Programm des Königl. Gymnasiums zu Münstereifel über das Schuljahr von Ostern 1883 bis Ostern 1884. Veröffentlicht von dem Direktor der Anstalt Dr. Gustav Ungermann. Inhalt: 1) Bemerkungen zu Schillers Dramen. I. Wallenstein. Von dem ordentlichen Lehrer Dr. Karl Koch. 2) Schulnachrichten. Von dem Dir ekt or- Aℳ ——————ꝛf—— Bonn, Universitäts-Buchdruckerei von Carl Georgi. 1884. 1884. Prog.-Nr. 411. BEMERKUNGEN 2ZU SCHILLERS DRAMIN. I. Wallenstein. (Der) ungesättigt immer weiter strebend, Der unbezähmten Ehrsucht Opfer fiel. „Die Vollendung des„Wallenstein“ bezeichnet einen der bedeutungsvollsten und folgen- reichsten Zeitpunkte in der Geschichte unserer neuern Dichtung. Eine poetische Haupt- gattung, das ernste Drama, trat hinaus aus der kleinbürgerlichen Welt in das öffentliche Volksleben“, ¹) kühn verliess der Dichter die alte Bahn, um den Hörer aus des Bürgerlebens engem Kreis Auf einen höhern Schauplatz zu versetzen. Zerfallen sehen wir in diesen Tagen Die alte feste Form, die einst vor hundert Unqd fünfzig Jahren ein willkommner Friede Europens Reichen gab, die teure Frucht Von dreissig jammervollen Kriegesjahren. Noch einmal lasst des Dichters Phantasie Die düstre Zeit an euch vorüberführen, Und blicket froher in die Gegenwart Und in der Zukunft hoffnungsreiche Ferne. ²) „Schon diese Wahl(des Stoffes) allein macht Schiller zum grossen Dichter“. ³²) Aber nicht nur der grosse, nationale Gegenstand verlieh dem Werke jene hohe Bedeutung, sondern auch„die lebensvolle, in den meisten Punkten vollendete Ausführung“, 4) die Kunst, mit der er diesen grossen Gegenstand„in einer Reihe reich belebter und markiger Bilder zur An- 1) Koberstein, Aug.: Grundriss der Geschichte der deutschen Nationallitteratur 45. Leipzig 1873. S. 499. 2) Schillers sämtliche Schriften. Historisch-kritische Ausgabe. 12. Stuttgart 1872. Wallenstein. Prol. 53 f.; 70—78. 3) Vilmar, A. F. C.: Geschichte der deutschen National-Litteratur. 9. Aufl. Marburg 1862. 8. 483. 4) Vilmar a. a. 0. 4 schauung brachte, die zu einem bis dahin in der deutschen Poesie noch nicht gekannten grossartigen, und von einer hohen Idee getragenen, in fast allen Charakteren und in den meisten übrigen Besonderheiten mit bewundernswürdiger Dichterkraft ausgeführten Ganzen verbunden waren“. 1) Alle Kritiker haben am Ende doch ein Wort begeisterten Lobes für dieses grossartigste aller Schillerschen Dramen, mögen sie auch Fehler an dem Werke auf- decken. Denn manche Aeusserung herben Tadels musste der Dichter vernehmen. Besonders warf man ihm vor, er habe, um die Alten nachzuahmen, die Freiheit unseres Geschlechtes geleugnet, er habe ferner, um seinem idealistischen Triebe folgen zu können, Max und Thekla eingeführt: man klagte über die im Drama herrschende Schicksalsidee und die Liebes- episode. Teils wollte man in dem Werke das Walten des antiken Schicksals erkennen, ²) das durchweg eine zwingende Gewalt auf den Helden ausübe, während andrerseits das gerade Gegenteil behauptet wurde,³) teils in dem Gedichte eine Geteiltheit der Principien der Schuld und des Schicksals, eine Verbindung des antiken und modernen Schicksalsbegriffes finden. ¹) Bei dieser Verschiedenheit, ja dem völligen Widerstreit der Ansichten erscheint eine nochmalige Prüfung des Werkes selbst wohl gerechtfertigt. 1) Koberstein a. a. 0. 2) Süvern, Prof. W.: Ueber Schillers Wallenstein in Hinsicht auf griechische Tragödie. Berlin 1800. S. 155.„Des Schicksals eiserne Gewalt, fürchterlich den Mann umstrickend, der sie zuerst gereizt, auf die zurückfallend, die ihr dienten, und zermalmend alles, was sich ihnen näherte, ist das Thema des Wallenstein.“ Tieck, Ludw.: Dramaturgische Blätter»(1826) 1. Teil. Leipzig 1852. S. 47. Wallenstein wird„von vielen, ja zu vielen Motiven seinem Untergange entgegengetrieben, Selbständigkeit, Kampf ist nicht mehr möglich, und er erliegt den Umständen, der herbeigeführten Notwendigkeit“;... Hegel, G. W. F.: Werke. 17. Band. Berlin 1835. S. 411:„Der unmittelbare Eindruck nach der Lesung Wallen- steins ist trauriges Verstummen über den Fall eines mächtigen Menschen unter einem schweigenden und tauben Schicksal. Wenn das Stück endigt, so ist alles aus, das Reich des Nichts, des Todes, hat den Sieg behalten; es endigt nicht als eine Theodicee.“ Cholevius, C. L.: Geschichte der deutschen Poesie nach ihren antiken Elementen. 2. Teil. Leipzig 1856. S8. 167 ff. Nach ihm leugnet Schiller im Wallen- stein„die Freiheit unseres Geschlechtes.“ Der Held ist ein„willenloses Werkzeug des Schicksals.“„Der hauptsächlichste Mangel der Tragödie liegt aber darin, dass jenes dunkle und feindselige Walten des Schicksals auf keine höheren Zwecke hinweist. Es verrät nur die tückische Absicht, Wallenstein... zu verderben...... Jetzt ist das Schicksal, wenn man Wallenstein selbst und seine Mitschuldigen im Auge hat, nur im rohesten Sinne eine strafende Gewalt, und in Bezug auf die andern, welche, ohne dass sie es verschuldet, von dem Verderben ereilt werden, bestätigt sich nur jenes Dogma der Ver- zweiflung, dass alles Schöne auf der Erde ein solches Los hat.“ 3) Vilmar a. a. O. S. 484...„über einen andern Punkt kann man freilich nicht hinweglesen; es ist bekanntlich der, dass der Fall Wallensteins lediglich durch seine eigenen Fehler, nicht durch die lastende Wucht der Verhältnisse herbeigeführt ist, wodurch die tragische Teilnahme an dem Helden natürlich nicht allein gemindert, sondern sogar bis auf einen gewissen Grad abgestumpft wird.“ 4) Hoffmeister, Dr. K.; Schillers Leben, Geistesentwickelung und Werke im Zusammenhang. Stuttgart 1838. Vgl. Viehoff, H.: Schillers-Leben, Geistesentwickelung und Werke auf der Grundlage der Karl Hoffmeisterschen Schriften neu bearbeitet. 3. Teil. Stuttgart 1874. S. 113.„Unser Drama vereinigt also in sich nicht bloss ein doppeltes Princip, das moderne von Schillers Jugenddramen und die antike 5 In Schillers„Geschichte des dreissigjährigen Krieges“ erscheint Wallenstein als der Abgott der Soldateska.„Die meisten Offiziere waren seine Geschöpfe, seine Winke— Aus- sprüche des Schicksals für den gemeinen Soldaten.“ Aber nicht die Liebe des Heeres ver- schaffte ihm jene blinde Unterwerfung. Denn es„fehlten ihm die sanftern Tugenden des Menschen, die den Helden zieren und dem Herrscher Liebe erwerben. Furcht war der Talisman, durch den er wirkte. Finster, verschlossen, unergründlich, sparte er seine Worte mehr als seine Geschenke. Ein furchtbarer, zurückschreckender Ernst sass auf seiner Stirne, und nur das Uebermass seiner Belohnungen konnte die zitternde Schar seiner Diener festhalten. Von einer glühenden Leidenschaft aufgerieben, brütete er still die schreckliche Geburt der Rachbegierde und Ehrsucht zur Reife und näherte sich langsam, aber sicher dem Ziele. Aber, was er sich als etwas so Leichtes gedacht hatte, stand als der furchtbarste Gegner wider ihn auf; an dem Pflichtgefühl seiner Truppen scheiterten alle seine Berechnungen“. ¹) Unersättlich immer weiter strebend, fiel er, ein Opfer unbezähmter Ehrsucht. Wohl weckt solche Verirrung menschlicher Leidenschaft unsere Teilnahme, aber tragi- sches Mitleid vermag diese düstere Gestalt, geleitet von den Motiven der Rachbegierde und Ehrsucht, Motiven der kältesten Gattung, ²) nicht zu erregen. Des Dichters Aufgabe war es, das Bild des Historikers zu erwärmen, er musste den Helden unsern Herzen menschlich nähern, ³) den Menschen zeigen in des Lebens Drang. So erscheint Wallenstein im Drama als milder Feldherr, dem die Soldaten mit inniger Verehrung zugethan sind, als liebevoller, besorgter Vater, als warmfühlender Freund. Mächtig fühlen wir uns hingezogen zu dem Schicksalsidee, sondern auch eine zwiefache politische Grundansicht.“ Wallenstein sollte nach der ur- sprünglichen Anlage„mit der von Rachsucht aufgestachelten Ehrbegierde kosmopolitische, philanthro- pische Ideeen verbinden; er sollte anfänglich als der unglückliche Vorkämpfer für eine neue Ordnung der Dinge erscheinen.“ Später legte der Dichter„einen besondern Accent auf die conservativen Tugenden der Gesetzlichkeit, Ordnung und Pflichttreue. Innerhalb dieser neuen sittlichen Weltbetrachtung voll- endete er den Wallenstein, ohne jedoch die früheren kosmopolitischen Züge ganz auszulöschen.“ Hin- richs, H. F. W.: Schillers Dichtungen nach ihren historischen Beziehungen und nach ihrem inneren Zu- sammenhange. 2, 2. Leipzig 1839 S. 121 ff. Gervinus, G. G.: Geschichte der deutschen Dichtung. V. Leipzig 1842. 8. 486. Schiller„fand, dass der eigne Fehler des Helden zu viel an seinem Unglück, das Schicksal zu wenig thue, er schied die Notwendigkeit des Geschickes.... von der Natur des Menschen.... Er gibt damit den reinen Zusammenhang der Handlung und Katastrophe auf,..; dies erfolgte aus der Absicht, die alte Tragödie nachzuahmen.“ Grün, K.: Friedrich Schiller als. Mensch, Geschichtschreiber, Denker und Dichter. Leipzig, 1844. S. 684 ff. Hillebrand, Dr. Jos.: Die deutsche Nationallitteratur seit dem Anfange des achtzehnten Jahrhunderts... 22. Hamburg und Gotha 1851. S8. 408.„Schiller wollte in den widerstrebenden Stoff die antike und moderne Schicksalsanschauung gleichmässig hineinbilden und geriet dadurch in eine tragische Alternative, aus der er sich durch keine Anstrengung befreien konnte.“ Kuhn, A.: Schillers Geistesgang. Berlin 1863. 1) Vgl. Schillers sämtliche Schriften. Historisch-kritische Ausgabe. 8. Stuttgart 1869. S. 142, 352, 342, 144, 248, 337. 2) Schillers Briefwechsel mit Körner. 3. Berlin 1847. S. 395. 3) Prol. 105. 108. 6 Manne, der immer geben und beglücken muss¹), zu dem Feldherrn, für den der edle Max sein Blut verspritzen will, tropfenweise, ehe man frohlocken soll über seinen Fall.2) Wer aber wird es einem Wallenstein verargen, dass er nach dem königlichen Diadem strebt, wenn Buttler sagt: Es ist ein grosser Augenblick der Zeit, Dem Tapfern, dem Entschlossnen ist sie günstig. Der Prinz von Weimar rüstet sich mit Kraft, Am Main ein mächtig Fürstentum zu gründen, Dem Mansfeld fehlte nur, dem Halberstädter, Ein längres Leben, mit dem Ritterschwert Landeigentum sich tapfer zu erfechten. Wer unter diesen reicht an unsern Friedland? ³) Wir werden es ihm um so weniger verargen, als er nicht aus blosser Selbstsucht handelt, son- dern aus Liebe zum Reiche, das er schirmen, dem er den langersehnten Frieden schenken will.4) Es soll nicht von mir heissen, dass ich Deutschland Zerstücket hab', verraten an den Fremdling, Um meine Portion mir zu erschleichen. Mich soll das Reich als seinen Schirmer ehren, Reichsfürstlich mich erweisend, will ich würdig Mich bei des Reiches Fürsten niedersetzen. 5) Nun besitzt der ehrgeizige Mann die abgöttische Verehrung des Heeres, das keine Gewalt noch List von ihm weg soll treiben, der ein Soldatenvater ist; die Ergebenheit der Haupt- leute, die er einsetzte, die alle mit Leib und Leben sein sind,) die unerhörte Machtstellung, so dass ihm zum Nachteil Kein Menschenkind, auch selbst der Kaiser nicht Bei der Armee zu sagen haben sollte.*) Wahrlich, in solcher Zeit eine Versuchung, zu stark für dieses schlimmverwahrte Herz! Hätte sie doch selbst Dem bessern Mann gefährlich werden müssen! gesteht sogar sein Widersacher Octavio;s) eine schlimme Versuchung für den Mann, den nicht das Vertrauen des Kaisers, nicht dessen Neigung an diesen Platz rief, sondern das 1) P. II, 4, 782. 2) P. I, 4, 579— 581. 3) P. IV, 4, 2014 f.; 2022— 2027. 4) Betrachten wir die folgenden Vv. aus diesem Gesichtspunkte, so ist meines Erachtens die An- sicht Hoffmeisters, dass derartige Aeusserungen aus dem ursprünglichen Plane herrühren, widerlegt. 5) P. II, 5, 832— 837. 6) WL. 11, 1029— 1031; 2, 88 f. 7) P. II, 7, 1215— 1217. 8) P. 1, 3, 306— 308. 7 Gesetz der herben Not, der kein Vertrauen missbraucht, wenn er sein Amt missbraucht. ¹) Wie begründet erscheint das Wort der Gräfin Terzky: Die haben unrecht, die dich fürchteten Und doch die Macht dir in die Hände gaben ²). 1 Der Held hat der Versuchung nicht widerstanden, er hat sich ergötzt an dem Gaukelbilde der königlichen Hoffnung, er hat sich die Wege offen gehalten, die Mittel gespart auf unge- wisse Erfüllung hin. Nun verklagt ihn der Doppelsinn des Lebens; was planlos ist geschehen, werden sie weitsehend, planvoll ihm zusammenknüpfen.³²) So hat er selbst das Geschick heraufbeschworen, das ihn zu vernichten droht. Bahnlos liegt's hinter mir, und eine Mauer Aus meinen eignen Werken baut sich auf, Die mir die Umkehr türmend hemmt ⁴) Sein Ehrgeiz sieht keinen Ausweg, die Umstände drängen zur That. Der Hof ist miss- trauisch, seine Freunde in Wien haben ihn verlassen. 5) Nun wird Sesin, der Unterhändler, ergriffen, alle Pläne Wallensteins werden kund, Wrangel ist da, die Sterne raten zu schneller That, Wallenstein sieht sich in die Notwendigkeit versetzt zu handeln. Zu meiner Sicherheit, aus Notwehr thu ich Den harten Schritt, den mein Bewusstsein tadelt ⁶). Wir sehen, der Dichter hat alles gethan, um unsre Teilnahme für den Helden zu wecken, „der Gegenstand unsers Mitleids gehört zu unserer Gattung im ganzen Sinne dieses Worts“); er hat es ferner verstanden, die That zu einer mitleidswürdigen zu machen, sie erscheinen zu lassen nicht als eine Folge bösen Willens, sondern herbeigeführt„durch den Zwang der Um- stände“*)—„die Umstände thun eigentlich alles zur Krise“. ⁵5) So wäre also der Held gezwungen zu der verbrecherischen That, der Dichter wäre dem Grundsatze untreu geworden, den er für die Tragödie aufstellte, dass die„Handlung, an der wir Teil nehmen sollen, eine mo- ralische, d. i. unter dem Gebiet der Freiheit begriffen sein“ müsse? ⁹) Mit nichten! Der Held könnte die That unvollführt lassen; nicht frei von Schuld könnte er sich frei halten von dem Verbrechen. Wiederholt zeigt der Dichter den Weg, auf dem Wallen- stein dem Frevel entrinnen könnte. Man höre die Worte Octavios: Noch hat der Fürst sein Schicksal in der Hand— Er lasse das Verbrechen unvollführt, 1) W. I, 7, 570. 572— 574. 2) W. I, 7, 598 f. 3) W. 1, 4, 143— 145; 161 f. 4) Wr. I, 4, 156— 158. 5) P. II, 2, 685. 6) Wr. I, 5, 269 f. 7) Schillers sämtliche Schriften. Von Karl Goedeke. 10. Stuttgart 1871. Ueber die tragische Kunst 8. 34, 25. 8) Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe in den Jahren 1794 bis 1805. 12. Stuttgart und Augs- burg 1856. N. 370.(...„und dies wird, wie ich denke, den tragischen Eindruck sehr erhöhen.“) 9) Ueber die tragische Kunst. S§. 34. 8 So wird man still ihn vom Kommando nehmen, Er wird dem Sohne seines Kaisers weichen. Ein ehrenvoll Exil auf seine Schlösser Wird Wohlthat mehr als Strafe für ihn sein. ¹) Man lese die warme Schilderung des Max von dem glücklichen Leben, einem Leben voll Thätigkeit, das Wallenstein führen könne, wenn er das Heer verlasse. ²) Man vernehme die Schilderung der Gräfin Terzky, die den Ehrgeiz des Helden so schwer verwundet,*) und beachte die herzliche Aufforderung des Max: Und wär'’s zu spät— und wär' es auch so weit, Dass ein Verbrechen nur vom Fall dich rettet, So falle! Falle würdig, wie du standst. Verliere das Kommando. Geh vom Schauplatz. Du kannst's mit Glanze, thu's mit Unschuld auch, — Du hast für andre viel gelebt, leb' endlich Einmal dir selber, ich begleite dich, Mein Schicksal trenn' ich nimmer von dem deinen— ⁴) Wallenstein könnte diesen Ausweg benutzen, er könnte, wie die Jungfrau von Orleans, die ursprüngliche Schuld sühnen, wenn er den Feind im Innern besiegte.5) Die eignen Aeus- serungen des Helden zeigen, dass er seine Freiheit erkennt.„Hört!“, erwidert er IIlo und Terzky, Noch ist nichts geschehn, und— wohl erwogen, Ich will es lieber doch nicht thun. ⁵) Sein ‚Schwanken“ oder vielmehr der erschütternde Kampf in seiner Brust, der Kampf der Rechtlichkeit und Untreue, ist ein Beweis, dass Wallenstein seine Freiheit auch im Drange des Lebens nicht verloren hat. Nun vergleiche man die Worte: Es gibt keinen Zufall; Und was uns blindes Ohngefähr nur dünkt, Gerade das steigt aus den tiefsten Quellen. Des Menschen Thaten und Gedanken, wisst! Sind nicht wie Meeres blind bewegte Wellen. Die innere Welt, sein Mikrokosmus, ist Der tiefe Schacht, aus dem sie ewig quellen.) 1) P. V, 1, 2525— 2530. 2) P. III, 4, 1654—1676. 3) WI I, 7, 485— 495; 506— 520. 4) W. II, 2, 821—828. 5) I. v. O. V, 9: Du bist Der Feind mir, der verhasste, meines Volks. Nichts kann gemein sein zwischen dir und mir. 6) WI. I, 6, 413 f. 7) WI. II, 3, 943— 945; 953—956. 9 Besonders aber beachte man W. T. III, 10, 1744— 1747! Mit zögerndem Entschluss, mit wankendem Gemüt, Zog ich das Schwert, ich that's mit Widerstreben, Da es in meine Wahl noch war gegeben! Der Held könnte also das Verbrechen meiden, aber der Ehrgeiz spricht zu mächtig in seiner Brust. Zeigt einen Weg mir an, aus diesem Drang, Hilfreiche Mächte! einen solchen zeigt mir, Den ich vermag zu gehn— ¹) So trägt nicht das Schicksal die Schuld, nicht der Zwang der Umstände, sondern der eigne Fehler, der Ehrgeiz,²) wird Veranlassung, dass Wallenstein von der Höhe des Glücks in tiefes Leid versinkt. Er kämpft an gegen die staatliche Ordnung, er will die Macht Die ruhig, sicher thronende erschüttern, Die in verjährt geheiligtem Besitz, In der Gewohnheit festgegründet ruht ³) und in diesem Kampfe muss er untergehn. Nachdem er aber den Schritt gethan, der ihn in schwere Schuld verstrickt, anerkennt er die That als seine eigne: ich erwart' es, dass der Rache Stahl Auch schon für meine Brust geschliffen ist. Nicht hoffe, wer des Drachen Zähne sä't, Erfreuliches zu ernten. Jede Unthat Trägt ihren eignen Racheengel schon, Die böse Hoffnung, unter ihrem Herzen. ¹) Reue durchbebt sein Herz mit banger Ahnung kommenden Unheils. Im Schosse seiner Familie, durch den Gesang der Tochter will er den bösen Dämon verscheuchen, der um sein Haupt die schwarzen Flügel schlägt. ⁵) Aber die Sterne, wendet man ein, verkünden Wallensteins Schicksal, sie drängen ihn zu seinem Entschluss! Sein Schicksal ist also vorausbestimmt, es ist das antike Schicksal! Doch sprechen die Sterne ja nicht für das Bündnis mit den Schweden, sie zeigen nur im allgemeinen Glück oder Unglück an. Wallenstein deutet ihre Stellung nach seinen Wün- schen. Seni widerrät die Vereinigung mit dem Feinde. Wie ängstlich klingt sein wieder- 1¹) WII. I, 7, 521— 523. 2) WT. IV, 2, 2571— 2577. Gordon:.... er ging der Grösse kühnen Weg, Mit schnellem Schritt, ich sah ihn schwindelnd gehn, Ward Graf und Fürst und Herzog und Dictator, Und jetzt ist alles ihm zu klein, er streckt Die Hände nach der Königskrone aus Und stürzt in unermessliches Verderben! 3) Wr. 1, 4, 194— 196. 4) WT. 1, 7, 647— 652. 5) Wr. III, 1471 f. 10 holter Warnungsruf:„Vertrau' dich diesen Schweden nicht!“ ¹) Die Auslegung der Constel- lation ist also Wallensteins Sache. Wie sehr dieser aber auch von der Wahrheit seiner Wissenschaft überzeugt ist, so fühlt er sich doch frei in seinem Wollen. Denn wiewohl. endlich die Sterne für ihn sprechen, schreitet er nicht zu schneller That. Treue und Verrat kämpfen in seiner Brust, seine Freiheit ist unbehindert. Schiller blieb also treu dem Worte, dass„eine blinde Unterwürfigkeit unter das Schicksal immer demütigend und kränkend für freie, sich selbst bestimmende Wesen“ sei.2) Und gerade in Beziehung auf Wallenstein schrieb er an Körner:„Mich hat er(Aristoteles) mit meinem Wallenstein keineswegs unzu- friedener gemacht. Ich fühle, dass ich ihm, den unvertilgbaren Unterschied der neuen von der alten Tragödie abgerechnet, in allen wesentlichen Forderungen Genüge geleistet habe und leisten werde“ ³) und später:„Aber freilich ist es keine griechische Tragödie und kann keine sein; wie überhaupt das Zeitalter, wenn ich auch eine daraus hätte machen können, es mir nicht gedankt hätte“. ¹) Auch in der Besprechung der Piccolomini von Schiller und Goethe wird das Schicksal nicht erwähnt.„Wollte man“, sagt Goethe,„das Objekt des ganzen Gedichtes mit wenig Worten aussprechen, so würde es sein: Die Darstellung einer phantas- tischen Existenz, welche durch ein ausserordentliches Individuum und unter Vergünstigung eines ausserordentlichen Zeitmoments unnatürlich und augenblicklich gegründet wird; aber durch ihren notwendigen Widerspruch mit der gemeinen Wirklichkeit des Lebens und mit der Rechtlichkeit der menschlichen Natur scheitert und samt allem, was an ihr befestigt ist, zu Grunde geht“. ²) Und wenn nun Schiller an Körner schreibt:„Du kannst Dich darin (in der Anzeige von Wallensteins Tod) nach der Anzeige der Piccolomini.. die Goethe und ich in Gemeinschaft, obgleich etwas eilfertig aufgesetzt, richten“, 6).... so darf man daraus doch nicht auf die Unrichtigkeit jener Besprechung schliessen und behaupten, dass dem Aufsatze kein allzu grosser Wert für die Auffassung des Dramas beizulegen sei.*)8) Mag aber auch die Idee der Freiheit menschlichen Wollens in der Haupthandlung scheinbar geleugnet werden, so gelangt sie zum vollen Ausdrucke in der Episode Max und Thekla. Schiller selbst bezeichnet diesen Teil des Dramas als eine solche, nennt ihn aber nichtsdestoweniger den poetisch wichtigsten Teil?) desselben, dem seiner Natur nach die 1) WT. V, 5, 3599 fl. 2) Ueber die tragische Kunst. S. 26. 3) a. a. O. 4. S. 32. 4) a. a. O. 4. S. 68. 5) Maltzahn, W. von:„Wallenstein von Schiller.“(Stuttgart 1861) S. 71 ff. Vgl. Fielitz, W. Studien zu Schillers Dramen. Leipzig bei Teubner 1876. S. 100. 6) a. a. O. 4. S. 142. 7) Fielitz a. a. O. 8) Rud. von Gottschall hat also recht, wenn er sagt:„Man hat den„Wallenstein“ eine Schick- salstragödie genannt! Er ist es im Sinne der modernen Welt, im Sinne der Verse: In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne! (Die deutsche Nationallitteratur des neunzehnten Jahrhunderts. 5. Auflage. 1. Bd. Breslau 1881. S. 78.) 9) Vgl. an Goethe N. 291.„Ich finde,... dass der ganze cardo rei in der Kunst liegt, eine poetische Fabel zu erfinden. Der Neuere schlägt sich mühselig und ängstlich mit Zufälligkeiten und Nebendingen herum, und über dem Bestreben, der Wirklichkeit recht nahe zu kommen, beladet er sich mit dem Leeren und Unbedeutenden, und darüber läuft er Gefahr, die tiefliegende Wahrheit zu verlieren, worin eigentlich alles Poetische liegt.“ 11 Herrschaft gebühre.1) Und doch gab gerade diese Episode der Kritik zu scharfem Tadel Anlass. Tieck²) nennt sie eben so unbefriedigend als überflüssig und erkennt ihr nur Wert zu als Folie der Eigensucht Wallensteins und des Realismus, der die Dichtung tragen sollte, als Gegenstück zu dem verbrecherischen Treiben des Helden. Hillebrand) stimmt ihm bei, er findet in der Episode den Beweis, wie wenig dem Dichter das Gesetz der dramatischen Einheit und der concentrierten Handlung gegenwärtig war. Gervinus") urteilt, dass zwar der Gegensatz der Liebesepisode gegen die Staatsaktion des Ganzen, der reinen mensch- lichen Natur gegen die verstellte der diplomatischen und politischen Welt, der Pflicht gegen die Leidenschaft, eine ästhetische Forderung sei, welcher der Dichter, der Muse gehorsam, sich fügen musste; er bezeichnet es aber als ganz eigene Verblendung, dass Schiller ihr die Herrschaft zuerkannt habe. A. W. von Schlegel) lobt die Episode, weil sie zu den rührendsten Auftritten Anlass gebe,) während Vilm ar erklärt,*) die Partie sei völlig ver- fehlt und zerstöre geradezu die Wirkung des Dramas zum Teil. Hoffmeister zählt die Episode zwar ihrem Gehalte nach zu dem Herrlichsten, was je ein in die Seelenschönheit Eingeweihter dargestellt habe, fällt jedoch vom dramatischen Standpunkte ein ungünstiges Urteil über sie. ²) Nach Viehoffe) verband der Dichter einen künstlerischen Zweck mit derselben.„Das ganze volle Menschentum, Realismus und Idealismus in wechselseitiger Ergänzung, war Schillers Ziel im Freundschaftsbunde mit Goethe. Wallenstein, der grosse Realist, und Max, der edle Idealist, vermochten sich nicht festzuhalten und ihre Naturen auszutauschen, und darin war ihr tragisches Geschick begründet. Schiller hat, wie Car- riere richtig bemerkt, in dem Untergange der beiden Einseitigkeiten die Idee des Ganzen ihren Triumph feiern lassen.“ Eine ganz neue Ansicht hat Fielitz ¹⁰) aufgestellt. Nach dieser Ansicht hat die Episode nicht nur den Charakter einer Episode, sondern sie erfüllt auch einen praktisch dramatischen Zweck.„Schiller will Wallensteins Schuld durch die Teilnahme des Schicksals daran mildern. Daber stellt er ihn weniger als selbsthandelnd dar, sondern als einen Gegenstand, um den Gut und Böse sich streiten. Also— folgert der Dichter— muss sein Charakter neben dem Ehrgeize einen hohen Grad von Unentschieden- heit besitzen, auf dass jene streitenden Mächte Gelegenheit haben, mit ihm ihr Spiel zu treiben. Der feste, thatendurstige Mann wird zum schwankenden, unschlüssigen, äusseren 1) Briefwechsel mit Goethe. N. 543. 2) Vgl. Hillebrand a. a. O. S. 411. 3) a. a. O. 4) Gervinus a. a. O. S. 482. 5) Ueber dramatische Kunst und Litteratur. 32². Heidelberg 1817 8. 410. 6) Vgl. Madame de Staél, De l'Allemagne. Paris 1868. p. 208.(Schiller) a peint Max Piccolo- mini et Thécla comme des créatures célestes, qui traversent tous les orages des passions politiques en conservant dans leur àâme l'amour et la vérité..... Ces deux étres apparaissent au milieu des fureurs de l'ambition comme des prédestinés; ce sont de touchantes victimes, que le ciel s'est choisies, et rien n'est beau comme le contraste du dévouement le plus pur avec les passions des hommes, acharnés sur cette terre comme sur leur unique partage.“ 7) a. a. O. S. 484. 8) Vgl. Viehoff a. a. O. 9) a. a. O. 8. 114. 10) S. 22 ff. 12 Einflüssen hingegebenen Kinde, als nun der Plan in das Stadium der That treten soll, ein Mensch, der, vor einer schändlichen That stehend und zaudernd, fremdes Rates und fremder Hülfe bedarf. Die ihm aber raten, raten schlecht,— das Ehepaar Terzky und IIlo, die Vertreter des Bösen— und die besser raten könnten, von denen wandelt der eine den starren Weg der Pflicht— das ist Octavio, der andere den Weg der Liebe— das ist Max, der Kämpfer für das Gute. Max könnte Wallenstein retten, aber er ahnt nichts von der sittlichen Gefahr, vor der sein Freund steht, und als er sie endlich erkennt, da ist es zu spät. In dieser Verspätung des Kämpfers für das Gute liegt die Tragik der Fabel“, die Verspätung zu motivieren ist Zweck der Episode. Fielitz führt zunächst zum Beweise der vom Dichter gewollten Unentschiedenheit und Hülfsbedürftigkeit mehrere Stellen aus den Piccolomini an. Wenn aber Terzky äussert: Sag' selbst, Was du bisher verhandelt mit dem Feind, Hätt' alles auch recht gut geschehn sein können, Wenn du nichts mehr damit gewollt, als ihn Zum besten haben. und Wallenstein antwortet: Und woher weisst du, dass ich ihn nicht wirklich Zum besten habe? Dass ich nicht euch alle Zum besten habe? Es macht mir Freude, meine Macht zu kennen; Ob ich sie wirklich brauchen werde, davon, denk' ich, Weisst du nicht mehr zu sagen, als ein andrer. oder wenn Wallenstein erwidert: Ich kann jetzt noch nicht sagen, was ich thun will. Die Zeit ist noch nicht da. ¹) so kann ich darin keine Unentschiedenheit erkennen, noch viel weniger aber das Streben des Helden, die Partei des Bösen von sich abzuwehren. Die Piccolomini sind Exposition. Wallenstein hat Schritte gethan, welche die Möglichkeit des Abfalles und Verrates nicht ausschliessen. Er hat sich, von seinem Vermögen, seiner Macht gereizt, die Wege offen ge- halten, um seine ehrgeizigen Wünsche zu erfüllen, aber die Schritte, die er öffentlich ge- than, verstatten ja, wie selbst Octavio sagt, noch eine milde Deutung. Wollte der Dichter die tragische Teilnahme für den Helden gewinnen, so durfte er ihn nicht als einen für alle Fälle entschlossenen Verräter darstellen. Denn wie könnte der Untergang eines Ver- brechers jenes Mitleid erregen, eines Mannes, in dem keine bessere Stimme spricht!²) Der 1) P. II, 5, 856— 860; 861— 863, 868— 870; 6, 999, 958. 2) Vgl. Hegel, G. W. F.: ‚Vorlesungen über die Aesthetik, hersg. von Dr. H. G. Hotho. 3. Bd. Berlin 1838. S. 543.„Denn ein Verbrecher für sich, vollends wenn er schwach und von Hause aus niederträchtig ist,.... gibt nur einen ekelhaften Anblick.“ 13 Dichter musste vielmehr die That nicht durch einen bösen Willen, sondern durch den Zwang der Umstände herbeiführen. Wallenstein ist entschlossen zum Verrate, aber entschlossen nur für den Fall, dass man das Aeusserste über ihn beschliesst, dass der ersten Absetzung eine zweite, schimpflichere folgt. Wie nachdrücklich sagt er Nachgeben aber werd' ich nicht. Ich nicht! Absetzen sollen sie mich auch nicht— Darauf Verlasst euch. ¹) Anderseits aber entgegnet er auf IIlos Frage: Willst du, ferner zögernd, Das Aeusserste erwarten? Das geziemt sich, Eh' man das Aeusserste beschliesst. ²) Daher auch ferner die Worte: O! sie zwingen mich, sie stossen Gewaltsam, wider meinen Willen, mich hinein. ³) Man sieht, es schmerzt ihn, wenn er zum Aeussersten schreiten müsste; nur die Umstände können ihn vermögen zum letzten Schritte. Ein Schwanken aber zeigt sich in der Exposi- tion nicht und darf sich in ihr nicht zeigen. Der Seelenkampf, der Kampf der Treue und des Verrates, gehört in die eigentliche Tragödie. Aber auch hier kann ich in Wallenstein kein „hülfloses Kind' erkennen, das fremdes Rates und fremder Hülfe bedarf.4) Wrangel ist an- wesend, Illo und Terzky drängen den Helden, ihn zu hören. Aber nicht ihren Worten folgt Wallenstein, sondern der eignen Entschliessung im Monologe. Alle seine Worte in WT I, 3, 105— 133 sind Selbstgespräch, wie namentlich die erste scenische Bemerkung zeigt— Wallenstein(in Nachsinnen verloren)— mit Ausnahme der Frage nach Max. Und als er sich später der Gegenwart beider sozusagen erinnert, als sie ihn zu bereden suchen, den schwedischen Gesandten sofort zu empfangen, da will er zuerst sein Gemüt sammeln, denn er ist es nicht gewohnt, dass ihn der Zufall blind waltend, finster herrschend mit sich führe. Wenn er aber am Ende für Wrangel nur die Entgegnung hat: Ich will den Vorschlag in Erwägung ziehn. ⁵) so hat er eben erkannt, dass er mit dem Abfall eine neue Dienstbarkeit antritt, er mag nicht von der Schweden Gnade leben. Neben dem Ehrgeiz spricht aber auch die Treue in seiner Brust. Die Treue, sag ich euch, Ist jedem Menschen wie der nächste Blutsfreund, Als ihren Rächer fühlt er sich geboren. ¹) 1) P. II, 6, 1000— 1002. 2) P. II, 6, 925— 927. 3) P. II, 2, 702 f. 4) Für den Charakter des Helden ist beachtenswert eine Aeusserung des Dichters in der bereits angeführten Anzeige der Piccolomini von Goethe und Schiller. Letzterer lobt die Darstellung des Schau- spielers Graff, tadelt es aber, dass dieser zuweilen eine„zu grosse Weichheit in seinen Ausdruck legte, die dem männlichen Geist des Helden nicht ganz entsprach.“ 5) WI. I, 5, 403. 6) WT. I, 6, 424—426. 14 Wir sollen Wallenstein nicht verwechseln mit einem IIlo, der fertig ist, spricht man von Treue ihm und von Gewissen.¹) Aber sein Ehrgeiz ist übermächtig. Die Gräfin Terzky erscheint, Wallenstein wünscht ihre Entfernung. Doch als sie auf seine Wünsche eingeht, als sie, um die bessere Regung seines Herzens zu ersticken, die That eine That der Not- wehr ²) nennt, da kann er Max nicht sehn, ³) die Schuld umstrickt ihn mit unlösbaren Ban- den, mit dem Bewusstsein derselben vermag er dem Reinen nicht gegenüberzutreten. Noch kämpft er an gegen das Böse. Nicht Opfer, nicht Gefahren will er scheuen, den letzten Schritt, den äussersten zu meiden. Wenn eine Wahl noch wäre— noch ein milderer Ausweg sich fände— jetzt noch will ich ihn Erwählen und das Aeusserste vermeiden. ⁴). Den einen Weg, der ihn retten kann, vermag er nicht zu gehn, sein Ehrgeiz lässt es nicht zu eh' ich sinke in die Nichtigkeit, So klein aufhöre, der so gross begonnen, Eh' mich die Welt mit jenen Elenden Verwechselt, die der Tag erschafft und stürzt, Eh spreche Welt und Nachwelt meinen Namen Mit Abscheu aus, und Friedland sei die Losung Für jede fluchenswerte That. ⁵) Und wenn er, wie Makbeth den Zuflüsterungen der Lady, der Stimme ſder Gräfin weicht, so ist es doch der Ehrgeiz, der ihn zum Verbrechen treibt, so ist es doch trotz des äussern Anstosses die„innere Schwerkraft des Charakters“, die ihn dem Abgrunde zuführt. Wenn Fielitz es aber mit den bestimmtesten Worten ausspricht, dass Max, falls er rechtzeitig zu Worte gekommen wäre, Wallenstein gerettet, vor der That bewahrt haben würde, so steht dieses Wenn zunächst ausserhalb des Dramas. Ist aber eine Bestimmung des Helden durch Max, den er wie einen Sohn liebt, von dessen Jugen dé) er mit einer gewissen Geringschätzung spricht, auch nur wahrscheinlich? Freilich klagt Max: Ol wärst du wahr gewesen und gerade, Nie kam es dahin, alles stünde anders! Er hätte nicht das Schreckliche gethan, Die Guten hätten Kraft bei ihm behalten, Nicht in der Schlechten Garn wär' er gefallen.*) Aber das ist eben die Ansicht des schwärmerischen Verehrers des Helden, die Aeusserung entspringt, wie so manches Andere, der Absicht des Dichters, Wallenstein dem Herzen mensch- lich zu nähern. „In den Piccolomini ist Max der Held!“, ³) sagt Fielitz.„Schiller fühlte, dass eigentlich Max 1) Wr. I, 7, 452. 2) WrI. 1, 7, 450. 3) Man beachte die völlige Uebereinstimmung in W. I, 7, 475 und III, 3, 1423(1425). 4) W. I, 7, 482— 484. 5) W. 1, 7, 531— 537. 6) Vgl. WI. II, 2, 779; III, 4, 1499. 7) WI. II, 7, 1193— 1197. 8) a. a. O. S. 24. 39. 15 ebenso ein grosses Anrecht auf die Heldenrolle des Stückes habe, wie Wallenstein, und er hatte Mühe, das überströmende tragische Interesse für Max einzudämmen“. Allerdings sollte ur- sprünglich das Stück bloss, Piccolomini' heissen, wodurch ein Piccolomini als Held bezeichnet worden wäre, aber jedenfalls nicht Max ¹), sondern Octavio, Wallensteins geheimer Gegner ²). „Die Piccolomini“ nannte es Schiller aber erst nach der Ausarbeitung der Liebesscenen). Und wenn der Dichter schreibt4):„Was ich nun am meisten zu fürchten habe, ist, dass das über- wiegende menschliche Interesse dieser grossen Episode an der schon feststehenden ausge- führten Handlung leicht etwas verrücken möchte: denn ihrer Natur nach gebührt ihr die Herrschaft, und je mehr mir die Ausführung derselben gelingen sollte, desto mehr möchte die übrige Handlung dabei ins Gedränge kommen. Denn es ist weit schwerer, ein Interesse für das Gefühl, als eins für den Verstand aufzugeben“, so sagen diese Worte doch nicht, dass Schiller das tragische Interesse für Max habe eindämmen müssen, vielmehr spricht der Dichter von der Episode als einem Ganzen, er wünscht und erstrebt eine glückliche Aus- führung derselben, aber er befürchtet, dass durch sie die übrige Handlung ins Gedränge komme, dass sie eine Aenderung erfahren müsse.5) Ich sollte meinen, das sei das ge- rade Gegenteil! Allerdings teilt Schiller Goethe mit é):„Den Hauptcharakter sowie die meisten Nebencharaktere traktiere ich wirklich bis jetzt mit der reinen Liebe des Künstlers; bloss für den nächsten nach dem Hauptcharakter, den jungen Piccolomini, bin ich durch meine eigne Zuneigung interessiert, wobei das Ganze übrigens eher gewinnen als verlieren soll“, und in einem Briefe an Körner heisst es?):„Zwei Figuren ausgenommen, an die mich Neigung fesselt, behandle ich alle übrigen, und vorzüglich den Hauptcharakter, bloss mit der reinen Liebe des Künstlers““. Nun aber vergleiche man die Erwiderung Schillers auf die Bemerkung Körnerss):„Max ist doch eigentlich(in den Piccolomini) der Mittel- punkt des Ganzen. Alles um ihn her soll nur der Schauplatz sein, auf dem sich seine hohe, sittliche Natur verherrlicht“....„in deinem Urteil über Wallenstein glaubte ich noch etwas zu sehr Stoffartiges zu bemerken, weil du mir auf den Max Piccolomini ein zu grosses Gewicht legtest, ja voraussetztest, dass er in den Piccolomini die Haupt- person vorstellen sollte.“ ⁹) Indes sollen ja alle Elemente der Handlung dem Zwecke dienstbar gemacht sein ¹⁰) „das Verhängnis zu legen in die Verspätung des Kämpfers für das Gute. In den Picco- lomini ist..... das Thema: seine(des Max) Erkenntnis der Pläne Wallensteins und der Gegenpläne Octavios. Kurz vor seinem Auftreten stellt der erste Akt das specielle Thema, der Piccolomini auf: Octavio will seinen Sohn nicht ins Geheimnis ziehn, denn, sagt er, Unwissenheit allein kann ihm die Geistesfreiheit Bewahren, die den Herzog sicher macht. 1) Fielitz p. 100. 2) So auch Düntzer, H.: Schillers W. 3. Aufl. Lpz. 1881. S. 66 Anm. 3) an Goethe N. 549. 553. 551. 4) an Goethe N. 543. 5) Aehnlich Düntzer a. a. O. S. 81 Anm. 6) Briefwechsel N. 249. 7) Briefwechsel 3. S. 396. 8) Briefwechsel 4. S. 164. 9) Briefwechsel 4. S. 182. 10) Fielitz a. a. O. S. 24. 16 Der zweite Akt zeigt Wallenstein in seiner schwankenden Gemütsverfassung. Die Liebes- scenen des dritten Aktes zeigen ihn am weitesten von der Sachlage und der ihm zuge- dachten Aufgabe, Wallenstein zu retten, entfernt. Die Liebe, meint Fi elitz ¹), hat in der Oekonomie des Dramas den Zweck, Maxens Sinn und Aufmerksamkeit von dem... Streben seiner Umgebung zu isolieren, damit er... zu spät die Gefahr merke, vor der Wallenstein steht.“ Er beruft sich dabei auf eine Stelle in einem Briefe Schillers⸗) an Goethe:„Die Einrichtung des Ganzen erfordert es, dass sich die Liebe nicht sowohl durch Handlung als vielmehr durch ihr ruhiges Bestehen auf sich und ihre Freiheit von allen Zwecken der übrigen Handlung, welche ein unruhiges, planvolles Streben nach einem Zwecke ist, ent- gegensetzt und dadurch einen gewissen menschlichen Kreis vollendet“. Goethe ant- wortet³):„Die innere Einheit, die der Wallenstein haben wird, muss gefühlt werden.... Ein ideales Ganze imponiert den Menschen, wenn sie es auch nicht im einzelnen zu dechif- frieren, noch den Wert der einzelnen Teile zu schätzen wissen“. Goethe fasste also die Worte des Freundes so, wie sie aufzufassen sind: Die Einrichtung des Ganzen erfordert es, dass die Liebe einen gewissen menschlichen Kreis vollendet, dass sie eine Welt für sich ausmacht, dass sie, kurz gesagt, eine Episode bildet, ein ‚Gedicht im Gedichte'. Diese Auf- fassung erweist sich als richtig durch eine Aeusserung des Dichters in einem Briefe vom 8. Dezember 1797 ⁴):„Es ist etwas sehr Anziehendes für mich in solchen Stoffen, welche sich von selbst isolieren und eine Welt für sich ausmachen. Ich habe diesen Umstand im Wallenstein sehr benutzt“. Ibre Richtigkeit wird ferner bestätigt durch die Bemerkung Schillers5):„Ich bin seit gestern endlich an den poetisch wichtigsten, bis jetzt immer auf- gesparten Teil des Wallensteins gegangen, der der Liebe gewidmet ist, und sich, seiner frei menschlichen Natur nach, von dem geschäftigen Wesen der übrigen Staatsaktion völlig trennt, ja demselben, dem Geist nach, entgegensetzt.“„Der 4. Akt bringt“, so fährt Fielitz forté),„den Umschlag zur Besserung, d. h. die Veranlassung für Octavio, seinen Sohn mit der schrecklichen Wahrheit bekannt zu machen. Nur diesen Zweck kann der ganze Akt für den Dichter haben; denn lediglich, um erschlichene Unterschriften für Wallen- stein zu gewinnen, die doch später weder von den Generalen für bindend erachtet, noch auch von Wallenstein sonderlich beachtet werden, brauchte der ganze Akt nicht in Be- wegung gesetzt zu werden.“ Ganz gewiss nicht! Die Bankettnacht zeigt, auf welch schwacher Stütze das Unternehmen ruht, sie motiviert den Abfall der Mehrheit der Gene- rale, denn es bedarf der Fälschung, des Betruges, ihre Unterschriften zu gewinnen. Freilich legt Wallenstein später nicht viel Gewicht auf diese, aber in der Scene des Helden mit Wrangel bilden sie die Grundlage der Verhandlung, sie bieten dem Schweden Garantie für die Offiziere. Daher auch die wiederholte, eindringliche Forderung Wallensteins, Illo möge ihm die Verschreibung der Generale verschaffen! Und wenn auch Octavio sagt: 1) S. 28. 2) Briefwechsel N. 393. 3) Briefwechsel N. 394. 4) an Goethe N. 391. 5) an Goethe N. 543. 6) S. 28. 17 Nach dem, was diese Nacht geschehen ist Darf kein Geheimnis bleiben zwischen uns. ¹) so könnte er den Sohn doch auch jetzt noch der Unschuld seines Herzens, dem eignen Urteil, anvertraun. Aber er hat das Netz erkannt, das man verderblich seinem Herzen selbst bereiten will. Haben wir nicht seine Aeusserung: Ich konnte dich der Unschuld deines Herzens Dem eignen Urteil ruhig anvertraun; Doch deinem Herzen selbst seh' ich das Netz Verqderblich jetzt bereiten.— Das Geheimnis, Das du vor mir verbirgst, entreisst mir meines. ²) So wird gerade die Liebe des Max zu Thekla Veranlassung, dass Octavio zu seinen Ent- hüllungen schreitet. Haben wir früher nur unbestimmt, in wenigen Andeutungen, Wallen- steins verbrecherischen Plan kennen gelernt, so erfahren wir hier aufs bestimmteste die Ab- sichten des Feldherrn, und wir erfahren sie aus der besten Quelle— Octavio hat alles aus des Fürsten Munde ³). So dient also die Episode den Zwecken der Exposition. Die Ent- hüllungen würden aber Max in den Stand setzen, den Freund zu retten, sie kämen nicht zu spät, wenn nicht eben jetzt jene äusseren Umstände einträten, von denen der Dichter spricht, zunächst die Gefangennahme Sesins. Diese ist das ‚punctum saliens“,„diejenige dramatische That, auf welche die Handlung zueilt und durch die sie gelöst wird“. 4) „Das Stück“(die Piccolomini), schreibt Schiller an Körner,„enthält die Exposition in ihrer ganzen Breite, und endigt gerade da, wo der Knoten geknüpft ist“, ⁵) und er weist im Drama selbst mit klaren Worten hin auf die Bedeutung dieses Ereignisses für die Ent- wicklung der Handlung. Wallenstein will den Schweden seine Hauptstadt nicht räumen, lieber will er zurücktreten zu seinem Kaiser: Das steht bei mir, noch jetzt, zu jeder Stunde. Doch Wrangel erwidert: Vielleicht vor wenig Tagen noch. Heut’ nicht mehr. — Seit der Sesin gefangen sitzt, nicht mehr. ⁰) Aber auch in den Piccolomini findet sich dieser Fingerzeig des Dichters. Octavio äussert, da ihm die Gefangennahme des Sesin gemeldet ist: Die Sachen liegen der Entwicklung nah, Und eh der Tag, der eben jetzt am Himmel Verhängnisvoll heranbricht, untergeht, Muss ein entscheidend Los gefallen sein.) Wozu aber sollte auch der Zuschauer auf einen Retter für Wallensteins Unschuld und Treue 1) P. V, 1, 2277 f. 2) P. V, 1, 2309— 2313. 3) P. V, 1, 2415 f. 4) Vgl. an Goethe N. 663; an Körner 4, 216. 5) an Körner 4, 89. 6) W. I, 5, 391 f. 7) P. V, 2, 2593— 2596. 18 hoffen? ¹) Wozu sollte der Dichter eine trügerische Hoffnung erregen wollen, eine Spannung auf ein Etwas, das nicht eintritt? Endlich spricht auch die Constellation zu Anfang von Wallensteins Tod nicht für die neue Auffassung der Episode. Durch die Astrologie sollte Wallensteins Abfall„eingeleitet und ein mutvoller Glaube an das Glück der Unternehmung in ihm erweckt werden“. ²) Schiller wollte dieses astrologische Motiv„nie recht ernsthaft anfassen“³), sondern statt der Astrologie eine anderes orakelhaftes Motiv verwenden. Auf Goethes Rat behielt er das erstere jedoch bei, erkannte aber, dass er noch ‚etwas Bedeutendes“ für dasselbe thun müsse. ⁴) Dieses Bedeutende ist die Einführung der Astrologie im Wallensteins Tod I, 1 und in der Liebesscene des dritten Aktes der Piccolomini: die Erzählung Theklas vom astrologischen Turme. ⁵5)„Der Dichter, sagt Fielitz S. 32, will dem Leser durch Theklas Mund, aber auf Senis Autorität gegründet, eine Grammatik der Astrologie geben, aus welcher derselbe später den astrologischen Vorgang selbständig deuten könne“, eine Constellation,„die weder Wal- lenstein richtig versteht, noch überhaupt bisher irgend jemand verstanden hat: die Venus, der Stern der Liebe, der Freude, der Schönheit, das glückliche Gestirn des Morgens, es ist Max! Er kommt, mit Juppiter den tückschen Kriegesgott zu bändigen, der dem Freunde Verderben und ihm selbst unerfülltes Liebesglück bedeutet.“ Ich muss gestehen, dass sich diese Deutung trotz der„Grammatik“ meinem Verständnis entzieht, dass ich es unbegreiflich finde, wenn Fielitz sie begründen will durch die Worte, mit welchen Wallenstein Max will- kommen heisst: Sei mir willkommen Max. Stets warst du mir Der Bringer irgend einer schönen Freude, Und, wie das glückliche Gestirn des Morgens, Führst du die Lebenssonne mir herauf. ⁵) Denn diese Worte enthalten ja nur eine dichterische Vergleichung. Theklas Erzählung hat den Zweck, uns wenigstens in etwa in die Geheimnisse der Astrol ogie einzuführen, damit uns der glückselige Aspekt’?) in Wallensteins Tod nicht ganz rätselhaft erscheint: wir erfahren, dass Juppiter und Venus Segenssterne sind. 8*)„Und jedes Grosse“, sagt Max, bringt uns Juppiter Noch diesen Tag, und Venus jedes Schöne. ⁰) Nach der bisherigen Ausführung ist, wie ich glaube, die Unhaltbarbeit der Fielitzschen Ansicht erwiesen. 10) Wir werden die Liebe zwischen Max und Thekla für das halten müssen, wofür der Dichter sie ausgibt, für eine Episode. Indes ist diese Episode durch den Grundgedanken mit der Haupthandlung verknüpft und steht in sofern in wesentlichem Zusammenhange mit ihr. Die Idee der sittlichen Freiheit, die in der Haupthandlung wiederholt geleugnet wird, 1) So Fielitz S. 30. 2) Schiller an Goethe N. 549. 3) an Goethe N. 553. 4) an Goethe N. 553. 5) Vgl. Fielitz S. 31 f. 6) P. II, 4, 755— 758. 7) W. I, 1, 9. 8) P. III, 4, 1613. 1615. 9) P. III, 4, 1642 f. 10) Uebrigens erklärt sich auch Düntzer a. a. O. 8. 201 ff. gegen diese Ansicht. 19 feiert hier ihren Triumph. Wallenstein redet zu Max in den innigsten Tönen väterlicher Liebe, er erinnert ihn an jenen Tag, wo er ihn vom Tode rettete, er mahnt ihn an die Liebe, mit der er ihn stets geliebt: Ich habe dich gehalten und getragen Von Kindesbeinen an— Was that dein Vater Für dich, das ich nicht reichlich auch gethan? Ein Liebesnetz hab' ich um dich gesponnen, Zerreiss es, wenn du kannst— Du bist an mich Geknüpft mit jedem zarten Seelenbande, Mit jeder heil'gen Fessel der Natur, Die Menschen an einander ketten kann. Geh hin, verlass mich, diene deinem Kaiser, Lass dich mit einem goldnen Gnadenkettlein, Mit seinem Widderfell dafür belohnen, Dass dir der Freund, der Vater deiner Jugend, Dass dir das heiligste Gefühl nichts galt. Dich wird die Welt nicht tadeln, sie wird's loben, Dass dir der Freund das meiste hat gegolten. ¹) Max kämpft einen heissen Kampf, aber er siegt. Die Regimenter, die mir anvertraut sind, Dem Kaiser treu hinwegzuführen, hab' ich Gelobt; dies will ich halten oder sterben. ²) Nun versucht Gräfin Terzky ihre bewährte Redekunst. Es soll der Sohn gut machen, was der Vater verbrochen. Ihr Vater hat den schreienden Verrat An uns begangen, an des Fürsten Haupt Gefrevelt, uns in Schmach gestürzt, daraus Ergibt sich klar, was Sie, sein Sohn, thun sollen: Gutmachen, was der Schändliche verbrochen, Ein Beispiel aufzustellen frommer Treu', Dass nicht der Name Piccolomini Ein Schandlied sei, ein ew'ger Fluch im Haus Der Wallensteiner. ³) Max schwankt. Hülfe suchend wendet er sich an Thekla, nicht an Friedlands Tochter, an die Geliebte wendet er sich; denn sie gehören nicht zu ihrem Hause.¹) Und Thekla, welche bestimmt war, den Obersten für die Sache des Vaters zu gewinnen, rät zur Pflcht. Max folgt, er thut das, wozu sein Herz ihn treibt, denn Thekla würde ihn immer lieben. 1) Wr. III, 18, 2163— 2175; 2193 f. 2) Wr. III, 20, 2243— 2245. 3) Wr. III, 21, 2287— 2295. 4) W. III, 21, 2352. 20 Er könnte mit dem verehrten Feldherrn gehn, dem geliebten Freunde, er könnte das Glück der Liebe erringen, aber er verzichtet auf beides, um dem Kaiser die Treue zu halten, die er ihm geschworen hat: selbst in den schwierigsten Verhältnissen zeigt er die Freiheit unseres Geschlechtes. Aber auch dem Freunde will Max die Treue bewahren, soweit er es vermag. Er wirft sich dem Feinde entgegen, um dessen Verbindung mit Wallenstein zu hindern, den Freùnd zu bewahren vor dem Verbrechen, und stirbt als Held. Durch seinen Fall ist Wallenstein schon im Leben bestraft für seinen Treubruch. Die Blume ist hinweg aus meinem Leben, Und kalt und farblos seh' ich's vor mir liegen. Was ich mir ferner auch erstreben mag, Das Schöne ist doch weg, das kommt nicht wieder. ¹) So sind also Episode und Haupthandlung durch die leitende Idee zur Einheit verbunden. Schiller hat das Versprechen gehalten, welches er Körner gab:„Es soll ein Ganzes werden, dafür stehe ich Dir“, ²) und klar sind nun auch die Worte, die er am 1. März 1799 an K. W. Böttiger schreibt:„Jetzt liegt mir das Produkt(Wallenstein) noch zu nahe vor dem Gesicht, aber ich hoffe, jedes einzelne Bestandstück des Gemäldes durch die Idee des Ganzen ⁴) begründen zu können“. Für das ganze Gedicht aber gilt das Wort Goethes:„Schillers Wallenstein ist so gross, dass in seiner Art zum zweiten Mal nicht etwas Aehnliches vorhanden ist“,5) für die Bedeutung des Werkes in der Entwicklung der Litteratur unseres Volkes die Aeusserung Tiecks:„Unter die blassen Tugendgespenster jener Tage trat Wallensteins mächtiger Geist. Der Deutsche vernahm wieder, was seine herrliche Sprache vermöge, welchen mächtigen Klang, welche Gesinnungen, welche Gestalten ein echter Dichter wieder heraufgerufen habe. Als ein Denkmal ist dieses tziefsinnige, reiche Werk für alle Zeiten hingestellt, auf welches Deutschland stolz sein darf, und ein Nationalgefühl, einheimische Gesinnung und grosser Sinn strahlt uns aus diesem reinen Spiegel entgegen, um zu wissen, was wir sind und ver- mögen.“) 1) WT. V, 3, 3442 f. 3451 f. 2) Briefwechsel 4, 8. 6. 3) So auch Tomaschek: Schillers W. Wien 1858. 8. 32. 4) Diese Idee, welche auch„die Aufforderung zum Stücke war“(an Körner 2, S. 310), ist die Ahndung des Treubruchs. Wallenstein geht zu Grunde und muss zu Grunde gehen, weil er seinem Kaiser die Treue bricht. Sein verbrecherisches Unternehmen scheitert an der Treue der Offiziere und der Truppen, es missglückt, weil Wallenstein auf die Treue Octavios baut. Aber auch dieser findet die verdiente Strafe. Zwar wird er gefürstet, aber, weil er die Freundestreue verletzte, erkauft er den Rang, nach dem er stets gestrebt, um einen hohen Preis, er zahlt ihn mit dem Leben seines Sohnes. 5) Eekermann, J. P.: Gespräche mit Goethe. 1823—1832. 12. Leipzig 1837. S. 381. 6) Dramat. Blätter. 1. Leipzig 1852. 8. 39. SCHULNACHRICHTEN. I. LEHRVERFASSUNG. Kombinierte Prima. Ordinarius: Oberlehrer Dr. Pöppelmann. 1. Religionslehre: 2 St. Die Lehre von der Gnade und Rechtfertigung; die Lehre von der Erlösung, besonders von der Gottheit Christi(apologetische Behandlung); die Lehre von der Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Eschatologie; die wichtigsten Abschnitte aus der allgemeinen und besonderen Sittenlehre; Kirchengeschichte des Mittelalters und der neueren Zeit. Wiederholungen aus den früheren Lehrpensen. Religionslehrer Oberlehrer Dr. Menden. 2. Deutsch: 3 St. IA: Uebersicht der Entwicklung der deutschen Litteratur im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Lektüre klassischer Werke nach Massgabe des aufgestellten Kanons; insbesondere wurden Schillers Demetrius und Goethes Iphigenie gelesen. Technik des Dramas. Hauptpunkte der Logik und Psychologie. Uebungen im Dispo- nieren und freien Vortrage. Korrektur und Besprechung der Aufsätze. Kontrolle der Privatlektüre. Der Direktor. IB: Uebersichtliche Behandlung der Geschichte der älteren Nationallitteratur sowie der neueren bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Lektüre klassischer W9erke aus der zweiten Blütezeit nach Massgabe des aufgestellten Kanons; insbesondere wurden von Schiller'schen Dramen gelesen die Braut von Messina und die beiden ersten Teile der Wallenstein-Trilogie. Belehrungen über die hauptsächlichsten Kunstformen der Dichtung und der Prosa. Haupt- punkte der Logik. Uebungen im Disponieren und freien Vortrage. Korrektur und Besprechung der Aufsätze. Kontrolle der Privatlektüre. Der Ordinarius. 3. Latein: 8 St. a) Ausgewählte Kapitel aus dem zweiten Teile der Grammatik von Meiring,« insbesondere die Lehre von der grammatischen Geltung der Redeteile und von der relativischen Anknüpfung zusammengesetzter Sätze. Mündliche Uebersetzungen aus dem Uebungsbuche von Seyffert. Uebungen im Lateinsprechen. Monatlich ein Aufsatz, ein häusliches Pensum und ein Extemporale zur Korrektur. b) Cic. de clar. orat. mit Aus- wahl; Tac. Ann. II u. III m. A.; priv. Liv. IX; Hor. Carm. l. T u. II m. A., Sat. I, 1, Ep. II, 1. Der Ordinarius. 4. Griechisch: 6 St. a) Grammatische Wiederholungen aus früheren Lehrpensen, nach Koch. Alle 14 Tage eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. b) Plat. 22 Apolog. Socr.; Thucyd. IV und VI m. A.; priv. Herod. VIII m. A.; Soph. Antigone. Der Direktor. c) Hom. II. VIII, IX, X, XI, XII; priv. XIII, XIV, XV. Oberlehrer Sempinski. 5. Französisch: 2 St. a) Zusammenfassende grammatische Wiederholungen; alle drei Wochen ein Extemporale zur Korrektur. b) Paganel, Histoire de Fréderic le Grand; Racine Athalie. Gymnasiallehrer Heydkamp. 6. Hebräisch: 2 St. Wiederholung und Erweiterung der Formenlehre; das Wichtigste aus der Syntax im Anschluss an die Lektüre, welche grössere Abschnitte aus der Genesis, ausgewählte Psalmen und messianische Stellen aus den Büchern der Propheten umfasste. Religionslehrer Oberlehrer Dr. Menden. 7. Geschichte und Geographie: 3 St. Geschichte der neueren Zeit mit besonderer Be- rücksichtigung der deutschen und brandenburgisch-preussischen Geschichte, nach Pütz. Ge- schichtliche und geographische Wiederholungen. Der Ordinarius. 8. Mathematik: 4 St. a) Trigonometrie, nach Boyman. b) Algebra: Arithmetische und geometrische Progressionen; Zinseszins- und Rentenrechnung unter Benutzung der Bei- spielsammlung von Heis. Alle 14 Tage eine schriftliche Arbeit zur Korrektur. Oberlehrer Dr. Sommer. 9. Physik: 2 St. Optik und Akustik. Einiges aus der mathematischen Geographie. Kandidat Worrings. * Kombinierte Sekunda. Ordinarius: Oberlehrer Sempifski. 1. Religionslehre: 2 St. Begriff der Religion, Notwendigkeit der göttlichen Offenbarung; Entwicklung der alttestamentlichen Offenbarung und Göttlichkeit der hl. Bücher(apologe- tische Behandlung); Sittenlehre, besonders die Pflichten gegen den Nächsten, gegen die von Gott gesetzte Autorität und in Bezug auf das Eigentumsrecht. Kirchengeschichte des ersten Zeitalters. Einige kirchliche Hymnen. Religionslehrer Oberlehrer Dr. Menden. 2. Deutsch: 2 St. Lektüre poetischer und prosaischer Stücke nach dem Kanon. Im Anschlusse an die Lektüre Belehrungen über Poetik, Rhetorik und Metrik. Uebungen im Disponieren und im freien Vortrage. Korrektur und Besprechung der Aufsätze. Kontrolle der Privatlektüre. Gymnasiallehrer Dr. Koch. 3. Latein: 8 St. a) Wiederholung und Erweiterung früherer Lehrpensa, besonders der Tempus- und Moduslehre, nach Meiring; ausgewählte Kapitel aus dem zweiten Teile der Grammatik von Meiring über das nom. subst., adiectiv., pron., adverb. und die Conjunctionen; Mündliche Uebersetzungen aus Hemmerling. Monatlich 3 Arbeiten zur Korrektur, ab- abwechselnd eine häusliche und eine Klassenarbeit, in II A: 3 Aufsätze. b) Cic. pro Arch. poeta, de imperio Cn. Pompeii. Liv. XXI; priv. Caes. d. b. G. I. Der Ordinarius. c) Verg. Aen. I. VI, IX, 176— 472(Nisus und Euryalus) und einzelne Abschnitte aus den Georgica. Oberlehrer Dr. Pöppelmann. 4 23 4. Griechisch: 7 St. a) Wiederholung der Kasuslehre; die Lehre von den Tempora und Modi, vom Infinitiv und Participium, nach Koch; alle 14 Tage eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. b) Xen. Cyr. III und IV, Herod. VII m. A.; priv. in II A: Xen. Anab. III. Der Ordinarius. c) Hom. Odyss. XI, XII, XIII, XIV, XV; priv. in I A: XVI, XVII. Der Direktor. 5. Französisch: 2 St. a) Die Lehre vom Gebrauche der Tempora und Modi, Syntax des Artikels, des Adjektivs und des Adverbs, nach der Schulgrammatik von Plötz. Alle 14 Tage eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. b) Thiers, Bonaparte en Egypte. Einzelne Gedichte. Gymnasiallehrer Heydkamp. 6. Hebräisch: 2 St. Die Formenlehre, besonders das Verbum und Nomen, nach Ge- senius. Uebungen im Uebersetzen und Analysieren der Lesestücke aus dem Lesebuche von Gesenius. Memorierübungen. Religionslehrer Oberlehrer Dr. Menden. 7. Geschichte und Geographie: 3 St. Kurze Uebersicht der Geschichte der Völker des Orients; Beschreibung und Geschichte Griechenlands bis 338; Geschichte Alexanders und Ueberblick über die Geschichte der aus seiner Monarchie hervorgegangenen Reiche. Geo- graphische Wiederholungen. Oberlehrer Dr. Pöppelmann. 8. Mathematik: 4 St. a) Algebra: Potenzen, Wurzeln und Logarithmen. Gleichungen vom I. und II. Grade mit einer und mehreren Unbekannten unter Benutzung der Beispielsamm- lung von Heis. b) Planimetrie: Wiederholung der Lehre vom Dreiecke und Kreise, nach Boyman. Alle 14 Tage eine schriftliche Arbeit zur Korrektur. Oberlehrer Dr. Sommer. 9. Physik. 2 St. Elektricität und Magnetismus. Die Lehre von den mechanischen Erscheinungen flüssiger und luftförmiger Körper. Kandidat Worrings. Kombinierte Tertia. Ordinarius: Gymnasiallehrer Balg. 1. Religionslehre: 2 St. Die Lehre von der Erschaffung und dem Sündenfall, von der Vorbereitung auf die Erlösung, von der Person und dem Werke des Erlösers; von der hl. Schrift und der Tradition sowie von der Unfehlbarkeit der Kirche. Die Apostelgeschichte, nach Overberg. Einige kirchliche Hymnen. Religionslehrer Oberlehrer Dr. Menden. 2. Deutsch: 2 St. Lesen und Erklären prosaischer und poetischer Stücke aus dem zweiten Teile des Lesebuches von Linnig. Zusammenfassende Uebersicht über die Satz- und Wortbildungslehre. Kontrolle der Privatlektüre. Uebungen im freien Vortrage. Alle drei Wochen eine schriftliche Arbeit zur Korrektur. Kommiss. Lehrer Feldmann. 3. Latein: 9. St. a) Wiederholung und Erweiterung der Kasuslehre; die Lehre von den Tempora und Modi, vom Imperativus, Infinitivus, Participium, Gerundium, Supinum, nach Meiring. Wöchentlich eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. b) Caes. d. b. G. III, IV u. V teilw. Der Ordinarius. c) Ovid, Metam. II, X, XI, XII m. A. Metrische Uebungen. Der Direktor. 24 4. Griechisch: 7. St. III A: a) Die Verba auf m und die unregelmässigen. Einiges aus der Syntax, nach Koch. Uebersetzen aus Wesener. Wöchentlich eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. Der Ordinarius. b) Xen. Anab. I u. II. Im Sommer- semester der Ordinarius, im Wintersemester Kandidat Grimmendahl. III B: Die Formenlehre bis zu den verba auf ui, nach Koch, Vokabellernen. Uebersetzen aus Wesener. Wöchentlich eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. Ober- lehrer Sem pinski. 5. Französisch: 2 St. a) Ergänzende Wiederholung der unregelmässigen Verba. Anwendung von avoir und être; reflexive und unpersönliche Verba; Formenlehre des Sub- stantivs, Adjektivs, Adverbs; das Zahlwort, die Präposition. Vokabellernen. Alle 14 Tage eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. b) Rollin, Hommes illustres de l'an- tiguité. Gymnasiallehrer Heydkamp. 6. Geschichte und Geographie: 3 St. a) Geschichte Deutschlands seit der Refor- mation mit besonderer Berücksichtigung der brandenburgisch-preussischen Geschichte, nach Pütz. b) Geographie Deutschlands und der Nachbarländer, nach Daniel. Uebungen im Zeichnen geographischer Skizzen. Kommiss. Lehrer Feldmann. 7. Mathematik: 3 St. III A: a) Algebra: Wiederholung der vier Rechenoperationen; Gleichungen vom I. Grade mit einer und mehreren Unbekannten; Ausziehen der Quadrat- und Kubikwurzel, unter Benutzung der Aufgabensammlung von Heis. b) Planimetrie: Wie- derholung der Lehre vom Dreieck und Viereck; die Kreislehre, nach Boyman. Alle 14 Tage eine schriftliche Arbeit zur Korrektur. Kandidat Worrings. III B: a) Algebra: Die vier Rechenoperationen. Gleichungen vom I. Grade mit einer Unbekannten unter Benutzung der Beispielsammlung von Heis. b) Planimetrie: Die Lehre vom Dreiecke und Aufgaben, nach Boyman. Alle 14 Tage eine schriftliche Arbeit zur Kor- rektur. Oberlehrer Dr. Sommer. 8. Naturbeschreibung: 2 St. Botanik: Die wichtigsten natürlichen Familien; innerer Bau der Pflanze. Zoologie: Allgemeine Uebersicht des Tierreiches; Naturgeschichte des Menschen. Kandidat Worrings. Quarta. Ordinarius: Gymnasiallehrer Dr. Koch. 1. Religionslehre: 2 St. a) Die Lehre von den guten Werken und der Tugend, von der Sünde und den Lastern; von der hl. Eucharistie als Sakrament und Opfer, vom Sakra- mente der Busse, der hl. Oelung und dem Ablass, nach Dubelman. Die kirchlichen Cere- monien. Einige Hymnen. b) Das Leben Jesu bis zur Leidensgeschichte, nach Overberg. Religionslehrer Oberlehrer Dr. Menden. 2. Deutsch: 2. St. Lesen und Erklären prosaischer und poetischer Stücke aus dem zweiten Teile des Lesebuches von Linnig. Memorierübungen. Wortbildungslehre: Ableitung und Zusammensetzung. Die Lehre vom zusammengezogenen und zusammengesetzten Satze. 25 Kontrolle der Privatlektüre. Alle 14 Tage eine schriftliche Arbeit zur Korrektur. Im Sommersemester: Der Ordinarius, im Wintersemester: Kandidat Grim mendahl. 3. Latein: 9 St. a) Wiederholungen aus der Formenlehre. Die Lehre von der Ueber- einstimmung der Redeteile; die Kasuslehre; das Nötigste aus der Lehre von den Tempora und Modi, nach Meiring. Wöchentlich eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. b) Corn. Nepos: Die Vitae des Aristides, Pausanias, Alcibiades, Themistocles, Phocion, Pe- lopidas, Agesilaus, Chabrias. c) Aus dem Tirocinium poeticum von Siebelis: Ausgewählte Hexameter. Der Ordinarius. 4. Französisch: 5 St. Abschliessende Wiederholung der regelmässigen Formenlehre; einige unregelmässige Verben, nach der Elementargrammatik von Plötz. Vokabellernen. Wöchentlich eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. Gymnasiallehrer Balg. 5. Geschichte und Geographie: 4 St. a) Kurzer Abriss der Geschichte der orienta- lischen Völker; griechische und römische Geschichte. b) Geographie Asiens und Afrikas, Beschreibung des alten Griechenlands und Italiens. Uebungen im Zeichnen geographischer Skizzen. Kommiss. Lehrer Feldmann. 6. Mathematik: 4 St. a) Rechnen: Zins- und Rabattrechnung; Verteilungs- und Mischungsrechnung, nach Schellen. b) Planimetrie: Die Lehre von dem Punkte, den graden Linien und dem Dreiecke, nach Boyman. Alle 14 Tage eine schriftliche Arbeit zur Kor- rektur. Oberlehrer Dr. Sommer. 7. Naturbeschreibung: 2 St. Botanik: Beschreibung von Pflanzen und Bestimmung derselben nach dem Linnéischen System. Zoologie: Insekten mit besonderer Berücksichtigung der Käfer und Schmetterlinge. Kandidat Worrings. Quinta. Ordinarius: Gymnasiallehrer Heydkamp. 1. Religionslehre: 2 St. a) Von dem apostol. Glaubensbekenntnisse; von der Gottes- und Nächstenliebe; erweiterte Besprechung der 10 Gebote und der 5 Gebote der Kirche; von der Sünde und der Tugend, nach dem Diöcesan-Katechismus. Wiederholung des Pen- sums der Sexta. b) Bibl. Geschichte: Von der Teilung des israelitischen Reiches bis auf Christus; die Tugendgeschichte Jesu, nach Overberg. Religionslehrer Oberlehrer Dr. Menden. „ 2. Deutsch: 2 St. Lesen und Erklären prosaischer und poetischer Stücke aus dem ersten Teile des Lesebuches von Linnig. Memorierübungen. Die Lehre vom einfachen und erweiterten Satze und die leichteren Formen des zusammengesetzten Satzes. Das Allgemeinste aus der Wortbildungslehre. Die Konjunktionen. Orthographische Uebungen. Wöchentlich eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. Der Ordinarius. 3. Latein: 9 St. Wiederholungen aus dem Pensum der Sexta; vollständige Einübung der Formenlehre, nach Siberti-Meiring. Vokabellernen. Uebersetzen aus dem Uebungsbuche von Meiring. Wöchentlich eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. Der Or- dinarius. 4 26 4. Französisch: 4 St. Aus der Elementargrammatik von Plötz: Lekt. 1—60. Erste und zweite regelmässige Konjugation. Vokabellernen. Wöchentlich eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. Der Ordinarius. 5. Geographie: 3 St. Wiederholung und Ergänzung der geographischen Vorbegriffe. Geographie von Europa, besonders von Deutschland, nach Daniel. Uebungen im Zeichnen geographischer Skizzen. Biographische Erzählungen mit steter Uebung im Nacherzählen. Gymnasiallehrer Dr. Koch. 6. Rechnen: 4 St. Dezimalbruchrechnung, Regeldetri, Prozentrechnung, Gewinn- und Verlustrechnung unter Benutzung der Aufgabensammlung von Schellen. Wöchentlich eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. Oberlehrer Dr. Sommer. Geometrisches Zeichnen. Kandidat Worrings. 7. Naturbeschreibung: 2 St. Botanik: Beschreibung von Phanerogamen mit einfachem Blütenbau. Zoologie: Beschreibung wichtiger Repräsentanten der Wirbeltiere mit beson- derer Berücksichtigung der Vögel. Kandidat Worrings. Sexta. Ordinarius: Kommissarischer Lehrer Feld mann. 1. Religionslehre: 3 St. a) Erklärung und Memorieren der notwendigen Gebete des Christen; die Hauptpunkte der 10 Gebote und der 5 Gebote der Kirche; vom Ziel und Ende des Menschen, vom Glauben und dem Gebete; vom Busssakramente, nach dem Diözesan- Katechismus. b) Bibl. Geschichte: Von der Erschaffung bis zur Teilung des israelitischen Reiches, nach Overberg. Religionslehrer Oberlehrer Dr. Menden. 2. Deutsch: 3 St. Lesen und Erklären prosaischer und poetischer Stücke aus dem ersten Teile des Lesebuches von Linnig. Memorierübungen. Die Lehre vom einfachen Satze. Orthographische Uebungen. Wöchentlich eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Kor- rektur. Der Ordinarius. 3. Latein: 9 St. Die regelmässige Formenlehre, nach Siberti-Meiring. Vokabellernen. Uebersetzen aus dem Uebungsbuche von Meiring. Wöchentlich eine häusliche und eine Klassenarbeit zur Korrektur. Der Ordinarius. 4. Geographie: 3 St. Gcographische Vorbegriffe. Uebersicht der fünf Erdteile, nach Daniel. Uebungen im Zeichnen geographischer Skizzen. Biographische Erzählungen mit steter Uebung im Nacherzählen. Religionslehrer Oberlehrer Dr. Menden. 5. Rechnen: 4 St. Die vier Rechenoperationen mit benannten und unbenannten Zahlen. Die Lehre von den Brüchen. Vielfache Uebungen unter Benutzung der Aufgaben- sammlung von Schellen. Wöchentlich eine häusliche oder eine Klassenarbeit zur Korrektur. Kandidat Worrings. 6. Naturbeschreibung: 2 St. Kombiniert mit Quinta. 27 Technischer Unterricht. 1. Schreiben: 2. St. In den kombinierten Klassen Sexta und Quinta: Einübung der deutschen und lateinischen Schrift in genetischer Folge. In Quinta: Die Plemente der griechischen Schrift. Gymnasiallehrer Dr. Koch. 2. Zeichnen: 4 St. a) In den kombinierten Klassen Sexta und Quinta: Gradlinige und krummlinige Figuren. 2 St. b) in Quarta: Perspektivisch gezeichnete Flächen und Körper; Pflanzenzeichnen. 2 St. Elementarlehrer Die drich. 3. Gesang: 4 St. a) Theoretischer Unterricht: Erklärung der Noten, des Taktes, der Intervalle, Uebungen im Treffen der Noten. b) Einübung ein- und mehrstimmiger Lieder. Elementarlehrer Dietrich. 4. Turnen: 4 St. Zwei Abteilungen mit je 2 Turnstunden. Gymnasiallehrer Dr. Koch. THEMATA ZU DEN DEUTSCHEN UND LATEINISCHEN AUFSATZEN IN PRIMA. I. Deutsche Aufsätze: 1. a) Wie malt der epische Dichter? b) Ein Jüngling muss die Flügel regen, In Lieb' und Hass gewaltig sich bewegen. 2. a) Wer zur Höhe will, scheue die Stufen nicht. b) Gedankengang in Schillers Spaziergang'. 3. a) Von Worten zu Werken ein weiter Weg. b) Der Krieg ein Feind und Freund der Künste(Klassenauf- satz). 4. a) Die nationalen Momente in Lessings Minna von Barnhelm'. b) O Herz, ver- such' es nur, so leicht ist's, gut zu sein, Doch es zu scheinen, ist so eine schwere Pein. 5. a) Gegen grosse Vorzüge anderer gibt es kein anderes Rettungsmittel als die Liebe. b) Was ist zu sagen zu dem Worte: Was wird man dazu sagen?“ 6. a) Warum stellt Schiller in dem Gedichte Die Ideale' Freundschaft und Beschäftigung so hoch? b) Das Geld ein guter Diener, aber ein böser Gebieter(Klassenaufsatz). 7. a) Sokrates ein religiöser Mann, nach Platons Apologie. b) Grosser Menschen Werke zu sehn, Schlägt Einen nieder, Doch erhebt es auch wieder, Dass so etwas durch Menschen geschehn. 8. a) Deutsch- lands Preis in Klopstocks Ode“ Mein Vaterland'; b) Saxa loquunter. 9. b) In wiefern wird die Verheissung im Prolog zu Wallensteins Lager: Doch euern Augen soll ihn jetzt die Kunst, Auch euerm Herzen menschlich näher bringen“ schon in den ersten beiden Teilen der Trilogie verwirklicht? 10. Klassenaufsatz. II. Lateinische Aufsätze: 1. a) Cornelius Tacitus quas res in Germanis maxime laudaverit. b) Bello Peloponnesiaco qui viri ingenio aut rerum gestarum gloria maxime floruerint. 1. a) Foedus Caudinum num Romani suo iure violasse videantur. b) Temeritatis humanae exempla quae Horatius poeta tertio primi libri carmine enumerat, planius explicantur. 3. a) Bello Persarum utrius populi gloria maior fuisse videatur, Lacedaemoniorum an Athe- niensium. b) Quid debeas, Roma, Scipionibus, Italia, Africa, Hispania testes(Klassenaufsatz). 4. Num recte censuisse videatur T. Livius, si in Italiam venisset Alexander Magnus, non futurum fuisse, ut populus Romanus ab eo vinceretur. 5. a) Utra causa iustior fuisse videatur, Caesaris an Ariovisti. b) Quod est apud Terentium Fortes fortuna adiuvat', id verum esse 28 exemplis e rerum memoria petitis demonstratur. 6. a) Quod est apud Horatium— valet ima summis mutare et insignem attenuat deus' exemplis e rerum Romanarum et Graecarum memoria petitis demonstratur. b) Dulce et decorum esse pro patria mori, antequam cecinit Horatius, intellexerunt multi(Klassenaufsatz). 7. a) Arionis Methymnaei quae fortuna fuerit, ita explicetur, ut quae cecinit Augustus Guilelmus Schlegelius, soluta oratione liberius reddantur. b) Virtutis Romanae exempla, quae duodecimo primi libri carmine proposuit Horatius, cuius modi fuerint, pluribus exponitur. 8. Legatorum Tarenti- norum Romanos ad pacem cum Samnitibus faciendam hortantium oratio. 9. Magnis laudibus, quibus imperatorem Augustum libri quarti carmine quinto extulit Horatius, num ille dignus fuerit, quaeritur. 10. Klassenaufsatz. AUFGABEN FüR DIE SCHRIFTLICHE ENTLASSUNGSPRUFUNG. Herbstermin 1883. Deutscher Aufsatz: In wessen Diensten stehe ich? Lateinischer Aufsatz: Disputatur de C. Plinii sententia, qui beatos censet, quibus dei dederint aut facere scribenda aut scribere legenda, beatissimos vero, quibus utrumque obtigerit. Eine Uebersetzung aus dem Deutschen in das Lateinische. Eine Uebersetzung aus dem Griechischen in das Deutsche. Hebräische Arbeit: Uebersetzung und grammatische Analyse von II Mos. XXIV, 12—15(incl.). Mathe- matische Aufgaben: a) Planimetrische: Es soll bewiesen werden, dass die durch die Mitten der beiden parallelen Seiten eines Trapezes gezogene grade Linie und die Verlängerungen der beiden nicht parallelen Seiten sich in einem Punkte schneiden. b) Stereometrische: Ein cylindrischer Baumstamm, dessen Radius der Grundfläche 25,6 cm und dessen Länge 9,2 m ist, wird quadratisch behauen, wie gross ist der Abfall? c) Algebraische: Wie gross ist die Tiefe eines Brunnens, wenn man einen Stein, welcher in denselben gefallen ist, 4,“5 nach Anfang des Fallens auffallen hört? Auf den Widerstand der Luft braucht keine Rücksicht genommen zu werden. d) Trigonometrische: Einen Winkel von 30° in zwei Teile zu teilen, so dass der sinus des einen Teiles gleich dem dreifachen sinus des zweiten Teiles ist. Ostertermin 1884. Deutscher Aufsatz: Die siegende und beglückende Macht der Wahrheit erwiesen an dem Beispiele der Goetheschen Iphigenie. Lateinischer Aufsatz: Multorum virorum illustrium mors indigna fuit vita gloriosa: at Arxistidis, Socratis, Epaminondae mors aeque ac vita laudabilis. Eine Uebersetzung aus dem Lateinischen in das Deutsche. Eine Ueber- setzung aus dem Griechischen in das Deutsche. Hebräische Arbeit: Uebersetzung und grammatische Analyse von Exod. V, 1—4(excl.). Mathematische Aufgaben: a) Plani- metrische: In ein beliebiges Dreieck ein Quadrat zu zeichnen, dessen eine Seite in einer bestimmten Seite des Dreiecks liegt, und dessen andere Ecken in die beiden andern Seiten fallen. b) Stereometrische: Wie gross ist der körperliche Inhalt eines geraden Kegels, wenn die Grundfläche desselben gleich g= 256 und die Mantelfläche= 410 ist? c) Algebraische: Ein Körper wird mit einer Geschwindigkeit von c Meter aufwärts geworfen. In welcher Zeit wird er den Raum s zurückgelegt haben? d) Trigonometrische: Die fehlenden Stücke eines Dreiecks zu berechnen, wenn= 840, 5 e= 1060, 5— c= 80 sind. 29 Übersichts-Tabelle über die Verwendung der Lehrkräfte und die Vertheilung des Unterrichts. Ordi- Zahl Nr. Lehrer: narius Prima.[Sekunda.] Tertia. Quarta. Quinta. Sexta. dete 19 Stndn. . Griech. 4 1. Dr Gngermann, IA: Hom. 2] Orv. 2 11 5 Deutsch 3 v. 8. 2. Vn deinot, Mathem. 4 Mathem. 4 Akh 3Mathem. 4 Rechn. 3 18 5 Sempiniski, II. H 2 l. Lat. 6] III B: 20 5 Oberlehrer. 3 om. 2 Griech. 5 Griech. 7 Lat. 8 4 Dr. Pöppelmann, I. Gesch. 3 Verg. 2 19 . Oberlehrer. 3 I B:(Gesch. 3 Deutsch 3— Oberl. Dr. Menden Relig. 2 Relig. 2; 4 1 Relig. 3 5. Religionslehrer. Hebe. 2 Hebr. 2 Relig. 2 Relig. 2 Relig. 2 Geogr. 3, ²0 Bal Lat. 7 97 alg. III A: 1 6. ordentl. Lehrer III. Griech. Franz. 5 15 7*½ 3 Heydkam Deutsch 2 7. ordad Aber. V. Franz. 2 Franz. 2 Franz. 2 Lat. 9 21 Franz. 4 Dr. Koch Deutsches Geogr. 3 8. ordent. Lehrer, IV. Deutsch 2 Lusch Soofsrelhen 2 222 Regens im G.-Al. 20 † — Turnen 4 Feldmann, Deutsch 2 D . VI.. Gesch. u. eutsch 3 9. kommiss. Lehrer. Ceae 8 Geogr. 4 Lat. 9 21 Worrings, Naturb. 2 10. Repetcat ins Geal, Phys. 2 Phys. 2] 11III A:(Naturb. 2 Rechn. 1] Rechn. 4 18 Mathem. 3 Naturbeschr. 2 Grimmendahl III A: Dautsch 11. Repetent im G.-Al. Griech. 4† 2 † 1 6 † Diedrich, Zeichnen 2 Zeichnen 2 12. Elementarlehrer. G 8 esang 4 Heinen III B: 2 3 13. Prohekand'dat.[Gr. 15[Lat. 3]*[Lat. 11†(Geogr. 3 * Im Sommersemester. † Im Wintersemester. 30 II. VERFUGUNGIN. 1. Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 5. April 1883 enthält die durch Ministerial-Erlass vom 27. März eiusd. erteilte Genehmigung zur Einführung der Sammlung mehrstimmiger Männerchöre von Blied(Abtheilung II, Heft 1) an Stelle der mehrstimmigen Gesänge für Männerstimmen von Erk. 2. Mittelst Verfügung vom 3. April 1883 erhält die Direktion ein Druckexemplar einer von dem Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten unterm 28. Februar eiusd. erlassenen Vorschrift betreffend Aenderungen in der Abgren zung der Lehrpensa infolge der Lehrpläne vom 31. März 1882. 3 3. Nach dem unterm 5. April 1883 von dem Königlichen Provinzial-Schulkollegium mitgeteilten Ministerial-Erlasse vom 15. März eiusd. berechtigt bis zur. Versetzung nach Untertertia einschliesslich das von einem Realgymnasium ausgestellte Abgangszeugnis zur Aufnahme in die entsprechende Klasse eines Gymnasiums, sofern in dem Urteile über die Kenntnisse und Leistungen im Lateinischen das Prädikat genügend' ohne irgend welche Beschränkung gegeben ist. Andererseits berechtigt bis zur Versetzung nach ÜUntertertia einschliesslich das von einem Gymnasium ausgestellte Abgangszeugnis zur Aufnahme in die entsprechende Klasse eines Realgymnasiums, sofern in den Urteilen über die Kenntnisse und Leistungen im Fran- zösischen und im Rechnen(bezw. in der Mathematik) das Prädikat genügend' ohne irgend welche Einschränkung gegeben ist. Die hiermit bezüglich der Geltung der Abgangszeugnisse der Gymnasien und Realgym- nasien getroffenen Bestimmungen finden auf die Abgangszeugnisse der Progymnasien und Real- gymnasien unveränderte Anwendung. 4. Ministerial-Erlass vom 23. April 1883, mitgeteilt durch Verfügung des Königlichen Provinzial- Schulkollegiums vom 2. August eiusd., gibt Kenntnis von den auf die Einrichtung und den Lehrbetrieb der Vorschulen höherer Lehranstalten anzuwendenden Normen. 5. Mittelst Verfügung vom 27. August 1883 lässt das Königliche Provinzial-Schul- kollegium auf Ersuchen des Präses der Rheinischen Provinzialsynode vom 23. eiusd. der Direktion ein Exemplar des kirchlichen Amtsblattes des Königlichen Konsistoriums der Rheinprovinz vom 4. Juli eiusd. N. 13 bezüglich der Studien-Stiftungen und Stipendien inner- halb der Rheinprovinz, die den Studierenden der evangelischen Theologie zugänglich sind,, zur Kenntnisnahme und eventuellen Auskunftserteilung an Abiturienten, welche zum Stu- dium der Theologie übergehen wollen, mit dem Bemerken zugehen, dass nach Beschluss 19 der XVII. Provinzialsynode die in der Rheinprovinz vorhandenen nicht lokal beschränkten Stiftungen für Theologie Studierende zusammengestellt und alljährlich durch das qu. kirchliche Amtsblatt veröffentlicht werden sollen. 6. Ministerial-Erlass vom 10. Juli 1883 und Verfügung des Königlichen Provinzial- Schulkollegiums vom 5. September 1883 betreffen die feierliche Begehung des 10. November 1883 als des Gedächtnistages der Geburt Dr. Martin Luthers in den evangelischen und paritätischen Lehranstalten bezw. seitens der evangelischen Schuljugend. 31 7. Mittelst Verfügung vom 18. August 1883 teilt das Königliche Provinzial-Schulkollegium den Direktionen und Rektoraten zur konferenzmässigen Vorberatung diejenigen vier Themata mit, deren Behandlung in der im Jahre 1884 abzuhaltenden zweiten rheinischen Direktoren- konferenz in Aussicht genommen worden ist. Die Themata lauten: I. In welchen Lehrgegenständen und auf welchen Klassenstufen kann die jetzt meist geforderte häusliche Arbeit der Schüler unbeschadet der Erreichung der Ziele un- serer höheren Lehranstalten gemindert werden? II. Die Stundenzahl, welche dem lateinischen Unterricht des Realgymnasiums zu ge- währen ist, bezw. zugewiesen werden kann, wie auch der gesammte Lehrplan des letzteren, weisen darauf hin, dass Latein auf dem Realgymnasium anders zu betreiben sei, als auf dem Gymnasium. Nach welcher Unterscheidung von dem Gymnasial- unterrichte wird das Realgymnasium in diesem Fache zu streben haben?(Uner- örtert gebliebenes Thema IV der ersten rheinischen Direktoren-Konferenz, zu behandeln unter Bezugnahme auf die Lehrordnungen vom 31. März 1882). III. Der griechische Unterricht und der neue Lehrplan. IV. Entwurf des Kanons von Jâhreszahlen, dessen Herstellung in den Erläuterungen zur Prüfungsordnung der Gymnasien vom 27. Mai 1882 zu 7 und 8 ½ empfohlen worden ist, für Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschulen und für die diesen Anstalten entsprechenden kleineren Schulen.(Es sind hierbei die in jeder einzelnen Klasse zu lernenden Jahreszahlen bestimmt anzugeben.) 8. Ministerial-Erlass vom 30. Juli 1883, Verfügung des Königlichen Provinzial-Schul- kollegiums vom 8. Oktober 1883 betreffen den Turnunterricht der Gymnasial- und Reallehr- anstalten. Zur Dispensation vom Turnen' heisst es: „Durch die Lehrpläne vom 31. März 1882 ist entsprechend der Kabinets-Ordre vom 6. Juni 1842 der Turnunterricht an allen höheren Schulen als obligatorischer Lehrgegenstand festgesetzt, mit der Bemerkung, dass der Direktor auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses Befreiung davon zu erteilen hat, jedoch in der Regel nur auf die Dauer eines Halbjahres. Es ist nicht erforderlich, wie dies bereits bei besonderen Anlässen erklärt wurde, dass in dem ärztlichen Zeugnisse die medizinische Begründung der Dispensation bezeichnet sei, da- gegen ist ausdrücklich anzugeben, ob die Dispensation auf den gesamten Unterricht aus- zudehnen oder nur auf eine bestimmte Klasse von Uebungen z. B. die Gerätübungen, zu beschränken ist. Die Regel, dass die Dispensation nur für ein Halbjahr Gültigkeit hat, ist in allen Fällen einzuhalten, in welchen nicht ein bestimmtes Gebrechen oder Leiden das Erfordernis der dauernden Dispensation ausser Zweifel setzt. Von der Gewissenhaftigkeit der Aerzte ist strenge Zurückhaltung in der Erteilung der Dispensationszeugnisse um so entschiedener zu erwarten, als dieselben den etwaigen schädlichen Einwirkungen der höheren Schulen auf die gesunde Entwicklung der Schüler ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden, und daher gewiss nicht ohne unbedingte Notwendigkeit die Verantwortung übernehmen werden, die Dispensation von einer diese gesunde Entwicklung fördernden Uebung ihrerseits herbei- zuführen.“ 32 9. Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 30. Oktober 1883 ordnet Ermittlungen an bezüglich der Frage, inwieweit gegenwärtig den Schülern an höheren Schulen die Möglichkeit dargeboten ist, sich Fertigkeit im Stenographieren anzueignen. 10. Durch Verfügung vom 31. Oktober 1883 fordert das Königliche Provinzial-Schul- kollegium, da es bemerkt zu haben glaubt, dass die Zahl derjenigen Gymnasialschüler, welche in den oberen Klassen die Anstalt wechseln, ohne dass die Gründe hierfür aus veränderten häuslichen Verhältnissen ersichtlich werden, sich im Laufe der Jahre erheblich vergrössert hat, um sich der diesen Punkt angehenden Thatsachen zu vergewissern, entsprechende Ueber- sicht der von einschliesslich Ostern 1881 bis einschliesslich Ostern 1883 in die Klassen von Obertertia bis Prima der Gymnasien aufgenommenen Schüler nebst Angabe der Zahl der während desselben Zeitraumes aus denselben Klassen erfolgten Abgänge solcher Schüler, die am Schlusse des Kursus einer Klasse angelangt waren, ohne die Versetzung in den höhoren Kursus zu erreichen. 11. Mittelst Verfügung vom 15. Januar 1884 empfiehlt das Königliche Provinzial- Schulkollegium die Militärdienst-Versicherungs-Anstalt in Hannover. III. CHRONIK. 1. Am 23. März 1883 starb infolge wiederholten Blutsturzes ein braver und streb- samer Schüler der Obersekunda, Moses Levy aus Münstereifel. Am 25. März geleiteten die am Schulorte anwesenden Lehrer und Schüler seine Leiche zu Grabe. 2. Das Schuljahr 1883— 84 wurde Montag den 9. April 1883 mit einem feierlichen Gottesdienste eröffnet, nachdem am 6. und 7. April die Aufnahmeprüfungen stattgefunden hatten. 3. Durch Verfügung vom 31. März 1883 wurde der Schulamtskandidat Michael Heinen zur Ableistung des Probejahres beim hiesigen Gymnasium zugelassen und derselbe gleichzeitig mit den Funktionen eines Repetenten im hiesigen Gymnasial-Alumnate betraut. 4. Durch Verfügung vom 3. April 1883 wurde dem Kandidaten des höheren Schul- amts Joseph Feldmann bis auf Weiteres eine kommissarische Beschäftigung beim hiesigen Gymnasium übertragen. 5. Am 28. Juni 1883 unternahm die Anstalt eine Turnfahrt durch den Münstereifler Wald zur Hardtburg und weiterhin nach Euskirchen. Der Rückweg erfolgte über die Ort- schaften Rheder, Weingarten und Iversheim. 6. Durch Verfügung vom 27. August 1883 wurde der Schulamtskandidat Michael Heinen mit Rücksicht auf seine Gesundheitsverhältnisse, seinem Wunsche entsprechend, aus seiner Stellung als Repetent im Gymnasial-Alumnate entlassen und an dessen Stelle der Schulamtskandidat Peter Grimmendahl vom Realgymnasium in Aachen dem Alumnate zur Verwaltung der Geschäſte eines Repetenten überwiesen. 7. Durch Verfügung vom 30. Januar 1884 wurde die letzte ordentliche Lehrerstelle 33 beim hiesigen Gymnasium dem kommissarischen Lehrer Dr. Vielau vom Gymnasium zu Bonn vom 15. April c. ab verliehen und demselben bis auf Weiteres auch die Regensstelle im Alumnate übertragen. 8. Am 3. Februar veranstaltete das Gymnasial-Musikkränzchen im Saale des Hotel Hillebrand ein Vokal- und Instrumental-Konzert, dessen Reinertrag den Armen der Stadt Münstereifel zugewendet wurde. 9. Die Feier des Allerhöchsten Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers und Königs wurde am 22. März c. durch einen feierlichen Gottesdienst in der Gymnasialkirche und einen Schulaktus in der Aula begangen. Die Festrede hielt Oberlehrer Dr. Pöppelmann. 10. Am Palmsonntage feierten 5 Schüler das Fest ihrer ersten hl. Kommunion, wozu sie durch besonderen Unterricht des Religionslehrers Oberlehrers Dr. Menden vorbereitet worden waren. 11. Mitglieder der engeren Konferenz, welche die Durchführung des Ministerial-Re- scriptes vom 27. Oktober 1882, betreffend die leibliche Ertüchtigung und Erfrischung der die höheren Lehranstalten besuchenden Jugend zum Gegenstande ihrer Erwägungen und Bemühungen zu machen hat, waren im abgelaufenen Schuljahre ausser dem Bericherstatter: Oberlehrer Dr. Sommer, die Gymnasiallehrer Balg und Dr. Koch und Kandidat Worrings. 12. Mit dem Schlusse des Schuljahres scheidet der Berichterstatter aus seinem Ver- hältnisse zur hiesigen Anstalt, um die Direktion des Gymnasiums in Düren vom 15. April a. cr. ab zu übernehmen. IV. STATISTISCHE NACHRIOCHTEXN. 1. Die Schülerzahl betrug im Anfange des Schuljahres 121; im Laufe des Schuljahres wurden aufgenommen 25 Schüler; die Gesamtzahl des ganzen Jahres stellte sich demnach auf 146. Das mit dem Gymnasium verbundene Alumnat wurde von 46 Zöglingen besucht. Nachstehende Uebersicht enthält die näheren Angaben über die Frequenz der einzelnen Klassen, die konfessionelle Zugehörigkeit, die Heimats- und Altersverhältnisse, sowie das Durchschnittsalter der Schüler zu Anfang des dritten Tertials des Schuljahres. Durchschnittsalter Klassen. Schülerzahl. Kathol. Evang. Israelit. Einh. Ausw. Einheim. d 1 Auswänt. Jahre: Ia. 6 6——— 6— 201/12 Ib. 24 24—— 2 22 20 ½ 19 ½ Ila. 20 15 4 1 6 14 18 18 ⅓ IIb. 13 11 1 1— 13— 17 IIIa. 17 16 1— 4 13 155⁄ 16 IIIb. 20 20—— 5 15 14¹ 16 IV. 8 6 1 1 1 71 1357 13% V. 8 8—— 3 5 11 G 12 ⅜ VI 12 10— 2 5 7 11 ½ 11 Summe. 128 116 5 260 102 5 34 Binnen Jahresfrist verliessen 5 Schüler mit dem Zeugnisse der Berechtigung für den einjährigen freiwilligen Militardienst die Anstalt, um in das bürgerliche Leben überzugehen. 2. Zur Entlassungsprüfung im Herbsttermin wurden 4 Oberprimaner zugelassen. Nach- dem vom 2. bis 6. Juli die schriftlichen Prüfungsarbeiten angefertigt worden, fand die mündliche Prüfung am 6. August unter dem Vorsitze des Königlichen Provinzial-Schulrates Herrn Dr. Vogt statt. Den Geprüften wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt. ———— 3 Dauer d. Auf- N 6 35 enthalts auf Amen Ker Geburtstag. Geburtsort. 3(der Schule Beruf. Abiturienten. über- in — haupt Prima K Jahre: Braun, Andreas 8. März 1862 Commern, Kr. Euskirchen kath. 9 2 ½ Verwaltungsfach. Hupertz, Karl 7. Dez. 1864 Mechernich. 3 kath. 71 ½ 21 ½½ Jurisprudenz. Huthmacher, Hubert 25. Nov. 1862 Rheinbach kath. 9 2 ½ Verwaltungsfach. Pies, Peter 2. April 1863 Altstrimmig, Kr. Zell kath. T2; 2 ½6 Theologie. Die zur Entlassungsprüfung im diesjährigen Ostertermin zugelassenen 6 Oberprimaner legten vom 11. bis 15. Februar die schriftliche Prüfung ab. Die mündliche Prüfung, bei welcher der Berichterstatter als Kommissar des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums fungierte, fand am 26. und 27. März statt. Die Geprüften wurden für reif erklärt, einer derselben, Arthur Lefils, war von der mündlichen Prüfung befreit worden. Dauer d. Auf- N a 5 enthalts auf Ae,n O Geburtstag. Geburtsort. 3 der Schule Beruf. Abiturienten.(ber in 8 haupt Prima— A Jahre: Bohnen, Anton 4. Juli 1863 Schönecken, Kr. Prüm kath. 9 2 Jurisprudenz. Creutz, Rudolf 4. März 1866 Eupen kath. 6 2 Medizin. Effertz, Adam 29. April 1861 Barrenstein, Kr. Grevenbr. kath. 9 ½ 2 Theologie. Lefils, Arthur 30. Mai 1865 Eupen kath. 6 ½³ 2 Forstfach. Lose, Karl 16. Juni 1862 Koblenz. kath. 11 ½ 2 Medizin. Spelthahn, Andreas[11. Aug. 1864 Busbach, L.-Kr. Aachen kath. 9 2 Forstfach. V. LEHRMITTEIL. An Geschenken, für welche namens der Anstalt der geziemende Dank erstattet wird, erhielt Die Lehrer-Bibliothek: von dem Königlichen Unterrichtsministerium: Poggendorfs Annalen der Physik und Chemie. Neue Folge. Jahrgang 1883— 84; von Herrn Gymnasial- Oberlehrer Dr. Fisch in Bonn: Meirings Uebungsbuch zur lateinischen Grammatik für die 35 unteren Klassen, bearbeitet von Oberlehrer Dr. Fisch. I. u. 2. Abteilung, und Siberti-Mei- ring, Lateinische Schulgrammatik für die unteren Klassen. 25. Auflage, bearbeitet von Oberlehrer Dr. Fisch; von Herrn Vikar Radermacher in Reifferscheid: Buss, Die Gesellschaft Jesu, ihr Zweck, ihre Satzungen, Geschichte, Aufgabe und Stellung in der Gegenwart. 2 Bände. Mainz, Kunze, 1863; von den betreffenden Verlagshandlungen: Bonnells Lateinische Uebungsstücke. Neu bearbeitet durch Geyer und Mewes, 1. u. 2. Teil; Scheins, Lateinische Formenlehre für Sexta; Ley, M. Tullii Ciceronis Cato Maior sive de senectute dialogus; Gitlbauer, Cornelii Nepotis vitae; Zingerle, P. Ov. Nasonis carmina. Vol. II. Metamorphoses; Bachof, Griechisches Elementarbuch. 1. Teil; Uhle, Griechische Schulgrammatik, 3. Auf- lage; Schubert, Sophoclis Aiax. Scholärum in usum. Garve, Tabellen zur französischen Grammatik; Wolter, Dr. Martin Luther; Rottok, Lehrbuch der Planimetrie und Lehrbuch der Stereometrie. Krass und Landois, Lehrbuch für den Unterricht in der Zoologie. Probe- blatt aus der physikalischen Schulwandkarte der Erde von Dronke und Herkt. Aus den etatsmässigen Fonds wurden angeschafft: 1) für die Lehrer-Bibliothek: Verhandlungen der Direktoren-Versammlungen in den Provinzen des Königreichs Preussen, Band XIV, XV u. XVI; Verhandlungen der Kommis- sion zur Prüfung der Frage der Ueberbürdung der höheren Lehranstalten des Grossherzog- tums Hessen-Darmstadt. Katz, Die Kurzsichtigkeit nach Ursache, Wesen und Gefahren mit besonderer Rücksicht auf Auge und Schule; Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Sect., 34. Teil; Heinrich, Dogmatische Theologie, Bd. V, Abt. 2; Abbé Rohrbachers Universalgeschichte der katholischen Kirche, Bd. 23; Kaulen, Assyrien und Babylonien nach den neuesten Entdeckungen; Suphan, Herders Werke, Bd. 6 u. 18; Viehoff, Schillers Leben, Geistesentwicklung und Werke auf der Grundlage der Karl Hoffmeister'schen Schriften. Buchholz, Die Homerischen Realien, Bd. 2, Abt. 2; Gerber& Greef, Lexicon Taciteum, Fasc. V; Karte über die Verteilung der höheren Schulen im König- reich Preussen. Friedrich Ludwig Jahns Deutsche Turnkunst; Dieters, Merkbüchlein für Turner; Jakobs, Deutschlands spielende Jugend; Guts Muts Spiele zur Hebung und Erholung des Körpers und des Geistes; Fleischmann, Wanderungen, Turnfahrten und Schüllerreisen; Bach, Wanderungen, Turnfahrten und Schülerreisen; Ravenstein, Volksturnbuch. Zeitschriften: Centralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preussen; Zeitschrift für das Gymna- sialwesen; Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik; Zeitschrift für Preussische Ge- schichte und Landeskunde; Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande. 2) für die Schüler-Bibliothek: Kallsen, Schillers Wilhelm Tell; Keck, Goethes Her- mann und Dorothea; Uhland, Gedichte und Dramen. 3 Bände; Osterwald, Erzählungen aus der alten deutschen Welt. 7. Teil; Werner Hahn, Friedrich Wilhelm III. und Luise, König und Königin von Preussen; Oskar Jäger, Geschichte der Griechen und Geschichte der Römer; Willkomm, Die Wunder des Mikroskops; Helmholtz, Populäre wissenschaftliche Vor- träge, 1. u. 2. Heft. 36 VI. SCHLUSS DES SOCHULJAHhRES. Dienstag, den 8. April. Schlussgottesdienst: 8 Uhr. Offentliche Prüfung: 9— 9 ½ Uhr Sexta: Deutsch, Feldmann. 9 ½— 10 Uhr Quinta: Religion, Dr. Menden. 10— 10 ½ Uhr Quarta: Latein, Dr. Koch. 10 ½— 11 Uhr Tertia: Französisch, Heydkamp. 11— 11 ½ Uhr Sekunda: Griechisch, Sempifski. 11 ½— 12 Uhr Prima: Geschichte, Dr. Pöppelmann. Schlussfeier: 2 Uhr. Gesang: Ihr Riesengletscher, von Kreutzer. Vortrag des Sextaners Matthias Brück: Siegfrieds Schwert, von Uhland. des Quintaners Karl Ridder: Von des Kaisers Bart, von Geibel. des Quartaners Martin Kaulard: Die Auswanderer, von Freiligrath. des Obertertianers Karl Willick: Die drei Könige zu Heimsen, von Uhland. des Obersekundaners Karl Winters: Die Kaiserwahl, aus Uhlands E., H. v. Schw. Deutsche Rede des Unterprimaners Karl Froidevaux: Welche äusseren Umstände begün- stigten hauptsächlich die frühe geistige Bildung der Griechen? Lateinische Rede des Abiturienten Rudolf Creutz: Dignum laude virum Musa vetat mori. Gesang: Frei, wie des Adlers mächtiges Gefieder, von Marschner. Ansprache des Direktors. Gesang: Hinaus, in das Grün, von Hamma. Bekanntmachung des Ascensus und Austeilung der Censuren in den einzelnen Klassen. VII. ANFANG DES NEUEN SCHULJAHRES. Das neue Schuljahr beginnt Montag den 28. April cr. morgens 8 Uhr mit feierlichem Gottesdienste. Alle behufs der Aufnahme zu prüfenden Schüler haben sich Samstag den 26. April morgens 8 Uhr im Gymnasialgebäude einzufinden. Anmeldungen neuer Schüler nimmt der Direktor und im Falle der Abwesenheit desselben Oberlehrer Dr. Sommer 37 entgegen. Bei der Anmeldung sind Geburts- und Impfatteste, sowie ein Zeugnis über den bisher erhaltenen Unterricht bezw. ein Abgangszeugnis von der zuletzt besuchten Lehr- anstalt vorzulegen. Die Wohnungen für auswärtige Schüler dürfen nur mit Genehmigung des Direktors gewählt werden. Die Meldung zur Aufnahme in das mit dem Gymnasium verbundene Alumnat ist an den Regens Dr. Koch zu richten. Münstereifel, im April 1884. Der Direktor des Gymnasiums, Dr. Ungermann.