Friedrich-Wilhelms-Schule (Realschule und Progymnasium) ESCHWEGE. ——.—-—-— Jahresbericht über das Schuljahr 1900/1901 Inhalt: 1901. Progr.-Nr. 421. von dem Direktor Edward Stendell. ————— 1) Die Familien der ehemaligen unmittelbaren Reichsritterschaft von dem in Schwaben, Franken und am Rhein, II. Teil.—*Direktor 2) Schulnachrichten-. 5 ESCHWEGE 1901. Druck von A. Rossbachs Buchdruckerei. X — „ 5* 5 7 * 8½ 8: — 1 o o 29RB11 5 905 r 12 021 360 664 Die Familien der ehemaligen unmittelbaren Reichsritterschaft in Schwaben, Franken und am Rhein. TI. Teil. Das nachstehende Verzeichnis bildet die Fortsetzung des als Beilage zum Pro- gramm der Friedrich-Wilhelms-Schule Ostern 1887 erschienenen ersten Teils. Es enthält die Geschichte der einzelnen Familien nach Herkunft, Entwickelung, Ausbreitung und Besitz in ausführlicherer Darstellung als der erste Teil. Trotzdem enthält es— das weiss der Verfasser sehr wohl— viele Lücken, gewiss auch Irrtümer, die auszufüllen bezw. zu beseitigen ihm selbst schwerlich beschieden sein dürfte. Doch giebt er der Hoffnung Aus- druck, dass seine Arbeit einem späteren Bearbeiter Materialien liefern wird, die nicht ganz wertlos sind. Abkürzungen der Kantone: I. in Schwaben: 1) Donau= D.; 2) Hegau-Allgau- Bodensee= H.; 3) Neckar-Schwarzwald= N.; Za) Ortenau= O.:; 4) Kocher= K.; 5) Kraichgau= Kr.; II. in Franken: 1) Odenwald= Od.; 2) Steigerwald= S.; 3) Gebürg = G.; 4) Altmühl= A.; 5) Baunach= B.; 6) Rhön-Werra= R.; III. am Rheinstrom: 1) Oberrhein= O-R.; 2) Mittelrhein= M-R.; 3) Niederrhein= N-R.; IV. Unter- Elsass= E. von Calenberg(Callenberg) gehörten zum Buchischen Quartier des Kantons R.; sie werden 2z. B. in einer reichsritterschaftlichen Urkunde vom Jahre 1658 erwähnt. Damals be- sassen sie einen Burgsitz im Dorfe Dipperts bei Fulda, den sie noch vor Ablauf desselben Jahrhunderts an das Stift Fulda veräusserten. Mader, reichsrittersch. Magaz. VIII, 408; X, 627; Landau, Beschr. des Kurf. Hessen 485. . 4 von Cammermeister genannt Camerari besassen seit dem 16. Jh. in der Nähe von Bamberg Güter(Hartenland, Kreuzschuh, Tellerhof), die sie als liebsbergische Afterlehen von den v. Münster trugen und mit denen sie zum Kanton S. steuerten. Diese Güter waren im Laufe des zojährigen Krieges eingegangen, wurden aber seit 1700 von der Familie v. C. wieder angebaut. Bald darauf begannen Streitigkeiten mit dem Stift Bamberg, das diese Güter der Reichsritterschaft zu entziehen suchte. Die Familie erlosch in der ersten Hälfte des 18. Ihs. Biedermann, Geschlechtsregister des Kantons Steigerwald;(I. J. Moser), Vermischte Nachrichten v. reichsrittersch. Sachen 4, 621; Maders Samml. reichsgerichtl. Erkenntnisse in reichsrittersch. Angelegenh. V, 479 ff.; IX Anh., 121 ff. von Candel, Grafen, eine fremdländische Familie, eigentlich Candale genannt, die der Religionswechsel aus ihrer Heimat(Frankreich, Savoyen) nach Deutschland trieb. Karl Philibert Ferrere Fiesce Graf v. C., 1649— 1675 württembergischer Obervogt zu Balingen. erhielt von Herzog Eberhard III. das 1643 durch das Aussterben der Volen von Wildenau heimgefallene, zu N. gehörige Rittergut Rübgarten bei Tübingen; schon 1678 veräusserte es die Familie wieder an Württemberg. G. E. v. Natzmer, Lebensbilder aus dem Jahrh. nach dem grossen deutschen Kriege(Gotha, Perthes 1892), S. 22; Mader, Magazin VIII, 654; Beschreib. des Oberamts Tübingen 465. DJanofzky von Langendorf. Diese fremde Familie kam im Verlaufe des 30-jährigen Krieges durch den schwedischen Obersten Friedrich Ludwig nach Süddeutschland, wurde 1640 mit der mittleren Burg des zum Kanton K. steuerbaren Rittergutes Thalheim(O. a. Heilbronn) von Württemberg belehnt und scheint etwa 100 Jahre sich in diesem Besitze be- hauptet zu haben. Dieselbe Familie wird auch in den Verzeichnissen des Kantons N. an- geführt: der oben genannte schwedische Oberst erhielt 1633 vom Kanzler Oxenstjerna die zu N. gehôrige Herrschaft Baisingen(O. a. Horb) geschenkt und war noch 1635 im Besitz; 1658 kam Baisingen schon in dritte Hand. Mader, r. r. sch. Magazin VII, 654; XII, 476; Beschr. d. O. a. Heilbronn unter Thalheim; H. Bauer, Thalheim an der Schotzach und seine Besitzer(in Zeitschr. f. d. Württ. Franken 1866, 234— 243); Beschr. d. O. a. Horb 137. Capler von Oedheim genannt Bautz, hiessen eigentlich Caplan, nahmen im 15. Jh. den Beinamen Bautz(Butz) und im folgenden den Namen Capler an und besassen seit 1302 als weinsbergische, dann pfälzische, endlich württembergische Lehensträger das Ritter- gut Oedheim(Schloss O., O. a. Neckarsulm) bei dem Kanton Od. bis auf die Neuzeit (jetzt Freiherrn). Vorübergehend besassen sie noch bei demselben Kanton andere Güter; namentlich erwies sich Ende des 16. Jhs. Hans Wolf C. v. O. als Mehrer des Besitzes. 1607— 1615 besassen sie Laibach(O. a. Künzelsau). Ebenfalls nur kurze Zeit gehörte ihnen bei Kr. Eschelbronn(bei Sinsheim in Baden), das sie erheiratet hatten. Beschr. d. O. a. Neckarsulm 344; 502 f.; 622; Beschr. d. O. a. Künzelsau 654: Cast, württ. Adelsbuch 162 ff.; Kolb, hist.-topogr. Lex. v. Baden I, 276 f. von der Cappel besassen um 1500 Waizendorf und Seubelsdorf(in der baireuthischen Herrschaft Plassenberg gelegen) und schlossen sich dem Kanton G. an. Die genannten Besitzungen waren 1587 schon in anderen Händen; dagegen erscheinen sie in diesem Jahre unter dem Adel des Baireuther Oberlandes zu Seubottenreuth und Heinersreuth ge- sessen. 1576 wird Hans Paul v. d. C. zu Hasslach unter den morosen Mitgliedern des Kantons G. erwähnt, gegen die ein kaiserliches Mandatum poenale erlassen wird. Heiners- reuth verkauft 1607 Georg Wilhelm v. d. C. an den Markgrafen von Baireuth; seitdem verschwindet die Familie. Lang, neuere Gesch. d. Fstts. Baireuth I, 6 f.; III 280;(Barth), Versuch einer Landes- und Regentengesch. d. beid. fränk. Fürstenthümer Baireuth und Anspach 243; Maders Sammlung reichsger. Erkenntn. V, 185. von Carben, alte wetterauische Familie, die ihren Namen nach einem der Orte Karben in der Freigrafschaft Kaichen führt. Unter den Reichsministerialen dieser Gegend erscheinen sie frühzeitig und häufig: schon 1239 begegnet ein Rupertus v. C. als Burg- graf von Friedberg. An der 1405 begründeten Ganerbschaft Staden(s. meine Abhandlung über die Ganerbschaften, Progr. Eschwege 1880, S. 7) erhielten sie bald Anteil und be- sassen bei ihrem Erlöschen fast die Hälfte davon. Auch sonst war ihr Besitz in dieser Gegend bedeutend; sie schlossen sich damit dem Kanton M-R.an: Melbach besassen sie schon 1361 als Reichspfandschaftslehen, 1374 Ockstadt(das sie aber 1442 und 1521(15262) je zur Hälfte veräusserten), ebenfalls eine Reichspfandschaft, Burggräfenrode seit Anfang des 15. Jhs. als hanauisches, solmsisches und eppensteinisches Lehen, Höchst u. a. m. Wolfgang Adolf, regierender Baumeister zu Staden und seit 1632 Baurggraf von Friedberg, wurde 1633 auch zum Ritterhauptmann des Kantons M-R. gewählt. Die starke Ausbreitung der Familie und die Beziehungen zu den genannten Lehnsherren führten die v. C. auch in die Gegenden jenseits des Rheins und Mains. Wolf Adolf(s. o.) erwarb durch seine Heirat die Burgen zu Erbesbüdesheim bei Alzei(in O-R.); auch im Umkreise des Kantons Od. waren sie mehrfach begütert; sie hatten z. B. Burglehen zu Lindenfels und Otzberg; in den Zeiten, wo der Kanton fester organisiert war, hatten sie Anteil an dem Rittergute Reibach(kurpfälzisches Lehen, das 1672 heimfiel). Quirin v. C. endlich begegnet 1575 als »ebersteinischer Erbe« mit einem v. Mansbach im Besitz von Schackau und Eckweisbach (im buchischen Quartier des Kantons R.). Die v. C. erloschen i. J. 1729; ihre Güter, so- weit sie nicht als erledigte Lehen heimfielen, gediehen an die v. Bernstein und die v. Wetzel; letztere nahnmen den Beinamen v. C. an. Landau, Beschr. des Gaues Wetter- eiba 15; 38; 41; 88 f.; ders., hess. Ritterburgen IV, 333 ff.; Wagner, Beschr. v. Hessen I, 124; II, 27; III, 124 f.; Widder, Versuch einer Beschr. d. Kurfürstl. Pfalz II, 36; III, 244; Mader, Magazin X, 627; Maders Sammlung V, 674; Moser, vermischte Nachr. v. r. r. sch. Sachen III, 398— 418. von Catheart zu Carbiston, eine ihrem Ursprung nach Schottland angehôrige Familie(Cathcart Castle liegt bei Glasgow; die Familie gehört seit 1447 zur schottischen Peerage, seit 1807 auch zu der des vereinigten Königreichs), von der ein Mitglied in zwei- brückensche Dienste trat und durch Heirat mit einer von Stein-Callenfels Güter erwarb, die zu N-R. steuerten(Gross- und Kleinbundenbach bei Homburg i. d. Pfalz); 1777 wurden dieselben gegen andere bei Blieskastell gelegene Güter an Zweibrücken ausgetauscht. 1781 endlich veräusserte diese und andere ebenda gelegene Besitzungen der zwei- brückensche Obermarschall Freiherr v. C. an den Grafen v. d. Leyen. Doch muss die Familie noch reichsunmittelbaren Besitz behalten haben, da eine Freifrau v. C. die Vor- stellung der rheinischen Reichsritterschaft vom 28. Sept. 1802 mitunterzeichnet hat. De- 6 brett's Illustrated Peerage of the United Kingdom(1865) p. 83; Maders Sammlung VIII, 17— 29; XI, 68 ff.; XIII, 679— 687; Simon, Annalen d. 1. Rh. I, 130; 515; 526. von Cleen, von Niederkleen im Niederlahngau(Kr. Wetazlar) stammend, wo sie schon 1129 mit Baldwin und Guntram v. Cl. auftraten, erwarben in der benachbarten Wetterau reichsunmittelbare Güter(Dornassenheim, die Hälfte von Ockstadt u. a. m.). Sie gehörten zu der weitverzweigten Ganerbschaft auf der Burg Reitenberg, ebenso zu den Reichsburgmannen von Friedberg, wo zwei ihrer Mitglieder die Würde eines Burggrafen bekleideten. Durch Heirat brachten sie auch die Güter der v. Sachsenhausen(in der Gegend von Franktfurt) an sich, erloschen aber schon um 1520. Ihr Besitz gelangte, so- weit er nicht an die Lehenshöfe heimfiel, durch die Erbtochter an Hans v. Frankenstein (s. d.). Abicht, der Kreis Wetzlar I. 173 f.; Dieftfenbach, Gesch. v. Friedberg 318 f.; Landau, Wettereiba 22; 38; Scriba, Gesch. d. ehemal. Burg und Herrsch. Frankenstein 42.— Ein Eppichen v. Klehen gehörte zu den Käufern der Ganerbschaft Staden i. IJ. 1405 (s. v. Carben). von Clengel gelangten 1708 durch Heirat(mit einer Erbtochter der v. Wolmers- hausen) zu reichsritterschaftlichem Besitz: Anteil an den zu Od.kollektablen Rittergütern Amlis- hagen, Hengstfeld, Satteldorf u. a.; auf die gleiche Weise wurden sie wohl auch Mitglieder des Kantons K.,, in dessen Listen sie erscheinen. 1723 erkauften sie das Rittergut Hirrlingen im Kanton N., veräusserten es aber schon 1736 wieder; auch die Güter bei Od. gelangten noch im Laufe des 18. JIhs. durch Heiraten an andere Familien. Endlich besass diese Familie auch bei A. im vorigen Jh. Dürrenhof und Keyerberg in der Gegend von Feucht- wangen, welche der damalige Besitzer, der General Johann Kaspar v. Cl. 1740 dem Mark- grafen von Ansbach zu Lehen auftrug; bald darauf finden sich diese Güter im Besitz der v. Falkenhausen. Beschr. d. O. a. Gerabronn unter Amlishagen und Hengstfeld; Beschr. d. O. a. Crailsheim 427; Beschr. d. O. a. Rottenburg unter Hirrlingen; Mader, Magazin 5, 394: 8, 654; 11, 197; Maders Sammlung 16, 33— 44; Kerner, allgem. posit. Staats-Landrecht d. unmittelb. freyen Reichsritterschaft II, 279. von Clodh(Clodt), westfälischer Uradel, der zu den Grafen v. d. Mark in vielfachen Beziehungen stand(1230— 1540 waren die v. Cl. erbliche Burggrafen des Hauptschlosses Mark) und zur landsässigen Ritterschaft im Herzogthum Jülich, der Grafschaft Mark u. s. w. gehörte. Durch die Heirat des Philipp Friedrich(† 1650) mit Marie Juliana Quadt v. Landskron gelangte die Familie aber zu reichsunmittelbarem Besitz im Moselgebiete, mit dem sie zum Kanton N-R. steuerte: die beträchtliche Herrschaft Ehrenberg, die Herr- schaft Landskron u. a. Später stand ihnen noch die Grundgerichtsbarkeit zu Diebelich zu, die sie in Gemeinschaft mit Kurtrier ausübten. Benedict Fh. v. Cl., kurtrierischer Hofrichter und Amtmann etc., bekleidete die Würde eines Ritterrates bei dem Kanton N-R. und starb 1798 als letzter Mann seiner Familie, wenigstens seiner Linie; sein Besitz ging an die v. Stein zu Nassau über. v. Stramberg, Rhein. Antiquarius I, 2, 165— 173; II, 6, 702— 704; Bärsch, d. Moselstrom v. Metz bis Koblenz 484 ff.; 512; ders., St. u. O. der Eifel I, 1, 463: Leo, Territorialgeschichte IV, 903— 906; Mader, Magazin I, 27. von Closen, ein altes niederbairisches Ministerialen-Geschlecht, stammte aus der Gegend von Landau an der Isar, bekleidete das Erbmarschallamt in Niederbaiern und er- losch, seit 1624 freiherrlich i. J. 1856. Seit Anfang des 17. Jhs. gehörte es auch zur reichsunmittelbaren Ritterschaft in Schwaben. Damals erheiratete Hans Urban v. Cl. mit Magdalene v. Ehingen die Herrschaft Neuneck mit Böffingen und ½ Wörnersberg(O. a. Freudenstadt) und die Rittergüter Kilchberg und Wankheim(O. a. Tübingen) und kaufte 1604 noch das ebenfalls bei Tübingen gelegene Rittergut Bläsiberg hinzu. Erstgenannte Herrschaft wurde zwar schon 1614 an Württemberg veräussert, mit dem übrigen Besitz aber blieb die Familie Mitglied bei N.; 1645 erscheint Georg Stephan v. Cl. als Ritter- hauptmann des genannten Kantons, und Georg Ehrenreich Fh. v. Cl. zu Heidenburg(dies der Name des Stammsitzes der Familie in Niederbaiern) war einer der Vertreter desselben Ritterortes auf den V-Ortskonventen zu Ulm und Esslingen 1674 und 1680. Der oben genannte Ritterhauptmann war es wohl auch, der das Rittergut Mühlhausen a/Neckar (unterhalb Stuttgart) erwarb und dadurch bei K. Mitglied wurde. Das 18. Jh. brachte die Veräusserung aller genannten Güter: 1721 wurden Kilchberg, Wankheim und Mühlhausen a/N., der Rest 1768 verkauft. Rudhardt, Gesch. d. Landstände in Bayern I, 34; Beschr. d. O. a. Freudenstadt unt. Neuneck; Beschr. d. O. a. Tübingen 358; 406 ff.; 483; Beschr. d. O. a. Cannstatt unter Mühlhausen a/N.; Mader, Magazin 10, 104 f.— Die jetzigen Frei- herrn v. Cl.(in Baiern) stammen in weiblicher Linie von der erloschenen Familie ab; vgl. Seyler, Adelsb. d. Königr. Bayern 13. von Cornberg. Stammyvater dieser Familie ist Philipp Wilhelm, ein natürlicher Sohn des Landgrafen Wilhelmn IV. von Hessen. dem der Vater das aufgehobene Kloster C. bei Sontra gab, nach dem er sich nannte. Die Familie gehörte somit zur hessischen landsässigen Ritterschaft, besass aber 1602— 1677 die Hälfte des Gerichts Kettenbach auf dem Einrich (im nassauischen Amt Wehen), mit dem sie, wie die späteren Besitzer, zu M-R. gesteuert zu haben scheint; wenigstens findet sie sich in den Mitgliederlisten. Ersch u. Gruber, Encycl. unter Auburg; Landau, Beschr. d. Kurf. Hessen 288; Vogel, Topogr. v. Nassau 249. von Crailsheim, alte fränkische, urkundlich 1221 mit Walter v. Cr. auftretende, heute(als Freiherrn) in Württemberg und Bayern blühende Familie, stammt von dem Burg- stall in der württembergischen Oberamtsstadt Crailsheim und verbreitete sich frühzeitig in vielen Zweigen in der Umgegend von Crailsheim, Dinkelsbühl und Hall; seit dem 15. Ih. fasste sie auch in den Maingegenden festen Fuss. Besonders das 16. Jh. ist durch eine stattliche Reihe von Erwerbungen gekennzeichnet: 1500 Mainsontheim, 1524 Walsdorf, 1545 Altenschönbach und Neuhaus, 1549 Braunsbach, 1550 Sommersdorf, 1565 Schloss Thann, 1584 Schloss Rügland, 1585 Bingärtlein, 1600 Michelbach a/Lücke, 1614 Rödelsee u. a., denen gegenüber die Verluste nur geringfügig sind: 1631 ging Michelbach a/L., 1637 Braunsbach, 1647 Erkenbrechtshausen verloren. Vorteilhaft für den Wohlstand der Familie war es, dass Ende des 17. Jhs. nur noch zwei Brüder übrig waren, von denen Johann Ulrich allein das Geschlecht fortpflanzte. Mit ihrem Besitz, der sich von Kocher und Jagst bis in die Gegend von Bamberg erstreckte, waren sie Mitglieder bei Od.(Hornberg, Morstein u. a.), A.(Rügland, Thann, Sommersdorf u. a.) und S.(Fröhstockheim, Rödelsee, Neuhaus a/Aisch u. s. w.). Bei diesen Kantonen bekleideten sie öfter Chargen: Wolfgang(† 1637) war Ritterhauptmann bei Od., Georg Friedrich(† 1647), Hannibal Friedrich(† 1744), als be- sonders einflussreich und thätig gerühmt, und Ernst Ludwig Sebastian(† 1823) versahen 8 — dieselbe Stelle bei A., Hans Sigmund(Ende des 16. Jhs.) und Hans Friedrich(1602) ebenso bei S. Beschr. d. O. a. Crailsheim 238— 245; 466; Beschr. d. O. a. Künzelsau 430 ff.; Fromm in Zeitschr. f. d. württ. Franken 1848, 53 ff.; Bossert, Regesten fränk. Adelsgeschl., ebd. 10(1875), 7— 17; Beschr. d. O. a. Gerabronn(unter Morstein, Hornberg u. a.); Jäck, Material. z. Gesch. u. Stat. Bambergs II, 135; III, 182; Lang, neuere Gesch. d. Fürst. Bai- reuth III, 12; Mader, Magazin VI, 616; Moser, verm. Nachr. v. r. r. sch. Sachen 4, 567 f. Cratz von Scharfenstein, dasjenige von den Burgmannengeschlechtern der mainzi- schen Burg Scharfenstein bei Kiedrich im Rheingau, das bis in die neuere Zeit geblüht hat. Die Burg Sch. besassen sie später als mainzisches Lehen und steuerten damit zu M-R; zu dem Erzstifte Mainz standen sie überhaupt in nahen Beziehungen, ebenso zu dem Stifte Worms, dem im 17. Jh. zwei Mitglieder des Geschlechts als Fürstbischöfe vorstanden. So kam es, dass sie auch jenseits des Rheins Güter erwarben; z. B. waren sie wormsische Lehensträger zu Eppelsheim in Rheinhessen, weshalb sie vielleicht auch zu O-R. zu zählen sind. Sicher gehörten sie dagegen dem Kanton N-R. an: sie besassen Güter in Cröv(im Crver Reich, Kr. Wittlich), zu Ellenz, Valwig, Longuich u. s w. an der Mosel, in und um Sobernheim(an der Nahe) u. a. Endlich wurden sie vom Stift Worms mit dem durch das Aussterben der von Ehrenberg heimgefallenen Rittergut Bargen(Kanton Kr.) belehnt. Johann Philipp, der Bruder des Bischofs Hugo Eberhard v. Worms, machte sich im 30- jährigen Kriege als Heerführer und durch seinen vielgewundenen Lebenslauf bekannt, er- warb bedeutende Güter in Böhmen und wurde in den Reichsgrafenstand erhoben. Mit seinem Enkel erlosch die Familie 1721; die rheingauischen Güter und die an der Mosel wurden an die Grafen von Solms-Rödelheim vererbt; die Besitzungen an der Nahe ge- langten an die v. Schellart; anderes, wie Bargen, fiel an die Lehenshöfe heim. Bodman, Rheingau. Altertümer; Vogel, histor. Topogr. von Nassau 41; v. Fichard, Wetteravia I 1, 82 f.; Bärsch, Städte und Ortsch. d. Eifel III 2, 2, 29; ders., der Moselstrom von Metz bis Coblenz 224; 412 f.; 443; v. Stramberg, Rhein. Antiquar. II, 3, 771; II, 18, 26— 34; Widder, Beschr. d. Pfalz I, 434; IV, 112; 118; Kolb, hist.-stat.-topogr. Lex. v. Baden I, 101. 1 von Cronberg(Cronenberg), wohl das angesehenste und merkwürdigste Reichs- ministerialiengeschlecht des Mittelrheins, das ursprünglich sich von Eschborn nannte(1100). im 13. Jh. aber den Namen von dem nahen Kronberg annahm, das es als Reichslehen be- sass. Der Reichtum der Familie an Geld und Gut(zahlreich waren die Pfandschaften in den Händen der v. Cr.) und die unermüdliche Regsamkeit machten sie einerseits zur Vor- kämpferin für die Rechte ihrer Stammesgenossen, andererseits näherten sie dieselbe den Dynasten der Nachbarschaft(des Frank v. Cr. Tochter z. B. heiratete im 15. Jh. den Grafen Johann v. Solms), so dass sie gewissermassen das Mittelglied zwischen den Dynasten und dem niederen Adel bildete. Unter den Ganerben, die 1382 den Burgfrieden zu Tannenberg(in der hessischen Provinz Starkenburg) schliessen, begegnet in der Urkunde nach den Dynasten als erster Johann v. Cr.; in der Fehde, die 1300 die Ganerben dieser Burg mit den vier rheinischen Kurfürsten und vielen anderen Fürsten und Herren zu be- stehen hatten, leitete Hartmuth v. Cr. den hartnäckigen Widerstand, der mit der völligen Zerstörung der Burg endete. Ebenso waren die v. Cr. Ganerben der grossen Burgen der 9 — Wetterau und deren Nachbarschaft, wie Rheinberg, Stockheim, Reifenberg u. a.; auf der Burg Friedberg gebot Johann Eberhard von 1577 bis 1617 als Burggraf. UÜberhaupt waren sie in hervorragender Weise an allen Unternehmungen beteiligt, die zur festeren Organisation der Reichsritterschaft führten: so in dem Mittelrheinisch-Wetterauischen Ritterverein vom Jahre 1522; auf den Korrespondenztagen 1577 zu Mergentheim und 1580 zu Speyer; später treten sie auffallend zurück. Ein anderer Hartmuth, der Vetter des be- rühmten Franz v. Sickingen, beteiligte sich an den Fehden seines Verwandten und ward in seinen Sturz mitverwickelt(1522— 1541 war die Herrschaft Kronberg in hessischem Besitz), schloss sich aber anderseits mit Begeisterung der neuen Lehre Luthers an und führte sie in seine Herrschaft ein. Durch seine Heirat mit Anna v. Cr., der Schwester des Deutschordensmeisters Walter vom Flügelstamm, vereinigte er die beiden seit dem 13. Jh. bestehenden Stämme des Geschlechts wieder. Während der Flügelstamm mit dem oben genannten Burggrafen von Friedberg 1617 verdorrte, verzweigte sich der Kronenstamm weiter: eine katholische Nebenlinie bildete sich an dem lutherischen Hauptstamm. Zu dem Emporkommen dieser Nebenlinie trug nicht wenig der Umstand bei, dass Johann Schweickard v. Cr. 1604— 1626 Kurfürst von Mainz war: er erwarb bedeutende Güter in Böhmen, empfing für seine Familie die Belehnung mit den Reichslehen der dem Aussterben entgegeneilenden Familie v. Hirschhorn und betrieb die Verleihung des Reichsgrafenstandes an seinen Neffen Adam Philipp. Die katholische Linie, die sich meistens in Wien auf- hielt, verblühte schon 1692; die lutherische erlosch 1704 mit Johann Nicolaus.— Der Besitz der Familie war weit verzweigt. Philipp v. Cr., der pfälzische Marschall, kaufte 1505 die Sauerburg(bei Caub) mit Zubehör von dem Kurfürsten Philipp; dieser schöne Besitz gedieh schon 1617 durch eine Erbtochter an die Brémser von Rüdesheim. Als Er- satz dafür war schon 1600 das Erbe der v. Mudersbach auf dem Westerwald und dem Einrich der Familie zugefallen; dazu gehörte die Burg Holenfels, auf der der letzte Cr. seine Tage beschloss. Mit diesen Besitzungen gehôörte die Familie zu M-R. Frühzeitig gelangte sie auch zu Besitz im Bereiche des Kantons Od.: ging auch manches infolge der unglücklichen Tannenberger Fehde vom Jahre 1390 verloren; der Verlust wurde ausge- glichen. Die hirschhornischen Lehen(s. o.) kamen 1632 an die v. Cr.: dazu gehörte die bedeutende Herrschaft Rothenberg, in deren Besitz die katholische Linie sehr bald die lutherischen Vettern einsetzte. Bei Od. gehörte auch der Hof Wasserbiblos den v. Cr., der schon 1629 an Hessen heimfiel. Auch jenseits des Rheins fasste die Familie schon früh- zeitig festen Fuss: ausser Burg Jben und Fürfeld(im heutigen Rheinhessen) erwarben sie die Herrschaft Altenbaumberg im Alsenzthale(in der bayrischen Pfalz), mit der 1501 der schon genannte pfälzische Marschall Philipp von seinem Kurfürsten belehnt wurde: die lutherische Linie besass dieses zu O-R. steuerbare Gut bis zu ihrem Erlöschen und vererbte es als Kunkellehen auf die v. Waldecker. Noch beträchtlicher war der Besitz, den die v. Cr. im Sonderort O. erwarben: zunächst durch eine Erbtochter der 1538 ausgestorbenen Familie v. Bach einen Anteil an deren bedeutendem Erbe(z. B. Hofweiler, Niederschopf- heim, Schutterwald u. a.). Dieser Besitz scheint sich rasch gemehrt zu haben und war wohl die Ursache, dass dieser wieder katholisch gewordene Zweig des Geschlechts, der im Gegensatz zu dem lutherischen im Anschluss an den Kaiser und das Erzstift Mainz Ein- 2 10 fluss und Reichtum zu erlangen strebte, i. J. 1620 die Anwartschaft auf die in der Ortenau gelegene Herrschaft Hohengeroldseck bekam und 1634 in dieses Reichslehen eingesetzt wurde. Damit hatte die Familie, nunmehr gräflich, die Reichsstandschaft als Mitglied des schwäbischen Kreises erlangt, bis 1692 durch das Erlöschen dieser Linie diese Stellung ihr Ende fand. v. Stramberg, Rhein. Antiqu. II, 15, 746 ff.; Vogel, hist. Topogr. von Nassau 290 flf.; Usener, Beitr. z. Gesch. d. Ritterburgen u. Bergschlösser i. d. Umg. v. Frankfurt aM. 187— 192; Estor, kl. Schr. II, 723— 725; v. Hefner u. Wolf, die Burg Tannenberg und ihre Ausgrabungen 13— 21; v. Gerning, die Rheingegenden von Mainz bis Cölln 132; Wagner, Beschr. v. Hessen II, 32; 45; Simon, Gesch. d. Grafen z. Erbach 249 f.; Widder, Beschr. der Pfalz III, 408; Lehmann, urk. Gesch. der Burgen der bayer. Pfalz IV, 298; Ruppert, Gesch. d. Mortenau I, 296; 419; 464; Wolff, die unmittelb. Teile des ehem. röm.-deutsch. Kaiserr. 209; v. Gerning, Lahn- u. Main-Gegenden 34 ff.— Eine niederadlige Familie v. Cr.(Cronburg) begegnet auch im Gebiete des Kantons N-R.; sie besass 1464— 1575 einen Teil der Oberburg zu Ulmen(Kr. Cochem) als kurkölnisches Lehen, gehörte 1545— 1599 zu den Brucker-Herren der Herrschaft Dagstuhl u. s. W.; V. Briesen weist diese Herren der Familie vom Taunus zu; doch dürfte es richtiger sein, in ihnen das gleichnamige nach der Burg Cronenburg an der Kyll(Kr. Schleiden) genannte Rittergeschlecht zu sehen, das 1505() erlosch. v. Briesen, urk. Gesch. d. Kreises Merzig 295; Wegeler, Beitr. z. Spezialgesch. d. Rheinlande II, 24. Crümmel von Bell(Cr. v. Nechtersheim), ein niederrheinisches Geschlecht, das seinen Beinamen(v. B.) nach dem Orte Bell(Kr. Mayen) führte, wo es seit 1592 als Be- sitzer der Crümmelburg erscheint, womit es zum Kanton N-R. steuerte. Mit anderem Be- sitz war es landsässig; so mit dem KRittersitz zu Nettersheim(Kr. Schleiden), auch wohl mit Gartzem(Kr. Euskirchen), das es 1573 als blankenheimisches Lehen besass; unsicher ist die Stellung der Herrschaft Firmenich(Kr. Euskirchen): während Bärsch sie einen jülichschen Rittersitz nennt, führt Kaltenbach sie unter den 7 sogen. streitigen Herrschaften an, die weder kurkölnisch, noch jülichisch, aber auch nicht reichsständisch waren, noch zur Reichsritterschaft gehörten. Die Familie erlosch 1690. v. Stramberg, Rhein. Antiquar. III, 3, 102; Bärsch, Städte u. Ortsch. d. Eifel I, 1, 159; 161; Kaltenbach, der Regierungs- bezirk Aachen 494. von Dachenhausen(Tachenhausen), eine Familie des schwäbischen Uradels, die aus der Gegend von Nürtingen stammte und seit Ende des 15. Jh. das Rittergut Mauren als Allod bei N. besass; 1616 wurde es verkauft. Michael v. D. begegnet 1578 und 1580 als Vertreter des Kantons N. auf den Korrespondenztagen zu Esslingen und Speyer. Anderer Besitz bei N. war schon vorher von der Familie abgekommen, wie Thalheim in der Steinlach(O. a. Rottenburg), das schon 1519 in den Händen der v. Karpfen war. Bei K. besassen sie seit 1478 teilweise, seit 1527 ganz Ebersberg(O. a. Backnang), verkauften es aber schon 1531; ebenso vorübergehend war der Anteil der Familie an dem Rittergut Freudenthal(O. a. Besigheim) im 17. JIhn.(Röder), Lex. v. Schwaben I, 413; Beschr. d. O. a. Böblingen unter Mauren; Mader, Magazin III, 160; 162; Beschr. d. O. a. Rotten- burg unter Thalheim i/St.; Beschr. d. O. a. Tuttlingen 336; Beschr. d. O. a. Backnang (Ebersberg); Beschr. d. O. a. Besigheim(Freudenthal). 11 von Dachröden, eine jedenfalls erst eingewanderte Familie(eine Familie gleichen Namens blüht noch heute), war bei Od. Mitglied wegen Unterbalbach bei Tauberbischofs- heim, das später dem deutschen Orden gehörte. Durch Heirat kamen die v. D. 1740 zu einem Anteil an Helfenberg(O. a. Marbach) bei K., vererbten diesen Besitz in gleicher Weise an die v. Bouwinghausen(s. d.). Mader, Mag. I, 512; Beschr. d. O. a. Marbach unter Helfenberg. von Dahn s. von Tan. von Dalberg genannt Cüämmerer von Worms. Dieses alte, in der letzten Zeit des heiligen römischen Reiches zu hohem Ruhm, ja weltgeschichtlicher Bedeutung erhobene Adelsgeschlecht führte ursprünglich den Namen Cämmerer v. Worms und bekleidete seit alten Zeiten das Erbkämmereramt des Hochstifts Worms. Den Namen D. nahm es an, als es um 1330 mit der Erbtochter der v. Dalberg deren gleichnamige Herrschaft bei Kreuznach erwarb. Die älteste Geschichte des Geschlechts ist durch unhistorische Angaben sehr entstellt. Infolge seiner Stellung zu dem Bistum Worms gelangte es früh zu An- sehen, vermehrte durch kluges Wirtschaften seinen Besitzstand beträchtlich und trat in das Erbe mancher erloschenen Familie ein. Nicht wenig trug zu dem Ansehen das alte Pri- vilegium des ersten Ritterschlages bei der Kaiserkrönung(oIst kein Dalberg da?«) bei, das noch Napoleon I. zur Anwendung kommen liess. Seit dem 15. Jh. ist die Familie reich an geistig hervorragenden Männern gewesen, von dem Bischof Johann von Worms († 1503), dem»Wiederhersteller deutscher Wissenschaft und Kunst, alles Trefflichen seiner Zeit Freund, Förderer und Schutz«, bis zu dem Fürst-Primas des Rheinbundes und Gross- herzog von Frankfurt Karl v. Dalberg und seinem Neffen, dem französischen Pair Herzog Emerich Joseph v. D.; erwähnt mögen nur noch sein der Kurfürst Wolfgang von Mainz ( 1601) und der Fürstabt Adolf von Fulda(† 1737), der Stifter der Universität Fulda (1734). Das Geschlecht, das in vielen Zweigen geblüht hatte, beschränkte sich seit 1722 auf die Nachkommenschaft des kaiserlichen Geheimrats Philipp Franz Eberhard; zwei seiner Söhne sind die Stifter der Linien Dalberg-Dalberg, die noch blüht, und D.-Hernsheim, die 1833 mit dem oben erwähnten französischen Herzog erloschen ist.— Mit ihren Besitzungen gehörte die Familie zunächst und hauptsächlich zum Kanton O-R., wo ihre Glieder wieder- holt die Würde eines Direktors versahen, wie überhaupt die Familie in hervorragender Weise bei allen Veranstaltungen beteiligt war, in denen die Standesinteressen verhandelt wurden. Franz Eckenbert C. v. W. Freiherr v. u. z. D., unter dem(d. d. Mainz 1723) der Erbvertrag der hochfreiherrlichen Dalbergischen Familie errichtet wurde, war Generaldirektor aller drei Ritterkreise. Bis zur tranzösischen Revolution gehrte den v. D. in dem genannten Kanton: das Amt Wallhausen mit dem Dorfe Dalberg(bei Kreuznach), das Erbe der alten(Dynasten?) v. D., Lehen vom Stift Speyer; die Burg Erphenstein mit dem Dorfe Esthal(leiningisches Lehen); die Burg Krobsberg, schon seit 1323 zur Hälfte, seit 1439 ganz im Besitz der v. D.; Essingen, 1585 vom Erzbischof Wolfgang(s. o.) für seine Familie erworben; Rupertsberg, mit einer v. Fleckenstein verheiratet; Hernsheim, Abenheim, Hess- loch und Gabsheim, sowie Anteil an den Ganerbschaften Bechtolsheim und Mommernheim; manches andere Gut war schon vorher wieder abgekommen, wie Ramberg(1520 erworben, 1540 veräussert), Güter zu Dittelsheim(1602 und 1606 an Kurpfalz) u. a. Im Kanton 2* 12 N-R. besassen die v. D. die Herrschaft Mandel auf dem Hunsrück(1786 an den Grafen v. Bretzenheim verkauft), den Münchwald bei Spall, Anteil an der Burg Leyen(mit dem Dorfe Rümmelsheim) u. a. Nicht bedeutend kann der Besitz in M-R. gewesen sein, wo sie allerdings schon 1381 mit Gütern bei Hattenheim(im Rheingau) und sonst erscheinen. Dagegen hatten Mitglieder der Familie auf der Burg Friedberg als Burgmannen aufge- schworen, und Franz Heinrich C. v. W. Fh. v. D. war 1755— 1776 Burggraf dieser Körper- schaft.— Seit dem 14. Jh. findet sich das Geschlecht auch schon im Gebiet des späteren Kantons Od.; in den Güterverzeichnissen kommt als ihr Besitz vor: Albersbach(bis 1806); Stein aKocher; Gamberg(½). Das von den Echter v. Mespelbrunn durch Heirat an die v. Dalberg übergegangene Büchold(bei Arnstein) steuerte wohl zum Kanton R., in dessen Mitgliederverzeichnissen beide Familien vorkommen; es fiel 1722 nach dem Erlöschen einer Linie als erledigtes Lehen an das Stift Würzburg heim. Dagegen fiel bald darauf der Familie durch testamentarische Bestimmung des bisherigen Besitzers Philipp Johann Fuchs v. Dornheim das Rittergut Friesenhausen im Kanton B. zu.— Endlich gelangten sie auch nach Schwaben. Unsicher ist es, ob sie im Kanton Kr. sich ansässig machten; die Listen erwähnen sie. Vielleicht aber liegt eine Verwechselung mit den von Dalheim vor. Da- gegen erwarben sie um die Mitte des 16. Jhs. in O. durch die Heirat mit einer v. Flecken- stein(s. o.) Besitzungen(z. B. zu Almannsweiler, Hofweiler, Niederschopfheim); in der Matrikel dieses Kantons begegnen sie schon 1561; im 18. Jh. erscheint dieser Besitz in anderen Händen.— Trotz ihrer hervorragenden Bedeutung und weiten Verbreitung musste sich die Familie zur Zeit ihrer Reichsunmittelbarkeit mit dem freiherrl. Stande begnügen; nach v. Stramberg wurde 1810 ein Zweig des Geschlechts, der die Grafen v. Ostein(† 1800) beerbt hatte, vom Kaiser von Osterreich in den Grafenstand erhoben; ist diese Standes- erhebung wirklich erfolgt, so ist dieser Zweig jedenfalls bald wieder erloschen, während ein freiherrlicher Zweig noch in Mähren angesessen ist.— v. Stramberg, Rhein. Antiqu. II, 16, 162— 253; Baders Badenia, alte Folge I, 197— 206; Schneider, Zwei Regenten aus dem Hause Dalberg(Zeitschr. d. Vereins f. hess. Gesch. u. Landesk., neue Folge VIII, 177 ff.); Mader, Magazin IV, 313— 366; Lehmann, urk. Gesch. d. Burgen d. bayr. Pfalz. II, 220 f.; 282— 302; 358; Ewald, Territorial-Veränderungen v. Hess.-Darmst. 19 f.; Simon, Annalen der inn. Verwalt. d. L. auf d. 1. Ufer d. Rheins I, 2, 619 f.; Wagner, Beschr. v. Hess. II, 21; I, 18; Remling, Urkundenbuch z. Gesch. d. Bisch. 2. Speyer II, 213; Steiner, Gesch. u. Topogr. d. Freigerichts Alzenau 1647; Ruppert, Gesch. d. Mortenau I, 232; 296; 446; Wegeler, Beitr. z. Spezialgesch. der Rheinlande II, 24. von Dalheim s. v. Thalheim. von Dalwigk, eine noch blühende hessische Familie, die namentlich im 14. Jh. durch die Verbindung mit dem Mainzer Erzstift reich und mächtig war; sie besass als mainzische Lehen u. a. Schauenburg Elmshagen u. s. w. bei Cassel und das Gericht in den Hainen bei Borken. Schon frühzeitig(15. Jh.?) erwarben sie aber auch Besitz auf dem linken Rheinufer und hatten Anteil an dem zur Reichsritterschaft(N-R.) gehörigen Orte Lanters- hoven im Kreise Ahrweiler. Landau, Beschr. des Kurfürstenthums Hessen 170; 259; Bärsch, Städte u. Ortsch. d. Eifel I, 1, 408. von Dangriess gehörten zur fränkischen Reichsritterschaft. Sie besassen im 17. 13 — òæᷓ und 18. Jh. bei S. Grieshof und Gleisenberg, bei A. die Hälfte des Dorfes Weisendorf bei Erlangen u. a.; 1683— 1690 gehöõrte ihnen auch als ansbachisches Lehen die Herrschaft Brauneck, wohl als Landsassengut unter ansbachischer Hoheit. Als 1754 Karl Ludwig v. D. starb, zog Ansbach Gleisenberg als erledigtes Lehen ein, obwohl der Verstorbene Brüder hinterlassen hatte. Ein langwieriger Prozess der Reichsritterschaft mit dem Hause Ansbach war die Folge, der noch 1768 unerledigt war. Lehnes, Gesch. d. Aurach-, Fem- bach-, Seebach- und Zenngrundes 57— 61; Mader's Sammlung V, 433— 444; IX Anh. 134— 142; Fischer, Beschr. d. Fürstentums Anspach I, 109; Eisenmann u. Hohn, Lex. v. Kgr. Bayern I, 539. von Dankertsweil, alte schwäbische Familie, tritt schon 1145 mit Berenger und Siegfried v. Dankrateswilare urkundlich auf. Sie führte ihren Namen von dem Weiler Dankertsweiler bei Ravensburg, den sie aber schon 1444 an die nahegelegene Reichsstadt veräusserte: auch die übrigen Güter, die den v. D. in der Nähe ihres Stammsitzes gehörten, scheinen sie zum grössten Teil noch vor dem Ablauf des 15. Jhs. verkauft zu haben, wie Flockenbach(1482) und Alt-Summerau(1493). Sie zogen sich wohl seitdem mehr und mehr in die Nähe des Bodensees, wo sie sich ansässig machten. Mit den v. Homburg er- warben sie Ende des 15. Jhs. das Dorf Hausen a/Aach, verkauften es aber bereits 1544 an die Stadt Radolfzell. Später sassen sie zu Worblingen(bei Radolfzell), z. B. 1609 Achilles v. D. Auch Mühlingen, das sie vom Fürsten Johann von Hohenzollern erkauft hatten, und Beerenberg, beide nôrdlich von Stockach gelegen, besassen sie im 17. Jh. Letzteren Besitz verkauften sie 1710 an die v. Liebenfels, in deren Händen sich auch Worblingen befand. Seitdem verschwinden die v. D., die mit ihrem Besitz zu H. steuerten. Beschr. d. Oberamts Ravensburg 209 f.; Beschr. d. O. a. Tettnang 208; 237; Baders Badenia, a. F. III, 71; Maders Sammlung II, 566 ff.; Schr. d. Vereins f. Gesch. des Bodensees 10 (1880), 115; F. Baur, Gesch. d. Hohenzollernschen Staaten VI, 24; Zeitschr. für die Gesch. d. Oberrheins 37(1884), 10. von Daun. Dieses durch den österreichischen Feldmarschall im siebenjährigen Kriege, den Grafen Leopold Joseph Maria v. D., zu hohem Ruhm erhobene Geschlecht stammt aus der Eifel von dem Städtchen Daun, und zwar von Dienstmannen der alten Dynasten v. D., mit denen sie oft verwechselt werden. Die Güter der Familie, die wohl nicht sehr bedeutend waren und mit denen sie zu N-KR. steuerte, lagen meist im heutigen Kreise Daun der Rheinprovinz(ein Rittersitz zu Daun selbst, Antheil an dem Dorfe Neroth, Lissingen u. a.), auch im Kreise Wittlich(zu Kinheim). Auch im Crôver Reiche waren sie im 17. JIh noch begütert, wenngleich sie die Vogtei in demselben, die sie vom Reich zu Lehen trugen, schon 1355 an Kurtrier verkauft hatten. Seit dem 17. Jh. traten sie zu dem habsburgischen Kaiserhause in immer engere Beziehungen, wurden 1655 in den Reichsgrafenstand erhoben und siedelten schliesslich ganz in die österreichischen Erblande über. Das veranlasste sie, ihren linksrheinischen Besitz zu veräussern, was schon vor dem Jahre 1731 zum grössten Teil geschehen war. Seitdem begegnen sie in den Mitglieder. verzeichnissen von N-R. nicht mehr. Die Familie blühte bis in unsere Zeiten in mehreren Linien, ist jetat aber dem Erlöschen nahe.— Unklar ist es, in welchem Verhältnis diese v. D. aus der Eifel zu den Herren v. D. zum Oberstein stehen; letztere, Dynasten, 14 sassen am Oberrhein im heutigen Rheinbayern und Rheinhessen, wo sie allerdings mit dem ritterbürtigen Adel in vielfache Verbindungen(Besitzgemeinschaft) traten; sie erbten die Herrschaft Falkenstein am Donnersberg, wurden deshalb 1518 zu Grafen von Falken- stein erhoben und erloschen 1682. Der»Rheinische Antiquarius« hält sie für einen Zweig der Eifel-Familie; der ihnen eigentümliche Vorname Wirich, den auch später Glieder der niederadligen Familie führen, könnte dafür sprechen. Wegeler(Beitr. z. Spezialgesch. d. Rheinlande II, 11) sagt:»Daun v. Oberstein, welche aus der Eifel stammen.«(?) Die Stammherrschaft Oberstein lag im jetzigen oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld. v. Stram- berg, Rhein. Antiqu. II, 17, 354 ff.; Bärsch, Beschr. d. R.-B. Trier 112; 115; ders., d. Mosel- strom v. Metz bis Coblenz 336; 344 f.; Leo, Territorialgesch. IV, 842; Wolft, d. unmittelb. Teile d. ehem. rm.-d. Kaiserreiches 500. von Degenfeld, ein altes schwäbisches Geschlecht, das von den alten Freiherrn von Tägerfelden aus dem Aargau abgeleitet wi[rd. Um 1280 sollen sie von da nach dem eigentlichen Schwaben übergesiedelt sein und sich bei Schwäbisch-Gmünd niedergelassen und das Schloss D. an der Lauter gegründet haben. Seit dieser Zeit wenigstens erscheinen sie in dieser Gegend, doch keineswegs anfangs an Besitz besonders hervorragend. Die Herleitung der v. D., die zunächst als Lehensmänner der benachbarten Reichsministerialen v. Rechberg(s. d.), ihrer späteren Standesgenossen, auftreten, von den schweizerischen Dy- nasten ist aber entschieden in das Reich der Fabel zu verweisen, wenn sie auch neuerdings immer wieder verteidigt wird. Dass die v. D. erst so spät auftreten, hat seinen Grund nicht in jener Einwanderung, sondern wohl darin, dass sie früher einen anderen Namen (v. Weissenstein?) führten. Zu höherem Ansehen und in der Folge auch zu umfang- reicherem Besitz gelangte das Geschlecht erst im 17. Jh., wo es mehrere Kriegshelden her- vorbrachte, die in Diensten der Republik Venedig sich hervorthaten, Vater und Sohn, Christoph Martin(1599— 1653), der 1625 in den Reichsfreiherrnstand erhoben wurde, und der venetianische Generalfeldmarschall Hannibal(1648— 1691). Neuen Glanz brachte der Familie das folgende Jahrhundert. Christoph Martin(1689— 1762), ein Enkel des gleich- namigen ersten Freiherrn, zeichnete sich in der ersten Hälfte des 18. Jhs. in Krieg und Frieden aus(er war preussischer Staatsminister), brachte durch seine Heirat mit der Erb- tochter des Herzogs von Schomberg(s. v. Schönburg) die reichen Güter dieses Geschlechts an sein Haus, fügte den Namen seiner Gemahlin dem seinigen hinzu(v. D.-Schonburg) und wurde 1716 in den Reichsgrafenstand erhoben. Bekannt machte sich auch eine Frau aus der Familie, Maria Susanna Loysa, die Tochter des älteren Christoph Martin, als zweite Gemahlin des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz zur Raugräfin erhoben(1636— 1677); ihre Nachkommen sind die Raugrafen von Staufeneck(s. d.). Die Familie blüht noch jetzt in einer älteren freiherrlichen und einer jüngeren gräflichen Hauptlinie und mehreren Speciallinien in den süddeutschen Staaten und in Osterreich-Ungarn.— Mit ihrem Besitz gehorten die v. D. zunächst zum Kanton Ko.: ihren Stammsitz Degenfeld, der ihnen zur Hälfte als rechbergisches Lehen zustand, veräusserten sie, der unaufhörlichen Streitig- keiten über die Hoheit müde, schon 1597 an Württemberg; Eybach bei Geiss- lingen gehörte ihnen seit 1456; Dürnau gelangte 1628 durch Heirat an die Familie; 1665 wurde Staufeneck erkauft, 1696 und 1697 ein Drittel des KRitter- 15 gutes Essingen; in Dürnau und Essingen gehörte ihnen der Blutbann als Reichs- lehen. Gross-Eislingen wurde noch 1776 und Rechberghausen 1789 erworben. (Fälschlich verlegt Moser, Beiträge zu reichsrittersch. Sachen 4, 671, Dürnau und Gamels- hausen, welches dazu gehört, in den Kanton D.) Christoph v. D. willigte 1560 nebst andern Mitgliedern des Kantons Ko. in die schwäbische Ritterordnung; Karl v. D., Ritter- rat, vertrat 1575 diesen Kanton auf dem Korrespondenztag zu Schwäbisch-Gmünd; auch später begegnen wiederholt Mitglieder der Familie in hohen Chargen bei Ko.— Im benach- barten Kanton N. gehörte ihnen nur vorübergehend(bis 1542) Unterboihingen bei Nürtingen.— Dagegen hatte seit dem 16. Jh. die ältere Linie bei Kr. Besitz erlangt: Neuhaus, Ehrstatt, Stebbach, Wagenbach u. a.; schon 1609 erscheint Hans Christoph als Mitglied des grossen Ausschusses bei diesem Kanton; u. s. w.— Noch umfangreicher waren die Erwerbungen der jüngeren(gräflichen) Linie: bei Od. Grosseicholsheim(kurpfälzisches Lehen); ferner die bedeutende Herrschaft Rothenberg, mit der 1704 nach dem Erlöschen der Grafen v. Cron- berg(s. d.) der Freih. Maximilian v. D. vom Kaiser belehnt wurde; 1797 wurde Rothen- berg an die Grafen v. Erbach veräussert; bei R. wurde Ramholz und Vollmerz durch Heirat mit einer v. Landas erworben; endlich in den drei rheinischen Kantonen das be- deutende schombergische Erbe(s. o.): bei O-R. Altorf, Gommersheim, Freisbach u. a. bei Edenkoben; bei M-R. Güter zu Geisenheim und sonst in dem Amte Rüdesheim; bei N-R. Waldalgesheim(⁰G) und Waldlaubersheim(1783 an Nassau-Weilburg verkauft).— Beschr. d. O. a. Gmünd 313 ff; v. Stramberg, Rhein. Antiqu. II, 7, 592— 617; Württ. Vierteljahrs- hefte für Landesgesch. VII,(1884,) 112 f.; Jahrb. X der K. K. herald. Gesellsch. Adler (1883) 7; Beschr. d. O. a. Geisslingen(Eybach); Beschr. d. O. a. Göppingen(Dürnau, Gross-Eislingen etc.); Beschr. d. O. a. Nürtingen(Unterboihingen); Mader, Magazin III, 76; 151; Moser, Beytr. Z. r. r. sch. Sachen 1, 49; Stocker, Nachr., wie das Craichgauische Ritterdirektorium besetzt gewesen ist, in Zeitschr. d. h. Vereins f. das württ. Franken X, 116 f.; Wagner, Beschr. v. Hessen I, 207; Simon, Gesch. d. Grafen z. Erbach 250; Landau, Beschr. des Kurf. Hessen 628; Kolb, stat.-top. Schilderung v. Rheinbayern II, 67; Maders Sammlung VII, 386— 435; XXIV, 641 f.; v. d. Nahmer, Entwicklung u. s. w. 590 Anm.; 647; Rhein. Antiqu. II, 10, 645; Simon, Annalen d. Verwalt. I, 2, 448; 622. von Degernau, s. von Tegernau. von Dermbach(Dernbach), eine fränkische Familie, die jedenfalls Namen und Ur- sprung von dem Marktflecken D. im eisenachschen Oberlande an der Felda herleitete und ihrem Besitz nach zu R. gehôrte. Zunächst trat sie wenig hervor; nur selten begegnen Mitglieder der Familie in reichsritterschaftlichen Urkunden, wie 1660 bei Mader(Magazin VIII, 415). Sie war damals in und um Geisa und Brückenau begütert. In der fuldischen Kirchengeschichte spielte Balthasar v. D., genannt Graul, 1570—1606 Fürstabt, eine wichtige Rolle; unter den schwierigsten Verhältnissen und erbittertsten Kämpfen mit der buchischen Ritterschaft setzte er die Gegenreformation durch. Ein anderer Kirchenfürst aus dieser Famnilie, Peter Philipp, Fürstbischof von Bamberg und Würzburg(f† 1683), scheint mehr für seine Familie gesorgt zu haben. Er wandte den grössten Teil des Erbes der er- loschenen Echter v. Mespelbrunn(s. d.) seiner F. amilie zu; und es war gewiss nicht zufällig, dass die v. D. damals die Herrschaft Wiesentheid am Steigerwald erwarben, mit der 16 — Reichsstandschaft und eine Stimme auf den fränkischen Kreistagen verbunden war, und in den Reichsgrafenstand erhoben wurden. Graf Johann Otto v. D., Herr auf Arnfeld, Waldenstein und Wiesentheid, verkaufte 1681 seine im fuldischen Gebiete(s. o.) gelegenen Güter an das Stift Fulda. Er starb 1697 chne Nachkommen; die Herrschaft Wiesentheid ging durch seine Wittwe auf deren zweiten Gemahl, einen Grafen von Schönborn(s. d.), über. In R. kommt seitdem die Familie nicht mehr vor.— Zweifelhaft ist mir, ob die später vorkommenden v. Dernbach hierher gehören, wie Cast(württ. Adelsbuch 416) will, oder der am Mittelrhein und Nachbarschaft vielfach begüterten Familie zuzuweisen sind, die sicher verschiedenen Ursprungs ist. Dieselbe stammte vom Westerwald, wo sie auf der Burg Dernbach bei Herborn ihren Hauptsitz hatte; sie war im 14. Jh. so mächtig, dass sie nach der Landeshoheit strebte und erst nach hartnäckigem Kampfe sich den Grafen von Nassau unterwarf. Für ihre Bedeutung in diesen Gegenden spricht das häufige Vorkommen des Namens Dernbach: Walddernbach und Langendernbach im Amt Hada- mar, D. bei Montabaur, D. bei Battenberg; überall finden sich Linien des Geschlechts im 13. und 14. Jh. ansässig. Später scheinen sie sich nach Hessen gezogen zu haben, in dessen Ritterschaft sie in den folgenden Jahrhunderten erscheinen.— Kronfeld, Landes- kunde des Grossherzogt. Sachs.-Weim.-Eis. II, 405; Schneider, die Rhöngegend in histor. Bez. 37 ff.; Fh. von Egloffstein, Fürstabt Balthasar von Dernbach u. d. kathol. Restauration im Hochstifte Fulda 1570— 1606, München 1890; v. Stramberg, Rhein. Antiqu. II, 3, 487: 10, 677; Vogel, hist. Top. v. Nassau 151 f; Landau, Beschr. d. Kurf. Hessen 403. von Dern s. Frey v. Dern. von Dettelbach, eine fränkische Familie, die ihrem Ursprung nach— sie stammte von Dettelbach am Main— zunächst zu S. gehörte, die aber auch im Kanton A. begütert war. Dornhausen bei Gunzenhausen(A.), das ihnen z. T. gehörte, gelangte schon 1589 von ihren Erben durch Kauf an Ansbach. Die Familie, die wenig hervortritt, war damals also bereits erloschen.(J. J. Moser), verm. Nachrichten v. reichsrittersch. Sachen IV, 621; Fischer, Beschr. d. Fürstent. Brandenburg-Anspach I, 104. von Dettlingen(Tettlingen) stammen nach Schôpflin aus der Grafschaft Eberstein in Schwaben, wo 1272 mehrere ihrer Mitglieder in einer Urkunde vom Kloster Aller- neiligen im Schwarzwalde auftreten. Wenig spaâter begegnet die Familie aber auch im oberen Neckargebiet, wo sich ein Ort gleiches Namens im nordwestlichen Hohenzollern findet; der sonst seltene Vorname Meinloch(Meilach) findet sich hier wie dort. Im 14. Jh. besassen sie z. B. Vollmaringen bei Horb, das sich im 15. Jh. auf die von Gültlingen ver- erbte. Während sie um die Mitte des 15. Jhs. aus den rechtsrheinischen Gegenden ver- schwinden, treten sie wenig später(1462!) mit einem Meinlach v. D. im Elsass auf, der mit einer v. Scharrach geroldseckische Lehen dieser Familie erheiratete; seine Nachkommen mehrten diesen Besitz, mit dem sie zu E. steuerten: im 17. Jh. besassen sie ausser dem Sturmischen und Dettlingischen Hofe zu Strassburg einen Anteil an Berstett und Olvis- heim, das Schloss zu Stotzheim, Scharrachbergheim(schon 1474), ein Haus zu Westhofen, Breuschwickersheim. 1648 klagte die Reichsritterschaft im Unter-Elsass gegen ihr Mit. glied Meilach v. D, der auf den Rittertagen nicht erschienen war und die geringe Anlage zur Ritterkasse nicht bezahlt hatte. Vom Elsass aus kamen die v. D. auch wieder über den Rhein in die Ortenau; Meilach v. D. ererbte 1652 einen Teil der Burg zu Altdorf(zu O. gehdrig), veräusserte ihn aber schon 1654. Das allerdings sehr unkritische Verzeichnis der im Kanton O. immatrikulierten Familien in der Vierteljahrsschrift f. Herald., Sphrag. u. Geneal. IX, 204 ff. erwähnt die v. D. nicht. Die Familie blühte im Elsass noch in der zweiten Hälfte des 18. Jhs.— Schopflin, Alsat. illust. II, 703; Beschr. d. O. a. Horb 254 f.; Maders Sammlung I, 702; Ruppert, Gesch. d. Mortenau I, 236. von Deuring(Theuring), eine alte schwäbische Familie, die von Obertheuringen zwischen Tettnang und Ravensburg stammt, wo sie bereits im 12. Jh. auftritt. Ihren Besitz in der dortigen Gegend hielt sie bis in das 18. Jh. fest. Durch ihre Verbindung mit dem Patriziat der schwäbischen Städte— Zweige der v. D. sassen in Ravensburg und Bregenz— scheint sie sich geldkräftig erhalten zu haben: 1649 kaufte Johann Georg v. D. von der Stadt Ravensburg die Herrschaft Neuhaus, mit der die Mitgliedschaft des schwäbischen Kreises, wenn auch ohne Sitz und Stimme(?), verbunden war. 1764 verkaufte der speirische Oberstjägermeister Frhr. v. D. diesen Besitz wieder an Ravensburg. Damals war der Hauptsitz der Familie Kempten: in der Nähe besassen sie(wohl nur vorübergehend als Pfandschaft) die Herrschaft Hohenthann, die, ehe sie an das Stift Kempten gekommen war, zu dem Kanton H. gesteuert hatte(s. v. Heimenhofen). Mitglieder dieses Kantons waren dagegen die v. D. mit den Herrschaften Heilsberg und Randeck; beide lagen im eigent- lichen Hegau zwischen Radolfzell und Schaffhausen; erstere Herrschaft war vauch mit dem Blutbann von Osterreich belehnt und von dem Nellenburger Landgerichte in Bürgerlichen und Kriminalfällen befreit«, während mit der andern nur das Niedergericht verbunden war. Die Familie, die auch sonst begütert war(Anhoten und Autenried bei Günzburg an der Donau: deshalb vielleicht zum Kanton D. zu rechnen(?); ferner Stäzling bei Friedberg in Bayern), überlebte das Ende der alten Reichsverfassung; eine gräfliche Linie erlosch 1812. Die freiherrlichen Linien blühen wohl noch.— Beschr. d. O. a. Tettnang 225— 229;(Röder), Topogr. Lex. v. Schwaben II. 645; Baumann. die Territorien des Seekreises 1800(Badische Neujahrsblätter IV) 32 f.; Pl. Braun, Beschr. d. Diécese Augsburg I, 251; Steichele, das Bistum Augsburg IV, 238; Mitteil. d. bad. hist. Kommiss. 3(1884), 97; Maders Samm- lung XI, 674— 680. von Deutsch(D. von Kaulen) erscheinen in der Matrikel der im Kurfürstentum Trier begüterten Reichsritterschatt von 1731(N-K.) mit dem Haus Reuland und dem Balduinshäuschen in der Stadt Trier: dieser Besitz ist Ende des Jhs. in den Händen der Freiherrn v. Berg zu Dürfenthal. Mit anderm Besitz(z. B. Herrschaft Seinsfeld im Kreise Wittlich 1646— 1701) waren sie landsässig.— Bärsch, Beschr. d. Reg.-Bez. Trier 115. von Dhane s. von Tan. von Diede(D. von Fürstenstein) gehörten ihrem Ursprung nach zur niederhessischen Ritterschaft und waren namentlich in der Nähe von Eschwege begütert; aus dem Geschlecht der v. Ubach entsprossen, nannten sie sich nach der Burg Fürstenstein am rechten Werraufer bei genannter Stadt. Seit der Mitte des 14. Ihs. erscheinen sie schon in der Wetterau; dadurch erlangten sie auch Aufnahme in die Burgmannschaft der Reichsburg Friedberg. Mehrere Mitglieder der Familie bekleideten die Würde eines Burggrafen in dieser Gemein- schaft; so Hans Eitel D. zum F.(f 1685), der zugleich zum Ritterhauptmann des Kantons 3 M-R. erbeten wurde, obgleich er, wie es ausdrücklich heisst, bei diesem Kanton weder immatrikuliert noch angesessen war, und ein anderer desselben Namens(† 1747). Der ältere Hans Eitel leitete als Direktor des rheinischen Ritterkreises 1680 die Verhandlungen des Korrespondenztages zu Speier. Jedenfalls hatte seitdem die Familie reichsunmittelbaren, zur Reichsritterschaft steuerbaren Besitz erworben; 1691— 1706 besassen sie z. B. einen Freihof zu Usingen; ihre Hauptgüter Langenhayn und Ziegenberg waren wohl der Landes- hoheit von Hessen-Darmstadt unterworfen, obwohl es in Hübners realem Staats-, Zeitungs- und Konversations-Lexikon(1745) p. 1274 heisst:»Ziegenberg, Schloss, wozu einige Dörffer gehören, in der Wetterau, denen Dieden zum Fürstenstein gehörig«, was auf un- mittelbaren Besitz hinweisen könnte. Wilhelm Christian v. D. zum F. begegnet 1780 als Ritterrat bei M-R.; er ist wohl identisch mit dem dänischen Staatsminister Freiherrn Wil- helm Christoph D. zum F., mit dem die Familie i. J. 1807 erlosch.— Landau, hess. Ritter- burgen II, 11— 20; Landau, Wettereiba 51; Wetterauischer Geographus 140; Voge!l, histor. Topogr. v. Nassau 276; Maders Magazin I, 31; X, 102; Kronfeld, Landeskunde d. Ghzt. Sachs.-Weim.-Eis. II, 336. von Dlemantstein, schwäbische Familie, eigentlich von Stein(1236 dominus Thiemo de Lapide), seit 1372 von Diemenstein, zuletzt Diemant- oder Demantstein, stammt von Diemenstein, nördlich von Höchstätt, mit dem sie zu K. steuerte. Ausserdem besassen sie 1572 bis 1641 eins der Schlösser in Trochtelfingen bei Neresheim. Seitdem beschränken sie sich, wie es scheint, auf ihre Stammherrschaft. 1560 willigte Ludwig v. D. für seinen Vater in die schwäbische Ritterordnung, während seine Vettern Beschwerden und Be- denken dagegen vorbrachten; Adam Freiherr v. D., als kurpfälzischer Minister 1712 in den Reichsgrafenstand erhoben, bekleidete 1722 bis 1730 die Würde eines KRitterhauptmanns bei K.; mit ihm erlosch 1730 die Familie im Mannesstamme. Die Herrschaft ging auf die Gräfinnen v. Schönburg(aus Sachsen) als Verwandte über.— Steichele, das Bistum Augsburg IV, 645 f.; Beschr. d. O. a. Neresheim 422; Moser, Beyträge zu reichsrittersch. Sachen 1, 50 f.; Maders Sammlung XII, 1— 180. von Diemar, fränkische Familie, die zu den Vasallen der Grafen von Rieneck zählte. Sie besass an dem mittleren Main in der Nähe von Gemünden die zu R. gehörigen Ritter- güter Adelsberg und Wiesenfelden. Durch das Erlöschen einiger Linien des Geschlechts kamen diese Güter von der Familie ab, worauf sie sich ganz nach der oberen Werragegend gezogen zu haben scheint. Schon 1496 hatte sie daselbst Fuss gefasst, als Philipp v. D. mit seinem Schwager Eucharius v. Hessberg in das Erbe ihres Schwiegervaters Kunz Wolf v. d. Landeswehr(Walldorf, Melkers u. a.) eintrat; später mehrten die v. D. noch diesen Besitz; 1573 wurde Einõdhausen erworben. Das Rittergut Walldorf, nördlich von Meiningen gelegen, besassen sie bis in die neueste Zeit in Gemeinschaft mit den Marschalk von Ostheim und den Wolfskeel, später den v. Bibra. Die Familie blüht noch.— Dem Wappen nach gehôren zu derselben Familie die Diemar(auch Diemer) von Lindach, die anfangs unter den Bürgern der Reichsstadt Gmünd auftreten(1379 war Eberhard Diemer Bürgermeister dieser Stadt), später aber, nachdem sie in der Nähe das Rittergut Lindach (zu K. steuerbar) erwarben, mit Gmünd in vielfachen Fehden sich auseinandersetzten. Lindach besassen sie z. T. als württembergisches Lehen, c. 1500 bis c. 1580; ebenso die Hälfte des Rittergutes Alfdorf bei Welzheim, womit 1618— 1630 Kaspar D. v. Lindach von Württemberg belehnt war. Später verschwindet die Familie aus diesen Gegenden.— Biedermann, Geschlechtsreg. des Kantons Rhön-Werra; Mader, reichsrittersch. Magazin IX, 576— 608; Brückner, Landesk. d. Hzts. Meiningen II, 137 ff.; 183; Beschr. d. O. a. Gmünd 375 ff.; Württ. Vierteljahrsh. f. Landesgesch. VII(1884), 16; Beschr. d. O. a. Welzheim 147: Mader, Magazin XII, 476; Maders Sammlung XII, 181— 200; XXV, 146— 151. v. Dienheim. Die Heimat dieser Familie ist das Dorf Dienheim bei Oppenheim in Rhein-Hessen, wo sie als fuldische Lehnsträger schon im 13. Ih. Güter besassen, während sie mit der Vogtei von den Herrn v. Daun belehnt waren. Der Ort war später kurpfälzisch; dafür hatten die v. D. in der Nähe Rudelsheim, Friesenheim, Hahnheim, Güter zu Ober- und Niedersaulheim und Wendelsheim erworben und gehörten zu den Ganerben von Schornsheim und Mommernheim; alle diese Besitzungen gehörten ihnen bis zur französi- schen Revolution; anderes(Schloss Dalheim, die Schwabsburg, Güter zu Oppenheim und Nierstein) war damals schon abgekommen. Sie steuerten damit zum Kanton O-R.; Philipp Adam Freiherr v. D. war 1729 Kitterrat dieses Kantons. Die Familie, die zu den Erz- stiftern Mainz(in der Stadt Mainz besassen die v. D. einen Familienhof) und Trier, dem Hochstifte Speyer(Eberhard v. D. war 1581— 1610 Bischof v. Sp.) u. a. in Beziehungen stand, verbreitete sich infolge dieser Verbindungen auch in die rechtsrheinischen Gegenden. In der Wetterau besass seit 1570 Albrecht v. D. einen Teil der Herrschaft Alten-Weilnau von Nassau-Dillenburg als Pfand, das 1613 gelöst wurde. Auch südlich des Mains erscheint das Geschlecht: so schon 1317 mit Gütern zu Erfelden; später hatten sie Anteil am Kammerhof. Diese Orte lagen in der Nähe ihres Stammsitzes, von diesem nur durch den Rhein getrennt. Endlich hatten sie 1578— 1689 unbedeutenden Besitz in Ailringen bei Künzelsau. In den Mitglieder-Verzeichnissen der Kantone M-R. und Od., in deren Um- kreis diese Besitzungen lagen, werden sie nicht aufgeführt.— Baur, hess. Urk. II, 420; Wagner, Beschr. v. Hessen I, 67; 121; II, 20; Ewald, hist. Ubers. d. Territor.-Veränder. d. Ghzts. Hessen 19; Archiv f. hess. Gesch. u. Alterthumsk., hrggb. v. Steiner, II, 65; 74 Anm.; 127; Maders Samml. VII, 435— 459; 644 f.; Lehmann, urk. Gesch. d. Burgen d. bayr. Pf. II, 300; Simon, Annalen d. Verw. d. 1. Rheinufers I, 2, 689; Wegele, Beitr. 2. Spezialgesch. d Rheinlande II. 26; Stocker, d. Amtsbez. Bruchsal 14; Vogel, hist. Topogr. v. Nassau 278; Beschr. d. O. a. Künzelsau 329. von Diez gehôrten nebst den Specht v. Diez, von denen sie vermatlich entsprossen sind, zu der zahlreichen Burgmannschaft der nassauischen Stadt Diez an der Lahn. In der Umgegend war die Familie vielfach begütert; namentlich besassen sie die Burg Ardeck an der Ahr, südlich von Diez, mit ansehnlichen Gütern. Auch auf den anderen Lahn- burgen(Limburg, Hadamar u. a.) hatten sie Burgmannsgüter und Gerechtsame. In der Grafschaft Diez bekleideten sie das Amt von Erbmarschällen, das nach dem Aussterben einer Linie der Familie im 17. Jh. an die Kôth von Wanscheid überging. Die v. D. er- loschen erst 1727 mit dem Freiherrn Lucas Alberic v. D. Mit ihrem Besitz steuerten sie zu M-R.(Sonderort Einrich). Auf dem linken Rheinufer gehörten sie 1550—1502 zu den Brucker Herren, denen die Herrschaft Dagstuhl zustand; um dieselbe Zeit besassen sie als trierisches Lehen die Burg Weiskirchen.— Vogel, hist. Topogr. v. Nassau 199; 201; 3* 20 206; Wetterauischer Geographus 38; v. Stramberg, Rh. Antiqu. II, 3, 374; 303 f.; v. Briesen, Kreis Merzig 223; 295. von Dobeneck, eine vogtländische Familie, von D. bei Oelsnitz im sächsischen Vogtlande stammend, besass schon Ende des 15. Jhs. in der Gegend von Hof Güter (Brandstein, Schnarchenreut, Gottsmannsgrün, Rudolfstein), mit denen sie sich dem Kanton G. anschloss. Alban und Ernst v. D. begegnen in einer langen Reihe von Morosen des Kantons G., gegen die 1576 ein Kaiserliches Mandatum poenale erwirkt wurde. 1587 er- scheint das Geschlecht unter dem Adel des Oberlandes begütert zu Gottsmannsgrün, Schlegel und Stöcken. Mit dem übrigen vogtländischen Adel teilte diese Familie, die noch jetzt in Bayern und Preussen blüht, in der Folge das Schicksal der Landsässigkeit.— Lang, neuere Gesch. d. Fstts. Baireuth I, 8; III, 280; Maders Sammlung V, 183. von Döla(Dela, Thelein), zu Schönwald gesessen, gehörten 1587 zum Adel des Baireuther Oberlandes, der sich dem Kanton G. angeschlossen hatte. 1576 begegnen die Erben des Hans v. D. zum Schönwald unter den Morosen dieses Kantons(s. v. Dobeneck). — Lang, neuere Gesch. v. Baireuth III, 282(Thelein); Maders Sammlung V, 184.— Eine Familie von Dôlau(Dôéhlau), vermutlich dieselbe, erscheint Ende des 16. Jhs. auf kurze Zeit im Kanton Od.; sie besass damals Anteil an Jagstheim und den Weiler Beeghof, beides bei Crailsheim gelegen, wahrscheinlich 1582 durch Heirat(von den v. Ellrichshausen) erworben. Den Beeghof veräusserte Hans v. D. 1597 schon wieder; auch der übrige Besitz gelangte bald in andere Hände.— Beschr. d. O. a. Crailsheim 253; 328. von Dörnberg(Doringenberg), eine alte hessische Familie, die in der hessischen Geschichte mit Auszeichnung erwähnt wird und auch in der allgemeinen Geschichte durch den Freiherrn Ferdinand Wilhelm Kaspar v. D. bekannt geworden ist, der i. J. 1800 den Aufstand gegen die Fremdherrschaft in Niederhessen ins Werk setzte. Sie stammt von dem Dorfe D. am Habichtswald, westlich von Cassel, gehört ihrem Ursprung nach wohl zu den hessischen Freien und zählt seit alter Zeit zu den begütertsten Familien der hessi- schen Ritterschaft. Auch nach der Wetterau und dem Westerwald verbreitete sie sich; dort waren die v. D. im 16. Jh. mit den Schenk zu Schweinsberg Pfandinhaber eines Sechstels des Gerichts Oberohmen, das 1612 an die Riedesel überging, die bereits das übrige besassen; auf dem Westerwald gehörten ihnen in derselben Zeit adlige Hôfe zu Gersassen und Westert. Deshalb erscheinen sie in den Listen des Kantons M-R.; 1542 wurde Raban v. D. zum Kassier bei der rheinischen Ritterschaft bestellt. Auch bei R. er- langten sie Aufnahme, indem sie Güter zu Wenigentafta im Fuldischen erwarben; 1700 waren diese Güter bereits an das Stift Fulda veräussert. Carl v. Doringenberg wird 1603 als buchischer Ausschuss erwähnt.— Landau, Beschr. d. Kurf. Hessen 216; Schenk zu Schweinsberg, Beitr. z. Gesch. u. Geneal. d. hess. Adels in Zeitschr. des Vereins f. hess. Gesch. u. Landesk., n. F. II, 48; Landau, Beschr. d. Gaues Wettereiba 170; Voge!l, hist. Topogr. v. Nassau 175; 185; Mosers neueste Gesch. d. unm. Reichsrittersch. 728; Mader, Magazin X, 627; 632. Donner von Larheim(Lohrheim) s. von Lahrheim. von Darfelden, ein altes wetterauisches Geschlecht, dessen Stammburg in dem Dorfe Niederdorfelden an der Nidder zu suchen ist. Daselbst wohnte die Familie, die mit den Grafen von Hanau in vielfachen Verbindungen stand— sie waren Burgmannen zu Hanau; Friedrich v. D., Amtmann zu Hanau, war 1514 Vormund Philipps II. v. Hanau—, bis zu ihrem Erlöschen i. J. 1701. Auch gehorten sie zu der zahlreichen Burgmannschaft der Reichsburg Gelnhausen. Drei Mitglieder der Familie unterzeichneten den Mittel- rheinisch-Wetterauischen Ritterverein vom Jahre 1522. Mit ihren Stammgütern steuerten sie zu M-R.— Im Mittelalter kommt die Familie auch südlich vom Main vor, scheint aber von ihrem dortigen Besitz(bei Dieburg) nichts ins 16. Jh. gerettet zu haben. Dagegen ge- hörten sie zu den Brucker Herren der Herrschaft Dagstuhl auf dem linken Rheinufer(als Erben der v. Diez bis 1617).— Landau, Beschr. d. Kurf. Hessen 592; Wetteravia I, 1, 217; Arnd, Hanau, 246; 476; Rhein. Antiqu. III, 10 668; Mader, Magaz. I, 454 f.; von Briesen, Kreis Merzig 279; 295. von Draxdorf(Traxdorft). Johann Christoph v. Dr., aus einer meissnischen Adels- familie, kam gegen Ende des 16. Jhs. mit dem Markgrafen Georg v. Brandenburg, Administrator des Hochstifts Strassburg, nach dem Elsass und erwarb, wie es scheint, durch seine Hei- raten reichsunmittelbare Güter, mit denen er und seine Nachkommen zu E. steuerten. Ende des 17. Jhs. verschwindet die Familie aus diesen Gegenden.— Schoôpflin, Alsat. ill. II, 641; Strobel, Vaterländ. Gesch. des Elsasses IV, 486; Kindler v. Knobloch, Genealog. Miscellen (in Vierteljahrsschr. f. Herald. XX), 290.— Ob die Familie mit der gleichnamigen im Nassauischen u. s. w.(M-R.?) im 16. Jh. begüterten Familie zusammenfällt, deren Güter um die Mitte des 16. Jhs. an die v. Reifenberg und Diede(s. d.) übergingen, vermag ich nicht zu entscheiden. Vogel, hist. Topogr. v. Nassau 153; Landau, Beschr. d. Gaues Wetter- eiba 51(wo 1557, nicht 1357 zu lesen ist).— Eine Familie von Drachsdorf findet sich im 18. Jh. im Gebiet der fränkischen Reichsritterschaft angesessen. Bei B.(nicht bei R.) hatten sie kurze Zeit Stöckach inne, veräusserten es aber wieder an die v. Hutten. Zum Kanton R. gehôrte das Rittergut Adelsberg bei Wernfeld am Main, das 1753 an sie kam, und Schwickershausen im Meiningenschen, das der würzburgische General v. Dr. um 1770 erwarb. Die mir zugänglichen Mitgliederverzeichnisse von R. thun der Familie keine Er- wähnung.— Lehnes, Gesch. d. Baunachgrundes(im Archiv d. hist. Vereins v. Unterfranken u. Aschaffenburg VII, 1) 122; Eisenmann u. Hohn, topo-geogr.-statist. Lex. v. Kgr. Bayern I, 9; Brückner, Landesk. d. Hzts. Meiningen II, 185. Drechsel von Deufstetten, eine Patrizierfamilie der Reichsstadt Dinkelsbühl, die seit 1545 im Besitz des in der Nähe gelegenen Dorfes Unter-Deufstetten erscheint. Dieser Besitz verwickelte die Familie, die wegen ihrer Verdienste auf juristischem Gebiet 1556 und 1579 Adelsdiplome erhielt, in Streitigkeiten mit dem benachbarten Adel, die sie ver- anlassten, 1655 dem Kanton K. beizutreten. Schon 1504 verkauften sie indessen Unter- Deufstetten. Sie blühen noch jetzt im Königreich Bayern als Grafen und Freiherrn in mehreren Linien.— Beschr. d. O. a. Crailsheim 473; Historisch-herald Handbuch. z. geneal. Taschenbuch d. gräfl. Häuser 178 ff.; Mader, Magazin XII, 475. von Drot(Dratt). Der Ritter Hans v. Dr., einer der tüchtigsten Kriegsführer des Kurfürsten Friedrich des Siegreichen von der Pfalz, erhielt 1480 von seinem dankbaren Fürsten die Burgen Berwartstein und Greventan mit Zubehör, in der Rheinpfalz zwischen Dahn und Weissenburg gelegen, zu Lehen; er vermehrte diesen Besitz noch durch das 22 Gericht Niederschlettenbach und das Dorf Erlenbach. Er geriet aber in schwere Händel mit dem Abt von Weissenburg, in die Kaiser und Papst sich mischten, und starb 1503 im Bann. Sein Sohn Christoph behauptete sich wenigstens im Besitz jener erstgenannten Burgen(O-R.), erhielt 1543 auch die weibliche Erbfolge zugesichert und vererbte sie daher, als er bald nach 1545 starb, auf seinen Tochtermann Friedrich v. Fleckenstein.(Hans von Dr. war nach dem Zeugniss des Abtes Trithemius ein Bruder des Bischofs Thilman[= Thilo] von Merseburg[1466— 1514]), stammte also aus der noch heute in der Provinz Sachsen blühenden Familie von Trotha, wofür auch das Wappen des Ritters Hans spricht.) Auch diesseits des Rheins kommen die v. Dr. vor, z. B. unter den Burgmannen des Auerbacher Schlosses in der hessischen Provinz Starkenburg, sind aber wohl nicht dem Kanton Od. zuzuweisen.— Lehmann, urk. Gesch. der Burgen der bayer. Pfalz I, 57 ff.; 215; Wagner, Beschr. v. Hessen I, 7; Lehmann, Gesch. d. Hzts. Zweibrücken 282; 298. von Düdelsheim(Diedelsheim) treten schon im 14. Jh. unter den Burgmannen von Friedberg auf; im 15. Jh. besassen sie hanauische und wertheimische Lehen. Bei den Be- strebungen, die zu einer festeren Organisation der rheinischen Reichsritterschaft führten, waren sie beteiligt: zwei der Familie unterzeichneten den mittelrheinisch-wetterauischen Ritterverein vom Jahre 1522; in demselben Jahre nahmen sie mit anderen Friedberger Burgmannen an der sickingischen Fehde teil. Die Familie hat das 16. Jh. nicht überlebt. — In derselben Zeit tritt eine gleichnamige Familie(Dittelsneim) auch auf dem linken Rheinufer auf; sie stammt nach Widder von dem Dorfe Dittelsheim in Rheinhessen, worüber ihr die Vogtei zustand, und erlosch im 16. Jh.— Fichard, Wetteravia; Steiner, Bach- gau II, 122; Aschbach, Gesch. d. Grafen v. Wertheim I, 376 f.; Mader, Magaz. I, 455; Dieffenbach, Gesch. d. Stadt und Burg Friedberg 180; Widder, Beschr. d. Rheinpfalz III, 71 f.; Wagner, Beschr. v. Hessen II, 21. Düne(Dune) von Leiningen. Diese rheinische Familie gehörte dem Kanton O-R. an; sie besass Anteil an der Obrigkeit und Herrlichkeit zu Hamm(bei Osthofen in Rhein- hessen) als kurpfälzisches Lehen. Sie wird selten erwähnt und ist wohl noch im 16. Jh. erloschen.— Widder, Beschr. d. kurfürstl. Pfalz am Rhein III, 83; Wagner, Beschr. von Hessen II, 39.— Sollten hierher die Dime v. Leiningen gehören, die im 16. Jh. in Berg- haupten in der Ortenau ein strassburgisches Lehen besassen, das 1557 heimfiel?— Ruppert, Gesch. der Mortenau I, 245. von Därckheim, s. Eckbrecht v. Dürckheim. von Düren, Ministerialen der Dynasten von Düren(† 1323) in der Wingarteiba, besassen in der Nachbarschaft ihres Stammsitzes zu Walldürn(im Grossherzogtum Baden) nicht unbedeutende Güter, mit denen sie zu Od. steuerten: Anteil an dem Ganerbendorfe Hainstadt, Güter zu Mudau, Ripperg u. a; entfernter lag das Rittergut Hengstfeld bei Gerabronn in Württemberg, das ihnen vor den v. Wolmershausen gehörte. Vorübergehend (1486) erscheinen die v. D. auch unter den Ganerben des Schlosses Ebersberg bei Back- nang, dessen Besitzer später zu K. steuerten. Die Familie, die meist in kurmainzischen Diensten vorkommt, erlosch bereits 1582 mit Michael; ihre Besitzungen fielen z. g. T. an Kurmainz. Die noch blühenden Freiherrn von Adelsheim sind ein Zweig derselben Familie. 23— — Baders Badenia(1839) I, 83 ff.; Kolb, Lex. v. Baden II, 3; 287; III, 112; Beschr. d. O. a. Backnang unter Ebersberg; Mitteilungen der bad. hist. Commission 4, 212; 5, 281. Dürriegel von Riegelstein s. Thürriegel. von Daugern, eine noch jetzt im Freiherrnstande blühende Familie war seit 1727 im Kanton O. immatrikuliert. Von ihren Besitzungen, die nach dem Untergang der alten Reichsverfassung wieder veräussert wurden, mõgen das Kittergut Freistett und das Dorf Ottenweier bei Offenburg erwähnt sein.— Vierteljahrsschr. f. Heraldik, Sphragistik u. Genealogie IX, 207; Mader, Magazin X, 617;(M. Roôder), Lex. v. Schwaben I, 618; II. 394; Kolb, Lex. v. Baden, III 50. Schulnachrichten. I. Allgemeine Lehrverfassung. I. Vbersicht über die Lehrgegenstände und ihre Stundenzahl. Tehrgegenstandle: IIb IIIa IIIb IV V VI[[Vorschule 45 geg. 2r 2r 2r 2r 2r r[5 11 21 38 Christliche Religion, evangelisch 2 2 2 2 2 3 13 3 2 5 katholisch 4 2(3) 2**†½(2)- 11 11 12 12² Deutsch und Geschichtserzählungen 3 3 2 3 2 3 3 4 29 8 8 16 Lateinisch... 7— 7— 71— 71— 8[— 8/[— 44——[—— Griechisch. 6— 6— 6——————— 18———— Französisch.. 3 5 3 6 3 6 4 6— 6— 6 49———— Englisch..— 4— 4— 5——————— 1¹1371——— Geschichte 2 2 2 2———— 8———— 11 11 Erdkunde 1 1 1 2 2 2 111———— 182 Mathematik 4 5 3 5 3 6 2—— 30— 1——— ———— Rechnen.—————— 2 4 4 10 6 4] 10 Naturbeschreibung.— 2— 2 2 2 2 2 12/———— —2 S Physik, Chemie, Mineralogie. 2 2——————-— 6———— Schreiben——————— 2 2 2 6 2 1 2* ————— Freihandzeichnen wfr. 2 2 2 2 2—— 10———6— Linearzeichnen— 2— 2———————— 2—-—— —— Singen 2 2 4 2* 1 3 ¶·˖—q————,——— Turnen. 3 3 V 3 3 12 3½—— 3 Summa 35 37 35 37 35 V 35 33 V 33 30 V 30 30 30 276 24 20 15 39⸗ 1 *) Vereint mit VI und V im Singen, mit VI im Turnen. *) Vereint in kath. Religion mit der II. Abteilung. 2. Ubersicht über die Stundenverteilung im Schuljahr 1900/1901. 2 Nr. L.chrer—Wesen UII OIII UIII IV V VI Vorschule ſi⸗ . Ter 2 in g r g r g r g r g r g I 1 2 3 5 8 1 Stendell, Deutsch 3 Griech. 6 16 Direktor. Gesch. 2, Erdk. 1 Gesch. 2 Gesch. 2 i Math. gat. Math. 2 2[Dr. Pontani, IVTI Math. 4 Chem. 2 1l. 3 Mat.2 Math. 3 2 22 Professor. Physik 2 Math. 2, Nat. 2 3 3 Orth, VUIIIg Deutsch 2 Latein 7 Franz. 4 21 Professor. Franz. 3 Franz. 3 Erdk. 2. 4 Dr. Flemming, IVg Latein 7 1 Deutsch 1 Latein 8 21 Oberlehrer. Deutsch 3, Gesch. 2 i Deutsch 3 5 Dr. Ritter, UIIg Pen Latein 8 24 Oberlehrer. Griech. 6 Deutsch 2 6 Dr. Krull, UIIT Franz. 3 Franz. 5 Franz. 6 24 Oberlehrer. Engl, 4 DPeutdeh 4 7 Dr. Voigt, OIIIg Lat. Griechs Religion 2 Religion 2 24 Oberlehrer. Religion 2 Religion 2 Turnen II. Abt. Dr. Garthe Math. 5 Math. 5 8„ Nat. 2 Math. 5 Rechn. 1 24 Nat. 2 Oberlehrer. Physik 2 Nat. 2— Deutsch 1 5 Franz. 6 9 Geae VIr 8Blea Erak. FraL— 24 rlehrer. rdk. Deutsch 2, Erdk. 1— . Dtsch. 3, Frz. 6 10 Günserlch, OIIIr Engl. 4. Erdk. 1 Franz. 6 23 wiss. Hülfslehr. Erdkunde ¹ Erdk. 2 2 11 Bermoser, Pfr. 2 kath Rel.-Lehr. E 11& 2 Linear- Linear- I 298 12 Troll, VI Zeichnen 2“ Zeichnen 2* Sehreiben 2 28 Zeichenlehrer. Preih.-Zeichnen 2 Freih.-Zeichnen 2 Zeichn. 2 Zeichn. 2 Zeichn. 2. Schreib. 2 Rechn. 4. Schreib. 2 Rechn 6 244 Vv V Deutsch 2 0 Schmeisser, 7 Rechn. 4 tsch. 8 13*NVorsch. 4 7— 3⁰ Lehrer. 1 Rechn. 2 Relig. 2. Deutsch 3 Relig. 3 Schreib. 2 2812 Singen I. Chor 2 Singen II. Chor 2 1—— —— Rel. 2 14 Engelhardt, Vorsch. Nat. 2 Relig. 3 Rchn. 4] 29 — Lehrer. 2 u. 3 Turnen I. Abf. 3 Turnen III. Abt. 3 Turnen IV. Abt. 3 Dteh. Sing. 128 11 *) Linear-Zeichnen UIIr und OIIIr vereint. 26 ·ÖÖ;; 3. Ubersicht der im Schuljahr 1900 erledigten Lehraufgaben. Gymnasial-Untersekunda. Klassenlehrer: Oberlehrer Dr. Ritter. Keligion, 2 Stunden vereint mit UIIr.„Bibellesen behufs Ergänzung der in Unter- und Obertertia gelesenen Abschnitte. Erklärung des Matthäusevangeliums. Wieder- holung des Katechismus und Aufzeigung seiner inneren Gliederung. Wiederholung von Sprüchen, Liedern und Psalmen. Voigt. Deutsch. 3 Std. Jungfrau von Orleans, Minna von Barnhelm, Hermann und Dorothea. Gelernt wurden Stellen aus der Jungfrau von Orleans, aus Hermann und Doro- thea, der Taucher und die Kraniche des Ibykus; wiederholt die festgesetzte Auswahl von Gedichten. Schillers, Goethes und Lessings Leben. Schülervorträge. Aufsatzübungen. Ritter. Aufsätze: 1) Der Prolog in Schillers„Jungfrau von Orleans“. 2) Drum soll der Sänger mit dem König gehen. 3) Schuld und Sühne der Jungfrau von Orleans. 4) Was verschaffte Friedrich dem Grossen den Sieg im siebenjährigen Kriege? 5) Tellheims Ehrbegriff. 6) Der Grundgedanke in Schillers„Taucher“. 7) Ort, Zeit und Personen der Handlung in dem ersten Gesange von„Hermann und Dorothea“. 8) Mit welchen Kunstmitteln schildert Goethe das Besitztum des Löwenwirtes d 9) Die Bedeutung des Jahres 1812 für Preussen. Aufgabe für die ReifeprüfungOstern 1 00I: Der Gang der Handlung in Lessings„Minna von Barnhelm“. Lateinisch, 7 Std. Abschluss und Wiederholung der Syntax, wöchentlich Exercitien oder Extemporalien. Cic. de imp. Cn. Pomp.,, in Catil. I. I. Livius XXI. Ritter- Griechisch, 6 Std. Syntax des Nomens. Hauptregeln der Tempus- und Modus- lehre, zweiwöchentlich eine schriftliche Arbeit. Xen. Anab. III— V; Hom. Od. I. Ritter. Französisch, 3 Std. Abschluss der Gramm. nach Ploetz-Kares und Ubungen aus Ploetz, UÜbungsbuch, Ausg. B. Guizot, Récits historiques I. Gedichte aus Hummel. Schriftliche Arbeiten alle 14 Tage. Im Somm. Orth; i. Wint. Krull. Geschichte, 2 Std. vereint mit UIIr. Deutsche und preussische Geschichte von 1740 bis zur Gegenwart, ausserdeutsche Geschichte, soweit sie zum Verständnisse jener not- wendig ist. Stendell. Erdkunde, 1 Std. vereint mit UIIr. Europa, besonders die ausserdeutschen Länder. Einiges aus der mathematischen Erdkunde. Stendell. Mathematik, 4 Std. Gleichungen einschl. einfacher quadratischer mit einer Un- bekannten. Potenzen und Wurzeln mit ganzzahligen und gebrochenen Exponenten. Loga- rithmenrechnung. Berechnung des Kreis-Umfanges und Inhaltes. Trigonometrische Funktionen und Berechnung rechtwinkliger und gleichschenkliger Dreiecke. Die einfachen Körper nebst Berechnung der Kantenlängen, Oberflächen und Inhalte. Pontani. Aufgaben für die Reifeprüfung Ostern 1901: 1) Die Summe zweier Zahlen ist 16. Das dreifache Produkt der Zahlen übertrifft die Summe ihrer Quadrate um 59. Wie heissen die Zahlen? 2) In einem Rhombus ist eine Diagonale gleich 25,8 cm und der von der Diagonale durchschnittene Winkel gleich 570 13“ 20*. Man soll den Inhalt des Rhombus berechnen. 3) Ein Dreieck, dessen Seiten alle gleich 12 cm sind, wird um eine Seite gedreht. Wie gross ist Inhalt und Oberfläche des entstandenen Doppelkegels? Physik, 2 Std. vereint mit Ullr. Wärmelehre, Akustik, Optik, Magnetismus, Elektrizität und Galvanismus. Garthe. 27 —; Real-Untersekunda. Klassenlehrer: Oberlehrer Dr. Krull. Deutsch, 3 Std. Tell, Jungfrau von Orleans, Minna von Barnhelm, Hermann und Dorothea. Gelernt wurden der Taucher, die Kraniche des Ibykus, Stellen aus Tell und der Jungfrau von Orleans. Schillers, Goethes und Lessings Leben. Schülervorträge, Aufsatzübungen. Stendell. Aufsätze: 1) Der Mensch im Kampfe mit der Natur. 2) Welche Gründe bestimmen Rudenz, auf die Seite Osterreichs zu treten? 3) Wodurch rechtfertigt der Dichter die That Tells? 4) Wodurch wird die Politik Russlands im siebenjährigen Kriege bestimmt?§5) Welche Aufgabe löst der Prolog zu Schillers„Jungtrau von Orleans?“ 6) Die Lage Frankreichs vor dem Auftreten der Jungfrau von Orleans. 7) Was veranlasste Preussen im Jahre 1806 den Krieg zu erklären? 8) Was hat Dorothea erlebt, ehe sie Hermann kennen lernt? Aufgabe für die Reifeprüfung Ostern 1901: Woran erinnert uns der achtzehnte Januar? Französisch. 5 Std. Abschluss der grammatischen Lehraufgabe. Wiederholung. Erckmann-Chatrian, Histoire d' un Conscrit. Gedichte aus Hummel. Sprechübungen. Schrift- liche und mündliche Ubersetzungen ins Franzôsische. Haus- und Klassenarbeiten. Krull. Englisch, 4 Std. Beendigung der grammatischen Lehraufgabe nach Gesenius- Regel mit Auswahl. Lamb, Six Tales from Shakspere. Gedichte aus Gesenius. Sprech- übungen. Schriftliche und mündliche Ubersetzungen. Haus- und Klassenarbeiten. Krull. Mathematik, 5 Std. Begriff und Anwendung der Logarithmen, UÜbungen im logarithmischen Rechnen. Quadratische Gleichungen. Anfangsgründe der Trigonometrie und Berechnung von Dreiecken. Stereometrie. Lehrsätze über Gerade und Ebene, einfache Körper nebst Berechnungen. Garthe. Aufgabenfür die Reifeprüfung Ostern 190 1: 1) In einem Dreieck ist Seite a= 16,45 cm, die Summe der beiden anderen Seiten b+̃ c= 25,08 cm und der von diesen eingeschlossene Winkel &= 71° 45 20*. Wie gross sind die beiden anderen Seiten und Winkel? 2) Ein gleichseitiger Cy- linder vom Radius r= 19,6 cm ist über einer Grundfläche kegelförmig ausgehöhlt; die Höhe des Kegels steht auf der Cylindergrundfläche senkrecht und beträgt die Hälfte des Keqgelradius, während die Seitenlinie des Kegels gleich dem Cylinderradius ist. Wieviel wiegt der Körper, wenn er aus Eisen vom spezifischen Ge- wicht 7,5 besteht? 3) Verlängert man zwei gegenüberliegende Seiten eines Quadrats nach derselben Richtung hin um je 14 cm, so wird daraus ein Rechteck, dessen Diagonale um 6 cm grösser als das Doppelte einer Seite des Quadrats ist. Wie gross ist der Inhalt des Quadrats? Naturbeschreibung, 2 Std. Anatomie und Physiologie der Pflanzen und niedern Tiere. Elemente der Mineralogie und Krystallographie. Garthe. Chemie, 2 Std. Propädeutischer Unterricht in der Chemie. Pontani. Freihandzeichnen, 2 Std. Ubungen nach plastischen Gipsmodellen auf Ton- papier mit 2 Kreiden. Farbige Flächenornamente und Gegenstände nach der Natur, aus- geführt mit Aquarell- und Deckfarben. UÜbungen im Skizzieren. Troll. Linearzeichnen, 2 Std. Parallelprojection. Darstellung von Linien, Flächen und Körpern in verschiedenen Lagen zu den Projectionsebenen. Abwickelungen. Kegel- schnitte und leichtere Körperdurchdringungen. Ausgeführte Arbeiten. Troll. Gymnasial-Obertertia. Klassenlehrer: Oberlehrer Dr. Voigt. Religion, 2 Std. vereint mit OIIIr. Das Reich Gottes im Neuen Testamente. Lesung entsprechender biblischer Abschnitte. Sicherung der erworbenen Kenntnis des 4* Katechismus und des angeeigneten Spruch- und Liederschatzes. Erklärung einiger Psalmen. Reformationsgeschichte im Anschluss an ein Lebensbild Luthers. Voigt. Deutsch, 2 Std. Poetische und prosaische Lektüre aus Hopf-Paulsiek. Schillers Glocke, Wilhelm Tell. Gedichte nach dem Kanon. Häusliche Aufsätze und'kleinere Aus- arbeitungen in der Klasse. Orth. Lateinisch, 7 Std. Tempus- und Moduslehre. Wiederholung der Kasuslehre. Wöchentlich schriftliche Arbeiten. Caes. B. G. V—VII. Ovid. Met. I, II, IV, VIII(Ausw.). Voigt. Griechisch, 6 Std. Die Verben auf ,ꝑ¶rund die wichtigsten unregelmässigen Verben. Präpositionen. Wiederholung der regelmässigen Formenlehre. Einige Haupt- regeln der Syntax im Anschluss an die Lectüre. Alle 14 Tage eine schriftliche Arbeit. Xen. Anab. I, II. Voigt. Französisch, 3 Std. Plötz-Kares, UÜbungsbuch B. 1—32. Sprechübungen. Alle 14 Tage eine schriftliche Arbeit. Gedichte nach Hummel. Orth. Geschichte, 2 Std. vereint mit OIIIr. Deutsche Geschichte vom Ausgange des Mittelalters bis zum Regierungsantritt Friedrichs des Grossen; brandenburgisch-preussische Geschichte Stendell. Erdkunde, 1 Std. vereint mit OIIIr. Physische Erdkunde Deutschlands; die deutschen Kolonien; Kartenskizzen. Güngerich. Mathematik, 3 Std. Gleichungen ersten Grades mit einer oder mehreren Un- bekannten. Potenzen mit ganzzahligen Exponenten. Das Notwendigste über Wurzelgrössen. Kreislehre 2. Teil. Sätze über Flächengleichheit von Figuren. Anfangsgründe der Xhn- lichkeitslehre. Pontani. Naturbeschreibung und Physik, 2 Std. vereint mit OIIIr. Der Mensch und seine Organe nebst Unterweisung in der Gesundheitspflege. Das Wichtigste aus Mechanik und Wärmelehre. Pontani. Zeichnen, 2 Std. vereint mit OIIIr. Zeichnen nach leichteren Gipsmodellen, aus- geführt mit Bleistift und mit 2 Kreiden auf Tonpapier. Wischmanier. Troll. Real-Obertertia. Klassenlehrer: wiss. Hülfslehrer Güngerich. Deutsch, 3 Std. Poetische und prosaische Lectüre aus Hopf-Paulsiek. Gedichte nach dem Kanon. Homers Odyssee in verkürzter Form nach Voss. Häusliche Aufsätze und kleinere Ausarbeitungen in der Klasse. Güngerich. Französisch, 6 Std. Grammatik nach Plötz-Kares, Sprachlehre bis§ 99. Ubungen aus Plötz, UÜbungsbuch Ausg. B. bis Nr. 60. Sprechübungen. Gedichte aus Hummel. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Güngerich. Englisch, 4 Std. Gesenius-Regel I, Kap. XIII—XXII. Sprechübungen. Ge- dichte aus dem Lehrbuch. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Güngerich. Erdkunde, 2 St., davon 1 Std. vereint mit OIIIg. In der besonderen Stunde Skizzen. Wiederholung und Erweiterung des Pensums. Güngerich. Mathematik, 5 Std. Potenzen und Wurzeln, auch mit negativen und gebrochenen Exponenten. Gleichungen einschliesslich quadratischer mit einer Unbekannten. Khnlich- Keitslehre. Konstruktionsaufgaben, Kreisberechnungen. Berechnung regelmässiger Vielecke. Garthe. Naturbeschreibung, 2 Std. Schwierigere Pflanzenarten. System des Pflanzen- reichs, einschliesslich Kryptogamen. Wirbeltiere. System der niederen Tiere. Anatomie und Physiologie der Tiere. Pontani. Linearzeichnen, 2 Std. Konstruktion regelmässiger Vielecke. Geometrische Flächenmuster. Architektonische Bauglieder. Gothisches Masswerk. Ausgeführte Arbeiten mit Tusche. Troll. Gymnasial-Untertertia. Klassenlehrer: Professor Orth. Religion, 2 Std. vereint mit UllIr. Das Reich Gottes im Alten Testamente. Lesung entsprechender biblischer Abschnitte dazu, auch Psalmen. Wiederholung der früher gelernten Teile des Katechismus. Wiederholung der früher gelernten Kirchenlieder und Einprägung einiger neuer. Belehrung über das Kirchenjahr und die gottesdienstlichen Ordnungen. Noigt. Deutsch, 2 Std. vereint mit UIIIr. Wiederholung der Satz- und Interpunktions- lehre. Poetische und prosaische Lectüre nach Hopf-Paulsiek. Gedichte nach dem Kanon. Häusliche Aufsätze. Kleinere Ausarbeitungen in der Klasse. Grasshof. Lateinisch, 7 Std. Tempus- und Moduslehre. Wiederholung der Kasuslehre- Wöchentlich schriftliche Arbeiten. Caes. B. G. I-—III. Orth. Griechisch, 6 Std. Regelmässige Formenlehre bis zum Verb. liquid. nach Franke- Bamberg und Wesener I. Schriftliche Arbeiten alle 14 Tage. Stendell. Französisch, 3 Std. Plötz-Kares, Elementarbuch B zu:Ende durchgenommen. Sprechübungen. Gedichte nach Hummel. Schriftliche Arbeiten alle 14 Tage. Orth. Geschichte, 2 Std. vereint mit UIIIr. Deutsche Geschichte bis zur Reformation. Stendell. Erdkunde, 1 Std. vereint mit UIIIr. Die aussereuropäischen Erdteile. Wieder- holung der politischen Erdkunde Deutschlands. Entwerfen von einfachen Kartenskizzen. Grasshof. Mathematik, 3 St. Die Grundrechnungen mit absoluten Zahlen. Parallelogramme. Kreislehre 1. Teil. Pontani. Naturbeschreibung, 2 Std. vereint mit UIIIr. Einführung in das System des Pflanzenreichs. Das Wichtigste über Anatomie und Physiologie der Pflanzen. Uberblick über das Tierreich. Tiergeographie. Garthe. Zeichnen, 2 Std. vereint mit UIIIr. Kôrpernetzzeichnen. Die Raumquadranten. Horizontal- und Vertikalebene. Der Sehkegel. Die gerade Linie in verschiedenen Lagen zur Bildebene. Visierübungen. Das Quadrat und Quadratreihungen. Ubungen nach Flinzers Körpernetzmodellen. Einzeichnen geometrischer Muster in die verkürzten Flächen. Frontal- und Ubereckstellung. Troll. 30 Real-Untertertia. Klassenlehrer: Oberlehrer Grasshof. Deutsch, 3 Std., davon 2 Std. vereint mit UIIIg. In der besonderen Stunde Lectüre und grammatische UÜbungen. Grasshof. Französisch, 6 Std. Plétz-Kares, UÜbungsbuch B bis Nr. XXXI. Sprechübungen. Gedichte aus Hummel. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Grasshof. Englisch, 5 Std. Gesenius-Regel I. Kap. I—XIV. Sprechübungen. Gedichte- aus dem Lehrbuch. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Grasshof. Erdkunde, 2 Std., davon 1 Std. vereint mit UIIIg. In der besonderen Stunde Skizzen, Wiederholung und Vertiefung des Pensums. Grasshof. Mathematik, 5 Std. Bestimmungsgleichungen ersten Grades, auch mit mehreren Unbekannten. Dreieckskonstruktionen. Vierecke. Kreislehre. Flächengleichheit und Flächenberechnungen. Garthe. Rechnen, 1 Std. Ubungen im Anschluss an das mathematische Pensum. Garthe. Gymnasial-Quarta. Klassenlehrer: Oberlehrer Dr. Flemming. Religion, 2 Std. vereint mit IVr. Einteilung der heiligen Schrift und Übungen im Aufschlagen von Sprüchen. Lesung wichtiger Abschnitte des alten und neuen Testa- ments behufs Wiederholung der biblischen Geschichten. Wiederholung des 1. und 2. Haupt- stückes. 3. Hauptstück mit Bibelsprüchen. Auswendiglernen des 4. und 5. Hauptstückes. 4 neue Kirchenlieder. Wiederholung der früher gelernten. Voigt. Deutsch, 3 Std. vereint mit IVr. Zusammengesetzter Satz. Interpunktionslehre. Das Wichtigste aus der Wortbildungslehre. Diktate und Aufsätze alle 14 Tage. Gedichte und Prosastücke nach Hopf- Paulsiek. Flemming. Lateinisch, 7 Std. Kasuslehre. Wiederholung der Formenlehre. Wöchentlich schriftliche Arbeiten. Cornelius Nepos: Miltiades, Themistocles, Aristides, Cimon, Lysander, Alexander Magnus. Flemming. G Französisch, 4 Std. Nach einem kurzen propädeutischen Kursus Plôtz-Kares, Elementarbuch, Ausg. B, 1—51 mit Beschränkung auf das Notwendigste. Sprech- und Schreibübungen. Alle 14 Tage eine schriftliche Arbeit. Orth. Geschichte, 2 St. vereint mit IVr. Griechische und römische Geschichte. Flemming. Erdkunde, 2 Std. vereint mit IVr. Die ausserdeutschen Staaten Europas. Karten- skizzen. Güngerich. Rechnen, 2 Std. vereint mit IVr. Wiederholung der Dezimalbruchrechnung. Einfache und zusammengesetzte Regeldetri. Verhältnisrechnung. Prozent- und Zinsrechnung, Rabatt-, Tara- und Gesellschaftsrechnung. Durchschnittsberechnungen und Mischungsrech- nung. Schmeisser. Mathematik, 2 Std. vereint mit IVr. Lehre von den Geraden, Winkeln, Drei- ecken und Vierecken. Pontani. Naturbeschreibung, 2 Std. vereint mit IVr. Vergleichende Beschreibung ver- wandter Arten und Gattungen der Blütenpflanzen. Übersicht über das natürliche Pflanzen- system. Lebenserscheinungen der Pflanzen. System der Wirbeltiere. Gliederfüssler, be- sonders Insekten. Pontani. Zeichnen, 2 Std. vereint mit IV r. Stilisierte Blatt- und Blütenformen. Rosetten, Füllungen nach Vorzeichnung an der Wandtafel und nach Vorhängetafeln. Übungen im Skizzieren. Troll. Real-Quarta., Klassenlehrer: Professor Dr. Pontani. Deutsch, 4 Std., davon 3 vereint mit IVg. In der besonderen Stunde gramma- tische UÜbungen. Flemming. Französisch, 6 Std. Rossmann-Schmidt, Lehrbuch. Schriftliche und mündliche Übungen im Anschluss an den Lehrstoff. Sprechübungen. Gedichte nach dem Lehrbuch gelernt. Wöchentlich Klassenarbeiten. Güngerich. Mathematik, 4 Std., davon 2 vereint mit IVg. In den besonderen Stunden die Grundrechnungen mit absoluten Zahlen. Pontani. Schreiben, 2 Std. Fortsetzung der UÜbungen in der lateinischen und deutschen Schrift. Rundschriftübungen einzelner Schüler. Troll. Gymnasial-Quinta. Klassenlehrer: Lehrer Schmeisser. Religion, 2 Std. vereint mit Vr. Geschichte des N. T.; 2. Hauptstück mit Bibel- sprüchen. Vier Kirchenlieder. Wiederholung des 1. Hauptstücks und der in Sexta ge- lernten Lieder. Schmeisser. Deutsch und Geschichtserzählungen, 3 Std. vereint mit Vr. Der einfache und erweiterte Satz. Das Notwendigste vom zusammengesetzten Satze. Rechtschreibungen in wöchentlichen Diktaten, im Winter abwechselnd mit kleineren Aufsätzen. Lesestücke aus Hopf-Paulsiek. Gedichte nach dem Kanon. Erzählungen aus der griechischen und römischen Sage. Schmeisser. Lateinisch, 8 Std. Wiederholung der regelmässigen Formenlehre. Deponentia. Unregelmässige Formenlehre nach dem Ubungsbuche von Schultz-Führer. Accus. c. inf. und Participialkonstruktionen. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Ritter. Erdkunde, 2 Std. vereint mit Vr. Physische und politische Erdkunde Deutsch- lands. Entwerfen von einfachen Skizzen. Grasshof. Rechnen, 4 Std. vereint mit Vr. Die vier Grundrechnungsarten mit gemeinen und Dezimalbrüchen. Resolution und Reduktion mit Brüchen. Der Bruchsatz als Vor- bereitung zur Regeldetri. UÜbungen im Kopfrechnen. Wöchentlich Extemporalien oder Exercitien. Schmeisser. Naturbeschreibung, 2 Std. vereint mit Vr. Die äusseren Organe der Blüten- pflanzen. Zusammenfassung verwandter Arten in Gattungen und Familien. Beschreibung wichtigerer Wirbeltiere und Zusammenfassen derselben in Familien, Ordnungen und Klassen- Knochenbau des Menschen. Garthe. 32 Schreiben, 2 Std. vereint mit Vr. Fortsetzung der UÜbungen in der deutschen- und lateinischen Schrift. Taktschreibübungen. Rundschriftübungen einzelner Schüler. Troll. Zeichnen, 2 Std. vereint mit Vr. Die gerade Linie senkrecht, wagerecht und geneigt. Teilung derselben in gleiche Teile. Quadrat, Achteck, Dreieck, Sechseck, Fünf- eck, Kreis, Ellipse. Symmetrische geradlinige Figuren unter Zugrundelegung der Polygone. Einfache Rosetten. Troll. Real-Quinta. Klassenlehrer: Lehrer Schmeisser. Deutsch und Geschichtserzählungen, 5 Std., davon 3 Std. vereint mit Vg. In den besonderen Stunden grammatische Übungen. Schmeisser. Franzôsisch, 6 Std. Rossmann-Schmidt, 35— 54(m. Ausw.). Sprech- und Schreibübungen. Gedichte nach dem Lesebuch. Systematische Durchnahme des Not- wendigsten aus der Elementargrammatik, insbesondere der regelmässigen Konjugation. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Grasshof. Gymnasial-Sexta. Klassenlehrer: Zeichenlehrer Troll. Religion, 3 Std. vereint mit VIr. Geschichten des A. T. Die Festgeschichten des N. T. 1. Hauptstück mit Bibelsprüchen. Vier Kirchenlieder. Schmeisser. Deutsch und Geschichtserzählungen, 4 Std. vereint mit VIr. Ortho- graphische Übungen. Wöchentlich ein Diktat. Wortarten; Zergliederung des einfachen Satzes; starke und schwache Flexion. Lektüre aus Hopf-Paulsiek. Lebensbilder aus der vaterländischen Geschichte. Krull. Lateinisch, 8 Std. Regelmässige Formenlehre mit Ausschluss der Deponentien nach dem UÜbungsbuche von Führer. Wöchentlich schriftliche Arbeiten. Flemmin g. Erdkunde, 2 Std. vereint mit VIr. Die geographischen Grundbegriffe. Nächste Umgebung. Stadt und Kreis Eschwege. Die Provinz Hessen-Nassau. I. S.: Krull: i. W.: Orth. Rechnen, 4 Std. vereint mit VIr. Münzen, Maasse und Gewichte. Die vier Grundrechnungsarten mit benannten Zahlen. Resolution und Reduktion. Regeldetri. Zeitrechnung. Wöchentlich Exercitien oder Extemporalien. Troll. Naturbeschreibung, 2 Std. vereint mit VIr. Beschreibung einzelner leichtver- ständlicher Pflanzen der heimatlichen Flora. Beschreibung einzelner Säugetiere und Vögel. Engelhardt. Schreiben, 2 Std. vereint mit VIr. Deutsche und lateinische Schrift abwechselnd nach Otto's Schreibschule. UÜbungen im Taktschreiben. Troll. Real-Sexta. Klassenlehrer: Zeichenlehrer Troll. Deutsch und Geschichtserzählungen, 6 Std., davon 4 vereint mit VIg. In- den besonderen Stunden grammatische Ubungen. Krull. Französisch, 6 Std. Vierwöchentlicher Kursus über Lautbildung und Aus- 33 sprache. Rossmann-Schmidt, Lehrbuch 1— 32. Sprechübungen und mannigfache schriftliche Arbeiten. Avoir und ôtre und die erste regelmässige Konjugation. Das Notwendigste aus der Formenlehre des Substantivs, des Adjectivs, der Zahlwörter. Gedichte aus dem Lehrbuch. Krull. Vorschule. Erste Klasse. Klassenlehrer: Lehrer Schmeisser. Religion, 3 Std. vereint mit der 2. Klasse. Ausgewählte Geschichte des A. und N. T. Sprüche, Liederstrophen, Gebete. I. u. 2. Hauptstück ohne Erklärung. Engelhardt. Deutsch, 8 Std. Orthographische UÜbungen und grammatische Grundbegriffe. Lesen und Erzählen der Lesestücke nach Hopf-Paulsiek. Deklamationen. Schmeisser. Rechnen, 6 Std. vereint mit der 2. Klasse. Die vier Grundrechnungsarten im unbegrenzten Zahlenraum und mit unbenannten und einfach benannten Zahlen. Alle 14 Tage eine Probeschrift. Troll. Schreiben, 2 Std. vereint mit der 2. Kl. Ubungen in deutscher und lateinischer Schrift abwechselnd nach Otto's Schreibschule. Schmeisser. Zweite Klasse. Klassenlehrer: Lehrer Engelhardt. Keligion, 3 Std. vereint mit der 1. Kl. Die Jahresaufgabe ist dieselbe, nur der Lernstoft verringert. Engelhardt. Deutsch, 8 Std. vereint mit der 3. Kl. Lesen nach Hopf-Paulsiek. Orthographishe Ubungen; grammatische Vorbegriffe. Kleinere Diktate und Gedichte. Engelhardt. Rechnen, 6 Std. vereint mit der 1. Kl. Addition und Subtraktion im Zahlenkreise von 1— 1000; Multiplikation und Division im Zahlenkreise von 1—100. Troll. Schreiben, 2 Std vereint mit der 1. Kl. Ubung der deutschen Schrift nach Otto's Schreibschule. Schmeisser. Dritte Klasse. Klassenlehrer: Lehrer Engelhardt. Religion, 2 Std. Einige Geschichten des N. T., kleine Gedichte, Gebete, die leichteren Gebote. Engelhardt.— Deutsch, 8 Std. vereint mit der 2. Kl. Schreiblesen, orthographische Ubungen. Einige Gedichtchen. Engelhardt. Rechnen, 4 Std. Die vier Grundrechnungsarten von 1— 10. Addition und Su b- traktion von 1—100; das kleine Einmaleins. Engelhardt. Religionsunterricht. Vom evangelischen Religionsunterricht waren im Winter 11 Schüler befreit, welche zu derselben Zeit den Konfirmandenunterricht besuchten; im Sommer keiner. Der katholische Religionsunterricht wurde innerhalb der Anstalt in einer Ab- 5 34 teilung und 2 Std. erteilt. Es nahmen 12 Schüler daran teil. a) Biblische Geschichte des A. T. nach der biblischen Geschichte von Schuster; b) Katechismus: Lehre vom Glauben und von den Geboten Gottes bis zum 6. Gebote einschl.; Abriss der Religionsgeschichte nach dem Diòözesankatechismus. Pfarrer Bermoser. Jüdischer Religionsunterricht wurde für die Schüler über 14 Jahre in den An- staltsräumen in 2 Stunden erteilt. a) Die wichtigsten religiösen Pflichten. b) Geschichte des Judentums vom Abschluss des Talmud bis Maimonides. Es nahmen 10 Schüler teil. Kreisrabbiner Dr. Cohn. Technischer Unterricht. Gesang. Drei Abteilungen. 1) Vorschule 2 und 3 in 1 Std.: einstimmige Lieder und Choräle. Engelhardt. 2) Vorschule 1, Sexta und Quinta in 2 Std.: Choräle und zweistimmige Volks- lieder. Treffübungen, Belehrungen über Noten, Ton- und Taktarten. Schmeisser. 3) Quarta bis Untersekunda in 2 Std.: Gemischte Chôre. Befreit waren 20 Schüler wegen Stimmwechsels, 5 wegen Gehörmangels und 2 auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses. Während derkurzen Wintertage waren auch die meisten auswärts wohnenden Schüler, welche den Weg zu Fuss machen, befreit. Schmeisser. Zeichnen(wahlfrei), 2 Std. in Gymnasial-Untersekunda. An dem Unterricht nahm 1 Schüler teil. Troll. Turnen. Die Anstalt besuchten(mit Ausschluss der Vorschule) im Sommer 217, im Winter 215 Schüler. Von diesen waren betreit: vom Turnunterricht über- von einzelnen Ubungs- haupt: arten: auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses: im S0 20, im W. 16 im So. 9, im W. 7 aus anderen Gründen:.„„„—„„—„„—,;,„„— Zusammen: im So. 20, im W. 16 im So. 9o, im W. 7 also von der Gesamtzahl der Schüler:„„ 90,2%„„ 7,4%⁶m„„ 4,1-%„»„ 332 50 Es bestanden bei 12 getrennt zu unterrichtenden Klassen 4 Turnabteilungen; zur kleinsten gehörten 53, zur grössten 63 Schüler. Von den Vorschülern nahm die 1. Klasse, 21 Schüler, an dem Unterricht der 4. Turnabteilung teil. Es waren für den Turnunterricht wöchentlich insgesamt 12 Stunden angesetzt. Die erste(Sekunda und Obertertia), die dritte(Realquarta und Quinta) und vierte Abteilung (Sexta und 1. Vorschulklasse) unterrichtete Lehrer Engelhardt, die zweite Abteilung(Unter- tertia und Gymnasial-Quarta) Oberlehrer Dr. Voigt. Die Anstalt hat eine eigene Turnhalle nebst Turnplatz, die 7 Minuten von der Schule entfernt liegen und uneingeschränkt benutzt werden können. Während des Sommers wurden auf dem nahe der Stadt gelegenen kleinen Werdchen zweimal in der Woche unter Aufsicht der Turnlehrer Jugendspiele betrieben, an denen sich alle vier Turnabteilungen beteiligten. 35 ꝶ́ Eine Vereinigung von Schülern zur Pflege von Bewegungsspielen und Leibes- übungen besteht bei der Jugend der Schüler nicht. Freischwimmer sind 74 Schüler, also 34% der Gesamtzahl; von diesen haben 21 das Schwimmen im Berichtsjahre erlernt. Verzeichnis der für das Schuljahr 1900 1901 gebrauchten Bücher. Unterrichts- Titel und Preis fach des gebundenen Buches Verlag Klasse Religion Biblisches Lesebuch von O. Schulz-Klix, M 1,70 Berlin, Oehmigke VI— UII. Biblisches Lesebuch von Schafer u. Rrebe J. Ausgabe B., M 1,00. Frankfurt a/ M., Diesterweg IV- UII. Biblische Geschichten vom Hess. Volls- Vorsch. 1 schullehrerverein, M 0,85. Cassel, Verl. d. hess. V. u. 2. Deutsch Regeln und Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung, M 0,15. Berlin, Weidmann VI-— UII Des Kindes erstes Schulbuch. Ausgabe für 2 Schuljahre, M 0,65.. Cassel, Baier&Lewalter Vorsch. 3. Deutsches Lesebuch von Hopf u. Paulsiek, bearbeitet von Muff, für Octava, Septima, Sexta, Quinta und Quarta, M 1,50; 1,80; Vorsch. 1 u. 2,00, 2,40; 2,40 Berlin, Grote 2; VIV,IV. Deutsches Lesebuch von Mopf. u. Paulsick. bearbeitet von Foss, für Tertia und Untersekunda, M 2,50. Berlin, Mittler&Sohn III— UII. Latein Lateinische Schulgrammatik v. Ferd. Schult⸗, bearbeitet von Wetzel, M 3.30 Paderborn, SchöninghVIg-UIIg. Vorschule für den ersten Unterricht im Lateinischen von Schultz-Führer, II., M 0,80„ VII UÜbungsstoff für das zweite Jahr des latein. Unterrichts von Schultz-Führer, M 1,40.„ Vg Aufgabensammlung zur Einübung der latein. Syntax von Schultz-Weisweiler, M 3,00„ IVg-UIlg. Aufgaben zu lateinischen Stilübungen von Karlsruhe, Gross UIl g Süpfle. II., M 3,90 Lektüre: Nepos' Lebensboschreibungen, Text u. Komm. von Fügner, M 1; 0,00. Caesars Gallischer Krieg, Text und Komm. von Fügner, M 1,80; 1,60. Ovids Metamor- phosen i. Ausw., Text und Komm. von 36 Unterrichts- fach Titel und Preis des gebundenen Buches Latein Griechisch Französisch Englisch Geschichte Erdkunde Naturbeschr. Fickelscherer, M 1,20; 1,40. Ciceros Catili- narische Reden, Text und Komm. von Stegmann, M 1, 10; 0,80. Livius, 3. Dekade i. Ausw. Text und Komm. von Fügner. M 2; 1,20(I. Heft). Griechisches Elementarbuch von Wesener. I. und II., M 1,35; 1,60. Griechische Schulgrammatik von E v. Bamberg, I. und II., M 2; 0,80. UÜbungsbuchzum Obersetzen in d. Griechische von Seiffert, II. M 2,40. 3 Lektüre: Xenophons Anabasis i. Ausw. v. Sorof, Text und Komm., M 1,80; 1,40: Homers Odyssee von Henke, Text und Komm., M 1, 60(I. Heft); 1,80 Lehrbuch der französischen Sprache auf Grund der Anschauung von Rossmann und Schmidt, M 2,80: Ploetz-Kares' Kurzer Lehrgang der franz. Sprache, 1) Elementarbuch von G. Ploetz, Ausg. B., M 2,10. 2) Sprachlehre und Ubungsbuch⸗ Aus B., M 1,35; 2,65 3 Hummel, Auswahl französ. Gedichte, M 1,45 Englische Sprachlehre von Gesenius-Regel I, M 3,50 Grundriss der Waltgeschichte für hohere Lehranstalten von Andrä-Sevin, M 3,50. Leitfaden für den Unterricht in der Geo- graphie von Daniel, M 1,10.. Schulatlas für die Oberklassen höherer Lehr- anstalten von Debes, Kirchhoff und Kro- patschek(empfohlen), M 5 Heimatskunde der Provinz Hessen-Nassau mit Karte, M 0,20 Vogel, Müllenhoff und Röseler, Leitfaden f d. Unterricht in der Botanik, illustr. Ausg. I—III, M 1,80; 1,80; 1. Leipzig, Teubner ** Berlin, Springer Leipzig, Teubner Bielefeld, Velh.& Klas. Berlin, Herbig Berlin, Friedrich Halle, Gesenius Leipzig, Voigtländer Halle, Waisenhaus [Leipzig, Wagn.& Debes Cassel, Verlag d. hess. Volksschull.-Vereins Berlin, Winkelmann u. Söhne IVg-UIIg. UIIIg, OIIIg. UIIIg-VUIIg. Ullg. Olllg— Ullg. VIr— IVr. IVg, Ulll g. Ulllr— Ull g Olllg— UlIl g. UIll r— UlIl r. Olll g— UlIIl g. Ulll r— Ullr. IV- VlII. VI— UllI. IV-— LlI. VI. VI-= III 37 —n; Unterrichts- Titel und Preis fach des gebundenen Buches Verlag Prois Naturbeschr. Dieselben, Leitfaden f. d. Unterricht in der Zoologie, illustr. Ausg., I— III. M 3io Berlin, Winkelmann 1,40; 1,20. u. Söhne. VI- III. Physik Schulphysik von Trappe. Kindel, M 3,50 Breslau, Hirt Olll— UlIl. Mathematik Koppe, Geometrie, bearb. von Diekmann, Ausg. f. Reallehranstalten. I., M 2,40 Essen, Bädeker IV— VUII. Heis, Sammlung v. Beispielen und Aufgaben aus der Arithm. u. Algebra, M 3,50. Köln, Dum.-Schauberg„ Logarithmentafel von Greve, M 2. Bielefeld, Velh.& Klas. UII. Böhme, Rechenbücher, bearb. v. Schäffer u. Weidenhammer, Heft II— V., M 0, 20; Vorsch. 1 u. 0,40; 0,50; 0,50 Berlin, Müller 2, VI—IV. Gesang Erk und Greef, Sangerhmin 1. IM 9.80 Essen, Bädeker Vorsch. 1, Schwalm, Chorsammlung für gemischten VI, V. Chor, M 0,65 Halle, Gesenius IV— UII. Melodienbuch zum ev. Kirchongesangbuch f. d. Konsistorialbezirk Cassel, M o. 20 Cassel, Röttger VI UII. II. Verfügungen der vorgesetzten Behörden. 1900. 14. Februar. massgebenden Dienstalters der wissenschaftlichen Hülfslehrer. 15. Februar. U.-M. Wehrordnung für die Zeugnisse. 26. Februar. »Deutschlands Seemacht sonst und jetzt« zur Prämienverteilung. 19. März. 20. März. U.-M. U.-M. stellter Lehrer verlangt. 21. April. Verhaltungsvorschriften bei Wiederimpfungen. Erhebungen über Gehaltszahlung bei Beurlaubungen festange- U.-M. Bestimmungen über die Berechnung des für die Alterszulagen Abänderung der Fassung der Ziffer 4b des§ 89 der deutschen P.-S.-K. UÜbersendung von 2 Exemplaren des Werkes von Wislicenus U.-M. Am Tage der Grossjährigkeitserklärung Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen am 5. Mai ist auf die Bedeutung dieser Feier hinzuweisen. 28. April. das deutsche Vaterland«. Empfehlung des Werkes von Stillfried-Kugler»Die Hohenzollern und P.-S.-K. UÜbersendung des Jahrbuches für Volks- und Jugendspiele- 11. Juli. IX. Jahrgang. 12. Juli. P.-S.-K. Erhebungen über Unterweisung in der Hygiene verlangt. 14. Juli. U.-M. Nachweisung über den Turnbetrieb verlangt. 38 21. Juli. U.-M. Erhebungen über die Frequenz der einzelnen Klassen angeordnet. 21. Sept. P.-S.-K. Ubersendung von 2 Exemplaren der Festschrift von Dr. Martens »Johann Gutenberg« zur Prämienverteilung. 3. Nov. U.-M. Übersendung eines Exemplars des Werkes»Das deutsche Kaiser- paar im heiligen Lande« zur Prämienverteilung. 31. Dez. U.-M. Anordnung einer Schulfeier am 18. Januar 1901. 1901. 8. Januar. U.-M. UÜbersendung von 40 Kunstblättern zur Prämienverteilung am 18. Januar. 21. Januar. P.-S.-K. Ubersendung von je 5 Exemplaren des»Nauticus« 1899 und 1900, der»Beiträge zur Flottennovelle« und der»Handels- und Machtpolitik« für die Bibliothek der Anstalt. 4. Februar. P.-S.-K. Anderung der Lehrpläne bezüglich der Stundenzahl. 1I. Februar. U.-M. Bestimmungen über die Remunerirung der ausseretatsmässig beschäftigten wissenschaftlichen Hülfslehrer. III. Geschichte der Anstalt. Das Schuljahr 1900 wurde am 24. April eröffnet. Am 5. Mai wies Herr Oberlehrer Dr. Voigt die in der Aula versammelten Schüler auf die Bedeutung der Grossjährigkeitserklärung Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen hin. Die Turnfahrt fand am 12. Juni statt. Die beiden Untersekunden besuchten Ruhla und Eisenach, die beiden Obertertien Mühlhausen; die Gymnasialuntertertia wanderte nach dem Bilstein bei Grossalmerode, die Realuntertertia nach dem Hanstein; die beiden Quarten wählten Spangenberg und Lichtenau zum TZiel, die Quinten, Sexten und die erste Vorschulklasse das Hôhenholz; und die Kleinsten belustigten sich im Schlierbach. An dem Johannisfest(30. Juni und 1. Juli) nahmen unsere Schüler in der her- kömmlichen Weise teil. Das Sedanfest wurde am 1. September durch einen Ausflug in den Schlierbach gefeiert. Nach Gesäângen und Deklamationen hielt Herr Oberlehrer Dr. Garthe die Festansprache. Am 4. September unterzog Herr Schulrat Dr. Küppers aus Berlin i der Regierung den Turnbetrieb der Eschweger Schulanstalten einer Revision. Am 26. Oktober gedachte der Direktor bei der Morgenandacht des roojährigen Geburtstages Moltkes und überreichte dem Ersten jeder Klasse ein Exemplar der Schrift von Rocholl über Moltke. Auch händigte er nach einer kurzen Ansprache die von der Behörde übersandten Exemplare der Festschrift von Dr. Martens»Johann Gutenberge den Schülern Georg Klemm(IVr) und Willi Hohmann(VIr) ein. 5 Auch in diesem Winter fand am 7. Dezember eine Schülerau Ein von dem Herrn Kollegen Engelhardt gedichteter und von de Walter KRiedel vorgetragener Prolog erffnete den Abend. Nach musikalisc m Auftrage fführung statt. m Obertertianer hen Darbietun gen. 39 — der Untersekundaner Eduard Kaptuller und Hermann Gischler wurden die alt- niederländischen Volkslieder in der Bearbeitung von Kremser von dem I. Chor zu Gehör gebracht. Die geschichtliche Einleitung und den verbindenden Text gaben die Obertertianer Edmund Flemming und Alfred Schäfer. Die Einnahme wurde dem hiesigen Vaterländischen Frauenverein überwiesen. Am 18. Januar 1901 beging die Anstalt unter zahlreicher Beteiligung seitens des Kuratoriums, der städtischen Behörden, der Eltern der Schüler und der Freunde der Anstalt die Zweihundertjahrfeier des Königreichs Preussen. Herr Oberlehrer Dr. Ritter hielt die Festrede. Die Gedächtnisfeiern für die hochseligen Kaiser Wilhelm I. und Friedrich wurden, wie sonst, mit der Morgenandacht verbunden. In der Wochenschlussandacht am 26. Januar gedachte der Direktor des bevor- stehenden hohen Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers und Königs. Die schriftlichen Arbeiten für die Osterprüfung wurden vom 11. bis 13. Februar angefertigt; die mündliche Prüfung fand unter dem Vorsitz des Königlichen Provinzialschulrats Herrn Dr. Paehler am 15. Februar statt. Herr Superintendent Wolff wohnte der letzteren als Vertreter des Kuratoriums bei. Am 16. Februar fand in der Aula der Anstalt ein Recitationsvortrag des Herrn Professors René Delbost aus Paris statt, der sich reger Teilnahme seitens des hiesigen Publikums zu erfreuen hatte. Der Gesundheitszustand der Lehrer und Schüler war in dem verflossenen Schuljahr im allgemeinen günstig. Nur in den letzten Wochen vor Weihnachten und in den ersten Wochen nach Neujahr beeinträchtigten Masern und Scharlachfieber den Unterricht besonders in den unteren Klassen. Von den Kollegen waren wegen Krankheit nur 4 an zusammen 43 Tagen zu vertreten; davon fielen nur 4 Tage auf das Winterhalbjahr. Aus anderen Gründen waren 4 Kollegen an zusammen 14 Tagen beurlaubt; am 1. Dezember, dem Tage der Volkszählung, fielen die Stunden zweier Kollegen aus, die an dem Zähl- geschäft beteiligt waren. 40 IV. Statistische Mitteilungen. A. Schulbesuch im Jahre 1900/1901. A. Hauptanstalt B. Aug 8 Vorschule 49p a. 3 v OIIIVII iv F VIiſaſa g T FT 1 g T g T g T g T 1. Bestand am I. Febr. 1900 ſ 18] 915 19 12 22 24 25 18 19 725 21125 5 11 15 557 2. Abgang bis Schluss des Schul- jahres 1899/1900 18 7 4 1 1 1 1 3 1-—— 375-——— 37 Za. Zugang d. Versetz. Ostern 1900 8 18 10 19 19 18 16 19 7 20 12 11 177 11— 20]197 3 b.„„„ Aufnahme„„„—— 1 1 3—— 1 3— 3 8] 20 11 3 10 1 24 44 4. Bestand am Anfange des Schuljahres 1900/1901 8 20 14 20 23 20 20 22 11 20 15 24 217 20 14 10 44] 261 5. Zugang im Sommerhalbjahrn/——- 1—1———— 1— 3———— 3 6. Abgang„„.-=- 1 1-——— 2- 1 5-I- 2 2 7 7a. Zugang durch Versetzung Mich.——————————————— 7b.„„ Aufnahme„—————————-—--————-———— 8. Bestand am Anfang des Winterhalbjahres.. 8 20 14 20 22 21 20 22 11 18 16 23 215 20 14 8 42 257 9. Zugang im Winterhalbjahr—————————=——— 1—— 1 1 10. Abgang„„— 1— 1—————— 2———— 2 11. Bestand am 1. Febr. 1901 8 19 14 19 22 21 20 22 11 18 16 23 213 21 14 8 43] 256 12. Durchschnittsalter am 1. Februar 1900..[16, 15,, 15 14, 13,, 13,3 12,, 12, 11,3 11 10 10,])—[9, 7 7—— B. Religions- und Heimatsverhältnisse der Schüler. A. Hauptanstalt B. Vorschule Ev. Kath.] Diss. Jud. Einh.[Ausw.] Ausl] Ev. Kath Diss.] Jud.[Einh.Ausw.] Ausl; 1. Am Anfang des Sommerhalbjahres 162 12— 43 154 63— 35—— 9 42 2— 2.„„„ Winterhalbjahres 161] 12— 42 155 60— 33—— 9 40 2.— 3.„ 1 Februar 1901.. 160 12— 41 154 50— 34—— 9 41 2— 1 C. Abiturienten. . 8 2 8 2 2[Aufenthalt 2 Nam gn Geburts Alter 52 Des Vater 5½ Suufenthali Gewillter Beruf Ort Tag Jahreſs Stand Wohnort[d*[Anstalt] Sek. 1. Ostern 1900. a. Progymnasium: 1 Bödicker, Martin Homberg 27/8. 83 16 ½ ev.[† Gefüngnis-Aufs. Homberg[OIIII 1 ¾ 1. Verwaltungsdienst: 2 Brandau, Johannes wichmannshausn.] 6/8. 82 17 ½„ Gutsbesitzer wichmannsh.„ 2 1 OlI eines Gymn. 3 Brill, Alfred Eschwege 3/6. 85 14 ¾„ Dr. med., Arzt Eschwege VI6 1„ 4 Gonnermann, Georg Wichmannshausn. 12/2. 84 16„ Pfarrer Wichmannsh. OlII 2 4„„ 5Hollstein, Otto Eschwege 17/10. 84 15 ¼„Lehrer Eschwege VI 6 1, 6 Holzapfel, Hermann„ 5/9. 84 15 ¼„ Architekt„„ 6 1„ 7 Katzenstein. Julius„ 11/4. 85 14 ¾ jüd. Bankier„ 5, 6 1 9 8 Katzenstein, Martin„ 8/3. 85 15„ Kaufmann„„ 6 1„ 9 König, Georg 5 25/2. 85 15 ſev.„„„[6 1 Kaufmann 10 Levy, Ernst„ 3/6. 85 14 ¾ ſſüd] Fabrikant„„ 6 1[OlII eines Gymn. 11] Löbenstein, Siegmundl Datterode 14/3. 83 17„ Kaufmann Datterode IOIIII3 1„ . G e b t s- Alter* Des Vat 8„[Aufenthalt Ort Tag Jahre Stand Wohnort[ii*[Anstalt) Sek. 12 Rake, August Walburg, Kr. 24/11. 84 15 ¼ ev. Lehrer Walburg[Olll] 2 1 oII eines Gymn. Witzenhausen 13 Reiter, Otto Eschwege 26/11. 84 15 ¼„ Kaufmann Eschwege] VI]6 1 Kaufmann 14] Reitz, Rudolf 5, 12/4. 84 15 m„Kanzleigehülfe„„ 6 1„ 15] Troll, Walter„ 29/9. 82[17 ½„ Zeichenlehrer,„ 7 1 oII eines Gymn. b. Realschule: 16]Asbrand, Heinrich Melsungen 17/2. 83] 17 ev.] Möbelhändler Melsungen UII 1 1 Ingenieur 17 Backhaus, Clemens Uder, Kr Hei- 27/11. 81 18 ¼ lkathſf Gastwirt Uder V5 1 Kaufmann ligenstadt 18 Brill, Reinhard Eschwege 5/1. 83 16 ¾ ſev. Lederfabrikant Eschwege VI8 1„ 19 Döhle, Walter„ 19/1. 84 16„„»„„ 7 1„ 20 Dörnberg, Stephan„ 30/5. 85 14 ¾ fjüd.] † Fabrikant„„ 6 1 oOIleiner Oberrealsch. 21 Eimer, Karl Höhnscheid 6/5. 83 16 ¾ ſev.] † Gutspächter] Ippinghau- UIll3 1 Lehrer (Waldeck) sen 2. Ostern 1901. a. Progymnasium: 1 Ammermann, Karl Eschwege 24/2. 85[16 ſev.] Gerichtsvoll-] Eschwege VI] 7 1 Kaufmann zieher 2 Heinemann, Paul„, 25/7f. 85 15 ¾]„† Fabrikant„„„ 7 1[olT eines Gymn. 3 Junghans, Paul„ 10/5. 85 15 ¾„ RKentier.„ 7 1 9. 4 Kaptuller, Eduard Kaldenkirchen, 30/8. 83 17 ½„ Steuerrendant 5,„„ 6 ¼ 1 8 Kr. Kempen 5 Katzenstein, Robert Eschwege 4/7. 86 14 ¾ ſjäd. Bankier„„ 6 1„ 6 Nehrdich, Karl Nesselröden 10/6. 85 15 ¾ ſev. Baurevisor„,„ 7 1„ 7 Stern, Otto Eschwege 23/7. 84 16 ⅜ ſjüd.] Dr. med., Arzt„„ 7 1 Kaufmann b. Realschule: 8 Bartholomäus, Karl] Eschwege 16/4. 86]) 15 ſev.] Fabrikant Eschwege„ 6 1„ 9 Beyer, Paul„ 17/3. 86 15„ Klempner„„ 6 1 Klempner 10 Claus, Georg Niederhone 16/5. 84] 16 ¾„[†Postverwalter Niederhoneſ„„7 2 Postdienst 11] Gleim, Max Waldkappel 14/1. 85 16 ¼„† Stations- Eschwege V5 1 Eisenbahndienst assistent 12 Gloge, Wilhelm Heiligenstadt 3/10. 84] 16 ½„ Spezialkomm.-„ VI7 1 Postdienst Sekretär 13 Keulmann, Karl Eschwege 30/7. 85 15 ¾ Goldarbeiter„„ 7 1 Goldschmied 14 Lehmann, Wilhelm Wanfried 27/2. 85 16„ f† Kaufmann Wanfriedſ„ 6 1 Postdienst 15 Plaut, Ludwig Eschwege 29/11. 84 16 ¼ jücd Kaufmann Eschwege„ 7 2 Kaufmann 16 Sachs, Karl Magdeburg 5/8. 85 15 ½„† Kaufmann Magdeburg]OIII 2 1„ 17 Stern, Ludwig Eschwege 26/9. 85 15 ½„ † Lederhändlerſ Eschwege VI] 7 1 5, 18 Stückrath, Konrad Giessen 23/11. 84 16 ¼ ſev. Eisenb.-Mate-„ UIII 2 ¾/ 1 Gerichtsfach rial-Verwalter 19 Wendemuth, Friedrich] Netra 28/3. 84 17„ † Ziegeleibesitz Netra V 5 1 Schiffstechniker 20 Westheim, Paul Eschwege 7/8 86] 14 ½ ſjüd.] Kauſmann Eschwege VI6 1 Kaufmann A. Bibliothek: V. Sammlung von Lehrmitteln. Aus den laufenden Mitteln wurden beschafft: a) für die Lehrerbibliothek die Zeitschriften: Centralblatt für das gesamte Unterrichtswesen(mit Ergänzungsband); Zarncke, Zentralblatt; Lyon, Zeitschr. für den deutschen Unterricht; Poske, Zeitschr. f. d. physik. u. chem. Unterricht; Hohenzollern-Jahrbuch 1899; ausserdem die Fortsetzung von Grimms deutschem Worterbuche; Lehrproben und Lehrgänge; Reth- 6 42 wisch, Jahresbericht; Klöpper, Französisches Reallexikon; ferner: Banner, franz. Satzlehre; Prigge, deutsche Satzlehre; Reinhardt, latein. Satzlehre; Reinhardt und Römer, griech. Satz- lehre; Frenkel, Skelet des Menschen; Stillfried-Alcantara, die Hohenzollern; Köppen, die Hohenzollern und das Reich; Fürst Bismarcks Briefe an seine Braut und Gattin; Register zu Bismarcks Gedanken und Erinnerungen; Kipper, des Prinzen Heinrich von Preussen Reise um die Welt, Partitur und Singstimmen; b) für die Schülerbibliothek: Kroll. Guttenberg; Ankel, General-Feldmarschall Graf Moltke; Müller-Bohn, Graf Moltke; Köppen, die preussische Königskrone; Rogge, Preussen Könige 1701—1901; G. Freytag, die Ahnen I und II. II. An Geschenken erhielt die Anstalt: vom Herrn Ministerder geist- lichen etc. Angelegenheiten: Luthers Werke, Krit. Gesammtausgabe Bd. 2 und 24; Poggendorffs Annalen 1900; Nauticus 1890 und 1900(je 5 Abdrücke); Beiträge zur Flotten- novelle(ebs.), Handels- und Machtpolitik(ebs.); vom Königlichen Provinzial-Schul- kollegium zu Cassel: Jahrbuch für Volks- und Jugendspiele 1000; vom Magistrat der Stadt Eschwege: Bericht über die Verwaltung 1898/09; zweiter Bericht über die Verwaltung etc. bis zum Schlusse des Geschäftsjahres 1897/98; vom Herrn Rektor Schanze: Bericht über die Handelsschule in Eschwege; von dem Unterzeichneten: Jansen, Masse, Gewichte und Münzen; Auerbach, deutscher Kinderkalender; Wartburghefte 2, 5, 7, 8, 9, 14; Th. Storm, Pole Poppenspäler. Endlich wurden der Anstalt noch über- wiesen: Zeitschr. f. Hess. Gesch. u. Landesk., Jahrg. 1000 und 1901 und Mitteilungen 1899 und 1900. B. Sammlung von Unterrichtsmitteln: I. Angeschafft wurden: Kuhnert, Physik. Wandkarte von Europa; Schlag, Schulwandkarte von Deutschland im Jahre 1648; Sternstein, Physikalische Tafeln 1— 6; Schröder, Wandtafeln für den ÜUnterricht in der Chemie, Lief. 1— 4; Abzugschrank mit Abdampfvorrichtung und Sandbad; Iserlohner Brenner; transportable Akkumulatoren-Batterie zu 6 Zellen; Voltmeter und Ampeèremeter mit 2 Ein- schalt-Widerständen; Schalttafel mit 2 Regulier-Widerständen; Vorschaltwiderstand zum Laden der Akkumulatoren; Messbrücke nach Kohlrausch; Röntgenröhre von Kohl; Elek- trisches Horizontalpendel, 2 Papierelektroskope; isolierter Konduktor mit Halbkugeln, Doppelpendel, Leydener Flasche zum Auseinandernehmen, verschiedene Stäbe mit Reibzeug; Sammlung von Erzeugnissen der deutschen Kolonien; zerlegbares Knochenpräparat des inneren Ohres; Gruppen von Diapositiven mit typischen Wetterkarten. Die beträchtliche Erweiterung der physikalischen Sammlungen wurde durch die höchst dankenswerte Munificenz der städtischen Behörden ermöglicht, die dafür auf 5 Jahre einen jährlichen ausserordentlichen Zuschuss von 500 M. bewilligten. Geschenkt wurden: von Herrn Landrat von Keudell: ein Wandrelief des Kreises Eschwege von C. Eimer; von Herrn Kaufmann Oscar KReiter: Henze's neue Verkehrskarte des deutschen Reiches; von Herrn Architekten Chr. Holzapfel: Vertikal-Galvanometer; von dem früheren Schüler Herrn Georg König: Eichelhäher; von dem Schüler der IVg Fr. Strohmeyer: Ammonshorn; von den Schülern der UlIr Fr. Wende muth und Konr. Stückrath: mehrere Modelle für den stereometrischen und krystallographischen Unterricht. 43 — Den freundlichen Geschenkgebern spricht der Unterzeichnete auch an dieser Stelle den herzlichsten Dank aus. VI. Stiftungen und Unterstützungen für Schüler. Die Schulgeldbefreiungen betrugen 10%: Das Schulgeld war 19 Schülern ganz und 3 halb erlassen; die erlassene Summe betrug 1935 M. Die Zinsen der 1890 von früheren Schülern der Anstalt begründeten Jubiläums- stiftung werden zu Ostern d. J. zum siebenten Male verteilt werden. Die Stiftung des verstorbenen Oberlehrers Wessel, welcher schon im vorigen Jahre Erwähnung gethan wurde, hat nunmehr die vorgeschriebene gesetzliche Genehmigung erfahren. Die Zinsen werden im nächsten Schuljahre zum ersten Male zur Verteilung ge- langen. In pietätvoller Erinnerung an den edlen Wohlthäter der Anstalt möge zunächst die Stittungsurkunde hier eine Stelle finden. „Ich habe bei dem hiesigen Bankhaus J. C. Plaut& Co. Wertpapiere im nominalen Wert von 6000 Mark „»deponiert und vermache dieselben der Stadt Eschwege für deren Realschule unter dem Namen der»Ober- »lehrer Wesselschen Stiftung« mit der Bestimmung, dass dieses Kapital zu keinem andern Zwecke ver- »wendet werde und nur die jährlichen Zinsen davon in folgender Weise angewendet werden. Ich bestimme einen »Teil der Zinsen zu einer vollen Freistelle für einen würdigen, die hiesige Schule besuchenden Schüler aus »meiner Familie, einen andern für eine volle oder zwei halbe Freistellen für einen oder zwei fleissige »vund sich gut betragende irgendwelche andere Schüler, und zwar so lange, als sie sich dieser Vergünstigung nicht »vunwürdig machen. Sollte kein Schüler aus meiner Familie die Schule besuchen, so soll der entsprechende Betrag veinem die Universität oder eine höhere Schule besuchenden Jüngling aus meiner Familie, besonders wenn er „»Schüler der Eschweger Schule war, zugewiesen werden, und wenn auch ein solcher nicht vorhanden, so soll dieser »Betrag zu einer vollen oder zwei halben Freistellen für andere würdige und bedürftige Schüler verwendet werden. »Die Verleihung der Freistellen soll in den Händen des Direktors der Anstalt, des Herrn Superinten- »denten und des Herrn Bürgermeisters liegen. Von dem Uberschuss der Zinsen sollen alljährlich Ostern „20— 25 Mark zur Anschaffung von wertvollen Büchern verwendet werden, welche an diejenigen Schüler der »Anstalt verteilt werden sollen, die sich im Laufe des Schuljahres durch Fleiss und gutes Betragen am meisten den »„Beifall ihrer Lehrer erworben haben. Ich wünsche, dass höchstens 4— 5 Schüler mit Büchern beschenkt werden, »weil dann auch wertvolle Bücher gekauft werden können, welche die Schüler sich schwerlich würden anschaffen »können, und die sie um so mehr schätzen werden. Die Wähl der Schüler soll immer vom Lehrerkollegium in »gemeinsamer Beratung getroffen werden, ebenso die Auswahl geeigneter Bücher, die dann durch den Vermerk: »»Preis für Fleiss und gutes Betragen aus der Oberlehrer Wesselschen Stiftung dem „»Schüler N. N. der N. N. Klasse zuerkannt vom Lehrerkollegium der Friedrich-Wilhelms- „»Schule zu Eschwege« »kenntlich zu machen und bei der Jahresschlussfeierlichkeit auszuteilen sind. „Die etwa noch bleibenden Uberschüsse mögen aufgespart werden, bis sie zu einer halben Freistelle ausreichen. „Ich wünsche durch diese Stiftung einesteils den Schülern der Anstalt eine Ermunterung zu Fleiss und „gutem Betragen, andernteils unbemittelten Eltern und solchen meiner eigenen Familie eine Beihülfe zur Erziehung »ihrer Söhne zu geben. »Möchte diese wohlgemeinte Stiftung mit Gottes Hülfe ihre Absicht erreichene- Eschwege, im Juni 1896. gez. C. Wessel, Oberlehrer a. D. Aus dem vom Kreisausschuss gegründeten Kapital von 1000 M. für Pflege „der Jugendspiele sind die Zinsen für 1900 der Anstalt überwiesen worden. 44 — VII. Mitteilungen an die Schüler und deren Pltern. Ferienordnung für das Schuljahr 1901. Osterferien: vom 31. März bis 15. April einschliesslich. Pfingstferien: vom 26. bis 29. Mai einschliesslich. Sommerferien: vom 6. Juli bis 5. August einschliesslich. Herbstferien: vom 29. September bis 14. Oktober einschliesslich. Weihnachtsferien: vom 24. Dezember 1901 bis 7. Januar 1902 einschliesslich. Für die Aufnahme in die 3. Vorschulklasse ist Bedingung: das vollendete sechste Lebensjahr. Für die Aufnahme in die Sexta sind folgende Kenntnisse erforderlich: Fertig- keit im Lesen und Schreiben deutscher und lateinischer Schrift; die Fähigkeit, ein einfaches Diktat ohne grobe orthographische Fehler nachzuschreiben; die Kenntnis der vier Grund- rechnungsarten mit benannten und unbenannten ganzen Zahlen. Die Aufnahme in die Sexta kann erst nach Vollendung des neunten Lebensjahres erfolgen; bei einem Alter von mehr als 12 Jahren ist die Aufnahme in diese Klasse nicht mehr möglich. Das jährliche Schulgeld beträgt für die Gymnasialklassen von VI-IIb 100 M, für die Realklassen VI—IV 80 M., für die Realklassen III und II b 90 M, für die Vor- schule 60 M. Neu aufgenommene Schüler haben 3 M Eintrittsgeld zu zahlen. An Zeugnissen sind bei der Aufnahme vorzulegen: Geburtsschein, Impfschein, bei vollendetem zwölften Lebensjahr ein Wiederimpfschein und, bei früherem Schulbesuch, ein Abgangszeugnis. Die Wahl der Pensionen ist dem Direktor bei der Anmeldung anzuzeigen und unterliegt der Genehmigung desselben. Das Schuljahr schliesst Sonnabend, den 30. März, und das neue beginnt Dienstag, den 16. April, morgens 8 Uhr. Die einheimischen Schüler haben sich Montag, den 15. April, nachmittags um 3 Uhr in den Klassenzimmern ein- zufinden, um Mitteilungen entgegenzunehmen. Die Aufnahmeprüfung der angemeldeten Schüler findet am Montag, den 15. April, um 8 Uhr früh statt. Es sind dazu Papier und Feder mitzubringen. Zur Entgegennahme von Anmeldungen ist der Unterzeichnete vom I1. bis 13. April im Direktorzimmer vormittags von 10 bis 12 Uhr anwesend. Eschwege, im März 1901. Stendell, Direktor der Friedrich-Wilhelms-Schule.