Pro —◻ „184 (Als Beilage zum Programm des Grossherzoglichen Gymnasiums zu Giessey X. Der Unterricht in Quinta nach dem Concentratiom r Vom prov. Gymnasiallehrer Lehramtsassessor Dr./Schmitt. ——— II. Sachlich-historischer Theil. In diesem Teile sind ebenfalls hauptsächlich Lateinisch, Deutsch und Geographie berück- sichtigt; die übrigen Fächer— Religion, Naturgeschichte, Zeichnen, Singen, Turnen“— nur insoweit, als sie vom Verfasser bei seinem Unterrichte wirklich verwertet wurden. Eine aus- giebigere Benutzung erweist sich zur Zeit aus naheliegenden Gründen als nicht durchführbar. A. Heimatkunde. Der Lehrstoff im Deutschen hat nach dem Lehrplan zunächst den Zweck, dem Schüler über seine Vorfahren und das von ihnen bewohnte Land eine anschauliche Vorstellung zu geben. Von den alten Germanen, ihrer Lebensweise, ihren Sitten, Staatseinrichtungen, hervor- ragenden Schicksalen, sowie einem landschaftlichen Bilde Deutschlands zur Römerzeit ausgehend bringt der Lehrer die allmähliche Entwicklung und den Fortschritt dieses Volkes in culturhistorischer Beziehung vermittelst einzelner anschaulicher, in sich ab- geschlossener Bilder zu klarer Darstellung; diese Bilder gruppieren sich meist um eine bedeutende Persönlichkeit und schliessen im wesentlichen mit den grolsen Tagen von 1870 ab. Der geographische Lehrstoff führt dem Schüler das deutsche Land und seine Bewohner auf ihrer heutigen Culturstufe vor Augen. Hierbei soll er besonders dafür ein klares Verständnis gewinnen, wie im Gegensatze zur früheren Zeit der Mensch kraft seiner mit der Cultur zunehmenden geistigen Ausbildung die Herrschaft über die Natur dieses Landes und seine Producte sowohl zum eigenen Vorteil wie auch im Interesse seiner Mitmenschen jetzt zu verwerten im Stande ist. Wie diese Stufe im Laufe der Jahrhunderte erreicht 1 Im Auszug schon veröffentlicht in Schiller, die einheitliche Gestaltung des Gymnasialunterrichts, Halle 1890, p. 44 ff. Inzwischen haben sich in der Praxis des Unterrichts wie auch infolge der Einführung des deutschen Lesebuches von Dadelsen in den unteren Klassen(Teil I für Sexta, Teil II für Quinta, Straſs- burg 1892) einzelne IImänderungen und Zusätze ergeben. ² Ausführlicheres hierüber bei Schiller a. a. O. p. 53 ff. u. 59. Zum Zeichnen vgl. Matthäi, der Zeichen- unterricht am humanistischen Gymnasium und sein Verhältnis zu den übrigen Unterrichtsfächern, Gymn. Programm 1889/90 p. 13 ff; Willmann päd. Vorträge p. 109; Zopf in Zeitschr. f. d. Gymn. XXXVII, p. 108 ff; zum Religionsunterricht Schiller Handb. d. Päd. Leipzig 1890² p. 277 ff. u. 539; ders. in Zeitschr. f. d. Gymn. XXXXII, p. 407 u. 415; Zange in Lehrpr. XII, p. 81 ff. Beispiele für Rechenaufgaben, welche dem Concen- trationsprincip entsprechen, gibt Hartmann, Anleitung zur Behandlung des elem. Rechenunterr. Leipzig 1890 p. 85; vgl auch Willmann a. a. 0. p. 105. worden ist, wird dem Schüler erst vollständig klar durch eine Verbindung von Deutsch und Geographie, die man mit Recht Heimatkunde nennen kann. Sie führt ihn direct in das Verständnis seines Volkstums ein, und es wird daher keines besonderen Beweises bedürfen dafür, dafs der Lehrstoff dieser beiden Fächer, die mit zusammen 7 Stunden wöchentlich am Gesamtunterrichte beteiligt sind, in den Mittelpunkt desselben zu treten hat. Wirksame Stützen bieten dabei die neleingefühtrten Lesebücher von Dadelsen, welche im Vergleich zu dem bis- herigen Lesebuch von Masius eine grolse Reihe von kurzen, aber klar und vorbildlich abge- falsten Darstellungen aus der deutschen Sage, Landes- und Volkskunde enthalten. I. Deutsch. ¹ Der Deutsche Unterricht führt folgende Geschichtsbilder vor: 1. Wie es zur Römerzeit in unserer Umgebung aussah. Verbunden wird hier- mit ein Ausflug an den benachbarten Pfahlgraben“ und das neuausgegrabene Römercastell bei Arnsburg, an die Hünengräber auf dem Trieb sowie ein Besuch der Sammlungen des historishen Vereins zu Giefsen(groſsenteils Resultate der Ausgrabungen aus den Hünengräbern). Land- schaftliche und ethnographische Verhältnisse(Ausfehen, Ansiedelungen, fränkisches und säch- sisches Bauernhaus, häusliches Leben, Beschäftigung, Gottesverehrung, öffentliches Leben). Denkmäler der Römerzeit(s. o.), Kunde von unseren Vorfahren durch römische Geschichts- schreiber. 2. Armin, mit Hervorhebung der kriegerischen Verfassung, insbesondere der Kampfes- weise der Germanen. Typus: Schlacht im Teutoburger Walde. Statthalterschaft des Varus typisch für die Ausübung der römischen Herrschaft in germanischen Ländern. Stamm, Volk. Volksbund. 3. die Völkerwanderung. Das Reich der Thüringer und deren Kämpfe mit den Chatten, unter typischer Heraushebung des germanischen Königsstaates; die Teilung zwischen Sachsen und Franken, fränkische und sächsische Bewaffnung. Geographisches Bild. In die Völkerwanderung werden die Sagen von Siegfried und Krimhilde, Dietrich von Bern und Walter von Aquitanien eingeschoben, jedoch nur kurz behandelt,4 da die weitere Ausführung der Quarta pleibt. ¹ Zu Bild 1—6 vgl. Frick, Materialien für den Geschichtsunterricht in Quinta, Lehrpr. II p. 98 ff; die übrigen sind teils aus den Ergebnissen des Unterrichts erwachsen, teils mit Rücksicht auf die neuen Lehrpläne hinzugefügt. Vgl. dazu Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit; Böe, Culturbilder aus Deutschlands Vergangenheit, Leipzig 1890; Richter, deutsche Geschichtsbilder, Leipzig 1893; Zimmermann, Geschichte der Deutschen in Gedichten mit verb. Text, Erlangen 1885; Sach, die deutsche Heimat, Halle 1855. Als Lehrmittel sind Lehmanns und Lohmeyers geschichtliche Bilder zu benutzen, für den Schüler auch brauchbar die sechs in Voigtländers Verlag in Leipzig erschienenen Farbendruckbilder zur deutschen Culturgeschichte. ² Mit Benutzung der Reconstruction in der römischen Geschichte von Roth. ² Vgl. das Gedicht»Drusus' Tod«: An den heil'gen Göttereichen klang die Axt mit frevlen Streichen. Wie in diesem Gedichte Drusus' dem Schüler als Typus der römischen Ländergier entgegentritt, so lernt er aus den Worten des Dichters: Keines Römers schnöde Habsucht soll dir je dein Grab versehren(Grab im Busento) die Habgier dieses Volkes kennen. * Etwa im Anschlufs an: Soldan, Sagen auf dem Boden der Stadt Worms, Gütersloh 1891. 041. 403 343ℳ 3 4. die Verbreitung des Christentums. Mittelpunkt Fulda und Bonifatius(mit Benutzung von Freytags Ingraban). Betrachtung der Missionsthätigkeit und ihrer Gefahren; Vergleich mit den Aposteln und der heutigen Mission(Afrika). Verwandlung heidnischer in christliche Bräuche(nach Frick, Lehrpr. II, p. 111). 5. Karl der Grofse. Den Ausgangspunkt bildet die Sage, an welche die Kümpfe mit den Longobarden, Arabern, Avaren, Slaven und Sachsen(Name lvgl. Cherusker], Charakter (typisch Widukind)]. Kriegführung) angeschlossen werden. Dabei stete Berücksichtigung des geographischen Bildes. Die inneren Verhältnisse werden durch die Wandlung der altgerma- nischen Einrichtungen(immanente Repetition derselben!) an der Kaiserkrönung, der Stiftung neuer Bistümer. der Gründung von Städten, Anlage von Verkehrstraſsen, Einrichtung von Schulen, den Marken, Grafen, Pfalzen, den Gau- und Reichsversammlungen dargelegt. Ver- waltung des ungeheuren Reiches und Controlle derselben. Thätigkeit Karls in religiöser, commercieller, organisatorischer, administrativer Hinsicht. Beiname„der Groſse“. 6. Heinrich I. Die inneren und äufseren Reichsfeinde. Beseitigung der durch die Ungarn drohenden Vernichtung deutschen Wesens. Die Sachsen(Gegensatz zu Bild 5) jetzt Vorkämpfer des christlichen Glaubens. Die groſsen Vasallen(Stammesherzöge). Entstehung der Reichsburgen und späteren Städte. Das Reiterheer, zugleich als Grundlage für die spätere Betrachtung des Rittertums. 7. Ludwig der Eiserne von Thüringen. Entstehung des Rittertums; Erziehung ¹, Bewaffnung, Aufgabe, Blüte(Kreuzzüge, Ritterorden) Entartung und Verfall(Raubrittertum, Fehdewesen); Ritterburg; verbunden wird hiermit ein Besuch der sehr gut erhaltenen, teil- weise wiederhergestellten Burg Gleiberge. Die Thüringer Landgrafen Besitzer von Hessen. 8. Bild einer mittelalterlichen Stadt. Rückgriff auf das 6. Bild. Die alten Teile von Gielsen und Wetzlar. Ritter- und Städtebund der Wetterau(Frankfurt, Friedberg, Wetzlar, Gelnhausen). Die Reichsstadt Friedberg. Kirche, Rathaus, Mauern, Thore. Gewerbe und Künste. Handel(Messen, Märkte; Marktrecht. Münzrecht). Wehrhaftigkeit der Bürger. Wachstum und Blüte der Städte(Kreuzzüge). Hansabund, rheinischer, schwäbischer Städte- bund. Ausgegangen wird überall von der heutigen Stadt. 9. Friedrich der Grolse, mit einem Ueberblick über die allmähliche Entwickelung des preulsischen Staates als Typus eines unter kraftvollen Fürsten zu selbständiger Bedeutung emporstrebenden Volkes(Rückblick auf die religiöse und culturelle Thätigkeit des deutschen Ordens in Preulsen; der groſse Kurfürst[Fehrbellin] als Vorläufer Friedrichs); Wert eines starken, gut disciplinierten Heeres und einer einheitlichen Kriegsleitung gegen viele Feinde (vgl. Napoleon I. und die Verbündeten). Typus der Thätigkeit eines Regenten(der alte Fritz) nach schweren Kriegen(Steuererlafs, fremde Colonisten. Cultivierung sumpſiger Landstriche [Oder], Einführung der Kartoffel, Schulen). Hinweis auf Preussens Befähigung zur künftigen Führerschaft in Deutschland. 10. Kaiser Wilhelm I. Ausgegangen wird von der politischen Lage Deutschlands und der Unterdrückung Preussens zu Anfang dieses Jahrhunderts durch Napoleon I. Einwirkung Dabei Hinweis auf unsern Turnunterricht; die Turniere ähnliche Veranstaltungen wie die heutigen Turnfeste und die griechischen Spiele. ² Die Erklärung der Burg und die Zeichnung des Bergfrieds nach Ritgen, Geschichte von Burg Gleiberg, Giefsen 1881. 4 dieser Zeit und ihrer Schicksalsschläge(Leiden und Tod der Königin Louise) auf den jugend- lichen Prinzen. Sein erstes Auftreten bei Bar sur Aube. Nichterfüllung der Hoffnungen Preulsens beim Friedensschlufs trotz unverhältnismälſsig grolser Opfer.(Elsals und Lothringen pleiben französisch, Deutschland nur scheinbar geeinigt.) Betrachtung der Lage Deutschlands beim Regierungsantritt des Prinzen; Osterreichs Rivalität— Frankreichs Gelüste nach deutschem Gebiet. Pläne des Königs: Reorganisation und Verstärkung der Heeresmacht(Wiederaufnahme der Anschauungen des grolsen Kurfürsten und Friedrichs des Groſsen), Einigung Deutschlands (ohne Osterreich) unter Preuſsens Führung. Glückliche Unterstützung durch gleichgesinnte Männer; Bismark— Roon— Moltke. Erfolge der Heeresorganisation und teilweise Verwir- klichung der Pläne durch die Jahre 1864 und 1866. Engerer Zusammenschluſs Nord- und Süddeutschlands; die Mainlinie überbrückt; dadurch Vorbereitung auf das Jahr 1870. Nieder- werfung des Erbfeindes. Wilhelm der Siegreiche. Deutschland geeinigt unter Kaiser Wilhelm als Friedensfürst. Bei der Behandlung dieser Bilder müssen überall Typen gewonnen werden. Die Auf- einanderfolge der einzelnen Bilder gestattet, dem Schüler die culturhistorische Entwicklung verständlich zu machen. Der Gang ist dann leicht so einzurichten, dals stets immanent repetiert wird. Concentration bewirkt namentlich der geographische Unterricht, das Lesebuch — aus dessen Teil für Sexta schon in der ersten Vorschulclasse eine Reihe von sagen- geschichtlichen Stücken gelesen und jetzt repetiert werden— sowie die Hexanziehung von historischen Gedichten ¹. Letztere enthalten meist charakteristische Züge oder Episoden aus dem Leben der in Frage kommenden Persönlichkeiten, welche vortrefflich geeignet sind, die im allgemeinen mehr kurz zusammenfassende Darstellung des Lesebuches zu ergänzen und in einzelnen Punkten zu vertiefen. Wo es der Zusammenhang erfordert, müssen natürlich die auf der vorhergehenden Stufe erlernten hierher gehörigen Gedichte wiederholt werden. Im folgenden stelle ich das Material zu den Geschichtsbildern zusammen; die auswendig zu lernenden Gedichte sind mit einem* versehen, die übrigen werden nur gelesen und inhalt- lich besprochen. 1. Bild. Hauptsächlich Mitteilungen des Lehrers. Zeichnen: Fränkisches und sächsisches Bauernhaus. Lesestücke: Deutschlands älteste Bewohner, Wodan, Frigg, Deutsche Bauernbäuser. 2. Bild. Mitteilung des Lehrers. Zeichnen: Römisches Pilum und römische Hasta. Lesestücke: Die Schlacht im Teutoburger Walde. Gedichte:* Drusus' Tod v. Simrock, Drusus in Deutschland v. Schloenbach, Karakalla im Allemannenlande v. Netz. 3. Bild. Mitteilung des Lehrers. Zeichnen: Fränkische Streitaxt. Geographie: Halle, Rennsteig(mit Benutzung von Freytags Ingo). Lesestücke: Alarich, König der Westgoten, Die Hunnen(Masius II), Wie Siegfried hörnen ward, Siegfried bei den Burgunden, Siegfrieds Er- mordung. Gedichte:* Das Grab im Busento v. Platen,*Das Riesenspielzeug v. Chamisso, Sieg- frieds Schwert v. Uhland(aus Sexta bekannt). 4. Bild. Mitteilung des Lehrers. Verwendung von Freytags Ingraban und von Lehr- proben XXI, 39. Geographie: Fulda, Erfurt, Mainz, Würzburg, St. Goar, St. Gallen. Biblische Geschichte: Die Apostel und ihre Thätigkeit. Lesestücke: Chlodwig, Bonifacius, der Apostel Ueber die Verwendung der Schülerbibliothek hierbei vgl. den Schlufs der vorliegenden Abhandlung und das Giefsener Programm von Hüter, Concentration des sprachl.-histor. und geogr. Unterrichts in Unter- Tertia p. 19 ff. 5 der Deutschen, Radbod, Die Sage vom Taufstein, Das Kloster St. Gallen. Gedichte: die Schlacht bei Zülpich v. Simrock, ev. St. Bonifatius v. Unbekannt, die Fremdlinge v. Zander, Radbod der Friese v. Lappe. 5. Bild. Mitteilung des Lehrers. Reihenbildung aus der Geographie: Aachen, Frankfurt, Krönungsstädte[Königsberg. preulsische Krönungsstadt]— Speyer, Königsgräber— Aachen, Ingelheim, Residenzen— Magdeburg, Zollstation— Harzburg, Feste gegen die Sachsen— Osnabrück, Paderborn, Bistümer— Verden und Porta Westphalica,(Wittekindsberg und Kapelle)— Hamburg, Bremen, Handelsstädte— Seligenstadt, Wohnort Eginhards— Marken — Main-Donau-Kanal. Lesestücke: Karl Martell, Pipin der Kleine, Wie Seligenstadt entstand, Rolands Tod bei Ronceval, Wittekinds Bekehrung, Karl bestraft die Eitelkeit, Karl der Groſse. Gedichte: Karl und Roland in Spanien v. Fr. Schlegel,*Klein-Roland und Roland Schildträger v. Uhland, Karl schlägt die Sachsen und der Sachsenkrieg v. Gruppe, Wittekind v. Platen, Das weiſse Sachsenroſs v. Oér, Frankfurt a. Main v. Kopisch(mit Benutzung des Lesestücks in Masius II: Krönung Josephs II), König Karls Meerfahrt v. Uhland. Wie Kaiser Karl Schul- visitation hielt v. Gerok; ev. Karl der Grolse v. Fr. Schlegel und Karls des Groſsen Bild v. Ortlepp. Im Anschlufs an Karl den Grolsen werden die früheren(Chlodwig. Karl Martell, Bonifatius) und die späteren Vorkämpfer des Christentums(Kreuzfahrer, Prinz Eugen; Gedichte: * Schwäbische Kunde, Prinz Eugen ſaus dem Gesangunterrichte bekannt]) in den Gesichts- kreis gebracht. 6. Bild. Mitteilung des Lehrers. Verwendung von Lehrproben VI, 24. Geographie: Goslar, Unstrut. Lesestücke: Heinrich I.; repetiert: die Hunnen(Masius II). Gedichte: Heinrich der Vogler v. Vogl, Heinrich I. v. Graf von Strachwitz, Kaiser Heinrichs Waffen v. Gruppe, Deutsches Aufgebot v. Geibel. Erneuert: Schwäbische Kunde, Prinz Eugen. Reihenbildung: Hunnen, Avaren, Ungarn, Sarazenen, Türken. 7. Bild. Mitteilung des Lehrers. Verwendung von Rein, Pickel und Scheller. III. Schul- jahr. Zeichnen: Burgthor¹. Geographie: Ruhla. Gleiberg, Vetzberg, Staufenberg(diese drei sämtlich bei Gielsen), Kalsmunt(bei Wetzlar), Münzenberg(bei Butzbach); die alten Burgen am Rhein. Lesestücke: Der hartgeschmiedete Landgraf, Ludwig baut eine Mauer, Vetzberg, Gleiberg, Wettenberg. Burg Rodenstein, der Frankenstein, Otto mit dem Bart, Die Turniere. Gedichte: Zu benutzen: Der geschmiedete Landgraf v. Fr. Schmidt, Die lebendige Mauer v. Krais; wiederholt: Schwäbische Kunde, Die Rache v. Uhland(aus Sexta bekannt), Der reichste Fürst v. Kerner und Grab im Busento v. Platen(Volksliebe). 8. Bild. Mitteilung des Lehrers. Benutzung der alten Abbildung Gieſsens von Merian. Besuch der historischen Teile von Gieſsen und Wetzlar. Geographie: Hamburg, Lübeck, Bremen, Wismar, Rostock, Danzig, Braunschweig, Lüneburg(Hansa), Cöln(rhein. Städtebund), Frankfurt a. Main, Friedberg, Gelnhausen. Wetzlar(wetterauer Städtebund), Reutlingen(schwäb. Städte- bund), Nürnberg, Augsburg, Hildesheim. Rothenburg(altertümliche Städte). Lesestücke: Deutsche Städte vor 600 Jahren, Die Hansa, Der Hauptmann von Wismar. Gedicht: Die Schlacht bei Reutlingen v. Uhland. 9. Bild. Mitteilung des Lehrers. Namen wie: Zieten, Seydlitz. Geographie: Fehrbellin, Nürnberg, Hohenzollern, Breslau, Schweidnitz, Liegnitz, Leuthen, Torgau, Rolsbach, Zorndorf; 1 Vgl. Anm. 2. S. 3. 6 die sumpfigen Striche an der Oder durch Friedrich den Groſsen entwässert. Naturgeschichte: Kartoffel. Lesestücke: Friedrich Wilhelm, der groſse Kurfürst, Friedrich der Groſse im Kriege, Friedrich der Groſse als Landesvater, Friedrich der Grofse und der Müller, Die Schlacht bei Leuthen. Gedichte: Der alte Zieten v. Fontane, Seydlitz von demselben. Zu Bild 10. Die Einführung in die heimatliche Geschichte soll ausklingen in groſsen Thaten der Neuzeit. Dazu eignen sich vor allem die Befreiungskriege. Das aus den ver- schiedenen Unterrichtsfächern und von Sexta her dem Schüler bereits zerstreut vorliegende Material rechtfertigt eine ausführlichere Behandlung, die etwa in folgender Anordnung stattfinden kann. Auf Armin zurückgreifend sammelt der Lehrer zunächst alle zum Typus„Befreiungskrieg“ gehörigen Vorstellungen. Aus der Geographie sind bekannt: Die Freiheitskämpfe der Friesen, Ditmarsen und Stedinger, der Niederländer gegen die Spanier, der Schleswig-Holsteiner gegen die Dänen; aus der Heimatkunde: Die Freiheitskriege der Sachsen gegen Karl den Groſsen; in Sexta hat der Schüler bereits gelegentlich des Gedichtes„der kleine Hydriot“(der Verfasser frei- williger Jäger 1813) die Kämpfe der Neugriechen gegen die Türken kennen gelernt und sie mit denen der alten Griechen gegen die Perser zusammengestellt“. Daran anknüpfend werden zur Einführung in die Befreiungskriege die Kämpfe Hofers und seiner Tyroler als Typus eines die Bodenbeschaffenheit seines Landes zur Verteidigung benutzenden Volkes? betrachtet. In den Mittelpunkt der Kämpfe selbst setzt der Lehrer mangels einer andern den Schülern populären Persönlichkeit wohl am besten den alten Blücher(Marschall Vorwärts), schon bekannt aus dem in Sexta gelernten Gedichte„Der Trompeter an der Katzbach“ sowie aus dem„Blücherlied“ von Arndt. Hier kann auch der Gesangunterricht durch Wahl geeigneter Lieder grade von Sängern der Freiheitskriege unterstützend mitwirken, z. B. von Arndt: Der Gott der Eisen wachsen liels, Was ist des deutschen Vaterland, Freiheit die ich meine; von Schenkendorff: Das Lied vom Rhein und Erhebt euch von der Erde(Soldaten-Morgenlied); von Körner: Gebet während der Schlacht, Lützows wilde Jagd, Du Schwert an meiner Linken(Schenkendorff und Körner Mit- kämpfer in den Befreiungskriegen); ferner z. B. von Uhland: Dir möcht ich diese Lieder weihen, von Mosen:*Hofers Tod. Im Anschluſs an Theodor Körner können, um die Schüler schon früh- zeitig auf die sittliche Bedeutung des Turnens hinzuweisen, ihm bei dieser Gelegenheit die zahl- reichen Lützower vorgeführt werden, die von Jahn(„Turnvater“) für die Turnerei gewonnen wurden, und denen die dabei erworbene körperliche Gewandtheit und Ausdauer auf ihrem schweren Posten trefflich zu statten kam ³. Material: Mitteilung des Lehrers. Geographie: Leipzig, Katzbach, Caub; Ligny, Belle- Alliance(bei der Behandlung von Belgien). Lesestücke: Die Erhebung des preulsischen Volkes im Jahre 1813, Napoleon, Blücher, Die Schlacht bei Leipzig(zu Hause zu lesen). Aus Masius II ¹ Gelesen aus Dadelsen: Leonidas; aus dem lat. Elementarbuch von Schmidt(Teil D): Griechenlands Kämpfe mit Datis und Arthaphernes, mit XNerxes und Mardonius; das Verderben der Schmeichelei; die Schlacht bei Marathon; Leonidas. ² Analogien: Durchstechung der Dämme seitens der Holländer, Kampfesweise der Germanen im Teuto- burger Wald, der Sachsen gegen Karl den Groſsen(Rückzug in die Wälder), Besetzung des Thermopylenpasses durch die Griechen; vgl. auch die Beschwerden Napoleons I. beim Rückzug aus Rulsland und die der Kreuz- fahrer bei der Eroberung des heiligen Landes(Gedichte: Wikher und Schwäbische Kunde). ² Vgl. Lützows wilde Jagd; Benutzung des Lesestücks»Friesen« in Masius II; gelesen: Turnerei macht die Seele frisch und frei. 7 zu benutzen: Aufruf Friedrich Wilhelms III. ¹, Blächer in der Schlacht bei Belle-Alliance. Gedichte: Des Knaben Berglied v. Uhland, Lied eines deutschen Knaben v. F. L. von Stolberg, der kleine Hydriot v. W. Müller,* Hofers Tod v. Mosen, der Trompeter an der Katzbach von demselben, * Blücherlied v. Arndt. Namen wie Schill, Lützow. Nettelbeck, Scharnhorst, Gneisenau; die Königin Luise ². Dem Jahrhunderte langen Werden, dem Hoffen und Harren: wird die Erfüllung gegen- übergestellt im Jahre 1870. Der alte Erbfeind endlich bezwungen, Elsaſs-Lothringen wieder deutsch; die Einheit blutig erkämpft.(Etwa zu lesen: Freiligrath: Die Trompete von Grave- lotte; Gerok: Die Rosse von Gravelotte, auch die Darstellung in Masius II: Scenen aus der Schlacht von Gravelotte). Kaiser Wilhelm I. und seine Paladine(die Fürsten und Generale in seiner„Gefolgschaft“). Hinweis auf Kaiser Wilhelm II. Gefährdete Lage Deutschlands im Herzen von Europa— Schlachtfelder in allen Gegenden— Feinde in Ost und West— Not- wendigkeit eines starken Heeres(Si vis pacem, para bellum). Der Dreibund(Deutschland und Italien jetzt verbündet, dagegen frühere Feindschaft zwischen Germanen und Römern). Material: Mitteilung des Lehrers. Bismark, Moltke, Roon. Lesestück: Kaiser Wilhelm I. Gedichte:*Die Wacht am Rhein v. Schneckenburger, Heil Dir im Siegerkranz. Geographie: Elsaſs-Lothringen(Metz, Stralsburg), der Rhein, Niederwald-Denkmal, Berlin-Metzer Eisenbahn. Die Verteilung des gesamten Stoffes lälst sich etwa in der Weise vornehmen, daſs in das erste Tertial(Ostern— Herbst) die Behandlung von Bild 1 bis 4, umfassend die Ger- manen als Heiden und ihre Bekehrung durch Bonifatius fällt, in das zweite (Herbst— Weihnachten) Bild 5 bis 7, die bedeutendsten christlichen Vorkämpfer Deutschlands im Mittelalter einschlieſslich des Rittertums(Kreuzfahrer), in das dritte (Neujahr— Ostern) die übrigen Bilder, welche mit der Entwicklung der Städte beginnend die Haupterlebnisse des deutschen Volkes in der Neuzeit betrachten. lch füge hinzu, dals sich aufser den oben erwühnten Bildern noch einige andere Stoffe als Verknüpfungspunkte oder auch als selbständige Gruppen zur Betrachtung eignen, je nach- dem sich Zeit und Gelegenheit bietet, oder der Lehrer es für angebracht hält, näher darauf einzugehen. Solche sind z. B.: Barbarossa, im Anschlufs an das Gedicht„Schwüäbische Kunde“, als Vorkämpfer in den Kreuzzügen gegen die Türken, aber auch als von der heimatlichen Sage besungenen Per- sönlichkeit(Geographie: Kyffhäuser). Betrachtung der Wege, auf denen die Kreuzfahrer nach dem heiligen Lande(biblische Geschichte!) zogen, sowie der örtlichen und klimatischen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatten.(Viel Steine gabs und wenig Brod.) Lese- stücke: Friedrich Barbarossa und Barbarossa im Kyffhäuser. Gedichte: Barbarossa v. Rückert Friedrich Rotbart v. Geibel. ¹ Mit Unterstreichen der Stelle: Es ist der letzte entscheidende Kampf, den wir bestehen für unsere Existenz, unsere Unabhängigkeit, unsern Wohlstand. ² Wie der ganze Stoff unterrichtlich zu gestalten ist, lehrt Eberhard, Poesie in der Volksschule, II p. 55 ff: die Freiheitskriege in Wort und Lied. Auch zu benutzen: Polack, Aus deutschen Lesebüchern IV, p. 883 ff: die Sänger der Freiheitskriege; Rein, Theorie u. Praxis des Volksschulunterrichts VIII, p. 32 ff. ² Geibel in seinem Gedichte: der Rhein(Fragment, 1860)»des Rheins, nach dem wir fromm noch heut' begehren«. 8 Prinz Eugen. Im Anschlufs an die ersten dem Christentum im Westen Europas drohenden Gefahren wird unter Bezugnahme auf das im Gesangunterrichte gelernte Gedicht „Prinz Eugen“ die fortwährende Türkengefahr im Osten Europas und ihre Beseitigung betrachtet. Reihe: Karl Martell— Aruber, Karl der Grolſse— Mauren, Barbarossa— Sarazenen. Prinz Eugen— Türken. Lesestücke: die Türken vor Wien, Prinz Eugen. Gedichte: Schwäbische Kunde, Prinz Eugen. Schülerbibliothek: Die Türken vor Wien v. Fr. Schmidt(drei Ausgaben). Deutschland im Zeitalter Ludwigs XIV., seine Schwäche und Zersplitterung. Rückgriff auf die Uneinigkeit der alten Germanen¹. Benutzung der Lesestücke: Der dreilsig- jährige Krieg, Friedrich Wilhelm, der grolse Kurfürst. Geographie: die Verwüstung der Pfalz, Zerstörung von Worms, Oppenheim(Katharinenkirche), des Heidelberger Schlosses, Plünderung der Kaisergräber in Speyer, der Elisabethenkirche in Marburg; Metz, Stralsburg. Lesestück: die Verwüstung der Pfalz. Die Ergebnisse des heimatkundlichen Unterrichts sind im wesentlichen folgende: 1. Kenntnis der Hauptsachen aus der Walter-, Siegfrieds- und Dietrichsage. Die darauf verwendete Zeit beträgt 8—10 Stunden, da eine ausführlichere Behandlung der Quarta pleibt. Einzelnes erfordert mit Rücksicht auf die Heimatkunde genauere Hervorhebung z. B. die Wohnsitze der in Frage kommenden Völker,(Burgunden, Franken, Sachsen, Dänen, Niederländer, Hunnen, Goten); alte Verkehrswege: Donau,(Eintall Etzels, Flucht Walters, Zug der Burgunden nach dem Hunnenlande), Rhein(Fahrt zu den Nibelungen und nach dem Isenstein); Aussehen und Kampfesweise der Hunnen(Vorbereitung auf Bild 6); königliche Erziehung(Walter, Siegfried, Dietrich[Waffenmeister Hildebrand], Ritterschlag, Turnier); Be- deutung der Sänger?(Vorbereitung auf U III). Ferner mit Benutzung der Gedichte„Siegfrieds Schwert“ und„Burg Nidek“ Betrachtung der Riesen und Zwerge; Aussehen, Eigenschaften, Bewaffnung. Wohnung; Ausrüstung mit überirdischen Mitteln(Tarnkappe, vgl. das Riesen- kleinod in„Roland Schildträger“, den Ring und Gürtel der Brunhilde; aus Sexta bekannt: der Riese Antäus); Drachen und Lindwürmer(der hörnene Siegfried); Aberglaube(Traum der Krimhilde; Prophezeiung der Wasserfrauen an Hagen); heidnische und christliche Vorstellun- gen vermischt. 2. Für die Heimatkunde. a. das Land. Früheres Aussehen, Pflanzenwelt(Urwald, Wiesen[Weideland], Felder[Gerste, Hafer, Flachs— Leinwand. Webstuhl der Frau]), Tier- welt(Schafe, Rinder, Pferde[Thüringen], Bären, Wölfe[Ardennen, Vogesen, Eifel noch heute, Elentiere, Auerochsen), Bodenbeschaffenheit(Sümpfe, Wälder), Bodenschätze(Salz, Saale— Halle), Landesgrenzen,(Pfahlgraben, Rennsteig, Danewerk, vergl. Mainlinie, Lech). b. der Mensch. Germanen(Aussehen!), Kelten. Deutsche Stämme: Cherusker, Chatten, Sachsen, Thüringer, Friesen, Franken, Markomannen, Goten. Alemannen, Bayern, Schwaben. Fremde Völker: Römer, Hunnen, Avaren, Ungarn, Slaven(Wenden), Dänen, Normanen[Wikinger], Araber (Mauren), Sarazenen, Türken, Franzosen. Seſshafte Völker— Nomaden. 1 Späterer Anknüpfungspunkt für den Rheinbund; vgl. die Uneinigkeit im alten Griechenland, auch dort durch die geographischen Verhältnisse mitbedingt. ² Fahrende Sänger bei den alten Germanen(Freytags Ingo p. 47 fl.); Werbel und Schwemmel; Volker von Alzey; fahrende Sänger bringen wohl Gunther Kunde von Brunhilde und rühmen Siegfried die Schönheit Krimhildens. Vgl. die Gedichte Klein Roland und Grab im Busento. Deutsches Lesestück; der Sänger Or- pheus; lateinische: Tyrtäus, Arion; aus Sexta bekannt: der phäakische Sänger Demodokos. 3 S. Teil 1 p. 16. 9 3. Staatseinrichtungen: Patriarchalische Verhältnisse. Familie, Gau, Stamm, Volk, Völkerbund. Theokratie,¹ Richter, Könige.“ Wahl(Schilderhebung), Ehrenstellung, Ehren- bezeugung, Nachrufe, 3 Hünengräber, Denkmäler(Hermannsdenkmal), Wohnung, Obliegenheiten, Herzöge. Häuptlinge. Typus eines kriegerischen, siegreichen, von den Göttern unterstützten (Schlacht im Teutoburger Wald; vergl. Drusus' Tod: Schläft er, wird ein Gott ihn wecken), eines frommen, für das Christentum kämpfenden(Chlodwig, Karl Martell, Karl der Groſse, Bar- barossa) und eines von seinem Volke geliebten Königs(Alarich; vergl. Eberhard von Würtem- berg, Ludwig der Eiserne). Hof des Königs— Gefolge, Paladine; Aemter und Obliegenheiten derselben= Rat. Reichstag, Volksversammlung(Dorflinde in Gleiberg)— Heerschau. Lehens- wesen. Werth der politischen Einigkeit(Einigkeit macht stark), Unsegen der Zwietracht. Rechts- pflege“(mit besonderer Hervorhebung derselben unter Karl dem Groſsen). 4. Culturverhältnisse. Typische Züge der Germanen(Treue, Gastfreundschaft, Frei- heitssinn, Heimatliebe, Sangesfreude). Wohnung,(Lage.[Einzelsiedelung; Hütte, Herren(Edel-) sitz], Bauart lauch Pfahlbauten],5 Aulseres, Inneres[Halle— Diele(Tenne)— Rittersaal], speciell sächsischesé und fränkisches Bauernhaus, Schmuck[Hufeisen, Pferdeköpfe, Raben, Krähen und ihre Bedeutung, Beschäftigung der Männer(Krieg, Jagd, Spiel), Stellung der Frauen, Sklaven, (Kriegsgefangene), Erziehung(körperliche“ und geistige; Schulen), Bauern, Bürger, Adel(Ritter). 5. Verkehr. Römische Kaufleute, römischer Luxus. Bedeutung der Castelle und Römer- städte. Entstehung der Städte in der Römerzeit, unter Karl dem Groſsen und Heinrich I. Verkehrsbegünstigungen(zugleich Gründe zum Wachstum: Marktrecht, Messen). Verkehrs- stralsen(Bedingungen derselben; Rhein, Donau, mährische Pforte). Förderung des Verkehrs durch die Kreuzzüge. Verkehrshindernisse und Erschwerungen(Raubritter, Wegelagerer, See- raub(Normannen); Zölle[Mäuseturm, Pfalz b. Caub]). 6. Kriegswesen. Erziehung zum Kriegsdienst(Abhärtung, Waffenübungen). Wehr- pflicht, Bewaffnung(Schutz- und Angriffswaffen). Kriegskunst, Kriegführung(Kampfesweise; Germanen— Römer[Teutoburger Wald], Hunnen(Ungarn)— Germanen, Sachsen— Karl der Grolse). Heeresreorganisation(Heinrich I., Landwehr 1813, König Wilhelm). Kriegsge- fangene, Kriegsbeute(Ehrenanteil des Herzogs, Anteil des Gefolges). Tod im Kampfe(Helden- tod: Roland, Rüdiger, Hofer; dagegen Siegfried, Hagen, Armin; Walhalla, Walküren). Feldherr (typisch Armin, Blücher, Moltke). Volksheer, Reiterheer. Auswärtige und innere Kriege(Bruder- kriege). Groſse Züge(Völkerwanderung, Kreuzzüge, Zug Napoleons nach Russland, vergl. Aus- zug der Juden aus Agypten, Argonautenzug, Alexanderzug, Perserkriege, Dorische etc. Wande- ¹ Schiller, Zeitschr. f. d. Gymn. XXXXII p. 407, 415. ² Ebdsbst p. 408. 3 Im Liede, vgl Grab im Busento: Und es sang ein Chor von Männern:»Schlaf in deinen Heldenehren.- Auch können die Worte des Tacitus über Armin verwertet werden: Caniturque(Arminius) adhuc barbaras apud gentes(Ann. II. 88).. 4 Schiller a. a. O. p. 424 f. 5 Mit Benutzung des Bildes in Gartenlaube 1880, p. 613. s Vergrölsert nach Sach, die deutsche Heimat p. 87, Vgl. auch den betr. Abschnitt in: Hentschel und Märkel, Umschau in Heimat u. Fremde, Bd. I Deutschland. 7 Vgl. die in Freytags Ingo genannten Uebungen: Wurf mit der Holzkeule(Bumerang), Sprung über sechs Pferde(Königssprung), Schwerttanz; Hinweis auf den heutigen Turnunterricht. 8 S. die vorhergehende Anmerkung. 10 rungen). Grosse Kriege(Sachsenkriege, Türkenkriege, Befreiungskriege). Pässe, Burgen und Festungen). Bedeutung und Benutzung der Bodenbeschaffenheit im Kriege. ¹ 7. Religiöse und sittliche Vorstellungen: Wodan, Thor, Hulda(Frau Holle), Ostara, Walküren; Opfer(Früchte, Tiere, Menschen; vgl. die Opferung Isaaks in der biblischen Geschichte, Iphigeniens in Aulis; Idomeneus opfert seinen Sohn auf Befehl des Poseidon), heilige Bäume?(Eiche, Linde, Hollunder) und Tiere(Pferd, Eber, Storch, Schwalbe, Rabe, Krähe), Orte der Verehrung(heilige Haine, Berge; Odenwald, Donnersberg ²). Schmuck des Hauses zu Ehren der Götter. Volksfeste und Gebräuche“B. Einführung des Christentums. Missionsthätigkeit. Typus eines für seinen Glauben sterbenden Christen in Bonifatius(Christi Tod; Beispiele aus der biblischen Geschichte!) Verwandlung heidnischer Anschauungen in christliche; Tugenden der Germanen: Treue(Mannentreue: Rüdiger— Hagen), Freiheitsliebe, Heimatliebe, Heldenmut(Roland, Siegfried), Gastfreundschaft. Menschliche Tugenden: Frömmig- keit(Segen der Frömmigkeit, Fluch der Gottlosigkeit— biblische Geschichte), Nächstenliebe, Mälsigkeit, Gerechtigkeit, Gehorsam, Demut, Selbsthingabe. Die ethischen Ergebnisse werden noch durch eine Reihe von Sprüchen befestigt, gewöhnlich als Nutzanwendung nach Durch- nahme eines Gedichtes, Lesestücks oder am Ende einer erzählten Geschichte, z. B. Wenn die Not am grölsten, ist Gott am nächsten(Wer auf den lieben Gott vertraut, der hat auf keinen Sand gebaut; Not lehrt beten; Rufe mich an in der Not, und ich will dich erretten; Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen— Schlacht bei Zülpich, Frankfurt am Main; vgl. König Karls Meerfahrt); Wen Gott nicht hält, der fällt(Wer sich erhöht, wird erniedrigt werden; Glück und Glas, wie bald bricht das; Hochmut kommt vor dem Fall— Drusus' Tod; Gegenstück aus der biblischen Geschichte: Josephs Erhöhung); Einigkeit macht stark(die Schlacht im Teutoburger Walde); Auf Regen folgt Sonnenschein (Auf Leid folgt Freud— Klein Roland); Was ein Häkchen werden will, krümmt sich bei Zeiten(Jung gewohnt, alt gethan— Des Knaben Berglied, Lied eines deutschen Knaben, der kleine Hydriot, Siegfrieds Schwert, Klein Roland); Dulce et decorum est pro patria mori (Ans Vaterland, ans teure schliels' dich an— Hofers Tod); Du sollst Vater und Mutter ehren (Rittmeister Kurzhagen; vgl. das lat. Lesestück: die Ehrerbietung der lacedämonischen Jünglinge vor dem Alter) u. s. w. Dabei ergeben sich zugleich noch eine ganze Anzahl von Beziehungen zur biblischen Geschichte ⁵. 1 Vgl. Anm. 2. S. 6. ² Vgl. Warnke, Pflanzen in Sitte, Sage und Geschichte, Leipzig 1878; das Buch ist auch im geographischen Unterrichte zu benutzen. 3 Vgl. Teil I p. 17. 4 Sach a. a. O.»die Maifeste des deutschen Volkes« und»deutsche Weihnachtsbräuche.« Wuttke, der deutsche Volksaberglaube, Berlin 1869. 5 Z. B. kann mit der wunderbaren Rettung Karls des Grolsen vor den verfolgenden Sachsen(Gedicht: Frankfurt a. Main) der Durchgang der Juden durchs rote Meer verglichen werden; auch Gideons Sieg mit Hülfe des Herrn über die Midianiter; Israel siegte über die Amalekiter, solange Moses seine Hände betend emporhob. Zu Rolands Sieg über den Riesen(Gedicht: Roland Schildträger) vgl. den Kampf Davids mit dem Riesen Goliath; zu dem Gedichte:»König Karls Meerfahrt« die biblischen Erzählungen: Jesus wandelt auf dem Meere; er rettet den sinkenden Petrus; er stillt Sturm und Meer u. a. m. 11 II. Geographie.¹ Der geographische Unterricht in dieser Klasse hat zunächst die specielle Aufgabe, dem Schüler— unter steter Berücksichtigung des Kartenlesens— Gebirge, Flüsse, Klima, Pflanzen- und Tierwelt, Bodenschätze, Verkehrsstrafsen, Bewohner und Städte seiner Heimat in ihrem jetzigen Zustande vorzuführen. Dabei liegt ihm jedoch auch die allgemeine Aufgabe ob, an diesem Stoffe den Schüler zu typischen Begriffen zu führen, ihn zugleich für das Ver- ständnis bedeutenderer geographischer Fragen auf der Oberstufe vorzubereiten und sein Interesse für allgemeinere, besonders volkswirtschaftliche? Dinge zu erwecken. Für die Ver- knüpfung bietet hauptsächlich der deutsche Lesestoff Unterstützung, indem eine Reihe von Lesestücken geradezu geographisches Material lieferté: das Fichtelgebirge, die Hochgebirge, die Zusammensetzung der Erde, die Weser, der Rhein. die Buche, die Eiche, die Linde, der Laub- wald, die Kartoffel, die Verteilung der Pflanzen und Tiere auf der Erde, die Wandervögel. Aus Masius II. lielsen sich benutzen: der Quadersandstein(Elbsandsteingebirge), die weiſse Kreide(Stubbenkanner auf Rügen), Holzschlag im Böhmerwalde, die Halligen, die Holländer; aus dem Lateinischen das Lesestück: die Gewalt des Meeres, und manche inhaltlich wertvolle Einzelsätze. Zu dem gesamten heimatkundlichen Unterricht steht der geographische in engster Be- ziehung. Auf der einen Seite hat er an vieles anzuknüpfen, es zu befestigen oder zu er- weitern; auf der andern Seite erfordert wieder die Heimatkunde beständiges Zurückgreifen auf die in der Geographie gewonnenen Kenntnisse. Es kommt also in diesem Unterrichte überall darauf an, die Fäden möglichst zahlreich herüber und hinüber zu schlingen. Abschlieſsend geschieht dies am besten jedesmal dann, wenn eine geographische Einheit zu Ende geführt ist. Ein Beispiel möge veranschaulichen, wie sich bei dieser Behandlung feste Reihen erzielen lassen. Der Rhein ist in dem Geographieunterricht allmählich behandelt(nach Kirchhoff, Schulgeographie), eine Menge von Beziehungen zu dem deutschen Lese- und Erzählungsstoffe wurde dabei hergestellt. Jetzt handelt es sich um Einordnung in bestimmte Reihen. Das Princip der Behandlung ist chronologisch und kann dem Geibel'schen Gedichte: der Rhein folgen. 1. Vorhistorische Zeit. Schwäbisch-bayrische Hochfläche ein See. Durchbruch im Südwesten durch den nicht widerstandsfähigen Jura. Oberrheinische Tiefebene von Basel bis Bingen ein See. Zweiter Durchbruch durch das rheinische Schiefergebirge. Seebecken zwischen Coblenz und Andernach; Mündung vielleicht bei dem heutigen Bonn(die norddeut- sche Tiefebene als Meeresboden gedacht). 2. Römerzeit. Rhein Grenze zwischen Römern ¹ Hülfsbücher für den Lehrer: Sach, die deutsche Heimat; Kutzen, das deutsche Land; Buchholz, Charakterbilder aus Deutschland; Hentschel und Märkel, Umschau in Heimat und Fremde, Bd. I Deutschland; Daniel, Deutschland für die Jugend(neubearbeitet von Volz); Grube, Geographische Charakterbilder; Schneider, Deutschland in Lied, Volksmund und Sage; vgl. Gorge, die Verwertung von Dichtung und Sage für den geographischen Unterricht, Zeitschrift f. Schulgeographie Bd. VIII, p. 87 ff. ² Auch in das deutsche Lesebuch mülsten solche volkswirtschaftliche Stücke aufgenommen werden, wie das z. B. in dem Quartaband des oben erwähnten Lesebuchs von Dadelsen geschehen ist. Ein eignes »Volkswirtschaftliches Lesebuch zum Unterrichtsgebrauch«, bestehend in Beispielen aus dem täglichen Leben, hat H. Mahraun herausgegeben(Berlin, 1893). ³ Für die heitmatliche Sage lassen sich benutzen: der Rattenfänger von Hameln; Zwei Sagen von Rübezahl; Die Sage vom Taufstein; Wie die Stadt Darmstadt entstand; Vetzberg, Gleiberg, Wettenberg; Wie Seligenstadt entstand; Burg Rodenstein; Der Frankenstein; Der Binger Mäuseturm. und Germanen(Vetera, Cöln, Bonn, Andernach, Coblenz, Bingen, Mainz, Stralsburg— Castelle. Aliso vorgeschobener Posten, Sommerlager ſcastra aestiva] des Varus), Stützpunkt und Operationsbasis der Römer gegen die Germanen(Züge des Drusus und Varus), aber auch Ausgangspunkt eines friedlichen Verkehrs. 3. Sagengeschichte(Lorelei, Drachenfels, Xanten, Worms; Fahrt nach dem lsenstein) und Merovingerzeit, Die Rheinufer von Franken und Alemannen bewohnt, Grenze ungefähr der Main. Schlacht bei Zülpich. 4. Ein- führung des Christentums und Zeit Karls des Grofsen. St. Goar und St. Goars- hausen, Mainz(Bischofssitz des Bonifatius), St. Gallen, Fränkische Wohnsitze, Bischofsstädte aus Römerstädten. Verkehr zwischen Nord- und Süddeutschland. 5. Zeit des Ritter- tums. Burgen auf beiden Seiten. Raubritterwesen. Bürgerfreiheit und Bürgermacht(Rheini- scher Städtebund— Cöln). 6. Neuere Zeit. Rhein von den Franzosen als Grenze verlangt. Die Verwüstung der Pfalz(Stralsburg, Heidelberg, Speyer, Worms, Oppenheim, Ingelheim). Blücher bei Caub(Erinnerung an Cäsars Rheinübergang nach Germanien). 7. Neueste Zeit. Der Rhein ein deutscher Strom, Wiedergewinnung Stralsburgs. Starke Festungen, blühende Städte. Niederwalddenkmal. Der»Vater Rhein« das Bild eines deutschen Stromes mit fried- lichem Wein- und Landbau, Handel und Verkehr(Dampfschifffahrt, Eisenbahnen zu beiden Seiten; Verkehrshindernisse[Binger Loch, Lorelei] beseitigt). Gelesen und erklärt wird das obenerwähnte Gedicht von Geibel. In ähnlicher Weise lassen sich die übrigen Ströme¹ sowie die Seeküste behandeln, selbstverständlich auch die einzelnen Landschaften, letztere nur mit sehr verschiedener Genauigkeit. Ein nicht weniger enger Zusammenhang wie mit der Heimatkunde besteht auch mit der Naturgeschichte.»Den Gegenständen der Naturgeschichte«, sagt Willmann ²,»weist die Geo- graphie ihre Fundorte an und sie hat das schöne Vorrecht, das einzelne Naturproduct aufzu- fassen als ein Stück des Lebens auf der Erdoberfläche oder als ein Stück dieser selbst.- So lernt z. B. der Schüler im naturgeschichtlichen Unterricht die Kartoffel kennen, er betrachtet ihren Bau, ihre Teile, ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Pflanzengattung und hört wohl auch etwas von Feinden dieser Cultur und ihrer Wirksamkeit(Kartoffelkäfer, Engerlinge [Maikäfer]; auch die Raupe des Totenkopfes lebt, wie manche Schüler wissen, gern auf Kar- toffelblättern). Dagegen die Wichtigkeit dieser Pflanze für das menschliche Leben, dargethan an ihrer weiten Verbreitung auch in Gegenden und auf einem Boden, wo sich z. B. Ackerbau nicht oder nur mit geringem Nutzen betreiben lälst, ferner die Art und Weise ihrer Verwen- dung in der Volkswirtschaft(Nahrungsmittel für Menschen und Tiere; Verarbeitung zu Kar- toffelmehl, Stärke, Branntwein[Brennerei auf dem Schiffenberg bei Giefsen], Kartoffelzucker), dies alles lehrt die Geographie, und wie störend es im Haushalte empfunden wird, wenn einmal die Kartoffeln erfroren oder verfault sind(Kartoffelkrankheit), hat gewifs schon mancher Schüler erfahren. Jetzt wird es ihm erst recht klar, weshalb der grolfse Friedrich die allgemeine Einführung dieses»Volksnahrungsmittels« wiederholt und mit gröſster Energie ins Werk zu setzen suchte, und die Vervollständigung des Gesamtbildes durch die Erzählung der ersten Schicksale dieser Frucht in England kann nur geeignet sein, das Interesse des Sehülers für 1 Mit Benutzung der Gedichte: Die Weser v. Dingelstedt, Das Lied von den deutschen Strömen v. Buchner. ² Pädag. Vorträge p. 106. 13 die Pflanze zu vermehren ¹. Gelesen wird das Stück: die Kartoffel?. Da der naturgeschicht- liche Unterricht in der Classe fast nur einheimische Pflanzen und Tiere behandelt³, so lassen sich derartige Zusammenfassungen öfter anstellen, so z. B. aus der Tierwelt die Betrachtung der Biene und ihres Nutzens gelegentlich der Behandlung der Lüneburger Heide(zugleich typisch für die Abhängigkeit der Tiere von der Pflanzenwelt). Eine weitere Verwertung finden solche Stoffe in schriftlichen Arbeiten(Aufsätze, freie Arbeiten), sodals auch der deutsche Unterricht dadurch Unterstützung erhält. Die typischen Ergebnisse, welche durch meist combinierenden Unterricht in dieser Klasse erreicht werden, sind folgende: 1. Bodenerhebungen. Gebirge, aber auch relative Höhe an sich niedriger Erhebun- gen im Flachlande. Richtung(als Kennzeichen des ursprünglichen Zusammenhangs, Taunus— Hunsrück, schweizer Jura— deutscher Jura), Höhe(als Wasserscheide, Verkehrshindernis [Fichtelgebirge; Erzgebirge, Thüringerwald, Riesengebirge], klimatische Grenze ſtypisch: Riesen- gebirge], Völkerscheide im Bezug auf Stamm, Leben, Sitte, Sprache, Recht[Thüringer Wald)), Zusammensetzung(Urgestein, Lagerung in Schichten[Flöze], durchbrechendes Gestein, vul- kanischer Boden[Eifel, Vogelsberg, Rhön], hartes und weiches Gestein, Verwitterung(Sand- stein, Schiefer, Kalk], merkwürdige Bildungen[Bastei, Kuhstall, Adersbacher Felsenlabyrinth, Tropfsteinhöhlen], Quellenarmut infolge von Bodenzusammensetzung). Ausflugsorte(sächsische Schweiz, Harz, Thüringer Wald, Schwarwald). Veränderungen der Erdoberfläche im Laufe der Zeit durch natürliche Vorgänge(Hebung des Bodens[schwäbisch-bayrische Hoch- fläche, norddeutsches Tiefland], Senkung[Holland, Nordseeküste]z, Bodenverlust durch die Gewalt des Meeres[Ebbe und Flut, Sturmfluten], durch Verwitterung und Zernagung[Rhein, Elbe, Weser]), aber auch durch künstliche Bearbeitung(im Interesse der Cultur, Entwässerung [Moore, Sümpfe, die Brüche an Oder, Warthe, Netze, Austrocknen des Harlemer Meeres], Bodengewinnung[Deiche— Polder, Marschland], im Interesse von Handel und Verkehr An- legung von Stralsen, Eisenbahnen, Kanälen; Fluſsregulierungen[Ausbaggernng, Sprengung, Dämme])). Bodenart. Lehmboden(Marschen, Vierlande, Magdeburger Börde, Danziger Werder, Fehnen, Goldne Au, Löfsboden), Sandboden(die beiden Landrücken, Lüneburger Heide, Kurische Nehrung; Geestland, Dünen), vulkanischer Boden(s. o.), Kalkboden(Jura), Moorboden(Entstehung, Arten, Schaden, Cultur). Die Bodenart im Zusammenhang mit Pflanzenwelt, Bebauung, Dichtigkeit der Bevölkerung. 2. Gewässer. Meer, Seeen, Flüsse, Kanäle; Nutzen(Verkehrstrafsen, Flufs- und Dampfschifffahrt), Schaden(Sturmflut, Ueberschwemmung, Eisgang; Schutz: Dünen, Deiche, 1 Vgl. die Behandlung in Lehrpr. II p. 37. ² Hier wird unter anderem die weitere interessante Anekdote erzählt, dafs König Ludwig XVI. von Frankreich diese Pflanze einst im Knopfloche und seine Gemahlin auf dem Hute trug, um die Kartoffel bei ihrem Volke in Aufnahme zu bringen. 3 Vgl. Schiller, die einheitliche Gestaltung des Gymnasialunterrichts p. 53. Zur Verwertung im natur- wissenschaftlichen Unterricht bietet das Lesebuch eine grofse Anzahl von Stücken: der Hund; die Maus; der Specht; die Wandervögel; Tierleben im Tümpel; der Maulwurf; das Eichhörnchen; das Pferd; die Fledermaus; von ausländischen Tieren: das Renntier; der Löwe; der braune Bär; ferner für die Pflanzenwelt: das Mai- glöckchen; das Veilchen; wie die Blüte einer Frucht entsteht; die Buche; die Eiche; die Linde; der Laubwald; die Rofskastanie; die Kartoffel; die Wiese. 14 Dämme, Regulierung). Einwirkung der Flüsse im Gebirge und im Tiefland auf die Beschäfti- gung der Bewohner(Flöſserei, Mühlen, Schifffahrt, Fischfang). Flufslauf durch die Boden- gestaltung bedingt. Merkwürdige Fluſsläufe(Mosel, Main, Bode, Wupper). Zusammenhang der Gewässer mit der Bodenbeschaffenheit(Mineralwasser, Sauerbrunnen). Wasserarme Gegenden (Jura). 3. Klima. Bedingungen(Zone, Höhenlage, Winde, Nähe des Meeres). Klima auf Bergen, in Flufsthälern, am Meere. Seeklima— Continentalklima. Wirkung auf Pflanzen- welt(typisch: oberrheinische Tiefebene; südliche Vegetation), Tiere(längerer Aufenthaltsort der Zugvögel in wärmerem Klima), Menschen(Menschenschlag bei rauhem Klima kräftig: Wester- wald, Vogelsberg). Wirkung der Abholzung auf das Klima(Eifel, Westerwald). 4. Pflanzenwelt. Pflanzenwelt im Tiefland, in höher- und höchstgelegenen Gegenden (Getreide, Kartoffeln, Obst, Gemüse und Sämereien; Beeren, heilkräftige Kräuter[Sage von der Springwurzel— Rübezahlsagen]; Sümpfe, Heidekraut, Laubwald, Nadelwald, Krummholz [Knieholz]; Flechten, Moose, Schwämme, Alpenflora[Riesengebirge]y). Südliche Vegetation (Tabak, Wein, feines Obst, Kastanien, Mandeln). Die Pflanzenwelt und ihre Benutzung in Haushalt und Gewerbe. Giftige Pflanzen(Herbstzeitlose, Tollkirsche, Giftschwämme). Reste vorhistorischer Vegetation(Kohle, Bernstein, Torf). 5. Tierwelt. Einflufs der Pflanzen auf die Tierwelt; ¹ Einfluſs des Kimas(2ugrögeh). Nützliche und schädliche Tiere(Haustiere; Nutzen durch Arbeiten und Dienste[Zug-, Last-, Reittiere], durch Fleisch, Fell. Wolle, Producte[Kuh, Huhn, Biene]; Raubtiere und giftige Tiere[Wolf, Kreuzotter]). Viehzucht(Rückblick auf die Verhältnisse zur Römerzeit). 6. Bodenschätze über und unter der Erde. Metalle(Silber, Eisen, Kupfer, Blei etc.), Gesteine(Schiefer, Basalt, Sandstein, Kalk, Kreide, Lehm; erratische Blöcke). Gesteine organischen Ursprungs(Stein- und Braunkohle, Bernstein; vgl. Torf). Mineralquellen, Salz. Gewinn(Bergwerke) und Benutzung der Bodenschätze durch die Bewohner. 7. Verkehrstrassen. Abhängigkeit von der Bodenbeschaffenheit. Arten(Meer, See, Fluſs, Kanal, Eisenbahn, Kunststraſse), Bedeutung(Handel und Verkehr[Anlage von Städten], Krieg[Festungen]). Alte Verkehrstralsen(Burgundische, westphälische, mährische Pforte, Bergstraſse, Italien— Brennerpals— Regensburg). Aenderung der Verkehrsrichtung. Ver- kehrshindernisse(hohe Gebirge, Moore, breite und versandete Flüsse) und Mittel zu ihrer Beseitigung(auch Tunnels; vgl. die St. Gotthardbahn). Verkehrsmittel(Eisenbahn, Dampf- schiffe, Telegraph, Telephon; Briefmarken, Weltpost). Auswanderung und ihre Gründe. Colonisation. Handel(Import[Colonialwaren], Export, Transithandel, Welthandel). 8. Bewohner. Gründe der Ansiedlung, Stammesangehörigkeit(Uberreste fremder Stämme[Spreewald]. Sprachinseln[Harz]), Geschichte, Religion, Dichtigkeit(Bodenfruchtbarkeit, Bodenschätze, Klima), Benutzung der Bodenproducte durch die Bewohner in alter und neuer Zeit, Beschäftigungen(Ackerbau, Obstbau, Viehzucht, Bergbau, Industrie lauch infolge von geringer Bodenfruchtbarkeit(Nürnberg) oder Mangel an Bodenschätzen], Handel, Schifffahrt, Fischfang, Holzfällerei, flölserei, schneiderei,=schnitzerei, Köhlerei; Sammeln von Beeren und Pilzen, seltenen und heilkräftigen Kräutern. Zeitweilige Auswanderung infolge mangelnden Erwerbes zu Hause[Eichsfeld; Einfluſs von Miſsernten]), Bildungsstufe(Einfluſs des Verkehrs), ¹ Vgl. die Lebensgemeinschaften in der Naturgeschichte; Lesestücke: Tierleben im Tümpel, die Wiese. 15 altbewahrte Eigenart(Sachsen, Lausitzer Wenden) und Gebräuche, Charakter, Wohnort (Sachsenhaus— fränkisches Haus; Einzelhöfe, Bauden— Städte, langgezogene Dörfer,[Oden- wald, Schwarzwald]). Politische Einteilung(Bundesstaat; Provinzen, Kreise, Regierungsbezirke), Staatsform, Anteil des Volkes an der Regierung. 9. Städte. Entstehung(aus römischen Castellen, um Klöster, Kaiser- oder Bischofs- pfalzen, um Reichsburgen, infolge von Bodenschätzen, aus besonderen Gründen¹. Arten (Industrie-, Handels-, Ackerbaustädte; Festungen— Universitäten[Akademien])). Gründe zum Wachstum(Lage an Verkehrstraſsen, Bodenschätze). Lage? der Hauptstädte. Städtebünde. Trotz der Fülle des Stoffes wird der Lehrer bei der verhältnismäfsig grolsen Zahl von wöchentlich drei Geographiestunden sowie bei der beständigen Unterstützung durch den deutschen Unterricht am Ende des Schuljahres noch eine Zeit von ca. vier Wochen zur Ver- fügung haben, um die Gesamtergebnisse des deutsch-geographischen Unterrichts zu vertiefen bezw. unter grölſsere Gesichtspunkte zusammenzufassen; manche Reihen werden überhaupt jetzt erst gebildet werden können. Vor allem hat nun eine einheitliche politische Betrachtung der einzelnen Staaten, die dem Lehrbuche entsprechend seither nur stückweise je nach ihrer physikalischen Zugehörigkeit zu einem Landesteil behandelt wurden, im Zusammenhange stattzufinden. Auch empfiehlt sich eine Übersicht über die Anfänge, Entwickelung und Schicksale des deutschen Volkes unter Angabe der in Frage kommenden leitenden Personen, soweit sie dem Schüler bekannt sind, unter stetem Hinweis auf die Culturgeschichte. Dabei sind einerseits die Folgen der geographischen Lage Deutschlands für seine Geschichte zu berücksichtigen, andrerseits bedarf auch die verderbliche Wirkung der beständigen Uneinigkeit des Volkes der gebührenden Würdigung; erst mit dem Jahre 1870 erreicht sie ihr Ende. Gelegenheit zur Bildung kleinerer Centren findet sich überall, wie Zusammenstellung von Schlachtorten, historisch wichtigen Punkten, strategisch bedeutenden Bahnen oder Verkehr- straſsen, mag eine solche Gruppierung nun innerhalb des gesamten Deutschlands oder in den Grenzen eines Teilgebietes(Landschaft, Provinz) vorgenommen werden. Etwas grölsere Anforderungen stellt schon die Beantwortung von Fragen wie: Welche Wege kann man einschlagen, um von Cöln nach Königsberg zu gelangen, welches ist der kürzeste, welche Hindernisse hat er zu passieren(Flüsse, Gebirge; wie könnte man sie beseitigen— Brücken, Benutzung von Pässen, Querthälern, Fluſsthälern, Umgehung, Durchbohrung mit Tunnels); welche Länder und Provinzen durchzieht die Strafse, welche Städte liegen an ihr, welche andere Verkehrstrafsen kreuzt sie u. s. w. Wie ich schon oben erwähnt habe, dürfen dabei verständliche Fragen aus dem Gebiet der Volkswirtschaft nicht vernachlälsigt werden. So ist dem Schüler gelegentlich der Behandlung des Schwarzwaldes und Spessarts von der Ausfuhr ihrer gewaltigen Tannenstämme nach Holland zum Schiffsbau erzählt worden(Beförderungsmittel: Main, Rhein); hier könnte sich recht gut einmal eine Betrachtung über die Verwendung des Holzes überhaupt anschlielsen: Bauholz (Schiffs-, Häuser-, Brückenbau; Bretter), Brennholz(auch gebranntes Holz= Holzkohle), Möbel, Haus- und Küchengeräte, Schulgeräte, Instrumente, Wanduhren(Schwarzwald), Spielwaren ¹ Diese sind meist sagenhafter Natur, vgl. die Entstehung von Frankfurt, Darmstadt, Seligenstadt, Kreuz- nach und Hildesheim. S. Teil I, p. 17, Anm. 1. ² Sehr instructiv für den Lehrer ist das Buch von Hahn, die Städte der norddeutschen Tiefebene in ihrer Beziehung zur Bodengestaltung, Stuttgart, 1885. 16 und Luxusartikel; Holzschnitzerei als Erwerbszweig in sonst armen Gegenden. Aber nicht nur Pflanzen und Tiere,¹ auch die Gesteine sind dem Menschen dienstbar. Lernt doch der Schüler- schon im ersten Schuljahre den Griffel, die Schreib- und Wandtafel aus Schiefer kennen; Haus- flur oder Vorplatz des elterlichen Hauses, des Schulgebäudes oder der Kirche sind vielleicht mit Platten aus gleichem Stoffe belegt, und gelegentlich eines Ausfluges nach dem benachbarten Wetzlar ist es ihm gewils aufgefallen, dals dort alle Häuser mit Schiefer gedeckt sind. Den Grund erfährt er aus dem geographischen Unterrichte. Bei der Nähe des rheinischen Schiefer- gebirges mit seinen Steinbrüchen und der directen Bahnverbindung(welche Bahnlinie?) sind Schieferplatten das nächste und billigste Material, zumal es sich infolge seiner Lagerung in leicht zu spaltenden Schichten bequem verarbeiten läfst. Auch von den Solenhofener Schiefer- brüchen haben die Jungen schon gehört, vielleicht die Erzählung»Der Knabe von Solenhofen« einmal gelesen; teilt man ihnen nun noch mit, dafs die dort gegrabenen Platten auch zum Drucken verwendet werden(Lithographie), so wird ihnen sofort die an einem Hause der Haupt- stralse befindliche Aufschrift»Buch- und Steindruckerei« klar werden. Nun folgt die Zusammen- fassung des Stoffes in Ueberschriften: Fundort, Lagerung, Härte(Durchnagung des Schieferge- birges im Laufe der Zeit durch den Rhein, unterstützt von der Verwitterung), Verwendung. — Diese Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, welche Uebungen der Lehrer an der Hand- des oben zusammengestellten typischen Materials vornehmen kann. Die Verteilung des Lehr- stoffes erfolgt etwa in der Weise, dafs im ersten Tertial die specielle Heimatkunde von Hessen- und der westliche Teil des mitteldeutschen Berglandes, im zweiten der mittlere und östliche- Teil desselben, im dritten das norddeutsche Tiefland mit Holland und Belgien behandelt wird. B. Lateinisch. Nach dem bisher Vorgebrachten könnte es scheinen, als sollte das Lateinische, das doch- mit dem deutschen Unterrichte in grammatischer Beziehung so eng verknüpft ist, für den sach- lichen Teil dieses Faches wie für die Heimatkunde überhaupt gar keine Bedeutung haben. Und in der That besteht auch in dieser Hinsicht eine directe Verbindung zunächst nicht. Sie könnte nur hergestellt werden, wenn das im Gebrauch befindliche lateinische Lesebuch Stücke aus dem vorstehend angegebenen Concentrationsstoff enthielte, also etwa über die alten Deut- schen, ihre Sitten und Lebensweise, ihre Kämpfe mit den Römern, über die Völkerwanderung u. s. w. Die Stoffauswahl müsste nach Cäsar, Livius und Tacitus vorgenommen werden und auch im Vocabelschatz durchaus auf diese Schriftsteller vorbereiten. Das in Quinta- benutzte Lesebuch von Schmidt ist nun leider nicht in dieser Weise gestaltet; jedoch bietet es neben vielen inhaltlich wertvollen Einzelsätzen eine ganze Reihe von zusammen- hängenden Stücken geschichtlichen und mythologischen Inhalts sowie einige Fabeln. Für die Auswahl des Lesestoffes müssen folgende Gesichtspunkte maſsgebend sein: 1) Sind unter den- Lesestücken solche, die in der vorhergehenden Classe begonnene Vorstellungskreise weiter ver- folgen, oder 2) solche, welche a) zu dem Concentrationsstoffe derselben Classe in Beziehung treten, b) einen eigenen für sich abgeschlossenen Kreis bilden, oder 3) andere, die sich als- 1 Vgl. S. 12 u. 13. 17 Apperceptionsstützen für den Sachunterricht der folgenden Glasse verwenden lassen.“ Schon oben ist angedeutet worden, dals die mit 2 a bezeichnete Forderung in unserem Lesebuche am wenigsten erfüllt wird; dagegen bietet sich hinsichtlich der übrigen Fragen unter den vor-- handenen Lesestücken reiches Material. Der lateinische Lesestoff der Sexta führte die Schüler) in die griechische Götterlehre, die Heroenzeit und das griechische Volksleben,'speciell das der. Spartaner ein. In Quinta wird nun zunächst dieser Vorstellungskreis durch eine verhältnis- mälsig grosse Anzahl von Stücken pefestigt und erweitert, stets mit Wiederholung der in Sexta- gelesene Stücke. Auf die Götterlehre beziehen sich: Die Wohnung des Gottes Somnus, Die: Orakel Griechenlands, Merkur, Idomeneus, Apollo und Der bestrafte Uebermut. 2 Aus der griechischen Geschichte sind von der vorhergehenden Classe besonders die Spartaner bekannt. Ausführlich erweitert wird dieser Vorstellungskreis durch die Lesestücke: Laconischer Mut, Strenge der laconischen Mütter, die laconische Mutter, Pausanias, Pädaretus., die Ehrerbietung der lacedümonischen Jünglinge vor dem Alter, Leonidas, Eine spartanische Antwort, Lycurg, Tyrtäus. 3 Aus der athenischen Welt lernt der Schüler ebenfalls einiges kennen durch dier Stücke Phocion, die Lernbegierde des Euclid und die Schlacht bei Marathon. Gelegentlich der. letzteren wird auf den Freiheitskampf der Griechen gegen die Perser, der aus Sexta schont pekannt ist,“ nochmals eingegangen, mit besonderer Hervorhebung der Athener als Vorkämpfer im Befreiungskriege. Auch von anderen griechischen Völkern hört der Schüler mehr oder weniger, so von den Thebanern(der Tod des Epaminondas),? den Eleern(Salmoneus), den. Messeniern(Tyrtäus) und den Bewohnern der Insel Creta(Idomeneus). Eine besondere Gruppe bilden noch die Macedonier unter ihren Königen Philipp und Alexander. UÜber sie handeln die Stücke Apelles, Philipps Brief an Aristoteles, Philipps Urteil, Alexander, der fromme Sinn Ale- xanders des Grolsen, wozu sich noch Cäsars Ruhmbegierde verwenden läſst. 6 Nach Zusammen- fassung dieser Stücke und Gruppierung ihres Inhalts werden im letzten Tertial aus Müllers lateinischem Lesebuch für Quarta ausgewählte Capitel aus der Geschichte Alexanders des Grofsen gelesen; dabei lernt der Schüler zugleich manches aus der persischen Geschichte kennen. Der Zug des unter Alexander geeinigten Griechenlandes gegen die Perser erscheint ihm als ein Vergeltungskrieg für die vielfachen Versuche dieses Volkes, die griechische Freiheit zu unter- drücken.. Der Gesamtstoff der im Vorstehenden angegebenen Lesestücke gibt also dem Schüler einen mehr oder weniger ins Einzelne gehenden Uberblick über die griechischen Verhältnisse, die Geschichte des Volkes und seine Schicksale, und zwar nicht nur die Kämpfe der einzelnen Staaten untereinander, sondern auch die gegen Philipp und Alexander sowie gegen die Perser. Hierbei treten Athen und Sparta als Vertreter der See- und Landmacht einerseits, der demokratischen . ¹ Diese Forderungen schliefsen es natürlich nicht aus, dafs auch einmal ein inhaltlich weniger be- deutendes Stück gelesen werden kann, wenn es sich durch formal oder syntactisch wichtige Beispiele be- sonders auszeichnet. ² Dazu aus dem deutschen Lesebuche: die Unterwelt, der Sänger Orpheus. 3 Diese brauchen nicht sämtlich gelesen zu werden; die, aus denen nur einzelnes brauchbar ist, kann der Lehrer vor der Zusammenfassung über die Spartaner selbst vorübersetzen. 4 Vgl. die Stücke: das Verderben der Schmeichelei, Griechenlands Kämpfe mit Datis und Artaphernes, mit Xerxes und Mardonius.. 5 Vgl. das deutsche Lesestück: Epaminondas. 6 Dazu aus dem deutschen Lesebuche: Alexander der Groſse. 18 und aristokratischen Staatsform andrerseits in den Vordergrund; die nicht nur zwischen ihnen, sondern auch unter den griechischen Staaten überhaupt bestehende Rivalität und Uneinigkeit wird an den verschiedensten Lesestücken nachgewiesen, und daraus die Gültigkeit des Spruches: Concordia parvae res crescunt, discordia magnae dilabuntur gezeigt¹. Ueberall werden aus dem Lesestoff Gruppen gebildet, und Zusammenfassungen vorgenommen. So läſst sich z. B. mit Benutzung der oben angegebenen Stücke über die Spartaner bezüglich dieses Volkes folgendes feststellen: 1. Erziehung; a) körperliche: Ubung im Ertragen von Hunger und Durst, Hitze und Kälte, Lauf nach dem Eurotas, Bad in dem Flusse, gymnastische UÜbungen²; daher körperlich beste Vorbereitung für den Kriegsdienst. b) geistige: Tapferkeit im Kriege, Unerschrockenheit gegen Gefahren aller Art, Uebung im Gehorchen und Befehlen, Gehorsam gegen die Obrigkeit und die Gesetze, Ehrerbietung gegen Eltern und alte Leute; daher gute Soldaten, Bürger und Unterthanen.— Einfache Lebensweise(schwarze Suppe), Einfachheit und Kürze im Ausdruck(laconische Redeweise). 2. Charakter der Frauen: Vaterlands- liebe stärker als Mutterliebe, Strenge gegen die Kinder(auch in der Fremde sollen die Söhne den Vorschriften und Sitten des Vaterlandes treu pleiben), persönlicher Mut(Anwesenheit in der Nähe des Kampfplatzes). 3. Staatseinrichtungen. Zwei Könige(Befugnisse; berühmte Könige[Agis, Agesilaos, Leonidas]; Typus eines spartanischen Königs zugleich als Inbegriff. eines vollkommenen Spartaners[Leonidas; vgl. Armin]); fünf Ephoren; Gesetze des Lycurg. 4. Wohnsitz und Geschichte. Sparta eine offene Stadt; Eurotas. Kriege mit Messenien, Athen, Theben, aber auch gegen die Perser(Thermopyla). Selbstverständlich liegt es in der Hand des Lehrers, einzelne Punkte durch weitere Mitteilungen zu ergänzen oder interessanter zu gestalten. d Bedeutend weniger wie über das griechische Volk erfährt der Schüler über die Römer. Aufser einer Reihe von inhaltlich wertvollen Einzelsätzen gehören hierher die Lesestücke: Cäsars Ruhmbegierde, Julius Cäsar ³, Disciplin der Römer und etwa Julius Drusus. Hier findet sich zugleich der einzige directe Berührungspunkt mit dem Concentrationsstoffe der Heimat- kunde. Dort lernte der Schüler seine Vorfahren und ihr Land kennen, zunächst zu einer Zeit, wo wir überhaupt erst etwas genaueres von ihnen hören, nämlich zur Römerzeit. Er erfährt, dals wir Kunde von ihnen hauptsächlich durch römische Geschichtschreiber erhalten, und erlebt die ersten bedeutenderen feindlichen Begegnungen mit diesem Volke gewissermalsen selbst mit. Natürlich wird nun sein Interesse rege, weiteres von den Römern zu hören. Grols muls die Macht der fremden Eindringlinge gewesen sein, hochentwickelt ihre Kunst und Cultur. Sind ihm doch aus dem geographischen Unterrichte mächtige, zum Teil jetzt noch erhaltene römische Bauwerke in Deutschland, wie die Porta nigra und die Wasserleitung bei Zahlbach, bekannt; von den vor einigen Jahren ausgegrabenen Pfeilern der alten Rheinbrücke bei Mainz und ihrer jetzt noch unerschütterten Festigkeit hat er gewiſs Kunde erhalten, und ein Weg von anderthalb Stunden führt ihn an die Reste des alten Pfahlgrabens sowie einiger zum Teil heute noch benutzter Römerstraſsen“. Wenig erfährt der Schüler nun zwar aus dem ¹ Vergleich mit den deutschen Verhältnissen. ² Val. die altgermanische, die ritterliche Erziehung und unsern Turnunterricht. 3³ Dazu das deutsche Lesestück: Julius Cäsar. 4 Weiterhin wird es Sache des geographischen Unterrichts sein, darauf hinzuweisen, wie richtig der Blick der Römer bei Auswahl des Platzes für ihre Castelle und Ansiedelungen gewesen ist: an ihrer Stelle finden sich heute meist blühende Städte. Vgl. Teil I p. 15. 19 lateinischen Lesestoff, aber dies ist vollkommen ausreichend, um ihm ein allgemeines Bild von der Macht des römischen Volkes, ihrer Weiterentwicklung und ihrem Untergange zu geben. Von kleinen Anfängen ausgehend überwindet Rom allmählich ganz Italien, macht sich trotz zeitweiliger Erschütterung durch den groſsen Hannibal das Seevolk der Carthager unterthan, besiegt mit Leichtigkeit das zerfallene Griechenland und erobert ganz Kleinasien. Die Unter- werfung der jüdischen Länder ist aus der biblischen Geschichte bekannt. Auch nach Westen wird die Herrschaft ausgedehnt, Gallien, Spanien, sogar ein Teil von Britannien zu römischen Provinzen gemacht und die Freiheit Germaniens bedroht. Mit diesen militärischen Erfolgen geht Hand in Hand die Ausbreitung von Cultur, Handel und Verkehr(Römerstraſsen s. o.). Umsichtige und kluge Staatsleitung, vorzügliche Heerführer(Typus: Cäsar) und ein gut geschultes Heer ermöglichen diese gewaltigen Fortschritte. Aber allmählich ändern sich die Verhältnisse. Mit der wachsenden äufseren Machtstellung lenkt sich der Blick von der politischen Lage im Innern ab; Bürgerkriege untergraben die Grundmauern des Staates, und unter den mit wenigen Ausnahmen unfähigen und grausamen Kaisern geht das Reich seiner Auflösung entgegen, die ihm im Sturme der Völkerwanderung germanische Stämme zu bringen bestimmt sind.— Dies ist mit einigen Ergünzungen aus der Heimatkunde der wesentliche Gewinn des lateinischen Lesestoffs für die römische Geschichte. Hieraus ergibt sich zugleich als Concentrationsstoff für das Lateinische: Ueberblick über die wichtigsten Völker des classischen Altertums und ihre hauptsäch- lichsten Erlebnisse. Für den geographischen Unterricht ist damit zugleich eine Er- weiterung auf die Länder, Staaten, Inseln, Gebirge, Flüsse und Städte, soweit sie bei der Geschichte dieser Völker in Betracht kommen, gegeben. Selbstverständlich fällt diese Seite des erdkundlichen Unterrichts auch nur dem Lateinischen zu. Da nun ferner den Haupt- mittelpunkt des Lehrstoffes der nächsten Classe die Behandlung der griechischen und römischen Geschichte ausmacht, so ergibt sich, dals aus dem lateinischen Unterrichte der Quinta— bezüglich der Römer zum Teil auch aus dem Deutschen— sich eine ganze Reihe von wert- vollen Apperceptionsstützen gewinnen läfst, die in Quarta mit Erfolg verwendet werden können. Die Verteilung des Lesestoffs erfolgt in der Weise, dafs in den beiden ersten Tertialen besonders Griechenland im Zusammenhang mit den dabei erwähnten Völkern den Mittelpunkt bildet— im zweiten Tertial speciell die Spartaner—, im dritten beginnend mit einer Zu- sammenfassung aller seither über Philipp und Alexander von Macedonien gelesenen Stücke der Alexanderzug nach dem oben erwähnten Lesebuch von Müller in ausgewählten Partieen zur Behandlung kommt. Was aus dem Lateinischen an typischen Ergebnissen zu sichern ist, besteht etwa in folgendem: 1. Länderkunde. Sicherung und immanente Wiederholung des Sextapensums(3 Erd- teile: Europa, Asien, Afrika; eine Anzahl von Ländern: Germanien, Italien, Griechenland, Macedonien, Gallien, Spanien, Britannien; Persien, Indien. Syrien, Palästina). Vorstellung der Alten von der Welt.(Völker am Ende der Welt: Kimmerier, Aethiopier). Einfluls der Elemente auf die Veränderung des Festlandes(Lesestück: die Gewalt des Meeres— Verbindung mit dem geographischen Unterrichte). 2. Bevölkerung. Germanen, Römer, Griechen, Macedonier, IIlyrier, Thracier, Spanier, Gallier, Britannier, Perser, Inder, Phönicier, Juden. Wohnungswechsel durch Wanderungen und Colonisation. Gründe derselben. 20 3. Staatseinrichtungen. Demokratie. Politische Führer der Volksversammlung (Phocion). Parteien. Typus des guten und wahren Staatsmannes, des tüchtigen Gesetzgebers (Lycurg). Monarchie. In Sparta zwei Könige. Befugnisse der Könige. Typus des kriege- rischen, erobernden, tapferen, ruhmgierigen, gottesfürchtigen, ehrgeizigen Königs. König sich für das Vaterland opfernd(Leonidas: moriturus pro Graecia; Codrus). König als Begünstiger von Kunst und Wissenschaften; Erziehung eines künftigen Königs. Gesetze. Notwendigkeit derselben, Gehorsam gegen sie, Nutzen. Rechtspflege(König), Steuerwesen. 4. Culturverhältnisse. Freie und Sklaven. Erziehung in Sparta und Athen. Stellung der Frau. Beschäftigung der Bewohner(die sieben Weisen[Lebenserfahrung, Verachtung irdischer Güter]. Gelehrte als Königserzieher, Geschichtsschreiber[Cäsar, Tacitus], Künstler [Maler, Bildhauer], Dichter, Sänger, Aerzte, Handwerker, Schiffer). Wohnungsverhältnisse, Schmuck(Bilder, Statuen, Gefäfse) und Hausgeräte. Berühmte Bauwerke(die sieben Welt- wunder: Tempel der Diana zu Ephesus). 5. Verkehr. Natürliche Verkehrsrichtung(Griechenland— Asien). Strafsen, Flüsse, Pässe(Thermopylen, Cilicische Thore), Festungen. Residenzen. Colonien und Mutterland. Brieflicher Verkehr. Schiffe; Tauschhandel; Geld; Verkehr bei besonderen Gelegenheiten (olympische Spiele). Unsicherheit des Verkehrs(Straſsen- und Seeräuber). 6. Kriegswesen. Vorbereitung zum Kriegsdienst(Spartaner). Allgemeine Wehrpflicht. Söldner, stehendes Heer(10 000 Unsterblichen). Disciplin, Bewaffnung(besonders der Schild und seine Bedeutung). Kampfart, Truppengattungen(Phalanx, Leichtbewaffnete, Reiter, Elefanten[Porus, Hannibal], Sichelwagen, Streitwagen). Festungen und Belagerungen. Pässe, ihre Wichtigkeit und Verteidigung. Grolse Kriege(trojanischer, Perserkriege, Alexanderzug), auswärtige— innere Kriege, Bürger- und Bruderkriege, Rachekriege, Entstehungsgründe der Kriege, Kriegsgefangene, Kriegsbeute. Sieg einer kleinen Schar im Freiheitskampf gegen die Übermacht(Thermopylä, Marathon). Feldherrn(Könige, andere Anführer) und ihre Eigen- schaften(tapfer, siegreich, ehrgeizig, hab- und ländergierig; Religion, Sitte und Recht der Unterworfenen nicht schonend, abergläubisch). 7. Götterverehrung. Götterwohnung(Olymp, Meer— Poseidon, Unterwelt— Pluto ¹). Orte der Verehrung(Heilige Stätten, Eiche zu Dodona, Tempel[Umgebung und Inneres], heilige Quellen[Castalia]); den Göttern geweihte Bäume. Spiele zu Ehren der Götter. Opfer. Priester, Priesterinnen, Orakel?, Weissagungen, Gelübde. Heiligkeit des Eides(Idomeneus). Fluch der Götter bei Verspottung, Unglauben, Frevel, Ueberhebung(Tantalus etc., Salmoneus). 8. Ethische Vorstellungen. Mut, Tapferkeit, Todesverachtung, Vaterlandsliebe; Einfachheit des Lebens, Genügsamkeit, Bescheidenheit, Pietät gegen Eltern und alte Leute; Gehorsam gegen die Gesetze. Auch hier wirken wie im Deutschen unterstützend eine Reihe 1 Vgl. das deutsche Lesestück: die Unterwelt. ² Als Auskunftsort bei Unternehmungen, Kriegen, verheerenden Krankheiten u. s. w. Dabei findet sich auch Gelegenheit, ein Wort über die Zweideutigkeit der Orakelsprüche zu sagen(Crösus). 21 von Sprüchen mit, die sich gewöhnlich an einzelne Lesestücke als Nutzanwendung anschliefsen lassen, z. B. Dulce et decorum est pro patria mori(Epaminondas, Leonidas); Goncordia res parvae crescunt(Einigkeit macht stark; Phocion, Epaminondas Tod); Was ein Häkchen werden will, krümmt sich bei Zeiten(Alexander, Cäsars Ruhmbegierde); Ehrlich währt am längsten (Mercur und der Holzhauer); Der Schein trügt(Tyrtaeus); Frisch gewagt ist halb gewonnen (die Bändigung des Bucephalus, der gordische Knoten); Ubermut thut selten gut(Wer sich erhöht, soll erniedrigt werden— Salmoneus); Du sollst Vater und Mutter ehren(die Ehr- erbietung der lacedämonischen Jünglinge); Wen Gott lieb hat, den züchtigt er(ldomeneus)¹. Ein Hinweis auf die Ergebnisse des deutsch-geographischen Unterrichts genügt, um fest- zustellen, in wie vielfältiger Beziehung sich ganz von selbst die einzelnen Teile berühren, ergänzen, erweitern und befestigen. Die drei Culturvölker Griechen, Römer und Germanen treten in eine Menge einfacher, dem Schüler begreiflicher und auch im späteren Unterrichte stets wiederkehrender Beziehungen, im Mittelpunkte steht beherrschend und vereinigend die deutsche Heimat. Es ist klar, dals, je häufiger und vielseitiger die Verknüpfung verwandter Vorstellungen oder Complexe vorgenommen wird, desto mehr sich auch ihre Kenntnis dem Schüler einprägt und somit die Reproduction der betreffenden Reihen um so leichter vor sich geht. Daher hat der Lehrer nicht nur nach jedem grölseren oder kleineren Abschmitte(methodische Einheit) das Resultat in Gestalt eines Rückblickes noch einmal vorzuführen, sondern auch stets bei Beginn eines neuen Themas in der orientirenden Vorbesprechung alle zum angegebenen Ziel in Beziehung stehenden Einzelvorstellungen und Gruppen ins Gedächtnis zurückzurufen, in bestimmter Anordnung(Gliederung) zusammenzufassen und eventuell zu berichtigen. Zur Bildung grölserer Centra eignet sich dagegen am besten die nach Beendigung des Gesamt- pensums am Schlusse des Schuljahres übrig bleibende Zeit, die überhaupt zur mögxlichsten Vertiefung des ganzen Unterrichtsstoffes zu verwenden ist. Manche Lücke im heimatkundlichen Unterricht wird durch den lateinischen ergänzt und umgekehrt, mancher interessante Vergleich sich bieten, mancher Gegensatz festzustellen sein. Aus der Menge des Stoffes hebe ich einzelne Beispiele heraus: Bewaffnung und Kampfesweise der verschiedenen genauer betrachteten Völker; der Schild und seine Bedeutung?; Verkehr und Verkehrsmittel in alter und neuer Zeit; Frauen in der Geschichtes; Land und Volk der Germanen verglichen mit dem der Griechen u. a. m. ¹ Im Lesebuche sind auch einige Fabeln eingestreut; wie aber die vorstehenden Beispiele beweisen, tragen schon die meisten historischen Lesestücke der ethischen Ausbildung des Schülers in genügender Weise Rechnung— ganz abgesehen von dem sachlichen Gewinn für die Geschichte u. s. w.—, so dals eine be- sondere Beachtung der Fabeln überflüssig erscheint. ² Sage: der Schild des Achill und des Ajas, der Schild des Riesen mit dem kKleinod(Roland Schild- träger); Geschichte: der Schild bei Opfern, Verlust des Schildes gilt als Unehre(Tod des Epaminondas); Ent- stehung der Wappen aus dem in der Mitte des Schildes befindlichen Zeichen(Siegfried— gemalte Krone; Hildebrand— drei Wölfe). Schilderhebung des Königs bei den alten Germanen. 3 Germanen: Frauen als Priesterinnen; das germanische Weib in dem Gedichte: Drusus' Tod; die Frauen der Cimbern u. Teutonen, Thusnelda, Eleonore Prohaska, Königin Luise; die Frauen in Sparta und ihre Stellung. Sage: Amazonen; Penelope, Andromache, Helena; Krimhilde, Brunhilde, Hildegunde. 22 1 Zur Befestigung, Erweiterung und Vertiefung des Concentrationsstoffes nach verschiedenen Seiten hin steht dem Lehrer noch ein anderes Hülfsmittel zur Verfügung, die Schüler- bibliothek. Sie befindet sich unter der speciellen Aufsicht des Classenführers, der das Recht hat, sie nach Rücksprache mit dem Bibliothekar je nach Bedürfnis zu vergrölsern. Auch die Schüler erwerben durch Bezahlung eines geringen Beitrags(je 10 Pfg. pro Viertel- jahr) das Recht, die Anschaffung bestimmter Bücher vorzuschlagen ev. zu verlangen. Nun soll ja die Schülerbibliothek gegenüber den Lehrbüchern der Schule durchaus den Charakter einer häuslichen Unterhaltungslectüre tragen, rein didaktische Stoffe sind aus leicht begreiflichen Gründen zu verwerfen. Aber auch die Unterhaltungslectüre kann doch in lehrhaftem Sinne wirken, wenn sie in einer dem Schüler interessanten Form und fesselnden Darstellung Stoffe enthält, die mit dem Unterrichte in Beziehung stehen. Handelt es sich in der betreffenden Geschichte— ich denke besonders an gute historische Erzählungen— um die Thaten und Schicksale von Personen, die der Schüler bei der Lectüre gewissermafsen mit erlebt, so wird seine Teilnahme für das Ganze auch in sehr hohem Grade erregt werden. Für den Unter- richt besonders brauchbare Bücher müssen in mindestens zwei Exemplaren vorhanden sein, um ihren Inhalt möglichst vielen Schülern zugänglich zu machen. Die Verteilung hat schon einige Zeit vorher zu geschehen, ehe ihr Inhalt im Unterrichte berührt wird; der Lehrer kann dabei von vornherein auf besonders wichtige Stellen hinweisen mit dem Hinzufügen, er werde auf ihren Inhalt im Unterrichte zurückkommen. Dadurch, dals er sich stets genaue Aufzeich- nungen über Leser und Gelesenes macht, ist er zu jeder Zeit im Stande zu sechen, wer das betreffende Buch gelesen hat oder gerade liest, und kann controllieren, ob und in wieweit der Inhalt zum Eigentum des Schülers geworden ist. Aulser historischen Erzählungen oder kleineren Geschichten aus dem heimatkundlichen Unterrichtsstoffe¹ sind auch gute Bücher geographischen und naturwissenschaftlichen Inhalts, etwa Charakterbilder aus Landeskunde, Pflanzen- und Tierwelt der Heimat? anzuschaffen, ferner einiges über den Wert und die Verwertung der heimatlichen Producte durch die Bewohner. Auch die deutsche Sage, die so viele Orte, Ge- birge und Flüsse unseres Vaterlandes umwebt, ist zu berücksichtigen 3. Treten dazu noch einige Bücher, deren Inhalt ebenfalls in Form einer Erzählung auf die Weckung des religiösen und ethischen Gefühls hinarbeitet(ausgewählte Schriften von Nieritz, Hoffmann. Horn, Spyri), so ist die Schülerbibliothek reich genug ausgestattet. Besitzen Lehrer oder Lehrerbibliothek Schriften, die nicht ihrem ganzen Inhalt und Umfange nach, wohl aber in einzelnen Teilen zur Stütze und Belebung des Unterrichts beitragen, so können auch diese in der Weise ver- wertet werden, daſs z. B. zwei sich freiwillig meldenden Schülern das Referat bezw. Correferat 1 Historische Erzählungen von Pichler, Schmidt, Horn; sehr brauchbar sind die soeben im Verlage von Köhler in Dresden— Leipzig unter dem Titel:»Aus unsrer Väter Tagen« erscheinenden Bilder aus der deutschen Geschichte; Bd. I An der römischen Grenzmark, Bd. II Deutsche Göttersagen, Bd. III Im Strome der Völkerwanderung, Bd. IV Das Kreuz im deutschen Walde. Vgl. auch das oben angeführte Buch von Böe, Culturbilder aus Deutschlands Vergangenheit. ² Aulser den oben erwähnten Büchern von Buchholz, Daniel, Hentschel u. Märkel auch Grube, Bilder und Scenen aus dem Natur- und Menschenleben. ³ Z. B. Pfeil deutsche Sagen; Grimm, deutsche Märchen; Geib, Sagen des Rheinlandes; Claudius, Rhein- sagen; Pröhlke, Rheinlands Sagen und Geschichten; Wettig, der Sagenkranz der Wartburg; Berger, Gebirgs- sagen(Rübezahlsagen, thür. Sagen, Kyffhäusersagen, Sagen vom Harz u. der Insel Rügen etc); vgl. das oben citierte Buch von Schneider und Witzschel, Sagen, Sitten und Gebräuche aus Thüringen. 23 über den betreffenden Passus übertragen wird, etwa mit der im Interesse des Sprachunter- richtes liegenden weiteren Aufgabe, in eigener Ausdrucksweise darüber vor der Classe einen freien Vortrag zu halten; dabei vorkommende sachliche Fehler oder Vergelslichkeiten werden vom Correferenten und Lehrer, sprachliche Verstölse von der ganzen Classe corrigiert. Schliels- lich kann sich, wie es die bei uns bestehende enge Verbindung zwischen Schule und Haus ermöglicht, der Lehrer auch dadurch eine Einwirkung auf Art und Gestaltung der Haus- bibliothek des Schülers verschaffen, dals er bei den häufigen Anfragen der Eltern um passende Lectüre für ihre Kinder zu Geschenkzwecken die Wahl von Büchern empfiehlt, deren Inhalt bei strenger Wahrung des Charakters einer erholenden Lectüre auch Schätze birgt, die dem Schüler— sei es nun nach der wissenschaftlichen oder ethischen Seite hin— für den Unter- richt nur Gewinn bringen kann. 8 8 1 235b