über die Höhere Gewerbe⸗ und Handlungsſchule in Magdeburg dem Schuljahre von Oſtern 1845 bis Oſtern 1846, womit zu der öffentlichen Pruͤfung und der Rede⸗ und Geſangübung, welche am 2. u. 3. April Statt finden werden, alle Freunde der Anſtalt freundlichſt einladet — der Director Dr. Ledebur. Inhalt: 1) Aeber die Einführung unſerer Jugend in die deutſche Kiteratur, von Herrn Dr. Weber. 2) Kurze Nachricht über den Beichnenunterricht in unſerer Schule, von Herrn Filienfeld.. 3) Schulnachrichten. Magdeburg, 1846. nönlni: dhhe an Gchae en uaſt aün 12n 196 u d 2 6 2 2.10.1 amau aäwzd 416 a Siaun 142um pnurdüſni sicd. t .12 d2 f I16I uret nan Ihruinhnamgr naf 1adü ichintnir 8 FCl2Inil1¼ Mlatt u t 8 —— Ueber die Einführung unſerer Jugend in die deutſche Literatur. Den Gönnern und Freunden unſerer Schule, beſonders denen, die ihre Kinder zur erziehenden Bildung uns anvertrauten, von Zeit zu Zeit Nachricht und Rechenſchaft zu geben von dem, was wir treiben und erſtreben, iſt uns nicht nur Pflicht, ſondern auch Wunſch, ja Bedürfniß. Nicht der ſüße Nectar des Lobes iſt's, worauf wirs dabei abſehen, denn danach ſtrebt kein ſelbſtſtändiger Mann; aber wir wiſſen, daß die wohlmeinende, verſtändige Billigung, die wir uns von außen her erringen, eine Grundbedingung vom Gelingen unſerer, ſelbſt der angeſtrengteſten Thätigkeit iſt; und deßhalb ſuchen wir ſie,— aus Pflichtgefühl. Wir ſetzen unſer Thun, ſowie die Beweggründe dazu um ſo lieber ſelbſt auseinander, als wir uns dadurch die Einſichtsvollen zu Mitarbeitern, ohne daß ſie es wiſſen und wollen, zu verbinden hoffen*), denn durch ſie wird immer die Phalanx verſtärkt, welche dem unbegründeten Urtheile entgegen zu treten hat. Unbegründet würde aber das Urtheil über unſer Thun jedenfalls ſein, wenn es ſich nur auf die Ausſagen, ja ſelbſt nur auf die Leiſtungen der Schüler ſtützen würde, weil begreiflicher Weiſe kein Schüler weder unſer Thun in ſeiner ganzen Bedeutung begreift, noch das Ganze unſerer Arbeit darſtellt und vertritt. Daß wir aber auf das Urtheil über uns Rückſicht zu nehmen haben, verſteht ſich von ſelbſt; daß wir's aber in höherem Grade thun müſſen, als die Gymnaſien, iſt natürlich. Dieſes ſind lateiniſche Schulen(a potiori fit denom.). Die unſere iſt eine deutſche. Natürlich iſt, daß ſich in die Sphäre jener nicht leicht ein Urtheil verſteigt, weil die Prüfungs⸗Commiſſion in letzter Inſtanz entſcheidet, und wo dieſe zufrieden iſt, die Betheiligten um ſo mehr zufrieden ſind, weil dadurch der Eintritt in Amt und Würde und in die höheren Lebenskreiſe bezeugt und beſiegelt wird. Ueber unſere deutſche Schule regt ſich natürlich ein ausgebreiteteres Urtheil, als Deutſch vor dem Lateiniſchen bekannt iſt, und man uns mißtrauiſch darauf anſieht, ob wir auch unſere Schüler ohne jenes dienſtliche Gutachten in den Kreis der gebildeten Menſchheit zu erheben vermögen. Jene Schulen ſind alt und bewährt, begründet, und laſſen ſich nicht wägen und wiegen von allerlei Meinung, haben die Univerſitäten noch hinter ſich, denen die Pflicht, Begonnenes zu vollenden, mit Recht zugemuthet wird; unſere Schulen ſind neu, noch nicht durch die Länge der Zeit in der Meinung begründet, haben das gewerbliche Leben *) Ja wir rechnen ein wenig darauf, daß mit der Zeit die Mütter und Kinderſtuben unſere Collegen werden ſollen; und wenn ſie ſich ein wenig nach uns richten und uns vorarbeiten, werden wir mit ihnen gar friedlich und einverſtanden leben. 4 hinter ſich, müſſen alſo die techniſche Vorbildung zu einem Fache, die von uns gefordert wird, geben; müſſen dann aber auch mit der allgemeinen, der edlern, menſchlichen Bildung einen Abſchluß zu gewinnen ſuchen. Sie haben daher gar viele Fragen zu beantworten, vielen Einreden entgegen zu treten, und thun daher am beſten, dem zuvor zu kommen, indem ſie offen ſagen, was ſie thun, wie ſie's thun und warum. Die Ueberſchrift hat es verrathen, daß ich beabſichtige, über die Einführung unſerer Jugend in die deutſche Literatur zu reden. Es ſchadet vielleicht nicht, wenn ich als eine Art von Definition erkläre, daß unter deutſcher Literatur hier alle Erzeugniſſe des ächt deutſchen Volksgeiſtes zu verſtehen ſind, in Dichtkunſt, Erzählung und freier Rede. Ausgeſchloſſen alle Ueberſetzungen, bis auf die, welche wie Luthers Bibelüberſetzung, Voſſens Homer, ſelbſt aus urdeutſchem Gemüth und ſelbſtſchöpferiſcher Begeiſterung hervorgegangen, ſchöpferiſch auf die ganze Nation gewirkt haben und die Eckſteine hoher, heiliger und veredelter Natürlichkeit(Naivität) bleiben werden, woran ſich von Zeit zu Zeit immer wieder die Verirrungen ſelbſteigner, ſtürmiſcher, launenhafter, blaſirter Ueberhebung brechen und zu ebnen Spiegeln heiterer, hoher Menſchheit glätten werden. I. Alſo kurz,„was thun wir?“ Ich werde es mit wenigen Worten ſagen können. Wir bemühen uns von der unterſten Klaſſe an die Schüler durch geiſtige Anſchauung in die literariſchen Schöpfungen des deutſchen Geiſtes einzuführen, ſo daß ſie das für ihren Standpunkt Paſſende kennen lernen, durch Leſen und Deklamiren einen gehörigen Vorrath im Gedächtniß aufnehmen und frühzeitig daran gewöhnt werden, dieſen Erſcheinungen den gebührenden Werth und Ton beizulegen. Dieſen Zweck verlieren wir in keiner Klaſſe wieder aus den Augen, im Gegentheil, legen nach gemeinſchaft⸗ licher Berathung in jeder Klaſſe ſo viel zu, als uns nach dem Standpunkte der Schule(der ſchon einige Mal ſich änderte) dienlich erſchien. Von der dritten Klaſſe an beginnt auch ſchon eine mehr abſichtliche Bekanntmachung mit den Formen der Poeſie, beſonders der epiſchen, und mit den verſchie⸗ denen Dichtungsarten. Hier bekommen ſie die erſten überſichtlichen Andeutungen von dem, was die allmähliche und frühere Entwickelung unſeres Volkes betrifft. Da in dieſer Klaſſe, welche die zweite Stufe unſerer Bildung abſchließt, die deutſche Geſchichte vollſtändig gelehrt wird, und Kohlrauſch's Geſchichte der Deutſchen in den Händen der Schüler iſt, zum Theil als Leſebuch benutzt wird: ſo liegt es ganz in der Natur, daß dieſe beiden Unterrichtszweige ſich ergänzen, einer in den andern eingreift und ſie ſich gegenſeitig unter⸗ ſtützen. Von der zweiten Klaſſe an beginnt neben den Leſeübungen ein beſonderer Unterricht in der deutſchen Literatur nach Schäfers bekanntem Handbuche, welches auch in der erſten Klaſſe zu Grunde liegt. In derſelben wird dieſer Unterricht vollendet und in erweiterter Geſtalt bis auf die neueſte Zeit fortgeſetzt, während in der zweiten Klaſſe die ältere Literatur in flüchtigen Umriſſen, bis auf Klopſtock vorzugsweiſe, mit den Schülern beſprochen wird. Mit Hervorhebung der Bedeutung dieſes großen Reformators deutſcher Sprache und Poeſie, beſonders ſeiner Lyrik, ſchließt die zweite Klaſſe ab, die nach ihm und Leſſing mit Herder durchbrechende Glanzepoche durch Göthe und Schiller zur angelegentlichern Würdigung der erſten Klaſſe überlaſſend. Doch wird noch in der zweiten Klaſſe als Vorbemerkung zur Literatur und zur Leſeſtunde eine kurze Ueberſicht über die Dichtungsarten gegeben, was ſich in der erſten Klaſſe in erweitertem Maßſtabe und genauerer Beſchauung wiederholt. Doch werden dabei nicht etwa die Re⸗ geln aufgeſtellt, wonach die Gedichte gemacht ſein ſollen, als ob dergleichen nach Regeln gemacht 5 würden; es wird vielmehr gezeigt, was ſich von ſelbſt Analoges in den Meiſterwerken findet, daß es und wie es aus der Natur des Menſchengeiſtes von ſelbſt ſich ſo geſtalte. Dieſes anzuſchauen und zu einem bewußten Verſtändniß des Schönen ſich allmählich durchzubilden, dazu wollen wir dem Schüler Anleitung geben. Von der unterſten Klaſſe an ſuchen wir den Schülern ſo viel als möglich Bio⸗ graphiſches über die Helden unſerer Literatur beizubringen. Es iſt dieſes die beſte Art der Vorbereitung auf einen ſpätern, ordnenden Unterricht in der Literaturgeſchichte. Es giebt ihnen den Stoff allmählich, macht ſie damit vertraut, und ſie haben ſpäter mit der geſchichtlichen Auf- und Ausein— anderfolge nicht auch noch die Namen und Einzelnheiten zu merken, dieſe bringen ſie ſchon mit. Auf das Leſen, Declamiren und auf freie Vorträge legen wir ein großes Gewicht, indem die Einwirkung der Darſtellungsform auf das Verſtändniß und auf das eigene Wohlgefallen am Gegenſtande von außerordentlicher Wichtigkeit iſt. So iſt es mir vorgekommen, daß Schüler an wahrhaft ſchönen Gedichten erſt, nachdem ſie dieſelben auf dem Actus ohne die häufig zurechtweiſenden Unterbrechungen im Zuſammenhange gut vorgetragen hatten, das rechte Wohlgefallen empfanden, und ſie auch bei den Uebrigen durch ihren Vortrag zu Lieblingsgedichten erhoben. Das iſt es, was wir thun, wir führen allmählich die Jugend zur Bekanntſchaft und zum Verſtändniß der Erzeugniſſe unſerer Literatur. II. Wie geſchieht es?— Durch Anſchauung derſelben. Man habe uns ja nicht im Verdacht, daß wir unſere Kinder mit Theorie überſchütten— bekanntlich ein deutſcher Schulfehler und darum Volksfehler.— Indem ich's erzähle, wie wir es machen und machen wollen,— denn, daß im Eifer und bei Umſtänden nicht manchmal Ausſchreitungen vorfallen, vorkommen müſſen, wer wird's in Abrede ſtellen— wird ſich's ergeben, daß die Sache einfach angelegt iſt und, nur in der conſequenten Durch⸗ führung und Feſthaltung endlich erwünſchte Reſultate liefern muß. Es iſt kein neues, kein großes Syſtem, ſondern der gewöhnlichſte Naturgang. Darum liefert er auch keine blendende(etwa in öffent⸗ licher Schauſtellung auch dem Nichtverſtändigen entgegenſtrahlende) Reſultate; aber dem Verſtändigen wird bei längerer Betrachtung einleuchten, daß auf dieſe Weiſe der Jugend etwas gegeben wird(in der Schule, denn unſer Leben thut's nicht, kann's nicht, ſtört uns im Gegentheil), was ihr zur geiſtigen, gebildeten Natur wird und werden muß. Wir nehmen hier Alles zu Hülfe, was uns zu Gebote ſteht; zuerſt die Sprech- und Leſeübungen und die Declamation. Wir wiſſen aus ganz ſicherer Quelle, daß der Eindruck durchs Gefühl, leibliches und geiſtiges, der erſte, der nothwendigſte, in ſeiner Wirkſamkeit gar nicht zu hindernde, und der unvergänglichſte iſt. Nicht zur Ge⸗ wohnheit gewordene Begriffe; ſondern zur Gewohnheit gewordene Gefühlszuſtände beherrſchen den ſittlichen Menſchen; ein ganzes Syſtem von Begriffen ſtürzt leicht durch Entdeckung eines Trugſchluſſes, aber die von Jugend auf eingeſogene Gewöhnung, die ſich in dieſer oder jener Lage wohl fühlt, die von Jugend auf an dieſes oder jenes geheftete Liebe, der eingebürgerte Widerwille gegen dies und das, das ſitzt im Herzen wie auf dem Königſtein feſt, und ſpottet einer ganzen Belagerungsarmee von Begriffen. Ausgehungert und ausgedürſtet kann es auch nicht werden, denn es hat einen gar tiefen Brunnen, zu eſſen braucht die Liebe nicht viel, das Nöthige wächſt auf dem eigenen Boden. Der Schüler ſoll alſo von unten auf leſen, nur deutſch Empfundenes, deutſch Gedachtes, nur Gutes leſen, hören, declamiren. Kräftig, tüchtig heraus und hinein; darauf wird gehalten von unten auf, wenn ſie leſen, antworten, declamiren. Laut müſſen ſie reden,— nicht wie das Hündchen Wackerlos, das da redte franzöſiſch.— Es wird von unten auf in der ſechſten, fünften, vierten 6 Klaſſe Wackernagels Leſebuch gebraucht, und ſein Inhalt entſpricht unſerem Zwecke, wie kein anderes uns bekanntes; es iſt deutſch, natürlich, nicht zu weiſen Betrachtungen auffordernd, aber zu ſehr verſtändigen. Die Bemerkungen ſtehen auch nicht dabei; ſondern ſie geben dem Schüler und Lehrer Zeit und Muße, Alles und Jedes anzuknüpfen, eben darum nur das, was ſie wiſſen, was aus ihrer Mitte und Erfahrung entſpringt. Alſo nicht die Fehler des Pontius, nicht die Tugenden des Pilatus— was gehen die die Knaben an— ſondern Karl, Ernſt ac. deine eignen ſtehen in dem Buche, denn in einer Begebenheit, in einem Schwank liegt Alles und Jedes, es iſt ein Stück aus der Welt, da⸗ raus läßt ſich die Welt conſtruiren. Man braucht nur den Schwank tüchtig darauf anzuſehen, oder ihn nach hinten oder voran zu erweitern.— So wird es nun des Schülers eigne Wahrheit. Welcher Lehrer möchte ſich hiezu die einfachen Fabeln, die Hebel'ſchen Erzählungen rauben laſſen? Noch dazu die koſtbaren Mährchen, wo es die Knaben ſo koſtbar leſen, was ſie wünſchen— ach wenn's ſo wäre— aber es iſt nicht ſo! Man muß die Kinder zum Spaß in das Schlaraffenland führen, ſie wie durch ein Loch im Zaune hineinblicken laſſen, damit ſie zeitig bemerken, wir ſind nicht drin; daß aber ſelbſt bei dieſem holden Lande immer ein Aber dabei iſt, und wär's auch nur ein einzig Härchen am ſchwarzen Bock, dann Ade Genick! Auch lernen ſie dabei rechtzeitig und nützlich ſich ärgern, ängſtigen, freuen für Andere, obgleich ſie ganz unbetheiligt dabei ſind; denn wer ſich als Knabe über alles, was Schuft heißt, recht nützlich und tüchtig hat erboßen, wer für die Unterdruͤckten in den Mährchen recht hat mit ſorgen und fürchten gelernt,— hat im Herzen mehr gelernt, als ſeine Zunge zu ſagen weiß, ſicherlich mehr, als ganze Roſenkränze voll Gnomen und Sittenſprüche in ihn hineinbringen könnten. Dieſe Geſchichten aber und Fabeln und Maͤhrchen merken ſie, denn ſte haben ſie gern, können dabei fühlen und denken; die Sentenzen aber vergeſſen ſie, ſie mögen ſie nicht leiden(die natür⸗ lichen Knaben, ich rede nicht von den heuchleriſchen, altklugen), denn ſie können nichts dabei denken, geſchweige denn fühlen; und dieſes wollen ſie doch, der abſtracte Gedanke macht keine Freude, aber das Gefühl, die Luſt erwacht am Thatſächlichen. Wie wichtig hierbei die glückliche Wahl des Leſebuches iſt, weiß ich aus früherer Erfahrung, da mich die unglückliche lange genug gepeinigt hat. Als ich dieſen Unterricht in der Elementarklaſſe gab, hatte ich ein Leſebuch, in dem an der Spitze des poetiſchen Theils die Gellert'ſche Fabel von den Affenmüttern ſtand. Urſprünglich recht gut gemeint, aber was wollte ſie bier? Abgeſehen von der barbariſchen erſten Periode, der altklugen naivthuenden Sprache, dachte ich, wenn ſie geleſen wurde, „Wenn doch die Eltern da ſäßen, denn die bekommen eins. Aber was mit den Kindern machen? Nun es ging, weil es gehen mußte, ob aber nicht der eine und der andere Vocativ dabei gedacht hat“, es iſt den Eltern ſchon recht, daß wir ihnen hier den Text leſen! wer weiß. Item es glaubt freilich Mancher,„wer für die Großen nicht ſchreiben und ſammeln kann, der kanns doch für die Kleinen.“ Weit gefehlt! Sieht er nicht, daß, was er Unnützes, Böſes, Verkehrtes, Vorlautes, Rumorendes in ſie hineinbringt, hier weit ſchädlicher iſt, als bei Erwachſenen. Sind die Erwachſenen klug, ſo leſen ſie ihn nicht; aber ſo ein Buch wird auf Befehl allen Kleinen in die Hand gegeben, und dieſe ſollen daraus klüger und beſſer werden. Wer aber das können, wer die Kinder erbauen will, der muß naiv⸗ natürlich, aber ſehr edel natürlich ſein, der muß eine ganze Welt voll Weisheit, er muß die ganze Liebe Gottes in ſich tragen, muß ſich reſigniren, muß einen ganzen Qualm und Wuſt von einge⸗ dünkelter Weisheit von ſich werfen, um den kleinen ächten Kern herauszufinden, auf den die Weisheit 7 einer Stube voll Kinder kann gegründet werden. Welcher Erwachſene— ich nehme die haute volée aus*)— fände nicht ſeinen Meiſter in Hebel— und wie gerne, wie nützlich hören ihn die Kinder. Hierüber ſpricht Rouſſeau, mit dem ich mich ſonſt eben nicht Vert a9s, bei Gelegenheit der Lafon⸗ tainiſchen Fabeln ein Wort, das aus dem Ganzen gehauen iſt. In der ſechſten Klaſſe wird nun beim Leſen der erſte Curſus des Wackernagelſchen Leſebuchs gebraucht, und beſonders darauf gehalten, daß der Knabe ein Gefühl für ſeine Mutterſprache erhalte, daß er ihre einfache Kraft und Anmuth ahne und ſeine Freude daran finde. Es bietet in Erzählungen, Schilderungen, Gedichten einen Kreis aus der geiſtigen und natürlichen Welt, den der Knabe nach ſeinen Hauptmomenten umſpannt. Richtiges Ausſprechen, Verſtehen, und Aneignen ſind die Punkte, auf die gehalten wird. Die Verfaſſer werden genannt, irgend eine bedeutende Notiz über ſie hinzu⸗ gefügt, wo möglich ein Bild von ihnen gezeigt, ſo daß ſich mit dieſer Welt eine Art von Bekannt⸗ ſchaft anknüpft. Weſentlich gleich iſt der Unterricht in der folgenden Klaſſe, der ſich an den zweiten Curſus von Wackernagels Leſebuch anknüpft. Sie lernen hier den mitgebrachten Reichthum zuſammen⸗ faſſen; ſummiren, was ſie von einem Verfaſſer ſchon geleſen, gelernt haben, zu dem, was ſie hier bekommen. Eine Reihe von Sprichwörtern führt ſie in die Volksſprache ein. Das Reproduciren des Geleſenen iſt, wie in der vorigen Klaſſe, die Probe, ob die Kinder fleißig und genau aufgenommen haben. Gut wiedererzählen wird zu einem Ehrenpunkte gemacht. Der dritte Curſus von Wacker⸗ nagels Leſebuch regiert in der vierten Klaſſe, er iſt reicher an Inhalt, dehnt der Kinder Geſichtskreis aus, zur erzählenden, beſchreibenden tritt die ſchildernde Form, das Hiſtoriſche tritt ein. Das Ethabene, beſonders aus der Natur, findet ſeine Stelle, und immer ſind nur die beſten Meiſter hereingelaſſen. Auch Komiſches und Scherzhaftes findet ſich, die Knaben ſollen nicht glauben, daß Wahrheit und Weisheit nur finſter und ernſt ausſehe, ſte ſind ja ihrer Natur nach heiter. Beſonders findet hier auch der religiöſe und vaterländiſche Sinn ſeine Pflege, aus den bedeutendſten Geſchichtſchreibern ſind Abſchnitte eingefügt, die bei der Wiederkehr der Tage, auf welche ſie ſich beziehen, geleſen werden. Man ſieht in dieſer Klaſſe ſchon auf den Wohllaut; Gegenſätze ꝛc. müſſen in entſprechender Betonung vorgetragen werden, der Knabe muß zeigen, daß er auch empfinde, was er lieſt. Mündliche Repro⸗ duktion und fortgeſetzte Erweiterung der biographiſchen Kenntniß verſtehen ſich von ſelbſt. Die dritte Klaſſe, welche unſere zweite Bildungsſtufe abſchließt, giebt an der Hand der deutſchen Geſchichte eine zuſammmenfaſſende Ueberſicht und geſchichtliche Andeutung von der periodenweiſen Entwickelung unſerer Literatur, und mit Anſchluß an Wolſs poetiſchen Hausſchatz werden die verſchiedenen Dichtungsarten zur Anſchauung gebracht. Die Lectüre aus dem poetiſchen Hausſchatz ſchließt ſich beſonders an das Epiſche an. Lautes, deutliches, in jeder Beziehung richtiges Leſen wird beſonders bezweckt. Was zur Belebung des Sprachgefühls, zur Bildung des Geſchmacks, des Urtheils ſich angemeſſen zeigt, wird herangezogen, beſonders die einheitl iche Auffaſſung des geleſenen Stückes vermittelt. Biographiſche Studien gehen fort. In dieſer Klaſſe iſt zu den biographiſchen, phonetiſchen, logiſchen, reproducirenden Momenten hinzugetreten die geſchichtliche Ueberſicht, vorerſt nur in Umriſſen, das Hinweiſen auf ihr Daſein und das Aufmerken auf die verſchiedenen Arten von Gedichten, ihre Namen. Dieſes wird in der zweiten *) Die deutſche Sprache hat kein Wort. * Klaſſe, mit der die dritte Bildungsſtufe beginnt, weitergeführt. Nach Schafers Grundriß der deutſchen Literatur wird nun eine mehr innerlich zuſammenhängende Vorſtellung von der allmählichen Ausbildung unſeres geiſtigen Lebens angebaut. Die Geſchichte des Mittelalters, nach Schmidt, giebt den Schülern eine Ahnung von der innern und äußern Wechſelwirkung, in welche die Völker Europa's und die hervorragenden Stände, beſonders durch die Kreuzzüge unter einander treten. Sie begreifen, wie ſich dieſes in der Literatur des 13. Jahrhunderts offenbart, ſich im 15. und 18. wiederholt. Luther, der dreißigjährige Krieg, die von allen Grenzländern nach dem Mittelpunkt von Deutſchland dringenden Strahlen, zuſammengefaßt in den Bremiſchen Beiträgen, die Befreiung und Erhebung durch Leſſing und Klopſtock ſind die Geſichtspunkte, welche beſonders hervorgehoben werden. Herders Verdienſt um das Vollsthümliche, deſſen Verklärung in Göthe, Uhland ꝛc. wird noch angedeutet, Bürger und der Hainbund nicht übergangen. Wie Ernſt und Heiterkeit in Haller und Hagedorn getrennt, in den Bremiſchen Beiträgen vereinigt, in Klopſtock und Wieland noch weiter auseinander getreten, bis ſie ſich zuletzt in höherer Einheit durchdrungen, wird anſchaulich gezeigt; der Geſchmack der Schüler am Hohen, Komiſchen, Niedrigen, Würdevollen, Einfachen, Schönen geprüft. Beim Leſen ſoll nicht nur eine Bekanntſchaft mit den verſchiedenen Producten der Dichter vermittelt werden, dieſes muß mehr der Privatlectüre überlaſſen bleiben, die wir durch unſere Bibliothek zu leiten ſuchen; wir verſuchen ein äſtetiſches Verſtändniß anzubahnen. Zu dem Zwecke wird das Wichtigſte aus der Metrik behandelt, auf die Wichtigkeit der Form hingewieſen, Alliteration, Aſſonanz, als beſondere Form des Verſes und als Figur an Gedichten gezeigt. Die Bedeutung des Reims, der accentuirenden und quantitirenden Versmaße werden beſonders an der Nibelungenſtrophe, an Schillers Taucher und einigen Platenſchen Gedichten fühlbar gemacht. Einige Klopſtockſche Oden werdem dem Inhalte und der Form nach ſorgfältig behandelt, damit die Schüler für das Tiefe und Innerliche, das Reiche und Mannigfaltige, das Kräftige und Gewaltige, das Einfache und Schöne Empfindung bekommen. Dazu bietet beſonders die Leſe⸗ und Declamirübung Gelegenheit dar. Die Betonung muß die Schüler zu der Auffaſſung des Ganzen führen, indem ſie das Gefühl derer, die da reden, handeln, leiden, durch den Ton ſelbſt in ſich ſchaffen. Was der Ton ausdrückt, kommt ins Herz, wenn auch noch nicht klar in den Begriff. Durch ſolche Uebungen tritt beſonders Schiller hervor, nach deſſen ausführlicher Lebensbeſchreibung(Hoffmeiſter, Schwab und Gervinus) öfters die Schüler ſich gezogen fühlten. Die biographiſchen Studien gehen fort; Aufſätze, freie Vorträge, ja der ganze deutſche Unterricht bewegt ſich um das Kennenlernen des deutſchen geiſtigen Lebens. In der erſten Klaſſe wird dieſes in erhöhter Weiſe fortgeſetzt und dahin gearbeitet, daß die Schüler ihr Volk geiſtig begreifen lernen, um es zu achten, zu lieben. Wie ein Blick in die Schulnach⸗ richten zeigt, wird auch hier die Kenntniß der engliſchen und franzöſtſchen Literatur mit herangezogen. Die deutſche Lectüre ſchloß ſich im letzten Jahre an das Cpos an, ein andermal an das Drama, dann wieder an einen Mann,(Schiller) und von dieſem Punkte aus wird die Periode von 1740 deutlich gemacht, die Declamation und die freien Vorträge werden mit in dieſen Kreis hereingezogen, die Liebe zum deutſchen Geiſt und Weſen beſonders an große Namen angeknüpft, daher die bio⸗ graphiſchen Studien hier erſt recht ausführlich betrieben werden. Um dieſes insbeſondere recht einzufleiſchen und einzugeiſten, iſt ohne Ausnahme in allen Klaſſen unweigerlich jedesmal Geſetz, daß beim Declamiren der Schüler freiſtehend vor der Klaſſe eine 9 Biographie des Dichters hinzufügt, und erzählt, was er über ihn geleſen und gelernt hat. Dabei ſagt er denn einmal auch, was er nicht verſteht. Denn wenn ein Kleiner beginnt:„Schiller, dieſer große Dichter“— ſo weiß er das eigentlich nicht. Es geht ihm aber dabei, wie Vielen, die von Tertia an ſagen, Homer ſei der größte Dichter; und es iſt doch oft die Frage, ob ſie es im ſechzigſten Jahre wiſſen und fühlen. Wenn ſie zu hoch reden, klopft man ſie wohl einmal auf die Finger und fragt: aus waſer Macht ſagſt du das? belege es. Sonſt ſchadet es aber nicht, wenn von Klaſſe zu Klaſſe bei der natürlich often Wiederholung deſſelben, anerkennende, liebende Urtheile wie ſtereotyp werden, wozu ihnen das Verſtändniß erſt ſpäter aufgeht, beſonders da ſie doch bei den ſechs verſchiedenen Lehrern ſich immer erweitern, neue Färbung erhalten und Einſeitigkeiten ſich mindern. Da mögen einmal die Kinder reden, die Schulwände hören, was für deutſche Edelſteine verborgen liegen, vom Schaum und Sande der Zeitvertreibs⸗Lectüre verdeckt. Unſere Schüler lernen aber dadurch Biographien großer Männer kennen, leſen ſie, prägen ſie dem Gedächtniß ein, der Lehrer giebt ſein Wort dazu, wozu? ſieht Jeder ein. Das Hinzugefügte knüpft ſich meiſt von ſelbſt an das declamirte Stück, und giebt der Mittheilung des Schülers leicht und merkbar eine anſchauliche, ſittliche, literariſche Wendung, durch die der Schüler ſeinen geſchilderten Dichter nun in dem Gedichte wieder findet. An Menſchen rankt ſich ja immer die wahre Liebe empor, weit mehr, als an bloßen Worten und Gedanken. Da hören ſie alljährlich, von wie gar großer Noth des Verkennens, Verachtens, Darbens bedrängt die deutſchen Geiſter aus Begeiſterung der Liebe ihres Volkes Ehre in der Welt wieder hergeſtellt haben, von der wir zehren, auf die wir pochen,— und deren Urheber wir vergeſſen. Aber unſere Jugend ſoll ſie nicht vergeſſen, ſoll nicht nur ihre Werke in den Geiſt aufnehmen; ſondern auch ihren Kampf der Mühe ins Herz! Ich kenne den Eindruck, den Schillers genauere Biographie auf die Schüler macht, ihm ſind nicht die Teppiche von Verſailles und Sansſouci untergebreitet worden, mit blutenden Füßen floh er aus Stuttgardt zum deutſchen Volke, ihm zu Liebe ſtudirte er ſich todt, und ließ etwas mehr als ſeine Werke und ſeine Feder nach; aber nicht viel— doch ſie bleiben, wenn alle Schillerdenkmale werden verfallen oder zerſtört ſein. Der deutſche Kaiſer erhob Schillern ſpäter in den Adelſtand; Herder, Göthe, Schiller erhoben den Cotta zum bayriſchen Standesherrn. Wohl dem, der von ſolchen Männern geadelt wird,— ſo wünſchte ſich Alexander einen Homer,— Schiller aber ſchrieb die Theilung der Erde! Das muß unſere Jugend immer wieder hören, dadurch werden gar viele Urtheile in ihr berichtigt, ihr Geſichtskreis zu einer gar weitausgreifenden neuen Betrachtung der Menſchen und Thatſachen befähigt, ihr Herz wird an einer gar rechten Seite ſchmerzlich berührt, nicht mehr durch ein bloß gedachtes, ſondern durch ein wirkliches Verhältniß, durch ein Verhältniß, für welches die Theilnahme aller Völker und Zeiten entſchieden hat und entſcheiden wird, dem ſich nur der Vandale entziehen kann. So wie im Leben überall die Empfindung dem Denken, Wollen, Handeln vorausgeht, die äußere und innere Empſindung der Boden iſt, in dem das ganze geiſtige Leben ſeine Wurzeln hat, durch die es mit der Außenwelt in ſteter Berührung bleibt und ſtets neue Nahrung empfängt: ſo muß man auch bei der Menſchenbildung dieſer Seite zuerſt die nöthige Sorge und Pflege angedeihen laſſen. Wer hält nicht einen Körper für wohlgerathen, in dem eine empfäng— liche Spannkraft der Empfindung zart und fein aufnehmend, ſchnell reagirend, elaſtiſch wirkt? giebt dieſes nicht dem Körper einen Ausdruck, der ihn auf den erſten Blick von dem des Barbaren unter⸗ ſcheiden läßt? Noch mehr aber iſt dieſes bei der Bildung unſerer geiſtigen Empfindung der Fall. Sie 2 10 iſt der Boden, in dem der Geſchmack, überhaupt die Befähigung zu einem höhern Menſchenwerthe zu ſuchen iſt. Durch bloße Kenntniſſe iſt die verſäumte Gefühlsbildung durchaus nicht auszugleichen, im Gegentheile, Kenntniſſe ohne veredelte Bildung der Empſtudung verführen öfters zu pedantiſcher, monſtröſer Roheit, ja zu Lächerlichkeit, befähigen höchſtens zu techniſcher Wirkſamkeit; aber zu einem höhern menſchlichen Einfluſſe reichen ſie nicht hin, und das„Opfere den Grazien!“ iſt daher noch immer über jede Kinder⸗ und Schulſtube zu ſchreiben. IIlI. Warum?— Und nun gehen wir zum dritten, zum wichtigſten Punkte über, und fragen: „Wozu thun wir dieſes ſo ausführlich? Was denken wir überhaupt dadurch zu erreichen?“ Auf dieſen Punkt fällt überhaupt das ganze Gewicht des Standes, den wir bilden mithin unſere ganze Schule, und ich denke hier ausführlicher reden zu müſſen. Ich muß hier Vergangenes mit ins Auge faſſen, denn nur ſo kann die Tendenz kräftiger hervortreten. Unſere Schule bildet nicht Gelehrte, aber Gebildete will ſie bilden. Sie hat nicht eine ſpecielle Tendenz, iſt keine Fachſchule; deutſche Bürgerbildung iſt ihr Zweck. Der Glaube, daß bloß die alte Philologie eine ächte Bildung möglich mache, wird von der Erfahrung, von dem Beiſpiele der Alten und von jeder richtigen Vorausſetzung widerlegt. Muß denn die Bildung immer nur eine herübergeholte ſein? Mögen die Gelehrten herüber holen, ſo viel ſie wollen, ſelbſt auf die Gefahr hin, ihre Volksthümlichkeit zu verlieren; von der Maſſe des Volkes aber zu fordern, ſie ſolle der Bildung entbehren, oder ſie erborgen, hieße ihm zumuthen, ſeinen Werth, oder ſeine Volksthümlichkeit aufzugeben. Mag die Gelehrſamkeit der Philologen die Alterthumswiſſenſchaft immer mehr ausbilden zum tiefen Verſtändniß der Weltentwickelung und zum Verſtändniß der alten Meiſterwerke auf dem eignen Grund und Boden. Aber mit dem Berichterſtatter über die letzte Philologenverſammlung in Darmſtadt (Hall. Lit. Ztg.) zu glauben, oder zu hoffen, es werde eine Zeit kommen, wo auf dem Grunde der jetzt unpopulär gewordenen, in einer neuen Entwickelung begriffenen Alterthums⸗Wiſſenſchaft ſich eine erneuerte, höhere Blüthe unſerer Volksbildung erheben werde,(wie Sec. 15. 16.) heißt nach meiner Meinung, den Alten zu viel, uns aber gar zu wenig Ehre anthun. Ich denke beſſer von unſerm Volke und hoffe nicht ins Blaue hinein. Hat die claſſiſche Philologie in den Zeiten allgemeiner Verfinſterung Europa erleuchtet, uns namentlich Mittel geboten, das verunſtaltete Chriſtenthum wieder zu erkennen, ſo verdient ſte unſern Dank, und wir wollen ſie mit ehrender Anerkennung zu Erinnerungs⸗ zeichen in unſern Rüſtkammern aufhängen, als Waffen, die uns herrlich gedient,— und ſie der Wiſſenſchaft überlaſſen. Noch einmal in derſelben Weiſe uns ihrer zu bedienen, könnte nur dann räthlich ſein, wenn die ganze Errungenſchaft unſerer modernen Bildung auch bis auf die gedruckten Exemplare unſerer Volksſchriftſteller und der Bibel wären verloren gegangen, und dann möchte ſie leicht ein gleiches Geſchick ergriffen haben(Raumer). Bis dahin wollen wir unſere Jugend, die nicht dem gelehrten Berufe nachgeht, und doch an der Bildung unſerer Zeit einen nicht zu verkümmernden Antheil haben ſoll, getroſt zu den herrlichſten Blüthen führen, die unſer in dem allgemeinen Weltgeiſt wurzelnder deutſcher Nationalgeiſt getrieben hat. An dieſem— nicht am Schofel— ſollen ſie kennen lernen, was der Deutſche ſei, wie er ſich darſtelle; und ſo ſollen ſie ihn lieben und ehren lernen. Ja Vaterlandsliebe ſollen ſie lernen, denn alles Andere iſt neben dieſer nicht der Erwähnung werth, und alles Andere iſt ohne dieſe ein Verrath, ein Abfall! Wollte Gott wir würden auf dieſem Wege etwas von jenem übeln Kosmopolitismus— richtiger Allerweltsheit— los, dem wir Deutſche vielleicht hin und wieder einen guten Gedanken, aber daneben und dadurch viele üble Thaten verdanken.(Von 11 dem König Carl II. in England ſagt ſein Geſchichtſchreiber„Er habe nie etwas Unrechtes, Unſchick⸗ liches geſagt, und nie etwas Rechtes und Gutes gethan!!) Faſſen wir nur genauer ins Auge,— wen wir bilden ſollen, ſo haben wir längſt erkannt, daß wir weder eine gelehrte, noch eine handwerksmäßige Bildung zu geben haben.— Was bleibt uns übrig, als ſie volksthümlich zu geben! Jede Schule, außer den ſpeciellen Berufsſchulen etwa, wenn ſie nicht volksthümlich iſt, hat kein Recht zu ſein! Das ganze Volk aber iſt als ein Ganzes zu betrachten, als ein in ſteter Progreſſion von unten nach oben zuſammenhängender Körper; es muß ſich ſtufenweiſe Stand an Stand anlehnen, ſo daß jeder immer in ſeine benachbarten an beiden Seiten hineinreicht und von ihnen auch wieder durchdrungen wird, was Bildung, Reichthum, Arbeit ꝛc. betrifft. Wo ſich aber etwa zwiſchen dieſen Ständen eine Kluft aufthäte zu weiter Trennung, wie zwiſchen einem polniſchen Magnaten und Leibeigenen, einem iriſchen Lord und Bettler, da iſt Ent⸗ 8 fremdung, Verachtung, Furcht, Neid und Haß das Unausbleibliche, Alles Unterwühlende. Gränzen nun die im Geſchäft, im Reichthum und Lebensgenuß neben einander liegenden Stände nicht auch in ihrer geiſtigen Bildung aneinander: ſo iſt die wahre Freiheit nicht möglich, denn materielle Berührung und Nachbarlichkeit, ohne geiſtige, ohne Gemeinſamkeit idealer Güter, idealer Beſtrebungen, iſt mehr entzweiend als verbindend. Leicht möchte ein Volk mit ſehr mäßiger Bildung glücklich, mächtig, frei und geehrt ſein, die Geſchichte bezeugt es; nimmer aber ein Volk, das da zerriſſen iſt in ſehr hoch gebildete verfeinerte Stände und in rohe, von aller Geiſtesgemeinſchaft mit den erſtern geſchiedene Parias. Die Einheit iſt aufgehoben, die Einigkeit unmöglich. Kaſtenartige Vereinzelung, feindliche Verachtung und Mißtrauen zerſtören es. Da kann keine Gemeinſamkeit, keine Vaterlandsliebe ſtatt finden. Alſo vom oberſten bis zum unterſten Stande muß ſich ein Gemeinſchaftliches an Sitten, Denk⸗Gefühls und Lebensweiſe ziehen, es muß von oben nach unten, von unten nach oben pulſtrend ſich bewegen, ſich nähern, fortentwickeln;— das iſt das Nationale, das Angeborne— und dieſes muß zu ſeiner Geltung kommen, ſeine Bedeutung muß gewürdigt, es muß ausgebildet, es muß das ideale Band werden, durch das vom Oberhaupte bis zum letzten Armen ein ſympathetiſches Gefühl der Einheit und Zuſammengehörigkeit lebendig erhalten wird. Von dieſem Standpunkte aus wollen wir einmal einen Blick in die Vergangenheit und auf die Gegenwart thun, es wird dem, was wir wünſchen, Ueberzeugung und Geltung zu verſchaffen, geeignet ſein. Unſers Volkes Elend, ſein Herabſinken von ſeiner durch das ganze Mittelalter hindurch behaupteten Höhe beginnt innerlich ſeit der(mit der ſpaniſchen Herrſchaft) hereindringenden Fremdländerei in Sprache, Sitte ꝛc. äußerlich nach dem 30 jährigen Kriege, wo durch das Vorwalten des Franzöſiſchen dem deutſchen Lebenskern Nerv und Wurzel abgeſchnitten wurde. Hat ein Volk ſich in ſeinem geiſtigen Leben der Ausländerei ergeben, muß es wohl eine leidende, bloß aufnehmende, untergeordnete Rolle ſpielen, ſchöpferiſch kann es nur in der Mutterſprache ſein. Zur Nachahmung verdammt, kann ihm das höchſte Ziel nur eben ſein, daß es dem Lächerlichwerden entgeht; Ehrfurcht und Achtung wird es nicht mehr einflößen, und um ein Geſchlecht wird es immer zurück ſein müſſen. Nicht der materielle Verluſt, ſo groß er auch war, nicht der hat unſerer Volksehre die tiefſten Wunden geſchlagen, nein, die geiſtige Entmuthigung, die geringe Achtung, die der Deutſche vor ſich ſelber hegte, vor ſeinem geiſtigen, alſo edlern, menſchlichen, ſittlichen, vernünftigen Weſen. Dadurch wurde ihm jenes ängſtliche, pedantiſche, demüthige Weſen endlich natürlich, alles Selbſtvertrauen aber 2* 12 ging verloren. Dieſe Entmuthigung war es, woran Deutſchland von nun an krankte, wodurch dieſes ſonſt ſo hoch gemuthete Volk zum Spott des Auslandes wurde. Hunderttauſend Tapfere wären wohl in Deutſchland zu finden geweſen, ſie hätten auch unter allen Umſtänden damals hingereicht, unſere Waffenehre herzuſtellen; auch war die eigentlich im 30 jährigen Kriege nicht verloren. Aber es war keine Idee im Volke, durch die es belebt werden konnte, und nirgend ein Punkt zu finden, von dem aus neue, bewegende, begeiſternde Ideen in daſſelbe hätten ausſtrömen und Alle erfaſſen mögen. Die Gelehrten tröſteten ſich lateiniſch, die Großen verſteckten ihre Schaam in franzöſiſchen Worten. Alſo die beiden Stände, von denen allein Erhebung kommen konnte, waren durch die Sprache, wie durch eine chineſiſche Mauer vom Volke geſchieden, ermangelten aber dadurch ſelber der ſich immer wieder erneuenden Friſche, die ihnen nur aus dem Volke wieder zuſtrömen konnte. Die Vornehmen waren alſo Franzoſen, die Gelehrten Lateiner geworden. So lag das deutſche Volk an Ideen verarmt und ſchmachtend zwiſchen ſeinen Mächtigen und Gebildeten; dieſe lebten nicht mit ihm, thaten, als wären ſie nicht ſeines Fleiſches und Blutes, ſchämten ſich ſeiner ſogar. Den Arbeitenden floß für ihre Mühe nichts wieder zurück von denen, welchen ſie durch ihren Schweiß die Muße zu geiſtiger Belebung gewährten, und von dem ſie es als Lohn erwarten konnten. In Paris und Rom waren dieſe mit ihren Herzen, ihre verlaſſenen Landsleute verſanken in Roheit und Krähwinkelei und ſtaunten ihre Herren und Gelehrten verdutzt an, als wären es Leute aus einer andern Welt. Was nun nicht weit her war, war wirklich nichts. Weder ausgebreitetes Wiſſen, noch ernſteres tieferes Denken fand einen Weg zum Volke, keine feinere Sitte, keine Einſicht in die höheren Bedingungen des bürgerlichen und ſtaatlichen Lebens, kein geiſtiger Antheil an den großen Thatſachen und Ereigniſſen der Geſchichte erhellte den beſchränkten Geſichtskreis. Das Erſte lag unter dem Siegel einer todten Sprache, der Menge ſchon dadurch unzugänglich. Aber wenn ſich auch Jemand dieſer Sprache bemächtigt hätte: ſo war ihm doch der Schweiß der Gelehrten ſchon darum unnütz, weil dieſe in ihrer Losgeriſſenheit vom Volke, auch von dem edleren, auf dieſes Rückſicht zu nehmen nie gedacht hatten. Und ſo rächte ſich dieſe Verirrung an den gelehrten Ständen ſelber. Sie arbeiteten weder für die deutſch, noch für die franzöſiſch Redenden, ſondern nur für ſich. Die Köche kochten nicht für Gäſte, ſondern für Köche. Ihre Bücher waren für nicht Eingeweihte— Räthſel, hatten immer andere gelehrte Bücher zur Vorausſetzung. Sie nannten dieſes für die Wiſſen⸗ ſchaft ſchreiben. Ihre Bücher waren immer wie einzelne Blätter zu einem Baum, nie wie ein Ganzes von unten aufgewachſen. Sie lernten darum zur Strafe auch nie ein Buch machen, an dem ſich ein Anderer, als ein Zunftgenoſſe, hätte erbauen können. Wir ſehen noch an Leſſing, wie ſchwer es ihm wurde, dieſen Staub von ſich abzuſchütteln, und mit welchem Ingrimm ſich Herder gegen dieſe deutſche Sünde ſetzt. Wir ſehen aber auch, wie zweideutig die ächten Wiſſenſchaftsmänner auf dieſe beiden hinüberſchielten, als dieſe mit Werken hervortraten, die nicht in jenem Sinne wiſſenſchaftlich waren; und nur die überlegene Vollbürtigkeit im lateiniſchen Zufluchtsort, die ſie bei gelegentlichen Kämpfen bewährten, brachten jene zum Schweigen, und der gefundene, weit verbreitete Antheil und Beifall nöthigte auch jene, allmählich immer mehr aus ihren Kreiſen herauszutreten. Mit Staunen ſah der eingeſchüchterte Deutſche, daß er auch Geiſt haben könne, wenn er's nur wagte. Und hatte Leſſing neben Klotz, hatte Herder neben ſo vielen lateiniſch bleibenden Zeitgenoſſen an Werthe verloren, als 13 ſie deutſch wurden? Woher beide, wie Antäus, ihre Kraft holten, mag man ſelber leſen. Sie berührten beide wieder die Muttererde, die Mutterſprache,— das Volk! Und von der andern Seite, von dem höhern Adel, den Fürſten, von ſeinen Lenkern, reſpective Drängern in Krieg und Frieden, was konnte ihnen da kommen, was Gutes aus Nazareth, was aus Jeruſalem! ſie ſprachen, dachten, fühlten, lebten, handelten franzöſiſch. Und immer noch eher läßt ſich der Deutſche mit Nutz in einen römiſch hochtönenden Pedanten umwandeln, als in einen frivolen Wind⸗ beutel*). Welcher Hohn traf nun unſer Volk, da er ja ſelbſt unſere Vornehmſten traf, die in der Rathloſigkeit der unſelbſtändigen Aufnehmerei vom franzöſiſchen, ſlaviſchen, magyariſchen, wälſchen, engliſchen Adel überall her aufnahmen. Der höchſten Stände Geiſt, Bildung, Geſchmack, Denk⸗ Sprechweiſe nicht auf unſerm Boden erwachſen, in unſerer Natur kein Symbol findend, nicht aus unſerer religiöſen, bürgerlichen Vaterlandsart**) hervorgegangen, das natürliche Haar abgeſchnitten, geklebte Perücken aufgeſetzt! War es ein Wunder, wenn ſelbſt die, welche reich genug waren, ihre Kinder von Jugend auf an der Hand der Maitres und Bonnes aufwachſen zu laſſen, nur eine widerliche Vermählung der Natur mit der Lüge erzielten, geſchweige nun gar die, welche von allen dieſen Herrlichkeiten nur etwas durch die Thürſpalte abgelauſcht hatten und nun dieſe Karikatur noch einmal karikirten. So war die Maſſe des deutſchen Volkes zwiſchen zwei abſtoßende Pole geſtellt und verödet. Die Quellen des Wiſſens und der Weisheit blieben ihm verſchloſſen; da wo höhere politiſche Einſicht und Thatkraft, verfeinerte, veredelte Sitte herrſchen und über das Volk ausſtrömen ſollte, damit es auch nach dieſer Seite hin nicht unberathen und ohne Frucht bleibe, wies man ihm höhniſch und verächtlich die Thür, die man jedem Marquis mit unzähligen Bücklingen zuvorkommend öffnete. Die Stände riſſen innerlich von einander ganz los, das Volk war kein organiſches Ganze, und es kam dahin, daß dieſes zuletzt die Demüthigung und Mißhandlung ſeiner Großen durch das ausländiſche Volk mit Gleichgültigkeit, ja mit Schadenfreude ſah, nachdem es oft genug von jenen um Geld verkauft worden war. So gingen ſie einander nichts mehr an, bis ſie endlich den Schaden ſahen, ihn durch Eintracht ſchnell und ruhmvoll heilten. Aber woran hat ſich denn das deutſche Volk, von ſeinen Gelehrten, ſeinen Großen verlaſſen, von allem großartigen Leben ausgeſchloſſen, woran hat es ſich denn erhoben und gewärmt? An ſeinem unverwüſtlichen Herzensreichthume, an der Bibel, an ſeinen herrlichen Liedern!— und als Klopſtock da anknüpfte, da durchfuhr ein electriſcher Schlag ſich wiederfindender Freude alles Land von Hamburg bis Zürich, von Curland und Königsberg bis Wien, und in der Hofburg bewunderte man die Lieder, an denen der Bauer in der Dorfkirche, das einſame Herz in trauriger Nacht ſich tröſtete, und griff nach ihnen, wenn ſonſt nichts verfangen wollte. Das einander fremd gewordene Volk ſah ſich wieder einig in Freud und Leid**s), da es den gleichen Aus⸗ *) Man rede nicht über meine Ungerechtigkeit, die Franzoſen haben jenes Louis quatorziſche Weſen durch die Revolution ſelbſt vermaledeit. Ich hoffe nicht, daß wir nachahmungsſüchtige Deutſchen je desgleichen thun werden mit unſern Leſſing, Klopſtock ꝛc, in deren Naturwüchſigkeit die neue und neueſte und zukünftige Zeit immer feſten Grund und Boden haben wird, von dem ſie ſich nie entfernen möge. *⸗) Wer davon läßt, dem bekommt es ſchlecht.— Göthe. *⸗⸗) Wie bewegt es ſelbſt den alten Göthe zu hören, daß eine herrliche, königliche Frau auf der hoffnungsloſen Flucht vor dem Sieger ſich tröſtet an dem Liede:„Wer nie ſein Brod mit Thränen aß, Wer nie die kummervollen Nächte Auf ſeinem Bette weinend ſaß, Der kennt euch nicht ihr himmliſchen Mächte!“ Und von dieſer himmliſchen Macht kam 14 druck dafür gefunden hatte. Ja ſelbſt confeſſionelle Unterſchiede traten vor dieſer geiſtigen Macht zuruck, wie Nebel vor der jungen Morgenſonne. Ich bin hierbei etwas ausführlich geweſen, obgleich ich nichts Neues geſagt habe; aber doch Vielen etwas Neues, und nicht genug zu Beherzigendes, und daher nicht oft genug zu Sagendes Werfen wir nun einen Blick auf die Gegenwart, um für unſer Thun Theilnahme zu ſuchen— nicht Rechtfertigung, deren bedarf's nicht— aber der Theilnahme bedarf's, der Beihülfe— und dieſe beſteht zunächſt im Vertrauen. Dieſes wird aber nur dann wahrhaft und nützlich uns zu Theil, wenn es uns gelingt, das Nothwendige unſeres Thuns ſo darzulegen, daß wir nicht nur die Billigung im Allgemeinen für uns haben; ſondern auch die Einſicht in die Gründe, welche uns leiten, außer unſerm Kreiſe verbreiten. Denn nur begründetes Vertrauen kann erbaulich und förderlich ſein. Als das höchſte, letzte, einzig nennenswerthe Ziel unſerer, höhere Bürgerbildung beabſichtigenden, Schule nannten wir alſo das Volksthümliche. Alſo das was von Natur, von Gott dem deutſchen Volke eigenthümlich gegeben, in der Sitte, vor allen Dingen in der Sprache am unverkennbarſten hervorſpringt. Das alſo, was dem Volke durchaus gemein iſt, was vom Höchſten bis zum Niedrigſten in allen lebt, von allen als ihre Natur empfunden und gewußt wird, alſo woraus ſie, als aus dem angebornen Stoffe, durch Bildung, das heißt durch Ausſcheidung des Gemeinen, durch Vermeidung des Angeborgten, Angekünſtelten, Uebertriebenen, ſchwächlich Zugeſpitzten, alſo durch treue Pflege und Stärkungen das machen, was in Gott und Menſchen gefallender Weiſe daraus werden kann.— Wohlgemerkt, Beiden muß es gefallen!— Es iſt dieſes die Seele, welche im Volke lebt und Alle von ſelbſt zu einander helfenden Genoſſen an demſelben Werke macht und dadurch Eintracht bewirkt. Gemeinſames Streben, gemeinſame Arbeit verbrüdert, nicht gemeinſamer irdiſcher Gewinn, denn der entzweit, indem er die Concurrenz ſchafft; der verengt die Herzen. Dabei wünſcht leicht Jeder ſeinen Nebenbuhler ſchwächer und ungeſchickter, wird geld⸗ und herrſchſüchtig, ein Unterdrücker der Andern; bei gemeinſamen Streben aber wünſcht er ihn noch tapferer, herrlicher, und freut ſich des Guten an Andern, weil es die Sache und ihn ſelbſt fördert, nicht beeinträchtigt. Alſo daß ſich die Seele unſerer Schüler entzünde zu dieſer edeln deutſchen Volksthümlichkeit— dazu müſſen ſie den Deutſchen, ſein Weſen, ſeinen Veruf und das, was an ihm iſt, kennen lernen, und zwar in der Jugend. Denn die Zeit des unbefangenen, reinen Beobachtens, Merkens, Lernens für ſo etwas dauert nicht ſehr lange, ſpäter miſchen ſich eigne Meinungen, Empfindungen, Urtheile ein, ſtatt Beobachtungen ſtellt er Betrachtungen an, auf die er kein größeres Gewicht legen darf, als inwiefern er ſich auf die Natur und Ausbildung ſeines Geiſtes einigermaßen verlaſſen kann und von Vorurtheilen ſo wie von Leidenſchaften frei iſt.(Göthes Werke 38 p. 5.) Durch Anſchauung des Verſtandes und Herzens ſoll er ſein Volk kennen lernen; und wo geſchieht dieſes am natürlichſten, als in der Geſchichte, in den Liedern in der ganzen Schöpfung des geiſtigen Lebens? da ſoll er ſich von Jugend auf in ein Verhältniß zu ſeinem Volke einleben, da ſoll er hören, was die Mündigen reden und ſich daran emporbilden; da ſoll er den tiefen Gedanken⸗ Troſt und Rettung. Alſo ſie fühlen's auch; ſo ſind ſie doch, wie unſer eins, ſie haben ein Herz wie wir— denkt Jeder dabei— und nun iſt's ſchon gut. Das iſt die Treue, mit der ein Volk von oben bis unten zuſammengehört, wenn alle ſich zu einem Kreiſe der Liebe und des Troſtes zuſammengebannt fühlen, und Keiner auch hierin, oder in ſonſt etwas für ſich etwas Apartes verlangt.(Siehe Eckermanns Geſpräche.) 15 reichthum erhalten, der in der Unterredung nicht leicht herausgebildet wird; da ſoll er dabei den Reichthum ſeiner Sprache erfaſſen, der ſonſt für ihn wie todt da liegt, und mit dieſem Reichthum auch den Reichthum deutſcher Geſinnung, Gedanken und Gefühle. Denn Anſchauung und Wiſſen unterſtützen einander, was man angeſchaut weiß man, und was man weiß ſchaut man dann wieder richtiger an. Das Alles ſoll der Schüler thun im Schweiße ſeines Angeſichtes, durch eine für ſeinen Standpunkt angemeſſene, aber ſeine Kräfte anſtrengende Lectüre, daß er nicht auf die entnervende, verführeriſche Amüſementslectüre verfalle. Sie müſſen verdauen lernen, ſonſt legen ſie ſich ſpäter aufs Verſchlingen, was den Geiſt mit unbegriffenenen Ideen ausſtopft. Wir behüten ſie vor der Leſerei, indem wir ſie leſen lehren und den rohen Neugierigkeitstrieb zum gebildeten Bedürfniß erheben (Hieke). Mit eben der Anſtrengung mindeſtens, wie an ein techniſches Handwerk, aber mit tieferer Ehrfurcht und Hochachtung ſollen ſie den Quellen nahen, aus denen der Geiſt ihrer Nation in ſeinen edelſten Vertretern ihnen entgegenweht und ihnen ein Bild vorhält, an dem ſie ſchauen„wes Geiſtes Kind ſte ſind!“ Welche Fülle des deutſchen Lebensodems umweht ſie, welche Tapferkeit, Aufopferungs⸗ fähigkeit, welche Tiefe, welches Gemüth, unergründlich an Frömmigkeit, Kindlichkeit, Wahrheit, an edler Liebe, an Freiheit, welch hochaufſtrebender Sinn, welcher Seelenenthuſiasmus, welcher Reichthum an Klarheit, Welterfahrung, Verſtändigkeit, welche Schärfe, Heiterkeit, Ruhe, Behagen, Beſchaulichkeit, welche Geübtheit in den Kämpfen des innern und äußern Lebens, wenn ſie in die Hallen treten, in welchen Luther, Gerhard, Flemming, Leſſing, Klopſtock, Möſer, Herder, Göthe, Schiller noch lebend wohnen! Mögen wir nicht leugnen, daß an feiner Eleganz, an Lebendigkeit der Phantaſte, an Energie der Welt⸗ und Menſchenbetrachtung andere Literaturen in einzelnen Punkten die unſere übertreffen; aber ſeit die Bibel, Homer und Sheakeſpeare durch ſolche Meiſterüberſetzungen bei uns eingebürgert ſind, unſere proteſtantiſche Literatur aus der Bibel und ein Theil unſerer ſchönſten Meiſterwerke aus Voſſens Homer Nahrung gewonnen: ſo ſind auch dieſe uns nicht fremd und dienen zur Bildung des deutſchen Geiſtes. Aber an umfaſſendem Reichthum, an Wahrheit der Ideen und an großartiger Mannigfaltigkeit der Weltanſchauung übertrifft unſere Literatur alle andere, ſie iſt eine Lehrmeiſterin vor den andern, und an Reinheit und Seelenadel thut ſie es ihnen weit zuvor. Jeder dieſer Geiſter iſt eine deutſche Welt für ſich, nach keiner vorherrſchenden Hof⸗Uniform zugeſchnitten, und doch darin alle eins, daß ſte deutſch ſind, jeder Zoll an ihnen ein Deutſcher iſt,— ſie ſind eben ſo viele glänzende Seiten deſſelben deutſchen Edelſteins, gebildet und geſchliffen und den reichen Farbenglanz zur Anſchauung bringend, einem jeden vorbedeutend, den er ſelbſt ſtrahlen kann, wenn er ſich ihrer Bildung unterwirft. Wer kennt in der Erziehung und Bildung noch ein anderes Mittel dem gleich, was wir in der Hochachtung und Liebe gewonnen haben, wenn es uns gelingt, ſie auf die rechten Gegenſtände hin zu lenken, wenn es uns gelingt, dieſe beiden Gefühle ſo feſt in der Seele zu begründen, daß ſie ſelbſt im gewaltigſten Sturme der Verwirrung nicht irre werden; ſondern jede Probe, ſelbſt die Probe der egoiſtiſchen Leidenſchaft beſtehen? Von dieſer Art muß— wer will es leugnen, die Vaterlandsliebe ſein, die Liebe zum eigenen Volke. Wenn etwas, ſo muß dieſe unbedingt ſein, zu jeder Hingabe, zu jeder Selbſtverleugnung geſchickt. Denn dieſe Liebe an gewiſſe von uns geſtellte Bedingungen zu knüpfen, heißt egoiſtiſch ſich ſelbſt lieben und ehren, und würde uns gerade, wenn unſer Volk niedrig und geſunken wäre, ihm entziehen. Nein, gerade dann gehören wir ihm doppelt an, aber ohne Vorausſetzung der Ehrfurcht vor, und der Liebe zu ſeinem Geiſte würden wir ihm mehr ſchaden, als 16 nützen; der wahren Liebe auch ohne Schlangen⸗Klugheit gelingt noch eher etwas Gutes, als der Schlangen⸗Klugheit ohne Liebe. So lerne Jugend dein Volk kennen, lieben ehren in denen, welche deines Volkes Kern und Weſen am ſchönſten in ſich aufgenommen und vor der Welt erſchloſſen haben. Wenn die Alten ihre großen Männer ehrten, indem ſie ihnen Statuen ſetzten, ſo geſchah es vor der Stadt d. h. dem ganzen Staate, jeder Vorübergehende kannte, ehrte, verkündigte ihren Werth, den das ganze Volk wußte. Wenn Städte, die für ein Volk gelten, ihre Weſtminſter⸗Abtey ſchmücken, ihre Denkmäler erheben— es mag für ſie genügen, für uns genügt es nicht. Herder ſehnte ſich nach einem Mnemeion, nach einem Athanaſium edler Deutſchen, er meinte Biographien, die das Herz der Jugend entzünden. Wohl, wir haben deren, die ſchönſten Biographien unſerer edeln Männer, es ſind ihre Werke. Was würden uns in Deutſchland auch Weſtminſter⸗Abteyen helfen, was Standbilder an der Spree, an der Donau, für die, welche man dort oder hier zu ehren für gut fand. Wenige ſehen dieſe, Wenige denken etwas dabei; aber in den Herzen des Volkes ſollen dieſe Männer leben, und da ſollen die Schulen ihnen die Denkmäler errichten! ne virtutes sileantur, utque pravis dictis factisque ex posteritate et infamia et metus sit. Das ganze Volk ſoll dadurch ein lebendiges Denkmal ſeiner großen Männer ſein, die Werke und Thaten ihrer begeiſterten Stunden muß es allezeit lebendig in ſich tragen, alſo daß ſie an⸗ und aufregend, vorbildend, maßgebend auf das ganze Volk wirken und in demſelben von unten auf den edelſten Wetteifer entzünden. Vergeblich haben ſie gelebt, wenn ihre Werke nicht erkannt, nicht befruchtend aufgenommen werden; für den Verkenner, den Verächter, den trägen Lüſtling war der Edle gar nicht da. Wir gehören der Weisheit nicht an, die den Patriotismus für eine Beſchränkung hält, wir finden in ihm gerade die größte Aufforderung zur gründlichen Entfaltung alles Guten und Großen, was der Menſch aus ſich heraus zu bilden vermag. Daß dieſes nur immer in einer heilſamen Beſchränkung geſchehen könne, und zwar in der, die Gott dem Menſchen auferlegt und die von dieſem anerkannt werden muß, ganz beſonders in der Beſchränkung, welche die Baterlandsliebe jedem auferlegt, iſt unſere Ueberzeugung. Dieſe ruft ihn von dem vagabondirenden Egoismus weg, der unter dem Vorwande, ſich die Freiheit zu bewahren, um überall wo ihn ſeine Liebe hinzöge, anknüpfen zu können und ſich darin durch keine vorgefaßte Beſchränkung hindern zu laſſen, meiſt weiter nichts ſucht, als die Don Juanſche Licenz,— da wieder los zu laſſen, wo Treue und Ausdauer ihn im vergänglichen Lebensgenuß ſtören, oder ihm Pflichten zumuthen könnte, deren Erfüllung man ſich lieber bequem entzieht. Nichts trauriger, als das ubi bene ibi patria! Menſchen dieſer Geſinnung ſind Wespen, die überall wo es Birnen zu nagen giebt, herangeflogen kommen. Nein mit dem Volke, deſſen Typus nicht nur in unſerer leiblichen Geſtalt ſich ausprägt, das auch von Jugend auf mit ſeinem Geiſte uns genährt,(wenn es anders geſchah) uns ſeine geiſtige Geſtalt eingeprägt, mit dem zu leben und zu ſterben, mit dem Alles zu theilen, Leid und Freud und unter keiner Bedingung weder innerlich noch äußerlich von ihm loszulaſſen, das iſt heiliger Beruf. Wem nicht der einfachſte Gruß, der ihm einen guten Tag wünſcht, in der Mutterſprache lieber iſt, denn tauſend Sirenengeſänge an der Seine, Themſe, dem Tiber, der Newa, den ſoll nie ein deutſches Lied erfreuen und tröſten, und dem ſollen Alle, mit denen er ein Kind und ein Knabe geweſen, ein Jüngling, ein Mann geworden, zurufen: „Wir kennen dich nicht!“ Ja wie einen Schild ſoll unſere Jugend dieſe erlangte Vertrautheit mit 1 Deutſchlands großen Geiſtern vorhalten gegen den Reiz der Ausländerei. Sie ſoll es wiſſen und fühlen, daß in dieſen Worten, die auch ihre Herzen erwärmen, Männer deutſcher Zunge ihr heiligſtes Gefühl, ihre edelſten Geſinnungen ausgeſprochen, den ganzen Reichthum deutſchen Geiſtes entfaltet haben. Solche Gemeinſamkeit giebt Selbſtvertrauen im Bewußtſein idealer Einheit, die bei aller ſtaatlichen Vielſpaltigkeit vor allen Dingen in unſerer Literatur einen Halt hat, denn ſie allein konnte über das ganze Vaterland eine Republik der Gebildeten vereinen; und daß ſie in immer größeren Kreiſen die Herzen dazu werbe, iſt unſere und unſerer Schüler Aufgabe. Wenn ſich aber Menſchen in ehrenhafter Gemeinſchaft ſehen, wenn ſie ſelbſt einen tüchtigen Gehalt in ſich beſitzen, für jedes Ding den klarſten ſchlagendſten Ausdruck beherrſchen, da wird ihr Herz ſpröde gegen die verlockenden Eindrücke des Auslandes, die nur den übermannen, der in ſich ſelbſt den Werth ächter Nationalität nicht entgegen zu ſetzen hat. Noch weniger wird der, der nun eine gebildete, mithin bewußte Kenntniß des zu Achtenden beſitzt, ſich an das nicht Achtungswerthe wegwerfen, dergleichen aus den hungrigen Ueberſetzungsfabriken nicht zu deutſchen Volkes Ehre, nicht zu deutſchen Sinnes Erhöhung, aber um Geldgewinn maſſenweiſe zugeführt wird. Dieſe löbliche Sprödigkeit gegen ausländiſches Weſen, dieſes bei und auf ſich ſelbſt Verharren eines Volkes und ſich Begnügen am Eignen, wenn es innern Werth hat, rechne ich zu den erſten Eigenſchaften eines Volkes von Bedeutung. Seine höheren, ſeine ſittlichen Güter ſoll ein Volk ſelbſt mit pedantiſcher Eiferſucht wahren, es ſoll nicht ein allauf⸗ nehmiger Allerweltsmann ſein. Denn wenn ein Volk recht gründlich will zu Grunde gehen, falle es nur von ſich ſelber ab, und es iſt vernichtet; es gebe ſeine Sitte, ſeine Sprache auf, und es hat auch ſeine eigne Wahrheit, ſeine eigne Religion, ſein eignes Selbſt, ſeine nationale Fortentwickelung aufgegeben, um mit geringerem oder größerem Glücke eine Comödiantenrolle zu ſpielen, wozu ein anderes Volk den Tert ſchrieb. Da es aber doch aus ſeiner Haut nicht heraus kann: ſo wird es ein ungluͤckliches Zwittervolk. Am ſchlimmſten iſts, wenn ſchon in den Kinderſtuben ſolcher Baalsdienſt getrieben wird, wenn da ſchon das empfängliche Ohr Töne ſchwirren hört, wozu ihm die Mutter das Organ in Herz und Ohr nicht mitgegeben. Der deutſch Geborne, in Deutſchland Lebende hat nur in der deutſchen Sprache das Mittel naturgemäßer, nicht heuchleriſcher Entwickelung. Wir haben von einem ſolchen Unglück zu ſingen und zu ſagen, und Gott ſei Dank, wir haben es großentheils überwunden. Wir Deutſche ſollen daran denken, wir Lehrer ſollen es in allen Schulen predigen:„Hütet euch vor der Ausländerei.“ Unſere Geſchichte hat ſolche Blätter, bei denen wir erröthen müſſen! Wie viel geben uns die Namen der Sachſen, der Salier, der Hohenſtaufen, der Habsburger, der Hohenzollern in dieſer Beziehung zu bedenken. Und wenn euch das Ausland Freuden, Schätze, Kronen, ja ſelbſt wenn ihr unterdrückt wärt, die Freiheit ſchenken wollte, nehmt ſie nicht an timeo Danaos et dona ferentes.*) Auch die Griechen weinten einſt vor Freuden und Dank, als ihnen die Römer das maccdoniſche Joch zerbrochen und die Freiheit geſchenkt hatten;— wie mögen die Römer über dieſe Kinder gelacht haben— aber bald weinten ſie vor Herzeleid, als alle ihre Edeln im Kerker zu Rom ſchmachteten und merkten, wie ein Eroberungsvolk Freiheit ſchenke. Bildet euch von Jugend auf und arbeitet euch empor zu wahrer deutſcher Männlichkeit— nicht erborgter, *) Eine Bemerkung wozu mich des edeln Grafen Potocki„Metamorphose de Polonais en Français du Nord. Bruxelles 1845“˙ veranlaßte, habe ich unterdrückt. 3 18 die's nur der äußern Form nach iſt— und ihr habt, was ihr wünſcht. So oft ein Hutten, ein Luther, ein Leſſing der Ausländerei einen Stoß verſetzte, rückte unſer Volk in nationaler Entwickelung fort! Gehet hin und lernet und thut desgleichen! Dazu alſo wollen wir dieſe Einführung in die deutſche Literatur vorzüglich mit gebrauchen, zur Bekämpfung aller Ausländerei und alles Niedrigen und Gemeinen in der Natur. Dem ernſten, zum Denken übergeneigten Norddeutſchen iſt eine äſthetiſche, poetiſche Erfriſchung gar wohlthätig und nöthig, ſie erſetzt durch die Phantaſte die arme ihn umgebende Sinnlichkeit. Sie verjüngt ihm das Leben und iſt überhaupt jetzt ein ſchönes Gegengewicht gegen die vorzugsweiſe materielle Richtung unſerer Zeit, eine Richtung, die von je der größte Feind nationaler Selbſtſtändigkeit war, deshalb von Lykurg aus Sparta verbannt, und als ſie in Athen, Sparta, Rom einzog, das Grab der Freiheit, Sittlichkeit und Volksthümlichkeit. Dieſe Kenntniß iſt nächſt der Religion der Lehrſtoff, der die ſittlichen Kräfte am meiſten zu einer edlen Thätigkeit ruft. Darum muß ſie auch in der Schule mit Anſtrengung getrieben werden, wie ſchon oben geſagt wurde, damit, wie bei allem Unterrichte, der Geiſt ſich übe, eingeengt werde, ſtraff bleibe, ſich zu feſtem Willen kräftige, ſich nicht etwa durch Leſerei in eine uferloſe Breite verliere, etwa in die Schwärmerei der Genuß⸗ und Zerſtreuungsſucht, die mit Tages⸗ begebenheiten äugelt und haſcht nach dem, was den Geiſt kitzelt. Das iſt ein verwöhnendes, ent⸗ kräftendes Treiben! Aber die löbliche Schwärmerei, die Begeiſterung, die ſoll der Jugend werden. Dem Manne ziemt mäßige beſonnene Liebe, nicht ſo ſei die Liebe der Jugend. Laßt ihr doch immerhin eine Zuthat des Irrthums, aber es ſei einer, der dem Herzen zur Ehre gereicht. Armer Menſch, der die Begeiſterung nur von Hörenſagen kennt, der wohl gar vom Enthuſiasmus der Niederträchtigkeit beſeelt iſt und die Begeiſterung höhnt! Der Mann, zu Thaten berufen, ſei jederzeit beſonnen auch in ſeiner Liebe und Verehrung, aber der Jugend werde jene Schwärmerei des Herzens gegönnt, die um die gemeine Wirklichkeit der Dinge den goldenen Traum der Morgenröthe windet. Welcher Unterrichtsgegenſtand wäre geeigneter, dieſen edlen Seelenenthuſiasmus in der Jugend zu nähren, als wenn wir ſie nähren mit der köſtlichſten Geiſtesnahrung, die es für Deutſche giebt. Damit vernichten wir zugleich jene Präcocität,(ausländiſche Erfindung— ausländiſches Wort, wie noch einiges in dem Folgenden) die den Unterſchied zwiſchen Bildung und Roheit, zwiſchen Talent und dem gemeinen Geiſte, zwiſchen reifem und unreifem Alter nicht will gelten laſſen. Dieſe Begeiſterung vernichtet zugleich jene Plebejität in Geſinnung und Sitte, die in Haß entbrennt gegen Alles, was groß und edel und ſchön heißt, dem ſie keine Exiſtenz gönnt, noch viel weniger eine Herrſchaft. Solche Gemeinheit der Geſinnung wächſt im Schooße der Bildung ſelbſt mit auf, aber wie eine Schmarotzerpflanze mit dem Baume, um ihn zuletzt auszuſaugen. Iſt der gewöhnliche Menſch eines höhern Aufſchwunges nur ſelbſt unfähig, und gegen das Edle, Große, Schöne nur gleichgültig: ſo ſteht der plebeje Menſch dem allen feindſelig gegenüber, als erklärter, geſchworner, grimmiger Feind, und wird allem, was Begeiſterung heißt, mit Hohngelächter, oder Verfolgung entgegentreten, wird jede edlere Bildung, die etwa nicht broderwerbend iſt, eiteln Müßiggang, jede innere Demuth und Frömmigkeit verächtliche, oder haſſenswerthe Heuchelei ſchelten. O darum wollen wir die Jugend zu den Männern führen, die alle den wahrhaft ehrenvollen Herzensſtimmungen Worte gegeben, und für dieſelben gegen jede Gemeinheit ſo muthig gekämpft haben, daß ſie an die Wahrheit des Großen und 19 Edeln glauben jene Verirrungen zum Niedrigen aber verachten lernen.“) Darum bewahren und warnen wir ſie auch vor der Literatur, die ſich's zur Aufgabe gemacht, das edle Bild der Menſchheit zu verhöhnen; und flößen ihnen auch Widerwillen ein gegen eine jetzt beliebte ſalonsmäßige Richtung, die in ſich ſpreizender Sitten⸗ und Sprachvermengung alles Nationale verhöhnen und aus den vor⸗ nehmeren Kreiſen verdrängen möchte. Wir thun dieſes, indem wir ſie gewöhnen an den Ausdruck der ächten, wahren Naivität, die die vollſten, breiteſten, naturgetreuſten unmittelbarſten Worte in ihrer ſeelenvollſten Bedeutung gebraucht,(nicht zugeſpitzt, nicht zu einem Rückhalt umgedeutet) wie ſie ohne Wandel gehört und verſtanden werden können, in des Armen Hütte, in des Königs Palaſte, in des Weiſen Lehrſaal und doch aller Orten gleich würdig, gleich verſtändlich, gleich wahr klingen. Wollten ſie doch überall nur auch die gleich treue, unmittelbare Natürlichkeit der Sitte, des Denkens, Empfindens, Wollens und Thuns zur Folge haben, eine Natürlichkeit des Weſens, die dem Hohen wie dem Niedern wohlſteht, die den bunten, gefärbten jargon(Kauderwälſch auf Deutſch, eine Sprache auf der Grenze zwiſchen Frankreich und Deutſchland) der Converſation aus Mund und Herz und Thun vertriebe; das Regiment der Naſeweisheit und der lebloſen Schulweisheit wäre vorbei, und der ächte, unverbrämte, unverdeckte Manneswerth würde wieder zur offnen Darſtellung und Anerkennung kommen. Irren wir hierin, indem wir dieſes wollen, ſo gereicht uns dieſer Irrthum wenigſtens nicht zur Schande und in masnis voluisse sat est. Da aber ein ſolches Streben nicht mechaniſch,(durch Ueberlieferung etwa vieles ausſprechbaren Wiſſens) ſonder mehr dynamiſch, innerlich umgeſtaltend wirken kann, da unſere Methode nicht conſtructiv, aus dem Begriffe die Vorſtellung erzeugend, ſondern contemplativ, aus der Anſchauung und Vorſtellung erſt ſpäter, wenn es ſein kann, den Begriff bildend vorgeht, ſo dürfen wir freilich nur hoffen, Samenkörner auszuſtreuen, deren Wachſen und Blühen wir vielleicht nie mit Augen ſehen, die aber doch nicht umſonſt werden gepflegt worden ſein. Betrachte ich nun von dieſem Standpunkte, dem deutſch volksthümlichen, vaterländiſchen, unſere Schule, unſere Aufgabe: ſo meine ich, daß ihr gerade in dieſer Beziehung eine ſehr wichtige Rolle zufällt, daß dieſer Unterricht gerade für uns eine doppelt wichtige Beachtung erfordet. Die Zerklüftung, die Zerſpaltung eines Volkes, in organiſch nicht verbundene, durch kein geiſtiges Band zuſammen⸗ gehaltene Gruppen iſt das Verderbliche, denn es hält, wo dieſes der Fall iſt, kein gemeinſchaftliches Bewußtſein die Theile zuſammen. Außer den niedrigſten Bedürfniſſen der Nahrung und des polizeilichen Schutzes, den ſie ſich dann allenfalls gewähren, iſt nichts Gemeinſames in ihnen. Keine gemeinſame Idee als Aufforderung zu gemeinſamen Handeln bewegt die Herzen, ſie vermag weder von oben herab noch von unten hinauf alle Theile zu durchſtrömen und ſich in jedem Kreiſe angemeſſen zu geſtalten. Und wenn ſie dieſes nicht kann, iſt die Wirkſamkeit, auch der herrlichſten Idee doch nur eine theilweiſe, bruchſtücksweiſe, ja ſich oft ſelbſt vernichtende, Mißtrauen und Widerſtreit erweckende; denn die Menſchen verſtehen, alſo trauen ja einander nicht. Welche Kluft bringt die höhere, ſpecu⸗ lative Weisheit in ein Volk, wenn ſie in gänzlicher Zurückgezogenheit allen Zuſammenhang mit dem Volksleben verliert, in zurückgezogener Laune und Giilligkeit, aus einer erträumten Vogelper⸗ *) Wir empfehlen die herrlichen Schulreden des Dr. Ludwig Döderlein, Erlangen. Encke 1843, in denen dieſer Gegenſtand neben vielen andern trefflich behandelt iſt, und woraus ich einige Sätze entlehnte. 3* 20 ſpective herab auf das wirkliche Leben herabſchaut, wie auf einen Guckkaſten, und als wäre es etwas Gemeines. Dann muß ja das Leben bald den Einfluß jeder höhern Weisheit entbehren, ſo wie die höhere Weisheit alles wahren Lebens; ungeſtraft aber meiden ſich beide nicht. Eine gleiche Kluſt iſt da, wo die höchſten Stände im Leben ſich vom Volke trennen, ohne eine den Uebergang bildende Vermittlung. Welch eine zerklüftende Verſchiedenheit der Sitten, des Lebensgenuſſes ſehen wir, wo dieſer Fall eintritt, und mit welchen böſen Folgen für beide Theile verknüpft! Wäre wohl die Bildung des franzöſiſchen Hofgeſchmacks früher in der bekannten Art möglich geweſen, wenn der Hof mit dem Volke in zuſammenhängender Verbindung geblieben wäre? Vieles von dieſem Geſchmack, nach dem ſie ſich ihr Leben einrichteten, kam wohl aus üppiger Langeweile und Laune; Vieles aber ſicher aus Trotz und Verhöhnung des Volkes, aus Ueberhebung über die, von denen ſie ſich ſcheiden wollten durch Sitten, die ein in Ernſt und Arbeit Tag und Woche zubringender Stand nicht nachahmen kann— ſelbſt wenn er wollte, wenn er Mittel und Luſt hätte, ſich darüber zu Grunde zu richten. Wohin dieſe blaſirte Excluſivität des Lebens beide Theile geführt, iſt weltbekannt, denn es muß ein und dieſelbe ſittliche Weltanſchauung das Volk durchaus beſeelen, es muß kein Stand eine beſondere haben wollen; es muß ein und dieſelbe gemeinſchaftliche Volksſitte den Grundton des ganzen Lebens anſchlagen, wie es ſich nun auch im Kleide von Sammt und Leinwand äußerlich verſchieden geſtalte. Derſelbe Kern nur muß in der Sitte ſein, die Herzen müſſen ſympathiſtren.(Verſtehe man hier unter ſittlicher Weltanſchauung nur nichts Ueberhorizontliches, es iſt etwas ſehr nahe Liegendes und findet ſeinen nächſten Ausdruck in der Religion, in der Vaterlandsliebe ꝛc.) Soll nun unſere Schule bei Bildung der Stände, die ein Gymnaſiallehrer*), im Gegenſatz zu den idealen(den facul⸗ tätiſchen) einmal die realen nannte,(ohne dieſen Unterſchied ganz zuzugeben) es verſäumen dürfen, den Blick zu richten auf eine Welt, wo noch andere Intereſſen, als die des Erwerbes, des techniſchen Berufes die Seele erfüllen, wo noch eine andere Liebe gilt, als die des Geldes, wo Triebfedern wirken, für die ohne Bildung Tauſende kein Organ, geſchweige denn Erfahrung beſitzen! Nein, die Schule darf nicht ſagen, daß ſie eine höhere Bürgerbildung beabſichtige, die es verſäumte, ihre Schüler auf den Standpunkt zu erheben, auf dem ſie für ſittliche(ideale) Güter nicht gern ihre realen Güter, ja das Leben aufopferten? Hierzu muß freilich das ganze Volk gebildet ſein, aber die gebildeten Stände müſſen der Maſſe des Volkes darin vorleuchtende Muſter ſein;(denn zum bloßen beſſer eſſen, trinken, wohnen ꝛc. ſind ſie nicht da) ſie müſſen jene großen Gedanken, welche in einigen hocherleuch⸗ teten, hochgemutheten Männern wie Himmelsfunken electriſch aufblitzen, in ſich aufnehmen, in immer weitern Kreiſen, mit denen ſie im Verſtändniß ſtehen, ausſtrahlen und ausleuchten laſſen, bis ſie auch an den letzten Mann gelangen. Denn nur Wenige können es ja immer ſein, in denen die größten Bedürfniſſe eines Volkes zu klaren Gedanken werden und den ſchlagenden Ausdruck gewinnen. Aber Stimmen des Rufers in der Wüſte ſind dieſe Wenigen, die verhallen, wenn ſie nur in der Gelehrten⸗ oder Staatsmännerzunft verſtanden werden, wenn die Tauſende fehlen, die das Verſtändniß derſelben nach allen Orten hinleiten und ſo die zu freien Bundesgenoſſen am gemeinſchaftlichen Werke heran⸗ ziehen, die ſonſt nur willenloſe, unzuverläſſige Werkzeuge ſein können. Dieſen Beruf habe ich unſerem höheren Bürgerſtande zugedacht, ſeiner ganzen Stellung nach iſt er auch einzig dazu befähigt, aufnehmend und zurückwirkend nach oben und unten— wenn wir einmal *) Deinhardt. 21 ſo ſagen wollen— ein Band zu werden, wodurch das deutſche Volk ein organiſches Ganze werde. Unſere Kaufleute, Gutsbeſitzer, Fabrikherrn, höhere Gewerbtreibende ac., ſie ſollen fortwährend die Leiter ſein, durch welche die Schätze unſerer höheren nationalen Bildung an Weisheit und veredelter Sitte auch denen zufließen, die nicht Muße und Mittel haben, ſie an den eigentlichen Heerden zu ſuchen, denen aber doch ihr Antheil daran nicht verkürzt werden ſoll, denn ſie haben Mittel und Muße dazu geſchaffen. Von daher wird durch eben dieſe Stände den Dichtern und Weiſen immer wieder das volle, deutſche, wahre Gefühl zuſtrömen, das ſie vor falſcher Sentimentalität, Ziererei, Ueber⸗ ſchwänglichkeit bewahrt, ſo wie es auch die in die Höhe geſpindelte, abſtracte, bloß dialectiſche Weisheit der Gedenkbarkeit, die Naſeweisheit, die Weisheit des blauen Dunſtes in ihrer erträumten Allgewalt beſchränken wird. Dann kommt in die Bildung jene ächte, unvergängliche natürliche Wahrheit zurück, weil ſie an der Wirklichkeit nicht nur täglich ihre Probe macht, nicht etwa nur an der reinen, a priori demonſtrirbaren Fürſichheit des Begriffes; ſondern noch mehr, weil ſie aus der Wirklichkeit ihre Nahrung ſaugt, ihre Antriebe in der Erfahrung, in dem Erlebten findet, und nicht immer über das Speculiren ſpeculirt, nicht immer für die Köche kocht, ſondern für die Gäſte. Wie anders hätte wohl ein Friedrich gewirkt, wenn er mit ſeinen Preußen, mit den Deutſchen, als mit einem gebildeten Volke hätte verkehren können, wenn ſtatt Voltaires ein Herder, Göthe, Schiller ſein Sansſouci erheitert hätten, und dieſer Wechſelverkehr nun in das Volk ausgeſtrömt wäre; wenn dieſe, in denen ſich jetzt der Weimarſche Hof mehr oder weniger ſpiegelt, die Strahlen jener heroiſchen Thatkraft mit ihrem Genius hätten empfangen können. Welch ein anderer Typus möchte wohl jetzt der preußiſche, vielleicht der deutſche ſein. Gewiß nicht ärmer an Kraft, aber reicher wohl an anderer Herrlichkeit, deren Mangel ihm den Weg in das Herz der übrigen Deutſchen erſchwert. Aber das Gute kommt nie zu ſpät, es werde immer mit derſelben Hoffnungskraft ergriffen, unſere Schulen ſollen immer eifriger dahin wirken, das echt Volksthümliche von oben nach unten, von unten nach oben zu führen, jeden Riß zu füllen und was wir Herrliches haben, zum Gemeingut des Volkes zu machen, daß es Salon, Studierſtube, Gerichtsſtube, Kirche, Haus, Werkſtatt, Stadt und Land mit dem Gefühle geiſtiger Blutsverwandtſchaft erfülle. Daß ich in dieſer Beziehung zu meinem Volke in einem unverwüſtlichen Glauben verharre, das iſt mein Glück und mein Stolz. Ich ſehe es in keine ſo gemeine Leidenſchaft, noch frivole Leicht⸗ fertigkeit verſtrickt, ich ſehe es mit ſeinem angebornen ernſten, beſonnenen Weſen bei den umgebenden Verwirrungen ſich gleich verharren, kaum in ſeinem äußerſten Schaume aufregbar. Was muß es werden, wenn der Geiſt der gediegenen Bildung, an keine Hauptſtadt und ihre Bannmeile gebannt, die bürgergeborne Bildung, die unter uns ſchon Worte gefunden, wenn ſie auch an keine dazu privi⸗ legirten Stände mehr gebunden, immer wahrer ausſtrömt in das Volk. Gerade unſere deutſche Literatur iſt wie ſonſt keine befähigt, ein Volk zuſammen zu halten, wie ſie ja auch bis jetzt faſt das einzige Band unſeres Volkes geweſen iſt. Sie iſt weder das Kind raffinirter Höfe, noch großer üppiger Städte, denen ſie zum Zeitvertreibe und zur Aufregung abgeſtumpfter Sinne geſchrieben wäre; ſondern, wer ihren Urſprung kennt, wird es wiſſen, ſie iſt hervorgegangen aus einem Kreiſe treuer Freundſchaft, frommer Liebe, einfältiger Sitte und Tugend, hat ſich aufgeſchwungen zu hoher, begeiſterter Vaterlandsliebe, zur Verherrlichung und Darſtellung edler ſittlicher Geſtalten und iſt in ihren Haupt⸗ trägern dieſer Richtung ſtets treu geblieben. * 22 Das iſt die Bedeutung, welche wir im Geiſte mit dieſem Zweige unſeres Schulunterrichtes verbinden. Es verſteht ſich aber, daß ohne Unterſtützung von außen der Hauptzweck von der Schule nicht erreicht werden kann. Die Schule kann es nicht allein, die Welt muß mithelfen, zunächſt durch Meinung, Urtheil, Beifall und Vertrauen; dann durch Gewöhnung der Kinder von Jugend auf. Dieſe natürlichen, veredelten, vaterländiſchen Töne müſſen ſie immer anklingen. Dann muß auch die Schule unterſtützt werden durch äußere Beihülfe— und vor allem durch eigne, geduldige Beharrlichkeit. Es giebt keine Univerſalmedicin, die wie die Goldtinctur Alles gewiß und ſogleich curirt, die Folgen eines unnatürlichen Lebens wie wegwiſcht und gleichſam Ablaß gewährt zur Fortſetzung oder Erneuerung des ungeſunden Weſens, um— wenn nach einiger Zeit wieder ſolche Naturſchulden gemacht ſind— für baares Geld das Arcanum noch einmal zu kaufen, und wie aus der alten Männer⸗ und Frauen⸗ mühle jung und geſund wieder heraus zu kommen. Ein ganzes, ſtraff und verſtändig zuſammenge⸗ haltenes Leben iſt das Arcanum, das man täglich ſich ſelbſt bereiten und ſtündlich einnehmen muß. Wie viel mehr bei der Erziehung und Bildung der Seele! Prieſter verkauften ſonſt Ablaß, kraft deſſen den ſchofeln Menſchen das zum Himmel vorbereitende Leben erlaſſen blieb, und doch die Verſicherung wurde, daß man ſie ohne eignes Zuthun fix und fertig zum Himmel zugeſtutzt in der Sterbeſtunde abliefern würde!— Aber Kirche und Schule verkaufen keinen Ablaß mehr, für ein gutes Stück Geld kann die Schule nicht mehr Alles leiſten. Es iſt die Jugendbildung das Werk des ganzen Lebens, des ganzen Volkes, und wer die Hand und das Herz daran legt, bereite ſich auch, die ganze Kraft der ſich ſelbſt überwindenden begeiſterten Liebe, des ganzen ſittlichen Ernſtes in die Schaale mitzulegen. Unſere Mitbürger, vom erſten bis zum letzten, bilden das Vaterland. Daß nun unter ihnen das Beſte, was unſer Volk hat, zur Anerkennung, zu einer Alle durchſtrömenden Erkenntniß komme, daß von allen Seiten her die Herzen ſich um dieſe Flamme des ächten Volksgeiſtes ſammeln, von ihm erleuchtet und erwaͤrmt werden, dazu ſoll jeder Stand, jeder Einzelne an ſeinem Theil arbeiten, und es wird, was der Einzelne gewinnt, dem Ganzen zu Gute kommen. In dieſer Pflicht und Hoffnung ſoll Keiner ermüden. Ordnung der Rede⸗ und Geſangübnung der höheren Gewerbe- und Handlungsſchule am 3. April 1846, Nachmittags von 2 Uhr an. ——ꝛOos== Geſang: Lobgeſang von Bach. 1) Der Frühling eine auffordernde Stimme an die Jugend.—(Vortrag.) Hecht. Claſſe II. 2) Blau Veilchen von Förſter.— Arnſtädt. Cl. III. 3) Der Ueberfall im Wildbad von Uhland.— Krüger I. Cl. VI. 4) Le retour de Paris par Guiraud.— Zachert. Cl. IV. Geſang: Der Jäger Abſchied vom Walde, von Jul. Stern. 5) Die Auferſtehung, Fragment aus dem 13. Geſange von Klopſtocks Meſſiade.— Gellhorn. Cl. I. 6) Das Glöcklein des Glücks, von Seidl.— Schüler. Cl. III. 7) Tell's Tod von Uhland.— Gerſtenberg. Cl. V. 8) Le retour dans la patrie par Béranger.— Bendix. Cl. III. Geſang: An das Vaterland, von Kreutzer. 9) Discours sur la littérature franqaise moderne.— Becker.(Abiturient.) 10) Die Prinzeſſin Solandra von C. Stöber.— Bohnenſtiel. Cl. V. 11) Der Kapaun von Langbein.— Rieding. Cl. VI. 12) John Barleycorn by Robert Burns.— Grätz. Cl. II. Geſang: Landwehrlied.(Volksmelodie.) —— 13) Die Einladung von A. Knapp.— Hentrich. Cl. II. 14) Churfürſt Auguſt J. und die Magd aus Oſtra bei Dresden von T. Hell.— Heiſinger. Cl. IV. 15) Les deux tombeaux par Victor Hugo.— Perſchmann. Cl. II. Geſang: Motette von A. Mühling. 16) Abſchiedsworte der Abgehenden an die Zurückbleibenden, geſprochen vom Abiturienten Fölſche. 17) Abſchiedsworte der Zurückbleibenden an die Abgehenden, geſprochen von Nachtigall. Cl. I. Entlaſſung der Abiturienten durch den Direktor. Schlußgeſang. Mel. Wachet auf, ruft uns die Stimme. Brüder auf zu neuem Segen! Es ruft euch Gott auf neuen Wegen, Die Trennungsſtunde ſchlägt uns heut. Zieht in Gottes Huld und Frieden; Dem Glücklichen iſt er beſchieden, Der ſich in Lieb' und Treu' erneut! Nein, unſre Treue bricht In dieſer Stunde nicht; Sei auf ewig, Was uns verband, Ein heilig Pfand; Darauf im Geiſte Wort und Hand! 8,9e 23 Kurze Nachricht über den Zeichnenunterricht in unſerer Schule. Der Unterricht im freien Handzeichnen iſt, ungeachtet er ſtets zu der Zahl der Lehrgegenſtände dieſer Schule gerechnet wurde, doch erſt ſeit Oſtern v. J. in ſeine volle Wirkſamkeit getreten, indem er von da ab bindend für alle Klaſſen geworden. Er wird ſeitdem wöchentlich in zwei zuſammen⸗ hängenden Stunden in jeder Klaſſe ertheilt. Wiewohl dieſer Unterrichtsgegenſtand als ein in ſich abgerundeter und in ſeiner ſtufenförmigen Entwickelung gleichſam ſelbſtſtändiger zu betrachten iſt; ſo ſchließt er ſich doch dem Ziele dieſer Schule, ihrem ganzen Streben inſofern als integrirender Theil dem Ganzen an, als von ſeiner Wirkung erwartet wird, daß er in einem gewiſſen Sinne die ganze Thätigkeit des Schülers harmoniſch vermittele. Dieſe Behauptung dürfte auf den erſten Blick paradox erſcheinen; allein die Richtigkeit derſelben wird einleuchten, wenn man bedenkt, daß der Unterricht im freien Handzeichnen weniger auf den einzelnen künftigen Beruf gerichtet, vielmehr als eine rein künſtleriſche Thätigkeit gefaßt wird. Genauer betrachtet, kann es auch wohl nicht anders ſein. Wenn ſchon die Unterhaltung, welche die bildenden Künſte gewähren, unſer Empfindungsvermögen auf eine edle Weiſe erhöht und unſere Einbildungskraft wohlthuend erfüllt; wenn überhaupt die Gewöhnung an milde, harmoniſche Formen auch die Seele in einen milden harmoniſchen Gang bringt; ſo muß eine gründliche Bethätigung mit der bildenden Kunſt das Leben concentrirt erhöhen. Die Kunſt übt die zwingende Gewalt, daß ſie den, welcher in derſelben lebt, treibt, dieſelbe im Leben geiſtig, äſthetiſch und ſittlich nachzuahmen. Von ihr lernt der Menſch Klarheit, Ruhe, Objectivität, Einheit und Fixirung des Blicks. Räumen wir nun dieſen Functionen ihre unbeſtrittene Geltung ein, ſo muß auch dieſem Zeichnenunterrichte die Möglichkeit jener angedeuteten Vermittelung zugeſtanden werden. Wenn es wahr iſt, daß jeder Theil dem entlehnten Ganzen mindeſtens ähnlich ſein muß, ſo iſt auch wohl eben ſo unbeſtritten, daß eine jede Kunſtſtufe, wo und wie ſie auch geſondert erſcheinen mag, das Gepräge ihrer Abſtammung tragen muß. 24 Weder in dem Umfange des zu ertheilenden Unterrichts, ob nämlich einführend in die Bahn des künftigen Künſtlers, noch hier für die Ausbildung des Schülers, kann die Wirkung ſpecifiſch verſchieden ſein, weil der Unterſchied zwiſchen beiden Richtungen durchaus nicht in einer beſondern Idee des Strebens, ſondern einzig und allein in einem emſigeren Verfolg aller bezüglichen Mittel zu größerer Vervollſtändigung dieſer Idee, liegt. Von ähnlicher Wirkung und Bedeutung dürfte auch der Geſang⸗ unterricht, als Theil der Geſangkunſt, ſein; wenn gleich nicht ſprachlich erſchöpfend zu erklären, ſo doch als rückwirdende Kraft auf unſer Gemüth zu empfinden. Faſſen wir endlich den Standpunkt unſerer Schule, die hohe Bedeutung ihrer Aufgabe in:s Auge, daß ſie es nämlich„mit dem geiſtigen Menſchen vorzugsweiſe zu thun, ſich ſeiner ganz bemächtigen, ihn von allen Seiten erfaſſen, alle ſeine Anlagen und Kraäfte durch Uebung gleichmäßig harmoniſch entwickeln will“, ſo erklärt ſich auch wohl die hier angedeutete Bedeutung des Unterrichts in der Zeichnenkunſt und— wir hoffen— die Nützlichkeit deſſelben wird eben ſo wenig wie die Nützlichkeit des Guten überhaupt, ferner in Frage geſtellt werden. Wenn daher dieſer Unterricht nicht mehr wie ſonſt, als ein Fachſtück dem zufälligen Belieben dargeboten, oder auch dem Nützlichkeitsprincipe huldigend, neben der Schule einhergeht, ſo iſt dies der vollſtändigeren Würdigung des Gegenſtandes ſowohl, als der weitumfaſſenden Bedeutnng der Realſchule zu vindiciren. Zeigen wir nun noch in Kurzem, welcher Weg für die Erreichung des vorgeſteckten Zieles betreten iſt. Die Linie in ihrer unendlichen Anwendung iſt die Sprache, der Ausdruck dieſer Kunſt. Ihre Entſtehung von einem Punkte aus, bezeichnet den Anfang dieſes Unterrichts und die Ausdehnung der geraden Linie, nach verſchiedenen Richtungen(ſenkrecht und wagerecht) zwiſchen gegebenen Punkten, nach Maaßgabe einer feſtgeſtellten Größe,(Zoll) leitet auf das Verſtändniß ihrer Bedeutung hin; die Begrenzung einer Fläche aber durch Bildung der einfachſten Figur, zu ihrer Anwendung. Mit beſonderer Rückſicht auf die Sicherheit und Richtigkeit der Anwendung des angenommenen Maaßſtabes durch bloße Anſchauung werden die Verhältniſſe der Linien in den verſchiedenſten geometriſchen Figuren, beſtimmt. Dann wird die krumme Linie annäherungsweiſe, vermittelſt der geraden, in viel⸗ facher Anwendung, gezeichnet. An die Stelle der bisher gebrauchten Schiefertafel mit dem lang zugeſpitzten Stift, tritt das Papier und der Bleiſtift, und ſtatt des bisherigen Diktirens der Figuren kommen Muſterblätter zur Anwendung, welche ſich genau den vorangegangenen Uebungen anſchließen, um nunmehr den Blick auf ein beſtimmt gegebenes Raumverhältniß zu fixiren und das Gefühl für die Form überhaupt vorzubereiten. Dann tritt eine größere Verſchiedenheit in der Nachbildung ſchöner Formen ein, vorherrſchend ſolche, in denen ſich die Verhältniſſe einer Größe zum Ganzen nachweiſen laſſen. Dieſe Uebungen wechſeln mit leichten Arabesken ab, wozu dann der vollſtändige Uebergang ſtatt findet. Die Arabeske als ein freiwaltendes Spiel der Phantaſie, auf äſthetiſchem Grund und Boden entſproſſen, bietet nicht allein der formbildenden Thätigkeit reichen Stoff, ſie läßt auch in ungezwungener Weiſe die Bedeutung und den Werth der Linie erkennen. In dem Rhytmus ihrer kühnſten Schwingungen liegt gleichwohl eine zwingende Art, welche zu der größten Aufmerkſamkeit leitet. So wird auch durch 25 die mannigfaltige Vermiſchung organiſcher Naturen in der Arabeske das Verſtändniß und das Gefühl für die weicheren und lebendigen Formen des animaliſchen Lebens, insbeſondere für die der menſchlichen Figur, vorbereitet. Die menſchliche Figur, als das vollkommenſte Werk der Schöpfung, iſt„Kanon und Muſter aller ſichtbaren Schönheit.“ Nach der hierdurch erlangten Sicherheit in der Auffaſſung des Gegebenen und bei der Erweiterung des Gefühls für vollkommene Form vermittelſt vielfacher Anſchauungen, tritt das Verlangen nunmehr lebendiger hervor, dasjenige, was bisher nur durch correcte Umzeichnung fixirt wurde, durch das Spiel des Lichtes und Schattens in plaſtiſcher Weiſe zu vollſtändiger Klarheit zu bringen. Daher tritt hier erſt eine kurze Anleitung zum Schattiren nach entſprechenden Muſter⸗ blättern ein, welche dann auch gleichzeitig die Geſetze der Perſpective verſinnlichen*). Eine ausgedehntere Anwendung dieſer eben genannten Uebung auf die Nachbildung ſchöner Vorbilder in großem Maaßſtabe, theils in Crayon, theils auf couleurtem Papiere mit der Benutzung der Eſtompe und zweierlei Kreide, erfolgt dann bald. Zuletzt finden nun die angeeigneten Mittel insgeſammt ihre volle Bedeutung in der ſelbſtſtän⸗ digen Thätigkeit, welche die Darſtellung nach wirklich plaſtiſchen Gegenſtänden, vorherrſchend antike Modelle, erheiſcht. Die Landſchaft endlich kann nach der hier vorwaltenden und oben bereits angedeuteten Idee, wenngleich nicht ganz ausgeſchloſſen, doch eine nur untergeordnete Stellung einnehmen; ſie gehört, ſtreng genommen, nicht dieſem feſt begrenzten, ſondern einem eigenen Gebiete an. Die Landſchaft erhält für ſich durch den Inbegriff mehrer, einander untergeordneter Bedingungen, welche den vorhin vorgezeichneten ſich kaum nähern, erſt ihre volle Bedeutung. Ein Abſchnitt auf irgend einer Stufe, d. h. eine Sonderung der einen Bedingung von der andern hat für ſich, nicht einmal als Anregung gewürdigt, Bedeutung. Was ſie aber insbeſondere außer unſerer Grenze ſtellt, das iſt der mangelnde Zuſammenhang zwiſchen Form und Leben. Daß dieſer Kunſtzweig bisher obſervanzmäßig in dem Zeichnenunterricht einen bedeutenden Platz eingenommen, kann billig kein Grund für ſeine Geltung, in unſerem Sinne, ſein. *) Die zu dieſem Behufe von dem Ref. angefertigten Vorlegeblätter werden zu Oſtern erſcheinen. 26 Schulnachrichten. e 1. Ueberſicht des Unterrichts. (A. Sommerhalbjahr, B. Winterhalbjahr.) —-— Erſte Klaſſe. Klaſſenlehrer der Director. Religion: Zuerſt Wiederholung und vielfache Vervollſtändigung des im vorigen Jahre Gelehrten: indem von dem Begriffe der Religion und dem Satze ausgegangen wurde, daß der Menſch ohne Religion gar nicht denkbar ſei, kamen die verſchiedenen Formen des religiöſen Lebens und die Entwickelungsgeſchichte der altteſtamentlichen Religionsverfaſſung zur Erörterung, bis auf die Geburt Chriſti; ſodann wurde das Leben Chriſti dargeſtellt, indem daran die Entwickelung der wichtigſten Stücke der chriſtlichen Glaubens⸗ und Sittenlehre angeknüpft wurde, natürlich fortwährend mit Leſung des N. T., beſonders der Evangelien verbunden. 2 Std. Ledebur. Deutſch: Die mündlichen und ſchriftlichen Uebungen in mannigfacher Form, ſchloſſen ſich, ſo viel nur immer möglich, zunächſt an das ganze Leben der Schüler in und außer der Schule an, indem alles Bedeutendere, was in ihren Bereich gekommen war, auf dieſe Weiſe nähere Beſprechung, gründlichere Erörterung, klareres Verſtändniß fand*). Sodann ſchloſſen ſich dieſe Uebungen beſonders auch an die Literaturgeſchichte. Dieſe, welche möglichſt überhaupt eine deutſche Culturgeſchichte zu werden ſuchte und fortwährend mit der politiſchen Geſchichte der Deutſchen verbunden war, behandelte die übrigen Abſchnitte nur ganz überſcchtlich, ſpecieller aber *) Die Schule legt für ihr ganzes Leben auf alle mündlichen Uebungen in der Mutterſprache ganz beſonderes Gewicht. Sie hat in dieſem Jahre deßhalb auch wieder mehrere Tage durch ſolche Uebungen feſtlich begangen: die Schlußtage der Vierteljahre, Göthens und des Königs Geburtstag und der Erinnerungstag an Luthers Tod; die damit verbundenen Geſangübungen, welche in unſerer Schule einen beſonders erfreulichen Fortgang haben, tragen weſentlich zur Hebung ſolcher Feierlichkeiten bei. 27 die Schwäbiſche, und am ſpeciellſten die neuere und neueſte Zeit, beſonders die von 1740 an. Auch die Lectüre ſchloß ſich beſonders an die Literaturgeſchichte an und es wurden folgende Werke(in der Schule nur theilweiſe) geleſen: Voſſens Luiſe, Göthens Hermann und Dorothea, Klopſtocks Meſſiade, Wielands Oberon, Herders Cid, Platens Abaſſiden, Reineke Vos, das Niebelungenlied und Voſſens Homer. Das Epos bildete für dieſes Jahr den Mittelpunkt der Lectüre in der Schule; ſonſt wurden noch zu der Literaturgeſchichte mannigfache Proben gegeben. Die Privatlectüre wurde möglichſt geleitet und ſchloß ſich meiſtens an die obengenannten Uebungen an, zu denen auch die Deklamation zu rechnen iſt, mit welcher wöchentlich ein paar Stunden begonnen wurden. Die Theorie wurde überall angeknüpft.— 4 Std. Ledebur. Franzöſiſch: Die Lectüre wurde möglichſt mit der politiſchen und Literargeſchichte in Verbindung geſetzt. Zuerſt wurden die ſchon im vor. J. geleſenen drei erſten Geſänge von Napoléon en Egypte par Barthélemy et Méry wiederholt und dies ganze Werk ausgeleſen, daneben wurden von den Schülern zu Hauſe geleſen und in der Schule wiederholt, ausgewählte Abſchnitte aus der Histoirre de Napoléon etc. von Ségur. Sodann RKacine's Athalie, Delavigne's les Enfans, d'Edouard und Alexandre Dumas Napoléon Bonaparte(alle drei Werke nur theil⸗ weiſe). Außerdem wurden eine Reihe von Schriften zum Theil ganz, meiſtens ſtückweiſe von einzelnen oder mehreren Schülern zu Hauſe geleſen und in der Schule darüber berichtet. So Werke von Corneille, Boileau, Voltaire, Marmontel, Bernardin de St. Pierre, Chénier, Thiers, Victor Hugo u. a. Die Wahl dieſer Stücke wurde durch die Berührung mit der deutſchen Lectüre, mit der politiſchen und Literargeſchichte, die auch zur Mittheilung zahlreicher Proben aus einer Reihe von Schriftſtellern Veranlaſſung gab, und mit den Stücken, die gerade in der Schule geleſen wurden, beſtimmt. Auch hielten die Schüler das bei Velhagen und Klaſing in Bielefeld erſcheinende Musée français. Memorirt wurden fortwährend Abſchnitte des Geleſenen. 2 Std. Ledebur.— Stilübungen und Grammatik: A. Die wichtigſten Abſchnitte der Syntax wurden nach Jacobi wiederholt und die darauf ſich beziehenden Uebungs⸗ ſtücke theils ſchriftlich, theils mündlich überſetzt; außerdem diente noch zum ſchriftlichen Ueberſetzen in's Franzöſiſche Fränkels Anthologie. B. Statt der früheren wöchentlichen Exercicien wurden freie Abhandlungen aus dem Gebiet der neueren Geſchichte eingereicht und beim Durch⸗ nehmen derſelben, ſowie bei dem Material, welches eine zu dieſem Zwecke angeſtellte Wiederholung des in früheren Klaſſen geleſenen Charles XII. darbot, die Grammatik eingeübt. 2 Stunden. Richter. Engliſch: Abtheilung l. Geleſen wurde zuerſt Washington frwing's Sketch Book in der Schule und der von ein paar Schülern ſchon früher geleſene ganze Vicar of Wakefield zu Hauſe, ſo daß er in der Schule nur zu beſtimmten Stunden repetirt wurde; ſodann Shakspeare's Merchant of Venice, jedoch nicht ganz. Fortwährendes Memoriren geleſener Abſchnitte. 3 Std. Ledebur.— Stilübungen und Grammatik nach Fölſing: 1 Std. Dietrich. Abtheilung II. Der Vicar of Wakefield wurde vollſtändig geleſen, theils curſoriſch, theils mit genauerer Erklärung. Ausgewählte Stücke wurden memorirt und außerdem Uebungen im Rücküberſetzen in ſummariſcher Inhaltsangabe in engliſcher Sprache u. dgl. m. daran geknüpft. 4* 28 2. Std. Stilübungen und Grammatik nach Fölſing: 1 Std. allein; 1 Std. combin. mit l. Dietrich. Mathematik: Geometrie 2 Std. Die curſoriſche Repetition des ganzen in den früheren Claſſen durchgegangenen Gebiets der Mathematik, ſollte den Schülern beſonders den Zuſammenhang aller einzelnen Theile deutlich machen und in ihnen eine klare Ueberſicht ihres Wiſſens entſt ehen laſſen. — Trigonometrie— Stereometrie— Arithmetik 2 Std. Die Logarithmen und ihre Anwendung auf das Rechnen. Die Combinationslehre, woraus der binomiſche Lehr⸗ ſatz hergeleitet wurde. Die einfachen ſowohl, als die höheren arithmetiſchen Reihen. Die geome⸗ triſche Progreſſion. Die Zins auf Zinsrechnung. Die quadratiſchen Gleichungen mit mehreren unbekannten Größen. Die Löſung der cubiſchen und höheren Zahlenglei⸗ chungen auf indirectem Wege. Die einfachen, unbeſtimmten Gleichungen.— Die häuslichen Arbeiten beſtanden in Löſung mathematiſcher Aufgaben, hauptſächlich aber in freien Arbeiten über gegebene Themata. von Heidenreich. Naturlehre: Den größten Theil des Sommerhalbjahres füllte die Repetition des Penſums aus Kl. II. aus, namentlich in Betreff des mathematiſchen Theiles; das Winterhalbjahr wurde der ſpecielleren Betrachtung der Wärme, des Lichtes, Magnetismus und der Electricität gewidmet, deren Lineamente in Kl. II. gezeichnet waren.— In der Chemie kamen zunächſt die Grundſtoffe an ſich vor, demnächſt deren Verbindungen mit Sauerſtoff, Chlor, Fluor, Bor, Jod und Schwefel, wobei möglichſt viel Techniſches herangezogen wurde. In der organiſchen Chemie wurde neben der Pflanzen⸗Chemie aus der Thier⸗Chemie, in ſpecieller Hinſicht auf unſer Leben, das Wichtigſte herangezogen und mit Anatomie und Phyſiologie gehörigen Orts verwebt.— Die Aſtronomie, mit Einſchluß der mathematiſchen Geographie, hat das Allgemeine behandelt. Das Sonnenſyſtem erläutert und ſpeciell die Erde betrachtet, ſo wie ſich auch verbreitet über das Wiſſenswürdigſte des Kalenders und der Zeitrechnung im Allgemeinen. 4 Std. Kote. Geſchichte: Ueberſicht der allgemeinen Weltgeſchichte nach den wichtigſten Epochen, ſo wie der Geſchichte einzelner wichtigerer Völker der mittleren und neueren Zeit. Neue und neueſte Geſchichte ſpecieller; außerdem wurden einzelne Parthien der allgem. Geſchichte nach beſonderen Veranlaſſungen und Bedürfniſſen behandelt. 2 Std. Literariſch politiſche Geſchichte der Franzoſen. 1 Std. Die Schüler wurden vielfach veranlaßt zum eigenen weiteren Nachleſen in angemeſſenen hiſtoriſchen Werken, welche meiſtentheils die Schülerleſebibliothek darbot.(Schmidt's Grundriß d. Weltgeſchichte). Ledebur. Geographie: Nach Roon's Grundzügen, Betrachtung der phyſiſchen und politiſchen Weltſtel⸗ lung Europa's. Genauere Beſprechung der Verhältniſſe der romaniſchen, germa⸗ niſchen, ſlaviſchen Bevölkerung, ihre Staatengruppen in ethnographiſcher, phyſiſcher, politiſcher, merkantiliſcher, induſtrieller Beziehung, mit beſonderer Rückſtcht auf Deutſchland, Frankreich, England, wobei die amerikaniſchen Freiſtaaten mit hereingezogen wurden. Betrachtung der religiöſen Trichatomie. 2 Std. Weber. Handelswiſſenſchaft u. Rechnen: A. Wiederholung der verſchiedenen Rechnungsarten in möglichſt ſchwierigen Exempeln. Die Berechnung der Staatspapiere, Actien ac. und die 29 Waarencalculation. B. Die Lehre vom Gelde, Begriff des Geldes, das Münzweſen, beſonders das deutfche, Circulation des Geldes, das Bankweſen, Papiergeld, Wechſel. Die Waare, natürlicher und Handelspreis der Waare. Arten der Handlungen. 2 Std. Häſeler. Freies Handzeichnen: 2 Std. Lilienfeld.(Siehe die kurze Nachricht über den Zeichnen⸗ unterricht.) Singen: Vierſtimmige Choräle für Männerſtimmen.— Vierſtimmige Volkslieder für Männerſtimmen von Silcher.— Vierſtimmige Männergeſänge von Weber, Kreutzer, Stern u. a. 1 Std. Kämpfe“). Zweite Klaſſe. Klaſſenlehrer Herr Dr. Weber. Religion: Geſchichte der Begründung, Entfaltung und Vollendung des Gottesreiches nach den Hauptmomenten, aus der heil. Schrift entwickelt, mit ſteter Beziehung auf die Kirchenlehre, deren Hauptſtücke gelernt und auf die Bibellehren zurückgeführt wurden.— Genauere Beſprechung der Bergpredigt, woran ſich der Geiſt der chriſtlichen Sittenlehre erkennen läßt.— Begründnng der chriſtl. Kirche.— Hauptmomente ihrer Entwickelung. 2 Std. Weber. Deutſch: Schriftliche Arbeiten.— Vorausgeſchickt wurde eine kurze Anweiſung über die verſchiedenen Arten von Aufſätzen, das Genauere aber, über die Regeln für die beſonderen Arten, bei den Aufgaben nachgeholt.— Die Aufgaben waren beſchreibender, erzählender, abhandelnder Art, zu⸗ letzt wurden noch mit Schilderung großer Männer und mit redneriſchen Sitten vergleichenden Arbeiten ein Verſuch gemacht.— Der Stoff zu den Aufgaben wurde immer aus dem Gedanken⸗ kreiſe entlehnt, der gerade zu der Zeit in der Klaſſe lebte und vorherrſchte.— 1 Std. Mündliche Uebungen.— Declamation bedeutender Gedichte mit biographiſchen Bemerkungen über die Verfaſſer, die der Schüler ausarbeiten und frei vortragen mußte.— Außerdem freie Vorträge über gegebene oder gewählte Themata, ebenfalls aus dem Kreiſe des Unterrichts. 1 Std.— Literaturgeſchichte. Voraus ging eine kurze Characteriſtik der verſchiedenen Dichtungsarten, meiſtens an Wolff's poetiſchen Hausſchatz ſich anſchließend, dann folgte eine Betrachtung der deutſchen Literatur⸗ entwickelung nach Schäfers Grundriß nach ihren Hauptmomenten. Ihr Inhalt, Anfang, erſte Blüthe,(ſchwäbiſche Zeit) Verfall, Luther, neuer Verfall, Wiederaufblühen bis Klopſtock, mit Hinſicht auf die ſpätere Entwickelung. 1 Std.— Lectüre.— Als Vorbereitung, die Betrachtung deutſcher Proſodie und Metrik, beſonders der accentuirenden und quantitirenden, der alten und neuen Verskunſt. Die Belege hierzu fanden ſich meiſt in Wolff's poetiſchem Hausſchatze, ebenſo begleitete die Lectüre meiſt den Unterricht in der Literaturgeſchichte und über die verſchiedenen Dichtungsarten. 1 Std. Weber. *) Zu Schulfeierlichkeiten, an denen alle Klaſſen Theil nehmen, wurden mehrere dreiſtimmige Choräle und Lieder eingeübt, die von ſämmtlichen Schülern der Anſtalt gemeinſchaftlich geſungen wurden. Außerdem wurden beim Redeactus Oſtern und Michaelis einige größere vierſtimmige G eſangſtücke für Sopran, Alt, Tenor und Baß, z. B. ein Hymnus von Beethoven, ein Quartet mit Chor aus Rombergs Glocke, eine Motette von A. Mühling von den geüb⸗ teren Schülern der Anſtalt aufgeführt. 30 Franzöſiſch: Lectüre.— Aus Mager's franzöſiſcher Chreſtomathie, anfangs Gedichte von Béranger, Lamartine, Victor Hugo, dann Bernardin de St. Pierre's Paul et Virginie ganz. Zu Hauſe wurde geleſen und in der Schule nur repetirt im erſten Halbjahr, Liv. IV u. V. von Voltaire's Charles XII., im zweiten Halbjahr Scribe's Bertrand et Raton. Einzelne Abſchnitte des Geleſenen wurden memorirt. 2 Std.— Grammatik, nach Jacobi von§. 354 bis 497, verbunden mit ſchriftlichen und mündlichen Uebungen. 2 Std. Richter. Engliſch: Callins Elementarbuch, Curſus l. wurde beendet, Curſus II. bis zu Ende des erſten Haupttheiles pag. 97. durchgenommen. Daneben Lectüre des Vicar of Wakefield Kap. 1 bis 20. 4 Std. Krahmer. Mathematik: Geometrie. 2 Std. Von den Verhältniſſen und Proportionen und ihrer An⸗ wendung auf Dreiecke, Vielecke, auf Flächenräume, auf den Kreis. Von Verwandlung und Theilung der Figuren. Von der Berechnung regelmäßiger Figuren, daraus Berechnung des Inhalts und Umfangs des Kreiſes.— Arithmetik. 2 Std. Von den Potenzen. Potenziren Redigiren, Logarithmiren. Das Rechnen mit Potenzen, mit ganzen, gebrochenen, poſitiven und negativen Exponenten. Die einfachen Gleichungen mit einer und mehreren unbekannten Größen. Die quadratiſchen Gleichungen.— Zu häuslichen Arbeiten wurden den Schülern wöchentlich einige geometriſche ſowohl, als arithmetiſche Aufgaben gegeben; auch mußten ſie von Zeit zu Zeit eine freie Arbeit über irgend einen Abſchnitt der Geometrie oder Arithmetik liefern. v. Heidenreich. Naturlehre u. Naturbeſchreibung: Oie Bewegungslehre nach vorausgeſchickter Be⸗ trachtung der allgemeinen Eigenſchaften der Körperlichen. Die Lehre vom Schalle, von den Wechſelverhältniſſen der Leiblichen zu einander, von den Unwägbaren(Wärme, Licht, Magne⸗ tismus, Electricität), das für dieſe Stufe Wiſſenswürdigſte aus der Chemie, insbeſondere der Ueberſicht der Elemente zum allgemeinen Verſtändniß der Mineralogie.— Die Orycto⸗ gnoſie, Geognoſie und ein Abriß der Geologie, ſoweit derſelbe hier verſtändlich werden konnte. 6 Std. Kote. Geſchichte: Nach Schmidt's Handbuche wurde gelehrt, die Geſchichte des Mittelalters. Zu der in Klaſſe III. gelehrten deutſchen Geſchichte kam noch hinzu, die der übrigen Völker, und vor⸗ züglich wurde verſucht, die Verbindung, wechſelſeitige Beziehung und Durchdringung der einzelnen Hauptvölker des Abend⸗ und Morgenlandes, in der Politik und Kultur zur Anſchauung zu bringen; die Bedeutung der Kirche, des Ritterſtandes in dieſer Beziehung hervorgehoben, ſowie der Einfluß des neu erwachenden Bürgergeiſtes in den Städten. 2 Std. Weber. Geographie: Allgemeine Einleitung, dann phyſiſche, ethnographiſche, politiſche Betrach⸗ tung der außereuropäiſchen Erdtheile, mit beſonderer Berückſichtigung Aſiens und Amerikas. Vor⸗ züglich nach Roons Anleitung. 2 Std. Weber. Rechnen: Wiederholung der früher dageweſenen Rechnungsarten, dabei die Zinsrechnung, ergänzt durch die Conto⸗ corrent⸗ Zinsrechnung, die Geſellſchaftsrechnung, ergänzt durch ihre Anwendung auf die Berechnung der großen Havarie. Die Berechnung des Goldes, Silbers und Zinnes, des ſpecifiſchen Gewichtes gemiſchter Körper; die Münz⸗, Agio⸗, Wechſel⸗ und Waarenberechnuug. 2 Std. Häſeler. 31 Schön⸗Schreiben: 2 Std. Weber. Freies Handzeichnen: Combinirt mit Kl. 1. 2 Std. Lilienfeld. Singen: Combinirt mit Kl. 1. 1 Std. Kämpfe. Dritte Klaſſe. Klaſſenlehrer Herr Dietrich. Religion: Die Bibelkunde wurde erweitert. Lectüre und Erklärung ausgewählter Abſchnitte des A. T., ſo wie des Evang. des Matthäus. Hieran, ſo wie an die Erläuterung der Hauptſtücke des lutheriſchen Catechismus, knüpfte ſich der Unterricht der Glaubens⸗ und Sittenlehre. Außerdem wurden die Schüler mit den wichtigſten Kirchenhiſtoriſchen Thatſachen und Begriffen bekannt gemacht. 2 Std. Dietrich. Deutſch: Uebungen im richtigen, deutlichen und ausdrucksvollen Leſen und Declamiren, ſo wie in freien Vorträgen, wozu theils die deutſche Geſchichte, theils anderweitig Erlerntes oder Angeſchautes den Stoff lieferte. Die behandelten Sprachſtücke wurden erklärt, ſoweit dies zu deren Verſtändniß, ſo wie zur Belebung und Schärfung des Uͤrtheils, des Geſchmacks und des Sprachgefühls erfor⸗ derlich ſchien. Zugleich gaben dieſe Uebungen Gelegenheit, bei den Schülern die Bekanntſchaft mit der Nationalliteratur und mit den Elementen der Poetik und Rhetorik, einzuleiten. 2 Std. — Vorbereitung und Beurtheilung der ſchriftlichen Arbeiten und mannichfaltige damit verbundene Uebungen im Erfinden, Disponiren, in Variirung des Ausdruckes u. d. m. Die Aufſätze waren meiſt hiſtoriſchen Inhaltes, doch auch mit der Beſchreibung und Abhandlung wurden Verſuche gemacht. 1 Std.— In der Grammatik, außer der Repetition und Erweiterung des in Cl. IV. Erlernten, wurde die Satzlehre in ihren Hauptpunkten, abſolvirt. 1 Std. Dietrich. Franzöſiſch: Lectüre Volaires Charles XII. Liv. I. u. IV. ganz, II. u. III. ſoweit, daß die die Schüler im Zuſammenhange der Geſchichte blieben, da dieſe beiden Bücher im v. J. geleſen worden waren. Einzelne Abſchnitte des Geleſenen wurden memorirt. 2 Std.— Gegen das Ende des Schuljahres wurde mit den am weiteſten Vorgeſchrittenen der Claſſe, in beſonderen Stunden la vanité punie von Berquin geleſen. Grammatik. Nach Wiederholung des Wich⸗ tigſten der Formlehre, wurde übergegangen zur ſyſtematiſchen Behandlung der Syntar nach Jacobi, von§. 165— 354. Die meiſten der ſich darauf beziehenden Uebungsſtücke wurden theils ſchriftlich als wöchentliche Exercicien, theils mündlich überſetzt. 2 Std. Richter. Engliſch: Mit Anſchluß an das in Cl. IV. Erlernte, wurden die Leſeübungen in Callins Elementar⸗ buche, beſondes im zweiten Abſchnitte bis zum Ende des Buches, das Ueberſetzen aus dem Eng⸗ liſchen und in die engliſche Sprache, das Erlernen geleſener Abſchnitte, fortgeſetzt, dabei die Bekanntſchaft mit der Formenlehre erweitert, ſo wie die wichtigſten Regeln aus der Syntar angeknüpft. 4 Std. A. Krahmer. B. Kummer. Mathematik: Geometrie 2 Std. Die Eigenſchaften der Dreiecke, ihrer Congruenz wurden ſyſtematiſch durchgenommen und daraus die Eigenſchaften anderer geradlinigter Figuren, die Haupt⸗ 32 ſätze vom Flächenraum derſelben und die vom Kreiſe entwickelt. Es wurde dahin geſtrebt, daß die Schüler den Stoff der ihnen geboten ward, völlig feſt und ſicher in ſich aufnahmen. Arith⸗ methik. 2 Std. Die Begriffe von poſitiver und negativer Zahl, von allgemeinen Zahlzeichen, von den 4 Grundoperationen wurden entwickelt und die practiſche Fertigkeit im Operiren mit dieſen allgemeinen Zahlzeichen zu erreichen geſucht. Als unmittelbare Anwendung dienten die einfachen Gleichungen mit einer unbekannten Größe. Das Ausziehen der Quadratwurzel wurde eingeübt. Die Decimalbrüche wurden als gewöhnliche Brüche angeſehen, bei denen der Gebrauch eine Abkürzung im Schreiben eingeführt hat und es wurde gezeigt, wie dieſe Abkürzung ſich auch beim Operiren mit denſelben durchführen läßt. Zur häuslichen Arbeit wurden den Schülern wöchentlich einige geometriſche und arithmetiſche Aufgaben gegeben. v. Heidenreich. Naturbeſchreibung: Botanik. Im Sommer wurden die einzelnen Theile der Pflanzen beſchrieben und an lebenden Pflanzen gezeigt. Das Linnéſche Syſtem wurde eingeübt und ein Ueberblick des natürlichen Syſtems gegeben. Auf häusliche Arbeit konnte, localer Verhältniſſe wegen, wenig gerechnet werden. Im Winter wurde die Anatomie und Phyſiologie der Pflanzen durchgenommen und von den beſonders wichtigen Pflanzen, ihren Nutzen oder Schaden, ſo wie ihre Anwendung in allgemeinen Umriſſen, erzählt. 2 Std. v. Heidenreich. Geſchichte: Deutſche Geſchichte in ihrem ganzen Umfange nach Kohlrauſch. Von Zeit zu Zeit Repetition der alten Geſchichte. 2 Std. Dietrich.— Geographie: Die Topographie nach Roon. 2 Std. Dietrich. Rechnen: Nachdem das in den früheren Claſſen Durchgenommene wiederholt war, wurde die Zins⸗, Termin⸗, Geſellſchafts-, Durchſchnitts⸗ und Vermiſchungs⸗Rechnung gelehrt. 3 Std. Häſeler. Schönſchreiben: 3 Std. Dietrich. Freies Handzeichnen: 2 Std. Lilienfeld. Singen: Repetition der in den beiden unteren Claſſen durchgenommenen Abſchnitte und Erweiterung derſelben, beſonders in Rückſicht auf Treffübungen und Tonarten.— Fortgeſetzte Einübungen der Kirchenmelodieen—(einſtimmig).— Zwei⸗ und dreiſtimmige Choräle und Lieder, nach Anlei⸗ tung einer, für die Schule beſonders eingerichteten Liederſammlung. 1 Std. Kämpfe. Vierte Klaſſe. Klaſſenlehrer Herr Kummer. Religion: Einleitung über die bibliſchen Bücher. Das A. T. wurde in ausgewählten Abſchnitten geleſen und erklärt, und der Unterricht der Glaubens⸗ und Sittenlehre damit in Verbindung geſetzt. Das erſte Hauptſtück des lutheriſchen Catechismus wurde außerdem gelernt und erläutert, mit Verweiſung auf die entſprechenden Bibelſtellen. 2 Std. Kummer. Deutſch: Der dritte Theil des deutſchen Leſebuches von Wackernagel wurde curſoriſch geleſen, aber, wo nöthig, beſonders erlärt.— Die geleſenen Abſchnitte wurden wieder erzählt oder andere, 33 von den Schülern ſelbſt gewäͤhlte, oder ihnen empfohlene Stoffe zu Uebungen im mündlichen Vortrage, nach vorhergegangener Vorbereitung, benutzt.— Gedichte, beſonders epiſche, wurden gelernt und declamirt und daran die erſte Einführung in die Literatur durch Angabe der wich⸗ tigſten Momente aus dem Leben der Dichter, durch Hinweiſung auf deren Bedeutſamkeit in der vaterländiſchen Literatur, durch Zuſammenſtellung der dem Schüler bereits bekannten Gedichte, deſſelben Verfaſſers, geknüpft.— Die ſchriftlichen Arbeiten, welche ſich durch die Wahl des Thema's möglichſt an die Lectüre anſchloſſen, wurden in erzählender und beſchreibender Form abgefaßt.— Die Lehre vom einfachen und zuſammengezogenen Satze wurde wiederholt und die Bekanntſchaft mit dem zuſammengeſetzten Satze erweitert. 4 Std. Kummer. Franzöſiſch: Lectüre. Aus Mager's franzöſiſchem Leſebuche. Band II. Anfangs einige Fabeln von Lafontaine, Gedichte von Guiraud, Beranger und Lamartine, hierauf einiges von den Abſchnitten aus Voltaire's Charles XII., Fenelon's Telémaque u. Anguctil's Jeanne d' Arc. Einzelne Abſchnitte wurden memorirt. 2 Std.— Grammatik nach Mager's franzöſiſchem Sprachbuche. Nach Repetition des aus der Formlehre und Syntar früher Erlernten, wurden durchgenommen: der ausgebildete Satz, Arten der Ausbildung§. 72— 179, Weſen des Artikels §. 180— 195, das attributive Satzverhältniß, hier namentlich die Stellung des attributiven Adjectivs und Particips; das objective Satzverhältniß, hierbei die Stellung des Pronomens als Object, im Ausſage⸗, Befehl⸗, Frageſatze ohne und mit Negation.— Einübnng der unregel⸗ mäßigen Verben. Zuletzt das Wichtigſte von der Motion des Particips parfait im obiectiven Satzverhältniſſe. Alle wurden eingeübt, durch ſchriftliche und mündliche Ueberſetzung franzöſiſcher und deutſcher Stücke. 3 Std. Richter. Engliſch: Die Leſeſtücke des erſten Abſchnitts von Callins Elementarbuche dienten, die Schüler mit der Ausſprache bekannt zu machen; wurden überſetzt, gelernt und die Elemente der Formlehre dabei eingeübt; ſchriftliche Uebungen, nach der Anweiſung des Buches, ſchloſſen ſich an. 2 Std. Kummer. Mathemathik: Geometrie. Gerade Linie, Winkel, Dreieck und Parallelogram waren die Formen, mit denen die Schüler bekannt gemacht und an denen ſie zu Klarheit und Beſtimmtheit im Ausdruck, zum ſicheren Urtheilen, zum wohlgeordneten richtigen Schließen angeleitet wurden. Es kam hierbei weniger darauf an, daß die Schüler viel Stoff in ſich aufnahmen, mehr aber, daß ſie das, was ſie lernten, vollſtändig einſahen und von der mathematiſchen Methode, ihrer Strenge, daher überzeugender Kraft, wenigſtens eine Ahndung gewannen. Die häuslichen Arbeiten beſtanden theils in den Ausarbeitungen deſſen, was in der Klaſſe vorgenommen war, theils in Löſung leichter Aufgaben. 2 Std. v. Heidenreich. Naturbeſchreibung: Der Unterricht erſtreckte ſich zunächſt über das Allgemeine in der Natur, mit Vorzeigung mancher Experimente, wodurch die Beobachtungsgabe der Schüler eine genaue Rich⸗ tung gewinnen konnte und ihre Sinnesorgane ſich auszubilden Gelegenheit fanden. Hiernach gingen vor ihren Augen die wichtigſten Formverhältniſſe im unorganiſchen Reiche vorüber; ſie wurden hingewieſen auf das Beſondere in dieſem Betracht, im Gebiete der Organiſchen lernten letztere nach den hauptſächlichen äußeren Merkmalen unterſcheiden, erhielten eine genauere Anſicht von ihrer Entſtehungsweiſe und Ausbildung, von ihrem Sein und Verhalten, ihren 5 34 Beſtandtheilen und Veränderungen.— Im Winterhalbjahr bildete das Thierreich ſpecieller den Gegenſtand des Unterrichts und es wurden wöchentlich in 1 Stunde die Okenſchen Ab⸗ bildungen vorgezeigt, um die Schüler an das Beſchreiben zu gewöhnen. 2 Std. Kote. Geſchichte: Die alte Geſchichte, beſonders die der Griechen und Römer wurde erzählt, und damit ein Ueberblick über die geographiſchen Verhältniſſe der alten Welt verbunden, die mittlere und neuere Geſchichte in beſonders dazu feſtgeſetzten Stunden wiederholt.(Störes Leitfaden) 2 Std. Kummer. Geographie: Wiederholung und Erweiterung der Elemente der phyſiſchen und mathema⸗ tiſchen Geographie, Betrachtung der Völker⸗Racen, dann genauere Beſchreibung Europas. 2 Std. Weber. Rechnen: Nach der allgemeinen Wiederholung des früher Gelernten die einfache Regeldetrie, der Kettenſatz, die zuſammengeſetzte Regeldetrie. Erempel a. mit directen, b. mit indirecten, c. mit directen und indirecten Verhältniſſen zugleich. 4 Std. Häſeler. Schönſchreiben: 4 Std. Kummer. Freies Handzeichnen: 2 Std. Lilienfeld. Singen: Wie in Kl. III. 1 Std. Kämpfe. Fünfte Klaſſe. Klaſſenlehrer Herr Krahmer. Religion: Zuerſt wurden die wichtigſten bibl. Geſchichten des A. T. geleſen, erläutert und wieder⸗ erzählt, ſodann wurde auf ähnliche Weiſe die Geſchichte Chriſti behandelt, indem ſie vorzugsweiſe an die Lectüre des Ev. Lucä, wobei einzelne Stellen aus denen des Matthäus und Johannes berückſichtigt wurden, geknüpft wurde. 2 Std. Krahmer. Deutſch: Der deutſche Unterricht ſchloß ſich an die Lectüre des zweiten Curſus von Wackernagels Leſebuche an, der faſt ganz geleſen wurde. Es trat dabei in dieſem Jahre die grammatiſche Behandlung dieſer Sprache, etwas mehr zurück, indem nur das Nothwendigſte aus der Lehre vom einfachen Satze und ſeinen Gliedern, ſo wie aus der Flexion der Verben und Adjective gelegentlich, beſonders bei der Correktur der Aufſätze durchgenommen wurde. Deſto mehr Auf⸗ merkſamkeit wurde auf die Ausbildung der Sprachfertigkeit der Schüler verwendet. Es wurde zunächſt auf durchaus geläufiges und richtiges Leſen, in Rückſicht auf Ausſprache wie Betonung, ſtreng geachtet und die Richtigkeit beider durch öfters wiederholtes gemeinſchaftliches lautes Erlernen von, beſonders durch ihren Rhytmus in die Ohren fallenden poetiſchen Stücken, befördert. Die Schüler wurden angeleitet, ſich ſelbſt das Verſtändniß ihrem Alter angemeſſener Stücke, proſaiſcher wie poetiſcher, zu eröffnen. Dabei mußte das Geleſene faſt immer mündlich frei wiedergegeben werden. Zum Auswendiglernen wurden beſonders poetiſche Stücke gewählt, wobei die Schüler mit den bedeutendſten Dichtern, deren Bekanntſchaft von ihrem Alter zu erwarten iſt, bekannt gemacht wurden. Uhland, Schiller, einzelne Balladen von Platen, 35 Lieder von Tieck, Müller, Eichendorff kamen am häufigſten vor. Zur Privatlectüre, welche als mit dem Unterrichte verbunden betrachtet wird, war den Schülern die Schulbibliothek eröffnet, von der wöchentlichen Lectüre wurde in einer beſtimmten Stunde Rechenſchaft gegeben, indem entweder einzelnes von dem Geleſenen frei wieder erzählt, oder ein Ueberblick über ein größeres Ganze, gegeben werden mußte.— Die ſchriftlichen Uebungen beſtanden theils in Dictaten, theils, beſonders im erſten Halbjahre, im Wiedererzählen vorgeleſener proſaiſcher, oder Umarbeiten poetiſcher Stücke; im zweiten Halbjahre mehr im Erfinden leichter, kleiner Erzählungen oder Beſchreibungen. 5 Std. Krahmer. 1 Std. Ledebur. Franzöſiſch: Geleſen wurden aus Mager's franzöſichem Leſebuche für untere Klaſſen Bd. l. mit Auswahl, Stücke aus dem Reiche der Natur von Buffon, Fabeln von Lafontaine und Volks⸗ dichtungen, Perrault; einzelne geleſene Abſchnitte wurden memorirt. 4 Std. Kummer.— Aus der Grammatik wurden nach Mager's franzöſiſchem Sprachbuche eingeübt die wichtigſten Regeln der Formenlehre und Syntax, durch mündliche und ſchriftliche Ueberſetzung franzöſiſcher und deutſcher Stücke, von§. 152— 287. Die bei den Stücken vorkommenden Vocabeln wurden auswendig gelernt und zur Einübung der durchgenommenen unregelmäßigen Verben, ſchriſtliche Tabellen der Stammformen angefertigt. 4 Std. Richter. Geſchichte: Im Sommerhalbjahr wurden die wichtigſten Begebenheiten der alten Geſchichte, im Winter die der mittleren und neueren durchgenommen. Die Erzählung, welche dem hiſtoriſch⸗ geographiſchen Leitfaden von Kapp folgte, knüpfte ſich vorzugsweiſe an die Biographieen der be⸗ deutendſten Männer der Geſchichte an und war eine Erweiterung des Curſus in Klaſſe VI. 2 Std. Krahmer. Geographie: Es wurde eine Ueberſicht der topiſchen Geographie gegeben, woran ſich nur einzelnes aus der phyſiſchen und politiſchen anſchloß. 2 Std. Krahmer. Rechnen: Nach Wiederholung des in Klaſſe VI. Dageweſenen. Die Decimalbruchrechnung, Preisberechnung, beſchränkt auf ſolche Exempel, in denen der Preis von der Eins ange⸗ geben iſt. 5 Std. Häſeler. Schönſchreiben: 5 Std. Krahmer. Freies Handzeichnen: 2 Std. Lilienfeld. Singen: Notenkenntniß(Ton.— Note.— Bezeichnung derſelben durch Buchſtaben.— Noten⸗ ſyſtem.— Schlüſſel.— Tonleiter.— Uebungen im Notenleſen.—) Tonbildung.(Haltung des Körpers.— Stellung des Mundes.— Eigenſchaften eines guten Tones.) Treffübungen. (Der Ton bleibt auf derſelben Stufe.— Fortſchreitungen zu der 2ten, 3ten ꝛc. Stufe.— Erhö⸗ hungs⸗ und Erniedrigungszeichen.—) Notenwerth u. Pauſen.— Erklärungen verſchie⸗ dener Zeichen und Namen.— Takt und Zeitmaaß.— Ausſprache.— Die gewöhn⸗ lichſten Tonarten— Einübung der bekannteſten Kirchenmelodieen und zwar ein⸗ und zweiſtimmig, zwei⸗ und dreiſtimmige Kanons und zweiſtimmige Lieder, nach Anleitung eines beſonders für die Anſtalt eingerichteten Singebuches. 2 Std. Kämpfe. 5 A⁴ 6 36 Sechſte Klaſſe. Klaſſenlehrer Herr Dr. Michaelis. Religion: Im Sommerhalbjahre Darſtellung des Lebens Jeſu nach den Evangelien. Im Winter⸗ halbjahre die Geſchichte der erſten chriſtlichen Gemeinden nach ihren Hauptpunkten, beſonders das Leben und die Wirkſamkeit des Apoſtels Paulus, wobei Leſung ausgewählter Kapitel der Apoſtelgeſchichte. Hierauf bibliſche Geſchichte des A. T. Der hiſtoriſche Inhalt der erſten beiden Bücher Moſe. 2 Std. Michaelis. Deutſch: Der deutſche Unterricht, welcher in dieſer Klaſſe den Hauptzweck hat, durch Einführung in das ſprachliche Material, das Gefühl und den Sinn des Schülers für ſeine Mutterſprache zu wecken und zu nähren, weniger ein reflectirtes Bewußtſein über dieſelbe und deren einzelnen Erſcheinungen zu erzielen, ſchloß ſich an den Gebrauch des Leſebuches von Wackernagel Th. l. an. Zuerſt Leſung der einzelnen Stücke, mit beſonderer Beachtung möglich größter Genauig⸗ keit in der Ausſprache, dann mündliche Reproduction des Geleſenen, um den Schüler in um ſo ſicherern Beſitz des Gedankengehaltes zu ſetzen; hierauf ſchriftliche Wiedererzählung deſſelben, ent⸗ weder in der Klaſſe oder zu Hauſe; Auswendiglernen und Recitiren einzelner Stücke bildeten den Kreis der hauptſächlichſten Uebungen, welche ſich an den Gebrauch des Leſebuches anknüpften. — Sprachgeſetze, Regeln u. dgl. fanden ihre Berückſichtigung inſofern, als die Richtigkeit und Correctheit des Sprachgebrauches dieſelbe erheiſchten, als z. B. in der Orthographie, bei den Präpoſitionen u. ſ. w.— Mündliche Uebungen mehrfacher Art wurden außerdem noch ange⸗ ſtellt. 5 Std. Michaelis. 1 Std. Ledebur. Franzöſiſch: Nach Anleitung des Sprachbuches von Mager wurde die Lehre vom nackten Satze vollendet; aus der Lehre vom ausgebildeten Satze kamen der Gebrauch der Praͤpoſitionen zur Caſusbildung und das attributive Satzverhältniß hinzu(§. 38 incl.). Uebungen des Ueberſetzens aus dem Franzöſiſchen ins Deutſche und umgekehrt, machten den Schülern das Vorgetragene practiſch geläufig. Die in den Uebungsſtücken vorkommenden Vocabeln wurden gelernt und durch öftere Repetition eingeprägt.— Aus dem franzöſiſchen Leſebuche von Mager, Bd. l. wurden die Stücke 12 u. 13 geleſen. 6 Std. Michaelis. Geſchichte: Mit zu Grundelegung des Kapp'ſchen Leitfadens wurden die Hauptmomente der alten, mittleren und neueren Geſchichte behandelt in der Art, daß ſich der Vortrag ſo viel möglich an die Biographie der hervorragendſten Perſönlichkeiten anſchloß und dieſe die Punkte bildeten, um welche das übrige hiſtoriſche Material ſich ſammelte. 2 Std. Michaelis. Geographie: Zuerſt allgemeine Ueberſicht über die topographiſchen Verhältniſſe ſämmt⸗ licher Erdtheile, hierauf ſpeciellere Behandlung einzelner europäiſcher Länder, inſonderheit Deutſch⸗ lands, Chartenzeichnen. 2 Std. Michaelis. Rechnen: Wiederholungsweiſe die vier Grundrechnungen in unbenannten und euaunten Zahlen. Die gemeine Bruchrechnung. 5 Std. Häſeler. Schön⸗Schreiben: 5 Std. Michaelis. Freies Handzeichnen: 2 Sid. Lilienfeld. 141 37 Singen: Combinirt mit Kl. V. 2 Std. Kämpfe. Die Theilnahme am Unterricht im architektoniſchen und Planzeichnen, ſowie im Feld⸗ meſſen lletzteres für die beiden oberen Klaſſen) war freiwillig. Der Untkerricht fiel außer den gewöhnlichen Schulſtunden und zwar: Architektoniſches ꝛc. Zeichnen, A. Mittwochs von 2— 5 Uhr; B. Mittwochs von 1— 4 Uhr. Kote. Feldmeſſen, A. Dienſtags von 4— 6 Uhr. Die Schüler lernten hierbei mit der Feld⸗ meſſerkette und den Stäben umgehen, ſowie mit dem Aſtrolabium, der Bouſſole, dem Meſſtiſch, dem Sextanten arbeiten, an wirklichen und fingirten Aufgaben. Dann und wann kam eine Stunde hinzu, in welcher die Schüler mit der Theorie näher bekannt gemacht wurden. Das Nivelliren mußte für diesmal auf wenige Uebungen im Zimmer beſchränkt bleiben, wegen ungünſtigen Wetters in der zu dieſer Lec⸗ tion feſtgeſetzten Zeit. Auch wurde das Nothwendigſte mitgetheilt über die Art des Auf⸗ tragens gemeſſener Gegenden, beſonders für die, welche ſich nicht am Planzeichnen betheiligten. Kote. Die Theilnahme unſerer Schüler an den Uebungen der unter der Leitung eines unſerer Lehrer, des Herrn Krahmer, ſtehenden ſtädtiſchen Turnanſtalt, fand Statt wie früher. —— 38 Tabellariſche Ueberſicht des Unterrichts. Lehrgegenſtände. Claſſe I. II. III. IV. V. VI. Im Ganzen. Religion 2 Stunden 2 2 2 2 2 12 Deutſch 4 4 4 4 6 6 28 Franzöſiſch 4 4 4 5 6 6 29 Engliſch 1 4, 1Stna44 4 2nnLanaſ n 22 1 Mathematik 4 4 4 2— 3 14 Naturlehre 4 4———— 8 Geſchichte 2 2 2 2 2 2 12 Geographie 2 2 2 2 2 2 12 Literaturgeſchichte 1———— 1 Naturbeſchreibung urenüin⸗ 2 2 2 6 Budaswiſwichaf 2 2 3 4 5 5 21 Schönſchreiben— 2 3 4 5 5 19 Freies Handzeichnen 2 Sndhinie 2 2 2 2 2 10 Singen 1 nnie 1 1 1“ 2 5 Im Ganzen 35 35 33 32 32 32 194 39 II. Ueberſicht der Frequenz. Beſtand Abgegangen Beſtand Claſſe. beim während am Beginn des Schuljahres. des Schuljahres. Schluß des Schuljahres. I. 17 3 14 II. 35 5 30 Ir 48(davon Te aſens 38 W. 57 5 52 V. 52 3 49 VI. 36 4 32 Im Ganzen 245 30 215 —ä----ʒ9—y—— 40 III. Namentliches Verzeichniß der Schüler. (Die mit“ Bezeichneten ſind im Laufe des Schuljahres abgegangen.) —, ¹ 4— Klaſſe I. 1) A. Becker aus Förderſtedt. 10) C. Jellinghaus aus Magdeburg. 2)»A. v. Braunbehrens aus Cöthen. 11) E. Nachtigall a. Magdeburg. 3) J. Brückner aus Magdeburg. 12) F. Neuhaus aus Ilſenburg. 4) W. Burbach aus Magdeburg. 13) C. Nitze aus Magdeburg. 5) J. Fölſche aus Magdeburg. 14) R. Riemann aus Kloͤtze. 6) F. Förſter aus Ebendorf. 15)*H. Schmidt aus Magdeburg. 7) H. Gellhorn aus Burg. 16) G. Schröder aus Burg. 8) G. Hitzeroth aus Magdeburg. 17)*F. Stötzer aus Magdeburg. 9 B. Jaenſch aus Magdeburg. Klaſſe II. 1) E. Ballerſtedt aus Burgſtall. 19) A. Meiling aus Calbe a. d. Saale. 2) O. Bodenſtein aus Neuſtadt⸗Magdeburg. 20) L. Nelle aus Magdeburg. 3) L. Bonte aus Magdeburg. 21) G. Perſchmann aus Magdeburg. 4) J. Capelle aus Calbe a. d. Saale. 22) B. Philipp aus Schönebeck. 5) E. Focke aus Magdeburg. 23) A. Sachſe ans Neuhaldensleben. 6) G. Fölſche aus Magdeburg. 24)*R. Schäffer aus Groppendorf. 7) O. Fordemann aus Burg. 25) A. Schellenberg aus Poſen. 8) R. Francke aus Gr. Wanzleben. 26) A. Schmidt aus Magdeburg 9) W. Grätz aus Poſen. 27) A. Schotte aus Calbe a. d Saale. 10) W. Hecht aus Magdeburg. 28)*G. Schrader aus Magdeburg. 11) W. Hentrich aus Quedlinburg. 29)*»H. Schrader aus Magdeburg. 12) C. Hildebrandt aus Schönebeck. 30)*A. Schulze aus Olvenſtedt. 13) C. Jockuſch aus Magdeburg. 31) C. Siemens aus Magdeburg. 14) W. Jordan aus Magdeburg. 32) E. Sprung aus Magdeburg. 15) A. Jordan aus Magdeburg. 33) F. v. Weſternhagen aus Magdeburg. 16)*W. Koch aus Magdeburg. 34) A. Wolfrom aus Magdeburg. 17) O. Kramer aus Magdeburg. 35) A. Zeiſing aus Brehna. 18) E. Lange aus Magdeburg. 41 Klaſſe III. A. Allendorf aus Schönebeck. F. Arnſtädt aus Magdeburg. T. Baarth aus Poſen. B. Bendix aus Großmühlingen. A. Bleske aus Hadmersleben. H. Boas aus Schwerin a. W. E. Bodenſtein aus Magdeburg A. Bonte aus Magdeburg. „F. Brückner aus Magdeburg. H. Brückner aus Magdeburg. H. Brunner aus Magdeburg. E. Dehoff aus Magdeburg. P. Dehoff aus Magdeburg. E. Dorendorf aus Gardelegen. G. Dremel aus Magdeburg. W. Elbe aus Hannover. »O. v. d. Eſche aus Magdeburg. E. Freiſe aus Magdeburg. ⸗L. Gehrmann aus Magdeburg. T. Gensler aus Neuſtadt⸗Magdeburg. O. Grüſon aus Magdeburg. „J. Heilbrunn aus Eisleben. »W. Heinrich aus Magdeburg. C. Hey aus Leipzig. W. Allendorf aus Schönebeck. E. Barling aus Magdeburg. A. Bätge aus Magdeburg. G. Bauermeiſter aus Oſterweddingen. A. Baumann aus Magdeburg. H. Bertog aus Halberſtadt. W. Bertram aus Egeln. M. Boas aus Schwerin a. d. W. Brandt aus Barleben. .Dahlmann aus Magdeburg. Denecke aus Magdeburg Diederich aus Magdeburg. . Diederich aus Magdeburg. Dienemann aus Schartau. .Döbbel aus Sülldorf. 8SgEAEES 25)*E. Hoffmann aus Magdeburg. 26) A. Kreiſing aus Brehna. 27) H. Lindemann aus Magdeburg. 28)*F. Loof aus Magdeburg. 29) G. Lücke aus Dahlenwarsleben. 30) P. Markus aus Belitz. 31)*R, Metz aus Magdeburg. 32) A. Philipp aus Schönebeck. 33) A. Pilz aus Bitterfeld. 34) A. Rahn aus Magdeburg. .35) P. Schmidt aus Magdeburg. 36) F. Schoch aus Magdeburg. 37) F. Schubart aus Magdeburg. 38) G. Schüler aus Magdeburg. 39) H. Schwarz aus Friedfeld bei Dresden. 40) W. Steinbrecht aus Magdeburg. 41) A. Stöcklein aus Berlin. 42) L. Tiemann aus Magdeburg. 43)*H. Wernecke aus Magdeburg. 44) E. Wernicke aus Fermersleben. 45) F. Wiersdorf aus Dahlenwarsleben. 46)*J. Winterſtein aus Magdeburg. 47) E. Wittling aus Magdeburg. 48) P. Zuany aus Magdeburg. Klaſſe IV. 16) R. Druckmüller aus Magdeburg. 17)*»W. Ecke aus Berlin. 18) A. Einecke aus Salbcke. 19) C. Ermhardt aus Oebisfelde. 20) M. Fließ aus Gr. Mühlingen. 21) E. Freitag aus Dodendorf. 22) R. Goſſelmann aus Wolmirſtedt. 23) H. Glorius aus Magdeburg. 24) A. Gräſer aus Magdeburg. 25) R. Graßhoff aus Gr. Salze. 26) C. Grieſing aus Dodendorf. 27) J. Heidenreich aus Magdeburg. 28) G. Heiſinger aus Magdeburg. 29) A. Herrmann aus Magdeburg. 30) C. Holtzapfel aus Magdeburg. 6 31) 32) 33) 34) 35) 36) 37) 38) 39) 40) 41) 42) 43) 44) 42 J. Hörner aus Magdeburg. O. Jakob aus Magdeburg, W. Jordan aus Magdeburg. C. Karaſeck aus Reichenbach in Böhmen. F. Kramer aus Witſſtock. „Krümmel aus Magdeburg. Mehl aus Magdeburg . Mittag aus Magdeburg. . Müller aus Riesdorf. Müller aus Riesdorf . Müller aus Rathenow. . Müller aus Gommern. Nelle aus Magdeburg. Pick aus Magdeburg. 8 * 898S8A2SSOS 45) A. Plumecke aus Sülldorf. 46)*A. Rammelberg aus Magdeburg. 47) O. Rennau aus Magdeburg. 48) J. Schultze aus Gr. Wanzleben. 49) O. Sieg aus Magdeburg. 50) H. Sintenis aus Magdeburg. 51)*H. Schirach aus Bromberg. 52) L. Wagner aus Bleckendorf. 53) G. Weber aus Magdeburg. 54) E. Weber aus Magdeburg. 55) M. Weinſchenk aus Magdeburg, 56) L. Wullſtein aus Dodendorf. 57) W. Zachert aus Warſchau. Klaſſe V. L. Altenborn aus Magdeburg. G. Bartels aus Magdeburg. F. Bodenſtein aus Magdeburg. G. Bodenſtein aus Magdeburg. A. Böckelmann aus Kleinottersleben. B. Bohnenſtiel aus Magdeburg. L. Calm aus Bernburg. O. Diederich aus Magdeburg. L. Dys aus Hildesheim. H. Ernſt aus Halle. A. Everth aus Magdeburg. A. Förſter aus Fermersleben. C Förſter aus Neuſtadt⸗Magdeburg. C. Gerſtenberg aus Neuſtadt⸗Magdeburg. E. Gottſchald aus Neuſtadt-Magdeburg⸗ G. Glorius aus Neuſtadt⸗Magdeburg. U. Grabau aus Neuſtadt⸗Magdeburg. W. Haberhauff aus Eggersdorf. O. Hecht aus Magdeburg. L. v. Heidenreich aus Magdeburg. F. Heine aus Magdeburg. O. Heyroth aus Magdeburg. H. Hirt aus Magdeburg. O. Hühnerbein aus Magdeburg. E. Jänecke aus Magdeburg. E. Kerl aus Bahrendorf. 27) F. Kieſel aus Staßfurth. 28) L. Kinſing aus Magdeburg. 29) G. Köhne aus Kleinottersleben. 30) K. König aus Magdeburg. 31) C. Könnecke aus Calbe a. d. S. 32) C. Krietſch aus Magdeburg. 33) C. Krümmel aus Magdeburg. 34) C. Kühne aus Magdeburg. 35) A. Lange aus Magdeburg. 36) M. Löſener aus Magdeburg. 37) F. Löſener aus Magdeburg. 38) F. Paſchtag aus Magdeburg. 39) O. Perſchmann ans Magdeburg. 40)*G. Petſchke aus Magdeburg. 41) E. Robrahn aus Magdeburg. 42) H. Roderwald aus Magdeburg. 43) A. Schotte aus Magdeburg. 44) A. Schröder aus Neuſtadt⸗Magdeburg. 45) F. Schuchard aus Magdeburg. 46) W. Schulze aus Magdeburg. 47) E. Siewers aus Magdeburg. 48)*F. Sobels aus Quedlinburg. 49)*E. Stöckel aus Cöln. 50) G. Thiele aus Magdeburg. 51) D. Thorſpecken aus Reibzig im Anh.⸗Cöth. 52) O. Wolff aus Magdeburg. 1) J. Allier aus Magdeburg. 2) F. Bethge aus Magdeburg. 3) A. Bothe aus Magdeburg. 4) E. Brandus aus Magdeburg. 5) R. Büchting aus Magdeburg. 6) C. Catter aus Magdeburg. 7) A. Dankwarth aus Magdeburg. 8) O. Decker aus Magdeburg 9)*R. Dehoff aus Magdeburg. 10) H. Förſter aus Fermersleben. G. Goldner aus Magdeburg. 12) G Helms aus Magdeburg. A. Jockuſch aus Magdeburg. 15) Th. Koch aus Magdeburg. 16) H. Krüger aus Tangermünde. 17) Fr. Krüger aus Tangermünde. 18) J. Ledderboge aus Domersleben. 14) S. Koch aus Neuſtadt⸗Magdeburg. 43 Klaſſe VI. 19) W. List aus Oebisfelde. 20) O. Mahrenholz aus Fermersleben. 21) W. Meyer aus Magdeburg. 22) A. Mittag aus Magdeburg. 23) H. Müller aus Gr. Germersleben. 24) C Nethe aus Magdeburg. 25) H. Petry aus Magdeburg. 26) H. Pfau aus Magdeburg. 27)*H. v. Raſchkauw aus Newyork. 28) J. Rennau aus Magdeburg. 29) P. Rieding aus Magdeburg. 30)*R. Schnackenburg aus Magdeburg. 31) H. Schade aus Magdeburg. 32) W. Schneider aus der Sudenburg. 33)*E. Schneider aus Magdeburg. 34) F. Schönenberg aus Magdeburg. 35) F. Ungnade aus der Sudenburg. 36) F. Wernicke aus Fermersleben. ——“— Ordnung der öffentlichen Prüfung. —-— Donnerſtag, den 2. April, Morgens von 8 Uhr an. Klaſſe I. Geſchichte und Franzöſiſch.— Mathematik.— Ledebur.— v. Heidenreich. ⸗ II. Deutſch.— Naturlehre.— Engliſch.— Weber.— Kote.— Krahmer. - III. Deutſch.— Franzöſiſch.— Dietrich.— Richter. Freitag, den 3. April, Morgens von 8 Uhr an. Klaſſe IV. Geſchichte.— Rechnen.— Franzöſiſch.— Kummer.— Häſeler.— Richter. - V. Geographie.— Rechnen.— Krahmer.— Häſeler. VI. Geſchichte und Geographie.— Franzöſiſch.— Michaelis. Nachmittags von 2 Uhr an Rede⸗ und Geſangübung. Die Zeichnungen der Schüler liegen während beider Tage im Zeichnenſaale zur Anſicht vor. —.-— Farbkarte ½13 „e n