N PROGRARMM Lesss⸗ ANNEN-REAILSCHULE (Realschule erster Ordnung) Zzu DRESDEN, womit zu den öffentlichen Prüfungen am 3. und 4. April 1884 das Lehrerkollegium ehrerbietigst einladet durch Prof. Dr. Alfred Oertel, Rektor. A. Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre. I. Von Oberlehrer HhRMANN UNBESCHEID. B. Schulnachrichten und Schulchronik. Vom RRKTOR. C. Mitteilungen. D. Verzeichnis der Schüler. E. Programm der Prüfungsordnung. ——— DRESDEN, Druck von B. G. Teubner. 1884 .— 5— 3 Bä S de tra s oätescorseotstöc ee de d ea Seäe i Sertärseeercoe eec e ere c ee Seei oereier Seeee Seeee tieeöeree 8 66 5 5 — 8 S SPSo 4 o SAeM 1884. Progr. Nr. 507. PROGRAMM der ANNEFEN-REALSCHULE (Realschule erster Ordnung) Zu DRESDEN, womit zu den öffentlichen Prüfungen am 3. und 4. April 1884 das Lehrerkollegium ehrerbietigst einladet durch Prof. Dr. Alfred Oertel, Rektor. A. Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre. I. Von Oberlehrer HERMANN UNBESCHEID. B. Schulnachrichten und Schulchronik. Vom REKmOh. C. Mitteilungen. D. Verzeichnis der Schüler. E. Programm der Prüfungsordnung. DRESDEN, Druck von B. G. Teubner. 1884. 1884. Progr. Nr. 507. Beitrag zur Behandlung der dramatischen Lektüre. I. Von Oberlehrer Hermann UÜnbescheid. Das dramatische Kunstwerk muss dem Schüler stets mit Rücksicht auf die Gesetze erläutert wer- den, an welche dasselbe gebunden ist; denn durch die Kenntnis dieser Gesetze wird er zugleich in den Geist der Dichtung eingeführt. Der deutsche Unterricht in den oberen Klassen höherer Bildungsanstalten bedingt auch die Lektüre klassischer Dramen.“ Jeder Lehrer, der mit demselben betraut ist, wird bemerkt haben, wie lieb Lernen- den gerade die Lektürestunde zu sein pflegt: der hohe Reiz der dramatischen Dichtung an und für sich, die mächtige Gefühlswelt grosser Menschen, die in der edelsten Sprache zum Ausdruck kommt, üben weihe- voll stimmenden Einfluss auf dieselben; für die Lehrenden selbst aber giebt es wohl kaum eine anziehen- dere Aufgabe, als die höchsten Gebilde der Kunst der Jugend nahe zu rücken; denn hier genügt nicht, was sonst in der Hauptsache den Unterricht erspriesslich macht: Gründlichkeit der Vorbereitung, Gewandt- heit und Schärfe der Entwicklung— die Erfahrung wird vielmehr jedem bestätigt haben, dass man immer wenigstens etwas von dem starken Gefühl, das die Personen eines Dramas kennzeichnet, ja von dem Empfinden des Dichters in dem Augenblick der Interpretation in sich tragen muss, um verständlich zu werden. Wenn daher in den nachfolgenden Zeilen einer Behandlung der Lektüre das Wort geredet werden soll, die, was jene Erfahrung lehrt, zur Voraussetzung hat, so weiss sich der Verfasser in diesem Punkte von vornherein in Ubereinstimmung mit den Fachgenossen: aber es ist zugleich seine Überzeugung, dass nur auf diese Weise der Anziehungskraft, welche die Erzeugnisse der dramatischen Dichtkunst in so hervorragendem Masse auf die Jugend zu üben pflegen, auch zielbewusste Richtung gegeben werden kann. Es ist gebräuchlich, mit verteilten Rollen zu lesen, und dieser Gebrauch wird um so grösseren Nutzen stiften, wenn den Schülern zur Pflicht gemacht wird, vorher sich gehörig in ihre Rollen zu ver- tiefen. Aber eine dramatische Dichtung so wiedergeben zu lernen, dass der Vortrag ebenso weit entfernt ist von einem Suchen nach schauspielerischem Pathos als von gedankenlosem Ablesen,“ bleibt, so wenig dies auch nur einen Augenblick unberücksichtigt bleiben darf, doch nur Nebenzweck: selbst die beste Vortrags- weise steht ja immer hinter einer künstlerisch trefflichen theatralischen Aufführung zurück; nicht selten, besonders in grossen Städten, bringt der reifere Schüler schon ein lebendiges Bild einer geschauten Dar- stellung des Stückes mit. Die dramatische Lektüre in der Schule wird ihm also einen Vorteil zu gewähren haben, der ihm nirgends sonst so leicht geboten werden kann: Einblick in das Schaffen des dichterischen Genius und dann als wertvollen Gewinn die Erkenntnis, dass die vollendetsten Schöpfungen der übrigen Künste nicht, wenigstens nicht in so mannichfach geistiger Beziehung, so getreue Spiegelbilder der erlangten Vollkommenheit eines Volkes sind als dessen klassische Dramen, eben weil diese die höchste Kunstgattung repräsentieren. Der genannte Zweck wird aber nur erreicht werden, wenn das philologische Interesse an dem Werke sowie die Heranziehung des litterar-historischen Materials, obgleich die vollständigste Souveränität des Lehrenden auch auf diesen Gebieten nur nützlich ist, ja der Erläuterung desselben Grund und Boden geben muss, in der deutschen Lektürestunde in sehr bescheidene Grenzen zurückgehalten werden. Wer von den Schülern seine Klassiker nach dieser Seite hin auch kennen lernen will, mag dies privatim thun; der Lehrer 1) Schulen, die nicht das Bildungsziel höherer Anstalten verfolgen, haben sich mit den Erzeugnissen der Epik und Lyrik zu begnügen. Da ferner in einer der Sekunden UÜbertragungen mittelhochdeutscher Dichtungen gelesen werden, gegen die Lektüre von Dramen in Untersekunda mit Recht Bedenken erhoben werden kann, so dürften eigent- lich nur U. I und O. I in Betracht kommen, wenigstens ist bei den nachfolgenden Erörterungen hauptsächlich an diese Klassen gedacht worden. 2) Abgesehen davon, dass in diesen Fällen ja stets die Korrektur des Lehrers eintreten wird, empfiehlt es sich, dass womöglich durch ihn hervorragende Stellen zu Gehör gebracht werden. 1 2 unterstütze dies Streben dadurch, dass er aus der unabsehbaren Zahl von Erklärungsschriften diejenigen namhaft macht, welche in geeigneter Weise den. Apparat enthalten, aber es sich gleichzeitig angelegen sein lassen, der Jugend das Verständnis der Dichtung zu erleichtern. Wohl aber muss von allen Lernenden gefordert werden, dass sie mit dem Inhalt der klassischen Dramen sich gründlich vertraut machen; es muss zu diesem Zwecke die Besprechung der letzteren so eingerichtet werden, dass die Schüler veranlasst sind, die Stücke zu lesen und wieder zu lesen. Immer klarer soll ihnen der Einblick in den Bau des Dramas und in die Eigentümlichkeit des dichterischen Genius werden, dessen Werke zur Erläuterung herangezogen worden sind. Dies zu erreichen, dieses lebendige Interesse zu wecken, vermag aber nur eine Interpretation, die es auch dem Lernenden bis zu einem gewissen Grade ermöglicht, die Organisation der Handlung und die Entwicklung der letzteren aus den Charakteren selbst aufzufinden. Zur Begründung dieser Be- hauptung kann freilich die Aufstellung allgemeiner Sätze wenig helfen; aus dem Beispiele allein, und nur mit solchem durfte deshalb die vorliegende Arbeit sich beschäftigen, muss sich über Methode und Ziel dieser, wie sie genannt werden kann, ästhetischen Behandlung' das Nähere ergeben. Nur eine allge- meine Bemerkung möge hier noch Platz finden. Es verhält sich mit der dramenlesenden Jugend bei- nahe wie mit dem gebildeten Teil des theaterbesuchenden Publikums. Man kann das letztere in zwei Klassen einteilen nach der Art, wie es ernste Dramen aufnimmt. Wenn man von den Kritikern von Fach, die infolge ihrer gewonnenen künstlerischen Anschauung stets den höchsten Kunstgenuss haben müssten, würde ihnen derselbe nicht zuweilen, weil der Beruf sie ins Theater führt, durch eine mitgebrachte unliebsame Stimmung gestört, hier absieht, so bilden die eine Klasse diejenigen Laien, die nichts weiter mitbringen als ihr unbefangenes Gefühl. Diesem, meinen sie, brauchen sie sich nur zu überlassen, um eines wahrhaften Genusses teilhaftig zu werden. Es ist bekannt, dass uber den Wert einer dramatischen Dichtung nicht immer die Theaterkritik richtig geurteilt hat, wie zeitgenössische Recensionen über gewisse Erzeugnisse der Klassiker beweisen. Die Erfahrung lehrt aber auch, dass das erwäühnte Publikum das entscheidende Wort nicht spricht: demselben Werk bringt es, gleich gute Aufführung vorausgesetzt, an diesem Orte bedeutenden Erfolg, an jenem kühle Ablehnung; es fällt ein abfälliges Urteil ebenso rasch, als es befriedigt ist von dem gebotenen Kunstgenuss. Dieser ist vielmehr nur der anderen Klasse, nämlich denen beschieden, die, frei vom Zwange, Geschaffenes nicht bloss nachempfinden, sondern demselben auch nachdenken gelernt haben; ihr Urteil gab immer den Ausschlag, ermutigte den Schaffenden, denn zwischen ihnen und dem Dichter besteht die innigste Wechselwirkung. Eine unliebsame Stimmung würde aber bald auch der Lehrer an seinen Schülern beobachten, der sich nicht der Recension und derjenigen kühlen Erwügung, wie sie der Kritiker von Fach doch ausnahmslos an jedes Kunstwerk anlegen muss, gewissenhaft enthalten wollte. Schiefes, vorlautes Urteil würde an Stelle der freudigen Zuversicht treten, mit der die Jugend jedes ihr als klassisch bekannte Kunstwerk aufnehmen will. Ebenso wenig darf aber der Lehrer von dem erwähnten unbefangenen Gefühl der Schüler erwarten, dass dieses, wenn er selbst nur hier und da die sogenannten sachlichen Erläuterungen giebt, das Verständnis des Dramas erschliessen werde. Das Schwürmen für die klassischen Dramen, das wiederholte eifrige Lesen, Recitieren derselben, wie es der reiferen Jugend eigentümlich zu sein pflegt, beweist noch nicht, dass der Dichter auch wirklich verstanden worden ist. Nur diejenige Behandlung, die nicht bloss nachempfinden lassen will, sondern auch nachdenken lehrt, wird auch allmählich einen Damm bilden gegen die von Schülern zuweilen geübte, immer tadelnswerte ausschliessliche Beschäftigung mit dramatischer Litteratur. 3) Der Verfasser glaubt sich bei dieser Forderung im wesentlichen in Übereinstimmung mit den Vorschriften, welche in der Lehrordnung für sächsische Gymnasien bezüglich der dramatischen Lektüre gegeben sind: in den Oberklassen ist bei der Lektüre klassischer Werke, besonders der dramatischen Litteratur, stets in Erinnerung zu behalten, dass es der Lehrer mit den dem eigenen Volksgeiste entsprungenen Schöpfungen zu thun hat. Es ist daher ein aus der Lektüre der griechischen und römischen Klassiker herübergenommenes, Zeit und Interesse raubendes, das Ganze zerpflückendes Lesen und Erklären der Stücke von Satz zu Satz zu vermeiden, das Stück vielmehr partien- (akt)weise zur vorbereitenden Privatlektüre aufzugeben, nur an den schwierigsten Stellen im einzelnen zu erläutern und nur in den hervortretendsten Partien zu lesen, vorzugsweise aber die Einführung in den Geist des Stückes, in die leitenden Ideen, die Okonomie und den Aufbau des Ganzen zur Aufgabe des Unterrichts zu machen. Nur so wird auch in jedem einzelnen Semester die Lektüre mehrerer Stücke ermöglicht werden. S. auch § 9 der Lehrordnung für sächs. Realgymnasien. 4) Weise Beschränkung ist hierin ebenso notwendig wie hinsichtlich der Lektüre von Romanen; die vor- züglichsten der letzteren wird man ja der reiferen Jugend auch nicht vorenthalten dürfen. Da beide Kunstgattungen, Drama und Roman, immer den Menschen in den höchsten Affekten darstellen, so erzeugt leicht ein Zuviel im Lesen, abgesehen von anderen schlimmen Folgen für den Stil u. s. w., gleichsam einen Geffhlsrausch, der zuletzt ein kaltes, selbst für die höchsten Dinge oft kaum mehr empfängliches Herz zurücklassen kann. Lies mit der Feder in der Hand, 3 Obgleich es als eine die Grenzen der Schule weit überschreitende Aufgabe bezeichnet werden muss, die noch Lernenden zur Erkenntnis der Wahrheit des Satzes(G. Freytag, Technik des Dramas p. 233) zu führen:„dass das Schaffen in der Hauptsache mit einer Naturkraft geschieht, in welcher dem Dichter un- bewusst derselbe logische Zwang thätig ist, den wir vor dem fertigen Kunstwerk durch Nachdenken als innewohnendes Gesetz des geistigen Schaffens erkennen“, so soll ihnen doch durch die Lek- türestunde, und dies könnte nach jeder der Fall sein, die UÜberzeugung sich aufdrängen, dass es ernste Gedankenarbeit kostet, von der blossen oberflächlichen Bekanntschaft mit dem Inhalt eines Dramas zum vollen Verständnis desselben zu gelangen.— Des gebotenen Raumes wegen konnte nur von der Organisation der Handlung die Rede sein, und auch diese Aufgabe war nur in sehr gedrängter Kürze zu lösen. Dass Schiller? als Beispiel gewählt wurde, bedarf keiner Rechtfertigung; dass man aber, um die Okonomie eines Stückes zu erläutern, so zu verfahren habe, wie es hier geschehen, nämlich mit Zugrundelegung des von Gustav Freytagé in seiner Technik des Dramas(Kapitel II, 2, Bau des Dramas) Gesagten, darüber können die d. h. rekapituliere das Gelesene von Zeit zu Zeit durch eine kurze Niederschrift— so möchte man immer wieder jedem jugendlichen Leser zurufen. Dieses Mittel bewahrt vor einem Zuviel und hilft am besten geistiges Eigentum erwerben.(Lektürehefte!) 5) In nachstehender Reihenfolge sollen die Stücke angeführt werden, wobei die nebenstehenden Abkürzungen erlaubt sein mögen: 1. Die Räuber(R.), 2. Kabale und Liebe(K. u. L.), 3. Fiesko(F.), 4. Don Carlos(D. C.), 5. Wallen- stein(Wäst.), Piccolomini(Picc.), Wallensteins Tod(Wäst. Td.), 6. Maria Stuart(M. St.), 7. Jungfrau von Orleans (J. v. O.), 8. Bräut von Messina(B. v. M.), 9. Tell(Tl.),(Thlh.= Tellhandlung, Schaozh.= Schweizerhandlung, Atkgh.= Handlung Attinghausen). Freilich wird man die Jugenddramen des Dichters in der Schule kaum lesen, aber zu einer Heranziehung derselben bei der Besprechung der übrigen bietet sich fortwährend Gelegenheit. Wenn übrigens oben be- hauptet wurde, dass der Lehrer bei der Besprechung sich der kühlen Erwägung des Kritikers zu enthalten habe, so können doch gewisse Widersprüche und Unwahrscheinlichkeiten, die sich bekanntlich auch in den Dramen der Klassiker finden, nicht unerörtert pleiben, da die Schüler dieselben bei aufmerksamem Lesen selbst entdecken müssen. Die auffälligsten Mängel sind in den Noten, aber nur bei denjenigen Stücken Schillers, die in der Schule gelesen zu werden pflegen, nach Düntzer(D.) angeführt worden. Auf die gerechte Würdigung und von Vorurteilen freie Bewunderung, die auch Schillers Muse durch diesen ausgezeichneten Textkritiker gefunden hat, konnte hier nicht eingegangen werden, ob- gleich im Zusammenhange damit die von ihm ausgesprochenen tadelnden Bemerkungen oftmals erst recht verständlich werden. Jedoch dürfte der bei den einzelnen Auftritten und Scenen gegebene Hinweis auf die Seitenzahl der Er- läuterungen das Nachschlagen derjenigen Stellen, welche nach des Verfassers Meinung begründete Bedenken enthalten und bei der Lektüre erwähnt werden müssen, wesentlich erleichtern. 6) Die Einwände, die man gegen diese geistreiche Schrift des bedeutenden Dramatikers von einigen Seiten erhoben hat— er ziehe dem Drama zu enge Grenzen— müssen und können hier unberücksichtigt bleiben. Mögen diese„Arbeitsregeln“ für den Schaffenden bindend sein oder nicht, für den, der Geschaffenes nachempfinden c und verstehen will, sind sie eine unerschöpfliche Fundgrube. Nach G. Fr. T. d. D. pag. 100 flg. hat das Drama einen pyramidalen Bau, den er durch peistehende Figur versinnlicht. Die Buchstaben bezeichnen die d Teile der Handlung: Einleitung, Steigerung, Höhenpunkt, Fall oder Umkehr, Katastrophe. Ausserdem unterscheidet er noch drei Stellen: erregendes, tragisches Moment und Moment« 6 der letzten Spannung und bezeichnet die letzteren beiden als„gute, aber nicht unentbehrliche Hilfsmittel“.(Siehe die Noten zu den Überschriften der einzelnen Abschnitte im Folgenden.) Ausserdem sei gleich hier noch bemerkt: man unterscheidet Dramen mit einfacher und Doppelhandlung und solche, in denen noch eine Nebenhandlung ein- gefügt ist. Wodurch die beiden letzteren entstehen s. N. 65 p. 20.— Uber Stufe s. N. 58 p. 14 flg., dramatisches Moment s. N. 63 p. 17 flg.— Eine Stufe kann aus mehreren Scenen bestehen. Aus dramatischen Momenten setst sich die Scene zusammen. In Bezug auf die Grösse der Ausführung ist ein Unterschied gemacht worden zwischen solchen Scenen, die in einem koordinierten Verhältnis stehen— nicht selten enthält davon eine wesentlich Charakter- exposition— und solchen, die als Hauptscenen deutlich hervortreten. In der Regel geht letzteren eine Vorscene voraus, wodurch das bedeutendere Interesse, das sie beanspruchen, scharf hervorgehoben wird. Wie das ganze Stück, so verlangt jeder Akt, jede Art von Scenen zuweilen eine Einführung in die Stimmung(Einleitung, Stimmungs- scene), besonders der Höhenpunktsscene fehlen dieselben selten, aber auch eines Schlusses(Finale) können diese grösseren und kleineren„Teilstücke“ oft nicht entbehren. Von den die Teile und Stellen des Dramas, oft auch die Akte verbindenden UÜberleitungen sind noch diejenigen kleinen Abschnitte unterschieden worden, die die Scenen hier und da verbinden und Upergangsglieder heissen mögen. Von den im Drama ausserdem noch vorkommenden Zwischenscenen und Episoden wird später die Rede sein. Wie weit freilich der Lehrer auch die Schüler zur Auffindung dieser angeführten kleineren Glieder heranziehen kann, hängt sehr von der gewählten Lektüre ab. Bei Dramen von komplizierterem Bau empfiehlt es sich nicht. Durchsichtige Handlungen erleichtern diese sehr zum Nachdenken anspornende Aufgabe. G. Fr. a. a. O. p. 182 sagt:„Wie an einer Kette schliessen sich während der Arbeit(des Dichters) die nahe verwandten Anschauungen und Vorstellungen zusammen, in logischem Zwange eine die andere fordernd. In solchen einzelnen kleinen Teilen organisiert sich das Detail der Handlung, deren grosse Um- risse der Dichter in der Seele trägt. Wie verschieden die Arbeit der produktiven Kraft in dem Individuum sei, diese logischen und poetischen Einheiten bilden sich in jeder Dichterarbeit mit Notwendigkeit, und wer recht genau zu- sieht, vermag sie aus dem fertigen Gedicht sehr wohl herauszuerkennen und an einzelnen derselben die grössere oder geringere Kraft, Wärme, poetische Fülle und Korrektheit zu ersehen.“ 1* 4 Ansichten geteilt sein— das ist Sache der gewonnenen künstlerischen Anschauung jedes einzelnen. Der Zweck der Arbeit ist erfüllt, wenn dieselbe dazu beigetragen hat, das Urteil der Fachgenossen anzuregen, ob und inwieweit nämlich auf diesem Wege die Lektüre klassischer Dramen in der Schule für die reifere Jugend anregend und fruchtbar gemacht werden kann. Den Anfang der Besprechung bildet am besten die Feststellung der Idee, Voraussetzung und des allgemeinen Charakters des Dramas. Zu diesem Zwecke muss dasselbe von den Schülern zuvor privatim gelesen worden sein. Is ist zu beachten, dass es darauf ankommt, die Idee“ der Handlung in möglichst knappen Worten wiederzugeben, z. B. durch folgende„Formeln“: f. Die Intrigue des herzlosen Bruders treibt einen in seinen heiligsten Gefühlen gekränkten Jüngling mit seinem Anhang auf einen zum Verbrechen führenden Sühneweg. K. à. L.„Auf- geregte Eifersucht eines jungen Adeligen treibt zur Tötung seiner bürgerlichen Geliebten“. F. Ehrgeiz und erlangter Einfluss treibt einen anscheinend in Genusssucht versunkenen Edlen statt im Sinne der Ver- schwörung zur Rache an der bedrohten republikanischen Freiheit zum ihm selbst todbringenden Verrat an derselben. D. C. Um einem tyrannisch regierten Lande seine Freiheit durch den in verbrecherischer Liebe zu seiner zweiten Mutter fast verlorenen Infanten zu retten, wird eine edle Seele zum Opfertod für den königlichen Freund getrieben. Wlst. Ein ehrgeiziger, rachsüchtiger und übermächtiger Feldherr wird zum Verräter an seinem Kaiser; aber durch seinen in abergläubischen Vorstellungen befangenen Sinn verleitet, sieht er selbst im intriguanten Gegner(Oktavio) seinen Verbündeten, der es bewirkt, dass der Feldherr in der entscheidenden Stunde„von der Mehrzahl seiner Offiziere und Soldaten verlassen“, von Meuchelmördern umgarnt und getötet wird. Picc.„Ein hochgesinnter, argloser Jüngling, der die Tochter seines Feldherrn liebt, erkennt, dass sein Vater die politische Intrigue gegen seinen Feldherrn leitet, und trennt sich von ihm; er erkennt, dass sein Feldherr zum Verräter geworden ist, und trennt sich auch von ihm, zu seinem und der Geliebten Untergang“. M. St.„Aufgeregte Fifersucht einer Königin treibt zur Tötung ihrer gefangenen Gegnerin“. J. v. O. Glaube an ihren himmlischen Beruf treibt eine reine Jungfrau zur Rettung ihres Vaterlandes. B. v. M. Eifersüchtige Liebe zu der von einer besorgten Mutter ihnen ver- borgen gehaltenen und als solche zunächst nicht erkannten Schwester treibt zwei durch jahrelange Feind- schaft getrennte Brüder in den Tod. Tl.(Tlh. u. Schweh.) Wie Liebe zu den Seinen einen freiheitsliebenden Mann, so treibt ein Volk die zugefügte schwere Kränkung an den heiligsten Gütern zum Sturze der Tyrannei. Auf den ersten Blick wird der Schüler erkennen, dass jeder dieser Ideen ein gewisses bewegendes „breibendes“ Element innewohnt, nämlich eine starke menschliche Leidenschaft, ohne welche ein Drama nicht gedacht werden kann. Die Zusammen- und Nebeneinanderstellung dieser treibenden Elemente zeigt, in welcher Sphäre der Dichter sich am liebsten bewegt: in K. ¹. L., M. Sl., B. v. M. ist diese Kraft die Eifersucht, in F. und Wlst. der Ehrgeiz; in den R., dem Erstlingswerk des Dichters, erscheint diese durch die ge- meinste Intrigue aufgeregte, alles zerstörende Leidenschaft noch wie eine ungebändigte, wilde Naturgewalt; in D. C., J. v. O., Tl. dagegen sind es die edelsten Triebe: Vaterlandsliebe und politischer Freiheitssinn. Andere Haupteigenschaften des Dramas lassen sich aus der Idee ebenfalls ableiten: jedem Drama ist ein Held notwendig, der in nächster Beziehung zu dieser vorwärtstreibenden Kraft steht. Für Schiller ist ausserdem die Vorliebe für einen„Doppelhelden“? bemerkenswert: in den N. Franz und Karl Moor, X 7) Man hat bekanntlich versucht, jedem Stücke der Klassiker einen allgemeinen Satz zu Grunde zu legen, für dessen Richtigkeit dann die dramatische Handlung gleichsam die Beweisführung sein soll. Mit diesen sogenannten Grundideen(Prinzipien) haben diese Formeln nichts zu thun. 8) Diejenigen Stellen, die in Anführungszeichen stehen, sind aus G. Fr. T. d. D. wörtlich angeführt worden, die in Cursivschrift gegebenen sind Citate aus Schillers Werken. 9) Dass in D. C., der bekanntlich der Einheit entbehrt, eigentlich von zwei dramatischen Ideen die Rede sein muss, der ursprünglichen nicht zur Reife gekommenen und der, die den Dichter später anzog, in Wist. aber die Verflechtung der beiden obenangeführten eine dramatische Einheit bildet, in T'l. endlich drei Handlungen beinahe parallel laufen, ist beim Bau der Schillerschen Dramen nachgewiesen worden(s. u. Steigerung p. 13 flg., vergl. ausserdem a. a. O. p. 260). Schiller suchte die Einheit in D. C. nachzuweisen. Im achten Briefe über Don 5 K.. L. Ferdinand und Luise, D. C. Don Carlos und Posa, Wist. Max und Wallenstein, M. Gl. Maria Stuart und Elisabeth, B. v. M. Don Cesar und Don Manuel; in T'l. hat diese Neigung des Dichters drei fast parallel laufende Handlungen geschaffen,“ nämlich die Handlung Tell, die Schweizer, Attinghausen. Ebenso wird der Schüler leicht erkennen, dass der Held bei Beginn des Stückes ein anderer ist als am Schlusse, dass also das Drama immer„das Werden einer Aktion und ihre Folgen auf das Gemüt“ darstellt, Karl wird zum(erhabenen) Verbrecher, Ferdinand zum Mörder, Fiesko zum Verräter an der republikanischen Freiheit, ¹o Wallenstein zum Verräter an dem Kaiser etc. Hierauf lasse man in derselben knappen Form die Voraussetzung des Stückes aussprechen. Jeder vom Dichter pehandelte Stoff ist nämlich stets„aus dem Zusammenhange mit anderen Preignissen heraus- gelöst“; kein Drama vermag also das Schicksal des Helden von Anfang bis Ende, sondern meist nur einen geringen Bruchteil davon darzustellen. Es kann sich selbstverständlich hier nur, da schliesslich jedes Stück ungeheure Voraussetzungen hat, um Feststellung derjenigen Verhältnisse handeln, die notwendig zum Ver- ständnis der Dichtung sind, und deren Behandlung, wie später gezeigt werden soll, die Aufgabe der Ex- position(s. u. Einleitung) bildet. So genügt es, um die Aktion zu begreifen, folgende Thatsachen zu wissen: R. die Unterschlagung des Briefes, in dem Karl Moor wegen seines ausschweifenden Betragens die Verzeihung des Vaters erbittet; K. u. L.„ein bestehendes Liebesverhältnis“ zwischen einem jungen Adeligen und einer bürgerlichen Geliebten; F. die beim Ableben des Andreas Doria durch Gianettino bedrohte Frei- heit Genuas; D. C. die Familienverhältnisse des Infanten, besonders seine Liebe zu seiner zweiten Mutter, und die politischen Zustände, namentlich die bedrohte, aber von Posa beschützte Freiheit Flanderns; Wäst. der dreissigjährige Krieg; M. St. die frühere Lebensgeschichte der Heldin, ferner die geschichtlichen Er- eignisse: die Revolution in Schottland, die englischen Thronstreitigkeiten; J. p. O. das Verhältnis der Eng- lünder zum Throne Frankreichs, die Besetzung des Landes, Gang des Krieges, aber auch der in der mittel- alterlichen Anschauung tief begründete Wunderglaube; B. v. M. das dem antiken Geiste entsprechende Motiv eines fluchbeladenen Hauses, die Entfernung Beatricens, der Zwist der Brüder;¹* Tyl. die Anmassung und Willkür der Landvögte. An Wäst., Tl. und M. Gt. wird der Schüler am leichtesten erkennen, wie umfangreich die Voraussetzung sein kann, wäührend der Dichter aus dem unendlich reichen Stoffe doch immer nur einen kleinen Bruchteil, z. B. in Wäsl. die letzte Aktion des Verrates, in M. St. eigentlich nur das Ende der Heldin, zur dramatischen Gestaltung auswählt. ¹² Den Beschluss der Erörterungen, die sich aus der Auffindung der Idee des Dramas ergeben müssen, bilde sodann die Antwort auf die Frage, welcher allgemeine Charakter d. i. welcher Grundton dem Stücke zuzusprechen sei. Schon das Epos kann den letzteren nicht ganz entbehren; in unseren beiden Nationalepen ist derselbe am reinsten gewahrt; das Nibelungenlied zeigt, evie liebe mil leide ze jungest lönen kan, die Gudrun, wie leid sich zuletzt in liebe(Freude) wandelt. Aber das Drama ist ohne Grundton nicht denkbar, und wenn er dem Stoffe nicht schon an und für sich anhaftet, so muss er demselben durch die dichterische Umbildung gegeben werden. Je reiner und ungetrübter derselbe, je konsequenter und deutlicher der Charakter des Stückes gewahrt ist, desto ungezwungener und voll- ständiger können sich Charaktere wie Handlung entwickeln. Bei Schiller können folgende Stellen, die zugleich beweisen, wie verwandt gewisse Stücke durch den durchklingenden Ton miteinander sind, die Feststellung des allgemeinen Charakters erleichtern. R. Moor(V, 2): O über mich Narren, der ich wähnte, die Welt durch Greuel zu verschönern und die Gesetze durch Geselzlosigkeit aufrecht zu erhalten. Ich nannte Carlos heisst es: Und was wäre also die sogenannte Einheit des Stückes, wenn es Liebe nicht sein soll und Freund- schaft nie sein konnte? Von jener handeln die drei ersten Alcte, von dieser die zwei übrigen, aber keine von beiden beschäftigt das Ganze.— Unter beiden Freunden bildet sich also ein enthusiastischer Entwurf, den glücklichsten Zustand hervorzubringen, der der menschlichen Gesellschaft erreichbar ist, und von diesem enthusiastischen Entwurfe, wie er nämlich im Konflilct mit der Leidenschaft erscheint, handelt das gegenwärtige Drama. 10) Gemeint ist vom Dichter die bedrohte republikanische Freiheit; bekanntlich ist dieselbe thatsäch- lich nicht mehr vorhanden, da Andreas Doria Herzog ist. 3 11) Uber die willkürliche Annahme eines regierenden Fürstengeschlechts in Messina D. B. v. M. p. 42 flg. Dass die Brüder trotz des verschiedenen Alters seltsam genug gleichberechtigt neben einander stehen, s. D. B. v. M. p. 77. 12) Die ganze Geschichte der Eidgenossenschaft bildet streng genommen die Voraussetzung im Tl., sie kommt erst im zweiten Akte, der Rütliscene, in Erwähnung, während die Exposition(p. 11) eben nur soviel davon enthält, als unbedingt für das Verständnis der nächstfolgenden Ereignisse notwendig erscheint. G. Fr. a. a. O. p. 35„Schiller hat in seinen beiden grössten historischen Stücken nur die geschichtliche Katastrophe, die letzten Scenen eines wirk- lichen Menschenlebens. verwertet, und er hat für ein so kleines historisches Segment im Wallenstein drei Dramen gebraucht.“ 6 es Rache und Recht. Franz(I, 1): Es is! jelzt die Mode, Sohnallen an den Beinkleidern zu tragen, womit man sie nach Belieben weiter und enger schnürt. Wir wollen uns ein Gewissen nach der neuesten Façon anmessen dassen, um es hübsch weiter aufzuschnallen, wio wir zulegen. Gegensatz zwischen dem durch seine Intrigue und Laster gemeinen und dem durch seinen schrecklichen Irrtum erhabenen Verbrecher.— K. u. L.(I, 4): Lasst doch sehen, ob mein Adelsbrief älter ist als der RNiss zum unendlichen Weltall, oder mein Wappen gültiger als die Handschrift des Himmels in Luisens Augen:„Dieses Weib ist für diesen Mann!?“ Gegensatz zwischen„Hofluft“ und bürgerlicher Anschauung.— F.(II, 19): Republikaner Fiesko? Eerzog Fieszo?— Gemach— Hier ist der jähe Hinuntersturs, awo die Mark der Jagend sich schliesst, sich scheiden Himmel und Hölle: die politische Verderbnis, insbesondere die Leichtfertigkeit und der Egoismus gegenüber den heiligen Interessen des Vaterlands. Diese drei Stücke gehören dem Revolutionszeitalter an und enthalten die dichterische Prophezeiung der Revolution.— D. C.(I, 5): Elisabeth war Thre erste Liebe; Thre zweite sei Spanien;/ Gegensatz einer sich selbst verzehrenden und verbrecherisch gewordenen Liebe und dem durch sie bedrohten Freiheitsideal.— Wlst.(Prolog)e Thr kennet ihn— der, ungesättigt immer weiter- strebend, der unbezähmten Ehrsucht Opfer fiel. Gegensatz zwischen Höhe und Tiefe; jene ist erklommen vom Helden nach kleinen Anfängen durch kühne Thatkraft und Genie, in diese wird er geschleudert durch seine eigenmächtige, auf Verbrecherisches gerichtete Handlung: der Sturz von der Höhe.— Man ver- gleiche mit diesem Stücke M. St.(V, 7): So gehe hin, und sterbend büsse sie! Sink' ein ergebnes Opfer am Altar! Blut kann versöhnen, was das Blut verbrach. Gegensatz zwischen Tiefe und Höhe; in jener befindet sich die Heldin infolge ihres Lebenswandels; aber da sie sich die Grösse des Herzens bewahrt, durch tiefe Reue und Busse die Schuld gesühnt hat, indem sie die gewaltthätige Art und Weise, mit der sie während ihrer Haft behandelt und ihr Schicksal entschieden wurde, geduldig ertrug, so steht die Heldin als Opfer am Altare doch auf der Höhe ihres Lebens: Erhebung von dem Sturze.— J. v. O.(Pr. 4): Denn eine andre Herde muss ich weiden, dort auf dem blut'gen Felde der Gefahr. So ist des Geistes Ruf an mich ergangen, mich treibt nicht eitles, irdisches Verlangen, und B. p. M.(IV, 5): Wie die Seher verkündet, so ist es gelommen. Denn noch niemand entfloh dem verhängten Geschich, und wer es vermisst, es Kläglich zu wenden, der muss es selber erbauend vollenden. In beiden Stücken findet sich das Hereinragen überirdischer Gewalten, durch welche in ersterem das Schicksal der Heldin und ihres ganzen Volkes, in letzterem das eines Hauses entschieden wird: in der J.». O. im christlichen Sinne als segenspendende himmlische Führung, die sich zur Rettung ein reines, im frommen Glauben beharrendes Gemüt auserwählt, in der B. v. M. im antiken Geiste als fluchbeladene Schicksalsmacht, welche die durch die engsten Bande des Blutes verbundenen, aber durch Hass entfremdeten Menschen dem Verderben überantwortet.— T¹.(II, 2): Nein eine Grenze hat Tyrannenmacht,/ Wenn der Gedlrüchte nirgends Recht kann finden, wenn unerträglich wird die Last, greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel und holt herunter seine ewgen Rechle, die droben hangen unveräusserlich und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst. Hier liegt die Stimmung in der reinigenden, gewitterähnlichen Art, mit der sich der urkräftige, eng mit seiner Heimat verwachsene, aber aus seinem Frieden aufgestörte Volksgeist der habsüchtigen Tyrannei erwehrt. Erster Teil: Steigende Handlung.“ Einleitung(charakterisierender Akkord, Exposition, erregendes Moment), Steigerung, Höhenpunkt. Die Einleitung. 4= Charakterisierender Akkord. In die oben erwähnte Grundstimmung den Hörer Asbald zu bringen, bildete bei den Dichtern des Altertums wie der Neuzeit, und nicht am wenigsten bei Schiller, die 13) Das Drama wird gebildet durch Handlung und Charaktere; denn es kann noch so viel geschehen, wenn die Personen mattherzige Figuren sind, oder umgekehrt, die Charaktere können noch so gross angelegt sein, wenn nichts geschieht— die dramatische Wirkung wird in beiden Fällen ausbleiben. In dieser Arbeit musste der Verfasser sich im wesentlichen auf die Handlung beschränken, deren Gliederung den Schüler erkennen zu lassen, die angelegentlichste Aufgabe des Lehrenden pleiben möge; auch im Drama ist ja die Handlung doch immer das erste, der Charakter das zweite. 7 erste Angelegenheit.“B Schon in seinem ersten Stücke hat der junge Dichter, freilich mehr unbewusst und instinktartig, der Forderung Rechnung getragen, den Hörer vor der Expositionsscene in die Atmosphäre der Dichtung zu versetzen.¹“ In den R. giebt das Spiel mit dem Briefe(I, 1) schon den deutlichen Hinweis auf die spüter zur Darstellung kommende Verderbtheit der menschlichen Kreatur: die nichtswürdige und, wie man sofort empfindet, Unheil heraufbeschwörende Art und Weise, mit der Franz den alten Vater um seine väterliche Gesinnung für Karl durch UÜberreichung der Leipziger Korrespondenz zu bringen versucht, gewährt sofort die Perspektive in einen Abgrund, der sowohl sich über dem Urheber, als auch über dem von seiner Leidenschaft fortgerissenen, in seinen heiligsten Gefühlen gekränkten Jüngling(Karl) drohend aufthut. In K. u. L.(I, 1) wird durch den Streit der Millerschen Eheleute sofort der für die Liebenden verderbenbringende Gegensatz zwischen Hofluft, in der Major Ferdinand, und den bürgerlichen Verhält- nissen, in der Luise lebt, scharf hervorgehoben. F.(I, 1) Leonorens schmerzliche Kusserung, sie werde in Fiesko ihren Gemahl, Genua seinen Helden verlieren, wobei schon Streiflichter über die Zustände in Genua fallen, enthält den ganzen Verlauf der Handlung gleichsam embryonisch. In D. C.(I, 1) trifft der Trübsinn des Infanten in dem ersten Gespräche mit Domingo ¹⁶, sein weltvergessender, ganz in die ver- botene Liebe verlorener Sinn vortrefflich den Grundton des Stückes. Im Wlsl.(A!) giebt das Lagerl¹ in einem umfassenden Bilde die grosse Situation und Lage des Heeres und erweckt deutlich das Gefühl, dass Ausserordentliches in Vorbereitung ist. Wie der Grundcharakter der Gesamthandlung durch das Lager, so wird derselbe in den Picc., in welchem Stücke die Feldherren in ihren Beziehungen zu Wallenstein die Träger der Handlung sind, durch die„Begrüssung der Generäle und Questenbergs“ ausgedrückt(I, 1), wührend in Wlst. Td.(I, 1) sich in der nächtlichen Scene mit dem Astrologen(A") die geheimnisvolle, auf scheinbar sicherer Grundlage, aber in sich ohnmächtige That des Helden wunderbar abspiegelt.—„Durch das Erbrechen der Schränke und den Streit Paulets mit Kennedy“(I, 1) wird in M. St. die gewalt- thätige Art und Weise, welcher das Schicksal der Heldin vom Anfang bis Ende unterliegt, angedeutet. (Grausame Gefangennahme und Gefangenhaltung, Willkür des Prozessverfahrens, Ungerechtigkeit beim Fällen des Todesurteils und bei der Unterschrift.)— Die J. v. O.“s ist durch den der eigentlichen Handlung vorauf- gehenden Prolog charakterisiert: ihre geistige Abwesenheiti? anfangs, als Thibaut²o seine Töchter ver- lobt, ihr flammendes Auge bei der Berührung mit dem Helme ²¹, ihre gespannte Aufmerksamkeit bei dem Kriegsbericht Bertrands, endlich ihr von überirdischem Einflusse inspiriertes Wesen²“ bei ihrem Aufbruch.— In der B.». M. deutet die tiefe Trauer und der mütterliche Schmerz Isabellens, der auch jetzt bei der den Altesten ² von Messina in Aussicht gestellten Versöhnung der Söhne nicht voll- 14)„Ohne sich deshalb die möglichen Fälle in eine Schablone zu zwängen, darf der Dichter festhalten, dass ein regelmäüssiger Bau der Einleitung folgender ist: charakterisierender Akkord, ausgeführte Scene(Exposition), kurzer Übergang in das erste Moment der Bewegung“(erregendes Moment). p. 105 a. a. O. 1 15)„Da die Darstellung von Ort, Zeit, Nationalität und Lebensverhältnissen des Helden der Einleitung des Dramas zukommt, so wird diese zunächst das Umgebende kurz charakterisieren. Ausserdem wird dem Dichter hier Gelegenheit, sowohl die eigentümliche Stimmung des Stückes wie in kurzer Ouverture anzu- deuten, als auch das Tempo desselben, die grössere ELeidenschaftlichkeit oder Ruhe, mit welcher die Handlung forteilt“. p. 102 a. a. O.. 16) UÜber die von Schiller ersonnene, von Domingo erzühlte Geschichte von einem Turnier von Saragossa und den Widerspruch, in dem dieselbe zu dem Folgenden steht, s. D. D. C. 155. 17) D. Wäst. 187 bezweifelt, dass es einer so weiten Ausführung des Lagerlebens bedurfte.— Lager 2. 199. die doppelte Löhnung im Widerspruch mit Picc. II, 7, wo Buttler sagt: Ein Jahr fehlt schon die Lôhnung.— Lager 4. 200. Der 4. Auftritt ist entbehrlich. Regensburg sei eben genommen, was fast zwei Monate vor der ersten Versammlung in Pilsen geschah.— Lager 11. 200. Man fordert von Wien aus, 8000 Mann Kürassiere, Jäger und reitende Schützen sollen dem Kardinal-Infanten nach den Niederlanden folgen. Nach der Geschichte brachte diese Forderung nicht, wie bei Schiller, Questenberg, sondern der Pater Quiroga... 8) Die Freiheiten, die sich Schiller auch in diesem Stücke gegen die geschichtliche Uberlieferung erlaubte, und die glücklichen Erfindungen des Dichters sind von D. erschöpfend zusammengestellt worden. 19) Wenn der Vater Johannas Mutter, obgleich sie in Wirklichkeit ihn noch überlebte, als längst gestorben erwähnt hätte, dürfte dieser Zug fürfdas Versinken Johannas in sich nicht unbedeutend sein, D. Pr. 2, 130. 20) Thibauts Sorglosigkeit in Bezug auf den Krieg in Widerspruch mit der besorgten Ausserung am An- fang des Prologs D. Py. 3, 140. 21) Uber die Aushändigung des Helms durch ein Zigeunerweib D. Pr. 3, 133. 22) Mit Kriegerischen Ehren werd' ich dich verklären— ist auffallend, da sie ihre Sendung ohne Streben nach Ruhm und Ehre vollbringen muss.— Dann wirst du meine Oriflamme tragen— Johanna hat ihre eigene Fahne, D. Pr. 4, 143. 23) UÜber das stumme Verhalten derselben D. B. v. M. p. 78. 8 ständig von ihr gewichen ist, auf das dem fluchbeladenen Hause drohende Verhängnis(I, 1).— Das Bild des Friedens, das anfangs die im Sonnenschein glänzende Landschaft gewäührt, und der aufgestörten Ruhe, als die Wetter ziehen und der See zu brausen beginnt, sind für die Handlung des T'll. ebenso schön als charakteristisch.²“* Aus dem Gesagten bereits kann der Schüler eine Eigentümlichkeit der dramatischen Muse seines Lieblingsdichters lernen: Schiller legt grossen Wert auf die Eröffnungsscene. Schon in seinem ersten Stücke, in den R., aber auch in F. vermag er sofort den Zuhörer lebhaft in die Handlung zu versetzen. Ganz besonders kräftig²? wird dieser Akkord in K. u. L. und in M. St. angeschlagen; in beiden Stücken bildet ein Streit den Anfang, im ersten der der Millerschen Eheleute, in letzterem der des Ritters Paulet mit Kennedy beim Erbrechen der Schränke. Durch„Seelenbewegungen ²“ der Hauptpersonen“ wird in D. C.— Trübsinn des Infanten— und in der B. p. M.— Isabellens Trauer— die Stimmung der Hörer herbei- geführt. In Tl., der J. v. O. und in Wlst. hat dieser stimmende Akkord die grösste Erweiterung erfahren, in Tl. zu einem Landschaftsgemälde, an das aber unmittelbar die folgende Handlung sich anschliesst; in den anderen beiden Stücken ist die eigentliche Handlung wie durch Aktschluss davon getrennt, nämlich in der J. b. O. von dem Situationsgemälde(Prolog), in Wlst. von dem Bilde des Lagerlebens, welches letztere fast den Charakter eines selbständigen Stückes erhalten hat. a— b= die Exposition und c= das erregende Moment. Schon oben(p. 5) war als die Aufgabe der Exposition? bezeichnet worden, dass sie aus der Voraussetzung des Stückes soviel zu bringen hat, als zum Verständnis der Dichtung notwendig ist. Sind diese Bedingungen angegeben worden, so lasse man scharf die Stelle bezeichnen, wo jene im allgemeinen fertig und im wesentlichen als ab- geschlossen zu betrachten ist— denn im Grunde genommen verlangt jeder Fortschritt des Dramas neues Exponieren— und wo die bewegte Handlung ihren Anfang nimmt. Bereits der charakterisierende Akkord deutet auf die künftige Bewegung des Dramas hin; er bezeichnet aber nur„das erste Kräuseln der Wellen, welches die Stürme des Dramas einzuleiten hat.“ Während der nun unmittelbar folgenden Exposition ist „die Fläche wieder spiegelglatt“, und erst nach ihrem Abschluss wird die eigentliche Handlung wieder eröffnet durch das„erregende Moment“²⁸. Als Merkmal des letzteren kann gelten, dass etwas geschieht, wodurch die bisher auch in„Ton und Rede“ unverkennbare Ruhe plötzlich gestört wird, das Gemüt des einen oder auch mehrerer Spielenden in heftige Aufregung gerüt, bei dem Hörer selbst aber die Empfindung sich geltend macht, dass von jetzt ab der Kampf und Gegenkampf, den jedes Drama darzustellen hat, beginnen muss. R. a— b. Franzens Plan(I, 1) und Karl Moors Unterredung mit Spiegelberg(I, 2, etwa bis zu den Worten:„innerhalb der Stadtmauern“); sie besteht also aus zwei, durch scenische Einschnitte und etwa eine Woche Zeit(soviel dürfte zwischen Absendung und Ankunft des Briefes vergangen sein) getrennten Teilen. Der erste Teil enthält das Unterschieben des Briefes, das nur als eine Wiederholung ühnlicher Betrügereien angesehen werden kann, die von Franz im Selbstgespräch entwickelte Ansicht über Blutliebe, seinen Plan, den Bruder zu verdrängen, den Vater zu beseitigen und sich zum Gebieter des Hauses zu machen. Der zweite Teil zeigt das leichtsinnige Treiben der Studenten und Karl Moors beschlossene reuige Rückkehr ins Vaterhaus. c liegt in der Wirkung des Briefes, in dem wild hervorbrechenden Entschlusse Karls, der eben noch die Verzeihung des Vaters gehofft und zurückzukehren gedachte— in die Schatten seiner vwäterlichen Haine, in die Arme seiner Amalie— Räuberhauptmann zu werden: Wer blies dir das Wort ein? bis— So wahr meine Seele lebt, ich bin euer Hauplmann?— Von jetzt an beginnt die Laufbahn des erhabenen Verbrechers, die sich irgendwo, wie allerdings deutlicher bezeichnet sein sollte, mit der des gemeinen Verbrechers(Franz) kreuzen wird.— K. u. L. a— b. Während durch den Streit der Millerschen Eheleute(I, 1), die Werbung des Sekretärs Wurm(I, 2), die Auseinander- setzung zwischen Vater und Tochter(I, 3) und durch die Scene zwischen Luise und Ferdinand(I, 4) 24) D. Tl. p. 125 findet den Anfang etwas zu opernhaft belebt. 25)„Als Regel gelte, dass es nützlich ist, den ersten Akkord nach Eröffnung der Bühne so stark und energisch anzuschlagen, als der Charakter des Stückes erlaubt“ p. 103 a. a. O. 26)„Nun ist allerdings dieser Akkord des Anfangs nicht notwendig ein lautes Zusammentönen verschiedener Personen; sehr gut mögen auch kurze Seelenbewegungen der Hauptpersonen das erste Kräuseln kleiner Wellen an- deuten, welches die Stürme des Dramas einzuleiten hat“ p. 104 a. a. O. 27)„Die Exposition soll jedes Zerstreuende von sich fern halten“ p. 104 a. a. O. 28) Mit diesem Ausdrucke bezeichnet G. F. a. o. O. p. 105„den Eintritt der bewegten Handlung, der an der Stelle des Dramas stattfindet, wo in der Seele des Helden ein Gefühl oder Wollen aufsteigt, welches die Veran- lassung zu der folgenden Handlung wird, oder wo das Gegenspiel den Entschluss fasst, durch seine Hebel den Helden in Bewegung zu setzen“. 9 nur das Verhältnis der Liebenden zu einander, sowie zu den Eltern derselben vorgeführt wird, wie es als bestehend vorausgesetzt werden muss, tritt dasselbe in dem Augenblicke, wo der Präsident durch„Wurms Bericht“ von der Liebschaft Ferdinands erführt(c= I, 5), in ein neues und, wie sofort empfunden wird, verhängnisvolles Stadium. Durch die Exposition ist ferner der Gegensatz zwi- schen den bürgerlichen Kreisen und denen des Hofes so scharf gegeben, dass das Bekanntwerden der heimlichen, edelsten und glühendsten Liebe in dieser kalten Sphäre sofort die Kabale befürchten lässt.— F. a— b enthält die Schilderung der Zustände in Genua(I, 1— 8), insbesondere das sittenlose Treiben der Edlen(1) ²², Gianettinos Anschlag auf das Leben Fieskos und die Ehre Berthas(I, 2, 5), die dumpfe Gäührung und die Unzufriedenheit der Häupter(I, 3, Calcagno, Sacco, Verrina) und die Charakteristik des anscheinend im Genussleben versunkenen Helden(Fieskos Liebeserklärung I, 4, seine die wahre Absicht verhüllenden Ausserungen gegenüber Gianettino, Verrina und Bourgognino I, 6, 7, 8). c. Durch den missglückten Mordversuch des Mohren wird der bisher nur mit seinen Plänen beschäftigte Fiesko(I, 9), durch die Entehrung Berthas(I, 10) die bisher nur unzufriedenen Republikaner zum Handeln getrieben. Das erregende Moment ist demnach hier zweiteilig, auch durch scenischen Einschnitt in zwei Hälften getrennt.— D. C. a— b. Es ist bekannt, wie an Stelle der geplanten Handlung, welche nur ein Familiengemälde des Hauses Philipps II. geben, und deren Hauptheld Don Carlos sein sollte, sich vom dritten Akte an die kosmopolitische Idee des Marquis Posa zur Haupthandlung entwickelte. a!— b’ für die nicht durchgeführte Idee zeigt den Prinzen in seiner trübsinnigen Stimmung(in der Unter- redung mit Domingo I, 1) und den Grund der letzteren durch das Geständniso, das er dem aus Brüssel zurückgekehrten Marquis Posa von seiner verbrecherischen Liebe macht(T. 2). C. Des Prinzen Entschluss, seine Mutter zu sehen: als von der unglücklichsten Neigung ergriffen wird der Infantl eingeführt; solange dieselbe als Geheimnis in seinem Herzen und in dem des Freundes ruht, wird an dem bisherigen Zustand der Dinge nichts geündert; aber sobald diese Liebe Befriedigung erstrebt in der Gegenliebe, mit dem Versuche, dem Gegenstand der verwerflichen Neigung sich zu nähern, ihn zu sehen, zu sprechen, wird der Sturm der verhängnisvollen Leidenschaft heraufbeschworen(I, 2). a— b für die zweite Idee liegt in den entsprechenden Auftritten der beiden ersten Akte: Posa, von Freiheitsideen und Trüumen von Völkerbeglückung erfüllt, sieht in dem königlichen Freunde die geeignete Persönlichkeit, sein Ideal zu verwirklichen; durch ein gewagtes, ihn zur Selbstaufopferung nötigendes Spiel glaubt er dies nur noch erreichen zu können. c. Scene im Karthäuserkloster(II, 14 ³², 15). In Posas Seele entsteht der Plan des gefährlichen Unternehmens(II, 15); die Weiterentwickelung des- selben nimmt vom dritten Akte fast ausschliesslich die Aufmerksamkeit in Anspruch.— Wlst. a— bI. Die Zusammenziehung der Truppen nach Pilsen und die bevorstehende Ankunft der Regimentsobersten mit Aus- nahme Altringers und Gallas' und a— b für die Picc.: die von Gattin und Tochter 4 Wallensteins unter der 29) In F. und D. C. ist die Haupthandlung noch von einer Nebenhandlung(p. 20 N. 65) durchflochten; in ersterem Stücke wird dieselbe gebildet durch die Scenen Fieskos mit Leonoren und dieser Personen mit Julien; in dem zweiten Drama durch die Nebenhandlung Eboli. Beide Handlungen sind bald loser, bald inniger mit ein- ander verknüpft. F. Nebenhandlung: Leonore äussert ihren Schmerz, dass sie in Fiesko ihren Gemahl verloren habe(I, 1); à— b Fieskos Liebeserklärung; c Ubergabe der Silhouette(I, 4, später durch Auftr. 8— Bourgognino will die Ehre Leonorens rächen— mit der Haupthandlung eng verbunden; doch ist Auftr. 8 wohl nur deshalb gedichtet, um endlich dem Zuschauer einen Hinweis auf Fieskos wahre Absicht zu geben). D. C. Nebenhandlung: A. Charakteristik der Eboli; a— b bevorstehende Vermählung mit Gormaz;(c) Eboli verrät ihre Neigung— Fuss- fall—(I, 3). 30) D. D. C. 111. IV, 21 erklärt dagegen Posa, er habe diese Liebe aufkeimen sehen. 31) UÜber den von Carlos gebrauchten Ausdruck: im Matrosenkleide D. D. C. 157 Anmerk. 32) D. D. C. 130. Man sieht nicht ein, weshalb Carlos seinen Vertrauten nicht den Abend desselben Tages ins Kloster beschied; 132. ebensowenig, warum der Prinz sich verspätigt. 202. Hervorgehoben werden konnte, dass auch keiner der Brüder sich zum Verrate hingeben würde. 203. Die ganze Scene könnte kürzer gefasst sein. 33) D. D. C. 203. Warum hat Posa in der längeren Zwischenzeit die Nachricht vom unglücklichen Ausgange der Audienz nicht vernommen?— 132 flg. hält D. die Andeutung des Planes hier nicht an der Stelle, sondern erwartet Posas Bitte an Carlos, ohne ihn nichts zu unternehmen.— 206. Die ganze Verteidigung gehört wohl zu den ge- zwungensten Ausführungen des Stückes.— 207. Die Trennung(am Schlusse) hätte leichter eingeleitet werden können. 34) D. W’st. 214 Anmerk. Dass Buttler erst jetzt kommt, stimmt nicht wohl dazu, dass seine Dragoner schon im Vorspiel erscheinen, das doch wenigstens einen Tag früher fällt.— 185. Der Geschichte nach hielten sich beide während dieses Ereignisses zu Brück in Unterösterreich auf. Wie verhängnisvoll diese freie Erdichtung nach P. 38 die reine Kunstform wurde, sowie über die dadurch hervorgerufenen Liebes- und Familienscenen s. D. Wst. 185 flg. 2 10 Führung von Max(I, 1 Picc.). c. für die Picc.:„die Ankunft der Liebenden“(I, 2, auch durch scenische Mittel scharf hervorgehoben— Trompetenstoss!). Von dem Augenblicke an, wo die Liebenden mit dem intri- guierenden Octavio, dem Verrat sinnenden Feldherrn und ihrer Umgebung in nähere Berührung kommen, muss der ideale Zug der jungen Herzen in Konflikt geraten mit dem an sie gestellten, auf Schlimmes gerichteten Ansinnen etc.— c für die Gesamthandlung 55: Questenbergs Erscheinen mit seinem offenen Auftrag an die Generäle und geheimen an Octavio(I, 2, 3 ³⁰ Piecc.), insofern Questenbergs For- derungen die Generäle zu rascherer Aktion treiben müssen.— c" für Wlst. Td.: Verhandlung mit den Schweden, besonders die(berichtete) Gefangennahme Sesinas³?(I. Wlst. Td.). Solange die von Wallenstein gehegte Absicht nicht offenkundig und in authentischen Berichten vorliegt, scheint die Ver- wirklichung derselben, wenn nicht schwierig, so doch weit hinausgerückt. Auf die Nachricht, dass der schwedische Unterhändler mit den geheimen Aufträgen des Feldherrn gefangen genommen worden ist, erschrickt Wallenstein mit Recht aufs äusserste. Die Angelegenheit muss nun in ein neues Stadium rücken; er empfängt bald darauf Wrangel. Der Zuhörer fühlt deutlich, dass jetzt das Verhängnis seine Hand erhebt und den Helden erfasst, um ihn, wie der Verlauf der Handlung zu zeigen hat, in die Tiefe zu schleudern.— M. SGl. a— b:„Maria und Kennedy“, Marias Bekenntnisse und Reue(I, 2) 9 am Jahrestag der Ermordung Darnleys, Flucht aus Schottland nach England und Gefangennahme daselbst; ausser diesen früheren Lebens- verhältnissen erfüährt man noch ihre Stellung zu dem schwebenden Prozess und die ihr zu teil werdende strenge Bewachung und ungerechte Behandlung(I, besonders 4) 9. c. Unter solchen Umständen ist für die Zukunft nur ein trüber Ausgang zu erwarten; Maria Stuart(I, 2) äussert daher gegen Paulet: Der Gram, das lange Kerkerelend nagt an meinem Leben. Meine Tage sind gezählt, befürcht' ich, und ich achte mich gleich einer Sterbenden. Plötzlich aber wird diese Situation in gewisser Beziehung verändert; der bisher in schlimmster Freiheitsberaubung schmachtenden Königin werden Hoffunungsstrahlen in ihren Kerker gesendet:„Bekenntnis Mortimers“(I, 6, nach kurzem Übergang I, 5). Der Jüngling, in dem sie bisher nur ihren strengen Feind gesehen, entdeckt der Gefangenen, dass er die Larve des Feindes nur angenommen, um sich den Weg zu ihr zu bahnen, und dass er, nachdem er in den Schoss der alleinseligmachenden Kirche zurückgekehrt4b und von ihrem Schicksal gehört,4¹ die Überzeugung gewonnen habe, dass ihr gutes Recht an England ihr ganzes Unrecht sei. Mit zwölf edlen Jünglingen des Landes habe er heute früh das Salrament darauf empfangen, sie aus ihrer Kerkerhaft auf gewaltsame Weise zu befreien. Offenbar wird durch dieses Geständnis Mortimers, das zur weiteren Folge den Auftrag der Königin hat, den Brief an Leicester zu befördern, als den einzigen Mann, der des Kerkers Thor zu öffnen imstande ist, jetzt in dem Zuschauer die Frage laut: wird der Plan Mortimers gelingen? Wird Maria Stuart der Freiheit doch noch zurückgegeben werden?— J. v. 0. a— b(I, 1— 7, zu 5) ¹²: vollständiges Bild des traurigen Zustandes im Lager Karls VII., des Königs Mutlosigkeit, Dunois' Un- mut darüber, Du Chatels Eröffnungen über die Geldnot, die Verzweiflung der Ratsherren von Orleans, endlich des Königs Entschluss, die Stadt dem Feinde zu übergeben, weil ihm La Hires Bericht die Mei- nung eingeflösst habe, dass des Himmels Hand wider ihn sei. c. Nachricht von dem wunderbaren 35) Die Teile und Stellen der Gesamthandlung sind in den Picc. und in Wlst. TId. eingefügt und zwar derart, dass sie selbst wieder ein Stück, das Doppeldrama bilden, vgl. Steigerung p. 25 flg.. 36) D. Wlst. 190. Octavio sagt: ich weiss, wie dieser böse Geist(Buttler) zu bannen ist— Wallenstein er- scheint daher gleich verraten und verkauft, wodurch freilich die tragische Wirkung etwas beeinträchtigt wird. 37) D. Wäst. 250.(I, 2) Wallenstein erschrickt, obwohl er eben zu handeln fest entschlossen war. In der Gefangennahme Sesinas hätte er einen Wink des Schicksals erkennen sollen.— I, 3, 176. Wie weit da müundlich gingst mit dem Sesin— abweichend von der Geschichte. Alle Verhandlungen mit den Schweden geschahen durch Terzky. Sesymar vermittelte dieselben nicht mit dem schwedischen Heerführer in Regensburg, sondern mit dem Kanzler Oxenstierna in Halberstadt. 38) D. M. St. 110. I, 2. Thr allein, der Schaester, der Königin, der Frau kann ich mich öffnen. Eher sollte man denken, sie würde die Hoffnung äussern, sie von ihrer Unschuld an der Verschwörung zu überzeugen. 39) D. M. St. 116 flg. I, 4. Dass Maria selbst das Parlament durch Umringung mit Bewaffneten zur Frei- sprechung gezwungen, ist Schillers wunderliche Zudichtung. 40) D. M. St. 119 Anmerk. Die Ausführung, wie ihn der Kardinal von der Wahrheit der katholischen Lehre überzeugt habe, ist am wenigsten gelungen etc. 41) D. M. St. 120 Anmerk. Dass er sich auch noch bei Rechtslehrern und in Wappenbüchern deshalb er- kundigt, ist eben kein geschickter Zusatz. Der fanatische Jüngling musste mehr Vertrauen auf den Bischof und der junge Engländer grössere Kenntnis der neuesten Landesgeschichte besitzen.. 42) Soll ich, gleich jener unnatürlichen Mutter, mein Kind zerteilen lassen mit dem Schaert?(I, 5.) UÜber das Unpassende des Vergleichs mit der vorgeblichen Mutter beim Urteilsspruche Salomos s. D. J. v. O. 156. 11 Siege“(I, 8, 9). Während alle über die schmachvollen Niederlagen von Unmut oder Verzweiflung erfüllt sind, bringt La Hire die alsbald vom Erzbischof von Rheims und von einem lothringischen Ritter be- glaubigte Kunde des seltsamen Sieges; rasch darauf folgt“t das Erscheinen der Jungfrau selbst.— B. v. M. a— b(I, 1, 2, 3*5, 4⁴6, 5): Ansprache an die Altesten von Messina, denen Isabella die bevor- stehende friedliche Zusammenkunft ihrer bisher durch Hass getrennten Söhne verkündet(I, 1); ihr Befehl an Diego, die bei Lebzeiten des Vaters im Kloster verborgen gehaltene Tochter herbeizuführen(I, 2); die durch die Chöre eingeleitete Begegnung der Brüder(I, 3); die ergreifenden Worte der Mutter an die erschienenen Söhne(I, 4); zuletzt die stattfindende Versöhnung derselben(I, 5). c. Die Brüder verraten ihre Liebe. Sofort nämlich wird der scheinbar friedliche Abschluss des Bruderzwistes in Frage gestellt; ja⸗ es scheint sogar in ihm der Samen neuer furchtbarer Zwietracht zu liegen, als die Brüder mitteilen, dass sie beide lieben, und dass beide die Braut aus einem Kloster heimzuführen gedenken(I, 6, 7). Der Hörer, der soeben die Aussöhnung der Söhne vernommen, ist nunmehr in eifrigste Besorgnis versetzt, dass die im Kloster verborgen gehaltene Schwester identisch mit der Braut der Brüder sei, und dass hierdurch der Fluch, an den der Chor am Schlusse erinnert, sich furchtbar erfüllen werde.— In TI. laufen drei Handlungen, die aber an einigen Stellen eng miteinander verknüpft sind, nebeneinander: die Tellhandlung, die Handlung der Schweizer und die der Familie Attinghausen. a— b Tlh.:„Unterredung der Landleute“ und Baumgartens Flucht(I, 1). c.„Die Rettung desselben“ erregt lebhaft die Spannung für den in selbstbewusster Kraft handelnden Haupthelden, der aber gerade dadurch den Hass der Landvögte gegen seine Person heraufbeschwören muss(I, 1). a,— b’ Schweh.(Das Erscheinen der Landenbergischen Reiter[I, 2] bildet die Überleitung zu dieser Handlung):„Scene vor Stauffachers Haus“, Gertruds Ansprache(I, 2), eingeleitet durch die Unterredung Stauffachers und Pfeifers.4¹ c.„Be- richt von der Blendung von Melchthals Vater“(I, 4), von der Exposition durch ein eingeschobenes Stück der Tlh. getrennt(I, 3). Diese neue, unerhörte Frevelthat muss die Schweizer, die nur zu- sammengekommen waren, um von dem zu reden, was ihre Seele bekümmert, zum Handeln treiben.— al— bI. Atkgh.(sie ist im Verhältnis zu den beiden anderen Handlungen sehr beschränkt und mit diesen nur lose verknüpft): Stellung Attinghausens und Rudenz' zu ihrem Volke und zu einander; Atting- hausen als Vertreter der freien Schweizer, der von Ehrsucht und Liebe beherrschte Rudenz als Knecht Albrechts(II, 1). Charakteristisch eingeleitet ist die Exposition durch die Austeilung des Frühtrunkes (Zögern von Rudenz). c¹. Aufbruch des Rudenz nach Altorf, mit dem Schluss: Attinghausens Ver- zweiflung.““— Die Aufgabe der Exposition ist aber damit nicht allein erfüllt, dass sie über die Situa- tion etc. orientiert, sie muss gleichzeitig den Charakter des Helden so angelegt zeigen, dass die Gemüts- 43) D. J. v. O. 159. Vom Dichter frei ersonnener Sieg. Die Jungfrau trifft den Baudricourt nicht mehr bei Vaucouleurs, wohin sie zunächst geeilt ist. Das ist freilich auffallend, da der Himmel ihr dies offenbart haben musste. Zu der Erzählung Raouls vgl. D. 159 flg. 44) Die Spannung hervorbringende Kraft als Eigenschaft des erregenden Momentes findet sich namentlich in F., M. St. und in der J. v. O.— In F. tritt es plastisch hervor: das Auftreten der unbekannten Maske, F.'s Verdacht, die Art, wie der Mohr sich heranschleicht und sein Opfer unvorsichtig zu machen sucht durch die Erwähnung seines Ansehens in Genua, die UÜberlistung des Meuchelmörders durch die unmittelbare Beobachtung im Spiegel und endlich das Entreissen des gezückten Dolches. In M. St. erscheint es rasch und unerwartet, in der J. v. O. dagegen, wie in keinem andern Stücke Schillers, besonders effektvoll. Schon durch die Erinnerung des Königs an eine Nonne, die ihm geweissagt, ein Weib werde ihn zum Siege führen, wird der Zuschauer, der im Prolog schon von Johanna gehört, auf das Erscheinen der Jungfrau vorbereitet, während der König noch der Meinung ist, dass jenes Weib zwar nicht seine Mutter, wie er früher geglaubt, sondern Agnes Sorel sein werde. Letztere erscheint bekannt- lich, um der herrschenden Geldnot durch Verkauf ihres Eigentums abzuhelfen. Vor allem imponieren der Bericht des lothringischen Ritters und die ihr erstes Auftreten begleitenden Umstände: Volksjubel und Glockenläuten, Waffen- geklirr und die immer näher erschallenden Begeisterungsrufe der Ritter und Soldaten. 45) D. B. p. M. 83. Das Erscheinen der Mutter mit den Söhnen dramatisch sehr wirksam, aber doch der gewöhnlichen Wirklichkeit nicht ganz entsprechend, vergl. 174. IV, 10 das Offnen der Schlosskapelle. 46) D. B. p. M. 86. I, 4 Schiller benutzte IV, 3 von Racines feindlichen Brüdern in freier Weise. 47) D. T. 85.(I, 2) Dieser etwas fremdartige Eingang scheint späterer Zusatz. 48) D. T'l. 17 Anmerk. u. 86. Gesslers Gebot, den Hut zu begrüssen, kommt zu früh.— 91. Diese Scene sollte ursprünglich am Anfange des zweiten Aufzugs ihre gebührende Stelle finden etc.— 86. Auch das Auftreten Berthas und der Apschluss der Scene(Fall und Tod des Dachdeckers) sind auffällig.— 147. Eine bestimmtere Angabe des Platzes, wo der Hut aufgesteckt werden soll, dürfte doch wohl passend gewesen sein.— In der Unterredung mit Stauffacher (I, 3) zeigt Tell durch seine Meinung, man müsse das Ende der Gewaltherrschaft ruhig abwarten, eine gutmütige Be- schränktheit des Urteils etc. Ganz anders äussert sich Tell am Schlusse. 49) D. TI. 169. Dieser Schluss, so pathetisch er auch sein mag, ist hier doch sehr fremdartig etc. 2* 12 prozesse, in die derselbe eintritt, sobald die Handlung durch das erregende Moment in Fluss gekommen ist, vollkommen verständlich erscheinen.““„Die Scenen des Anfangs, welche die Farbe des Stückes angeben, die Stimmung vorbereiten, sollen zugleich das Grundgewebe des Helden darlegen.“ Dabei gilt bezüglich der Anlage eines dramatischen Charakters, dass er, um wirksam zu werden, anders beschaffen sein muss, als der des gewöhnlichen Lebens.„Der Mensch des Dramas soll in starker Befangenheit, Spannung und Wandlung erscheinen; vorzugsweise die Eigenschaften werden bei ihm in Thätigkeit dargestellt, welche im Kampfe mit anderen Menschen zur Geltung kommen, Energie der Empfindung, Wucht der Willenskraft, Beschrünktheit durch leidenschaftliches Begehren, gerade die Eigenschaften, welche den Charakter bilden und durch den Charakter verständlich werden.“ Da ferner die Aktion des Dramas immer den Kampf darstellt um ein bedeutendes Objekt, z. B. um Freiheit, Ehre, Liebe, so muss auch die Natur der Kümpfen- den so angelegt werden, dass wir es später als natürlich empfinden, wenn sie im Ringen um diese Güter mit ihrem Ich und Sein aufgehen. fr.: nur wer von vornherein wie Franz Moor seine teuflischen Pläne und schändlichen Mittel zur Verwirklichung derselben auf so sophistische Art zu rechtfertigen sucht, wird später so scheusslicher Verbrechen für fähig gehalten werden; dabei ist wohl zu beachten, dass die Reihe seiner verbrecherischen Handlungen, die im Laufe des Stückes in sich immer steigerndem Masse vorgeführt werden, Franz mit der Lüge, der Quelle alles Lasterhaften, beginnt. Nur Anlagen des Charakters, wie sie vom Dichter bereits in der Expositionsscene seinem Helden zugeschrieben werden— ein drängendes Chaos von Ideen wohnt ihm im Kopfe, der eine Wüste fordert, sich zu sammeln, und eine Eoigkeit, sie zu entwickelnbt— machen später die Laufbahn des erhabenen Verbrechers verständlich, als Karls Privaterbitterung gegen den unzärtlichen Vater in einem Universalhass gegen das ganze Menschengeschlecht auswütet, aber auch be- wundernswert bleibt der Held trotz seiner zermalmenden Schritte wegen seines undberawindlichen Heldenmutes and der erstaunenswerten Gegenwart seines Geistes, ja selbst mit tausend Fäden de unser Herz gelnipft durch die erwiderte Neigung zu Amalien.?— K. u. L.: nur für ein Verhältnis, wie es in der Einleitung als zwischen Ferdinand und Luise bestehend geschildert wird, wirkt die Flamme der Eifersucht tödlich; nur wer wie Ferdinand von so verzehrendem Feuer der Liebe ergriffen ist, wird so schrecklicher Eifersucht und Verblendung fähig sein, dass er, selbst wenn das Bekenntnis der Geliebten gegen sie spricht, keinen andern Ausweg erkennt als Vernichtung der Existenz.— F.: nur wer Anschen und Ehrgeiz wie Fiesko besitzt und mit der Intrigue und Kunst, Menschen zu durchschauen und zu benutzen, so vertraut ist, wird imstande sein, sich der Verschwörung zu bemächtigen und durch dieselbe die Herzogskrone zu gewinnen und zu— verlieren.“— D. C.: nur wer von einer so unglücklichen Leidenschaft wie der Infant ergriffen ist, wird später den Plan des Freundes nicht verstehen; aber auch nur wer wie Posa so von Freiheitsliebe und Völkerbeglückung beseelt ist, wird zu solcher Aufopferung fähig und im Taumel der Freude, seine Idee zu verwirklichen, das unternommene Spiel nicht als gewagt und geführlich erkennen.— Wlsl.: nur wer wie Wallenstein ein Abgott des Heeres(s. das Lager und die Exposition) zu werden verstand, konnte sich zum Verrat an dem Kaiser verleiten lassen; aber gerade die in der Einleitung so vortrefflich ent- wickelten soldatischen Eigenschaften bringen uns ihn wieder menschlich nahe, so dass wir den ausgezeichneten Feldherrn beklagen, der in die Hände der Feinde gefallen ist.— M. Sl.: nur ein Weib, das, wie der Dichter(I, 4) den Charakter der Heldin exponierte, so leidenschaftlich in seiner Liebe gewesen, dass es den Regungen seines Herzens selbst den Thron opferte, wird selbst nach der langen Kerkerhaft noch der Liebe zu Leicester, aber auch durch ihr geläutertes, starkes Herz des Sieges über die Feindin(in der grossen Scene des dritten Aktes) füähig sein; aber auch nur ein Weib, von dem der Dichter in demselben Auftritt, Kennedy bezeugen lässt: Thr habt die That mit jahrelanger Reu, mit schweren Leidensproben abgebüsst.... Seit dieser That, die euer Leben schwürzt, habt Ihr nichts Lasterhaftes mehr begangen, ich bin Zeuge eurer Besserung— erscheint, da ohnedies die Gefangenhaltung der Stuart, der Prozessgang ihrer Verurteilung in England nach Schiller als eine Ungerechtigkeit aufzufassen ist, länger ihres Lebens und der ersehnten 50) Für den Schüler dürfte es eine interessante, zum Nachdenken sehr anspornende Aufgabe sein, statt der beliebten Inhaltsangaben in deutschen Arbeiten und freien Vorträgen, die Grundzüge des Charakters der Helden aus der Exposition aufzusuchen und zusammenaustellen. 51) Aus der Schillerschen(Selbst) Beurteilung der Räuber im Württembergischen Repertorium s. D. R. 54 flg. 52) Das Verhältnis Karls zur Geliebten wird in der Expositionsscene leider nur mit den Worten an- gedeutet: In den Armen meiner Amalie lockt mich ein edler Vergnügen. 53) Freilich ist die Exposition des Charakters Fieskos nicht scharf genug; er ist eigentlich nur als genuss- süchtig in der Einleitung geschildert. 13 Freiheit würdig; man bedauert, dass keiner der Versuche, selbst der des tollkühnen Mortimers nicht, sie zu befreien, gelingt; nur die obenerwähnte Exposition des Charakters macht die Rührung begreiflich, die sich des Hörers bemächtigt, als beim Todesgange der Maria sie wie eine Heilige erscheint, die zwar der Gewalt ihrer Feinde erliegt, aber dennoch über dieselben triumphiert.— J. v. O.: nur durch die Gottes- begeisterung der Jungfrau, in der der Dichter Johanna sogleich einführt, wird dem Zuhörer ihre unwider- stehliche Siegesbahn und ibre gewaltige Entsagung einer rein menschlichen, das höchste irdische Glück eines Weibes in sich schliessenden Regung, sowie ihr triumphierendes Ende begreiflich.— B. v. M.: nur ein Brüderpaar, dass durch jahrelangen Hass von einander getrennt, ist dem Fluche, der auf seinem Hause lastet, widerstandslos preisgegeben.— Tl.: nur ein Mann wie Tell von so ureigner, gestählter Kraft und selbstlosester Aufopferungsfäühigkeit, wie er sich bei der Rettung Baumgartens einführt, darf den Tellschuss wagen, und ist auch, nachdem er Gessler getötet hat, noch kein Frevler an dem Leben seines Nächsten.— Die Einleitung ist im wesentlichen Sache des ersten Aktes. Letzterer„enthält in der Regel noch den Anfang der Steigerung, also im ganzen folgende Momente: den einleitenden Akkord, die Scene der Exposition, das auf- regende Moment, die erste Scene der Steigerung.“ Schiller ist nur dreimal hiervon abgewichen, nämlich in der J. v. O., B. v. M. und Wist. Td., in welchen Stücken der erste Akt bereits mit dem erregenden Moment schliesst. Steigerung. Die dramatische Handlung?“ hat, wie schon oben(p. 4 flg.) bemerkt, eine werdende That darzu- stellen; diese bestand in den N. darin, dass der Dichter zeigt, wie Karl Moor zum erhabenen Verbrecher wird, Ferdinand zum Mörder der Geliebten, Fiesko zum Verräter an Genuas Freiheit, Posa zum Märtyrer für den Freund und die Freiheit, Wallenstein zum Verräter an dem Kaiser, Elisabeth zur Mörderin ihrer Gegnerin, die Jungfrau zur Retterin Frankreichs, ferner wie die verhängnisvollen Umstände das Schicksal des Fürstenhauses von Messina entscheiden, Tell und die Schweizer zur Befreiung des Vaterlandes getrieben werden. Aber da- mit werden gleichzeitig feindliche Kräfte vorausgesetzt. Karl Moor wird zum Verbrecher durch die herzlose Intrigue des Bruders, Ferdinand zum Mörder durch die Schurken, die es verstehen, seine glühende Liebe in tödliche Eifersucht zu verwandeln. So bedingt Fieskos Verschwörung eine Gegenverschwörung, die Märtyrer- schaft Posas die Existenz der Intriguanten, das inquisitorische Verfahren am Hofée Philipps, der Verrat Wallen- steins einen Kaiser und seine Getreuen, Octavio etc., Maria Stuart eine feindliche Herrscherin Elisabeth, das Auftreten der Jungfrau die feindliche Invasion, das Brüderpaar den schwebenden Fluch, Tell und die Schweizer die tyrannischen Eingriffe der habsburgischen Landvögte. Es kommen also in einem Drama immer zwei Parteien vor, die derart in feindlichem Verhältnisse zu einander stehen, dass die Handlung aus Kampf und Gegenkampf bestehen muss, hervorgerufen durch ein dieselbe vorwärtstreibendes Element, das Motiv. 5 Das Ringen?“ der Parteien bezeichnet man als Spiel und Gegenspiel, und die Personen teilen sich demnach in Spieler und Gegenspieler; die letzteren sind diejenigen, welche nach Eintritt des erregenden Momentes das Empfinden, Begehren und Wollen des Helden aufreizen, oder gegen deren Empfinden etc. der Held sich sogleich erhebt. In den R. hat daher die Führerschaft des Gegenspiels Franz Moor, in K. ¹. L. der Präsident, in F. Verrina, in D. C. Alba, Eboli, in Wst. Octavio, in M. Sl. Elisabeth, Burleigh, in der J. v. O. Isabella und die Engländer, in B. v. M. das Verhängnis, in T'l. die habsburgischen Land- vögte. Es ist also für die durch das erregende Moment in Fluss gekommene Handlung eine doppelte Fortführung möglich: entweder der Held erscheint sofort in voller Aktivität, d. h. sein leidenschaft- liches Thun wird die Ursache, dass sich gegen ihn mehr und mehr feindliche Gewalten, das sind die Gegen- spieler, erheben, in welchem Falle man sagt: das Drama steigt im Spiel; oder der Held befindet sich bei Beginn des Stückes mehr im Zustande der Passivitäit, und das leidenschaftliche Eindringen feindlicher Elemente bringt ihn erst allmählich zur thätigen Gegenwirkung: in diesem Falle steigt die Handlung durch 54) Den hier technischen Ausdruck Handlung definiert G. F. a. o. O. p. 18 folgendermassen:„Die Charaktere, welche durch die Poesie und ihre helfenden Künste vorgeführt werden, vermögen ihr inneres Leben nur zu bethätigen an einem Geschehenden, als Teilnehmer an einer Begebenheit, deren Verlauf und innerer Zusammenhang durch die dramatischen Prozesse der Individuen deutlich wird. Diese Begebenheit, wenn sie nach den Bedürfnissen der Kunst organisiert ist, heisst Handlung“. 55) p. 4 sind diese treibenden Elemente bei Schiller bereits zusammengestellt worden. 56) Es bedarf kaum der Erwähnung, dass dieses Ringen der Parteien immer um ein bedeutendes Objekt, Freiheit, Ehre, Liebe etc. stattfinden muss. 14 das Gegenspiel. Mag aber ein Drama im Spiel oder Gegenspiel geführt werden, immer kommt die Hand- lung an einen Punkt, wo das Kämpfen und Ringen der Parteien auf ein höchstes Mass gesteigert er- scheint, wo irgend etwas geschieht, was vom Zuschauer sofort als entscheidend für das Resultat des Kampfes empfunden wird, sei es nun, dass, wie in einer im Spiele steigenden Handlung, das Begehren und Wollen des Helden gegenüber den feindlichen Gewalten, oder, wie in einem im Gegenspiel steigenden Drama, das Begehren und Wollen der feindlichen Gewalten gegenüber dem Helden sich in einer Thatꝰ konzentriert. Immer aber erscheint von dem Augenblicke ab, wo die Gemütsprozesse sich in einer solchen hervorbrechenden That äussern, gewissermassen ein Moment des Stillstands eingetreten ist, die ganze folgende Handlung als Rückwirkung jener That, und man hat deshalb den Teil des Dramas bis zum Eintritt dieses Punktes die Steigerung,s letzteren selbst den Höhenpunkt genannt, der den zweiten Teil, den Fall oder die Um- kehr, mit dem ersten verknüpft. Waren bis zum Eintritt des Höhenpunktes die feindlichen Gewalten mehr in Passivität und der Held in Aktivität, so wird nunmehr dem Gegenspiel durch die That des Helden, d. h. durch dasjenige Ereignis, in dem sein Streben etc. sich gleichsam konsolidiert hat, der Angriff mög- lich, es gewinnt durch sie über ihn Macht; war der Held in verhältnismässiger Passivität, so wird ihm vom Höhenpunkte ab, wo das leidenschaftliche Anstürmen des Gegenspiels sich in einer folgewichtigen That dokumentieren musste, ebenfalls dadurch Raum geschafft, sich mit immer grösserer Sicherheit des starken Andrängens zu erwehren, er ist im Gegensatz zu seinem Verhalten während der steigenden Handlung in der Umkehr in entschiedener Aktivität. Steigt ein Drama im Spiel, so fällt es im Gegenspiel, steigt es im Gegenspiel, so fällt es im Spiel.² Für Schiller stellt sich folgendes Verhältnis heraus: R. Der Hauptspieler Karl Moor wird durch das Gegenspiel, Franzens Intrigue, getrieben, Räuber zu werden. Allerdings erscheint er als solcher sofort in lebendiger Aktion und führt die Haupthandlung; aber alle seine Thaten, selbst Rollers Befreiung, begeht er in dem Zustande der Befangenheit, in den ihn das Gegenspiel versetzt hat. Erst nach der Rückkehr ins väterliche Schloss(Höhenpunkt) eröffnet er den wirksamen Kampf gegen Franz, dessen bösartige Natur ihn so weit gebracht hat, dass der einst so tollkühn ins Leben stürmende Jüngling der Melancholie ver- fällt und durch seine Handlungen gleichzeitig der Liebe zu Amalien unwürdig geworden ist. Das Stück 57) In diesem Sinne kann wohl auch gesagt werden, dass der werdende Konflikt geworden ist. 58) G. F. a. 0. O. p. 108 flg. sagt über die Steigerung:„Die Handlung ist in Bewegung gesetat, die Haupt- personen haben ihr Wesen dargelegt, das Interesse ist angeregt. In einer gegebenen Richtung hält sich Stimmung, Leidenschaft, Verwicklung. Es ist in modernen Stücken kein unbedeutender Teil des dreistündigen Dramas, welcher dieser Steigerung gehört. Seine Einrichtung hat verhältnismässig geringe Schwierigkeit. Folgendes sind die gemein- gültigen Regeln dafür. War es nicht möglich, die wichtigsten Personen des Gegenspiels oder der Hauptgruppe im Vorhergehenden darzustellen, so muss ihnen jetzt ein Raum geschafft und Gelegenheit zu charakteristischer Thätig- keit gegeben werden. Auch solche, welche erst in der zweiten Hälfte des Dramas wirksam sind, mässen dringend wünschen, sich schon jetzt dem Hörer bekannt zu machen.— Ob die Steigerung in einer oder mehreren Stufen bis zum Höhenpunkte laufe, hängt von Stoff und Behandlung ab. In jedem Fall ist ein Absatz in der Handlung auch in der Scenenbildung so auszudrücken, dass die dramatischen Momente, Auftritte und Scenen, welche demselben Abschnitt der Handlung angehören, auch unter einander zur Einheit organisiert werden, als Hauptscene, Nebenscene, Zwischenglieder.“— p. 111.„Für die Scenen der Steigerung gilt der Satz, dass sie eine fortlaufende Verstärkung des Interesses hervorzubringen haben; sie müssen deshalb nicht nur durch ihren Inhalt den Fortschritt darstellen, auch in Form und Behandlung eine Vergrösserung zeigen, und zwar mib Wechsel und Nüancen der Ausführung; sind mehrere Stufen nötig, so muss die vorletzte oder letzte den Charakter einer Hauptscene erhalten.“ 59) Aus dem II. Kapitel von G. F. T. d. D. p. 91 flg. mögen zur Erläuterung des oben Gesagten noch folgende Stellen hier folgen:„Das Drama stellt in einer Handlung durch Charaktere, vermittelst Wort, Stimme, Ge- berde, diejenigen Seelenprozesse dar, welche der Mensch vom Aufleuchten eines Eindruckes bis zu leidenschaftlichem Begehren und zur That durchmacht, sowie die Seelenprozesse, welche durch eigene und fremde That aufgeregt werden. Der Bau des Dramas soll diese beiden Gegensätze des dramatischen Lebens zu einer Einheit verbunden zeigen, Ausströmen und Einströmen der Willenskraft, das Werden der That und ihre Reflexe auf die Seele, Satz und Gegensatz, Kampf und Gegenkampf, Steigen und Sinken, Binden und Lösen. In jeder Stelle des Dramas kommen beide Richtungen des dramatischen Lebens, von denen die eine die andere unablässig fordert, im Spiel und Gegenspiel zur Geltung; aber auch im ganzen wird die Handlung des Dramas und die Gruppierung seiner Charaktere dadurch zweiteilig. Der Inhalt des Dramas ist immer ein Kampf mit starken Seelenbewegungen, welche der Held gegen widerstrebende Gewalten führt. Und wie der Held ein starkes Leben in gewisser Einseitigkeit und Befangenheit enthalten muss, so muss auch die gegenspielende Gewalt durch menschliche Vertreter sichtbar gemacht werden.“— „Diese zwei Hauptteile des Dramas sind durch einen Punkt der Handlung, welcher in der Mitte derselben liegt, fest verbunden. Diese Mitte, der Höhenpunkt des Dramas, ist die wichtigste Stelle der Konstruktion, bis zu ihm steigt, von ihm ab fällt die Handlung. Es ist nun entscheidend für die Beschaffenheit des Dramas, welche von den beiden Brechungen des dramatischen Lichtes in den ersten, und welche in den zweiten Teil als die vorherrschende gesetzt 15 steigt also im Gegenspiel und fällt im Spiel. Dieselbe Konstruktion zeigen alle Dramen Schillers mit Aus- nahme von Wlst. und der J. p. O.— K. u. L.”o Durch die Verschwörung der Schurken werden die Spieler, Ferdinand und Luise, aus dem Glück ihrer Liebe gerissen; aber sobald Ferdinand den in ihm erregten Verdacht der Untreue bestätigt findet, nach der verhängnisvollen Scene des Briefschreibens, ist die ganze folgende Handlung dann nur die Wirkung seiner Leidenschaft.— F. Piesko wird vom Dichter als ein in Genusssucht versunkener genuesischer Edler eingeführt, den die Vorgänge im Staate gleichgültig lassen. In scheinbarer Ruhe und Teilnahmlosigkeit verharrt er gegenüber der sich bildenden Verschwörung. Allerdings ver- birgt sich hinter dieser Passivität, wie dem Zuschauer nur deutlicher bemerkbar sein sollte, starkes, leiden- schaftliches Begehren und ein auf ein grosses Ziel gerichteter, den Geist des Helden mächtig beschäftigender Plan. Aber dennoch steigt das Stück nicht im Spiel. Erst muss Gianettinos Verhalten die Verschwörung herausfordern, diese selbst in Fluss kommen, und ihr Ziel, die republikanische Verfassung wieder her- zustellen, scharf bezeichnet und nahe gerückt sein, ehe Fiesko, wie dies nach der Scene mit dem Bilde geschieht, sich ihrer bemächtigen und durch dieselbe seine ehrgeizige Absicht verwirklichen kann.— Ver- hängnisvoll wurde diese Konstruktion, den Helden in der ersten Hälfte des Dramas in verhültnismässiger Ruhe einzuführen, im D. C.50 Mit aller Energie des Willens und Kunst der Beredsamkeit versucht Posa den Infanten zu dem Entschluss zu treiben, die Befreiung der Niederlande zu bewirken; vom dritten Akte an, wo man erwarten sollte, dass die für diesen Plan empfänglich gemachte Seele des Infanten die That hervorbringen sollte, übernimmt der Freund für ihn das Weitere, so dass infolgedessen die Handlung Don Carlos gleich der Handlung Posa, die sich aufsteigend rasch und sicher entwickelt, sich gewissermassen ebenfalls im Gegenspiele abwickelt.— M. SI. 6o Die Gegenspieler sind Elisabeth, Burleigh etc. Khnlich wie Fiesko hinter der Maske eines in Wollust versunkenen Menschen einen überaus thätigen, scharf be- obachtenden, die Verhältnisse penutzenden Geist verbirgt, der keineswegs erst, um sich zu entfalten, der Hebel des Gegenspiels bedarf, so erscheint auch Maria Stuart trotz ihrer Gefangenschaft gewissermassen als der angreifende Teil, da sie bis zur Begegnung mit Elisabeth(III, 4), wenigstens vom erregenden Momente an, auf die Wiedererlangung ihrer Freiheit bedacht ist und zu diesem Zwecke mit dem ihr zu wird, ob das Ausströmen oder Einströmen, das Spiel oder das Gegenspiel den ersten Teil erhält. Beides ist erlaubt, beide Konstruktionen vermögen ihre Berechtigung an Dramen von höchstem Wert nachzuweisen.— Entweder nämlich wird die Hauptperson, der Held des Stückes, so eingefühft, dass sich Wesen und Eigentümlichkeit desselben noch unbefangen ausspricht, und zwar bis zu den Momenten, wo als Folge äusserer Anregung oder innerer Gedankenver- bindung in ihm der Beginn eines gewaltigen Gefühls oder Wollens wahrnehmbar wird. Die innere Bewegung, die leidenschaftliche Spannung, das Begehren des Helden steigert sich, neue Momente, fördernd oder hemmend, ver- stärken seine Befangenheit und den Kampf, siegreich schreitet der Hauptcharakter vor bis zu einem imponierenden Moment, in welchem die volle Energie seines Gefühls und Wollens sich zu einer„That“ konzentriert, durch welche die hohe Spannung des Individuums für den Augenblick gelöst wird. Von da beginnt eine Umkehr der Handlung; der Held erschien bis dahin in einseitigem, aber erfolgreichem Begehren, von innen nach aussen wirkend, die Lebensverhält- nisse, in denen er auftrat, mit sich verändernd. Von dem Höhenpunkte wirkt das, was er gethan hat, auf ihn selbst zurück und gewinnt Macht über ihn; die Aussenwelt, welche im Aufsteigen des leidenschaftlichen Kampfes durch den Helden besiegt wurde, erhebt sich im Kampfe über ihn. Immer stärker und siegreicher wird diese Reaktion, bis sie zuletzt in der Schlusskatastrophe mit unwiderstehlicher Gewalt den Helden unterliegen macht. Auf solche Katastrophe folgt schnell das Ende des Stückes, die Situation, wo die Wiederherstellung der Ruhe nach dem Kampfe sichtbar wird. Bei dieser Konstruktion sieht man zuerst das Werden der Aktion, dann die Wirkungen der Reaktion; der erste Teil wird bestimmt durch die aus der Tiefe des Helden herausbrechenden Forderungen, der zweite durch die Gegenforderungen, welche die heftig aufgeregte Umgebung erhebt.“—„Die andere Konstruktion des Dramas da- gegen stellt den Helden beim Beginn in verhältnismässiger Ruhe unter Lebensbedingungen dar, welche fremden Ge- walten einen Einfluss auf sein Inneres nahe legen. Diese Gewalten, die Gegenspieler, arbeiten mit gesteigerter Thätig- keit solange in die Seele des Helden, bis sie denselben auf dem Höhenpunkt in eine verhängnisvolle Befangenheit ver- setzt haben, von welcher ab der Held in leidenschaftlichem Drange, begehrend, handelnd abwärts bis zur Katastrophe stürzt. Dieser Bau benutzt die Gegenspieler, um die starke Bewegung der Haupispieler zu motivieren; das Verhältnis der Hauptfiguren zu der Idee des Dramas ist ein durchaus anderes, sie treiben in der aufsteigenden Handlung nicht, sondern werden getrieben.“ 60)„Schiller, welcher doch heftige Leidenschaften aufzuregen weiss, liebt es, den Gegenfiguren im ersten Teil, den Haupthelden erst im zweiten vom Höhenpunkt abwärts Führung zu geben. So werden in K. u. L. Ferdinand und Luise durch die Intriguanten fortgestossen; erst von der Scene zwischen Ferdinand und dem Präsidenten, nach dem tragischen Moment, übernimmt Ferdinand die Führung bis zum Ende. Noch schlechter steht(in D. C.) der Held Don Carlos zu der Handlung seines Stückes, er wird sowohl in der steigenden, als in der fallenden Hälfte bevormundet. In M. St. hat die Heldin allerdings die verhängnisvolle Leitung ihres Schicksals bis zum Höhenpunkt, der Garten- scene, insofern sie die Stimmungen ihrer Gegenspieler beherrscht; das vorwärts treibende Element sind aber, wie durch den Stoff geboten war, die Intriguanten und Elisabeth.“ Gebote stehenden Mitteln die Günstlinge ihrer Feindin zu gewinnen weiss. Aber ebenso wenig wie Fiesko aus den obenangeführten Gründen, steigt M. St. im Spiele. Denn die in der Expositionsscene(I, 4) geschilderte unglückliche, düstrer Schwermut sich hingebende Heldin wird erst durch das gegen sie ein- geleitete Prozessverfahren des englischen Hofes aus ihrer Passivität zu einer ihr verhängnisvollen, leiden- schaftlichen Handlung, wie sie sich im Streite mit Elisabeth abspielt, getrieben.— In der B. v. M. ist Don Cesar in der ersten Hälfte nur der versöhnte Bruder und leidenschaftlich liebende Bräutigam; erst nachdem er Beatrice in Don Manuels Armen erblickt hat, also nach dem Höhenpunkte(III, 4), wird die tödliche Eifersucht wach, die ihn zur Ermordung des Bruders treibt, und ebenso wird in ihm, indem er den Zusammenhang der Begebenheiten erkennt, die Überzeugung hervorgerufen, dass der verhängnisvolle Fluch in Erfüllung gehen muss, so dass er sich selbst tötet.— T'l. Tell ist durch Gesslers Verhalten als der aus seinem Frieden geschreckte, in seinem Familienglück und Leben bedrohte Mann geschildert, und ebenso die Schweizer als das durch habsburgische Habsucht und durch die Gewaltthätigkeit der Vögte in seiner Freiheit arg bedrängte Volk; aber die zweite Hälfte des Stückes fällt im Spiel: Selbsthilfe Tells und der Schweizer, Tod Gesslers, Vertreibung der Landvögte etc. Die andere Konstruktion zeigt Wist. und die J. v. O. Wlst. Der Feldherr, umgeben von seinen Getreuen, erregt durch sein ehrgeiziges Streben, das ihn bis zum Verrat an dem Kaiser treibt(zweiter Höhenpunkt des Doppeldramas), die feindlichen Gewalten: Octavios Intrigue, Abfall des Heeres, Lösung des Max Piccolomini von Wallenstein, endlich die verhängnisvolle That Buttlers.— J. v. O. Krüftig hebt sich die Steigerung durch das Spiel der Jungfrau: die Sicherheit, die sogleich ihr erstes Auftreten kennzeichnet, die Entschiedenheit, mit der sie von dem Feinde verlangt, Frankreich zu räumen, die sofort in allen Herzen Mut und Begeisterung weckende UÜbernahme der Führerschaft des Krieges, ihr siegreiches, zielbewusstes Vordringen über Orleans nach Rheims lassen kaum wührend der aufsteigenden Hälfte das Vorhandensein eines wirksamen Gegenspiels vermuten; dasselbe ist auch, wie später gezeigt werden soll, von ganz eigen- tümlicher Beschaffenheit in diesem Stücke: die feindliche Gewalt, welche in der Umkehr die Führung über- nimmt, ist keine äussere, sondern entwickelt sich aus dem innersten Wesen der Jungfrau heraus.(Be- fangenheit derselben bei der Begegnung mit Lionel.) Um die beiden Hälften, Steigerung und Umkehr, genau bestimmen zu können, ist es zuvor not- wendig, dass der Schüler den Höhenpunkt des Dramas auffindet. Merkmal ist, wie oben gesagt, dass etwas geschieht, was sofort als folgewichtig für die ganzé Handlung erkannt wird. Ferner ist derselbe in der Regel im dritten Akte zu suchen, aber Ausnahmen sind nicht selten. Wichtiger als dieses äusserliche Kenn- zeichen ist die eigentümliche, glanzvolle Ausstattung gerade dieser Stelle des Dramas, wovon weiter unten (unter Höhenpunkt) die Rede sein soll. Aber die Steigerung und die Stufen, in denen dieselbe fortschreitet, lassen sich nebst dem Höhenpunkte, bei geschickter und lebendiger Behandlung seitens des Lehrers, oft von dem Lernenden schon aus der Idee ohne grosse Schwierigkeit entwickeln. Folgende Betrachtungen dürften zum Erkennen der aufsteigenden Hälfte und der Spitze der Schillerschen Dramen genügen. I. In Bezug auf die R. ist das Vorhandensein zweier Höhenpunkte, einen für die äussere, einen für die innere Handlung l, bemerkenswert. a) Höhenpunkt für die innere Handlung: ein Jüngling, aus- gezeichnet durch Grösse der Leidenschaft und Energie des Willens, ist in seinen heiligsten Gefühlen schwer gekränkt worden. Seiner reinen, tief erschütterten Seele bemächtigt sich eine so gewaltige Aufregung, dass er für die verwerfliche That des Individuums das Menschengeschlecht verantwortlich macht; er erklärt, demselben den Krieg, indem er glaubt, dass er das Werkzeug in der Hand der Vorsehung sein könne, die Menschheit für ihre Entartung zu strafen und bessernd einzuwirken. Dieser Glaube erhebt ihn aus der Sphäre der gemeinen Verbrecherwelt, giebt ihm seltene Thatkraft und macht ihn dadurch scheinbar unüberwindlich gegen den äusseren Feind. Aber der Fluch seiner Thaten begleitet ihn unbemerkt. Es wird unschwer vom Zuhörer empfunden werden, dass da, wo der innere Feind ihn erfasst, das Schicksal des Helden an einem Mittel- oder Wendepunkt angekommen ist. Durch die Gemütsumdüsterung und ausbrechende Melancholie legt die Nemesis gleichsam die Hand auf seine Schulter, um ihn von jetzt ab nicht wieder loszulassen. Sie weckt den unüberwindlichen Feind, der infolge der schranken- losen Thaten des Helden sich gegen ihn wendet, und auf dessen Erscheinen, sowie auf den Ausgang des Kampfes mit demselben der Zuschauer trotz jeder noch so glänzenden That Moors längst die gespannteste 61) Die äussere Handlung bezieht sich auf die Begebenheiten des Dramas, die innere auf die seelischen Prozesse, die sich an jenen oder durch jene vollziehen. 17 Erwartung hat(innerer Höhenpunkt: die Gemütsumdüsterung Karl Moors).““ b) Höhenpunkt für die äussere Handlung: Begegnung der Liebenden, Karl Moor und Amalie(IV, 2). Wenn ein Jüngling durch die Intrigue seines Bruders von allem, was ihm lieb und heilig gewesen, getrennt worden ist, so muss ein Zusammentreffen mit den ihm nahestehenden Personen und Verhältnissen, besonders aber mit dem seinem Herzen einstmals teuersten Wesen— wobei freilich eine schärfere Hindeutung?* auf die Liebe Karls zu Amalien in den ersten Scenen erwünscht gewesen würe— an und für sich als die spannendste Scene der äusseren Handlung empfunden werden, besonders aber wegen der dieses Zusammentreffen begleitenden Um- stände— Karl Moor ist Räuber geworden, er ist der Liebe Amaliens nicht mehr würdig, noch weiss er nicht den schrecklichen Zusammenhang der Dinge— denn gerade dieselben lassen leicht das Verhängnis- volle einer solchen Begegnung vermuten: die rüchende Nemesis kann jetzt auch für die Handlung Franz Moor ihre Wirkung beginnen. Zwischen dem erregenden Moment, Wirkung des Briefes(p. 8), und den nach Ausscheiden der wahrscheinlich später eingeschobenen Stelle(III, 1) dicht neben einander befindlichen Höhenpunkten liegt die steigende Handlung der Räuber, die demnach zu zeigen hat, dass erstens die Um- düsterung von Karls Gemüt(Höhenpunkt für die innere Handlung III, 2) als Folge der gewaltigen Er- schütterung, die seine Seele ergriffen haben muss, zu denken ist, und. dass zweitens die Begegnung mit Amalien(IV, 2, Höhenpunkt für die äussere Handlung) sofort als das Ereignis empfunden wird, durch das die Intrigue Franzens und damit die Handlung überhaupt ihren Kulminations- und Wendepunkt erhült. Was anders aber bewirkt die furchtbare Melancholie Karls als sein Rüuberleben? Zwei Stufen waren erforderlich; erstens nach dem Lesen des Briefes reift in seiner empörten Seele der entsetzliche Ent- schluss: Karl wird Räuberhauptmann; zweitens durch eine Reihe erschütternder Thaten zeigt er sich als der erhabene Verbrecher: Karl, der grosse Räüuber. Diese zweite Stufe bildet die vierte des ganzen Dramas. Die Rückkehr Karls ins väterliche Haus, aus dem ihn der böse Bruder verdrängt hat, pesonders da Moor unter fremdem Namen auftritt, wird, wie oben schon gesagt, sofort vom Zuschauer als das Ereignis empfunden, durch welches der bisher ungehindert intriguierende Bruder entlarvt werden kann. Aber bis dahin muss Franzens niederträchtiges Thun mit verhältnismässigem Erfolg begleitet sein, wie auch die Mittel, denen er allein diesen Erfolg zu danken hat, eine ununterbrochene Steigerung in Bezug auf Schändlichkeit und Boshaftigkeit zeigen müssen. Die Personen im Hause, gegen die er seine Angriffe richtet, sind der Vater und die Geliebte Karls. Um die jugendliche Hand Amaliens zu gewinnen, nimmt Franz zur Verleumdung des Geliebten seine Zuflucht, aber dieses Mittel verfängt nicht. Gegen den altern- den Vater zeigt sich Schrecken und Verzweiflung sogleich wirksam. Eine so boshafte Natur wie Fran⸗ wird aber mit der Abweisung Amaliens sich nicht begnügen, sondern zur Erreichung seines Zweckes selbst zu den schändlichsten Mitteln greifen: zur Anwendung von Gewalt. Die Worte Franzens: Komm mil bis wir gehn— zeigen den Bösewicht, insofern er der Angreifer ist, in seiner höchsten Abscheulichkeit (höchste Steigerung), und diese bedingt nunmehr gleichsam das rscheinen Karls(Höhenpunkt), da Amalie nahe daran ist, als wehrloses Opfer der Nichtswürdigkeit anheimzufallen. Es waren also ausser den genann- ten noch drei Stufen der Steigerung nötig: 1. Franzens erste Werbung um Amalien(Nittel: List, Verleumdung, die 2. St. des Ganzen); 2. Franzens Anschlag auf das Leben des Vaters(Schreck, Verzweiflung, die 3. St. des Ganzen); 3. Franzens zweite Werbung(NMittel: Gewalt, die 5. St. des Ganzen). Von diesen 5 Stufen ist die erste, wie das gewöhnlich der Fall ist(Karl wird Räuberhauptmann), am wenigsten selbständig und geschlossene Einheit und kann nur als Vorstufe angesehen werden. Die- selbe enthält die Wirkung des Briefes in folgenden Momenten: a) Karl Moor stürzt in Verzweiflung 62) Wo aber befindet sich in den Räubern die Stelle? Bereits in der dritten Scene des II. Aktes(Moor allein, heftig auf und ab gehend:„Höre sie nicht, Rächer im Himmel!« etc.) erklärt Moor, dass er dem frechen Plan entsagen will etc. Aber es ist bereits von D. 178 darauf hingewiesen worden, dass diese Sinnesänderung zu früh kommt. Nach des Verfassers Meinung dürfte dieselbe erst nach dem Kampfe folgen. In der That zeigt erst die zweite Scene des dritten Aktes das gewaltsame Hervorbrechen der Melancholie, besonders in der Unterredung mit Kosinsky. D., R. 110, glaubt nun in der ersten Scene des dritten Aktes höchst wahrscheinlich einen späteren, entbehrlichen Zusatz des Dichters zu erkennen— sie enthält die auf die folgende Handlung doch keineswegs ohne Einfluss bleibende stolze Zurückweisung der erneuten Werbung Franzens(Mittel: Gewalt), wodurch das Erscheinen Karl Moors bedingt wird, s. w. u. p. 17.— Allerdings hätte man, wenn diese Sinnesänderung wegfiele, im III. Akt, wie es sein soll, den Höhenpunkt, und zwar zunächst für die innere Handlung, nämlich in der Scene an der Donau. Unmittelbar daran schlösse sich dann der zweite Höhenpunkt für die äussere Handlung(Galeriescene IV, 2). 63) Zur Erläuterung der Begriffe dramatisches Moment und Scene in dem hier gebrauchten Sinne mögen folgende Stellen dienen: G. F. a. o. O. p. 182 flg. sagt:„Der Ab- und Zugang einer Person, Diener und ühn- 3 3 18 fort, Spiegelbergs Exposition seines Planes, im Böhmerwald eine Räuberbande zu bilden, deren Führer er sein will, Beitrittserklürung der Übrigen, die Gelegenheit erhalten, ihren Charakter darzulegen; b) Karl Moors Rückkehr; seine Verzweiflung über die schnöde Behandlung durch den Vater äussert sich als Hass gegen das ganze Menschengeschlecht, so dass er in der angetragenen Hauptmannsstelle den Wink der gött- lichen Vorsehung erblickt; c) Schwur unverbrüchlicher Treue seitens der Räuber, mit Ausnahme Spiegel- bergs; d) Aufbruch(I, 2). Die 2. Stufe enthält Franzens erste Werbung(durch List): a) Liebesbekenntnis; b) Verdächtigung des Bruders; c) geheuchelte Erschütterung über den Fluch des Vaters und erlogene Behauptung, Karl habe ihm Amalien beim Abschied empfohlen; d) Abweisung der letzteren, so dass also diese Stufe eine scenische Einheit bildet. Die dritte und vierte Stufe imponieren durch Grösse und Glie- derung im Bau und bilden demnach recht eigentlich die beiden Hauptstufen. Die 3. Stufe, Franzens Anschlag auf das Leben des Vaters, zerfällt in eine sogar durch Scenenwechsel geschiedene Vor- und Hauptscene. Vorscene (II, 1): a) Franz beschliesst den Vater durch Schreck und Verzweiflung zu töten; b) er gewinnt Hermann zur Ausführung(als Uberbringer der falschen Nachricht von Karls Tode). Die Hauptscene (II, 2) beginnt mit einer stimmenden Einleitung: des Vaters Schmerz, Amaliens schwärmerische Liebe, verbunden durch Daniels Meldung mit der eigentlichen Handlung: Hermanns Brief und Wir- kung desselben auf den Vater und Amalien(bis zu den Worten: tot/ alles kot?), und endlich das Finale: Franzens Triumph.— Die 4. Stufe, Karl Moor der grosse Räuber(II, 3), enthält ebenfalls eine Einleitung: Spiegelbergs Rückkehr. Wirksam(Knall und Pulvergeruch!) kommt dann die Rede auf den Hauptmann, der nun, in drei Momenten, in seinen Grossthaten vorgeführt wird: a) Razmanns Erzählung von der Plünderung des Grafen durch Moor; dann folgt Überleitung zum 2. Moment: Schwarz' Bericht von Rollers Gefangennahme und Moors Vorhaben; b) Rollers Befreiung nach Schweizers und seinem eigenen Bericht, nebst einem Finale: Schufterles Verbannung. Zwischen b) und c) steht die ausbrechende(aber zu früh kommende) Reue Moors.— UÜberleitung zum 3. Moment: Kunde des bevorstehenden Uberfalls. c) Der UÜberfall: Moors Vorkehrungen, Verhandlungen mit dem Pater; dann ebenfalls schönes Finale: Aufbruch zum Ausfall. 5. Stufe: Franzens zweite Wer- bung(Gewaltl!) mit der Uberleitung zum Höhenpunkte, Hermanns Enthüllungen, dass der Oheim und Karl noch lebe; denn durch diese Entdeckung muss auch in Amalien der Wunsch rege werden, Karl wiederzusehen(III, 1). II. K. u. TL. Schon durch den Titel des Stückes kann der Schüler zur Auffindung des Höhen- punktes von Kabale und Liebe geleitet werden. Durch Kabale d. h. durch die Intriguen des Präsidenten und seiner Helfershelfer soll das Liebesverhältnis zwischen Ferdinand und Luise angegriffen und vernichtet werden. Solange diese Kabale sich gegen das in treuer Liebe verbundene Paar richtet, oder auch nur gegen einen Teil z. B. Ferdinand, müssen alle Versuche an der tiefen Leidenschaft, die beide Seelen aneinander kettet, notwendig scheitern; aber sobald es gelingt, das Paar zu trennen, den einen Teil gegen den andern zu gebrauchen— und das Mittel hierzu kann nur darin bestehen, dass die Treue der Liebe verdächtigt wird— ist dieses Verhältnis vor die härteste Probe gestellt, und mit dieser gelungenen Verdächtigung hat auch, wie der Zuschauer sofort empfindet, die Kabale gleichsam ihren Vorrat an schlechten Mitteln erschöpft. Kann sie auf solche Weise ihren Zweck, das Verhältnis zu trennen, nicht erreichen— auf liche unwesentliche Rollen ausgenommen, beginnt und endet den Auftritt. Der Regie ist solche Teilung der Akte nötig, um das Eingreifen jeder einzeinen Rolle leicht zu übersehen, und für die Aufführung stellen die Auftritte die kleinen Einheiten dar, durch deren Zusammensetzung die Akte gebildet werden. Aber die dramatischen Teil- stücke, aus denen der Dichter seine Handlung zusammenfügt, umfassen zuweilen mehr als einen Auftritt oder werden in grösserer Zahl durch denselben Auftritt zusammengebunden. Das Teilstück des Dichters, das einzelne dramatische Moment wird durch die Absätze gebildet, in denen seine schöpferische Kraft arbeitet.“—„Ein solches Teilstück schliesst soviel von einem Monologe, von Rede und Gegenrede, von ab- und zugehenden Personen zusammen, als nötig ist, um eine engverbundene Reihe von poetischen Vorstellungen und Anschauungen darzulegen, welche sich von dem Vorhergehenden und Nachfolgenden stärker absetzt.“—„Aus den dramatischen Momenten fügt er die Scenen zusammen. Dieses Fremdwort wird bei uns in verschiedener Be- deutung gebraucht. Es bezeichnet dem Regisseur zuerst den Bühnenraum selbst, dann den Teil der dramatischen Handlung, welcher durch dieselbe Dekoration umschlosseu wird. Dem Dichter aber heisst Scene die Verbindung mehrerer dramatischer Momente, welche einen durch dieselben Hauptpersonen getragenen Teil der Handlung bildet, vielleicht einmal eine ganze Dekorationsscene, jedenfalls ein ansehnliches Stück derselben. Da nicht immer bei dem Abgange der Hauptpersonen ein Wechsel der Dekoration nötig und wünschenswert ist, so fällt die Scene des Dichters durchaus nicht immer mit der Scene des Regisseurs zusammen.“(Hier sind selbstverständlich drama- tisches Moment, Scene,— Vor-, Haupt-, Nebenscene im Sinne des Dichters gebraucht.) 19 eine andere ist es kaum möglich. In der Abfassung des Briefes(III, 6) ist daher der Höhenpunkt zu suchen. Luise schreibt, ohne den Schurkenstreich zu durchschauen, auf Wurms Drängen, und um den Vater zu retten, an den Hofmarschall Kalb, dass sie ihn liebe. Die Leidenschaftlichkeit, die Ferdinands, die Resignation und Geduld, die Luisens Liebe kenn- zeichnen, lassen ohnedies das Verhängnisvolle dieses Moments für den Fortgang der Handlung erkennen. Es kann wenigstens dadurch die Eifersucht Ferdinands zur Überzeugung werden und sich zum Verderben beider gegen die Geliebte richten; aber die Möglichkeit ist dennoch jetzt nicht ausgeschlossen, dass die Liebe, die bisher alle Hindernisse zu besiegen wusste, diese härteste Probe besteht, dio Intrigue durchschaut und die Gegner energisch zu Boden wirft. Dass aber jetzt Reaktion eintreten muss, dass insbesondere Ferdinand, der bisher nur angegriffen wurde, nach der einen oder andern Seite nunmehr sich erheben und die Führung der Handlung übernehmen muss, scheint unausbleiblich. An diesem Wendepunkt fühlt sich der Zuschauer angekommen. Bis zu dieser Stelle, d. h. bis zum Inkrafttreten dieser stärksten Kabale, hat die Handlung die übrigen Mittel, die der Präsident und die Intriguanten anwenden, um das Verhältnis der Liebenden zu vernichten, in immer sich steigerndem Grade vorzuführen. Diese von dem Gegenspiel angewendeten Mittel sind: 1. die Autorität des Vaters, 2. die Macht des Präsidenten, 3. die Schur- kerei, die eben diesen Führer des Gegenspiels als Menschen charakterisiert. Doch ist zu be- achten, dass der schurkische Sinn, der sowohl den Vater als auch den Präsidenten kennzeichnet, bereits in der ersten Stufe, hauptsächlich durch die Vorscene, dargestellt wird: der Vater lässt durch Hof marschall Kalb, um Ferdinands etwaigen Widerstand durch die vollendete Thatsache von vornherein, wie er glaubt, aussichtslos zu machen, die Verlobung proklamieren; ferner durch das Finale der Hauptscene der zweiten Stufe: der Präsident will Luise in Haft nehmen, Ferdinands Drohung, der Residenz zu erzählen, wie man Präsident wird. Aber zum eigentlichen Nerv der Handlung wird die Schurkerei doch erst von dem Augenblicke an, wo der Plan mit dem Briefe gefasst wird. Nach dem erregenden Momente ⁶⁴ Bericht Wurms an den Vater(1, 5), folgt demnach als 1. Stufe das Eingreifen des Vaters. Sie besteht aus Vorscene: er befiehlt die Verlobung mit der Milfort bekannt zu machen(I, 6); Hauptscene: Ferdinand wird gezwungen, die Milfort zu besuchen(I, 7). Das Finale dieser Scene, Ferdinands Entschluss, die Lady zu sprechen, um ihr seine Verachtung zu zeigen, rief zwischen der 1. und 2. Stufe die Einfügung einer Nebenstufe hervor: Ferdinands Begegnung mit der Milfort(II, 2, 3). Gegliedert ist dieselbe in„zwei Vorscenen und eine Hauptscene“; 1. Vorscene: Lady Milfort gesteht Sophien, dass die Verbindung mit Major Walter das Werk ihrer Liebe sei(II, 1); 2. Vorscene: Lady Milfort weist den übersendeten fürstlichen Schmuck zurück(II, 2); Hauptscene: Ferdinand und die Milfort(II, 3), in drei Momenten: a) Ferdinand weist die Hand der Milfort zurück; b) die Lady rührt durch die Erzühlung ihres Unglücks Ferdinand, und dieser gesteht seine Liebe zu Luisen; c) die Milfort besteht dennoch auf ihrer Verbindung mit dem Major.— Für den Fortschritt der Handlung ist höchstens das dritte Moment wichtig; die Antwort der Milfort auf die Frage Ferdinands, ob sie von m etwas wolle: Nichts, Herr von Walter/ Nichts als dass Sie sich und mich und noch eine Dritte zu Grunde richten! erregt wenigstens Spannung auf das Folgende. 2. Stufe: der Präsident versucht Gewalt. Das Eindringen in das Haus der Geliebten seines Sohnes, die Aufgeregtheit der Eheleute, besonders Millers, die Bestürzung Luisens und die allgemeine Furcht, der sich selbst Ferdinand bei dem bevorstehenden Besuch nicht entziehen kann, das wechselsweise furchtsame und respektwidrige Benehmen des charakterfesten Alten, der seinem dovotesten Kompliment gleich die Drohung anfügt, den ungehobelten Gast zur Thüre hinaus zu werfen, das Auftreten der Gerichtsdiener wührend der Anwesenheit des Präsidenten charakterisieren den Gewaltakt vortrefflich. Auch diese Stufe besteht aus„zwei Vorscenen und einer Hauptscene“. 1. Vorscene: Miller will zum Präsi- denten, um durch eine Rücksprache die Gefahr abzuwenden(er hat gehört, dass Leute des Präsidenten nach km fragen II, 4). 2. Vorscene: Ferdinand erscheint, um die Geliebte vor einem Überfall zu schützen(II, 5) Hauptscene: der Präsident will Luise verhaften, Ferdinand widersetzt sich (II, 6, 7). Durch das Finale dieser Scene, Ferdinands Drohung, der Residenz zu erzählen, wie man Präsident wird, ist auch dieses Mittel, Anwendung von Gewalt, fehlgeschlagen, und es bleibt nur noch die Schurkerei übrig. Den vüterlichen Gehorzamn konnte Ferdinand verweigern und gegen die Autorität des 69) G. F. a. o. O. p. 110 giebt von K. u. L. eine Entwickelung des Stückes bis zum Höhenpunkte kurz an. Hier ist von derselben meſtlſach und zwar auch insofern abgewichen, als sowohl die der Umkehr angehörige Begeg- nung Luisens mit der Milfort, ebenso wie die obengenannte Ferdinands nur als Nebenstufen aufgefasst werden, die also nicht unbedingt der Steigerung und Umkehr der eigentlichen Handlung notwendig waren. 3* 20 Präsidenten, nachdem das Band zwischen Vater und Sohn zerrissen, der Major von Walter sich energisch erheben; dem hinter seinem Rücken ausgeführten feigen Bubenstreich gegenüber, und darin liegt die höchste Steigerung, ist er wehrlos und ohnmächtig. 3. Stufe: Verschwörung der Schurken, in drei Scenen, von denen die erste eine Hauptscene, wührend die dritte nur den Schluss(auch der Steigerung überhaupt) bildet, aber auch ganz wegfallen konnte. Hauptscene: Wurms Plan mit dem Briefe, enthält zwei Momente: a) Wurm exponiert die gefährliche Lage, in der sie sich nach dem missglückten UÜberfall befinden; b) Wurm exponiert seine Intrigue: Erregung der Eifersucht, Verhaftung Millers(III, 1). 2. Scene: Kalb erklärt sich bereit zur Rolle des Liebhabers(III, 2). 3. Schlussscene: Wurm meldet die Verhaftung Millers und giebt den Brief zur Durchsicht(III, 3). III. F. Wenn im F. dargestellt werden soll, wie ein anscheinend im Genussleben versunkener Edler statt im Sinne der Verschwörung zum Rächer der bedrohten republikanischen Freiheit seines Vater- landes, durch seinen Ehrgeiz und erlangten Einfluss zum Verräter an derselben wird, so muss die Hand- lung des Stückes an einen Punkt kommen, wo der geheime Plan des Helden, Herzog von Genua zu werden, sich in einem entschiedenen Entschlusse kundgiebt, an welchem man sofort erkennt, dass daraus die verräterische That reifen kann. Diese Stelle des Dramas befindet sich III, 2, Monolog: Fiesko be- schliesst, sich der Herrschaft zu bemächtigen. Dies kann er nur, indem er sich der Verschwörung bemächtigt. Die Bildung derselben muss daher zunächst vorgeführt werden(1. Stufe). Aber auch die öffentliche Meinung muss der Held vorher sondieren, sein wachsender Einfluss auf dieselbe gezeigt werden (2. Stufe), da erst durch dieses erlangte Ansehen jener ehrgeizige Entschluss und seine Ausführbarkeit be- greiflich wird. Andererseits muss für den Helden die Wahrnehmung dieses Einflusses, mehr aber noch der Umstand, dass die Republikaner ihn eben deswegen an die Spitze der Verschwörung stellen(4. Stufe), ver- hängnisvoll werden, insofern dadurch dem ehrgeizigen Manne der verräterische Entschluss nahe gelegt wird. Aber zuvor muss noch gezeigt werden, dass und wodurch die Verschworenen zu dieser Handlung gedrängt werden, die darin besteht, durch Wahl eines Oberhauptes die Ausführung ihres Vorhabens, die republika- nische Freiheit zu schützen, unmittelbar einzuleiten. Am besten geschieht dies dadurch, dass durch einen neuen beabsichtigten Schlag von seiten der feindlichen Partei(Gianettinos) die Republik selbst als in der höchsten Gefahr schwebend vorgeführt wird(3. Stufe). Die Handlung des Stückes muss also in vier Stufen zum Höhenpunkt steigen. In diese Haupthandlung ist eine Nebenhandlung 65 verflochten, die hauptsächlich die Scenen Fieskos mit Leonoren und dieser Personen mit Julien ²9o umfasst und, wie dies gewöhnlich der Fall ist, sich bald loser, bald inniger mit der ersteren verknüpft. Auf das erregende Moment, Fieskos Liebeserklärung 65) Gerade an Schiller kann der Schüler lernen, diejenigen Scenen, welche den Fortschritt der Handlung enthalten, von solchen zu unterscheiden, die vorzugsweise den Charakter einer Person darlegen und in der Regel den Hauptscenen vorangehen. Von der Nebenhandlung unterscheidet man noch die Doppelhandlung. G. F. a. o. O. p. 38 sagt darüber:„Leicht steigert sich dem Dichter das Interesse an den Charakteren der Gegenspieler so hoch, dass auch diesen reichliches Detail, eine teilnahmvolle Darlegung ihrer Tendenz und Kampfstimmung und ein besonderes Schicksal gegönnt wird. Dadurch entsteht zunächst für das Drama eine Doppelhandlung. Oder die Handlung des Stückes mag so beschaffen sein, dass zu ihrer Beleuchtung und Ergänzung eine Nebenhandlung wünschenswert wird, welche durch Darstellung paralleler oder kontrastierender Verhältnisse die Hauptpersonen und ihr Thun und Leiden stärker abhebt. Verschiedene Einseitigkeiten des Stoffes können derartige Ergänzung wünschenswert machen. Ein Drama soll nicht den ganzen grossen Kreis rührender und erschütternder Stimmungen durchlaufen, und es soll von seiner ernsten Grundfarbe auch nicht in alle möglichen anderen Farbentöne spielen; aber eine Abwechselung in den Stimmungen und bescheidene Parbenkontraste sind einem Drama ebenso nötig, wie einem figurenreichen Gemälde neben den Hauptlinien und Gruppen ein kontrastierender Schwung in den Nebenlinien, gegenüber der Hauptfarbe Verwendung der abhängigen Ergänzungsfarben.“ p. 40:„Unter den deutschen Dichtern war Schiller am meisten in Gefahr, durch Doppelhandlungen zu stören; das zu mächtige Heraufwachsen der Nebenhandlung beruht im Carlos und in der Maria Stuart(?) darauf, dass seine Wärme für den Gegenspieler zu gross wird, im Wallenstein hat derselbe Grund das Stück bis zur Trilogie erweitert. Im Tell laufen sogar drei Handlungen nebeneinander.“ D. Wlst. 187 freilich meint:„Von einer trilogischen Kunstform unseres Dramas(Wäst.) kann nicht die Rede sein, da die Trennung in drei Stücke sich zufällig ergéeben hat und auf keinem inneren Grunde beruht.“ Vergl. dagegen Goethes Urteil bei D. Wäst. 187 Anmerk.— Dass im T1. eigentlich drei Handlungen enthalten sind, sagt schon Henriette von Knebel, die Erzieherin der Prinzessin Karoline, in dem Berichte über die erste Aufführung des Stückes, bei D. T'l. 23: Die Prinzess findet, dass das Stück kein Ganzes wäre, sondern aus mehreren bestünde, und sie hat auch Recht. Im zweiten Akt der lange Bund der Eidgenossenschaft, wobei in der Wirklichkeit nicht der dritte Teil von Worten nötig war; dann zwischen Tells Geschichte noch ein langweiliger schweizer Prophet, den man lieber hinter dem Theater sterben sähe; denn sterben muss er, man weiss nicht warum. Dann noch eine Liebesgeschichte eines jungen aus- gearteten Schweizers, den die Geliebte wieder durch viele hohe Worte zur Raison und in sein Vaterland bringt etc. 21 (I, 4), folgt die Steigerung der Nebenhandlung(II, 1— 3), Julie beweist Leonoren Fieskos scheinbare Treulosigkeit, die aber dennoch Calcagnos Werbung entschieden abweist.— Unmittelbar an den zweiten Teil des erregenden Momentes der Haupthandlung, Berthas Entehrung(I, 10), schliesst sich die 1. Stufe, Verschwörung der Republikaner, in vier Momenten: a) Verrinas Bericht des Geschehenen,. an Sacco und Calcagno(I, 11), 6. an Bourgognino, Berthas Bräutigam. Zwischen und steht zur Hervorhebung des Gegensatzes: Bourgogninos Werbung; b) Fluch des Vaters; c) feierlicher Schwur(I, 12); d) Plan mit dem Bilde(I, 13). Die 2. Stufe, Fiesko erkennt seinen wachsenden Einfluss(II, 4— 9), ist zweiteilig: 1. des Mohren Bericht über die Fiesko günstige öffentliche Meinung(II, 4), vor- bpereitet durch den unmittelbar an den ersten Teil des erregenden Momentes— verunglückter Mordversuch— sich schliessenden Befehl Fieskos, Kundschaft einzuziehen(I, 9). 2. Fieskos kluges Verhalten gegenüber den Vorgüngen am Tage der Prokuratorwahl(II, 5— 9), in drei Momenten, von denen jedes wieder eine Steigerung enthält: a) Verhandlung mit den Nobili(II, 5), er gewinnt den Adel; durch ein Zwischenglied(II, 6, 7) verbunden mit b) Verhandlung mit den Bürgern, er gewinnt das Volk(II, 8); c) Anschlag gegen Gianettino, er lässt sich verwunden(II, 9), mit schönem Schluss: Leonorens lie- bende Besorgnis(II, 10, 11). 3. Stufe: Gianettinos Anschlag(am Tage der Dogenwahl, Meuchelmord der Senatoren und Sturz der Republik mit Hilfe Karls V.(II, 14). Vorauf geht eine Einleitung: Gianet- tinos freche Auffassung der Situation(II, 12) und strenge Zurechtweisung durch Andreas Doria(II, 13), wesentlich Charakterexposition.— 4. Stufe enthält 1. die Vorscene: Fiesko enthüllt in den Aufträgen an den Mohren seine getroffenen Vorbereitungen(II, 15); 2. ein Ubergangsglied: Fieskos Monolog, er fühlt die Stunde der Entscheidung(II, 16); 3. die Hauptscene: die Republikaner wenden sich an Fiesko(II, 17, 18), in zwei Momenten: a) Scene mit dem Tableau(II, 17), b) Fiesko an der Spitze der Verschwörung(II, 18). Daran schliesst sich die UÜberleitung zum Höhenpunkt(II, 19): Fieskos Monolog, ausbrechender innerer Kampf: Genuas Freiheit oder die Herzogswürde? Fiesko widersteht. IV. D. C. Da dem Stücke der Einheitspunkt fehlt, so kann auch von einer Ableitung der Handlung aus einer Idee nicht wohl die Rede sein. Wenn als solche oben(p. 4) angegeben wurde: um einem tyrannisch regierten Lande seine Freiheit durch den in verbrecherischer Liebe zu seiner zweiten Mutter fast verlorenen Infanten zu retten, wird eine edle Seele zum Opfertod für den königlichen Freund geirieben, so muss an dieser Stelle ergänzend hinzugefügt werden, dass in dieser Idee eigentlich zwei dramatische Ideen enthalten sind, nämlich erstens die, welche dem Dichter ursprünglich aufleuchtete, die er aber nicht konsequent durchführte, seit das Interesse für Posa bei ihm überwog: die verbrecherische, aber durch den Beistand eines besonnenen, freiheitbegeisterten Freundes in eine höhere Sphäre erhobene Neigung eines Prinzen wird für die Intriguanten des Hofes ein willkommenes Mittel, den eifersüchtigen König zum Sturze des wegen seiner Ideen verhassten Thronerben zu bewegen, und zweitens, die später vom 3. Akte an ihn anzog: um den in verbrecherischer Liebe zu seiner Mutter entbrannten(1. Stufe der Hdâlg. D. C.) und deshalb gehassten(2. Stufe der Hdlg. D. C.) und verfolgten Prinzen(3. Stufe der Hdlg. D. C. das Komplott) für sein Freiheitsideal zu erhalten, wird der schwärmerische Freund desselben zu einem ebenso abenteuerlichen als gewagten Spiel getrieben, indem er nämlich durch den scheinbaren Verrat an dem Freunde die Gunst des eifersüchtigen Königs und in derselben die unbedingte Unterstützung der Königin gewinnt und, als demnach ein Gelingen nicht möglich scheint, als letzten Versuch der Rettung sich selbst als Schuldigen zum Opfer bringt. Durch Auseinanderhaltung der beiden Ideen wird der Schüler allein imstande sein, die überreiche Handlung in ihrer Gliederung zu erkennen und zu übersehen; er wird aber auch dadurch sofort wahrnehmen, wie ganz anders der Charakter des Posa in der ersten Idee gefasst ist— besonnen, klug, verständig— als in der zweiten, nach welcher der Marquis oft ebenso unbesonnen als tollkühn handelt. Die erste Idee kommt zur Gestaltung in der Handlung D.(., ist aber durchgeführt im Bau nur bis zum III. Akt; dann ist dieselbe nur angedeutet oder verschlungen mit dem aus der zweiten Idee hervorgehenden Drama Posa, welches, wenn man die beiden ersten Akte als die Einleitung dazu betrachtet, eine voll- ständig gegliederte ⁰6 Handlung zeigt. Durch beide Handlungen schlingt sich die Nebenhandlung Eboli: verschmühte Liebe treibt eine Fürstin zu Verrat und Rache an dem in verbrecherischer Neigung zu seiner zweiten Mutter entbrannten Geliebten, zu ihrem eigenen und seinem Untergang. Diese ist an zwei hervorragenden Stellen sehr innig mit der Haupthandlung verflochten, nämlich einmal mit der Handlung D. C.— Teilnahme der. Eboli an dem Komplotte der Intriguanten— und einmal mit der Handlung Posa, 66) Freilich mit nur schwach herausgearbeitetem Höhenpunkte(siehe unter Höhenpunkt D. C.). 22 — der Marquis findet Carlos knieend vor der Eboli, seine Befürchtung und Entschluss, ihn mit Aufopferung seines Lebens zu retten. Die erste Idee sollte bekanntlich ausgeführt ein Familiendrama geben, in dem es den Intriguanten gelingt, den Helden Don Carlos der Eifersucht und dem Despotismus seines Vaters Philipp II. zu überliefern. Diese Handlung hat Schiller unmittelbar vor Eintritt des Höhenpunktes ab- gebrochen; als letzteren erwartet man: die Intriguanten bringen Philipp die Beweise von seines Sohnes Schuld. Die beiden ersten Akte enthalten nur die dazu nötigen drei Stufen der Steigerung, nämlich erstens die heimliche Begegnung des Prinzen mit seiner von ihrem Gatten eifersüchtig bewachten Mutter, welche Carlos auffordert, seine Liebe auf Spanien zu übertragen; zweitens als weitere Folge: die Begegnung des Prinzen mit seinem gegen ihn vom schlimmsten Argwohn erfüllten Vater, der ihm die erbetene Statt- halterschaft der Niederlande abschlägt; drittens die Verschwörung der Intriguanten, welche die entdeckte verbrecherische Neigung des Prinzen und die Eifersucht des Königs zum Sturze des Infanten benutzen.“?— Durch diese drei Stufen schlingt sich, teilweise in engster Verknüpfung mit denselben, die erste Hälfte der Nebenhandlung Eboli, so dass folgende Gliederung entsteht: 1. Stufe der Steigerung für die Handlung D. C.- Carlos' Liebeserklärung, Verzweiflung und Erhebung durch die ihm von der Königin angetragene Mission(I, 3— 6). a) Einleitung: die Königin und ihre Damen(I, 3).“3— Diese ent- hält zugleich für die Nebenhandlung Eboli; 1. die Exposition: Charakteristik derselben, die im Gegensat⸗ zu der Königin das genussreichere Leben der Hauptstadt vorzieht, ihre gegen ihren Willen in Aussicht genommene Vermählung mit dem Grafen Gomez; 2. das erregende Moment: Fussfall der Eboli, wobei sie ihre Neigung zu Don Carlos verrät.— b) Vorscene: Posa bereitet die Königin auf die Unter- redung mit Carlos vor(I, 4).— Der Auftritt enthält wiederum für die Nebenhandlung Eboli die Vor- stufe der Steigerung: die Prinzessin verrät durch die Neugier, mit der sie die von Posa erzählte Liebesgeschichte anhört, dass sie liebt.— c) Hauptscene: Carlos und die Königin(I, 5).5 Schluss: vermehrte Eifersucht des Königs(I, 6)."°% Upergangsglieder zum II. Akt: der für die Rettung der Niederlande begeisterte Infant will die Statthalterschaft für Flandern erbitten(I, 7), dem König auf Lermas Aufforderung sogleich nach Madrid folgen(I, 8); er schliesst aber zuvor noch mit Posa innige Freundschaft(I, 9). 1¼— 2. Stufe der Steigerung für die Handlung D. C.: Carlos' Zerwürfnis mit dem Vater(II, 1— 3). a) Einleitung: Carlos ersucht um geheime Audienz(II, 1); b) Haupt- scene: Carlos' Bitte, Philipps Weigerung(II, 2); 7²2 c) Schluss: Befehl an Alba(II, 3).— Zwischen der 2. und 3. Stufe steht die Steigerung der Nebenhandlung Eboli: Carlos verschmäht die Liebe der Prinzessin: a) Vorscene: die Einladung durch den Pagen(II, 4),0 von der Hauptscene durch ein 67) Wie gesagt, ist das Familiendrama vom III. Akte an eng mit der Handlung Posa, die allein noch konsequent durchgeführt ist und das ganze Interesse in Anspruch nimmt, verbunden. Es bedürfte der gewaltsamsten Ausscheidung des kühnen, abenteuerlichen Planes, wollte man sich das ursprünglich vom Dichter beabsichtigte Familiendrama weiter geführt denken. Als Hôhenpunkt müsste, wie oben erwähnt, der 3. Stufe der Steigerung folgen: Die Intriguanten enthüllen dem Könige das Geheimnis. Der fallende Teil liess sich aus den in die Handlung Posa eingeflochtenen, aber nunmehr mit ihr fest verbundenen Familienscenen herstellen, nämlich als tragisches Moment: Philipps UÜberzeugung von der Schuld des Prinzen und der Königin(auch in K. u. L. bildet die höchste Stufe ein Komplott, Verabredung des Planes, Höhenpunkt: Der Intriguant Wurm bei Luise, tragisches Moment: ÜUberzeugung Ferdinands von der Schuld der Geliebten); ferner 1. Stufe der Umkehr: Der König erklärt die Königin als Buhlerin und beschliesst den Tod des Prinzen; 2. Stufe der Umkehr: Der Marquis bestimmt den Prinzen zur Entsagung seiner Liebe und durch die Königin zur Flucht nach Flandern; Katastrophe: Entdeckung des Fluchtplanes, Meuchelmord des Marquis, der Prinz gefangen und der Inquisition ausgeliefert.(Siehe die entsprechenden Auftritte Akt III— V, welche sich auf diese angedeutete Handlung des ursprünglich geplanten Familiengemäldes beziehen.) 68) D. D. C. 161 über die Ortsbezeichnung. Schiller: Hofhaltung der Königin in Aranjuez; die Olivarez redet von einem Gartenwäldchen, Alba(III, 3) von einer abgelegenen Laube. 69) D. D. C. 168 zu der scenarischen Bemerkung: mit Würde und Ernst. Es wird des bittern Abscheus gar nicht gedacht, der doch in dieser Vorhaltung liegen soll etc. 9 70) Seltsam schweigt auch Domingo über sein das Stück beginnendes Zusammentreffen mit dem Infanten, . D. C. 171 flg. 71) D. D. C. 129 vermisst die Andeutung, dass der Marquis den Erfolg der Bitte im einsamen Kloster er- sehen soll. 175. Dass sie in den königlichen Gärten sich Arm in Arm zeigen, ist wie das kurz vorhergehende:„Jetzt zum König“ auffällig; erst morgen will der Prinz sich Audienz erbitten. 72) D. D. CG. p. 177. Die Reue ist Philipp verhasst— eine bei dem von der Busslehre des Christentums durchdrungenen Herrscher doch wunderliche Vorstellung.— 178 tadelt D. das schauspielerische Verhalten des Sohnes gegen den Vater. . 73) D. D. C. 130 flg. Es setzt freilich eine seltsame Verkennung des hohen Sinnes der Königin voraus, wenn Carlos glaubt, dieselbe sei auf einmal andern Sinns geworden und wolle sich seiner Leidenschaft hingeben.— 184. Das Shakespearisieren ist auffallend. 23 die dritte Stufe der Steigerung der Haupthandlung vorbereitendes UÜbergangsglied getrennt: Streit mit Alba(II, 5), Dazwischenkunft der Königin(II, 6). b) Hauptscene, 1. einleitend: die Unruhe der Prinzessin(II, 7),5 2. die grosse zweiteilige Scene, Carlos und die Eboli(II, 8), 76 Ebolis Vermutung und Entschluss(II, 9).— Die Steigerung der Handlung D. C. zeigte bisher die Liebe des Infanten und Philipps Argwohn, ferner sein feindseliges Verhältnis zu dem Vater. Dennoch befiehlt Philipp Alba, den Prinzen, der künftig seinem Throne näher stehen werde, zu versöhnen. Das Übrige vollendet die Ver- schwörung, die es unternimmt, dem eifersüchtigen Gatten und despotischen Vater die Beweise von der Schuld des Prinzen und der Königin zu bringen; daher 3. Stufe der Steigerung der Handlung D. C.: das Komplott(II, 10— 13). a) Vorscene: Albas und Domingos Intrigue(II, 10), Domingo gewinnt die Prinzessin(II, 11), b) Hauptscene: Verabredung des Planes:(Erbrechen der Schatulle etc. II, 12), c) Schluss: triumphierende Erwartung der Verschworenen(II, 13).— In dieser Stufe liegt zugleich der Höhenpunkt der hier mit der Haupthandlung fest verknüpften Nebenhandlung Eboli: die Prinzessin ist zum Opfer ihrer Frauenehre bereit(II, 12).— Den Plan des Marquis und seine schlimme Ausführung hat die zweite Handlung darzustellen; der- selbe ist auf die unbedingteste, jedes Misstrauen ausschliessende Freundschaft seitens des Prinzen gegründet. Nach der Exposition für die Handlung Posa(I. u. II.), besonders auch nach der Scene, die das erregende Moment für dieselbe enthält(II, 15 s. p. 9), scheint das Verhältnis eine solche Grundlage zu besitzen, die Hingabe des Infanten unter allen Umständen zweifellos zu sein. Durch die Ausführung des dem Marquis aufgedrungenen Planes s, der infolge seiner durch Zufall herbeigeführten Verbindung mit dem Könige entsteht, wird diese Freundschaft?? auf eine harte Probe gestellt, und von dem Bestehen der härtesten muss das Gelingen des Planes abhängig sein.““O Der Höhenpunkt der zweiten Handlung kann nur in der Scene liegen, in der Posa Carlos die Briefschaften abfordert. V, 3 sagt Posa: sie(die Zuversicht des Gelingens) war auf deiner Freundschaft Eoigkeit gegründet. Er will ferner nicht dem Schlafenden die Wetterwolle zeigen, die über seinem Scheitel hüngt(IV, 6), und deshalb unterschlägt er der Freundschaft sein gefährliches Geheimnis(V, 3). Hiermit sind die beiden Stufen, deren diese zweite Handlungèl be- durfte, angedeutet. 1. Stufe der Steigerung für die Handlung Posa: Posa tritt in des Königs Dienst(III). Er wird scheinbar des Infanten Feind, um das Komplott gegen ihn zu regieren, fordert aber, ohne dass er nähere Aufklärung über sein Benehmen giebt, dass dieser ihn für seinen Freund hält. a) Vorscene: Philipps Misstrauen gegen seine Räte(III, 382, 4); Einleitung: Philipps Unruhe (Monolog III, 1 und Unterredung mit Lerma III, 2). Schluss: Der König beschliesst, sich an Posa zu wenden(III, 5);3³3 b) Hauptscene: Posa und der König; Albas Meldung ⁴(III, 8), Posas 74) D. D. C. 186. Die Ausserungen Albas sind nicht ganz zutreffend und selbst für Alba zu roh. 75) D. D. C. 188 flg. zu den Worten: Mich wundert sehr, ihn noch nicht hier zu finden. 76) D. D. C. 192. Es ist freilich sehr stark, dass Schillers Eboli es wagt, mit einer leichten Fingerbewegung des Infanten Halskrause hinwegzuschnellen und darunter eine durch Zufall etwas hervorstehende Bandschleife einer Dame hervorzuziehen.— 195. Der durch die Liebe zur Königin gegen jede andere Neigung gewahrte Prinz schliesst die Eboli mit Zärtlichkeit in die Arme! 77) D. D. C. 133 flg. zu der Bemerkung der Eboli, sie wolle in einigen Tagen krank werden. 78) Der eigene Plan des Marquis, angedeutet durch die Worte: Ein wilder, bülner, glücklicher Gedanke steigt auf in meiner Phantasie—(II, 15) war, durch eine nochmalige Zusammenkunft mit der Königin Carlos zu dem Enischlusse zu bringen, heimlich nach Flandern zu gehen. Dadurch dass der Dichter versäumt, Posa selbst ein Mittel zur Ausführung ersinnen zu lassen, wird die Handlung in zwei Teile gespalten.— D. D. C. 116. Durch die Verbindung mit dem Könige stellt sich in den Mittelpunkt ein so wunderliches wie unnötiges falsches und un- besonnenes Spiel. 79) Es ist auch bemerkenswert, dass Carlos in Posa hauptsächlich den verständnisvollen Freund und Be- schützer seiner unglücklichen Leidenschaft sieht, wührend dieser dieselbe nur benutzt, um den Prinzen durch die Königin für die Rettung Flanderns zu gewinnen; auch hierdurch kommt die Spaltung in die Handlung. 80) Diese- härteste Probe besteht aber eben Don Carlos nicht; Schuld trägt das wunderliche Benehmen Posas; vgl. hierzu die zweite Warnung Lermas, durch welche Carlos misstrauisch wird(tragisches Moment des Stückes). 81) D. D. C. 109. Ein Verstoss gegen die Einheit liegt in dem übermässigen Hervortreten des Marquis seit der Unterredung mit dem Könige. 82) D. C. 209. Die Eifersucht des Königs zwar anschaulich, aber doch in etwas widerwärtiger Weise gegeben.— D. D. C. 212, über die hier ungehörige Frage: Wer ist sonst— Im Vorsaal? und den Sinn der Schlussbemerkung des Königs. . 283) D. D. C. 216 über die Bemerkung, Wahrheit aufzufinden, sei Königen nicht gegeben; 217. Ich schütte die Lose auf.— Seltsam, dass Philipp einen so verdienten Mann wie Posa ganz vergessen hat. 84) D. D. C. 221. Der Dlosen Neugier wegen, eine ebenso wunderliche Ausserung wie Albas Rat. Monolog(III, 985), die Unterredungs(III, 10), die Versammlung der Granden, Eintritt des Königs,(III, 6, 7) den Akt einleitend; Verbindungsglied: Befehl, Posa zu rufen. Zwischen der ersten und zweiten Stufe liegt sowohl Aktschluss, als auch die erste Stufe der Umkehr für die Nebenhandlung Pboli: die Königin vermisst ο den Schlüssel, Schuldbewusstsein(Anwandlung) der Eboli(IV, 1). Dann folgt die 2. Stufe der Steigerung für die Handlung Posa: Posa gewinnt die Königin, Carlos zur Flucht nach Flandern zu überreden(IV, 2, 3).¹ V. Wlst. Schwierigkeit bietet die Erläuterung von Wlst. Um dem Schüler einen Einblick in den komplizierten Bauss und einen Überblick über die gewaltige Handlung zu verschaffen, empfiehlt es sich, ihm die Idee einer dramatischen Handlung Wallenstein zunächst ohne die Picc. zu vergegenwürtigen: ein ehrgeiziger, rachsüchtiger und übermächtiger Feldherr wird zum Verräter an dem Kaiser, in der entscheiden- den Stunde aber„von der Mehrzahl seiner Offiziere und Soldaten verlassen und getötet“. Die aufsteigende Hälfte dieser Handlung Wlst. hätte die„fortschreitende Bethörung des Helden bis zum Höhenpunkte, dem Entschlusse des Verrates“ zu zeigen. Also etwa erregendes Moment: Questenbergs Erscheinen im Lager und sein Auftrag an die Generäle; Steigerung, 1. Stufe= 1. Aktion des Verrates: der mächtige Feldherr scheut den Bruch mit dem Kaiser nicht(Abweisung der kaiserlichen Forderung in der Audienascene), 2. Stufe= 2. Aktion des Verrates: Wallenstein versichert sich der unbedingten Ergebung der Generäle und des Heeres(Erschleichung der Unterschrift in der Bankettscene); Höhenpunkt:„Verhandlung mit Wrangel“ (Abschluss der Konjunktion); Umkehr: Abfall der Generüle und des Heeres(vollendet durch den Abfall der Getreuesten, der Kürassiere); Katastrophe: Wallensteins Ende. Hierauf lasse man die zweite Idee, die dem Dichter aufgestiegen ist, die der Picc., aussprechen: „ein hochgesinnter, argloser Jüngling, der die Tochter seines Feldherrn liebt, erkennt, dass sein Vater die politische Intrigue gegen seinen Feldherrn leitet, und trennt sich von ihm“. Die aufsteigende Häülfte dieser zweiten Handlung zeigt„die Befangenheit der Liebenden bis zum Höhenpunkte, welcher durch die Worte Theklas eingeleitet wird: Trau' ihnen nicht, sie meinens falsch.“ Also etwa erregendes Moment: Ankunft der Liebenden im Lager; Steigerung, 1. Stufe: Max verrät seine Liebe(durch seine„gehobene Stimmung“, Schilderung des Priedens etc.); 2. Stufe:„Annäherung der Liebenden“(Max verrät der Herzogin seine Liebe); 3. Stufe: Max und Thekla gegenüber der„intriguierenden Umgebung“; Höhenpunkt: Liebeserklärung; Um- kehr: Kampf zwischen Vater und Sohn, und in derselben grossen Scene die Katastrophe der Picc.: Max trennt sich vom Vater. Jede der beiden Ideen, die von Wlst. und der Picc., hat nun eine wesentliche Erweiterung erfahren, durch welche die Verflechtung der beiden dramatischen Handlungen zustande kommt. 1. Zunächst ist die politische Intrigue Octavios, die nach der zweiten Idee nur Ursache der Trennung von Vater und Sohn wird, auch in die Umkehr der Handlung Wlsl. verlegt worden, so dass nun folgende Formel für die erste Idee entsteht: ein ehrgeiziger, rachsüchtiger und übermächtiger Feldherr wird zum Verräter an seinem Kaiser — die aufsteigende Hälfte unterscheidet sich also von der vorigen Fassung nicht— aber durch seinen in abergläubischen Vorstellungen befangenen Sinn verleitet, sieht er selbst im intriguanten Gegner(Octavio) seinen Verbündeten(tragisches Moment), der es bewirkt, dass der Feldherr in der entscheidenden Stunde von der Mehrzahl seiner Offiziere und Soldaten verlassen, von Meuchelmördern umgarnt und getötet wird. 85) D. D. C. 221 flg. Der Ausdruck ist hier übertrieben, die Verwunderung Posas, dass der König nach ihm verlangt, auffallend, ebenso bei seiner Spannung die Ruhe, mit der er ein Gemälde betrachtet.— 117. Der unpraktische Schwärmer meint, es genüge, dem Könige seine freie Ansicht auszusprechen. Jeder Gedanke an seinen Plan, den Prinzen zur Königin zu bringen, und dessen Entweichung nach Flandern zu bewirken, scheint vergessen zu sein. 86) D. D. C. 118. Sonderbar, wie der König einem so offenen und freien Charakter, wie der Marquis sich gezeigt hat, den Auftrag geben kann, sich an die Königin und den Prinzen zu drängen, und sich in ihr Vertrauen einzuschleichen.— Andere Bedenken s. D. D. C. 223. 226 Anmerk. 229. 230 flg.— D. D. C. 110 flg. weist nach, dass auch in Bezug auf die Handlung ein Zwiespalt durch die beiden Hälften des Stückes geht. Im 1. Teile ist von brief- licher Verbindung zwischen Carlos und seiner in Aussicht gestellten Braut nicht die Rede; II, 4 kennt er die Hand- schrift der Königin nicht. Dagegen bewahrt er im 2. Teile den Brief, den die Königin ihm nach Alkala geschrieben, als teuerstes Andenken auf(IV, 5); die Briefe des Prinzen nimmt die Eboli nebst dem Medaillon aus der Schatulle. 87) D. D. C. 236. Es ist zu tadeln, dass der Marquis hinter dem Rücken des Königs den Sohn zum Aufruhr gegen den Vater bestimmt, und dass die Königin diesen Gedanken billigt und gross findet; s. auch 118 flg. 137. 235. 237. 88) G. F. hat a. oO. O. p. 174 flg. eine Analyse der Doppeltragödie Wlst. gegeben. Wenn dieselbe hier nicht einfach wiedergegeben wurde, so soll selbstverständlich das oben Gesagte nicht etwa eine Korrektur derselben sein: es galt der schwierigen Sache auf einem etwas anderen, für den Schüler vielleicht noch verständlicheren Wege bei- zukommen; doch sei ausdrücklich erwähnt, dass die an der angeführten Stelle gegebene Architektur hierbei vielfach Verwendung finden konnte. 25 2. Die erweiterte Fassung der zweiten Idee:„ein hochgesinnter, argloser Jüngling, der die Tochter seines Feldherrn liebt, erkennt, dass sein Vater die politische Intrigue gegen seinen Feldherrn leitet, und trennt sich von ihm“, lautet:„er erkennt, dass sein Feldherr zum Verräter geworden ist, und trennt sich auch von diesem, zu seinem und der Geliebten Untergang“. Sie bot das zweite Mittel zur Verflechtung der beiden dramatischen Handlungen, da das Schicksal der Liebenden nun mit den Folgen der verrüterischen That Wallensteins verknüpft ist, insocfern Max dem Vater der Geliebten, so sehr er mit ihm durch die Bande der Freundschaft und Pflicht verknüpft ist, auf den Weg des Verrats nicht folgen kann; es bleibt ihm daher als Ausweg aus dem Konflikt, in den ihn seine Liebe zu Thekla gebracht hat, nur die Trennung auch von dem Feldherrn und zuletzt der Tod auf dem Schlachtfelde. Diese 2. Stufe der Umkehr, Kampf mit dem Feldherrn— die erste war Kampf mit dem Vater— und dieser ebenfalls durch die erweiterte Fassung hervorgerufene zweite Teil der Katastrophe— der erste war Trennung vom Vater— Trennung vom Feldherrn nebst Abschied und Aufbruch des Jünglings,„Bericht seines Todes, Theklas Flucht“ wurde ebenfalls in den fallenden Teil der Handlung Wäst. verlegt. 3. Nun bot aber die bedeutende Erweiterung der ersten Idee, die Intrigue Octavios bewirkt den Abfall der Generäle und des Heeres(also das grösste Stück des fallenden Teils der Handlung Wäst.), selbst wieder eine Handlung für ein selbständiges Drama: Wlst. T'd. Die Steigerung dieses neuen Dramas zeigt Octavios Intrigue, bis er durch dieselbe Herr über das Schicksal seines mächtigen Gegners geworden ist. Octavio muss zu diesem Zwecke a) mit der Vollmacht des ihm blind vertrauenden Wallenstein, für dessen Sache zu wirken, ausgerüstet werden= 1. Stufe der Steigerung; b) die dem Feldherrn unbedingt ergebenen Generäle zu gewinnen suchen= 2. Stufe der Steigerung; c) auch die übrigen Generäle, vor allen Dingen das Heer zum Abfall verleiten= 3. Stufe der Steigerung. Der Abfall der getreuesten Soldaten, der Kürassiere, tritt sofort als Höhenpunkt von Wlst. Td. scharf hervor. 4. Diese ganze ausserordentlich reiche Handlung kommt zur Darstellung in zwei Dramen, jedes zu 5 Akten(die Picc. und Wlst. Td.) mit einem Vorspiele, aber so, dass aus den zehn Akten„eine drama- tische Einheit ³⁵, das Doppeldrama?“, deutlich hervorleuchtet. Die Steigerung des neuen Dramas Wist. 7¹. bis zum Höhenpunkte verdrängte nämlich a) die Steigerung der dramatischen Handlung Wlst.(die beiden ersten Aktionen des Verrates) in das Drama Picc.; b) den Höhenpunkt, Abschluss mit Wrangel, in: den I. Akt von Wäst. Td., so dass nun die Steigerung des letzten Stückes die grosse Stufe der Umkehr von dem Doppeldrama ist. Die Steigerung des Doppeldramas liegt also in dem II. Akt(1. Aktion, Audienz- scene) und im IV. Akt(2. Aktion, Bankettscene) der Picc., der andere Höhenpunkt fällt zusammen mit der Katastrophe der Picc.(V.), Max trennt sich vom Vater(allerdings nur innere Lösung, die äussere II, 7, Wist. Td.). Höhenpunkt ist diese Stelle nämlich insofern in ausgezeichneter Weise, als die geführliche Höhe, auf der das verräterische Treiben des Feldherrn angelangt ist, ebenso die Nähe der Reaktion durch diese Trennung Maxens von dem mit allen Vollmachten versehenen Oktavio deutlich fühlbar wird. 89 89) Obgleich es ratsam isb, wie früher erwähnt(s. p. 3 N. 6), bei Dramen von kompliziertem Bau den Schüler nur auf die Hauptglieder in dem Gefüge der Handlung aufmerksam zu machen, möge hier doch folgende UÜbersicht Platz finden.(Die in Klammern gesetzten Stellen enthalten die kritischen Bemerkungen aus Düntzers Erläuterungen.) Picc. Das erregende Moment, Ankunft der Liebenden— I, 2 Das sind sie! Die Wachen salutieren— dies Signal bedeutet uns, die Fürstin sei herein— ist getrennt durch die Unterredung Octavio-Questenberg I, 3 von der 1. Stufe der Steigerung: Max verrät seine Liebe I, 4; seine gehobene Stimmung, Schilderung des Friedens, ausbrechender Zwiespalt mit dem Vater(Picc. 1, 4, 220. Wenig stimmt die empfindsame Stimmung zum Bilde des jungen Kriegers). Schluss: Octavios Bestürzung wegen der Liebe seines Sohnes I, 5.— Vorausgehen der 2. Stufe der Picc. zwei Auftritte für das Doppeldrama: II, 1 die Bedientenscene; II, 2 Wallenstein erfährt durch seine Gemahlin die Stimmung in Wien(Picc. II, 2, 223. Auffällt der angegebene Zweck der Reise; ein bestimmter Gemahl ist noch nicht in Aussicht genommen).— 2. Stufe der Steigerung:„Annäherung der Liebenden“, Max verrät der Herzogin seine Liebe II, 4, eingeleitet durch II, 3 Wallenstein begrüsst Thekla(Picc. II, 3, 186. Die wirkliche Gräfin Terzky war freilich in Pilsen und Eger, aber sie hielt sich von der Politik durchaus fern. Uber die undeut- lichen Schlussworte von II, 3 s. p. 224 Anmerk.).— Es folgen drei Auftritte für das Doppeldrama: II, 5 Terzky be- richtet den Entschluss der Obersten, Stand der Verhandlungen mit den Schweden; II, 6 Illos Bericht von der Stimmung der Generäle und der Plan mit dem Reverse(Picc. II, 6, 226 flg. Dass nicht alle Generäle beiwohnen, geschieht, um den wirksamen Schluss des Aufzugs zu gewinnen. Zu vermissen ist Questenbergs Anmeldung). II, 7 Audienz Questenbergs(Picc. II, 7, 227. Gegen die Geschichte zieht der Rheingraf Otto Ludwig von Salm nach Nürnberg; p. 228 Anmerk. Ungeschichtlich ist auch das Verhalten des Barons de Suys).— 3. Stufe der Steige- rung:„Die Liebenden gegenüber ihrer intriguierenden Umgebung“ III, 3, 4; eingeleitet durch III, 2: 4 26 VI. M. St. In M. St. soll gezeigt werden, wie Eifersucht eine Königin zur Tötung ihrer gefangenen Gegnerin treibt. Beide Königinnen trennt die heftigste Feindschaft. Die Ursache derselben ist allerdings zu- nächst in den politischen Verhältnissen zu suchen; aber von mindestens ebenso grosser Bedeutung ist der Unter- schied, den die Natur zwischen beiden Frauen geschaffen hat. Mit Schönheit und Anmut ist Maria ausgestattet, und hierdurch stellt sie die weiblicher Reize entbehrende, aber eitle Elisabeth in den Schatten, sodass selbst die von der Gunst der letzteren Ausgezeichneten sich unwiderstehlich zu der unterdrückten, durch lange Freiheitsberaubung schon dem Tode überantworteten Königin hingezogen fühlen. Welch' harte und zum Teil ungerechte Massregeln die von Eifersucht beherrschte Elisabeth, die nicht einmal den Vorzug ehelicher Herkunft geltend machen kann, zur Demütigung der Schoester ersinnt— die königliche Hoheit und makellose Geburt kann sie der Verhassten nicht rauben. Und trotz dieser bitteren Feindschaft haben beide Königinnen sich noch nicht von Angesicht zu Angesicht gesehen. Die von der Gefangenen er- betene Unterredung wurde von Plisabeth immer verweigert; auch jetzt hat sie Ritter Paulet einen Brief an die englische Königin in dieser Angelegenheit übergeben. Schon unter solchen Umständen muss das Gegenüberstellen zweier durch so leidenschaftlichen, jahrelangen Hass getrennten menschlichen Naturen, die Verhandlung der Angelegenheit Auge in Auge als eine folgenschwere That empfunden werden. In der Gartenscene des III. Aktes, und zwar in dem Augenblicke, wo Elisabeth und Maria die verhängnis- volle Unterredung beginnen, liegt der Höhenpunkt dieses Stückes. Nach Überschreitung desselben, d. h. nachdem das Gespräch die schlimme Wendung genommen hat— so fühlt der Zuschauer deutlich— ist das Schicksal von Maria besiegelt; die Entscheidung bis zum Eintritt desselben ist zweifelhaft, insofern von dem Gräfin Terzky eröffnet ihrem Gemahl ihr Vorhaben mit den Liebenden. Vorausgeht der Stufe der dem Doppeldrama zugehörige III, 1: Illo verrät Terzky seinen Plan mit der Unterschrift, Vorscene zum 4. Akt, Bankett- scene(Picc. III, 1, 231 zu den Worten: Wenn ein Strich reisst..). Wist. Td. Das erregende Moment,(berichtete) Gefangennahme Sesinas, nebst der Ausführung desselben, Verhandlung mit Wrangel, umfasst den ganzen ersten Akt. Folgende Momente jlassen sich in der Aktion des Ver- rates unterscheiden: a) der Planetenaspekt verkündet die zum Handeln günstige Stunde I, 1; b) die(berichtete) Gefangennahme Sesinas drängt zum Abschluss mit den Schweden I, 2, 3; c) grosser verbindender Monolog I, 4; d) Ver- handlung mit den Schweden I, 5(Wlst. Td. I, 5, 177 zu den Worten: Es steht der Rheingraf— aus Rücksicht auf den Hof von Weimar ist nicht der Herzog Bernhard genannt.— 253. Weder die Mitwirkung Wrangels bei der Be- lagerung Stralsunds, noch das Scheitern des Unternehmens durch einen Sturm auf dem Belt ist geschichtlich); e) Abschluss der Konjunktion, besonders auch durch Illos und Terzkys sowie seiner Schwägerin Drängen I, 6, 7. UÜber die Behandlung dieser Stelle als Höhenpunkt des Doppeldramas s. p. 34flg.— 1. Stufe der Steigerung: Befehl Wallensteins an Octavio II, 1, 3(Wäst. Td. II, 3, 264 Anmerk. zu den Worten: Banniers verfolgenden Dragonern — Bannier lag damals verwundet in Magdeburg). 2. Stufe der Steigerung: Verlockung Isolanis und Butt- lers II, 4— 6(Wäst. Td. II, 6, 179flg. Um Buttlers Abfall und leidenschaftliche Rache zu begründen, bedient sich der Dichter einer an sich glücklichen Erfindung etc. Diese Niederträchtigkeit macht Wallenstein uns geradezu wider- wärtig. Dazu widerspricht dieses unedle, treulose Verfahren dem stolzen Vertrauen, das Wallenstein in seine Beurtei- lung der Menschen setzt, und die UÜberzeugung von der Treue derjenigen, die er durch Wohlthaten sich verbunden hat, dass er gar nicht daran denken konnte, Buttler erst durch ein so freventliches Mittel an sich zu schliessen.— Die ganze Leitung der Massregeln gegen Wallenstein ist zur Vereinfachung der Handlung, im Widerspruch mit der Geschichte, in Octavios Hand gelegt, die zwei nach Pilsen berufenen Versammlungen in eine zusammengezogen worden. — 266. Buttlers Drohung am Schlusse des 6. Auftritts überhört Octavio, obgleich sie ihm nicht angenehm sein kann). 3. Stufe der Steigerung: Abfall der Feldherren und Empörung der Soldaten; Fall von Prag, Wallen- steins Achtung III, 5— 12(W st. T6d. III, 7, 272 zu dem auffälligen Ausdruck: Des Lebens Bilder.— III, 9, 273. Ob Wallensteins sophistische Verteidigung der Sternkunde selbst dem tiefsten Schmerze angemessen sei, könnte man bezweifeln.— III, 10, 273. Wallenstein begrüsst Buttler mit traulichster Herzlichkeit als wahren Freund. Dass jemand auf so arge Weise, wie hier Wallenstein, und zwar zum zweiten Male sich täuschen lassen kann, ist mehr der Komödie als der Tragödie gemäss; unbegreiflich auch, wie Wallenstein mit seinem Schuldbewusstsein gegen Buttler, das nach II, 6 vorausgesetzt wird, dies thun kann.— 181. Der Fall von Prag geschah mehr als einen Monat später. Kinsky war in Wirklichkeit nicht in Prag anwesend, sondern begleitete Wallenstein von Pilsen nach Eger).— Die Steigerung und der Höhenpunkt von Wlst. Td. bilden die Hauptstufe der Umkehr für das Doppeldrama. Nach Uber- schreitung des Höhenpunktes fällt die Umkehr desselben und die von Wäst. Td. zusammen. Von dem erregenden Moment(p. 10) ist die 1. Stufe der Steigerung des Doppeldramas durch die 1. Stufe der Steigerung der Picc. getrennt, so dass dieselbe erst imt II. Akte peginnt. Voran geht eine Einleitung, erstens die Bedientenscene II, 1; zweitens Wallenstein erforscht zuvor die Stimmung in Wien von seiner Gattin II, 2. Dann folgt die die 2. Stufe der Steigerung der Picc. eröffnende Scene II, 3, ferner diese 2. Stufe Picc. selbst II, 4.— II, 5 eröffnet die steigende Handlung des Doppeldramas, deren Aufgabe war, den Feldherrn in seiner Grösse zu zeigen, die ihn vor einem Abfall vom Kaiser nicht mehr zurückschrecken lässt. An die erste Aktion des Verrates II, 7 schliesst sich im IV. Akte die zweite: Wallenstein versichert sich der unbedingten Ergebung der Generäle und des Heeres; Höhenpunkt: Abschluss der Verhandlungen. Wlst. TId. I. Also 1. Stufe der Steigerung für das Doppel- drama: Wallenstein weist die Forderungen des Kaisers zurück, 1. Aktion des Verrates II, 5—7; 1. die Vor- — 27— erregenden Momente an die Frage stets offen bleibt: wird Maria Stuart durch den tollkühnen Mortimer gerettet werden, oder wird, sei es durch Hinrichtung, sobald Elisabeth ihre Unterschrift giebt, sei es durch einen Meuchelmörder, den vielleicht ihre Feinde noch finden, ihrem Leben ein Ende gemacht werden? Je näher aber die Handlung dem Höhenpunkte rückt, desto stärker wird im Zuschauer die Empfindung, dass die Entscheidung über das Schicksal der Heldin auf des Schwertes Spitze schwebt. Vier Stufen waren hierzu notwendig; 1. Stufe der Steigerung:„Scene Marias mit den Kommissarien“: Burleigh ver- kündigt die Verurteilungè durch die Peers(I, 7); verbunden damit eine Schlussscene, zugleich Uberleitung zum II. Akt: Burleighs geheimer Auftrag an Paulet(I, 8). Der 2. Stufe geht eine Einleitung des Aktes voraus: Vorführung„Elisabeths und der übrigen Gegenspieler“(II, 1 ²¹, 2 9²2, Brautwerbung). Bildet die Spitze des Dramas das Gegenübertreten der beiden Königinnen, so musste zuvor erstens im Staatsrat darüber verhandelt werden, ob Elisabeth der in dem(II, 4) von Paulet überbrachten Briefꝰs ausgesprochenen Bitte um eine Unterredung entsprechen dürfe, zweitens über die Vollziehung der königlichen Unterschrift Beratung stattfinden. 2. Stufe der Steigerung ist daher:„der Kampf der Höflinge für und wider Maria und Wirkung des Briefes von Maria“(II, 3, 4). Die Zusammenkunft der Königinnen kann aber fernerhin nur zustande kommen, wenn der mächtige Lord Leicester ⁵⁴, der Günstling Elisabeths, gewonnen wird. Der Liebesbrief Marias ⁵, von Mortimer an Leicester überbracht, bestimmt den feigen Lord, Elisabeth zu dieser Unterredung zu verlocken. 3. Stufe der Steigerung:„Unter- redung Mortimers mit Leicester“(II, 8). Voran geht derselben eine Einleitung: Gespräch der Königin scene: Vorbesprechung mit den Getreuen II, 5, 6. a) Nachrichten Terzkys, der die Unterhandlung mit Sesin leitet, drängen zum Handeln II, 5; b) IIlos günstiger Bericht über die Stimmung der Obersten II, 6, durch die Erwähnung der Unterschrift zugleich die 2. Stufe vorbereitend; 2. die Hauptscene: Audienz Questenbergs II, 7. Die 2. Stufe der Steigerung für das Doppeldrama, 2. Aktion des Verrates, IV. Akt der Picc., wird durch den III. Akt, der der Handlung Picc. angehört, von der 1. Stufe getrennt. Nur der 1. Auftritt des III. Aktes gehört zur 2 Stufe als Vorbereitungsscene: IIlo entdeckt Terzky seinen Plan mit der Unterschrift. Dieser folgen die Einleitung für die 3. Stufe der Steigerung der Picc.: Vorhaben der Gräfin mit den Liebenden III, 2; dann die 3. Stufe der Picc.„Hal- tung der Liebenden“ etc. III, 3, 4; ferner Höhenpunkt der Picc.: Liebesscene zwischen Max und Thekla III, 5, 6; endlich die UÜberleitungen zur Umkehr der Picc.: Theklas traurige Ahnung III, 7— 9, und in der Bankettscene(IV.) Maxens träumerisches Wesen.— Hauptscene: das Bankett, die unbedingte Verschreibung der Obersten wird erschlichen; es füllt daher die 2. Stufe für das Doppeldrama den ganzen IV. Akt der Picc. Der Bau dieser grossen Ensemblescene, der ersten, die Schiller geschrieben— die zweite ist die Rütliscene, die dritte der I. Akt von Demetrius— ist nach G. Fr. a. o. O. p. 204 folgender:„Der Akt ist zweiteilig. I. vorbereitender Teil enthält drei dramatische Momente: a) Max erscheint; b) Explikation der gefälschten Urkunde durch die Intriguanten(Picc. IV, 1, 236 Ingratis servire nefas— Schillers merkwürdiges Versehen: nach dem ausführlichen Bericht begann IIllo mit dem Spruche seine Rede, hier steht er als Motto); c) Anschluss Buttlers an sie(Eicc. IV, 4, 239 Buttlers Erwähnung seiner Herkunft etc. ist weder dem Augenblick, noch Buttlers Charakter besonders entsprechend. Wegfallen könnten die Verse: Ich kam, ein schlechter Reitersbursch bis Das ist gesprochen). II. Teil enthält a) einleitende Unterredung der Diener, die aber zu unverhältnismässiger Breite ausgesponnen ist(durch die Beschreibung des Pokals); b) eine dreiteilige Handlung: 1. Bemühung Terzkys, von Nebenfiguren die Unterschrift zu erhalten; 2. im scharfen Gegensatz dazu das kurze Gespräch der Piccolomini; 3. die Krisis als Streit des trunkenen Illo mit Max. Auch hier ist der Verband der einzelnen Scenenteile sorgfältig. Octavio führt durch das vorsichtige Sondieren Buttlers leise die Auf- merksamkeit aus der bewegten Gruppe der Generäle heraus auf seinen Sohn. Durch das Suchen des fehlenden Namens wird die volle Aufmerksamkeit auf Max geleitet, worauf der trunkene IIlo sich wieder zuerst sehr bedeutsam an Octavio wendet, bevor er mit Max zusammenstösst. Die Verbindung und Lösung der einzelnen Gruppen, das Herausheben der Piccolomini, die Aktion des Höhenpunktes(der Scene), das bewegte Zwischenspiel der Nebenfiguren bis zu dem kräftigen, kurzen Schluss sind sehr schön.“ 90) D. M. St. 129. 133. I, 7. Kaum dürfte Burleigh die förmliche Verlesung des Urteils in ihrer Gegenwart unterlassen. 91) D. M. St. 137. Es muss auffallen, dass gerade ein solcher Kampf, wo das Verlangen den Kürzeren zieht, den französischen Brautwerbern geboten wurde(II, 1). 92) D. M. SGt. 140. II, 2. Auffallend ist nur, dass Elisabeth nichts anderes sagt, als dass Bellievre den Her- zog ebenso mit dem doch nur den unbedeutendsten Teil des Ordens bildenden Bande bekleiden soll. 93) D. M. St. 83. II, 4. Marxia dürfte kaum glauben, dass Elisabeth diese Zusammenkunft gewährt. Doch übersieht man diese Unwahrscheinlichkeit im Anfange des Dramas, wo Mariens Stellung zu Elisabeth noch weniger anschaulich hervorgetreten. 94) D. M. St. 100. Am wenigsten dürfte die Zeichnung Leicesters gelungen sein, dessen Gestalt eben durch die eigentümliche Stellung, die er in der Handlung einnimmt, zu sehr, man möchte sagen, beschränkt wird, so dass er sich nicht frei entfalten kann. 95) D. M. St. 104. Maria hofft auf Leicester mehr als auf den Brief an Elisabeth, der mit Leicesters Ver- wendung in nähere Verbindung hätte gebracht werden sollen. 4* 23 mit Mortimer(II, 5), Mortimers Monolog(II, 6), Mortimer und Paulet(II, 7). 4. Stufe der Steigerung: „Verlockung Elisabeths durch Leicester, Maria zu sehen“(II, 9). So wird also, nachdem die 1. Stufe die Verurteilung der Stuart durch den Gerichtshof bekannt gegeben, durch die 2. Stufe, die Staatsratsscene, die Vollziehung oder Nichtvollziehung des Urteils von dem Zustandekommen oder Nicht-Zustandekommen einer Unterredung der Königinnen abhängig gemacht. Indes aus der ganzen Anlage und Entwickelung des Charakters der Elisabeth als Gegenspielerin, besonders aber nach der die 3. Stufe einleitenden Unter- redung mit Mortimer, nach welcher der letztere sich, um Maria, zu retten, von der Königin als Meuchel- mörder dingen lässt, ist sofort ersichtlich, dass diese Zusammenkunft nie zustande kommen würde, wenn sie als eine Folge des Mitleids und schwesterlicher Gesinnung Elisabeths eintreten sollte. Diese Wendung ist eben undenkbar; aus eigenem Antriebe müsste die Königin, wenn sie überhaupt imstande gewesen wäre, es bis zu einer Verurteilung der Stuart durch den Gerichtshof kommen zu lassen, nunmehr mit versöhnlichem Herzen und überwältigt von Rührung in den Kerker Marias eilen, um der Gefallenen die schwesterliche Hand zu reichen. Nichtsdestoweniger bleibt es Thatsache und wird vom Zuschauer fortwährend lebhaft empfunden, dass das Schicksal Marias erst von dem Erfolg einer Unterredung abhängt, sei es, dass die- selbe darnach bis an ihr Ende in Haft verbleiben muss, oder Erleichterung ihres Loses findet. Kann demnach die Unterredung niemals durch edle Regungen hervorgerufen werden, so kann sie nur das Werk der Intrigue sein. Es war also bis zum Eintritt des Höhenpunktes noch eine(höchste) Steigerung nötig, nämlich die Darstellung der Intrigue: die Verlockung Elisabeths durch Leicester. Indes noch eine andere Lösung ist zuvor denkbar: Die Befreiung Marias durch Gewalt. Die Scene zwischen Maria und Mortimer, die das erregende Moment enthält, schliesst damit, dass Maria Stuart Bildnis und Brief Mortimer an Leicester ⁰⁶ übergiebt; letzterem möge er sich anvertrauen, wenn er die Rettung vollbringen wolle. Wenn nun der mächtige Lord Leicester sich wirklich mit Mortimer zu einer gewaltsamen Befreiung verbindet? Diese Frage wird zunächst in dem Zuschauer rege. Es ist also vor der Verlockungsscene(4. Stufe) noch eine Stufe nötig; auf die Staatsratsscene musste eine Unterredung der beiden Männer folgen; aber aus der Verschieden- heit ihrer Charaktere erklürt sich sofort, warum dieselbe erfolglos bleiben muss, und dass eine Verbindung beider zur Rettung der Stuart unmöglich ist. Beide lieben ja die Stuart; die Eifersucht, in die sich diese Liebe verwandeln muss, wenn beide die Nebenbuhlerschaft erkannt haben, muss sofort ihre Wege trennen, wäre nicht von vornherein schon ein erfolgreiches Zusammenwirken des tollkühnen, aber ritterlichen Mortimer mit dem heuchlerischen, feigen, nur um seine eigene Rettung besorgten Leicester aussichtslos. Eine solche Natur muss daher in Furcht und Entsetzen bei Mortimers kühnem Vorschlag erbeben und kann nur zur Intrigue seine Zuflucht nehmen. Nachdem aber der mächtige Lord seine Hilfe Mortimer versagt, die Maria selbst als unbedingt notwendig zu einem Gelingen bezeichnet, erscheint dem Zuschauer das Unternehmen sofort mehr als tollkühn und in seinem Ausgange durchaus zweifelhaft. Er empfindet, dass alles einzig und allein noch von einer Unterredung beider Königinnen abhängt. Wird es aber überhaupt, und wodurch wird es Leicester gelingen, Elisabeth zu einer Zusammenkunft zu überreden? Die Darstellung der Intrigue und das Gelingen derselben, d. h. die Verlockung Elisabeths muss also die vierte Stufe der Steige- rung bilden. VII. J. v. O. I, 10 berichtet?? Johanna, wie ihr die Mutter Gottes gesagt habe: Eine reine JFungfrau vollbringt jediwedes Herrliche aur Erden, dvenn sie der ird'schen Liebe ewidersteht.— Da der Himmel von der Jungfrau fordert, der Sinnlichkeit Widerstand entgegenzusetzen, so erscheint sie keines- wegs als ein der irdischen Sphäre entrücktes Wesen, sondern zugleich als eine echt menschliche Natur, in der sinnlicher Trieb liegt, der durch die Aussenwelt erregt werden kann. Für Johanna bildet die Ent- sagung des für das Weib höchsten Glückes, der Liebe, die schwerste Bedingung. Die Stelle des Dramas, wo die Liebe plötzlich in Gestalt und Wesen der Jungfrau entgegentritt, um sie in die verhängnisvolle Befangenheit zu versetzen, wird leicht als Höhenpunkt erkannt werden. Bis zu dieser Stelle ist es die Aufgabe der Gottesstreiterin, das Vaterland zu befreien, indem sie die Feinde besiegt 96) D. M. St. 82(I, 6). Freilich ist der Schritt von Leicesters Seite insofern schwach begründet, als nicht abzusehen, wie Elisabeth zur Befreiung Mariens zu bestimmen sein könnte,..... doch durch die glückliche Art, wie Leicesters Antrag an Marien ganz nebensächlich bei Gelegenheit ihrer Erwiderung an ihn erwähnt wird, entzieht sich die Unwahrscheinlichkeit dem Blicke des Lesers wie des Zuschauers. 97) D. J. v. O.(I, 10) 165. Es stimmt der Bericht einesteils nicht mit der Erzählung am Ende des Prologs, wiederholt andernteils, für den Zuschauer unnötig, das dort Erzühlte.— 166. Das Waffengetöse kann das erste Mal wegfallen und ist nach den Erklärungen von Dunois und La Hire eher an der Stelle. 29 . (steigende Handlung); von da abwürts die Aufgabe Johannas, da sie vom Dichter auch als rein mensch- liche Natur gefasst ist, sich von der tragischen Schuld(Verletzung der Bedingung) zu lösen, indem sie ihre Liebe besiegt und dadurch ihre himmlische Mission zu Ende führt(fallende Handlung). Aus dem Gang des grossen Krieges sind nur eine Reihe von Preignissen ausgewählt, an welchen die Errettung des Vaterlandes durch die Jungfrau gezeigt wird. Sie bilden die Stufen der Steigerung einer äusseren Handlung, während eine innere an denselben die stetig wachsende Aufregung der Sinnlichkeit, die zuletzt in der Liebe des Weibes den höchsten Ausdruck findet, zur Darstellung bringt. An das erregende Moment, Nachricht von dem wunderbaren Siege(I, 8, 9) und dessen Ausführung, Auftreten der Jungfrau(I, 10), schliesst sich als Vorscene: Abfertigung des Herolds und Aufbruch der Jungfrau(I, 11). 1. Stufe der Steigerung: die(nur berichtete) Einnahme von Orleans und Wirkung dieses Ereignisses (II, 1, 2, 3), in drei Momenten: a) Streit mit dem Herzog von Burgund(II, 1); b) Ausgleich durch Isabeau und Verbannung derselben(II, 2); c) neues Vordringen durch die Feldherrn beschlossen(II, 3). 2. Stufe der Steigerung: Johanna im englischen Lager(II, 4— 10), in einer Vorscene und zwei Haupt- scenen. Vorscene: Erstürmung des Lagers(II, 4) und Flucht der Engländer(II, 5). 1. Hauptscene: Johanna tötet Montgommery(II, 6, 7, 8), in drei Momenten: a) Monolog Montgommerys(II, 6); b) Montgommery verfällt dem Schwert der Jungfrau(II, 7); c) Schlussmonolog der Jungfrau(II, 8). 2. Hauptscene: Burgund gewonnen(II, 9, 10), ebenfalls in drei Momenten: a) feindliche Be- gegnung der Feldherrn; b) Dazwischentreten der Jungfrau und begeisterte Rede; c) Aus- söhnung⁰s. 3. Stufe der Steigerung: Werbung der Edelleute; hineingeflochten ist die Rückkehr Burgunds an den Hof(III, 1— 5); vier Momente: a) einleitendes Gespräch Dunois mit La Hire ⁹⁹ (III, 1); b) Burgunds Aussöhnung ¹ο mit dem König(III, 2, 3) und Du Chatels mit Burgund durch die Jungfrau(III, 4);¹01 c) Werbung der Edelleute und Weigerung Johannas(III, 4); d) Ubergangs- glied zur 4. Stufe: Aufbruch Johannas(III, 5). 4. Stufe der Steigerung: Eroberung von Rheims und Talbots Tod(III, 6 ¹⁰², 7 ¹03) nebst UÜberleitung zur Scene des Höhenpunktes(III, 8). Diesen Stufen der äusseren Handlung entspricht genau eine innere¹l. 1. Stufe: Die ihr zu teil werdende Bewunderung und Ergebenheit des Königs und der Vornehmen in ihren Willen(bereits nach dem ersten Auftreten, besonders aber nach dem wunderbaren Siege). 2. Stufe: a) ihre geäüusserte Empfindung für die Schönheit des Walliserjünglings und ihr Mitleid mit dem durch ihre Hand Gefallenen; b) ihr von ihr wohl bemerkter, gewaltiger Einfluss auf die Gemüter(bei der Aussöhnung Burgunds); 3. Stufe: ihr Benehmen bei ihrer Erhebung in den Adelstand(für die Aussöhnung Burgunds u. s. w.) und die tiefe Erregung, weil sie die Liebe zum Manne als eine ihr auferlegte Entbehrung erkennt(bei der Werbung der Edelleute). 4. Stufe: ihre irdische Kriegsleidenschaft(in der Schlacht bei Rheims) im Gegensatz zu der ehemaligen Reinheit der Gottesstreiterin und endlich der ihr ganzes Wesen erschütternde Hass gegen den Unbekannten. So verfällt sie, nachdem die Sinnlichkeit in ihr durch die sie umgebende Welt in immer stärkerem Masse aufgeregt worden ist, zuletzt der Liebe(Höhenpunkt des Stückes). VIII. B. v. M. Jahrelange Feindschaft hat die Söhne des fluchbeladenen Hauses getrennt. Don Manuel ist in heftiger Liebe zu einem Mädchen entbrannt und findet Gegenliebe, ohne zu ahnen, dass die 98) D. J. v. O. 184.(II, 10). Die vier letzten gereimten Verse würde man gern missen und Johanna ihre Freude über ihren Sieg lieber in der zweiten Person: De bist gerdährt— aussprechen hören.— Dass alle drei nach- einander Burgund umarmen, wirkt eher störend. 99) D. J. v. O. 186.(III, 1). Der erste Auftritt ist entbehrlich, da die Brautwerbung vorläufiger Andeutung nicht bedarf.— 187. Streit zwischen La Hire und Dunois betreffend. 100) D. J. v. O. 188.(III, 2). Es fällt auf, dass der Herzog nicht gleiche Bürgschaft dem Könige bietet, und überhaupt von Bürgschaft statt von Zeugen die Rede ist. 101) D. J. v. O. 195.(III, 4). Auffallend die Weissagungen über Burgund. Der Jungfrau ist bei Schiller sonst nur dasjenige offenbar, was Gott zu ihrem Zwecke sie schauen lässt.— 200. Ungenügend sind die Erklärungen Johannas, sie werde nach Vollziehung ihres Auftrags der Bestimmung des Weibes folgen müssen, nach Hause zurückkehren, was schlecht zum angenommenen Adel stimmt, auch der sonst hervortretenden Gewissheit widerspricht, dass sie vom Schlachtfelde nicht zurückkehren werde. 102) D. J. v. O. 204.(III, 6). Dass man Talbot gar keine Hilfe leistet, um ihn noch zu retten, fällt auf. Auch der gegen die Geschichte angenommenen, an sich unwahrscheinlichen Unterwerfung von Paris pedurfte der Dichter nicht; jede Erinnerung an dieses zerstreut nur die Aufmerksamkeit.— 204 flg. über Talbots letzte Ausserungen; ob sein Materialismus nicht in zu grellen Widerspruch gegen den religiösen Glauben, auf welchen die ganze Er- scheinung der Jungfrau gegründet ist, trete und der dramatischen Wirkung schade, kann man mit Recht fragen. 103) D. J.». O. 206.(III, 7). So weit, als er, drang noch kein feindlich Schwert— Talbot war viel weiter, selbst in unserm Stücke, als bis Rheims(bis Bordeaux) gelangt. 30 Geliebte die von der Mutter verborgen gehaltene Schwester ist. Aber auch Don Cesar verfolgt ahnungslos die Schwester, seitdem er die ihm Unbekannte gesehen, mit seiner Leidenschaft. Am Tage der Versöhnung will die Mutter den Brüdern die Schwester, wollen die Söhne der Mutter die Schwiegertochter zuführen. Die Entdeckung des Geheimnisses bildet die Spitze der Handlung. Aufgabe der Steigerung war demnach: die dunkle Ahnung, die den beteiligten Personen von der schrecklichen Verkettung der Umstände aufsteigt, zur ängstlichen Besorgnis, dann zur schrecklichen Vermutung, endlich zur furchtbaren Gewissheit zu erheben. Die letztere kommt zuerst Don Manuel, als ihm Beatrice(III, 3) das Geständnis macht, das ihm die Schwester und die Geliebte seines Bruders erkennen lässt. Von dem erregenden Momente an, die eben versöhnten Brüder verraten, dass sie beide lieben, waren drei Stufen nötig. 1. Stufe der Steige- rung: Don Cesar erklärt der Don Manuel erwartenden Beatrice seine Liebe¹⁴; Beatricens Entsetzen und Vorahnung des Unglücks(II, 1, 2, 3 ¹⁰³⁵). 2. Stufe: bei der beabsichtigten Heim- führung der Tochter durch die Mutter, der Braut durch die Söhne: die Kunde von der Entführung Beatricens; Isabellens ängstliche Besorgnis(II, 5, 6). 3. Stufe: Aufbruch der Brüder zur Befreiung der entführten Schwester; Don Manuels schreckliche Vermutung(II, 6). ¹96 Es ist bemerkenswert, dass der Zuschauer bereits durch das erregende Moment die Ahnung, bei Beginn der Steigerung schon die furchtbare Gewissheit der späteren Enthüllung empfindet. IX. Im T1I. laufen, wie früher erwühnt(p. 20 N. 65), drei Handlungen parallel, von denen nur die der Schweizer mit der locker eingefügten Handlung Attinghausen, und zwar innig nur an einer Stelle (IV, 2), verbunden ist. Es dürfte sich empfehlen, nach der ersten Lektüre des Stückes folgende Übersicht zu geben. Der rasche Scenenwechsel, der den Tl. allerdings zu einem echten Schaustücke(spiel) macht, bietet hierzu besonderen Anlass. Es enthält I, 1: Tlh.(Exposition und erregendes Moment p. 11) und Überleitung zur Sohweh.(p. 11); I, 2: Schawe.(Exposition p. 11); I, 3: Tlh.(Steigerung), mit der Schaweh.(Bau der Feste) und Attgh.(Erscheinen Berthas) verknüpft; I, 4: Sohaeh.(Steigerung). In dem ersten Akte fehlt, abgesehen von jener nicht glücklich eingefügten Stelle, die Attgh.— II, 1: Altgh.(Exposi- tion und erregendes Moment p. 11), II, 2: Schaoeh.(Höhenpunkt). In dem zweiten Akte erscheint die T'lh. gar nicht.— III, 1: TMh.(Vorscene zum Höhenpunkt); III, 2: Attgh.(Steigerung und Höhenpunkt); III, 3: Tlh.(Höhenpunkt) mit der Schoezh. und Attgh. ebenfalls nur lose verknüpft. In diesem Akte fehlt daher die Schazh.— IV, 1: Tlh.; IV, 2: Attgh., zu den beiden andern, besonders der Schawzh., in nähere Beziehung gesetzt; IV, 3: TWh.— Nur im fünften Akte laufen die Fäden der drei Handlungen vielfach ineinander, aber nur die Schoweh. bedarf jetzt noch wirklicher Aktion. Lässt man hierauf für jede derselben die Idee angeben(vergleiche hierzu die p. 4 für das ganze Stück aufgestellte Formel), so wird aus derselben der Höhenpunkt leicht aufgefunden werden.— An- genommen dieselbe sei für die T'lh.: Besorgnis um die Seinen treibt einen sonst friedliebenden, aber durch selbstbewusste Kraft und Geschicklichkeit ausgezeichneten Mann zur Tötung seines Tyrannen. Abgesehen davon, dass der Schüler die That Tells hiernach sofort richtig als Akt der Notwehr fassen lernt, lässt der Umstand, dass ein Mann zur Tötung seines Gegners schreitet, von dem Friedfertigkeit als charakte- ristische Eigenschaft gerühmt wird, sofort auf eine sehr arge Störung des Friedens durch den Todfeind schliessen. Aber diese Störung kann gegenüber der einzelnen Person weniger als gegenüber einem ganzen Volke als Kette fortgesetzter Beleidigungen und tyrannischer Quälereien gedacht werden, sondern je plötz- licher und gewaltsamer dieselbe eintritt, je mehr sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel erscheint, desto erschütternder muss sie auf den Helden wirken, desto begreiflicher wird die Ermordung Gesslers. Einer bedeutenden Steigerung(durch Stufen) bedurfte daher die T'lh. überhaupt nicht; die Stelle aber, wo dieses Herausschrecken aus dem Frieden— Du hast us meinem Frieden mich herausgeschrecht— stattfindet, wird 104) D. B. v. M. 113 flg. Auffält die unzarte Ubereilung Don Cesars, der sofort Beatrice die Hand als Gatte reicht, das völlige Verstummen der letzteren, und dass Cesar nichts zu ihrer Beruhigung thut, auch nicht daran denkt, dass ihr Herz einem anderen gehören könne, sowie die sonderbare Art seiner Verabschiedung(II, 2). 105) D. B. v. M. 116.(II, 3). Das Entfliehen Beatricens ist dichterisch nicht begründet, aber der Dichter musste sie eben zu seinem Zweck entfernen. 106) D. B. v. M. 53.(II, 6). Die ersonnene Fabel nötigte den Dichter, dass Don Manuel, statt, wie wir nach dem Früheren erwarten müssen, die seiner sehnsüchtig wartende Beatrice, der er den Brautstaat in Begleitung des Chors überreichen will, aufzusuchen, erst zur Mutter sich begiebt; vgl. auch 124.— Kunde von dem Raube 58.(II. 6). Es ist unwahrscheinlich, dass Don Manuel es versäumt, allen Zweifelsqualen sich rasch durch die Gewissheit zu entreissen, welchem Kloster die Schwester anvertraut gewesen sei etc. 31 leicht in der Apfelschussscene erkannt werden. Auch die andern ebenerwühnten Eigenschaften, Geschick lichkeit und selbstbewusste Kraft, die in jener Scene am höchsten zur Geltung kommen, werden für Tell verhängnisvoll(Gesslers Befehl, der zweite Pfeil), sodass auch dadurch deutlich der eintretende Wende- punkt für diese Handlung scharf bezeichnet wird. Da derselbe in dem feindlichen Zusammentreffen tyrannischer Willkür mit der aus ihrer friedfertigen Ruhe aufgestörten selbstbewussten Kraft liegt, so hat die Steigerung der T'lh. die Annäherung der feindlichen Gewalten vor Augen zu führen, wenigstens den Umstand zu zeigen, der das Gegenübertreten derselben verursachen kann. Dies geschieht I, 3,„die Unterredung mit Stauffacher vor dem von Gessler aufgestellten Hute der Reverenz.“ Damit ist nach den eben angeführten Gründen die Tlh. genügend gesteigert; denn der Zuschauer fühlt bereits jetzt deutlich, dass der feindliche Zusammenstoss vorbereitet ist und, wie aus Tells Auffassung der Lage, seiner Haltung gemäss der stattfindenden Unterredung hervorgeht, auch unvermeidlich sein wird, sobald nur der äussere Anlass gegeben ist. Die Idee der Schaeh. will zeigen, wie Freiheits- und Vaterlandsliebe ein an seinen heiligsten Gütern gekrünktes Volk zum Sturze der Tyrannen treibt. Auch aus dieser Formel wird die Befreiungsthat sofort als Akt der Notwehr erkannt werden, als welcher die That Tells angesehen werden musste. Die Stelle, wo dies Volk, vertreten durch seine Besten, infolge der Erkenntnis, dass Knechtschaft sein Los sein wird, wenn es nicht zur Selbsthilfe greift, den thatkräftigen Beschluss fasst, diesen einzigen Weg der Rettung zu betreten, bezeichnet den Anfang der reaktivierenden Gewalt gegen die bisher herrschende Tyrannei. Der Höhenpunkt liegt daher in der Rütliscene(II, 2). Die Kufgabe der Steigerung dieser Handlung muss darin bestehen, das Unglück dieses Volkes, das ihm geschehene Unrecht und die zu er- greifenden Massregeln zum Schutze der Freiheit zu zeigen und klarzulegen. Zu beachten ist, dass im Gegensatz zum Höhenpunkte der Tlh., in der das Hereinbrechen der That fast urplötzlich, unerwartet geschieht, dieselbe hier verbältnismässig langsam heranreift als Folge fortgesetzter Kränkungen durch die Friedensstörer und eines dadurch herbeigeführten, wohlerwogenen Volksbeschlusses. Demnach liegt die Steigerung der Schweizerhandlung in der vierten Scene des I. Aktes: Verhandlungen der drei Schweizer und„Beschluss, auf dem Rütli zu tagen“. Die Steigerung schliesst sich hier unmittelbar an das aufregende Moment der Schweh.(Blendung von Melchthals Vater, s. p. 11) und kann mit diesem zusammen als eine dramatische Einheit gelten, an der sich deutlich unterscheiden lassen: a) Ein- leitung: Melchthals Besorgnis um den Vater; b) Steigerung: Stauffachers Bericht von der Blendung und der Beraubung des alten Melchthal; Überleitung zum Höhenpunkt: Melchthals Schmerzensausbruch, Rachegedanken; c) der Höhenpunkt reicht etwa von den Worten Walther Fürsts: bleibt! bis zur Kusserung Stauffachers: Es ist uif seinem Gipfel, wollen wir erwarten bis das Ausserste.— Dann folgt d) die Um- kehr: Verabredung des Bündnisses; e) Katastrophe: Schwur, Finale: Melchthals Begeisterung.— In dem Schlussworte des Jünglings ist wie im Eingange wieder die Rede vom alten Vater, sodass auch dadurch die Scene, die durch die bekannte glückliche Wahl gerade der drei Repräsentanten— Melch- thal der Jüngling, der Mut, Stauffacher der Mann, die Kraft, Walther Fürst der Greis, die Weis- heit— ohnedies dramatisch so ausserordentlich wirksam wird, als ein Ganzes erscheint. ¹0? Mit dieser Steigerung für die Schaeh. schliesst der I. Akt, der auch noch die Exposition für die Handlung Atkgh. enthalten müsste. Aber die Länge desselben nötigte bekanntlich den Dichter, dieselbe in den Anfang des II. Aktes zu legen. Die Idee der dritten Handlung sei: Liebe, die anfangs einen nach Auszeichnung strebenden Jüngling die Sache der Seinen zu verlassen getrieben hat, giebt denselben dem Vaterlande zurück, indem sie seine Gesinnung läutert. An das erregende Moment, Rudenz' Aufbruch(II, 1), schliesst sich erst im III. Akte, mitten in die den ganzen übrigen Teil desselben füllende T'lh. eingeschoben, die kurze Stei- gerung, deren diese Handlung bedurfte, und zwar eng verbunden mit dem Höhenpunkte. Rudenz glaubt, 107) Wir sind umringt von Spähern— D. T"I. 152. Die herrschende Späherei ist ein von Schiller erfundener, entbehrlicher Zug.— 156 flg. Die Bemerkung: Es ist auf seinem Gipfel— ist etwas kahl und stimmt nicht zu den folgenden: Wollen awir eravarten bis das Ausserste— da zwischen dem Gipfel und dem Kussersten doch nicht wohl unterschieden werden kann etc.— 161. Sonderbar wird über den Tag der nächtlichen Versammlung nichts bestimmt, ja nicht einmal angegeben, wie man sich darüber verständigen wolle.— 161 flg. Melchthal stellt sich eine dankbare Begrüssung des alten Vaters von Seiten der befreiten Schweizer vor; dass dieser aus seiner Hütte vertrieben ist, daran denkt er hierbei nicht. Der pathetische Schluss ist von bedeutender Wirkung, doch natürlicher dürfte es sein, wenn Melchthal selbst dem Vater diese Kunde bringen würde. 32 dass er nur durch Trennung von der Sache der Schweizer in den Besitz der anscheinend ¹⁰°³ auf der Seite des Feindes stehenden Geliebten gelangen kann. Der Wendepunkt der Handlung muss dort liegen, wo zwischen beiden eine Erklärung stattfindet, nach welcher Bertha den Besitz ihrer Hand geradezu abhäüngig von der Treue Rudenz' gegen das Vaterland macht, sodass dieser selbst seinen Irrtum erkennt und, hin- gerissen von der Sprache der Liebe, zu bereuen anfüngt. Um jene Läuterung der Gesinnung(Höhenpunkt) herbeizuführen, muss derjenige Teil(Bertha), der in der Treue gegen das Vaterland zugleich die Bürg- schaft für die entgegengebrachte Liebe und die Bedingung zu ihrer rückhaltlosen Erwiderung erblickt, gegen den anderen Teil(Rudenz) den Vorwurf der Untreue gegen das Vaterland erheben, d. h. ihm die Augen über seine Verblendung öffnen. Daher Steigerung für die Attgh.: Bertha erhebt den Vorwurf der Treu- losigkeit gegen Rudenz(III, 2). Uberleitung zum Höhenpunkt bilden die Worte: Aber den verachlet sehen und verachtungswert, den man gern lieben möchte. Höhenpunkt. In dem Heraustreiben des Höhenpunktes ¹⁰⁹% zeigt Schiller unbestritten die grösste Meisterschaft: niemand vermag wie er durch die vom feinsten Kunstsinn eingegebene, von seinen Nachahmern niemals erreichte Anwendung von dramatischen Details diese wichtige Stelle des Dramas so glänzend herauszuheben. Alles, Ort, Zeit und die die Hauptscene begleitenden, scheinbar nebensächlichen oder zufälligen Umstände stimmen bei ihm so vortrefflich zusammen, dass die denkbar höchste Wirkung echter Kunst erzielt wird; ja, der gewaltige Eindruck, den die dramatische Muse Schillers stets zu machen pflegt, beruht zum nicht geringen Teil auf dieser souveränen Behandlungsweise des Höhenpunktes, von deren Zauberbann das Empfinden des Zuschauers bis zum Schlusse des Stückes sich nicht wieder zu lösen vermag. Freilich die Schiller eigen- tümliche Sprache, die auch, wo sie das Schreckliche und Düstere zum Ausdruck bringt, immer noch, um bildlich zu reden, von Goldfäden durchwirkt ist, kommt gerade an diesem Punkte, der den Glanz liebt, dem dramatischen Dichter wu=nderbar zu statten. Schon in den F. zeigt sich diese geniale Kraft des Dichters; wie glücklich sind alle Mittel gewählt, um den Zuschauer für die eingetretene Seelenumdüsterung des Helden(innerer Höhenpunkt) zu stimmen! Gerade in dem Augenblicke, wo er erschöpft zusammen- sinkt und nach einem Trunk Wasser lechzt, wird ihm, dessen Weg durch Vernichtung und Tod gekenn- zeichnet ist, der Anblick der ewigschaffenden, segenspendenden Natur(Moor: Seht doch, wie schön das Ge- kreide steht/ Die Büume brechen fast unter ihrem Segen.— Der Weinstock voll Hoffnung!). Gerade jetat, wo sein Herz der Verzweiflung verfällt, liegt vor ihm ein Bild des Friedens von ergreifender Schönheit (Schwarz: Wie herrlich die Sonne dort untergeht/— Moor[in den Anblick versenkt]: So stirbt ein Held/— Anbetungswürdig!). Der Anblick des Abendrotes des scheidenden Tages weckt in seiner Brust die Erinnerung an das Morgenrot seines Lebens(Moor: Es war eine Zeit, wo ich nicht schlafen konnte, wenn ich mein Nachigebet vergessen hatte—). Aber gerade dadurch wird der Gegensatz zwischen einst und jetzt um so schrecklicher fühlbar(Moor: und ich ein Ungeheuer auf dieser Erde!). Wie um ihn, so wird es auch in ihm Nacht; aber während draussen mit der Finsternis die Ruhe einkehrt, foltern furchtbare Qualen seine Seele. Doch er erliegt ihnen nicht; in dem Schmerz um den Getreuen, dem er nur eine Thräne weinen 108) D. Tl. 203. Dieselbe Ländergier, die eure Freiheit verschlingen will, sie drohet auch der meinen!— Das ist eine für den Dichter sehr pequeme Voraussetzung, obgleich man denken sollte, das hätte auch Rudenz gewusst und in Rechnung bringen müssen. 109) G. F. a. o. O. p. 111.„Der Höhenpunkt des Dramas ist die Stelle des Stückes, in welcher das Resultat des aufsteigenden Kampfes stark und entschieden heraustritt; er ist fast immer die Spitze einer gross ausgeführten Scene, an welche sich die kleineren Verbindungsscenen von der Steigerung und der fallenden Handlung heranlegen. Allen Glanz der Poesie, alle dramatische Kraft wird der Dichter anzuwenden haben, um diesen Mittelpunkt seines Kunstwerkes lebendig herauszuheben. Die höchste Bedeutung hat er freilich nur in den Stücken, in denen der Held die aufsteigende Handlung durch seine inneren Prozesse treibt; bei den Dramen, welche durch das Gegenspiel steigen, bezeichnet er die allerdings wichtige Stelle, wo dies Spiel den Haupthelden gefangen und in die Richtung des Falles verlockt hat“. p. 112.„Dies Herausbrechen der That aus der Seele des Helden oder das Einströmen der verhängnis- vollen Eindrücke in dieselbe, das erste grosse Resultat des hochgesteigerten Kampfes oder der Beginn des tödlichen, inneren Konfliktes, muss in fester Verbindung sowohl mit dem Vorhergehenden als dem Folgenden erscheinen, aber es wird in der Regel in seiner Entwicklung aus der Steigerung und in seiner Wirkung auf die Umgebung dargestellt werden; deshalb bildet die Hauptscene des Höhenpunktes gern den Mittelpunkt einer Gruppe von Momenten, welche nach beiden Seiten anschliessend auf- und abwärts laufen.“ p. 112.„Dagegen ist er(der Höhenpunkt) bei Schiller wieder in allen Stücken kräftig entwickelt.“(Vom D. C. freilich dürfte diese letztere Behauptung sich kaum rechtfertigen lassen, s. p. 34.) 33 kann, gewinnt er wieder die alte Spannkraft, und feierlich wiederholt er den Schwur(Moor: Bei den Ge- beinen meines Roller/ Ich will euch niemals verlassen). Dennoch ist er jetzt, eben durch diesen Seelenkampf, ein anderer geworden: er hat die Tiefe des Abgrunds erkannt, der ihn und die Seinen von der Menschheit trennt, so dass er den jungen Kosinsky von seinem Vorhaben, in den Bund zu treten, abzuhalten versucht (Moor: Noch einmal, mein Sohn! wenn dir noch ein Funken von Hoffnung irgend anderswo glimmt, so ver- lass diesen schrecklichen Bund—). Nur der furchtbare Irrtum, dass die Vorsehung bei seinem entsetzlichen Wirken die Hand im Spiele hat, ist noch nicht von ihm gewichen, und unheilvoller denn je wird dieser Irrtum sich äussern, wenn die nunmehr umdüsterte Seele des Helden neues Feuer entfacht. Wie ein zündender Blitz wirkt daher Kosinskys Erzählung; Moor liebt Amalie und will sie sehen. In diesem sanften, weh- mutsvollen Akkord, der aber zugleich neue Stürme des Dramas einleitet, klingt die grosse, bewegte Scene, die in bedeutend tragischer Wirkung den Seelenzustand des Helden malt, wunderbar aus(III, 2).— Auch der Höhenpunkt für die äussere Handlung, Karl Moor im vüäterlichen Schlosse, seine Begegnung mit Amalien ist kräftig entwickelt. IV, 1 bildet die stimmungsvolle Einleitung: ländliche Gegend und das Moorische Schloss; Entsendung Kosinskys, Begrüssung der Heimat— er küsst die Erde— und Er- innerung an die goldenen Maienjahre der Knabenzeit, dann wiederum der schroffe Gegensatz zwischen einst und jetzt, der ihn auch hier berührt und ihn zwingen will, schnell den Vaterlandsthälern wieder den Rücken zu kehren, bis er versunken in den Anblick des väterlichen Schlosses den Entschluss fasst, den Vater und Amalien wieder zu sehen— Amalia, Vater! dein Karl naht— und zuletzt der Todesschauer und die Sehreckenahnung eines ihm infolge dieses Wiedersehens harrenden Unglücks, als er bereits an der Pforte steht— alles dies bereitet äusserst wirksam den Höhenpunkt, die Galeriescene(IV, 2) vor. Der Gast hat den Wunsch geäussert, dass ihm die Portraits der Familie gezeigt werden; Amalie fragt ihn, ob er sich wohl getraue, das Bild des alten Moor herauszufinden. Hierdurch wird der Zuschauer sofort in jene atemlose Spannung versetzt, die so recht als der charakteristische Zustand desselben während dieses Teils des Dramas angesehen werden kann. Er ahnt, als die Rede vom Portrait des Vaters ist, dass sich dieselbe auch auf das Bild Karls lenken kann, bis die wiederholt eindringliche Frage des Gastes: Aber das Bild rechter Hand? und Amaliens ausbrechender Schmerz seine Ahnung bestätigen. Nach den Worten: Da weinst, Amalie? die Karl im plötzlichen Selbstvergessen ausspricht, ist der Höhenpunkt der Handlung überschritten. In K. u. L. umfasst diese Stelle des Dramas die drei letzten Scenen, also die ganze Hälfte des III. Aktes, doch so, dass die sechste Scene die Hauptscene, die fünfte ein Übergangsglied von der vierten bildet.— Die Scenengruppe des Höhenpunktes besteht demnach aus: 1. Ferdinands eifersüchtige Haltung(III, 4). Diese Scene enthält folgende Momente: a) die Mitteilung des Fluchtplans, b) Luisens Weigerung, c) Ferdinands Verdacht und Drohung. Als treffendes Beispiel, bis zu welcher fast an das Phaniastische grenzenden Steigerung die ohnedies durch Glanz ausgezeichnete Sprache des Dichters am Höhenpunkte sich erhebt, können die Worte gelten, mit denen er Luisen das ihnen wartende Glück aus- zumalen versucht, wenn erst seine Liebe den Riesensprung gewagt habe. Wird dieses Auge nicht eben so schmelzend funkeln, ob es im Rhein oder in der Elbe sich spiegelt, oder im baltischen Meer? bis— ein Lächeln meiner Luise ist Stoff fir Jahrhunderte, und der Traum des Lebens ist aus, bis ich diese Thräne ergründe.— 2. ein Ubergangsglied: Luisens Besorgnis um die Eltern(III, 5); 3. die Hauptscene; Abfassung des Briefes(III, 6). Der vom Zuschauer sofort als Wendepunkt des Ganzen empfundene Augenblick, wo Luise den Brief schreibt, wird selbst wiederum, wie er als folgenwichtiges Ergebnis der Steigerung des Dramas entgegentritt, als das Resultat dargestellt, das nur durch den unmittelbar vorausgehenden Kampf in der Seele des Mädchens verständlich ist; zugleich aber erscheint in diesem Momente die Intrigue in ihrer ganzen feigen Bosheit und als eine das bestehende Liebesverhältnis vernichtende Macht. Deshalb müssen auch die Scene mit Ferdinand(III, 4), Luisens Entsagung, und das UÜbergangsglied(III, 5), Luisens Besorgnis, als die ersten Stufen dieses Kampfes angesehen werden, denen sich die höchste Steigerung, die das endliche Erliegen der Heldin begreiflich macht, in der Scene mit Wurm anschliesst.— Wurm ver- steht es, das Feuer erst langsam bedächtig an den knirschenden Gelenken hinaufeufüihren und das zuckende Herz mit dem Streich der Erbarmung zu nechen. Mit der UÜbergabe des Briefes und dem Versprechen Luisens, das Salerament darauf zu nehmen, diesen Brief für einen freiwilligen zu erkennen, ist der Höhenpunkt über- schritten; aber die scharfe Entwickelung desselben, dieses Zermartern der Seele Luisens, erforderte einen kräftigen, einigermassen versöhnenden Abschluss: die schreckliche Drohung, mit der sie die Brautwerbung desselben zurückweist: weil ich dich in der Brautnacht erdrosselte, und mich dann mit Wollust dufs Rad flechten liesse. Der Höhenpunkt. in F.(Monolog: Ehrgeiz und Herrschsucht bewirken in F. den Entschluss des Verrats an der Republik III, 2) ist in auffallender Weise verrückt. Soeben hatte nämlich Fiesko(4. Stufe der Steigerung) erklärt, seine ehrgeizigen Gelüste der Freiheit Genuas zu opfern(II, 19, s. p. 21): der Zweifel Verrinas an Fieskos Republikanismus(II, 18, Verrina in Nachdenken versunken) und der Entschluss, ihn zu töten(III, 1) konnte jetzt nicht folgen, da Verrinas Benehmen auf diese Weise unverständlich bleibt; erst musste in Fiesko die Sinnesänderung vorgehen, durch die Verschwörung Herzog von Genua zu werden. Erst nach Uberschreitung des Höhenpunktes ist mithin der Plan des starren Republikaners genügend moti- viert. Es ist wahrscheinlich, dass der Dichter das Bedürfnis fühlte, zwischen dem siegreichen Kampf des Helden— Geh unter Tyrann! Sei frei Genua, und ich dein glücklichster Bürger—(II, 19) und dem Unterliegen desselben— Der monarchische Laut wird den ewigen Himmel bewegen! Ich bin entschlossen/— (III, 2), besonders da diese Sinnesänderung doch nur wieder in einem Monolog ausgeführt werden konnte, Raum und Zeit zu schaffen. Da beides bloss durch Aktschluss nicht zu erreichen war, so verfiel er auf den Gedanken, eine Scene einzulegen, die aber vielleicht am besten der Nebenhandlung entnommen werden konnte, keinesfalls aber Verrinas Mordgedanken Ausdruck geben durfte. Abgesehen hiervon ist die Stelle durch das wunderbare Zusammenstimmen von Zeit und Begebenheit von kräftiger Wirkung und hoher dichterischer Schönheit. Der Morgen komamt feurig dus der See, wilde Phantasien haben den ehrgeizigen, herrschsüchtigen Mann vom Lager getrieben. Stadt und Meer liegt vor ihm vom Morgenrot überflammt, und bei diesem An- blick erwacht in ihm das stolze Bewusstsein, dass er der grösste Mann im ganzen Genua ist. Wie ver- lockend muss der Gedanke sein, dieser majestütischen Stadt zu gebieten! Wie begreiflich ist es, wenn jetzt die Leidenschaft der Herrschbegierde über ihn den Sieg behält! D. C. Im Gegensatz zu den übrigen Stücken Schillers ist in D. C. diese wichtige Stelle nur schwach ausgefallen. Dass der Plan des Marquis auf die unbedingteste, jede Spur von Misstrauen ausschliessende Freundschaft des Infanten gegründet ist, wurde früher(p. 23) erwühnt. In dem Augenblicke, wo Posa, ohne den Freund nur im geringsten über sein geheimnisvolles, auffälliges Benehmen Aufschluss zu geben, die Briefschaften abfordert, wird an diese bedingungsloseste Hingabe, die freilich einem Sichfügen in eine arge Bevormundung ähnlich sieht, die höchste Anforderung gestellt. Wird Carlos die letztere erfüllen und so den Plan des Freundes, dessen Gelingen von der Erfüllung jener Bedingung ja abhängig gedacht. werden muss, verwirklichen helfen? Die(erste) Warnung Lermas(IV, 4) ¹¹0 bildet die Überleitung zu dem Höhenpunkt, insofern dadurch die Spannung des Zuhörers auf den Ausgang der Unterredung zwischen Posa und dem gewarnten Freunde erhöht wird. Die durch die erstaunliche Sächerheit des Marquis hervor- gerufene und sich fortgesetzt steigernde, tiefe Bewegung des Infanten— Foderich, ich gab dir viel— lässt sofort die Tragweite dieser Unterredung auf den Fortgang der Handlung empfinden. Wenn(arlos nämlich jetzt von der Untreue des Freundes überzeugt wird, so muss seine leidenschaftliche Erregung dadurch so hoch gesteigert werden, dass sie allein ein Missglücken des ganzen Planes zu bewirken im stande ist(IV, 5).1¹1¹ Wlst. Höhenpunkt der Picc.(III, 5, 6): Liebesscene zwischen Max und Thekla. Hier deuten die tiefen Schatten, die über dieses erste Beisammensein der Liebenden sich breiten, vortrefflich auf den traurigen Ausgang. Selbst der in seiner Liebe ganz befangene, für alle äusseren Vorgänge offenbar teilnahmlose Max kann das Gefühl der Bangigkeit nicht unterdrücken, so dass er ausruft: O, wwerden wir duch jemals glüclelich werden! während Theklas Herz schon mit Ahnungen einer dunklen Zukunft erfüllt und bestrebt ist, den Ge- liebten zu trösten: der Vater sei nur zu beschäftigt, um an ihr Glück denken zu können. Aber auch die Mahnung Theklas, sich nur auf ihr Herz zu verlassen, vermag dem Hörer nicht, so sehr sie Zeugnis innigster, opferbereiter Liebe ist, die Furcht zu verscheuchen, dass auch das Glück der Liebenden dem Ehrgeiz und der Intrigue zum Opfer fallen wird, dass der Bund, den jetzt ihre jungen Herzen schliessen, der gewaltsamen Auflösung durch ein herannahendes, verhüngnisvolles Geschick preisgegeben ist. Vortrefflich stimmt dann hierzu die tiefe Bewegung Maxens beim Abschied von Thekla, als er zum Bankett eilen will. Das Wort der erscheinen- den intriguanten Gräfin Terzky: Trennt euch!— an dieser Stelle ist die Höhenpunktsscene überschritten— erfüllt bereits mit dem Vorgefühl ewigen Scheidens. Auch durch die Situation wird der letztere trefflich herausgehoben; während Max und Thekla die Gefühle reiner Liebe austauschen, findet das Bankett statt, 110) D. D. C. 238. Der Dichter macht Lerma zu einem neugierigen Lauscher. 111) D. D. C. 119 flg. Warum soll der Prinz die Briefe der Königin gerade in seiner Brieftasche getragen haben? Was kann Posa im Grunde mit dieser erreichen?— Der Marquis denkt gar nicht an die Möglichkeit, dass seine Gunst den Prinzen auf falsche Gedanken bringen und ihn zu gefährlichen Schritten führen werde.— 8. auch 239 flg. 3⁵ wird dort die grosse Intrigue ins Werk gesetzt, der auch die Liebenden zum Opfer fallen müssen. Aber auch dadurch, dass das Beisammensein beider jeden Augenblick durch das Erscheinen Fremder gestört werden kann, nicht minder durch das zeitweilige Herüberklingen der heitern Tafelmusik als Gegensatz zu der schwermütigen Stimmung der Liebenden tritt die Scene selbst scharf und deutlich hervor. Die gewaltige Handlung des Doppeldramas kulminiert in einem doppelten Höhenpunkt. Der eine(V 1¹12 der Picc.) zeigt den durch seine geheime, unumschränkte Vollmacht mächtigen Gegner Octavio, dem soeben die Nachricht von der Gefangennahme des Unterhändlers Sesina gebracht wird. Die Kampfscene zwischen Vater und Sohn, die innere Lösung des Max vom Nater, hebt diese Gegnerschaft Octavios zu Wallenstein so scharf hervor, dass der Hörer fortan mit ängstlicher Spannung und Besorgnis auf das Schicksal des auf schwindelnder Höhe stehenden Wallenstein blicken muss. Der zweite Höhenpunkt dagegen(I, Wäst. Td.,„zugleich erregendes Moment für Wlst. Td.“) zeigt den herrschsüchtigen, nach der Krone Böhmens die Hand ausstreckenden, allmäüchtigen Feldherrn, der eben die That begeht, die sofort durch ihre deutlich zu empfindende Folgenschwere den Zuhörer noch in demselben Zustande bangen Gefühls erhalten muss(Verhandlung mit den Schweden, Abschluss der Konjunktion). Beide Höhenpunkte sind miteinander verbunden: 1. durch das Beginnen Maxens, der sich von seinem mit der Achtserklärung Wallensteins versehenen Vater abwendet und dem Feldherrn zuwenden will, um sich aus dessen Munde Gewissheit zu verschaffen— Halte du es wie da willst, u. s. w. bis: Ob ich den Freund, ob ich den Vater soll entbehren(V, 3 Picc.); 2. durch die Nachricht von der Gefangennahme Sesinas, die sowohl Octavio, der dadurch Beweise des von Max geleugneten Verrats zu erhalten hofft (Picc. V, 2), als auch Wallenstein überbracht wird(I, 2, 3 Wlst. Td.), der dadurch zum Abschluss der Verhandlungen mit den Schweden gedrängt wird. Wie durch den Streit zwischen Vater und Sohn der erste Höhenpunkt scharf hervortritt, indem dadurch gezeigt wird, dass alles bereit ist, den mächtigen Feldherrn zu stürzen, so scheinen im zweiten Höhenpunkte sich alle Umstände zu vereinigen, Wallenstein zum Verrat an den Kaiser zu drängen. Durch diese beiden, durch das Doppeldrama bedingten Höhenpunkte, deren Scenen sich durch zwei ganze Akte(V. der Picc. und I. Wlst. Td.) ziehen, gelangt die Handlung in jenen merkwürdigen Zustand, den man mit dem Ausdruck„des Schwebens auf der Höhe“ bezeichnen kann. Hier wie dort ist die Handlung aufs äusserste gespannt: Octavio ist in Bereitschaft, den vernich- tenden Schlag gegen den Feldherrn zu führen, wührend dieser im Begriff ist, die schmale Grenze zu über- schreiten, die zei Lebenspfade scheidet. Hat zwar der Zuschauer schon längst das bange Gefühl nicht mehr zurückweisen können, dass das Vorhaben Wallensteins nur auf scheinbar sicherer Grundlage ruht— jetzt thut sich vor seinem Auge die weite Kluft auf, in welche den Helden, auch wenn dessen kühner Geist noch die verwegensten Mittel ersinnen wollte, die verbrecherische That zuletzt stürzen muss. Vor- trefflich stimmt es zu den beiden, durch die Nachricht von der Gefangennahme Sesinas(V, 2 Picc., I, 2 Wlst. Td.) eng verbundenen Höhenpunktsscenen, dass während der Nacht die Handlung derselben sich abspielt, der Verrat noch beschlossen wird; aber besonders schön und wirksam ist der dramatische Aufbau des Aktes des zweiten Höhenpunktes: Aktion des Verrats. 1. die Einleitung: a) Der Planetenaspekt verkün- digt endlich die günstige Stunde(I, 1 Wlst. Td.); die Strahlen des magischen Lichtes, die dieser Auftritt mit dem Astrologen zeigt, beleuchten die ganze Höhenpunktsscene und passen vortrefflich zu den geheimnisvollen Verhandlungen Wallensteins mit den Schweden; b) die(berichtete) Gefangennahme Sesinas und gemeldete Ankunft des schwedischen Obersten(I, 2, 3). An die Einleitung schliesst sich 2. der grosse verbindende Monolog(I, 4): er erkennt die Gefährlichkeit seines Schrittes— Noch ist sie rein— noch! Das Verbrechen kam nicht über diese Schwelle noch. Hierdurch tritt 3. die eigentliche Höhenpunktsscene, „Verhandlung mit Wrangel“(I, 5) besonders wirksam hervor. Eintritt des Höhenpunktes: Wallenstein: Den Admiralshut risst ihr mir vom Haupt. Wrangel: Ich komme eine Krone drauf zu setzen. An die Ver- handlung schliesst sich dann IIlos, Terzkys und besonders seiner ehrsüchtigen Schwügerin Drängen(I, 6, 7). 112) D. Picc. V, 243 meint, das Ende des Stückes, weil es aus rein äusseren Gründen eintritt, sei verfehlt.— D. Picc. V, 1, 244 flg. Was Octavio von der Meuterei im Lager, von der Bedrohung des Kaisers in seiner Burg, endlich vom Erkaufen der Obersten, der Festungen und der besten Regimenter sagt, ist etwas ganz Neues, das mit dem ersten Aufzug und Wallensteins eigenen Bekenntnissen im Folgenden schwer zu vereinigen ist. Auch sonst lässt, der Dichter hier Cctavio viele Dinge gegen Wallenstein vorbringen, die dessen Schuld unzweifelhaft machen würden, unbekümmert nicht allein um die geschichtliche Wahrheit, sondern auch um ihre Begründung im Stücke selbst.— Kinsky war kein Regiment zugeteilt; mit den Schweden(246, II, 5) hat Wallenstein zuletzt nicht unterhandelt; auf die Sterne traut Wallenstein jetzt nicht; denn erst im Anfange des folgenden Stückes zeigen sie sich ihm günstig. 5* 36 Bei den Worten Wallensteins: Rauft mir den Wrangel! erreicht die Höhenpunktsscene ihren Abschluss. Höhenpunkt von Wlst. Td.: Abfall der Kürassiere(III, 13— 16). Die wunderbare Wirkung dieser militärischen Scene beruht wiederum auf glücklich zur Geltung kommenden Gegensätzen; draussen das Lager in offener, lauter Empörung, während Wallenstein gerade jetzt seine volle geistige Kraft wieder- gewinnt, ¹¹³ als sei er nunmehr auf dem Gipfel seiner Macht. Welche Klugheit und feine Behandlungsweise entwickelt er alsbald gegenüber den rauhen martialischen, wegen der Vorgünge von Ingrimm erfüllten Pappenheimern, um sie zu gewinnen,¹¹l und welche Arglosigkeit ¹¹⁵ zeigt er gegenüber seinem Verderben, die zur Bewunderung seiner edlen Natur hinreisst und scharf kontrastiert zur Heimtücke seiner Freunde, als auch dieses ihm treueste Regiment abfällt. O grausam spielt das Glüch mit mir! Der Freunde Eifer ist's, der mich zu Grunde richtet, nicht der Hass der Feinde. M. St. Ein in der Nähe von Fortheringhay stattfindendes grosses Jagen soll Elisabeth wie von ungefähr dahin führen, während die Stuart sich im Park ergeht. Mit äusserster Spannung erwartet der Zuschauer das Zusammentreffen beider Königinnen. Was scheint, um an das erregende Moment hier noch- mals zu erinnern, Mortimers kühner Anschlag gegen eine Unterredung der beiden, die alles viel plötzlicher entscheiden kann; welche Bedeutung hat noch das Todesurteil des Gerichtshofes der Peers(1. Stufe); wie gering erscheint alle Klugheit, Berechnung, politische Weisheit(Staatsratsscene, 2. Stufe); was liegt noch daran, ob Mortimer mit Leicester sich verbindet, oder ob der mächtige Lord wie ein Feigling handeln wird (3. Stufe, Unterredung beider); wie ohnmächtig erscheint endlich selbst alle Intrigue und Hinterlist(Verlockung Elisabeths, 4. Stufe), wenn jetzt die Seele Elisabeths durch den Anblick des Elends der unglücklichen, durch die Bande des Blutes ihr verbundenen Königin plötzlich doch mit Rührung und Mitleid erfüllt wird? — Ein schönes Stimmungsbild(„die gehobene lyrische Stimmung“) leitet auch hier noch besonders die Hauptscene ein: im schnellen Lauf(III, 1), als ob sie Flügel hätte, eilt Maria Kennedy voraus; nach jahrelangem Kerkerelend sieht sie sich zum ersten Male wieder in der freien Gottesnatur, im Park zu Fortheringhay ¹¹6. Im süssen Gefühl der Freiheit schwärmt sie: Lass mich der neuen Freiheit geniessen bis— himmlische Luft. Aber nicht bloss durch diese poesievolle Scene wird der Eintritt des Höhenpunktes vorbereitet; der Dichter kündigt auch zuvor das Nahen ¹¹¹ der englischen Königin durch Sir Paulet(III, 2) und durch Talbot(III, 3) an: der Schrecken, der sich der Stuart bemächtigt, so unvorbereitet der gehassten Gegnerin gegenüber zu treten, Talbots ermahnende Worte, jetzt nicht auf das Recht au trotzen und die Bitter- Keit des Herzens zu vergessen, das Schallen der Hifthörner endlich spannen aufs höchste die Erwartung und zeigen recht deutlich gerade an diesem Drama, wie die Spitze mit allen Mitteln dichterischer Kunst heraus- getrieben zu werden pflegt. Der Höhenpunkt(III, 4) selbst tritt ein, als sich beide Königinnen gegenüber treten, und die Höhenpunktsscene dauert etwa solange, bis die Unterredung jene verhängnisvolle Wendung zu nehmen beginnt. Atemlos verfolgt der Zuschauer das Gespräch beider: von Külte des Herzens zeugen die Reden Elisabeths, Rührung und tiefe Bewegung verraten die Worte Marias; allen Ansprüchen entsagt sie, nichts erfleht sie als ihre Freiheit. Aber noch spricht Elisabeth das Wort nicht aus, das nach der Gefangenen Meinung doch jetzt ausgesprochen werden muss; da fleht Maria: Thr habt das Ausserste an mir gethan, habt mich zerstört in meiner Blüte?— Jetzt macht ein Ende, Schawester! Sprecht es aus, das Wort 113) D. Wäst. 19. III, 13, 274 flg. Auftritt 11 und 12 konnten sehr wohl wegbleiben, und bei der herrschenden Verwirrung wäre es nicht gar bedenklich, würde auch kaum dem Zuschauer und Leser auffallen, wenn die Pappen- heimer im Saale der Herzogin erschienen; Max würde hier viel passender Thekla suchen, als in Wallensteins grossem Saale. Wir hätten dann auch den Vorteil, dass die Rede, womit Wallenstein den zehnten Auftritt schliesst, unser Selbstgespräch unnötig machte. An die kräftigen Worte:„Nacht muss es sein, wo Friedlands Sterne strahlenu könnte sich unmittelbar unsere Mahnung an IIlo und Terzky anschliessen:„Mut, Freunde, Mut!«— Wallenstein erschien nicht auf dem Reichstage zu Regensburg, sondern erfuhr seine Entlassung im Hauptquartier zu Memmingen. 114) D. Wst. Td. III, 15, 278. Wenn Wallenstein, als der Gefreite die Sache verbürgen will, noch einen dritten Kürassier anspricht, so dürfte dies doch zu sehr zeigen, dass er sich bei den Abgesandten beliebt machen will, 115) D. Wäst. Td. III, 16, 279 meint, es wirke peinlich auf den Zuschauer, dass Buttler Wallenstein so arg- los seinem Verderben gegenüber sieht. 116) D. M. St. 161. Dort legt ein Fischer den Nachen an.— Den Fluss nimmt Schiller ohne weiteres an, wenn man nicht an das Meer denken will, das Maria hier nicht sehen kann. 117) D. M. St. 99, 162. Maria erfährt von Paulet, dass ihr Brief an Elisabeth ihr nicht ploss die freie Be- wegung im Park verschafft, sondern diese selbst bald zur verlangten Unterredung bei ihr erscheinen werde und eben in der Nähe jage. Das steht freilich in entschiedenem Widerspruche nicht allein mit dem Schlusse des vorigen Auf- zugs, wonach FElisabeth ganz von ungefähr erscheinen soll, sondern auch mit dem vierten Auftritt, da die Königin sich dort stellt, als ob sie nicht wisse, dass man sie nach Fortheringhay gebracht etc. 37 bis— wie ihr vor mir!— Jetzt oder nie muss das Wort der Entscheidung für die ganze Handlung des Dramas fallen. Verhängnisvoll füllt es mit der Entgegnung Plisabeths: Bekennt Ihr endlich Euch, für überwanden? etc. bis: Es kostet nichts, bis— für alle. i¹s J. v. O. Höhenpunkt: Johanna und Lionel(Versuchung der Liebe III, 10), eingeleitet durch das Auftreten des schwarzen Ritters ¹¹ν(III, 9). Die gespenstische Erscheinung, die leidenschaftliche Aufregung der verfolgenden und doch eigentlich verfolgten Johanna, die zunehmende Verwirrung und Erschütterung ihrer Seele durch den höllischen Anhauch, so dass sie deutlich empfindet, wie ihr das Unglück an der Seite steht; ferner die OCde und Einsamkeit des Ortes, während das Ziel ihrer göttlichen Sendung, Rheims, nur noch in weiter Ferne sichtbar ist und ihr gleichsam zu verschwinden droht, das Erstarren des erhobenen Armes bei der Berührung durch den Ritter, die drohenden Anzeichen beim Verschwinden desselben, die hereinbrechende Nacht und das Gewitter geben jene Schwüle der Atmosphüre, welche gerade der Höhen- punkt dieses Stückes(wie der des Wallenstein) bedurfte: Johanna tritt Lionel gegenüber(III, 10); aber mit der alsbald ausbrechenden Liebe der Jungfrau zu Lionel ist derselbe überschritten. B. v. M. Um den Eindruck des Grausigen, der über dem Höhenpunkt dieses Stückes gebreitet liegt, zu erhöhen, schickt der Dichter eine Vorscene voraus, in welcher a) der Gegensatz sofort vom Zuschauer empfunden wird, in dem die für Don Manuel unausbleibliche Entdeckung mit der Ausführung des Befehls an sein eben erscheinendes Gefolge steht, sich mit Brautgeschenken einzufinden(III, 1), 1² b) der Kampf, der zwischen beiden Chören entsteht, und Beatricens Beängstigung deutlich auf die Naähe des hereinbrechenden Unheils hinweisen. Auch hier ist der Gegensatz bemerkenswert, in den Don Manuels Versicherung ¹²* an den Chor Don Cesars mit der über seinem Haupte sich zusammenziehenden schrecklichen, gerade durch den Bruder herbeigeführten Katastrophe gestellt ist(III, 2). Hauptscene des Höhenpunktes: Beatricens Geständnis(III, 3).* Da dem Zuschauer bereits durch die Steigerung Gewissheit geworden ist, dass beide Brüder die Schwester lieben, so erwartet er die Begegnung nur mit dem Gefühl büngster Furcht für den tragischen Ausgang. Zu beachten ist die scharfe, ebenfalls den Kontrast benutzende Nüancierung in der Darstellung des schaudervollen Verhängnisses. Mit flehentlicher, die zärtlichste Liebe verratender Bitte wendet sich Beatrice an den Geliebten, mit ibr zu fliehen, da sie die Wiederkehr Don Cesars fürchtet; aber gerade in diesem Augen- blicke wird Don Manuel der schreckliche Zusammenhang der Dinge mit jedem Worte klar, so dass er an alles andere eher denken muss, als an die Flucht mit ihr. Wie erschütternd wirkt es, als plötzlich Don Cesars Stimme vernehmbar wird, der die Braut zu holen gedenkt; als Beatrice nach dem furchtbaren Geständnis, dass sie bei der Leichenfeier gewesen, noch Vergebung für den Ungehorsam von Don Manuels Liebe er- hofft! Welch tiefe Tragik liegt endlich darin, dass gerade die zärtlichen Worte, die sie an Don Manuel richtet, die Liebe in seinem Herzen vernichten müssen, und dass ihre einschmeichelnde Geberde ihn dem Tode(Ermordung durch den Bruder) überantwortet! Tl. Schweh. Höhenpunkt die Rütliscene¹²², Erneuerung des Schweizerbundes zur Ab- wehr der Tyrannei(II, 2). Der Zauber, der auf dieser Scene liegt, ist von höchster Wirkung. Trotz- 118) D. M. St. 172 über das widerwärtige Wortspiel. 119) D. J. v. O. 213.(III, 10). Dass Schiller den Zuschauer darüber, wer unter den Schwarzen zu denken sei, absichtlich in Zweifel liess und ihm so ein Rätsel vorlegte, dürfte der Würde der Dichtung kaum entsprechen. 120) D. B. v. M. 55(III, 1). Dass Don Manuel die Geliebte ohne allen Schutz gelassen, wurde dem Dichter durch die ersonnene Fabel aufgenötigt und ist nicht sehr auffällig.— 128. Etwas zu opernhaft dürfte es sein, dass Beatrice zu den Reden der Chöre gleichsam die dritte Stimme bildet.— 129. Störend wirkt es, dass Beatrice die letzten acht Verse für sich spricht, während die Chöre sich mit gezogenen Schwertern gegenüberstehen, ohne sich noch anzufallen. 121) Bei der Schlichtung des Streites: Denn wir sind jetzt ein Haupt und ein Gemüut, und mein Befehl ist duch der seine. 122) Es ist zweckmässig, bei der Lektüre der Rütliscene die Eröffnung von Demetrius zum Vergleich heran- zuziehen. Mit welcher stürmischen, dem polnischen Volkscharakter ganz angemessenen Leidenschaftlichkeit wird auf dieser Versammlung eine hochwichtige Angelegenheit(Krieg gegen Russland) entschieden! Die Scene, die man als eine Art Gerichtsscene im hohen Stile ansehen kann, zeigt nicht minder kunstvollen Bau. In äusserst spannender Weise wird das Auftreten des Helden vorbereitet: die dreimal wiederholte Frage des Erzbischofs, der die Ver- handlung leitet, Odowalsky als Anwalt, Sapieha als Ankläger(durch seine sofort sichtbare, scharfe, oppositionelle Haltung). Die Hauptscene, Demetrius als Prätendent des russischen Thrones fordert von dem polnischen Reichstag thatkräftige Hilfe, zeigt die Begründung seines Anspruches. a) Die Steigerung in den vorgebrachten Beweis- momenten, von denen die äusseren durch Plastik der Darstellung und überzeugende Gewalt, die inneren durch psychologische Wahrheit sich auszeichnen, ist sehr bedeutend und durch die feine, kluge, aber doch streng sachliche 38 dem alle Gemüter aufs tiefste von der grossen Angelegenheit bewegt sind, schreitet doch die Handlung ruhig und getragen fort; gerade dadurch wird der stürmischer Leidenschaft fremde Charakter des Schweizer- volkes trefflich gekennzeichnet. Das ganze Vorhaben aber scheint als eine gewissermassen noch innerhalb gesetzlicher Schranken auszuführende That, als ein von der selbstbewussten Kraft und von dem auf un- antastbare Urkunden sich stützenden Rechtsbewusstsein hervorgerufener Akt der Notwehr. Der Dichter erreicht durch seine an epische Breite grenzende Durchführung, schon bei Eröffnung der Scene sehr be- merkbare Behaglichkeit in der Darstellung seinen Zweck vollkommen: den Zuhörer, der hier im eigentlichen Sinne des Wortes Zuschauer zugleich ist, darf schon im Anfang nicht das Gefühl beschleichen, dass die dem Volke fortgesetzt widerfahrene Kränkung sich jetzt in wilden, leidenschaftlichen Ausbrüchen Luft machen wird; aber er muss auch am Ende deutlich empfinden, dass alle von der habsburgischen Herr- schaft ersonnenen Demütigungen nicht die gesunde Volkskraft, die sich nunmehr zum Schutz der heiligsten Güter kampfesfreudig erheben muss, zu lühmen imstande gewesen sind. Und welche Reize der Natur der Dichter über diese Scenen zu breiten und mit ihren einzelnen Teilen innig zu verbinden verstand, bedarf kaum einer Andeutung: das seltsame und seltene Schauspiel eines Mondregenbogens,¹²³ das die Wichtigkeit der Angelegenheit, ferner die Nacht und die den See umgebenden Bergriesen, die die alpartige Bedrückung des Volkes durch die Tyrannen andeutet, endlich das auflodernde Feuer, an dem sich die Flamme der Freiheit entzündet, und die aufgehende Morgenröte, kurz bevor die Hände sich zum feierlichen Schwur erheben, zwingen zu hoher Bewunderung.— Die Handlung ¹²⁴ selbst gliedert sich wie folgt: 1. die Einleitung in drei Momenten: a) scharf hervortretendes Erscheinen der Unterwaldner unter Führung Melchthals; b) Melchthals Bericht ¹²5 an Stauffacher; c) Bewillkommnung der erschienenen Landleute. Zwischen dem ersten und zweiten Moment dieser Einleitung steht das Erscheinen der Schwyzer unter Stauffacher, nur durch die Losung bezeichnet; an das Ende des dritten Momentes schliesst sich das Erscheinen der Urner unter Walther Fürst, Fragstellung des Erzbischofs auch glücklich belebt. Durch die Zeichen der Zustimmung(grosses Getôse in dem Saale aund dusserhalb desselben, Rufe: Krieg, Krieg!), durch das Hinwerfen des Stabes zur Herstellung der Ruhe wird der Höhenpunkt der Scene scharf hervorgehoben: auf die Beschuldigung des Vertragsbruches durch Sapieha folgt die Nichtigkeitserklärung jedes mit dem Zaren geschlossenen Vertrages durch Demetrius als Moskaus Majestät. Sapiehas Behauptung, das Ganze sei ein Werk des Betrugs, bildet die UÜberleitung zum Finale: Aufstand, tumul- tuarische Auflösung des Reichstags.— G. F. a. a. O. p. 206 giebt dagegen den Bau der Eröffnung folgendermassen an: „Auf eine kurze Einleitung folgt mit dem Eintritt des Demetrius die vierteilige Scene: 1. die Erzühlung des Demetrius; 2. Rekapitulation derselben durch den Erzbischof und die ersten Wellen, welche dadurch in der Versammlung auf- geregt werden; 3. die Bitte des Demetrius um Unterstützung und die Steigerung der Bewegung; 4. die Gegensprache und der Protest des Sapieha. Die Scene endigt mit Tumult und plötzlichem Abbruch. Durch ein kleines dramatisches Moment wird sie mit dem darauf folgenden Dialog zwischen dem König und Demetrius verbunden. Die Bewegungen der Nebenpersonen sind kurz und heftig, der Stimmführer wenige, ausser Demetrius ist nur der eine Protestierende kräftig von der Masse abgehoben. Man empfindet und erfährt, dass die Masse schon vorher gestimmt ist, die Er- zühlung des Demetrius bildet in ihrer schmuckvollen Ausführung den Hauptteil der Scene, wie dem ersten Akt ge- ziemt.“— Von den unvollendeten Stücken Schillers dürfte Demetrius zur Lektüre und Besprechung in der Schule sehr wohl geeignet sein, und zwar in der Bearbeitung von Gustav Kühne(1860, abgedruckt im Dresdner Schillerbuch), oder von Heinrich Laube; die übrigen Fragmente wird man füglich beiseite lassen müssen, da es an zweckmässigen Bearbeitungen fehlt. Es gehört seltene dramatische Kraft dazu, so verlockend die Aufgabe sein mag, einen von Schiller vielleicht aus guten Gründen zurückgelegten Stoff im Stile und Geiste des grossen Dichters zu behandeln. Ein rühmliches Werk ist die dem Verfasser bei Schluss dieser Arbeit bekannt gewordene, soeben im Druck erchienene Tragödie: die Malteser von H. Bulthaupt(Frankfurt a. M. 1884). In der Hauptidee schliesst sich der Dichter an Schillers Fragment an: Durch Gewalt und den Sieg des Herzens bringt der von Schuld selbst nicht freie Grossmeister seinem in Weltlust versunkenen und deshalb dem Verderben nahen geistlichen Orden zur strengen Pflicht und Lauterkeit der Gesinnung zurück und bereitet dadurch sich und den Seinen nach Bewältigung der Feinde einen sieg- verklärten Ausgang.— Um den letzteren zu verherrlichen, fühlte sich Schiller besonders zu dem Stoffe hingezogen. Das Verhältnis des Maltesers St. Priest(Schiller sagt von ihm: er gleicht an Gestalt und Tapferkeit einem jugend- lichen Rinaldo) zu Renée scheint dem Verfasser ein besonders glücklicher Fund Bulthaupts. St. Priest wird durch seine Liebe anfangs in eine ähnliche Befangenheit versetzt, wie Johanna in der J. v. O. bei der Begegnung mit Lionel. Die heldenmütige Begeisterung und der Tod Renées sind, mit leisen Anklängen an den Ausgang Johannas, mit er- greifender Schönheit geschildert. 123) D. Tl. 172 vermisst die Beziehung zu dem zu schliessenden Bunde etc. 124) Mit Benutzung der von G. F. a. o. O. p. 205 flg. gegebenen Analyse der Rütliscene.„Nicht weniger schön ist die Behandlung der zahlreichen Nebenfiguren, das selbständige Eingreifen der einzelnen kleinen Rollen, welche in ihrer Bedeutung für die Scene mit einer gewissen republikanischen Gleichberechtigung neben einander stehen.“ 125) D. 173. Vielleicht bliebe diese vorläufige Erwähnung des Vaters, zu welcher die später folgende nicht ganz stimmt, und die auch gefühlvoller ausgeführt sein könnte, besser weg.— 175. Ich awar zu Sarnen und besah die Burg— eine überkecke Kühnheit. Melchthal kann durch die Dirne auf Sarnen Näheres erfahren. 39 nur durch das Hornsignalleé markiert. 2. die eigentliche Handlung in fünf Momenten: a) Bildung des Ringes; b) Vortrag ¹²7 Stauffachers, des Vertreters des ältesten Fleckens: die historische Stellung der Eidgenossen. Die Bewegung ¹²⁸ der Landleute und Stauffachers Worte: Nein, eine Grenze hat Tyrannen- macht bis— unsre Kinder, leiten über zum dritten Moment: c) Erwägung der Kantone über das gegenwärtige Verhältnis der Eidgenossen zum Kaiser und entscheidender Bericht Konrad Huns. Die Worte: Recht und Gerechtigkeit erwartet nicht vom Kaiser: helft euch selbst? leiten über zu dem vierten Moment: d) Streit über die Ausführung ¹²*% und Abstimmung; e) der Schwur, ¹o Finale: die Entfernung der Landleute. Es ist bezeichnend, dass die Momente a, o, d, e im wesentlichen die„kräftige Beteiligung der Neben- personen“, und zwar so, dass alle drei Kantone zu Worte kommen, vorführen; jedoch„den eigentlichen Mittelpunkt bildet doch Stauffachers Vortrag“, an den jene Momente sich von zwei Seiten her anlehnen. Aber auch, dass der Dichter nicht mit dem Schwur schliesst, erhöht den Zauber und vervollständigt die Geschlossenheit dieser schönen Scene: das ruhige Auseinandergehen der Landleute und nach leergewordener Bühne der Sonnenaufgang über den Eisgebirgen geben nach der bewegten Aktion den wunderbar sanften, aber mächtig ergreifenden Schlussakkord. Höhenpunkt für Atlgh. ist unmittelbar mit der Steigerung verbunden: die Liebeserklärung (III, 2). Das rasche Zusammenfinden der Liebenden in der Einsamkeit und Wildnis des Waldes, der Klang der Jagdhörner, die Nühe des Gefolges, das jeden Augenblick das Beisammensein stören kann, heben auch diesen kleinsten Höhenpunkt in das glanzvollste Licht, das stets über diese Stelle der Schillerschen Dramen ausgegossen ist. Höhenpunkt für die Tih. Voraus geht a) eine vorbereitende„Situationsscene“, Tells Aufbruch (III, 1). Hedwigs Besorgnis ¹³¹ und Bitten, ¹e Tells Erzdhlung seiner Begegnung mit Gessler wirken insofern stimmend für die Hauptscene, als sie im Zuschauer die Ahnung eines nahenden Unglücks zu erwecken vermögen. Daazu trägt auch die Erwähnung von Baumgartens Rettung durch Tell bei, wodurch letzterer ebenfalls bewiesen hat, dass er an sein Leben nicht denkt, wenn es gilt, dem Bedrängten Hilfe zu leisten.(Es folgt nun der Höhenpunkt der Attgh. III, 2.) Hauptscene: der Apfelschuss(III, 3). Wenigstens einigermassen sind mit diesem Höhenpunkte der T'lh. die beiden anderen Handlungen verknüpft, insofern der Apfelschuss unter lebhafter Teilnahme der Schweizer geschieht, wenn dieselbe auch zu keiner ent- schiedenen, wenigstens nicht offenen, thätlichen Parteinahme— dies verbietet der Schwur auf dem Rütli— jetzt führen kann. Aber die Wirkung des Bundes lässt sich keineswegs verkennen, namentlich im Anfang tritt die Missbilligung offen hervor. Als Vorstufe zur Umkehr der Schaweh. kann das auch vom Zuschauer lebhaft empfundene, teilnahmsvolle, von gerechtem Unwillen zeugende Verhalten wohl aufgefasst werden.— Die Verknüpfung mit der dritten Handlung(Attgh.) ist inniger. Dieselbe hat in der Apfelschussscene entschieden bereits ihre Vorstufe zur Umkehr, nämlich durch Rudenz' Einspruch und Berthas Verwendung. Die Hauptscene der T'lh. besteht wie die Rütliscene aus einer dreiteiligen Einleitung und einer fünffach gegliederten Haupt- 126) D. 176. Bei der Heimlichkeit der Versammlung erscheint das Hornsignal auffällig. 127) D. 182. Man kann zweifeln, ob die ganze Erwähnung der alten Sage, deren Bekanntschaft man bei allen Schweizern voraussetzen muss, hier recht an der Stelle sei etc.— 187 tadelt Rösselmanns Antrag und ver- mutet späteren Zusatz. 128) D. 189. Dass auf Fürsts Wort: Wer einen Herrn hat, dien' ihm pflichtgemäss, noch nacheinander drei Land- leute angeben, wem sie dienstbar sind etc., wirkt eintönig.— 190. die vier letzten Verse der Rede Fürsts dürften zu hoch gehalten sein. 129) D. Tl. 192. Fürsts Vorschlag, den Fall der beiden Burgen durch ein Feuerzeichen zu melden und darauf- hin an den drei Hauptorten den Landsturm aufzubieten, müsste zum Beschluss erhoben werden.— 193. Störend wirkt die von Stauffacher angeregte Erwähnung Gesslers etc. In der Art, wie es geschieht, verrät sich eine unglaubliche Sorglosigkeit des Rütlibundes, die, wenn jede besondere Erwähnung Gesslers wegfiele, sich nicht bemerklich machte. Ist nämlich Gessler wirklich so gefährlich, so muss man gerade seinetwegen besondere Vorsorge treffen; das fordert die Sicherheit des Bundes.. 130) D. 195. Schiller hätte mit dem Schwure schliessen können, aber zu grösserer theatralischer Wirkung zog er es vor, die Landleute vor unsern Augen abgehen, das Orchester mit einem prachtvollen Schwunge die in den Zuschauern erregte Stimmung festhalten und das Schauspiel der dufgehenden Sonne über den Eisgebirgen sich vor ihren Augen entfalten zu lassen; sollte ja Tell ein Volksschauspiel sein. G. F. a. o. O. betont mit Recht das„Ausklingen der Stimmung“.— Solche grosse Scenen bedürfen stets eines mit freier künstlerischer Berechnung eintretenden Endes. 131) D. Tl. 200. Die Unwahrscheinlichkeit, dass Hedwig vom Rütlibunde weiss, fällt kaum auf. 132) D. 201 zu Tells Verhalten, als die Mutter ihn bittet, doch den Knaben zurückzulassen.— Man erwartet zum Schlusse von Tell und Hedwig ein Wort des Abschieds. 40 handlung, also aus acht Momenten. 1. Die Einleitung: a) die Wüchter vor dem Hute; b) Hohn der auf- tretenden Weiber. Durch die Worte: Wer fragt nach euch! Schicht eure Männer her, wenn sie der Mut sticht, dem Befehl zu trotzen! wird c) in spannendster Weise die Aufmerksamkeit auf den in diesem Augenblick auftretenden Tell gelenkt; 2. die Hauptscene: a) Verweigerung ¹³³⁸ der Reverenz und Ge- fangennahme; b) Volksauflauf und Parteinahme ¹4 für Tell; c) Gesslers Auftreten und grausamer Befehl ¹³⁵ (Jagdhörner verkündigen, wie in M. Sl. Elisabeths Erscheinen, Gesslers Nahen); d) Verwendung der Schweizer¹³⁶ und Berthas, währenddessen Tells Seelenkampf; e) Rudenz Einspruch, währenddessen Tells Vor- bereitungen(der 2. Pfeil!) und Meisterschuss. Durch die Momente b, d ist die Schaweh., ³? durch d, e die Attgh. in der Richtung der Umkehr mit dem Höhenpunkt der Tuh. verknüpft. Der Jubel der Anwesenden und Tells Ermattung nach der furchtbaren Erregung und die Rührung der Anwesenden schliessen den letzteren ab, etwa bei den Worten: Komamt, Lommet und bringt der Mutter ihren Sohn! 133) D. 208. Dass Tell gar nichts von Gesslers alle empörenden Gebote weiss, ist eine freilich starke Annahme des Dichters. 134) Zur Demonstration Rösselmanns und zu Friesshardts Wort: Bückst da dich doch etc. vgl. D. Tl. 206. 135) Zu Tells Antwort D. 213. Bestimmter musste hervorgehoben werden, dass er von Gesslers Befehl nichts gewusst habe.— 215 flg. Falle meder Knabe— man vermisst eine Erwiderung des Knaben. Besser fiele die Auf- forderung Rudolfs ganz weg. 136) D. 209. Auffällt, dass Melchthal und Stauffacher, statt in Unterwalden und Schwyz weiter zu wirken, sich hier in Altorf befinden. 137) D. 224 flg. tadelt das Verhalten der Schweizer. Die allgemeine Verzweiflung steht in scharfem Wider- spruche mit den beiden ersten Aufzügen, in welchen auf Tell gar nicht gerechnet war. 41 Es sei gestattet, durch folgende Figuren, bei deren Herstellung den Verfasser sein Kollege, Herr Oberlehrer Dr. Helm, freundlichst unterstützte, bisher Gesagtes zu versinnlichen. Es empfiehlt sich, auch in der Lektürestunde die UÜbersicht über das Gelesene an dieser Stelle des Dramas, und zwar etwa in folgender Weise zu vergegenwärtigen. Erklärung der Zeichen: 4(4“ A0)= charakterisierender Akkord; d? b(l— 5b’, a— b)= Exposition; c(,)= erregendes Moment; H(H’, h, h'’, h)= Höhenpunkt; I, II, III, Iy, Vy bezeichnen die Akte, 1, 1“, 1“, 2, 2“, 2“ ete. die Stufen der Steigerung; die in Parenthese gesetzten Buchstaben und Zahlen beziehen sich auf die Nebenhandlung. H Der zeitliche Verlauf ist durch die Abscissen, die Handlung durch die Ordinaten dargestellt. Die Wiedergabe der Figuren durch Druck erlegte übrigens der graphischen Darstellung mannichfache Beschränkungen auf, die in dem für das nächste Osterprogramm in Aussicht genommenen II. Teil 54 durch eine andere Herstellungsart vermieden werden sollen. 22 10 R. A. Spiel mit dem Briefe(p. 7); a— b. Franzens Plan, Moors cA Unterredung mit Spiegelberg(p. 8); c. Wirkung des Briefes(p. 8); Stei- ‧— b gerung: 1. Stufe: Karl Moor wird Räuberhauptmann; 2. Stufe: Fran- zens erste Werbung; 3. Stufe: Franzens Anschlag auf das Leben des I Vaters; 4. Stufe: Karl Moor, der grosse Räuber; 5. Stufe: Franzens zweite Werbung(p. 16 flg.); H.(innere Handlung) Karl Moors Seelen- umdüsterung(p. 32 flg.). Anmerkung. In ganz ähnlicher Weise würde sich B. v. M.(3 Stufen), M. St. und J. v. O.(je 4 Stufen) dem Auge darstellen. 1 D. C. A. Trübsinn des Infanten(p. 7); a¹— b. Carlos H gesteht Posa, dass er seine Mutter liebe(p. 9); c'. des Prinzen 2-4N₰ Entschluss, seine Mutter zu sehen;(c). Eboli verrät ihre u Neigung zu Don Carlos(p. 9 N. 29). Steigerung für die Handlung Don Carlos: 1. Stufe: 1! Carlos' Liebeserklärung, Verzweiflung 40 und Erhebung durch die ihm von der Königin angetragene Mission; 2. Stufe: 2!. Carlos' Zerwürfnis mit dem Vater; (T). Carlos verschmäht die Liebe der Prinzessin(p. 22 flg.); 3. Stufe: 37. das Komplott(p. 21 flg.);(h). die Prinzessin ist zum Opfer ihrer Frauenehre bereit(p. 23);* 4 Posa wird Hauptheld der Handlung; c. in Posas Seele entsteht der Plan des gefährlichen Unternehmens(p. 9); Steigerung der Handlung Posa: 1. Stufe: 1. Posa tritt in des Königs Dienst; (Umkehr der Nebenhandlung: Ebolis Schuldbewusstsein u); 2. Stufe: 2. Posa tritt in des Königs Dienst(p. 23 flg.); H. Posa fordert Carlos' Briefschaften(p. 34). 711 IV Anmerkung. Wie in D. GC., so ist auch in K. u. L. und F. ausser der Haupthandlung noch eine Neben- handlung vorhanden. 6 42 Wlst. 1. Picc. A. Begrüssung der Generäle und Questenbergs(p. 7);— b. bevorstehende Ankunft von Gattin und Tochter Wallensteins unter Maxens Führung(p. 9 fla.); c. Ankunft der Liebenden(p. 10). Steigerung: 1. Stufe: 1. Max verrät seine Liebe; 2. Stufe: 2. Annäherung der Liebenden; 3. Stufe: 3. die Liebenden gegenüber ihrer intriguierenden Umgebung (p. 24 flg.); h. Liebeserklärung(p. 34); u.. Umkehr für die Piccolomini, Kampf zwischen Vater und Sohn und katastrophen- artiger Schluss für dieses Stück: innere Lösung vom Vater, zugleich erster Höhenpunkt(H) für das Doppeldrama(p. 35). 3 6. I M. 2. Das Doppeldrama. er 4!. Das Lager(p. 7);— b.. 7 22 Zusammenziehung der Trup- pen nach Pilsen und be- vorstehende Ankunft der Regimentsobersten(p. 9); G¹. Questenbergs Erscheinen mit seinem offenen Auftrag an die Generäle und ge- heimen an Octavio(p. 10). Steigerung: 1. Stufe: 1/ Wal- lenstein weist die PFor- derungen des Kaisers zu- rück(Audienzscene); 2. Stufe: V 4 11 LII 1V V I II 114 IV V 21. die Unterschrift wird W Lager Piccolomini Wallensteins Tod. erschlichen(Bankettscene) (p. 24 flg.); H. Verhältnis der Gegnerschaft Octavios zu Wallenstein in der Scene zwischen Vater und Sohn; H’. Gefangen- nahme Sesinas und Abschluss der Konjunktion, zugleich erregendes Moment für Wäst. Td.(p. 35 flg.). 3. Wallensteins Tod. 4 1. die nächtliche Scene mit dem Astrologen(p. 7); c. Gefangennahme Sesinas und Abschluss der Konjunktion(p. 10). Steigerung: 1. Stufe: 1. Octavio mit Vollmacht von Wallenstein versehen; 2. Stufe: 2* Verlockung Isolanis und Buttlers; 3. Stufe: 3. Abfall der übrigen Feldherren, Empörung der Soldaten, Fall von Prag, Achtung(p. 24 flg.); hy.. Abfall der Kürassiere(p. 36). Anmerkung. Wäst. steigt, wie die J. v. O., im Spiel, was durch die stärkere Linie angedeutet ist(p. 13 flg.). TI. A. Das Bild des Friedens und der Anttas irten Ruhe in dem Landschaftsgemälde(p. 8). 1. Tlh. a— b. Unterredung der Landleute, Faungatens Flucht (p. 11);. Rettung desselben durch Tell(p. 11); Steigerung: 1. Unterredung Tells mit Stauffacher vor dem von Gessler aufge- steckten Hute(p. 30 flg.); H. Apfelschuss(p. 39 flg.).— 2. Schaweh. G— V. Gertruds Ansprache(p. 11); c*. Bericht von der Blendung Melch- 75— thals(p. 11); Steigerung: 1!. Beschluss der drei Schweizer, auf dem Rütli zu tagen(p. 30 flg.); HI. die Rütliscene(p. 37 flg.).— —— 3. Attgh. a— b!. Stellung Attinghausens und Rudenz' zu ein- a— b 8 20 ander und zu ihrem Volke(p. 11); c. Rudenz' Aufbruch(p. 11); 00 1 Steigerung: 10. Bertha erhebt den Vorwurf der Treulosigkeit 4 gegen Rudenz(p. 31 flg.); H'. Liebeserklärung(p. 39). 7 3 I Anmerkung. Die Lektüre des Tl. ist besonders geeignet, den Schüler auf die mehrfach erwähnte Vorliebe Schillers zu Doppelhelden, auf das grosse Interesse an einer zweiten Handlung u. s. w. aufmerksam zu machen. Schon in den R. versucht der Dichter, durch Franzens Bestreben, das Leben des Vaters zu untergraben, eine zweite Handlung zu schaffen; in K. u. L. bekunden diese wachsende Neigung des Dichters die Scenen mit der Milfort, in F. die des Helden mit seiner Gemahlin und Dorias Schwester und die zwischen beiden Frauen; in D. C. erscheint die Nebenhandlung Eboli schon in inniger Verbindung mit der Haupthandlung, und das Interesse für Posa rief sogar eine zweite Handlung an Stelle der zuerst geplanten hervor. Der komplizierte Bau des Wlst. legt dafür das beredteste Zeugnis ab. In der J. v. O. scheint die innere Handlung, die ja keinem Drama fehlen kann, in diesem aber von besonderer Wichtigkeit ist, in der B. v. M. die Einfügung der Chorlieder, aber in beiden Stücken schon der gewählte Stoff dieser Neigung nicht förderlich gewesen zu sein; im TI. kommt sie qagogen in drei fast parallel laufenden Handlungen(siehe die Figur) sehr auffällig wieder zum Vorschein. In M. St. und J. v. O. konnte der Dichter sich nicht versagen, eine Gestalt(in M. St. Mortimer, in J. v. O. Lionel) zu erfinden, die leicht der Träger einer vollständigen Nebenhandlung werden konnte, wenn auch nicht in dem Sinne, wie der ebenfalls erfundene Max Piccolomini(siehe die Figur) durch sein Verhältnis zu Thekla in Wlst. 4 — Schulnachrichten. I. Durchgenommene Pensa. Sexta. Ordinarius in a Oberlehrer Dr. Siebeking, in b Oberlehrer Flemming. 1. Religion 3 St., in a Böhme, in b Harich. Biblische Geschichte des alten Testamentes. Erklärung des 1. Hauptstückes. Erlernung von Sprüchen und Liedern.. 2. Deutsch 6 St., in a Dr. Siebeking, in b Flemming. Wortlehre. Leseübungen. Besprechung und Recitation poetischer und prosaischer Stücke. Deutsche Aufsätze und Diktate (wöchentlich abwechselnd). 3. Lateinisch 8 St., in a Dr. Siebeking, in b Flemming. Substantiva, Adjectiva, Pro- nomina(ausser den Pron. indef.), Numeralia cardinalia und ordinalia; esse und seine Composita; Activum und Passivum der vier regelmässigen Konjugationen. Memgrieren von Vokabeln.— Spe- cimina und Extemporalia(wöchentlich abwechselnd). Mündliche Übersetzungen aus Ostermanns ÜUbungsbuch für VI. 4. Geographie 2 St., in a Dr. Kell, in b Unbescheid. Grundbegriffe der mathematischen, physischen und politischen Geographie. Geographie Deutschlands nach Daniels Leitfaden. 5. Geschichte 2 St., in a Siebeking, in b Unbescheid. Alte Geschichte in vorwiegend biographischer Form nach Köperts Elementarkursus. 6. Naturgeschichte 2 St., in a Dr. Kell, in b Wobst. Sommerhalbjahr: Botanik. Be- sprechung einheimischer Pflanzen mit Einprägung der einzelnen Pflanzenteile und Einreihung der Pflanzen in die leichteren Familien des natürlichen Systems nach Bessers Pflanzenkunde. Winter- halbjahr: Zoologie. Betrachtung einzelner charakteristischer Arten der Wirbeltiere nach Bau und Lebensweise. 7. Rechnen 4 St., in a Dr. Kell, in b Wobst. Die vier Spezies in unbenannten, benannten und ungleichbenannten Zahlen. Regeldetri. Zeitrechnung. Bothe, Rechenaufgaben Heft I. 8. Kalligraphie 2 St., in a und b Dietrich. Für deutsche Schrift Henzes Schreibhefte Nr. 4— 6; für lateinische Schrift Henzes Schreibhefte Nr. 1—3. 9. Zeichnen 2 St., in a und b Strauss. Erklärungen der Grundsätze des Zeichnens. Die gerade Linie. Einübung durch geometrische ornamentale Figuren. UÜbergang zur Kreislinie. 10. Gesang 2 St., in a und b komb. Müller. Notenkenntnis: a) Namen, b) Wert der- selben; c) Vorzeichnungen bis zu 3% und 3 b.— Singübungen von L. Grosse(UÜbung 1—38). Gesangschule von E. Göthe, 5. Heft. Choräle 1— 7. Verschiedene ein- und zweistimmige Volkslieder. 11. Turnen 2 St., in a und b Dietrich. Freiübungen: Einfache Arm- und Beinübungen. Ubungen während des Umzuges. Ordnungsübungen: Anstellen, Richtung, Umstellungen, Gegen- und Winkelzüge. Geräte: Ubungen leichter Art an den Kletterstangen, an den wagrechten Leitern, am Reck und Barren. Sprungübungen. Spiele. 6* 44 Quinta. Ordinarius: in a Oberlehrer Dr. Kell, in b Oberlehrer Wobst. 1. Religion 3 St., in a Böhme, in b Harich. Das Leben Jesu in a nach Matthäus, in b nach Markus. Allgemeines über Religion, Offenbarung, heilige Schrift. Wiederholung des ersten, Erklärung des zweiten Hauptstückes. Erlernen von Sprüchen und Liedern. 2. Deutsch 4 St., in a Dr. Kell, in b Wobst. Grammatik nach Hoff und Kaisers Leit- faden(Wortlehre, der erweiterte einfache Satz, Satzverbindung, relativer Nebensatz). Monatlich 2 Aufsätze(Erzählungen, Schilderungen, Beschreibungen) und 1 Diktat. Lektüre aus Masius' Lese- buch T. I. Deklamation leichter Gedichte und prosaischer Stücke. 3. Lateinisch 5 St., in a Dr. Siebeking, in b Prof. Pietzsch. Grammatik: Repetition des Kursus von Sexta. Verba deponentia. Unregelmässige Deklination und Komparation; Beendigung der Numeralia und Pronomina. Lehre vom Adverbium, von den Präpositionen und den gebräuch- lichsten Konjunktionen. Unregelmässige Verba nach Ostermanns Vocabularium für Quinta, sowie das Verb. anom. posse.— Memorieren von Vokabeln und kleinen Lesestücken.— Schriftliche Ubungen: monatlich 2 Scripta und 2 Extemporalia. Mündliche Ubersetzungen aus Ostermanns Übungsbuch für VI und V. 4. Französisch 6 St., in a Stiefelhagen, in b Schindler. Aussprache; die Hilfsverben; die regelmässigen Konjugationen mit Einschluss des passiven Verbs; Pronom conjoint und Article partitif. Elementargrammatik von Plötz, Lektion 1 bis 81. Wöchentliche schriftliche Arbeiten, Scripta und Extemporalia abwechselnd. „5. Geographie 2 St., in a Dr. Kell, in b Dr. Welte. Die Grundlehren der Geographie. Kurze UÜbersicht über Europa. Die ausserdeutschen Länder Europas nach Daniels Leitfaden. 6. Geschichte 2 St., in a Böhme, in b Dr. Welte. Geschichtsbilder aus der mittleren und neueren Geschichte nach Köperts Elementarkursus. 7. Naturgeschichte 2 St., in a Dr. Kell, in b Wobst. Sommer: Besprechung von den Schülern gesammelter Pflanzen, Organographie, die Klassen des Linnéschen Systems nach Bessers Pflanzenkunde. Winter: Wirbeltiere, speziell die wichtigsten Ordnungen und Familien der Säuge- tiere und Vögel nach Leunis' Schulnaturgeschichte. 8. Rechnen 4 St., in a Dr. Kell, in b Wobst. Die vier Spezies in Dezimal- und ge- meinen Brüchen. Bothe, Heft II zum grösseren Teil. 9. Kalligraphie 2 St., in a und b Strauss. Wiederholung deutscher und lateinischer Schrift. Taktschreiben. 10. Zeichnen 2 St., in a und b Strauss. Kreisbogen und Kreisformen mittels analoger ornamentaler Figuren nach Diktat als Vorbereitung zu Prof. Herdtles Vorlagen. 11. Gesang 1 St., a und b komb. Müller. Fortsetzung der Kenntnis der Tonarten bis zu 6% und 6 b.— Singübungen von L. Grosse(von UÜbung 39 an: der Durdreiklang und seine Intervalle).— Gesangschule von E. Göthe, 6. Heft. Choräle 1— 7. Verschiedene zweistimmige Volkslieder. 12. Turnen 2 St., in a und b Dietrich. Freiübungen: Kurze Wiederholung der Frei- übungen in Sexta; verschiedene Schritt- und Gangarten. Rumpfbeugen und-strecken, Rumpfdrehen etc. Ordnungsübungen: Wiederholung. Offnen und Schliessen der Reihen. Schwenkungen. Gehen im Quadrat und Kreuz, manchmal auch Hantel- und Eisenstabübungen. Gerätübungen: an den Kletterstangen, am Reck und Barren, an den wagerechten und schrägen Leitern; am Bock; Sprung- übungen: Hoch- und Weitsprung aus dem Stande und mit Anlauf, Sturmsprung. Sprungkasten. 45 Quarta. Ordinarius: in a Oberlehrer Dr. Schneider, in b Oberlehrer Prof. Pietzsch. 1. Religion 3 St., in a Böhme, in b Prof. Pietzsch. Erklärung der 5 Hauptstücke. Geschichte des neuen Testaments in a nach Lukas, in b nach Matthäus.— Auswendiglernen von Sprüchen und Kirchenliedern. 2. Deutsch 4 St., in a Dr. Schneider, in b Flemming. Lesen, Nacherzählen; Memo- rieren und Deklamieren von Gedichten. Die Lehre vom zusammengesetzten Satze. Dreiwöchentlich eine schriftliche Arbeit, monatlich ein Diktat. 3. Lateinisch 4 St., in a Dr. Schneider, in b Prof. Pietzsch. Beendigung der Formenlehre Syntax nach Middendorf und Grüter I bis§ 65, Lesen und Memorieren lateinischer Stücke aus der Grammatik und aus Ostermann für V. Wöchentlich ein Exerzitium oder Extemporale. 4. Französisch 6 St., in a Stiefelhagen, in b Dr. Herrmann. Grammatik: Elementar- grammatik von Plötz, Lektion 76 bis 112; Schulgrammatik Lektion 1 bis 6; wöchentlich ein Exer- zitium oder Extemporale. Lektüre aus der Elementargrammatik oder aus Herrig, Premières Lectures. 5. Geographie 2 St., in a Dr. Schneider, in b Flemming. Die aussereuropäischen Erdteile. 6. Geschichte 2 St., in a Böhme, in b Flemming. Geschichte der orientalischen Völker. Griechische und römische Geschichte. 7. Naturgeschichte 2 St., in a und b Besser. Sommer: Botanik. Repetition des Linne'schen, sowie Besprechung der wichtigeren Familien des natürlichen Systems. Winter: Wirbellose Tiere. 8. Rechnen 4 St., in a Demme, in b Wobst. Wiederholung der gemeinen und Dezimal- brüche. Abgekürzte Multiplikation und Division. Einfache Proportionen und Regeldetri; zusammen- gesetzte Proportionen und die einfachsten Fälle der Zinsrechnung. 9. Geometrie 2 St., in a Demme, in b Dr. Helm. Entwickelung der elementaren plani- metrischen und stereometrischen Anschauungen. Die Lehre von den Winkeln. Allgemeines über die geradlinigen Figuren. Kongruenz der Dreiecke. Viereck, insbesondere das Parallelogramm. 10. Kalligraphie 1 St., in a und b Strauss. Ausbildung der deutschen und lateinischen Schrift mittels grösserer Sentenzen. 11. Zeichnen 2 St., in a und b Strauss. Einführung in die Beleuchtungsgesetze. Zeichnen plastischer Formen nach der Natur, des Kegels, der Kugel, des Prismas etc. in Kreide und Bleistift.— Erklärungen der perspektivischen Erscheinungen. 12. Turnen 2 St., in a und b Dietrich. Freiübungen: Ausfall und Auslage in Verbindung mit früher gehabten UÜbungen ohne oder mit Belastung durch Hanteln(1 ½ kg) oder Eisenstäbe(2 kg). Ordnungsübungen: Reihungen erster und zweiter Art. Gegenzüge in Reihen und Rotten etc.— Geräte: 1. Klettergerüst: Hang- und Kletterübungen an zwei Stangen. 2. Reck: Hang- und Schwung- übungen im Streck- und Unterarmhang. 3. Barren: Kehre und Wende aus dem Stütz und Schwunge. Liegestütz. Unterarmstütz. UÜbungen am Bock, am Pferde, an den Ringen, am Schwebereck, an den wagerechten und schrägen Leitern. Im Sommer besonders Sprungübungen an der Grube und am Sturmlauf. 1 Tertia. Ordinarius: in a Oberlehrer Unbescheid, in b Oberlehrer Dr. Herrmann. 1. Religion 2 St., in a Böhme, in b Prof. Pietzsch. Lektüre und Erklärung des Jo- hannes-Evangeliums, 1 St. Lehre von Gott, von dem Gesetz und der Sünde, nach Noack, Leitfaden §8§ 96 bis 106. Wiederholung der Hauptstücke. Erlernung von Sprüchen und Kirchenliedern. 2. Deutsch 4 St., in a Unbescheid, in b Böhme. Wiederholung der Formenlehre und der Syntax. Lektüre ausgewählter Prosastücke aus Masius' Lesebuch Teil II. Erklärung und Vor- trag klassischer Dichtungen, besonders Schillerscher Balladen. Aufsätze. 46 3. Lateinisch 4 St., in a Harich, in b Prof. Pietzsch. Syntax nach Middendorf un d Grüter§§ 22 bis 102. Mündliche und schriftliche UÜbungen aus Warschauer I. Wöchentlich ab- wechselnd ein Exerzitium oder ein Extemporale. 2 St.— Lektüre aus Vogel, Nepos plenior in a Miltiades und Themistokles, in b Kimon, Perikles, Alkibiades. 2 St. 4. Französisch 4 St., in a Schindler, in b Dr. Herrmann. Grammatik: Schulgrammatik von Plötz, Lektion 7 bis 35. Wöchentliche Exerzitien, abwechselnd mit Extemporalien. Lektüre aus Rollin„Hommes illustres“. Diktate und Memorieren von Gedichten. 5. Englisch 4 St., in a Schindler, in b Dr. Herrmann. Grammatik: Gesenius, Elementar- buch Kap. I bis XXIV. Alle 14 Tage ein Exerzitium oder Extemporale; Lese- und Sprechübungen. Memorieren prosaischer und poetischer Lesestücke. Lektüre: Ausgewähltes aus dem Anhang zum Elementarbuch. 6. Geographie 2 St., in a Unbescheid, in b Dr. Schneider. Physikalische und politische Geographie von Deutschland nach Ruges Lehrbuch der Geographie§§ 57 bis 121. 7. Geschichte 2 St., in a Unbescheid, in b Böhme. Deutsche Geschichte des Mittel- alters von 375 bis zur Reformation 1517 nach Köperts Geschichtskursus, Mittelstufe. 8. Naturgeschichte 1 St., in a und b Besser. Sommer: Das natürliche Pflanzensystem. Winter: Bau und Leben des menschlichen Körpers. 9. Rechnen 2 St., in a und b Demme. Wiederholung der zusammengesetzten Proportionen. Zinsrechnung, Kettensatz, Kursrechnung, Mischungsrechnung. 10. Mathematik 5 St., Geometrie: 3 St., in a Demme, in b Dr. Helm. Die Kongruenz, Flächenvergleichung, Ausmessung und Ahnlichkeit geradliniger Figuren. Algebra: 2 St., in a und b Demme. Die vier Spezies. Lineare Gleichungen mit einer Unbekannten. 11. Freies Handzeichnen 2 St., in a und b Strauss. Zeichnen nach Gipsmodellen, sowohl in Kontur als auch mit Ausführung in Kreidemanier. Heranziehung der notwendigsten perspek- tivischen Gesetze. 12. Turnen 2 St., in a und b Dietrich. Frei- und Ordnungsübungen mit Belastung durch leichte Eisenstäbe oder Hanteln. Vervollständigung der Übungen an den verschiedenen Geräten. 13. Stenographie, fakultativ, je zweistündig, in a und b Prof. Dr. Rotter. Im Elementar- kursus die Wortbildungslehre mit Sigeln und die Wortkürzung(Korrespondenaschrift) behandelt und an der Wandtafel erläutert. Bei den Lese- und Schreibübungen wurden die Kriegschen Lehr- und Lesemittel benutzt und mehrere Extemporalien geschrieben. Unter-Sekunda. Ordinarius: in a Oberlehrer Harich, in b Oberlehrer Dr. Welte. 1. Religion 2 St., in a Harich, in b Prof. Pietzsch. Die prophetischen und poetischen Bücher des alten Testaments in Auswahl gelesen und erklärt, 1 St.— Evangelische Glaubens- und Sittenlehre nach Noack§§ 107— 125, 1 St. 2. Deutsch 4 St., in a Harich, in b Dr. Welte. Litteraturgeschichte von Luther bis Goethe nach Kluges Lehrbuch und im Anschluss an Viehoff, Handbuch der deutschen National- litteratur, 1 St.— Metrik und Poetik, 1 St.— Lektüre: Schillers„Wallenstein“, 1 St.— Lehre vom deutschen Aufsatze. Freie Vorträge, 1 St.— Themata der Aufsätze in a: 1. Welchen Ein- fluss übt das Meer und das Gebirge auf den Menschen aus? 2. Die Zerstörung Trojas nach Schillers Übersetzung des 2. Buches der Aeneide. 3. Kurze Darstellung des Lebens Schillers. 4. Was haben die Helvetier und was hat Caesar nach dessen Bericht im 1. Buche de bello Gallico cap. II— XXII. ausgeführt? 5. Welcher Jahreszeit soll ich vor den anderen den Vorzug geben?(Aufsatz der Michaelis- prüfung.) 6. Ferro nocentius aurum. 7. Welche Vorzüge hat das Leben auf dem Lande vor dem in der Stadt? 8. Der Weg der Ordnung, ging er auch durch Krümmen, er ist kein Umweg(Die Piccolomini I, 4). 9. Das Wasser nach seinem Nutzen und seinem poetischen Reize. 10. Aufsatz der Osterprüfung.— Themata der Aufsätze in b: Das südliche Asien und das südliche Europa.— 47 Geringes ist die Wiege des Grossen.— Die Bedeutung der Hand für den Menschen.— Die Folgen des dreissigjährigen Krieges.— Der Herbst, ein Zahlmeister(Prüfungsarbeib).— Die Steinkohle.— Der Gebrauch des Eisens.— Der Dezember.— Die verschiedenen Wohnungen der Menschen.— Prüfungsarbeit. 3. Lateinisch 4 St., in a Harich, in b Konrektor. Lektüre in a: Caesar de bell. Gall. lib. I, 2 St.— Grammatik nach Ellendt-Seyffert,§§ 143— 233. Mündliche und schriftliche UÜbungen aus Warschauer I. Extemporalien, 2 St.— In b: Die Kasuslehre ausführlicher, Lehre vom Verbum; mündliche und schriftliche Extemporalien, Scripta. Jul. Caes. d. bell. G. lib. I und der grösste Teil von lib. VI. Privatlektüre: Corn. Nep. Thrasybul, Conon, Dion, Iphikrat., Chabr., Timotheus. 4. Französisch 4 St., in a Stiefelhagen, in b Schindler. Grammatik: Schulgrammatik von Plötz, Lektion 36— 57. Alle 14 Tage ein Exerzitium oder Extemporale. Lektüre: Erckmann- Chatrian, Histoire d'un Conscrit de 1813. 5. Englisch 3 St., in a Dr. Dolch, in b Schindler. Grammatik: Gesenius, Lehrbuch der englischen Sprache§§ 1— 80. Alle 14 Tage ein Exerzitium oder Extemporale. Lektüre: Defoe, Robinson Crusoe. Erklärung und Memorieren von Gedichten. 6. Geographie 2 St., in a Dr. Schneider, in b Dr. Welte. Das ausserdeutsche Europa mit besonderer Berücksichtigung der physischen Verhältnisse und der Produktion. 7. Geschichte 2 St., in a und b Dr. Welte. Neuere Geschichte(1517— 1815), mit Hervor- hebung der deutschen, nach Köperts Geschichtskursus für die mittleren Klassen. 8. Naturgeschichte 1 St., in a und b Besser. Sommer: Botanik. Anatomie und Physio- logie der Botanik. Winter: Mineralogie. Krystallographie. 9. Physik 3 St., in a Demme, in b Dr. Helm. Einleitung in die Physik.— Magnetismus und Elektrizität. 10. Mathematik 4 St., in a Dr. Henke, in b Dr. Helm. Geometrie 2 St. Ahnlichkeits- lehre. Kreislehre. Algebra 2 St. Potenzen und Wurzeln. Gleichungen 1. Grades mit einer und mehreren Unbekannten. 11. Geometrisches Zeichnen 1 St., in a Dr. Henke, in b Dr. Helm. Gebrauch der Zeicheninstrumente. Planimetrische Konstruktionen. Benutzung derselben zu einfachen Verzierungen. 12. Freihandzeichnen 2 St., in a und b Strauss. Fortsetzung des Zeichnens nach Gips- modellen.. 13. Turnen 2 St., in a und b Dietrich. Frei- und Ordnungsübungen mit Belastung durch schwere Eisenstäbe oder Hanteln. Vervollständigung der Übungen an den verschiedenen Geräten. 14. Stenographie, fakultativ, 2 St., a und b kombiniert Prof. Dr. Rotter. Im Fortbildungs- kursus die Lehre von der Kürzung der Wörter im Satzzusammenhange behandelt, erläutert und befestigt durch Lese-, Schreibübungen und Extemporalien unter Benutzung der Zeitschriften„Lese- bibliothek pro 1883“ und„Echo pro 1883“. Ober-Sekunda. Ordinarius: Oberlehrer Dr. Henke. 1. Religion 2 St., Konrektor. Lesen und Erklären der Confessio Augustana; Symbolik. Darstellung der Lehre der katholischen Kirche, der evangelisch-lutherischen und der reformierten Kirche, sowie der wichtigsten Sekten. Lesen und Erklären der Apostelgeschichte. 2. Deutsch 3 St., Dr. Welte. Litteraturgeschichte von den ältesten Zeiten bis auf Luther nach Kluges Leitfaden. Einführung in die klassische Litteratur des Mittelalters nach Gude, Auswahl deutscher Dichtungen aus dem Mittelalter. Dispositionslehre im Anschluss an die schrift- lichen Arbeiten und die freien Vorträge. Freie Vorträge mit Ubungen im Protokollieren. Deutsche Arbeiten: Böse Gesellschaften verderben gute Sitten(Chrie).— Der Apfel fällt nicht weit vom 48 Stamme.— Vergleich des östlichen mit dem westlichen Kontinente.— Das menschliche Leben gleicht einer Blume.— Welchen Einfluss hat die Erfindung des Schiesspulvers auf die Weltverhält- nisse gehabt?— Horands Gesang.— Die christlichen Feste.— Der Mensch, der Herr der Erde.— Prüfungsarbeit. 3. Lateinisch 3 St., Konrektor. Cic. or. Cat. I. und zum Teil II. Das Hauptsächlichste aus der Metrik. Catonis Distichon und Phaedra Fabb. Mündliche und schriftliche Extemporalien, Scripta(aus Warschauer II). Privatlektüre: Jul. Caes. d. b. G. 4. Französisch 3 St., Dr. Herrmann. Grammatik: Plötz, Lektion 58— 79 nebst 14 täg- lichen Exerzitien und Extemporalien. Lektüre: Racine, Athalie; Mme. de Staël. Holstein, de l'Alle- magne; Memorieren von Gedichten und Anfertigung französischer Inhaltsangaben u. s. w. 5. Englisch 3 St., Dr. Herrmann. Gesenius, Lehrbuch der englischen Sprache§§ 81— 200. 14 tägliche Exerzitien und Extemporalien. Anfänge in selbständigen schriftlichen und mündlichen Darstellungen in englischer Sprache. Lektüre: Macaulay, History of England III, 4. Memorieren von Gedichten. 6. Geographie 2 St., Dr. Schneider. Afrika mit spezieller Besprechung der physischen und ethnographischen Verhältnisse, sowie der Produktion. Physische Geographie von Asien. 7. Geschichte 2 St., Dr. Welte. Alte Geschichte nach Herbst, historisches Hilfsbuch. 8. Naturgeschichte 2 St., Besser. Sommer: Botanik. Sporenpflanzen. Winter: Minera- logie. Elemente. Oxyde. Sulfide. Chloride. Lötrohranalyse. 9. Chemie 2 St., Besser. Elemente der Chlor-, Sauerstoff- und Stickstoffgruppe. Stöchio- metrische Aufgaben. 10. Physik 2 St., Dr. Helm. Wärmelehre und Witterungskunde. Elemente der Optik. 11. Mathematik 5 St., Dr. Henke. Geometrie 3 St. Trigonometrie. Algebra 2 St. Wiederholung der Potenz- und Wurzellehre. Logarithmen. Gleichungen 1. und 2. Grades. Imaginäre und komplexe Zahlen. 12. Projektionslehre 2 St., Dr. Henke. Darstellung begrenzter Gebilde, besonders eben- und krummflächiger Körper mit Drehungen um Gerade in der Horizontalebene. Darstellung der Netze. 13. Freies Handzeichnen 1 St., Strauss. Kombinierter Cötus mit O und UI, fakultativ. Zeichnen von guten Landschaftsstudien. Später Aquarellunterricht. 14. Turnen 2 St., Dietrich. Eisenstab- und Hantelübungen. Vervollständigung der UÜbungen an den verschiedenen Geräten. Unter-Prima. Ordinarius: Konrektor Prof. Dr. Liesske. 1. Religion 2 St., Konrektor. Kirchengeschichte: a) Vorgeschichte, b) Geschichte bis Karl dem Grossen. Lesen und Erklären der Briefe Pauli an die Epheser und Philipper. 2. Deutsch 3 St., Stiefelhagen. Litteraturgeschichte von 1300 bis auf Lessing.— Gelesen(ausser litteraturgeschichtlichen Proben): Lessings Minna von Barnhelm und Emilia Galotti; ausgewählte Stücke aus der Hamburgischen Dramaturgie; eine Auswahl aus Klopstocks Oden; Schillers Wallenstein.— Freie Vorträge über verschiedenartige Themata.— Schriftliche Arbeiten über folgende Themata: Bildung macht frei.— Der Prolog zu Schillers Wallenstein.— Selbstgewähltes Thema.— Poetischer Versuch bei Gelegenheit der Nationalfeier.— Die Eisenbahnen und die Poesie.— Die Exposition des Lessingschen Lustspiels„Minna von Barnhelm“.— Kritik der sprichwörtlichen Doppelsentenz: Reichtum macht nicht glücklich, und Armut ist keine Schande.— Quid sit futurum cras fuge quaerere.— Examenarbeit. 3. Lateinisch 3 St., Konrektor. Sallust. Catilina. Ovid. metam.(Pyramus und Thisbe, Deucalion, Orpheus und Eurydike, Cyparissus und Hyacinth). Beendigung der Grammatik. Mündliche und schriftliche Extemporalien, Scripta. Privatlektüre: Cic. Cat. II— IV. 49 4. Französisch 4 St., Dr. Dolch. Grammatik: Repetitionen nach der Schulgrammatik von Plötz; mündliche und schriftliche Stilübungen nebst Extemporalien, Exerzitien und vier freien Arbeiten, 12 St. Lektüre: Aus Herrig und Burguy: Abschnitte von Pascal, Mme. de Sévigné, Bossuet, Villemain, Mirabeau, Mignet, Victor Hugo, L'Avare von Molière; Inhaltsangaben, Wieder- erzählungen, Verslehre, 2 St. 5. Englisch 3 St., Dr. Dolch. Grammatik: Gesenius§§ 200— 267 nebst Extemporalien, Exerzitien und vier freien Arbeiten, 1 St. Lektüre: Aus Herrig: Abschnitte von Byron und Macaulay; The Rivals von Sheridan und King Richard II. von Shakespeare(3 Akte); Inhaltsangaben, Wiedererzählungen, Recitationen, 2 St. 6. Geographie 2 St., Dr. Schneider. Asien, Australien und Amerika mit besonderer Berücksichtigung der physischen, ethnographischen und produktiven Verhältnisse. 7. Geschichte 2 St., Unbescheid. Geschichte des Mittelalters mit Rücksicht auf Kultur und Kunst. Die Reformation. 8. Naturgeschichte 1 St., Besser. Sommer: Pflanzen- und Tiergeographie. Winter: Mineralogie. Chloride. Karbonate. Phosphate Sulfate. Silikate. 9. Chemie 2 St., Besser. Siliciumverbindungen. Leichte und schwere Metalle. Lösung stöchiometrischer Aufgaben. 10. Physik 2 St., Dr. Helm. Allgemeine Mechanik und Mechanik des starren Körpers. 11. Mathematik 5 St. Geometrie 3 St., Dr. Henke. Stereometrie. Algebra 2 St., Rektor. Wiederholung der quadratischen Gleichungen mit mehreren Unbekannten. Arithmetische und geo- metrische Progressionen. Zinseszins- und Rentenrechnung. Kombinatorik. 12. Projektionslehre 2 St., Dr. Henke. Darstellung von Punkt, Gerade, Ebene. Drehung der Ebene um ihre Spuren. Ebene, Schnitte und Netze von Prisma, Cylinder, Pyramide, Kegel und Kugel. Tangentialebenen. 13. Feldmessen, fakultativ, im Sommer Sonnabend Nachmittag. Prof. Erler. 14. Freies Handzeichnen 1 St., fakultativ, siehe O. II. 15. Turnen 2 St., Dietrich. Eisenstab- und Hantelübungen. Vervollständigung der Ubungen an den verschiedenen Geräten. Ober-Prima. Ordinarius: Rektor Prof. Dr. Oertel. 1. Religion 2 St., Konrektor. Kirchengeschichte von Karl dem Grossen bis zur Refor- mation. Lesen und Erklären der Briefe Pauli an die Korinther. 2. Deutsch 3 St., Unbescheid. Litteraturgeschichte von Klopstock bis zu Schillers Tode, Kluge§§ 45 bis 57. Lektüre: Wielands Oberon, Inhaltsangabe der einzelnen Gesänge und Lektüre ausgewählter Stellen. Herders Cid. Schiller: Don Carlos, die Künstler. Kleist: Der Prinz von Homburg. Vorträge der Schüler über selbstgewählte Themata aus der deutschen Litteratur und Geschichte. Aufsätze: Mit welchem Rechte kann man sagen, dass in Schillers Maria Stuart nicht Elisabeth, sondern die gefangene Königin die Siegerin sei?— Meine Bibliothek.— Charakte- ristik Anton Wohlfarts in G. Freytags:„Soll und Haben“.— Gedicht zur Lutherfeier(metrischer Versuch).— Schriftliche Berichte über Privatlektüre.— Uberm zerfallnen Haus träumt die Geschichte, webet das Immergrün zarte Gedichte(J. Mosen).— Was an dem Menschenschicksal menschlich ist, das soll der Mensch auch mit gestalten helfen.— Über den Ausspruch Friedrichs des Grossen: Dass ich lebe, ist nicht notwendig, wohl aber, dass ich thätig bin.— Klausurarbeit. 3. Lateinisch 3 St., Konrektor. Livius I. XXI. Vergil. Aen. lib. II; ausgewählte Od. des Horatius(lib. I). Scripta, mündliche und schriftliche Extemporalien. Privatlektüre: Sallust. Jugurtha. 4. Französisch 4 St., Dr. Dolch. Wiederholung einzelner Abschnitte der Syntax in Ver- bindung mit Extemporalien, Exerzitien und freien Arbeiten(Visite du Musée historique à Dresde, 7 50 Origine des Etats-Unis du Nord, Martin Luther, Sujet d'une comédie); mündliche und schriftliche Stilübungen nach Art der Lexikologie von Larousse, 2. Bd.; Ubung im mündlichen Erzählen, 2 St. im Sommer, 1 St. im Winter.— Lektüre: Einzelne Abschnitte aus Herrig und Burguy von Vol- taire, Montesquieu, Rousseau, Buffon, Lacretelle, Mérimée, Chateaubriand, Mme. de Staél etc., Le Village von Feuillet, 2 St.— Litteratur: 17. und 18. Jahrhundert, 1 St. im Winter. 5. Englisch 4 St., Dr. Dolch. Wiederholung einzelner Abschnitte der Syntax in Verbindung mit Diktaten, Extemporalien, Exerzitien und freien Arbeiten(A Tour through Saxon Switzerland, William III. of Orange, Mark Antony, The Plays and Players of Old England), 1 St.— Freie Vorträge mit daran geknüpften Besprechungen in englischer Sprache, über welche der Reihe nach Protokoll geführt wurde, 1 St. im Sommer.— Lektüre: Abschnitte aus Herrig von Milton, Byron, Burke, Lady Montague; The Lady of the Lake von Walter Scott, 1. Gesang und einige Strophen vom 5. Gesang; Hamlet, Prince of Denmark von Shakespeare, 1. bis 3. Akt, 2 St.— Litteratur- geschichte: Kurze Ubersicht nach Herrig, 1 St. im Winter. 6. Geographie 2 St.: a) Allgemeine Geographie 1 St. Dr. Schneider. Sommer: Physi- sche Geographie mit Zugrundelegung von Ruge§§ 7 bis 42. Winter: Allgemeine Repetition be- sonders Deutschlands; b) mathematische Geographie 1 St. Dr. Helm. Das Himmelsgewölbe und die scheinbare Bewegung der Gestirne. Kopernikus, Keppler, Newton. 7. Geschichte 2 St., Unbescheid. Das Zeitalter der Reformation, der grossen Monarchen und der Revolution.. 8. Naturgeschichte 1 St., Besser. Geologie und Geognosie. Im Sommer Exkursionen. 9. Physik 2 St., Dr. Helm. Lehre von der Wellenbewegung zur Erklärung der Schall- und Lichterscheinungen. 10. Chemie 2 St., Besser. Elemente der organischen Chemie. Stöchiometrische Aufgaben zur Repetition der unorganischen Chemie. 11. Mathematik 4 St., Rektor. Geometrie 2 St.: Analytische Geometrie der Ebene. Algebra 2 St.: Gleichungen 3. und 4. Grades. Kettenbrüche. Kombinatorik. Binomischer Satz. Reihen. 12. Projektionslehre 2 St., Dr. Henke. Durchdringungen. Schattenkonstruktionen. Figuren in perspektivischer Lage. Elemente der Perspektive. . 13. Turnen 2 St., Dietrich. Eisenstab- und Hantelübungen. Vervollständigung der Übungen an den verschiedenen Geräten. 14. Freies Handzeichnen Strauss, siehe O. II. 15. Gesang 3 St., Müller. Die Klassen Oberprima bis Quarta(inkl. mehrere Schüler aus Quinta und Sexta) bilden den Sängerchor. Sopran und Alt, Tenor und Bass je eine Vorübungs- stunde zur 3. allgemeinen Singstunde(4 Stimmen).— Studiert wurde: Aus dem neu eingeführten „Chorbuch von F. W. SeringE eine grössere Anzahl Chorlieder kirchlichen und weltlichen Inhalts von verschiedenen Komponisten.— Frosch-Kantate von Hennig, für gemischten Chor arrangiert von Otto Müller.— Mehrere vierstimmige Choräle aus dem Landes-Choralbuch. 51 2. Schulchronik. Zur Ergänzung des Berichtes über das Schuljahr 1882/83 ist noch folgendes nachzutragen: Am 26. Februar 1883 erfolgte durch Herrn Stadtrat Heubner die Überreichung des vom Königlichen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts unter dem 19. Februar ausgefertigten Patentes an Herrn Oberlehrer Pietzsch, welches demselben den Professortitel verlieh. Wie schon im letzten Programm mitgeteilt wurde, war als Termin für die mündliche Reife- prüfung vom Königlichen Ministerium der 6. und 7. März bestimmt worden. Derselben unterzogen sich, da zwei Aspiranten nach der schriftlichen Prüfung zurücktraten, noch 17 Abiturienten, 16 Schüler der Anstalt und ein Auswärtiger. Sie wurden auf Grund der Prüfung, bei welcher der Berichterstatter als Königlicher Kommissar fungierte, sämtlich für reif erklärt und erhielten folgende Censuren: Sitten- Wissensch. Name. Geburtstag. Geburtsort. Studium, Beruf. Censur. Censur. 1. Barth, Kurt E.... 27. Febr. 1864 Dresden Naturwissenschaft 1 II 2. Brückner, J. Max. 15. Novbr. 1864 Jena Medizin I II 3. Büttner, Max H. W. 12. Novbr. 1864 Chemnitz Technische Chemie I II5 4. Dammüller, A. Hugo 25. April 1864 Dresden Baufach 1 II* 5. Funke, Max R.... 3. Mai 1862 Oschatz Naturwissenschaft I II* 6. Gross, R. Paul... 30. Septbr. 1864 Rosswein Neuere Sprachen 1 II 7. Hartmann, Fed. H. 3. Mai 1865 Treuen i. V. Postfach 1 1* 8. Hartmann, G. Kurt 9. Juli 1864 Dresden Steuerfach I II2* 9. Irrgang, Kurt A. 24. Dezbr. 1861 Dresden Steuerfach 1 III= 10. Kessler, F. Arthur 20. Jan. 1863 Grosserkmannsdorf Chemie I II* bei Radeberg 11. Kunze, J. Johannes 15. Mai 1863 Grimma Postfach I II5 12. Mehnert, Julius.. 12. März 1863 Ofen Medizin I II” 13. Ranft, Max..... 28. April 1864 Niederwürschnitz Neuere Sprachen I III2 * bei Chemnitz 14. Schmidt, F. Max. 30. Mai 1863 Dresden Forstwissenschaft I III* 15. Trentzsch, Oskar L. 16. Febr. 1864 Dresden Steuerfach I III 16. Winter, W. Kurt. 20. Novbr. 1864 Dresden Ingenieurwissenschaft I. II 17. Busch, Kurt E. A.. 20. Juni 1858 Leipzig Ingenieurwissenschaft 1 III* Ihre feierliche Entlassung durch den Rektor erfolgte am 16. März. Im Valediktionsaktus hielt die französische Rede über das Thema:„Herder et la poëésie populaire“ der Abiturient Fedor Hartmann, die englische:„Controversy between Luther and Henry VIII., King of England“ der Abiturient Kurt Hartmann. Die Abschiedsrede in deutscher Sprache hatte der Abiturient Max Funke übernommen. Er behandelte als Thema das Wort Goethes:„In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister“. Im Namen der zurückbleibenden Schüler antwortete in gebundener Rede der Unter- primaner Bruno Eggert. Vor den Entlassungsworten des Rektors sang der Chor die Motette: „Sei still dem Herrn“ von Hauptmann, zum Schluss der Feier das Gebet von Abt:„Vater in des Himmels Höhen“. . Am Nachmittage desselben Tages fand, nachdem die schriftlichen Osterprüfungen vom 24. Februar bis 3. März, die mündlichen am 14. und 15. März abgehalten worden waren, die Ver- setzung der Schüler und mit derselben der Schluss des Schuljahres statt. Während der Osterferien hatte die Schule einen herben Verlust zu erleiden. Nach längerer Krankheit starb in Colditz am 19. März Herr Oberlehrer Dr. phil. Reinhold Albert. Da die Nach- richt von seinem Tode zu spät eintraf, war dem Lehrerkollegium leider nicht vergönnt, am Begräb- nis tBeilzunehmen. Bei der Morgenandacht zu Anfang der nächsten Woche gedachte der Bericht- erstatter des dahingeschiedenen Kollegen und widmete demselben Worte wärmster Anerkennung. 52 Derselbe habe sich im Leben ausgezeichnet durch Gewissenhaftigkeit und Treue in Erfüllung seiner Berufspflichten, durch freudiges und entschiedenes Eintreten für die Angelegenheiten der Schule und des Realschulwesens überhaupt. Nicht minder sei seine Lehrthätigkeit, unterstützt von didaktischem und disziplinellem Geschick, von sehr gutem Erfolg begleitet gewesen; deshalb werde ihm in den Herzen der Lehrer und Schüler immerdar ein dankbares Andenken bleiben. Das Schuljahr 1883/84 wurde am 2. April mit der Aufnahme der neuen Schüler eröffnet. Die Zahl derselben betrug 83. Im Laufe des Schuljahres kamen noch 19 hinzu, so dass sich die Gesamtzahl der in diesem Jahre neu eingetretenen Schüler auf 102 beläuft. Von diesen wurde 1 der Unterprima, 9 der Untersekunda, 7 der Tertia, 9 der Quarta, 14 der Quinta und 62 der Sexta zugewiesen. Am 23. April vormittags 10 Uhr fand die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs Albert statt. Den Anfang bildete der Gesang eines Chorals; dann sprach Herr Professor Pietzsch das Gebet. Hierauf folgten Deklamationen der Schüler, des Quintaners Stiefelhagen:„Wie Kaiser Karl Schulvisitation hielt“, von Gerock, der Untersekundaner Bierling:„Die eherne Mauer“ und Klingenberg:„Friedrich und sein Kind“ von A. Böttger; Oberprimaner Eggert behandelte in einem selbstverfassten Gedichte:„Lukas Cranach vor Kaiser Karl V.“ Die Festrede hielt Herr Ober- lehrer Demme. Er gab in derselben die Grundzüge der antiken und christlichen Vaterlandsliebe und hob als besonders hervorragend bei letzterer die sich in ihr offenbarende Demut hervor. An Beispielen aus der Geschichte und Litteratur zeigte er hierbei, wie diese christliche Auffassung in einen tiefen Gegensatz tritt zu der heidnischen Geistesrichtung des Altertums. Den Schluss der Feier machte das:„Salvum fac regem“ von Hauptmann. Am 7. Juni starb, nachdem er nur wenige Wochen der Schule angehört hatte, der Sextaner Paul Wimmer aus Dresden im soeben begonnenen 12. Lebensjahre. Da der Entschlafene an Diph- theritis gelitten hatte, so konnte die Schule ihr Beileid nur durch Schmückung des Grabes bezeigen. 6 Ende Juni wurde durch den Rat der Stadt dem Lehrerkollegium mitgeteilt, dass der ver- storbene Chef des Hauses Gehe& Co., Herr F. L. Gehe, der Annenschule testamentarisch die Summe von 3000 Mark vermacht habe, deren Zinsen zu Stipendien oder sonst zu Gunsten der Anstalt ver- wendet werden sollen. Die Schule ist dem edlen Schenkgeber zu wärmsten Danke verpflichtet und fühlt sich der Berichterstatter gedrungen, im Namen derselben diesen Dank auch hier pietätvoll zum Ausdruck zu bringen. Der Ausflug des Sängerchores am 7. Juli nachmittags richtete sich nach Hainsberg, Tharandt, dem Rabenauer Grund und der Alberthöhe und verlief, begünstigt vom Wetter, unter zahlreicher Beteiligung der Angehörigen der Sänger, zu allgemeiner Befriedigung. Die Sedanfeier fand diesmal bereits Sonnabend, den 1. Séptember, statt. Dem Gesange des Chorals:„Lobet den Herrn, den mächtigen König“ folgten Vorträge der Schüler: Sextaner Prugg- mayer:„Wie Kaiser Karl die Deutschen singen lehrte“, von A. Böttger; Tertianer Göhre:„Wie Kaiser Karl Reben pflanzte“, von A. Böttger; Obersekundaner Kummer:„Einst und Jetzt“. Selbstverfasste Gedichte trugen vor: Bondi(UI.):„Das Denkmal auf dem Niederwald“, Fröhner (UIL):„Die Wacht am Wasgenwald“. Nachdem sodann der Chor„Lützows wilde Jagd“ von M. v. Weber gesungen hatte, sprach Herr Oberlehrer Dr. Welte über die geographischen und die durch diese bedingten Erwerbsverhältnisse des Elsasses sowie über das geistige Leben der Bevölkerung desselben. Der Gesang des Liedes:„Deutschland, Deutschland über alles“ von Haydn schloss die Feier.— Am 2. September beteiligten sich die oberen Klassen an dem von der Dresdner Turner- schaft auf der Wiese beim Grossen Garten veranstalteten Turnfeste. Die schriftliche Michaelisprüfung wurde vom 17. bis 19. September abgehalten, darauf Freitag, den 29. September, das Sommersemester geschlossen. Mit dem Beginne des Wintersemesters, am 9. Oktober, traten zwei Kandidaten des höheren Schulamtes, die Herren Dr. Peter und Dr. Schulze, als Probelehrer ein. Dem ersteren wurde englischer Unterricht in Untersekunda A und französischer in Tertia B, dem anderen Unterricht in Chemie in Unterprima und Rechenunterricht in Quinta B übertragen. An dem zu Ehren von Professor Schilling am Abende des 18. Oktober veraustalteten Fackelzuge beteiligten sich die Schüler der Klassen Oberprima bis Untersekunda. 53 Um in Familienangelegenheiten eine grössere Reise zu unternehmen, war Herr Oberlehrer Dr. Schneider vom 22. Oktober bis zum 10. November beurlaubt. Der grössere Teil des von ihm zu erteilenden Unterrichts wurde von Herrn Dr. Peter übernommen. Die an erhebenden Eindrücken so reiche und deshalb wohl unvergessliche Feier des 400 jährigen Geburtstages Dr. Martin Luthers wurde in der Annenschule Sonnabend vormittags 10 Uhr durch Aktus begangen. Derselbe begann mit dem Gesang des Chorals:„Eine feste Burg ist unser Gott“. Nach den Deklamationen der Schüler Raffelt Vb.(Die Witwe zu Eisenach von Hagenbach), Beckmann UIIb.(Luther und Raphael von Gerock), Kummer OII.(Ein Traum Friedrichs des Weisen von A. Böttger), Hohlfeld OI.(ein selbstverfasstes Gedicht: Luther. auf der Wartburg), Günther OI.(ein in Oktaven abgefasstes Festgedicht), entwarf Herr Oberlehrer Böhme ein Lebensbild des grossen Reformators in folgenden Zügen:„In seinem Gewissen streng ge- bunden an das Wort Gottes, war Luther selbst in allem übrigen vollkommen frei: frei von Furcht, wie von Kummer und Sorge, frei im Wort und in der Lebensweise“; zum Schluss hob er die Wirkungen der Reformation auf die kommenden Jahrhunderte hervor. Der Chor erhöhte die Feier durch den Vor- trag des„Hymnus“ von O. Müller und J. S. Bachs:„Ich will den Namen Gottes loben“. Zuletzt ver- kündete der unterzeichnete Rektor die Namen derjenigen Schüler, welche durch die Munifizenz der Stadt- behörden wertwolle Bücherprämien(Dr. Jul. Köstlin, Martin Luther, sein Leben und seine Schriften; Wilh. Rein, Das Leben Dr. Martin Luthers) zur Erinnerung an die schöne Feier erhalten konnten. Am 11. November vormittags beteiligten sich das Lehrerkollegium und die Klassen O0I. bis OII. an dem unter Festgeläute stattfindenden Kirchgange nach der Annenkirche und wohnten daselbst dem von Herrn Konsistorialrat Pastor D. Dibelius abgehaltenen Fest-Gottesdienste bei. Für die nicht konfirmierten Schüler von III bis VI fand nachmittags kirchliche Feier statt.— Den oberen Klassen war es vergönnt, da sie an dem imposanten Fackelzuge nach dem auf dem Neumarkte aufgestellten Lutherdenkmal tpeilnahmen, auch dem ergreifenden Abschlusse, den daselbst das Luther- fest fand, beizuwohnen. Durch Verordnung des Königlichen Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts vom 19. November wurde Herr Schulamtskandidat Paul Plunder der Annenschule zur Erstehung des Probejahres überwiesen. Ihm wurde, nachdem er einige Zeit hospitiert hatte, physikalischer Unter- richt in Untersekunda B und Rechenunterricht in Sexta A zuerteilt. Seit dem 19. November war Herr Konrektor Prof. Dr. Liesske infolge eines unglücklichen Falles, durch den er sich nicht unerheblich an der rechten Schulter verletzte, an seiner amtlichen Thätigkeit verhindert. Er wurde hinsichtlich des lateinischen Unterrichts durch Herrn Dr. Pohland, im übrigen durch seine Kollegen vertreten, war aber Neujahr soweit wiederhergestellt, dass er den Unterricht in allen Klassen selbst wieder übernehmen konnte. Gegen Ende des Jahres hatte die Anstalt den Tod eines zweiten braven Schülers zu beklagen. Am 4. Dezember starb im Alter von 14 ½ Jahren an Lungenentzündung der Schüler der Tertia B Edmund Jordan. Zur Beerdigung der entseelten Hülle des Entschlafenen reisten sein Ordinarius, Herr Dr. Herrmann und der Yertianer Henkel nach Birkigt bei Tetschen, um dem Verklärten die letzten Grüsse der Schule ins frühe Grab hinabzurufen. Bei dem auch in diesem Jahre am 25. Februar veranstalteten Familienabend war der musikalische Teil durch folgendes Programm vertreten:„Ich will den Namen Gottes loben“ von J. S. Bach;„Adoramus te, Christe“ von J. P. Palestrina;„Es ist ein Reiss entsprungen“ von Mich. Prätorius; Sonate für Klavier und Violine von Beethoven(Klavier: Frl. Liesske, Tochter des Herrn Konrektors, Violine: Unterprimaner Zeuner);„Lobgesang“ von Mendelssohn-Bartholdy;„Weihe des Gesanges“ von Mozart;„Abendgruss“(Doppelquartett) von Otto Müller; Perpetuum mobile von Weber-Liszt; Perles d'Ecume von Kullak(vorgetragen von Frl. Liesske); Nocturne von Chopin- Wilhelmy für Violine(vorgetragen vom Unterprimaner Zeuner);„Der Lindenbaum“ von Fr. Schubert; „Das treue deutsche Herz“ von J. Otto.— Herr Kommerzienrat Kaps hatte mit gewohnter Freundlichkeit einen Flügel zur Verfügung gestellt. Anfang März wurde Herrn Oberlehrer Dr. Schneider ein zweiter Urlaub und zwar dies- mal zur Stärkung seiner angegriffenen Gesundheit auf 3 Monate erteilt. Bis zum Ende des Schul- jahres wird der Unterricht, den derselbe als Ordinarius der Quarta A zu erteilen hat, durch Herrn Kand. Dr. Galle, der in den übrigen Klassen durch das Kollegium versorgt. 54 Zur diesjährigen Reifeprüfung hatten sich 16 Oberprimaner angemeldet, von denen leider einer wegen eingetretener schwerer Krankheit zurücktreten musste. In Klausur wurden vom 23. Fe- bruar bis 3. März folgende Aufgaben bearbeitet: 1. Deutscher Aufsatz:„Willst du getrost durchs Leben gehen: Blick' über dich; willst du nicht fremd im Leben stehen: Blick' um dich; willst du dich selbst in deinem Werke sehen: Blick' in dich.“(Lavater). 2. Lateinisches Exercitium:„Un- eigennützigkeit der Alten in der Staatsverwaltung.“ 3. Französisches Exercitium:„Mongolenschlacht bei Wahlstatt“ 1241, Bruchstück aus Curtmann. 4. Englischer Aufsatz:„On the proper Use of Time“. 5. Mathematische Aufgaben: a) An eine Parabel vom Halbparameter"⁄2 cm ist eine Tangente gelegt, welche die Hauptachse 5 cm vom Scheitelpunkte trifft. Ferner ist um diese Tangente und die zu- gehörige Normale ein Kreis geschlagen. Wie gross ist das vom Parabel- und Kreisbogen ein- geschlossene Stück der Parabelfläche, und wie gross die Excentricität der Ellipse, die mit diesem Stücke gleichen Inhalt hat, und deren kleine Halbachse der grösseren beträgt? b) Es soll die Gleichung einer Hyperbel bestimmt werden, von welcher die beiden Brennpunkte und eine Normale ihrer Lage nach gegeben sind. c) Ein Dreieck hat die Seiten a= 4, b= 5 und= Gem; wie gross sind die Seiten des Dreiecks, dessen Ecken mit den Fusspunkten der Höhen des ersten Dreiecks zusammenfallen? d) Der Achsenschnitt eines geraden Kegels sei ein gleichseitiges Dreieck mit den Seiten a; es soll der Inhalt und die Oberfläche der eingeschriebenen Kugel bestimmt werden. e) Es ist folgende Gleichung aufzulösen: x⁴— 5+% 8— 2= O. 6. Physikalische Aufgabe:„Die Erklärung der Reflexions- und Refraktionsgesetze nach der Emissions-, sowie nach der Undulationshypothese“. Die mündliche Prüfung fand am 11. April unter dem Vorsitze des für dieselbe zum Regierungs- kommissar ernannten Rektors statt. Sämtlichen Abiturienten wurde das Reifezeugnis zugesprochen. Sie erhielten folgende Censuren: Geburtstag. Sitten- Wissensch. Name. Geburtsort. Studium, Beruf. Censur. Censur. 1. Altschul, Julius... 30. Novbr. 1864 London Chemie 1 II 2. Aster, Friedrich H.. 16. Juni 1864 Chemnitz Neuere Philologie 1 II* 3. Dietrich, Bruno K.. 26. Febr. 1863 Waldenburg Eisenbahndienst 1 III* 4. Dietrich, Oskar M.. 31. Jan. 1864 Dresden Bankfach I III* 5. Dützschhold, Rud. F. 12. Jan. 1865 Gröditz bei Riesa Steuerfach I II 6. Eggert, Bruno C... 12. Aug. 1865 Erfurt Neuere Philologie 1 II* und Geschichte 7. Fritzsche, Eugen R. 21. Mai 1865 Dresden Chemie I II 8. Ganzlin, Karl E... 5. Juni 1865 Lauchhammer Steuerfach I II 9. Hartmann, A. Georg 4. Aug. 1865 Dresden Mathematik I IIb 10. Heinze, H. Richard. 9. April 1864 Kamenz Baufach I IIb 11. Hohlfeld, B. R. Alex. 29. Dezbr. 1865 Dresden Neuere Philologie 1 Ib 12. Kampfrath, H. Adolf 20. Novbr. 1864 Dresden Ingenieurfach 1 II” 13. Piltz, Louis Ottomar 9. Oktbr. 1864 Deuben Medizin 1 It 14. Rudolf, Franz V.. 9. Juli 1864 Berlin Technische Chemie 1 III* 15. Seyfert, F. Gotthard R. 13. Septbr. 1863 Ebersbach Postfach I II. Valediktionsaktus und Entlassung der Abiturienten am 26. März vormittags 10 Uhr. 9 αρ ☛ do . Choral:„O Gott, du frommer Gott“ etc. . Französischer Vortrag des Abiturienten Max Hohlfeld:„Le romancier allemand Hoffmann de Königsberg et sa popularité en France.“ . Englischer Vortrag des Abiturienten Rudolf Dützschhold:„Character of Hamlet, Prince of Denmark.“ Deutscher Vortrag des Abiturienten Bruno Eggert:„Die Romanzendichtung Schillers und Uhlands.“ Poetischer Abschiedsgruss des Unterprimaners Bondi. „Lobgesang“ von Mendelssohn. Entlassung der Abiturienten durch den Rektor. „Comitat“ von Mendelssohn. 5⁵ . 3. Mitteilungen. Nach dem Gesetz,„veränderte Bestimmungen über die Realschulen 1. und 2. Ordnung be- treffend“, vom 15. Februar 1884 und der Ausführungsverordnung zu demselben von gleichem Datum besteht jede Realschule 1. Ordnung von Ostern 1884 an aus neun aufsteigenden Klassen und führt die Bezeichnung„Realgymnasium“. Hinsichtlich der Aufnahme neuer Schüler gelten folgende Bestimmungen: Die regelmässige Aufnahme in die Anstalt erfolgt alljährlich einmal und zwar bei dem Be- ginne des neuen Schuljahres. Die Anmeldung“ hat vor Ostern bei dem Rektor der Schule zu ge- schehen. Dabei ist der Aspirant dem Rektor in der Regel persönlich vorzustellen und sind an Zeugnissen beizubringen: 1. Taufzeugnis(Geburtsschein), 2. Impfschein, 3. bei Konfirmierten das Konfirmationszeugnis und 4. ein Zeugnis über die bisher genossene Bildung(Kenntnisse, Fortschritte, Verhalten). Zur Aufnahme in die unterste Klasse genügt in Bezug auf das Alter das erfüllte neunte Lebensjahr. Als Vorbildung müssen die aufzunehmenden Knaben diejenigen Kenntnisse und Fertig- keiten besitzen, die nach mindestens dreijährigem Unterrichte in einer guten Bürgerschule von einem fleissigen und begabten Knaben erworben werden. Für die Aufnahme in höhere Klassen sind die Leistungen der Recipienden nach den An- forderungen zu bemessen, welche die Lehrordnung in den einzelnen Unterrichtsfächern nach dem Pensum für die betreffenden Klassen stellt. Zur ausnahmsweisen Aufnahme im Laufe des Schuljahres, welche nur unter Voraussetzung dringender Umstände zulässig ist, wird der Nachweis erfordert, dass der Schüler befähigt ist, in den begonnenen ÜUnterricht mit Nutzen einzutreten. Die Aufnahmegebühren betragen 9 Mark; das Schulgeld, das vierteljährlich pränumerando in den ersten Tagen des ersten Monats beim Hausmeister zu entrichten ist, jedoch auch monatlich bezahlt werden kann, beträgt für die Schüler, deren Eltern Dresdner Bürger sind und in Dresden wohnen, in allen Klassen 120 Mark, für Schüler, deren Eltern zwar ausserhalb Dresdens wohnen, aber Dresdner Bürger sind, 144 Mark, bei denen aber, deren Eltern weder in Dresden wohnen, noch hiesiges Bürgerrecht besitzen, 180 Mark. Es haben nach der stadträtlichen Verordnung vom 6. November 1878 die neu eintretenden Schüler das Schulgeld auf das volle angefangene Quartal zu bezahlen; diejenigen Schüler aber, welche vor vollständiger Absolvierung die Anstalt verlassen, haben ihren Abgang vor Schluss des Quartals anzuzeigen, andernfalls das Schulgeld auch dann, wenn der Schüler nur wenige Tage in dem angefangenen Quartal die Schule besucht hat, auf das volle laufende Quartal zu ent- richten. Abiturienten werden stets mit dem Schlusse des I. oder III. Quartals in Abgang gebracht. Etwaige Restanten sind vom Schulgeldeinnehmer noch vor Ablauf des zweiten unbezahlten Monats dem Rektor zur sofortigen Entlassung aus der Anstalt anzuzeigen. Durch Krankheit entschuldigte Schulversäumnis befreit nicht von der Schulgeldentrichtung. Für ein Abgangszeugnis sind 1 ½ Mark an den Schulgelderheber zu zahlen. Die Absolvierung des vollen Kursus erfordert einen Zeitraum von mindestens 9 Jahren, und selbstverständlich haben nur diejenigen Schüler Aussicht, ihn innerhalb jener Frist zu vollenden, * Die Anmeldungen werden vom 7. Januar eines jeden Jahres an vom Rektor entgegengenommen. Unter den Angemeldeten werden zunächst die Einheimischen berücksichtigt; Auswärtige nur dann, wenn noch weitere Plätze vakant sind. Für letzteren Fall behalten die eingeschriebenen Auswärtigen vor den nach dem 15. Februar sich anmeldenden Einheimischen den Vorzug. 56 welche nicht durch Zurückbleiben und mangelhafte Erfolge genötigt sind, den Jahreskursus irgend einer der neun Klassen doppelt durchzumachen. Wer dagegen nach zweijährigem Aufenthalte in einer oberen und mittleren Klasse zur Versetzung in eine höhere nicht reif ist, muss als unfähig aus der Anstalt austreten.* Jedes Jahr findet kurz vor Ostern unter dem Vorsitze eines königlichen Kommissars eine Maturitätsprüfung statt. Auf Zulassung zu derselben haben nur diejenigen Schüler der Anstalt An- spruch, die mindestens ein Jahr in der Oberprima gesessen haben. Aspiranten von auswärts, welche die Maturitätsprüfung bestehen wollen, werden nur dann zugelassen, wenn sie durch ausdrückliche Anordnung des Ministeriums zur Bestehung der Reife- prüfung einer Realschule zugewiesen worden sind. Die Maturitätsprüfungen sind für die eigenen Zöglinge unentgeltlich, auswärtige Examinanden aber haben, wie auch der Ausfall der Prüfung für sie sein mag, für dieselbe 30 Mark einzuzahlen, welche bei der Schulkasse zu verrechnen sind.. Die Abiturienten, die das Maturitätsexamen bestanden haben, gewinnen das Recht zu Studien an allen höheren Fachschulen des Landes(Polytechnikum, Forstakademie in Tharandt, Bergakademie zu Freiberg) und zum Besuche der Universität, um daselbst Mathematik und Natur- wissenschaften sowie Pädagogik in Verbindung mit neueren Sprachen zu studieren; es sollen dieselben nach einem mindestens dreijährigen akademischen Studium zur Prüfung für das höhere Schulamt in Sekt. II und III zugelassen werden und erhalten nach erfolgreich bestandener Prüfung und Erstehung des Probejahres an einer höheren ÜUnterrichtsanstalt die Befähigung zur An- stellung als Lehrer an höheren Volks- und Bürgerschulen, an Realschulen I. und II. Ordnung und Schullehrerseminaren und, wenn sie die Prüfung in Sekt. III bestanden haben, als Lehrer der Mathe- matik und der Naturwissenschaften auch an Gymnasien. Vom Fähnrichs-Examen sind diejenigen dispensiert, welche das Maturitätszeugnis er- worben haben. Schüler, die mindestens ein Jahr in der Sekunda gesessen und in den Fortschritten und dem Betragen die Censur„gut“ erhalten haben, sind vom Examen für den einjährig freiwilligen Militär- dienst befreit. Schüler, welche die Reife für die Prima erlangt haben, können ohne Aufnahme- Examen in die Königl. Tierarzneischule eintreten. Nach einer Verfügung des Kriegsministeriums vom 28. August 1878 müssen junge Leute, welche auf Kosten des Militärfiskus die Tierheilkunde studieren wollen, den Nachweis der Reife für die Prima eines Gymnasiums oder einer Realschule I. Ordnung liefern. Zur Anstellung eines jungen Mannes als Posteleve ist das Reifezeugnis erforderlich. Zum Eintritt in die Steuerbeamtencarrière ist der Nachweis eines 1— 2jährigen Besuchs der Sekunda nötig, ausserdem ist noch eine Aufnahmeprüfung zu bestehen. 4. Statistik. a) Ausschuss für das höhere Schulwesen. Herr Stadtrat Heubner, Vorsitzender. Herr Stadtrat Walther. Herr Stadtverordneter Dr. phil. Blochwitz. „ Stadtrat Dr. Minckwitz.„ Hofrat Dr. med. Hübler. „ Stadtverordneter Generalstaatsanwalt Dr.„ Baumeister Strunz. von Schwarze. Der Rektor. „ Stadtverordneter Oberlandesgerichtsrat Wengler. 57 b) Lehrerkollegium. 1. Rektor: Prof. Dr. Oertel. 11. Oberlehrer: Dr. Karl Moritz Welte. 2. Konrektor: Prof. Dr. Liesske. 12.„ Dr. Richard Kell. 3. Oberlehrer: Prof. Wilhelm Pietzsch. 13.„ Karl August Wobst. 4.„ Karl Ernst Besser. 14.„ Dr. Oskar Dolch. 5.„ Gustav Stiefelhagen. 15.„ Hermann Unbescheid. 6.„ Otto Friedrich Böhme. 16. 5, Dr. Theodor Herrmann. 7.„ Ernst Emil Harich(Biblioth.). 17.„ Dr. Georg Helm. 8.„ Dr. Karl Richard Henke. 18.„ Max Flemming. 9.„ Dr. Hugo Siebeking. 19.„ Karl Demme. 10.„, Dr. Oskar Schneider. 20.„ Hermann Schindler. Ständige Fach- und Oberlehrer: Turnlehrer Eduard Dietrich. Zeichenlehrer Ernst Strauss. Fachlehrer: O. Müller, für Gesang. Prof. Dr. Bruno Rotter, für Stenographie. Prof. Erler, für Feldmessen. c) Freistellen. Zur Belochnung und Förderung strebsamer, aber unbemittelter Schüler hat die Stadtver- waltung 11 ganze und 22 halbe Freistellen bewilligt, welche nach dem Patent vom 16. Dezember 1870 auf Vorschlag des Lehrerkollegiums vom Stadtrate verliehen werden und zwar a) nur an Schüler der Klassen Prima bis Quarta inkl.; b) nur auf ein Schuljahr, vom 1. April bis 1. April; c) nur an Schüler, deren erziehungspflichtige Ernährer ihren wesentlichen Wohnsitz innerhalb des Stadtbezirks haben. NB. Laut Ratsverfügung vom 9. April 1880 sollen die Bewerber um Freistellen ein amtlich beglaubigtes testimonium egestatis einzureichen verpflichtet sein. Im laufenden Schuljahre haben diese Freistellen inne: In Oberprima: Johannes Engelhardt(ganze). Oskar Dietrich(ganze). Felix Meischner(halbe, vom 1. Juli Adolf Günther(halbe). bis 30. September). Georg Hartmann()halbe). Max Trautmann(halbe). Adolf Kampfrath(ganze). In Unterprima: Rudolf Göhre(halbe, b. 30. Septbr.). Richard Kluge(ganze). In Tertia: Adolf Falke(halbe). Georg Kotzs ch mMar(halbe). nläazun kae heeh⸗(halbe). cei zeh n 4 ne 5, Gunas) Robert Holzegel(halbe). aul Seiddel(halbo) Paul Lucchesi(ganze). In Obersekunda: Karl Oertel(halbe). Richard Bürkner(halbe). Ernst Schröter(halbe). Fritz Hofmann(ganze). August Kasper(halbe). Richard Linke(ganze). In Quarta: Johannes Planer(ganze). Paul Lässig(halbe) g. In Untersekunda: Max Schlesinger(halbe). Fritz Albanus(ganze). Hugo Thiele(halbe). Richard Berghold(ganze). Julius Udluft(halbe). 8 58 Aus dem Dispositionsfonds: OI. Alexander Hohlfeld(ganze). V. Rudolf Thieme()halbe). UII. Alwin Lehmann(ganze). Paul Wehnert(halbe). III. Paul Bähr(ganze). Richard Zimmermann(ganze). Die Joh. Meyersche Stiftungsstelle ist seit 1. Januar 1883 dem Untersekundaner Johannes Reibisch verliehen.. Aus der Mattersdorffschen Stiftung erhielt der Oberprimaner Rudolf Dützschhold ein Stipendium von 24 Mark. Das Schäfersche Stipendium von 61 Mark 20 Pf. empfing der Tertianer Hermann Hantzsch. Das Stipendium der alten Annenschüler von 120 Mark wurde dem Polytechniker Herrn Max Funke aus Dresden überwiesen. Aus der Haymannschen Stiftung empfingen Ostern 1883 Bücherprämien: die Abiturienten Max Funke und Fedor Hartmann, der Unterprimaner Alexander Hohlfeld, die Obersekundaner Richard Kluge und Friedrich Russig und die Untersekundaner Johannes Beckmann und Her- mann Köhler. d) Witwen- und Waisenkasse. Kassierer: Oberlehrer Dr. Henke. Die Privatwitwen- und Waisenkasse des Kollegiums ist bis zu einem Bestande von M. 4670. 47. angewachsen. An Geschenken überwiesen denselben im vergangenen Jahre: Herr Guts- besitzer Leschke in Seidnitz M. 10, Untersekundaner Richter M. 10, Herr Mehnert in Gmunden M. 100, Herr Professor Pietzsch das Honorar für Ausschreiben der Reifezeugnisse M. 18. Den freundlichen Schenkgebern spricht das Kollegium auch an dieser Stelle nochmals seinen herzlichsten Dank aus. Die Kasse hat im Jahre 1883 an zwei Witwen und eine Waise M. 140. 70 an Unter- stützungen ausgezahlt. Exemplare von Schramm,„Geschichte der Annenschule“ zu M. 2, und von Dolch„Les deux Bassompierre“ zu M. 1 verkauft der Hausmeister der Anstalt zum Besten der Kasse. e) Die Lehrer-Bibliothek, verwaltet von Oberlehrer Harich, wurde vermehrt: a) Durch Geschenke: Vom Stadtrat zu Dresden: Katalog der Stadtbibliothek zu Dresden. Dresden 1882. Vom Königl. Sächsischen Statistischen Bureau: Zeitschrift desselben XXVIII. Jahrg. Heft 3 und 4, XIX. Jahrg. Heft 1 und 2. Von der Direktion des Königl. Sächsischen Polytechnikums zu Dresden: Programm desselben für das Studienjahr 1883/84. Von der Direktion der Königl. Tierarzneischule zu Dresden: Bericht über das Veterinärwesen im Königreiche Sachsen auf das Jahr 1883. Von der Handels- und Gewerbekammer zu Dresden: Bericht derselben auf die Jahre 1881/82. Von Herrn Oberlehrer Dr. Welte: A. Hartung, Beiträge zur Pädagogik. Wittenberg 1869.— E. Hartwich, Woran wir leiden. Betrachtungen und Vorschläge über Geistes- und Körperpflege. 59 3. Aufl. Düsseld. 1882.— W. Freund, Wie studiert man Philologie? 2. Aufl. Leipzig 1872.— K. v. Raumer, Beschreibung der Erdoberfläche. Leipzig 1832.— J. Ch. A. Heyse, Deutsche Schulgrammatik. 19. Ausg. Hannover 1859.— J. A. Savels, UÜbersicht der vergleichenden Lehre vom Gebrauche der Casus im Deutschen, Französischen, Lateinischen und Griechischen. Essen 1838.— K. Klaunig, UÜber deutsche Rechtschreibung. 2. Aufl. Leipzig 1867.— Regeln und Wörterverzeichnis für deutsche Rechtschreibung. 3. Aufl. Leipzig 1867. Von Herrn Oberlehrer Dr. Helm als Verfasser: Die Elemente der Mechanik und mathematischen Physik. Ein Lehr- und UÜbungsbuch für höhere Schulen. Leipzig 1884. Von Herrn Dr. phil. Bellmann, früherem Schüler, als Verfasser: Produkte der Einwirkung von Fünffach- Chlorphosphor auf Komenaminsäure. Leipzig 1884. b) Durch Ankauf: Dichtungen von D. M. Luther. Hrsg. v. Goedecke. Leipzig 1883.— J. Köstlin, Luthers Leben. 3. Aufl. 2 Bde. Elberfeld 1883.— Luther als deutscher Klassiker. 3 Bde. Frankfurt a. M. 1883.— W. Grimm, Kurzgefasste Geschichte der luther. Bibelübersetzung. Jena 1884.— Grimm, Deutsches Wörterbuch. IV. Bd. I. Abt. 2. Hälfte. 5. Lfg. VI. Bd. 11. Lfg. VII. Bd. 4. Lfg.— W. Scherer, Geschichte., der deutschen Litteratur. Berlin 1883.— Allgemeine deutsche Biographie. Lfg. 81— 91.— L. v. Rancke, Weltgeschichte I.—IV. T. Leipzig 1883.— H. Prutz, Kulturgeschichte der Kreuzzüge. Berlin 1883. — K. Biedermann, 1840— 1870. Dreissig Jahre deutscher Geschichte. 2 Bde. 2. Aufl. Breslau 1883. — Ritters Geographisch-statistisches Lexikon. 7. Aufl. 2 Bde. Leipzig 1883.— Geographisches Jahrbuch. N. Bd. Gotha 1883.— A. E. Freiherr von Nordenskjöld, Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Vega-Expedition. 1. Bd. Leipzig 1883.— v. Kloeden, Handbuch der Erdkunde. 5. Teil. 4. Aufl. Lfg. 1— 5. Berlin 1883.— C. Bursian, Geschichte der klassischen Philologie in Deutschland. 2 Bde. München 1883.— C. F. Gauss' Werke. V.—VII. Bd. Göttingen 1871— 1874. — Gretschel und Wunder, Jahrbuch der Erfindungen und Fortschritte in Physik und Chemie. 19. Jahrg. Leipzig 1883.— W. Wundt, Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 4. Aufl. Stuttgart 1878. — H. Vogel, Die chemischen Wirkungen des Lichts etc. Leipzig 1884.— F. Melde, Akustik. Leipzig 1883.— Die Realschulen in Bayern und ihre Gegner. München 1883.— A. Fick, Uber die Vorbildung zum Studium der Medizin. Berlin 1883.— F. V. Birch-Hirschfeld, Die Bedeutung der Muskelübung für die Gesundheit besonders der deutschen Jugend. Leipzig 1883.— Jahrgang 1883 folgender Zeitschriften: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde.— Petermanns Geographische Mitteilungen, nebst Ergänzungsheften.— LZeitschrift für wissenschaftliche Geographie. — Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik.— Centralorgan für die Interessen des Real- schulwesens.— Archiv für das Studium der neueren Sprachen.— The Saturday Review.— Revue des deux Mondes(antiquarisch).— Annalen der Physik und Chemie.— Zeitschrift für Mathematik und Physik.— Litterarisches Centralblatt. f) Die Schüler-Bibliothek, verwaltet von Primanern unter Aufsicht des Oberlehrers Harich, wurde vermehrt durch Ankauf von: G. Freytag, Soll und Haben. Die verlorne Handschrift. Die Ahnen.— G. Taylor, Antinous. Klytia. — K. L. Roth, Römische Geschichte, 1. Teil 2. Aufl. hrsg. v. A. Westermayer. Nördlingen 1884.— H. v. Zwiedineck-Südenhorst, Kriegsbilder aus der Zeit der Landsknechte. Stuttgart 1883.— Aus der Sammlung: Das Wissen der Gegenwart: Bd. 15 u. 17. Jul. Jung, Leben und Sitten der Römer in der Kaiserzeit. Prag 1883/84. Bd. 18. A. Schultz, Kunst und Kunstgeschichte. Eine Einführung in das Studium der neueren Kunstgeschichte. Prag 1884.— G. Freytag, Doktor Luther. Leipzig 1883. — F. Junge, Martin Luther. Berlin 1883.— Unser deutsches Land und Volk. VIII. Bd.: Bilder aus dem Gebirge und Berglande von Schlesien etc. Hrsg. v. K. Burmann. Leipzig u. Berlin 1884. — Gäa. Natur und Leben. Jahrgang 1883. 8*½ 60 g) Sammlung geographischer Lehrmittel, verwaltet von Dr. Schneider. Angekauft wurden: Hölzel, Geographische Charakterbilder, Lieferung 5 und 6 mit Textheften. Phy- sische und politische Karte von Italien und Karte der Balkanhalbinsel von R. Kiepert. Physische Karte von Deutschland von Petermann. Photographien: 3 Kalmücken, 7 Singhalesen, 5 Feuerländer. Geschenkt wurden: Nutzholz von der Sumpfcypresse und Gelbkiefer. n) sammlungen für Mineralogie und Chemie, verwaltet von Oberlehrer Besser. Die Sammlung für Geognosie wurde durch den Ankauf von 90 Dünnschliffen verschiedener Gesteine, gefertigt von Voigt und Hochgesang, die Mineraliensammlung durch Anschaffung einer Anzahl von Mineralien vermehrt. Ausserdem schenkte Herr Postsekretär a. D. Kretzschmar, ein früherer Schüler unserer Anstalt, einige von einer Reise nach dem Nordkap mitgebrachte Gesteine und Mineralien. Für die chemische Sammlung wurden ein Kippscher Gasentwickelungsapparat, ein Fockescher Gaskrug, sowie eine Anzahl kleinerer Gerätschaften und die nötigen Chemikalien zur Erneuerung und Ergänzung angeschafft. i) Für die physikalische Sammlung, verwaltet von Dr. Helm, wurden angekauft: Ein Metronom; Ergänzungen zum Pendelapparat; eine kräftige Pfeife für Gas- flammenerregung mit 7 Resonatoren zur Beobachtung der Obertöne; eine Stimmgabel b, für den Eigenton der Mundhöhle beim Vokal o; ein Maximum- und ein Minimumthermometer; ein Wasser- hammer; eine elektrische Klingel zur Schallerregung unter dem Rezipienten der Luftpumpe; eine Geislersche Röhre, eine Röhre mit verschiedenen phosphoreszierenden Substanzen, eine Quecksilber- schüttelröhre; zwei Spiralen zur Induktion durch Elektrizität hohen Potentials; endlich eine dynamo- elektrische Maschine für Handbetrieb mit Siemens-Doppel-T-Anker auf Holztisch montiert mit einer Riemenübersetzung für etwa 1200 Touren. k) Zoologisch-botanische Sammlung, verwaltet von Oberlehrer Wobst. Angekauft wurden: Ein Alligatorskelett; eine Klapperschlange; das Ei einer Riesenschlange; Leuckart und Nitzsche,„Zoologische Tafeln“, Lief. 7, und Dodel-Port,„Anatomisch- physiologischer Atlas der Botanik“, Lief. 7. Als Geschenke gingen ein von Herrn Oberlehrer Dr. Dolch ein interessanter von Spechten pearbeiteter Ausschnitt eines Baumstammes und von den Herren Lehrer Jenke, Organist Lodny und G. A. Poscharsky, Inspektor des hiesigen Königl. Botanischen Gartens, wertvolle Setrochnete Pflanzen des In- und Auslandes. An der Vervollständigung obengenannter Sammlung nahmen ferner teil folgende Schüler unserer Anstalt: Kl. IVe Hofmann; IVb Deinert, Hörisch, P. Thiele und Uhle; Ve Bensch, Busch, Kirchhoff, Klein, Marschner, J. Martin, E. Schmidt, Unger und A. Wagner; VI Gottlöber und Pressler. 1) Sammlung plastischer Modelle etc. als Zeichenvorlagen, verwaltet von Oberlehrer Strauss. Angekauft wurde: Calames Landschaftsschule. m) Musikaliensammlung, verwaltet von Gesanglehrer Müller. Angekauft wurden: Müller. Göthe, Gesangschule 5. und 6. Heft. Hennig, Froschkantate, Otto Müller, Hymnus zur Lutherfeier. Landes-Choralbuch. für gemischten Chor arrangiert von Otto Jul. Otto, Gott sei mit dir, mein Sachsenland. Allen denen, die zur Vermehrung unserer Sammlungen durch Geschenke beizutragen die Güte hatten, sei auch hier unser wärmster Dank dargebracht. Schulbücher, welche Ostern 1884 gebraucht werden. 1. Religion. Bibel. Landes-Gesangbuch. Der kleine Ka- techismus nebst dem religiösen Memorier- stoff für die Schulen Sachsens.(VI—III.) Berthelt, biblische Geschichte(Ausgabe ohne Bilder).(VI u. V.) Noack, Hilfsbuch für den evangel. Religions- unterricht in höheren Schulen.(III— I.) 2. Deutsch. Regeln und Wörterverzeichnis für die deut- sche Rechtschreibung in den sächsischen Schulen.(VI— III.) Masius, Lesebuch, Teil I.(VI u. V.) Masius, Lesebuch, Teil II.(IV u. III.) Geschichte der deutschen National- (II u. I.) Kluge, litteratur. 3. Lateinisch. Hinsichtlich der latein. Grammatik bleibt weitere Mitteilung vorbehalten. Ostermann, Lateinisches UÜbungsbuch für Sexta.(VI u. V.) Ostermann, Lateinisches Übungsbuch für Quinta(N u. IV.) Cornelius Nepos.(UIII.) Georges, lateinisch-deutsches und deutsch- lateinisches Schulwörterbuch. Leipzig, Hahn.(III-— I.) Jul. Cäsar de bello Gallico.(Weidm. Ausg.) (OIII u. UII.) Cic. orat. Catilin.(Weidm. Ausg.)(OII.) Livius, lib. XXII.(UI.) Ovid, Metam. ed. Sibelis-Polle.(UII u. OII.) Virgil, Aeneis ed. Ladewig.(UI.) Cic. de oratore.(Weidm. Ausg.)(OI.) Horat. Flacc. Od.(OI.) 4. Französisch. Plötz, Elementargrammatik.(V. u. IV.) Plötz, Schulgrammatik.(III— I.) 5. Englisch. Gesenius, erstes Lesebuch.(III u. UII.) Gesenius, Grammatik.(UII— I.) 6. Geographie. Daniel, Leitfaden, herausgegeben von Kirch- hoff.(VI-—IV.) Atlas von Kiepert, oder Stiehler, oder Sydow, oder Lichtenstern und Lange, oder Diercke und Gäbler.(V— OII.) Ruge, Geographie für Hlan0l. und Real- schulen.(III OII.) Dr. O. Schneider, Typenatlas.(vI= on) 7. Geschichte. Rhode oder Spruner, Geschichtsatlas.(VI— I.) Kiepert, Atlas der alten Geschichte.(II.) Köpert, Geschichtskursus für die mittleren Klassen.(IV— UII.) S. Naturgeschichte und Naturlehre. Heis, Sammlung algebr. Aufgaben.(III— I.) Besser, Pflanzenkunde.(VI u. V.) Leunis, Schulnaturgesch., Zoologie.(VI—IV.) Bock, Bau u. Leben d. menschl. Körp.(UIII.) Wünsche, Flora von Sachsen.(IV u. UIII.) Hornstein, Lehrb. d. Mineralogie.(OIII u. UII.) Jochmann, Experimentalphysik.(O III— I.) Helm, Elemente der Mechanik und mathem. Physik(empfohlen für I). Lorscheid, Lehrb d. anorg. Chemie.(OII u. I.) 9. Rechnen und Mathematik. Bothe, Sammlung von Rechenaufgaben, H. I. (VD, H. II(V u. IV), H. III(IV— UII.) 10. C. F. Gauss, fünfstellige Logarithmen. Stenographie. Krieg, Lehrbuch der stenographischen Korre- spondenzschrift. Dresden, Dietze. 1876. (III u. II.) Krieg, Schreibhefte mit Vorschriften.(III.) Lesebibliothek pro 1884, herausg. vom königl. stenogr. Institut.(III.) Echo pro 1884.(II.) Stenographische Unterrichtstafeln mit dazu- gehörigem stenographischen Lesebuche. (III u. UII.) Schüler-Verzeichnis. Die mit* bezeichneten Schüler sind im Laufe des Schuljahres abgegangen. Ober-Prima. Nr. Name. Geburtsort. Leburis 8. NMr. Name. Geburtsort. Gehhets⸗ 1 Altschul, Julius. London. 1864. 9 Günther, Adolf. Dresden. 1863. 2 Aster, Friedrich. Chemnitz. 1864. 10 Hartmann, Georg. Dresden. 1865. 3 Dietrich, Bruno. Waldenburg. 1863. 11 Heinze, Richard. Kamenz. 1864. 4 Dietrich, Oskar. Dresden. 1864. 12 Hohlfeld, Alexander. Dresden. 1865. 5 Dützschhold, Rudolf. Gröditz. 1865. 13 Kampfrath, Adolf. Dresden. 1864. 6 Eggert, Bruno. Erfurt. 1865. 14 Piltz, Ottomar. Deuben. 1864. 7 Fritzsche, Eugen. Dresden. 1865. 15 Rudolf, Franz. Berlin. 1864. 8 Ganzlin, Karl. Lauchhammer. 1865. 16 Seyfert, Gotthard. Ebersbach i. d. 1863. Oberlausitz. Unter-Prima. 1 Bondi, Georg. Dresden. V 1865. 13 Russig, PFriedrich. Rückersdorf b. 1865. 2 Fröhner, Georg. Dresden. 1865. Stolpen. 3 ½ Göhre, Rudolf. Wurzen. 1866.[ 14 v. Scheibner, Felix. Freiberg. 1865. 4 Gregor, Johannes. Dresden. 1866. 15 Schieferdecker, Max. Dresden. 1866. 5 Hänichen, Oskar. Lockwitz. 1865. 16 Schneider, Konrad. Bischofswerda. 1865. 6 Kluge, Richard. Dresden. 1866. 17 Schönert, Karl. Zwickau. 1865. 7 Kotzschmar, Georg. Altharzdorf b. Rei- 1865. 18 Schwedler, Max. Grossenhain. 1865. chenberg i. B. 19 Seidel, Paul. Leipzig. 1867. 8 Reinhardt gen. Leh- Schafstädt. 1863. 20 Taeger, Friedrich. Leipzig. 1866. mann, Bruno. 21 Turley, Axel. Hammer i. Schwe- 1863. 9 Lochmann, Karl. Kötzschenbroda. 1867. den. 10 v. Mankowski, Peter. Sahinka i. Podo- 1866. 22 Wagner, Ferdinand. Crimmitschau. 1866. 11 Mirus, Arthur. Dresden. ſlien. 1866. 23 Zeuner, Fritz. Fluntern b. Zürich. 1864. 12 Mosig, Ernst. Kirchberg. 1865. Ober-Sekunda. 1 V Bürkner, Richard. Dresden. 1868. 16 Metzke, Hermann. Glogau. 1865. 2 Förster, Hans. Pirna. 1864. 17 Mögel, Oskar. Dresden. 1864. 3 FPriedrich, Alexander. Dresden. 1865. 18 Planer, Johannes. Dresden. 1867. 4 Hartig, Georg. Dresden. 1866. 19 Römer, Walter. Hainsberg. 1866. 5 Hattenius, Ernst. Dresden. 1865. 20 Rosenlöcher, Arthur. Gävernitz. 1866. 6 Hofmann, Fritz. Moskau. 1865. 21 Rubly, Eduard. Pressburg. 1867. 7 Job, Wolfgang. Dresden. 1865. 22 Salbach, Franz. Berlin. 1866. 8 Kasper, August. Dresden. 1864. 23 Sandig, Bernhard. Dresden. 1864. 9 Köhler, Hermann. Gross-Dorfhain. 1867. 24 Schöne, Reinhold. Dresden. 1865. 10 Kummer, Friedrich. Dresden. 1865. 25 Schreckenbach, Rudolf Dresden. 1865. 11 Leuthold, Richard. Dresden. 1867. 26 Strohbach, Guido. Sebnitz.. 1865. 12 Liebe, Paul. Dresden. 1866. 27 Thamm, Paul. Ketschdorf i. 1865. 13 Linke, Richard. Neudörfchen b. 1866. Schlesien. FPrankenberg. 28* Welz, Alois. Podhoran b. Czas- 1865. 14½ Matthaes, Konrad. Dresden. 1867. lau. 15 Melzer, Rudolf. Leipzig. V 1866. 29 Wend, Arthur. V Saehsdort b. Wils- 1867. ruff. 64 Unter-Sekunda A. Nr. Name. Geburtsort. geurts Nr. Name. Geburtsort. Achurts⸗ 1 Bayer, Eugen. Wien. 1868. 14 Petrovsky, Alwin. Zittau. 1865. 2 Berghold, Richard. Dresden. 1867. 15 Printz v. Buchau, Fr. Dresden. 1866. 3 Bierling, Albert. Dresden. 1869. 16 Reibisch, Paul. Dresden. 1867. 4 Engelharlo, Johannes. Dresden. 1868. 17 Reibisch, Johannes. Dresden. 1868. 5 Günther, Walter. Dresden. 1865. 18 Riedrich, Paul. Dresden. 1868. 6 Hantzasch, Arthur. Sebnitz..1866. 19 Schreiber, Albert. Niedersedlitz. 1868. 7 Heinemann, Karl. Rytwiany(Russ.- 1866. 20 Taggesell, Alfred. Dresden. 1868. 8* Herkner, Georg. Döbeln. Polen.) 1866. ¹) 21 Thamm, Leopold. Waltersdorf i. 1867. 9 Hessel, Richard. Dresden. 1868. Schlesien. 10 Hesselbach, Paul. Schneeberg. 1867. 22 Trautmann, Max. Leipzig. 1866. 11 Heyne, Rudolf. Moskau. 1865. 23 Wessling, Paul. Glogau. 1865. 12 Klingenberg, Johannes. Magdeburg. 1867. 24 Wobst, Georg. Dresden. 1866. 13 Kunz, Richard. Chemnitz. 1868. 25 Zumpe, Hermann. Dresden. 1868. Unter-Sekunda B. 1 Albanus, Fritz. Berlin. 1868. 14 Lehmann, Alwin. Bischofswerda. V 1868. 2 Beckmann, Otto. Dresden. 1869. 15 Löschcke, Rainold. Dresden. 1867. 3 Bendan, Leopold. New-NYork. 1868. 16 Männel, Hans. Dresden. V 1869. 4 Duchesne, Alexander. Dresden. 1868. 17*Meischner, Felix. Glauchau. 1868. 5 End, Max. Strehlen. 1866. 18 Meurer, Hugo. Sallach i. Steier- 1869. 6 Prancke, Richard. Dresden. 1866. mark. 7 Glasow, Paul. Dresden. 1865. 19 Oertel, Walter. Leipzig. 1869. 8 Haase, Ernst. Wran b. Prag. 1869. 20 Opelt, Alexander. Dresden. 1866. 9 Herrmann, Oskar. Chemnitz. 1869. 21 Radlauer, Isidor. Lodz in Polen. 1867. 10 Horn, Alwin. Dresden. 1868. 22 Rüger, Fritz. Dresden. 1865. 11 Hoyer, Richard. Wilsdruff. 1867. 23 Vuillaume, Edmond. Dresden. 1868. 12 Kopf, Hermann. Freiberg. 1865. 24 Zoller, Friedrich. Kranichau b. Tor- 1864. 13 Kurzreuter, Emil Eisenberg b. Mo- 1864. gau. ritzburg. Tertia A. —„1 1 Barnewits, Otto. Dresden. 1869. 19 Lucchesi, Paul. Dresden. 1869. 2 Barth, Ludwig. Dresden. 1868. 20 Medem, August. Danzig. 1867. 3 Bretschneider, Georg. Dresden. 1868. 21 Mehrländer, Fritz. Dresden. 1870. 4 Deneke, William. Raguhn i. Anhalt- 1868. 22 Müller, Arno. Ziegelheim b. Wal- 1867. schen. denburg. 5 Dieckmann, Theodor. Halberstadt. 1867. 23 Rüller, Georg. Dresden. 1869. 6 Francke, Kurt. Dresden. 1869. 24 Oertel, Karl. Dresden. 1868. 7 Gaitzsch, Paul. Döbeln. 1870. 25 Richter, Alfred. Dresden. 1869. 8 Gawehn, Arthur. Königsberg. 1868. 26 Rohde, Otto. Schandau. 1869. 9 Göhre, Alfred. Wurzen. 1870. 27 Schramm, Arthur. Dresden. 1868. 10 Götze, Max. Dresden. 1869. 28 Schulze, Hermann. Dresden. 1869. 11 Gross, Johannes. Rosswein. 1869. 29 Simon, Paul. Dresden. 1869. 12 Hantzsch, Hermann. Dresden. 1870. 30* Uhle, Walter. Plaue b. Flöha. 1868. 13 Henckel, Hermann. Tetschena. d.Elbe. 1868. 31 UIIrich, Alfred. Dresden. 1868. 14 Kelling, Johannes. Dresden. 1867. 32 Unger, Walter. Leipzig. 1868. 15 Klemm, Bruno. Saida b. Kreischa. 1867. 33 Wagner, Max. Dresden. 1868. 16 Knie, Georg. Herzberg. 1868. 34 Wünsch, Hugo. Almsdorf b. Merse- 1868. 17 Liebe, Wilibald. Dresden. 1868. burg. 18 Loss, Hans. Dresden. 1868.. 35 Zimmermann, Richard.] Chemnitz. 1869. Tertia B. Nr. Name. Geburtsort. endeis⸗ Nr. Name. Geburtsort. Aebnets — 1* Arnhold, Paul. Reudnitz. 1868. 185 Löwenthal, Max. New-York. 1868. 2 Bäahr, Paul. Grossburgk. 1870. 19 Mörbitz, Arthur. Bautzen. 1870. 3 Becker, Hans. Dresden. 1870. 20 Nagel, Hans. Dresden. 1868. 4 Bober. Theobald. Dresden. 1868. 21 Rausch, Ernst. Düben b. Bitter- 1869. 5 Brill, Edmund. Tysmienitz i. Ga- 1869. feld. lizien. 22 Renz, Otto. Dresden. 1869. 6 Bruck, Boris. Krementschug i. 1869. 23 Richter, Moritz. Dresden. 1869. Russland. 24 Schöne, Georg. Schandau. 1868. 7 Falke, Adolf. Dresden. 1869. 25 Scholze, Kurt. Leaeipzig. 1868. 8 Fichtner, Bruno. Zwenkau. 1866. 26 Schrader, Gustav. Magdeburg. 1869. 9 Fürstenheim, Sally. Chemnitz. 1870. 27 Schröter, Ernst. Dresden. 1869. 10 Gerlach, Johannes. Dresden. 1868. 28 Stenz, Walter. Dresden. 1869. 11 Hahner, Oskar. Dresden. 1870. 29 Uhlig, Otto. Dresden. 1869. 12 Helm, Kurt. Grödel b. Riesa. 1867. 30 Ulbricht, Johannes. Dresden. 1869. 13 Heussner, Herbert. New-York. 1868. 31 Wetzlich, Arthur. Dresden. 1869. 14 Holzegel, Robert. Dresden. 1870./ 32 Wienrich, Felix. Schönfeld b. Leip- 1869. 15 Jordan, Edmund. Birkigt b. Tet- 1869. aig. 16 Köller, Gustav. Breslau.[schen. 1870. 33 Zschoche, Adolf. Nogowschütz i. 1868. 17 Krausse, Gustav. Rudersdorf b. 1868. Oberschlesien. Wittenberg. 34 Zumpe, Arthur. Zowickau. 1869. Quarta A. 1 Altmann, Heinrich. Pirna. 1870. 20 Marcus, Alfred. Dresden. 1869. 2 Auenmüller, Leo. Bautzen. 1870. 21 NMaron, Alfred. Dresden. 1870. 3 Bähr, Hans. Dresden. 1870. 22 Minne, Oskar. Dresden. 1870. 4 Bärner, Max. Dresden. 1871. 23 Mitscherlich, Alfred. Teplitz. 1870. 5* Bauriegel, Richard. Claussnitz b. Mitt- 1869. 24 Morgeneyer, Arno. Dresden. 1869. weida. 25 Nahke, Kurt. ¹ Reichenbach i. V. 1869. 6* Berkholz, Otto. UÜckermünde b. 1869. 26 Pape, Hans. Braunschweig. 1867. Stettin. 27* Printz v. Buchau, Heinr. Dresden. 1870. 7 Bolten, Heinrich. Chemnitz. 1871. 28 Räppe, Bernhard. Strassgräbchen b. 1869. 3 Bräuer, Emil. Potschappel. 1867. Kamenz. 9 Dathe, Max. Dresden. 1869. 29 Rosanoff, Stephan. Dresden. 1869. 10 Dittrich, Arno. Lichtenhain b. 1867. 30 Schlesinger, Max. Berthelsdorf b. 1869. Sebnitz. Lauban. 11 Escher, Max. Dresden. 1870. 31 Spitzner, Georg. Dresden. 1871. 12* Höffert, Hans. Dresden. 1870. 32 Tanneberger, Gustav. Dresden. 1869. 13 Hofmann, Ernst. Moskau. 1870. 33 Thomas, Wilhelm. Dresden. 1870. 14 v. Hoyer, Felix. Johnsdorf. 1868. 34 Uqdluft, Julius. Dresden. 1870. 15 Jentzsch, Hans. Dresden. 1871. 35 Unger, Fritz. Dresden. 1869. 16 Kempte, Friedrich. Crimmitschau. 1871. 36 Weidemann, Arthur. Dresden. 1871. 17 Kessler, Franz. Berlin. 1870. 37 Wetzlich, Johannes. Dresden. 1871. 18 Krantz, Hans. Dresden. 1870. 38 Wimmer, Franz. Chemnitz. 1869. 19 Küntzel, Felix. Mügeln b. Oschatz. 1870. 39 Zenker, Moritz. Radeburg. 1867. Quarta B. 1 Altmann, Alban. Dresden. 1870. 8 Günther, Franz. Annaberg. 1870. 2 Bachmann, Georg. Dresden. 1869. 9 Hänsel, August. Dresden. 1868. 3 Beger, Richard. Kottewitzb. Meiss. 1869. 10 Hanschmann, Klemens. Dresden. 1871. 4 Besser, Fritz. Dresden. 1871. 11 Hartert, Willy. Breslau. 1870. 5* Braune, Hermann. V Dölzschen. 1869. 12 Hasse, Julius. Dresden. 1868. 6 Deinert, Johannes. Dresden. 1870. 13 Hengst, Richard. Dresden. 1867. 7 Gmeiner, Max. Dresden. 1870. ¹ 14 Hörisch, Konrad. Dresden. 1869. 66 17 . Nr. Name. V Geburtsort. Seuas Nr. Name. Geburtsort. Gbuits. 1 15 Holz, Julius. V Kalisch. 1869. 28 V Popp, Karl. Last b. Prettin. 1867. 16 Kahnert, Max. Söbrigen b. Pill- 1869. 29 Richter, Hermann. Dresden. 1871. 17 Kelling, Kurt Dresden.[nitz. 1869. 30 Riedrich, Ernst. Dresden. 1870. 18 Köckeritz, Ernst. Dresden. 1869. 31 Rocksch, Paul. Dresden. 1870. 19 Köhler, Robert. Dresden. 1869. 32 Scheppig, Willy. Berlin. 1871. 20 Kröber, Paul. Meissen. 1869. 33 Seifert, Max. Bretnig b. Pulsnitz. 1870. 21 Küche, Konrad. Dresden. 1869. ſ 34 Spitzner, Alfred. Elster i. V. 1871. 22 Lässig, Paul. Dresden. 1870. 35 Täubrich, Otto. Dresden. 1869. 23 Manck, Elfried. Dresden. 1869. 36 Thiele, Paul. Leipzig. 1869. 24 Müller, Karl. Leipzig. 1869. 37 Thiele. Hugo. Leipazig. 1871. 2⁵ Nahke, Alexander. Reichenbach i. V. 1871. 38 Uhle, Arnold. Plaue b. Flöha. 1870. 26 Opelt, Max. Dresden. 1867. 39 Wilke, Robert. Dresden. 1870. 27 Pezold, Max. Schönfeld b. Greiz. 1870. 40 Zimmermann, Rudolf. Dresden. 1870. Quinta A. 1 Arndt, Max. Dresden. 1870. 21 Lehmann, Paul. Dresden. 1870. 2 Baumann, Oskar. Dresden. 1869. 22 Löhnis, Hans. Dresden. 1871. 3 Baumann, Richard. Dresden. 1870. 23 Mehrländer, Max. Dresdeu. 1872. 4 Blau, Karl. Dresden. 1871. 24 Müller, Richard. Dresden. 1871. 5 Cossmann, Hans. Dresden. 1870 25 Naumann, Albin. Dresden. 1869. 6 Fichtner, Albert. Obergorbitz. 1870. 26 Niezel, Rudolf. Dresden. 1870. 7 Fischer, Oskar. Dresden. 1871. 27 Opelt, Wilhelm. Dresden. 1869. 8 Giese, Friedrich. Düsseldorf. 1871. 28 Philippi, Karl. Dresden. 1871. 9 Göhlert, Georg. Satzungen. 1870. 29 Pohlenz, Wilhelm. Annaberg. 1871. 10 Görler, Alfred. Dresden. 1872. 30 Reiche, Friedrich. Prag. 1871. 11 Grunert, Hugo. Dresden. 1869. 31 Richter, Hans. Weida. 1870. 12 Haan, Erich. Dresden. 1871. 32 Rössler, Max. Dresden. 1871. 13 v. Haber, Anatol. Brest Litevsk b. 1870. 33 Seidel, Max. Grossenhain. 1870. Warschau. 34 Seifert, Hugo. Dresden. 1870. 14 Henzenberger, Walther. Leipzig. 1869. 35 Seifert, Paul. Dresden. 1870. 15 Hermann, Oskar. Dresden. 1869. 36 Stiefelhagen, Hans. Dresden. 1872. 16 Holstein, Alfred. Leipzig. 1869. 37 Watzke, Ernst. Mickten. 1869. 17 John, Adolf. Lodz. 1871. 38 Westmann, Gustav. Neustadt b. Chem- 1871. 18 Kaps, William. Dresden. 1872. nitz. 19 Kirchel, Richard. Dresden. 1870. 39 Wünsche, Alban. Reudnitz. 1870. 20 Kunath, Walther. Dresden. 1871. 40 Zenker, Edmund. Radeburg. 1869. Quinta B. 1 Bensch, Johannes. Löbau. 1870. 18 Marschner, Paul. Neustadt b. Stol- 1871. 2 Berger, Oskar. Dresden. 1872. 19 Matthes, Friedrich. Chemnitz. ſpen. 1870. 3 Busch, Max. Wilsdruff. 1870. 20 Morgenstern, Arthur. Dresden. 1872 4 Dietrich, Bruno. Dresden. 1872.]/ 21 Mäüller, Karl. Bautzen. 1870. 5 Eisenhardt, Georg. Dresden. 1871. 22 Pflücke, Max. Penig. 1869. 6 Göpfert, Oskar. Dresden. 1869. 23 v. Querfurth, Turso. Wildenthal b. 1870. 7 Graf, Viktor. Aussig. 1872. Eibenstock. 8 Hast, Fritz. Berlin. 1871. 24 Reichardt, Max. Dresden. 1871 9 Jean, Hugo. Bukarest. 1870. 25 Riedel, Frank. St. Franzisko. 1871. 10 Kirchhoff, Alexander. Dresden. 1869. 26 Riesenfeld, Isidor. Gleiwitz i. Ober- 1870. 11 Klein, Rudolf. Cossebauda. 1870. schlesien. 12 Kratsch, Emil. Potschappel. 1869. 27 Schietzold, Hugo. Dresden. 1872. 13 Krüger, Kurt. Plauen i. V. 1872. 28 Schmidt, Edwin. Dresden. 1872. 14 Lehnhoff, Friedrich. Guatemala. 1871. 29 Schmidt, Oskar. Wittgensdorf b. 1870 15 Marcus, Georg. Dresden. 1871. Chemnitz. 16 Martin, Johannes. Dresden. 1870.) 30 Schurig, Otto. Dresden. 1871. Martin, Ludwig. Melbourne. 1870. ſ 31 Schurz, Georg. Berlin. 1870 67 Nr. V Name. Geburtsort. Leuunise Nr. Name. Geburtsort. 8 hhets⸗ 32 Thieme, Rudolf. Dresden. 1871. 37 Wagner, Max. Dresden. 1871. 33 Tränkner, Theodor. Dresden. 1871.¹ 38 Wallerstein, Max. Dresden. 1870. 34 Uhlig, Franz. Mohorn. 1870. 39 Wehnert, Paul. Dresden. 1872. 35 Unger, Ernst. Koselitz b. Grossen- 1869. 40 Zinke, Rudolf Falkenhain b. 1870. 36 Wagner, Alfred. Cotta. Ihain.] 1869. Wmeesenstein. Sexta A. 1 Arnstädt, Hermann. Freiberg. 1872. 18 Manjock. Otto. Dresden. 1870. 2 Baer, Julius. Dresden. 1873. 19 Martin, Ernst. Sidney i. Austra- 1871. 3 Berghold, Franz. Dresden. 1872./ 20 Michael, Erich. Leipzig.(lien. 1871. 4 Crahmer, Richard. Dresden. 1871. 21 Noack, Max. Dresden. 1873. 5 Duchesne, Wilhelm. Weiss. Hirsch b. Dr. 1872. 22 Pfeiffer, Rudolf. Dittersbach b. 1873. 6 Geissler, Emil. Dresden. 1872. Stolpen. 7 Gerhardt, Rudolf. Dresden. 1873. 23 Pressler, Kurt. Löbau. 1871. 8 Giebler, Oskar. Dresden. 1871. 24 v. Reinsperg, Viktor. San Leopoldo 1872. 9 Gldnuer, Arthur. Berlin. 1872.(Brasilien). 10 Gottlöber, Wilhelm. Dresden. 1871. 25 Schmidt, Alfred. Wilsdruff. 1869. 11 Grimm, Paul. Dresden. 1872. 26 Schmidt, Hermann.- Dresden. 1872. 12 Hofmann, Alfred. Dresden. 1872. 27 Sohm, Otto. Potschappel. 1870. 13 John, Alfred. Lodz. 1873. 28 Wackwitz, Otto. Zschachwitz. 1873. 14 Klien, Ernst. Leeds b. York 1871. 29 Wara, Felix. Dresden. 1872. (England). 30 Wendt, Hugo. Berlin. 1872. 15 Knobloch, Oskar. Dresden. 1873. 31 Wimmer, Paul. Hiogo i. Japan. 1872. 16 Köhler, Johannes. Dresden. 1873. 32 Wippern, Robert. Schöndamerau 1870. 17 Littmann, Rudolf. Langensalza. 1871. i. Ostpr. Sexta B. 1 Andreades, Arthur. Leipzig. 1872. 20 Lotze, Walter. Dresden. 1872. 2 Bauer, Edwin. Dresden. 1873. 21 Oertel, Erich. Leipzig. 1872. 3 Beihl, Paul. Langensalza. 1871. 22 Pruggmayer, Richard. Dresden. 1872. 4 Besser, Kurt. Dresden. 1872. 23 Pudor, Wilhelm. Dresden. 1872. 5 Böhme, Robert. Dresden. 1873. 24 Raffelt, Paul. Dresden. 1873. 6 Böhler, Richard. New-York. 1872. 25 Ratka, Ernst. Uittwa b. Karls- 1869. 7 Fasold, Alwin. Dresden. 1872. 26 Riesenfeld, Samuel. Gleiwitz.[bad. 1871. 8 Franze, Reinhold. Pirna. 1870. 27 Rost, Arno. Ulberndorf b. 1873. 9 Friedrich, Alexander. Hamburg. 1872. Dippoldiswalde. 10* Grossmann, Erich. Bischofswerda. 1872. 28 Rost, Edgar. Ulberndorf b. 1872² 11 Hecht, Max. Dresden. 1872. Dippoldiswalde. 12 Hofmann, Max. Dresden. 1873. ¹/ 29 Sattler, Bernhard. Kronberg b. 1873 13 Kasper, Ernst. Dresden. 1871. Frankf. a. M. 14 Kelling, Arthur. Dresden. 1872. 30 Schubart, Friedrich. Strehlen. 1871 15 Köbcke, Kurt. Colberg. 1872. 31 Seeger, Georg. Brandenburg. 1873. 16 Köhler, Emil. Spitzcunnersdorf. 1870. 32 Sommer, Klemens. Glashütte. 1869. 17 Kreyser, Paul. Dresden. 1872. 33 Tebrich, Max. Kamenz. 1872. 18 Kühne, Alfred. Pirna. 1870. 34 Wagner, Alfred. Dresden. 1870 19 Linker, Adolf. Breslau. 1873. 35 Wünsche, Feodor. Reudnitz. 1872 8— 9 VIa. 9— 10 VIb. 10— 11 Va. 11— 12 Vb. 8— 9 0II. 9— 10 UIIa. Ordnung der öffentlichen Prüfungen. Donnerstag, den 3. April: Demme. Besser. Flemming. Prof. Pietzsch. Unbescheid. Schindler. Dr. Herrmann. Dr. Helm. Dr. Welte. Schindler. Dr. Helm. Dr. Dolch. vorniittags 8—12 Uhr. nachmittags 4— 6 Uhr. 2— 3 IVa. Religion. Böhme. Geometrie Latein. Dr. Siebeking.„ Naturgeschichte 3— 4 IVb. Rechnen. Wobst. Geographie Latein. Flemming. Latein. 4— 5 IIIa. Naturgeschichte Dr. Kell. Deutsch Französisch. Stiefelhagen. Französisch. 5— 6 IIIb. Deutsch Wobst. Englisch. Geschichte Dr. Welte. Geometrie Freitag, den 4. April: vormittags 8— 12 Uhr. — 10— 11 UIIb. Religion Konrektor. Geographie. Chemie Besser. Französisch. 11— 12 UI. PLatein.... Hlarich. Physik. Allgem. Arithmetik Dr. Henke. Englisch Das neue Schuljahr beginnt Dienstag, den 22. April, früh 8 Uhr. findet Montag, den 21. April, von früh 8 Uhr an statt. Die Sprechstunden des Unterzeichneten sind täglich von 11— 12 Uhr mit Ausschluss der Sonn- und Festtage sowie der Schulferien. Dresden, den 19. März 1884. Die Aufnahmeprüfung Prof. Dr. A. Oertel, Rektor.