—— Beilage zum Programm des Grossherzoglichen Gymnasiums in Bensheim. Ostern 1899. Über die Verbindung des deutschen und lateinischen grammatischen Unterrichts auf der Unter- und Mittelstufe des Gymnasiums. I. Teil ¹). Von Dr. Heinrich Schrohe. Die hessischen wie die preussischen Lehrpläne für die höheren Schulen schreiben für die drei untersten Klassen des Gymnasiums Unterricht in der deutschen Grammatik vor. Was die dabei zu befolgende Methode angeht, so bestimmen die letzteren, dass sich die Unter- weisung auf das Notwendigste zu beschränken und immer an bestimmte Beispiele anzulehnen hat; sie verbieten es, die Grammatik der deutschen Sprache wie die einer Fremdsprache zu behandeln. Bei diesen Vorschriften bleibt gewiss dem Lehrer der deutschen Grammatik noch viel Bewegungsfreiheit im Unterricht. Nachdem ich nun im vorjährigen Programm der hiesigen Anstalt die deutsche Tempus- und Moduslehre sowie die eingehende Lehre von den Nebensätzen in Zusammenhang mit dem lateinischen Unterricht gebracht habe, will ich in der vorliegenden Abhandlung das Gleiche für die Wortlehre, die Lehre vom einfachen und zusammengesetzten Satz und die Kasuslehre versuchen ²). Dabei wird die Wortlehre und die Lehre vom einfachen nackten Satz der VI zu- gewiesen. Den grammatischen Lehrstoff der V bildet die Deklination der Eigennamen und Fremd- wörter sowie der Adjektiva, ferner der einfache erweiterte Satz und das Notwendigste vom zusammengesetzten Satze. Der IV fällt die Kasuslehre und der zusammengesetzte Satz als Lehrgegenstand zu. Mit dieser Stoffverteilung befinde ich mich im Einklang mit den preussischen Lehrplänen. Es ist wohl allgemein üblich, dass den Ausgangspunkt für die Erklärung der latei- nischen sprachlichen Erscheinung, wie sie die Lektüre bietet, stets das Deutsche bildet. Von der deutschen Spracherscheinung wird zur lateinischen übergegangen. Nachdem diese hin- länglich verstanden ist, werden im Lateinischen die Erscheinungen, die der einzeln vorgeführten verwandt sind, zur Anschauung gebracht, bis schliesslich die ganze Gruppe zusammengehöriger ¹) Der II. Teil bildete die Beilage zu dem vorjährigen Programm. ²) Nicht berücksichtigt habe ich hierbei die in den preuss. Lehrpl. vorgeschriebene Wortbildungslehre; sie findet sich in den meisten Grammatiken eingehend behandelt, so in Lyon, Handbuch der deutschen Sprache I. Programm Nr. 670. 1 — 2— Erscheinungen erschöpft und zum sicheren Besitz des Schülers geworden ist. Damit findet vielfach das betreffende grammatische Kapitel seinen Abschluss. Gerade jetzt aber hat meines Erachtens eine überaus wichtige Thätigkeit zu erfolgen, die der deutschen Grammatik zu gute kommt. Wie man im Lateinischen mit der Einzel- erscheinung allmählich die verwandten zusammengebracht hat, so muss zum Abschluss des betreffenden Kapitels die deutsche Einzelerscheinung, von der man ausging, den Mittelpunkt für die mit ihr zusammengehörigen deutschen Spracherscheinungen bilden. Erläutern wir diese Forderung an einem Beispiel! In dem lateinischen Übungsbuch ist man etwa zu dem Ab- schnitt gekommen, der die Adverbia zum Gegenstand hat. I. Stufe. Bevor die Lektüre der betreffenden UÜbungssätze beginnt, wird der Begriff Adverbium an deutschen Sätzen festgestellt; z. B. Themistokles hat klug gehandelt(als er zu Xerxes einen Sklaven sandte). Bei der Zergliederung des Satzes ergibt sich, dass man nach„klug“ von dem Verbum des Satzes aus fragen muss; es bildet„klug“ eine nähere Be- stimmung zum Verbum(daher die Bezeichnung Ad-verbium); dieses Adverb steht auf die Frage: wie hat Themistokles gehandelt? Variationen des Satzes wie:„Themistokles und Aristides haben klug gehandelt“ oder:„Handelt klug“ führen zu der Erkenntnis, dass das Adverb im Deutschen unveränderlich ist. Sätze wie:„Der wahrhaft edle Mann lügt nicht“ und:„Aristides war wahrhaft edel“ lehren, dass auch Adjektiva in prädikativer oder attributiver Stellung durch Adverbien näher bestimmt werden. Nun folgt die II. Stufe. Es treten die lateinischen Ubungssätze in grosser Zahl dem Schüler ent- gegen. An ihnen lernt er, in welcher Weise im Lateinischen die Adverbia gebildet werden. Gemeinsam ist den lateinischen und deutschen Adverbien, wie er bald erkennt, die Unver- änderlichkeit. Erweitert wird das Wissen des Schülers, wenn er einsieht, dass nicht mit einer und der selben Frage nach den verschiedenen Adverbien gefragt werden kann, sondern, dass es für Adverbien vier Arten von Fragen gibt, solche, in denen das Substantiv Zeit, Ort, Art und Weise, Grund vorkommt. Wenn die Kenntnis der lateinischen Adverbien an zahlreichen Beispielen gesichert ist, hat meines Erachtens zu folgen die III. Stufe. Es wird in dem Deutschen oder wenn— was doch wohl die Ausnahme ist— Lateinisch und Deutsch nicht in einer Hand liegen, in dem lateinischen Unterricht zu den deutschen Adverbien zurückgekehrt. Zunächst wird noch einmal der Zweck der Adverbien ins Gedächtnis gerufen. Es werden sodann die vorgekommenen deutschen Adverbien auf ihre Bildung untersucht; das Ergebnis ist, dass sie in solche zerfallen, die 1) von Substantiven oder Adjektiven und 2) von Pronominalstämmen gebildet werden. Endlich wird, wofür schon die Fragen mit den Substantiven Ort, Zeit, Art und Weise, Grund vorgearbeitet haben, fest- gestellt, dass es Adverbia des Ortes, der Zeit, der Art und Weise und des Grundes gibt. Die folgende Abhandlung bietet Zusammenfassungen ¹), die sich auf die Wortlehre, die Lehre vom einfachen und zusammengesetzten Satz und die Kasuslehre beziehen; sie sollen zeigen, was bei einem Unterricht in der lateinischen Grammatik, der vom Deutschen ausgeht und das Deutsche stets im Auge behält, für die Muttersprache gewonnen werden kann. Zum anderen umfasst die Abhandlung die Lehre vom zusammengesetzten Satz. Mit ihr wird die Grundlage für den lateinischen Unterricht der Tertien gelegt, insoweit er die Modus- und Tempuslehre ²) zum Gegenstand hat. ¹) Dass manches von dem Vorgebrachten sich mit dem, was den Ausgangspunkt für das Lateinische zu bilden hat, nahe berührt, wird nach den gegebenen Darlegungen nicht befremden. ²) Wie dieser dann wieder in den Tertien eine abschliessende Behandlung der deutschen Modus- und Tempuslehre zu folgen hat, habe ich in dem Bensheimer Programm von 1898 dargelegt. 23— Die folgenden Erörterungen und namentlich auch die Beilagen werden zeigen, so hoffe ich, dass die vergleichende Methode dem lateinischen und zweifellos in noch viel höherem Grade dem deutschen Unterricht zu gute kommt. Sexta. A. Wortlehre(Redeteile). 1. Substantiv und Artikel. a) Begriff der Hauptwörter. Haupt- oder Dingwörter(Substantiva) sind solche Wörter, welche eine Person oder Sache— allgemein gesagt: ein Ding— bezeichnen. Man erkennt sie daran, dass man vor sie das Wörtchen der, die oder das setzen kann. b) Die 3 Geschlechter der Substantiva und der Artikel. Die Wörtchen der, die, das stellt man nicht willkürlich vor die Hauptwörter. Ein jedes Substantiv ist entweder männlichen, weiblichen oder sächlichen Geschlechtes. In der Einzahl kann man vor ein Subst. männlichen Geschl. der, vor ein Subst. weiblichen Geschl. die und vor ein Subst. sächlichen Geschl. das setzen. Umgekehrt ist ein Subst., vor dem der steht, männlichen Geschlechtes u. s. w. Diese Wörtchen heissen daher Geschlechtswörter oder Artikel. Der Artikel ist doppelter Art. Es gibt) die erwähnten Formen der, die, das, deren gleichlautender Plural die ist. Dieser Artikel heisst der bestimmte, weil man durch ihn auf ein bestimmtes Ding hinweist. In dem Satze:„Der Knabe weint“ ist ein bestimmter Knabe gemeint ¹).) die Formen ein, eine, ein. Dieser Artikel heisst der unbestimmte, weil er unbestimmt lässt, welche Person oder Sache unter den vielen gleicher Gattung gemeint ist. In dem Satz:„Ein Schüler hat sein Heft liegen lassen“ ist nicht angegeben, welcher von den vielen Schülern dies gethan hat. c) Die Deklination der Substantiva: a.) Das Wesen der Deklination(Biegung). Es seien die Sätze gebildet: Die Krone ist golden. Die Farbe der Krone ist schön. Der Krone fehlt der Glanz nicht. Die Krone be- wundern wir. Die Kronen sind golden u. s. w. Das Wort Krone ist ein Dingwort(Subst.). Es erscheint das Substantiv in jedem der Sätze in einer anderen Gestalt und auf eine andere Frage. Aber mit den 4 Fällen der Einzahl und Mehrzahl, die wir gebildet haben, sind alle Beziehungen, in die ein Substantiv zu den übrigen Worten eines Satzes treten kann, erschöpft. Wenn man die einzelnen Fälle eines Substantivs feststellt und diesem die entsprechenden Endungen gibt, so dekliniert man es. 5) Die Deklination der Substantiva. Es ist etwa als häusliche Aufgabe gestellt aus einem Lesestück— unter Ausschluss der Eigennamen— die Substantiva herauszuschreiben. Diese, z. B. Hafen, Mauer, Urheber, Wettkampf, Herr u. s. w. werden deutsch an der Wand- tafel dekliniert; dabei stellt sich heraus, dass sie verschieden dekliniert werden; es muss also im Deutschen verschiedene Deklinationen geben. Um zu erfahren, welcher Deklination im Lateinischen populus, virtus manus angehören, muss man wissen, wie der Genetiv lautet. So ist auch im Deutschen bei den Maskulina stets zu fragen: wie lautet der Genetiv? Diejenigen Masc., welche im Genetiv Singularis s oder es anhängen, gehören der starken, alle übrigen der schwachen Deklination an ²). Viele stark deklinierte Masculina haben ausserdem den Um- ¹) Die Deklination des bestimmten Artikels bedarf keiner besonderen Besprechung, da in dieser Hinsicht keine Fehler gemacht werden. Dagegen ist zu zeigen, dass der unbestimmte Artikel im Plural fehlt und dass die Endungen des unbestimmten Artikels den Endbuchstaben des bestimmten Artikels gleich sind.(Ausnahmen Nom. des Masc. und Nom. und Akkus. des Neutr.) ²) Die Endungen mögen an zahlreichen Beispielen festgestellt werden; zu lernen sind sie nicht. 1* — 1— laut; umgekehrt gilt die Regel: Alle Substantiva, die den Umlaut haben, werden stark dekliniert. Die Masculina, welche im Genetiv Singularis oder en haben, hängen diese Endung in allen Kasus ausser dem Nominativ Singularis an. Masculina, die ihren Genetiv Sing. auf n oder en bilden, gehören der schwachen Deklination an. Für die Masculina, welche der gemischten Deklination angehören, d. h. den Singular stark, den Plural aber schwach bilden, sind mit dem Vorstehenden die Regeln gegeben. Bei den Feminina hat der Singular wie leicht gefunden wird, keine Endungen. Der Nominativ Pluralis dagegen hat die Endung e oder en. Die Substantive mit e in diesem Kasus gehören gerade so wie die Masculina mit dieser Endung der starken Deklination an. Um also zu finden, ob ein Femininum zu der starken oder schwachen Deklination zu rechnen ist, muss man den Nominativ Pluralis bilden. Auch viele Feminina haben den Umlaut; diese, sowie die weiblichen Subst. auf nis und sal gehören der starken Deklination an. Die Feminina, die im Nom. Pluralis auf en ausgehen, haben diese Endung in allen Kasus des Plural und gehören der schwachen Deklination an. Die Neutra bilden sämtlich, wie durch Beispiele festzustellen ist, ihren Genetiv Singu- laris auf s oder es; sie gehören also im Singular alle der starken Deklination an; insoweit sie im Nominativ Pluralis n oder en anhängen, gehören sie im Plural der schwachen Deklination an. Zusammenfassung: Die Masculina gehören entweder der starken oder der schwachen oder der gemischten, die Feminina der starken oder der schwachen, die Neutra der starken oder gemischten Deklination an.— 2. Eigenschaftswörter ¹)(Adjektiva) sind Wörter, welche die Eigenschaft oder Be- schaffenheit einer Person oder Sache angeben. Sie werden in doppelter Weise gebraucht: a) sie stehen vor dem Substantiv, meist zwischen Artikel und Substantiv, z. B. der gute Sohn; gut bildet hier eine Beifügung(Attribut) zu Sohn; das Adjektiv ist hier attributiv gebraucht. Das attributive Adjektiv richtet sich im Genus, Numerus und Kasus nach seinem Substantiv. b) sie sind durch die Zeitwörter sein, werden mit dem Substantiv verbunden. Das Adjektiv bildet in diesem Falle einen Teil der Satzaussage, des Prädikates(den anderen Teil des Präd. bildet die Kopula); es ist prädikativ gebraucht. z. B. Gott ist barmherzig. Das prädikative Adjektiv ist im Deutschen unveränderlich. 3. Die Zeit- oder Thätigkeitswörter(Verba). a) Begriff der Zeit- oder Thätigkeitswörter. Die Thätigkeitswörter sind solche Wörter, welche aussagen, was eine Person oder Sache, die das Subj. des Satzes bildet, thut oder leidet. Diese Verba heissen auch Zeitwörter, weil durch sie zugleich die Zeit angegeben wird, wann die Thätigkeit stattfindet. b) Das Wesen der Konjugation. Das Zeitwort sagt nicht nur aus, was Sachen be- wirken, z. B. der Ofen wärmt, sondern auch, was Personen thun. Der Sprechende nennt sich „ich“, den Angesprochenenen bezeichnet er mit„du“ und von einer dritten Person redet er mit„er, sie, es“. Mehrere Sprechende nennen sich„wir“, bezeichnen mehrere Angesprochene mit„ihr“ und reden von anderen mit„sie“. Es gibt also drei Personen der Einzahl sowie der Mehrzahl. ich und wir bilden die erste, du und ihr die zweite, er, sie, es und sie die dritte Person. Setzt man vor ein Verbum die drei Personen der Ein- und Mehrzahl und gibt ihm selbst die entsprechenden Endungen, so konjugiert man es. ¹) Die Deklination der Eigenschaftswörter ist nach V verlegt, um VI mit grammatischen Dingen nicht zu überlasten und weil die Deklination mehrerer attributiven sowie der substantivierten Adjektiva doch erst in V besprochen wird. Im übrigen steht einer Behandlung dieses Gegenstandes in VI nichts im Wege; vgl. die Beil. I. — 5— c) Die Konjugation selbst. α) Die Zeit(das Tempus). In jedem Satze, den wir bilden, drücken wir aus, in welchem zeitlichen Verhältnis die darin angegebene Thätigkeit zu uns steht. Das Verhältnis kann ein dreifaches sein: entweder ist die Thätigkeit unserer Aussage gleichzeitig(Praesens), oder sie ist im Vergleich zu unserer Aussage bereits vollendet(Perfekt) oder sie ist im Vergleich zu unserer Aussage noch nicht eingetreten, wird also erst eintreten (Futur). Einer vergangenen Handlung kann eine andere gleichzeitig sein(Imperfekt); z. B. während ich schrieb, las er, oder der vergangenen Handlung gegenüber ist eine andere vollendet (Plusquamperfekt): er kam, als ich den Brief vollendet hatte. Mit einer zukünftigen Handlung kann eine andere gleichzeitig sein; z. B.: ich werde mich freuen, wenn du kommen wirst(Futur; die geläufigere Form: wenn du kommst, muss hier natürlich beiseite bleiben); oder einer zu- künftigen Handlung gegenüber wird eine andere früher vollendet sein. z. B. es wird mich freuen, wenn du dies Ziel erreicht haben wirst(Futurum exactum). 6) Die Aussageweise(der Modus). Im Indikativ wird etwas mit Bestimmtheit aus- gesagt: Der Vater kommt. Der Konjunktiv dient dazu, um einen Wunsch oder eine bestimmte Art des Befehls auszudrücken ¹): Komme er doch bald(Wunsch oder Befehl)! Im Imperativ werden Befehle an die zweite Person der Einzahl und Mehrzahl gegeben. Gehorche! Gehorchet! y) Der Infinitiv(Nennform, unbestimmte Redeweise d. h. ohne Person) des Praesens und Perfekts bezeichnet die Thätigkeit schlechthin: reden, geschrieben haben. ) Das Particip bezeichnet die zur Eigenschaft werdende oder gewordene Thätigkeit: die glänzende Krone(Particip Praes.), das verlassene Weib(Particip II). §) Die Gattung(das Genus) des Verbums. Das Activum(die thätige Form) bezeichnet, dass das Subj. des Satzes etwas thut; das Passivum(die leidende Form) drückt aus, dass das Subj. des Satzes etwas erleidet.. d) Die Bildung der einzelnen Tempora des Verbums. 1. Die Formen, von denen im Deutschen die Tempora gebildet werden, sind Praesens, Imperfekt und Particip II. Eine Reihe von Verben nimmt im Imperfekt das Tempuszeichen? an und endet im II. Particip auf t loben, lobte, gelobt. Bei anderen Verben wird im Imperfekt nicht das Tempuszeichen? angefügt, sondern der Vokal geändert, tragen, ich trug. Wie man bei der Deklination die- jenigen Subst., die ihren Vokal nicht verändern, als schwach dekliniert bezeichnet, so nennt man die Zeitwörter, die im Imperfekt den Vokal nicht verändern, sondern das Tempuszeichen! annehmen, schwach konjugiert. Diejenigen Verba dagegen, welche im Imperfekt den Vokal ändern und kein Tempuszeichen annehmen, nennt man stark konjugiert. Die Verba der starken Konjugation zerfallen in zwei Gruppen a) in Verba, die nur im Imperfekt ihren Vokal ändern, bei denen aber mit Praesens und II. Particip der Vokal gleich ist; sie heissen reduplicierende Verba z. B. tragen, trug, getragen, fressen, frass, gefressen; b) in Verba, welche im Praesens, Imperfekt und II. Particip verschiedenen Vokal aufweisen; sie heissen ablautende Verba z. B. singen, sang, gesungen; schelten, schalt, gescholten. 2. Die Bildung der einzelnen Formen des Indikativs Praesentis und Imperfecti im Activ erfolgt durch Vorsetzung der persönlichen Pronomina und Anfügung bestimmter Endungen an den Praesens-, bezw. Imperfektstamm. Singular: 1. Person: e oder nichts: ich lobe, bringe, lobte, brachte, aber nichts bei den ablautenden Verben z. B. ich sang. 2. Person: st oder est: du lobst, antwortest, lobtest, antwortest. 3. Person a) Praesens: t oder et: er lobt, antwortet, bringt; b) Imperfekt: e oder nichts: er antwortet-e, lobt-e, aber er sang(ablautendes ¹) Ein weiteres Eingehen auf den Unterschied zwischen Indikativ und Konjunktiv ist in Sexta verfrüht. Der lateinische Konj. wird an irrealen Bedingungssätzen, die übereinstimmend mit dem Deutschen im Konj. stehen an Wunsch- und Befehlsätzen, sowie an Sätzen mit nt, das mechanisch mit dem Konj. verbunden wird, geübt. — 6— Verbum). Plural: 1. Person: en, wir loben, singen, lobten, sangen. 2. Person: t oder et, ihr lobt, antwortet, lobtet, antwortetet, sanget. 3. Person: en, sie loben, antworten, lobten, antworteten, sangen. 3. Die Bildung des Konjunktivs Praesentis und Imperfecti Activi. Die Endungen sind: e, est, e, en, et, en. Er behauptet: ich höre, hörte, singe, sänge; du hörest, hörtest, singest, sängest; er höre, hörte, singe, sänge; wir hören, hörten, singen, sängen; ihr höret, hörtet, singet, sänget; sie hören, hörten, singen, sängen. Die im Konjunktiv Imperfekti der starken Konjugation eintretende Veränderung der Inlaute des Indikativs a, o, n in ä, ö, ü heisst Um- laut, z. B. Er behauptet, ich brächte(Ind. brachte), verlöre(Ind. verlor), trüge(Ind. trug). 4. Die Bildung des Imperativs. Sie erfolgt dadurch, dass e und et an den Präsens- stamm angefügt wird; lieb-en; also lieb-e. lieb-et. Eine Reihe von Imperativen der starken Konjugation hat im Singular keine Endung. Verdirb, stirb, friss. 5. Der Infinitiv, die Grundform, stellt den Stamm des Verbums mit angefügtem en dar: lieb-en, bring-en. 6. Das erste Particip, auch Particip Praesens Activ genannt, entsteht dadurch, dass man an den reinen Stamm end oder ud anfügt, lieb-end, trauer-nd. 7. Das zweite Particip entsteht dadurch, dass man bei Verben der schwachen Kon- jugation t, bei Verben der starken Konjugation en an den reinen Stamm anfügt. Den Verben der starken und schwachen Konjugation, welche den Ton auf der ersten Silbe haben, ist im II. Particip die Vorsilbe ge, Augment genannt, gemeinsam; gelobt, vörsingen, vorgesungen, aufbessern, aufgebessert; aber: verwérfen, verworfen, überträgen, übertragen. 8. Alle Tempora des Aktivs ausser Praesens und Imperfekt sowie alle Tempora des Passivs werden mit Hülfe anderer Zeitwörter gebildet: diese heissen darum Hülfszeitwörter; es sind: haben, sein und werden. Mit haben sind zusammengesetzt: das aktive Perfekt ¹), Plusquamperfekt und Futurum II. Mit werden bildet man Futur I und II des Activs und Passivs, Praesens und Imperfekt Passiv und Perfekt und Plusquamperfekt Passiv. Da nun bei dem Futur I im Activ und bei dem Praesens Passiv„ich werde“ u. s. w. verwendet wird, so ist, um Verwechselung vorzubeugen, besonders darauf hinzuweisen, dass im Futur Activ hinter dem„ich werde“ der Infinitiv, im Praesens Passiv aber das Particip steht. Den Inf. erkennt man daran, dass man„ich will“ davor setzen kann, während sich vor dem Particip ein„ich habe“ einschieben lässt. Beisp.„ich werde loben“(Inf.; denn man kann sagen:„ich will loben“*).„Ich werde gelobt“(Particip: denn man kann sagen:„ich habe gelobt“). Diese Regel über den Unterschied von Praesens Passiv und Futur Activ wird festgehalten, da es erfahrungsgemäss für den Schüler nicht genügt zu fragen: thut oder leidet das Subjekt etwas? 9. Auch die verschiedenartige Perfektbildung im Deutschen ist schon in Sexta zu be- sprechen, um von vorn herein den hässlichen Fehlern, wie ventus sum„ich bin gekommen“, das Wasser abzugraben. Die Regel, die sich hier ergeben muss, lautet: die Verba bilden im Deutschen im allgemeinen ihr Perfekt mit„haben“; mit„sein“ bilden ihr Perfekt: 1) Die Zeitwörter, welche den UÜbergang von einem Zustand in einen anderen aus- drücken, z. B. genesen; es bildet den Übergang von dem Zustand„krank sein“ zu dem Zu- stand„gesund sein“. 2) Die Zeitwörter, welche die Bewegung von einem Ort nach dem anderen ausdrücken*); z. B. gehen, ich bin gegangen. ¹) UÜber die mit„sein“ gebildeten Perfekta siehe den folgenden Absatz. ²) Die Fälle, in denen auch hier„haben“ gebraucht wird, können in Sexta füglich beiseite bleiben. d) Einteilung der Zeitwörter. 1. Nach ihrem Subj. zerfallen sie: a) in persönliche, die eine Person oder Sache zum Subj. haben; b) in unpersönliche (verb. impersonalia); die Stelle des Subj. vertritt bei ihnen„es“; sie kommen nur in der dritten Person Singularis vor; z. B.:„es regnet“:„es schneit“(die meisten Impers. bezeichnen Naturvorgänge). 2. Nach dem Obj. zerfallen sie: a) in Verba transitiva, welche ihr Obj. im Akkusativ bei sich haben; schlagen, loben: b) in Verba intransitiva; dahin gehören alle Verba, welche ihr Obj. nicht im Akkus. bei sich haben: leben, begegnen; c) in Verba reflexiva, bei denen Obj. und Subj. ein und dieselbe Person ist; nur diejenigen Verba sind reflexiv, die ohne das Reflexivpronomen nicht vorkommen; z. B.„sich freuen“;„sich loben“ ist kein Verb. refl., sondern nur reflex. gebraucht; denn„Joben“ kommt auch mit anderem Obj., z. B.„den Schüler“ vor. Die transitiven Verba bilden ein persönliches, die intransitiven ein unpersönliches und und die reflex. überhaupt kein Passiv. 3. Nach ihrer Bestimmung zerfallen sie: a) in selbständige Verba, die für sich allein gebraucht werden können; b) in Hülfs- zeitwörter; sie kommen nur in Verbindung mit den selbständigen Verben vor. Sie sind a.) Hülfszeitwörter der Zeit: d. h. sie dienen zur Bildung einzelner Tempora der selbständigen Verba. Diese Hülfszeitwörter sind: sein, werden und haben.„) Hülfszeitwörter der Aussage- weise, d. h. sie geben der Satzaussage ein bestimmtes Gepräge. Die Hülfszeitwörter der Aus- sageweise sind: können, mögen, dürfen, müssen, wollen, sollen und lassen. 4. Nach der Bildung der Tempora zerfallen sie in solche, welche der starken und in solche, welche der schwachen Konjugation angehören. Die starke Konjugation bildet das Imperfekt, meist auch das Particip II durch Anderung des Stammvokals(Ablaut), wirft in der ersten und dritten Person Imperf. die Endung ab und bildet das Particip II auf en schwören, ich schwor— er schwor, geschworen. Die schwache Konjugation nimmt keine Veränderung des Stammvokals vor, hängt im Imperf. die Endungen te oder ete an und im Part. IIt oder et; weiden, weidete, geweidet; lieben, liebte, geliebt. Während im Lateinischen Praesens-, Perfekt- und Supinstamm für die Bildung der einzelnen Zeiten gewusst werden müssen, hat man sich im Deutschen Praesens, Imperfekt und II. Particip zu diesem Zweck zu vergegenwärtigen. 5. Der Bildung der Zeitwörter nach unterscheidet man: 1) einfache Verba(Verba simplicia), d. h. solche, die nur aus dem Stamm und der betreffenden Endung bestehen: lob-en, bring-en; 2) solche, die zusammengesetzt sind(Komposita). Zur Zusammensetzung dienen: a) die Vorsilben be, ent, er, ge, miss, ver, zer; bemühen, entschuldigen(empfehlen, empfangen ist mit der assimilierten Vorsilbe ent zusammengesetzt), erraten, gebrauchen, missdeuten, ver- leiten, zerbrechen; b) Adverbien und Präpositionen hinter, entgegen, wider, heraus, hinaus, fort, herab, hinab, herauf; an, ab, auf, aus, bei, mit, nach, vor, zu u. s. w. Je nachdem die Präpos. oder das Adverb in einzelnen Zeitformen von seinem Verbum getrennt wird oder nicht, unterscheidet man trennbar und untrennbar zusammengesetzte Zeitwörter: Trennbar zusammengesetzt sind diejenigen Zeitwörter, bei denen der Hauptton auf dem ersten der beiden Bestandteile, auf der Präposition oder dem Adverb liegt: herabwerfen, ich werfe herab. Part. II herabgeworfen; ebenso tritt beim Infinitiv mit„zu“ das„zu“ zwischen die beiden Be- standteile herabzuwerfen. Untrennbar zusammengesetzt sind diejenigen Verba, bei denen der — 8— Hauptton auf dem Verbum selbst liegt: Vollbringen. Es empfehlen sich Gegenüberstellungen wie übersetzen und übersetzen; überlaufen und über laufen. 4. Die Steigerung. Der Positiv gibt nur an, dass einem Gegenstand eine Eigenschaft zukommt; der Komparativ, dass sie dem einen Gegenstand in höherem Grade als dem anderen zukommt; der Superlativ, dass sie einem von mehreren Gegenständen im höchsten Grade zu- komme. Es bedarf nur eines Hinweises darauf, dass der Komparativ im Deutschen auf er und der Superlativ auf(e)st, teilweise mit Umlaut ausgeht und dass sich die Steigerungs- formen der Deklination der Adjektiva im Positiv anschliessen. Bei der UÜbersetzung der lateinischen Sätze bereits ist die wichtige Regel vorzuführen, dass bei Vergleichen im Kom- parativ als gebraucht wird, nicht wie. Interpunktionsregel. Vor den vergleichenden Wörtchen wie und als steht nur dann ein Komma, wenn ein vollständiger Satz, d. h. Subj. und Präd. folgt, z. B. Miltiades kehrte früher zurück, als es die Bewohner von Lemnus erwartet hatten. Aber Milt. starb früher als Themistokles(kein vollständiger Satz). 5. Die Präpositionen oder Vorwörter, wie sie ihrer Stellung nach heissen, drücken das Verhältnis oder die Beziehung eines Subst.(oder substantivisch gebrauchten Wortes) zu einem anderen Satzteil aus; daher werden sie auch Verhältniswörter genannt. Sie werden im Deutschen nach denselben Gesichtspunkten eingeteilt wie im Lat., d. h. nach den Kasus, die sie bei sich haben. Eine Zusammenstellung der Präpositionen, die den gleichen Kasus bei sich haben, etwa- auf Grund der Sätze des lat. Obungsbuches ist wohl von Nutzen; aber Verschen über die deutschen Präpositionen und wären sie die schönsten, auswendig lernen zu lassen, halte ich für eine Quälerei. Am Platze ist es, solchen Präpositionen eine besondere Beachtung zu schenken, die erfahrungsgemäss falsch gebraucht werden. In unserer Gegend hört man nicht selten: Ich komme bei dich; ebenso wird„wegen“ von dem Volke ausschliesslich mit dem Dativ verbunden. Vielleicht empfiehlt es sich auch, daraufhin zu weisen, dass die Präpositionen, die den Genetiv regieren, fast alle uneigentliche Präpos. sind, d. h. von Substantiven her- kommen, wie Zz. B. kraft, statt, oder von Participien entlehnt sind, wie während, ungeachtet. Besondere Aufmerksamkeit bedürfen auch die Präpos., die den Dativ und Akkussativ re- gieren; es sind dies: an, auf, neben, hinter, in, über, unter, vor und zwischen. Der Dativ steht bei ihnen auf die Frage wo? d. h. wenn die Ruhe an einem Ort bezeichnet wird, der Akkusativ auf die Frage wohin? d. h. wenn die Richtung nach einem Ort angegeben werden soll. Auch die Zusammenziehung der Präpositionen mit dem bestimmten Artikel gehört hierher. 6. Die Zahlwörter. Die Einteilung der bestimmten Zahlw. ist durch das Lat. bekannt. Von den Grundzahlen wird eins in dem Falle, dass es sich für sich allein steht, dekliniert; seine Formen lauten dann im Nomin. einer, eine, eins; es hat in den einzelnen Kasus die Endbuch- staben des bestimmten Artikels. Die übrigen Grundzahlen sind undeklinierbar; nur im Dativ nehmen sie, wenn sie ohne Substantiv stehen,(mit Ausnahme von 7) die Endung en an. Zwei und drei nehmen die Endungen des bestimmten Artikels im Genet. und Dat. an, wenn nicht ein Pronomen oder der Artikel vor ihnen steht; also: der Tod zweier tapferen Soldaten war zu beklagen. Die Ordinalzahlen, die bis 19 von den Grundzahlen durch die Endung te, von da an durch die Endung ste gebildet werden, werden gleich den Superlativen wie die Adjektiva dekliniert. Daneben hat eine Zusammenstellung der unbestimmten Zahlwörter stattzufinden; es dürften aus dem Latein bekannt sein: all, viel, ganz, wenig; mancher, jeder, einige, etliche. 7. Die Pronomina. Ihr Wesen wird am besten dadurch klar, dass man ihren Zweck klarlegt.„Wenn man von einer Person oder Sache etwas erzählt,— sagt Lyon!¹)— so würde ¹) Handbuch I S. 33; dies Werk ist für den Lehrer der deutschen Grammatik unentbehrlich. —, die Erzählung bald sehr schwerfällig werden, wenn man immer den Namen der Person oder Sache wiederholen wollte. Man gebraucht daher kleine Wörter, welche man statt des be- treffenden Personen- oder Sachnamens setzt, und nennt diese Wörter, da sie für ein Sub- stantivum(Nomen) stehen, Fürwörter oder Pronomina“. Die Pronomina können nur ge- braucht werden, wenn das Nomen schon genannt ist. Themistokles war ein Feind der Lake- dämonier; er hinterging sie oft. Die Einteilung der Pronomina ist dieselbe wie im La- teinischen: a) Pron. personalia, b) Pron. possessiva, c) Pron. demonstrativa, d) Pron. relativa, e) Pron. interrogativa, f) Pron. indefinita, g) Pron. reflexiva. Zu a und g. Die Deklination der Personalpronomina macht keinerlei Schwierigkeiten, hat darum auch nicht den Gegenstand der UÜbung zu bilden. Die redende(erste) Person spricht von sich mit ich, meiner u. s. w. Zu einer bei ihr befindlichen, die sie anspricht (darum zweite oder angesprochene Person). sagt sie: Du u. s. w. Wenn zwei Personen(z. B. du und ich) über einen anderen sprechen, so sagen sie: er u. s. w.(darum die dritte oder besprochene Person). Zu betonen ist, dass sich das Pron. personale im Genetiv, Dativ und Akkus. auf das Subjekt des eigenen Satzes zurückbeziehen kann; dann nennt man es Pron. reflexivum. Während für die erste und zweite Person der Einzahl und Mehrzahl das rückbezügliche und nicht rückbezügliche Fürwort gleich lauten, ist das rückbezügliche Pronomen der III. Person von dem nicht rückbezüglichen in einzelnen Kasus verschieden. Der Vater ernährt mich (Personalpronom.); ebenso: ich ernähre mich(zurückbezüglich auf das Subj. des Satzes); der Vater ernährt ihn(z. B. den Sohn nicht zurückbezüglich); aber der Vater ernährt sich(zu- rückbezüglich auf das Subjekt des eignen Satzes). Eine Gegenüberstellung der Formen des rückbezüglichen und nicht rückbezüglichen Pronomens der III. Person ist hier vielleicht am Platze; dabei ergibt sich: 1) Das Lat. hat besondere rückbezügliche Formen für die dritte Person im Genetiv, Dativ und Akkusativ. 2) Das Deutsche hat besondere rückbezügliche Formen für die dritte Person im Dativ und Akkus. 3) Beide Sprachen stimmen darin überein, dass die Formen für alle 3 Geschlechter und im Singular und Plural gleich lauten: sui, sibi, se. Deutsch nur„Sich“ für Dativ und Akkus. Zu b. Die Possessivpronomina oder besitzanzeigenden Fürwörter. Sie stehen für den Namen des Besitzers eines Gegenstandes und bezeichnen die Person, der der Gegenstand zu- gehört. Die erste oder sprechende Person hat das Possessivpron.„mein“, in der Mehrzahl „unser“, die zweite oder angesprochene Person„dein“ und„euer“; die dritte oder besprochene Person hat für das Masc. und Neutr. der Einzahl„sein“, für das Femin. der Einzahl„ihr“, im Plural entsprechend dem Personalpronomen für alle drei Geschlechter dieselben Formen, näm- lich„ihr“ In Bezug auf Deklination stimmen sie mit dem unbestimmten Artikel überein. Mit den Adjektiven haben sie gemein, dass sie als Teile des Prädikates unverändert bleiben. Gerade so wie die Adjektiva können sie auch durch Verbindung mit dem Artikel substantivische Bedeutung erhalten. Dein Buch ist neu; das meine ist alt. Doch gebraucht man in solchen Fällen auch die erweiterten Formen wie der meinige, deinige, seinige u. s. w.; also in dem Beispiel: Das meinige ist alt. Diese substantiviérten Pron. poss. dürfen nur dann gross ge- schrieben werden, wenn kein Substantiv bei ihnen zu ergänzen ist, z. B. Mögen die Deinigen noch lange leben! Zu c. Die Demonstrativpronomina oder hinweisenden Fürwörter weisen auf eine be- stimmte Person oder Sache hin und heben sie so vor anderen gleicher Art hervor. Diese Pronomina sind: der, die, das; dieser, jener, solcher, derselbe, derjenige. Die beiden letzt- genannten Pronomina sollen so wenig wie möglich gebraucht werden¹), derselbe nur gleich ¹) Wustmann, Allerhand Sprachdummheiten 1. Aufl., S. 234 ff. t0 — 10— bedeutend mit eben derselbe(idem). Der, die, das hat dieselbe Deklination wie der bestimmte Artikel; der Genetiv Sing. lautet jedoch durch die 3 Geschlechter: dessen, deren, dessen; der Genetiv Pluralis deren und derer, der Dativ Pluralis denen. Hinsichtlich des doppelten Genetivs Pluralis ist zu bemerken, dass die Form derer vor Relativsätzen gebraucht wird. Z. B. Gott erbarmt sich derer, die ihm dienen. Die Deklination der übrigen Demonstrativpronomina bedarf keiner besonderen Ubung. Zu d. Die Relativpronomina oder beziehenden Fürwörter. Es sind folgende: welcher ¹), der, wer und was. Sie vertreten meist das vorausgehende Substantiv in dem von ihnen ein- geleiteten Satz und beziehen den ganzen Inhalt des Satzes auf dieses Substantiv, z. B. der siegreiche Feldherr wird geehrt. Was für ein Feldherr wird geehrt? der siegreiche; sieg- reich ist also Attribut. Dafür können wir auch sagen. Der Feldherr, der(welcher) siegt, wird geehrt.„Der“ bezieht sich auf das Substantiv Feldherr, vertritt dieses in dem Relativ- satz, dessen Subjekt es bildet, und bezieht zugleich Inhalt des Satzes auf das Substantiv ²). Die Relativpronomina welcher, welche, welches und der, die das haben die Endungen des be- stimmten Artikels; die Abweichungen sind dieselben, die bei dem demonstrativen„der“ auf- geführt wurden. Der Genetiv Sing. durch die 3 Geschlechter lautet: dessen, deren dessen; der Genetiv heisst hier nur„deren“, der Dativ„denen“. Die Formen: wer(was), wessen, wem, wen(was) beziehen sich nicht auf ein vorausgehendes Substantiv; sie vertreten mit ihrem Satz gleichsam ein Substantiv, das von dem Verbum des Hauptsatzes abhängig ist; man sagt deshalb, sie werden substantivisch gebraucht.„Wer lügt, dem glaubt man nicht“ statt: dem Lügenden(dem Lügner) glaubt man nicht. Auf jedes Relativpronomen kann ein Demonstrativpronomen im Hauptsatz hinweisen. Im Genus und Numerus richtet sich das Pron. rel. nach dem Subst., auf das es sich zurückbezieht, im Kasus nach der Konstruktion des Satzes, in dem es steht. Themistokles gab dem Sklaven, den er zu Xerxes schickte, folgenden Auftrag.„Den“ ist das für das Nomen„Sklaven“ eingesetzte Pron., richtet sich also im Genus und Numerus nach diesem. Die Thätigkeit des Schickens erstreckt sich auf den Sklaven, der Sklave ist das Objekt des Schickens, also muss das Pronomen im Akkusativ stehen. Zu e. Die Interrogativpronomina oder fragenden Fürwörter. Mit ihnen fragt man nach Personen oder Sachen. Sie sind: wer, was, welcher, welche, welches; was für ein, was für eine, was für ein; wer und was werden geradeso wie das relativische wer und was dekliniert und ebenso substantivisch gebraucht; welcher hat selbstverständlich dieselben Deklinations- formen wie das relativische welcher ³). Zu f. Die Indefinitivpronomina oder unbestimmten Fürwörter. Sie bezeichnen Personen oder Sachen ganz allgemein, in unbestimmter Weise entweder, weil man sie nicht genauer nennen will, oder nicht genauer nennen kann. Zu ihnen gehören: jemand, jeder. jeglicher, jedweder, jedermann, einer, mancher, irgend einer, etwas 4). Die Deklination bedarf keiner besonderen Übung: es ist vielleicht darauf hinzuweisen, dass der Dativ und Akkusativ von „jemand“ und„niemand“ bald stark, bald schwach, bald flexionslos ist. 8. Die Umstandswörter(Adverbia). Wie das Adjektiv eine nähere Bestimmung zum Substantiv enthält, so bildet das Adverbium zunächst eine nähere Bestimmung des Prädikates ¹) UÜber„welcher“ vgl. Wustmann, 1. Aufl., S. 114. ²) Zugleich mit dem Relativpron. kann das Wesen des Nebensatzes entwickelt werden. Nach den preuss. Lehrpl. ist allerdings eine Behandlung des Nebensatzes in VI— auch in elementarster Form— unstatthaft. ³) Die z. B. von Lyon, Handbuch I S. 45, gegebene Unterscheidung zwischen dem Relativ- und Inter- rogativpronomen kann in VI beiseite gelassen werden, da hier bloss direkte Fragen vorkommen. ¹)„keiner, viele, wenige, einige, mehrere, alle, nichts“ zählen wir zu den unbestimmten Zahlwörtern. — 411— (vorausgesetzt natürlich, dass dies kein Substantiv ist). Davon aber, dass das Prädikat, meist ein Verbum ist, rührt die lateinische Bezeichnung des Umstandswortes Adverbium= zum Verb gehörig. Alle Adverbia sind undeklinierbar. Es wird durch das Adverb ein Verbum oder ein präüdikativ gebrauchtes Adjektiv näher bestimmt; z. B.: Ein plötzlicher Tod beendigte früh Alexanders Leben. Niemand ist stets glücklich. Doch auch zu einem attributiv ge- brauchten Adjektiv kann ein Adverb treten. Der immer zufriedene Mensch wird weise ge- nannt. Auch das Adverb selbst kann wieder durch ein Adverbium näher bestimmt werden: z. B.: Unerwartet rasch starb sein Vater. Man fragt nach dem Adverbium unter Benutzung des Prädikats mit: wo? wann? warum? wie? Wonach frage ich mit wo, z. B. in dem Satze: „Die Griechen siegten bei Marathon“? Nach dem Orte des Sieges. Die Griechen siegten dort. Auch hier fragt man: wo siegten die Griechen? Das Adverbium„dort“ ist also ein Adverbium des Ortes. Es wird leicht ebenso gefunden, dass man mit wann? nach dem Adverbium der Zeit, mit wie? nach dem Adverbium der Art und Weise und mit warum? nach dem Adverbium dos Grundes fragt. Damit ist die Einteilung der Adverbia gegeben: Adverbia 1) des Ortes, 2) der Zeit, 3) der Art und Weise und 4) des Grundes!). Haben wir so die Adverbia nach ihrer Bedeutung für das Verbum oder Adjektiv, das sie näher bestimmen, eingeteilt, so sind sie nun nach ihrer Abstammung zu scheiden: 1) In solche, die von Substantiven und Adjektiven(Participia, Numeralia) gebildet sind. Am meisten kommt das vom Adjektiv gebildete Adverb vor; z. B. Antiochus fing vieles thöricht an. Während dieses Adverbium und andere, wie„mächtig, frei“ flexionslose Formen des Adjektivs sind, wird von anderen Adjektiven und vor allem von Participien das Adverb durch Anfügung von s(entsprechend dem Gen. des Neutr.) gebildet, z. B. links, übrigens, längstens; eilends, zusehends. Von den unbestimmten Zahlwörtern wird im Positiv und Komparativ der endungslose Akkus. des Neutr. Sing. als Adverb gebraucht: viel, mehr; wenig, weniger. Die von Substantiven gebildeten Adverbien entsprechen entweder dem Genetiv der betreffenden Sub- stantiva, z. B. tags(nachts unregelmässig gebildet), teils, angesichts, falls oder dem Akkusativ: weg, heim, halb(z. B. in deshalb, während„allenthalben“ wie„morgen“ ein Dativ ist). und 2) in solche, die von Pronominalstämmen gebildet sind; letztere heissen Pronominal- adverbien; es gibt: a) Demonstrativadverbien, b) Relativadverbien, c) Interrogativadverbien, d) Indefinitivadverbien. Sehr viele Adverbien— namentlich die dem flexionslosen Adjektiv gleichlautenden— sind steigerungsfähig. Der Komparativ geht auf-er(= Akkusativ des Neutr. Sing.) aus: leichter, schwerer. Der Superlativ des Adverbs wird meist mit„auf“ oder „an“ und dem bestimmten Artikel verbunden mit dem entsprechenden Kasus des Superlativs gebildet; z. B. am schönsten, auf das schönste, aufs schönste. 3) In Bezug auf ihre Bildung sind von den beiden genannten Gruppen zu scheiden die sogenannten adverbialen Verbindungen, in denen ein Kasus des neutralen Pronomens oder Adjektivs mit einer Präposition verbunden ist: unterdes, indes, bei weitem, von neuem, im ganzen, in allem.. 9. Die Konjunktionen. Diejenigen undeklinierbaren Wörtchen, die gleichartige Satz- teile?²) in ein bestimmtes Verhältnis zu einander setzen, heissen Verbindungswörter, Kon- junktionen; z. B. Aristides und Themistokles sind berühmte Athener; hier werden 2 gleich- artige Satzteile, 2 Subjekte mit einander durch„und“ verbunden. In dem Satze:„Alcibiades ¹) Adverbia der Art und Weise und des Grundes zusammen zu werfen, halte ich für falsch, da die Adverbialia und Adverbialsätze doch die Vierteilung nötig machen. ²) Ich beschränke mich vorerst hierauf; dass die Konjunktionen auch Sätze verbinden, wird meines Erachtens besser für V aufgespart. 2* — 12— war ein begabter, aber leichtsinniger Jüngling“ werden die beiden Attribute durch„aber“ in Gegensatz zu einander gestellt. 10. Die Interjektionen ¹). Sie drücken eine plötzliche Empfindung oder Erregung aus, so Schmerz: ach, weh, au; Freude: ach, ha, juchhe, hei; Verwunderung: ach, ei, hoho, potz tausend; Unwillen und Ekel: pfui, bah; Zuruf: heda, holla, pst. Es gibt— so lautet das Ergebnis der Wortlehre— 10 Wortarten oder Redeteile: 1) Substantive oder Hauptwörter; 2) Artikel oder Geschlechtswörter; 3) Adjektive oder Eigenschaftswörter; 4) Verba oder Zeit- oder Thätigkeitswörter; 5) Pronomina oder Fürwörter; 6) Numeralia oder Zahlwörter; 7) Adverbia oder Umstandswörter; 8) Präpositionen(Vor- oder Verhältniswörter); 9) Konjunktionen oder Verbindungswörter; 10) Interjektionen oder Empfindungswörter. B. Satzlehre*). Der einfache nackte Satz. Neben der Wortlehre müssen in Sexta die Elemente der Satzlehre zur Einübung ge- langen. Nehmen wir etwa folgenden Satz: Der Löwe ist ein Tier. In ihm wird von dem Löwen etwas ausgesagt; es wird nämlich gesagt, was er ist. Man fragt nach dieser Aussage mit der Frage: was ist der Löwe? Das, was in einem Satze ausgesagt wird, nennt man die Satzaussage oder das Prädikat. Die Satzaussage bezeichnet hier den Löwen als Tier. Der Löwe gehört also zu einer bestimmten Gattung der Geschöpfe Gottes, nicht zu den Menschen, sondern zu den Tieren. Nun wollen wir von dem Prädikat ausgehen. Man fragt von dem Prädikate aus: Wer oder was ist ein Tier? Die Antwort lautet: Der Löwe ist ein Tier. Von dem Löwen wird also etwas ausgesagt; der Löwe bildet den Gegenstand(sonst kommt noch die Sache in Betracht) der Aussage in dem Satze. Der Löwe ist der Satzgegenstand (das Subjekt). Der Werfrage entsprechend muss das Subjekt in dem Werfall, dem Nomi- nativ, stehen. Das Subjekt ist ein Dingwort(Substantiv). Das Prädikat besteht aus einem Substantiv, das durch das Wort„ist“ auf das Subjekt bezogen wird; man nennt des- wegen„ist“ und die Formen von„sein“ überhaupt Beziehungswort oder Kopula. Das Prädikat setzt sich also hier aus zwei Teilen zusammen, aus der Kopula und dem Sub- stantiv; das Prädikat heisst„ist ein Tier“. Ein anderes Sätzchen! Der Löwe ist mutig. Wie heisst der Satzgegenstand? der Löwe. Die Satzaussage lautet: ist mutig. Was ist mutig? Ein Eigenschaftswort(Adjektiv). Woraus setzt sich also hier die Satzaussage zusammen? Aus der Kopula(dem Beziehungswort)„ist“ und dem Adjektiv„mutig“. Während man in dem oben angeführten Satze fragte: Was ist der Löwe? fragt man hier wie beschaffen ist der Löwe? oder deutlicher: Welche Eigenschaft besitzt der Löwe? Was gibt demnach hier die Satzaussage an? Eine Eigenschaft, die dem Satzgegenstand zukommt. Ist das Prädikat ein Adjektiv mit der Kopula, so gibt es eine Eigenschaft an, die dem Subjekte zukommt. ¹) Der Vollständigkeit halber seien sie hier erwähnt; ob sie in VI zu besprechen sind, hängt vom Stoff ab. ²) Damit, dass die Satzlehre erst hier ihren Platz findet, soll durchaus nicht gesagt werden, sie solle erst nach Vollendung der Wortlehre durchgenommen werden. Nun bilden wir— auch wenn die entsprechende grammatische Erscheinung im Lateinischen erst, später folgt— folgenden Satz:„der Löwe brüllt“ oder„die Krone glänzt“ u. s. w. Wie heisst hier das Prädikat? Es lautet: brüllt. Wie fragen wir nach dem Prädikat? Nicht mit: Was ist der Löwe? auch nicht mit: Wie ist der Löwe? sondern mit der Frage: Was thut der Löwe? Was ist also brüllen? ein Thätigkeitswort. Das Prädikat ist hier ein Thätigkeits- oder Zeitwort(ein Verbum). Das Ergebnis ist von dem Satzgegenstand kann man dreierlei aussagen: 1) was er ist, d. h. zu welcher Gattung er gehört; 2) wie er ist, d. h. welche Eigenschaft er besitzt; 3) was er thut, d. h. welche Thätigkeit er übt(später auch: welche Thätigkeit er erleidet). Das Prädikat besteht im ersten Falle aus einem Substantiv mit der Kopula. Das Substantiv(Prädikatsnomen) richtet sich im Numerus und wenn möglich im Genus nach dem Subjekt. Die Geschichte ist eine Lehrerin der Menschheit. Die Schmerzen sind Freunde des Menschen; im zweiten Falle aus einem Adjektiv mit der Kopula. Das deutsche prädikative Adjektiv richtet sich nicht nach dem Subjekt, es ist unveränderlich; im dritten Falle aus einem Verbum. Das Verbum richtet sich in der Person und im Numerus nach seinem Subjekt. Das Subjekt ist in allen angeführten Beispielen ein Substantiv; an einzelnen Beispielen mag, wenn die Pronomina bereits geübt sind, gezeigt werden, dass das Subst. auch durch ein substantivisches Pronomen vertreten werden kann. Einen Satz, der nur aus Subjekt und Prädikat besteht, heisst einfacher nackter Satz. Die Satzarten. Auch sie sind in elementarster Form bereits in VI zu bringen; dazu veranlassen die Wunsch-, Befehls- und Fragesätze, die zur Einübung des lateinischen Konjunktivs und Im- perativs, beziehungsweise der Frage-pronomina und-adverbia unerlässlich sind. In jedem Satze wird von dem Subj. etwas ausgesagt, nämlich, dass es, wie oben ausgeführt wurde, zu einer Gattung gehört, eine Eigenschaft besitzt, etwas thut(oder leidet) oder auch, dass es nicht zu einer Gattung gehört oder nicht eine genannte Eigenschaft besitzt u. s. w. Demgemäss unter- scheidet man bejahende und verneinende, oder affirmative und negative Sätze. Die Aussage selbst kann behauptend, fragend, befehlend und wünschend ausgedrückt werden. Deshalb unterscheidet man vier Arten von Sätzen: 1) Behauptungs- oder Urteilssätze: Hannibal hat den Eid geleistet— so behauptet derjenige, der den Satz bildet, ich etwa oder ein Schriftsteller. 2. Fragesätze: Hat Hannibal den Eid geleistet? Ich, der ich den Satz bilde, kleide die Aussage inbetreff des Subjektes Hannibal in die Form einer Frage. 3. Seid fleissig, ihr Knaben! Ich, der ich den Satz bilde, kleide meine Aussage in- betreff des Subjektes des Satzes in die Form eines Befehles. 4. Lang lebe der Kaiser! Ich, der ich den Satz bilde, kleide die Aussage inbetreff des Subjektes des Satzes in die Form eines Wunsches. Interpunktionsregeln. 1. Der Punkt. Am Ende eines einfachen, sowie am Schlusse eines durch Nebensätze er- weiterten Urteilssatzes steht ein Punkt. Themistokles schickte den treusten Sklaven, den er hatte. 2. Das Fragezeichen. Es steht am Ende einer direkten Frage, auch wenn sie nur einen Teil eines grösseren Satzgefüges(etwa das Subjekt oder Objekt) bildet.„Wollt ihr die Brücke nicht abbrechen?“ fragte Miltiades. Die Frage bildet hier das Obj. des Prädikates„fragte“. 3. Das Ausrufezeichen. Es steht nach einem Begehrungssatz(Wunsch, Aufforderung, Gebot), auch wenn der Aufforderungssatz nur einen Teil eines grösseren Satzgefüges bildet. „Eile zu Xerxes!“ befahl Themistokles dem Sklaven. Die Aufforderung bildet das Objekt des Prädikates„befahl“. —-— 14— Zusatz zu 2 und 3. Steht das Frage- oder Ausrufezeichen innerhalb eines Satzgefüges, so wird das folgende Wort nur dann gross geschrieben, wenn solches an sich notwendig ist. 4. Die Anrede wird durch Kommata eingeschlossen. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Quinta. In Sexta hatte die grammatische Unterweisung im allgemeinen die Wortlehre zum Gegenstand.„In Quinta, sagt Dettweiler, lat. Unterricht S. 83, geht man überall von dem aus Sexta bekannten Regelmässigen aus, befestigt die Kenntnis desselben und knüpft daran das Unregelmässige“. Demgemäss gehören in das lateinische Pensum der Quinta die Besonder- heiten der Deklination, der Steigcrung von Adjektiven, der Zahlwörter und Pronomina, die Unregelmässigkeiten der Konjugationen, schliesslich der Accus. cum inf. und die Participial- konstruktionen. Während die beiden letztgenannten Kapitel auf die Lehre vom zusammen- gesetzten Satz hinweisen, dürfte zu Beginn des Schuljahres eine Wiederholung der in VI er- lernten Wortlehre am Platze sein. Hieran hat sich dann zu schliessen: A. Eine Erweiterung der Wortlehre. Die Deklination von lateinischen Eigennamen wie Aeneas, Anchises u. s. w., sowie der Gebrauch von Fremdwörtern wie Objekt, Pronomen verlangt ein Eingehen auf die Deklination der Eigennamen und Fremdwörter. Die Regeln über die Deklination der Eigennamen setzten aber als bekannt voraus die Einteilung der Subst.; daher ist mit dieser zu beginnen. I. Einteilung der Substantiva. Es gibt 2 Hauptarten von Subst. 1. Gegenstands- oder Wesennamen(substantiva concreta) für selbständige Dinge, die sinnlich wahrnehmbar sind: Gott, Mensch, Tier, Auge. 2. Begriffsnamen(subst. abstracta) Namen für Eigenschaften, Thätigkeiten, Handlungen und Zustände, die gleichsam von den Dingen abgezogen sind und Dinge für sich darstellen: Liebe, Hass, Wahrhaftigkeit, Hoffnung. Die Konkreta zerfallen in: 1) Eigennamen(Nomina propria) Theodor, Mainz, Hessen, Rhein; hierher gehören alle Vor- und Familiennamen der Personen, die Namen der Weltteile, Länder, Völker, Flüsse, Berge, Städte und Dörfer. 2) Gattungs- oder Gemeinnamen(nom. appellativa), die eine Gattung von Dingen be- zeichnen: Menschen, Esel, Waffen, Fluss. 3) Sammelnamen(nom. collectiva), welche eine Menge gleichartiger Dinge als Ganzes bezeichnen: Heer, Volk, Flotte, Bürgerschaft. 4) Stoffnamen(nom. materialia), die beim Teilen ihr Wesen behalten: Wasser, Milch, Wolle, Quecksilber. II. Die Deklination der Eigennamen und Fremdwörter:). a) Die Eigennamen. 1. Als Regel inbetreff der Eigennamen ergibt sich, dass diejenigen, welche regelmässig mit dem bestimmten Artikel verbunden werden, ebenso wie die übrigen Substantiva zu dekli- nieren sind. Der Rhein, des Rheines, dem Rheine, den Rhein. Der Brocken, des Brockens etc. Hierzu gehören die Namen der Berge, Flüsse, Seen und Wälder. ¹) Namentlich der Geographieunterricht wird oft Gelegenheit geben, falsche Formen von Eigennamen und Fremdwörtern richtig zu stellen. Wie oft hört und liest man(auch gedruckt): Die Nebenflüsse des Main! — 15— 2. Die Personennamen, Ortsnamen, sowie diejenigen neutralen Ländernamen, die ge- wöhnlich ohne Artikel stehen, nehmen in der Regel im Genetiv ein s an, in allen übrigen Kasus bleiben sie ohne Endung: Karl, Karls, Karl, Karl. Die Mauern Bensheims sind zum Teil noch erhalten. Die Provinzen Hessens sind von sehr verschiedener Einwohnerzahl. 3. Die männlichen Eigennamen auf s, ss, x und z und die weiblichen auf e nehmen im Genet. Sing. die Endung„ens“ an, bleiben aber in den übrigen Kasus unverändert. Das Zeugnis Franzens, Maxens; die Gedichte Horazens. 4. Ein Genetiv auf„ens“ kann bei fremden, ausserdeutschen Eigennamen nicht ge- bildet werden, wenn das s am Schluss zu der Endung des betreffenden Eigennamens gehört; man umschreibt dann den Genetiv mit der Präposition„von“ oder setzt vor den Eigennamen den Artikel. Nicht: Der Sieg Arminius, auch nicht Arminius' Sieg, sondern der Sieg des- Arminius, die Reden von Demosthenes. 3 5. Ortsnamen und neutrale Ländernamen auf s, ss, x oder z umschreiben den Genetiv mit der Präposition„von“. Die Rheinanlagen von Koblenz, die Zerstörung von Worms. 6. Eigennamen werden nicht dekliniert, wenn der bestimmte oder unbestimmte Artikel mit oder ohme Titel davorsteht. Die Gedichte des Heine. Die Regierung des Kaisers Friedrich währte 100 Tage. Die Thaten eines Friedrich des Grossen. Steht der bestimmte oder un- bestimmte Artikel nicht vor dem Eigennamen, so nimmt dieser im Genetiv ein s an; ein vor dem Eigennamen befindlicher Titel bleibt in diesem Fall undekliniert. Die Regierung Friedrichs des Grossen, das Leben Kaiser Wilhelms. b) Die Fremdwörter. Sie werden, wenn sie ihre Endungen abgelegt haben, dekliniert wie die deutschen Substantiva: das Objekt, des Objekts, dem Objekte, das Objekt. Besitzen die Fremdwörter ihre Endung im Nominativ Singularis, so behalten sie diese im ganzen Singular; im Genetiv Singularis wird, wenn die Endung nicht schon auf s ausgeht(wie bei: Kasus), ein s angefügt. Der Plural hat dann die Endungen des fremdsprachlichen Nominativs Pluralis in allen Kasus. Das Adjektivum, des Adjektivums, dem Adjektivum, das Adjektivum. Plural: Die Adjektiva (natürlich auch die Adjektive, ebenso wie das Adjektiv) durch alle Kasus. Uber Pluralbildung auf e oder en, z. B. die Objekte oder die Individuen oder durch den Umlaut wie Choral, Choräle sind keine besonderen Regeln aufzustellen; hier ist gute Gewöhnung die beste Lehr- meisterin. Darauf kann jedoch hingewiesen werden, dass die Fremdwörter im allgemeinen im Deutschen dasselbe Geschlecht wie in der Fremdsprache haben; die Ausnahmen wie„das Konsulat“ ergeben sich von selbst. III. Die Deklination der Adjektiva. 1. Das attributive Adjektiva. Da wir im Deutschen nur zwei Dekl. haben, so müssen die Adj. nach diesen gehen. Nun mag ein Adj. mit einem Substantiv, dem der bestimmte Artikel vorangeht, z. B. das alte Brot, der gute Wein, die frische Milch ¹) abgewandelt werden. Die Schüler finden, namentlich wenn schwach deklinierte Substantiva des betreffenden Geschlechtes daneben ge- stellt werden, dass diese Adjektiva schwach dekliniert sind. Die für die schwach deklinierten Substantiva geltende Regel, dass alle Formen mit Ausnahme des Nom. Singul. auf en aus- gehen, wird hier umgeändert in: mit Ausnahme des Nom. und Akkus. Sing. Nun werden dieselben Subst. ohne Artikel dekliniert, damit jedoch die Gefahr falscher Formbildung aus- ¹) Es empfehlen sich hierfür die Stoffnamen, weil nur von diesen Formen ohne Artikel, z. B.„gutes Wasser“ vorkommen; Formen wie„tapferer Soldat“ u. s. w. finden sich nicht. — 16— geschlossen ist, nicht allein, sondern als Bestandteile von Sätzen, z. B. guter Wein ist will- kommen; die Farbe guten Weines ist goldgelb; gutem Weine ist ein lieblicher Geruch eigen; guten Wein trinken wir gern; ebenso werden für den Plural die Endungen attributiver Adj., denen der bestimmte Artikel vorausgeht, festgestellt. Dann werden dieselben Subst. mit dem unbest. Artikel versehen; also: ein guter Wein ist willkommen u. s. w. Die Schüler werden bald die Fälle erfassen, in denen ein Adjektiv stark dekliniert wird, d. h. die Endungbuch- staben des bestimmten Artikels(mit Ausn. d. Genet. Sing. des Mascul. und Neutr.) annimmt. Zum Schlusse wird die Regel diktiert und auswendig gelernt: Ein Adjektiv wird stark dekli- niert, wenn ihm weder der bestimmte Artikel noch der unbestimmte Artikel oder ein unbe- stimmtes Zahlwort oder ein Fürwort mit den Endungen des bestimmten Artikels vorangeht. Ein zweites, drittes u. s. w. Adjektiv, das vor einem Substantiv steht, wird geradeso be- handelt wie das erste: die gute, verständige Mutter; die armen, alten Leute. Entsprechend der Regel über die Deklination des Adj. muss man sagen: viele tapferen Soldaten; es ist jedoch auch gestattet zu sagen: viele tapfere Soldaten. Als Gesetz ergibt sich: Nach den unbestimmten Zahlwörtern: alle, wenige, viele, manche, mehrere, etliche, einige, solche ist die starke und schwache Form des attributiven Adjektivs zulässig. 2. Das substantivierte Adjektiv. Für die substantivierten Adjektiva gelten die allgemeinen Regeln über die Deklination der Adjektiva: der Verstorbene, ein Verstorbener. Die Regel oben lautet: Ein zweites, drittes Adj., das vor einem Subst. steht, wird gerade so behandelt wie das erste attributive Adj.; sie trifft auch hier zu: Folgt einem attributiven Adj. ein substantiviertes, so nimmt letzteres die- selben Endungen an wie ersteres. z. B. der geheimnisvolle fremde Mann, dementsprechend: der geheimnisvolle Fremde; ein geheimnisvoller, fremder Mann, dementsprechend: ein geheimnis- voller Fremder. Das edle äussere Verhalten, dementsprechend: das edle Kussere; ein edles, äusseres Verhalten, dementsprechend ein edles Kusseres. Nach den oben angegebenen Aus- führungen kann man sagen: alle deutschen Männer und alle deutsche Männer; genau so ist statthaft alle Deutsche und alle Deutschen, dagegen lautet der Genetiv nur: aller Deutschen und der Dativ nur allen Deutschen. Nach den Regeln, die für die substantivierten Adjektiva gelten, werden auch die von dem zweiten Particip abgeleiteten Subst. Gesandte, Gelehrte, Bekannte, Beamte behandelt; ein Gesandter, der Gesandte. B. Satzlehre. a) Der einfache erweiterte Satz. 1. Das Objekt. Mit einem Satze wie:„der Schüler liebt“ oder„der Weise übt“ sind wir nicht zufrieden; vielmehr werden wir fragen: Wen oder was liebt er? Wen oder was übt er? Erst wenn der Satz etwa lautet:„Der Schüler liebt die Lehrer“ oder„der Weise übt, die Tugend“ geben wir uns zufrieden. Es bildet demnach der Ausdruck„die Lehrer“,„die Tugend“ eine notwendige, unentbehrliche Ergänzung zu dem Prädikat, wenn dies wie hier— es ist dies an zahlreichen Beispielen zu erweisen— ein Verbum ist. Die notwendige unent- behrliche Ergänzung zu dem Verbum nennt man Objekt. Wie fragt man von dem Verbum „liebt“ aus nach dem Ausdruck„die Lehrer“? Auf die Wenfrage steht der Wenfall, d. h. der Akkusativ. Das Objekt steht— so lautet die erste Beobachtung— im Akkusativ. Durch Sätze wie:„Der Knabe gehorcht den Eltern“ wird gezeigt, dass das Objekt auch im Dativ stehen kann. Der Vollständigkeit halber mag auch erwähnt werden, dass manche Verba ihr Objekt im Genetiv bei sich haben; z. B.: Der Knabe gedenkt seiner verstorbenen Eltern. 17— Die Verba„geben, schenken“ u. s. w. leiteten zu der Beobachtung hin, dass manche Verba zwei Objekte bei sich haben, ein Personenobjekt und ein Sachobjekt; ersteres steht im Dativ und heisst das entferntere, letzteres steht im Akkusativ und heisst das nähere Objekt. 2. Das Attribut. Da auch von vornherein Sätze mit Attributen den Schülern be- gegnen, so ist auch dieser Satzteil möglichst bald in den Kreis der Betrachtung zu ziehen. Ausgangspunkt ist der einfache nackte Satz; z. B.: Der Löwe brüllt. Wenn wir diesen Satz erweitern und sagen:„Der kranke Löwe brüllt“, so enthält er ausser Subjekt und Prädikat noch etwas, nämlich das Adjektiv„krank“. Wie fragen wir nach diesem von dem ganzen Satze aus? Was für ein Löwe brüllt? Durch das Adjektiv wird also„der Löwe“, der die Thätigkeit„brüllen“ ausübt, näher bestimmt; man nennt ein solches Adj., das ein Subst. näher bestimmt, nähere Bestimmung oder Attribut. Nehmen wir einen anderen Satz, z. B.: Die Scharen der Perser wurden besiegt. Er enthält ausser Subjekt und Prädikat noch den Genetiv„der Perser“. Man fragt nach diesem Genetiv von dem ganzen Satze aus mit der Frage: Was für Scharen wurden besiegt? Mit dem Genetiv„der Perser“ werden„die Scharen“ näher bestimmt im Unterschied von den Scharen überhaupt oder etwa von denen der Griechen. Es ist also der Genetiv„der Perser“ eine nähere Bestimmung oder ein Attribut. Von dem Attribut des vor- hergehenden Satzes unterscheidet es sich dadurch, dass es ein Substantiv im Genetiv ist. Anmerkung: Die Apposition, eine besondere Art des Attributes. Bilden wir eine dritte Art von Sätzen: Xerxes, der Perserkönig, wurde besiegt. Nach dem Ausdruck „der Perserkönig“ fragen wir von dem ganzen Satze aus mit der Frage: Was für ein Xerxes wurde besiegt? Aus dieser Frage geht— entsprechend den früheren Fällen— hervor, dass durch den Ausdruck„der Perserkönig“ Xerxes näher bestimmt, von anderen Personen gleichen Namens unterschieden wird; also ist der Ausdruck der Perserkönig ein Attribut. Durch Variation des Satzes ergibt sich, dass diese Art des Attributes von dem attributiven Genetiv verschieden ist, indem es stets in gleichem Kasus— wenn möglich auch in gleichem Numerus und Genus— mit seinem Substantiv steht. Eine nähere Bestimmung eines Substantivs durch ein anderes Substantiv in gleichem Kasus heisst Apposition; sie geht Wem Substantiv ent- weder voraus oder folgt ihm nach. Das Ergebnis inbetreff der Attribute wird lauten: Jeder Satzteil, der aus einem Sub- stantiv oder dessen Stellvertreter(z. B. Pronomen) besteht, kann durch Attribute näher be- stimmt werden; diese sind entweder Substantive im Genetiv oder Subst., die in gleichem Kasus wie ihre regierenden Subst. stehen(Appos.), oder Adjektiva, die sich im Genus, Numerus und Kasus nach ihren Substantiven richten. Interpunktionsregel. Die einem Subst. nachfolgende Apposition wird in Kommata eingeschlossen; z. B. Themistokles, der berühmte Staatsmann, musste aus Athen fliehen. Diese Regel findet keine Anwendung bei einem Eigennamen, dem ein einfacher oder ein durch ein Attribut erweiterter Titel, Stand, Beinamen, Verwandtschaftsgrad vorausgeht oder dem der nicht durch ein Attribut erweiterte Titel u. s. w. nachfolgt; z. B.: Fürst Bismarck; der greise Fürst Bismarck. Johannes der Täufer; aber: Johannes, der Täufer Christi. 3. Das Adverbium. Das Objekt bildet, wie wir gesehen haben, die unentbehrliche, notwendige Ergänzung zu dem Thätigkeitswort. z. B. Mit dem Satze:„Themistokles besiegte“ geben wir uns nicht zufrieden; wir fragen wen oder was? Erst wenn das Objekt„die Perser“ hinzugefügt wird, ist uns Genüge geleistet. Der Satz soll nun heissen:„Themistokles besiegte einst die Perser“; es dies ein einfacher erweiterter Satz; denn er enthält ausser Subjekt und Prädikat zunächst noch das Objekt„die Perser“. Damit sind aber noch nicht alle Teile des 3 — 18— Satzes angegeben; vielmehr findet sich in ihm noch das Wörtchen„einst“. Es ist dies eine entbehrliche Ergänzung des Satzes, da dieser auch ohne derartigen Zusatz einen Sinn gibt. Man fragt von dem ganzen Satze aus nach dem Wörtchen„einst“ mit der Frage: Wann besiegte Themistokles die Perser? Mit wann fragt man, wie Beispiele aus dem alltäglichen Leben lehren, nach der Zeit; also hätten wir auch fragen können: Zu welcher Zeit besiegte Themi- stokles die Perser? Was wird durch„einst“ näher bestimmt? Die Thätigkeit des Besiegens oder das Thätigkeitswort, das Verbum. Deswegen heisst diese entbehrliche nähere Bestimmung des Verbums lateinisch Adverbium, d. h. zum Verbum gehörig. Deutsch heisst sie, weil sie einen nicht unbedingt notwendigen Umstand angibt(man erinnere an umständlich erzählen, Umstandskrämer) Umstandswort. Dass die Adverbia undeklinierbar sind, ist bereits fest- gestellt worden, ebenso die Thatsache, dass Adverbia auch dazu dienen, Adjektive und Ad- verbien näher zu bestimmen. z. B. Wir bemitleiden einen stets traurigen Knaben; hier wird durch das Adverbium„stets“ eine ganz bestimmte Art von traurigen Knaben bezeichnet. Oder: Ein recht aufmerksamer Knabe erringt Erfolge. Hier wird der recht aufmerksame Knabe von dem aufmerksamen Knaben geschieden. 4. Das Adverbiale. Noch fehlt ein Satzteil des einfachen, erweiterten Satzes, der überaus häufig vorkommt und dessen Behandlung im Anschluss an das Adverbium keine Schwierigkeit macht; es ist das Adverbiale. Oben lautete der Satz: Themistokles besiegte einst die Perser;„einst“ ist ein Adverbium, eine nähere entbehrliche Ergänzung. Der Satz soll jetzt heissen: Themistokles besiegte im fünften Jahrhundert(v. Chr.) die Perser. Man fragt nach dem Ausdruck„im fünften Jahrhundert“ gerade so wie nach„einst“ mit der Frage: wann? oder genauer: zu welcher Zeit? Ausserdem fragt man nach ihm auch von dem Verbum aus; also auch dieser Ausdruck bildet eine nähere, entbehrliche Bestimmung des Verbums. In seinem Wesen ist er jedoch von dem Adverbium verschieden. Dies besteht aus der flexionslosen Form des Adjektivs, der in Frage stehende Ausdruck jedoch besteht aus einem Substantiv und einer Praeposition(Verhältniswort). Eben dieser Verschiedenheit wegen nennt man eine solche nähere, entbehrliche Bestimmung des Verbums, die sich aus Substantiv und Praeposition zusammensetzt ¹), nicht Umstandswort, sondern Umstand, lateinisch nicht Ad- verbium, sondern Adverbiale, d. h. ein Ausdruck, der seiner Bedeutung nach dem Adverbium gleichkommt. Entsprechend der Einteilung der Averbia in solche des Orts, der Zeit, der Art und Weise und des Grundes unterscheidet man auch vier Gruppen der Adverbiala. Der einfache nackte Satz— so lautet das Ergebnis— setzt sich aus Subjekt und Prädikat zusammen; der einfache erweiterte Satz kann ausser Subjekt und Prädikat ent- halten: 1) Attribut, 2) Objekt, 3) Adverbium oder Adverbiale. Es gibt also fünf Satzteile: Subjekt, Prädikat, Objekt, Attribut und Adverbiale bezw. Adverbium. b) Mehrgliedrige Satzteile. Der einfache nackte Satz besteht aus Subjekt und Prädikat; der einfache erweiterte Satz enthält ebenso meist nur ein Subjekt und ein Prädikat und ausserdem etwa ein Objekt, ein Adverbium oder Adverbiale; auch von den Satzteilen Subjekt, Objekt, Adverbiale ist ge- wöhnlich keiner durch mehr als ein Attribut näher bestimmt, z. B. Miltiades besiegte in der weiten Ebene von Marathon die siegesgewissen Perser. Nehmen wir nun den Satz:„Miltiades und die neun anderen Feldherrn der Athener besiegten in der Ebene von Marathon die an Zahl überlegenen, siegesgewissen Perser“, so haben wir zunächst 2 Subjekte Miltiades und ¹) Dass Adverbialbestimmungen auch durch den adverbialen Genetiv und Akkusativ gegeben werden, bleibt in VI unerörtert. — 19— die neun anderen Feldherrn, sodann bei dem Objekt 2 Attribute. Hier besteht— so sagt man— das Subjekt und ebenso das zum Objekt gehörige Attribut aus 2 Gliedern; das Subj. und das Attribut des Objektes ist zweigliedrig. In dem Satze„Aristides wurde geliebt, aber auch gehasst“ ist das Prädikat zweigliedrig. Der Satz„Miltiades, Aristides und Themistokles haben sich um Athen verdient gemacht“ enthält ein dreigliedriges Subjekt. Das Ergebnis ist: in einem Satze kann jeder Satzteil mehrgliedrig sein. Was die Verbindung angeht, so können die Glieder eines Satzteiles 1. unverbunden neben einander stehen. Die an Zahl überlegenen, siegesgewissen Perser wurden besiegt. 2. Durch Konjunktionen mit einander verbunden werden und zwar: a) Durch anreihende(kopulative): und, nicht nur— sondern auch, weder— noch, und ebensowenig. Nicht nur Miltiades, sondern auch Themistokles hat sich um Athen verdient gemacht. Weder— noch verbindet zwei Teile in einem Satz, dessen Prädikat verneint ist. Miltiades und Themistokles ernteten keinen Dank. Dafür: Miltiades und ebensowenig Themistokles erntete Dank. Weder Miltiades noch Themistokles erntete Dank. b) Durch einteilende(partitive): teils— teils, bald— bald, einerseits— andererseits. Einerseits rettete Miltiades, andererseits Themistokles Griechenland vor der Herrschaft der Perser. c) Durch ausschliessende(disjunktive): oder, entweder— oder. Entweder rücken wir dem Feind entgegen oder verteidigen uns in der Stadt. Wir rücken entgegen oder bleiben. d) Durch entgegensetzende(adversative): aber, allein, doch, jedoch, sondern(letzteres nur nach vorausgegangener Negation). Die kleine, aber mutige Schar der Athener trug den Sieg davon. e) Durch einräumende(konzessive):(zwar—) aber,(zwar—) freilich aber,(zwar—) allerdings aber,(zwar—) gleichwohl aber,(zwar—) nichtsdestoweniger aber. Miltiades wollte den Darius auf eine zwar grausame, ihm aber erlaubte Weise aus dem Wege schaffen. Hieran schliessen sich folgende Interpunktionsregeln: 1. Sind mehrgliedrige Satzteile durch kopulative(abgesehen von„nicht nur— sondern auch“) oder disjunktive Konjunktionen mit einander verbunden, so wird zwischen ihnen kein Interpunktionszeichen gesetzt. Zwei durch partitive, adversative oder konzessive Konjunktionen verbundene oder unverbunden neben einander stehende Satzteile werden durch Kommata getrennt. 2. Zwei vor einem Substantiv stehende Adjektiva oder Participia werden nicht durch Kommata getrennt, wenn das zweite der beiden Adjektiva gleichsam mit dem Substantiv nur einen Begriff ausmacht; z. B.: Die edlen alten Griechen schätzten die Tugend. Dem steht gegenüber: Die leichtfertigen alten Griechen schätzten die Tugend nicht. In beiden Sätzen bildet der Ausdruck„Die alten Griechen“ einen Begriff. Anders ist es, wenn man sagt: Der fleissige, aufmerksame Knabe; hier macht das zweite Adj. keineswegs mit dem Subst. einen Begriff aus; in allen Fällen dieser Art lässt sich, ohne dass der Sinn geändert wird, ein„und“ einschieben; also: Der fleissige und aufmerksame Knabe. 3. Das Komma steht nach Satzteilen, die des Nachdrucks wegen vor oder hinter den Satz gestellt werden, zu dem sie gehören, und in dem betreffenden Satz durch ein Pronomen vertreten werden. Ephialtes, er selbst erbot sich zum Verrate. Er handelte so, dieser nichts- würdige Mensch. 1 c) Der Nebensatz(Grundbegriffe). Wir gehen von folgendem Satze aus:„Hannibal hielt das Versprechen“; es werden die Satzteile festgestellt; dabei ergibt sich, dass wir einen einfachen erweiterten Satz vor uns 3* — 20— haben. Jetzt wollen wir das Versprechen näher bestimmen; dann lautet etwa der Satz: Hannibal hielt das Versprechen, das er dem Vater gegeben hatte. Von dem zuerst vorhandenen Satze aus fragt man nach dieser näheren Bestimmung mit der Frage: was für ein Versprechen hielt Hannibal? Wir erinnern uns, dass wir auch nach dem Attribut mit„was für ein“ fragten. Aber ein Attribut haben wir hier nicht vor uns; denn ein solches besteht entweder in einem Adjektiv oder in einem Substantiv im Genetiv. Bei aufmerksamer Betrachtung ergibt sich, dass diese nähere Bestimmung ausser einem näheren und entfernteren Objekt vor allem Sub- jekt und Prädikat enthält. Subjekt und Prädikat sind die untrüglichen Kennzeichen eines Satzes. Also ist hier die nähere Bestimmung in der Form eines Satzes gegeben. Dieser Satz ist jedoch nicht selbständig; denn er gibt in der ihm gegebenen Form für sich allein keinen befriedigenden Sinn. Ausserdem fragt man nach ihm von dem ursprünglich gegebenen Satze aus: Was für ein Versprechen hielt Hannibal? Umgekehrt kann man nicht von dem Neben- satz aus nach dem Hauptsatze fragen. Beide Sätze stehen demnach nicht gleichberechtigt neben einander, sondern der eine ist dem anderen übergeordnet, der eine ist von dem anderen abhängig. Den Satz, von dem aus man nach einem anderen Satze fragt, heisst Hauptsatz; der Satz aber, nach dem man von einem anderen fragt, heisst Nebensatz. Nehmen wir noch einen zweiten Satz! Hannibal leistete einen Eid. Es ist dies ein einfacher erweiterter Satz. Wir wollen ihn durch folgende nähere Bestimmung erweitern: als er mit seinem Vater nach Spanien zog. Diese nähere Bestimmung enthält Subjekt und Prädikat, ist also ein Satz. Da man nach ihm von dem anderen Satz aus fragt, so ist es ein Nebensatz. Als Kennzeichen des Nebensatzes ergibt sich dann 1) nach dem Nebensatze fragt man von einem anderen Satze aus; infolgedessen befriedigt uns der Nebensatz für sich allein nicht; 2) in dem Neben- satze steht das konjugierte Verbum am Ende; 3) was die Stellung angeht, so kann der Neben- satz vor oder nach dem Hauptsatze oder auch zwischen den einzelnen Teilen des Haupt- satzes stehen. Es wird weiter festgestellt: die Nebensätze beginnen entweder 1) mit Relativpronomina oder-adverbia oder 2) mit Interrogativpronomina oder-adverbia(hierbei wird man sich auf die Vorführung solcher Nebensätze beschränken, die von dem Verbum„fragen“ selbst ab- hängig sind) oder 3) mit Konjunktionen. Demgemäss zerfallen die Nebensätze ihrem An- fange nach in 3 Gruppen, in 1) relativische Nebensätze; 2) interrogative Nebensätze oder (abhängige, indirekte) Fragesätze; kommt letztere Benennung in Anwendung, so ist durch Verwandlung der abhängigen Fragesätze in unabhängige und umgekehrt die Bezeichnung zu erläutern; 3) konjunktionale Nebensätze. Interpunktionsregel: der Nebensatz wird von dem Hauptsatz durch ein, bezw. zwei Kommata abgetrennt. Quarta. Entsprechend dem lateinischen Pensum der IV wird in dieser Klasse auf die Bedeu- tung eingegangen, welche die absoluten und präpositionalen Kasus im Deutschen haben. Die lateinische Kasuslehre erfordert es, dass vielfach Erscheinungen, welche in der deutschen Sprache zusammengehören, getrennt werden. Demgegenüber hat der deutsche Unterricht die Verpflichtung, das Zerstreute zu sammeln und wenigstens hin und wieder die Bedeutung der deutschen Kasus geschlossen vorzuführen. Eine zweite Aufgabe des deutschen Unterrichts in IV ist es, die Lehre vom zusammengesetzten Satz insoweit zum Abschluss zu bringen, dass für die lateinische Satzlehre, wie sie das Pensum der Tertia bildet, genügend Anknüpfungs- punkte vorhanden sind. — 21— A. Die Kasuslehre. I. Der Objekts-Akkusativ und der Prädikats-Akkusativ. 1. Der Objektsakkusativ. Entweder erstreckt sich die Thätigkeit des Subjektes auf das Objekt— z. B.„Wir lieben den gerechten Mann“, die Thätigkeit„lieben“ des Sub- jektes„wir“ erstreckt sich auf das Objekt„Mann“— oder das Subjekt erzeugt vermittelst der Thätigkeit das Objekt. Gott hat die Welt erschaffen. Das Subjekt„Gott“ hat vermittelst der Thätigkeit„erschaffen“ das Objekt„Welt“ hervorgebracht. Beide Gruppen von Verben führen zusammen den Namen Verba transitiva. Das Objekt haben im Akkusativ bei sich a) eine grosse Anzahl einfacher Verba transitiva z. B. fürchten, machen, treiben etc. b) Die mit den Vorsilben be, er, ent, ver und zer gebildeten zusammengesetzten Transitiva z. B. befürchten, vermachen, betreiben. Es ist ein Kennzeichen der Verba transitiva, dass bei passivischen Konstruktionen das Akkusativobjekt Subjekt wird: Themistokles überlistete den Xerxes. Xerxes wurde von Themistokles überlistet. Nicht immer haben die Verba transitiva Objekte bei sich; man sagt dann: sie sind absolut gebraucht: z. B. der Edle gibt gern. c) Die Verba reflexiva; das Objekt bildet dann das betreffende Reflexivpronomen. Themistokles freute sich, die Perser zur Schlacht bestimmt zu haben. d) Die Verba impersonalia des körperlichen und geistigen Empfindens. Es reute den Prusius sein Versprechen. Bei derartigen Verben gibt der Akkusativ die Person an, welche die Empfindung hat. e) Einen doppelten Objekts- akkusativ nimmt das Verbum„lehren“ zu sich, z. B. Dionysius aus Theben lehrte den Epaminondes das Zitherspiel. 2. Der Prädikatsakkusativ. Es gibt eine Reihe von Verben, bei denen das gewöhn- liche Akkusativobjekt als nähere Bestimmung nicht genügt. z. B. mit dem Satz:„Wir nennen den Dichter“ ist niemand zufrieden, sondern jedermann fragt: Wie oder richtiger Wen oder was nennen wir den Dichter? Antwort: einen Liebling der Musen. Verwandeln wir diesen Satz ins Passiv, so lautet er:„Der Dichter wird von uns genannt“; auch hier fragen wir: wie? oder: wer oder was? ein Liebling der Musen. Einzelne Verba müssen, wenn sie als Prädikate befriedigenden Sinn geben sollen, abgesehen von dem Objekte, noch nähere Bestimmungen im Akkusativ(auch mit Präpositionen, wie unten gezeigt wird) bei sich haben. In dem ange- führten Satze heisst das Prädikat:„einen Liebling nennen“; es setzt sich aus dem Prädikats- verbum und der enge zu diesem gehörigen näheren Bestimmung zusammen, die daher Praedi- kativum oder bei einem aktiven Verbum Prädikatsakkusativ, bei einem passiven Prädikats- nominativ heisst. Einen Prädikatsakkusativ verlangen folgende Verba: nennen, heissen, schelten und schimpfen. Bei manchen Verben, bei denen ebenfalls der Objektsakkusativ nicht genügt, steht vor dem Prädikatsakkusativ die Partikel„als“, so bei den Verben: ehren, ansehen, betrachten, darstellen, beschreiben, schildern, bezeichnen, kennen, auslegen; z. B. Corn. Nepos schildert den Epominondas als einen durchaus ehrlichen Mann. Auch im Passiv bleibt dies „als“ stehen. Bei einer Reihe der angeführten Verba kann der Prädikatsakkusativ durch ein unflektiertes Adjektiv sowohl mit, als auch ohne„als“ vertreten werden. Epaminondes fand den Tod in der Schlacht begehrenswert(erachtete ihn als begehrenswert). Vor den Prädikats- akkusativ tritt bei den Verben: halten, achten, erklären, machen, wählen, ernennen die Prä- position„für“ bezw.„zu“; deswegen ist in dem Satz:„Themistokles wurde zum Archon gewühlt“;„zum Archon“ aber doch Praedikativum. II. Das Genetivobjekt und der attributive Genetiv. Der Genetiv kann 1) von einem Substantiv abhängig sein und dieses näher bestimmen; ebenso wie das Adjektiv, das ein Substantiv näher bestimmt, attributiv heisst, wird auch ein solcher Genetiv attributiver Genetiv genannt. Er bezeichnet: a) den Urheber, Erzeuger, Ver- anlasser(Gen. auctoris). Das Werk Gottes; Themistokles, der Sohn des Neokles; b) den Be- sitzer(Gen. possessoris): Das Schwert des Tiberius ist in Mainz gefunden worden. Das Schloss des Königs; c) die nähere Erklärung zu dem Substantiv, von dem der Genetiv abhängig ist (Gen. exegeticus); er macht aus der allgemeinen Gattung eine besondere Art: Wir schätzen die Tugend der Gerechtigkeit; d) Eine Eigenschaft(Gen. qualitatis). Man fragt nach diesem Genetiv mit der Frage: von welcher Art? Epaminondas, ein Mann geringer Abkunft(hierfür auch die Umschreibung„von geringer Abkunft“) stieg zu den höchsten Ehrenstellen empor. Der König liess dem Sänger einen Becher puren Goldes(oder„aus purem G. reichen); e) bei Substantiven, die von Verben gebildet sind oder eine Thätigkeit enthalten, bezeichnet der Genetiv: a. Das Subjekt, von dem diese Thätigkeit geübt wird. Die Eltern verdienen die Liebe der Kinder. Die Eltern verdienen, dass die Kinder(das thätige Subj.) sie lieben. Dieser Genetiv heisst Genetivus subiectivus; er wird zuweilen mit„seitens“ umschrieben. Die Liebe seitens der Kinder. 6. Das Objekt, auf das sich die in dem regierenden Substantiv enthaltene Thätigkeit erstreckt. Darius, der Beherrscher Asiens, wurde von einem Häuflein Griechen geschlagen; Darius, welcher Asien beherrschte, u. s. w.„Asien“ ist das Objekt, auf das sich das Beherrschen erstreckt; dieser Genetiv heisst G. obiectivus. Vielfach sind derartige Genetive und ihre regierenden Substantiva zu Wortverbindungen geworden. Die Wahrheits- liebe(lieben wen?), die Todesfurcht(fürchten wen?) der Ahnenstolz(stolz sein worauf?). Oft. wird der Gen. object., namentlich wenn leicht Zweideutigkeiten entstehen, durch einen präpo- sitionalen Ausdruck ersetzt. Die Feindesliebe; dafür: die Liebe zu den Feinden. Die Todes- furcht; dafür: die Furcht vor dem Tode. Da eine Reihe von Verba ihr Objekt in einem von einer Präposition abhängigen Kasus bei sich haben, so entspricht oft dem Gen. object. ein Substantiv mit einer Präposition. Die Furcht vor dem Tode(sich fürchten vor); der Ge- danke an den Tod(denken an). f) Das Ganze, von dem ein Teil genommen oder hervor- gehoben wird. a. Abhängig von Substantiven, die Mass, Zahl und Gewicht ausdrücken. Ein Teil der Soldaten fiel. Eine grosse Menge edlen Weines ging verloren. Wenn das Ganze kein adjekt. Attribut bei sich hat, so setzt man es ohne Kasusbezeichnung im Deutschen neben den Teil. Eine Menge Wein, aber eine Menge edlen Weines. g. Abhängig von Komparativen und Superlativen. Die Vernünftigeren der Soldaten unterliessen es zu klagen. Der schwerste der Siege ist sich selbst besiegen. Statt des von Komparativen und Superlativen abhängigen Gen. part. werden häufig die Präpositionen„unter“,„von“ und„aus“ gebraucht. Die edelsten unter(von) den Menschen. y. Abhängig von bestimmten und unbestimmten Zahl- und Fürwörtern. Keiner der zehnten Legion wird mich verlassen. Zwei der tapfersten Cen- turionen erlagen ihren Wunden. Auch hier ist die Umschreibung mit„von“ und„unter“ geläufig; bei„wer“, z. B. wer von euch? ist sie das allein Mögliche. 2. von Verben abhängen. Es genügt sie in bestimmte Gruppen einzuteilen; sie alle auf- zuzählen, ist zwecklos. Es sind: a) Intransitiva, wie sterben, ermangeln, harren, sowie die der Gefühlsäusserung spotten, lachen; b) transitive Impersonalia: es ekelt, jammert, reut, ge- lüstet mich; c) Reflexiva: sich erinnern, sich annehmen, sich bemächtigen, sich bedienen, namentlich auch solche, die eine Gemütsstimmung ausdrücken: sich freuen, ärgern; d) Verba, die den Genetiv oder Akkusativ regieren; es sind dies die Verba des Bedürfens, Gedenkens und Erwähnens. Herrscher, gedenke der Athener! e) Verba, die einen Akkusativ der Person und einen Genetiv der Sache regieren. a. Die gerichtlichen Verba: anklagen, überführen, freisprechen.„. Die Verba des Beraubens. y. Einzelne Verba: versichern, würdigen. Sokrates würdigte den Alcibiades seines Umganges. 3. Von Adjektiven. a) Von solchen, welche die Fülle oder den Mangel bezeichnen: 23 —— teilhaftig, überdrüssig, mächtig, verlustig; b) von solchen, welche ein Kennen, Wissen, Er- innern und deren Gegenteil ausdrücken: erfahren, fähig, kundig, bewusst, eingedenk; c) von einzelnen Adjektiven, wie: wert, würdig, schuldig, verdächtig. III. Das Dativobjekt. Der Dativ bezeichnet die Person oder Sache, welcher sich die Thätigkeit des Verbums zuwendet, nähert oder von der sie sich entfernt. Den Dativ regieren: 1. Die intransitiven Verba: a) des sich Näherns und Entfernens: nahen, begegnen, entfliehen, weichen. b) der Gleichheit und Khnlichkeit: ähneln, gleich sein, entsprechen. c) welche die Zugehörigkeit oder das Fehlen ausdrücken: gebühren, angehören, eignen, fehlen, mangeln. d) welche die Zuneigung oder Abneigung bezeichnen: huldigen, schmeicheln, misstrauen, drohen; gefallen, behagen, zu- sagen, genügen. e) des Nützens und Schadens: nützen, helfen. dienen, beistehen, schaden; ebenso die Redensarten: zu Hülfe kommen, wehe thun, zuleide thun. f) des Zustimmens und Gehorchens und deren Gegenteile: zuhören, folgen, gehorchen, willfahren, beistimmen, zustimmen, zureden, widerstehen, widersprechen, abraten und die Redensart: Widerstand leisten. 2. Eine Reihe von Impersonalia, welche Gefühle ausdrücken; sie haben die Person, welche die Empfindung hat, im Dativ bei sich: es ziemt mir, gefällt mir, scheint mir u. s. W. 3. Einzelne Reflexiva des sich Fügens und Widersetzens; sie haben das Objekt, dem man sich fügt oder widersetzt, im Dativ bei sich: sich widersetzen, sich anbequemen, sich fügen, sich ergeben. 4. Wir haben den Dativ als den Kasus bezeichnet, der die Person(oder Sache) ausdrückt, der sich die Thätigkeit des Subjektes zuwendet. Dementsprechend findet sich neben dem Sachobjekt im Akkusativ die Person im Dativ: a) bei den Verben des Gebens und Nehmens; b) bei den Verben der Mitteilung durch Sprache und Zeichen: mitteilen, melden, klagen, befehlen, ver- heimlichen, vorenthalten. 5. Der Dativ bezeichnet häufig auch die Person, zu deren Vorteil oder Nachteil, Gunsten oder Ungunsten das Subj. des Satzes die im Prädikat enthaltene Thätig- keit ausübt(Dat. commodi und incommodi): Was du sparst, das sparst du dir. Mein Kind wird mir alles sein. 6. Statt des Dativs sind bei den einzelnen Gruppen der Verben teilweise Umschreibungen möglich: schenken, schreiben, glauben an; vertrauen, zürnen, grollen auf; trotzen, sich wider- setzen gegen; vereinen mit; gebieten, befehlen über. Bei dieser Gelegenheit kann darauf hingewiesen werden, dass der Gebrauch der Praep., um die Beziehungen des Verbums zu den von den Praep. abhängigen Nomina auszudrücken, das Spätere und die Abhängigkeit der be- treffenden Nomina in einem der Kasus obliqui das Ursprüngliche ist. Hannibal vertraute auf den Mut der Seinen“ erscheint uns heute als das Natürliche und„Hannibal vertraute dem Mute der Seinen“ als das Gesuchte; und doch ist dem nicht so. 7. Entsprechend den vor- genannten Verben regieren den Dativ folgende Arten der Adjektiva und von solchen ge- bildete Adverbia: a) Die der Nähe oder Ferne: nahe, benachbart, fern, fremd, bekannt. b) die der Gleichheit und Khnlichkeit: gleich, ungleich; ähnlich, unähnlich. c) die der Zu- gehörigkeit und Verschiedenheit: eigen, gehörig, verwandt, angemessen, gemäss, passend, ver- schieden. d) die der Zuneigung und Abneigung: lieb, teuer, wert, genehm, feind, verhasst, abhold. e) die des Nutzens und Schadens, des Vorteils und Nachteils: nützlich günstig, dienlich, erspriess- lich, vorteilhaft, förderlich, leicht, hinderlich, schwer, schädlich, nachteilig, verderblich. f) die des Gehorchens und Nichtgehorchens: ergeben, gehorsam, folgsam, dienstbar, unterthan, trotzig, widerspänstig, unbotmässig. Auch hier sind Praepos. zulässig: angenehm, gut, günstig, richtig, vorteilhaft, passend für, gehorsam, freundlich, treu gegen; bekannt mit; abtrünnig, fern von. IV. Die Adverbialia. Wurde in VI und V das Adverbiale nur insoweit kennen gelernt, als es von Verben abhängt und aus Substantiven mit Praepositionen besteht, und nur die allgemeine Einteilung in die 4 Arten vorgenommen, so werden in IV auch die adverbialen Genetive und Akkusative behandelt und die Unterabteilungen der 4 Arten von Adverbialia vorgeführt. Ebenso wird gezeigt, dass Adverbialia nicht nur von Verben und prädikativen Adjektiven, sondern auch von attributiven Adjektiven und Adverbien abhängen können. Für die letztgenannten Er- scheinungen sei auf folgende Beispiele hingewiesen: 1)„Was wollt ihr“, rief der vor Schrecken bleiche Mann. Man kann das attributive Adjektiv als eine Art Particip(also Verbum) er- klären, dann erregt das Adverbiale dabei weniger Befremden; also hier vor Schrecken bleich= vor Schr. pleich seiend. Er weilt fern von den Wohnungen der Menschen. In diesem Fall kann man sagen das Adverb„fern“ und das Prädikatsverbum„weilen“ bilden gleichsam zu- sammen das Prädikat, man fragt dann: er wohnt fern: von welchem Ort aus? also Ad- verbiale des Ortes. .) Das Adverbiale des Ontes bezeichnet: 1. auf die Frage: wo? den Ort der Thätigkeit des Subjektes des Satzes, auf die Frage: wohin? und woher? die Richtung, welche die Thätigkeit des Subj. des Satzes nimmt. Auf die Wofrage wird mit Substantiven geantwortet, die mit den Präpos. auf, über, oberhalb, neben, unter, an, bei, in innerhalb, zu, um(circa, circum), vor, zwischen, hinter, gegenüber, längs, entlang, diesseits, jenseits verbunden sind. Auf die Wohinfrage stehen Substantiva mit den Präp. auf, über, neben, unter, an, in, zu, um, vor, zwischen. Während diese Präp. auf die Frage wo? die Ruhe an dem betreffenden Ort bezeichnen, geben sie auf die Frage wohin? die Richtung nach dem betreffenden Ort an. Nur zur Angabe der Richtung„wohin“ dienen: durch, nach, gegen, wider, bis; z. B.: Er brach durch die Reihen der Feinde. Nur auf die Frage: woher? werden die Präp.„von“ und„aus“ verwendet. 2. auf die Fragen: wie lang, wie breit, wie hoch, wie weit, wie tief, wie dick? die Entfernung und Ausdehnung im Raum. Auf diese Fragen antworten Adverbialia, die aus Sub- stantiven mit Attributen bestehen und von den in den Fragen enthaltenen und in der Ant- wort wiederkehrenden Adjektiven und Adverbien abhängig sind; der Abhängigkeitskasus ist hier der Akkusativ. Der Feldherr liess einen drei Fuss tiefen Graben auswerfen. Einen wie tiefen Graben? Der Graben war drei Fuss breit. Wie breit? 3. bei den transitiven wie intransitiven Verben der Bewegung: den Weg, den die Bewegung nimmt. Ephialtes führte die Perser einen verborgenen Pfad. Themistokles ging seine eignen Wege. Dieser Akkusativ ist ebenso wie der Genetiv bei den Verben der Be- wegung(z. B. er geht seines Wegs) ein Mittelding zwischen einem Objekt und Adverbiale des Ortes; man kann fragen: wen geht er? und wo geht er? 9) Das Adverbiale der Zeit bezeichnet: 1. auf die Frage: wann? den Zeitpunkt der Thätigkeit des Subjektes des Satzes. Im Jahre 146 v. Chr. zerstörte Mummius Korinth. Beim Anhlick der Gesandten ergrimmten die Lakedämonier. Am Tag, bei Tag, um Mitternacht, gegen Mittag, zu Anfang des Jahres, vor seinem Lebensende, nach der Geburt, über Nacht. Auch einige Genetive finden sich auf die Frage wann? des Tages(tags), des Nachts(nachts), des Mittags(mittags), des Abends(abends). 2. auf die Frage: wie lange, seit wann, seit welcher Zeit?, auf wie lange? die Zeitdauer der Thätigkeit der Subj. des Satzes. Die bei der Antwort verwendeten Präpo- sitionen sind: während, unter, innerhalb, binnen, seit, von-an, bis, bis-an, hindurch. Er erlernte das Lateinische innerhalb weniger Monate. Die Thätigkeit dauerte wenige Monate. Bis an sein Lebensende war Hannibal ein Feind der Römer. Auch der Akkmusativ allein oder ab- hängig von dem Adverbium„lang“ bezeichnet die Ausdehnung in der Zeit, die Zeitdauer. Der trojanische Krieg dauerte zehn Jahre oder zehn Jahre lang. y) Das Adverbiale der Art und Weise bezeichnet: 1. auf die Frage: wie? oder genauer: unter welchen Verhältnissen? den Umstand, der die Thätigkeit des Subjektes des Satzes begleitet. Die hierfür in Betracht kommenden Präp. sind: mit, unter, ohne, in, an, auf, nach, gemäss, gegen, wider, zu. Beispiele: Die Soldaten kämpften mit grosser Ausdauer. Bei Personen bedeutet„mit“ die Begleitung, das Zusammen- sein(ebenso: nebst, samt). Beide Feldherrn erschienen mit nur wenigen Begleitern. Unter lautem Rufen stürzte man in die Schlacht. Die Römer gewährten unter harten Bedingungen Frieden. In grosser Eile verliess er die Stadt. Sie schieden in Verdruss. Die Präp.„auf“ wird bei den Subst. Art, Weise und Weg gebraucht. Aristides und Themistokles wurden auf dieselbe Art und Weise aus der Stadt verbannt. Wider(gegen) Erwarten kehrte Miltiades nach Lemnus zurück. Gemäss(nach) dem Vertrage forderte er Unterwerfung. Hannibal entkam zu Schiff nach Syrien(ebenso: zu Pferd, zu Fuss, zu Land). Die Perser bedeckten zu hun- derten(wie?) die Ebene von Marathon. Anmerkung.„An“ findet sich bei dem substantivierten Superlativ; z. B. die jüngeren Soldaten gebärdeten sich am verzweifelsten. Doch erklärt man hier wohl einfacher: am ver- zweifelsten ist der Superlativ des Adverbiums„verzweifelt“. 2. a) auf die Frage: womit? wodurch? oder genauer: mit welchem Mittel oder Werkzeug? das Mittel oder Werkzeug, mit dem das Subjekt des Satzes die Thätigkeit übt. Die Soldaten stiessen die Feinde mit den Lanzen nieder. Durch Sturmböcke wurde die Mauer zerstört. b) auf die Frage„wonach“? bei den Verben bemessen, beurteilen, schätzen, achten, das Mittel, auf Grund dessen die Beurteilung u. s. w. erfolgt. Viele beurteilen den Knaben nach seinem Lieblingsspiel, den Mann nach seinem Lieblingsbuch. Das Lieblings- spiel oder-buch ist das Mittel, auf Grund dessen die Beurteilung erfolgt. 3. auf die Frage: wie sehr? in welchem Grade? die Stärke oder den Grad der Thätigkeit des Subjekts des Satzes. Die hierbei in Verwendung kommenden Präpositionen sind: bis zu, bis auf, bis an, auf, über. Ariovist steigerte seine Forderungen bis zur Mass- losigkeit. Er verteidigte sich bis aufs Blut. Die Feinde waren über Erwarten nachgiebig. Die Soldaten kämpften aufs tapferste(in welchem Grade kämpften sie?); doch auch hier erklärt man besser auf tapferste für den Superlativ des Adverbiums„tapfer“. 4. auf die Frage: für wie viel? zu wie viel? um wie viel? oder genauer: zu welchem Preisb um(für) welchen Preis? den Preis, um welchen das Subjekt des Satzes die Thätigkeit des Kaufens oder Verkaufens, Vermietens u. s. w. übt. Esau verkaufte das Recht der Erstgeburt um ein Linsenmus. 5. auf die Fragen: woran? wonach? in welcher Beziehung? die Beziehung, in der ein Zustand dem Subjekte zukommt. Agesilaus war am einen Fusse lahm. Bei oberflächlicher Betrachtung fragt man wo? thatsächlich hat man zu fragen: in welcher Beziehung war er lahm? Pausanias war zuletzt seiner Gesinnung nach Perser, in welcher Beziehung war er Perser? Besonders häufig wird bei den Verben des Gleich-, UÜberlegen- und Nichtgewachsen- seins die Beziehung angegeben. 6. auf die Fragen: um wie viel(ungenauer: wie viel?) um welches Mass? das Mass, um das ein Zustand dem Subjekte des Satzes mehr zukommt als einem anderen. Die Karthager waren zur See den Römern um vieles überlegen. Auch die Angaben des Mass- und Zeitunterschiedes auf die Frage: wie viel? um wie viel? gehören hierher. Abhängig sind hierbei die Adverbialia von Komparativen solcher Adjektiva, welcher ein Mass oder eine Zeit bezeichnen und von den den Adverbialien nachgestellten Adverbien vor(vorher), nach (nachher), hinter, ausserhalb, innerhalb. Miltiades war um einige(oder bloss: einige Jahre) Jahre älter als Themistokles. Im Jahre 196 floh Hannibal nach Syrien; wenige Jahre nach- her landete er mit fünf Schiffen an der kyrenischen Küste. Der Zeitunterschied zwischen dem Fliehen und Landen wird angegeben. Wenige Schritte vor der Stadt wurde er erschlagen. 4 — 26— Mit dem Adverbiale„wenige Schritte“ wird der Massunterschied angegeben, der zwischen dem Ort, wo er erschlagen wurde, und dem Platz, wo die Stadt liegt, besteht. 7. auf die Fragen: aber nur wonach? aber nur woran? die Beschränkung, mit der ein Zustand oder eine Thätigkeit dem Subjekte des Satzes zukommt. Meiner Meinung nach handelst du verkehrt. Die Aussage:„du handelst verkehrt“ trifft, wie ich selbst zugebe, nicht das Richtige; daher der beschränkende Zusatz. Oben, bei dem Ablativ der Beziehung, hiess das eine Beispiel: Pausanias war zuletzt seiner Gesinnung nach ein Perser. Das Adverbiale „seiner Gesinnung nach“ kann auch als Beschränkung aufgefasst werden. Der Satz:„Pausanias war ein Perser“ sagt zuviel; denn seiner Abstammung nach war er nicht Perser, sondern Grieche; darum die Beschränkung. Das Beispiel lehrt, dass Beziehung und Beschränkung nahe verwandt sind. 8. auf die Fragen: im Vergleiche wozu? im Vergleiche womit? die Person oder Sache, im Vergleich mit der ein Zustand oder eine Thätigkeit dem Subj. des Satzes mehr oder weniger zukommt, Themistokles war älter als Alcibiades. Dafür: Themistokles war im Vergleich mit(zu) Alcibiades älter. d) Das Adverbiale des Grundes bezeichnet: 1. auf die Fragen: aus welcher Veranlassung? durch welche Veranlassung? den wirk- lichen(realen) Grund und zwar: a) den Sachgrund, der die Veranlassung zu dem Zustande des Subjektes des Satzes wird; die hierbei in Verwendung kommenden Präpos. sind: aus, von, vor, wegen, durch, mit, vermöge, auf, bei, nach, laut, zufolge. Aus Mangel an Nahrungsmitteln gingen viele Zug- tiere Hannibals zu Grunde. Von dem steten Tropfen wird der Stein gehöhlt. Vermöge seiner Entschlossenheit wurde der Feldherr der Meuterei Herr. Auf die Meldung des Themistokles liess Xerxes angreifen.(Deutlicher tritt das Adverbiale des Grundes hervor, wenn wir sagen: Auf Grund der Meldung des Themistokles u. s. w.). Bei seiner Entschlossenheit musste der Feldherr der Meuterei Herr werden. Nach(laut) dem Befehle des Hannibal(dem Befehl zu- folge) brach Hasdrubal mit seinen Truppen auf. Vor und wegen bezeichnen den Grund, der die Thätigkeit des Subjektes des Satzes hindert. Vor Thränen brachten sie kein Wort hervor. Eine besondere Art des realen Grundes enthalten die Adverbialia, welche das Mittel angeben, durch das die dem Subjekt des Satzes prädizierte Thätigkeit oder der demselben zugesprochene Zustand erzielt wird. Die hierbei gebräuchlichen Präpositionen sind: mit und durch. Durch Feuer härtet man Eisen. Mit der Versicherung baldigen Erscheinens tröstete der Feldherr die Mutlosen. Die Adverbialia, welche das Mittel oder Werkzeug angeben, können modal oder kausal gefasst werden. Entweder betont man die Art und Weise, wie oder den Grund, warum die Thätigkeit oder der Zustand des Subj. des Satzes erzielt wird. b) auf die Fragen: woran oder woraus wird diese Erkenntnis gewonnen? oder wonach ist diese Ansicht gebildet? den Erkenntnisgrund, der das Subj. des Satzes zu einer Erkennt- nis oder Ansicht veranlasst. Die hierbei in Betracht kommenden Präpos. sind: an, aus, nach. Aus dem Verhalten der Griechen schloss Themistokles, dass der Angriff bald erfolgen müsse. An den Klauen erkennt man den Löwen. Der Sachlage nach musste Themistokles die Uber- zeugung gewinnen, dass sich die Griechen entfernen wollten. c) auf die Fragen: warum handelt man so? oder: wodurch wird man bewogen, so zu handeln? nach dem Beweggrund, der zu einer Handlung veranlasst. Die diesbezüglichen Präpos. sind: aus, um— willen, wegen, für. Sterben wir für unseren König! Um deines alten Vaters willen stehe von diesem Vorhaben ab! Nur aus Furcht vor Strafe bleibt mancher Plan unausgeführt. 2. auf die Fragen: wozu? zu welchem Zweck? in welcher Absicht? den beabsichtigten Grund, den Zweck, dem eine Sache dient oder die Absicht, die eine Person bei ihrem Thun 27 leitet. Der Feldherr liess zum UÜbersetzen der Truppen Schiffe bauen. Die Mauer diente zum Schutz der Einwohner. 3. auf die Fragen: unter welcher Bedingung? unter welcher Voraussetzung? den an- genommenen, möglichen Grund, die Bedingung. Die hierbei zur Verwendung kommenden Präpos. sind: unter, bei, mit, ohne. Bei schlechtem Wetter verschieben wir unseren Gang. Ohne Hannibals Zureden(wenn H. nicht zugeredet hätte) hätte Antiochus den Krieg nicht be- gonnen. Mit euerer Hülfe werden wir siegen(wenn ihr uns helft). Unter günstigeren Verhält- nissen(wenn die Verhältnisse günstiger gewesen wären) hätte Hannibal mehr Erfolge errungen. 4. auf die Fragen: trotz welcher Umstände? ungeachtet welcher Verhältnisse? den entgegenstehenden, wirkungslosen Grund, den Gégengrund. Die hierbei üblichen Präpositionen sind: ungeachtet, trotz, bei. Trotz ihrer geringen Zahl leisteten die Spartaner lange Wider- stand. Bei aller Undankbarkeit seiner Mitbürger blieb Hannibal stets auf deren Wohl bedacht. Anmerkung zu den Adverbiala überhaupt. Nicht zu verwechseln sind mit den Adverbialia: 1. Die Präpositionalobjekte. Eine Reihe von Zeitwörtern hat nämlich das Objekt nicht im Genetiv, Dativ oder Akkusativ bei sich, sondern in einem Kasus, der von einem Vor- oder Verhältniswort abhängig ist; es sind dies hauptsächlich Verba der geistigen Thätigkeit: denken, glauben, erinnern an eine Person oder Sache; zweifeln an einer Sache; hoffen auf; danken für; trachten, streben, sich sehnen nach: reden, sprechen, schweigen, träumen von; er- schrecken, sich fürchten, sich hüten vor; sich bemühen, sich kümmern, sich streiten um; herrschen, klagen, weinen, singen über. Man nennt das von den genannten Verben abhängige Objekt Präpositionalobjekt, weil es nicht unmittelbar, sondern erst vermittelst der Präpositionen von dem Verbum abhängt. Das Präpositionalobjekt unterscheidet sich von dem Adverbiale dadurch, dass es nicht die Zeit, den Ort, die Art und Weise oder den Grund der Thätigkeit, sondern das Objekt angibt, auf das sich die Thätigkeit des Verbums erstreckt. 2. Die präpositionalen Attribute. An Stelle des attributiven Adjektivs und des attri- butiven Genetivs(von Subst.) steht oft ein Substantiv mit Präposition. Statt:„Ein mutiger Mann“ kann man auch sagen: ein Mann von Mut. Statt:„Ein athenischer Bürger“: ein Bürger aus Athen. Nach dem präpositionalen Attribut fragt man ebenso wie nach den übrigen Attributen mit der Frage: was für ein? Es ist ein Unterschied zwischen:„Themistokles aus Athen(was für ein Themistokles?) floh“ und: Themistokles floh aus Athen(von welchem Ort floh Themistokles?). Nach den Adverbialia wird mit Fragen gefragt, welche das Subst. Ort, Zeit, Art und Weise oder Grund enthalten. B. Satzlehre. a. Die Nebensätze als Vertreter von Satzteilen. An einer Reihe von Beispielen wird gezeigt, dass sich die Fragen, die von den Haupt- sätzen aus nach den Nebensätzen gestellt werden, mit den Fragen nach den einzelnen Satz- teilen decken; es seien folgende Beispiele erlaubt: Wer viel besitzt, verlangt mehr. Von dem Hauptsatze aus gefragt: Wer verlangt mehr? Der viel Besitzende; also ist der Nebensatz, beginnend mit dem substantivischen Relativ, ein Subjektnebensatz. Aristides war, was er zu scheinen wünschte(sc. gerecht). Was war Aristides? Man fragt hier nach dem Präd. ebenso wie in dem Satze:„Aristides war ein Gerechter“; also Prädikatsatz. Eumenes erwühnte, dass Hannibal sich bei Prusias aufhalte. Wen oder was erwühnte Eumenes? Hannibals Aufenthalt bei Prusias; also Objektsatz. Hannibal hielt den Eid, den er geschworen hatte. Was für einen oder welchen Eid hielt Hannibal? Den geschworenen Eid; also Attributsatz. Hannibal starb, als M. Claudius Marcellus und Q. Fabius Labeo Konsuln waren. Wann starb Hannibal? 4* — 28— Unter dem Konsulate...., also Adverbialsatz und zwar der Zeit. Das wichtige Ergebnis ist: Der Nebensatz vertritt einen Satzteil des Hauptsatzes; deshalb lässt sich auch häufig der Nebensatz in den Satzteil verwandeln, den er vertritt. Es gibt also fünf Arten von Neben- sätzen: Subjektsätze, Prädikatsätze, Objektsätze, Attributsätze und Adverbialsätze. Diese sind nun einzeln zu betrachten. 1. Die Subjektsätze. Nach dem Subj. wird von dem Verbum des Hauptsatzes aus mit der Frage: wer oder was? gefragt. Der Subjektsatz gibt dann das Subjekt in Form eines Nebensatzes an. Er beginnt: 1) mit dem substantivischen Relativpronom wer, was. Wer nicht hören will, muss fühlen. Was Hannibal gross macht, ist seine unerschütterliche Vater- landsliebe. 2) mit den Konjunktionen dass und wenn. Es wird überliefert, dass Hannibal und Scipio in demselben Jahre gestorben sind. Es ist gut, wenn man im Glücke bescheiden ist. 3) mit Interrogativpronomina und-adverbia. Da sich diese von den entsprechenden Relativpronomina und-adverbia häufig äusserlich nicht unterscheiden und die indirekten Frage- sätze in ihrem ganzen Umfang dem Quartaner nicht verständlich sind, empfiehlt es sich, bei solchen Nebensätzen zu bleiben, die von Verben des Fragens und Ungewissseins abhängen. Es ist zweifelhaft, ob Alcibiades in seinem 45. Lebensjahre gestorben ist. Es ist ungewiss, wer die Hermessäulen umgestürzt hat. 2. Prädikatsätze. Der Nebensatz bildet in diesem Falle nur einen Teil des Prädikates; daher ist der Prädikatsatz nur bei solchen Verben möglich, die an sich einer Vervollständigung des Prädikatsbegriffes bedürfen; es sind die Verba sein, werden, bleiben, scheinen.. B. „Hannibal wurde“ gibt keinen Sinn, es sei denn, das wir etwa hinzufügen: ein unerbittlicher Feind der Römer. Hannibal wurde, was sein Vater gewünscht hatte(sc. ein Todfeind der Römer). Was wurde Hannibal? Was sein Vater gewünscht hatte. Themistokles war es, der den Perserkönig zum Angriff veranlasste. Die Prädikatsätze sind Relativsätze und dienen dazu die Thätigkeit oder den Zustand des Subjektes des Hauptsatzes besonders hervorzuheben. 3. Attributsätze. Sie stehen auf die Frage was für ein? Da Substantive ebenso wie Adjektive als Attribute dienen können, so vertreten die Attributsätze entweder substan- tivische oder adjektivische Attribute. Die Scharen des Mardonius wurden bei Platää besiegt. Was für Scharen? also ist„des Mardonius“ attributiver Genetiv. In dem Satze„die Scharen, welche Mardonius anführte(unter Mardonius standen), wurden bei Platää besiegt“ vertritt der Nebensatz den genannten attributiven Genetiv. Ein Baum, der keine Früchte trägt, wird ausgehauen. Was für ein Baum? der unfruchtbare; hier also wird ein adjektivisches Attribut durch den Nebensatz vertreten. Die Attributsätze beginnen 1) mit Relativpronomina oder adverbia. Die Stelle, wo Turenne fiel, ist durch einen Stein bezeichnet. 2) mit interrogativpronomina oder-adverbia. Die Frage, Wer die Hermessäulen um- stürzte, ist heute nicht mehr mit Bestimmtheit zu entscheiden. Was für eine Frage? also Attributsatz, aber auch zugleich indirekter Fragesatz. Die Frage, ob Themistokles an Gift starb, wird von Thukydides bejaht. 3) Durch die Konjunktion„dass“. Die Ansicht, dass Alcibiades das Unglück Athens verschuldete, ist richtig. Was für eine Ansicht? also Attributsatz. 4. Objektsätze. Sie bilden das Objekt des Verbums des Hauptsatzes. Da nun die Verba zum Teil den Akkusativ, zum Teil den Dativ oder Genetiv, zum Teil auch einen von einer Präposition abhängigen Kasus bei sich haben, so zerfallen die Objektsätze in solche, die das Akkusativ-, Dativ-, Genetiv- oder Präpositionalobjekt vertreten. Eingeleitet werden die Objektsätze in derselben Weise wie die Subjektsätze, also entweder mit den Relativpronomina und-adverbia oder mit den Interrogativpronomina und-adverbia oder mit der Konjunktion „dass“. Der Objektsatz ist also entweder ein Relativsatz oder indirekter Fragesatz oder auch ein Konjunktionalsatz. Einige Beispiele! Wen(sSubstant. Relativpr.) der Herr liebt,(den) — 29— züchtigt er. Was(subst. Relativpr.) man entbehrt,(das) wünscht man. Hannibal blieb stets eingedenk, dass er ewige Feindschaft gegen die Römer geschworen hatte. Traue, wem du trauen willst; oder: traue dem, dem man trauen darf. Erinnere dich, Knabe, stets daran, dass du diesen Eid geschworen hast. Anmerkung zu den Subjekt- und Objektsätzen. Direkte und indirekte Rede: Wenn wir sagen: Die Boten meldeten:„Darius wird be- drängt“ so geben wir die Meldung der Boten mit deren eignen Worten, in der Form und in dem Wortlaut, wie sie erfolgte, oder in direkter Rede wieder. Sagen wir dagegen: Die Boten meldeten, dass Darius von den Scythen bedrängt wurde, so geben wir die Meldung der Boten nicht der Form und dem Wortlaut nach, sondern nur dem Sinn und Inhalt nach wieder. Dasselbe ist der Fall, wenn wir sagen: Die Boten meldeten, Darius werde von den Scythen bedrängt.(Beachte die Stellung des konjug. Verbums; sie entspricht der des konjug. Verbs in dem Hauptsatz Darius wird u. s. w. ¹1). Man nennt diese beiden Ausdrucksweisen indirekte Rede. Die direkte Rede besteht aus einem oder mehreren indikativischen Hauptsätzen mit den zugehörigen Nebensätzen. Diese Hauptsätze bilden das Subjekt oder Objekt eines Verbums des Sagens oder Meinens. Die indirekte Rede erfolgt in Dass-Sätzen oder in Hauptsätzen, die aber notwendiger Weise im Konjunktiv stehen; auch diese Dass-Sätze oder konj. Haupt- sätze bilden das Subj. oder Obj. eines Verbums des Sagens oder Meinens. Interpunktionsregel: Vor der direkten Rede steht ein Doppelpunkt, ausserdem zu Beginn und am Ende derselben das Anführungszeichen. Die direkte Rede selbst beginnt mit grossem Anfangsbuchstaben. Eingeschaltete Sätze wie„sprach jener“ werden in Kommata eingeschlossen; vor einem solchen eingeschalteten Satz können die Anführungszeichen ge- schlossen und nach ihm wieder eröffnet werden. Die indirekte Rede wird durch Kommata von ihrem regierenden Satze getrennt; besteht sie aus mehreren konjunktivischen Haupt- sätzen, so gelten für diese die Interpunktionsregeln für die Satzreihe(siehe S. 32/33). 5. Adverbialsätze. So heissen diejenigen Sätze, welche Adverbialia des Hauptsatzes vertreten. Entsprechend diesen zerfallen die Adverbialsätze in Adverbialsätze des Ortes, der Zeit, der Art und Weise und des Grundes. a) Die Adverbialsätze des Ortes, auch Lokalsätze genannt, stehen auf die Frage wo? wohin? woher? Diesen Fragen entsprechend fangen die Lokalsätze mit den Relativadverbien wo, wohin, woher, an, z. B.: Wo man singt,(da) lass dich ruhig nieder. Vom Hauptsatze aus fragt man nach dem Lokalsatz mit der Frage: Wo sollst du dich niederlassen? Wohin dir niemand folgt,(dahin) begleitet dich ein treuer Freund. Die Feinde kommen von dorther, von woher sie schon öfter Einfälle gewagt hatten. Zu merken ist, dass nicht alle Neben- sätze, die mit wo, wohin, und woher beginnen, lokale Umstandsnebensätze sind; nur dann sind sie dahin zu rechnen, wenn sie auf die genannten Fragen stehen und vor diesen Neben- sätzen das entsprechende Demonstrativadverbium steht oder ergänzt werden kann. Hannibal liess ausforschen, wohin die Feinde ihren Weg genommen hatten. Wen oder was liess Hannibal ausforschen? also Objektsatz. Wo Themistokles begraben liegt, ist unbekannt. Wer oder was ist unbekannt? also Subjektsatz. Den Ort, wo die Zusammenkunft der Feldherrn erfolgte, kennen wir nicht. Was für einen Ort kennen wir nicht? also Attributsatz b) Die Adverbialsätze der Zeit, auch temporale Umstandsnebensätze?) genannt, stehen auf die Frage: wann?= zu welcher Zeit? oder: wie lange? oder: wie lange Zeit? Sie sind 2 1) Vgl. II. Teil dieses Programmes S. 11. ²) Das Verhältnis der Handl. des Nebensatzes zu der des Hauptsatzes gehört meines Erachtens nach III; vgl. II. Teil des Programmes S. 13. — 30— ihrer äusseren Form nach sämtlich Konjunktionalsätze. Hamilkar zog nach Spanien, als Hannibal 9 Jahre alt war. Die Römer schlossen keinen Frieden, solange die Feinde die Waffen in den Händen hatten. Hannibal blieb ein Feind der Römer, solange er lebte. c) Die Adverbialsätze der Art und Weise, auch modale Umstandsnebensätze ge- nannt, stehen auf die Frage: wie sehr? oder: auf welche Art und Weise? oder: in welchem Grade? Die Reiter griffen so ungestüm an, dass die Römer flohen. Wie(in welchem Grade ungestüm) ungestüm griffen die Reiter an? Die Römer verwandelten die Seeschlacht in eine Landschlacht, indem sie Fallbrücken niederliessen. Auf welche Art und Weise ver- wandelten die Römer u. s. w.? d) Die Adverbialsätze des Grundes, auch kausale Umstandsnebensätze(aber im weiteren Sinne) genannt, stehen auf die Frage: warum oder aus welchem Grunde? wozu oder zu welchem Zweck oder in welcher Absicht? in welchem Falle oder unter welcher Bedingung? trotz welches Umstandes? Demgemäss unterscheidet man die Adverbialsätze des Grundes in æ. Kausalsätze im engeren Sinne; sie beginnen mit den Konjunktionen: da, weil und stehen auf die Frage: aus welchem Grunde? warum? Neokles enterbte den Themistokles, weil er allzu leichtfertig lebte. Warum enterbte Neokles den Themistokles? 9. Absichts- oder Finalsätze; sie werden mit der Konjunktion“damit“ eingeleitet und stehen auf die Frage: in welcher Absicht? zu welchem Zweck? Darius schickte den Datis und Artaphernes aus, damit sie Griechenland eroberten. In welcher Absicht schickte Darius den Datis und Artaphernes aus? Die Brücke wurde gebaut, damit über sie die Truppen marschierten. Zu welchem Zwecke wurde die Brücke gebaut? Ist das Subjekt des Haupt- satzes, zu dem der„Damit-Satz“ gehört, eine Sache, so gibt der„Damit-Satz“ den Zweck, nicht aber die Absicht an. Für die UÜbersetzung aus dem Lateinischen ins Deutsche ist zu merken: Ist das Sub- jekt des Haupt- und Absichtssatzes dieselbe Person, so tritt an Stelle des Nebensatzes mit „damit“ der Infinitiv mit„um zu“ ein, z. B. Darius pontem fecit, ut ea copias traduceret. Darius liess eine Brücke schlagen, damit er auf ihr die Truppen hinüberführe, besser: um auf ihr... hinzuführen. y. Bedingungs- oder Konditionalsätze; sie stehen auf die Frage: in welchem Fall oder unter welcher Bedingung? Die den Bedingungssatz einleitenden Konjunktionen sind: wenn, falls, wofern. Wenn Darius mit seinen Truppen zu Grunde geht, wird ganz Europa sicher sein. Hierfür kann man auch sagen, ohne dass eine Sinnveränderung eintritt: Geht Darius mit seinen Truppen zu Grunde, so wird ganz Europa sicher sein. Bedingungssätze, die ihrem Hauptsatze vorausgehen, erscheinen häufig ohne Konjunktion; dann aber steht das konjugierte Verbum des Bedingungssatzes vor dessen Subjekt, d. h. der Bedingungssatz hat die Form einer Frage angenommen; vergl.: Ist Darius zu Grunde gegangen? Da die Satzfrage — diese Beschränkung ist nötig, weil die Wortfrage, die gewöhnliche Wortfolge hat— selbstverständlich ihrem Wesen nach der IV zu hoch liegt, so sagt man besser: Die Konjunkt. ist weggefallen und eine Umstellung, Inversion, von Subjekt und konjugiertem Verbum eingetreten. d. Einräumungs- oder Konzessivsätze; sie stehen auf die Frage: trotz welches Um- standes? trotzdem was geschah? Eingeleitet werden sie meist durch die Konjunktionen: ob- gleich, obwohl, obschon, wenn auch, wie wohl. Themistokles wurde verbannt, obwohl er sich grosse Verdienste um seine Vaterstadt erworben hatte. Zusatz zu den Nebensätzen überhaupt. Es können zu einem Hauptsatze zwei und mehr Nebensätze treten; diese sind entweder 1. einander koordiniert; dabei kommen dieselben Konjunktionen in Betracht wie bei mehrgliedrigen Satzteilen(vergl. S. 19). Miltiades, der den Brand des Waldes sah und der ——= darauf die Belagerung von Parus aufhob, wurde des Verrates angeklagt;(die Relativsätze sind kopulativ verbunden) oder 2. der eine Nebensatz ist dem anderen untergeordnet(subordiniert); es hat dann der untergeordnete Nebensatz in dem übergeordneten einen Satzteil zu vertreten. Obgleich Miltiades die Schiffe, die ihm anvertraut worden waren, unversehrt zurückbrachte, wurde er dennoch an- geklagt. Der Relativsatz vertritt ein Attribut, das zum Objekt des konzessiven Nebensatzes gehört. Interpunktionsregeln: 1. Beigeordnete vollständige Nebensätze, die nicht durch „und“ oder„oder“ verbunden sind, werden durch Kommata getrennt. Miltiades, der bei Marathon siegte, der aber Parus nicht nehmen konnte, wurde angeklagt. Für„und“ als Konjunktion zweier Nebensätze siehe das Beispiel oben: Miltiades, der den Brand u. s. w. Als Miltiades die Belagerung aufhob und die Flotte nach Hause zurückfuhr, herrschte in Athen grosse Er- bitterung. Hier sind zwar zwei Subjekte und zwei Prädikate vorhanden, trotzdem sind nicht, beide Nebensätze vollständig, weil die Konjunktion„als“ zu beiden gehört; deshalb dürfen sie von einander nicht durch Kommata getrennt werden. 2. Ein Nebensatz, der von einem anderen abhängig ist, wird von diesem durch Kom- mata getrennt, siehe oben das Beisp.: Obgleich Miltiades die Schiffe, die u. s. w. b. Die Satzreihe. Attribute und Adverbialia können ebenso, wie die übrigen Satzteile durch Nebensätze vertreten werden. Weil sie aber nicht so notwendig wie Subjekt und Prädikat und meist auch das Objekt zu dem Satze gehören, so können sie auch in Form eines selbständigen Satzes, d. h. in der Form eines Hauptsatzes neben den Hauptsatz treten, zu dem sie eine nicht unbe- dingt notwendige Ergänzung bieten. Ein Beispiel! Themistokles musste Athen verlassen; fügen wir hinzu: trotz aller Verdienste um seine Vaterstadt. Dies Adverbiale des Grundes (entgegenstehender Grund!) enthält eine nähere, nicht unbedingt notwendige Bestimmung zu dem Prädikat des genannten Satzes. Das Adverbiale lässt sich ebenso wie die übrigen Satzteile in einen Nebensatz verwandeln: Themistokles musste Athen verlassen, obwohl er sich grosse Verdienste um seine Vaterstadt erworben hatte. Ebenso gut wie durch einen Nebensatz können wir auch durch einen Hauptsatz dies Adverbiale wiedergeben; nur stellen wir im vorliegenden Falle den das Adverbiale vertretenden Hauptsatz voraus: Themistokles hatte sich grosse Ver- dienste um seine Vaterstadt erworben; dennoch musste er Athen verlassen. Ein anderes Beispiel! Nach Sonnenuntergang tritt die Dämmerung ein oder: Die Sonne geht unter, die Dämmerung tritt ein. Attribute und Adverbialia können in dreifacher Weise als Hauptsätze neben ihren ursprünglichen Hauptsatz treten, nämlich: 1) unverbunden. Die Unterredung war ergebnislos, die Schlacht begann, die Römer siegten. Diese drei Hauptsätze stehen unverbunden neben einander. Es besteht aber zwischen dem in ihnen Ausgesagten ein Zusammenhang. Etwa: Weil oder als die Unterredung ergebnis- los war, begann die Schlacht, in der die Römer siegten. Der erste Satz enthält den Grund des im zweiten angegebenen Verfahrens und der dritte gibt das Ergebnis dieses Verfahrens an. Man wird hier z. B. darauf verzichten das Verhältnis der drei Sätze zu einander an- zugeben, um die rasche Aufeinanderfolge der Ereignisse anzudeuten. Interpunktionsregel: Hauptsätze, die ihrem Sinne nach eng zusammengehören und unverbunden neben einanderstehen, werden durch einen Strichpunkt von einander getrennt; sind sie sehr kurz, so setzt man ein Komma zwischen sie. 2) Es weist von dem an zweiter Stelle stehenden Hauptsatz ein Demonstrativadverbium oder-pronomen auf den ersten Hauptsatz oder auf einen seiner Satzteile hin. Beispiel: Als Hannibal alle Ausgänge besetzt sah, nahm er Gift. Hannibal sah alle Ausgänge besetzt; da- nahm er Gift. Mit„da“ ist nochmals auf den durch den ersten Hauptsatz bezeichneten Zeit- punkt hingewiesen, nämlich auf den Augenblick, da Hannibal diese Wahrnehmung machte. Aristides wohnte der Schlacht bei Salamis bei, in der die Perser unterlagen. Aristides wohnte der Schlacht bei Salamis bei; in dieser unterlagen die Perser; mit dem Demonstrativpronomen wird auf das im ersten Hauptsatz enthaltene Adverbiale loci noch einmal hingewiesen. Die Demonstrativadverbien zerfallen, wie die Adverbia überhaupt, in a) Adverbien des Ortes: da(= an diesem Ort), daselbst, dort, hier, dorthin, hierhin, daher(= von diesem Ort), von hier, daraus, darinnen, dazwischen; b) in Adverbien der Zeit: da(= in dieser Zeit, in diesem Augenblick), damals, alsdann, darauf, seitdem, vordem, unterdessen u. s. w.; c) in Adverbien der Art und Weise: so; d) in Adverbien des Grundes: daraus(= aus dieser Thatsache), da- mit, dadurch(Mittel und Werkzeug angebend); dazu(den Zweck angebend), z. B.: Darius wollte sein Heer übersetzen; dazu(zu diesem Zweck) bedurfte er eine Brücke. Bei der Verwandlung von Nebensätzen in Hauptsätze— solche Verwandlungen haben in Quarta häufig den Gegenstand der UÜbung zu bilden ¹)— ist man häufig gezwungen, den entstehenden Hauptsatz dem ursprünglichen Hauptsatz voranzustellen; z. B.: Themistokles siegte, indem er eine List anwandte. Themistokles wandte eine List an; so siegte er(das „so“ weist auf den vorhergehenden Hauptsatz als Mittel zum Siege noch einmal hin). Interpunktionsregel: Ein Hauptsatz, in dem ein Demonstrativpronomen oder -adverbium auf einen unmittelbar vorausgehenden Hauptsatz(natürlich darf er selbst auch einen Nebensatz bei sich haben) hinweist, wird von diesem Hauptsatz durch einen Strichpunkt ge- trennt. Beisp.: Miltiades, der sich um Athen so verdient gemacht hatte, starb in dem Gefängnis, in das man ihn wegen Zahlungsunfähigkeit gebracht hatte. Man brachte Miltiades in das Gefängnis, weil er zahlungsunfähig war; dort(in dem Gefängnis) starb er, der sich um Athen so verdient gemacht hatte. 3) Die beiden Hauptsätze werden durch Konjunktionen mit einander verbunden. Die Konjunktionen zerfallen: a) in anreihende(kopulative): und, auch, ausserdem, überdies, nicht nur— sondern auch; b) in einteilende(partitive): teils— teils, bald— bald, einerseits— andererseits; c) in ausschliessende(disjunktive): entweder— oder, oder d) in entgegensetzende (adversative): aber, doch jedoch, sondern(letztere nur nach vorausgegangener Negation); e) ein- räumende(konzessive): zwar— aber, gleichwohl, dennoch, nichtsdestoweniger, freilich, aller- dings; f) in begründende(kausale): denn; g) in folgernde(konsekutive): also, folglich, mithin, daher, darum, deswegen, deshalb. Interpunktionsregel: Zwei durch anreihende, einteilende oder ausschliessende Kon- junktionen verbundene Hauptsätze werden durch Kommata von einander getrennt. Zwei Hauptsätze, die durch begründende, folgernde, einräumende oder entgegensetzende Konjunktionen verbunden sind, werden durch einen Strichpunkt getrennt. Vor der entgegensetzenden Kon- junktion„sondern“ steht kein Strichpunkt, sondern ein Komma. Verschiedenartige Benennung des zusammengesetzten Satzes. Sind zwei oder mehrere vollständige Sätze zu einem Ganzen verbunden, so nennt man dies Ganze einen zusammengesetzten Satz. Die Zusammensetzung ist entweder 1) unter- ordnend(subordinierend), d. h. der eine Satz ist von dem anderen abhängig, der eine Satz ist ein Hauptsatz, der andere ein Nebensatz. Haupt- und Nebensatz bilden zusammen ein Satz- gefüge oder 2) beiordnend(koordinierend), d. h. jeder, der zwei oder mehr ihrem Inhalte nach zusammengehörenden Sätze ist ein Hauptsatz. Hauptsätze, die zu einem Ganzen verbunden sind, bilden eine Satzreihe. ¹) Vergl. z. B. Beilage III und IV. — 33— c. Die Verkürzung der Nebensätze. Wenn das pronominale Subjekt des Nebensatzes in bestimmten Satzteilen des Haupt- satzes enthalten ist, so kann eine Verkürzung des Nebensatzes durch einen präpositionalen Infinitiv oder das Participium eintreten. Es wird dann die Personenform des Zeitwortes in den Infinitiv oder in das Participium gesetzt, die Konjunktion aber oder auch das Relativ- oder Interrogativpronomen zu Beginn des Satzes fällt weg. 1. Die Verkürzung in Infinitivsätze mit„zu, ohne zu, anstatt zu“ tritt ein bei den Nebens., die mit den Konjunktionen„dass, ohne dass, anstatt dass“ eingeleitet sind und zwar a) wenn das Pronominalsubjekt des Dass-Satzes und das Subjekt oder Objekt des Hauptsatzes dieselbe Person ist ¹). Hannibal glaubte, dass er nach Afrika zurückkehren müsse.(Hannibal glaubte, dass er nach Afrika zurückkehren müsse) Hannibal glaubte, nach Afrika zurückkehren zu müssen. Aristides schied aus Athen, ohne dass er seinen undankbaren Mitbürgern grollte. Aristides schied aus Athen, ohne zu grollen; b) wenn das Subjekt des Dass-Satzes das un- unbestimmte„man“ ist. Miltiades befahl, dass man die Brücke abbreche. Miltiades befahl, die Brücke abzubrechen.. 1 2. Die Verkürzung in Infinitivsätze mit„um zu“ erfolgt bei Damit-Sätzen, wenn das Subjekt²) des Haupt- und Absichtsatzes dieselbe Person ist. Alcibiades eilte herbei, damit er die Athener in der Schlacht unterstütze. Alcibiades eilte herbei, um die Athener in der Schlacht zu unterstützen. Interpunktionsregel: Der Infiitiv mit„ohne zu, anstatt zu, um zu“ wird stets von dem Satz, zu dem er gehört, durch Kommata abgetrennt. Der Infinitiv mit„zu“ ohne jegliche nähere Bestimmung wird nicht durch Kommata von dem regierenden Satz abgetrennt. Cäsar befahl, dass man rede dafür: Cäsar befahl zu reden. Hat dagegen der Infinitiv mit„zu“ irgend eine nähere Bestimmung bei sich oder weist auf ihn ein Demonstrativpronomen oder-adverbium hin, so wird er samt seinen etwaigen näheren Bestimmungen von dem Hauptsatz, zu dem er gehört, durch Kommata abgetrennt. Histiäus bat die Wächter, von dem Plane abzustehen. Ich bitte dich darum, zu kommen. 3. In Participialsätze können zunächst die Adverbialsätze verkürzt werden, aber nur dann, wenn das Subjekt des Adverbialsatzes und des Hauptsatzes dieselbe Person ist. Als Themistokles nach Sparta kam, ging er nicht sogleich zu den Behörden. Themistokles, nach Sparta kommend, ging u. s. w. Themistokles begab sich, obwohl er sein Leben ge- führdete, nach Sparta. Themistokles begab sich, sein Leben gefährdend, nach Sparta. Bei der Verwandlung der Participialsätze in Nebensätze wird der Schüler erkennen, dass der Par- ticipialsatz meist mehrere Beziehungen zum Hauptsatz zulässt. z. B. Themistokles, sich in Argos unsicher fühlend, verliess Griechenland. Das Participium kann in einen Nebensatz mit da, weil, als und in einen Relativsatz aufgelöst werden. Daraus wird der Schüler lernen: man wird einen Participialsatz an Stelle eines Nebensatz nur dann anwenden, wenn dessen Verhältnis zum Hauptsatz über allen Zweifel erhaben oder ohne Belang ist. In Participialsätze können alle Attributsätze, insoweit sie Relativsätze sind, verwandelt werden. Dem Hannibal, der darnach fragte, meldete der Knabe. Dem Hannibal, darnach fragend, meldete der Knabe. Die Athener, welche um Hülfe baten, unterstützen die Platäer. Die Athener, um Hülfe bittend, unter- stützten die Platäer. Participialsätze, welche sich auf das Subjekt des Hauptsatzes beziehen, gehn diesem häufig voraus. Auf die Unterstützung der Karthager hoffend, landete Hannibal an der Küste ¹) Die hierbei nötigen Einschränkungen gehören meines Erachtens nach IIIb; vergl. II S. 11 u. 23. ²) Manche Grammatiken erklären den Infinitiv mit„um zu“ auch in folgendem Falle für zulässig: Hannibal schickte den Knaben aus, damit er nach den Thüren schaue. Dafür:.... den Knaben, um nach den Thüren zu schauen. Diese Bildung widerspricht meinem Sprachgefühl. 5 — 34— Kyrenes. Besteht das Prädikat eines Relativsatzes aus der Kopula sein und einem Prädikats- nomen oder Prädikatsadjektiv, so wird bei der Verwandlung des Relativsatzes in einen Par- ticipialsatz kein Participium von sein gebildet, sondern das Prädikatsnomen oder-adjektiv tritt als Apposition hinter seinen Satzteil. Die Perser gelangten durch Ephialtes, der ein Verräter war, in den Rücken der Lakedämonier. Die Perser gelangten durch Ephialtes, einen Verräter, in den Rücken der Lakedämonier. Hannibal, der seines Eides eingedenk war, ver- anlasste den Antiochus zum Krieg. Hannibal, seines Eides eingedenk, veranlasste den An- tiochus zum Krieg. Auch Adverbialsätze(meist Kausalsätze), deren Präd. aus der Kopula und einem Prädikatsnomen oder-adjektiv besteht, können die Form der Apposition annehmen; dann findet sich aber vor letzterer vielfach die Konjunktion„als“. Xerxes gewährte dem Themistokles, da er sein Wohlthäter war, Aufnahme. Xerxes gewäührte dem Themistokles, als seinem Wohlthäter, Aufnahnie. Interpunktionsregel: Eine Apposition, ein Adjektiv oder ein Particip in prä- dikativer Stellung— Adjektiv und Particip treten dann stets mit näheren Bestimmungen auf— wird in Kommata eingeschlossen. Ein Participium oder Adjektiv mit seinen näheren Be- stimmungen, das dem Subjekte des Satzes vorausgeht, aber nicht in attributiver Stellung ist, wird durch ein Komma abgetrennt. Seines Eides eingedenk, veranlasste Hannibal den Antiochus zum Krieg. Auf die Unterstützung der Karthager hoffend, landete Hannibal an der Küste Kyrenes. C. Abschluss der Interpunktionslehre. 1. Der Doppelpunkt) steht vor Aufzählung von Gleichartigem; häufig weisen Wörter wie„diese, folgende, nämlich“ auf das Aufzuzählende hin; nach dem Doppelpunkt wird nur dann das erste Wort gross geschrieben, wenn solches an sich notwendig ist. Berühmte Athener sind: Miltiades, Aristides, Themistokles u. s. w. Aber: Die uneigentlichen Zahlwörter sind folgende: etliche, viele, wenige u. s. WwW..— 4 2. Der Gedankenstrich steht: a) als Zeichen der abgebrochenen Rede oder des nicht vollendeten Satzes. Wenige Stunden— und der blühende Mann war eine Leiche. b) wenn eine unerwartete Wendung des Gedankens eintritt.„Mir gab die Natur, sagte der Esel, nichts als— eine schöne Stimme“. c) wenn ein Satz eingeschaltet wird, der dem unmittelbar vor- her Gesagten Nachdruck geben soll. Dieser bemitleidenswerthe Mann lag zwanzig— volle zwanzig— Jahre zu Bett. Gibt man dagegen zu einem Satzteil eine Erklärung(in einzelnen Worten oder in einem selbständigen Satz), so setzt man die Erklärung in Klammer(Par enthese). Kyrus(ich meine den jüngeren) fiel bei Kunaxa. 3. Die Anführungszeichen¹). In diesen stehen einzelne Worte oder Wortgefüge, die als zu besprechend bezeichnet werden sollen. z. B.:„Und“ wird auch zu- Verbindung ganzer Sätze benutzt. Beilagen.) 1) Die Deklination der Adjektiva im Lateinischen und Deutschen) VI. 1. Die Adjektiva beziehen sich im Deutschen und Lateinischen stets auf ein Haupt- wort. 2. Sie können bei dem Hauptwort zweierlei sein: nämlich ein Teil des Prädikates oder ¹) Vergl. auch S. 30 oben. ²) Die hier als Beilagen veröffentlichten kleineren deutschen Ausarbeitungen liess ich während ver- schiedener Jahre in den angegebenen Klassen schreiben. ¹) Diese Arbeit ist die schriftliche Beantwortung folgender nacheinander gestellten Fragen. Die Fragen sind derart, dass die darin angewandte Ausdrucksweise in der Antwort verwertet werden konnte. 1. Wo- rauf beziehen sich die Adj. im Lateinischen wie im Deutschen? 2. Was können sie bei dem Hauptwort sein? 3. Wonach richtet sich im Lat. ein Adj., das einen Teil des Prädikates bildet? 4. Was geschieht im gleichen — 35— ein Attribut. 3. Im Lateinischen richtet sich das Adjektiv, das einen Teil des Prädikates bildet, nach seinem Hauptwort im Genus, Numerus und Kasus. 4. Im Deutschen dagegen pleibt das Adjektiv unverändert. 5. Das Adjektiv wird im Deutschen dekliniert, wenn es das Attribut bildet. 6. Die Adjektiva können im Lateinischen nach der I., 2. und 3. Dekli- nation gehen. 7. Im Deutschen können die Adjektiva schwach oder stark dekliniert werden. 8. Die deutschen Adjektiva werden schwach dekliniert, wenn ihnen weder der bestimmte Ar- tikel noch der unbestimmte Artikel noch ein Fürwort noch ein bestimmtes oder unbestimmtes. Zahlwort mit den Endungen des bestimmten Artikels vorausgeht. 2) Verschiedenheit des Lateinischen und Deutschen in der Bildung der Tempora — und Komposita:) V. Man unterscheidet im Lateinischen und Deutschen einfache und zusammengesetzte Tempora. Zusammengesetzt sind im Deutschen alle Tempora ausser Präsens und Imperfekt Aktiv. Im Lateinischen sind nur Perfekt, Plusquamperfekt und Futurum exaktum Passivi zu- sammengesetzt. Die Hülfszeitwörter, welche im Deutschen zur Bildung der Tempora dienen, sind:„sein, werden, haben“. Zur Bildung des Perfekts im Aktiv dient meist„haben“;„sein“ wird gebraucht 1. bei den Verben, welehe den Ubergang von einem Zustand in einen andern aus- drücken, z. B.„genesen“. Das Perfekt davon heisst: ich bin genesen. Dieses Verbum drückt den Übergang von„krank sein“ zu„gesund sein“ aus. 2. Die Bewegung von einem Orte zum anderen bezeichnen, z. B.„gelangen“. Das Perfekt heisst: ich bin gelangt. Beisp.: Hannibal gelangte über die Alpen nach Ütalien. Im Lateinischen können die Komposita mit Präpositionen, Adverbien, Verben und Substantiven zusammengesetzt sein. Zuweilen wird auch noch der Vokal des Stammes ver- wandelt. Im Deutschen sind die Komposita mit Präpositionen und Adverbien gebildet. Die Komposita im Deutschen werden eingeteilt in untrennbar zusammengesetzte und in trennbar zusammengesetzte. Untrennbar zusammengèsetzte sind solche, die den Hochton auf dem zweiten Bestandteil haben; trennbar susammengesetzte haben den Hochton auf dem ersten Bestandteil. Im Imperfekt wird der erste Bestandteil der trennbar zusammengesetzten Komposita vom Stamme getrennt. Bei dem Infinitiv und Partizip II der trennbar zu- sammengesetzten wird die Silbe„zu“ und„ge“ eingeschoben, z. B.„übersetzen“. Imperfekt: ich setzte über. Infinitiv: überzusetzen. Partizip II: übergesetzt. Bei untrennbar zu- sammiengesetzten Komposita wird nie der erste Bestandteil vom zweiten getrennt; z. B.: ich, übersetze, ich übersetzte, übersetzt. 3) Die verschiedenen Arten, das Verhältnis von Grund und Folge auszudrücken?) IV. Der Zug der Kreuzfahrer war schwierig; deshalb kamen viele um. Hier haben wir zwei Hauptsätze, von denen der erste den Grund, der zweite die Folge ausdrückt. Ich kann aber auch den zweiten Satz zu einem Nebensatse machen. Dann heisst das Beispiel: Der Zug der Kreuzfahrer war so schwierig, dass viele umkamen. Ausserdem kann ich den Satz so umwandeln, dass der erste Satz ein Hauptsatz ist, der die Folge ausdrückt, der zweite Falle im Deutschen? 5. Wann wird das Adj. im Deutschen dekliniert? 6. Nach welchen Deklinationen können die lateinischen Adj. gehen? 7. Wie können die Adj. im Deutschen dekliniert werden? 8. Wann werden die deutschen Adj. schwach dekliniert? ¹) Ohne Hülfen geschrieben; jedoch wurde den Schülern eingeschärft, zuerst über die Tempora und dann erst über die Komposita zu schreiben. Das in Sexta Erlernte war in den vorausgehenden Stunden zum Gegenstand einer eingehenden mündlichen Wiederholung gemacht worden. ²) Ohne Hülfen geschrieben. Die Arbeit rührt von einem mittelmässigen Schüler her. 5* — 36— Satz aber ein Nebensatz ist, der den Grund ausdrückt und mit der Konjunktion„weil“ ein- geleitet wird. Jetzt heisst das Beispiel: Viele kamen um, weil der Zug der Kreuzfahrer schwierig war. Endlich kann man noch den Satz so umwandeln, dass der Nebensatz zu einem Hauptsatze wird, den man mit der Satzverbindung„denn“ einleitet. Nun heisst das Beispiel: Viele kamen um; denn der Zug der Kreuzfahrer war schwierig. 4) Grammatische Behandlung folgender Sätze: 1. Karthago war völlig erschöpft. In dieser Erkenntnis schloss Hamilkar Friede. 2. Nach Hause zurückgekehrt, rüstete er ein Heer aus, um mit ihm das metall- reiche Spanien zu erobern ¹). IV. 1.„In dieser Erkenntnis“ ist ein Adverbiale. Ein Adverbiale setzt sich aus einem Sub- stantiv und einer Präposition zusammen und dient dazu, das Prädikat näher zu bestimmen. Es gibt vier Arten von Adverbialien: 1) Adverbialien des Ortes. 2) Adverbialien der Zeit. 3) Adverbialien des Grundes. 4) Adverbialien der Art und Weise. . Der Ausdruck„in dieser Erkenntnis“ ist ein Adverbiale des Grundes. Er lässt sich nach folgender Regel in einen Nebensatz verwandeln: Alle Satzteile können in Nebensätze verwandelt werden. Er lautet dann: Da Hamilkar dies erkannte, schloss er Frieden. Die Nebensätze lassen sich dadurch verkürzen, dass man sie in Infinitive oder in Participien ver- wandelt. Der obige Nebensatz lautet verkürzt: Hamilkar, dies erkennend, schloss Frieden. Einen Hauptsatz mit einem oder mehreren Nebensätzen nennt man Satzgefüge. Aus jedem Nebensatze lässt sich ein Hauptsatz machen. Der ganze Satz lautet dann: Hamilkar schloss Friede; denn er erkannte dies. Zwei oder mehrere Hauptsätze, die ihrem Inhalte nach enge zusammengehören, nennt man Satzreihe oder Satzverbindung. 2. Durch den Infinitiv können solche Nebensätze verkürzt werden, die mit„dass“ oder „damit“ anfangen. Der obige Infinitiv„um zu erobern“ lautet als vollständiger Nebensatz mit seinem Hauptsatz: Nach Hause zurückgekehrt, rüstete er ein Heer aus, damit er mit ihm das metallreiche Spanien erobere. Man gebraucht an seiner Stelle den Infinitiv mit„um zu“, weil das Subjekt des Haupt- und Absichtsatzes dieselbe Person ist. ¹) Diese beiden Sätze wurden natürlich diktiert. Ohne Hülfen geschrieben.