ſUeE. PROGRAMM 846 der SSsessseessessses⸗ 1 1 f ANNENSCHUL E GRealgymnasium) DRE SDEN ALTSTADT. womit zu den 7 1 S f Prüfungen am 14., 15. und 16. A das — Lehrerkollegiurm — = chrerbietigst einladet durch Rektor Prof. Dr. Alfred Oertel, Ritter des Königlich Sächsischen Verdienstordens erster Klasse. A. Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre. II. Von Oberlehrer HERMANN UNBESOCMLID. 8 5 B. Schulnachrichten und Schulchronik., Vom REkHrok. G. Mitteilungen. D. Verzeichnis der Schüler. = 2. Programm der Prüfungsordnung. Dresden, Druck von B. G. Teubner. .— eeeeeeeeeeeeee 1 1 1 1 1 t t 1886. Progr. Nr. 509. PROGRAMM ANNENSCHULE (Realgymnasium) Zu DRESDEN-ALTSTADT. womit zu den öffentlichen Prüfungen am 14., 15. und 16. April 1880 das Lehrerkollegium ehrerbietigst einladet durch Rektor Prof. Dr. Alfred Oertel, Ritter des Königlich Sächsischen Verdienstordens erster Klasse. Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre. II. Von Oberlehrer HERMANN UNBESCHEID. B. Schulnachrichten und Schulchronik. Vom REKTOR. C. Mitteilungen. D. Verzeichnis der Schüler. 2. Programm der Prüfungsordnung. Dresden, Druck von B. G. Teubner. 1886 1886. Progr. Nr. 509. Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre, I.(Programm der Annenschule 1884) erläuterte an Schillers Dramen die von G. Freytag in der Technik des Dramas(Kap. II, 2, Bau des Dramas) gegebenen Ausführungen bis zum Höhenpunkte. Bei den Stücken, die in der Schule gelesen zu werden pflegen, wurde auf Düntzers(D.) kritische Bemerkungen vielfach hingewiesen. Beitrag u. s. w. II.(erschienen Ostern 1886 als Broschüre mit I., Dresden, Verlag von Warnatz und Lehmann) bringt in derselben Weise die Besprechung der fallenden Handlung, wobei indes ausser auf obengenannte Werke auch auf Vischers„Asthetik“ sowie einige neuere Schriften über die tragische Kunst (s. die betreffenden Citate) in den Anmerkungen Bezug genommen worden ist. Anhang: Dramaturgische Tafel zu Schillers R., K. u. K., F., Wlst., M. St., J. v. O., B. v. M., Tl.; Goethes Egm., Iphig.; Lessings Nathan. Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre. II. Von Oberlehrer Hermann Unbescheid. Zu den ältesten und zugleich anregendsten Untersuchungen auf kunstphilosophischem Gebiete gehört unstreitig die über das Wesen der tragischen Kunst. Aber noch immer nicht, seit Aristoteles seine Poetik schrieb, bis auf diese Tage, hat eine genaue Erklärung derselben gegeben werden können, ja es ist viel- leicht eins der schönen Vorrechte dieser Muse vor den Schwestern, dass sie, die nach der Abbildung der Alten in sehr bezeichnender Weise den mit Epheu gekrönten Schleier trägt, ihrer innersten Natur nach dem grübelnden Verstande ein ewiges Geheimnis bleiben muss, welches sie nur dem zu ihrem Liebling gewor- denen Dichter zu lüften bereit ist.— In der Schule wird man erst recht verzichten müssen, von dem Begriff des Tragischen, etwa nach dem Vorgange einiger Asthetiker, eine Analyse zu geben, die wohl innerhalb eingehender wissenschaftlicher Erörterungen, aber nicht getrennt von diesen, als verständliches Resultat erscheint. Gleichwohl wird man der Beantwortung der Frage nach gewissen eigentümlichen Merk- malen, besonders aber der Wirkung der tragischen Kunst nicht gänzlich aus dem Wege gehen dürfen, am wenigsten bei der hier vorgeschlagenen Behandlung der Lektüre, die durch die Kenntnis der Gesetzel auch den Geist des dramatischen Kunstwerks dem Schüler erschliessen will(vgl. Progr. I p. 1 flg.). Gerade der Anfang der fallenden Handlung der Tragödie? erscheint als die geeignete Stelle zur kurzen Erörterung 1) Sehr treffend bezeichnet W. Schrader Aufgabe und Methode der höheren Schule in der„Erziehungs- und Unterrichtslehre für Gymnasien und Realschulen“, 4. Aufl. 1882 p. 6 flg.:„Die höheren Schulen wenden sich überall von der Phatsache zur Begründung derselben, von der Erscheinung zum Gesetze, sie entkleiden den Bildungsinhalt seiner stofflichen Schwere und vergeistigen denselben zur allgemeinen und durchsichtigen Form. Indem sie hierdurch die Verwandtschaft zwischen dem Inhalt der Wissenschaft und dem eigenen Geistesleben des Zöglings aufdecken, befähigen sie den letzteren, jenen Inhalt mit klarer Beherrschung in sich aufzunehmen, an demselben die eigene Geisteskraft zu entwickeln und mittels der erweiterten und vertieften Erkenntnisformen neuen Bildungsstoff in gleicher Weise zu bewältigen. Dieses Bewusstsein um das Gesetz ist das Eigentümliche der höheren Schulbildung...“ 2) Was überall bequem zu lesen ist, braucht hier nicht wiederholt zu werden. Dahin gehört die Ab- stammung des Wortes, die Entstehung und der Unterschied der Tragödie vom ernsten Drama, ferner der Nachweis, dass das deutsche Wort Trauerspiel den ästhetischen Charakter der Tragödie gar nicht genügend ausdrückt. Wohl aber ist hier, wo von den Wirkungen des Tragischen die Rede sein soll, auch der Platz, den Schüler auf die Arten der Tragödie aufmerksam zu machen. Th. Vischer, Asthetik III, 1421:„Für die Tragödie bildet den nächsten Einteilungsgrund der Unterschied des Stoffes. Derselbe ist entweder sagenhaft-heroisch oder historisch- politisch, wo dann prinzipielle Umwälzungen des Besteh enden durch gewaltige Charaktere den der Dichtungsart entsprechendsten Inhalt darbieten, oder er gehört dem bürgerlichen(wenn er soziale Fragen, Konflikte, die sich um die Einrichtung der Gesellschaft drehen, als dramatischen Inhalt mit sich bringt) und Privatleben an(rein- menschliche Stoffe, deren Interessen in den grossen Empfindungsmotiven der Liebe, Pietät, Freundschaft liegen). Historisch-politischer Hintergrund hebt die letztere Sphüre in die Nähe des ersteren.“ Historisch- politisch: F., D. C., (letzteres Stück gehört, soweit es Familiengemälde ist, gleichwie B. M. dem„Privatleben“ an), M. St., I. v. O., TI., bürgerlich: K. u. L.— p. 1423:„Das zweite Einteilungsmoment liegt in dem Unterschiede der Seite, von welcher der Stoff aufgefasst wird. Der Dichter legt das grössere Gewicht entweder auf den Konfiikt der ethischen Grundmotive an sich oder auf das Bild des Charakters und der Sitte: Gegensatz von Prinzipientragödie und Charakter- (Sitten ytragödie; der letztere kann jedoch auch ein relativer sein, sonst wäre entweder der Satz umgestossen, dass im Drama nicht der Charakter, sondern die Handlung das Wesentliche ist, oder umgekehrt: es würden sich Konflikte bekämpfen, die wie Platonische Ideen als Wesen für sich in der Luft schweben. Die Prinzipientragödie ruht auf Konflikten, die nach der Trennung, die in den menschlichen Dingen das ewig Zusammengehörige erfährt, wirklich unversöhnlich sind; aber die Einseitigkeit der Trennung muss in schroffen und heftigen Charakteren ihre lebendige Realität haben, sodass der Eindruck bleibt, bei grösserer Nachgiebigkeit würde allerdings der Konflikt sich schmerz- hafter lösen, nur fiele dann eben die Kraft der Einseitigkeit in den Charakteren und die Lösung wäre eine matte, schlaffe.“ p. 1424:„Wallenstein führt den Anspruch des genialen Felqherrn auf unbegrenzte Vollmacht im Kampf gegen das Recht der kaiserlichen Macht, dass aber durch kleinliche Überwachung zum halben Unrechte geworden ist“. p. 1427:„Weichen und passiven Naturen, leidenden Frauen, wenn sie Hauptpersonen sind, ist tragische Würde nur da- durch zu geben, dass ihnen umsomehr menschliche Teilnahme gesichert wird... So neigt M. St. von der Prinzipien- 1 2 des Wesens des Tragischen, und zwar dgshalb, weil die hier notwendige Erklärung des technischen Aus- drucks„tragisches Moment“ von selbst auf den Begriff des Tragischen in der Kunsttheorie führen dürfte. Bei Schiller wird man nicht versäumen, wenigstens aus den beiden Abhandlungen, a) über die tragische Kunst, b) über den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen, einige seine Ansicht besonders be- leuchtende Hauptsätze(z. B. nach der Inhaltsangabe dieser Aufsätze bei Braun:„Schiller und Goethe im Urteile über Zeitgenossen) zur Besprechung herauszugreifen, die freilich alsdann nur zeigen kann, dass er gar nicht, wie seine Absicht war, das Tragische erörtert hat, und dass seine Behauptung, der Held müsse schuldlos sein, zur Charakter- oder Sittentragödie... Die schneidenden Konflikte der bürgerlichen Gesellschaft führen nicht not- wendig, aber doch entschieden drängend zu einer Behandlung, welche das Interesse an den prinzipiellen Konflikten des Rechts, des Herzens, der Ehre, des Anspruchs auf Glück und Besitz mit festgewurzelten Vorurteilen der Gesell- schaft, Einrichtungen, Vorrechten, Ständeunterschieden stärker betont, als das Interesse an den Charakteren und Leidenschaften: eine Form, die in der modernen Zeit zu grosser Bedeutung berufen ist. Schiller erhebt das bürger- liche Charakterstück durch K. u. L. in diese Sphäre.“ Die neuere Schicksalstragödie schliesst Vischer als eine Ver- irrung aus; p. 1426:„Ist es aber nicht logisch gefordert, dass auch eine Form unterschieden werde, die diesen Namen (Schicksalstragödie) ohne Tadel trägt? Wenn nach der Seite der Auffassung eingeteilt und danach eine Prinzipien- und Charaktertragödie unterschieden wird, so scheint ein dritter Fall übersehen, wo das Hauptgewicht auf den tragischen Gang der Handlung fällt. Die Alten hatten eine solche Gattung... Allein dieselbe kann nur in der Poesie des klassischen Altertums auftreten, und zwar deswegen, weil nur diese ein vorausgesetztes, neidisch auf- lauerndes, nicht aus der Handlung der Menschen sich entwickelndes Schicksal kennt. Was den Griechen normal war, ist uns abnorm, daher ist eine moderne Schicksalstragödie eine schlechte Tragödie.“ Dieser letzteren Be- hauptung gegenüber hat J. Duboc kürzlich in seiner Schrift: Die Tragik vom Standpunkte des Optimismus, mit Bezugnahme auf die moderne Tragödie(Hamburg, Grünings Verlag 1886) gezeigt, wie die Schicksalstragödie zur Weltordnungstragödie werden kann. p. 102:„Das Wesen des tragischen Eindrucks ist transcendenter Natur, und dies Verhältnis steigert sich noch in der sogenannten Schicksalstragödie. Der alte Begriff der Schicksals- tragödie ist für die Auffassung der Neuzeit, welche in den Charakter des Menschen sein Schicksal verlegt, ver- plasst, aber er baut sich neu wieder auf angesichts der Thatsache, dass wir alle in den Schicksalsgang der Welt eingeflochten, alle in diesem erweiterten kosmischen Sinn Schicksalsträger sind. Indem wir den Charakter des Menschen als sein Schicksal ansehen, verliert dasselbe den alten Sinn einer weltbewegenden Potenz, es schrumpft gewissermassen auf die Privatsphäre des Individuums zusammen. Erst wenn diese überschritten und der Blick wiederum auf die Gesetze und den Zusammenhang der Weltentwickelung gerichtet wird, ersteht die Schick- salstragödie neu(Weltordnungstragödie).“ Uber die Tragödie von heute(s. a. a. O. Nachtrag: Bulhaupts„Malteser“; Wildenbruchs„Karolinger“,„Mennonit“,„Ch. Marlow“; Fitgers„Hexe“; K. Köslings„Zwei Könige“; Heyses einaktige Trauerspiele) heisst es daselbst p. 102:„Wird in der Kunst die Tendenz statt auf Erhebung überwiegend auf das Packende, auf Spannung, Genuss der Aufregung, des Schmerzes, Phantasiekitzel u. s. w. gerichtet, wird die Spannung von ihrer sehr wichtigen Stelle als dienendes Moment der Steigerung, wo dieselbe durch die Natur des Stoffes oder der Behandlung bedingt ist, hinweg und an die oberste Stelle gerückt, in mehr oder minder beabsichtigter und ausge- prägter Weise zum eigentlichen Zweck gemacht, so entsteht der Abfall, als dessen schlimmstes Erzeugnis die sensationelle Behandlung des Tragischen, resp. die pikante Tragödie zu gelten hat, wie sie die moderne Kunst vielfach aufweist.“— Man versäume übrigens nicht, das gelesene Stück den Schüler auch nach dem zweiten Ein- teilungsmoment(Auffassung des Stoffes) pestimmen zu lassen. Wie K. u. L. so sind auch die R. eine Charakter- (Sitten-) Tragödie: sie geben ein Bild der sofort eintretenden gesetzlosen Zustände, sobald nämlich der einzelne wagt der waltenden Vorsehung vorzugreifen. Prinzipientragödien sind ausser Wäst. u. M. St.(s. oben) F.: in diesem Stücke kämpft das monarchische Prinzip mit der republikanischen Verfassung, D. G.: das durch Posa vertretene Recht des Staatsbürgers mit dem despotischen Willen Philipps II; der Infant dagegen ist eine von den oben erwähnten, „weichen, passiven Naturen“; er erhält seine„tragische Würde“ durch seine unglückliche Liebe zu seiner ihm vor ihrer Verheiratung zur Gattin bestimmten Mutter, durch seine schwärmerische Freundschaft zu Posa, durch seine Arglosigkeit, mit der er sich der Eboli in die Arme wirft, vor allem aber dadurch, dass er sich zuletzt durch die Ubernahme der ihm angetragenen Mission aus der Sphäre der Leidenschaft erhebt, J.». O.: Darstellung des unaus- bleiblichen Konflikts, in den frommer Glaube und reinste Gottesbegeisterung bei der Berührung mit der Welt kommt, in Tl. streiten die selbst den heiligen Herd der Familie arg bedrohenden dynastischen Gelüste mit den unveränder- lichen, unzerbrechlichen Rechten eines freiheitliebenden Volkes. B. v. M. ist zwar eine Schicksalstragödie; da aber das über den Personen des Stückes schwebende und sie zermalmende Schicksal nicht das Fatum der Alten, welches über Götter und Menschen unabänderlich waltet, sondern die Wirkung eines alten Fluches ist, den der Ahnherr des Fürstengeschlechts von Messina über ein sündiges Ehebündnis ausgesprochen hat, und das treibende Element in dem durch Eifersucht wieder entzündeten Bruderhass beruht,„so neigt das Stück ebenso zu der Charakter- wie Prinzipientragödie(s. oben M. Sl.).“ 3) Schiller hat, wie Vischer a. a. O. I, 275 nachweist, in der Meinung das Tragische zu behandeln, das negativ Pathetische dargestellt. Die Schillersche Begriffsbestimmung wurde dann von W. Schlegel(Vorl. über dram. Kunst und Litteratur, 3. Vorl.) aufgenommen und erst durch Solgers Kritik wieder zerstört(vgl. auch Solgers Ansicht über die anderen ästhetischen Schriften Schillers: Solger, Vorl. über Asthetik, ed. Heyse, Leipzig 1829). Der Ausdruck Pathos, übrigens einer der wenigen Begriffe, die aus der Wissenschaft des Schönen auch dem Schüler in der Lektüre- stunde mit leichter Mühe zur Klarheit gebracht werden können, bedarf allerdings zuvor der Definition. Vischer a. a. 0O. O. I, 257:„Pathos ist Leidenschaft für einen sittlichen Zweck“; p. 265:„der gute Wille im positiven Verhält- 3 unhaltbar ist: Wenn die Unlust über die Ursache eines Unglüchs zu stark wird, so schwächt sie unser Mitleid mit demjenigen, der es erleidet. Zwei ganz verschiedene Empfindungen können nicht zu gleicher Zeit in einem hohen Grade in dem Gemlte vorhanden sein. Der Unwille über den Urheber des Leidens wird zum herrschenden Affelt, und jedes andere Gefühl muss ihm weichen. So schwdcht es jederzeit unsern Anteil, we᷑nn sich der Unglückliche, den wir bemitleiden sollen, aus eigner unverzeihlicher Schuld in sein Verderben gestürzt hat, oder sich aus Schudiche des Verstandes und aus Kleinmut nicht, da er es doch könnte, aus demselben zu ziehen zceiss(Schiller, über d. tragische Kunst, hist.-krit. Ausgabe von Goedeke, NX. p. 24). Wenn irgendwo, so ist hier der Ort, den Schüler mit einigen Hauptgedanken Lessings, durch welche die falsche Ansichten zerstörende und zugleich aufbauende Kritik des grossen Dichters und Denkers in Bezug auf tragische Kunst besonders dargethan wird, praktisch, d. h. am Beispiel bekannt zu machen. Denn gegen vollständige Lektüre der hierbei in Betracht kommenden Schriften, Laokoon und Hamburger Dramaturgie, in der Schule ist oft und mit Recht Bedenken erhoben worden. Wenn aber die Wirkungen eines bestimmten Dramas von dem Lernenden empfunden werden und durch die Besprechung des Lehrers ihm zum Bewusstsein kommen, werden die theoretischen Sätze Lessings für ihn nicht mehr in der Luft schweben, sondern Anschaulichkeit gewinnen. Dass Lessings Interpretation des Aristoteles in der Hamburger Drama- turgie durch Jacob Bernays:„Grundzüge der verlorenen Abhandlung des Aristoteles über Wirkung der Tra- gödie(Sonderausgabe Breslau 1857, wiederabgedr. in: Die Aristotelische Theorie über das Drama, Abhandl. 1, Berlin 1880)“ in vielen Punkten angegriffen worden ist, muss natürlich bei dieser Arbeit, die rein päda- gogische Zwecke verfolgt, unberücksichtigt bleiben. Für die Schule hat das schöne Wort Gervinus', das F. Schröter und R. Thiele ihrer ausgezeichneten Ausgabe der Hamburger Dramaturgie vorangestellt haben, noch volle Berechtigung:„Ich kenne kein Buch, bei dem ein deutsches Gemüt über den Widerschein echt deutscher Natur, Tiefe der Erkenntnis, Gesundheit des Kopfes, Energie des Charakters, Reinheit des Ge- schmacks innigere Freude und gerechtfertigteren Stolz empfinden dürfte, als Lessings Hamburgische Drama- turgie.“— Wenn aber dennoch im folgenden verschiedenartige Erklärungen des Begriffs und der Wirkung des Tragischen nebeneinander gestellt werden, so geschieht dies einerseits, um dem Lehrer bequem Material zur Auswahl zu bieten, andererseits aber, um dadurch zu zeigen, innerhalb welcher Grenzen nach des Ver- fassers Meinung die Besprechung über das Wesen des Tragischen, die, weil sie ästhetisch bildend wirkt, nicht vermieden werden darf, in der Schule sich zu bewegen habe. Aus der Hamburger Dramaturgie lassen sich z. B. Lessings Entdeckungen in Bezug auf die dramatische Kunst in folgende Sätze übersichtlich zusammen- fassen und mit dem Schüler bei der Lektüre eines Dramas teils bei Beginn der fallenden Handlung, teils am Schlusse der letzteren durchsprechen. 1. Das grosse Formgesetz des Dramas ist die Einheit der Hand- lung. Die französischen Tragiker haben die griechische Tragödie schlecht verstanden, wenn sie die Einheit des Ortes und die Einheit der Zeit nicht als einfache Konsequenzen dieses Formgesetzes auffassen(Lessing, vgl. 46. Stück:„Da nämlich ihre Handlungen eine Menge Volks— bis: gänzlich entsagt hatten“, sowie das 44. und 45. Stück). 2. Die Einheit der Handlung wird hervorgebracht durch das Motivieren, d. h. dadurch, dass alles streng nach Ursache und Wirkung geschieht; dies vermag aber allein das dramatische Genie(vgl. 32. Stück:„Der Poet findet in der Geschichte— bis: zu entwickeln versteht,“ 30. Stück:„Das Genie— bis: zu verwandeln“). 3. Es giebt noch ein anderes Kennzeichen des dramatischen Genies: der grosse Tragiker ist zugleich ein grosser Denker; als solcher erhebt er stets das Besondere in die Sphäre des Allgemeinen (vgl. 19. Stück:„Es wird ohne Grund angenommen— bis: den Nationalstolz zu nähren missbraucht“). 4. Die Charaktere, welche ein solcher dramatischer Dichter zeichnet, sind daher vor allen Dingen wahr(vgl. 2. Stück:„So überzeugt wir auch immer von den unmittelbaren Wirkungen der Gnade sein mögen— bis: hervorbringen können“; sowie von den Worten:„Ich weiss wohl, die Gesinnungen— bis: gegen sich und andere damit prahlen“; ferner 30. Stück:„Dergleichen missgeschilderte Charaktere— bis: was nicht wahr ist’). 5. Wahrheit in der Charakterzeichnung wird aber nur dadurch erreicht, dass die Leidenschaften er- nisse zu der mit ihm vereinigten Kraft der Leidenschaft heisst Pathos im positiven Sinne;“ p. 267:„man denke an den gewaltigen sittlichen Zorn grosser Männer z. B. eines Luther;“ p. 268:„mag das Leiden kommen, woher es will, von der blinden Kraft, von der Leidenschaft, vom schwankenden, bösen, oder sittlich stärkeren Willen: das Sub- jekt erkennt es als gut an... Dieses Schauspiel des sittlichen Willens, der sich in beiden bewährt, ist das negativ Pathetische;“ p. 269:„Der innere Kampf des Subjekts mit sich, abgesehen von dem Gehalte jener Anerkennung, wird nun Gegenstand, ein Prozess, der sich in einem, sich zu sich selbst negativ verhaltenden Subjekte vollzieht, und dies ist das negativ Pathetische“; p. 270:„Jesus leidet um die Menschheit“..„In der Darstellung dieser negativen Form ist Schiller in seinem Elemente.“ 1* 4 klärt, d. h. ihre inneren Beweggründe dem Zuschauer eindringlich werden(vgl. 1. Stück:„Die Leiden- schaften nicht beschreiben— bis: vergebens sich martert“; 48. Stück:„Für den Zuschauer muss alles— bis: was noch vorgehen soll“). 6. Denn da die Wirkung der Kunst überhaupt auf Naturgesetzen beruht, indem sie die menschlichen Affekte erregt, muss auch die Tragödie, welche die höchste(nämlich tragische) Wirkung bezweckt, sich an diese wenden, nämlich an den mächtigsten Affekt: das Mitleid(vgl. 77. Stück: „Es pleibt eine vollkommene— bis: erregt“). 7. Zwar sagt Aristoteles:„die Tragödie ist die Nachahmung einer Handlung, die nicht vermittelst der Erzäühlung, sondern vermittelst des Mitleids und der Furcht die Reinigung dieser und dergleichen Leidenschaften bewirkt.“ Lessing aber sucht nachzuweisen, dass bei Ari- stoteles Mitleid und Furcht ein Begriff sind, die Franzosen also Unrecht haben, wenn sie darunter zwei verschiedene Begriffe verstehen(vgl. 75. Stück:„Seine Furcht ist durchaus nicht— bis: diese Furcht ist das auf uns selbst bezogene Mitleid“). 8. Diese in den obengenannten Sätzen enthaltene, das Wesen des Tragischen wunderbar erschliessende Entdeckung wird von Lessing durch eine scharfsinnige Auffassung des Aristoteles weiter ausgeführt, den die Franzosen auch in diesem Punkte nicht verstanden(vgl. 75. Stück: „Es beruht aber alles— bis: wenn es uns selbst bevorstände“; 76. Stück:„Wenn nach seiner Lehre kein Übel— bis: sondern andern begegnen sehen“; 81. Stück:„Aristoteles sagt: die Tragödie soll Mitleid und Furcht erregen. Corneille sagt— Jis: die Franzosen thun es ihm nach“). 9. Einen zweiten schweren Irrtum,, welcher die Entstehung einer wahren Tragödie verhinderte, begeht die französische Kritik, wenn sie in dem erwähnten Satz des Aristoteles(siehe Punkt 7) die Worte:„die Reinigung dieser und dergleichen Leiden- schaften bewirkt“, dahin erklärt, die Tragödie solle alle Leidenschaften ohne Unterschied reinigen(vgl. 77. Stück: Toον τοοντνν Teonfendn sagt Aristoteles— bis: ihre eigentliche Bestimmung“). 10. Das Wesen des Tragischen, das Aristoteles vollkommen erfasst hat, ruht auf unabänderlichen Gesetzen(vgl. 100— 104. Stück: „Indes stehe ich nicht an zu bekennen(und sollte ich in diesen erleuchteten Zeiten auch darüber ausge- lacht werden!), dass ich sie(Aristoteles' Poetik) für ein ebenso unfehlbares Werk halte, als die Elemente des Puklides nur immer sind. Ihre Grundsätze sind ebenso wahr und gewiss, nur freilich nicht so fasslich und daher mehr der Chikane ausgesetzt, als alles, was diese enthalten. Besonders getraue ich mir von der Tragödie, als über die uns die Zeit so ziemlich alles daraus gönnen wollen, unwidersprechlich zu be- weisen, dass sie sich von der Richischnur des Aristoteles keinen Schritt entfernen kann, ohne sich eben so weit von ihrer Vollkommenheit zu entfernen“). 11. Es ist eine Entweihung der tragischen Kunst, wenn man sie von jener(Aristoteles!) Auffassung entfernt. Besser keine Tragödie, als eine solche, die der höchsten Wirkung(vermittelst des Mitleids und der Furcht die Reinigung dieser und derartiger Leidenschaften zu bewirken) unfdhig ist(vgl. 80. Stück:„Wozu die saure Arbeit der dramatischen Form— bis: hervorbringen würde“).— Lessings tiefe ästhetische Einsicht in das Wesen des Tragischen werden auch folgende Stellen aus dem Laokoon am deutlichsten zeigen. 1. Allgemeine Begriffsbestimmung:„Alles Stoische— bis: deutliche Vorstellung ausschliesst“(1. Abschnitt). 2. Warum die Römer keine Tragödie haben. Cicero im 2. B. der Tusc. Fragen über die Erduldung des körperlichen Schmerzes:„seine Ausfälle machen den Ein- druck, als habe er einen Gladiator abrichten wollen.“ Die Senecaschen Tragödien:„Sie(die Dichter) müssen sie(die Helden) klagen lassen— bis: Rotomontaden verfallen“(IV. Abschnitt). 3. In gleicher Weise verfuhren die Franzosen; sie sind nicht Schüler der griechischen Tragiker, sondern des Seneca; die Helden der französischen Tragödie sind daher nur sterbende Fechter, keine tragischen Helden:„Doch sei unsern artigen Nachbarn— bis: Bühne bleiben würden(I. Abschnitt, vgl. auch IV. Abschnitt: der Philoktet von Sophokles und der des Chateaubrun).“ Bei der Erklärung des Begriffs des Tragischen, soweit dieselbe bei der Lektüre von Dramen in der Schule nicht zu umgehen ist, können ferner noch folgende Stellen zu Grunde gelegt werden. Hegel, Asthetik Bd. 3 p. 553(s. a. Vischer a. a. O. I, 287):„Man könnte ihm(dem Helden) nichts Schlimmeres nachsagen, als dass er unschuldig gehandelt habe. Es ist die Ehre grosser Charaktere, schuldig zu sein... die tragischen Heroen sind ebenso schuldig als unschuldig.“ Vischer a. a. O. I, 280:„Man vergegenwürtige sich zum voraus, wie im Tragischen das herrschende Sittengesetz sich mit einem Naturgesetz geheimnisvoll durchdringt: das Vergehen ist Schuld, und doch sagen wir, dass der Schuldige mit diesen Nerven, diesem Temperament u. s. w. nicht anders handeln kann.“ I, 287:„Die tragische Handlung muss daher immer so beschaffen sein, dass man sieht: der Held hat gefehlt, und er konnte doch nicht anders handeln.“ Der Schüler selbst versuche zu diesen allgemeinen Sätzen die Anwendung zu bringen. z. B. R. Karl Moor vergisst nach dem Lesen des Briefes ohne weiteres Vaterhaus und Geliebte und wird von dem einen Gedanken, sich an der Menschheit zu rächen, beherrscht; dadurch nimmt er eine furchtbare Schuld auf sich; aber 5 ein Jüngling von so feurigem Wesen und schrankenloser Thatenlust kann auch nicht, etwa durch eine Mittelsperson, mit flehentlichen Bitten und Vorstellungen nochmals seinen Zweck beim Vater zu er- reichen suchen, sondern muss aufbrausen in wilder Leidenschaft, ja, er erscheint in dieser gegenüber dem herzlosen Bruder erst der Liebe zu Amalien würdig. K.. L. Ein Liebhaber, der, nachdem die vorgebrachten Beweise die Untreue der Geliebten anscheinend bestätigen, kühl und besonnen überlegt, der Treulosen den Rücken kehrt, war sicher auch einer alle menschlichen Vorurteile besiegenden Neigung unfähig; wer aber so leidenschaftlich lieben konnte, wird allerdings dann nur noch in Mord und Selbstmord die Rettung er- blicken. F. Fiesko wird zum Verräter an der republikanischen Freiheit; aber eine so ehrgeizige, in Intriguen und Verstellung wohl erfahrene Persönlichkeit konnte auch ihr Retter nicht werden, und da die reinen, selbst- losen Motive des Handelns fehlen, kann auch Fiesko am Schlusse unmöglich entsagen(dies geschieht be- kanntlich in der Mannheimer Theaterbearbeitung), D. C. Die Liebe des Infanten zu seiner zweiten Mutter ist ein Verbrechen; aber sobald man hört, dass er Elisabeth vor ihrer Ehe mit Philipp, d. h. ehe sie poli- tischer Rücksicht geopfert wurde, liebte, erscheint seine Schuld in milderem Lichte. Der Sohn vergeht sich ferner gegen den Vater, indem er sich diesem feindselig entfremdet; wie kann aber die fromme Liebe des Kindes gedeihen, nachdem Philipp so schwer in die Rechte des Herzens eingegriffen hat? Von Posa endlich übernimmt Carlos eine Mission, die ihm den offenen Aufruhr gegen den König gebietet; muss aber nicht, eine menschliche Natur, in welcher innerer Aufruhr, geweckt durch die despotische Laune des Monarchen und genährt durch eine verzehrende Leidenschaft, solange getobt hat, vor Begier brennen, sich endlich einmal thatkräftig zu äussern? Wlst. Wallenstein verrät den Kaiser, aber ein Feldherrngenie und Abgott des Lagers wie er kann nimmermehr die falsche und kleinliche Staatskunst des österreichischen Hofes sich zur Richtschnur nehmen, sondern wird vielmehr, da ihm auch ein ehrgeiziges, rachsüchtiges Herz dazu an- treibt, sich gegen dieselbe auflehnen müssen, ja selbst zu dem YVerrat seine Zuflucht nehmen, der dann zwar noch immer als das schwerste Verbrechen erscheint, aber doch zugleich eine einfache Wirkung von Ursachen ist, für die man den Verräter selbst kaum verantwortlich machen kann. M. Sl. Mortimers toll- kühnes Unternehmen beschleunigt nur die Verurteilung der Stuart. Aber muss eine in so leidenschaftlicher Liebe ganz befangene und edelangelegte Natur nicht eine kühne, ritterliche That ersinnen zur Befreiung der unschuldiger Weise in gewaltsamer Freiheitsberaubung schmachtenden Königin? Vischer unterscheidet ferner drei Formen des Tragischen. a)„Das Tragische als Gesetz des Uni- versums.“ I, 301 flg.:„Man erinnere sich nur hier an das allgemeine Gefühl, das durch frühen Untergang der Schönheit, der Macht, des Reichtums erregt wird, und das Schiller in seiner Nänie niedergelegt hat: auch das Schöne muss sterben.“„Die Griechen kannten wohl ein höheres tragisches Gesetz, aber sie mussten sich, da ihre Religion Naturreligion war, für diese Erscheinung, das Natur-Tragische, besonders interessieren“ (Neid der Götter!).— Ohne Schwierigkeit wird der Schüler gerade aus Schillers Dramen die Beispiele herausfinden, in denen diese Form des Tragischen ausgesprochen liegt. So erscheinen die lichtvollen Gestalten Max und Thekla, sowie ihr Verhältnis zueinander von vornherein der Unerbittlichkeit jenes Gesetzes unterstellt, ihre Herzen sind fortwährend von dem Gedanken daran erfüllt, und Thekla leiht diesen Empfindungen beredten Ausdruck: Es lockt mich durch die himmlische Gestalt, ich seh' sie nah und seh' sie näher schoeben, es eieht mich fort mit göttlicher Gewalt, dem Abgrund zu, ich kann nicht widerstreben(Picc. III, 9); besonders aber Wäst. Td. IV, 12: Du standest an dem Eingang in die Welt— bis: Da kommt das Schichsa!l— roh und kalt fasst es des Freundes zärtliche Gestalt und wirft ihn unter den Hufschlag seiner Pferde— das ist das Los des Schönen auf der Erde.— Sehr bezeichnend sind in dieser Beziehung einige Stellen in den Chören“ der B. v. M.: Lasset erschallen die Stimme der Klage! Holder Tüngling! Da liegt er entseelt, hingestrecket in der Blüte der Tage, schawer umfangen von Todesnacht, an der Schwelle der bräutlichen Kammer(III, 5)!— In sein stugisches Boot raffet der Tod auch der Jugend blühendes Leben(IV, 4)!— Auch in der J. v. O. 4) Auf die Entwickelung der Chorlieder ist hier durchweg, da die Arbeit sich nur mit der Organisation der Handlung beschäftigen konnte, nicht Rücksicht genommen worden. Die Kritik über Schillers Chöre ist ent- weder sehr lobend, oder auch sehr absprechend ausgefallen, wie zuletzt Arnoldt:„Uber Schillers Auffassung und Verwertung des antiken Chores in der B. v. M.“(Progr. des Kneiphöf. Stadt-Gymn. 1885) ausgeführt hat. Gegen- über manchen schr gesuchten Einwänden behauptet Arnold daselbst mit Recht:„Auch einem antiken Dramatiker war es vergönnt, durch die Macht seiner persönlichen Erbindungskraft die alte Tradition zu durchbrechen und ihr eine neue Richtung zu geben: und dass Schiller, wenn er im alten Athen um den Siegeskranz gekämpft hätte, zu den schöpferischen und reformatorischen Köpfen gehört haben würde, wer wollte es bezweifeln? 6 wird gezeigt, was Schiller in dem Gedichte Das Mädehen von Orleans ausspricht: Das edle Bild der Mensch- heit zu verhölhmnen, im tiefsten Staube wälzte dich der Spott(Str. 1);Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen und das Erhabne in den Staub zu ziehn(Str. 3). Aber nicht nur von aussen her wird die Wahrheit der göttlichen Mission der Jungfrau verkannt und übel gedeutet, sie selbst muss, indem sie einige Zeit der Sinnlichkeit verfällt und dem Zweifel an ihrer himmlischen Sendung Raum giebt, diesem„Geset⸗ des Universums“ sich unterwerfen. b)„Das Tragische der einfachen Schuld“(Vischer a. a. O. I, 305).„Die Schuld steht mit dem Streben des Helden nicht in dem organischen Verhältnis, wie sich dies in der dritten Form(im Tragischen des sittlichen Konfliktes) zeigen wird. Subjektiv aber soll womöglich ein innerer Zusammenhang sein.“ K. u. L. Durch die Abfassung des Briefes und Ablegung des Eides zeigt Luise eine fast un- begreifliche Leichtgläubigkeit. Darin liegt ihre Schuld; aber ihre aufrichtige, rückhaltslose Liebe bleibt, davon unberührt. Nur subjektiv besteht der innere Zusammenhang: Luisens Leichtgläubigkeit ist eine Folge ihrer Erziehung in beschränkten Verhältnissen; infolge dessen kann sie auch leicht das Opfer jeder anderen Intrigue werden. B. v. M. Beatrice ist in Weltabgeschiedenheit aufgewachsen und erzogen. Dadurch, dass sie dem nach seiner Herkunft ihr unbekannten Geliebten nach Messina folgt, wird sie schuldig und absichtslos die Ursache der traurigen Lösung des Bruderzwistes. Aber der Klösterliche Aufenthalt, noch dazu unter geheimnisvollen Umständen, ist nicht geeignet, die Regungen des weiblichen Herzens bei dem Fürstenkinde aufzuhalten, sondern wird sie vielmehr beschleunigen, sodass es, sobald nur die Wellen der Aussenwelt bis zur Klosterpforte dringen, auch auf andere Weise leicht die Beute eines verhängnisvollen Schicksals werden konnte. c)„Das Tragische des sittlichen Konfliktes.“ Vischer unterscheidet hierbei zwei Fälle: erstens„nur einer trägt den Kampf im Busen“, zweitens„der Konflfikt ist klar an zwei Kümpfer verteilt“. Aus allen Dramen wird der Schüler, namentlich für den zweiten Fall, die Belege finden, und eine ihm zu diesem Zwecke gestellte Aufgabe ist ebenso anregend als lehrreich. ad I: R. Karl Moors reuiges Herz und die ihm zu teil gewordene schnöde Abweisung im Anfang seiner Laufbahn. K. à. L. Luisens Verzweiflung: das treue Verhältnis zum Geliebten und das durch dasselbe herbeigeführte Unglück des Vaters. D. C. Posas Kampf: Pflicht gegen den Freund und gegen das gerade von diesem bedrohte Freiheitsideal. Wlst. Der durch die Liebe zu Thekla herbeigeführte seelische Prozess Maxens: auf der einen Seite der intriguierende, auf der andern der geliebte, aber wegen seiner Verräterei von ihm verlassene Feldherr. M. t. Das schuldbeladene Ge- wissen der Stuart, das sie zur Ergebung in ihr Schicksal kategorisch auffordert, und das ihr in England widerfahrene, ihr ganzes Gefühl empörende und fortwährend zur stolzen Erhebung herausfordernde Unrecht. J. v. O. Widerstreit in Johannas Doppelwesen zwischen ihrem göttlichen Berufe und ihrer weiblichen Natur. Tl. Der Konflikt der Liebe zum Vaterlande und der Liebe zu der scheinbar auf seiten des Feindes stehen- den Geliebten bei Rudenz.— ad II:„Der Konflikt ist klar an zwei Kämpfer verteilt“ in. Fiesko als Vertreter des monarchischen, Verrina des demokratischen Prinzips. Doch bietet, wie oben bemerkt, jedes Drama zu beiden Fällen mehrere Beispiele. Auch G. Freytag a. a. O. p. 74 hat die Prage aufgeworfen:„Was ist tragisch?“ Die Beantwortung derselben ist Gegenstand des Angriffs geworden in der Schrift:„Das System der Künste“ von M. Schassler (Leipzig 1882). p. 159 heisst es daselbst:„Wenn die Beantwortung der Frage, was„„dramatisch““ sei, bei Freytag nur an gedanklicher Unklarheit leidet, so frappiert die der anderen, was„„tragisch““ sei, durch ihre— gerade heraus gesagt— fast philisterhafte Einseitigkeit. Denn falls man es auch einem Praktiker, wie Freytag es als ausgezeichneter Romanschriftsteller und dramatischer Dichter ohne Zweifel ist, allenfalls noch nachsehen wollte, wenn er die Ausdrücke„„tragische Schuld, innere Reinigung, poetische Gerechtigkeit““ u. s. f. als„„bequeme Schlagwörter der Kritik, bei denen man so Verschiedenes denken könne,““ bezeichnet (obschon doch auch dergleichen für einen Schriftsteller, der über die Technik des Dramas eine wissenschaft- liche Arbeit veröffentlicht, ziemlich unwissenschaftlich klingt), so enthält seine Ansicht, dass„„offenbar der- jenige am besten das Schicksal seines Helden leiten werde, der in seinem eigenen Leben hohe Bildung, umfassende Menschenkenntnis und einen männlichen Charakter entwickelt hat,““ seinerseits eine so auffallende Unkenntnis der Menschennatur, dass man füglich darüber erstaunt sein muss. Dramatische Dichter, wie er sie schildert, mögen wohl— um mit Shakespeare zu reden—„gute Leute“ sein, aber sicherlich, wenn sie sich auf diese ehrenwerten Eigenschaften beschränken, auch„schlechte Musikanten“. Dieser philiströsen (wir finden kein bezeichnendes Wort dafür) Auffassung gemäss giebt denn Freytag dem Dichter den be- denklichen Rat, dass er„„darum, wie eine Handlung tragisch zu gestalten sei, wenig sorgen““ solle, er möge 7 „„sich nur selbst zu einem tüchtigen Manne(das kann man auch dem Holzhacker anraten!) machen, dann mit fröhlichem Herzen an einen(tragischen!) Stoff gehen, welcher kräftige Charaktere in grossem Kampfe darbietet““(also darum muss er sich doch wohl kümmern, wie es scheint, oder findet man dergleichen auf der Strasse?) und soll„„die wohltönenden Worte Schuld und Reinigung, Läuterung und Erhebung anderen überlassen.““— Nun, die Worte kann er schon andern überlassen, aber auch die Sache? Dass ein drama- tischer Dichter in seinem Drama nicht von Schuld und Läuterung u. s. f. sprechen wird, ist ja selbstver- ständlich; dass er ihre Bedeutung aber bei der Gestaltung der dramatischen Handlung und der Schilderung der dramatischen Charaktere unberücksichtigt lassen dürfe— wenn dies Freytag meint, so dokumentiert dies seinerseits eine vollständige Verkennung der Aufgabe des dramatischen Dichters.— Er sagt weiter:„„Was in Wahrheit dramatisch ist““— aber das ist ja eben die Frage!—,„„das wirkt in ernster, starkbewegter Handlung tragisch, wenn der ein Mann war, der es schrieb, wo nicht, zuverlässig nicht.““ Und wirkt, was in Wahrheit dramatisch ist, in„„ernster, starkbewegter Handlung““ etwa nicht tragisch, wenn der, der es schrieb, in dem Freytagschen Sinne„„kein Mann““*, d. h. kein tüchtiger Charakter war? Was besagt im Grunde diese so brav und ehrenwert klingende Phrase? Nichts als die Tautologie, dass„„das, was in Wahrheit dramatisch ist““, auch dramatisch wirkt und, wenn es„vin ernster, starkbewegter Handlung““ sich darstellt, tragisch. Und darum dieser Aufwand an moralisierenden Gedanken!“— Soweit Schassler. Hierzu möchte man freilich fragen: Warum dieser Aufwand an Satire? Die Freytagschen Ausserungen wollen wohl kaum etwas anderes enthalten, als einen Rat des Praktikers an den jungen Dramatiker. Es ist aber hinlänglich bekannt, dass dem letzteren oft als erste und eifrigste Sorge zu beunruhigen pflegt, ob der er- wühlte, in seiner Seele bereits dramatisch umgebildete Stoff auch tragische Wirkung zurücklassen wird. Aus dieser mit Recht angelegentlichsten Sorge kann ihn auch das fleissigste Studium des ästhetischen, so verschieden definierten Begriffs des Tragischen nicht retten; ja, man kann wohl behaupten, dass der junge Dichter, der sich zu sehr durch die Theorie der Kunst beeinflussen lässt, seine dramatische Kraft eher lähmt als fördert, so wenig damit behauptet werden soll, dass er über allgemein giltige Regeln z. B. der Gkonomie des Dramas sich ungestraft hinwegsetzen kann. Nicht mit Unrecht sagt Solger a. a. O. p. 43: „Schillers Bestreben, über die Kunst zu reflektieren, welches er schon früh zeigte, hat keinen günstigen Einfluss auf seine poetischen Werke geübt, was besonders in seinen späteren Tragödien sichtbar wird, in denen er seine Theorie auszudrücken sucht.“ Der Praktiker Freytag konnte in der That dem jungen Dichter keinen besseren Rat geben als den, sich selbst, bevor er Menschen zu schildern versucht, zum Menschen, zum Mann zu erziehen. Im Drama, das grosse Charaktere darzustellen hat, wird es mehr als bei irgend einer andern Kunstschöpfung darauf ankommen, dass der Schaffende selbst grosse Gesinnung habe, besonders aber des herzhaften, männlichen Sinnes nicht entbehre, der allein das Tragische nicht scheut. R. Hiecke in seiner vortrefflichen Abhandlung über Goethes Tasso hat gezeigt, wie der Dichter ohne Charakter- bildung verloren sei:„Der moderne Dichter hat gerade dadurch eine höchst schwierige Stellung, dass für die unmittelbare Wahrnehmung, an welche der Dichter zunächst gewiesen ist, die Wirklichkeit so selten sich gross und würdig genug darstellt. Aber der Dichter von starker Empfindung, von nicht bloss edlem Gemüt, sondern grosser Gesinnung(und diese erwirbt man sich doch wohl nicht durch das Studium ästhetischer Schriften? d. Verf.), lässt sich dadurch nicht irren; er dichtet, als ob seine Zeit gross wäre, oder richtiger zu sprechen, er erschaut mit tiefem Blicke durch alle Umhüllung ihres Kleingetriebes hindurch das Grosse, dass auch in ihrem Innern das wahrhaft Wirksame ist; er erzieht sich selbst und macht sich dadurch fühig und würdig, auch seine Mit- und Nachwelt zu erziehen.“— Worauf beruht die gewaltige Wirkung des Faust anders, als weil sie das Produkt eines Dichters ist, dessen ganze menschliche Persön- lichkeit in ihrer Entwicklung, umfassenden Bildung und Weltanschauung darin sich so vollkommen wieder- spiegelt? Der Sinn von Freytags Worten ist klar: nur der, der ein Mann ist, wird im stande sein, einen dramatischen Stoff in ernster, starkbewegter Handlung zu führen, d. h. tragisch zu gestalten. Man müsste eine Analyse des Genies geben, um zu zeigen, dass Freytag mit sehr dürren Worten eine psychologische Wahrheit ausgesprochen hat. Allerdings besitzt das Genie ausser hoher Einbildungskraft eine der letzteren ebenbürtige Urteilskraft; wer z. B. zum grossen Dichter heranreift, wird in demselben Masse auch ein grosser Denker— die Lessingsche Kritik in der Dramaturgie ist zum Teile geradezu die Beweisführung dieses Satzes. Jedoch ohne dass dritte, ohne mächtige Willenskraft— diese aber wurzelt in der Gesinnung, in dem Charakter— ist das schöpferische Genie undenkbar. Der mächtige Wille Setzt dasselbe in den Stand, was die Einbildungskraft ihm eingegeben, lebendig zu gestalten. Erst mit der fortschreitenden Produktion wächst seine ästhetische Einsicht; Schiller in seinen Dramen ist auch hierfür das beste Beispiel. 8 Hat der Lehrer eine gereiftere Klasse vor sich, so wird er diè Erörterungen über das Tragische passend damit abschliessen können, wenn er zeigt, wie jener Begriff vom Standpunkte des Pessimismus(vgl. hierzu R. Gottschall, Poetik p. 199 flg.) und des Optimismus(J. Duboc: die Tragik vom Standpunkte des Optimismus u. s. W., Hamburg 1886) erklärt wird. Beide Begriffe bedürfen allerdings zuvor der Erörterung; aber auch das Korrektiv, welches in der christlichen Weltanschauung zu suchen ist, wird man, aus anderen Gründen, Schülern gegenüber besonders zu betonen haben. Auf ein bedeutendes Werk:„Grundzüge der tragischen Kunst. Aus dem Drama der Griechen entwickelt von G. Günther(Leipzig, Berlin, W. Priedrich, 1885)'“ kann an dieser Stelle nur hingewiesen werden. Es enthält wie G. Freytags Technik eine Fülle anregenden Materials auch für den- jenigen Lehrer, der berufen ist, das klassische Drama der Deutschen Schülern zu erläutern. Wie in diesem Werke der Tragik des Aschylus endlich volle Würdigung und Gerechtigkeit zu teil geworden ist, so wird mit Recht unter den Neueren Schiller als Dramatiker und Tragiker„im eminentesten Sinne“ bezeichnet; p. 365 „Schiller ist der geborene Tragiker, nicht wegen der Überlegenheit seiner Charaktere, worin ihm Lessing, nicht wegen der Schönheit und Gemütstiefe seiner Sprache, worin ihm Goethe überlegen ist, sondern durch die Gebunden- und Geschlossenheit seiner dramatischen Handlung, seinen Sinn für den grossen tragischen Bühneneffekt und die Heraustreibung eines schweren sittlichen Konfliktes, der den ganzen Kreis der Handelnden in seine Mitleidenschaft zieht.“ Zweiter Teil: Fallende Handlung. Tragisches Moment, Fall oder Umkehr, Moment der letzten Spannung, Katastrophe. Das tragische Moment(d2). Das Wort tragisch wird in zwei verschiedenen Bedeutungen gebraucht:„es bezeichnet zuerst die eigen- tümliche Gesamtwirkung, welche ein gelungenes Drama grossen Stils auf die Seelen der Hörer ausübt, und zweitens eine bestimmte Klasse von dramatischen Wirkungen, welche an gewissen Stellen des Dramas ent- weder nützlich oder unentbehrlich sind. Die erstere ist die physiologische Bedeutung des Ausdrucks, die zweite eine technische Bezeichnung.“ Für den Bau des Dramas kommt die letztere allein in Betracht und heisst alsdann„tragisches Moment(p. 76. a. a. O.).“ Durch das Vorhandensein eines doppelten Höhenpunktes(für die innere und für die äussere Hand- lung), wie dies an den R. gezeigt wurde(I. p. 16 flg.), tritt bereits für dieses Stück Schillers jener Zustand des Dramas hervor, der sich dann in vollkommenerer Weise in dem grössten Stücke des Dichters, im Wallen- stein, wiederfindet und(I. p. 35) mit dem Ausdruck„des Schwebens auf der Höhe“ bezeichnet werden musste. Freilich ist in den R. der innere Höhenpunkt, die Umdüsterung der Seele des Helden, die Haupt- sache; mit ihm ist daher auch d verbunden, das, wenn es überhaupt vorhanden, in der Regel mit dem Höhen- punkte(obwohl es auch mehrmals vorhanden sein kann) verknüpft ist. G. Fr. bezeichnet d als„ein gutes, aber nicht unentbehrliches Hilfsmittel“. 5) G. Fr. a. a. O. p. 82:„Wenn an einem Punkte der Handlung plötzlich, unerwartet, im Kontrast zu dem Vorhergehenden etwas Trauriges, Finsteres, Schreckliches eintritt, das wir doch sofort als aus der kausalen Verbindung der Preignisse hervorgegangen und aus den Voraussetzungen des Stückes als vollständig begreiflich empfinden, so ist dies Neue ein tragisches Moment. Das tragische Moment muss also folgende drei Eigenschaften haben: 1. es muss wichtig und folgenschwer für den Helden sein; 2. es muss unerwartet aufspringen; 3. es muss durch eine dem Zuschauer sichtbare Kette von Nebenvorstellungen in vernünftigem Zusammenhang mit früheren Teilen der Handlungen stehen.“ p. 85:„Mit besonderem Nachdruck muss noch einmal hervorgehoben werden, dass das tragische Moment in einem vernünftigen kausalen Zusammenhange mit den Grundbedingungen der Handlung verstanden werden muss. Für unser Drama haben solche Ereignisse, welche unbegreiflich eintreten, Zwischenfälle, deren Relation zur Handlung sich geheimnisvoll verhüllt, Einflüsse, deren Bedeutung auf abergläubischen Vorstellungen beruht, Motive, die aus dem Traumleben genommen sind, Prophezeihungen, Ahnungen nur untergeordnete Bedeutung. Wenn ein Familienbild, welches vom Nagel fällt, Tod und Verderben vorbedeutsam anzeigen soll; wenn ein Dolch, der zu einer Unthat verwendet wurde, mit einem mystisch fortwirkenden Fluche behaftet erscheint, bis er auch dem Mörder den Tod bringt, so sind dergleichen Versuche, die tragische Wirkung auf einen inneren Zusammenhang zu begründen, der uns unverständlich ist oder unvernünftig erscheint, für das freie Geschlecht der Gegenwart schwächlich oder gar unleidlich. Was uns als Zufall, selbst als iberraschender, entgegentritt, ziemt nicht für grosse Effekte der Bühne.“ p. 112:„In dem Fall, wo der Höhenpunkt durch ein tragisches Moment mit der sinkenden Handlung verbunden 9 Für die R. liegt dasselbe in der plötzlich wieder hervorbrechenden Flamme der Liebe und dem Entschluss, Amalie wiederzusehen. Bisher(nach der Steigerung) war Karl nur der grosse Räuber, für den das zürtliche Verhältnis zur Familie und zur Braut nicht mehr existiert; der schreckliche Trübsinn, der sich seiner bemächtigt(Höhenpunkt), erschien als die psychologisch-notwendige Entwickelung dieses grossen Räuberlebens. 1. Plötzlich macht sich im Gegensatz zu der gezeigten furchtbaren Energie und zu der infolge dieser höchsten Anspannung der Kräfte eintretendén tiefsten Erschütterung ein schmelzendes und belebendes Gefühl, die Liebe, die einst das teuerste Kleinod des reinen, ganz in seiner Neigung aufgehenden Jünglings war, mächtig geltend. 2. Aber auch das Verhängnisvolle, Tragische dieses Augenblickes wird der Zuschauer zugleich lebhaft empfinden, insofern ja eine Rückkehr an das Herz Amaliens unmöglich erscheint, die Rück- kehr aber in das Haus, wo Amalie weilt, sofort die Entdeckung der Intriguen Franzens als wahrscheinlich vermuten lässt— beides muss den vernichtenden Sturm heraufbeschwören. 3. Dieser, den grossen Räuber ergreifende Zustand wird auch sofort aus dem Vorhergehenden erklärlich; denn durch leidenschaftliche Liebe war Moor mit Amalien einst verbunden; während mehr und mehr durch seine furchtbare Laufbahn seine Seele sich umdüstert, wird dieser Funke doch fortglimmen u. s. wW.— Allerdings besitzt das tragische Moment des Erstlingswerkes noch nicht vollständig die Eigenschaften, die es in späteren Stücken der Schillerschen Muse zeigt. Lässt man jene Stelle am Schlusse des III. Aktes dafür gelten, so würde die Scene des zweiten Höhenpunktes(für die äussere Handlung s. I. p. 16) zugleich als die Ausführung des tragischen Momentesé angesehen werden können. In K. u. L. dagegen ist dasselbe deutlich wahrzunehmen und liegt in der UÜberzeugung Ferdi- nands von Luisens Untreue(IV, 2; IV, 1 ist kurze Einleitung). Das tragische Moment ist also, was selten geschieht, durch Aktschluss von dem Höhenpunkt getrennt. 1. Während Ferdinand früher uner- schütterliches Vertrauen zu Luisen hegte, und noch ehe er wegen des ihm in die Hände gespielten Briefes Rücksprache mit ihr genommen hat, ist er plötzlich von ihrer Untreue überzeugt. Dabei ist wohl zu beachten, dass es sich jetzt nicht etwa nur um Verdachtschöpfen, sondern um das Überzeugtsein Ferdinands handelt; darin liegt für den Zuschauer das Unerwartete des Benehmens. 2. Diese Überzeugung ist wichtig und folgenschwer, denn sie wirkt todbringend für die Liebenden. 3. Dennoch wird dieselbe sofort als folge- richtig gekommen empfunden; nicht nur dass sie durch den schwärmerischen, von der Leidenschaft beherrschten Charakter des Helden, der einer kühlen Erwägung wegen seiner Jugend noch gar nicht fähig ist, und durch seine Liebe, welche infolge ihrer leidenschaftlichen Art der Eifersucht leicht zugänglich ist, voll- ständig erklärlich wird— besonders auch durch die anscheinend kalte Haltung Luisens(III, 4) ist der Eintritt des tragischen Momentes verständlich geworden. In F. kommt dasselbe(Argwohn Verrinas III, 1), wie oben(I. p. 34) gezeigt wurde, zu früh; es musste dem Höhenpunkte(III, 2) folgen. 1. Wührend Fiesko glaubt, Herr der revolutionären Bewegung geworden zu sein, wird plötzlich durch Verrinas Misstrauen der Gedanke an eine Gegenrevolution nahe- gelegt. 2. Dieses Misstrauen wird verhängnisvoll für den von der Hoffnung auf sicheres Gelingen seiner ehrgeizigen Pläne ganz erfüllten Helden: Bildung der Gegenverschwörung, Tod Fieskos durch Verrina. 3. Verrinas Charakter und Verhalten ist früher so gezeichnet, dass dieser Argwohn sogleich als natürliche Folge seiner starren republikanischen Gesinnung aufgefasst wird.“ Vorbereitet ist übrigens das hier ge- ist, erhält der Bau des Dramas durch das Zusammentreten zweier wichtiger Stellen, welche sich in scharfem Kon- trast gegeneinander abheben, einiges Besondere. Dieser Anfang der sinkenden Handlung wird am besten mit dem Höhenpunkt verbunden und von den folgenden Momenten des Gegenspiels, zu denen er doch gehört, durch einen Einschnitt— unsern Aktschluss— abgesetzt, der wieder am besten nicht unmittelbar nach dem Eintritt dieses tragischen, sondern durch ein allmähliches Austönen seines scharfen Klanges bewirkt wird. Es ist dabei gleich- giltig, ob die Verbindung dieser beiden grossen kontrastierenden Scenen durch die Verkoppelung in einer Scene oder durch das Zusammenfügen vermittelst eines Zwischengliedes geschieht.“ 3 6) Schiller(Selbstbeurteilung der R. im Württemberg. Repert., bei Braun„Goethe und Schiller im Lichte ihrer Zeitgenossen“ p. 16) empfand recht wohl das Bedeutsame dieser Stelle. Er behauptet, das ganze Schauspiel erlahme in der Mitte, aber mit der Gegenwart des Geliebten beginne die interessante Epoche des Mädchens(Amaliens). 7) Dagegen kommt der Entschluss Verrinas, Fiesko zu töten, hier ebenfalls noch zu zeitig; damit müsste vielmehr die Umkehr schliessen. Man versäume übrigens nicht, den Schüler darauf aufmerksam zu machen, dass das tragische Moment in F. von sehr kräftiger Wirkung ist; das Interesse des Zuschauers wird mindestens für Verrinas Gegenverschwörung ebenso sehr in Anspruch genommen, wie für Fieskos Plan.— Ferner lasse man die- jenigen Stellen aufsuchen, die diesem Kunstmittel sehr ähnlich sind; gerade im F. finden dieselben sich häufig, z. B. Gianettinos Sorglosigkeit(III, 10, 11), die Entlassung des Mohren(III, 6, 7). 2 2 10 äusserte Misstrauen schon früher durch das Hinbrüten Verrinas(II, 18), nur ist letzteres dort für den Zuschauer noch nicht recht verständlich. D. C. Misstrauen des Infanten(IV, 5; IV, 65 ist Ausführung des tragischen Momentes). 1. Statt der bisher felsenfesten, ungestörten und durch nichts zu erschütternden Freundschaft zeigt sich plötzlich diese Falte in seinem Herzen. 2. Dieser Argwohn wirkt verderblich a) für den Marquis, der, seitdem er den Prinzen misstrauisch glaubt, zu falscher Auffassung der Sachlage— sein Irrtum, der Prinz habe, weil er sich von ihm verraten glaubt, der Eboli das Geständnis von der Liebe zur Mutter gemacht— und infolge- dessen auch zu einem verzweifelten Rettungsversuche verleitet wird; b) für Don Garlos, der durch den in in ihm erregten Zweifel an der Treue des Freundes die ihm ohnehin sehr mangelnde Ruhe und Besonnen- heit, ohne die ein glücklicher Ausgang gar nicht denkbar ist, vollständig einbüsst. 3. Der erwachende Argwohn wird begründet durch das seltsame Benehmen des Marquis und die seelische Verstimmung des Prinzen. Wlst. Das tragische Moment für das Doppeldrama ist durch Aktschluss vom Höhenpunkt gesondert: Wallensteins blindes Vertrauen zu Octavio(II, 1 Wäst. T³d.). Die Ausführung des tragischen Momentes (nach der zweiten Stufe der Umkehr für die Handlung Picc. Max Kampf mit dem Feldherrn II, 2 Wlst. 17. s. I. p. 25, 2) enthält die Warnung IIlos und Terzkys vor Octavio(II, 3. Wlst. Td.). 1. Wallenstein steht vor der Entscheidung. Nur durch Klugheit und sorgfältigste Berechnung ist er an dieses Ziel gelangt. In diesem Augenblicke, von dem das Gelingen des Werkes abhängt, ist bei Besetzung des wichtigsten Postens die äusserste Vorsicht notwendig. Plötzlich aber folgt Wallenstein ganz im Gegensatz zu seiner bisherigen Handlungsweise der Regung seiner Gefühle: er entsendet Octavio, vor dem der Feldherr durch seine Getreuen gewarnt ist(II. 6 Picc.), und den der Zuschauer als den ürgsten Feind Wallensteins kennen ge- lernt hat, ohne Bedenken zu dem Obersten. 2. Das Verhängnisvolle dieser Handlung wird sofort lephaft empfunden; denn Octavio wird es dadurch möglich gemacht, die Regimenter rasch zum Abfall zu verleiten. 3. Dieses blinde Vertrauen Wallensteins ist erklärlich aus seinem abergläubischen Wesen(siehe besonders die Erzühlung seines Traumes, die der Dichter II, 3 allerdings erst folgen lässt). M. St. Nach den zornglühenden Worten Marias in der Gartenscene(III, 4): Das ist zu viel! ist der Höhenpunkt überschritten und die Unterredung hat jene schlimme Wendung genommen. 1. Es ist nämlich im Gegensatz zu der gehofften Versöhnung plötzlich ein Zank ausgebrochen. 2. Durch diesen Streit wird Marias Verurteilung durch Elisabeth pesiegelt. 3. Die tödliche Feindschaft statt des erwarteten Friedens erscheint sofort als in dem langjährigen Hasse der beiden Königinnen begründet. Darüber kann kein Zweifel mehr walten, dass nach dem Schlusswort Marias: Der Thron von England ist durch einen Bastard entweiht bis: denn ich bin euer König, die rasch forteilende Elisabeth den Tod gegen ihre Feindin im Herzen trägt. ¹⁰ 8) D. D. Q. 241 flg. zu dem Ausdruck: der Schwachen schaächster und zu den Worten: und Glauben fordert Haubar beſs Das Selbstgespräch erfüllt keineswegs die Absicht des Dichters, uns über das Handeln des Marquis aufzuklären. 9) Bei den Worten(II, 3 WIst. Id.): Wo ist der Wrangel?— eingeschlucht kann der Lehrer Anlass nehmen, dem Schüler über die Berechtigung des Zufalls im Drama einige erläuternde Bemerkungen zu geben. G. Fr. a. o. O. p. 266 flg.:„In einzelnen Fällen dürfen die Charaktere einen Schatten zum Mitspieler erhalten, der auf unserer Bühne ungern geduldet werden soll, den Zufall. Wenn nämlich das Werdende in der Hauptsache durch die treibenden Persönlichkeiten begründet ist, dann darf in seinem Verlauf allerdings begreiflich werden, dass der einzelne Mensch nicht mit Sicherheit den Zusammenhang der Ereignisse zu leiten vermag.“„Wenn im Wäst. der Held den Vertrag, welchen er mit Wrangel geschlossen hat, zurücknehmen will, so wird allerdings stark betont, wie unbegreiflich schnell der Schwede verschwunden sei(D. Wlst. 264 freilich meint, es sei ganz unglaublich, dass Wallenstein, wenn Wrangel nicht fortgewesen, sein Wort zurückgenommen haben würde: es sei eben nur eine Wallung seiner durch Max erschütterten Seele).“„Aber dieses Eindringen eines nicht berechneten Umstandes, wie sehr es auffallen mag, ist im Grunde kein von aussen hereinbrechendes Motiv, sondern es ist nur Folge eines charakteristischen Thuns des Helden. Die Charaktere haben nämlich eine verhängnisvolle Entscheidung abhängig gemacht von einem Lauf der Thatsachen, den sie nicht mehr regieren können.“„Wallenstein hat sein Schicksal in die Hand des Feindes gegeben; dass Wrangel guten Grund hat, den Entschluss des Zögernden unwiderruflich zu machen, liegt auf der Hand.“ 10) Man wird nicht versäumen, den Schüler auf die Bedeutung der Gegenwart Shrewsburys aufmerksam zu machen. Vischer a. o. O. III, 42 flg.:„Wie im Gemälde die Wirkung der vollen Parben durch Übergangstöne und Helldunkel alle Härten der einzelnen Körper durch den die Umrisse mildernden Schleier der Luftperspektive zu ver- mitteln sind, wie die Plastik die Härte des Knochens, Muskels, der Sehne durch lebendige Nachahmung des Weichen in der Fettbildung und Haut auflösen und in Fluss bringen muss, so hat alle Kunst dafür zu sorgen, dass das 11 In der J. v. O. bildet diese Stelle die Befangenheit Johannas(III, 10); siehe die scenarische Be- merkung: in diesem Augenblick sieht sie ihm ins Gesicht, sein Anblick ergreift sie, sie bleibt unbeweglich stehen und lässt dann langsam den Arm sinken. Der 10. Auftritt enthält dann die Ausführung: 1. Johanna bisher standhaft gegen die Liebe, verfällt plötzlich ihrer Macht. 2. Da sie damit die Bedingung verletzt (eine reine Jungfrau bis: wenn sie der ird'schen Liebe acidersteht, I, 10), beschwört sie ihr trauriges Geschick herauf. 3. Dennoch tritt das Erwachen der Liebe fast mit psychologischer Notwendigkeit ein; das neue, seltsame Leben am glanzliebenden Hofe des Königs, das dem einfachen Hirtenmädchen plötzlich aufgeht, die allseitige Bewunderung infolge ihres Kriegsruhmes u. s. w.(siehe die Steigerung I. p. 29) mussten den sinnlichen Trieb in ihr mächtig zur Regung bringen. B. v. M. In keinem Stücke Schillers ist das Aufspringen des tragischen Momentes, das hier unmittel- par mit dem Höhenpunkte verbunden ist, so energisch als in der B. v. M.: Don Cesars schreckliche Eifersucht erwacht(III, 3, ¹¹1 4¹²). 1. Don Cesar, der sich nach langjährigem Hasse endlich mit dem Bruder ausgesöhnt hat, erblickt Beatrice in den Armen desselben, glaubt, dass er von ihm hintergangen sei und entbrennt plötzlich in wahnsinniger Wut gegen den vermeintlichen Verräter. 2. Don Cesar tötet in diesem Wahne seinen Bruder, welche That ihn dann zum Selbstmord treibt. 3. Diese plötzlich erwachende Eifersucht und Leidenschaft ist durch den tiefen Hass zu erklären, der die Brüder solange getrennt hat. Tl. Da als die eine Eigenschaft des tragischen Momentes verlangt wurde, dass es verhängnisvoll für den Helden wirkt, d. h. den tragischen Ausgang seines Schicksals besiegelt, so kann in einem Schau- spiele von jener Stelle nicht die Rede sein. Aber unmittelbar an den Höhenpunkt der Tlh. schliesst sich eine Stelle, Gesslers Intrigue, die allerdings jenem in der Tragödie angewendeten Kunstmittel nicht unähnlich sieht und dennoch die wesentlichen Eigenschaften desselben entbehrt; sie ist insofern lehrreich, weil der Schüler an ihr den Unterschied vom tragischen Momente herausfühlen lernen kann. Allerdings findet das Ereignis im' vorhergehenden seine Begründung: Gessler hat Furcht vor der Kühnheit dieses Mannes, die dieser sowohl bei seiner Rettung(III, 1) als auch jetzt beim Tellschuss ¹³ bewiesen hat; er wird deshalb auf Tells Verderben bedacht sein und seinem Charakter gemäss zu irgend einem feigen Mittel, das sich ihm hier plötzlich bietet, auch nach Erfüllung der vom Landvogt gestellten Bedingung ¹⁴ seine Zuflucht nehmen. Aber der Eintritt dieses Preignisses ist doch nur scheinbar ein plötzlicher, uner- warteter: Tell hat den zweiten Pfeil vorher beiseite gesteckt, Gessler diese Geberde beobachtet; ferner ist die Intrigue nicht eigentlich etwas Neues, sondern das alte feindliche Verhältnis tritt in ihr nur schärfer einzelne, wie es auseinander hervorgewachsen, so auch wieder ineinander hinüberwachse. Bald wird diese Ausfüllung der Fugen mehr durch die Behandlung überhaupt, bald durch Einschiebung neuer Teile zu vollziehen sein. Ihre tiefste Bedeutung erhält sie bei den Kontrasten, deren Zusammenstoss stark und hart sein darf, aber auch seine Auflösung finden muss. Die Auflösung der Kontraste kann in verschiedenen Formen geschehen. Die erste, unbe- stimmteste ist die Wirkung allgemeiner Medien(wie solche vorher in der Malerei angegeben sind), klar ist dies in der Musik, in der Poesie kann man an den allgemeinen Zustand, der Gesellschaft und Sitte denken, der Freund und Feind unter einen Beleuchtungston fasst.“„Eine weitere Form ist die Aufstellung eines Teils, einer Person, Scene, Tongruppe, welche die dissonierenden in sich zusammenfasst, indem sie ausdrücklich an beiden teil hat... Die Scene zwischen Maria Stuart und Elisabeth in Schillers Tragödie denke man sich ohne die Gegenwart des alten Shrewsbury, der Elisabeths Rat und zugleich Marias teilnehmender Freund ist, so wäre sie grell bis zum Unerträglichen.“ 11) D. B. v. M. 133. Auffallenderweise scheint Beatrice gar nicht zu ahnen, Don Manuel wisse von der Zusammenkunft mit dem Bruder bei der Leichenfeier, obgleich dieser unmittelbar an die Frage, ob ihr die Stimme des Bruders keine fremde sei, die nach ihrer Anwesenheit bei jener traurigen Feier angeschlossen. 12) D. B. v. M. 60. Don Cesar darf nicht sofort durch Beatrice die Wahrheit erfahren, damit er sich nicht in leidenschaftlicher Aufregung tötet, sondern die fürchterliche Schuld mit besonnenem Mut auf sich nimmt. 13) Vischer a. o. O. III, 2, 1398. zum Tellschuss:„Der Durchbruch einer Summe von Kräften zu einer starken Wirkung ist immer etwas wirklich Neues, obwohl nur ein reif gewordenes Mass dessen, was vorher schon da war. Die Motivierung muss vor allem eine innerliche sein, d. h. Pathos und That muss aus dem Charakter, in- dem er bestimmte äussere Umstände vermöge seiner ganzen Organisation zu Triebfedern erhebt, mit innerer Not- wendigkeit fliessen. 14) Vischer a. o. O. III, 2, 1398.„Schwieriger ist die Frage, wie weit die Motivierung bestimmter Momente einer Handlung an das RXussere anknüpfen soll. Goethe erzählt z. B.(Eckerm. TI. I, 196 flg.), Schiller habe seinen Gessler ohne äusseren Anlass auf den grausamen Gedanken kommen lassen wollen, dass Pell dem Kinde einen Apfel vom Kopfe schiesse; mühsam habe er ihn dahin gebracht, diesen Gedanken dadurch zu motivieren, dass der Knabe vorher die Geschicklichkeit des Vaters rühme, einen Apfel vom Baume zu schiessen.“ 2*¾ 42 zu Tage; endlich wirkt dieselbe nur anscheinend verhängnisvoll, sie führt ihn im Gegenteil später durch die That der Notwehr zum Siege. Es möge hier der 37 Jahre vor Schillers Tl. entstandene Guillaume Tell von Lemierre(übersetzt von G. Geilfus, Aarau 1881) erwähnt werden, dessen in der Litteratur über Schillers Tl. nirgends gedacht wird, und der vielleicht auch dem deutschen Dichter gar nicht bekannt gewesen ist. Während in Schillers T1. die Apfelschussscene ausserordentlich rasch zu stande kommt— Tells Ergreifen, Gesslers Auftreten, Ausführung des Befehls, Gesslers Intrigue, Tells Gefangennahme— erteilt in dem Stücke Lemierres, das ja in künstlerischer Beziehung gar keinen Vergleich mit der deutschen Dichtung aushält, Gessler III, 5 den Befehl zum Schusse, und erst IV, 4 erfolgt die Ausführung. Auf einen Vorzug dagegen, den Lemierres Quelle, der schweizerische Chronist Melchior Russ, dem Dichter bot, im Gegensatz zur Erzählung von Tschudi, welcher Schiller gefolgt ist, hat Geilfus a. o. O. p. XVIII. aufmerksam gemacht: der Standpunkt der Notwehr für die That Tells ist in der Erzählung von Russ(der Ende des 15. Jahrh. schrieb) schärfer gewahrt, als dies bei Tschudi der Fall ist:„als sy nun uff den sew komment(als vil- licht ouch gott wollte) Do kam semlich umgestümikeytt von winden, das alt und jung, wib und kindt mit kläglicher nott zu gott und den helgen schruwen. Und war nun wilhelm Thell ein boumstarker mann, für ander man so im Schiff warent, was, und ouch mit faren vast wol kondt und also mochten die so Imschiff warent das Schiff nit ge- hebenn und rufftent alle den Landvogt an, das man Wilhelm tellen ledig Liesse und wan nun der landvogt sin leben ouch gern pehalten hette Da sprach er zu Im möchtest und getruwtest uns zum Land zu schalten so wolte er In ledig lassenn da antwurte Im Wilhelm thell er wöllt sy mit gotzhilff wol zu land füren, wan er dan frist und sicherheytt gehaben möchte. Also liesst man In ledig Da fur er in massen Und so manlich das er mit gotzhilff zu einer blatten kam, Do schalteth er das schiff hinden zu der blatten, die selb blatt hêyss noch hüt by tag wilhelm tellen blatt, und nam sin armbrest so hinden uff dem bort lag, und sprang uff die blatten und spien uff un erschoss den landvogt. Nun mochtent sy vor grosser ungestümigkeytt das schiff nit wider zu der blatten noch an das land pringen. Also hub er sich wider In die lender und clagte vester als vor. Also demnach hubent sich die gross strit— als Ir hören werden zwüschent der herschafft und den lendern.“— Der Inhalt von Lemierres T1. ist nämlich in Kürze folgender: Der auf der Flucht vor dem Zorne des Landvogts begriffene Melchthal erzählt Tell die Blendung seines Vaters durch Gessler und wird von diesem aufgefordert, mit seinem persönlichen Rachegefühl zugleich für die gemeinsame Sache der Befreiung des Vaterlandes einzutreten(I, 1). Tell, Melchthal, Werner und Fürst, welche letztere beiden berichten, dass Vorstellungen bei Kaiser Albrecht ohne Erfolg geblieben sind, schwören den Eid der Treue, ersterer fordert die Genossen auf, sofort zur Ausführung des Befreiungswerkes zu schreiten(I, 2). Tell möchte von seiner Gattin Kleophea den allgemeinen Kummer fernhalten; diese fordert als sein Weib offene Aussprache, warnt aber vor der Ausführung der eben beschlossenen Befreiungsthat, da der Feind zu mächtig sei(I, 3). Fürst berichtet von bevorstehenden neuen Anschlägen des Vogtes in Altdorf, weil der Landvogt einen Aufstand befürchte (I, 4), Gessler, von seinem Vertrauten Ulrich vor dem Zorn des Schweizervolkes gewarnt, wiegt sich in falsche Sicherheit und beschliesst neue Demütigungen(II, 1). Er befiehlt dem Hauptmann, der ihm von der steigenden Erbitterung der Rebellen berichtet, die Reverenz vor dem Hute anzuordnen(II, 2). Gessler spricht gegen Ulrich seine Absicht, das Volk unter das Joch zu beugen, weiterhin aus und beschliesst den an dem Versammlungsort der Ver- schworenen erschienenen Melchthal, welchen der Landvogt nicht erkennt, über den Bund auszuforschen(II, 3). Melchthal, der Gessler ebenfalls nicht erkennt, ist so unvorsichtig, sich über den Landvogt und die von ihm aus- gehende Bedrückung laut zu beklagen(II, 4). Hierauf lässt ihn Gessler durch Ulrich verhaften(II, 5), spricht dann seine Freude über den gelungenen Anschlag aus und befiehlt dem Hauptmann, den Gefangenen in strenges Verhör zu nehmen(II, 6). Tell äussert seine Entrüstung über die neue Schmach(Begrüssung des Hutes) gegen Werner (II,), ebenso gegen Fürst, der Melchthals Gefangennahme mitteilt. Sofort beschliesst man allgemeines Aufgebot der Verbündeten und Abbruch der Burgen an einem Tage(II, 7). Ulrich hat indessen in einer Felsschlucht Waffen- vorräte entdeckt und berichtet Gessler, dass Tell wegen der Verweigerung der Reverenz ebenfalls gefangen genommen worden sei und sogleich herbeigeführt werde. Gessler befiehlt, auch Melchthal zu holen(III, 1). Gessler hofft nämlich durch die Gegenüberstellung beider näheren Aufschluss über den geheimen Bund zu erlangen(III, 2). Tell erklärt dem Landvogt trotzig seine Feindschaft(III, 3), ebenso Melchthal, der sich zugleich als Tells Freund hinstellt(III, 4). Kleophea bittet mit ihrem Sohne für den Gatten und Vater. Gessler verlangt den Apfelschuss; Tell erklärt sich unter Drohungen gegen den Landvogt und nach schwerem Kampfe bereit, das Verlangte auszuführen(III, 5). Gessler befiehlt Ulrich, die Zugänge zu dem Marktplatz in Altdorf zu besetzen(III, 6), beschliesst aber dann auf des Haupt- manns Rat, in Rücksicht auf die erregte Menge die Ausführung auf dem eng umschlossenen Raum, wo sie sich gerade befinden, alsbald zu verlangen(III, 6). Die um das Schicksal ihres Gatten und Kindes besorgte Kleophea wird von einer Freundin getröstet, welche dann forteilt, Näheres zu erforschen(IV, 1). Kleophea äussert hierauf in einem Selbstgespräch ihren Schmerz, dass sie gegenüber dem Tyrannen ohnmächtig sei(IV, 2). Die zurückkehrende Freundin berichtet Kleophea von der allgemeinen Erbitterung und von der Zuversichtlichkeit ihres Sochnes. Mit Mühe wird Kleophea hierauf entfernt, da das Schauspiel des Schusses soeben stattfinden soll(IV, 3). Tell führt zu allge- meinem Jubel des Volkes den Meisterschuss in Gegenwart Gesslers glücklich aus(IV, 4). Freude der herbeigeeilten Kleophea und ihrer Freundin. Tell, welcher heimziehen will, wird von Gessler zurückgehalten(IV, 5). Tell erklärt Gessler seine Absicht, die er mit dem zweiten Pfeil hat, und wird darauf gefesselt hinweggeführt(IV, 6). Gessler beschliesst, Tell und Melchthal nach Küssnach zu führen und befiehlt Ulrich, das Schiff zur Überfahrt bereit zu halten(IV, 7). Der Hauptmann meldet den wachsenden Unmut der Schweizer(IV, 8). Aufbruch Gesslers, der die Gefangenen, um das Volk zu schrecken, zu töten beschliesst(IV, 9). Kleophea beschuldigt im Schmerz über das Schicksal ihres Gatten die Schweizer der Thatenlosigkeit; Fürst weiss sie durch den Hinweis auf den unmittelbar bevorstehenden Ausbruch der Verschwörung, die besonders auch die Rettung Tells bezwecke, zu trösten(V, 1). Während die grosse Befreiungsthat vor sich gehen soll, fleht Kleophea um des Himmels Beistand, besonders auch für den 13 Gatten, der sich mit Gessler auf dem vom Sturm bewegten See befindet(V, 2). Aus Melchthals Erzählung erfährt Kleophea seine und Tells Rettung aus dem Fahrzeuge(V, 3). Plötzlich erscheint Gessler, durch die Felsen empor- steigend(V, 4). Gessler wird von Tell, der auf einem gegenüberliegenden Felsen erscheint, getötet. Wieder- vereinigt mit der Gattin, fordert er das Volk auf, im Hinblick auf Kaiser Albrechts gewiss bevorstehende Rache schleunigst Vorkehrungen gegen einen feindlichen UÜberfall zu treffen und letzterem getrost mit dem Schlachtenruf: „Sieg oder Tod!“ entgegenzugehen(V, 5).— Bemerkt sei noch, dass Lemierres„Trauerspiel“, dessen Handlung dem Lehrer manche interessanten Vergleichungspunkte mit Schillers T7. bei der Lektüre bieten dürfte, ganz nach den Regeln der französischen Tragiker verfasst worden ist. Der Fall oder die Umkehr. ¹ Hat der Schüler gelernt, die Scenen und Auftritte der steigenden Handlung in Stufen zusammen- zuschliessen, und ist ihm die Stelle des Höhenpunktes, beziehentlich die des tragischen Momentes, zu deutlichem Bewusstsein gekommen, so wird er, da die folgende Handlung ohnedies sich nur als die Rückwirkung der voraufgehenden(steigenden) ansehen lässt, mit grösserer Leichtigkeit auch die Absätze der Umkehr erkennen. Es wird sich empfehlen, diesen zweiten Teil des Dramas zuvor nochmals zur privaten Lektüre aufzugeben und dann zunächst die Stelle des Eintritts der Katastrophe bestimmen zu lassen, also in ühnlicher Weise zu verfahren, wie bei der ersten Hälfte, deren Stufen erst nach Auffindung des Höhenpunktes am leichtesten zu bestimmen sind. Als Regel kann im allgemeinen gelten: der erste Akt enthält die Einleitung, der zweite die Steigerung, der dritte den Höhenpunkt und, wenn solches vorhanden, auch das tragische Moment, der vierte die Umkehr, der fünfte die Katastrophe, obgleich bereits die R. den Beweis liefern, dass von diesem aller- dings normalen Bau Abweichungen vorkommen. Der vierte Akt dieses Stückes enthält ausser der Umkehr den Höhenpunkt für die äussere Handlung(I, p. 33) und das tragische Moment(p. 8 flg.). Dass zwischen den fünf Teilen und drei Stellen, sowie den Akten Uberleitungen meist vorhanden sind, war früher(I, p. 3, N. 6) gesagt; zwischen den Hälften des Dramas, der steigenden und fallenden Handlung, sind dieselben am wenigsten entbehrlich.. In den. bildet die UÜberleitung zur Umkehr der kurze Monolog Karl Moors: UÜberzeugung von Amaliens Liebe, Ahnung seiner Schuld(IV, erste Hälfte der 2. Sc.). Dann folgt als erste Haupt- wirkung(I. Stufe) von Karls Rückkehr ins väterliche Schloss: Franzens Besorgnis und Entschluss, den Grafen zu töten(IV, zweite Hälfte der 2. Sc.). Sie besteht aus drei Momenten: a) Franz mutmasst in dem Grafen seinen Bruder und beschliesst dessen Tod; b) er sucht vergebens in Daniel einen von Karl gedungenen Mörder und verlangt hierauf von diesem den Meuchelmord; c) Schlussmonolog: er beruhigt in sophistischer Weise sein Gewissen.— Traf die erste Hauptwirkung Franz, so bildet den Mittelpunkt der 15) G. F. a. o. O. p. 114 flg.„Der schwierigste Teil des Dramas ist die Scenenfolge der fallenden Hand- lung oder, wie sie wohl genannt wird, der Umkehr; allerdings treten die Gefahren zumeist bei den kraftvollen Stücken ein, in denen die Helden die Führung haben. Bis zum Höhenpunkt war das Interesse an die eingeschlagene Richtung der Hauptcharaktere gefesselt. Nach der That entsteht eine Pause. Die Spannung muss auf das Neue erregt werden, dazu müssen neue Kräfte, vielleicht neue Rollen vorgeführt werden, an denen der Hörer erst Teil- nahme gewinnen soll. Schon deshalb droht Zerstreuung und Zersplitterung der scenischen Wirkungen. Dazu kommt, dass die Angriffe der Opposition auf den Helden sich nicht immer leicht in einer Person und einer Situation ver- einigen lassen, häufig ist es nötig zu zeigen, wie nach und nach von verschiedenen Seiten an die Seele des Helden geschlagen wird; auch dadurch mag, gegenüber der Einheit und dem festen Fortschritt der ersten Hälfte, die zweite zerrissen, vielteilig, unruhig werden, zumal bei historischen Stoffen, wo das Zusammenfassen der Opposition in wenige Charaktere am schwierigsten ist.— Und doch fordert die Umkehr eine starke Hebung und Verstärkung der scenischen Effekte wegen der Sättigung des Hörers, der grösseren Bedeutung des Kampfes. Deshalb ist das erste Gesetz für den Bau dieses Teiles, dass die Zahl der Personen soweit nur möglich beschränkt, die Wirkungen in grossen Scenen zusammengeschlossen werden. Alle Kunst der Technik, alle Kraft des Talentes sind nötig, um hier einen Fortschritt der Teilnahme zu sichern.— Ausserdem noch ein anderes. Vorzüglich dieser Teil des Dramas ist es, welcher den Charakter des Dichters in Anspruch nimmt. Denn das Schicksal gewinnt Macht über den Helden, seine Konflikte wachsen einem verhängnisvollen Ausgang zu, der sein ganzes Leben ergreift. Es ist jetzt keine Zeit mehr, durch kleine Kunstmittel, sorgfältige Ausführung, hübsches Detail, saubere Motive zu wirken. Der Kern des Ganzen, Idee und Führung treten mächtig hervor, der Zuschauer versteht den Zusammenhang der Begebenheiten, sieht die letzte Absicht des Dichters, er soll sich den höchsten Wirkungen hingeben, und er beginnt mitten in seiner Teilnahme prüfend das Mass seines Wissens, seiner gemütlichen Neigungen und Bedürfnisse an das Kunstwerk zu legen. Jeder Fehler im Bau, jeder Mangel in der Charakterzeichnung wird jetzt lebhaft empfunden. Deshalb gilt für diesen Teil die zweite Regel: nur grosse Züge, grosse Wirkungen; auch die Episoden, welche jetzt gewagt werden, müssen eine gewisse Bedeutung und Energie haben.— Wie gross die Zahl der Absätze sein müsse, in denen der Sturz des Helden geschieht, darüber ist keine Regel zu geben als etwa, dass die Umkehr eine geringere Zahl wünschenswert macht, als im allgemeinen die aufsteigende Handlung verstattet.“ 14 nächsten(der durch die Überleitung vorbereiteten) Karl Moor. Diese zweite Stufe der Umkehr enthält Daniels Enthüllungen und gliedert sich in eine Einleitung: Daniels Freude über den wiedergefundenen Herrn; in eine Scene: Daniel enthüllt die Schurkerei Franzens; der Rache an dem Bruder be- schliesst sich Karl Moor durch eilige Entfernung aus dem Schlosse zu entziehen(IV, 3); ein Finale: Abschied von Amalien.— Pranz beschliesst, den Grafen zu ermorden(1. Stufe), aber Karl hat das Schloss verlassen. Karl weiss, dass der böse Bruder ihn um das Glück der Liebe gebracht hat(2. Stufe) — es pleibt, ehe die Katastrophe eintreten kann, nur noch die Entdeckung von Franzens Verbrechen an dem Vater übrig. Die Handlung bedingt also noch eine dritte Stufe der Umkehr: Karl Moor findet den alten Vater im Kerker(IV, 5). Voraus geht ausser dem stimmenden Räuberlied eine Einleitung: Spiegelbergs Ermordung(s. Nr. 72, p. 27) durch Schweizer; eine Vorstufe: Karls Verzweiflung¹é(Schwanen- gesang, Selbstmordgedanken), vorbereitend insofern nämlich, als diese Vorstufe den psychologischen Uber- gang bildet zu der in der Hauptstufe(Auffindung des Vaters) gezeigten Raserei Karl Moors. Auch diese Stufe gliedert sich in drei Momente: a) Hermann vor dem Schlosse und Intervention Karl Moors; b) Moor erkennt seinen Vater, Enthüllungen des letzteren; c) ausbrechende Wut Karl Moors, Allarmierung der Räuber. Finale, zugleich UÜbergangsglied zu der Katastrophe: Befehl des Hauptmanns an Schweizer, Franz ihm lebendig zu bringen. Mit der Umkehr in K. A. L., welche die Wirkung des Briefes darzustellen hat, übernimmt das Spiel(Ferdinand) die Führung der Handlung, sodass in demselben Masse, in dem Ferdinands Entschluss, die Geliebte zu töten, zur That reift, die bisher triumphierende Kabale, das Gegenspiel, der Niederlage ver- fällt. Die Umkehr besteht aus einer grossen Stufe, der der Verzweiflung anheimfallende Ferdinand beschliesst seinen und der Geliebten Tod, und umfasst zwei Scenengruppen. Erste Scenengruppe (IV, 3— 5): Ferdinands Verzweiflung und Entschluss, letzterer hervorgerufen durch die Begegnung mit den Schurken; sie schliesst sich unmittelbar an das tragische Moment(IV, 2) und enthält folgende Mo- mente: Ferdinands Verzweiflung zeigt sich a) in dem Wutausbruch gegen den Hofmarschall Kalb(IV, 3), b) in den entwickelten Mordgedanken(IV, 4), c) in dem durch das herzlose Benehmen des Vaters bis fast zum Wahnsinn gesteigerten Schmerz, mit dem Schluss: Ferdinands Aufbruch, Luisen aufzusuchen(IV, 5). Statt dieser Begegnung mit Luise, die nun unmittelbar folgen sollte, steht zwischen der ersten und zweiten Scenengruppe, entsprechend jener zwischen der 1. und 2. Stufe der Steigerung eingeschobenen Nebenstufe(s. I. p. 19), als Nebenstufe der Umkehr: Luise und die Milfort(IV, 6— 9). Dieselbe besteht aus Einleitung: Unruhe der Milfort in der Erwartung Luisens(IV, 6); Hauptscene: Luise— Milfort(Demütigung der letzteren etc.) (IV, 7); 3. Schluss: Milforts Verzweiflung, Entsagung(IV, 8, 9).— Infolge der Einfügung dieser Nebenstufe wird die zweite Scenengruppe der grossen Stufe durch Aktschluss von der ersten getrennt. Zweite Scenen- gruppe(V, 1, 2): Ferdinands Entschluss nach Vernehmung des Geständnisses von Luisen. Einlei- tung: Luise verzichtet aus Rücksicht auf den Vater auf den geplanten Selbstmord(V, 1); Hauptscene: Luisens Schweigen treibt Ferdinand zur Ausführung seines Vorhabens(V, 2). FT. Da das Stück im Gegenspiel fällt, so hat die Umkehr die Aufgabe zu zeigen, wie dasselbe infolge des ehrgeizigen Entschlusses des Helden(Höhenpunkt) und Verrinas erwachenden Argwohns(tragi- sches Moment) Macht über Fiesko gewinnt. Anschliessend an die erste Wirkung, Verrinas Vorhaben(III, 1), musste die Bildung einer Gegenverschwörung innerhalb der Verschwörung begründet und gezeigt werden. Daher bildet die 1. Stufe der Umkehr: das Komplott; nämlich Entwurf des Planes: Fiesko beleidigt die Republikaner und erregt dadurch ihre Unzufriedenheit(III, 5). Vier Momente: Gegenverschwörung in zwei Momenten: a) Beschluss, den Tyrannen zu töten; b) Beratung über die Aus- führung des Mordes(Calcagno— Sacco— Verrina, die ersten beiden empfehlen Meuchelmord, Calcagno rät, den letzteren während der Messe, Sacco bei einem Gastmahle auszuführen, Verrina dagegen wünscht die Erregung von Aufruhr); Verschwörung in zwei Momenten: c) Fiesko setzt durch Vorzeigung der Mord- liste die Erregung des Aufruhrs noch für die folgende Nacht durch; d) allgemeine Anordnungen: Besetzung des Hafens und der festen Plätze der Stadt, Verteilung der Rollen(IV, 10 ergänzt den Plan, indem Fiesko mitteilt, dass Verrina, wenn die Schiffe erobert sind, mit einer Kanone das Signal zum Ausbruch geben 16) Die mehrfach erwähnte Vorliebe Schillers zu Doppelhelden zwingt ihn auch zu Parallelscenen, wovon die R. schon den besten Beweis führen. Wie Franz(1. Stufe der Umkehr) seine Absicht mit dem Grafen in einem Monologe verrät, so thut dies auch Karl mit seinen hauptsächlich durch die Erlebnisse im Schlosse hervor- gerufenen Selbstmordgedanken. 15 wird). Das beleidigende Benehmen Fieskos, das eigentlich abwärts treibende Moment, liegt in der ganzen Haltung des Helden gegenüber den Verschworenen, äussert sich aber besonders am Schlusse: Verrina, weisst da das Wörtchen unler der Fahne? bis Subordination!— Seinen Erfolg hatte Fiesko wesentlich der Hilfe des Mohren zu danken; deutlich wird dies nochmals durch eine Einleitung zur ersten Stufe der Umkehr dem Zuschauer vor Augen geführt: des Mohren Bericht, dass Gianettinos Anschläge vereitelt und Fieskos Befehle glücklich ausgeführt sind(III, 4). Finale: Befehl an den Mohren, zur Komödie zu laden (III, 6).— Der ehrgeizige Entschluss, der nunmehr die Seele des Helden ganz beherrscht, bewirkt, dass Fiesko nicht mehr mit der Vorsicht wie bisher handelt. Diese Unklugheit und die nächste Folge derselben zeigt die 2. Stufe, die also zwei Momente enthalten muss: a) die Entlassung des Mohren(III, 6 eng mit dem Finale verbunden); b) der Mohr beschliesst Verrat(III, 7).— Den letzten Schritt zum Untergange des Helden enthält die 3. Stufe: Verrina beschliesst, den Tyrannen Fiesko zu ermorden (IV, 5). Voraus geht derselben die Akteinleitung: die Versammlung der Verschworenen(IV, 1— 4). D. C. Durch das tragische Moment(Misstrauen des Infanten) wird das Unternehmen Posas— der awilde, abenteuerliche Gedanke— bereits durchkreuzt. Aber diese Stelle ist ebensowenig wie der Höhen- punkt scharf genug hervorgehoben; viel geringer, als z. B. in K. à. L., namentlich aber in den späteren Stücken, wird die Tragweite derselben empfunden. Man merkt nicht deutlich genug, dass durch den plötz- lich sich regenden Argwohn des Prinzen der Marquis gleichsam den Boden unter den Füssen verliert, dass, wie es sein sollte, die folgende Handlung ausschliesslich eine Folge dieses Misstrauens ist. Dennoch muss die Umkehr als Wirkung jener schwach ausgestatteten Stelle angesehen werden, insofern nämlich die Voraussetzung, auf der der Marquis seinen Plan aufbaute— sie(die Zuversicht des Gelingens) war auf deiner Freundschaft Laigkeit gegründet— nicht in Erfüllung geht, sodass er gezwungen wird zu einer raschen, für ihn und später auch für den Freund verderblichen Massregel. Während die Steigerung des Stückes zunächst drei Stufen für eine Handlung Don Carlos, welche letztere vor dem Höhenpunkte abgebrochen wurde(I, p. 22), dann zwei Stufen für eine Handlung Posa zeigte (I, p. 23), sind in der Umkehr die beiden dramatischen Ideen, die dem Dichter nacheinander aufleuchteten, zu einer Art Doppelhandlung— nicht etwa parallelen Handlung wie im T'l.— verknüpft, welche wiederum von Posa geführt wird, und mit welcher die noch fehlenden Stücke der Nebenhandlung Eboli innig ver- bunden sind.— Zwei Stufen der Umkehr lassen sich unterscheiden, jede wieder zweiteilig(Ia, IIa gehört wesentlich der Handlung Don Carlos, dem nicht ausgeführten Familiendrama, I, II der Handlung Posa an). 1. Stufe(IV, 7— 10) enthält eine Einleitung: Philipp argwöhnisch beim Anblick seines Kindes (IV, 7), Lerma meldet die Königin(IV, 8); dann folgt Ia: Philipp beschuldigt die Königin als Buhlerin (IV, 9) 13 Schluss: Bestürzung im Palaste(IV, 10). I: Posa(sein Erscheinen IV, 11) erlangt vom König nach UÜberreichung des Briefes von der Eboli den Verhaftsbefehls(IV, 12). 2. Stufe, IIa: Carlos, überzeugt von der Schuld des Marquis, sucht das Vertrauen der Eboli, in zwei Momenten: a) Lermas Warnungen ¹⁹(IV, 13); dann ein Zwischenglied: die Intriguanten Alba und Domingo werden von der Königin zurückgewiesen(IV, 14) ²⁰; b) Carlos äberraschtes Herz treibt ihn in des Teufels(Ebolis) Arme(IV, 15). II: Posas verzweifelter Plan, in zwei Momenten: a) Carlos Verhaftung(IV, 16) 2¹; nun wieder ein Zwischenglied: Bedrohung der Eboli(IV, 17); b) Posa beschliesst, um den Freund zu retten, sich selbst zu opfern(IV, 17 ²² 17) D. D. C. 245. hebt hervor, dass der Dichter sich einen Widerspruch erlauben darf, wenn man an der be- treffenden Stelle sich desselben nicht bewusst wird. Während nämlich in Wirklichkeit die Königin die Zusammenkunft mit dem Prinzen aus Furcht für den letzteren und für sich verheimlichte, erklärt sie jetzt, sie habe nur deshalb geschwiegen, weil sie keine Lust gehabt, wegen dieser ihr zustehenden Freiheit sich vor dem Hofe mit dem König zu streiten. 18) D. C. D. 120. zur Verhaftung des Prinzen, die nicht ohne Genehmigung der Cortes geschehen durfte.— 249. zu dem Bilde von dem auf seiner Stirne leuchtenden Siegel. . 19) D. D. C. 251. über den wunderlichen Entschluss des Infanten, die Eboli um Zutritt zur Königin zu itten, um sie vor dem Marquis zu warnen. 20) D. C. D. 139. über den Versuch Albas und Domingos, den Marquis bei der Königin zu verdächtigen.— 254. Lerma wird ihnen dies gewiss nicht verraten haben.— 253. IV, 14 ist entbehrlich. Die Königin zeigt sich hier neben ihrer hohen Ruhe doch etwas spitz gegen die gemeinen Seelen. 21) D. D. C. 121. erklärt das Auftreten des Marquis für durchaus unbegründet und verlangt glücklichere Begründung der allerdings nötigen Selbstaufopferung. . 22) D. D. C. 140. Dass der Zuschauer gar nicht ahnen kann, welches Rettungsmittel Posa im Sinne hat, wirkt nicht spannend, sondern störend.— 257. Sonderbar ist es, wie Posa der Eboli unmittelbar darauf droht, sie entkomme ihm nicht mehr, werde es niemand mehr erzühlen; denn dadurch konnte er sie doch nicht zur Mitteilung bewegen, und wenn er die Absicht hatte, sie zu ermorden, brauchte er sie gar nicht zu fragen.— 258. über den eingeschobenen Monolog vgl. auch D. D. C. 152. Den zum Teil in Reimversen geschriebenen Monolog Posas s. bei D. D. C. 301. — 16 d. Schluss).— Beachtenswert ist, dass jede der beiden Stufen mit der Handlung Don Carlos beginnt, mit der Posa schliesst, und dass in der 2. Stufe sowohl IIa als II durch ein Zwischenglied lin a) und b)] geteilt ist. An II[b)] schliesst sich die 2. Stufe der Umkehr für die Nebenhandlung(die 1. Stufe s. I, p. 24: Schuldbewusstsein der Prinzessin, IV, 1): die Geständnisse der Eboli, IV, 19(IV, 18: Eintritt der Königin).— Es empfiehlt sich bei der Lektüre von IV, 17 mit den Schülern V, 3 von den Worten an zu lesen: Was ich fürchte bis— war der meinige, da sonst die Stelle unverständlich bleibt. Posa deutet eben seinen Plan nur an: Nein/ Nein!/ Gott sei gelobt bis— Miltel. Wlst.— Picc. War es die Aufgabe der steigenden Handlung, die Annäherung der Liebenden (Höhenpunkt: Liebesscene zwischen Max und Thekla, I, p. 34) trotz der gegen dieselbe intriguierenden Umgebung zu zeigen, so hat die Umkehr die durch das Verhalten der letzteren herbeigeführte Trennung, d. i. die Katastrophe, zu motivieren: Max muss sich sowohl der Intrigue Octavios, als dem beabsichtigten Verrat Wallensteins widersetzen(Umkehr); als Ausweg aus dem dadurch entstehenden Konflikt bpleibt, ihm nur der Tod auf dem Schlachtfelde(Katastrophe der Picc.).— Beachtenswert ist die Uberleitung zur Umkehr, die drei Momente enthält: a) Theklas düstre Ahnung(III, 7) und Schwermut(III, 8), letztere hervorgerufen durch die intriguante Behandlung ihrer Liebe von seiten der Gräfin Terzky(III, 8); b) Maxens geistige Abwesenheit in der Bankettscene(IV); vortrefflich wird der Zuschauer, indem er empfindet, wie die Seele der Liebenden von dem Gefühl nahen Unglücks befangen ist, für die Umkehr gestimmt; c) Octavio beobachtet scharf das Verhalten seines Sohnes(in der Bankettscene, IV); durch dieses Moment wird unmittelbar die 1. Stufe vorbereitet: Kampf zwischen Vater und Sohn(Y, zu- gleich katastrophenartiger Schluss für das Stück Picc., s. I, p. 25, und Höhenpunkt für das Doppeldrama, s. I, p. 35). Die 2. Stufe(von der ersten durch I. Akt von Wlst. TId. getrennt) zeigt Maxens Kampf mit dem Feldherrn ²³(II, 2 Wäst. 73.). Die Umkehr des Doppeldramas zeigt die Wirkungen der Aktion des Verrates(Höhenpunkt des Doppeldramas) und die Folgen des von Wallenstein in Octavio gesetzten blinden Vertrauens(tragisches Moment des Doppeldramas). Die 1. Stufe, Umschwung aller dem Unternehmen Wallensteins bisher scheinbar günstigen Umstände, wird gebildet durch die Steigerung und den Höhenpunkt von Wlst. Td., enthält also vier Momente: a) Befehl Wallensteins an Octavio(II, 1, 3); b) Verlockung Isolanis und Buttlers(II, 4— 6); c) Abfall der übrigen Feldherren und Empörung der Soldaten, Fall von Prag, Wallensteins Achtung(III, 5— 10), s. I, p. 26, N. 89; d) Abfall der Kürassiere(III, 13— 16), s. I, p. 36. Zwischen b) und c) liegt ein Stück der Katastrophe der Picc.: Trennung Maxens vom Vater (II, 7) ² und die dieser Handlung zugehörige Familienscene(III, 1, 2 ²⁵, 3, 4 ²⁶). Zwischen) und d) wieder eine Familienscene der Piccolomini. Der zweiten Stufe voraus geht eine Vorstufe: Aufbruch nach Eger(III, 23), mit einem andern Stück der Katastrophe der Picc., Aufbruch Maxens, schön verbunden. 2. Stufe, Buttlers Entschlüsse(IVY, 1²⁷, 2 ²8, 6, 8), beginnt mit dem einleitenden Gespräch Buttlers (IVY, 1) und ist dreiteilig: a) Uberredung Gordons(IV, 2); b) Buttler beschliesst, Wallenstein, 23) D. Wst. Td. 259. verneint, dass der Zuschauer hier die Frage aufwerfen oder gar bejahen könne, ob Wallenstein seine Verbindung mit den Schweden aufgegeben haben würde, wenn Max früher gekommen wäre; er macht ferner darauf aufmerksam, dass Max, wenn es sein muss, der Empöruug sich nicht entschieden widersetzt, sondern dieser sich anschliessen werde; nur vor der Verbindung mit den Feinden als einem Landesverrat entsetze er sich. 4 24) D. Wst. Id. 268. Erst an dieser Stelle könnte das Drama von den Picc. enden(?), wie es auch ursprünglich beabsichtigt war, wenn freilich auch hier kein eigentlicher Ruhepunkt der Handlung eintritt. 25) D. Wst. Td. 269. Wenn Thekla hier von einem bangen Vorgefühl spricht, das sie gleich bei ihrer An- kunft in Pilsen ergriffen, so stimmt dies nicht zur Heiterkeit, worin sie Picc. II, 3, III, 4 erscheint. 26) D. Wst. Td. 270 flg. Wenn Wallenstein bpemerkt, in Buttlers Nähe habe sich immer ein schneidendes Gefühl in ihm erregt, das keine rechte Liebe zu ihm habe aufkommen lassen, so kann der Dichter hier unmöglich das schlechte Spiel Wallensteins gegen diesen voraussetzen; denn dieses müsste er anders bezeichnet, er könnte es auch nicht übergangen haben, wenn wir anders annehmen sollen, dass er hier gegen IIlo die volle Wahrheit äussert. 27) Vischer a. a. O. III, 2, 1392.„Man darf unter Verwahrung vor solchem Abweg(nämlich im Monologe lyrisch zu schwelgen und philosophisch zu grübeln) allerdings einen mehr lyrischen, mehr betrachtenden, mehr dra- matischen Monolog unterscheiden. Wallensteins:„„Wärs möglich““(Wst. T6. I, 4) betrachtend, dagegen:„„Du hast's erreicht, Octavio““(Wst. T6d. III, 13); Buttlers:„„Er ist herein““(Wst. Td. IV, 1) echt dramatisch.“ Man lasse den Schüler den vorwiegenden Charakter der übrigen Monologe bestimmen. 28) D. Wst. Td. 288. Aus Gordons Munde hören wir, dass Wallenstein durch das Unglück nicht gebrochen, sondern mit stolzem Selbstbewusstsein in Eger eingezogen sei, was freilich mit der Geschichte nicht stimmt. Terzky und IIlo zu ermorden(IVY, 6), durch das einleitende Gespräch des Feldherrn mit dem Bürger- meister, durch die Nachricht von dem Siege der Schweden(IV, 3, 4 ², 5, s. Moment der letzten Spannung p. 25) sowie durch das Zwischenglied, Nachricht von dem Tode Maxens(IV, 5, die Schlusskatastrophe der Picc., Theklas Aufbruch IV, 9— 14, vorbereitend) getrennt von a); c) die Ermordung auf die Nacht festgesetzt, (IVY, 8), durch die weitere Ausführung des Momentes der letzten Spannung, Illos und Terzkys Jubel über den Sieg IV, 7, von b) getrennt. Wlst. Td. Da mit dem Abfall der Kürassiere die durch die Intrigue Octavios herbeigeführte Em- pörung ihren Höhenpunkt erreicht, so hat die Umkehr die Wirkungen derselben für den Helden(Wallen- stein in der Gewalt seiner Feinde) zu zeigen und fällt daher zusammen mit der(2.) Stufe der Umkehr des Doppeldramas. In M. S. zeigt die Umkehr die Rückwirkung des Streites, d. i. derjenigen That, die für die Heldin verhängnisvoll und für das Schicksal derjenigen Personen von Bedeutung ist, deren Begehren, Wollen und Streben sich in derselben verhärtet hat. Diese Rückwirkung äussert sich durch die erste Stufe auf das Verhältnis Marias zu Mortimer, welcher verborgen der Unterredung zugehört hat; durch die zweite auf das Verhältnis der Intriguanten zueinander, Leicesters zu Burleigh, von denen der erstere die Unterredung zustande gebracht, wührend letzterer vor ihr gewarnt hat; durch die dritte auf das Verhältnis zwischen Mortimer und Leicester; durch die vierte(grösste) auf das Verhältnis zwischen Maria und Elisabeth. 1. Stufe: Die Unterredung, die Mortimer heimlich mit angehört hat, bewirkt„als Beginn der fallenden Handlung“ jenen„Ausbruch der Leidenschaft“ des schwärmerischen Jünglings, durch den sein an und für sich mehr als gewagtes Unternehmen scheitern muss. Denn der vor Liebe rasende Mortimer ist nicht mehr fähig, die Stuart zu retten; ihm fehlt nun vollends die Klugheit und Besonnenheit, die um jeden Preis jeden unbesonnenen Schritt seitens der Mitverschworenen verhindern musste. Während er daher seine Liebeserklärung Marien abgiebt— du hast gesiegt bis nur in diesem Augenbliche— und(nach der scenarischen Bemerkung) mit irren Blichen und im Ausdruck des stillen Wahnsinns der erschrockenen Königin zuruft: Ich rette dich bis dich auch hesitzen(III, 6 ³⁰), führt Sauvage, der Barnabit aus Toulon, den verfehlten Dolchstoss gegen die von der Unterredung nach London heimkehrende Elisabeth und wird von Shrewsbury entwaffnet, sodass die Mitglieder der entdeckten Verschwörung zerstreut werden. Diese(erste) Stufe des Falles(einleitend: Kennedys Bestürzung III, 5, Scene: Mortimers Leidenschaftsaus- bruch III, 6 und Zerstreuung der Verschworenen III, 7, 8 ³¹) spricht deutlich Mortimer(nach langem Still- schaeigen, s. scenarische Bemerkung III, 8) mit den Worten aus: 0, dich verfolgt bis bereitet deinen Fall.— Zweite Stufe. Voraus geht eine Einleitung: Aubespine verlässt den Hof, die beabsichtigte Vermählung wird auf- gehoben(IV32, 1, 2); Scene:„Streit zwischen Leicester und Burleigh“(IV, 3). 3. Stufe Leicesters teuflischer Plan(IV, 4³³⁸). Der Lord beschliesst infolge seiner verhängnisvollen Lage Maria zu opfern; deshalb lässt er Mortimer plötzlich als Staatsverräter verhaften; dieser aber durchschaut den Plan des Lords— Mein Fall mauss ihm die Rettungsbrüche bauen— und tötet sich selbst. Obgleich Näheres über den Plan zunächst nicht mitgeteilt wird, ist das Sinken der Handlung, das Abwärtsneigen des Schicksals 29) D. Wst. Td. 286 über die Ankunft Wallensteins.— Uber die Angabe im Stadtbuche zu Eger, dass Wallenstein im Bacheblischen Hause ermordet worden sei und die von Prökl gegebene Berichtigung s. D. p. 286, Anmerkung 2. Darnach ist Alexander Pachhäbel nie Bürgermeister gewesen, war auch bereits 1633 zu Wunsiedel gestorben, und dessen Witwe Ursula besass zur Zeit von Wallensteins Ermordung das Haus.— Uber das Historische D. 289, und zu Wallensteins vertraulichen Mitteilungen D. 290. 30) D. M. St. 179 bezeichnet diese Scene als eine der kühnsten und wildleidenschaftlichsten, die Schiller gelungen sind und als hart an die Grenze des auf der Bühne Darstellbaren streifend. 31) Zu den Schlussworten: Noch versuch’ ich's— bis zu betten s. D. M. St. 182. Der wirksame Schluss des dritten Aufzuges steht in Widerspruch mit dem vierten, wo Mortimer Leicester auffordert, das Ausserste von Marien abzuwenden, er selbst wolle nach Schottland gehen, um dort neue Genossen zu sammeln. Auch darin weicht das Folgende von der Darstellung im dritten Aufzuge ab, dass eine engere Einkerkerung Mariens, welche Paulet hier androht, nicht stattgefunden hat. 3²) G. F. a. o. O. p. 183 flg. führt den IV. Akt von M. St. als Beispiel dafür an,„dass die Scene des Dichters durchaus nicht immer mit der Scene des Regisseurs zusammenfällt(Dekorationsscene); der vierte Akt von M. St. ist vom Dichter in zwölf Auftritte geteilt, durch einen Kulissenwechsel innerhalb des Aktes in zwei Regiescenen getrennt. Er besteht aber aus zwei kleineren(die Intriguanten des Hofes, Mortimers Ende) und einer grossen(Kampf um das Todesurteil), also drei dramatischen Scenen“(vgl. I. p. 17. N. 63). 33) D. M. St. 186 zu der scenarischen Bemerkung, Mortimer in der heftigsten Unruhe und bliekt scheu umher. 187 zu dem aufgefundenen Briefe. 3 18 der Heldin dennoch durch diese Stufe sehr deutlich fühlbar, besonders nach der intriguanten Erklärung des abgehenden Feiglings: Die schändlichste Verschwörung bis Bolschaft. Es enthält die Scene„drei dramatische Momente: a) den verbindenden Monolog Leicesters, b) Unterredung zwischen Leicester und Mortimer, c) Mortimers Tod.“— 4. Stufe. Für diese letzte Stufe hat der Dichter die weiteste Ausführung für nötig befunden, denn sie ist offenbar die wichtigste; sie zeigt die verhängnisvollste Rückwirkung des tragischen Momentes, nämlich die Unterzeichnung des Todesurteils(IV, 5— 12). Schon dadurch, dass Kulissen- wechsel eintritt, ist dieselbe von den beiden vorhergehenden kräftig abgehoben. Da gegen das Ende jedes Dramas der Zusammenhang der Begebenheiten und selbst der Ausgang dem Hörer nicht mehr zweifelhaft scheint, so muss fortan sein Interesse dadurch erregt werden, dass gezeigt wird, wie alles geschieht. Man lasse gerade daraufhin den Schüler diese letzte, kräftigste Wirkung prüfen. Die 4. Stufe besteht nämlich aus einer„Doppelscene und aus zehn Momenten, von denen die ersten vier: der Streit Elisabeths mit Leicester, zu einer Gruppe verbunden, den sechs letzten: die Unterschrift des Urteils, gegenübertreten. Die sechs Momente der zweiten Scenenhälfte entsprechen den sechs letzten Auftritten des Textes“(vgl. G. Fr. a. a. O. p. 184, sowie I, p. 17, N. 63). 1. Scene der 4. Stufe:„Streit Elisabeths mit Leicester“(IV, 5, 6), umfasst vier Momente: a) Elisabeth erklärt Burleigh, Maria hinrichten, Leicester gefangen setzen zu lassen (IV, 5); b) Elisabeths Zorn gegen Leicester(IV, 6, etwa bis wenn ich es nicht verhindert); c) Leicesters schimpfliche Verteidigung(IV, 6, bis gleich ausgeferligt werde); d) Leicester und Burleigh werden zu Voll- streckern des Todesurteils ernannt(IV, 6 Schluss). 2. Scene:„Unterschrift des Todesurteils“, umfasst sechs Momente: a) der Volksauflauf vor dem Palaste(IV, 7 ³¹); b) das Vorlegen der Schrift(IV, 8); c) Burleighs Drängen und die Warnung Talbots(IV, 9); d) Plisabeths Monolog und Unterschrift(IV, 10 ³⁵); e) Davisons Zögern und Elisabeths zweideutiges Benehmen(IV, 11³⁵⁶); f) Burleigh bemächtigt sich der ÜUnterschrift (IV, 12 ³⁷), zugleich Uberleitung“s zum Akt der Katastrophe. J. v. O. Lionels stürmisches Drängen am Ende von III, 10 zeigt die reaktivierende Gewalt des Gegenspiels an. Daran schliesst sich zunächst die Überleitung zur Umkehr: Johanna ohnmächtig in La Hires Armen(III, 11). In zwei grossen Stufen wird dann die Wirkung des tragischen Momentes (Johanna ver fälltder Macht der Liebe, Verletzung der Bedingung, s. p. 11) gezeigt, und zwar in der Weise, dass, wie bei der Steigerung des Stückes, der äusseren Handlung immer ein innerer Vorgang(in Johannas Seele, s. I, p. 28 flg.) entspricht.— 1. Stufe(IV): Johannas Verbannung— Verzweiflung. Vorscene: Schuldbewusstsein(IV, 1—3), in drei Momenten(Graden der Steigerung): a) Monolog, erwachendes Gefühl des Gelübdebruches(IV, 1), b) Sorels Dank steigert das Gefühl des Schuldigseins(IV, 2), c) sie fühlt deutlich beim Aufdringen der Fahne ³²³ die Nähe des göttlichen Gerichts(IV, 3); Hauptscene: Der erste Teil des göttlichen Gerichts(IV, 4— 13); a) Einleitung: Auftreten der Ihrigen: IV, 4⁴⁰, Bertrand, Etienne mit dem Volke den Zug erwartend; IV, 5, durch Margot und Louison wird die Rede wieder auf Johanna gelenkt; IV, 6, diese selbst im feierlichen Zuge der Mittelpunkt, besonders noch hervor- gehoben durch ihre Haltung; IV, 7, Schilderung des Eindrucks bei den Schwestern und ihren Freiern; IV, 8, 3⁴) D. M. St. 194. Man erwartete hier doch eine Erwähnung des wirklichen Anfalles und der schon Auftritt 2 erwähnten Zerstörung des Hauses des französischen Gesandten; gerade von dort sollte sich der aufgeregte Haufe nach dem Palaste wälzen. 35) D. M. St. 199. Dass unter Elisabeths Regierung auch manche blutige Verfolgung stattfand, wird mit dichterischer Freiheit übergangen. 36) D. M. St. 201, Anmerkung. Störend ist es, dass zuerst„der Graf von Shrewsbury“, vier Verse darauf„der edle Talbot“ steht.— 202, Anmerkung*) zu den Worten: Ich kam seit wenig Monden erst in dieses Amt.— 73. über die geschichtliche Wahrheit in Bezug auf die einzelnen Momente bei der Unterschrift und über den von allen Geheim- räten unterschriebenen Befehl zur Hinrichtung. 37) D. M. S. 204 u. 74. Der Dichter setzt hier Burleigh an Hattons(des Oberkammerherrn) Stelle und übergeht die übliche, weitere Anfrage der Minister an die Königin(Hatton begab sich in Begleitung Davisons dann zu Burleigh). 38) G. Fr. a. o. O. 184.„Es ist nicht immer bequem, aus einem fertigen Drama diese logischen Einheiten des schaffenden Geistes zu erkennen. Und es wird hier und da das schätzende Urteil unsicher sein. Aber sie ver- dienen grössere Aufmerksamkeit, als man ihnen wohl bis jetzt gegönnt hat“(vgl. I. p. 3. N. 6). 39) D. J. v. O. 226. Freilich sollte sie sich entschieden weigern, bedingte nicht die Absicht des Dichters, dass sie mit in die Kirche zieht, was für sie selbst die empfindlichste Strafe ist. Ebendaselbst die von Schiller zur ersten Vorstellung in Weimar(April 1803) gedichtete Strophe. 40) D. J. v. O. 227. Auch die Ihrigen sind aus der Ferne herbeigeeilt. Dabei kümmert es den Dichter wenig, dass die Ubergabe der Krönungsstadt erst tags vorher erfolgt war.— ebendas. über das auffallende Still- schweigen der Männer, besonders Etiennes. 19 bei Thibaut und Raimond; die Entfernung beider beim Anblick der Tochter und Geliebten, über der sichtbar das göttliche Gericht schwebt, markiert scharf die nun folgende Hauptscene, die zweiteilig ist: 1. Ver- zweiflung bei der Begegnung mit den Ihrigen, IV, 9⁴¹ mit den Schwestern, IV, 10⁴² mit dem Vater; 2. Thibauts Anklage(IV, 11⁴³⁸) und Johannas Verstossung(IVY, 13), beide Auftritte durch Dunois' erneute Werbung(IV, 12 ⁴⁴) verknüpft. Der Fall ist schon durch diese erste Hauptscene ausserordentlich wirksam vergegenwärtigt. Wie rasch folgt die Strafe; urplötzlich ist die gefeierte Jungfrau, zu der sich alles drängte, gänzlich verlassen, von der Gunst des Himmels, von ihrem Volke, dem sie den Sieg über die Feinde verschafft, ja von dem eigenen Vater! Mit Recht ist deshalb Johannas Schicksal vorwiegend als rührend, rührender an dieser Stelle, als das der übrigen Helden in Schillers Dramen, bezeichnet worden. Denn— vom Standpunkte des Zu- schauers aus gesprochen— Karl Moor ist die Liebe seiner Amalia geblieben; Ferdinand besitzt, auch nach- dem er sich durch seine verzehrende Liebe und Eifersucht seinen Himmel verscherzt hat, Luisens tiefe Neigung; das Fiesko durch die Gegenverschwörung drohende Schicksal wird durch das zärtliche Verhalten der Gattin aufgewogen; auf Seite des der Inquisition verfallenen Posa steht die edle Königin; Carlos ist zwar um das Glück der Liebe betrogen, aber in seine Hand ist eine heilige Mission gelegt, für die der Freund sich geopfert und die leidenschaftlich geliebte Königin ihm den warmen Hauch der Begeisterung eingeflösst hat; Wallenstein entbehrt auch nach dem Verrate und dem durch letzteren herbeigeführten Sturze doch nicht ganz der Freunde und treuer Regimenter; die der verhassten Feindin unterliegende Maria Stuart beraubt durch ihren Tod die herrschsüchtige Königin der Edelsten der Krone. Die Schuld der Heldin ist eben in der J. v. O. von eigentümlicher Beschaffenheit. Einerseits erscheint dieselbe schwer, untilgbar: der Himmel hat Johanna das Höchste, Herrlichste zugedacht, dem entsprechend auch nur die auferlegte Be- dingung war. Obgleich die göttliche Huld sichtbar mit ihr war, sie fast bis an das Ziel ihrer Sendung geführt hatte, vergass Johanna doch, dass sie in den Dienst der Gottheit gestellt ist. Andererseits erscheint aber dem Hörer ihre Schuld so natürlich, verzeihlich, auch wenn er sie in diesem Augenblick nicht als eine(durch die steigende Handlung gezeigte) Folge der allmählich aufgeregten Sinnlichkeit sich zum Be- wusstsein bringen würde. Johanna ist zwar die Gottgesandte, aber sie ist auch ein Weib; die ihr auf- getragene Mission kann das rein Menschliche in ihr nicht aufheben. Wäre dies möglich, so würde dem Hörer die Bewunderung ihrer Thaten fehlen. Gerade diese aber steigert sich, je deutlicher der Widerspruch in ihrer Doppelnatur fühlbar wird, zu dem überwältigenden Gefühle des Mitleids in demselben Masse, als die Ermattung im Widerstande gegen die irdischen Beziehungen sich in Johannas Wesen geltend macht. Dadurch aber, dass die Schuld vom rein menschlichen Standpunkte als leicht erscheint, thatsächlich aber von grosser Schwere ist, ist auch die Wirkung, welche die Umkehr darzustellen hat, vorwiegend von tiefer Rührung auf den Hörer begleitet; denn der letztere folgt der menschlichen Auffassung der Schuld und tritt alsbald auf die Seite Johannas, die, trotzdem sie ihre göttliche Mission durch Verletzung der Bedingung unterbrochen, doch eben nichts gethan hat, was zu dem reinsten weiblichen Empfinden in Widerspruch steht. Als Mittel, die Scene ergreifend zu gestalten, ist vielfach der Gegensatz verwendet. Gleich der Anfang derselben zeigt ihn in grosser Schärfe; man vergleiche nur Johannas Monolog(IV, 1) mit den im Prolog (I, 4) enthaltenen Versen; kontrastierend wirkt auch Sorels Dank an die Traurige mit der UÜbergabe der Fahne an die Schuldbwusste, die niedergedrückte Haltung Johannas im festlichen Krönungszuge, die Flucht der Gottgesendeten von geweihter Stätte, des Vaters schwere Anklage, dass sie eine Zau- berin sei, während der König sie kurz vorher als Heilige feierte, der Anblick des liebeglühenden Dunois gerade in dem furchtbaren Momente, wo wegen ihrer sträflichen Neigung zu Lionel das durch Donner und Blitz sich ankündigende göttliche Gericht hereinbricht, endlich die schreckliche Verlassen- 41) D. J. v. O. 230 über die Sehnsucht der Schuldbewussten nach den Ihrigen.— 231 über Thibauts Erscheinen in Rheims ohne Wissen seiner Kinder(es fehlt hier an jeder genaueren Begründung).— 233, Anmerkung: Besser würde man lesen: Wie käm' ich selbst dahin statt hierher? 42) D. J. v. O. 235 zu der Heiligsprechung der Jungfrau, welche erst nach dem Tode und seit Alexander III. nur vom Papste erfolgen konnte.— 236 flg. wird gezeigt, wie auch das Folgende(Zweifel, ob Johanna eine Sterb- liche oder ein Engel des Himmels sei, sowie ihr Verstummen) der mittelalterlichen Anschauung fremd ist. 43) D. J. v. O. 237. Thibaut verwechselt die Feen ohne weiteres mit den Hexen. 44) D. J. v. O. 240 über den donnernden deus ew machina, sowie über die Entbehrlichkeit der beiden letzten Auftritte, die nach dem gewaltigen Eindruck der vorigen Scene matt abfallen(Dunois, dessen Anerbieten die Donner- schläge vernichtet haben, könnte sich entfernen, dafür Raimond erscheinen und die Jungfrau wegführen). 3* 20 heit der einstmals so Gefeierten, viel Umworbenen am Schlusse der leergewordenen, gerade vorher ausserordentlich belebten Scene. Bedeutsam ist auch die Verwendung des musikalischen Elementes. 2. Stufe(V, 1— 6): Johannas Gefangennahme— Demütigung, als zweiter Teil des göttlichen Ge- richts; a) Einleitung: Scene bei dem Köhler(V, 1— 4⁴⁵), b) Hauptscene: Johanna gerät in die Gewalt der Engländer(V, 5 ⁴⁶, 6 ⁴⁷); Finale des Aktes und Überleitung zur Katastrophe: Befehl Isabeaus, Johanna an Lionel auszuliefern, und bittere Verzweiflung der Gefangenen. B. v. M. Der Fall zeigt die Folgen von Don Cesars Eifersucht in drei Stufen, von denen die mittlere die grossartigste in der Anlage, Ausführung und dramatischen Wirkung ist. Unmittelbar an das tragische Moment schliesst sich die 1. Stufe: Don Cesar tötet Don Manuel(III, 4). 2. Stufe, die Ent- hüllungen(IV, 1— 5), enthält 1. grosse tragische Einleitung(IV, 1— 2), in welcher bereits trotz der von den Personen noch erwarteten, von dem Zuschauer aber längst als unmöglich erkannten glücklichen Lösung die Ahnung(IV, 1) und die sich immer mehr aufdrängende Sorge(IVY, 248, siehe die in dem günstigen Botenbericht geschilderten seltsamen Preignisse) des nahenden Verhängnisses geschildert wird; 2. Haupt- scene in zwei Momenten: a) Beatrice erkennt in dem Geliebten ihren Bruder(IV, 3), Isabella flucht dem Mörder ihres Sohnes(IV, 4 ¹⁹); b) Don Gesarbo erkennt in Beatrice seine Schwester und flucht seiner Mutter, die in ihm den Mörder erkennt(IV, 5⁵¹). 3. Stufe: Verabscheuung des Mörders durch Isabella(Schluss IV, 5) und Beatrice(IV, 6 ⁵2). T'l. Der Tlh. charakteristisch ist ein schnelles(also nicht wie in den meisten Dramen Schillers mehr allmähliches) Machtgewinnen? des Spiels(Tell) über das Gegenspiel(Gessler). Vorauf geht eine mit der Scene des Höhenpunktes verknüpfte Vorstufe: Tells Gefangennahme und rührender Abschied(letzteres 45) D. J. v. O.244**r über die Berufung, dass sie den Himmel selbst geschaut habe, und den Ausdruck„Götter“ in Johannas Munde. 46) D. J. v. O. 245. Es fehlt die Andeutung, dass Isabeau sich wieder mit den Engländern vereinigt hat.— Auffallend, dass man im englischen Lager nichts von Johannas Verwerfung als Hexe weiss.— 246 fragt D)., warum Isabeau, die sich vor den Soldaten entfernt, erst nach ihnen bei Lionel sich einfinden will. 47) D. J. v. O. 246 flg. findet die Scene, die ganz wegfallen konnte, nicht ohne Anstoss, besonders da das Bild ihres Unglückes in zu greller, ihrem Charakter widersprechender, wenn auch freilich theatralisch sehr wirk- samer Weise ausgeführt ist. Auch dass sie die Soldaten zu ihrem Morde bestimmen will, ist mit Recht getadelt. S. dass. auch über die Anrede:„Engländer!“ Isabeau hat nur die ihr dienenden Franzosen aufgebracht. 48) D. B. v. M. 60 flg. bezweifelt, ob es der neuen Aufregung durch den Botenbericht bedurfte. 49) D. B. v. M. 51. 148. Der Chorgesang hält die Handlung auf. Isabella muss, nachdem der Chor die bedeckte Bahre niedergesetzt hat, warten, bis dieser sein Lied geendet hat, und der angemeldete Don Cesar verzieht (IV, 5) seine Ankunft solange, bis das schauerliche Lied zu Ende ist.— Arnoldt(Uber Schillers Auffassung und Verwertung des antiken Chors in der B. v. M., Progr. des Kneiphöfischen Gymnasiums zu Königsberg, 1883) meint, „dieser Tadel Düntzers entspringe einem Mangel an Idealität, wie sie auch der modernste dramatische Dichter von seinem Zuschauer wohl erwarten darf, ohne die er absolut nicht auskommen kann, besonders wenn er eben mit dem immerhin idealen Faktor des Chors operiert.“ Dass die Stelle peinlich ist, besonders aber für den Darsteller, unter- liegt indes wohl keinem Zweifel. 50) D. B. v. M. 62 fragt, wie es komme, dass Don Cesar, der seine Schwester überall zu Wasser und zu Lande aufsuchen wollte, so rasch zurückkehrt. Jede Andeutung darüber fehlt... 51) Die Worte: Wie die Seher verkundet— bis vollenden(s. I, p. 6) spricht die in der B. v. M. herrschende Schicksalsidee sehr deutlich aus. Man vgl. hierzu Vischer a. o. O. III, 1417.„Die Schillersche Charakterwelt ist weit mehr antik sentenziös, rhetorisch und hochpathetisch, als Shakespearisch naturwahr, und in die Einzelzüge der Eigenheit hinausgeführt; es sind weit mehr Typen, als Individuen, er generalisiert weit mehr, als er detailiert. Seine Schicksalsidee behielt immer einen Rest ungelöster Härte, der an die neidische Macht des altgriechischen Fatums erinnert. In der B. v. M. nahm er förmlich diesen Begriff auf und gab dadurch den Anstoss zu den sogenannten Schicksalstragödien, in welchen das Fatum nicht nur in antiker Weise ein YVorausgesetztes, sondern in grasser Trivialität sogar an ein bestimmtes Datum, an ein bestimmtes sinnliches Einzelnes geknüpft ist. Von dieser Karri- katur fern wollte Schiller ihm seine finstere Majestät sichern, jeden Schein abschneiden, als gelte es im Tragischen bloss die Erhabenheit des menschlichen Subjekts; er erkannte nicht, dass die absolute Erhabenheit des Schicksals sich nur vertieft, wenn es als immanentes Gesetz aus den Charakteren und der Handlung entwickelt wird, aber nach jener Seite ist doch Wahrheit und wirkliche Grösse in seiner Schicksalsidee, bei einem Müllner und Grillparzer schlug diese ins Lächerliche um.“ 52) D. B. v. M. 63. Das überlange Schweigen Beatrices dürfte dramatisch kaum zu rechtfertigen sein. 53) Welche Wirkung im Drama erzielt wird, wenn das Unglück, der Fall, nicht langsam, sondern plötzlich hereinbricht, kann der Schüler auch an dieser Stelle beobachten lernen. Vischer a. o. O. I, 290:„Gessler fällt auf der. Pöne ines Ubermutes, Wallenstein spricht Worte des glücklichsten Selbstvertrauens zu Gordon in Eger, wo er fallen soll.“ 21 zugleich Finale des Aktes, III, 3. Sc. der Schluss). Dann folgt die 1. Stufe, Tells Rettung aus dem Schiffe (IV, 1), die, wenn sie episch gehalten ist, doch durch die Scenerie(Sturm auf dem See!) und durch die den Akt einleitende Unterredung(Kunz und der Fischer) nichts an grossartiger dramatischer Wirksam- keit zu wünschen übrig lässt. Eingeschoben ist nun die Umkehr für die anderen beiden(hier miteinander eng verknüpften) Handlungen(Schaeh., Attgh., IV, 2). 2. Stufe Tlh., Tells zweiter Schuss?4(IV, 3; Gesslers Tod ist allerdings strenggenommen die Katastrophe der T'lh., doch vgl. p. 35), enthält folgende dramatische Momente: a) Monologꝰ und folgendes Gespräch mit Stüssibé; Zwischenglied α) Armgards Erscheinen; b) Gesslers Gesprüch mit Rudolf über Habsburgs Verhalten; Zwischenglied) Armgards Bitte?⁷, Gesslers Zurückweisung, Rudolfs Verwendung; c) Gessler wird von Tell tödlich getroffenꝰs; ferner die UÜberleitung zur Katastrophe der Schweh.: Volkserhebungꝰ“, endlich das Schlussbild: Gesang der Brüder ⁰e. Man mache den Schüler besonders darauf aufmerksam, dass auch hier die tragische Wirkung durch das vielfach an- gegebene, echt dramatische Kunstmittel, das mit der gewöhnlichen Effekthascherei gar nichts gemein hat, 54) Vischer a. o. O. III, 38.„Das Kompositionsgesetz verlangt Vorbereitung der Kontraste. Der Moment des Gegenstosses darf freilich nicht abgeschwächt werden, aber er darf auch nicht aus den Wolken fallen; die Erwartung schwächt ihn keineswegs ab, sie macht nur empfänglicher für die Uberraschung, welche, wohl- begründet, ein grosses Kunstmittel, unbegründet, ein kindischer Effekt ist... So klopft jedem Zuschauer das Her⸗ vor dem nahen Pfeilschusse des Tell auf Gessler, obwohl, ja gerade weil wir jenen lauernd im Hintergrund wissen.“ 55) Obgleich eigentlich nicht in den engen Rahmen dieser Abhandlung gehörig, mag doch nicht unerwähnt bleiben, dass der Ortsname Küssnacht, wie bei Anlass der Versammlung(1884) des historischen Vereins von Schwyz nach der überzeugenden Darstellung von Professor Brosi nachgewiesen worden ist, aus dem Keltischen„cus, cusan“ und„ach oder an“ herzuleiten ist und einen von Wasser bespülten Ort bezeichnet. Seit dem 9. Jahrhundert soll in einer Menge von Urkunden statt Kusenach, Kosnach, Küssnach u. s. w. geschrieben worden sein. Das ganz über- flüssige„té wurde erst in späterer Zeit angefügt und hat seitdem in Urkunden, im Staatskalender und überhaupt im täglichen schriftlichen Verkehr sich breit gemacht. Es wäre daher wünschenswert, dass die richtige Form„Küssnach“ wieder angewendet und geschrieben würde. 56) D. Tl. 230 flg. Dass sich Tell, trotz seiner dringenden Eile, dazu hergiebt, ausführlich seine Geschichte zu erzählen, muss man dem Zwecke des Dichters zu Gute halten, und es wird keinem Zuschauer bei der grossen Spannung und Tells belebter Erzählung auffallen. Unnötig aber lässt Schiller nach dem Schlusse der Erzählung noch den Fischer von Tell erfragen, dass Gessler über Brunnen und Schwyz nach Küssnacht(Küssnach!) wolle, da dies der gewöhnliche Weg Gesslers war, wenn er von Flüelen nach Küssnacht wollte... Tell hätte unmittelbar nach der Erzählung hastig nach dem nächsten Wege fragen sollen.— Unzweckmässig ist die Ansicht nahe gelegt(Tells Aufforderung, dass die Teilnehmer am Rütlibunde wacker und guten Mutes sein sollen), dass Tell seinen Anschlag gegen Gessler auch mit Rücksicht auf die Befreiung der Waldstätte ausführen wolle. Viel besser gäbe Tell einfach Ruodi den Auftrag, durch die Kunde von seiner Rettung und seinem ungebrochenen Mute seine Gattin zu beruhigen. 57) Vischer a. o. O. II, 203.„Im striktesten Sinne bedeutet Situation die Lage der Dinge, die den Stoff zum ernsten Wirken, zur entscheidenden sittlichen That enthält und dazu spannt, auffordert.“ Nach Vischer ruft dieselbe immer eine Kollision hervor:„Situation in diesem Sinne fordert also entweder zu stetigem Wirken auf, z. B. der Zustand einer Staatsverfassung, eines Standes, einer Gemeinde u. s. w., der gründlicher Umgestaltung bedarf, aber sich gewiss auch gegen den Reformator kehren wird, oder zur straffen That, wo die Spitze eines Augenblicks einen Entschluss von durchgreifender Entscheidung verlangt. Ein solcher Moment ist für... Wallenstein die Lage, da der argwöhnische Hass einen Teil seiner Unterhandlungen mit dem Feinde ausgekundschaft hat, Versöhnung nicht mehr möglich ist, die Freunde drängen, der Schwede Gewissheit will... für Wilhelm Tell der Augenblick, wo Gessler durch die Armgard im Hohlweg aufgehalten wird.“ 58) Vischer a. o. O. über den dramatischen Stil III, 2, 1390.„Was nicht blitzt, durchschlägt, zündet, ist nicht dramatisch.“ Hierauf führt Vischer Schiller an als„überall reich an solchen Momenten, wo alle Herzen klopfen, jeder Nerv sich spannt und dann der Blitz der Entscheidung zuckt. Wie wirkungsvoll hat er, um nur dies eine zu erwähnen, die Scene der Ermordung Gesslers behandelt, wo wir Tell lauernd wissen, wo— ein äusserst glück- liches Motiv— die flehende Armgard eintritt, Gessler ihr gegenüber den UÜbermut auf den Gipfel steigert und mitten in der harten, stolzen Rede vom Pfeil durchbohrt sein Ich will stöhnend mit dem Ausruf abbricht: Gott sei mir gnãädig! und vom Pferde sinkt.“ 59) Vischer a. o. O. III, 1397.„Hintergrund sind in Wlst. die Kriegsverhältnisse, in Tl. das sich ver- schwörende, dann handelnde Volk. Der Hintergrund ist der Boden, worauf die Handlung vor sich geht, er deutet auf das Massenhafte, das breite Weltwesen hinaus; dies verhält sich ähnlich im Epos, aber hier wird der Hinter- grund breit angeführt, im Drama soll er nur eben soviel Entwicklung geniessen, dass er dem Vordergrunde, der Haupthandlung ihre Voraussetzung, begleitende Erklärung, Atmosphäre, Stimmung giebt, wie dem Wallenstein seinen Pulvergeruch.“ 60) D. Tl. 258. Schiller glaubte, dass der Orden der barmherzigen Brüder schon seit uralter Zeit bestanden habe. Denselben gründete erst der Portugiese Juan Ciudad(di Dio) 1540 in Sevilla. 22 erhöht wird: Tells Erbitterung(im Monologe, IV, 3 ¹) steht das Vorüberziehen der jubelnden Hochzeits- leute, seinem Entschluss, Gessler zu töten, Stüssis Einladung, ihn zur Hochzeitsfeier zu begleiten, dem Todeskampf Gesslers das Herüberklingen froher Musik(s. I, p. 35 die heitere Tafelmusik als Gegensatz zu der schwermütigen Stimmung der Liebenden, Picc. III, 5, 6) und das Erscheinen der Hochzeitsleute scharf gegenüber.— Schaozh. und Attgh. Jede der beiden Handlungen enthält, wie die T'lh., eine Vorstufe zur Umkehr. 1. Attgh.: Berthas Verwendung und Rudenz' Einspruch(III, 3, d), e), also mit der Höhen- punktsscene der T'lh. verknüpft, s. I, p. 39 flg.) als erste Wirkung der Liebeserklärung(Höhenpunkt der Attgh.). 2. Schaczh.: Erregung des Volkes bei dem geforderten Apfelschuss(III, 3, b, d, s. I, p. 39 flg.) als erste Wirkung des Bundes auf dem Rütli(Höhenpunkt der Schawzh.). Hauptstufe(Attgh. und Schweh. eng miteinander verbunden): Rudenz als Vertreter des Adels wird dem Bunde der Schweizer gewonnen(IVY, 2). Vorauf geht eine Einleitung: der sterbende Attinghausen segnet Tells Knaben und den Schweizerbund. Durch die Anwesenheit Hedwigs é² und ihrer Kinder ist auch die Tih. mit den beiden Handlungen verknüpft. Die Hauptstufe enthält folgende Momente: a) Rudenꝰ feierliches Gelöbnis, b) Nach- richt von dem Raube Berthas, c) Rudenz' Aufbruch, die Geliebte zu befreien und mit Melchthal Rossberg und Sarnen zu zerstören ν, und ist zwischen die 1. und 2. Stufe der Umkehr der T'lh. eingeschoben. Das Moment der letzten Spannung“4(e). Mag der Sturz des Helden in einer oder mehreren Stufen gezeigt sein, immer wird zuletzt der Hörer die deutliche Empfindung haben, dass das Ende des Stückes nunmehr eintreten muss. Gewaltige Ergriffenheit hat sich seiner Seele bemächtigt; er hat innerhalb eines Zeitraumes von wenigen Stunden erlebt, was, äusserst seltene Fälle ausgenommen, selbst durch die reiche Erfahrung eines ganzen Menschenlebens nicht. aufgewogen werden kann. Durch das Ringen des Helden nach den höchsten Zielen sind ihm, dem teil- nahmsvoll Mitschaffenden, die tBiefsten Geheimnisse der Menschennatur entschleiert worden; er hat, hierdurch aufgeregt, mächtige Gefühle auf sich einstürmen lassen: hingerissen von der Hingebung, Aufopferung und Thatkraft, deren ein Herz fähig sein kann, erfasste ihn auch das Entsetzen vor der furchtbaren Grösse mensch- licher Leidenschaft. Dabei wird der Hörer leicht die Beobachtung machen können, dass, je näher das Ende des Stückes heranrückt, destomehr oft seine Sympathie für den Helden zunimmt, und dass, in je stärkere Befangenheit und schlimmeren Irrtum der erstere infolge seines Handelns gerät, desto inniger dagegen seine 61) D. Tl. 243 zu den Worten: Des Weges Enge wehret den Verfolgern— es fällt etwas unangenehm auf, dass Tell an seine Sicherheit denkt, auf die er nur bedacht sein kann, wenn der Pfeil nicht trifft. Auch steht damit in Widerspruch, dass er im Monolog selbst sich für verloren hält, wenn sein Pfeil fehle.— 244. Damals ge- lobt ich mir in meinem Innern— Widerspruch im Gelübde III, 3.— 245. Es lebt ein Gott zu strafen und zu rächen— als nicht stimmend zu dem in Anspruch genommenen Recht der Notwehr.— 247. Und doch an euch nur denkt er, liebe Kinder— mehr rhetorische UÜbertreibung.— 248. Durch den Wegfall der letzten sieben Verse, in welchen Tell an die Befreiung der Waldstätte durch seine That zur Unzeit denkt, würde der überlange Monolog Tells nicht verlieren. 62) D. Tl. 104 über die Anwesenheit des Grossvaters und Enkels bei dem sterbenden Attinghausen.— 233 über die falsche Voraussetzung Hedwigs bei dem Baumgarten gemachten Vorwurf.— 236. Aus diesem Haupte— bis Freiheit grünen— das ist im Grunde nicht richtig, da die Befreiung der Waldstätte von der Gewaltthat gegen Tell ganz unabhängig war; aber dem Zwecke des Dichters diente es, hier eine nähere Verbindung vorauszusetzen. 63) D. Tl. 241 über die Begründung, dass die Befreiung zunächst durch die Not der Geliebten hervor- gerufen werde. 64) G. Fr. a. a. O. 116 flg.„Dass die Katastrophe dem Hörer im ganzen nicht überraschend kommen dürfe, versteht sich von selbst. Je mächtiger der Höhenpunkt herausgehoben, je heftiger der Absturz des Helden war, desto lebhafter muss das Ende voraus empfunden werden; je geringer die dramatische Kraft des Dichters in der Mitte des Stückes ist, desto mehr wird er am Ende raffinieren und Effekte hervorsuchen... Demungeachtet ist es zuweilen misslich, ohne Unterbrechung bis zum Ende zu eilen, gerade dann, wenn das Gewicht des unglücklichen Geschiekes bereits lange und schwer auf einem Heldem lastet, welchem die gerührte Empfindung des Hörers Rettung wünscht, obgleich vernünftige Erwägung die innere Notwendigkeit des Untergangs recht wohl deutlich macht. In solchem Fall ist es ein altes anspruchsloses Mittel des Dichters, dem Gemüf des Hörers für einige Momente Aussicht auf Erleichterung zu gönnen. Dies geschieht durch eine neue kleine Spannung(durch das Moment der letzten Spannung), dadurch, dass ein leichtes Hindernis, eine entfernte Möglichkeit glücklicher Lösung, der bereits angedeuteten Richtung auf das Ende noch in den Weg geworfen wird... Doch gehört Takt dazu, dies Moment gut zu gebrauchen. Es darf nicht zu unbedeutend werden, sonst verfehlt es die beabsichtigte Wirkung, es muss aus der Handlung und dem Grundzuge der Charaktere herausgearbeitet sein; es darf aber auch nicht so bedeutend hervorspringen, dass es in der That die Stellung der Parteien wesentlich ändert. UÜber der aufsteigenden Möglichkeit muss der Zuschauer immer die abwärtsdrängende Gewalt des Voraufgegangenen empfinden. 1 23 Rührung und das lebhafte Bedauern wird, das traurige Geschick des Ringenden, wenn nicht vereiteln, so doch mildern, ihn selbst von der in den Abgrund führenden Bahn ablenken zu können. Besser noch als während der an die gegebene Frist gebundenen Theatervorstellung ist eine solche Reflexion des Gefühls, die an dieser Stelle der Handlung, d. i. vor dem Eintritt der Katastrophe ihre be- sondere Berechtigung hat, bei der Besprechung des Dramas in der Schule möglich. Zugegeben muss freilich werden, dass die tragische Wirkung eines Stückes durch die Lektüre, die doch schon infolge der dazu nötigen Erläuterung immer eine längere Zeit beansprucht, leicht abgeschwächt werden kann; nicht so un- mittelbar empfindet der Schüler, auch wenn er den besten Interpreten zur Seite hat, alle jene erschütternden und doch so erhebenden, die ganze Lebenskraft wunderbar steigernden Eindrücke der Tragödie? auf das menschliche Gemüt. Aber der Lehrer kann dafür reichlichen Ersatz schaffen; ist ja doch der Leser auch wieder im Vorteil vor dem Zuschauer; jedes vom Dichter erregte Gefühl kann er vollständig ausklingen lassen, und hinter der durch das Gehörte fortwährend zum Mitschaffen angeregten Phantasie schreitet ruhig der ordnende Verstand. Mittelbar vermag die Erläuterung die Wirkung des Kunstwerkes sogar zu erhöhen, indem sie nämlich für die fortschreitenden, zum Ausgang drängenden, seelischen Prozesse des kämpfenden Helden die tiefere, psychologische, in manchen Fällen selbst physiologische Begründung(z. B. beim Ausgang Karl Moors u. s. w.) klar vor Augen zu stellen imstande ist. Während die Besprechung der Katastrophe(s. p. 26 flg.) doch vornehmlich wieder auf den Aufbau Rücksicht zu nehmen hat, ist ferner gerade diese Stelle, das Moment der letzten Spannung, geeignet, dem Schüler zu vergegenwärtigen, wie weit die Handlung nunmehr vorgeschritten, wie sehr die Entwicklung der Charaktere in ein Stadium gerückt sein muss, dass die Lösung durch das Ende bedingt wird. Aber gerade die durch diese Erörterung herbei- geführte Feststellung einer jetzt notwendigen letzten Entscheidung führt leicht und ungezwungen auch auf die Untersuchung, ob überhaupt und in welcher Weise das Moment der letzten Spannung von dem Dichter in seinem Stücke angewendet worden ist. Die Entwickelung der Handlung in den. ist derart, dass von einer Anwendung des erwähnten Kunstmittels nicht die Rede sein konnte. Aber in diesem Stücke findet sich an der Stelle, wo dasselbe sonst zu suchen ist, nämlich unmittelbar vor der Katastrophe, allerdings ein Moment, durch welches die Spannung auf die Handlung des nächsten(letzten) Aktes gelenkt wird. Der Schüler mag darauf achten lernen, dasselbe(in diesem Falle: der Befehl Moors an Schweizer, ihm Franz lebendig zu bringen) nicht mit dem Moment der letzten Spannung zu verwechseln, als welches es allerdings wegen seiner neues Interesse erregenden Kraft leicht aufgefasst werden könnte. Ein solches, auf den nächsten Akt vorbereitendes Moment, das hier immer UÜberleitung genannt wurde, steht nämlich häufig auch vor dem Eintritt der Katastrophe. Es ist ferner kein Zweifel, dass durch die Enthüllung der letzten Intrigue(Auffindung des alten Moor u. s. W.) „dem Gemüt des Hörers eine Aussicht auf Prleichterung“(s. N. 64), aber nicht damit zugleich„die ent- fernte Möglichkeit auf eine glückliche Lösung“ gegeben ist; die Verhältnisse im Schlosse, der geistige wie 65) UÜber diese Wirkung der Tragödie sagt G. Freytag a. o. O. p. 77:„Auf die Erschütterung ist ein Ge- fühl von freudiger Sicherheit gefolgt, in den Empfindungen der nächsten Stunde ist ein edler Aufschwung, in seiner(des Hörers) Wortfügung energische Kraft, die gesamte eigene Produktion ist gesteigert. Der Glanz grosser Anschauungen und starker Gefühle, der in seine Seele gezogen, liegt wie eine Verklärung auf seinem Wesen. Diese merkwürdige Ergriffenheit von Leib und Seele, das Herausheben aus den Stimmungen des Tages, das freie Wohlgefühl nach grossen Aufregungen ist das, was bei dem modernen Drama der Katharsis des Aristoteles ent- spricht.“ G. Günther a. o. O. 482 flg. schildert diese„Gemütsklärung“ ebenfalls in sehr treffender Weise:„Wir gehen hinaus heiter und vergnügt, angeregt und zu Scherz geneigt, und das nach einer Tragödie! Mehr noch, gerade nach einer guten Tragödie findet sich diese Stimmung ein und fast noch sicherer als nach einem Lustspiel, wo wir vereits viel Lachstoff verbraucht. Das erinnert wenig an eine moralische Besserungsanstalt und stimmt wenig zu der gemessenen Miene eines verkörperten Imperativus. Wie geht das also zu? Die Wahrheit kurz zu sagen: wir fühlen uns so recht einträchtig mit der Welt, wir befinden uns gar wohl in diesem Dasein, Mut und Lebenskraft sind gestärkt und erhoben. Dies ist die Wirkung der tragischen Kunst. Welch grosses Verdienst derselben! Und sie erreicht dies nicht durch die Darstellung der„Allgemeinheit des Leidens, gegen welches das unsere als zu klein verschwindet“, nicht durch die Einprägung der Lehre,„dass Sittlichkeit hier auf Erden leiden müsse, aber unser grösstes Gut sein solle“, und was die graue Theorie sonst noch sagt. Sie erreicht es einzig und allein dadurch, dass sie uns ein Bild des Lebens vormalt, auf welchem über schwerem Gewölk ein heiterer, verklärender Sonnenschein ruht, dass sie uns eine Symphonie in Worten vorspielt, in welcher sich alle Dissonanzen harmonisch auflösen, dass sie, um nicht im Bilde zu sprechen, eine Welt uns schildert, in welcher trotz aller ernsten und erschütternden Ereignisse ein ewiger, gerechter Wille waltet, eine Welt, in der ein sittliches Prinzip als Herrscher der ihm dienenden Sinnlichkeit in thatsächliche Erscheinung tritt. Durch Rührung und Erschütterung hindurch dringen wir zu der fröh- lichen Gewissheit: so und nicht anders muss es sein, wenn eine Gerechtigkeit lebt.“ 24 physische Zustand des Helden erscheinen vielmehr derartig in Verwirrung geraten, dass die vollständige Auflösung, wie vom Hörer jeden Augenblick deutlich empfunden wird, unmittelbar erfolgen muss. Obgleich Franz noch lebt, naht doch Schweizer, seinen fürchterlichen Schwur zu lösen, ihm wird der Bösewicht, wenn derselbe zuvor nicht anders zu Grunde geht, nicht entrinnen; Moor kann nicht in die Arme seiner Geliebten, deren Liebe er längst unwürdig geworden ist, zurückkehren, und wenn auch der Zuschauer noch nicht weiss, wann und wie Karl die irdische Gerechtigkeit ereilen wird, er fühlt, der göttlichen ist der Held lüngst anheim gefallen. ⁰ K. u. L. Die Möglichkeit ist keineswegs ausgeschlossen, dass entweder durch eine Entdeckung zufälliger Art, die freilich dann im Stücke einigermassen vorbereitet sein müsste, oder auch durch Luisen selbst der ganze Schurkenstreich bekannt werden kann, insofern sie im letzten Augenblicke doch noch zu der Überzeugung kommen könnte, dass dem Verbrechen gegenüber selbst der Eid nicht mehr die Lippen schliessen dürfe. Durch eine solche vorzeitige Entdeckung müsste allerdings die Katastrophe anders ausfallen, und insofern wäre diese Stelle hier etwas zu stark hervorgehoben. Gleichwohl bleibt doch die deutliche Empfindung zurück, dass selbst bei verändertem Ausgange das Liebesverhältnis in seiner ursprüng- lichen Reinheit nie wieder hergestellt werden könne, vielmehr früher oder später einer vollständigen Zer- störung anheim fallen müsse. F. An ein bestimmtes Hindernis, durch welches die Ausführung von Verrinas Entschluss, den Tyrannen zu töten, in Frage gestellt werden könnte, ist nicht zu denken. Auch hat der Held durch sein ehrgeiziges, schlaues und dabei rücksichtsloses Verhalten nichts weniger als die Rührung des Hörers erweckt, sodass dieser keinen Augenblick wünschen kann, trotzdem die Kusserungen einer so willenskräftigen Natur sympathisch berühren, Fieskos Vorhaben und verabscheuungswürdige That möge gelingen. Der Ge- danke aber, dass er der Herzogskrone ja noch entsagen könne, liegt sowohl jetzt(IV, 5), wo der eigent- liche Ausbruch der Verschwörung erst stattfinden soll, weit entfernt, als er auch überhaupt nach dem bisherigen Gange der Handlung fremdartig und der Entwicklung des ehrgeizigen Charakters des Helden offenbar nicht angemessen erscheint. 5⁷ D. C. Nur für die Handlung Don Carlos ist das Moment der letzten Spannung vorhanden und liegt in der Möglichkeit, dass durch den Opfertod Posas der Prinz dessen ideale Wünsche, zunächst gerichtet auf die Befreiung der Niederlande, noch zu erfüllen imstande sein wird, wozu der erste Schritt eben die Flucht von Madrid sein würde. Hierauf wird der Zuschauer schon lebhaft vorbereitet durch die Mitteilung des Marquis(IV, 21, zur Katastrophe Posa gehörig, s. p. 29), dass alle Anstalten getroffen worden sind, das Verlassen der Hauptstadt dem Prinzen zu ermöglichen. Inzwischen zieht sich freilich das Netz um beide, besonders um Posa, immer enger zusammen(vergl. die Vorgänge am Hofe, IV, 22, 23); aber die Aussicht auf eine glückliche Lösung im Sinne des letzteren wird dennoch wiederholt betont; denn noch V, 3 sagt der der Rachsucht des Königs verfallene Marquis, der Prinz habe Zeit nach Brabant zu flüchten. Auch der in Madrid zu Gunsten von Don Carlos entstehende Tumult(V, 5), sofern dadurch seine Entweichung . 66) Dass aber hier gar daran zu denken wäre, Moor, der erhabene Verbrecher, könne begnadigt werden und durch ein reuevolles Leben büssen, wird wohl niemand behaupten wollen. Eine Fortsetzung(!) des Stückes gab bekanntlich 1801 Frau von Wallenrodt: Karl Moor und seine Genossen, nach der Abschiedsscene beim alten Turm. Ein Gemälde erhabener Menschennatur, als Seitenstück zum Rinaldo Rinaldini; Schauspiel in sechs Akten. Im Vorbericht sagt die Verfasserin:„Es thut mir leid, den grossen Karl Moor, nach Endigung des Stücks entweder für immer verschwunden, oder auf eine niedrige Art aufhören zu sehen. Ich dachte oft daran, wie er, nachdem er beschlossen hatte, zur Tugend zurückzukehren, gehandelt, und wie er mit standhafter Treue gegen das neuergriffene, seiner würdigere System nichts gescheut haben würde, um seine Wiederkehr zur Tugend aller Welt zu zeigen. Hierzu war erforderlich, dass er zur Aussöhnung seiner begangenen Verbrechen alles Mögliche that und zuletzt sich selbst zum Opfer brachte. Aus dieser Ideenreihe entsprang dieses Werk(!).“ Ferner gehört hierher: die Grafen von Moor, Familiengemälde, 1802, Rudolstadt. Schiller selbst äussert 3. Juli 1785 an Körner, er wolle zu den R. einen Nach- trag in einem Akt, Räuber Moors letztes Schicksal, herausgeben. Endlich dachte er gar an einen II. Teil der Räuber: die Braut in Trauer, Tragödie in fünf Akten. Den erhaltenen Entwurf s. im 15. B. p. 333 von Schillers sämtlichen Schriften, histor. krit. Ausgabe von Karl Goedeke. 67) Wenn Fiesko später im Hinblick auf die gemordete Gemahlin auf die Krone verzichtete oder auch, wie dies in der Plümickeschen Bearbeitung geschieht, sich selbst aus Schmerz über den Verlust durchbohrte, so ist dieser Schluss mindestens von ebenso ergreifender Wirkung, als wenn er von Verrina ertränkt wird. In der Mannheimer Theaterbearbeitung verzichtet er bekanntlich auf die Krone, in einer späteren fällt er von Verrina er- stochen. Der Tod Fieskos ist notwendig sowohl als Strafe für den Betrug an der republikanischen Freiheit, als auch für das zweideutige, zwar nur anscheinend lieblose, seine Gattin aber bis aufs tiefste verletzende Betragen. 25 begünstigt wird, gehört zu dem Moment der letzten Spannung; vor allen Dingen muss aber hierher Carlos' Entschluss gerechnet werden, nach dem Abschied von der Königin(V, 6 Unterredung mit Mercado) die Flucht nach Flandern sofort auszuführen(V, 7 68). V, 8— die Stadt ist ruhig— eröffnet die Katastrophe der Handlung Don Carlos, obgleich freilich die Möglichkeit des Entkommens noch nicht gänzlich geschwunden ist; dies geschieht vielmehr erst durch die folgenden Auftritte(Befehl des Königs, die Zugünge zu besetzen V, 8, 9). Wlst. Kräftig, aber doch von feiner künstlerischer Behandlung eingegeben erscheint e in diesem Stücke: Nachricht von dem Siege der Schweden und ihrem Nahen(IVY, 3, 4, 5, 7). Dem arglosen, ganz in die Hände seiner Mörder gegebenen Helden winkt aus der Ferne Rettung von den Verbündeten. Gestürzt ist er von schwindelnder Höhe, vor allem durch den schleichenden Verrat seines Freundes. Aber wenn jetzt der Durchbruch den Schweden gelänge? Preilich nur einen Augenblick schwebt diese Frage auf den Lippen des Hörers, der, da die Feinde das Netz zu eng gezogen haben, sofort erkennt, dass das Schicksal des Feldherrn besiegelt ist. Auch hat der Dichter— und dies ist ein feiner Zug— durchaus nicht ver- gessen, die Hoffnung, die der Hörer sich etwa bezüglich der Rettung Wallensteins deshalb machen könnte, alsbald abzuschwächen durch die Worte des letzteren: Wie käme kaiserliches Voll nach Neustadt bis— hätte sich der Sugs etawoa, so weit vorgacwagt? Es kann nicht sein(IV, 4). Dieses Moment soll eben nur gleichbedeutend sein mit einem leichten Anstoss, über welchen die durch die Entwicklung der Handlung bedingte Katastrophe nicht vergessen werden darf(IV, 7 ist dann die weitere Ausführung des Momentes der letzten Spannung). M. St. Mit der Vollziehung der Unterschrift und Aushändigung derselben an Burleigh hat die eigentliche Aktion des Dramas ihr Ende erreicht; dem Dichter bleibt nur noch übrig, den siegverklärten Todesgang, die Erhebung der Heldin, ferner die strafende Gerechtigkeit an Leicester und Elisabeth als denjenigen Personen, durch welche das grausame Urteil zustande gekommen ist, also die Katastrophe dar- zustellen. An eine Rettung Marias, oder auch„nur an einen Aufschub der Hinrichtung, während dessen etwa ein neuer Befreiungsversuch in Scene gesetzt werden könnte, wird jetzt, wo das unterschriebene Urteil in den Händen Burleighs sich befindet, niemand denken. Aber auch selbst durch den edlen Talbot, den gerechten Fürsprecher der Maria Stuart, kann an dem Schicksal der Heldin nichts mehr geändert werden. Freilich ist sein Ansehen am Hofe noch gross, aber es ist ein zu schwaches Hindernis, wollte man darin einen Hoffnungsschimmer entdecken. Das Moment der letzten Spannung verlangt eben ein kräf- tigeres Hervortreten des Anstosses. Von dem feigen Lord Leicester aber, der der Hinrichtung beiwohnen muss und, vielleicht in letzter Stunde von Reue gefasst, von neuem von der Schönheit der unglücklichen Königin bestrickt werden und dann seine Autorität zu Gunsten der Verdammten gebrauchen könnte, hat sich der Hörer lüngst mit Abscheu abgewendet. Es ist aber zu beachten, dass der Befehl Elisabeths an den Lord, die Vollziehung des Urteils vor seinen Augen geschehen zu lassen, ähnlich wie in den R.(s. p. 23), ein spannendes Moment(Uberleitung für die Handlung des 5. Aktes) bildet. Weder die Handlung der J. v. O. noch der B. v. M. erheischte oder gestattete auch nur die An- wendung des genannten Kunstmittels. Schwer liegt die Hand der göttlichen Gerechtigkeit auf Johanna; es ist gewiss auch sehr rührend für den Zuschauer, sie so leiden zu sehen, aber keineswegs hat das Gewicht des unglücklichen Geschickes bereits lange Zeit drückend auf der Heldin gelastet, noch weniger wird ihm das Bewusstsein der inneren Notwendigkeit des Untergangs aufgestiegen sein. Johanna ist durch ihre Schuld(Liebe zu Lionel) nur aus der himmlischen wieder in die irdische, allerdings im Verhältnis zu früher jetzt getrübten Sphäre versetzt worden, und wenn auch niemand daran wohl denken wird, dass sie am Ende (am Ausgang des Krieges) mit einem Gatten glücklich werden könnte, so schwebt doch dem Hörer, ob- 68) D. D. C. 145. Seltsam ist es, dass auch Lerma von der Königin erfahren hat, Carlos solle noch heute Nacht fliehen, und dass die Post ihn im Karthäuserkloster erwarte.— 282. Was Lerma vom Wüten des Königs und von dessen Anschlägen gegen ihn sagt, passt nicht wohl zu dem neusten Auftritt, wo der König ganz vom Ge- danken an die Verräter des Marquis, der ihn verachtet habe, beherrscht ist. Carlos' Antwort, er sei in den Händen der Vorsehung, spricht einen merkwürdigen Mangel an Vertrauen gegen Lerma aus, welcher der prosaischen Fassung fremd ist... 283. Indem Lerma seine(Carlos“) Hand küsst, huldigt er ihm als König seiner Kinder, die gern für ihn sterben würden, was er nicht dürfe; möge er sich seiner in seinen Kindern erinnern. Hier würde eine Zwischenrede von Carlos, bei welcher er den Alten aufhöbe, an der Stelle sein. Dagegen möchte der Wunsch, glücklich nach Spanien zurückzukehren, den die jambische Bearbeitung einfügte, besser fehlen. 4 26 gleich jetzt für Johanna die Brücke zwischen Himmel und Erde abgebrochen ist, die Ahnung der Erhebung aus dem traurigen Lose deutlich vor. Die eintretende schlimme Veränderung der Situation im französischen Lager wird ihn in diesem Gefühle bestärken; aber gerade dieses Moment, dass ausserordentlich erregende Kraft für die Schlusshandlung besitzt, Winsoforn dadurch wieder die Aufmerksamkeit auf die verlassene J ohanna gelenkt wird, hat mit dem der lotzton Spannung deshalb nichts gemein, weil letzteres ein leichtes Hindernis der goahnten Katastrophe sein soll. In diesem Falle aber wird ja durch jene Scene gerade das Ende des Stückes, wie dasselbe schon fühlbar wurde, sehr glücklich vorbereitet. In Stücken, deren Handlung wie in der B. v. M. nur die tragische Auflösung enthält, sodass die durch Hass oder eine andere Leidenschaft entfremdeten Menschen dem Verderben durch die fluchbeladene Schicksalsmacht überantwortet werden, wird das Moment der letzten Spannung meist fehlen. Denn ehe oft noch die beteiligten Personen eine Ahnung davon haben, ist dem Hörer bereits die ganze Entwicklung, jeder bevorstehende, abwärtsführende Schritt klar geworden, und er weiss, dass unmittelbar und unauf- haltsam nunmehr das Ende eintreten muss. Nach dem Brudermord und den Enthüllungen kann der Gedanke auch an eine nur entfernte Möglichkeit glücklicher Lösung in dem Hörer nicht aufsteigen, der längst die richtige Deutung für die seltsamen Träume der Eltern(IV) gefunden hat. Tl. In diesem Stücke ohne tragischen Ausgang fehlt natürlich dieses Moment gänzlich, da dasselbe die Aufgabe hat, kurze Zeit Aussicht auf glückliches Ende zu bieten, um dadurch des Hörers stark in Mitleidenschaft gezogenes Herz zu erleichtern und es hierdurch für die gewaltige Aufregung, die das Ende mit sich bringt, neue Kräfte sammeln zu lassen. Zu beachten ist aber, dass nach der 1. Stufe der 17h. doch die Möglichkeit vorhanden ist, dass Gessler auf dem See umkommt; dann würde man die 2. Stufe, Tells Akt der Notwehr, wie dies streng genommen der Fall ist, als die Katastrophe der Tlh. anzusehen haben. Hierdurch verliefe freilich die Th. im Sande, und in dieser Entscheidung gleichsam ein Gottesgericht über den Tyrannen zu sehen, wäre doch gänzlich undramatisch. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass der unbefangene Hörer doch auch an diesen Fall denkt. Die Katastrophe. ⁵ Gleichwie die Stufen der Steigerung, je näher sie dem Höhenpunkte liegen, sowohl an Grösse des Baus als auch der dramatischen Wirkung zunehmen, so gewinnen auch die Stufen der Umkehr, je näher dieselben der Katastrophe rücken, an Umfang und Intensität. Jedenfalls müssen aber nach, dem letzten Absatz der Umkehr(obgleich ja letztere auch aus einer grossen Stufe bestehen kann) Charakter und Handlung so beschaffen sein, dass ein Aufhören des bisherigen Zustandes dem Zuschauer als natürliche Folge und sittliche Porderung des Kampfes erscheint, den 46 Handlung, mag sie im Spiel steigen und im Gegenspiel fallen, oder umgekehrt(s. J. P. 13 flg.), daraustellon hatte. Vor der Lektüre der Katastrophe wird man den Schülern also zweierlei zu vergegenwärtigen haben: 1. dass der Charakter des Helden nunmehr in jene eigentümliche Befangenheit versetzt worden 69) G. Fr. a. O. O. p. 118flg.:„Katastrophe des Dramas ist nur die Schlusshandlung, welche bei der antiken Bühne Exodus hiess. In ihr wird die Befangenheit der Hauptcharaktere qurch eine energische Aktion aufgehoben. Je tiefer der Kampf aus ihrem innersten Leben hervorgegangen und je grösser das Ziel desselben war, desto folge- richtiger wird die Vernichtung des unterliegenden Helden sein. Und es muss hier davor gewarnt werden, dass man sich nicht durch moderne Weichherzigkeit verleiten lasse, auf der Bühne das Leben seiner Helden zu schonen. Das Drama soll eine in sich abgeschlossene, gänzlich vollendete Handlung darstellen; hat der Kampf eines Helden in der That sein ganzes Leben ergriffen, so ist es nicht alte Tradition, sondern innere Notwendigkeit, dass man auch die vollständige Verwüstung des Lebens eindringlich mache. Dass in der Wirklichkeit dem modernen Menschen unter Umständen noch ein nicht unkräftiges Leben auch nach tödlichen Konflikten möglich ist, ändert für das Drama nichts in der Sache. Denn die Gewalt und Kraft einer Existenz, welche nach der Handlung des Stückes liegt, die zahllosen versöhnenden und erhebenden Momente, welche ein neues Leben zu weihen vermögen, die soll und kann das Drama nicht mehr darstellen, und eine Hinweisung darauf wird niemals dem Hörer die Befriedigung eines sicheren Abschlusses gewähren. Über dem Ende des Helden aber muss versöhnend und erhebend im Zuschauer die Empfindung von dem Vernünftigen und Notwendigen solches Untergangs lebendig werden. Dies ist nur möglich, wenn durch das Geschick der Helden eine wirkliche Ausgleichung der kämpfenden Gegensätze hervorgebracht wird. Die Schlussworte des Dramas haben die Aufgabe zu erinnern, dass nichts Zufälliges, In diwiduolles därgestellt worden sei, sondern ein Poetisches, das allgemeinverständliche Bedeutung habe.“ 1820 3 27 ist, die nur noch durch das Ende dieses Trägers der Handlung aufgehoben werden kann. Um das Glück der Liebe hat Franz den Bruder gebracht(2. Stufe der Umkehr der f.; die 1. Stufe bezieht sich auf Franz, s. p. 13), sodass Karl infolge dieses Verlustes in furchtbare Verzweiflung gerät; doch er besiegt den sein Leben fast verzehrenden Schmerz. Als er aber erfährt, dass Franz mit ruchloser Hand sich an dem Leben des Vaters vergriff(3. Stufe der Umkehr), verfällt er in Raserei, in welchem Zustande er sich berufen fühlt, die Strafe an dem Bösewicht zu vollziehen. Aus diesem schrecklichen Irrtum giebt, es kein Erwachen mehr, sondern folgt nur Vernichtung und Tod. 2. dass auch das Ende des Stückes dem Zuschauer nicht mehr überraschend kommt, sondern als die als notwendig empfundene Lösung der sittlichen Konflikte und als gefordertes Schlussglied in der vorausgegangenen Reihe ästhetischer Wirkungen erscheint. Nachdem mit der Auffindung des alten Moor auch die letzte Intrigue Franzens bekannt geworden ist, scheint das Hereinbrechen des Verhängnisses über den Urheber desselben und über die davon alterierten Hauptpersonen unabwendbar.— Wie bei den besprochenen„Teilen und Stellen“ des Dramas wird auch hier die Erläuterung im übrigen hauptsächlich auf den Bau Rücksicht zu nehmen haben; doch bietet gerade die Katastrophe Gelegenheit zu manchen, auch für den reiferen Schüler verständlichen und lehrreichen Prörterungen aus dem Gebiete der Asthetik. ⁰ N. Die Hauptkatastrophe ist zweigliedrig; jedem dieser Glieder ist eine Nebenkatastrophe angefügt. I. Glied der Hauptkatastrophe: Franzens Selbstmord; Nebenkatastrophe: Schweizers Selbstmord(V, 1). Die erste Scene des letzten Aktes enthält hiernach: 1. Kurze Einleitung: Flucht Daniels, wodurch(ebenso wie später durch die Meldung von der Flucht Amaliens) die Auflösung treffend charakterisiert wird Ein charakterisierender Akkord, der, wie erwähnt(I. p. 6 flg.), den Grundton des ganzen Stückes anzugeben hat, eröffnet nicht selten, und darauf mache man den Schüler gelegentlich aufmerksam, die einzelnen Akte, z. B. den dritten, in wehmutsvoller Stimmung gehaltenen, das schwärmerische Lied Amaliens, sondern auch die einzelnen Stufen sowohl der Steigerung wie der Umkehr, besonders die höchsten und letzten, z. B. kennzeichnet das Schauerliche der Handlung der 3. Stufe der Umkehr das Räuberlied. 2. Die Katastrophe Franz, in 3 Momenten: a) Franz erzählt Daniel seinen schrecklichen Traum, verbunden durch einen kurzen Monolog Franzens mit b) Unterredung mit Moser: Franzens Philosophie der Verzweiflung, Mosers vernichtende Kritik, verbunden durch die Meldung von der Flucht Amaliens mit c) Franzens Ende ¹(Sterbegebet, Schweizers Nahen, Franz erdrosselt sich ²). 3. Nebenkatastrophe: Schweizers Selbstmord. Auch in dieser Scene wird die Wirkung erhöht sowohl durch den Parallelismus: Franz und Schweizer fallen durch Selbstmord, als auch durch den Kontrast der Handlung: Verschiedenartigkeit der Motive(der treue Schweizer, der nichtswürdige Bruder 13).— II. Glied der Hauptkatastrophe: Karl Moor liefert sich aus; zweiteilige Nebenkata- strophe: 1. Tod des alten Moor, 2. Tod Amaliens(V, 2). Diese zweite Scene enthält folgende dramatische Momente: a) Moors Schuldbekenntnis gegenüber dem Vater und der Geliebten, b) die Enthüllung des Ge- heimnisses und Wirkung davon: α) Tod des Alten, G) Amaliens Entsetzen und siegende Liebe,„) Karls Sinne verwirren sich, im Bewusstsein der furchtbaren Schuld und durch den„Wonnetaumel“ der Liebe. c) Verbindungsglied: Mahnung der Räuber, ihm zu folgen, Amaliens Weigerung, den Geliebten freizu- 7⁰) Einige Bemerkungen mögen deshalb hier noch Platz finden. Vischer a. o. O. I. 309:„Anerkennung des Zusammenhangs zwischen Schuld und Ubel wird immer gefordert; dieselbe kann aber eine freiwillige sein und das Subjekt sogar das äusserste Ubel selbst an sich vollstrecken“. Man lasse hierzu den Schüler die Anwendung suchen in den R.(Karl Moors Ende), K. u. L.(Ferdinand), B. v. M.(Don Cesar)—„oder eine unfreiwillige, welche das Gewissen dem bösen Willen abnötigt. Ist dieser der Mittelpunkt, so muss die äussere Zerstörung die reine Kehrseite der Selbstzerstörung darstellen.“ 71) In der von Schiller vorgenommenen Theaterbearbeitung, dem Trauerspiele, wird Franz bekanntlich in Ketten gebracht, es entspinnt sich eine Gerichtsscene, Franz wird verurteilt und in den Turm hinabgestossen. 72) Lemke(Asth. p. 106):„Keine Schuld, kein Verbrechen darf uns vorgeführt werden, das nicht ausser- ordentliche Kraft voraussetzt; immer muss in der tragischen, in der Weise gestürzten Person eine gross angelegte Kraft erscheinen, die leider ins Böse gefallen ist. In den R. ist Spiegelberg eine Kanaille, deren Ende das Gegen- teil vom Tragischen ist. Franz Moor ist scheusslich und ein Feigling obendrein, der wie ein Hund stirbt. Auch Karl Moor ist leider nicht echt tragisch und im leichtsinnigen, gross angelegten Verbrecher stecken geblieben.“ 73) Schiller: Uber die tragische Kunst, X. p. 25.„Unser Mitleid wird nicht weniger geschadcht, wenn der Urheber eines Unglückhs, dessen schuldlose Opfer wir bemitleiden sollen, unsere Seele mit Abscheu erfiillt. Es wird geder- zeit der höchsten Vollkommenheit seines Werkes Abbruch thun, wenn der tragische Dichter nicht ohne einen Böselicht auskommen kann, und wenn er gezwungen ist, die Grösse des Leidens von der Grõsse der Bosheit herzuleiten. Shalespeares Jago und Lady Macheth, Kleopatra in der Roxalane, Franz Moor in den R. zeugen für diese Behauptung.“ 4*⅔ 28 geben und Bedrohung ihres Lebens. d) Schlusshandlung: Moor tötet die Geliebte,M um sie nicht in den Händen der Räuber zu lassen, glaubt sich durch dieses Opfer seines Eides und der Schuld gegen die- selben gelöst und liefert sich aus. K. u. L. Luisens verstörter Sinn und die hochgradige Leidenschaftlichkeit Ferdinands, infolge deren er den Mord der Geliebten und den Selbstmord für erlaubt und als einzigen Ausweg hält, beweisen, dass in beiden Charakteren schwere Veränderungen moralischer Natur vorgegangen sind, durch welche nicht allein die Ansprüche der Liebenden auf ein glückliches Dasein verloren gegangen sind, sondern vielmehr die Unmöglichkeit, ein solches noch führen zu können, hinreichend dargethan wird. Dadurch wird aber auch für die Handlung gebieterisch das Ende gefordert: Entdeckung des Betrugs und Sühne an den Betrognen durch Bestrafung der Betrüger. Die Katastrophe enthält 1. die Einleitung, Ferdinands Vor- bereitungen zur Ausführung seines Vorhabens, in vier Momenten: a) Ferdinand entfernt Luisen(Befehl, die Limonade zu holen, Schluss V, 2); b) Rechtfertigung seiner That vor sich, gegenüber dem Vater, und Abrechnung mit demselben(Belochnung durch ein Geldgeschenk) V, 3— 5; c) Ferdinand entfernt den Vater (Botschaft an den Präsidenten) V, 6; d) während der kurzen Entfernung Luisens Bereitung des Gifttrankes, Schluss V, 6. 2. Die grosse Scene der Katastrophe, V, 7. Die erschütternde Wirkung dieser Scene beruht zum grössten Teil darauf, dass dieselbe eine kleine, in sich geschlossene dramatische Handlung bildet(ähnlich wie in Tl. I, 4, s. I. p. 31): a) Das grosse Stillschweigen, das den Auftritt ankündigen muss, wie die scenarische Bemerkung sagt, und die Pausen zwischen den ängstlichen Fragen, die Ferdinand unbeantwortet lässt, charakterisieren vortrefflich den nahenden Augenblick, in welchem der Tod die Lippen der Liebenden auf ewig schliessen soll; b) das exponierende Gespräch beginnt mit den Worten: 0, ich bin sehr elend? und in demselben wird Luisens Verhalten von seiten Ferdinands mit einem von tiefstem Schmerze einge- gebenen Spotte behandelt, bis c) Luisens Worte: 0, Jüngling, Jüngling, unglücklich bist du schon, willst da es uuch noch verdienen? seine Wut erregen, sodass er, nachdem er von der Limonade rasch genossen hat, Luisen zu trinken nötigt. Darauf d) Steigerung: letzter leidenschaftlicher Ausbruch des Gefühls der Liebe infolge des schmerzlich empfundenen Gegensatzes zwischen einstiger Seligkeit und dem nunmehr zer- störten Glücke. e) Mit den Worten: Luise! Luise! Luise! Warum hast du mir das gethan! beginnt das zum Höhenpunkte überleitende Gespräch. f) Höhenpunkt: Luisens Geständnis. g) Umkehr: Ferdinand will den Vater töten. h) Katastrophe: Luise stirbt, Ferdinand und seinem Vater verzeihend. 3. Schlussscene (VY, 8) in 3 Momenten: a) Die Schurken entzweien sich und verfallen dem Gerichte; b) Luisens Vater versinkt in Verzweiflung; c) Ferdinand stirbt mit der Verzeihung gegen den Vater. F. Wie in keinem anderen Stücke Schillers forderte die Handlung des F. freien und breiten Raum zur Entfaltung; sowohl die Haupt- als die Nebenhandlung bedingte eine doppelte Lösung. Ausser- dem sind zwei grössere Episoden(IV, 7—10, und V, 5— 10) eingeflochten, die bei der Erläuterung aller- dings zunächst herausgehoben werden müssen, ehe die Gliederung der Katastrophe näher angegeben werden kann. Doch soll von denselben hier erst weiter unten(im Zusammenhang mit den übrigen bei Schiller vorkommenden Episoden) die Rede sein.— I. Hauptkatastrophe: Fiesko; Vorscene: Fiesko bringt durch seine Rede den Aufruhr zum Ausbruch(IV, 16). Scene: Fiesko befreit Genua von den Tyrannen. Einleitung: Fiesko warnt den Andreas Doria(V, 1), Gianettino fällt(V, 2— 3), Andreas Doria wird ver- folgt(V, 4; seine Rettung durch die deutsche Leibwache bereitet die II. Hauptkatastrophe vor). Haupt- scene: Fiesko wird Herzog von Genua(V, 12). Bemerkenswert ist der Schluss des IV. Aktes: der Kanonen- schuss und das Auftreten der Verschworenen bilden eine wirksame Überleitung zu den im V. Akt statt- findenden Kämpfen(vgl. I. p. 18 die 4. Stufe der Steigerung der R.). II. Hauptkatastrophe: Verrina; Vorscene: Andreas Dorias Rückkehr(V, 14); Scene: Verrinas Abschied von Tochter und Schwiegersohn 74) Vgl. Schillers Recension(in der Selbstbeurteilung der F. bei Braun p. 18) über die Katastrophe der Liebesgeschichte, wo er sagt:„Man frägt, war es tragisch, dass der Liebhaber sein Mädchen ermordet? War es in dem gegebenen Falle natürlich? War es notwendig?ꝰ War kein minder schrechlicher Ausaweg mehr übrig? Ieh aill duf das Letzte zuerst antworten: Nein!— Möglich war keine Vereinigung mehr, unnatürlich und höchst undra- matisch wäre eine Resignation geuesen. War vielleicht diese letzte möglich und schön auf Seiten des männlichen Räubers — aber wie äusserst widrig auf Seiten des Mädchens/ Soll sie heimgehen und sich trösten über das, awas sie nicht ändern kann? Dann hätte sie nie geliebt! Soll sie sich selbst erstechen? Mir ekelt vor diesem alltäglichen Behelf der venorhen Dnnekehe: die ihre Helden uber Hals über Kopf abschlachten, damit dem hungrigen Zuschauer die Suppe nicht kalt werde.“- 29. (V, 15); Hauptscene: Verrina tötet“ Fiesko und huldigt Andreas Doria(V, 16, 17).— Die Neben- handlung: ihre Entwicklung bis zum Höhenpunkte wurde früher(I, p. 20 flg.) gezeigt. Der Höhen- punkt: Leonore beschliesst die Trennung von dem anscheinend lieblosen Gatten, Fiesko erbittet eine zwei- tägige Frist(III, 3), steht unmittelbar hinter dem Höhenpunkt der Haupthandlung; an ihn schliesst sich die 1. Stufe der Umkehr der Nebenhandlung: Juliens Anschlag nach dem Bericht des Mohren(III, 4), 2. Stufe: Fiesko ladet Julien zur Komödie(III, 10). I. Nebenkatastrophe: Julie; Demütigung— Rück- gabe des Schattenrisses(IV, 11— 13). II. Nebenkatastrophe: Leonore; Leonorens Besorgnis(IV, 14), Teil- nahme am Kampfe(V, 5), Tod durch Fiesko, der die ermordete Gemahlin erkennt(V, 11—13). Darin, dass Fiesko in dem Augenblicke, wo er am Liele sich angelangt glaubt, im Irrtum Leonoren, deren Ehre er soeben wieder hergestellt hat, töten muss, hat man einen antik-tragischen Zug gesehen, eine Art Racheakt des Schicksals für das frevelhafte, die Gattin schwer kränkende Spiel, das er zur Verhüllung seiner ehrgeizigen Pläne mit ihr getrieben hat. Auf die Anwendung des musikalischen Elementes— hier der Fahnenmarsch— zur Bezeichnung des Gegensatzes ist schon früher(I. p. 35. Picc. III, 5, 6, p 22, T1. IV, 3) hingewiesen worden. D. C. 1. Die Katastrophe der Nebenhandlung Eboli schliesst sich unmittelbar an die 2. Stufe der Umkehr(IV, 19, p. 16): Verbannung der Prinzessin(IV. 20 6). 2. Die Katastrophe Posa: Wirkung des Briefes(IV, 22— 24, V, 1, 3, 4), mit einer Vorscene: Posas Abschied von der Königin; er legt sein Vermächtnis in ihre Hand(IV, 21 7). Die Hauptscene in drei Momenten: a) Posas Verräterei wird am Hofe bekannt(Bericht des Oberpostmeisters V, 22, Protest der Granden V, 23, 8 Triumph Albas V, 24; mit letzterem Auftritt ist die Schlusshandlung der Katastrophe Eboli verknüpft); b) Posas Ende ist durch ein Zwischenglied in und g geteilt: Posa giebt dem Prinzen Aufschluss) über die Ursache der Gefangennahme(V, 1 ³)— Zwischenglied: Carlos verlangt die Rückgabe des Degens aus den Händen des Königs(V, 2)— 5) über seinen Plan und wird erschossen(V, 3⁵⁰); c) Rechtfertigung Posas vor dem Könige durch Don Carlos(V, 4). 3. Die Katastrophe: Don Carlos(V, 8— 11 vgl. p. 24 flg.) in zwei Momenten: a) Albas Entdeckungen und des Königs Massregeln(Albas Mitteilung an Feria von der 75) Lemke a. o. O:„über das Tragische“ verwirft nach dem Satze, dass die Macht, die den Sturz des kämpfenden Erhabenen bewirkt, nicht zu klein sein darf, diese Katastrophe. Er sagt p. 100:„Verrina tötet Fieske, der schwächere Mann für sich allein, seine einzelne Idee gegen die des Helden— der tragische Eindruck ist nicht gewonnen.“ Über die Verwendung des Zufalls für das Tragische heisst es p. 103 flg.:„Der gewöhnliche blinde Zu- fall ist nicht zu gebrauchen. Seine Disharmonie stört uns; sie verdriesst, erscheint hässlich, wenn sie das Erhabene trifft. Nur wenn wir eine tiefere Verbindung zwischen dem Zufall und dem davon Betroffenen entdecken oder zu entdecken glauben— im ersteren Falle hört er dadurch vollständig auf, noch Zufall zu sein— kann er als Macht auftreten. Wenn ein Mann durch eine stürzende Bildsäule erschlagen wird, so kann das ein blinder Zufall sein; wenn aber die Bildsäule einer Ermordeten auf den Mörder fällt und diesen erschlägt, so ist dies kein blinder Zufall mehr für unsere Betrachtung. Wir sind versucht eine höhere Schickung darin zu sehen(darf aber ein moderner dramatischer Dichter einer solchen abergläubischen Vorstellungsweise Rechnung tragen, oder hat er nicht vielmehr gerade den Beruf, ihr nachdrücklich entgegenzutreten? Der Verfasser). Fiesko empört sich gegen Doria und siegt. Er will eine Galeere im Hafen besteigen, gleitet auf dem hinüberführenden Brette aus, fällt ins Wasser und ertrinkt. Das ist kein tragisches Ende. Schiller sucht diesen Zufall auszumerzen, indem er die Figur des Verrina schuf, der Fiesko ins Wasser schleuderte, da er sieht, dass derselbe nicht Genuas Freiheit, sondern nur die eigene Herrschaft bezweckt. Ich sagte schon, dass Verrina, der einzelne Mann ohne ein halbes Genua oder ganz Genua hinter sich, gegen Fiesko kein richtiges Gegengewicht abgeben kann; der Stoss von hinterrücks, der Fiesko aus Sieg und Leben wirft, ist missfällig. Nur Verrina hat etwas Tragisches dadurch, dass er den Liebling töten muss, auf den er so grosse Hoffnungen gesetzt hat.“ 76) D. D. C. 259. Die Umarmung bliebe wohl besser weg; die Worte:„Leben Sie glücklich!“ dürften zum Abschied der Verbrecherin genügen, die alles Recht verwirkt hat. 77) D. D. C. 141 tadelt es, dass auch hier weder der Plan Posas noch die Art seiner Selbstaufopferung dem Zuschauer klar wird.— 262. UÜber den Widerspruch in Posas Ausserungen:„Der Kônig schenkte mir sein Herz— den Kõnig geb' ich auf.“— Ebd. über die Grundlosigkeit der geäusserten Freude der Königin.— 263. Dass der Marquis die Liebe des Prinzen zur Königin genährt, stimme nicht zur Darstellung I, 2. 78) D. D. C. 262. Die Granden können unmöglich in Saragossa gewesen sein, da sie noch an diesem Morgen(III, 6 flg.) sich in Madrid befanden. 79) D. D. C. 271 über die nicht ganz zutreffende Aufklärung. 3 80) D. D. C. 121, 274 giebt eine kritische Beleuchtung der That zur Selbstaufopferung seitens des Marquis.— 274 zeigt D., dass von einem Beginnen des Komplottes keine Rede sein könne.— 275 wird der Mangel an innerer Wahrscheinlichkeit im Plane Posas hervorgehoben.— 276 zu den Worten: diesen Betrug kann dir mein Vater nicht vergeben. Auffindung der Briefe V, 8;81 Bericht an den König V, 9, Befehl des Königs an den Grossinquisitor V, 10³²); b) Carlos' Abschiedsès von der Königin; er verfällt der Inquisition(V, 1144).— So siegt zwar Philipp, aber durch die sehmerzlichsten Erfahrungen in seinem Innern schwer getroffen(vgl. N. 118). Wlst. 1. Picc. An das zweite Moment der 1. Stufe der Umkehr des Doppeldramas(s. p. 16) schliesst sich von der Katastrophe der Picc. die 1. Scene: Max trennt sich vom Vater(Wäst. 7d. II, 755; über die innere Lösung s. I. p. 35). Die übrigen Scenen werden eingeleitet durch die Intrigue der Gräfin Terzky, durch Thekla die Piccolomini an Wallenstein zu fesseln(III, 1, 2 Wlst. Td.), sowie durch die Familienscenen(III, 3, 4 zweite Hälfte, Stellung der Eltern zu dem Liebesverhältnis; III, 11, 12 die bestürzte Grüfin Terzky pringt der Herzogin die unglückliche Botschaft; letztere Auftritte bilden eine Zwischenscene, und diese folgt der 1. Stufe der Umkehr des Doppeldramas III, 5— 10 s. p. 16). III, 17,86 18,57 19, 20,85 21,59 22, 23,0 enthält einen Teil der übrigen Scenenreihe der Katastrophe der Picc. 2. Scene: Max“ ²¹⁴ letzte Unter- redung mit dem Feldherrn. Zwischenscene: Versuch der Pappenheimer ihren Führer zu befreien. 3. Scene: Abschied² von Thekla und Aufbruch Maxens(mit der Vorstufe der 2. Stufe der Umkehr für 81) D. D. C. 145 über die Unvorsichtigkeit in den von Posa zur Flucht getroffenen Veranstaltungen(Aus- händigung so wichtiger Papiere an einen Karthäusermönch, statt an die Königin). 82) D. D. C. 108 weisst nach, dass der Einfluss der Inquisition hier zu spät eintritt(hors d'oeuvre). Frei- lich wirkt das Auftreten des Inquisitors, des furchtbaren Gegenbildes zu den menschenfreundlichen Träumen des Marquis und dem begeisterten Unternehmen des Prinzen an sich in hohem Grade tragisch, aber es fällt eben nicht in den eigentlichen Bereich der Dichtung.— 291(Anmerkung): die Inquisition irrtümlich von Schiller als Orden bezeichnet. 83) D. D. C. 143 tadelt mit Recht den überraschend unglücklichen Ausgang des Prinzen.— 294. Der eben stattfindende Eintritt des Prinzen nicht ganz der Zeitfolge(1. V, 9) entsprechend.— 295. Die Wiedergabe und Ver- brennung der gegenseitigen Briefe(dass Carlos Briefe beim Könige liegen, bleibt unbeachtet) könnte man entbehren. — Zu den Worten: Jeh habe für dieses Leben Leine Arbeit mehr. eine wunderliche Behauptung, da ja eine so ent- schiedene Thätigkeit seiner harrt.— 298 über die unpassende Bemerkung des Prinzen, er werde die Königin als die Witwe seines Vaters ehren, und dass sie in ihre Pffichten als Gattin zurücktreten möge.— 297 zu den Worten: Still! Hörten Sie nicht etwas? und Gute Nacht, wofür lieber Lebewohl gelesen würde. 84) Vischer a. o. O. III. 1402:„Wichtig ist die Frage über die letzten Scenen, sofern dabei das Kompo- sitionsgesetz der schliesslichen festen Begrenzung(vgl. Vischer§ 501) im tiefsten Zusammenhang mit dem Inhalt zur Anwendung kommt. Es handelt sich im Tragischen darum, wie weit der Dichter uns eine Aussicht eröffnen soll, die uns mit der Härte des Schicksals versöhnt. Diese Aussicht darf nicht zu entwickelt sein, wenn sie nicht zu einem gemeinen und trivialen Begriffe von Gerechtigkeit führen und überdies in die Breite des Empirischen, das neben dem idealen Ausschnitte des Dramas eigentlich nicht existiert, ablenken soll; sie darf nicht fehlen, wie am Schlusse von D. C. und in grossen Schicksals- und Effektstücken, die mit einem reinen Missklang endigen.“ 85) D. Wlst. 268. Erst an dieser Stelle könnte das Drama von den Picc. enden, wie es auch ursprünglich beabsichtigt war, wenn freilich auch hier kein eigentlicher Ruhepunkt der Handlung eintritt. 86) D. Wäst. 280. Auffällt, dass hier der früher(vgl. III, 4) beschlossenen Entsendung nach Holland gar nicht mehr gedacht wird. 87) D. Wist. 281 zu den Worten: Wär' ich dem Ferdinand gewesen, was Octavio mir war... wodurch sich Wallenstein nur gegen den Vorwurf der Undankbarkeit rechtfertigen kann, aber nicht gegen den der Untreue. 88) D. Wälst. 282 flg. Neumann fällt als erstes Opfer, abweichend von der Geschichte, wonach er bei dem Blutbankett zu Eger ermordet wurde. 89) D. Wäst. 283 flg. über Maxens schwankendes Verhalten(iCin mir ist Nacht...).— vgl. ebendas. die von D. angeführten Gründe für die Behauptung, dass die Scene zwischen Max und Thekla(III, 21) mehr Rednerei als wahres Gefühl enthalte. 90) D. Wist. 285 zu den Worten: Versprecht mir, die Hand gebt mir darauf— über den„glänzenden Ab- gang“, dessen der Dichter wohl hätte entraten können. Mit Wallensteins Worten:„Hier ist er. Er ist frei. Ieh halt' ihn nicht mehr“, erhielte der Aufzug einen weniger pathetischen, aber ergreifenden Abschluss. 91) Vischer a. oO. O. I, 278:„Um die erhabenen Charaktere in Bewegung zu setzen, treten harmlos anmutige Gestalten auf(Max neben Wallenstein). Sie sind in diesem Zusammenhange gewöhnlich bestimmt, als Opfer zu fallen, sie stehen wie„„die Alpenblumen am Wassersturz.““ 92) Vischer a. 0O. O. III, 2, 1379:„Schiller giesst rhetorisch seine ideale Anschauung, sein schönes Gemüt in seine Personen, man vernimmt ihn selbst, wie er hinter ihnen als dünnen Masken steht und hervorspricht, er zeichnet das Böse und Niedrige mit seinem Hasse, statt ihm den kurzen Schein behaglicher Berechtigung zu gönnen. Wo er diese Subjektivität, welche wohl in Allgemeinheit des Gedankens und reiner Liebe die Welt umfasst, aber nicht im Sinne der poetischen Selbstverwandlung eine Welt ist, am meisten überwunden hat, im Wäst., spart er sich doch die Partie von Max und Thekla als direktes Gefäss für sein Gemüt auf, und eben diese Partie hat daher am wenigsten Haltung und Farbe von Stoff und Schauplatz. Das Drama fordert einen Geist, der im Subjektiven selbst ganz objektiv ist, der daher, wenn er sich ausspricht, den Gegenstand, und zwar im grossen Sinne des Wortes, die Welt, ausspricht; es ist eine totale Selbstumsetzung, die reinste Reproduktion des Traumes im hellen Wachen.“ 31 das Doppeldrama schön verbunden s. p. 12), 5. Scene: die Schlusskatastrophe der Picc.(durch IV, 5 vor- bereitet): Bericht seines Todes(IV, 9, 10) und Theklas Flucht ³(IV, 11, 12,94 13, 14). Die Katastrophe von Wlst. T¹d. fällt(wie die Umkehr von WISt. T. mit der 2. Stufe des Doppeldramas s. p. 17) mit der des Doppeldramas zusammen und füllt mit den Nebenkatastrophen(Terzkys und Octavios) den V. Akt. Ihr Eintritt, d. h. der Tod des Helden wird energisch gefordert, weil Wallensteins ehrgeizige, herrschsüchtige Natur, die nur durch sein physisches Ende aufhören wird, die ganze Umgebung in einen so hohen Grad von leiden- schaftlicher Aufregung gebracht hat, dass sie Zwischen Recht und Unrecht, den Geboten der Pflicht und des Ge- wissens und selbstsüchtigen Interessen nicht mehr genau unterscheiden kann(vgl. das Verhalten Octavios, Buttlers, Terzkys u. s. W.), und weil ein lüngeres Fortdauern dieses Zustandes zur Auflösung aller sittlichen Bande und recht- lichen Verhältnisse führen müsste. Sie umfasst drei Scenen. 1. Scene: Verteilung der Rollen, Buttler gewinnt Geraldin zur Ermordung von IIlo und Terzky(V, 1 ⁹⁵), Macdonald und Deveroux zu der Wallensteins(V, 2 ⁹⁰); 2. Scene(wie die 3. in 4 Momenten, jedes eine kleine Steigerung enthaltend): die Warnungen. Voran- geht eine Einleitung: Entlassung des schwedischen Hauptmanns; Wallenstein, zwar tieferschüttert, hofft mit Sicherheit auf glückliche Lösung(V, 3, diese Stimmung, hier besonders hervorgehoben, beherrscht den Helden auch in dem folgenden bis zu seinem Ende); a) Träume der Gräfin Terzky(V, 3 ⁹(); b) das Zer- springen der Kette(des Talismans, des ersten Zeichens der kaiserlichen Gunst V, 4 ⁹⁸); c) Seni, sein Astrolog, verkündet aus den Sternen das nahende Unglück(V, 5 ⁹⁹), wodurch die Strahlen des magischen Lichtes, ¹⁰ο 93) Vischer a. o. O. I. 308.„Max und Thekla im Wäst. gehen freilich ganz unschuldig zu Grunde, aber sie sind auch abstrakt ideale Figuren. Wären sie mit mehr Lebenswahrheit hingestellt, so wäre mit dem nötigen Schatten auch der Anknüpfungspunkt gegeben, um sie wenigstens unter den Standpunkt der Unschuld der Individualität zu stellen“(vgl. J. Duboc a. o. O. p. 65). 94) Bei den Worten: Da kommt das Schicksal roh und kalt bis Ende, mag man nicht versäumen, auf eine Bemerkung Lemkes, Asthet. 581 aufmerksam zu machen.„Wenn der Dichter eine scharf sich aus dem Allgemeinen loslösende Persönlichkeit wählt, etwa eine historisch genau bestimmte, welche keine Allgemeinheit, sondern vor allem sich selbst repräsentiert und nur durch eine innere Wahrheit mit dem Allgemeinen zusammenhängt, dann hat er in ihr auch nicht etwa ein allgemeines Menschenlos zu schildern, sondern das ihr eigentümliche Schicksal. Und er kann und darf dies nicht in allgemeinen Zügen, sondern wird das Ganze individueller zu behandeln haben. Man sehe nur wie... die allgemeinen Personifizierungen einer edlen Jünglingsnatur und einer Jungfrau gleich zu einer seltsam abstechenden Behandlung dieser Partien im Wäst. führen: von Max Piccolomini kann Thekla sagen: Da kommt das Schicksal— roh und kalt fasst es des Freundes zärtliche Gestalt— und wirft ihn unter den Hufschlag seiner Pferde— das ist das Los des Schönen auf der Erde! Das ist das Los des Schönen auf der Erde passt auf Max, das ist das Los des Grossen auf der Erde darf auf Wallenstein nicht passen, wenn er die geschichtliche Persönlichkeit sein soll und nicht ein Traumgebild.“ Weiterhin führt Lemke aus, dass der Dichter es zu vermeiden habe, das Allge- meine und das Besondere nebeneinander zu stellen, dass dadurch keine Verschmelzung erzielt werde, sondern eine Disharmonie kaum zu umgehen sei. Dafür könnten Max und Thekla unter diesen Figuren wie Wallenstein, die Terzkys, Octavio Piccolomini, IIlo, Isolani, Buttler, Questenberg u. a. zum Beispiel dienen(wie notwendig gerade diese Lichtgestalten neben diesen finsteren, rachesinnenden Personen waren, übersieht Lemke). 95) D. Wlst. Td. 298 über das Verhalten der Bürger bei Schiller und nach dem ausführlichen Bericht. 96) D. Wäst. 1d. 299 über den Mord Wallensteins nach dem ausführlichen Bericht.— Anmerkung*) zu Buttlers Kusserung: Elender/— 301 zu dem nicht glücklich erfundenen Bedenken: mir auf den Rockh sieht.— 302 Anmerkung: den Weg, den die Mörder in Wirklichkeit genommen. 97) D. Wst. Id. 303 flg. zu den Worten: die Schaoärze des Gewitterhimmels.. den trüglich wankenden Planeten... die Blume ist hinweg aus meinem Leben(als einer Klage, die dem Augenblick und Wallensteins Charakter nicht ange- messen erscheinen) und zu der Nennung des Namens Ravaillac.— Vischer a. o. O. I. 271.„Rührend nennt man, was bloss rührt, weil es zum Widerstand sowohl gegen den äussern als gegen den innern Feind, die auflösende Empfindung, zu schwach ist, sodass nur Thräne, Klage... bleibt. Es ist am Platze, wo hilflose Wesen auftreten, Kinder, Weiber. Dagegen steht es Männern schlecht an...“ Doch vorübergehend ist es am Platze, wie z. B. selbst Wallenstein in seiner letzten Stunde im Andenken an Max Piccolomini noch weich wird. Je nach dem Zusammen- hang soll aber auch das Weib durch Erhebung sich stark zeigen. Maria Stuart erhebt sich im Angesicht des Todes; die lange Abschiedsscene ist zu rührend, sofern sie trotz der Erhebung zu lang bei der Darstellung des auflösenden Schmerzes verweilt. 98) D. Wlst. Td. 305. Wo wir zusammen Edellnaben waren. 99) D. Wlst. Td. 306. Und hätte mir das Herz, wie jetzt, gesprochen— Kann sein, ich hätte mich bedacht ◻ 100) Vischer a. o. O. III. 1399 zeigt, dass eine unerbittlich fortschreitende Bewegung ihre Ruhepunkte fordert, nur müssen diese nach der andern Seite die Wirkung derselben erhöhen.„Im Wallenstein ist das Liebesverhältnis zwischen Max und Thekla, auch das Astrologische ein wiederkehrender, zu sehr ausgedehnter Ruhepunkt, ein äusserst wohl erfundener und schön ausgeführter die Scene, wo Wallenstein zum letzten Mal, in der Stimmung milder Wehmut, auftritt. Die Monologe fallen im allgemeinen ebenfalls unter diesen Standpunkt. Sie beruhigen durch die Einkehr in sich, es erstreckt sich aber die vorhergehende Wirkung in sie herein und die kommende erzeugt sich in ihnen.“ 32 das über die ganze Dichtung von IIlst. Td⁴. ausgegossen ist(siehe I, 1, das astrologische Zimmer), wie- derum, nur in der Schwüle des Gewitters recht deutlich empfunden werden; d) Gordons, seines ehemaligen Jugendgenossen flehentliche Bitte(V, 3). 3. Scene: die Ausführung; a) Gordons letzte Verwendung bei Buttler(V, 6); b) Auftreten der Mörder; c) der Trompetenstoss verkündet die scheinbare Ankunft der Schweden und mahnt zur Eile; d) Eindringen ins Schlafgemach(V, 7 ¹⁰¹). Die Hauptkatastrophe ¹⁰², durch das Aufsprengen der Thüren, die dumpfen Stimmen, das Waffengetöse und durch die darnach plötzlich eintretende tiefe Stille zur ausserordentlichen Wirkung gesteigert, ist verbunden mit den Nebenkatastrophen durch das Auftreten der Gräfin Terzky, durch die allgemeine Bestürzung bei der Kunde von der Ermordung Wallensteins und seiner Getreuen, sowie der gemeldeten Ankunft Octavios(V, 8, 9, ¹03 10 ¹ 4). Neben- katastrophen der Gräfin Terzky und Octavios in 2 Momenten: a) Octavio, als der Urheber der That von Buttler bezeichnet(V, 11¹⁰⁵), steht auf der Höhe seines Glückes(die Erhebung ¹⁰⁰⁶ in den Fürstenstand) vernichtet ¹⁰7(V, 12); b) die Gräfin Terzky tötet sich selbst. M. St. Höhenpunkt war: Unterredung der Maria mit der durch Leicester verlockten Elisabeth. Hierdurch schon kann der Schüler aufmerksam werden, dass von dem Sturz von der Höhe, der durch die vier Stufen der sinkenden Handlung des IV. Aktes vorbereitet wurde, drei Personen betroffen werden, dass also das Stück drei Katastrophen enthält, nämlich 1. Katastrophe Maria ¹“⁸(V, 1— 9 ¹⁰); 2. Leicester(V, 10); 3. Elisabeth(V, 11— 15). Katastrophe Maria a) Einleitung: Melvil, Burgoyn, Hanna und die Kammerfrauen finden sich ein zum Abschied von der Königin(Y, 1, 2, 3, 4, 5). Wirksam leitet die Schilderung des Blutgerüstes durch die Kurl, das sie zufällig sehen musste, über zum Erscheinen von Maria selbst; b) 2 Scenen: 1. Scene: Abschied von den Ihrigen(V, 6 ¹¹⁰); 2. Scene: Beichte ¹li und Abendmahl(V, 7); c) Schluss: die Todeskommissarien, Aufbruch zum letzten Gang(YV, 8, 9). 101) D. Wäst. Td. 308., Anmerkung*) vgl. den daselbst gegebenen Bericht von Murr und Schillers Veränder- ungen in der Mordscene. 102) Über die Ermordung Wallensteins, sofern dieselbe nicht auf der Scene, sondern hinter derselben vor sich geht(da„die Unmöglichkeit einer andern Lösung durch die unzweifelhaft stärkere Gewalt der tötenden Gegner selbstverständlich ist“), äussert sich G. Fr. a. o. O. p. 68:„Die finstre Gestalt Buttlers, das Werben der Mörder, das Zusammenziehen des Netzes um den Ahnungslosen ist in einer lange und stark aufregenden Steigerung dem Zuschauer in die Seele gedrückt, nach solcher Vorbereitung wäre der Akt des Mordes selbst keine Verstärkung mehr; man sieht die Mörder in das Schlafzimmer eindringen, das Krachen der letzten Thür, das Waffengerassel und die darauf eintretende plötzliche Stille erhalten die Phantasie in derselben unheimlichen Spannung, welche den ganzen Akt färbt. Und das langsame Aufregen der Phantasie, die beengende Atmosphäre und das letzte Verhüllen der That selbst passen wieder vortrefflich zu dem Träumerischen und Geheimnisvollen des inspirierten Helden, wie ihn Schiller gefasst hat.“ 103) D. Wäst. Td. 309. Anmerkung*) zu der scenarischen Bemerkung: Buttler Lommt aus der Galerie. 104) D. Wlst. TId. 309 bezeichnet die Ankunft des Bürgermeisters und das Fortrennen der Bedienten als ent- behrlich.— Anmerkung**: In Wirklichkeit erschien nicht Piccolomini, sondern Gallas, und zwar erst am andern Tage, zuerst in Eger. 105) D. Wäst. Td. 310** hier ist das goldne Vliess u. s. w. vgl. daselbst den ausführlichen Bericht. 106) D. Wäst. Td. 311 über die sehr verfrühte, aber dramatisch äusserst wirksame Belohnung. 107) Vischer a. o. O. I. 318.„Wallenstein fällt und das österreichische Hofsystem siegt durch Octavios ge- lungenen Plan. Hierdurch verstärkt sich der Schein, als fallen die Verräter des glänzenden Rechts unschuldig und triumphiere das Unrecht. Allein das wäre ausser aller Schönheit, denn wenn es in dem Gebiete, wo der störende Zufall nur in unübersehlichem Fortgang aufgehoben wird, oft genug so aussieht, als wäre Gerechtigkeit nicht das Gesetz der Geschichte, so rückt ja eben das Schöne, was auseinander gesprengt ist, aneinander, und hier muss Gerechtigkeit im einzelnen Falle sichtbar walten. Piccolomini überlebt, aber mit zerschlagenem Herzen und mit dem Verluste des geliebten Sohnes. Der Dichter hätte nur mit ein paar Worten auch dies andeuten müssen, dass das scheinbar siegreiche System des Kaisers noch in weiter Zukunft Fluch tragen muss und so aus Wallensteins Blut die Erinnerung aufsteigen werde.“— 108) Vischer a. o. O. 309:„Der ästhetische Zusammenhang(zwischen Schuld uud Übel) ist um so reiner, je mehr die Strafe als einfacher Reflex, als blosse Kehrseite der Schuld erscheint. Maria Stuart hat eine durch Launen und Verirrungen der Liebe beffeckte Jugend zu bereuen und eifersüchtige Weiberlaune ist das Grundmotiv, warum Elisabeth das Todesurteil unterzeichnet. 109) D. M. St. 205 flg. In Wirklichkeit hatte man(nach Robertsons Bericht) Melvil erst seit einigen Wochen von ihr entfernt, und Maria traf ihn erst, als sie die Treppe zum grossen Saale herabgestiegen war, worin das Blutgerüst die Nacht über aufgeschlagen worden war.— Ebenso liess bereits tags vorher Graf Shrewsbury den Befehl zur Hinrichtung vorlesen. 3 110) D. M. St. 212 flg. zu den Worten Marias: Wie, Meloil hier? und zu dem Verhalten des Ritters. 111) D. M. St. 219 flg. Euch will ich meine letzte Beichte thun... dem ungeweihten Priester!— 223 über die Lossprechung. 4 33 Die von Maria an Leicester gerichteten Worte ¹¹² bilden die vortreffliche Uberleitung zur Katastrophe Leicesters(V, 10): Monolog desselben, sich unmittelbar an den Abgang der Maria schliessend. Bisher hat sich der Elende durch seine Intriguen stets als der Günstling der Elisabeth zu behaupten gewusst; sein falsches Spiel hat ihn aber jetzt in eine Lage gebracht, aus der ihn nichts erretten kann. Er muss den furchtbaren Augenblick der Hinrichtung mit erleben, nach welchem es mit der Verstellungskunst des Lords für immer vorüber ist, denn ohnmächtig sinkt derselbe zusammen.— Katastrophe Elisabeth(V, 11— 15) enthält eine Einleitung: Elisabeths Kampf zwischen frohlockendem Bewusstsein des gelungenen Sieges und ausbrechender Furcht vor der Getöteten(V, 11, 12 ¹¹³); Uperleitung: Beschluss, die Schuld auf ihre Diener zu wälzen(V, 12 der Schluss); ferner zwei Scenen, 1. Scene: Shrewsbury erklärt das Zeugnis der Schreiber für gefälscht(V, 13 ¹¹⁴); Uberleitung: scheinbar neue Untersuchung angeordnet; 2. Scene (V, 14, 115 15 116) in zwei Momenten: a) Davison in Anklagezustand versetzt, Burleigh verbannt, b) Elisabeth, scheinbar auf der Höhe ihres Glückes, von den Freunden Talbot, Leicester verlassen.— Hiernach wird der Schüler leicht erkennen können, welche die Hauptkatastrophe ist. Bekanntlich tritt Maria vom Höhenpunkt an mehr zurück, im IV. Akt erscheint sie gar nicht. Die Hauptkatastrophe muss dort liegen, wo die Ver- nichtung am grössten ist. Für die bei Beginn der Handlung im Kerkerelend jahrelang schmachtende, dem Tode geweihte Maria Stuart ist diese Vernichtung, obwohl dieselbe das physische Leben endet, doch zugleich ein Triuinph über ihre Feinde; ihr Ende ist durchaus Nebenkatastrophe, aber lehrreich insofern, als Vernichtung des physischen Lebens nicht Bedingung der Hauptkatastrophe ist. Als Aufgabe der Kata- strophe wurde(p. 26 flg.) bezeichnet, den Zustand, in dem der Charakter durch Kampf, d. h. durch sein leiden- schaftliches Begehren, Wollen, Handeln versetzt worden ist, rasch aufzuheben; für Maria Stuart geschieht dies durch eine gewaltsame Aktion(Hinrichtung), aber die zweite Nebenkatastrophe(Leicester ¹¹⁷) ist ein vortreffliches Beispiel, dass dieser Zweck auch durch ein energisches Ineinandergreifen der Umstände (s. d. Monolog V, 10) geschehen kann. Durch diese letztere Art der Katastrophe wird man aber wiederum dem Schüler leicht klar machen können, weshalb Elisabeths Ausgang die Hauptkatastrophe bilden muss. Diese trifft nämlich immer diejenige Person des Stückes, deren inneres Leben am meisten von dem Kampf und Gegenkampf, den das Drama darzustellen hat(s. I. p. 13 flg.), berührt worden ist. Offenbar wird aber das innere Leben Elisabeths am gewaltigsten von einem solchen Kampf ergriffen, jede Faser ihres Herzens ist von tödlicher Eifersucht erfasst; sie ist auf dem Throne elender als Maria im Kerker; sie, die mächtige Herrscherin, hat, vom Schlaf geflohen, nicht NRaum auf dieser Erde, solange die verhasste Nebenbuhlerin noch am Leben ist. Eben deshalb trifft aber auch Elisabeth die Hauptkatastrophe, ¹is denn leben und doch innerlich vernichtet sein, ist 112) D. M. St. 232 wünscht den Wegfall der letzten sechs Verse; während bisher alles der seligen Be- ruhigung und reinen Milde, die Maria gewonnen hat, entspricht, stehen diese Verse, die Leicester zum Vorwurf machen, dass er ihr zürtlich liebendes Herz verschmäht, sie gegen die stolze Elisabeth verraten habe, und ihm Unglück von deren Liebe in Aussicht stellt, damit in entschiedenem Widerspruch.— Über Abweichungen, die sich Schiller von den Quellen(Cambden, Robertson, Broutôme, Archenholtz) bei diesen letzten Scenen erlaubte, s. D. 210— 234. 113) D. M. St. 238: Sie ist tot. In Wirklichkeit erhielt Elisabeth erst am folgenden Morgen auf einem Spaziergange durch eine Depesche die Kunde von der Hinrichtung. 114) D. M. St. 239: D'rauf rannt' er an das Fenster, vgl. daselbst wie sich die Sache thatsächlich verhielt. 115) D. M. St. 240 Anmerkung* zu den Worten: Ich hab' Sie nicht mehr. 116) D. M. St. 243. Das Urteil war gerecht— auffällt, wie sie sich hier auf die Gerechtigkeit des Urteils beziehen kann, da sie weiss, dass es auf falschem Zeugnisse beruht. 117) Vischer a. o. O. III. 1174 erörtert an der Stelle, wo er von dem Charakter der Unendlichkeit spricht, der dem inneren Bilde eigen ist, dass der Dichter noch einen besonderen Vorteil(bezüglich der Grenzen der Dar- stellung) geniesse:„Der Dichter kann Handlungen so schildern, dass wir wissen, sie geschehen jetzt, dass sie uns aber zugleich verhüllt sind, im Dunkel vor sich gehen, oder so, dass Personen im Gedichte selbst darum wissen, sie aus andeutenden Zeichen erraten, sie sich vorstellen, aber ohne sie zu sehen.“—„Der Maler mag wohl einen Lord Leicester darstellen, wie er verdammt ist, Moment für Moment den Hinrichtungsakt der Maria Stuart sich zu vergegenwärtigen, man mag ihm den furchtbaren Vorgang in seinem Innern ansehen, aber wie ganz anders wirkt die Scene, wenn der Dichter durch seine Mittel uns zwingt, mit Leicester aus den dumpfen Lauten, die er vernimmt, uns das Bild des Grässlichen zu erzeugen, das ungesehen von unserem physischen, wohl gesehen von unserem geistigen Auge vor sich geht.“— Unwillkürlich denkt man hier bei den Worten Vischers an Lessings Ausserung(Laokoon XIV):„Aber müsste, solange ich das leibliche Auge hätte, die Sphäre desselben auch die Sphäre meines innern Auges sein, so würde ich, um von dieser Einschränkung frei zu werden, einen grossen Wert auf den Verlust des ersteren legen.“ 118) Vischer I, 308. Ist sie(die Schuld) von bestimmter Art, so sind Subjekte mit Absicht die Organe derselben, und diese sind entweder als die verletzten, obwohl nicht völlig unschuldig, doch gegen das schuldige Hauptsubjekt im Rechte, und die Strafe erscheint unmittelbar gerecht, oder sie sind nicht die verletzten und 5 schlimmer als physisches Ende: Elisabeth muss unmittelbar nach der Hinrichtung der Stuart die Erfahrung machen, wie wahr vorher Talbot gesprochen, als er sie mit den Worten verhindern wollte, das Todesurteil zu unterzeichnen: Nicht die Lebende hast du zu fürchten, zittere vor der Toten, der Enthaupteten, verlassen wird sie von ihm, der ihrer Krone kräftigste Stütze sein könnte, ja selbst von dem Manne ihrer Liebe, Lord Leicester. Damit ist aber zugleich derjenige Zustand, den herzustellen Aufgabe der Katastrophe ist, eingetreten: Sühne, d. h. Maria hat für ihre Leiden und die ihr zugefügten Krünkungen ein triumphierendes Ende ¹¹⁸ν gefunden, die Intriguanten sind gestürzt, an der heuchlerischen Elisabeth aber rächt sich der Tod der Gegnerin durch ein furchtbares, nie wieder zu erstickendes Bewusstsein schwerer Schuld. J. v. 0. Befreiung des Vaterlandes von den Feinden durch erfolgreichen Kampf gegen ihre sinnliche Natur(Steigerung und Höhenpunkt s. I. p. 28) war die Mission der Jungfrau. Sie konnte dieselbe aber nicht zu Ende führen, weil sie die Bedingung(Entsagung der Liebe) verletzte(tragisches Moment). Infolgedessen verhängte die göttliche Gerechtigkeit über sie ein Strafgericht, nachdem der Glaube an ihren himmlischen Beruf, sowie ihre glühende Begeisterung und damit die alle: Herzen entflammende Hoheit ihres Wesens verloron ging(Umkehr p. 18 fig.) Durch Überwindung der Liebe muss dieselbe zugleich mit der Huld des Himmels wisdergewonnen und Johanna selbst hierdurch in den Stand gesetzt werden, ihre Aufgabe auf Erden zu erfüllen, d. i. Katastrophe des Stückes. Die letztere besteht 1. aus einer Vorscene: die seit Johannas Entfernung im französischen Lager eingetretene ungünstige Kriegslage V, 7, 8;¹⁰0% Uberleitung: Aufbruch zu ihrer Befreiung; 2. der Hauptscene, die Entscheidung in vier Momenten, und zwar in der Weise, dass wiederum der äusseren Handlung eine innere(I. s. p. 29) entspricht; a) Lionels erneute Wer- bung— Johanna entsagt der Liebe; b) Anrücken der Heere— Johannas neugestärkter Glaube an die Rettung ihres Vaterlandes durch des Himmels Hand: eure Macht ist hin(V, 9, 10 ¹²¹); c) das Kriegsglück wendet sich auf Seite der Engländer— wiedererwachende glühende, kriegerische Begeisterung Johannas; d) der König gefangen— Johannas vom Himmel erhörtes befreiendes Gebet(v. 11); 2) Sieg umter Johannas Führung— verklärter Tod ¹²* der Jungfrau(V, 12, 13, 14). B.». M. Die Uberleitung zur Katastrophe bildet Don Cesars Verzweiflung(Schluss von IV, 6); diese selbst besteht aus a) Don Cesar ordnet das Begräbnis seines Bruders und beschliesst die Ausführung des Selbstmordes zur Sühne für den Ermordeten(V, 8 ¹²³), p) aussöhnende Unterredung zwischen Mutter und Sohn(V, 9); c) Don Cesars letzter Kampf(Unterredung mit Beatrice ¹²*l und Tod¹²*νꝗ V, 10). verfallen, indem sie über das nichtschuldige Hauptsubjekt das Übel verhängen, selbst in Schuld und Strafe, aber dieses setzt sein unmittelbar nicht verdientes und insofern zufälliges Leiden durch sein Bewusstsein in Zusammenhang mit seiner Schuld.“„Elisabeth in Schillers M. St. ist gegen diese nicht im Rechte, denn des Verbrechens, wofür sie eingekerkert und zum Tode verdammt wird, ist sie nicht überwiesen noch geständig. Elisabeth selbst wird daher die Schuldige und verfällt am Ende, verlassen von ihrem Günstlinge, der Last ihres Bewusstseins. Leidet nun die schuldige Hauptperson durch solche, welche durch ihre Schuld nicht verletzt waren, wie Maria Stuart, so muss das Bewusstsein derselben den innern Zusammenhang zwischen Schuld und Übel herstellen. Das beste Beispiel ist eben die letztere, welche versöhnt, im Gefühle, durch den unver- dienten Tod ihre wahre Schuld zu büssen, in den Tod geht.“ 119) J. Duboc. a. o. O. p. 39 flg. zbigt am Geschick der Maria Stuart, dass die echt tragische Wirkung tfrans- cendent— erhebend ist(„am Klarsten— vorzuliegen scheinen“). 120) D. J. v. O. 248 flg. über das Verhalten von Dunois, du Chatel und des Erzbischofs letzte Rede. 121) D. J. v. O. 252 zu den Worten: Erschreckt dich ein gefesselt Weib? 85 122) Vischer a. o. O. II, 368.„Das Endschicksal wird in den grossen Stoffen meist in der Hauptsache so gegeben sein, dass wesentliche Umänderung Sünde wäre, wie wenn... Wallenstein glücklich enden sollte.“.... „Natürlich hindert aber überall nichts, das Ende reiner zu motivieren und zu gestalten, wie z. B. den Tod der Jungfrau von Orleans.“ 123) D. B. b. M. Hier sollte ein neuer(V.) Akt beginnen. 124) Vischer a. O. O. II, 145.„In der Familie fliesst die Liebe des Vaters zur Mutter, der Mutter zum Vater, beider zu den Kindern, des Kindes zu den Eltern, der Kinder unter sich in eine Liebe, eine geistige Person zusammen, und ist dies ein um so reicheres Schauspiel, da jedes unter diesen die andern wieder mit einer andern Liebe liebt. Dass Zerstörung der Familienliebe Zerstörung der Menschheit, Weltuntergang ist, spricht in gewaltigen Lauten Shakespeare im König Lear aus...“ ferner gehören hierher die Kollisionen:„Vaterliebe mit Mutterliebe: Orestie; Bruderliebe mit Gesetz: Antigone; Bruderliebe und Leidenschaft der Liebe zum Weibe: Braut von Messina.“ 125) Vischer a. o. O. I, 310.„Das äusserste Ubel ist der Tod nur in objektivem Sinne. Don Cesar in der B. v. M. reinigt seine Schuld durch den Tod und spricht aus, dass das Leben der Güter höchstes nicht ist(weil ihm der Tod gegen die Qual des Bewusstseins subjektiv noch als Gut erscheint).“ 35 Tl.— 1. Tlh. Allerdings hat dieselbe mit Gesslers Tod ihren Abschluss erreicht, sodass die Er mordung des Gegners strenggenommen schon Katastrophe(p. 26) ist. Dennoch konnte diese Handlung hier nicht schliessen ¹²⁶; denn es besteht keineswegs die Aufgabe der Katastrophe ausschliesslich darin„durch eine energische Aktion aufzuheben“, sondern es muss auch nach derselben in dem Zuschauer das Gefühl der Ver- söhnung zurückbleiben, das als eine natürliche Folge der wahrgenommenen„Ausgleichung käümpfender Gegen- sätze“ eintreten soll. Offenbar aber kann sich dieses Gefühl erst dann einstellen, wenn Yell wieder mit den Seinen vereint ist. Nicht dass der dramatische Dichter, um eine solche Wirkung hervorzurufen, nötig hätte, alles bis auf den letzten Strich auszuführen— gerade das Gegenteil würde er dadurch erreichen— die Katastrophe der Tlh., Rückkehr Tells(V, 2) mit der Episode Parricida ist aber ein Beweis, wie weit, er oft zu gehen hat; denn der Held ist im eigentlichen Sinne den Seinen erst dann ganz wiedergegeben, wenn die Landvögte verjagt, der Kaiser Albrecht, der Tells That rächen kann, ermordet worden ist. 2. Schweh. u. Atfgh. Ausführung der Rütlibeschlüsse unter Rudenz' Mitwirkung(V, 1 ¹²⁷) in zwei Momenten (UÜberleitung ist: Erhebung des Volkes bei Gesslers Tod IV, 3 p. 21); a) Vertreibung der Vögte(berichtet) und Zerstörung der Burgen ¹²⁸(der Fall von Zwing Uri scenisch dargestellt, der von Sarnen durch Rudenz, der des Rossbergs durch Melchthal und Befreiung von Bertha, von Melchthal berichtet). Die Verknüpfung beider Handlungen ist hier eine innige, insofern Melchthal der Vertreter des Volkes, Rudenz, der Vertreter des Adels, gemeinsam das Werk der Befreiung ausführten. Beide Momente sind getrennt durch ein Zwischenglied: Beschluss der Aufbewahrung des Hutes; b) Ermordung des Kaisers(von Stauffacher be- richtet, zugleich das Erscheinen ²²⁷ Parricidas vorbereitend). Das Stück endigt mit einem Schlussbild ¹³⁰ (letzte Scene, unmittelbar nach der Episode ¹³²⁷), das ähnliche Bedeutung für Attgh. hat, wie die Rück- kehr Tells als(freilich unentbehrlicher) Schluss der T'lh., Vereinigung der Liebenden u. s. w. Durch Teil- nahme Tells und der Schweizer an diesem Schlussbilde sind die Fäden der drei Handlungen glücklich miteinander vereinigt und das Ganze wird dadurch zu einem wirksamen Ende geführt(s. die dramaturgische Tafel). 126) D. Tl. 81 meint, dass nur theatralisch Tell als Erretter und Befreier der drei Lande dargestellt werde, aber nicht dramatisch.— Siehe daselbst auch den Plan zu einem wirklichen Wilhelm Tell, in dem der Bund und die Befreiung mehr in den Hintergrund treten. 127) D. Tl. 262 über das Verhalten des ängstlichen Freiheitsmannes Walter Fürst.— 264 flg. die fehlende scenarische Bemerkung, die Zerstörung des Baues selbst betreffend.— 109, 267 die Ermordung Albrechts erfolgte vier Monate später.— 110, 267. Die Reichsacht, welche Kaiser Heinrich VII. zu Speier über die Mörder aussprach, wird als gleich erfolgt und die grausame Verfolgung von Seiten der Tochter Albrechts als unmittelbar drohend dargestellt.— 268 zu der scenarischen Bemerkung: die Landleute umarmen einander. 128) Vischer III, 24 über das Kompositionsgesetz:„Allgemein ist auszusprechen, dass alle echte Kunst nicht dünn und spärlich, sondern voll und üppig quillt, nicht aus einer, sondern vielen Röhren sprudelt und mehr vor dem Zuviel als dem Zuwenig sich zu hüten hat. So entfaltet Schillers T7. das revolutionäre Element in den ver- schiedensten Formen der jugendlichen Leidenschaft, der besonnenen Beratung, der einsilbigen Entschlossenheit u. s. w.“ 129) Tl. 272. Der Dichter lässt Parricida wider die Geschichte als Mönch in Tells Hause erscheinen(über das zufällige Erscheinen p. 112); freilich soll er als Mönch gestorben sein, aber dass er auf der Flucht Mönchstracht angenommen, wird nicht berichtet. 130) Vischer sagt an der Stelle, wo von den Arten und Unterarten der Phantasie die Rede ist, p. 378 von Schiller:„Schiller ist vorzüglich für das Erhabene des Subjekts und das Schicksal in der Geschichte organisiert, doch gelingt ihm auch Volksleben und Kulturform, aber besser drastisch bewegte(Soldatenleben in M 1sk.), als ein- fach schöne(ländliche im TII.). 131) Die Episoden und Zwischenscenen(s. I. p. 4 N. 6) bedeuten, ähnlich den Monologen und Botenberichten, Ruhepunkte in der fortschreitenden Handlung; die ersteren sind selbständige Stücke und in fast nur äusserlichem Zu- sammenhang mit dem Voraufgehenden oder Nachfolgenden, während die Zwischenscenen(welche, wenn sie von geringem Umfange sind und mitten in einer Scene liegen, Zwischenglieder genannt werden können) in engerer Ver- bindung zur Handlung stehen, immerhin aber gleich den Episoden diese an einer bestimmten Stelle unterbrechen. Der Schüler wird unter Anleitung des Lehrers auch diese Teilstücke erkennen lernen, wenn er erst mit dem Bau des Dramas(den Teilen und Stellen) vertrauter geworden, ist. In fast allen Schillerschen Dramen bieten sich lehr- reiche Beispiele: R. das Erscheinen Kosinskys; F. Calcagnos Bericht von der Entdeckung der Verschwornen, Fieskos Verstellung, Auslieferung des Mohren; die Teilnahme Berthas und des Mohren am Kampfe. Wäst. T6d. III, 11—12, 19— 20; Wallensteins Erzählung seines Traumes, Tl. die(bekanntlich zu absichtliche) Episode von Parricida. 36 Nachdem in der vorliegenden Arbeit der Versuch gemacht worden ist, an Schillers Dramen zu zeigen, auf welchem Wege die Lektüre klassischer Stücke fruchtbar gemacht werden kann, nämlich durch die ästhetische Behandlung derselben, mag die Meinung des Verfassers über diesen Gegenstand hier noch in folgenden allgemeinen Sätzen zusammengefasst werden: 1. Mittelpunkt des deutschen Unterrichts in den oberen Klassen bildet die Lektüre, ¹*² besonders die der klassischen Dramen. 2. Es genügt nicht, das eine oder andere Stück dieses oder jenes Dichters zu lesen. Mit dem geistigen Gehalt und der künstlerischen Form mindestens jener Dramen, die auf dem Höhenpunkte dichterischen Schaffens entstanden sind, müssen die Schüler vollständig vertraut werden. 3. Gegenüber dieser umfangreichen Forderung ist zu betonen, dass dagegen der Unterricht in der Litteraturgeschichte durchaus einzuschränken ist. 133 Es sind nur die Höhenzüge ¹³*⁴ zu geben, und nur der Platz ist zu charakterisieren, der den Meisterwerken innerhalb gewisser Perioden gebührt. Zu diesem Zwecke genügt es, monatlich ein- oder zweimal in der Schule auf die Geschichte der Dichtkunst zurückzukommen. Die gedächtnismässige Einprägung des Inhalts litterarischer Kompendien ist für den Lernenden nicht nur nutzlos, sondern schädlich. Aber auch die Würde des deutschen Unterrichts wird hierdurch schwer ge- schädigt gegenüber den klares Denken und richtiges Erfassen des Gegenstandes in ausgezeichneter Weise fördernden Disziplinen(z. B. den naturwissenschaftlichen und mathematischen), deren Übergewicht dann nicht nur hervorgerufen, sondern auch gerechtfertigt erscheinen würde, sobald eine angemessene, d. h. Gemüt und Verstand gleichzeitig ausbildende Methode des deutschen Unterrichts nicht beobachtet wird. 4. Um die Bekanntschaft mit einer ganzen Reihe von Dramen zu ermöglichen, ist die philologische Erläuterung ¹³⁵ von selbst ausgeschlossen; aber ebenso wenig darf die dem deutschen Unterricht zugemessene Zeit zum blossen Lesen verschwendet werden. Vielmehr ist die häusliche Thätigkeit der Schüler in diesem Punkte in Anspruch zu nehmen. 132) Des wohlthätigen Einflusses einer guten Lektüre auf den deutschen Aufsatz konnte in dieser Abhand- lung nicht gedacht werden. Selbstverständlich wird die deutsche Arbeit stets als das beste Zeugnis der geistigen Reife des Schülers angesehen werden müssen, d. h. am besten den Beweis liefern, inwieweit durch die Gesamt- heit der Disziplinen die Ausbildung der geistigen Kräfte in harmonischer Weise gefördert würde, und zwar so- wohl hinsichtlich der erworbenen Kenntnisse als der Porm. Denn der Schüler, welcher durch das Studium der übrigen Wissenschaften wirklich geistiges Eigentum erlangt hat, wird schwerlich an Gedankenarmut leiden, und wenn er auf anderen Gebieten seine Denkfähigkeit geschärft hat, wird er auch die Gesetze der Muttersprache nicht mehr gröblich verletzen— immer vorausgesetzt, dass keine einseitige Betonung anderer Fächer stattfindet; denn diese wirkt allerdings dann mit sehr unangenehmer Depression auf die Leistungen in der Muttersprache. 133) H. v. Treitschke in den Preuss. Jahrbüchern 51, 2. p. 185(„einige Bemerkungen über unser Gymnasial- wesen“) verlangt von der Schule, dass sie den Sehüler anhalten solle, den Goethe oder Schiller selber fleissig zu lesen u. s. w. 134) Nach des Verfassers Meinung brauchten nur folgende Werke, diese aber nach ihrem ganzen geistigen Gehalte, in den drei oberen Klassen behandelt zu werden, alles andere könnte mit Stillschweigen übergangen und als Ballast über Bord geworfen werden: Walthariilied, Rolandslied, Nibelungenlied*(die mit* versehenen Werke sind ganz oder in grösseren Partien zu lesen); Gudrun, Reineke Fuchs; Hartmann von Aue: der arme Heinrich; Wolfram von Eschenbach: Parzival; Gottfried von Strassburg: Tristan und Isolde; Walther von der Vogelweide: einige Lieder?*; Luther: Sendschreiben an den christlichen Adel deutscher Nation*; Hans Sachs: einige Fastnachtsspiele; Sebastian Brandt: das Narrenschiff; die Schildbürger; das Faustbuch; Chr. v. Grimmelshausen: Simplicissimus; Klopstock: Messias“*, einige Oden*; Wieland: Oberon*; Herder: Cid*; Klinger: Sturm und Drang, die Zwillinge; Leisewitz: Julius von Tarent; Lessing: Emilia Galotti*, Nathan*, Minna von Barnhelm*, Dramaturgie*; Laokoon*; Goethe: Hermann und Dorothea*, Werther, Wilhelm Meister, lyrische Dichtungen und Balladen*, Götz*, Clavigo, Iphigenie*, Egmont“*, Tasso*; Schiller: die Dramen*(die ersten drei Stücke wird man in der Schule nicht lesen), einige lyrische und epische Dichtungen*; Kleist: der zerbrochene Krug, Käthchen von Heilbronn, Prinz von Homburgs. 135) Vgl.§ 10 der Lehrordnung für Gymnasien(Schlusssatz) und§ 9 für Realgymnasien des Königreichs Sachsen. 37 5. Die ästhetische Behandlung der dramatischen Lektüre durch den Lehrer bleibt in der Schule die Hauptsache. 136 Die Vorteile derselben sind: a) sie bildet das Gefühl und schärft zugleich den Verstand, indem sie das Kunstwerk als solches, insbesondere auch nach seinen Wirkungen betrachtet; b) sie erleichtert dem Schüler die zur Vorbereitung aufgegebene Lektüre, indem sie ihm eine rasche UÜbersicht ermöglicht durch die Bekanntschaft mit der Gkonomie des Dramas. 6. Die ästhetisch-kritisierende Methode ist dagegen zu vermeiden. Schiefes, vorlautes Urteil würde an Stelle der freudigen Zuversicht treten, mit der die Jugend jedes ihr als klassisch bekannte Kunstwerk aufnehmen will(s. I. p. 2). 7. Nichtsdestoweniger dürfen auffällige Widersprüche, UÜbertreibungen und dergl. nicht als gerecht- fertigt hingestellt werden; ¹³ denn die Aufmerksamkeit auf das Wahre und Schöne in einer Dichtung wird durch ein entgegengesetztes Verfahren abgelenkt, der Schüler in Empfindung und Urteil bezüglich des wahrhaft Klassischen irregeleitet. 8. Die ästhetische Behandlung hat hauptsächlich den Bau des Dramas ¹³⁸ zu berücksichtigen, d. h. denjenigen Teil der Technik, der gleichsam die Naturgesetze der dramatischen Kunst enthält, nach welchen jedes dramatische Kunstwerk alter und neuer Zeit gebildet ist. 9. Die Heranziehung von Theorien über das Drama, d. h. der aus dem fertigen Kunstwerk erst abgeleiteten ästhetischen Grundsätze, ist dagegen entschieden zu verwerfen. Hierdurch würde leicht der Schüler zu dem Irrtum veranlasst werden, dass der Dichter sich in ein gewisses Regelwerk gleichsam ein- zuspinnen habe, während er doch durch die Lektüre klassischer Stücke erkennen soll, dass dem schöpferischen Genie die denkbar grösste Freiheit gebührt. ¹³⁰ 136) Ein guter Geschichtslehrer kann nur der werden, der mit historischem Sinn begabt ist. Der letztere aber zeigt sich darin, dass der Lehrer die Macht und Wahrheit der Begebenheit reden lässt— wer dies nicht versteht, wird allerdings zu allerhand Toilettenkünsten seine Zuflucht nehmen müssen, d h. die Geschichte fälschen, um die Sache interessant und schmackhaft zu machen. In ähnlicher Weise befähigt aber auch zum deutschen Unterricht eine ästhetische Vorbildung. Ob dann die absprechenden oder unzutreffenden Urteile über Wert und Methode diéser Disziplinen von seiten solcher verstummen werden, denen das historische und ästhetische ABC niemals geläufig geworden ist, muss dahin gestellt bleiben; sicherlich ist aber dann wenigstens unter den Fach- genossen der Standpunkt jenes„übrigens ausgezeichneten“ Philologen gänzlich überwunden, von dem H. v. Treitschke (a, a. O. p. 166) erzählt, er habe einmal in der Schule seine kritischen Bemerkungen über einen Dichter mit der gering- schätzigen Bemerkung geschlossen:„das Asthetische versteht sich ja ganz von selbst.“ 137) Deshalb wurde in den Noten vielfach auf Düntzers(D.) Erläuterungen zu Schiller, im II. Beitrag auch auf Vischers Asthetik(Stuttg. 1854) hingewiesen und das Nachschlagen in den betreffenden Werken durch A bend er Seitenzahl erleichtert. Doch bezieht sich die letztere bei D. auf folgende Auflagen: D. C. 1.(1886 in 2. Aufl.), W st. (1886 in 4. Aufl. erschienen), M. St., J. v. O., B. v. M., T. 2. Aufl. 138) G. Freytags Technik des Dramas(Kap, II, 2) ist hierbei in erster Linie zu empfehlen. 139) Lessing, Hamburgische Dramaturgie, 48. Stück:„O ihr Verfertiger allgemeiner Regeln, wie wenig ver- steht ihr die Kunst, und wie wenig besitzt ihr von dem Genie, das die Muster hervorgebracht hat, auf welche ihr sie baut, und das sie übertreten kann, so oft es ihm beliebt!“ 38 Dramaturgisehe Tafel. Erklärung der Zeichen: 4A, 4 4A“= charakterisierender Akkord; aα— b, as— b’, d— h’= Exposition; G, c', c= erregendes Moment; 1, 1 1“, 2, 2, 2“, 3, 3˙, 3, 4, 5= Stufen der Steigerung; H, H“, h, h’= Höhen- punkt; d= tragisches Moment; I', I“, I, TT’, II’", II', IV’= Stufen der Umkehr; e= Moment der letzten Spannung; K, K’= Hauptkatastrophe, k, K', k“= Nebenkatastrophe. Die in Klammern gesetzten Buchstaben, Zahlen und Textworte beziehen sich auf die Nebenhandlung oder auf die Seitenzahl der Abhandlung IJ. und II. 7, II, III, Iy, V= Akte. Derzeitliche Verlauf ist durch die Abscissen, die Handlung durch die Ordinaten dargestellt. Die stärkere aufsteigende Linie in Wlst, und J. g. O. deutet an, dass diese beiden Stücke sich im Gegenspiel erheben (v. I. p. 13 flg.).. R. 4A. Das Spiel mit dem Briefe (IJ. p. 7);— b. Franzens Plan, Moors Unter- redung mit Spiegelberg(I. p. 8) c. Wirkung 7 des Briefes(I. p. 8); Steigerung(I. p. 16 flg.), . 1. Karl Moor wird Räuberhauptmann; 2. Franzens erste Werbung; 3. Franzens An- Sli S K schlag auf das Leben des Vaters; 4. Karl 2,7 Moor à 1 „der grosse Räuber; 5. Franzens zweite c. k“ Werbung; H(innere Handlung). Karl Moors t. K” Seelenumdüsterung(I. 32 flg.); d. Karl Moors 4 7 3 5 77 4. Entschluss, Amalien wiederzusehen(II. p. 8); N 1. Umkehr(II. 13 flg.), I’. Franzens Besorgnis und Entschluss, den Grafen zu töten; II“. Daniels n Hillangen: IIII. Auffindung des alten Moor; K. Franzens Selbstmord; k. Schweizers Selbstmord; K'. Tod des alten Moor und Amaliens; K“ Karl Moor liefert sich aus(II. p. 27 flg.). K. u. L. A. Streit der Miller- schen Eheleute(I. p. 7); a— b. Verhältnis der Liebenden zueinander und den Eltern der- selben(I. p. S flg.); c. Wurms Bericht an den Vater(I. p. 9); Steigerung(I. p. 19 flg.), 1. Eingreifen des Vaters;[(L). Ferdinand und die Milfort]; 2. Der Präsident versucht Ge- 1 walt; 3. Verschwörung der Schurken; H. Abfassung des Briefes(l. p. 33); d. Ferdi- ℳ S h nands Überzeugung von Luisens Untreue 1(II. p. 9); Umkehr(II. p. 14), T’. Ferdinand 4 b beschliesst seinen und der Geliebten Tod [geteilt durch(1!). Luise und die Milfort]; e. Möglichkeit der Entdeckung des Betrugs(II. p. 24); K. Tod der Liebenden und Bestrafung des Betrugs(II. p. 28). 39 F. 4. Leonorens schmerzliche Ausserung, sie werde in Fiesko ihren Gemahl(Nebenhandlung), Genua seinen Helden(Haupthandlung) verlieren(I. p. 7); ¹‧— 5b. Schilderung der Zustände in Genua(I. p. 9);(a-— b. Fieskos Liebeserklärung; c. Ubergabe der Silhouette, I. p. 9 N. 29); c. missglückter Mordversuch des Mohren und Entehrung Berthas(I. p. 9); Steigerung(I. p. 20 flg.), I. Verschwörung der Republikaner(1. Julie(/) beweist Leonoren Fieskos scheinbare] Treu- losigkeit); 2. Fiesko erkennt seinen wach- 4 72 senden Einfluss; 3. Gianettinos Anschlag; 4 4. die Republikaner wenden sich an Fiesko; 2 er 8 * — d. Argwobhn Verrinas(II. p. 9); H.(I. p. 34). 2.O Fiesko beschliesst, Herzog zu werden(h. Leonore beschliesst Trennung von dem an- 1 M X scheinend lieblosen Gatten, Fiesko erbittet eine zweitägige Frist II. p. 29), Umkehr K (TI. Juliens Anschlag nach dem Bericht des 4 àu 3 Mohren II. p. 29), I’. das Komplott(II. p. 14); 7 II TII 1127 V IIT.(II. p. 15). Entlassung des Mohren, welcher Verrat beschliesst(TII’. Fiesko ladet Julie zur Komödie II. p. 29); 11I. Verrina beschliesst, den Tyrannen Fiesko zu ermorden(II. p. 15);(k. Demütigung Juliens, Rückgabe der Silhouette II. p. 29); K. Fiesko, Herzog von Genua (II. p. 28);(K Leonore füllt durch Fieskos Hand); K'. Verrina tötet Fiesko(II. p. 29), D. C. 4 ¼ Trübsinn des Infanten I. p. 7); a'— 5b. Carlos gesteht Posa, dass H er seine Mutter liebe(I. p. 9);*(I. p. 9). 2A Des Prinzen Entschluss, seine Mutter zu 7 sehen(c. Eboli verrät ihre Neigung zu Don Carlos I. p. 9 N. 29); Steigerung für die Hand- A lung Don Carlos“(I. p. 21 flg.), 1/. Carlos we Liebeserklärung, Verzweiflung und Erhebung 3 1 31 X durch die ihm von der Königin angetragene 92 Mission; 2. Carlos Zerwürfnis mit dem* Vater;(1. Carlos verschmäht die Liebe der er. Prinzessin I. p. 22 flg.) 3. das Komplott; K (h. die Prinzessin ist zum Opfer ihrer Frauen- 4 a1 5 ehre bereit I. p. 23);= Posa wird Held der n 3— Haupthandlung; c. in Posas Seele entsteht der 1) 1 pthandlung; c. in Posas See Plan des gefährlichen Unternehmens(I. p. 9); Steigerung der Handlung Posa(I. p. 23 flg.), I. Posa tritt in des Königs Dienst; 2. Posa gewinnt die Königin; H. Posa fordert Carlos Briefschaften(I. p. 34); d. Misstrauen des Infanten(II. p. 10); Umkehr(I’. Schuldbewusstsein der Eboli I. p. 24), T’.(von d. an sind die beiden Handlungen Carlos-Posa innig verschlungen). Philipp veschuldigt die Königin, Posa erlangt den Verhaftsbefehl(II. p. 15); II'. Carlos sucht das Vertrauen der Eboli, Posas verzweifelter Plan(II. p. 15 fig.)(II’. Geständnisse der Eboli II. p. 16; k. Verbannung der Eboli II. p. 29) K.(Posa). Entdeckung, Ermordung(II. p. 29); e. Möglichkeit des Entkommens(II. p. 24 flg.) K'(Carlos'). Don Carlos verfällt der Inqui- sition(II. p. 30). Wist. Picc. A.„Begrüssung der Generäle und Questenbergs“(I. p. 7); a- b. bevorstehende Ankunft von Gattin und Tochter Wallensteins unter Maxens Führung(I. p 9 flg); c.„Ankunft der Liebenden“(I. p. 10); Steigerung (I. p. 24 u. N. 88), 1. Max verrät seine Liebe; 2.„Annäherung der Liebenden“; 3. die Liebenden gegenüber der intri- guierenden Umgebung“; h. Liebeserklürung; Umkehr(I. p. 24 flg. II. p. 16 flg.), T. Kampf zwischen Vater und Sohn = katastrophenartiger Schluss für die Picc., innere Lösung vom Vater und zugleich erster Höhenpunkt(H) für das 40 Doppeldrama: Beginn der Reaktion durch Octavio gegen das verräüterische Treiben Wallensteins(I. p. 35 flg.); III. Maxens Kampf mit dem Feldherrn(II. p. 16); K. in den II. bis IV. Akt verteilt. Max trennt sich auch äusserlich vom Vater(im II. Akt), ferner vom Feldherrn und„Abschied von Thekla“(im III. Akt),„Bericht seines Todes, Theklas Flucht“(im IV. Akt II. p. 30 flg.). „Doppeldrama“. 4!'. Das Lager(I. p. 7); a— 5b!. Zusammenziehung der Truppen nach Pilsen und bevor- stehende Ankunft der Regimentsobersten(I. p. 9); c'. Questenbergs Erscheinen mit seinem offenen Auftrag an die Generale und geheimen an Octavio(I. p. 10); Steigerung(I. p. 24 flg.), 1 Wallenstein weist die Forderungen des Kaisers zurück— Au- dienzscene; 2. die Unterschrift wird er- schlichen— Bankett- scene; H. Verhältnis der Gegnerschaft Octavios zu Wallenstein in der j Scene zwischen Vater und Sohn(I. p. 35 siehe 4 224 5 b' L. der Figur); H’. Ge- — 4.. fangennahme Sesinas 7 7 III IV Vv 1 II III IV V und Abschluss der Kon- W. Lager Piccolomini Wallensteins Tod. junktion,„zugleich er- regendes Moment für .. Wist. Td.“(I. p. 35 flg.); d. Wallensteins blindes Vertrauen zu Octavio(II. p. 10); Umkehr(II. p. 16 flg.), I0.= Steig. 1. 20. 31. h’. von Wäst. Id.(siehe unten); II“. Buttlers Beschlüsse, zugleich Umkehr für Wist. Td., dessen hanlihe von hier an mit der des Doppeldramas zusammenfällt; e. Nachricht von dem Siege der Schweden(II. p. 25); K. Tod Wallensteins und seiner Getreuen(II. p. 32). Wist. Td. 400. Die nächtliche Scene mit dem Astrologen(I. p. 7); exponiert ist das Stück durch die ganze voraufgehende Handlung; c“.„Gefangennahme Sesinas und Verhandlung mit Wrangel“, siehe H’.(I. p. 10); Steigerung(I. p. 24 flg. u. N. 89), 1. Octavio mit Vollmacht von Wallenstein versehen; 2. Verlockung Isolanis und Buttlers; 3. Abfall der übrigen Feldherren,„Empörung eines Teils des Heeres“, Fall von Prag, Achtung Wallensteins; hl. Abfall der Kürassiere(I. p. 36); Umkehr= III., e., K. des Doppeldramas. M. St. 4A.„Das Erbrechen der Schränke“(I. p. 7); ¹‧— b. Marias Bekennt- nisse und Reue(I. p. 10); c.„Geständnis Mortimers“(I. p. 10); Steigerung(I. p. 26 flg.), I. Burleigh verkündigt die Verurteilung; 2. „Kampf der Höflinge für und wider Maria und Wirkung des Briefes von Maria“; 3.„Unterredung Mortimers mit Leicester“; 4.„Verlockung Elisabeths durch Leicester, Maria zu sehen“; H. Begegnung der Köni- ginnen(I. p. 36); d.„Ausbruch des Zankes“ (II. p. 10); Umkehr(II. p. 17 flg.), I'. Morti- mers Leidenschaft und Zerstreuung der Ver- schworenen; II. Vlofihls der Intriguanten; III’. Leicesters teuflischer Plan; IVI. die Unterzeichnung des Urteils; k. Marias Erhebung und Tod; K“. Leicesters, K. Elisabeths Niederlage(II. p. 32 flg.). 41 J. v. O. 4A. Prolog: Johannas geistige Abwesenheit, gespannte Aufmerksamkeit bei dem Kriegsbericht u. s. w. (I. p. 7); d— b. Andeutung der Lage(I. p. 10);. Nachricht von dem wunderbaren Siege(I. p. 10 flg.); Steigerung (I. p. 28 flg.), äussere— innere Handlung: 1. die berichtete Einnahme von Orleans— H Bewunderung und Ergebenheit des Königs 2 und der Vornehmen; 2. Johanna im englischen 3 Lager— Johannas Empfindung für Mont- 1 gomery; 3. Werbung der Edelleute und zurückhaltende Weigerung Johannas— ihre Sehnsucht nach einem Herzensbunde; 4. Er- oberung von Rheims und Talbots Tod— ihre irdische Kriegsleidenschaft etc.; H. Jo- hannas Befangenheit(I. p. 37); d. Johanna verfällt der Macht der Liebe(I. p. 37 u. II. p. 11); Umkehr(II. p. 18 flg.), I'. Johannas Verbannung— Verzweiflung; II’. Johannas Gefangennahme— Demütigung; K. Johanna überwindet die Macht der Liebe und gewinnt des Himmels Gunst von neuem, Sieg und verklärter Tod(II. p. 34). 1 11 III W V B. v. M. 4. Die tiefe Trauer und der mütterliche Schmerz Isabellens(I. p. 7); a— b. An- IH sprache an die Altesten: Entfernung Beatricens, Zwist X₰ der Brüder, bevorstehende Versöhnung(I. p. 10); c. die 4 7 II Brüder verraten, dass sie lieben(I. p. 11); Steigerung 2- 8 (I. p. 29 flg.) I. Don Cesar erklärt Beatrice seine Liebe; 427 2. Kunde von der Entführung; 3. Aufbruch der Brüder, 12. H. Beatricens Geständnis(I. p. 37); d. Don Cesars er- A M wachende Eifersucht(II. p. 11); Umkehr(II. p. 20), Ae. II. Don Cesar tötet Don Manuel; II’. die Enthällungen; a III’ Isabella und Beatrice verabscheuen den Mörder; 4— K. Don Cesar tötet sich selbst(II. p. 34). 1 I II I TI. 4. Das Bild des Friedens und der aufgestörten Ruhe in dem Landschaftsgemälde(I. p. 8); Tlh. a— b. „Unterredung der Landleute“ und Baumgartens Flucht; c.„Rettung desselben durch Tell“(I. p. 11); Steigerung(I. p. 30), 1.„Unterredung Tells mit Stauffacher vor dem von Gessler aufgesteckten Hute“; H.(I. p. 39 fig). Apfelschuss; Umkehr(II. p. 20 flg.), I’. Tells Rettung H aus dem Schiffe; II’. Tells zweiter Schuss; A . 5 7— K. Tell den Seinen zurückgegeben(II. p. 35). H Schaeh. αν— bꝗ Gertruds Ansprache(I. p. 11);— h G!.„Bericht von der Blendung Melchthals F p„“ V. (I. p. 11); Steigerung(I. p. 31), 1/¼„Be- 5, d schluss der drei Schweizer, auf dem Rütli r, n zu tagen“; H’„die Rütliscene“(I. p. 37 flg.); S u 88 X Umkehr(II. p. 22), I“. Rudenz als Ver- u N treter des Adels wird dem Bunde der S 2„ Schweizer gewonnen, zugleich 1"". für die a eeh, 3 l Attgh. K¹. Ausführung der Rütlibeschlüsse es 1 unter Rudenz Mitwirkung(II. p. 35), zu- 4 gleich h'., für die Attgh. Attgh. a— b. 1„ Stellung Attinghausens und Rudenz' zu- 1 12 12 17 einander und zu ihrem Volke(I. p. 11); c"., Ruden? Aufbruch(I. p. 11); Steigerung(I. p. 31 flg.), 10. Bertha erhebt den Vorwurf der Treulosigkeit gegen Rudenz(I. p. 32): H“. Liebeserklärung(I. p. 39); Umkehr und Kata- strophe siehe die Schwzh. 72 6 42 Die Lektüre des T²l. ist besonders geeignet, den Schüler auf die mehrfach erwähnte Vorliebe Schillers zu Doppelhelden, auf das grosse Interesse an einer zweiten Handlung u. s. w. aufmerksam zu machen. Schon in den R. versucht der Dichter, durch Franzens Bestreben, das Leben des Vaters zu untergraben, eine zweite Handlung zu schaffen; in K. u. L. bekunden diese wachsende Neigung des Dichters die Scenen mit der Milfort, in E. die des Helden mit seiner Gemahlin und Dorias Schwester und die zwischen beiden Frauen; in D. C. erscheint die Neben- handlung Eboli schon in inniger Verbindung mit der Haupthandlung, und das Interesse für Posa rief sogar eine zweite Handlung an Stelle der zuerst geplanten hervor. Der komplizierte Bau des Wlst. legt dafür das beredteste Zeugnis ab. In der J.» O. scheint die innere Handlung, die ja keinem Drama fehlen kann, in diesem aber von besonderer Wichtigkeit ist, in der B. v. M. die Einfügung der Chorlieder, aber in beiden Stücken schon der gewählte Stoff dieser Neigung nicht förderlich gewesen zu sein; im Tl. kommt sie dagegen in qrei fast parallel laufenden Handlungen(siehe die Figur) sehr auffällig wieder zum Vorschein. In M. St. und J. v. O. konnte der Dichter sich nicht versagen, eine Gestalt(in M. St. Mortimer, in J. v. O. Lionel) zu erfinden, die leicht der Träger einer voll- ständigen Nebenhandlung werden konnte, wenn auch nicht in dem Sinne, wie der ebenfalls erfundene Max Piccolomini (siehe die Figur) durch sein Verhältnis zu Thekla in Wlst. Es sei gestattet, hier noch den Bau von Goethes“ Iphigenie und Egmont sowie Lessings“** Nathan kurz anzugeben: Iphigenie auf Tauris. Idee: Die fluchbeladene Seele eines wegen Verwandtenmordes von den Rachbegeistern verfolgten Jünglings wird entsühnt durch die reine Menschlichkeit der nach dem himmlischen Ratschluss von ihm wiedergefundenen Schwester, der hehren Priesterin der Gottheit. 4. Sehnsucht Iphigeniens nach ihrer Heimat und den Ihrigen; α—— b. segensreiches Wirken der König Thoas' Werbung mit Hoheit zurückweisenden Priesterin und Geschichte ihres Geschlechts(I, 1 3); c. Nachricht von der Gefangennahme zweier Fremden, an denen das plutige Opfer wieder vollzogen werden soll. Schluss: Iphigeniens Gebet um Befreiung von dem unmenschlichen Dienste(I, 4). 3 Steigerung, 1. äussere Haupthandlung: Iphigenie erfährt durch Pylades die Ermordung ihres Vaters(II, 2), Orest verkündet die Ermordung der Mutter(III, 1); H. die Geschwister erkennen sich(III, 1). 2 innere Haupthand- lung: Orest, von den Furien verlassen, verfällt in düstere Verzweiflung(II, 1), H. lphigeniens Hoheit und reine Empfindung zwingt ihn zum Geständnis der That und hierdurch zur Ertragung der höchsten Seelenqual(III, 1) Nebenhandlung: Pylades sinnt auf Rettung, indem er seinen Plan auf das hoheitsvolle Wesen der Priesterin(II, 1) und der von ihm entdeckten Verwandtschaft derselben mit dem Hause Agamemnons gründet(II, 2). UÜberleitung zur Umkehr: Ermattung, Betäubung(III, 1), Visionen(III, 2); Umkehr(Haupt- und Nebenhandlung vom Höhenpunkte an eng verbunden): Lösung des Fluches. 1. Stufe: Befreiung Orests von der Seelenqual— Iphigeniens Gebet(III, 3); * Goethes Jugenddrama, Götz von Berlichingen, widerstrebt in vielen Punkten der Technik, die Schiller, der geborene Tragiker, in seinen Erstlingsdramen schon instinktiv befolgte. Clavigo und Faust wird man in der Schule kaum lesen. Über das erstere Stück vgl. G. Fr. a. a. O. p. 104, 106, 112, sowie Semler:„Goethes Clavigo und die sittliche Weltanschauung des Dichters“(1 85), in welcher Abhandlung auch der Bau berücksichtigt ist. Den Bau vom„Tasso“ zeigt G. Fr. a. o. O. p. 102 flg., 170 flg. Es möge hier noch die ldee dieses Stückes hinzu- gefügt werden, da nach dem I, p. 4 aufgestellten G undsatze der Schüler aus dieser die Handlung entwickeln lernen soll: In einem mit reichem Gemüt und überströmender Phantasie begabten Dichter bewirkt der seinem Charakter anhaftende Mangel einer ruhigen, die thatsächlich ten Verhältnisse mit klarer Einsicht durchdringenden Lebens- auffassung den Verlust seines Selbstes, das er erst urch schweren Kampf und mit fremder Hilfe wiedergewinnt. mr Von Emilia Galotti hat(nach der von G. Fr. gegebenen Analyse, s. a. o. O. p. 43, 94, 106, 112, 140 flg.) Dietrich(Progr. des Progymnasiums in Weissenfels 1882) eine eingehende Besprechung geliefert Die Idee dieser Tragödie möge hier ebenfalls noch angeführt werden: Die UÜberzeugung, dass die Erhaltung der Reinheit der Seele höher steht als das Leben, treibt ein edles, von einem ausschweifenden Vornehmen sowie dessen herzlosem Intri- guanten arg verfolgtes, um das Glück ihrer Liebe betrogenes Mädchen in den Tod, den sie von der Hand des Vaters fordert(vgl. über die Vorfabel, Niemeyer, Programm von Dresden-Neustadt 1878).— Minna von Barnhelm muss, da es ein Lustspiel ist und für dieses andere Gesetze gelten, hier unberücksichtigt bleiben. Bezüglich dieses gern gelesenen Stückes sei ebenfalls auf E. Niemeyer: Lessings Minna von Barnhelm, hist.-krit. Einleitung nebst fort- laufendem Kommentar, 2. Aufl. 1877, hingewiesen. 43 Überleitung zur zweiten(grossen) Stufe: Pylades mahnt zum Aufbruch(III, 3); 2. Stufe: die heiligsten Gefühle des Menschen, Wahrheitsliebe und Dankbarkeit Iphigeniens überwinden die übrigen Schwierigkeiten; fünf dramatische Momente a. Iphigeniens Gewissen empört sich gegen die Lüge(IV, 1, Raub des Bildes etc.), b. der gegen Arkas ausgesprochene Betrug(IV, 2) verwirrt ihr Inneres(IV, 3), c) die gegebene Einwilligung zur Flucht(IV, 4) weckt ihr Schuldbewusstsein(IV, 5), d. Thoas' Erbitterung(V, 1— 2) besiegt Iphigenie durch das Geständnis der Wahr- heit(V, 3), e. der zwischen Griechen und Scythen begonnene Kampf wird von Iphigenien gehindert(nur noch äusseres Hindernis, V, 4— 5). K. Der Wille der Götter wird bekannt, Versöhnung, Abschied(V, 6), Egmont. Idee: Der erklärte Liebling eines in seinen Freiheiten arg bedrängten Volkes, welchem letzteren auch die Erwählte seines Herzens angehört, wird durch seinen, auch durch die Warnungen des Freundes nicht zu erschütternden Glauben an Recht und Gerechtigkeit in eine die drohende Gefahr vollständig verkennende Sicherheit versetzt und wird deshalb das Opfer der politischen Gegner. Haupthandlung. I. Akt. 4. Stimmung des Volkes; a-— h. Egmonts volksbeliebte Stellung, politische. Lage der Niederländer. c.(Palast der Regentin). Nachricht von dem Ausbruch der Tumulte. Steigerung(die revo- lutionäre Bewegung unter Margarete von Parma bis zur Reaktion: Albas Eingreifen). 1. Stufe: Egmonts und Oraniens Einfluss auf die Vorgänge(berichtet), Machiavells Vorschlag, eine Verfassung zu geben, Margarete beschliesst in ihrer Bedrängnis die Zusammenberufung eines Rates. II. Akt. 2. Stufe(Platz in Brüsselh): Aufruhr des Volkes, von Egmont beschwichtigt. III. Akt. 3. Stufe(Egmonts Wohnung), eingeleitet durch die Scene Egmont— der Sekretär(wesentlich Charakterexposition), Hauptscene: Oraniens Warnung und Bitte an Egmont infolge der Nach- richt von Albas Nahen. 4. Stufe(Palast der Regentin): Die Regentin beschliesst, Alba zu weichen. IV. Akt. Akteinleitung(Strasse): Niedergeschlagenheit des Volkes; drei Momente: a. bei der Nachricht von Albas Anordnungen, b. von Margaretens Abreise, c. von Egmonts Gefährdung. Höhenpunktsscenen(der Culenburgische Palast) enthalten Vorscene: Sicherheitsmassregeln zur UÜberrumpelung der Grossen, zwei Momente: a. nach dem Gespräche der Offi- ziere(Silva und Gomez), b. Albas Befehl an die Offziere und Ferdinand; Zwischenglied: Oraniens Absage, Haupt- scene: Egmonts freimütiges Bekenntnis vor Alba. Umkehr, 1. Stufe: Egmonts Verhaftung. V. Akt. Stimmungsscene (Gefängnis): Egmont glaubt nicht an den Rechtsbruch. 2. Stufe(Klärchens Haus): Egmonts Verurteilung(nach Brackenburgs Bericht, Katastrophe der Nebenhandlung). K.(Gefängnis): Verkündigung des Urteils, Egmonts Schmer⸗ und Beruhigung(durch die Liebe Ferdinands). Schlussbild: Verklärung(s. d. Nebenhandlung). Nebenhandlung(Egmont, Klärchen, Brackenburg). I. Akt.(Bürgerhaus). A. das Lied; a— b. Klärchens Ver- hältnis zu Egmont und Brackenburg. III. Akt.(Klärchens Wohnung), Steigerung: Liebesscene(vgl. den Grundton derselben mit dem Höhenpunkte der Picc. Max und Thekla). V. Akt.(Strasse), Höhenpunkt: Klärchen als Heldin Umkehr: Ahnung ihres und des Geliebten Schicksals und Andeutung ihres Entschlusses(„Weisst du, wo meine Heimat ist?“). J. Klärchen nimmt Gift pei Brackenburgs Nachricht von Egmonts Verurteilung. Schlussbild(s. d. Haupthandlung): Klärchen erscheint Egmont als befreites Holland. Nathan der Weise. Idee: Die Überzeugung, dass das Humane, Vernünftige und Sittliche(insbesondere Nächstenliebe und Selbsterkenntnis) das Wesentliche der drei monotheistischen Religionen ist, treibt begeisterte, durch mannigfache äussere Schicksale geschiedene Vertreter derselben zu einer in solchem Glauben geschlossenen Vereinigung.. 4.(I, 1): Bestürzung des heimgekehrten Nathan bei der Vermutung, dass Recha(Blanda von Filneck, des Juden Pflegekind) mit verbrannt sei. a— b.(I, 1—3): Nathans Verhältnis zu Recha, Erzählung Dajas(Rechas christ- licher Gesellschafterin) von der Rettung durch den vom Sultan begnadigten Tempelherrn(Kurd von Filneck, Blandas Bruder, Sohn des Wolf von Filneck, d. i. Assad, Saladins Bruder), des letzteren Eindruck auf Recha und rätselhaftes Verschwinden(I, 1), Rechas Schwärmerei, Nathans weise Belehrung(I, 2), Saladins Lage und dessen durch den Derwisch verratene Absicht(Anleihe!). c. der Tempelherr zeigt sich wieder(I, 4). Steigerung, 1. Stufe: Der Tempel- herr(Bericht seiner Beteiligung an dem missglückten Versuch, Tebnin zu ersteigen) weisst sowohl des Klosterbruders (des ehemaligen Reitknechtes Wolfs von Filneck, der Blanda Nathan überbracht hatte) hinterlistigen Auftrag an den Patriarchen(I, 5) als auch Dajas Einladung in das Judenhaus entschieden zurück(I, 6); 2. Stufe: Einleitung, das Schachspiel(II, 1), Hauptscene: infolge der herrschenden Finanznot im Palast Saladins beschliesst man, trotz Al Hafis Gegenrede, den reichen Juden Nathan zu rufen(II, 2— 3); 3. Stufe: Einleitung, Rechas liebende Ungeduld(II, 4), Hauptscene, Nathan gewinnt den Tempelherrn, der Recha zu besuchen beschliesst, ist zweiteilig: a. geistige An- näherung(lI, 5), dann ein Verbindungsglied: Daja meldet Nathans Berufung zu Saladin(II, 6), b. Nathan ahnt die Verwandtschaft Kurds von Stauffen(wie sich der Tempelherr nennt) mit Wolf von Filneck(II, 7), Schlussscene: Nathan ermahnt Daja zu vorsichtiger Rede gegenüber dem Tempelherrn(II, 8) und A1 Hafis Abschied(II, 9); 4. Stufe: des Tempelherrn Bekanntschaft mit Recha: Einleitung, Recha und Daja in Erwartung des Besuches(III, 1), Scene 6* 44 in zwei Momenten: a. Widerstreit in der Seele des Tempelherrn wegen seiner auflodernden Leidenschaft zu Recha und gegenüber dem Gelübde seines Ordens, b. von Recha empfundener Gegensatz zwischen ihrer früheren leidenschaftlichen Stimmung und der Beruhigung der Seele seit ihrer Begegnung mit dem Tempelherrn; unbewusste Ahnung ihres geschwisterlichen Verhältnisses(III, 2, 3). H. Vorbereitungsscene in drei Momenten: a. der Sultan beschliesst die von Sittah vorgeschlagene Intrigue(III, 4), 5. der Sultan stellt die verfängliche Frage(III, 5), c. Nathans Entschluss (III, 6), Hauptscene: Nathan gewinnt durch Auslegung der Erzählung von den drei Ringen Saladins Freundschaft (Höhenpunkt: Fast so unerweislich, als uns jetzt— der rechte Glaube) und giebt ihm von der letzteren sofort den thatsächlichen Beweis(das Darlehen). Umkehr enthält die Wirkungen der(in der Steigerung gezeigten) einge- tretenen Beziehungen zwischen dem Tempelherrn, Nathan, dessen Hause und Saladin. 1. Stufe: Einleitung, der Tempelherr beschliesst um Rechas Hand anzuhalten(innerer Kampf III, 8), Scene in zwei Momenten: ¹. Werbung— Nathans scheinbar kalte Zurückhaltung(III, 9), b. Dajas Enthüllungen— des Tempelherrn Zorn gegen den Juden (III, 10); 2. Stufe: Einleitung, Warnung des Klosterbruders(IV, 1), Scene: der Tempelherr wendet sich an den Patriarchen, dessen Entscheidung(IV, 2); 3. Stufe: Einleitung, das Bild(IV, 3), Hauptscene: der Tempelherr wird von Saladin als wiedergeschenkter Assad aufgenommen und erlangt des letzteren Zusage der Vermittlung bei der Erwerbung Rechas(N, 4), Schluss: Recha soll in den Palast beschieden werden(IV, 5); 4. Stufe: Einleitung, Dajas Freude über die erhoffte Verbindung Rechas mit dem Tempelherrn(IV, 6), Hauptscene, durch Zwischenglieder (IV, 8: Nathan erfährt durch Daja Rechas Einladung in den Palast, V, 1—2 Saladin und die Mameluken, V, 3, der Tempelherr bereut seine Anklage bei dem Patriarchen) zweiteilig: Nathan wird in seinen Vermutungen bestätigt d. durch die Erzählung des Klosterbruders von des Patriarchen Absicht(IV, 7), b. durch das ihm von demselben ausgehändigte Brevier(V, 4). K. Vorbereitungsscene: der Tempelherr, der sich wegen seiner Anklage beim Patriarchen entschuldigt, aber trotz seiner Werbung um Recha von Nathan in Rücksicht auf die nahe Verwandtschaft abgewiesen wird, begiebt sich mit dem Juden zu den bevorstehenden Aufklärungen in den Palast(V, 5), Hauptscene: Recha und der Tempelherr erkennen sich als Geschwister, Sittah und Saladin finden in ihnen die Kinder ihres verstorbenen Bruders Assad wieder(V, 6 bis Schluss). Schulnachrichten. 1. Durchgenommene Pensa. Sexta. Ordinarius: in a Oberlehrer Dr. Schelle, in b Oberlehrer Rentzsch. 1. Religion, in a Dr. Lyon, in b Flemming. Biblische Geschichte des alten Testaments. Erklärung des ersten Hauptstückes. Das erste Hauptstück, Bibelsprüche und Kirchenlieder wurden gelernt. 2. Deutsch 4 St., in a Dr. Schelle, in b Rentzsch. Lehre vom einfachen Satze; Wort- arten und Wörterklassen; Deklination und Konjugation, ausgenommen die Schwankungen. Erklärung von Lesestücken, Übung im Wiedererzählen, Vortrag kleiner Gedichte. Einübung der Recht- schreibung und der Hauptregeln der Interpunktion. Wöchentlich abwechselnd ein Aufsatz oder ein Diktat. 3. Lateinisch 8 St., in a Dr. Schelle, in b Rentzsch. Regelmässige Deklination der Substantiva und Adjektiva, Komparation der Adjektiva, Kardinal- und Ordinalzahlwörter; das Not- Wwendigste von den Fürwörtern, die regelmässigen Konjugationen ausschliesslich der Deponentia. Ubungen im Ubersetzen nach Ostermann für Sexta. Wöchentlich ein Scriptum oder Extemporale. 4. Geographie 2 St., in a Dr. Kell, in b Unbescheid. Entwickelung der geographischen Grundbegriffe an der Hand der Orts- und Heimatskunde. Sachsen in ausführlicher, Deutschland in übersichtlicher Darstellung. 5. Geschichte 1 St., in a Dr. Schelle, in b Unbescheid. Alte Geschichte in Geschichtsbildern. 6. Naturgeschichte 2 St., in a Dr. Kell, in b Wobst. Sommerhalbjahr: Botanik. Be- sprechung einheimischer Pflanzen mit Einprägung der einzelnen Pflanzenteile und Einreihung der durchgenommenen Arten in die leichteren Familien des natürlichen Systems nach Bessers Pflanzen- kunde. Winterhalbjahr: Zoologie. Betrachtung einzelner charakteristischer Arten der Wirbeltiere nach Bau und Lebensweise. 7. Rechnen 5 St., in a Demme, in b Wobst. Die vier Spezies in unbenannten, benannten und ungleichbenannten Zahlen. Regeldetri. Zeitrechnung. Das Dezimalsystem in Münze, Mass und Gewicht. Bothe, Rechenaufgaben Heft I. 8. Kalligraphie 2 St., in a und b Dietrich. Für deutsche Schrift Henzes Schreibhefte Nr. 4— 6; für lateinische Schrift: Henzes Schreibhefte Nr. 4— 6. 9. Zeichnen 2 St, in a und b Strauss. Einübung der geraden Linie durch Darstellung von geradlinigen ornamentalen Figuren. UÜbergang zur Kreislinie. 10. Gesang 2 St., in a und b komb. Müller. Notenkenntnis; a) Namen, b) Wert derselben, c) Vorzeichnungen bis zu 3% und 3 b. Singübungen von L. Grosse:(Jbung 1— 38). Gesangschule von E. Göthe, 5. Heft. Verschiedene ein- und zweistimmige Volkslieder. Choräle 1—7 und andere nach Auswahl. 11. Turnen 2 St., in a und b Dietrich. Die einfachsten Frei- und Ordnungsübungen. Geräte: Ubungen leichter Art an den Kletterstangen und Leitern, am Bock und Barren. Sprung- übungen. Spiele. 46 Quinta. Ordinarius: in a Oberlehrer Dr. Siebeking, in b Oberlehrer Wobst. 1. Religion 3 St., in a Dr. Lyon, in b Flemming Biblische Geschichte des neuen Testaments. Erklärung des zweiten Hauptstückes. Das zweite Hauptstück, Bibelsprüche und Kirchenlieder wurden gelernt. 2. Deutsch 4 St., in a Dr. Siebeking, in b Wobst. Wortlehre. Der erweiterte einfache Satz und die koordinierenden Konjunktionen. Der relative Nebensatz. Vervollständigung der Regeln über Orthographie und Interpunktion. UÜbungen im Lesen und Nacherzählen. Monatlich 2 Aufsätze (Erzählungen, Beschreibungen) und 2 Diktate. Lektüre aus Masius Lesebuch Teil 1. Lernen und Vortragen besprochener Gedichte. 3. Lateinisch 8 St, in a Dr. Siebeking, in b Rentzsch. Wiederholung des Pensums der Sexta. Verba deponentia. Unregelmässige Deklination und Komparation. Die unregelmässigen Verba. Das Adverb. Die gebräuchlicheren Präpositionen und Koujunktionen. Memorieren von Vokabeln und kleinen Lesestücken. UÜbungen im Konstruieren und Ubersetzen. Scripta oder Ex- temporalia wöchentlich abwechselnd. 4. Französisch 4 St., in a Dr. Dolch, in b Rentzsch. Es wurde das Elementarbuch der französischen Sprache von Dolch durchgenommen. Wöchentlich eine schriftliche Ubung. 5. Geographie 2 St., in a Dr. Welte, in b Flemming. Erweiterung der Grundbegriffe der ausserdeutschen Länder Europas. 6. Geschichte 1 St., in a Dr. Welte, in b Flemming. Geschichtsbilder und Biographien aus der mittleren und neueren, hauptsächlich der vaterländischen Geschichte. 7. Naturgeschichte in a Dr. Kell, in b Wobst. Sommerhalbjahr: Botanik. Besprechung der von den Schüleru gesammelten Pflanzen, Organographie, die Klassen des Linnéschen Systems nach Bessers Pflanzenkunde. Winterhalbjahr: Wirbeltiere, speziell gie wichtigsten Klassen, Ord- nungen, Familien, Gattungen und Arten der Säugetiere und Vögel. Ubersichtliche Betrachtung der Reptilien, Lurche und Fische nach Leunis Schulnaturgeschichte. 8. Rechnen 4 St., in a Dr. Kell, in b Wobst. Die vier Species in Dezimal- und gemeinen Brüchen. Bothe, Heft II. 9. Kalligraphie 1 St., in a und b Strauss. Wiederholung und Ausbildung deutscher und lateinischer Schrift mittels grösserer Sentenzen. 10. Zeichnen 2 St., in a und b Strauss. Kreisbogen und Kreisformen. Einübung nicht- kreisförmiger krummer Linien. Zeichnen einiger Vorlagen des Prof. Herdtle. Anwendung der Farben. 11. Gesang 2 St., in a und b komb. Müller. Fortsetzung der Kenntnis der Tonarten bis zu 6 und 6 b. Namen der Molltonarten. Singübungen von L. Grosse(Ubung 39— 80). Gesang- schule von E. Göthe, 6. Heft. Verschiedene zweistimmige Volkslieder. Choräle 1— 7 und andere nach Auswahl. 12. Turnen 2 St., in a und b Dietrich. Wiederholung der Freiübungen für Sexta; ver- schiedene Schritt- und Gangarten. Rumpfbeugen und-strecken, Rumpfdrehen etc. Ordnungsübungen: Offnen und Schliessen der Reihen und Rotten, Schwenkungen der Reihen, Gehen im Quadrat und Kreuz, zuweilen auch Hantel- und Eisenstabübungen. Geräte: Kletterstangen, Reck, Barren, wagerechte und schräge Leitern, Bock, Sprungkasten, Hoch- und Weitsprung aus dem Stande und mit Anlauf. Quarta Ordinarius: in a Oberlehrer Dr. Kell, in b Oberlehrer Flemming. 1. Religion 3 St., in a Dr. Lyon, inb Flemming. Wiederholung der biblischen Geschichte. Erklärung des zweiten und dritten Hauptstückes. Das dritte, vierte und fünfte Hauptstück, Bibel- sprüche und Kirchenlieder wurden gelernt. 47 Deutsch 4 St., in a Dr. Kell, in b Flemming. Lektüre und Erläuterung poetischer und prosaischer Musterstücke. Lernen von Gedichten nach einem festgestellten Kanon. Lehre vom einfachen, erweiterten und zusammengesetzten Satz. Abschluss der Regeln in Orthographie und Interpunktion. Alle drei Wochen eine Arbeit. 3. Lateinisch 6 St., in a Dr. Siebeking, in b Flemming. Verba anomala; Tempora und Modi; die Hauptregeln der Syntax. Lektüre lateinischer Lesestücke aus Ostermann. Scripta oder Extemporalia wöchentlich abwechselnd. 4. Französisch 4 St., in a Stiefelhagen, in b Dr. Herrmann.— Dolch, Schulgrammatik 1. Teil, Lektion 1- 22.— Wöchentlich abwechselnd ein Exerzitium oder ein Extemporale; statt des letzteren zuweilen ein Diktat. 5. Geographie 2 St., in a Dr. Schneider, in b Dr. Welte.— Die aussereuropäischen Erdteile. 6. Geschichte 2 St., in a Dr. Siebeking, in b Dr. Welte. Alte Geschichte nach Köperts Geschichtskursus. 7. Naturgeschichte 2 St., in a Dr. Kell, in b Besser. Sommer: Botanik, Repetition des Linnéschen sowie Besprechung der wichtigsten Familien des natürlichen Systems. Winter: Wirbellose Tiere. 8. Rechnen 4 St., in a Dr. Kell, in b Wobst. Wiederholung der gemeinen und Dezimal- bruchrechnung. Regeldetri., 9. Geometrie 2 St., in a Dr. Kell, in b Demme. Entwicklung der elementaren, plani- metrischen und stereometrischen Anschauungen. Einleitung in die Planimetrie bis zu den Kongruenzsätzen. 10. Zeichnen 2 St., in a und b Strauss. Zeichnen nach natürlichen Blättern. Kombinieren einfacher Flachornamente. 11. Gesang 1 St., in a und b komb. Müller. UÜbung der wichtigsten Choräle nach Aus- wahl.— Singübungen von I. Grosse; zweistimmige Ubungen 1— 12. Gesangschule von E. Göthe, 6. Heft Zweistimmige Volkslieder. 12. Turnen 2. St, in a und b Dietrich. Freiübungen: Asfal) und Auslage in Verbindung mit früher geübten Ubungen ohne oder mit Belastung qurch Hanteln oder Eisenstäbe. Ordnungs- übungen: Reihungen erster und zweiter Art, Gegenzüge in Reihen und Rotten etc.(terite: Kletter- stangen, Reck, Barren, Bock, Ringe, Schwebereck, wagrechte und schräge Leitern. Im Sommer- halbjahr besonders Sprungübungen. 3 Unter-Tertia. Ordinarius: in a Oberlehrer Dr. Schneider, in b Oberlehrer Dr. Herrmann. 1. Religion 2 St., in a Harich, in b Dr. Lyon. Biblische Geschichte im Anschluss an das Lesen ausgewählter Abschnitte des alten Testaments, l St.— Ergänzende Wiederholung des Katechismusunterrichts, 1 St. 2. Deutsch 3 St., in a Dr. Schneider, in b Dr. Lyon. Lesen und Besprechen von epischen und lyrischen Gedichten mit besonderer Rücksicht auf die Disposition; biographische Notizen über die Dichter. Deklamation. Fortgesetzte Einübung der Nepensätze, der indirekte Fragesatz. Von drei zu drei Wochen eine schriftliche Arbeit. 3. Lateinisch 5 St., in a Dr. Schneider, in b Dr. Lyon. Wiederholung der ganzen Formenlehre sowie des Pensums der Quarta: das Wichtigste aus der Kasuslehre und der Lehre von den Konjunktionen. Lektüre: ausgewählte Stücke aus Cornelius Nepos. Scripta und Extemporalia wöchentlich abwechselnd. 4. Französisch 4 St., in a Stiefelhagen, in b Dr. Herrmann.— Grammatik: Ploetz, Elementargrammatik Lektion 76—106; Schulgrammatik Lektion 1— 13. Wöchentliche Exerzitien, abwechselnd mit Extemporalien.— Lektüre passender leichter Stücke. 43 5. Englisch 3 St., in a Schindler. Grammatik: Gesenius, Elementarbuch, Kap. I bis XIV. Wöchentliche Exerzitien, abwechselnd mit Extemporalien. b Dr. Herrmann Gesenius, Elementar- buch, Kap. I bis XII, sonst wie in a. 6. Geographie 2 St., in a und b Dr. Schneider. Deutschland physisch und politisch, mit Hinweis auf Gewerbe und Handel. 7. Geschichte 2 St., in a Stiefelhagen, in b Dr. Lyon.— Wiederholung eines Teils der alten Geschichte, Geschichte des Mittelalters his zu den Hussitenkriegen nach Köperts Geschichts- kursus, Mittelstufe. 8. Naturgeschichte 2 St., Besser. Sommer: Bestimmung von Pflanzen. Das natürliche System. Winter: Bau und Leben des Menschen. Vergleichende Rückblicke auf den Tierkörper. 9. Rechnen 2 St., in a und b Demme. Regeldetri, Prozent- und Zinsrechnung. 10. Mathematik, Geometrie 2 St., in a und b Demme. Anwendung der Kongruenzsätze. Vier- und Vielecke. Flichenvergleichung bis zum Pythagoräischen Lehrsatz.— Allgemeine Arith- metik und Algebra 2 St., in a und b Demme. Die vier Spezies mit allgemeinen Grössen. Ein- fache lineare Gleichungen mit einer Unbekannten. 11. Freies Handzeichnen 2 St., in a und b Strauss. Plastische Darstellung von geome- trischen Körpern(Kreidemanier); hierbei populäre Darstellung und Erklärung der perspektivischen und Beleuchtungsgesetze. 12. Turnen 2 St., in a und b Dietrich. Frei- und OQrdnungsübungen mit Belastung durch Hanteln oder Eisenstäbe. Systematische Weiterentwicklung der UÜbungen an den verschiedenen Turngeräten. 13. Stenographie. Behandlung der Wortbildung und Wortkürzung mit Lese- und Schreib- übungen unter Benutzung der Kriegschen Schreibhefte und Kriegs Lehrbuch, zweistündig in ge- rennten Elementarkursen für Abteilung A und B. Dr. Rotter. Ober-Tertia. Ordinarius: in a Oberlehrer Unbescheid, in b Oberlehrer Dr. Welte. 1. Religion 2 St., in a Harich, in b Dr. Liesske. Biblische Geschichte im Anschluss an das Lesen ausgewählter Abschnitte des alten Testaments, 1 St.— Ergänzende Wiederholung des Katechismusunterrichts, 1 St. in b, synoptische Erklärung der evangelischen Geschichte 1 St. Er- gänzende Wiederholung des 1. und 2. Hauptstücks des Katechismus. 2. Deutsch 3 St., in a Unbescheid, in b Dr. Welte. Lektüre und Erläuterung klassischer Gedichte, besonders Goethes und Schillers(Balladen und Romanzen); die hervorragendsten lyrischen Erzeugnisse der Dichter der Befreiungskriege. Hierbei Hinweis auf das Versmass und die allgemeinen metrischen Gesetze. Erörterung der hauptsächlichsten Dichtungsarten. Deklamation. Wiederholung der Satzlehre. Die Periode im Anschluss an die prosaische Lektüre. Themata in a: Der(tarten.— Vorzüge Dresdens.— Die Heuernte.— Welchen Einfluss hat die Küstenentwickelung eines Landes auf die Kultur seiner Bewohner?— Das 15. Jahrhundert.— Wind und Wetter in der(deschichte der Völker und Staaten.— Der Nutzen des Ackorbauor— Jung gewohnt, alt gethan(Chrie).— Wodurch erklärt sich unsere Sehnsucht nach dem Rhein?— Prüfungsarbeit.— Deutsche Arbeiten in b: Die Hand.— Das Wasser im Dienste der Menschen.— Baum und Mensch in ihrer Veredlung.— Der Herbst, ein Zahlmeister(Prüfungsarbeit).— Die Giftpflanzen.— Das Geld.— Freie Nach- erzählung dies„Kampfes mit dem Drachen“ nach Schillers gleichnamigem Gedichte(Str. 18—21). — Des Winters Freuden.— Der Hase.— Prüfungsarbeit. 3. Lateinisch 6 St., in a Harich, in b Jacobson(Lektüre) und Dr. Schelle(Grammatik]. Caesar de bell. Gall. I, 1—20. II, 1— 20. 3 St.— Wiederholung der Formenlehre, Lehre von den Nebensätzen, Kasuslehre, 3 St. Exercitia und Extemporalia wöchentlich abwechselnd. 4. Französisch 4 St., in a Stiefelhagen, in b Schindler.— Grammatik: Schulgrammatik von Ploetz, Lektion 12— 38.— Wöchentlich abwechselnd ein Exercitium oder ein Extemporale.— Lektüre: Voltaire, Charles XII, in a erstes, in b zweites Buch. 49 5. Englisch 4 St., in a und b Schindler. Grammatik: Elementarbuch von Gesenius, Kabp. XII bis Kap. XXII und Grammatik§§ 1— 34. Wöchentlich abwechselnd ein Exercitium oder ein Extemporale. Lektüre: Gesenius, Lesebuch. 6. Geographie 2 St., in a Unbescheid, in b Dr. Welte. Das ausserdeutsche Europa physisch und politisch. 7. Geschichte 2 St., in a Unbescheid, in b Dr. Welte. Ende des Mittelalters. Neuere Geschichte. 8. Naturgeschichte 2 St., in a und b Besser. Sommer: Anatomie und Physiologie der Pflanzen. Höhere Sporenpflanzen. Winter: Schluss der Anthropologie. Mineralogie mit besonderer Berücksichtigung der Krystallographie. 9. Physik 2 St., in a und b Dr. Helm. Allgemeine Einführung in die Naturlehre. Die wichtigsten und einfachsten Erscheinungen aus den Gebieten des Gleichgewichts und der Bewegung, des Druckes in Flüssigkeiten und Gasen, der Wärme, des Lichts und des Schalls. 10. Mathematik 4 St., in a und Dr. Helm. Lehre vom Kreise. Flächenvergleichung, Aus- messung und Khnlichkeit.—„Fortgesetzte Übungen in den vier Spezies mit allgemeinen Grössen. Gleichungen, namentlich auch litterale, mit einer Unbekannten. Potenzen mit ganzen positiven Exponenten. 11. Freihandzeichnen 2 St., in a und b Strauss. Zeichnen nach Gipsmodellen ornamen- talen Charakters(Kreidemanier). 12. Turnen 2 St., in a und b Dietrich. Frei- und Ordnungsübungen mit Belastung durch Hanteln oder Eisenstäbe. Vervollständigung der Ubungen an den verschiedenen Turngeräten. 13. Stenographie. Wiederholung der Wortkürzungslehre und Behandlung der stenographischen Satzkürzung mit Schreib- und Leseübungen, zwei- bez. einstündig. Als Lesemittel wurde Jahr- gang 1885 der Zeitschrift„Lesebibliothek“ benutzt. Dr. Rotter. . Unter-Sekunda.- Ordinarius: Oberlehrer Harich. 1. Religion 2 St., Harich. Die prophetischen und poetischen Bücher des alten Testaments in Auswahl gelesen und erklärt, 1 St.— Die Apostelgeschichte gelesen, Verfolgung und Ausbreitung des Christentums bis auf Karl den Grossen, 1 St. 2. Deutsch 3 St., Harich. Überblick über die Litteraturgeschichte von Luther bis Goethe im Anschluss an die Lektüre aus dem„Handbuch zur Einführung in die deutsche Litteratur mit Proben aus Poesie und Prosa“, herausgegeben von Hentschel, Hey, Meyer, Lyon. Leipzig, Teubner 1884. 2 St. Besprechung der Aufsätze nebst grammatischen und stilistischen Erläuterungen, 1 St. — Themata der Aufsätze: 1. Welche Hilfsmittel gewährt die Natur dem Menschen bei seiner Arbeit? 2. Welchen Gedankengang verfolgt Schiller in seinem Gedichte„Das Siegesfest“? 3. Cäsars Feldzug nach Britannien(nach vorausgegangener Lektüre). 4. Inwiefern kann das Meer ein Freund oder Feind der Menschen genannt werden?(Michaelisprüfungsaufsatz.) 5. Das Glück des Unglücks oder: Inwiefern Glück aus Unglück hervorgehen kann. 6. Was verdanken wir den Eisenbahnen? 7. Was macht uns Deutschen qen Rhein so lieb?(Mit Benutzung des Gedichts von E. Geibel„Der Rhein“.) 8. Briefs an einen Freund über den gegenwärtigen Stand meiner Kenntnisse und über meine Zukunfts- pläne. 9. Prüfungsaufsatz. 3. Lateinisch 2 St., Harich. Caesar de bell. Gall. lib. IV, 16—38; V, 1—58, 3 St.— Grammatik: Infinitivus, Participium, Gerundium und Gerundivum, Supinum, Nebensätze. Wieder- holung der Kasuslehre. Exercitia und Extemporalia wöchentlich abwechselnd. 4. Französisch 4 St., Schindler. Grammatik: Schulgrammatik von Ploetz. Lektion 37— 60. Wöchentlich ein Exercitium, Extemporale oder Diktat. Sprechübungen. Lektüre: Michaud„Histoire de la Première Croisade“. 7 50 5. Englisch 3 St., Schindler. Grammatik: Gesenius, Grammatik der englischen Sprache §§ 1— 120. Wöchentlich ein Exerzitium, Extemporale oder Diktat. Sprechübungen. Lektüre: Marryat,„The Childrer of the New Forest“. 6 Geographie 2 St., Dr. Schneider. Das ausserdeutsche Europa, physisch und politisch. 7. Geschichte 2 St., Unbescheid. Orientalische, griechische und römische Geschichte. 8. Naturgeschichte 2 St., Besser. Sommer: Anatomie und Physiologie der Pflanze. Sporenpflanzen. Winter: Mineralogie. Wiederholung aus den Gebieten der Zoologie und Botanik. 9. Physik 2 St., Demme. Magnetismus und Elektrizität.. 10. Mathematik 5 St., Dr. Henke. Potenz- und Wurzellehre. Gleichungen ersten Grades mit einer und mehreren Unbekannten. Ahnlichkeitslehre. Kreislehre. Ubungen im geometrischen Zeichnen. 11. Freihandzeichnen 2 St., Strauss. Fortsetzung des Zeichnens nach ornamentalen Gipsmodellen. 12. Turnen 2 St., Dietrich. Frei- und Ordnungsübungen mit Belastung durch schwere Eisenstäbe oder Hanteln. Vervollständigung der Übungen an den verschiedenen Turngeräten. 13. Stenographie. Wiederholung der Wortkürzungslehre und Behandlung der stenographischen Satzkürzung mit Schreib⸗ und Leseübungen, zwei- bez. einstündig. Als Lehrmittel wurde Jahr- gang 1885 der Zeitschrift„Lesebibliothek“ benutzt. Dr. Rotter. Ober-Sekunda. Ordinarius: Oberlehrer Dr. Henke. 1. Religion 2 St., Konrektor. Die beiden Briefe Petri erklärt, 1 St. Kirchengeschichte bis zu den Kreuzzügen, 1 St. 8 2. Deutsch 3 St., Dr. Welte. Einführung in die klassische Litteratur des Mittelalters und Lektüre von den vorzüglichsten Dichtungen dieser Epoche nach Gudes Auswahl deutscher Dichtungen aus dem Mittelalter Litteraturgeschichte bis zur Reformation nach Kluges Leitfaden. Rezitationen, UÜbungen im freien mündlichen Vortrage. Berichte über Privatlektüre. Deutsche Arbeiten: Der Frühling, ein Bild der Jugend.— Warum lernen wir Geographie?— Die Vögel im Verhältnis zur Natur und dem Menschen.— Sparen ist ein grosser Zoll.— Siegfrieds Tod nach dem Nibelungen- liede.— Das Stadtleben von seiner Schattenseite betrachtet.— Die Gottesurteile.— Prüfungsarbeit. 3. Lateinisch 5 St., Dr. Schelle Gerundium, Gerundivum u. Supinum, consecutio temporum und oratio obliqua. Repetition der Modus- und Tempuslehre.— Prosodische Regeln.— C(ic. or. Cat. I; Sall. bell. Jug. c. 5— 55 mit Weglassung der Reden. Ovid. Metam., Auswahl von Siebelis, 3. 4.— Privatlektüre: Caes., bell. Gall. und bell. civ., Cic., de senect.— Scripta und Extemporalia aller 14 Tage abwechselnd. 4. Französisch 4 St., Dr. Herrmann. Grammatik: Ploetz, Lektion 58— 78 nebst 14tägigen Exerzitien und Extemporalien.— Lektüre, Ségur, Histoire de Napoléon et de la grande-armée en 1812 ed. Velhagen-Klasing; Balzac, Mercadet ed. Velhagen& Klasing Ubungen im Sprechen und schriftlicher, zusammenhängender Darstellung. 5. Englisch 3 St., Dr. Herrmann. Grammatik: Gesenius II,§§ 81— 200. 14 tägige Exerzitien und Extemporalien.— Lektüre: Macaulay, The History of England, vol. I. ch. I. p. 45— 82. UÜbungen im Sprechen und in schriftlicher, zusammenhängender Darstellung. 6. Geographie 2 St, Dr. Schneider. Afrika, Australien und Amerika in ausführlicher Darstellung. 7. Geschichte 2 St., Dr. Welte. Geschichte des Mittelalters. 8. Chemie 2 St., Besser. Einleitung in das Verständnis chemischer Prozesse. Elomente der Chlor- und Sauerstoffgruppe. Lösung stöchiometrischer Aufgaben. 51 9. Physik 2 St., Dr. Helm. Die Lehre von der Wärme und dem Lichte. Allgemeine Witterungskunde. 10. Mathematik 5 St., Dr. Henke. Logarithmen. Imaginäre und komplexe Zahlen. Theorie der quadratischen Gleichungen. Quadratische Systeme. Ebene Trigonometrie. 11. Darstellende Geometrie 2 St., Dr. Henke. Darstellung von Punkten, Strecken, be- grenzten Ebenen, ebenso von Körpern im Grundriss und Aufriss bel verschiedenen Lagen. Netze einfacher Körper. 12. Freies Handzeichnen 1 St. facult. Strauss. Anfänge des Landschaftszeichnens nach guten Vorlagen. 13. Turnen 2 St., Dietrich. Eisenstab- und Hantelübungen. Vervollständigung der UIbungen an den verschiedenen Turngeräten. Unter-Prima. Ordinarius: Konrektor Professor Dr. Liesske. 1. Religion 2 St., Konrektor. Kirchengeschichte bis zu den Vorläufern der Reformation, 1 St. Glaubenslehre nach Noack, 1 St. 2. Deutsch 3 St., Stiefelhagen.— Litteraturgeschichte von Luther bis auf Klopstock.— Gelesen(ausser zahlreichen litteraturgeschichtlichen Proben): Lessings Minna von Barnhelm und Emilia Galotti, Schillers Maria Stuart.— Freie Vorträge über verschiedenartige Themata.— Schriftliche Arbeiten über folgende Themata: Uhlands Schwäbischer Ritter, das Urbild eines tapfern Deutschen.— In welchen Beziehungen kann man unser Jahrhundert als das eiserne Zeit- alter bezeichnen?— Poetischer Versuch, veranlasst durch das deutsche Nationalfest.— Woraus erklärt sich die Sehnsucht der Deutschen nach Italien?— Dass wir Menschen nur sind, der Gedanke beuge das Haupt dir; doch dass Menschen wir sind, hebe dich freudig empor.— Welche Grund- gedanken finden wir in Schillers Balladen?— Examenarbeit. 3. Lateinisch 5 St., Konrektor. Grammatik peendet. Grössere oder kleinere(mündliche und schriftliche) Mxtemporalia; Anfertigen längerer Scripta. Livius(Buch I und II, 1— 18); Vergil. Aeneis lib. III. Ovid. Fast. I, 1— 200. prixvatlektüre: Curtius Rufus de Gestis Klexandri Magni. 4. Französisch 4 St., Dr. Dolch. Grammatik: Repetitionen nach der Nennac ng von Ploetz; kleinere freiere Aufsdtae(Christophe Colomb, Un de mes jours de vacances, Résumé du Village par Feuillet etc.), Exercitia und Extemporalia alle 14 Tage abwechselnd. Lektüre: Le Village von Feuillet, La Révolution française von Mignet(die ersten Kapitel). Inhaltsangaben. 9. Engliseh 3 St., Dr. Dolch. Grammatik: Gesenius§§ 200— 267 nebst Extemporalien, Exerzitien und freien Arbeiten(Conversation of two gentlemen in the railway between Dresden and Schandau, Letters, Moses etc.) alle 14 Tage abwechselnd. Lektüre: Aus History of England von Macaulay, aus Childe Harold's Pilgrimage von Byron, Merchant of Venice von Shakespeare, Ghristmas Carol von Dickens. Inhaltsangaben 6. Geschichte 2 St., Unbescheid. Ende des Mittelalters. Neuere Geschichte von dem Zeitalter der Entdeckungen bis zum westfälischen Frieden. 7. Chemie 2 St., Besser. Elemente der Stickstoff- und Kohlenstoffgruppe. Alkalimetalle. Lösung stöchiometrischer Aufgaben. 8. Physik 3 St., Dr. Helm. Mechanik. 9. Mathematik 5 St. Algebra 2 St., Rektor. Wiederholung der quadratischen Gleichungen mit mehreren Unbekannten. Arithmetische und geometrische Progressionen. Zinseszins- und Rentenrech- nung. Kombinatorik. Binomischer Satz für ganze positive Exponenten.— 3 St., Dr. Henke. Stereometrie. 10. Darstellende Geometrie 2 St., Dr. Henke. Darstellung unbegrenzter Geraden und Ebenen. Ebene Schnitte von Polyedern, Cylinder, Kegel und Kugel im Grundriss, Aufriss und Abwickelung. 11. Veldmessen, fakultativ, im Sommer Sonnabend Nachmittag, Professor Erler. 12. Freies Handzeichnen i St., fakultativ, Strauss. Siehe Ober-Prima. 13. Turnen 2 St., kombiniert mit 0I., Dietrich. Eisenstab- und Hantelübungen. Vervoll- ständigung der UÜbungen an den verschiedenen Turngeräten. 7* 52 Ober-Prima. Ordinarius: Rektor Prof. Dr. Oertel. 1. Religion 2 St., Konrektor. Glaubenslehre beschlossen, dann Sittenlehre, 1 St. Kirchen- geschichte bis zur Reformation, 1 St. 2. Deutsch 3 St., U Nhescheid Litteraturgeschichte von Klopstock bis Schiller. Lektüre: Goethes Tasso, Schillers Braut von Messina, Jungfrau von Orleans, ausgewählte Stücke aus Wielands Oberon, einige Oden von Klopstock. Vorträge der Schüler über selbstgewählte Themata aus der deutschen Litteratur und Geschichte. Aufsätze: Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder (Schiller).— Charakteristik einer Person nach ihren Vorzügen und Fehlern(Briefform).— Poetischer Versuch bei“ Gelegenheit des Sedanfestes.— Vergleichende Charakteristik von Bürgers„Leonore“ mit dem altdänischen Volksliede:„Der Ritter Aage“.— Beschreibung eines Gemäldes(Scene aus einer Schillerschen Ballade) mit Darlegung der Hauptunterschiede zwischen Malerei und Poesie nach Lessings Laokoon.— Vasallentreue, ein Heldenideal des Mittelalters.— Examenarbeit.— Berichte über Privatlektüre. 3. Lateinisch 5 St, Konrektor. Cic de oratore, lib. II(nicht vollendet), Horat. od. lib. II, 1. und 9. Satyre; privatim: Cic. de senectute. Längere und kürzere Extemporalien, längere Scripta. 4. Französisch 4 St., Dr. Dolch. Befestigung und Vertiefung der grammatischen Kennt- nisse, Erlernen der Synonyma und des Idiomatischen im Anschlusse an die Lektüre und die alle 14 Tage abwechselnden Extemporalien, Exerzitien und freien Aufsätze(Les guerres des Perses çontre les Hellenes, L'Acropole et le Parthénon, Phidias, La Seconde Guerre de Silésie, Deux Lettres); UÜbung im mündlichen Erzählen. Lektüre: Un Cheval de Phidias von Cherbuliez, Le Bourgeois Gentilhomme von Mäcii— Das Wesentliche aus der Litteraturgeschichte. 5. Englisch 3 St., Dr. Dolch., Befestigung und Vertiefung der grammatischen Kenntnisse, Flethen Aäda Synonyma und des Idiomatischen im Auschlusse an die Lektüre und die alle 14 Tage abwechselnden Extemporalien, Exerzitien und freien Aufsätze(On the Origin and Growth of the English Language, One of my Holidays, Frederick William of Brandenburg, The Battle of Rossbach, A Letter). Lektüre: The Lady of the Lake von Walter Scott, Canto Pirst; Julius Caesar von Shakespeare. Das Wichtigste aus der Litteraturgeschichte. 6. Geschichte 2 St., Unbescheid. Das Zeitalter der grossen Monarchen und der Revolution. Teilweise Wiederholung der alten Geschichte. 7. Physik 3 St., Dr. Helm. Lehre von der Wellenbewegung, vom Schall und Licht. Elemente der Astronomie. 8. Chemie 2 St., Besser. Die Metalle mit Rücksicht auf Mineralogie und Technologie. 9. Mathematik 5 St., Rektor. Geometrie 3 St.: Analytische Geometrie der Ebene. Algebra 2 St.: Gleichungen 3. und 4. Grades. Kettenbrüche. Binomischer Satz. Reihen. 10. Darstellende Geometrie 2 St., Dr. Henke. Durchdringungen. Schattenkonstruktionen. Figuren in perspektivischer Lage. 11. Turnen siehe UI. 12. Freies Handzeichnen 1 St., fakultativ, Strauss. Fortsetzung des Landschaftszeichnens. Ubergang zum Aquarellmalen. 13. Gesang 2 St., Müller. Die Klassen: Ober-Prima bis Quarta(inkl. mehrerer Schüler aus Quinta und Sexta) bilden den Sängerchor:(Sopran, Alt, Tenor, Bass). Einstudiert wurden: Aus dem Chorbuch von F. W. Sering eine grössere Anzahl Chorlieder kirchlichen und weltlichen Inhalts von verschiedenen Komponisten;„Bauernhochzeit“ von Södermann;„Sachsenhymne“ von Jul. Otto; mehrere vierstimmige Choräle aus dem Landeschoralbuch. 53 2. Schulchronik. Das Schuljahr 1885/86 wurde Dienstag, den 14. April, mit der Aufnahme der neuen Schüler eröffnet. Von denselben, deren Zahl sich auf 101 belief, wurden je einer der Unterprima und Ober- sekunda, 2 der Untersekunda, 7 der Obertertia, 4 der Untertertia, 5 der Quarta, 14 der Quinta und 67 der Sexta zugeteilt. Während des Schuljahres traten noch in Unterprima, Obertertia und Unter- tertia je einer, in Quinta 3 und in Sexta 6, in Summa 12 ein, so dass die Gesamtzahl der in diesem Schuljahre aufgenommenen Schüler 113 beträgt. Mit dem Beginne des neuen Schuljahres rückte der bisherige provisorische Oberlehrer Herr Dr. Ernst Emil Schelle in die 19. ständige Oberlehrerstelle auf. Zu gleicher Zeit trat Herr Kandidat des höheren Schulamtes Alwin Jacobson als Probandus ein. Derselbe übernahm, nachdem er eine Zeit lang hospitiert hatte, lateinischen Unterricht in Obertertia und Geschichtsunterricht in Untersekunda. Durch die Gnade Sr. Majestät des Königs Albert wurde dem Berichterstatter am 22. April das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienstordens verliehen. Am 23. April vormittags 10 Uhr fand die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs statt. Nachdem dieselbe durch den gemeinsamen Gesang eines Chorals und durch ein von Herrn Oberlehrer Flemming gesprochenes Gebet eingeleitet worden war, trugen folgende Schüler nach- benannte Gedichte vor: Quintaner A. Wolf:„Thietmar“ von Wolf, Quintaner E. von Bernewitz: „»Heinrich der Vogler“ von Vogl, Quintaner H. Schurz:„Kaiser Heinrich“ von Gruppe, Unter- tertianer P. Raffelt:„Heinrichs Tod“ von Böttger, Obertertianer H. Stiefelhagen:„Eine Königs- wahl“ von Sturm. Die Festrede hielt Herr Oberlehrer Dr. Lyon über das Thema:„Der deutsche Stil in seiner geschichtlichen Entwickelung“. Ausgehend von der ältesten Gestalt unserer hoch- deutschen Sprache, schilderte Redner die Entstehung unserer deutschen Litteratursprache unter Kar! dem Grossen und wies besonders auf die klassische Vollendung derselben im mittelhochdeutschen Zeitalter hin; er hob sowohl die sinnliche Kraft und Schönheit der mittelhochdeutschen Sprache, als auch die Durchsichtigkeit und Geschmeidigkeit des Satzbaues und Stiles hervor, legte dann die Entwickelung der neuhochdeutschen Schriftsprache in der Kürze dar und schloss mit einer Darstellung des von Luther geschaffenen deutschen Prosastiles und dessen Entwickelung zur höchsten Reinheit und Schönheit in den Werken Schillers und Goethes.— Vor der Festrede trug der Sängerchor „Das Gebet für den König“ von A. Lwoff, vierstimmig von A. Morin, am Schlusse der Feier den Chor aus„Judas Makkabäus“ von Händel vor. Ende Mai traf die Annenschule, wie sämtliche Realgymnasien und Realschulen des Landes, dadurch ein schwerer Verlust, dass der Referent für das Realschulwesen bei dem Königl. Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Herr Geheimer Rat Dr. Schlömilch, in den Ruhestand trat. Der Berichterstatter begab sich am 31. Mai in die Wohnung des Scheidenden, um sich von demselben zu verabschieden und ihm im Namen des Lehrerkollegiums für das allezeit bewiesene Wohlwollen und die vielfach gegebene Anregung den innigsten Dank ehrerbietigst abzustatten. In gleicher Weise hatte er bald darauf die Ehre Herrn Geheimen Schulrat Dr. Vogel, dem neben der Leitung des Gymnasialwesens auch das Referat über die Angelegenheiten der Realgymnasien über- tragen worden war, namens der Schule als neuen Vorgesetzten zu begrüssen und ihm die besten Wünsche für eine glückliche Amtsführung gehorsamst darzubringen. Auch in diesem Jahre wurde die Feier des 2. September durch einen Festaktus begangen. Dem Gesange der ersten Strophen des Chorals„Aus meines Herzens Grunde“ folgten Vorträge deutscher Gedichte durch Quartaner M. Hofmann(„Am 19. Juli 1870“ von Hesekiel), Untertertianer R. Thieme(„Der Überfall im Wildbad“ von Jensen) und Obertertianer H. Bolten(„1814— 1870“ von Jensen). Selbstverfasste Gedichte trugen vor: Unterprimaner G. Wobst(„Germania auf dem Meere“), Unterprimaner W. Oertel(„Die deutschen Farben“) und Oberprimaner H. Köhler(„Im Kyffhäuser“). Nachdem sodann der Oberprimaner H. Metzke einen„Abriss der Schlacht von Sedan“ verlesen hatte, behandelte Herr Oberlehrer Dr. Kell in der Festrede„Die Thätigkeit der Feldpost im letzten deutsch-französischen Kriege“. Redner schilderte an einer Anzahl von Beispielen die 54 mannigfachen Schwierigkeiten, die sich der postalischen Verbindung zwischen der Heimat und den stets vorrückenden Truppen entgegenstellten, zeigte, wie es trotzdem der Feldpost durch die Tüchtig- keit, den Mut und die Aufopferungsfreudigkeit der Beteiligten gelang, nicht nur einen geregelten Briefverkehr einzurichten, sondern sogar die Beförderung von Paketen zu übernehmen, und hob zu- letzt hervor, wie dieser innige Verkehr mit der Heimat den frohen Mut und die Begeisterung der Soldaten gestärkt und frisch erhalten habe, und wie somit der Thätigkeit der Feldpost ein wesent- licher Anteil an den glänzenden Erfolgen unserer Armee zugeschrieben werden müsse. Zwischen den Vorträgen der Schüler und der Festrede sang der Chor„Das Bundeslied“, von Mozart. Den Schluss des Aktus bildete der Gesang der„Wacht am Rhein“ von K. Wilhelm. Nachdem bereits im Sommer die meisten Ordinarien mit ihren Klassen Einzelausflüge nach näheren oder entfernteren Punkten der Umgebung unternommen hatten, wurde am 5. September zur Nachfeier des Tages von Sedan eine allgemeine Schulpartie veranstaltet. Dieselbe richtete sich nach Cossebaude und verlief, von herrlichstem Wetter begünstigt, unter zahlreicher Beteiligung der An- gehörigen der Schüler zu allgemeinster Befriedigung. Die schriftliche Michaelisprüfung wurde vom 14. bis 16. September abgehalten, das Sommer- semester Freitag, den 25. September, geschlossen. An den am 31. Oktober zur Enthüllung des Lutherdenkmals auf dem Neumarkte veranstal- teten Feierlichkeiten beteiligten sich das Lehrerkollegium und die Schüler der Klassen Oberprima bis Untersekunda. „ Drurch Verordnung des Königlichen Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts vom 2. beziehentlich 4. Dezember waren zwei Kandidaten des höheren Schulamtes, die Herren Kretzschmar und Morgenstern, von Neujahr 1886 ab der Annenschule zur Erstehung des Probe- jahres zugewiesen worden. Für den Rest des Wintersemesters wurde dem ersteren französischer Unterricht in Quinta A, dem anderen Unterricht in den beschreibenden Naturwissenschaften in Ober- tertia A und Untertertia A übertragen. Das Winterfest fand diesmal am 22. Januar in Meinholds Sälen statt. Das Programm des musikalischen und deklamatorischen Teiles war folgendes:„Preis und Anbetung“, Motette von Ch. Rinck; „Heideröslein“, Volkslied von H. Werner;„Abendständchen“ von Herfurth, Solo für Kornett à Piston, vorgetragen von W. Kunath(U IIIa);„Marschlied“ von L. Spohr;„Abendlied“ von Oelschläger; „Behüt dich Gott, es wär so schön gewesen“(Trompeter von Säkkingen) von W. Nessler, Solo für Kornett à Piston, vorgetragen von W. Kunath(U IIIe);„Liedesfreiheit“ von H. Marschner, für ge- mischten Chor von Sering;„Eine Bauernhochzeit“ von Södermann. Ausserdem trug Herr Täger, Ostern 1885 Abiturient der Annenschule, jetzt Schüler des Herrn Hofschauspieler Jaffé, zwei längere Gedichte vor:„Mozart“ von Mosenthal und„Das Hexenlied“ von E. von Wildenbruch. WMie früher, so war auch in diesem Jahre von Herrn Kommerzienrat Kaps ein vorzüglicher Flügel zur Verfügung gestellt worden. An der diesjährigen Reifeprüfung nahmen 14 Oberprimaner teil. Von denselben wurden vom 22. Februar bis zum 1. März in Klausur foölgende Aufgaben bearbeitet: 1. Deutscher Aufsatz:„Welt- bürgersinn und Vaterlandsliebe“. 2. Englischer Aufsatz:„Argument of Schiller's Bride of Messina“. 3. Lateinisches Exerzitium:„Die Schlacht bei Cannä“. 4. Französisches Exerzitium:„Der Prinz Eugen“(von Hauff). 5. Mathematische Aufgaben: a) In einer Hyperbel mit den Halbachsen= 3 em, 5= Zem sind von einem Peripheriepunkte P aus Senkrechte, Po und PO, auf die Haupt- und Nebenachse gefällt und durch die Fusspunkte G. und Qa parallel zu zwei konjugierten Durchmessern Gerade gezogen. Die Lage des Durchmessers, zu welchem die durch 0 gelegte Linie parallel läuft, ist durch die Richtungskonstante M bestimmt. α) Welches sind die Koordinaten des Schnittpunktes beider Geraden, wenn die Abscisse des Punktes Pa= Z em beträgt? 6) Welches ist der geometrische Ort dieses Schnittpunktes, wenn die Lage des Hyperbelpunktes P variabel ist?— b) Fügt man zum Quadrate einer Zahl das Doppelte der Quadratwurzel aus derselben hinzu, so erhält man als Summe à¼. Wie gross ist diese Zahl? c) Eine vierprozentige Anleihe soll in 20 Jahren getilgt sein. Es ist anzugeben, wieviel Prozent des ursprünglichen Kapitales jährlich zur Zinszahlung und Amorti- sierung verwendet werden müssen. d) In einem abgestumpften geraden Kegel ist die untere Grund- fläche dreimal und der Mantel viermal so gross wie die obere. Wie gross ist der Neigungswinkel der 55 Seite gegen die Grundfläche? e) Physikalische Aufgabe: Senkrecht zur Achse einer bikonvexen Linse mit den Krümmungsradien 21= 8 dm, 7½= 6 dm und dem Brechungskoeffizienten= 1,5 für mittlere Strahlen erstreckt sich im Abstande a vor der schwächer gekrümmten Fläche eine leuchtende Linie von 1 cm Länge. Man soll zunächst für einen besonderen Wert von à durch Rechnung und Zeich- nung, dann allgemein die Beschaffenheit der drei Bilder ermitteln, welche die Reflexion an der vorderen Fläche, der Durchgang durch beide Flächen, endlich die Reflexion an der hinteren Fläche erzeugt. (Die Linsendicke darf vernachlässigt werden.) Nach der schriftlichen Prüfung wurde einer der Examinanden wegen ungenigender Arbeiten zurückgewiesen. Die mündliche Prüfung fand am 12. März unter dem Vorsitze des für dieselbe zum Königlichen Kommissar ernannten Rektors statt. Sämtlichen Abiturienten, die sich an derselben beteiligt hatten, wurde das Reifezeugnis zuerkannt. Sie erhielten folgende Censuren: Sitten- Wissensch. Name. Geburtstag. Geburtsort. Studium, Beruf. C ensur. Censur. 1. Friedrich, Rich. Alex. 15. Mai 1865 Dresden Wird Offizier 1 II 2. Hartig, Georg Fr. 10. Mai 1866 Dresden Masch-Ingenieurfch. I III= 3. Hattenius, Ernst Fr. 21. Dezbr. 1865 Dresden Steuerfach I II 4. Job, Wolfgang K. Rich. 8. April 1865 Dresden Bergwissenschaft 1 III 5. Köhler, Hermann G. 10. Juni 1867 Dorfhain Ingenieurfach 1 1* 6. Kummer, Friedr. B. E. 30. Mai 1865 Dresden Litteratur 1 II 7. Linke, F. Richard 9. Januar 1866 Neudörfchen"ranen Postfach I II 8. Metzke, J. Hermann 14. Juli 1865 Glogau Forstwissenschaft I II/ 9. Planer, Johannes G. E. 22. August 1867 Dresden Postfach 1 III⸗ 10. Salbach, Franz F. A. 9. Febr. 1866 Berlin Ingenieurfach 1 IIb 11. Schöne, Reinhold J. A. 21. Sept. 1865 Dresden Bergwissenschaft 1 II 12. Schreckenbach, F. R. 8. Dezbr. 1865 Dresden Veterinärmedizin 1 IIIæ* 13. Wend, A. Arthur 12. Juni 1867 Sachsdorf b. Wilsdr. Theologie 1 II Valediktionsaktus und Entlassung der Abiturienten am 24. März vormittags 10 Uhr. . Choral:„Wer nur den lieben Gott lässt walten“ etc. . Französischer Vortrag des Abiturienten Richard Linke: et son influence sur la langue française““. 1 2„Le salon de Madame de Rambouillet 3. Englischer Vortrag des Abiturienten Ernst Hattenius: 4 5 „Character of Brutus in Shakespeare's Tragedy of Julius Caesar“. . Lateinischer Vortrag des Abiturienten Arthur Wend:„De veterum Romanorum re militari“. 5. Deutscher Vortrag des Abiturienten Friedrich Kummer:„Vasallentreue, ein Heldenideal des Mittelalters“. 6. Poetischer Abschiedsgruss des Abiturienten Hermann Metzke und Erwiderung des Unterprimaners Rainold Löschke. 7. Motette:„Preis und Anbetung“ von Ch. Rinck. 8. Entlassung der Abiturienten durch den Rektor. 9„Komitat“ von F. Mendelssohn. In dankenswerter Freundlichkeit hat auch in diesem Jahre Herr Landschaftsmaler Täubert, früher Lehrer der Anstalt, eine Anzahl Bilder der Annenschule(Lichtdruck) mit der Bestimmung geschenkt, dass jedem der Abiturienten je eines als Erinnerungsblatt am Tage der Entlassung über- geben werde. Am 22. März, dem Geburtstage unseres Kaisers, wurde im Anschluss an die Morgenandacht der hohen Bedeutung des Tages gedacht. 56 3. Mitteilungen. Die regelmässige Aufnahme in die Anstalt erfolgt alljährlich einmal und zwar bei dem Be- ginne des neuen Schuljahres. Die Anmeldung“ hat vor Ostern bei dem Rektor der Schule zu ge- schehen. Dabei ist der Aufnahme Suchende dem Rektor in der Regel persönlich vorzustellen und sind an Zeugnissen beizubringen: 1. Taufzeugnis(Geburtsschein), 2. Impfschein, 3. bei Konfirmierten das Konfirmationszeugnis und 4. ein Zeugnis über die bisher genossene Bildung(Kenntnisse, Fortschritte, Verhalten). Zur Aufnahme in die unterste Klasse genügt in Bezug auf das Alter das erfüllte neunte Lebensjahr. Als Vorbildung müssen die aufzunehmenden Knaben diejenigen Kenntnisse und Fertig- keiten besitzen, die nach mindestens dreijährigem Unterrichte in einer guten Bürgerschule von einem fleissigen und begabten Knaben erworben werden. Für die Aufnahme in höhere Klassen sind die Leistungen der Aufzunehmenden nach den Anforderungen zu bemessen, welche die Lehrordnung in den einzelnen ÜUnterrichtsfächern nach dem Pensum für die betreffenden Klassen stellt. Zur ausnahmsweisen Aufnahme im Laufe des Schuljahres, welche nur unter Voraussetzung dringender Umstände zulässig ist, wird der Nachweis erfordert, dass der Schüler befähigt ist, in den begonnenen Unterricht mit Nutzen einzutreten. Die Aufnahmegebühren betragen 9 Mark; das Schulgeld, das vierteljährlich pränumerando in den ersten Tagen des ersten Monats beim Hausmeister zu entrichten ist, jedoch auch monatlich bezahlt werden kann, beträgt für die Schüler, deren Eltern(erziehungspflichtige Ernährer) in Dresden wohnen, in allen Klassen 120 Mark, für Schüler, deren Eltern zwar ausserhalb Dresdens wohnen, aber Dresdner Bürger sind, 144 Mark, bei denen aber, deren Eltern weder in Dresden wohnen, noch hiesiges Bürgerrecht besitzen, 180 Mark. Es haben nach der stadträtlichen Verordnung vom 6. November 1878 die neu eintretenden Schüler das Schulgeld auf das volle angefangene Quartal zu bezahlen; diejenigen Schüler aber, welche vor vollständiger Absolvierung die Anstalt verlassen, haben ihren Abgang vor Schluss des Quartals anzuzeigen, andernfalls das Schulgeld auch dann, wenn der Schüler nur wenige Tage in dem angefangenen Quartal die Schule besucht hat, auf das volle laufende Quartal zu entrichten. Abiturienten werden stets mit dem Schlusse des I. oder III. Quartals in Abgang ebracht. ü Etwaige Restanten sind vom Schulgeldeinnehmer noch vor Ablauf des zweiten unbezahlten Monats dem Rektor zur sofortigen Entlassung aus der Anstalt anzuzeigen. Durch Krankheit entschuldigte Schulversäumnis befreit nicht von der Schulgeldentrichtung. Für das Abgangszeugnis sind 1 ½ Mark an den Schulgelderheber zu zahlen. Die Absolvierung des vollen Kursus erfordert einen Zeitraum von mindestens 9 Jahren, und selbstverständlich haben nur diejenigen Schüler Aussicht, ihn innerhalb jener Frist zu vollenden, welche nicht durch Zurückbleiben und mangelhafte Erfolge genötigt sind, den Jahreskursus irgend einer der neun Klassen doppelt durchzumachen. Wer dagegen nach zweijährigem Aufenthalte in einer oberen und mittleren Klasse zur Versetzung in eine höhere nicht reif ist, muss als unfähig aus der Anstalt austreten. Jedes Jahr findet kurz vor Ostern unter dem Vorsitze eines königlichen Kommissars eine Maturitätsprüfung statt. Auf Zulassung zu derselben haben nur diejenigen Schüler der Anstalt An- spruch, die mindestens ein Jahr in der Oberprima gesessen haben. * Die Zeit, von der an Anmeldungen entgegengenommen werden, wird in jedem Jahre vom Rektor im Dresdner Anzeiger veröffentlicht. Unter den Angemeldeten werden zunächst die Einheimischen berücksichtigt; Aus- wärtige nur dann, wenn noch weitere Plätze vakant sind. Für letzteren Fall behalten die eingeschriebenen Aus- wärtigen vor den nach dem 15. Februar sich anmeldenden Einheimischen den Vorzug. 57 Aspiranten von auswärts, welche die Maturitätsprüfung bestehen wollen, werden nur dann zugelassen, wenn sie durch ausdrückliche Anordnung des Ministeriums zur Bestehung der Reife- prüfung der Anstalt zugewiesen worden sind. Die Maturitätsprüfungen sind für die eigenen Zöglinge unentgeltlich, auswärtige Examinanden aber haben, wie auch der Ausfall der Prüfung für sie sein mag, für dieselbe 30 Mark einzuzahlen, welche bei der Schulkasse zu verrechnen sind. Die Abiturienten, die das Maturitätsexamen bestanden haben, gewinnen das Recht zu Studien an allen höheren Fachschulen des Landes(Polytechnikum, Forstakademie in Tharandt, Bergakademie zu Freiberg) und zum Besuche der Universität, um daselbst Mathematik und Natur- wissenschaften sowie Pädagogik in Verbindung mit neueren Sprachen zu studieren; es sollen dieselben nach einem mindestens dreijährigen akademischen Studium zur Prüfung für das höhere Schulamt in Sekt. II und III zugelassen werden und erhalten nach erfolgreich bestandener Prüfung und Erstehung des Probejahres an einer höheren Unterrichtsanstalt die Befähigung zur Anstellung als Lehrer an höheren Volks- und Bürgerschulen, an Realgymnasien, Realschulen und Schullehrer- seminaren und, wenn sie die Prüfung in Sekt. III bestanden haben, als Lehrer der Mathematik und der Naturwissenschaften auch an Gymnasien. Vom Fähnrichs-Examen sind diejenigen dispensiert, welche das Maturitätszeugnis er- worben haben. Schüler, die mindestens ein Jahr in der Sekunda gesessen und in den Fortschritten und dem Betragen die Censur„gut“ erhalten haben, sind vom Examen für den einjährig freiwilligen Militär- dienst befreit. Schüler, welche die Reife für die Prima erlangt haben, können ohne Aufnahme- Examen in die Königl. Tierarzneischule eintreten. Nach einer Verfügung des Kriegsministeriums müssen junge Leute, welche auf Kosten des Militärfiskus die Tierheilkunde studieren wollen, den Nachweis der Reife für die Prima eines Gymnasiums oder eines Realgymnasiums liefern. Zur Anstellung eines jungen Mannes als Posteleve ist das Reifezeugnis erforderlich. Zum Eintritt in die Steuerbeamtencarrière ist der Nachweis eines 1— 2jährigen Besuchs der Sekunda nötig, ausserdem ist noch eine Aufnahmeprüfung zu bestehen. 4. Statistik. a) Ausschuss für das höhere Schulwesen. Herr Stadtrat Heubner, Vorsitzender. 1 Herr Stadtrat Dr. jur. Minckwitz. Herr Stadtverordneter Dr. med. Unruh. „„ Richter.„ Hofrat Dr. med. Hübler. „ Stadtverordneter Rechtsanwalt Hofrat Damm.„ Baumeister Strunz. 5„ Prof. Krieg. Der Rektor. b) Lehrerkollegium. 1. Rektor: Prof. Dr. Oertel. 12. Oberlehrer: Dr. Oskar Dolch. 2. Konrektor: Prof. Dr. Liesske. 13.„ Hermann Unbescheid. 3. Oberlehrer: Karl Ernst Besser. 14.„ Dr. Theodor Herrmann. 4.„ Gustav Stiefelhagen. 15.„ Dr. Georg Helm. 5.„ Ernst Emil Harich(Biblioth.). 16.„ Max Flemming. 6.„ Dr. Karl Richard Henke. 17. 5 Karl Demme. 4.„ Dr. Hugo Siebeking. 18. 5 Hermann Schindler. 8.„ Dr. Oskar Schneider. 19.„ Dr. Paul Otto Lyon. 9.„ Dr. Karl Moritz Welte. 20.„ Dr. Ernst Emil Schelle. 10.„ Dr. Richard Kell. 21. Prov. Oberlehrer: Friedrich Oskar Bern- 11.„ Karl August Wobst. hard Rentzsch. 58 Ständige Fach- und Oberlehrer: Turnlehrer Eduard Dietrich. Zeichenlehrer Ernst Strauss. Fachlehrer: O. Müller, für Gesang. Prof. Dr. Bruno Rotter, für Stenographie. Prof. Erler, für Feldmessen. Ausserdem wirken an der Anstalt als Probandi die Kandidaten des höheren Schulamtes: Dr. Max Brückner, Alwin Jacobson, Franz Kretzschmar und Woldemar Morgenstern. c) Freistellen. Zur Belohnung und Förderung strebsamer, aber unbemittelter Schüler hat die Stadtver- waltung 11 ganze und 22 halbe Freistellen bewilligt, welche nach dem Patent vom 16. Dezember 1870 auf Vorschlag des Lehrerkollegiums vom Stadtrate verliehen werden, und zwar a) nur an Schüler der Klassen Prima bis Quarta inkl.; b) nur auf ein Schuljahr, vom 1. April bis 1. April; c) nur an Schüler, deren erziehungspflichtige Ernährer ihren wesentlichen Wohnsitz innerhalb des Stadtbezirks haben. NB. Laut Ratsverfügung vom 9. April 1880 sollen die Bewerber um Freistellen ein amtlich beglaubigtes testimonium egestatis einzureichen verpflichtet sein. Im laufenden Schuljahre haben diese Freistellen inne: In Oberprima: Karl Oertel(halbe). Ernst Hattenius(halbe). Ernst Schröter(halbe). Richard Linke(ganze). Hermann Schulze(halbe). Johannes Planer(ganze). Julius Udluft(halbe). In Unterprima: In Obertertia: Richard Berghold(ganze). Arno Dittrich(halbe). Johannes Engelhardt(ganze). Elfried Mank(halbe). Albert Schreiber(ganze). Hugo Thiele(halbe). Georg Wobst(halbe). In Untertertia: In Obersekunda: Alwin Fasold()halbe). Alfred Göhre(ganze). Oskar Fischer(halbe). Johannes Harnisch(halbe). Georg Göhlert(halbe). Alfred Richter(halbe). Ernst Kasper(halbe). Arthur Zumpe(halbe). Paul Marschner(halbe). Erich Michael(halbe). In Untersekunda: Max Pflücke()halbe). Adolf Falke(halbe, v. 1/7. ganze). Isidor Riesenfeld(halbe). Hermann Hantzsch(h., v. 1,7. g.). Alban Wünsche(balbe). Ernst Hofmann()halbe). 1 rtar. Robert Holzegel(halbe). n Quarta: Paul Lässig(ganze). Georg Herrmann()halbe). Karl Müller(halbe). Alfred Kühne(halbe). Aus dem Dispositionsfonds:. UI. Alwin Lehmann(ganze). V. Oskar Weise(halbe). OIII. Paul Wehnert(halbe). V. Kurt Branz(halbe). UIII. Rudolf Thieme(halbe). VI. Kurt Martin(halbe). V. Rudolf Danneberg(halbe),. 59 Die Joh. Meyersche Stiftungsstelle ist für das Jahr 1886 dem Untersekundaner Johannes Reibisch verliehen. Aus der Mattersdorffschen Stiftung erhielt der Obersekundaner Johannes Harnisch ein Stipendium von 24 Mark. Das Stipendium der alten Annenschüler von 120 Mark wurde dem Studierenden am Polytechnikum Herrn Georg Kotzschmar aus Altharzdorf überwiesen. Aus der Haymannschen Stiftung erhielten Ostern 1885 Bücherprämien: die Abiturienten Richard Kluge und Friedrich Russig, der Unterprimaner Hermann Köhler, die Obersekundaner Alexander Duchesne und Alwin Lehmann und die Untersekundaner Hermann Hantzsch und Gustav Krausse. Aus der Gehestiftung empfngen Oberprimaner Richard Linke, Unterprimaner Albert Schreiber und die Obersekundaner Johannes Harnisch und Arthur Zumpe je ein Stipendium von 16 Mark, Untersekundaner Robert Holzegel, Obertertianer Arno Dittrich, ÜUntertertianer Paul Marschner und Sextaner Otto Geissler je ein solches von 15 Mark. d) Witwen- und Waisenkasse. Kassierer: Oberlehrer Dr. Henke. Die Privatwitwen- und Waisenkasse des Kollegiums ist bis zu einem Bestande von I. 5485. 85. angewachsen. An Geschenken überwiesen derselben im vergangenen Jahre: Herr Bankier Joseph Bondi ℳ. 300, Herr Geheimrat Dr. Zeuner Aℳ. 50, Herr Professor Pietzsch das Honorar für Ausschreiben der Reifezeugnisse A. 21. Den hochherzigen Schenkgebern spricht das Kollegium auch an dieser Stelle nochmals seinen herzlichsten Dank aus. Die Kasse hat im Jahre 1885 an drei Witwen und eine Waise ℳ. 160 an Unterstützungen ausgezahlt. Exemplare von Schramm,„Geschichte der Annenschule“ zu ℳ. 2, und von Dolch„Les deux Bassompierre“ zu A. 1, verkauft der Hausmeister der Anstalt zum besten der Kasse. e) Die Lehrer-Bibliothek, verwaltet von Oberlehrer Harich, wurde vermehrt: aα.) Durch Geschenke: Vom Stadtrat zu Dresden: Zweiter Nachtrag zum Katalog der Stadtbibliothek zu Dresden, ent- haltend die Erwerbungen der Jahre 1884 und 1885. Dresden 1886. Vom Königl. Sächsischen statistischen Bureau: Zeitschrift desselben XXX. Jahrg. Heft 3 und 4, XXXI. Jahrg. Heft 1 und 2.. Von der Handels- und Gewerbekammer zu Dresden: Bericht derselben für das Jahr 1884. Dresden 1885. Von den Erben des Herrn Prof. Leonhardi in Prag: Eine grössere Anzahl von Schriften des Philo- sophen K. Chr. Fr. Krause. Von Herrn Oberlehrer Dr. Lyon in Dresden als Verfasser: Handbuch der deutschen Sprache für höhere Schulen. 2 Teile. Leipzig 1885. 6) Durch Ankauf: M. Duncker, Geschichte des Altertums. 9. Bd. Leipzig 1886.— L. v. Ranke, Weltgeschichte. VI. Teil. Leipzig 1885.— Th. Mommsen, Römische Geschichte. 5. Bd. Berlin 1885.— K. W. Nitzsch, Geschichte des deutschen Volks bis zum Augsburger Religionsfrieden. 3 Bde. Berlin 1883/85.— K. Biedermann, Der Geschichtsunterricht auf Schulen nach kulturgeschichtlicher Methode. Wies- baden 1885.— Derselbe, Deutsche Volks- und Kulturgeschichte für Schule und Haus. Wies- 8*† 60 baden 1885.— O. Dolch, Geschichte des deutschen Studententums von der Gründung der Univer- sitäten bis zu den Freiheitskriegen. Leipzig 1858.— Allgemeine deutsche Biographie. Lfg. 101 bis 108.— Der neue Plutarch. Bd. X u. XI.— J. Hann, Handbuch der Klimatologie. Stuttgart 1883.— H. Roskoschny, Das asiatische Russland, Leipzig.— K. v. Scherzer, Das wirtschaftliche Leben der Völker. Leipzig 1885.— J. Rist, Dichtungen. Hrsg. v. K. Goedecke. Leipzig 1885.— E. Schmidt, Lessing, Geschichte seines Lebens und seiner Schriften. 2. Bd. Berlin 1885.— R. Haym, Herder nach seinem Leben und seinen Werken. 2. Bd. Berlin 1885.— R. v. Raumer, Die Einwirkung des Christentums auf die ahd. Sprache. Stuttgart 1845.— Derselbe, Vom deutschen Geiste. Erlangen 1848. — J. Grimm, Kleine Schriften. 7 Bde. Berlin 1864/84.— J. u. W. Grimm, Deutsches Wörterbuch. VI. Bd. 14. 15. VII. Bd. 7. Lfg. Leipzig 1885.— D. Sanders, Verdeutschungswörterbuch. Leipzig 1884. — H. Paul, Mhd. Grammatik. 2. Auflf. Halle 1884.— Virgilii Aeneis IIlustravit G. G. Gossrau. Edit. II. Quedlinburg 1876.— F. Neue, Formenlehre der lateinischen Sprache. 2 Tle. Berlin 1875/77. — Sophokles. Deutsch in den Versmassen der Urschrift von J. J. C. Donner. 10. Aufl. Leipzig 1883. — Aischylos übersetzt von J. G. Droysen. 4. Aufl. Berlin 1884.— W. Scheffler, Die französische Volksdichtung und Sage. Leipzig 1874/83.— R. Rühlmann, Handbuch der mechanischen Wärme- theorie. 2. Bd. Braunschweig 1885.— A. Heller, Geschichte der Physik von Aristoteles bis auf die neueste Zeit. 2 Bde. Stuttgart 1882/84.— A. Wurtz, Die atomistische Theorie. Leipzig 1879. — Gretschel und Wunder, Jahrbuch der Erfindungen und Fortschritte in Physik, Chemie etc. 21. Jahrg. Leipzig 1885.— Geographisches Jahrbuch, X. Bd, hrsg. v. H. Wagner. Gotha 1885.— C. Claus, Lehrbuch der Zoologie. 3. Aufl. Marburg und Leipzig 1883.— F. A. Specht, Geschichte des Unterrichtswesens in Deutschland von den ältesten Zeiten bis Mitte des 13. Jahrhunderts. Stutt- gart 1885.— Instruktionen für den Unterricht in den Realschulen in Osterreich. Wien 1885.— O. Frick und G. Richter, Lehrproben und Lehrgänge, Heft—VI. Halle 1884/86.— W. Preyer, Die Seele des Kindes. 2. Aufl. Leipzig 1884.— K. R. Hagenbach, Kirchengeschichte der ersten sechs Jahrhunderte. 4. Aufl., hrsg. v. F. Nippold. Leipzig 1885.— Statistisches Jahrbuch der höheren Schulen Deutschlands. VI. Jahrg. Leipzig 1885.— Jahrgang 1885 folgender Zeitschriften: Neues Archiv für sächsische Geschichte und Landeskunde.— Petermanns Geographische Mitteilungen, nebst Ergänzungsheften.— Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie.— Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik.— Centralorgan für die Interessen des Realschulwesens.— Archiv für das Studium der neuern Sprachen.— The Athenaeum.— Revue des deux Mondes(antiquarisch).— Annalen der Physik und Chemie.— Zeitschrift für Mathematik und Physik.— Litterarisches Centralblatt. f) Die Schüler-Bibliothek, verwaltet von Primanern unter Aufsicht des Oberlehrers Harich, wurde vermehrt: 1 a.) Durch Geschenke: Von Herrn Fabrikdirektor Beckmann in Dresden: Eine grössere Anzahl von Jugendschriften. 6) Durch Ankauf: L. Richter, Lebenserinnerungen eines deutschen Malers: Frankfurt 1886.— G. Egelhaaf, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. 2. Aufl. Berlin 1885.— Das Buch der Erfinqungen, Gewerbe und Industrien. Hrsg. v. F. Reuleaux. 4. Bd. S. Aufl. Berlin und Leipzig 1886.— Gäa, Natur und Leben Jahrg. 1885.— A. Ditte, Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemie. Deutsche Ausgabe v. H. Böttger. Berlin 1886.— Aus der Sammlung: Das Wissen der Gegenwart. Bd. 42: H. Brosien, Karl der Grosse. Leipzig und Prag 1885. g) Sammlung geographischer Lehrmittel, verwaltet von Oberlehrer Dr. Schneider. Angekauft wurden: Hölzel, Geographische Charakterbilder, Lieferung 9 mit Textheft. Kie- pert, Wandkarte von Afrika; Handtke, Generalkarte von Afrika(für das Lehrerzimmer). Photo- graphien von Coola-Indianern und von Fur-Negern. 61 Geschenkt wurden: von Herrn Stadtrat Friedrich eine grössere Zahl wichtiger Nutzhölzer der Kunstschreinerei in polierten Handstücken; von Herrn Dr. Herrmann Kryolith; von Géza Weiss(UII) Photographien von Ofen-Pest. h) Sammlungen für Mineralogie und Chemie, verwaltet von Oberlehrer Besser. Angekauft wurden: Eine Anzahl Mineralien, ferner eine Sammlung künstlicher Krystalle, ein Funkeninduktor, einige kleinere chemische Gerätschaften, sowie die nötigen Chemikalien. An Geschenken gingen ein eine Anzahl Krystallmodelle von Herrn Probandus Morgen- stern und dem Untersekundaner Gerlach, sowie eine sehr grosse Alaunkrystalldruse von Kauff- mann aus Vp und einige Sodakrystalldrusen von dem Oberprimaner Köhler. i) Für die physikalische Sammlung, verwaltet von Oberlehrer Dr. Helm, wurden angekauft: Eine Wage mit Wagekasten und Gewichtssatz; ein Vertikalgalvanometer; eine Barometerprobe; ein Nebenapparat zur Luftpumpe, um den Auftrieb der Luft zu zeigen; Stolzen- bergs Taucher, Drahtspiralen nach Neu; Beneckes Voltameter; eine Wheatstonesche Brücke mit ver- schiedenen Widerständen; die Zeitschrift zur Förderung des physikalischen Unterrichts; Mohn, Meteorologie; eine stellbare Sternkarte. Ein Multiplikator wurde mit Luft-, ein anderer mit Kupfer- dämpfung versehen und sonstige Aufbesserungen ausgeführt. Von Frau verw. Busolt wurde der Sammlung ein Farbenkreisel geschenkt. k) Zoologisch-botanische Sammlung, verwaltet von Oberlehrer Wobst. Angekauft wurden: Das Kopfskelett einer Saiga-Antilope, ein in der Wickersheimerschen Flüssigkeit präparierter Antilopenmagen, Leuckart u. Nitsche,„Zoologische Tafeln“, Lief. 10 u. 11. An Geschenken gingen ein durch die Herren Prof. Dr. Nitsche aus Tharand zwei schwarze Schwäne, Oberlehrer Dr. Schneider eine Serpentaria der Südsee, ferner wertvolle getrocknete Pflanzen des In- und Auslandes behufs Vervollständigung unseres Schulherbariums von den Herren Oberlehrer Besser, Oberlehrer Flemming, Lehrer Jenke, Organist Lodny, Garteninspektor Po- scharsky, Oberlehrer Rentzsch und Oberlehrer Dr. Schneider. An der Vermehrung obengenannter Sammlung nahmen ferner teil folgende Schüler unserer Anstalt: Strohbach UI; Thiele OIIIb; Reinsperg IVa; Lotze, Pruggmayer IVr; Blochwitz, Ewald, Engell, Herrmann, Hesse, Merkel, Much, Naumann, Schurz, Zschoche Vb; Zil- lich VIa; Konrad Hänig VIb. 1) Sammlung plastischer Modelle etc. als Zeichenvorlagen, verwaltet von Oberlehrer Strauss. Angekauft wurden: 10 methodisch geordnete Original Aquarellen von E. Strauss. Geschenkt wurde: von Herrn Königl. Baurat E. Giese, Professor am Königl. Polytechni- kum, ein ionischer Säulenfuss(Gipsabguss). m) Musikaliensammlung, verwaltet von Gesanglehrer Müller. Angekauft wurden: A. Becker, op. 31.„Die Zigeuner“. Södermann,„Bauernhochzeit“, dazu 7 Sopranstimmen.„Harre, meine Seele“, Mel. v. C. Malan. Allen denen, die zur Vermehrung der Sammlungen der Schule beizutragen die Güte hatten, sei auch hier der wärmste Dank dargebracht. d b0 Schulbücher, welche Ostern 1886 gebraucht werden. 1. Religion. Bibel. Landes-Gesangbuch. Der kleine Ka- techismus nebst dem religiösen Memorier- stoff für die Schuien Sachsens.(VI— III.) Berthelt, biblische Geschichte(Ausgabe ohne Bilder).(VI u. V.) Noack, Hilfsbuch für den evangel. Religions- unterricht in höheren Schulen.(III— I.) 2. Deutsch. Regeln und Wörterverzeichnis für die deut- sche Rechtschreibung in den sächsischen Schulen.(VI-—III.) Lyon, Handbuch der deutschen Sprache, Teil I. (VI—IV), Teil II.(UII- I.) Masius, Lesebuch, Teil I.(VI u. V.), Teil II. (IV u. III.) Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten, herausgegeben von Dr. Hentschel u. Gen. Teil V.(II.) Gude, Auswahl deutscher Dichtungen aus dem Mittelalter.(OII.) Kluge, Geschichte der deutschen National- litteratur.(I.) 3. Lateinisch. Ellendt-Seyffert, latein. Grammatik.(VI— II) Ostermann, lateinisches Übungsbuch für Sexta.(VI u. V.) Ostermann, lateinisches Übungsbuch für Quinta.(Vu IV.) Ostermann, lateinisches Übungsbuch für Quarta.(IV u. UIII.) Cornelius Nepos.(UIII.) Georges, lateinisch-deutsches und deutsch- lateinisches Schulwörterbuch. Leipzig, Hahn.(III— I) Jul. Caesar de bello Gallico.(Weidm. Ausg.) (OIII u. U II.) Warschauers Ubungsbuch, Teil 1(III.), Teil 2 (II u. I). Sallust, bell. Jugurth. Cic. orat. Catilin.(Weidm. Ausg.)(O II.) Ovid, Metam. ed. Siebelis-Polle.(UIIu OII). Livius, lib. II.(UI.) Virgil, Aeneis ed. Ladewig.(U I.) Cic. Tusculan.(Weidm. Ausg.)(OI.) Taciti Germania.(Weidm. Ausg.)(0 I.) Horat. Flacc. Od.(O I.) 4. Französisch. Dolch, Elementarbuch der franz. Sprache. (V u. IV.) Schulgrammatik, 1. Teil(IV u. UIII.) Plötz, Schulgrammatik.(O III— I.) 5. Englisch. Gesenius, erstes Lesebuch.(III. u. U II.) Gesenius, Grammatik.(U II— I.) 6. Geographie. Daniel, Leitfaden, herausgegeben von Kirch- hoff.(VI— IV.) Als Atlas wird zur Erzielung eines einheit- lichen Unterrichts dringend empfohlen: Debes' Schulatlas für mittlere Unterrichts- stufen, oder Debes' Schulatlas für die Oberklassen höherer Lehranstalten. Ruge, Geographie für Handels- und Real- schulen.(III— OII.) Dr. O. Schneider, Typenatlas.(VI— O II.) 7. Geschichte. Rhode oder Spruner, Geschichtsatlas.(VI— I.) Köpert, Geschichtskursus für die mittleren Klassen.(IV— UII.) Dielitz, Grundriss der Weltgeschichte(OII- OlI.) S. Naturgeschichte und Naturlehre. Besser, Pflanzenkunde.(VI u. V.) Leunis, Schulnaturgesch., Zoologie.(VI— IV.) Bock, Bau u. Leben d. menschl. Körp.(UIII.) Wünsche, Flora von Sachsen.(IV u. UIII.) Hornstein, Lehrb. d. Mineralogie.(OIII u. UII.) Jochmann, ExperiHentalphysik.(II-— I.) Helm, Elemente der Mechanik und mathem. Physik(empfohlen für I). Lorscheid, Lehrb. d. anorg. Chemie.(OII u. I.) 9. Rechnen und Mathematik. Bothe, Sammlung von Rechenaufgaben, H. I (Vh, H. II(Vn. IV), H. III(IVV-UII.) Reidt, Planimetrie(UIII— UII), Trigonom. u. Stereom.(OII u. I.) Bardey, Method. geordn. Sammlung von Auf- gaben aus der Elementar-Arithmetik.(III.) Heis, Sammlung algebr. Aufgaben.(UII— I.) C. F. Gauss, fünfstellige Logarithmen. 63 10. Stenographie. Krieg, Lehrbuch der stenographischen Korre- spondenzschrift. Dresden, Dietze. 1876. (III u. II.) Krieg, Schreibhefte 1 u. 2 mit Vorschriften. (III.) Lesebibliothek pro 1886, herausg. vom königl. stenogr. Institut.(OIII.) Echo pro 1886.(II.) Stenographische Unterrichtstafeln mit dazu- gehörigem stenogr. Lesebuche.(III u. UII.) Die Schüler-Verzeichnis. Ober-Prima. mit* bezeichneten Schüler sind im Laufe des Schuljahres abgegangen. Nr. Name. Geburtsort. enwels Nr. Name. Geburtsort. Hnuets⸗ 1 Beitz, Paul. Prenalau. 1865. 9 Melzer, Rudolf. V Leipzig. V 1866 2 Friedrich, Alexander. Dresden. 1865. 10 Metzke, Herrmann. Gr. Glogau. 1865 3 Hartig, Georg. Dresden. 1866. 11 Planer, Johannes. Dresden. 1867. 4 Hattenius, Ernst. Dresden. 1865. 12 Salbach, Franz. Berlin. 1866. 5 Job, Wolfgang. Dresden. 1865. 13 Schöne, Reinhold. Dresden. 1865. 6 Köhler, Hermann. Gross-Dorfhain. V 1867. 14 Schreckenbach, Rudolf Dresden. 1865. 7 Kummer, Friedrich. Dresden. 1865. 15 Wend, Arthur. Sachsdorf. 1867. 8(Linke, Richard. Neudörfchen b. 1866. Frankenberg. Unter-Prima. 4 1 Berghold, Richard. Dresden. V 1867. 13 Mäschel, Hugo. PFreiberg. 1865. 2 Bierling, Albert. Dresden. 1869. 14 Meurer, Hugo. Sallach i. Steier- 1869. 3 Böttiger, Eduard. Crimmitschau. 1868. mark. 4 Duchesne, Alexander. Dresden. 1868. 15 Oertel, Walter. Leipaig. 1869. 5 End, Max. Strehlen b. 1866. 16 Opelt, Alexander. Dresden. 1866. Dresden. 17* Rabis, Otto. Königstein. 1864. 6 Engelhardt, Johannes. Dresden. 1868. 18 Reibisch, Johannes. Dresden. 1868. 7 Francke, Richard. Dresden. 1866. 19 Rüger, Fritz. Dresden. 1865. 8 Horn, Alwin. Dresden. 1868. 20 Schreiber, Albert. Niedersedlitz. 1868. 9 Lehmann, Alwin. Bischofswerda. 1868. 21 Strohbach, Guido. Sebnitz. 1865. 10 Liebe, Paul. Dresden. 1866. 22* Schumann, Hans. Zwickau. 1868. 11 Löschceke, Rainold. Dresden. 1867. 23 Wobst, Georg. Dresden. 1866. 1²2 Männel, Hans. Dresden. 1869. Ober-Sekunda. 1 Brill, Edmund. Tysmienica i. Ga- 1869. ſ 14 Müller, Arno. Ziegelheim b. 1867. lizien. Waldenburg. 2*½ Bruck, Boris. Krementschug, 1869. 15 Naetsch, Emil. Dresden. 1869. Kleinrussland. 16 Nagel, Hans. Dresden. 1868. 3 ½ Faust, Moritz. Czenstochau. 1868. 17 Richter, Alfred. Dresden. 1869. 4 Fogh, Paul. Kopenhagen. 1869. 18 Riedrich, Paul. Dresden. 1868. 5 Gaitzsch, Paul. Döbeln. 1870. ¹/) 19 Schöne, Georg. Schandau. 1868. 6 Göhre, Alfred. Wurzen. 1870. 20 Schramm, Arthur. Dresden. 1868. 7 Götze, Max. Dresden. 1869. 21* Torges, Georg. Luckenwalde. 1869. 8* Haase, Ernst. Wran b. Prag. 1869. 22 Uhlig, Otto. Dresden. 1869. 9 Harnisch. Johannes. Dresden. 1868. 23 UIIrich, AlLfred. Dresden. 1868. 10 Hauffe, Max. Berthelsdorf b. 1866. 24?E Werner, Arnold. Oderan. 1868. Hainichen. 25 Wetzlich, Arthur. Dresdeu. 1869. 11 Herrmann, Oskar. Chemnitz. 1869. 26 Wünsch, Hugo. Almsdorf b. 1868. 12 Kelling, Johannes. Dresden. 1867. Weissenfels. 13 Krausse, Gustav. Nindersdorf b. 1868 27 Zumpe, Arthur. Zwickau. 1869. Wittenberg. 65 Unter-Secunda. Nr. Name. V Geburtsort. Sehrts, Nr. Name. Geburtsort. Aeburt 8 1 Barnewitz, Otto. Dresden. 1869. 21 Mitscherlich, Alfred. Teplitz. 1870. 2 Besser, Fritz. Dresden. 1871. 22 Müller, Karl. Leipzig. 1869. 3 Bretschneider, Georg. Dresden. 1868. 23 Müller, Georg. Dresden. 1869. 4 Deinert, Johannes. Dresden. 1870. 24 Oehmichen, Emil. Leipzig. 1869. 5 Diekmann, Theodor. Halberstadt. 1867. 25 Oertel, Karl. Dresden. 1868. 6 Falke, Adolf. Dresden. 1869. 26 Räppe, Bernhard. Strassgräbchen b. 1869. 7 Feuerstein, Theodor. Dresden. 1869. Kamenz. 8 Francke, Kurt. Dresden. 1869. 27 Rohde, Otto. Schandau. 1869. 9 Fürstenheim, Sally. Chemnitz. 1870. 28 Roth, Wilhelm. Köttewitz b. Dohna 1868. 10 Gerlach, Johannes. Dresden. 1868. 29 Schröter, Ernst. Dresden. 1869. 11 Gottschalch, Leopold. Dresden. 1870. ¹ 30 Schulze, Hermann. Dresden. 1869. 12 Gross, Johannes. Rosswein. 1869. 31 Schulze, Paul. Altendorf b. 1870. 13 Hantasch, Hermann. Dresden. 1870. Chemnitz. 14 Helm, Kurt. Grödel b. Riesa. 1867. 32 Seifert, Max. Bretnigb. Pulsnitz. 1870. 15 Hofmann, Ernst. Moskau. 1870. 33 Simon, Paul. Dresden. 1869. 16 Holzegel, Robert. Dresden. 1870. 34 Stenz, Walther. Dresden. 1869. 17 Köhler, Robert. Dresden. 1869. 35 Udluft, Julius. Dresden. 1870. 18 Krantz, Johannes. Dresden. 1870. ¹) 36 Ulbricht, Johannes. Dresden. 1869. 19 Lässig, Paul. Dresden. 1870. 37 Weiss, Géza. Pest. 1869. 20 Mehrländer, Fritz. Dresden. 1870. 38 Wimmer, Franz. Chemnitz. 1869. Ober-Tertia A. 1 Altmann, Heinrich. Pirna. 1870. 15 Kempte, Friedrich. Crimmitschau. 1871. 2 Bähr, Hans. Dresden. 1870. 16 Löhnis, Hans. Dresden. 1871. 3 Bärner, Max Dresden. 1871. 17 Maron, Alfred. Dresden. 1870. 4 Blau, Karl. Dresden. 1871. 18* Minne, Oskar. Dresden 1870. 5 Bolten, Heinrich. Chemnitz. 1871. 19 Nahke, Kurt. Reichenbach. 1869. 6 Brauer, Oskar. Dabern in Hinter- 1870. ¹) 20 Refeen, Karl. Mariaschein. 1868. pommern. 21 Rössler, Paul.. Schandau. 1870. 7 Dathe, Max. Dresden. 1869. 22 Schulz, Hermann. Prag. 1868. 8 Dittrich, Arno. Lichtenhain b. 1867. 23 Schumann, Alfred. Zwickau. 1870. Sebnitz. 24 Spitzner, Georg. Dresden. 1871. 9 Escher, Max. Dresden. 1870. 25 Stiefelhagen, Hans. Dresden. 1872. 10 Fürst, Alfred. Crimmitschau. 1870. 26 Thunig, Max. Geissmannsdorf b. 1870. 11 Göhler, Alfred. Dresden. 1872. Bischofswerda. 12* Gruner, Max. Plohn b. Lenge- 1870. 27 Tränkner, Theodor. Dresden. 1871. feld. 28 Wetzlich, Johannes. Dresden. 1871. 13 Hesse, Paul. Sebnitz. 1870. 29 Wöllfert, Richard. Rosswein. 1870. 14* von Hoyer, Felix. Johnsdorf b. 1868. 30* Zenker, NMoritz. Radeburg. 1867. Zittau. Ober-Tertia B. — 1 Busch, Max. Wilsdruff. 1870. 11 Kelling, Kurt. Dresden. 1869. 2 Erl, Bruno. Königsberg. 1870. 12 Kröber, Paul. Meissen. 1869. 3 Franke, Hermann. Nürnberg. 1870. 13 Manck, Elfried. Dresden. 1869. 4 Gmeiner, Max. Dresden. 1870 14 Nahke, Alexander. Reichenbach i. V. 1871. 5 Hänsel, August. Dresden. 1868. 15* Opelt, Max. Dresden. 1867. 6 Hanschmann, Klemens. Dresden. 1871. 16 Pezold, Max. Schönfeld b. Greiz. 1870. 7* Hartert, Willy. Breslau. 1870. 17* Popp, Karl. Last b. Torgau. 1867. 8 Hasse, Julius. Dresden. 1868. 18 Rechenberger, Rudolf. Sayda. 1869. 9 Hengst, Richard. Dresden. 1867. 19 Riedrich, Ernst. Dresden. 1870. 10* Kahnert, Max. Söbrigen b. Pill- 1869. 20 Schietzold, Hugo. Dresden. 1872. nitz. Nr. Name. V Geburtsort. Kdil⸗ Nr. Name. b Geburtsort. Lebhels⸗ 21 Schurig, Otto. Dresden. 1871. 25 Wagner, Alfred. Cotta b. Dresden. 1869. 22 Schurz, Georg. Berlin. 1870. 26 Wehnert, Paul. Dresden. 1872. 23 Thiele, Hugo. Leipaig. 1871. 27 Wilke, Robert. Dresden. 1870. 24 Uhle. Arnold. Plaue b. Flöha. 1870. 28 Zimmermann, Rudolf. Dresden. 1870. Unter-Tertia A. 1 Baumann, Richard. Dresden. 1870. 19 Mehrländer, Max. Dresden. 1872. 2 Colberg, Otto. Nietleben b. Halle. 1870. 20 Michael, Erich. Leipzig. 1871. 3 Cossmann, Hans. Dresden. 1870. 21 Niezel, Rudolf. Dresden. 1870. 4 Fichtner, Albert. Obergorbitz. 1870. 22 Pfeiffer, Rudolf. Dittersbach b. 1873. 5 Fischer, Oskar. Dresden. 1871. Stolpen. 6 Geissler, Emil. Dresden. 1872. 23 Philippi, Karl. Dresden. 1871. 7 Giese, Fritz. Düsseldorf. 1871. 24 Reiche, Friedrich. Prag. 1871. 8 Göhlert, Georg. Satzung. 1870. 25 Richter, Hans. Weida. 1870. 9 Gottlöber, Wilhelm. Dresden. 1871.) 26 Riedel, Frank. San Francisco. 1871. 10 Grunert, Hugo. Dresden. 1869. 27 Rössler, Max. Dresden. V 1871. 11 Haan, Erich. Dresden. 1871. 28 Roth, Karl. Köttewitz b. 1870 12 von Haber, Anatole. Brestlitevsky. 1870. Dohna. 13 John, Adolf. Lodaz. 1871. 29 Seidel, Max. Grossenhain. 1870. 14 Kämpf, Bruno. Berlin. 1872. 30 Westmann, Gustav. Neustadt b. 1871. 15 Kaps, Willy. Dresden. 1872. Chemnitz. 16 Kirchel, Richard. Dresden. 1870. 31 Wünsche, Alban. Reudnitz b. 1870. 17 Kunath, Walther. Dresden. 1871. Leipzig. 18 Leupold, Johannes. Lugau b. Chemnitz 1870.[ 32 Zenker, Edmund. Radeburg. 1869. Unter-Tertia B. 1 Barthels, Alfred. FProhburg. 1869. 18 Petzold, Woldemar. Potschappel. 1870. 2 Bensch, Johannes. Löbau. 1870. 19 Pflücke, Max. Penig. 1869. 3 Berger, Oskar. Dresden. 1872. 20 Raffelt, Paul. Dresden. 1873. 4* Brauer, Martin. Berlin. 1872. 21 Reichard, Max. Dresden. 1871. 5 Callenberg, Arthur. Dresden. 1870 22 Richter, Hermann. Dresden. 1871. 6 Dietrich, Bruno. Dresden. 1872. 23 Riesenfeld, Isidor. Gleiwitz i. 1870. 7 Fasold, Alwin. Dresden. 1872. Schlesien. 8 Franke, Kurt. Buchholz. 1871. 24 Scheppig, Willy. Berlin. 1871. 9 Hesse, Erwin. Dresden. 1873. 25 Schubart, Friedrich. Strehlen. 1871. 10 Kasper, Ernst. Dresden. 1871. 26 Schultz, Eugen. Dresden. 1872. 11 Kelling, Arthur. Dresden. 1872. 27 Sommer, Klemens. Glashütte. 1869. 12 Krüger, Kurt. Plauen i. V. 1872. 28 Thieme, Rudolf. Dresden. 1871. 13 Lehnhoff, PFriedrich. Guatemala, 1871. 29 Uhlig, Franz. Mohorn. 1870. 14 Marschner, Paul. Neustadt b. 1871. 30, Wagner, Max. Dresden. 1871. Stolpen. 31 Wünsche, Feodor. Reudnitz b. 1872. 15 Martin, Ludwig. Melbourne. 1870. Leipaig. 16 Morgenstern, Arthur. Dresden. 1872. 32 Zinke, Rudolf. Falkenhain b. 1870. 17 Oertel, Erich. Leipzig. 1872. Weesenstein. Quarta A. 1 Bäür, Julius. Dresden. 1873. 5 Gerhardt, Rudolf. Dresden 1873. 2 Bley, Johannes. Altstriesen. 1872. 6 Giebler, Oskar. Dresden. 1871 3 Crahmer, Richard. Dresden. 1871. 7* Göldner, Arthur. Berlin. 1872. 4 Flade, Albert. Dresden. 1874. 8 Grimm, Paul. Dresden. V 1872 67 Nr. Name. Geburtsort. Genants- Nr. Name. Geburtsort. genaels. 9 Haftmann, Bernhard. Friedrichswalde 1871. 21 Noak, Max. Dresden. 1873. b. Pirna- 22 Opelt, Wilhelm. Dresden. 1869. 10 Hofmann, Alfred Dresden. 1872. 23 Pressler, Kurt. Löbau. 1871. 11 John, Alfred. Lodz i. Polen. 1873. 24 v. Reinsperg, Viktor. St. Leopolda 1872. 12 Kalin, Karl. Jassy i. Rumänien. 1871. i. Brasilien. 13 Kämpfe, Kurt. Dresden. 1874. 25 Richter, Emil. Döhlen b. Pot- 1870. 14 Klien, Ernst. Leeds b. York. 1871. schappel. 15 Köber, William. Dresden. 1872.) 26 Roth, Hermann. Dohna. 1871. 16 Köhler, Johannes. Dresden. 1873 27 Schladitz, Johannes. Hoboken b. New- 1873. 17 Landsberger, Richard. ſ Dresden. 1873. Vork. 18 Mairich, Adolf. Kriebstein b. 1873. 28 Schlesier, Max. Dresden. 1872. Waldheim. 29 Schmidt, Hermann. Dresden 1872. 19 Martin, Ernst. Sidney i. Austra- 1871. 30 Uhlig, Hans. Franzensbad. 1872. lien. 31 Wara, Felix. Dresden. 1872. 20 Meiche, Alfred. Sebnitz. 1870. Quarta B. 1 Beihl, Paul. Langensalza. 1871. 18 v. Hoyer, Willibald. Grossenhain. 1871 2 Berghold, Franz. Dresden. 1872. 19 Kreyser, Paul. Dresden. 1872. 3 Berndt, Erwin. Deuben b. Pot- 20 Kühne, Alfred. Pirna. 1870. schappel. 1872. 21 Linker, Adolf. Breslau. 1873 4 Besser, Kurt. Dresden. 1872. 22 Lotze, Walter. Dresden. 1872 5 Besser, Walter. Dresden. 1874. 23 Partasch, Otto. Wilsdruff. 1871 6 Böhme, Robert. Dresden. 1873. 24 Pruggmayer, Richard. Dresden. 1871. 7 Decarli, Felix. Dresden. 1873. 25 Pudor, Wilhelm. Dresden. 1872. 8 Dienel, Ernst. Radeburg. 1871. 26 Riesenfeld, Samuel. Gleiwitz i. Ober- 1871 9 Ebersbach, Max. Limbach b. 1872. Schlesien. Chemnitz. 27 Rost, Arno. Dippoldiswalda. 1873. 10 Eisenhardt, Georg. Dresden. 1871. 28 Rost, Edgar. Dippoldiswalda. 1872. 11 Franze, Reinhold. Pirna. 1870. 29 Sattler, Bernhard. Cronberg b. 1873 12 Gruner, Gustav. Dresden. 1873. Frankfurt a. M. 13 Hecht, Max. Dresden. 1872. 30 Tebrich, Max. Kamenz. 1872. 14 Heger, Rudolf. Ostritz b. Zittau. 1873. 31* Unger, Ernst. Coselitz. 1869. 15 Heinrich, Gustav. Dresden. 1872. 32 Völckerling, Alfred. Berlin 1872. 16 Herrmann, Georg. Dresden. 1873. 33 Wagner, Alfred. Dresden. 1870. 17 Hofmann, Max. Dresden. 1873. Quinta A. 1 Arnstädt, Hermann. Freiberg. 1872 15 Kell, Arno. Dresden. 1873. 2 Becker, Fritz. Dresden. 1873. 16 Knöfel, Robert. Löbtau. 1873. 3 Bernhardt, Horst. Dresden. 1874. 17 Krüger, Hans. Dresden. 1874. 4 Busch, Walter. Dresden. 1874. 18 Lehmann, Hans. Dresden. 1873. 5 Danneberg, Rudolf. Dresden. 1873. 19 Leupold, Paul. Dresden. 1874. 6 Dietrich, Walter. Dresden. 1873. 20 Löhnis, Felix. Dresden. 1874. 7 Eckardt, Karl. Dresden. 1873. 21 Mann, Kurt. Dresden. 1873. 8 Fischer, Hans.„Dresden. 1874. 22 v. Mertschinsky, Wol- Dresden. 1873. 9 Gensel, Walter. Fröbersgrün b. 1873. demar. Mehltheuer. 23 Nagel, Rudolf. Dresden. 1873. 10 Gerhard, Felix. Dresden. 1874. 24 Noa, Rudolf. Nöthnitz. 1874. 11 Henze, Martin. Dresden. 1873. 25 Römer, Karl. Hainsberg. 1873. 12 Herklotz, Paul. Dresden. 1872. 26 Rudoltf, Woldemar. Dresden. 1874. 13 Herrmann, Kurt. Dresden. 1873. 27 Schurig, Otto. Dresden. 1874. 14 Heyse, Hans. Dresden. 1873. 28 Seifert, Georg. Bretnig. 1871. 68 Missbach, Georg. Nr. V Name. Geburtsort. eberts. Nr. Name. Geburtsort. ents⸗ 29 Siegel, Johannes. Dresden. 1874. 35 Vollrath, Hermann. V Hirschberg. 1872. 30 Simonsohn, Arthur. Dresden. 1874. 36 Wackwitz, Otto. Klein-Zschach- 1873. 31 Solms, Friedrich. Dresden. 1873. V witz. 32 Steinchen, Otto. Dresden. 1874. 37 Weise, Oskar. Leipzig. 1873. 33 Thomasius, Alfred. Glauchau. 1873. 38 Würzner, Hugo. Cotta. 1873. 34 UlIlbricht, Oskar. Altottenhain b. 1874. 39 Zürbig, Karl. Rautenkranz i. V. 1871. Geithain. 40 Zürbig, Max. Rautenkranz i. V. 1873. Quinta B. 1 Berndt, Walter. Deuben. 1873. 23 Missbach, Alwin. Freitelsdorf. 1873. 2 v. Bernewitz, Ernst. Dresden. 1874. 24 Much, Ernst. Dresden. 1874. 3 Blochwitz, Adalbert. Dresden. 1875. 25 Müller, Konrad. Dresden. 1874. 4 Böhler, Richard. New-York. 1872. 26 Naumann, Walter. Dresden. 1874. 5 Branz, Kurt. Dresden. 1873. 27 Naundorf, Walther. Leipzig. 1874. 6 Engell, Hans. Dresden. 1874. 28 Reiche, Max. Dresden. 1874. 7 Ewald, Georg. Zittau. 1873. 29 Salomon, Eugen. Dresden. 1873 8 Franke, Paul. Buchholz. 1873. 30 Schelle, Friedrich. Dresden. 1874 9 Grahl, Hermann. Golberode. 1873. 31 Schupp, Paul. Einsiedel b. Ch. 1874. 10 Günther, Alexander. Dresden. 1874. 32 Schurz, Hermann. Berlin. 1872. 11 Herrmann, Franz. Dresden. 1874. 33 Seeger, Georg. Brandenburg 1873. 12 Hesse, Martin. Sebnitz. 1873. a. d. H. 13 ISsrael, Felix. Freiberg. 1873. 34 Venus, Richard. Giessen. 1874. 14 Kauffmann, Otto. Niedersedlitz. 1875 35 Viehl, Paul. Dresden. 1873. 15 Kaufmann, Kurt. Plauen b. Dresden. 1875. 36 Wagner, Martin. Dresden. 1873. 16 Kaulich, Erwin. Dresden. 1873 37 Weissker, Alexander. Waldheim. 1872. 17 Klemich, Ernst. Dresden. 1873. 38 Wetzlich, Lothar. Dresden 1874. 18 Kretzschmar, Reinhold. Wendischbora 1871. 39 Wolf, Arthur. Dresden. 1872. 19 Marxx, Walther. Chemnitz. 1873. 40 Wolframm, Richard. Weisser Hirsch 1873. 20 Menzel, Arthur. Zweibrücken. 1873. b. Dresden. 21 Merkel, Ulrich. Dresden. 1874. 41 Zschoche, Johann. Sucholoma b. 1873. 22 Miertschke, Karl. Bernbruch. 1873. Oppeln. Sexta A. ſ 1 Brasch, Georg. Dresden. 1875 21 Niemetz, Adolf. Dresden. 1875. 2 Däbritz, Kurt. Gtrraumnitz b. 1873 22 O benaus, Richard. Strehla. 1872. 3 Eifler, Karl. Liegnitz.[Mügeln. 1876. 23 Pinkes, Karl. Treuen. 1875. 4 Ergas, Neumann. Ploescii i. Rumä- 1875 24 Pohlisch, Johannes. Reichstädt 1873. 5 Fahdt, Hans. Dresden.[nien. 1875 25 Ranft, Arthur. Dresden. 1874. 6 Friese, Hans. Neustettin. 1876 26 Richter, Max. Dresden. 1873. 7 Gabriel, Ernst. Dresden. 1875. 27 Rohen, Felix. Dresden. 1874. 8 Gerzabeck, Alfred. Dresden. 1874. 28 Salym, Dagobert. Halle. 1875. 9 Gruschwitz, Arno. Dresden. 1874. 29 Schamburg, Max. Löbau. 1874. 10 Hammersen, August. Frankfurt a. M. 1873 30 Schladitz, Willy. Hoboken b. New- 1875. 11 Hennig, Ernst. Dresden. 1875 31 Schmidt, Robert. Dresden.(VYork. 1874. 12 Hildebrand, Friedrich. Dresden. 1875. 32 Schnauffer, Eugen. Dresden. 1875. 13 Hüttner. Alfred. Dresden. 1874. 33 Schneider, Gustav. Dresden. 1874. 14 Kell, Julius. Dresden. 1876. 34 Scholz, Max.— Dresden. 1873. 15 Kempe, Willy. Dresden. 1875 35 Seidel, Johannes. Dresden. 1875. 16 Kornblum, Eugen. Leipazig. 1875. 36 Tauber, Kurt. Chemnitz. 1875. 17 Leupold, Alfred. Dresden. 1876. 37 Tyrwhitt, Percy. Oxford. 1873. 18 Martin, Kurt. Chemnitz. 1874. 38 Zillich, Franz. Dresden. 1874. 19 Meyer, Hans. Geithain. 1875. 39 Zscheile, Oskar. Dresden. 1874. 20 Bodenbach. 1874. 40 Zumpe, Ernst. Dresden. 1874. 69 Sexta B. Nr. Name. Geburtsort. 8enaets⸗ Nr. Name. Geburtsort. Lehneis 1 Böhme, Richard. Dresden. 1876. 20 May, Alfred. Dresden. 1875. 2 Franke, Karl. Nürnberg. 1875. 21 Menzer, Eugen. Dresden. 1875. 3 Delius, Max. Cöln a. Rh. 1873. 22 Meyer, Kurt. Dresden. 1875. 4 Geissler, Otto. Dresden. 1873. 23 Peltz, Horst. Schneeberg. 1874. 5 Görler, Paul. Dresden. 1876. 24 Riesenfeld, Simon. Gleiwitz i. Ober- 1873. 6 Goldbach, Rudolf. Dresden. 1873. schlesien. 7 Gottlöber, Rudolf. Dresdten. 1876. 25 Röske, Paul. Königsberg i. Pr. 1874. 8 Hänig, Konrad. Dresden. 1875. 26 Rösler, Max. Dresden. 1875. 9 Hänig, Walter. Dresden. 1876. 27 Sandig. Hans. Chemnitz. 1875. 10 Heine, Johannes. Dresden. 1874. 28 Schneider, Bruno. Kamenz. 1874. 11 Hochweber, Otto. Deffernik i. Böhm. 1874. 29 Schneider, Johannes. Pirna. 1875. 12 IIse, Karl. Dresden. 1874. 30 Schubert, Arthur. Dresden. 1874. 13 Klien, Johannes. Dresden. 1874. 31 Ssymank, Paul. Dresden. 1874. 14 Kreiser, Reinhold. Gommern. 1873. 32 Steuer, Otto. Löbau. 1875. 15 Kühne, Franz. Löbtau b. Dresden. 1874. 33 Vetter, Otto. Dresden. 1875. 16 Liebert, Felix. Dresden. 1875. 34 Weber, Oskar. Dresden. 1874. 17 von Lippe, Fritz. Cunnersdorf b. 1874. 35 Weissker, Rudolf. Waldheim. 1874. Kamenz. 36 Wolff, Willy. Braunschweig. 1874. 18 Männel, Adolf. Dresden. 1874. 37 Wolter, Emil. Johanngeorgen- 1875. 19 Matheu, Ricardo. Guatemala. 1874. 38 Wünsche, Oskar. Dresden.[stadt. 1875. 9* Ordnung der öffentlichen Prüfungen. Mittwoch, den 14. April: 8—P— 9 Uhr VIa. V 10— 11 Uhr Va. Religion Dr. Lyon. Deutsch Dr. Siebeking. Rechnen Demme. Geschichte Dr. Welte. 9— 10„ VIb. 11— 12„ Vb. Latein RKentazsch. V Französisch Rentzsch. Naturgeschichte. Wobst. Geographie Flemming. Donnerstag, den 15 April: 8— 9 Uhr IVb. 11— 12 Uhr UIIIb. Religion Flemming. Latein... Dr. Lyon. Französisch Dr. Herrmann. Mathematik. Dr. Brückner. 9— 10„ IVa. 2— 3„ 0IIIa. Rechnen Dr. Kell. Deutsch Unbescheid. Latein. Dr. Siebeking. Französisch Stiefelhagen. 10— 11„ UIIIa. 3— 4„ 0IIIb. Geographie Dr. Schneider. Physik. Dr. Helm. Englisch Schindler. Latein. Dr. Schelle. Freitag, den 16. April: 8— 9 Uhr UII. 9— 10 Uhr 0II. Religion.. Harich. Chemie Besser. Mathematik.. Dr. Henke. Englisch. Dr. Herrmann. 10—11 Uhr UI. Geschichte Unbescheid. Französisch Dr. Dolch⸗ Die Zeichnungen der Schüler liegen im oberen Zeichensaale zur Ansicht aus. Das neue Schuljahr beginnt Dienstag, den 4. Mai, früh 8 Uhr. findet Montag, den 3. Mai, von früh 8 Uhr an statt. Die Sprechstunden des Unterzeichneten sind täglich von 11— 12 Uhr mit Ausschluss der Sonn- und Feiertage sowie der Schulferien. Die Aufnahmeprüfung Dresden, den 30. März 1886. Prof. Dr. A. Oertel, Rektor.