Befehl des Stadteroberers zu deren Vorzeigung oder Ablieferung ſich anzuſchicken nöthigte. Auf dieſe Weiſe tritt eine andere, von Plutarch angeführte Sage'), daß Archimedes von einem Krieger, dem er nicht habe zum Marcellus folgen wollen, bis er ein gewiſſes Problem gelöſet, durchbohrt worden ſei,— hiermit in Uebereinſtimmung. Der römiſche Feldherr— ſo ſcheint es, hatte mit dem Verbote, bei der Plünderung der Stadt ſich an keiner freien Perſon zu vergreifen, niemand, wer es auch ſei, zu tödten und keinen Bürger zum Sclaven zu machen, auch den Befehl gegeben, den gefürchteten, aber zugleich bewunderten Archimedes zu ihm zun führen*) mit einigen der vorzüglichſten Inſtrumente, von denen der Sieger ebenſogut Kunde erhalten, wie er während der Belagerung die Wirkung der Vertheidigungsmaſchine kennen zu lernen Gelegenheit gehabt.— Es macht dem Herzen des Marcellus Ehre, daß er das Andenken des Archimedes durch ein prächtiges Leichenbegängniß und ein öffentliches Denkmal feierte, da er deſſen Leben zu ſchützen nicht vermocht hatte; und die Wiſſenſchaft erkennt es mit Dankbarkeit an, daß ſein geläuterter Sinn mitten unter den Greueln des Kampfes und der Plünderung auf die Erhaltung eines Kunſtwerkes Bedacht nahm, das außerdem wahrſcheinlich, wie ſo manches andere, untergegangen wäre. §. 12. Uebertragung und Aufſtellung der Sphäre in Rom. Plutarch'), beſonders aber Cicero') hält es für Pflicht, der Humanität zu erwäh⸗ nen, mit welcher Marcellus gegen die eroberte Stadt verfuhr. Letzterer verſichert dabei 1) Plutarch. vit. Marcell. e. 19 sub f. 2) Plut. 1. I. c. 19.— Valer. Max. Libr. VIII. e. V. de Archimede. 3) Cic. in Verr. Act. II. Libr. IV. 58 sub f. 4) Plutarch. vit. Marcell. c. 20. 5) Cic. in Verr. Xet. II. Libr. IV. 54. mit Treuherzigkeit:»Marcellus hat es für ein Recht des Sieges gehalten, vielerlei, »was der Stadt zur Zierde gereichen könnte, nach Rom zu verpflanzen. Bei dieſer Theilung „der Prachtwerke ſuchte Marcellus Sieg für das römiſche Volk nicht mehr aus, als ſeine »Humanität den Syracuſanern ließ. Was nach Rom geſchafft wurde, das erblicken wir in der Rähe des Tempels der Ehre und der Tugend, ſowie auf andern Plätzen. Nichts ſtellte er in ſeinem Hauſe, nichts in ſeinen Gärten, nichts in ſeinem Landſitz vor der »Stadt auf; er glaubte, wenn er die Zierden einer Stadt nicht in ſein Haus gebracht »hätte, ſein Haus der Stadt zur Zierde gereichen werde.. Man ſieht hieraus, daß unter den gewandten Händen des Redners die Anwendung des Eroberungsrechtes nicht nur alles Gehäſſige, was ihm von Ratur anhängt, verliert, ſondern auch ſelbſt Stoff zur Lobprei— ſung des Eroberers wird. Wenn indeß die geprieſene Civiliſation der neuern Zeit der⸗ gleichen Kunſtplünderungen im Großen auszuüben ſich nicht geſchämt hat: ſo darf das Verfahren des Marcellus ebenſowenig, wie das des Redners Anſtoß geben.— Daß übrigens unter den aus Syracus nach Rom überbrachten Kunſtwerken auch die Sphären Archimed's ſich befanden, bezeugt die weitere Ergänzung der vorliegenden Erzählung in Cicero's Schrift vom Staate¹), welche zwar die Selbſtverläugnung des Eroberers nicht in gleich günſtigem Lichte darſtellt, dagegen der Wahrheit gemäßer erſcheint. In dieſer Stelle wird berichtet, daß Marcellus aus der reichen Beute ſich nur die Sphären Archimed's angeeignet, mit nach Rom gebracht und daſelbſt die eine im Tempel der Virtus, die andere jedoch in ſeinem Hauſe aufgeſtellt habe. Das erſte Mal ſah jetzt die Weltbezwingerin die Geheimniſſe des Himmels in einem Bilde verſinnlicht und das Volk theilte ſeine Bewunderung des Kunſtwerkes mit den Gebil⸗ deten. Für dieſe war ſehr klüglich geſorgt, in ſo fern Marcellus, nach Cicero's Zeug— niß, das glänzendſte der beiden Exemplare dem Publikum zur Anſchauung überließ, während er das unſcheinbarſte, aber dennoch werthvollſte in ſeinem Hauſe zum gelegentlichen Ge— brauche der gelehrten Verſammlungen daſelbſt aufbewahrte. §. 13. Anzahl der Sphären und Dauer ihres Vorhandenſeins in Rom. Die eben mitgetheilte Ausſage Cicero's macht es zwar nicht! nöthig, auf die Anzahl 1) Cic. de Republ. I. 14. — der Archimedeiſchen Sphären noch einen beſondern Blick zu werfen, indeß ſcheint es auch nicht überflüſſig, bei dieſem Punkte noch einen Augenblick zu verweilen. Plutarch') redet von den Sphären Archimed's in der Mehrzahl, und die Worte Cicero's machen es zur Gewißheit, daß in Rom zwei verſchiedene Exemplare geſehen worden ſind. Ob Archimed auch ein drittes verfertigt gehabt, bleibt unbeſtimmt, wie⸗ wohl in den dichteriſchen Schilderungen eine große Verſuchung liegt, an ein drittes Exem⸗ plar zu denken, weil der in den Dichtungen beſchriebene Gegenſtand mit dem von Cicero beſchriebenen durchaus nicht in Uebereinſtimmung zu bringen iſt. Aus dieſem Mangel an Uebereinſtimmung wird es übrigens wahrſcheinlich, daß, wie noch zu Cicero's Zeit eine neue Sphäre von Poſidonius verfertigt wurde, ſo auch nachher im Laufe der Zeit mehrere von andern kunſtſinnigen Männern nachgebildet worden ſind, obgleich keine derſelben namhaft gemacht iſt. A. Gellius') erwähnt nach Varros Schrift, pockeg, einer opcœoc xpiuiry, nennt aber ihren Urheber nicht. In dieſen Umſtänden liegt der Grund, warum es unmöglich iſt, die Zeit zu ermitteln, wie lange ſich die Archimedeiſchen Himmelsgloben erhalten haben. Stimmten die Beſchrei— bungen, wenigſtens in den Hauptſachen, miteinander überein: ſo würde ſich aus der an⸗ zunehmenden Identität der beſchriebenen Sphären die Dauer ihres Vorhandenſeins von ſelbſt ergeben, während jetzt nicht einmal ein ſicheres Urtheil darüber geſtattet iſt, ob Ovid die Kunſtwerke des Syracuſaners vor Augen gehabt habe? Ovid's Angaben, auch das Dichteriſche abgerechnet, harmoniren nicht mit dem Berichte Cicero's und je weiter die Lebzeit ſpäterer Schriftſteller in das chriſtliche Zeitalter heraufreicht, deſto weniger iſt anzunehmen, daß ihre Angaben aus Selbſtanſchauung gefloſſen ſind, und dem Forſcher alſo die Verbindlichkeit, an Gleichnamigkeit der behandelten Sphären zu glauben, auf⸗ erlegen. Der Rame des großen Mathematikers, welcher vorangeſtellt iſt, kann daher eben⸗ ſowohl für das Merkmal einer Rachläſſigkeit von Seiten der Erzähler gelten, als für ein Aushängeſchild, wodurch der Mittheilung ein größeres Intereſſe verliehen werden ſoll, oder endlich für eine unfreiwillige Verwechſelung der Werke des Meiſters mit denen der Rachfolger, eine Verwechſelung, welche um ſo leichter ſtattfinden mochte, je mehr die wiſſenſchaftlichen 1) Plutarch. 1. I. c. 19. 2) Noet. Ait. IMI, 10. 17 Bedürfniſſe und Fortſchritte der Kunſt zu Nachahmungen oder neuen Erfindungen hinführten. Auf den Eifer, Himmelsgloben zu fertigen, hat ſicherlich die Erweiterung geographiſcher Kenntniſſe und die ſich daran ſchließende Fertigung von Erdgloben, worüber, wie über eine ſehr gangbare Sache, Strabo') und vorzüglich Ptolemaeus') ausführliche Beleh⸗ rung ertheilen, einen wirkſamen Einfluß geübt, da eine gegenſeitige Ermunterung und Unterſtützung wohl nicht fehlen konnte. Wenn auf den einfachen Wortlaut der Stelle bei Sextus Empiricus') zu vertrauen wäre, ſo müßten Archimed's Sphären noch bis gegen Ende des zweiten chriſtlichen Jahrhunderts erhalten worden ſein, denn er redet von ihnen, als ob er ſie geſehen habe. So wenig jedoch erweislich iſt, daß Sextus Empiricus je in Rom geweſen, ſo wenig läßt ſich ausfindig machen, ob die Sphären von Rom aus in eine andere und in welche Stadt gebracht worden ſeien, oder wo ſie Sextus geſehen habe? Da deſſen Beſchreibung, wie ſich hernach zeigen wird, auf die Sphäre, welche als Privateigenthum im Beſitz von Marcellus Familie blieb, zu beziehen iſt: ſo trüge allerdings eine Verpflanzung derſelben aus Rom nach einem andern Orte hin nichts Unmögliches in ſich; indeß verbietet doch das tiefe Schweigen über alle ein ſolches Factum begleitenden Umſtände jede weitere Folgerung. Lactantius¹) Worte ſchließen ſich an Cicero's Bericht und machen, wie die des Jul. Firm. Maternus, ſicherlich auf Selbſtanſchauung keine Anſprüche; und die poetiſchen Schilderungen des Claudianus und Marc. Capella führen augenſcheinlich auf Rach⸗ bildungen der Archimedeiſchen Kunſtwerke von unbekannter Hand. Cap. III. Beſchaffenheit der Sphäre. Durch die Abweichung der mitgetheilten Schilderungen in Bezeichnung ſogar der weſent⸗ lichſten Merkmale wird faſt jeder Schritt in der Erklärung unſicher, und die überdieß ſtatt⸗ 1) Strabo: Edit Basil. Libr. II. p. 117. 2) Claud. Ptolem. Geograph. Libr. I. e. 18.— Vergl. Ukert Geogr. d. Gr. u. R. Th. I. Abch S 195 ff 3) ef. Th. II.§F. 3. 4) ef. Th. II. F. 5, 6 ff. 18 findende, bei Dichtern freilich verzeihliche Verſchweigung von ſcheinbar unbedeutenden, der lebhaften Phantaſie gleichgültigen, aber dennoch höchſt wichtigen Einzelnheiten bedingt die Nothwendigkeit, das Fehlende durch Combination zu erſetzen oder ſtillſchweigend zu über⸗ gehen.— Am gerathenſten dürfte es ſein, ſich auch hier der Führung Cicero's anzu⸗ vertrauen und nach ſeiner Beſchreibung ein Bild von den Archimedeiſchen Sphären zu entwerfen, an welchem ſich dann von ſelbſt das Bild der andern, in ihrer Conſtruction abweichenden Sphären abſpiegeln wird. §. 14. Von der körperdichten Sphäre des Archimedes. Cicero unterſcheidet in ſeiner Schrift vom Staate ¹) die beiden Sphären des Archi⸗ medes ſehr genau von einander wegen ihrer ungleichartigen Beſchaffenheit, in welcher für die Rachwelt ebenſowohl ein Zeugniß für den Fleiß und die beſonnene Ausdauer liegt, womit der Künſtler ſeine Idee auf eine immer vollkommnere Weiſe zu realiſiren geſucht bat, als auch ein Mittel, das Alter der beiden Globen zu beſtimmen. Denn wie ſie in ihrer mangelhafteren oder kunſtreicheren Einrichtung als treue Verkündigerinnen des wiſſenſchaftlichen und künſtleriſchen Standpunktes, welchen ihr Urheber gerade eingenommen, erſcheinen, ſo entſcheiden ſie ſelbſt über ihre Entſtehungszeit. Unſtreitig ging die körperdichte Sphäre, als der rohere Anfang, der andern voraus, in deren Conſtruction ſich Archimed's kluge Berechnung und fortdauerndes Nachdenken über die zweckmäßigſte Art, die ſeiner Seele vorſchwebende Idee zu verkörpern, am meiſten offenbaret und darum einer ſpätern Zeit angehöret. Wie billig, muß daher auch von jener zuerſt die Rede ſein. Iſt es wirklich unſtatthaft, in der körperdichten Sphäre das alte mileſiſche Kunſtwerk wieder zu finden, obgleich man ſich hierzu unwillkürlich hinneigt: ſo war dieſelbe, wie bereits oben') geſagt wurde, doch auch keine ſelbſtſtändige, freie Schöpfung des Syra⸗ cuſaners, ſondern ſchloß ſich als Rachahmung, wie in der leitenden Idee, ſo in der Aus⸗ führung an das Vermächtniß des Philoſophen aus Milet. Mithin hatte ſie, wenn auch mit einzelnen Abweichungen, die als Verbeſſerung im Laufe der Jahre von Anaximander 1) De republ. I. 14. e 19 bis zu Archimedes nach dem jeweiligen Standpunkte der aſtronomiſchen Kenntniſſe waren beliebt worden, die einfache Form und Einrichtung ihres Urſprunges beibehalten, ſo daß Gallus') der wißbegierigen Verſammlung die Verſicherung ertheilen konnte: die körperdichte Sphäre ſei die alte Erfindung des Thales, welche Eudorus mit den himmliſchen Geſtir⸗ nen bezeichnet, und Aratus poetiſch behandelt habe. Es verdienen dieſe Worte um ſo mehr Beachtung, weil das Aufſehen, welches die Fcrdueve des gefeierten Aratus zu ihrer Zeit gemacht haben, vielleicht einen größern Einfluß auf Archimedes überhaupt, und im Beſondern auf die aſtronomiſchen Studien und das mechaniſche Bemühen deſſelben aus⸗ ubten, als wir nun factiſch nachzuweiſen vermögen. Gewiß iſt, daß die patdhera bis in ſpäte Jahrhunderte große Verehrung fanden und wie auf die Unterhaltung des gereiften Alters, ſo auf den Jugendunterricht Einfluß übten, weshalb zur Erläuterung derſelben Sphären unter dem Namen Arateiſcher Sphären verfertigt wurden'). So lange indeß die Befugniß zur Annahme dieſes Einfluſſes auf Archimedes durch keine andere Beweiſe, als welche die Andeutung bei Cicero und die in gleiche Periode fallende Lebzeit des Ara⸗ tus und Archimedes an die Hand geben, conſtatirt werden kann, ſo lange bleibt es natürlich allzu gewagt, das Lehrgedicht des Aratus zur Erklärungsquelle der Sphäre zu machen. Vielmehr fordert die hiſtoriſche Wahrheit, daß alle Erläuterungen aus Cicero's Rachricht entnommen werden. Dieſer nennt die Sphäre eine solida atque plena, à Thalete tornata. Sie war alſo eine körperdichte, d. h. aus einem in ſeinen einzelnen Beſtandtheilen feſt und innig zuſammenhängenden Material gefertigte und dabei vollſtändige, durch Hülfe des Drechſeleiſens gerundete Kugel. Wie ſchon durch das erſte Prädikat der Begriff einer Hohlkugel ausgeſchloſſen oder vielmehr einer ſolchen entgegengeſetzt wird, ſo erhellet die Körperdichtigkeit auch aus dem weiter unten folgenden Zuſatze des Gallus'), daß an ihr keine Vorrichtungen der Geſtirne 1) Cie. 1. I. sphaerae illius alterius solidae atque plenae vetus esse inventum, et eam a Thalete Milesio primum esse tornatam. Verg B S.132 2) Leontius de fabricat. sph.(Seripta, vet. astron., p. 135. Seoen(e cœ zoecehra⸗ opoœot 908 10„oetv oocs 10 Abetor, o0 0) vce rcoos cn cto Ayot 3) ef. Cie. I. I.— Hoe autem Sphaerae genus, in quo solis et lunae motus inessent,—— in illa sphaera solida non Potuisse fieri. — 25 3* hätten können angebracht werden.— Eine sphaera plena d. i. eine vollſtändige Kugel war ſie, in ſo fern weder eine Erhöhung, noch eine Vertiefung die Regelmäßigkeit der vom Mittelpunkte ausgehenden und in die Oberfläche ſich verlierenden Radien ſtörte, beſonders auch, weil die Oberfläche nicht durch tiefe Bahnlinien durchſchnitten war, wie es zum Be⸗ huf beweglicher Geſtirne hätte geſchehen müſſen. Wird dieſes nicht ausdrücklich geſagt, ſo ſcheint es ſich dennoch aus dem Gegenſatz zu der andern Sphäre zu ergeben. Zu dieſen Eigenſchaften geſellten ſich im Materiellen auch diejenigen, welche die Anwendung des Meißels verleiht, Glättung und Politur. Da Arbeiten aus Erz etwas Gewöhnliches waren, tornare, ſeinem griechiſchen Urſprunge nach, hauptſächlich von Metallarbeiten gebraucht wird, und unter dem damit verwandten Worte, Toreutik, vom ältern Plinius überhaupt Kunſtwerke aus Bronze verſtanden werden: ſo hat die Vermuthung, daß die Sphäre aus dieſem Me⸗ tall gefertigt geweſen ſei, vieles für ſich. Ein anderes Material hätte ſich überdieß nicht für den Zweck geeignet, mit welchem zugleich die Abſicht, für lange Dauerhaftigkeit zu ſorgen und dem Auge des Beſchauers zu gefallen, in Verbindung ſtand. Philus bemerkt ausdrücklich'), daß ſie der letztern Abſicht entſprochen habe. Es läßt ſich erwarten, daß noch andere äußere Zierrathen, vielleicht an einem paſſenden Geſtelle, den Eindruck des Kunſtwerkes, beſonders auf weniger Gebildete, vermehrt haben, weil eben Philus demſelben die Eigenſchaften der Wohlgefälligkeit und Schönheit vor der andern Sphäre vorzugsweiſe einräumt.— Ein Theil der Ueberraſchung, welche der Anblick gewährte, entſprang jedoch aus einer ſinnreichen Ausſchmückung der Kugeloberfläche durch Aufführung der Geſtirne mit ihren Bahnen. Dieſer inſtructive Theil, der wichtigſte an einer Sphäre, trat freilich in Schatten zu⸗ rück im Vergleich mit dem zweiten Himmelsglobus; indeß enthielt er gewiß noch Anziehungs⸗ punkte genug für die unkundige Menge, ja ſelbſt für die oberflächliche Betrachtung unter⸗ richteter Perſonen. Geſteht doch Philus unumwunden von ſich, daß er durch ihren äußern Schein ſo lange ſei getäuſcht worden, bis ihn Gallus des Beſſern belehrt habe. Ueber die Namen, die Anzahl, die weitere Beſchaffenheit der Sterne und Sternbilder hinſichtlich ihrer Geſtalt, ihrer Bahnen, ſowie der Art, wie ſie auf der Sphäre angebracht 1) Cicero 1. I.— erat enim illa venustior et nobilior in vulgus, quam ete. 21 waren ꝛc., kann nur vermuthungsweiſe und zum Theil mit Rückſicht auf die andere Sphäre eine Meinung ſtattfinden. Wenn nämlich auf der Kugel die Sonne und der Mond und die 5 Wandelſterne nicht in ihren Bewegungen dargeſtellt waren: ſo folgt daraus noch nicht, daß ſie ſich an der Kugel überhaupt nicht gefunden hätten; im Gegentheil ſcheint es, daß die Kugel alle die Sterne enthalten habe, welche und wie viele ihrer Wichtigkeit wegen für den Zweck angemeſſen waren, und die Kenntniß Archimed's, der Flächenraum der Kugel und das Verhältniß der Erde zum Himmel nach der Zeitvorſtellung zur Anſchauung zu bringen erlaubte. Die Erde ſelbſt, die Archimedes als feſtſtehenden Weltkörper, um welche ſich die übrigen herumdreheten, anſah, konnte natürlich nur in ſo fern in Betracht kommen, als ein Standpunkt für den Beſchauer nothwendig, für die ſphäriſchen Beziehungen nnentbehrlich war. Mit Recht war ſie alſo vom Kunſtwerke ausgeſchloſſen, das ſich dem— nach wie eine Sterncharte auf einer Kugelfläche darſtellte. Die Sonne, der Mond und die 5 Wandelſterne erſchienen in ihren Kreiſen, geordnet in ihrer Reihenfolge durch Archimed's Vorſtellung von ihrer Entfernung von der Erde, umgeben von den Firſternen. Der Thierkreis fehlte um ſo weniger, je länger auf deſſen ſo wichtige Beſtim⸗ mung die Philoſophen ihren Scharfſinn gerichtet und je mehr ihn die Mythe durch geheim⸗ nißvolle Sagen für das Volk geheiliget hatte. Die glänzenden Geſtalten, in welchen die verſchiedenen Sterngruppen erſchienen, waren ganz beſonders geſchickt, die Aufmerkſamkeit zu feſſeln, und Marcellus hatte klüglich gewählt, indem er gerade dieſe Sphäre der Be⸗ wunderung der Menge hingab. Aller Wahrſcheinlichkeit nach waren dieſe Sterngebilde in die Kugelfläche gravirt, die Bahnen durch Linien bezeichnet und nach dem Syſtem der Zeit geordnet, der Aequator, die Wendekreiſe, Polarkreiſe und Coluren), als etwas Be— kanntes, angedeutet. Das Ganze ſtellte alſo die Himmelskörper, aber nur in Einer Conſtellation dar.— Eine ſolche Sphäre bot allerdings ſchon manche Belehrung, obgleich ſie der Vorrichtung für höhere Lehrzwecke in ihrer Conſtruction entbehrte. Hat auch erſt ſpätere Erfindſam⸗ keit ſolche Vorrichtungen auf eine ebenſo einfache, als befriedigende Weiſe an der Kugel 1) Gehörte es zu den Verdienſten des Eudorus, die Polarkreiſe, Coluren ꝛc. beſtimmt zu haben (vergl. Schaubach. Geſch. d. Aſtron. d. Gr. S. 351 ff.), ſo konnte Archimed nicht unbekannt damit ſein, und wird ſie auf der Sphäre nicht übergangen haben. 22 ausgeführt, ſo erkannte ſie doch ſchon Archimedes in ihrem Bedürfniſſe und ſchuf deshalb ein zweites vollendeteres Kunſtwerk. §. 15. Von der beweglichen Sphäre des Archimedes. Das Eigenthümliche und für jene Zeit wirklich Großartige der zweiten Sphäre beſtand in einer kunſtreichen Einrichtung, den Himmel in ſeinen verſchiedenen Conſtellationen und Veränderungen vor Augen zu ſtellen.— Die Sonne, der Mond und die 5 Wandel⸗ ſterne*) vollbrachten ihre regelmäßigen Bewegungen, ſo daß dieſe, ungeachtet ihrer großen Ungleichheit, die abweichenden und verſchiedenartigen Bahnen vermittelſt Einer Umdrehung im richtigen Verhältniſſe zurücklegten. Der Mond im Beſondern, in eben ſo vielen Um⸗ wälzungen an jener Kugel gedreht, in wie vielen Tagen es am Himmel ſelbſt geſchieht, folgte der Sonne nach, wodurch') wie am Himmel, ſo an der Sphäre dieſelbe Finſterniß entſtand, wenn er in den Punkt trat, welchen der Erdſchatten ausmacht, ſobald die Sonne gegenüber—— Dieſes ſind die weſentlichen Merkmale der beweglichen Sphäre. In Angabe derſelben ſtimmen die oben angeführten Quellen überein, obwohl Lactantius') und Claudian') die Zunahme und Abnahme des Mondes, die Annäherung und Abweichung der Sonne, die Berührung des Thierkreiſes und dergleichen Beſonderheiten hinzufügen, die ſich von ſelbſt verſtehen— Mit Recht konnte daher Philus, nachdem er durch des ſachkundigen Gallus Aufſchlüſſe und praktiſche Erläuterungen den hohen Werth dieſer unſcheinbaren Sphäre eingeſehen hatte, das Urtheil fällen, daß in ihrem Erfinder mehr Geiſt geweſen ſei, als die menſchliche Natur faſſen zu können ſcheine. Das ungefällige Außere, welches keinen günſtigen Eindruck auf ihn gemacht hatte, verſchwand aus ſeiner Seele bei der Be⸗ trachtung der ſcharfſinnigen Combination des Kunſtwerkes und Staunen ergriff ihn, als vor ſeinen Augen der Sphärentanz begann, Sonne, Mond und die 5 Wandelſterne in 1) Cie. de republ. I. I. Vergl. Part. II. F. 2, 3, 4 1. 2) Die dunkeln Worte des verſtümmelten Textes ex quo et in coelo sphaera ete. werden nur ver⸗ ſtändlich durch die Veränderung in: ex quo, ut in coelo, in sphaera cte. Die Conjectur von A. Mai bringt ſo wenig Hülfe, wie die von Lehner(Edit. Sulzbach 1824. 4). 23 gemeſſener Ordnung ihre Bahnen durchliefen. Etwas der Art hatte er nicht erwartet. Er war ein Mann von Kenntniſſen; aber er hatte nicht geahnet, daß es einem Sterblichen gelungen ſei, die ſphäriſchen Verhältniſſe ſo genau und erfolgreich zu durchdringen und in einer mechaniſchen Nachbildung ſogar die wunderbare Erſcheinung einer Mondfinſterniß in ihrer Entſtehung nachzuweiſen. Sehr natürlich iſt das Verlangen, die im Allgemeinen bezeichnete Beſchaffenheit der beweglichen Sphäre nun auch in den einzelnen Beſtandtheilen wiederzufinden. Ein Blick darauf ruft die bereits angeführte Bemerkung hervor, daß die körperdichte Sphäre die Grundlage der beweglichen ausmache. Wie die körperdichte, ſo war auch die bewegliche ein metallener gerundeter Körper, den Cicero'h ſchlechthin aes, Lactantius') aber, der hierin, wie in andern Stücken, ausführlicher iſt, aes concavum nennt und ihm ſomit den Charakter einer Hohlkugel aufdrückt. Daß auch Cicero unter aes etwas Gleiches verſtanden habe, geht wohl deutlich genug aus dem Gegenſatze zu sphaera solida hervor. Da Claudian'*) und Marcianus Capella von Glaskugeln reden, ſo ſcheinen ſie ein anderes Kunſtwerk zu beſchreiben. An der Sphäre waren die Planeten angebracht') nach Archimed's Syſtem'“), ſo daß der Erde zunächſt der Mond, dann Merkur, Venus, die Sonne, Mars, Jupiter und Saturnus in Abſtänden folgten, wie er ſelbſt ſie berechnet hatte. Jeder Planet war in ſeine Bahn gewieſen, um ſeinen Lauf zu vollbringen; denn alle waren beweglich. Die Bahnen“), durch genaue Beobachtungen des Himmels geregelt, waren verſchiedenartig, in 1) De republ. I. I.—— totidem conversionibus in aere illo, quot diehus ete. 2) lnit. Libr. II. 5.— An Archimedes Siculus concavo aere similitudinem mundi potuit machinari.—— und weiter unten: Utrumne igitur Stoicus, si astrorum figuras in illo aere — vidisset.— 3) Vergl. Part. Il. F. 7, S. 4) Das Wort illigare(Cic. Tuscul. Disput. I. 25) kann nicht im Sinn eines gänzlichen Feſtſtellens verſtanden werden, ohne Widerſprüche zu erwecken. 5) c. Schaubach Geſch. d. gr. Aſtronomie bis Er. S. 396 ff.— Ukert Geogr. d. Gr. u. R. Th. I. Abth. 1l. S. 137. 6) motus inaequabiles et varii bei Cic. im Werke vom Staate l. l.; tarditate et celeritate dissi- millimi in den Tusculanen 1, 25; inaequales et coelestibus similes bei Lactant. Il, 5; certi bei Claudian Epigr. 1, 26. 24 ihrer Richtung von einander abweichend, der Lauf ſelbſt ungleich an Langſamkeit und Schnel⸗ ligkeit, je nach den Geſetzen des Himmels, die alſo verſinnbildet wurden. Die Bewegung erfolgte bei allen gleichzeitig, ſobald an einer Kurbel gedreht wurde. Das Letztere ſagen die Ausdrücke movere, vertere; das Erſtere liegt in der nachdrucksvollen Bezeichnung') una conversio.— Sextus Empiricus') ſcheint die Sphäre unter die Automaten zu rechnen; allein vorausgeſetzt, daß er wirklich die Archimedeiſche vor Augen gehabt, ſo wollte er durch dieſen Ausdruck wohl nur die Bewegungsfähigkeit überhaupt bezeichnen. Dem Alterthum waren allerdings Automaten) nichts Unbekanntes; doch läßt ſich der Name auch wohl von Dingen gebrauchen, welche, durch eine Kraft von außen in Bewegung geſetzt, eine Zeit lang darin beharren. Freilich ſtehen hiermit die poetiſchen Schilderungen des Clau⸗ dian“) und Marcianus Capella im Widerſpruch, die allerdings eine freie automatiſche Bewegung in klaren Worten behaupten.— Wie genau und der Ratur gemäß die Bewegun⸗ gen von Statten gingen, leuchtet aus der Angabe hervor, daß durch die einzelnen*) Um⸗ drehungen die Planeten an der Kugel eine eben ſo große Strecke fortgetrieben wurden, als welche dieſe Weltkörper innerhalb einer Zeit von 24 Stunden am Himmel zurücklegen. Na⸗ mentlich gilt dies vom Monde'“), deſſen auffallende Geſtaltveränderungen, Entfernung, Annäherung zur Sonne und Verfinſterung durch Hülfe ſeiner Bewegungen und Stellungen nachzuweiſen ein Hauptaugenmerk Archimed's geweſen zu ſein ſcheint. Darum deuten auch faſt alle Berichte darauf hin.— Die Sphäre des Poſidonius'), wie überhaupt eine Nachbildung der Archimedeiſchen, hatte im Beſondern auch darin ſich an das Vorbild an— 1) Hanc sphaeram Gallus cum moveret.—(De republ. l. I.)— orbis ille, dum vertitur. (Lactant. 1. 1.) 2) Advers. Phys. Libr. IX. p. 577. Edit. Fabr. 3) ef. Aul. Cell. N. A. X. 12 redet von einer hölzernen fliegenden Taube. Vergl. Lobeck Aglaoph. 1S. 148. 4) ef. Part. II. F. 7, 8. 5) Lactantius a. a. O. ſagt: ita solem et lunam composuit, ut inaequales motus— conversioni- bus, singulis quasi dichus efficerent. 6) Cie. de republ. I, 14 ſagt: Ficbat, ut soli luna totidem conversionibus in aere illo, quot diebus in ipso coelo succederet. 7) Die. de N. D. Il, 34— eujus singulae conversiones idem effieiunt in sole et in luna et in quinque stellis errantibus, quod efficitur in coelo singulis diebus et noctihus. 25 geſchloſſen, daß ſie die, durch die einzelnen Umdrehungen bewirkten Fortſchritte der Planeten an der Kugel in ein richtiges Verhältniß brachte zu den Bahnſtrecken, welche dieſelbe innerhalb der einzelnen Tag und Nachtzeiten durchlaufen; und auch Claudians¹) Schilderung ſagt von ihrem Gegenſtande, obſchon in allgemeineren Worten, keine minder künſtlich berechnete Bewegung aus. Sollte der jährliche Lauf der Sonne dargeſtellt und die Entſtehung der Mondfinſterniſſe nachgewieſen werden, ſo durfte die gegen den Aequator geneigte Ekliptik nicht fehlen. Wenn daher auch weder Cicero, noch Sextus Empiricus derſelben gedenken, ſo geſtatten doch die Worte bei Lactantius')»Würde der Stoiker beim Anblick der auf jener Kugel mit „Farbe und nach ihrer Geſtalt bezeichneten Sternbilder wohl behaupten, daß ꝛc.— das Vor⸗ handenſein des Thierkreiſes auf der Kugel anzunehmen, deſſen Bilder recht zweckmäßig gemalt ſein konnten, während die Planeten als runde Körper dargeſtellt und an einem Drathe bewegt wurden. Claudian's Worte: „Es durchläuft das eigene Jahr der erlogene Thierkreis⸗, ſowie die Worte des Marcianus Capella'): »Denn die Kugel, die Kreiſ' und die Zonen und blitzenden Zeichen,⸗ „Künſtlich ein jedes geſtellt, kehrten in Reihe zurück⸗— dienen zur Beſtätigung; die im Uebrigen ſo verſchiedenen Inſtrumente mußten ja in dieſem Punkte miteinander übereinkommen.— Aus den eben berührten Zeugniſſen fließt ferner die Berechtigung, die mit dem Aequa— tor gleichlaufenden Kreiſe, die Sonnenwenden, als auf der Sphäre angedeutet anzunehmen. Gleiche Wahrſcheinlichkeit findet hinſichtlich der Polarkreiſe Statt, denn die von Gellius') 1) Ppigr. 1, 26. Edit. Barth. Percurrit proprium mentitus signifer annum, Et simulata novo Cynthia mense redit. 2) ef. II, 5— Utrumne igitur Stoieus, si astrorum ſiguras in illo aere pietas eſſictasque vidisset, — diceret ete. 3) ef. Libr. VI, 35. Nam globus et eirei, zonaeque et fulgida signa Nexa recurrebant, arte locata pari. 4) cf. Libr. III, 10.— it in eoelo eireum longitudinem axis septem esse circulos, e queis duos minimos, qui axem extimum tangunt, 7164006 appellari dicit, sed eos in sphaera, quae „Onor vocatur, propter brevitatem non inesse. Vergl. darüber Schaubach, Geſch. d. Aſtron. d. Gr. bis auf Eratoſth. S. 153. 4 26 aufbewahrte Angabe des Varro iſt nicht auf die Polarkreiſe, ſondern vielmehr, wie ſchon Schaubach a. a. O. gründlich nachweiſet, auf die mit dem Pol ſelbſt zuſammenfallenden Kreiſe zu beziehen. Auch waren unſtreitig die Tagekreiſe und die Koluren an der Sphäre vorhanden, in ſo fern dieſe, ſeit Eudoxus eingeführt, zur Nachweiſung der Aequinoctial⸗ und Solſtitialpunkte nothwendig erſcheinen. Auffallend iſt es, daß nur die poetiſche Schilderung des Marcianus Capella, nicht aber Cicero oder ein anderer von den claſſiſchen Zeugen der Erde, als eines Beſtandtheiles der Sphäre, gedenket. Soll man hierin nicht eine Mangelhaftigkeit der Berichterſtattung erkennen: ſo bleibt nichts übrig, als, wie bereits oben bemerkt wurde, zu glauben, es ſei die Erwähnung der Erde überflüſſig geweſen, da ſie, als feſtſtehender Weltkörper, den Mittelvunkt und Stützpunkt der ſphäriſchen Beziehungen in Archimed's Vorſtellung ausmachte. Das Ganze ruhete auf einem hölzernen Geſtelle. Dieſe Behauptung ſtützt ſich auf die Unmöglichkeit, den dunkeln Worten des Sextus Empiricus') auf andere Weiſe einen einfachen Sinn abzugewinnen. Fabricius ſucht ſich in einer Anmerkung zu dieſer Stelle durch die Erklärung zu helfen: daß mit der Annahme, jenes Kunſtwerk ſei aus Holz ver— fertigt geweſen, die Erzählung von einer Glaskugel bei Claudian u. ſ. w. nicht in Wider⸗ ſpruch trete, in ſo fern es darin eingeſchloſſen geweſen; nur laſſe ſich die eherne Hohlkugel bei Lactantius nicht damit vereinigen.— Die Unhaltbarkeit dieſer Anſicht fällt indeß ſogleich in die Augen. Weit natürlicher ſcheint es, an ein Geſtell zu denken, zumal eine Unterlage für die Sphäre ganz unentbehrlich war und vielleicht auch zugleich als Horizont diente, wie es nicht bloß nach der neuen Conſtructionsart gewöhnlich, ſondern auch bereits vom Mechaniker Leontius') gefordert worden iſt. Dieſes ſind nun die aus den zugänglichen Quellen fließenden Beſtandtheile der beweg⸗ lichen Sphäre. Wer ſollte nicht wünſchen, daß ſie zu einem Bau verwendet würden! Eine ſolche Erneuerung erſcheint keineswegs als unausführbar. Zwar iſt Archimed's Anwei⸗ 1) adv. Phys. I. 1.— opcĩocn epobvtes exnt6e—— ov d Aa em ro Sulous . 2) De fabricat. Araleine sphaerae ef. Astron. vet. seripta p. 142, wo es heißt: orcioig uꝛ o0v ent zo7g zioon irg Fo) xcck Coibonxos 1dhi otedxo. 27 ſung hierzu in der Schrift reot ohconoties ¹) untergegangen und es hat auch, wie vorliegt, den alten Berichterſtattern nicht beliebt, ihren Angaben über die Leiſtungen des Inſtru— mentes eine vollſtändige Aufzählung und Beſchreibung aller einzelnen Theile und deren Zuſammenſetzung beizufügen; indeß dürfte ſchon ein mäßiger Grad von Erfindſamkeit im Verein mit aſtronomiſchen Kenntniſſen und mechaniſcher Gewandtheit recht gut im Stande ſein, das etwa Mangelnde zu erſetzen, ohne dabei den alterthümlichen Standpunkt aus dem Geſichte zu verlieren. §. 16. Fortſetzung. War die bewegliche Sphäre eine Armillarſphäre? Das Schwankende in der gewählten Bezeichnung bewegliche Sphäre“ konnte ſchon darauf aufmerkſam machen, daß es, ungeachtet der ſorgſamſten Ueberlegung aller vorliegenden Sachverhältniſſe, bedenklich ſchien, der Sphäre ohne Weiteres einen Platz unter den Sphären⸗ gattungen der neueren Zeit anzuweiſen. Da nun auch die zu Gebote ſtehenden, ſehr be— ſchränkten Hülfsmittel ihren Dienſt gänzlich verſagen, oder ohne weitere Begründung einen beſtimmten Ramen dafür gebrauchen: ſo wird es nöthig ſein, einzelne Punkte beſonders ins Auge zu faſſen, um zu einer Entſcheidung zu gelangen. In den Schriften der Alten finden ſich nur zwei Gattungsnamen für bewegliche Sphären, nämlich awthecros bei Sextus Empiricus und oſétoe Oinchr, wie Aulus Gellius') aus einer Schrift Varro's anführt. Die jetzt gebräuchlichen Planetarien, welche die Geſtirne in horizontaler Lage forttreiben, zumal die künſtlicheren, können, weil ſie dem Alterthum unbekannt geweſen, hier nicht in Betracht kommen. Ein Auto⸗ mat kann die bewegliche Sphäre nicht genannt werden, wenigſtens nicht im ſtrengeren Wortſinne; denn das Umdrehen einer Kurbel war die äußere bewegende Urſache. Es bleibt alſo nur die Frage, ob die Sphäre eine ohccoe zotau d. h. Ringkugel oder Armillarſphäre geweſen ſei. 1) ef. Fabric. Biblioth. Cr. IV. 14. P. 457.— Libr. III. c. 22. P. 552. 2) ef. Noet. A. IM. 10. 4* 28 Bereits iſt oben') angedeutet worden, daß eine ſpecielle Ermächtigung zu dieſer Be— nennung gänzlich fehle, weil Archimed's Kunſtwerk nirgends alſo genannt wird; außerdem ſcheinen die Ausdrücke aes und aes concavum, welche Cicero und Lactantius gebrau— chen, entgegen zu ſtehen. Gleichwohl bieten ſich mehrere Gründe dar, die einſtimmig für den Charakter einer Armillarſphäre ſprechen. Unter dieſen iſt wohl der nicht der unbedeutendſte, welcher die Ausführbarkeit aller von der Sphäre gerühmten Leiſtungen an einer wirklichen Hohlkugel ableugnet. Jeder angeſtellte Verſuch einer Conſtruction durch Hülfe der Hohlkugel wird ogleich in ſeiner Entſtehung durch unüberſteigliche Hinderniſſe vernichtet. Man denke ſich z. B. eine metallene Hohlkugel von angemeſſenem Umfange, die in zwei Hälften zerfalle, welche ſich nach Belieben öffnen oder ſchließen laſſen,— denke ſich das Getriebe als im innern leeren Raume befindlich, welches vermittelſt der, durch eine Oeffnung rei⸗ chende Kurbel zum Fortbewegen der Planeten befähigt wird;— man denke ſich ferner die Kugelfläche durch die, nach verſchiedenen Richtungen hinlaufenden, Planetenbahnen durch⸗ ſchnitten,— und man wird an einer Klippe ſtehen;— die Kugel wird in einzelne Ringe zerfallen. Geſetzt nun auch, man wollte, zur Verhütung des Zerfallens, den Kugelringen, welche durch die Bahneinſchnitte entſtehen, einen Haltpunkt übrig laſſen, indem man die Bahnen nicht vollſtändig durchführte: ſo würde zwar ſelbſt ein Durchkreuzen der Umläufe möglich werden, aber es könnte nur ein einmaliger Planetenlauf, und nur bis an den Haltpunkt, und nur bei vorausgeſetzter Gleichheit aller Bahnlängen bewirkt werden, und jedes Mittel fehlte, die in ungleicher Zeitdauer ſich vollendenden Umdrehungen vor Augen zu bringen. Aehnliche Verſuche ſcheitern an ähnlichen Hinderniſſen. Dieß entging natürlich dem Rachdenken nicht und es liegt darin wahrſcheinlich der Grund, weshalb man Sphären aus Ringen conſtruirte. Für einen ſolchen, aus metallnen Ringen gebildeten Rundkörper konnte der Ausdruck aes oder aes concavum recht wohl gebraucht werden von Männern, denen es nur um die Haupt⸗ ſache zu thun war, und die von der Ungenauigkeit in der Bezeichnung der materiellen Be— ſchaffenheit der Sphäre kein Mißverſtändniß zu befürchten brauchten, da ein Blick auf dieſelbe ſchon von ſelbſt den Commentar des Namens lieferte. 1 Part I 6 13. Erwägt man ferner, daß ſich mit der Leichtigkeit in Errichtung einer Ringkugel der Vortheil verbindet, alle die von der Sphäre geprieſenen Wirkungen hervorzubringen: ſo muß man um ſo mehr glauben, die bewegliche Sphäre ſei eine Ringkugel oder Armillar⸗ ſphäre geweſen. Zuletzt iſt es von entſcheidendem Gewichte, daß, nach A. Gellius Angabe, M. Terentius Varro von einer Armillarſphäre redet. Könnte man den Namen ohcoe 9enbe, bis zu ſeiner Entſtehungszeit verfolgen: ſo würde man wahrſcheinlich mit Archi— med's Kunſtleiſtung zuſammentreffen; indeß bedarf es einer ſolchen Nachforſchung nicht, um die Befugniß zu erhalten, jenen Namen auf die Sphäre deſſelben zu beziehen. Varro's Lebzeit fällt noch in die Ciceroniſche Periode; und da wir nicht die geringſte Kunde von andern Sphären in Rom aus jener Zeit haben, als welche Cicero nennt: ſo iſt die Ver⸗ muthung ſtatthaft, Varro rede von einer der Sphären, welche Cicero bewundert. Es kann aber keinen Unterſchied machen, ob Varro die Sphäre, welche Cicero dem Archi— medes beiſchreibt, oder die von Poſidonius verfertigte im Auge gehabt hat, weil die Sphäre des Letztern, aller Wahrſcheinlichkeit nach, eine Nachahmung jener erſteren war; denn Cicero nennt beide Sphären neben einander, ohne auch nur mit einer Sylbe auf Abweichungen in ihrer Conſtruction hinzuweiſen,— was doch gewiß nicht geſchehen wäre, wenn ſich die Sphären in weſentlichen Beſtandtheilen gegenüber geſtanden hätten. Eben ſo richten ſich alle Lobſprüche Ciceros hauptſächlich auf Archimedes, als den Urheber der Erfindung, und des Poſidonius wird nur daneben Erwähnung gethan,— was wiederum nicht hätte geſchehen können, wenn Poſidonius, gleich dem Archimedes, als Erfinder einer beſonderen Sphärengattung zu betrachten geweſen wäre. Darf man aber die innere Einrichtung beider Inſtrumente für gleichartig halten, ſo folgt auch, daß des Poſidonius Kunſtwerk ſo gut eine Armillarſphäre war, wie das des Archimedes. Wo Varro die Sphäre ſah, ob vielleicht unter den Schätzen der von Aſinius Pollio gegründeten Bib— liothek, deren Aufſicht ihm von Auguſtus anvertraut war,— iſt hier gleichgültig, denn es reicht die Annahme hin, Varro's Angabe ſei aus Selbſtanſchauung gefloſſen. Dieſe Armillarſphären blieben in den folgenden Jahrhunderten im Gebrauch und mach— ten die gangbarſte, wenn vielleicht auch nicht die alleinige Sphärengattung aus. Claudius 30 Ptolemäus(Sec. 2 n. Chr.) ſcheint, nach den Andeutungen bei Leontius'“), nur dieſe im Auge zu haben. Leontius ſelbſt(See. 7 n. Chr.) hatte bei ſeinen Vorſchlägen zur Fertigung einer Sphäre ebenfalls eine ſolche im Sinn und gebraucht ſogar, indem er als Beſtandtheile derſelben eine auf Füßen ruhende Baſis, die zugleich den Horizont ausmachen müſſe, ſowie einen dem Horizont gleichen Kreis als Meridian ꝛc. empfiehlt, den Namen opaĩpa xinyt). Aus ſeinen Worten geht, wie ſchon bemerkt iſt, weiter hervor, daß die Armillarſphären gewöhnlicher unter dem Namen Arateiſche-Sphären bekannt waren, daß es ferner zu ſeiner Zeit mehrere gab'), wiewohl ſie Mangel an aſtronomiſchen Kenntniſſen und Genauigkeit darlegten; daß endlich er ſelbſt gerade in der Fertigung einer, unſtreitig gleichartigen Sphäre für den Scholaſtiker Elpidius begriffen war, als er von ſeinem Freunde Theodorus aufgefordert wurde, ſeine Anſicht über eine zweckmäßigere Conſtruction aufzuzeichnen. Der Gebrauch der Sphären war längſt ſchon zum ernſten Zweck ausgebildet, die Jugend durch Hülfe derſelben zur Kenntniß des Himmels leichter und gründlicher anzu— leiten. Proclus¹)(See. 5 n. Chr.) hatte in ſeiner Schrift dieſen wichtigen Gegenſtand fortwährend im Auge, weshalb er unter andern auch anrieth, von den verſchiedenen Kreiſen nur 5, nämlich die Polarkreiſe, Wendekreiſe und den Aequator anzubringen, damit die Köpfe der Anfänger nicht verwirrt würden. Aus gleicher Vorſicht erklärt es Leontius) für nothwendig, daß eine tüchtige Belehrung über die Weltkörper der Demonſtration ihrer Bewegungen an der Sphäre vorhergehen und der Gürtel der Milchſtraße zur Seite gelaſſen werden müſſe, zumal auch Aratus nur ſelten davon Erwähnung thue. Auch unterläßt es Leontius nicht, über die Art des Gebrauchs Anweiſung zu geben in dem Kapitel a666 ded kordct opcc. 1) ef. Astronom. vet. scripta.— Leont. de sphaera. Pag. 134 ff. 2) ef. Leontius de sphaera.. I. Pag. 144.— c k16906 o ioos n 1 Hdoet xcl peon 1 opcœĩon xoinv. 3) ef. Leont. de sphaera I. I. Pag. 135.— rdoct do cs olo6, ai vöy peolluerct ete. 4) Proclus de sphaera ef. Astron. vet. script. Pag. 10.— 906 ley te* ro0it n elocwyv 176 doroloyiæg oohèy anortleolu Vhültcvt o0 xcer cyodportct n oaiok ot o2 ryte raocMAylot„ot c z0 dnorele ouctd Tc nooopepeoha Acoptolnc zlg z ocitjw eloayy s dot poloylas zctẽy ococ eis 1 ocec. 5) ek. Leont. a. a. O. §. 17. Anhang. Es iſt mehrmals erinnert worden, daß, wie Claudian, ſo auch Marcian eine Sphäre zum Gegenſtande ihrer Schilderungen gehabt haben, welche von den eben erläu⸗ terten Archimedeiſchen in ſehr wichtigen Stücken abwich und wohl nicht von Archimedes, ſondern von einem ſpätern, aber unbekannten Urheber abſtammte. Die Schwierigkeit, alles das, was der practiſchen Ausſchmückung angehören mag, von den zu Grunde liegenden Thatſachen mit nur einiger Sicherheit zu trennen, macht jeden Erläuterungsverſuch um ſo bedenklicher, je mehr es an allen andern alterthümlichen Nachweiſungen darüber gebricht. Der fortgeſetzte Gebrauch der Sphären zu belehrenden Zwecken mochte auch in den Armillar⸗ ſphären manche Mängel entdeckt haben, weshalb man die gemachten Fortſchritte in den Künſten zur Abhülfe anrief. Es war aber ein bedeutender Fortſchritt zum Beſſern in der Sphären⸗ fertigung, daß man eine Glaskugel zur Klarmachung der ſphäriſchen Verhältniſſe wählte. Die Durchſichtigkeit der Glaskugeln ſetzte manchem Mißverſtändniſſe ein Ziel und gab im Beſondern der Lehre über die Beziehung und Lage der Himmelskörper zur Erde, die, als Weltmittelpunkt, im Mittelpunkte der Kugel ſichtbar wurde, hinreichendes Licht. Wenn nun aber auch die ſeit Tiberius in Italien aufblühende Glasfabrication, welche keinen Zweifel an der Befähigung des Zeitalters zu allen bei Glasſphären in Betracht kommenden Vorrichtungen zuläßt, ſowie die Leichtigkeit, die Sterne und Bilder des Thierkreiſes, die Planeten und alles Erforderliche auf eine ſchickliche, dem beabſichtigten Zwecke entſprechende Weiſe an der Kugelfläche anzubringen oder aus der wahrſcheinlichen Analogie mit der neueſten Erfindung, dem Kosmoglobus von Garthe, zu erläutern,— die verführeriſche Hoffnung auf die Möglichkeit einer Erklärung hervorruft: ſo ergibt ſich dennoch bei weiterem Verfolgen der geheimnißvollen innern Einrichtung nichts, als bittere Täuſchung. Gerade die weſent— lichſten Punkte bleiben in Dunkel gehüllt. Unauflösbar ſind unter andern die Räthſel in Claudian's Worten: »Knechtiſch dient die verſchloſſene Luft den verſchied'nen Geſtirnen, Treibet das lebende Werk fort im gemeſſenen Lauf,⸗ 32 durch welche unwillkuͤhrlich der Gedanke an einen ſinnreichen Automaten erweckt wird. Und welche Mittel gibt es, die prunkende und darum noch dunklere Schilderung des Marcianus Capella aufzuhellen?— Sie führt in ein Labyrinth, deſſen Irrgänge, in der That! abſchreckend ſind. Deshalb ſcheint es wenigſtens für jetzt räthlicher, mit Offenheit das Unvermögen zur Enthüllung der Geheimniſſe einzugeſtehen, als Vermuthungen Raum zu geben, die jedenfalls ungenügend ſein würden. Schulnachrichten. Jahresbericht über das Kurfürſtliche Gymnaſinm zu Hanau von Oſtern 1845 bis Oſtern 1846. I. Lehrverfaſſung. A. Unterricht in Sprachen und Wiſſenſchaften im bezeichneten Schuljahre. a. Classis Prima. Wöchentlich im Sommer und Winter 33 Lehrſtunden. Ordinarius: Der Director. 1. Griechiſche Sprache. Im Sommer 5 St. wöchentlich: a) Euripid. Iphigen Aul. v. 1—600, mit Einleitung über das Leben und den Kunſtcharakter d. Dichters, ſowie über Inhalt, Gang, Kunſtwerth des Drama's, 2 St. w.; b) Plato's Apolog. d. Socrat., e. 1— 24, nach einem kurzen Abriß der atheniſchen Staats⸗ u. Gerichtsverf., 2 St. w.; c) Griech. Exerecit. nach Roſt Curſ. IV, mit jeweiligen Ertemporal., 1 St. w. Dr. Feußner. Im Winter 5 St. w.: a) Euripid. lpbigen Aul. vom V. 600 bis Ende, 2 St. w.; b) Plato's Apolog. d. Socrat., vom e. 25 bis Ende, hernach Plato's Euthyphron, 2 St. w.; e) Griech. Exereit. u. Fxtemporal. nach Roſt's IV. C. Dr. Feußner. 2. Lateiniſche Sprache. Im S. 9 St. w.: a) Horat. Epist. Libr. I, nebſt einigen der leich⸗ teſten Satiren aus d. erſten Buche, nach Einleitung über den Character des Dichters und ſeiner Dichtungen, beſ. der Briefe. Die Schüler lieferten abwechſelnd metr. Ueberſetzungen von einigen Br. 3 St. w.; b) Tacit. Histor. II, 1— 50, 2 St. w.; e) lat. Sprechübungen und metr. Ver⸗ ſuche, 1 St. w.; dh lat. freie Aufſätze über Themata aus dem Schulkreiſe, 1 St. w. Der Director; e) Cicero de Orat. Libr. I, 15— 35, mit beſ. Rückſicht auf Grammat., 2 St. w. 1) lat. Exereit. nach Forbiger, vom Abſchn. 46 an, 1 St. w. Dr. Soldan. 5 34 Im Winter 9 St. w.: a) Horat. Epist. ad Pisones, nach einer Einltg über Inhalt, Zweck d. Briefes in lat. Sprache; alsdann: Terent. Heautontimorumenos, 3 St. w.; b) Tacit. Histor. n, 50 bis Ende des Buches; e) lat. Sprechübungen u. metr. Verſuche, 1 St. w.; d) lat. freie Aufſätze, 1 St. w. Der Direktorz; e) Cicero de Orat. Libr. I, c. 36—54, 2 St. w.; 1) lat. Exereit., nach Forbiger, Abſchn. 51, 1 St. w. Dr. Soldan. Deutſche Sprache. Im S. 4 St. w.: a) die gothiſche, althochdeutſche und mittelhochdeutſche Laut⸗ und Flerionslehre, verbunden mit Leſeſtücken in der Gr. von Vilmar, 2 St. w.; b) Erläu⸗ terung des Taſſo von Goethe, 1 St. w.; e) deutſche Aufſätze, meiſtens in Redeform, 1 St. w. Dr. Feußner. Im W. 4 St. w.: a) Wiederholung und Fortſ. d. Sommercurſus; dann Lectüre des Weſſo⸗ brunner Gebetes, u. Muspilli u. Nibelungenliedes, 2 St. w.; b) Fortſetzuug d. Lectüre des Taſſo v. Goethe; e) deutſche Aufſätze, beſonders Abhandlungen und Chrien, 1 St. w. Dr. Feußner. Franzöſiſche Sprache. Im S. 2 St. w.: a) Lectüre nach Collmann's franz. Leſeb., S. 541— 88; b) franz. Aufſätze. Hlfsl. Horn. Im W. 2 St. w.: a) Lectüre, nach Collmann's Leſeb., S. 97— 119; b) Ueberſetzungen von Schiller's Abf. der Niederl., und Sprechübungen. Hlfsl. Horn. Hebräiſche Sprache. Im S. 2 St. w.: Entwickelung der Laut⸗ nnd eines Theiles der Wort⸗ lehre, hernach Lectüre nach Geſenius Leſeb., S. 12 u. 50, u. 82— 87. Gſl. Jung. Im W. 2 St. w.: Fortſ. der Flerionslehre; hernach Lectüre von Jeſaia, c. 1—12. Gſl. Jung. . Religionslehre. Im S. 2 St. w.: Chriſtliche Glaubenslehre, nach Thomaſius. Dr. Münſcher. Im W. 2 St. w.: Kirchengeſchichte, von Anfang bis 1073. Dr. Münſcher. Geſchichte. Im S. 3 St. w.: Neuere Geſch. von 1661— 1715. Dr. Münſcher. Im W. 3 St. w.: Neuere Geſch., Fortſ. von 1715— 1815. Dr. Münſcher. Phyſit. Im S. 2 St. w.: Lehre vom Magnetismus und von der Electricität, mit Berückſichti⸗ gung practiſcher Anwendbarkeit, nach Auguſt. Hlföl. Dr. Lotz. Im W. 2 St. w.: mathematiſche Geographie, nach Bretmer. Hlföl. Dr. Lotz. Mathematik. Im S. 3 St. w.: e) Arithmet. Wiederholung und Vervollſtändigung der Lehre über die Logarithmen, nach Ohm; Erponentialgleichungen und Aufgaben aus der Zinszinsrechnung, nach Heis, 2 St. w.; b) Geometrie. Analytiſche und ebene Trigonometrie und Berechnung von Aufgaben, nach Ohm. Hlfsl. Dr. Lotz. Im W. 3 St. w.: a) Geometrie, 2 St. w. Körperliche Geometrie, nach Ohm, e. u; b) Arithmetik, 1 St. w. Uebungen im Auflöſen algebr. Aufgaben, nach Ohm,§. 110 u. 111, mit Beiſpielen nach Heis,§. 63 u. 67; dann arithmet. u. geometr. Reihen, nach Ohm, Anh. §. 1—7, mit Beiſp. nach Heis,§. 81— 84. Hlfsl. Dr. Lotz. b. Classis Secunda. Wöchentlich im Sommer und Winter 31 Lehrſtunden. Ordinarius: Dr. Münſcher. 1. Griechiſche Sprache. Im S. 6 St. w.: a) Homer. Odyss. Libr. V u. VI, jenes von den Schülern abwechſ. metr. überſ., 2 St. w.; b) epitaphiſche Rede des Lyſias, und Demoſthenes Rede über den Frieden, nach Jacobs Att., mit beſonderer Rückſicht auf d. Grammat., 2 St. w.; e) griech. Grammat., nach Kühner,§. 634— 713, mit griech. Exercit., nach Roſt's C. III, 2 St. w. Dr. Münſcher. Im W. 6 St. w.: 2) Homer. Odyss., Libr. VIl ſtatar., Libr. IX curſoriſch; außerdem Libr. VII mit den Reifern, 2 St. w.; b) Jacobs Attika. Herodot XXXI, XXXII, XXXIII, 2 St. w.; e) griech. Grammat., nach Kühner. Syntax, vom Anf. bis zur Caſuslehre, mit griech. Exercit., nach Roſt's 1I. C., 2 St. w. Dr. Mü nſcher. 2. Lateiniſche Sprache. Im S. 9 St. w.: à) virgil. Aen., Libr. II, von V. 340 bis Ende und Wiederholung des Ganzen, 2 St. w. Dr. Feußner; P) Livius, Libr. XXl, e. 30— 62, 2 St. w. Dr. Münſcher; e) Cie. Orat. pro rege Dejot, mit Einleitung über Veranlaſſung, Zeit u. ſ. w., und mit ſteter Rückſ. auf Grammat., 2 St. w.; d) lat. Grammat., nach Kühner. Wieder⸗ holg. der Lehre uͤber Cousecut. Tempp-, alsdann§. 45— 59, 2 St. w.; e) lat. Exereit., nach Forbiger; epiſtolar. und hiſtor. Styl, 1 St. w. Dr. Soldan. Im W. 9 S. w.: a) Virgil. Aen., Libr. VII, V. 1— 540, 2 St. w. Dr. Feußner; b) Livius Libr. XXI, 62 bis XXII, 31, 2 St. w. Dr. Münſcherz e) Cie. Orat. in Catilin. 1, 1— 13, mit hiſtor. Einleit., 2 St. w.; dh lat. Grammat. nach Kühner,§. 21— 26, 54— 58, 96— 104, 2 St. w.; e) lat. freie Aufſ. der 1. Abth., u. lat. Exereit. der ganzen Claſſe, nach Forbiger, 1 St. w. Dr. Soldan. 3. Deutſche Sprache. Im S. 3 St. w.: Beendigung der Styliſtik; die Lectüre des W. Tell von Schiller begonnen. Deutſche Aufſätze und Dispoſit. über leichte Themata. Der Director. Im W. 3 St. w.: die Lyriſchen Dichtarten kurz behandelt; das Drama W. Tell von Schiller beendet; Declamationsübungen und deutſche Aufſ. und Dispoſ. Der Director. 4. Franzöſiſche Sprache. Im S. 2 St. w.: à) Lectüre nach Collmam's franz. Leſebuch, von Nr. 1— 7, 1 St. w.; b) franz. Baereit. nach Collmann's Uebungsb., Nr. 68— 84, 1 St. w. Hlfsl. Horn. Im W. 2 St. w.: a) Lectüre nach Collmann's franz. Leſeb., von S. 24 bis S. 54; P) franz. Enereit., nach Colimann, Nr. 1— 10. Hlfsl. Horn. 5. Religionslehre. Im S. 2 St. w.: mit C1 Ul comb. Kurze Einleit. in d. Schrift des A. T. Erklärung auserleſ. Pſalmen, ſowie d. Proph. Micha und d. Briefes an die Epheſ. Dr. Münſcher. Im W. 2 St. w.: mit IMl comb. Erklär. des Cvangel. Matth. Dr. Münſcher. 6. Geſchichte. Im S. 2 St. w.: alte Geſch. von 30 v. Chr. bis 476 n. Chr. Dr. Münſcher. Im W. 2 St. w.: Geſch. d. Mittelalters von 476— 1073. Dr. Münſcher. 7. Geographie. Im S. 2 St. w.: Repetit. des Wintercurſ.; dann: die 3 ſcandinav. Reiche; Großbritannien; deutſche Völkerkunde; Rußland, Krakau, Serbien; Slaviſche Völkerkunde, nach Roon. Gſl. Dommerich Im W. 2 St. w.: die romaniſchen Staaten Europa's; romaniſche Völkerkunde. Ueberſicht der Staaten Europa's, als Repetit., nach Roon. Gſl. Dommerich. Naturkunde. Im S. 2St. w.: allgem. Eigenſch. d. Körper. Wichtigſte Geſetze über Gleichgew. und Bewegung der feſten, tropfbar und elaſtiſchflüſſigen Körper, mit erläuternden Verfuchen, nach Nagel. Hlfsl. Dr. Lotz. 72 5 36 Im W. 2 St. w.: die Imponderabilien, insbeſondere die Lehre von der Wärme und dem Lichte, nach Nagel. Hlfsl. Dr. Lotz. 9. Mathematik. Im S. 3 St. w.: a) arithmet. Uebungen im Auflöſen d. algebr. Gleichungen des 1 Gr. mit einer, und nach Erläut. der verſchied. Eliminationsmethoden bei den Gleichungen des 1 Gr., mit mehreren Unbekannten, nach Ohm; Beiſpiele nach Heis; b) Geometr. Analytiſche Trigonometrie, nach Ohm. Hlfsl. Dr. Lotz. Im W. 3 St. w.: a) Körperl. Geometrie. Lage der Linien und Ebenen gegeneinander, 1 St. w.; b) Arithmet. Anſetzen d. algebr. Aufgaben, die auf Beſtimmungsgleichungen des 1 Gr. mit einer Unbek. führen, nach Ohm; Beiſpiele nach Heis; dann Ausziehen der Quadrat- und Kubikwurzeln, nach Ohm,§. 66—72; Beiſpiele nach Heis,§. 50— 54, 2 St. w. Hlfsl. Dr. Lotz. e. Classis Tertia. Wöchentlich in Sommer und Winter 31 Lehrſtunden. Ordinarius: Dr. Soldan. BGriechiſche Sprache. Im S. 5 St. w.: a) Jacobs griech. Elementarb., C. H, S. 85— 100; ſodann Lucian's Cataplus u. Prometheus, nach Chreſtom. von Cyſell u. Weismann, S. 72—89, 3 St. w.; b) griech. Grammat. nach Kühner. Verba u,§. 127— 144; dann unregelm. V. auf 6, in Verbind. mit wöchentl. griech. Exercit., 2 St. w. Dr. Soldan. Im W. 5 St. w.: a) Jacobs griech. Elementarb., C. M., S. 101— 116; hierauf Lucian's Geſpr., S. 88— 103, nach Chreſtom. von Cyſell zc., 3 St. w.; b) griech. Grammat. nach Küh⸗ ner,§. 119— 144, mit griech. Exercit. Dr. Sol dan. Lateiniſche Sprache. Im S. 8 St. w.: a) Ovid. Metamorph., nach Kraſt's Chreſtom., Nr. 1—5, mit Einüb. der wichtigſten proſod. u. metr. Regeln, 2. St. w. Der Director; P) Caesar de B. 6., Libr. I, 1—25, 3 St. w.; e) lat. Grammat., nach Kühner,§. 47— 59, 2 St. w.; d) lat. Exereit., nach Süpfle, Th. 1, 114 ff Gſl. Jung. Im W. 8 St. w.: à) Ovid. Metamorph., nach Kraft's Chreſtom., Nr. 5—8, wie oben. Der Director; b) Caesar de B. C. Libr. I, 21 bis Ende d. B., 3 St. w.; e) lat. Grammat, nach Kühner, Wiederholg. von§. 27—33; dann§. 34— 40 und Exerecit., nach Süpfle, Th. 1, Nr. 134 ff., 3 St. w. Gſl. Jung. Deutſche Sprache. Im S. 3 St. w.: a) deutſche Grammat. nach Becker,§. 51—86, 2 St. w.; b) deutſche, meiſtens erzählende Aufſätze und Declamirübungen, 1 St. w. Gſl. Jung. Im W. 3 St. w.: a) deutſche Grammat., nach Becker. Lehre von den Formwörtern,§. 27—50; b) Lectüre, nach d. Bremer Leſeb.; e) deutſche Aufſätze. Beauftr. L. Caſſelmann. Franzöſiſche Sprache. Im S. 2 St. w.: a) Lectüre, Charles XII von Voltaire, B. 1; b) franz. Bxereit., nach Hauſchild,§. 19— 33, und Einüb. der unregelm. Zeitw. Hlfsl. Horn. Im W. 2 St. w.: Lectüre, Charles RlI, B. 2 P) Grammat. und Ezereit., nach Müller, e. 1— 4. Hlfsl. Horn. Religionslehre. 2 St. w. im S. u. W.: comb. mit Secunda. S. oben. 37 6. Geſchichte. Im S. 3 St. w.: Geſch. der oriental. Völker und d. griech. Völker bis zu den Perſer⸗ kriegen, mit geogr. Erläut., nach Schmidt. Dr. Soldan. Im W. 3 St. w.: Fortſetzung der griech. Geſch von den Perſerkriegen bis zum Untergang des gr. Volkes. Macedoniſche Geſch. Dr. Soldan. 7. Geographie. Im S. 2 St. w.: topiſche, phyſicaliſche und polit. Beſchreibung Aſiens; Ethno⸗ graphie und Staatenkunde der übrigen Erdtheile, nach Roon. Gſl. Dommerich. Im W. 2 St. w.: das Feſtland von Europa in top. und phyſicaliſcher Hinſicht, nach Roon. Gſl. Dommerich. 8. Naturgeſchichte. Im S. 2 St. w.: Beſchreibung der Säugethiere repet.; alsdann Beſchreib. der übrigen Rückgratthiere, zuletzt der Gliederthiere nach Claſſen, Ordnungen und Familien, nach Burmeiſter. Gſl. Dommerich. Im W. 2 St. w.; die Bauchthiere; hierauf Mineralogie und zwar zuerſt Oryktognoſie, dann Ueberſicht der Geognoſie, nach Burmeiſter. Gſl. Dommerich. 9. Mathematik. Im S. 3 St. w.: a) Arithmetik. Ordnen und Auflöſen der algebr. Gleichungen des 1 Gr. mit einer Unbekannten; Beweis der Sätze über die Zahlenproportionen, nach Ohm; Beiſpiele nach Heis; b) Geometrie. Wiederholung des in IV gelehrten Penſums, mit Vervoll⸗ ſtändigung und ſtrenger Beweiſung der Lehrſätze, nach Ohm, e. I u. II. Hlfsl. Dr. Lotz. Im W. 3 St. w.: ebene Geometrie. Aehnlichkeits⸗Vergleichung der Fläͤchenräume der geradl. Figuren, Kreiſe, nach Ohm, e. III, IV, V. Hlfsl. Dr. Lotz. d. Classis Ouarta. Wöchentlich im Sommer und Winter 31 Lehrſtunden. Ordinarius: Gymnaſiallehrer Jung. 1. Griechiſche Sprache. Im S. 5 St. w.: a) griech. Grammat., nach Kühner's Elementargr., C. 1 und Wiederholung des Penſums vom vorigen Halbjahr; b) ſchriftl. Ueberſ. der untergel. griech. und deutſchen Beiſp. Gſl. Jung. Im W. 5 St. w.: griech. Grammat., nach Kühner's Elementargr., C. I, mit Wiederhol. des C. I; zugleich mit ſchriftl. Ueberſ. der Uebungsbeiſpiele. Gſl. Jung. 2. Lateiniſche Sprache. Im S. 8 St. w.: a) Lectüre, Ellendt's Leſeb., 3. Abſchn.; ſodann Cornel. Nep. Thrasyhul u. Conon, 4 St. w. Gſl. Jung; b) lat. Grammat., nach Kühner, e. 1,§. 1— 8, e. ll,§. 9. Lehre vom Genit. und Accuſat., mit Ueberſ. von Uebungsbeiſp., 3 St. w.; e) lat. Exereit., nach Ellendt's und Süpfle's Aufg., Th. 1, 1 St. w. Beauftr. L. Caſſelmann. Im W. 8 St. w.: a) Lectüre, Cornel. Nep. Dion, Iphierates, Chabrias, Timoth, 4 St. w. Gſl. Jung; b) lat. Grammat., nach Kühner. Zweite Hälfte der Caſuslehre(. 14— 21), nach Repetit. des 1 H., 3 St. w.; c) lat. Exereit., nach Kühner u. Süpfle, 1 St. w. Beauftr. L. Caſſelmann. 3. Deutſche Sprache. Im S. 3 St. w.: a) deutſche Grammat., nach Becker, e. III,§. 27 bis 50; b) Lectüre, Bremer Leſeb. und Memorirübungen; c) deutſche Aufſ. in hiſtor. Erzählungen Beauftr. L. Caſſelmann. 38 Im W. 3 St. w.: a) deutſche Grammat., nach Becker, e. I,§. 1— 13,§. 51— 86; b) Lectüre. Allwin u. Theodor von Jacobs; e) deutſche Aufſätze in Erzählungen und Briefen. Gſl. Jung. 4. Franzöſiſche Sprache. Im S. 2 St. w.: a) Lectüre, Ahn's Leſeb., II. C., Nr. 3, 4 b) franz. Grammat. und Exereit., nach Müller. Hlfsl. Horn. Im W 2 St. w.: a) Lectüre, Ahn's Leſeb., IlI. C., 5, 6. III. C., 1 u. 2; P) Grammat. nach Müller. Repetit. der Formenlehre. Pronomina und irreguläre Verba; Uebungsſtücke 36— 65 1c. Hlfsl. Horn. 5. Religionslehre. Im S. 2 St. w.: Einleit. iu die bibl. Bücher. Lectüre und Erklärung aus⸗ gewählter Abſchn. aus der hiſtor. Bb. des N. T. Gſl. Dommerich. Im W. 2 St. w.: Erklärung des Ev. Matth., e. 13 ff.; Behandlung wichtiger Gleichniſſe und der Leidensgeſchichte Jeſu. Gſl. Jung. 6. Geſchichte. Im S. 2 St. w.: allgem. Geſch. vom 1. Jahrh. nach Chr. bis 911. Beauftr. L. Caſſelmann. Im W. 2 St. w.: deutſche Geſch. von 911 bis zur Reformat. Beauftr. L. Caſſelmann. 7. Geographie. Im S. 2 St. w.: Anfangsgründe der topiſchen, phyſical. und polit. Beſchreibung von Africa und America, nach Roon Gſl. Dommerich. Im W. 2 St. w.: Anfangsgründe der mathemat. und phyſic. Geographie, nach Roon. Gſl. Dommerich. 8. Naturkunde. Im S. 2 St. w.: Beſchreibung der Säugethiere repet.; alsdann Beſchr. der Knochenth. und Gliederth. nach Claſſen und Ordn., nach Burmeiſter. Gſl. Dommerich. Im W. 2 St. w.: die Bauchthiere; dann Anf. der Mineralogie, und zwar Oryktognoſie, nach Burmeiſter. Gſl. Dommerich. 9 Mathematik. Im S. 3 St. w.: a) Arithmet., 2 St. w. Wiederholung der in N behandelten Bruchrechnung mit benannten und unbenannten Zahlen und Rechnung von Beiſpielen(nach Löh⸗ mann, e. Il); ſodann Dezimalbrüche u. Einübung der Regeln(nach Löhmann, e. lIl); b) Geometr., 1 St. w. Beſchreibung und Vergleichung der Raumgrößen mit Rückſicht auf ihre Lage, Größe u. Geſtalt, verbunden mit Uebungen im Zeichnen beſchriebenener Körper in Netzen. Hlfsl. Dr. Lotz. Im W. 3 St. w.: a) Geometrie. Uebung im Bilden des geometr. Beweiſes der bei Ohm, e. Iu. Il, gegebenen Lehrſätze über Winkel, Lage ihrer Schenkel und Beziehungen zwiſchen Seiten im Dreieck und Parallelogr.— Vorher Wiederhol. der geometr. Formenlehre; P) Arithmetik. Lehre von den Brüchen, beſ. Dezimalbr. wiederholt; hierauf Uebung im Anſetzen und Auflöſen arithmet. Aufgaben. Hlfsl. Dr. Lotz. e. Classis Ouinta⸗ Wöchentlich im Sommer und Winter 29 Lehrſtunden. Ordinarins: DPr. Feußner. 1 Griechiſche Sprache. In S. 1 St w.: Anfangsgr nach Kühner's Elementargr. Lehre v. d Buchſtaben, v. d. Betonung; Einübung der 1. u. 2. Declin. Dr. Soldan. Im W. 1 St. w.: daſſelbe bei demſelben. Cr 1. 39 Lateiniſche Sprache. Im S. 2 St. w.: lat. Grammat., nach Grotefend's Glementarb., §. 21— 39 in Bezug auf die Formenlehre und Syntar; mit Ueberſ. der lat. und deutſchen Uebungs⸗ beiſp. Dr. Feußner. Im W. 7 St. w.: lat. Grammat., nach Grotefend's Elementarb.,§. 39— 54. Einübung der Formenlehre und Syntar; Ueberſ. der deutſchen und lat. Beiſp. Dr. Feußner. Deutſche Sprache. Im S. 3 St. w.: a) deutſche Grammat., nach Becker. Wortarten in den Satzverhältniſſen; b) Lectüre nach d. Bremer Leſeb. u. erzählende ſchriftl. Aufſ. Dr. Münſcher. Im W. 3 St. w.: a) deutſche Grammat., nach Becker; Wiederholung u. theilweiſe Erweiterung des Sommerpenſums. b) Lectüre nach dem Bremer Leſeb., von Nr. 326 ff., und erzählende ſchriftl. Aufſätze. Dr. Münſcher. Franzöſiſche Sprache. Im S. 2 St. w.: vorbereitender Unterricht, nach Müller's Grammat. Th. 1. Declination und Conjugation der regelm. Verben und Ueberſetzungen nach Ahn's Leſebuch. Hlfsl. Horn. Im W. 2 St. w.: daſſelbe bei demſelben. Religionslehre. Im S. 2 St. w.: einleitende Betrachtungen(über Geſchöpfe und Schöpfer, Beſtimmung des Menſchen ꝛc.); ſodann bibl. Geſchichte des A. T. und Anfang d. bibl. d. N. T. Gſl. Jung. Im W. 2 St. w.: Fortſ. der bibl. Geſchichten des N. T. Gſl. Dommerich. BGeſchichte. Im S. 2 St. w.: biograph. Darſtellung aus der R. Geſch. von Erb. der Stadt bis Aug. Beauftr. L. Caſſelmann. Im W. 2 St. w.: biograph. Darſtellung aus der Gr. Geſch. bis 301 v. Chr. Beauftr. L. Caſſelmann. Geographie. Im S. 2 St. w.: Wiederholung des in Sexta gelehrten Penſ.; dann Elemente der topiſchen, phyſical. u. polit. Beſchreibung d. außereuropäiſchen Erdtheile. Gſl. Dommerich. Im W. 2 St. w.: Europa. Vergleichung der Erdtheile. Gſl. Dommerich. Naturgeſchichte. Im S. 2 St. w.: Beſchreibung von Fflanzen nach vorgezeigten Eremplaren und Anleitung, dieſelben nach Claſſen zu ordnen. Hlfsl. Dr. Lotz. Im W. 2 St. w.: Oryktognoſie. An vorgezeigten Eremplaren werden die Kennzeichen nach⸗ gewieſen, und danach die Unterordnung unter das Syſtem verſucht. Hlfsl. Dr. Lotz. Mathematik. Im S. 3 St. w.: Arithmetik. Eigenſchaften der Zahlen; die 4 Rechenoper. in unbenannten gebrochenen Zahleu, mit Beiſp. nach Löhmann, C. II. Hlfsl. Dr. Lotz. Im W. 3 St. w.: a) geometriſche Formenlehre. Die verſchiedenen Arten der Raumgrößen, ihre Grenzen u. Theile, insbeſondere die Flächenfiguren werden mit Rückſicht auf Lage, Größe ꝛc. be⸗ ſchrieben, 1 St. w.; b) Arithmetik. Reduziren u. Reſolviren der gebrochenen benannten Zahlen, dann die 4 erſten Rechenoper. mit denſelben. Beiſpiele nach Löhmann, C. U. Hlfsl. Dr. Lotz. F. Classis Sexta. Wöchentlich im Sommer und Winter 28 Lehrſtunden. Ordinarius: Gymnaſillehrer Dommerich. Lateiniſche Sprache. Im S. 6 St. w.: Anfangsgründe, nach Grotefend's Elementarbuch, §. 26— 43, mit ſchriftl. Ueberſ. der untergelegten Uebungsbeiſp. Beauftr. L. Caſſelmann. 40 Im W. 6 St. w.: lat. Formenlehre. Regelm. Deelin. und Conjugat. nach Grotef. Elementarb., §. 1—65, 83— 85. Beauftr. L. Caſſelmann. 2. Deutſche Sprache. Im S. 4 St. w.: b) deutſche Grammat., nach Becker. Wichtigſte Lehren von den 3 Satzverhältniſſen. Orthographie. Betonung; b) Lectüre nach d. Bremer Leſeb., nebſt Memorirübungen und leichte ſchriftl. Erzählungen. Beauftr. L. Caſſelmann. Im W. 4 St. w.: daſſelbe bei demſelben. 3. Religionslehre. Im S. 2 St. w.; bibliſche Erzählungen des A. T. Glſl. Dommerich. Im W. 2 St. w.: daſſelbe bei demſelben. 4. Geographie. Im S. 2 St. w.: geograph. Elemente Topiſche Beſchreibung der Oceane. Gſl. Dommerich. Im W. 2 St. 2 St. w.: Wiederholung und Fortſetzung. Gſl Dommerich. 5. Naturgeſchichte. Im S. 2 St. w.: Beſchreibung und Vergleichung einzelner Thiere und Ab⸗ leitung des Begriffes der Claſſen, nach Gabriel. Gſl. Dommerich. Im W. 2 St. w.: Wiederholung und theilweiſe Erweiterung des Sommerpenſums. Gſl. Dommerich. 6. Rechnen. Im S. 4 St. w.: Zahlenleſen und Zahlenſchreiben. Die 4 Species mit benannten und unbenannten Zahlen, in Verbindung mit Uebungen im Kopfrechnen. Hlfsl. Horn. Im W. Fortſetzung bei demſelben. B. Techniſcher Unterricht. 1. Kalligraphie. Im S. u. W. 1 Stunde in Tertia, 2 St. in Quarta, 5 St. in Quinta mit Serta comb., und 1 Stunde in Serta noch außerdem. Schreibl. Zimmermann. 2. Geſang. Im S. u. W. 6 St. w. nach verſch. Abtheil. 1 St. für Männergeſang; 1 St. für Tenor und Baß; 1 St. für Sopran und Alt; 1 St. für den Chor; 2 St. für den Elementar⸗ unterricht. Cantor Weikert. 3. Zeichnenunterricht. Im S. u. W. Mittwochs und Sonnabends von 2— 4 Uhr in der Zeichenacademie. 4. Gymnaſtiſche Uebungen. Im S. Dienſtags und Freitags von 6—8 Uhr, ſpäter von 5—7 Uhr unter Aufſicht und Leitung von Zimmermann und Linck. II. Chronik des Gymnaſiums. Die Eröffnung des Sommerlehrganges im Schuljahre 18 ½6 fand am 7. April unter den üblichen Schulfeierlichkeiten Statt, indem der Direktor die verſammelten Schüler durch eine kurze Rede zur ſorgſamen Benutzung der Schulzeit ermunterte, und, nach Vorleſung der Schulgeſetze, die neuauf⸗ genommenen Schüler in ihre Claſſen und Plätze einwies; der Schluß des Semeſters erfolgte am 24. September. Wenige Tage vor der Eröffnung ſchied, nach erhaltener Entlaſſung aus dem Kurfürſtl. Staats⸗ dienſte der ordentliche Gymnaſiallehrer Dr. Carl Georg Firnhaber aus dem Kreiſe ſeiner bisherigen Mitlehrer und Schüler und ging in Folge eines ehrenvollen Rufes nach Wiesbaden, um als Profeſſor 41 an dem daſigen Herzogl. Naſſauiſchen Gymnaſium ſeine Wirkſamkeit fortzuſetzen. Er hatte ſich hier durch Kenntniſſe und Lehrgeſchicklichkeit, ſo wie durch einen freundlichen Ernſt in Handhabung der Disciplin Achtung und Liebe erworben. Durch höchſtes Reſcript vom 13. März, zur Nr. 2742, wurde der bisherige proviſoriſche Gymnaſial⸗ lehrer Jung definitiv zum ordentlichen Lehrer beſtellt. Bald darauf wurde durch höchſte Entſchließung vom 31. März der am Kurfürſtlichen Gymnaſium zu Rinteln beſchäftigte Praktikant, Louis Caſſel⸗ mann, als beauftragter Lehrer an das hieſige Gymnaſium, unter Vergütung von 250 Rthlrn. jähr⸗ lich, verſetzt; dagegen durch höchſte Entſchließung vom 4. April, zur Nr. 3243, der bisher am hieſigen Gymnaſium ſte⸗ hende Praktikant, Heinrich Matthei, als beauftragter Lehrer dem Gymnaſium in Caſſel unter gleicher Vergütung von jährlich 250 Rthlrn. beigegeben. Wiewohl dieſe Perſonalveränderungen manche Veränderung im Lectionsplane nöthig machten, ſo ſchritt doch der Unterricht ſelbſt ungeſtört fort. Die Pfingſtferien dauerten vom 10.— 14. Mai. Am 20. Juni geleitete das Gymnaſium einen gutgearteten, fleißigen Schüler, den Quintaner Au⸗ guſt v. Sturmfeder, zu Grabe. Beim Baden im Main war er am 16. Juni von der Gewalt des Stromes fortgeriſſen und der ſorgfältigſten Nachforſchung bis zum 20. Juni entzogen worden. Die Sommerferien begannen am 30. Juni, endeten am 20. Juli. Am 3. Auguſt feierten Lehrer und Schüler gemeinſam das heilige Abendmahl, nachdem Tags vor⸗ her der ordentliche Gymnaſiallehrer Jung die Vorbereitungsrede im Gymnaſium gehalten hatte. Der höchſt erfreuliche Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit des Kurprinzen-Mitregenten wurde am 20. Auguſt durch eine Feſtcantate, unter Leitung des Geſanglehrers Weikert, ſowie durch eine Rede, in welcher der ordentliche Gymnaſiallehrer Dr. Feußner das Verhältniß der Realſtudien zum Ziel der formellen Geiſtesbildung beleuchtete, von Seiten der Schule feierlich begangen. Die Maturitätsprüfung, zu welcher ſich am 24. Juli die 2 Primaner, Eduard Schwarzenberg und Friedrich Klingelhoeffer gemeldet hatten, wurde, und zwar die ſchriftliche Prüfung in den Tagen vom 11. bis 14. Auguſt, dagegen die mündliche Prüfung am 4. und 6. September abgehalten. Die nicht öffentlichen Claſſenprüfungen erfolgten am 22. und 23. September, jeden Tag von 8 Uhr Morgens bis 12 Uhr, und Nachmittags von 2 bis 4 Uhr; die Entlaſſung der mit Zeugniſſen der Reife zur Univerſität abgehenden zwei Primaner, welche vom Director durch eine Rede„über die Kennzeichen der intellectuellen Reife“ vollzogen wurde, ſo wie die Verſetzung der in der Lehranſtalt zurückbleibenden Schüler und die Austheilung der halbjährigen Schulzeugniſſe fand am 24. September Statt. Von dieſem Tage an begannen die Herbſtferien und dauerten bis zum 13. Oktober, an welchem Tage der Wintercurſus unter den gewöhnlichen Feierlichkeiten ſeinen Anfang nahm und die Neuauf⸗ genommenen eingeführt wurden. Am 24. Dezember wurden die Schulen wegen der eintretenden Feier⸗ tage geſchloſſen bis zum 4. Januar 1846. Zur Maturitätsprüfung meldete ſich am 12. Januar der Primaner Carl Fuchs aus Hanau und wurde, weil kein Hinderniß entgegenſtand, am 16. Februar u. d. f. Tagen zum ſchriftlichen, am 13. und 14. März aber zum mündlichen Eramen zugelaſſen. 42 Zur Förderung der Schuldisciplin erließ Kurfürſtl. Miniſterium des Innern durch Beſchluß vom 14. Juni 1845, zur Nr. 5269, die Verordnung: „daß die Polizeidirection zu Hanau Anordnung zu treffen habe, daß den Wirthen daſelbſt und in den im Umkreiſe einer Stunde gelegenen Orten bei einer polizeilichen Strafe bis zu 5 Thalern unterſagt werde, an Schüler des-Gymnaſiums, inſofern ſie nicht in Begleitung erwachſener Angehörigen oder ſolcher Perſonen, unter deren Aufſicht ſie geſtellt ſind, ein Wirthshaus oder einen öffentlichen Vergnügungsort beſuchen, geiſtige Getränke, insbeſondere auch Bier zu verab⸗ folgen, und übrigens nicht nur die Aufrechthaltung dieſes Verbotes durch das Polizeiperſonal gehörig überwachen zu laſſen, ſondern von den einzelnen Contraventionsfällen namentlich auch dem Director des Gymnaſiums, behufs des geeigneten disciplinariſchen Einſchreitens gegen die betref⸗ fenden Gymnaſiaſten, Nachricht zu ertheilen.“ Durch Beſchluß Kurfürſtl. Miniſteriums des Innern vom 8. Inli 1845, zur Nr. 5605, wurde der Director angewieſen, ebenſowohl in Betreff der Strafe des ſogenannten Nachſitzens der Schüler nach den mitgetheilten Grundſätzen der Schulcommiſſion für Gymnaſialangelegenheiten zu verfahren, ſo daß die Strafe möglichſt ſtufenweiſe angewendet, für ſtete Beſchäftigung der mit dieſer Strafe Belegten ge⸗ ſorgt, und eine fortwährende Aufſicht angeordnet werde, ſobald mehrere zugleich in demſelben Zimmer die Strafe auszuhalten haben; als auch die Theilnahme der Schüler am Turnunterricht auf geeignete Weiſe möglichſt zu befördern. III. Statiſtiſche Ueberſicht. A. Lehrer. Das Lehrercollegium beſteht gegenwärtig aus folgenden Mitgliedern: a. Ordentliche Lehrer. Dr. Heinrich Auguſt Schiek, Director und erſter Lehrer, Ordinarius der Prima. Dr. Auguſt Ferdinand Soldan, Ordinarius der Tertia. Dr. Friedrich Münſcher, Ordinarius der Secunda. Dr. Heinrich Feußner, Ordinarius der Quinta. Gymnaſiallehrer Ferdinand Dommerich, Oidinarius der Serta. Gymnaſiallehrer Eduard Jung, Ordinarius der Quarta. b. Hülfslehrer. Heinrich Horn, Lehrer der franzöſiſchen Sprache. Dr. Joh. Friedrich Lotz, Lehrer der Mathematik und Phyſik. . Beauftragter Lehrer⸗ Louis Caſſelmann. d. Außerordentliche Lehrer Caspar Zimmermann, Schreiblehrer. Heinrich Weikert, Geſanglehrer. Den Turnunterricht leiten der Schreiblehrer Zimmermann und Wilh. Linck. 43 B. Schüler⸗ Am Schluſſe des Winterſemeſters 18 ½ verließen 4 Primaner nach beſtandener Maturitäts⸗ prüfung die Lehranſtalt, nämlich: a) Theodor Wunderly aus Hanau, 21 Jahre alt, 7 Jahre Schüler des Gymnaſiums, 2 Jahre in der Prima, mit dem Zeugniß Nr. IM, ziemlich gut befähigt, um Cameralwiſſenſchaft; b) Ernſt v. Biſchoffshauſen aus Berge bei Witzenhauſen, 21 Jahre alt, 8 Jahre Schüler des Gymnaſiums, 2 Jahre in der Prima, mit dem Zeugniß Nr. M, ziemlich gut befähigt, um Rechtswiſſenſchaft; c) Alfred v. Möller aus Hanau, 21 Jahre alt, 11 ¼ Jahre Schüler des Gymnaſiums, 2 Jahre in der Prima, mit dem Zeugniß Nr. IV, befähigt, um Rechtswiſſenſchaft; d) Ferdinand Seiffert aus Hanau, 20 ½ Jahre alt, 6 ½ Jahre Schüler des Gymnaſiums, 1 ½ Jahre in der Prima, mit dem Zeugniß Nr. 1, ſehr gut befähigt, um Philologie in Marburg zu ſtudiren. Von ihnen hatte am Tage der Entlaſſung(27. März) v. Biſchoffshauſen in einer lateiniſchen Rede„über Pericles Verdienſte um Athen;“ Seiffert in einer deutſchen Rede „über den Einfluß der Oeffentlichkeit im Staatsleben und in der Rechtspflege auf die Bildung des griech. Volkes,“ Wunderly jedoch in einem metriſchen Scheidegruß von der Anſtalt öffentlich Abſchied genommen. Außer dieſen traten aus der Schulverbindung die Primaner: 1) Heinrich Lucanus aus Malſchwitz in Schleſien, um in Glogau das Maturitätseramen zu beſtehen; 2) Georg Appia aus Frankfurt a. M., um in Genf ſeine Studien fortzuſetzen; 3) Carl Hoffmann aus Marburg, um Oeconom zu werden; 4) der Quintaner Chriſtian Gremp v. Freudenſtein aus Gelnhauſen, ohne bekannte Beſtimmung. Dagegen wurden 2 Schüler aufgenommen, ſo daß die Geſammtzahl von 96 Schülern beim Anfang des Sommerhalbjahres anweſend war, von denen der Prima 8, der Secunda 20, der Tertia 19, der Quarta 22, der Quinta 19, der Serta S angehörten. Von dieſen verließen jedoch im Laufe des Sommerſemeſters oder am Schluſſe deſſelben die Schule: a) die Primaner: Carl Freſenius aus Hailer, um die polytechniſche Schule in Carlsruhe; Ernſt Roemheld aus Burghaun, um das Gymnaſium in Fulda zu beſuchen; b) die Secundaner: Mar und Hugo Weſtermann aus Naſſau-Ufingen, um in Wiesbaden; Friedrich Willich aus Frankenthal in Rheinbaiern, um in Speyer; Carl Ungewitter aus Rinteln und Oscar Speyer aus Hanau, um in Caſſel in das Gymnaſium einzutreten; e) die Tertianer: Ernſt v. Heppe aus Caſſel, um Militair; Callman Cahn aus Hanau, um Kaufmann zu werden; d) der Quartaner Ernſt Ungewitter aus Marburg, der Quintaner Carl Runkel aus Caſſel, der Sertaner Auguſt Speyer aus Hersfeld, folgten ihren Vätern nach Caſſel, um daſelbſt die Schule zu beſuchen, während der Quintaner Guſtav Lein ſeinem Vater nach Frankfurt a. M. folgte. 44 Zur Univerſität gingen über am 24. September: 1) Eduard Georg Wilhelm Theodor Schwarzenberg aus Caſſel, 18 ½ Jahre alt, 2 ½ Jahre im hieſigen Gymnaſium, 2 Jahre in der Prima, mit dem Zeugniß Nr. U, gut befähigt, um Jurisprudenz; 2) Friedrich Klingelhoeffer aus Gelnhauſen, 19 ¾ Jahre alt, 6 ½ Jahre im Gymnaſium, 2 Jahre in der Prima, mit dem Zeugniß Nr. IW, befähigt, um Jurisprudenz in Heidelberg zu ſtudiren. Beide hatten, und zwar Schwarzenberg in einer deutſchen Rede über den Spruch Goethes im Taſſo:„Es bildet ein Talent ſich in der Stille, ſich ein Character in dem Strom der Welt,“ Klingelhveffer dagegen in einer lateiniſchen Rede„über Napoleon's Character und Tha— ten“ von der Schule Abſchied genommen. Es war daher die Anzahl der das Gymnaſium Beſichenden auf 80 vermindert worden. Da indeß 11 Neuaufgenommene hinzutraten, ſo betrug am Anfang des Winterſemeſters die Geſammtzahl 91, nämlich: in der Prima 8, „„ Secunda 17, „„ Tertia 19, „„ Quarta 24, „„ Quinta 14, „„ Serta 6 Schüler. C. Bibliotheken und Apparate. 1) Die Aufſicht über die Gymnaſialbibliothek wurde dem ordentl. Gſl. Jung uͤbergeben, der die Catalogiſirung der vorhandenen Bücher faſt beendet hat. Die werthloſen Schriften wurden, in Gemäßheit der Verfügung Kurfürſtl. Miniſteriums des Innern vom 9. Juli 1836, zur Nr. 6049, verkauft und der Erlös auf den Ankauf z. B. von Reinesii syntagma inscript. antiquarum; lmperator. Roman. Numismata; Regum Parthorum Ilistoria, T. II. 4 verwendet. Außerdem wurden nicht bloß Fortſetzungen des Thesaurus Gr. von Stephanus, des Lex. Gr. von Suidas ed. Bernhardy, des Thucydides ed. Poppo, ſondern auch neue Ankäufe, z. B. des Pausanias ed. Dindorf; Aristoteles ed. Becker; v. d. Hagen's Minneſänger; Klotz Handb. der lat. Literar⸗ geſch. 1. Th.; Siever's Geſch. Griechenlands v. aus den vorhandenen Mitteln beſtritten. 2) In gleichem Verhältniß erhielt auch die Schülerbibliothek, welche der Aufſicht des ordentlichen Gſl. Dr. Feußner anvertraut iſt, Zuwachs. Es gehören zu den neuen Anſchaffungen z. B. Platen's von Hallermünde Werke, Klopſtock's Werke, Droyſen's Geſch. Aler. d. Gr., Schloſſer's Weltgeſch. von Kriegk, Roth's Erzählungen aus der gr. und röm. Geſch., Aler. v. Humboldt's Kosmus n. ſ. w. 3) Der phyſicaliſche Apparat, unter Aufſicht des Dr. Lotz, konnte nur erhalten, nicht erweitert werden, weil es an Mitteln noch gebricht. 4) Der naturhiſtoriſche Apparat und die Chartenſammlung ſtehen unter Aufſicht des ordentlichen Gſl. Dommerich und haben einige Vermehrung, jener durch Oken's Abbildung Ergänzungstaf. 1—5 Hft.), dieſe durch Spruner's hiſt.⸗geograph. Atlas, 8S. Lief, erfahren. 45 Auch hat das Gymnaſium die Hoffnung, bald in den Beſitz eines Münzcabinetes, alſo eines För⸗ derungsmittels des hiſtoriſchen Unterrichtes geſetzt zu werden; denn durch Beſchluß Kurfürſtl. Regie⸗ rung der Provinz Hanau vom 23. Dezember 1845, zur Nr. 1379, iſt der Unterzeichnete bereits in Kenntniß geſetzt worden, daß Kurfürſtl. Regierung keinen Anſtand nehme, das durch Teſtament des verſtorbenen Steuerrathes Campe vom 4. April 1766 der Hohen Landesſchule vermachte und folgeweiſe dem Kurfürſtl. Gymnaſium dahier zugefallene Cabinet zu beſtändiger Verwahrung zu überantworten. IV. Ordnung der offentlichen Prüfungen und Schulfeierlichkeiten. Montag den 30. März. Pormittags von 8— 12 Uhr. Chorgeſang:„Lobe den Herrn“ ꝛc. von J. Neander. Classis I. Von S ½— 10 ½ Uhr. 2 irectr. metrie Plato. Apolog. d. e öſiſch Collmanns Leſebh Hlfsl Horn. Classis VI. Von 10 ½— 12 Uhr. ds lat. Elementarb. Beauſtr. L. Caſſelmann. ſcmerich. Machmittags von 2— 4 Uhr. Classis IV. en Geometrie.. Geſch. des Mittelalters Dienſtag den 31. März. Vormittags von 8— 12 Uhr. Classis II. Von 8— 10 ½ Uhr. . Virgil. Aeneis... e. Geſch. des Mittelalters e. Classis V. Von 10 ½— 12 Uhr. Lat Grammat nach Grotef Feußner. Donnerich. Lo. Nachmittags von 2— 4 Uhr. Classis III. Luctans Geſpr. Mierglozie Ea A Geſch. Mittwoch den 1. April. Vormittags 10 Uhr. Cantate von Müller:„Nicht um ein flüchtiges Gut“ 1. Entlaſſung. Chorgeſang. Bekanntmachung der halbjährigen Verſetzungen und Vertheilung der Zeugniſſe. Alle Eltern oder Vorgeſetzte unſerer Schüler, ſowie alle Freunde des Gymnaſialunterrichtes lade ich hierdurch im Namen der Anſtalt geziemend ein, dieſen Prüfungen und Schulfeierlichkeiten wohl⸗ wollende Theilnahme zu ſchenken. Der Gymnaſialdirector Dr. Schiek. NB. Der Sommercurſus beginnt den 20. April. ahresbericht über das Gymnaſium zu Hanau womit 1. März und 1. April d. J. Statt findenden chulfeierlichkeiten ergebenſt einladet einrieh Angnſt Sehieb, Gymnaſialdirector. t: chimedes.— Ein Beitrag zur Aufhellung des Alterthums. Zweite tor. Farbkarte 613 Hanaun, ſck der Waiſenhausbuchdruckerei. 1846.