PFogramm des städtischen lohannes-Gymnasiums zu Breslau für das Schuljahr von Ostern 1891 bis Ostern 1892. Herausgegeben von dem Director Prof. Dr. C. F. W. Müller. Inhalt: Zur indogermanischen Syntax von Dr. Heinrich Winkler.— Schulnachrichten. I‿υstateei rber Breslau 1892. Druck von Grass, Barth u. Comp.(W. Friedrich.) 1892 Progr. No. 174. Zur indogermanischen Syntax. Die folgenden Bemerkungen über die Anwendung der Casus im Indogermanischen, und speciell dem germanischen Zweige, sind ein kurzer Auszug aus einer umfassenden syntactischen Arbeit, welche in kurzem die Presse verlassen wird; dieselbe beruht zum weitaus grössten Teile auf einem reichhaltigen, vom Verfasser selbst aus der lebendigen Sprache geschöpften Quellenmaterial. Hier sollen ohne eingehende Begründung und ohne strengen Zusammenhang besonders wesentliche Punkte herausgegriffen werden. Hauptsächliche Berücksichtigung findet neben dem germanischen Zweige der arische aus Gründen, die hier nicht näher ausgeführt werden können. Von einer eigentlich philosophischen Entwickelung des Wesens der Casus muss hier völlig abgesehen werden; ich gehe gleich in medias res. Nur das eine sei bemerkt, dass die unglückliche Richtung, welche überall in der Sprache die logischen Kategorieen Subject, Object u. ä. verkörpert sah und nach diesen Kategorieen die Sprache meistern wollte, glücklicherweise seit Jahrzehnten überwunden ist; sie hat ohnedies lange genug das Verständnis der sprachlichen Erscheinungen in unheilvoller Weise unmöglich gemacht; eine gesunde Reaction, welche rein inductiv vorging und an der Hand der Thatsachen zu allgemeingiltigen Gesetzen gelangte, erwuchs auf dem Boden der histo- rischen und vergleichenden Sprachwissenschaft; dies bleibt das unantastbare Verdienst der älteren Richtung der neueren Sprachwissenschaft, mag man immerhin heut die Einseitigkeit und Kurz- sichtigkeit der Bopp-Schleicherschen Periode belächeln. Die indogermanischen Casus— von denen anderer Typen, wo das meist in noch höherem Grade gilt, gar nicht zu reden— sind keineswegs feste Pole, um die die Erscheinungen in streng vorgeschriebenen Bahnen sich bewegen; an sich wenig fest umrissen und beweglich, tragen sie den Keim einer ungemessenen Entwickelungsfähigkeit in sich. Je nachdem eine individuelle Auffassung das eine oder das andere Moment darin stärker hervortreten sah, machen sie sich gegenseitig ihr Gebiet streitig; schliesslich führt eine weitere Entwickelung auf der einmal eingeschlagenen Bahn zu einer Anwendung, welche ihrem Grundcharakter direct zu widersprechen scheint. Ja, es kann der Casus der ausgesprochenen Zusammengehrigkeit zum Vertreter der Trennung werden, es kann ein Casus in einem bestimmten Sprachkreise derart zum Hauptcasus werden, dass er die übrigen ihres Besitzstandes fast völlig beraubt. Der Nominativ ist als der Subjectcasus im Indogermanischen seiner Natur nach am wenigsten Schwankungen unterworfen und soll deshalb nur kurz berührt werden. Aber auch dieser reinste aller Casus, der in der grossen Mehrzahl von Sprachstämmen gar nicht vorhanden ist, hat diese seine scharf umrissene Wirkungssphäre und Bedeutung keineswegs a priori, sondern ist durch die Ver- bindung, das Satzgefüge, das geworden, was er jetzt ist. Ursprünglich hatte er, wie seine Geschichte zeigt, vielfach lediglich leicht deutenden Charakter im Sinne von: was den... anbelangt; das kann zum reinen Nominativ sich ausbilden, aber auch ebensogut eintreten, wo wir einen Accusativ erwarten. Heisst es also z. B. im Altpersischen: Was Gaumata den Magier anlangt— er erhob sich 1* 4 gegen mich, so haben wir hier Nominativsinn; dagegen hat dasselbe was G. d. M. anlangt in Verbindung mit ihn tötete ich der Wirkung nach den Wert eines Accusativ. Auch die hier und da auftretenden absoluten Nominative weisen auf ähnliche Bedeutung hin und sind nichts weniger als Vertreter des reinen Subjectsverhältnisses. Ganz anders steht es mit dem Genetiv; der Casus ist bekanntlich aus dem reinen possessiven Adjectiv hervorgegangen und ist somit der Casus der Angehörigkeit in der Verbindung zweier Nomina, aber im weitest denkbaren Umfange; der sogen. objective Genetiv lässt oft das possessive Verhältnis noch deutlich genug erkennen, weiterhin aber deutet er nur noch an, dass eine irgendwie geartete Beziehung zwischen den beiden Nomina besteht. Doch damit ist seine Entwickelungsfähigkeit keines- wegs erschöpft. In seinem innersten Wesen begründet ist die Hindeutung auf eine gewisse Gegen- sätzlichkeit, der Begriff der Angehõrigkeit lässt zu gleicher Zeit die Idee des Hervorgehens, der Trennung durchblicken, selbst schon in der Verbindung zweier reinen Nomina, der Sohn des Königs wird zum Sohn von dem Könige. Hiermit tritt der Casus über in das Gebiet der Casus der Trennung, des Ablativ, dieses schwächsten aller Casus, der ihm bald das Feld räumen muss. Schon in den Veden und im älteren Avesta ist der Ablativ ein ziemlich toter Casus, im jüngeren Avesta, in den Gathas, den späteren alteranischen Dialecten wird er mühsam noch fortgeschleppt in der formelhaften Verbindung mit Präpositionen der Trennung, ohne selbständigen Wert; im Slavischen, Germanischen, Griechischen tritt der Genetiv, welcher ihm schon im arischen Zweige seinen Wirkungs- kreis bedenklich beschnitt, rückhaltlos an seine Stelle. Damit aber hat der Genetiv die ihm an- scheinend gezogenen Grenzen völlig durchbrochen, er, der Casus der nominalen Verbindung, verbindet sich in weitestem Umfange mit den Verben der Trennung. Doch auch dabei bleibt er nicht stehen. Eine der gewöhnlichsten rein nominalen Verbindungen ist die als partitiver Genetiv; ursprünglich ist es der unverfälschte Genetiv der Angehörigkeit; zunächst ebenfalls nur denkbar in der Verbindung von Nomina oder Pronomina, gewinnt er allmählich selbständigen Wert im partitiven Sinne, und geht auch seinerseits die weitestgehenden Verbindungen mit Verben ein, und so treffen sich die beiden Richtungen, die des eigentlichen Genetiv der Trennung und des partitiven, und durchdringen sich gegenseitig derart, dass z. B. im Germanischen eine klare Scheidung durchaus nicht überall möglich ist.— Dieser partitive Genetiv lässt deutlich durchblicken, wie der Casus der nominalen Zugehörigkeit sich allmählich von dem regierenden Nomen loslösen und als feste Form für sich allein bestehen konnte; du pain, des hommes sind klare, selbständige Begriffe; immerhin aber ist der eigentliche Charakter nominaler Verbindung noch erkennbar; anders da, wo der Genetiv direct zum selbständigen Adverbialcasus geworden, wieder eine Richtung, die mit seinem eigentlichen Wesen unvereinbar scheint. Auch hier laufen dle Fäden der verschiedenen Anwendungen des Casus zusammen. Das possessive Adjectiv wurde zum Genetiv nur durch die Beziehung auf ein regierendes Nomen; nun kann aber diese Beziehung auch anderweit, durch die Verbindung selbst, den Verbalinhalt, soweit vertretungsweise angedeutet werden, dass sich das eigentlich regierende Nomen erübrigt; ein des Todes sein bedeutet klar ein dem Tode Verfallener, ein Opfer des Todes sein; in anderer Verbalverbindung, z. B. mit verwunden wird daraus direct zum Tode, tödlich verwunden, und wir haben die volle adverbiale Bedeutung. Sowie man sagte: ᷣαο ααεο ˙ε, heisst es auch vroe de= er kam als einer der Nacht= nachts. In anderen Fällen wiegt die mehr partitive Auffassung vor, ohne dass auch hier jedesmal eine klare Scheidung möglich wäre; in des Brodes leven(niederd.) ist der partitive Sinn noch völlig klar, anderwärts tritt mehr die adverbiale Bedeutung in den Vordergrund. Zugleich führt das letzte Beispiel deutlich über zur Anwendung des Genetiv im wirklich instrumentalen Sinne, welcher ebenfalls, sei es als erkennbarer Instrumental, sei es als instrumentales Adverb, reich vertreten ist, und zwar nicht nur im arischen Zweige, sondern auch im Germanischen; aber in des Brodes leven ist ausserdem ursprünglich weder reiner 5— Partitiv noch Instrumental vorhanden, sondern eine eigentümliche Prägnanz des Ausdrucks fasst die eigentlich einfach instrumentale Verbindung vom Brote= durch Brot leben in derselben Weise partitiv, wie vorher der einfache Begriff Brot partitiv du pain wurde; es ist also in des Brodes leven das des Brodes thatsächlich der Partitiv des Instrumental= durch vom Brote,(cf. avec du pain), wobei der Instrumental aber nur durch seine latent wirkende Kraft, keineswegs aber formell sich geltend macht. Der arische Zweig beweist die Möglichkeit solcher Auffassung, auf Grund des Germanischen allein würde man sie kaum als Thatsache betrachten dürfen. Verfasser sieht auch in der Verbindung von Adjectiven der Fülle mit dem Genetiv, worin die meisten indogermanischen Zweige übereinstimmen, eine Art instrumentalen Partitivs, Hübschm., Zur Casusl., p. 276 thut dasselbe; nur meint Verfasser, dass hier auch wesentlich mitwirkt die Nominal- natur von voll, Mο—e perena(Avesta)... welche die naturgemässe Ergänzung des nur zu oft ergänzungsbedürftigen Begriffs voll im Genetiv erheischt. Aus dem Germanischen mit seiner überreichen, aber oft sehr verwischten Genetiventwickelung seien, ehe zu dem sehr charakteristischen und weit klarer gefassten Genetiv im arischen Zweige über- gegangen wird, noch einige bemerkenswerte Punkte herausgehoben. Einzelnes wird wieder erst durch die Erscheinungen des Avesta ins richtige Licht gerückt werden. Die übrigen Zweige werden bei Besprechung des Genetiv nur beiläufig erwähnt, da sie kaum wesentlich neue Gesichtspunkte hervor- treten lassen. Eine grosse Menge Adjectiva verbindet sich mit dem Genetiv, aber sie fallen keineswegs in dieselbe Kategorie. Bei den Begriffen des Freiseins wie los, ledig... ist genau so wie bei den Verben entledigen, berauben... der ablativische Genetiv anzunehmen. Wie in den verwandten Sprachen sind viele Adjectiva ihrem Wesen nach ergänzungsbedürftig und nehmen den Ausdruck der Ergänzung als vollkräftige Nomina z. t. in grosser Übereinstimmung im Genetiv zu sich, z. B. kundig, teilhaftig, wert, gewiss...; doch hat das Germanische diese Richtung besonders stark entwickelt, und wir finden eine ganze Reihe von Adjectiven mit dem Genetiv, die sonst meist eine andere Con- struction vorziehen; es muss dabei berücksichtigt werden, dass gerade beim Genetiv die verschieden- artigsten Momente bestimmend mitwirken, wie das schon im Anfange wiederholt betont wurde; so die Nominalnatur des regierenden Bestandteils, dessen nicht voll abgeschlossene Bedeutung, der Partitiv- sinn, die Idee der Angehõrigkeit oder Trennung... So ist bei den Adjectiven des Masses der Genetiv nicht ungewöhnlich, namentlich im Altnordischen, doch auch sonst, in Verbindungen, wie zweier Jahre alt, dreier Ellen lang. Eine besondere Neigung für den Genetiv zeigen auch in vielen verwandten Sprachen die Participien, was bei ihrer Nominal- oder gar Substantivnatur in Verbindung mit der latenten Objectkraft des Verbs keineswegs auffallen kann; diese ergänzende Objectbeziehung kann sich bei einem reinen Nomen nur unter der Form des adnominalen Casus äussern; auch diese Richtung ist im Germanischen vertreten, doch tritt sie durchaus zurück gegen die freiere und kühnere, wo in ungemessenem Umfange anstelle des starreren Particips das energischere, weniger gebundene Adjectiv tritt. Man kann fast sagen, dass ziemlich jedes Adjectiv, welches überhaupt eine Ergänzung seines Wesens durch einen nominalen Ausdruck zulässt oder fähig ist, sich mit einem anderen Nomen begrifflich irgendwie zu verbinden, auch der Verbindung mit dem Genetiv fähig ist. Diese energische Zusammenfassung zweier Begriffe, welche oft nur durch kühne Combination— namentlich in der Poesie— das einigende Band finden, hat meist auch äusserlich ihre Bethätigung in der Ver- bindung zu einem Worte, dessen erster Bestandteil gleichwohl Genetivflexion zeigt. Die Zahl der Bei- spiele ist Legion; in dichterischer Sprache weisen verschiedene verwandte Kreise Ahnliches auf wie das Germanische, so charakteristisch, dass die Richtigkeit der eben gegebenen Deutung nicht zweifelhaft sein kann; in der ungebundenen Rede steht das Germanische mit der ungemeinen Ausdehnung dieses Gebrauchs wohl allein. Die Kraft des Ausdrucks liegt dabei nicht allein in der ungewöhnlichen Ver- bindung von Begriffen, denen oft nur kühne Abstraction ein inneres Band verleihen kann, sondern 6 auch darin, dass unbedingt das Adjectiv durch sein Wesen in das Verhältnis das Belebte, Persönliche hineinträgt; todesmutig, grabesdunkel, kriegswütig, mannstoll, hoffnungsfreudig, lebenslustig, lebens- überdrüssig, siegesfroh, freiheitsdurstig, lebensklug und hundert ähnliche Ausdrücke sind von einer ungewöhnlichen Prägnanz und unmittelbaren Wirkung. Wenn ein Zweifel bezüglich des Werdens und Wesens dieser Verbindungen obwalten könnte, so müsste er schwinden gegenüber den zahlreichen, z. t. ungleich roheren und innerlich weniger har- monisch gefügten, aber darum auch ungleich klarer gebliebenen ähnlichen Verbindungen des Avesta, zu denen jetzt des Zusammenhanges wegen übergegangen werden mag— einzelne germanische Er- scheinungen werden bei Gelegenheit berührt. Im Avesta also wird direct aus der verbalen Verbindung auf dem Pferde sitzen ein parti- cipiales Pferdes sitzend; hierher die zahlreichen Fälle, wie von Hunden benagt, von Menschen beschlafen, von Eisen umgeben, mit Kambyses gleichen Vaters und gleicher Mutter, hilfreich gegen die Trockenheit..„ wobei der gesperrte Ausdruck im Avesta genetivisch ist. Dass diese Verbindungen wirklich durch die Nominalnatur des regierenden Teiles hervorgerufen und unverfälschte objective Genetive sind, erhellt aus den vielfachen ganz entsprechenden reinen objectiven Genetiven, wobei das Regierende wirkliches Substantiv ist, während in den angeführten und anderen Fällen das halbsubstantivische Particip vorwog; ja, oft ist kaum zu sagen, wo Substantiv oder mehr adjectivisches Particip vorliegt, und umgekehrt bewahrt häufig das Verbalsubstantiv so sehr seine verbale Natur, dass es statt mit dem objectiven Genetiv sich mit dem Accusativ verbindet; man denke nur an die allbekannten lateinischen Ausdrücke urbem captio..., welche im Avesta ihren Widerhall finden. Ebendort kommen auch rein adjectivische, nicht participiale Verbindungen mit dem Genetiv vor, welche durchaus dem grabesdunkel, todesmutig entsprechen, aber sie treten zurück. Auch der partitive Genetiv spielt im Avesta eine grosse Rolle, und da die betreffenden Er- scheinungen wieder in viele dunkle Partieen Licht bringen, so namentlich in das Wesen des erwähnten partitiven Instrumental, sollen die Hauptpunkte kurz berührt werden. Die gewöhnliche Anwendung des partitiven Genetiv entspricht der der verwandten Sprachen, so bei Superlativen und Zahlbegriffen aller Art, Pronomina, selbst bei Ortsadverbien, völlig entsprechend lateinischem nus quam terrarum. Anders dagegen, wo ein solches Regens des Partitiv nicht vorhanden ist. Dieser Partitiv entspricht keineswegs den landläufigen Vorstellungen und der gewöhnlichen Anwendung des Partitiv. Der partitive Genetiv in seinem selbständigen Werte, d. h. ohne ein regierendes Nomen oder Pronomen, welches aber durch eine unbewusste und sehr einfache Combination unwillkürlich gedanklich mitwirkt, war im germanischen Zweige unverhältnismässig schwächer entwickelt, als im arischen. Vorhanden ist er unzweifelhaft, ein gotisches ni vas im barne= nicht war ihnen der Kinder= sie hatten keine Kinder, ist ein vollgiltiger Beweis. Nachdrücklich sei darum hier auf den gleichen, aber weit ausgedehnteren Gebrauch im Avesta aufmerksam gemacht, welcher vieles erklärt, was sonst zweifelhaft pleiben müsste. Hier haben wir vielfach direct dieselben Erscheinungen wie beim französischen Partitiv. Sehr häufig nämlich finden wir dort, wo wir unbedingt einen Accusativ erwarten, den reinen Genetiv ohne irgend ein sonstiges, die Construction beeinflussendes Wort, so dass anscheinend ein sonst unzweifelhaft transitives Verb hier das Object scheinbar im Genetiv zu sich nimmt; nach des Ver- fassers Ansicht liegt hier deutlich der Partitiv vor; das meint wohl anch Hübschmann eigentlich, obwohl er diese Fälle vom Partitiv getrennt aufführt(cf. Zur Casuslehre, p. 274— 276). Ganz klar ist der partitive Sinn z. B. in folgenden Beispielen: er haut Bäume um— er empfängt Männersamen— wer einem solchen Homa giebt— er bringt Holz herbei— Geschöpfe des Ahriman erschlagen— Heilmittel geben— noch nicht Getragenes sollen sie bringen— reines Brennholz auf- flammen lassen. Selbst im Deutschen, dem sonst diese Richtung recht ungeläufig ist, sind völlig entsprechende Wendungen mit dem Partitiv mõöglich und durchaus verständlich, so in: Es schenkte der Böhme des 7 perlenden Weins. In anderen Fällen freilich ist die Partitivbedeutung schwerer herauszufinden, aber immer noch wohl möglich, z. b. in: yatha masyão vana kasyanham vanam aiwiverenvaiti= wie(ein) grosser Baum kleiner Bäume(sc. viele, eine Menge...) überdeckt. cf. p. 275. Noch sonderbarer sieht es aus, wenn nicht das Object, sondern das, was Subject sein sollte, partitiv gefasst ist, also im Genetiv steht; deshalb, weil wir im Indogermanischen zwar sehr viele Verba mit anderen Objectcasus verbunden finden als dem Accusativ, dagegen unbedingt in der Rolle des Subjects nur den Nominativ erwarten, und uns nicht immer vergegenwärtigen, dass des hommes viennent und tausend ähnliche Redensarten durchaus keinen Nominativ an der Subjectstelle auf- weisen. Auch die Anwendung im einzelnen entspricht im Avesta der eben erwähnten französischen, es handelt sich überall um mehrere, der Zahl nach unbestimmte Subjecte; z. B. goldfarbige Pflanzen sprossen aus der Erde hervor— damit gottgeschaffene Sterne ihn beleuchten— wenn Gewaltthätige dir in den Weg kommen. Die gleiche Vorliebe für den Partitiv führt denn im Avesta zum schon erwähnten instru- mentalen Partitiv, und hier sprechen einzelne Beispiele eine so deutliche Sprache, dass ein Irrtum ausgeschlossen erscheint. Genau in derselben Weise, wie es vorher hiess: von Bäumen(sc. welche) umhauen— von goldfarbigen Pflanzen sprossen(welche) hervor, so wird hier der partitive Genetiv unter Wegfall des erwarteten Instrumental mit Verben verbunden, welche sonst den Instrumental regieren; z. B. achtzehn fromme Männer sättige er geusch và qaretahe=(mit) von Fleisch oder Speise; gewissermassen= Fleisches sättigen, was zwar ungebräuchlich, aber nicht unver- ständlich ist. cf. mit Urvasna räuchern— mit Erde behandeln— mit Wasser waschen— mit Wasser besprengen. Jeder Zweifel an der Richtigkeit dieser beachtenswerten Deutung von Hübschmann p. 276— 277 muss schwinden gegenüber der Thatsache, dass an einer Stelle in völlig gleichem Sinn, demselben Satz und derselben Verbindung, unmittelbar hinter einander, zuerst der reine Instrumental, dann der partitive Genetiv(— Instrumental) vorkommt: einmal sollen sie es waschen mit dem Urin(Instrumental) einer Kuh, einmal mit Erde(hakeret zemö= Gen.). Auch die prädicative Verbindung des Genetiv mit dem Verbum sein, welche im Germanischen eine eigenartige Ausgestaltung aufwies, z. B. in des Todes sein, findet im Avesta reiche Anwendung, aber, wie scheint, nur im gewöhnlichen Sinne wirklicher Angehörigkeit; namentlich hat Verfasser im Altpersischen diesen Genetiv besonders häufig wie ein possessives Adjectiv gefunden, und nicht nur bei sein, sondern auch bei Ausdrücken des Geltens oder Genanntwerdens; z. B. sie nannten sich meiner= die Meinigen; ein Gebrauch, der erheblich über das sonst Ubliche hinausgeht und die energisch wirkende Kraft des Genetiv erkennen lässt. In diesem Bereiche des Prädicativen begegnet sich der Genetiv mit dem Dativ, ähnlich wie im Lateinischen, wo patris est domus neben patri est domus mit einer nicht unwesentlichen Sinnschattierung steht, welch letztere im Avesta nicht, jedenfalls nicht überall, hervortritt; denn wir finden wieder im selben Sinn und dem gleichen Satze, dicht nebeneinander, Genetiv und Dativ: asti shé haém yatha athauruneé, asti shéê haém yatha rathaéschtärahé= es ist ihm der Charakter wie einem Priester, es ist ihm d. Ch. wie eines Kriegers. cf. p. 273. Manchmal sehen wir jedenfalls den Genetiv da, wo wir entschieden einen Dativ erwarten. Dieses UÜbergewicht der possessiven Auffassung gegenüber der der Beteiligung, des Interesses, macht sich aber nicht nur in dem Kreise des Prädicativen, sondern auch im Bereich des Thätigen, also bei Verben der Handlung, geltend, wo wir bestimmt das Moment der persönlichen Afficirtheit durch den Dativ zum Ausdruck gebracht sehen wollen; eine eigenartige Richtung des Avesta, wonach gerade bei den Hauptbegriffen, die sonst persönlichen Dativ neben sächlichem Accu- sativ zu haben pflegen, vielfach statt des persönlichen Dativ der Genetiv vorkommt, so dass das Ver- hältnis des Interesses, der Beteiligung, proleptisch schon als possessives erscheint; so heisst es: wer einer Frau(Genetiv) Speisen bringt— dem Ahura(Gen.) Kräfte gab— den Frauen Milch zuführt— 3 Katas sollen sie für den Toten machen— den Wassern die Pfade zeigen— wer 8 diesem meinem Vogel Fleisch von der Grösse eines Fingers geben sollte.... Hübschm. p. 274, woraus diese Beispiele entnommen sind, nimmt eine recht weitgehende directe Vertretung des per- sönlichen Dativ durch den Genetiv an und spricht vollständig des Verfassers Ansicht aus, wenn er im Altpersischen in dem häufigen Auramazda khshatram mana frabara= O. gab mir die Königsherrschaft das mana als Genetiv fasst. Verfasser sieht darin genau ein solches gab die Königsherrschaft meiner d. h. als die meinige, so dass sie mein war, wie es vorher hiess: sie nannten sich meiner d. h. die Meinigen. Der vorerwähnte temporale Genetiv ist auch dem Avesta geläufig, doch sind vielleicht nicht alle hierher gehörenden Fälle aus den verschiedenen Sprachen wesentlich gleich; gegenüber der An- wendung im Griechischen und Germanischen fällt es auf, dass im Avesta dabei das Substantiv meist (oder immer?) ein adjectivisches Attribut hat. Hübschm. p. 279 erwähnt: in der dritten Nacht — an jenem Tage— in jener Nacht— an jedem Tage— in jeder Nacht— während im Germa- nischen und Griechischen entschieden von dem attributlosen tags, nachts... auszugehen ist. Letz- teres spricht für die Sieckesche Auffassung im Adjectivsinn, wenn auch die Adjectivnatur nicht allzu wörtlich zu nehmen ist, und wohl auch hier noch andere Momente mitwirken dürften; viel weniger passt das zu dem Genetiv mit Attribut im Avesta. Den Weg zur Erklärung hier deutet vielleicht der auch im Avesta wie im Germanischen und Griechischen vorkommende Gebrauch des temporalen Genetiv mit einem multiplicativen Adverb an: dreimal des Tages— chls riſs utgac— Aàthritim hamahé ayan= dreimal jedes Tages. Diese Fälle sind neben die Partitivanwendung in ο i e, ubi terrarum zu stellen, und so kann denn auch der gewöhnliche temporale Genetiv des Avesta mit Attribut sehr wohl partitiv oder besser locativ-partitiv sein; dann würde eine prägnante Auffassung einen leicht zu ergänzenden Mittelbegriff, etwa zu einer Zeit, in einem Teile, gerade so wie beim instrumental-partitiven Gebrauch des Genetiv, überspringen und wieder nur den partitiven Genetiv selbst setzen. Unterstützt wird diese Vermutung dadurch, dass im Avesta sich ein ebenfalls vom Germanischen und Griechischen abweichender völlig entsprechender localer Genetiv findet: anhao zemö= auf dieser Erde; hier scheint dem Verfasser der locativ-partitive Charakter noch klarer wie vorher hervorzutreten:(irgendwo, an einem Orte....) auf dieser Erde; die Anwendung spricht deutlich dafũr, z. B. auf dieser Erde(irgendwo) Hunde eingraben, auf dieser Erde(irgendwo) niederlegen. Hübschm. p. 279 ist sich wohl über die Bedeutung nicht klar geworden, wenn er ihn unbestimmt als absolut fasst. Einige wenige Beispiele einer Art absoluten Genetivs im Avesta, oder, wie Hübschm. p. 279 richtig bemerkt, von Ansätzen dazu sind sehr beachtenswert, da sie zum mindesten ungefähr andeuten, wie ein absoluter Genetiv sich bilden konnte. kahmäi azem ughrem khshathrem amainimnahé mananhõ paiti dathäni= wem(ich) grosse Herrschaft nicht(daran) denkenden Sinnes soll ich geben?= wem von nicht d. d. Sinne... soll ich geben= ohne dass er daran denkt. Hier ist der eigentümliche und auch eigentümlich gestellte Genetiv amainimnahé mananhô von kah- mäi abhängig, gewinnt aber schon durch seine Stellung selbständigen Wert. Schliesslich verbindet sich der Genetiv im Avesta mit einer Anzahl von Verben recht ver- schiedener Art, ohne dass man in den meisten Fällen rein partitive oder ablativische Grundauffassung annehmen dürfte, wie das fast überall im Germanischen möglich ist. Fälle wie geniessen, teil- haben, wohl auch hören u. à. mögen hier unerwähnt bleiben, da der partitive Sinn klar vorliegt. Anders ist es mit den Begriffen denken an, sich erinnern, wissen, erwähnen— trachten, streben, festhalten an— herrschen... Beachtenswert ist dabei, dass die ganze Richtung uralt ist; denn bei der ersten Klasse herrscht in vielen indogermanischen Zweigen eine seltene Ubereinstimmung, bei den folgenden wenigstens in mehreren. Völlig unmöglich ist die Erklärung, dass bei sich erinnern... die Nominalnatur eingedenk sein durchgeschlagen habe, also im Anschluss an das Adjectiv auch das Verb sich mit dem Genetiv verbinde; denn die verbale Construction ist nachweislich viel älter als die adjectivische. Verfasser meint, dass trotz aller dagegen sprechenden Momente doch die partitive 9 Auffassung ausschlaggebend gewesen sei zunächst bei den Verben der ersten Kategorie; sie liegt nicht so fern, wie man glaubt, da bei wissen, sich erinnern das wirkliche Object der Wahrnehmung thatsächlich nur einen Teil des ganzen Objects umfasst; es findet das seinen klaren Ausdruck in dem uns sehr geläufigen von etwas wissen, hören, den wir unbedenklich selbst da anwenden, wo wir den ganzen Objectinhalt meinen. Dazu kommt, dass sich anscheinend auch die eigentlich ablati- vische Auffassung wieder mit der partitiven vielfach hier kreuzt; das Object des Wissens, sich Er- innerns ist doch deutlich auch der Ausgangspunkt, die Grundlage der Wahrnehmung und der geistigen Stimmung. Diese Empfindung waltet vor bei den ungezählten Verbindungen wie reden, sprechen, sich unterhalten... von, loqui, disputare, dicere... de. Bei den Ausdrücken des Strebens, Trachtens, Festhaltens an u. ä. ist es dem Verfasser sehr zweifelhaft, welche Grundauffassung oder welche Combinationen verschiedener Auffassungen vorliegen, und ob überhaupt überall wesentlich dieselben Gesichtspunkte massgebend sind. Jedenfalls ist die Richtung selbst im Arischen, Germanischen, Griechischen vertreten. Das Arische und Germanische giebt ihm hier keinen genügenden Anhalt zur Entscheidung nach irgend einer Seite; doch bietet vielleicht das Griechische eine Handhabe. Das Streben wird sprachlich häufig ganz materiell als festhalten an, festzuhalten suchen aufgefasst, und thatsächlich verbindet sich dieser Ausdruck selbst, im Arischen wie im Griechischen, auch mit dem Genetiv. Gerade in diesem Sinne aber wird das Object meist nur partiell getroffen werden, es wird die Handlung wesentlich ein Berühren, zu berühren Suchen sein. Das Griechische zeigt nun klar, dass es jedes Berühren als partielles Erfassen ansieht, da die Ausdrücke dafür regelmässig den hier wohl jedenfalls partitiven Genetiv regieren. In dieser Weise wäre selbst die auffallende Verbindung von sri= treten auf, iric= verletzen, im Avesta erklärbar, doch ist das blosse Vermutung. Hübschm. p. 279 enthält sich jeder speciellen Deutung. Bezüglich der Verba des Herrschens, die im Arischen und Griechischen den Genetiv haben, ist die Frage berechtigt, ob hier nicht die Nominalnatur des Begriffs Herrscher, König sein die Veranlassung dazu ist; thatsächlich sind die betreffenden Verba z. t. reine Denominativa cf. Baotxeuety. Vergleichen wir im einzelnen, was hier unterbleiben muss, die Art und Zahl der Verba, welche ihr Object im Genetiv haben, im Arischen, Griechischen und Germanischen, so ergiebt sich die unleugbare Thatsache, dass diese Ausartung des Nominalcasus zuerst nur schüchtern auftritt, allmählich aber in ungemessenem Umfange um sich greift und durchaus feste Formen annimmt. Im Avesta und ebenso im Sanskrit finden wir allerdings ganz vereinzelt eine Anzahl Verba, die jedenfalls in sehr früher Zeit schon sich mit dem Genetiv verbanden, im ganzen aber verschwinden sie der Zahl und inneren Beschaffenheit nach gegenüber den zahlreichen und mannigfaltig gearteten gleichen Verbindungen des Griechischen; den Hôhepunkt bezeichnet das Germanische, und dabei ist wiederum zu beachten, dass das Angelsächsische, Altnordische, namentlich aber das Nieder- und Hochdeutsche wieder auf der im Gotischen klar angedeuteten Bahn in einer Weise fortschreiten, die dieses kaum ahnen lässt. Der Genetiv ist seiner Natur nach kein Casus für präpositionale Verbindung. Gleichwohl tritt er auch hier vielfach auf; zunächst überall da, wo die Nominalbedeutung der Präposition durch- schimmert, eine im Germanischen wieder sehr entwickelte Richtung, von der in verschiedenen ver- wandten Zweigen kaum Spuren vorhanden sind; dann im Sinne des Ablativ, eine z. B. im Griechischen die ganze Sprache beherrschende Erscheinung, auch im Slavischen sehr entwickelt, dem Germanischen dagegen völlig unbekannt, da dasselbe einen ganz anderen Weg einschlägt. Schliesslich treffen wir sogar hier wieder partitive Auffassung, z. B. im Sinne eines comitativen Partitiv, wie unzweifelhaft im Avesta, wenn das rein comitative mat= mit sich mit dem Genetiv verbindet: geusch mat darethandàm= mit(von) Fleischspeisen. Hübschm. p. 280. Eine andere Erklärung ist aus- geschlossen, es könnte sonst nur der Comitativ noch stehen. 10 10 Der Dativ wurde von Delbrück als der Casus der Neigung nach etwas hin, von Hübschmann als der der Beteiligung gefasst; beide kommen auf ihre Weise der Wahrheit nahe, näher noch Hübsch- mann, ohne sie jedoch zu erreichen. Verfasser wird in der obenerwähnten Arbeit darthun, dass der Casus weder eine so specifisch einseitig ausgeprägte Bedeutung hatte wie nach Delbrück, noch eine so luftig unbestimmte, gewissermaassen transcendentale, wie nach Hübschmann. Derselbe ist, um das hier nur anzudeuten, weder so unbestimmt und allgemein wie der Accusativ, welcher auch im weitesten Umfange localen Beziehungen dient, namentlich der der Richtung, ohne doch selbst eine Spur localer Grundauffassung zu zeigen, noch so ausgeprägt und einseitig starr local wie der Locativ; seinem Wesen nach zwar local, aber geradezu darauf angewiesen, vom Bereich des rein Ortlichen hinüberzuführen zu der übertragenen Bedeutung der Beziehung, Anteilnahme wird er allerdings früh zum Vertreter der Beteiligung, des Interesses. Wäre seine Wirksamkeit im germanischen Zweige aus- schlaggebend für die Beurteilung seines eigentlichen Wesens, so könnten wir ihn getrost den Casus der Beteiligung, des Interesses nennen, ebenso den lateinischen Dativ; die Erscheinungen auf arischem, slavi- schem Gebiet aber verbieten das unbedingt, da die ursprünglich örtliche Natur zu oft unverhüllt hervortritt. Im arischen Kreise dient der Casus besonders oft zur Bezeichnung der Person, für welche, in deren unmittelbarem Interesse, sowie des Zweckes, wofür etwas geschieht; d. h. ungleich öfter als in den verwandten Sprachen ist er weniger von einem bestimmten Verbum, als von dem Satzganzen abhängig, in Verbindungen, wo wir ihn direct mit für, pro, unt übersetzen müssen; dagegen ist der Objectdativ im Sinne eines jemandem schmeicheln, wohlthun, nätzen, schaden, vertrauen, helfen, fehlen... unverhältnismässig unentwickelt, und die überaus reiche Anwendung im letzteren Sinne, z. B. auf germanischem Gebiet, zeigt hierin einen ungeheuren Fortschritt; das Gleiche gilt bezüglich des Dativ der Person neben dem Accusativ der Sache; gegenüber dem auffallenden Reichtum an solchen Verbindungen im Germanischen und sonst beschränkt sich im Arischen, namentlich im Avesta, dieser Gebrauch fast ausschliesslich auf den Kreis der Ausdrücke des Gebens, Verleihens, Opferns, Darbietens....; am grellsten tritt dieser Unterschied hervor bei directer Gegenüberstellung sämtlicher überlieferten Fälle z. B. im Gotischen und im Avesta. Ganz abgesehen von der dem Germanischen gestatteten, viele Jahrhunderte langeren Entwickelung gegenüber den beiden arischen Hauptzweigen, thut sich darin doch nebenbei auch eine ganz besondere individuelle Richtung im Arischen kund. Wäahrend im Germanischen und den übrigen Kreisen des Indogermanischen, vielleicht mit teilweiser Ausnahme des Slavischen, beim Gebrauch des Dativ die rein verbalen Verbindungen unbedingt unver- haältnismässig überwiegen, zeigt das Arische eine entschiedene Vorliebe für nominale Verbindungen, namentlich der Avesta; das geht soweit, dass im Avesta vielfach da, wo alle verwandten Sprachen nur ein einfaches Genetivverhältnis sehen, der Dativ eintritt; z. B. heisst es qarenò zarathuschtrai= die Majestät dem Zarathustra= des Z., àthré raokhshnan= Flammen dem(= des) Feuer(s), ja es kann in solchem Falle direct ein unverfâlschter Dativ ohne Constructionsveränderung mit einem Genetiv übereingestimmt auftreten. Dieselbe Neigung, den Dativ des Interesses im Verhältnis des Ruhenden, Zuständlichen, nicht der Bewegung, Handlung, zum Ausdruck zu bringen, beweisen im Avesta die zahlreichen possessivartigen Verbindungen wie hä mõôi astüũ= sie mõge mir sein, weit mehr noch die zahlreichen ebenfalls possessiven Fälle ohne jedes Verb, wie: yasca ashaoné= wer dem Guten(sc. ist, angehört); die Hàufigkeit solcher Verbindungen giebt ihnen stereotyp formel- haften Charakter. Ebenso gehört hierher die Anwendung des Dativ auctoris bei passiven Participien, welche zugleich den Ubergang des Dativ in den Instrumental oder vielmehr umgekehrt verständlich macht, der im Germanischen zum grössten Teile durchgeführt erscheint. yahmai khshnütö bpavaiti Mithra heisst: für wen(d. i. von wem) M. ein Befriedigter(d. i. befriedigt) ist. Es sei aus der grossen Fülle in dieses Gebiet schlagender Erscheinungen nur noch erinnert an die ungemein reiche Anwendung des Iufinitivdativ zur Bezeichnung des Zweckes, oder an Fälle wie 400 Tagereisen einem(d. i. für einen) Reiter mit gutem Pferde. 11 Endlich zeigen beide arische Hauptsprachen den Dativ in ziemlich reicher Anwendung bei Ausdrücken der Bewegung. Dabei aber muss hervorgehoben werden, dass selbst dort, wo der Dativ der localen Richtung dient, meist noch ein anderes, nicht örtliches Moment sich geltend macht. Wie wenig aber dieser Casus selbst im arischen Zweige im eigentlichen Sinne örtlichen Charakter zeigt, beweist am besten die oft genug hervorgehobene Thatsache, dass dieser Casus sowohl im Sanskrit als auch im Avesta sich überhaupt mit Präpositionen nicht verbinde, was freilich nicht ganz richtig ist, da im jüngeren Avesta hier und da derartige Verbindungen vorkommen. Jedenfalls lassen beide Typen trotz alles anscheinend Entgegenstehenden die Hauptrichtung der Beteiligung in àusserster Schärfe hervortreten. Noch weit klarer erscheint der Dativ als Casus des Interesses im Lateinischen; man darf direct den Grundsatz aufstellen, dass er da eintritt, wo der sprachlichen Form nach örtliche, dem Wesen nach innere, Beziehungen des Interesses, obwalten; dass sofort eine andere, unverkennbar rein locale Form eintritt, wo das Verhältnis sich wirklich örtlich gestaltet. Der lateinische Dativ ist durchaus unörtlich, die dagegen etwa ins Feld zu führenden, zahlreichen dichterischen Verbindungen, wie it clamor caelo sind in erster Linie der sinnlichen Lebendigkeit des personificirenden poetischen Aus- drucks zuzuschreiben, welcher Absicht, Empfindung dem leblosen Ziele unterlegt, z. t. aber liegen gar keine Dative, sondern Locative im Sinne der Richtung vor, die in der consonantischen und der i-Declination mit dem Dativ zusammenfielen und schliesslich natürlich auch so gefasst wurden. Auch das Lateinische verschmäht jegliche Verbindung des Casus mit Präpositionen. Den directen Gegensatz zum Lateinischen in dem letzterwähnten Punkte scheinen die germanischen Sprachen zu bilden, was um so auffälliger ist, als gerade diese eine so hervorragende Vorliebe für den Casus des Interesses zeigen. Hier ist der Dativ eigentümlicherweise der Hauptcasus der prä- positionalen Verbindung geworden. Diese scheinbar unerklärliche Erscheinung ist, wie anderwäarts eingehend dargethan werden wird, hier nur angedeutet werden kann, unzweifelhaft darauf zurück- zuführen, dass die überwuchernde Gewalt des Casus der inneren Beteiligung in sinnlicher Anschaulich- keit auch Kreise in den Bereich persönlicher Beteiligung hineinzog, bei denen das Natürlichere eine rein örtliche Auffassung ist; die Präposition trat dann lediglich hinzu, um dem innerlich durch den Dativ bestimmten Verhältnisse seine unentbehrliche äusserliche und specielle Determination zu ver- leihen. Es ist diese Genesis aus dem Gotischen, Angelsächsischen... in voller Klarheit nachzuweisen. Hiermit ist zugleich die Erklärung dafür gegeben, dass die mit dem Dativ verbundenen Präpositionen keineswegs alle derselben Hauptrichtung dienen, sondern bald der Idee der Ruhe, bäald der der Richtung, des Ausgangspunktes, den allerverschiedensten nichtörtlichen Beziehungen; sie sind eben durch keinerlei ausgeprägte besondere oder gar bestimmt örtliche Bedeutung des Casus beschränkt, wie das z. B. beim Locativ, Ablativ, Instrumental in hohem Masse der Fall ist, sondern sie bezeichnen das jeweilige Ortsverhältnis allein, der Casus daneben bleibt der des Interesses. Hierbei sei bemerkt, dass auch im ältesten Griechisch sehr oft der Dativ als reiner Casus der Beteiligung neben dem noch adverbialen, d. h. noch nicht wirklich präpositionalen Verhältniswort deutlich zur Geltung kommt. Doch die hervorragende active Assimilationsfähigkeit des Casus des Interesses führt zur directen Verschmelzung mit und zum volligen Absorbieren schwächerer Casusformen. Während trotz eines ziemlich regen Wechselverkehrs zwischen Locativ und Dativ in den arischen Sprachen gleichwohl die eigentliche Grenze nie verwischt wird, zeigt das Germanische, Griechische und bis zu einem gewissen Grade das Slavische eine eigentümliche Neigung, wirklich oder scheinbar, recht verschiedene Casus- verhältnisse direct durch den Dativ vertreten zu lassen. Vieles von dem in dieser Beziehung gewöhn- lich Angenommenen wird freilich bei näherer Prüfung fallen, zum mindesten auf germanischem Gebiet. Der germanische Dativ gilt zugleich als Vertreter des Instrumental, des Locativ und Ablativ. Dass er teilweise den Instrumental in dessen verschiedenen Ausserungen vertritt, ist unzweifelhaft, und es wirken hier innere und formelle Gründe mit. Doch ist er so wenig imstande gewesen, den 2*½ 12 wirklichen Instrumental beiseite zu schieben, dass der letztere im Angelsächsischen ein noch recht reges, im Althochdeutschen ein zwar kümmerliches, immerhin aber ausgeprägtes Leben entfaltet, obgleich nebenher in denselben beiden Sprachen auch der Dativ schon in unverhüllt instrumentaler Function erscheint. Die fast völlig gleiche Form beider Casus im Angelsächsischen begünstigt das allmähliche Eintreten des Dativ anstelle des Instrumental in hohem Grade. Nur im Gotischen und Altnordischen hat er den Instrumental als lebendigen Casus, d. h. abgesehen von erstarrten, formel- haften Ausdrücken, verdrängt. Aber auch hier ist durchaus keine bedingungslose Auslieferung des gesamten Wirkungskreises des Instrumental an den Dativ eingetreten, sondern der letztere vertritt nur diejenigen Seiten in der Anwendung des Instrumental, welche mit dem Dativwesen vereinbar sind. Bekanntlich ist der Instrumental selbst aus der Vereinigung zweier, wo nicht dreier ursprünglich geschiedener Casus entstanden, doch so, dass in den ältesten verfolgbaren Phasen des Indogermanischen eineScheidung der Gebiete dieser Urcasus nicht mehr mõöglich ist. Wenn wir von dem äusserst schwachen Prosecutiv absehen, sind die Hauptäusserungen dieses alten Mischcasus die rein comitative und die eigentlich instrumentale. Wie wenig nun von einer blossen Vertauschung der Casus die Rede sein kann, und wie wenig der Dativ geneigt ist, seine eigentliche Natur zu verleugnen, geht genügend daraus hervor, dass er in der comitativen Anwendung keinerlei anklingende Seiten aufzufinden vermag und hierfür gänzlich unfähig sich erweist; wo wirklich comitative Bedeutung vorliegt, müssen Ver- hältniswörter eintreten. Das ist umso auffaâlliger, als dort, wo eigentlicher Instrumental vorhanden ist, wie im Angelsächsischen, auch sofort die unverfälscht comitative Anwendung des Instrumental ohne Präposition uns entgegentritt. Eine Bildung wie der so häufige angelsächsische comitative Instrumental folcé= mit Heeresmacht, kommt im Gotischen nicht vor. Dagegen lässt sich deutlich verfolgen, wie aus dem reinen Dativ allmählich der Casus der Beziehung, in welcher, und des Mittels, durch welches etwas geschieht, sich entwickelt. Locativ ist der germanische, speciell der gotische Dativ, nie geworden, was nicht scharf genug betont werden kann, da er immer wieder dafür gehalten wird. Der sicherste Beweis dafür liegt darin, dass er nie allein den Ort bezeichnet, wo etwas geschieht. Ebenso spricht dafür seine regelmässige Anwendung in Verbindung mit Präpositionen in diesem Falle; eben weil er kein Locativ ist, hat er, um die Beziehung dieses Casus zum Ausdruck zu bringen, die Stütze der Präpositionen nötig, gerade so wie er der regelmässige Casus der Trennung ist, aber ebenfalls nie an sich, sondern nur in Verbindung mit Präpositionen; cf. das Obengesagte über den Dativ mit Präpositionen. In einem einzigen Falle macht er den Eindruck einer Art von Locativ, besser Temporalis, indem er sehr häufig die Zeit bezeichnet, in welcher etwas geschieht; aber auch hier ist von wirklichem Locativ keine Rede, was hier ohne ausführliche Begründung nicht näher erläutert werden kann; es sei nur darauf hingewiesen, dass hier im wesentlichen dieselbe Zweck- oder Zielrichtung vorliegt wie ursprünglich in dem hochdeutschen, jetzt ebenfalls locativ gefassten zu Weihnachten, zu Michaelis. Ebenso wenig wie der Dativ im Germanischen Locativ ist, wird er je zum Ablativ, obwohl alle Präpositionen der Trennung sich mit demselben verbinden. Noch deutlicher als in der scheinbar locativen Verwendung tritt der Casus der Beteiligung hier hervor, es giebt auch nicht einen einzigen Fall, wo derselbe an sich, ohne Präposition, ein wirklich örtliches Verhältnis der Trennung bezeich- nete; wohl aber deutet er an, in wessen positivem oder negativem Interesse das Verhältnis der Trennung sich vollzieht; zur Erläuterung sei nur an so gewöhnliche deutsche Verbindungen erinnert wie: jemandem entfliehen, entgehen, entkommen..., wo einerseits die rein örtliche Beziehung in dem Verbalausdrucke mit ent, anderseits aber das Interesse des Beteiligten mindestens ebenso deutlich in dem Gebrauch des Dativ zum Bewusstsein gebracht wird. Die Vorliebe des Germanischen für den Dativ zeigt sich auch in der eigentümlichen Erscheinung, dass eine grosse Anzahl von Verben, die in allen verwandten Sprachen als reine transitiva sich mit 43— dem Accusativ verbinden, hier den Dativ regieren; es ist das wohl die charakteristischeste Anwendung dieses Casus, welche am deutlichsten die starke innere Afficirtheit des betroffenen Objects hervor- treten lässt. Es handelt sich hauptsächlich um Verba des Tötens, Vernichtens, Schädigens und ähnliche Ausdrücke von Thätigkeiten, durch welche der leidende Teil, das Object, in besonders starke Mitieidenschaft gezogen wird. Diese Erscheinung zeigt aufs deutlichste, dass überhaupt von einer wirklichen Grenze zwischen dem Accusativ und dem Dativ als Casus des Objects keine Rede sein kann; sowie die blosse Thätigkeit hervorgehoben wird, tritt der Accusativ ein, sowie auf die innere Beteiligung des Objects Nachdruck gelegt wird, der Dativ. Khnliche Schwankungen sehen wir auf allen verwandten Sprachgebieten, in der Weise ausgeprägt wie im Germanischen nirgends nur annähernd. Das Gotische, Altnordische, Angelsächsische haben diese Richtung bis zu weitgehenden Consequenzen entwickelt und zwar in unverkennbarer innerer Übereinstimmung, das eigentlich Deutsche beteiligt sich daran weit weniger, als man erwarten sollte. Hiermit darf nicht verwechselt werden eine andere eigenartige Anwendung des Dativ, welche ebenfalls die erstgenannten drei germanischen Zweige, wiederum im Gegensatz zum Deutschen, kenn- zeichnet. Bei den Ausdrücken des Werfens, Schüttens, Giessens, Säens u. àä. setzen dieselben in grosser UÜbereinstimmung das Object meistens in den Dativ. Die richtige Erklärung dafür ist früh gefunden worden in auffallend ähnlichen Erscheinungen des arischen, namentlich aber des slavischen Kreises, wo das in noch ganz anderem Umfange sich geltend macht; nur ist es im Arischen wie im Slavischen nicht der Dativ, sondern der Instrumental, und dieser Casus liegt ursprünglich auch im Germanischen vor, wie längst vermutet und behauptet worden ist. Ganz abgesehen davon, dass das Angelsächsische hier noch den eigentlichen Instrumental kennt, wird Verfasser die Richtigkeit dieser Ansicht durch innere Gründe bezüglich des Gotischen beweisen; zugleich aber wird er darthun, dass doch nicht unbedingt dieselbe Auffassung obwaltet wie im Arischen und Slavischen, sondern dass auch die vorhererwähnte Auffassung mitspielt, wonach bei lebhafter Afficirtheit des Objects der Accusativ dem Dativ Platz macht; die Gebiete beider Richtungen berühren sich eben vielfach un- mittelbar, ein gotisches vairp thus in marein= wirf dich ins Meer geht sicher in erster Linie auf den eigentlichen Accusativ-Dativ zurück, in anderen Fällen liegt bei demselben vairpan ebenso unzweifelhaft der Instrumental vor, z. B. in vairpith fraiva ana airtha= er wirft(= säet) den Samen auf die Erde; man denke nur an das deutsche mit etwas werfen, der Sinn im letzten Beispiele ist ungefähr: mit dem Samen herumwerfen, doch ist diese Auffassung in vielen Fällen bei anderen Verben weit klarer und natürlicher vermittelt als bei dem hier des Gegensatzes wegen beibehaltenen vairpan. Es kann somit ein Verbum wie vairpan mit dem Accusativ, dem Dativ oder Instrumental verbunden werden, je nachdem die blosse Thätigkeit, die Einwirkung auf das Object, oder das Object in seiner Eigenschaft als das Mittel, wodurch die Thaätigkeit sich äussert, stärker hervorgehoben wird. Der griechische Dativ erinnert einigermassen an den germanischen, namentlich in seiner ältesten Anwendung bei Homer, und unterscheidet sich davon doch wieder wesentlich; ebenso klingt er aus inneren und formellen Gründen vielfach an den später kurz zu berührenden romanischen Dativ an. Seine Eigenart ist ihm schon dadurch gewährleistet, dass er auch der Form nach direct mit dem Locativ verschmolzen ist oder besser denselben in sich aufgenommen hat; derart, dass eine wirkliche Scheidung des dativischen und des locativischen Teils der Form nach unausführbar ist, und auch innerlich die Grenze zwischen beiden durchaus schwankend erscheint. Doch lässt sich auch hier nachweisen, wie der energischere Dativ allmählich in den Wirkungskreis des Locativ eintritt. Ein Gleiches gilt vom Instrumental und Comitativ; auch hier kann man vielfach noch den Casus der Beteiligung verfolgen, wo eine spätere Entwickelung nur noch comitativen oder instrumentalen Sinn sieht. Zunächst ist in diesem Mischcasus der Wirkungskreis des Casus der Beteiligung unverfälscht vertreten, reiner als in vielen verwandten Sprachen. Abgesehen von Verben wie eöxsO9αt u. ä. 14 kann kaum von einer Richtung im übertragenen Sinne die Rede sein; dagegen erinnert die Anwen- dung im Sinne des Interesses lebhaft an das Germanische, z. B. der häufige Gebrauch des sogen. ethischen Dativ bei Homer, und der Dativ zum Ausdruck der Person, welcher am Körper oder Geist etwas geschieht, ebenfalls bei Homer; das spätere Griechisch und das Lateinische fassen im letzten Falle das Verhältnis meist rein possessiv, so dass die Idee der inneren Beteiligung nicht zur Geltung kommt; es heisst also dort lieber es geschieht etwas an jemandes Körper oder Geist, statt jeman- dem am K.... Doch selbst in Verbindung mit Präpositionen erscheint bei Homer sehr häufig noch der unverkennbare Dativ der Beteiligung; οσοε ˙ν JAπ λμάμναχεσιφν ενι⁶G DwO uMPakd 55X&, heisst unzweifelhaft: den... Füssen band er unter die schönen Sandalen, und so in hundert anderen Fällen. Neben diesem Wirkungskreise des echten Casus des Interesses vertritt also der griechische Dativ den Locativ und den Instrumental; ersteren in ganz anderer Weise als im Germanischen, schon darum, weil die Formen beider Casus früh derart zusammenfielen, dass eine klare Scheidung un- möglich ist. Freilich liegt auch vielfach reiner Locativ vor, wo die Form gleich der des Dativ ist; ein a εέωι valoyv hatf mit dem Dativ schlechterdings nichts zu thun, etwa so wenig wie lateinisches domi mit dem Genetiv oder Tiburi mit dem Ablativ. Die Vermischung beider Casus ist uralt, denn die älteste Form des Dativ plur. der consonantischen Declination st ist rein locativisch und völlig verschieden von der altindogermanischen Dativform. Dieser Locativ-Dativ vertritt wie im Germanischen auch den Temporalis auf die Frage wann, im übrigen aber ist auch im Griechischen die Dativnatur noch so lebendig, dass die regelmässige Bezeichnung örtlicher Ruhe der Stütze einer Präposition bedarf, nicht mit der blossen Dativform sich begnügt. Als Instrumental ist der Dativ Vertreter des Comitativ wie des reinen Instrumental in dessen verschiedenen Ausserungen als Casus des Mittels, der Beziehung, der adverbialen Bestimmung. Obwohl der nicht besonders häufige eigentliche Comitativ in Verbindungen wie mit Btrvuος˙μα.. in auffallender Klarheit auftritt und vom Dativwesen nichts mehr zu verraten scheint, lässt sich doch gerade die Entwickelung des comitativen Sinnes aus dem reinen Dativ deutlich verfolgen, namentlich bei Homer in Verbindung mit Präpositionen. Der slavische und der lettische Dativ— beide gehören nämlich im wesentlichen zusammen— kann hier nicht eigentlich behandelt werden, wenige Andeutungen mõgen eine Ahnung von seinem Wesen geben. Die Ahnlichkeit mit dem Dativ des Arischen ist in hohem Grade auffallend. Wie dort ist die Verbindung des Dativ mit Präpositionen eigentlich ausgeschlossen, die wenigen hierher zu rechnenden Fälle sind im Grunde genommen anders zu erklären. Wie im Arischen sind die Dativ- infinitive des Zwecks in einer erstaunlichen Weise entwickelt, oft bis ins Einzelnste mit denen des Avesta übereinstimmend. Selbst diejenige Richtung des Arischen, welche sich am meisten von dem Wesen eines Casus des Interesses entfernt und der localen Natur des Casus am weitesten Rechnung trägt, findet hier nicht nur ihr Analogon, sondern sogar ihre consequente Weiterführung; der Dativ ist in weitem Umfange im Slavischen der Casus des örtlichen Ziels. Im übrigen darf man auch im Slavischen im Dativ den Casus des Interesses in auffallend reiner Gestalt wiedererkennen, namentlich da er nicht in den Wirkungskreis des Locativ, Instrumental und Ablativ hinübergreift. Vom celtischen Dativ muss Verfasser absehen, da ihm darüber kein Urteil zusteht, dagegen mögen noch einige Bemerkungen über diesen Casus in einigen Tochteridiomen und im Armenischen folgen. Das Armenische erinnert auch an den eranischen Zweig, schon darin, dass wie im Altpersischen Genetiv und Dativ zusammenfallen; auch sonst entspricht der eigentliche Dativ im wesentlichen dem eranischen, namentlich auch dort, wo er bedeutet, dass eine Handlung für jemanden unternommen wird, oder dass etwas zu einem Zwecke geschieht, oder dass eine Handlung mit etwas vollzogen wird, cf. den oben erwähnten Dativ auctoris bei passiven Participien im Eranischen. Ebenso reiner 15 Dativ des Interesses ist anzunehmen in Verbindung mit Adjectiven wie angenehm..., mit den Verben des Gebens.... Daneben tritt er in die Sphäre des Locativ, aber genau so wie im Gotischen und Griechischen nur in Verbindung mit Präpositionen, also er selbst wird nicht Locativ. Der ossetische Dativ ist eine in hohem Grade beachtenswerte Erscheinung; er ist der Casus des Interesses in fast idealer Reinheit, ohne eine Spur von localem Wesen. Er zeigt, mit welcher inneren Gewalt der Casus der Beteiligung die Sprachseele beherrscht, auch wo die alte Form längst geschwunden ist; wie sehr die Sprache bestrebt ist, überall dort ihn nur in seinem wahren Wirkungs- kreise auftreten zu lassen, wo nicht die Notwendigkeit vorliegt, seine energische Kraft anstelle lebens- unfähiger oder allmählich verblasster Casusgebilde einzusetzen. Ein eigentümlicher Entwickelungsgang nämlich hat dem Ossetischen nicht nur die rein örtlichen Casus Locativ und Ablativ belassen, obwohl auch hier die Form selbst neu ist, sondern es sogar in einer auf indogermanischem Gebiet unerhörten Weise ausgestattet; es unterscheidet einen doppelten oder dreifachen Locativ, hat einen Ablativ, und so pleibt, da auch die comitative und instrumentale Seite vollauf ihre Rechnung findet, dem Dativ sein altes Gebiet ungeschmälert. Wenige Beispiele mögen eine Andeutung bezüglich der Anwendung geben, woraus man sogar ersehen wird, dass die alteranische Richtung sich hier deutlich genug fort- setzt. Meinem Vater sein Haus— jemandem sein= angehören— mir zst, ist nicht zu thun= ich kann, darf, muss... thun— für jemanden etwas thun, wissen, erbitten, können— für den Körper Kraft, für die Seele jemandem Ruhe geben— für den Winter— halten für, erwählen zu, dienen zu, als— zum Zeugen, zum Zeichen, als(zur) Antwort geben— dazu, wozu— zur Frau sich erbitten— jemandem geben, zeigen, bereiten, machen, verteilen, zukommen, zu- werfen— Freund, Feind sein— Deinen Vater tötete dir Mälik..... Keine der übrigen neueren ostindogermanischen Sprachen weist einen auch nur ähnlich ent- wickelten Casus der Beteiligung auf, und doch zeigt eine Reihe eigentümlicher Erscheinungen, nament- lich in den neueranischen, doch auch den neuindischen Sprachen, dass derselbe durchaus nicht örtlich aufgefasst zu werden pflegt, wenn auch die feineren Züge verwischt und recht groben Umrissen gewichen sind. Das so häufige Zusammenfallen von Dativ und Accusativ erinnert an die vorher- erwähnten germanischen Erscheinungen, wobei der Dativ lediglich die stärkere Einwirkung auf das Object, der Accusativ die blosse Objecthandlung hervortreten liess, eine wirkliche Grenze nicht zu ziehen war. Ebenso dürfte in den angedeuteten arischen Tochtersprachen bald der eigentliche Object- casus den Dativ mit in seinen Bereich gezogen haben, bald umgekehrt; im Mittel- und Neupersischen- ist jedenfalls das Letztere geschehen; das hier für den eigentlichen Dativ und den bestimmten Accusativ verwendete Zeichen ist zunächst der reine Vertreter des Zweckes, Interesses und lange nur in diesem Sinne verwendet worden; sehr spät ist die Zweckrichtung derart verblasst, dass es auch der einfachen Objectbeziehung dient. Auch die Entstehung desselben ist in hohem Grade eigenartig; es ist nichts weniger als local gefärbt, im Gegenteil so einseitig ausgeprägt unsinnlich wie wenig andere Casus- suffixe; darüber kann kein Zweifel sein, nachdem Hübschmann sein Werden durch alle Phasen ver- folgt hat. cf. Zur Casuslehre, p. 329. Das locativische rädiy= causä, aus der Veranlassung von, zum Zweck von, für... verbindet sich zunächst regelrecht mit einem Genetiv, wie das lateinische causa, verblasst, wird zum Vertreter des Dativ im Sinne des eigentlichen Interesses, zum Suffix in den Gestalten rai, rà. Seine unörtliche Bedeutung macht es im Mittelpersischen sogar unfähig, die- jenigen Seiten des Dativwesens mit zu vertreten, in denen doch eine Art Richtung, wenn auch mehr im übertragenen Sinne, obwaltet. Sowohl im Huzvaresch nämlich als auch im Pehlevi giebt es neben diesem Dativ des reinen Interesses einen Dativ oder besser einen Casus der Richtung, bei den Aus- drücken der Bewegung, und zur Bezeichnung des sogen. entfernteren Objects, bei geben und ver- wandten Verben; das hierfür im Pehlevi verwendete ö ist das avi= nach hin, gegen des Avesta. Es hat somit das Mittelpersische den alteranischen Dativ, dessen weitem Wirkungskreise ein Suffix diente, auseinandergerissen und einen so engen und so specifisch unörtlichen Teildativ geschaffen wie 16 keine verwandte Sprache. Erst im Neupersischen wird râ zum Vertreter des vollen Dativinhalts und zeigt wiederum die Fähigkeit der Sprache, auch die mehr oder minder örtlichen Beziehungen im Dativbereich durch sein durchaus unõrtliches Wesen zu decken. Das Neupersische schlägt dabei den entgegengesetzten Weg ein wie die romanischen Sprachen, welche umgekehrt zu einem Dativzeichen greifen, welches der Form nach absolut örtlichen Charakter trägt; gleichwohl ist das Wesen des Casus der Beteiligung völlig klar, trotz dieser mangelhaften Form erfasst, und demselben bis zu den weitesten Consequenzen Rechnung getragen. Das Sprach- bewusstsein sieht in einem c' est à moi die ausgeprägte Beziehung des Interesses, nicht eine Spur von localem Wesen, und doch ist die Form ebenso ausgeprägt örtlichen Charakters. Daneben dient freilich das gleiche Zeichen den Beziehungen der rein örtlichen Ruhe und Richtung, und somit erscheint der Dativbereich mit abliegenden örtlichen Functionen verquickt, das Sprachgefühl aber wird ebenso wenig im Zweifel sein, ob Ruhe oder Richtung vorliegt, wie darüber, ob ein Verhältnis des Ortes oder der Beteiligung. UÜber das Wesen des Accusativ ist man sich verhältnismässig früh klar geworden. Er ist allerdings der Objectcasus, aber in ganz anderem Sinne, als man das früher auffasste, wo man meinte, er sei eben bloss der Casus des Objects nach transitiven Verben und usurpatorisch dringe er hier und da in den Bereich auch intransitiver Verba, sowie in rein nominale Constructionen ein. Objectcasus ist er insofern, als er überall eintritt, wo ein Object der Vorstellung, das Ding an sich uns entgegentritt, welches in der allgemeinsten, unbestimmtesten oder selbstverständlichsten Weise, mit Ausschluss jeder irgend speciellen Beziehung, mit den Erscheinungen sich verbindet; sowie dieser allgemeinste Charakter einer specielleren Auffassung Platz macht, ist für den Accusativ kein Raum mehr, er macht dem Locativ, Dativ.... Platz. Nun ist eine solche Verbindung allgemeinster oder unbestimmtester Art die der sogen. transitiven Verba mit dem Ausdruck ihres Objects; dieselbe nimmt naturgemäss im Wirkungskreise des Accusativ überall im Indogermanischen einen breiten Raum ein, ist aber weit entfernt, das Wesen dieses Casus auszudrücken. Auch intransitive Verba verbinden sich mit demselben im weitesten Umfange, im Griechischen kann eigentlich jedes Verb, wenn es irgendwie in grösster Allgemeinheit näher bestimmt werden soll, den Accusativ zu sich nehmen; es ist grundfalsch, diese Anwendung für eine Licenz, dichterische Freiheit zu halten, es ist dies völlig das legitime Gebiet des Objectcasus, und wenn die Poesie dasselbe mehr cultiviert als die abgeblasste Prosa, so liegt das eben an der grösseren Kraft und Unmittelbarkeit der poetischen Sprache, welche der verdeutlichenden Aushilfsmittel der Prosa entraten kann. Ahnliches wird sich im arischen Zweige zeigen, welcher überhaupt bezüglich der Syntax der Casus eine derartig wichtige Rolle spielt, dass er fast überall das ausschlaggebende Wort spricht, wo die übrigen Kreise bei der Deutung einer Erscheinung versagen. Ein anderes Hauptgebiet des Objectcasus ist die Verbindung mit den Verba der Bewegung; eine so allgemein indogermanische Erscheinung, dass man den Casus vielfach für den Exponenten der örtlichen Richtung gehalten hat, freilich sehr zu Unrecht, denn er zeigt nirgends eine Spur örtlichen Wesens. Die Erklärung ist sehr einfach. Wie bei den sogen. transitiven Verben das Accusativobject die natürlichste und allgemeinste Ergänzung enthält, so ist bei den Verben der Bewegung das örtliche Ziel die natürlichste Ergänzung, deshalb verbinden ursprünglich alle indogermanischen Zweige diese mit dem Accusativ, falls nicht wieder specielle Beziehungen hervorgehoben werden sollen; im letzteren Falle führt der Dativ das Verhältnis über in die Sphäre gewissermassen des Bewussten, Persönlichen, der Beteiligung, der Locativ lässt im scharfen Gegensatz zum Accusativ die örtliche Grundlage in den Vordergrund treten; doch sind dies alles mehr individuelle Erscheinungen gegenüber der weit überwiegenden Anwendung des Object- casus. Der arische Zweig zeigt wieder die grösste Ursprünglichkeit, denn hier ist die Verbindung 17 mit dem reinen Accusativ noch etwas durchaus Regelmässiges; doch auch hier verblasst allmählich die Kraft des Accusativ gegenüber der immerhin sich geltend machenden örtlichen Beziehung, und es werden teilweise deutende, erläuternde örtliche Hilfselemente dem Accusativ beigegeben, eine Richtung, welche in den westlichen Zweigen geradezu zur Regel wird. In diesen also verbinden sich die Verba der Bewegung auch mit dem Accusativ, aber für gewöhnlich nur in Begleitung eines localen Adverbs, welches zur Präposition wird; doch weisen noch deutliche Spuren auf den präpo- sitionslosen früheren Gebrauch des Accusativ hin; in erster Linie wieder in der dichterischen Sprache, doch auch sonst, namentlich in zahlreichen alten, formelhaft erstarrten Wendungen, an denen z. B. das Lateinische einen reichen Vorrat aufweist. Bei den Städtenamen ist überdies ebendort der blosse Accusativ in diesem Sinne noch rein erhalten. Streng zu scheiden von dem Gebrauch der Präpositionen der Richtung mit dem Accusativ ist die Anwendung des Accusativ mit anderen Präpositionen. Deutlicher als alle anderen Erschei- nungen zeigen diese letzteren, dass der Accusativ der Casus der vollsten Unbestimmtheit ist. Wo irgend ein, sei es örtliches, sei es inneres, Verhältnis durch das Wesen der Präposition genügend gekennzeichnet ist, pflegt, da jede Nominalform im Indogermanischen Casusflexion zeigen muss, der Casus der Unbestimmtheit einzutreten, wie überhaupt derselbe überall da am Platze ist, wo für einen anderen Casus kein Raum ist; eine Richtung, welche im Griechischen und Lateinischen mit grösster Consequenz festgehalten ist. Mensch sein heisst unbedingt dvò οιναν evat, hominem esse; àdvν ειπο, homo würde das Verhältnis zu einem ganz individuellen, subjectiven stempeln, die Indeterminirtheit findet ihren Ausdruck im Accusativ. So kommt es, dass die allerverschiedensten Präpositionen, welche innerlich nichts Gemeinsames haben, mit dem Accusativ verbunden werden. Auch hier wieder sehen wir im Arischen das Princip am schärfsten ausgeprägt, ähnlich im Germa- nischen, auch im Lateinischen, wo man früher vergeblich einen Grund suchte, warum ein ante, apud, circum, citra, ultra, post, praeter, propter...., wo doch von einer Richtung keine Rede sein kann, sondern grossenteils die Idee der örtlichen Ruhe unverkennbar vorliegt, gerade diesen Casus wahlte. Noch weniger als in den bisher entwickelten Fällen mit verbaler Grundlage kann es sich dort um einen Objectcasus im gewöhnlichen Sinne handeln, wo entweder Nomina mit einander ver- bunden werden, oder wo ein Verb seine rein adverbiale Ergänzung durch einen Accusativ findet; eine Anwendung, welche ebenfalls allen indogermanischen Zweigen eigen ist und z. t. ungemessenen Umfang annimmt. Neben dem Arischen kommt hier hauptsächlich das Griechische und Germanische in Betracht; aber auch das Lateinische macht namentlich von der Verbindung des Accusativ mit einem Nomen in der älteren und in der dichterischen Sprache vielfach Gebrauch; man sah früher in den so bezeichnenden Accusativen wie in os humerosque deo similis eine Nachahmung des Griechischen, was ebenso verkehrt war, wie wenn man die im älteren Latein so häufigen Verbindungen urbem captio, quid me tibi est tactio durch Nachahmung erklären wollte. Beide Arten und viele andere ähnliche Structuren im Lateinischen und sonst sind durchaus sprachgemäss und von einer Wirkung unverkennbarster Unmittelbarkeit; denn es tritt das eigentliche Wesen des Casus hier ganz besonders in Geltung, Ausschluss jeder individuellen Beziehung; zwei Begriffe werden irgend- wie, in der unbestimmtesten, allgemeinsten Form verbunden, die Art der bestehenden Beziehung hinzuzudenken bleibt dem Hôrer überlassen. Soll aber die vorhandene Beziehung ihren bestimmten Ausdruck finden, so tritt sofort wieder eine speciellere Casusform ein, ein Instrumental, im Lateini- schen Ablativ, ein Locativ, Genetiv je nach dem Wesen der Verbindung. Das Ebengesagte gilt auch von der Verbindung des Verbs mit einem rein adverbialen Accu- sativ; auch hier wird das Verb in der allgemeinsten Form irgendwie näher bestimmt, sei es örtlich, zeitlich, ursächlich; daher denn die adverbialen Accusative die allerverschiedensten Verhältnisse der 3 18 örtlichen, zeitlichen Ruhe oder Richtung unterschiedslos vertreten; sowie eine genauere Fixierung eintreten soll, muss der unbestimmte Casus einem individuelleren weichen. Vom arischen Kreise sei nur des äusserst charakteristischen Accusativ im Eranischen kurz gedacht. Die sogen. transitiven Verba des Avesta sind zum weitaus grössten Teil nicht mit adverbialen und präpositionalen Elementen zusammengesetzt, im schärfsten Gegensatz zum Germanischen; der Verbalausdruck ohne deutendes Hilfselement hat eben noch die Kraft ein Object zu sich zu nehmen, und überdies ist der Kreis der transitiven Verba ein ungleich weiterer als z. B. im Germanischen, weil ähnlich wie im Griechischen, ja teilweise in noch grösserem Umfange, ziemlich jedes Verb eine Objectverbindung mit dem Accusativ eingehen darf. Doch ist auch die Richtung, eigentlich intran- sitive Verba durch Verbindung mit Präpositionen erst transitiv zu machen, schon im älteren Avesta nachweisbar. Die vorher erwähnte Verbindung eines Verbalnomens(cf. urbem captio) mit dem Accusativ ist im Avesta reich vertreten. paityàrenõ imaâm daêénam= Gegner des Gesetzes; kutha Frau(eig. die gl. Fr.) bringen? aiwinticit— späanem zairitem= durch das Führen eines gelben Hundes; die Beispiele und viele andere siehe Hübschm. a. a. O. p. 190, 191. Auch in der Anwendung eines doppelten Accusativ geht das Alteranische erheblich weiter als die meisten anderen Zweige. Die von Hübschmann, aus dessen Werke überhaupt fast alle Belege für alteranische Erscheinungen hier genommen sind, angeführten Fälle sind sehr bezeichnend. y narem vikhrümentem qarem jainti= wer einem Manne eine schreckliche Wunde schlägt; cf. griech. Aαν οεꝑν νανα. Noch weit auffallender ist: yô narem ägereptem àgeurvayéiti= wer einen Mann mit einer Waffe bedroht. p. 191. 192. Die Begriffe Wunde schlagen, mit einer Waffe bedrohen, gewissermassen waffendrohen, werden hier wie einfache gefasst und neuerdings mit einem Object verbunden; cf. z. B. 0aoοv Oodohstv. Der doppelte Accusativ bei bitten, fragen, lehren entspricht dem der anderen Zweige; mit dem Griechischen teilt der Avesta den doppelten Accusativ bei Ausdrücken des Beraubens, Streitigmachens. Auch im Altpersischen noch ist dieser Gebrauch lebendig, desgleichen der doppelte Accusativ bei fordern. Ganz gewöhnlich findet sich im Alteranischen, dem Avesta wie dem Alt- persischen..., der doppelte Accusativ des Objects und des Prädicatsnomens, wie in den meisten anderen Zweigen hauptsächlich bei Ausdrücken des Machens, Haltens für, Erkennens als, Nennens...; doch ist zu beachten, dass daneben wie im Germanischen und sonst auch die Verbindung mit der Präposition zu üblich ist; z. B. yat vä anãpem Ki àâpem kerenaoiti= wenn man das Wasser- lose zu Wasser macht. Auch der Accusativ eines Nomens vom gleichen oder sinnesâhnlichen Stamm wie das regie- rende, eigentlich intransitive Verbum kommt vor, obgleich selten; paoiryãm gerezäm gerezaiti as- hisch vanushi= das erste Weinen weint A. V. Eine ganze Reihe von Verben der Bewegung verbindet sich, wie vorher angedeutet, mit dem Accusativ des Ziels; z. B. av, i, yam, yim, yas, fra, sri, shu= gehen, as= gelangen, pat, padh, urvaesay, car+ a= kommen; ebenso Ausdrücke wie laufen, herbeistürzen, sich wenden, sich setzen, sich erheben, hinazufliessen, bringen, führen, anspannen, giessen.... Auch im Alt- persischen ist diese Richtung in voller Klarheit vertreten, wenn auch bei dem geringen Umfange und der geringen Abwechselung der altpersischen Texte in ziemlich beschränktem Umfange; so bei kommen zu, ankommen, senden nach, ziehen nach... Der Accusativ der räumlichen und zeitlichen Ausdehnung gleicht dem der verwandten Sprachen, z. B. 300 Schritt vom Feuer— 2 Nächte hindurch den Körper hinlegen; wenn es aber heisst: wer den A. verstümmelt die Hälfte(= zur Hälfte), ein Drittel, Viertel..., so 19 geht das erheblich über den Accusativ der Ausdehnung hinaus und gestaltet sich schon zum rein adverbialen Verhältnis, entspricht jedoch durchaus dem Wesen des Casus der allgemeinsten Beziehung. Das Gleiche gilt von demselben, wo er abweichend von der Mehrzahl der verwandten Sprachen zeit- liche Ruhe bezeichnet, eine keineswegs seltene, überdies dem Avesta wie dem Altpersischen eigen- tümliche Erscheinung, welche auch dem Germanischen nicht fremd ist; z. B. cathwaresatem aiwigämanam dvaéibya haca nerebya dva nara us-zayeinté= 40 Jahre(= in 40 J.) werden von 2 Menschen 2 Menschen gezeugt. Noch klarer tritt die Idee der Ruhe hervor in: welcher gezogen kommt aghram usaitim ushäonem= die erste aufleuchtende Morgenröte d. h. bei der e. aufl. M. Ebenso deutlich im Altpersischen z. B. raucapativäã(= rauca-pati-va)= bei Tage oder bei Nacht, oder: Garmapadahya mâhya 1 rauca= das Monats Garmap. am ersten Tage. Hieran schliessen sich unmittelbar an die sehr verschiedenen und äusserst freien adverbialen Accusative, welche selbst über die schon im Griechischen sehr weit gesteckten Grenzen erheblich hinausgehen und das im Eingange Gesagte vollauf bestätigen. Jede allgemein gehaltene, nicht durch ein specielleres Casusverhältnis ihrem Wesen nach genauer formulierte nähere Bestimmung eines nominalen wie verbalen Ausdrucks darf im Accusativ stehen. Wenige Beispiele aus der überreichen Fülle mögen ein ungefähres Bild geben. ashem ashavastemb= an Tugend der Tugendhafteste, khshathrem hukhshathrôtemb= an Herrschaft der Gewaltigste, rasm raévastemö= an Glanz der Glänzendste, verethra verethravastemb= an Sieg der Siegreichste. Ohne ein solches Adiectiv von gleichem Stamme werden Substantiva der Art sehr oft rein adverbial verwendet, so nama= namens, cf. SvohZa, masöõ= an Grösse, cf. ¹o HLε*εοα, drajö= an Breite, arejô = als Preis, vasö= nach Wunsch, anusõ= wider Willen. Soll das Verhältnis irgend genauer bezeichnet werden, so tritt für den unbestimmten Casus der Instrumental ein. Viel weiter als die verwandten Sprachen geht der Avesta in Fällen wie: den Herrn des Hauses heile er nitemem staorem arejoö= ein kleines Zugtier(Acc.) als Preis(Acc.)= für ein kl. Z...; desgleichen in: ich bin zu einem Toten gekommen anaéshem manô, anaêéshem vaco= nicht wünschend in Gedanken, nicht wünschend in Worten, wo direct eine Art absoluter Accusativ vorliegt, aber so, dass das subiective ich in ich bin gekommen accusativisch durch anaéshem erläutert oder fort- geführt wird, d. h. also gewissermassen das Prädicatsnomen zu einem nominativischen Subject im Accu- sativ steht; eine Richtung, die dem Alteranischen wie dem Sanskrit überhaupt nicht fremd ist und eigen- tümliche Erscheinungen zeitigt. Abgesehen von anderen Fällen, wo das unzweifelhaft stattfindet, sehe ich abweichend von Hübschmann p. 203 diese Thatsache bestätigt durch zwei ziemlich gleichartige Beispiele, in denen geradezu das das Subject näher bestimmende participial-adiectivische Nomen in den Accusativ tritt: ySêzi jem frapayéini avi zum ahuradhätam= wenn ich lebend gelange zur Ahurageschaffenen Erde, und: er gelangte in seine Wohnung drüm avantem airischtem hamatha yatha paracit= gesund und unversehrt wie vorher. Die Verbindung ist auffallend, weil wir gewohnt sind, alle adiectivischen Bestimmungen, übereinstimmend mit dem Subjectausdruck im Nominativ zu finden, gleichwohl tritt sie eigentlich aus dem allgemeinen Rahmen nicht heraus; das Kommen wird irgendwie, in der allgemeinsten Form, als ein gesund, in gesundem Zustande Kommen näher bestimmt, und dem entspricht die Anwendung des Casus der Unbestimmtheit. Das ist jedenfalls für unsere Auffassung noch weit natürlicher, als wenn selbst bei dem Verb sein das Prädicatsnomen in den Accusativ tritt, und doch ist auch das aus dem bisher Entwickelten völlig erklärbar und kommt auch im Indogermanischen vor, von andern Sprachstämmen nicht zu reden, wo es eine ganz gewöhnliche Erscheinung ist; es erscheint uns immer noch natürlicher, als wenn das Prädicatsnomen im Slavischen im Instrumental steht; die Auffassung in beiden Fällen ist nahe verwandt, nur ist wieder beim Gebrauch des Accusativ die unbestimmte, allgemeine, bei dem des Instrumental die ganz specielle Casusform gewählt, welche überhaupt gewöhnlich für den Accusativ oder neben demselben eintritt, wo dieser zu allgemein oder unbestimmt erscheint. 3* 20 Besonders häufig finden wir den adverbialen Accusativ von Adiectiven, z. B. vasnem nem = sichtbar, äsischtem-= celerrime, thwäshem= celeriter, dareghem= diu, paoirim= erstens, bitim= zweitens, nydàpem= stromab, àätbitim= zweimal, ãthritim= dreimal, nürem= jetzt, aparem= alsdann, paourum, paourvim= zuerst, uschtemem= zuletzt. Das Altpersische hat dieselben substantivischen wie adiectivischen Adverbialbildungen im Accusativ, cf. nur näma= 3voha, drangham= dareghem, duvitiyam= zum zweiten Male, darsham= sehr, hyãparam= iterum. Eine grosse Rolle spielen die adverbialen Accusative von Fürwörtern, welche die mannigfachsten Partikeln vertreten und hier nur andeutungsweise behandelt werden können. Die Erscheinung selbst ist allen indogermanischen Sprachen eigen, freilich in sehr verschiedenem Grade; cf. 6r¹, quod, dass, que... Da sie meist relative, demonstrative, völlig unbestimmte Adverbialformen sind, so eignen sie sich in erster Linie zur einfachsten relativen, demonstrativen Bindung, sind aber eigentlich selbst ohne substantiellen Wert; dass häufig ein weil, wenn, deshalb... daraus wird, liegt nicht in ihnen selbst, sondern in der jeweiligen Structur und dem Zusammenhange. So bedeutet at etwa das da, wird aber zum Adverb im Sinne eines da, darauf, darum, so(im Nachsatz eines Bedin- gungssatzes), einer hebenden Partikel, des adversativen Verhältnisses, direct= aber. Besonders charakteristisch aber ist yat, das Neutrum des Relativ im Accusativ; eigentlich nur in der aller- unbestimmtesten Art relativ bindend, z. t. überhaupt nur andeutend, dass im gegebenen Falle ein relatives Verhältnis obwaltet. In letzterem Sinne ist das von Hübschm. p. 203 angeführte Beispiel nmänem yat ahmi zu fassen= das Haus(que, quod, dass) was in ihm statt: das Haus in welchem. Weiterhin vertritt yat je nach Sinn und Verbindung die allerverschiedensten relativen Partikeln und ist mit dass, damit, weil, wenn.... zu übersetzen. Schon im einleitenden Teile wurde angedeutet, dass die Ansicht, als ob der Accusativ mit Präpositionen das Verhältnis der Richtung bezeichne, ganz verkehrt ist, dass der Casus weder mit örtlicher Ruhe noch mit Richtung etwas zu thun habe, dass aber die Entwickelung, wonach z. B. im Deutschen in, auf, an... mit dem Accusativ die Richtung bezeichne, eine natürliche sei. Das Alteranische zeigt auch hier eine grosse Ursprünglichkeit. Der Accusativ ist wie überall der absolut indifferente Casus; individualisiert wird das Verhältnis nar durch die Verbindung und das Wesen der jedesmaligen Präposition. Daher regieren denn anscheinend sehr viele Prä- positionen den Accusativ, bald tritt die Idee der Ruhe, bald die der Richtung, bald eine gar nicht örtliche Auffassung hervor; von einem wirklichen Vorwiegen des Verhältnisses der Richtung wie im Lateinischen, Deutschen kann keine Rede sein. Es giebt eine beschränkte Anzahl Präpositionen mit dem Accusativ, welche wirklich vorwiegend oder nur der Richtung dienen, dann aber enthalten sie dieselbe ihrem Wesen nach, wie à= zu, bis zu, paitisch= nach hin, oder die Wahl des Accusativ wird in sehr bezeichnender Weise durch den Zusammenhang bedingt. Ein Beispiel möge für Letzteres genügen; avi= von herab, de; die Grundbedeutung von her aber ist schon früh derart abgeblasst, dass die in allen Präpositionen des Ausgangspunktes naturgemäss implicite enthaltene Idee des entgegengesetzten Endpunktes, des wohin, mindestens ebenso energisch sich geltend macht; man denke nur an deducere, devenire, deferre, deponere, wo ganz ebenso die Bedeutung der Trennung teilweise gar nicht mehr, wohl aber die des nach hin deutlich sich geltend macht. Dem ent- sprechend hat avi mit dem indifferenten Accusativ nicht mehr die Kraft, eine so ausgeprägt indivi- duelle Verbindung wie von dem Berge herab zum Ausdruck zu bringen, hier müsste jedenfalls der Ablativ als Casus der Trennung angewendet werden. Daraus ergiebt sich von selbst, dass der Ausdruck im Casus der Unbestimmtheit nur das Ziel bezeichnen kann. Die meisten Präpositionen mit dem Accusativ bezeichnen sogar an sich weder klar die Ruhe noch Richtung, sondern eine zwar völlig klare örtliche Beziehung, aber ohne bestimmtes Vorwiegen einer der beiden Bedeutungen, oder sie lassen überhaupt weder den Begriff der örtlichen Ruhe noch 21 den der Richtung hervortreten; bei einigen ist geradezu die Idee der Ruhe massgebend, aber natür- lich hängt das ebenfalls in keiner Weise mit der Wahl des Accusativ zusammen; so namentlich antare= zwischen, unter, inter, pasca= nach(pasca yat= postquam), pasné= hinter, z. B. àpem= hinter dem Wasser, para= vor, z. B. para asmem para âpem= vor dem Himmel, vor dem Wasser= bevor H. u. W. war, upa= bei, ungefähr um; wohl auch pairi= um herum, hindurch, adhairi= unter, tarô, tarasca= trans, parõ= vor, apé= nach, haca= wegen, aiwitö= um. Bei einer Anzahl tritt, wie gesagt, je nach der Verbindung, bald Ruhe, bald Richtung mit voller Schärfe hervor. aipi=ä= in, z. B. in finsterer Nacht, auf, z. B. auf der ganzen Erde, hin- durch, z. B. die Nacht hindurch, an im Sinne der rein örtlichen Richtung, z. B. eine Thür an den Vara machen. ana=ä= an, auf, z. B. auf dem Lager, hindurch, z. B. durch die Rennbahn hin. upairi= über im Sinne der Ruhe wie der Richtung. paiti= an, bei, auf, zu, gegen, gegenüber. Gegenüber den erwähnten Thatsachen muss es auffallen, dass in völliger innerer Uberein- stimmung das Griechische, Lateinische, Germanische bei einer Reihe von Präpositionen den Accusativ anwenden, wo es sich um die Richtung, den Dativ oder Dativ-Locativ, beziehungsweise den Ablativ- Locativ, wo es sich um die Ruhe handelt. Die Erklärung ist im Vorhergehenden schon mehrfach angedeutet. Bewegung ist Handlung, sie findet ihr natürliches, einfaches Ziel im Objectcasus, gleich- viel ob mit oder ohne stützendes Adverb oder Präposition; soll dagegen der Begriff der Ruhe aus- gedrückt werden, was bei Verben der Handlung wie des Zustandes möglich ist, so tritt ein neues Moment, das rein örtliche, hinzu, und dieses muss seinen naturgemässen Ausdruck durch den Casus des Ortes finden, welcher wieder in den genannten Zweigen meist der Stütze verdeutlichender Vor- wörter bedarf. Der lateinische und griechische Accusativ können hier ziemlich kurz berührt werden; um so mehr, als das eigentliche Wesen des Casus hier selbst unter Zugrundelegung nur des Materials der landläufigen Lehrbücher klar genug hervortritt. Das Lateinische liebt wie das Germanische die Bildung transitiver Verba durch Hinzutritt einer Präposition zu dem intransitiven. Gleichwohl haben auch viele eigentlich intransitive die Fähigkeit, sich ohne weiteres mit einem Object zu verbinden, namentlich solche mit der Bedeutung einer lebhaften Empfindung, wie dolere, flere, gemere... Noch weit sinnlicher ist die Auffassung, wenn in der poetischen Sprache selbst Ausdrücke wie ardere, calere= brennen vor Liebe zu jemandem, einen Objectaccusativ regieren, oder gar deperire= vor Liebe zu jemandem(mulierem) vergehen. Ubrigens hat die Prosa, welche im allgemeinen im Lateinischen eine gewisse Scheu hegt vor freien, kühnen Wendungen, gleichwohl ihren reichen Anteil an solchem oft archaisirenden Gebrauch. Nicht minder lebendig ist ein olere, sapere mit dem Accusativ, oder manere= erwarten, ludere, ridere = verspotten. Vollends an die ungemessene Freiheit und Kraft des heutigen Hochdeutsch in dieser Beziehung mahnen Verbindungen wie immunda dicta crepare, etwa= ungewaschenes Zeug schnat- tern, schnauzen, pingue quiddam sonare, anhelare scelus, was ganz unseren Verbindungen wie Wut, Mord schnauben entspricht, saltare Turnum, wie im Deutschen den König Lear spielen. Sogar über das im Deutschen Gewöhnliche hinaus geht die Freiheit bei dem auch in der Prosa durchaus unauffälligen leges migrare= die Gesetze übertreten, oder in mare ambulare, terram navigare. Ganz abgesehen von dem regelmässigen Gebrauch des Accusativ der Städtenamen in der Bedeutung einer Richtung, Bewegung bezeichnet die dichterische Sprache anstandslos das Ziel ört- licher Bewegung durch den Accusativ, so in dem bekannten speluncam Dido dux et Trojanus eandem deveniunt, die Prosa hauptsächlich in formelhaften Wendungen wie ius iurandum adigere, infitias ire, venum ire, venum dare, pessum dare, domum, rus, foras. 22 Die dem Avesta entsprechende Verbindung von reinen Verbalsubstantiven mit einem Accusativ, ein quid me tibi est tactio... ist vorher berührt worden. Auch das Lateinische kennt die den verwandten Sprachen geläufigen IVendungen einen schweren Kampf kämpfen, Weg gehen. Ebenso entspricht die Anwendung des doppelten Accusativ bei poscere, docere, celare, durch- aus der des Avesta.... und geht bei Wendungen wie exercitum flumen traicere, trans- ducere sogar über das in den meisten indogermanischen Sprachen Übliche hinaus, wird freilich durch gewisse Verbindungen des Avesta in Schatten gestellt. Auch der doppelte Accusativ bei zu etwas machen, irgendwie nennen ist den verwandten Sprachen grossenteils ebenso geläufig wie dem Lateinischen. Dagegen erinnert ein Priamus inutile ferrum cingitur oder gar Juno antiquum nondum saturata dolorem lebhaft an die kühnen Constructionen des Avesta; wie es dort hiess jemanden mit einer Waffe(Accus.) bedrohen, durch eine schwere Wunde(Accus.) schlagen, verletzen, so wird hier jemand mit einem Schwert(Accus.) gegürtet, schwertgegürtet... Zugleich führt diese Anwendung deutlich über zum vorher behan- delten Accusativ, welcher, gleichviel ob in verbaler oder nominaler Verbindung, unbestimmt, gewisser- massen adverbiell, angiebt, in welcher Beziehung sich eine Thätigkeit, Eigenschaft äussert; eine auch der Prosa geläufige Richtung. Hierher gehören Fälle wie adversum femur tragula graviter ictus= am Schenkel, capita Phrygio velamur amictu= den Kopf gehüllt in; noch freier bei Cicero voluisti magnum agri modum censeri, gewissermassen auf Grossgrundbesitz geschätzt werden. Eine der freiesten Wendungen solcher Art zeigt das Horazische pueri laevo suspensiloculos tabulamque lacerto, welche das obenerwähnte inutile feorrum cingitur insofern weit hinter sich zurücklässt, als das dem cingitur entsprechende suspensi erst durch eine kühne Uber- tragung die Person zum leidenden Teile macht und ihm das loculos erläuternd beigiebt, welches eigentlich allein das Object des suspendere daxrstellt. Adiectivische oder participiale Verbindungen wie os humerosque deo similis, nigrantes terga iuvenci oder das feminae Germanorum nudae brachia et lacertos des Tacitus bieten nichts Auffallendes, da die beiden Begriffe in der gewöhnlichen unbestimmten Form des Accusativ vermittelt werden; in einem qui genus dagegen kann von einer ähnlichen Abhängigkeit des genus von dem unsubstantiellen qui eigentlich nicht die Rede sein; das erstere macht einen weit selb- ständigeren Eindruck. So wird ein adiectivischer Accusativ in Verbalverbindung, wie im Avesta und anderwärts, endlich zum reinen Adverb, und zwar nicht nur so allgemeine, an sich schon dem Adverbialen zu- neigende Formen wie multum, magis, wo wir uns der Accusativnatur kaum noch bewusst sind, sondern auch ganz individuelle; so falsum renidens vultu, wo man die Substantivgeltung des neutralen Adiectiv noch wohl herausfühlt, oder dulce ridere, torvum clamare. Sonst ist der Gebrauch des Accusativ als reines, selbständiges Adverb wenig entwickelt, hier- her gehören formelhafte Wendungen wie magnam partem, id actatis, id genus alia; letzteres erinnert an das obenerwähnte qui genus. Schliesslich sei hier der bezeichnenden Ausdehnungsfähigkeit des Accusativ der Demonstra- tiva, Relativa... gedacht, welcher halb als Object— halb als Abverbialcasus zu den verschiedensten, an sich jedenfalls nicht transitiven Verben oder verbalen Ausdrücken tritt; bisweilen gemahnt der- selbe energisch an die lebendige Kraft dieses Casus im Avesta, Griechischen, Germanischen, z. B. in id operam do, quid tibi sim auctor? Der Accusativ zur Bezeichnung der Ausdehnung in Raum und Zeit erscheint uns so selbst- verständlich und ist den indogermanischen Sprachen so geläufig, dass wir uns gar nicht gegenwärtig halten, wie auch er genau genommen lediglich adverbialartiger Casus der Beziehung in der unbe- stimmtesten, allgemeinsten Form ist. Nebenbei handelt es sich gar nicht immer um den Begriff der 23 Ausdehnung; Fälle wie vicesimum annum regnat involvieren eher die Idee der Ruhe, was wir ähnlich im Avesta fanden und weiterhin beim Germanischen antreffen werden. Wenn in Ausrufen des Erstaunens, Unwillens, Schmerzes der Accusativ mit oder ohne ein besonderes, hervorhebendes interiectionales Element angewendet wird, so ist das durchaus im Wesen des unbestimmten Casus begründet; es kann im Grunde genommen, wo es sich nicht direct um eine Anrede handelt, gar kein anderer Casus eintreten; der unter Umständen auch möxliche Subjectcasus ist weit weniger angebracht und deutet eine Art Aposiopese an; im Deutschen hilft man sich, da für eine andere Casusform als den Accusativ eigentlich kein Raum, letzterer aber ebenfalls ungewöhn- lich ist, meist durch einen präpositionalen Ausdruck. Hierher ein heu me miserum= über mich Unglücklichen!(Doch wendet das Deutsche auch den Nominativ in dem oben angedeuteten Sinne an: O, ich Unglücklicher, wobei die besondere Art des Subjects nach irgend einer Richtung hin ohne besonderes Verb hervorgehoben wird.) Ebenso o fallacem hominum spem, en vobis iuvenem, ece illum(ecillum, ecillam...). Auch die fragenden Ausdrücke quo mihi fortunam, si non conceditur utid unde mihi lapidem? quo tantam pecuniam? unde sagittas? weisen ohne eine bestimmte Con- struction, ohne wirklich abhängiges Casusverhältnis, zunächst bloss ganz allgemein, in unbestimm- tester, fragender Form auf irgend etwas hin; es ist falsch, hierbei Abhängigkeit von einem transitiven Verb wie nehmen, welches nebenbei nur teilweise passen würde, anzunehmen. Abgesehen von der inneren Unmöglichkeit zeigt das erwähnte mihi in unde mihi lapidem, dass hieran nicht zu denken ist. Quo mihi fortunam spricht eine noch deutlichere Sprache, indem überhaupt ein auch nur ähnliches Verb wie nehmen dem Sinne nach unmöglich ist. Während bei dem ersteren Beispiele doch wenigstens der Sinn ungefähr ist: woher soll ich denn nehmen? heisst die zweite Redensart unbedingt nur: was soll mir das Glück, was nützt es mir? Bezüglich des griechischen Accusativ wurde schon hervorgehoben, dass er in Abhängigkeit von ziemlich jedem Verbum, gleichviel ob transitiv oder intransitiv, vorkommt, worin diese Sprache der des Avesta nahesteht. Bei der Vorliebe für diesen Casus erscheinen auch eine ganze Anzahl von Ausdrücken, bei denen die meisten verwandten Sprachen lieber die innere Beteiligung des be- troffenen Gegenstandes durch Anwendung des Dativ in den Vordergrund treten lassen, als transitiv, so die des Nützens, Schadens und viele andere. Auffallender erscheint es uns, wenn Verba, welche im Activ einen regelmässigen Object- accusativ haben, auch im rein reflexiven Medium einen solchen nehmen. †ukärrsty svd= jemanden hüten, †uxdtrsod'al dtva= sich vor jemand hüten; und doch entspricht das durchaus dem Wesen des Accusativ, welcher die jeweilige einfachste Ergänzung des Verbalbegriffs bezeichnet, die Be- deutung im einzelnen Falle giebt lediglich die Verbindung, der Zusammenhang. Weit klarer tritt das Ebenerwähnte zu Tage in den ungezählten Fällen, wo wir statt des Accusativ, also statt der unbe- stimmt allgemeinen Form, eine specielle wählen, welche das Verhältnis in seiner besonderen Art darstellt. OXöhnta wxdy= in den o. Spielen siegen, Tdμοες εοσαν ³ꝓ◻ε⁴νμαένν ⁴α?εν sdar&α 20„ .... Hier zeigt allein der Sinn, dass es sich nur um eine Bewirtung beim Hochzeitsmale, ein Kommen mit einer Meldung, ein Opfern wegen der frohen Botschaft handeln kann; Suvvat rou⁹ d'eous kann nur ein Schwören bei, unter Anrufung der Götter sein. Tritt bei solchem Ausdruck noch die Weglassung eines selbstverständlichen Begriffs ein, wo das Verb anscheinend ein ganz unmögliches Object nimmt, so entsteht der Eindruck kühner Un- mittelbarkeit, ein Sναια raeiy ist völlig entsprechend lateinischem foedus ferire, icere und durch- aus verständlich als opfern zur Bekräftigung der eidlichen Ubereinkunft, obgleich räßvety eigentlich nur schneiden, schlachten heisst; übrigens sind dergleichen Wendungen dem Deutschen keineswegs fremd, man denke bloss an so naheliegende wie wir trinken ju die minne, unser 24 heutiges Gesundheit, Schmollis trinken; später werden wir sehen, dass gerade auf diesem Gebiet das Deutsche viele verwandte Sprachen weit hinter sich zurücklässt. Bezüglich dieser ungemein zahlreichen, mannigfaltigen und äusserst packenden Wendungen aller Art sei auf Rumpel verwiesen, welcher in seinem Die Casuslehre... Halle 1845 mit grosser Klarheit und Schärfe in das Wesen des Casus eindringt und fast über all die richtige Auf- fassung bekundet, Hier nur noch einige drastische Fälle. 7Séε(dvapla) dorde αεανρνμνπνννν= bricht Flucht durch, d. h. die Zügellosigkeit führt zum Durchbrechen der Reihen und dadurch zur Flucht. EXαοςα lα= eine Wunde schlagen(verwunden). Hι αααηρνμειν= Schlacht würfeln, d. h. es auf gut Glück wagen mit dem Kampfe. THaρ S⁴ναχαν= verfolgen durch Anbringung einer Klage. Suer, †ειον= zur Feier der Hochzeit opfern. Da nun der Accusativ bloss in der unbestimmtesten Weise verbindet, nur andeutet, dass eine Handlung in irgend einer Weise auf ein Object einwirkt, während allein Sinn und Verbindung über die jedesmalige Bedeutung entscheidet, so kann folgerichtig auch ein an sich schon so com- plicirter Begriff wie slνμνα ety irgendwie näher bestimmt werden, sei es seiner Wirkung nach oder in einer anderen Richtung; es tritt dann zu dem Ausdruck noch ein Accusativ, wie in dανπα v rot 59xr Erahvov(R. a. a. o. p. 187)= ich opferte zum Abschluss des Bündnisses, was dir zum Tode war, schloss ein Bündnis, welches dir den Tod brachte, gewissermassen ich bündniste dir den Tod. Hier sind wir freilich bei einer Anwendung des Accusativ angelangt, welche weder im Arischen noch in den europäischen Zweigen ihr Analogon findet. Auch abgesehen von solchen eigentümlich complicirten Fällen kann das Griechische die aller- verschiedensten Ausdrücke, welche schon ein Verb mit seinem Objectcasus enthalten, sozusagen noch einmal transitiv machen, d. h. sie durch ein neuerdings beigegebenes Object in irgend einer Weise, welche wieder lediglich der Zusammenhang bestimmt, persönlich oder sächlich ergänzen. Auch in dieser weniger auffallenden Anwendung eines doppelten Accusativ steht das Griechische obenan, weil die im Wesen des Casus liegende Wirkungssphäre nirgends sonst so klar und so con-— sequent festgehalten wird wie hier. Dabei ist keineswegs immer zu scheiden, ob das eine der beiden Objecte bloss im abgeblassten Sinne eines reinen Adverb zu fassen ist, oder ob eine innigere Be- ziehung stattfindet. Von den ziemlich überall üblichen doppelten Accusativen bei lehren, fordern kann hier abgesehen werden, auch den bei berauben teilt das Griechische mit dem Avesta. Mehr aus den gewohnten Bahnen heraus treten schon Fälle wie kxναικσ 5- Ltv Teöοο— Bäley, doch er- innere ich an den genannten fast wortlich entsprechenden Fall aus dem Avesta; oder prftépa Easa axepdevta οςννa; JPaνν νρᷣαρρ αb iνα, dlaa dοαᷣε ν εt wva; im ersten der beiden letzten Falle wiegt in Toaꝓs roeςεᷣ α nur der Begriff des Anklagens vor, fast wie wenn dasselbe ein einfaches transitives Verb wäre, im zweiten hat der Begriff des dπαφςνκ νεν derart das UÜbergewicht, dass Slxag wie der persönliche Accusativ in ziemlich gleicher Weise, eines das andere erläuternd, als Objecte zu fassen sind. Ahnlich ist dies bei rev 5 ν ςα 5οσνι τέιι⁴; wohl auch bei àꝓρα Xev ꝓε 5ατnl Broty AXMοοςα ν Aοy, doch neigt das nachfolgende rloy nach der Seite einer ploss adverbialen, erklärenden Nebenbestimmung au Sturıο Aoς. Dieselbe Auffassung herrscht wohl bei rpt- B1ASOda Ty Ay re-hos vor, oder in ν ν˙6v, EXEw ee Awa†ey, desgleichen bei den Aus- drücken des Anziehens, in ανκι tw SvOGhæ aναιοo. Dagegen ist in&†α ε˙ oοεtv, uuν οεv, uα XETSty... ktvx jedenfalls der Ausdruck dρμανν oοee... lediglich wie ein einfaches transitives Verb gefasst. cf. noch aus der grossen Menge hierhergehöriger Fälle ri vauuay dπεοαααmνε˙α ονς Koprydlou— änavta Evetα eyts Hε, was vollständig die früher erwähnte Auffassung des Avesta wiedergiebt, und das sehr kühne 5 Héray korey öatye SInkawa, wo wir gar nicht anders über- setzen können als: sie wob am grossen Webestuhl ein... Der hier angedeuteten Grundrichtung gemäss macht das Griechische auch von dem Ausdruck des sog. inneren Objects ausgiebigen Gebrauch, sowohl in der gewöhnlichen Weise, wobei Accusativ 25 und Verb desselben Stammes sind, als auch bedeutend freier; so dstlαον d kvt, doοας véοοeο d⁴,,ε; auch ohne adiectivisches Attribut: νκεεμασν ερναασꝙsdety, 65⁵ερꝑμμαρννα †ο⁴αοσεαια, ρμνν νινναασ, eds- Terstv edsgreotavy.... Selbst solche Ausdrücke sind einer persönlichen Objectbezeichnung fähig, sowie sie als einfache transitive Verba behandelt werden, genau so wie vorher xακ οtst,... Auch den Accusativ des Zieles nach Verben der Bewegung kennt das Griechische und wendet ihn in der dichterischen Sprache vielfach an. 2 à⁴οO ᷣ⁊2ος davèv UMe= Ala KHoylva οοοσαďα. Darin aber geht dasselbe wieder erheblich weiter als verwandte Sprachen, wenn selbst hier noch ein näher bestimmender persönlicher Accusativ hinzutritt wie in: ti 5E α ρομ ᷣυςα xε το πυωννιοοσ Es zeigt ein solcher Fall recht deutlich die absolut nicht irgendwie präcisirte Bedeutung des Accusativ; mit bkero wird als Object der Bewegung in der leichtesten Form ε verbunden, und ziemlich in derselben Weise, lediglich erklàrend, weiterführend, auch vac. Da aber der Accusativ keineswegs die Richtung enthält, welche letztere ausschliesslich durch die Bedeutung des Verbs hinzugethan wird, so kann derselbe wie im Avesta auch bei Verben ge- braucht werden, welche örtliche Ruhe, nicht Bewegung, sondern Zustand bezeichnen, sowie die- selben einer Determination bedürfen, welche gleichwohl nicht so eng sein soll wie die des directen Locativ; um so mehr, als bisweilen eine Grenze gar nicht zu ziehen ist, wo die Bewegung, Handlung aufhört, und die Ruhe anfängt; z. B. orfdè af iky OGy révd' A,αφερνν ꝙαρρο= tretet hin an, steht auf. l⁵³α εσvèv Norat. Völlig indifferent bezüglich der Idee der Richtung ist M¼lety Jäharray, wo wir jedenfalls sagen auf dem Meere segeln(cf. vorher ambulare mare), oder d²⁴οσνσσαάιν:tévειο νεοονα— In den letzten Beispielen werden an sich durchaus intransitive Verba gleichwohl mit einem reinen Object verbunden, freilich örtlicher Art. Es kann aber ebenso gut dasselbe gemäss der un- bestimmten Natur des Accusativ irgend eine andere Richtung nehmen, welche wieder allein von der Art der Verbindung abhängt. So entspricht dem vorher erwähnten Wut schnauben, scelus anhelare griechisches ov BAErcety, rven, p, 750 Sety, 5etv dS. Wie gewöhnlich bezeichnet der Accusativ auch hier das, was man in der Regel Ausdehnung in Raum oder Zeit nennt, während es wieder bald Ausdehnung oder Richtung bald Ruhe wo oder wann darstellt; häufiger allerdings anscheinende Richtung als Ruhe aus dem einfachen bei den Präpositionen erwähnten Grunde, weil der vollere Begriff wirklich ruhenden Befindens meist auch die stärkere Form des eigentlichen Ortscasus, hier also des Dativ-Locativ mit einer Präposition, vorzieht. Selbst in Fällen aber wie kva[ufx évev— elrero S0uο—& S9G„hy— elnoo, rn peroy ist keine wirkliche Richtung ausgedräckt, wir legen diesen Begriff hinein; am allerwenigsten ist die Grundauffassung die eines hindurch, sondern das Letztere ist eben eine verdeutlichende Form dort, wo der Accusativ nicht ausdrucksvoll genug erscheint; ein vixta ομααeτννννæν ist an sich nur die Verbindung des Verbs bXLMοοεςmρεvæt mit irgend einem, hier temporalen Object. Ist das mit einem Object verbundene Verbum ein Passiv oder seiner Natur nach nicht geeignet sich durch ein Object zu ergänzen, oder ist der zu bestimmende Ausdruck überhaupt nicht verbal, so giebt der hinzutretende Accusativ lediglich an, nach welcher Richtung der an sich volle, also einer Ergänzung nicht bedürftige Ausdruck dennoch im speciellen Falle eine Ergänzung erhalten solle. Auch hierher gehôren wieder die mannigfaltigsten verbalen und nominalen Wendungen. Wenn zu dem allein völlig verständlichen ροeς¶ die nähere Bestimmung 6Qον Sesiy tritt, so besagt die- selbe, dass hier das ρα durch den rechten Fuss erfolgt. G³xug wird näher erläutert durch„νοαε, d4d,a durch riy αερνοαν, nòꝓᷣαν durch rè αᷣᷣν, das durchaus bedeutungskräftige lαlέε, 500X0; erhält eine lebhaft steigernde Kennzeichnung seiner besonderen Art in diesem Falle durch xãcaxv XMα⁴αp, rdg helotas S0uXel. Hiermit gelangen wir zu dem rein adverbialen Accusativ, welcher ebenfalls in der losesten Weise etwas nach Ort, Zeit, Umständen näher bestimmt; meist so, dass von einer eigentlichen 4 26 Abhängigkeit keine Rede sein kann. Gemäss der ungleich grösseren Beweglichkeit und Freiheit des Griechischen ist auch diese Anwendung unverhältnismässig mannigfaltiger als im Lateinischen und erinnert ebenfalls an den Avesta. Es kann hier nicht einmal eine Ubersicht der Hauptfälle auf- gestellt werden; wenige Beispiele mõgen eine Ahnung geben. 1 ο ος= für deinen Teil, was dich anlangt— οοαμιν EAꝓρρᷣ σ Swocba= mit Namen— rdꝓροα es οι ο Bã˙νoe= an Tiefe — ꝓαονν= unter dem Vorwande, angeblich— Tvenny surjy= nach meiner Meinung— r de rov oεαοαν= auf folgende Weise— y raαeo,= aufs schnellste— rεloος= schliesslich— Axαꝑεν = gerade, eben— ρ⁴ασ—= mit aller Macht— 3iwνy= nach Art von— 8Ehag= instar..... d pGro— pBera— oXd, MAd— dXioy— Metora— 1oGο ιο— 300v— r—= was, wozu. Hierher gehören auch die sogen. absoluten Accusative εv, xανv, S6say..., welche genau in derselben Weise wie rvde roνν ρναιον, ςνꝓςρσαασν †v uſv, nur eben nicht in substantivischer, sondern participialer Form, ganz lose eine Handlung oder besser einen Zustand ohne Beziehung auf eine bestimmte Person mit dem Satzganzen derart verknüpfen, dass je nach dem Falle eine temporale oder causale Bestimmung sich ergiebt. Ganz ähnlich, nur noch unbestimmter, meist direct durch einfache adverbiale Redensarten zu umschreiben, sind die Infinitivformen im Accusativ wie ro vöy s,ar= für jetzt, ré αααα οοτov ewat, fast völlig= 10 Lοςα αυ αι= was diesen anlangt. Bezüglich des Accusativ mit dem Infinitiv, welcher hier nicht eingehend behandelt werden kann, sei auf die eingangs gemachte Bemerkung über dãvēò οσναον stvat verwiesen. Nur das mag hinzu- gefügt werden, dass diese Construction das eigentliche Wesen des Objectcasus deutlich hervortreten lässt. In dem Satze onto viſc aτεεος αeeνevov αοεανκάν ννςν otiy erfährt das dπεαvν νv zorty lediglich eine nähere Bestimmung der Art dieses dπα⁵α t“, welche nur in dem Casus der vollen Unbestimmtheit stehen kann, wenn sie wie hier durch ein persönlich gefasstes Prädicatsnomen ausgedrückt werden soll. In derselben Weise aber wird auch in einem arèv αααενεεοσ˙αᷣαά ⁸‿πωε die Verbindung αεαεοεοα˙εαιαι μπαε nur ihrer Art nach näher bestimmt durch das den Casus der Unbestimmtheit tragende drév, keineswegs aber ist dxév etwa das Object zu ĩα o. Die Behandlung des ungemein energisch und eigenartig entwickelten germanischen Accusativ muss behufs Vermeidung einer Raumüberschreitung auf das engste Mass zurückgeführt werden und wird neben der Anwendung im Gotischen fast ausschliesslich das Neuhochdeutsche, alles im knappsten Umriss, berücksichtigen. Zugleich die Bemerkung, dass auch die drei noch nicht behandelten indogermanischen Casus: Locativ, Instrumental, Ablativ aus dem gleichen Grunde hier fortfallen müssen; sie werden in etwas eingehenderer Fassung als die hier behandelten Casus in Jahres- frist folgen. Der germanische Accusativ hat wie in den übrigen indogermanischen Zweigen seinen Schwer- punkt in der Verbindung mit Verben, und das tritt stärker hervor wie im Avesta und Griechischen, wo wir denselben in reiner Nominalverbindung, abhängig von Adiectiven, oder rein adverbial in reicher Anwendung fanden. Diese letzte Richtung ist dem Germanischen ziemlich ungeläufig, wenn auch keineswegs ausgeschlossen. Dagegen werden wir sehen, dass die Art, wie dasselbe Object- verbindungen schafft, an Unmittelbarkeit und Kraft, namentlich aber an Umfang alles, was bisher behandelt wurde, weit hinter sich lässt; und das, obgleich ihm keineswegs die Fähigkeit innewohnt, eigentlich jeden Verbalbegriff wie das Griechische mit einem Object zu verbinden. Dazu kommt, dass diese Bildungsfähigkeit nicht zum Stillstande gelangt, sondern in voller Entwickelung begriffen ist. Auch in anderer Beziehung hat dieser Zweig neue Bahnen mit Erfolg eingeschlagen, welche die eigentliche Natur des Casus der allgemeinsten Verbindung in überraschender Weise zum Durch- bpruch kommen lassen. 27 Befremdend wirkt der Gegensatz zwischen der ziemlich engen Gebundenheit des Gotischen in der Verbindung seiner zahlreichen Verba mit dem Accusativ und der schrankenlosen Freiheit und elementaren Kraft des Neuhochdeutschen im gleichen Falle. Es ist das Letztere in eine völlig neue, früher kaum angedeutete Phase der Entwickelung getreten, zwischen dem Gotischen und Neuhoch- deutschen gähnt eine Kluft, welche durch die Mittelglieder kaum andeutungsweise ausgeglichen wird. Freilich wird dieser Gegensatz etwas von seiner Schärfe verlieren bei der Erwägung, dass wir im überlieferten Gotisch nicht die lebendige Sprache des Volkes vor uns haben, sondern den mühsam ringenden Versuch, mit einem dafür völlig unvorbereiteten Idiom unvermittelt der fremden und über- legenen Anschauungsweise einer längst abgeschlossenen Culturwelt gerecht zu werden. Der Uber- setzer vermeidet ängstlich alles, was von der einfachen Klarheit des griechischen Originals abliegt, und bemüht sich, verdeutlichend und erläuternd die oft prägnante Ausdrucksform desselben wiederzugeben; da ist freilich für eine Bethätigung dessen, was geeignet sein mochte, auch die individuelle Richtung des gotischen Ausdrucks packend zur Geltung zu bringen, kein Raum. Und doch sickert manches durch, was uns ahnen lässt, dass auch dieser älteste Zeuge germanischer An- schauungsweise eine freiere Bewegung auf unserem Gebiet gekannt habe. Der aus dem Gotischen überlieferte Sprachstoff umfasst etwa ein halbes Tausend Verba mit dem Accusativ, davon aber ist die weitaus grösste Mehrzahl nicht einfach, sondern sei es mit einer Präposition, sei es mit einem anderen verstärkenden oder modificierenden Hilfselement zusammen- gesetzt. Mag auch selbst hier in etwa die Neigung, möglichst genau das Original wiederzugeben, bestimmend gewesen sein bei der Wahl solcher nicht einfacher Ausdrücke, so pleibt doch der grelle Contrast zwischen dem Gotischen und älteren Ausserungen indogermanischen Sprachlebens, nament- lich dem Altarischen, sei es dem Sanskrit oder der Sprache des Avesta, bestehen. In dem ganzen altarischen Zweige überwiegt die Anwendung einfacher Verba beim Accusativ derart, dass die zusammengesetzten Bildungen überhaupt keine Rolle spielen. Die Kraft des einfachen Ausdrucks genügt nicht nur beim eigentlich transitiven, sondern meist auch beim intransitiven Verb, die Ver- bindung mit irgend einer Art Object natürlich erscheinen zu lassen; die Richtung, wonach ein intransitives Verbum erst durch ein verstärkendes oder individualisierendes Hilfswörtchen für die Verbindung mit dem Objectcasus fähig gemacht wird, ist in den ersten Anfängen. Im Gotischen dagegen ist diese Richtung nicht nur voll zum Durchbruch gekommen, sondern ein sehr beträcht- licher Teil der an sich unzweifelhaft nur transitiven Verba verbindet sich ebenso beständig mit den genannten Vorwörtchen; d. h. die an Kraft abnehmende Eigenbedeutung der Verba führt zu einem Uberwuchern der einmal in ihrer hebenden, verstärkenden Bedeutung klar erkannten Elemente. Die natürliche Folge ist die, dass eine Verbindung gar intransitiver einfacher Verba mit dem Object- casus, was wir im Avesta und im Griechischen allgemein fanden, so gut wie ausgeschlossen ist. Eine fortschreitende Zeit klarerer Festigung des sprachlichen Besitzstandes hat allerdings in richtigem Gefühl das Übermass wieder eingeschränkt, und das Hochdeutsche z. B. erzielt die wirkungsvollsten, lebendigsten Wendungen gerade durch Verbindung intransitiver Verba mit dem Objectcasus. Dass wirklich das Streben, den sinkenden Wert der einfachen Verba verstärkend zu heben, die Haupt- veranlassung zu dem Verfahren des Gotischen ist, erhellt schon daraus, dass das Element, welches die unverhältnismässig grösste Anzahl der zusammengesetzten Verba bilden hilft, keine Präposition, sondern das nur verstärkende ga ist. Etwa ein Drittel sämtlicher überlieferten gotischen Verba enthält dies ga, und wieder entfällt davon die weit überwiegende Mehrzahl auf die Verba, welche den Objectcasus nehmen. Ja sogar die Verdoppelung des ga ist möglich, und wieder sind die betreffenden Verba mit einer Ausnahme Accusativverba; so gagaleikon, gagamainjan, gagatilon, gagahaftjan, gagavairthjan. Auch die Verbindung des Verbalstammes mit mehreren präpositionalen Vorwörtchen ist wie im Griechischen üblich, z. B. faurbigaggan, faurbisnivan, anainsakan.... Die Verwandlung intransitiver Verba in transitive durch gewisse Präpositionen ist wie gesagt eine 4* 28 regelmässige Erscheinung; cf. bihlahan= verlachen, bilaigon= belecken, bilaikan= bespotten (laikan= hüpfen, springen), birinnan= berennen, umdrängen, birodjan= murren über, bisitan =(besitzen) herumwohnen, biskeinan= umleuchten, bihvairban= umdrängen... Von den seltenen Fällen, wo intransitive Verba mit dem Accusativ verbunden werden, sei genannt bauan ald= vitam vivere, während bauan allein wohnen, leben heisst; von horinon = Ehebruch treiben heisst es auch taujith tho horinon= thut mit ihr(tho= Accus. sie) Ehebruch treiben. Ebenso“ heisst ufarassjan sowohl vermehren als genügend vorhanden sein. gatrauan= confidere, mit Object= credere alicui aliquid. Häufiger werden an sich intransitive Verba unpersönlich gebraucht und dann mit einem Accusativ verbunden; sildaleikja= ich wundere mich, daneben sildaleikida ina= es wunderte ihn; huggrja= ich hungere, thana ni huggreip= den hungert nicht; thaursja= ich dürste, thaurseip mik= mich dürstet. Die intransitive persönliche Form drückt den leidenden Zustand aus, die unpersönliche, dass die Handlung oder der Zustand jemanden trifft; die Erscheinung ist allgemein germanisch. Es geht diese Neigung so weit, dass selbst eigentlich nichtverbale Ausdrücke in gleicher Fassung einen Objectaccusativ vertragen; z. B. mik ist kara= mich(ist) trifft Sorge, ich kümmere mich. Hier also ist ein deutlicher Ansatz vorhanden, reine Zustandsformen mit Object zu verbinden. Die gleiche Neigung zeigt sich bei dem häufigen Nebeneinander einer intransitiven und einer transitiven beziehungsweise reflexiven Form, was ebenfalls dem Deutschen geläufig ist. galaugnjan= verborgen sein, g. sik= sich verbergen, gaqiman= kommen, g. sik= sich versammeln, gatharban und g. sik= sich enthalten, gavandjan und g. sik= sich wenden(im Deutschen ebenso wenden auch intransitiv), haftjan und h. sik= sich anhängen, idreigon und i. sik= bereuen, skaidan und sk. sik= sich trennen(scheiden transitiv und intransitiv). Auch hier wird wenigstens teilweise das zunächst intransitive Wort unzweifelhaft entweder in derselben oder in doch nahe verwandter Bedeutung auch transitiv gebraucht, freilich nur in der beschränkten reflexiven Anwendung. gahamon= indui verbindet sich meist mit einem instrumentalen Dativ zum Ausdruck dessen, womit man sich bekleidet, dieselbe Construction kann es beibehalten und sik nehmen. Eine Anzahl Verba schwankt, wie wir beim Dativ sahen, zwischen dem eigentlichen Object- casus und dem Dativ in der Weise, dass dem ersteren bei einer Anzahl Verba, die sonst den Dativ- objectcasus vorziehen, hin und wieder sein Recht wird; im allgemeinen bedeutet der erwähnte Dativ- gebrauch eine entschiedene Schmälerung des Accusativgebietes. So finden wir beide Gasus im Objectsinn bei ganauhan= genügen, usqistjan= vernichten u. ä. Wenn ogan sis= sich fürchten, wörtlich für seine Person(sis= Dativ) fürchten sich mit dem Accusativ, z. B. thans= diese verbindet, so haben wir da etwas dem griechischen medialen oßetodat= sich fürchten mit dem Accusativ Entsprechendes. Die im Deutschen so gewöhnliche Erscheinung, dass die Bedeutung des Verbs durch die Wahl der verschiedenartigen Objecte nicht unwesentlich beeinflusst wird, zeigt sich im Gotischen ebenfalls, wenn auch ungleich schwächer als im Deutschen. Es bewährt sich darin die oft hervor- gehobene Ansicht, dass in weitem Umfange die wirkliche Bedeutung keineswegs gegeben ist mit der blossen Verbindung von einem Verb mit irgend einem Object, sondern dass dieselbe dabei gleich- wohl völlig unklar bleiben kann, und dass das Wesen des Objects für die Bestimmung des Sinnes entscheidend ist. vairpan= werfen erfordert als Object den Ausdruck des geworfenen Gegen- standes; desgleichen ist afvairpan= wegwerfen, verwerfen. Mit dem Ausdruck einer Person im Accusativ und dem dativischen oder instrumentalen stainam= mit Steinen bedeuten beide jemanden mit Steinen werfen, steinigen. Die im Deutschen so ungemein reich vertretene Eigentümlichkeit, intransitive Ausdrücke einer Gefühlsäusserung in der Verbindung mit einem Hilfselement auf ein persönliches Object zu beziehen, 29 so dass dieses in unangenehmer Weise dadurch getroffen wird, wie in anknurren, andonnern, ankrakehlen...., ist im Gotischen auch wenigstens vorhanden; cf. z. B. staurran= starren, andstaurran c. Acc.= jemanden anfahren. Die Verbindung eines Accusativ des Objects und eines solchen des Prädicatsnomens, wobei das letztere im Deutschen heut flexionslos erscheint, ist im Gotischen wie im Angelsächsischen und Altnordischen ganz gewöhnlich. cf. vairthana briggan= würdig(en) machen, usvaurhtana, garaihtana gadomjan= als vollkommenſen), gerecht(en) hinstellen, garaihtana gataihan= rechtfertigen, garaihtana dithan sik= gerechten sich sagen= sich für gerecht halten, erklären, eine allerdings im Deutschen unmögliche Wendung; ebenso hvana thuk silban taujis thu= wen thust du dich selbst?= für wen hältst du dich? gafahana haban= gefangenlen) halten. Statt des doppelten Accusativ bei fragen, bitten... wählt das Gotische meist den Genetiv der erfragten, erbetenen Sache neben dem persönlichen Objectaccusativ, eine in den neueren ger- manischen Sprachen weit verbreitete Erscheinung. frehun ina thizos gajukons= fragten ihn des Gleichnisses= nach dem G. bidei mik thisvizuh thei vileis= bitte mich wessen immer du willst= nach allem, was immer... Auf die Erklärung des Genetiv kann hier nicht ein- gegangen werden. Auch die Deutung der Accusative mit dem Infinitiv würde hier zu weit führen, es genüge die Bemerkung, dass sie sich mit derselben Erscheinung im Griechischen und Lateinischen nicht decken, dass hier der Accusativ der Person als wirklicher Objectaccusativ, abhängig von dem regie- renden Verbum, zu fassen ist, und dass echt gotische Bildungen mit solchen abwechseln, welche halb missverständlich dem Griechischen nachgeahmt sind. Der Accusativ der Zeitdauer und Verwandtes findet sich als allgemein indogermanisch natür- lich auch im Gotischen oft. Den im Griechischen so häufigen Accusativ eines Substantivs zur Bezeichnung dessen, in bezug worauf etwas geschieht, möchte man dem Gotischen absprechen trotz des auffallenden ohtedun sis agis mikil= sie fürchteten sich in grosser Angst(wörtlich grosse Angst); jedenfalls ist im allgemeinen das Gefühl dafür im Gotischen erloschen, und diese wortliche Ubertragung des †v usrav mehr nur ein Versuch, welcher freilich zeigt, dass der Ubersetzer es glaubte wagen zu dürfen, während er bei einer dem Gotischen ganz fernliegenden Ausdrucksweise jedesmal ohne weiteres der gotischen Auffassung Rechnung trägt. Auch ist der erwähnte nicht der einzige ähnliche Fall; fast noch weniger gotisch mutet uns ein gavasiths.... garda filleina an, griechisch= avde devO .... SGvnv Sephartyhv, umso mehr als vorhergeht taglam ulbandaus= mit Kamelhaar, wobei taglam der instrumentale Dativ ist, griechisch aber ebenfalls der Accusativ steht: rplaςα αά,⁵νον. Auch der rein adverbiale Accusativ von Substantiven, nach Art des griechischen re bEr* dos, SvoHbM... fehlt im Gotischen ausser in einigen erstarrten Bildungen wie sunja= in Wahrheit, aiv= Accus. vor aivs(Zeit), in Verbindung mit ni als ni aiv= nicht irgend eine Zeit, nie, mit suns= sofort, mit halis= kaum je. Dagegen ist der adverbiale Accusativ von generell gefassten Adiectiven, Pronomina... sehr häufg, cf. filu, leitil, airis, mais, thanamais; selbst zwei solche Accu- sative zusammen kommen vor: filu mais= viel mehr; dann hva= was(sehr oft).... Von dem Wesen des deutschen Accusativ seien nur einige der hervorstechendsten Eigentüm- lichkeiten andeutungsweise skizziert. Die Fähigkeit, intransitive Verba der Bewegung, einer Gefühls- äusserung..... durch Zusammensetzung mit Präpositionen, Adverbia oder sogar mit einem adver- bial oder prädicativ gefassten Adiectiv transitiv zu machen ist eine enorme. anbeten, anbetteln, anblasen, anblinzeln, anbrüllen, anbrummen, andonnern, anfächeln, an- fahren, anfallen, anflehen, anfletschen, angaffen, angähnen, angehen, anglotzen, angucken, anhauchen, anlachen, anlügen, anschnauzen, anschnarchen, anschnauben, anschreien, ansingen, anstarren, an- staunen, anstieren, antasten, antreten, anwehen, anwiehern...— 30 abgucken, ablauschen, absäbeln, abschmeicheln, abschreiten, abschwatzen, absitzen, abtanzen, abtreten, abwarten, abwehren,.... sein Geld abfahren, die Stunden abrufen, seine Tour abreiten, seine Zeit abschlafen...— erbetteln, erbuhlen, ereilen, erfahren, erfechten, erflehen, erforschen, ergrübeln, erheiraten, erhorchen, erkämpfen, erklettern, erklügeln, erlauern, erlaufen, erleben, erleuchten, erringen, erscha- chern, erschleichen, erschmeicheln, erschnappen, ersingen, ersinnen, ersehnen, ersitzen, erspähen, erstehen, ersteigen, erstreiten, ertanzen, ertrotzen, erwarten, erwuchern— ausfechten, ausfolgen,(to deliver), ausgrübeln, aushauchen, ausklatschen,(auspfeifen, aus- zischen), aushusten, auslachen, ausläuten, ausposaunen, aussinnen, aussprudeln, ausstrahlen, aus- trommeln, auswachsen— belagern, belachen, belauern, belauschen, belügen, bereisen, berennen, bereiten, bescheinen, beschlafen, beschleichen, beschnauben, beseufzen, besitzen, bespringen, bestehen, bestrahlen, betasten, betreten, bewohnen— durchbeben, durchblitzen, durchbrausen, durchdampfen, durcheilen, durchfahren, durchfliessen, durchfluten, durchforschen, durchglühen, durchirren, durchlaufen, durchleben, durchleuchten, durch- rasen, durchreiten, durchreisen, durchrennen, durchrieseln, durchschiffen, durchschwärmen, durch- schwimmen— einflüstern, einlullen, einatmen, einklagen, einhauchen— entringen, entzaubern— hintergehen— niederbrüllen, niederdonnern, niederreiten, nieder- rennen, niedertrinken, niedertanzen— überblicken, überdauern, überfahren, überfallen, überfluten, übergehen, überlaufen, überragen, überreiten, überspringen, übersteigen, übertönen, übertreten— umflattern, umfliessen, umfluten, umgehen, umhüpfen, umlagern, umleuchten, umreiten, um- schiffen, umschleichen, umtanzen, umwandern— verbummeln, verfehlen, verhexen, verleben, verlachen, verspotten, vertreten— zerblättern, zertreten— zuflüstern, zuraunen, zuschreien— vorlallen, vorheulen, vorweinen, vorwinseln— jemanden krank, müde, tot, schwach... singen, heulen, schreien, trinken, laufen, hinaus- complimentieren. Es müssen diese wenigen Andeutungen genügen, obgleich sie kaum eine Ahnung geben von der Fülle, Manigfaltigkeit und reichen Wandelungsfähigkeit der Bedeutung, sowie der lebendigen Kraft der Auffassung, die sich hier in seltenem Masse kund thut. Die Umgangs- und Volkssprache erfindet immer neue, drastische Wendungen von packender Unmittelbarkeit. Eine grosse Anzahl solcher Ausdrücke kommt überhaupt nur in der Zusammensetzung vor, das Simplex wäre auch ein intransitives Verb, ist aber ungebräuchlich. Auch auf die ebenfalls zahlreichen und äusserst wandelungsfähigen sowie packenden Verbindungen transitiver Verba mit Präpositionen und ähnlichen Hilfselementen kann nicht eingegangen werden. Die lebensvolle Kraft der Sprache aber zeigt sich auch in der kühnen Neubildung transitiver, nicht zusammengesetzter Verba von sinnlicher Lebendigkeit oder in der eigenartigen Anwendung altbekannter im Volkstone; hier können auch reine Intransitiva sich mit dem Objectcasus verbinden. Wenige Beispiele mögen eine Ahnung davon geben; ein Lied lispeln, gröhlen, grunzen, gurgeln, heulen, jodeln; jemanden karbatschen, pflastern, pfeffern, zwiebeln, holzen, schmieren, gerben, wamsen; etwas nassauern, schinden, spitzbuben, klemmen, stibitzen, mausen, blechen. Die Verbindung rein intransitiver einfacher Verba mit einem Objectaccusativ nach Art des vorher erläuterten αꝓτινOν△☛‿ααᷣ X& dety, Sxνια rãνvety... ist im Deutschen so gewöhnlich, uns so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir uns der lebendigen Kraft dieser überaus verschiedenartigen Wendungen sowie der Thatsache gar nicht bewusst werden, dass hier der Accusativ mit der ihm eigenen Urkraft auch scheinbar ganz Unvereinbares vereint. 31 Pass reiten, Patrouille gehen, Ronde gehen, Schlitten fahren, Schlittschuh laufen, Schwärmen plasen, Flöte blasen(man achte hier auf die innerlich so ganz verschiedene Art der Verbindung bei Flöte blasen und Schwärmen blasen, und doch sind beide Ausdrücke absolut verständlich), Bass singen, Dame spielen, langsamen Schritt marschieren, Vesper läuten, Feuer schreien, Vergatterung schlagen, Wette laufen, Gefahr laufen(wiederum völlig verschiedene Art Object bei Wette und Gefahr laufen) Botzeche laufen, Vielliebchen essen, Gesundheit, Versöhnung, Minne trinken.... Dabei kann nicht genug daran erinnert werden, dass diese Richtung in vollem Fluss be- griffen, keineswegs eine erstarrte Entwickelungsform ist. Die Grundbedeutung des Casus der vollsten Unbestimmtheit zeigt das Deutsche wie kaum eine verwandte Sprache in der Anwendung einer Art eigentümlicher absoluter Accusative ohne ein Particip. Den Arm in der Binde trat er ein, den Säbel an der Seite, den Hut auf dem Kopfe, das Buch in der Hand, eine schwere Kette am Bein, die Ledertasche um die Schulter....; man glaube ja nicht. dass hier eine Auslassung vorliegt, daneben kann auch ein Particip vorhanden sein, was den absoluten Charakter der Verbindung durchaus nicht aufhebt; den Kopf in ein Tuch gehüllt, das Gesicht tief verschleiert, das Haupt hoch aufgerichtet, den Arm drohend erhoben ... Auch die absoluten Accusative wie angenommen, dies vorausgeschickt, oder gar Ver- bindungen wie den Vordersatz als Voraussetzung genommen ergiebt sich... sind wahr- scheinlich nicht lediglich Nachahmungen, obwohl sie erheblich weniger ursprünglich erscheinen als die Fälle der erstgenannten Richtung. Auch dass bei der Zeitangabe im Accusativ nicht die Dauer oder Ausdehnung das Mass- gebende ist, zeigt das Deutsche weit klarer als die meisten verwandten Sprachen, wenn es z. B. heisst: er kam den folgenden Tag, jeden Tag; jede Nacht wachte ich auf, die Woche kam er zweimal. Klarer kann der indifferente Casus, welcher nur durch die Verbindung seinen individuellen Wert erhält, nicht zum Ausdruck kommen. Dasselbe gilt von den eigentlich adverbialen Accusativen von Pronomina, Adiectiven in voll- stem Masse. Die Anwendung ist von so energischer Unmittelbarkeit, dass man unwillkürlich den gewöhnlichen Objectcasus vor sich zu haben glaubt. Das geht dich nichts an, das schadet nichts, was kommst du schon wieder? Da kommt er mir nichts dir nichts herein. Der letzte Eall, welcher sich mit dem absoluten Accusativ nahe berührt, ist so drastisch, dass kaum im Griechischen Xhnliches vorkommen dürfte. Die tausend Verbindungen mit etwas, viel, mehr.... entsprechen den gleichen Erscheinungen in früher behandelten Sprachen. Heinrich Winkler. 82 Naashuan- TIHIE.: 1„b i 5daicge 5 fIAmIII ee 4. idkto Sit. Schulnachrichten. — I. Allgemeine Lehrverfassung. 1. Übersicht über die einzelnen Lehrgegenstände. Bezeichnung Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden. 5 der 8 Lehrgegenstände. IA IB3 IIA u.s⸗ U.-S.h O.-T. a 0.-T. b U.-T. a U.-T.b IVa IWVbh Va Vb Vla VIb 5 Religion: V b Y evangelische..... 22 2 2 I 2 2 2 2 2 2 2 2 2 3 3 32 ——— ᷣ——— O—„ katnolische...... 2 2 2 6 —— ꝗ⁴-[——————;—— y a /—C—ꝭ—·—ę—ę—ę—ꝭQꝭQOQOO——————— jüdische....... 1 1 2 4 Deutsch......... 3 3 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 3 3. 34 1 Latein......... 8 8 8 8 8 9 9 9 9 9 99 9 9 9 130 Griechischh....... 6 6 7 7 7 7 7 7 7—————— 61 Französisch....... 2 2 2 14 2 2 2 2 2 2 5 5 4 4—— 36 Hebraäisch........ 2 2————————— 4 Geschichteu. Geographie 3 3 3 3 3 3 3 3 3 4 4 3 3 3 3 47 Mathematik u. Rechnen 4 4 4 4 4 3 3 3 3 4 4 4 4 4 4 56 Physiku. Naturgeschichte 2 2 2 2 2 21 21 2 2 2 2 2 2 2 2 30 ——MHO- õ-— rTurnen......... 2 2 4 Zeichnen...... 2 2 2 2 2 2 2 /ÿ14 Gesang......... 1 2 2 2 2 11 —⏑— õͥ˖ʒ˖ñ——— 1 1 V V V 34 2. Verteilung der Stunden unter die Lehrer im Wintersemester. Lehrer IAà IBIIA IIBa] IIBb IIIAa IIIAb IIIBa IIBb TVA IbſVa Vb VIa] VIb Sa. 1 Dir. Prof. Dr. Müller. 6 Latein 2 Homerſs Homer 11 Prof. Dr. Fechner, 3 Dtsch. 3 Dtsch. 3 Gesch. 3 Gesch. 18 2 1. Oberl., Ord. IA. 3 Gesch. 3 Gesch. ſu. Geogr. u. Geogr. Prof. Seyl. 3 Gesch. 3 2. Oberi. o. r A. 6Griech. Latein V 2 Dtsch. u. Geogr. 19 Dr. Hirschwälder.. 2 Dtsch. 2 Dtsch. 4 3. Oberl., Ord. IIB'b. 6Griech. 8 Latein 2 Gesch. V 2⁰ Richt—. 3 Gesch. 4. Oboerl, Ora. IB 2 Horat. S Latein V 7Griech. u. Geogr. 20 Dr. Depène 4 Math. 4 Math. 4 Math. 6 5. Oberlehrer. 2Physik 2 Physik 2 Physik 2 Natrg. 20 Dr. Badt.— Iohr.— 7 6. Oberlehrer, Ord. II Ba. 2 Hebr. omhes Hlaben 4 Franz. 21 8 7. ob— vIB. 2 Franz. 2 Franz. Franz. 9 Latein 5 Franz. 20 Dr. Hoffmann. 9 Latein 9 8. Oberl., Ord. IIAa. V 2 Dtsch. 2 Franz. 2rarteeh V V V V V 2⁰ 60 Pr. Töpllte 3— 10 1. or Prenr plikes, er. V 42Lah 3 Math. 8 Math. Math. Nam. 4 Math. V 22 Dr Schindler,— 7Latein.„ 11] 2. ord. Lehrer, Ord. IIAb. V 4Griech. V 2 Franz. V Latein V 2² r. Winkler. 2 Dtsch. 9 Latein 12 3. ord. Lehrer, Ord. IIIBa. V 7Griech. Franz. Geogr. V 22 Dr. Speck. 2 Dtsch. 2 Dtsch. 4 13 4. ord. Lehrer, Ord. IVb. 2 Ovid. 7Griech. 9 Latein V 22 2 Franz. Dr. Schiff, 5 Franz. 14 5. ord. 1 1 Oxd. IVa. 4 Laun 2 Natrg.2 Natrg. 2 Natrg. 4 Math. 23 2 Relig. Malberg. 3 15 6. ord. Lehrer, Ord. Va. 7Griech. 2 Ptech. 2 Geogr.] 22 16 Dr. Fischer, 2 Brene 3 Gesch. 3 Gesch. 3 Dtsch. 23 7. ord. Lehrer, Ord. VIb. u. Geogr. u. Geogr. u. Geogr. 9 Latein 2 Disch. 3 Disch.—* Dr. Wohlauer. 3 Gesch. 3 Gesch.4 Gesch. 4 Gesch. r. 47 S. ord. Lehrer, Ord. Vla. 2 Disch. u. Geogr. d een. u. Geogr. u. Geogr. 2 Pitelr 31 3 Dtsch. Dr. Habel, 4 Gesch. 1s 9. ord. Lehrer, Crd. VIb. ² Prans'u.Geogr. Trans. 1 Hatein 23 Liewald. 19 1. VAehlehror. V V eRechn,iReehm. 4 Rechn. 12 Joachim.— 20 2. Vorschullehrer. V 2 Schrb. 2 Schrb. 2 Schrb./)2 Schrb.] 8 Häring, 21 3. Vorschullehrer. ² Natr&.2 Natrg 4 Baumann 2 Relig. 3 Relig. 3 Relig. 22² Elementarlehrer. 2 Natrg. 2 Natrg. 2 Natrg. 2 Rau. 2 Geou. 4Hechs.] ²2 Senior Decke.—. 23 evang. Religionslehrer. 2 Relig. 2 Relig. 2 Relig. 6 24 es den hntthendror 2 Relig. 2 Relig. 2 Relig. 2 Relig.]2 Relig. 10 25 Sabsdic RehMare. 2 Relig.[2 Relig. 2 Relig. 6 Hitschfeld———— 26 kath. HLicen ehrer. 2 Religion 2 Religion 2 Religion 6 27 Ober-Organist Hiller. 1 dozang—— 2Gesang 2Gesang2Gesang2Gesang] 11 1 Gesang 1 Gesang 28 Maler Biller. 2 Zeichnen 2Zeichn.][2Zeichn. 2Zeichn. 2Zeichn. 2Zeichn. 2Zeichn.] 14 35 3. öbersicht über die absolvierten Pensen. Ober-Prima. Ordinarius: Professor Dr. Fechner. Religionslehre, evangelische. S.-S. Johannisevangelium im Urtext. Confessio Augustana. W.-S. Lektüre des Römer- und Galaterbriefes im Urtext. Hollenbergs Hülfsbuch. 2 St. Senior Decke. Religionslehre, katholische. Die Sittenlehre. Die Lehre von den heiligen Sakramenten nach Dubelmann I. 2 St. Hitschfeld. Deutsch. Vierwöchentliehe Aufsätze, dazu ethische Beurteilungen historischer Ereignisse und Personen. Lektüre einzelner Stücke von Goethe und lyrisch-philosophischer Gedichte Schillers. Uber- sicht der Litteratur von Wieland an, Biographie Goethe's. Freie Vorträge. Philos. Propädeutik: Wieder- holung des Pensums der Unter-Prima. 2 St. Prof. Dr. Fechner. Aufsatzthemata: 1. Die Bedeutung des westfälischen Friedens. 2. Welchen Gewinn hat uns der deutsch-franzö- sische Krieg gebracht? 3. Woraus erklärt es sich, daß England die Weltherrschaft zur See errang? 4. Vater und Sohn in Goethe's„Hermann und Dorothea“. 5. Woraus erklärt es sich, daß Preußen trotz seiner Kleinheit die fünfte Großmacht wurde? 6.(Abituriententhema Mich. 1891.) Hannibal und Karl XII., eine geschichtliche Parallele. 7. Ist Ewald v. Kleist's Ausspruch:„Der wahre Mensch muß fern vom Menschen sein“ berechtigt? S. Didicisse fideliter artes emollit mores nec sinit esse feros. 9. Der Mensch kann von sich selbst nicht scheiden(Tasso). 10. Darf man das„nil admirari“ des Horaz zur Lebensregel machen? 11. Vergleichende Charakteristik Tasso's und Antonio's nach Goethe. 12.(Abituriententhema Ostern 1892). Welche Bedeutung hatten die Ackergesetze für das Staats- und Volksleben der Römer? Latein. Wöchentliche Exercitien oder Extemporalien. 2 St. Lektüre im S. Tacit. Dialog. und Cic. epist. sel. von Süpfle-Böckel, im W. Cic. epist. sel. 3 St. Der Direktor. Horat. Satiren und Episteln mit Auswahl, Repetition der Oden. 2 St. Oberl. Richter. Grammatik von Ellendt-Seyffert. Griechisch. Lektüre Demosth. oratt. IV, V, VIII, Plat. apol. u. Crito. 3 St. Hom. II. XIX— XXIV. Soph. Aiax, Ubungen im Extemporieren. 2 St. Grammatische Repetitionen und zwei- wöchentliche Extemporalien. 1 St. Grammatik von Gerth. Oberl. Seyler. Französisch. Lektüre im S. Lanfrey, Expedition d'Egypte, im W. Molière, les femmes savantes. Grammatische Repetitionen, dreiwöchentliche schriftliche UÜbungen. 2 St. Plötz' Schul- grammatik. Dr. Harczyk. Hebräisch. Das unregelmäßige Verbum, Suffixa, Elemente der Syntax. Ubersetzungen aus dem Pentateuch, den historischen Schriften und Psalmen. UÜbungen im Analysieren, Grammatik von Gesenius. 2 St. Dr. Badt. Geschichte und Geographie. Geschichte der Neuzeit vom westfälischen Frieden bis 1871 und Repetitionen nach Herbst's Grundriß. 2 St. Geographische Repetitionen. Seydlitz' Schul- geographie. 1 St. Prof. Dr. Fechner. Mathematik. Einzelne Kapitel aus der neueren synthetisches Geometrie. Kubische Gleichungen. Das Binomium. Erweiterung und Einübung aller Teile. Kambly I-IV. 4 St. Oberl. Dr. Depène. Abiturientenaufgaben Michaelis 1891: 1. Um eine Schuld von 30 000 Mark zu tilgen, die mit 4% verzinst werden, sollen andere 30 000 Mark, von denen die Hälfte zu 4 ½, die andere zu 5 ½% aussteht, dergestalt benutzt werden, daß nur die Zinsen als Abzahlungsmittel ge- braucht werden. Wie lange muß dies geschehen? 2. Durch einen gegebenen Punkt auf einem von 3 gegebenen Strahlen eine Gerade so zu ziehen, daß 2 Dreiecke mit gegebenem Flächenverhältniß abgeschnitten werden. 3. Mit welcher Ge- schwindigkeit und unter welchem Winkel muß ein Geschoß fortgeschleudert werden, damit es bei 180 m höchster Höhe erst nach 3000 m horizontaler Weite den Erdboden erreicht? 4. Es soll angegeben werden, wie man aus den 6 Kantenlängen eines Tetraeders die Länge der Verbindungslinie der Mitten zweier Gegenkanten durch Konstruktion finden kann. Ostern 1892: (a-=) VaA=E. G=b) Wr - E=R+ G-b) — C 5* 36 2. Ein Dreieck zu konstruieren, wenn diejenigen Punkte auf dem umschriebenen Kreise gegeben sind, wo Höhe, Winkelhalbierenda und Transversale aus einer Ecke denselben treffen. 3. Auf einer 1625 m langen, unter«= 24 ge- neigten schiefen Ebene rollt ein Körper vom oberen Ende herab, während ein anderer zu derselben Zeit von unten mit einer Anfangsgeschwindigkeit von c= 65 m hoch hinaufbewegt. Wo begegnen sie sich, und welche Geschwindigkeit be- sitzen beide bei der Begegnung? 4. Wie tief muß man von der Spitze eines Tetraeders auf der Höhe herabgehen, damit die dann parallel zur Grundfläche gelegte Ebene ein Dreieck herausschneidet, unter dem das bis zur Grundfläche reichende Prisma möglichst groß wird? Physik. Im S. mathematische Geographie, im W. Mechanik der festen, flüssigen und luft- förmigen Körper nach Brettner. 2 St. Oberl. Dr. Depéène. Unter-Prima. Ordinarius: Oberlehrer Richter. Religionslehre, evangelische. Im S. Kirchengeschichte von 33 bis 1517, im W. Kirchen- geschichte von 1517 bis zur Gegenwart nach Hollenbergs Hülfsbuch. 2 St. Sen. Decke. Religionslehre, katholische. Kombiniert mit Ober-Prima. Deutsch. Vierwöchentliche Aufsätze über kausale Beziehungen, Sentenzen und dramatische Charaktere. Im S. Ubersicht über die Perioden der Litteraturgeschichte bis Klopstock, Lektüre und Besprechung von Lessings Laokoon, im W. ebenso Klopstock und Goethes Iphigenie. Im S. Logik, im W. Psychologie. Freie Vorträge. 3 St. Prof. Dr. Fechner. Aufsatzthemata: 1. Wodurch erklärt sich die Entstehung des römischen Kaisertums? 2. Die Bedeutung des Turnens. 3. Bedeutung der Weltmonarchie Karls des Großen. 4. Woraus erklären sich die Römerzüge? 5. Charakteristik der Isabella in der Braut von Messina. 6. Bene vixit, qui latuit. 7. In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne. 8. Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ' an ein Ganzes dich an. 9. Sag' ich es, wie ich es denke, so scheint allein mir, es bilde nur das Leben den Mann, und wenig bedeuten die Worte. 10. Charakteristik Tells nach Schiller. Latein. Wöchentliche Exercitien, Extemporalien. Durchnahme des stilistischen Gebrauchs der Redeteile, Synonymik, mündliche Ubersetzungen. 3 St. Lektüre im S. Cic. de offic. III, kur- sorisch pro Sulla, pro Archia; W. Tac. ann. XV, XVI, kursorisch Cic. Verr. V. 3 St. Horat. Od. 2 St. Grammatik von Ellendt-Seyffert. Oberl. Richter. Griechisch. Lektüre im S. Isocr. Philipp u. Enagor. im W. Herod. V u. VI mit Auswahl. 3 St. Schriftliche Ubungen und vierzehntägige Extemporalien und Exercitien. 1 St. Grammatik von Gerth. Ilias— XII. 2 St. Oberl. Dr. Hirschwälder. Französisch. Lektüre im S. Depping, Hist. des expéditions maritimes des Normandie, im W. Ampeère, Voyages et Littérature ed. Weidmann. Grammatische Repetitionen bei Gelegenheit der dreiwöchentlichen schriftlichen UÜbungen nach Plôtz' Schulgrammatik. 2 St. Oberl. Dr. Harczyk. Hebräisch. Kombiniert mit Ober-Prima. Geschichte und Geographie. Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit bis zum west- fälischen Frieden nach Herbst's Grundriß. 2 St. Geographie von Deutschland, Osterreich-Ungarn, der Schweiz und den Niederlanden nach Seydlitz Schulgeographie. 1 St. Prof. Dr. Fechner. Mathematik. Im S. Erweiterung der Trigonometrie, trigonometrische Aufgaben. Zinseszins- und Rentenrechnung. Kombinationslehre; im W. Stereometrie. Logarithmische Gleichungen, Ketten- brüche, diophantische Gleichungen. Kambly-—IV. 4 St. Oberl. Dr. Depène. Physik. Im S. Optik, im W. Schall und Wärme. 2 St. Oberl. Dr. Depène. Ober-Sekunda. Ordinarius: Oberlehrer Seyler. Religionslehre, evangelische. Im S. Lektüre ausgewählter Stellen des Neuen Testaments im Urtext. Im W. Bibelkunde und Uberblick über die Geschichte des Reiches Gottes im Alten und Neuen Testament nach Hollenberg's Hilfsbuch. 2 St. Senior Decke. 37 Religionslehre, katholische. Kombiniert mit Prima. Deutsch. Vierwöchentliche Aufsätze betrachtenden Inhalts, Charakteristiken und Schilderungen nach voraufgegangener Besprechung. Dispositionsübungen. Freie Vorträge. Lektüre: Braut von Messina, Gudrun, Schwierigere Gedichte Schillers, priv. Schillers Abfall der Niederlande. 2 St. Dr. Wohlauer. 1. Die Uberlegenheit der Griechen über die anderen Völker der alten Welt in Gesittung und Bildung, 2. Schillers Braut von Messina„eine tragische Analysis“. 3. Geld ist ein guter Diener, aber ein böser Herr.(Klassenaufsatz.) 4. Welches Bild erhalten wir von Schillers Persönlichkeit in Goethes Epilog zu Schillers Glocke? 5. Rede des Themistokles vor dem Beginn der Schlacht bei Salamis.(Rhetorische Übung.) 6. Gedanken beim Anblick einer Burgruine. 7. Durch welche Mittel sucht Leicester seine Königin zu bewegen, die Vollziehung des Todesurteils hinauszuschieben? 8. Welche Empfindungen bewegen das Herz Maria Stuarts im Parke zu Fotheringhay? 9. Es will der Feind, es darf der Freund nicht schonen.(Klassenaufsatz.) 10. Kottwitz vertheidigt den Prinzen von Homburg vor dem grossen Kurfürsten.(Rhetorische Ubung.) Latein. Lektüre im S. Cic. Laelius, im W. Cato mai., Liv. XXII. 3 St. Verg. Aen. IX u. X, Röm. Elegie nach Jacoby. 2 St. Schriftliche Ubungen, stilistische Anweisungen, Aufsätze. Grammatik von Ellendt-Seyffert. 3 St. Prof. Seyler. Griechisch. Lektüre im S. Xen. Hellen. V, im W. Lysias XIII, XXV, XVI, VII, XXII, XXIV, XXXII. 14tägige Exercitien und Extemporalien. Syntax nach Gerth§ 266— 334, Repetitionen. 5 St. Oberl. Dr. Badt. Homer Od. XIIIXXIV. 2 St. Der Direktor. Französisch. Plötz§ 66— 79. Im S. die Lehre von den Partizipien, vom Artikel, Syntax des Adjektivs und Adverbs, im W. Pronomina, Infinitiv, Kasus der Verba, Konjunktionen. Repetionen nach Plôtz' Schulgrammatik. Zweiwöchentliche schriftliche Ebungen. Lektüre Mignet, vie de Franklin, 2 St. Oberl. Dr. Harczyk. Hebräisch. Elementargrammatik, besonders das regelmäßige Nomen und Verbum nach Gesenius' Grammatik. Ubersetzungen aus Gesenius' Lesebuche. 2 St. Dr. Badt. Geschichte und Geographie. Römische Geschichte nach Herbst's Grundriß. 2 St. Geo- graphie der außereuropäischen Erdtheile. 1 St. Prof. Dr. Fechner. Mathematik. Quadratische Gleichungen mit mehreren Unbekannten. Arithmetische und geometrische Reihen. Logarithmen. Geometrie Kambly Abschnitt VI. Konstruktionsaufgaben. Trigo- nometrie. Kambly I-III. 4 St. Oberl. Dr. Depeène. Physik. Im S. Galvanismus, im W. Elemente der Mechanik nach Brettner. 2 St. Oberl. Dr. Depène. Unter-Sekunda a und b. Ordinarien: Oberlehrer Dr. Badt und Oberlehrer Dr. Hirschwälder. Religionslehre, evangelische. Bibelkunde des Neuen Testaments. Lektüre einzelner Stellen im Urtext. Wiederholung des Katechismus. 2 St. Pastor Günther. Religionslehre, katholische. Kombiniert mit Prima. Deutsch. Dreiwöchentliche Aufsätze meist betrachtenden Inhalts. Lektüre von Wilhelm Tell und Hermann und Dorothea. 2 St. Oberl. Dr. Hoffmann und Oberl. Dr. Hirschwälder. 1. Uber das traurige Los so mancher grossen Erfinder und Entdecker. 2. a. Welchen Gang nehmen die Ver- handlungen der Schweizer auf dem Rütli?(Nach Schillers„Wilhelm Tell“ II, 2.)(Klassenarbeit.) b. UÜber die Auf- merksamkeit. 3. Etiam sine magistro vitia discuntur.(Seneca.) 4. Gertrud und Hedwig in Schillers„Wilhelm Tell'. 5. Die Furcht vor dem nahen Ende der Welt. 6. Früh übt sich, was ein Meister werden will.(„Wilhelm Tell“ III, 1.) 7. Gedanken sind zollfrei. S. Wodurch haben sich Philomon und Baucis die Gunst der Götter erworben?(Nach Ovid Metam. VIII, 611—724.) 9. Was hat Dorothea erlebt, bevor sie Hermann kennen lernte?(klassenarbeit.) 10. Uber Moltk esfeste. 11. Warum heibt der Pfarrer in„Hermann und Dorothea“ die Zierde der Stadt? 12 a. Motlthalis ist des Feuers Macht. b. Mein Steckenpferd.(Klassenarbeit.) 38 1. Der Abfall der Eburonen und die Niederlage des Sabinus und Cotta. 2. Baumgarten erzählt Stauffacher seine Erlebnisse.(Klassenarbeit). 3. Schillers„Alpenjäger“ und„Des Fischers Haus am Bodensee“ von Schwab. 4. Hedwig, Tells Gattin. 5. Inhalt und Gedankengang der ersten Rede gegen C(atilina. 6. UÜber die Idee des Schillerschen Gedichtes, „Das Eleusische Fest“. 7. Wodurch zeigt sich Aneas im dritten Gesange der Aneis als„pius?“ 8. Stadt und Land. 9. Welchen Einfluss hat der Pfarrer in„Hermann und Dorotbea“ auf den Gang der Handlung?(Klassenarbeit.) 10. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. 11. Des Minucius Umtriebe gegen Fabius. 12. Charakteristik des Cid. Latein. Grammatik nach Ellendt-Seyffert§ 272, 301— 303, 201— 233, 343— 350. Woôchent- liche Exercitien oder Extemporalien. 3 St. Lektüre im S. Cic. Catil., im W. Liv. XXII. 3 St. Vergil. Aen. III und IV. 2 St. Oberl. Dr. Badt und Oberl. Dr. Hirschwälder. Griechisch. Grammatik nach Gerth§ 191— 265. Wöchentliche Scripta. Lektüre von Xen. Anab. VI und VII. 4 St. Dr. Schindler und Oberl. Richter. Homer Od. L- XII. im ersten Sem. mit Auswahl. 3 St. Der Direktor und Oberl. Richter. Französisch. Grammatik nach Plötz' Schulgrammatik Lekt. 50— 65. Wiederholungen. 14tägige schriftliche Arbeiten. Lektüre, Thiers, Expedition d'Egypte. 2 St. Dr. Fischer und Dr. Schiff. Hebräisch. Kombiniert mit Ober-Sekunda. Geschichte und Geographie. Griechische Geschichte, das Wichtigste von den orientalischen Völkern, nach Herbsts Grundriß. 2 St. Geographie von Europa außer Deutschland, Osterreich, Schweiz und Niederlanden nach Seydlitz' Schulgeographie. 1 St. Dr. Fischer und Professor Dr. Fechner. Mathematik. Lehre von der Proportionalität gerader Linien und geradliniger Flächen. Ahnlichkeitslehre. Konstruktionsaufgaben. Quadratische Gleichungen. Textaufgaben. Proportions- Potenz- und Wurzellehre. Kambly, I, II. 4 St. Dr. Töplitz und Dr. Schiff. Physik. S. Grundlehren der Chemie. W. Allgemeine Eigenschaften der Körper, Magnetismus, Reibungselektrizität nach Brettner. 2 St. Dr. Töplitz und Dr. Schiff. Ober-Tertia a und b. Ordinarien: Oberlehrer Dr. Hoffmann und Dr. Schindler. Religionslehre, evangelische. 4. und 5. Hauptstück mit Wiederholung des Lutherischen Katechismus. Geschichte des Volkes Israel nach der Teilung, Bibellesen mit besonderer Berück- sichtigung der Psalmen und Propheten. 2 Lieder, 3 Psalmen. Hilfsbuch für den Religionsunterricht. Die Bibel. 2 St. Pastor Günther. Religionslehre, katholische. Die Lehre von den Geboten und den heiligen Sakramenten. Diöcesankatechismus. 2 St. Hitschfeld. Deutsch. Erklärung Schillerscher Balladen. Erläuterung des zusammengesetzten Satzes. Die Konjugation. Memorieren einiger Gedichte. Dreiwöchentliche Aufsätze, meist erzählenden und beschreibenden Inhalts im Anschluß an die Lektüre. 2 St. Dr. Winkler und Dr. Speck. Latein. Grammatik nach Ellendt-Seyffert§§ 234— 253(215— 232), 271— 279(249— 257), 304— 342(279— 312). Wöchentliche schriftliche Arbeiten und mündliche UÜbersetzungen aus War- schauers Übungsbuch II. 3 St. Caes. de bello civ. II, III. 4 St. Oberl. Dr. Hoffmann und Dr. Schindler. Prosodie und Metrik des Hexameters. Lektüre aus Ovid. Metam. mit Auswahl. 2 St. Oberl. Dr. Hoffmann und Dr. Speck. Griechisch. Die Lehre vom Verbum beendet nach Gerth's Grammatik, syntaktische Regeln nach Bedürfnis. Xen. Anab. Ifgg. ÜUbersetzung nach Dzialas II. 7 St. Dr. Winkler und Oberl. Dr. Hoffmann. Französisch. Wiederholungen, Lektion 36— 49 von Plötz' Schulgrammatik. Charles XII von Voltaire. 2 St. Oberl. Dr. Hoffmann und Dr. Schindler. 39 Geschichte und Geographie. Neuere Geschichte von 1648—1871. Brandenburgisch- preußische Geschichte nach Eckertz' Hülfsbuch. 2 St. Geogr. von Deutschland naeh Seydlitz Schul- geographie. 1 St. Dr. Fischer und Dr. Wohlauer. Mathematik. Kreislehre, Flächeninhalt geradliniger Figuren, Konstruktionsaufgaben, Ubungssätze. Lineare Gleichungen mit einer und mehreren Unbekannten. Kambly I, II. 3 St. Dr. Töplitz. Naturkunde. Im S. Krystallographie und Mineralogie, im W. Antropologie nach Schilling's Schul-Naturgeschichte. 2 St. Dr. Schiff. Unter-Tertia a. und b. Ordinarien: Dr. Winkler und Oberl. Dr. Harczyk. Religionslehre, evangelische. Das dritte Hauptstück, Sprüche und 4 Lieder nach dem Hülfsbuche für den Religionsunterricht. Das Leben Jesu nach den Synoptikern. 2 St. Pastor Günther und Subsenior Schwartz. Religionslehre, katholische, kombiniert mit Ober-Tertia. Deutsch. Erklärung poetischer und prosaischer Stücke und Disponierübungen aus dem Lesebuche von Hopf und Paulsiek. Wiederholung der Interpunktionslehre, der Deklination; der ein- fache Satz. Dreiwöchentliche Aufsätze. 2 St. Dr. Speck und Dr. Wohlauer. Latein. Wiederholung und Erweiterung der Formen- und Kasuslehre, Modus und Tempus- lehre nach Ellendt-Seyffert§ 202— 222, 233— 240. Exercitien und Extemporalien. Ubersetzungen aus Warschauers UÜbungsbuche II. Caes. de bell. Gall. III, IV. Elemente der Metrik. 9 St. Dr. Winkler und Oberl. Dr. Harczyk. Griechisch. Deklination und Konjugation bis zum verb. liquidum inkl. nach Gerth's Gram- matik. Ubersetzungen aus Dzialas UÜbungsbuche. Wöchentliche schriftliche Arbeiten. 7 St. Dr. Speck und Malberg. Französisch. Lekt. 1— 35 von Plötz Schulgrammatik mit den Vokabeln und Uber- setzungen. Grammatische UÜbungen. Vierzehntägige schriftliche Arbeiten. 2 St. Dr. Winkler und Dr. Habel. Geschichte und Geographie. Deutsche Geschichte bis 1648 nach Eckertz' Hülfsbuche. 2 St. Geographie der außerdeutschen Länder Europa's nebst Osterreich-Ungarn nach Seydlitz' Schul- geographie. 2 St. Dr. Fischer und Dr. Wohlauer. Mathematik. Lehre von den Dreiecken und Parallelogrammen. Ubungen im Beweisen von Lehrsätzen, einfache Konstruktionsaufgaben. Die 4 Spezies mit algebraischen Grôßen, Potenzen. Kambly I, II. 3 St. Dr. Töplitz. Naturgeschichte. Im S. Botanik: Das wichtigste aus der Morphologie und Physiologie; im W. Zoologie; UÜbersicht über die Typen des Tierreichs im Anschluß an wichtige Vertreter nach Schilling's Schul-Naturgeschichte. 2 St. Dr. Schiff. Quarta a. und b. Ordinarien: Dr. Schiff und Dr. Speck. Religionslehre, evangelische. Das zweite Hauptstück, besonders Erklärung des dritten Artikels mit den entsprechenden Sprüchen und Liedern. Die Geschichte des Volkes Israel bis zur Teilung des Reiches. 4 Lieder. 2 St. Subsenior Schwartz. Religionslehre, katholische, kombiniert mit Tertia. 40 Deutsch. Die Lehre vom Pronomen. Wiederholung der Satzlehre, Orthographie und Inter- punktionslehre. Lektüre von Prosastücken und Erklärung und Memorieren von Gedichten aus Hopf und Paulsiek. Vierzehntägige Aufsätze. 2 St. Oberl. Dr. Hirschwälder und Prof. Seyler. Latein. Syntax nach Ellendt-Seyffert§ 117— 186, das Wichtigste aus der Lehre von ut, ne, quin, dem Gerundium und Infinitiv. Wiederholung der Formenlehre. Ubersetzungen aus Warschauer's UÜbungsbuche I. Wöchentliche Exercitien oder Extemporalien. Lektüre aus Corn. Nepos. 9 St. Dr. Schindler und Dr. Speck. Französisch. Repetition des Pensums der Quinta. Plôtz' Elementar-Grammatik, Lektion 61 bis 112 mit den Vokabeln. Die regelmäßige Konjugation und die hauptsächlichsten unregelmäßigen Verba. Das Wichtigste vom Substantiv, Artikel, Adjectiv, Adverb, Pronomen. Vierzehntägige schrift- liche Ubungen, Sprechübungen. 5 St. Dr. Schiff und Oberl. Dr. Harczyk. Geschichte und Geographie. Griechische und römische Geschichte nebst Geographie von Altgriechenland und Altitalien nach Jäger's Hülfsbuche. 2 St. Oberlehrer Dr. Hirschwälder und Dr. Habel. Geographie der außereuropäischen Erdteile nach Seydlitz. 2 St. Dr. Winkler und Dr. Habel. Mathematik. Wiederholung der Dezimalbrüche, verkürztes Rechnen, Quadratwurzeln aus Zahlen, Prozent-, Gesellschafts- und Mischungsrechnung mit Benützung von Blümel's Rechenaufgaben V, VI. Geometrische Vorübungen. Gerade Linien, Winkel und darauf bezügliche Eigenschaften des Dreiecks und Einiges von den Vielecken nach Kambly, Planimetrie. 4 St. Dr. Schiff und Dr. Töplitz. Naturkunde. Im S. Botanik, im W. Zoologie nach Schillings Schul-Naturgeschichte. 2 St. Baumann. Quinta a. und b. Ordinarien: Malberg und Dr. Fischer. Religionslehre, evangelische. Biblische Geschichte des N. T. nach Preuß' biblischer Geschichte. Erläuterung des 1. und 2. Artikels, II. Hauptstück nach dem Hülfsbuche für den Reli- gionsunterricht. Sprüche und je 4 neue Kirchenlieder. Wiederholung der in VI gelernten Lieder und Sprüche. 2 St. Baumann. Religionslehre, katholische. Die Lehre vom Glauben. Die biblische Geschichte des Neuen Testaments nach dem Diòôcesankatechismus. 2 St. Hitschfeld. Deutsch. Vierzehntägige Aufsätze und Diktate. Der zusammengesetzte Satz. Die Lehre von den Präpositionen und der Interpunktion. Erklärung prosaischer Musterstücke und Gedichte nebst Memorierübungen aus Hopf und Paulsiek. 2 St. Malberg und Dr. Fischer. Latein. Formenlehre nach Ellendt-Seyffert§§ 51— 60, 67— 77, 93— 111, 173— 175. Syn- taktische Regeln nach Ostermanns UÜbungsbuch. Ubersetzungen aus Ostermann und Vokabellernen. Wöchentliche Exercitien oder Extemporalien. 9 St. Malberg und Dr. Fischer. Französisch. Plötz' Elementar-Grammatik, Lekt. 1— 60, die Konjugation im Zusammenhange. Vierzehntägige schriftliche Arbeiten. 4 St. Oberlehrer Dr. Badt, Dr. Habel. Geschichte und Geographie. Lebensbilder aus der deutschen Geschichte. 1 St. Geo- graphie von Europa nach Seydlitz' Grundzügen der Geographie. 2 St. Oberl. Richter und Prof. Seyler. Rechnen. Die Dezimalbrüche, einfache und zusammengesetzte Regeldetri mit Benutzung von Blümels Rechenaufgaben IV und V. Zeichnen geometrischer Figuren mit Lineal und Zirkel. 4 St. Liewald. Naturkunde. Im S. Botanik, im W. Zoologie nach Schillings Schul-Naturgeschichte. 2 St. Baumann. 41 Sexta a und b. Ordinarien: Dr. Wohlauer und Dr. Habel. Religionslehre, evangelische. Biblische Geschichte des A. T. bis zur Zeit der Makka- bäer nach Preuß'’ biblischer Geschichte. Erklärung des 1. Hauptstückes mit Sprüchen und 4 Liedern nach dem Hülfsbuche für den Religionsunterricht. 3 St. Baumann. Religionslehre, katholische. Kombiniert mit Quinta. Deutsch. Vierzehntägige Diktate und Nacherzählungen. Die Wortklassen. Satzlehre. Lektüre und Erklärung von Prosastücken und Gedichten nebst Memorieren aus Hopf und Paulsiek. 3 St. Dr. Wohlauer und Dr. Habel. Latein. Die Formenlehre nach Ellendt-Seyffert bis zu den verb. depon. inkl., UÜbersetzung der dazu gehõrigen Stücke aus Schönborns Lesebuche§ 1—72. Wöchentliche schriftliche Arbeiten. 9 St. Dr. Wohlauer und Dr. Habel. Geschichte und Geographie. Biographische Mitteilungen aus dem Altertume. 1 St. Dr. Wohlauer und Dr. Habel. Die wichtigsten Grundbegriffe aus der mathematischen Geographie. Ubersicht von Asien, Afrika, Amerika, Australien nach Seidlitz' Grundzügen der Geographie. 2 St. Baumann und Malberg. Rechnen. Die vier Spezies mit Brüchen. Resolvieren und Reduzieren. Einfache Regeldetri mit Benutzung von Blümels Rechenaufgaben IV und V. 4 St. Liewald und Baumann. Naturkunde. Im S. Botanik, im W. Zoologie nach Schillings Schul-Naturgeschichte. 2 St. Häring. Vom Religionsunterrichte ihrer Konfession waren 6 Schüler wegen der Konfirmation dispensiert. Der jüdische Religionsunterricht wird in 3 Abteil. von Oberl. Dr. Badt ertheilt. Das Pensum der 1. Prima und Sekunda umfassenden Abteilung war in je einer wöchentlichen Stunde: Bibellektüre nach der Ubersetzung von Zunz, Fest- kalender, Religionsgeschichte Th. III, systematische Darstellung der Religionslehre; der 2. Tertia und OQuarta umfassenden in einer Stunde: Biblische und Religionsgeschichte bis zur Zerstörung des zweiten Tempels; im Anschluß an die einzelnen Feste Besprechung ihrer Bedeutung und Lektüre der bezüglichen Bibelstellen; der 3. Quinta und Sexta umfassenden in zwei wöchentlichen Stunden: Wiederholung der Erzählungen des Pentateuch mit besonderer Berücksichtigung der daran sich schließenden Sittengesetze; Josua, Richter, die ersten Könige. Memorieren einzelner Gebete aus dem Gebetbuche in deutscher Ubersetzung. Technischer Unterricht. a. Der Turnunterricht wird zweimal wöchentlich von den 5 Turnlehrern Dr. Fischer, Häring, Baumann, Hoch und Dr. Domke in zwei Abteilungen je einstündig erteilt. Die erste Abteilung bilden die oberen, die zweite die unteren Klassen, und jede derselben ist in 5 Teile geteilt, die von je einem Turnlehrer unterrichtet werden. Dispensiert waren 47 Schüler. pb. Gesangunterricht erteilt Herr Oberorganist Hiller in den Quinten und Sexten in je 2 Stunden, in beiden Quarten zusammen und in den drei Tertien in je einer Stunde, außerdem wöchentlich einmal in einer besonderen, aus Schülern der Prima bis Quarta gebildeten Gesangsklasse. c. Zeichenunterricht haben die Klassen von Sexta bis Quarta jede besonders zweimal wöchentlich. Für die höheren Klassen besteht wöchentlich zweistündlicher fakultativer Zeichenunter- richt. An demselben nehmen 50 Schüler teil. Den Zeichenunterricht erteilt Herr Maler Biller. 42 II. Verfügungen der vorgesetzten Behörden. 18. Juli. Das Königliche Provinzial-Schul-Kollegium theilt einen Ministerialerlaß mit, nach dem denjenigen Abiturienten, die sich dem Maschinenbaufach widmen wollen, zu eröoffnen ist, daß sie vor Beginn des Studiums als Eleven Beschäftigung bei einer Eisenbahndirektion zu suchen haben, die unter der Leitung eines Königlichen Präsidenten steht. 10. August. Der Magistrat teilt ein neues Statut über Freischule mit, dessen wesentlichste Bestimmungen sind, daß vom 1. April 1892 an höchstens 10 Prozent der Schüler der eigentlichen Gymnasialklassen im Ganzen von der Schulgeldzahlung befreit werden dürfen, und daß in diese 10 Prozent alle früheren sogen. immunes und älteste von 3 oder mehreren Geschwistern einzurechnen sind, bei denen künftig nur Würdigkeit und Bedürftigkeit in Betracht gezogen werden soll. 5. Februar. Das Königliche Schul-Kollegium macht im Auftrage des Herrn Ministers auf Befolgung hygienischer Vorschriften in den Turnhallen aufmerksam. 12. Februar. Das Königliche Provinzial-Schal-Kollegium verfügt, daß beim Gesangunterrichte sowie bei Schulandachten möglichst die Konfession der Schüler zu berücksichtigen ist. III. Chronik der Schule. Das Schuljahr umfaßte den Zeitraum vom 6. April 1891 bis zum 9. April 1892. Die sechs nationalen Gedenktage, welche nach Allerhöchster Bestimmung in der Schule gefeiert werden sollen, die Geburts- und Todestage der Kaiser Wilhelm Jund Friedrich, der Geburts- tag Sr. Majestät des regierenden Kaisers und der Tag von Sedan wurden in der üblichen Weise durch Gesang des Schülerchors und Festreden der Herren Dr. Habel, Pastor Günther, Subsenior Schwartz, Dr. Schiff, Prof. Seyler begangen. Dem Allerhöchsten Befehle zu einer Feier des 100 jährigen Geburtstages Theodor Körners am 27. September konnte, da die betreffende Ver- fügung des Königlichen Provinzial-Schul-Kollegiums erst an diesem Tage selbst einlief, nur in der Weise nachgekommen werden, daß Tags darauf die Lehrer des Deutschen in den einzelnen Klassen auf die Bedeutung Körners hinwiesen. Der übliche Schulspaziergang fand am 27. Mai klassenweise unter Führung der Ordinarien und anderer Lehrer statt. Vom 22. bis 27. Februar unterzog der Generalsuperintendent der Provinz Schlesien, Wirkliche Ober-Konsistorialrat Prof. Dr. Erdmann den evangelischen Religionsunterricht in allen Klassen des Gymnasiums und der Vorschule einer Revision. Am 10. März wurde in der Aula wie in früheren Jahren eine musikalisch-deklamatorische Aufführung veranstaltet, wobei der Sängerchor unter Leitung des Gesanglehrers, Herrn Oberorganist Hiller, auftrat und eine Anzahl von Schülern aus den oberen Klassen die Rütliscene aus Schillers Wilhelm Telll darstellten. 1 Im Allgemeinen verfloß das Schuljahr in erfreulicher Ruhe ſund Ungestörtheit. Der Gesund- heitszustand der Schüler und Lehrer war im ganzen nicht ungünstig. Nur ein Lehrer, der Oberlehrer Depéene, mußte längere Zeit, von Ostern bis Pfingsten, wegen gefährlicher Erkrankung die Schule versäumen. Seine Vertretung, hauptsächlich durch den Kandidaten Dr. Schirdewahn, ordnete das Königliche Provinzial-Schul-Kollegium und die Patrionatsbehörde in promptester und zuvorkommendster Weise. Von Schülern haben wir leider durch den Tod zwei verloren, den Abiturienten Karl von Wileke, der in frischer Jugendkraft zu den Ferien auf das Land gereist, nach wenigen Tagen dahin- 43 gerafft wurde, und den Quintaner Willy Rosenthal, der nach längerem Leiden einer tückischen Krankheit erlag. Innerhalb des Lehrerkollegiums ist die eine Veränderung eingetreten, daß die Stelle des zu Ostern ausgeschiedenen Dr. Neufert durch Ascension besetzt und in die letzte Lehrerstelle Dr. Habel gewählt ist, der an der Anstalt sein Probejahr von Michaelis 1889 bis 1890 abgelegt hatte und seit- dem thätig geblieben war. Seine Vereidigung erfolgte durch den Direktor am 24. August. Unentgeltlich beschäftigt war von Ostern bis Michaelis Herr Lohde und im zweiten Jahre ihrer Probethätigkeit die Kandidaten Dr. Tröger und Schwarzer. Dem Oberlehrer Seyler wurde im September der Titel Professor verliehen. A. Frequenztabelle für das Schuljahr 1891/92. IV. Statistische Mitteilungen. A. Gymnasium. B. Vorschule. . O.-II. U.-Ila M. O-IIld 0. 0-IIla M. U-III U-IIla O. LI. IVd 0. IVA Vp VA VIb VIA Sa. Sa. 1. Bestand am 1. Fe- bruar 1891....... 2. Abgang bis zum Schluß des Schul- jahres 1891/92..... 3a. Zugang durch Ver- setzung zu Ostern.. durch Ubergang in die Paralleicöten.. 3 b. Zugang durch Auf- nahme zn Ostern... 10 12 18 26 18 21 36 31 1 1 11 36 13 28 443 176 41 23 111 4. Frequenz am Anf. des Schuljahres 1891/92 22 20 38 33 427 5. Zugang im Sommer- semester 1891..... 6. Abgang im Sommer- semester 18911... 7a. Zugang durch Ver- setzung zu Michaelis durch Ubergang in die Parallelcöten.. 7b. Zugang durch Auf- nahme zu Michaelis 10 6 8. Frequenz am Anfang des Wintersemesters 38 421 9. Zugang im Winter- semester.......... 10. Abgang im Winter- semester.......... 11. Frequenz am 1. Fe- bruar 18998.. 24 28 27 25 38 24 2 34 106 12. Durchschnittsalter am 1. Februar 1892 18,8 17,0 16,1 15,9 17 14,8 12 13,5 170 12,7 11,9 1 10,9 9,4 8,5 731 B. Religions- und Heimatsverhältnisse der Schüler. 44 A. Gymnasium. B. Vorschule. Evang. Kath. Diss. Jüd. Einh. Ausw. Ausl Evang. Kath. Diss. Jüd.] Einh. Ausw. Ausl. 1. Am Anfang des Sommersemesters] 279 45 1 102 386 37 4 75 12 2 29 112 5 1 2. Am Anfang des Wintersemestersſ 275 45 99 380 39 2 69 9 1 28 103 3 1 3. Am 1. Februar 182.. 272 43 2 98 375 38 2 69 9 1 27 10² 3 1 Das Zeugnis für den einjährigen Militärdienst haben erhalten Ostern 1891 27 Schüler; Michaelis 1891 23 Schüler; davon sind zu einem praktischen Beruf abgegangen Ostern 1891 3 Schüler, Michaelis 1891 2 Schüler. C. öbersicht über die Abiturienten. Michaelis 1891. .[Aufenthalt Stand 2 Sn der Künftiger Nr. Namen. Geburtsort. Geburtstag. 5 α4—33 des Vaters.[2 m◻φ Beruf. Jahre 1. Albert Guttfreund, Leobschütz, 11. Febr. 1872, † Kaufmann.[jüd. 3 ½ 2 jJura. 2. Alfred Hielscher, Domatschine, 17. April 1870, Lehrer ev.[1 ½ 2 Theologie. Kr. Ols, in Dyrrgoy.. 3.[Karl Meinecke, Breslau, 16. Juni 1873, † Fabrik- evW. 9 2 FJura. besitzer. 4. Kurt Meinicke, Breslau, 4. Juni 1871, † Kaufmann. ev. 11 2 ½ Kaufmann. 5. Richard Möller, Gr.-Salze, 19. Mai 1874, Oberlandes- ſevW. 3 2 Militàr. Kr. Kalbe a. S., gerichtsrat. 6. Richard Quaas, Libau 28. April 1872, Direktor der ſev.. 9 2 Medicin. in Kurland, Navigations- schule. 7. Arthur Schlosky, Breslau, 5. Dezbr. 1871, Kaufmann. ev.[10 ½ 2 Jura. 8. Siegbert Schweitzer Breslau, 26. Mai 1872, Kaufmann. jüd. 9 2[jura. Ostern 1892. 1. Ernst Cassirer, Breslau, 28. Juli 1874, Kaufmann.[jüd.] 9 2 jJura.— 2. Richard Depene, Saarau, 14. Mai 1874, † Böôttcher- ev. 9 2 Mathematik u. Kr. Schweidnitz, meister. Naturwissen- schaften. 3. Max Düring, Magdeburg, 8. Febr. 1874, Regierungsrat. evW.. 4 2 ꝑjJura und Cameralia. 4. Wilhelm Faupel, Lindenbusch, 29. Okt. 1873, † Arzt. evW. 9 2 Militär. Kr. Liegnitz, 5.[Ernst Kromrei, Bromberg,[27. Dezbr. 1871,] Partikulier. ev. ſ10 ½ ⁄ 2 Theologie. 6. Walter Kuhn, Labiau, 22. Dezbr. 1871, Pandocrichis: ev.[10 ½ 2 ½ Militär. rat. 7. Alfred Lisser, Breslau, 15. Juli 1872, Kaufmann. ſjüd. 10 ½ 2 ½ Medicin. 8. Walter Roth, Konitz, 10. Jan. 1874, † Rabbiner.[jüd. 2 ¾¼ 2 jJura. 9. Friedrich Schück, Danzig, 18. Juli 1873, ff Postkassierer.] ev.[19 ½ 2 Postfach. 10.[Konrad Stenzel, Breslau, 7. März 1874,[Amtsgerichtsratſ ev. 7½⁰ 2 Jura. a. D. 11.[Martin Zahn, Gr.-Glogau, 2. Aug. 1872, † Oberlandes- ev. ſ10 ½ 2 ½] Theologie. gerichtsrat. 45 V. Sammlung von Lehrmitteln. Für das physikalische Kabinet wurden angeschafft: 1 Demonstrationselektroskop.— 1 Apparat für die Elektrizität an der Oberfläche.— 1 Hufeisenmagnet.— 1 Apparat, die kubische Ausdehnung durch die Wärme zu zeigen. Für das naturhistorische Kabinet: 1 Wiederkäuermagen, konserviert, zum Aufblasen.— 1 Cetonia aurata Metamorphose, in Spiritus. Ferner wurden folgende ausgestopfte Tiere von Schülern der Anstalt, dem Obersekundaner Krebs, dem Quartaner Laute, dem Quartaner Willim, dem Quintaner Blank und dem Sextaner Neugebauer, geschenkt: Cricetus frumentarius, Turdus merula, Fringilla caelebs, Melopsittacus undulatus in 2 Exemplaren, Vesperugo noctula, Tetrodon Fahaka, Oriolus galbula, Buteo lagopus, Cavia cobaya und Lampornis Mango. Für die Lehrerbibliothek konnten auch in diesem Jahre fast gar keine Neuanschaffungen gemacht werden. Von Zeitschriften wurden gehalten: Zeitschrift für das Gymnasialwesen.— Litterarisches Centralblatt: herausgeg. von Zarncke.— Historische Zeitschrift von v. Sybel.— Neue Jahrbücher für Philologie und Paedagogik.— Rheinisches Museum.— Hermes.— Journal für reine und angewandte Mathematik.— Annalen der Physik und Chemie.— Beiblätter zu denselben.— Centralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen.— Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Altertum Schlesiens.— Neuanschaffungen: Breslauisches Tagebuch von Joh. G. Steinberger; her. von Träger.— Aristoteles' IIoxtretaæ Advatcy edd. Kaibel et Wilamowitz. Fortsetzungen; M. Porci Catonis de agricultura liber, M. Terenti Varronis rerum rusticarum libri tres ex rec. H. Keitii. vol. II. fasc. II.— C. G. J. Jacobi's gesammelte Werke VI, VII.— Neudrucke deutscher Litteraturwerke des XVI. u. XVII. Jahrhunderts Nr. 85 u. 92.— Breslauer philo- logische Abhandlungen Bd. VI. Heft I.— Herder's sämtliche Werke, her. von Suphan; Bd. V u. VIII.— Merguet, Lexikon zu den philosoph. Schriften Ciceros Bd. II, Lief. 9— 16.— Lexikon Livianum ed. Fügener, fasc. II, III.— Goethes Werke, herausg. im Auftrage der Großherzogin Sophie I. 4, 9, 29, 46; II. 6; III. 4; IV. 7, 9.— Corpus scriptorum eccles. lat. ed. Acad. Vindob., vol. XXI u. XXV.— Corpus inscriptionum Latinarum, vol. 8 pars I, vol. III, supplem. fasc. I u. II.— G. E. Lessings sämtliche Schriften, herausg. von Lachmann, 4. Aufl. Bd. VII.— Meusel, Lexikon Caesarianum vol. II, fasc. IX. — Flavii Josephi opera ed. B. Niese, vol. III.— Geschenke: Vom Königl. Provinzial-Schulkollegium; Verhandlungen der neunten Direktoren-Versammlung in Schlesien.— Von der schles. Gesellschaft für vaterl. Kultur deren 68. Jahres- bericht.— Von dem Verlage der schlesischen Zeitung: 150 Jahre Schlesische Zeitung 1742— 1892.— Von Fräulein Schultz- Evler: Raumer's historisches Taschenbuch, 1.—10. Jahrgang. Für die Schülerbibliotheken: v. Nordenflycht, Die französische Revolution.— v. Zobeltitz, Dreißig Lebens- bilder deutscher Männer.— Bücker, Unsere Arbeiter der Neuzeit.— Bötticher, Olympia.— E. T. A. Hoffmanns Werke, herausgeg. v. Kurz, 2 Bde.(Geschenk des Herrn Oberlehrers Dr. Hoffmann).— W. Müller, Fürst Bismarck.— F. Dahn, Bissula.— Th. Mügge, Afraja.— A. Schönbach, Walther von der Vogelweide.— H. Brugsch, Im Lande der Sonne.— G. Ebers, Die Gred.— P. Güßfeldt, In den Hochalpen.— O. Wächter, Joh. Jak. Moser.— H. Petrich, Pommersche Lebens- und Landesbilder, 2 Teile.— W. Oncken, Das Zeitalter des Kaisers Wilhelm, 2. Bd.— Const. Bulle, Geschichte des zweiten Kaiserreichs und des Königreichs Italien.— Wolf, Die That des Arminius.— Weyergang, Theodor Körner und sein Vaterhaus.— Maspero, Aegypten und Assyrien.— Freund, Wanderungen auf klassischem Boden.— Das neue Universum, 12. Jahrgang.— Ule, Die Wunder der Sternenwelt, 3. Aufl.— H. Herold, Im dunklen Erdteil.— W. Weyergang, Theodor Körner und sein Vaterhaus.— W. Noeldechen, Wolf von Wolfskehl.— Weinland, Rulaman.— C. Fischer-Sallstein, Emin Pascha.— S. Wörishöffer, Kreuz und quer durch Indien.— S. Wörishöffer, Ein Wiedersehen in Australien.— O. Kern, Die Geißel der Südsee.— O. Kern, In Sturm und Not.— Bahmann, An der römischen Grenzmark.— Bahmann, Im Strome der Völkerwanderung.— Möbius, Deutsche Göttersagen.— Vogt, Das Buch vom deutschen Heere.— Werner, Das Buch von der deutschen Flotte.— Elm, Die Befreiungskriege.— Elm, Der eiserne Prinz.— Elm, Der deutsch-österreichische Krieg.— Heinze, Zehn Fürstinnen auf dem Throne der Hohenzollern.— Weyergang, Theodor Körner.— Frenzel, Theodor Körner.— Osterwald, Sang und Sage.— Andrä, Griechische Heldensagen.— Hofmann, Tausend und Eine Nacht.— Köppen, Kämpfe und Helden.— Ohorn, Marschall Vorwärts.— Vaterländische Geschichtsbibliothek, 4 Bände.— Otto, Neuere deutsche Geschichten.— Würdig, Markgraf Waldemar.— Köppen, Drei Hohenzollern-Fürstinnen.— Frohnmeyer, Geschichte der Hohenzollern bis 1889.— Heyer, Kaiser Heinrich IV.— Meyer, Simplicius Simplicissimus.— Elm, Wißmanns Reisen.— Falckenhorst, Forschungsreisen. Bd. 9 und 11.— Keil, Quer durch China.— Wagner, Hausschatz, Bd. 2 und 7.— Lohmeyer, Deutsche. Jugend, Bd. 10. Neue Folge Bd. 7 und 8.— Hoffmann, Neuer deutscher Jugend- freund, Bd. 42 und 44.— Pajeken, Robert der Fallensteller.— Wörishöffer, Das Buch vom braven Mann; Derselbe, Das Naturforscherschiff; Derselbe, Robert der Schiffsjunge.— Niemann, Das Geheimniß der Mumie.— Kern, Der Flücht- ling von Gran-Chaco.— Stein, Lederstrumpf-Erzählungen.— Falckenhorst, Der afrikanische Lederstrumpf. Teil 3.— Höcker, Die Brüder der Hansa; Derselbe, Dietrich von Bern.— Scott, Quentin Durward; Derselbe, Ivanhoe.— Hoffmann, Der neue Robinson.— Müller, Löwen-Hans.— Kinder-Kalender 1892.— Berger, Rübezahl.— Berger, Märchen- Wundergarten.— Stoewer, Hans von Hake.— Muschi, Die Deutschen in Ostafrika.— Muschi, Kaiser Wilhelm II.— Fischer, Lust und Lehre.— Schmidt, Oberon.— Nieritz, Erzählungen, 7 Bände.— Griesinger, Hilf dir selbst, so hilft dir 7 46 Gott.— Grube, Tier- und Jagdgeschichten.— Redenbacher, Cooks Reisen.— Garlepp, Biographien des Grafen Albrech von Roon, des General Steinmetz, des Freiherrn von Manteuffel, des Freiherrn v. d. Tann.— Höcker, Spare in der Zeit, so hast du in der Not.— Lichtenfeldt, Ferdinand der Ziegenhirt.— Dielitz, Atlantis.— Dielitz, Zonenbilder.— Kletke, Buntes Leben.— Thomas, Kaiser Wilhelm I.— Otto, Das Buch vom Alten Fritz.— Würdig, Bei Königgrätz.— Ge- fährliche Jagden.— Gefährliche Tiere.— Am Kamin.— Hauff, Märchen.—„Der gute Kamerad“, deutsche Knabenzeitung (ortsetzung).— Hoffmann, Das treue Blut.— Wiedemann, Ein Kindesraub.— Hoffmann, Die Sonne bringt es an den Tag. VI. Stiftungen und Unterstützungen von Schülern. Der Prämienfond, welcher bisher lediglich in der Ledermannschen Stiftung bestand, ist in diesem Jahre um 1000 Mark vermehrt worden, welche die Gebrüder Cassirer geschenkt haben. Außerdem hat Herr Kaufmann Wilhelm Epstein 80 M. zur Unterstützung armer Schüler gespendet. Wie alljährlich hat die Loge Friedrich zum goldenen Zepter aus der Kahlertstiftung einem würdigen und bedürftigen Schüler eine werthvolle Prämie und der Schillerverein einem anderen ein Exemplar von Schillers Werken geschenkt. Für alle dem Gymnasium oder einzelnen Schülern gespendeten Gaben wird den Wohlthätern der ergebenste Dank ausgesprochen. VII. Mitteilungen an die Schüler und Iltern. Das Wintersemester wird geschlossen Sonnabend, den 9. April, mit einem öffentlichen Examen der drei Vorschulklassen von 9—11 Uhr, und zwar in folgenden Gegenständen: Kl. 1. Deutsch und Geographie... Liewald,.* „ 2. Rechnen und Deutsch.... Joachim, „ 3. Religion und Lesen..... Häring. Darauf findet die Verkündigung der Versetzungen nebst Verteilung der Prämien, Entlassung der Abiturienten und Verteilung der Censuren statt. Das Sommersemester beginnt Dienstag, den 26. April, 7 Uhr. Die Schüleraufnahme findet statt Montag, den 25. April, 9 Uhr. 4 4