PTOO9 —— 4 4 N— 8 188 AE —— MDEONFZICS7, 6 JAHRES-BERICHT DES K. K. DEUTSCHEN STAATS-GYMNASIUMS 2Z0 PILSEN FUR DAS SCHULJAHR 1912. 22 INHALT: DIE WALLENSTEIN-FRAGE. VON Dr. RAlMUND LISKA. SCHULNACHRICHTEN. V VOM DREKTOR. GD 8 1a. I VERLAG DES K. K. DEUTSCHEN STAATS-GVMNASIUMS. G 2, 1364-12. DRUCkINDUSTRIE A.-O. IN Pll.SEN. N — 1I Neunundfünfzigster JjAHRES-BERICHT des k. k. deutschen Staatsgymnasiums zu Pilsen für das Schuljahr 1912. INHALT: Die Wallensteinfrage. Von Dr. Raimund Liska. Schulnachrichten. Vom Direktor. Verlag des k. k. deutschen Staatsgymnasiums.— 1364-12. Druckindustrie-A.-G., Pilsen. Die Wallenstein-Frage. Vortrag, gehalten im Militär-Wissenschaftlichen Verein in Pilsen 1911. Von Dr. Raimund Liska. Wallenstein gehört unzweifelhaft zu den bekanntesten Gestalten der Weltgeschichte. Die über ihn existierende Literatur mit dem berühmten Drama Schillers an der Spitze füllt heute allein schon eine stattliche Bibliothek aus und wächst immer noch weiter an.„Des Stoffes ist gar zu viel, es ist ein Meer auszutrinken“, sagt der Dichter.„Die Ursache dieser auffallenden Er- scheinung liegt nicht allein in den ungewöhnlichen Schicksalen Wallensteins, in der Großartigkeit der Szenerie, aus der seine Persönlichkeit in gewaltigen Dimensionen hervorragt, und in der Tragik seines Falles“, sondern auch in der Richtung, welche die historische Forschung gerade in der Geschichte Wallensteins genommen hat. Dem allgemeinen Interesse entsprechend richtete sie sich vor allem auf die Entscheidung der Frage nach der Schuld oder Nicht- schuld des Ermordeten. So entstand die Wallensteinfrage, im wesentlichen also eine Schuldfrage und in dieser Form wurde sie eine„cause célèbre“, eine der umstrittensten Fragen der ganzen Weltgeschichte. Aus einem historischen Problem wurde ein Rechtsprozeß gemacht, bei dem zuerst in Ermangelung von direktem urkundlichen Beweismaterial und über alle Zweifel erhabenen glaub- würdigen Zeugen je nach ihrem subjektiven, häufig durch Politik, Religion oder Nationalität bestimmten Standpunkt einseitige Ankläger und einseitige Verteidiger einander schroff entgegentraten und dessen Resultat Schiller in die bekannten Worte kleidete: Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt schwankt sein Charakterbild in der Geschichte. Ein kurzer Rückblick auf die Haupterscheinungen der reichen Wallensteinliteratur, soweit sie die eigentliche Schuldfrage betrifft, wird dies lehren; zugleich wird sich aber dabei zeigen, daß mit dem zunehmenden urkundlichen Beweismaterial die Ankläger Wallen- steins allmählich die Oberhand gewinnen und der Prozeß immer mehr und mehr zu seinen Ungunsten entschieden wird. 3 Bald nach dem Egerer Blutbade trat in der breiteren Offentlichkeit all- mählich eine Reaktion zu Gunsten des Ermordeten ein. Es wurde bekannt, daß der General kurz vor seiner Ermordung freiwillig dem Kaiser seine Re- signation angeboten hat, daß das Suchen nach einer ihn kompromittierenden Korrespondenz, sowie das Verhör seiner in Haft genommenen Anhänger,„was die Hauptverschwörung betreffe“, resultatlos geblieben ist usw.; es erschienen ¹ Die Bibliographie der Wallenstein-Literatur enthalten von Zeit zu Zeit die Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, Prag 1878. 1910(2524 Nummern) und Zibrt, Bibliografie&eské historie, V. Bd., Heft 1, 8. 38— 133, Prag 1910. Neuestens sind erschienen: Elstér, Piccolomini-Studien, Leipzig 1911; Hallwich, Fünf Bücher Geschichte Wallensteins, 3 Bde., Leipzig 1910; Parnemann, Der Briefwechsel der Generale Gallas, Aldringen und Piccolomini im Januar und Februar 1634. Ein Beitrag zum Untergange Wallensteins, Berlin 1911. Histor. Studien, herausgegeben von Ebering, Heft XCII; Straka, Albrecht z Valdsteina a jeho doba. Auf Grund der Korrespondenz des Abtes von Strahov Kkaspar von Questenberg. Abhandlungen der böhm. Akademie der Wissenschaften kl. I., Nr. 44, Prag 1911. Der Vortrag beruht vor allem auf den Werken von Förster, Hallwich, Huber, Irmer, Lenz, Parnemann, Pekaf, Ranke, Ritter, Wittich, Zwidineck-Südenhorst. deutsche und italienische Flugschriften über den unerhörten, meuchlerischen und abscheulichen Mord in Eger. Dieser Umschlag der öffentlichen Meinung konnte der kaiserlichen Regierung nicht unbekannt bleiben, und als sogar die Witwe des mit Wallenstein ermordeten Grafen Kinsky einen Prozeß gegen die Mörder ihres Mannes anstrengte, beschloß man in Wien, eine Recht- fertigungsschrift herauszugeben. Zuvor erschien aber noch„Alberti Fridlandi perduellionis chaos“ eines unbekannten Verfassers, die erste Anklageschrift gegen Wallenstein. Die im Oktober 1634 in Wien herausgegebene Recht- fertigungsschrift führt den bezeichnenden Titel: Ausführlicher und gründlicher Bericht der vorgewesenen Friedländischen und seiner Adhärenten abscheulichen Prodition; sie wurde im kaiserlichen Auftrage von dem eichshofrat Dr. Pryklmaier verfaßt. Bald darauf konnte eine andere Anklageschrift ver- öffentlicht werden. Bei dem sogenannten Tréka'schen Prozeß, dem Verhör der Beamten des mit Wallenstein verbündeten und mit ihm gefallenen Ge- nerals Grafen Adam Tréka, welches sehr gravierendes Material brachte, stellte es sich heraus, daß der Hauptunterhändler zwischen Wallenstein und den Fein- den des Kaisers ein böhmischer Emigrant namens Jaroslav Sezyma Rasin von Riesenburg gewesen war. Dieser wurde von der kaiserlichen Regierung gewonnen und im Jahre 1635 erschien ein von ihm verfaßter„Gründlicher und wahrhaftiger Bericht“ über die von ihm im Auftrage Wallensteins geführten Verhandlungen mit den Feinden des Kaisers in den Jahren 1630—34. Die Ver- teidiger Wallensteins wollen allen diesen Anklageschriften, insbesondere aber der wichtigsten von ihnen, dem Rasin'schen Berichte, jegliche Glaubwürdigkeit absprechen, allein gerade er wurde durch neuere archivalische Funde in seinen wesentlichen Punkten bestätigt und blieb bis zu unserem Jahrhundert die Grund- lage der meisten späteren Biographien Wallensteins. Bald nach 1635 benützte den Rasin’schen Bericht, sowie die kaiserliche Rechtfertigungsschrift Khevenhiller in seinen großen Annales Ferdinandei, wäh- rend die anderen zeitgenössischen Geschichtschreiber, wie der Verfasser des Theatrum Europäum, Chemnitz, in seiner Geschichte des schwedischen Krieges und andere Rasin nicht kennen. Bemerkenswert aber ist, daß auch diese letz- teren, auf den besten offiziellen Quellen beruhenden Geschichtswerke sowie die gleichfalls zeitgenössischen Memoiren Richelieus und Feuquières, des französi- schen Gesandten in Deutschland in der Zeit des dreißigjährigen Krieges, kaum einen Zweifel daran aufkommen lassen, daß sie an die Treue Wallensteins zum Kaiser nicht geglaubt haben. Eine ganz hervorragende Stelle in der Wallensteinfrage nimmt Schiller ein mit seinem berühmten Wallenstein-Drama und seiner Geschichte des dreißig- jährigen Krieges. Man muß sagen:„In Schiller hat Wallenstein seinen Homer gefunden“ und ohne das Schiller'sche Gedicht hätte die Wallensteinfrage niemals ihre tatsächliche Popularität und Bedeutung erlangt.„Schiller hat mit der Ein- gebung des Dichters den Charakter Wallensteins schon vor mehr als hundert Jahren so sicher erfaßt, wie es alle historische Kritik seither nicht besser zu machen imstande war. Das Maß, mit dem er den merkwürdigen Kriegs- und Staatsmann gemessen, war größer als er es verdiente, aber was das innere Wesen, was das Verhältnis von Willen und Handlung betrifft, hat er ihn ganz und voll erkannt.“ Er kommt zu dem Resultate, daß„Wallenstein rebellierte, weil er fiel und nicht, daß er fiel, weil er rebellierte,“ d. h., daß es seine Gegner waren, die ihn gegen seinen Willen in die Arme der Feinde trieben. Schiller hat ebenso wie die mit ihm glechzeitigen Geschichtschreiber Wallensteins Herchenhahn und Murr den Rasinschen Bericht gekannt und benützt. Der erste namhafte Verteidiger Wallensteins zu Beginn des 19. Jahr- hunderts ist Förster, der in mehreren Werken die Unschuld seines Helden zu erweisen sucht. Rasins Bericht ist nach ihm ein großes Lügengewebe, Wallen- steins Verhandlungen mit den Feinden waren nur auf deren Täuschung berechnet, seine wahre Absicht war die Herbeiführung eines gerechten Friedens; er fiel schließlich als Opfer spanisch-iesuitischer Ränke am Wiener Hofe. Försters Auf- fassung blieb für alle späteren Apologeten Wallensteins maßgebend. Sein Ver- dienst ist, eine Fülle von neuem, wichtigen Material aus zahlreichen deutschen und österreichischen Archiven gesammelt zu haben. Försters liberal-protestantischer Standpunkt veranlaßte die beiden katho- lischen Geschichtschreiber Aretin und Hurter auf Grund eines von ihnen beson- ders in München und Wien gefundenen reichen und gravierenden Urkunden- materials als Ankläger Wallensteins aufzutreten. Ihnen folgten Roepell, Helbig, Dudik und andere. Zu den Anklägern des Herzogs von Friedland muß auch Ranke, der Alt- meister deutscher Geschichtschreibung, mit seiner Geschichte Wallensteins zuge- Zählt werden; freilich legt auch er, ähnlich wie Schiller, dem Verrate Wallen- steins mehr ideale politische Motive unter. Rankes Werk bedeutet in der Wallensteinfrage insofern einen Fortschritt, als er zum erstenmale die Lösung des Problems im Rahmen der großen europäischen Politik versucht hat. Nach Förster nahmen den Standpunkt einer grundsätzlichen Verteidigung Wallensteins die beiden deutschböhmischen Historiker Hallwich und Schebek ein; das höchste Ziel ihrer Forschungen bildete und bildet geradezu eine Glori- fizierung Wallensteins. Hallwich veröffentlichte besonders in seinem Hauptwerke: Wallensteins Ende, 1879, eine überaus große Menge von neuem Material für die Geschichte der Jahre 1633 und 1634, kam dabei aber zu dem merkwürdigen Schluß, daß, weil darin für seinen Helden seiner Ansicht nach nichts Belastendes vorkommt, auch seine Treue gegen den Kaiser damit erwiesen sei. Dabei darf aber nicht über- sehen werden, daß wenige Jahre später gerade in den Archiven, die Hallwich eingehend benützt hat, von anderen Forschern noch bedeutendes Material zur Belastung Wallensteins gefunden wurde. Der von Hallwich angekündigte dritte Band seiner Publikation, der unter dem Titel„Wallensteins Verrat“ schon 1883 hätte erscheinen und alle Widersacher des Herzogs vernichten sollen, ist bis heute, also nach 30 Jahren, noch nicht erschienen. Statt dessen gab Hallwich Ende 1910 drei mächtige Bände heraus mit dem Titel: Fünf Bücher Geschichte Wallensteins, wo er aber nur bis zum Jahre 1620 gelangt, folglich für die Lösung der Schuldfrage wenig beitragen kann. Die für die letztere wichtige Zeit von 1630— 34 soll später in noch 2 weiteren Bänden behandelt werden. Interessant sind aber schon jetzt die Worte Hallwichs, mit denen er selber das Resultat seiner neuesten Forschungen über Wallenstein zusammenfaßt(5 Bücher Gesch. Wallensteins, III. Bd.„Zum Geleite“).„Die es am besten mit ihm(Wallenstein) meinten,“ schreibt er,„sSeine sogenannten Retter, waren beflissen, einen UÜber- menschen aus ihm zu machen. Ich habe, wie ich nicht leugnen kann, Derartiges an ihm nicht entdeckt. Nicht ein Dämonisches noch weniger ein Diabolisches. aber auch nicht ein UÜbermenschliches. Ich suchte in ihm den Menschen und in dem Menschen ein Herz und eine Seele; nicht mehr, nicht weniger. Ob ich ge- funden, was ich gesucht? Das mögen andere entscheiden.“ Das klingt etwas ge- heimnisvoll und wenig zuversichtlich! Hallwich hat der Erforschung der Ge- schichte Wallensteins fast sein ganzes Leben gewidmet und eine Unmasse von vielfach neuem Urkundenmaterial— er selber zählt 23.000 Akten— in muster- gültiger Weise herausgegeben. Schebek mit seiner Lösung der Wallensteinfrage und anderen Schriften treibt mit Wallenstein einen förmlichen Kult, vergleicht ihn mit Bismarck und versteigert sich schließlich zu der dithyrambischen Phrase:„Des Verrats ent-— kleidet, entsteigt wie eine Lichtgestalt der Held den Nebeln, in die seine Ge- schichte gehüllt worden ist.“ Seine historische Kritik hält eben mit seinem Eifer und Fleiß nicht gleichen Schritt. In die Fußtapfen Hallwichs und Schebeks trat zuletzt noch Schweizer, die Wallensteinfrage in der Geschichte und im Drama, 1899. Gegen diese Art von Geschichtsschreibung ist unterdessen schon ein Rück- schlag eingetreten. Sehr verdienstvoll und fördernd erwiesen sich hiebei die teilweise auf neu gefundenen Urkunden beruhenden zahlreichen Arbeiten Wittichs, wichtig be- sonders für das Verhältnis Wallensteins zu den Spaniern. Dagegen sind die angekündigten und mit Spannung erwarteten Enthül- lungen Gindelys, namentlich aus den spanischen und französischen Archiven, wahrscheinlich infolge des Ablebens des Forschers bis jetzt unterblieben. In seinem zweibändigen Werk: Waldstein während seines ersten Generalats(1625 — 30) vertritt aber dieser heftigste Gegner Hallwichs die in der Wallensteinfrage ganz neue Ansicht, der General sei schon während dieser Zeit zum Verräter am Kaiser geworden. Gründlich und wohl für immer abgetan wurde die Auffassung Hallwichs und Schebeks durch die ausgezeichneten kritischen Arbeiten Hildebrands, Wallen- stein und seine Verbindungen mit den Schweden, 1885, Gädeke, Wallensteins Verhandlungen mit den Schweden und Sachsen, 1885, und andere Abhandlungen desselben Verfassers, Lenz, Zur Kritik Jaroslav Sezyma Rasins, 1888, besonders aber durch die große und schöne Publikation des ehemaligen preußischen Staats- archivars Irmer, Die Verhandlungen Schwedens und seiner Verbündeten mit Wallenstein und dem Kaiser 1631— 1634, 3 Bände 1888— 91, das Standard-Werk der Literatur zur Wallensteinfrage. Alle diese Arbeiten haben eine Fülle neuen Wallenstein belastenden Materials aus den schwedischen und sächsischen Archiven gebracht; sehr wertvoll sind die archivalischen Funde Irmers in Hannover und seine Herausgabe der Protokolle über die gerichtliche Unter- suchung gegen die Anhänger Wallensteins in Wien. Außerdem enthält sehr wichtiges Material Irmers Biographie des sächsischen Generalleutnants Hans Georgs v. Arnim, des Hauptvertrauten Wallensteins bei dessen Verhandlungen mit den Feinden, 1804. Schön und wichtig ist auch das Werk des Franzosen Fagniez, Le père Joseph et Richelieu, 2 Bände, Paris 1894. Wertvolle, aber leider wenig beachtete Werke zur Wallensteinfrage er- schienen in tschechischer Sprache. So neben der älteren Schrift Dvorskys, Historische Belege zu den Plänen Albrechts von Wallenstein und seiner Ver- bündeten insbesondere Pekaf, Geschichte der Waldstein'schen Verschwörung 1630— 34, Prag 1895, das bedeutendste darstellende Werk zur Wallensteinfrage. Pekaf hat auf Grund des gesamten bis jetzt veröffentlichten Urkunden- materials und der übrigen Literatur zur Wallensteinfrage zum erstenmale eine allseitige Lösung des Problems unternommen und ist dabei zu neuen, von der bisherigen Auffassung vielfach abweichenden Resultaten gelangt. Darnach wird man fortan kaum mehr noch an der Ansicht festhalten können, Wallenstein habe während seines zweiten Generalates zunächst aus politischen Gründen als deut- scher Reichsfürst einen gerechten Frieden und für sich eine dominierende Stel- lung im Reiche herbeiführen wollen und sei erst durch die Machinationen seiner persönlichen Feinde des Kurfürsten Maximilian von Bayern und der spanisch- jesuitischen Partei am Wiener Hofe gegen seinen Willen in die Arme der Feinde getrieben worden: vielmehr ist der Herzog gleich nach seiner Absetzung in Regensburg im Jahre 1630 vor allem aus Rache und Herrschsucht zum Verräter am Kaiser geworden. Rasin ist ein durchaus glaubwürdiger Zeuge; ein volles Verständnis des Problems kann erst im Rahmen der böhmischen Geschichte der Zeit gewonnen werden. Ganz neu und überraschend ist die Ansicht Pekafs, die Wallensteinfrage sei eigentlich eine Arnimfrage. Arnim, der schlaue sächsische Feldherr und Staatsmann, habe im Sinne seiner und seines Kurfürsten Politik, einen dauernden Frieden herbeizuführen und dabei den ehrlichen Makler zu spielen, den Kaiser schonen und infolgedessen Wallensteins Pläne durch- kreuzen, ihn täuschen müssen. Indes wirken die für diese Ansicht angeführten Gründe nicht ganz überzeugend. Die beachtenswertesten Arbeiten zur Wallensteinfrage lieferte zuletzt Ritter: Wallensteins Untergang, 1906; und zusammenfassend auf Grund vieler Vorarbeiten: Geschichte des 30jährigen Krieges, 3. Band, 1908. In seinen Resul- taten berührt sich Ritter vielfach mit Pekaf. Günters Werk, Die Habsburger-Liga 1625—35, 1908, ist wichtig für die spanische Politik der Zeit, enthält aber vielfach haltlose Behauptungen. Eltsers Piccolomini-Studien, 1911, und Parnemanns Briefwechsel der Generale Gallas, Aldringen und Piccolomini im Jänner und Februar 1634, bringen nichts wesentlich Neues. Elsters Arbeit ist ein mißglückter Versuch einer Rein- waschung Piccolominis von dem Verrat an Wallenstein. Mit dem kritischen Uberblick über die wichtigsten Literaturwerke und Urkundensammlungen ist der jetzige Stand der Wallensteinfrage gegeben. Die vielerörterte Frage, ob Wallenstein ein Verräter gewesen sei, ist unbedingt zu bejahen und das Wesen des Problems besteht heutzeutage nurmehr in der Frage: Wie ist Wallenstein zum Verräter geworden? Und darüber, also über das„Wie“ seines Verrates, sind die Akten noch nicht geschlossen und werden es wahr-— scheinlich niemals sein, vor allem aus dem Grunde, weil das vorhandene Quellen- material noch große Lücken aufweist— viele Aktenstücke sind absichtlich be- seitigt worden— und weil, wie die letzten archivalischen Nachforschungen be- weisen, wenig Hoffnung vorhanden ist, daß sie jemals ausgefüllt werden könnten.“ Wie weit aber trotzdem die neueste Forschung ihrer Aufgabe, die Keime der Schuld Wallensteins aufzudecken und ihre Entwicklung bis zur Egerer Katastrophe klar zu legen, gerecht geworden ist, soll in den Hauptum- rissen gezeigt werden. Die Ansicht, daß Wallenstein schon während seines ersten Generalats (1625— 30) antikaiserliche Pläne verfolgt habe, läßt sich quellenmäßig nicht be- legen und entbehrt einer ausreichenden Motivierung; das ganze vorhandene, gravierende Material bezieht sich auf die Zeit von 1630—34, auf die Zeit nach der Absetzung Wallensteins zu Regensburg. Erst die Augusttage des Jahres 1630 führten eine völlige Anderung seiner bisherigen Stellung zum Kaiser herbei. Ein Mann von so cholerischem Charakter, von so großem, durch die bisherigen ¹ Vergl. Archivalien zur Neueren Geschichte ôsterreichs, I. Bd., I. Heft, Wien 1907, 2. und 3. Heft, Wien 1909. Erfolge bis zum Größenwahn gesteigerten Hochmut wie Wallenstein, mußte in einer unfreiwilligen Verabschiedung ohne Ehren einen unauslöschlichen Schimpf erblicken, der Sühne heischte. Die äußere Ruhe, die er dabei zur Schau trug, war erkünstelt; im Innern grollte er und schwor Rache dem Urheber seiner Ab- setzung, Maximilian von Bayern, aber auch dem Kaiser, der ihn fallen ließ. Motiviert er doch seine antikaiserlichen Pläne später wiederholt mit dem ihm widerfahrenen Affront zu Regensburg und schwört,„êer wolle alles dahin dirigie- ren, daß der Kaiser mit seinem ganzen Hause soll schmerzlich sehen und em- pfinden, daß er einen Kavalier affrontiert hat.“ Es ist wirklich schwer zu glauben, daß ein Mann von so brennendem Ehrgeiz und so großen, auf gewal- tiger materieller Macht beruhenden Aspirationen wie Wallenstein sich fortan ruhig in die Rolle eines müßigen Zuschauers hineingefunden hätte. Ging es nicht mit dem Kaiser, so wollte er nun, schwer beleidigt, rücksichtslos gegen denselben seine hochliegenden Pläne realisieren. In der Tat hören wir noch im Jahre 1630 von Verbindungen Wallensteins mit den Feinden des Kaisers. Allein infolge der Lückenhaftigkeit des OQuellen- materials erfahren wir nichts Näheres darüber. Eine vielsagende Tatsache kommt dabei aber doch zum Vorschein. Als Vermittler bei den Verhandlungen treten auf: Graf Adam Tréka(Schillers Terzky), Wallensteins Schwager, Graf Matthias Thurn, der alte Erzrebell gegen den Kaiser und der uns bekannte Rasin. Später kommt dazu noch Graf Wilhelm Kinsky, auch ein Verwandter des Herzogs und andere mehr. Alle diese Männer gehörten dem Kreise der böhmischen Malkontenten und Emigranten an, die im geheimen und offen, im Dienste der Feinde stehend, am Sturze des Hauses Habsburg und an der Wiederherstellung Böhmens, in den Zustand vor der Schlacht am Weißen Berge arbeiteten; auch die Frauen dieses Kreises nahmen daran teil, wie die alte Frau Magdalena, die Mutter des Grafen Tréka(Schillers Gräfin Terzky). Der Umstand nun, daß Wallenstein, auch später als kaiserlicher General, aus diesen Männern, deren Ziele ihm wohlbe- kannt waren, seine Vertrauenspersonen bei den Verhandlungen mit den Feinden wählte, wirkt jedenfalls sehr befremdlich. Für das Jahr 1631 sprechen die urkundlichen Quellen schon deutlicher. Gustav Adolf, der Schwedenkönig, bietet Wallenstein zum Zwecke einer Er- hebung gegen den Kaiser 12.000 Mann nebst 8 Geschützen sowie die Würde eines Vizekõnigs von Böhmen an, zieht aber dann dieses sein Anerbieten zu- rück, als der Sieg über Tilly bei Breitenfeld(September 1631) ihm die Herrschaft über Deutschland verschafft. Als er dann ein Jahr später im Lager bei Nürnberg mit Wallenstein, damals schon wieder kaiserlichem Oberbefehlshaber, von neuem anknüpfen will, lehnt dieser ab mit dem Hinweis, daß er dazu keine kaiserliche Vollmacht besitze. Weiteren Verhandlungen, heißt es, machte der Tod des Schwedenkönigs bei Lützen(November 1632) für immer ein Ende. Man wird wohl nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß die Hauptursache des Scheiterns der Verhandlungen zwischen Gustav Adolf und Wallenstein die Rivalität der beiden Männer gewesen ist. Dies bestätigt auch ein etwas drastischer Aus- spruch Wallensteins:„Zwei Hähne vertragen sich nicht auf einem Miste.“ Haben die ersten Verhandlungen des Herzogs mit den Schweden keinen Erfolg gehabt, so bot sich ihm fast zu gleicher Zeit eine vortreffliche Gelegen- heit, mit einem anderen Feind des Kaisers anzuknüpfen. Schon im Frühjahr des Jahres 1631, besonders aber nach der Niederlage Tillys bei Breitenfeld im September d. J. war Kaiser Ferdinand II. fest ent- schlossen, Wallenstein, den er auch nach dessen Entlassung als seinen„General- oberstfeldhauptmann“ in allen wichtigen diplomatischen und militärischen Ange- legenheiten zu Rate zog, wieder zu berufen. Er bat ihn wiederholt brieflich das Generalat wieder zu übernehmen und beauftragte zugleich die beiden besten Freunde des Herzogs, den Fürsten Eggenberg, einen seiner ersten Ratgeber, und den Hofkriegsrat OQuestenberg(bei Schiller Wallensteins Feind) deshalb mit ihm zu verhandeln. Wallenstein ließ sich, wie begreiflich, zunächst lange bitten, übernahm aber dann doch im Oktober 1631 die ihm übertragenen Friedensver- handlungen mit den Sachsen, die nach der Schlacht bei Breitenfeld unter Arnim in Böhmen eingefallen waren und sich Prags bemächtigt hatten; daß Wallen- stein sie gerufen habe, ist nicht nachzuweisen. Nachdem dieser zuvor endlich seine Bereitwilligkeit auch zur abermaligen Ubernahme des Generalats erklärt hnatte, kam er nach vorheriger Verabredung am 30. November 1631 in dem Tréka'schen Schlosse Kaunitz bei Böhmisch-Brod mit Arnim, seinem ehemaligen Offizier und von nun an seinem Intimus, zwecks Friedensverhandlungen zusam- men. Nach den Mitteilungen Wallensteins an den Kaiser, hätte er dabei Arnim nur gefragt, ob Sachsen den Frieden wolle. Nach den offiziellen sächsischen Berichten, die zu den wichtigsten Dokumenten in der Wallensteinfrage gehören, hat er indes selber folgende Friedensvorschläge gemacht: Aufhebung des Resti- tutionsdekretes und Wiederherstellung der kirchlichen und politischen Verhält- nisse im Reich und in Osterreich, wie sie vor dem Kriege, also 1618, bestanden hatten. Böhmen, jetzt ein Erbreich der Habsburger, sollte wieder ein Wahlreich werden, die Pfalz und die konfiszierten Güter, auch diejenigen, welche er selbst erworben hatte, sollten ihren früheren Besitzern restituiert werden. Diese Friedensvorschläge gewähren einen tiefen Einblick in die eigent- lichen Pläne Wallensteins. Sie bedeuten für den Kaiser den Verlust alles dessen, was er nach langem, schweren Kampf errungen hatte und es ist klar, daß er sie nur nach einer völligen Niederlage oder gezwungen annnehmen konnte. Damit ist ihr antikaiserlicher Charakter gegeben; Wallenstein hat hier, wie man sieht, das Vertrauen seines Herrn in häßlicher Weise getäuscht. Die Kaunitzer Friedensvorschläge Wallensteins bilden den Ausgangspunkt und die Grundlage seiner Verbindungen mit Sachsen und dem mit diesem eng verbundenen Brandenburg. Sie kehren im wesentlichen in allen seinen Verhand- lungen wieder, die er mit Unterbrechungen bis zu seinem Lebensende mit diesen beiden Mächten führte und die in der zweiten Hälfte des Jahre 1633, während seines schlesischen Feldzuges, ihren Höhepunkt erreichten. Der antikaiserliche Charakter der ganzen Verhandlungen Wallensteins mit Sachsen und Branden- burg steht somit fest. Im Jahre 1633 nahm Wallenstein auch die im Sommer 1631 abgebrochenen Verbindungen mit Schweden wieder auf. Der Hauptzwischenträger war dabei neben Tréka, Thurn und Rasin der Herr von Bubna, böhmischer Emigrant und königlich schwedischer Generalwachtmeister. Mit diesem Manne, den er von Jugend auf gut kannte, hatte der Herzog am 16. Mai 1633, unmittelbar vor seinem Aufbruch nach Schlesien, in seiner Hauptstadt Gitschin eine nächt- liche Unierredung, über deren Inhalt Bubna an den schwedischen Reichskanzler Axel Oxenstierna, den Leiter der schwedischen Politik nach dem Tode Gustav Adolfs, eine ausführliche Relation richtete. Darnach bot Wallenstein den Schwe- den dieselben Friedensbedingungen an wie den Sachsen in Kaunitz, d. h. die Wiederherstellung aller Verhältnisse in den Zustand vom Jahre 1618 und noch mehr, nämlich zur Erreichung dieses Zieles die Vereinigung der feindlichen 10 Armeen mit der kaiserlichen unter seinem Befehl. Dieser letztere Vorschlag kommt auch in den neuen Verhandlungen des Herzogs mit den Sachsen im Jahre 1633 vor. Wir haben hier eine Andeutung, wie er sich die Ausführung seiner Pläne dachte; ihre antikaiserliche Tendenz tritt immer deutlicher hervor. Die ausgezeichnete Relation Bubnas klärt noch über einen bei der notorischen Ländergier Wallensteins schier unglaublich klingenden Punkt seiner Kaunitzer Friedensvorschläge auf, nämlich über seine Bereitwilligkeit, zu Gunsten des Friedens auf die erworbenen konfiszierten Güter in Böhmen zu verzichten. Auf das Anerbieten der böhmischen Krone von Seite Bubnas bemerkte der Herzog: „Was die Kron, das wäre ein groß Schelmstück.“ Als ob ein Friede gegen den Kaiser nicht ein ebenso großes Schelmstück wäre! Faßt man die Antwort Wallensteins als eine verschleierte Zustimmung zu dem Anerbieten Bubnas, dann kann man allerdings verstehen, wie er auf seine Erwerbungen in Böhmen ver- zichten konnte. Außer mit Sachsen-Brandenburg und Schweden hat Wallenstein im Jahre 1633 noch mit Frankreich Verbindungen angeknüpft. Sie wunden in seinem Namen durch den Grafen Wilhelm Kinsky mit Fenquières, dem französischen Gesandten in Deutschland, geführt und hatten, obwohl in manchen Punkten noch dunkel, eine ausgesprochene antikaiserliche Tendenz. Bemerkenswert ist, daß Wallenstein von allen diesen seinen Verhand- lungen, von den französischen sowohl als auch von den schwedischen, zu welchen er keine kaiserliche Vollmacht besaß, nach Wien entweder gar nichts oder nur im allgemeinen berichtete, wie er das auch bei den Verbindungen mit Sachsen tat, für welche er wenigstens autorisiert war. So weit wären die Sachen klar; nun stellen sich aber Schwierigkeiten ein. Die bedeutendste davon besteht darin, daß die erwähnten Verhandlungen Wallensteins mit den Feinden im Jahre 1633 zwar alle dasselbe Ziel verfolgen — sie richteten sich alle gegen den Kaiser—, im übrigen aber, obwohl gleichzeitig geführt, unter einander in fast gar keiner Verbindung stehen, ja einander gegen- seitig aufzuheben scheinen; soviel Feinde, soviel selbstständige, von einander unabhängige Verhandlungsreihen. Sachsen mit Brandenburg einerseits und andererseits Schweden mit Frankreich bilden vor allem die beiden gesonderten Hauptgruppen; wird mit der einen verhandelt, so wird dabei die andere direkt oder indirekt ausgeschlossen. Dieser Umstand erscheint den Verteidigern Wallensteins so bedeutsam, daß sie mit Rücksicht darauf behaupten, der Herzog habe mit seinen Verhandlungen die Feinde nur täuschen wollen, um sie zu trennen und so leichter verderben zu können. Die Hinfälligkeit dieser Be- hauptung wird später gezeigt werden. Die Lösung der Schwierigkeit ist eine andere, allerdings keine leichte und sichere. Sie berührt nämlich die letzten, verborgensten Ziele der antikaiserlichen Politik Wallensteins, die Frage, wie er sich die endliche Ausführung seiner verräterischen Pläne dachte: wollte er durch seine Verhandlungen eine Koalition aller Feinde des Hauses Habs- burg in Europa zustande bringen oder wünschte er sich nur mit einem Teile derselben zu verbinden und mit welchem? Auf diese Frage, welche den Kern des Wallensteinproblems bilden, vermag die Forschung keine sichere Ant- wort zu geben und wird es kaum jemals vermögen, weil das vorhandene urkundliche Quellenmaterial in diesem Punkt vollkommen ungenügend ist und es wahrscheinlich auch bleiben wird. Was sie uns bietet, ist nur eine aller- dings wohlbegründete Annahme; dieselbe ist nur die notwendige Folge des von Wallenstein gewollten Friedens. 11 Es ist nur ganz natürlich anzunehmen, daß Wallenstein zur Ausführung seiner Pläne zunächst die Verbindung mit Sachsen und Brandenburg, den beiden mächtigsten deutschen Staaten, anstrebte, die ihm geographisch schon am nächsten standen und die er durch Arnim, seinen Hauptvertrauten, zu ge- winnen hoffen konnte. Arnim war es ja, von dem er zuletzt, als alles verloren schien, Seine Rettung erwartete. Mit Hilfe Sachsens und Brandenburgs, ihrer und seiner eigenen Armee, wollte er seinen Reichsfrieden diktieren und sich auch mit Schweden und Frankreich auseinandersetzen. Wie aber, wenn der Kaiser den Frieden nicht annahm und im Bunde mit Baiern und Spanien seinem General und dessen Verbündeten die Spitze bot? Für diesen Fall hat der Herzog seine Verbindungen mit Schweden und Frankreich angeknüpft; dann wollte er sich mit allen Feinden der Habsburger in Europa vereinigen, um seine Pläne doch zu verwirklichen und sich am Kaiser und seinem ganzen Hause zu rächen. Fassen wir alles zusammen, So müssen wir sagen: Mögen betreffs der endlichen Absichten Wallensteins seit seiner Entlassung zu Regensburg noch manche Schwierigkeiten und Unklarheiten, so namentlich über die Art ihrer Ausführung, obwalten, ihre antikaiserliche Tendenz steht fest und unhaltbar ist die Behauptung, er habe einen gerechten Frieden herbeiführen wollen und sei dazu als deutscher Reichsfürst berechtigt gewesen. Darüber äußert sich sehr zutreffend Irmer:„Man wird sich“, sagt er,„doch des wesentlichen Unterschiedes erinnern müssen, welcher zwischen den angestammten Reichs- fürsten und Wallenstein in seiner Stellung zum Kaiser bestand: sie waren Fürsten von Gottes Gnaden, Wallenstein dagegen von des Kaisers Gnaden. Der Herzog befand sich auch nach seiner Absetzung im Vollbesitz des kaiser- lichen Vertrauens und es läßt sich nicht wegleugnen, daß er dasselbe in häß- licher Weise getäuscht hat. Die Reichsfürsten von Gottes Gnaden sahen in dem Krieg gegen den Kaiser den letzten Verzweiflungskampf ums Evangelium und um die deutsche Libertät! Um solche ideale Güter und berechtigte Interessen handelt es sich bei Wallenstein keineswegs; es war ihm lediglich um die Befriedigung seines Ehrgeizes und vielleicht seiner Rachsucht zu tun. Nirgends findet sich bei ihm die Spur eines höheren politischen Gesichts- punktes“. Ganz hinfällig ist, wie schon bemerkt, die Annahme, Wallenstein habe durch seine Verhandlungen die Feinde nur täuschen wollen. Davon findet sich in dem ganzen Urkundenmaterial nicht die geringste Spur und es wäre doch sonderbar, daß er von dieser seiner geheimen Absicht gar niemand, nicht ein- mal dem Kaiser, Mitteilung gemacht hätte, um insbesondere das gegen ihn wachsende Mißtrauen in Wien mit einem Schlage zu beseitigen. Wallenstein, der große Staatsmann,„ein Bismarck“ nach seinen Verehrern, hätte müssen doch wieder sehr naiv gewesen sein zu glauben, es werde ihm möglich sein, alle die feindlichen Diplomaten und Staatsmänner, darunter einen Oxenstierna oder Richelieu, oder auch nur den abgefeimten Arnim hinters Licht zu führen. Die Feinde haben allerdings die Friedensvorschläge des Herzogs zulezt für lauter Betrug erklärt, als sie sahen, daß er immer im letzten Moment, wenn schon alles bis zum Abschluß fertig war, ohne stichhältigen Grund für sie, mit dem bloßen:„Es ist noch nicht Zeit“, zurücktrat. Dieses merkwürdige Be- nehmen Wallenseins, welches ihm schließlich alles Vertrauen der Feinde raubte und so wesentlich zu seinem Untergang beitrug, ist heute noch ein Rätsel. Sicher- lich aber hat es seinen Grund nicht darin, daß es dem Herzog bei seinen Ver- 12 handlungen mit den Feinden nicht Ernst war. Viel natürlicher ist die Annahme, daß es ihm im letzten Moment an dem notwendigen Mute gebrach, sich, wie auch die Feinde verlangten, offen gegen den Kaiser zu erklären, zumal er auch, wie es scheint, der Armee noch nicht sicher war. Uberhaupt macht sich in seinem Auftreten, seitdem er mit antikaiserlichen Plänen umgeht, ein starkes Schwanken bemerkbar; das gewagte Unternehmen scheint seine Kräfte zu übersteigen. Daher vielleicht auch die oben erwähnten Widersprüche in seinen Friedensverhandlungen mit den verschiedenen Feinden. Es kann aber noch auf einen Umstand hingewiesen werden, der bis jetzt noch zu wenig von der For- schung berücksichtigt worden ist, der indes, wie zahlreiche Belege beweisen, seine Entschlüsse stark beeinflußt hat— auf seinen astrologischen Aberglauben. Allein abgesehen von all dem haben wir einen vollgültigen Beweis dafür, daß es ihm bei seinen Verbindungen mit den Feinden Ernst war, in seiner Krieg- führung seit der Wiederübernahme des Generalats. Wallenstein übernahm das zweite Generalat provisorisch am 15. Dezem- ber 1631, definitiv Mitte April 1632. Die Bedingungen, unter denen dies ge- schah— ob schriftlich oder nur mündlich, wissen wir nicht—, waren, wie sich mit einiger Sicherheit feststellen läßt, folgende: 1. Wallenstein wird unumschränkter Feldherr, in absolutissima forma, So daß er allein über die Ernennung von Offizieren, die Generäle ausgenommen, über die Stärke und Führung der Armee entscheidet. Der Kaiser kann nur mit seiner Zustimmung Befehle an die Armee erteilen. Die ligistischen und spanischen Streitkräfte sind dem Herzog nicht untergeordnet. 2. Wird ihm gewährt der Nachlaß der auf den gekauften Konfiskations- gütern haftenden Schulden von 400.000 fl. und der pfandweise Besitz des Fürstentums Glogau bis zur Wiedereroberung von Mecklenburg oder eines anderen gleichwertigen Fürstentums im Reiche. 3. Bekommt er das Recht der Kriegskontributionen und Konfiskationen im Reiche und in den Erbländern. Die„plenipotentia belli et pacis“, das Recht zu Friedensverhandlungen bekam er nicht. Deshalb lehnt er die Frie- densverhandlungen mit Gustav Adolf bei Nürnberg mit der Begründung ab. er habe dazu keine kaiserliche Ermächtigung. Die Vollmacht, mit Sachsen zu verhandeln erhielt er, wie wir schon wissen, zwar schon vor der provi- sorischen UÜbernahme des Generalats, aber vorbehaltlich der kaiserlichen Ratifikation. Die Bedingungen des zweiten Generalats Wallensteins waren somit keineswegs so ungeheuer, um darin, wie es manchmal geschieht, die Haupt- ursache des späteren Konflikts zwischen dem Kaiser und seinem General und damit auch des Unterganges des letzteren erblicken zu müssen. Wirklich schwer war nur die Bedingung des unumschränkten Oberbefehles, allein diese hatte der General de facto auch schon während seines ersten Generalats ge- nabt und sie wurde ihm bewilligt, offenbar nur im Vertrauen auf seine Treue. Zur Charakterisierung der Kriegführung Wallensteins während seines zweiten Generalats, heben wir nur die Hauptmomente hervor. Seine erste Aufgabe war die Vertreibung der Sachsen aus Böhmen. Als Privatmann noch hatte er geraten, Prag anzugreifen, als kaiserlicher Ge- neralissimus verbietet er zunächst einen Angriff auf die Hauptstadt Böhmens, dann befiehlt er einen solchen, aber nur„wenn es ganz quittiert sein sollte“ (eigenhändig). Aber vielleicht wollte er die Sachsen wegen der angebahnten Friedensverhandlungen schonen. Dann hätte er es doch nach Wien berichten 13 müssen, wo man über sein Vorgehen nicht wenig erstaunt war. Schließlich läßt er mit seiner mehrfachen UÜbermacht die Sachsen, ein paar Tausend elender Truppen, ohne jeden Schaden aus Böhmen entweichen. Uber eine solche Art von Kriegführung urteilte Gustav Adolf, sicher der kompetenteste Richter in militärischen Dingen von damals, gewiß richtig wenn er sagte: „Wenn man die Kriegführung in Böhmen betrachtet, so steigen einem die Haare zu Berg“. Gegen den Schwedenkönig verspricht Wallenstein dem Kurfürsten von Bayern auf dessen dringende Bitten eine entsprechende Hilfe, den Befehls- habern dieser Hilfstruppen verbietet er aber zu helfen. So wird das ligistische Heer unter Tilly bei Rain am Lech geschlagen und im Mai 1632 zieht Gustav Adolf in München ein; der Weg nach Wien steht offen. Der Tag der Rache an Maximilian von Bayern für Regensburg war gekommen. Endlich zieht Wallenstein, nachdem er sich zu Eger mit dem Heere der Liga unter Maximilian vereinigt hatte, ins Reich hinaus, um mit seinen minde- stens 50.000 Mann den kaum 15.000 Mann zählenden Feind— nicht anzu- greifen, sondern wie dieser bei Nürnberg-Fürth ein festes Lager zu beziehen, hier sieben Wochen lang untätig zu liegen, bis der Schwedenkönig, durch Her- anziehung von Verstärkungen ihm an Truppenzahl gleich geworden, ihn aller- dings ohne Erfolg angreift und dann nach dem Süden zur Donau zieht. Wallenstein wartet noch 5 Tage lang, bis der Feind hübsch weit ist, zieht dann auch ab, aber in entgegengesetzter Richtung, gegen Norden, nach Sachsen, um dort zu überwintern, wird aber, nachdem er sich durch die Absendung Pappenheims muit einer Heeresabteilung gegen Halle geschwächt hat, plötzlich von Gustav Adolf bei Lützen(16. November 1632) zur Schlacht gezwungen und trotz des rechtzeitig herbeieilenden Pappenheim, welcher fällt, und trotz des Todes des schwedischen Königs geschlagen. Mit Hinterlassung der ganzen Artillerie führt er darauf die Trümmer seiner Armee nach Böhmen zurück, um hier, mit der Reorganisation der Armee beschäftigt, den ganzen Winter 1632/33 zu bleiben, während die Feinde draußen im Reich stete Fortschritte machen. Erst im Mai 1633 bricht Wallenstein mit einer Armee von mehr als 40.000 Mann der besten Truppen,„lauter schönem und gut ausgerüstetem Volk“, wie Augenzeugen berichten, wieder ins Feld auf, aber nicht ins Reich gegen die Hauptstadt der Feinde, sondern über Gitschin und Königgrätz nach Schlesien gegen einige Tausend Sachsen, Brandenburger und Schweden unter seinen alten Bekannten Arnim, Thurn und anderen. Prahlerisch läßt er sich vernehmen,„die Zeit der Verhandlungen sei nun vorbei, der Kaiser werde jetzt die Sachen mit den Waffen entscheiden. Er wolle gleich auf den Feind gehen, bis Mitte Juni mit ihm in Schlesien fertig werden, um sich dann nach dem Reiche zu wenden, wodurch allen Sachen geholfen werde“. Da, gerade im Juni 1633, wurde die Welt überrascht— durch die Nach- richt von dem Abschluß eines Waffenstillstandes in Schlesien. Es begann die Zeit der eifrigsten Verhandlungen Wallensteins mit den Feinden in den früher erörterten Richtungen, vor allem durch die Vermittlung Arnims. Der Waffen- stillstand wurde immer erneuert und so ruhten die Waffen bis November d. J. fast vollständig. Nur einmal raffte sich Wallenstein zu einer größeren krie- gerischen Tat auf, indem er im Oktober bei Steinau mit Ubermacht einige Tausend Feinde, darunter auch Thurn, gefangen nahm. Aber auch diese Waf- fentat scheint nur durch besondere Umstände erzwungen worden zu sein. In Wien war man nämlich, da der General, wie gewöhnlich, über sein Tun ent- 14 weder gar nicht oder nur wenig berichtete, über seine Untätigkeit etwas stutzig geworden und schickte deshalb den Hofkriegsratspräsidenten Grafen Schlick zu ihm nach Schlesien auf Kundschaft, um ihn zu energischem Han- deln, namentlich zur Hilfeleistung an Bayern zu bewegen. Da wollte sich der Generalissimus offenbar einigermaßen rehabilitieren und fiel plötzlich über die Feinde her und nahm sie gefangen. Den alten Thurn entließ er aber mit Ge- schenken,„nicht als seiner Majestät Feind, sondern als seinen allerliebsten Freund“. Wie in Schlesien sollte nach dem Plane Wallensteins auch auf den anderen Kriegsschauplätzen nichts Entscheidendes gegen die Feinde unter- nommen werden. Bayern wurde von dem feindlichen Hauptheere schwer heimgesucht und damit waren auch die Erbländer bedroht; der Kurfürst bat flehentlich um Hilfe, der Kaiser Selber legte Fürsprache ein, aber Wallenstein blieb unerbittlich. Ahnlich verhielt sich Wallenstein anfangs auch gegenüber dem Ersuchen Philipps IV. von Spanien, seinen Feldherrn Feria, der auf dem Marsche nach den Niederlanden das hart bedrohte Breisach am Rhein entsetzen sollte, mit Truppen zu unterstützen. Und doch waren die Spanier bis jetzt immer seine Freunde gewesen. Sie wiedersetzten sich seiner Absetzung in Regensburg und wollten später sogar eine Million Gulden zahlen, wenn er wieder berufen würde. Endlich und zwar zur selben Zeit, da er die Schweden unter Thurn bei Steinau überfiel, gab er dem General Grafen Aldringen den Befehl, sich mit den Spaniern zu vereinigen und Breisach zu entsetzen. Am bedenklichsten aber erscheint das Benehmen Wallensteins bei Ge- legenheit des Angriffs der Schweden unter Bernhard von Weimar auf Regens- burg, fast das letzte bayrische Bollwerk, das noch einem Einbruch nach Oster- reich widerstand. Es ist begreiflich, daß nicht bloß der zunächst betroffene bayrische Kurfürst, sondern auch der Kaiser Wallenstein mit Hilfegesuchen bestürmte und endlich, weil dieser trotz aller Bitten nicht helfen wollte, notge- drungen zum erstenmal seinen Generalen selber direkt befahl, Bayern Hilfe zu leisten. Zwar wurde der Generalissimus von diesen Befehlen noch verständigt, aber ein folgenschwerer Konflikt zwischen dem Kaiser und seinem Feldherrn be- ginnt damit zu keimen. Wallenstein versicherte immer, um sein Benehmen zu rechtfertigen, der Feind wolle ihn durch sein Vorgehen an der Donau nur von Sachsen und Brandenburg abziehen, seine wahre Absicht sei, bei Eger in Böhmen einzufallen. Endlich teilte er dem Kaiser und dem Kurfürsten von Bayern mit, er habe Gallas befohlen, dem Feinde den Weg an der Donau zu verlegen, an Gallas schrieb er aber, sich von der böhmischen Grenze nicht zu rühren. Noch am 10. ja 12. November„wollte er seinen Kopf zum Pfand setzen, daß der Weimarer nach Böhmen wolle“; drei Tage später fiel Regensburg. Erst jetzt, als der Feind bereits im Vormarsch gegen Passau begriffen war, meldet Wallenstein dem Kaiser und dem Kurfürsten von Bayern die lang ersehnte Nachricht, daß„er Tag und Nacht eilen wolle, um dem von Weimar wiederum den Weg zurück zu weisen.“ Aber schon in Leitmeritz, wo er einen ganzen Tag stehen bleibt, drückt er sich etwas zurückhaltender aus, denn er will den Feind schlagen„dafern er denselben etwa deren Orten antreffe.“ In Pilsen, wo er vom 26. bis 28. November verweilt, beauftragt er den Grafen Trautmannsdorf nach Wien zu berichten, daß er die Winterquartiere wieder in Böhmen nehmen müsse, zuvor aber noch mit 100 Kompagnien der besten Reiterei, allen Kroaten und Dragonern, 1600 auserlesener Mann zu Fuß und 8 Geschützen gegen Strau- bing vorstoßen wolle,„wo sich der Feind befinden möchte.“ Noch am 30. Novem- 15 ber berichtet er an den bayerischen Reitergeneral Johann von Werth von seinen starken Tagreisen gegen den Feind, zu gleicher Zeit avisiert er aber Gallas,„er wolle sehen, wie er sich auf das eilfertigste werde zurückbegeben können.“ Und diesmal schrieb er die Wahrheit. Am 30. November in Furth i. W. an der böhmisch-bayerischen Grenze angelangt, macht er Halt und kehrt, obwohl der Kriegsrat seiner Offiziere sich für die Fortsetzung des Zuges ausgesprochen hat, nach Böhmen zurück; am 14. Dezember 1633 ist er bereits in Pilsen, wo er sein Hauptquartier aufschlägt und bis zu seiner Flucht nach Eger am 22. Februar 1643 verbleibt. So also war in ihren Hauptzügen die Kriegführung Wallensteins während seines zweiten Generalats. An und für sich betrachtet ist sie kaum verständlich, selbst unter Zuhilfenahme„von strategischen Fehlern“, dagegen im Zusammenhang mit seinen antikaiserlichen Plänen wohl besgreiflich, zumal Wallenstein einmal selber gesagt hat, er habe das Generalat wieder über- nommen, um seine Absichten desto besser ausführen zu können. Seine Verbin- dungen mit den Feinden waren demnach ernst gemeint, nicht bloß auf Täuschung berechnet. Den entscheidenden Beweis hiefür liefern die Handlungen Wallen- steins seit Mitte Dezember 1633. Die abermalige Verlegung der Winterquartiere in die Erbländer, besonders aber der plötzliche Rückzug des Generalissimus von Furth nach Böhmen wirkte in Wien wie ein Donnerschlag. Um ihn zur Anderung seiner Entschlüsse zu be- wegen, sandte der Kaiser den Hofkriegsrat Questenberg, den besonderen Günst- ling des Herzogs, zu ihm nach Pilsen, forderte ihn aber zugleich selber brieflich auf, unverzüglich gegen den Feind in Bayern ins Feld zu ziehen, indem er „praeter solitum stilum“, in ungewöhnlichem Ton, schrieb,„er wolle sich dessen unfehlbar versehen, es sei seine endliche Resolution“; man sieht, der schon lange keimende Konflikt zwischen dem Kaiser und seinem Feldherrn nimmt schärfere Formen an. Der UÜberbringer des kaiserlichen Schreibens Graf Trautmannsdorf sollte den Generalissimus, falls er selber gegen den Feind nicht ziehen wollte, zu überreden trachten, daß er wenigstens einen anderen fähigen General mit dieser Aufgabe betraue. Wallenstein ließ nun den kaiserlichen Brief samt der Instruktion Traut- mannsdorfs durch den Feldmarschall Ilow seinem Offiziersrat vorlegen, welcher in einem eigenen Gutachten die Forderungen des Kaisers in sehr scharfen Worten ablehnte. Dieses Vorgehen Wallensteins mußte begreiflicher Weise in Wien ein sehr böses Blut machen, aber vielleicht wäre noch eine friedliche Bei- legung des Konfliktes möglich gewesen, wenn der Herzog nicht gerade damals seinen ganzen Hochmut und Trotz in der rücksichtslosesten Weise hervorgekehrt hätte. Der Kaiser hatte dem General de Suys befohlen, mit seinen Truppen von Oberösterreich gegen den Inn vorzugehen, um Bayern zu helfen und diesen Be- fehl auch Wallenstein mitgeteilt. Dieser gab darauf de Suys dreimal nach ein- ander den schärfsten Gegenbefehl, Oberösterreich nicht zu verlassen und ließ außerdem Abschriften davon an die untergeordneten Offiziere des Generals schicken mit der strickten Weisung, sich darnach zu richten auch in dem Fall, wenn ihr Vorgesetzter die Anordnungen des Kaisers befolgen wollte. Der Kaiser wiederholte seinen Befehl, sein Generalissimus zweimal seinen Gegenbefehl; de Suys gehorchte schließlich dem letzteren. Der Konflikt erreichte damit seinen Höhepunkt und sucht wohl seinesgleichen in der ganzen Weltgeschichte. Wallen- stein handelte vielleicht noch in den Schranken seines absoluten Oberbefehls, aber im Rechte war er sicher nicht; eine stillschweigende Bedingung war dabei doch die, daß er im Interesse des Kaisers handelte. 16 Indem man nun Wallenstein doch soviel Einsicht zutrauen muß, daß er sich der Folgen dieser seiner Handlungsweise bewußt war, wird man zu der An- nahme gedrängt, daß er den Konflikt mit dem Kaiser absichtlich heraufbe- schworen hat, weil er nunmehr entschlossen war, seine durch dreijährige perfide Umtriebe vorbereiteten antikaiserlichen Pläne auszuführen. Dafür spricht der Umstand, daß er zur selben Zeit seine früheren, durch den Rückzug von Schle- sien abgebrochenen Verbindungen mit allen Feinden des Kaisers wieder auf- nimmt und jetzt endlich auch Vorbereitungen zur Gewinnung der Armee trifft. Schon vor Weihnachten 1633 bestellte Tréka den Grafen Kinsky, der sich in Dresden aufhielt, nach Pilsen,„da nun Wallenstein entschlossen sei, sich nicht bloß mit Sachsen und Brandenburg zu verakkordieren, sondern auch mit Schwe- den und Frankreich; man sein nun entschlossen, die Maske ganz abzulegen und mit Gottes Hilfe das Werk anzufangen.“ Kinsky möge auch Arnim oder dessen Offizier Franz Albrecht, Herzog von Sachsen-Brandenburg, mitbringen. Vor seiner Abreise hatte der Graf noch eine Audienz bei dem sächsichen Kurfürsten Johann Georg, benachrichtigte den französischen Gesandten Fenquières, sowie den alten Thurn und traf am 9. Jänner 1634 in Pilsen ein. In seiner Begleitung befanden sich neben seiner Frau Rasin und der Oberst Schlieff, ein Jugendfreund des Herzogs, welcher den Zwischenträger zwischen Pilsen und Dresden machen sollte. Der Herzog Franz Albrecht kam später, Arnim, den Wallenstein am sehnlichsten erwartete, sollte überhaupt nicht kommen. Die Hauptsache aber und die Grundbedingung des Gelingens aller Pläne war die Gewinnung der Armee, d. h. zunächst der Offiziere. Schon durch das erwähnte Gutachten über die Forderungen des Kaisers wurden die Offiziere unbemerkt in das Interesse Wallensteins gezogen, nun sollten sie offen und ganz an ihn gekettet werden. Gleichzeitig mit der Bestellung der hervorragendsten politischen Unter- hnändler nach Pilsen erging an alle Generäle und Regimentskommandanten der Armee der Befehl, sich am 9. Jänner 1634 zu einer Beratung im Hauptquartier einzufinden. Es waren allmählich 49 hohe Offiziere erschienen, darunter Picco- lomini, Gordon, Buttler; von den Generalen fehlten nur Gallas, Aldringen und Colloredo. Die berühmte große Versammlung Wallenstein'scher Offiziere in Pilsen stand bevor. Erst am 11. Jänner wurde sie in Vertretung des kranken Generalissimus vom Feldmarschall Ilow, einem seiner nächsten Vertrauten, eröffnet. In einer Ansprache an die Versammelten erinnerte Ilow an die Forderung des Kaisers betreffs der Erneuerung des Feldzuges gegen Bernhard von Weimar und machte dann die Mitteilung von einer neuen Forderung des Hofes an den Generalissimus, nämlich der Beistellung von 6000 Reitern zur Begleitung des Bruders des spanischen Königs nach den Niederlanden. Tatsächlich war der Kapu- Ziner P. Quiroga, Mitglied der spanischen Botschaft in Wien, mit einem solchen Gesuch und einem kaiserlichen Empfehlungsschreiben am 5. Jänner in Pilsen eingetroffen. Die Offiziere erklärten sich, wie schon früher in dem erwähnten Gutachten, ganz entschieden gegen die Forderungen des Wiener Hofes, wovon Wallenstein durch Ilow sofort verständigt wurde. Am Nachmittag desselben Tages hielt dann der Feldmarschall an die Offiziere eine Hetzrede gegen den Hof und die Feinde Wallensteins und machte zum Schluß die Mitteilung, der Generalissimus hätte die Absicht wegen der ihm angetanen Unbilden und Iniurien das Kommando niederzulegen. Die beabsichtigte Wirkung der Rede blieb nicht aus. Da die Obersten ihre Regimenter größtenteils zunächst auf 17 eigene Kosten aufgestellt hatten und nur von Wallenstein den Ersatz ihrer Aus- lagen erwarten konnten, rief diese Nachricht unter ihnen einen großen Schrecken hervor und es wurde sofort Ilow mit noch 4 Obersten als Vertretern der Offiziere zum Generalissimus geschickt, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Erst auf wieder- holte Bitten ließ dieser durch Ilow den Offizieren sagen, er wolle ihnen zu Liebe noch eine Zeitlang das Kommando behalten und sich ohne ihr Wissen und Wollen nicht von der Armee entfernen. Am folgenden Tage, den 12. Jänner, fand in der Wohnung Ilows das be-— kannte Bankett statt. Noch vor Beginn desselben machte der Gastgeber den Vorschlag, die Obersten möchten sich durch einen schriftlichen Revers auch ihrerseits dem Generalissimus zur unverbrüchlichen Treue verpflichten. Man stimmte dem Vorschlag bei, worauf von Ilow sofort ein von ihm und dem Ritt- meister Neumann, dem Sekretär des Herzogs, verfaßter Entwurf zu einem solchen Revers verlesen wurde. Die Offiziere verpflichteten sich darin bis zum letzten Blutstropfen ehrbar und treu zu ihrem General zu halten, und da Ilow noch beifügte,„Solange sie(Wallenstein) in seiner kaiserlichen Majestät Dienst verbleiben oder diese zu ihrer Dienstbeförderung sie gebrauchen werden“, S0 klang alles unbedenklich und die Offiziere waren zur Unterschrift bereit. Aber erst nachmittags, als die Köpfe durch reichen Weingenuß bereits stark erhitzt waren, wurde ein Revers, in welchem aber die eben angeführte Klausel fehlte, den Offizieren zur Unterschrift vorgelegt. Es entstand eine große Verwirrung. Trotz der allgemeinen Trunkenheit merkten viele den Trug und stellten Ilow zur Rede. Dieser entschuldigte sich damit, daß es ja schon im Texte heiße„zu Ihrer Majestät Diensten“ und suchte durch Hetzreden gegen den Hof die Aufmerk- samkeit von diesem Gegenstand abzulenken. Tréka sekundierte ihm dabei meisterlich. Allein viele ließen sich doch nicht täuschen und es kam zu erregten Auseinandersetzungen und wilden Szenen. Die Obersten Losy und Isolani be- kamen Händel mit einander, da jener die übrigen Hundsnasen nannte, Herzog Julius von Sachsen-Lauenburg, der Bruder Franz Albrechts, tobte im Wein- rausch gegen Jesuiten und Spanier und Tréka sprang zuletzt mit gezücktem Degen herum und drohte jeden in Stücke zu hauen, der nicht gut friedländisch wäre, worauf ihm Poccolomini zurief: o traditore, o, Verräter!, dann aber, um sich nicht zu verraten und den Eindruck eines Trunkenen zu machen, den Diodati ergriff und mit ihm herumtanzte. Es war eine volle Mette, wobei Ofen, Fenster, Stühle und Bänke zerschlagen und hinausgeworfen wurden. Endlich wurde der Revers von den Anwesenden, auch von Piccolomini, Gordon, Buttler, Isolani usw., unterzeichnet. Das ist der sogenannte erste Pilsner Schluß oder Revers vom 12. Jänner 1634. Am folgenden Tage, den 13. Jänner, entbot Wallenstein die Offiziere zu sich— er lag krank zu Bette— und erklärte ihnen, daß, weil sich bei der Unter- zeichnung des Reverses Schwierigkeiten ergeben hätten, er nun doch seinen Ab- schied nehmen müsse. Erst als die Offiziere ihn von neuem ihrer unwandel- baren Treue versichert und die turbulenten Szenen beim Bankett durch den reichen Weingenuß entschuldigt hatten, versprach er wieder zu bleiben. Noch am nämlichen Tage wurden noch mehrere Exemplare des Reverses angefertigt und unterzeichnet. Einige davon wurden bei den ältesten Obersten aufbewahrt, andere zur Sammlung von weiteren Unterschriften an die Truppen in Schlesien und Oberösterreich verschickt. Wallenstein glaubte nun der Armee sicher zu sein und um bei den Feinden denselben Glauben zu erwecken, und sie infolge dessen seinen Absichten ge- 18 neigter zu machen, wurden auch an sie Kopien des Reverses versendet. Bei den Feinden erreichte indes das Schriftstück, wie wir noch sehen werden, den beabsichtigten Zweck nicht, dagegen mußte es den Wiener Hof, dem es nicht mitgeteilt wurde, der aber begreiflicherweise nicht lange in Unkenntnis darüber bleiben konnte, zu einer ernsten Aktion gegen den Generalissimus veranlassen. Hatte sich doch dieser, indem er es unternahm, sich des Gehorsams der Armee auch für den Fall zu versichern, wenn der Kaiser ihn des Kommandos entsetzte, einer Handlung schuldig gemacht, die man nur als Verrat bezeichnen konnte.- Der erste Pilsner Schluß mußte in Wien als der erste Schritt zur offenen Revolte gegen den Kaiser angesehen werden. Die frühesten Anzeichen eines beginnenden Mißtrauens des kaiserlichen Hofes gegen Wallenstein reichen bis in den Herbst des Jahre 1633 zurück, wo, wie wir wissen, der Hofkriegsratspräsident Graf Schlick zu ihm nach Schlesien geschickt wurde, um ihn zu einem energischen Vorgehen gegen den Feind zu veranlassen und sein Benehmen auszukundschaften. In der Folgezeit wuchs das Mißtrauen des Hofes durch des Herzogs eigene Schuld immer mehr. Aber erst sein unerwarteter Rückzug von Furth und seine hartnäckige Weigerung, gegen den Feind in Bayern etwas zu unternehmen, wodurch der peinliche Konflikt wegen des Generals von Suys zwischen ihm und dem Kaiser entstand, ließen in Wien zuletzt den Gedanken seiner abermaligen Absetzung aufkommen. Zunächst äußerte ihn Ende 1633 der Kaiser selber, aber nur im Kreise seiner intimsten Rat- geber, erst seit Mitte Jänner 1634 drang er in die weiteren Hofkreise und konnte die Kunde davon auch nach Pilsen gelangen. Man kann also nicht behaupten, daß der Wiener Hof durch seine Aktionen, namentlich durch die Absicht, ihn wieder abzusetzen, Wallenstein in die Arme der Feinde getrieben habe. Ebenso wenig kann die Schuld an dem Untergang Wallensteins den Machi- nationen der spanisch-jesuitischen Partei am Wiener Hof gegen ihn zugeschrie- ben werden. Die Spanier waren, wie wir wissen, im Gegenteil schon 1630 gegen seine Absetzung gewesen und hatten sich später um seine Wiederberufung nach Kräften bemüht. Als dann der spanische Gesandte in Wien Marquis Castaneda über Wallensteins Taten nach der UÜbernahme des zweiten Generalats ungünstig berichtete, erregte dies in Madrid die größte Unzufriedenheit. Man schrieb die ablehnende Haltung des kaiserlichen Generalissimus gegenüber den spanischen Wünschen(Hilfeleistung an Feria) der Ungeschicklichkeit des Gesandten zu und Schickte im November 1633 den Grafen Onate als außerordentlichen Gesandten nach Wien mit dem ausdrücklichen Befehl, die früheren freundschaftlichen Be- Ziehungen Spaniens zu Wallenstein wieder anzubahnen und den Kaiser vor über- eilten Schritten gegen ihn abzuhalten. Onate handelte auch längere Zeit dar- nach. Erst als der Herzog anfangs Jänner 1634 dem Wunsche Spaniens nach UÜberlassung von 6000 Reitern für den Zug Don Fernandos, des Bruders Phillips IV., nach den Niederlanden nicht entsprochen hatte, stellte sich Oñate an die Spitze der Aktion gegen ihn. In dieser Zeit waren aber selbst die besten Freunde Wallensteins in ihrer Freundschaft für ihn schon längst wankend geworden.„Der Rückzug von Furth,“ sagt einer von ihnen, Fürst Eggenberg,„war das schädlichste, gefähr- lichste und unbedachtsamste Werk, so der Herzog jemals getan hat.“ Es ist begreiflich, daß Wallenstein bei seinen bekannten Charaktereigen- schaften und bei seiner hervorragenden Stellung auch persönliche Feinde und Neider hatte, die an seinem Sturze arbeiteten, So z. B. der Hofkriegsratspräsi- dent Graf Schlick oder Marquis de Grana(Caretto), aber die Hauptschuld an seinem Untergang trifft ihn selber. 19 Tatsache ist, daß erst die Nachrichten über die Vorgänge in Pilsen zwi- schen dem 11.—13. Jänner 1634 und den ersten Pilsner Schluß, welche zuerst vom General Aldringen und Dr. Navarro, dem spanischen Residenten bei Wallen- stein, nach Wien eingelangt waren, den kaiserlichen Hof zu energischen Maß- regeln gegen den Oberfeldherrn veranlaßten. Man hatte sich zu diesem Zwecke zuvor noch rechtzeitig der vornehmsten Generale Wallensteins: Gallas, Piccolomini und Aldringen versichert. Diese mußten ohne Zweifel allmählich selbst das Verdächtige der Handlungsweise ihres Oberfeldherrn erkannt haben. Uber ihre anfängliche Haltung weiß man nichts Sicheres, in der kritischen Zeit aber blieben sie dem Kaiser treu. Gallas und Aldringen waren überhaupt zu der großen Offiziersversammlung in Pilsen nicht erschienen und der letztere war, wie wir wissen, unter den ersten, welche über den Pilsner Schluß nach Wien berichteten. Piccolomini hatte wohl nur notge- drungen, wie schon angedeutet, um sich nicht zu verraten, den Revers unter- zeichnet, später aber ließ er gleichfalls alles, was er über die Pläne Wallen- steins wußte, nach Wien gelangen. So kamen die Generale der kaiserlichen Regierung, bei ihrem Bemühen sie zu gewinnen, auf halbem Wege entgegen. Am 24. Jänner 1634 wurde als Antwort auf den ersten Pilsner Schluß ein kaiserliches Patent ausgestellt, worin anstatt des gewesenen Generaloberstfeld- hauptmannes Wallenstein bis zur definitiven Verleihung des Generalats der Generalleutnant Graf Gallas zum Höchstkommandierenden der kaiserlichen Armee ernannt und den Offizieren, welche den Revers unterzeichnet hatten, ausgenommen Wallenstein und seine Anhänger, volle Amnestie zugesichert wird. Dieses erste Absetzungspatent wurde aber vorerst noch geheim gehalten und selbst Gallas, Piccolomini und Aldringen erfuhren davon zunächst nichts; viel- leicht hoffte man noch auf eine friedliche Lösung des Konfliktes. Erst Ende Jänner 1634 wurde das Patent durch einen eigenen kaiserlichen Abgesandten den gewonnenen Generalen mitgeteilt, zugleich aber auch schon im Namen des Kaisers die Exekution gegen Wallenstein aufgetragen. Von diesem ganzen Vorgehen des Hofes gegen ihn hatte Wallenstein keine Ahnung. Er hatte, wie bekannt, den Revers nicht nach Wien geschickt, dafür meldete er aber die Ankunft Kinskys und Franz Albrechts in Pilsen, sprach die Hoffnung aus, daß auch Arnim kommen werde, und erbat sich den kaiserlichen Rat Dr. Gebhardt als Assistenten bei den beginnenden neuen Friedensverhand- lungen. Freilich verhandelt er aber dann mit den Vertretern der Feinde allein ohne Zuziehung des kaiserlichen Vertreters. Inhalt und Richtung dieser letzten Verhandlungen Wallensteins mit den Feinden des Kaisers waren dieselben wie früher; sie waren antikaiserlich und zunächst auf die Gewinnung von Sachsen und Brandenburg berechnet, nur mit dem Unterschied, daß er nun entschlossen war, wie die Feinde es schon immer gewünscht hatten, sich offen gegen den Kaiser zu erheben. So konnte der Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg an Arnim berichten:„Es soll jetzt fix werden, rächen wolle er sich an dem Kaiser, daß sei gewiß, der Pilsner Schluß sei ein guter Anfang dazu, der Kaiser und der Kurfürst von Bayern sollen weg usw.“ Und als die Antwort Sachsens und Brandenburgs auf seine Friedensvorschläge, namentlich aber Arnim, den Wallenstein damals wie seinen Messias herbeisehnte, zu lange auf sich warten ließ, wurden auch mit Schweden und Frankreich die früheren Beziehungen wieder aufgenommen. Graf Kinsky, der in dieser wich- tigen Zeit fast nie von der Seite Wallensteins wich, schickte Anfang Februar den alten Zwischenträgeer Rasin zu Oxenstierna und einen anderen böhmischen 20 Exulanten zu Feuquières mit der Botschaft, daß der Herzog von Friedland nun bereit sei, sich mit den durch sie vertretenen Mächten definitiv zu verbünden. Die lang gehegten geheimen Pläne sollten endlich ausgeführt werden. Die Stimmung, in welcher Wallenstein sich damals, in der kritischesten Zeit seines Lebens, befand, schildert mit ergreifenden Worten der später in Verhör genommene General v. Scherffenberg.„Der Herzog lag, von der Gicht geplagt, krank im Bett, als am Morgen nach der Unterzeichnung des Re- verses dieser Offizier erschien, um von seinem Feldherrn den letzten Abschied zu nehmen. Sie sprachen über den Kurfürsten von Bayern. Wallenstein legte sich zurück im Bett und schwieg lange Weile stille; plötzlich fuhr er aus seinen Meditationen auf und schrie: O Fried, o Fried, o Fried! dann sank er wieder zurück und sagte nichts weiter als: Gott behüte den Herrn!“ In ähnlicher Stimmung fand ihn später der Oberst Schlieff, der seine letzten Frie- densvorschläge nach Dresden übermitteln sollte. Der Herzog bedauerte das Scheitern der früheren Verhandlungen und entschuldigte dies mit den Worten: homo proponit, deus disponit, der Mensch denkt, Gott lenkt; nun wolle er aber durch die Tat beweisen, daß er die Wohlfahrt des Reiches wünsche. Und noch später, schon unmittelbar vor der Flucht von Pilsen nach Eger, sagte er zum Oberst Beck, der von ihm Abschied nahm:„Nun, ich habe den Frieden in meiner Hand gehabt“ und nach einer Pause fügte er hinzu:„Gott ist gerecht“. Die hier angeführten Außerungen Wallensteins, welche unter den ge- gebenen Umständen ohne Zweifel als der wahre Ausdruck seines Innern be- trachtet werden müssen, zeigen nichts von der Art eines schuldlosen, von fremden Intrigen verfolgten Opfers, sondern sprechen vielmehr die gedrückte Stimmung eines Mannes aus, der durch eigene Schuld, sein Ziel verfehlend, in eine trostlose und für die Zukunft wenig Hoffnung bietende Lage geraten ist. Wohl glaubte Wallenstein auf Grund des Reverses der Armee sicher zu sein, obwohl ihm infolge mancher Vorkommnisse zuweilen auch Bedenken auf- gestiegen sein werden, aber die sehnsüchtig erwartete zustimmende Antwort der Feinde auf seine letzten Vorschläge, eine unerläßliche Bedingung für das Gelingen des begonnenen Werkes, wollte sich lange nicht einstellen und die Zeit drängte. Mußte nicht dieses auffallende Zögern der Feinde schließlich die Befürchtung wachrufen, es könnten diejenigen, deren dargebotene Hand zum Bunde er so oft ohne einen stichhältigen Grund zurückgewiesen hatte, miß- trauisch geworden, jetzt im entscheidenden Moment ihre Mithilfe versagen? Während somit Wallenstein in völliger Ungewißheit über die nächste Zukunft schwebte und dadurch, sowie durch heftige körperliche Leiden seine Tatkraft wie gelähmt erschien, wurde das von Wien ausgeworfene Netz, in welchem er mit seinen nächsten Anhängern sich verstricken sollte, immer enger zusammengezogen. Dieses entscheidende Vorgehen der kaiserlichen Regierung gegen Wallenstein bedarf in vielen Punkten noch einer besseren Aufklärung. Nach dem Empfang des Befehles zur Exekution gegen den Generalissi- mus nehmen die kaisertreuen Generäle zunächst eine verschiedene Haltung ein. Gallas, der kraft des kaiserlichen Patentes vom 24. Jänner die Leitung der Exekution übernahm und sich dabei eben seit dieser Zeit in Pilsen befand, wohin er von Wallenstein berufen worden war, machte noch einen Versuch, diesen von seinen Plänen abzubringen; der Versuch scheiterte aber voll- ständig und der General wäre dabei bald in eine gefährliche Situation ge- 21 raten. Piccolomini, der einige Tage nach der Unterzeichnung des Reverses das Hauptquartier verlassen hatte, scheint zunächst mit Gallas noch auf eine Umkehr des Herzogs gehofft zu haben, vertrat aber dann nach einer Zusam- menkunft mit Aldringen, der schon längst gegen seinen Oberfeldherrn Ver- dacht geschöpft hatte und deshalb nie im Hauptquartier erschienen war, wie dieser die radikale Ansicht, man solle durch einen kühnen Handstreich auf Pilsen„Haupt und Glieder der Rebellion“ mit einem Schlage vernichten. Schließlich kam man überein— die Generäle standen in lebhafter Korrespon- denz mit einander— in Wien genauere Instruktionen betreffs der Ausführung der Exekution zu verlangen. Da gab nun Ferdinand II., der sich in dieser Zeit in furchtbarer Erregung befand, Anfang Februar durch den spanischen Ge— sandten ORate, der schon längst dazu geraten hatte, den Generälen den Be- fehl, sich Wallensteins durch Gefangennahme oder Tod zu versichern; das war kein Mord-, sondern ein Haftbefehl. Nur wenn Wallenstein durch Widerstand oder Flucht der Verhaftung sich entziehen wollte, sollte sein Leben nicht ge- schont werden. Gegen den Kaiser kann deshalb kein Vorwurf erhoben werden; er befand sich in nächster Gefahr und es gab kein anderes Mittel, sich davor zu sichern. Ebenso wenig kann er getadelt werden, daß er darnach noch bis Mitte Februar mit Wallenstein im dienstlichen Verkehr blieb. Er bediente sich dabei zu seiner eigenen Sicherheit gegen den Herzog einfach derselben Mittel, welche dieser, um ihn zu täuschen, jahrelang gegen ihn angewendet hatte. Die Ausführung des Befehls, sich Wallensteins durch Gefangennahme oder Tod zu bemächtigen, gestaltete sich begreiflicherweise überaus schwierig. Da der Generalissimus für den 9. Februar seine höheren Offiziere abermals zu einer Versammlung nach Pilsen berufen hatte, So wollten die Generäle diese Gelegenheit benützen, sich des kaiserlichen Auftrages zu entledigen. Gallas verweilte immer noch in Pilsen, Piccolomini erschien wie die meisten Offiziere erst am 12. oder 13. d. M., nur Adringen fehlte auch diesmal. Allein der Plan mußte fallen gelassen werden; ein direkter Angriff auf Wallenstein in seinem Hauptquartier erwies sich als undurchführbar, man mußte trachten, ihm indirekt beizukommen: durch Gewinnung der Armee von außen her. Gallas benützte demnach gern den Auftrag Wallensteins seinen Schwager Aldringen zu holen, um sich von Pilsen zu entfernen, unterfertigte aber un- mittelbar vor seiner Abreise, am 13. Februar, noch den Befehl, wonach fortan nie- mand mehr Wallenstein, Ilow und Tréka gehorchen, sondern seine sowie Aldrin- gens und Piccolominis Anordnungen befolgen sollte; letzterer hatte die Aufgabe diesen Befehl einzelnen vertrauenswürdigen Offizieren noch in Pilsen mit- zuteilen. Piccolomini wagte dies aber nicht, und unter dem Vorwand, Gallas und Aldringen holen zu wollen, verließ auch er am 15. Februar das sinkende Schiff. Ein geheimes Einverständnis zwischen den beiden Generälen ist unverkennbar. Erst als Gallas und Piccolomini sich außerhalb des unmittelbaren Macht- bereiches des Generalissimus befanden, wurde der Befehl vom 13. Februar und ein späterer ähnlichen Inhalts der Armee bekannt gegeben. Der Erfolg war ein überraschender. Fast sämtliche höheren Offiziere, selbst die Oberstleutnants der vier Tréka'schen Kavallerieregimenter, blieben dem Kaiser treu. Nun erst wurde gegen Wallenstein von allen Seiten Front gemacht. Marradas über- nahm die Führung über die Truppen in Budweis und Tabor, de Suys in Prag, Colloredo in Schlesien und Piccolomini sollte mit 3000 Reitern eine Ka- valkade gegen Pilsen unternehmen, wohin ihm Gallas aus Oberösterreich fol- gen wollte; Aldringen wurde zur Berichtersattung nach Wien geschickt. Da ließ man auch hier die Maske fallen. Am 18. Februar wurde ein neues kaiserliches Patent erlassen, worin„dem gewesten Feldhauptmann, dem von Friedland“ vorgeworfen wird,„daß er am 12. Jänner in Pilsen eine ganz gefährliche weitausgehende Konspiration und Verbündnis wider den Kaiser und sein Haus angezettelt hat, um ihn von Land und Leuten zu treiben und sich dessen Krone und Szepter selbst zuzueignen.“ Außerdem wurde befohlen, nur Gallas, Piccolomini, Aldringen usw. zu ge- horchen, wofür kaiserliche Gnaden und Belohnungen versprochen wurden. Dieses zweite Absetzungspatent sollte überall, auch in Pilsen, veröffentlicht werden. Zugleich wurde in Wien eine Kommission zur Konfiskation des Ge- samtvermögens Wallensteins, Trékas und Ilows eingesetzt. Von allen diesen Vorgängen und Maßregeln hatte Wallenstein und seine Anhänger in Pilsen bis zum letzten Moment keine Ahnung. Erst das stete Ausbleiben Aldringens, zuletzt auch des Gallas und Piccolomini, endlich der eigenmächtige Abzug des Obersten Diodati mit seinem Regiment und anderen Truppenteilen in der Richtung gegen Osterreich scheint Wallenstein stutzig gemacht zu haben; die Gewinnung der Armee erschien dadurch zwei- felhaft. Er berief daher die Offiziere, die er schon für den 9. Februar bestellt hatte, von denen aber die meisten erst am 13. in Pilsen eingetroffen waren, endlich am 19. Februar zu sich und erklärte ihnen im Bette liegend in einer langen Rede, daß er nichts gegen den Kaiser und die Religion unternehmen wolle. Da er aber befürchten müsse, daß ihm ein Schimpf angetan werde, so habe er die Regimenter nach Prag konzentrieren lassen und möchte nun wissen, wessen er sich dabei von ihnen zu versehen nhabe, zumal sie früher in seine Resignation nicht hätten willigen wollen. Daraufhin erklärten die Offiziere in einer bei Ilow abgehaltenen Versammlung bei ihrem General bleiben zu wollen, weil er nie etwas Unehrenhaftes unternommen hätte. Am folgenden Tage, den 20. Februar, unterzeichneten dann Wallenstein und 30 höhere Offiziere eine Erklärung, worin sie gegen die Verdächtigung, sie hätten gegen den Kaiser oder die katholische Religion etwas gedacht oder gar unternommen, prote- stieren und worin Wallenstein für den Fall, daß er etwas derartiges unternähme, sie aller Verpflichtungen gegen ihn entbindet; er erklärt darin noch, daß er sich mit dem ersten Revers nur gegen feindselige Machinationen hätte schützen wollen. Diese Erklärung Wallensteins und seiner Offiziere vom 20. Februar 1634 ist der sogenannte zweite Pilsner Schluß oder Revers(Schiller kennt nur einen, den ersten, Setzt ihn aber in die Zeit des zweiten). Während Wallenstein es nicht für notwendig gehalten hatte, den ersten Pilsner Schluß nach Wien zu schicken, wurde jetzt der Oberst Mohr von Wald beauftragt, den zweiten Revers dem Kaiser zu überreichen und zugleich die Erklärung abzugeben, daß„der Generalissimus, falls man es wünsche, be- reit Sei abzudanken, nur müsse es mit Manier und nicht mit Gewalt und ohne Verschulden geschehen“. Mit einem ähnlichen Anerbieten wurde schon am 18. Februar Max von Waldstein, des Herzogs Vetter, und später, schon auf der Flucht nach Eger, noch der Oberst von Breuner nach Wien geschickt. Von diesen drei Boten gelang es nur Max von Waldstein, aber erst am 23. Februar, nach Wien zu kommen, die beiden anderen wurden auf dem Wege dahin verhaftet. Wie wenig aufrichtig aber diese Resignationsanerbietungen gemeint waren, erhellt am besten aus den letzten Befehlen Wallensteins, Ilows und Trékas. Die Regimenter wurden unter dem Vorwand, daß Böhmen vom Feinde bedroht sei, für den 23. Februar zu einem Generalrendezvous auf dem Weißen Berg bei 23 Prag entboten und es wurde bei Leibesstrafe verboten, jemand anderem als Wallenstein, Ilow und Tréka zu gehorchen. Colloredo, der in Schlesien be- fehligte und dem man nicht traute, wurde abberufen und an seine Stelle Graf Schaffgotsch geschickt mit dem Auftrag, zu sehen„wer es mit ihm halten würde, den anderen aber die Hälse zu brechen“. Auf Wallensteins Wunsch schreibt der Herzog Franz Albrecht Brief auf Brief an Arnim mit der Bitte, recht bald nach Pilsen zu kommen und einige Tausend Pferde an der böhmi- schen Grenze aufzustellen, damit man dem Friedländer im Notfall helfen könnte. Auch dem Grafen Schaffgotsch möchte Arnim gegen Colloredo in Schlesien beistehen;„jetzt müsse es biegen oder brechen“, schreibt er,„es ist ein ge- machtes Fressen für uns“ usw. Am 19. Februar wurde Franz Albrecht von Wallenstein nach Regensburg zu Bernhard von Weimar gesendet, vor welchem der Generalissimus sicher Sein wollte,„wenn er es mit anderen zu tun hätte“; auch die Schweden sollten einige Tausend Pferde an der böhmischen Grenze für ihn bereit halten. Am 23. Februar, schon auf der Flucht nach Eger, wurde der Kanzler des Herzogs Elz mit Mandaten an den Markgrafen Christian von Brandenburg-Külmbach abgeordnet. Die letzten Vorbereitungen zu einer offenen Empörung gegen den Kaiser waren getroffen. Am 22. Februar wollte Wallenstein selber von Pilsen nach Prag auf- brechen, um sich der Hauptstadt Böhmens zu bemächtigen und sich an die Spitze der Armee zu stellen. Tréka wurde schon am 21. Februar voraus- geschickt. Er kam aber nur bis Rokitzan, wo er bereits vom Obersten Sparr erfuhr, daß Prag verloren und in der Stadt das kaiserliche Patent vom 18. Fe- bruar, welches Wallenstein, Ilow und ihn als Rebellen, denen niemand mehr gehorchen dürfe, erklärt, proklamiert wurde. Die Wirkung dieser Hiobspost, welche Tréka noch am Abend desselben Tages nach Pilsen brachte, war eine niederschmetternde; sie öffnete Wallenstein und seinen Anhängern mit einem Schlage die Augen und zeigten ihnen den Abgrund, vor dem sie bis jetzt ahnungslos gestanden waren. Die Zeit der letzten verzweifelten Gegenwehr war für sie gekommen. Da fast die ganze Armee bis auf wenige hauptsächlich Tréka'sche Re— gimenter von ihrem Feldherrn abgefallen war, so blieb für Wallenstein und seine Freunde als das nächste und einzige Rettungsmittel nur die Flucht in die Nähe der Feinde übrig. Nachdem in der größten Eile die notwendigsten Sicherheitsmaßregeln und Vorbereitungen getroffen worden waren, verließ man am 22. Februar um 10 Uhr vormittags Pilsen, um sich nach Eger zu begeben. Wallenstein bleich wie eine Leiche, Tréka verstört, nur Kinsky lustig wie immer und Ilow geschäftig nach allen Seiten Briefe sendend, welche den Fein- den den vollzogenen Bruch des Herzogs mit dem Kaiser und seine Flucht nach Eger meldeten und um schleunige Hilfe baten. Hilfe war allerdings sehr not- wendig. Nur 10 Reiterkompagnien, 5 von einem Regimente Trékas, 5 vom Re- gimente des Herzogs Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg, und ungefähr 200 Mann zu Fuß, zusammen etwas über 1000 Mann, begleiteten ihren geächteten Feldherrn auf seinem letzten Zuge; die 5 Kompagnien vom Regimente Sachsen verließen ihn übrigens in Kuttenplan und zogen nach Prag. Wohl stand noch ein Tréka'sches Regiment in Eger und hatte sich vor Mies der Oberst Buttler mit seinem Dragonerregimente dem Zuge angeschlossen, aber nicht um Hilfe und Verstärkung, sondern Tod und Verderben zu bringen. Fast wehrlos langte Wallenstein am 24. Februar um 4 Uhr nachmittags in Eger an— am Endziel seines Lebens. 24 Die näheren Umstände des Egerer Blutbades vom 25. Februar 1634(bei Schiller unrichtig der 24.) bedürfen keiner näheren Beleuchtung. Bemerkens- wert ist, daß die Mörder aus eigenem Antrieb gehandelt haben, bevor ihnen der kaiserliche Haftbefehl gegen den Generalissimus noch zugestellt werden konnte. Ihre gräßliche Tat muß Abscheu erwecken, aber wahrscheinlich wurde eben da- durch der Ermordete aus einer Situation befreit, die für ihn vielleicht noch ärger gewesen wäre, als selbst der Tod. Wohl waren die Feinde jetzt nach dem erfolgten offenen Bruche Wallensteins mit dem Kaiser bereit, einen Bund mit ihm zu schließen— selbst Arnim, der bis dahin immer mit seiner Reise zu ihm gezögert hatte, trank auf die Nachricht von der Flucht des Her- zogs von Pilsen mit seinem Kurfürsten die ganze Nacht hindurch, wobei sie immer auf Wien zu marschierten und reiste dann, allerdings zu spät, nach Eger ab— aber offenbar nur, weil sie in ihm noch eine politische Größe ersten Ranges sahen und ihn an der Spitze eines großen, ihm ergebenen Heeres wähnten. Nun kam er aber zu ihnen als eine gefallene Größe, als ein armer Flüchtling ohne Mittel, ohne Heer, nur mit wenigen Begleitern. Waren sie da noch bereit mit ihm einen Vertrag auf Gleichberechtigung abzuschließen? War ihnen der Geächtete, der nicht mehr zurück konnte, nicht vielmehr auf Gnade und Ungnade ausgeliefert? Konnten sie ihn, den Verräter an seinem eigenen Herrn, noch achten, ihm trauen, zumal sie schon selber so trübe Er- fahrungen mit seiner Unzuverlässigkeit gemacht hatten? Wie tief das Miß- trauen der Feinde gegen Wallenstein selbst nach seinem offenen Bruche mit dem Kaiser vielfach noch war, beweist am besten das Verhalten des Herzogs Bernhard von Weimar gegenüber den Hilfegesuchen des Geächteten. Er war der einzige, der ihn aus der Hand der Mörder hätte retten können; nicht einen Finger rührte er zu seinen Gunsten, denn er hielt alles für einen besonderen Betrug und Arglist.„Dieser Herr“, sagte er von Wallenstein,„glaubt nicht an Gott, daher ihm nicht zu trauen; wollte keinen Hund satteln lassen oder ver- trauen“. So stand also Wallenstein nach einer ruhmreichen Vergangenheit zu- letzt höchstwahrscheinlich ein Leben ohne Ehre, voll von Entbehrungen und Demütigungen bevor und lautlos mit ausgebreiteten Armen empfing er daher den Todesstoß von der Partisane des irischen Hauptmanns Deveroux, der ihn davon befreite. So starb er wenistens eines tragischen Todes als das Opfer seiner eigenen schweren Schuld.„Als er das kaiserliche Banner fallen ließ, fiel er mit ihm. Die Uberlieferungen von dem Kaisertum und der habsburgischen Dynastie im Heere erwiesen sich stärker als die Lockungen des Feldherrn'“. Als geschichtliches Problem, das sei noch einmal betont, muß die Wallen- steinfrage als gelöst betrachtet werden. Man weiß jetzt im wesentlichen, wie es eigentlich gewesen ist. Mancher verwickelte Vorgang kann, neue archi- valische Funde vorausgesetzt, noch besser aufgeklärt werden, vieles wird wohl für immer dunkel bleiben müssen. Ob Wallenstein z. B. zu seiner Entschädigung den Besitz der böhmischen Königskrone angestrebt habe, ober ob seine Wünsche sich noch weiter, bis nach der Kaiserkrone erstreckt haben, diese Frage wird mit Sicherheit nie beantwortet werden können, zumal er, wie es scheint, in diesem Punkt selber schwankend und unschlüssig war. Eine ähnliche Bewandtnis hat es mit Wallensteins astrologischem Aberglauben. Man weiß, daß er sich von Kepler, dem berühmten Astronomen, das Horoskop stellen ließ und daß sein fast unerschütterliches Vertrauen zu Arnim und Piccolomini, die ihn wahrscheinlich beide— Piccolomini ganz sicher— betrogen, gerade auf der gleichen Nativität dieser Männer mit ihm beruhte, man weiß also, daß die 25 Astrologie sein Tun beeinflußte, aber in welchem Grade dies der Fall war, wird sich kaum jemals feststellen lassen. Gibt es demnach in der Geschichte Wallensteins noch manchen strittigen Punkt,„gegen einen Versuch“, sagt ein neuerer deutscher Geschichtsschreiber, „muß man unter allen Umständen seine Stimme nachdrücklich erheben— gegen den Versuch, Wallenstein zu einem deutschen Helden, zu einem Märtyrer der deutschen Freiheit zu erheben, seinen Untergang als Folge seines Freisinnes in religiösen Dingen hinzustellen. Der Mann, den der Drang nach Erwerb zum Soldaten gemachit hat,......... jener Großsprecher, der mit seinen Worten den Taten stets weit vorauslief, der UÜbermütige, der sich in einem un- vernünftigen Luxus gefiel und dabei einen schwunghaften Güterschacher betrieb, den unsere Börsenjuden bewundern könnten, der Wortbrüchige, der die Freunde, die er selbst zu Vertrauten und Vollstreckern seiner geheimsten Pläne machte, auf unverantwortliche Weise täuschte und zum Narren hielt— der hat vom deutschen Helden nichts und wird sich die Liebe unseres Volkes nie erwerben, so wenig er sie je besessen hat“. 3eir Reneabee S S Ei Ahen S 88 Schulnachrichten. I. Personalstand des Lehrkörpers und Fächerverteilung. 711) Veränderungen. Ausgetreten sind: Der Direktor Oswald Mannl, k. k. Regierungsrat, Ritter des Franz Josef-Ordens, fürsterzbischöfl. Konsistorialrat und Notar, trat mit Beginn des Schuljahres 1911/12 in den Ruhestand(siehe Chronik); der supplierende Lehrer Ludwig Merz infolge der Ernennung zum wirklichen Lehrer am k. k. Staatsgymnasium in Krumau(Ministerialerlaß vom 29. August 1911, Z. 30.107; k. k. L.-S.-R. vom 13. September 1911, Z. 1-B 1270/43); der supp- lierende Lehrer Franz Albrecht am 15. September 1911; der Professor Otto Hanika mit Ende Februar infolge Ernennung zum Inspektor der Stift Tepler Kuranstalten in Marienbad. Eingetreten sind: Die supplierenden Lehrer Dr. Gerstner Johann am 15. September 1911(bestätigt mit Erlaß des k. k. L.-S.-R. vom 29. Sep- tember 1911, Z. 1-B 3070); ferner Mohorn Rudolf und Müller Leopold, am 13. Oktober, beide bestätigt mit Erlaß des k. k. L.-S.-R. vom 14. Oktober 1911, Z. 1-B 3619; endlich Mayer Alois, supplierender Religionslehrer am 22. Februar (bestätigt mit Erlaß des k. k. L.-S.-R. vom 29. Februar 1912, Z. 1-B 317/3). b) Stand am Schlusse des Schuliahres. (Die geistlichen Mitglieder sind Chorherren des Prämonstratenserstiftes Tepl.) Ernst Schneider, Direktor, geistlich, lehrte Mathematik und Physik in der VIII. Klasse, wöchentlich 5, im II. Semester 6 Stunden. Vinzenz Nadler, k. k. Schulrat, fürsterzbischöfl. Notar, geistlich, Vorstand der III. Klasse, lehrte Latein und Griechisch in der III. und Mathematik in der II. Klasse, 14 Stunden wöchentlich. Salesius Dvoräk, Professor, geistlich, Vorstand der I. A, lehrte Latein und Deutsch in der I. A und Böhmisch in der 4. Abteilung, 14 Stunden wöchentlich. Nikolaus Baldemair, k. k. Professor der VII. Rangsklasse, weltlich, Vor- stand der VI. Klasse, lehrte Latein in der VI. Klasse, Griechisch in der V. und IV. A, wöchentlich 15 Stunden. Otto Hanika, Professor, geistlich, lehrte Religion in I.—VIII. 16 Stunden wöchentlich, Exhortator für das Obergymnasium(bis 22. Februar 1912, siehe Chronik). Dr. Raimund Liska, Professor, geistlich, Kustos der geographischen und historischen Lehrmittel, lehrte Geographie und Geschichte in III., V., VII., VIII., Böhmisch in Abt. 1 A, 2 und 3, und Stenographie in 2 Abteilungen, wöchentlich 24 Stunden. 28 Dr. Basil Grassl, Professor, geistlich, Kustos der Lehrerbibliothek, Vor- stand der IV. A-Klasse, lehrte Latein in IVA und. VIII., Griechisch in VI und Französisch in 2 Abteilungen, 20 Stunden wöchentlich. Robert Totzauer, Professor, geistlich, Kustos des naturhistorischen Kabinetts, lehrte Naturgeschichte in I. A, I. B, II., IV. A, IV. B, V. und VI., 18 Stunden wöchentlich. Dr. Benedikt Brandl, Professor, geistlich, Kustos der Schülerbibliothek, Exhortator für das Untergymnasium, Vorstand der VIII. Klasse, lehrte Deutsch in III., V., VI. und VIII., Propädeutik in VII. und VIII. und Englisch in 2 Abtei- lungen, 20 Stunden wöchentlich. Romuald Kaderschafka, Professor, geistlich, Vorstand der V. Klasse, lehrte Latein in V. und VII. und Griechisch in VIII., 16 Stunden wöchentlich. Hilarius Egerer, Professor, geistlich, Kustos des physikalischen Kabinetts, Vorstand der VII. Klasse, lehrte Mathematik in III., VI., VII., Physik in III. und VII. und Kalligraphie in I. A und I. B. 17 Stunden wöchentlich. Josef Kraëmera, supplierender Lehrer, weltlich, Vorstand der II. Klasse, lehrte Latein und Deutsch in II., Griechisch in VII. und Böhmisch in der Abtei- lung 1 B, 17 Stunden wöchentlich. Josef Krause, supplierender Lehrer, weltlich, Vorstand der IV. B, lehrte Latein und Griechisch in IVVB und Deutsch in IVB und VII, 16 Stunden wöchentlich. Dr. Johann Gerstner, supplierender Lehrer, weltlich, lehrte Geographie und Geschichte in IB, II., IVA, IVB und VI., wöchentlich 19 Stunden. Rudolf Mohorn, supplierender Lehrer, weltlich, lehrte Mathematik in IA, IB,IV A, IVB und V. und Geographie in IA, 17 Stunden wöchentlich. Leopold Müller, supplierender Lehrer, weltlich, Klassenvorstand der IB, lehrte Latein in IB und Deutsch in IB und IVA, 15 Stunden wöchentlich. Alois Mayer, supplierender Lehrer, geistlich, lehrte seit 23. Februar 1912 katholische Religion in I.—VIII., 16 Stunden wöchentlich. Exhortator für das Obergymnasium. Dr. Ludwig Golinski, Rabbiner, lehrte mosaische Religion in 4 Abteilun- gen, 8 Stunden wöchentlich. Ernst Nack, evangelischer Pfarrer, lehrte evangelische Religion in 4 Stunden. Karl Steiniger, k. k. Turnlehrer, lehrte Turnen als obligaten Gegenstand in IA, IB und II. und als Freigegenstand in weiteren 3 Abteilungen, wöchent- lich 12 Stunden. Franz Swoboda, Assistent an der k. k. deutschen Staatsrealschule, lehrte oblig. Zeichnen in IA, IB und II. und als unoblig. Gegenstand in einer Abtei- lung, 11 Stunden wöchentlich. Emil Burgstaller, Musikinstituts-Inhaber, lehrte Gesang in 2 Abteilungen, 4 Stunden wöchentlich. Franz Josef Koch, Assistent für Turnen in 4 Abteilungen, wöchentlich 8 Stunden. II. Lehrverfassung. Der Unterricht wurde nach dem mit der Verordnung des Ministers für Kultus und Unterricht vom 20. März 1909, Z. 11.662, kundgemachten Lehrplane mit den daselbst vorgeschriebenen Ubergangsbestimmungen erteilt. Der obligate Unterricht im Zeichnen und Turnen umfaßte in dem abgelaufenen Schuljahre die erste und zweite Klasse. Stundenübersicht des obligaten Unterrichtes. Lehrgegenstände I. II. III. IV. V. VI. VII. VIII. Summa Religionslehre....... 2 2 2 2 2 2 2 2 16 Deutsche Sprache..... 4 4 3 3 3 3 3 3 26 Lateinische Sprache.... 8 7 6 6 6 6 5 5 49 Griechische Sprache....—— 5 4 5 5 4 5 28 Geschichte........— 2 2 2 3 4 3 3 19 Geographie.... 2 2 2 2 1 1—— 10 Mathematik........ 3 3 3 3 3 3 3 2 23 Naturgeschichte...... 2 2— 3 3 3—— 10 Phvsik und Chemie.....—— 2——— 4 3(4) 12(13) Philos. Propädeutik.....———— 2 2 4 FEreihandzeichnen...... 3 3————— 3 6 Schreiben.. 1——————— 1 V Turnen 2 2—————— 4 I. Schullektüre. Aus der lateinischen Sprache. In der III. Klasse: Corn. Nepos: Miltiades, Themistokles, Aristides, Epaminondas; Curtius Rufus: Alexanders Jugend, Schlacht am Granikus, Alexander löst den Gordischen Knoten, Alexanders Erkrankung, seine Ge-— nesung, Schlacht bei Issus.— In der IV. Klasse: Caesar: de bello Gallico I., IV. 16— 36; VI. 9—28; VII. 1— 9, 29— 36, 44— 53; Curtius Rufus: Alexander tötet den Klitus, Alexander wird schwer verwundet, Alexanders Tod.— In der V. Klasse: Ovid: Phaëthon, Kadmus, Pentheus, Perseus und Andromeda, Orpheus und Eurydice, Philemon und Baucis, Midas, Tod des Achilles, des Sängers Unsterblichkeit, auf den Tod des Tibull; Fasti: Spätuntergang des Delphin, Carmentalia, Fest der Paa, ludi Cereales, Raub der Proserpina. Trist: Abschied von Rom, Frühling in Tomi, Selbstbiographie, O süße Heimat. Titus Livius lib. I., XXI.— In der VI. Klasse: Sallust: bellum Jugurth; Cicero: I. und IV. Rede gegen Catilina; Vergil: Aeneis I. 1— 70, 81— 222, 494— 632; II. 1— 56, 195— 337, 402— 437, 507— 565, 635—804; Eclogen I., V.; Georg. II. 136— 176, 319— 345, 458— 540.— In der VII. Klasse: Cicero: pro Archia poeta, de imperio Cn. Pompei, Laelius de amicitia, Vergil: Eclogen I., V.; Georgica: I., II., IV.; Plinius(Ausgabe Kukula: 1, 2, 3, 4, 6, 8, 9, 16, 28, 29, 58, — In der VIII. Klasse: Tacitus: Germania c. 1—27; Annalen I. 1— 15, 55—75; II. 5— 35, 39, 40, 44— 46, 53—88; III. 1— 6; IV. 1— 13, 39— 42, 52. 53,. 30 54, 57— 61, 67, 74; HIoOTr az. CarIm. I. 1, 2, 3, 6, 7, 90, 11, 14, 18, 20, 21, 22, 206, 28, 20, 34, 37, 38; II. 2. 3, 6, 9, 10, 14, 15, 18, 20;, III. 1, 2, 3, 12. 13, 18, 28, 30, WV. 3, 7, 8, 15; Epoden: 1, 2, 7, 13; Sermones: I. 1, 5, 9; Epistolae: I. 2, 6; II. 3, Vv. 1. 152. Aus der griechischen Sprache. In der V. Klasse: Xxenophon, Chrestomathie von Schenkl: Kyrupaedie J., II., III., IV., X.; Anabasis: I., II., III., IM., Homer, Ilias l., III.— In der VI. Klasse: Homer, lIlias: VI., X., XVI., XVIII, XIN,*XlI.; Herodot: VIII., IX. 1— 32; Plutarch: Leben des Perikles.— In der VII. Klasse: Homer, Odyssee: I. 1— 125, III. 1— 185, 317— 328, IV. 1— 163, 484—558, V., VI., IX., X., XII.; Demosthenes, Olynth. Reden I., III.; Plato: Apologie.— In der VIII. Klasse: Plato: Apologie, Kriton, Euthyphron; So- phokles: Aias; Homer: Odyssee XXI. II. Zur Ubersetzung aus den klassischen Sprachen wurden folgende Stücke gegeben: Aus der lateinischen Sprache. V. Klasse. I. Semester: Ovid, Daedalus und Icarus 26— 53; II. Semester: Livius XXI. 56.— VI. Klasse. I. Semester: a) Sallust Cat. c. 56—57; b) Sallust Cat. c. 58; II. Semester: a) Vergil, Aen. V. 604— 622; b) Vergil Aen. V. 722—740.— VII. Klasse. I. Semester: Cicero Laelius 23; II. Vergil Aeneis XII. 54—84.— VIII. Klasse. I. Semester: a) Tacitus Annalen III. 72; b) Tacitus Annalen IV. 62—63; II. Semester: Livius XXIII. 11, 12. Aus der griechischen Sprache. V. Klasse. I. Semester: 1. a) Xenophon Kyr. IX. 9 11; b) Xen. KVT. IX. 11 13. 2. a4) Kyr. V. 2 3;, b) Kyr. V. 4—5.— II. Semester: 1. a) Xenophon Anab. IV. 7—11, b) Anab. IV. 12— 15; 2. a) Ilias (Christ) IV. 66— 82, b) Ilias IV. 85— 101.— VI. Klasse. I. Semester: 1. a) Ilias IV. 151 167, b) lIlias IV. 257— 272; 2. a) Ilias Xl. 487—509, b) Ilias XV. 1— 22.; II. Semester: 1. a) Herodot IX. 00, b) IX. 104— 106.— VII. Klasse. I. Semester: a) Odyss. 180— 200, b) Odyss. 8 27— 56(νοο e); c) Odyss. X₰ 38— 70; II. Semester: a) Demosth. ε τj eip⸗h c. 13— 15 incl., b) Demosth. Olynth. B c. 22— 24 incl., c) Demosth. ε τοο εꝓρ o c. 1— 4(roO το otsdy.) — VIII. Klasse. I. Semester: a) Plato Apol. 20, b) Plato Kriton 13, c) 1. Pla- ton Laches II., 2. Platon Laches VI.; II. Semester: a) Sophokles Elektra 23— 43, b) Sophokles Aias 1393— Schluß. III. Lehrbücher. Religionslehre: a) Katholische. I. und II. Kl. Großer Katechismus der katholischen Religion; Fischer, Liturgik; III. und IV. Geschichte der Offen- barung des alten und neuen Testamentes; V., VI., VII. Dr. A. Wappler, Lehr- buch der katholischen Religion, 1., 2., 3. Teil; VIII. Dr. Engelbert Hora. IIlu- striertes Lehr- und Lesebuch der Kirchengeschichte.— b) Mosaische, I.—VIII. Klasse. Levy, Bibl. Geschichte. I.—IV. Dr. Wolf, Kurzgefaßte Eeligions- und Sittenlehre für isreal. Jugend: V.—VIII. Em. Hecht, Israels Geschichte von der Zeit des Bibelabschlusses bis zur Gegenwart. 31 Latein. I.—VIII. Kl. Schmidt, Lateinische Schulgrammatik. Übungsbücher: I., II. UÜbungsbuch von Hauler; III., IV. Hauler, Aufgaben zur Einübung der lateinischen Syntax; V., VI., VII., VIII. Hauler, Lateinische Stilübungen, Lektüre; III. Cornelii Nepotis vitae und O. Curt. Rufus ed Dr. Johann Schmidt; IV. Caesaris comment. de bello Gall. ed. Prammer; V. Ovid. Nas. carmina selecta ed. Sedlmayer; Livii ab urbe cond. librorum partes selectae ed. Zingerle; VI. Sallust. bellum Catinilae, Jugurthinum und Reden, ed. Scheindler; Vergil. Aeneis nebst ausgewählten Stücken der Bucolica und Georgica ed. W. Klouéek; Ciceronis orationes Catil. ed. Nohl; VII. Ciceronis orationes ed. Nohl; Plinius der Jüngere von Kukule; Vergil. Aeneis wie in VI.; VIII. Taciti Germania ed. Müller et Christ, die Annalen des Tac. ed. Christ, 1. Bd.; Horatii Flacci carmina selecta, ed. Petscheng. Griechisch. III.—VIII. Kl. Curtius' Griech. Schulgrammatik, bearb. von Härtel. Ubungsbücher: III., IV. Griech. Elementarbuch von Schenkel. V.-—VIII. Ubungsbuch von Schenkl. Lektüre: V. Schenkel, Chrestomathie aus Xenophon; Homers Ilias von Christ; VI. Herodots Perserkriege von Hintner, 1. T.; Homers Ilias und Chrestomathie aus Xenophon wie in V, Plutarch, Leben des Perikles ed. Schickinger; VII. Homer. Odyss. epitome von Christ; Demosth. ausgewählte Reden von Wotke; Schneider Gustav: Lesebuch aus Platon; VIII. Platons Apologie, Kriton, Phaidon ed. Christ; Sophokles' Aias von Schubert; Homers Odyssee wie in VII. Deutsche Sprache. I.—VIII. Kl. Grammatik von Willomitzer I. Lese- bücher; IJ., II., III., V., VI., VII. Bauer, Jelinek und Streinz; IV., VIII. Leopold Lampel. Geographie und Geschichte. I.—VIII. Kl. Kozenn, Geogr. Schulatlas. II.—VIII. Putzger, histor. Schulatlas. I., II. III. Müllner, I., II., III. Müllner, FErdkunde. IV. Mayer, Geographie der österr.-ungar. Monarchie. V. und VI. Müllner, Erdkunde für die oberen Klassen. VIII. Hannak, Vaterlandskunde, herausgegeben von Machäéek, für Obergymnasien. II.—IV, Mayer, Lehrbuch der Geschichte. V.VIII. Lehrbuch von Zeehe. Mathematik. Lehrbuch der Arithmetik von Jacob-Schiffner-Travniéek in I.—VI.; Moëénik-Neumann in VII. und VIII.— Geometrie: Jakob-Schiffner-Trav- niéek in I.—III.; Dr. Mandl, Geometrie für die oberen Klassen in IV.-VI., Moénik-Spielmann in VII. und VIII. Physik. III. und IV. Kl. Rosenberg, Naturlehre für die unteren Klassen; Wolf, Mineralogie und Chemie; VII. und VIII. Rosenberg, Lehrbuch der Physik für die oberen Klassen der Gymnasien. Naturgeschichte. I.—II. Kl. Nalepa, Naturgeschichte des Tierreiches; Beck von Mannagetta, Botanik; V. Abel-Himmelbauer, Leitfaden der Mineralogie; Wettstein, Leitfaden der Botanik. VI. Grabers, Leitfaden der Körperlehre und Tierkunde. Philosophische Propädeutik. VII. Kl. Dr. Willmann, Lehrbuch der Logik; VIII. Lindner, Lehrbuch der Psychologie. Böhmische Sprache. 1.— 4. Abt. Charvät und Oufedniéek. Lehrgang der böhm. Sprache für deutsche Mittelschulen. Tieftrunk, Böhm. Lesebuch 1. und 2. Teil. 3²2 Französische Sprache. Weizenböck, Flementargrammatik und Plötz, Lectures choisies. Englische Sprache. Ellinger und Buttler, Elementarbuch und Lesebuch der engl. Sprache, 1. und 2. Teil. Gesang. Mende, Liederbuch für österreichische Mittelschulen. Stenographie. Scheller, Lehr- und Lesebuch der Gabelsberger Steno- graphie. IV. Themen zu den deutschen Aufsätzen. V. Klasse. I. Semester: 1. Worauf gründet sich unsere Vaterlands- liebe?(S.)— 2.„Seid mir gegrüßt, befreund'te Scharen!“(Ein Augenblicks- bild.)(l.)— 3. Kleine Ursachen, große Wirkungen.(S.)— 4. Tempora mutantur, nos et mutamur in ipsis.(H.)— 5. Die Jagd im Wasgenwalde.(S.)— II. Semester: 1. Die Nibelungensage in der nordischen und in der süd- deutschen Gestalt.(HI.)— 2. a) Was ein Häkchen werden will, krümmt sich hei- zeiten; b) Kriemhild und Gudrun, zwei deutsche Frauencharaktere nach den beiden deutschen Volksepen.(S.)— 3. Pauli Bekehrung und Parzivals Seelen- läuterung.(H.)— 4.„Blumen sah ich streiten mit dem Klee, wer wohl länger wäre.“(Schilderung des Frühlingserwachens.)(S.)— 5. a) Die Bedeutung der Pflanzen im Haushalte der Natur; b) Erst in der Fremde lernen wir die Heimat schätzen.(S.) VI. Klasse. I. Semester: 1. Was nimmt und was bringt uns der Herbst? (S.)— 2. Die Synedriumssitzung nach dem vierten Gesange von Klopstocks „Messias“.(H.)— 3. a) Der Anteil Osterreichs an der deutschen Literatur von 1500 bis Maria Theresia. b) Es ist nicht alles Gold, was glänzt.(S.)— 4. Die Ursachen für den Untergang des weströmischen Reiches.(H.)— 5. Rom ist nicht an einem Tage erbaut worden.(S.) II. Semester: 1. Inwiefern ist die Exposition in Lessings„Minna von Barnhelm“ mustergültig?(S.)— 2. Die charakteristischen Merkmale der Idylle sind an Vossens Gedicht„Der siebzigste Geburtstag“ nachzuweisen.(H.)— 3. Goethes„Götz“, eine Charaktertragödie nach dem Muster von Shakespeares „Julius Cäsar“.(S.)— 4. Die Bedeutung der Blumen im Leben der Menschen.(.) 5.„O, Vaterland, wie bist du schön Mit deinen Saatenfeldern, Mit deinen Tälern, deinen Höhen, Und all den stolzen Wäldern!“(Almers.)(S.) Dr. Brandl. VII. Klasse. I. Semester: 1. Die Bedeutung der beiden großen Mono- loge Fieskos.(II., 1. und III., 2.)(S.)— 2. Uns alle zieht das Herz zum Vater- land.(Don Karlos, 1., 3.)(H.)— 3. Die Bedeutung des Marquis Posa für die Haupthandlung im„Don Karlos“.(S.)— 4. Der Feierabend.(Im Anschluß an Schillers„Glocke“.)(HI.)— 5. Blüten und Hoffnungen.(S.) II. Semester: 1. Die Verdienste der romantischen Schule.(S.)— 2. Inhalt und Zweck des großen Monologes Wallensteins in„Wallensteins Tod“. (I., 4.)(H.)— 3. Poetische Schönheiten des vierten Gesanges in Goethes„Her- mann und Dorothea“.(S.)— 4. Ans Vaterland, ans teure, Schließ dich an,— Das halte fest mit deinem ganzen Herzen!(H.)— 5. Morgenstunde hat Gold im Munde.(S.) Krause. 33 VIII. Klasse. I. Semester: 1. Der Beruf des Mannes und der Frau nach Schillers„Lied von der Glocke“.(S.)— 2. Die alten Germanen nach der Germania des Tazitus.(H.)— 3. H. v. Kleist als vaterländischer Dichter.(S.) — 4. Gang der Handlung in Shakespeares„König Lear“.(HI.)— 5. a) Schillers und Goethes Ansichten über dramatische und epische Dichtung nach dem Brief- wechsel. b) die Entwickelung der österreichischen Staatsidee.(S.) II. Semester: 1. Schuld und Sühne in Grillparzers„Goldenem Vließ“. (H.)— 2. Die Volksdichtung in der deutschen Literatur.(S.)— 3. Der Sturm in der Natur, in der Literatur und im menschlichen Leben.(S.)— 4. Siehe Reifeprüfung! Dr. Brandl. Redeübungen: VII. Klasse. 1. Heimat und Vaterland.(Begriffserörterung.)(Weselsky.) — 2. Mut und Tollkühnheit.(Pergner.)— 3. Höflichkeit und Schmeichelei. (Scheyer.)— 4. Neugierde, Wißbegierde, Forschungsdrang.(von Perger.)— 5. Ehrgefühl, Ehrliebe, Ehrbegierde, Ehrgeiz, Ehrsucht.(Kallab.)— 6. Fang- und Gangarten des Fuchses.(Fuchs.)— 7. das deutsche Volkslied.(Pitka.)— S. Altertumsforschung in Osterreich-Ungarn.(Steiner Karl.)— 9. Uriel Acosta. (Schleißner.)— 10. Werdegang der Feuerwehr.(Gillich.)— 11. Unsere Lebens- mittel und deren Verfälschung.(Lieberls.)— 12. Die Dolomiten.(Nadler.)— 13. Die Meistersinger.(Manner.)— 14. Webers„Freischütz“(Görg.)— 15. Die deutsche Rätseldichtung.(Ebert.)— 16. Die Sitten und Gebräuche der Thürin- ger nach Freytags„Ingo“.(Leitner.)— 17. H. v. Kleists„Hermannschlacht“. (Gatscha.)— 18. Das Hirtenleben im Altertum, verglichen mit dem der Neu- zeit.(Landa.)— 19. Der Einfluß der Maschine auf die Umgestaltung des mensch- lichen Lebens.(Zahn.)— 20. Karthagos weltgeschichtliche Bedeutung.(Rauner.) — 21. Die Vorteile der Fußwanderungen.(Wenzel.)— 22. Die Einheit der Handlung in Schillers„Tell“.(Sock.)— 23. Die natürlichen Wetterpropheten des Volkes.(Heidl.)— 24. Schnitzlers Dichtung„Der iunge Medardus“.(Maier.) — 25. Goethe als Stürmer und Dränger.(Steiner Erwin.)— 26. Die Bedeutung der Buchdruckerkunst.(Kraus.)— 27. Wagners„Lohengrin“.(Gail.)— 28. Schwert und Pflug.(Stopfer.)— 290. Karl XII. und Peter der Große.(Wolf.)— 30. Die Gefahren des Alkohols.(Lerch.)— 31. Die Denkoperationen.(Manner.) — 32. Notwendigkeit einer Kriegsflotte in Osterreich.(Gilli.) VIII. Klasse. 1. Die geographischen Kenntnisse der Griechen.(KroCak.) — 2. Ceterum autem censeo Carthaginem esse delendam.(Wölfler.)— 3. Ver- breitung Shakespeares in Deutschland.(Svoboda.)— 4. Im Zeichen des Ver- kehres.(Ekstein.)— 5. Methoden zur Beseitigung des Operationsschmerzes. (Braunreiter.)— 6. Kultur und Barbarentum in Grillparzers Dramen.(Freund.) — 7. Schillers Rezension„über Bürgers Gedichte“.(Glaser.)— 8. Wozu brauchen wir eine Kriegsflotte?(Hecht.)— 9. Die Mantik bei den Griechen. (Schröpfer.)— 10. Savonarola als historische Persönlichkeit.(von Wybiral.) — 11. Die früheste Geschichte der deutschböhmischen Kolonisation.(Karmann.) — 12. Schwierigkeit einer obiektiven Geschichtsdarstellung.(Treulich.)— 13. Der Bergbau in Osterreich.(Gutfreund.)— 14. Die Babenberger und ihre Bedeutung für Osterreich.(Licht.)— 15. Krieg und Kultur.(Eisler.)— 16. Die Geschichte des Glases und die wichtigsten Arten seiner Verarbeitung.(Wunsch.) — 17. Aus der Geschichte des Pilsner Hausregimentes.(Hecht.) 18. Heinrich Heines Leben und Werke.(Wléek.)— 19. Molière.(Schick.)— 20. Die Brief- 34 taube.(Salz.)— 21. Leonardo da Vinci und seine Gemälde.(Kottlarzig.)— 22. Der moderne Wiener Operettenstil.(Drechsler.)— 23. Die Entwickelung der Post von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart.(Kovakik.)— 24. Der Reichstag zu Krakau nach Schillers Demetrius.(Svoboda.)— 25. Die Gestalt des Demetrius in der Geschichte und im Drama.(Hammer.)— 26. Hamlets Charakter.(Plaß.)— 27. Gang der Handlung in GCrillparzers„Libussa“. (Schmidtmeier.)— 28. Die Notwendigkeit der Wehrreform.(Wléek.)— 29. Hans Kudlich.(Schlaffer.) Dr. Brandl. V. Freie Gegenstände. 1. Böhmische Sprache. Für die Schüler aller Klassen bestanden vier Ab- teilungen, von denen die erste in a und b zerfiel. Den Unterricht erteilten in je 2 wöchentlichen Stunden in Abteilung Ta, II. und III. Dr. Raimund Liska, in Ib Josef Kraëmera und in IV. Salesius Dvofäk. 2. Freihandzeichnen. Dasselbe war in Ja, Ib und II. mit je 3 wöchentlichen Stunden obligat. Für die Schüler von der 3. bis 8. Klasse bestand eine Abteilung mit 2 Stunden wöchentlich. Der Unterricht wurde in der k. k. deutschen Staatsrealschule erteilt von Franz Swoboda. 3. Turnen. Für die Schüler aus I A, IB und II. war Turnen ein obligater Gegenstand mit je 2 Stunden wöchentlich, für die Schüler von der 3. Klasse angefangen aber Freigegenstand; es bestanden da 3 Abteilungen zu je 2 Stunden. Der Turnunterricht fand in der k. k. deutschen Staatsrealschule statt. Karl Steiniger, Franz Koch. Gesang. In 2 Abteilungen mit je 2 Stunden. Emil Burgstaller. Stenographie. In 2 Abteilungen mit je 2 Stunden. Dr. Raimund Liska. Französische Sprache. In 2 Abteilungen mit je 2 Stunden. Dr. Basil Grassl. Englische Sprache. In 2 Abteilungen mit je 2 Stunden. Dr. Benedikt Brandl. Der Schießunterricht wurde 32 Schülern der Anstalt vom 3. Jänner bis zum 22. Mai gemeinsam mit den Schülern der k. k. deutschen Staatsrealschule zuerst in der Kaserne der k. k. Landwehr, später auf dem Schießplatze in Lobes jeden Mittwoch von 2 bis 4 Uhr von Herrn k. k. Oberleutnant Artur Hiecke als In- struktor erteilt, unter der Oberleitung des Herrn k. k. Majors Paul Gilli. Am 22. Mai fand das Preisschießen der Schüler in Lobes statt; zu demseiben erschienen Se. ExXz. der Herr Divisionär k. u. k. FML. Wurm, Herr Generai Panesch, k. k. Oberst Bürkl des 7. Landwehrregiments samt den Stabsoffi- zieren, die Direktoren mit zahlreichen Professoren beider Anstalten, sowie mehrere Angehörige von Schülern. Das k. k. Landwehrkommando hatte 2 Preise gestiftet, einen Preis das Offizierkorps des 7. LR.; ebenso widmeten Gönner und Eltern der Schüler mehrere Preise. Außerdem erteilte der Herr k. k. Leutnant Hackl vom 7. LWh. 13 Schülern der beiden obersten Klassen Unterricht im Fechten, und zwar vom 3. Jänner bis 30. Mai. An diesem Tage fand im„Deutschen Theater“ eine Fechtakademie mit Preisfechten statt, zu dem auch die Generalität sowie zahlreiche Stabs- und Oberoffiziere erschienen waren. Mehrere Gönner der Schüler hatten auch für dieses Preisfechten Preise gestiftet. 1 91 P 35⁵ VI. Leibliche Kräftigung der Jugend. Diese wurde gefördert: 1. durch den regelmäßigen Turnunterricht, der für die 1. und 2. Klasse obligat war. 2. Im Winter war den Schülern auf dem Schleifplatz„Jikalka“ Gelegen- heit zum Schlittschuhlaufen geboten. 3. Im Sommer war an der städtischen und Militärschwimmschule für den Unterricht im Schwimmen und für das Baden gesorgt. Der löbl. Stadtrat von Pilsen bewilligte 28 Freikarten für die städtische Schwimmanstalt. 4. Im heurigen Jahre gelang es, für die beiden deutschen Mittelschulen einen Spielplatz zu mieten. Nach Beendigung der nötigen Herstellungsarbeiten konnten die Schüler vom 29. Mai an auf diesem Platze spielen. Die Einteilung war derart getroffen worden, daß Montag die 1. und 2., Dienstag die 3. und 4. Klasse, Mittwoch das Obergymnasium Spieltag hatte. Aber schon vorher be- nützten eine große Zahl von Schülern die regenfreien Samstag-Nachmittage im Mai zu Spielen auf dem alten Exerzierplatz. Die Aufsicht bei den Spielen führten Prof. Dr. Brandl, Müller und Probekandidat Dr. Tichy. Am 5. Juni fand bei günstiger Witterung der Gymnasialausflug statt. Die La und Ib(unter Müller und Dr. Tichy) über Koschutka nach Oberbfis, die II. und die Privatistinnen(Kraëmera und Dr. Gerstner) nach Voitenberg bei Furth, die III. und mehrere Oktavaner(Schulr. Nadler, Steiniger) Krukanitz, die IWVa(Dr. Graßl) nach Kladrau, die IVVb(Krause) nach Holleischen. die V. und VI.(Baldemair und Kaderschafka) nach Stift Tepl, die VII.(Egerer) nach Königswart und Glatzen. Die Schüler wurden überall freundlich auf- genommen, in Krukanitz und Stift Tepl bewirtet. Professor Totzauer unternahm über Einladung des Herrn Bergdirektors Otto Berger mit den Schülern der VI. Klasse am 19. Mai eine wissenschaftliche Exkursion in den neuen Jubiläumsschacht bei Rotauiezd. Nach der Besichti- gung des Bergwerkes wurden die Schüler in zuvorkommendster Weise vom Herrn Bergdirektor bewirtet. UÜber die Sportbetätigung der Schüler gibt folgende Tabelle Aufschluß: 8por t[Ia Ib II III IVa IVb V VI VlI VIlIISumme Unobligater Turnunterricht..——— 26 13 17 11 11 11 V 3 92 3 Zanl der Tage 9 9 9 7 6 6 9 9 9 4 Jogendspieje Bsteilienns.. 14 14 17 21 7 9 8 8 6 6 Zahl. 1 1 1 1 11 1 1 2 1 1 Touristische Austtige eteiig 23 231 372 325 203 2010 17 201 21 5 Badenn 8 17 252 243 213 211ſ 14 201 31 26 20710 Schwimmen........ 6 8¹ ² 123 213 201 14 20¹1 23 24 15711 Rudernn....... 2 5 19 172 63 161 14 91 28 18 1347 Reitenl......... 5 21— 21 3 2 ⸗ 4 252 Radfahrenn........ 2— 10 11 7 9 9 17 25 13 103 Schlittschuhlaufeni...... 17 191 312 352 173 211 15 231 29 19 22610 Fechtoen..........———————— 4 9 13 Schießen.........-— 22 10 32 Tennisspielent....... 6 1 5 21 12 5 6 31/ 13 5 474 ¹ Diese Sportbetätigungen wurden nicht von der Schule aus geleitet. 36 VII. Unterstützung der Schüler. a) Stipendien. b) Lokale Unterstützung. S Name 1 4 der Stift Datans lündl Zahl ſaAne, 4 des Stiftlings dase enennung doi Stittung Verleihntgadekfetes Hehnar 1 Schiefer Edlerv. jièiner, adelige Abteilung 19 juni 1911 0 Wahlburg Viktor II. platz Nr. 2 Z. 13⁄³ℳ 207/6 32 . 26. 11 2 Kießwetter Adolt III. Jonann Skarsirsche 25,Soianber 3t 352 3 May v. Kovèéeg- 1l P. Franz Joh. Hieronym. 20. März 1911 0 boj Richard IlII. Barton'sche 2. 13/3 186// 34 1 Peter Capel'sche, 15. März 1912 4 Nmeje Ludwig Ill. Platz Nr. 4 Z. 13/A 1865/5 600 ;„. 1 5 Schusser Franz IlI. P. Anton klebersche 19A 192! 96 4. April 1912 6 Gruber Karl IV. A Josef Turba'sche, Abt. II Z. 13/A 2651/16 400 ai 1911 7 Rösler Wilhelm lV. B Karser Praxa èosef k., 22. Janner 109 100 — ubiläumsstiftung Nr. 2 2. 9231 Anton und Anna 20. Dezember 1910 8 Goldmann Edm. VI. lwan'sche Z. 321.230 150 9 HilburgerJohann VI. Josefine Jahnl'sche 28. Juni 1909 160 Kaiser Ferdinand'sche 10. März 1908 10 Fuchs Zdenko VII. bürgerl. Abt., Platz Nr. 66 Z. 52.951 240 .. 4. Mä 11 Gatscha Josef Vll. P. Stanislaus Zauper'sche 2 Jla,90 180 113 Maria Padtpusch'sche, 25. jänner 1910 12 Gillich Karl VII. Platz Nr. 2 2. 277.550 ai 1909 160 P. Josef Mayer von 18. September 1905 13 Landa Robert VII. Mayermsche, Blatz Nr. 2 Z. 192.432 200 . 3 191 14 Manner Otto VII. P. Vinzenz Graumann'sche 20 De enber 910 80 . Heinrich Kirsch, Edler 24. April 1909 15 Hecht Felix VIII. von Kronfest'sche Z. 81.046 400 1. Von dem Erträgnisse der Theresia Suchanek'schen Studentenstiftung für die Zeit vom 1. Februar bis 31. Juli 1911 wurden Sattler Ernst und Wiehl Johann aus der vorjährigen IV., ferner Hilburger Johann und Schnabl Georg 37 aus der vorjährigen V. Klasse mit je 28 K 50 h beteilt; von den Zinsen für die Zeit vom 1. August 1911 bis 31. Jänner 1912 erhielten je einen 4. Teil Gruber Karl und Lippert Peter aus der IVa und Wiehl Johann aus der V. Klasse; ein Teil blieb unverwendet. 2. An Zinsen der„Kaiser Franz Josef-Jubiläumsstiftung“ des Kollegen- tages vom Jahre 1897 erhielten ie 24 K Lotter Josef III. und Ebenhöh Anton II. (für die Zeit vom 1. März bis 31. August 1911; ferner Licht Josef VIII. und Frank Anton VI.(für die Zeit vom 1. September 1911 bis 1. März 1912). Das zur Vergrößerung der Stiftung bestimmte Kapital ist in der Sparkasse an- gelegt und betrug samt Zinsen Ende Juni 1726 K 35 h. 3. An Zinsen der„P. Alfred Clementsoschen Studentenstiftung im Stifte Tepl“(1808) erhielten je 30 K die Schüler Schusser Franz III. und Puchta Josef IVb für die Zeit vom 1. Mai bis 31. Oktober 1911, und Heidl Josef VII. und Prosch Josef III. für die Zeit vom 1. November 1911 bis 30. April 1912. 4. Von den Zinsen der zur bleibenden Erinnerung an das 60jährige Re- gierungsjubiläum Sr. k. und k. Apostolischen Majestät errichteten„Abt Gilbert Helmer'schen Studentenstiftung“ erhielt ie 40 K der Schüler Lerch Franz VII. für die Zeit vom 1. März bis 31. August 1911 und vom 1. September 1911 bis 1. März 1912. 5. Die Zinsen der„Dr. Philipp Ekstein'schen Stiftung“ im Betrage von 8 K erhielt Kahn Franz VI. 6. Die Schülerlade besaß am Ende des vorigen Schuliahres ein Kapital von 16.377 K 46 h. Dazu kamen folgende Einnahmen: I. Spenden: MODr. Sorger in Feldhof bei Graz 1 K; k. u. k. Militärakademiker Begg von Albensberg 1 K 40 h; Brandtner Alexander IV. A 2 K; Pergner Eduard VII. 4 K; Hugo Fomann, Kaufmann in Pilsen 2 K; die ehemaligen Mitschüler des verstorbenen Bankiers Josef Hofmann anstatt einer Kranzspende 30 K; Dr. Erwin Heller in Pilsen(anläßlich der Konfirmation seines Sohnes Franz IV. A) 50 K; Dr. Ernst Nack, evang. Pfarrer in Pilsen(Prüfungstaxe) 3 K 84 h; Frau Klara Hofmann, Bankierswitwe in Pilsen 100 K; Ernst Tögl, Eisenwerksdirektor in Rokycan 10 K; löbl. Bezirksvertretung in Pilsen 150 K; P. Otto Hanika, Brunneninspektor in Marienbad 100 K; Oberforstverwalter Mühlen anläßlich des Ablebens seines Sohnes Benedikt(V. A) für einen kran- ken Mitschüler 100 K; Erträgnis einer Sammlung nach dem Gymnasialkonzert 120 K; Bürgerliches Bräuhaus in Pilsen 100 K; Regierungsrat Oswald Mannl, emer. Gymnasial-Direktor zur Vermehrung der Kaiser Franz Josef-Jubiläums- stiftung 112 K; Direktor Julius Fürth(anläßlich des Todes seines einzigen Sohnes Paul) 50 K; halbes Reinerträgnis der Fechtakademie 30 K. II. Erträgnis des Konzertes. Das Konzert zum Besten der Schülerlade wurde am 20. April 1912 im deutschen Theater veranstaltet. Die Vortragsordnung war folgende: 1. a) Un- garische Rhapsodie Nr. IV von Franz Liszt; b) Méditation sur le 1 er Prélude de S. Bach par Ch. Gounod(Militärkapelle des k. u. k. 35. Inf.-Reg.). 2. Arie der Flisabeth aus„Tannhäuser“ 2. Aufzug, 1. Szene.(Solo: Frau Rosa Birn- 38 stein, k. u. k. Hauptmannsgattin; Orchesterbegleitung). 3. Schülerchöre: a) Motette von R. Kradolfer(„Frohlocket ihr Völker“); b)„Gute Nacht“ von Attenhoffer; c)„Wanderlust“ von Emil Burgstaller. 4. Konzertphantasie für Klavier von Jaell(Fräulein Claudl Bayer aus Pilsen). 5.„Parla“, Italienischer Walzer von Luigi Arditi. Sologesang mit Orchesterbegleitung.(Solo: Frau R. Birnstein). 6. Airs Espagnols von Pablo de Sarasate(Allegro con moto, moderato, andante, allegretto), Violinvortrag des Schülers Heinrich Ranft(V. B) mit Klavierbegleitung(Oskar Schick VIII.). 7.„Lied an die Freude“ von Schiller (Franz Schubert). Sopransolo(Frau Birnstein) mit Chor und Klavierbeglei- tung. 8.„Des Sängers Gebet“ von Kösporer. Schülerchor mit Orchester. Spenden: Se. Gnaden, der hochwürdigste Abt Gilbert Helmer in Stift Tepl 80 K. Je 20 K die hochw. Herren Adrian Rubick, Prior; Oswald Mannl, k. k. Regierungsrat; Brunneninspektor Otto Hanika in Marienbad; ferner Herr k. u. k. Oberstleutnant Josef May Edler von Kovéegboij in Turnau; löbl. Verwaltungsrat des Bürgl. Bräuhauses in Pilsen. Je 15 K Frau Wilhelmine Hora, Hausbesitzerin in Pilsen; hochw. Inspektor Norbert Nadler in Krukanitz; Ihre Exz. Frau Amalie Schreiner, k. k. Ministersgattin in Oberstankau; Frau Klara Hofmann, Bankierswitwe in Pilsen. 12 K der deutsche Vorschußverein in Pilsen. Je 10 K Fabrikant Salz in Staab; Berginspektor Alois Rüdiger in Mantau; k. u. k. Hauptmann Josef Birnstein, 35. Inf.-Reg. Pilsen; Oberbräuer Adolf Bayer des Bürgl. Bräuhauses in Pilsen; Bürgermeister der kgl. Stadt Pilsen, Dr. Wenzel Petäk; Tierarzt Josef May in Marienbad; Advokat Dr. Franz Zahn in Luditz; Verwalter Anton Wunsch in Bfas; k. k. Rittmeister Paterny in Marienbad; Frau Marie Frank in Kollautschen; hochw. Herr Provisor Ste- phan Uhl und Forstinspektor Eduard Honhäuser in Stift Tepl; Bergdirektor Otto Berger in Pilsen; Rechtsanwalt Dr. Franz Nadler in Marienbad; Kam- merrat A. H. Bayer, Buchhändler in Pilsen; Bankier Dr. Siegmund Raumann in Pilsen; löbl. Verwaltungsrat der Ersten Pilsner Aktienbräuerei; hochw. Pfarrer Emilian Schwarz in Royau. 8 K 50 h Frau Kathi Binder, Oberbräuers- witwe in Pilsen. Je 6 K hochw. Hr. Dechant Josef Cizek, Marienbad; Do- mänendirektor Anton Schier in Ellischau; MODr. Ferd. Träger in Tachau. Je 5 K: Rabb. Dr. Golinski, Pilsen; Okon.-Inspektor Konrad Goldmann in Haid; fürstl. Braumeister Anton Mrazek in Haid; hochw. Pfarrer Lukas Stöhr in Pernharz; Fabrikant Theodor Schell in Alt-Langendorf; Oberlehrer Lorenz Gerstner in Stift Tepl; Advokat Dr. Wilhelm Lurje in Tachau; Kaufmann Jo- hann Plaß in Falkenau a. Eger; Frau Anna Lerchl in Marienbad; Prof. Anton Krauß in Oberstankau; David Glauber in Tachau; Kaufmann Leopold Foffer in Luditz; fürstl. Verwalter Johann Pistl in Pernartitz; Med. Dr. Heinrich Hahn in Pilsen; ferner die hochw. Herren: Sekretär Wilh. Pistl; emer. Rektor Alphons Jelinek; k. k. Schulrat Pius Weger; emer. Brunneninspektor Severin Würfl; Supprior Egyd Rauwolf; dann Herr Kaufmann Emil Frank in We— seritz; Hotelier Anton Hammerschmid in Pilsen; Gutspächter Hans Kallina in Chotieschau. Je 4 K: Hochw. Leo Moläãéek, Kaplan in Littitz, Stadtsekretär Wilhelm Reismann in Marienbad; Distriktsarzt Dr. Anton Kraus in Stift Tepl. 3 K 10 h Herr Fachlehrer Simon Pröckschl in Bischofteinitz. Je 3 K: die hnochw. Herren: Katechet Adolf Pöller und Kaplan Engelbert Leitner in Marien- bad; Kaplan Franz Cech in Obersekerschan, Dechant Dominik Filipovsky in Stift Tepl; Pfarrer Evermod Puchta in Einsiedl; Prof. Dr. Benedikt Brandl in Pilsen; Prof. Dr. Theodor Chalupa in Feldkirch; ferner die Herren: Kassier Adolf Kießwetter in Luditz; Direktor i. R. Tomec in Pilsen; Braumeister Fritz 39 Liebal und Apotheker Franz Füßl in Stift Tepl; Prof. Wenzel Nowak in Prag- Weinberge; Dr. Bruno Glaser in Pilsen. 2 K 6 h Revident Theodor Krüttner, Stift Tepl. Je 2 K: die hochw. Herren: Kaplan Wendelin Hauschild in Auher- zen; Katechet Ludolf Rauwolf in Dobrzan; Prof. Meinrad Langhammer in Stift Tepl; Pfarrer Max Gröschl in Maria Stock; dann die Herren: Wenzl Priman, Beamter in Pilsen, Josef Helma, Fleischhauer in Tlucna; Rentmeister Franz Stillip; Gastwirt Adalbert Weber; Okonomiedirektor Ignaz Fiedler in Stift Tepl. Je 1 K: Brauführer Schulz; Obergärtner Georg Müller; Schaffer Josef Hohler; Müllermeister Anton Schwarz; Rentamtsadiunkt Rudolf Wehle.— Somit 647 K 66 h. UÜberzahlungen: Hr. Rudolf Ritter von Perger, Gutsbesitzer 38 K; Frau Wybiral, Edle von Klarensee, k. u. k. Majorsgattin 11 K; Dr. Wilhm. Pollak, Arzt in Pilsen 2 K; Ing. Oswald Ranft, Skodawerke 9 K 50 h; Chef- ingenieur der Skodawerke Paul Sock 7 K 50 h; k. u. k. Major Edmund We- selsky 4 K 50 h; k. u. k. Major Eduard Zeleny 28 K; Paul Roth 5 K 50 h; Fabriksdirektor Ernst Tögl in Rokycan 7 K; Zentraldirektor Moritz Bartel- mus in Pilsen 8 K; Prokurist Vinzenz Stampfl, Pilsen 2 K 50 h; Adolf Burg, Kaufmann in Pilsen 9 K 50 h; k. k. Schulrat Franz Neumann in Pilsen 2 K 50 h; Fabrikant Andreas Ziegler in Ostrotschin 10 K; Kaufmann Eduard Kobias in Neumarkt 2 K; k. k. Schulrat Karl Maier 6 K; Fabrikant Wilh. Herrmann in Klattau 5 K; Frau Menzel, Private in Pilsen 7 K 50 h; Oberingenieur der Sko- dawerke Moritz Paul 3 K; JUDr. Josef Starck, Advokat in Pilsen 8 K; Buch- händler Wendelin Steinhauser in Pilsen 6 K; Obering. der Skodawerke Anton Ferber 4 K 50 h; Frau Louise Zucker in Pilsen 2 K; hochw. P. Stetka in Pilsen 50 h; Kaufmann Adolf Elkan in Pilsen 2 K; Dr. Ludwig Lazansky, Arzt in Pilsen 4 K; Frau Mathilde Haberda, Inspektorswitwe 1 K; MODr. Jo- hann Jahl, Zahnarzt in Pilsen 8 K; Fabrikant Arnold Popper in Pilsen 20 K; Wilhelm Freund, Fabrikant in Pilsen 4 K; Dr. Heller in Pilsen 6 K; Kauf- mann Fritz Fomann 50 h; k. k. Landesgerichtsrat Anton Svatos 2 K; Advo- kat Dr. Graf Moriz 4 K; Fr. Micksch 1 K; Fabrikant David Waldstein 5 K; Kauimann Gutwillig Friedrich 2 K 50 h; Forstmeister Emil Grünseisen in Glatzen 3 K; Kaufmann Drechsler, Pilsen 3 K; Kaufmann Siegfried Rudinger 2 K 50 h; k. k. Major Paul Gilli, Pilsen 1 K; Kaufmann Ferd. Urchs, Pilsen 2 K; Direktor Kloger in Pilsen 1 K; Direktor Melkus der Ersten Aktien- Bräuerei in Pilsen 8 K; Advokat Dr. Kallab 8 K; Familie Kuttan, Pilsen 8 K; Zentraldirektor, kais. Rat Wléek in Oberbfis 8 K; Prof. Müller der k. k. Staatsgewerbeschule 8 K 50 h; Kaufmann Kottlarzig 10 K; Kaufmann Eisler 14 K; Prof. Kraëémera 1 K 50 h; k. k. Reg.-Rat Steinmaßler 3 K; Ing. Adolf Wolf der Skodawerke 5 K 50 h; Fabrikant Hammer in Rokycan 8 K; k. k. Prof. Baldemaier 50 h; Kaufmann Heinrich in Marienbad 1 K; Wohl- tätigkeitsverein Chewra Kadischa 8 K; Bankdirektor Kollik 1 K; Fabrikant Heinrich Stein 1 K; Frl. Josefine Gottlob 50 h; k. u. k. Major Elstner 3 K; Prof. Dr. Liska 1 K 50 h; Dr. Tichy 1 K; Wölfler Friedrich 2 K 50 h; Rechts- praktikant Dr. Bruno Recht 3 K 50 h; Prof. Krause 2 K 50 h; Prof. Leop. Müller 1 K 50 h; Prof. Rud. Mohorn 1 K 50; Frl. Anna Cizek 1 K; Dr. E. Hahn, Zahnarzt in Pilsen 50 h; Kaufmann Josef Stahl in Bischofteinitz 7 K; Prof. Egerer 1 K 50 h; Anton Schwind(II.) 2 K; Oskar Kocholaty(II.) 10 K; — Im ganzen 398 K 50 h. Herr k. k. Statthaltereirat Hatläk hat die Loge der k. k. Bezirkshaupt- mannschaft in liebenswürdigster Weise zur Verfügung gestellt. 40 Die Einnahme für gelöste Karten betrug 797 K 60 h; somit ist die Summe der Einnahmen 1843 K 76 h; die Ausgaben belaufen sich auf 413 K 76 h; somit verbleibt ein Reingewinn von 1430 K. Übersicht. Betra V Einnahmen 2 Ausgaben Betsag K h K h † Stand des in der städtischen Unterstützung dürftiger Sparkassa angelegten Ver- Schüler in Geld, Büchern mögens am Schlusse des und Marken aus der Volks- Schuljahres 1910/11... 11229 98 KüCIe....... 1972 89 Zinsenzuwachs für die Zeit vom 1. Juli 1911 bis 1. Juli 1912... 434 91 Stand des in der deutschen Vorschußkasse angelegten Somit Kapitals am Ende des 3 3 Schuljahres 1910/11... 2097 48 Einnanmen.. 16140 15 K Zinsen hiefür vom 1. juli Ausgaben 1972 89 K 1911 bis 1. Juli 1912... 93 58 Es verbleiben 14167·26 K Spenden.... 754 20 Reinerträgnis des Konzertes 1430— Coupons von 6 Pfandbrie- fen der österr. Zentrai-. Bodenkredit-Bank... 43— Davon erliegen Zinsen der jubiläumsfrei- a) in der Sparkasse der tischstiktung für die Zeit V kgl. Stadt Pilsen.... 11828 91 vom 1. März 1911 bis b) beim deutschen Spar- und 1. März 1912.... 44— Vorschußvereine in Pilsen 2338 35 Coupons der österr. Staats- rente-Obligation... 8— Zusammen. 1 16140 15 Dazu kommen noch 6 Pfandbriefe der österr. Zentralbodenkreditbank im Nominalwerte von 1200 K, ferner als Stammvermögen der Jubiläums- freitischstiftung eine österr. Kronenrente im Nominalwerte von 1100 K. dann das Legat des Dr. Philipp Eckstein, bestehend in einer Kronen-Rente- Obligation, Nominalwert 200 K, endlich eine steuerfreie 4% österr. Staats- Rente-Obligation im Nominalwerte von 200 K. Damit beläuft sich das zur Unterstützung der Schüler verfügbare Vermögen auf 18.593 K 61 h. Prof. Romuald Kaderschafka, Kassier. Außer diesen unter den Einnahmen der Schülerlade verzeichneten Gaben sind den dürftigen Schülern von Vereinen und Wohltätern zahlreiche Unter- stützungen, teils in Geld, teils in Kosttagen und Kleidern bestehend, unmittelbar zugewendet worden. Der Direktor dankt allen Freunden der studierenden Jugend für diese Wohltaten, besonders auch den Erhaltern der Volksküchen. 41 VIII. Vermehrung der Lernmittel. a) Einnahmen. 1. Kassarest. 2. Für Zeugnisduplikate 4. 4......... 8— 3. Aufnahmstaxen von 64 neuaufgenommenen Schülern.. 1..... 268 80 4. Lehrmittelbeiträge von 302 Schülern.......... 604— 5. Ergänzungsdotation............... 119 20 1000— b) Zuwachs. Lehrerbibliotheh. Durch Schenkung: Von der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien: Die Sitzungsberichte der philos.-histor. Klasse, das Archiv für öster- reichische Geschichte, den Anzeiger der math.-naturw. Klasse.— Von der böhm. Kaiser Franz Josef-Akademie in Prag: Die gemeinsamen Publikationen und die der I., II., III. Klasse.— Von der Stadt Pilsen: Die Ergebnisse der Volkszählung 1910 von Jaroslav Schiebl.— Von der Frau Hofrat Ritter von Hansgirg eine große Anzahl Bücher, besonders Klassikerausgaben und Ge- setzessammlungen.— Vom stud. philos. Arthur Winkler: Die Homolka.— Vom k. k. Landesschulrat in Prag: Die Thronreden des Kaisers Franz Josef I., herausgegeben von Dr. Anton Bezecny.— Vom Verfasser Med. Dr. Alexander Hinterberger: Ist unser Gymnasium eine zweckmäßige Institution zu nennen? Durch Ankauf: a) Zeitschriften: Zeitschrift f. d. österr. Gymnasien, Wiener Studien, Zeitschrift f. deutsches Altertum, Lyons Zeitschrift für den deutschen Unterricht, Naturwissenschaftliche Rundschau, Mitteilungen und Jahrbuch der k. k. Zentralkommission, Vierteljahrsschrift für Gesundheitspflege, Deutsche Arbeit, Osterr. Turnschule. b) Fortsetzungen: Bronn: Klassen und Ordnungen des Tierreiches, Thesaurus linguae Latinae; Gramm: Wörterbuch; Baumgartner: Weltliteratur, VI. Bd.; Pastor: Papstgeschichte, II. Bd. c) Neue Werke: Osterr. Bürgerkunde(Patronat-Verlag Wien); Dr. Halma und Doktor Schilling: Die Mittelschulen Osterreichs, Sammlung der Vorschriften. Schülerbibliothek. Durch Ankauf: a) Zeitschriften: Alte und neue Welt 1911.— Deutscher Hausschatz 1911.— Teplitzer Stenographenblatt 1911.— b) Neue Werke: Neuer deutscher Jugendfreund, 66. Bd.— Das neue Universum, 32. Jahrgang. — Vitzthum„Christliche Kunst im Bilde.— Lamer„Griechische Kultur im Bilde“.— Flise Kronberg„Mädchenerzählungen deutscher Dichter“.— Wilhelm Kahl„Deutsche mundartliche Dichtungen“.— Paul Strzemcha„Deutsche Dich- tung in Osterreich im 19. Jahrhundert“.— Leo Smolle: Tegetthof, ein Held zur See.— Ullstein-Jugendbücher. O. Ernst: Gulliver in Liliput. Ernst von Wolzogen: Münchhausens Abenteuer. Gustav Falke: Die neidischen Schwestern.— Velhagen und Klasings Volksbücher. Karl Kollbach: Der Süd- pol. Ernst Nieman: Das Telephon. Eugen Zabel: Moderne Bühnenkunst.— Jugenfreund-Bibliothek:„Unter dem Bundschuh“,„Heimatlos“.— Sven Hedin: Von Pol zu Pol.— Heinrich Heine: Dichtungen für die deutsche Familie, aus- gewählt von Dr. A. Lohr.— Wagner: Grundfragen der Geologie.— Anzen- 42 gruber: Der Meineidbauer.— Droste-Hülshoff: Die Judenbuche.— Ebner- Eschenbach: Der Kreisphysikus.— Otto Ernst: Arbeit und Freude.— Klemens Brentano und Achim von Arnim:„Novellen“.— Detlev von Liliencron: „Kriegsnovellen“.— Karl Gutzkov: Uriel Acosta.— Jeremias Gotthelf:„Hans Jogelli, der Erbvetter“.— Friedrich Hebbel:„Agnes Bernauer“.— Paul Heyse: „Andrea Delfin“.— Henrik Ibsen:„Die Helden auf Helgoland“.— Gottfried Keller:„Das Fähnlein der sieben Aufrechten“.— Selma Lagerlöf: Erzählungen. — Wilhelm von Polenz: Novellen.— Ferdinand Raimund: Der Verschwender. — Ferdinand von Saar: Innocens.— Johannes Jörgensen: U. L. Frau von Dänemark.— Paul Keller: Die fünf Waldstädte.— Karl Fuchs: Ritterburgen und ritterliches Leben in Deutschland.— Karl Domanig: Der Tiroler Freiheits- kampf.— Dr. Anselm Salzer:„Geschichte der deutschen Literatur“, Heft 41— 46. Durch Schenkung: Eduard Pötzl„Gesammelte Skizzen“(vom Ver-— fasser).— Jugendalbum von Paul Lang u. a.— Josef Albram„Der letzte Trieb“ (Fuchs VII.).— Luis Coloma„Hinter den Kulissen“.— L. Coloma„Boy“.(Pro- fessor R. Totzauer).— Reuper„Deutsche im fernen Westen“(Herrmann VI.). — 75 Jahre österreichischer Lloyd(k. k. Landesschulrat).— O. Ludwig„Der Erbförster“,„Die Makkabäer“.— Handel-Mazzetti„Lesse und Maria“.— E. T. A. Hoffmann„Meister Martin“.— Rob. Hamerling„Aspasia“.— Emil Ertl „Die Leute vom blauen Guguckshaus“.— H. von Kleist„Michael Kohlhaas“.— (Vom Verlag Freytag.) Ferner wurden der Armenbibliothek der Schülerlade Schulbücher geschenkt von den Verlagshandlungen: k. k. Schul- bücherverlag, Tempsky, Manz, Herder, Hölder, Deuticke. Ein Herr der Skoda- werke schenkte Stowassers„Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch“. Ebenso schenkten mehrere Schüler der Anstalt Schulbücher. Geographisch-historische Lehrmittel. Baldamus, Deutschland und Oberitalien im 19. Jahrhundert.— Semanns Wandbilder: Dom von Florenz, Ubergabe von Breda.— Semanns Porträt- galerie: Wallenstein von van Dyck.— Geographische Charakterbilder aus Osterreich: Burg von Karlstein. Lenrmittel für den naturnistorisecnen Unterricht. Durch Ankauf: Schützenkartons für Herbarien, 20 Stück; Bennig- hoven, Anatomische Wandtafeln: Ganze Muskelfigur von vorne, ganze Muskel- figur von hinten; Pfurtscheller, Zoologische Wandtafeln: aves; Schuldemon- strationsmikroskop(50fache Vergrößerung). Durch Schenkung: 2 Tafeln Algen(18 Spezies) von der Adria (Herr Oberlehrer Spitzhüttl-Chotieschau); Moor- und Torfproben(14 Nummern) von Sebastiansberg im Erzgebirge, dazu X. Jahresbericht der Moorkulturstation in Sebastiansberg und der Sonderabdruck aus der„Osterr. Moorzeitschrift“: Vergletscherung und Moorbildung in Salzburg(jur. Dr. Wilh. Kriz, Bezirks- gerichtsleiter in Sebastiansberg); Braunalgen(2) von Devoty Kamill III. Kl. Lehrmittel für den physikalischen UÜUnterricht. Wurfapparat nach Rosenberg; Elektrisches Luftthermometer nach Rieß; Apparat nach Forster zum Nachweis, daß die Erwärmung eines Leitungs- drahtes proportional ist dem Widerstand und dem OQuadrat der Stromstärke; Apparat zur Darstellung des Geisers. Für den chemischen Unterricht: Apparat zum Beweis, daß Kohlensäuregas zu Boden sinkt. Für den mathematischen Unterricht: Kegelschnittszirkel für die Wandtafel nach Professor Busmann; zerlegbar(mit Kreis-, Ellipsen-, Parabel- und Hyperbelschnitt); 15 stereometrischer Modelle. 43 Drahtmaske. Lehrmittel für den Zeichenunterricht. Weigners Naturstudien und Kompositionen. Kegel Sammlung c) Stand der Lehrmittelsammlungen am Schlusse des Schuliahres. Lehrerbibliotheh. Werke. in Bänden in Heften. Programme Schülerbibliotheh. Werke in Bänden Physihalische Apparate Diagramme(Wandtafeln) andere Behelfe 4 Chemische Geräte und Apparate— Rohstoffe und Apparate. andere Behelfe.. Naturhistorische Objehte- Zoologische Botanische Mineralogische Geographie und Geschichte: Geschichtliche Wandkarten. Globen Tellurien Atlanten.. Naturkörper Kunstprodukte Andere Behelfe... 3 Geographische Wandkarten.. Geographische und geschichtliche Wandbilder. Münzensammlung... Geometrie: Körper und Modelle. Andere Behelfe Zeichnen: Apparate. Modelle für das ornamentale und figurale Zeichnen Modelle für das perspektivische Zeichnen. Vorlagen— Andere Behelfe: pjexts i d. tLecenstincihe Zeichnen. Gesang- Musikalien. Zuwachs 13 Ausge- schieden Zu⸗ sammen 44 IX. Reifeprüfung. 6) im Schuliahre 1910/11. Uber die schriftliche Prüfung wurde im vorjährigen Programm berich- tet. Die mündliche Reifeprüfung wurde am 11. und 12. Juli unter dem Vor- sitz des Herrn k. k. Schulrates Gustav Proft, k. k. Gymnasialdirektor in Smichow, abgehalten. Zu der Prüfung hatten sich alle 14 Schüler der VIII. Klasse und ein Externist gemeldet; von diesen wurden 4 für reif mit Aus- zeichnung, 6 für reif mit Stimmeneinhelligkeit und 4 für reif mit Stimmen- mehrheit erklärt, der Externe wurde auf ein Jahr reprobiert. Verzeichnis der im Schuliahre 1910/11 approbierten Abiturienten. E mit Auszeichnung.) Name ze⸗ Geburtsort V Gewählter Beruf Burg Ernst 1892 V Pilsen Jus Deppe Klemens 1893 Rokitzan Technik Fiedler Johann 1892 Skupsch Jus Graf Adolf 1893 Neudek lus Jobst Walter 1893 Pilsen K. u. k. Konsularakademie Krüttner Wilhelm 1892 Marienbad Theologie Mach Jaroslaus 1892 Littitz Theologie *Möhler Adalbert 1893 Staab Theologie *Münz Ernst 1893 Pilsen Jus Neukirchner Richard 1889 Karlsbad Jus Pick Franz 1892 Przemysl in Galizien Medizin *Plass Franz V 1892 Falkenau a. d. Eger Jus Ruprecht Heribert 1893 Bistritz am Hostein 2 V* Tetzeli von Rosador 8d. 1893 Theresienstadt Jus 1 b) im Schuliahre 1911/12. Zur Prüfung meldeten sich alle 26 öffentlichen und 1 Privatist der VIII. Klasse und zur Wiederholungsprüfung ein Externist. Die schriftliche Reife- prüfung fand am 17., 18. und 19. Juni statt: Es waren folgende Themen zu bearbeiten: I. Aus der deutschen Sprache:(Zur Auswahl.) 1. Inwieferne ist in Herders Wahlspruch„Licht, Liebe, Leben“ die Be- stimmung jedes Menschen vorgezeichnet? 2. Das Vaterland darf jedes Opfer fordern(Theodor Körner). 3. Wie weit hat der Mensch bisher Zeit und BRaum überwunden? 45 II. Ubersetzung aus dem Latein ins Deutsche: Caii Silii Italici Punicorum lib. XV. v. 19— 24, 28— 30, 32— 36, 40— 43. III. Ubersetzung aus dem Griechischen ins Deutsche: Platon: Menexenos XIX. c) Die mündlichen Reifeprüfungen werden vom ôé. bis 10. Juli unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Direktors des k. k. deutschen Staatsgymnasiums auf der Kleinseite in Prag, Franz Ullsperger, abgehalten werden. X. Verfügungen der vorgesetzten Behörden. 1. Die Ministerialverordnung vom 27. Juni 1911, Z. 25.681,(Verordn.-Bl. 1911, Stück XIV, Nr. 22) betreffend Lehrplan und Instruktion für Turnen nebst Weisungen über die Jugendspiele, hat mit dem Schuljahr 1911/12 in Kraft zu treten.(K. k. L.-S.-R.-Erl. v. 26. August 1911, Z. 1 B 2385.) 2. Verordnung des k. k. L.-S.-R. vom 11. Oktober 1911, Z. 1— B 25/75, daß die Schüler, welche sich zum Schießunterricht gemeldet haben, demselben das ganze Jahr hindurch beizuwohnen haben. 3. Das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht hat mit dem Erlasse vom 3. November 1911, Z. 44.000, die Errichtung je einer Parallelklasse zur I. und IV. Klasse für das Schuljahr 1911/12 genehmigt. 4. Auf Grund des Min.-Erl. vom 19. Dezember 1910, Z. 34.303, wird der Direktion zur Anschaffung einer neuen Orgel in der St. Annakapelle der auf die Anstalt entfallende Teilbetrag 1603 K angewiesen.(K. k. L.-S.-R. vom 30. No- vember 1911, Z. 1— B, 1942/2.) 5. Bei Benützung der Fahrbegünstigungsanweisungen auf den Staats- bahnen seitens der Studierenden wird vom 1. Jänner 1912 an ein Identitäts- nachweis verlangt.(Erlaß d. k. k. Min. f. Kultus u. Unt. vom 13. November 1911, Z. 32.630.) 6. Eine Entscheidung des Herrn k. k. Ministers für Kultus und Unter- richt bezüglich des Einflusses der Note„nicht genügend“ aus der Mathematik in der IV. Klasse auf das Aufsteigen des Schülers.(K. k. L.-S.-R. vom 17. Jänner 1912, Z. III C 10.) 7. Mit Erlaß vom 30. Dezember 1911, Z. 14.761, hat der Herr k. k. Mi- nister für Kultus und Unterricht für die erhöhten Kosten der Beleuchtung den Mehrbetrag von 200 K ins Ordinarium des Staatsvoranschlages für 1912 einzusetzen bewilligt. 8. Der k. k. Landesschulrat genehmigt mit Erlaß vom 3. Feber 1912, Z. 1 B, 4500/1 ex 1911, die Teilung der Gruppe IV des Zeitschriftenaustausches in IVa und IVb und bestimmt als Leiterin der letzteren Gruppe das k. k. deutsche Staatsgymnasium in Pilsen. 9. Der Herr k. k. Minister für Kultus und Unterricht hat mit Erlaß vom 4. März 1912, Z. 39.646 ex 1911 genehmigt, daß vom Schuljahre 1912/13 an- gefangen allmählich an den deutschen Gymnasien Böhmens der Unterricht aus der böhmischen Sprache als relativ obligater Gegenstand klassenweise mit je 3 wöchentlichen Stunden erteilt werde. 10. Bei außerordentlichen Prüfungen an Mittelschulen, aucn wenn an diesen Turnen obligat eingeführt ist, ist von einer Prüfung aus diesem Ge- genstand abzusehen. Nur wenn der Kandidat ausdrücklich darum ansucht, ist 46 er zu prüfen und die Leistung zu klassifizieren.(Min.-Erl. vom 13. April 1912, 7. 51.125.) 11. Mit dem Frlasse des k. k. Ministers für Kultus und Unterricht vom 5. April 1912, Z. 14.822, wird die Dauer des Schuljahres und der Ferien an den Mittelschulen definitiv geregelt. XI. Chronik. Das Schuliahr 1911/12 hub ungemütlich an; denn gleich zu Beginn brachte es der Anstalt einen sehr empfindlichen Verlust, indem der bisherige Direktor P. Oswald Mannl nach mnehr als 40 lähriger erfolggekrönter Tätigkeit ganz unerwartet in den Ruhestand trat. Die Hochachtung und Wertschätzung der ganzen Gesellschaft, die Anerkennung, Liebe und Freundschaft der an der Anstalt wirkenden Lehrkräfte und aller derjenigen, denen es gegönnt war, mit ihm in näheren Verkehr zu treten, die Dankbarkeit und Verehrung seiner Schüler, denen er nicht nur ein gütiger Lehrer, sondern auch ein um ihr Wohl besorgter väterlicher Berater und Freund war, sie alle fanden beredten Ausdruck in den Ehrungen, die diesem hochverdienten, in gleicher Weise als Pädagogen, wie als lauteren Charakter geschätzten Priester bei seinem Abschiede von Pilsen zuteil wurden. P. Oswald Mannl begann Seine Lehrtätigkeit an der Anstalt im Jahre 1870. Nach dem Abgange des Direktors P. Methud Schaffer(1895) wurde er vom hochwürdigsten Herrn Prälaten von Stift Tepl P. Alfred Clementso zum Leiter der Anstalt ernannt und als Direktor in definitiver Eigenschaft vom k. k. Landesschulrate durch Erlaß vom 12. August 1896, Z. 25.285, bestätigt. Hier eröffnete sich ihm ein Tätigkeitsgebiet, das in seinen segensreichen Er- folgen ein Ruhmesblatt in den Annalen der Anstalt für alle Zeiten bilden wird. Was unter seiner Leitung in hygienischer Beziehung geleistet wurde, was die Anstalt durch Zumietung frei werdender Räumlichkeiten im Gymnasialgebäude gewann, welchen Aufschwung auch sonst die Anstalt unter ihm genommen hat, so daß sie ihren alten bewährten Ruf behaupten konnte, ist ein beredtes Beispiel für das großartige Wirken dieses Mannes, der trotz aller Verdienste die Bescheidenheit selber blieb. Seine umfassende Bildung, seine Tätigkeit als erfahrener Pädagoge wußte die hohe Schulbehörde wohl einzuschätzen, indem sie ihn seit dem Jahre 1904 alljährlich mit dem Amte des Vorsitzenden bei den Reifeprüfungen an anderen Gymnasien betraute. Seine hervorragende Tätig- keit wurde auch von Allerhöchster Seite anerkannt, indem Se. Majestät ihm mit Allerhöchster Entschließung vom 4. September 1901 das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verlieh und ihn nach seinem Scheiden aus der Anstalt zum Regierungsrat zu ernennen geruhte. Die Anstalt sah Regierungsrat Mannl nur mit innigem Bedauern scheiden und wird seinem Wirken immer ein dankbares Andenken weihen. Möge es ihm vergönnt sein, noch viele Jahre in voller geistiger und körperlicher Rüstig- keit die weitere Entwicklung der ihm so lieb und teuer gewordenen Anstalt zu verfolgen! Am 19. September wurde das Schuljahr mit einem feierlichen Gottes- dienste und Vorlesung der Schulgesetze eröffnet. 47 Am 20. September wurde für Ihre kais. und königl. Maiestät Weiland Kaiserin Elisabeth ein feierliches Requiem abgehalten, desgleichen auch am 18. November, dem Vortag des Namensfestes der verstorbenen Kaiserin. Am 23. September wurde für den in den Ferien verstorbenen OQuartaner Klemens Mestek eine hl. Seelenmesse abgehalten. Am 24. September starb ein sehr braver und fleißiger Schüler der Anstalt Rudolf Dolezel(II.) an Magenblutungen. An seinem Begräbnis beteiligten sich alle Schüler der Anstalt, ebenso wohnten der hl. Seelenmesse für ihn alle katholischen Schüler bei. Am 2. Oktober 1911 erfolgte der Abschied des Direktors P. Oswald Mannl von der Anstalt; eine Abordnung, bestehend aus 3 Schülern der ober- sten Klassen, begab sich in die Direktionskanzlei und daselbst hielt Hecht Felix (VIII.) eine kleine Abschiedsrede an den scheidenden Direktor. Die anderen Schüler stellten sich unterdessen auf dem Gange des ersten Stockes in Spalier auf. Der ganze Lehrkörper gab seinem ehemaligen Vorstande das Geleite zur Haltestelle Pilsen— Reichsvorstadt. Dort hatten sich zum Ab- schiede auch viele Honoratioren der Stadt eingefunden, So Herr k. k. Statt- haltereirat Hatlak, k. k. Bezirkshauptmann Richter, k. k. Realschuldirektor Dr. Juritsch, k. k. Schulrat Maier und andere. Mit Erlaß des k. k. Landesschulrates vom 7. Oktober 1911 Z. 1— B 3038 wurde der Unterzeichnete als Direktor bestätigt und legte am 17. Oktober den Amtseid in die Hände des k. k. Vizepräsidenten des Landesschulrates, Herrn Dr. Karl Tobisch, in Prag ab. Am 7. November 1911 wurde der Supplent der Anstalt Johann Gerstner an der k. k. deutschen Universität in Prag zum Doktor der Philosophie promoviert. Mit Schluß des ersten Semesters des Schuljahres beschloß noch ein weiteres Mitglied des Lehrkörpers seine Lehrtätigkeit an der Anstalt. Der bisherige Katechet, Prof. P. Otto Hanika, der im Jahre 1898 mit Beginn des II. Semesters an die Anstalt gekommen war, wurde vom hochwürdigsten Herrn Prälaten Gilbert Helmer zum Inspektor der dem Stifte Tepl gehörigen Kuranstalten Marienbads ernannt. In den 14 Jahren seines Wirkens als Re-— ligionsprofessor war er im Dienst der Kirche und Schule unermüdlich und sehr erfolgreich tätig und erwies sich jederzeit als warmen Freund der studieren- den Jugend. Welcher Wertschätzung er sich seitens der Studenten erfreute, das zeigte wohl am besten die Tatsache, daß sich zu seinem Abschied, Sonn- tag, den 25. Februar, eine sehr große Zahl von Schülern am Bahnhofe einfand. Der k. k. Landesschulrat sprach dem neuen Herrn Brunneninspektor von Marienbad mit Erl. vom 4. März 1912, Z. 1— B 317/0 seinen Dank und die be- sondere belobende Anerkennung aus. Desgleichen Se. Eminenz, der hoch- würdigste Herr Kardinal Fürsterzbischof von Prag.(Zuschr. des fürsterzb. Konsistoriums vom 21. Februar 1912, Z. 2332.) An die Stelle des P. Hanika trat P. Alois Mayer, bisher Katechet an der Bürgerschule in Staab. Der alte Spruch„Media vita in morte sumus“ bewahrheitete sich am 11. April, indem der unerbittliche Tod einen sehr geweckten und lebenslustigen Jüngling, den 15jährigen Schüler der IV a-Klasse Benedikt Mühlen nach kaum 22stündigem Krankenlager dahinraffte. Mit ihm sank die einzige Hoffnung 48 seiner fern in Rußland lebenden Eltern jäh ins Grab. Das Requiem für ihn fand am 17. April statt. Am 11. Mai inspizierte der Fachinspektor für den Turnunterricht an den deutschen Mittelschulen Böhmens, Herr Josef Schantin, den Turnunterricht in der Pa und Ib Klasse; ebenso inspizierte der hochwürdigste Herr Erz- dechant von Pilsen Joh. Cerny, am 7. Juni den katholischen Religionsunterricht und am 10. Juni der Herr k. k. Landesschulinspektor Georg Tauber den Unter- richt im Latein in der II. Klasse. Am 8. Juni starb nach langem Siechtum ein äußerst fleißiger, gesitteter und talentierter Schüler, Hönig Richard, aus der zweiten Klasse; an seinem Begräbnis nahmen alle Schüler teil. Durch die Munifizenz des löblichen Stadtrats der kgl. Stadt Pilsen erhielt das Gymnasium ein herrliches Portal. Als im Jahre 1911 das im schönsten Barockstil erbaute Guldenersche Haus am Eingange vom Ringplatz in die Fodermayergasse abgetragen wurde, um einen modernen Bau an seine Stelle zu setzen, da suchten Kunstfreunde wenigstens das Portal zu retten. Weil jedoch dasselbe nicht zum neuen Hause paßte, so verfiel man auf den glück- lichen Gedanken, es an das alte Gymnasium zu geben, in der Nähe der St. Annakirche, die im gleichen Stil erbaut ist. Der alte, vollständig schmuck- und kunstlose Eingang des Gymnasiums wurde verbreitert und im ersten Stock verschwanden 2 Fenster, um einem einzigen größeren Platz zu machen. Der Bau wurde während der Ferienzeit 1911 ausgeführt und anfangs des Schuljahres beendigt; er kostete die Summe von 3983 K 54 h. Das Portal ist nicht nur eine Zierde des Hauses, sondern auch der Stadt, weil in einer der belebtesten Gassen gelegen; es tritt hier sogar mehr hervor als an seinem ursprünglichen Standplatz, wo es von der Masse von Kaufläden förmlich er-— drückt wurde. Der Gottesdienst war bei den Schülern aller Konfessionen geregelt; die katholischen Schüler wohnten in der wärmeren auch an Wochentagen dem Gottesdienste bei und beteiligten sich samt dem Lehrkörper an der Fronleich- namsprozession. Am 2. Dezember, 1. April und 22. Juni empfingen sie die hl. Sakramente der Buße und des Altares. Mit der österlichen Beichte wurden die geistlichen Exerzitien verbunden. Am 10. Februar wurden die Semestralausweise verteilt, am 6. Juli wurden die Schüler nach einem feierlichen Gottesdienste, Absingung der Volkshymne und Verteilung der Jahreszeugnisse entlassen. 49 XII. Statistik der Schüler. Klasse 5 1 IV 3 ⁵ n m v wI vI v S a b a b 2 1. Zahl. Zu Ende des Schuljahres 1910/11 382 435 477 33(272² 311 281 14 26118 Zu Anfang des Schuljahres 1911/12. 24 231 422 394 223 243 22 282 32 251 28116 Während des Schuljahres eingetreten- 1— 2— 1——— 1 1 6 Im ganzen also aufgenommen... 25 231 442 394 233 243 22 282 33 261 28716 Darunter: Neu aufgenommen, und zwar: aufgestiegen........ 24 231 5 3 1 2 2 1 3 1 651 Repetenten.... 1— 2—DMͦ—— 1— 4 Wieder aufgenommen, und zwar: aufgestiegen........—— 352 364 223 213 20 262 29 251 21415 Repetenten.... S2 4 Während des Schuljahres arscettete 3⸗— 4 31/ 1=1l= l 123 Schülerzahl zu Ende 1911/12... 221 231 402 363 223 242 22 271 33 261 27514 Darunter: Offentliche Schüler....... 22 23 40 36 22 24 22 27 33 26 275 Privatisten........ 1—-—- 1——— 1 3 Privatistinnen.......[—- 1 2 3 3 1— 1—— 11 2. Geburtsort(Vaterland). Pilsen..... 9 131 61 121 42 7 7 5 6 9 785 Böhmen(außer Bissen)..... 1¹1 9 30¹1 20 151 141 13 201 22 161 1706 Niederösterreich.......—— 1 2 1 1 1 1 1— 8 Oberösterreichh—— 1 1——— 2 Mähren...........[1— 1— 1— 1 1 1 6 Schlesien....——— 1——— 1 1² Steiermark........—— 1———— 1——— 2 Tirol.—————— 1— 1 Istrien.——————— 1— 1 Ungarn und Siebenbürgen.— 1— 11———— 21 Deutschland........ 1——— 1———— 2 Rußland. w——— 1— 1—— 2 Summe.. 221 231 402 363 223 242 22 ſen 33 261 27514 3. Muttersprache. Deutsch........... 221 231 382 356 193 ,222 20 231 33 251] 26014 Eechoslavisch.........[—— 2 1 3 2 2 4— 1 15 Summe... 211 231 402 363 223 242 22 271 33 261 27514 * Davon 1, der als Privatist weiterstudiert. Klasse 15 25 1 In V v VI VII VIII 1⁵ ... a l b ab 2 4. Religionsbekenntnis. Katholisch. 101 131 31 272 161 162 13 20 2 151] 1878 Evangelisch Augsburger Konfession. 4— 2 41— 2 1— 1— 141 Israelitisch.. 3. 8 10 72 5 62 6 8 71 6 11 745 Sums. 221 231 402 363 223 242 22 271 33 261] 27514 5. Lebensalter. 11 Jahre 6 7——————— 13 12 Jahre. 12¹121 5——————— 292 13 jahre 3 2 232 9——-———— 372 14 Jahre— 1 9(162 3 31———— 323 15 Jahre 1 1 3 71 142 14 7——— 473 16 jahre—— 4 4¹ 51 7 4—— 2242 17 Jahre———-— 1 2 6 14 6— 29 18 Jahre——= 2 51 12 61 252 19 Jahre 2—————— 3 12 11 26 20 Jahre—————— 3 6 9 21 Jahre———-—-- 1—[1 2 22 Jahre..—————— 2 2 Summe... 221 231 402 36 224242 22 271 33 26 ¹27514 6. Nach dem Wohnorte der Eltern. Ortsangehörige 15 14 172 183 93 111 12 9 13 13 13110 Auswärtige. 71 9 23 18 13 131] 10 181 20 131 1444 Summe. 221 231 402 368 225 242 22 271 33 261] 27514 7. Klassifikation. a) Zu Ende des Schuljahres 1911-12: Zum Aufsteigen in die nächste Klasse waren(haben die oberste Klasse beendet): Vorzüglich geeignet Lat Totelojichon Erfolg). 4 6 12 131 52 42 1 6 9 4 64⁵ Geeignet(mit Erfolg). 111 14 232 212 171 17 21 201 21 211 1868 Im allgemeinen geeignet.. 2 1— 1————— 3¹ Nicht geeignet Erit nicht genügendem Erfolg 5 2 3 1— 3 1 1 1 17 Die Bewilligung zu einer Wieder- holungsprüfung erhielten— 1 1—-——— 2— 4 Nicht klassifiziert wurden—— 1——————— 1 Summe. 221 231 402 363 223 242 22 271 33 e 2751¹4 V V * Während der Drucklegung gestorben. 51 b) Nachtrag zum Schuljahre 1910/11: Wiederholungsprüfungen waren bewilligt. Entsprochen haben... Nicht entsprochen haben... Nachtragsprüfungen waren bewilligt Darnach ist das Endergebnis für 1910/11 Zum Aufsteigen in die nächste Klasse waren(haben die oberste Klasse beendet) Vorzüglich geeignet(liit Preüsllehem Erfolge).. 3 Geeignet(mit Erfolg). Im allgemeinen geeignet. Nicht geeignet(mit nicht genicgendem Erfolg)..... Nicht klassifiziert wurden VI VII VIII Zusam- men 1 1I 1 1 E . — do 8 24 1— 1 1.= w 71 4 4 757 23 231 10 0 17911 — — i Summe. 8. Geldleistungen der Schüler. 1 Das ganze Schulgeld zu zahlen waren verpflichtet: 382² ³ 2 234 33 e 272˙3 281 14 2611¹s VI VII VIIS im I. Semester. im Il. Semester. 72 9 141] 11614 Zur Hälfte waren befreit: im I. Semester. im II. Semester. Zur Gänze waren befreit: im IJ. Semester. im II. Semester. Das Schulgeld betrug im ganzen: im l. Semester. im II. Semester. Die Aufnahmstaxen betrugen. K Die Lehrmittelbeiträgebetrugen K Taxen für Zeugnisduplikate. K Sammlung für die Jugend- fürsorge. 1. — I4·26 16·40 2·28 4-14 105 ·20 52 9. Besuch des Unterrichtes in den relativen und nicht obligaten Gegenständen. Böhmische Sprache: Abteilung 1 a b Freihandzeichnen: 3. Abteilung. Turnen: 3. Abteilung. 4.. 7 5.„ Gesang: 1. Abteilung 2. 2 Stenographie: 1. Abteilung 2. 5 Französische Sprache: 1. Abteilung 2. 27 Englische Sprache: 1. Abteilung 2. 27 10. Dispensen. a) vom obligaten Zeichnenunterricht b) vom obligaten Turnunterricht 11. Stipendien. Anzahl der Stipendisten Klasse 2 5 5 1 IV 2 5 II III— V VI vI vin S ab a b— 18— 5— 12———— 26 — 14 9 7 1 3 2——— 36 —— 8 10— 3 2 1—— 24 ——— 8 6 1 6 3 1 1 26 ———— 1—— 1 3 3 8 obligat ——— 14 3 61 1 2—— 26¹ obligat —— 27———-—— 27 ————[13 17 11——— 41 —=—= 11 11 25 14 14—--—-——— 28 ——[11 1—-——-— 12 ———— 15 12 11 1—— 39 ———=—-— 78 2— 12 ———— 7 7 4 7—— 25 —————— 2 5 3 4 14 ———— 5 4 2 7 3— 21 == 3 41 6 2 20¹ 3 53——————— 11 12—————— 3 —— 1 4 1 1— 2 5 1 15 XIII. Verzeichnis der Schüler am Schlusse des Schuljahres. (Mit Angabe des Geburtsortes.) Die mit* bezeichneten Schüler sind Vorzugsschüler. (Sämtliche Privatistinnen hatten die Bewilligung zum Hospitieren.) I. a Klasse. Bartelmus Werner aus Pilsen. Bartsch Hellmut aus Düssseldorf (Preußen). Bilek Josef aus Olmütz(Mähren). Breinl Josef aus Tachau. »Dollhopf Norbert aus Tachau. Drechsler Viktor aus Weseritz. Elkan Paul aus Pilsen. Feigl Rudolf aus Nusle. Frisch Josef aus Pilsen. *(erstner Max aus Stift Tepl. Giebl Richard aus Pollinken. Grünseisen Emil aus Glatzen bei Königswart. Gutwillig Ernst aus Pilsen. *Hammer Erwin aus Rauschenbach. Heller Hermann aus Chotieschau. Hlavaty Karl aus Teplitz-Schönau. Hofmann Herbert aus Pilsen. Imergut Karl aus Pilsen. Kautek Edmund aus Pilsen. Kronich Walter aus Pilsen. Lazansky Adolf aus Neu-Strakonitz. Leberl Alfred aus Bischofteinitz. Lederer Paul aus Pilsen. 22 1. I. b Klasse. Löwy Emil aus Pilsen. Maier Otto aus Pilsen. Merkendörfer Wilhelm aus Leskau. *Paul Franz aus Pilsen. *Pechot Friedrich aus Pilsen. Plail Franz aus Obergodrisch. *Pollak Oswald aus Pilsen. *Pöpperl Adolf aus Leskau. Porsch Johann aus Pilsen. Schirmer Franz aus Auschowitz. Seipka Johann aus Pilsen. Skalicky Josef aus Rothenbaum. Swoboda Johann aus Staab. Tanzer Josef aus Pilsen. *Tischler Ernst aus Rauschenbach. *Tolnai Paul aus Budapest(Ungarn). Weinfeld Wilhelm aus Pilsen. Weis Anton aus Stanowitz. Weiss Walter aus Neustadtl b. Haid. Wolf Franz aus Pilsen. Wolf Josef aus Pilsen. Wollner Johann aus Pilsen. Zucker Ernst aus Pilsen. Privatistin: Merz Hermine aus Pilsen. 23*1. II. Klasse. Adler Franz aus Pilsen. Beck Walter aus Kladno. Blau Karl aus Rothenbaum. Bürkl Josef aus Linz(Oberösterr.). *Ebenhöh Anton aus Sadl. Filz Edler von Reiterdank Friedrich aus Graz(Steiermark). Haala Johann aus Stich. Haschek Leopold aus Klenowitz. Heimrath Ernst aus Kurschin. Höbenreich Adolf aus Wien. Hönig Richard aus Seltsch.* Kallina Johann aus Niemtschitz. Knedlik Franz aus Pilsen. Kobias Ernst aus Neumarkt. Kocholaty Oskar aus Einsiedl. Kohn Friedrich aus Dehlau(Böhm.). Landa Karl aus Landskron. *Lösch Johann aus Unterdörfles. *Löwi Ludwig aus Muttersdorf. *Mayer Georg aus Eger. * Meiner Willibald aus Sulkov. ¹ Seit Ostern Privatist. ²2 Ist während der Drucklegung gestorben. 54 „Meyer Florian aus Tschihana. „Nadler Ernst aus Marienbad. Paul Hermann aus Pilsen. *Plass Johann aus Falkenau. Rösch Eduard aus Brünn(Mähren). Rollig Richard aus Pilsen. Rostosky Johann aus Pilsen. Schell Theodor aus Alt-Langendorf. Scheithauer Leopold aus Aussig. *Schieter Edler von Wahlburg Viktor aus Strakonitz. Schier Franz aus Tedralic. *Schwind Anton aus Pfraumberg. *Spitzhütt! Hermann aus Dobrzan. Svatos Anton aus Leitmeritz. Thum Rudolf aus Petersheim. Wartlick Erich aus Hermannshütte. Wölfler Rudolf aus Pilsen. Zeleny Max aus Postelberg. Zunterstein Ernst aus Tschernoschin. Privatistinnen: Pick Charlotte aus Reichenberg. Sabat Gertrud aus Pilsen. 40+ 2. III. Klasse. Adam Josef aus Holleischen. Berger Karl aus Lihn(Sulkov). Breinl Anton Josef aus Tachau. Dedié Josef aus Pilsen. »Devoty Kamill aus Moskau(Ruß- land). Elstner Kurt aus Königgrätz. Feil Moritz aus Pilsen. *Felbinger Franz aus Wien. *Ferber Walter aus Pilsen. Fiedler August aus Chiesch. Hauptmann Josef aus Lubenz. Helma Josef aus Mathildenzeche. * Hoffer Willi aus Luditz. Hofmann Siegfried aus Pilsen. Kießwetter Adolf aus Luditz. Kleinhampl Franz aus Pilsen. *Klieber Franz aus Pomeisl. Lieberls Siegfried aus Linz(Ober- österreich). Lotter Josef aus Leskau. Lurie Otto aus Tachau. * May Raimund aus Marienbad. * May Edler von Kovéegboi Richard aus Pilsen. Mayer Johannes aus Eger. Merz Friedrich aus Pilsen. Müllendorff Walter aus Pilsen. *Némeic Ludwig aus Nepomuk. *Prosch Josef aus Habakladrau. Reimelt Friedrich aus Pilsen. Schröpfer Anton aus Waldersgrün. Schusser Franz aus Nesnitz. Seipka Ernst aus Pilsen. Steinmassler Alois aus Wien. Turnwald Anton aus Lippen. *Vogl Josef aus Pilsen. Weinfeld Leo aus Pilsen. *Zelzer Wilhelm aus Auherzen. Privatistinnen: Hecht Elisabeth aus Jägerndorf (Schlesien). *Sock Brünhilde aus Hermannstadt (Siebenbürgen). Vezmar Emilie aus Pilsen. 36* 3. IV. a Klasse. Beer Wenzl aus Lohowa. Blaha Andreas aus Tuschkau. Bodenstein Karl aus Friedau bei Obergrafendorf(Niederösterreich). Brandtner Alexander aus Wies bei Eger. Demuth Johann aus Nürschan. Dorschner Anton aus Kosolup. FEkstein Emil aus Bischofteinitz. *Prank Josef aus Weseritz. Frank Robert aus Kollautschen. Fremuth Franz aus Deschenitz. Glauber Alfred aus Tachau. Graf Leopold aus Smichov. *Gruber Karl aus Schlowitz. Härtl Viktor aus Pilsen. Heller Franz aus Pilsen. Imergut Rudolf aus Pilsen. kletter Anton aus Komorn(Ungarn). Kloger Peter aus Brünn(Mähren). *Kneisl Richard aus Aujezd bei Tuschkau. *Lippert Peter aus Littitz. Löwy Karl aus Pilsen. * Mach Gottlieb aus Littitz. Privatistinnen: *Friedler Olga aus Pilsen. *Grüner Margarete aus Mies. Härtl Margareta aus Pilsen. 22* 3. IV. b Klasse. Paterny Eugen aus Marienbad. Pichl Johnann aus Dobrzan. Pröckschl Alphons aus Falkenau. Puchta Josef aus Chotieschau. Panft Heinrich aus Geestemünde (Deutschland). Reiner Franz aus Pilsen. Rössler Wilhelm aus Theusing. Roth Paul aus Pilsen. Rotter Adolf aus Pilsen. *Rudinger Zdenko aus Pilsen. *Rüdiger Paul aus Kladno. Sock Rudolf aus Wien. Stahl Josef aus Bischofteinitz. Stampfl Stephan aus Pilsen. Stein Viktor aus Pilsen. *Steiner Bruno aus Brüx. *Steiner Otto aus Eistenstein. Tippmann Franz aus Kaaden. Tögl Ernst aus Niwka(Russisch- Polen). Träger Alfred aus Schönwald bei Tachau. Urchs Ferdinand aus Pilsen. Wilhelm Adolf aus Stankau. Woller Hermann aus Obersekrschan. Zeleny Johann aus Postelberg. Privatist: * Taaffe Graf Eduard aus Ellischau. Privatistin: *Hecht Margot aus Jägerndorf (Schlesien). 24 2. V. Klasse. Behr Maximilian aus Reichenberg. Haberda Walter aus Pilsen. Jahl Johann aus Pilsen. Kraus Rudolf aus Pilsen. Leiner Josef aus Schönthal. Mates Otto aus Pilsen. Mrazek Friedrich aus Haid. Panesch Othmar aus Wien. *pPerger Ritter von, Eduard aus Kanitz. Popper Karl aus Pilsen. Radl Alois aus Eger. Raumann Emil aus Pisen. Riedl Friedrich aus Dux. Rosenberg Hellmuth aus Marienbad. Sattler Fuust aus Obersekrschan. Schleissner Leo aus Pfestitz. Steiner Egon aus Brüx. Syka Willibald aus Pilsen. Wartlick Rudolf aus Obersekrschan. Weintraub David aus Glosau. Wiehl Johann aus Nürschan. Wurja Johann aus Marburg(Steier- mark). 22. VI. Klasse. Adler Johann aus Pilsen. Burg Rudolf aus Pilsen. Dorschner Josef aus Kosolup. Drechsler Rudolf aus Weseritz. Frank Anton aus Mallowitz. 55 Frauknecht Karl aus Weigelsdorf (Niederösterreich). CGoldmann Edmund aus Elsch. Heinrich Hugo aus Marienbad. *zHerrmann Anton aus Kasnau. *Hilburger Johann aus Gottowitz. Kahn Franz aus Pilsen. Kortschik Josef aus Nürschan. Kraus Leo aus Leskau. Kuff Josef aus Littitz. Nadler Franz aus Landek. Pist! Johann aus Lichtenstein. *Pistl Walter aus Staab. Rauscher Anton aus Nürschan. Reismann Josef aus Marienbad. *Schnabl Georg aus Dürrmaul. Seemann Josef aus Radlowitz. Urban Karl aus Mährisch-Schön- berg(Mähren). *Urchs Oswald aus Pilsen. Voit Engelbert aus Prosau. *Waldstein Rudolf aus Pilsen. Wolf Jaroslav aus Mathildenzeche. Zaväzal Franz aus Cerekvic. Privatistin: Rosenberg Frieda aus Schweißing. 27 1. VII. Klasse. Ebert Erich aus Prag. Fuchs Zdenko aus Oberkörnsalz. Gail Alfred aus Thiergarten. Gatscha Josef aus Schwan. *Gilli Paul aus Untermais(Tirol). Gillich Karl aus Pürles. Görg Viktor aus Pilsen. Heidl Josef aus Woiteschin. Hofmann Heinrich aus Mies. *Kallab Johann aus Pilsen. Kraus Heinrich aus Littitz. Landa Robert aus Landskron. Leitner Josef aus Pilsen. *Lerch Franz aus Hangendorf. Lieberls Alphons aus Wien. Maier Gustav aus Marienbad. * Manner Otto aus Marienbad. Nadler Fduard aus Marienbad. Oliva Theodor aus Holzmühl bei Iglau(Mähren). *Perger Ritter von, Johann aus Kanitz. *Pergner Eduard aus Tachau. Pitka Franz aus Mallowitz. Rauner Josef aus Lihn. Scheyer Wilhelm aus Eger. Schleißner Leo aus Lihn. Sock Paul aus Pola(Istrien). Steiner Erwin aus Pilsen. *Steiner Karl aus Dürrmaul. Stopfer Anton aus Marienbad. 56 Wenzl Julius aus Pilsen. *Weselsky Lothar aus Troppau (Schlesien). Wolf Ernst aus Pilsen. *Zahn Karl aus Luditz. 33. VIII. Klasse. Braunreiter Wilhelm aus Pilsen. Drechsler Rudolf aus Pilsen. *Eisler Karl aus Pilsen. Ekstein Franz aus Pilsen. Freund Georg aus Pfestitz. Glaser Gustav aus Hartmanitz. Gutfreund Julius aus Anischau. Hammer Franz aus Rokycan. *Hecht Felix aus Brünn(Mähren). Karmann Josef aus Gibian. Kottlarzig Albert aus Pilsen. *Kovakik Alphons aus Pilsen. Krogéak Johann aus Sevetin. Licht Josef aus Wurken. Plass Wilhelm aus Falkenau. *Salz Ernst aus Staab. Schick Oskar aus Leitmeritz. Schlaffer Johann aus Nürschan. Schmidtmeier Josef aus Zizkov. Schröpfer Franz aus Waldersgrün. Swoboda Heinrich aus Babylon. Treulich Leo aus Wranow. Wléek Johann aus Pilsen. Wölfler Friedrich aus Pilsen. Wunsch Anton aus Wranow. Wybiral Edler von Klarensee Richard aus Pilsen. Privatist: Schreiner Georg aus Oberstankau. 265 1. 57 XIV. Kundmachung für das Jahr 1912/13. Aufnahme in die I. Klasse. Die Schüler, welche in die I. Klasse aufgenommen werden wollen, haben sich in Begleitung der Eltern oder eines Stellvertreters am 6. oder 8. Juli oder am 16. September von 9—12 Uhr vormittags in der Direktionskanzlei der Anstalt zu melden. Hiebei ist mittels des Taufscheines oder Geburtszeugnisses der Nachweis zu liefern, daß der Schüler, der die Aufnahme anstrebt, 10 Jahre alt ist oder wenigstens bis Ende 1912 das 10. Lebensjahr vollenden wird. Die vormittags Angemeldeten werden nachmittags geprüft. Die von einer öffentlichen Volksschule kommenden Aufnahmswerber haben sich außerdem mit dem vorgeschriebenen Frequentationszeugnisse auszuweisen, die von Bürgerschulen kommenden Schüler mit dem letzten Semestralzeugnisse. Bei der Aufnahmsprüfung werden folgende Anforderungen gestellt: a) In der Religion jene Kenntnisse, welche die Volksschule in den ersten vier Jahrgängen gewährt. b) Fertigkeit im Lesen und Schreiben der deutschen Sprache, Kenntnis der deutschen Formenlehre, Fertigkeit im Analysieren einfacher be- kleideter Sätze. c) Gewandtheit in den 4 Rechnungsarten mit ganzen Zahlen. Von dem Erfolge der Prüfung hängt die Aufnahme ab. Nach dem Ein- tritte sind 4 K 20 h als Aufnahmstaxe, 2 K zur Anschaffung von Lehrmitteln, zusammen 6 K 20 h, zu entrichten. Das Schulgeld beträgt halbjährig 40 K. Auinahme in die übrigen Klassen. Alle dem k. k. deutschen Staatsgymnasium bisher angehörenden Schüler, öffentliche oder Privatisten, haben sich zur Wiederaufnahme spätestens am 17. September zu melden, hiebei das letzte Semestralzeugnis vorzuweisen und den Lehrmittelbeitrag von 2 K zu entrichten. Schüler, die von einem anderen Gymnasium kommen und aufgenommen werden wollen, haben am 16. September 1. die Bestätigung ihrer vorschriftsmäßigen Abmeldung, 2. den Tauf- oder Geburtsschein, 3. die Studienzeugnisse aus den letzten 2 Semestern vorzulegen. Die Gebühren betragen, wie bei der Aufnahme in die I. Klasse, zu- sammen 6 K 20 h, bei ienen, die von der Schulgeldzahlung befreit sind, 2 K. Die Wiederholungs- und Nachtragsprüfungen werden am 17. September von 8 Uhr an abgehalten. 58 Das neue Schuljahr wird am 18. September 1912 früh um 8 Uhr mit einem feierlichen Gottesdienst und Verlesung der Schulgesetze eröffnet. Der Unterzeichnete spricht zum Schlusse für alle dem k. k. deutschen Staatsgymnasium gewidmeten Schenkungen und hochherzigen Spenden den wärmsten Dank aus und bittet die Gönner der Anstalt um geneigte Bewahrung des bisherigen Wohlwollens. Pilsen, den 6. Juli 1912. P. Ernst Schneider, Direktor. XV. Verzeichnis der Lehrbücher, welche im Schuljahre 1912/13 in Verwendung kommen. I. Klasse. Religion: kath. Großer Katechismus. Deutsch: Willomitzer, Deutsche Grammatik für Mittelschulen, 13. Aufl., Jelinek-Bauer-Streinz, Deutsches Lesebuch, 2. Aufl.— Latein: Grammatik von Karl Schmidt, 11. Aufl.; Hauler, Ubungsbuch, 21. Aufl.— Geographie: Müllner, Erdkunde 1. Teil, Kozenn, Atlas, 42. Aufl.— Mathematik: Jacob-Schiffner-Travniéek, Arithmetik, 2. Aufl.; Raumlehre 1. Teil der Unterstufe.— Naturgeschichte, Nalepa Tier- reich, 6. Aufl.; Beck von Mannagetta, Pflanzenreich, 5. Aufl. In den übrigen Klassen bleiben die auf S. 30 und 31 angeführten Bücher mit folgenden Ausnahmen: In der IV. Klasse kommt das Deutsche Lesebuch von Jelinek-Bauer-Streinz, 4. Teil, in der VIII. Klasse aus Geographie und Ge- schichte das Lehrbuch von Zeehe und in der Psychologie das Lehrbuch von Dr. Willmann zur Verwendung. Die Schüler dürfen nur solche Bücher benützen, welche die Approbations- klausel haben. WV. Verzeichnis der lehrbücher,