frss Programm des Königlichen Gymnaſiumszu Kinteln, womit zu der am 27. und 28. März 1885 ſtattfindenden üffentlichen Prüfung ergebenſt einladet der Gymnaſial⸗Direktor Dr. Büsgen. Inhalt: 1. Über die ethiſche Bedeutung der ſophokl. Tragödie Elektra.. Teil. Vom Prorektor Dr. Suchier, 2. Schulnachrichten vom Direktor. Rinteln. Druck von C. Böſendahl. 1885. 1885. Progr. N 360. Nachdem ſeit dem Erſcheinen des erſten Teils dieſer Abhandlung bereits eine Reihe von Jahren verfloſſen iſt, ohne daß der zweite nachgefolgt wäre, weil bei den dienſtlichen Obliegenheiten ich in der That zu ſehr in Anſpruch genommen war, um daneben noch anderweiten Lieblingsbeſchäftigungen, zu denen von jeher die Lektüre der Tragiker und die Ermittelung der in ihren Dramen niedergelegten religiös⸗ſittlichen Anſchauungen gehört, mich widmen zu können, habe ich doch hin und wieder eine Mußeſtunde finden können, um die unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen und zu Ende zu führen. Ich habe daher nach der jahrelangen Unterbrechung um ſo weniger Bedenken getragen, die gewonnenen Reſultate hier mitzuteilen, als ich von verſchiedenen Seiten um Fortſetzung der Abhandlung und Veröffentlichung angegangen worden bin. Auf die geradezu entgegengeſetzten Anſichten A. Schölls in der umfangreichen ſeiner Überſetzung der Elektra vorausgehenden Abhandlung, welche auf einer radikalen Kritik des Stückes, auf Annahme von Einſchiebſeln, auf ſpäterer Üüberarbeitung u. ſ. w. beruhen, habe ich nicht ein⸗ gehen können. Da auf die Schüler der erſten Klaſſe, beſonders der oberen Abt., welche im verfloſſenen Semeſter die Elektra geleſen haben, einige Rückſicht zu nehmen iſt, ſo will ich des Zuſammenhangs wegen den Inhalt des erſten Teils in möglichſter Kürze voranſchicken. Es iſt zunächſt darin abgehandelt von der Entſtehung der ethiſchen Mächte, welche die menſchliche Geſellſchaft in ihrer Ordnung erhielten und nach griechiſcher Anſchauung auf vorge⸗ ſchichtliche Satzungen der göttlichen Weltordnung zurückzuführen ſind. Nach der Vorſtellung der Griechen ſind die Götter nichk von Ewigkeit her, ſondern mit der Welt aus dem Chaos entſtanden und haben die natürliche wie die ſittliche Ordnung der Dinge ins Leben gerufen, deren fernere Ordner und Erhalter ſie geblieben ſind. Zu den von der Gottheit geordneten ethiſchen oder ſitt⸗ lichen Verhältniſſen gehörte namentlich die Ehe, die Familie und der aus der erweiterten Familie hervorgegangene Staat nebſt dem Recht, Anordnungen, welche nicht freventlich verletzt werden durften, ohne unnachſichtlich die göttliche Vergeltung nach ſich zu ziehen. Das ordnende Weltprincip erſchien beſonders in Zeus repräſentiert, unter deſſen oder ſeines Stellvertreters, vorzugsweiſe des Apollo, dann der Erinyen und anderer Gottheiten Strafaufſicht die ethiſchen Lebensordnungen ſtanden. 1 — 2— Anf ſolche Weiſe waren die verſchiedenen Außerungen der ſittlichen Weltordnung, weil ſie einem Naturgeſetze gleich ihre unwandelbare Ordnung empfangen hatten, auf religiöſe Vorſtellung gegründet und durch traditionelle Ordnung als ein Gewohnheitsrecht in die hiſtoriſche Zeit über⸗ gegangen. Dies Gewohnheitsrecht als Teil der ſittlichen Weltordnung war das allein befolgte, bevor poſitive Beſtimmungen und Rechtsnormen an deſſen Stelle traten. Im Laufe der Zeit, wie dies ſchon die Homeriſchen Gedichte lehren, hatten ſich die Götter von der natürlichen Grund⸗ lage, auf der ſie erwachſen oder mit der ſie eins waren, abgelöſt und erſchienen nunmehr als vergeiſtigte Weſen, welche ihren urſprünglichen Wirkungskreis beibehielten, der freilich aus der phyſiſchen in die geiſtige Sphäre übergegangen war. Apollo z. B. der Sonnengott, der alles Irdiſche beſcheint, daher alles ſieht und weiß, iſt zu einem geiſtigen Weſen geworden, zum Gotte der Wahrſagekunſt und der muſiſchen Künſte. Nach dieſer Seite, als wahrſagender Gott erforſcht er die verborgenen Verbrechen, bringt ſie an das Licht und ahndet ſie. Nachdem ſo auf phyſiſcher Grundlage erwachſen die ſittliche Anſchauung zu einer ideellen ſich geſtaltet hat, erſcheint ſie auch als diejenige Eigenſchaft an dem Menſchen, wonach er mit jenem durch die Sitte geheiligten Recht ſowohl, als auch mit der Gottheit in Übereinſtimmung denkt und handelt. Dieſe Wandlung auf ethiſchem Gebiete trat namentlich in den Zeiten der Perſerkriege ein, wo auf dem geſammten Gebiete der Geiſteskultur ein Umſchwung ſich geltend machte und ſomit ein Bruch mit den An⸗ ſchauungen der Vergangenheit. Die Betrachtung ſo gewaltiger Thatſachen, wie die entſcheidenden Siege über die Perſer an die Hand gaben, rief eine Vergleichung zwiſchen Perſern und Griechen hervor, wobei nothwendig ſich die Vorſtellung aufdrängen mußte, daß Wille und Thatkraft im Verein mit geiſtiger Überlegenheit über rohe Maſſen ſo glänzende Erfolge erzielt habe. Der denkende Geiſt fängt an zu erkennen, daß der Menſch nicht mehr, wie der des heroiſchen Zeit⸗ alters, wo er noch unter der Vormundſchaft der Götter ſtets am Gängelbande derſelben geleitet wird, einer äußeren blinden Notwendigkeit unterworfen iſt, und dieſe Vorſtellung tritt in den Tragödien des Äſchylus und Sophokles in den Vordergrund, wenn auch mitunter im Leben ihrer dramatiſchen Perſonen etwas von einem unvermeidlichen Geſchick erſcheint, was nicht durch die Verkettung der Umſtände herbeigeführt iſt, noch als notwendige Folge der Handlung erſcheint. Die Tragiker waren es zunächſt, welche die verſchiedenen Fragen über das Leben mit ſeinen Mächten und Gegenſätzen, über das Verhältnis des Menſchen zur Gottheit, über die ſitt⸗ liche Ordnung dem freien Willen gegenüber zu löſen ſuchten und in künſtleriſcher Darſtellung einer lebensvollen Handlung den Zeitgenoſſen zur Anſchauung brachten.(Bernhardy, Grundriß der griech. Litt. 3. Bearb. 2. Th. 2. Abth. S. 185.) Die durch den neuen Zeitgeiſt gewonnenen Ideen, welche ſich auf dem Gebiete der ſitt⸗ lichen Ordnung bewegen, wurden durch die tragiſche Bühne den Zeitgenoſſen an das Herz gelegt, zu klaren Vorſtellungen erhoben und zum allgemeinen Eigentum gemacht. Mit dem Fortſchritte der Cultur und der genaueren Erforſchung der geiſtigen Verhält⸗ niſſe des Lebens mußte auch die Vorſtellung von der Weltordnung in ein neues Stadium und in Gegenſatz zu den alten Naturweſen treten. Während im heroiſchen Zeitalter ein Verkehr der — 3— Götter mit der Menſchenwelt aus unmittelbarer Nähe ſtattfand, wurde im Laufe der Zeit der unmittelbare Zuſammenhang der Cötter⸗ mit der Menſchenwelt mehr und mehr gelockert und es trat eine größere Schranke zwiſchen der Gottheit und den Menſchen ein. Dieſer Vorſtellung gegenüber konnte ſich auch das alte Naturrecht in ſeiner objectiven Starrheit, wie es in den Erinyen repräſentiert erſcheint und gleich einem bewußtloſem Naturgeſetz unabwendbar ſein Ziel verfolgt, nicht behaupten. Die ſittliche Vorſtellung, welche in dem beſtimmten Bewußtſein wurzelte, daß die göttliche Ordnung verletzt ſei und die göttliche Gerechtigkeit zu deren Wiederherſtellung die Beſtrafung des Frevels fordere, trat in den Vordergrund. Es war nicht mehr das reine rohe Wiedervergeltungsrecht, wonach es hieß:„Für blutigen Mord gieb blutigen Mord!“ Die Naturmacht war in das ſittliche Bewußtſein getreten, welches letztere jedoch ſeine Abſtam⸗ mung von jener nicht verleugnen konnte und in der Naturanſchauung noch befangen blieb. Dies erhellt auch daraus, daß, da die Griechen phyſiſche und ethiſche Verhältniſſe als auf derſelben Grundlage erwachſen anſahen, bei ihnen Geiſt und Natur noch in ungeſchiedener Einheit beſtan⸗ den. Daher wurde bei ihnen Beſonnenheit(poveiv, eb ꝓgovesy, 6„ς) als Geſundheit, das Gegenteil ur Ppovesy als Krankheit ſowohl von Dichtern als Proſaikern angeſehen und mußte mit äußeren Mitteln als einer Art Arznei entfernt werden. Hierher gehört beſonders die Reinigung durch Waſſer, indem man die Sünde als einen anſteckenden Stoff an⸗ ſah, der an dem Sünder und an dem Orte der Frevelthat haftete. So ſagt der Chor in den Grabesſpenderinnen V. 75 ff: —— und ſtrömten alle Ström' auf einer Bahn Vereint, mordrother Hände Fluch Hinwegzuſpülen: ſtrömten all' umſonſt daher.*) Während bei Äſchylus die ſtürmiſch bewegte Zeit nebſt dem Zwieſpalt zwiſchen dem Leben und den es bewegenden Mächten ſich abſpiegelt, die ſittliche Ordnung ihm noch als eine un⸗ verſöhnliche Macht gegen den Frevler an ihr erſcheint, erhebt ſich Sophokles auf dem von ſeinem Vorgänger errungenen Standtpunkte eine Stufe höher zu der heiteren Ruhe und vertrauensvollen Hingebung an das göttliche Walten. Dieſe Hingebung in die göttliche Fügung iſt ein bezeich⸗ nender Fortſchritt in der Sophokleiſchen Anſchauung und wird vom Chore V. 174 ff. der Elektra eindringlich an das Herz gelegt, wie überhaupt in der Tragödie dieſes Namens vorzugsweiſe die göttliche Gerechtigkeit, die den Frevel an ihrer Ordnung ſtreng überwacht und ahndet, gefeiert und die Wiederherſtellung des verletzten Rechtes ihrem Walten anheimzuſtellen empfohlen wird, im Gegenſatze zu der eigenmächtigen Selbſthilfe Klytämneſtras und Ägiſths. Bei ihm wird es Auf⸗ gabe der Kunſt den Menſchen mit ſeinen Entſchlüſſen im Zuſammenhang mit den ſittlichen Mächten zu zeigen. Da dieſe letzteren die Handlung der Perſonen bei ihm beſtimmen und in dieſen perſonificirt einander gegenübertreten, ſo müſſen wir auf dieſe Auffaſſung des Dichters näher achten. War bisher das Gebiet des praktiſchen Lebens und des Geiſtes von der philoſophiſchen *) Vgl. Nägelsbach nachhomer. Theol. p. 359 ff.„ . 1 — 4— Betrachtung ausgeſchloſſen geweſen, ſo wurden beide Gegenſtand der philoſophiſchen Forſchung und der Menſch zum Maaß aller Dinge. Es wurde auf dieſem Wege eine klarere Einſicht in die Bedeutung des Ich gewonnen und das hierauf beruhende größere Vertrauen auf die Sub⸗ jectivität bewirkte, daß der Menſch mit ſeiner Freiheit in den Vordergrund, die Gottheit dagegen in weitere Ferne gerückt wurde. Bei Sophokles zeigt ſich dies in noch höherem Grade als bei Äſchylus, indem bei ihm die Perſonen aus ihrer Subjectivität heraustreten und nach den ſie be⸗ ſtimmenden ethiſchen Mächten handeln. Die Wirkung des Dramas beruht nunmehr auf dem Widerſtreit der letzteren unter einander, auf dem Widerſpruch dieſer mit dem alten Naturgeſetz, zwiſchen dem Glauben und dem grübelnden Verſtande, zwiſchen dem Geiſte der Neuerung und der Vorliebe fürs Alte. Dieſe letztere negative Seite der religiöſen Verhältniſſe hat ohne Zweifel beſtimmend auf Sophokles eingewirkt. Bei dem Hereinbrechen des Unglaubens waren es gerade die alten ethiſchen Satzungen, die Heiligkeit beſtimmter Lebensverhältniſſe und Pflichten, welche durch die Tradition als göttliches Geſetz geheiligt nun in Frage geſtellt wurden. Sophokles, als der vorzugsweiſe fromme Dichter, der ja ſtets die den Göttern ſchuldige Ehrfurcht, die unbedingte Ergebung in ihre Fügungen, die Heiligkeit der Eide und den Glauben an die Orakel ſeinen Zeit⸗ genoſſen mit tiefem Ernſte in Erinnerung brachte, ſuchte hier die tiefe Kluft zwiſchen dem alten und neuen Glauben wieder auszufüllen. Jene alten ethiſchen Probleme galten ihm dem göttlichen Willen gleich, welcher ſich hierin offenbare; daher forderte er Übereinſtimmung des Lebens mit dieſem göttlichen Willen, und jedes tragiſche Unglück erſchien ihm als ein Verkennen dieſes Willens. Bei ihm wie auch bei Aſchylus erſcheinen nun zwar die dramatiſchen Perſonen als frei ſich beſtimmende und für ihre Handlungen verantwortliche Weſen, allein die aus der Ferne waltende Gottheit behält die Fäden in der Hand, woran ſie die Handlungen derſelben lenkt. Freiheit und Nothwendigkeit ſind nach griechiſcher Anſchauung die beiden Pole, um welche ſich das menſchliche Leben und auf der Bühne die tragiſchen Handlungen ſich bewegen, eine Eigenthümlichkeit, wodurch jene ſich wieder von den der modernen tragiſchen Bühne unterſcheiden. Ich komme weiter unten nochmals hierauf zurück. Dieſe beiden die tragiſche Handlung bewegenden Momente haben ihren Grund in der oben angedeuteten Entwickelung der ethiſchen Idee auf natürlich⸗religiöſer Baſis, und ihren urſprünglichen Charakter bewahrte dieſe Idee auch, als ſie ſich ideell zu geſtalten begonnen hatte. Die tragiſchen Charaktere die ethiſche Idee als Ausdruck der allgemeinen göttlichen Not⸗ wendigkeit und deren ewige Wahrheit an ſich offenbarend, werden von ihr, als ihrem Lebenselement, das ihr Pathos ausmacht, in welchem ſie aufgehen, unwiderſtehlich beherrſcht. Eine ſolche das Gemüt beherrſchende Macht war nötig, um bei Verletzung der ſittlichen Grundlagen des Lebens in den hiervon betroffenen den Gedanken der Vergeltung wachzurufen in einer Zeit, wo die Staats⸗ geſetze die Beſtrafung von Freveln an der Heiligkeit privater Ordnungen noch nicht vor ihren Richterſtuhl zogen. Während nun die dramatiſchen Charaktere aus freiem Antriebe handeln und ſich gegen⸗ ſeitig beſtimmen, obgleich Sophokles nicht überall ſich von der Vorſtellung eines unvermeidlichen Verhängniſſes frei zu halten vermag, ſo vermögen ſie doch ihre individuelle Freiheit nur in ſo weit zu bethätigen, als ſie den als ſittliche Ordnung waltenden göttlichen Willen zu ihrem eignen — 35— Willen machen und als unabweislich zu befolgendes Geſetz anerkennen. Wir haben daher in ihnen nicht frei für ſich daſtehende Perſönlichkeiten vor uns, welche in ihrem Handeln nur ihr eigenes Intereſſe darſtellen und aus ſich entwickeln, als vielmehr den individualiſirten Ausdruck der allgemeinen ſittlichen Ordnung, welche ſie vertreten und die ihre Handlung beſtimmen. Dieſe ideellen Mächte der ſittlichen Ordnung ſind es, für welche Antigone in den Tod geht, Elektra alle Schmach ſtandſtaft erduldet und die Blutrache an der eigenen Mutter ins Werk ſetzt, jene aus der älteſten Naturanſchauung entſtandenen Geſetze, über deren Aufrechthaltung als eines Teiles der Weltordnung die Gottheit ſtrenge Aufſicht hielt. Dieſe Anſchauung iſt das Pathos des Dichters und mit ihm beſeelt er auch die dra⸗ matiſchen Perſonen, welche ſeine Phantaſie als Organe für die Darſtellung der Unverletzlichkeit des traditionellen Rechts geſchaffen hat, um dieſe Ideen ſeinen Zeitgenoſſen eindringlich vor die Seele zu führen. Durch die göttliche Weltordnung war neben anderen unverletzlichen Satzungen beſonders die Heiligkeit und Unverletzlichkeit der Ehe ſo wie der Familie in den Vordergrund geſtellt. Auf der Vereinigung und Gemeinſchaft vieler Familien und deren Wohlergehen beruhte die Erhaltung und das Gedeihen des Staates, weßhalb die Eintracht und Liebe der Familienglieder unter ein⸗ ander unter der beſonderen Aufſicht des Zeus ſtanden. Die Liebe beider Geſchlechter, von Mann und Frau zu einander, galt aber den Griechen nur als phyſiſcher, nicht als höherer ſittlicher Zu⸗ ſtand. Als ſittliche Ordnung, daher als reinere und höhere Liebe galt ihnen diejenige, welche die einzelnen Familienglieder, die Geſchwiſter unter einander, die Eltern mit den Kindern und umge, kehrt, mit einander verband. Auf dieſem Familienverhältnis beruhte die Familienpietät, ein Ver⸗ hältnis, in welchem der Grieche die Beſtimmung und das eigentliche Element des Weibes ſah, welches auch mit dem Gatten nicht blos eine natürliche(geſchlechtliche) ſondern auch eine ethiſche Verbindung eingeht. In der Tragödie, welche uns hier näher beſchäftigt, iſt das Verhältnis zwiſchen den einzelnen Familiengliedern gezeichnet und zwar wie es als Pietät einerſeits erſcheint, welche an derſelben Perſon eben wieder aus Pietät als Haß gegen die Feinde derſelben erſcheint. Gerade in dieſem Drama hat das Verhalten der Hauptheldin des Stückes, der Elektra, gegen ihre Mutter Klytäm⸗ neſtra durch die unliebſamen Äußerungen gegen dieſelbe wie durch das angelegentliche Betreiben und die unabläſſige Aufmunterung des Bruders Oreſt zur Ausführung der Vergeltung an der eigenen Mutter, bei ſachkundigen Beurteilern ethiſche und äſthetiſche Bedenken hervorgerufen. Die⸗ ſelben ſind auf S. 11 im erſten Teile dieſer Abhandlung angeführt. Wir halten die Urteile dieſer Männer dem Sophokleiſchen Standpunkte nicht entſprechend und rein von moderner Ghrittlich⸗ſitt⸗ licher Anſchauung eingegeben. Nach der ſittlich⸗religiöſen Anſchauung der Griechen jedoch muß das Urteil anders lauten. In der Elektra, wie dies aus deutlichen Spuren hervorgeht, liegt eine Nacharbeitung der Äſchyliſchen Trilogie, der Oreſtee, vor, welche Sophokles zu einer einzigen Tragödie verar⸗ beitet hat. Beide Dichtungen haben die Blutrache wegen der Ermordung der Agamemnon zum — 6— Gegenſtande. Bei AÄſchylus wie bei Sophokles erſcheint Oreſt als der natürliche Erbe der Blut⸗ rache, zu der er als Sohn verpflichtet iſt. In der Äſchyliſchen Dichtung, wo noch der Grundſatz gilt:„Für blutigen Mord zahle blutigen Mord! Der Thäter muß leiden; ſo kündet der uralt heilige Spruch!“ ähnlich dem altteſtamentlichen:„Auge um Auge, Blut um Blut“, handelt es ſich ſchlechtweg um die Wiedervergeltung des Mordes durch Mord, ohne jegliche ideelle Beziehung. Jedoch iſt der Übergang des alten Naturrechts, der alten traditionellen Satzungen, welche die Erinyen vertreten, und welche nicht mehr vor dem durch die ſteigende Humanität ge⸗ milderten menſchlichen Recht, als deſſen Repräſentant Apollo erſcheint, zu beſtehen vermögen, in den Eumeniden zur Darſtellung gebracht. In dem Sophokleiſchen Drama iſt die Hauptheldin Elektra, welche von Anfang bis zu Ende des Stückes auf der Bühne erſcheint. Sie als der intellektuelle Urheber der Vergeltung für die Ermordung ihres Vaters ſteht im Vordergrund, während die männlichen Perſonen nur als Werkzeuge der Rache erſcheinen. Beim Beginn des Stückes mit Tagesanbruch treten Oreſt und ſein Pädagoge, welcher die Ortlichkeiten im Mykenä genau kennt, auf der Bühne auf. Oreſt macht dem Pädagogen die bedeutungsvolle Eröffnung, daß er nach der Weiſung des delphiſchen Gottes(nicht auf deſſen Befehl noch auch unter deſſen furchtbaren Drohungen wie bei Äſchylus) heimlich mit eigener Hand ohne beſchildetes Heer die Rache ausführen werde;„Du mein väterliches Land“, fährt er fort, und ihr einheimiſchen Götter, empfanget mich erfolgreich auf dieſem Wege. Denn im Verein mit der Gerechtigkeit erſcheine ich zu eurer Sühne auf Antrieb der Götter“. Die Götter ſind es alſo, welche die Vergeltung betreiben. Iſt nun auch, wie wohl anzunehmen iſt, die Elektra nach der Abſicht des Dichters das Organ, durch das er ſeine ſittlich⸗religiöſen Anſichten ausſprechen läßt, ſo fragt es ſich, ob der Dichter, an deſſen Poeſie das ſchöne Ebenmaß als charakteriſtiſcher Zug hervorgehoben wird, in der Darſtellung des Charakters der Elektra in das Gebiet der Gefühlloſigkeit und unkindlichen Grauſamkeit hinüber ſchweife. Man dürfte dies auch dann nicht zugeſtehen, wenn die Elektra ihren Charakter nur nach dieſer einen Seite hin offenbarte. Der Dichter hat ihn eben nur bis an die Grenze geführt, wo jene Eigenſchaften beginnen. Schroff tritt allerdings Elektra nach der einen Seite hin auf. Voller Entrüſtung ſteht ſie da gegen Klytämneſtra und ihren Buhlen Ägiſth. Sie hat mit anſehen müſſen, wie durch die Mutter ein mehrfacher Frevel gegen das göttliche Naturrecht begangen war: durch den Gattenmord, das ehebrecheriſche Verhältnis mit Ägiſth, Lieb⸗ loſigkeit gegen die Kinder, Vernichtung des Glanzes des alten Herrſcherhauſes, wozu dann noch kam, daß vor ihren Augen der Todestag ihres königlichen Vaters zu einem monatlichen Feſttag erhoben wie zum Hohne mit Opfern und Gaſtmählern feierlich begangen wurde. Zu dieſem empörenden Schauſpiele geſellte ſich der Anblick Ägiſths in des Königs Klei⸗ dung und daß ſie, die Tochter des Heldeskönigs Agamemnon, von ihrer Mutter und dem feigen Ägiſth zur Sklavin nebſt der bei dieſem Stande üblichen, einer königlichen Prinzeſſin unwürdigen, Behandlung erniedrigt wurde. Waren dies der Gründe genug, um Elektras Gemüt zu verbittern — 7— und zu der Mutter in eine feindſelige Spannung zu verſetzen, ſo wird dennoch die Tochter als unbarmherzig, lieblos und grauſam verurteilt, ohne daß die andere Seite des Charakters dabei berückſichtigt würde. Eben ſo gut könnte man auch die zärtliche Liebe der Elektra zu Vater und Bruder ſowie die hierdurch bewieſene Pietät gegen Zeus einſeitig ins Auge faſſen; dann würde ihr, wie es der Chor auch ausgeſprochen hat, der Siegespreis der Pietät gebühren. Sie will daher auch nicht von ihrer Klage ablaſſen, da ſie ja die einzige ſei, welche ihren Vater durch ſolche ehrte, zumal ihm nicht in feindlichem Lande der Tod als Gaſtgeſchenk vom blutigen Ares zu Teil geworden ſei, ſondern die eigene Gattin nebſt ihrem feigen Genoſſen habe ihm mit dem Mordbeil das Haupt zerſpalten. Der Conflict, der ſich im Inneren der Elektra vollzieht und vom Dichter an ihr zur Darſtellung gebracht wird, iſt nicht als eine Erſcheinung der in jedem Menſchen wirkenden Kräfte und Urſachen anzuſehen, ſondern als das Wirken höherer Gewalten. Der Menſch wurde nur als das Medium betrachtet, in welchem die höheren Gewalten ſich trafen und zur Erſcheinung kamen. Die Gottheit nun, welche in dem vorliegenden Conflict die Sache der Gerechtigkeit überwacht und beſchützt, iſt Zeus oder deſſen Stellvertreter Apollo. Kamen nun überhaupt in jenem Jahrhundert des Sophokles Fälle von Blutrache noch ſehr ſelten vor, da ja der Areopag den Mörder vor ſein Forum zog, ſo waren mit der vorgeſchrittenen Cultur und Humanität auch in Beziehung auf die heroiſche Zeit die Anſichten über die Blutrache gemildert worden, namentlich bei Sophkles und Euripides. An die Stelle des rohen Wiedervergeltungs⸗ rechtes, das ohne jede andere Rückſicht Blut um Blut fordert, war bei Sophokles das ſittliche Bewußtſein getreten, das in dem unbedingten Vertrauen auf Zeus, dem Hort der ewigen Gerech⸗ tigkeit, aufgeht. Im Vertrauen auf dieſe Gerechtigkeit, das ſie erfüllt und unwiderſtehlich zum Handeln treibt, hält ſich Elektra für verpflichtet, wenn anders ſie nicht bei Zeus' Gerechtigkeit an⸗ ſtoßen will, ihrem Vater durch die Vermittelung der Götter unter Leitung des Zeus Sühne zu gewähren. Dieſes ſittliche Bewußtſein, welches ſich mit der göttlichen Gerechtigkeit im Einklang fühlte und auf natürlicher Grundlage allmählich zu dieſem ideellen Standpunkte ſich erhoben hatte, war alſo die Triebfeder die an dem Vater begangene Unthat zu vergelten. Dieſe Anſchauungen, welche Elektra beſeelen, ſind nicht wie in einem modernen tragiſchen Helden durch Reflexion über das Geſchehene in ihrer Bruſt erwacht und weiter gereift, ſondern von außen an ſie herangebracht. Alles menſchliche Dichten und Trachten geſchah nicht ohne die Gottheit, es war„in allem Zeus und allein Zeus.“ Wenn auch der Dichter die Handlung in das mythiſche Zeitalter verlegt, ſo teilt er dem⸗ ſelben doch nach dem Standpunkte ſeiner Zeit ſeine milderen, ideelleren Anſichten über die Blut⸗ rache mit, welche mit der göttlichen Gerechtigkeit zuſammenfloſſen. Der Dichter wollte außerdem in unſerer Tragödie nicht blos die Blutrache, oder die Wiedervergeltung zur Darſtellung bringen, ſondern auch ſeine tieferen Vorſtellungen von der ſittlichen Ordnung und Wiederherſtellung, die — 8— Zerrüttung des königlichen Hauſes, Verdrängung des berechtigten Thronerben und die Zurückführung der unſprünglichen Ordnung. cf. V. 67 u. 1470. Nach der Sophokleiſchen Auffaſſung ſoll der Mörder nicht mehr ſchlechtweg die Blut⸗ rache erleiden, dem Frevel ſollte eine Vergeltung, dem Verbrechen eine Sühne zu Teil werden, wodurch die am Morde beteiligten ſowohl, wie deren Angehörige und der Ort der Unthat von der Blutſchuld gereinigt werden, wie dies Oreſt V. 70 andeutet, daß er dem väterlichen Hauſe in gerechter Weiſe als Sühner erſchienen ſei. Die ſo ſchmachvoll niedergetretenen Familienverhältniſſe des königlichen Hauſes waren es, nicht berechnete Rachſucht im Verein mit unkindlicher Geſinnung, nicht Eigennutz, aus denen das feindſelige Verhältnis der Tochter zur Mutter hervorge⸗ gangen iſt. Hierauf wie andererſeits auf der hohen Pietät gegen den Vater und die Gottheit beruht das Pathos der Jungfrau, welches ſie wie eine religiöſe Pflicht mit dämoniſcher Gewalt treibt, für die verletzte Ordnung in die Schranken zu treten. Für dieſe innige Liebe zum Vater und das unabläſſige Streben ihm, wie ſeiner ſo ſchmachvoll unter dem neuen Herrſcherpaare leidenden Familie, Vergeltung zu verſchaffen, ſpendet der Chor ihr V. 1081, welcher die allgemeine Meinung vertritt, die höchſten Lobſprüche:„Du trägſt den doppelten Ruhm davon, eines edlen Vaters weiſe und gute Tochter zu heißen. In der Frömmigkeit gegen Zeus haſt du das Höchſte nach dem Geſetze d. h. nach den allgemeinen Glaubensſatzungen, erreicht.“ Dieſe Frömmigkeit(evoeua) welche bedingt iſt durch die.ρφμ̈ ⸗oden, die Sittlichkeit als weiſe Selbſtbeſchränkung, beruht auf der vertrauensvollen Hingebung in die göttliche Leitung und Fügung. Wenn nun Elektra durch ihre Liebe zum Vater, welche zugleich als Frömmig⸗ keit gegen Zeus, mit welchem ſie ſich hierdurch im Einklang weiß,bezeichnet wird, des höchſten Ruhmes würdig iſt, dann müſſen wir wohl in den oberen Ausſpruch des Chors einſtimmen, der dagegen die Chryſothemis V. 1058 ff. als lieb⸗ und rückſichtslos gegen ihren Vater tadelt, da ſie dieſem die früher empfangene Liebe und Pflege zu vergelten vergeſſen; doch werde die göttliche Strafe den treffen, der die heilige Pflicht der Pietät unterlaſſe. Die Schweſter Chryſothemis nämlich, auf welche die Worte des Chors ſich beziehen, iſt nicht wie Elektra eine Heldenjungfrau, welche ſich über die engen alltäglichen Verhältniſſe hinaus zu der hochherzigen Denkungsart ihrer Schweſter, einzig um den höchſten Rückſichten des Lebens zu genügen, zu erheben vermocht hätte. Sie offen⸗ baret einen ächt weiblichen Charakter von ſanfter und nicht unedler Art, aber zu ſchwach unter den obwaltenden Umſtänden ihrer betrübten Lage entgegenzutreten, teils zu lebensklug und zu zaghaft, um nicht durch Anſtoß bei dem Herrſcherpaare ihre behagliche Lebenslage zu ſtören, hält ſie es für gerathen mit eingezogenen Segeln zu fahren. Wie der Antigone die Ismene, hat der Dichter die Chryſothemis der Elektra an die Seite geſtellt, damit dieſer Nebenfigur von alltäglichem Schlage gegenüber der heldenmüthige Charakter der Elektra in ſeiner ſelbſtbewußten, thatkräftigen Handlungsweiſe um ſo ſchärfer hervortrete. Gleichwohl erkennt ſie(V. 338) nicht das für Recht, was ſie aus Lebensklugheit auch der Elektra angerathen habe, ſondern die Handlungsweiſe dieſer und ſie würde mit ihr auch gemeinſam den Vergeltungsplan ausführen helfen, wenn ſie die Macht dazu hätte. Dieſen Gedanken hat ihr der Dichter nicht blos deshalb in den Mund gelegt, — 9— weil er zu ihrem Charakter gehöre, ſondern auch als ſeine eigene Anſicht, um die Idee der Ge⸗ rechtigkeit daran zu offenbaren. Vollſtrecker und Hüter dieſer Gerechtigkeit war, wie wir bereits wiſſen, Zeus, deſſen ſorgſamem Walten mit Zuverſicht und Vertrauen ſich hinzugeben, Elektra vom Chore mit liebevollen Worten ermahnt worden iſt. Dieſe vertrauensvolle Hingabe an die Gerechtigkeit des höchſten Gottes, welchem die Sühne für das verletzte Weltgeſetz anheimgeſtellt werden ſoll und die dadurch bedingte Führung der Ge⸗ ſchicke des ſo tief gebeugten königlichen Hauſes zu endlichem glücklichen Ausgang, iſt der Angel⸗ punkt, um welchen unſer Drama ſich bewegt. Zwar erſcheint Zeus nicht ſelbſt als Vollſtrecker und Hüter der Gerechtigkeit; es iſt dies, wie auch ſonſt, ſein Stellvertreter Apollo, der dieſes Amtes wartet, neben anderen Gottheiten, dem Hermes, Ares, der Dike, den Erinyen und einigen andern als göttliche Weſen gedachten Abſtraktionen. Apollo ſehen wir vorzugsweiſe in unſerer Tragödie in ſeiner Eigenſchaft als ſtrafenden und rächenden Gott. Vom Anfang an bis zum Ende iſt er der Hort der Gerechtigkeit und der Vollſtrecker der Rache. Denn er gerade hat Oreſt ge⸗ trieben, die Rache an den Mördern ſeines Vaters zu vollziehen, und er führt durch denſelben unter Leitung und Einwirkung anderer göttlichen Weſen das Vergeltungswerk zu glücklicher Vollendung. Sehen wir ſo die Vergeltung für Agamemnons Ermordung von den Gottheiten be⸗ trieben, welche nach ihrem Berufe dabei eingreifen konnten, dann müſſen wir ſie auch als eine von den Göttern gebilligte und geradezu gewollte anſehen. Aber nicht nur die Götter und göttlichen Weſen liehen zur Wiederherſtellung der freventlich verletzten Weltordnung ihren Beiſtand, ſondern auch die Toten in der Unterwelt, welchen der all⸗ gemeine Glaube der nachhomeriſchen bis in die ſpätere Zeit einen fortwährenden Zuſammenhang mit den Hinterbliebenen zuſchrieb. Je nachdem den Toten Geringſchätzung entgegengebracht oder Ehre erwieſen wurde, ſo berührte ſie dies ſchmerzlich oder angenehm; wie man daher einerſeits ſie zu ſchmähen vermied, ſo bemühte man ſich andererſeits durch gewiſſe Ceremonien ſie zu erfreuen und war beſtrebt ihren Willen gewiſſenhaft zu erfüllen. Auch Agamemnon war in der Unter⸗ welt in ſteter Verbindung mit der Oberwelt geblieben und hatte die Rache an ſeinen Mördern betreiben helfen. Gegen ſie hatte er bei ſeiner Ermordung den Rachefluch ausgeſtoßen d. h. er hatte unter Anrufung der Apa, der perſönlich gedachten Fluchgottheit, an die Götter das Gebet(A9& bedeutet eigentlich Gebet) um Beſtrafung der Mörder gerichtet. Der Ermordete hatte hierdurch für ſeine Angehörigen den Wunſch ausgeſprochen, ihm für den erlittenen Frevel Sühne zu teil⸗ werden zu laſſen, deren Gewährung ihnen heiligſte Pflicht war, deren Unterlaſſung ein ſchweres Vergehen gegen den Verſtorbenen geweſen ſein würde. Es war alſo eine unabweisbare Notwen⸗ digkeit, dieſe heiligſte Pflicht zu erfüllen und ſollte dadurch auch ein Conflikt der entſetzlichſten Art, wie hier, hervorgerufen werden, da der Erbe der Blutrache dieſe an der eigenen Mutter zu vollziehen verpflichtet war. Wie bei Äſchylus in den Choephoren an verſchiedenen Stellen, ſo gilt bei Sophokles Agamemnon in der Unterwelt als ein ſelbſtbewußtes Weſen(Elektra 456), das Gebete erhören 2 — 10— und vom Hades aus auf die Oberwelt wirken kann. So hat er denn aus Liebe zu ſeinen Kindern Abneigung gegen ſeine Mörder bewahrt, woraus folgt, daß jede Annäherung der letzteren zu ſeinem Grabe ihn verletzen und zur Rache antreiben mußte. Dies zeigt ſich in dem Traumbild, welches der Klytämneſtra in der Nacht vor dem Tage, an welchem ſie die Rache traf, zugeſendet worden war. Sie ſah(V. 410— 418) Agamemnon, wie er auf die Oberwelt zurückgekehrt an dem häus⸗ lichen Herde im königlichen Palaſte ſein Scepter aufgepflanzt hatte, aus welchem ein Zweig her⸗ vorſproßte, der das ganze Mykenäerland überſchattete. Eine bange Ahnung ſagt ihr, woher dies Traumgeſicht ſtamme, und es ſcheint eine unheilvolle Vorbedeutung zu verkünden; daher fordert ſie ihre Tochter Chryſothemis auf, mit Spenden dem Grabe des Königs zu nahen, um den Abge⸗ ſchiedenen zu verſöhnen. Auf dem Wege dahin begegnete Chryſothemis ihrer Schweſter Elektra, welche auf die Frage nach dem Zwecke des Weges die Abſicht der Mutter erfährt und nun ent⸗ ſchieden die Grabesſpende nicht nur zu unterlaſſen, ſondern ſogar mit Erde zu bedecken anrät, damit nicht die geringſte Spur davon an den Toten gelange, da das Opfer von der Mörderhand der Mutter ſtammend nur geeignet ſei, den Toten zu kränken. Indem die Schweſter Folge leiſtet, fordert Elektra ſie auf, mit ihr jetzt vielmehr dem Vater, dem liebſten aller Toten im Schatten⸗ reiche, eine ganz ſchmuckloſe Locke und ihren ohne Luxus prunkenden Gürtel, denn in ihrer Dürf⸗ tigkeit habe ſie ja weiter nichts, das ſie opfern könne, auf dem Grabe des Vaters niederzulegen; das werde ihnen erſprießlich ſein. Dagegen ſollte ſie auf den Knieen den Vater anflehen, er möge aus dem Grabe ihnen als wohlwollender Beiſtand gegen ihre Feinde einziehen und Oreſtes den Fuß ſiegesfroh auf deren Leichen ſetzen laſſen. Wie der freventlich Ermordete ganz ent⸗ ſchieden von ſeinen Hinterbliebenen die Blutrache verlangte, ſo erwarteten auch dieſe von dem Verſtorbenen, gerade wenn ſie deſſen Grabe nahe waren, Beiſtand in ihrem Unternehmen. An verſchiedenen Stellen in der Attiſchen Tragödie ſprechen die Perſonen dieſe Erwartung aus, und dieſe Vorſtellung war bis in das folgende Jahrhundert herrſchend, und auch in Eur. Elektra V. 683 ff. ed. Matthiä wird der im Grabe ruhende Agamemnon von Oreſt als Helfer beim Rachewerk angerufen.*) Wie allgemein der Glaube auch im folgenden Jahrhundert war an die Verbindung der Verſtor⸗ benen mit der Oberwelt und deren höhere Macht, welche ſie auf irdiſche Verhältniſſe ausübten, namentlich wenn der Tod ein gewaltſamer geweſen war, ſpricht, von anderen Zeugniſſen abge⸗ ſehen, Plato aus im neunten Buche der Geſetze(865 d.) Es heißt dort, daß der Zorn des Er⸗ mordeten teils den Mörder oder unter Umſtänden den Angehörigen verfolgte, wenn dieſer die Verpflichtung an jenem Rache zu nehmen verabſäumte, teils ſich an den Ort des Mordes heftete. *) Die Stelle lautet in der Überſ. von Donner: Du, der ſo ſchmachvoll hingewürgt im Grabe wohnt, Hilf, Vater, hilf den Kindern, die du ſo geliebt! Komm, nimm zu Bundesgenoſſen all die Toten dir, Die dir vereinigt Troas einſt eroberten, Und die dem Frevler zürnen, den ein Mord befleckt! Hörſt Du's, an dem ſo Grauſes meine Mutter that? Vgl. auch. Aesch. Choeph v. 134—148 und 457— 461. Eur. Hel. V. 64 u. 962. — 11— Es unterliegt nach dem geſagten keinem Zweifel, daß Agamemnon ſelbſt verlangte, ſeine Hinter⸗ bliebenen ſollten Vergeltung für ſeine Ermordung an den Thätern üben, und er mahnt daran durch Sendung des Traumgeſichts. Auch der Chor, der ja die öffentliche Meinung vertritt und im Glauben des Volkes ſteht, iſt der feſten Überzeugung, daß die Dike gerechten Sieg in den Händen in nicht mehr langer Zeit die Mörder zur Strafe ziehen werde. Er hege Zuverſicht, nachdem er das ſo ſüß wehende(d. h. vom Munde der Chryſothemis her lieblich tönende) Traumgeſicht ver⸗ nommen habe, in welchem nach ſeiner Meinung die Göttin Dike ſich offenbarte. Denn nie werde der Vater Agamemnon, der hier mit beſonderem Nachdruck, um den Frevel an ſeiner Perſon um ſo ſchwerer erſcheinen zu laſſen, Herrſcher der Hellenen genannt wird, noch die erzgeſchmiedete Doppel⸗ axt, die ihn im ſchmachvollſten Frevel hinſchlachtete— der Art wird poetiſch Bewußtſein beige⸗ legt— die blutige That in Vergeſſenheit verſinken laſſen. Iſt es hier zunächſt die Dike die Beiſitzerin und Stellvertreterin des Zeus, ſo iſt es dann die Erinys, die in furchtbarem Hinterhalte lauernd raſch und ſicher(Xaxæòrous aa τπνννανκ) die Miſſethäter ereilen und bewältigen wird.„Denn widerrechtliche und ſchamloſe Gier“, fährt der Chor fort,„befiel die Mörder nach mordbefleckter Ehe. Das nächtliche Traumgeſicht wird ent⸗ weder eine glückliche Vorbedeutung ſein— freilich nicht für die Mörder— oder Weiſſagungen für Sterbliche in ſchreckhaften Träumen oder Cötterausſprüchen ſind nicht mehr vorhanden.“ Der Chor ſpricht hier wieder deutlich aus, daß jener mordbefleckte, Gottes Ordnung ent⸗ weihende Ehebund, nicht die Liebe zu ihrer Tochter Iphigenia, um deren Opferung zu rächen, die Klytämneſtra zum Gattenmorde getrieben habe. Die auf Gattenmord gegründete und dadurch unheilige Ehe iſt nach der Anſicht des Chors das, was das verbrecheriſche Paar den Rachegöttinnen entgegenführte. In den obigen wie den davor angeführten Worten, wo von der Erinys die Rede iſt, kann doch kein Miß⸗ verſtändnis obwalten, daß ſowohl der Chor auf Seiten Elektras und Oreſts ſtehe, als auch daß der Angriff der Erinys auf die Miſſethäter, nicht auf Oreſt ſich beziehe. Es iſt dies hier hervor⸗ zuheben, weil eine neuere Erklärung, auf die ich unten zurückkommen werde, dem Dichter in der Schlußſcene eine Inconſequenz in dem Verhalten des Chores zuſchreibt. Nach dieſer Ahnung des Chors, daß die Vergeltung drohe und aus ihrer grauenvollen Verborgenheit heranſchreite, tritt Klytämneſtra aus dem Palaſt heraus, noch in voller Aufregung ob des Unheil drohenden Traumgeſichts, um gerade dem Gotte ein Opfer darzubringen und ihn um Hülfe anzuflehen, der doch die Rache gegen ſie betrieb und dem Oreſt genau im Einzelnen angegeben hatte, wie er die Vergeltung ausführen ſolle. Doch bevor ſie ſich von der Dienerin die Opferſpenden reichen läßt, trifft ſie mit Elektra vor dem Palaſt zuſammen, die von ihr mit Vorwürfen überhäuft wird, daß ſie da wieder ſo ſich vor dem Hauſe herumtreibe, um den Leuten ihr Leid darüber zu klagen, daß ſie von der Mutter, welche ihr den Vater erſchlagen, ſo viel zu leiden habe. Sie wundert ſich, wie nur Elektra um den Vater ſo unaufhörlich wehklagen könne, der ihr doch die Schweſter geopfert habe und noch dazu ſeinem Bruder, dem Könige Menelaus zu Gefallen, der ja doch ſeine eigene Tochter zum Opfer hätte hergeben können. Für dieſe Tötung der Tochter ſei es der Gerechtigkeit gemäß geweſen, am Vater Rache zu üben, und an dieſon habe ſie — 12— das Rächeramt übernommen. Nicht ſie eigentlich, ſondern Dike ſei die Rächerin, die ſich ihrer nur als Werkzeug zur Vollziehung der Strafe bedient habe. Man fühlt aus dieſer Rede leicht heraus, daß ſie ſich ſchuldig weiß, aber keinen ſchlagenden Rechtfertigungsgrund für ſich hat. Gleich einem Schuldbewußten, der vor ſich ſelbſt flieht und ſein Gewiſſen beſchwichtigen will, greift ſie nach ſophiſtiſchen Gründen. Sie geht ſodann gar ſo weit, der Elektra vorzuwerfen, daß ſie der Dike bei ihrem Rachewerke nicht Hülfe geleiſtet, alſo beim Morde des Vaters nicht beigeſtanden habe, wie es doch ihre Pflicht geweſen wäre, wenn ſie verſtändig hätte handeln wollen. Dike alſo, die wir oben als Stellvertreterin des höchſten Gottes kennen gelernt haben, die Vollſtreckerin der Beſtrafung der Frevler an der ewigen Weltordnung, ſoll der Verbrecherin bei ihrem fluch⸗ würdigen Vergehen beigeſtanden oder gar unter deren Geſtalt die Ermordung zur Vergeltung der Opferung der Tochter ausgeführt haben! In dem Augenblick, wo bereits eine Mahnung aus der Unterwelt, die ſie wohl verſtanden hatte, an ſie ergangen war, die Rache bereits furchtbar in der Verborgenheit lauernd gegen ſie hervorzubrechen drohte, wagt ſie es, in ihrer Verblendung ſich die Rolle der Dike zuzuſchreiben, welche im Begriffe ſteht, die Vergeltung gegen ſie ins Werk zu ſetzen. Solche Vermeſſenheit und eine derartige Zumutung wie die Mutter ſie ſo eben ausge⸗ ſprochen hat, kann natürlich weiter nichts bewirken, als die Erbitterung und den Haß gegen ſie im Herze der Elektra zu ſteigern und die gehäſſige Stimmung der Tochter nur als um ſo berech⸗ tigter erſcheinen zu laſſen. Auf die Rede der Mutter entgegnet Elektra in aller Ruhe, ſie werde über ihren Vater einiges vorbringen, das Billigung verdiene, wenn ihr nur zu reden geſtattet wäre. Durch ihre Ruhe bewogen, giebt die Mutter ihr nach, worauf ſie die Lage auseinanderſetzt, in welche der Vater durch den Zorn der Artemis verſetzt ſei, daß er unter den obwaltenden Um⸗ ſtänden nicht anders habe handeln können, da die Göttin ſeine, nicht des Bruders, Tochter zum Opfer verlangt habe. Dieſe habe er nicht vorenthalten können, wenn das geſammte Griechenheer hätte gerettet werden ſollen. Woher habe ſie denn das Recht gehabt, für die geopferte Tochter am Vater und Gatten die Blutrache auszuüben? Und wenn man dies als Geſetz aufſtellte, daß der Mörder jedesmal wieder den Tod erleide, dann wäre ſie(Klytämneſtra) die erſte, welche dieſe Strafe träfe. Geſetzt auch, daß ſie in dieſem Falle im Recht ſei, ob denn auch das als Wieder⸗ vergeltung für die geopferte Tochter zu betrachten ſei, daß ſie mit ihrem Mordgenoſſen Ägiſth in einem widerrechtlichen Ehebund lebe, die Tochter zur Sclavin und zu einem jammervollen Leben herabgewürdigt, den Sohn aus dem Hauſe verſtoßen habe? Klytämneſtra vermag auf ſolche Vor⸗ würfe nichts zu erwiedern. Unter argen Schmähreden weiß ſie nur zu drohen, daß Elektra, ſobald Ägiſth vom Lande zurückgekehrt ſein werde, zur Ruhe gebracht und in ein unterirdiſche Verlies eingeſchloſſen werden ſolle, wo ſie Sonne und Mond nimmermehr wiederſehen würde. Jede weitere Unterredung ſchneidet ſie dann damit ab, daß ſie Schweigen gebietet, da jetzt das Opfer wegen des beängſtigenden Traumes dargebracht werden ſolle und durch keine unheilige Äußerung geſtört wer⸗ den dürfe. Nachdem ihrer Aufforderung bereitwillig Folge gegeben iſt, wendet ſich nun Klytäm⸗ neſtra mit beklommenem Herzen in dem Bewußtſein, daß der Traum ihr Unheil verkünde, an den — 13— Abwender des Unheils( ‿τροο, goorärns von ſeinen Schützlingen genannt), der gerade in ſolchen Fällen nach beängſtigenden Träumen um Abwehr der üblen Vorbedeutung angerufen wurde. Es iſt dies wiederum zu beachten und nicht ohne tragiſche Ironie, daß ſie gerade Erlöſung von ihrer Furcht vor dem zweideutigen Traumgeſicht und einen glücklichen Ausgang von dem Gotte begehrt, welcher die Rache gegen ſie wollte und betrieb; daneben durfte ihr auch nicht un⸗ bekannt ſein, daß der Sünder, auf dem noch eine ungeſühnte und unſühnbare Schuld laſte, keine Ausſicht auf Erhörung habe. Sie fleht nun, doch leiſe, um den Inhalt ihres Gebetes vor den Anweſenden zu verbergen, weil ſie um Unerhörtes bat, daß die ihr geſendeten Weiſſagungen für ſie zum Heile ausſchlagen möchten, daß ſie vereint mit ihren Freunden das Leben hinbringen möchte ungekränkt von ihren Feinden, und daß der Gott, wenn er ihre Bitte nicht erhören wolle, das Verderben auf jener Haupt zurückfallen ließe. Dieſe Feinde ſind aber keine anderen, als ihre eigenen Kinder, Oreſt und Elektra. Sie, die eigene Mutter, fleht alſo vom Apollo das Verderben auf das Haupt ihrer Kinder herab. Nachdem ſie bereits an dem Gatten, an der be⸗ ſtehenden Königsherrſchaft, an der Familie ſo unerhört gefrevelt, glaubte ſie nur um dieſen Preis, durch Beſeitigung der beiden Kinder im Verein mit Ägiſth ihr Leben, das ſie ſtets bedroht ſah, ſo lange noch ein Bluträcher vorhanden wäre, in Ruhe hinbringen zu können. Eine ſolche Mutter aber, welche um den Tod ihrer eigenen Kinder die Gottheit anfleht, verläugnet doch ihren mütter⸗ lichen Charakter durchaus und tritt damit aus dem mütterlichen Verhältnis zu ihren Kindern heraus, wie dies von der Elektra auch ausgeſprochen iſt. Kaum hat Klytämneſtra, während Elektra im Hintergrunde ſtehen geblieben iſt, ihr Gebet vollendet, da naht ihr der alte Pädagog als Bote vom König Phanoteus aus Phokis, dem alten Gaſtfreunde des Ägiſth, mit der erdichteten Nachricht, daß der Gegenſtand ihrer beſtändigen Furcht, der Bluträcher Oreſt, nicht mehr am Leben ſei. Die ungeduldige Haſt der Klytämneſtra erkennend, Näheres über den Tod ihres Sohnes, damit ſie deſſen auch recht gewiß ſei, zu erfahren erzählt er ihr umſtändlich, daß derſelbe an den Pythiſchen Spielen beim Wagenrennen, ſchon des Sieges⸗ preiſes gewiß, nahe am Ziele durch einen traurigen Zufall vom Wagen geſchleudert und von den Roſſen zu Tode geſchleift worden ſei. In kunſtvoller lebendiger Darſtellung dieſes Wettkampfes läßt der Dichter den Oreſt im Glanze einer jugendlichen Heldengeſtalt erſcheinen, welche die Be⸗ wunderung aller Anweſenden erregte. Während der Tod eines ſolchen Sohnes und gerade durch einen ſo unglücklichen Zufall eine Mutter in um ſo tiefere Trauer verſetzen muß, iſt er vielmehr, wie wir im Folgenden ſehen, ein frohes Ereignis für Klytämneſtra, da Oreſt, ein Held in jugend⸗ licher Kraftfülle, gewiß bei ſeiner Rückkehr Anhang im Volke gefunden und günſtigen Erfolg bei einer Unternehmung zum Sturze des Thronräubers erzielt haben würde. So klammert ſich Kly⸗ tämneſtra in der Not ihres Herzens an den Trug an, durch den ſie bald ihr Verderben finden ſollte. Denn der Trug, welchen Apollo zur Ausführung der Rache angegeben hatte, beſtand in dieſer erdichteten Todesnachricht und in der bald darauf erfolgten Überbringung der Urne durch Oreſt, welche angeblich ſeine eigene Aſche enthielt. Es iſt eine vortreffliche Erfindung des Dichters, daß der Bote die Frauen beide auf der Bühne trifft und mit den Herzenswünſchen der Herrſcher . bekannt die Todesnachricht als angenehme Kunde überbringt, welche als ſolche auch von Klytäm⸗ neſtra entgegengenommen und ihm dafür ein entſprechender Lohn verheißen wird. Der Gott hat, wie Klytämneſtra glaubt, ihr Gebet erhört, und jene Nachricht ſei die Antwort darauf. Es folgt nun auf der Bühne jene unvergleichliche Scene voll erſchütternder Wirkung, mit welcher der Um⸗ ſchwung in der Handlung ſich vorbereitet und wobei Klytämneſtras Charakter ſich wieder in einer Weiſe offenbart, daß die Vergeltung an ihr von der ethiſchen Seite betrachtet als gerechtfertigt erſcheint. Wohl ſelten ſind dem Zuſchauer ſo ergreifende Scenen auf der Bühne vorgeführt wor⸗ den, wie die erwähnte, welche beſonders die tragiſche Kunſt des Dichters und ſeine Meiſterſchaft in der Seelenmalerei glänzend bewährt. Welcher wunderbare Wechſel und raſche Übergang der Gefühle in der Bruſt der handelnden Perſonen! Auf der einen Seite erſcheint Elektra vom höchſten Schmerze der Verzweiflung ergriffen, unter dem ſie faſt zuſammenſinkt; auf der andern Klytäm⸗ neſtra, welche bis dahin von Angſt gefoltert nach einem kurzen Auflodern ihrer Mutternatur zu der Äußerung getrieben wird: „O, Zeus, was iſt dies? Soll ich es Glück nennen, oder ſchrecklich aber Gewinn? Es iſt doch traurig, wenn ich durch eigenes Misgeſchick mein Leben rette“ und„Mächtig iſt doch das Muttergefühl; denn auch nicht einmal, wenn man von ſeinen Kindern übel behandelt worden iſt, wird man vom Haß gegen ſie bewegt.“ Doch nur ganz flüchtig regen ſich die zarteren Ge⸗ fühle der mütterlichen Liebe in ihrer Bruſt. Nach dieſem raſchen Auf⸗ und Abwogen von Angſt und Betrübnis kommt ihr wahrer Charakter wieder zum Durchbruch, der ſich nunmehr, da plötzlich alle Gefahr beſeitigt iſt, in freudiger Aufregung kund giebt. Sie weiß ihre Freude nicht zu be⸗ herrſchen und nicht zufrieden mit der erfreulichen Botſchaft, ergeht ſie ſich in bitterem Hohne gegen Elektra über das unglückſelige Geſchick des Oreſt. Elektra, deren Trauer um den Vater bisher in lauten, mit dämoniſcher Gewalt hervorbrechenden Klagen ſich äußerte, wird zu ſanfter Wehmut herabgeſtimmt und fragt die Klytämneſtra unter Thränen, ob es denn ſchön ſei, daß die Mutter über das Unglück des Sohnes ſo übermütig frohlocke. Dieſe aber antwortet ihr:„Mit dir freilich ſteht es nicht ſchön(d. h. weil du nicht ſofort mit dem Bruder dahin gefahren biſt) mit Oreſt in ſeinem jetzigen Zuſtande ſteht es ſchön.“ Bei dieſer hier wieder von der Mutter zur Schau getragenen Geſinnung ruft Elektra die Nemeſis des Verſtorbenen an, was hier wiederum von ethiſcher Bedeutung iſt. Ein ohne ſeine Schuld Gemordeter oder ein mit Schmach behandelter Toter hatte ſeine Nemeſis, welcher das dieſen widerfahrene Unrecht zu rächen oblag. Klytämneſtra wendet den Namen Nemeſis in ihrem Sinne in Beziehung auf ihre Wünſche und Gebete an. In der Meinung, daß Apollo ihr Gebet erhört und das Verderben auf Oreſt habe zurückfallen laſſen, ſagt ſie mit freudigem Hohn zur Elektra:„Die Nemeſis“ hat die erhört, welche ſie erhören muß und hat die Sache zu einem ſchönen Ausgang geführt.“ Mit Nachdruck und wieder mit bitterem Hohne hebt ſie das Wort ax¼s aus der vorhergehenden Frage —*) Der Begriff der Nemeſis gehört nicht dem herroiſchen Zeitalter an und iſt erſt zur Zeit der Perſer⸗ kriege entſtanden. Daß hier die Nemeſis genannt wird als Erhörerin des Gebets, welches an Apollo gerichtet war, darf nicht auffallen. Die Nemeſis, als Strafgottheit, vollzieht ſtatt Apollos die Strafe. der Elektra und aus der dieſer von ihr gegebenen Antwort hervor. Da ſie ſich jetzt in voll⸗ kommener Sicherheit wiegt und in Gedanken im Vollgenuß des Glückes ſchwelgt, während alles bei ihr ſchön ſteht, liegt in ihren Worten und Gedanken doch wieder eine tragiſche Ironie. Kly⸗ tämneſtra wähnt nämlich, daß das Anrufen der Nemeſis von Seiten der Elektra nach dem Tode des Bruders fruchtlos ſei, während dagegen ſie ſelbſt durch den vermeintlichen Tod des Oreſt dem ihr ſtets drohenden Verderben entgehen werde. Da nun Oreſt nicht tot iſt, und die von Elektra angerufene Nemeſis ihn nicht hat ereilen können, ſo hat dieſe nach dem Ausſpruch der Klytämneſtra die gehört, welche ſie hören muß, und darunter iſt die Elektra zu verſtehen, indem der von ihr angerufenen Nemeſis die Mutter durch die Hand des Sohnes zum Opfer fallen ſoll. Daneben hat die Elektra unwiſſentlich nicht die Nemeſis des Bruders, weil dieſer ja nur vermeint⸗ lich tot war, ſondern des vorlängſt Verſtorbenen(ν Saνν τos d τ ος) angerufen, und ſo findet ihr Gebet wiederum, wenn auch in anderem Sinne als ſie gemeint hatte, Erhörung, indem die Nemeſis die Anrufung zugleich auf den ermordeten Vater bezieht und die Rache für dieſen be⸗ treiben hilft. Elektra durch die Todesbotſchaft der höchſten Verzweiflung preisgegeben, da ſie ohne alle Ausſicht auf Erlöſung von dem Joche, das ihr die verhaßteſten aller Menſchen, die Mörder ihres Vaters ferner auferlegen würden, giebt den ſchmerzlichſten Klagen Ausdruck. Sie erklärt offen, daß das Leben ihr eine Laſt, der Tod dagegen erwünſcht ſei. Ohne jegliche Hoffnung auf Vergeltung für ihren Vater und auf Wiederherſtellung des königlichen Hauſes zu ſeinem alten Glanze, iſt ſie bereit, ihr Leben wegzuwerfen und draußen vor den Thoren des Palaſtes hinzuſchmachten. Da verſuchen die Jungfrauen des Chors, welche ihr ſtets teilnehmend zur Seite geſtanden ſind, ihr wieder ein tröſtendes Wort zuzurufen. Wie ſchon oben V. 174 dieſelben ihr Maßhaltigkeit in ihren Klagen und ruhige Ergebung in Zeus' Rathſchluß angeraten haben, ſo weiſen ſie auch hier wieder auf die Strafaufſicht des Zeus und des Helios hin.„Wo iſt denn, ſagen ſie, der blitzſchleudernde Zeus und der leuchtende Helios, wenn ſie ſolche Frevel mitanſehen und ruhig verborgen halten wollten“? Die letzteren Worte beziehen ſich nur auf Helios. Dieſe Äußerung des Chors bezeichnet aus⸗ drücklich, daß die genannten Gottheiten gar nicht vorhanden wären, wenn ſie die an Agamemnon und ſeinem Hauſe begangenen Frevel nicht beſtraften. Die Strafaufſicht und die damit verbundene Gerechtigkeit gelten als ſo weſentliche Eigenſchaften der Götter, daß, wenn ſie ſich nicht in der That offenbarten, man am Daſein der Götter und ſomit an allem Kultus irre werden müßte. Von Homer an durch das ganze Altertum hindurch klingt die Vorſtellung wieder: Wenn die Götter nicht ſtra⸗ fen, ſo exiſtieren ſie nicht, aber ſo gewiß ſie exiſtieren, ſo gewiß ſtrafen ſie.*) So wenig wie in der phyſiſchen Welt Zeus und Helios des ihnen von der Weltordnung zugewieſenen Amtes entraten können, ſo wenig in der moraliſchen. Auch in dieſer müſſen ſie mit Naturnotwendigkeit deſſelben walten. Der Chor ſpricht mit den obigen Worten der Elektra Troſt ein, daß Zeus und Helios ganz beſtimmt den Frevel an der Heiligkeit ihrer Ordnung heimſuchen würden, wenn alle ihre Hoffnung auf menſch⸗ liche Hülfe zur Errettung aus ihrer Not dahin ſei. In gleicher Weiſe ermutigt er ſie V. 174, *) Nägelsbach nachhomer. Theol. p. 30 u. 31. — 16— indem er ſie darauf hinweiſt, daß der allwaltende Zeus im Himmel noch lebe, der die Geſamtheit der Sterblichen mit vorſchauender Weisheit in ſeinem großen Weltplan umfaſſe und auch die Einzelnen in das Ganze einordne. Auch der Hades, heißt es weiter V. 182, habe ihrer nicht ver⸗ geſſen; denn dieſem lag es als Herrn des Totenreiches ob, ſeinen Toten zu ihrem Rechte zu verhelfen, alſo auch den widerrechtlich erſchlagenen Agamemnon an ſeinen Mördern zu rächen. Der Rat zu unbedingter Ergebung in den göttlichen Willen hat ſeinen Grund in dem Vertrauen auf die göttliche Gerechtigkeit. Zu dieſer Ergebung will der Chor mit den angegebenen Worten die Jungfrau ermahnen, für deren berechtigte Handlungsweiſe dieſer Gedanke des Chors wiederum von Bedeutung iſt. Der Chor rät ihr, ihr Leid und ihren Gram ganz der göttlichen Leitung anheim zu ſtellen, dann ruhig abzuwarten, was Zeus thun werde. Kaum hat der Chor dieſe Troſtesworte geſprochen, da leuchtet auch ſchon ein matter Hoffnungsſchimmer auf. Nach der niederſchlagenden Nachricht, welche Elektra in die höchſte Verzweiflung verſetzt hat, kommt Chryſothemis in freudiger Aufregung herbeigeeilt und verkündet, daß noch Ausſicht auf Rettung vorhanden ſei; ſie habe auf des Vaters Grabe eine Locke gefunden, die ohne Zweifel von Oreſt ſelbſt dort als Grabesſpende niedergelegt ſei. Doch Elektra weit entfernt, dieſe Nachricht als einen Troſt zu empfinden und darüber freudig geſtimmt zu werden, hält ſie vielmehr für einen Fieberwahn der Schweſter, welcher ſie nun die Todesnachricht, von der jene noch nichts wußte, mitteilt und meint, wohl ein anderer habe die Locke zum Andenken auf dem Grabe niedergelegt. Mit dem Glauben an die Rückkehr des Oreſt ſei es nun auf immer vorbei. In ihrer völlig hoffnungsloſen und verzweifelten Lage geht jetzt Elektra ſo weit, daß ſie den Entſchluß faßt, ſelbſt das Rächeramt zu übernehmen und an Ägiſth— doch nicht an der Mutter, in betreff deren ſie überhaupt bis jetzt nicht ein ſolches Vorhaben geäußert hat— aus⸗ zuüben. Nur die bis zum höchſten Grade geſteigerte Leidenſchaft macht es erklärlich, daß ein ſolcher Entſchluß in der Bruſt der Jungfrau entſtehen konnte, deſſen Unausführbarkeit an Ägiſth ihr doch klar ſein mußte. Aber auch dieſe leidenſchaftliche Aufregung, welche jenen Entſchluß er⸗ zeugt hat, muß ſofort wieder einer anderen weichen, indem bald nach der Ankunft des Boten Oreſt mit der Totenurne erſcheint, welche angeblich ſeine eigene Aſche enthält. Dieſe Liſt iſt wie die erſtere eine ſinnreiche Erfindung des Dichters, indem dadurch nicht nur die Mutter, ſoudern ſogar Elektra wirklich getäuſcht wird, ſo daß jeder Verdacht von den beiden Fremden fern bleibt, und ſie ohne alle Gefahr in den Palaſt gelangen. Während ſo mit dem Erſcheinen des Oreſt der Retter in der höchſten Not am nächſten iſt, wird uns doch die Heldin des Stückes gerade in dieſem Augenblicke in ihrem größten Elend dargeſtellt. Beim Empfang der Urne, welche ſie mit ſchweſterlicher Zärtlichkeit in ihr)e Arme nimmt, giebt ſie in ihrer Anrede an die vermeintlichen überreſte des Brudes ihrem tiefſten Jammer in den rührendſten Worten Ausdruck. In ergreifender Darſtellung, welche die verzweiflungsvolle Mut⸗ und Hoffnungsloſigkeit der Elektra uns ſchildert, hat es der Dichter verſtanden, unſere Teilnahme und Aufmerkſamkeit ſo in Anſpruch zu nehmen, daß wir Oreſt mit der Urne nicht für eine erſonnene Liſt anſehen und des leibhaftig auf der Bühne vor uns ſtehenden Oreſt faſt vergeſſen. Durch dieſe ſo wahrheitstreue Scene, in welcher die beiden Frauen mit den Fremden auf der Bühne zuſammentreffen, hat der Dichter erreicht, daß jene ihre wahre Geſinnung ſonder Hehl und Heuchelei vor dieſen offenbaren, wobei dann abermals Klytämneſtra ihre ſchadenfrohe Gefühlloſigkeit gegen ihre Kinder an den Tag legt, dadurch aber ſich als ſchuldig in den Augen der Fremden erweiſt. Wie ſchon vorher der Bote bei ſeiner Trauerbotſchaft die maßloſe Freude der Klytämneſtra über den Tod des eigenen Sohnes mit eigenen Augen angeſehen hatte, erfährt bei Überbringung der Urne Oreſtes dieſelbe aus dem Munde ſeiner Schweſter, die dann weiter ein Bild ihrer traurigen Lage entwirft, in welches endloſe Elend ſie durch den Tod des Bruders geſtürzt ſei, wie ſie ihn als kleinen Knaben allein gepflegt, und da von der Mutter nach der Ankunft des Ägiſth in dem Palaſte ihm alle mütterliche Pflege entzogen ſei, ſchließlich vor den mörderiſchen Händen derſelben gerettet habe. Oreſt ahnend, daß er die Schyweſter vor ſich ſehe, erkennt ihre ſo eben beſchriebene Lage auch aus ihrer äußeren durch die harten Leiden abgezehrten Geſtalt und fragt verwundert, ob denn dies die herrliche Geſtalt— wie ſie ihm der Pädagoge geſchildert hatte— der Elektra ſei. Im weiteren Verlaufe der Unterredung mit der Schweſter kommt Oreſt zu der überzeugung, daß durch den unſeligen Bund ſeiner Mutter mit Ägiſth unſägliches Leid über die Schweſter wie Untergang über das Königshaus des Agamemnon gekommen, und er verpflichtet ſei, ſeinem Vater Sühne an ſeinen Mördern zu gewähren und hierdurch die Wiederherſtellung des alten königlichen Throns zu bewerkſtelligen. Aus dieſer Scene, in welcher Elektra die innigſte Liebe zu dem Bruder offen⸗ bart, muß auch dem Zuſchauer offenbar werden, daß ihre früheren leidenſchaftlichen Außerungen der Klage und des Haſſes einem nicht lediglich harten und verbitterten Gemüt entſprangen, daß ihr Herz den weichen und innigen Gefühlen der liebevollſten Zärtlichkeit zugänglich iſt. Durch den am Vater verübten Frevel und den gottloſen Ehebund der Mutter mit Ägiſth war ſie in der liebenden Empfindung und in dem ſittlichen Gefühl, welche ihr innerſtes Weſen ausmachen, tief verletzt worden, ſo daß ſie zu ſo gewaltigen AÄußerungen der Klage und zu ſolcher Standhaftigkeit in der Ertragung aller Leiden gebracht werden konnte. Wir erkennen hierdurch in der Elektra ein tief empfindendes, ächt weibliches Gemüt, das nur wegen der innigſten Liebe zum Vater und durch die ſo ſchnöde Verletzung der heiligſten Gefühle zu ſo unauslöſchlichem Haſſe entflammt werden konnte. Dieſe Liebe iſt es ja auch, durch die ſie ſich mit Zeus in Einklang weiß, vor dem dieſe Liebe als Frömmigkeit gilt, durch die ſie nach dem Ausſpruche des Chors V. 1081 ff. den Sieges⸗ preis davon tragen werde. Durch ſolche Andeutungen zeigt der Dichter aufs neue die ethiſche Berechtigung der Handlung des Oreſt, welcher mit ſeinem Freunde Pylades nebſt dem Boten ſich anſchickt zur Voll⸗ führung des Rachewerks in den Palaſt zu ſchreiten(V. 1375 ff.) und zwar auf geheimem Wege, wie Apollo es vorgeſchrieben hatte. Zuvor richten ſie an Apollo, deſſen Bild vor dem Palaſt ſtand, ein inbrünſtiges Gebet um Gelingen der bevorſtehenden Vergeltung. Elektra richtet ein Gebet gleichen Inhalt an denſelben Gott und geht den Männern in den Palaſt nach. Der Chor ſieht mit ihnen göttliche Mächte einziehn und den mordgierigen Ares voranſchreiten. Sofort ſieht er auch ſchon, wie die unentrinnbaren Verfolgerinnen unheilvoller Frevelthaten, die Erinhen, im Hauſe zum Angriffe daſtehen, ſo daß ſeines Herzens Ahnung nicht lange mehr in der Schwebe bleiben werde. Ehe ich hier weiter gehe, muß ich einer Erklärung des letzten Chorgeſanges gedenken, welche ſich in den Neuen J.⸗Bl. für Phil. u. Päd. v. J. 1884 B. 129 u. 130 Heft 6, p. 353— 360 findet und Herrn Prof. Th. Plüß in Baſel zum Verf. hat. Dort heißt es dem Hauptinhalte nach:„Es ſieht aus als ſolle nun auch für Sophokles die Zeit unverdienten Ruhmes vorbei ſein. Man hat angefangen die Methode hiſtoriſcher Quellenforſchung und einer realiſtiſch⸗gelehrten, nüchtern, verſtändigen Thatſachenkritik auf die Tragödien des Dichters anzuwenden und hat damit bereits Ergebniſſe erzielt, welche für Sophokles verhängnisvoll ſind. Dieſer Methode entſprechend ſollen beim letzten Chorliede(V. 1384—1397) aus einer rein ſprachlich⸗logiſchen Er⸗ klärung die logiſchen Folgerungen gezogen werden.„Eben ſind“ heißt es dort„Oreſtes und Pylades vor die Götter getreten, welche im Vorhofe des Palaſtes wohnen, und haben ihre An⸗ dacht verrichtet, und Elektra hat zu Apollon gefleht, er, der Gott des Lichts, möge ein gnädiger Helfer bei dem Werke der Vergeltung ſein. Da rufen die Frauen des Chors einander zu, ſie ſollen ſehen, an was für einem Orte Ares weithin verzehrend um ſich greife, das Blut wildwett⸗ eifernder Leidenſchaft ſchnaubend. Der Chor ſieht alſo nicht etwa Apollon oder einen der ange⸗ ſtammten Götter des Burghofes, ſondern ein wüſtes Ungeheuer von tieriſcher Geſtalt, nicht einen Helfer zum Rechte, ſondern den Ares, der am gegenſeitigen Morden ſeine Luſt hat; das Blut, welches Ares aus den Nüſtern bläſt, iſt dem Chore wohlbekannt(5.α), es iſt das Blut eines Wetteifers zweier Gegner oder zweier Parteien(*9 ⁹), eines Wetteifers wilder oder unſeliger Art (3s-)“ Bei dieſem Anblick weiſe der Chor dahin, wo Oreſt und Elektra beide zu ihren Göttern gebetet haben und dann zu ihrer That in den Palaſt gegangen ſeien. Was heiße das rein logiſch anders, als daß die That derſelben eine Fortſetzung des alten wilden Atreidenmordes ſei. Der Chor ſehe ferner, wie die Erinyen bei ihrem Einzuge zum Angriffe bereit ſtehen wie auf ein Wild; dieſes Wild ſei Ares, der wenn er jetzt in die Halle hineingehe und Blut ſchnaube, die That des Oreſt und der Elektra vertrete, die Erinyen umgekehrt vertreten die Rache, welche den Oreſt ſelber bereits erwarte. Hiermit werde die That des Oreſt als eine böſe Frevelthat erklärt; für die ihm die Strafe der unterirdiſchen vorausgeſagt werde. Wo, fragt der Verfaſſer bleibe die logiſche Folgerichtigkeit des Chores früheren Außerungen gegenüber und jene Sympathie für Elektra und Oreſt, welche logiſcher Weiſe die Tendenz des Stückes ſein ſolle. Der Chor habe eine vorbedeutende Erſcheinung geſehen, aber nicht im Schlafe, ſondern im Denken und Empfinden (Hgeyv d„&εεο*). Dieſen als den ſeinigen(roëνde 3„*„ο) ſetze er dem obigen Traume der Klytämneſtra entgegen, der geklungen wie liebliche Muſik. Was der Chor dann ſelber wachend weiter geträumt, bezöge ſich auf die Art, wie der liebliche Traum ſich verwirklichen werde, und jetzt erſt ſehe er deutlich, daß derſelbe durch Muttermord ſich verwirklichen und für Oreſt ſchwere Folgen haben werde. Aus dem, was der Chor jetzt geſehen, könne er nur ſchließen, daß die That, als Fortſetzung des unſeligen Familienmordes, ſelber eine unſelige und ihre Folge, die Verfolgung des Thäter durch die Erinyen, eine entſetzliche ſei. Hiermit ſpreche der Chor eine Verurteilung aus, einmal der Kinder, welche die Mutter ermordeten, dann aber auch der Götter, welche durch Apollon ihnen ausdrücklich den heimlichen Mord aufgetragen hätten, und welche noch eben von den Geſchwiſtern um Segen und Beiſtand zu ihrem Werke angerufen ſeien. Gerade an der ent⸗ ſcheidenden Stelle des Dramas, meint der Verf., errege der Chor Sympathie für die Mutter und Apathie gegen die Tochter, die Heldin des Stückes. Dadurch verwirre der Chor unſere Begriffe von den Göttern eben ſo ſehr, wie ſeine eignen verworren zu ſein ſchienen. Wenn in den letzten Worten des Chors die That des Oreſt als eine furchtbare Wirkung des blutſchnaubenden Ares und als eine frevelhafte Gewaltthat bezeichnet werde, welche ſofort von den Erinyen gerächt werden müßte, ſei da nicht ſo zu ſagen ein falſches Doppelſpiel der Götter? Hermes verhülle vor Oreſt und ſeinen Genoſſen mit Finſternis den Trug, welchen die Götter an ihnen übten. Der Chor ſähe, wie Hermes vor den lauernden Erinyen Dunkel ausbreite und den Oreſt wie einen Blinden da⸗ zwiſchen hineinführe. Das heiße allerdings mit Oreſt ein trügeriſches Spiel treiben, wenn Hermes ihn den im Palaſte lauernden Furien als Schlachtopfer entgegenführe. Zum Schluß heißt es dann:„Wenn der Chor die Götter mit Oreſts und Elektras That einen Trug an dieſen beiden üben und den Hermes ſelber den Trug vor den betrogenen verhüllen ſieht, wo bleibt da logiſcher Weiſe fürs erſte die Billigung der That durch Chor und Zuhörer, und zweitens die vielgenannte Theodicee, die man in den Sophokleiſchen Stücken ſucht und, weil man ſie ſucht, gewöhnlich findet?“ Daß in dem letzten Chorgeſang ein Umſchlag der Geſinnung des Chors, der bisher ſtets auf Seiten der Rächer ſtand, und ein Doppelſpiel der Götter ausgeſprochen ſei, vermag ich nicht zu erkennen. Die Worte„oundy Ppeve Jveipoy“ bilden, wie Plüß meint, einen Gegenſatz zum Traume der Klytämneſtra und bedeuten„mein wacher(Geiſtes)⸗Traum.“ Doch dem iſt nicht ſo. Dieſer Gegenſatz iſt nicht vorhanden. oond eigentlich zu ꝓpevcy gehörig iſt mit d„eioy ver⸗ bunden, im Sinne von:„meine eigene Herzensahnung.“ Der Chor will hiermit nur andeuten, daß die Ahnung in ihm ſelbſt erwacht und ihm nicht von außen, etwa von einem Gotte, zuge⸗ ſendet ſei. Die unentfliehbaren Erinyen, welche hier wie in Aesch. Choeph. Hunde genannt werden, weil ſie den Sünder wie ein Wild hetzen, warten auch nicht auf eine andere Beute als auf Klytämneſtra und Ägiſth. Unter den unentfliehbaren Hunden ſind ferner nicht die wirklichen Furien, ſondern Oreſt und Pylades zu verſtehen, welche als die Bluträcher die Rolle der Erinyen übernommen haben. Abgeſehen davon, daß von wirklichen Erinyen keine Rede iſt, ſo würde doch der Chor, der ſie nach Plüß's Anſicht in den Palaſt einſchreiten ſah, ſie eben ſo wenig erblickt haben, wie am Schluße von Aesch. Choeph., wo der Chor in Beziehung auf die Furien zu Oreſt ſagt:„Welch' düſtres Wahnbild entſetzt dich?“ und dieſer antwortet:„Ihr ſeht die Graun⸗ geſtalten nicht, ich ſehe ſie.“ Daß beim Chore dieſelbe freundliche Geſinnung gegen Elektra und Oreſt wie im früheren Verlauf des Stückes ſo am Schluß geblieben iſt, geht aus der Anrede der Elektra hervor, welche 3* — 20— unmittelbar nach V. 1394 dem Chor mit„Ihr theuerſten Frauen!“ begrüßt, und aus den Worten des Chors ſelbſt, welcher nach der Mordſcene beim Heraustreten des Oreſt nebſt Pylades aus dem Palaſte ſagt:„Die Hand trieft vom Blute; dennoch vermag ich die That nicht zu tadeln.“ Die Theodicee iſt nicht, weil man ſie in dem Stücke ſucht, vorhanden, ſondern bietet ſich unge⸗ ſucht von ſelbſt dar. 3 Im Verlaufe des Stückes iſt doch ganz deutlich zu erkennen, daß die Gottheiten, denen die Strafaufſicht über die Frevel und das Strafamt oblag, ſich dieſer Obliegenheit, welche ihnen ja bei der Weltordnung zugefallen und für ſie ein Naturgeſetz war, nicht entziehen konnten. Vom Anfang bis zum Ende des Dramas erſcheinen alle göttlichen Weſen des Himmels, der Erde und der Unterwelt thätig, um bei dem Werke der Vergeltung der göttlichen Gerechtigkeit den Sieg zu verſchaffen. Hierbei iſt auch nicht zu überſehen, daß nach der obigen Darſtellung, wie der frevleriſch Ermordete überhaupt, ſo hier im beſonderen Agamemnon entſchieden Rache an den Mördern von ſeinen ihm in Liebe zugethanen Hinterbliebenen verlangte, welche dieſe Letzteren aus⸗ zuführen verpflichtet waren. Wir erkennen hierin zugleich ein höheres Allgemeines, von dem der Menſch in ſeinen Handlungen ſich abhängig wußte, und dem jeder ſich fügen mußte. Dieſes All⸗ gemeine, das in Elektra und dem Chore repräſentiert erſcheint, iſt aber die moraliſche Weltord⸗ nung, nach welcher die Vergeltung ein von Zeus garantiertes Grundgeſetz der Weltordnung mit zweifelloſer Gewißheit erwartet wird und an den Mördern Agamemnons mit gebieteriſcher Not⸗ wendigkeit vollzogen wird. Die Götter, ſofern ſie die Aufrechthaltung der Weltordnung repräſen⸗ tieren, müſſen, wie wir oben geſehen haben, weil ſie eben exiſtieren, die Frevler ſtrafen; ſie würden nicht exiſtieren und ſich ſelbſt aufheben, wenn ſie dies unterließen. War es alſo der göttlichen Gerechtigkeit an ſich ſchon widerſprechend, einen ſo mehrfachen Frevel an der ſittlichen Ordnung, wie den in unſerem Drama zur Darſtellung gebrachten, unbe⸗ ſtraft zu laſſen, ſo hat dem gegenüber auch der Dichter die Charaktere ſo auszugeſtalten verſtanden, daß ſie auf der einen Seite als die Werkzeuge, auf der anderen als die Opfer der göttlichen Gerechtigkeit erſcheinen. Es iſt weiter oben auf das Gebaren der Klytämneſtra in ihrem Bunde mit Agiſth den Kindern und dem geſamten königlichen Hauſe gegenüber hingewieſen worden, wie dadurch für Elektra eine ſo unglückſelige Lage geſchaffen worden war, die nicht überboten werden konnte. A. Schöll in der erwähnten Einleitung iſt ganz entgegengeſetzter Anſicht. Dieſer ent⸗ ſprechend trägt die Tochter allein die Schuld an dem unnatürlichen Verhältnis zwiſchen ihr und der Mutter. Er läßt(p. 19) Klytämneſtra im unveräußerlichen Muttergefühl klagen, daß Elektra den Oreſt, das Kind ihrer Mutterbruſt, den pflegenden Armen der Mutter entzogen haben. Und Elektra mache das elende Leben des Oreſt in der Fremde, zu dem ſie ihn wider der Mutter Willen, zum dauernden Schmerz und künftigen Weh der Mutter verurteilt habe, dieſer darum zum Vor⸗ wurf, weil er„mit Noth der Hand der Mutter entkommen ſei“ alſo fliehen mußte, um nicht durch die Mutter zu ſterben. Damit ſchildere Sophokles nicht die Ruchloſigkeit der Mutter, ſondern die ruchloſe Bezichtigung der Tochter. Die zugleich mit der des Vaters beabſichtigte Ermordung Oreſts zu der Zeit, als Elektra ihn flüchtete, wäre eine wohlbegreifliche Furcht geweſen, aber als feſt — 21— gehaltene Beſchuldigung nach ſo vielen Jahren friedlichen Verhaltens der Gegner, ſei es eine Lüge der Elektra. Doch den Verhältniſſen in dem heroiſchen Zeitalter ſcheint dieſe Auffaſſung nicht zu entſprechen. In der Rede an ihre Schweſter V. 948 ff. ſpricht Elektra deutlich aus, daß ſie beide von einer ehelichen Verbindung ſtets fern gehalten werden würden, weil Ägiſth ſo ratlos nicht ſei, daß er in Folge ihrer Verehelichung ſich einen Rächer erwachſen ließe. Nach dem Ge⸗ bote der Vorſicht und Selbſterhaltung konnte Ägiſth eine ſolche Verbindung nicht zulaſſen, noch auch den Oreſt, wenn er im Hauſe geblieben wäre, am Leben erhalten. Zu einem ſolchen Gebote der Selbſterhaltung würde auch gewiß Klytämneſtra ihre Einwilligung gegeben haben. In dem alten heroiſchen Zeitalter beſtand wohl der Grundſatz, nach welchem man in entſprechenden Lagen handelte, wie ihn ein Vers aus dem Epos des Staſinos ausſpricht: „Thor, wer die Söhne verſchont, nachdem er den Vater erſchlagen,“ und nach welchem in verſchiedenen Tragödien des Euripides die Perſonen handeln. Selbſt wenn die Mutter keine Feindſeligkeiten gegen die Tochter hervorgerufen hätte, konnte dieſe ſich in die neuen Verhältniſſe nach dem Tode des Vaters nicht fügen, weil der in Folge des Mords geſchloſſene fündhafte Bund der Mutter mit Ägiſth ihr jungfräuliches Zartgefühl tief beleidigt hatte, Verhält⸗ niſſe, die um ſo mehr verletzen mußten, da durch die aus dieſer unrechtmäßigen Verbindung ent⸗ ſproſſenen Kinder die rechtmäßigen Nachkommen Agamemnons in ihren Rechten geſchmälert wurden. Sie, die Tochter des göttergleichen Agamemnon, die von dem Stolze ihres Vaters beſeelt war, konnte keinen Vergleich eingehen mit Zuſtänden, unter denen ſie, den feigen Ägiſth auf des Vaters Thron mit des Vaters königlichen Inſignien alltäglich vor Augen ſehend, ein ſchmachvolles Leben führen ſollte. Sie hatte auch noch nicht einmal von vornherein einen Mordplan gegen das Leben der Mutter oder Ägiſths geſchmiedet. Erſt als nach Ankunft des Boten mit der Todes⸗ nachricht, zumal da auch Ägiſth ſie in ein unterirdiſches Verlies ſchaffen wollte, ihr jede Möglich⸗ keit der Befreiung aus ihrem Elende dahingeſchwunden war, faßte ſie zur höchſten Verzweiflung getrieben den heroiſchen Entſchluß zu Ägiſths Ermordung. Sie will ſelbſt das Amt des Rächers für den Vater und des Befreiers für ſich ſelbſt aus Schmach und Elend übernehmen, obwohl bei der Menge der Trabanten, die der misliebige Herrſcher auch gegen andere Angriffe ſtets um ſeine Perſon geſchart hatte, ihr ein ſolches Unternehmen als unausführbar erſcheinen mußte. Bis da⸗ hin hat ſie gegen die Mutter keinen ſolchen Plan erſonnen, welche ſie doch mit leichter Mühe aus dem Wege hätte räumen können. Der Gedanke der Blutrache an dieſer ſtieg wohl erſt in ihr auf, als ſie V. 1265 von Oreſt erfuhr, daß er von den Göttern zur Vergeltung angetrieben wor⸗ den ſei. Vorher hatte ſie der Mutter in leidenſchaftlicher Aufregung nur geſagt, daß ſie in Oreſt einen Rächer erziehen würde, wenn ſie es vermöchte, nachdem die Mutter ihr dies zum Vorwurf gemacht und ſo den Gedanken daran in der Seele der Tochter erſt entzündet hatte, der dann erſt in ihr zur Reife gedieh, als in der höchſten Not kein rettender Anker ſich darbot. Wenden wir uns nun wieder zu dem Schauplatz der Vergeltung, demſelben, wo auch Agamemnon unter dem Mordbeile ſein Leben verhaucht hatte, ſo ſehen wir dort(V. 1400 ff) Klytämneſtra damit beſchäftigt, die Urne für das Grab zu ſchmücken. Oreſt mit ſeinem Freunde — 22— Pylades ſtehen neben ihr, und während jener eben im Begriffe iſt den Todesſtreich gegen die Mutter zu führen, ahnt dieſe, daß ihr Mörder Oreſt ſei und ruft ihm entgegen:„O Sohn, Sohn, erbarme dich der Mutter!“ Elektra, welche aus dem unheilvollen Gemache, in das ſie mit den beiden Männern eingezogen war, wieder herausgetreten iſt, um vor der Thür Wache zu halten, damit nicht Ägiſth etwa bei ſeiner Rückkehr das Rachewerk überraſche und ſtöre, entgegnet ihr: „Der Vater fand bei dir auch kein Erbarmen!“ Da nach dieſen Worten der Todesſtreich gefallen iſt, und die Unglückſelige wiederum ausruft:„Weh, ich bin getroffen!“ ruft Elektra dem Bruder kaltblütig zu:„Führe einen zweiten Schlag gegen ſie, wenn du dich ſtark dazu fühlſt!“ Dies ſind die grauen⸗ vollen Worte aus dem Munde der eigenen Tochter an den Bruder gerichtet, um dieſem beim Muttermorde Mut einzuflößen, Worte, welche, wie überhaupt die hier an der Mutter verübte Blutrache, von verſchiedenen Seiten G. 1. Teil dieſer Abh. p. 11) eine ſo entſchiedene Verur⸗ teilung erfahren haben. Den ganzen Vorgang der Blutrache an der Mutter, wie ihn Sophokles darſtellt, kann ein modern⸗chriſtliches Gemüt nach ſeiner Anſchauung ſich nicht als möglich denken und muß bei dem Gedanken daran mit Entſetzen erfüllt werden. Den ethiſchen Anforderungen jener Zeiten, in welche die Handlung verlegt wird, iſt der Dichter jedenfalls gerecht geworden. Wir werden wenigſtens mit dem Dichter nicht darüber rechten, wenn, da in jenem heroiſchen Zeitalter, dem Boden, auf welchem unſer Drama ſich bewegt, die Frau noch in hoher Achtung ſteht, und nach dem Bericht Homers die Blutrache auch nur an Ägiſth vollzogen wurde, er aus der nachhomeriſchen Zeit, wo die Achtung der Frau geſunken war, nach Erweiterung der Sage die Blutrache auch auf die Mutter ausdehnt. Um 650 a. Chr. hatte die Oreſtesſage auch mit dem Muttermord darin der Lyriker Steſichoras behandelt, und von ihm haben die Tragiker dieſen Stoff erhalten, welchen dann jeder nach ſeiner Weiſe behandelte. In jene ideale Vergangenheit, in das heroiſche Zeit⸗ alter, verlegten dieſe Dichter ein Rechtsverfahren, welches in ihrem an Humanität hervorragendem Zeitalter längſt verſchwunden war, da Vergehen, welche mit Mord in Verbindung ſtanden, von ſtaatswegen vor dem Areopag verhandelt und beſtraft wurden. Indem ſie nun dieſen beſonderen Mythus dichteriſch geſtalteten, legten ſie ein Allgemeines darin nieder, welches ſie an der Dichtung zur Anſchauung bringen wollten. Sophokles, um von den beiden anderen zu ſchweigen, erkannte dieſes Allgemeine ſchon in der einfachen Sage, indem er in der Rache an den Mördern des Agamemnon das Geſetz der göttlichen Weltordnung ſah, und er nahm ſich die Sage zu ſpeziellerer Behandlung, um die göttliche Gerechtigkeit bei der Betreibung der Vergeltung in dem dra⸗ matiſchem Kunſtwerke zu verherrlichen. Dieſe göttliche Gerechtigkeit durfte nach den oben gegebenen Andeutungen ſich nicht unbezeugt laſſen, und für den Frevel an der verletzten Familienpietät mußte die gebührende Strafe eintreten; wie ja auch der durch dieſe freventlich verletzte Pietät ſo ſchmach⸗ voll erſchlagene Agamemnon bei ſeinem Tode unter einem Fluche gegen ſeine Mörder die Rache verlangt hat, welche ſein Sohn und Erbe unabweislich einzufordern gebunden war. Darauf weiſt der Chor nach dem Rachewerke hin mit den Worten:„Es gehen die Flüche in Erfüllung, die Toten d. h. Agamemnon, der Urheber der Flüche, unter der Erde leben.“ — 23— Wie aber der Tote dieſen Akt der Gerechtigkeit für ſich beanſpruchte, ſo zeigt ſich uns auch im Verlauf des Dramas, daß dieſe Gerechtigkeit es war, mit welcher alle Götter der Ober⸗ und Unter⸗ welt, die dabei ein Amt haben konnten, die Vergeltung ausführen halfen. Doch waren dieſe nur, wie wir geſehen haben, Stellvertreter des Zeus, der in höchſter Inſtanz Vollſtrecker der Gerechtig⸗ keit, und die Sühnung des Frevels ein Akt abſoluter Notwendigkeit war.*) Von Homer an im ganzen griechiſchen Altertum wurde die Vergeltung, Gleiches mit Gleichem, als das Weſen und die Bedeutung der Strafe angeſehen.**) Daher erleidet auch Klytämneſtra die Vergeltung gerade ſo, wie ſie den Frevel am Gatten verübt hatte: Mord durch Liſt, an demſelben Orte und mit derſelben Kaltblütigkeit ſeitens der Rächer. Dahin gehört auch der erwähnte Ermunterungsruf der Elektra an Oreſt zu einem zweiten Schlage. Sophokles hatte nämlich, worauf bereits oben hin⸗ gewieſen iſt, ſeine Tragödie Elektra der Äſchyleiſchen Oreſtee nachgedichtet. In dieſem letzteren Drama finden ſich manche Ausſprüche und Charakterzüge der Perſonen, welche Sophokles bei den Athenern als bekannt vorausſetzte und darauf in ſeinem Stücke Bezug nahm. Da nun im Agamemnon v. 1344— 1347 ed. Hermann die Klytämneſtra nach der Ermordung des Gemahls in gefühlloſer, prahleriſcher Weiſe vor den Bürgern der Stadt die Worte ſagt:„Ich traf ihn zwei⸗ mal; zweimal ſtöhnt er auf und läßt ſofort die Glieder ſinken. Als er darnieder lag, verſetz' ich ihm den dritten Schlag als Weihegabe für den Heiland der Toten in der Unterwelt“, läßt So⸗ phokles in der Vorausſetzung, daß dieſe Worte aus der Aufführung der erwähnten Tragödie dem atheniſchen Zuſchauer noch im Gedächtnis ſeien, die Elektra die obengenannten Worte ihrem Bruder zurufen, um die Mutter darauf hinzuweiſen, daß ihr genau Gleiches mit Gleichem, der Gattenmord und das dabei auch in Worten von ihr zur Schau getragene Benehmen vergolten werde. Zugleich wollte Elektra den Bruder ermuntern, raſch das Werk zum Ziele zu führen, damit nicht durch die Dazwiſchenkunft des Ägiſth, der jeden Augenblick zurückkommen konnte, ihr ganzer Plan, den alten Glanz des königlichen Hauſes wiederherzuſtellen, vereitelt werde. Wenn nun ſo mit Naturnotwendigkeit unter der Strafaufſicht der Götter die Vergeltung ins Werk geſetzt worden war, ſo ſehen wir dem entſprechend jene Männer, die Werkzeuge der Rache, im vollen Vertrauen auf dieſe göttliche Leitung, welcher ſelbſtverſtändlich jede Verantwortung zufiel, ohne Schwanken, ohne das geringſte Bedenken, ohne jegliche Anwandlung von Reue mit der größten Kaltblütigkeit zu Werke gehen. Dies alles iſt nicht als ein Zeichen von Gefühllloſig⸗ keit, ſondern höchſten Ernſtes anzuſehen, da ſie ja nicht der äußeren rohen Gewohnheit der Blut⸗ rache, ſondern dem göttlichen, höheren Geſetz der Weltordnung nachkommen. Dies allgemeine göttliche Geſetz, das an der beſonderen Begebenheit in kunſtvoller Ge⸗ ſtaltung auf der Bühne zur Anſchauung gebracht wird, iſt das bewegende Princip, aus dem die dramatiſchen Perſonen handeln und dadurch ihren Charakter empfangen. Dieſe Auffaſſung iſt von Bedeutung für die Beurteilung des Dichters und ſeines Kunſtwerks. Es iſt ſonach dieſes Geſetz, das gebietet, die ſubjektiven Regungen des Gefühls kommen dabei nicht zur Geltung. Die ethiſchen Vorſtellungen, nach welchen die Charaktere bei Sophokles handeln, dürfen nicht auf menſchliche *) Nägelsbach l. c. p 345**) id. p 242 f. — 24— Gefühle und Empfindungen zurückgeführt werden, ſondern dies hat ſeine Berechtigung nur darin, daß es die Gottheit befohlen und eingerichtet hat. So iſt es immer derſelbe ſittliche Bann, unter welchem die Charaktere, alſo auch Elektra und Oreſt, handeln.*) Würden die beiden Geſchwiſter aus Mitleid mit der Mutter die Rache gegen ſie nicht betreiben, ſo wäre dies modern und nicht antik. Der Dichter ordnet alſo die Sitte des Einzelnen einem allgemeinen, außer ihm ſtehenden Sittengeſetz unter. Schroffheiten, die uns bei dem ſonſt ſo milden, ſtets in den Schranken der Harmonie ſich bewegenden Sophokles auffallen in Thaten und Ausſprüchen ſind hieraus zu deuten. Daher ſehen wir auch die Charaktere bei dieſem Dichter keinen Schwankungen unterworfen, nicht lange mit ſich zu Rathe gehen, ob ſie eine That vollführen ſollen oder nicht. Sophokles liebt es immer ganze, in ſich abgeſchloſſene, feſte Charaktere vorzuführen, welche unbeirrt durch etwaige anderweite Rückſichten ohne Erwägung ein Ziel mit Entſchiedenheit bis an das Ende verfolgen. Perſonen wie Hamlet oder Wallenſtein, die erſt lange erwägen, wären für die Athener unmög⸗ lich geweſen. In dieſer eigentümlichen Beſchaffenheit der Charaktere liegt ein weſentlicher Unterſchied der Charakteriſtik des antiken und modernen Dramas, namentlich des germaniſchen. Dieſen Unter⸗ ſchied muß man aber kennen, um Charaktere wie die des Oreſt und der Elektra nicht ſofort als grauſam und unmenſchlich zu verurteilen. Der moderne Dramatiker läßt die Handlung aus den Charakteren der handelnden Perſonen vor den Augen der Zuſchauer ſich entwickeln, der antike läßt die Charaktere an die Handlung heran⸗ und mit ihr in die Erſcheinung treten, ſo daß die Perſonen ihren Charakter ſchon fertig mitbringen. Dem entſpricht das Urteil des Ariſtoteles, wenn er in ſeiner Poetik XI, 9 ſchreibt:„Das Erſte und gleichſam die Seele der Tragödie iſt die Begeben⸗ heit, das Zweite ſind die Charaktere. Eine Tragödie ohne Charaktere iſt möglich, aber nicht ohne Begebenheit.“ Ariſtoteles urteilt ſo nach dem Standpunkt der griechiſchen Weltanſchauung, für welche die Innerlichkeit des Gemüts noch nicht für ſich durchgebildet, die Unendlichkeit des Ich noch nicht erſchloſſen war. Handeln nun die Charaktere unter dem Eindruck jener Anſchauung, ſo iſt es nicht ihr ſubjektives Gefühl, aus dem ſie handeln, ſondern die außer ihnen ſtehende Macht der ſittlichen Verhältniſſe, welche ihre Handlungen beſtimmt, Daher dürfte der Charakter der Elektra hiernach zu beurteilen ſein, indem alle ihre leidenſchaftlichen Außerungen wie ihre ganze Handlungsweiſe aus jenen Verhältniſſen, als aus ihrer Quelle, entſpringen. Dieſe Quelle iſt aber die göttliche Gerechtigkeit, welche ſtrenge Strafaufſicht führt und den Frevler unerbittlich zur Rechenſchaft *) Hierauf beziehen ſich auch die Worte Klein's in ſeiner Geſchichte des Drama's B. II.„Der höchſte ſittliche Conflict(der Liebe) kann erſt dann entſtehen, wenn die Pietät keinem anderen Geſetze folgt, als dem ſelbſt⸗ geſchaffenen der Freiheit, kurz, wenn ſie zur Liebe geworden iſt. Warum man das Publikum bei dem erhabenſten ſittlichen Conflict in der Antigone kalt und unintereſſirt vorübergehen ſieht iſt klar, wenn man nur in dem erſten beſten modernen Stück denſelben Kampf von modernen Menſchen tiefer und reicher dargeſtellt ſieht. Was das mo⸗ derne Bewußtſein dabei beleidigt, iſt der ſichtbare, ſittliche Draht, der die Perſonen wie ein Puppenſpiel regieret. Üüberall Geſetz und nirgends freie Wahl.“ zieht; andererſeits aber auch die heiligen verletzten Ordnungen wieder in das Gleichgewicht bringt. Der Dichter ganz ſeiner frommen Geſinnung, ſeinem feſten Glauben an das gerechte Walten der Götter und an die Orakel entſprechend, hat auch in unſerem Drama in übereinſtimmung hiermit die Perſonen in vertrauensvoller Hingabe an die gerechte göttliche Leitung handeln, oder im Gegen⸗ ſatz dazu als Frevler erſcheinen laſſen. Im Einklang mit dem Willen der Gottheit und des ermordeten Vaters, der unabweislich Sühne forderte, handeln Oreſt und Elektra mit dem ſo teil⸗ nahmvollen Chore. Daher ſehen wir auch dieſe Charaktere mit jener Selbſtgewißheit, ohne Be⸗ denken und Schwanken zu der ebenfalls von vornherein ſchon feſtſtehenden Nache heranſchreiten, ohne vor noch nach der That von irgend welchen Gewiſſensqualen gefoltert zu werden. Bei Äſchylus dagegen finden wir in dem Drama deſſelben Inhalts, der Oreſtee, den Gedanken aus⸗ geſprochen, daß die Erfüllung der Pflicht gegen den Vater unbedingt gefordert werden müſſe. Dies war die herrſchende Anſicht in Athen, wiewohl das Unnatürliche der Rache an der Mutter nicht verkannt wurde. Oreſt erfüllt die Pflicht gegen den Vater; doch nach der Erfüllung derſelben bricht das dabei von dem Thäter niedergekämpfte Gefühl mit Macht wieder hervor und erzeugt jene Qualen, die der Dichter in der Geſtalt der verfolgenden Erinyen gegenſtändlich macht. In der Erfüllung der einen ſittlichen Forderung war eine andere verletzt worden. Bei der Entſchei⸗ dung über das Recht des Oreſt, den Tod des Vaters durch die Ermordung der Mutter zu rächen, vertreten Apollo und Athene, die Götter der neuen Ordnung, das Recht des Oreſt, die Erinyen (die alten Naturgötter) behaupten die höhere Geltung des natürlichen Verhältniſſes der Mutter. Die Entſcheidung dieſer ſchwierigen Frage muß einem Gerichtshofe, dem Areopag, überlaſſen werden. Oreſt wird freigeſprochen, und dadurch erkennt Äſchylus den Vorrang der Pflicht gegen den Vater an.*) Bei Sophokles zeigt ſich kein Streit der ſittlichen Forderungen. Die höhere Weltord⸗ nung verlangte gebieteriſch Wiederherſtellung der verletzten Rechte und in unzweifelhafter Erkennt⸗ nis dieſes höheren Willens handelten die Rächer; weshalb auch keine Verfolgung durch die Erinyen drohte, da durch die Vollziehung der Vergeltung dem göttlichen Willen Genüge geſchehen und ein ſolches Dilemma, wie bei Äſchylus, aus welchem die Gewiſſensqualen für Oreſt erwuchſen, nicht vorhanden war. Der Dichter wollte die unnachſichtliche Strafgerechtigkeit der Götter und die Notwendigkeit der Unterwerfung unter ihren Willen an dem konkreten Bilde der Vergeltung, welches er in unſerem Drama entrollt, zur Anſchauung bringen. Er verlegt daher die Handlung in jenes ferne Heldenalter und läßt die Perſonen ganz in den herben Vorſtellungen der nachho⸗ meriſchen Zeit ſich bewegen, wodurch ebenfalls der Hintergrund des Bildes weniger düſter er⸗ ſcheinen dürfte. So erſcheint Oreſt, wozu ihn der Gott beim Beginne des Dramas berufen hatte, als Wiederherſteller des Teiles der göttlichen Weltordnung, welcher in ſeiner Familie verletzt worden war, und als Retter ſeiner Schweſter Elektra aus der tiefſten Not. Dieſe Rettung iſt ohne Zweifel, *) L. Schmidt, Ethik der alten Griechen B. II p. 152 ff. — 26— wie der Name des Stückes es bezeichnet und auch die Abſicht des Dichters geweſen zu ſein ſcheint, in den Vordergrund zu ſtellen, damit dieſe und nicht der Muttermord als der Hauptgegen⸗ ſtand des Dramas erſcheine. Zu dieſer Rettung wie überhaupt zum Gelingen der That des Oreſt wünſcht der Chor in ſeinem Abzugsgeſange Glück mit den Worten: „O Atridengeſchlecht, nach wie häufigem Leid Rangſt mühſam du endlich im Angriff jetzt Dich hinauf zum Ziel der Befreiung.“ Schulnachrichten. I. Allgemeine Lehrverfaſſung der Schule. 1. Ueberſicht über die für die einzelnen Lehrgegenſtände beſtimmte Stundenzahl: 1,1 12 L II,2 III, III, 2 IV V VISa. Religionslehre..... 2 2 2 2 2 2 2[[2 3[19 Deutſch....... 3 3 2 2 2 2 2 2 3 21 Lateiniſch....... 88⁄[8 8 P9o 9 9 9 9[77 Griechiſch....... 6 6 7 7⁄%7 7——— 40 Franzöſiſch...... 2 1 2 2 2 2 2 5 4— 21 Hebräiſch....... 2-—-= 4 facultativ Geſchichte und Geographpie 3 3 3 3 3 3 4 3. 3 28 Mathematik...... 4 4 4 4 3 3 4 4 4 34 Naturkunde...... 2 2 2 2 2 2 2 2 2 18 Schreiben.......——=— S 2 2[4 Zeichnen....... 2 fnrultatid 2 2 2 10 Geſang 3 2 2 7 Chor Turnen....... 2 2 2 2 2 2 2 2 2 18 4* Lehrer. Ord. I. 1. 1. 2. II, 1. II. 2. III, 1. V 1Ir. 2Z. 1W. v. vVI. ſsa. Dr Buchenan, Deulſch 3. Horaz 2. 13. Direktor. Griech. 6. Homer 2. 1 . 3 3 Lateiniſch 6. Dr. Suchier, Franzöſiſch 2. Franzöſiſch 2. Lateine II, 1. Franzöſiſch 2. 2, Prorektor und Oberlehrer. 5. 3 rauhig—— V Franzöſiſch 5. b 21. Hebräiſch 2. Hebräiſch 2. 1 Dr. Schmidt, Lateiniſch. Geſchichte u.*.. Oberlehrer. 1. 1. Geſch. u. Geogr. Je iice 3. Griechiſch 7. V V d1. Dr. Hartmann, Mathematik 4. Mathematik 4. Mathem. 4. Oberlehrer. Phpfik 2. Phyſit 2. 1 Naturbeſchr. 2. Naturbeſchr. 2. Naturbeſchr. 2. 22. gerlit, Geſchichte und Deutſch 2. Griechiſch 7. II, 2.. Lateiniſch 6. Geſchichte und 24. Gymnaſiallehrer. 7 Geographie 3. Geſch. tiſch 6.3 Geographie 3. Dr. Haeſecke, 3 Religion 2. Religion 2. III, 1. Vergil 2. Lateiniſch 7. Deutſch 2. 24. Gymnaſiallehrer. 8 Griechiſch 7. Deutſch 2. Hüpeden, Pfarrer III. 2 Reltaf Religion 2. Religion 2. Religion 2. Gymnaſiallehrer.:2. Neligion 2. Deutſch 3. Deutſch 2. Renigion 2. Lateiniſch 9. 24 von Kamph, Mathematik 4. Mathematik 4. Mathem. 3. Mathem. 3. Rechnen 4. Gymnaſiallehrer. Phyſik 2. Phyſik 2. aih Naturbeſchr. 2. 24. Dr. Rittan,. Geſchichte und— Franzöſiſch 4. IVY. Griechiſch 5.: Lateiniſch 9. 24. Gymnaſiallehrer. ciſch Geographie 3. 5 n 1 Geſch. u. Geogr. 3. Dr. Pulch, V.. 5 eſchichte un. Geſchichte und . ranzöſiſch 2. Franzöſiſch 2. Franzöſiſch 2.: Lat 9. Wifſ. Hülfslehrer. Franzöſiſch 2. Franzöſiſch 2. Franzöſiſch Geographie 4. 24 kiniich 9. Geographie 3. 22. Weidenbach, 1, 2 Lateiniſch 6.. Deutſch 2.— . Vergil 2. omer 2.. 3. Wiſſ. Hülfslehrer. 3 Griechiſch 4. Li 2 Ovid 2. Deuiſch 21. Michel, 2. 4 1. Wifſ. Hülfslehrer. 3 Deutſch Lateiniſch 9. 1 —— eichnen 2. Religion 3. 2 1 Zeichnen 2.— Religion 2. Rechnen 4. * N 5 S i* 9. Schmidt, VI. Turnen 2. Turnen 2. Turnen 2. Turnen 2. Seanteem Benethſce.2 35. Gymnaſ.⸗Elementar⸗Lehrer. Zeichnen 2. Turnen 2. — 5—— Kapmeier, Kantor. Geſang 3. Geſang 2. Geſang 2. 7. (aulnvog) a21073⸗u2er 01 u.. 5 ueu 3 uauanT Z uouan T F udunnx 2 wun 2 5 buvſJ buvſ⸗H Lu9⸗g a2 plpg uaucS——————(anlnpog) 1519F⸗ zu ue . uaS z u. j lgolg 1E' igbmzumwd Pnenrh 3 ur uppß uauauT Z uzuanT uzuanx 5 Munne 338 1 k. uar1g E mup 3 uauppg IA uub. hamad. unng 78 5 1p peH. 1hdvb— — 1 6 lupnd un a dn 8 Lahns(aGvnnvag) zwgh / 1 p ⸗ 1. duv g 31 8 Ahtnhe 2 Slgeug 41 zeuam .*† Pllgkuva⸗ Jvoſguvg. 86 3 lennn anhdvab09 8 219cv 5029 8 dlanv naſun — 5 ua1 un aun 1 le d e ciicpen. . 2 gauro,S 9 21p 1plS la licg nb 12191eng n 8e Pzun c c, 5 Tllulnva Plleduna 3 Glletuvag 3 Plugbuvad 13nid d I 8 IlavrdoS— 3 Pur⸗C A 1219212lIng L — gun 2101glog 3 alädvaso-S 5 a2uu108 Ea 29 Ja 5 apſoquneg 9 unns 8 Gll 11evvi .—— 6 ——* 1n 8 u⸗gges g 1uvr iwee 3 1lhct 3 lagch numn g8 2 pl* ursgi, u rdeſ ale u 134.. k. uvg a 2 uabHsgxx. à3 ualburge a uone. s Plmxc qln⸗e, Snnknuhg 72 hn⸗ C. 2Plp E uee uiee 6 III alct enacꝛauß — d2 uaſg plin⸗ iee ö 2 82& ualblak 1TIIn1geTvgvu pſpg. 2 Gllſpꝛnn 9 Ghuprv. 5 2 Gplicp 148 1 9. 1 8 2 ohn⸗C g 1hdvado⸗H 65 1fd vab02. edepvüvum 33 Z dunas.& aun 161 p eſaun 211pe 5 II Aauſs O — P nnw euninee Sgnnzemnee 3 Magg uug, nne — V † uu w m II221951124 unvuzavg. 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Eingehend beſprochen und zum Teil geleſen wurden im Sommer: Goethes Egmont und Leſſings Minna von Barnhelm, im Winter: Schillers Wallen⸗ ſtein und Leſſings Laokoon.— In der philoſophiſchen Propädeutik wurden die Hauptlehren der Pſychologie durchgenommen. Monatlich ein Aufſatz. 3 St. w.(S. Buchenau. W. Hüpeden.) Themata der deutſchen Aufſätze: 1) Inwiefern beginnt mit dem Peloponneſiſchen Kriege der Verfall des griechiſchen Volkes? 2) Auf welche Urſachen iſt der Streit der Könige im erſten Buch der Iliade zurückzu⸗ führen?(Tentamenarbeit.) 3) Die Niederlage des Xerxes eine Strafe ſeiner Uberhebung. 4) Die verſchiedenen Formen der Treue im Nibelungenlied. 3 Wen ſtellt Homer im erſten Geſang ſeiner Iliade höher, den Agamemnon oder den Achilleus?— 6) Inwiefern iſt Goethes„Hermann und Dorothea“ ein durchaus deutſches Epos? 7) Inwiefern läßt uns ſchon„Wallenſteins Lager“ die nachfolgende Verwickelung und Kataſtrophe ahnen?(Tentamenarbeit.) 8) Wodurch wird uns Wallen⸗ ſteins verhängnisvolles Schwanken verſtändlich? 9) Warum nannte Sophokles ſein Stück Antigone und nicht Kreon? Themata der Maturitäts⸗Arbeiten: Michaelis 1884: Wodurch erlangten die Römer die Weltherrſchaft? Oſtern 1885: Wodurch erklärt ſich die ſchnelle Ausbreitung des Chriſtentums in den erſten drei Jahrhunderten? Lateiniſch. Horat. Sat. I. II mit Auswahl; 0d. III mit Auswahl. 2 St. w. Tacit. Hist. I.; Cicero Brutus 1— 186. 4 St. w.— Grammatiſche Repetitionen; Extemporalien nach Diktaten; Domeſtica nach Süpfle. 2 St. w.(Schmidt l., vom 15. Nov. ab Rittau). Themata der lateiniſchen Aufſätze: 1) De bellis quæ Lacedæmonii cum Messeniis gesserunt. 2) Exilii pœnam a civibus irrogatam quam dispari animo tulerint Coriolanus et Camillus. 3) Quibus rebus factum sit, ut Philippus Græciam facile dicionis suæ faceret. 4) De Clearchi vita ac moribus. 5) Alcibiades quantum bello Peloponnesiaco civibus suis et obfuerit et profuerit. 6) M. Furius Camillus quibus rebus de patria meritus sit 7) Multos reges imperatoresque temere in hostium terram transgressos maximis cladibus acceptis victos esse.— Themata der Maturitätsarbeiten: Michaelis 1884: Patriam summo amore amplexos esse veteres et Græcos et Romanos exemplis comprobetur. Oſtern: 1885: Qualis Athenis Aristides talis Romæ fuit C. Fabricius. — 31— Griechiſch: Hom. II. I. XIV— XVII. Soph. Electra. Plat. Prot. Auswahl. Dem. Phil. I. II. Überſetzungen aus Böhme mit grammat. Wiederholungen. Alle 14 Tage ein Extemporale. 6 St. w.(S. Buchenau. W. Büsgen.) Franzöſiſch: Le Bourgeois Gentilhomme par Molière. Siècle de Louis XIV par Voltaire. Alle drei Wochen ein Extemporale nach Diktaten über größere zur Repetition aufgegebene Abſchnitte aus Plötz, Schulgrammatik. 2 St. w.(Suchier.) Hebräiſch: 1. Kön. 13, 14, 15. Pſ. 3. Gen. 3. 2. Kön. 9, 10, 11. Grammatik nach Seffer§§ 40— 63: 92 u. 93. 2 St. w.(Suchier.) Geſchichte n. Geographie: Mittelalter nach Pütz. Repetition der Geographie von Deutſchland. 3 St. w.(S. Schmidt I., vom 15. November an Berlit.) Mathematik: Bearbeitung von Aufgaben aus allen Teilen der Mathematik. Repeti⸗ tionen aus dem Penſum der vorhergehenden Klaſſen. Alle 3 Wochen ſchriftliche Arbeiten. 4 St. w. (Hartmann.) Mathematiſche Abiturienten⸗Aufgaben: Michaelis 1884: 1) Eine undurchſichtige Kugel, welche auf einer horizontalen Ebene ruht, wird von einem vertikal über ihrem Mittelpunkt in der Entfernung a von demſelben befindlichen leuchtenden Punkt beſtrahlt. Wie verhält ach der Rauminhalt des beleuchteten Segments zu dem des beſchatteten, wenn der Kugelradius gleich r iſt.(Zahlenbeiſpiel: a= 16 ⅜; r= 10.) 2) 2 x ²2— 10 x y+ 2 y ²+ 42= 0 31 2— 8Xy+ 3 y 2— 7. 3) Es ſoll ein Dreieck Pehelchnet werden, wenn gegeben ſind 1) die Differenz der alben Seitenſumme und der Seite a, s— a; 2) der Radius des der Seite a anbeſchriebenen Kreiſes,„ a; 3) der Winkel a. 4) Drei Kreiſe berühren ſich von außen. Ihre Radien ſind bezüglich R, r, g. — Man berechne die Winkel, welche die Centrallinien an den Mitkelpunkten bilden. R= 0,89880; r= 0,86616;= 0,82888. Oſtern 1885: 1) Es ſoll ein Dreieck gezeichnet werden, wenn gegeben ſind 1) die Halbierungslinie des Winkels„, w; 9) die zur Seite c gehörende Mittellinie, m; die zur Seite c gehörende Höhe, h. 2) Von einem Bahnhofe gehen zwei Züge nach entgegengeſetzten Richtungen — gleichzeitig ab. Der eine braucht für eine Strecke von 1 km htungen ½ Minuten weniger als der andere. Nach einer Fahrt von 3 ½ Stunden ſind die Züge um 250 km von einander entfernt. In wieviel Minuten legt jeder 1 km zurück? 3) Die krumme Oberfläche eines Kugelſegments ſei n mal ſo groß als der Mantel des demſelben einbeſchriebenen geraden Kegels. Wie verhält ſich ie Höhe des Segments zum Durchmeſſer der Kugel? — 32— 4) Den Flächeninhalt eines Vierecks aus den vier Seiten a, b, c, d und dem Winkel(d, a)= a zu berechnen. a— 51 m; b— 59 m; c— 84 m; d—= 20 m; a—= 126° 52 12“. Uaturkunde: Mechanik.(Jochm. III mit Auswahl.)(S.) Mathematiſche Geographie (W.) 2 St. w.(Hartmann.) Prima 2. Ordinarius im Sommer Hülfsl. Weidenbach, im Winter Dir. Dr Büsgen. Religionslehre: Erklärung des Evangeliums Johannis. Kirchengeſchichte, erſter Teil (von der Zeit der Apoſtel bis auf Bonifacius.) Wiederholung von Kirchenliedern und Pſalmen. 2 St. w.(Hüpeden.) Deutſch: Deutſche Litteraturgeſchichte, erſter Teil(von Anfang bis zur Reformations⸗ zeit einſchließlich); genauer beſprochen wurden einige althochdeutſche Sprachdenkmäler, der Minne⸗ geſang, Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eſchenbach, Hartmann v. Aue, Nibelungenlied und Gudrun. Charakteriſtiſche Beiſpiele aus den Hauptwerken wurden vorgeleſen und erläutert. Eingehend beſprochen und zum Teil geleſen wurden: Schillers Jungfrau von Orleans, Braut von Meſſina und Goethes Torquato Taſſo, ſowie die Gedichte:„Das Glück“ und„Das Ideal und das Leben“ von Schiller. In der philoſophiſchen Propädeutik wurden die Hauptlehren der Logik durchgenommen. Monatlich ein Aufſatz. 3 St. w.(Hüpeden.) Themata der deutſchen Aufſätze: 1) Was du ererbt von deinen Vätern haſt, erwirb es, um es zu beſitzen! 2) Womit entſchuldigt der Ritter bei Schiller den Kampf mit dem Drachen? 3) Der Krieg auch hat ſeine Ehre. 4) Auf welchen Urſachen beruht der wunderbare Erfölg der Jungfrau von Brleans im Schillerſchen Drama? 5) Wodurch erlangten die Römer die Weltherrſchaft?(Tentamenarbeit.) 6) Was der Menſch ſäet, das wird er ernten. 7) Hat der Deutſche Grund auf ſeinen Namen ſtolz zu ſein? 8) Inwiefern iſt Schillers Braut von Meſſina der antiken Tragödie nachgebildet? 9) Hagene Molide zu Siegfrieds Ermordung. 10) Welchen ſchlimmen Einfluß übt die Einſam⸗ beit auf Taſſo?— Lateiniſch: Hor. Epist. I, 1—11. Carm. I. II. Auswahl. Memoriert wurden Carm. I, 1. 3. 11. 22. 31. 34. II, 3. 10. 14. 2 St. w.(S. Buchenau. W. Büsgen.)— Tac. Ann. I. II. mit Auswahl; Cic. pro Milone. 4 St. w.— Gramm. Repetitionen; das Wichtigſte aus der Stiliſtik. Skripta nach Süpfle, Extemporalien nach Diktaten. 2 St. w.(S. Weiden⸗ bach, W. Schmidt I, vom 15. November ab Rittau.) Themata der lateiniſchen Aufſätze: 1) Romanos prope admirabiliores fuisse adversis quam secundis rebus. 2) De legio- num pannonicarum seditione post mortem Cæsaris Augusti exorta. 3) Nil sine magno vita labore dedit mortalibus. 4) Græciæ civitates, dum imperare singulæ cupiunt, imperium omnes perdiderunt. 5) Athenienses maxime Græcæ libertatis adversus impetus Persarum propugnatores extiterunt. 6) P. Clodii cædes. 7) Ciceronem fuisse fortissimum hominum sceleratissimorum insectatorem. 8) Quam dispari animo Coriolanus et Camillus iniuriam acceptam tulerint(Klaſſenaufſatz.) Griechiſch: Hom. II.=IV; Sophocl. Oed. Rex z. Tl. 2 St. w.(S. Buchenau, W. Schmidt I, vom 15. November ab Rittau.) Plato Apol. Crit. Thuc. II. III. Auswahl. Ueberſetzungen aus Böhme mit grammat. Wiederholungen. Alle 14 Tage ein Extemporale. 4. St. w. (S. Weidenbach. W. Büsgen.) Franzöſiſch: Bertrand et Raton par Scribe. Plötz, Schulgrammatik. Repetition um⸗ fangreicherer Abſchnitte und im Anſchluß daran alle drei Wochen ein Extemporale nach Diktat. 2 St. w.(Suchier.) Hebräiſch: Kombiniert mit I, 1.(S. dieſe Klaſſe.) Geſchichte und Geographie: Mittelalter nach Pütz. Repetition der Geographie von Deutſchland. 3 St. w.(S. Schmidt I, vom 15. November ab Berlit.) Mathematik: Stereometrie(Nach Stegmann). Arithmetiſche und geometriſche Reihen. Rentenrechnung. Plan. Konſtruktionsaufgaben. Alle 3 Wochen ſchriftliche Arbeiten. 4 St. w. (Hartmann.) Uaturkunde: Optik u. Akuſtik. Wellenlehre.(Jochm. IV. u. V.), 2 St. w.(Hartmann.) Secunda 1. Ordinarius Oberlehrer Dr. Suchier. Religionslehre: überſicht über die Schriften des Neuen Teſtaments. Lektüre und Er⸗ klärung der wichtigſten Abſchnitte. Leben des Apoſtels Paulus. Bergpredigt u. a. St. memoriert. Kirchenlieder teils wiederholt teils neu gelernt. 2 St. w.(Hüpeden.) Dentſch: Klaſſenlektüre: Im Sommer: Goethes„Hermann und Dorothea“, Schillers „Lied von der Glocke“ und„Der Spaziergang.“ Im Winter: Die Geſchichte des 30ährigen Krieges von Schiller wurde privatim geleſen und in der Schule beſprochen. Biographie von Schiller. Wallenſteins Lager. Die Piccolomini. Einzelne Gedichte von Schiller wurden geleſen und auswendig gelernt. Declamationen. Disponier⸗Übungen, Aufſätze. Biographie der Brüder Grimm. 2 St. w.(S. Hüpeden. W. Berlit.) Themata der deutſchen Aufſätze: Im Sommer: 1) Per aspera ad astra! 2) Suhalt des zweiten Geſanges von Goethes „Hermann und Dorothea.“ 3) Das Geld ein guter Diener, abergein ſchlimmer Herr. 4) Charak⸗ teriſtik des Wirtes in Goethes„Hermann und Dorothea.“ 5) Auch der Krieg hat ſein Gutes. (Klaſſenaufſatz.) de Sif „Im Winter: 1) Welches waren die Stützen der patriciſchen Herrſchaft im Ständekampf? 2) Womit entſchuldigt der Ritter bei Schiller den Kampf mit dem Drachen? 3) Warum zog Hannibalbei ſeinem Zug nach Italien den Weg über die Alpen dem Seewege vor? 4) In wie fern kann Wallenſteins Lager als Expoſition der ganzen Wallenſteintrilogie angeſehen werden? 5) Im Kriege ſelber iſt das Letzte nicht der Krieg. Lateiniſch: Vergil, IV. IX. Metriſche Übungen. 2 St. w.(S. Weidenbach. W. Euler.) Livius XXIII. Cic. pro Roscio Amerin. Grammatik§ 128—234. 253—343. 5 — 34— Skripta nach Klaucke und Extemporalien nach Diktaten(wöchentlich je eins), Aufſätze. 6 St. w. (Suchier.) Themata der lateiniſchen Aufſätze: 1) Exponatur, quantum Græcis concordia profuerit, nocuerit discordia. 2) De Croeso. 3) De pugna ad Ticinum commissa. 4) De causa illa, quam Protagoras Evathlo discipulo intendit, quæ nostra sit sententia. 5) De Thrasybulo, libertatis Atheniensium vindice. 6) De bello Tarentino. 7) Sabinus et Cotta ab Eburonibus Ambiorige duce opprimuntur et caeduntur. Griechiſch: Hom. Od. XIII— XVI. Geeignete Stellen wurden memoriert. 2 St. w. — Herod. VI. VII, 1— 10. Xenoph. Memor. I. II. mit Auswahl. 3 St. w.— Wiederholung der Formenlehre, Syntax§ 91—130. Wöchentlich ein Extemporale nach Diktat oder ein Exerci⸗ tium nach Böhme. 2 St. w.(S. Schmidt. W. Rittau, von Mitte Nov. ab Wende.) Franzöſiſch: Histoire d'Attila par Amédée Thierry. Plötz, Schulgrammatik 6. und 7. Abſchnitt. Repetition des vierten Abſchnittes. Alle 14 Tage ein Thème nach dem Lehrbuche oder ein Extemporale nach Diktat. 2 St. w.(Suchier.) Hebräiſch: Seffer§§ 15—45. 1 St. w.(Suchier.) Geſchichte und Geographie: Römiſche Geſchichte nach Pütz,§§ 65—126. Geographie von Deutſchland. 3 St. w.(Berlit, vom 15. November ab Wende.) Mathematik: Die Lehre von den Logarithmen. Exponentialgleichungen, reciproke Gleichungen, Gleichungen zweiten Grades mit mehreren Unbekannten. Konſtruktionsaufgaben und Konſtruktion algebraiſcher Ausdrücke. Trigonometrie. Alle 14 Tage eine ſchriftliche Arbeit. 4 St. w.(von Kamptz.) UNaturkunde: Mechanik der feſten, tropfbarflüſſigen und luftförmigen Körper(nach Joch⸗ mann). 2 St. w.(von Kamptz.) Secunda 2. Ordinarius Gymnaſiallehrer Berlit. Religionslehre: Geſchichte des Reiches Gottes im alten Bunde. Lektüre ausgewählter Stellen aus dem A. T. Pſalmen und Kirchenlieder teils wiederholt teils neu gelernt. 2. St. w. (Hüpeden.) Deutſch:(S.) Betrachtung der epiſchen Poeſie am Nibelungenlied in neuhochdeutſcher überſetzung. Daneben ausgewählte Abſchnitte des privatim geleſenen Abfalls der vereinigten Nieder⸗ lande von Schiller. Biographie von Schiller.—(W.) Betrachtung der dramatiſchen Poeſie an Schillers Tell. Das Lied von der Glocke geleſen und auswendig gelernt.— Deklamationen, Dis⸗ ponierübungen. Aufſätze. 2 St. w.(Berlit.) Themata der deutſchen Aufſätze: Im Sommer: 1) Welche Umſtände bewirkten die Rettung der Zehntauſend trotz des — 35— Verrates am Zapatas? 2) Morgenſtunde hat Gold im Munde. 3) Krieg und Gewitter. 4) Man lebt nur einmal in der Weih 5) Welche dn mildern das Grauenhafte in dem Charakter S2nen Im Winter: 1) Charakteriſtik der Gudrun. 2) Geld iſt ein guter Diener, aber ein ſchlimmer Herr. 3) Die Schlacht am Metaurus.(Nach Livius.) 4) Charakteriſtik der Gertrud. 5) Mit welchen Gründen verteidigt Rudenz ſeine Anhänglichkeit an Oſtreich? Lateiniſch: Vergil, I. II. Metriſche Übungen. 2 St. w.(Haeſecke.)— Livius, XXVII mit Auswahl. Cicero, pro lege Manilia und Catilin I. Ellendt⸗Seyffert,§§ 129— 343. Wöchentlich ein Domeſtikum nach Klaucke oder ein Extemporale nach Diktat. Phraſen aus Livius und Cicero. Synonyma. 6 St. w.(Berlit.) Griechiſch: Hom. Od. I. II. III. 2 St. w.(S. Weidenbach. W. Suchier.) Xenoph. Hellen. V. VI, 1—3. 3 St. w. Wiederholungen der Formenlehre. Syntax§ 83— 90. Wöchentlich ein Extemporale nach Diktat oder ein Exercitium nach Böhme. 2 St. w.(S. Rittau. W. Euler.) Franzöſiſch: Histoire de la première croisade par Michaud B. I. Repetition der unregelmäßigen Verba. 2 St. w.(S. Pulch. W. Suchier.) Hebräiſch: Seffer§ 1—26. 1 St. w.(Suchier.) Geſchichte und Geographie: Griechiſche Geſchichte, nach Pütz. Afrika, Amerika, Aſien, Auſtralien. 3 St. w.(Berlit, vom 15. November ab Wende.) Mathematik: Arithmetik: Die Lehre von den Proportionen und Wurzeln. Gleichungen erſten Grades mit mehreren Unbekannten. Gleichungen zweiten Grades mit einer und mehreren Unbekannten. Repetitionen aus der Lehre von den Potenzen. Geometrie: Proportionalität und Ähnlichkeit. Ausmeſſung des Kreiſes. Konſtruktions⸗ aufgaben. Alle 14 Tage eine ſchriftliche Arbeit. 4 St. w.(von Kamptz.) Naturkunde: Die Lehre vom Mechanismus und von der Elektricität. Wärmelehere. 2 St. w.(von Kamptz.) Tertia 1. Ordinarius Gymnaſiallehrer Dr. Haeſecke. Religionslehre: Evangelium Matthäi geleſen, Bergpredigt zum Teil memoriert. Er⸗ zählungen aus der Kirchengeſchichte der erſten Jahrhunderte ſowie aus der Geſchichte der Refor⸗ mation. Wiederholung des Katechismus. Memorieren von Kirchenliedern. 2 St. w.(Häeſecke.) Dentſch: Proſaiſche und poetiſche Stücke aus Hopf und Paulſiek II, 1 geleſen und beſprochen. Gedichte memoriert und deklamiert. Alle 3 Wochen ein Aufſatz. 2 St. w.(S. Wei⸗ denbach. W. Pulch.) Lateiniſch: Ovids Metamorphoſen(nach der Auswahl von Merkel). Buch II- V. Metriſche übungen. Geeignete Stellen wurden memoriert. 2 St. w.(S. Weidenb ach. W. Euler.) — Ccsar, de bello Gallico, IVY—VII. Gllendt⸗Seyffert§ 143— 342 mit Auswahl. Mürdliche und ſchriftliche Überſetzungen aus Oſtermann. Ertemporalien und ſchriftliche uͤbungen im Anſchluß an das grammat. Penſum und die Lektüre. Retrovertieren. Phraſen aus Cäſar. Synonyma. 7 St. w.(Haeſecke.) 3 5 — 36— Griechiſch: Xenophon, An. II— IV, c. 6. Im letzten Quartal Homer, Od. IX, 216—565; einige bedeutſame Verſe auswendig gelernt. Abſchluß der Formenlehre; Verba auf g⸗ vollſtändig, unregelmäßige Verba. Bei der Lektüre Erläuterung der gebräuchlichſten ſyntaktiſchen Verhältniſſe. Extemporalien, ſchriftliche häusliche und Klaſſenübungen zur Einübung des grammat. Penſums und im Anſchluß an die Lektüre. 7 St. w.(Haeſecke.) Franzöſiſch: Lektüre nach Plötz, lectures choisies. Plötz Schulgrammatik. L. 22— 45. Repet. der unregelmäßigen Verba. Alle 14 Tage ein Skriptum. 2 St. w.(Pulch.) Geſchichte und Geographie. Geſch. Müller§ 133— 151, 157— 264. Neue Zeit von der Reformation bis 1871. 2 St. w.(S. Rittau. W. Euler.)— Geogr. Deutſchland. 1 St. w.(S. Rittau. W. Euler.) Mathematik: Arithmetik⸗ Wiederholung und Erweiterung des Kurſus der Untertertia. Gleichungen erſten Grades mit einer Unbekannten. Anfangsgründe der Lehre von den Potenzen und Wurzeln. Berechnung der Quadratwurzeln. Geometrie: Repetition des früheren Kurſus. Be⸗ endigung der Kreislehre. Gleichheit, Verwandlung, Teilung und Ausmeſſung gradliniger Figuren. Konſtruktionsaufgaben. Alle 14 Tage eine ſchriftliche Arbeit. 3 St. w.(von Kamptz.) Naturkunde: Botanik. Beſtimmung von Pflanzen.(S.) Mineralogie.(W.) 2 St. w. (Hartmann.) Tertia 2. Ordinarius Gymnaſiallehrer Pfarrer Hüpeden. Religionsunterricht: Bibliſche Geſchichten des alten Teſtaments. Katechismus 1. und 2. Hauptſtück repetiert, 3., 4. und 5. Hauptſtück erklärt und memoriert. Kirchenjahr. Das Wich⸗ tigſte aus der Reformationsgeſchichte. Sprüche und Kirchenlieder. 2 St. w.(Hüpeden). Deutſch: Lektüre und Erklärung ausgewählter Leſeſtücke aus Hopf und Paulſiek. Auf⸗ ſätze(Erzählungen, Beſchreibungen, Inhaltsangaben), ſtiliſtiſche und Dispoſitionsübungen im Anſchluß an die Lektüre. Memorieren ausgewählter Gedichte des Leſebuchs nach einem Kanon. 2 St. w.(Haeſecke). 4 Lateiniſch: Cæsar, de bello gallico I, II. III. Im Sommer 5 St. w., im Winter 4 St. w. Ellendt⸗Seyffert§§ 129— 201. 234— 342 mit Auswahl. MüVndliche und ſchriftliche Überſetzungen aus Oſtermann. Ertemporalien im Anſchluß an das grammatiſche Penſum und die Lektüre. Phraſen aus Cœsar. Loci memoriales 11—20 gelernt, 1— 10 repetiert. Im Sommer: 4 St. w. Im Winter: 3 St. w.(Hüpeden). Im Winter: Das Wichtigſte aus der Proſodie und Metrik. Geleſen und zum Teil memoriert wurde aus Ov Met. III: Die Gründung von Theben. 2 St. w.(Büsgen). Griechiſch: Die regelmäßige Formenlehre bis zu den verbis auf à1. Extemporalien, ſchriftliche häusliche und Klaſſenübungen zur Einübung des grammat. Penſums(nach Weſener). Einige unregelmäßige Verba. 7 St. w.(Berlit). — 37— Franzöſiſch: Plötz, Schulgrammatik. L. 1— 23. Repetition des früher Gelernten. Lektüre nach Plötz, lectures choisies. Alle 14 Tage ein Skriptum. 2 St. w.(Pulch). Geſchichte und Geographie: Geſchichte des Mittelalters. Die außerdeutſchen Länder Europas. 3 St. w.(S. Berlit. W. Euler.) Mathematik: Arithmetik: Die vier Species der Buchſtabenrechnung.; Gleichungen erſten Grades mit einer Unbekannten. Geometrie: Repetition des früheren Kurſus; die Lehre vom Kreiſe, den Polygonen und den merkwürdigen Punkten des Dreiecks. Alle 14 Tage eine ſchriftliche Arbeit. 3 St. w.(von Kamptz). Naturkunde: Botanik. Beſtimmungen von Pflanzen.(S.) Zoologie. Einiges vom Bau des menſchlichen Körpers.(W.) 2 St. w.(Hartmann). Quarta. Ordinarius Gymnaſiallehrer Dr. Rittau, von Mittte Nov. ab Kandidat Wende. .Religionslehre: Die zehn Gebote mit Erklärung und Bibelſprüchen.(S.) Das zweite und dritte Hauptſtück mit Erklärung und Bibelſprüchen.(W.) Repetition bibliſcher Geſchichten. Memorieren von Kirchenliedern im Anſchluß an das Kirchenjahr. 2 St. w.(Haeſecke). Deutſch: Lektüre und Erklärung ausgewählter Leſeſtücke aus Hopf und Paulſiek; im Anſchluß daran Satzübungen(Satzbilder). Memorieren und Deklamieren von Gedichten. Aufſätze und ſchriftliche übungen erzählenden und beſchreibenden Inhalts(im Anſchluß an die Lektüre), nach vorausgegangener kurzer Beſprechung. 2 St. w.(Haeſecke). Lateiniſch: Repetition der Formenlehre. Kaſuslehre. Das Allgemeinſte vom Gebrauch der Konjunktionen, des acc. c. Inf., des ablat absolut. und des part. coni. nach Oſtermann. Vokabellernen. Wöchentliche Extemporalien nach Diktat, oder Exercitien nach Oſtermann. Lhomond, urbis Romæ viri illustres—LX mit Auswahl. Retrovertieren. Loci memoriales 1—10 aus⸗ wendig gelernt. 9 St. w.(Rittau, von Mitte Nov. ab Wende). Franzöſiſch: Plötz, Elementar⸗Grammatik. L. 61— 112. Alle 8 Tage ein Skriptum. 5. St. w.(S. Suchier. W. Pulch.) Geſchichte und Geographie: Griechiſche und römiſche Geſchichte im Umriß. 2. St. w. (S. Pulch. W. Rittau, von Mitte November ab Wende).— Die außereuropäiſchen Erdteile. 2 St. W.(S. Pulch. W. Rittau). Mathematik: Decimalbrüche. Einfache und zuſammengeſetzte Regeldetri, insbeſondere Zinsrechnungen(Fölſing Il mit Auswahl). Im Winter außerdem Geometrie. Sätze von den Parallelen, von den Dreiecken und Vierecken. Alle 14 Tage eine ſchriftliche Arbeit. 2 St. w. (Hartmann). Naturkunde: Botanik. Beſtimmen von Pflanzen.(S.) Zoologie.(W.) 2 St. w. (Hartmann). — 38— Quinta. Ordinarius Hülfslehrer Dr. Pulch. Religionslehre: Bibliſche Geſchichten des N. T. Repetition des erſten Hauptſtückes des Katechismus. Das zweite Hauptſtück. Das Kirchenjahr. Sprüche und Kirchenlieder. 2 St. w. (S. Schmidt II. W. Euler). Deutſch: Lektüre ausgewählter proſaiſcher und poetiſcher Stücke aus Hopf und Paulſiek; im Anſchluß daran Übungen im Nacherzählen und Recitieren. Memorieren und Deklamieren einer Auswahl von Gedichten. Orthographiſche Übungen; Grammatik im Anſchluß an den la⸗ teiniſchen Unterricht. Diktate abwechſelnd mit Aufſätzen. 2 St. w.(S. Michel. W. Euler). Lateiniſch: Formenlehre und einige ſyntaktiſche Regeln. Vokabeln aus Spieß. Münd⸗ liches und ſchriftliches Überſetzen. Wöchentlich ein Extemporale. 9 St. w.(Pulch.) Franzöſiſch: Plötz, Elementargrammatik, Lektion 1—56. Wöchentlich eine ſchriftliche Arbeit. 4 St. w.(S. Rittau. W. Euler). Geſchichte und Geographie: Erzählungen aus der römiſchen Geſchichte. 1 St. w. Europa mit beſonderer Berückſichtigung Deutſchlands. 2 St. w.(Rittau). Rechnen: Die vier Species mit gemeinen Brüchen. Einfache Regeldetri mit ganzen Zahlen und Brüchen. Aufgaben aus Fölſing I. Teil, 3. Abſchnitt. Alle 14 Tage eine ſchriftliche Arbeit. Im Sommer 4, im Winter 2 St. w.(von Kamptz). Geometriſche Formenlehre: Eigenſchaften des Punktes, der Linie, der Fläche und der ebenen Figur. Die einfachſten Sätze über Linien und Winkel, Dreiecke und Parallelogramme, durch Meſſen und aus der Anſchauung hergeleitet. Im Winter 2 St. w.(von Kamptz). Naturkunde: Botanik: die Hauptorgane des Pflanzenreichs. Beſchreibung von Pflanzen aus der Flora der Umgegend.(S.) Zoologie: Wirbeltiere.(W.) 2 St. w.(von Kamptz). Schreiben: Einübung der deutſchen und lateiniſchen Kurrentſchrift. Taktſchreiben. 2 St. w.(Schmidt II.) Serta. Ordinarius Gymnaſial⸗Elementarlehrer Schmidt II. Religionslehre: Bibliſche Geſchichten des Alten und die Feſtgeſchichten des Neuen Teſtaments. Das erſte Hauptſtück des Katechismus. Das Vaterunſer. Kirchenlieder und Sprüche. 3 St. w.(Schmidt II.) Deutſch: Leſen und Erklären proſaiſcher und poetiſcher Stücke aus Hopf und Paulſiek I, 1. Im Anſchluß an das Leſebuch: Konſtruktion der Präpoſitionen, Wortklaſſen, Redeteile, der einfache Satz. Schriftliches und mündliches Wiedererzählen des Geleſenen. Memorieren von Ge⸗ dichten. Jede Woche eine ſchriftliche Arbeit. 3 St. w.(S. Weidenbach. W. Claſen). Lateiniſch: Im Anſchluß an das Übungsbuch: die regelmäßige Formenlehre der Subſtan⸗ — 39— tiva, Adjectiva, Verba mit Einſchluß der Deponentia, der Kardinal⸗ und Ordinalzahlen, der Pro⸗ nomina, excl. indefinita; die Präpoſitionen; die Adverbien. Wöchentlich ein Extemporale. 9 St. w.(S. Michel. W. Claſen.) Geſchichte und Geographie: Griechiſche Heldenſagen. Elemente der Geographie. Über⸗ ſicht über die Erdteile. 3 St. w.(Pulch). Mathematik: Die vier Species in benannten Zahlen. Einfache Schlußrechnungen. Teiler. Vielfache. Wöchentlich ſchriftliche Arbeiten. 4 St. w.(Schmidt II). naturkunde: Beſchreibung offenblütiger Gewächſe.(S.) Beſchreibung einer Anzahl von Wirbeltieren.(W.) 4 St. w.(Schmidt II). Schreiben: Deutſche und lateiniſche Kurrentſchrift mit Zerlegung und Darſtellung der Entſtehung der Buchſtaben an der Wandtafel. 2 St. w.(Schmidt II. Vom evangeliſchen Religionsuntericht waren während des Konfirmanden⸗Unterrichts im Winterſemeſter dispenſiert aus III,1 4 und aus III,2 5 Schüler. Religionslehre für die katholiſchen Schüler: 1. Gott und die Offenbarung(vorchriſt⸗ liche und chriſtliche). Chriſtus. Die Kirche.— Kircchengeſchichte: das chriſtliche Altertum und das germaniſche Zeitalter. 2 St. w. 2. Die Gebote. Die Lehre von den Sakramenten. Bibl. Geſchichte des N. T. 2 St. w. (Pfarrer Müller).: 3 Cechniſcher Unterricht. a) Turnen: Sommer: 6 Abteilungen in je 2 St. w. In ſtufenweiſer Folge: Frei⸗ und Ordnungs⸗ übungen, Gerätturnen, Turnſpiele.(Schmidt II). Winter: Klaſſenturnen, jede Klaſſe 2 St. w. Wie früher wurde auch in dieſem Winter die Gelegenheit zum Schlittſchuhlaufen unter Leitung der Lehrer benutzt.(VI— III, Schäfer; II, 2— I,1 Schmidt II). Dispenſiert vom Turnen waren im Sommer 16, im Winter 21 Schüler. b) Geſang: Chor: Sopran und Alt 1 St., Tenor u. Baß 1 St., vereinigter Chor 1 St. w. Ein⸗ geübt wurden Motetten und Volkslieder aus der Liederſammlung von Sering. Außerdem wurde in den untern Klaſſen in zwei Abteilungen zu je 2 Stunden w. eine Anzahl Choräle und zwei⸗ ſtimmige Volkslieder nach Erk eingeübt; daneben wurden Tonleitern und Solfeggien geſungen; endlich wurde noch Tonbildung und Ausſprache geübt.(S. Kapmeier. W. Hoßfeld). c) Zeichnen: Obligatoriſch: VI. Die gerade Linie in ihrer verſchiedenen Richtung. Zeichnen von Quadraten, Rechtecken, Dreiecken und Benutzung dieſer geometriſchen Formen zur Ausführung von einfachen geradlinigen Flachornamenten: Mäander, Stern⸗ und Kreuzfiguren, Verſchlingungen, Durchſchiebungen und parquetartige Muſter. Nach Vorzeichnungen an der Wandtafel. 2 St. w. V. Fortgeſetztes Zeichnen von geradlinigen Flachornamenten. Die krumme Linie; Zeichnen des Kreiſes, des Ovals und der Vielecke. Einfache Blattformen, Übungen im Schraffieren und Anlegen mit 1 bis 2 matten Farbentönen. Nach Vorzeichnungen an der Wandtafel. 2 St. w. IV. Einfache krummlinige Flachornamente unter Zugrundelegung der grad⸗ und krumm⸗ linigen geometriſchen Figuren. Die Spiral⸗ und Schneckenlinie. Umriſſe von Gefäßen. Nach Vorzeichnungen an der Wandtafel. 2 St. w. Facultativ: Im Sommer 1 Abteilung in 2 St. w., im Winter 2 Abteilungen in je 2 St. w. 1. Zeichnen nach Gipsmodellen und Vorlagen. Ausführung der Zeichnungen in Licht und Schatten mit dem Wiſcher und 2 Kreiden, ſowie in Tuſchmanier. Elemente der Projektions⸗ lehre, Perſpektive und Schattenconſtruktion. Das Wichtigſte aus der Ornamentformenlehre. 2 St. w. 2. Schwierige Flachornamente und Umriſſe von Gegenſtänden nach Vorzeichnungen an der Wandtafel. Fortgeſetzte UÜbung im Tuſchen und Anlegen mit mehreren matten Farbentönen. Zeichnen von geometriſchen Körpern nach Modellen 2. St. w.(Schmidt II). Am facultativen Zeichenunterricht beteiligten ſich im Sommer 33, im Winter 26 Schüler. Baden und Schwimmen: Zur Sicherheit der Badenden war während der Badezeit der Schloſſer Troſcheit täglich 1½ St. mit einem Kahn an der Badeſtelle anweſend. Unterricht im Schwimmen wurde vom 1. Juni bis 1. September in 4 St. w. erteilt.(Schmidt II). Zuſammenſtellung der beim Unterricht gebrauchten Lehrbücher: Religionslehre: Schulgeſangbuch von Walther— Karow; Bibel für VI- I. Zahn, Bibliſche Hiſtorien, für VI— III, 2. Hollenberg, Hilfsbuch für den Religionsunterricht für II— I. Das Neue Teſtament im Urtext für II— I. Deutſch: Leſebuch von Hopf und Paulſiek für VI— III. . Regeln und Wörterverzeichnis für die deutſche Rechtſchreibung für VI—I. Rumpel, Philoſophiſche Propädeutik für Lateiniſch: Grammatik von Ellendt⸗Seyffert für VI— I. Spieß, Ubungsbuch für V u. VI. Oſtermann, latein. libundeuc u. Vokabularium für IV u. III. dluce Aufgube zum Überſetzen aus dem Deutſchen in Lateiniſche für obere aſſen, für II. Süpfle, Prllhen zu lateiniſchen Stilübungen, 2. Teil. Aufgaben für obere Klaſſen, für I. Griechiſch: Grammatik von Koch, für III, 2— I. Weſener, griech. Übungsbuch für III. Böhme, Aufgaben zum Überſetzen ins Griechiſche für II u. I. — 41— Franzöſiſch: Plötz, Elementargrammatik für V u. IV. Plötz, Schulgrammatik für III, 2— I. Plötz, Lectures choisies für III. Hebräiſch: Seffer, Elementarbuch der hebräiſchen Sprache, für II— I. Geſchichte u. Geogr. David Müller, Leitfaden zur Geſchichte des deutſchen Volkes für III. Pütz, Grundriß der Geſchichte und Gedaraygie für obere nfi für II u. I. Daniel, Leitfaden für den Unterricht in der Geographie für VI— I. Mathematik: Fölſing, Rechenbuch für VI—IV. Heis, Sammlung von Aufgaben und Beiſpielen für III— I. Kambly, Planimetrie für III— II. Schlömilch, Logarithmentafeln für II— I. Stegmann, Trigonometrie und Stereometrie für II-— l. Naturkunde: Leunis, Leitfaden für IYV— III. Jochmann, Experimentalphyſik für II— I. Geſang: Erk, Turn⸗ und Wanderlieder. Sering, Chorbuch. Für die lateiniſchen und griechiſchen Klaſſiker wurden in der Klaſſe Teubnerſche Text⸗ Ausgaben gebraucht. II. Yerfügungen der vorgeſetzten Behörden. Verf. des Kgl. Prov.⸗Schul⸗Kollegiums zu Caſſel vom 18. April 1884. Nachdem auch die diesjährige chemiſche Analyſe des Waſſers aus dem Gymnaſialbrunnen ein günſtiges Ergebnis geliefert hat, ſoll die Unterſuchung künftig nur alle zwei Jahre vorgenommen werden. Desgl. vom 25. April 1884, wodurch für die höheren Schulen des Reg.⸗Bezirks Caſſel folgende Ferien⸗Ordnung feſtgeſetzt wird:— Oſterferien 14 Tage vom Sonntag Palmarum ab. Pfingſtferien 3 Tage vom Sonnabend vor Pfingſten bis Mittwoch nach Pfingſten(einſchl.) Sommerferien 4 Wochen vom erſten Sonntag im Juli ab. Michaelisferien 14 Tage vom Sonntag der Michaeliswoche ab. Weihnachtsferien 14 Tage vom 23. December mittags ab. Verf. des Herrn Miniſters der geiſtlichen, Unterrichts⸗ und Medizinalangelegenheiten vom 14. Juli 1884, wodurch Vorſchriften zur Verhütung der Übertragung anſteckender Krankheiten durch die Schulen gegeben werden. Verfügung des Kgl. Prov.⸗Schul⸗Kollegiums vom 11. October 1884. Es dürfen künftig nicht mehr Schüler verſuchsweiſe in höhere Klaſſen verſetzt werden. Verf. des Herrn Miniſters vom 10. November 1884, wodurch die Dauer der Erholungs⸗ pauſen zwiſchen den Lehrſtunden ſowie die für die häuslichen Arbeiten der Schüler in Anſpruch zu nehmende Zeitdauer feſtgeſetzt wird.— Desgl. vom 7. Januar 1885. Es wird verordnet, daß die von den höheren Schulen 6 — 42— zu veröffentlichenden Schulnachrichten künftig die Abſchnitte und in der Reihenfolge enthalten ſollen, wie ſie aus den vorliegenden Schulnachrichten zu erſehen ſind. III. Chronik der Schule. Nachdem Mittwoch den 2. April die für Sexta und Montag, den 21. April die für die übrigen Klaſſen angemeldeten Schüler geprüft worden waren, wurde am letztgenannten Tage nachmittags um 4 Uhr das neue Schuljahr mit einer gemeinſamen Andacht eröffnet. Nach derſelben begrüßte der Direktor den vom Königl. Gymnaſium zu Dillenburg an das hieſige verſetzten Wiſſen⸗ ſchaftlichen Hülfslehrer Guſtav Weidenbach*) und ſtellte denſelben den Lehrern und Schülern vor. Hierauf verlas der Direktor dem Herkommen gemäß die Schulordnung des Gymnaſiums, erläuterte deren Hauptbeſtimmungen und verpflichtete ſodann die neu eintretenden Schüler durch Handſchlag.— Die Lektionen des Morgenunterrichts wurden auch in dieſem Sommer gemäß der ſeit mehreren Jahren üblichen und bewährten Einrichtung während der Stunden von 7—11, bezw. von 7—12 gehalten. Leider war von Beginn des Schuljahrs an das Lehrerkollegium nicht vollzählig, indem der zum Erſatz für den noch immer an ſchwerer Krankheit im Hauſe ſeiner Eltern zu Marburg daniederliegenden Hülfslehrer Jul. Winneberger(S. Anſtaltsprogramm v. 1884 S. 17.) beſtellte Wiſſ. Hülfslehrer Dr. Pulch ebenfalls in Wiesbaden erkrankt war und die Reiſe hierher nicht hatte wagen können. Da zugleich auch der Elementarlehrer Schmidt durch Unwohlſein mehrere Wochen an das Haus gefeſſelt war, ſo erlitt der Unterricht mannigfache Störung, und die Kollegen mußten, wie dies ſchon ſeit Neujahr 1884 der Fall geweſen war, ununterbrochen zu bedeutend vermehrter Stundenzahl herangezogen werden. Endlich am 3. Mai traf der neue Wiſſ. Hülfslehrer Dr. Paul Pulch**) hierſelbſt ein und konnte, wenn auch immer noch etwas leidend, ſeine Lektionen übernehmen. Derſelbe wurde *) Guſtav Weidenbach, geboren am 15. Dezember 1855 zu Minden in Weſtfalen, beſuchte bis Oſtern 1876 das Gymnaſium zu Dillenburg und ſtudierte ſodann in Marburg und Leipzig klaſſiſche und deutſche Philologie. Von April 1881 bis ebendahin 1882 genügte er ſeiner Militärpflicht als Einjährig⸗Freiwilliger. Nachdem er am 24. November 1882 zu Marburg das Staatsexamen beſtanden, wurde er vom 1. Januar 1883 ab dem Königlichen Gymnaſium zu Dillenburg als Probekandidat zugewieſen und verſah zugleich von Oſtern 1883 bis ebendahin 1884 eine Hülfslehrerſtelle an genannter Anſtalt. Vom 16. April 1884 ab wurde er durch Kgl. Provinzial⸗Schulkollegium zu Caſſel mit der Verſehung der 2. Hülfslehrerſtelle am Königlichen Gymnaſium zu Rinteln beauftragt. Durch Patent vom 12. Juli 1884 wurde er zum Reſerve⸗Offizier ernannt. **) Paul Pulch, geb. am 6. April 1858 zu Wiesbaden, beſuchte von Oſtern 1867 bis Oſtern 1876 das Gym⸗ naſium in Wiesbaden. Von Oſtern 1876 bis 1877 ſtudierte er in Leipzig, von da bis 1880 in Straßburg klaſſiſche Philologie. Nachdem er auf Grund einer Diſſertation„De Eudociae quod fertur Violario“ von der philoſophiſchen Facultät zu Straßburg die Doctorwürde erlangt und von April 1880—1881 ſeiner Militärpflicht genügt hatte, war — 43— nach der Morgenandacht am 5. Mai Lehrern und Schülern durch den Direktor vorgeſtellt und ſodann in ſein Amt eingeführt. Mit dem Beginn des Sommerſemeſters wurde ein ſog. Silentium, d. h. tägliche Arbeits⸗ ſtunden für ſchwächere Schüler unter Leitung des Kandidaten Michel eingerichtet. Dasſelbe be⸗ währte ſich ſehr gut, mußte aber leider nach den Sommerferien wegen zu ſchwacher Beteiligung wieder eingehen. Am 23. und 24. Mai unternahmen alle Klaſſen unter Leitung ihrer Herrn Ordinarien ein⸗ bezw. zweitägige Turnfahrten, und zwar nach Pyrmont, nach der Porta, nach den Bücke⸗ bergen, nach Alfeld und den 7 Bergen, endlich nach dem Hermanns Denkmal. Vom 31. Mai bis zum 4. Juni fanden auf Grund der neuen Ferienordnung zum erſten Mal Pfingſtferien ſtatt.. Am 20. Juni gaben Schüler des Gymnaſiums unter freundlicher Mitwirkung des Geſangvereins für gemiſchten Chor in der Aula des Gymnaſiums ein Konzert, welches ſich eines ſehr zahlreichen Beſuches erfreute, und deſſen nicht unbedeutender Reinertrag(einſchließlich der Sammlungen unter den Schülern: 115 M.) dem Komitee für das Nationaldenkmal der Ge⸗ brüder Jakob und Wilhelm Grimm in Hanau überwieſen wurde. Am 29. Juni erlöſte ein ſanfter Tod den Oberprimaner Otto Ratz von ſeinen langen und ſchmerzhaften Leiden, nachdem er ſich wenige Tage zuvor zu der bevorſtehenden Reifeprüfung angemeldet hatte. Mittwoch den 2. Juli begaben ſich die Lehrer des Gymnaſiums, die Primaner und der Sängerchor nach dem Wohnort ſeiner Eltern und geleiteteten den braven Jüngling zu ſeiner letzten Ruheſtätte. Mit dem 5. Juli begannen die vierwöchentlichen Sommerferien. Am 15. und 16. Auguſt wohnte der Direktor der in Kaſſel ſtattfindenden 50jährigen Jubelfeier des Vereins für Heſſiſche Geſchichte und Landeskunde, zu deſſen Vorſtandsmitgliedern er ſeit Jahren gehörte, an; ihn begleiteten als Vertreter des Schaumburger Zweigvereins, deſſen von dem Direktor gegründete Sammlungen vorerſt im Gymnaſialgebäude untergebracht ſind, die Herren Oberlehrer Dr. Hartmann und Gymnaſiallehrer Dr. Rittau. Die ſchriftliche Entlaſſungsprüfung, welcher ſich 11 Oberprimaner unterzogen, dauerte vom 25. bis 29. Auguſt. Dienſtag den 2. September wurde das Sedanfeſt in der üblichen Weiſe durch Bibel⸗ lektion, Geſänge und Deklamationen in der entſprechend geſchmückten Aula begangen. Der Gym⸗ naſiallehrer Pfarrer Hüpeden hielt vor einer zahlreichen Feſtverſammlung die Feſtrede über das er(Mai 1881 bis Ende 1882) als Hülfsaſſiſtent am philologiſchen Seminar der Univerſität Straßburg angeſtellt. Am 22. December 1882 beſtand er in Straßburg das Examen pro fac. doc., ſtellte ſich darauf dem Königlichen Prov.⸗Schulkollegium zu Caſſel zur Verfügung und wurde von demſelben Oſtern 1883 dem Königl. Gymnaſium zu Wiesbaden zur Ableiſtung des pädagogiſchen Probejahres überwieſen und Oſtern 1884 an das Königl. Gymnaſium zu Rinteln als Wiſſenſchaftlicher Hülfslehrer verſetzt. 4 6 — 41— Weſen der Vaterlandsliebe.— Am Nachmittag um 2 Uhr verſammelten ſich die Lehrer und Schüler nochmals in der Aula, wo der Direktor den Schülern eine Fahne mit dem Motto: Gott zur Ehre! Treu dem Könige! In Liebe zum Vaterland! als ein freundliches Andenken bei ſeinem bevorſtehenden Scheiden überreichte. Danach ordnete ſich auf dem Kollegienplatz der Feſtzug der Schüler, welcher ſich zum erſten Mal unter Vorantritt des neugebildeten Trommlerkorps durch die Straßen der Stadt bewegte und durch die neuen Klaſſenfahnen ein beſonders maleriſches Bild darbot. Der Zug ging, wie im vorigen Jahr, nach dem Nottberg, wo ſich alsbald am Rande eines Waldes ein fröhliches Leben und Treiben entfaltete, zumal ſich zu unſerer Freude die An⸗ gehörigen der Schüler wieder in großer Zahl eingefunden hatten. Leider aber ſollte das ſchöne Jugendfeſt nicht zur vollen Entfaltung kommen, indem nach etwa einer Stunde ein furchtbares Gewitter heranzog und die Feſtfeiernden zwang, ſich in eiliger Flucht in die nächſten Bauernhöfe zu retten, wo nun die Hunderte von Menſchen, in Häuſern und Scheunen eng zuſammengedrängt, mehrere Stunden auf das Nachlaſſen des Unwetters warten mußten. Endlich konnte der Rück⸗ marſch angetreten werden. Da ſich der Himmel mittlerweile aufgeklärt hatte, ſo wurden vor dem Thore der Stadt die dort in dem Hauſe des Herrn Papierfabrikanten Küker lagernden Fackeln und Lampions angezündet, und nun ordnete ſich ein Fackelzug, welcher zunächſt durch die Straßen der Stadt marſchierte und ſich ſchließlich vor dem Gymnaſium aufſtellte. Dort brachte der Primus omnium Karl Frölich dem Direktor den Dank der Schüler für die ihnen gewidmete Fahne in einem lauten Hoch aus. Der Direktor erinnerte in ſeiner Antwort an die hohe Bedeutung des Nationalfeſtes und faßte die Gefühle des Dankes und der Treue zuſammen in einem Hoch auf den allgeliebten kaiſerlichen Herrn. In dieſes ſtimmten die Schüler jubelnd ein und warfen ſodann unter den Klängen des: Heil Dir im Siegerkranz! ihre Fackeln zuſammen. Dienſtag den 23. und Mittwoch den 24. September werden unter dem Vorſitz des Hrn. Provinzial⸗Schulrats Dr. Lahmeyer aus Kaſſel elf Oberprimaner mündlich geprüft; zehn der⸗ ſelben erlangten das Zeugnis der Reife. Mit dem Schluß des Sommerſemeſters beendigte der Königl. Gymnaſial⸗Direktor Dr. Buchenau, welcher durch Hohe Verfügung des Herrn Miniſters vom 8. Juli 1884 zum Direktor des Königl. Gymnaſiums zu Marburg ernannt worden war, ſeine amtliche Thätigkeit an dem⸗ ſelben. Aus dieſer Veranlaſſung brachten die Schüler des Gymnaſiums am Abend des 26. Sept. ihrem ſcheidenden Direktor einen ſolennen Fackelzug. Sonnabend der 27. September, der letzte Schultag, war ſodann in ſeltener Weiſe ein Tag des Abſchieds, indem der Direktor, nachdem er die zehn Abiturienten mit einem freundlichen Abſchiedswort und unter Aushändigung der Reife⸗ zeugniſſe aus dem Verbande der Anſtalt entlaſſen hatte, als ſeine letzte Amtshandlung noch drei mit ihm zugleich ſcheidende Lehrer von der Anſtalt zu entlaſſen hatte. Es war dies zunächſt der Kantor Chriſtian Kapmeier, welcher, nachdem er beinahe 40 Jahre lang mit treuer Hingabe den Geſangunterricht am Gymnaſium geleitet hatte, auf ſeinen Wunſch in den wohlverdienten Ruheſtand trat, ſodann der Wiſſ. Hülfslehrer Guſtav Weidenbach, welcher nach nur halbjähriger Thätigkeit am hieſigen Gymnaſium zum ordentlichen Lehrer am Fürſtl. Waldeck'ſchen Gymnaſium — 45— zu Corbach ernannt worden war, und endlich der Kandidat Heinrich Michel, welcher als Wiſſ. Hülfslehrer und zwar ebenfalls an das Gymnaſium zu Corbach verſetzt worden war. Nachdem der Direktor die drei ſcheidendenden Kollegen unter Bezeugung des Dankes und mit den beſten Wünſchen für ihre Zukunft aus ihren bisherigen Stellungen entlaſſen hatte, verabſchiedete er ſich ſelbſt mit tiefbewegten Worten von Lehrern und Schülern, dem Gymnaſium ein ferneres fröhliches Ge⸗ deihen wünſchend und für ſich um ein freundliches Andenken in der Ferne bittend. Hierauf ergriff der erſte Lehrer der Anſtalt Prorektor Dr Suchier das Wort zu einem herzlichen Abſchied im Namen des Lehrer⸗Kollegiums. Zum Schluß der ergreifenden Feier trat der Primus omnium Karl Frölich vor, um dem Direktor im Namen ſeiner Mitſchüler zu danken. Auf ein Zeichen fiel die Hülle von einer auf ſchwarzem Säulenpoſtament aufgeſtellten und mit Widmung auf ſilbernem Schilde verſehenen prachtvollen Büſte des Praxiteliſchen Hermes in Elfenbeinmaſſe, welche Frölich im Namen ſeiner Mitſchüler als ein Zeichen ihrer Dankbarkeit übergab. Der aufs höchſte über⸗ raſchte Direktor dankte den Schülern für dieſen neuen Beweis ihrer Liebe und Anhänglichkeit, bei deſſen Anblick er fortan ihrer, ſowie der mit ihnen am Gymnaſium zu Rinteln gemeinſam verlebten Zeit ſtets in Treue gedenken werde. Des zum Zeichen reichte er den mittlerweile vor⸗ getretenen Primen aller Klaſſen zum Abſchied die Hand. Herr Direktor Dr. Buchenau hat ſechs Jahre lang die Anſtalt geleitet; ſeiner treuen Hingabe und unermüdlichen Thätigkeit iſt es vornemlich zu danken, daß dieſelbe in dieſer Zeit einen großen Aufſchwung genommen hat. Unſere Schule wird ihn daher ſtets in dankbarer Er⸗ innerung behalten. Die Direktionsgeſchäfte übernahm zunächſt Prorektor Dr. Suchier und dieſer eröffnete auch am 13. October in herkömmlicher Weiſe das Winterſemeſter. Mit Beginn desſelben traten an der Anſtalt neu ein der zum Wiſſenſchaftlichen Hülfslehrer ernannte Kandidat Dr. Euler*) und zur Ableiſtung des Probejahres der Kandidat Dr. Claſen.**) Inzwiſchen war der Unterzeichnete**r) durch Allerhöchſte Entſchließung Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs vom 29. September zum *) Karl Euler, geboren am 11. Juni 1858 zu Schlitz im Großberzogthum Heſſen, beſuchte von Oſtern 1872— 1877 das Gymnaſium zu Fulda, ſtudierte in Gießen und Leipzig klaſſiſche Philologie und Philoſophie. Im Sommer 1881 beſtand er in Leipzig das Examen rigorosum, zu dem er auf Grund der Diſſertation„de locatione conductione atque emphyteusi Graecorum“ zugelaſſen wurde. Im Juli 1882 beſtand er in Leipzig das Examen pro facultate docendi. Im Auguſt deſſelben Jahres wurde er vom Königlichen Provinzial⸗Schulkollegium zu Caſſel, welchem er ſich zur Dispoſition geſtellt, zur Ableiſtung des Probejahres dem Fürſtl. Gymnaſium zu Corbach über⸗ wieſen, wo er von Michaelis 1882 ab zugleich als Hülfslehrer thätig war Vom Herbſt 1883—1884 genügte er in Hersfeld ſeiner Militairpflicht. Michaelis 1884 wurde er dem Kgl. Gymnaſium zu Rinteln als Hülfslehrer überwieſen. **) Chriſtian Claſen, geb. am 28. Juni 1859 zu Tensbüttel in Holſtein, beſuchte bis Oſtern 1877 das Gymnaſium zu Hadersleben, ſtudierte dann in Kiel und Jena klaſſiſche Philologie und Geſchichte. Von Michaelis 1881 bis Oſtern 1883 leitete er die Privatſchnle zu Fahren in Holſtein, beſtand im Januar 1883 das Examen pro facultate docendi und wurde im September deſſelben Jahres auf Grund einer Diſſertation über„Timaios von Tauromenion“ zum Doctor philosophiae promoviert. Er genügte ſodann von Michaelis 1883 bis eben dahin 1884 ſeiner Militärpflicht und wurde vom Kgl. Prov.⸗Schulkollegium zu Kaſſel, welchem er ſich zur Dispoſition geſtellt, Michaelis 1884 dem Gymnaſium zu Rinteln als Probe⸗Kandidat überwieſen. **) Ferdinand Büsgen, geboren zu Caub a./Rh. am 8. Jan. 1840, beſuchte 5 Jahre lang das — 46— Königlichen Gymnaſialdirektor ernannt und ihm durch Verfügung des Herrn Miniſters der geiſt⸗ lichen ꝛc. Angelegenheiten vom 7. October die Direktion des hieſigen Gymnaſiums übertragen worden. Am 16. Oct. wurde er von Herrn Provinzial⸗Schulrat Dr. Lahmeyer vor verſammelten Lehrern und Schülern feierlich in ſein neues Amt eingeführt. Freitag den 31. Oct. wurde um 3 Uhr nachmittags der Unterricht geſchloſſen und Lehrer und Schüler verſammelten ſich in der Aula, wo in herkömmlicher Weiſe die Doppelfeier des Reformationsfeſtes und des Stiftungstages unſerer Anſtalt durch Geſang, Gebet und An⸗ ſprache des Gymnaſiallehrers Pfr. Hüpeden begangen wurde. Mit Genehmigung des Kgl. Provinzial⸗Schulkollegiums wurden für das Winterſemeſter 10 Stunden Turnunterricht dem Lehrer Schäfer von der hieſigen Stadtſchule und der Geſang⸗ Unterricht dem Lehrer Hoßfeld aus dem benachbarten Dorfe Engern übertragen. Beide be⸗ gannen ihre Thätigkeit an der Anſtalt am 11. Nov. Leider ſah ſich der Oberlehrer Dr. Schmidt durch ſeinen Geſundheitszuſtand genötigt, von Kgl. Provinzial⸗Schulkollegium einen zunächſt dreimonatlichen, dann noch einmal verlängerten Urlaub zu erbitten, ſodaß er von Mitte November ab bis zum Schluſſe keinen Dienſt thun konnte. Zu ſeiner Vertretung wurde von Kgl. Provinzial⸗Schulkollegium der Kandidat Wende“) hierher dirigiert, der am Gymnaſium zu Fulda mit der Ableiſtung des Probejahres beſchäftigt war. Auch außerdem machten mehrfach Erkrankungen von Lehrern Vertretungen durch die Kollegen nötig. Am 10. December gaben Schüler des Gymnaſiums unter Leitung und Mitwirkung ihrer Muſiklehrer, der Herren Heiſterberg und Kellermann aus Bückeburg, in der Aula ein Inſtru⸗ mental⸗Konzert.. Am 14. December ſtarb ein braver Schüler der Anſtalt, der Obertertianer Chriſtian Kröner, und wurde am 17. von ſeinen Lehrern und Mitſchülern zu Grabe geleitet. Gymnaſium zu Wiesbaden und ſtudierte dann von Oſtern 1858— 1862 in Bonn, Berlin und Göttingen klaſſiſche Philologie. Im Winter 18%, beſtand er die erſte Gymnaſiallehrer⸗Prüfung und erhielt im März 1863 von der Univerſität Bonn auf Grund des Rigoroſums und einer Diſſertation„de gymnasii Vitruviani palaestra“ die philoſophiſche Doctorwürde. Nachdem er dann 1 ¼ Jahr in Curland eine Hauslehrerſtelle gehabt hatte, wurde er Michaelis 1864 zum Collaborator am Gymnaſium in Wiesbaden ernannt. 1869 wurde er ordentlicher Gymnaſial⸗ lehrer und 1878 etatsmäßiger Oberlehrer an derſelben Anſtalt, nachdem er im Jahre 1877 den Oberlehrertitel erhalten hatte.— Im Druck erſchien von ihm außer der erwähnten Diſſertation eine Abhandlung: Über das Arενεενιον Anaximanders.(Progr. des Gymn. zu Wiesbaden 1867). 3 *) Alexander Wende, geb. am 11. Juni 1859 zu Rambach⸗(Reg. Bez.⸗Kaſſel), beſuchte das Progymna⸗ ſium zu Eſchwege n. das Gymn. zu Hersfeld, welches er Oſtern 1878 abſolvierte, und ſtudierte dann bis Oſtern 1882 auf den Univerſitäten zu Leipzig und Marburg Philologie. Nachdem er an letzterem Orte am 9. März 1883 die Prüfung pro facultate docendi abgelegt hatte, genügte er von Oſtern 1883 bis ebendahin 1884 ſeiner Militärpflicht. Durch Verfügung des Königl. Prov.⸗Schulkollegiums zu Kaſſel vom 24. März 1884 wurde er zur Ableiſtung des Probe⸗ jahres dem Gymnaſium zu Fulda und durch Verf. vom 11. Nov. 1884 zur Fortſetzung deſſelben dem Gymnaſium zu Rinteln überwieſen und zugleich mit Vertretung eines Lehrers dieſer Anſtalt beauftragt. 2 Am 20. December veranſtaltete der unter den Schülern der oberen Klaſſen beſtehende Gymnaſiaſten⸗Turnverein in der Turnhalle des Gymnaſiums ein Schauturnen. Am 23. December mittags wurde der Unterricht geſchloſſen und die Schüler nach einer Schlußandacht und der Austeilung der Cenſuren in die bis zum 6. Januar dauernden Weih⸗ nachtsferien entlaſſen. In der zweiten Woche des Februar vom 9. bis 14. wurden von 16 Oberprimanern die ſchriftlichen Maturitätsprüfungsarbeiten angefertigt. Sonntag, 15. März fand in der Aula nochmals ein Schülerkonzert ſtatt, deſſen Errtrag für die hieſige Kleinkinderſchule beſtimmt wurde. Mittwoch 18. und Donnerſtag 19. März wurde unter dem Vorſitz des Herrn Provinzial⸗ ſchulrats Dr. Lahmeyer die mündliche Entlaſſungsprüfung abgehalten, bei der 14 Oberprimanern das Zeugnis der Reife zuerkannt wurde. Den Allerhöchſten Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs feierle das Gymnaſium am 21. März durch einen Feſtaktus, bei dem Oberlehrer Dr. Hartmann die Feſt⸗ rede hielt. Bei dieſer Feier wurden auch zugleich die Abiturienten entlaſſen. IV. Statiſtiſche Mitteilungen. 1. Frequenztabelle für das Schuljahr 188 9s. ſol VI onſun OIII uI IV V VI Sa. 1. Beſtand am 1. Februar 1884... 24 ſ 21 21 18 31 30 29 33 25 ſ 232 2. Abgang bis zum Schluß des Schul⸗ jahres 188 ⅞ 4.. 13 1 3—— 4 5 2 2 j 30 3° Zugang durch Verſetzung zu Oſtern 12 14 18 24 21 17 22 18— 146 3 ²b„„ Aufnahme„„ 11 3 4 1— 1 2 2 18 32 4. Frequenz am Anfang des Schul⸗ jahres 188.. 24 25 26 25 28 23 31 29 23 234 5. Zugang im— w— 6. Abgang„ 11 1 6——— 1 19 7° Zugang durch Verſetzung zu Michaelis 6 2———————8 7*b 2„ Aufnahme„„—————— 3 1 1 5 P 2 8. Frequenz am Anfang des Winvr⸗ 19 20 18 25 28 23 34 30 23 220 ſemeſters. 9. Zugang im Werſemeſter————— 10. Abgang 2 21—,—— V— 1 1 1— 2 5 11. Frequenz am 1. Februar 7885.. 19 26 18 25 27 22 33 30 22 216 12. Durchſchnittsalter am 1. Febr. 1885[20,6/ 18,6 18 17,2 15,8 14,2 17,3 12,1 10,5 —᷑ͦ,Q⏑————:— 48 2. Religions⸗ und Heimatsverhältniſſe der Schüler. Ev. Kath. V Diſſ. Juden. Einh. Ausm. Ausl. 1. Am Anfang des Sommerſemeſters.ſ 229 17— 4 116 105 3 2.„„„ Winterſemeſters 214 2— 4 1 112 100 8 3. Am 1. Februar 1885. 3 210 3— 3 112 96 8 Das Zeugnis für den einjährigen Militärdienſt haben erhalten: Oſtern 1884: 10, Michaelis: 4 Schüler; davon iſt Keiner zu einem praktiſchen Beruf abgegangen. 3. überſicht über die Abiturienten, welche im Schuljahre 185 ⁄s das Zeugnis der Reife erhalten haben. 8 2* 5 1 Geburts⸗ Des VYaters Gewählter S amen.—-—Relig. 5 S8 Beruf S Jahr Ort Stand Wohnort 5 65 5 92 5 A. Herbſt 1884: 1Bansmann, Rudolf. ſ1864 Coesfeld ref.] Steuerinſpektor Rinteln 6 ½ 2 ½ Theologie. 2Grennecke, Otto 18611 Misburg ſluth.] Oberförſter Bovenden 2 ½ 2 Medizin. Pr. Hannover. Pr. Hannover 3Chelius, Otto. 1861„Dillenburg ev. † Bauinſpektor Dillenburg ½ 6%/ Medizin. gb. Wiesbaden 4 Clemen, Hartwig. 1864 Rinteln ſluth. Kreisphyſ. Dr. med.. Rinteln ſ10 ½ 2 ½ Medizin, 5 Frölich, Karl. 1860 Alfeld luth. †† Fabrikinſpektor Gronau 4 ½ 3 ½˖] Medizin. Pr. Hannover Pr. Hannover 6 Heinemann, Max. 1866 Vlotho a./W. isr. Kaufmann Vlotho 4 ½/ 2 ½ Jurisprudenz. 7otzen, Emil 1862 Münder a./D.[luth. Gutsbeſitzer Münder 5 ½ 2 ½ Medizin. SKröger, Karl. 1863 Rinteln ref. Landrat Rinteln[11 ½ 2 ½ Militärſtand. oberdieck, Karl 1864 Hannover ſluth. San.⸗Rt. Dr. med. Hannover 3 ½ 2 ½ Medizin. 10 Weber, Ernſt. 1863 Halle a./S. ev. Geh.⸗Rt. u. Prof. Halle 5 ½ 2 ½ Medizin. B. Oſtern 1885: 1 Bartling, Hermann 1864 1Borkſen luth. † Landwirt Barkſen 7 ½ 2 CTheologie. r. inteln 2 Danckwerts, Moritz.[1864 SLüſtorf luth. Superintendent Ebſtorf 3 2 Theologie. LD. Lünneburg 3Ernſt, Auguſt. 1864 Haimar lluth.] Landwirt Haimar 1[1 Pbilologie und . LD. Lünneburg Geſchichte. 4 Fricke, Traugott. 1864 Drnhnedoſo luth. Pfarrer Drahnsdorf 3 2 Theologie. .⸗B. Frankf. a/O. 8 5aupt, Rudolf 1866 Rinteln ref. Rentner Rinteln 10 2 Jurisprudenz. 6Kappe, Hermann. 1862 Hildesheim Alluth.] Knochenhauermeiſter Hildesheim J2 ½, 2 CTheologie. 8 7= 8 5 1 Geburts- Des Vaters Gewählter E amen. Relig— 8 8 Be f S Jahr Ort Stand Wohnort 8 92 5 82 ru. 7(Koch, Franz... 1864 Gr Ottersleben ev. Gutsbeſitzer Gr. Otterslebenſ 2 ½/ 2 Medizin. R.⸗B. Magdeburg 8Melde, Franz...[1863 Groſbenlider kath. Apotheker Großenlüder 1 ½ 1 ½ Medizin. 5 Kr. Fulda. 9 Gtker, Karl... 1865 Eathrinhagen luth. † Landwirt Cathrinhagen 9 2 Medizin. Kr. Rinteln 10 Poppelbaum, Ludwig ſ1866 Rinteln lluth.] Kaufmann Rinteln 10 2 AJurisprudenz. 11[Scheidt, Auguſt.. ſ1865 Kettwiga. Ruhrf ev. Kommerzienrat Kettwi 7 2 ſaaufmannsſtand. 12 /Schoof, Wilhelm..[1865 Rohden lluth.] Lehrer Fiſchbek 6(8 2 Theologie. Kr. Rinteln. Kr. Rinteln 13 Wahrendorff, Rudolf ſ1864„ Ilten, luth. Geh. Sanitätsrat Ilten 1 ½ 1 ½ Medizin. LD. Lüneburg 14 Weiß, Auguſt... 1863 Schwarme lluth.] † Sanitätsrat Vilſen 4 ½ 2 Medizin. LD. Hannover LD. Hannover V. Sammlungen von Lehrmitteln. Für die Lehrer-Bibliothek wurden angekauft: Diez, Etymologiſches Wörterbuch der ro⸗ maniſchen Sprachen.— Hildebrand, Vom deutſchen Sprachunterricht.— Wendt, Die Gymnaſien und die öffentliche Meinung.— Jütting, Erfurter Schönſchreibeſchule.— Köſtlin, Luthers Leben. — Delius, Luthers Schriften in Auswahl.— Burk, Dr. Martin Luther.— Plitt, Luthers Leben.— Kolde, Analecta lutherana.— Hermann, Die Inſpirationslehre.— Mushacke, Sta⸗ tiſtiſches Jahrbuch.— Kolbe, Die Eliſabethkirche in Marburg.— Chriſt, Die Lippegegenden und Aliſo.— Gleim, Preußiſche Kriegslieder.— Scherer, Deutſche Litteraturgeſchichte.— Leimbach, Ausgewählte deutſche Dichtungen erläutert.— Arnim und Brentano, Des Knaben Wunderhorn. — Piſchon, Denkmäler der deutſchen Sprache.— GCötzinger, Reallexikon der deutſchen Alter⸗ tümer.— Riehm, Bibliſches Handwörterbuch.— Falke, Hellas und Rom.— Bötticher, Olympia. — Schliemann, Orchomenos.— Guhl u. Koner, Leben der Griechen und Römer.— Kaufmann, Deutſche Geſchichte.— Treitſchke, Deutſche Geſchichte im 19. Jahrhundert.— Nieſe, Die home⸗ riſche Poeſie.— Aly, Schule und Haus.— Dunker, Die Brüder Grimm.— Jäger, Aus der Praxis.— Wieſe, Pädagogiſche Ideale und Proteſte.— Jacobs, Geſchichte der preußiſchen Provinz Sachſen.— Grünhagen, Geſchichte Schleſiens.— Baumeiſter, Denkmäler des klaſſiſchen Alter⸗ tums.— Pfaff, Erinnerung an Friedrich Otker.— Schettler, Guts Muths' Spiele für die Jugend.— Fortſetzungen von: Herders ſämtliche Werke, herausgegeben von Suphan.— Ranke, Weltgeſchichte.— Erſch u. Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wiſſenſchaften.— All⸗ — 50— gemeine deutſche Biographie.— Grimm, Deutſches Wörterbuch.— Roſcher, Ausführliches Lexikon der griechiſchen und römiſchen Mythologie.— Merguet, Lexikon zu Cicero.— Jahrgang 1884 von folgenden Zeitſchriften: Fleckeiſen, Neue Jahrbücher für Philologie u. Pädagogik.— Kern und Müller, Zeitſchrift für Gymnaſialweſen.— Euler, Monatsſchrift für das Turnweſen.— Petermann, Geographiſche Mitteilungen.— Rödiger, Deutſche Litteraturzeitung.— Zarncke, Litterariſches Centralblatt.— v. Gottſchall, Blätter f. litterariſche Unterhaltung.— Keck(Herbſt), Deutſches Litteraturblatt.— Centralblatt f. das geſamte Unterrichtsweſen. An Geſchenken erhielt die Bibliothek: 1) Von Behörden: Von Königl. Miniſterium der geiſtlichen ꝛc. Angelegenheiten: Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinland. Bd. LXXVII u. LXXVIII.— Dr. Martin Luthers Werke. Kritiſche Geſammtausgabe. 2. Bd. — Von Königl. Provinzial⸗Schulkollegium zu Kaſſel: Verhandlungen der Direktoren⸗Verſamm⸗ lungen. Oſt⸗ und Weſtpreußen. Bd. XVI.— Außerdem mehrere akademiſche Schriften, Feſtreden, Rektoratsreden, Indices lectt u. ſ. w.— Von der Univerſität Marburg: Akademiſche Gelegen⸗ heitsſchriften, Diſſertationen u. ſ. w.— 2) Von Verlegern: Von E. Strauß(Bonn): v. Nieden, Aufgabenſammlung.— Von Nicolai(Berlin): Kern, Grundriß der deutſchen Sprachlehre.— Von Bädeker(Eſſen): Spieß, Übungsbuch für VI, V, IV, III.— Koppe, Anfangsgründe der Phyſik.(Hüpeden). Die Schülerbibliothek wurde aus den zur Verfügung ſtehenden Mitteln vermehrt und die Bücher den einzelnen Klaſſenbibliotheken überwieſen.(Haeſecke). Der naturwiſſenſchaftliche Apparat erhielt als Geſchenk von dem Primaner Haaſe einen jungen Haifiſch in Spiritus.(Hartmann). Für den Turnapparat wurde eine Gummiblaſe mit Lederhülſe für das engliſche Fuß⸗ ballſpiel angekauft.(Schmidt II). VI. Stiftungen und Unterſtützungen von Schülern. Der UAnterſtützungsbibliothek wurden von den Abiturienten Alban und Weber fol⸗ gende Bücher geſchenkt: Böhme, Aufgaben z. Überſetzen ins Griech.(2 Ex.) Platonis Charmides, Laches, Lysis.— Vergil, Bucolica et Georgica.— Kambly, Stereometrie.— Benſeler, griech.⸗ deutſches Schulwörterbuch(2 Ex.)— C. Horatii Flacci opera omnia ed. Stallbaum.— Sophoclis Antigone ed. Dindorf.— Cicero, ausgew. Reden.(rec. Klotz)(2 Ex.)— Kambly, Arithmetik. und Algebra.— Vergil, Aeneis.— Plötz, Schulgrammatik der franz. Sprache.(2 Ex.)— Tacitus, Germania.(2 Ex.)— Kambly, Planimetrie.(2 Ex.) Thucydides v. Böhme vol. I. (2 Ex.) Vergili opera v. Ribbeck.— Heis, Sammlung von Aufg. aus der Arithmetik u. Algebra. (2 Er.)— Georges, latein.⸗deutſches Handwörterbuch.— Cruſius, Wörterbuch z. Homer.— Schlömilch, Logarithmen⸗Tafel.— Peter, Geſchichts⸗Tabellen.— Ovid, Metamorph.— Herodot I.— Cicero, de oratore rec. Klotz.— Oſtermann, latein. Vokabular für Tertia.— Cicero, Lælius u. Cato maior.— Sophoclis Electra.— Jochmann, Grundriß der Experimentalphyſik. — Livius ex. rec. Gesneri tom. II.— Pütz, Grundriß der Geſch. I u. II.— Homeri Ilias ed Dindorf.— Taciti Annales rec. Halm.— Sophoclis Oedipus tyrannus u. Aiax.— Xenophontis Historia greca.— Plötz, lectures choisies.— Schmidt, deutſch⸗griech. Hand⸗ wörterbuch.(Haeſecke). VII. Mitteilungen an die Schüler und deren Eltern. Die öffentliche Schlußprüfung findet Freitag den 27. und Samſtag den 27. März in folgender Ordnung ſtatt: Freitag, 27. März. Vormittags: 8— 9: VI. Deutſch. Claſen. Rechnen. Schmidt II. 9— 10: V. Lateiniſch. Pulch. Naturbeſchreibung. von Kamptz. 10— 11: IV. Lateiniſch. Wende. Geographie. Rittau. 11— 12: III 2 Lateiniſch. Hüpeden. Geſchichte. Euler. 4 Nachmittags: 2— 3: III, 1. Griechiſch. Haeſecke. Franzöſiſch. Pulch. 3— 4: II,2 Deutſch. Berlit. Griechiſch. Euler. Samſtag, 28. März. Vormittags: 8— 9: II, 1. Franzöſiſch. Suchier. Mathematik. von Kamptz. 9— 10: 12. Lateiniſch. Büsgen. Phyſik. Hartmann. Unmittelbar nach dem Schluß der öffentlichen Prüfung verſammeln ſich alle Schüler in der Aula zur Schlußandacht. Hierauf werden in den Klaſſenzimmern die Verſetzungen bekannt gemacht und die Zeugniſſe ausgeteilt. Das neue Schuljahr beginnt Montag den 13. April vormittags 8 Uhr mit der Prüfung der neu angemeldeten Schüler. Nachmittags 4 Uhr verſammeln ſich alle Schüler in der Aula zu einer gemeinſamen Andacht. Bei der Meldung zur Aufnahme ſind die Geburts⸗ und Impſſcheine, ſowie die Zeug⸗ niſſe über den bisherigen Unterricht, bezw. das Abgangszeugnis der zuletzt beſuchten Schule vor⸗ zulegen. Für auswärtige Schüler unterliegt die Wahl der Wohnung nach§ 25 der Schulordnung der vorher einzuholenden Genehmigung des Direktors. Rinteln 23. März 1885. Der Königliche Gymnaſial⸗Direktor: Dr. Büsgen. .