1 6 0 AE K 0 . d 5 Nonigliches Prieilrichs-Gwmnaium 2u Gassel ———— Jahresbericht über das Öchuljahr 1893 94 von dem Direktor Dr. Friedrich Heußner. Voraus geht eine Abhandlung des Profeſſors Adolf Stoll über den Hiſtoriker Friedrich Wilken. 2— 27 7 v SERU Caſſel, 1894. Druck von Ludwig Döll. 1894. Progr. Nr. 382. Der hiſtarilier Friedrich Willien. e Nls der 18jährige Friedrich Auguſt Wolf, der Begründer der modernen Altertumskunde als einer ſelbſt⸗ ſtändigen Wiſſenſchaft, am 8. April 1777 zu Göttingen den Prorektor, ſpäter heſſen⸗kaſſelſchen Leibarzt und Mar⸗ burger Profeſſor Baldinger, erſuchte, ihn als studiosus philologiae zu immatrikulieren, lachte dieſer erſt laut auf: medicinae studiosos gebe es wohl, auch juris und theo- logiae, ja ſelbſt philosophiae; aber auch wer ſich vorzüglich auf Mathematik und dergleichen doctrinas philosophicae facultatis legen wolle, ſei dennoch als theologus einzu⸗ ſchreiben. Ein Student der Philologie ſei ihm in praxi noch nicht vorgekommen. Habe er nun die Abſicht, was Gott abwenden wolle, ein Schulmeiſter zu werden, ſo müſſe er ihn doch als Theologen einſchreiben. Durch ſeine Beharrlichkeit wußte der angehende Student in⸗ deſſen doch endlich ſeine Inſcription in der gewünſchten bedeutungsvollen Form durchzuſetzen ¹).— In der That war es im 18. Jahrhundert eine ganz gewöhnliche, auch in der Entwickelung der neueren Wiſſenſchaft begründete Erſcheinung, daß hervorragende Philologen und beſonders auch Hiſtoriker anfangs der Theologie, als der herrſchenden Wiſſenſchaft, anhingen, um von ſolchen Anfängen aus ſich dann zu dem eigentlichen Felde ihrer Begabung durchzu⸗ ringen. Mit einem Gatterer, Schlözer, Johannes v. Müller, mit einem Spittler, Wachler, Schloſſer und Dahlmann, mit Hurter, Barthold, Gfrörer, Köpke, und endlich noch mit dem Altmeiſter der Geſchichte in unſerm Jahrhundert, mit V Ranke, teilt dieſen Entwickelungsgang auch Friedrich Wilken, der Verfaſſer des erſten grundlegenden und in ſeiner umfaſſenden Ausdehnung noch heute einzig daſtehenden Geſchichtswerkes über die Kreuzzüge. Wie es 46. ¹) Körte, Leben Friedr. Aug. Wolfs, des Philolog. I. S. überhaupt gerade Theologen geweſen waren, wie Arnold, Mosheim, Semler, Walch, die in einer Zeit, wo die Ge⸗ ſchichtſchreibung noch in völliger Unſelbſtändigkeit darnieder lag, kritiſch⸗hiſtoriſchen Sinn bewährten und den deutſchen Gelehrten erhielten, ſo ward auch Wilken urſprünglich gerade durch ſein theologiſches Intereſſe auf das eine der beiden von ihm beſonders bearbeiteten Gebiete, das der orientaliſchen Sprache und Geſchichtslitteratur, hingewieſen, welches zur Aufhellung eines bis dahin nur einſeitig dargeſtellten und beurteilten Zeitraums fruchtbar gemacht zu haben gerade ſein eigentümliches und auch heute noch von den erſten Forſchern als unſchätzbar anerkanntes Verdienſt ausmacht.— Iſt dieſes ſiebenbändige Hauptwerk Wilkens ¹) auch heute, beinahe 100 Jahre nach dem Erſcheinen des erſten Bandes, nach Auffindung vieler neuen Quellen und Hülfs⸗ mittel und vermöge der Anwendung der neueren methodiſchen Quellenkritik in manchen Beziehungen überholt, in vielen Einzelheiten berichtigt und vervollſtändigt, und ſo zu einem Teile, z. B. hinſichtlich der Geſchichte des erſten Kreuzzugs veraltet— das faſt unvermeidliche Schickſal übrigens jeder noch ſo hervorragenden derartigen Leiſtung—, ſo verdient es doch nach dem Ausdruck berufener Kritiker ²) in Rückſicht der Forſchung wie der Darſtellung unter den hiſtoriſchen Darſtellungen, die zwiſchen der Zeit Johannes v. Müllers und Ranke liegen, die ehrenvollſte Erwähnung und bleibt für jene Periode ein klaſſiſches Werk.— Es wird daher um ſo eher zu rechtfertigen ſein, wenn im folgenden der Verſuch gemacht wird, das Leben dieſes ¹) Es erſchien von 1807— 1832. ²) S. z. B. Julian Schmidt, D. Deutſche Litt. im 19. Jahrh. II. S. 452; Koberſtein, Grundr. d. d. Nat. Litt. V. 547. Urteile anderer, beſonders hiſtoriſcher Autoritäten werden weiter unten an ihrer Stelle anzuführen ſein. 1 Gelehrten in etwas eingehenderer Weiſe darzuſtellen, als eine ausführlichere Schilderung desſelben bisher nicht vorliegt ¹). 2 Friedrich Wilken wurde am 23. Mai 1777 zu Ratzeburg in dem damals hannöverſchen Herzogtum Lauen⸗- burg geboren, als älteſter Sohn des Pedellen und Kanzliſten bei der Regierung und dem Konſiſtorium Chriſtian Erich Wilken(1736—1809) und ſeiner Ehefrau Sophie, geb. Schmidt aus Hildesheim(1755— 1829). Der Vater, Sohn eines Hofſattlermeiſters in Hannover, war vorher Kammer⸗ diener bei dem Präſidenten jener Behörden, dem Land⸗ droſten Grafen Friedrich von Kielmannsegg²) und verdankte dieſem wohl ſein Amt, das ihn bei wachſender Familie— er hatte noch drei Söhne und eine Tochter— nur not⸗ dürftig ernährte. Über die Perſönlichkeit des Vaters war nicht viel zu ermitteln: ſeine Briefe an den Sohn laſſen auf einen recht verſtändigen Mann von anſtändiger Geſin⸗ nung und einem gewiſſen Zartgefühl ſchließen, der, immer beſorgt um ſeine Kinder, ſich beglückt fühlt über die Erfolge ſeines älteſten Sohnes. Er verſtand die Feder wohl zu führen und ſuchte in den Zeiten der Not, als ihm vom Januar 1807 bis zu ſeinem Tode im September 1809 kein Schilling ſeiner Beſoldung ausbezahlt wurde, durch Anfertigung ſchriftlicher Arbeiten ſich und die Seinen zu erhalten, unterſtützt freilich, wie von ſeinem älteſten Sohn, ſo auch von ſeiner Frau, die mit der Tochter Lotte durch Handarbeiten den Unterhalt für die Familie mit ſchwerem Be⸗ mühen erringen half ³). Das kleine, beſcheidene Wohnhaus der Familie ſtand an dem Platze, welcher die Stadtkirche umgibt ⁴). ¹) An Litteratur über Wilken finde ich— von Nekrologen mehrerer Tagesblätter abgeſehen— nur einen Aufſatz im Allg. Ne⸗ krolog der Deutſchen 1840 2. Teil. S. 1189—96; einen noch kürzeren wahrſcheinlich von Barthold in der Beilage zur Augsb. Allg. Ztg. 1841. Nr. 12(2 S. S.), von Thorbecke in Weechs Badiſchen Biogr. und die Artikel in Brockhaus'’(zuerſt 1826), Meyers, Pierers Conv.⸗Lex. u. in Wageners Staats⸗ u. Geſellſch.⸗Lex.— Zu Gebote ſtehen mir im folgenden die Sammlung vieler wichtigen Wilken betr. Akten und Urkunden, Briefkonzepte, Reiſetagebücher von ihm, welche der älteſte Sohn Wilkens, der im J. 1883 zu Köſen verſtorbene, hier in Kaſſel begrabene Geheimrat Fr. Fr. A. Wilken, zuſammen⸗ geſtellt, ſowie die Familiennotizen, welche derſelbe in den Jahren 1877 und 78 aus einem treuen Gedächtniſſe, mit pietätvoller Liebe, vieler Kenntnis der einſchlägigen Verhältniſſe und nach genauen Studien(namentlich über die mütterliche, die Tiſchbeinſche Familie) in der ſinnigſten Weiſe aufgezeichnet hat; außerdem mehr als 1200 an Wilken gerichtete Briefe. ²) 1728— 1800, Stammrvater aller ſpäteren Grafen dieſes N.; ſiehe über ihn„Familienchronik der v. K.“ 1872. 153—8. ³) Die abfällige briefliche Äußerung des Superintendenten Eggers über den Vater Wilken, ſ. folg. Spalte Note 3 a. E., wundert mich daher.— Silhouetten beider Eltern ſind noch vorhanden. — ¹) S. u. Nachträge. Bis zum 14. Jahre beſuchte Friedrich, durch Anlagen und Fleiß ſchon auffallend, die Stadtſchule und ging dann, nachdem er am 30. April 1791(wie ein noch erhaltenes ſelbſtverfaßtes Beichtgebet zeigt) vom Superintendenten Eggers konfirmiert worden, als Freiſchüler auf das(mecklen⸗ burg⸗ſtrelitzſche) Domgymnaſium ſeiner Vaterſtadt über, in deſſen beiden Klaſſen drei Lehrer unterrichteten. Dem Rektor Riemann, Vater des als Stifter der Jenenſer Burſchenſchaft 1815 bekannt gewordenen, 1871 zu Friedland verſtorbenen Heinrich Armin Riemann, hing er mit achtungs⸗ voller Liebe an; der Subrektor Harnack aber und der Cantor Schmidt wußten ſich nicht in Reſpekt zu ſetzen. Sein Wiſſensdrang ließ den lebhaften, aufgeweckten Knaben trotz mangelhaften Unterrichts ¹) bei angeſtrengtem Fleiß erfreuliche Fortſchritte, beſonders in den Sprachen machen ²). Häufig beſuchte er eine alte Jüdin, um ſeine hebräiſchen Kenntniſſe bei ihr zu vermehren. Er lernte daneben Violine wie Klavier ſpielen, und ſeine ſchöne Diskantſtimme kam ihm, dem Freiſchüler, der an den Vorabenden der Feſttage vor den Häuſern Currende mitſingen mußte, recht zu ſtatten.— Indeſſen verließ Wilken die Schule doch nicht, ohne unmittelbar vor ſeinem Abgang unliebſamen Anſtoß erregt zu haben, wodurch er denn auch noch eine ſtarke Schul— ſtrafe erhielt ³). ¹) Utinam talibus praeceptoribus uti mihi licuisset, ſchreibt er in ſein Tagebuch am 20. Septbr. 1799 nach einem Beſuch bei den Gothaer Gymnaſiallehrern. ²) Schulzeugniſſe waren indeſſen im Archiv der Schule nicht mehr zu finden. ¹) Nach den im Archiv der Domſchule noch vorhandenen Akten, in die Herr Probſt Ohl mir freundlichſt Einſicht verſtattete, vergaß ſich Wilken Ende März 1795 während des Gottesdienſtes in der Kirche, wo er im Chor mitſang, ſoweit, daß er frivole Poſſen trieb und dann, nachdem er einen Verweis des Subrektors ruhig hingenommen, die Einmiſchung des Cantors Schmidt mit den Worten: „Das geht Sie gar nichts an!“ zurückwies. Am 28. März iſt dann nach einem Vermerk des Ephorus Dompropſt Nauwerk in den Dis⸗ ciplinarakten„der Choralis Friedrich Wilken mit 6ſtündiger Carcer⸗ ſtrafe belegt worden, die von 11 Vorm. bis 5 Uhr Nachm. an ihm vollzogen iſt“.— Auch ein Spottgedicht, das er auf den Cantor ge⸗ macht, und ähnliche Streiche laſſen einen übermütigen jungen Burſchen in ihm erkennen; ſo ſchreibt denn auch ſchon der lauenburgiſche Superintendent Eggers in der vom Domhof getrennten Stadt Ratze⸗ burg, bei dem der doch wohl beſchämte und reuige, vielleicht aber auch trotzige junge Menſch getrennt von ſeinen nur gemeinſchaftlich mit dem Rektor communicierenden Mitſchülern das Abendmahl nehmen wollte, an Nauwerk, der ihm auf ſeine Anfrage über Wilkens Be⸗ tragen Mitteilungen gemacht hatte:„Jetzt iſt es noch Zeit, den durch andere Ausſchweifungen mir bekannt gewordenen Wilke entweder zu beſſern, oder ihn außerhalb unſeres kleinen Diſtrikts zu erhalten. Dieſer Menſch iſt mir wieder ein Beweis, daß das Beiſpiel eines ſchlechten Vaters(ſ. o. Sp. 1 N. ¹)) keinen guten Samen keimen läßt.“ Durch ſolche Dinge zog ſich Wilken vorerſt den Vor⸗ wurf der Undankbarkeit gegen die Schule zu, die ihm außer der Befreiung von Schulgeld noch andere Wohlthaten zu⸗ gewandt hatte. Nach den Schulakten hat er Michaelis 1794 das größere beneficium chorale zum erſten Male und Oſtern 1795 trotz des erwähnten Vorfalls dasſelbe zum zweiten Male mit je 16 Thlr. 32 Schilling erhalten. Dieſen Vorwurf der Undankbarbeit hat ihm dann auch noch zwei Jahre ſpäter ſein Gönner und Pate Graf Kielmannsegg ohne beſondere Veranlaſſung in einem ſonſt freundlichen Briefe zu koſten gegeben ¹), ſodaß er jene Vergehungen offenbar gründlich gebüßt hat. Nach vierjährigem Beſuch des Gymnaſiums ſchied der achtzehnjährige Jüngling, dem die Schule nichts mehr zu bieten hatte, im Frühjahr 1795 von der Heimat und den Eltern, um ſie nur noch einmal, im Jahre 1805, wenige Tage lang wiederzuſehen. Gar dürftig ausgeſtattet wanderte er, um Theologie zu ſtudieren, der Landesuniverſität Göttingen zu: jene 16 Thlr., welche die Schule ihm noch zuletzt zu⸗ gewandt, war alles, was er mit auf den Weg nehmen konnte. Von ſeinen Eltern hat er überhaupt während ſeiner ganzen Studienzeit keine Unterſtützung erhalten; zwei kleine Stipendien, eins von ſeinem Paten Grafen Kielmannsegg und ein weiteres von einem Lübecker Kauf⸗ mann ²) ihm ausgeſetzt, ſchienen ihn wenigſtens der aller⸗ drückendſten Sorgen zu überheben. Göttingen iſt mit Recht als die„Königin unter den deutſchen Univerſitäten“ im 18. Jahrhundert bezeichnet worden; es wurden dort in dieſer Zeit über 20 Disciplinen dem Kreis der akademiſchen Lehrfächer eingefügt. Charak⸗ teriſtiſch war dabei, daß die Göttinger Gelehrten ſich gegen alle philoſophiſche Spekulation, wie ſie z. B. am Ende des Jahrhunderts beſonders in Jena alle Geiſter erfüllte, ablehnend verhielten und weſentlich realiſtiſch— ein Korrektiv gegen das vorherrſchend Ideale— ſich auf das Thatſächliche der Erſcheinungen, auf die Detailforſchung richteten. Mußte das damalige Göttingen ſomit darauf verzichten, das geiſtige Geſamtleben der Nation wirkſam zu beeinfluſſen, ſo hat es doch auf die realen Wiſſenſchaften, beſonders auf Natur⸗ wiſſenſchaft und Geſchichte, mächtig eingewirkt. Namentlich wurden faſt alle hiſtoriſchen Hülfswiſſenſchaften, die Genealogie, die Diplomatik und die Heraldik, die Statiſtik und die Politik in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts in Glücklicherweiſe hat indeſſen der junge Menſch bald alle Befürchtungen überflüſſig gemacht. ¹) In einem Briefe vom 27. März 1797. ²) Sein Name iſt nicht erhalten; friſchweg hatte der junge Menſch den ihm als in dieſer Weiſe wohlthätig bekannten Mann perſönlich in Lübeck aufgeſucht und um Hülfe gebeten. Göttingen entweder neu begründet oder in epochemachender Weiſe weiter entwickelt, während andere, wie Chronologie und Geographie, wenigſtens auch der Pflege nicht entbehrten. Die Namen eines Gatterer, Schlözer, Achenwall, Sartorius, Spittler bezeichnen glänzende Leiſtungen auf allen dieſen Gebieten; während Pütter die Reichsgeſchichte in nie ge⸗ ſehenem Maße beherrſchte, lagen auch von denſelben Gelehrten, wie z. B. in den Spittlerſchen Geſchichten Wirtembergs und Hannovers, meiſterhafte Leiſtungen auf dem Gebiete der Spezialforſchung vor, und zugleich erhob ſich die Europäiſche Staatengeſchichte in Spittlers„Entwurf“ auf ihren Höhepunkt, die Geſchichte überhaupt aber durch den auch als Publiciſt mächtig wirkenden Schlözer und durch Gatterer zur Univerſal- und Weltgeſchichte. Alle dieſe Gelehrten begründeten die allgemeine Achtung der hiſtoriſchen Studien bei den Gebildeten der Nation, reinigten und veredelten den Geſchmack bei Behandlung derſelben und beſtimmten, auch durch die große Zahl ihrer Schüler aus ganz Deutſchland— es wurden halbjährlich gegen Ende des Jahrhunderts an 200 Studenten, darunter etwa ein Drittel Nichthannoveraner, immatrikuliert— die Richtung des hiſtoriſchen Zeitgeiſtes ¹). Freilich bereitete ſich gerade gegen das Ende des Jahr⸗ hunderts ein gewiſſer Umſchwung im Betrieb der Geſchichts⸗ wiſſenſchaft vor, durch den Göttingen die Führerrolle verlor. In Jena, das damals Göttingen den Rang ablief, hatte kurz vorher der als Hiſtoriker vielfach unterſchätzte Schiller dem traditionell herabgeſetzten und mißachteten Mittelalter kräftig das Wort geredet, auch die Kreuzzüge, wenn er ſie auch mit Herder noch als ein Produkt der Thorheit und Raſerei anſah, doch— ein Vorläufer Heerens — von Seiten ihrer Folgen richtiger zu würdigen gelehrt, und nicht nur durch eine hohe Kunſt hiſtoriſcher Darſtellung, auf die niemand bisher bedacht geweſen, ſondern auch durch die Erfüllung der Geſchichte mit einem tiefen Gedanken⸗ inhalt, durch das Streben die einſt ihre Zeit bewegenden Ideen wieder aufzufinden, fruchtbare Anregungen gegeben. Auch die romantiſche Schule, deren Hauptquartier gerade damals ebenfalls Jena war, trat für eine gerechtere Be⸗ urteilung des Mittelalters auf, gab, bald wirkſam durch den Druck der Fremdherrſchaft unterſtützt, der Geſchichte die Richtung auf das Nationale und lehrte das Leben der Völker in ihren Grundlagen erforſchen— lauter Strömungen, ¹) S. darüber beſonders Wegele, Geſch. d. deutſch. Hiſtoriogr. S 756— 772. 786— 802. 803. 869— 886. 893— 895 u. ö.; Weſen⸗ donck, D. Begründung d. Geſchichtswiſſ. durch Gatterer u. Schlözer, wozu übrigens zu vergl. iſt O. Lorenz, Die Geſchichtswiſſenſchaft in Hauptrichtungen und Aufgaben. I. S. 30. Anm.— Wachler, Geſch. d. hiſt. Forſchung u. Kunſt ꝛc. V. 771—93. u. A. 1* 4 aus denen dann ſpäter unter den Ein⸗ und Nachwirkungen der V Freiheitskriege die neuere deutſche Geſchichtſchreibung erwuchs. In dieſen Jahren, die man als eine Zeit der Gährung und einer gewiſſen Unſicherheit bezeichnen kann, trat denn nun der jugendliche Wilken in die ganz von hiſtoriſchen Intereſſen erfüllte geiſtige Atmoſphäre von Göttingen ein, wo auch die Theologen Eichhorn und Planck und die Philo⸗ logen wie Heyne und früher Gesner auf geſchichtlichem Gebiete thätig waren, und ließ alle die Anregungen der völlig neuen Welt, die ihm dort aufging, willig auf ſich einwirken. Laut der erhaltenen Matrikel wurde Wilken am 6. Mai 1795 durch den Juriſten J. P. Waldeck inſcribiert. Er wohnte nach Ausweis der Göttinger Studentenver⸗ zeichniſſe(in der Kgl. Univ.⸗Bibl.) und der Akten des Stadt⸗ ſekretariats wenigſtens vom Winterſemeſter 1795/6 ab in der Burgſtraße Nr. 373 bei Joh. E. Hartel, in dem heute dem Herrn Tiſchlermeiſter Teuteberg gehörigen und mit Nr. 25 bezeichneten Hauſe; vom Winterſemeſter 1800 bis zum Frühjahr 1803 Neuer Markt Nr. 340, in dem Hauſe, welches 1803 als Burgſtraße Nr. 12 bezeichnet, im Beſitze des Herrn Privatmanns Benſeler iſt. Mit allem Eifer wandte er ſich von Anfang an der Theologie zu, die von Planck, Stäudlin, Ammon vertreten war, verſäumte aber auch J. Ch. Eckhardts Erben gehörte und heute, die klaſſiſchen wie die orientaliſchen Studien nicht. Dabei ſchloß er ſich beſonders an Heyne, der immer noch vielen als der erſte Vertreter der deutſchen Philologie galt, und an den Orientaliſten J. G. Eichhorn an, denen er vom Grafen Kielmannsegg beſonders empfohlen worden rührend ſind auch beſonders Heynes darauf bezügliche Gedichte, war. Beide nahmen ſich ſeiner, beſonders nachdem ſie ſein rühmliches Streben erkannt hatten, getreulich an, und be⸗ ſonders Eichhorn zog ihn oft in ſein Haus, ließ ſeine Kinder der zahlreichen erhaltenen Briefe— eine wahrhaft väterliche Zuneigung bis zu ſeinem im Jahre 1827 erfolgten Tode bewahrt. Die ſorgfältigen Collegienhefte über Heynes griechiſche und römiſche Altertümer, die er in den zwei erſten Semeſtern hörte, ſind noch vorhanden ¹). Ob er die Collegiengelder bezahlt hat oder ob ſie ihm geſtundet oder erlaſſen wurden, iſt nicht mehr zu ermitteln, da Akten über das Honorarweſen aus jener Zeit zu Göttingen nicht vorhanden ſind ²). Vom Herbſt 1795 wies ihn Heyne, der, in ſeiner Jugend von unſäglicher Not umdrängt ³), in ſo erſchütternder ¹) In der Königl. Bibliothek in Berlin. ²) Die Quäſtur beſteht erſt ſeit 1842, und jeder Dozent regelte vor dieſem Jahre dieſe Angelegenheit ſelbſt.. *) S. ſ. Biogr. v. ſ. Schwiegerſohn Heeren in deſſen S. W. VI; Hauße, wo er wohnt, bezeugen höre. Weiſe an ſich erfahren hatte, wie weh der Hunger thut, zwar in eine vakant gebliebene Freitiſchſtelle ¹) ein, ſchreibt aber am 17. Februar 1796 dem Grafen Kielmannsegg: „Der stud. theol., nach welchem Ew. Hochgebohren ſich erkundigen, beweiſet überall treuen Fleiß in ſeinen Studien und eine gute ſtille Aufführung, wie ich ſolches auch durch andere Profeſſoren, bey welchen er hört, und in ſeinem Nur ſehe ich nicht, wie er ohne beſſere Unterſtützung ſeine Studien fortſetzen ſoll, ich habe bisher das, was ich vielen anderen zu gleichen Theilen ſchuldig war, an ihn allein verwendet— allein dieß kann ich auf das folgende halbe Jahr nicht in gleichem Maagſe fortſetzen, und ich wünſche alſo herzlich, daß zu einer ordentlichen Freytiſchſtelle für ihn Rath zu ſchaffen ſeyn möge; da er ſelbſt bey dieſer, mit dem gar zu wenigen was er hat, ſchwerlich durchkommen kann. Ew. Hochgebohren verzeihen die offenherzige Äußerung bey dem lebhafteſten Verlangen dem armen jungen Menſchen auch fernerhin zu helfen, wie und wo ich kan; bis Pfingſten hoffe ich immer noch beyher Rath für Subſtitution zu ſchaffen. Für die folgende Zeit aber weiß ich jetzt noch nicht woher nehmen“ ²). Am 2. März 1797 äußert ſich Heyne ſchon anerkennend und zuverſichtlich gegen den Grafen wie folgt:„Ew. Hoch⸗ gebohren habe ich das Vergnügen melden zu können, daß ſich dero protégé, der junge Wilken, Ihrer Unterſtützung voll⸗ kommen würdig macht, fleißig und ordentlich iſt, und mich kürzlich, da ich ihn in dem Seminario philologico eine Probe⸗ arbeit machen ließ ³), durch ſeine Progreſſen ſehr vergnügt daſ. S. 401 f. ¹) Es gab deren 82 für die hannöverſchen Landeskinder, 67 für Ausländer; Heyne konnte ſie zwar nicht ſelbſt beſetzen, aber ſeine von ihm unterrichten und hat ihm— auch nach Ausweis Empfehlung als der einflußreichſten Perſönlichkeit der Hochſchule bei der Beſetzung galt in Hannover viel. Vakanzen vergab er ſelbſtändig. Die Freitiſche wurden zunächſt für ein Jahr, gewöhnlich noch für ein zweites, jedoch nie für länger verliehen. Die Benefiziaten ließen Jedenfalls drückte ihn der Mangel. ſich das Eſſen aus den mit der Herſtellung betrauten Wirtſchaften in ihre Wohnung holen; einen ganz geringen Zuſchuß zu den Koſten hatten ſie übrigens doch zu leiſten. S. Brandes, über den gegen⸗ wärtigen Zuſtand d. Univerſ. G. 1802. S. 263 f. u. Heeren, Biogr. Heynes, S. 264. ²) Kurz vorher, am 11. Febr., hatte Heyne in einem ſeiner bekannten„Billets“ an Eichhorn über Wilken geſchrieben:„Herr Wilken, ein ſehr armer Studioſus der Theologie aus Lauenburg beruft ſich darauf von Ew. Wohlgeb. näher gekannt zu ſeyn. Er ſey Ihnen auch von dem Grafen Kielmannsegg empfohlen, der, ſtatt ihm mit vollem Beyſtand zu helfen, dadurch hilft, daß er ihn andern auf den Hals ſchickt. Er ſcheint ein guter Menſch zu ſeyn, ob er aber ſich bewährt? ob er Kopf hat? wiſſen Sie wohl davon was?“ ³) Die„Aspiranten“ erhielten auch, wie die wirklichen Mit⸗ glieder, wöchentlich 2 Stunden; ſie mußten ſich ein halbes Jahr vor gemacht hat; ſodaß ich auch daran denke, ihn ſobald es nur möglich wird, zu einer Stelle für dieſes Beneficium vorzuſchlagen; auch ſein Äußerliches hat bereits gewonnen. Können Ew. Hochgebohren ihn alſo noch ferner unterſtützen, ſo habe ich die beßte Hoffnung, daß er ſich zu einem ge⸗ ſchickten und brauchbaren Mann bilden wird.“ Auch der Theologe Stäudlin hatte einem Briefe des Grafen vom 8. März 1797 zufolge,(dem dieſer bei der Ungewißheit, ob er Wilken für dies Jahr ein ſtaatliches Stipendium zuwenden könne, eine kleine Geldſumme aus ſeiner eigenen Taſche beiſchloß), anerkennend über ihn berichtet. Seine Lage beſſerte ſich dadurch, daß Heyne ihm zu Oſtern 1797 wirklich eine der 9 Stellen im philologiſchen Seminar, beiläufig der erſten derartigen Anſtalt in Deutſch⸗ land, zuerteilte, deſſen Mitglied er zwei und ein halbes Jahr lang, bis Herbſt 1799, blieb. Als ſolches erhielt er jährlich 50 Thaler ¹). Heyne war im Seminar zwar ſtreng, ſo daß er einſt Voß und Hölty wegen ungenügenden Fleißes aus dem⸗ ſelben ausſtieß, ſah aber die Seminariſten immer als ſich näher angehörend an, ſorgte und arbeitete fortwährend für ſie und verlor ſie auch ſpäter nicht leicht aus den Augen. So ſchreibt er auch am 8. Mai(jedenfalls 1798, da er adreſſiert:„Herrn Candidat Wilke“):„Würden Sie ſich nicht einrichten können, den Sommer über unſere arabiſchen und Perſiſchen mspte, ſo viel noch nicht ihrem Inhalt nach bekannt ſind einſzu ſſehen und die Aufſchriften auflzujzeichnen? Ich wollte ſehen, daß ich Ihnen ein kleines Douceur auswirkte.“— Sicherlich hat Wilken die Arbeit übernommen, wenigſtens iſt er oft auf der Bibliothek thätig geweſen. Heynes Vertrauen auf Wilkens Befähigung, das ſich in jenem Auftrag ausſpricht, wurde denn auch glänzend gerechtfertigt, indem kaum einen Monat ſpäter, am 4. Juni, dem Geburtstage des Königs Georg III., Wilkens Arbeit über eine akademiſche in dies Fach ein⸗ ſchlagende Preisfrage mit dem Preiſe gekrönt wurde. Das am 4. Juni 1797 von der Philoſophiſchen Fakultät, im beſonderen von Eichhorn, geſtellte Thema lautete: Concinnetur historia bellorum cruciatorum ex Albu- feda, ita, ut simul ex aliis scriptoribus tam orientalibus quam occidentalibus in medium proferantur ea, quae ad eius narrationem diiudicandam, emendandam et illu- strandam facere possint. beabſichtigtem Eintritt anmelden, eine Probelektion halten und Auf⸗ ſätze einliefern. S. Heeren a. a. O. S. 217. 1) S. Brandes, a. a. O. S. 276. Die Seminarakten ſind übrigens auch nicht mehr vorhanden. 5 Über die Arbeit ſpricht ſich die Feſtſchrift, d. h. wieder Eichhorn, p. VI ſo aus: Unus fuit qui satis animi viriumque, doctrinae et industriae, haberet, ut ad certamen se accingeret: accessit autem ita instructus, ut, etiam si plures habuisset ille aemulos, certa tamen ipsi palma fuisset. Ita enim satis- fecit ille desideriis Ordinis, ut etiam expectationem supe- rasse videretur. Cum enim Albufeda comparandus esset cum scriptoribus aliis: horum recensum ille apposuit copiosum; nec ullum scriptorem reperias ab eo non in- spectum, cum iudicio severo in partes vocatum et cum Albufeda comparatum; Albufedam autem interpretatus est docte; in eius fontes et auctoritatem inquisivit; verba emendavit; ipsam autem historiam per haec illustratam habemus multis in rebus. Quare non dubitavit Ordo philosophorum Commentationem hanc inscriptam versu: Tantum religio potuit suadere malorum praemio dignum censere, et victorem etiam sine pulvere pronuntiare auctorem, perdoctum iuvenem: quem re- signata scheda esse apparuit: Fridericum Wilcken, Ratzeburgo-Hannoveranum, Seminarii Regii philologici Sodalem, König Georg III., welcher ſich perſönlich viel und angelegentlich um die Univerſität kümmerte, hatte 1784 für die vier beſten Abhandlungen über die von den vier Fakultäten geſtellten Aufgaben Preiſe ausgeſetzt, beſtehend in goldenen Medaillen von je 25 Dukaten Wert ¹). Wilken widmete die nunmehr im Druck“ erſcheinende Preisſchrift dem Grafen Friedrich Kielmannsegg und ſeinem Bruder Karl Rudolph Auguſt, Präſident des Finanzkollegs in Hannover ³), von denen artige Dankbriefe vorliegen. Es widerfuhr der Schrift auch die Ehre, von keinem Geringeren als Silvestre de Sacy in dem Magas. encyclop. année IV. tom. V. p. 186 ff. ausführlich beſprochen zu werden. Von anderen Orientaliſten, die dem jungen Autor für die überreichte Schrift Dankbriefe ſandten, nenne ich F. Th. Rink in Königsberg, der auch den Albufeda emendirt hatte ⁴), Adler in Schleswig, Herausgeber des Albu⸗ feda ⁵), die indes beide klüglich ſchon danken, ehe ſie das Buch geleſen hatten, J. M. Hartmann in Marburg 6), den ¹) S. Brandes a. a. O. S. 259. Statt der Medaille wurde aber ſicherlich auch deren Wert in bar ausbezahlt. ²) Bei J. C. Dieterich in Göttingen, 254 S 4⁰0. Der Titel lautet: Friderici Wilken etc. Commentatio de bellorum cruci- atorum ex Abulfeda historia. ³) S. Familienchronik ꝛc. S. 159—60. ¹)(1770— 1821). S. Meuſel, Gel. Dtſchld. XIX. 367. ⁵³) S. Allg. D. Biogr. 6) S. ebenda; er ſchreibt„Ihre Schrift wird unſere Forſcher — S. in den kläglichſten Verhältniſſen in Lübeck lebenden Köhler“), den berühmten O. G. Tychſen in Roſtock), Chriſt. Friedrich Schnurrer in Tübingens), und beſonders E. F. K. Roſen⸗ müller in Leipzig ⁴); ſein jugendlicher Verſuch, ſchreibt er, wie Wilken ihn beſcheiden nenne, würde einem Veteranen Ehre machen; von dieſem Fleiße, dieſem eindringenden Forſchungs⸗ geiſte und dieſen Kenntniſſen laſſe ſich noch viel für die Wiſſenſchaften erwarten.—„Möchten Sie doch Ihrem Vor⸗ ſatz, ſich ganz der morgenländiſchen Litteratur zu widmen und vierzehntägige¹) Reiſe nach Jena zu unternehmen ſich ohne Gewiſſensbiſſe erlauben durfte. Das erhaltene Tagebuch zeigt uns einen gar ſparſamen Wanderer, der ängſtlich ſelbſt die Pfennigzechen bucht, ſich der ſchönen Natur freut, die Augen aber auch für alles Merkens⸗ und Wiſſenswerte vors erſte die Geſchichte der Kreuzzüge zu bearbeiten, getreu bleiben! In dieſen Wunſch ſtimmt gewiß jeder mit ein, der ſich für morgenländiſche Geſchichte intereſſiert, die bisher ſo wenige Bearbeiter gehabt hat, welche die nötigen Erforderniſſe, Sprachkenntniß und Sinn für hiſtoriſche Kritik, beſeſſen hätten“.— Zu raſtloſer Thätigkeit und beſtändigem Erwerb ge⸗ zwungen erteilte Wilken nebenher Privatunterricht, wie z. B. dem ſpäteren Mediziner Franz Eichhorn, dem Sohn ſeines von ihm hoch verehrten Gönners, und einer Anzahl Eng⸗ länder, im Verkehr mit denen er ſich auch die engliſche Sprache gründlich zu eigen machte; er beſorgte Korrekturen, ſo von des bekannten Satirikers Käſtner Geſchichte der Mathematik, ſchrieb auch die ſchon 1797 im„Neuen Hannöverſchen Magazin“, 22. und 23. Stück, erſchienene philologiſch⸗botaniſche Abhandlung über den Cytiſus) der Alten; in der Zeit der höchſten Not, als ihn der Mangel eines notwendigen Kleidungsſtücks ſchon Tage, vielleicht Wochen lang an das Haus gefeſſelt hatte, beglückte ihn plötzlich ein Lotteriegewinn von 100 Gulden; um 1799 ſah der arme Schlucker ſeine Verhältniſſe wenigſtens ſoweit geſichert, daß er von dem Geld, das ſeine Preisarbeit ihm verſchafft hatte, im September d. J. auch einmal eine von der Wichtigkeit des audiatur et altera pars ſicher recht lebhaft überzeugen und uns, will's Gott! eine aufgeklärtere Geſchichte dieſer Kriege geben“. ¹) S. ebenda; auch er war ein Herausgeber des Albufeda; er „bewundert die vielen Kenntniſſe eines jungen Mannes bei ſeinem erſten Verſuch“. ²) Biogr. v. Hartmann(in d.„Zeitgenoſſen“ N. F. V.); er „hat ſogleich das Werk durchgeleſen und Wilkens ausnehmenden Fleiß, kritiſchen Blick und ſeine ſeltene Kenntnis der Morgenländ. Sprachen mit innigem Vergnügen wahrgenommen und ſich des aufrichtigen Wunſches nicht erwehren können, daß die Vorſicht ihn auf eine ſeinen Talenten angemeſſene Laufbahn bald hinführe“. ³) der ihm„zu einem ſo ehrenvollen Probeſtück Glück wünſcht, das zu ſo ſchönen Erwartungen berechtige, und fortab an eine glück⸗ liche Fortſchreitung auf der ſo rühmlich betretenen Bahn treuen Anteil nehmen will“. Wilken trat ihm 1808 durch einen Beſuch in Tübingen auch perſönlich nahe. S. über ihn Allg. D. B. 4¹) S. Allg. D. Biogr. ⁵) Eine kleeartige Pflanze. Augen. offen hat und nach der Sitte der Zeit litterariſche Bekannt⸗ ſchaften zu machen ſucht. Üüber Allendorf(18. Septbr.), wo der pastor loci²) den ihm vor dem Thor begegnenden, beſcheiden den Hut ziehenden jungen Menſchen keines Gegengrußes würdigt, Hoheneiche, an der Boyneburg vorbei, über Kreuzburg kam er am 19. ſpät abends in Eiſenach an, beſucht die Wartburg, überſetzt, in Mechterſtedt einge⸗ regnet, die 6. Ode des Hafis ſchriftlich erſt ins Deutſche, dann ins Engliſche und kommt am 20. nach Gotha, wo er die Philologen Lenz, Jacobs und Schlichtegroll beſucht, die ihn freundlich aufnehmen und ihm ungemein gefallen; beim Beſuch der herzoglichen Bibliothek, in der ihn die zahlreichen arabiſchen und perſiſchen Handſchriften höchlich intereſſieren, wird er dem Herzog Ernſt II., dem bekannten Förderer von Kunſt und Biſſenſchaft ³), vorgeſtellt, der ſich zweimal lange mit ihm unterhält und ihn bittet, auf dem Rückweg die orientaliſchen Manuſcripte ſeiner Biblio⸗ thek zu ordnen, und gelangt über Erfurt, wo er die große Glocke beſieht und J. J. Bellermann“) beſucht, am 22. nach Weimar. Dort beſichtigt er am 23. die Bibliothek und ſucht dann Böttiger auf, mit dem er bis zu deſſen Tode(1835) im freundſchaftlichſten Verkehr blieb. „Nachmittags um 3 Uhr“, ſchreibt er,„ging ich zu Herder, bei dem ich mich hatte anmelden laſſen und wurde von ihm äußerſt human empfangen. Ich unterhielt mich mit ihm wohl eine halbe Stunde über allerlei Gegenſtände, und die Zeit verſtrich mir ſehr angenehm bey ihm. Auch ich ſchien ihm keine Langeweile zu machen. Herder iſt ein ſchöner Mann, etwas ältlich ſchon, aber mit ſehr hellen, funkelnden Er frug mich nach Eichhorns und Heynes Be⸗ finden. Hugo'n lobte er ſehr. Ich fand an ihm durchaus nichts Stolzes oder Zurückhaltendes, was ich vorher von ihm gehört hatte, und was ich ſeinen Schriften nach in ihm zu finden geglaubt hatte.“ Am 24. zog er weiter nach Jena, ſuchte dort ſeine Landsleute auf, beſuchte Ilgen), damals Profeſſor der orientaliſchen Sprachen, der ihm ſehr gutherzig, aber eitel ¹) Kleinere nach Wolfenbüttel zur Benutzung der Bibliothek oder nach Hildesheim zu Verwandten ſeiner Mutter hatte er in Ferienzeiten ſchon unternommen. ²)„Der ſtolze E...“, zürnt er im Tagebuch. ³) S. über ihn Beck, Ernſt II. ꝛc. Perthes 1854. ⁴) † 1842. S. Ribbecki. Prgr. d. Grauen Kloſters i. Berlin 1842. ⁵³) S. Allg. D. Biogr., auch Biogr. v. Kraft. und empfindlich erſchien, ihn bat noch einmal zu kommen und ihn auch ſpäter zu fördern ſuchte. Paulus traf er nicht an, wohl aber Grießbach und Schütz, der ihn auf den folgenden Tag zum Kaffee einlud. Bei einem zweiten längeren Beſuch bei Ilgen verſprach ihm dieſer ſeine Schrift in der Jenger Litteratur⸗Zeitung zu rezenſieren, was er aber nicht that. „Nachmittags 2 Uhr begab ich mich zu Schütz“, erzählt er,„wo ich denn die berühmte Frau Hofräthin Schütz, die Hofräthin Voigt, noch eine Dame(ich glaube die Mamſell Lodern), den Herrn Profeſſor Eichſtädt, Dr. Breyer“) antraf. von jungen Herrn dazu, welche, wie ich nachher von Eich⸗ ſtädt erfuhr, die Mitglieder des hochberühmten Liebhaber⸗ theaters und ſehr feine galante Herrchen waren. Da ich mich nicht ſo recht galant betrug, machte ſie mir das be⸗ deutende Compliment, ſie habe mir gleich angeſehen, daß ich ein Philolog ſey. Auch fand ſich dort ein abſcheulicher Leipziger Haſenfuß?) ein. Um 4 Uhr ging Eichſtädt mit mir zu Heinrich ³), ſeinem Vetter. Heinrich ſprach ziemlich ſchadenfroh über Fichte und Schelling. Etwas ſonderbares begegnete mir bey Schütz, das vielleicht Folgen hat; die Hofräthin nannte mich beſtändig Dr. und ich wußte keine ſchickliche Gelegenheit zu finden, ſie von dieſem Irrthum zu befreyen. Endlich wurde auch Schütz auf⸗ merkſam und ſagte: Merken Sie wohl, meine Frau pro⸗ movirt, indeſſen es mag dabey bleiben, wenn ich auch kein Dekan bin, Sie ſollen Magister Jenensis werden. Sein Sohn kommt nach Göttingen, und er ſagte, daß er ihn zu mir ſchicken würde. Ich bin begierig den Helden zu ſehen.“— Der Scherz wurde in der That im Jahre 1803 Ernſt, indem ex decreto a. ordinis philosophorum Chr. G. Schütz, collegii philosoph. h. t. decanus Friderico Wilken doctoris philosophiae dignitatem detulit. Nachdem er ſeinem Verſprechen gemäß noch die orientaliſchen Handſchriften in Gotha katalogiſiert hatte, wobei er als Gaſt des Herzogs in dem beſten Gaſthofe der Stadt wohnte, kehrte er, ohne den anfänglich beab: *¹) Dieſer Hiſtoriker(1771—1818), ſpäter Profeſſor in München, habilitierte ſich 1800 in Jena. S. Allg. D. B. und Thierſch, Lobſchrift auf E. W. v. B. 1818. Wegele, Geſch. d. d. Hiſtoriogr., S. 934. ²) So nannten die etwas rüden Jenaer die eleganten, weich⸗ licheren Leipziger Studenten oder anderen jungen Herrn. ³) S. über dieſen durch ſeinen Konflikt mit Schiller(ſ. Boas, Xenienkampf I. 162) bekannt gewordenen Hiſtoriker, der Wilkens Gönner Eichhorn ſehr befreundet war und ſpäter der Schwiegervater von deſſen Sohn Karl Friedrich Eichhorn, dem berühmten Rechts⸗ hiſtoriker, ward, die A. D. Biogr. Nach und nach kam denn eine Menge ſichtigten Beſuch von Halle und Leipzig ausgeführt zu haben, nach Göttingen zurück ¹). Von ſtrengen eigentlichen Fachſtudien Wilkens auf dem rein geſchichtlichen Gebiete finde ich für die Göttinger Zeit keine beſonderen Anzeichen; philologiſche und hiſtoriſche Anregungen, an ſich verwandter Art, ſind ſchwer für jene Studienzeit von einander zu ſcheiden. Die klaſſiſche und die orientaliſche Philologie in Göttingen brachten ja, wie oben erwähnt, auch der Geſchichte gleichſam ihren Tribut dar, und die Arbeit im philologiſchen Seminar Heynes konnte nicht ohne Nutzen auch für den künftigen Hiſtoriker bleiben. Weiter hatte Wilken damals wie ſpäter auch in Schlözer einen wohlgeneigten Gönner und Freund, was vermuten läßt, daß er auch deſſen Collegien nicht fern geblieben iſt. Und von der auch ſonſt vielfach bezeugten (z. B. Heeren, S. W. VI. S. 525— 27) hinreißenden Kraft von Spittlers geiſtvollen Vorleſungen ſagt Wilken ſpäter oft, er habe nie einen gleich eindringlichen Vortrag gehört ²). Noch in ſpäten Jahren erinnerte ſich Wilken gerne an dieſen Mann, und Thränen traten ihm oft ins Auge, wenn er ſeiner gedachte.— Es iſt alſo kein Zufall, daß in dem ganz beſonders der Geſchichte zugewandten wiſſenſchaftlichen Leben der Georgia Augusta, an deren der hiſtoriſchen Muſe geweihtem Altare damals wie ſpäterhin eine Schar jüngerer Hiſtoriker ihre Fackeln entzündete, auch Wilken der geſchichtlichen Wiſſenſchaft dauernd gewonnen ward. In ſeinen Plänen und Hoffnungen war inzwiſchen auch das urſprünglich angeſtrebte Pfarramt, um deſſentwillen er auch bei einem ihm bekannten Landpfarrer in der Nähe von Göttingen zuweilen gepredigt hatte, in dem Maße zurückgetreten, als ¹) Vergl. über ſämtliche hier genannten Perſönlichkeiten meine Abhandlung über die von Savigny im Sommer desſelben Jahres gemachte Studienreiſe im Progr. des Friedr.⸗Gymn. v. 1890. S. 8 ff. — Wilken folgte beinahe den Spuren Savignys. ²) Im Beginn ſeiner Vorleſung, erzählte er, ſei Spittler ſehr ökonomiſch mit ſeiner von Natur nicht ſtarken Stimme umgegangen, dann aber habe ſeine Rede mit der ſteigenden Wärme und Lebhaftigkeit immer größere Kraft gewonnen, und am Schluſſe ſeien die Zuhörer ſtets ſo ergriffen geweſen, daß Minuten vorübergegangen ſeien, ohne daß ſie ſich regten oder die Plätze verließen. Leider verließ Spittler Göttingen ſchon 1797. Er kehrte, zum Miniſter ernannt, in ſeine Heimat Würt⸗ temberg zurück, wurde aber dort ſeines Lebens nicht mehr froh und ſtarb ſchon 1810. Von ſeiner letzten Vorleſung in Göttingen, mit der er auch für immer vom akademiſchen Leben ſchied, erzählt Wilken als Ohrenzeuge:„Sein Auditorium lag neben ſeinem Arbeitskabinet; vor der Thür des letzteren ſtand das Katheder, ſodaß er unmittelbar aus dem Kabinet aufs Katheder und ebenſo zurücktreten konnte. Seine Abſchiedsvorleſung ſchloß er mit den Worten:„Meine Herrn, es iſt ein bedenklicher Schritt von dem Katheder in das Kabinet“, ein Scherz, der zur traurigen Wahrheit an ihm werden ſollte.— er ſich der Hoffnung hingeben durfte ſich der akademiſchen Laufbahn zu widmen. Dieſer Abfall trug ihm einen Brief voll harter Vorwürfe von Eggers ein. Einſtweilen wurde er i. J. 1800, nach einer Prüfung durch Stäudlin und Planck, Repetent und gehörte ſomit aller⸗ dings noch der theologiſchen Fakultät an; er führte ſich mit einer mir vorliegenden Antrittsvorleſung über den 45. Pſalm am 28. Auguſt d. J. in ſein Amt ein, das er bis 1803 verwaltete ¹). Dieſes verpflichtete ihn zu Vorleſungen über das alte und das neue Teſtament, zu ſchriftlichen Ausar⸗ beitungen, Disputationen und gelegentlichen Predigten in der Univerſitätskirche. Die Hefte ſeiner Vorleſungen über Hiob, über die hebräiſche Poeſie, das Evangelium Johannis, die Apoſtelgeſchichte, das hohe Lied und die Sprichwörter Salomonis ſind noch vorhanden. Daneben iſt aber Wilken auch als Privatdozent der philoſophiſchen Fakultät verzeichnet ²) und endlich bei der Bibliotheksverwaltung thätig geweſen. Ob er ein Colleg zuſammengebracht, iſt mir freilich zweifelhaft; ſeine Hörer⸗ verzeichniſſe beginnen erſt mit dem Jahre 1805 in Heidelberg. Es erübrigt noch zu erwähnen, in welche perſönlichen Beziehungen Wilken in der Göttinger Zeit noch eingetreten iſt. Außer dem Eichhornſchen, in dem er viel verkehrte, ſcheint ſich ihm kein Profeſſorenhaus erſchloſſen zu haben. Unter ſeinen jüngeren Bekannten war von Bedeutung der um vier Jahre ältere berühmte engliſche Philoſoph und Dichter S. T. Coleridge, dem er entweder deutſchen Sprachunter⸗ richt erteilte oder durch Vermittelung ſeiner andern eng⸗ liſchen Schüler näher trat ³). Als Mitglieder des philologiſchen Seminars ſtanden ihm näher G. Fr. Grotefend, der ſich durch ſeine alt⸗ ¹) Nach Brandes a. a. O. S. 275 wurden in dem theo⸗ logiſchen Repetentenkollegium auf den Vorſchlag der Fakultät zwei junge vorzüglich geſchickte Theologen, die den eigentlichen akademiſchen Kurs ſchon beendet hatten, angeſtellt; ſie ſollten eigentlich die bereits gehörten wichtigſten Vorleſungen den Studenten unentgeltlich vortragen. Da aber jeder 150 Thaler erhielt, ſo diente die Anſtalt damals mehr dazu, jungen vorzüglich fähigen Männern die Fortſetzung des aka⸗ demiſchen Aufenthaltes zu ihrer eigenen weiteren Ausbildung zu er⸗ leichtern. ²) S. Pütter⸗Saalfeld, Gött. Gel. Geſch. III. S. 276. ²) Von ihm iſt noch folgender Stammbucheintrag vom 22. Juni 1799 vorhanden:„A God is every where! mankind to be one mighty Brotherhood, Himself our Father and the World our Home.“ This will recall to Mr. Wilkens mind the memory of one, who during a short stay at Gottingen learnt to value his caracter and admire his talents. S. T. Coleridge. S. über dieſes romantiſchen Dichters 1 ½ jährigen Aufenthalt in Deutſchland Brand!, Coleridge S. 240— 266. Coleridge hatte vor ſeinem Göttinger Aufenthalt in Ratzeburg gelebt. Erasmus Müller) Even the who fram'd perſiſchen Forſchungen berühmt gemacht hat, Ballhorn, gen. Roſen, der als Juſtizkanzleidirektor 1855 in Detmold ſtarb, Vater der bekannten Orientaliſten Friedrich Auguſt und Georg Roſen, Joh. Aug. Briegleb, ſpäter Profeſſor am Gymnaſium in Coburg, H. L. J. Billerbeck(1772—1836), ſpäter Direktor in Hildesheim, am nächſten aber nach Aus⸗ weis ſeiner zahlreichen Briefe der 1816 als Profeſſor der Theologie in Altdorf verſtorbene G. W. Meyer ¹). Von Hiſtorikern ſtudierte damals Schloſſer von 1794—97 in Göttingen, iſt mit Wilken aber, dem er in der Heidelberger Profeſſur ſpäter nachfolgte, damals noch nicht näher bekannt worden; dagegen war dieſer mit Luden befreundet, der 1799— 1802(oder 3) in Göttingen ſtudierte ¹). Außerdem verkehrte Wilken mit dem Mathematiker Bernhard Friedrich Thibaut,(Bruder des berühmten Ju riſten), der 1832 als Profeſſor in Göttingen ſtarb ³), mit dem bekannten Litteraturfreund von Meuſebach, mit Achim v. Arnim, der i. J. 1800 von Halle nach Göttingen überſiedelte⁴), dem Philologen und Archäologen Börge Thorlacius, nachmaligen Profeſſor in Kopenhagen, dem däniſchen Hiſtoriker Engelſtoft und dem ſpäteren be⸗ deutenden Theologen und Biſchof von Seeland Peter Auch der Gouverneur der Rheinlande 1814 und 1815, Juſtus Gruner, der Juriſt Arnold Heiſe und der oben ſchon erwähnte Orientaliſt J. M. Hart⸗ mann wurden ihm damals bekannt.— Von ſchriftſtelleriſchen Arbeiten Wilkens erſchien 1801 ein„hiſtoriſch⸗kritiſcher Verſuch über die ſyriſchen Naſſairier“, vorzüglich in Hinſicht auf eine Stelle in Abulfaradſch ſyriſcher Chronik, in Stäudlins„Magazin für Religion, Moral u. Kirchengeſchichte.“ Bd. I. Stück 1, S. 154— 186 ⁶); ¹) S. über ihn Allg. D. B. Wilken und Ballhorn kamen einſt auf die Idee, eine gewiſſe Dame ſei für Meyer eine ſehr paſſende Partie, und redeten ihm das ſo lange ein, bis er ſich mit ihr verlobte. Er bedankt ſich ſpäter brieflich bei Wilken als dem Urheber ſeines Glückes. ²) Ihr Verkehr ſchlief nach Ludens Abgang von Göttingen ein; Luden ſuchte ihn 1811 wieder zu beleben und ſchrieb, als Wilken wegen ſeiner Pariſer Reiſe nicht gleich antwortete, einen ſehr ſpitzen, von Wilken aber nun erſt recht nicht beantworteten Brief, der mir vorliegt. Erſt 1835 ſtellte Wilken durch einen perſönlichen Deinch bei Luden in Jena das alte gute Verhältnis her. ³) S. Allg. Nekrol. d. Deutſchen. ⁴) Clemens Brentanog, den der Sohn auch zu den Göttinger Bekannten ſeines Vaters zählt, konnte allenfalls auf einer ſeiner Sängerfahrten auch einmal in Göttingen eine kleine Weile ſich auf⸗ gehalten haben; ſo reiſte er im Januar 1802, von Savigny in Marburg kommend, über Göttingen nach Jena. S. Brentanos S. W. VIII. S. 38. ⁵³) Dieſe Dänen beſuchten Wilken zuerſt an dem Tage, wo er den Preis erhalten hatte, um ihn kennen zu lernen. Sie wie Meuſe⸗ bach haben ſich auch in Wilkens Stammbuch eingetragen. 6) Rezenſiert in Wachlers Theol. Annalen 1801. 1802 die Überſetzung eines in den Gött. Gel. Anz. 1800 S. 147 günſtig beurteilten engliſchen Buches:„Geſchichte des Verfalls der Wiſſenſchaften und Künſte bis zu ihrer Wiederherſtellung im 15. Jahrhundert“ ¹); zu dieſer letzten Arbeit, die gleichwohl mehrfache Beſprechung— natürlich nur in Rückſicht ihres Inhaltes— erfuhr²), hatten ihm freilich bloß finanzielle Bedürfniſſe die Feder in die„Über⸗ ſetzerfauſt“ gedrückt. Nach Erſcheinen ſeiner Preisſchrift galten Wilkens Hauptſtudien dauernd der Geſchichte der Kreuzzüge und der perſiſchen Sprache und hiſtoriſchen Litteratur. Er beſchäftigte ſich zunächſt mit einer Ausgabe der Geſchichte der Samaniden des perſiſchen Schriftſtellers Mirkhond, deren Druck ſchon vor ſeinem Abgange von Göttingen be⸗ gann, die indeſſen erſt 1807 veröffentlicht wurde. Daneben arbeitete er auch an einer perſiſchen Gram— matik. Dieſelbe erſchien 1803. Auch beſchäftigte ihn in jenen Jahren zweifellos ſchon der erſte Band ſeiner Geſchichte der Kreuzzüge, das Hauptwerk ſeines Lebens, deſſen erſter Band 1807, deſſen ſiebenter und letzter erſt 1832 erſchien. Eine zufällig aufgeworfene und ihn zur Bearbeitung reizende Preisfrage hatte alſo, wie ſchon oft, dem ganzen wiſſenſchaftlichen Leben auch dieſes Gelehrten ſeine Richtung gegeben. Vorläufig erhielt er durch Diplom vom 25. März 1803„ob egregiam litterarum imprimis orientalium scientiam idoneis arbitris luculenter comprobatam“, wie ſchon oben(S. 7) erwähnt, die Ehren eines Doctor philo- sophiae von der Univerſität Jena zuerkannt. An dieſe Univerſität hatte er bei Ilgens Abgang nach Schul⸗Pforta, V wohl auf deſſen Betreiben, ſchon 1802 berufen werden ſollen; doch hatte der auf die allzugroße Jugend des Vor⸗ geſchlagenen ſich ſtützende Widerſpruch Meiningens gegen Weimar und Gotha, die darauf eingehen wollten, die Be⸗ rufung verhindert. daſelbſt immatrikulieren ²). Grafen für das erſte Semeſter hatte Profeſſor Platner 1803—1805. Im Anfang des Jahres 1803 ſuchte der hannöverſche Generalfeldmarſchall Reichsgraf Johann Ludwig Wall⸗ moden⸗Gimborn) einen wiſſenſchaftlichen Lehrer und Geſellſchafter für ſeinen Mündel, den 19 jährigen Erb⸗ ¹) In Göttingen 1802 bei Ph. G. Schröder erſchienen, 302 SS.; den Namen des engl. Autors konnte Wilken ſelbſt nicht ermitteln. ²) Allgem. lit. Zeit. März 1803. Nr. 153, S. 485. 6. Neue Leipz. Litt. Zeit. 1803 St. 33. S. 522 f., N. Allg. Deutſche Bibl. Bd. 87. St. 1. ²) 1736—1811. Er iſt bekannt geworden durch die von ihm am 3. Juni 1803 zu Sulingen abgeſchloſſene Kapitulation des hannöv. Heeres. Der Freiherr vom Stein war ſein Schwiegerſohn. S. f. Sp. N. 2. grafen Georg von Schaumburg⸗Lippe, der ſchon 1787 ſeinem Vater gefolgt war, ein Enkel des be⸗ kannten portugieſiſchen Generaliſſimus Grafen Wilhelm zur Lippe. Wahrſcheinlich war es Wilkens Freund, der oben(S. 8) genannte Dr. Ballhorn⸗Roſen, der durch den Garniſonprediger Bremer in Hannover die Auf⸗ merkſamkeit Wallmodens auf Wilken lenkte. Am 21. Febr. teilte nach Wilkens eigner Aufzeichnung Ballhorn ihm mit, daß Wallmoden ihn zu ſprechen wünſche; am 24. reiſte er nach Hannover und brachte hier bis zum 3. März die Sache zum Abſchluß. Wilken hatte nach den noch erhaltenen Kontrakten die wiſſenſchaftliche Ausbildung des Erbgrafen, für welchen der Philoſoph Feder“) einen allgemeinen Studienplan, etwa achtzehn Wiſſenſchaften umfaſſend, ausgearbeitet hatte, im einzelnen zu leiten und zunächſt die Univerſität Leipzig mit ihm zu beſuchen. An die Spitze des Gräflichen Haushalts dortſelbſt wurde als Gouverneur der Oberſt von Haake geſtellt, der auch die allgemeine„moraliſche“ Aufſicht über den Grafen zu führen hatte. Wilken ſollte den jungen Mann in die nicht privaten Kollegien begleiten, um bei dem ſchwachen Gehör desſelben ihm erforderlichenfalls bei der Wiederholung nachhelfen zu können, ferner ſeine wiſſenſchaftliche Lektüre leiten und vertiefen, zu eignen wiſſenſchaftlichen Arbeiten ihn an⸗ leiten, ihm auch täglich eine oder zwei Privatlektionen erteilen. Unter keinen Umſtänden ſollte er vor zwei Jahren das Ver⸗ hältnis löſen, wogegen ihm bei anſtändiger freier Station 300 Thlr. jährlich und nach Ablauf der zwei Jahre eine Gratifikation von 800 Thlrn. zugeſichert wurden. Am 30. März in Hannover angelangt, fand Wilken den Grafen dort ſchon anweſend, und ſie blieben daſelbſt, einen achttägigen Beſuch in Bückeburg abgerechnet, bis zum 15. Mai, wo ſie die dreitägige Reiſe nach Leipzig antraten. Neben ſeinem Schüler ließ ſich auch Wilken am 2. Juni Den ſpeziellen Studienplan des in Leipzig ſchon früher feſtgeſtellt; für die folgenden drei Semeſter ſtellte indeſſen Wilken ſelbſt die Pläne auf, ſo wie er auch jedes halbe Jahr einen Bericht an Wallmoden einreichte. Wenngleich Wilken, der für höfiſches Leben wenig angelegt war, ſich trotz ſeines ſehr guten Verhältniſſes zu ¹) Früher Profeſſor in Göttingen, damals Direktor des Pagen⸗ inſtituts(Georgianum) zu Hannover; vergl. meine Abhandlung im Programm des Friedrichsgymnaſiums zu Caſſel 1890, S. 12. N. 58. ²) Seinen erſten Bericht ſandte er wegen der„hannövriſchen Unfälle“ erſt am 26. Juni an den Feldmarſchall ein; dieſer hatte nämlich, obwohl perſönlich ehrenwert und mutig wie das Heer, von dem elenden Landesregiment getäuſcht und gezwungen, mit 15000 M. vor Mortier kapituliert. S. Schloſſer⸗Jäger XV. S. 354—7. 2 2 10. dem Grafen, das bis zu ſeinem Tode unverändert fort⸗ beſtand ¹), in dieſer Stellung, die ſeine Zeit ſehr in Anſpruch nahm, nicht beſonders befriedigt fühlte, ſo war er doch in der Lage, ſeine Studien zur Geſchichte der Kreuzzüge fortzuſetzen, wohl auch einzelne Rezenſionen für die Halliſche und die Leipziger Litteraturzeitung abzufaſſen ²) und beſonders die ſchon erwähnte perſiſche Grammatik zu beendigen ³). Leipzig unter dem Titel: Institutiones ad fundamenta linguae persicae auf 108 Oktavſeiten, zugleich mit einer Chrestomathia maximam partem ex auctoribus ineditis collecta,(119 SS.); daran ſchloß ſich etwas ſpäter eine lateiniſche Überſetzung,„Auctarium“, von 81 Seiten, und als zweiter Band erſchien dann noch ein Glossarium locuples von 446 Seiten. Dieſe erſchien 1805 bei S. L. Cruſius in zu haben, das Buch„dans le moment, où les exploits brillants des armes victorieuses de Votre Majesté impériale font trembler la Perse“ ¹), dem Kaiſer zu über⸗ reichen. In dem Briefe an den Geſandten heißt es u. a.: „Je serais au comble de mes voeux, si d'après ce faible essay, Sa Majesté me jugeait digne de vouer à son service mes légères connaissances des langues orientales dont je ne puis faire dans ma patrie qu'un emploi très circonscrit. Je ne saurais parvenir plus sürement à ce bonheur si désiré qu'en priant V. Ex- cellence de vouloir bien m'accorder sa puissante pro- tection.“ Es findet ſich freilich im Nachlaſſe Wilkens nirgends eine Antwort auf dieſen Brief. Es iſt dies die erſte perſiſche Grammatik, die über⸗ haupt in Deutſchland verfaßt worden iſt; die Chreſtomathie enthält neben einigen aus engliſchen Werken entlehnten Stücken auch ſolche, die Wilken aus Handſchriften ent— nommen hat, wie die Geſchichte des Iskander aus dem Schahnameh, einige aus dem Mirkhond und dem Dauletſchah*). Rezenſionen finden ſich in der Neuen Leipziger Zeitung 34. Gel. Anz. 1805, S. 1452— 4 u. 1806, S. 416. Orientaliſten wie Silvestre de Sacy und Tychſen benutzten ſie ſofort in ihren Vorleſungen, während ſie heute veraltet iſt. Nach dem Erſcheinen der perſiſchen Grammatik hat Wilken, wohl in der Ungewißheit, wie ſich ſein Schickſal ge⸗ ſtalten werde, ſein Heil ſogar in Rußland verſuchen wollen. Wenigſtens ſcheint er ſich mit einem Briefe, deſſen Konzept vom 12. Januar 1805 datiert iſt, an den ruſſiſchen Ge⸗ ſandten in Berlin, Baron Alopeus, mit der Bitte gewandt ¹) Etwa 50 dies beweiſende Briefe des erſt 1860 verſtorbenen Grafen und ſpäteren Fürſten an Wilken befinden ſich in der fürſtl. Hofbibliothek zu Bückeburg. ²) Mit dieſen liegen wenigſtens Kontrakte vom 12. Okt. 1803 bezw. 19. März 1805 vor; für die ganze Leipziger Zeit ſind ſonſt noch 3 Kontrakte Wilkens mit Wallmoden, auch Feders und Platners Studienpläne, ſowie die Konzepte von 8 Berichten und 1 Studien⸗ plan Wilkens, endlich 2 anerkennende Briefe Wallmodens vorhanden. ²) Zu dieſer machte er auch zu Göttingen noch Studien, z. B. nach einer Stelle eines ſeiner 16 Briefe an den Bibliothekar Reuß zu Göttingen(im Beſitz der Bibliothek daſelbſt) im April und Mai 1804, woraus zugleich hervorgeht, daß die Ferien wenigſtens teilweiſe nicht in Leipzig verbracht wurden. *) Daß Vullers in ſeiner Chrestomathia schahnamiana an einigen Stellen jenes erſten Stückes Verbeſſerungen Wilkens vornimmt, iſt— nach gütigen brieflichen Mitteilungen des Herrn Prof. Juſti zu Marburg an den Verfaſſer— nicht zu verwundern und ſetzt Wilkens Verdienſt in keiner Weiſe herab. Der Aufenthalt in Leipzig wurde für Wilken auch inſofern von Bedeutung, als er— wohl ſchon im Sommer 1803— dort ſeine ſpätere Gattin fand. Durch den Oberſten von Haake fand er Zutritt zu dem Hauſe des Akademie⸗Direktors und berühmten Porträtmalers Fr. A. Tiſchbein. Deſſen älteſte, vielumworbene Tochter Karoline, ein überaus ſchönes, edles und feingebildetes Mädchen ²), gewann Wilkens ganzes Herz und erwiderte ſeine Neigung Stück(13. März 1805) S. 335— 9, und in den Gött. auf das innigſte. Sie zeichnete auch vortrefflichs) und war in allen diſtinguierten Kreiſen Leipzigs geſchätzt wegen ihrer Geſangskunſt und ihrer ſchönen Altſtimme. Durch die Duette, die ſie mit ihrer ebenſo anmutigen jüngeren Schweſter Betti4) ſang, gewann ſich das reizende Schweſtern⸗ paar alle Herzen 5). Ihr Vater war anfangs, da er Wert auf glänzende äußere Verhältniſſe legte, dem ſich entwickelnden Einverſtänd⸗ niſſe der beiden jungen Leute nicht eben hold, und es ſetzte ¹) So heißt es in dem gleichzeitig gefertigten Concept zu einem Schreiben an Kaiſer Alexander ſelbſt. Perſien lag 1804—1813 mit Rußland in einem Kriege, in dem es wenig Glück hatte. ¹) Ihr vom Vater gefertigtes Porträt iſt im Beſitz der Schwieger⸗ tochter Wilkens, der verwittweten Frau Geheimrat Wilken in Caſſel. ³) Als Zeichnerin hat ſie auch in Naglers Künſtlerlexikon, XVIII. 506 einen Platz gefunden. ⁴) Sie heiratete ſpäter den damals noch ſehr wohlſituierten Kaufmann Wilhelm Kunze zu Leipzig, den treuen Freund Theodor Körners; als fideler Burſche kam dieſer oft ſpät abends, von den Pedellen verfolgt, in mancherlei Verkleidungen zu Kunze, um bei ihm die Nacht ſicher zuzubringen. S. Jonas, Chr. G. Körner. S. 216. Kunze war es(mit Wendler und Förſter), der den bei Lützen(17. Juni 1813) verwundeten Freund vor der franzöſiſchen Gefangenſchaft rettete. S. daſ. S. 302— 8. u. Alb. Weber, 46 Briefe der Familie Körner in der D. Rundſchau 1878. Juni⸗ u. Iulihefte, beſ. S. 473. 117. 118. ³) Sehr anziehend ſind die Aufzeichnungen, welche Karoline in ihrem Alter über ihre und der Schweſter Jugendzeit und ihr Wander⸗ leben zur Erinnerung für ihre Kinder gemacht hat; ich hoffe, ſie werden in Kürze veröffentlicht werden. heftige Szenen ¹). Doch die treffliche Mutter, eine kernige und joviale Frau, die an Frau Aja erinnert, ſtellte ſich vor den Riß, und die geſicherte Exiſtenz, die Wilken bald fand, ſowie ſein ſteigender litterariſcher Ruf rangen auch dem Vater nach einer Weile ſeine Einwilligung ab. Zwar zerſchlugen ſich die Anfang 1805 begonnenen Unterhandlungen Wilkens wegen einer Anſtellung an der Univerſität zu Altdorf, für welche ſeine Freunde Meyer (ſ. o. S. 8) und Eichhorn in Göttingen ſich bemüht hatten; aber eine andere, wertvollere Ausſicht eröffnete ſich ihm im April desſelben Jahres auf eine Profeſſur der Geſchichte in Heidelberg. In dieſem Monat ging Wilken allerdings zunächſt, nachdem der Erbgraf ſeine Leipziger Studien abgeſchloſſen hatte, mit dieſem und deſſen übrigen Begleitern für mehrere Wochen nach Dresden, wo er im Hauſe des mit der Tiſch⸗ beinſchen Familie ſehr befreundeten Rats Chr. G. Körner frohe Stunden verlebte, die Kunſtſchätze der Stadt genoß, das Theater beſuchte, aber auch auf der Bibliothek wie im Verkehr mit einem Maltheſerritter Boisgelée, der, mit einer Geſchichte ſeines Ordens beſchäftigt, ſchöne Samm⸗ lungen dafür angelegt hatte, ſeine Studien zur Geſchichte der Kreuzzüge eifrig fortſetzte. Namentlich benutzte er auf der Bibliothek ein aus einer Schrift des Königs Renatus von Anjou genommenes Manuſkript von 83 SS. kl. Fol. über die Turniere zu einer Abhandlung über dieſelben, welche dann 1806 in Creuzer und Daubs„Studien“ (S. 168— 203) gedruckt wurde ³). Auch verkehrte er mit Tiſchbeins alten Freunden Böttiger“), den er ſchon 1799 in Weimar aufgeſucht hatte und der inzwiſchen nach Dresden übergeſiedelt war, und dem Landſchaftsmaler J. W. Mecha u?). ¹)„Kaum waren wir geſtern im Zimmer“, ſchreibt Caroline Anfang März 1804,„ſo ergoß er ſich in tauſend heftigen und bitteren Bemerkungen über uns beide und ſchloß mit der AÄußerung, er werde endlich noch Maßregeln gegen dieſe unbeſonnene Neigung zu finden wiſſen. ein Kraut gegen den Tod. werden.“ ²) Ihr Porträt von der Hand ihres Gatten, jetzt im Beſitz der Beides kann und wird nie gefunden Frau Dr. Pinder, verwittweten Gattin von Wilkens Enkel, Muſeums⸗ direktor Dr. Pinder zu Caſſel, zeigt die anmutigſte junge Frau. Unter ihren Briefen an die Tochter befindet ſich ein faſt klaſſiſch zu nennender über die Schlacht bei Leipzig, der von Wilkens Schwieger⸗ ſohn E. v. Pochhammer(Pſ. Ed. Mund) in einer Jugendſſchrift, „Grafen⸗ und Schulzenſohn“, Stuttgart. S. 187— 195 wiedergegeben iſt. *) Rezenſion in d. Gött. Gel. Anz. 1806. S. 1786. ⁴) S. meine Abhandlung im Progr. des Friedrichsgymnaſiums zu Caſſel, 1890. S. 12. ⁵) 1745— 1808. S. Allg. D. Biogr. Maßregeln gegen dieſe Neigung! Das kommt mir vor wie 11 Anfang Mai für kurze Zeit nach Leipzig zurück⸗ gekehrt, begleitete er dann den heimkehrenden Grafen bis Braunſchweig und reiſte von da über Celle und Lüneburg, wo er das franzöſiſche Lager beſuchte, nach Ratzeburg zu ſeinen Eltern, die er zehn Jahre lang nicht geſehen hatte. „Leider hatte ich meinen Eltern“, ſo ſchreibt er ſeiner Braut, „den Tag meiner Ankunft nicht beſtimmt angeben können. Ich hatte daher alle Mühe von der Welt, ſie zu über⸗ zeugen, daß ich ihr Sohn ſei; meine Eltern und Geſchwiſter ſtanden eine Viertelſtunde ganz ſprachlos, und ich war in einer peinlichen Lage, beſonders in einer entſetzlichen Furcht für meinen alten ſchwachen Vater; indeſſen erholte er ſich doch am erſten von der Betäubung, und ſo kam doch auch meine Mutter auf ſein Zureden dahin, mich wiederzuerkennen.“ Nur vier Tage konnte Wilken bleiben und ſah dann ſeine Eltern und ſeine Vaterſtadt niemals wieder.—„An meinen Abſchied aus Ratzeburg mag ich nicht wieder denken!“ ¹)— Eine dreitägige Poſtfahrt brachte Wilken dann nach Hannover, wo er mit dem Grafen und deſſen Schweſtern noch einen Tag verbrachte; am 9. Juni langte er in Göt⸗ tingen an und wurde da von Eichhorn aufs freundlichſte aufgenommen, der inzwiſchen auf Wilkens Bitte ſich lebhaft für ihn bemüht hatte. Am 1. April 1805 hatte Eichhorn ihm zwar nach Leipzig geſchrieben, eine Unterhandlung wegen einer Pro⸗ feſſur in Heidelberg ſei unthunlich, weil ſchon Profeſſor Bauer in Altdorf mit Carlsruhe in eine ſolche eingetreten ſei. Doch habe der Nürnberger Magiſtrat Bauer alles bewilligt, und er bleibe nun dort.„Heute geht nun ein ſehr eindringliches Empfehlungsſchreiben nach Carlsruhe ab, das Sie zu der Stelle in Vorſchlag bringt. Ich habe Hofrat Hugo“) gebeten, die Sache in die rechten Hände zu bringen, weil er als Badener Perſonal⸗- und Lokalkenntnis hat, und er hat auch mein Geſuch erfüllt und wird mein Schreiben) dahin ſchicken. Mit dem bisherigen Univerſitätsprediger Meyer(ſ. o. S. 8 Sp. 2 Note ¹) habe ich verabredet, daß, wenn die Nachricht falſch ſein und Bauer doch gehen ſollte), er gleich nach ſeiner Ankunft in Altdorf alles in Bewegung ſetzen ſolle, daß Sie dieſe Stelle erhalten möchten“. Am 6. April ſchreibt auch der mehrgenannte Ballhorn, damals Privatdozent der Rechte in Göttingen, Profeſſor Heiſe in Heidelberg, Wilkens alter Freund, der bei der Reorganiſation der dortigen Univerſität wirkſam ſei, habe privatim bei ihm ¹) Sein Vater ſtarb 1809, ſeine Mutter 1829. ²) S. Gymnaſialprogramm 1890. S. 13 f. ⁵³) Hugo zeigte es auch Planck, der Eichhorns Urteile über Wilken in allem beitrat. ⁴) S. Allg. D. Biogr. Dieſer rationaliſtiſche Theolog ging 1805 allerdings auch nach Heidelberg, ſtarb aber ſchon im Januar 1806. 2* angefragt, ob Wilken wohl bereit ſein werde, eine Profeſſur der Geſchichte in Heidelberg anzunehmen. Wilken möge ſich mit Heiſe in Verbindung ſetzen. Am 12. April meldet Eichhorn, Hugo habe Antwort aus Heidelberg erhalten: möge der Theologe Bauer hinkommen oder nicht, man ſei dort geneigt, auch Wilken vor der Hand als professor extraordinarius, etwa für Geſchichte(„wozu Ihre ange⸗ kündigte Geſchichte der Kreuzzüge Veranlaſſung iſt“), mit 6— 800 fl. anzuſtellen.„Da es die Zeit nicht erlaubte, erſt mit Ihnen Rückſprache zu nehmen, ſo habe ich Hugo gebeten, die Offerte in Ihrem Namen anzunehmen: doch wenn es angehe als ordinarius und wenigſtens mit 800 fl. Gehalt.“ Am 20. ſchreibt Eichhorn wieder, es ſei noch keine Antwort von Heidelberg da; ſollte doch wirklich Auguſti ¹) aus Jena dazwiſchengekommen ſein, ſo erhalte Wilken ſicher die Stelle in Jena.„Bleiben Sie bei Ihrem Herrn Grafen“, ſchloß er,„ſo lange Sie es gut können: Sie erſparen wenigſtens eine Summe Geldes, die Sie in Zukunft beſſer anwenden können.“ Auf Wilkens weitere Anfrage bei Heiſe vom 12. Mai antwortet dieſer unter dem 6. Juni, er habe ihn in Vor⸗ ſchlag gebracht, doch ſei eine Entſcheidung erſt in drei Wochen zu erwarten. Endlich am 31. Juli erhielt dann Wilken wirklich eine offizielle Vokation durch den badiſchen Miniſter Freiherrn von Edelsheim. Am 3. Auguſt ſendet Heiſe ihm dieſe ein und teilt ihm nach dem Auftrage Edelsheims zugleich die weiteren Bedingungen mit: Bei 600 fl. Gehalt(zum Teil in Naturalien, wobei er ſich gut ſtehe) ſolle er eine außer⸗ 12 ordentliche Profeſſur, zugleich aber die Verſicherung bald⸗ V möglichſter Beförderung zu einem Ordinariate mit höherem Gehalt und ſodann an Transport⸗- und Reiſekoſten 5 fl. für jede Station des Weges erhalten; gänzliche Freiheit von allen Abgaben ſolle er genießen, müſſe aber ſpäteſtens kommen. 11. Juni zu ihm nach Göttingen kam und ihn von da auf eine größere Reiſe mitnahm. Am 12. fuhren ſie über Caſſel, wo die Bildergalerie und Wilhelmshöhe beſucht wurden, nach Philippsthal, am 29. nach Barchfeld, und über Fulda, Geln⸗ hauſen, Wilhelmsbad nach Frankfurt und Wiesbaden(4. Juli); fünf Wochen wurden dort, eine in Frankfurt zugebracht. Hier ſah Wilken in einer Geſellſchaft bei Bethmann auch ſeine Göttinger Bekannten Achim v. Arnim und Cl. Brentano wieder. In Offenbach lernte er des letzteren Großmutter, die ehrwürdige Frau von Laroche, Wielands Jugend⸗ liebe, kennen, deren Unterhaltung er intereſſanter fand als ihre Schriften. Eine weitere Rundreiſe führte ſie am 19. Auguſt den Rhein hinunter bis Düſſeldorf und über Diez im Lahnthal, Frankfurt und Darmſtadt am 16. September nach Heidelberg; nachdem er dort einen Tag ſich aufgehalten und ſich eine Wohnung der Univerſität gegenüber ¹) gemietet hatte, ging er auf den Wunſch des Grafen, obwohl er lieber die nächſten Wochen noch in Leipzig bei ſeiner Braut verbracht hätte, doch noch mit ihm nach Stuttgart und Würzburg, wo beide dann am 26. September bewegten Herzens von einander Abſchied nahmen. Mit einem Retour⸗ kutſcher fuhr Wilken nach Heidelberg, überall wie ſeit Wochen ſchon von Kriegsunruhen umgeben. Am 28. fuhr er, übrigens völlig unbehelligt, durch ein Corps von 15000 Franzoſen hindurch, die tags zuvor bei Mannheim den Rhein überſchritten hatten. Am 29. September langte der neue Profeſſor an dem Orte ſeiner nächſten Beſtimmung an. 1805—1817. Infolge des Lüneviller Friedens war Heidelberg 1802. mit den rechtsrheiniſchen Teilen der Pfalz an Baden ge⸗ Die Univerſität hatte während der Revolutions— kriege durch franzöſiſche Occupation ihre reichen links⸗ Mitte Oktober eintreffen; er teilt ihm mit, welche Kollegien ge⸗ Fragen, die Heiſe am 9. beantwortet; er ſolle ſich in allem an ihn wenden, die offiziellen Wege ſeien bis jetzt nicht die richtigſten; er empfiehlt ihm an den Baron von Reizen⸗ ſtein*²), der allein die Vokation ins Leben gebracht habe, ein Dankſchreiben zu richten, was Wilken denn auch that). Inzwiſchen blieb Wilken nach Eichhorns Rat den Sommer des Jahres 1805 über noch beim Grafen, der am ¹) 1771— 1841. S. Allg. D. Biogr. ²) S. über dieſen vortrefflichen Mann die Allg. D. Biogr. ³) Das Konzept trägt kein Datum. V wünſcht wurden, und erſucht um umgehende Entſcheidung. als eine halbe Million Gulden ſchätzte), Am 5. Auguſt ſagt Wilken zu und ſtellt noch einige V frahere Blüte völlig verloren) rheiniſchen Beſitztümer und Einkünfte, die man auf mehr und damit ihre War doch ſchon vielfach von der Auflöſung der Anſtalt die Rede geweſen. Da ſuchte aber alsbald der treffliche Markgraf Karl Friedrich von Baden die geſunkene Anſtalt zu neuem Leben zu er⸗ wecken und ein neues Bildungscentrum für Süddeutſchland zu ſchaffen; er wurde in der That gleichſam der zweite Stifter der altberühmten Ruperto-Carolina. ¹) bei Poſtſekretär Becker, unmöbliert für 30 Thlr. jährlich. ²) S. Hautz, Geſch. d. Univerſität Heidelberg. 1864. II. 307. 309. ³) In dem Univerſitätskatalog von 1803/4 findet ſich nicht eine philologiſche Vorleſung angekündigt; die Zahl der Studierenden betrug blos etwa 250. Sein Streben war von ſolchem Erfolge begleitet, daß, während das eben noch ſo blühende Jena durch Auswan⸗ derung ſeiner hervorragendſten Lehrer um das Jahr 1803 bald ſank, Heidelberg durch einen ſeltenen Verein bedeutender Dozenten für eine Reihe von Jahren an die Spitze der deutſchen Wiſſenſchaft trat und erſt durch die Begründung der Berliner Hochſchule wieder in den Schatten geſtellt ward. Es ward zwar nicht in dem Maße der Ausgangspunkt einer großen Bewegung, wie es Jena mit Fichte und Schelling, mit Schiller, Schlegel und vielen andern geweſen war, aber es fanden doch die meiſten akademiſchen Fächer dort bedeutende Vertreter und eifrige Pflege, griffen belebend in einander und ſicherten der Anſtalt den Ruhm, an dem er⸗ freulichen Aufſchwung, den zu Anfang dieſes Jahrhunderts das wiſſenſchaftliche wie das nationale Leben Deutſchlands nahm, reichen Anteil gehabt zu haben. Die erſte Berufung erging an einen jungen Profeſſor in Marburg, der durch ſein 1803 erſchienenes Werk„vom Recht des Beſitzes“ ſich als klaſſiſcher Juriſt erwieſen hatte und einſt der erſte ſeines Faches werden ſollte, Friedrich Karl v. Savigny, der freilich damals wegen einer für die nächſte Zeit geplanten Reiſe nach Paris nicht zuſagte, aber auch nicht völlig ablehnte, jedenfalls aber durch ſeine beſtändige Verbindung mit dem Geheimrat Hofer einen bedeutenden Einfluß auf die folgenden Vokationen ausübte. Sein Werk war namentlich die Berufung von Paetz, Heiſe, und auch wohl diejenige ſeines genauen Freundes ¹) Friedrich Creuzer, gleichfalls Profeſſors in Marburg), des erſten der vielen Heſſen, die nach dem Beiſpiel Sylburgs an der Neckaruniverſität gelehrt haben ³). Es folgten in den nächſten Jahren Fries, Schwarz, Boeckh, Marheineke, de Wette, Thibaut, Martin, Zachariae, Naegele u. a.— Dieſe Dozenten, neu zuſammengeführt, alſo noch ohne Tradition alter Parteiung, meiſt auch jung, machten ſich gegenſeitig das Leben noch nicht ſchwer.„Was hier in dem vernachläſſigten, unſchuldigen Eß⸗ und Trink⸗, Käs⸗ und Tanzland Gutes geſchieht“, ſchreibt Clemens Brentano“), „wird durch die neuen Lehrer geſchehen. Was bis jetzt da iſt, iſt jung, emſig, für das Vortreffliche enthuſiasmirt, und, was das Vortrefflichſte iſt, einig“ ⁵). ¹) S. m. Abhandl⸗i. Progr. d. Friedrichsgymnaſ. zu Caſſel, 1890. ²) Für ihn war indeſſen auch Daub thätig. ¹) Aus Heſſen kamen noch Schwarz, der Mediziner Tiede⸗ mann, Conradi, Leonhard, Blum, Vangerom; 1796 ſchon Daub; Savignny ſelbſt kam nicht und wurde durch ſeinen ſpäteren Gegner Thibaut erſetzt. ⁴) Geſ. Schr. VIII.(Geſ. Br. I.) S. 150. ⁵) Manche Kreiſe, beſonders die Katholiken, ſahen freilich ſcheel auf die aufblühende proteſtantiſche, mit lauter Norddeutſchen beſetzte 13 In den Kreis dieſer Männer, die in neidlos begeiſtertem Streben in einem regen geiſtigen und geſellſchaftlichen Verkehr miteinander ſtanden ¹), trat im Oktober 1805 denn auch Wilken ein und fühlte ſich bald lebhaft von ihm angezogen. Auch mit den Romantikern, die ſich damals in Heidelberg zuſammenfanden ²), mit Arnim, Brentano, zu denen dann noch Görres, ſpäter Helmine von Chézy, Amalie von Helvig, geb. Imhof u. a. ſich geſellten, nahm er die früheren Beziehungen wieder auf, ohne ihnen jedoch ganz nahe zu treten ³). Auch mit dem Voßſchen Hauſe wurde Wilken und ſpäter auch ſeine Frau näher bekannt ⁴). Freilich ſollte Voß, der grimme alte Kämpe, auch bald der Sauerteig werden, der die Gärung in die Heidelberger Geſellſchaft trug und durch den ſich dieſe in zwei feindliche Lager ſchied. Glücklich fühlte Wilken ſich auch beſonders durch die ungewohntermaßen auskömm⸗ liche Lage, in die er ſich verſetzt ſah.„Mit meiner Okonomie“, ſchreibt er 6. Oktober,„ſteht es gar gut; ich habe ſoviel übrig, daß ich damit dieſen Winter reichlich auskomme und alles, was ich einnehme, bei Seite legen kann. Ich bin jetzt keinem Menſchen in der Welt einen Heller ſchuldig; und ich mache es mir für jetzt wie für mein ganzes künftiges Leben zum heiligen Geſetz, durchaus nichts auf Credit zu nehmen. Ich habe in Göttingen die Erfahrung gemacht, was es heißt Schulden machen.“ „Heidelberg“, heißt es in einem Briefe vom 20. Oktober, „wird mir mit jedem Tage lieber; es iſt ein gar freund⸗ Anſtalt hin, wenn dieſe Abneigung auch nicht zu Attentaten führte, wie ſpäter in München. S. Herbſt, Voß. II. 2. 107. 132.— Das einzige abſprechende Urteil übrigens über das verjüngte Heidel⸗ berg, das ich finde, das von J. D. Gries bei Reichlin⸗Meldegg, Paulus u. ſ. Zeit. II. 34, erklärt ſich aus ſeinem Verdruß über den Rückgang ſeines zeitlebens einzig geliebten Jena.— Vergl. übrigens über die Neugründung Heidelbergs und das dortige Leben in der nächſten Zeit das Büchlein von Dittenberger, 1844, und C. Th. Perthes, Polit. Zuſtände und Perſonen in Deutſchland ct. I. 338, wo auch Wilken erwähnt, Görres allerdings unrichtig citiert iſt. (S. Sepp, Görres. S. 77.) ¹) S. die Artikel der Allg. Zeitung v. 16. u. 17. April 1806 „Blicke auf deutſche Univerſitäten“, wo auch Wilken ehrend erwähnt wird. ²) S. Jul. Schmidt a. a. O. II. 121. ³)„Vorgeſtern“, ſchreibt er ſeiner Braut am 5. Oktober 1805, „habe ich bei Brentano Kaffee getrunken; ſie(die ſchon 1806 verſtorbene Dichterin Sophie Brentano, geſch. Mereau, ſ. Programm des Friedrichsgymnaſiums zu Caſſel, 1890, S. 17) gefällt mir ſehr und ich bedaure nichts mehr, als daß ihr Mann ſo haſenfüßig und überhaupt nicht zu einem näheren Umgang geeignet iſt. Dies be⸗ dauert hier jeder, mit dem ich von ihr geſprochen habe.“ ⁴)„Geſtern war ich bei Voß“, ſchreibt er ebenda;„er iſt im Geſpräch ein ſehr einfacher Mann, der ſeinen Stolz, welcher ihm nicht mangelt, ſehr verbirgt, und hat dabei viel Biederes und Deutſchredliches, was ſehr für ihn einnimmt.“ licher Ort, nicht gerade ſchön gebaut, aber doch auch nicht ſchlecht¹); nur das Pflaſter hätte ich gern beſſer, denn beſonders des Abends fällt man oft in Löcher, ich ſpüre noch einen ſolchen Fall von vorgeſtern Abend.“ ²) Das einſtündige Publikum des neuen Profeſſors über die Kreuzzüge war ziemlich beſucht; dagegen brachte er wegen der geringen Zahl der Studenten und der Ähnlichkeit der beiden Kollegien, die er hatte ankündigen müſſen, nur ein Privatkolleg und zwar über die Europäiſche Staaten⸗ geſchichte zuſammen, nahm aber von dreizehn Zuhörern doch immer 108 fl. an Honoraren ein ³). Wilkens erhaltene Briefe an ſeine Braut reichen bloß bis Anfang Januar 1806 und ſetzen erſt im April wieder ein. Ende März war er nach Leipzig gereiſt und kehrte Mitte April heim. er in der Deutſchen Geſchichte 23, in der Reichsgeſchichte faſt 30, und in ſeinem Publikum 100 Zuhörer, alſo etwa ein Drittel der ganzen Studentenſchaft. Im Juli mietete er, da er jetzt an die Gründung eines eignen Hausſtandes denken durfte, für 80 fl. eine Familienwohnung am Fuße des Schloßbergs. An den„Kreuzzügen“ ſchrieb er eifrig ab und ſandte vom Juni an größere Teile des Manuſkriptes zum Druck nach Leipzig. Am 26. Juli ſchreibt er in der Kranken⸗ ſtube des ſchwer am Nervenfieber darniederliegenden Creuzer, bei dem er die Nacht gewacht hat ⁴). Für den September wurde ¹) S. indeſſen Dittenberger a. a. O. S. 38 f. ²) Von Intereſſe für die damalige politiſche Auffaſſung des 14 neuen badiſchen Unterthanen und deutſchen Hiſtorikers iſt noch folgende Stelle desſelben Briefes:„Der Kriegsſchauplatz wird wohl nicht in dieſe Gegend kommen; denn unſere mächtigen Alliirten(d. h. die Franzoſen) ſind ja noch immer ſiegreich und haben ſchon ſehr wichtige Vortheile durch die Dummheit der öſterreichiſchen Feldherren— dies Lob hat Kaiſer Napoleon ſelbſt ihnen zugeſtanden— errungen, daß zu hoffen und zu wünſchen iſt, der Friede werde bald von ihnen er⸗ rungen werden. Es blutet einem das Herz, wenn man bedenkt, daß Deutſche durch engliſches Geld ſich dazu erkaufen laſſen mit Spott Irrung heraus, verfiel aber in die gefährliche Krankheit, die hier und Schande bedeckt zu werden.“— Am ſelben Tage überlieferte Mack den Franzoſen Ulm und 23000 Mann der Kriegsgefangenſchaft! — In ſeinem letzterwähnten Satz nimmt Wilken Napoleons Dar⸗ ſtellung in ſeinem Manifeſt an ſeine Truppen völlig an. S. Häuſſer, Deutſche Geſchichte ꝛc. II. 576. Über die politiſche Stimmung Süd⸗ deutſchlands überhaupt in jenen Jahren ſ. ebenda S. 599. Übrigens teilt auch der ſonſt patriotiſche Voß Wilkens Auffaſſung in ſeinem Brief an Overbeck, der zwei Tage vor Wilkens Brief geſchrieben iſt, ſ. Herbſt, J. H. Voß. II. 2. S. 132.— ³) Nach der Zuhörerliſte. Im Sommerſemeſter 1806 hatte „Die Studenten“, ſchreibt er,„ſind gar ſchöne Herrn, vor denen man Reſpekt haben muß. Sie tragen Hüte, die ſo groß ſind, daß bei einem Herrn von mittlerer Größe die Naſe gerade der Mittelpunkt zwiſchen der Spitze des Hutes und der Fußſohle iſt, und an dieſer Beſchreibung iſt nur wenig übertrieben.“ ¹) Der früh mit der weit älteren Wittwe des Profeſſors Leske verheiratete Mann lernte 1804 die ſchöne und geiſtvolle Dichterin ſeine Verheiratung feſtgeſetzt, obwohl Tiſchbein wegen der Erbſchaft ſeines in Petersburg verſtorbenen Bruders Ludwig Philipp ¹) am 8. Auguſt für vorausſichtlich längere Zeit*) dorthin abreiſen mußte; während ſeiner Abweſenheit wollte ſeine Gattin mit der jüngeren Tochter Betti und dem achtjährigen Sohn Karl Wilhelm ³), der auch als Maler ſich ſpäter bekannt gemacht hat, in Heidelberg in der Nähe des jungen Paares wohnen, und im Auguſt mietete Wilken eine kleine Wohnung auch für ſie. Am 6. September traf er in Leipzig ein; am 17. fand in der Thomaskirche die Trauung ſtatt, und am 21. trat er mit ſeiner Gattin und deren Familie die Heimreiſe an. Wilkens Vorleſungen in der Folgezeit bis zu ſeinem Abgang von Heidelberg betrafen Allgemeine Welt⸗, Europäiſche Staaten⸗ und Reichsgeſchichte, Statiſtik, Geſchichte des Altertums, des Mittelalters, der drei letzten Jahrhunderte, Geſchichte Frankreichs und die Germania des Tacitus. Daneben las er über die allgemeine Geſchichte der Litteratur, hielt arabiſche und perſiſche Kurſe und erklärte Hiob, die Sprüchwörter Salomonis, den Pentateuch, die Kleinen Propheten und Jeſaias. Zuhörer hatte er in ſeinen Hauptkollegien 15—25, ſelten über 30; unter ihnen waren auch Juriſten und einzelne Mediziner. Von hervor⸗ ragenden Namen finde ich unter ihnen P. F. Stuhr aus Flensburg, Fr. A. Nüßlin, Georg Heinr. Moſer, Auguſt von Goethe(drei Semeſter lang), Fr. Kortüm, J. M. von Olfers, Georg von Maurer, Fr. von Blitters⸗ dorf, E. J. Leichtlen, Eilard Mitſcherlich, den ſpäteren Chemiker, der damals philologiſche, beſonders orien⸗ taliſche Studien trieb, Ernſt von Schiller, K. Ullmann, K. von Hügel, G. A. R. von Rochow, Fr. J. Mone, L. von Babo, Chr. Bähr u. a. ¹). Karoline von Günderode kennen, verliebte ſich leidenſchaftlich in ſie, fand ebenſolche Gegenliebe bei ihr, bei ſeiner Gattin aber keine Nei⸗ gung ſich ſcheiden zu laſſen. Endlich rang er ſich glücklich aus der erwähnt iſt. Verzweifelnd erſtach ſich Karoline am ſelben Tage, wo Wilken ſchreibt. Näheres ſ. in meiner Abhandlung im Programm des Friedrichsgymnaſiums zu Caſſel, 1890, S. 5 f. ¹) S. Nagler, a. a. O. Dieſer Maler und Architekt war 1743 zu Caſſel geboren. ²) Er war allerdings etwa zwei Jahre lang dort, ſah ſeine Hoffnungen aber getäuſcht. Nagler, a. a. O. ³) Er wird fälſchlich in dem Meyerſchen und Brockhausſchen Lexikon Carl Ludwig genannt; geb. 1797, iſt er 1855 als Hofmaler in Bückeburg geſtorben. 1 4) Kein Schüler Wilkens war der Hiſtoriker J. F. Böhmer, der ſeit Herbſt 1813 in Heidelberg ſtudierte; doch bedauerte dieſer ſpäter ſehr, daß Creuzer, dem er für das Sommerſemeſter 1814 die Auswahl ſeiner Kollegien überlaſſen hatte, ihm nicht auch Wilken empfohlen habe, deſſen Geſchichte der Kreuzzüge ihm damals ſelbſt Wilkens eigentlicher Vortrag war ohne beſonderen Reiz, eintönig und ſingend; dabei konnte er eine gewiſſe Verlegenheit, wie er ſelbſt ausſprach, nicht bemeiſtern, die ſich unter anderem auch durch unausgeſetztes Scharren mit den Füßen äußerte.„Es hat mich“, ſagt ſein Sohn,„oft dabei brühſiedendheiß überlaufen.“ Er war ſich deſſen ſelbſt wohl bewußt;„ich kam verdrießlich und unmutig zu Hauſe“, ſchreibt er einmal im Winter 1805/6, und wenn ihm auch ſpäter das Leſen— frei und beredt vorzutragen war ihm nicht gegeben— mehr Freude macht,„ſo kommt doch noch manche Stunde, nach welcher ich das Heft unwillig auf den Tiſch werfe.“ Karolinens Mutter kehrte mit den beiden anderen Kindern im März 1807 wieder nach Leipzig zurück, brachte jedoch, nachdem ſie ihre zweite Tochter im Herbſt verheiratet, das folgende Jahr wieder in Heidelberg zu. Im Oktober 1808 beſuchte Friedrich Auguſt Tiſchbein die Familie ſeiner Tochter zuerſt, malte bei der Gelegenheit auch ein Bruſtbild Wilkens(im Beſitz der Frau Geheimrat Wilken in Caſſel), und mit ihm kehrte dann auch ſeine Gattin nach Leipzig zurück. 1810 kam er wieder in die Rheingegend, geweſen und wie ſchwer der Abſchied von demſelben 1808 dem berühmten Überſetzer geworden. Durch ihn und Brentano erſchien auch Arnim, der 1806 zu längerem Aufenthalte nach Heidelberg kam und dort mit Brentano des Knaben „Wunderhorn“ zuſammenſtellte, häufig in Wilkens Familie, und Karoline malte damals ein Miniaturporträt von ihm ¹). In die romantiſche Zeitſchrift„Tröſteinſamkeit“, die ſoge⸗ nannte„Einſiedlerzeitung“, die freilich, obwohl ſie eine reiche Fundgrube für die Anfänge der neuen deutſchen Altertums⸗ ſtudien wurde, nur einen Jahrgang erlebte, lieferte Wilken auch einen kleinen Beitrag über„die Entſtehung der neu⸗ perſiſchen Poeſie“, aus dem Perſiſchen des Deuledſchah ²) Auch die Brüder Sulpiz und Melchior Boiſſerée, die ſich 1810 mit ihrer Gemäldeſammlung in Heidelberg niederließen ¹), und der ſpäter als Überſetzer beſonders Shakeſpeares bekannt gewordene, erſt 1878 verſtorbene Graf Wolf von Bau⸗ diſſin gehörten zu den Freunden des Wilkenſchen Hauſes, der letztere eingeführt von Gries¹) und ſeinem mit Wilken ſchon von Göttingen her bekannten Mentor Friedrich Kohlrauſch) Unter den Heidelberger Familien ſtand der Wilkenſchen malte in Weilburg an der Lahn ein großes im dortigen Schloſſe noch zu ſehendes Familienbild des Fürſten von Naſſau⸗Weilburg und verweilte dann auch in Heidel⸗ berg, wo er Voß und ſeine Frau malte ¹); im Jahre 1812 kam er zum letzten mal, begann im Mai 1812 ein Porträt der Großherzogin Stephanie von Baden in Mannheim, mußte aber, nachdem er ſchon krank von Leipzig abgereiſt, ſeine Arbeit in Mannheim abbrechen und ſtarb am 21. Juni zu Heidelberg im Hauſe und in den Armen ſeiner Kinder. Übrigens fehlte es auch in der Heidelberger Geſell⸗ ſchaft dem jungen Paare nicht an anregendem Verkehr. Die geſelligen und muſikaliſchen Talente der anmutigen und liebenswürdigen Frau, wie auch ihrer Mutter und Schweſter zogen ſchon im erſten Winter den ſehr muſikaliſchen Johann Dietrich Gries häufig ins Haus, der 1806—8 in Heidel⸗ berg lebte und die Familie Tiſchbein im Hauſe A. W. Schlegels in Jena kennen gelernt hatte²). Fünfzehn zum Teil ſehr umfangreiche Briefe von ihm aus den Jahren 1808—13 bezeugen, wie wert das Wilkenſche Haus ihm dem Namen nach unbekannt geblieben ſei.„Als ich ſpäter in Göt⸗ tingen“, ſchreibt er,„einige Bände des Werkes las, war es mir immer leid, dieſem Mann nicht näher getreten zu ſein.“ Janſſen, J. Fr. Böhmer. I. S. 28. ¹) S. Görres,(Freundes⸗) Briefe. II. 116. ²) S.„Aus dem Leben von J. D. Gries.“ S. 37. Die Ver⸗ am nächſten die des großen Juriſten Thibautn dieſer ſelbſt geriet zwar in der Unterhaltung oft um Kleinigkeiten, nament⸗ lich politiſcher Art, mit dem ebenfalls hitzigen Wilken in den heftigſten Streit, ſo daß ſie ſich manchmal Wochen lang nicht anſahen und die beiden ſehr innig befreundeten Frauen oft Mühe hatten, ſie wieder zu verſöhnen; da er bekanntlich auch ein großer Muſikkenner war, ſo zog auch Wilkens Gattin ihn lebhaft an; auch mit den Familien von Nägele, deſſen Schwiegervater Mai, Creuzer, Daub, Heiſe, Böckh, Paulus ſtanden Wilkens auf ver⸗ trautem Fuße, ebenſo wie mit Zachariä, Fries, Hegel, Görres, Gmelin u. a.; weiter hatten ſie Beziehungen zu der eine Zeit lang in Heidelberg lebenden Amalie von Helvig, geb. von Imhof ⁵), und zu der etwas berüchtigten Enkelin der Karſchin?), Helmine von ¹) Im Beſitz von Wilkens Schwiegertochter in Caſſel. ²) S. 66 des Pfaffſchen Neudrucks. ³) Sulpiz Boiſſeréèe war auch Zuhörer Wilkens im Winter 1810/11 in der Geſchichte des Mittelalters und promovierte 1810 in Heidelberg. ⁴) S.„Aus dem Leben von J. D. Gries.“ S. 104. ⁵) 1780— 1865; ſ. über ihn die Allg. D. Biogr. In den„Er⸗ innerungen aus meinem Leben“ hat der 82 jährige dieſer Beziehungen zu Wilken nicht mehr gedacht. ⁶) In ihrem Hauſe führten damals die Buben des Profeſſors Horſi den von Immermann in den Epigonen(Reclamſche Ausg. faſſerin desſelben, Frau Campo, ſeine Schweſter, würde ſeinen trau⸗ lichen Verkehr im Wilkenſchen Hauſe nicht unberührt gelaſſen haben, V wenn ſie die gleich zu erwähnenden Briefe gekannt hätte. S. 449) verwerteten Streich aus. *) S. Helmine von Chézy, Unvergeſſenes. II. 22, wo freilich Willkie verdruckt iſt. Chézy; der letzteren gegenüber hielten ſie ſich zwar vorſichtig zurück, wie ſie denn überhaupt nur um ihres von Wilken hochgeſchätzten Mannes willen, des trefflichen Orientaliſten Chézy in Paris, mit ihr verkehrten, und Wilken ſagte ihr gelegentlich derb die Wahrheit. dem Voßſchen Haus wußte ſich Wilken zu halten, obwohl er wegen ſeiner genaueren Beziehungen zu Creuzer und zu den Romantikern von dem Alten manchmal ſcheel angeſehen worden ſein mag). Auch das hänsliche Leben Wilkens war ein erfreu⸗ liches und beglücktes; am 20. Dezember 1807 wurde ihm ſeine Tochter Sophie geboren, die ſpäter die Gattin des Philologen Moritz Pinder ward; ihr folgte am 5. No⸗ vember 1811 ein Sohn, Friedrich Franz Anton(ſ. o. S. 2 Sp. 1 N. 1) und am 27. Februar 1815 ein zweiter Sohn, Sulpiz, bei dem Sulpiz Boiſſerée Pate war und der im Jahre 1887 als Hofgärtner in Paretz geſtorben iſt. Am 23. Februar 1807 wurde Wilken unter Er⸗ höhung ſeines Gehalts auf 900 fl. zum ordentlichen Pro⸗ feſſor und im Herbſt 1808 zum Direktor der Univerſitäts⸗ bibliothek ernannt, um die er ſich in der Folge die weſent⸗ lichſten Verdienſte erwarb; am 15. Januar 1810 erhielt er eine weitere Zulage von 300 fl. und ſchon am 5. Dezember desſelben Jahres abermals eine gleiche wegen Nichtannahme eines weiter unten zu erwähnenden Rufes nach Leipzig und eines ſpäteren nach Berlin; am 22. Februar 1813 erhielt er weitere 200 fl., und 1816 hatte er zwar eine neue Ge⸗ haltserhöhung auf 2000 fl. zu erwarten, ließ ſich aber diesmal nicht verhindern einem abermaligem Rufe nach Berlin zu folgen. Zu Anfang des Jahres 1812 kaufte ſich Wilken für 3250 fl. ein eigenes Haus mit Garten, im Kaltenthal Nr. 431, am Fuß des Schloßbergs am Karlsplatz gelegen, ¹) Eine ſonſt indiskrete anonyme Mitteilung über Heidelberger Perſonen und Zuſtände im Morgenblatt 1807, die jedoch von Wilkens Gattin mit hoher Achtung ſprach, wurde von 18 Heidelberger Pro⸗ feſſoren, darunter Wilken, mit einer Erklärung beantwortet, die, von Görres verfaßt, an Grobheit nichts zu wünſchen ließ. Der darauf mit ſeinem Namen hervortretende Autor, der mit Voß(Görres⸗ Briefe. II. 52) in Verbindung ſtehende Hofrat Reinbeck(1766 bis 1849, ſ. Allg. D. Biogr.) in Stuttgart, ließ darauf ſeine Briefe mit einer Replik als beſonderes Buch erſcheinen(Heidelberg und ſeine Umgebungen im Sommer 1808) und gab daſelbſt S. 116 unter Ver⸗ wahrung dagegen, daß man jenes Lob als Ironie nehme, und mit Berufung auf Leipziger Briefe und mündlich in Heidelberg ihm ge⸗ wordene Beſtätigung Wilkens Gattin eine volle Ehrenerklärung.— Ein intimer Freund des Hauſes war auch der ſpäter in Rom zum Katholizismus übergetretene Publiziſt Ferdinand von Eckſtein (1790— 1861); nur wußte er auch in Wilkens Gattin zum Verdruß ihres Mannes religiöſe Skrupel wachzurufen; klärend wirkten da neben den Zureden des Gatten die prächtigen Briefe von Karolinens kluger Mutter. Mit 16 heute als Karlſtraße Nr. 10 bezeichnet. Der Fürſt Georg Wilhelm von Schaumburg ſchoß ihm dazu 1600 Thlr. zu 4 Prozent Zins vor, deren Rückzahlung bis zum Jahr 1821 erfolgen ſollte ¹). Wilken, der ſchon in Leipzig von ſeinen Bekannten als der„ſchöne Doktor“ bezeichnet worden war, war als Mann von etwa dreißig Jahren eine anſprechende Er⸗ ſcheinung von mittlerer Größe und friſchem, blühendem Ausſehen; er ſoll, was auch das Porträt von der Hand ſeines Schwiegervaters Tiſchbein aus dem Jahre 1809 be⸗ ſtätigt, ſchöne dunkle Augen und einen feinen regelmäßigen Mund, ſowie einen freundlichen Geſichtsausdruck gehabt haben.„Profeſſor Wilken“, ſchreibt Karoline Paulus, die Gattin des berühmten Theologen, an Hegel(Briefe von und an Hegel, S. W. XIX. 1. Teil. S. 313)„iſt mir beſonders dadurch merkwürdig, weil er der erſte Gelehrte iſt, den ich in meinem Leben geſehn habe, der nicht aus⸗ ſieht wie ein Gelehrter.“ Von wiſſenſchaftlichen Werken Wilkens aus der Heidel⸗ berger Zeit erſchien vor allem im Jahre 1807 der erſte Band der„Geſchichte der Kreuzzüge“, ſeines hiſtoriſchen Hauptwerks, welches ſeinen Ruf als eines der hervorragendſten da⸗ maligen Geſchichtsſchreiber für immer begründet hat. Sein eigentümliches Verdienſt beſteht bekanntlich, wie ſchon oben bemerkt, darin, daß er nach ausgedehnten, freilich weit hinausgezogenen Studien, mit vielſeitiger und tiefgehender Sprachenkenntnis und wirklich hiſtoriſchem Sinn die Ge⸗ ſchichte jener Zeit zum erſtenmal auch auf die gleichzeitigen orientaliſchen Quellenſchriften aufgebaut hat. Es war dies bei dem damaligen Stand der orientaliſchen Sprachwiſſen⸗ ſchaft eine kühne wiſſenſchaftliche That; hat doch eine gleiche zuverſichtliche Kühnheit, vermöge deren er eine ſo gewaltige Aufgabe allein auf ſeine Schultern genommen hätte, bis zur Stunde noch kein Hiſtoriker weder in Deutſchland noch im Ausland wieder gezeigt, ja es dürfte nach Ausſage kompetenter Beurteiler²) noch mehr als ein Jahrzehnt vergehen, ehe ſich jemand dieſer Aufgabe möchte unterziehen wollen. Wilkens Geſchichte der Kreuzzüge iſt dann auch z. B. von Gervinus(Nekrolog auf Schloſſer S. 55. 56), neben Niebuhrs römiſcher Geſchichte und Schloſſers Weltgeſchichte zu denjenigen hiſtoriſchen Werken gerechnet worden, von denen ab eine neue Epoche der nunmehr ¹) Der Verkauf im Jahre 1817 an den Profeſſor der Theo⸗ logie Umbreit vollzog ſich zwar ohne Schaden für Wilken; aber im Jahre 1841 waren doch erſt 1200 Thlr. abgetragen, und die Reſt⸗ zahlung wurde der in nicht glänzenden Verhältniſſen lebenden Wittwe von dem Fürſten großmüttig erlaſſen. ¹) wie Prof. R. Röhricht in gütigen brieflichen Mitteilungen an den Verfaſſer. 1 ſelbſtändig werdenden, von der geiſtreich oberflächlichen Manier Voltaires u. a. ſich emancipierenden deutſchen Hiſtoriographie zu datieren ſei; ſicherlich gehört es zu denen, welche den Ruhm deutſcher Gelehrſamkeit und Viel⸗ ſeitigkeit und deutſchen Fleißes auch im Ausland begründet und befeſtigt haben. Jene morgen⸗ und abendländiſchen Quellen mit der Sicherheit und der feſten wiſſenſchaftlichen Methode zu handhaben, wie es die Hiſtorik der folgenden Jahrzehnte allmählich lernte und lehrte, verſtand um die Zeit, als der erſte Band des Wilkenſchen Werkes erſchien, überhaupt noch niemand. Und wenn Wilken damals ſich allzuſehr an ſeine neugefundenen Quellen hingab und insbeſondere Sage und Geſchichte noch nicht ſcharf zu ſondern wußte, ſo zeigt ſich darin nur diejenige Einſeitigkeit, die jedem Führer und Bahnbrecher auf einem neubetretenen Felde der Forſchung anzuhaften pflegt. Es gab auch kaum einen gleichzeitigen Rezenſenten, der hoch genug über dem Autor des eigenartigen Werkes geſtanden hätte, um mit ſcharfem kritiſchen Blick deſſen Mängel auffinden und beleuchten zu können. Erſt ein Menſchenalter ſpäter iſt der noch heute allein wirklich veraltete Teil desſelben, die Geſchichte des erſten Kreuz⸗ zuges ¹), durch eine neue glänzende Leiſtung verdunkelt und zurückgedrängt worden. Und derſelbe Mann, der dieſem Teile das Urteil ſprach, der damalige Privatdozent in Bonn, der heutige Altmeiſter der deutſchen Geſchichtſchreibung, Heinrich von Sybel, der in ſeiner meiſterhaften Geſchichte des erſten Kreuzzugs, einer der beſten hiſtoriſchen Monographien, die überhaupt exiſtieren, jene Partie des älteren umfaſſenden Werkes in den Schatten geſtellt hat, er, der bezeichnender Weiſe in demſelben Weihnachtsmond die Vorrede zu ſeinem Buche ſchrieb, in dem der greiſe Autor der Geſamtgeſchichte der Kreuzzüge ſein Leben beſchloß, er hat in dieſer ſelben Schrift dieſem ſeinem bedeutendſten Vorgänger Worte ehrender Anerkennung gezollt ²). ¹) Wilken erklärt ſelbſt(Heidelb. Jahrb. 1810. Int.⸗Bl. Nr. 16), der erſte Band ſeines Werkes ſei größtenteils eine Arbeit ſeiner Jugendjahre. ²) Ich kann mir nicht verſagen, dieſes eingehende Urteil von Sybel, welches ſich S. 168 ff. der erſten Auflage ſeines Buches be⸗ findet*), und zu welchem nach einer gütigen Mitteilung an den Verfaſſer er ſich auch heute noch bekennt, im Zuſammenhange hier, wenn auch mit einzelnen Kürzungen, anzuführen: „Daß das labſprechende und einſeitige]) Urteil(des 18. Jahr⸗ hunderts über die Kreuzzugsbewegung des 11. und der folgenden Jahrhunderte) in unſerer heutigen Wiſſenſchaft nicht die Herrſchaft behauptet, iſt, wie man weiß, vor Allem als Wilkens bleibendes Ver⸗ dienſt zu rühmen. Im Allgemeinen war man, als er ſeine Geſchichte *) In der zweiten Auflage iſt die ganze Kritik über die neueren ch.— 6 zunächſt in der Sprache ſeiner Zeit zu reden ſuchen;—— wo aber Hiſtoriker der Kreuzzüge weggefallen. zeugen. Von Urteilen anderer bedeutender Hiſtoriker über Wilkens wiſſenſchaftliche Verdienſte mache ich noch namhaft G. A. Stenzels Kritik über Sybels eben erwähnte Schrift in der Allg. Jenaiſchen Litteraturzeitung von 1842 der Kreuzzüge begann, von dem ausſchließenden Hochmute des ver⸗ gangenen Jahrhunderts zurückgekommen, und beſonders der Sinn der Deutſchen hatte ſich mit Liebe und Enthuſiasmus der Betrachtung des Mittelalters zugewandt. Wilken, mit ſo ausgebreiteter wie gründ⸗ licher Gelehrſamkeit, mit einem höchſt bedeutenden Talente der Dar⸗ ſtellung verſehen, unternahm es, dieſe Neigung an unſerem Stoffe zu bethätigen und ſeiner Zeit die Kreuzzüge von ihrem eigenen Stand⸗ punkte aus und in ihrem eigenſten Lichte vorzuführen. Das ſo ent⸗ ſtandene Werk hat ihm, und mit Recht, die unbeſtrittene Herrſchaft auf dieſem Gebiete verſchafft: niemand zweifelt an den Vorzügen des⸗ ſelben, und ich denke ſie nicht zu verringern, wenn ich hier anzu⸗ geben verſuche, nach welcher Seite hin eine ſpätere Darſtellung noch Ausſicht auf Fortſchritte hat. Die Hauptſache iſt nun, daß ſelbſt bei dieſem Umfang und dieſer Freiheit des Wiſſens eine genügende Sonde⸗ rung der Berichte nicht erreicht worden iſt— in dem Umfang des erſten Bandes nämlich, denn ſchon in dem zweiten, wo zum Teil dieſelben Quellen benutzt wurden, zeigt ſich ein viel feſteres und ſichereres Verfahren.——— Der meſſentliche Punkt iſt, daß die Grundverſchiedenheit zwiſchen geſchichtlicher und ſagenhafter Über⸗ lieferung nirgendwo zur Anſchauung kommt, und daß nicht einmal bei den Quellen ſelbſt die einzelne Ausſage an der allgemeinen Be⸗ ſchaffenheit des Berichtes geprüft wird. Die Geſinnung, aus welcher dies Verfahren hervorgeht, iſt freilich—— anzuerkennen; man nimmt darin dieſelbe Ehrfurcht gegen das Wort jener Zeiten wahr, wie ſie auf die Thaten gerichtet das größte Verdienſt und den an⸗ ziehendſten Reiz des Buches ausmachen.——— Es mag auffallen, bei Wilken eine größere religiöſe Wärme als bei einem Schriftſteller des 12. Jahrhunderts behauptet zu ſehen, und einige Worte darüber werden um ſo mehr an ihrer Stelle ſein, als ſie noch von einer anderen Seite her zu der Charakteriſtik des Buches dienen können. Allerdings beruhen wohl die Außerungen jener Wärme weniger auf der eigenen Anſicht der Begebenheiten, als auf dem bewußten Streben, die Geſchichte jeder Zeit nach ihren eigenen Geſichtspunkten darzu⸗ ſtellen. Dabei wird man bereitwillig anerkennen, um wie viel ſolch ein Verfahren etwa neben der Weiſe des vorigen Jahrhunderts im Fortſchritt erſcheint, und wie die Begeiſterung des Verfaſſers auch den Leſer von vorn herein erwärmen muß. Ebenſo macht ſich aber auch die Forderung geltend, daß dann die Begeiſterung für die Dinge ſelbſt ſich unmittelbar anſchließe, daß nicht bloß der Verfaſſer, ſondern die Thatſachen, wie wir ſie aus dem Buche erkennen, uns auf ihrem Standpunkte auszuharren nötigen. Daß der letztere nur urſprünglich ein fremder iſt, muß uns die Erzählung vergeſſen machen;——— dieſe Aufgabe wird nun einem gleichzeitigen, ſelbſt in den Ereigniſſen befangenen Darſteller natürlich um vieles leichter:— der Erfolg eines ſpäteren Autors wird aber geradezu von der Frage abhängen, in wie weit das Bewußte und Gemachte, was ſtets in der Annahme eines fremden Standpunktes liegt, noch in ſeiner Ausführung ſichtbar geblieben iſt;—— und nur indem man ſich dieſes Nebeneinander ſcharf ausſpricht, vermag man eine reine Anſchauung in ſich zu er⸗ Ein Geſchichtſchreiber im eigentlichen Sinne, der in der Regel ſeine Leſer mit ſich auf gleichem Standpunkte vermutet, muß 3 18 Nr. 130 u. 131 ¹); die Ausführungen B. Kuglers in ſeiner Geſchichte der Kreuzzüge(1880, S. 1 f.), der hervor⸗ hebt, daß Michauds und Wilkens Werke die älteren Bücher über dieſen Gegenſtand beinahe völlig wertlos gemacht haben; Wilkens Arbeit iſt nach ihm auf Grundlage um⸗ faſſender Kenntniſſe mit außerordentlichem Fleiß und in Gründlichkeit der Quellenforſchung das demſelben Stoff ſeinen ſpäteren Teilen auch mit treffendem kritiſchen Takte gearbeitet; während der erſte Band für uns völlig veraltet, die darauf zunächſt folgenden Bände aber durch neuere Einzel⸗ forſchungen zumeiſt überwunden ſeien, ſpricht er der zweiten Hälfte, die zum Teil die Hauptgrundlage unſerer Kennt⸗ niſſe bilde, noch bedeutenden Wert zu; Gieſebrecht in der Geſchichte der deutſchen Kaiſerzeit([V. S. 413) urteilt, daß das vortreffliche Werk Wilkens durch den Umfang und die nicht von vorn herein die unermeßliche Verſchiedenheit zwiſchen Han⸗ delnden und Hörenden ausgeſprochen worden iſt, muß das Bild getrübt werden. Bei Wilken iſt, ſoviel ich erkenne, dieſe Wirkung nicht aus⸗ geblieben.“— „Obgleich nun dieſer Mangel nicht wie der vorher angegebene bloß einzelne Teile des Werkes betrifft, ſondern in deſſen ganzem Umfang zur Sprache*) kommt, ſo kann doch die Wichtigkeit dieſer Geſchichte nach verſchiedenen Seiten hin in keiner Weiſe geleugnet werden. Da zeigt ſich das unberechenbare Verdienſt, zuerſt die morgenländiſchen Quellen zu umfaſſenden Reſultaten in den Kreis der Forſchung hineingezogen zu haben: da erſcheint eine Darſtellung voller Leben und Anſchaulichkeit, in epiſcher Breite, ohne ermüdend, aus einem Ton und Guſſe, ohne jemals einförmig zu werden. Vielleicht eine entſchiedenere Klarheit der Gruppierung wäre zu wünſchen, befriedigen. Daß die Vorgänger ſämmtlich weit übertroffen ſind, wird niemand in Abrede ſtellen, und keiner der Nachfolgenden den Anſpruch erheben, in der Summe der Verdienſte die gleiche Höhe erreicht zu haben.“ gewidmete Werk des franzöſiſchen Akademikers Michaud weit übertreffe, obwohl dieſes Buch äußerlich einen viel größeren Erfolg gewonnen habe. Heeren, in dem derſelbe Antrieb, den Wilken von Göttingen mitgenommen, lebendig war“¹), bemühte ſich, — während dieſer in ſeinem Werke mehr den äußeren Verlauf der Kreuzzüge feſtſtellte, für den auch heute noch auf ihn verwieſen wird ²)— in ſeiner berühmten, gleichfalls 1807 erſchienenen Preisſchrift über die Folgen der Kreuzzüge dieſem Zeitalter mehr ſeinen eigentlichen geiſtigen Gehalt abzugewinnen, räumt aber(S. Werke II. Bd. 1821. S. 35). dem Wilkenſchen Werk unter allen ſeit 1807 erſchienenen Geſchichten der Kreuzzüge den erſten Platz ein.„Allent⸗ halben“, ſo ſchreibt er an Wilken am 23. Mai 1807,„finde ich zugleich Belehrung und Unterhaltung; denn eben dieſe Ver⸗ bindung einer geſchmackvollen Behandlung mit der Forſchung iſt es, die dem Werke ſeinen klaſſiſchen Werth gibt.“ Ebenſo ſchreibt Schlözer an Wilken am 26. Oktober 1807:„Warlich das war eine agréable surprise!—— Beneiden möcht ich Sie über das Thema, das Sie ſich erwält haben; denn vielleicht erinnern Sie ſich noch, daß Kreuzzüge immer meine Favoritmaterie in der Mittelalters⸗ geſchichte waren. Ihr Buch wird eins der klaſſiſchen Werke deutſcher Hiſtoriker unſerer Tage werden, und gewiß ſelbſt in Frankreich und England Aufſehen machen;—— der einzige 5. Bogen des 5. Bandes des Neſtor, den ich Reichtum und Klarheit des Einzelnen muß auch die höchſten Wünſche „Auch hat Wilken einen Erfolg ſeiner Leiſtung von deren erſtem Auftreten bis zu der heutigen Stunde erlebt, wie ſich wenige Schriftſteller eines ähnlichen erfreuen dürften. In Deutſchland be⸗ ſolche aus den ſpäteren Geſchichten der Kreuzzüge zu erkennen iſt. Funkes„Gemälde“— und weit mehr noch die hierher gehörigen. das Buch als ein Meiſterwerk bezeichnet, Hakens in der Teile von Raumers Geſchichte der Hohenſtaufen, ſowie van Kampens Geſchichte der Kreuzzüge lehnen ſich an Wilken an. übrigen Kreiſen unſerer geſchichtlichen Litteratur Urteile und Anſichten über die Kreuzzüge ſammeln, würde— zum größten Teil nur fernere Belege für die unbeſtrittene Thatſache des Wilkenſchen Ein⸗ fluſſes liefern“**). ¹) Vergl. auch Kurtzels Rezenſion desſelben Werkes in den „Blättern f. litt. Unterhaltung“ 1842, Nr. 179 ff. *) d. h. Erſcheinung. *) Im folgenden wird dann beſonders noch die ſiebenbändige Histoire des croisades Michauds, des litterariſchen Konkurrenten Wilkens, beſprochen, die zwar die von Wilken unterlaſſene Kritik der Quellen aufweiſe, an Gründlichkeit und Methode der Forſchung aber ſehr hinter dem Wilkenſchen zurückſtehe, während dabei auch die Aus den eben in der Correctur habe, hat mich vier Wochen Arbeit gekoſtet: welchen Dank habe ich dafür? Nur das winzige Häuflein echter Geſchichtsforſcher danket mir. Sie, Glücklicher, hingegen, ſchreiben ein Buch, das nach Materie und Form, für Europa, für Forſcher und Dilettanten 1 lesbar iſt.“³ hauptet das Buch eine unbeſtrittene Herrſchaft, wenigſtens ſoweit wie 835— Von Stimmen aus älterer Zeit erwähne ich noch die K. Ritters im XIX. Bande der Erdkunde, S. 267, der Vorrede zu ſeinem„Gemälde der Kreuzzüge“, 1808, und Funks in ſeinem„Gemälde aus dem Zeitalter der Kreuz⸗ züge“, 1821, Vorwort zu Band I. S. XIV. ¹) Der erſte, 1793 erſchienene Band ſeiner„Ideen über die Politik“, der ſich auf den Orient bezog, hatte die Kenntnis von dem⸗ 1 Abweichung der Quellen von einander ohne alle Berückſichtigung bleibe, die ihnen Wilken, wenn auch nicht wirkſam genug, doch an allen Punkten angedeihen laſſe.— ſelben erweitert und ihn dem allgemeinen Intereſſe, beſonders auch dem der Göttinger Gelehrten nahe gebracht. 4 ²) So z. B. von Hans Prutz, Kultur der Kreuzzüge, S. 4 f. 499. ³) Ein Brief Johannes von Müllers mit ſeinem Dank für den ihm überſandten erſten Band der Kreuzzugsgeſchichte und die Ge⸗ ſchichte der Samaniden, datiert aus Caſſel vom 24. Auguſt 1808, iſt weniger durch ſeine Urteile über Wilkens Buch, als durch Müllers Mit⸗ teilungen über ſein eigenes Leben und die auf ihn drückende Arbeits⸗ „Über Wilkens Werk“, ſo urteilt unter den Neueren endlich der als gründlicher und beſonnener Forſcher auf dieſem Gebiete rühmlich bekannte Reinhold Röhricht, „herrſcht in der ganzen gelehrten Welt nur Eine Stimme, die des Lobes und der höchſten Anerkennung“ ¹).— 19. Codex der Göttinger Bibliothek heraus ¹). Die Ausgabe fand im uu unee 1809 wieder in Millins Manohe encyclop. tome I. .200 ff. eine Beſprechung durch Silveſtre de Sacy, der as S. 204— 215 Wilken einige Irrtümer im einzelnen nachweiſt, S. 216 aber wie ſchon im Jahrgang 1808. t. I. Im Jahre 1808 erſchien weiter Wilkens ſeit Jahren begonnene, jetzt aber erſt im Druck vollendete Ausgabe der „Geſchichte der Samaniden ²)“ des perſiſchen Schriftſtellers Mirkhond; dieſelbe bildet nur einen Teil von deſſen großem Geſchichtswerts und Wilken gab ſie zum erſtenmal nach einem laſt von Intereſſe, ſodaß ich ihn im Anhange wörtlich mitzuteilen gedenke. Ebenſo einen überaus feſſelnden Brief von Karl Ludwig Kreuzzüge erſt am 20. Mai 1813 an Wilken ſchreibt. Der ſchweize⸗ riſche Staatsrechtslehrer ſpricht darin auch von ſeinem philoſophiſch⸗ juriſtiſchen Standpunkt aus Wilkens Leiſtung—(„Ihrem klaſ⸗ ſiſchen Werk— ich bin ſonſt mit dieſem Ausdruck nicht freygebig“) — hohe Anerkennung aus und ſchließt:„Laſſen Sie uns einen Bund der Freundſchaft ſchließen, um das Reich der Wahrhett zu fördern“. — In einen intimeren Verkehr mit dieſem reaktionären Gelehrten iſt übrigens Wilken doch nicht getreten. ¹)„Durch die gründliche Kenntnis des Arabiſchen“, ſo äußert er ſich weiter in demſelben ſehr dankenswerten und ſchätzbaren Schreiben an den Verfaſſer,„war er wie kein Zweiter berufen, den denk⸗ würdigſten Abſchnitt der Geſchichte des Mittelalters zu bearbeiten, und gerade dieſe Kenntnis des Arabiſchen fehlt uns allen, die wir, auf ſeinen Schultern ſtehend und ſeinen Spuren folgend, das große Werk Sacy ſeine Kritik nicht ganz zu unterdrücken vermochte, ſo von neuem beginnen. Viel liegt uns jetzt in arabiſchen Chroniken vor, was Wilken nicht kannte, aber vieles, ſo die aus der Berliner Handſchrift des Abů Schämeh von ihm gemachten Auszüge, können wir heute noch allein aus ſeinem Buche entnehmen. Am meiſten über⸗ lebt ſind die den erſten Kreuzzug behandelnden Kapitel und auch ſpätere Abſchnitte ſind durchaus zu erneuern, aber der zweite Band der Univerſität Glück wünſchen, über das Aufblühen der iſt nur in einzelnen Teilen einer gründlichen Umarbeitung bedürftig. Die beſſeren Ausgaben, über die wir verfügen, die Reihe der Ur⸗ Bibliothek und deren zur allgemeinen Zufriedenheit her⸗ kundenbücher, die vorzüglichen Quellen für ſyriſche und paläſtiniſche Ortsnamen, die wir faſt alle feſtſtellen und identifizieren können, auch die Verbeſſerung der hiſtoriſchen Methode, kurz eine ganze Reihe von Vorteilen, die wir Jüngeren jetzt haben, mußte er noch entbehren. Das Werk iſt charakteriſiert durch eine große Genauigkeit in der Aus⸗ nutzung der ſetzung; ſo ſehr achtete der Verfaſſer nicht bloß den Inhalt, ſondern auch die Form der Berichte. Konſtruktionen ſind ihm zuwider; wo die Quellen nicht genau übereinſtimmen oder Lücken zeigen, weiſt er ſofort in der Anmerkung darauf hin. Stil und Darſtellung ſind ſchlicht und klar, einfach und ohne jeden Schmuck; 8 ſofort deren Oberleitung erhielt. Quellen; vielfach iſt ſeine Darſtellung nur freie üÜber⸗ von Haller in Bern, den derſelbe nach Leſung des erſten Bandes der angewieſen war; S. 454 dem Werke desſelben ſeine Anerkennung nicht verſagt. Dieſe Auswahl aus des(1498 zu Herat verſtorbenen) perſiſchen Hiſtorikers Weltgeſchichte, betitelt„Garten der Reinheit“, mit welcher eine Überſetzung verbunden iſt, iſt eine äußerſt wertvolle Leiſtung, auf welche die Ge⸗ ſchichtsforſchung bis zum Bekanntwerden der von Mirk⸗ hond benutzten Quellenwerke in neuerer Zeit faſt allein beim Studium des aus fünf Büchern beſtehenden und einen mächtigen Folioband bildenden Werkes ſind heute noch dieſe und die ſpäteren Ausgaben Wilkens unſchätzbar; inſonderheit ſind die Überſetzungen rrefflich und für das Verſtändnis des eigentümlich ſchwülſtigen Stiles der ſpäteren perſiſchen Geſchichtſchreibung förderlich). Wilkens Ruf als Orientaliſt begründete ſich da⸗ durch weiter;„mit dem lebhafteſten Vergnügen“, ſchreibt von Reizenſtein am 17. Juni 1809 an ihn,„habe ich während meines Aufenthalts in Frankreich bemerkt, daß man dort Ew. Wohlgeboren Verdienſte um die Kultur der orientaliſchen Sprachen, und beſonders um das Perſiſche vollkommen zu würdigen weiß, und wenn auch Herr von geſchah dies doch wohl mehr um ſeine eignen Kenntniſſe anzubringen als um den Ihrigen nicht volle Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen.“ In demſelben Briefe ſpricht Reizenſtein ihm,„zu deſſen Beſitz alle Kenner mit Recht geſtellten gemeinnützigen Einrichtung“ ſeine Anerkennung aus. Inzwiſchen war Wilken nämlich auch in den Vorſtand der Univerſitätsbibliothek eingetreten, wenn er auch nicht Auch dieſes Inſtitut hatte den allgemeinen Verfall der Univerſität geteilt; ſie beſaß 1804 nur etwa 20 000 Bände, und es fehlte in ihr z. B. alle philologiſche Litteratur ſeit 1700 ³); den Anforderungen der ſo muß auch ſeine Perſönlichkeit geweſen ſein.“— Und wenn auch H. Hagen⸗ meyer, der bekannte Verfaſſer der trefflichen Monographie über Peter den Eremiten, in ſeiner Ausgabe der„Anonymi gesta Fran- corum“, Einleitung S. 86 mehr jene Mängel Wilkenſcher Kritik hervorhebt, ſo hat er doch auch in freundlichen brieflichen Außerungen gegen den Verfaſſer das Werk im Ganzen in ſeiner vollen Bedeutung für die damalige Zeit rückhaltlos anerkannt. ²) Ein Herrſchergeſchlecht in Choraſan, welches ſeit der Mitte Allg. Litt. Ztg. 1796. S. 63 u. 64. des 9. Jahrhunderts n. Chr. bis 998 regierte. ¹) Der Titel lautet: Mohammedis filii Chavendschahi, vulgo Mirchondi historia Samanidarum, persice. E codice bibliothecae Gottingensis nunc primum edidit, interpretatione latina, annota- tionibus historicis et indicibus illustravit Fr. Wilken, phil. Dr. et historiarum in Acad. Heidelbergensi P. P. O. Gottingae. 1808. 222 pp. 4°.. ²) Nach gütigen Mitteilungen des Herrn Profeſſor Juſti in Marburg. ³) Über den troſtloſen Zuſtand der Anſtalt vergl. auch die 3* Zeit konnte ſie entfernt nicht genügen.„Welch eine gräuel⸗ als das vielleicht bedeutendſte Blatt dieſes Jahrhunderts volle Unordnung auf der Bibliothek herrſcht“, ſchreibt Wilken am 1. Juni 1808 an den Göttinger Bibliothekar Reuß ¹),„davon haben Sie keinen Begriff. Zur An⸗ ſchaffung von Büchern können zwar jährlich 3000 fl. ²) verwendet werden. Aber der größte Teil des Geldes wird für Bücher ausgegeben, welche entweder füglich entbehrt oder doch auf eine wohlfeilere Art erhalten werden könnten. Der Oberbibliothekar ³) iſt ſtocktaub, und ein launiger(sie!l), mürriſcher, eigenſinniger Menſch und die, welche unter ihm ſind, ſind unluſtig oder ungeſchickt.“ Mit dem Winterhalbjahr 1808 trat Wilken an die Spitze der Anſtalt und erwarb ſich um ihre Hebung, ihre Neueinrichtung und Bereicherung alsbald die weſent⸗ lichſten Verdienſte. Der um die Hochſchule überhaupt auf das eifrigſte und verſtändnisvollſte bemühte Reizenſtein faßte zu ihm volles Vertrauen, und alle Vorſchläge, die Wilken zur Erweiterung der Bibliothek machte, wurden von der Regierung in liberalſter Weiſe gutgeheißen. Dahin gehörte der Ankauf der Böcklerſchen Bücherſammlung, die Verteilung der Gengenbacher und Villinger Kloſterbibliotheken ¹) an Heidel⸗ berg und Freiburg, bauliche Veränderungen und dergleichen mehr ⁵). Ein Leſekabinet wurde eingerichtet und ein neues Reglement mit ſtrengeren Beſtimmungen gegen die ſäumigen Entleiher, nicht bloß gegen die Studenten, ſondern auch gegen die Profeſſoren in Anwendung gebracht, worüber Creuzer in ſeinen Briefen an Görres häufig ſchilt ⁰). Wie er noch am Schluß ſeiner Heidelberger Wirkſamkeit der Bibliothek ihre koſtbarſten geraubten Schätze zurückgewann, wird weiter unten ausführlicher zu berichten ſein.— Einen äußeren Ausdruck fand das neu erblühte wiſſenſchaftliche Leben der Neckarſtadt in den 1808 be⸗ gründeten„Heidelberger Jahrbüchern“, einer Zeitſchrift, welche für die Entwickelung der deutſchen Litteratur ge⸗ radezu epochemachend geweſen und von Julian Schmidt) ¹) In einem ſeiner 16 Briefe an Reuß, die der Univ.⸗Bibl. zu Göttingen gehören. ²) 1804 waren 1500 fl. zu ihrer Vermehrung beſtimmt worden. ³) Es war der Profeſſor Engelbert Semer, der dem 1805 verſtorbenen Wolfter gefolgt war. ¹) Über andere frühere Bereicherungen ſ. Dittenberger a. a. O. S. 37; vergl. auch Heidelb. Jahrb. 1810. Int.⸗Bl. Nr. 10 u. 18. ⁵³) Um 1811 war die Bibliothek auf 45000 Bände gebracht. s) S. Görres⸗Briefe. II.(48. 49. 160.) 183:„Wilken, und wenn er geadelt wird mit Orden und Bändern, iſt und bleibt ein geſchicht⸗ licher Regiſtrator. Eine Regiſtratur iſt ſein Vaterhaus. In drei Wochen muß jedes Buch zurück: fehlt da eins, ſo hat der Pedant ein Teufelslärmen.“ ²) Geſch. d. dtſch. Litt. ſeit Leſſings Tod. II. 209. bezeichnet worden iſt. Anfangs hatte man auf Anregung von Voß beabſichtigt, die Jenaer Litteraturzeitung ſamt ihrem Redakteur nach Heidelberg zu verpflanzen; doch war der Plan verworfen worden, und da Reizenſtein eine litte⸗ rariſche Anſtalt der Art wünſchte, war man zur Gründung einer eigenen Zeitſchrift geſchritten. Für alle Fächer wurden die bedeutendſten unter den Heidelberger Gelehrten als Mit⸗ arbeiter gewonnen; außerdem nahmen die Romantiker, die beiden Schlegel, Arnim, Brentano und Görres, die Brüder Grimm, Jean Paul, Savigny, Windiſchmann, Wachler, Oken mehr oder weniger lebhaften Anteil an dem Unter⸗ nehmen. Die Redaktoren Creuzer, Daub, Thibaut und bald auch Wilken u. a. ſtellten in ſchönem, einträchtigem Zu⸗ ſammenwirken oft in traulichem abendlichen Verein den In⸗ halt der einzelnen Hefte feſt. Die glänzendſte Epoche der Zeit⸗ ſchrift war freilich gerade ihr erſtes Dezennium, und faſt während dieſer ganzen Zeit war gerade Wilken der Haupt⸗ redakteur, da er Creuzer in der Leitung der V. Abteilung ſehr bald abgelöſt hatte¹). Der Abſatz der Zeitſchrift war trotz der Gediegenheit ihres Inhaltes und des glänzenden Rufes ihrer Mitarbeiter wegen der Not jener Zeiten doch nicht ſo groß, daß nicht die badiſche Regierung zu wieder⸗ holten Malen das Unternehmen durch Zuwendungen an die Verleger, Mohr und Zimmer, hätte unterſtützen müſſen ²). Seine Redaktionsthätigkeit brachte Wilken in zahlreiche, zum teil dauernde litterariſche und freundſchaftliche Ver⸗ bindungen oder erhielt ihn in ſolchen, wie die erhaltenen Briefe der beiden Schlegel, Görres', Arnims, der Brüder Grimm und vieler anderen beweiſen. Unter den Roman⸗ tikern zeigten einige auch hiſtoriſchen Sinn und beſondere Neigung für die Geſchichte, wie A. W. Schlegel, Görres ¹), beſonders aber Friedrich Schlegel, der ſich enger an Wilken anſchloß ⁴). ¹) Dieſer war, wenn er auch verſichert(Selbſtbiogr.„Aus dem Leben eines alten Profeſſors“, S. 42), er ſei, nachdem in der Perſon von Wilken ein ſehr geſchickter Stellvertreter gefunden worden, froh geweſen, wieder zu ſeinen anderen Arbeiten zurückzukehren, doch ver⸗ drießlich, nach ſeiner Rückkehr aus Holland 1809 nicht wieder in die Redaktion der Zeitſchrift zurückberufen worden zu ſein. Daher denn des ſehr empfindlichen Mannes zahlreiche galligen Auslaſſungen gegen den ihm vertrauten Görres, ſ. Görresbriefe. II. 53. 60. 63. 88. 102. 107. 161. 183. 239. 258. 392, wo Wilken überall ſeinen Ver⸗ druß entgelten muß. ¹) Die Beiträge, die Wilken ſelbſt für die bis zu ſeinem Ab⸗ gang von Heidelberg weſentlich von ihm geleitete Zeitſchrift geliefert hat, werden im Anhang im einzelnen namhaft gemacht werden. ³) S. Wegele a. a. O. S. 979. 81. 83. ⁴)„Wilken hat hier manche Freunde“, ſchreibt er aus Wien am 19. Dezember 1810 an Boiſſerée(Sulp. B. I. 95),„und iſt ſehr Neben vielen anderen mit einer ſolchen Redaktion verbundenen Mühen, Sorgen und Verdrießlichkeiten mußte Wilken, der ebenſo wenig wie andere Redakteure es allen recht zu machen wußte, auch den Nachteil erfahren, durch die Aufnahme der bekannten abſprechenden Rezenſion A. W. Schlegels über Niebuhrs Römiſche Geſchichte in den Jahr⸗ gang 1816, S. 833— 906, der Heidelberger Jahrbücher es mit dem berühmteſten Hiſtoriker jener Tage dauernd zu verderben. Wenigſtens konnte Wilkens ſpäterer Schwieger⸗ ſohn Moritz Pinder während ſeiner Studienzeit in Bonn es an einer Außerung Niebuhrs merken, daß er Wilken jene vermeintliche Feindſeligkeit nicht vergeſſen hatte.— Zu Zeiten war Wilken der ganzen Sache auch herzlich müde¹) und blieb nur ehrenhalber auf dem Platze.— Im Jahre 1809 erſchien der erſte und leider einzige Teil von Wilkens„Handbuch der deutſchen Hiſtorie“, 236 Oktavſeiten ſtark, in ſeiner Knappheit und ganz be⸗ ſonders wegen ſeiner unter dem Text fortlaufenden ſtreng quellenmäßigen Begründung mit großem Beifall begrüßt ²). „Wilken ſagen Sie nur“, ſchreibt an Boiſſerée ³),„daß wir ſeine deutſche Hiſtorie bis jetzt hier mit großem Beifall geleſen und vernommen haben; er ſoll nur machen, daß wir bald die Fortſetzung erhalten; dergleichen Werke finden hier ein großes Publikum.“„Erſt der treffliche Wilken verſtand es“, ſo heißt es bei L. Häuſſer, Geſ. Schriften, Teil I, S. 15,„wenigſtens den weitſchich⸗ tigen Stoff zu verdichten und das kalte fleiſchloſe Skelett der Hauptthatſachen in anatomiſcher Überſicht klar vor Augen zu führen. Er hörte aber ſchon mit dem Anfang des zwölften Jahrhunderts auf, und wir wiſſen nicht, ob Unluſt geachtet. Mir wäre er auch unter allen Heidelbergern der liebſte, und ich denke ihn mir als den Brauchbarſten, wenn man ihn aus jener Umgebung herausreißen und in beſſere Geſellſchaft bringen könnte.“ Schlegel beſtimmte Wilken auch zur Aufnahme ſeines bekannten, die Proteſtanten befremdenden Artikels über Stolbergs Geſch. d. Relig. Jeſu Chriſti in den erſten Jahrgang der Heidelb. Jahrbücher, theol. Abthlg.(ſ. Reichlin⸗Meldegg a. a. O. II. 26.); in längeren brieflichen Auslaſſungen beſpricht er mit Wilken einzelne Kapitel ſeiner 1812 ge⸗ druckten„Vorleſungen über die Neuere Geſchichte“, wie z. B. die dreizehnte und vierzehnte Vorleſung, S. 318 ff.; doch war dem nüch⸗ ternen Wilken bei der geiſtreich⸗romantiſchen Willkür nicht ſo recht wohl, was die Notiz Sulpiz Boiſſerées a. a. O. I. 145 zeigt. Wie man Schelling den Philoſophen, Creuzer den Philologen der Romantiker genannt hat, ſo iſt auch Wilken wohl als ihr Hiſtoriker bezeichnet worden; Romantiſches iſt indeſſen nichts an ihm geweſen außer ſeiner Vorliebe für das Mittelalter und deſſen romantiſchſte Epoche, die der Kreuzzüge. ¹) S. Creuzer an Görres, 12. Juli 1810, a. a. O. II. 392. ¹) S. Wegele a. a. O. S. 1810. Die Göttinger Gelehrten Anzeigen brachten am 7. März 1811 S. 364—68 eine Beſprechung des Buches aus der Feder Heerens. ³) Sulp. B. IJ. S. 79 v. 30. März 1810. Friedrich Schlegel oder die undankbare Arbeit oder die Bangigkeit vor der anwachſenden Maſſe der Thatſachen ihn von der Fort⸗ ſetzung des vortrefflichen Handbuchs abgehalten hat.“ In⸗ deſſen waren daran wohl weniger die hier vermuteten Gründe ſchuld, als die Laſt ſeiner vielfachen amtlichen Arbeiten und die notwendige Rückſicht auf die Fortſetzung der Geſchichte der Kreuzzüge. Ein ſpäterer Anlauf zur Vollendung des Buches wurde, nachdem Wilken den erſten Teil ſchon neu zu redigieren begonnen hatte, durch Krankheit unterbrochen ¹). Im folgenden Jahre erhielt Wilken für die lateiniſche Bearbeitung einer vom Institut de France geſtellten Aufgabe: „Examen critique des Historiens d'Alexis Comnène et des princes qui lui ont succ-édé“ den vom Inſtitut in einer öffentlichen Sitzung am 5. Juli zuerkannten Preis, beſtehend in einer goldenen Medaille, welche auf dem Revers die In⸗ ſchrift„Prix Frédéric Wilken 1810“ und einen Lorbeer⸗ kranz trug ²). Die andere Hälfte des Preiſes hatte der Generalinſpektor der Kaiſerlichen Univerſität in Paris, le Prevoſt d'Iray, erhalten. Der Mitteilung des Inſtituts von der Hand Daciers, datiert vom 15. Juli, fügt indeſſen Silveſtre de Sacy, der Präſident der hiſtoriſchen Klaſſe, noch eine Nachſchrift zu, in der es heißt:„je dois aussi vous ajouter, que la classe a arrèeté que votre Mémoire serait proclamé le premier“. In einem ausführlichen Brief vom 9. Juli ſpricht der berühmte Gelehrte noch ein eingehenderes und begründetes Urteil aus.„Je vous dirai dque mon avis eut été de donner le prix sans aucun partage à votre Mémoire, parce que je n'étais pas nulle- ment satisfait de celui qui a partagé le prix avec vous.“ Deſſen Verfaſſer ſei un homme peu instruit, der die griechiſchen Schriftſteller nur in Überſetzungen geleſen habe; bei aller Anerkennung der Vorzüge von Wilkens Arbeit habe dagegen die Klaſſe daran auszuſetzen, daß dieſe mehr eine Geſchichte der Komnenen ſei als eine bloße kritiſche ¹) In dieſer Zeit ging auch Fr. Perthes(ſ. ſein Leben von Cl. Th. Perthes, I. 207) Wilken um Nachrichten über„alte Gebräuche und Gewohnheiten und über Wahrheit und Unwahrheit des 1810 leidenſchaftlich gelehrten(ſ. Heidelb. Jahrb. 1811. S. 704) Gegen⸗ ſatzes von Nord⸗ und Süddeutſchland“ für ſein„Deutſches Muſeum“ an. Die treffliche, ſeit Frühjahr 1810 erſcheinende Zeitſchrift, in der Perthes„die Wohlgeſinnten und Verſtändigſten unſeres Vaterlandes zu vereinigen und zur Erhaltung des Eigentümlich⸗Guten der Deutſchen an Kraft und Wahrheit und Wiſſenſchaft beizutragen ſuchte“, wurde aber ſchon Weihnachten desſelben Jahres von den Franzoſen unter⸗ drückt, ſodaß der beſtellte Artikel nicht geliefert iſt. Die übrigens dau⸗ ernde Verbindung mit Perthes hatte wahrſcheinlich Wilkens Schwieger⸗ vater Tiſchbein, der auch Beiträge ſür die Zeitſchrift lieferte, vermittelt. ²) Sie hatte einen Wert von 317 fres., und zur Ergänzung des Preiſes waren noch 433 fres. in bar zugefügt. 22. Prüfung der Quellen, was er denn in feiner Weiſe weiter ausführt. Bei dem gewiß zu erwartenden Druck der Schrift rate ihm die Klaſſe ihre Bemerkungen zu verwerten. Wohl infolge deſſen erſchien im Jahre 1811 die 630 Seiten lange Schrift unter dem Titel„Rerum ab Alexio I et Joanne, Manuele et Alexio II. Comnenis etc. gestarum libri IV.“, in den Göttinger Gel. Anzeigen vom 9. März 1812, S. 397— 400 von Heyne beſprochen, viel eingehender, ſtrenger und freimütiger aber von G. L. F. Tafel in ſeinen Schriften: „Michaelis Acominati, Athenarum metropolitae, Pane- gyricus Isaacio Angelo dictus.“ 1846. S. 4 und„Kom⸗ nenen und Normannen“, Ulm, 1852, S. IV. und beſonders V.) Der Sommer des Jahres 1810 brachte eine gewiſſe Unruhe. Unter dem 23. Juni fragte nämlich der Leipziger Profeſſor der Philologie Chriſtian Daniel Beck bei Wilken, übrigens privatim, an, ob er die Profeſſur der Geſchichte in Leipzig an Stelle des verſtorbenen Wenck annehmen wolle. Wilken erklärte ſich am 2. Juli 1810, nicht zum wenigſten aus Rückſicht auf ſeine Frau und die angenehmen Familienverhältniſſe, die ſie dort gefunden haben würde, unter der Bedingung bereit, daß ihm voller Erſatz werde für das, was er in Heidelberg aufgebe oder zu er⸗ warten habe. Hierauf ſcheint Wilken lange ſeine Hoffnung geſetzt zu haben; denn noch am 3. Juni 1811 erteilt Böttiger, an den er ſich am 22. Mai des Jahres gewandt hatte, ihm allerlei Ratſchläge. Wahrſcheinlich ſcheiterte die Sache dadurch, daß Wilken— Böttigers Brief zufolge — 1500 Thlr. Gehalt gefordert zu haben ſcheint. Im Iuli desſelben Jahres erhielt Wilken eine vom 11. des Monats datierte und von Nicolovius unter⸗ 9. Auguſt 1810 ſchreibt Creuzer an Görres(a. a. O. II. 115): „Wilken iſt von dem Institut français gekrönt worden wegen einer Abhandlung über die Comnenen, und vierzehn Tage darauf hat er eine Vokation nach Berlin erhalten mit 1500 Thlrn.; da er indeſſen hier 1500 fl. bekommt, ſo bleibt er.“ ¹)— Daß Wilken indeſſen die Ablehnung und zwar in Heidelberg bei Mohr und Zimmer. Sie wurde jenes Rufes alsbald bereut hat, laſſen zwei vom 23. bez. 25. März 1811 datierte Briefe de Wettes und Boeckhs ſchließen, die beide wie Marheineke im Jahre 1810 Heidelberg mit Berlin vertauſcht hatten; danach hat Wilken mit Rückſicht auf ſeine litterariſche Laufbahn, für die er von einer Ver⸗ ſetzung Vorteile erhoffte, im Anfang 1811, ohne jemanden außer Heiſe, der in ähnlichen Verhandlungen mit Berlin begriffen war, etwas davon zu ſagen, durch dieſe beiden vertrauten Freunde— anſcheinend allerdings erſt auf Anregung de Wettes— die Unterhandlungen mit Berlin ſeinerſeits wieder aufnehmen laſſen; doch erweckte dieſe raſche Sinnesänderung daſelbſt Mißtrauen, und Nicolovius fragte Böckh, ob Wilken nicht wankelmütig ſei und am Ende doch nicht käme, worauf Böckh die(von Wilken am 6. Mai auch nochmals verſicherte) Feſtigkeit von deſſen Entſchluß betonte; daraufhin beſchloß das Departe⸗ ment für den öffentlichen Unterricht denn auch Wilkens erneute Berufung und ſchickte ſchon die Vokation an Hardenberg zur Ratifikation durch den König. Dieſe Beſtätigung erfolgte aber nicht; daß ſie von Raumer bei Hardenberg, dem er nahe ſtand, hintertrieben worden ſei, war wenigſtens Wilkens feſte Meinung. Raumer ver⸗ ſprach Wilken nämlich²) am 11. Mai eine Berufung nach zeichnete Einladung des preußiſchen Miniſteriums des Innern, an der zu Michaelis desſelben Jahres zu eröffnenden Univerſität in Berlin die Profeſſur der Geſchichte mit 1500 Thlrn. Gehalt und 300 Thlrn. Reiſeentſchädigung zu übernehmen. Es ſcheint, als habe Wilken anfangs ſeine halten laſſen.(ſ. o. S. 16 Sp. 1.) Die Zulage vom 5. Dezember 1810 wird wenigſtens ausdrücklich mit der „Nichtannahme eines ihm zugekommenen Rufs nach Leipzig und eines ſpäteren nach Berlin“ begründet; ſie muß ihm übrigens ſofort zugeſichert worden ſein; denn ſchon am ¹) Anerkennender urteilt Friedrich Rühs in einem Briefe an Wilken vom 12. Oktober 1812:„Mit Vergnügen habe ich die Ge⸗ ſchichte der Komnenen geleſen, und ich ſtatte Ihnen meinen Dank für dieſe vortreffliche Arbeit ab, unſtreitig die beſte, die noch durch das Nationalinſtitut veranlaßt iſt.“ Breslau mit 1500 Thlrn. und hoffte ſelbſt, was er wenigſtens früherhin auch Wilken brieflich ſchon eingeſtanden hatte, wohl auf die Profeſſur in Berlin; dieſen Antrag wies aber Wilken, dem die Sache doch nicht würdig genug erſchien, ſofort weit von ſich). ¹) Auffallender Weiſe ſchreibt er ebenda weiter:„Savigny . 48..; äußert ſich über de Wettes und Wilkens Berufung(gegen mich Geneigtheit dieſem Rufe zu folgen kundgegeben, ſich aber unterm 25. Juli) ziemlich unzufrieden.“ dann durch die Verbeſſerung ſeiner Stellung in Heidelberg Savigny ſchreibt allerdings in einem mir zufällig vorliegenden Briefe vom 24. Juli:„Nun noch ein Wort im engſten Vertrauen: Von hier ſind Anträge ergangen an Wilken und Dewette. Was halten Sie davon? beſonders über Dewettes leichtſinnige Anſichten hat man mir bange gemacht. Iſt Wilken bedeutend als Docent der Geſchichte? erregt er die Menſchen? ſehr angeſehene hieſige Leute ziehen ihn geradezu dem Heeren vor, was mir unbegreiflich.“ ²) Im Auftrag des Miniſters Schuckmann, aber ohne ihn zu nennen. ³) Raumer gelang es indeſſen ſelbſt auch nicht, nach Berlin zu kommen; er mußte ſich vor der Hand mit Breslau begnügen ſ(ſ. ſeine„Lebenserinnerungen“ I. 164). Er ſtand mit Wilken ſeit 1809 in regem Briefwechſel; ſeine von Sybel oben(S. 18 Sp. 1) behauptete 23 Obwohl Raumers Verhalten Wilken— ſeinem Briefe an Böckh vom 13. Januar 1812 zufolge— nicht an eine wahrhafte Freundſchaft desſelben glauben ließ, ſo iſt er ihm doch immer freundlich und dienſtfertig geblieben.„Unter Wilkens Auſpicien“, nach Raumers eigenem Ausdruck, erſchien noch im ſelben Jahre 1811 des nicht hiſtoriſch⸗ liebenswürdigen und gefälligen, in Silveſtre de Sacy einen ſehr einfachen, äußerſt biederen Mann, der ihm auch einen für den zweiten Band der Kreuzzüge bedeutſamen Auszug aus einem arabiſchen Manuſkript von Kemaleddin ¹) ſchenkte und ſogar ſeine Sekretäre für ihn arbeiten ließ. Einer der Oberbibliothekare, der Orientaliſt Langlés ²), räumte ihm in ſeiner Wohnung ein niedliches Arbeitskabinet für den ganzen Tag und den freien Gebrauch ſeiner eigenen Bibliothek ein. Für ſeine Zwecke fand er viel Wertvolles, wenn er auch gerne ſoviel Monate geblieben wäre, als er Wochen bleiben konnte. Sein Beſuch beim Erzbiſchof von Blois, Grégoire, einem der„régicides“, der ihn auch zu Tiſche lud, veranlaßte nach einer Notiz des Sohnes einen jahrelangen Brief⸗ zünftigen, ſich ſelbſt als einen„Bönhaſen“ bezeichnenden bisherigen Berliner Regierungsrates„201 Emendationes in Lohmeieri et Gebhardii Tabulas genealogicas dy- nastiarum arabicarum et turcicarum etc., denen Wilken zur Einführung eine Epistola ad auctorem(p. V— XII) voranſchickte, wie er auch Mohr und Zimmer in Heidelberg zur Übernahme des Verlags beſtimmte. Und wenn Raumer am 5. Oktober 1811 von der Univerſität Heidelberg den Doktorhut erhält(ſ. Lebenserinnerungen, S. 167), ſo wird Wilken die Hauptſache dabei gethan haben. Wenn Wilkens Unterhandlungen mit Leipzig auch zu keinem erwünſchten Ende führten, ſo würde er, hätte er in Heidelberg ſich nicht wohl gefühlt, auch noch im Auslande eine Stätte für ſeine Wirkſamkeit haben finden Im Mai 1811 übermittelte nämlich Chriſtoph Rommel, damals Profeſſor der lateiniſchen Sprache in Charkow ¹), der Wilken einſt in Göttingen nahe geſtanden²), dieſem den Antrag des akademiſchen Senats in Charkow, daſelbſt die Profeſſur der orientaliſchen Sprachen gegen ein Gehalt von können. 2500 Rubel zu übernehmen; zufolge einem Vermerkvon Wilkens Hand auf dem lateiniſchen Schreiben hat er indeſſen dieſen Ruf in einem Briefe vom 15. September 1811 abgelehnt. Am 22. März 1811 hatte Wilken inzwiſchen, namentlich in der Abſicht für den zweiten Band ſeiner Geſchichte der Kreuzzüge die Schätze der Pariſer Bibliothek an orien⸗ taliſchen Handſchriften auszunutzen, eine Studienreiſe nach Paris angetreten. Mit dem Aſtronomen Harding:) über Straßburg, Nancy und Chalons ſur Marne reiſend, kam er in der Nacht vom 29./30. März in Paris an. In dem Orientaliſten Chézy ⁴) fand er einen kenntnisreichen, überaus Anlehnung an Wilken geht auch aus ſeinen Briefen hervor, in denen er bei dieſem oft ſich Rats erholt. ¹) 1781— 1859; er war zuletzt Archivdirektor in Caſſel und hat ſich durch ſeine achtbändige heſſiſche Geſchichte einen Namen gemacht. ²) Wilken, der auch mit Rommel bei Tychſen ein perſiſches Privatiſſimum beſucht hatte, war mit Meyer der Hauptopponent bei Rommels Doktordisputation.„Um ſie im voraus zu entwaffnen, hatte ich ihnen“, erzählt Rommel,„ihre vermutlichen Gegenſätze und meine Verteidigung kurz vor dem Abzug zur Disputation vorgeleſen, worauf ſie, überraſcht, keine Zeit mehr fanden ſich mit neuem Disputations⸗ geſchütz zu verſehen.“ Chr. Rommels Selbſtbiogr. bei Bülau, Geh. Geſch. u. räthſelhafte Menſchen. V. 439 f. ³) S. Allg. D. Biogr. ¹) 1773—1832 ſ. o. S. 15. wechſel zwiſchen ihm und Wilken ³). Ende April mußte er ſchon wieder in Heidelberg eintreffen und wurde da ſofort zum Dekan der philoſophiſchen Fakultät erwählt; in dieſer Eigenſchaft nahm er an der Deputation der Univerſität teil, durch welche dieſe ſich bei der Beiſetzung des am 10. Juni verſtorbenen Großherzogs Friedrich Karl ver⸗ treten ließ ⁴). 1812 wurde Wilken laut einer von Buttmann, Erman, Ancillon und Tralles unterzeichneten Ur⸗ kunde von der Königl. Akademie der Wiſſenſchaften zu Berlin, und am 18. Dezember desſelben Jahres von dem Institut impérial de France zum korreſpondierenden Mitgliede erwählt. Im folgenden Jahre erſchien endlich der zweite Band der Geſchichte der Kreuzzüge?); in der Vorrede erklärt und entſchuldigt der Verfaſſer die lange Verzögerung ſeiner Ausgabe. Der Band wurde in den Göttinger Gelehrten Anzeigen vom 13. Auguſt 1813, S. 1313— 19, von Heeren beifällig beurteilt, der nur am Schluſſe bezeichnender Weiſe ſich dagegen verwahrt, daß Wilken(p. XII der Vorrede) ſeine Helden, einen Gottfried, Balduin, Tancred u. a. gegen den Vorwurf der Schwärmerei und der Verirrung allzu wenig in Schutz nehme. Für dieſen zweiten Band waren orientaliſche Quellen in noch reicherem Maße herbeigezogen. ¹) Jetzt auf der Kgl. Bibliothek zu Berlin. ²) S. Brockhaus Conv.⸗Lex. VIII. Aufl. ³) Doch müſſen die Briefe verloren ſein; ich kann nur noch ein Billet von der Hand Grégoires finden. *) Wegen der Räuberbanden auf der Karlsruher Straße nahm die Deputation, deren Wagen auf der ganzen Reiſe nicht umfiel und deren Mitglieder auch beim Schlafen im Wagen ſich die Köpfe nicht verletzten, noch unterwegs ein Paar geladene Piſtolen an ſich! ⁵) XLVI und 735 S S. 8 nebſt 51 S S. Beilagen; er umfaßt die Zeit bis zum Beginn des zweiten Kreuzzuges. Wilken war ſchon oft an ihn gemahnt worden, ſ. Heidelb. Jahrb. 1810, Int.⸗Bl. Nr. 16. Wie der erſte Band Heyne und Schlözer, ſo iſt dieſer zweite Silveſtre de Sacy gewidmet. Dieſer wie die folgenden Bände ſind bei Vogel in Leipzig erſchienen. 24 Das Jahr 1814 brachte keine erwähnenswerten Vor⸗ fälle oder Veränderungen im Leben Wilkens mit ſich. Vermöge ſeiner ehemaligen Beziehungen zu Juſtus Gruner, den er im Eichhornſchen Hauſe zu Göttingen kennen gelernt, machte Wilken ſich Anfang März 1814 dieſem als dem Gouverneur des Mittelrheins gegenüber zum Vertreter der Wünſche der Univerſität, welche auf Wieder⸗ gewinnung ihrer am linken Rheinufer gelegenen ehemaligen Beſitzungen ſich richteten, ſo weit wenigſtens ſolche noch in Verhältniſſen geblieben waren, die die Zurückgabe ihrer Ein⸗ künfte ermöglichten. In ſeiner Antwort vom 19. März deren Kopie mir vorliegt¹), bedauert Gruner den Ent⸗ ſcheidungen über dieſe Gebiete nicht vorgreifen zu können. Ein im Mai wiederholter Verſuch der Univerſität, durch Gruners Verwendung bei den Alliierten ans Ziel zu kommen, hatte keinen beſſeren Erfolg ²). Ende September ſchloß er ſich mit Daub dem nach dem Harz reiſenden Creuzerſchen Ehepaar ³) an und fuhr mit ihnen über Marburg, wo alle„zwei Tage in Saus und Braus verlebten“, nach Göttingen; dort friſchte er alte Erinnerungen auf, verkehrte mit ſeinem kurz vorher dorthin übergeſiedelten Freund Heiſe, beſuchte öfter die Bibliothek, fand indeſſen ſeinen alten Freund Eichhorn, der V länder und Preußen die Schlacht bei Waterloo, nach deren in ſein Haus und an ſeinen Tiſch einlud, recht ſtumpf ge⸗ allmählich ſich verlief ꝛ). ihn auf das freundlichſte aufnahm und ihn für alle Tage worden, was ihn mit Wehmut erffüllte. Mit dem Jahre 1815 nimmt die ſchon immer aus⸗ gedehnte und auf alle Angelegenheiten der Hochſchule ge⸗ richtete Thätigkeit Wilkens, der für das Jahr 1815/16 „durch eminente Stimmenmehrheit“ zum Prorektor ¹) erwählt ward, für die ganze Zeit, während deren er noch der Uni⸗ verſität angehörte, einen großen Maßſtab an. ſehen, in das ſich Wilken bei allen vorgeſetzten Behörden zu ſetzen gewußt hatte und von dem jeder der zahlreichen Briefe des Referenten im Miniſterium, Eichrodtss), und ebenſo Reizenſteins zeugt, kam in verſtärktem Maße nunmehr der ganzen Univerſität zu gute). ¹) Das Original iſt in der Univerſitätsbibliothek zu Heidelberg, Aktenpack 386. 18. ²) S. Hautz, a. a. O. II. 309. ³) Görres, Geſ. Briefe. II. 430. 1. Das An⸗ Zunächſt kamen für Heidelberg und damit auch für Wilken überaus bewegte Tage, als im Mai des Jahres 1815 die öſterreichiſche Armee, insbeſondere am 24. d. M. das Hauptquartier Schwarzenbergs in die Stadt einzog. Schon am folgenden Tage begab ſich eine Deputation des akademiſchen Senats, aus den Profeſſoren Wilken, Daub, Martin und Ackermann beſtehend, zum Fürſten, der ſie auf das freundlichſte empfing und zur Tafel zog; er ſowohl wie Kaiſer Alexander ſtellten der Univerſität einen beſonderen Schutzbrief aus, der ſie vor Anlegung von Lazaretten in ihren Mauern bewahrte; am 6. Juni begab ſich Wilken an der Spitze ſämtlicher Profeſſoren und Doktoren zunächſt zum Kaiſer Franz und dann zu Alexander, der ſich durch Wilken das ganze Perſonal der akademiſchen Lehrer vor⸗ ſtellen ließ, und endlich noch zum Großherzog von Baden. Am 10. war Wilken allein beim Erzherzog Johann in Audienz, und mit einer weiteren Deputation, zu der noch Schwarz, Thibaut, Conradi und Fries gehörten, begab er ſich am 19. Juni auch noch zu Metternich. Bei Metternich ſprach Wilken allein, bei Kaiſer Alexander neben ihm Ackermann, der auch an Schwarzenberg und Kaiſer Alexander die Anreden hielt. Während hier Reden gehalten wurden, ſchlugen Eng⸗ Bekanntwerden am 21. Juni der Schwall in Heidelberg Vor allem aber iſt hervorzuheben, daß Wilken es war, der zuerſt mit Lebhaftigkeit den Gedanken aufgriff und verfolgte, ob nicht in der Zeit, wo von allen Seiten die von den Franzoſen in den letzten zwei Jahrzehnten nach Paris zuſammengeſchleppten Kunſt⸗ und Bücherſchätze von dort zurückgeholt wurden, auch wenigſtens ein Teil der einſt von Maximilian von Bayern dem Papſte geſchenkten Palatina, nämlich 38 infolge des Friedens von Tolentino im Jahre 1797 von Rom an Frankreich ausgelieferte ehemals Heidelberger Manuſkripte ²), für die pfälziſche Uni⸗ verſität wieder zurückzugewinnen ſeien. Bekanntlich war von den nach Frankreich zuſammen⸗ geraubten Kunſtſchätzen nach dem erſten Pariſer Frieden ¹) Rektor iſt in Heidelberg der Landesherr ſelbſt; Wilken trat ſein Amt am 28. März 1815 an, ſ. Reichlin⸗Meldegg, a. a. O. II. 167. ⁵³) S. über ihn Weechs Badiſche Biogr. I. 218. ³) Als Wilken für das Jahr 1815/16 einen oder den andern der berühmten Juriſten Martin und Thibaut in den akademiſchen Senat zu berufen bat, ſchrieb Eichrodt(9. April 1815) ablehnend: „Wir haben zu Ihren Talenten das gute und vollkommene Zutrauen, daß Sie auch ohne einen dieſer beiden wackeren Männer mit Herrn Oberhofgerichtsrat Gambsjäger(ſ. Allg. D. Biogr.) ausreichen werden, trotz der dem Könige von Preußen ſchon gegebenen Zuſagen Ludwigs XVIII. nichts außer der Quadriga zurückgegeben worden. Im Jahre 1815 faßte man die Sache daher und wollen jene Matadors aufſparen, wenn ein Prorektor von minderer Qualität als Sie ſolche nöthig hat.“ ¹) S. darüber Dittenberger, die Kaiſer in Heidelberg. Heidel⸗ berg 1815. 8. ²) Im ganzen waren 500 Manuſkripte von Rom nach Paris geliefert worden. anders an, und ſofort nach ſeinem Einzug in Paris ordnete der alte Blücher, der überhaupt mit am entſchiedenſten auf die Rückerſtattung der Kunſtwerke, Urkunden und Handſchriften gedrungen hat, die Ausräumung der Muſeen an. Alsbald war der rheinländiſche Freiwillige de Grote, welcher genaue Kenntnis von den aus ſeiner Heimat entführten Schätzen hatte, für die Rhein⸗ und Moſellande ¹), Immanuel Bekker, der in acht Tagen mit einem Feldjäger auf einem offenen Wägelchen nach Paris fuhr ²), im Auftrag der Berliner Akademie für Preußen, Thierſch, der nach der Rückkehr Napoleons von Elba ſeine ſchon fünf Monate lang betriebene Reklamationsarbeit ſchleunigſt hatte einſtellen und heimreiſen müſſen ³), abermals für Bayern, andere für Oſterreich, Heſſen, die Niederlande, Florenz u. a. thätig. Blücher, Gneiſenau, Hardenberg, auch der öſterreichiſche Geſandte von Weſſenberg und der niederländiſche von Gagern*) unterſtützten dieſe Beſtrebungen eifrig, während die Diplomaten Rußlands und zeitweiſe auch Englands, der beiden Länder, die nichts zu reklamieren hatten, ſich ſehr lau oder gar böswillig zeigten. Im Auguſt machte ſich auch Wilken bei der badiſchen Regierung zum Vermittler des unter den Mitgliedern der Univerſität rege gewordenen Wunſches, der Heidelberger Bibliothek ihr in Paris befindliches ehemaliges Eigentum zurückzugewinnen; ſofort wies die Regierung den badiſchen Geſandten bei den Alliierten in Paris, Freiherrn v. Berſtetto), an, die Angelegenheit nachdrücklich zu vertreten. Auch der zufällig in Paris anweſende Miniſter der auswärtigen An⸗ gelegenheiten, Freiherr v. Hacke), beteiligte ſich an dem Geſchäfte. Beide wurden ganz beſonders von den preußiſchen Miniſtern von Altenſtein und Wilhelm von Humboldt“) unterſtützt. Am 23. Auguſt wird auf einen von Hacke ge⸗ äußerten Wunſch hin Wilken, der als Prorektor und zugleich Bibliotheksdirektor der geeignetſte Mann hierfür zu ſein ſchien, vom Staatsrat Eichrodt angewieſen ſich zur Reiſe nach Paris bereit zu halten. Stafette die Aufforderung zum Aufbruch, und ſchon am 7. ¹) Förſter, Neueſte Preuß. Geſch. V. 1196 und Böhmers Leben II. 482. ²) S. Preuß. Jahrb. 1872. 573. Pertz, Gneiſenau, IV. 600. ³) S. Fr. Thierſchs Leben 1866. I. 102. 3. 124. 5. 129—31. 134. Seeiine zurückgegeben werde. war er in Paris; auf der ganzen Reiſe hatte er, wie er am 7. ſchreibt, nur vier Stunden im Bette gelegen. Über ſeine nun folgende Thätigkeit giebt Wilken in einem beſonderen Bericht an das Miniſterium Rechenſchaft, aus deſſen Kon⸗ zepte ich folgende Einzelheiten entnehme ¹). Nachdem Wilken durch Berſtett bei Hacke, Hardenberg, Altenſtein?) und Humboldt eingeführt worden war, die ihn auf das freundlichſte aufnahmen und ihm zu jeder Stunde ungehinderten Zutritt verſtatteten, wurde am 15. September das von Wilken im Namen der Univerſität verfaßte Me⸗ moire ³) durch Berſtett dem franzöſiſchen Miniſter des Innern Baron Pasquier überſandt, von dieſem jedoch am ſelben Tage dahin beantwortet ⁴), daß die Reklamation, als auf z¹) Er ſelbſt hat auch in ſeiner Geſchichte der Heidelberger Bücher⸗ ſammlungen, 1817 S. 238 ff., in den Heidelberger Jahrbüchern 1815, Intelligenzblatt vom 28. Dez., im Univerſitätsprogramm zum 22. Nov. 1816, S. 1— 12, und in der Badiſchen Staatszeitung kurze Mitteilungen über ſein Wirken gemacht. ²) Bei den preußiſchen Staatsmännern hatte dem Heidelberger Abgeſandten auf das wirkſamſte Niebuhr ſchon viele Wochen zuvor die Wege geebnet, der ſeit dem Ausbruch der Freiheitskriege wieder zu wichtigen Staatsgeſchäften zugezogen worden war; ſchon am 6. Juli 1815 ſchreibt er an Gneiſenau(ſ. Pertz, a. a. O. IV. S. 585), daß die geraubten Schätze ein jeder in ſeine Heimat zurückgegeben, daß ſogar(an denſelben, 24. Juli, a. a. O. S. 600) die litterariſchen Schätze der Italiener als Rettungslohn genommen werden möchten, worüber jedenfalls Rom ſich nicht beſchweren dürfe, deſſen größte Schätze gerade aus der Heidelberger Bibliothek ſtammten; es ſei ſo klug als ſchön, daß durch Preußen jedem deutſchen Lande das Am 11. September, als Wilken ſchon in Paris thätig iſt, legt Niebuhr Gneiſenau noch ans Herz(a. a. O. S. 636) dafür zu wirken, daß man geradezu alles fordere, was aus der Heidel⸗ berger Bibliothek zuerſt durch Tilly nach Rom und dann 1797 nach Paris gekommen ſei.— Die öffentliche Meinung aber rief mit mäch⸗ tiger Stimme der ſtreitbare Görres zur Unterſtützung der auf Rück⸗ gabe des franzöſiſchen Raubes gerichteten Beſtrebungen auf, was Am 2. September erhielt er durch Wilken ſeine Miſſion ſicherlich auch erleichtert hat; ſchon am 27. April 1814 ſtieß der„Rheiniſche Merkur“ ins Horn; ähnliche Artikel folgten am 31. Mai, 2., 25. Juni, 3. Juli 1814. Görres' Hoffnungen blieben ⁴) Seine von Wilken ſelbſt erwähnte Mitwirkung wird nur eine indirekte geweſen ſein; in ſeinem Buche„Mein Anteil an der Politik ꝛc.“ hat er dieſe Vorgänge nicht genau behandelt. ³) S. Allg. D. Biogr. und Weechs Bad. Biogr. *) S. über dieſe nicht allzu achtungswerte Perſönlichkeit Varn⸗ hagen, Denkwürdigkeiten, IX. 29— 32. 70. 86 f. *) Der Darſtellung der folgenden Vorgänge bei Schleſier, „Erinnerungen an W. von Humboldt“, II. S. 315 ff. liegt Wilkens eigne Mitteilung in der„Geſchichte der Heidelberger Bücherſamm⸗ lungen“ zu Grunde. damals unerfüllt. Aber ſchon am 17. Juni 1815 iſt er wieder auf dem Plan: er erneuert ſeine Forderungen am 27. Juni, 17., 19., 21., 29., 31. Juli und ganz beſonders am 6. Auguſt.„Nichts wäre billiger“, heißt es da,„als daß Rom und der Papſt, wenn ſie ihre entführten Kunſtſchätze—— wiedererhalten, nun auch ihrerſeits ſich willig zeigen, den Teutſchen, die es mit ihrem Blute erſtritten haben, ihr lange vorenthaltenes Eigentum zurückzugeben. Was du willſt, daß die Leute dir thun ſollen, das thue ihnen auch, iſt ja ohnehin eins der erſten Grundgeſetze der chriſtlichen Moral. Was auf jeden Fall hier ſogleich geſchehen kann, iſt die unmittelbare Zurückgabe aller Manuſkripte der Heidelberger Bibliothek, die aus der Vatikaniſchen in die Pariſer gekommen ſind.“ ³) Das Wilkens Berichte sub. Lit. A. angeſchloſſene Memoire iſt im Konzepte nicht mehr vorhanden. ⁴) Beilage B. zu Wilkens Bericht. 26 ein urſprüngliches Eigentumsrecht ſich beziehend, an das franzöſiſche Geſamtminiſterium zu richten ſei. auch Altenſtein, dem Wilken eine Abſchrift ſeines Memoires überreicht hatte, durch eine ſehr eindringliche Note ¹) das Geſuch bei dieſer Behörde unterſtützte, ſo war doch weder von Pasquier noch von dem Miniſterpräſidenten Herzog von Richelieu, bei denen beiden von der badiſchen Ge⸗ ſandtſchaft nachdrücklich auf eine Entſcheidung gedrungen wurde, etwas anderes als eine ausweichende Pasquiers ²) zu erlangen, dank der durch die gleichzeitige Ausräumung der Muſeen und anderen Kunſtſammlungen Obwohl nun Mittel zur Verfügung ſtellen, wie er ſie zur Bewachung der nach Oſterreich, den Niederlanden und Toscana ge⸗ hörigen Gegenſtände geſtellt habe. Es ließ ſich daher hoffen, daß, wenn nunmehr Preußen zur Durchſetzung der päpſtlichen Anſprüche auf die ge⸗ ſamten 500 Vatikaniſchen Handſchriften die dazu nötige militäriſche Hülfe ſtelle, der Papſt als Gegenleiſtung die unter jenen 500 befindlichen 39 pfälziſchen Manuſkripte, ja viel⸗ Antwort hervorgerufenen heftigen Erbitterung wie aller Pariſer ſo auch der franzöſifchen Behörden. Auch die Verwendung Humboldts bei dem franzöſiſchen Miniſterium, das er zur gutwilligen Auslieferung der Heidelberger Handſchriften be⸗ wegen wollte, blieb unter dieſen Umſtänden erfolglos; ja es wurden vielmehr die Aufſeher der Kunſtſammlungen und Bibliotheken angewieſen nur der Gewalt zu weichen. Auf dem gewöhnlichen diplomatiſchen Wege war alſo zunächſt für Wilken nichts zu erreichen. Gleichzeitig war aber nun auch eine Geſandtſchaft des Papſtes PiusVII., an deren Spitze der berühmte Bildhauer Ritter Antonio Canovas) ſtand, in Paris anweſend, um die Rückgabe der 1797 aus dem päpſtlichen Gebiete weggeführten Kunſtwerke und wiſſenſchaftlichen Gegenſtände zu betreiben. Sie hatte indeſſen um ſo weniger Ausſicht auf Erfolg, als keine weltliche päpſtliche Macht hinter ihr ſtand, ſie ſelbſt keine Geld⸗ mittel beſaß ⁴), und Ludwig XVIII. ſich gerade den Anſprüchen des Papſtes unter dem Vorgeben auf das hartnäckigſte wider⸗ ſetzte, daß der Papſt gegen Erlaſſung einiger Millionen jene Kunſtſchätze als Zahlung ausgeliefert, ſie aber nicht durch Gewalt verloren habe. Canovas Forderung fand, nachdem ſie überall tauben Ohren begegnet war, zuerſt bei den Miniſtern der proteſtantiſchen Macht Preußen nachdrückliche Fürſprecher, dann auch bei den verbündeten Souveränen Gehör; dieſelben veranlaßten ihre drei Feldmarſchälle, den Gouver⸗ neur von Paris, den preußiſchen General von Müffling, aufzufordern⁵), er möge Canova Schutz und militäriſche ¹) Beilage C. zu Wilkens Bericht. *) Beilage D. b b I ³) S. über das folgende Canovas Biographie von H. Haſe in den„Zeitgenoſſen“ XII. S. 69 ff. wo die Darſtellung dieſer Vorgänge übrigens nach dem folgenden zu vervollſtändigen iſt. Mitteilungen aus dem von Canova geführten Tagebuche ſind mir nicht zugänglich geweſen. ¹) Das päpſtliche Eigentum, die Bücher, die Kunſtwerke— der Eingipſung des Apollo von Belvedere wohnte auch Wilken bei (S. Boiſſerée. II. 67)— wurden daher auf engliſche Koſten nach Rom transportiert(Förſter a. a. O. S. 1220), was 200 000 fres. erforderte. ⁵) S. die Aktenſtücke bei Förſter a. a. O. S. 1221 f. leicht auch die ganze übrige noch zu Rom befindliche Heidel⸗ bergiſche Bibliothek zurückgeben werde. In dieſer Erwägung überreichte Wilken Anfang Oktober nach einer Rückſprache mit Humboldt der badiſchen Geſandtſchaft ein raſch gefertigtes neues Memoire in deutſcher und franzöſiſcher Sprache, in dem er auf Grund einer Schrift von Wundt') über die Heidelberger Bibliothek die Anſprüche der Univerſität aus⸗ führlich dargeſtellt hatte, zur Übermittelung an die Miniſter der vier alliierten Mächte; er hatte die Freude, bald von Humboldt, der ihn überhaupt auf das eifrigſte mit Rat und That unterſtützte ²), wie von dem öſterreichiſchen Miniſter von Weſſenberg zu hören, daß Preußen und Oſterreich Schritte in dieſem Sinne thun würden; ja vor ſeiner Ab⸗ reiſe erfuhr Wilken noch von Hacke, Metternich habe ihn benachrichtigt, daß der öſterreichiſche Geſandte bei dem Papſte, Lebzeltern, bereits den beſtimmten Auftrag erhalten habe, dieſen zur Rückgabe der ganzen alten Heidelbergiſchen Bibliothek zu vermögen. Weiter galt es nun, zur Erlangung jener in Paris befindlichen 39 Manuſkripte Müffling, einen ruhigen, aber feſten Mann, für die Heidelberger Sache zu gewinnen; der General wurde daher zunächſt von ſeinem Adjutanten, dem Volontair⸗Lieutenant Wucherer, darauf von dem damals auch in Paris anweſenden Kammergerichtsrat, ſpäteren Miniſter Eichhorn, der gleichfalls Wilken eifrig unterſtützte, vorläufig von der Sache unterrichtet; am 1. Oktober erſuchte auch Berſtett den General um ſeine Mit⸗ wirkung; aber erſt nach einer Unterredung mit Wilken, der ihm die Sache auch noch einmal ſchriftlich auseinander⸗ ſetzte, erklärte Müffling dem Ritter Canova feierlich: die militäriſche Hülfe werde ihm nur unter der Vorausſetzung gewährt, daß der Heilige Vater gegen die Univerſität Heidel⸗ berg dasſelbe Recht nunmehr übe, welches ihm gegenwärtig in noch weit größerem Maße zu teil werde, und alſo nicht bloß die 39 pfälziſchen Handſchriften, ſondern die ganze übrige in Rom aufbewahrte Heidelbergiſche Bibliothek ¹) K. C. Wundt, Programma de celeberrima quondam biblio- theca Heidelbergensi, Heidelberg, 1776. ²) Humboldt äußerte ſeine hohe Freude„über den deutſchen Gelehrten, der den Vatikan ſtürmen wolle“. zurückgebe¹). Dieſelbe Erklärung gab Müffling dann in einem unmittelbar an den Papſt gerichteten Schreiben. Auch Wilken wandte ſich hiernach mit einem(im Konzept mir vorliegenden) Brief an Canova und bat ihn, ſobald er die 500 Manuſkripte erhalten haben werde, die fraglichen 39 gegen Quittung einſtweilen der badiſchen Geſandtſchaft in Verwahrung zu geben; zugleich verpflichtete er ſich ihn perſönlich dadurch, daß er den Italienern, die gar keinen ge⸗ nauen Katalog der zurückzufordernden Gegenſtände beſaßen, zu ihrem freudigen Erſtaunen ein 1803 in Leipzig ge⸗ drucktes Verzeichnis derſelben mitteilte. Canova, deſſen edlen Sinn, Billigkeit und Liberalität Wilken ehrend an⸗ erkennt, verſicherte ſofort eifrigſt, der Papſt werde die Heidelberger Anſprüche ſicherlich auf das vollkommenſte befriedigen, und erklärte ſich gegen Wilken in einem Schreiben vom 3. Oktober*) bereit, die 39 Handſchriften bis zum Eintreffen der päpſtlichen Genehmigung bei dem engliſchen Geſandten in Paris zu deponieren, was ſpäter unter Müfflings Vermittlung dahin abgeändert wurde, daß dieſer ſelbſt ſie ſo lange in Verwahrung nehme). Nunmehr begab ſich Wilken am 7. Oktober mit den beiden Begleitern Canovas, Abbate Canova, dem Bruder des Ritters, und Abbate Marini, in die Königliche Biblio⸗ thek und ſetzte ſich, nachdem die beiden römiſchen Gelehrten über die 39 Manuſkripte ein Recepiſſe ausgeſtellt hatten und die Schwierigkeiten, welche die franzöſiſchen Bibliothekare entgegenſtellten, durch militäriſche Demonſtrationen unter der Leitung des öſterreichiſchen Majors von Meyer und des Adjutanten Wucherer beſeitigt waren, ſelbſt in Beſitz jener Handſchriften, wobei ihm nunmehr die franzöſiſchen Bibliothekare auf das freundſchaftlichſte jede Hülfe leiſteten¹). Wilken brachte darauf ſelbſt die Handſchriften in Müfflings Hotel, unddieſer ſtellte ihm darüber einen Depoſitionsſchein aus. Am 28. November traf in Heidelberg, wo Wilken um die Mitte des Oktober wieder angelangt ſein mag, ein Schreiben Hardenbergs ein, in dem derſelbe die vom Papſte inzwiſchen wirklich vollzogene Schenkung der Handſchriften mitteilte und dieſelben der Univerſität Heidelberg überwies ⁵). ¹) In Canovas Biogr. a. a. O. werden dieſe Verhandlungen nicht berührt. *) Abſchrift liegt mir vor; das Original bildet die Beilage E. von Wilkens Bericht. ³) Auch Altenſtein unterſtützte gleichzeitig die Reklamation der ganzen Heidelberger Bibliothek durch eine Wilken abſchriftlich über⸗ gebene Miniſterialakte. *) Es fanden ſich dabei bloß 38 Manuſtripte, indem der 39. Kodex von den franzöſiſchen Kommiſſaren 1797 der Vatikaniſchen Bibliothek belaſſen worden war. ³) Die römiſchen Geſandten in Paris ebenſo wie die päpſt⸗ liche Regierung waren durch den Eifer, womit ſich die preußiſchen Diplo⸗ 27 Schon am 17. November 1815 hatte indeſſen auch Müffling Wilken ſelbſt unter Beifügung eines Briefes von Marini, in dem dieſer die Vollziehung der Schenkung ſeitens des Papſtes anzeigte, davon Kenntnis und ſeine Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, die Handſchriften wenigſtens bis Frankfurt zu ſchaffen ¹). Dort holte Wilken denn auch die inzwiſchen an Humboldt geſandten und von ihm Berſtett überlieferten Manuſkripte am 14. Januar 1816 ab ²). So war durch Wilkens raſtloſen Eifer, ſein takt⸗ volles und geſchicktes Auftreten, die kluge und energiſche Art, mit der er die Umſtände, beſonders die Verlegenheit der römiſchen Geſandten, zu benutzen wußte, freilich unter der verſtändnisvollen Mithülfe der genannten Diplomaten, beſonders Humboldts, der älteſten deutſchen Univerſität eine Sammlung von Handſchriften wiedergegeben, von denen mehrere zu den größten litterariſchen Kleinodien gehören). Kann angeſichts der oben(S. 25, Sp. 2 N. 2) citierten Äuße⸗ rungen von Niebuhr und beſonders Görres auch die Pri⸗ orität des Gedankens, das von Rom gegen Frankreich ge⸗ übte Recht gegen Rom ſelbſt in Anwendung zu bringen, für Wilken nicht mehr, wie es z. B. in der Allgemeinen Zeitung 1841 Nr. 12 geſchehen iſt ⁴), in Anſpruch genommen werden, ſo war er es doch namentlich, der aus eigenem Antrieb die Reklamation auf die ganze frühere Palatina ausdehnte, dieſe Angelegenheit ſofort in die richtigen Wege zu leiten wußte und ſo die beſtimmte Ausſicht auf eine noch wertvollere und großartigere Erwerbung eröffnete, wie ſie denn im folgenden Jahre auch wirklich gelungen iſt. Den geringſten Rückhalt hatte Wilken an der badiſchen Diplomatie gefunden; der Miniſter Hacke war ohnehin maten der Sache Heidelbergs annahmen, in den Glauben verſetzt worden, Heidelberg ſei eine preußiſche Univerſität. S. Wilken a. a. O. S. 243. ¹) Das von Müffling in dem mir vorliegenden Originalbrief ausgeſprochene Bedauern darüber, daß ſeine Ratſchläge bei der Reklamation nicht ganz befolgt und dadurch die Rückgabe ſämtlicher im dreißigjährigen Krieg geraubten Manuſkripte beſten Falls bedeutend verzögert worden ſei, iſt mir nicht erklärlich. In ſeiner Selbſtbiographie („Aus meinem Leben“) erwähnt der General dieſe Dinge nicht. ²) Die auch im einzelnen nicht unintereſſante Koſtenliquidation für die dreiunddreißigtägige Pariſer Reiſe betrug für Wilken und den ihn begleitenden Pedellen zuſammen 998 fl. 54 kr. ³) Ein Verzeichnis der aus der pfälziſchen Bibliothek im Va⸗ tikan an die Univerſität Heidelberg zurückgegebenen Handſchriften, verfaßt von Mone(ſ. Gödecke, Grundriß z. Geſch. d. d. Litt. III. S. 119), findet ſich in Wilkens Geſchichte der Heidelberger Bücher⸗ ſammlungen, S. 273— 552. Gegen das allgemeine auch von Wilken in dieſem Buche geäußerte Urteil über Max und Gregor XV. wendet ſich A. Theiner in ſeiner Schrift„die Schenkung der Heidelb. Bibl. ꝛc.“ S. 46f., indem er Max und Gregor XV. als die Retter dieſes Bücherſchatzes feiert. **) Ein ähnlicher Irrtum in Magers Pädag. Revue, Febr. 1841. S. 174, und in Brockhaus' Konv.⸗Lex. 1826. 4* dd ſchon ein Mann von zweifelhaftem Werte(ſ. o. S. 25), und Berſtett, der Baden ſpäter noch durch ſein Weinen auf dem Aachener Kongreß gute Dienſte geleiſtet hat ¹), hat trotz des Lobes, welches Weech in ſeinen Badiſchen Biographien ²) ſeiner damaligen Wirkſamkeit in Paris zollt, wenig Eifer und Geſchick gezeigt. Am 30. Dezember ſchreibt Eichrodt an Wilken:„über einige von Sr. Excellenz dem Herrn Miniſter von Reizenſtein mir näher mitgetheilte Nachrichten über das Benehmen unſerer Diplomatiker in Paris wurde ich ſehr indignirt, und ich habe mir die dabei bewieſene Schlaffheit kaum als möglich denken können. Es dient dies jedoch zum abermaligen Beweis, wie äußerſt gut und notwendig es war, daß Sie Ihre Reiſe dahin be⸗ ſchleunigten, und es iſt gewiß, daß wir Ihrer Thätigkeit am meiſten den glücklichen Ausgang zu verdanken haben. ³)“ Wilken traf in Paris auch mit dem in gleicher Miſſion thätigen Thierſch aus München ⁴), wohl auch mit J. Bekker zuſammen und wird auch wohl die alten Freunde aufgeſucht haben. Intereſſant war für ihn noch ſein Beſuch bei Frau von Krüdener; dieſe war dem Kaiſer Alexander von Heilbronn und Heidelberg aus nach Paris gefolgt und übte bekanntlich damals großen Einfluß auf dieſen aus. Wilken war beauftragt, ein bisher un— beſtellbares Schreiben der Markgräfin von Baden, in dem ſie den Kaiſer um ſeine Verwendung für die demolierte Stadt Kehl ⁵) anſprach, ihr zur Abgabe an dieſen zu über⸗ reichen. Von ihrem Schwiegerſohn von Berkheim bei ihr eingeführt,— ſie wohnte Rue St. Honoré in dem eleganten ¹) Varnhagen a. a. O. S. 394 ff. ²) I. S. 75. ³) Wilken hat Varnhagen ſpäter von Berſtetts Unwiſſenheit folgendes erzählt, was dieſer in ſeinen„Denkwürdigkeiten“ IX. 159 aufbewahrt hat:„Berſtett—— ſollte den Profeſſor Wilken in deſſen Bemühungen um die alten Heidelberger Handſchriften unterſtützen; Wilken machte ihm bemerklich, die Sache werde ſehr gefördert werden, wenn derſelbe dem Bildhauer Canova, der als päpſtlicher Abgeordneter hierbei eine entſcheidende Stimme hatte, einen Beſuch machte; Berſtett aber, dem ſchon der Profeſſor etwas zu dreiſt war, bog ſich vornehm zurück, und rief mit verachtendem Unwillen:„Was! zu dem Bild⸗ hauer ſoll ich gehen? Wo denken Sie hin?“ worauf denn Wilken mit verſtellter Demuth erwiederte:„Freilich hat es ſein Unangenehmes, denn Ew. Excellenz könnten in den Fall kommen, den Kaiſer von Rußland und den König von Preußen dort zu finden und dann ſtundenlang auf deren Weggehn warten zu müſſen. Ein Anderer bemerkte, Canova habe denſelben Titel, den noch vor kurzem Berſtetts Herr geführt, er ſei Marcheſe von Iſchia, das heiße Markgraf.“ (Dies iſt er übrigens erſt nach der glücklichen Ausführung ſeiner Miſſion geworden, Haſe a. a. O. S. 78.) ⁴) Nach einer Notiz Wilkens in ſeinem Bericht. ³) Kehl war vom 10. November 1796 bis zum 10. Januar 1797 von Erzherzog Karl belagert und zur Kapitulation gezwungen worden; Hotel des Barons Magneſia— traf er ſie in dem Augen⸗ blicke, wo ihre Betſtunde zu Ende war und eine Anzahl ſchwarzgekleideter Menſchen geſenkten Hauptes mit gefalteten Händen aus ihrem Zimmer trat. Als nun Wilken ihr auch mündlich ſein Anliegen vorgetragen hatte, rief ſie mit aufwärts gerichteten Augen:„Kehl! Kehl! ja da zeigt ſich recht der Finger Gottes— da druckte Beaumarchais Voltaires Werke!u)“ Endlich fand Wilken in Paris zu ſeiner großen Über⸗ raſchung ſeinen jüngſten Bruder, Karl, einen Berufsſoldaten in einem hannöverſchen Regiment der Brigade Kielmanns⸗ egg ²), der über Waterloo nach Paris gekommen war. Dem in die Heimat zurückgekehrten Gelehrten wurden in raſcher Folge nun allerlei Ehren zu teil. Am 13. No⸗ vember wurde ihm in einem Schreiben„das beſondere Wohl⸗ gefallen des badiſchen Miniſteriums für ſeinen Eifer und ſeine raſtloſe Thätigkeit in Paris zu erkennen gegeben“; am 18. Dezember wurde ihm„in Rückſicht ſeiner bisher geleiſteten Dienſte“ der Charakter und Rang eines Hofrats erteilt. Und eine Woche ſpäter, am 23. Dezember, er⸗ nannte die theologiſche Fakultät zu Heidelberg Wilken, „fontes orientis theologiae aperientem, sacra vatum ora- cula interpretantem, historiarum commentariis res etiam christianas illustrantem, de Academia Ruperto-Carolina meritissimum“ zum Doktor der Theologie.— In die zweite Hälfte ſeines Prorektorats fiel noch ein unangenehmes Ereignis. Die Zögerung der badiſchen Regierung eine landſtändiſche Verfaſſung zu erteilen, wie ſie die Wiener Bundesakte verhieß, rief nämlich im Lande eine gewiſſe Aufregung hervor. Nachdem der Adel und die Geiſtlichkeit ſchon Petitionen um eine Verfaſſung ein⸗ gereicht hatten, riet im November 1815 der bekannte Profeſſor der Rechte Martin den ihn konſultierenden Heidelberger Bürgern auch zu einem ſolchen Schritt, ver⸗ faßte ſelbſt ein Schriftſtück³) und beſorgte die Verbreitung ¹) Wilken war nur vom badiſchen Legationsſekretär Groß begleitet. Varnhagen(Denkw. IX. 207) erzählt aber, eine Deputation von Kehlern habe ihr die Sache vorgetragen, und fügt noch die Pointe hinzu, die von ihr wegen jenes ſträflichen Unternehmens getadelten guten Leute hätten ſofort ihre Unſchuld gezeigt durch das Anerbieten beide Übelthäter ſogleich auszuliefern. ²) Der Brigadier Friedrich Otto Gotthard von Kielmannsegg war ein Sohn von Wilkens Gönner und Paten; er kommandierte die Diviſion bei Waterloo; ſ. Familienchronik der v. K. S. 172—190. Der Graf lobte den jungen Mann gegen Wilken wohl und verſprach ein Auge auf ihn zu haben; doch hat dieſer es nur bis zum Kommandier⸗ ſergeant in einem däniſchen Regiment gebracht und iſt als ſolcher 1837 zu Schleswig geſtorben. ³) S. Görres im„Rhein. Mercur“ 1815. 12. Dezember, der auch den Wortlaut mitteilt. Der Artikel der Allg. D. Biogr. über dabei litt die Stadt ſehr, und das Dorf Kehl war faſt ganz zerſtört. Martin ſpricht nur von der Verbreitung der Circulare. 29 der Circulare. Die Petition ward wie überall ſo auch in Heidelberg von einer großen Anzahl von Bürgern und auch von achtzehn Profeſſoren, darunter von Wilken, unterzeichnet, ohne daß der Stadtdirektor von Polizei wegen etwas dagegen erinnert hätte.„Da ergriff“, ſo ſchreibt Fries ¹),„Thibaut plötzlich die Gegenparthey, ſtellte die Sache als ordnungswidrig und aufwiegleriſch dar, ſprach ſeine Meinung an öffentlichen Orten aus und gewann auch den Curator für ſeine Anſicht. Man forderte uns auf unſere Unterſchriften zurückzuziehen; die Meiſten thaten dies; Wilken und ich blieben Martin treu.“ Auf eine Denunziation des Stadtdirektors in Karlsruhe hin wurde Martin zur Auslieferung der Papiere aufgefordert, und als dieſer ſie wegen mangelnden Rechtsgrundes ver⸗ weigerte, erfolgte am 19. November nachts 11 Uhr auf direkten Kabinetsbefehl eine Hausſuchung bei Martin durch eine Gerichtskommiſſion, welche die Schriftſtücke beſchlag⸗ nahmte; darauf wurde die Unterſuchung gegen Martin er⸗ öffnet. Der berühmte Juriſt wurde über dies alles ſo auf⸗ gebracht, daß er, obwohl er vom Hofgericht gänzlich frei⸗ geſprochen wurde, doch wegen Nichtgewährung der von ihm verlangten öffentlichen Genuathuung die badiſchen Dienſte verließ und nach Jena ging²). Ein gleiches that Fries, den man durch übergehung bei reicher Titelausteilung die Ungnade merken ließ. Nur dem gut angeſchriebenen Wilken hat man die Beteiligung an jenen Schritten nicht weiter nachgetragen³²). Wohl aber hat er für Martin zu ver⸗ mitteln geſucht, z. B. einen mir vorliegenden Miniſterial⸗ beſchluß vom 11. Januar 1816, in dem Martins laller⸗ dings von ihm geforderte) Dienſtentlaſſung und die Siſtie⸗ rung ſeiner Beſoldung vom 23. April ab verfügt war, zurückgehalten und von der Regierung an deſſen Stelle eine mildere Faſſung erwirkt, in der die Unterſuchung keine Erwähnung fand). Für die Jahre 1816 und 1817 redigierte Wilken zum Seſis für den eingegangenen Hebelſchen„Rheiniſchen Haus⸗ ¹) Bei Schleiden, Lebensſkizze von Fries in Weſtermanns Monatsheften, 1857. Nr. 9. S. 275. ²) 1819 wurde er bei einem Beſuch in Heidelberg polizeilich ausgewieſen. ³) Freilich hatte auch Eichrodt, in deſſen Briefen an Wilken dieſe Beteiligung nirgends erwähnt wird, das übereilte und unbe⸗ dachte Verfahren des Kabinets— denn aus dieſem wurde unter Um⸗ gehung des Miniſteriums und beſonders Eichrodts die Sache geleitet — freimütig mißbilligt(Briefe vom 24. 25. 28. Dezember). ⁴) Brief Eichrodts vom 18. Januar 1816.— Den vielfach angegriffenen, ſich bei ihm rechtfertigenden Thibaut ſuchte Heiſe von Göttingen aus mit Fries(Brief an ihn bei Henke a. a. O. S. 340) und ſeinen übrigen Kollegen wieder zu verſöhnen. Hardenberg ²) freund“ einen beifällig aufgenommenen und ſogar in zweiter Auflage erſchienenen Landwirtſchafts⸗ und Geſchichtskalender, den„Schnellen Bothen aus der Rheinpfalz“ deſſen in luſtigen Stunden von Wilken mit Thibaut und Boiſſerée entworfener Witterungskalender 1816 zufällig faſt völlig zutraf und das Anſehen des Büchleins auf dem Lande nicht wenig erhöhte. Die darin enthaltenen kleinen Aufſätze Wilkens zeigen, daß ihm auch die Gabe populärer Dar⸗ ſtellung nicht abging.— Inzwiſchen war die Frage der Rückgabe der übrigen in Rom befindlichen Heidelberger Manuſkripte durch den badiſchen Miniſter des Außeren im Fluß erhalten und beſonders auf Fürſprache Oſterreichs, das damals viel bei der Kurie vermochte, und Preußens ¹) zu Gunſten Heidelbergs entſchieden worden. Freilich hatte die Kurie nur die Zurückgabe der deutſchen Manuſkripte zu⸗ geſagt, die Verweigerung der übrigen Handſchriften aber in einer ausführlichen, ſonderbaren Note Conſalvis an zu rechtfertigen geſucht. Aber auch dies Zu⸗ geſtändnis war ſchon ungemein wertvoll. Am 7. Februar 1816 teilt Eichrodt Wilken„in unbegrenzter Freude“ mit, daß nach einer Note des öſterreichiſchen Geſandten in Karlsruhe, Grafen von Trautmannsdorff, an Hacke der Papſt ſich zur Herausgabe von 847 deutſchen Handſchriften willfährig erklärt habe*). Ein Brief Humboldts vom 11. Februar an Wilken, welchem auch eine Abſchrift von Conſalvis Brief beilag, macht dieſem privatim ebenfalls Mitteilung davon, und auf Wilkens Bitte überſendet Humboldt ihm nach einigen Tagen mit einem neuen artigen Schreiben einen Empfehlungsbrief an Conſalvi. Einen gleichen empfing er nebſt einem freundlichen Briefe auch von Weſſenberg. Nachdem Wilken nämlich ſchon im Dezember be⸗ deutet worden war, daß er wahrſcheinlich die Reiſe nach Rom zur Abholung der Bücher werde machen müſſen, wurde er von Eichrodt zugleich angewieſen, ſich nunmehr zu derſelben anzuſchicken 4). Seinem in München am 2. März begonnenen ¹) Die Note Hardenbergs an den päpſtlichen Kardinal⸗Staats⸗ ſekretär Conſalvi, datiert vom 31. Oktober 1815, ſ. im Wortlaut bei Wilken a. a. O. S. 549— 52. ²) Abgedruckt und mit einigen Anmerkungen verſehen von Wilken a. a. O. S. 248—56. ²¹) Am 12. Marz meldete ein Schreiben Hardenbergs dem aka⸗ demiſchen Senat, daß der Papſt zur Bezeugung ſeiner Dankbarkeit gegen den König von Preußen die 847 Handſchriften zurückzugeben bereit ſei, es dem König aber überlaſſe, entweder die Univerſität Heidel⸗ berg oder eine beliebige andere Korporation damit zu beſchenken; dieſer habe aber im Gefühle des Rechts und aus beſonderem Wohlwollen für den urſprünglichen Eigentümer entſchieden. ²) Ein beſonderer Wagen war ſchon zur Reiſe nach Paris für ihn beſchafft worden. ausführlichen Tagebuche, dem Konzepte zu ſeinem der Regie⸗ rung erſtatteten Reiſeberichte, ſeiner Geſchichte der Heidelbergi⸗ ſchen Bücherſammlungen S. 246 ff., den Briefen an ſeine Frau und den im Original oder abſchriftlich vorliegenden Urkunden und Briefen anderer entnehme ich die nachfolgenden Einzelheiten. 30 Mit einem Vetturin, der bis Florenz 400 fres. er⸗ Shielt, ging die Reiſe über Lodi, Piacenza, Firenzuola, Am 25. Februar fuhr Wilken in Begleitung des Pedellen Haffner zunächſt nach Karlsruhe, wo er ſeine Vollmachten und Kreditbriefe in Empfang nahm, dann am 27. Abends 11 Uhr bei furchtbarem Schneeſturm über Illingen, wo er wegen eines zerbrochenen Rades ſchon vier Stunden liegen mußte, über Stuttgart und Ulm, überall nur wenige Stunden ſich aufhaltend, nach Augs- burg, das er einen halben Tag lang eingehender beſichtigte. In München blieb er den 2. März, betrachtete die Galerien und die Bibliothek und beſuchte mit Thierſch, bei dem er zu Mittag ſpeiſte, Breyer(ſ. o. S. 7 Spalte 1) Schelling und Fr. H. Jacobi. Schon auf der erſten Station nach Innsbruck zu mußte der Wagen auf einen Schlitten(für 33 fl.) geſtellt werden, der dann vor Inns⸗ bruck(für 4 fl.) wieder verkauft ward. Über Innsbruck, den Brenner, Brixen, Botzen, Verona, wo er wenigſtens das Amphitheater beſuchte, und Brescia kam Mit Briefen des er am 8. März nach Mailand. Grafen Trautmannsdorff und des Miniſters Hacke an Metternich begab er ſich hier in die Wohnung des Fürſten und wurde, nachdem er ihn nicht angetroffen, für den folgenden Tag von ihm zur Tafel geladen. der Univerſität an den Kaiſer Franz mußte er ebenfalls dem Fürſten übergeben, da der Kaiſer einige Tage vorher Mailand verlaſſen hatte.„Mit einer unvergleichlichen Humanität“, ſchreibt er,„wurde ich von dem Fürſten auf⸗ genommen; die Unterhaltuug bey der Tafel war geiſtreich und lebhaft, und der Fürſt, obgleich er noch immer an den Augen litt, ſehr munter und launig.“ Die auch ſchriftlich ihm ausgeſprochene Bitte der Univerſität um fernere Unter⸗ ſtützung bei der Reklamation aller, alſo auch der grie⸗ chiſchen und lateiniſchen Manuſkripte der Palatina, verſprach der Fürſt bereitwillig zu erfüllen. Der ehrwürdige Feldmar⸗ ſchall Bellegarde, den er Tags darauf an Metternichs Tafel kennen lernte, lud ihn für den folgenden Tag zu ſich ein, doch mußte Wilken nach Empfang ſeiner Briefe von Metter⸗ nich gerade da weiterreiſen. Während ſeines fünftägigen Aufenthalts in Mailand beſuchte er alle Kunſtanſtalten 26. März in Rom an; wo er drei Räuberköpfe in zwei Käfigen an der Straße auf⸗ gehängt ſah, über Parma, Reggio, Modena und Bologna nach Florenz, wo er am 20. März ankam. Auch hier beſichtigte er, wie an allen genannten Orten, die Kunſtſchätze— die dann wie immer im Tagebuche ausführlich beſprochen ſind— und zwar unter der Führung A. W. Schlegels, der damals mit der Staël dort ſich aufhielt. In Florenz übergab er dem öſterreichiſchen Geſandten Grafen Apponyi ein Schreiben Reizenſteins, in dem dieſer auch deſſen Verwendung für Wilken dringend erbat. Von Florenz nahm er ſeinen Schwager, den oben genannten jungen Maler Karl Wilhelm Tiſchbein, mit und langte am hier nahm er auf der Poſt ein Em⸗ pfehlungsſchreiben des öſterreichiſchen Miniſters von Weſ⸗ ſenberg an Conſalvi und ein ebenſolches an Lebzeltern(gegen Erlegung von 9 fl. Portokoſten) in Empfang.¹)) Am 27. beſuchte er zunächſt den öſterreichiſchen Geſandten Ritter von Lebzeltern und den preußiſchen von Ramdohr. Lebzeltern nahm ihn auf das freundlichſte auf, erklärte in⸗ deſſen nach Leſung der Briefe, inſonderheit des Metternichſchen, er halte es für unmöglich, vom päpſtlichen Miniſterium die griechiſchen und lateiniſchen Manuſkripte zurückzuerhalten, wenn nicht einige der deutſchen ſchon abgetretenen Handſchriften in Tauſch gegeben würden; dies ſchien Wilken unwahrſchein⸗ Ein Dankſagungsſchreiben zu halten, der bei Conſalvi ſehr viel vermöge. lich, ganz abgeſehen davon, daß er keine Vollmacht dazu habe. Üübrigens riet ihm Lebzeltern ſich beſonders an Canova Noch am ſelben Tage fuhr Wilken bei Canova vor, der ihn herzlich aufnahm und ſich erbot ihn bei Conſalvi anzumelden; dieſer war zwar gerade fieberkrank, gab aber doch dem Oberbibliothekar der Vaticana, Baldi, die Weiſung, die 847 deutſchen Handſchriften, mit deren Ausſcheidung man ſchon länger beſchäftigt war, Wilken auszuhändigen. Als dieſer am 29. nachmittags, zu welcher Zeit den Frem⸗ den nur die Beſichtigung der Bibliotheksräume geſtattet war, ſich dort aus Neugierde einfand, erkannte ihn ein Unter⸗ beamter, als habe er ein Signalement von ihm gehabt, worauf augenblicklich Baldi erſchien und mit der größten und Bibliotheken und lernte auf der Ambroſiana auch Angelo Mai kennen, deſſen beſcheidenes Weſen er rühmt. Am 13. März ließ der Fürſt ihm ein Schreiben an den kaiſerlichen Geſandten in Rom, Lebzeltern, einhändigen, wo⸗ rauf Wilken ſofort wieder aufbrach. Freundlichkeit ihm mitteilte, daß er auf Befehl des Staats⸗ ſekretärs in der folgenden Woche die Handſchriften ihm ausliefern werde. Zwar wurde Wilken am 30. durch einen von ſeiner Frau ihm nachgeſandten Brief de Wettes, der ihm abermals einen Ruf nach Berlin übermittelte ²), in eine gewiſſe ¹) Er wohnte im Hoôtel d'Allemagne, Strada Condotti Nr. 88, nahe der place d'Espagne. ²)„Die Leute ſcheinen einmal einen wunderlichen Werth auf mich zu legen“, ſchrieb er ſeiner Gattin. 31 ſtörende Unruhe verſetzt; doch verſchob er die Entſcheidung bis nach ſeiner Rückkehr und erſchien bei Conſalvi, dem er ſchon zwei Tage zuvor die Briefe Hackes, Weſſenbergs und Humboldts hatte übergeben laſſen, am ſelben Tage um 12 Uhr zur Audienz. Der Kardinal, noch immer krank, empfing ihn ſehr leutſelig und zwanglos im Bette, bezeugte ſich ſonſt ſehr gütig, wich aber dem Erſuchen Wilkens, die gleichzeitig überreichte Bittſchrift der Univerſität an den Papſt, welche die Rückgabe der ganzen alten Palatina betraf¹), bei dieſem zu unterſtützen, mit Höflichkeit aus. Schon in den nächſten Tagen vernahm Wilken aber aus den zuverläſſigſten Quellen, daß nicht blos der Kardinal, ſondern auch der Papſt hinſichtlich jener Bitte ſich ſehr ungünſtig und ſogar empfindlich geäußert habe. Gleich⸗ wohl teilte Conſalvi Wilken am 31. März ²) mit, daß der Papſt ihn am 1. April um 11 Uhr empfangen wolle. „Durch eine Menge von Zimmern“, erzählt Wilken im Tagebuch,„kam ich nach und nach; von einem wurde ich ins andere gerufen, wobei es meinem Namen übel genug erging; endlich führte mich der Maggior Duomo, ein Prinz Doria, in das Gemach des 74 jährigen Nachfolgers Petri. Der Papſt war im weißen Rock ohne irgend einen Schmuck, mit einer Reihe Knöpfe, faſt wie ein Nachtrock, und ſtand am Kamin, eben als ich eintrat beſchäftigt ein Stück Holz ins Kamin zu legen. Knieverbeugung begrüßte ich ihn, dem Beiſpiele des Maggior Duomo folgend. Meine Anrede ¹) konnte ich kaum vorbringen, der Papſt fiel ein und begann ſogleich die Unterhaltung, nahm auch mit vieler Artigkeit meine Geſchichte der Kreuzzüge an und ſprach recht verſtändig, wie in neuerer Zeit mehrere, auch Chateaubriand dieſe epoca diffamata aus einem richtigen Geſichtspunkt an⸗ geſehen. Er ſprach über die Vermehrung des Muſeums unter ſeiner Regierung ⁴), die nicht ſowohl durch neue Ent⸗ deckungen, als vielmehr durch Ankäufe von Privaten ge⸗ ſchehen ſei, und erzählte über die Erwerbungen, die er noch machen wolle, wenn Gott ihm das Leben laſſe.“ „Seine Abweſenheit und Reiſen), die er immer habe machen müſſen,— viaggi, sempre di viaggi— hätten ihn gehindert manches noch zu thun. Mit einem freund⸗ lichen Händedruck wurde ich dann entlaſſen.“ ¹) Abgedruckt bei Wilken a. a. O. S. 264— 69; das mir vor⸗ liegende Konzept iſt von der Hand Friedrich Creuzers geſchrieben. ²) Das Originalſchreiben liegt mir vor. Mit der gewöhnlichen Auf die Frage des Papſtes, was er alles ſchon in Rom betrachtet und ob er ſich auf der Nationalbibliothek recht umgeſehen und dort etwas Nützliches für ſich gefunden habe, hatte Wilken es auch gewagt, das Geſuch der Uni⸗ verſität um den übrigen Teil der Bibliothek zu berühren, darauf aber keine Antwort erhalten. Die Unterredung ſei übrigens, ſo ſchreibt Wilken ſeiner Frau, ſo vertraulich geweſen, daß er habe vergeſſen können, er ſpreche mit dem Papſte. Jene deutſchen Handſchriften wurden Wilken wirklich am 5. April richtig zugezählt mit der Verſicherung, daß er ſogleich nach der Oſterwoche ein Inventarium erhalten werde, um auf ein Duplikat desſelben zu quittieren, und zugleich wurde ihm der Schlüſſel zu dem Lokale, wo jene Handſchriften aufbewahrt wurden, eingehändigt). Schon ſchien die Sache ſich in dieſen Formen zu er⸗ ledigen, ſchon hatte Wilken, nachdem er die Manuſkripte revidiert, Anſtalten zu ihrer Verpackung getroffen, als durch das ſchwerfällige Eingreifen der preußiſchen Diplo⸗ maten ihre Abwickelung um einen vollen Monat verzögert wurde. Hardenberg hatte es nämlich übel genommen, daß in der Note des Grafen Trautmannsdorff an Hacke), welche in Nr. 145 der Frankfurter Oberpoſtamtszeitung vom 14. Februar veröffentlicht worden war, der preußiſchen Bemühungen in dieſer deutſch⸗nationalen Angelegenheit keine *) Er ſprach ihn italieniſch an, da Pius VII. nicht franzöſiſch zu ſprechen pflegte. ⁴) Er regierte 1800— 1823. ³) Euphemiſtiſch für ſeine Haft in Savona und Fontainebleau. Erwähnung geſchehen war. So erhielt am 11. April der in Rom privatiſierende und in einzelnen Fällen als preu⸗ ßiſcher Geſandter beim heiligen Stuhl fungierende Baron von Ramdohr ³) von Hardenberg die Weiſung, Wilken zwar ¹) Etwas enttäuſcht ſchreibt er übrigens nach einigen Tagen, nachdem er die Durchſicht vollendet, an ſeine Frau:„Unter den 847 ſind ungefähr 350 wichtig und zum Theil koſtbar, die übrigen ſind nicht den Transport bis Florenz, geſchweige bis Heidelberg werth, und ich möchte wohl autoriſiert ſein ſie hier zu laſſen. Etwas weiteres hier zu bekommen wird übrigens ſchwer halten. Herrn von Reizenſtein(der Wilken ſchon im Herbſt zuvor hatte ſenden wollen) kannſt Du ſagen, daß die Sache hier ſchon im vorigen Winter gänzlich verdorben worden iſt. Wenn ein Mann wie Herr von Humboldt die Unterhandlung geführt hätte, würden wir die ganze Bibliothek be⸗ kommen haben; man hätte damals hier den Preußen viel mehr nach⸗ gegeben als man jetzt Luſt hat.“ Mehr als auf die Diplomaten, fügt er noch zu, die nur zu viel anderes zu thun hätten, was ihnen wichtiger ſcheine, vertraue er der Privatunterſtützung des Prinzen Friedrich von Gotha*), der beim Papſte ſehr viel gelte. Übrigens ſei er überzeugt, daß die deutſchen Handſchriften Heidelberg mehr Gewinn bringen würden als der übrige Teil der Bibliothek, wenn ſich auch mit dem letzteren mehr Lärm machen laſſe. ²) Eine Abſchrift liegt mir vor. ³) Niebuhr, der neue preußiſche Geſandte, der ſchon im Herbſt *) Bruder des regierenden Herzogs von Sachſen⸗Gotha. zu unterſtützen, aber die Empfindlichkeit des preußiſchen Hofes gegenüber dem öſterreichiſchen Geſchäftsträger keines⸗ wegs zu verbergen. Als nun Ramdohr bei Conſalvi ver⸗ langte, bei der Übergabe der Mannſkripte zu aſſiſtieren, wurde von dieſem auch die Gegenwart des öſterreichiſchen Geſandten verlangt, und zwar um ſo mehr, als der Staats⸗ ſekretär inzwiſchen den geographiſchen Irrtum erkannt hatte, vermöge deſſen er Heidelberg für eine preußiſche Uni⸗ verſität gehalten hatte. es ſei nunmehr auch ein förmliches Inſtrument über den vor⸗ zunehmenden feierlichen Akt der Übergabe abzufaſſen, worauf erſt die Manuſkripte verpackt und abgeſandt werden dürften; und da nun der öſterreichiſche Geſandte Lebzeltern, von Metter⸗ nich nach Verona beſchieden, erſt am 27. April nach Rom zurückkehrte, ſo entſtand hierdurch ein Verzug von mehr als drei Wochen. Auch Baldi wurde wegen Ramdohrs jetzt ſchwieriger, und während er früher Wilken allein die Vergünſtigung angeboten hatte, am 16. April, ſchon in der Oſterwoche, die Vergleichung der Handſchriften mit dem Inventarium vornehmen zu dürfen, weigerte er ſich, als am beſtimmten Tage auch Ramdohr mit dieſem erſchien, in dieſer zu den Ferien der Bibliothek gehörigen Woche ſich mit der Angelegenheit zu befaſſen. Abſchrift des Inventars erſt am 22. und begann noch am ſelben Tage die Vergleichung zunächſt dieſer Abſchrift mit dem Originalinventar; aus letzterem ergänzte er ſie auch noch, da er ſie unvollſtändig fand, und dieſes Geſchäft nahm drei Tage in Anſpruch. Bei der darauf vorgenommenen Vergleichung der Handſchriften ſelbſt mit dem Inventar über⸗ zeugte er ſich, daß Baldi auf das gewiſſenhafteſte alle noch vorhandenen deutſchen Handſchriften vollſtändig abgegeben hatte; nur vermißte er, nicht bloß unter den ausgehän⸗ digten Handſchriften, ſondern auch im Originalinventar eine von Zeune in ſeiner Ausgabe des Nibelungenliedes als fünfte der ihm bekannten bezeichnete Handſchrift des Nibelungenliedes, die ſich in der Vaticana befinden ſollte, und weiter fehlte beſonders des Mönches Otfried hochbe— rühmte altdeutſche Evangelienharmonie; beide galt es nun noch aufzuſpüren ¹). 1815 hatte nach Rom gehen ſollen, traf wegen Verzögerung ſeiner Inſtruktion erſt am 7. Okt. 1816 in Rom ein.(Lebensnachrichten über B. G. Niebuhr. II. S. 116. 176.) Über Ramdohr(1757—1822), der, urſprünglich Juriſt und Kunſtſchriftſteller, erſt in ſeinen letzten Lebens⸗ jahren als Diplomat thätig, 1815 Reſident in Rom, 1816 Geſandter in Neapel war, ſ. die Allg. D. Biogr. ¹) Baldi war ſo gewiſſenhaft verfahren, daß er ſelbſt für die Manuſkripte, welche in dem zu Anfang des 18. Jahrhunderts aufge⸗ ſtellten Originalinventar der Vaticana ſchon als fehlend bezeichnet waren, andere Handſchriften geſtellt hatte, die ſich freilich hinterher als wertlos erwieſen. Zudem erklärte derſelbe aber auch, So erhielt Wilken auch die Inzwiſchen hatte Wilken ſelbſt die Bitte der Uni⸗ verſität um Rückgabe auch des Reſtes der Palatina mündlich dem ſtets ausweichenden Kardinal mehrmals vergeblich vorgetragen, dieſer ſich auch Ramdohr gegenüber hart und empfindlich geäußert, ſo daß letzterer ebenſo wenig wie der öſterreichiſche Geſandte zu einer lebhaften Unter⸗ ſtützung von Wilkens ferneren Schritten in dieſer Rich⸗ tung ſich mehr bereit finden ließ; und da endlich auch die Ceſſion der 847 Handſchriften bei dem gebildeten Teile des römiſchen Publikums ſchon Aufſehen erregt hatte und ſich kaum erwarten ließ, der Kardinal werde dasſelbe durch weitere Verwilligungen noch mehr aufbringen wollen, ſo hielt es Wilken, alleinſtehend und jeden Beiſtandes entbehrend, für ratſamer, eine förmlich abſchlägige Antwort des römiſchen Hofes zu vermeiden und die ganze Angelegenheit gleichſam als unangetaſtet und unentſchieden, als res integra für günſtigere Zeiten zu bewahren ¹). Dagegen ſuchte Wilken wenigſtens die eben erwähnten zwei Manuſkripte, das Nibelungenlied und den Otfried, ſowie die Rückgabe der auf alte deutſche Litteratur und deren Geſchichte bezüglichen Handſchriften zu erlangen. Auf jene Nibelungenhandſchrift hatte A. W. Schlegel, der gerne Näheres über ſie erfahren hätte, Wilken bei ihrem Zu⸗ ſammentreffen in Florenz mündlich aufmerkſam gemacht und ihm dann(in einem noch erhaltenen Briefe) die bezüglichen, übrigens ſehr vagen Angaben bei Zeune wörtlich mitgeteilt; dieſer berief ſich an der betreffenden Stelle aber wieder auf einen gewiſſen Glöckle, der zur Zeit der franzöſiſchen Herrſchaft Scriptor an der Vaticana geweſen war, damals aber in der Rheinprovinz leben ſollte und ſomit zur Er⸗ teilung von Auskunft nicht herangezogen werden konnte ²). Auf der Vatikaniſchen Bibliothek wußte niemand weder über dieſe vermeintliche Nibelungenhandſchrift noch über Otfried Auskunft zu geben; nur verſicherte der Scriptor Amati, letztere Handſchrift in der Hand von Glöckle ge⸗ ſehen zu haben. Wilken brauchte zwar ſpäter die Vorſicht, in ſeinem Abſchiedsſchreiben an Ramdohr dieſen zu bitten, den nunmehr preußiſchen Unterthan Glöckle über Grund oder Ungrund ¹) Es liegt mir zwar noch das Konzept zu einem Schreiben an Conſalvi vor, in dem Wilken den Kardinal bittet, ſich beim Papſte dafür zu verwenden, daß wenigſtens die lateiniſchen, griechiſchen und orientaliſchen Handſchriften zurückgegeben werden möchten, welche ſich auf Geſchichte, beſonders Deutſchlands, Jurisprudenz und das Altertum im allgemeinen beziehen; ich glaube aber, daß das Schreiben nicht abgeſandt worden iſt; das Konzept iſt undatiert und nicht ganz fertiggeſtellt. ¹) Savigny, Görres und ihre Freunde erwähnen dieſen Ferdi⸗ nand Glöckle öfters. 33 ſeiner Angaben gegenüber Zeune zu befragen, ließ aber vorerſt die Nachforſchungen nach dieſer Handſchrift fallen ¹), um deſto eifriger diejenigen nach dem Otfried aufzunehmen. Zunächſt ließ Ramdohr ſich bereit finden, Conſalvi um die Erlaubnis zur Durchſicht ſämtlicher Inventarien der Vatikaniſchen Bibliothek für Wilken zu bitten, die der Kardinal auch anſtandslos gab. Bei näherer Prüfung der⸗ ſelben, an der auch Ramdohr teil nahm, entdeckte Wilken am 26. April wirklich unter der Nummer 52 der lateiniſchen Manuäſkripte die koſtbare Handſchrift des Otfried. Fand ſich auch ſonſt nichts, was ſich auf die deutſche Litteratur beziehen ließ, ſo ſchienen doch wenigſtens vier weitere Codices für die Geſchichte der Heidelberger Univerſität nicht unwichtig zu ſein. Schon am nächſten Tage überreichte Wilken daher dem preußiſchen und dem öſterreichiſchen Geſandten ein Schreiben, worin er die Gründe auseinanderſetzte, aus denen er die fünf Handſchriften glaube in Anſpruch nehmen zu können, und erbat ſich beider Verwendung bei dem Kardinal, die am 20., bez. 21. auch wirklich erfolgte. An dieſen richtete er dann ſelbſt noch die Bitte, ſich bei dem Papſte für ſein Anliegen zu verwenden, und zwar in einem im Konzept erhaltenen Schreiben vom 29., in dem er auf das beſchränkte, bloß lokale Intereſſe hinwies, welches die letztgenannten vier Handſchriften darböten; er zeigte darin weiter, daß auch Otfried bloß für Deutſchland und die altdeutſche Sprache von Bedeutung ſei, dagegen jedem ausländiſchen Gelehrten, der nicht im Beſitze der Hülfsmittel deutſcher Bibliotheken ſich befinde,— ganz abgeſehen von dem geringen Intereſſe, das er demſelben biete— auch unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenſetze, wogegen das Werk im Verein mit den anderen zurückgegebenen Hülfsmitteln für die deutſche Forſchung von ungeahntem Nutzen werde ſein können; auch ſei es nur ein Zufall und beruhe auf einem Irrtum, daß das Manuſkript wegen ſeiner lateiniſchen Vorrede ſtatt unter die deutſchen in die lateiniſchen Codices einregiſtriert worden ſei. Faſt vierzehn Tage blieben die Noten beider Ge⸗ ſandten und ihre Bitte um Beſtimmung der Zeit für die feierliche Ubergabe der Codices ohne Antwort. Am 11. Mai endlich erhielt Wilken ein des Kardinals, in dem ihm die Gewährung des Anſuchens ¹) Eine vollſtändige Vatikaniſche Handſchrift des liedes exiſtiert überhaupt nicht. Die Angaben Schlegels, Zeunes und Glöckles ſind ſomit nur auf die ſogenannten„Heidelberger Bruch⸗ ſtücke“ des Liedes zu beziehen, die ſich in Nr. 844 der von Wilken mitgebrachten Bände befinden(ſ. Wilken a. a. O. S. 263 u. 543); Schreiben Nibelungen⸗ eröffnet ward, und am 12. teilte Baldi ihm mündlich mit, daß er von dem Kardinalſekretär beauftragt ſei, ſich hin⸗ ſichtlich der Ubergabe der Manuſkripte mit einem von beiden Miniſtern und Wilken unterſchriebenen und unterſiegelten Empfangſchein zu begnügen. Am 13. Mai wurde die von Baldi entworfene, von Conſalvi und den beiden Miniſtern gebilligte Empfangs⸗ beſcheinigung ausgefertigt, und noch am ſelben Tage ließ Wilken nun endlich ſeine Schätze aus dem Vatikan in das Magazin des Spediteurs Scheri bringen, wo ſie in vier große Kiſten ſorglich und ſicher verpackt wurden). Nachdem am 15. Mai der von Wilken brieflich am 13. vom Kardinal erbetene Paſſierſchein für die Bücher⸗ kiſten eingetroffen war, ging der Transport in Begleitung des Unterpedells Haffner gerade um die Mittagsſtunde des 17. Mai durch die Porta del Popolo aus Rom ab und nahm den Weg über Foligno und Peſaro nach Bologna. Während ſeines faſt achtwöchentlichen Aufenthalts in Rom hatte Wilken trotz aller amtlichen und wiſſenſchaft⸗ lichen Thätigkeit— er ſuchte auch auf der Vaticana nicht ohne Erfolg nach orientaliſchen Quellen für die Kreuzzüge — nach Ausweis des ausführlichen Tagebuchs doch Zeit gefunden um alle wichtigeren Kunſtſammlungen, Kirchen, ſowie hiſtoriſch merkwürdigen Punkte in Rom und ſeiner Umgebung, z. B. Tivoli, zu beſuchen, das Volksleben zu ſtudieren, geiſtliche Konzerte zu hören, Gelehrte, wie den vielſeitigen Sprachforſcher Caſtiglione*), Künſtler wie Overbeck und Cornelius, Ernſt Platners), Jakob Linckh, den Landſchaftsmaler Joſeph Anton Koch ¹), den Kupferſtecher W. F. Gmelin(1760— 1820), den„Maler Müller“, die beiden Brüder Franz und Johann Riepen⸗ hauſen aus Göttingen, Thorwaldſen und Canova, den Hiſtorienmaler Vincenzo Camuccini(1773— 1844) teils in ihren Ateliers, teils in ihren Familien zu beſuchen, und endlich auch noch Beziehungen zu politiſch hervor⸗ ragenden Perſönlichkeiten anzuknüpfen, wie mit dem oben— genannten Prinzen Friedrich von Gotha, dem nieder⸗ ¹) A. Ruland ſucht in einem Aufſatze des Serapeums, XVII. Ihrg., Sonderabdruck(Leipzig, Weigel 1856) S. 38 ff. wahrſcheinlich zu machen, daß im Gegenſatze zu Wilkens Behauptung S. 262 ſeiner Geſchichte der Bildung ꝛc. der Heidelberger Bücherſammlungen nicht alle deutſchen Handſchriften aus Rom nach Heidelberg zurückgekommen, vielmehr 610 Manuüſkripte der Kurfürſtlichen Privatbibliothek dort verblieben ſeien. ſie ſind behandelt von v. d. Hagen in ſeiner„Germania“ I. 180 ff. (ſ. beſonders auch die Anmerkung daſelbſt); Zeune ſelbſt äußert ſich über die ganze Sache ebenda S. 100 f. ²) Carlo Ottavio C., 1784—1849, der beſonders 1819 wegen der von ihm begonnenen Überſetzung des(von Angelo Mai auf den Mailänder Palimpſeſten entdeckten) Ulfilas viel genannt ward. ³) 1773— 1855; ſ. über ihn die Allg. D. Biogr. ⁴) 1768— 1839; er war 1791 aus der Karlsſchule entflohen. S. Müller⸗Klunzinger, Künſtlerlexikon. 5 ländiſchen Geſandten von Reinhold), dem württem⸗ bergiſchen von Keller, den mehrgenannten Geſandten Lebzeltern und Ramdohr, die ihn alle wiederholt zur Tafel zogen oder in ihre Familien einführten. Auch Conſalvi lud ihn oft zu Tiſche*) oder zum Früh- endlich am 8. Juli ebenfalls glücklich anlangte. ſtück ein und behandelte ihn trotz ſeiner vielen Arbeit— die wenige Wochen ſpäter eingeführte neue Verfaſſung für den Kirchenſtaat war eben in Vorbereitung— mit der äußerſten Artigkeit und Freundlichkeit. Den großartigen Ceremonien der Oſterwoche, der großen Meſſe und dem Miſerere in der Siyxtiniſchen Kapelle, der Benediktion von der äußeren Loge der Peterskirche aus, der Palmenweihe, der Fußwaſchung und der Apoſtelſpeiſung konnte Wilken in der unmittelbaren Begleitung des Kardinals, der ihm in der freundlichſten Weiſe ſelbſt die Gebräuche erklärte, oder an einem von dieſem auf das fürſorglichſte ihm ausgeſuchten Platze beiwohnen. Er beſuchte auch den früheren Kardinal⸗ Erzbiſchof von Paris, damaligen Bureauchef des Staatsſekre⸗ tariats, Maury, der einſt Mitglied der franzöſiſchen Natio⸗ nalverſammlung geweſen war, ſah bei Conſalvi den Kardinal Pacca und den greulichen Kardinal Ruffo und verkehrte auch mit dem dort ihm bekannt gewordenen ehemals preu⸗ ßiſchen Diplomaten, dem übel berüchtigten Luccheſini, der, ſeit ſeiner Entlaſſung aus preußiſchen Dienſten litte⸗ rariſch beſchäftigt, an verſchiedenen Orten Italiens lebte. Nach Abſendung der Bücherladung blieb Wilken ſelbſt noch zwei Tage in Rom, um durch beſondere Schreiben noch ſeinem Dank gegen Ramdohr und Lebzeltern Ausdruck zu geben, welche höflich antworteten, und empfing am 17. Mai auch noch den Beſuch des Kardinal-Staats⸗ ſekretärs Conſalvi ſelber, der ihm ſein eigenes franzöſiſches Schreiben an die Profeſſoren der Heidelberger Univerſität ¹) ſowie das die Rückgabe der Handſchriften betreffende latei⸗ niſche Breve des Papſtes ⁴) in eigener Perſon überbrachte. Sonntag den 19. Mai verließ er Rom und traf am nächſten Tag in Foligno und nach mehrtägigem Aufenthalt ¹) Johann Gotthard von R.(1771—1838), ein Kamerad und Freund Schillers von der Karlsſchule her, auch mit Klopſtock befreundet, ²) Noch am Tage ſeiner Abreiſe erhielt Wilken von ihm einen (mir vorliegenden) Brief mit einer Einladung zur Tafel en petite société für den 23. Mai. ²) Eine Abſchrift des für Wilken ſehr ſchmeichelhaften Schrift⸗ ſtückes liegt mir vor. ⁴) Abgedruckt in dem kurzen Bericht Wilkens in den Heidel⸗ berger Jahrbüchern 1816. Intelligenzblatt Nr. 3. S. 27. in Florenz am 1. Juni nochmals in Bologna mit dem Transport zuſammen, ordnete in Modena die Douane⸗ geſchäfte, um dort eine Offnung der Kiſten abzuwenden, und traf am 13. Juni wieder in Heidelberg ein, wo der von ihm gehobene Bücherſchatz über Bozen und Konſtanz Im Verein mit den im Jahre zuvor aus Paris er⸗ haltenen Manuſkripten ſtellten die durch Wilkens zweite Reiſe der Univerſität zurückgewonnenen Handſchriften, unter denen der Otfried ausſchließlich durch Wilkens eigene Maßregeln zurückgewonnen worden iſt, einen wiſſenſchaftlichen Schatz dar, wie keine andere deutſche Lehranſtalt einen gleichen beſitzt, und insbeſondere war die reiche Sammlung der wiedererhaltenen deutſchen Manuſkripte¹) einzig in ihrer Art und bildet eine reiche Fundgrube ſowohl für die Geſchichte der deutſchen Sprache, wie für die Geſchichte des Vaterlandes und beſonders der wiſſenſchaftlichen Beſtre⸗ bungen in Deutſchland. Die Reiſe Wilkens hatte 110 Tage gedauert und nach ſeinen auch in den Einzelheiten intereſſanten Notierungen 3538 fl. und 5 kr. Koſten verurſacht; dazu kamen aber für den Transport der vier zuſammen 4485 Pfund wiegenden Kiſten noch 1022 fl. 55 kr. und für Ver⸗ packung 171 fl. 45 kr., ſo daß ſich die Geſamtkoſten der Überführung der Bücher aus Rom auf 4732 fl. und 45 kr. beliefen; dieſe übernahm die Staatskaſſe für die Uni⸗ verſität. Unter Genehmigung„ſeiner mäſigen Unkoſten⸗ berechnung“ wurde ihm am 4. November„die beſondere Zufriedenheit des Großherzogs Karl über ſeinen mit Eifer und Klugheit vollzogenen Auftrag“ zu erkennen gegeben. Schon während der erſten Tage von Wilkens Auf⸗ enthalt in Rom war, wie oben erwähnt, ein Brief des ihm befreundeten de Wette an ihn gelangt, der ihn über ſeine Geneigtheit einen Ruf nach Berlin anzunehmen befragte. Dieſer Brief, einſtweilen nicht direkt beantwortet, gab jetzt ſeinem Leben die weitere Richtung: zu Oſtern 1817 ſchied er von dem Wirkungskreis ſeiner erſten Mannesjahre, um für den letzten Teil ſeines Lebens²) der nunmehr vor⸗ war ſelbſt Dichter und auch wiſſenſchaftlich thätig. S. Allg. D. Biogr. nehmſten und berühmteſten deutſchen Hochſchule zu Berlin anzugehören. ¹) Sie iſt im Jahre 1888 noch vermehrt worden durch die koſtbare Maneſſiſche Handſchrift, die durch Umtauſch aus Paris(unter einem Koſtenaufwand von 520 000 Mark) nach Heidelberg gelangte. ²) Der Verfaſſer gedenkt dieſen im nächſten Programm der Anſtalt zu behandeln. L24 2 —S8 56988 Druck von L. Döll in Kaſſel. Jahrenbericht über das Schuljahr 1893 94. —orooe I. Die allgemeine Lehrverkallung des Gymnaſiums. 1. Überſicht über die einzelnen Lehrgegenſtände und die für einen jeden derſelben beſtimmte Stundenzahl. VI v WV VII omvn on dIo Religion. 5 2 2 2 2 2 2 2 2 Deutſch und ehetsezitunden. 4 V 3 3 2 V 2 3 3 3 3 Lateiniſch. 1 81 8 7 7 7 7 6 6 6 Griechiſch.((··——— 6 6 6 6 6 6 Franzöſiſch........—— 4 3 3 3 2 2 2 Ceen er.....„rs 7: 1. ⸗:. Erdkunde. 2 2 2 1 1 1 Rechnen und Mathematit. 4 4 4 3 3 4 4 4 4 Naturbeſchreibung. 1 2 2 2 2—-—-—— Phyſit Elemente der Chemie und V V eineralogie....=—(— 2 2 2 2 2 Schreiben. 2 2——-————— Zeichnen.[— 2 2 2 2 G()(2)(S)G Turnen„re. wantn-e.„S. 3 3 3 3 3 3 3 3 Geſang 2 2 Chor..... 3 V Engliſch. ö(2) ehriiſihene eneat en zaran, af, ii, en T ria Se(2)) . V Dieſer Unterricht wurde von 14 Lehrern gegeben und zwar im S. in 288, im W. in 291 Stunden(ſ. die folgenden Seiten). 2. Überſicht über die Verteilung der a. Im Sommerhalbjahr. Wenzel. nwd dᷣSS⸗ — 3[Srun. Ordi. U eh, wordi, h 1 IIII III= IV V VI Dr. Heußner, 10 Sophokles⸗ DDrras 2 Deutſch 3 Vergil 2 Direktor Homerus 3 ————ꝗᷓʒᷓʒ—————-—— Oberl. Prof. 17. Mathematik 4 Mathematik 4 Mathematik 3 Dr. Zuſchlag Phyſik 1 Phyſik 2 Naturkunde 2—— Oberl. Prof. Latein 6 Griechiſch 6 Geſc. u. Ggr. 3 ſgragſie 3 2 Püttgen 17 1 4 Oberl. Prof. 18 1 aaten 6 Deutſch 3 Dr. Kius* Geſchichte 3 Griechiſch 6 Oberl. Prof.„ 1, Latein 4 Grieciſch 6 SGrreechjiſch 6 Stoll 2 Geſchichte 3 Franzöſiſch 3 df Religion 2 Religion 2 Religion 2 Religion V MNReligion 2 Oer Prj. e, e debräſſch 2 V Deuſſch 2 V düp Hebräiſch 2 Latein 7—— —— Deutſch 31 Latein 5 Geſch. u. Ggr. 4 Oberl. Paulus 21 II. Griechiſch 3 I Franzöſiſch 3 V V Turnen 3 V— „ Dr. Heer⸗ 23— Mathematik 4 Mathematik 4 asa 3 Mathematik 4 mann Pöyſit 2 Phyſik 2 Naturkunde 2 Naturkunde 2 3— Franzöſiſch 2 Deutſch Satein 7 4 „ Prätorins 2. II Feſchichte 3 e u.. Ggr. 3 k eazehni 3 4— Turnen 2 1 Franzöſiſch 2 Franzöſiſch 2en liſch 2 Deutſch 3 „Dr. Brede IV rans ſns Cghorgeſang.. L- V3 Latein 7 Engliſch 2 SFranzoͤſiſch 4 I“ Griechiſch 65 Deutſch u. G. Z3 „ Dr. Piſtor 22 V G 3 Latein 8 — I——— 119. 1Gs Geographie 2 Religion 2 Religion 2 Religion 2Religion Hülfsl. Dr. 25 VI Deutſch 2 Deutſch u. G. Schneider* V V V ſerein G 2 4— 2 urnen ' Turuen 1 Turnen 3 Turnen 3 Rechnen 4 Rechnen Elementarl. 28“4 3 V V V aheabunde zieilie — Turnen reiben eſang Bättenhauſen Geſang 2 Turnen Turnen 3 Sägentehrer 10 V 2 icnen 27 ferer t 25— 21— e0 ib 67 Wenzel— V ſricnen Zei n Zeichnen Zeichnen G chreiben Die katholiſchen Schüler erhielten Religionsunterricht in drei Abteilungen([—IIi; II.— III; IV— VI) je 2 St. im Wilhelms⸗Gymnaſium mit den Schülern dieſer Anſtalt bei dem Kaplan Jeſtädt, ebenſo die Schüler der I und II fakultativen Zeichenunterricht in 2 St. im Wilhelms⸗Gymnaſium mit den Schülern dieſer Anſtalt bei dem Zeichenlehrer Kand. Bode gab bis zu den Juliferien Deutſch in IIIa, Kand. Thieme Geſchichte, Geographie und Turnen in III und Geographie in VI, letztern Unterricht von den Juliferien bis zum Ende des Halbjahrs der Direktor. Stunden unter die einzelnen Lehrer. b. Im Winterhalbjahr. S 2; 1 3 n. ordt. l⸗ II Il= III III= IV V VI — zahl. 1 Dr. Heußner, 11— Sophokles⸗ Horaz 2 Deutſch 3 Direktor Homerus 3 Homerus 3 V Oberl. Prof. 1;/— Mathematik 4 Mathematik 4 Mathematik 3 V Dr. Zuſchlag— Phyſit 2 Phyſit 2 Naturkunde 2 4 V Oberl. Prof. Im V akein 6 Griechiſch 6“ Püttgen 15 Griechiſch 3. nſe— Oberl. Prof. 20 Latein Deutich 3 Geſchichte 2 V Dr. Kius erwhii 3 Griechiſch 6 1 Latein 4— 5 m Geſch. u. Ggr. 3 n Geographie 2 5 Geographie 2 Oberl. Prof. 21 l Geſchichte 3 deſao 6. Stoll Franzöſiſch 3 . Religion ²Religion 2 Religi 2 Religi 2 Relicion 2—— 3 gion Religion g Oberl. ee 23 2 Heb raiſch 2 6 Deuiſch 2 Hüpeden V Hebräiſch 2 Latein 7 Deutſch 3 Turnen 39 Latein 7 S— 3 aulus 22 II Sriechiſch 3 Kranzöſiſch 3 — Turnen—. „„ Dr. Heer⸗ 23— Mathemani 4 Mathematit 4 Mathematik 3 Mathematik 4 — mann 3 Pövſit 2 Phyſit 2 Phyſik 2 Naturbeſchr. 2 ———.———— . Franzöſiſch 2 Deutſch 3 Latein 7 „ Prätorius 23 III Geſchichte 3 Geſchru Ggr. 3 Tranzöfiſch 3 V ſͤſͤſ— Turnen——“ Franzöſiſch 2 Franzöſiſch 2Enaläch 2 Deutſch 3 „ Dr. Brede 22+ 3 IV Chorgeſang.. I— V 3 Latein 7 Engliiſch 2 Franzöſiſch 4 —— 3———— Griechiſch 6 Geographie 2 Deutſch u. G. 3 „ Dr. Piſtor 24 V Geſch. u. Ggr. 3 Latein — Geographie 2 4 1 Moligi 2 RNeliaf ülfs 5.„ gion Religion 2 Religion 2 Religion 3 . diſf, Van 2 V Deutſch 2 ſielg Turnen 2 euſſchn. G. 4 3 atein 8 ——y—————, 2 1 Turnen 1 Turnen 3 Turnen 3 Tähnen 1 Purnen 3 ) 1 Rechnen echnen 4 1 Sleuciann 28 4— Turnen 3 V Schreiben 2 Geſang 2 enhau Heſan ſchr 2 Naturbeſchr. 2 aturbe 2 1 ͤſͤſſſſſſ“ 9 2 1 2 benchrer 10 1 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Schreiben 2 Kand. Auth gab während des Winterhalbjahres Mathematik in IV, Raturbeſchreibung und Turnen in V. über den wiſſenſchaftl. Hülfslehrer Homburg ſ. S. 18. 2. Überſicht über die Verteilung der a. Im Sommerhalbjahr. Stunden unter die einzelnen Lehrer. b. Im Winterhalbjahr. Wenzel. III, und Geographie in VI, letztern Unterricht von den Juliferien bis zum Ende des Halbjah Die katholiſchen Schüler erhielten St. im Wilhelms⸗Gymnaſium mit den Schülern dieſer Anſtalt bei dem fakultativen Zeichenunterricht in 2 St. im Wilhelms⸗Gymnaſium mi Kand. Bode gab bis zu den Juliferien Deutſch in IIIz, Kand. Thieme Geſchichte, Religionsunterricht in drei Abteilungen(—IIi; II—III2; IV—VI) je 2 Kaplan Jeſtädt, ebenſo die Schüler der I und II it den Schülern dieſer Anſtalt bei dem Zeichenlehrer Geographie und Turnen in rs der Direktor. 5 Stun⸗ Ordi. f— Stun⸗ 5. 3 den⸗ Ia III II. I IIII IV V VI ordi.— — Wurhue— 1 mare l le II Il⸗ III IIl= IV V v Dr. Heußner, Sophokles⸗— 2 Deutſch 3 Vergil 2 Dr. Heußner,(Sophokles⸗ Direktor] 10 Homerus 3 V b Direktor— 41 vomerus. 2deus 3 b———— 1 Oberl. Prof.— Mathematik 4 Mathematik 4 Mathematik 3 dber Prof. 8 1—ꝛx;; V Dr. Zuſchlag 17 Phyſik 2 Phyſik 1 2 Naturkunde 2 3 Dr. Zuſchlag 1,—— Aahenaun 4 ahnfteatt 4 Mathematit 3——— Oberl. Prof. 17 II Latein 6 Griechiſch 6 Geſch. u. Ggr. 3 Geographie 2 Oberl. Prof. 15 II. b— e, 55 aturune. Püttgen 4 V Püttgen 5 V driecſg gGriechich 3— ——————————————— 5 Oberl. Prof. Latein 6 Deutſch 3 Oberl. Prof. Latein D——— Dr. Kius 18 I ehähte 3 Griechiſch 6 1 1 Dr. Kius hr Kins 20 1I Geſchichte TSeuich 3 V Geſchichte 2—— Oberl. Prof. 22 1 Latein 4 Griechiſch 6 Griechiſch 6 V Deor er Laen. 1 3.— Stol 1 Geichichte ³ antſih— 3— Lrdof. 21 p. dneanhte 4 GWeſtucgr 3 Geugeaoh 2 Oberl. Prof. Religion 2 Religion 2 Religion 2 Religion 2 Religion 2— 3 V I Geiediſc 6 V Hüpeden 23 III. debrütſc 2 Deutſch 2 Oberl. Prof. leligin„Hf 2 Neligion 2— debräiſch 2 Latein 2 Hüpeden 2 II’ der dch 2 Religion 2 Religion 2— Deutſch 3 r Latein 5 Geſch. u. Ggr. 4“ Sebräiſch 2 2 V Saue 2 Oberl. Paulus 21 II. Griechiſch 3 I Franzöſiſch 3 nfc 3 Turn Latei———— V Turnen 3 V Oberl Paulusſ 22 II. Seuns V ennne 3 ——————— i „ Dr. Heer⸗ 23— Mathematik 4 Mathematik 4 Mathematik 3 Mathematik 4—— Turnen 3 mann— Phyſik 28— Phyſit 2 2 Rauutkunde 2 Naturkunde 2 Dr. Heer⸗ 23— Mathematik 4 Mathematik 4— Math emratik 13 nkemafſf 1—— Franzöſiſch eif 3 Latein—— Phyſik 26n Phyſit 2 Phyſik 2 Bannndefhr 3 „ Prätorius 23 II Geſchichte 3 Geſch. u. Ggr. 3 Tuanzäfſg 3 4——— eatur eſchr urnen 2„Prätorius 23 III Franzöſiſch 2 Deutſch 3 Latein 7—— 2— 4 ſeſchichte 3 Geſch. u. Ggr. 3 Franzöſiſch 3 „Dr. Bred 22+ 3 IV Franzöſiſch 2 Frauzöſiſch 2 2 Engliſch 2 Ch ſ I—V 3 Deltſch 3———— Turnen 2 r. Brede. orgeſang.. L— in 4 öſiſch 2 zſiſch 2;—-——— V Engliſch 2 V V Franzöſiſch 4„ Dr. Vrede 22 3 Iv Franzoſich 2 Franzöſſſh Senuns 2 Choracß Deutſch 3 aſſͤ— Griechiſch 6 8 4 Deutſch u. G. 3 Engliſch 2 I geſang. Ir V 3 Latein 7 „pr Piſor 22 V V Gashar 3 drtein, 3——— SG— Franzoſiſch 4 V „ Dr. Piſtor 24 V riechiſch 6 Geo 2 Deut 3 3 Religion 2 Religion 2 Religion 2Religon 3—— Geſch. u. Ggr. 3 graphie Deutſch 6. 8 Hülfsl. Dr. 25 VI Deutſch 2 Deutſch u. G. 4— 1 Geographie 3 Schneider— Latein 8 dülfsl. Bau⸗ 25 VI Rcliion hf T heee een Turnen 2 mann 5 Deußſch 2 Religion 2 Neligion ²eligion 3 LTuruen 1 Turnen 3 Turnen 3 Rechnen 4 Rechnen 1—————. urnen 2 Deutſch u. G. 44 El⸗ tarl. Naturkunde Naturkunde 2* V Turnen 1 Tur 1 S 25 enen arl. 28 44— Turnen 3 Schreiben 2 Geſang 2 Elementarl. 28 44 urnen 3 Turnen 3 Turnen 1 Turnen 3 ä tenhauſen Geſang 2 Turnen 1 Vättenhauſen S Turnen 3 Rechnen 4 Rechnen 4 — Turnen 3 Schreiben 2 Geſang 2 ,—— 3—— ö Geſang ² Naturbeſchr. 2 Seigentegrer 10— V Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Schreiben 2 Jeichenlehrer 10——— Naturbeſchr. 2 enzel. ———— Tenz Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Schreiben 2 Kand. Auth gab während des Wir nterhalbjahres Mathematik V über den wiſſenſchaftl. Hülfslehrer heetie ſ e. 10 i i Ih Naturbeſchreibung und Turnen in V. 3. überſicht über den während des abgelaufenen Schuljahres erledigten Lehrſtoff. (S: bezeichnet das Sommer⸗, W: das Winterhalbjahr.) Oberprima. Ordinarius: Prof. Dr. Kius. 1. Evangeliſche Religionslehre(2 St. w.). Erklärung des Römerbriefes. Glaubens⸗ und Sitten⸗ lehre im Anſchluß an den Katechismus und auf Grund des Augsburger Glaubensbekenntniſſes, nebſt kurzer Einleitung über die drei alten Symbole. Wiederholung der Kirchengeſchichte, der früher gelernten Pſalmen und Kirchenlieder. Erklärung des Evangeliums Johannis, ſtellenweiſe mit Zugrundelegung des Urtextes. Darbietung des Wichtigſten aus der Symbolik. S: Hüpeden; W: Homburg. Katholiſche Religionslehre(2 St. w. mit Unterprima und Oberſekunda verbunden). Die Wahr⸗ heit des Chriſtentums nach Drehers Lehrbuch. Jeſtädt. 2. Deutſch(3 St. w.). Lebensbilder aus der deutſchen Litteraturgeſchichte von Klopſtock bis zu Goethes Tode. Schillers Maria Stuart. Goethes Taſſo und Iphigenie. Schillers und Goethes Gedankenlyrik. Auswahl aus Leſſingſchen und Schillerſchen Abhandlungen. Die wichtigſten Dichter der Neuzeit. Freie Vorträge. Aufſätze. Paulus. Themata der Aufſätze: 1. Meine Lieblingsgeſtalt im Wallenſtein.— 2. Die Vorzüge der allgemeinen Wehrpflicht. — 3. Enthält der am Delphiſchen Tempel angebrachte Spruch(„ν ϑι-αια) eine tiefe Weisheit?— 4. Leiceſter und Mortimer.(Klaſſenarbeit).— 5. Warum würdigt die Nachwelt die großen Männer beſſer als die Mitwelt?— 6. Welche Wirkung übt die Muſik auf den Menſchen?(Klaſſenarbeit).— 7. Die Seelenkrankheit Taſſos.— 8. Iſt die Geſchichte berechtigt, Demoſthenes einen großen Mann zu nennen?(Prüfungsarbeit.) 3. Latein(6 St. w.). Cicero pro Sestio; Tacitus Germania. Horatius Oden, Satiren, Epiſteln mit Auswahl. Auswendiglernen einer Anzahl von Oden. Grammatiſſche und ſtiliſtiſche Wiederholungen. Dr. Kius. 4. Griechiſch(6 St. w.). Hom. II. XIIIXXIV mit Auswahl. Soph. Aias.(3 St.) Der Direktor.— Platon. apol. Demoſthenes, die 3 Ol. u. eine Phil. Rede. Alle 4 Wochen eine Über⸗ ſetzung(3 St.) Paulus. 5. Franzöſiſch(2 St. w.). Molidère, Le Malade imaginaire. Mignet, Histoire de la révolution frangaise. Gelegentliche grammatiſche Wiederholungen und mündliche Überſetzungen aus dem Deutſchen ins Franzöſiſche. Schriftliche Überſetzungen aus dem Franzöſiſchen ins Deutſche. Sprechübungen im Anſchluß an die Lektüre. Dr. Brede. 6. Engliſch. Lektüre von Dickens, The Cricket on the Hearth. Grammatiſche Wiederholungen nach dem Elementarbuch von Tendering. Mündliche und ſchriftliche Übungen im Anſchluß an Lektüre und Grammatik. Dr. Brede. 7. Hebräiſch(2 St. w.) mit I vereinigt. Leſen des erſten Buches Moſe mit Auswahl; Er⸗ klärung ausgewählter Pſalmen. Wiederholung der Formenlehre nach Strack. Gelegentliche Darbietung des Notwendigſten aus der Syntax. Schriftliche übungen. S: Hüpeden; W: Homburg. 8. Geſchichte und Erdkunde(3 St. w.). Neuere und neueſte Geſchichte nach Herbſt. Geſchichtliche und geographiſche Wiederholungen. Dr. Kius. 9. Mathematik(4 St. w.). Abſchluß der Stereometrie. Binomiſcher Lehrſatz. Koordinaten⸗ Geometrie. Dr. Heermann. 10. Phyſik(2 St. w.). Lehre vom Licht und mathematiſche Erdkunde. Dr. Heermann. 11. Geſang(2 St. w.). Chorgeſang. Dr. Brede. Unterprima. Ordinarius: Profeſſor Stoll. 1. Evangeliſche Religionslehre(2 St. w.). Die Hauptepochen der Kirchengeſchichte nach Hollenberg. Erklärung des Evangeliums Johannis, ſtellenweiſe mit Zugrundelegung des Urtextes. Das Wichtigſte aus der Symbolik. Gelegentliche Wiederholung von früher gelernten Pſalmen, Sprüchen und Kirchen⸗ liedern. S: Hüpeden; W: Homburg.“ Katholiſche Religionslehre(2 St. w.) mit Oberprima vereinigt. 2. Deutſch(3 St. w.). Luther und das deutſche Kirchenlied. Hans Sachs. Klopſtocks Meſſias und Oden mit Auswahl. Goethes Iphigenie. Euripides Iphigenie bei den Tauriern. Sophokles Philoktet. Schillers Braut von Meſſina. Leſſings Laokoon. Dr. Kius. Themata der Aufſätze: 1. Wie erwirbt man ſich Mut?— 2. Divide et impera. Eine Warnung für unſer Volk. — 3. Iſt Antigone frei von aller Schuld?— 4. Dein wahres Glück, du Menſchenkind, O glaube doch mit nichten, Daß es erfüllte Wünſche ſind, Es ſind erfüllte Pflichten.(Klaſſenarbeit).— 5. Iphigenie bei Euripides.— 6. Wodurch iſt der deus ex machina im Philoktet gerechtfertigt?— 7. Die Schuld des Aias.— 8. Schillers Beatrice und Goethes Iphigenie. (Klaſſenarbeit). 3. Latein(6 St. w.). Horat. Od. I u. II und Satiren mit Auswahl. Auswendiglernen einer Anzahl Oden.(2 St.). Der Direktor.— Ciceros Briefe, Tacitus Germania und Annalen I mit Auswahl; III, 1—15 als Privatlektüre. Üüberſetzungen aus dem Lateiniſchen ins Deutſche alle 6 Wochen; überſetzungen aus dem Deutſchen ins Lateiniſche im Anſchluß an die Lektüre oder an grammatiſche Wiederholungen.(4 St.). Stoll. 4. Griechiſch(6 St. w.). Sophokles Antigone. Hom. Ilias VI— XII. Thukydides I. Dr. Kius. 5. Franzöſiſch(2 St. w.). Töpffer, La Bibliothèque de mon oncle. Molière, Les Précieuses ridicules. Gelegentliche grammatiſche Wiederholungen nebſt mündlichen Überſetzungen aus dem Deutſchen ins Franzöſiſche. Schriftliche Überſetzungen aus dem Franzöſiſchen ins Deutſche. Dr. Brede. 6. Engliſch(2 St. w.) mit Oberprima verbunden. 7. Hebräiſch(2 St. w.) mit Oberprima verbunden. 8. Geſchichte und Erdkunde(3 St. w.). Geſchichte des Mittelalters und neuere Geſchichte bis 1648 nach Herbſt. Geographiſche Wiederholungen. Stoll. 9. Mathematik(4 St. w.). Arithmetiſche und geometriſche Reihen nach Heis. Zinſeszins⸗ und Rentenrechnung. Beendigung der Trigonometrie. Stereometrie nach Nagel. Dr. Zuſ chlag. 10. Phyſik(2 St. w.). Mechanik und Lehre vom Licht(I. Teil). Dr. Zuſ chlag. 11. Geſang(2 St. w.). Chorgeſang. Dr. Brede. Oberſekunda. Ordinarius: Profeſſor Püttgen. 1. Cvangeliſche Religionslehre(2 St. w.. Erklärung der Avoſtelgeſchichte. Pauli Miſſions⸗ reiſen; deſſen Briefe nach ihren Veranlaſſungen. Erklärung des Galaterbriefs und des Philipperbriefs, ſowie einiger anderer neuteſtamentlicher Schriftabſchnitte. Wiederholung des Katechismus, ſowie der früher gelernten Sprüche, Pſalmen und Kirchenlieder. S: Hüp eden; W: Homburg. Katholiſche Religionslehre(2 St. w.) mit Prima vereinigt. 2. Deutſch(3 St. w.). Nibelungenlied und Gudrun, Parzival, Walther von der Vogelweide, zum Teil im Urtext.— Ausblicke auf nordiſche Sagen und die großen germaniſchen Sagenkreiſe. Sprach⸗ geſchichtliche Belehrungen.— Leſen von Freytags Ingo und Ingraban, Schillers Wallenſtein, Leſſings Philotas, Goethes Egmont. Der Direktor. Themata der Aufſätze: 1. Welchen Nutzen und Segen gewährt uns die Betrachtung der Natur?— 2. Siegfried im Nibelungenlied.— 3. Warum empfinden wir ſo tiefes Mitleid mit dem Tode Rüdigers von Bechlarn?(Klaſſenarbeit). — 4. Der Gang der Handlung in den drei letzten Kapiteln von Freytags Ingo.— 5. Die Folgen des peloponneſiſchen Krieges für Griechenland.— 6. Wallenſteins Lager als ein Teil der Expoſition zu dem ganzen Drama.— 7. Parzivals Charakter in ſeiner Entwickelung.— 8. Der Charakter Ingrabans bei Freytag.— 9. Daß wir Menſchen nur ſind, der Gedanke beuge das Haupt dir; Doch daß Menſchen wir ſind, hebe dich freudig empor.(Klaſſenarbeit).— Außerdem wurden noch 5 kleine Klaſſenarbeiten geſchrieben. 3. Latein(6 St. w.). Verg. Aen. IV— XII. mit Auswahl; einige Stellen wurden auswendig gelernt. Liv. XXI, 1—41 mit Auswahl; Cic. orat. pro Milone. Privatlektüre: Liv. XXI, 42 bis zum Schluſſe und Cic. Cat. I u. IV. Grammatik nach Ellendt⸗Seyffert(§§ 215— 238). Alle 14 Tage ſchriftliche Haus⸗ oder Klaſſenarbeiten im Anſchluß an die Lektüre. Alle 6 Wochen eine ſchriftliche überſetzung aus dem Lateiniſchen ins Deutſche. Püttgen. 4. Griechiſch(6 St. w.). Hom. Od. VII—XXIV mit Auswahl.(3 St. w.) S: Stoll; W: Der Direktor.— Herod. hist. V— VIII mit Auswahl.(2 St.). Grammatik nach Bamberg (§§ 71— 160).(1 St.) Alle 4 Wochen eine ſchriftliche überſetzung aus dem Griechiſchen ins Deutſche. S: Stoll; W: Püttgen. 5. Franzöſiſch(2 St. w.). Erckmann-Chatrian, Waterloo; Daudet, Lettres de mon moulin. Gelegentliche grammatiſche Wiederholungen; alle 14 Tage eine Überſetzung aus dem Franzöſiſchen ins Deutſche. Übungen im Sprechen. Praetorius. 6. Engliſch(2 St. w.). Einführung in die Ausſprache und die wichtigſten grammatiſchen Geſetze im Anſchluß an die Leſeſtücke und die grammatiſchen Abſchnitte von Tendenrings Elementarbuch. Dr. Brede. 4 7. Hebräiſch(2 St. w.). Formenlehre nach Strack; ſchriftliche Übungen. Leſen aus dem 1. Buch Moſe, Kap. 1—3. S: Hüpeden; W: Homburg. 8. Geſchichte und Erdkunde(3 St. w.). Griechiſche und römiſche Geſchichte nach Herbſt. Geo⸗ graphiſche Wiederholungen. Praetorius. 9. Mathematik(4 St. w.). Potenzen, Wurzeln, Logarithmen. Gleichungen einſchließlich der quadratiſchen mit mehreren Unbekannten. Arithmetiſche und geometriſche Reihen erſter Ordnung. Ab⸗ ſchluß der Ähnlichkeitslehre(Goldner Schnitt, einiges über harmoniſche Punkte und Strahlen). Ebene Trigonometrie. Dr. Heermann. 10. Phyſik(2 St. w.). Wärmelehre. Magnetismus und Elektrizität. Wiederholung der chemiſchen und mineralogiſchen Grundbegriffe. Dr. Heermann. 11. Geſang(2 St. w.). Chorgeſang. Dr. Brede. Unterſekunda. Ordinarius: Oberlehrer Paulus.. 1. Evangeliſche Religionslehre(2 St. w.). Leſen ausgewählter, namentlich prophetiſcher Stellen aus dem alten Teſtament. Erklärung des Evangeliums Lukas. Wiederholung des Katechismus mit Aufzeigen ſeiner inneren Gliederung. Im Zuſammenhang damit Wiederholung von Pſalmen, Sprüchen und Kirchenliedern. S: Hüpeden; W: Homburg. Katholiſche Religionslehre(2 St. w.). Allgemeine und beſondere Sittenlehre, ſowie Abriß der Kirchengeſchichte nach dem Leitfaden von Dubelmann. Katechismus, II. Hauptſtück wiederholt. Jeſtädt. 9 2. Deutſch(3 St. w.). Schillers Jungfrau von Orleans; Goethes Hermann und Dorothea; Leſſings Minna von Barnhelm.— Häusliche und Klaſſenaufſätze; kleine ſchriftliche Arbeiten in der Klaſſe: Stillehre. Vortragen auswendig gelernter Gedichte, ſowie kleiner eigener Ausarbeitungen. Praetorius. Themata der Auffätze: 1. Cäſar und Arioviſt in ihrem Kampfe um die Oberherrſchaft in Gallien.— 2. Warum erſcheint uns die Erhebung der Schweizer in Schillers Wilhelm Tell nicht als eine Revolution?— 3. Freie Üüberſetzung der Rede Hannos(Livius XXI, 10).(Klaſſenarbeit).— 4. Welches Bild entwirft uns Schiller in der Expoſition der Jungfrau von Orleans von der Lage Karls und Frankreichs?— 5. Der Heldin Schuld und Sühne in Schillers Jungfrau von Orleans.(Klaſſenarbeit).— 6. Walther Fürſt, Werner Stauffacher, Arnold Melchthal, die Gründer der ſchweizeriſchen Eidgenoſſenſchaft.(Vergleichende Charakteriſtik).— 7. Was erfahren wir aus dem erſten Geſang von Goethes Hermann und Dorothea über Ort, Zeit und Perſonen?— 8. Welche Verdienſte hat ſich Friedrich der Große um Preußen erworben?— 9. Hermann und Dorothea von ihrer erſten Begegnung bis zu ihrer Verlobung.(Klaſſenarbeit).— 10. Was verdanken und was ſchuldeu wir dem Vaterlande?(Prüfungsarbeit). 3. Latein(7 St. w.). Verg. Aen. I. II. III. mit Auswahl.(Nach Lange).(2 St.). S: Der Direktor; W: Paulus.— Liv. XXI. zum Teil. Cic. de imp. On. Pomp. Übungen im un⸗ vorbereiteten Überſetzen und Rücküberſetzen.(2 St.). Wiederholung der ganzen Formenlehre und Syntax mit Ergänzung der letzteren nach Ellendt⸗Seyffert.— Wöchentlich eine ſchriftliche Arbeit, und zwar in der Regel eine Überſetzung ins Lateiniſche im Anſchluß an Geleſenes; alle 6 Wochen ſtatt deſſen eine überſetzung ins Deutſche.(3 St.). Paulus. 4. Griechiſch(6 St. w.). Hom. Od. I-VII mit Auswahl. Auswendiglernen einzelner Abſchnitte; Xenoph. anab. III u. IV. mit Auswahl.(4 St.) Grammatik nach Bamberg(§§ 1—70). Wieder⸗ holung der Formenlehre nach Franke. Alle 14 Tage eine ſchriftliche Überſetzung aus dem Deutſchen ins Griechiſche(Haus⸗ und Klaſſenarbeiten) nach Seyffert und nach Diktaten(2 St.) Püttgen. 5. Franzöſiſch(3 St. w.). Lektüre aus der Chreſtomathie von Plötz und Histoire d'un conscrit von Erkmann⸗Chatrian. Grammatik nach Plötz' Schulgrammatik(Lekt. 58— 79). Schriftliche und mündliche Üüberſetzungen aus dem Deutſchen ins Franzöſiſche; Diktate, Sprechübungen. Paulus. 6. Geſchichte und Erdkunde(3 St. w.). Deutſche und preußiſche Geſchichte vom Regierungsantritt Friedrichs des Großen bis zur Gegenwart. Heſſiſche Geſchichte. Wiederholung der Erdkunde Europas. Praetorius. 7. Mathematik(4 St. w.). Potenzen, Wurzeln, Logarithmen. Gleichungen 1. Grades mit einer und mehreren Unbekannten, wie Gleichungen 2. Grades mit einer Unbekannten. Trigonometriſche Be⸗ rechnung rechtwinkliger Dreiecke und regelmäßiger Vielecke. Berechnung von Prisma, Cylinder, Pyramide und Kegel. Lehre von den Verhältniſſen und von der Ähnlichkeit der Dreiecke nebſt geometriſchen Auf⸗ gaben aus dieſem Gebiete. Dr. Zuſchlag. 8. Phyſik(2 St. w.). Magnetismus und Elektrizität, die wichtigſten chemiſchen Erſcheinungen und einfache Abſchnitte aus der Optik und Akuſtik. Dr. Zuſchlag. 9. Geſang(2 St. w.). Chorgeſang. Dr. Brede. Obertertia. Ordinarius: Oberlehrer Praetorius. 1. Evangeliſche Religionslehre(2 St. w.). Geſchichte des Reiches Gottes im neuen Bunde. Leſen entſprechender bibliſcher Abſchnitte. Reformationsgeſchichte im Anſchluß an das Lebensbild Luthers. Zu⸗ ſammenfaſſende Wiederholung des geſamten Katechismusſtoffes mit den früher gelernten Sprüchen, Pſalmen und Kirchenliedern. S: Dr. Schneider; W: Baumann. Katholiſche Religionslehre(2 St. w.) mit Unterſekunda vereinigt. 10 — 2. Deutſch(2 St. w.). Lektüre nach Hopf und Paulſiek. Schillers Glocke und Wilhelm Tell. Das Notwendigſte aus der Poetik und Rhetorik. Aufſätze und Anleitung zum Disponieren. Gramma⸗ tiſches gelegentlich, Übungen im Vortragen auswendig gelernter Gedichte. S: Dr. Schneider; W: Baumann. 3. Latein(7 St. w.). Ovid. met. mit Auswahl nach Siebelis I. Anfangsgründe der Metrik nach Ellendt⸗Seyffert. Caes. bell. gall. I, VI, VII mit Auswahl(4 St.) Syntax nach Ellendt⸗Seyffert (§§ 189— 382). Wiederholung von§§ 94—188. Schriftliche Üüberſetzungen aus dem Deutſchen ins Lateiniſche(häusliche und Klaſſenarbeiten), alle 6 Wochen eine Üüberſetzung aus Cäſar. Mündliche Üübungen nach Süpfle.(3 St.) Praetorius. 4. Griechiſch(6 St. w.). Xen. anab. I und II.— Grammatik nach Franke⸗Bamberg(§§ 77—97 und Wiederholung von§§ 1— 75). Mündliche Übungen und ſchriftliche Überſetzungen(häusliche und Klaſſenarbeiten alle 14 Tage) aus dem Deutſchen ins Griechiſche nach Oſtermann und nach Diktaten. Dr. Piſtor. 5. Franzöſiſch(3 St. w.). Lektüre aus der Chreſtomathie von Plötz.— Grammatik nach Plötz' Schulgrammatik(Lektionen 24— 28, 46—57). Wiederholung des Lehrſtofſes der Ouarta und Untertertia. Diktate; ſchriftliche Überſetzungen aus dem Deutſchen ins Franzöſiſche(häusliche und Klaſſenarbeiten). Leſe⸗ und Sprechübungen im Anſchluß an die Lektüre. Praetorius. 6. Geſchichte(2 St. w.). Deutſche, insbeſondere brandenburgiſch⸗preußiſche Geſchichte von 1517 bis 1740. Dr. Piſtor. 7. Erdkunde(1 St. w.). Wiederholung der phyſiſchen Erdkunde Deutſchlands. Die deutſchen Kolonieen. Dr. Piſtor. 8. Mathematik(3 St. w.). Multiplikation und Diviſion abſoluter und relativer Dahlen. ſowie algebraiſcher Summen. Gleichungen 1. Grades mit einer und mehreren Unbekannten(Heis§ 61, 63, 65 und 67). Potenzen mit poſitiven ganzzahligen Exponenten. Sätze über Flächengleichheit von Figuren. Berechnung der Fläche geradliniger Figuren. Konſtruktionsaufgaben. Dr. Heermann. 9. Naturbeſchreibung(2 St. w.). Lehre vom menſchlichen Körper.— Abſchnitte aus der Mechanik und aus der Wärmelehre. Dr. Heermann. 10. Geſang(2 St. w.). Chorgeſang. Dr. Brede. 11. Zeichnen(2 St. w.). Nach plaſtiſchen Vorbildern. Wenzel. Untertertia. Ordinarius: S: Profeſſor Hüpeden, W: Wiſſenſch. Hülfsl. Homburg. 1. Evangeliſche Religionslehre(2 St. w.). Erklärung des vierten und fünften Hauptſtückes des Katechismus. Auswendiglernen von Pſalmen und Sprüchen. Wiederholung der früher gelernten Kirchenlieder und Lernen einiger neuer. Belehrung über das Kirchenjahr und die Bedeutung der gottes⸗ dienſtlichen Ordnungen. Geſchichte des Reiches Gottes im alten Bunde nach Kurtz und Erklärung wichtiger Kapitel aus Jeſaia, Jeremia und Ezechiel; Fortführung der Geſchichte Israels vom Verſtummen der altteſtamentlichen Prophetie bis auf Johannes den Täufer. S: Hüpeden; W: Homburg. Katholiſche Religionslehre(2 St. w.) mit Unterſekunda vereinigt. 2. Deutſch(2 St. w.). Lektüre nach Hopf und Paulſiek. Das Wichtigſte aus der deutſchen Grammatik. Gelegentliche Unterweiſungen in der Rechtſchreibung und Zeichenſetzungslehre. Monatlich ein Aufſatz, darunter ab und zu ein Klaſſenaufſatz. Vortragen auswendig gelernter Gedichte. S: Hüpeden; W: Homburg. 3. Latein(7 St. w.). Caesar de bell. Gall. I, 1— 29, II u. III.(4 St.). Syntax nach Ellendt⸗Seyffert: Kaſuslehre mit Auswahl; das Wichtigſte aus der Tempus⸗ und Moduslehre. Mündliche Übungen im Überſetzen; ſchriftliche Überſetzungen(häusliche und Klaſſenarbeiten) aus dem Deutſchen ins Lateiniſche, nach Süpfle und nach Diktaten. Schriftliche Klaſſenarbeiten aus Cäſar(3 St.). S: Hüpeden; W: Homburg.. 4. Griechiſch(6 St. w.). Formenlehre nach Bamberg(§§ 1—75) mit Auswahl. Wörterlernen; mündliche und ſchriftliche Übungen(häusliche und Klaſſenarbeiten) nach Oſtermanns Übungsbuch(I bis XI) und nach Diktaten. Stoll. . 5. Franzöſiſch(3 St. w.). Lektüre. Wiederholung und Erweiterung der Formenlehre vom Verbum nach Plötz' Elementargrammatik(auch Anhang). Mündliche Übungen im Leſen, überſetzen und Sprechen. Schriftliche Überſetzungen(häusliche und Klaſſenarbeiten) aus dem Deutſchen ins Franzöſiſche und umgekehrt; Diktate. Stoll. 6. Geſchichte(2 St. w.). Deutſche Geſchichte bis zum Ausgang des Mittelalters, nach Eckertz. S: Püttgen; W: Stoll. 7. Erdkunde(1 St. w.) Phyſiſche und politiſche Erdkunde der außereuropäiſchen Erdteile nach Daniel. Wiederholung der politiſchen Erdkunde Deutſchlands. Kartenſkizzen. S: Püttgen; W: Stoll. 8. Mathematik(3 St. w.). Arithmetik(1 St.). Buchſtabenrechnung; Addition und Subtraktion abſoluter und relativer Zahlen nach Heis. Planimetrie(2 St.). Parallelogramme. Kreislehre(I. Teil). Dr. Zuſchlag. 9. Naturbeſchreibung(2 St. w.). Beſchreibung einiger ſchwierigerer Pflanzenarten zur Ergänzung der Kenntniſſe in Formenlehre, Syſtematik und Biologie. Einiges aus der Anatomie und Phyſiologie der Pflanzen. Die wichtigſten ausländiſchen Nutzpflanzen. Tiergeographie nebſt Überblick über das Tierreich. Dr. Zuſchlag. 10. Geſang(2 St.). Chorgeſang. Dr. Brede. 11. Zeichnen(2 St. w.). Körperliche Gegenſtände in Umriſſen, verſuchsweiſe auch mit Rückſicht auf Licht- und Schattenflächen. Wenzel. Quarta. Ordinarius: Oberlehrer Dr. Brede. 1. Evangeliſche Religionslehre(2 St. w.). Das Allgemeinſte von der Einteilung der Bibel und die Reihenfolge der bibliſchen Bücher. UÜbungen im Aufſchlagen von Sprüchen. Leſen wichtiger Ab⸗ ſchnitte des alten und neuen Teſtamentes als Wiederholung der bibliſchen Geſchichten. Erklärung des dritten Hauptſtückes und Wiederholung des erſten und zweiten Hauptſtückes des Katechismus. Aus⸗ wendiglernen von Kirchenliedern und Bibelſprüchen, ſowie Wiederholung der bereits in Quinta und Sexta gelernten. S: Dr. Schneider; W: Baumann. Katholiſche Religionslehre(2 St. w.). Das erſte Hauptſtück des Katechismus. Von dem Glauben. Bibliſche Geſchichte des alten Teſtaments bis zur Trennung des Reichs, Nr. 1—63. Jeſtädt. 2. Deutſch(3 St. w.). Leſen, Nacherzählen und Vortragen von Leſeſtücken und Gedichten nach Hopf und Paulſiek. Aufſätze und Diktate; Lehre vom zuſammengeſetzten Satz; das Wichtigſte aus der Wortbildungslehre. Dr. Brede. 3. Latein(7 St. w.). Lektüre aus den in dem Übungsbuch von Oſtermann⸗Müller enthaltenen lateiniſchen Lebensbeſchreibungen.— Wiederholung der Formenlehre; Syntax nach Oſtermann und Ellendt⸗ Seyffert. Mündliche Übungen, Vokabellernen und ſchriftliche Überſetzungen(häusliche und Klaſſenarbeiten) nach Oſtermann und nach Diktaten. Dr. Brede. 94 — 12 4. Franzöſiſch(4 St. w.). Lektüre aus den Leſeſtücken von Plötz, Elementargrammatik. Gram⸗ matik nach der Elementargrammatik(Lektionen 1—84). Mündliche und ſchriftliche Überſetzungen(häus⸗ liche und Klaſſenarbeiten) und Diktate. Dr. Brede. 5. Geſchichte(2 St. w.). S: Griechiſche Geſchichte. Paulus; W: Röniſche Geſchichte. Dr. Kius. 6. Erdkunde(2 St. w.). Europa außer Deutſchland nach Daniel(§§ 71—84, 102—104). S: Paulus; W: Dr. Piſtor. 7. Mathematik(4 St. w.). Wiederholung der Bruchrechnung. Dreiſatzaufgaben nach Fölſing (Kap. IV, V u. VI).— Anfang der Planimetrie nach Uth bis zur Kongruenz der Dreiecke einſchließlich. Konſtruktionsaufgaben dazu. S: Dr. Heermann; W: Auth. 8. Naturbeſchreibung(2 St. w.). Beſchreibung und Vergleichung von Blütenpflanzen zum Auf⸗ finden der wichtigſten natürlichen Pflanzenfamilien.— Kriechtiere, Lurche, Fiſche und wirbelloſe Tiere nach Leunis. Dr. Heermann. 9. Geſang(2 St. w.). Chorgeſang. Dr. Brede. 10. Zeichnen(2 St. w.). Flachornamente. Das Zeichnen nach körperlichen Gebilden wurde an⸗ gebahnt. Wenzel. Quinta. Ordinarius: Oberlehrer Dr. Piſtor. 1. Evangeliſche Religionslehre(2 St. w.). Bibliſche Geſchichte des neuen Teſtamentes nach Kurtz (mit Auswahh. Im Anſchluß daran das zweite Hauptſtück des Katechismus mit Luthers Erklärung. nebſt Sprüchen und 4 Kirchenliedern. Wiederholung der in Sexta auswendig gelernten Abſchnitte des Katechismus und der daſelbſt gelernten Lieder des Geſangbuches. S: Dr. Schneider; W: Baumann. Katholiſche Religionslehre(2 St. w.) mit Quarta vereinigt. 2. Deutſch(2 St. w.). Leſen, Erklären und Vortragen von Leſeſtücken und Gedichten nach Hopf und Paulſiek. Übungen in der Rechtſchreibung und Interpunktion. Satzlehre. Einige Aufſätze. Dr. Piſtor. 3. Latein(8 St. w.). Wiederholung der regelmäßigen Formenlehre; Deponentia; unregelmäßige Formenlehre; einige ſyntaktiſche Regeln. Mürdliche und ſchriftliche Überſetzungen(häusliche und Klaſſen⸗ arbeiten) aus dem Lateiniſchen ins Deutſche und aus dem Deutſchen ins Lateiniſche. Dr. Piſtor. 4. Geſchichtserzählung(1 St. w.). Erzählungen aus der ſagenhaften Vorgeſchichte der Griechen und Römer. Dr. Piſtor. 5. Erdkunde(2 St. w.). Phyſiſche und politiſche Erdkunde Deutſchlands nach Daniel(§§ 85 bis⸗ 101). Dr. Piſtor. 6. Rechnen(4 St. w.). Teilbarkeit der Zahlen. Gemeine Brüche. Einfache Aufgaben der Drei⸗ ſatzrechnung(durch Schluß auf die Einheit zu löſen). Die deutſchen Maße, Gewichte und Münzen. Bättenhauſen. 7. Naturbeſchreibung(2 St. w.). S: Beſchreibung der äußeren Organe der Blütenpflanzen in vergleichendem Anſchluß an verwandte, gleichzeitig vorliegende Arten. Bättenhauſen.— W: Be⸗ ſchreibung wichtiger Wirbeltiere nach vorhandenen Exemplaren und Abbildungen. Grundzüge des Knochenbaues beim Menſchen. Auth. 8. Geſang(2 St. w.). Bättenhauſen. 9. Zeichnen(2 St. w.). Gerad⸗ und krummlinige Formen. Den Stoff dazu boten geometriſche Gebilde, Pflanzenteile, leichte Flachornamente, griechiſche und römiſche Kriegsgeräte. Wenzel. 10. Schreiben(2 St. w.). Bättenhauſen. 13 Serta. Ordinarius: S: Wiſſenſch. Hülfslehrer Dr. Schneider; W: Wiſſenſch. Hülfslehrer Baumann. 1. Evangeliſche Religionslehre(3 St. w.). Bibliſche Geſchichten des alten Teſtamentes und die Feſt⸗ geſchichten aus dem neuen Teſtamente nach Kurtz. Im Anſchluſſe daran wurden das erſte Hauptſtück des Katechismus, die entſprechenden Sprüche und 4 Kirchenlieder auswendig gelernt. Worterklärung des zweiten und dritten Hauptſtückes des Katechismus. S: Dr. Schneider: W: Baumann. Katholiſche Religionslehre(2 St. w.) mit Quarta vereinigt. 2. Deutſch(3 St. w.). Leſen, Erklären, Nacherzählen von Leſeſtücken und Auswendiglernen von Gedichten aus dem Leſebuche von Hopf und Paulſiek. Redeteile und Glieder des einfachen Satzes. Unter⸗ ſcheidung der ſtarken und ſchwachen Flexion. Übungen in der Rechtſchreibung durch wöchentliche Diktate. S: Dr. Schneider; W: Baumann. 3. Latein(8 St. w.). Formenlehre nach der Grammatik von Ellendt⸗Seyffert(§§ 33— 96 mit Auswahl). Müvdliche und ſchriftliche Übungen in der Klaſſe. Wörterlernen im Anſchluß an das Leſe⸗ buch. Wöchentlich eine Klaſſenarbeit. S: Dr. Schneider; W: Baumann. 4. Geſchichtserzählung(1 St. w.). Lebensbilder aus der vaterländiſchen Geſchichte von Karl dem Großen bis Kaiſer Wilhelm I. S: Dr. Schneider; W: Baumann. 5. Erdkunde(2 St. w.). Heimatskunde; überſicht über Deutſchland, Europa und die übrigen Erdteile. Grundlehren der Erdkunde. S: Püttgen; W: Stoll. 6. Rechnen(4 St. w.). Die vier Grundrechnungsarten in benannten und unbenannten Zahlen Einübung der Maße, Gewichte und Münzen. Zeitrechnung. Übungen in der dezimalen Schreibweiſe und den einfachſten dezimalen Rechnungen.(Addition und Subtraktion.) Bättenhauſen. 7. Naturbeſchreibung(2 St. w.). Beſchreibung von Blütenpflanzen, Säugetieren und Vögeln Bättenhauſen. 8. Geſang(2 St. w.). Bättenhauſen. 9. Schreiben(2 St. w.). Wenzel. Vom chriſtlichen Religionsuuterricht war keiner der chriſtlichen Schüler befreit. Jüdiſcher Religionsunterricht(2 St. w.). An dieſem den jüdiſchen Schülern der beiden hieſigen Anſtalten freigeſtellten Unterrichte, welcher in der oberen Abteilung von dem Landrabbiner Dr. Prager, in der mittleren vom Seminarlehrer Katz und in der unteren vom Seminarlehrer Gutkind gkleitet wurde, nahmen 9 Schüler teil. Der Unterricht wurde in dem Gebäude des Wilhelms⸗Gymnaſiums erteilt. Hebräiſch(3 Abteilungen in je 2 St. w.). Hüpeden, vom 13. November an Homburg. Teil nahmen 3 Schüler der Prima und 5 Schüler der Sekunda. Engliſch(2 St. w.). Dr. Brede. Es nahmen teil im S.: in Abt. I 3, in Abt. II 27 Schüler; im W.: in Abt. I 2, in Abt. II 15 Schüler. Vom Turnen befreit waren im S: 16, im W: 16 Schüler. An dem Baden und Schwimmen in der Militär⸗Schwimm⸗Anſtalt, welche dem Gymnaſium für beſtimmte Stunden des Tages zur Benutzung vorbehalten war, beteiligten ſich 205 Schüler. Schwimm⸗ unterricht erteilten die Schwimmlehrer des Infanterie⸗Regiments von Wittich(3. heſſ. Nr. 83) an 98 Schüler. Geſang(3 St. w.). Dr. Brede([— V) und Bättenhauſen(V und VI). 1) Baß und Tenor(1 St. w. 30 Schüler der Klaſſen I und II);— 2) Sopran und Alt(1 St. w. 67 Schüler aus III—=V;— 3) Chorgeſang(1 St. w. 97 Schüler aus 1I— V).— 4) Quinta(2 St. w.).— 5) Sexta(2 St w.).— Von den Schülern der V und VI war keiner vom Geſangunterrichte befreit. 44— II. Berkügungen der vorgeletzten Behörde. Caſſel, am 13. April 1893. Es iſt Bericht zu erſtatten über die bei der Abſchlußprüfung vor der Verſetzung nach Oberſekunda gemachten Erfahrungen. Caſſel, am 27. April 1893. Bericht über Verwertung der Archäologie im Unterricht von ſeiten der Beſucher der Philologenverſammlung in Wien betreffend. Caſſel, am 10. Mai 1893. Die Verwendung von 626 Mark zum Umbau der Orgel wird genehmigt. Caſſel, am 28. Juli 1893. Mitteilung einer Miniſterialverfügung, wonach von Schülern, welche die Abſchlußprüfung beſtanden haben und zu einem Lebensberuf oder auf eine andere Anſtalt übergehen, 3 Mark für das Zeugnis zu erheben ſind. Caſſel, am 3. Oktober 1893. Die Anſchaffung einer neuen Gymnaſialuhr wird genehmigt.. Caſſel, am 18. Oktober 1893. Zufolge einer Miniſterialverfügung werden die öffentlichen Schul⸗ prüfungen aufgehoben. Caſſel, am 8. Dezember 1893. Zur rechtzeitigen Meldung für das Elevenjahr der Maſchinenbau⸗ befliſſenen iſt den betr. Abiturienten alsbald nach Beſtehen der Prüfung eine vorläufige Beſcheinigung hierüber auszuſtellen. Caſſel, am 6. Januar 1894. Den Schülern, welche Pharmacie ſtudieren wollen, iſt zur recht⸗ zeitigen Meldung alsbald nach Beſtehen der Abſchlußprüfung ein vorläufiges Zeugnis hierüber aus⸗ zufertigen. Caſſel, am 9. Januar 1894. Die Ferienordnung des vorigen Jahres bleibt auch für dieſes Jahr beſtehen. III. Schulgelchichte. Wie bereits im vorjährigen Jahresbericht S. 17 mitgeteilt worden iſt, ſchied mit dem Schluß des vorigen Schuljahres der langjährige und um die Anſtalt ſo hochverdiente Direktor Dr. Gideon Vogt auf ſein Anſuchen aus Rückſicht auf ſeine Geſundheit aus dem Amte, um in den Ruheſtand zu treten. Er wurde bei dieſer Gelegenheit von Sr. Majeſtät dem Kaiſer durch Verleihung des Ritterkreuzes des Königl. Hausordens von Hohenzollern ausgezeichnet. In Anerkennung der großen Verdienſte, welche ſich derſelbe um unſer Gymnaſium erworben, und zum bleibenden Andenken an ihn wurde ſodann von Lehrern der Anſtalt und früheren Schülern des Direktors Vogt eine Gideon⸗Vogt⸗Stiftung begründet. Zu dieſer lieferten die gegenwärtigen und früheren Lehrer des Gymnaſiums und zahlreiche dankbare Schüler des genannten Direktors Beiträge, ſo daß die Stiftung ſich am 1. April v. J. ſchon auf 3750 Mark belief. Die Stiftungsurkunde, welche ihm, kalligraphiſch ausgeführt, an dem genannten Tage überreicht wurde, lautet: hochgeehrter Herr Direktor! Den Tag, an welchem Sie nach faſt 23jähriger ſegensreicher Thätigkeit als Direktor des hieſigen Friedrichs⸗ Gymnaſiums in den Ruheſtand übertreten, wollen Ihre ehemaligen Schüler ſowie diejenigen, welche als Lehrer unter Ihrer Leitung thätig geweſen ſind, nicht vorübergehen laſſen, ohne die Gefühle wärmſter Dankbarkeit und Verehrung zum Ausdruck zu bringen. Wir glauben, daß ein gemeinſames Zeichen unſerer Liebe und Anhänglichkeit, welches Ihren Verdienſten um die Anſtalt und Ihrem eigenen Sinne gerecht wird, nicht ſowohl in einer Ihnen perſönlich zu widmenden Gabe, als vielmehr lediglich in einer Stiftung beſtehen kann, welche Ihren Namen dauernd mit der von Ihnen geleiteten Schule verknüpft. 15 Auf Veranlaſſung des unterzeichneten Ausſchuſſes haben deshalb Ihre in dem anliegenden Verzeichniſſe auf⸗ geführten ehemaligen Schüler und gegenwärtigen wie früheren Kollegen ein Kapital zuſammengebracht, welches zur Zeit 3750 Mark beträgt. Namens derſelben überreichen wir Ihnen dies Kapital mit der Beſtimmung, daß dasſelbe unter der Bezeichnung Gideon-Dogt-Stiftung mit dem hieſigen Friedrichs⸗Gymnaſium verbunden bleibe, und mit der Bitte, Verfügung darüber treffen zu woll⸗ n, zu welchem Zwecke die Zinſen des Kapitals alljährlich verwendet werden ſollen. Wir hoffen, daß die alljährliche Verwendung der Zinſen, welche aus der nach Ihnen benannten Stiftung lirden. ai dazu beitragen wird, auch bei ſpäteren Generationen die Erinnerung an Ihr geſegnetes Wirken lebendig zu erhalten. Caſſel, am 1. April 1893. Den Nunſchußz: Adolf Armbröſter, Pfarrer. Dr. Rudolf Brede, Oberlehrer. Dr. Eduard Harnier, Rechtsanwalt. Dr. Alfred Heußner, Cand. theol. Dr. Oskar Kius, Oberlehrer. Wilhelm Laudgrebe, Rechtsanwalt. Dr. Karl Scherer, Sekretär der ſtänd. Landesbibliothek. Dr. Theodor Schröder, Landesrat. Georg Wiſſemann, Pfarrer. Dr. Karl von Wild, Arzt. Dr. Karl Zuſchlag, Prof. am Friedrichs⸗Gymnaſium. Nachdem die Stiftung die allerhöchſte landesherrliche Genehmigung erhalten hatte, trat ſie mit nachſtehenden Satzungen in Kraft: Satzungen für die„Gideon · Vogt·Stiftung am Friedrichs⸗Gymnaſium zu Caſſel. Vorbemerkungen. Als Dr. Gi deon Vogt am 31. März 1893 nach faſt 23jähriger Thätigkeit als Direktor des Friedrichs⸗BGymmaſiums zu Caſſel auf ſein Nachſuchen in den Ruheſtand getreten war, wurde ihm tags darauf durch eine Abordnung ehemaliger Schüler und früherer Amtsgenoſſen ein Kapital von 3750 Mark übergeben, als Ertrag einer Sammlung von freiwilligen Gaben, zu der ſowohl ehemalige Schüler desſelben als auch ſolche ſeiner früheren Amtsgenoſſen beigeſteuert hatten, welche als Lehrer unter ſeiner Leitung thätig geweſen waren. Laut der ihm gleichzeitig überreichten Stiftungsurkunde war dieſe Sammlung mit der Beſtimmung veranſtaltet worden, daß das aufgebrachte Kapital unter der Bezeichnung„Gideon⸗Vogt⸗Stiftung“ mit dem hieſigen Friedrichs⸗ Gymnaſium verbunden bleibe zur Erinnerung an die ſegensreiche Wirkſamkeit des Dr. Gideon Vogt an dieſer Anſtealt. Das Kapital der Stiftung iſt durch nachträgliche Beiträge und durch Zinſenertrag bis heute auf 4027 Mark 15 Pf. angewachſen. Die nähere Beſtimmung über die Art der Zinſenverwendung iſt durch die Stiftungsurkunde dem Dr. Gideon Vogt überlaſſen worden. Nachdem derſelbe in einer an den derzeitigen Direktor des Friedrichs⸗Gymnaſiums gerichteten Zuſchrift ſeine bezüg⸗ lichen Wünſche kundgegeben hat, hat denſelben entſprechend die Lehrerkonferenz des Friedrichs⸗Gymnaſiums über die Ver⸗ waltung und Verwendung dieſer Stiftung nachſtehende Satzungen entworfen. §. 1. Das Stiftungskapital wird dem Königlichen Friedrichs⸗Gymnaſium zu Caſſel übereignet, in den Gymnaſialetat als beſonderer Stiftungsfonds eingeſtellt, nach den für die Verwaltung der Gymnaſialkaſſe beſtehenden Vorſchriften behandelt und nach Maßgabe der Beſtimmungen im§ 39 der Vormundſchaftsordnung vom 5. Juli 1875(G.⸗S. S. 431) angelegt. Als Vergütung für die mit der Verwaltung des Stiftungskapitals verbundene Mühewaltung erhält der Rechnungs⸗ führer des Friedrichs⸗Gymnaſiums 12 v. H. des zu verwaltenden Kapitals. §. 2. Das Stiftungskapital ſoll unberührt erhalten bleiben und teils durch einen Teil der von demſelben aufkommenden Zinſen, nach Maßgabe des§ 3, teils durch etwaige weitere Zuwendungen zunächſt bis zur Höhe von 6000 Mark gebracht werden. Sobald dasſelbe dieſe Höhe erreicht haben wird, wird Dr. Gideon Vogt oder, falls derſelbe zu der Zeit nicht mehr am Leben ſein wird, die Lehrerkonferenz des Friedrichs⸗Gymnaſiums darüber Beſtimmung zu treffen haben, ob eine noch weitere Vermehrung des Stiftungskapitals angeſtrebt werden ſoll. 1 6 §. 3.. Von den aufkommenden Zinſen des Stiftungskapitals ſollen zunächſt halbjährlich 25 Mark zum Kapital geſchlagen werden, und hiermit ſoll ſo lange fortgefahren werden, bis dasſelbe den Beſtimmungen des§ 2 entſprechend auf 6000 Mark angewachſen ſein wird. 9 4 Der übrige Zinſenertrag, abzüglich der im§ 1 für den Rechnungsführer vorgeſehenen Vergütung, ſoll zu Geld⸗ geſchenken(Stipendien) an begabte, fleißige, brave und wirklich bedürftige Schüler des Friedrichs⸗Gymnaſiums ohne Unter⸗ ſchied der Religion und der Herkunft verwendet werden. Die Zuwendung und Auszahlung dieſer Geldgeſchenke ſoll teils unmittelbar vor dem Beginn der großen Ferien, teils unmittelbar vor Chriſttag ſtattfinden. Bei der Zuwendung im Sommer ſollen vorzugsweiſe ſolche Schüler berückſichtigt werden, welche nicht nur den oben geſtellten Bedingungen genügen, ſondern deren Geſundheitsverhältniſſe eine mit beſonderen Koſten verbundene Kur(Bade⸗ reiſe, Landaufenthalt oder dgl.) erwünſcht erſcheinen laſſen. §. 5. Das Stipendium ſoll in der Regel in einer Höhe n 100 Mark oder mehr vor dem Beginn der Sommerferien an einen Schüler(ſ.§ 4), welcher der Kräftigung der Geſundheit bedarf, zwecks einer Bade⸗ oder Erholungsreiſe oder zum Aufenthalte auf dem Lande verliehen werden. Zu Weihnachten ſoll der noch übrige Teil zu Geſchenken an einen oder mehrere Schüler(ſ.§ 4) verwendet werden. §. 6. Die Verleihung von Stipendien aus dieſer gunnen bleibt dem Dr. Gideon Vogt für die Zeit ſeines Lebens vorbehalten. Demſelben werden die Bewerbungen und Anträge, letztere von ſeiten der betreffenden Klaſſenlehrer geſtellt, mit dem Gutachten der Lehrerkonferenz darüber, ob und in wie weit die betreffenden Schüler den in§ 4 geſtellten Bedingungen genügen, von dem Direktor des Friedrichs⸗Gymnaſiums zur endgültigen Beſchlußfaſſung vorgelegt. Nach dem Tode des Dr. Gideon Vogt hat die Konferenz aller definitiv angeſtellten Lehrer des Friedrichs⸗Gymnaſiums endgültig über die Verleihung eines Stipendiums durch einfache Stimmenmehrheit zu beſchließen. Zur Gültigkeit eines diesbezüglichen Beſchluſſes iſt erforderlich, daß mehr als die Hälfte der nach Vorſtehendem als ſtimmberechtigt zur Konferenz ordnungsmäßig berufenen Lehrer an der Abſtimmung teilgenommen haben. An Stelle des Direktors Dr. Vogt trat mit dem Beginn des Sommerhalbjahres als Leiter der Anſtalt der unterzeichnete Direktor Dr. Friedrich Heußner, bisher ſeit Begründung des hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſiums Oſtern 1886 Direktor dieſes Gymnaſiums. Rückſicht auf ſeine Geſundheit hatte ihn veranlaßt zu dem Geſuche, ihm ſtatt der Leitung des großen Wilhelms⸗Gymnaſiums das Direktoriat des um die Hälfte kleineren Friedrichs⸗Gymnaſiums zu übertragen, und dieſer Wunſch wurde ihm von den vorgeſetzten Behörden in huldvoller Weiſe gewährt. So kehrte er denn an die Anſtalt zurück, an der er früher ſchon 13 ½ Jahr als Lehrer gewirkt hatte, und wo es ihm vergönnt geweſen war, zu den Lehrern des damaligen Prinzen Wilhelm, unſeres jetzigen Kaiſers, zu zählen. Über ſein Leben und ſeine litterariſche Thätigkeit gibt zum Teil der Jahresbericht des hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſiums von Oſtern 1887 Auskunft. Hinzuzufügen iſt noch, daß er, abgeſehen von weiteren Veröffentlichungen in den„Lehr⸗ proben und Lehrgängen“ und in der Zeitſchrift„Gymnaſium“, in dem genannten Oſterprogramme ſeine Antrittsrede bei Eröffnung des Wilhelms⸗Gymnaſiums Oſtern 1886 und eine pädagogiſche Abhandlung über„Freytags Ingo und Ingraban im Unterrichte der Prima“ in dem Oſterprogramm 1892 zum Abdruck brachte. Bei Gelegenheit der Anweſenheit Sr. Majeſtät des Kaiſers in unſerer Stadt am 13. September 1891 wurde ihm der Rote Adlerorden IV. Klaſſe verliehen, nach ſeinem Scheiden vom hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſium, wo er die beiden Söhne Sr. Kgl. Hoheit des Erbgroßherzogs von Sachſen⸗Weimar zu ſeinen Schülern hatte zählen dürfen, das Ritterkreuz erſter Abteilung des Sächſiſchen Hausordens der Wachſamkeit oder vom weißen Falken. Am Dienſtag, den 11. April, 9 Uhr morgens wurde er durch Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. Lahmeyer vor verſammelten Lehrern und Schüleen der Anſtalt in ſein neues Amt eingeführt. Dieſer Feier wohnte auch der neuernannte Direktor des Wilhelms⸗Gymnaſiums, Prof. Dr. Muff, bei. 45 Am Mittwoch, den 12. April, früh 7 ½ Uhr wurde das neue Schuljahr mit einer gemeinſamen Andacht eröffnet, der neu in das Lehrerkollegium eingetretene unbeſoldete wiſſenſchaftliche Hülfslehrer Thieme, früher am hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſium(vgl. Progr. des Wilhelms⸗Gymnaſiums 1892 S. 22), den Schülern vorgeſtellt und 53 neu aufgenommene Schüler auf die Schulgeſetze verpflichtet. Zufolge Verfügung vom 4. April wurde den Oberlehrern Püttgen, Dr. Kius und Stoll der Profeſſortitel verliehen; nach einer Verfügung vom 1. Mai wurden die Profeſſoren Dr. Zuſchlag und Püttgen zu Räten 4. Klaſſe ernannt; laut Verfügung vom 25. Mai wurde ſodann dem Ober⸗ lehrer Hüpeden der Profeſſortitel erteilt. Am 4. Mai beteiligte ſich das geſamte Lehrerkollegium an der fünfzigjährigen Jubiläumsfeier der hieſigen Oberrealſchule im Stadtpark. Der Unterricht fiel deshalb von 9 ½ bis 11 ½ Uhr aus. An der vom 24. bis 28. Mai in Wien tagenden Philologenverſammlung nahm Prof. Dr. Kius teil. Am 6. Juni unternahmen ſämtliche Klaſſen unter Führung ihrer Ordinarien die üblichen Ausflüge. Am 9. Juni beſuchte Herr Geheime Regierungsrat Dr. Lahmeyer den Unterricht der Seminar⸗ kandidaten, am 20. Dezember den ÜUnterricht der meiſten Lehrer der Anſtalt, am 31. Januar 1894 den Unterricht der Seminarkandidaten. Am 15. Juni ſprach zum Gedächtnis des Todestages Kaiſer Friedrichs der Direktor, am 18. Oktober zur Erinnerung an den Geburtstag desſelben Prof. Hüpeden, am 9. März zum Gedächtnis des Todestages Kaiſer Wilhelms I. der wiſſenſch. Hülfslehrer Baumann; die Erinnerung an den Geburtstag desſelben wird von dem Direktor mit der Schlußandacht am 17. März verbunden werden. Am 16. Juni fiel wegen Hitze der Nachmittagsunterricht aus, ebenſo am 19. Juni zugleich mit der fünften Vormittagsſtunde; ſodann fiel der Nachmittagsunterricht noch aus am 17., 18., 21. und 22. Auguſt. Die Sommerferien dauerten vom 2. bis 31. Juli. In den erſten Tagen derſelben unternahm der Geſangverein der Primaner unter Führung des Direktors und des Oberlehrers Dr. Brede einen Ausflug in den Harz. Von den beiden unbeſoldeten wiſſenſchaftlichen Hülfslehrern der Anſtalt wurde Bode vom 1. Auguſt ab mit Verſehung einer Lehrerſtelle am hieſigen Wilhelms⸗Gymnaſium beauftragt, Thieme vom 1. Auguſt bis 12. September mit Vertretung eines Lehrers an dem Realgymnaſium zu Schmalkalden, von Michaelis an mit Verſehung einer Lehrerſtelle an dem ſtädtiſchen Gymnaſium zu Frankfurt a. M. Die ſchriftliche Keifeprüfung für den Michaelistermin fand ſtatt in der Zeit vom 21. bis 25. Auguſt, die mündliche unter dem Vorſitze des Direktors am 20. September. Am 2. September wurde die Feier des Sedantages durch einen Schulakt in der Aula begangen. Die Feſtrede hielt Oberlehrer Paulus über den Dichter der Wacht am Rhein. Der übliche Ausflug wurde wegen des ungünſtigen Wetters erſt am 11. September ausgeführt. Am 12. September erhielt die Anſtalt von Sr. Majeſtät dem Kaiſer vier Bilder aus Lohmeyers Sammlung geſchichtlicher Anſchauungsbilder mit dem Bemerken, daß Se. Majeſtät dieſe Bilder in Erinnerung an die hier verlebte Zeit mit dem Wunſch überweiſen laſſe, daß dieſelben in der Prima des Gymnaſiums aufgehängt werden möchten. Das Sommerhalbjahr wurde am 23. September mit einer gemeinſamen Andacht geſchloſſen. Hierbei fand auch die feierliche Entlaſſung der 3 Abiturienten ſtatt. Die beiden Seminarkandidaten Dr. Mahlinger und Führer verließen nach Beendigung ihres Seminarjahres die Anſtalt. Dr. Mahlinger ging als Probekandidat an die Oberrealſchule zu Wiesbaden, Führer in gleicher Eigenſchaft an das ſtädtiſche Gymnaſium zu Frankfurt a. M. 3 13. Das Winterhalbjahr begann am Montag den 9. Oktober. Mit dem Beginn desſelben trat an Stelle des zum Oberlehrer an dem Realprogymnaſium zu Biedenkopf ernannten Dr. Schneider als wiſſenſchaftlicher Hülfslehrer Baumann. Ludwig Baumann, geboren am 16. September 1860 zu Herborn, Reg.⸗Bez. Wiesbaden, beſuchte das Gymnaſium zu Dillenburg, das er Oſtern 1881 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Er ſtudierte in Berlin, München und Marburg eklaſſiſche Philologie und beſtand an letzterer Univerſität am 12. Februar 1886 die Prüfung pro facultate docendi. Das pädagogiſche Probejahr leiſtete er von Oſtern 1886 bis dahin 1887 am Königl. Gymnaſium zu Wiesbaden ab, woſelbſt er noch bis Oſtern 1891 als unbeſoldeter wiſſenſchaftlicher Hülfslehrer thätig war. Von da bis Herbſt 1891 war er am Königl. Gymnaſium zu Hanau, von Herbſt 1891 bis Oſtern 1892 am Königl. Gymnaſium zu Hersfeld, von Oſtern 1892 bis Herbſt 1893 am Königl. Realprogymnaſium zu Biedenkopf als wiſſenſchaftlicher Hülfslehrer beſchäftigt und wurde Herbſt 1893 in gleicher Eigenſchaft dem hieſigen Friedrichs⸗ Gymnaſium überwieſen. Zu derſelben Zeit kehrte Kandidat Auth, nachdem er ſein Probejahr in Wiesbaden an dem Realgymnaſium abſolviert hatte, an das Friedrichsgymnaſium zurück und wurde mit der Erteilung einiger Unterrichtsſtunden betraut. Als Seminarkandidaten traten ein die Kandidaten des höheren Lehramtes Pohl aus Caſſel und Jäckel aus Görlitz. Mit Vertretung des zum Reichstagsabgeordneten gewählten Prof. Hüpeden wurde vom 13. November ab Kandidat Homburg aus Hersfeld, zuvor in Hanau, beauftragt. Am 12. November fand eine gemeinſchaftliche Abendmahlsfeier evangeliſcher Lehrer und Schüler des Gymnaſiums in der St. Martinskirche ſtatt. Am 23. Dezember 11 Uhr wurde zum Schulſchluß bei brennenden Weihnachtsbäumen eine liturgiſche Weihnachtsandacht abgehalten. Die Ferien dauerten bis zum Dienſtag den 9. Januar. Am 18. Januar ſtarb der hier als Penſionär lebende hochverdiente frühere Lehrer der Anſtalt Dr. Johann Karl Flügel. Er war ſeit der Reorganiſation unſeres Gymnaſiums im Jahre 1835 bis Michaelis 1870 Lehrer des Lyceum Fridericianum geweſen. Bei ſeinem Abgange wurde von dank⸗ baren Schülern zur dauernden Erinnerung an ſein ſegensreiches Wirken als Lehrer die„Flügelſtiftung“ begründet. Der Direktor ſprach zu ſeinem Gedächtniſſe in der Andacht am 20. Dezember, am Nach⸗ mittage desſelben Tages geleiteten ihn die Lehrer und die Prima des Gymnaſiums, ſowie zahlreiche frühere Schüler zu ſeiner letzten Ruheſtätte. Er vermachte der Anſtalt eine große Photographie von ſich, drei Album, enthaltend Photographien von früheren Schülern, eine größere Anzahl von Mannſkripten, beſonders Geſchichtstabellen, und für die Flügelſtiftung ein Kapital von 3000 Mark.. Am 27. Januar wurde die Feier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs feſtlich begangen durch einen öffentlichen Schulaktus, beſtehend in Chorgeſängen, Deklamationen, dem Rede⸗ verſuche des Unterprimaners Clermont über„Richard Wagner als Patriot“ und einer Feſtrede des Oberlehrers Dr. Heermann über die„Verdienſte der Deutſchen um die Himmelskunde.“ Die ſchriftliche Reifeprüfung für den Oſtertermin fand ſtatt in der Zeit vom 22. bis 26. Januar, die mündliche unter dem Vorſitze des Herrn Geh. Regierungsrat Dr. Lahmeyer am 17. Februar. An Stelle des zum Kaplan in Hersfeld ernannten Kaplan Jeſtädt wurde von Anfang Februar ab Kaplan Gruß dahier mit der Erteilung des katholiſchen Religionsunterrichts an beiden Gymnaſien beauftragt. Am 24. Februar fand in einer öffentlichen Feier die Entlaſſung der Abiturienten ſtatt. Der Primus derſelben, Chriſtian Kaup, hielt eine Abſchiedsrede über das Thema:„Warum würdigt die Nachwelt große Männer beſſer als die Mitwelt?“ Ihm überreichte der Direktor nach ſeiner Ent⸗ laſſungsrede die Richterſche Denkmünze. Se. Durchlaucht der Fürſt zu Wied ließ tags darauf durch ſeinen Sohn, den Erbprinzen Friedrich, dem Direktor den Betrag von 300 Mark für die Gideon⸗ 43. Vogt⸗Stiftung einhändigen in dankbarer Anerkennung deſſen, was ſein Sohn, der nun die Reife⸗ prüfung beſtand, der Anſtalt verdanke. Für dieſe hochherzige Gabe ſei auch hier der Dank ausgeſprochen. Die ſchriftliche Abſchlußprüfung war in der Zeit vom 26. Februar bis 3. März, die mündliche unter dem Vorſitze des Direktors am 13. März. IV. Btatiltiſche Mitteilungen. A. Frequenzüberſicht für das Lujchne 1893 94. 0I u on un ſom umn W V I VI Sa. 1. Beſtand am 1. Februar 1893 23 26 27 30 bes⸗ 29 34 36 32 270 2. Abgang bis zum Schluß des Schull. 1892 83 22 6 2 1. ³ 3 V 1 38 3a. a. Zugang durch Verſezung zu Oſtern 22 22 26 V 25 22 28 33 30 V 208 3 b. ⁵ Zugang durch Aufnahme zu Oſtern 3 2 3 4 3 37 53 4 Frequenz am Anfang des Schulj. 1893 i 23 21 32 31 32 39 39 30 38 285 5. Zugang im Sommerhalbjahr 3 P. Pise ue. e b1. Pte 6a. Abgang im Sommerhalbjahr. 3 V 1. 1. 1 3 1[13 6 b. Abgang durch Verſetzung zu Michaelis 2* V 4. 1 74. Zugang durch Verſetzung zu Michaelis V V 7b. Zugang durch Aufnahme zu Michaelis.. V. V 3 2 1 21 6 8. Frequenz am Anfang des Winterhalbjahrs 20 21 1]31 31 41 37 31 38[281 Zugang im Winterhalbjahr.— 7il.1 10. Abgang im Winterhalbjahr. 1 4 1 11. Frequenz am 1. Februar 1894. 1 20 21 31 31 32 41 37 30 38 281 12. Durchſchnittsalter 19 18“ 12 1771 15unſl 14%1 13 19 121⸗111 10 ⁄2 B. Religions⸗ und Heimatsverhältniſſe der 2cnuler 8 evang. Kath. Diſid. Juder ¹Aron Ausl. n ner —n Schüler. 1. Am Anfang des Sommerhalbjahrs 255 12 V 1s 215 65 14 5 285 2. Am Anfang des Winterhalbjahrs. 250 13— 14 3 231 3. Am 1. Februar 1894 250 V 13 I 18 212 64 14 1 4 5 281 Das Zeugnis der wiſſenſchaftlichen Befähigung für den einjährigen Militärdienſt haben zu Oſtern 1893 erhalten 26 Schüler, davon ſid 2 zu einem praktiſchen Berufe abgegangen. 3 20„ C. Berzrichni der für reii erklärten Schüler der Oberprima. E Sar. Pes daters en. e. dpaeis S Name 2 Allter wir. 83—n der— Gewählter Beruf . rname Ort Tag Reli⸗ Stand Wohnort tritts⸗ An⸗ Pri⸗ 5 V sion klaſſe ſtalt ma ſ 3 3 Michaelis 1893. V 1. von Chriſten Walther Werleshauſen 15. Febr. 1874 19J. 7M. luth. Rittergutsbe⸗ Werleshſn. V 9 ½ 2 ½ Rechtswiſſenſchaft, (Kr. Heiligenſtadt). ſitzer 2. Wolf... Wilhelm Elberberg(Kr. 4. Okt. 1873 20 J. ref. Lehrer Florsheim IIIe 6 ½ 2 ½ Medicin. Fritzlar).(Kr. Ziegenh.) 3. Opper.. Alexand. Caſſel 14. Mai 1874 19 J. 4 M. luth. Pfarrer Caſſel VI 10 2 ½ Rechtsviſſenſchaft. b. Oſteru 1894. V 4, Kaup.. Chriſtian Münden 1. Dez. 1875 18 J.3 M. luth. Klempnermſtr. Münden 1 2 2 Poſtfach. 5. Rüppel...Fritz KCaſſel 20. Jan. 1876 18J.1 M. ref. Lehrer Caſſel[IV7 2 Poſtfach. 6. Heinze... Karl KLaſſel 28. Dez. 1875 18 J. 2 M. luth. Lehrer † Caſſel V VI9 2 Philologie. 7. Amelung. Theodor Carlshafen 20. Jan. 1876/18J. 1M. ref. Arzt Carlshafen IIl 6 2 Rechtswiſſenſchaft s. Mengel.. Hermann Caſſel 22. Febr. 1876 18 J. luth. Buchhalter † Caſſel VI 9 2 Philologie. 9. Heinemann Friedrich Eſchwege 6. Nov. 1875/18 J. 4 M. ev. Metzgermeiſter. Eſchwege l 2 2 Rechtswiſſenſchaft. 10. Fuchs....Hugo Bochum 24. Aug. 1875/18 J.6 M. ev. Bergw.⸗Direkt. Caſſel in 3. 2 Heilkunde. 11. Finſcher.. Otto Caſſel 28. Febr. 1875/19 J. ref. Rechnungsrat Caſſel VI 10 2 Rechtswiſſenſchaft. 12. Kalker.. Emil Witzenhauſen 20. Juli 1874 19 J. 7M. ref. Kaufmann Witzenhſn. II 7 3 Heilkunde. 13. Erbprinz zu Wied.. Friedrich Neuwied 27. Juni 1872 21 J. SM.ſev. Fürſt, Durchl. Neuwied IIl 8 3 Heeresdienſt. 14 Finis... Heinrich Caſſel 16. Aprilis74 19 J10 Mrref. Regiſtrator Caſſel 8 11 2 Poſteach. 15. Alsberg. Georg LCaſſel 16. Juli 1873 20 J. 7M. jüd. Kaufmann † Caſſel V 11 3 Heilkunde. 16. Eckhard.. Eduard Beenhauſen(Kr. 17. Dez. 1874 19 J. 2 M. ref. Lehrer a. D. Caſſel 1 1 10 2 Heilkunde. Rotenburg). V 17. Weſtberg. Guſtav Riga 12. Aug. 1872 21J.6M. luth. Großkaufmann Riga 11 3 ½ 2 Heeresdienſt. 18. Kannegießer Ulrich Rathenow 17. Dez. 1874/19 J. 2 M. uniert Towirzial⸗ Caſſel V V 8 3 2 Theologie. ulrat 19. Sti⸗... DHrinrich Holzhauſen(Kr. 7. Sept. 1874 19 J.5 M. ref. Wildmeiſter Wilhelms⸗ V NI 10 2 Kaufmann. Hofgeismar). höhe 20. Kang Fritz Eſchwege 24. Nov. 1876 17 J.3M. jüd. Fabrikant Eſchwege 1. 2 2 Heirkuander 21. Schultheiß„Oskar Eaſſe 21. Nov. 1875 18.3 M. ref. Wirth Caſſel VI9 2 Poſtfach. 21 V. Bummlungen von LTehrmitteln. 1. Bibliothek. a. Lehrerbibliothek. Aus den etatsmäßigen Mitteln ſind im Laufe des Jahres angeſchafft worden: An Fortſetzungen: Die chriſtliche Welt.— Beweis des Glaubens.— Centralblatt für die geſamte Unterrichts⸗ verwaltung.— Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik.— Zeitſchrift für den deutſchen Unterricht.— Verhand⸗ lungen der Direktorenkonferenzen in Preußen.— Zeitſchrift für Schulgeſundheitspflege.— Zeitſchrift für das Gymnaſial⸗ weſen.— Kayſer, Bücher⸗Lexikon.— Gymnaſium.— Blätter für höheres Schulweſen.— Frick und Richter, Lehrproben und Lehrgänge.— Monatsſchrift für das Turnweſen.— Geſchichtsſchreiber der deutſchen Vorzeit.— Heeren, Ukert und v. Gieſebrecht, Geſchichte der europäiſchen Staaten.— Grimm, Deutſches Wörterbuch.— Oncken, Allgemeine Weltgeſchichte in Einzeldarſtellungen.— Roſcher, Lexikon der griechiſchen und römiſchen Mythologie.— Zeitſchrift für mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Unterricht. Außerdem wurden angeſchafft: Sohm, Kirchengeſchichte im Grundriß.— Weizſäcker, Das Neue Teſtament über⸗ ſetzt.— Völker, Bibliſches Leſebuch.— Cornill, Einleitung in das Alte Teſtament.— Paulſen, Einleitung in die Philoſophie. — Apelt, Beiträge zur Geſchichte der griechiſchen Philoſophie.— Drbal, Lehrbuch der empiriſchen Pſychologie.— Harnack, Dogmengeſchichte.— Schürer, Geſchichte des jüdiſchen Volkes. J.— Muff, Das Schöne. 3— Muff, Idealismus.— Muff, Was iſt Kultur?— Muff, Zwei Titanen.— Muff, Theater und Kirche.— Nordenflycht, Die franzöſiſche Revolution von 1789.— Bernheim, Lehrbuch der hiſtoriſchen Methodik.— Jäger und Moldenhauer, Wichtige Aktenſtücke zur Geſchichte des 19. Jahrhunderts.— Guglia, Leopold von Rankes Leben und Werke.— Varnhagen, Biographiſche Porträts.— Gerland, 1810— 1860.— Roſcher, Nationalökonomie.— Wiskemann, Die antike Landwirthſchaft.— Wiskemann, Nationalökonomiſche Anſichten zur Zeit der Reformation.— Pöhlmann, Die Wirthſchaftspolitik der Florentiner Renaiſſance.— Pöhlmann, Die Üübervölkerung der antiken Großſtädte.— Blümner, Die gewerbliche Thätigkeit der Völker des klaſſiſchen Alterthums.— Heldmann, Die heſſiſchen Pfandſchaften in Weſtfalen.— Budinszky, Ausbreitung der lateiniſchen Sprache.— Bacmeiſter, Die Briefe des Horaz.— Menge, Oden und Epoden des Horaz.— Schmidt, Briefwechſel des Cicero.— Haupt, Livianiſche Darſtellungsform.— Erhardt, Entſtehung der homeriſchen Gedichte.— Muff, Die choriſche Technik des Sophokles.— Lyon, Handbuch der deutſchen Sprache.— Unbeſcheid, Behandlung der dramatiſchen Lektüre.— Große, Das Ideal und das Leben von Schiller.— Deutſche Vierteljahrsſchrift 1848. 2. Heft.— Heinrich, Joſef v. Görres.— Görres und ſeine Zeitgenoſſen.— Strauß, Märklin.— Strauß, Klopſtocks Jugendjahre.— Strauß, H. S. Reimarus.— Strauß, Schubarts Leben.— Oſtwald, Klaſſiker der exakten Wiſſenſchaften 31—42.— Jäger, Pro domo.— Rothfuchs, Bekenntniſſe.— Latt⸗ mann, Die Verirrungen des deutſchen und lateiniſchen Elementarunterrichts. An Geſchenken erhielt die Bibliothek: Von Sr. Exzellenz dem Herrn Miniſter: 1) Güßfeld, Kaiſer Wilhelms II. Reiſen in Norwegen. 2. Aufl. 2) Bobrik, Horaz. J.— Von der Univerſität Marburg: Akademiſche Schriften.— Von der Oberrealſchule zu Caſſel: Knabe, Vorgeſchichte und Entwicklung der Oberrealſchule zu Caſſel.— Vom Vereine für hefſiſche Geſchichte: Zeitſchrift des Vereins(Fortſetzung).— Vön dem Oberbürgermeiſter der Reſidenzſtadt Caſſel, Herrn Geh. Regierungsrat Weiſe: Bericht über die Verwaltung der Reſidenzſtadt Caſſel 1891/92.— Von der Caſſeler Handelskammer deren Jahresbericht für 1892.— Außerdem ſchenkten Herr Gymnaſialdirektor a. D. Dr. Vogt: ¹) Die heilige Schrift. 2) Das humaniſtiſche Gymnaſium. 1891 und 1892. 3) Sehring, Auswahl von Geſängen.— Herr J. Lewalter: Deutſche Volkslieder. 4.— Profeſſor Hüpeden: 1) Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der reformirten Kirche VI. IX, 2.— 2) Leben und ausgewählte Schriften der Väter und Begründer der lutheriſchen Kirche III.— 3) Schriften des Einheitsſchulvereins 1—3.— 4) Leimbach, Beiträge zur Abendmahlslehre Tertullians.— Profeſſor Dr. Kius: Heſſenland, Jahrg. VII. b. Schülerbibliothek: Die Klaſſen II VI haben eine jede ihre geſonderte Klaſſenbibliothek, welche in beſonderen Schränken in den betreffenden Klaſſen aufgeſtellt ſind. Aus den etatsmäßigen Mitteln wurden angeſchafft: Menge, Trauer und Treue.— Schwebel, Markgraf Woldemar. 2 Ex.— Schwebel, Der Große Kurfürſt.— Münſcher, Geſchichte von Heſſen. I.— Treuenfeld, Zug der 10000 Griechen. — Pfaff, Deutſche Geſchichte. 2 Ex.— Paulig, Friedrich der Große.— Bröcker, Deutſchland.— Tiemann, Aus dem alten Sachſenlande.— Hübner, Der Große Kurfürſt.— Hübner, Im Glanze der Königskrone.— Eckſtein, Der Mönch vom Aventin.— Dahn, Julian der Abtrünnige.— Kingsley, Hypatia.— Deutſches Jugendheim.— Bötticher, Die Akropolis. — Gymnaſialbibliothek(Fortſetzung).— Ruge, Geographie.— Wuſtmann, Allerlei Sprachdummheiten. Philologiſch⸗hiſtoriſche Anſchauungsmittel: Angeſchafft wurden: 1) Trendelnburg, Titanomachie mit Text. 2) Cybulsky, Tafel 14. 3) Bild des Akropolis. 4) 24 Photographien(Göttertypen und Porträts berühmter Männer des Altertums. Geſchenkt wurden: 1) Von Sr. Majeſtät 4 Wandbilder der Lohmeyerſchen Sammlung. 2) Vom Kgl. Provinzial⸗ ſchulkollegium 1 Wandtafel von Cybulsky. 3. Naturgeſchichtliche Lehrmittel: Die Sammlung von Präparaten aus dem Tierreiche wurde durch eine Anzahl ausgeſtopfter Vögel, durch Tiere aus den Abteilungen der Krebſe und Weichtiere und durch anatomiſche Präparate aus allen Klaſſen des Tierreiches vervoll⸗ ſtändigt. Ferner wurden die Bilder für den Unterricht in den drei Reichen der Natur und die Gerätſchaften für Anatomie und Mikroskopie vermehrt. Geſchenkt wurden: Von Herrn Hauptmann a. D. Schmitt ein Wespenneſt; von dem Quartaner Sinning ein dnixehiiie von den Sextanern Seyd ein ausgeſtopfter Haſe und Wagner einige Vogeleier. 4. Phyſikaliſche Lehrmittel: Neu angeſchafft wurden: Ein Mikrometer, ein Gewichtsſatz, ein Zerſtäuber, eine Glasglocke mit abgeſchliffenem Rande, ein Heber, ein Modell für Fernröhre und Mikroſkope, ein Speckſtein⸗Reibzeug, ein Schul⸗Voltmeter, eine Wider⸗ ſtandsbrücke für Schulzwecke, ein Telephon mit ſichtbarer Anordnung ſeiner weſentlichen Teile, ein Menſurgefäß, Becher⸗ gläſer, Porzellanabdampfſchalen, Glasröhren und Reagiergläschen für den Gebrauch in dem chemiſchen Unterricht. 5. Geographiſche Lehrmittel: Kaiſer Wilhelmsland und Bismarckarchipel, herausg. vom deutſchen Colonialverein.— Ein Meridianchronograph mit Glasrahmen von L. Deichmann.— Eine Wandkarte von Aſien, aus dem Verlag von A. Müller, Fröbelhaus, Dresden. 6. Sammlung von Muſikalien: Dem Kaiſer Heil! Dichtung von F. Treller, componiert von C. Ad. Lorenz, Klavierauszug und Chorſtimmen. 7. Die Lehrmittel für den Zeichenunterricht wurden in dieſem Jahre durch keine Erwerbungen bereichert. Die Bibliotheken verwaltet Profeſſor Dr. Kius, die philologiſch⸗hiſtoriſchen Anſchauungsmittel Oberlehrer Paulus, die naturgeſchichtlichen Lehrmittel Oberlehrer Dr. Heermann, die phyſikaliſchen Profeſſor Dr. Zuſchlag, die geographiſchen Profeſſor Stoll, die Sammlung von Muſikalien Ober⸗ lehrer Dr. Brede, die Lehrmittel für den Zeichenunterricht Zeichenlehrer Wenzel. Allen freundlichen Gebern, welche unſere Sammlungen mit Geſchenken bedacht haben, ſage ich auch an dieſer Stelle im Namen des Gymnaſiums herzlichen Dank. VI. Stiktungen und Gnterſtützungen von Schülern. 1. Die Zahl der Freiſchüler während des Rechnungsjahres 1893/94 betrug 31, die Summe des erlaſſenen Schulgeldes 3345 Mark. 2. Das Schönfeldſche Beneficium(ſ. Programm von 1844, S. 56 f.) genießt ſeit 1891 der Studioſus der Theologie Wilhelm diunec aus Warburg. 3. Das Eckhardſche Beneficium(ſ. Programm von 1844, S. 57) genießt ſeit 1889 der cand. theol. Leonhard Grau aus Amöneburg, e in Wiesbaden. 4. Die Richterſche Denkmünze(ſ. Programm von 1872, S. 30 f.) wurde zu Oſtern 1894 dem Abiturienten Chriſtian Kaup verliehen. 23 5. Aus der Flügelſtiftung(ſ. Programm von 1872, S. 30 f.) wurden im Laufe des ver⸗ floſſenen Schuljahres 471 Bände Schulbücher und 97 Schreibhefte an 93 bedürftige Schüler aus⸗ gegeben. Die Stiftung beſitzt jetzt 1994 Bände. Der Kapitalſtock dieſer Stiftung beträgt jetzt 1726 Mark 52 Pf. 6. Das Prinz⸗Wilhelms⸗Stipendium(ſ. Programme von 1877, S. 56, und von 1889, S. 71) genießt ſeit dem 1. April 1891 der stud. phil. Heinrich Weber aus Caſſel. 7. Das Jubiläums⸗Beneficium(ſ. Programm von 1880, S. 23 ff.) beſitzt jetzt einen Kapitalbeſtand von 4473 Mark 13 Pfg. Dasſelbe wurde zu einer Hälfte dem Untertertianer Ernſt Frankfurth und zur andern Hälfte dem Oberſekundaner Höfling und dem Oberprimaner Karl Heinze verliehen. 8. Das Dr. Ernſt Kornemannſche Stipendium(ſ. Programm von 1880, S. 25, und von 1881, S. 68 f.) hat in dem abgelaufenen Schuljahre keinen Bewerber gefunden. Kapitalbeſtand: 17140 Mark 29 Pfg. 9. Lotzſche Stiftung(ſ. Programme von 1880, S. 25, und von 1881, S. 69). Das Stiftungs⸗ kapital iſt durch Zinſenertrag auf 5520 Mark 59 Pfg. angewachſen. Das Stipendium dieſer Stiftung erhielt der stud. phil. Heinrich Weber aus Caſſel. 10. Dr. Friedrich Großſche Stiftung(ſ. Programm von 1881, S. 13). Das Kapital der Stiftung beträgt jetzt 3016 Mark 43 Pfg. Die Zinſen desſelben wurden ſtiftungsmäßig den beiden Enkeln des Stifters, dem Obertertianer Friedrich Appel und dem Untertertianer Wilhelm Appel, verliehen. 11. Luther⸗Stipendium des Friedrichs⸗Gymnaſiums zu Caſſel 1883(ſ. Pro⸗ gramm von 1884, S. 37). Das Stiftungskapital beträgt jetzt 3866 Mark 95 Pfg. Das Stipendium dieſer Stiftung erhielt in dem Rechnungsjahre 1893/94 der stud. theol. Ernſt Paulus aus Volkmarſen. 12. Gideon⸗Vogt⸗Stiftung. Kapitalbetrag 4317 Mark 25 Pfg. Ein Zinsertrag konnte noch nicht vergeben werden. Das neue Schuljahr wird Montag, den 2. April, nachmittags 3 Uhr mit einer gemeinſamen Andacht eröffnet werden. Am Vormittage desſelben Tages von 8 Uhr an findet die Aufnahmeprüfung der neu zugehenden Schüler ſtatt. Dr. F. Heußner. —AADAᷣ́ʒ; 5 W urtmage.. In n1412 11 39 n a5 1a, Inn6 18 28† .24 u 22 rnis 1.211121 auide 4 3 3 5 Bat nan artltn sn 4* Acaneh a in B. in Ernun 1deie Ir. nit“ mnirr⸗ rn. 1 in ditu 3 2 4 4 4“ „ 120 2 1212n uumic znacits ur wadt hun.— at bennnennen ſn 1119 nt Unusfi:ena 9:n44410) 4 nnt Jedn 94185 2 4 9 n1 1 a. cr 1 .. . 124 2P 1. Biin 192 1