Zu der öffentlichen Prüfung der Zöglinge Königlichen Pädagogiuns zu 25. und 26. März 1863 ladet hochacht ung svoll ein Aschanbach, Director. — Inhalt: Da das. Programm Uniu.-Bibl. Giessen Zlfeld 1. Michael Neander's pädagogiſche Erfahrungen und Grundſätze, von dem Collaborator Dr. R. Müller. 2. Schulnachrichten. ———y— Nordhauſen, Druck von Carl Kirchner. MISIBOIA 711 t. uunhinde nacihnffaa zgnilgät 234 3 6 574 ihE nt ewnipapnéitf u, Inn 1 5l zrit d ian T 4 l ch. I „IIRB 12 7 1183 11 n 1 E k 1 141a74dollah m nas eiinnich zus ugnndaſ d z8finagaar 4 154ua1 haie 8 anbirdanlahd. * nhG61, 4 6 8 4 1* 2— xX— 9 1*2 A. Michnel Neander's pädagogiſche Erfahrungen und Grundſätze, nach einer Handſchrift der elde Rloſterbibſiotheb 4 5. T-weed — r. R. Müller. Einleitung. Als dem ehrſamen Kaufherrn und Bürger der guten Stadt Sorau in Schleſien, Hans Neu⸗ mann, ſein Sohn Michael, den er im Geiſte ſchon als Nachfolger in ſeinem Geſchäfte er⸗ blickte, nach einem wiederholten Verſuche das Reiten zu lernen, eine Kunſt, die für den zu⸗ künftigen Handelsmann unerläßlich erſchien, blutend und mit gebrochenem Arme nach Haus zurückgebracht wurde, und er nun voll Unmuth ſeinen Lieblingswunſch aufgeben zu müſſen, in die unwilligen Worte ausbrach:„Nur in ein Kloſter mit dir, du taugeſt nicht in die Welt!“*) da ahnte er wohl kaum, daß derſelbe Knabe, den er als unbrauchbar für das practiſche Leben hingeſtellt hatte, ihn dereinſt als Adminiſtrator und Rector des Kloſters Ilfeld ſcherzend an ſeine zornige Weiſſagung erinnern und den Unfall ſegnen würde, der von ſo entſcheidendem Ein⸗ fluß auf ſein ganzes Leben geworden. Und wie uun bei dieſer Gelegenheit der Vater, der ſich noch nicht der landläufigen Vorſtellungen vom Kloſterleben entſchlagen konnte und von dem umfaſſenden Wirkungskreiſe ſeines Sohnes wohl kaum einen richtigen Begriff haben mochte, noch immer halb unwillig äußerte:„Verfaule nur nicht in deinem Kloſter!“ da konnte Michael Neander(ſo war ſeine Name nach der Unſitte jener Zeit ſchon auf der Univerſität von Me⸗ lanchthon gräciſirt**) nicht genug die Vorzüge ſeiner Stellung, ſeine Freude am Lehren und ſein gutes Verhältniß zu vielen vornehmen Herren, namentlich den Grafen von Stollberg rühmen.*) Es kam eine Zeit— es iſt die, in welche die Abfaſſung der nachfolgenden Schrift fällt— wo das freudige Gefühl der Zufriedenheit mit einer unter den mannichfaltigſten Hin⸗ derniſſen erkämpften und behaupteten Stellung, dem er früher mit berechtigtem Stolze und Selbſtbewußtſein Ausdruck geliehen hatte, faſt ganz von ihm gewichen war, ja wo er, ermüdet von allen den Drangſalen und Miüſhſeligkeiten, die auf ihn einſtürmten, verbittert durch die kleinlichen und hämiſchen Angriffe, die gegen ihn gerichtet wurden, den Tag verwünſchte, an welchem er Ilfeld zuerſt mit Augen geſehen. Nicht als ob Neander in ſeiner Wirkſamkeit als Lehrer Erfahrungen gemacht hätte, die ihm Ilfeld in ſolchem Grade verleideten und in dem ſo geiſtigfriſchen und thatkräftigen Manne jene trübe Weltanſchauung emporkommen ließen, die in ſeinen ſpätern Schriften ſo häufig durchbricht, *) Neandr. Ethice p. 254 und Orb. terr. expl. p. 36. **) V. Mylius Leichpredigt auf Neander p. 26. *) Neandr. orb. terr. expl. p. 37. IV vielmehr bewahrte er bis in ſein hohes Alter eine ſo herzliche Liebe für ſeine Schüler und zeigte ein ſo bewundernswürdiges Verſtändniß des Geiſtes der Jugend, eine ſo opferwillige Hingebung und eine ſo jugendliche und feurige Begeiſterung für ſeinen Beruf, daß es der ausdrücklichen Zeugniſſe gar nicht bedarf, um zu wiſſen, mit welcher faſt abgöttiſchen Liebe und Verehrung ſeine Schüler zu dem Manne aufblickten, der ihnen nicht blos ein ausgezeich⸗ neter Lehrer, ſondern auch ein liebevoller Vater, ein gerechter Richter, ein weiſer Rathgeber und Warner und ein theilnehmender Tröſter war.*) Aber wenn man auch einräumt, daß einzelne betrübende Erfahrungen, die er als Lehrer gemacht, nicht ohne ungünſtigen Einfluß auf ſeine Stimmung geblieben, daß ferner ſeine mit den Jahren zunehmende Kränklichkeit ihm die Widerwärtigkeiten des Lebens in einem ſchlimmern Lichte erſcheinen ließ, als er ſie in ſeinen kräftigen Mannesjahren angeſehen hatte, ſo wird man doch wohl kaum irren, wenn man den Hauptgrund ſeines Kummers und ſeiner Verbitterung aus jenem eigenthümlichen Verhältniß herleitet, in dem er und das Kloſter Ilfeld zu dem Grafen von Stolberg ſtanden. Es wird um ſo nöthiger ſein, hierbei einen Augenblick zu verweilen, als ohne jenes Verhältniß die nachfolgende kleine Schrift wohl nie an das Tageslicht gekommen wäre(lagen doch Reflexionen über Gegenſtände, wie die in unſerm Aufſatz behandelten, an und für ſich jenem Zeitalter ganz fern), wenn auch die Beſchränktheit des Raumes gebietet, daß ich mehr andeutend als ausführend verfahre. Als Thomas Stange,**) der letzte Abt des Prämonſtratenſer⸗Stiftes Ilfeld, nach ſchweren innern Kämpfen ſich um's Jahr 1546 entſchloß, das Kloſter zu reformiren und die Einkünfte deſſelben zur Gründung einer Schule zu verwenden, da war es nur zu natürlich, daß er im Gefühl der völligen Schutzloſigkeit zunächſt diejenigen für ſeinen Plan zu gewinnen ſuchte, in deren Gebiet das Kloſter ſelbſt und ein großer Theil ſeiner Güter lag, und in dem Beſtreben, die von allen Seiten bedrohten Einkünfte Ilfelds zu ſichern, beſonders von dem Grafen zu Stolberg, die im Anfang des 15. Jahrhunderts durch Kauf in den Beſitz der Grafſchaft Hohnſtein gekommen waren,**r) die Genehmigung zu dieſem Schritte zu erhalten ſtrebte. So verzeihlich ſein Verfahren wegen der ſtürmiſchen Zeiten, wo die geiſtlichen Gü⸗ ter ſo vielfach der Gewalt und Willkür preisgegeben waren, nun auch erſcheint, und zwar um ſo mehr, als es ſchon längſt ruchbar geworden, daß die Grafen zu Stolberg, zu Schwarzburg und von Hohnſtein †) übereingekommen waren, nur das Ausſterben der letzten Ordensperſon abzuwarten, um ſich der in ihren Gebieten liegenden Kloſtergüter zu be⸗ mächtigen, ſo war dies doch die erſte Veranlaſſung zu ſehr viel Unannehmlichkeiten für ihn ſelbſt und ſeinen Nachfolger, wie zu langwierigen und erbitterten Streitigkeiten zwiſchen den *) S. d. Urtheile einiger berühmter Schüler Neanders bei Volborth Lobſchr. a. N. p. 74, u. vgl. die Menge Epicedien hinter Mylius Leichpredigt a. N.(Leipz. 1595). **) Vgl. d. Anhang sub 1. *) Hoche, Geſchichte d. Grafſchaft Hohnſtein p. 134. 1) Grafen von Hohnſtein ſchrieben ſie ſich, nachdem ſie ihre Stammbeſitzung unter Vorbehalt der Si⸗ multanbelehnung abgetreten und nur die Herrſchaften Lohra und Klettenberg behalten hatten. V Grafen zu Stolberg und den Herzögen von Braunſchweig, bei denen ſich ſeit der Zeit Heinrich des Löwen die Lehnsherrſchaft über Hohnſtein, wenn auch in unruhigen und wilden Zeiten öfters verdunkelt und angegriffen, ſtets erhalten hat. Zwar wagten die Grafen damals noch nicht den Plan des mit Beobachtung aller geſetzlichen Formen gewählten Abtes zu durch⸗ kreuzen, oder irgendwie in die Verwaltung des Kloſters einzugreifen, aber vergebens waren alle Anſtrengungen des Greiſes, von ihnen ein bindendes Verſprechen zu erhalten, wodurch der Fortbeſtand der Schule auch nach ſeinem Tode geſichert wäre, ein Wunſch, auf deſſen Erfüllung ſich ſein ganzes Dichten und Trachten um ſo mehr richtete, als er ſah, wie ſeine Schöpfung, die anfangs nur ein verkümmertes Leben gefriſtet hatte, unter der geſchickten Leitung Michael Neander's, den er im Jahre 1550 von Nordhauſen berufen hatte, raſch und fröhlich auf⸗ blühte, ſo daß der Ruf Ilfelds ſich bald durch ganz Deutſchland verbreitete. Von der richti⸗ gen Einſicht geleitet, einen Würdigeren nicht wohl finden zu können, ernannte er Neander zu ſeinem Nachfolger und nahm ihm noch auf dem Todtenbette das Verſprechen ab, nicht von Ilfeld zu weichen, ſondern, ſo lange es ſeine Kräfte erlaubten, für das Wohl der Schule und des Kloſters arbeiten zu wollen, ein Verſprechen, das dieſer mit einer Treue und Feſtigkeit erfüllte, die mit dem unſteten und friedloſen Weſen ſo mancher hervorragender Männer ſeiner Zeit anf's ſtärkſte contraſtiren. Freilich ſtürzte er ſich damit auch in ein Meer von Schwie⸗ rigkeiten und Gefahren. Denn kaum hatte ſich die Gruft über dem letzten Abt von Ilfeld ge⸗ ſchloſſen, ſo ſtreckten ſich ſchon die beutegierigen Hände der benachbarten Grafen und Herren nach den, wie ſie meinten, herrenloſen Kloſtergütern aus. Es war ein harter Kampf, den Neander zu beſtehen hatte, aber er ging mit Ehren daraus hervor. Nicht geſchreckt durch die brutalen Drohungen und Gewaltſchritte der Grafen von Schwarzburg, nicht eingeſchüchtert durch die ſchwankende und zweideutige Haltung der Grafen von Stolberg, nicht beirrt durch die ängſt⸗ lichen Bitten ſeiner Freunde und Verwandten, nicht gelockt durch die glänzendſten Anerbietungen, die ihm von verſchiedenen Seiten gemacht wurden, blieb er ſeinem Worte treu und führte ſeine und des Kloſters Sache mit eben ſo viel Muth und Beharrlichkeit, wie Klugheit.*) Mit den Grafen zu Schwarzburg, die ſich ſofort nach dem Tode des Abts der in ihrem Gebiete liegenden Kloſtergüter bemächtigt, kam 1561, allerdings erſt nach unendlichen Mühen und Be⸗ ſchwerden, unter Vermittlung des Grafen Ernſt von Hohnſtein ein Vertrag zu Stande, der zwar manche harte und drückende Beſtimmung enthielt, aber doch dem Kloſter den ungeſchmä⸗ lerten Beſitz ſeiner Güter und Einkünfte ließ.*) b Noch günſtiger ſchien ſich das Verhältniß zu den Grafen zu Stolberg geſtalten zu wollen, die ſich überhaupt nicht zu extremen Schritten hatten hinreißen laſſen. In Folge einer ſehr eindringlichen Vorſtellung Neander's⸗) ſtanden ſie nicht nur von dem Plane ab, ſich durch die Kloſtergüter zu bereichern, ſondern ſie fertigten ihm auch eine förmliche Beſtallung aus,*) *) Leuckfeld Ant. IIfeld p. 112 ff. Klippel im Hannov. Magazin Jahrg. 1831 p. 786 ff. und in d. Deutſch. Lebensbilder p. 116 ff. **) Heydenreich Hiſtorie d. gräfl. Hauſ. Schwarzburg p. 170. ***) Leuckfeld a. a. O. p. 113. V worin er als Rector und Adminiſtrator des Kloſters anerkannt wurde. So reichlich und glän⸗ zend aber auch die Vortheile waren, die ihm darin von den Grafen zugeſtanden wurden, und ſo ſehr er ſich ſeiner nun geſicherten Lebensſtellung freuen mochte, die Tragweite ſeines Schrittes hat er ſchwerlich überſehen. Erſt der Druck der Abhängigkeit, der mit den Jahren ſich ſteigerte, belehrte ihn, daß er zu voreilig gehandelt habe. Denn obgleich Neander in allen Stücken als an Abtes Statt anerkannt wurde, und ſich alſo auch in der unbeſchränkten Befugniß behauptete, unter ſeinem Namen und dem Abteiſiegel Lehn⸗ und Erbenzins⸗Briefe über die Stiftsgüter zu ertheilen,“*) ſo lag es doch in der Natur der Sache, daß er ſich nicht ſelbſt damit belehnen konnte. Getrieben aber von dem allerdings verzeihlichen Wunſche, ſeine Familie(er hatte ſich im Jahre 1562 verheirathet) auch nach ſei⸗ nem Tode vor Mangel zu ſchützen, und auch zugleich für die unendlichen Schwierigkeiten ſeines Amtes(denn bis wenige Jahre vor ſeinem Tode leitete er allein den Unterricht und die Er⸗ ziehung der Schüler und beſorgte allein die Verwaltung der zum Theil entlegenen Beſitzungen des Kloſters) ſich in etwas belohnt zu ſehen, wandte er ſich zu verſchiedenen Malen an die Grafen zu Stolberg mit der Bitte um Belehnung vou Kloſtergütern und gab dieſen hierdurch eine willkommene Gelegenheit, ihren Eiufluß auf die Angelegenheiten des Kloſters mehr und mehr auszudehnen. So macht ſich denn in den Lehnbriefen, die ihm auf ſein Anſuchen in den Jah⸗ ren 1560, 1584, 1590 und 1591 ausgeſtellt ſind, in dem Ausdruck und der Faſſung eine auf⸗ fallende Stufenfolge bemerklich, dergeſtalt, daß ſich die Grafen zuletzt die Competenz über Ilfeld ſo zuſprechen, als wäre das Verhältniß nie ein anderes geweſen, während doch weder die Grafen zu Hohnſtein, deren Vorfahren das Kloſter gegründet und dotirt hatten, noch auch die Stolbergiſchen Grafen ſelbſt, als ſie in den Beſitz der Grafſchaft gekommen waren, vor der Reformation irgend einen Anſpruch erhoben hatten, wodurch die Freiheit und das Selbſtver⸗ fügungsrecht des Kloſters im mindeſten beeinträchtigt wäre.**) Das Gefühl der Abhängigkeit aber mußte für Neander um ſo drückender und peinlicher ſein, als ſich zugleich die Beſorgniß hinzugeſellte, daß bei den ſich ſtets verſchlechternden Ver⸗ mögensumſtänden der Grafen und den ſich ſtets ſteigernden Laſten, die in Folge deſſen dem Kloſter aufgebürdet wurden, der Fortbeſtand der Anſtalt mehr und mehr in Frage geſtellt wer⸗ den würde. Aus der Menge von Vorſtellungen und Beſchwerden an die Grafen, die ſich unter den hieſigen Acten befinden, ergiebt ſich deutlich, wie unendlich peinlich ſeine Lage war, andrer⸗ ſeits aber auch, wie bereitwillig er jedes Opfer brachte, ſofern dadurch das Wohl des Kloſters *) Sie findet ſich noch gegenwärtig unter den hieſigen Acten. Vgl. auch Klippel a a. O. p. 132. **) Vgl. unten(Anh. 10) den Bericht Neander's, der auch deshalb intereſſant iſt, weil er in ähnlicher Weiſe eine Rechtfertigung ſeiner adminiſtrativen Wirkſamkeit iſt, wie unſere Schrift ſeiner pädagogiſchen. **) Man ſ. in Förſtemanns Monum. Ilfeld. die Urkunden, die ſich auf Schenkungen und Abtretungen der Gra⸗ fen zu Hohnſtein an das Kloſter Ilfeld beziehen(§§. 11, 16, 19, 20, 21, 44). In keiner derſelben fin⸗ det ſich ein Ausdruck, der auf ein Patronatsrecht der Grafen in ſeiner modernen Bedeutung hinwieſe.— Uebrigens verdienen dieſe Verhältniſſe eine viel gründlichere und eingehendere Behandlung, als ſie bis jetzt gefunden haben. 3 befördert zu werden ſchien: erbietet er ſich doch, nachdem er ſchon zwei Jahre keinen Gehalt empfangen, bei des Kloſters Armuth und Unvermögen unentgeltlich ſein Autt fortzuführen*). Als er aber zu ſeinem bitterſten Leidweſen erkennen mußte, daß alle Vorſtellungen und Klagen ohne den mindeſten Erfolg blieben, da wandte er ſich endlich(ums Jahr 1588), wenn auch mit ſchwerem Herzen, andas Braunſchweigiſche Conſiſtorium mit der Bitte um landesherr⸗ lichen Schutz und Beiſtand. Erreichte er nun auch durch dieſen Schritt, daß den maßloſen Uebergriffen der Grafen zu Stolberg wenigſtens zeitweilig Schranken geſetzt wurden*), ſo wurde doch ſein Verhältniß zu dieſen natürlich nur noch geſpannter. Am Hofe zu Stolberg hörte man nur zu bereitwillig auf alle Neider und Ankläger Neander's, und hatte man ſich früher begnügt, ſeine Verwaltung der Kloſtergüter zu tadeln und ihm die mannichfaltigſten Schwie⸗ rigkeiten zu bereiten, ſo ſcheute man ſich jetzt nicht, auch ſeine pädogogiſche Wirkſamkeit auf die ſchonungsloſeſte und gehäſſigſte Weiſe anzugreifen.„Was Neander“, heißt es in des V. My⸗ lius Leichenpredigt,„in des Kloſters und der Schulen verwaltung vor unzehlige Mühe und Arbeit allerſeits gehabt: was er vor unwillen, Feindſchaft, Haß, Neid, Zorn und widerwertig⸗ keit von hohen und niedern Perſonen deſſenhalben erfahren und getragen, kann man nicht genug erzehlen.“ Gegen einen derartigen Angriff ſich zu vertheidigen und ſein Verfahren bei der Leitung der ihm anvertrauten Schule zu rechtfertigen, das iſt der Zweck der vermuthlich im Jahre 1588**) abgefaßten nachfolgenden Schrift Neander's. Mit großer Klugheit weiß er zugleich den Grafen zu Stolberg zu Gemüthe zu führen, wie ſehr auch ihre Ehre an dem Fortbeſtand und Gedeihen der Kloſterſchule betheiligt ſei. Ganz abgeſehen nun von dem Intereſſe, das es haben muß, die pädagogiſchen Grundſätze und Erfahrungen des Mannes kennen zu lernen, der nicht blos die Ilfelder Kloſterſchule that⸗ ſächlich begründete, ſondern ihr auch im Gegenſatz zu den meiſten Anſtalten ähnlicher Art, jenen humanen und liberalen Character aufprägte, den ſie unter allen innern und äußern Wirren und Stürmen im Großen und Ganzen durch drei Jahrhunderte bewahrt hat, ſo liefert ſie uns auch trotz ihres geringen Umfangs ein ſo vollſtändiges Bild ihres Verfaſſers mit allen ſeinen Tugenden und Schwächen, und enthält ſo viele für die Sittengeſchichte jener Zeit wich⸗ tige Züge, daß ihre Veröffentlichung um ſo mehr gerechtfertigt erſcheint, als von den Biogra⸗ phen Neander's nur Klippel(deutſche Lebens⸗ und Charakterbilder, Bd. 1. p. 128) ſie benutzt hat, während ſie Volborth(Cobſchrift auf Neander) und Havemann(Mittheilungen aus d. Leben Neander's) ganz unbekannt geweſen zu ſein ſcheint. Freilich iſt das Bild des Schullebens, wie es uns in den Schilderungen Neanders ent⸗ ⸗) Vgl. auch Klippel d. Lebensb. p. 134. **) Freilich wurden die höchſt verwickelten Verhältniſſe damals ſo wenig aufs Klare gebracht, daß ein weites Feld zu Reibungen und Streitigkeiten zwiſchen den Herzögen von Braunſchweig und den Grafen zu Stolberg offen blieb. Endgültig wurde die Sache erſt 1823 geordnet. 4**) Beſtimmt fällt ſie zwiſchen 1584 und 1591, wie ſich aus der Bemerkung über L. Rhodomannus ergiebt. S. u. p. 14. VIII gegentritt, im allgemeinen ein ſehr düſtres und unerfreuliches. Und wenn man auch einräumt, daß der Zweck ſeiner Schrift es mit ſich brachte, daß grade die Uebelſtände an andern Anſtalten ſtark hervorgehoben werden mußten, um ſeine eigene Wirkſamkeit in deſto ſchärferem Contraſte erſcheinen zu laſſen, ſo verräth doch ſchon der ruhige und gleichgültige Ton, womit ſelbſt die ärgſten Vorfälle erzählt werden, wie wenig ſie zu den Ausnahmen gehörten. Und doch ſind es nicht blos Ausbrüche jugendlicher Thorheit und Muthwillens, die uns mitgetheilt werden, ſondern vielfach Züge von ſolcher innern Roheit, ja von ſo bitterm und tödtlichem Haſſe, daß das Verhältniß zwiſchen Lehrenden und Lernenden als ein unausgeſetzter Kriegszuſtand erſcheint, und man jene vielgerühmte„gute alte Zeit“ in dieſer Beziehung, wie freilich auch in vielen andern, recht eigentlich als eine böſe alte Zeit bezeichnen muß. Um ſo angenehmer und wohlthuender iſt nun allerdings der Eindruck, den wir von Ne⸗ ander ſelbſt und dem Verhältniſſe zu ſeinen Schülern bekommen. Mit welcher ängſtlichen Sorg⸗ falt warnt er den Jüngling, in deſſen trotzigem und hochmüthigem Sinne er ſchon die Keime ſchlimmer Thaten erkennt, wie wahrhaft rührend iſt ſeine Pein und Noth, wenn er eine junge Seele bereits in den Verſtrickungen des Teufels erblickt, wie innig ſeine Freude an jedem ſich entwickelnden Talente, wie herzlich ſeine Theilnahme an den ſpäteren Schickſalen ſeiner Schü⸗ ler, wie groß ſeine Empfänglichkeit für jedes Zeichen der Dankbarkeit von Seiten derſelben, wie bewunderungswürdig endlich ſeine Menſchenkenntniß und ſein praktiſcher Blick in der Be⸗ handlung der Jugend, ſo daß jeder, der auch nur einigermaßen mit dem Weſen und Geiſte von Kloſterſchulen bekannt iſt, trotz der ſo veränderten Zeiten auch heute noch die von ihm aufge⸗ ſtellten Grundſätze unterſchreiben würde. Neben ſo hervorragenden Tugenden und Vorzügen würde es thöricht ſein, die Fehler und Schwächen zu verdecken oder abzuleugnen, die auch dem oberflächlichen Leſer leicht in die Augen ſpringen. Aber wer wird es bei einem ſolchen Mann nicht nachſichtig beurtheilen, wenn neben der ſchlichten und ungeheuchelten Frömmigkeit, die ein Grundzug ſeines Charakters iſt, ein allerdings craſſer Aberglauben mitläuft, wenn neben dem ſichern und ſtolzen Selbſtbewußtſein, das aus dem Gefühle ſo vieler überwundener Ge⸗ fahren und Hinderniſſe hervorgeht, ein gewiſſes Haſchen nach Lob und Anerkennung ſich gel⸗ tend macht? Sind dies doch mindeſtens eben ſo ſehr Fehler jenes ganzen Zeitraums, als ſeines eigenen Weſens.— Was nun die Form unſrer Schrift anlangt, ſo theilt ſie im reichſten Maße die Män⸗ gel, die Neander's deutſchen Werken überhaupt eigen ſind. Der Satzbau iſt unbeholfen und verwirrt, die Darſtellung hart und weitſchweifig, jedoch oft ſinnlich und treffend und in jenem naiven und treuherzigen Ton gehalten, der mit vielen ſonſtigen Fehlern verſöhnt, die Schreib⸗ weiſe der Wörter aber und der Gebrauch der großen Anfangsbuchſtaben ſo überaus inconſe⸗ quent, daß man verſucht wäre, dieſe Ungenauigkeiten einem nachläſſigen Abſchreiber anzurechnen, wenn nicht ein Blick in die gedruckten Schriften Neander's und ſeiner Zeitgenoſſen uns eines Andern belehrten. So leicht nun auch die Aufgabe geweſen wäre, die Schrift mehr in Ueber⸗ einſtimmung mit unſrer heutigen Darſtellungs⸗ und Schreibweiſe zu bringen, und ſo ſehr ſie dadurch an Lesbarkeit gewonnen haben würde, ſo habe ich doch geglaubt, ſie mit allen NX ihren Fehlern und Inconſequenzen wiedergeben zu müſſen, weil ja auch dieſe weſentlich zum Charakter jenes ganzen Zeitalters, ſo ziemlich des kläglichſten in der Geſchichte der deutſchen Literatur, gehören. Noch war ja die deutſche Sprache das Aſchenbrödel, um das der nicht warb, der ſich im Beſitz von Eigenſchaften und Fertigkeiten wußte, um mit Erfolg der ſtolzen und glänzenderen Schweſter den Hof machen zu können. Scchließlich bemerke ich noch, daß das Manuſcript, das zwar nicht von Neander’s Hand herrührt, aber, nach den Schriftzügen und dem Papier zu ſchließen, wohl kaum ſpäter als im Anfange des 17. Jahrhunderts geſchrieben iſt, im Original gar keine Aufſchrift führt. Der gewählte Titel mag ſich alſo ſelbſt rechtfertigen.— Es wird zu Zeitten gedacht, daß die Knaben in Cloſtern mutwillig ſein, dis aber eine gemeine Klage in allen Schuelen, vornemlich in Cloſtern, da vielerley Mutterkinder aus allerley Schuelen zuſammenkommen, und ſtette bey einander in einem Ort leben, und einer dieſe, der ander jene Schalckheit mit ſich bringet und übet, da haben praeceptores ſatt zu thun, zu predigen, anhal⸗ ten und zu vermanen. Und weil doch die meiſten from und ſtill, muß man darumb nicht baldt eine ganze Schuel verdammen, ſchelten und verwerffen. 3 Ich hab Ihr wol gehabt feine, treffliche Ingenia, ſo wol hier ſtudirt, ſo entlich dem Hencker dennoch zu theil worden, wie ich denn daſſelbig etlich Ihar zuvor prophezeyet. Es war auf eine Zeit eines Kolers, eines armen mans Sohn, der ihm nicht mit einem Groſchen helffen kundte, ſtudirte bey uns fleiſſig, war ein trefflich ingenium, that es den andern Knaben allen zuvor, war aber greulich ſtoltz, verachtet die anderen ſeine mitgeſellen und hatte ſonſten noch eine böſe ſeuche an ſich. Denſelben begerten die vom Andreasbergk von mir zum Schulmeiſter, dahin ich ihn auch ſchickte, thate ihm aber eine lange praedigte, ſchrieb ihm auf ein gros lang Regiſter, wie er leben ſollte, und ſchreibe ihm darunter, würde er dem nicht nachkommen, ſo ſolte er dis achten als ein verbum domini, er würde dem Hencker nicht entgehen. Sagte, er wolte from ſein, meiner warnunge nachkommen, zoge alſo darvon.*) Tamen his contemptis omnibus cum aliquanto post honesti civis filiam sibi despondisset, eamque domum duxisset, et metueret quandam infamiam e partu uxoris suae juvenculae et for- mosae celeriore, et opera uxoris, cum ille obstetricis opera solus fungeretur, remotis neque adhibitis, quod solet fieri in tali casu atque necessitate, arbitris convenientibus, infantem necavit et sepelivit, et deinde indiciis non obscuris facinore prodito, cum uxore carnifici, quomodo praedixeram, traditus capite brevior factus, illoque truncatus est, culeo inseren- dus(daß iſt, daß man ihn in einem Sack geſtecket mit einem Hahn, Schlangen, Hundt und Affen und verſeuffet hette) nisi ego multis precibus aliud de nobis nostraque Schola merito mitius illud supplicium apud ejus loci Dominum generosum atque Magistratum impetrassem, nec illo contentus cum illi dies capitalis et uxori esset dictus, ne culeo in loco publico jam pridem deposito inderetur, supplicibus iterum scriptis literis ac missis sex eruditis et honestis adolescentibus, qui cum illo eodem tempore pietatem didicerant Ilfeldae, poenam illi mitiorem impetrassem, et una per illos eruditos juvenes confirmassem, ut non invitus morere- tur neque intrepidus ad mortem commeritam cum uxore accederet, eaquc plane oratione atque consolatione, de qua a me fuerant edocti, qui et ad supplicii locum deduxerunt pene *) Auf der Hand liegende Gründe beſtimmen mich, das Folgende lateiniſch abdrucken zu laſſen. 1 2 cum viris religiosis sequentes, et spectatores supplicii capitalis ac totius illius tristis actus sese praebuerunt.*) Den Brieff hat der von Hohnſtein**) löblicher gedechtnus fodern laſſen, und da er meine betrübnus daraus geſpüret, hat er geſagt: Was kan der gute Mann der Magiſter darzu, er ſolte ſeiner lehr gefolget haben, ſo hette er ſolche böſe that nicht für die Handt genommen, wer auch weiter zu ſolchem Hohn nicht kommen. Ich hatte auch einen Discipulum ein mahl, ein fein ingenium, eines vornemen Mans einigen Sohn, der da über die zwanzig tanſendt gulden wehrt vermochte, wonet bey mir zu Ilfeld in einer Stuben, ſchlieff mit mir in einer Kammer, war ein guder und wunder ſim⸗ pliciſt und Anatomicus, darzu er von Natur beſondere inclinationes, anatomirte offt hunde und Katzen in beyſein derer, ſo da auch luſt ad studium medicum. Derſelbige findt einmal auf der Straſſen under einer brucken ein librum Nigromanticum, lieſet daſſelbe, kompt ſo weit, das er daraus colloquia cum Sathana bekompt, der ihn auff dem Mantel des nachts weit von Ilefeld wegfhüret, alles ohne mein Sinnenbewuſt und gedanken, und wie er nun den Sathana ein weil probirt und eben pacta mit ihm machen ſolte, komme ich durch Gottes gne⸗ dige Schickung wunderbar darhinder, auff ein Abendt bey Licht, bin alle meine Tage in größer angſt und noht nicht geweſen, dan ich meinete, das gantze Cloſter und fürnemlich meine Stube und Musaeum müſten all zu bodem gehen, hatte keinen Menſchen in der welt, mit dem ich darvon reden, klagen oder zu rhat nemen kondte, ging entlichen zu meinem ſeligen Herren, Herrn Thomaſſen, ¹) bericht ihm den gantzen Handel, der erſchrack ſo greulich, das er mir nichts antworten kundte, und hatte Arbeit über Arbeit, daß ich ihn von dem Sathana reyſſen kundte, bis entlichen durch mein embſig gebeht mir got zu hülffe kam, habe es mein lebenlang keinem menſchen geklaget oder offenbaret. Wie aber der adolescens nun von ihm, dem Sathana, liberirt, ſagte er mir etlichmal, wenn ich nur drey tag langſamer hinder ſie kommen wär, ſo wollte er auf dem Manttel nach Iheruſalem übers mehr und von dannen in Indien in Calicut gefaren ſein und dahero aller⸗ ley wunder simplicia mit ſich gebracht haben. Dieſelbe Reyſe beklaget er offt, auch post con- versionem, und war zu Zeitten, auch ſchertzweyſe, gar zornig auf mich, daß ich ihn an der⸗ ſelben Reyſe gehindert, darzu er ohne pactiones cum Sathana umbſunſt hette kommen können, erzhelet mir auch weitleufftig, was daß Mantelfharen für ein thuen, und wie man ſich darzu bereiten müſte. Studirte, wie er von Ilfeld wegzoge Medicinam zu Leipzig, auch zu Ihena, hatte groſſe ſorge mit ihm und adhortirte ihn ad pietatem, gratiarum actionem pro liberatione a laqueis Sathanae, Were auch ein trefflich man geworden, aber er ſtarb etwa vier oder fünff Jahr darnach phthisi. — Es iſt nicht zu glauben, was für arme, elende Merterer ſein Schuelmeiſter, ſo ihr leben in Schuelen zubringen, wie ſie der Teuffel auff mancherley weyſe zuplagt und zuhenckert und *) Neandr. Orb. Terr. Part. succ. explic. p. 99. Lips. 1589. **) Vermuthlich Graf Ernſt VI. von Hohnſtein. 3 ſaget derohalben zu mir zu Dreſen Doctor Caspar Naevius, des Churfürſten Rhat, medicus und gevatter, nicht ohne Urſach: Lieber Herr Neander, Ihr ſollet euch lieber einmal haben lebendig ſchinden laſſen, were euch nicht ſo ſchwer ankommen, als das ihr ſo lang bey der Schulen geblieben. Aber tröſtet euch des, daß Euer Arbeit Gott angeneme und der Jugendt dienſtlichen und nutze iſt ²). Es mus zu Zeitten ſo ein reudig Schaff unter einer Herde ſein, auch etliche, ſo ſich wieder ihren praeceptorem freventlich mit worten nnd wercken legen, wie doch in 40. Jaren ich keinen gedencke, der ſich freventlich, wie wol anders wo geſchiehet und geſchehen iſt, mit worten und wercken wieder mich gelehnet, So hab ich ihr doch wohl zu Zeiten ein par ein vierzehen tage in die Eyſen geſchlagen, auch darnach die übertrettung geweſen gar aus der Schuele zur ſtraff und Exempel gewieſen; Iſt aber gleichwol dieſe ſtraff ſo geſchaffen geweſen, daß ſie einen freyen Zutritt zu mir und der Schuel haben behalten, nachdem ſie ihre mishandlung erkennet, habe ſie auch darnach gefodert und geehret, zu dienſten und stipendiis geholffen, wie dann ein treuer praeceptor dahin ſehen und dencken, das er ſeine Discipulos ehret, nicht de- formiret, ſondern ihnen dienet und ſie fodert, einen jeden nach gelegenheit. In Fürſten Schuelen hats mit der Jugendt auch viel zu thun. Vor etlichen Jahren haben zur Pforta auf ein abendt 24 Knaben auf Magistrum Lindeman, ein ſehr gelerten Man, gewartet, und wenn er ihnen nicht entlauffen und in ein gemach entkommen, hette er ſterben müſſen, dieweil ſie ihm feind, das er ſie ſo hart gehalten hette. Nicht vor vielen Jahren erſtach in einer Cloſterſchule, ſo über 10 meilen von hier nicht gelegen, ein Discipel ſeinen eigenen praeceptorem, derſelben Schul Rectorem, an des ſtat ich auch ein suecessorem geſchickt hab, weis auch nicht anders, ſey noch Rector daſelbſt. Vorm Jare war bey mir ein gelarter man auß Düringen, ſo zehen jar in Welſchlandt ſtudieret und ein alumnus der fürſten Schule zur Pforten etlich jar geweſen, der ſagte mir mirabundria, wie er neben etlichen ſeinen Condiscipulis daſelpſt hausgehalten, under andern auch dieſe Hiſtorien. Er were neben etlich zwantzig Knaben des nachts über die Mauren ge⸗ fallen und hette mit ſeinen Geſellen in dem nechſten Dorffe viel viel Brechen, da man den Flax mit ausbrecht, zerhauen, ſo die Weiber ſo zur Bethe oder Dienſt gebrecht, deß nachts beyſammen hetten ſtehen laſſen, daß ſie auff den Morgen wieder am ſelben ort brechen köndten. Auf den Morgen waren die bauren ins Kloſter gelaufen kommen, über die Knaben und ihrem Mutwillen greulich geclaget, aber die praeceptores hatten ſie übel abgewieſen, deshalben das ſie in ihrem beyſein alle auf den Abend zu bette gangen, und hetten keine Exte oder beyle bei ſich gehabt, auch nicht haben dürffen, und hetten ihre discipulos zum höchſten entſchuldiget. Underdes aber, fagte er, hatten wir nichts deſto weniger unſer löbliche that mit unſern Exten und Beylen vorrichtet und den Bäurinnen alſo einen müſſigen tag gemachet. Und in ſolchen bübereyen, ſagte er, war ich vor allen andern geübet und erfharen. Lenger den für 30 Jaren zoge ich einmal in die Schleſien noch bey leben meines ſeligen Herrn Thomaſſen Stangen, Apts zu Ilfeldt und bleib ein nacht zu Meiſſen bey dem vor⸗ trefflichen Man Georgio Fabritio, der Schulen zu Meiſſen Rectori³), meinem gar groſſen 1* d 4 Freundt, hatte underdes die Schule befholen zweyen feinen gelerten Discipulis und allerley gute exercitia in meinem abweſen verordnet. Wie das Fabritius hörete, das ich von der Schule wol ein Sex wochen würde auſſenbleiben, ſprach er mit Verwunderung: Euer Dis⸗ cipel müſſen frommer ſein denn unſere, denn wen wir nur acht tage ſolten von ihn ſein und ſie im Cloſter allein laſſen, ſo würden wir auff unſer wiederkunfft weder Cloſter noch Schul finden, ſondern würden alles in Hauffen geriſſen und umbgekeret haben, denn wen wir ſtets täglichen bey ihnen, ſo dürffen ſie doch zu Zeiten ein Purlament anrichten, das wir zu halten und zu ſcheiden ſadt haben und offt ſchir einen Landstag drüber halten müſſen. Wie ich aber nach Ilfelt nach etlichen wochen wieder kam, fand ich die Schul wie für, und gab ihn mein ſeliger Herr, der Apt, dis Zeugnis, das ſie ſich ſtille, eingezogen und fleiſſig in omni officio gehalten hetten, und nicht ein menſch, der die geringſte Clage über einen Knaben gefhüret hette. Es war gleichwohl auch die Jugend daſſelbe mahl noch nicht ſo greu⸗ lich argk, wie ſie nun iſt, daß ſich das dictum Senecae auf die itzige Jugendt ſehr wol reu⸗ met, da er ſchreipt: Qui nos sequentur meliores nos et modestiores fuisse docebunt. Es kan aber ſo gleich nicht zugehen, wo ſo mancherley Mutterkindt bei einander ſeien, da kein wunder, das zu Zeitten zween zuſammen uneins ſich zanken und ſchmeiſſen, und mus hir gebraucht werden die regula: nescit imperare qui nescit dissimulare. Man mus nicht allezeit alles ſehen und hören, wen eins bei dem andern bleiben ſol, und alzeit auf das ende ſchauen, das entlichen aus etlichen tollen jungen Geſellen mit der Zeit noch feine leut worden, ſo Schulen und Regimendt dienen. M. Rhodomanus von Sarwerffen im Ampt Hohnſtein, eines armen Bauren und Beurin Sohn, alumnus scholae IIfeldensis, daraus er zu allem guten gefodert, ietzunder Rector Scholae Walcerodensis celebris*), der ſteiget über ein Zaun, wie er noch zu Ikfeld ein Knabe, wil einem andern folgen und bleibt hangen und ſtecken, zurreiſt ſeine virilia ſo jämer⸗ lich, das ſie zhoteten, und man zu kuhlen und ſickeln ſat an ihm hatte, und ich eilends einen reittenden bothen nach Northauſſen zu M. Johann Thale abfertigt), der do kam und zu rhaten hülffe: der hatte auch manche ſchalckheit helffen an und ausrichten und iſt doch gleich⸗ wol noch ſo ein man geworden, das man ſeiner begert in fürnemen Academien, und in dreyen fürnemen ſprachen, vornemlich aber in Latina und Graeca ſo gelehrt und erfharen, daß man achtet, wie auch die Itali von ihm rhümen, ſo doch die Deutſchen nicht gern loben und hoch⸗ achten, ſeines gleichen in condendo poëmate graeco in tota Europa nicht zu finden ſey, wie dis zeugen ſeine Argonautica, ſeine Troica, Thebaica, ſeine Ilias parva und ſeine Palaestina, ſeine Theologia Lutheri, ſo alle von Ihm Graeco Heroico ſo herlich geſchrieben, das auch wohl die alten Graeci, wen ſie wieder kemen, ſich drüber verwundern würden ⁵). So auch Finkelthaus) eines armen Bütgerß Sohn zu Northauſſen, ob er wol ein böſer *) Rhodomannus war Rector der Kloſterſchule Walkenried von 1584— 91. **) Neand. l. c. p. 92. Guolphangus Finkeltauss Nordhusanus, Professor juris et linguae Graecae in Schola Graeciensi Stiriae. Vgl. auch Kindervater Nordhusa illustr. p. 51, der ein Schreiben von ihm mittheilt, worin er ſich beim Magiſtrate von Nordhauſen für dieUnterſtützung bei ſeiner Promotion bedankt. 5 Schalck zu Ilfeld, aber ein herlich ſchön ingenium, ſopmit Rhodomanno ohn unterlas kempfte, zanckte und haderte, das ich zu ſcheiden ſatt zwiſchen ihnen hatte, den zweyen herlichen treflichen ingeniis, ſo iſt er dennoch durch meine, Neandri, forderunge ſo weit gekhommen, das er in ltalia Doetor Juris geworden, ſein graecam linguam ſo gewaltig ſtudiret, das er darinnen dem Rhodomanno faſt gleich, auch Romerum zu Gretz in Steyermarck und Jura im paedagogio daſelbſt profitirt, Eines Landherrn Tochter einig Kindt zum weybe bekommen und omnium Styriae procerum Cancellarius worden iſt, die ihn ſo ſtatlichen beſoldet, das wie er mir ſchreibt er von ihnen jherlichen zur beſoldung hab über die 140 thaler, ohne viel andere groſſe herliche donationes, und die beſten Ungeriſche, Welſche, Oeſterreichiſche Weine in ſeinem Keller hat, als kaum jemand ſeines gleichen in Steyermarck haben ſoll. Der preiſt und rhümet ſeinen praeceptorem Neandrum, die Schule Ilfeldt, unſere gnedige Herren von Stolbergk, ſo offt es die gelegenheit giebet, wie ſeine Lateiniſche und Graeca scripta zeugen. Und deren ſind ſehr viel, ſo entlichen, wie er, feine und groſſe leute geworden, ſo bey guden Stipendiis in paedagogiis, in Ececlesia und Republica dienen, zu herlichen Digniteten, zu ſtadlichen freyheten ſtadlicher leute Kinder ſind gekommen. Wie eines armen Caplans Sohn*), ſo ſeine fundamenta medica, ſprachen und artes zu Ilfeldt gelernet, medicinae Doctor in Italia geworden, ſich zu Regensſpurgk niedergelaſſen, da ordinarius medicus gewor⸗ den und daſelpſt des allerreichſten Burgemeiſters Tochter einig Kindt zur Ehe bekommen, mit der er in die 40 tauſendt gülden erfreyet und daß ſchönſte und fürnemſte Haus, ſo in Regens⸗ purg, und darintten der Keyſer pfleget zu liegen, mit Ihr bekommen, ſo meinem Sohne Han⸗ ſens) alle ehr erzeiget, ihn auf das Schif nach Wien in Oeſterreich beleitet, Ihm alle ſeine herliche ſtatliche Silberwergk und Credenz gezeiget und mir bey meinem Sohn zum allerhöch⸗ ſten und der Schuel Ilfeldt gedancket und daneben geſaget, den ſchönſten gulden Becher under allen, ſo er ihm gezeiget, ſolte ich haben, ſo er mich in ſeinem Hauſe haben und ſehen möchte, und Ilfeldt vor die treue Inſtitution, und unſeren guedigen Herren vor die Ilfeldiſchen Elee- mosynas dancken und allen denen, ſo von Ilfeldt ſein oder nur ſagen, das ſie da ſtudirt, alle gute ehre und forderung erzeigen. 8 Vor zwantzig Jaren ungefher war ein scholasticus in einer vornemen Stadt, da es eine frequente Schulen, der hielt ſich bei ſeinem Herrn ſo übel, das er eingezogen und vom Henker im gefengnus mit Rutten geſteupet und darauf wieder losgeben ward, lies ihm dieſe Züchtigung eine warnung ſein, ward from, ſtudiret fleißig, und wie er zu Leipzig neben andern Competitoribus und Candidatis Magister werden ſolte, auch ſchon in examine beſtanden und zugelaßen, und für gnugſam und tüchtig erkennet ab Academia Lipsiensi, und etliche von ſei⸗ nen competitoribus und candidatis drunder, ſo was umb ſein juvenile peceatum wuſten, als bekommen ſie meiner einen Disc'pel, ſo daſſelbe mal zu Leipzig auch ſtudirte und Doctor Naevii ſeiner Söhne praeceptor und ein guter Graecus und Latinus poéëta war und mit Rhodomanno *) Johannes Oberdorffer.(Bgl. Neand. a. a. O. p. 93 u. Kindervater Nordhusa illustr. p. 17)- Am Rande unſeres Manuſcripts ſteht von derſelben Hand geſchrieben: Joh. Oberd. E 6 und Finkelthaus zu einer Zeit zu Ilfeldt ſtudirt hatte, eines armen Bütgers Sohn von He⸗ ringen*), das er ihnen den Magistrandis ein carmen gratulatorium ſchreiben ſolte und den im gefengnis geſteupten obiter mit zweyen Verſen perſtringiren und ihm dieſelbige castigatio- nem carnifieis vorwerffen ſolte, wie er den auch gethan in einem gedruckten Carmine. Aber die Academia hat ſich des in der Jugend geſteupten ſo hoch angenommen und geſtritten, ſey mehr zu loben, dan zu ſcheltten, das aus einem böſen buben gleichwol ein redlicher frommer gelehrter Mann geworden, und dahin geſchloſſen, das der Autor dieſes carminis ſolte aus Leipzig relegirt werden, vornemlichen dieweil er auch überdis für zweyen tagen zuvor dem famulo communi in collegio, loco priveligiato, ſein Loſamendt geſtürmet, hette auch müſſen relegirt werden, wen der alte Camerarius), ſo zur ſelben Zeit das Haupt der Univerſitet, der ihnen ſehr lieb ſeines ingenii und der Griechiſchen ſprach halben hatte, ſich ſeiner nicht mit großem vleiß angenommen hette und under andern auch dieſe wort gebraucht: was wolte man machen, Er der autor carminis wehr ein Poet, die Poeten theten nicht anders, man müſte dispenſiren und ſie beyde bey ehren behalten, anderem Schaden fürzukommen und nicht stricto Jure ſondern moderate handeln. Und zog darnach derſelbe Autor famosi carminis in Italiam, dorinnen er, dieweil er gute freunde und forderung dazu, lenger den Sex Ihar bleib, perluſtrirte daneben andere terras und iſt medicus ordinarius und professor Physices und Graecae linguae in einer vornehmen Stadt in Saxen, da er ein wolbeſtalt Paedagogium innen hat, war neulichen bey mir zu Ilefeldt, und da wir derſelben ſeiner Hendel gedachten, ſagt er: Man mus die be— Kinder drumb nicht all hinwerffen. Wie ich anch Neander ſtets die weiſe gehegt, ob ich wol delicta hart geſtrafft, verbis relegatione und carcere, ſo hab ichs doch gleichwol alzeit ſo gemachet, das es den Discipulis an ihrer Ehr, Namen und nutz nicht geſchadet, oder das ſie in studiis ſind verhindert oder gar darvon abgeſchreckt worden, ſondern ſie nach der ſtraff gleichwol geehret, gefodert, ihnen zu dinſten stipendiis und ſonſten wie ich gekönnet geholfen und es ſo temperirt, das ſie ein gut hertz und zuverſicht und freyen accessum zu mir, zu der ſchule nichts deſto weniger behalten und entlichen noch feine vernünff⸗ tige gelehrte leutte geworden ſein: semel insanimus omnes, ſagt der Poëta. Und ich ſelpſt, der ich doch von Jugend auff zu einem ſtillen eingezogenen leben von Natur luſt, und daher auf Academiis nie gassatum habe helffen gehen, niemandt ſeine fenſter, ſein Haus hab helffen ſtürmen, wie offt in Academiis und alzuofft geſchieht und geſchah vor etlichen vierzig Iharen bey leben des heiligen Mans Lutheri und Philippi“*) da doch viel große Furcht und vleis zu Wittenbergk, nicht für zween Pfennig werdt das erſte Ihar zu Wittenbergk ſtu⸗ dirt, und hette lieber feuer geſſen den ſtudirt, bis mir unſer Herrgott eilendts mein hertz wandte und mir ſolche luſt zum studiis machte, das Ich derſelben noch heut zu tage nicht ſatt *) Am Rande: Georg. Coc. Hering. d. i. Georgias Cocus Heringensis bonarum artium Magister et Medieus in inclyta Northusa.— Neand. a. a. O. u. Volborth a. Neand. p. 80. **) Melanchthon. 7 noch müde werden, wie dan meine Lateiniſche prasceihon vor meiner Ethicen daſſelbe weit⸗ leufftig berichtet und erzehlet s). Es iſt auch eine Cloſter Schule nicht weidt aus dem Lande gelegen, darinnen ein her⸗ licher treflicher gelehrter Man, ſo auch Vocationes in Academiis gehapt, ſo man wol kennete, wen er genennet würde, der gehet auf ein Abend bey liecht, beſiehet die Cellen, findet ihr Vier anders, den er ſie finden ſolte, ſchelt ſie und erinnert ſie ihres Ampts. Sie begegnen ihm mit künen verechtlichen worten, heiſſen ihn ſehr übell, laſſens bey dieſem nicht bleiben, holen ihre Wehren, jagen ihn einen guten weg mit bloſſen wehren, bis er ihnen in ein Gemach entkommet. Auff den Morgen tretten ſie aus und ſchweren ihm den Todt. Er ſchrieb an mich und bate meinen rhadt, wolte am ſelben ort nicht lenger bleiben, ſondern ſich an andere Orter verwenden. Antworte ihm, er ſolte es bey ſeinem Herren ſuchen, der lies dieſelbigen vier frevler wegjagen, excommuniciren, wie wohl derſelben frevler Eltern und freunde, ſo zum Hoff alsdan gehört, viel wider den Rectorem disputirten, auch Doctores und groſſer fürſten Vicecancellarii, derer Söhne drunder, wieder den Rectorem viel aufbrachten und ihm hart zu⸗ ſatzten und clagten, poena were major delicto, und wardt dieſer frevel den andern nicht zuge⸗ ſachet, und war niemandt, der der Schule drumb zu wolte, dan weil Schulen und Academien ſein, werden auch unrhuige khüne ungehaltene Discipel wohl ſein und bleiben. In den Fürſten Schulen Pforta, Grymma, Meyſſen, da hundert zwantzig Knaben, ſeindt auch offt groſſe motus, wil allein von der Schul zu Meyſſen ſagen, und was ſich daſelpſt nicht under dem Herrn Fabritio, dem in gantz Europa weitberühmten man, oder andern Rectoribus, ſondern nur under dem Herrn Magistro Dressero ⁹), nun Doctore Medicinae und Professore Graecae linguae und Historiarum zu Leyptzigk, meinem inſonderheit günſtigen alten herrn freundt und bekandten, nicht vor vielen Jaren zugetragen. Erſtlichen leufft ein Discipulus auf ein abendt aus dem Cloſter zu Meyſſen dem Ver⸗ walter vor ſein Haus, wirfft ihm die Fenſter aus, wirdt vom Verwalter ergriffen mit hülffe der ſeinen und beygeſtecket. Wie dis vor die andern Knaben kompt, ſein ſie auf alle zugleich, wirdt ein groſſer motus, und hetten ihm ſein Haus geſtürmet, wen er auf befhel der praecep- torum, welcher Sex zuſammen, und vornemlich des Rectoris Magistri Dresseri, ihn nicht in puncto wieder heraus gelanget. Auf den Morgen wie der Verwalter nach Dreſen kompt und ſolchs zu hoff klaget, wird ihm geantwortet, er hette unrecht und zuviel gethan, und wen das Delictum noch gröſſer geweſen, ſo were ihm drumb nicht befholen, den Verecher zu ſtraffen, ſondern ſolte es dem Rectori klagen, dem weren die Knaben befholen, der ſolte einen jeden ſtraffen, und nicht dem Rectori ſeine autoritatem bey denen Discipulis nemen, ſolte hinziehen und es nicht mehr thun. War alſo der mutwillige Knabe vom Kectore Carcere etliche tage geſtrafft worden, und war alſo dieſer motus geſtillet. Nach dieſem hatte der Verwalter auf die Kirmeſſ den andern tag vor die Knaben keine Kuchen geben, derhalben waren ſie aber zuſammen gelauffen, dem Schöſſer oder Verwalter ſein Haus zu ſtürmen, und wie er daß innen geworden, beſtellte er den Thorwerter auff die wache, den ſchlagen ſie, daß man Ihn für todt davon tregt, auch jedermann gemeinet, er würde 8 ſterben. Und ob wol eine Inquiſition geſchehen und der theter geſucht worden, hatte man doch gleichwol nichts gewiſſes erfharen können, aber er hatte es über jedermanns hoffen überwun⸗ den, und waren die Kuchen ihnen auf ein ander Zeit geben worden. Und nach dieſem wie Magister Dresserus der Rector neben ſeinen Collegis auf wege dachten, wie ſie gleichwol ihre Discipel zwüngen, das ſie nicht ſo mutwillig und unleidlich ſein müſten, und neue Leges ſchrieben und machten, auch etliche von den Discipulis verordneten, ſo da auf die Leges Acht geben ſolten und die Delinquentes aufzeichnen und den Praeceptoribus anzeigen ſolten, als ſindt ſie dadurch ſo beweget und erzürnet worden, das ſie al zugleich auf einer ſtunde auf ge⸗ weſen und davon mit geſamletem hauffen zugleich haben ziehen wollen, und haben die praecep- tores zu thun und zu halten ſat gehapt und ihnen zugeſagt, dieſelben neue Leges abzuſchaffen. Haben ſie auch dahin gezwungen, das ſie ſie haben abſchaffen müſſen: ſo übel ſindt zu zwingen junge leutte, mancherley Mutter Kinder, ſo in einem Ortt und Haus durchs Ihar bey einan⸗ der ſein und leben, wie in Cloſtern geſchehen muß. Den ſie Zwangk übel leiden künnen und daher den praeceptoribus ſpinnenfeindt werden, ſo ſie hart halten wollen, wie ſie den zu Meiſſen, eben wie M. Dresser Rector geweſen, M. Maenio von Torgau deſſenhalben ſeine Fenſter einen Winter mehr den Zehen mal ausgeworffen haben, und etliche scolastici auch zu Meiſſen auf den Herrn Fabritium ſelpſt, der doch ein beſcheidener freundlicher und glimpf⸗ licher Man, auf einen abendt vorm Cloſter, wie er von Tiſch in ſein haus, ſo außer dem Cloſter gelegen, gangen, mit bloſſen Wehren auf ihn gewartet, derer aber keinen geſehen, wie ſie auch ihn nicht geſehen, den ihn Gott die Augen geblendet, wie er es offt guten Herren und freun⸗ den hat pflegen zu recitiren, als ein wunder beſonder Exempel protection's stupendae et ad- mirandae Sanctorum Angelorum. Ich aber habe es von Ihm nicht gehöret, und kan Ihm wol nach der Zeit, da Ich bey ihm geweſen, wiederfharen ſein. Sunſten clagt er mir allerley, das ihm ſeine schola viel zu ſchaffen, auch weis alt und grau machte. Und was dieſe zwey Jar vor greuliche motus geweſen zu Helmſtadt, Wittenberg, Ihena, Marpurg und anderswor, iſt nicht heimlich, do man die praeceptores überlauffen, ihnen Maulſchellen geben, ſie geleſtert, geſchendet und gehohnet, werden drumb Herrn und Fürſten nicht mühde Academias zu halten, dieweil ſie ſehen, wie gleichwohl das meiſte theil feine leute werden, und das man Kirchen und regimendt ohne Schuelen und Academien nicht erhalten und beſtellen kan. Es iſt dieſe tag ein feiner gelerter Man, ein professor aus eiuem berümpten Paeda- gogio bei mir geweſen, der meines rhats in Dingen gebraucht und darneben jemmerlich ge⸗ clagt, wie ſie ſo ungehaltene Discipel, die ſie nur müſſen thun laſſen was ſie wollen, wen ſie bey ihnen bleiben wollen. Gott wolle gnediglichen in dieſen böſen Zeitten die Jugendt regieren, damit er gelobet, von jederman gepreiſet und den Leutten auff Erden auff mancherley weyſe gedienet werde. Amen, Amen. Wolle auch gnediglichen helffen, das die Propheceye des hochweyſen Senecae, ſo des Keyſers Neronis zu Rhom praeceptor geweſen, nicht war werde, da er von der Jugendt zu ſeiner Zeit propheceyet: qui nos sequentur meliores nos et modestiores fuisse docebunt. Wie dann dieſer Propheceye nach alle welt über die Jugendt klagt, praeceptores in ſchulen 9 allein dahero der Schularbeit müde werden, das die Discipuli ſo böſe, ſo mutwillig, und daher wenige Schulmeiſter in den ſchulen lange bleiben und darinnen alt begeren zu werden, auch feine treffliche gelehrte Leutte, ſo herliche ſchöne dona, die Jugendt zu unterweyſen weder in Schulen noch in Academien ſich beſtellen wollen laſſen der böſen ungehaltenen Jugendt halber, ſondern begeben ſich auf facultates, oder werden Theologi und Superintendentes, das ſie alſo in Schulen über die große Schularbeit der unluſt mit der böſen Jugendt nicht haben dürffen, das wohl entlichen an guten Schulmeiſtern und professoribus in Academiis alleine der unge⸗ haltenen Jugendt halben mangel ſein wil, dieweil ſie ihr gar nicht wehren leſt, ja auch wol durch ſtraffe nicht beſſer, ſondern viel erger wirdt. Und iſt eine beſondere gab und geſchick⸗ lichkeit die Jugendt ſo regieren und fhüren können, das ſie etwas ſtudiren, mit der Zeit, wen ſie ausgetollet(Semel insanimus omnes) feine leut werden, und gleichwol auch, weil ſie in scholis ſtudiren in mediocri offic'o bleiben. Da uus beides mit beſcheidenheit gebraucht wer⸗ den, gute wort und ſtraffe, da mus man aber nicht alles wollen wiſſen, hören, ſehen, ſondern nach gelegenheit diſſimuliren, dem alten ſpruch nach: Nescit regnare, qui nescit dissimulare“), item, persuasione cape, non vi. Ac inter Grammatici virtutes est, ſagt Quintilianus, ein alter Schulmeiſter zu Rhom, quaedam nescire et ignorare**). Dieſen Proceß hab ich vor⸗ nemlich, weil ich der Jugendt über die 40 jhar gedienet, gefolget, und ob ich wol auch die böſen incarceriret, in die Eyſen geſchlagen, aus der Schul ſie dimittirt habe, ſo hab ich doch mit guten worten, vielem anhalten, mit verhorchen, dulden und leyden viel mehr ausgerichtet und mehr nutz auf ſolche weyſe geſchafft, viel gelehrte Discipulos gemacht, ſo Ilefeldt rhümen und der herſchaft Stolbergk dafür dancken. Und wer nicht leyden kan und zu Zeitten ſchweigen, der wird bey erwachſener Jugendt wenig ſchaffen, ohn unterlas mit ihn kiefen und zanken und wenig erhalten und ausrichten. Consilio melius vincas quam iracundia ſagte der alte weiſe Publius***), und würde ſeine dieſe weyſe lehre, dieſer ſeiner ſpruch nicht ſo von weyſen leuten gelobet und ſo offt citiret, geſchrieben und gedrucket werden, wen er nicht lobenßwehrdt und etwas böſes und unnötiges zeigete und lehrete. Errat mea quidem sententia, ſagt jener apud comicum †), qui imperium firmius putat et stabilius vi quod fit, quam quod amicitia adjungitur. *) Bekanntlich der Wahlſpruch des Kaiſers Friedrich III. „e) Quint. I. cap. 13. 222) Publ. Syr. Sent., v. 78. †) Micio in den Adelphen des Terenz, v. 40. anhang. 1) Thomas Stange, geb. zu Querfurt 1495 als Sohn armer Eltern, trat 1515 in das Kloſter Ilfeld, nachdem er„als ein armes Schülerlein den Schulen nachgezogen gen Halle und Erffurd, ſeine Grammaticam wol gelernet, aber die meiſte Zeit mit ſingen hat zubringen müſſen“. Als Mönch hielt er die Regel„gar ſteif und ernſtlichen“, ſo daß er, wie er ſelbſt einige Jahre vor ſeinem Tode erklärte, mehr als die Hälfte des Jahres faſtete. Es ſei ihm ſchwerer geworden, fügt er hinzu,„den Münch allerdinge auszuziehen und abzulegen, als zuvor ſeinen alten Adam unter die Cloſter Regel zu bringen“, und während das Kloſter anfing zu veröden, und„ſeiner Geſellen etliche die Kappen hinwarfen und Dorffpfarrherrn wurden“, konnte er nur mit Mühe von Andreas Marold, einem jungen Mönch des Kloſters, überredet wer⸗ den, Luther's Schriften zu leſen. Selbſt als er ſchon für die Reformation gewonnen war, hielt er die Ordensregel mit derſelben ängſtlichen Strenge wie vorher:„denn er gar ein enge Ge⸗ wiſſen gehabt und ſich gantz furchtſam gehütet, nicht ohne genungſam Gewiſſheit deſſelben etwas zu thun oder zu unterlaſſen, das in unrügig oder ime ſchwere Gedancken machen möchte“. Nach dem Tode des Abtes Bernhard von Mitſchefall im November 1544 wurde er unter Zuziehung des Probſtes von Quedlinburg Lampert Borſſe, da er und Andreas Marold die einzigen Conven⸗ tualen waren, zum Abte erwählt und dieſe Wahl vom Erzbiſchof von Mainz am 19. März 1545 beſtätigt.(Foerstemann Monum. IIf.§ 59 u. 60). Schon ums Jahr 1546(B. Nihusii Script. II. in Leuckfeld's Ant. IIf. p. 253) reformirte er das Kloſter und richtete auf den Rath Luther's, Melanchthon's und andrer hervorragender Männer, und mit Vorwiſſen der Grafen von Stolberg und Schwarzburg, in deren Gebiete die bedeutendſten Kloſtergüter lagen, eine Schule ein„nur für die armen Knaben, ſo mit ziemlichem Alter ihre Fundamenta in andern publicis scholis ziemlichen gefaſſet, und ſich nun ſchämen, weil ſie groß wären, weiter darinnen zu blei⸗ ben, damit ſie zu Ilefeldt weiter gebracht und daraus alsbald zu Emptern möchten gebracht oder auch in Academias möchten verſchicket werden. Iſt aber denſelben übel drinnen vorgeſtanden worden, und die erſten Praeceptores nachleſſigk geweſen, daß auch niemand Luſt gehabt ihre Kinder kegen Ilefeld zu thun, auch wenn mans gleich den leuten angebotten“.(Neander in e. handſchr. Bericht über Kloſter und Schule zu Ilfeld.) Erſt als im Sommer 1550 der damals 25jährige M. Neander die Leitung der Schule übernahm, blühte die Anſtalt raſch und fröhlich auf, ſo daß in dem alternden und kranken Abte mehr und mehr der Entſchluß ſich befeſtigte, nichts unverſucht zu laſſen, den Fortbeſtand der Schule auch nach ſeinem Tode zu ſichern.„Weil er ſahe“, ſo berichtet Neander am angeführten Orte,„daß die Knaben eilents begunten zu proſiciren, die Schule von Jedermann gepreiſet und allendhalben gerühmet, und alsdan in einem halben Jahre mehr denn zuvor in zweien die Knaben lerneten, als hatte er eine beſondre Luſt und Freude dran, weinet oft vor Freuden, wenn die Knaben abzogen auf Academias und zu Embtern in Schulen und ihm fein mit einem erudito carmine dancketen und fing nun an mit allem Fleiß zu dencken, wie die Schule, Haushalt und das Kloſter auch nach ſeinem Abſterben zu allen Zei⸗ ten mochte bleiben, ſein und ſtehen und auch nicht zurißen und in usus profanos mochte gewendet werden“. Wahrhaft rührend iſt der Eifer, mit dem der ſchwache Greis die Gefahren, die er der neuen Anſtalt drohen ſieht, abzuwenden ſucht, wie er namentlich die Grafen von Stolberg durch Bitten und Vorſtellungen jeder Art drängt, ſich durch eine feſte Erklärung zu verpflichten, die 11 von ihm getroffenen Anordnungen auch nach ſeinem Tode zu reſpectiren und ſich nicht an den Kloſtergütern zu vergreifen. Leider war ihm dieſe letzte Freude nicht vergönnt, vielmehr malte ihm noch in ſeiner Todesſtunde die aufgeregte Phantaſte das Bild der ſchon eindringenden Kloſter⸗ räuber vor. Unter allerlei Vorwänden und Ausflüchten hatten die Grafen von Stolberg jede bindende.Erklärung verſchoben,„biß Herr Thomas, der Abt, anno Domini 1559 in die Palmarum kranck in der Kirchen worden an einem feber, daran er dann auch drei Wochen gelegen, und entlichen im Herrn in meinem beiſein ſeliglich entſchlaffen und in die Kirchen begraben wardt, nach⸗ dem er ein arm, mühſelig Leben lange Zeit geführet hatte, dann er blutte alle tage, durfte keinen wein trincken, des greulichen Huſtens halben, tranck aus einer eigenen Kannen, auch wenn er geſte hatte, Herren, Graffen und Fürſten, durchs Jahr, winter und ſommer, gewermet bier. Die gröſte Luſt, ſo er hatte, war das Jagen, daß er ein reh oder ein Haſen fingk. Weil er aber die drey wochen ſo kranckete, muſte Ich ſtets bey ihm und umb ihm ſein, do alle ſeine Gedanken waren, daß der Haußhalt und das Kloſter nach ſeinem Abſterben bey einander bleiben mochten, berichtet mich täglich viel Dinge, ſo nöthig zu wiſſen, und batt mich etlichmahl mit weinenden Augen umb Gottes willen, Ich wolte ja nach ſeinem Abſterben von Kloſter nicht weichen, ſondern darinnen bleiben, darauf helffen dencken, ſo viel göttlich und mügligk, das was er im Leben vergebens zum öftermahlen geſucht und geſeufzet, ihn nicht hette mügen wiederfahren, durch mich doch mit meinem Fleiß mochte erhalten nnd zuwege gebracht werden, ſeinem ſtetten vertrauen nach zu mir, Zwei⸗ ffelsohne, Gott würde durch mich ſeinen Segen, Glück und heyl der Schulen, Kloſter und gantzen Haushalt dazugeben, wie er dan mit dem Herrn Pfarherren vor etlicher Zeit auch davon weitleif⸗ tigk geredet, ſolte nur nach ſeinem Abſterben ſeinen willen, ſein flehen, ſein bitten allen Herſchaf⸗ ten treulich vermelden, vor niemand verſchrecken und umb Hülffe und Rath anrufen wen ich kunte, und ſolte ja vom Kloſter nicht weichen. Denn ob er wohl im Leben oft bericht, das ich etlich⸗ mahl gute vocationes auf Academien zu vornehmen Stetten und Schulen gehabt, ſo hette ich doch ſein Hertz immerdar dahin getragen, Ich müſte von ihm nicht ziehen, würde ſeinen todt er⸗ leben und darnach der Schulen und Haushalt und dem Kloſter zu beſtendigen Stande bringen helffen, ſolte mich nicht davon abhalten und abſcheiden laßen, was es auch ſein würde; das würde Gott im Himmel mir und den meinen hier zeitlich und dort ewiglich verlohnen, und wünſchte mir dazu Gottes glück, Segen und alle wohlfahrdt, und ſprach weiter, wolte nur dis alles Gott und mir befohlen haben, und mußte ihm meine Hand darauf geben, ſagte, er wolte gerne ſterben, dann er zu leben alle müde, wardt auch den andern Tagk nach dieſer rede, bitte und befehl ſtille, lag noch drey tage, aß und tranck nichts, redete auch nichts weiter, ohne was er zu zeiten auf⸗ ſchrie: Sein ſie ſchon da?, welches etlichemahl geſchah und entſchlief alſo ſenftiglichen im Herrn, ſeines Alters 63(richtiger 64) in elimacterio septenario nono, welches der allerfehrlichſte eli- macter iſt und von anbegin viel feine leuthe aufgefreßen und hingerappet, anno vero Christi 1559. 10. die Aprilis“. So Neander in dem ſchon öfter angeführten handſchriftlichen Bericht von Kloſter und Schulen zu Ilfeld. Schon hieraus erhellt zur Genüge, wie ſehr Neander den würdigen Greis ſchätzte, aber auch ſonſt ſind ſeine Schriften voll vom Lobe deſſelben. Indem ich darauf verzichte, aus den gedruckten Werken Neanders(unter denen beſonders die Epist. nunc. catech. Graeco-Lat. parv. praemissa zu vergleichen iſt) die bezüglichen Stellen anzuführen, begnüge ich mich die Charakteriſtik mitzutheilen, die er in einem noch vorhandenen handſchriftli⸗ chen Aufſatze von ihm giebt.„Herr Thomas Stange“, ſo lauten ſeine Worte,„war ein from⸗ mer gottfurchtiger Mann, der auch ſoviel ſtudiert, daß er in der Jugendt, ehe er ins Kloſter gangen, Schule regiret, ein Mann von einem großen und zarten Gewiſſen, dergleichen ich nicht gehöret oder erfharen habe, ein guter Simpliciſt, ein Chirurgus, ſo da mit geringen Mediis oft große Schaden und Wunden heilen konnte, und endlichen ſo geſinnet, daß ihme von Hertzen wehe thete, daß man einen Brocken Brodts, einen Trunk Bier oder Weins anders denn recht brauchen 2* 12 ſolte, wie er denn daſſelbe uicht anders denn zur Notturft brauchte, dieweil er kein Eſſer, kein Trinker war, auch daran Luſt oder Freude ſuchte, ſondern vielmehr, weil er lebete, dahin ſahe, daß von den Almuſen, ſo unter ſeine Hände gethan der armen Jugendt und ſonſten den Armen recht möchte gedienet werden“. Und hiermit ſtimmt vollſtändig das Urtheil ſeines Zeitgenoſſen des Cyriacus Spangenberg(Ouernfurt. Chronica p. 493), das hier zum Schluß eine Stelle finden möge.„Er war ein recht frommer, auffrichtiger, und warhaftiger in Chriſto heiliger Mann, richtig in der Lehre und gantz unſtrefflich am Leben, ein Liebhaber der Warheit, ein Freund aller Gelarten, ein Vater der Armen, trew, warhafftig ohne allen falſch, der jedermenniglichen mit rath und hülffe zu dienen willig, allen armen nothleidenden Exulen und Schülern, ſo bei ihm hülffe ſucheten, mil⸗ tiglichen etwas mittheilete.“ 2) An einer andern Stelle(Orb. Terr. expl. p. 100) erzählt N. dieſen Vorfall ſo: Cum aliquando Dresdae salutarem utrumque Naevium Joannem et Casparum, fratres, et utrum- que medicinae Doctores celeberrimos, medicos ducis Electoris Saxonici spectatos, digni- tate atque auctoritate in illa aula praestantes, ac omnino multis de causis magnos viros, et illi postquam exhibuissent omnia mihi humanitatis atque hospitalitatis officia, sciscita- rentur amanter et humaniter, quot ego annos hactenus in militia scholastica docendo ju- ventutem consumpsissem, ac ego indicarem sie satis magnum et longum numerum, respon- derunt: beatum te, suavissime Neander, cui tam diu contigit operari tam bonum atque Deo placens opus, quo tamen, quod nos quidem existimamus, nullum in terris exstat labo- riosius, molestius et in plerorumque oculis contemptius, sed in terra inquimus, non autem in coelo. Aderat tum eodem tempore commodum vir quidam egregius atque eruditus, qui studia juventutis in schola Portensi Ducis Electoris illustri aliquamdiu gu bernarat et e sparta illa pulverulenta laborum, periculorum atque molestiarum plena in hoc exquisita juventutis novissimi hujns nostri aevi malitia, ubi aliquando sunt, qui quasi incarnati qui- dam et vivi Diaboli nulla ratione se doceri, admoneri atque tractari patiuntur, sese expe- diverat et in functione Ecclesiastica tranquilliore constitutus fuerat, quasi correcturus quae Naevii illi duo carissimi viri sapienter dixerant, subjecit: tolerabilius tibi fuisset, doctis- sime ac mihi carissime Neander, vivum semel excoriari, quam annos tot in pulvere scho- lastico tot aerumnas atque miserias exhaurire atque exhaustas devorare: Ihr ſoltet euch lieber ein mal haben lebendig ſchinden laſſen, denn ſo viel lange Jahr fürnemlich mit der jetzigen Teufeliſchen böſen Jugend umbgangen haben. ³) Neand. I. c. p. 70. Georg Fabricius, der älteſte und berühmteſte von vier durch Ge⸗ lehrſamkeit ausgezeichneten Brüdern, war 1516 als der Sohn eines Goldſchmieds zu Chemnitz geboren, wurde, nachdem er zu Leipzig ſtudirt und verſchiedene Reiſen unternommen hatte, Rector zu Meißen 1546 und bekleidete dies Amt bis zu ſeinem 1571 erfolgten Tode mit dem größten Erfolge. ¹) Der Lieblingsſchüler Neanders, der an verſchiedenen Stellen mit der größten Anerken⸗ nung von ihm ſpricht. So ſagt er von ihm(Orb. Terr. expl. p. 91) Animae meae plus quam dimidrum fuit ille und rühmt ihn als ausgezeichneten Arzt und Botaniker.(Memini eum una aestate circa solam IIfeldam duorum mensium spatio septuaginta duo graminum genera distincta reperisse ac discreta certis intervallis in libro quodam monastico grandi volumine mihi ostendere.) Seinen Tod, der im Jahre 1583 in Folge eines Sturzes aus dem Wagen erfolgte, erzählt er folgendermaßen: Der treffliche Mann von großem Verſtaude und vielen hohen gaben, D. Joannes Thalius, der treffliche Medicus und Historicus, Medicus zu Nordthauſen ordinarius, ſo der ſchule Ilfelt etliche Ihar alumnus geweſen und daher mein und der ſchulen Ilfeldt beſonder treuer freund war und bleib, weil er lebte, brach er nicht auch einen ſchenckel von einer Kutſchen ſo gefehrlich und übel, das ihm beyde Rören durch die Stiffeln herauß 13 rageten? Darauff er denn drey wochen darnach ſtarb, ob er wol drey treffliche Chirurgos, ſo allen Fleiß vorwandeten, wie er von einem ſtadbtlichen vom Adel(Nicolaus von Bortfeld) ins Landt zu Saxen geholet wardt, und dem Kutſcher ſeine freudige und wohlgehaltene Pferde in das weitte Feldt weit wegk auß der Bahne und der Straſſen entlieffen, Und Er etliche ſtunden allein, von jedermann verlaſſen, auff dem Platze und bloſſen felde unter dem bloſſen Himmel ligen bleiben muſſte mit groſſem weheklagen und ſchmertzen, ehr ihm ein Menſch zu hülffe kommen kondte. Wie dieſen ſeinen elenden, jemmerlichen und nie gehofften Todt noch teglich beklagen Herren, Für⸗ ſten, Graffen, die vom Adel und viel andere gute Herrn, Leute und freunde mehr, ſo ihn lieb gerne braucheten, Und von mancherleyen guten, nötigen und luſtigen Dingen gerne reden und ſchwatzen höreten. Denn Er nicht ein geringer, ſondern beſonder Wunder Mann ware, Wie Er daſſelbe Lob und Zeugniß bey vornemen Medicis inn Deutſchlandt und andern benachbarten Län⸗ dern hatte, noch hat und auch zu allen Zeiten wol behalten wird. Und was er in Re Medica und vornemlichen in Re Herbaria vor vielen andern Medicis praestirt, zeugen ſeine viel Bücher, die er mit groſſem fleiß, mühe und arbeit, lange Zeit und fleiſſige Observation geſchrieben und hinder ſich verlaſſen, die zum theil gedruckt, und gedruckt, wils Gott, noch ſollen werden.(Neand. vom ſelig. Abſterb. p. 39 ff. Erfurt 1589. Vgl. auch Neand. orb. terr. expl. pg. 90 ff. u. 101 ff.) b 5) Ueber dieſen berühmteſten Schüler Neanders, den deutſchen Homer, wie ihn ſeine Zeitgenoſſen nannten, genügt es auf Volborths Lobſchrift auf Rhodomann Göttingen 1776 und Klippel's deutſche Lebens⸗ und Charakter⸗Bilder Bd. 1, 207— 226 zu verweiſen. Hier mag nur das einen Platz finden, was Neander an einer andern Stelle(0. T. expl. p. 97.) über ihn berichtet: M. Laurentius Rhodomannus Cheruscus, Rector pietatis atque literarum in inclyta Luneburga, poëta in utraque lingua Graeca atque Latina praestantissimus, Graecam linguam eruditam ac elegan- tem adeo tenet exacte, ut hac nostra aetate sint viri excellentes, neque in judicando faci- les aut temerarii, qui existiment, non habere parem, cum certare possit cum illis etiam Graecis, qui et olim in Graecia florente atque libera, et nunc in tributaria, Turcica atque serva, in illa lingua excelluisse dicuntur. Idque fieri perspicuum de illis, quae ipse edidit varia poëmata Graeca atque Latina atque inter caetera ex IIfeldae descriptione, historia ecclesiae a conditis rebus humanis ad urbem usque eversam, historia vitae atque doctrinae magni Lutheri Graecolatinis, quae exstant in vulgus edita. Planum autem id magis fiet omnibus, ubi exibunt aliquando in vulgus Graeca poëmata, quae jam pridem domi servat in adversariis deposita, luculenta, inquam, expositio totius doctrinae Christianae. Palae- stina item ejus, in qua suut secundum imperiorum in terra formas et seriem Patriarcharum, Judicum, Regum Judaicorum, Ethnarcharum et Sacerdotum, Asmoneorum, Ducum et Re- gum, Herodis Ascolonitae et filiorum, Jesu Christi, Herodum Asmoneorum et praesidum Romanorum uno eodemque tempore, Romanorum, Mahometistarum, et inter hos Argonau- tarum nostrorum imperium et res praecipuae singillatim sub uno quolibet imperio gestae, et deinde urbis captivitas et eversio, et quae post haec acciderunt singula suo loco ordine plane perspicue et copiose carmine heroico Graeco tradita, usque ad nostra tempora ex- posita., Eodem modo procedit in opere, quod Germanida inscripsit, in quo oratione splen- dida et diserta et convenienti ei argumento exponit et describit praeclara facta et res gestas egregias veterum Germanorum, quam historiam altius exorsus deducit ab initio con- ditae gentis ad hanc usque nostram aetatem ita mirabili ac ingenioso artificio temperata illa scriptione, ut etiam caeteras gentes cognatas Germanicae genti, vel vicinas, vel quo- modocunque ad eam pertinentes una describat, et quae sunt ubique insignia et ad docen- dum et erudiendum composita suo loco unumquodque inserat, et carmine Graeco erudito et eleganti commemoret atque tradat. 14 6) Der zweite Sohn Neanders, den er im Jahre 1589 einen„tollen jungen Geſellen, der auf Reiſen in Oeſterreich und Ungern“ nennt.(Vom ſel. Abſterb. p. 32). In der Epistola dedicatoria vor Neanders Physice(Leipz. 1589) empfiehlt ihn ſein Vater dem Augsburgiſchen Apotheker Georg Sighardt und berichtet von ihm, daß er fleiſſig Medicin und Pharmacie in Il⸗ feld ſtudire und von Begier brenne fremde Länder zu beſuchen. Sonſt iſt nichts weiter von ihm bekannt, als daß er im Jahre 1592 Chriſtina Magen(s) die Tochter des Bürgermeiſters zu Greu⸗ ßen heirathete. Ueber das Leben der übrigen Kinder Neander's vergleiche man: Volborth Lobſchr. auf Neander. p. 91. Klippel deutſche Lebens⸗ u. Charakterbild. Bd. 1. p. 140 und vorzüglich E. G. Förſtemann, kleine Schrift. z. Geſchichte d. Stadt Nordhauſen p. 52. 7) Der bekannte Literator und Polyhiſtor, der 1541 in Folge einer Aufforderung der Her⸗ zöge Heinrich und Moritz von Sachſen die Univerſität Leipzig neu organiſirt hatte und ihr lange Zeit als Rector und Decan vorſtand. Er ſtarb 1574. 8) Die betreffende Stelle lautet: Cum Deo ita visum fuisset, ut contra voluntatem meam ad literas discendas a Parentibus Vitebergam mitterer, ac ego, repugnante tota mea natura omnibusque animi et corporis viribus reclamantibus illic consisterem et manerem, primum fere annum nihil discendo, et sumtus paternos non recte ponendo, totum otiando et aves capiendo consumerem, praesertim cum ego ibi etiam Magistrum sortitus essem improbum, cui commendatus fueram, cui illo nomine carus fui et acceptus, quod et ille fere esset in literas, quo ego, animo, et studiis, quibus ego, ipse etiam deditus esset, donec tandem exacto primo anno, miserescente et benedicente Domino et cor novum mihi dante praeter opinionem et exspectationem meam omnem, tanta discendi cupiditate incensus, su- bito flagrare inciperem, ut existimarem, omnia mihi discenda et perlustranda, nihilque librorum indiscussum mihi relinquendum, quin imo ea etiam excutienda mihi esse, quae indoctus aliquis olim et barbarus monachus docuisset et scripsisset. Neandri Ethice p. 254. *²) Matthias Dresserus geb. zu Erfurt 24. Aug. 1536, ſtudirte in ſeiner Vaterſtadt und in Wittenberg, wurde 1560 zu Erfurt Prof. Graec. ling., 1574 zu Jena Prof. eloquent. an Lipſtus Stelle, kurz darauf Rector der Fürſtenſchule zu Meißen, 1581 Prof. Graec. et Lat. ling. zu Leipzig, wo er am 5. Oct. 1607 ſtarb. 1⁰) Bericht Michael Neanders wegen des Nloſters Jlefeldt. Wie mein ſeliger Herr der Apt ſtarb, worden vier Wochen darnach die diener des Kloſters und die leute im Flecke von den Stolbergiſchen Rethen an mich gewießen und Ihnen befohlen, Solten mir volgen und gehorchen und mich für ihre Obrigkeit halten. Nach dreyen jaren, wie ich die Sache wieder die von Schwarzburgk, Engel halben*) erhalten und nun meine Beſtallunge**) mir gemacht, wurden abermal die Diener des Cloſters und die Leute im Flecke auf vorige weiße an mich gewieſen, wie ſte mich dan auch nun über die Dreißigk Ihar vor ihre Obrigkeit gehal⸗ ten, mir gehorchet, und gefolget, dem Cloſter ſeine Dienſte gethan, ſeind auch bei friede, ihrer alten gerechtigkeit biß hiehero geblieben, von mir vertheidiget und geſchützet worden. Bin auch in Camera Imperiali***) vor allen dingen vor einen Abbatem und Verwalter confirmiret worden, da mich die Schwartzburgiſchen lenger denn ein Ihar nicht gnugſam erken⸗ neten, das ich Sie beklagen ſolte. *) Der Kloſterhof zu Kirchengel. **) Von Seiten der Grafen von Stolberg im Jahre 1562. **⸗) Das Reichskammergericht in Speyer, bei dem er die Klage gegen die Grafen von Schwarzburg anhängig gemacht hatte. 15 So helt auch meine Beſtallunge klar, daß ich des vorigen Abts ſtad in allen Dingen vertreten ſoll. Wird auch weiter daſelbſt vermeld, das nicht allein Schuele, ſonder auch das Cloſter mit allen Zugehörungen durch meinen Vleiß erhalten worden ſey. 2 t Bin auch vor Einen Verwalter, vor einen Abt im Schwartzburgiſchen hofe, vielen andern Orten, auch Hohen gelerten leuten gehalten worden, und habe mich Engel halben mit ihnen ver⸗ tragen, wie ſie mirs vorſchlugen, dieweil ich nicht weiter kommen konnte, war auch niemands, der mir geſagt, wie oder auf was conditiones Ich mich mit ihnen vertragen ſolte, Iſt auch kein menſch vom Stolbergiſchen Hoffe je geweſen, der mich deßelben Vertrags halber beſprochen und geklagt, hette böſen Vertragk gewilliget. Dann Sie mit Unſern gnedigen herren nichts, ſondern nur mit mir zuthun hatten und haben wolten, und wird in dem Vertrage Unſer gnedigen Herren von Stolbergk nicht mit einer ſyllaben gedacht, haben ſich auch nicht mit ihnen, ſondern mit mir als dem Verwalter vertragen. Und wie einmal Graff Günther mich zu tage kegen Northauſen beſcheidet, do er dann mit 20 pferden ankam, und ſeinen Rethen und Kutſchen, und graff Ernſt von Honſtein die Sachen in guttliche Verhör nam, und Ich graff Chriſtoffeln*) löblicher gedecht⸗ nuß, auf ſein, vor etlicher Zeitt gethanes gnediges erbieten zum beyſtand doſelbſt hingebetten hatte, wolte Er ihn dabei nicht haben, es were denn, daß Er mich bereden wolte helffen die untrag⸗ lichen conditiones anzunemen. Sagete, Er wehre deshalben nicht kommen, ſatzte ſich uf ſein pferd und reyt davon, und ob er wol bey mir ließ Acontium den Rentemeiſter, Erasmum Frö⸗ lich, und weiß nicht ob jemands mehr, ſo muſten Sie doch von der Handlunge bleiben, und ward mit mir alleine geredet und gehandelt. Do auch, wie derſelbe tagk one Frucht abgienge, Graf Günther im Zorn geſagt, Es ſolte ihn dennoch kein Dorf Schullmeiſter zwingen, und wan Er ſolte 20 tauſend Gulden dran wenden, und dergleichen Wort hat er auch zu Graff Heinrichen**) und graff Chriſtoffeln, beide löblicher gedechtnuß, etliche Zeitt zuvor geredt, wie ſie mich zu Hon⸗ ſtein ſelbſt berichten, und mich vor ſeinem Zorn und großer Ungnade warneten, und verſuchten ſich auch Graf Günther und graf Hans an mir, durch große Verheiſchunge, durch Apollon***) dem Cantzler, ob ſie mich möchten auß dem Kloſter bringen, denn Sie wol wuſten, das Sie Engel anderer halben wol behalten würden, und fürnemlich Unſerer gnedigen Herren halben, mit welchen Sie daßelbe mal gar in gueten terminis ſtunden, und Doctor Frantz****), der Schwartz⸗ burgiſcher Diener und Rhat war, und dauchte viell leute nerriſch und lecherlich ſein, daß ein Schulmeiſter zu Ilefeld ſich an ſo große Herren machen durfte, wie es denn auch faſt nerriſch und lecherlich dauchte zue Wittenberg Philippum ſelbſt †), zu Dreſden die zween Naevios † †), treffliche leute, beide medicinae Doctores, des Churfürſten leib erzte und gefattern, Georgium Fabritium zue Meißen †††) und viel andere, treffliche leute mehr, die es ſchier für ein unmeglich Ding achteten und verwunderten ſich nicht wenig darüber, daß ich nicht deſto weniger ein ſolch Klagen und geſchrei wieder ſo große und daßelbe mahl an des Churfürſten Hofe hochgeachte Her⸗ ren anrichten durfte. 1 Und hat auch Graf Albrecht †† ††) löblicher gedechtnuß, bald nach der Vertracht Doctor Medern *) Graf Chriſtoph v. Stolberg geb. 1524. geſt. 1581. Vgl. Zeitfuchs Stolberg. Kirchen⸗ u. Stadthiſtorie p. 86. **) Graf Heinrich der Aeltere von Stolberg geb. 1509. geſt. 1572. Zeitfuchs a. a. O. p. 69 ff. ***) Apollo Wiegand. Vgl. Leuckfeld Ant. JIf. p. 119. Kindervater Nordh. illustr. p. 333. ***) Franz Schüßler. Vgl. Leuckfeld Ant. JIIf. p. 115. †) Melanchthon. 71†) S. o. p. 3. †††) S. Am. 3. tirt) Graf Albrecht v. Stolberg geb. 1516 geſt. 1587. Vgl. Zeitfuchs a. a. O. p. 80 ff. 16 zu mir geſchicket und anzeigen laſſen, das Holtz aufm Berkenmohre were reif und wieder zu ver⸗ hauen, begerete und bote derentwegen, dieweil er viel neher denn ein frembder, wolte es ihren gnaden umb billiche Bezahlunge vor andern gönnen, weiß nicht, wo er es hin brauchen wolte. Darauf antworte Ich, wie wol billich und recht, aber ich dürfte meinen Herren nicht mahnen, und konten wir des geldes vor daßelbe Holtz nicht entbehren, einen frembden konte Ich treiben und mahnen. Darauf verbath Ihr gnade durch Joſt Jegern einen andern, iſt lang, hab es ver⸗ geßen, Beckern, mein ich, oder Borneman und Neben. Es ward aber das Holtz verhauen, und war niemands, der mit mir drüber diſputirte, und denke ichs nun in 40 Jharen, glaub ich, iezun⸗ der zum dritten mal verhauen. Und wie er weiter nach etlicher Zeit von der iagt durch des Cloſters holtz gefuret, fo⸗ derte Er mich zu ſich, in Beyſein ſeiner junckern und aber Doctor Medris und ſagete, wir hetten einen ſchönen ort holtz, wer ſchön und viel überſtendig Holtz darinnen, warumb Ichs nicht zu gelde machet, und verkaufte, dan es do nicht beßer würde. Antworte ich, Ich wolte den Nach⸗ kommenden auch etwas laßen, das ſie nicht zu klagen. Habe auch Zween Pfarherr angenommen, wie Er auch Herr Valtin Müller*) jetzigen Pfar⸗ herr, ohne iemandts einrede, Diener, ſchreiber, Kelner, Hoffmeiſter, Müller, Becker, Köche ꝛc. auch dieſelben geurlaubet, wann Sie es nicht recht gemacht haben, hatt mir niemandts vom Hofe ewehret. 1 Hat auch graff Albrecht, graff Wolff Ernſt**) etlich mahl müller, Hofmeiſter, Becker, Sat⸗ ler und ander an mich verbeten und vorſchrieben und nichts hier vorgeſchrieben und geboten. Habe auch Ludolff von Sundhauſen auff Graff Albrechts Vorbitte des Kloſters Zwelff Huefen vor 24 Marckſcheffel gelaßen, do ſie ſnuſten dem Kloſter wol 40 marckſcheffel, kraut, rüben, hüner und eyer hetten geben können***). Graff Wolf Ernſt bat vor Germerßhaußen, das ich ihn wegen des Cloſters 30 marckſcheffel hafern erließ, ſo Er dem kloſter im reſt war, Graff Volckmar von Hohnſtein bath vor zween Jun⸗ ckern von Mauederode, ſo dem Kloſter dreyhundert Marckſcheffel Hafern ſchuldig, wolte vor dieſel⸗ ben hundert thaler nemen, hatt mich Niemand deßhalben beklaget, da Ichs doch ofte Unſern gne⸗ digen Herren und derſelben Rethen narriret, auch Niemand geſagt, Ich hette daran Unrecht gethan, oder mich zu viehl gemechtiget. Habe mit bedencken der alten diener ohne iemands vorwißen, des Cloſters Land, Wieſen, Meyereye, Schaffereye einen alten und geübten Hofemeiſter bald im anfange außgethan, lauter umbſonſten, alleine ſolte dem Kloſter ein gewiße anzahl Keße, Butter darvon geben(durfte vom Lande nicht ein ſcheffel geben) und muſte dem Kloſter die notigen fuhren mit ſeinen eigenen pfer⸗ den thun, kundte aber nicht dabei bleiben, und muſte alles nach dreyen Iharen wieder von ihm nehmen. Habe es graff Albrechten oft erzelet, auch wie Ich die Zweye freye forberge †) zu Sund⸗ hauſen beßer vermeyert, dan Sie zu herrn Thomas Zeiten ausgethan, habe auch graff Albrechten eine Copey derſelben Vermeyerunge ſchicken müßen, wie Er auch etwas daßelbe mal außzuthun bedacht, do er es ihm wolgefallen ließ. Und wie man etlichmal bei mir angeſucht, wolte willigen, das man vor eine Summe geldes des Cloſters gueter vorpfendete, habe Ich gewehret und davor gebeten, iſt auch dabei mit des *) Leuckfeld a. a. O. p. 195. **) Graf Wolgang Ernſt v. Stolberg geb. 1446. geſt. 1606. Vgl. Zeitfuchs a. a. O. p. 52. ***) Leuckfeld a. a. O. p. 122. †) Vorwerke. 17 Kloſters jetzigem großen Nutz geblieben, und hat mich Niemands zu willen gezwungen, als einen der keine macht mehr, dan ein gemeiner Diener, ſondern bey meinen Wehren und bericht bleiben laßen, und iſt wol gerathen. Den beſchwerlichen Haußhalt zu Engel habe ich auch abgeſchaft, dann der Zuſchlack doſelbſt auch ſo groß, das wir zu Ilefeld nicht in die lenge bleiben können, dieweil doſelbſt zu viel ufginge, und werden durch dieſelbe Abſchaffunge dem Cloſter ſehr viel marckſcheffel, hüner, genſe, geldt jer⸗ lich ins Cloſter mehr, dan zuvor geliefert, welchs Herr Thomas gern gethan hette, konde aber nicht der von Schwartzburgk halber dazu kommen. Auff dem Berkenmohre hab ich eine Meyereye angericht, weſewachs droben laßen machen, und was Ich gemeinet, ſo zu Nutz und beßerung des Haußhalts dienen, vor die Hand genomen, und des Cloſters einkomen an geld, getreidig, rüben, Kraut, hüner, genſe, Eyer und andern Dingen nicht geringert, ſondern wolgebeßert und über diß deß Cloſters gueter in allen Herrſchaften beyein⸗ ander biß auf dießen tag erhalten. Ich habe dem Kloſter vor mein Perſon nichts veruntrauet, und habe ich Ihme, Unverſtand, uUnerfahrenheit und der vielen Sorge undt mühe halben, nicht alzeit rath geſchaffet, ſo habe Ich ihme doch auch nicht geſchadet. Iſt es nicht alzeit getroffen, ſo iſt es doch gut und wol gemeinet. Was aber die andern Diener, Dietrich, Baſtian, Claus mögen gethan haben, kan ich nicht ſagen, ſeind von mir gnugſam zum oftermal zur trewe und fleiß in ihrem Ambte, auch zu Zeiten mit heftigen zornigen Worten und großer Bedrawunge vermahnet worden. Aber das iſt war und klar, das Baſtians, Clauſes Weib und kinder oft ehe den lieben tagk im Hauße, dann das liebe Brod haben, daß auch Dietrich, ſo ein großen hauffen unverſorgete Kinder, und nu alt, ſchwach und verlebet und ſo übell bei des Kloſters Dinſten zubrochen, das es ſchrecklich zu hören und vielmehr betrübt und erbermlich zu ſehen, entlichen noth leiden würde, wenn er ohne Dinſt leben ſoltte. Und ob ich wol von meinen lieben ſeligen Eltern, wie auch meine brueder undt ſchweſtern, ein iedes inſonderheit, tauſent vier und zwantzig gulden an gelde, ohne daß Silberwerck an ſilbern gürtelln, ſcheiden, leffeln, bechern, Ketchen, guldenen ringen und dergleichen empfangen, wie Ich diß mit des Rhats zur Sorau brief und Sigillen zu beſcheinen, auch mit meinem Weibe Hauß, hoff, Ecker, geld, ſilberne und guldene Kleynoter, allerley haußrath an Betten, Zinwerck, ehern werck und dergleichen erfreyet, noch dennoch wüſte Ich auf meine alte tage darauf mich nicht zu behelffen, vornemlich auch dieweil nu meine Kiuder dahero wachſen und Ich viel vor Sie haben muß. Und würden Baſtian, Clauß, Dieterich, ſo nun blind, lahm und alt, vielmehr mangell lei⸗ den müßen, wenn ſie, wie ſie ſich furchten, nun auf ihr alte tage von der Krippen geſtoßen wer⸗ den ſolten, entweder deshalben, das Sie nicht mehr tuchtig zu dienen, oder das Sie mit dem Kloſter übel und unfleißig gehandelt, do doch niemand antwortet oder ſich bekümmert über die tauſend Marckſcheffel, ſo die Schwartzburgiſchen dem Kloſter die drey jhar ohne den Wein und ander Ding mehr vorbehielten und auf dem hofe Engel die pferde, reuter und hunde vorzehren ließen, da man, wie Ich weiß, dieſelben wol hette erhalten können, wenn man luſt darzu gehabt, und von den Herren in der Zeitt, ehe ſie zugriffen, darzu wehr gethan worden, wie Sie dan von mir gnugſam auf befehl meines ſeligen Herren vermahnet, wie Copien derſelben ſchreiben noch vorhanden. Aber es war dieſelbe Zeit ſo ein laß und trege regiment allenthalben in der Stol⸗ bergiſchen Herrſchaft, daß wol grafſchaften und ander herrliche ſtücke verlaßet, das niemandts Luſt, ſich umb Ilefeldt anzunehmen undt zu bekümmern. Und wenn man nu nach dreißig Iharen auf meine verlebte tage erſt fechten und nicht gut ſein laßen wolte, was ich dem kloſter zu guete ge⸗ than, gewilliget, gehandelt, do ich für mich gar keinen nutz, und viel Unluſt, mühe und arbeit darvon gehabt, daß wolte nicht gut ſein, und ſolte nu erſt auf meine alte tage, do ich etwa noch ein Ihar zu leben, von iedermann gehönet werden, wolte auch wünſchen, daß ich mein tage Ile⸗ feld mit augen nicht geſehen hette, do aber Ilefeld gleichwol nechſt gott mir zu danken, daß es 3 18 noch mit allem, ſo darzu in allen herrſchaften gehöret, biß auf dieße Stunde ſtehet und bleibet, einen guten Nahmen darzu hatt und von iedermann gerühmet, gelobet und gepreiſet wirdt. Tröſte mich aber des, daß auß dieſen obangezeigeten Urſachen, Graff Heinrich*), mein gnediger Herre, mir hat laßen anzeigen, ſolte die Verwaltunge im Kloſter mein Lebelang behalten, wolte mir auch keine Diener ſetzen, Ich würde am beſten wißen, was vor Diener mir dinlichen, wolte mir auch einen revers drüber geben, hette mit mir nichts zu thun, wolte es mit mir ſo machen, daß ich zufrieden ſein ſolte. Und will mich nun hinfürder deshalben kein wiederwerthig geſchrey und geſage laßen irren machen. *) Graf Heinrich der Jüngere von Stolberg, geb. 1551 geſt. 1615. Zeitfuchs a. a. O. p. 56. Schulnachrichten. A. Chronik der Anſtalt. Weſentliche Veränderungen ſind in dem zu Ende gehenden Schuljahre an dem Pädagogium nicht vorgefallen. Das Lehrercollegium iſt daſſelbe, die Anordnungen und Einrichtungen zum Ver⸗ gnügen und zu der geſellſchaftlichen Bildung der Zöglinge ſind dieſelben geblieben, wie ſie in dem Programme des vorigen Jahres, auf welches ich verweiſe, berichtet worden ſind. Nur mag be⸗ merkt werden, daß die Zöglinge an den auf dem Burgberge veranſtalteten Sommerconcerten Theil nahmen, wenn dieſelben in ihre Freiſtunden fielen, und daß ihnen einmal erlaubt wurde, in Be⸗ gleitung eines Lehrers das Theater und die Renz'ſche Menagerie in Nordbhauſen zu beſuchen. Das Sommer⸗Halbjahr begann am 28. April mit der Prüfung der zur Aufnahme Ange⸗ gemeldeten und ſchloß am 5. September mit Vorleſung und Vertheilung der halbjährigen Schul⸗ zeugniſſe und Entlaſſung der Abiturienten. Das Winter⸗Halbjahr nahm am 13. October ſeinen Anfang mit der Prüfung der Neuan⸗ gekommenen. B. Statiſtiſche Ueberſicht. Zöglinge der Anſtalt. Zur Univerſttät gingen mit dem Zeugniß der Reife ab: a) zu Oſtern. 1. Hermann Weidemann, Sohn des Sanitätsraths Dr. Weidemann in Ebſtorf, 19 ½ Jahr alt, ſtudirt Medicin. 2. Theodor Engelke, Sohn des Advocaten und Notars Engelke in Herzberg, 19 Jahre 4 Monate alt, ſtudirt Rechtswiſſenſchaft. 3* 20 3. Julius Graf von Oeynhauſen, 19 Jahre alt, Sohn des verſtorbenen Majors Gra⸗ fen von Oeynhauſen in Hameln, ſtudirt Rechtswiſſenſchaft. 4. Otto von Bar, 19 ½ Jahr alt, Sohn des Staats⸗Miniſters von Bar in Hannover, ſtudirt Rechtswiſſenſchaft. b) zu Michaelis. 1. Max von Wangenheim, Sohn des Amtmanns von Wangenheim in Syke, 19 ¾ Jahr alt, ſtudirt Rechtswiſſenſchaft.. 2. Wilhelm Deppe, Sohn des Muſtkdirectors Deppe in Ilfeld, 19 Jahre alt, ſtudirt Rechtswiſſenſchaft. 3. Leopold von Haſſell, Sohn des verſtorbenen Obergerichts⸗Directors von Haſſell in Hildesheim, 19 Jahre alt, ſtudirt Rechtswiſſenſchaft. 4. Carl Ohneſorg, Sohn des Poſtverwalters und Bürgermeiſters Ohneſorg in Ilfeld, 17 ¾ Jahr alt, ſtudirt Theologie. 5. Friedrich von Stietencron, Sohn des Gutsbeſitzers von Stietencron in Welſede, 191¼ Jahr alt, ſtudirt Rechtswiſſenſchaft. 6. Julius Hertwig, Sohn des Advocaten und Notars Hertwig in Duderſtadt, 20 ¼ Jahr alt, ſtudirt Rechtswiſſenſchaft. 7. Franz von Meding, Sohn des Oberforſtmeiſters von Meding in Hameln, 20 Jahre alt, ſtudirt Rechtswiſſenſchaft. 8. Juſtus von Schmidt⸗Phiſeldeck, Sohn des Amtsrichters von Schmidt⸗Phiſeldeck in Medingen, 19 ½ Jahr alt, ſtudirt Rechtswiſſenſchaft. 9. Heimard Rubach, Sohn des Amtsmanns Rubach in Liebenburg, 19 ¾ Jahr alt, ſtudirt Rechtswiſſenſchaft. Ferner verließen die Anſtalt: aus Prima: Auguſt Franke aus Wiegersdorf. Arnold Horn aus Gronau. Wilhelm Ernſt aus Gr.⸗Goltern mußte die Anſtalt verlaſſen. ans Oberſecunda: Adolf von Hinüber aus Hannover. aus Unterſecunda: Enno Guttermann aus Duderſtadt. Ludwig Kaſten aus Duderſtadt. Aſchwin von Cramm aus Rohde verließ die Anſtalt heimlich. . aus Tertia: Ernſt von Voigt aus Northeim. 21 Es iſt hier noch ein ſchmerzlicher Verluſt zu erwähnen, der die ganze Anſtalt in Trauer verſetzte. Es wurden uns nämlich zwei Schüler dieſer Klaſſe, Robert Eyferth aus Seinſtedt und Carl Haſenbalg von hier, die bei ihren Angehörigen wohnend nur die Lehrſtunden be⸗ ſuchten, durch den Tod entriſſen. Verzeichniß der jetzigen Zöglinge des Pädagogiums. Prima. Eberhard von Lüneburg aus Eſſenrode. Georg Kandelhart aus Ilfeld. Wilhelm von Grote aus Schnega. Emil Rübeſame aus Neuſtadt u. H. Georg Heiſe aus Einbeck. Werner von Walthauſen aus Neuhaus i. L. Bernhard Noeldechen aus Langenſalza. Alexander Koch aus Frankfurt a. M. Wilhelm Redepenning aus Ilfeld. Heino von Hammerſtein aus Hildesheim. Anton Büning aus Logabirum. Eduard Reinken aus Bremen. Oberſecunda. Adolf Ritter aus Roßla. Reinhard Hübner aus Roßla. Carl von Uslar⸗Gleichen aus Göttingen. Ludwig Redepenning aus Ilfeld. Guſtav Meyer aus Eyershauſen. Frederik von Dörnberg aus Stade. Bodo von Beulwiz aus Verden. Thilo von Seebach aus Lüneburg. Theodor Rathmann aus Wernigerode. Unterſecunda. Hartwig von Stietencron aus Schötmar. Ferdinand Keil aus Ilfeld. Max von Stietencron aus Welſede. Otto von Marſchalck aus Stade. Adolf Schweiger aus Clausthal. Hermann Fridag⸗Wellenkamp aus Hannover. 22 Iwan von Stietencron aus Schötmar. Hans von Uslar⸗Gleichen aus Sennickerode. Georg von Brandis aus Göttingen. Rudolf von Schwanewede aus Verden. Hermann Ritſcher aus Lauterberg. Clamor Schwake aus Lautenthal. Guſtav Großhennig aus Wernigerode. Tertia. Werner Graf von der Schulenburg aus Hehlen. Friedrich Redepenning aus Ilfeld. Leo von Klencke aus Hämelſchenburg. Carl von Möller aus Schlüſſelburg. Adolf Hahmann aus Ilfeld. Lionel Heiſe aus Einbeck. Carl v. d. Decken aus Preten. Hilmar von Minnigerode aus Gieboldehauſen. Robert Wüſtefeldt aus Ilfeld. Emil Crauſe aus Herzberg. Albert Bornebuſch aus Ilfeld. Carl Eilers aus Sophienhof. Ernſt Niemack aus Kirchwehren. Wilhelm von Heimburg aus Nordgoltern. Carl Götz von Olenhuſen aus Olenhuſen. C. Stand der Lehrapparate. Geſchenke, die der Bibliothek von Oſtern 1862 bis dahin 1863 gemacht ſind. Vom Königlichen Kultus⸗ Diiieier Codex diplomat. Brandenburg. ed. Riedel. 1. Hptth. Bd. 21— 23.— 3. Htpth. Bd. 3.— 4. Hptth. Bd. 1. Sudendorf, Urkundenbuch zur Gren⸗ der Herzogthümer Braunſchweig⸗ Lüneb. Th. 3 Götting. gelehrte Anzeigen durch die Redaction derſelben. Archiv des hiſtor. Vereins für Niederſachſen. 23 Von der Buchhandlung Vandenhoeck u. Ruprecht zu Göttingen: Cohn, ein deutſcher Kaufmann des 16. Jahrhunderts. Von dem Herrn Rector Dr. Schädel: Briefe und Aufſätze von Göthe, aus den J. 1766— 1786. Herausgegeben von A. Schöll.— Ergänzung der Nachricht von Mich. Nean⸗ der's Geographie.— Hannov. Volksbote, 1858, Nr. 25 u. 26 über Mich. Neander. Von dem Herrn Rector Haage: Memoiren Alexander's v. Humboldt. Flav: Philostrati de arte gymnastica libellus. Recognovit, latine reddidit, illu- stravit C. H. Volckmar. Von dem Verfaſſer. Angeſchafft ſind für die Bibliothek: Erſch u. Gruber, Encyklopädie. Sect. 1, Th. 74,75 u. 80.— H. Stephani thesaur. linguae Graecae ed. Hase. Fasc. 63 u. 64.— Hesychii lexicon ed. M. Schmidt. tom. IV, 3— 7.— Nitſch, Beiträge zur Geſchichte der epiſchen Poeſie der Griechen.— Fr. Heim⸗ ſöth, die Wiederherſtellung der Dramen des Aeſchylus.— Derſelbe, die indirecte Ueberliefe⸗ rung des äſchyliſchen Tertes.— Aeschyli Agamemnon. ed. Nägelsbach— Eusebii ono- masticon. ed. Larsow et Parthey.— Horaz, Satiren u. Epiſteln. Lat. u. deutſch mit An⸗ merk. v. Döderlein.— Horat. ed. Peerlcamp.— Madvigii emendationes Livianae.— G. Curtius, griech. Etymologie.— Burſian, Geographie v. Griechenland. Bd. 1.— Fr. Hultſch, griech. u. röm. Metrologie.— Guhl u. Koner, Leben der Griechen u. Römer.— Lange, röm. Alterthümer. Bd. 2.— E. Munk, Geſch. d. röm. Literatur. 3 Bde.— Welcker, griechiſche Götterlehre. 2 Bde.— Fr. Diez, etymolog. Wörterbuch der romaniſchen Sprachen. — W. Müller, mittelhochdeutſches Wörterbuch II. Abth. 2. Lief. 1.— Hettner, Literatur⸗ geſchichte des 18. Jahrh. 3 Bde.— Wackernagel, Umdeutſchung fremder Wörter.— Scham⸗ bach, niederdeutſche Sprichwörter. Bb. 2.— Geibel, Gedichte. 3 Bde.— Gutz kow, dramat. Werke. Bd. 1— 12.— H. Heine, ſämmtliche Werke. Bd. 1— 16.— Schleicher, die deutſche Sprache.— Deutſche Bibliothek von H. Kurz. Bd. 1 u. 2.— W. Müller, Erzählungen eines rheiniſchen Chroniſten.— Aus dem Verlage von O. Spamer: Der große König u. ſein Rekrut; deutſches Flottenbuch; das alte Wunderland der Pyramiden; Hellas u. Rom; Kane, der Nordpolfahrer; Livingſtone's Erforſchungsreiſen im Innern Afrika's.— Rudolph, Ortslexikon. Lief. 1— 17.— Roß, Erinnerungen aus Griechenland.— Schneider, Italien in geograph. Lebensbildern.— Th. Mügge, Skizzen aus dem Norden.— J. G. Kohl, Geſch. der Ent⸗ deckung Amerika's— Gervinus, Geſch. des 19. Jahrh. Bd. 5 u. 6.— Fr. Kohlrauſch, deutſche Geſchichte. 2 Bde.— Häuſſer, deutſche Geſchichte. Bd. 1—5.— Guſt. Freytag, neue Bilder aus dem Leben des deutſchen Volks.— Alerx. Jung, Fr. Hölderlin u. ſeine Werke. — Aus Schleiermacher's Leben. 3 Bde.— L. Friedländer, Mittheilungen aus Lobeck' Brief⸗ wechſel.— Lebenserinnerungen und Briefwechſel von Fr. v. Raumer. 2 Bde.— B. G. Nie⸗ buhr, Brief an einen jungen Philologen.— Alex. v. Humboldt, Kosmos. Bbd. 5.— K. A. Schmidt, Encyklopädie des geſammten Erziehungs⸗ und Unterrichtsweſens. Bd. 3.— Holle Wandkarte v. Paläſtina. 24¾ Zeitſchriften: Philologus; neue Jahrbücher für Philologie u. Pädagogik; Zeitſchrift für das Gymnaſtal⸗ weſen; Archiv für neuere Sprachen; Germania; Blätter für literäriſche Unterhaltung; literariſches Centralblatt; Ausland; Sammlung der Geſetze ꝛc. für das Königreich Hannover. D. Ueberſicht der Lehrgegenſtände ſeit Oſtern 1862. I. Prima. Ordinarins der Director. Lateiniſch, wöchentlich 8 Stunden. Horat. Sat. I. I. Epist. I. II. Einige Epoden.— Tacit. Annal. XV., 47— XVI. Hist. I. Freie Aufſätze, Exercitien und Extemporalien. 6 St. Der Director.— Cicero's verriniſche Reden, die 4. und 5. Im letzten Vierteljahre aus⸗ gewählte Briefe Cicero's nach der Sammlung von Süpfle. 2 St. Subconrector Ruprecht. Griechiſch, wöchentlich 6 Stunden. Isocratis panegyricus. Euripidis Bacchae. Griechiſche Syntax, mit Exercitien nach Berger's Grammatik von§ 359 bis zu Ende. 4 St. Rector Dr. Schädel.— Sophoclis Electra. Thucydid. I. c. 89 bis zu Ende. 2 St. Collabo⸗ rator Dr. Müller. Hebräſch, wöchentlich 2 Stunden. 1. Abtheilung. Geleſen wurden Genes. 12— 35 mit Aus⸗ wahl. Uebungen im Leſen unpunktirter Stücke, Ueberſetzungen aus dem Deutſchen ins Hebräiſche nach Metzger's Hebräiſchem Uebungsbuch für Anfänger. 2 St. Conrector Hahmann. Deutſch, wöchentlich 3 Stunden. Kritik der Aufſätze nebſt ausführlicher Beſprechung der The⸗ mata. Redeübungen und Declamationen. Die wichtigſten Erſcheinungen der Literaturgeſchichte vor der Reformationszeit bis in die erſte Hälfte des 18. Jahrhunderts. Rector Dr. Schädel. Franzöſiſch, wöchentlich 2 Stunden. Grammatik nach Knebel. Thèmes aus dem Uebungs⸗ buch von Probſt, Th. II.— Lectüre: Scribe, le verre d'eau.— Corneille, le Cid. Col⸗ laborator Schorkopf. Engliſch, wöchentlich 2 Stunden. Jacobite plots.(Aus Macaulay's history of England, herausgegeben von Robolsky.) Shakespeare, the merchant of Venice. Collaborator Schorkopf. Religion, wöchentlich 2 Stunden. Die Wendepunkte der Kirchengeſchichte bis auf die neueſte Zeit, nach Beck's Lehrbuch. Kirchenrath Dr. theol. Redepenning. Geſchichte, wöchentlich 3 Stunden. Wiederholung der römiſchen Geſchichte von der Eroberung Roms durch die Gallier, darauf die aſtatiſchen und afrikaniſchen Staaten bis auf Cyrus. 1 St. Neue Geſchichte von der franzöſiſchen Revolution bis auf die Gegenwart nach Dittmar's Weltgeſchichte im Umriſſe. Geſchichte der Lande Braunſchweig und Lüneburg, 25 nach Volger's Leitfaden bei dem Unterrichte in der Hannov.⸗Braunſchweig. Geſchichte. 2 St. Conrector Hahmann. Mathematik, wöchentlich 3 Stunden. Ebene Trigonometrie; Anfangsgründe der Stereometrie; einige Sätze von der Parabel. Rector Haage. Phyſik, wöchentlich 2 Stunden. Im Sommer: von der Wärme, Meteorologie. Im Winter: Statik und Mechanik der feſten Körper nach dem Lehrbuche von Koppe. Rector Haage. II. Oberſecunda. Ordinarius Rector Dr. Schädel. Lateiniſch, wöchentlich 9 Stunden. Horat. Carm. I.— IV. mit Auswahl. 2 St. Der Di⸗ rector.— Livius: ausgewählte Stellen aus B. 28 u. 29 und B. 1 Cap. 1— 28.— Cicero: die vier Reden gegen Catilina.— Evxercitien, mündliche Ueberſetzungen und Extem⸗ poralien nach Hottenrott's Aufgaben. 7 St. Rector Dr. Schädel. Griechiſch, wöchentlich 6 Stunden. Hom. Ilias XVI. 492— XVIII. 467. 2 St. Rector Dr. Schädel.— Herodot VII. c. 138 bis zu Ende. Xenoph. Hellenica lib. I. u. II. Lysiae orat. in Agoratum. Soyntax nach Berger's Grammatik. Exercitien nach Blume's Anleitung. 4 St. Collaborator Dr. Müller. Hebräiſch, wöchentlich 2 Stunden. 2 Abtheil. Die Formenlehre vom Nomen bis zu Ende, nach Seffer's Elementarbuch der hebräiſchen Sprache. Geleſen wurden die Leſeſtücke 1—11 in Seffer's Elementarbuch. Conrector Hahmann. Deutſch, wöchentlich 2 Stunden. Aufſätze, Uebungen im freien Vortrage. Im Mhd. wurden die Nibelungen geleſen. Später Schiller'ſche Dramen. Subconrector Ruprecht. Franzöſiſch, wöchentlich 2 Stunden. Grammatik nach Knebel. Thémes aus Probſt, Th. II. — Lectäre: Molière, l'Avare. Lamartine, Voyage en Orient. Collaborator Schorkopf. Engliſch, wöchentlich 2 Stunden. Sketches of a Traveller aus W. Irving, herausgeben von Robolsky. Dickens, Sketches.— Collaborator Schorkopf. Religion, wöchentlich 2 Stunden, mit Unterſecunda zuſammen. Die Lehren von der Sünde und von der Erlöſung, wie von der Gerechtigkeit des Himmelreichs nach den vier Evange⸗ lien und dem Briefe an die Römer. Kirchenrath Dr. theol. Redepenning. Geſchichte, wöchentlich 2 Stunden. Geſchichte von Chriſti Geburt bis zur Reformation, nach Dittmar's Weltgeſchichte. Conrector Hahmann. Geographie, wöchentlich 2 Stunden. Aſten, Afrika, Amerika, Auſtralien, nach Daniel's Lehr⸗ buch der Geographie. Conrector Hahmann. Mathematik, wöchentlich 4 Stunden. Im Sommer: Fortſetzung der Arithmetik und Algebra. 3 St. Geometriſche Uebungen aus dem Gebiet der vorigen Klaſſe. 1 St. Im Winter: Fortſetzung der Planimetrie mit arithmetiſchen Uebungen und Anfangsgründe der ebenen Trigonometrie. Rector Haage. 4 23 III. Unterſecunda. Ordinarius Subconrector Ruprecht. Lateiniſch, wöchentlich 9 Stunden. Virgil. Aeneis. VII. und VIII. 3 St. Conrector Hahmann.— Curt. Rufi de gest. Alex. VII— X. 4 St. Grammatik nach Berger, Exercitien und mündliche Uebungen im Ueberſetzen nach Haacke's Aufgaben, Th. 3. 2 St. Subconrector Ruprecht. Griechiſch, wöchentlich 6 Stunden. Homer. Odyss. XX— XXIV. 2 St. Repetiton der Formenlehre und mündl. Ueberſetzen aus dem Deutſchen ins Griechiſche. 1 St. Subcon⸗ rector Ruprecht.— Xenoph. Anab. VII., 6 bis zu Ende und I., 1— 9. Exercitien aus Schmidt u. Wenſch. 3 St. Collaborator Schorkopf. Deutſch, wöchentlich 2 Stunden. Aufſätze, Uebungen im freien Vortrage und Declamiren. Mehrere Schiller'ſche Dramen wurden geleſen. Subconrector Ruprecht. Franzöſiſch, wöchentlich 2 Stunden. Grammatik nach Knebel. Thémes aus Probſt. Th. II. Lectüre: Souvestre, le philosophe sous les toits. Collaborator Schorkopf. Engliſch, wöchentlich 2 Stunden. Grammatik nach Callin. Lectüre: Die engl. Stücke wurden münd⸗ lich überſetzt und zum Theil auswendig gelernt; einige deutſche theils ſchriftlich, theils mündlich überſetzt. Daneben Stücke aus dem Leſebuche von Lüdecking Th. I. Collaborator Schorkopf. Religion, f. Oberſecunda. Geſchichte, wöchentlich 2 Stunden. Griechiſche und römiſche Geſchichte. Collaborator Dr. Müller. Geographie, mit Tertia zuſammen, wöchentlich 2 Stunden. Das Königreich Hannover, die Schweiz, Belgien, die Niederlande, Dänemark, die drei ſüdlichen Halbinſeln Europa's, nach Daniel's Lehrbuch. Conrector Hahmann. Mathematik, wöchentlich 4 Stunden. Im Sommer: Arithmetik und Algebra. 3 St. Geo⸗ metriſche Uebungen aus dem Gebiet der vorigen Klaſſe. 1 St. Im Winter: Planimetrie mit arithmetiſchen Uebungen. Rector Haage. IV. Tertia. Ordinarius Collaborator Dr. Müller. Lateiniſch, wöchentlich 9 Stunden. Ovid. Metamorph. ed. Siebelis. p. 112— 152. 2 St. Der Director.— Justini histor. ed. Hartwig. III— XII. Exercitien und mündliche Uebungen aus Oſtermann's Uebungsbuch für Tertia; Grammatik nach Berger. 7 St. Col⸗ laborator Dr. Müller. Griechiſch, wöchentlich 6 Stunden. Die regelmäßige Formenlehre nach Berger's Grammatik. Exercitien und mündliche Uebungen im Ueberſetzen nach Blume's Anleitung. 2 St. Aus⸗ gewählte Stücke aus Halm's griech. Leſebuche. 2 St. Subconrector Ruprecht.— Hom. Odyss. I. 2 St. Collaborator Schorkopf. r “ M— 27 Deutſch, wöchentlich 3 Stunden. Aufſätze, die ſich meiſt an die deutſche und lateiniſche Lectüre anſchloſſen. Wöchentliche Declamir⸗Uebungen. Zur Lectüre wurde Viehoff's Leſebuch für mittlere Klaſſen benutzt. Collaborator Dr. Müller. Franzöſiſch, wöchentlich 2 Stunden. Grammatik nach Knebel. héèmes aus Probſt, Th. I. Geleſen wurden einzelne Stücke aus der Chreſtomathie von Schütz. Collaborator Schorkopf. Religion, wöchentlich 2 Stunden. Einführung in die Bücher des alten Teſtaments mit Aus⸗ nahme der Propheten. Subconrector Ruprecht. Geſchichte, wöchentlich 2 Stunden. Ueberſicht der Geſchichte von den Perſerkriegen bis zu der franzöſiſchen Revolution, nach Kohlrauſch's Abriß der Weltgeſchichte. Conrector Hahmann. Geographie, ſ. Unterſecunda. Mathematik, wöchentlich 4 Stunden. Im Sommer: gemeines Rechnen. Im Winter: An— fangsgründe der Geometrie. 3 St. Rechnen, Decimalbrüche, Quadrat⸗ und Kubikwurzeln. 1 St. Rector Haage. Geſangunterricht. Die öffentlichen Geſangübungen wurden von dem Muſtkdirector Deppe in wöchen.n⸗ 2 Stunden geleitet. Schwimmunterricht. Unterricht im Schwimmen ertheilt der angeſtellte Badeaufſeher Stiez. — f — 28 Oeffentliche Prüfung. Wittwoch, den 25. März, Vormittags von 8—11 Uhr. Tertia: Lateiniſch. Collaborator Dr. Müller. Unterſecunda: Lateiniſch. Subconrector Ruprecht. Oberſecunda: Geographie. Conrector Hahmann. Tertia: Geſchichte. Conrector Hahmann. Donnerſtag, den 26. März, Vormittags von 8—11 Uhr. Prima: Lateiniſch. Director Aſchenbach. Tertia: Griechiſch. Collaborator Schorkopf. Oberſecunda: Lateiniſch. Rector Dr. Schädel. Unterſecunda: Engliſch. Collaborator Schork⸗pf. machmittags von 2—4 Uhr. Prima: Franzöſiſck⸗ Sollaborator Schorkopf. Unterſeeuuba: Mathematik. Rector Haage. Freitag, den 27. März. Vorleſung und Vertheilung der halbjährigen Schulzeugniſſe. Das neue Schuljahr beginnt am 20. April. Aſchenbach. Farbkarte 13 De. Programm au der nN S fentlichen Prüfung— der Zöglinge n Pädagogiums zu Zlfeld 25. und 26. März 1863 ‚het hochacht ungsvoll ein Aschanbach, Director. —= Inhalt: logiſche Erfahrungen und Grundſätze, von dem Collaborator Dr. R. Müller. 2 42 —————— Nordhauſen, Druck von Carl Kirchner. B 8.