G Pönigliches Gymnaſium au Wanan. ——x Programm womit zu den am 8. und 9. April 1870 im Hörſaal des gymnaſiums Statt findenden jrn lrüfungen ergebenſt einladet äffentlich der Gymnaſialdirector Dr. K. W. Piderit. Unoeee Ue 2 Inbalt: 1) Die Camp'ſche Münzſammlung des Gymnaſtums zu Hanau, 2. Th., verzeichnet von Dr. R. Suchier. 2) Schulnachrichten. 2, 2,„. / —-O—-——— HanJau. Druck der Waiſenhaus-Buchdruckerei. —— nunnt 61 „ 3 4 4 8 † 1 . 6 uhnb, e Smn ue * 85 131 u 3 2 4 253 0o a re Sk IA g 4 nmmauung „O. Al nar 1iH 3s3s u n n h. dus anggn in ee d r 1 465. 466. 467. 468. B. Medaillen. Kaiſer Marcus Clandius Tacitus 25. Sept. 275 bis 13. April 276, Zinn 32 Millimeter groß: IMP. CSM. CL. TACITVS P. F. AVG-TRIBPOTCOS. P. P. Bruſtbild mit Lorbeerkranz.— NATVS]ROMAE A:C:CC-AVRELIANO 000180 POST SEX MENSIVM FELIX INTERREGNVMA SENATV PLECTVS MILITIB0.CONSENTIENTIBD.] VII-KAL: 00TOBR-ACCCLXXV. IN SENECTVTE VALIDIOR ADVERSVS SCYTHAS EXPEDITIONEM SVSCEPITIISOVE VICTIS REDIENS]TYANAE INCAPPADOCIA 0BIIT VEL FEBREVEL OCCISVS IDIBVS APRIL-A'C-CCLXXVI! unten kleiner C. W. zwiſchen C. PR. und CES.(cum privilegio caesareo)— Nandſchrift: SIBI B0NVS ALIIS MALVS. Kaiſer Marcus Aurelius Carinns † 285, Zinn 32 M: IMP. C-M-AVRCARINVS P. F. AVG-TRP-.II'COS-II Bruſtbild mit Lorbeerkranz, an der Schulter C. W. C. PR. CS.— CARI MAIOR FILIVS A PATRE A-CCXXCII.] CAESAR APPELLATVS] ET AB EO IN PERSAS MOVENTEſGALLIIS PRAEFECTVS' C0NTAMINATISSIMEVIXITPATRI MAXIME EXOSVSQVO MORTVO AVGVST; FACT;] SPECTACVIVM MAGNIFICVM A“:C-CCXXCIV.ROMAEEDIDITIͤCONTRA DIOCLETIANVM MVLTISPRAELIISCONFLIXITIVLTIMO APVD MARGVM 000CISVS A. C. CCXXCV. C. W.— Nandſchrift: CEDENDVM MVLTITVDINI. Dieſe zwei Medaillen gehören zu der Suite des merkwürdig thätigen Chriſtian Wermuth, der 78 Jahre alt 1739 in Gotha ſtarb. Ihr Werth iſt gering; die Köpfe können auf Ähnlichkeit keinen Anſpruch machen. Geiſtliche Fürſten. Papſt Innocenz XII. 1691 bis 1700, ſchlecht gerathene Zinnmedaille auf die Wahl 38 M: INNOC.XI-PONT-MAX.CREAT-D. XII IVLII MDCXCI. Bruſtbild mit Calotte in Mozetta und Stola, darunter P. H. M.— VOTA PVBLICA. Gerechtigkeit und Friede das Wappen haltend, unten P. H. M. Philipp Heinrich Müller gb. in Augsburg 1653, lange Zeit in Nürnberg, dann wieder in Augsburg, ſtarb daſelbſt 1718. Kupfermedaille vom Jubeljahr 1700 ſehr ſchön, 39 M., in Rom geprägt: 469. 470. 471. 472. 473. 2 INNOCEX XII-PONT-MAX“: Bruſtbild im Pluviale mit Tiara, an der Schulter HAMERANVSF.- DOMVS.DFTFETPORTACOELI(0 u. E verbunden) auf einem Band, woran I H(Soh. Hameranus). Der Papſt von Biſchöfen begleitet öffnet die heilige Pforte, in die Strahlen von oben fallen, rechts kniende Pilger, unten vertieft.1700. Papſt Clemens XI 1700 bis 1721, Zinn 34 M. auf die Krönung: CLEMENS XI. PONT-MAX: Bruſtbild mit Calotte in Mozetta und Stola— CREATDeXXIII NOVET COROND:VIII DEGC:MDOCC: Wappen. Bamberg⸗ Lothar Franz von Schönborn 1693 bis 1729, auch Erzb. v. Mainz 1695, Zinn 44 M: LOTHARTFRANC-D-G-ARCHIEP& EL-MOGUNT-EP.BAMB- Bruſtbild im Kurrock mit Rabatten, darunter P. H. MILLER.— IRIGAT U T ERIGAT. Zwei Flußgötter, als RHENVS und MOENVS(O u. E verbunden) bezeichnet, an einem Poſtament, worauf ein waſſer⸗ ſpeiender Löwenkopf und darüber das Wappen, unten SECURITAT.GERMANOR. ASSERTORT' P. H. M— Nandſchrift: ERIS SICVT FONS AOQVARVM, CVIVS NON DEFICIENT AOVESATILVIII FöK(Fr. Kleinert in Nürnberg). Die Erklärung gibt der Name Schönborn ſelbſt; mit dem Löwen iſt der im Familienwappen gemeint. Friedrich Karl von Schönborn B. v. Bamberg 25. März 1729, von Würzburg 18. Mai 1729 † 1746, Zinn 44 M. von Peter Paul Werner in Nürnberg: FRID-CAROLUSD-G- EP.BAMB-&HERBS-RPRF·OD(ſ. Nr. 78) Bruſtbild, daran P. P. W.— QVAM BENE CONVENIVNT ETABVNO FONTE RIGANTVR. Springbrunnen, in deſſen Mitte das Schönborner Wappen, davor zwei Flußgötter mit den Wappen v. Bamberg u. Würzburg. Unten BEATA OQUARTUM]HIS IRRIGOIS FRANCONIA. Die Medaille wird in das Jahr 1729 zu ſetzen ſein. Die Erklärung ergibt ſich auch hier aus dem Namen Schönborn. Die beiden Flüſſe ſind Regnitz und Main, die vier ſchönen Borne in Franken(quartum) Johann Philipp(Nr. 78), Lothar Franz(Nr. 470), Johann Philipp Franz B. v. Würzburg 1719 bis 1724 und Friedrich Karl. Cöln. Kurfürſt Joſeph Clemens 1688 bis 1702 und 1714 bis 1723, Kupfer 29 M. ſchön: 108·CLEM-ARCH. COL'S-RTARCHICAMET ELECTDVXBAU: Bruſtbild im Kurrock, unten H-B— SUBDITIS CLEMENS: Sitzender Löwe, unten 1714. Joſeph Clemens, welcher Name mit dem Pfälzer Löwen ſehr ſinnreich in Verbindung geſetzt iſt, war gb. 1671, ein Bruder des Kurf. Max Emanuel von Baiern. Er verfiel wegen ſeines Bundes mit Frankreich in die Reichsacht, wurde aber 1714 durch den Raſtadter Frieden reſtituirt. Auf dieſen neuen Regierungsantritt hat die Medaille unſtreitig Bezug. H B wohrſcheinlich Bonhorſt in Clausthal; da Joſ. Cl. 1714 auch Hildesheim bekam, hat die Prägung in Clausthal nichts Auffallendes. ARCIIICAM iſt Stempelfehler für ARCHIICAN(archicancellarius); auf Thalern von 1715 ſteht ganz derſelbe Titel mit richtigem CAN, wobei der Zuſatz per Italiam fehlt. Mainz. Kurf. Albert von Brandenburg 1514 bis 1545, Sohn des Kurf. Johann Cicero, ſeit 1513 auch Erzbiſchof von Magdeburg und Biſchof von Halberſtadt, ſchönes vergoldetes Schauſtück 33 M. groß v. J. 1537: 474. 475. 476. 477. 3 DNVS MIHIL-ADIVTOROQVEM-TIMEBO-ANNOETATISXLVIII: Sehr erhabenes Bruſt⸗ bitd mit Barett nach links— ALBERTVS-CARDINALISET-ARCHIEPVSMOGVNTANNO: M-DXXXVII. unter Cardinalshut und Kreuzſtab quadrirtes Wappen(Brandenburg, Pommern, Nürnberg, Zollern) mit drei Mittelſchilden(Magdeb., Mainz u. Halberſtadt). Sedisvacanzmedaille von Zinn 27 M. v. J. 1743(21. März bis 22. April): Der heilige Martin(ſ. Nr. 69), darunter 1743— CAPITULMETROP:üMOGUNT:(capitulum metropolis) Wappen des Domcapitels. Unten SEDE VACANTE Seligenſtadt. Abt Peter Schultheiß aus Mainz 1715 bis 1730, Med. zum neunhundertjährigen Jubiläum 1725 von Müller 45 M., Prachtexemplar: TRANSACTIS IX STECULIS IUBILAT ECCLESIA SLELIGENSTATT LUDOVICO DONANTE. EINHARDO FUNDANTE, PETRO RENOVANTE Drei Wappen(das angebliche v. Kaiſer Ludwig dem Frommen, das gräflich erbachſche und das des Abtes), mitten C M, unten 1725.— 80B PATROCINIO SS-MM-MARCELLINI ET PETRIATOUES. P. BENEDICTI (sanctorum martyrum, sancti patroni) Anſicht der Kirche am Main, darüber auf Wolken die drei Heiligen. Die Kirche wurde 1868 verändert und erhielt zwei gothiſche Thürme. Deutſche Kaiſer und Beſterreich. Maximilian I, römiſcher König 1486, Kgiſer 1493 bis 1519, Schauſtück v. J. 1505, 46 M. groß, über 3 ½ Loth ſchwer, ausgezeichnetes Exemplar: † MAXIMILIANVSDEI GRA: ROMANOR REX SEMPERAVGVSTVS Bruſt⸗ bild geharniſcht mit Krone nach links, mit Scepter in der Linken, abwärts gekehrtem Schwert in der Rechten— †XPIA“) REGNORREXHERSOZ-ARCHIDVXAVSTREPLVRIMAR QOZ: EVROP PROVICIAR PNS-DVXETDO0 unter gothiſcher Verzierung in der Mitte gekrönter Schild mit einfachem Adler(röm. König), umgeben vom Orden des goldenen Vließes; neben der Krone links 15,rechts 05; links das ungariſche, rechts das öſtr., darunter links das burgundiſche, rechts das böhmiſche Wappen, die beiden letzteren ohne Krone. Die Schrift geht auf beiden Seiten von oben rechts herab; der Avers hat Roſetten ſtatt der Puncte; das N in MAXIMILIANVS iſt verkehrt. Der Anfang des Revers wird nach anderen ähnlichen Münzen, worauf AC ſteht, gedeutet: Christianissimus ac; indeſſen ſteht hier nach XPI kein Puyct, das A iſt dicht daran, und an dieſem A iſt von oben her bis über die Mitte ein deutliches S angebracht(nach Art eines Monogramms). Weiter iſt zu leſen: septem regnorum rex heresque archidux Austriae plurimarumque Europae provinciarum princeps dux et dominus. Der Schwertgriff in der Rechten ſtatt in der Linken erklärt ſich ebenſo wie das verkehrte N aus einer Unbedachtſamkeit des Graveurs; er bedachte nämlich nicht, daß die Rechte beim Abdruck die Linke wird. Leoyold 1 gb. 1640, König von Ungarn 1655, von Böhmen 1656, Kaiſer 1658 bis 1705, Krönungsmedaille 43 M. wie neu: 1* 478. 479. 480. 481. 4 00XNSIIL.IO. ET INDVSTRIA Zwei Arme mit Scepter und Schwert, oben ſtrahlendes Auge, unten Krone auf der Erdkugel— Kaiſerkrone zwiſchen zwei Zweigen, darunter LEOPOLDVSI HVNGARLEET BOHE(H und E verbunden) MILTEÄREX CORONATVSIN REGEM ROMAN ORVM-Io AVGVS] TI:Ao 1658 Medaille 43 M. groß auf die Befreiung Wiens 1683, ſehr geſchmacklos: IMPERVYMVRVMAVSTRI ACoINTERPONITINORBE(ungeſchickter Hexameter) Der Doppel⸗ adler, auf deſſen Bruſt L, I(Leop. jimp.), hält eine Kugel, worauf die Feſtung Wien; neben der Kugel links SVB VMBRA, rechts ALAHVTVARV Oben ſtrahlendes Auge, dabei im Halbkreis COI. LIG IT AVX ILY RAD 10 Unten Halbmond an Wolken, dabei VICTAMOCREDEGITTINVMBRA— 1683 DIE 14 IVLY VIENNAAVSTRIEA] TVRCISOBSESSA SEDPROTECTORE ALTISSIMO LEOP. I.I MP: INDVSTRIAET(E u⸗T† verbunden) CONSILIO REGISPOLONILE 1OANIII]PRESENTIAET(E u. T verbunden) VALIDOAVXIILIOI VIENNENSIVM DENIOVNIVERSITATISSENRATVYS OFFICIALIVM'CIVIVMACINCOLARVM C0NCORDIOBSEOVIO AB 0B81DIONE(N u. E verbunden) PROFLIGATO HOSTE EODEM ANNO] DIE 12 SEPTLIBERATA Links INPERSO'SVCC:ELECT: BAVA:SAXON EIT(verbunden) IMPERYSVB SIDIO COMCAPLIER DEPVT. PRISIDENTE Rechts DVCELOTHA] RINGO CS-LOC-TEN]GRLI. GENERCOM STARNBERG VRBCOMEN Unten MATTHIMITTERMAIRAWAFF ENBERGSC-MMONETA OBTVLIT Protectore alt. mit Gottes Hülfe; Leop. iſt Genitiv zu industria et consilio(des Kaiſers Wahlſpruch). Die Abkürzungen ſind zu leſen: in personis succurrentibus electoribus Bavariae Saxoniae, comite Capliers deputato, caesareo locumtenente generalissimo, generali comite St. urbis comendante, sacrae caesareae maiestatis monetarius. 2 Kupferm. 36 M. auf die Wiedereinnahme von Neuhäuſel zwiſchen Presburg und Peſth 1685: Anſicht der belagerten Feſtung, darüber auf einem Band GAVDIVMIMP. NEUHEUSEIL ERBAUT A:4581· VOM TöRCKEN EROBERT A:1663· VONKAYSMAY: BELAGERT DEN! MITSTURMENDERHAND] EROBERT DEN ̃ AUG.]A:1685: Bei IMP iſt fraglich, ob imperatoris oder imperii zu leſen. Wunderlich iſt die Schreibart von kayserlicher Mayestät. Das Datum iſt nach altem und neuem Stil angegeben, das erſte nach dem julianiſchen, das zweite nach dem gregorianiſchen Kalender. Nürnberger Medaille 45 M. auf die Einnahme Ofens 1686: HOS FORNAX ARDET IN USUS Beſchießung Ofens, darüber von Rauchwolken getragene Krone, unten LGL(Lauffer)— LEOPOLDO VLTORE RESVRGES. Leopold, vom Sieg gekrönt, den Halbmond niedertretend, richtet die kniende Hungaria auf, hinter der auf einem Schilde LUDOVICUS]REXUNGAR unten RESTITUTORIVNGARLEOBBVDAM RECEPTAM MDCLXXXVI GH(Georg Hautſch)— Randſchrift DURCH LEOPOLD WIRD AUFGERICHT WAS LUDWIGS UNFALL LANGST VERNICHT. König Ludwig fiel 1526 bei Mohacz. Ofen eroberte Karl von Lothringen am 2. Sept. 1786. Große Medaille faſt 6 Loth ſchwer 62 M. groß: 482. 483. 484. 485. 486. 5 LEOPOLDVS. D. G. ROMAN. IMPERAT.SEMP.AVGVS. Bruſtbild mit Lorb. in römiſcher Tracht, unten B. M.— C0 NSIILIO ET INDVSTRIA. Doppeladler mit zwei Schwertern, links der türkiſche Halbmond, reckts Lilie(Frankreich). Unten PELLO DVOs: Joſeph l gb. 1678, König von Ungarn 9. Dec. 1687, römiſcher König 1690, Kaiſer 1705 bis 1711, Krönungsm. 1690 ſehr ſchön 34 M: 108EPH.I D-G. ROMETIIVNG-REX!. Bruſtbild mit Lorb., unten G. H.(Georg Hautſch in Nürnberg)— Die Inſignien in offener Halle, unten CORONREX ROM] D-26-IANA.1690. AVG'VIND— Randſchrift AMORE ET TIMORE: Der römiſche König war der deſignirte Nachfolger des Kaiſers. Zu leſen iſt coronatus. die Januarii, Augustae Vindelicorum d. h. in Augsburg. Nürnberger Medaille von Hautſch und Lauffer auf dieſelbe Krönung 2 ½ Loth ſchwer 45 M. ſehr ſchön: VIDETEREGEMINDIADEMATE.IN DIELTTITILECORDISSVICANT. 5. Gekröntes Bruſt⸗ bild von vorn im Ornat, unten G. H.— DABO TIBI, VT NVLLVS FVERIT SIMILIS TVI. 2. PARAL.I. Joſeph betend, Strahlen von oben. Unten I0SEPH. I. D. G. ELECT.ET CORONREXROMAN“] AVG. VIND. MDCXC LGL.— Randſchrift DEVS PATRIS TVI ERIT ADIVTOR TVVS.ET BENEDICET TIBI. GEN. XLIX. Z35. Gleich große Hermahlungamedaile 1699 von Philipp Heinrich Müller, Prachtexemplar: NII. VIGET QVICOVAM SIMIILE AVT SECVNDVM:(Horaz Od. I, 12, 18) Zwei Bruſt⸗ bilder ſich gegenüber, darunter 0SEPHVS ETJW ILHELMIXAMALIA] D. G. ROM.REX ET! REGINA“]P. H. M DvPLICEM CYTHEREA CORONAM DONAT.(Valerius Flaccus VIII, 251). Amor bringt der Venus zwei Kronen, unten MDCXCVIIII P. HM.— Nandſchrift NON DEFICIET EX TE VIR OQVI SEDEAT SVPER THRONVM ISRAEL. 11. PAR 6.- In der Randſchrift iſt irrig 11(elf) geſetzt ſtatt II, denn die Stelle iſt im zweiten Buch der Chronik Cap. 6 V. 16. Die zwei Kronen erklären ſich aus Nr. 482. Wilhelmine Amalie, Tochter des Herzogs Johann Friedrich von Hannover, war gb. 21. April 1673, wurde vermählt 24. Febr. 1699 u. ſt. 15. April 1742. Nürnberger Medaille von Hautſch auf die Geburt des Prinzen Leopold 1700 ſehr ſchön 43 M: FOE(O u. E verbunden) CVNDITATE AVGVSTͦ Die Königin mit dem Kinde im Bett, unten IMPERII SECVRITAS AVSTRLEGLORIA, TEMPORVM FE-LICITAS PROPA-GATA.— IN PROL.EM TRANSCVRRAT GLORIA PATRVM. Ein Engel hält das Kind, an der Wiege kniend, rechts G H, unten LEOPOLDO M.(magno) IMP. NEPOSTLOSEPHO RREG. (Romanorum regi) FILIVS-I NATVS 29.00T0OB. 1700.— Randſchrift DI PATRII! SERVATE DOMVM, SERVATE NEPOTEM, PATRIOSOVE PENATES Virgil Aen. II, 702) Der Prinz, der außer Leopold noch acht Namen hatte, ſtarb ſchon am 4. Aug. 1701. Prachtvolle Medaille 43 M. von Müller auf die Einnahme Landau's 1702: 108EPHVS D.G ROM. ET HVNG.REX. Bruſtbild von vorn, am Arm PHM— ARMORVM PRIMITIAE Beſchießung der Feſtung, unten LANDAVIARECEPTA]D10.SEP. 487. 488. 489. 490. 491. 6 1702.— Randſchrift LEOPOLDEI NVNC TE PROLE TVA IVVENEM GERMANIA SENTIT. BELLAOVE PRO MAGNO CTSARE CSAR AGIT. Landau, im Beginn des Kriegs von Joſeph erobert, ging ſchon 1703 wieder verloren, wurde 1704 abermals von den deutſchen Reichstruppen und 1713 abermals von den Franzoſen genommen, die es bis 1815 behielten. Zinnmedaille 43 M. von demſelben auf den Regierungsantritt 1705: I0SEPHVSD'G- ROMIMPERATOR S'-A: Bruſtbild, unten P. H. M.— P0NDERA COE (O u. E verb.) LESTI MENTER PATERNA FERET Herkules die Weltkugel in der Rechten, unten SERVATOR ORBIS. GENES.XLI. V. 46. MDCCV.— Nandſchrift PERPETVA SOLVET FORMIDINE TERRAS.VIRG.(nämlich Ecl. IV. 14). Zinnm. 43 M. von demſelben auf Joſephs I Tod am 17. April 1711: 103EPHVS D'G: ROMIMPERATOR: Bruſtbild im Harniſch mit Zackenkrone, unten P. H. M.— A FOVEA AD GLORIAM. Serkophag, darüber ein Engel mit Band, worauf CAESAREM VEIHO. Unten MORS ET AETERNITAS IOSEPHI: Die M. iſt eine Nachahmung römiſcher Conſecrationsmünzen. Die abſonderliche Krone erinnert an Auguſtus(ſ. Nr. 4), der Revers an die antike Vorſtellung, daß Jupiters Adler die Seele des verſtorbenen Kaiſers vom Scheiterhaufen zum Himmel entführte. Kupferm. 59 M. groß, 5 ¾ Loth ſchwer, zu Ehren der Witwe Joſephs I, Wilhelmine Amalie: AMALIA-WILHELMINAD. GRIMP.H& BREG-NATADUXBRUNS&LUN 1081VID (Romanorum imperatrix Hungariae et Bohemiae regina, Josephi primi vidua) Bruſtbild mit Witwenſchleier, unten DE GENNARO— RECTE ET(CONSTANTER Mit Lorbeer umwundene Säule, worauf Kaiſerkrone, am Meer. 5 Die beiden Namen der Kaiſerin ſtehen in unrichtiger Folge, wie Nr. 484 beweiſt. Karl VI Kaiſer 1711 bis 1740, Medaille auf die Abfahrt nach Portugal 1703, 3, Loth ſchwer, 48 M. groß PARCERESVBIECTIS-ET DEBELLARESVPERBOS(Virgil Aen VI, 853) Adler mit Olzweig und Schwert leert ein Füllhorn über einer Kugel, worauf HISP. und LVSIIT. ſteht; Schiffe im Meer; unten CIoloColII— FELICIADVENTVIICAROLIAI- IHISPANIARVM-REGIS QVVM PROFECTIONEM MARITIMAM EBATAVIAE-ORIS-DEO-AVSPICE ET. VENTIS.SECVNDISSVSCIPERET. IN LVSITANIAM-VT-DEBITVN-SIBI SOLIVMHIISPANIAEFOEDERATORVM ARMIS-AC CONSiLIIS.ADIVTVS VIRTVTEDVCE ACVICTRICE bATVSTITIA VINDICARET ATOVEPROFLIGATO-HOSTE BONISAVIBVS]CONSCENDERET Karl, am 12. Sept. 1703 durch Kaiſer Leopold zum König von Spanien ernannt(als Karl III), begab ſich zuerſt nach Portugal und eroberte dann mit engliſcher Hülfe Barcelona und Valencia. Med. von P. H. Müller auf die Einnahme Barcelona's 1705, Prachtexemplar 43 M: CAROLVSIIID-GREX HISPANARCII. AVST. Bruſtbild geharniſcht, am Arm P. H. M.— EXPECTATO VINDICI LTTA SE SVBIICIT. Barcelona(perſonificirt) zu Fußen des vom Sieg bekränzten Karl, Stadtanſicht, worüber ein Engel mit Füllhorn, unten BARCELONA] 492. 493. 494. 495. 496. 7. D. 14.0 CT. 1705.— Randſchrift RES POSCIT OPEM ET(CONSPIRAT AMICE. Gleich graße Med. von demſelben auf die Entſetzung Barcelona's 1706, Prachtexemplar: Av. ebenſo— Rev. VNIVS LIBERATIO ALTERIVS OPPRESSIO. Verfinſterte Sonne, Stadtanſicht, davor Brücke, worauf BARCELI.ON. Schiffe und fliehende Feinde, unten FVGAGALL. ETECLIPS-] EOD. DIE 12. MAI“] 1706.(Gallorum, eclipsis)— Randſchrift O NIMIVM DILECTE DEO, TIBI MILITAT ÆTHEh. Philipp V belagerte 1706 Barcelona, die engliſche Flotte aber und ein engliſches Heer, das von Portugal aus nach Madrid zog, nöthigte ihn die Belagerung aufzuheben. Zinnmed. von Chriſtian Wermuth auf die Kaiſerwahl 1711, über 4 Loth ſchwer 51 M. groß: CAROLOVTROMTMP.S: A'GHISP-HVNG:BO:REXAA Brnſtbild geharniſcht mit Lorb., am Arm Wermuth— Sl0 TANDEM PLVS VLTRA(Chronogramm) Zwei Säulen am Meer, auf der einen der Reichsadler, auf der anderen ein Caſtell(Caſtilien); dazwiſchen hängen an einem herumgeſchlungenen Band zwei kleine Portraits mit den Umſchriften CAROIL-VRO-IM HIS RPX und CAROLVI ROIM. HIS'REX! unten ELECTVYSFRANCOFVRTIAD MOENVM XII: 00T-C-WERMUTHC. P. CS(ſ. Nr. 465). In dem O von Bohemiae iſt wunderlicher Weiſe ein H hineingeſetzt. Die Säulen ſind eine Nach⸗ ahmung der Herkulesſäulen, die auf ſpaniſchen Münzen ſo häufig erſcheinen mit dem Spruch plus ultra. Krönungsjeton 25 M. 1711: CONSTANTIA ET FORTITUDINE Erde in Wolken— Unter Kaiſerkrone CAROLUS. HISPANIARU HUNG: ET BOHEM:REXA.A: ELECTUS IN REGEMROMAN CORONATO]FRANCOF 22DE]1711 Nürnberger Medaille auf die Krönung 1711, ſehr ſchön 43 M: NOMEN OMEN AMPN Karl der Große und Karl VI ſtehend im Ornat, neben ihnen abſonder⸗ liche Wappen, unten ELECT.FEST. MAXIMXIIOCGT:— CAROLOMAGNOSENTORESPLENDENTI.(Chron.) Krönung im Dom, unten MB(verbunden, Martin Brunner) und im Abſchnitt d. BEAT.XXII.DEC. N(Nürnberg)— Randſchrift OVINTVM EST ISTE CORONANS MAXIMVS,ELIGIT IDEM SEXTVM. QVI EST CAESARQVO PRIMVS IS., ILLLE BEATVS Der 12. Oct. iſt der Maximilianstag, der 22. Dec. der Tag der Beata; darauf ſpielen die beiden ſehr unbeholfenen Hexameter der Randſchrift an mit den Ausdrücken maximus und beatus. Der Sinn der Verſe iſt: an dem Tage, wo Karl V gekrönt wurde, iſt Karl VI gewählt; glücklich, wer an demſelben Tage Kaiſer wird wie Karl I. Freilich ſtimmen die Tage nicht ganz überein; denn Karl V wurde am 23. Oct. in Aachen, Karl der Große am erſten Weihnachtstag in Rom gekrönt. Zinnmedaille 44 M. auf die Krönung 1711: CAROL.VI.I. R. S. A R. HISP.IND. HVNG. BOH Bruſtbild mit Lorb., am Arm KO CHT.— NE CORRVAT. Adler hält den berſtenden Erdball zuſammen, unten ELECT.XII 0(CTOB. CONSECR.XXII.DEC. MDCCXI. Ungewöhnlich iſt Imperator Romanorum ſtatt R.I., die Stellung des Wortes Rex, das hinter 497. 498. 499. 500. 501. 502. 8 Boh. ſtehen müßte, der Zuſatz Indiarum und der Ausdruck consecratus für coronatus. Zinnmedaille auf dieſelbe Krönung 48 M. etwas mißrathen: MAGNO SEXTVS TAMENISTESVPERBITNOMINE PRAETERITIS MELIOR: VENIENTIBVSAVCTOR Vier Portraits mit den Umſchriften CAROLVS-I. HIC MAGNVS. ſodann CAROLVS-IV. SAPIENS ferner CAROLVS.V. VICTOR und CAROLVSVI. SVPEREMINET OMNES: Neben Karls VI Portrait ein Kurfürſt, der darüber die Kaiſerkrone hält. Unten CORONATTRANCF] MDCCXI daneben CL.(Laufer?)— OMNIBVS IDEM: Ein Theil des Thierkreiſes, in deſſen Mitte der Sonnengott mit der Wage, darunter Erdhalbkugel, worauf HISP. und GERMAN', unten CAROLVIIMP-NATVS AEOVINOCTIO Karl VI war gb. 1. Oct. 1685. Die Worte Hic magnus sapiens victor supereminet omnes ergeben einen Hexameter, zugleich iſt Hic magnus der Anfang des mit magno sextus fortgeſetzten Diſtichons. Med. von Veſtner 44 M. auf die Huldigung in Nürnberg 1712, Prachtexemplar: CAROLVSVID G-ROMTIMP S-AGERM.HISPIIVNG-&BOIIREX: Bruſibild geharniſcht, am Arm G. W. V.— LAETA NORIS CAROLO FlDEI DEDIT IGNIBVS IGNES.(Chron.) Feuer⸗ werk, unten DIE HOMAGII. XVI IANVARII- V. Der berühmte Nürnberger Medailleur Georg Wilhelm Veſtner, von dem einige 100 Stempel herrühren, ſtarb 1740; er war in Schweinfurt 1677 geboren. Im ſpäteren Alter wurde er von ſeinem Sohn Andreas unterſtützt, der 1754 ſt. Zinnmed. von demſelben auf die Einnahme von Temesvar 1716, 43 M: CAROLVS VIDG: ROMIMP'SEMP-AVG: Kopf mit Lorb., unten V— TRANSSYLVANIA METV AC INSIIIIS LIBERATA.(Chron.) Plan der beſchoſſenen Feſtung, unten rechts V, im Abſchnitt THIEMESWARIO OCCVP:]I D. 12.0CT. 1716. Temesvar fiel in Folge des Siegs bei Peterwardein, den Prinz Eugen am 5. Aug. 1716 erfocht. Gleich große Medaille von demſelben auf die Erwerbung Siciliens 1718: Av. ebenſo— Rev. DATE, QVAE SVNT CAESARIS, CAESARl. QVAE DElI. DEO(Chron.) Juden mit Geld vor Chriſtus, im Hintergrund Burg im Meer. Unten im Lorbeerkranz, woran das ſiciliſche Wappen, INDE] SICILIA LEGI]TIMO REGISVO RESTITVTA(Chron.) Durch Allianz mit Frankreich und England bekam der Kaiſer am 2 Aug. 1718 Sicilien ſtatt der Inſel Sardinien; doch ſchon 1734 wurde es von Spanien wieder erobert und 1735 im Wiener Frieden demſelben zuerkannt.. Gleich große Medaille auf den Wafefenſtillſtand 1735, Prachtexemplar: CAROLVSVID-G: ROMüIMP'SEMP-AVG“: Bruſtbild mit Lorbeerkranz— SPE RENA SCITUR PACIS: Abgebrochener Baum, deſſen neuer Schößling von einer Nymphe begoſſen wird. Unten INDUC-PUBLIC-MENS] NOU 1735(induc ae publicae allgemeiner W.) Karl VII, Wahljeton 1742 wie neu 27 M: CARVII-RIMPSAEL.-FRANCOF-D 24·M IAN:1742 Bruſtbild geharniſcht mit Lorb.— 503. 504. 506. 508. 509. 510. 9 VNIONE ET OBSERVANTIA LEGUM Bundeslade mit offenem Buch, deſſen Anſſchrift DE CA[EO GVS Desgl. ganz ebenſo 22 M. wie neu. Medaille von Andreas Veſtner in Nürnberg auf die Kaiſerwahl 1742, ſchön, 44 M: CAROLVS VIID. GROM IMP. SEMP-AVG Bruſtbild im Harniſch, unten VESTNER.F.— CÆSAREVM ACCEDIT REGIS DIHADEMA CORONEÆ Schild mit CARO] LVS] VII unter Kaiſerkrone, gehalten vom Doppeladler mit Scepter und vom Pfälzer Löwen mit Schwert und Reichsapfel, oben ſtrahlendes Auge. Im Abſchnitt ELECTVS ROMTMP XXIVIANMDCCXLII Die größeren Anfangsbuchſtaben CAR ſollen den Namen ergeben. Karl war kurz vorher, am 19. Dec. 1741, in Prag zum König von Böhmen ausgerufen, darauf bezieht ſich der Hexameter. Gleich große Kupferm. von demſelben auf dieſelbe Wahl 1742, ſehr ſchön: Av. von dem vorigen Stempel Rev. PROVIDENTIA NUMINIS: Büſte des Kaiſers auf Poſtament, woran der Reichsadler; über ihm Kaiſerkrone von einem Arm aus Wolken gehalten; links Wappen mit Königskrone(Oſtr., Böhmen, Mähren, Schleſien, Ober⸗ u. Niederlauſitz), rechts das kurbairiſche Wappen, darüber ein Engel mit Olzweig und Poſaune, woran die Worte VIVAT CAROI. VII Im Hintergrund Anſicht von Prag. Unten ELECTVS ROM'IMP.XXIV. IAN. MDCCXLII: Krönungsjeton 1742 wie neu 23 M: CAROL:VIID-G-ROM:IMP:S A. C(coronatus) 12 F. 1742 Bruſtbild geharniſcht mit Lorb.— 00 NCORDANT Strahlendes Dreieck und die Zeichen für Sonne, Mond, Mars, Mercur, Jupiter, Venus, Saturn(auf die ſieben Kurfürſten zu beziehen) über dem Tiſch mit den Inſignien. Unten TE:(Joh. Enke, der 1741 Münzmeiſter in Hanau wurde). Zinnmedaille von A. Veſtner zur Krönung 1742, 26 M: CAROLVS VII. D. G: ROMIMP. SEMP.AVG: Bruſtbild mit Lorb. Unten V— COELO DEMITTITVR ALTO CORONA& C0ORONATVS Altar, darüber von oben kommende Krone, unten D. 12. FEBR“1742 Franz I Kaiſer 1745 bis 1765(ſ. Nr. 105), Zinnmed. 43 M. v. Peter Paul Werner(gb. in Nürnberg 1689 ſt. daſelbſt 1771) auf die Vermählung 1736: TERESIA ET FRANCISCUS. Beider Köpfe nach links, darunter P. P. Werner und im Abſchnitt SPONSI— CONNUBIUM ILILUSTRAT FATUM. Zwei flammende Herzen auf einem Altar, vor dem zwei Sphinxe(räthſelhafte Zukunft andeutend), unten A. CHI. MDCCXXXVI Kupferm. faſt 44 M. auf die Kaiſerkrönung 1745, Prachtexemplar noch ganz wie neu: FRANCISCVS PD G-ROM.IMP. SEMP. AVG: Bruſtbild mit Lorb. Unten VESTNER.— PROVIDENTIA NVMINIS GERMANIAE FAVENTIS Hand von oben mit einem Band, worauf DELIGIT OQVEM DIILIGIT Der Kaiſer ſitzend, vor ihm Tiſch, woran F, mit den Inſignien. Unten CORONATFRANCOF!] D. 4 00T. 1745 Med. 29 M. auf den Beſuch der Bergwerke in Ungarn 1751 ſchön: FRANC.IMP. AUG-M-THERES-HUNG-REX Beider Köpfe, Franz mit Kaiſerkrone, M. Th. mit 2 511. 512. 514. 515. 516. 10 der ungariſchen Krone, ſich gegenüber— ADVENTUS AUGUSTI Empfang des reitenden Kaiſers, unten IN FOD-HUNG-INFERMDCCI(in fodinis Hungariae inferioris) Links D(Matthias Donner Hofmedailleur in Wien). Maria Thereſia 1740 bis 1780, Kupferm. auf die Krönung in Presburg Posonium) 1741 gleich groß und gleich ſchön wie Nr. 509(dabei gedruckte Erklärung von A. Veſtner): MARIA THERESIA HVNG-BOHREG ARCHID-AVST Bruſtbild, unten V— NEC PRISCIS REGIBVS IMPAR: Die Königin auf dem Krönungshügel, hinten Presburg. Im Abſchnitt CORONATA]POSONXXV IVN- CIOIOCCXXXXI: Das ungariſche Herkommen verlangt, daß der neue König auf dem Krönungshügel zu Pferd nach jeder der vier Himmelsgegenden hin einen Schwertſtreich führt. Holländiſche Spottmedaille von Meſſing 42 M. v. J. 1742: EEDE EN VERBONDE GEBROOKEN EN T VUUR ALOMME AANGESTOOKEN(Eide und Verträge gebrochen u. das Feuer ringsum angeſteckt) Vier Männer in komiſcher Tracht faſſen an einer Karte, worauf zu leſen SAX, SILES, BAV, BOHEME, O08TENE, BVR— DE PRAGMATIOUE SANCTIE BEIL0OOPFT EN NOU VANMVN ERVELANDE BEROOFT (nun meiner Erblande beraubt) M. Th. hält nur ſchwach ein Kind. Unten 1742 Gleich große Spottmed. v. Meſſing auf die Krönung in Prag 1743: MAR-THERESA.REG. UNG& BOH-CORON. M. Th. ſitzend, Fama und Juſtitia halten über ihr eine Krone, rechts unten monſtröſer Kopf. Im Abſchnitt PRAGUE: H2:MA T. 1743— OMNIAVINCIT VIRTUS Thurm über Kugeln, daneben Topf mit Blume, Haarzopf und ſchiefe Wage. Kupfermedaille faſt 54 M. v. J. 1745, Prachtexemplar: 1 MAR:THERESIAD:G: REG:HUNG:BOH: Bruſtbild nach links mit Meduſenhaupt vor der Bruſt— ET MENTE ET ARMIS. Minerva ſitzend, den Fuß auf der Erde. Links 1745. rechts ID-F: Die Medaille iſt jedenfalls keine deutſche. Der großartige Stil und die feine geſchmackvolle Aus⸗ führung weiſen auf Jean Daſſier hin, der 1676 in Genf geboren wurde u. 1763 ſt. F hieße dann fecit. Joſeph II Kaiſer 1765 bis 1790, Medaille 44 M. auf⸗die Krönung zum römiſchen König 1764 wie neu: 108EPHVSDGROMüREX S-A-P-RREGN-HVNG=ET BOH-ADAVSTR(princeps regius regnorum) Bruſtbild geharniſcht, am Arm K(Körnlein in Regensburg?)— GLORIA NOVI SECVLI. unter einfachem Adler ſitzende weibliche Geſtalt mit Mauerkrone, Grabſcheit und Füllhorn. Unten EL. 27. MAR-COR:S-APR FRANCE H764. Deutſche Staaten. Anhalt⸗Köthen bbeſtand 1603 bis 1847) Giſela Agnes Regentin 1704 bis 1715, Zinnmedaille 43 M. von Chriſtian Wermuth in Gotha:. GISELA-AGNESD:GVID.PRANH(N u. H verb.) N.COM-NENB“TVTREG: Bruſtbild, 519. 520. 521. 11 daran C-W- Unten VIRTVS-ADMIXTADECORI- ELEONORAWILH-ETCHRISTIANA CHARI. Zwei Bruſtbilder neben einander, darunter C. W. Unten VTRAOTPVLCHER EXCITAT ORE FACES- Zu leſen iſt vidua princeps Anhaltina nata comes Nienburgica tutrix regens. Die beiden Prinzeſſinnen ſind ohne Zweifel ihre Töchter; wunderlich iſt dabei pulcher ſtatt pulchra. Die Entſtehungszeit der Med. läßt ſich von einer anderen entnehmen, welche bei gleichem Avers auf dem Rev. das Lahr 1709 hat. Giſela Agnes gb. 29. Oct. 1670, Tochter Balthaſar Wilhelms von Rathen, wurde am 22. Mai 1692 mit dem Fürſten Emanuel Lebrecht(gb. 1671 † 30. Mai 1704) vermählt, 1694 zur Reichsgräfin von Nienburg erhoben, nach dem Tode ihres Gemahls Landes⸗ regentin bis zur Volljährigkeit ihres älteſten Sohnes Leopold(gb. 1694 † 1728), ſtarb 12. März 1740. Sie wird als kluge und wohlthätige Fürſtin gerühmt. Gleich große Zinnm. von demſelben. Der Revers iſt von dem nämlichen Stempel(Eleonora ac.); der Avers enthält nur das große anhaltiſche Wappen. Anhalt⸗Zerbſt(beſtand 1603 bis 1793) Karl Wilhelm 1667 bis 1718 Zinnmedaille 42 M. von Chr. Wermuth in Gotha auf die Einweihung der Dreifaltigkeitskirche 1696: Sie iſt ſeſt gegründet auf den heiligen Bergen Ps. 87.1 Die Arche auf dem Berge Ararat, daneben fliegende Taube. Im Abſchnitt von Carl Wilhelmen dem From v. Grosmüthigen Fürſten zu Anhalt, in Zerbſt,— Mit Gott wollen wier Thaten thun⸗Pſalm—X und CViii 14. Die Kirche von vorn. Im Abſchnitt Zu Ehren der H. Dreyfaltigkeit, den 4.10 N. 1683 gegründet.v.d. 16. OCT. 1696. eingeweiht. C. W. Zinnmed. 31 M. von demſelben auf daſſelbe Ereigniß: IN DEO FACIEMVS VIRTVTEM-PSALMOTLXÄ“CVIII. 4. Die Kirche von vorn. Im Abſchnitt FVNDAMENTAEIVSIN] MONTIBD.SANCTIS PS-LXXXVII-]V.1:·— TEMPLVM] IN HONOREM] S'S-TRINITATIS A]CAROLO WILHELMO PRINCIPE ANHALTINO PIO ET MAGNANIMO] SERVESTAEIFVNDATVM PRID-NONIVN-' M'DCLXXXIII. 00 NSECRATVM]XVIIKALNOV. M-DCIVC!] C-W.— Randſchrift SIT TIBI SANCTA TRIAS TEMPLVM HOC MANEATOQVE SACRATVM! Zinnmed. 51 M. von demſelben zum Reformationsjubiläum 1717: CAROL-GVILD:G-PR-ANHÄ’DS-A& WC-A'D'S'BT&KR!(Dominus Servestae Bernburgi Jeverae et Kniphusii, ſ. außerdem Nr. 110) Bruſtbild geharniſcht, am Arm C. WERMUTHF C-PR“A:(cum privilegio augusto)— INSIGNIA DICTASVNT DETE CIVITASDEI.(Chron.) Ps. 87.5. Die Gottesſtadt von oben geſehen. Im Abſchnitt DEVSINEANONMOVE-] BlITVR!(Chron.) Ps. 46.6.— Nandſchrift (abermals Chronogramm) C0NCORS SECVLVM ECCLESIAE LVTHERANAE LAETANTIS D. 51·00T: Baiern u. Pfalz Max Emanuel Kurfürſt von Baiern 1679 bis 1726, Med. 34 M. von Hautſch in Nürnberg auf den Regierungsantritt in den ſpaniſchen Niederlanden 1692: MAX-EMA-D-G ELBAV- BELG-HISP. GVB. GEN'&PERP! Bruſtbild, darunter G. H.— BELGIVM RESVRGENS-]A: 1692. Perſeus mit bairiſchem Schild befreit die dem Seethier aus⸗ 2* 522. 523. 524. 525. 12 geſetzte Andromeda— Randſchrift DOMINVS DISSIPAT CONSILIA GENTIVM-PS. 35. v. 10. Der Titel heißt elector Bavariae, Belgii Hispanici gubernator generalis et perpetuus. Max. Em. wurde 1691 vom König Karl II von Spanien zum Statthalter in den Niederlanden eingeſetzt, weil ſeine Gemahlin Maria Antonia, eine Tochter des Kaiſers Leopold, präſumtive Erbin war. Philipp V trat ihm am 2. Jan. 1712 die Provinz förmlich ab, Max Em. ließ ſich auch in Namür huldigen, verzichtete aber 1715 zu Gunſten des Kaiſers Karl VI. Pfalz⸗Zweibrücken(1459 entſtanden, 1799 mit Pfalz⸗Batern vereinigt), Karl Guſtav Pfalz⸗ graf zu Kleeburg gb. 8. Nov. 1622, ſucced. in Kleeburg 1652, in Schweden 1654 als Sohn von Guſtav Adolfs Schweſter Katharina und ſt. 23. Febr. 1660, ovales Schauſtück 44 Mill. lang, 1½ Loth ſchwer, oben und unten gehenkelt mit Ring, vergoldet mit Ausnahme des Bruſtbildes, das aufgenietet iſt, ſehr ſchön und merkwürdig: CAROLUS:GUSTAVCSD:G:PALATRHE Sehr erhabenes geharniſchtes Bruſtbild— IX Jehova(hebräiſch) SORS-MEA IPSE FACIET Schiff im Meer mit Trophäe ſtatt des Maſtes. Vor Palatinus Rheni fehlt comes. Die Worte des Rev. ſind der Wahlſpruch, der auch auf ſchwediſchen Münzen ſteht Die Kleeburger Linie, geſtiftet 1604 durch Johann Caſimir, den Vater des Karl Guſtav, ſtarb 1731 aus mit des letzteren Neffen Guſtav Samuel. Brandenburg(Preußen) Friedrich III 1688 bis 1713, Prachtmedaille 45 M. auf die Krönung in Königsberg 1701: 2 3 NEC VIRTVTI GLORIA DEEST Pallas hält das Bild des Königs, das die Boruſſia krönt. Im Abſchnitt FRIDERIGIII.D. G. EL. BRAND SVPRBORVSSLEPRININ REGEM INAVGVRAT)]D. 18 IAN. 1701.(supremus princeps)— RESTITVIT NOMENOVE DECVSOVE Sitzende Boruſſia und Engel mit Poſaune, darunter BORVSSIA FELIX: und im Abſchnitt OB ANTIQVISS(antiquissimum) VENEDO=RVM REGNVM RE=STAVRATVM— Randſchrift CONVENIENS, VT SCEPTRA TENENS GERAT IPSE CORONAM Die Worte Borussia felix gehören in den mit Restituit beginnenden Hexameter. Die Rand⸗ ſchrift deutet auf das Scepter im Wappen, das Zeichen der Kur⸗ und Erzkämmererwürde. Medaille 34 M. von Georg Hautſch auf dieſelbe Krönung, Prachtexemplar: FRIDERICVS D. G-PRIMVS BORVSSI REX: Bruſtbild geharniſcht, am Arm G Hl.— Umſchrift wie die vorige Randſchrift OONVENIENS ac. Der Kurfürſt empfängt von Boruſſia die Krone. Im Abſchnitt GLORIA NOVI SAECVLI-] 18.IAN. 1704.— Randſchrift AGGREDERE O MAGNOS, ADERIT IAM TEMPVS, HONORES. Zinnmedaille 61 M. von Chr. Wermuth in Gotha auf die Vermählung 1708: FRIDERICVS I'DG-REX BORVSS. Bruſtbild geharniſcht mit Lorbeerkranz, unten C-WERMUTH — ANNVLO-THORVSVINCVLO-AMORPACTIS-PROVINCIAE: Mecklenburg perſoniſicirt (am Schild kenntlich) reicht dem König den Ring. Im Abſchnitt(als Fortſetzung der Umſchrift) FELICISSIMO-REGIS-BORVSS-CVM PRINGCIPESCHWERINENSIIMATRIMONIO: FIRMANTVR MDCCVIII- 7 Vor der Vermählung war feſtgeſetzt, daß das Wappen und die Titel v. Mecklenburg in das 526. 527. 528. 13 Wappen und den großen Titel des Königs von Preußen aufgenommen werden ſollten. Sophie Louiſe, Schweſter des Herzogs Friedrich Wilhelm v. M. Schwerin, war Friedrichs dritte Gemahlin. Mutter des Nachfolgers war die zweite, Sophie Charlotte † 1705. Begräbnißm. 1713 wie neu 23 Mill.(von einem Ducatenſtempel?): FRID-D-G-REX BORVSS-ELBR Bruſtbild mit Lorbeerkranz, unten 1— A REGIA AD COELESTEMD Krone auf Altar, woran Adler, oben Kranz von Sternen. Im Abſchnitt 0BIIT. 25. FEBRvSEPVLTZ2-MAI 1713 CS: Zinnmedaille 43 M. auf die Vermählung des Markgrafen Philipp Wilhelm 1699: PACIFICVM FERT CONIVGIVM PRAENVNCIAPACIS. Altar, woran das brandenburger und das anhaltiſche Wappen, darauf ein flammendes Herz mit dem Monogramm pwC; fliegende Taube mit Olzweig. Unten 2 IANVAR— Unter dem Bild des Waſſermanns FELICISSIMO 0MINE(N u. E verb.) PH3ppwHEgdA MARCIHIO BRANDENBVRG-CVM] 30H9AuuACHAugOCCA NATAPRINC-ANHALTDESSAV-I NVPTIAS CONTRAHIT NOCTE SOLENNEM PACIS CVM TVRCA] SVBSCRIPTIONEMPRAECEDENTE(T u. E verb.)! ET SOLE! AQVARIVM] PERCVRRENTE]MENSE IANVARIO] M DCIC C-WERMUTH'F.(Was hier gothiſch, iſt auf der M. lateiniſche Curſivſchrift). Am 26. Jan. 1699 wurde mit der Türkei Friede auf 25 Jahre geſchloſſen. Das Datum iſt nach altem und neuem Stil; erſt 1700 wurde der gregorianiſche Kalender in ganz Deutſchland eingeführt. Philipp Wilhelm(† 1711) war ein Bruder des Kurfürſten Friedrich III; die mit ihm 1688 beginnende Linie zu Schwedt ſtarb 1788 aus. 7 Zinnmedaille von Wermuth 43 M. auf den Prinzen Friedrich Ludwig 1708: SOPHDOROTH-REG'PR BORVSS-NAT-PR EL-BR-LVN(regia princeps Borussiae, nata princeps electoralis) Bruſtbild, unten W.— SPO0NSVS NOSTER FLORET Himmelbett, worin die Mutter mit dem Kind, daneben C. und W, im Abſchnitt OB PRINCIPEM AVRIACVM FRID. LVDOV. D.XXIII. NOV.FELICI SIDEREIN ARCE BEROLINENSI NATVM D.IVDEC. A- MDCCVITRENATVM] ET D-XVIIIIAN-A-MDCCVIII- INIPSOINAVGVRA TIONISFESTO] SOLENNI RITV] CONSECRATVM Sophie Dorothee, T. Georgs I(ſ. Nr. 185) gb. 1687 † 1757, wurde am 28. Nov. 1706 mit dem nachherigen König Friedrich Wilhelm I vermählt. Preußen beanſpruchte nach dem Tode Wilhelms III von England die oraniſche Erbſchaft, bekam aber 1707 nur die Grafſchaft Mörs und Lingen. So erklärt ſich, warum der erſtgeborne Sohn des Kronprinzen den Titel Prinz von Oranien erhielt. Renatum iſt von der Taufe zu verſtehen, consecratum von der Verleihung des ſchwarzen Adler⸗Ordens. Am 18. Januar(ſ. Nr. 523) iſt das große Krönungs und Ordensfeſt. Der Prinz ſt. 13. Mai 1708. Als am 16. Aug. 1710 wieder ein Prinz, Friedrich Wilhelm, geboren wurde, erhielt dieſer den Titel Prinz v. Preußen u. Oranien; derſelbe ſt. ſchon am 31. Juli 1711, und nun erhielt der am 24. Jan. 1712 geborene Friedrich, der ſpätere König, den Titel, der jedoch nur bis 1713 beſtehen blieb, wo durch den Utrechter Frieden die oraniſche Frage erledigt wurde. 529. 530. 531. 532. 533. 14 Zinnmedaille von Wermuth 43 M. auf die Taufe der Prinzeſſin Friederike Sophie Wilhelmine 1709, deren Pathen die drei Könige Friedrich I von Preußen, Friedrich IV von Dänemark(1699 bis 1730) und Friedrich Auguſt von Polen(ſ. Nr. 292): FELICITAS NOSTRI SAECVLI Drei Köpfe mit Lorb. im Dreieck, an deſſen Seiten FRIDERICVS REX BORVSSFRIDERICVS AVG.REXPOI u. FRIDERICVS REXDANEATN(Norwegiae) — IN MEMORIAMCONVENTVSI CThau Eeum fuspEnZCOuu T BAPTISMATISIN QVO] PRO fu3EnZCA SOpgA WrHELKMHZUA PRHAER REG-BORVSSI FILIA PRIMOGENITA C.Ek DABAuT BEROLINII XIIIVL- MDCCIX“I C. W.(principis haereditarii, von dem Gothiſchen gilt daſſelbe wie Nr. 527). Die Prinzeſſin, Tochter Friedrich Wilhelms I, wurde 1731 mit Friedrich von Baireuth(ſ. Nr. 131) vermählt und ſtarb 1758. Durch die Lorbeerkränze ſind die drei Verbündeten im voraus als Sieger über Karl XII von Schweden bezeichnet. Die geſchmackloſe Medaille hat das Eigenthümliche, daß der eine Kopf ſo ausſieht wie der andere. König Friedrich II 1740 bis 1786, ſehr ſchöne Bronzemedaille 54 M. von Daſſier(ſ. Nr. 514) 1740: FREDERICUSä- BORUSSORREX. Bruſtbild geharniſcht von vorn, links D.— REX NATURA. Über einer Landſchaft fliegender Adler. Im Abſchnitt M'DCC. XL.: Friedensmedaille 1745 faſt 44 M. groß wie neu(mit gedruckter Anzeige von Andreas Veſtner in Nürnberg): FRIDERICVSD. G-REX BORVSS SILESVTR'DVX SVPhR'(Silesiae utriusque dux supremus, ſouveräner Herzog von Ober⸗ und Niederſchleſien) Bruſtbild im Harniſch, darunter VESTNER.F O NEXOS FAVORE DIVINI NVMINIS QVIS DISSOLVET Friedensgöttin verbrennt Waffen neben einer Säule, woran die von höherer Hand gehaltenen Wappen von Ungarn(mit Oſtr. u. Böhmen), Sachſen, Preußen und Pfalz. Im Abſchnitt A DOMINO FACTVM ESsT ISTvp- PSCXIIX M'DEC745 Braunſchweig Anton Ulrich zu Wolfenbüttel 1685 bis 1714, Geburtstagsmedaille v. Zinn 1711,69 M: ANTONVLRIC DVX BRET LVN. Bruſtbild mit dem däniſchen Elephantenorden, am Arm ANETLXXVIII D 4.0CT1711: unten CC WERMUTH F— ASTRAVELVTRADIISSPLENDET SOL VNICVS INTRA PRINCIPIBDOCTISSOL ITA SOLVS ERIS: Sonne in der Mitte von Sternen, unten Landſchaft(Wolfenbüttel?) Im Abſchnitt ANTONIVSVLRICVS P anagr: SOL.YNICDINTRA]OCW.fC-PRCS(per anagramma, cum privilegio caesareo) Wozu die größeren Anfangsbuchſtaben, iſt nicht recht klar. Das V in Antonivs iſt kleiner, weil es beim Anagramm nicht mit verwendet iſt. Anton Ulrich war ein poetiſcher Geiſt. Er ver⸗ faßte geiſtliche Lieder und zwei Romane„die durchleuchtige Syrerin Aramena“ und„die römiſche Octavia.“ Georg Wilhelm in Hannover 1648, in Celle 1665 bis 1705, Medaille von Ernſt Brabandt o.. ungefähr 2 ¼ Loth ſchwer, faſt 45 M. groß, ſchön: GEORGIUS WILH'DGDBR&L. Bruſtbild, darunter E-B-— 534. 535. 536. 537. 15 OVO FAS& GLORIA DUCUNT(verkehrtes N) Wappen, umgeben vom Hoſenband⸗Orden mit der Deviſe HOXNISOTT-OVI-MALY-PENSE Es gibt ähnliche Thaler mit der Jahreszahl 1691. Georg Ludwig Kurfürſt von Hannover 1698 bis 1727, Zinnmed. 43 M. von Müller in Augsburg (ſ. Nr. 467) auf die Einführung ins Kurfürſtencollegium 1708: GEORG-LVDD-GDVXBRETLVNS-RTELECT. Bruſtbild nach links, am Arm P-Hl.M— INRECTO0 DECVS: Ein Engel mit Poſaune hält eine Tafel mit den Worten AVR“ SVI. C0LVMNA SACRVMEDIFICIVM SVSTENTANS: vor einer Säule, über der ein anderer Engel den Kurfürſtenhut hält. Im Abſchnitt S-DVXBRETLVN'SRTELECTINCOLLEGIVM ELECTIN=] TROD-A-MDCCVIII]ſD. 7SEPT.(supremus, introductus)— Nandſchrift SEMPER HONOS NOMENOVE TVVM LAVDESOVE MANEBVNT(Virgil Aen. I, 609) Die Aufſchrift der Tafel Auri ꝛc. iſt eine Anſpielung auf das Erzſchatzmeiſteramt und zugleich auf die reichen Bergwerke. Hanau Philipp Reinhard 1685 bis 1712, Medaille 51 M. zur Vermählung 1705: PHIILREIN CHAN'et CAR:'GVILH-PRSAXMATRIUNCTASMDCCV-DXXVTrDEC (comes Hanoviae, princeps Saxoniae matrimonio iuncti anno salutis) Zwei Bruſtbilder ſich gegenüber— A FRUGIFERO ODORE RUTET NOSTRA SALUS Ein Schwan hält die mit Kränzen behängten zwei Wappen von Haneu und Sachſen, darunter die Stadt Hanau, im Abſchnitt zwei Palmzweige. Der Schwan iſt die Hanauer Helmzierde, rutae(Raute) Anſpielung auf das ſächſiſche Wappen, worin ein Rautenkranz. Charlotte Wilhelmine, T. von Johann Ernſt von Sachſen⸗Saalfeld (ſ. Nr. 312), war die zweite Gemahlin des Grafen Philipp Reinhard; ſie war gb. 1685 u. ſt. 5. April 1767. Die erſte Gemahlin war Magdalena Claudia, T. des Pfalzgrafen Chriſtian II. von Birkenfeld, vermählt 1689 † 28. Nov. 1704. Heſſen Landgraf Karl zu Kaſſel 1670 bis 1730, Medaille 44 M. von Müller(ſ. Nr. 467) auf den Entſatz von Rheinfels 1693 ſehr ſchön: STRENE GALLIC. Anſicht der Feſtung. Im Abſchnitt RHEINEELS FRUSTRA OB8ESsS LIBERAT.DIE 2.IAN 1 1693— Zwei Säulen, an der einen NON, an der anderen VLTRA, davor ein Band mit HABET ET GERMANIAMETAS, dazwiſchen Flußgott als RHENUS bezeichnet, am Fuß der linken Säule PHM— Randſchrift ARX RHEINFELS HASSORVM VIRTVTE FVGIENTE TALLARDO SERVATVR:(Chron.) F K(Friedrich Kleinert in Nürnberg) Der Marſchall Tallard hatte dem Hof zu Verſailles die Feſtung Rheinfels als Neujahrsgeſchenk verſprochen, darum das ironiſche strenae. Für St. Goar und Rheinfels erhielt Heſſen⸗Kaſſel 1803 Fritzlar und Amöneburg. Medaille faſt 47 M. auf daſſelbe Ereigniß: INSVLTANTEMDEPLVMO: Der galliſche Hahn vom Kater(Katzenelnbogen) gerupft— HOSTIBVSA GALIIS'GERITARXRHEINFELSA-TRIVMPHOsS Rheinfels beſchoſſen. Im 538. 539. 540. 46 Abſchnitt der zugehörige Pentameter HAVD-ANNI'I eaaseVe FAVSTIOR-ESSE-POTEST Das Diſtichon ergibt mit egressus die Jahreszahl 1692, mit ingressus 1693. Zinnmedaille faſt 43 M. von Wermuth auf die Vermählung des Erbprinzen Friedrich(ſ. Nr. 236) mit Louiſe Dorothee(† 1705), Tochter des Kurfürſten Friedrich III von Brandenburg, 1700: FORTES CREANTVR FORTIBVS ET BONIS.(Horaz 0d. IV, 4, 29) Zwei Engel halten zwei brennende Herzen und zwei verbundene Löwenſchilde(Nürnberg und Heſſen), unten CW— MATRIMONIVM HASSIACO-BRANDENBVRGICVM innen fortgeſetzt NEPOTIBVS ANNO PRIMO]POST QViNOVAGESIMVM FELICISSIME RENOVATVR] INEVNTE IVNIO] ANNOCHRISTIIVBILAEO MDCC: um die innere Schrift Blumenkranz, woran ſieben Schilde mit Schrift, nämlich oben unter Einem Fürſtenhut zwei Schilde, worauf ſteht LVDOV.DOROTHESOPHIAMBR und FRIDER LANDGR- HASS:, links zwei Schilde unter einander mit den Angaben FRIDERIII]ELECTOR[BRAND“ und FRIDER WILHELMS. M'(magnus) ELECTOR] BRAND., rechts ebenſo zwei mit den Angaben CAROILS. LANDGR HASS“ und HEDWIG] SOPHIA CONIVX-WILHVILANDG (X u. D verb.) HAS] 1649., unten Schild mit GEORGWIILHELM]EL BRAND Georg Wilhelm war der Urgroßvater der beiden Vermählten, denn die Abſtammung iſt: G. Wilh., Fr. Wilh., Fr. III, L. Dorothee; G. Wilh., Hedwig Sophie, Karl, Friedrich. 51 Jahre früher, 1649, war die Vermählung des Landgrafen Wilhelm VI mit der brand. Prinzeſſin Hedwig Sophie, darum renovatur. Medaille faſt 27 M. von Philipp Heinrich Müller auf die Einnahme von Grävenburg 1704 Prachtexemplar: FRIDERICVS DG HASSILE LANDGR. Bruſtbild, am Arm P. HI. M.— AMAT ARDVA VIRTVS Anſicht der Feſtung, davor Fluß DIE MOSEI. bezeichnet. Im Abſchnitt GREVENBVRG EXIPVGND-IS-DEC]1704— Nandſchrift SVBRVERE EST ARGES ET STANTIA MOENIA(O u. E verb.) VIRTVS. OVID(Trist. III, 11, 23) Auffallend iſt D. G. bei einem noch nicht regierenden Prinzen. Friedrich, der nachherige König von Schweden, gb. 1676, wurde ſchon 1696 vom König Wilhelm III von England zum General⸗ major und von Marlborough 1704 zum Befehlshaber über 28 Reiterſchwadronen und 15 Infanterie⸗ bataillone des alliirten Heeres ernannt. Er war ſehr tapfer, zeichnete ſich vielfach aus, war bei Höchſtädt, Ramillies und Malplaquet, auch in Italien und vor Toulon. Das Schloß Grävenburg mit der darunter liegenden Stadt Trarbach war 1702 von den Franzoſen beſetzt. Der Erbprinz Friedrich belagerte es vom 3. Nov. 1704 an mit etwa 8000 Mann; nach hartnäckigem Widerſtande capitulirte die Beſatzung, deren Commandant de la Barre gefallen war, und zog, 250 Mann ſtark, am 20. Dec. ab. Medaille 49 M. auf das Jubiläum der Univerſität Marburg 1727, ſehr ſchön: CAROLVS.D:G. HASSILE.LANDGR:&C Bruſtbild nach links, unten I.LECLERCG— FDOM’(favente Deo optimo maximo) ACADEM-MARBURGAPHiILIPPO MAGNANIMO PiE CONDITA, WiLHELMO PACIFICO FELiCiTER iNSTAURATA„ 8UB AUSPICIisS CAROLI CLEMENTiS.[ANNO TTATLXXIV. IMPERiII LRECTORE MAGNIFICEN 541. 542. 543. 545. 5 TISSIMO FRIDERICO, EX WiLHELMO. NEPOTE. SECULARIA SACRA SECUNDUM CELEBRATXIXKALSEPTEMBR-] CIO I000 XXVII- gſaak Leclerc, Bruder des bekannteren Gabriel. Karl war gb. 3. Aug. 1654, regierte ſelb⸗ ſtändig von 1677 an, damafs alſo 50 Jahre. Der Rector iſt Karls Enkel, der ſpätere Landgraf Friedrich II, der am 14. Aug. 1720 geboren, alſo am Tag des Feſtes grade 7 Jahre alt war. Medaille 27 M. zu derſelben Feier, vorzügliches Exemplar: CAROLUS D:G. HASS:LANDGR P-H-CGC'D-Z-N&S Bruſtbild— Im Kranz OPTPRINGC OB BONASILITERARTESO CONSERVAT. ET PROMOTAS ACADEM-MARBURG- 14. A0G. f727.(optimo principi, literas, conservatas) Desgleichen 26 M., halb ſo dick, Prachtexemplar: CAROLUS.D. G. HASS-LAND: Kopf, darunter G-L.C:(Gabriel Leclerc)— SECULARIA. SACRA: Haſſia mit dem Löwenſchild opfert an einem Altar, woran A-IMP L (anno imperii quinquagesimo) Im Abſchnitt MDCCXXVII-] 14·AVG: Wilhelm VIII † 1760, Prachtmedaille von Hedlinger 51 M: WILHELMDG-HASSIARPRINCETGVBERN-COMHANOVIE:(gubernator, comes) Bruſtbild, am Arm J. C. f.— RECTUS ET IMMOTUS. Obelisk, woran der Löwenſchild, im Meere. Nach Karls Tod übertrug deſſen Sohn Friedrich, der ſeit 1720 König von Schweden war, ſeinem Bruder Wilhelm die Statthaterſchaft in Heſſen⸗Kaſſel; demfelben fiel 1736 auch Hanau⸗ Münzenberg zu; ſelbſtändiger Landgraf wurde er 1751. Die Medaille gehört alſo in die Zeit von 1736 bis 1751. Ihr Verfertiger iſt der berühmte Münzdirector in Stockholm Johann Karl Hedlinger, der in Schwyz 1691 geboren auch in der Schweiz ſtarb 1771. Ungewöhnlich iſt der Plural Hassiarum; das Wort princeps iſt nicht mit Fürſt, ſondern Prinz zu überſetzen. Med. 39 M. auf die Vermählung des Erbprinzen Friedrich II(der 1760 bis 1785 regierte) 1740: FELICITAS POPULORUM Das Paar reicht ſich die Hand über einem Altar, unten CS- (unbekannter Hanauer Graveur, deſſen Leiſtung ſehr geſchmacklos)— PIU EXOPTATA CONIUNCTIO Die zwei Wappen von England und Heſſen, darunter E-K. (Engelhard Krull Münzmeiſter in Hanau 1737 bis 1741) und im Abſchnitt N MEMOR:FODERIS C0NNUBIA: LIS INTER FRIDERICUM LANDGR:HASS:&MARIAM PRINCIP. MAGN BRIT:CONSUMMAT: CASSEL. D. 28.IUNII. 1740 SUBMISSE OFFERT SENATUS NEO: HANOVIEN: Maria, Tochter Georgs II von England, war gb. 5. März 1723 ſt. 14. Jan. 1772 in Hanau. Die Alt- und Neuſtadt von Hanau hatten getrennte Verwaltung bis 1821. Zinnmedaille 44 M. auf die Geburt des heſſen⸗darmſt. Prinzen Ludwig in Hanau 1719: ERNESTO.LVDOVICOLANDGRHASS:üPRINC-HERSFELD:CAETERA AEVISATOR (Familien⸗Alteſter) Altar mit der Inſchrift HANNOVIAHASSIACO] LVDOVICOSIDERE FAVSTO]IVNGITVRATOPARTT LVDOVICVM NOMINE NONVM SICVTCEDRUS ADLIBANON]SYRAC.(Sirach) XXIV. 17. Um den Altar Cedern, an deren vorderſten das heſſifche und das hanauiſche Wappen; auf dem Altar das ſitzende Kind, von zwei aus den Bäumen 3 546. 547. 18 geſtreckten Armen gehalten; Strahlen von oben— DVMSERENISS:PRINCIPIACDOMINODNO LVDOVICO] LANDGR-HASS-PRHERSFELD. COM:CATTIMELIBDECIAE ZIEGENH: NIDD:SCHAVMB: YSENB:BVDINGAE: PRINCIPIHAEREDITARIO EX SERENISSIMA C0NIVGE I CHARL CHRISTIAMAGDALIOHNATA COMITE HANOVIAEä-D.XV. DEC. MDCCXIXIISERENISSIM PRINCEPSLVDOVICVS NASCEBATVR PIVMIHOC MONVMENTVM] POSITVM]A G WERMVTH:CPC.(ſ. Nr. 465) Umſchrift nur in der unteren Hälfte von rechts nach links OMNIS IN ASCANIO SPES EST ET CVRA PARENTV M. (Virgil Aen. I, 646) Der neugeborene Prinz iſt der ſpätere Landgraf Ludwig IX(1768 bis 1790), ſeine Eltern, 1717 vermählt, Ludwig VIII(1738 bis 1768), Sohn des damals noch regierenden Ernſt Ludwig (ſ. Nr. 251), und Charlotte, die einzige Tochter des letzten Grafen von Hanau Johann Reinhard, nach deſſen Tode 1736 deswegen Henau Lichtenberg an H. Darmſtadt kam. Die Schreibart Hannovia iſt durchaus falſch; es bedurfte keines Doppelconſonanten, um die Sylbe für den Hexameter lang zu machen. Medaille 32 M. auf den Tod der Gemahlin des Landgrafen Philipp zu Butzbach(1596 bis 1643) Anna Margarethe von Diepholz 1629: WER DURCH DES LAMBS BLUTUBERWINDT.DIEKRONDES EWIGEN LEBENS FINDT Zpiſchen Schreckgeſtalten die ſinkende Landgräfin, nach welcher der Tod mit einem Bogen ſchießt; ein Arm aus Wolken hält über ihr eine Krone; von ihrem Munde aus gehen nach oben, wo der ſtrahlende Name IHS(Jeſus), die Worte BEWAHRMICII HERR; von dort herab gehen zu ihr die Worte ICHBINNITFERR(Stempelfehler R am Ende für N)— ANNA] MARGRETHA] DIEE PHOLTIA CA ULTIMUM GE NTIS] DECUS] NASC-A CM'D-LXXXDIEXXII-IULI-NUBIT PIHILIPPO LAND GRAVIOHASSIAE&C- A M'D CXDXXIXTUL] MORITUR BUTZBACHIDäIXAUG] ET HUMATUR IBID KALÄSEPT.] M-D CXXIX: In dem Worte gentis war nach E noch ein Buchſtab hinzugeſetzt, der wieder entfernt, aber doch nicht ganz beſeitigt iſt; das H in Butzbachi iſt eigentlich ein N, das man zu ändern ſuchte; die Puncte ſind viertheilige Roſetten. Dieſe Medaille zeugt zwar von ſchlechtem Geſchmack, iſt aber höchſt ſelten und wichtig. Philipp war ein Bruder des Landgrafen Ludwig V, der Einzige der Butzbacher Linie, die zugleich mit der Homburger entſtand. Lippe Auguſt von der 1709 ausgeſtorbenen Linie zu Brake, heſſen⸗kaſſelſcher Feldmarſchall, Begräbnißmi. von Zinn 1701 von Gabriel Leclerc in Kaſſel, 53 M: AVGVSTVS-COMES ET NOBILIS DOMINVS IN LIPPIACONSILINTIMET CAMPI MARECHALLVS-TEVTORD-EOETPRTFECT.(consiliarius intimus, teutonici ordinis eques) Denkſtein, woran NATVSBRACANNO!]CHRISTI L645. D. 9. SEPT DENATVS- NEVWID-]D. 19.IVNII1701-SEPVLTVS-MARBVRGI D. 17. AVGVSTI.701. daneben Kriegsgeräth, unten ein Todtenkopf, darunter G-L.C über dem Stein Bruſtbild mit Commandoſtab, darüber ein Engel, der ihm einen Lorbeerkranz aufſetzt und ein Band hält, worauf die Worte 548. 549. 551. 19 HO MEPOST.FATA MANEBVNT Links ein Engel mit Band, worauf VIVIT.POST: FVNERAVIRTVS' rechts ein Engel mit Band, worauf MAIOR POSTEXSEOQVIAS— Das gekrönte Kreuz des deutſchen Ordens mit der Umſchrift VICERVNTCRVCEM C0ELESTIA'GAVDIATANDEM. über der Krone PROMISSA FIDELI. Im Feld vier Wappenbilder, neben jedem ein Band mit Aufſchrift, nämlich: 1.) Roſe(Lippe) NVNOCINIS ANTEROSA 2.) Stern(Sternberg) PERASPERAADASTRA: 3.) Schwalbe(Schwalemberg) ALIBI HYEMANDVM: 4.) Roſe FORMAPERIT. VIRTORE MANET Ob marechallvs beabſichtigte Schreibart oder Stempelfehler iſt, läßt ſich nicht entſcheiden wahrſcheinlich letzteres. Sachſen Eleonore Erdmuth, Gemahlin des Kurfürſten Johann Georg IV(ſ. Nr. 290), Tochter Joh. Georgs I von S. Eiſenach, Zinnmedaille 42 M. von Wermuth(ſ. Nr. 466) auf ihren Tod 1696: ELEONORA ERDMVTH LOVYSA ELECTRIX SAXONIAE und zweite Umſchrift NAATADVC: SAXXIV-APRMDCLXIIDENXIV-SEPT-MDCIVC(ducissa Saxoniae, denata) Bruſtbild, an der Schulter C-W.— GRA-DA TIM- Landſchaft, vorn drei Obeliske. Am erſten, der das brandenb. Wappen trägt, ſteht 4. NOV.! NV-I-PTA]10 FRID] MARBR 1681f.(Joh. Fr. v. Ansbach ſt. 1686); am zweiten höheren, worauf das kurſächſiſche Wappen, 17.] APR-]ſCON- IVGA- TA 10. GEORIV.] EL'SAX“l 1692.; am dritten noch höheren mit Krone in Wolken C0-RO- NA- TAA! DEOOMIN] COELIS(optimo maximo) Im Abſchnitt HVMATA FREIBERG-D-XIXNOV.] M'DCIVC: Zinnmedaille 43 M. von Wermuth auf das Jubiläum der Univerſität Wittenberg und die Einſetzung des Kurprinzen Friedrich Auguſt(gb. 1696, Kurf. und König 1733 bis 1763) zum Rector 1702: Dreifache Umſchrift FRIDERICVS AVGVSTVS ELECTORATVS SAXONIAE HERESI RECTOR MAGNIFICENTISSIMVS ACADEMIAE WITTEMBERGENSISXVKALNOV. A-MDCCISECVNDO ACADEMIAE SECVLARI: Im inneren Kreis der ſtehende Prinz mit Kurhut, links Tiſch, woran das kurſächſiſche Wappen, mit den zwei Sceptern(der Univerſität); auf dem Kopf ein Engel, der die Worte poſaunt FELICI AVGENDAE LITTERARVM GLORIAE AVSPICIO— SOLE ORIENTE NOVO SIT VITTEM BERGA PERENNIS: Anſicht der Stadt, links Sonne, unten C-W: CP:C(ſ. Nr. 465) Sachſen⸗Eiſenach(beſtand 1662 bis 1741) Johann Wilhelm bekam 1696 Jena, ſucc. in Eiſenach 1698 ſt. 1729, Zinnmedaille 43 M. von Wermuth zur Reformationsfeier 1717: 1OH-WILH-DVX SAX-I-C-M-AET W.(Juliaci Cliviae Montium Angriae et Westphaliae, ſ. Nr. 272) Bruſtbild geharniſcht, am Arm C-WERMVT.— DERGOTT ZU PREISS UND DANCK] DER KIRCHEN]IUBELFEST. IN SEINER RESIDENTZ] UNDLANDENFEYRENLESST, WILL DASS SEIN HAUS UND LAND SICH NIMMERMEHR VERKEHRE. VON GOTTES WAHREMWORT UND LUTHERS REINER LEHRE MDCCXVII- DS1.0CT.] C. W: Sachſen⸗Gotha(ſtarb 1825 aus) Friedrich 1 1675 bis 1691, Sohn von Ernſt dem Frommen, 3* 552. 553. 554. 5⁵⁵5. regierte für dieſen ſchon von 1674 an, theilte 1680 mit den Brüdern(ſ. Nr. 309), Zinnm. 0. J. 60 M. von Johann Georg Sorberger in Gotha: FRIDERICS D. G. DUX. SAX.I.C. ET. MONT. Bruſtbild, darunter Sorberger— MOX AD ERIT. VENTVS&UNDA: Abfahrendes Schiff. Die Medallle ſcheint ſich auf eine der vielen Reiſen des Herzogs zu beziehen. Deſſen Sohn Friedrich II 1691 bis 1732, vergoldete ſchöne Kupfermedaille 41 M. von Wermuth auf die Rückkehr aus England 1693: 3 TE NON PRAESENTE RIGEMVS. Landſchaft und untergehende Sonne, vorn kahler Baum und Eis— BREVI CERTVM QVO FATA FERANT. Fahrendes Schiff, im Abſchnitt Katherine.] 1695.] C. W.— Randſchrift FRIDERICO-DVCI SAXONIAE EX ANGLMA FELICITER REDEVNTI-ANNO-M-DCXCIIT Nach Anglia ſcheint noch Z² zu ſtehen, das et cetera heißen würde. Zinnmed. 51 M. von Wermuth auf die Annahme des gregorianiſchen Kalenders 1700: FRIDERICVS D-G DVXSAXOMT-CMA-ETW Bruſtbild geharniſcht mit Elephantenorden, am Arm C Wermuth— Dreifache Umſchrift SACRIROMIMP·STATVVMEVANGELICORVM LIBERTASAVCTORITASO-ASSERTA EMENDATOADSOLISCVRSVMCALENDARIO AFIVBILRO&SECVLARIXESEPTIF(decimo septimo) FRIEDERACMDVCISSAXONIR SEPTIMOREGIMINISINEVNTE Sehr erhabener Himmel mit Sternbildern. Friedrich II gb. 1676 ſtand bis 1693 unter Vormundſchaft ſeiner Oheime Bernhard von Meiningen und Heinrich von Römhild; darum iſt 1700 ſein ſiebtes Regierungsjahr genannt. Um die Einführung des gregorianiſchen Kalenders, den die römiſch⸗katholiſche Welt ſchon ſeit 1582 beſaß, bemühten ſich beſonders die ſächſiſchen Herzöge. 1700 nahmen ihn die deutſchen Proteſtanten an, in demſelben Jahr ſchloſſen ſich die Schweiz und die Niederlande an, bald darauf Dänemark, England erſt 1752, Schweden 1753. Der Hauptgrund zu ſo langem Widerſtreben war, weil man von katholiſcher Seite behauptete, die Zeitrechnung ſei eine Angelegenheit der Kirche. Darauf bezieht ſich die Verwahrung libertas auctoritasque asserta. Zinnmed. 32 M. von Wermuth zum Gebuxtstag des Herzogs 1706: FRIDERICDD. G. DVXSAXNLC-M-A-ETW. Bruſtbild, am Arm C-W.— TER DENIS NVNC PERFVNCTDT FELICITER ANNIS] BIS TOT PRAESIDIO PERGAT ADESSE SVISI] PATRIA SIT SALVO[TAM CAROIPRINCIPE SALVA ATQVE DEI TANTO] MVvNERE DIGNA PDIVI unter einem Strich ſodann VOTA PIORVM CIVIVM] VIII. AVGVSTI] PATRIAE PATRIINATALI[NVNCVPATA:] DEVS HAEC 0ONFIRMET.(Chron. die drei letzten Worte) Zinnmedaille 43 M. von Wermuth auf die Aloe im Schloßgarten zu Gotha 1710: MVXDISIC-TRANSITGLORIALENIS- Die Aloe im Kübel, woran CVLTORE G-IRUNTZIG Im Abſchnitt C. WERMUTH.FN.— SPECTATOR MIRARE-MIRANDAM-]AL.OEs- AMERICANAE-FIGVRAM] NVMEROSIS-TRVCTIBVS-ORNATAE RARAMNONMINVS- QVAM-CVRIOSAM- OQVAE:SOLO-EXTERO-ANNOS-XXXIII RIGATA-ACENVTRITTA 558. 21 OMINE-NONVANO“FAXIT.SVMMVS-FAVSTO!I INHORTO-QVI:GOTHAE!VIGET. SERENISS'SAXONIAE-DVCIS-AC-HEROIS- FRIDERICI-TNVMERVMLIBERORVM- HVIVS'SERENISSIM E-DOMVSPROLIFERAE!NONMINVS-ACHVIVS'SAECVLI- ANNORVMPER-DECEM-CAVLES-TEXRADICEEXSVRGENTES-AEMVLATVR AVTIMTTATVR HAEC- RAMISCCETRAMVSCVLIS:HINCPROTRVSISM: FLORIBVS-VIITRAXXX:M:“QVINVNC-APPARENT. MIRIFICE'SVPERBIT. FLORET MENSE-ISEPTEMBET“IOCTOBR. Zinnmed. 43 M. von Wermuth zum Jubiläum des Gymnaſiums in Gotha 1724: fEPn3C9 HᷣEnCZOG Zu SACH SCU:n..A.Ʒ‿έ uechSCA 93 S:g⸗zu⸗AZ(Herzogin zu Sachſen, geborne Fürſtin zu Anhalt⸗Zer bſt) Zwei Bruſtbilder ſich gegenüber, am Arm des Herzogs C. W.— ILL- GYMNASIVM GOTHANVM I INCHOATVMFRIDERICO SAPIENTE! ET 10ANNECONSTANIMPERANTBOPERFECTVM A IOANFRIDERICO]RENOVATVM ET AMPLIFICATVMA lOANNE CASIMIRO] ORNATVMPIISINSTITVTISET CLASSIBVS PLVRIBVSAB ERNESTO PIO NOVODOMICILIOAFRIDERICOFILIO/ PLVRIBDOCENTIBODISCENTIBVSO BIBLIOTHECA STIPENDIIS&BENEFICIIS AFRIDERICO-NEPOTESERPAT-PATÄ-l CVIVS AVSPICIISALTERA SECVLARIA] CELEBRANTVR MDCCXXIV- DECXXIC-W-FCP.C(illustre, constante, serenissimo patre patriae, cum privilegio caesareo) Die erwähnten Fürſten ſind Kurfürſt Friedrich der Weiſe 1486 bis 1525, ſein Bruder Johann der Beſtändige Kurf. 1525 bis 1532, deſſen Sohn Johann Friedrich Kurf. 1532 bis 1547, deſſen Enkel Johann Caſimir † 1633(ſ. Nr. 297), Ernſt der Fromme in Gotha 1640 bis 1675, Friedrich I (ſ. Nr. 551). Magdalene Auguſte war eine Tochter des Fürſten Karl Wilhelm von A. Zerbſt. Sachſen⸗Eiſenberg Chriſtian 1680 bis 1707, Sohn von Ernſt dem Frommen, der Einzige dieſer Linie, Zinnmedaille 49 M. von Julius Angerſtein: D:G. CHRISTIANUSSAXTOC.MA& W.DUX: Bruſtbild geharniſcht, darunter l.A:— DEO ET ME DVCE. In öder Gegend ſchreitende weibliche Geſtalt mit Trudenfuß(Doppeldreieck im Strahlenkranz) und Füllhorn— Randſchrift O QUAM MAGNA SUNT OPERA TVA DOMINE: Die Medallle ſcheint auf irgend eine Zauberei Bezug zu haben, vielleicht auf Entdeckung von Metall. Außerdeutſche Staaten. England Cromwell Protector 1653 bis 1658, Kupfermedaille 38 M. von Jean Daſſier, wie neu: OLIVARIUS CROMWELIL. Bruſtbild mit Lorbeerkranz nach links, darunter I. DASSIERF— Grabmal, woran das Wappen und die Inſchrift ANGLILESCO ET HIB PROTECTOR (Scotiae et Hiberniae) davor vier Genien mit verſchiedenen Emblemen(Todtenkopf und Spiegel, Fasces und Lorbeerkranz, der letzte als Hercules mit den Hesperidenäpfeln). Im Abſchnitt NAT. 5-APRII. 1603] MORT'S-SEPT.1658: 559. 560. 561. 562. 563. 22 Die Medaille iſt lange nach Cromwells Tod geprägt, faſt ein Jahrhundert ſpäter. Daſſier (ſ. Nr. 514) war eine Zeit lang in England und verfertigte dort eine Reihe von Schaumünzen auf die Könige von Wilhelm dem Eroberer an bis auf Georg II. Die Arbeit iſt vorzüglich, der Kopf ganz ſo wie auf den 1658 geprägten Münzen. Wilhelm III 1689 bis 1702, Medaille 40 M. von Georg Hautſch in Nürnberg, auf Irlands Unterwerfung 1690, ſehr ſchön: WILHIIID. G-ANG.SCO FRET HIB.REX,DEFFID-(Franciae et Hiberniae rex defensor fidei) Bruſtbild mit Lorb., unten G. H.— HIBERNIA RESTITVTA! Hibernia kniet mit Olzweig vor Wilhelm, den der Sieg begleitet, unten MDCXC:— Randſchrift ARMIS IVNGIT AMOR NVNC TERTIA REGNA DVOBVS- Medaille 40 M. von demſelben auf die Siege in Irland 1691: Av. von demſelben Stempel— Rev. Darſtellung der Schlacht, darüber links DR OGHEDA rechts DVBLIN. Schwebende Fama und Genien mit ſechs Schilden, worauf die Siege genannt: WATERFORTATHLONETLIMRICK-GALOWAVY KINSAI LONDONDERY Im Abſchnitt RESTITVTORII HIBERNILLP MDCXCI— Randſchrift ANNORVM GESTA DVORVM CERNIS: QVID PLVRES FACIENTꝰ?(plures nämlich anni) Anna 1702 bis 1714, Tochter Jakobs II, Medaille 34 M. auf den Sieg bei Blendheim oder Höchſtädt 1704, ſehr ſchön: ANNAD:G:MAG:BR: FRA:ET-HIB.:REG Bruſtbild nach links, unten CROKER— DE GALL.:ETBAV:AD-BLENHEIM-(de Gallis et Bavaris) Britannia als Siegerin, vor ihr Beute und ein Gefeſſelter. Im Abſchnitt CAPT:ET:CS:XXXXM SIGNRELAT:CLXIII MDCCIV- Eine vortreffliche Nachahmung altrömiſcher Art mit weiterer Ausſchmückung. Die letzten Worte heißen captivorum et caesorum triginta millia. signa relata centum sexaginta tria. Kupfermedaille 43 M. von Veſtner in Nürnberg(ſ. Nr. 498) auf die Vermählung des Prinzen von Wales(Kronprinzen) Friedrich mit Auguſte von S. Gotha 1736, faſt wie neu: FRIDERICVS PRINCPS WALLIE SPONSVS-AVGVSTA DVX SAXO-GOTHANA SPONSA: Zwei Köpfe ſich gegenüber, unter dem des Prinzen TV DECVS OMNE TVIS unter dem anderen PAR ANIMVS FORM E unten VESTNER.— ANGLIA SAXONIAE FOEDERE IVNCTA Novo- Hymen am brennenden Altar, vor dem die beiden Wappenſchilde von England und Sachſen. Im Abſchnitt NVPT-CELEBR'm-MAI AMDCCXXXVI. V.(nuptiae celebratae) Auf beiden Seiten ſteht, wunderlich genug, ein Pentameter ohne Hexameter. Friedrich, der Vater Georgs III, Sohn Georgs II, ſt. ſchon vor dieſem 1751. Auguſte, Tochter Friedrichs II von S. Gotha, war gb. 1719. Frankreich Heinrich II 1547 bis 1559, Bronzemedaille 53 M. auf ſeine Siege 1552(war ver⸗ goldet und zweimal gehenkelt): 564. 565. 567. 568. 23 HENRICVS-II'GALLIARVM REX INVICTISS'PP:(pater patriae) Bruſtbild geharniſcht mit Lorbeerkranz— 0B RES IN ITAL GERMET GALFORTITER AC FOEL ICG'GESTAS Zwei Göttinnen mit Palme und Füllhorn fahren im Viergeſpann, das die Fama lenkt, über Rüſtungsſtücke hin, darunter EXK VOTO PVB] 1552 oben Lorbeerkranz. Lndwig XV 1715 bis 1774, Medaille 53 M. von Daſſier(ſ. Nr. 514) auf die Herſtellung der Ordnung im Bisthum Baſel durch franzöſiſche Truppen 1740, wie neu: LUD-XV-REX CHRISTIANISS: Bruſtbild geharniſcht, unten IDASSIER— CNDIOUE SERENAT. Erdball von der Sonne beſtrahlt; ein Genius mit Helm deutet auf die Stelle, wo das Wappen von Baſel, und leert dahin ſein Füllhorn. Unten TRANOUIILIT.: PRINCIP.] BASIL:RESTIT.I740:(tranquillitas principatus Basileensis restituta) Italien Victor Amadens II von Savoyen 1675 bis 1730, Zinnmedaille 43 M. auf den Entſatz von Turin 1706: VICTOR-AMADEVSII-DG-DVXSABAVD. PRING-PIEMONTREXCYPRI Bruſtbild ge⸗ harniſcht mit dem Orden dell' annunziata, am Arm H— GALLIS PROFLIGATVALLO PERRVPTO, CASTRIS CVM RE TORMENTARDIREPTIS-(profligatis, tormentaria) Genius, der eine Mauerkrone und zwei Kränze hält, über Turin; vorn Gott mit Stierkopf und Schippe, einen Kranz haltend, worin OB](S(ob cives servatos) Im Abſchnitt AVGVSTA TAVRINORVM TRIMESTRI OBSIDIONE LIBERATA1706.— Nandſchrift RES GERERE ET CAPTOS OSTENDERE CIVIBVS HOSTES-HOR:(nämlich Epist. I,17,33) Niederlande Medaille 47 M. auf den Entſatz von Leyden 1574, ſchön: VT:SANHERIB-ATERVSALEM 2'REGI9. Sanheribs Niederlage vor Jeruſalem— SIC-HISPAALEYD-NOCTV-FVG(Hispani fugerunt) ‧5OCTO.1574. Abzug der Spanier vor Leyden, Kähne und größere Schiffe fahren nach der Stadt zu. Leyden, vom 26. Mai 1574 an belagert, wurde, als die Noth am größten war, wie durch ein Wunder gerettet. Heftiger Wind trieb die Wellen ſo mächtig ins Land, daß die Schiffe nah heran⸗ kommen konnten, worauf die Spanier in der Nacht vom 2. auf den 3. Oct. heimlich abzogen. Kupferner Legpenning auf die Stiftung der Utrechter Union 1579: PRESTAT PVGNARE-PRO'PA T RIA Kampf zwiſchen zwei Reitern und zwiſchen zwei Fußgängern— QVAM!:SIMVLATAPACE-DECIPI579 Die aufgeſpießten Köpfe der 1568 hingerichteten Grafen Egmont und Horn über ihren Leibern. Desgl. auf den Mordverſuch des Franzoſen Jean Jauregui gegen Wilhelm von Oranien 1582: PRODITIONE-NON-ARMIS-AGITVR: Der Mörder ſchießt auf Oranien— PRODITOR-TANDEM-LVET: König Philipp II, auf den ein Hagelwetter von oben kommt, ſteht in ſchwankender Haltung, während ihn ein Mann mit Hut am Arm faßt, dem ein Bewaffneter zur Seite ſteht, darunter 1582 Die Erklärung bei Wellenheim:„Der König läßt den Mörder abführen“ iſt jedenfalls unrichtig, denn der Verbrecher wurde ſofort getödtet. Offenbar iſt die Beſtrafung des Königs ſelbſt, den die Krone, das Scepter und der Orden vom goldenen Vließ kenntlich macht, bildlich bezeichnet. Die 569. 570. 571. 572. 573. 574. 575. 24 Piſtolenkugel drang unter dem rechten Ohr ein und ging durch die linke Backe, doch wurde die Wunde geheilt. Desgl. auf die Ermordung Wilhelms von Oranien durch den Franzoſen Balthaſar Gerards am 10. Juli 1584: O-PDIRVM SCELVSNON-MANEBITINVLTVM Der Mörder, den der König von Spanien mit dem Scepter vorwärts ſtößt, ſchießt auf den Statthalter, darunter 1584-— PASTOREM:OCCIDIT-NE-VOS-CREDITE-LVPO Hirt unter Schafen vom Wolf gepackt, darunter CONFIDITE Desgl. 1591 Abmahnung vom Frieden, um den ſich das deutſche Reich bemühte: PAXTPATETINSIDIIS: Niederland als Frau ruht ſorglos in einem Gehege, in das Feinde einbrechen, während zwei Männer mit Olzweigen nahen— TVTA'SALVS-BELLO: Niederland mit gehobenem Schwert im geſchloſſenen Gehege, aus dem Krieger auf die Feinde ſchießen. Desgl. auf die Thaten des Moritz von Oranien 1591: FECIT-MAGNA-QVTPOTENS-EST Löwe mit Schwert und Pfeilbündel, oben der Name Jehova— ZVTPHAN“DAVENHVLST-] NOVIOMLIBRESTjCASTEL PLVR-CAP HOST EX BATFVGSENFOED(0 u. E verbunden) PROV- FF.CIOO XCII(Zutphaniae, Daventriae, Hulsti, Noviomagi libertate restituta castellis plurimis captis hostibus ex Batavia fugatis senatus foederatarum provinciarum fieri fecit) Desgl. auf die Einnahme von Steenwyk, Ootmarſum und Coeverden durch Moritz von Oranien 1592: ZELVS-DOMINT-EXERCITVVM-FECITHOC Arm mit Scepter von oben über überſchwemmten Häuſern— STENOVICO-OTMARSIA COVORDIA CAPTIS-HOSTE REPVISO: SEN]FOED’(O u. E verb.) PROF:CIO. I0.XCHI Desgl.: ORD PROVINGERINF-DECR-PVBCVDIIVSSERVNT(ordines provinciarum Germaniae inferioris decreto publico) Löwe mit Schwert und Pfeilbündel— STENEVICO:VETMARSCOVORD FORRECVPERATIS HOSTE-PVLSO-CVM GILORIAPDOMVS NASSOVIT CIo*1O XCII(ſortiter) Desgl. 1595: QVXERERE Mars ſtehend, rechts am Baum hackender Specht, dahinter Feſtungswerke. — ET. TVERI CI0 I0 XCV. Sitzende Pallas mit dem Schild von Holland, links Eule, rechts Lagerzelte. Man hat erklärt: auf die Tapferkeit und Klugheit des Prinzen Moritz. So ſpecielle Beziehung iſt jedoch bei dieſen Münzen, die den Patriotismus heben ſollten, keineswegs immer zu ſuchen. Quaerere weiſt auf das Thun des Spechtes hin, der dem Mars heilig war, tueri auf das ſcharfe Geſicht der Eule. Desgl. 1596: VIGIILATEET.ORATEDEO-CONFIDENTES:CIOHOXCVI Betende Hollandia im Gehege, worin zwei Krieger Wache halten, darüber der ſtrahlende Name Jehova— FRVSTRA-OPPVGNATVSOVEDVM-PROTEGITDEVS Sieben Männer(die 7 Provinzen) hinter einem Schilde, den eine Hand von oben hält; durch Waſſer von ihnen getrennt der Erzherzog Albrecht an der Spitze ſeiner Truppen. 576. 578. 579. 580. 581. 582. 25 Der Revers wird noch genauer erklärt: Der Erzh., an der außerſten Küſte von Flandern, bedroht Seeland mit einem Einfall. Der ſchon Nr. 352 erwähnte Albrecht wurde 1595 von Philipp II zum Statthalter ernannt. 2 3 Desgl. auf den Sieg bei Turnhout 1597: 1 VICTORIATVRNOTANA:24.IANVARII/I597 Darſtellung des Sieges ADOMINO-TACTVMESTISTVD(Pſalm 118,23) Die verbundenen Wappen von Frankreich, England und den Niederlanden, von höherer Hand gehalten. Desgl. auf die Erfolge des Prinzen Moritz von Oranien 1597: Dieſelben drei Wappen mit gleicher Umſchrift ADOMINO ꝛc.— ORDINAVSPIC-PRIN MAVRTDVCTVI HOSTE-AD-TVRN]HOVTVM CESO] DECEM-OPIDISE TRIBVS- ARCIBVSIEXPVGETTOTACISRHE-DITIO NEäPACATA]1597(ordinum auspiciis, principis Mauritil, expugnatis, cisrhenana) Desgl. 1598: COEl. VISTOLIDVS-OQVITERhRITAT-ARMIS. Drei nackte Männer wollen den Himmel einreißen— ARMiSsRVAT-OCOELESTIBVS598 Feuer fällt von oben, wo der Name Jehova, auf die liegenden Männer. Wahrſcheinlich ſchwebt ein Vorbild aus der Mythologie vor, etwa die Giganten. Man bezieht die Münze auf die Zuchtloſigkeit der Soldaten Mendozas, von denen viele durch Krankheit u. Mangel umkamen. Desgl. auf die erfolgreichen Kämpfe gegen Mendoza 1598: VINRGTVIMVIRTVSCEDERE NESCIA·1598 Zwei Heere ſtehen ſich gegenüber, ein Krieger wehrt einen Wolf ab, vorn eine Burg, darunter DOESBORCH— SEQVITVR'SVPERBOSVICTORATERGO-DEVS Ein Engel mit Geißel über den Feinden. Der Admiral Mendoza war in das Herzogthum Cleve eingerückt, wurde aber durch die kluge Defenſive des Prinzen Moritz, der namentlich Doesburg deckte, zum Abzug genöthigt. Desgl. auf die Expeditton des Admirals van der Does 1599: ENALTERAQVAVEIIATARGO:(Virgil Ecl. IV,34) Schiff, darunter S. C.(senatus consulto)— SICNESGIA'CEDEREPATACIO 10 IC Von Kanälen durchzogenes Land, worin zwei Grenz⸗ pfähte ſtehen, zwiſchen denen der Name Jehova in Strahlen. Eine holländiſche Flotte ſuchte die canariſchen Inſeln, dann auch die Inſel St. Thomas heim, erreichte aber ihr Ziel, Braſilien, nicht, weil Krankheiten zur Umkehr nöthigten. Desgl. 1603: INADVERSIS-VIRTVS CID 10 CIII Feſtung am Meer von oben geſehen— ALIVDINLINGVAALIVDIN PECTORE Fuchs unter einem Baum, worauf ein Hahn. Die Feſtung iſt Oſtende, das durch Spinola hart bedrängt und endlich, nach faſt vierjähriger Belagerung, am 2. Sept. 1604 zur Ergebung gebracht wurde. Der Revers wird auf England zu beziehen ſein, deſſen Unterſtützung mit dem Tode der Königin Eliſabeth aufhörte. Das Bild deutet auf die Fabel, worin der Fuchs zum Hahn ſagt, alle Thiere hätten Frieden geſchloſſen, auf die Angabe des Hahns aber, er ſehe einen Jäger mit Hunden kommen, ſich eiligſt entfernt. Desgl. 1605: DETECTVS-OVTLATVIT SC:(ſ. Nr. 580) Schlange unter Blumen— NON DORMITASTIANTISTES IACOBI Der Name Jehova im Dornenkranz. 583. 584 585. 586. 587. 26 Der Avers iſt auf England zu beziehen, das 1604 Frieden ſchloß und ſeitdem immer mehr auf ſpaniſche Seite trat, vielleicht ſpeciell auf das Seetreffen bei Dover, wo die engliſche Beſatzung auf die Seeländer feuerte. Der Bibelſpruch Pſalm 121,4„der Hüter Israels ſchläft noch ſchlummert nicht“ iſt des Chronogramms wegen geändert. Gegen Spinola hatte Moritz im J. 1605 einen ſchweren Stand. Desgl. auf den Abbruch der Friedensverhandlungen 1608: FIAT-VOLVNTAS-TVACIOIOCVIII Betender Mann, links Arm mit Olzweig, rechts Arm mit Schwert— ⸗FORTITVDO-BELGICA Sieben verbundene Pfeile zwiſchen S' und C 1607 war Wafeenſtillſtand geſchloſſen, am 23. Auguſt 1608 aber brachen die Generalſtaaten die Friedensverhandlungen ab. Heinrich IV von Frankreich hinderte den Wiederbeginn des Kriegs, und am 9. April 1609 wurde endlich in Antwerpen ein zwölfjähriger Waffenſtillſtand abgeſchloſſen. Desgl. auf den Waffenſtillſtand 1609: A-DOMINO TACTVM-ESTISTVD: Die drei verbundenen Wappen wie Nr. 576— ORDFOED(O u. E verb.) BELG-A-REG] HISP-ET-ARCHID LIBERI-AGNITI“] POST: BEL-CONT 42 ANINDVCI-PACISC NTERV-REG'GAL- ET-MAGBRIT-ET- CVM IISDFOED(verb. O u. E)] RENOVANT] 1609(ordines foederati Belgii a rege Hispaniae et archiducibus, bellum continuum, annorum inducias paciscuntur interventione regum Galliae et Magnae Britanniae, iisdem foedus) Die Erzherzöge ſind Albrecht und Iſabella, ſ. Nr. 352. Desgl. auf die Ermordung Heinrichs IV von Frankreich 1610: RELIGIO-AMOREM] Bibel, worauf zwei ſich ſchnäbelnde Tauben ſtehen, links S, rechts C— NON'CIDESPoVET CIO I0 CX Wolf mit Jeſuitenmütze ein Lamm von hinten packend. Desgl. vom fünften Jahr des Waffenſtillſtandes 1613: FORTITVDO-BELGICA Sieben verbundene Pfeile— CIO HCXIII INDVCIAR V. SC: Wilhelm III Prinz von Oranien gb. 14. Nov. 1650, Sohn Wilhelms II, Statthalter 1572, König von England 1689 bis 1702, ſchöne vergoldete Medaille 47 M. v. J. 1657: WILHELMVS III'D'G-PRINC-AVRAT-EcC(princeps Auraicae et cetera) Bruſtbild mit Federmütze, darunter CP:— Unter einer Guirlande ALLAGD'ORANIEBOOMGEKNOT DITEDELSPRVITIEEWIERDVANGODT GEKOESTERT IN MARIAAS SCHOO. DESLEEFTDEVADERNAZXNDOODT,[GELXYKEEN FENIX, IN ZXN 700N. HYGRO EYENBLOEYENSPANDEKROON]INDEVGDENPRINCELIK VERSTAND,]TOTHEVI. ENHAILVANTVADERLAND] 1657 Die Verſe, bei denen ich einen Holländer zu Rathe zog, ſind zu überſetzen:„Liegt auch der Oranienbaum geknickt, ſo wird dieſer edle Sprößling von Gott gehegt in Marias Schooß. So lebt der Vater nach ſeinem Tode gleich einem Phönix fort in ſeinem Sohn. Er wachſe und blühe und rage hervor in Tugend und fürſtlichem Verſtand zum Glück und Heil des Vaterlandes.“ Der erſte Vers geht auf den Tod des Vaters, der am 6. Nov. 1650 ſtarb; die im dritten Vers erwähnte Mutter Maria war eine Tochter Karls I von England. Der Graveur wird wohl Pool ſein, der ſich auf einer Medaille von 1653 vollſtändig nennt. 588. 589. 590. 591. 27 Wilhelm IV Prinz von Oranien, Sohn des Johann Wilhelm Friſo von Naſſau⸗Dietz(ſt. 1711), der 1702 das Haus Oranien beerbte, gb. 1711 ſt. 1751, Zinnmedaille 62 M. von Wermuth. (ſ. Nr. 466) auf die Wahl zum Statthalter in Geldern 1722: WILIHELM-CAROLHENRTRISOARAUSET NASSPRINCEPS(Arausionensis) Bruſtbild, am Arm C-WERMUTHP— AMORE ET CONCORDIA PATRUCM Geldria, begleitet von Libertas und Religio, überreicht dem Prinzen die Urkunde, hinter ihr der Löwe mit Pfeilbündel. Im Abſchnitt ELECTUS GUBERNATORDVCAT-GELDRETCOMITATIZUTPHANPD: IINOV-MDCCXII“CW'(ducatus, comitatus Zutphaniae) Die Statthalterwürde wurde nach Wilhelms III Tod 1702 nur in Friesland und Gröningen beibehalten, wo ſie der dietziſchen Linie verblieb. 1722 wurde ſie in Geldern hergeſtellt, und 1747 wurde Wilhelm IV Erbſtatthalter, General⸗Capitain und Admiral der ganzen Republik. Die Medaille enthält ein merkwürdiges Verſehen, die unrichtige Jahrszahl. Der Fehler wurde von Wermuth bemerkt, aber erſt nach Vollendung des Stempels; er ſuchte ihm durch Hinzufügung der vergeſſenen Zahl X noch abzuhelfen; dieſe kleinere X an ſchmaler Stelle zwiſchen C und X iſt ſchwach aus⸗ gedrückt und nur bei genauer Betrachtung zu erkennen. Kupfermedaille 53 M. auf deſſen Ernennung zum Erbſtatthalter 1747, Prachtexemplar: WILHELMIVD'G'P: AR-ET NBELG-GUBERN(Belgii gubernator) Bruſtbild geharniſcht nach links, am Arm D-ET F.(Jean Daſſier jedenfalls, ſ. Nr. 514)— MOVEBIT FORTIS IN ARMA VIROS“ Ein römiſcher Krieger kommt zum Genius, der ſich auf das Bundeswappen ſtützt, und reicht ihm die Hand zum Gelöbniß. Im Abſchnitt PROCL: 3-MAII]1747(proclamatus) Frankreich hatte kurz vorher den Krieg erklärt und bedeutende Fortſchritte gemacht. Dieſe Be⸗ drängniß, worauf auch der Revers Bezug hat, war der Grund zur Ernenerung der Statthalterwürde. Polen Stanislaus Lesczinsky König 1704 bis 1709, nochmals gewählt am 12. Sept. 1733, ver⸗ trieben 1734, bekam 1737 Lothringen, ſt. 1766, Spottmedaille von Zinn 33 M. auf die Wahl 1733: STANISLAVS IT- POLONREX: Bruſtbild, am Arm 1704.9.— ITERVMLICETACONIVRATISVARSOVIEPROCLA127R:(proclamatus, Sept.) Adler mit dem Lescz. Wappen(Stierkopf) auf der Bruſt, neben den Flügeln in vier Zeilen TAMEN(das E verkehrt) RETINET PRISTINA INS IGNIA unter dem Adler 17 33 Die letzten Worte ſind ironiſch zu nehmen: er bleibt wie früher ein König ohne Anſehen und Macht. Darauf deutet auch, daß der polniſchen Sitte entgegen das Bruſtbild ſowohl wie der Adler ohne Krone iſt. Rußland Peter I 1682 bis 1725, vortreffliche Kupfermedaille von Daſſier(ſ. Nr. 514) faſt 38 M. auf ſeinen Tod 1725: PETRUS MAGN IMPOTRIUSORUSS'(magnus, imperator utriusque Russiae) Bruſtbild geharniſcht mit Lorbeerkranz— EX UTROOU MAGNUS, Neptun und Minerva ſitzend, jener nach Schiffen, dieſe nach der neuen Stadt deutend. Im Abſchnitt NAT30 MAII1672 M:2S J. 1725.(mortuus 28. Jan. alten Stils d. i. 8. Febr.) 4* 592. 593. 594. 595. 596. 597. 28 Anna 1730 bis 1740 gb. 1693, Nichte Peters I, Gemahlin des Herzogs Friedrich Wilhelm von Kurland, Zinnmedaille 43 M. auf die Einnahme von Aſſow 1736: ANNA D'GRVS⸗ SORVM IMPERATRIX“: Gekröntes Bruſtbild, unten VESTNERF:(ſ. Nr. 498) — ADVENIT QVI VESTRA DlIES MVLIEBRIBVS ARMIS FACTA REDARGVERET. (Worte der Camilla bei Virgil Aen. XI, 687) Zwei Tartaren huldigen der Kaiſerin, die der Sieg krönt. Im Abſchnitt TARTAR'PROPLIGAT ASSOUVIO TVvROIS EREPTO MDCCXXXVI. Schweden Guſtav Adolf 1611 bis 1632, Medaille 38 M. auf ſeinen Tod in der Schlacht bei Lützen am 16. Nov. 1632, in Deutſchland geprägt 1634: GUSTAVUSADOLPHUSMAGNUSD:G:SUEC:GOTH:&:VAND-REX AUGUSTUS etc Todt liegender König, deſſen Seele zwei Engel entführen, darüber vom göttlichen Namen herab EUGE SERVEIFIDELIS: links fliehende Reiter, worüber VELMORTUUM FUGIUNT— PRINCEPSTIUS-VICTORINCOMPARAB-RT.GERM.LIBERATOR: 1634:(incomparabilis, Germaniae) Der König, Schwert und Bibel haltend, von der Frömmigkeit und Gerechtigkeit bekränzt, auf einem von Schädeln umgebenen Triumphwagen, den drei geflügelte Roſſe ziehen, darüber ETVITA:ÜETMORTETRIVMPHO Die Medaille, mit Nr. 546 zu vergleichen, iſt intere ſſant als Zeichen der damals herrſchenden Geſchmacksrichtung. Chriſtine 1632 bis 1654 ſt. 1689 in Rom, ſchöne Kupferm. 35 M. von Joh. Hameranus in Rom 1680: CHRISTINA REGINA: Kopf ſehr erhaben, am Hals I..— NEMIBISOGNANEüMIBASTA(ſie iſt mir weder nöthig noch genügt ſie mir) Erdkugel ſehr erhaben. Karl XII 1697 bis 1718, Medaille 32 M. von Wermuth in Gotha o. J: CAROLMXITD GrREXSVEC: Bruſtbild mit Lorbeerkranz, am Arm C-WERMUT—— DG FRID-AVG“ REXPOL:EL'SAX.(ſ. Nr. 292) Bruſtbild mit Lorb., am Arm C-WERMUTH: Randſchrift OPTIMIREGESIDEVSVOSSERVET, VESTRASALVS,NOSTRASALD, VEREDIC IVRD: Die Medaille muß 1706 oder 1707 geprägt ſein, wo Karl XII Herr von Sachſen war. Der Schluß der Randſchrift iſt nicht ganz klar; wahrſcheinlich iſt zu leſen vere dictum iure dictum mit Bezug auf den Satz vestra salus nostra salus. Medaille faſt 44 M. auf die Rückkehr aus der Türkei 1714, Prachtexemplar: CAROLVSXIID: GREXSVECIAE: Kopf mit Lorb., darunter V.(Veſtner? ſ. Nr. 498)— REDDITUS EOIS PATRIAM SOLATUR AB ORIS Karl, über dem ein Engel mit Palme, tritt grüßend an einen Altar, worauf eine kniende Frau(patria) Weihrauch opfert, am Altar FOR- TVNRREDVCI und im Abſchnitt A 1714. Friedrich 1720 bis 1751 und ſeine zweite Gemahlin(die erſte ſ. Nr. 538) Ulrike Eleonore, Schweſter Karls XII, gb. 1688, vermählt 1715, Königin 1719, legte 1720 die Regierung nieder, ſt. 1741, großartige Medaille o. J. 60 M. faſt 7 Loth ſchwer: FRIDERICET ULRICA ELID'G-REX ET REG'SVC: Zwei Bruſtbilder, beide mit Lorbeer⸗ kranz, neben einander, unten l'C-HEDLINGERF.(ſ. Nr. 543)— 598. 599. 89 SPLENDETIN ORBEDECUS Mitten Friedrichs Vortrait, dahinter Löwe mit Scepter, auf einem Stück der Erdkugel ſtehend, das drei Kronen als Schweden bezeichnen; darum im Kreiſe die Portraits der Könige von Guſtav Waſa bis Ulrike Eleonore, alle Köpfe im Profil. Schweiz, der ſog. Bundesthaler von Jakob Stampfer in Zürich(gb. um 1505 ſt. 1579) faſt 46 M: † WILHELM TELL VON VRESTOVFFACHER VOSCHWYTZ ERNI VO-VNDER WALD(N u. D verb.) und innere Umſchrift † ANFANG-DESS PVNTZ-IM IAR-CHRISTI. 1296. Schwur der drei Männer(wozn freilich nicht Wilhelm Tell, ſondern Walter Fürſt gehörte), darunter das Monogramm des Künſtlers— Die mit darunter geſetzten Zahlen nach dem Rang bezeichneten Wappen der dreizehn Cantone, die im Jahr 1513 den Bund bildeten, im Kreiſe. Mitten Kreuz, umgeben von den ſieben Wappen der zugewandten Orte(Abtei und Stadt St. Gallen, die drei Bünde, Wallis, Rottwyl, Mühl⸗ hauſen und Biel) Die Seite mit den drei Männern iſt durch Doppelſchlag haßlich entſtellt. Das Monogramm ſieht aus wie H und S, wurde auch bis 1869 Hans Stampfer geleſen; in dieſem Jahr aber wurde nachgewieſen, daß der Künſtler, Sohn des Goldſchmieds Hans Stampfer, Jakob hieß. Zu erwähnen ſind noch zwei ſchöne einſeitige Zinnabdrücke, beide 52 M. groß. Der eine(war gehenkelt) enthält Titel und Bruſtbild Chriſtians VI von Dänemark o. J., darunter 1-CHEDLINGEI P., der andere das Bruſtbild Karls XI von Schweden, an deſſen Arm Karlsteen, und die Umſchrift CAROLVS-XTDGREX'SVENATVS-DZ4. NOV A 1655* Sodann drei Zinnmedaillen, die mit glatter Rückfläche ebenfalls nur eine Seite darſtellen. Die erſte 38 M. betrifft den Sieg des niederländiſchen Admirals Ruiter(ſ. Nr. 623) bei Agoſta: DEVICTAHOSTIVM:CLAS: SE- DVCEINTEREMTO: Trophäen vom Seeſieg, darunter 1676 und im Abſchnitt AD-AVGVSTAM: SICILIAE: Die zweite 47 M. zeigt unter der Überſchrift TERRAS-ASTRRTA-REUISIT: Truppen und Schiffe, vorn Aſträa(Gerechtigkeit); ſie bezieht ſich auf die Fahrt Wilhelms III nach England. Die dritte 53 M. zeigt denſelben Wilhelm mit ſeiner Gemahlin Maria auf dem Throne (darunter.1689.) unter einer von zwei Geiſtlichen gehaltenen Krone, dazu die Umſchrift IDOLOLATRIA'SERVITVTE'PROFLIGATIS-RELIGIONE-LEGIBLIBERTATRESTITV TIS. Ob dieſe drei Stücke Originale ſind, wie es faſt ſcheint, vermag ich nicht zu entſcheiden. Städte. Alkmaar in den Niederlanden, ſog. Vroedſchapspenning(vroedschap Gemeinde) 32 M. o. J: Kriegeriſche Geſtalt mit dem Stadtwappen im Schild, zwei Kränze am Schwert, daneben Trophäen und Monument, unten ALCMARIA] VICTRIX— Stadtwappen zwiſchen Kanonen, darüber in einem Lorbeerkranz Wage am Schwert und zwei Fasces, zur Seite zwei Genien, unten zwei Löwen, links S und rechts C(senatus consulto) Reichsſtadt Cöln, Rathszeichen 20 M. v. J. 1730, ſehr ſchön wie neu: CIVIT C0LON:(civitatis Coloniensis) Stadtwappen mit Helm und Schildhaltern— 601. 602. 603. 604. 30 SIGNUM- SENATORI'(senatorium) Weinglas, unten 1730— Randſchrift BIBITE CUM LITITIA Derartige Marken, Cöln eigenthümlich, wurden in verſchiedenen Jahren geprägt, ſchon 1606. Wie ich in Cöln erfuhr, hatten ſie folgenden Zweck. Die Rathsherrn erhielten in den Sitzungen ſolche Zeichen, deren Rückgabe dann zum Empfang von Wein aus dem Rathskeller berechtigte. Reichsſtadt Hamburg, prachtvolle Medaille 77 M. faſt 8 Loth ſchwer v. J. 1636: MERCURII OQUID IMAGO NOTATCOMMERCIA:OUINAM IPSI ADSTANTAIUNCTUS SEDULITATE LABOR' daneben COELO EXERTA MAND,DOI EST BENEDICTIO:OURÆ SII ACCGEDIT. NOBIS OMNIA FAUSTA FLUUNT- und daneben HOC SCEPTRU AGUIGERU:HOC GEINO BONA COPIA CORU HOC OLET SIGNAT FRONS ET ARISTA TIBI.(die drei Hexameter bilden die erſte, die drei Pentameter die zweite Umſchrift, die Abkürzungen heißen domini, sceptrum anguigerum, gemino, cornu; das dreimalige hoc iſt Object von signat und weiſt auf das zweite Diſtichon hin) Mercur mit dem Stadtwappen vor der Bruſt, Caduceus und Ähren in der Rechten, Olivenzweig in der Linken, ſteht zwiſchen zwei Füll⸗ hörnern auf einem Schiffsende und einem Vorſprung des Landes, durch eine Hand von oben geſegnet, worüber BENEDICTIO DOMINI DI.[TAT! Links in einem Schiff, worauf ein Globus, die rudernde Sedulitas. rechts Labor(als Frau) mit Grabſcheit und Ähren zwiſchen Waarenballen und Fäſſern; im Hintergrund Schiffe und Inſeln— Die Stadt von oben geſehen, darüber DA PACEM DOMINEIN DIEBUS NOSTRIS, unten LIBERTATEM OUAM PEPERERE MAIO⸗[RES STUDEAT SERVARE POSTERITAS Links im Baſſin ALSTER 1SD(Sebaſtian Dadler) 1636, rechts im Fluß mit Schiffen ELBE Münſter, Medaille 52 M. von Engelbert Kettler(Münzmeiſter 1638 bis 1656) auf den Frieden 1648: HINC-TOTIPAXTNSONATORBI Stadtanſicht, darüber zwei Engel, der eine das Wort PAX poſaunend, links bei der Stadt EK und unten MONASTERIVM WESTPHA 1648(Westphaliae)— CSARISETREGVMITVNXIT PAXAVREADXTRAsS-(Chronogr. u. Hexam.) 24.Sbris Zwei um Olzweig und zwei Füllhörner vereinigte Hände, darunter Kriegsgeräth, oben Strahlen. Reichsſtadt Nürnberg, Klippe 30 M. breit(von Spitze zu Spitze 43 M.) auf den weſtphäliſchen Frieden 1648, wie neu: CHRISTO DUCE VERBO LUCE Lamm auf der Bibel ſtehend mit Fahne, worauf PAX (alles im Kreis, woran vier Arabesken)— ESTVBI DVXIESVS PAX VICTO MARTEp GVBERNAT(Chron u. Hexam.) darunter das Stadtwappen(kein Kreis) Klippe von gleicher Größe auf den Vollzug des Friedens 1650: MAGNAS FERTE DEO GRATES PRO PACE RELATA: Hand von oben reicht einen Oliven⸗ kranz, dem ſich zwei Hände von der Erde entgegen ſtrecken— IMPERöFERDINANDOIIIP:F:AUGUSTO Stadtwappen, darunter GEDACHTNVS DES FRIEDEN] VOLLZIEHVNGS] SCHLVSS]IN NVRNBERG 16 50 16 IVNII Auf beiden Seiten runder Stempel, in jeder Ecke eine Roſe. Der Hexameter iſt untadlig und zugleich ein merkwürdig einfaches Chronogramm, die deutſchen Worte dagegen vertragen ſich nicht 605. 608. 609. 31 mit der Grammatik. Nach dem weſtphäliſchen Frieden ergaben ſich viele Schwierigkeiten wegen der Ausführung, deshalb waren in Nürnberg nochmalige Verhandlungen, die in dem ſog. Friedens⸗ executions⸗Hauptreceß am 16. Juni 1650 ihren Abſchluß fanden. Reichsſtadt Regensburg, Medaille 26 M. auf die Gründung der Dreifaltigkeitskirche 1627: Kirche, darüber Engel mit dem Stadtwappen, unten MDCXXVII— IM NAMEN DERHDREIF:WARDDERERSTESTEI!I GELEGT DEN] 4IVI: Reichsſtadt Worms, Medaille 44 M. auf den Bau des neuen Rathhauſes 1709, ſchön: LIBERAWORMATIASACRLROMANIIMPERIF-FIDELIS-FILIA: Stadtanſicht unter dem von zwei Drachen gehaltenen Wappen— 8S0 SETZT MICH G0TT NUNAN DEN ORT WO LUTHER EH BEKANNT SEIN WORT Das Rathhaus unter dem Zeichen der Dreitinigkeit, darunter das Chronogramm SEIT GETROST ICHDER HERR BIN] MlTEVCHTL.(Sohann Link in Heidelberg) Priuatperſonen. Valerio Belli gb. in Vicenza 1468, nach Einigen 1478, ſt. daſelbſt 1546, Bronzemedaille 49 M: VALERIVSBELLVS VICENTINVS Bruſtbild nach links— Jupiter im Viergeſpann. Valerio Belli, als Steinſchneider berühmt, verfertigte 150 Münzſtempel, wobei er oft nur antike Denkmäler copirte oder frei nachbildete. Vorliegende Medaille gilt als eine Arbeit von ihm ſelbſt. In Bolzenthals Kunſtgeſchichte wird ſie ein Werk von unnachahmlicher Schönheit genannt. Die Form iſt die der ägyptiſchen Ptolemäermünzen. Iſaak von Benſerade, franzöſiſcher Dichter gb. 1612 ſt. 1691, Bronzemedaille 46 M. v. J. 1718: ISAAC BENSERADE Bruſtbild mit Lorbeerkranz nach links, an der Schulter CURE“Ö— AVEC LE MIEI NOUS PORTONS LEGUILLON(Stachel der Satire) Bienenkorb und fliegende Bienen, im Abſchnitt M DCC XVIII und rechts CURE Von demſelben nicht weiter bekannten Curé ſind Nr. 611, 612, 615, 621, 622. Ob es noch andere Medaillen von ihm gibt, weiß ich nicht, da ich nirgends etwas darüber finde. Sie ſind alle gegoſſen von Meſſing und haben ſehr hohe Köpfe, die von geſchickter Hand zeugen. Vier davon ſtellen damals ſchon verſtorbene Perſonen dar; dieſe ſind v. J. 1718, eine Art Suitemedaillen, aber an Größe ungleich. Der Name des Künſtlers iſt immer vertieft, aber nicht eingravirt. Eugen Prinz von Savoyen gb. 1663 ſt. 1736(von der Nebenlinie S. Carignan, die 1831 auf den Thron kam), Medaille auf die Gefangennahme des Marſchalls Villeroi 1702, Prachtexemplar 40 M: PATIENS VOCARI CfSARIS VLTOR: Fama, Adler den Hahn unter fliehenden Hühnern packend, darüber Portrait mit der Umſchrift EUGEN:PR:SAB:CS:EX:GENER:COMD'(princeps Sabaudiae caesarei exercitus generalis commendans) Im Abſchnitt VILrAREGIO SVPR: GALL“DVCE INTRA MOENIA]ſ(CREMONT CAPTO“]1702.(supremo Gallorum)— FLANTIBVS AVSTRIS Lilien vom blaſenden Wind gebeugt, daneben ſitzende Virtus mit 610. 611. 612. 613. 82. Adlerſchild, in der Linken den Sieg haltend, im Abſchnitt VIRTVS GERMA- NORVM— Randſchrift FLORENTES FERVLAS ET GRANDIA LILIA QVASSANS(Virgil Ecl. X, 25) Nachdem die Deutſchen am 1. Febr. durch Hülfe eines Prieſters in die Stadt Cremona gelangt waren, wurde der Herzog Franz von Villeroi(gb. 1643, mit Ludwig XIV erzogen, ohne alles Verdienſt Marſchall 1694 ſt. 1730), der ſorglos ſchlief, durch das Gewehrfeuer geweckt; er ſtieg eilig zu Pferd und gerieth unter deutſche Reiter, die ihn ſogleich ans der Stadt führten; Cremona verblieb den Franzoſen. Die Medallle iſt höchſt ſinnreich ausgedacht. Der Adler weiſt auf das deutſche Reich hin, der Hahn(gallus) auf Frankreich; auster iſt Anſpielung auf Austria. drei Lilien ſind das franzöſiſche Wappen, und der Vers aus Virgil paßt dazu ganz vortrefflich. Pius Nicolaus Garelli gb. 1670 in Bologna, erſter Leibarzt Karls VI, den er ſchon im ſpaniſchen Erbfolgekrieg als ſolcher begleitete, Reichshofrath und Ober⸗Bibliothekar, ſt. 21. Jult 1739, ſchöne Kupfermedaille 41 M. v. J. 1735: PIVS MC'GARELLIVS CAES-ARCHIATROR-PRBIBLPRA EF:ORDCHR-EO(caesareorum archjatrorum primus, bibliothecae praefectus, ordinis Christi eques) Bruſtbild mit Orden, an der Schulter VESTNER-F:(ſ. Nr. 498), unten CPR:SOM.(cum privilegio sacrae caesareae maiestatis)— ORBISLITERARI HVMANE VALETVD-[PATRIA AMICORVM OMNIVM PRASIDIVM DECVSOIIVSTVM ET TENACEM]PROPOSITI VIRVM[SVA SORTE CONTENTVM SVSPICE VINDOBCIOIOCCXXXV.(valetudinis. Vindobona, die Worte iustum ꝛc. aus Horaz O0d. III,3) Alexander Lainez, franzöſiſcher Dichter gb. 1650 ſt. 1710, Bronzemedaille 52 M. v. J. 1718: A XANDRE LAINEZ Kopf mit Lorbeerkranz, an der Schulter CURE— IL LES MERITE TOUTES TROIS Drei Kränze(Lorbeer, Eichen⸗ und Olivenblätter, Epheu), unten M DCC XVIII Lalande, Muſiker, Bronzemedaille 54 M. v. J. 1726: ME.E RDELALANDE SURMDEL-MUS DROY(Surintendant, la, du) Bruſtbild, am Arm S'CUREF.— SES CHANTS DIVINS PENETRENT IUSoUAUX CIEUX. Ein Engel ſteht ſingend, von einem kleineren mit der Leier begleitet, links Kirche, oben lauſchende Engel, unten M DCC XXVI und SCURE Über dieſen Könſtler konnte ich nichts ausfindig machen. Die Vornamen heißen wahrſcheinlich Michel Richard. Luther, Zinnmedaille 31 M., wahrſcheinlich 1717 angefertigt: MARTINVS LVTHERVS-D(doctor) Bruſtbild— NATVS] ISLEBIAE A1483 D40. NOVEM A1503 ERFVRTIMAGISTER A1505·MONACHVS AVGVSTIN A 1508: WITTENBERG-PROFESSOR A1511·DOCTORTHEOLFACTVS A451734·00OB REFORMATIONEMTHESIB2CONTRA INDVLG-COEPIT. A1521-INCOMIT-WORM- DEFENDIT(N u. D verb.) PROSCRIPTeWARTBVRGIDPLITVIT A1522·0BTVRBAS FANATICOR-WITTENBERGAMREDVX BIBLIA GERMANEDIDIT-]A 4525·CATIH — 614. 615. 616. 617. 618. 33 BORIAMDVXITI PRECIBOSCRIPTISOISISTENS OBIIT ISLEB A1546D·CONCORDLE 18 FEBR“(indulgentiam, comitiis, Germanice)— Nandſchrift LUTHERI LEHR IST G60TTES WORT DARUMB BESTEIHT SIE HIER UND DORT Medaille 43 M. zum Jubiläum 1717: MARTINVS LVTHERVS THEOLOGIAE D00CTOR(uerkwürdiges Chronogramm) Bruſtbild— VT TVRRIS LVMEN DAS TOro REGIA COELO(Chron. u. Hexam.) Leuchtthurm, im Abſchnitt IOBILAEO LVTHERA! NORVM SECVND O-[D.34·00CT: Die Form iobilaeo iſt genommen, um noch ein drittes Chronogramm herzuſtellen; ein V hätte die Zahl um 5 vermehrt. Franz von Malherbe, franzöſiſcher Dichter gb. 1555 ſt. 1628, Bronzemedaille 51 M. v. J. 1718: FR'MALHERBE. Kopf mit Lorbeerkranz nach links— IE LEUR APPRENS LE LANGAGE DES DIEUX: Dirigent vor drei Muſikern, unten M DCC XVIII John Churchill Herzog von Marlborongh, Reichsfürſt von Mindelheim(erhielt am 22. Nov. 1705 das votum virile), gb. 1650 ſt. 1722, Medaille 36 M. auf die Erfolge des Jahres 1706, Prachtexemplar: 10HD:G'S RTPRD: MARLEXERCANGLG:G-(dux, exercitus Anglici commendans generalis) Bruſtbild geharniſcht von vorn— PRETIVM NON VILE LABORVMüU Mars mit Trophäen hält drei verbundene Wappen(Brabant, Flandern, Reichsadler), am Boden beſiegte Feinde, im Abſchnitt GALLIS ACIE DEVICTIS-BRA] BANTIA-FLANDRET ANT. WERPXV-DIER SP.]EREPT: 1706.(dierum spatio)— Randſchrift MARTE FEROX, ET VINCI NESCIVS ARMISVIRG Nach der Schlacht bei Ramillies am 23. Mai 1706, die der Nr. 609 erwähnte Villeroi verlor, wurde Brabant und Flandern raſch unterworfen(ſ. Nr. 643), und dem Erzherzog Karl wurde als rechtmäßigem König Karl III gehuldigt. Die Randſchrift enthält einen Fehler, der einzig in ſeiner Art iſt; der Vers iſt nämlich gar nicht von Virgil, ſondern von Ovid und ſteht ex Ponto II, 9,45. Jakob Meinertzhagen in Cöln, Medaille 43 M. auf die goldene Hochzeit 1724, wie neu: IACOB MEINERTZHAGEN ET SARA LE BRVN geb: 1649. VEREHL: 1674.DIE 50. IAHRIGE EHE VERNEVT 1724.d. 4. 8ept: Ein Engel, das Wort Jubil: poſaunend, bringt den beiden Eheleuten die Krone des Lebens, darunter im Abſchnitt OORONATVSI AMOR— FACTVRA NEPOTIBVS VMBRAM. Palmbaum zwiſchen den beiden Geſchlechtswappen, darunter im Abſchnitt INAEVVM- Auf einer beiliegenden gedruckten Beſchreibung von C. G. L., d. i. Carl Gottlieb Laufer in Nürnberg, ſteht geſchrieben: Frauw Camp. Dies iſt die Stiefmutter unſeres Jakob Camp. Seine Mutter, die ſchon 1695 ſtarb, war die Tochter einer gebornen Meinertzhagen. Desgl. 48 M: IACOB MEINERTZHAGEN geb: 1649 d. 13. Nov.& SARA LE BRVN geb: 1649 d. 19. Oct: VEREHL. 1674 DIE 50. IAAHRIGE EHE VERNEVT 1724. d. 4. Sept: Zwei nach dem Pentalpha blickende Adler auf einem Felſen, woran die beiden Wappen, darunter VIRIBVS ADOLESCVNT)] Esai: XL.— 619. 620. 621. 622. 623. 34 EN TVA QVAM NOBIS CONCESSIT DEXTERA PROLEM- Weinſtock(aus dem Meinertzh. Wappen), von höherer Hand durch einen Pfahl geſtützt, darunter SVFFVLTAVIRESCO“ V(Veſtner) Auf der beiliegenden gedruckten Beſchreibung, ebenfalls von C. G. L., ſteht: Herr Johan Camp (der Vater des Steuerraths). Dieſelbe gibt die Bibelſtelle genauer an Jeſaias 40,31, erklärt aber die Adler noch weiter von dem lat. Sprichwort aquilae senecta. Dem Hexameter liegt danach Jeſaias 8,18 zu Grunde. Die Zweige und Trauben des Weinſtocks geben in entſprechender Anzahl die Kinder und Enkel an, wie ausföhrlich dargelegt wird. Montesquien gb. 1689 ſt. 1755, Kupfermedaille 59 M. v. J. 1753, Prachtexemplar: CAROL: DE SECONDAT BARO DE MONTESOVIEV. Bruſtbild nach links— IHINGC IVRA: Schwebende Göttin mit Sonne, Palmzweig(Zeichen des Sieges) und Buch, deſſen Aufſchrift ESPRITDES] LOIX, die Füße an die Erde gelehnt, daneben ſtehende Gerechtigkeit, links A DASSIER“(ſ. Nr. 514) und im Abſchnitt 1753. Der Sinn des Bildes iſt: der höhere Geiſt der Geſetze, wie ihn das Werk von Montesquieu darlegt, ſoll die Gerechtigkeit erleuchten. Moritz Marſchall von Sachſen, gb. 28. Oct. 1696, Sohn des Königs Auguſt II von Polen und der Gräfin Aurora von Königsmark, ſeit 1720 in franzöſiſchen Dienſten, von den Ständen in Kurland 1726 zum Herzog beſtimmt, aber von Polen und Rußland nicht zugelaſſen, ſt. 30. Nov. 1750, Kupfermedaille 54 M. v. J. 1747, Prachtexemplar: MAURITSAXO GALLMARESC'GENPD-CURLET SEM.:(Gallicus mareschallus generalis, dux Curlandiae et Semgalliae) Bruſtbild geharniſcht nach links, am Arm-D-ET F·(vgl. Nr. 589) — BELGI:GALLPROPUG-AUSTRCAPTFOED-VICT:(wohrſcheinlich Belgio Gallico pro- pugnato Austriaco capto foederato victo) Zwiſchen Kriegsgeräth ſitzender Genius ſchreibt auf eine an Trophäen gelehnte Tafel. Im Abſchnitt NUM SIGN-A-MDCCXLVII KALDECEM-. (nummus signatus kalendis decembribus) Die Medaille faßt am Ende des Kriegs die Thaten zuſammen. Moritz vertheidigte 1744 Flandern(Belgium Gallicum) tapfer, eroberte 1745 und 1746 die öſtr. Niederlande und ſiegte 1747 über die Holländer, worauf im April 1748 der Friede zu Aachen zu Stande kam. Oninault, franzöſiſcher Operndichter, gb. in Paris 1635 ſt. 1688, Bronzemedaille 59 M. v. J. 1718: PHILIPPE QVINAVLIT Bruſtbild mit Lorbeerkranz— MES VERS ONT MERITE LES CHANTS LES PLUS PARFAITS Apollo mit Feder, nach der Sonne blickend, am Boden Operntexte, worauf ATIS, ARAM, ISIS zu leſen, unten CURE und im Abſchnitt M DCC XVIII Jean Baptiſte Rouſſeau, Dichter gb. 1670 ſt. 1741, Bronzemedaille 52 M. v. J. 1730: P. BAPTISTE ROUSSEACU. Kopf, darunter CUREÖF.— TOUT BRILLE EN SES HEUREUSES MAINS Palme, an deren Stamm Embleme der Poeſie, im Abſchnitt M DCC XXX Ruiter, niederländiſcher Admiral gb. 1607 ſt. 29. April 1676, Zinnmedaille 68 M. o. J: MICHAEL DE RVITER PROVINCIARVM CONEOEDERAT: und zweite Umſchrift BELGIC: 624. 625. 626. ARCHITHA- LASSVS DVX ET EOVES: Bruſtbild geharniſcht von vorn, am Arm CAD F.(Chriſtoph Adolphzoon)— Seeſchlacht, im Abſchnitt PVGNANDO- Die Medaille ſoll bei Ruiters Tod geprägt ſein und der Revers die Schlacht bei Meſſina darſtellen, worin er den Fuß verlor, was ihm den Tod zuzog. Stralenheim, ſchwediſcher Geſandter in Wien, Medaille 43 M. v. J. 1708, Prachtexemplar: HENNINGLB-DE STRALENHEIM’SRM'SVEC PLENIP-IN SILES:(liber baro, sacrae regiae maiestatis Suecicae plenipotentiarius in Silesia) Bruſtbild geharniſcht, am Arm fl. (wahrſch. Hautſch in Nürnberg)— CITIVS ET FORTIVS. Die Religio ſammelt die Sonnen⸗ ſtrahlen in einem Brennſpiegel und zündet damit ein Altarfeuer an. Im Abſchnitt OB FIDEM REGI ET RELIGIN] RESTAVRATSACRORVM]SILESIACPRAEST- CIOIOCCVII (religioni, restauratione, Silesiacorum praestitam)— Randſchrift das Bild betreffend SOLIS ARDESCIT RADIIS LONGEOQVE REFVLGET. Karl XII nahm ſich der Lutheraner in Schleſien an und ſetzte es durch, daß ihnen über hundert Kirchen eingeräumt wurden; bald nachher hörten die Zugeſtändniſſe mit ſeinem Glück wieder auf. Die Randſchrift iſt aus Virgils Äneide VIII,G23, wo aber inardescit ſteht. Marſchall von Thüngen, Medaille 37 M. auf die Einnahme Ulms 1704, Prachtexemplar: HANS CARLILB-DE THVNGENS:CM'GEN-CAMP-MARESCI(liber baro, sacrae caesareae maiestatis generalis campi mareschallus) Bruſtbild geharniſcht von vorn— ASSERTORI LIBERTATIS Ulm reicht dem Sieger die Hand, an einen Altar gelehnt, woran das Stadtwappen und worauf der römiſche Bürgerkranz von Eichenlaub mit OB] CIV-] SERV- (cives servatos) Im Abſchnitt VLMA GALL-EREPT-]D. 13 SEPT. 1704.] G H:(Gallis erepta, Georg Hautſch)— Randſchrift NEC TARDA SENECTVS DEBILITAT VIRES ANIMI MVTATOVE VIGOREM-VIRG'(nämlich Aen. IX,G11) -— Hiſtoriſche Medaillen(chronologiſch). Vergoldete Medaille 53 M. auf den weſtphäliſchen Frieden 1648: AVREA PAX VIGEAT DET DEVS ARMA CADANT Friedensgöttin mit Palme und Olivenkranz empfängt von höherer Hand einen Olzweig, zu ihren Füßen Sichel und Pflugſchar; ihr gegenüber ein Krieger mit abgenommenem Helm und zerbrochenem Schwert, Handſchuh am Boden; Fahne, brechender Speer und Schild im Niederfallen— PAX THEMIS ET PIETAS SAPIENTIA MVSA RESVRGVNT E CONTRA GLADIVS BELLICA SIGNA IACENT Innen unter Engelskopf DREISIG-IAHR]HATT.GEWERT. DERKRIEG. VIELBLVTTVER(verb. V u. E)] GOSENWARDZVMSIEG] DISTAHR. SCHICKT.GOTTDENFRIEDEN-FEINDEM'SEY-EHRLOBVND-PREYS-ALLEIN ANNO. 1648 5* 36 Medaille 49 M. auf den Friedens vollzug 1650(ſ. Nr. 604), ſehr ſchön:. 60TT LOB DER UNS SOo GUTIG LIEBT DEM KRIEGE WEHRT UND(N u. D verb.) FRIEDE GIBT Stehende Göttin mit Palmzweig, zu ihren Füßen Kriegsgeräth, worin SD (vgl. Nr. 601) und 1650 angebracht— wWo GUT UND TREU SICH KUSSEN LIGSTU O NEID zUN FUSSEN Zwei ſchwebende Genien mit Palm- und Olivenzweig umarmen ſich, unten der liegende Neid. 628 bis 636. Neun kleine Münzen o. J., alle 17 M. groß, wie neu, in einer ſilbernen Schachtel, die 637. 638. ein entſprechender Behälter von Knochen einſchließt: a) Lil:VI ROMANO:(Leopoldus imperator victoriosus? Romanorum) Kaifer mit Scepter zu Pferd— CO0RONIS.ADDE.CORONAS Arm aus Wolken eine Krone reichend. b) I0SEPHVS-REX HVNGCA links ROM: Joſeph mit Commandoſtab zu Pferd— AMORE· ET. TIMORE(Joſephs Wahlſpruch) Schwert, woran Lorbeerzweige befeſtigt. c) ELECTORMO GvNTI: Kurfürſt zu Pferd— SITPRIMO-SECVNDVS(auf den hohen Rang des Erzbiſchofs zu beziehen?) Rad. d) EL.ECTOR TRFVIRENSIS Kurf zu Pferd VTRISOVEFVMIGAT Weihrauchfaß u. Kanone. e) ELECT. COL.: Kurf. zu Pferd— IN-IHOCSIG NO'VINCAM Kreuz und zwei Schwerter. f) ELECTOR BAVARIT Kurf. zu Pferd— TERRET ET. TERIT Blitze u gefeſſelter Feind. 2) ELECTOR BRA NDEBVRG Kurf. zu Pferd— NON FLECTITVR Säule von zwei Winden beſtürmt. h) ELECTOR-PAILATINRATVS Kurf. zu Pferd— VNO-ESEMINE(die Mutter Joſephs I war eine Tochter des Kurf. Philipp Wilh. v. der Pfalz) Baum mit acht Früchten. i) ELECTOR SAXONILE Kurf zu Pferd— SI10SAXO-TRIVMPHAT Kopf am Boden. Auf dem Silberdeckel ſteht CORONIS ADDE C0RONAS um den mit Arabesken gezierten Doppeladler, auf deſſen Bruſt eine Krone im Schild. Dieſe Münzen, das Erzeugniß einer Privatinduſtrie, entſtanden, wie es ſcheint, 1690 bei Gelegenheit der Nr. 482 erwähnten Krönung; 1689 war der Reichskrieg an Frankreich erklärt, daher der kriegeriſche Eifer. Die Kurfürſten ſehen alle einer aus wie der andere. Zinnmedaille 42 M. von Wermuth auf die Beſchießung Brüſſels 1695: MOMORDIT LAPIDEM Anſicht der bombardirten Stadt, unten BRVXELLE A GALLO] FRVSTRA IGNE TENTATAE AvG. M.DCVC. C-W.(Datum alten und neuen Stils)— COMBVSTA INTEGRIOR EXSVRGO. Phönix, unten M-DC.IVC- Medaille 36 M. auf den Ryswicker Frieden 1697, ſehr ſchön: Fama PAX poſaunend über dem Schloß, im Abſchnitt PFAX RYSVICCEN 8IS— C0NCORDI PACE LIGABO. Friedensgöttin hält die fünf zum Kranz verbundenen Wappen vom deutſchen Reich, Oſterreich⸗Habsburg(für Spanien), Frankreich, England und den Niederlanden, in deren Mitte das Wappen von Schweden(Vermittler des Friedens), unten 16 97 und links G H(Georg Hautſch in Nürnberg)— Randſchrift ET PACEM ET OTIVM DABO IN ISRAEL. PARALIP.XXII 639. 640. 641. 642. 37 Medaille 40 M. auf die Wegnahme der ſpaniſchen Silberflotte bei Vigos in Gallicien im October 1702, Prachtexemplar: SPES ET VIRES HOSTIUM FRACTAE über Beute ſtehender Dreizack, umgeben von Lorbeer⸗ und Palmzweigen und einer Schiffskrone, die ein Genius hält. Im Abſchnitt INCENSA GALLOR CLASSE] HISPANOPES AMERICINTERCEPT.(Gallorum., Hispanorum, Americanae interceptae)— ANGLORVM ET BATAVORVM VIRTVTE: Küſtenanſicht von oben mit den Ortsangaben CANGAS, REDON: DELLE., VIGOS“ und B00ES, kämpfende Schiffe, rechts IH(Hautſch) Im Abſchnitt AD VIGOS PORTä1 GALLICIAE]1702.(portum)— Nandſchrift DECIDIT IN CASSES PRTDA PETITA MEOS.OVID’(nämlich ars amatoria II,2) Scherzhafte Zinnmedaille 43 M. auf den Sieg bei Höchſtädt 1704: HAANEFEINDS FRANZOISCHE BEUTHE! und in zweiter Zeile ZEUGT DAS KLEIDER MACHEN LEUTE Haanefeind(Feind des galliſchen Hahns), breit ausſtaffirt mit Federhut, Perücke, franzöſiſchem Rock und Stulpenſtiefeln, mit erbeutetem Gewehr und Säbel behängt, hält einen Beutel, worauf(undeutlich) LVY]DOR zu ſtehen ſcheint. Unten A0: 1704.— WER SAGEN KAN] WO] BLIEBEN SIND FRANZ-BAYRISCHE SOLDATEN DEM GEBEN WILL! HAANEFEINDIVS DEN!I BEUTEL VOLL] DUCATENAN: 1704. D13-AVG. links am Rand von oben herab(die Buchſtaben ſenkrecht wie die in der Mitte) BEYHOE rechts ebenſo CHST ET— Randſchrift CLADES BAVARIS HOCHSTETI AD DANVBIVM AN. 1081. AVGILLATA1704.13 AVG REPETITA Im Jahre 1081 ſiegte der Gegenkaiſer Hermann von Luxemburg bei Höchſtädt über Friedrich von Hohenſtaufen, Herzog von Franken und Schwaben, den treuen Eidam Heinrichs IV. Medaille 47 M. auf den Frieden zu Altranſtädt 1706: Wier Zwey haben Einen Sinn, Geldt? VNiemand! weiß! wohinn.— Es iſl Friede und iſt Keiner, das weiſt du und noch Einer. 1706.— Randſchrift ZEHN WOCHEN STILILESTAND BRACHT FRIED IM SACHSEN LAND-ANNO 1706 Die zwei ſind Karl XII und Friedrich Auguſt. Die beiden deutſchen o ſind verkehrt. Medaille 37 M. von Philipp Heinrich Müller(ſ. Nr. 467) auf denſelben Frieden, Prachtexemplar: 006NATO SANGVINE VICTA über einer gebändigten Furie reichen ſich Mars und Hercules die Hand. Links P-HM' und im Abſchnitt PAX SVECIAM INTER ETPOLONIAM PACTA ALT RANSTAD MD(CC VI— ALTA PAX GENTEIS ALAT ENSESOVE LATEANT. Stadtanſicht, darüber ſchwebender Mercur, unten LIPSIA:— Randſchrift IDEM INTER SE POSITO CERTAMINE REGES FOEDERA IVNGEBANTVIRG“(nämlich Aen. VIII,G39) Der Revers bezieht ſich auf die große Leipziger Meſſe, mit welcher der Friedensſchluß am 24. Sept. zuſammenfiel. In dem Ausdruck cognato sanguine iſt angedeutet, daß ebenſo wie Mars und Hercules(beide Söhne des Jupiter) die beiden Könige nah verwandt waren. Die Mutter Karls XII, ulrike Eleonore, und die des Friedrich Auguſt, Anna Sophie(ſ. Nr. 293), waren Schweſtern, Töchter Friedrichs III von Dänemark. 643. 644. 645. 646. 38 Zinnmedaille 43 M. auf die Siege in Brabant 1706(vgl. Nr. 616): LVDOVICVS MAGNVS ANNA MAIOR: Mars von Minerva zu Boden geſtreckt— Kreis von zwölf Schilden mit den Namen BRVS-[SELLA; MECH“LINIA;LIE RA; ANT- VERPI A; FVR NA;ALOS. TVM; ATHVM; ALDE NARDA; BRV.G; GAN] DAVI! VM; DA] MIVM; LOVA] NIVM Göttin mit Palmzweig, eine Stadtkrone hoch haltend, neben einem an Trophäen befeſtigten Schild, worauf CLADES]GALLORIN BRAB 123·MAI (Schlacht bei Ramillies) Dazu als innere Umſchrift CVVRA PVGNACIS FACTA MINERVAE und im Abſchnitt XII VRBES CVM PRO VINCIIS INTRA XVD:RECEPT R1706(dies)— Randſchrift DOMINVS TRADIDIT EVM IN MANVS FOEMIN E(verb. O u. E). IVDITH. XVI.C: Zinnmedaille 45 M. auf den Abzug der Franzoſen von Neapel 1707: DESERTOS VIDERE LOCOS LITTVSOVE RELICTVM“(Virg. Aen. II,28) Anſicht von Neapel; die Menge ſtrömt aus der Stadt mit Palmzweigen den öͤſtr. Reitern entgegen. Im Ab⸗ ſchnitt KEAPOLIS A GALI DESERFT.[ACAES:OCC:D 7.IVL] 1707.(Gallis deserta, caesareanis occupata)— NOVA VELOCEM CINGVLA LAEDIT EOQVVM(Ovid. rem. amoris 236) Reiter in antiker Tracht mit der franzöſiſchen Lilie vor der Bruſt, vom jagenden Roß abgeworfen— Randſchrift PLARET EOQVVS LENTIS ANIMOSVS HABENIS-OVID-(trist. IV,6,3) Der Graf von Daun eroberte faſt ohne Widerſtand das Königreich Neapel für den Erzherzog Karl, dem die Bevölkerung mit Jubel huldigte. Nova cingula iſt von der franzöſiſchen Herrſchaft zu verſtehen.. Zinnmedaille 48 M. auf die Einnahme von Lille(früher Ryſſel, lateiniſch Insulae) durch den Prinzen Eugen 1708: CONFVNDAMVS LINGVAM EORVM VT NON AVDIAT VNVSOVISOVE VOCEM] PROXI MI SVI. Der Thurmbau zu Babel. Im Abſchnitt RYSSEL VEL INSVLR PER PRINCIPEM EVGENIVM OB: SESSA 22-AVGET 23-] OCT-RECEPTA 1708— SISTE SOL IN GIBEON ET LVNA IN VALLE AIALON Beſchießung der Stadt, darüber Sonne und rechts, wo Cittadelle ſteht, Mond. Im Abſchnitt CASTELLVM RYSEIL OBSES: T SVM XXVII OCTRECEPTVM[VERO IX DEC.— Nandſchrift VNITA VIRTVS VALET Wie es ſcheint, iſt Lille, damals einer der größten und ſtärkſten Waffenplätze, mit dem Thurm zu Babel und der Prinz Eugen mit Joſua verglichen. Warum aber gerade die angegebenen Stellen aus Gen. XI und Jos. X gewählt ſind, iſt nicht klar. Zinnmedaille 43 M. auf die Einnahme von Douay in Flandern 1710: SPES PERDENS Ein Deutſcher und ein Franzoſe, zwiſchen denen drei Würfel, faſſen jeder an einer Tafel, worauf DOVAY; neben jenem drei Tafeln mit den Namen MONS(falſcher Punkt), RUSEL(Lille) und DOR NC, neben dieſem zwei Tafeln mit AR RAS und PA RIS Im Abſchnitt DVACVM GALLIS PACEM SPERN-EREPTVM- MDCCX— DEFEOCTVM LVMINE VIDIT. Sonne von der Mondſcheibe verdeckt. * 647. 648. 39 Der Sinn des Avers iſt: der Franzoſe hat im Würfelſpiel ſchon drei Feſtungen verloren, auch Douay wird ihm abgenommen; ihm gehört noch Arras und Paris. Die Angabe pacem spernentibus iſt darauf zu beſchränken, daß Ludwig XIV, der ſelbſt um Frieden bat, auf die zu harten Forderungen nicht einging. Spottmedaille auf dasſelbe Ereigniß 43 M. ſchön: PHILISTER UBER DIR SIMSON: Anna als Delila ſchneidet dem König, der zwiſchen Kriegs⸗ geräth auf einem Pulverfaß ſitzt und ſich auf den franzöſiſchen Schild ſtützt, die Haare ab; hinter ihr kommen zwei Philiſter mit Feſſeln; links bombardirte Stadt. Im Abſchnitt POST VARIAS VRBES]ET DVACVM GALLIS EREPTVM D 27 IVN 1710— Il faut s»'accommoder aur Dames. Ludwig mit zwei Stöcken tanzt, während Anna die Harfe ſpielt. Im Abſchnitt LUDOVICi ANNA ILLO MAGNæ MAIOR(zu verbinden magnus illo maior, die unterſte Zeile geht im Bogen, und darüber ſteht illo in der Mitte) Das Tanzen iſt ein boshafter Hohn auf Ludwigs Hinken; die Harfe iſt das Wappen von Irland. In dem Wort Dvacvm ſind die beiden Buchſtaben C und V vor M vertieft; wie es ſcheint, wurde ein anfänglicher Fehler des Stempels dadurch abgeändert. Zinnmedaille 43 M. von Chr. Wermuth zum Reformationsjubiläum 1717: MENTE DEO CONCORS AEVO RENOVATVR IN IPSO(Chron.) Verſchiedene Gruppen, vorn wird eine Gans(Huß) ans Feuer gebracht, links ſchreibt ein Mönch an die Kirche mit langer Feder, die einen Löwen ins Ohr ſticht(die Theſes); dazu als Überſchrift SOMXN FRIDER'SAP-EL SAXNOCT-O-AD 31·00T: 1517.(somnium Friderici sapientis electoris Saxoniae nocte) und im Abſchnitt IN MEMOR-IVBEVANG. SECVND4OCT. C. W.(memoriam iubilaei evangelici secundi)— 5 PROPHETABVNTJFILII VESTRI ET'FILIAE VESTRAE!SENES VESTRI] SOMNIA ET IVVENES VESTRI]VISIONES]VIDEBVNT.IOELIS II. 28:(Chron.) Der Kurfürſt Friedrich der Weiſe hatte auf ſeinem Schloſſe zu Schweinitz einen Traum, den er alſo beſchrieb:„Nach Mitternacht träumte mir, wie der allmächtige Gott einen Mönch zu mir ſchickte, der hatte zu Gefährten alle liebe Heiligen, die ſollten dem Mönch ein Zeugniß geben, daß er ein wahrhaftiger Geſandter Gottes ſei, und Gott ließ mir gebieten, ich ſollte dem Mönch geſtatten, daß er mir etwas an meine Schloßkapelle ſchreiben dürfe, es würde mich nicht gereuen. Ich ließ ihm nun ſagen, er möchte ſchreiben, was ihm geboten würde. Darauf fing der Mönch an zu ſchreiben und machte ſo grobe Schrift, daß ich ſie hier zu Schweinitz— acht Stunden von Witten⸗ berg— erkennen konnte. Er führte auch eine ſo lange Feder, daß ihr oberes Ende bis gen Rom reichte und einen Löwen, der zu Rom lag, in ein Ohr ſtach, auch die päpſtliche dreifache Krone erſchütterte, daß ſie anfing zu wackeln und herunterfallen wollte. Darüber brüllte der Löwe ſo greulich, daß alles herbeilief, um zu erfahren, was geſchehen wäre, und der Papſt begehrte, ich ſollte dem Mönch wehren, weil er ſich in meinem Lande aufhalte. Wir bemühten uns nun ſehr dieſes Mönches Feder zu brechen; aber je mehr wir uns bemühten, deſto mehr ſtarrte und knarrte ſie, wie wenn ſie von Eiſen wäre, alſo daß es mir in den Ohren wehe that und durchs Herz ging. 649. 650. 651. 40 Endlich wurden wir müde und ließen ab, weil wir befürchteten, der Mönch könne mehr als Brot eſſen; doch ließ ich ihn fragen, wie er zu dieſer feſten Feder gekommen ſei. Er ließ mir ſagen, ſie komme von einer hundertjährigen böhmiſchen Gans, daß ſie aber ſo feſt wäre, käme daher, daß man ihr den Geiſt nicht nehmen noch die Seele herausziehen könne.“ Wie Meurer in Luthers Leben bemerkt, gründet ſich die Erzählung von dieſem Traum auf den Bericht des Superintendenten Antonius Muſa, der die Sache aus Spalatins Mund gehört haben will.(Die vorſtehende lange vergeblich geſuchte Aufklärung verdanke ich Herrn Director Piderit). Spottmedaille von Zinn 32 M. auf den Bankerot des Law'ſchen Finanzſyſtems 1720: BEETER IN DE WYDE WEREIT; AIS IN DE NAUE BUYK Of Kls†. NVMMVS VBI LO0OVITVR: Law entſendet Rauch als Geld aus einer Pfeife und zugleich Geld von hinten; in der Luft fliegen mit Federn verſehene Geldſtücke. Im Abſchnitt NOOlT BREEKT YSER A 2 PROCENT.(Chron. mit der Umſchrift zuſammen ohne nummus ubi loquitur, X gilt daber als 2)— KOMT SEHT DAS FRANTZ-VOLCK ANI HERR LAVV THVT GROSSE THATENI(Chron.) Innen EN! MAGNAS[DAT OPES]CEILEBERLAVV]FOENOREQVESTVS(Hexam. u. Chron.) 1 Der Schotte John Law gründete 1717 eine franzöſiſche Bank, mit deren Papieren es ähnlich ging wie mit den ſpäteren Aſſignaten. Sie verloren allen Werth, worauf der Ausdruck 2 pro cent zu beziehen; die Bank ging 1720 ein, und Law floh aus Frankreich. Zinnmedaille 53 M. aus Wermuths Anſtalt auf den Brand in Kopenhagen 1728: AN ERIT MALVM IN CIVITATE OVvOD IEHOVA NON EFFICIAT.[AMOS III:G. 13. 14.15. Brennende Stadt, darüber Engel mit Band, worauf NAH-(Nahum) I'6-APVDDEVM BENIGNITAS(die drei letzten Buchſtaben verkehrt) Im Abſchnitt VIVAT REX IN SECVLVM NEHEMILEII'3- TTHV.HI:(wahrſch. Schüler von Wermuth)— PERO:(perquam) TERRIBILIINCENDIO HAFNIAM D. xXOCT MDCCXXIIX VLTRATERTIAM PARTEM DEVASTANTE!:(in abſonderlicher Richtung von links unten herum nach rechts) ſodann 39 zum Theil ſchlecht geprägte Zeilen, die nichts enthalten, als eine ſchleppende übermäßige Lobpreiſung des gütigen Königs Friedrich IV in ſchlechtem Latein; bemerkenswerth iſt darin nur der Fehler RELICITATIBVS für felicitatibus. Darunter C. WERMVTH“ FF(fieri fecit) Zinnmedaille 41 M. auf den Congreß zu Soiſſons 1729: HAMICVMCALAMISACRETIANOSTRAPARATA IVNO, PLVTOFAVETEETPISCATVM DATELARGVM: Fiſcher am Eis, worauf ein Schlitten fährt, darüber ſchwebende Juno und die Sonne zwiſchen den Zeichen der Fiſche und des Widders, rechts Pluto erſtarrt. Unten NVNC PISCESHAVDCAPIVNTVRPISCIBVS-— CVRFRIGENT ANIMI?CVR OMNIA FRIGIDA TRAOCTANT? ENI IVNO FRIGET. QVæ CALET INVIDIAAHI HOS CALFACIET PLVTO[SVA MVNERA MITTENS; MAIORI ZELOTVM QVOOVEIPERGET OPVS NOIX unten IN CONV. SOISSON- MENSTEBRMDCCXXIX· Die Medallle iſt ſehr unverſtändlich. Offenbar iſt ſie ironiſch und warnt vor großen Hoffnungen, 652 653. 654. 655. 41 wie ja auch der Congreß unverrichteter Sache auseinander ging. Das Bild ſoll darſtellen, daß man nicht fiſchen kann, wenn alles ſtarr iſt; ironiſch ſind Juno und Pluto angerufen als die Mächte, die über das Meer nicht gebieten. Ob ſonſt noch Beziehungen zu ſuchen ſind, etwa auf die kaiſerliche Handelscompagnie zu Oſtende, bleibt unklar. Unter Pluto's Gaben wird Geld zu verſtehen ſein. Zinnmedaille 37 M. zum Jubiläum 1730: IAM TERTIA VI: VITVR AETAS:(Ovid. Met. XII, 188) Ein Engel befeſtigt einen Schild, worauf CC, an einer Palme, an deren Stamm ACONFESS(Augustana confessio) Im Abſchnitt V. D. M. I.&(verbum domini manet in aeternum), darunter V.(Veſtner in Nürnberg)— In einem Lorbeerkranz EXVLTATE]DEO ADIVTORIINOSTRO WVWBILATE DEO IACOB (Chron.) PS:LXXXI. Das Bild bedeutet: zweihundert Jahre beſteht ſiegreich die Augsburger Confeſſion. Desgl. 41 M. auf die Uneinigkeit der Proteſtanten: VNA SALVTIS VIA, VNA RELIGIONVM VNIO. Die beiden Religionen durch ein Band vereinigt, das von Chriſtus gehalten auf einem Altar liegt, worauf die heilige Schrift BIBLIA bezeichnet, links Luthers, rechts Calvins Bruſtbild. Im Abſchnitt IVBIL RO II-AVG-OCONPFES: DIE XXV.IVNII MDCCXXX— SIC TANDEM RESOLVETVR und im Abſchnitt ET SIC SPERATVR VNIO: Die zwei Religionen, die eine als Furie, ziehen nach verſchiedenen Seiten an einem verwirrten Band, das ein Krieger mit dem Schwert zu durchhauen droht, darunter UT CONSTITVTIO UNIGENITVS(worin ein Fehler zu ſein ſcheint). Zinnmedaille 42 M. von Wermuth in Gotha auf die Auswanderung der durch Leopold Anton bedrückten Salzburger Proteſtanten 1732: NACHDEM DIE PROTESTANTENRECHT FPREUDIG IUCBILIRT, daneben links(in anderer Richtung) AVG-CONFIVB-II und rechts 1730 Innen unter der Überſchrift ZUFLUCHTN DER SALTZBURGER: Stadtanſichten mit den beigefügten Namen AVGSPVRG,BERLIN. HANNOVERKAUFBAYERN, MEMMINGEN, PAPPENHEIM, NORDLINGEN. WURTEN BERGER LAND und ULM— WERDEN VIEL EMIGRANTEN VON SALTZBURG AUSGEFOHRT. Kirche auf einem Berge unter einem Regenbogen, die Auswanderer durch Waſſer von Geiſtlichen getrennt. Im Ab⸗ ſchnitt 1731:& 1732· zwiſchen C. und W', darunter NOV-DECIAN-FEBR Medaille 34 M. auf die bevorſtehende Kaiſerwahl 1741, ſchön erhalten: EXVOTO Gottesauge, darunter Thron und Tiſch mit den Inſignien, davor kniende gekrönte Geſtalt hinter Adlerſchild(das deutſche Reich), unten C S(vgl. Nr. 544) und im Abſchnitt 1741, daneben IIE(Joh. Jakob Enke(ſ. Nr. 506)— 0O0 HERR DIE KAYSERSWAHL] MIT DEINER GNADBESTRAHL. DAS AUF DEM KAY⸗ ⸗=⸗SERS THRON] BALDHERSCHEIN SALOMO N Karl VII wurde am 24. Januar 1742 gewählt, die Medaille wird alſo Ende 1741 geprägt ſein. Medaille 43 M. auf den Frieden Öſterreichs mit Bayern 1745, ſchön erhalten: VER PACIS SACRVM Blumen ſtreuender Gärtner, zwei Füllhörner von oben, links EW Im 6 657. 658. 659. 660. 42 Abſchnitt PFAX AVGVSTAABAVGVSTIS AVGVSTAERITECONFECTA[AD DXXIV MAII. MDCCXLV— Im Kranz von Olivenblättern LUCEMREDDETUA, PAXBONA, PATRILAINSTARVERIS' ENIMVULTUSUBITUUSADFULSITPOPULO, GRATIORITDIES ETSOLESMELIUS NITENT. HORAT:LIBIV. OD:V. Der Friede zu Füſſen war am 22. April abgeſchloſſen; wie aus der M. zu entnehmen, wurde er in Augsburg ratificirt. Unter ver sacrum verſtand man in alter Zeit ein beſonders heiliges Gelübde, wonach alles, was im nächſten Frühling wuchs oder geboren wurde, den Göttern geopfert werden ſollte. Der Ausdruck augustis iſt nur des Wortſpiels wegen gewählt und nicht wie ſonſt von Kaiſern zu verſtehen; denn den Frieden ſchloſſen die Königin Maria Thereſia, deren Gemahl erſt am 13. Sept. Kaiſer wurde, und der Kurfürſt Max Joſeph, deſſen Vater, Kaiſer Karl VII, am 20. Jan. 1745 geſtorben war. Medaille 44 M. auf den Hubertsburger Frieden 1763, ſehr ſchön: NVNCIA PACIS Fama über dem Schloß Hubertsburg. Unten D. 15. FEBR-MDCCLXIII und rechts OEXLEIN':(in Nürnberg, O und E verbunden)— IAM REDIRE AVDET Ceres, pflügender Landmann. Unten GERMANIA]PACATA Daria. Schauſtück 44 M. o. J. aus der Reformationszeit: DER HERSPRACHIZV-MOSE-MACHDIREINERNE'SCIHLANG-VND-RICHT.SLZVM und zweite Umſchrift ZEICHENAVF-WER GEBISSENISTVND:SICHT·SIE-ANDERSALLEBEN Die um das Kreuz geſchlungene eherne Schlange, darunter Volk und Leichen, im Feld NVME RI-24·— GELEICH-WIE DIE SCHLANG.SO-MVSDESMENSCHENSON-ERHOET-WERDEN und zweite Umſchrift AVFDASALDIE-ANINGLAVBENHABENDAS-EWIG LEBEN. Chriſtus am Kreuz, darunter Krieger, im Feld I0(Johannes) 3: Es gibt ſolche Medaillen mit der Jahrszahl 1527, 1528 und 1529. Man bezog ſie früher auf die damals in Wittenberg herrſchende Peſt. Vergoldete Spottmedaille v. J. 1543 im Ring mit Henkel 42 M.(mit dem Ring, ohne denſelben etwa 38 M.): DESBAPST'GEBOTIST-WIDER-GOTMDXLIII Doppelkopf: Cardinal und Narr— FALSCHELERE'GILT-NICHT MEHRMDXLIII Sitzender Prieſter mit Kelch, umgekehrt ſitzende Frau mit Schwert und Buch. Spottmedaille, mit der vorigen ungefähr gleichzeitig, 33 M: ECCLESIAPERVERSATENET FPACIEMDIABOLI Doppelkopf: Papſt und Teufel— STVLTI ALIOVANDO SAPIENTES Doppelkopf: Cardinal und Narr. 661. 662. 663. 664. 665. 4³ Der Erfinder dieſer ſatiriſchen Medaille, die von Einigen dem Lucas Cranach zugeſchrieben wird, ſoll der Superintendent zu Magdeburg, Nicolaus von Amsdorff, ſein. Derſelbe wurde vom Kurfürſten von Sachſen zum Biſchof von Naumburg⸗Zeitz beſtimmt, auch 1542 eingeweiht, mußte aber 1546 wieder abſtehen, weil ihn der Kaiſer und der Papſt nicht anerkannten. Vergoldeter Talisman 24 M. mit erhöhtem Rand und Henkel, aus dem 16. Jahrhundert: Chriſtuskopf nach links mit drei Strahlen, links hebr. Schin, rechts Aleph, zu erklären isch schalem (Mann des Friedenus)— Hebräiſch Meschiach merod na bosch vajabo dama usah saro d. h. Meſſias(zur Bezeichnung des Bildes) Fliehe die Schande, kommen wird das Bild, und erhebe ſeinen Feldherrn. Das Ohr iſt gedreht wie der Ring und Henkel von Nr. 659; die hebräiſchen Aleph ſind wie lat. N. Wahrſcheinlich entſtand die Medaille unter Karl V und diente als Talisman im Kampf gegen die Türken. Die Erläuterung der Schrift verdanke ich Herrn Pfarrer Neuber dahier. Talisman von Blei 48 M., wahrſcheinlich aus dem 17. Jahrhundert: DISE MINERALISCHEV(und) MERCVRIALISCHE MATERT Sonne umgeben von Planeten⸗ zeichen— DISER TALERISTV-DENENTMINERALIEN PREPARIRT. und innen VOR FLUSS KRAMPFVND ROTLAUFF WAN ER BEY DEN MENSCHEN GETRAGEN WIRDT darunter ein unbekanntes Wappen mit Helmzierde. Ovale Medallle der fruchtbringenden Geſellſchaft oder des Palmenordens, Höhe faſt 40, Breite 38 M: ALLES ZV NVTZEN(oben auf einem Band) Deti Palmen, vor der mittleren ein Portrait mit der Umſchrift DERWOLGERAHTENE. Im Abſchnitt DIE-FRVCIHTBRING:ENDE: GESELL.:SCHAFFT.(3m Feld eingravirt A. E. und 16 90)— VERACHTETDASIRRDISCHE(oben auf einem Band) Wappen an dürrem Baum, nach der Sonne gewendete Sonnenblume. Im Abſchnitt DER-HIMMLISCH(M u. L verb.) GESINNTE- Der Palmenorden, der ſich die Reinerhaltung der deutſchen Sprache zur Aufgabe machte, wurde 4617 in Weimar geſtiftet und blühte bis 1680, zuletzt in Halle. Die Mitglieder gaben ſich allerlei abgeſchmackte Namen. Der Wohlgerathene iſt der Vorſteher des Ordens, Auguſt von Sachſen⸗ Weißenfels, der von 1667 bis 1680 Adminiſtrator des Erzſtiftes Magdeburg war. Vergoldete religiöſe Medaille 38 M. aus dem 17. Jahrhundert, gehenkelt: AC9.(Apoſtelgeſch. Cap. 9) SAVLSAVL-OD-ME-PERSEORISxGAT(Galater I,13) SVPRA- MODPSEOQBAR ECCLEDE(quid, persequeris, modum. persequebar ecclesiam Dei) Die Bekehrung des Saulus, darunter SAVLVS— ORGANV-ELECTVESTMIHILISTEVT PORTET-NOMEN-MEV-CORAGENTIBOs Bruſt⸗ bild nach links, darunter PAVLVS' links im Feld ACT. und rechts„9(nämlich Apoſtelg. IX,15) Taufmedaille 32 M. von Sebaſtian Dadler(vgl. Nr. 601): Chriſti Taufe im Jordan— Das iſt mem! Kieber Sohn an welchem ich wohlge⸗ fallen habe m: ¹: 17 c: unten 8 D Derartige Medaillen dienten als Pathengeſchenke. Wie m und a zu leſen ſei, iſt nicht klar. Die angeführte Stelle findet ſich Matth. III, 17; XVII,5, Marcus I,11. 6* 666. 668. 669. 44 Moraliſche Medaille 37 M. von Philipp Heinrich Müller(ſ. Nr. 467): ACCIPE DAOUE FIDEM Zwei Männer in antiker Tracht reichen ſich die Hand neben einem Dreifuß, worauf ein Feuer, in das ein Genius ein Gefäß hält. Unten im Bogen AMICVM PROBA PROBATVM AMA, rechts PHM— C0NSTANTER ET SINCERE Vor einer Pyramide zwei nackte Knaben, wovon der eine einen Spiegel hält. Moraliſche Medaille 32 M. um 1700 zu ſetzen: FAHR WOLLUST IMMER HIN:DER TUGENDT FPOLGT MEIN SINN Ein Jüngling weiſt die Wolluſt, die ihm einen Kranz hinhält, zurück und folgt der kriegeriſch ausgeſtatteten Tugend— S0 FüHRT DIE TUGEND ANZUR EHR UND GLUCKES BANN Der Jüngling, von der Tugend geführt, erſteigt die Stufen zur Glücksgöttin, die ein Füllhorn leert und ihn bekränzt. BANN Stempelfehler für BAHN. Offenbar liegt die bekannte Erzählung von Hercules zu Grunde, der ſtatt der„drn die«ge, wählte; ſ. Xenophon Memor. II, 1,21 ff. Moraliſche Zinnmedaille von Wermuth(ſ. Nr. 466) 58 M. v. J. 1691: Schloß, Häuſer und Kirche, davor ein Globus mit den Worten AMERICA. EUROPA. AFRICA, ASIA; daran gelehnt Krummſtab, Scepter und Grabſcheit, darüber Olzweig, Krone und Schwert unter Gottes Auge. Unten Uichts, Gott sichts Gott richts. und unter dem Globus CHRISTIAN WERMCHT. 1690.— Großer Stern, in deſſen Mitte ein Kreis, worin MEMENTO HOMO MORl und die Unſchrift LATETVNVSDIES.VT OBSERVENTVROMNES(nämlich omnes dies) Um den Stern im Felde dee Worte Ovids(Met. II,137) MEDIO TVTISSIMVS IB18 Auf den Zacken des Sterns PROSPICE, DESPICE, INSPICE, RESPICE, CIRCVMSPICE, DISPICE, SVSPICE nach dem Rande zu, wo(als Umſchrift) die zugehörigen Worte FVTVRA- TERRENA: TEIPSVM-=PRAETERITA=HOSTES=TEMPORA= COELVM=— Randſchrift PFAFF SUPLEX ORA-FUhRST PROTEGE=BAUEROVE LABORA GOHTAC-W 1691: Wunderlich iſt der versus Leoninus, in dem Baurque zu ſchreiben war, wunderlich auch die Schreibart Wermuht, Gohta und suplex. Satiriſche Zinnmedaille 40 M. von demſelben zur Verhöhnung eines gewiſſen Herkomann 1731: HERKOMANNVSTCTORVM LAPIS PHIILOSOPHORT.ABVSV& CORRVPTELA AB-& DEROGANDO MAGISTER:(jurisconsultorum, philosophorum leges) Zweite Umſchrift: NE IVS REGIVM LEGIVM(sich LEGIS FERENDAE RESCRIPTO VEL VIV VOCIS ORACVI0 VIN CAT Dritte Umſchrift: AsT MVLIERES IMPERANT SPE VI CLAM AVT PRECA RIO: Geharniſchter Mann mit erhobenem Schwert, worauf C0ONSVLTVM ITA ſteht, und Reichsapfel, darunter RABVLISTA; über den Arm, die Bruſt, den Reichsapfel und die Scheide hin unleſerliche Schrift— WO GUNST DIE PEDER FOHRTWO GELD DIE RICHTER BLENDET WIRD DIE GERECHTIGKEIT GAR WEIT VON UNS GE= WENDET(wendet außer der Reihe über wo Gunst) Zweite Umſchrift: WIE ABER WIRD ES DORT, BEY IENEM RICHTER STEHN, WANN ZUR BELOHNUNG IHR, MUST IN DiE HOLLLE GEHN Innen HER KOMANNO INVICTO HACTENVS. IVSTITIAE DEBELLATORIFORMALITATVMOVE 670. 671. 672. 45 IVRIS PRINCIPI FOVI. IVSTIOVEITYRANNO POSTERITATI IN CAUTELAM HANC STATVAM] BONA CAVSA LAPSVS]IVSTVS DOLOR EREXIT CFAGVSW MDCCXXXI: Zur Aufhellung dieſer räthſelhaften Medaille war bis jetzt nichts ausfindig zu machen. Der Name des Medailleurs iſt neben das Wort fagvs geſetzt, worüber die folgende Nr. zu vergleichen. Der Reichsapfel führt auf die Vermuthung, daß das Reichskammergericht gemeint iſt. Zinnmedaille 42 M. von demſelben v. J. 1730: HIC HERCVLES ETIAM CONTRA Dvos. Ein Mann in langem Mantel mit einem Schild, worauf das chriſtliche Zeichen, hält zwei Drachen mit menſchlichen Köpfen ein Kreuz und eine Feder entgegen; ſtatt des Kopfes trägt der Mann ein undeutliches Wappen mit mehreren Helmzierden— FALLITVR ARTE MAGVS; STABIT SVB NVMINE FAG-VS: Buche, nm die ein Zauber⸗ kreis gezogen iſt, daneben ein Schädel, ein Leuchter und der Zauberer mit zwei Köpfen, Stab und einem Stelzfuß, halb als Frau und halb als Mann gekleidet; über der Buche hält eine Hand von oben eine Gießkanne. Im Abſchnitt MDCCXXX! W Die Gießkanne ſoll wahrſcheinlich andeuten, daß die Buche nicht verdorrt, wie der Zauberer wollte. Die Medallle ſcheint ſich auf ähnliche Vorgänge zu beziehen wie die vorige; Hercules erinnert an Herkomann. Das Wort fagvs iſt, wie die Puncte verrathen, nur eine Zuſammenſetzung von Anfangsbuchſtaben verſchiedener Wörter. Vielleicht iſt die Vermuthung nicht zu gewagt, daß die Buchſtaben umgeſtellt ſind für FSGVA und heißen ſollen: Fürstenthum Sachsen Gotha und Altenburg. Zinnmedaille 50 M. auf die Gründung der Reitſchule zu Utrecht 1705: ORDD:PROV:DEC:(ordinum provinciae decreto) Die Reitbahn, links an einer Säule zwiſchen Fasces ſitzende Frau(Patria) mit Spiegel, von dem Licht auf die Bahn fällt. Im Abſchnitt ACADEMIA.EOVESTRIS.VLTRAI⸗ ECTI. CONDITAPERITISSIMO EOQVITANDI. MAGISTRO. MARC-DESTAFFA— NOBILISSIMAEIVVENTVTICIRCVS-TRAIECTILAD.RHENVMIV. MARTIIL. M-PCCv. Sechs Wappen vor Kreuzen, Speeren und Fasces um einen Kreis, worin vor der Reitbahn ein gekröntes quadrirtes Wappen(Stadtwappen im Mittelſchild), über dem C08S-D(consul designatus erwählter Bürgermeiſter?) Medaille von ſilberähnlichem Metall 25 M. o. J: KOMSTU MIR ALSO Hand mit Geldſtück— S0 KOMME ICIHI DIR S0 Durch die Finger ſehendes Bruſtbild von vorn. Die Schreibart komstu, wozu Nr. 627 zu vergleichen, weiſt auf das 17. Jahrhundert. Medaille o. J. 27 M. wie neu, wahrſcheinlich aus dem 18. Jahrhundert: IMPERANDO(verb. N u. D) ORANDO(verb. N u. D) LABORANDO CONSISTIT Erdball, daneben Arm mit Schwert und Arm mit Schippe, darüber Bibel und zwei gefaltete Hände— AH!I] DEVS HOCANNOLEGEM]RHEGEMO GREGEMO OMNIPOTENTE MANV PROTEGATORNET.] ALAT!(Diſtichon) 46 674. Religiöſe Medaille o. J. 20 M. wie neu, wahrſch aus dem 18. Jahrhundert: DER DAS OHR GEPFLANTZET HAT. SOLTE DER NICHT HOREN Ohr über einer Landſchaft, darunter RED ALLES MITBEDACHT.— DER DAS AUGE GEMACHT HAT, SoLTE DER NICHT SEHIEN PS.94.9. Auge über einer Stadt, darunter G0TT HAT AUFF ALLES ACHT.— Ferner befinden ſich in der Sammlung 18 Stück, worunter nur eines von Silber, die keiner Beſchreibung werth ſind. Weitere Anſchaffungen. Da die Sammlung eine ziemlich große Anzahl von Doubletten(61 Stück, worunter 25 von unedlen Metallen) enthielt, zu deren Verkauf oder Umtauſch bereits am 14. Nov. 1804 die landesherrliche Ge⸗ nehmigung ertheilt wurde, ſo war dadurch Gelegenheit geboten die bedeutenden Lücken, welche überall zu gewahren ſind, einigermaßen auszufüllen. Der Anfang dazu wurde ſchon in demſelben Jahre gemacht, indem das kurfürſtliche Cabinet in Kaſſel 7 Stück erhielt und ein Theil des dafür gelöſten Geldes zum Ankauf einer Medaille von Holtzemer in Hanau auf die Erhebung Heſſens zum Kurfürſtenthum verwendet wurde. Dieſe Verwendung iſt keine beſonders zweckmäßige zu nennen, denn die Medaille betrifft ein unbedeutendes Ereigniß und zeigt außer Schrift nur Allegorie. Soll die Sammlung der Schule etwas nützen, ſo müſſen die gewöhnlichen Rückſichten der Münzſammler wegfallen und die Rückſicht auf die allgemeine Geſchichte überwiegen; Hauptſache müſſen wichtige Begebenheiten und beſonders merkwürdige Perſonen ſein; das nähere Vaterland und auch die Geographie haben daneben wohl einige Berechtigung, aber nur eine untergeordnete. Nach dieſem Grundſatze wurde bei den weiteren Erwerbungen verfahren. Da bei dieſen auf die Art und Beſchaffenheit, ob Geld oder Medaille, Silber oder Kupfer, groß oder klein, nichts ankommt, auch ein Umtauſch zu jeder Zeit geſtattet iſt, wird es genügen nur die Perſonen zu nennen, die bis jetzt hinzu gekommen ſind, d. h. Portraitmünzen. Antike: Tiberius, deſſen Sohn Druſus, Germanicus, deſſen Gattin Agrippina, Claudius, Nero, Galba, Nerva, Lucius Verus, Caracalla, Maximinus Thrax, Galerius, Helena, Maxentius, Maximinus Daza, Julian, Theodoſius I. Geiſtliche: Papſt Pius IX, Friedrich Karl Joſeph von Mainz und der Fürſt Primas. Oſterreicher: Karl V, ſein Bruder Ferdinand I, Maximilian II, Rudolf II, Matthias, Leopold II und ſeine drei Nachfolger, dazu Maximilian von Mexiko. Deutſche Fürſten: der alte Deſſauer, die Könige von Preußen nach Friedrich M., Georg V von Hannover, Hieronymus Napoleon, die Kurfürſten Wilhelm II und Friedrich Wilhelm von Heſſen. Ausländiſche Fürſten: Chriſtian VIII und Friedrich VII von Dänemark, Jakob II, Georg II und III und Victoria von England, Karl IX, Ludwig XVI, Napoleon und die folgenden Herrſcher von Frankreich, Joachim Mürat, Marie Louiſe von Parma, Victor Emanuel von Italien, Nicolaus I von Rußland, Guſtav III von Schweden, Philipp II und Karl II von Spanien. Endlich General Haynau. Von weiteren Medaillen ſind folgende erworben: auf die Gründung des Lyceums in Kaſſel 1779, die Befreiung Frankfurts 1792, die Schlacht bei Hanau 1813, den Sieg bei Eckernförde 1849. Als dankbar angenommene Geſchenke 47 erhielt die Sammlung im J. 1868 vom Herrn Director einen heſſiſchen Dreier v. J. 1755, einen engliſchen Halfpenny v. Georg III und ein belgiſches Zweicentimenſtück von Leopold I, vom Tertianer Rumpf einen belgiſchen halben Sou von Maria Thereſia, vom Tertianer Limpert ein ſchwediſches Or von Chriſtine, im J. 1869 vom Secundaner Küch eine chineſiſche Meſſingmünze. 4 Weiteres über Camp. Durch die Freundlichkeit des Herrn Karl Borries dahier, der zum Glück noch alte Familiennachrichten beſitzt, bin ich in den Stand geſetzt die zu Anfang mitgetheilten dürftigen Notizen über unſeren Camp in erfreulicher Weiſe zu vervollſtändigen und zu berichtigen. Sein Vater Johannes Camp gb. am 6. Jan. 1661 ſt. am 22. Oct. 1731 in Cöln. Deſſen Vater, ebenfalls Joh. Camp, war mit Conſtantia, einer gebornen Heldevier, verheirathet, was darum Beachtung verdient, weil der Name Heldevier auf Hanau hinweiſt. Nicolaus Heldevier nämlich ſſt. 1613) verfaßte die ſog. Capitulation, den 1597 geſchloſſenen Vertrag des Grafen Philipp Ludwig mit den vertriebenen Niederländern, und machte ſich um den Bau der Neuſtädter Kirche verdient. Joh. Camp der Zweite vermählte ſich am 29. Oct. 1687 in Cöln mit Marie Sophie Hack(T. von Philipp Hack und Marie, einer geb. Meinertzhagen), die am 15. Nov. 1663 geboren war und am 4. Febr. 1695 in Cöln ſtarb, dann nochmals 1700 mit Johanna de Roos, die 90 Jahre alt 1745 in Amſterdam ſtarb. Die zweite Ehe war kinderlos, aus der erſten dagegen ſtammte unſer Camp nebſt drei älteren Geſchwiſtern, die ſämmtlich keine Kinder hatten. Dieſe drei Geſchwiſter waren 1.) Conſtantia Maria gb. in Cöln 689 ſt. in Kaſſel 1742 unverheirathet; 2.) Philipp David gb. in Cöln 1691 ſt. in London 1739 unverheirathet; 3.) Maria Gertrude gb. in Cöln 1693, vermählt 1734 mit Berend Biskamp in Münden(Todesjahr unbekannt). Jakob Camp wurde gb. in Cöln am 29. Dec. 1694. Daß er Steuerrath in Hanau war, iſt ſchon im vorigen Programm erwähnt; wann er dahin kam, iſt nicht mehr feſtzuſtellen. Sein für damalige Zeit ſehr bedeutendes Vermögen fiel ihm durch verſchiedene Erbſchaften zu und zwar erſt in reiferen Jahren. Er beerbte, wie nicht wohl zu bezweifeln, ſeine Geſchwiſter, aber auch weitere Verwandte; ſo gehörte er nach noch vorhandenen Erbvertheilungs⸗Inſtrumenten zu den Erben ſeines Oheims Wilhelm Hack, der 1758 in Cöln ſtarb, und zu denen eines Vetters ſeiner Mutter, des 1754 verſtorbenen Bürgermeiſters Iſaak Übingh zu Utrecht. Sein Reichthum und ſeine angeſehene Stellung hatten zur Folge, daß ihn im ſieben⸗ jährigen Kriege die Franzoſen nebſt anderen Geiſeln aus Hanau nach Landau brachten, wo er längere Zeit bleiben mußte. Erſt im 60. Jahre, am 19. Nov. 1754, verheirathete er ſich mit Sophie Charlotte Mückewitz“) und that damit einen Schritt, den er ſicherlich oft bereute, denn die Ehe war keine von den glücklichen, wie ſein Teſtament bezeugt. Sie ſollte gleichſam enterbt werden, erhielt aber doch das Dreifache des ihr ausgeſetzten Betrags. Nach Camps Tode heirathete ſie einen Hauptmann Dröge von dem damals in Hanau liegenden hannöverſchen Regiment; dieſe zweite Ehe war kinderlos wie die erſte. *) Ihr Vater war ein Forſtbeamter im Iſenburgiſchen oder in einem anderen kleinen Staate, was Herr Vorries unbeſtimmt ließ. Die Hochzeit war nach ſeinen Aufzeichnungen in Ottenburg, was gewiß ein Schreibfehler iſt. Alles wird klar, wenn wir Ortenberg annehmen, das ganz in der Nähe bei Büdingen liegt. 48 Als Jakob Camp ſtarb, war der nächſte Verwandte und Erbe der hieſige Kammerrath Georg Borries. Deſſen Frau war eine Tochter des Pfarrers an der niederländiſchen Gemeinde dahier, Iſaak Teſchemacher, und dieſer war ein Sohn von einer Schweſter der Mutter unſeres Camp. Ein Enkel des genannten Georg Borries, und wieder der letzte des Mannsſtammes, iſt Herr Karl Borries, dem ich dieſe Mittheilungen verdanke. Camp's Wohnhaus war das ſüdöſtliche Eckhaus am Neuſtädter Markt, jetzt Nr. 1, nur durch ein Haus von dem Camp'ſchen Schulhaus getrennt, gegenüber der Einhorn⸗Apotheke. Den Todestag feſtzuſtellen gelang Herrn Pfarrer Neuber, deſſen Mittheilung wörtlich lautet:„Jakob Campen, vormalig hochfürſtlich heſſiſcher Kaſſen⸗Steuerrath, iſt am 22. Februar 1771 zu Hanau, in der Neuſtadt, im Alter von 76 Jahren geſtorben und am 25. Februar 1771 beerdigt ausweislich des Todten⸗ buches der evangeliſchen Marienkirche dahier.“ Damit iſt zugleich die reformirte Confeſſion feſtgeſtellt, denn die Marienkirche iſt die reformirte. Höchſt auffallend iſt, daß ſogar im Kirchenbuch der Name falſch geſchrieben ſteht; die einzig richtige Namensform iſt Camp, wie Herr Borries ausdrücklich beſtätigt. Ein altes Portrait, in Ol gemalt, beſitzt das Waiſenhaus, vovon ich erſt nach dem Druck des vorigen Programms etwas erfuhr. In der Ecke oben links ſtehen die Worte IAC0B CAMPAETATIS 71] ANO 1766 Auch hier zeigt ſich das merkwürdige Streben den einſylbigen Namen zu einem zweiſylbigen zu machen; denn dem Wort CAMP war noch ein E angefügt, das wieder beſeitigt, aber noch etwas ſichtbar geblieben iſt. Herr Borries beſitzt ein Miniaturbild, das den Vater unſeres Camp darſtellt als einen ſtattlichen Mann mit ſchwarzem Haar und Bart und ausdrucksvollen einnehmenden Zügen. Ein Portrait des Steuerraths(Olgemälde) hat derſelbe dem Gpmnaſium geſchenkt in der Erwartung, daß es ſo am beſten der Zukunft erhalten bleibe. Wir werden es in Ehren halten und ſagen wärmſten Dank. Jakob Camp war nach den beiden Portraits ſtattlich und robuſt; er erſcheint ohne Bart, hat blaue Augen, eine hohe Stirn, offene mehr ins Breite gehende Züge; alles iſt derb und kräftig, aber proportionirt. Berichtigungen und Nachträge. Im vorigen Programm S. 3 Z. S iſt zu ſchreiben Nr. 264; S. 4 Z. 4 v. u. 1674 ſtatt 1670. Übrigens erfüllte ſich meine Hoffnung etwas über die Hanauer Münzmeiſter herauszubringen leider nicht in der erwarteten Weiſe. Das Einzige, was ich durch gütige Unterſtützung des Herrn Rentmeiſters Baur dahier zu ermitteln vermochte, war der Name des erſten Münzmeiſters in Hanau. Im Verzeichniß der in der ſog. Finanzkammer verwahrten Acten iſt nämlich eine Urkunde(die aber mit vielen anderen längſt verkauft iſt, wahrſcheinlich als altes Papier) aufgeführt:„Die Beſtellung des Peter Arnburger zu Frankfurt zum Münzmeiſter betreffend 1603.“ Die Jahrszahl ſtimmt zu der Angabe einer Chronik:„1603 hat Graf Philipp zum erſtemahl Heller münzen laſſen.“ Nr. 3 am Ende l. Salluſt Catil. Nr. 25: in der Linken einen Thyrſos; Nr. 39 Blume. Rr. 85 ein ſogenannter Guldenthaler. Nr. 104 iſt ein Liard(3 deniers, Viertelſou), das Monogramm drei C. Nr. 107 genauer: 1740 Königin v. Ungarn ꝛc., 1745 Kaiſerin nur als Gemahlin von Franz I. Nr. 118 49 iſt 1625 ſtatt 1624 zu leſen; die Puncte der Umſchriften ſind ganz kleine Kreuze; unter dem Wappen ſteht, kaum zu ſehen, PL-O. Zu Nr. 131: Chriſtoph Lorenz Ruckedeſchel, Münzmeiſter in Baireuth. Nr. 134 fehlt die Jahrszahl 8 links und 3 rechts neben dem Wappen. Nr. 137 ſteht ein Punct nach IN(inserviendo). Nr. 188 nachzutragen: die Wappen neben dem St. Georg ſind das der Burg Friedberg und das der Grafſchaft Kaichen, der Adler hält das Wappen des Burggrafen und das ſeiner Gemahlin Euphroſyne Suſanne von Degenfeld. Nr. 189 ſteht nach FURSTENBERG kein Punct, ſondern ein Komma; IN iſt beide Male vom folgenden Wort getrennt; in Ausbeut ſteht vor T kein V, ſondern U. Nr. 196 l. v. J. 1793. Nr. 204, 205 und 206 enthalten außer den gewöhnlichen noch die Wappen von Frankenſtein, Itter, Pleſſe und Eppſtein. Nr. 209 iſt das A in ANNO ein umgekehrtes V. Nr. 225 l. v. J. 1653. Nr. 235 muß der Strich nach potentiss ein ſenkrechter ſein. Nr. 240 ſteht am Arm des Bruſtbildes ein ſehr verſtecktes S, das den Hauauer Graveur Georg Ludwig Schepp bezeichnet(von demſelben ſind Nr. 246— 249); die letzten Thaler von Bieberer Silber wurden 1802 geprägt. Zu Nr. 252 iſt zu bemerken: Wolfgang Julius gb. 1622 regierte von 1641 bis 1676, wo eine Theilung ſtattfand, gemeinſchaftlich mit drei Brüdern, wurde 1658 kaiſerlicher General und 1665 Generalfeldmarſchall der gegen die Türken ver⸗ bündeten Armeen. Nr. 253 iſt nach den neuſten Forſchungen(im Katalog der Schultheßſchen Sammlung) ſo zu berichtigen: Volkmar Wolfgang † 1580 und Ernſt VI † 1562, Söhne von Ernſt V, regierten von 1552 an gemeinſchaftlich, erſterer von 1562 an allein. Nr. 254 iſt Vianae zu ſchreiben; Simon Heinrichs Gemahlin Amalie erbte die Herrſchaften Vianen und Ameiden, wozu die Burggrafſchaft Utrecht gehörte; 1725 wurden dieſe Beſitzungen an Holland verkauft. Nr. 260 l. die fünf Fürſten. Zu Nr. 275: Sophie, T. des Kurf. Joh. Georg von Brandenburg, vermählt 1582 mit dem Kurf. Chriſtian I von Sachſen, ſtarb 1662. Nr. 296 l. 1666 ſtatt 1665. Nr. 327 das Todesjahr richtiger 1621. Nr. 332 Rev. ſteht oben am Ende der Umſchrift JY, am Anfang derſelben 0; die beiden durch eine Roſette getrennten Buch⸗ ſtaben bedeuten 0„ 9. Nr. 341 l. Caen. Nr. 350 iſt die Erklärung zu verbeſſern: comes Musochi, dann baro Retennii(ital. Retegno) imperialis. Zu Nr. 352: Albrecht wurde ſchon 1595 Statthalter; 1598 verzichtete Philipp II ganz auf die Niederlande zu Gunſten ſeiner T. Iſabella und ihres künftigen Gemahls; die Vermählung war 1599. Nr. 356 iſt zu ſchreiben GRONSF-EIT; richtiger iſt dieſer Thaler ein Gronsfeldſcher zu nennen; die Grafſchaft kam 1746 durch weibliche Erfolge an einen Grafen von Törring. Zu Nr. 407: Juſtin de Beyer gb. 1668, Stempelſchneider in Bern, † 1738. Nr. 409 trägt auch auf dem Revers den Namen F F. d. i. Friedrich Fechter, Stempelſchneider in Baſel 1629 bis 1653. Zu Nr. 410: die Nothklippen ließ der Gouverneur Juſtin von Naſſau ſchlagen. Zu Nr. 411: Thomas Iſenbein Münzmeiſter in Bremen 1634 bis 1664. Nr. 416 gehört ins Ende des 15. Jahrhunderts, denn Cöln erhielt 1484 das Münzrecht. Nr. 423 Rev. hat ſtatt der Puncte Blumenkreuze, Nr. 424 dagegen wirkliche Puncte. Nr. 424 iſt nachzutragen: unter dem Wappen des Rev. AW d. h. Asmus Wagner Münzm. in Erfurt 1617 bis 1624. Nr. 425 und 426 werden im Schultheßſchen Katalog für Vier⸗ und Zwei⸗Guldenſtücke erklärt. Nr. 428 Avers fehlt der Name L. S d. h. Lorenz Schilling. Nr. 445 iſt vom Münzm. Engelbert Kettler. Nr. 451 iſt das Monogramm HI H Heinrich Johann Hille. Zu Nr. 525: Sophie Louiſe ſt. den 29. Juli 1735. Nr. 530 hat das letzte A in dem Wort NATURA einen franzöſiſchen Circumflex als Zeichen der Länge. Nr. 532 iſt das p mit Kreuz ein 7 50 Nothbehelf ſtatt der bekannten Abkürzung für per. Nr. 586 iſt am Ende des Wortes INDVCIAR ein Schnorkel ähnlich einem griech.„ als Abkürzung für um. Nr. 596 iſt das V unter dem Kopf Curſiv⸗ ſchrift. Nr. 60 ließ ſich das mehrmals wiederkehrende Zeichen für M oder N(aus zwei Bogen beſtehend) durch Lettern nicht darſtellen; es ſteht an betreffender Stelle über den fünf erklärten Wörtern. Nr. 602 verhält es ſich mit dem b unter Kreuz ebenſo wie mit dem p in Nr. 532. Zu Nr. 625: der Marſchall von Thüngen gb. 1648 ſt. 1709. Zu Nr. 642: Fr. Aug. iſt wegen ſeiner Körperkraft mit Hercules verglichen. Nr. 664 fehlt aus demſelben Grund wie Nr. 601 das Zeichen für M über den fünf auf m ausgehenden Wörtern. Einige hiſtoriſche Angaben in dem beſonders ſchwierigen zweiten Theil(Medaillen) verdanke ich dem Herrn Dr. Julius Rauh dahier, ſo zu Nr. 485, Nr. 535 die Lebenszeit der Charlotte Wilh., Nr. 640 die 1081 gelieferte Schlacht. Schätzbare Aufſchlüſſe fand ich auch in der 2. Abtheilung des von den beiden Erbſtein verfaßten Katalogs der Schultheßſchen Sammlung; für Heſſen war das Werk von Hoffmeiſter eine treffliche Fundgrube. Sonſt aber war ich bei den Medaillen, namentlich denen von Zinn, ſo ziemlich auf mich allein angewieſen, da in dieſem Gebiet noch wenig geſchehen iſt. Möge daher dieſe Arbeit mit Nachſicht beurtheilt werden, und mögen ſpätere Forſchungen feſtſtellen, was hier noch unklar bleiben mußte. Schulnachrichten. —— I. Lehrverfaßung während des Schuljahres von Oſtern 1869 bis dahin 1870. Prima. Ordinarius: der Director. Griechiſche Sprache. Homers Ilias B. V im S., VI— X im W., 1 Stunde wöchentlich(Gym⸗ naſiallehrer Witzel). Sophocles Electra im Sommer, Antigone im Winter, 2 St. w.(Director Dr. Piderit). Demosthenes Olynth. I-III. Philipp. I. II, 2 St. w. Scripta nach Seyffert; daneben Repelition einzelner Abſchnitte der Syntax, 1 St. w.(Prorector Dr. Fürſten au). Lateiniſche Sprache. Horatius Satiren, B. I 1, 3, 4, 6, 9, 10, II 6 im S., Epistein B. I 1, 2, 6, 7, 10, 16, 20, II 1 im W., 2 St. w.(Prorector Dr. Fürſtenau). Cicero Orator im S., Brutus im W., 2 St. w.(Director Dr. Piderit). Tacitus Annalen B. I 1— III 18, 3 St. w. Scripta und Extemporalien nach Seyfferts Materialien und nach Dictaten; freie Aufſätze, 2 St. w.(Prorector Dr. Fürſtenau). Themata zu den lateiniſchen Aufſätzen: im S. 1) De causis bellorum, quae inter Graecos et Persas hestn sunt. 2)„Occisus dictator Caesar aliis pessimum, aliis pulcherrimum facinus visus“(Tac. Ann. I 8). ) De seditione legionum Pannonicarum. 4) Belli a Pyrrho contra Romanos gesti brevis enarratio(Clauſur⸗ arbeit). 5) Quo iure Livius dicat bellum Punicum secundum maxime omnium memorabile esse quae unquam gesta sint(zugleich Abiturienten⸗Aufſatz). Im W. 1) Concordia parvas res crescere, discordia maximas dilabi exemplis e Graecorum historia desumtis ostenditur. 2) Homerus quid sit pulchrum, quid turpe, quid utile zaid non Planius ac melins Chrysippo et Crantore dieit. Hor. ep. I 2. 3)„Coriolanus plane alter Themistocles“ ic. Brut. 11, 43(Clauſurarbeit). 4) De antiquissimis Graecorum expeditionibus communiter susceptis. 5) De Germanici rebus gestis moribus exitu. Für die Abiturienten: In rebus adversis virtutem enitere maxime exemplis e rerum Graecarum et Romanarum memoria petitis comprobatur. Deutſche Sprache. Lectüre des Nibelungenliedes im S., Grammatik nach Vilmar im W., Decla⸗ mationsübungen und Auſſätze, 2 theilweiſe 3 St. w.(Director Dr. Piderit). Themata zu den deutſchen Aufſätzen: im S. 1) Id arbitror adprime in vita esse utile ut ne quid nimis. Chrie. 2) Ueber das deutſche Sprichwort: Wer im eigenen Hauſe beregnet oder beſchneit, des will ſich auch Gott nicht erbarmen. Chrie. 3) Schillers Gedicht: Das Mädchen aus der Fremde in eine Rede umgekleidet. 4) Die römiſchen Volkstribunen. 5) Würdigung der Ode von Hölderlin: An die Deutſchen.(Clauſurarbeit). 6) Aν ασεε˙ειν dπμμονQ ιν⁸ιενναι—ωπν◻ν,⁶ε νέμνοο μαασάσεοσυν αάεσπ άνιιεμν.— Für die Abiturienten: Das deutſche Epos. Eine Rede.— Im W. 1) Döctrina sed vim promovéet insitam Rectique cultus pectora roborant. Chrie. 2) Karls V Thronentſagung, mit Benutzung des Gedichtes von Platen: Der Pilgrim von St. Juſt. 3) Die Ode des Horaz ad Grosphum(II 16) in eine Rede umgewandelt. 4) Willſt du mein Sohn frei bleiben, ſo lerne⸗ was rechtes und halte dich genügſam und nie blicke nach oben hinauf.(Clauſurarbeit). 5) Viel Jahr und Gefahr bringet Weisheit gar. 6) Nihil est simul et inventum et perfectum.— Für die Abiturienten: Lob des Johanniter⸗ ordens, im Anſchluß an Schillers Diſtichen: die Johanniter. Franzöſiſche Sprache. Lectüre: Delavigne Louis XI. Grammatik nach Knebel(Syntax Kap. IV und V) und ſchriftliche Uebungen, 2 St. w.(GL. Dr. Suchier). 7* 52 Hebräiſche Sprache. Grammatik nach Thierſch; Ueberſetzung und Erklärung von Stücken aus Brückners Leſebuch, 2 bezw. 3 St. w.(Pfarrer Neuber). Religionslehre. Symbolik im S., Geſchichte des Reiches Gottes im Alten Bunde im W., 2 St. w. (Director Dr. Piderit). Weltgeſchichte. Geſchichte des Altertums nach Herbſt Hiſtoriſches Hülfsbuch I. Theil, 3 St. w. (Oberlehrer Spangenberg, im W. eine Zeit lang GL. Dr. Duncker). Phyſik. Die Grundlehren der Mechanik; Einiges aus der Chemie; Magnetismus und Clectricität, 2 St w.(Oberlehrer Dr. Fliedner, im W. eine Zeit lang Gymnaſialpraktikant Deventer). Mathematik. Arithmetik: Gleichungen des zweiten Grades; Kettenbrüche; diophantiſche Gleichungen; Combinationslehre mit Anwendungen auf Wahrſcheinlichkeitsrechnungen. Binomiſcher Lehrſatz. Geometrie: Geometriſche Aufgaben. Ebene Trigonometrie, und Stereometrie mit vielen Aufgaben, 4 St. w.(OL. Dr. Fliedner, im W. eine Zeit lang Beauftagter Lehrer Knoop). Secunda. Ordinarius: Prorector Dr. Fürſtenau. Griechiſche Sprache. Homers Odyssee B. XIII-XXII, 2 St. w.(GL. Witzel). Xenophons Hellenica B. II 2, 3, 4. III 3, V 2 u. 25— 37; 4§. 1- 13. VI 3, 4, 5. 2 St. w.(Ox. Spangenberg, im W während einiger Wochen Prorector Dr. Fürſtenau). Grammatik nach Curtius(Syntax§. 484— 623), Scripta nach Franke und mündliche Ueberſetzung ausgewälter Stücke aus Franke, im Anſchluß an die Repetition der Formenlehre, 2 St. w.(OL. Spangen berg, im W. eine Zeit lang Beauftragter Lehrer Wagner). Lateiniſche Sprache. Virgils Aeneide B. I-III, 2 St. w.(GL. Dr. Suchier). Livius B. XXIX u. XXX, 3 St w. Ciceros Catilinar. III im S, III IV u. Sallust Catilina im W., 2 St. w.(Prorector Dr. Fürſtenau im S., GL. Dr. Duncker im W). Grammatik nach Meiring Syntax Kap. 100— 102 im S., Kap. 103— 125 im WW. 1 St. w. und Scripta nach Seyffert und Extemporalien nach Dictaten, 2 St. w.(Prorector Dr. Fürſten au). Deutſche Sprache. Leſen und Erklären deutſcher Gedichte nach Ph. Wackernagels Auswal, Decla⸗ mationsübungen und Aufſätze, 2 St. w.(GL. Witzel). Franzöſiſche Sprache. Lectüre: Thierry récits historiques. Grammatik nach Knebel(Repetition der Formenlehre; Syntax Kap. III und IV und ſchriftliche Uebungen, 2 St. w.(Gr. Dr. Suchier). Religionslehre. Neues Teſtament: Erklärung des Evangeliums St. Johannis im S., des Römer⸗ briefs und des Galaterbriefs im W., 2 St w.(Director Dr. Piderit). (Ge Weltgeſcichte Geſchichte des Mittelalters vom Beginn der Kreuzzüge bis zu Ende, 2 St. w. Witzel). Geographie. Geographie von Afrika und Aſien, Auſtralien und Amerika, 2 St. w.(GL. Dr. Duncker, zuletzt eine Zeit lang GP. Wolff). Phyſik. Die mechaniſchen Erſcheinungen nach Koppe. Zahlreiche Beiſpiele zur Einübung der Geſetze nach Fliedner, 1 St. w.(Beauftragter Lehrer Knoop). Mathematik Arithmetik: Geeichungen des erſten Grades mit einer und mehreren Unbekannten, Geſetze der Potenzen, Wurzeln und Logarithmen, mit vielen Uebungen aus Heis. Geometrie: Geometriſche Aufgaben; Proportionalität und Aehnlichkeit der Figuren; Flächeninhalt; Kreislehre, 4 St. w.(Dr. Fliedner, im W. eine Zeit lang GP. Deventer). Tertia. Ordinarius: Gymnaſiallehrer Witzel. Griechiſche Sprache. Homers Odyssee, B. IX und X. 2 St. w.(GL. Dr. Duncker). Xenophons Anabasis, B III 3— V 3, 2 St. w. Grammatik nach Curtius(Formenlehre) und Scripta nach Franke, 2 St. w(GL. Witzel). Lateiniſche Sprache. Ovids Metamorphosen nach der Auswal von Siebelis St. 33— 40, 2 St. w. (GL. Dr. Suchier). Caesar de b. G. B. I-VI 24, 4 St. w. Grammatik nach Meiring(Syntax K. 81— 105, 2 St w. Scripta nach Meiring u. Extemporalien nach Süpfle, 1 St. w.(GL. Witzel). Deutſche Sprache. Leſen und Erklä— 2uflcde2s Ft 8 15 iendn SEtklären deutſcher Leſeſtücke aus Ph. Wackernagels Leſebuch 3. T. und 2 zöſiſche Sprache. Grammatik nach Knebel(Formenlehre). Ahn Leſebuch 1 T. Erzälend (2t. A= 3. P) u hüloriſche Stucke(St., 7.u 9, 3 t u ebe Suchien, elande d uſe Neligon dehee Altes Teſtament: Erklärung der Pſalmen und der prophetiſchen Bücher, 2 St. w. Weltgeſcichir Geſchichte des Altertums 2 Hälfte(Geſchichte der Römer), 2 St. w.(GL. Dr. Geographie. Topographie u politiſche Geo i öſtli üdli f cuphte. W p graphie des öſtlichen und ſüdlichen Europa(Oeſterrei Rußland, Scandinavien, Dänemark, Italien, Schweiz, Belese ſt deud, ſn u w. 89 Dei p). j. der Natureſchichg, Votunit Allhe neine Votani u. Anleitung zum Beſtimmen geeigneter Pflanzen nach ;. oologie: Syſtemati ſi 6;; e g 3,„(Be. Knoop). 9 yſtematiſche Ueberſicht der vier Claſſen der Wirbelthiere athematik. Arithmetik: Die Geſetze der vier erſten O i Wt ik; . 2Go perationen der allgemeinen Arithmetik Gleichungen des erſten Grades mit einer Unbekannten; Proportionen; Ueeangeſgeten vuus Heis. GonneteieatSbehe achecmetrie äbis zur ehichteit der Figuren, ferner Auswal von Sätzen über s der Kreislehre, nebſt vielen Conſtructionsaufgaben na liedners Lehrbuch, 4 St. w.(Dr. Fliedner, im W. eine Zeit lang GP. WHeonſtedelis fg ch Fliedn hrbuch Quarta. Ordinarius: Oberlehrer Spangenberg. Griechiſche Sprache. Grammatik nach Curtius(Formenlehre§. 1— 301 mit Auswal) mit ſchriftlichen und mündlichen Uebungen nach dem Elementarbuch von Schenkl, S. 1— 66, 6 St. w.(BL. Wagner). Lateiniſche Sprache. Cornelius Nepos vit. I. II. XI. XII, XIII, XIV. XVIII, XIX, XX, XXI, XXII. XXIII, 4 St. w. Grammatik nach Meiring Elementargrammatik(Syntax§. 411— 681 und Repetition der Formenlehre), Scripta und mündliche Uebungen nach Meirings Uebungsbuch, 4 St. w. (OL. Spangenberg). Chreſtomathie lat. Dichter von Franke mit Auswal, 2 St. w.(BL. Wagner, im W. eine Zeit lang GP. Wolff). Deutſche Sprache. Leſen und Erklären deutſcher Leſeſtücke aus Ph. Wackernagels Leſebuch, 2 T., Auswendiglernen von Gedichten, Auſſätze, 2 St. w.(OL. Spangenberg). Franzöſiſche Sprache. Elementargrammatik von Plötz, im S. Curſus von Quinta, im W. Curſus von Quarta, 2 St. w.(GL. Dr. Suchier).„ Religionslehre. Erklärung der fünf Hauptſtücke des Katechismus und Memorieren einer Anzal evan⸗ geliſcher Kirchenlieder, 2 St. w.(Pfarrer Neuber). Weeltgeſchichte. Cyronologiſche Ueberſicht der allgemeinen Weltgeſchichte von Auguſtus bis zur franzö⸗ ichen Renlfon, nach Schafers Tabellen, 2 St. w.(GL. Dr. Suchier, zuletzt eine Zeit lang . Wolff). Geographie. Die außereuropäiſchen Erdtheile, 1 St. w.(BL. Knoop). Mathematik. Arithmetik: Wiederholung der Bruchlehre; Decimalbrüche. Einfache u. zuſammen⸗ geſetzte Regel de tri, Aufgaben aus Schellen. Geometrie: Vorübungen. Ebene Geometrie bis einſchließlich der Congruenz der Dreiecke, nach Fliedners Lehrbuch, 4 St. w.(OL. Dr. Fliedner, im W. eine Zeit lang GP. Deventer). Schönſchreiben. 2 St w.(Lehrer Zimmermann). Quinta. Ordinarius: Gymnaſiallehrer Dr. Duncker. Lateiniſche Sprache. Grammatik nach Meiring EGr.(§. 1— 410 mit Auswal, Wiederholung der regelmäßigen und Einübung der unregelmäßigen Formenlehre). Schriftliche und mündliche Uebungen nach Oſtermanns Uebungsbuch für Quinta und Memorieren aus dem dazu gehörigen Vocabularium, 10 St. w.(GL. Dr. Duncker). 54 Deutſche Sprache. Leſen und Auswendiglernen aus Ph. Wackernagels Leſebuch, 1. T., orthographiſche Uebungen und Aufſätze, 4 St. w.(GL. Dr. erneaaeeP ua ſehuch wog phiſche Religionelehre. Bibliſche Geſchichte des N. T. nach Zahn und Memorieren einer Anzal evangeliſcher Kirchenlieder, 2 St. w.(Pfarrer Neuber). Weltgeſchichte. Erzählungen aus der Geſchichte des Altertums, 2 St. w.(GL. Dr. Suchier). Geographie. Europa nach Daniel, 2 St. w.(BL. Knoop). Naturgeſchichte. Botanik: Beſchreibung wildwachſender Pflanzen u. Zuſammenſtellung der leichteren Pflanzen Familien im S, Zoologie: Säugethiere und Vögel im W., 2 St. w.(BL. Knoop). Mathematik Arithmetik: Rechnen mit gemeinen Brüchen; Einleitung in die Regel de tri, 4 bezw. 3 St. w.(BL. Knoop). Schönſchreiben. 2 St. w.(Lehrer Zimmermann). Sext a. Ordinarius: Beauftragter Lehrer Wagner. Lateiniſche Sprache. Grammatik nach Meiring EGr.§. 1— 269, mit Auswal, nebſt mündlichen und ſchriftlichen Ueb ngen nach Oſtermanns Uebungsbuch für Sexta und Memorieren aus dem dazu gehörigen Vocabularium, 10 St. w.(BL. Wagner). Deutſche Sprache. Leſen und Auswendiglernen aus Ph. Wackernagels Leſebuch 1. T., orthographiſche Uebungen und Aufſätze, 4 St. w.(BL. Wagner). Religionslehre. Bibliſche Geſchichte des N. T. nach Zahn und Memorieren einer Anzal evangeliſcher Kirchenlieder, 2 St. w(Pfarrer Neuber). Geographie. Topographiſche Ueberſicht der fünf Erdtheile, 2 St. w.(BL. Knoop). Naturgeſchichte. Botanik: Einleitung und Einübung der Terminologie an den bekannteſten wild⸗ wachſenden Pflanzen im S, Zoologie: Beſchreibung einzelner, vornehmlich einheimiſcher Säugethiere u. Vögel im W., 2 St. w(BL. Knoop). Mathematik. Arithmetik: Reduction und Reſolution; die vier Species mit benannten Zahlen, nach Schellen, 3 St. w.(Lehrer Zimmermann). Schönſchreiben. 2 St. w.(Lehrer Zimmermann). Geſang. Der evangeliſche Choralgeſang nach dem deutſchen evangeliſchen Kirchengeſangbuche, 4 St. w.(Geſanglehrer Eichenberg). Leibesübungen. Im S. 2 St., im W. 6 St. w.(Turnlehrer Störger). —-:ʒÿ; II. Chronik des Gymnaſiums. Durch Verfügung des Königlichen Provinzial⸗Schulkollegiums vom 23 Merz 1869 wurde der dritte Pfarrer an der hieſigen Marienkirche Rudolf Julius Neuber mit Aushüifrleiſtung für den Unterricht in der Religion und im Hebräiſcen beauftragt. Dagegen ſchied Pfarrer Sopp, nachdem er zum zweiten Pfarrer an der hieſigen Marienkirche ernannt war, aus ſeinen Functionen am Gymnaſium aus, die er ſeit Oſtern 1864*) mit großer Treue und Liebe wie mit günſtigem Erfolge bekleidete Rudolf Julius Neuber iſt geboren zu Caſſel am 5. Juni 1845, beſuchte von Oſtern 1856 bis Oſtern 1863 das Gymnaſium zu Caſſel und widmete ſich auf den Univerſitäten zu Marburg(2 Jahr lang) und Erlangen(1 Jahr lang) dem Studium der Theologie. Nach Vollendung ſeiner Univerſitäts⸗ ſtudien im Jahr 1866 unterzog er ſich der akademiſchen Prüfung vor der theologiſchen Facultät zu Marburg, ſodann noch in demſelben Jahre dem ſ. g. Tentamen vor dem Kgl. Generalſuperintendenten in Caſſel und zu Anfang des J. 1867 dem Examen pro ministerio vor dem Kgl. Conſiſtorium zu Caſſel, *) Vgl. Programm des hieſigen Gymnaſiums von 1865 S. 56. 55 Bem 24 Juni 1866 bis Oſtern 1867 ertheilte er lateiniſchen und deutſchen Unterricht an einer Vor⸗ ereitungsſchute für das Gymnaſium und fungierte zugleich von Michaelis 1866 bis Oſtern 1867 an der Altſtädter Kirche, von Oſtern 1867 bis Weihnachten 1867 an der Oberneuſtädter Kirche zu Caſſel als Pfarrgehülfe. Am 24. Dec. 1867 wurde ihm die Pfarrſtelle zu Mannsbach in der Inſpectur Fulda, am 12. Februar 1869 die dritte Pfarrſtelle an der hieſigen Marienkirche übertragen. In Folge Verfügung Königlichen Provinzial⸗Schulkollegiums vom 24. April 1869 wurde dem Gym⸗ naſiallehrer Dr. A. Duncker die Beſtallungs⸗Urkunde für denſelben uübergeben, unter Hinweiſung auf die Circularverfügung vom 14. Mai 1867(Wieſe Verordnungen u. Geſetze II S. 241 f.). Durch Verfügung Königlichen Provinzial⸗Schulkollegiums vom 14 Zuli 1869 wurden die drei, vom Herrn Miniſter der geiſtlichen, Unterrichts⸗ utd Medizinal⸗Angelegenheiten am hieſigen Gymnaſium anerkannten, Oberlehrerſtellen dem Dr. Fürſten au als I, Dr. Fliedner als II und Spangenberg als III Oberlehrer verliehen, und zugleich beſtimmt, d ber t Titel als Prorector fuhren werde. sich. heſ dab⸗der arſte Süenlenner lh panehets des Durch Verfügung Königlichen Provinzial⸗Schulkollegtums vom 5. Décember 1869 wurde der Candidat des höheren Schulamts Joſeph Deventer in Fulda für die Dauer der Abweſenheit des Oberlehrers Dr. Fliedner, der an der Vorſynode in Caſſel Theil nahm, mit Aushülfeteiſtung am hieſigen Gymnaſium beauftragt Derſelbe begann ſeine hieſigen Funetionen am 10. December 1869 und beendigte dieſelben am 22. Januar 1870.— Die Lehrſtunden des Oberlehrers Spangenberg, der gleichfalls an derſelben Vorſynode Theil nahm, wurden durch die übrigen Lehrer verſehen. Durch Verfügung Königlichen Provinzial⸗Schulkollegiums vom 6. December 1869 wurde genehmigt, daß der Schulamtscandidat George Wolff aus Schwarzenfels am hieſigen Gymnaſium ſein Probejahr abhalte. Derſelbe iſt geboren am 29. Auguſt 1845 zu Neuenhain, Kreiß Ziegenhain, beſuchte das Gym⸗ naſium zu Fulda von Michaelis 1858 bis Oſtern 1865 und widmete ſich auf den Univerſitäten zu München und Marburg dem Studium der Philologie und Geſchichte. Nach Beendigung ſeiner akademiſchen Studien beſtand er die Prüfung pro facultate docendi vor der Kgl. Wißenſchaftlichen Prüfungs⸗Commiſſion zu Marburg. Seine hieſigen Functionen begann er am 3. Januar 1870. Durch Verfüguug Königlichen Provinzial⸗Schulkollegiums vom 18. Januar 1870 wurde auf die Circular⸗Verfügung vom 11. December 1851 von Neuem aufmerkſam gemacht. Sie lautet(Wieſe Ver⸗ ordnungen u. Geſetze I S. 209): Um einerſeits die Disciplin unter den Primanern aufrecht zu erhalten, und andererſeits den nicht ſeltenen Verſuchen mittelmäßiger Primaner, durch Privatunterricht ſchneller als auf dem Gymnaſium zur Maturitätsprüfung zu gelangen, ſowie um dem einer gründlichen Ausbildung gewöhnlich nachtheiligen Wechſel im Beſuch der Gym⸗ naſien während des Primanercurſus möglichſt entgegenzuwirken, beſtimme ich auf die von den K. Prov. Schul⸗ collegien erſtatteten Berichte was folgt. 1) Einem Primaner, welcher im Disciplinarwege von einem Gymnaſium entfernt wird, iſt, wenn er an einem andern Gymnaſium die Zulaßung zur Maturitätsprüfung, ſei es als Abiturient, ſei es als Extraneer, nachſucht, dasjenige Semeſter in welchem ſeine Entfernung von der Anſtalt erfolgt iſt, weder auf den zweijährigen Primanercurſus, noch auf den im§. 41 des Prüfungsreglements v. 4. Juni 1834 vorgeſehenen zweijährigen Zeitraum anzurechnen. „ 2) Nach demſelben Grundſatz(ad 1) iſt zu verfahren bei der Zulaßung ſolcher Primaner zur Maturitäts⸗ prüfung, welche ein Gymnaſium willkürlich um einer Schulſtrafe zu enigehen, oder aus andern ungerechtfertigten Gründen verlaßen haben. Dagegen iſt die Anrechnung des betreffenden Semeſters mit Genehmigung des betref⸗ fenden K. Prov. Schulcollegiums dann geſtattet, wenn der Abgang von dem Gymnaſium durch Veränderung des Wohnortes der Eltern oder Pflegeeltern, oder durch andere Verhältniſſe, welche den Verdacht eines willkürlichen, ungerechtfertigten Wechſels der Schulanſtalt ausſchließen, veranlaßt worden iſt. 3) Wenn die Prima in eine Unter⸗ und Ober⸗Prima getheilt iſt, ſo kommt bei Berechnung des zwei⸗ jährigen Primacurſus der Aufenthalt des Schülers in dieſen beiden Claſſen gleichmäßig in Betracht, wogegen der im§. 41 des Prüfungsreglements vom 4. Juni 1834 vorgeſchriebene zweijährige Zeitraum von dem Abgang aus Obersecunda zu berechnen iſt, falls an dem betreffenden Gymnaſium die Secunda in zwei Claſſen gecheilt iſt. Am Ordens⸗ und Krönungsfeſte den 18. Januar 1870 geruhten Seine Majeſtät der König, dem unterzeichneten Director den Rothen Adler⸗Orden vierter Claſſe zu verleihen. Dienſtags den 22. Merz fand die Feier des Geburtstags Sr. Majeſtät des Königs Vormittags um 8 Uhr in der Aula des Gymnaſiums Statt. Die Feſtrede hielt Oberlehrer Spangenberg. Das Zubiläumsſtipendium des Gymnaſiums zu Hanau hat der Primaner W. Strauß, im Betrage von 91 Gulden, auch in dem Schuljahre 1869—70 bezogen. Als weitere Beiträge haben wir mit Dank zu verzeichnen: 1) von Herrn Zickwolff in Frankfurt 3 Thaler; 2) von der Prüfungs⸗Commiſſion 26. des eſger Gymnaſiums 10 Thaler; 3) vom Herrn Oberlehrer Spangenberg 17% Sgr. Jahresbeitrag für 186 ——y—————-—— Statiſtiſche Aeberſicht. A. Lehrer. Das Lehrerperſonal des Gymnaſiums hat gegenwärtig folgenden Beſtand: Director: Dr. Karl Wilhelm Piderit, Ordin arius von Prima. Oberlehrer: Dr. Wilhelm Fürſtenau, Prorector, Ordinarius von Secunda. Dr. Konrad Fliedner. Friedrich Spangenberg, Ordinarius von Quarta. Ordentliche Lehrer: Dr. Reinhard Suchier. Otto Witzel, Ordinarius von Tertia. Dr. Albert Duncker, Ordinarius von Quinta. Beauftragte Lehrer: Pfarrer Rudolf Neuber. Philipp Wagner, Ordinarius von Sexta. Karl Knoop. Gymnaſialpraktikant: George Wolff. Außerordentliche Lehrer: Kaspar Zimmermann, Schreib⸗ und Rechenlehrer. Nicolaus Eichenberg, Geſanglehrer. Philipp Störger, Turnlehrer. B. Schüler. Am Schluße des Schuljahrs 1868—69 belief ſich die Schülerzahl auf.. 142 Noch vor Beginn des Sommerſemeſters 1869 ſchieden aus, ohne hier den Curſus vollendet zu haben: 1 aus I um auf das Gymnaſium zu Frankfurt, 1 aus III um auf eine Handelsſchule überzugehen, l aus V um ſich für den Kanſmannsſtand vorzubereiten, 1 aus IV, 1 aus V und 2 aus VI um ſich anderweitig auszubilden.. 4. 7 Neu aufgenommen wurden zu Lenfang des Somm erhaibjohrf in I 2, in II 2, in III 15, in IV 4, in VI 12. 25 Die Schülerzal betrug danach 1 23, 1I' 36, III 37, IV 24, Vv 21. VI 1¹6)„. 160 Dazu traten noch im Sommer 1 in IV, 2 in VI..„. 3 163 Im Laufe des Sommers ſchieden aus 2 aus II(1 um auf das Gymnaſium zu Caſſel überzugehen, 1 auf den beſonderen Rath des Lehrerkollegiums), 1 aus III um ſich zunächſt durch Priamuters richt weiter auszubilden, 2 aus VI(1 ohne näͤhere Beſtimmung, 1 in die hieſige Realſchule) 5 57 Am Schluß des Sommer⸗Semeſters wurde mit dem Zeugnis der Reife entlaßen: G Otto Piderit aus Hanau, 18 Jahr alt, 9 ½ Jahr im Gymnaſium, 2 ½ Jahr in Prima 1 157 Ohne hier den Curſus vollendet zu haben verließen dann noch vor dem Beginn des Winter⸗ ſemeſters das hieſige Gymnaſium 2 aus II(1 um auf das Gymnaſium zu Zweibrücken, 1 um auf das Gymnaſium zu Caſſel überzugehen), 2 aus III(1 um ſich für ein techniſches Fach, 1 um ſich für den Kaufmannsſtand vor uberei Vitztumſ mnaſium zu Dresden überzugehen.... 3 freßten), 1 aus 7 umn uf das Biß umſcht Ch n mn 5 152 Nen aufgenommen wurden im Winterhalbjahr: 1 1, II 2, IV 3, V 1, VI 3.. 8 10 Es belief ſich daher die Schülerzal(I 23, II 34, III 34, IV 28, V 23, VI 20) auf 162 Davon ſchieden im Laufe des Semeſters wieder aus 1 aus 1(auf den Rath des Lehrer⸗ Pliegiunns, 2 aus II(1 um ſich zum Eintritt in die Marine weiter vorzubereiten, 1 um ſich dem uchhändler⸗Geſchäft zu widmen), 1 aus I und 1 aus VI ohne nähere Beſtimmung, 1 aus III wurde ausgewieſen.....................„ 1s 111 156 Am Schluß des Winterſemeſters werden mit Maturitätszeugniſſen entlaßen werden: 1) Rudolf Schullian aus Haigerloch(in Hohenzollern⸗Sigmaringen), 22 Jahr alt, 1 ½ Jahr 2) 3) 4) 5) 6) 9) im hieſigen Gymnaſium, 13 Jahr in Prima(früher Schüler der Gymnaſien zu edingen und Freiburg), Willens Meedicin zu udine 34 1 haunoſſen zu Deniug Joſef Binge aus Homburg v. d. H., 21: Jahr alt, 43 Jahr im hieſigen Gymnaſium, Aipienhe in Prima(früher Schüler des Gymnaſiums zu Kreuznach), Willens Medicin zu udieren; Johannes Auguſt Heilmann aus Hohenzell, 18 ½ Jahr alt, 5 Jahr im Gymnaſium, 2 Jahr in Prima, Willens Philologie zu ſtudieren; Guſtaf Adolf Deines aus Hanau, 18 Jahr alt, 8 ½ Jahr im Gymnaſium, 2 Jahr in Prima, Willens ſich dem Militärſtand zu widmen; Guſtaf Fenner aus Niederrodenbach, 20/ Jahr alt, 9 Jahr im Gymnaſium, 2 Jahr in Prima, Willens Medicin zu ſtudieren; Guſtaf Jacob Baumann aus Mittelbuchen, 18 Jahr alt, 6 Jahr im Gymnaſium, 2 Jahr im Prima, Willens Theologie und Philologie zu ſtudieren; wurde von der mündlichen Maturitätsprüfung dispenſiert; Karl Demme aus Hanau, 19 Jahr alt, 2 Jahr im hieſigen Gymnaſium, 2 Jahr in Prima (früher Schüler des Gymnaſiums zu Hersfeld), Willens Mathematik und Naturwißenſchaften zu ſtudieren; Arthur Wilhelm Auguſt Richard Vogel aus Caſſel, 19 Jahr alt, 1 Jahr im hieſigen Gymnaſium, 1 Jahr in Prima(früher 7 ¾ Jahr Schüler der Gymnaſien zu Caſſel, Hersfeld und Rinteln), Willens Medicin zu ſtudieren; Dazu noch der fremde Maturitätsaſpirant: Eugen von Jagow aus Auloſen in der Altmark, 21 Jahr alt, 6 ½ Jahr Schüler des Friedrich⸗Wilhelms⸗Gymnaſiums zu Berlin, ¾ Jahr Schüler des Friedrichs⸗Gymnaſiums zu Berlin, Willens Jurisprudenz und Cameralia zu ſtudieren. 58 IV. Ordnung der öffentlichen Brüfung. Freitag den 8. April. Vormittags. Morgens 8 Uhr Choralgeſang(Deutſches Evangeliſches Kirchengeſangbuch Nr. 61 Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort). / Von 8— 10 Uhr Prüfung der Prima. Sophokles. Weltgeſchichte. Tacitus. Phyſik. Von 10— 12 Uhr Prüfung der Secunda. Livins. Phyſik. Homer. Franzöſiſch. Nachmittags. Ven 2—4 Uhr Prüfung der Tertia. Xenophon. Weltgeſchichte. Ovid. Sonnabend den 9. April. Vormittags. Von 8— 9 Uhr Prüfung der Quarta. Cornelius Nepos. Mathematik. Griechiſches Elementarbuch. Von 9 ½— 11 Uhr Prüfung der Quinta. Lateiniſches Elementarbuch. Bibliſche Geſchichte. Geographie. Von 11—12 Uhr Prüfung der Sexta. Lateiniſches Elementarbuch. Rechnen. Nachmittags von 3 Uhr an. Choralgeſang(D. E. Kirchengeſangbuch Nr. 50 O heilger Geiſt, kehr bei uns ein. V. 1—3). Valedictionsrede des Abiturienten Heilmann. Geſang. Rede des Directors und Entlaßung der Abiturienten. Choralgeſang(D. E. Kirchengeſangbuch Nr. 50. V. 5— 7). Verkündigung der Verſetzung und Austeilung der Zeugniſſe. Der Gymnaſialdirector Dr. Piderit.