Programm Univ. Bibl, Siessen] HERZOGLICHE HÖHERE BÜRGERSCHULE NEBST VORSCHULE ZU CÖTHEN. 1. OSTERN 1890. INHALT: 1. Wissenschaftliehe Abhandlung des Ordentlichen Lehrers Dr.@otthold Menze:„Camöes Studien. l. Camöes als Epiker.“ A. Allgemeiner Teil. 2, Sehnlnachriehten, betr. das Schuljahr 1889/90. A. Bericht über die Höhere Bürgerschule, erstattet vom Direktor Dr. Paul Hellwig. B. Bericht über die Vorschule, erstattet vom Inspektor Wilhelm Gast. 1890. Progr. Nr. 665. CÖTHEN. DRUCK VON PAUL SCHETTLERS ERBEN, Gamoes Studien. I. Teil: Camöes als Epiker. A, Allgemeiner Teil.) Einleitung. Es ist eine bekannte Thatsache, dass jedes Volk einen oder mehrere Geistesheroen besitzt, in denen gleichsam alles, was die Nation Eigentümliches hat, vereinigt erscheint, die den National- charakter am ausgeprägtesten zeigen, die Individualität der Nation am schärfsten zum Ausdruck bringen und in denen ausserdem wie in einem Brennpunkte alle Strahlen der Intelligenz und des Wissens ihrer Zeit zusammenschiessen. So hat Italien seinen Dante und Petrarca, Spanien seinen Öervantes, Frankreich seinen Voltaire, England seinen Shakespeare und Newton, Deutschland seinen Goethe und Luther. Wie an diese Namen die Vorstellung und der Begriff alles dessen sich knüpft, was die Nation als solche auf geistigem Gebiete geleistet hat, so umschliesst der Name Gamöes alles, was eine kleine Nation, winzig klein gegen ihre Nachbarn, auf dem Höhepunkt ihrer politischen und intellektuellen Machtstellung für die Nachwelt Grosses gethan hat. Unauflöslich ist der Name Uamoöes mit dem Ruhme und der einstigen Grösse Portugals verbunden. ‘s ist diesem Geistesheroen gegangen wie manchem andern. Nach einem Leben voller Mühsalen und Enttäuschungen ist erst die Nachwelt ihm einigermassen gerecht geworden. Zwar hat es Camöes schon bei Lebzeiten nicht an eifrigen und begeisterten Bewunderern gefehlt, geschickte und ungeschickte Nachahmer und Nachtreter sind den von ihm gezeigten Weg gewandelt, zahlreiche Ausgaben und Kommentare der Lusiaden aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert beweisen, dass er besonders in seinem Vaterlande geschätzt und geliebt wurde, aber wie er im XVII. Jahrhundert selbst von seinen Landsleuten fast gänzlich vergessen wurde, so ist erst die Neuzeit dazu berufen gewesen, ihm die verdiente Anerkennung zu teil werden zu lassen. Nicht unwesentlich hierzu bei- getragen zu haben, dieser Ruhm gebührt Deutschland, das überhaupt so viel für richtige Würdigung und volles Verständnis so manches Dichters des Auslandes gethan hat. !) Benutzt wurden für diesen allgemeinen Teil folgende Werke: Avö-Lallemant, Luiz de Camoens, Portugals grösster Dichter. Leipzig 1878.— Braga, Bibliographia Camoniana. Lisboa 1880.— Burton, Camoens His life and bis Lusiads. A commentary... London 1881.— Carriere, Kunst im Zusammenhang der Kultur- entwickelung und die Ideale der Menschheit. Bd. IV. 1877.— Carriere, Aesthetik.— May, Camves als Dichter und Krieger. Herrigs Archiv, Bd. 49.— Reinhardstoettner, Os Lusiadas... Strassburg 1874/75(nach dieser Ausgabe wird citiert).— Reinhardtstoettner, Camoes, der Sänger der Lusiader. Eine biogr. Skizze. Leipzig 1877,— Storck, Luis’ de Camoens sämmtliche Gedichte. V. Bd. Die Lusiaden, Paderborn 1833.— ten Brink, Der Lyriker Camoens und sein deutscher Übersetzer. Nr. 13 der Wochenschrift: Im neuen Reich. 1881. 3° ed Bahnbrechend für Camödes ist hier Friedrich von Schlegel gewesen. Erst seit ihm wendete man dem Sänger der Lusiaden grössere Aufmerksamkeit zu und lernte ihn recht würdigen, zumeist freilich nur als Epiker. Doch ist die Gemeinde der Kenner und Verehrer des Dichters immer noch eine sehr kleine, wenn auch sein Name im Munde eines jeden Gebildeten ist, der oft nichts weiter von ihm weiss, als dass er Portugals grösster Dichter und der Sänger der Lusiaden ist, wenn er anders wirklich den richtigen Namen des Epos kennt, Es hat seit Schlegels Urteil über Camöes nicht an Versuchen gefehlt, den Dichter uns-näher zu bringen. Wir besitzen gute Übersetzungen, die wohl geeignet sind, ihn als einen der grössten Epiker der neueren Zeit auch breiteren Schichten zugänglich zu machen, wenn sie auch alle den eigentümlichen Reiz und Zauber, der das Original umkleidet, nicht wiederzugeben oder zu ersetzen imstande sind. Litterarhistoriker sind nicht müde geworden, ihn, den Sänger der Lusiaden, als einen Dichter von Gottes Gnaden zu preisen, ihn mit mehr oder weniger Geschick höher zu stellen als Ariost oder Tasso, die bisher in der Kunstepik glänzendsten Namen, ihn als den würdigsten Nachfolger Homers zu bezeichnen und ihm vor Vergil, dem Sänger der Aeneide, den Vorrang zu geben. Sieht man aber das dem Dichter meist reichlich gespendete Lob genauer an, geht man näher ein auf das, worauf die so glänzend klingenden, blendenden, aber doch ziemlich wohlfeilen Vergleiche eigentlich beruhen, so erkennt man gar bald, dass sich oft vieles nur auf eine oberflächliche und flüchtige Beschäftigung mit Camödes stützt, ohne dass man es für nötig erachtet hat, sich in ein tiefer gehendes Studium des Dichters einzulassen. Auch das, was so häufig über Schönheit der Sprache und des Ausdrucks, der Episoden in den Lusiaden, über Camöes Patriotismus u. s. w. vorgebracht wird, bewegt sich meist nur in allgemeinen Ausdrücken und beschränkt sich auf eine flüchtige Zeichnung iu Umrissen. Man lässt sich gewöhnlich nicht herbei, eine Untersuchung im einzelnen anzustellen, worin das Behauptete besteht und worin der Grund dessen liegt, was Camöes als Kunstepiker vor andern auszeichnet und ihm eine hervor- ragende Stelle zuweisen lässt. Die nachfolgende Untersuchung wird nun den Versuch wagen, dem Epiker Camödes möglichst allseitig gerecht zu werden. Wir bilden uns dabei keineswegs ein, überall Neues zu bringen, glauben aber, durch schärfere Beleuchtung mancher Seite des Dichters und seiner Dichtung, einiges beigetragen zu haben, was dem Gesamtbilde des Epikers Camöes grössere Klarheit und Deutlichkeit verleiht. Ausdrücklich müssen wir aber dabei erwähnen und betonen, dass der folgende allgemeine Teil der Abhandlung mit besonderer Berücksichtigung seiner Bestimmung für weitere Kreise geschrieben ist._ Wir hielten uns dazu ganz besonders berechtigt. Durch Camöes Mund redet zu uns eine Nation, die dem jung aufstrebenden Deutschland, das jetzt seine Blicke richtet auch auf fremde Zonen und Meere, um dort seine Macht und Grösse auszubreiten, zeigen kann, dass kecker Wagemut, Tapferkeit, Heldensinn, verbunden mit edlem Patriotismus alles vermag, auch dem Stärkeren gegenüber, dass ihnen die ganze Welt offen steht. Deutschland aber hat seit kurzem gerade in den Gebieten Afrikas festen Fuss gefasst, von denen zuerst Portugals Entdeckungen der Welt Kunde brachten, die zum Teil früher in ausschliesslichem Besitze der portugiesischen Krone waren. Den eigentlichen Schwerpunkt unserer Abhandlung haben wir in den zweiten; später zu veröffentlichenden Teil legen zu müssen geglaubt, der eine eingehende Behandlung und Würdigung der Sprache und des Stiles der Lusiaden bringen wird, ein Moment, das bisher noch zu wenig Berücksichtigung gefunden hat. Persönlichkeit des Dichters. Es muss zunächst unsre Aufgabe sein, die Voraussetzungen und Verhältuisse zu betrachten, auf deren Boden die eigenartige Dichtung des Camöes erwuchs, Charakter und innere Entwicklung des Dichters selbst aus seinen Lebensschicksalen und seinen Werken kennen zu lernen, um so ein volles Verständnis des Menschen und Künstlers Camödes, wenn nicht zu erreichen so doch anzubahnen. Nur so werden wir auch imstande sein, seinem Hauptwerke, dem Epos„os Lusiadas“ das richtige Verständnis entgegen zu bringen. Camdes gehört der Litteraturperiode an, die uns die Völker romanischer Zunge der süd- europäischen Länder in einem neuen, merkwürdigen Aufschwunge zeigt. Schnell und fast unvermittelt kam derselbe, erreichte eine kaum geahnte Höhe und versank nach kurzer, aber desto herrlicherer Blütezeit schnell wieder. Derselbe wurzelt bekanntlich zum grossen Teil in jener eigentümlichen, durch alle katholischen Länder im XVI. Jahrhundert gehenden Bewegung, der sogenannten Gegen- reformation, die besonders seit dem Tridentiner Konzil in scharfem, strengem und bewusstem Gegen- satze zur Reformation, durch Reformen innerhalb. der alten angestammten Kirche das zu erreichen suchte, was eine Wiedergeburt derselben an Haupt und Gliedern sein sollte. Doch beschränkte sich diese zweck- und zielbewusste Bewegung nicht allein darauf, der Kirche ihre alte Reinheit und Machtstellung zurückzugeben, das gesunkene Ansehen des katholischen Oberhauptes und der Priester wieder herzustellen. Damit verbunden und gleichbedeutend war ein schonungsloser Kampf gegen alles, was der neuen Lehre des Protestantismvs anhing. In den südlichen Ländern Europas war er am erbittertsten und führte zur vollständigen Ausrottung der Anhänger des neuen Glaubens. Diese mächtige Bewegung in den katholischen Ländern brachte für Italien, Spanien und Portugal einen neuen Aufschwung auf geistigem, besonders litterarisch-poetischem Gebiete mit sich. Gleichzeitig mit den wohlthätigen Einflüssen dieser Bewegung machten sich aber ihre schädlichen Wirkungen geltend. Fanatismus in Glaubenssachen, Hang zu mystischer Betrachtungsweise, heuchlerische Frömmigkeit, Hang zu falscher Naivität, Schwelgen in wortreicher Sprache und ähnliche Erscheinungen traten zu Tage. Fast in allen litterarischen Denkmälern dieser Zeit tritt uns diese Doppelseite der Bewegung entgegen, bei vielen verkümmert sie uns den Genuss, manche stehen zu sehr unter dem Einfluss konfessioneller Kurzsichtigkeit und der durch Fanatismus entfachten Leidenschaften, als dass sie noch auf den Wert eines Kunstwerks Anspruch erheben könnten. Tasso’s, Lopes’ de Vega und Calderons Werke atmen diese eigentümliche Luft, in ihr lebt auch Camöes, der fest in dem durch die Gegenreformation bearbeiteten Boden wurzelt. Gerade er ist ganz besonders dazu angethan, die gute und segenbringende Seite jener grossartigen Bewegung uns zu veranschaulichen, als deren herrlichster und edelster Vertreter er erscheint. Es war ihm das Glück zu teil geworden, durch Geburt einer Nation anzugehören, die gerade zu seiner Zeit.auf dem Höhepunkte ihrer geschichtlichen Machtstellung stand und soeben ihre kultur- geschichtliche Aufgabe für die eivilisierte Menschheit erfüllt hatte. Auf eine ruhmreiche Vergangen- heit blickte dieses an Zahl so kleine Völkchen zurück. Entstanden aus ganz geringen Anfängen, stets bedroht von der alles zu erdrücken drohenden hispanischen Macht, hatte die Nation ihre blutig erkämpfte Selbständigkeit mit dem Schwerte in der Hand in unzähligen Heldenkämpfen zu. erhalten gewusst. Sie konnte auf eine glänzende Reihe tüchtiger Herrscher herabblicken mit Stolz und Genugthuung, auf eine Geschichte, reich an Beispielen unvergänglicher Heldenthaten, edelster und begeistertster Vaterlandsliebe. Dazu kam, dass es dem lusitanischen Volke gelang, die ihm von der Vorsehung zugefallene eivilisatorische Aufgabe in befriedigender Weise zu lösen. Diese bestand zunächst in der Zurück- '—- 6— werfung der Mauren aus Europa, ein Verdienst, das sie brüderlich mit den Spaniern teilen. In jahrhundertelangem, unausgesetztem, schwerem Ringen war es den Luso-Hispanen endlich gelungen, den verhassten Feind aus dem Lande hinauszuwerfen. Es war das eine Leistung, welche die Brust eines jeden Luso-Hispanen mit gerechtem Stolze, mit Freude und Jubel erfüllen musste. Man kann über die Maurenkriege und-verfolgungen denken, wie man will, es mögen die dabei verübten Greuel- und Schandthaten uns im tiefsten Innern mit Abscheu und Ekel erfüllen, wir mögen beklagen, dass Millionen eines fleissigen und tüchtigen Volkes zu Grunde gingen, weite Strecken fruchtbarsten Landes fast für immer der Kultur verloren waren, das müssen wir rückhaltlos anerkennen, dass durch der Luso-Hispanen-That für das westliche Abendland christliche Civilisation und Kultur gerettet wurde. Während hier im Westen die Mohammedaner den Streichen einer verhältnismässig kleinen Zahl erlagen, schienen sie im Osten Europas das Verlorene in reichem Masse wiederzugewinnen und allen Angriffen der abendländischen Christenheit siegreich zu widerstehen. Einer Sintflut gleich wälzten sie sich von Osten heran, alles mit Ungestüm vor sich niederwerfend, und es schien nach ihrem Vordringen bis in deutsche Gaue um das Abendland geschehen zu sein. Die Eroberung des Westens durch die Türken wäre gleichbedeutend gewesen mit der gänzlichen Vernichtung europäischer Civilisation und Kultur. Übertriebener Nationalstolz lässt auch hier Europa vor diesem Schicksal, eine Beute asiatischer Barbarei zu werden, durch die Portugiesen bewahrt werden. Man behauptet, dass die, Ankunft der Portugiesen in Indien, die Ausbreitung ihrer Herrschaft in morgenländischen Gebieten und die drohende Gefahr, dass in Asien ein neues europäisches Reich entstünde, wo doch die Türken allein bisher Herr und Meister waren, die Wogen dieser merkwürdigen Wanderung des Islam zurückfluten liessen. Dass das Erscheinen der Lusitanen in Asien, die Festsetzung und die mit unglaublicher Tapferkeit und Zähigkeit ausgeführte Ausbreitung ihrer Herrschaft im Morgenlande wesentlich dazu beigetragen hat, ist wohl nicht zu bezweifeln, aber es wirken noch ganz andere und wichtigere Umstände mit, dem Vordringen der Türken in Europa einen Damm entgegenzusetzen. Das wahre Verdienst des Erscheinens der Portugiesen in Asien liegt ganz wo anders, darin nämlich, dass von nun an der Orient endgültig mit dem Occident verkrüpft war, dass dem Abendlande eine neue, bisher nur höchst mangelhaft gekannte Welt erschlossen war, dass hingegen der Orient von jetzt an abendländischer Kultur und Civilisation zugänglich gemacht wurde. Hierin liegt die voll- ständige Lösung der den Portugiesen von der Vorsehung zugefallenen kulturgeschichtlichen Aufgabe. Mit der Auffindung des Seewegs nach Ostindien und mit der Erschliessung Asiens beginnt für das Morgenland eine neue Aera. Für Portugal war es der letzte Schritt zu seiner europäischen Machtstellung. Fast schien es, als ob nach den Eroberungen in Indien die Portugiesen ein neues Weltreich gründen sollten, beginnend mit Lusitaniens Gestaden, die afrikanischen Küsten umspannend, Indien umfassend und bis zu Chinas Ländern sich ausstreckend. Als Cabral Brasilien entdeckt und Magalhäes, wenn auch auf spanischen Schiffen, die grösste maritime Heldenthat, die Umseglung der Welt vollbracht hatte, schien die ganze Welt portugiesischem Mute und portugiesischer Thatkraft offen zu stehen. Diese durch Jahrzehnte dauernden Eroberungs- und Entdeckungszüge zur See erscheinen wie eine einzige grosse Heldenthat, sie bilden das Heldenalter der lusitanischen Nation, die Zeit ihrer höchsten Blüte auf allen Gebieten, die Zeit, in der sie ihre eigentliche Rolle in der Weltgeschichte spielt. Mitten hinein in diese Zeit nationaler Grösse Portugals fällt das Leben eines seiner würdigsten Söhne, des Camöes. Jugend und Mannesalter sahen noch zum Teil jene wahrhaft fieberhafte, nationale Begeisterung der Portugiesen, in den fernsten Erdteilen und Zonen Portugals Macht und Ruhm zu ver- breiten. Luiz de Camöes, als Sohn einer adligen, aber verarmten Familie zu Lissabon 1524 geboren, trat nach Vollendung seiner Studien zu Coimbra, wo er schon vielfach dichterisch thätig war, in den » EN Dienst des Hofes. Von hier wegen seiner Liebe zu einer Palastdame verbannt, trat er, da er weder eine passende Stellung noch Beachtung als Poet fand, freiwillig in den Kriegsdienst. Er focht im Kampfe vor Ceuta mit gegen die Mauren und verlor dabei ein Auge. Zurückgekehrt nach Lissabon, gelang es ihm nicht, eine staatliche Stellung noch Anerkennung als Dichter zu finden. Voll Ingrimm über den Undank des Vaterlandes schiffte er sich 1553 nach Indien ein. Hier nahm er thätig an verschiedenen Feldzügen teil, da er kein passendes Amt erhalten konnte. Beim Vicekönig durch Veröffentlichung einer Satire gegen behördliche Misswirtschaft-bald in Ungnade gefallen, schen wir ihn gegen arabische Corsaren im roten Meere kämpfen, treffen ihn mehrere Jahre in Ternate, um ihn schliesslich in Macao wiederzufinden, wo er das bescheidene Amt eines Administrators der Verstorbenen bekleidete. In Macao dichtete er sein Nationalepos„os Lusiadas“ zum Ruhme seines geliebten Vaterlandes, für das er so viel gelitten und gestritten, das aber keinen Dank für seine Dienste hatte. Durch die Ankunft eines neuen Vicekönigs schienen für Camödes die Verhältnisse in Indien sich bessern zu wollen. Doch auf der Fahrt nach Goa erlitt er Schiffbruch an der Mündung des Me-khongflusses, nur das nackte Leben und sein vom Meereswasser durchtränktes Lusiadenmanuskript rettend, und in Goa selbst, wo er endlich Anerkennung und passende Stellung zu finden gehofft hatte, brachte ihn Verläumdung ins Gefängnis. Nachdem so alle seine Hoffnungen vernichtet waren, verliess er Indien, gebrochen an Kraft und Mut, nachdem gute Freunde noch die Kosten der Überfahrt nach Portugal bezahlt hatten. Nach Mühsalen und Widerwärtigkeiten jämmerlichster Art, die ihn an Afrikas Ostküste erwarteten, kehrte er endlich bettelarm und als gebrochener Mann nach 16jähriger Abwesenheit ins Vaterland zurück. Hatte er mit der Hoffnung den heimischen Boden betreten, nach allem Elend endlich bessere und glücklichere Tage zu sehen, so sah er sich bitter getäuscht— sein Elend wurde immer grösser. Schon die Zeit seiner Ankunft war sehr ungünstig für ihn. In Lissabon wütete die Pest, dann nahmen die Zurüstungen zum afrikanischen Feldzuge des König Sebastian das Interesse aller Portugiesen gänzlich in Anspruch, niemand gedachte des Dichters, dessen freimütige Sprache ohnehin nicht gefallen mochte. Selbst der König, dem die Lusiaden gewidmet waren, hatte nichts anderes für den Dichter, als die jämmerliche Leibrente von 25 Thalern. Lebte auch Camödes Poesie im Munde seiner Landsleute, so kümmerte sich doch niemand um des Dichters Person, um ihn, der so herrlich Portugals und der Portugiesen Ruhm im Liede verkündet hatte. Ein treuer Sklave erbettelte in den Strassen Geld zu Brot und Arznei für den kranken Dichter. Von Armut und Krankheit aufgezehrt starb endlich Camdes 1580, kurz nachdem er noch das Schrecklichste hatte erleben müssen, das ihn, den Vaterlandsfreund treffen konnte, den Untergang des über alles geliebten Vaterlandes, den König Sebastians unglücklicher Zug gegen Marokko zur Folge hatte, Bei der Person des Dichters, was er als Mensch war seiner Veranlagung, seinem Wollen nach, dabei müssen wir länger verweilen, um so durch ein Verständnis des Mannes zu einem Verständnis seines Hauptwerkes, des Epos os Lusiadas zu gelangen. Wenn je einer, so ist Camöes ein Sohn seiner Zeit zu nennen. Die Natur hatte ihn ausgestattet mit den herrlichsten Gaben des Geistes und Körpers, die durch Bildung und sorgfältiges Studium auf das herrlichste ausgebildet erscheinen. Auch das hatte sie ihm zu teil werden lassen, was sie so oft gleichzeitig dabei ihren Günstlingen verleiht, ein Feuer und eine Leidenschaftlichkeit in allem Thun, die oft verderblich werden können. Dennoch ist alles Kraft und Gesundheit an ihm, fast nirgend ist etwas Kränkliches und Krankhaftes zu entdecken; alles an ihm aber zeigt einen Eifer, eine Leidenschaftlichkeit, die uns mit Bangen erfüllt. Es beseelt ihn ein Drang nach Thaten, ein Sehnen verzehrt ihn nach Gelegenheit, grosses zu vollbringen, Ruhm bei Mit- und Nachwelt sich zu erwerben, das Glück zu erringen, sei,es ein Ideal, sei es in greifbarer Gestalt. Die Folge davon ist eine wahre Sucht nach Abenteuern, ein Suchen der Gefahr, ein unstätes Jagen bald nach diesem, bald nach jenem Ziele, das aber, wenn a einmal fest vor Augen stehend, mit unglaublicher Hartnäckigkeit festgehalten wird. Ein Freund langer und sorgfältiger Erwägung seiner Schritte ist er nicht, rasch im Entschluss, kühn in der Ausführung des Beschlossenen ist, er oft rücksichtslos gegen andre-— vor allem aber gegen sich. Selbstzucht übt er insofern wenig, als er die Gewohnheit derartiger Naturen teilt, erhaltenen Anregungen und Anstössen fast blindlings zu folgen. Die etwa entstehenden Folgen eines solchen Handelns, welche sie auch sein mögen, werden als etwas Selbstverständliches hingenommen und mit Gleichmut ertragen, sie aber vorher zu erwägen oder sich wohl gar in seinem Thun irgendwie dadurch bestimmen lassen, daran denkt er nicht. Gefahren kennt er nicht, auch wenn es sich dabei um Leib und Leben handelt. Tritt er ihnen gegenüber, so ist alles an ihm Mannhaftigkeit, er ist sich seines Daseins und des Wertes seines Lebens und seiner Persönlichkeit voll und ganz bewusst, schlägt das aber alles gern und willig in die Schanze für das, was er erstrebt und erjagen will, in der frohen Gewissheit und in dem hehren Bewustsein, gross und heldenhaft dann untergegangen zu sein. Das ganze äussere Leben des Dichters bildet hierzu gleichsam die Illustration. Man hat es oft und nicht mit Unrecht einem Romane verglichen, denn es gleicht einem solchen, wie ihn nur die kühnste Phantasie des Schriftstellers ersinnen. kann, aber einem solchen, dem leider der versöhnende Schluss, ein uns befriedigendes Ende fehlt. Engere Heimat und Vaterland waren dem Gamöes viel zu klein für seinen welterschütternden Thatendrang. Afrika, der unermessliche Ocean, Asien bis zu den fernsten östlichen Küsten sind Zeuge seiner Abenteuer gewesen, erzählen von seinen Thaten und Erlebnissen, berichten von seinem Streben und seinem Jagen nach dem Glück. Aber nicht zweck- und ziellos tobt er hinaus in die Ferne, nein, sein Schwert wie seine, Feder stehen im Dienste des Vaterlandes, Gottes und der Kirche, er kämpft, streitet und dichtet zur Ehre und zum Ruhme seines Lusitanenlandes. Was er aber in der Fremde suchte, es ward ihm nicht zu teil. Abenteuer, Gefahren, Mühen und Entbehrungen der schwersten Art, Verkennung und Verläumdung fand er überreich, mehr als einmal trat der Tod nahe an ihn heran, aber die Gelegenheit und Aussicht zu Thaten, welche die Welt erschütterten, die ihm unvergänglichen Ruhm bringen, das Glück erjagen sollten, mieden ihn. Ihm hatte das Geschick zu teil werden lassen, nichts als Lohn seines Strebens zu bekommen. Gerade das aber war es, was er ersehnte, erhoffte, Was schwer für ihn zu ertragen war, verkannt zu sein in seinem edelsten Streben, Ver- läumdung bei Hofe und in seinen Kreisen, missachtet zu sein, von denen er es am wenigsten erwartete, das schüttete das Geschick mit freigebiger Hand über ihm aus. Dazu liess es ihn in Armut und Abhängigkeit rettungslos versinken, quälte ihn in der Fremde mit verzehrender. Sehn- sucht nach der Geliebten, die für immer für ihn verloren war, und nach dem Vaterlande, und liess ihm endlich, zurückgekehrt zur Heimat, jede seiner Hoffnungen schmählich zu nichte werden. Denn, als er nun nach rastlosem Umherirren, nach Schicksalen aller Art schliesslich in sein geliebtes Vaterland zurückkehrte, um dort wenigstens das zu finden und zu geniessen, was er billigerweise beanspruchen konnte, versagte ihm neidisch das Glück auch dieses. Zwar war der Beifall, den die Lusiaden bei ihrer Veröffentlichung fanden, allgemein und unermesslich, doch an den Dichter selbst dachte dabei niemand. Die zwei ersten Auflagen des Heldenepos erschienen in demselben Jahre, doch was brachte es dem Dichter ein? Nicht einmal soviel Anerkennung ward ihm zu teil, dass er, der von allem entblösst den heimischen Boden wieder betreten hatte, sich ein sicheres, wenn auch bescheidenes Dasein verschaffen konnte. Herrscher und Volk, für die beide er doch gekämpft und gelitten, gedichtet und gesungen hatte, liessen ihn immer tiefer in Not, Armut und Elend versinken, thaten nichts, um ihm, dem Freud- und Hoffnungslosen das Leben erträglich zu machen. Er hat alles das ertragen, männlich und stark, aber nie konnte er vergessen, dass all sein Streben in allem vergeblich gewesen war, das legte sich wie ein Alp auf ihn und wirkte lähmend auf den Flug und Schwung seines grossen Geistes. Ihm fehlte die Kunst der Resignation, die Kunst OT und Fähigkeit, mit der Wirklichkeit rechnend die Ideale als unerreichbar anzuerkennen und dankbar mit dem zufrieden zu sein, was die Gegenwart, der Augenblick uns beut. Doch das Schrecklichste für Camöes hatte das Geschick ihm bis zuletzt anfgespart. Er, der trotz aller Enttäuschungen so glühend heiss sein. Vaterland liebte, musste noch erleben, wie es von seiner stolzen Höhe durch schlechte Leitung irre geführt und in Verblendung befangen, jäh herab- stürzte, wie es schmählich zu Grunde ging und seine Selbständigkeit und Freiheit einem verhassten Gegner zu opfern begann, der es schon lange mit Intriguen umgarnt hatte. Dass aber das uner- bittliche Geschick ihn diesen Zusammensturz des Vaterlandes nicht lange überleben liess, das ist vielleicht die einzige Gunst, die es ihm je erwiesen hat. Hoch und herrlich ragt aus dieser wahrhaft erschütternd wirkenden Tragödie seines Lebens die Dichtergestalt des Camöes hervor. Denn die Natur hatte ihm noch verliehen, alles, was ihn im Imnersten bewegte und erfüllte, in Poesie ausströmen zu lassen. Wie sie aber alles, was sie ihm schenkte, reich und verschwenderisch über ihn ausschüttete, so auch die Gabe des„Singens und Sagens“. Wo Camöes auch sein mochte, was er auch thun und treiben mochte, die Poesie war seine stete Begleiterin; Freud oder Leid mochte ihm zu teil werden, Unglück und Schmach ihn treffen, der Tod mochte ihm drohen, die geliebte Poesie verliess ihn nie, sie war das Element, in dem er sich wohl fühlte, sie die Lebensluft, in der er atmete. Alles strömte bei ihm aus in Gesang. Schon frühzeitig muss ihm gewissenhafte und nachdrückliche Übung zu statten gekommeu sein, das beweist seine formelle und sprachliche Meisterschaft; tief ist er in alle Geheimnisse der edlen Kunst eingedrungen und mit allem, was zu ihr gehört, auch mit dem Handwerksmässigen innig vertraut. Es kann uns nicht Wunder nehmen bei der eigentümlich tragischen Lebensgeschichte des Dichters, dass ein tief tragischer Zug durch Camöes’ ganze Poesie hindurchgeht. Am wenigsten tritt dies natürlich in seinem Epos hervor, denn naturgemäss musste in den Lusiaden der Reichtum seines eignen inneren Lebens gegen die Kraft und Fülle des Stoffes zurücktreten. Dennoch gestatten uns auch die Lusiaden tiefe Blicke zu thun in das reiche Innere seiner grossen Seele, besonders dort, wo die eigne Empfindung des Dichters zum Ausdruck kommt. Dabei erkennen wir denn, dass zwei Seiten darin ganz besonders stark ausgeprägt sind, die für ihn als Epiker von bestimmendem Einfluss gewesen sind. Camöes ist ein tief religiös veranlagtes Gemüt, begeistert für alles Edle, Wahre und Schöne, dazu durchdrungen und beseelt vom edelsten und reinsten Patriotismus, ausgestattet mit der selbstlosesten Liebe zu Vaterland, Volk und Fürst, die fast in Schwärmerei ausartet. Stets und in jeder Lebenslage gewohnt, den Blick nach oben zum Lenker der Geschicke zu richten, ist für ihn das Irdische nur eine Vorstufe zu dem Himmlischen, das Dasein hier auf Erden nur ein vorübergehendes, vorbereitendes auf jenes nach unserem Tode. Fest wurzelt er aber mit allen Fasern in dieser Welt. Er lebt in ihr, in der jeder. seinen Platz angewiesen erhalten hat, den er auszufüllen hat, im Jenseit jedoch ist unsere patria verdadeira(IX, 15). Der Leib bildet für unsre Seele nur ein Gefängnis(X, 31), wahren Frieden und wahre Ruhe findet sie erst in jener Welt, denn das Leben hier auf Erden ist für sie eine stete guerra turbulenta(X, 32). Das alles bestimmt des Dichters ganze Lebensanschauung und Lebensrichtung. Vor allem beseelt ihn das Streben, hier seinen Platz, an den ihn die göttliche Vorsehung hingestellt hat, voll und ganz auszu- füllen. Diese göttliche Vorsehung, Gott, ist die wahre höchste Macht, der alles unterworfen ist; Gott ist end- und anfangslos, für unser Verstehen völlig unbegreiflich: mas o que& Deos ninguem o entende; Que a tanto o engenho humano näo se estende.(X, 80.) a 0a Gott lenkt das Weltall, er regiert die Welt(VI, 81, IX, 5) und alles, was darin geschieht. Zwar sind die Wege Gottes dunkel, doch nur der Unverständige kann in der Welt von blindem Zufall reden: Oceultos os juizos de Deos süo! As gentes vüas, que nüo os entenderam, Chamam-lhe fado mdo, fortuna escura, Sendo sö providencia de Deos pura.(X, 38.) Der Mensch mit eigner Kraft vermag nichts gegen des Himmels Macht, denn auf des Herrn Wink vergeht selbst der Hölle Grauen(III, 112). Diesem Gott kann der Mensch unbedingt Vertrauen schenken, da seine escondida provideneia weiss, was zu allem gut und dienlich ist. Gottes Hilfe que o impossibil pöde(VI, 80), vermag in Kampfesnot und Gefahr mehr als grosse und zahlreiche Streitmacht(IIl, 82); ohne sie ist der Mensch machtlos(III, 34), sie ist auch im Kleinsten und Schwächsten mächtig(III, 43).'Tückischer Bestrickung und drohender Gefahr kann sich niemand entziehen, wenn nicht Gottes Macht sich der armen Menschheit erbarmte: Quem podera do mal, apparelhado Livrar-se sem perigo sabiamente, | Se la de cima a Guarda soberana Nüo acudir a fraca forca humana?(II, 30.) Von unserer Seite ist dazu ein fester Glaube an Gott und seine Allmacht, Weisheit und Fürsorge für die Menschen nötig. Dieser Glaube an Gott und an seines Sohnes menschenerlösende Sendung vermag mehr als alle sonstige Kraft und Kunst des Menschen. Gott seinerseits schützt die, welche sich ihm ergeben und die Seinen werden, wie er den Pacheco bei seinen Thaten in seinen Schutz genommen hat(X, 17). Diese feste Zuversicht göttlichen Schutzes und göttlichen Beistandes vermag allein auch ein starkes Herz vor Sorge und Misstrauen im Leben zu schützen(III, 109). Doch will Gott um seine Hilfe angerufen werden, sein Segen will erbeten sein. Deshalb fleht man zu ihm vor der Abfahrt nach Indien(IV. 86 ff.);&ama, der wohl weiss, dass er in Gottes Hand steht, betet im Sturme um Hilfe von oben(VI, 80 ff.). So sehr Gott aber die Seinen in Obhut nimmt, ebenso sehr ist er gegen Frevler ein zürnender und strafender Gott. So erfüllt sich an Alfonso der Mutter Fluch(III, 69), in Fernandos Geschick müssen wir die Strafe des Himmels erblicken(III, 139), die jeden erreicht, der seinen sinnlichen Begierden folgt(III, 140), auch wenn Gott in seiner Langmut oft die Strafe aus uns unbekannten Gründen aufschiebt(III, 69). Alle diese Lehren müssen üns tief ins Herz eingeschrieben sein (vgl. I, 66). Sie werden uns übermittelt durch die Kirche, durch die wir allein der Gottesgemeinschaft teilhaftig werden können. Diese Kirche kann aber nur sein die katholische, die alleinseligmachende, deren gläubiger Anhänger Camöes ist. Sie ist die madre igreija(X, 40), deren Ursprung und Wesenheit im Himmel ist(VII, 2). Was sie lehrt, ist allein zu glauben. In dieser Hinsicht ist Camöes streng gläubiger Katholik. An Wunder und ‚überirdisches Eingreifen Gottes glaubt. er. Mit Überzeugungstreue trägt er das bei König Johanns Thronbesteigung geschehene Wunder(IV, 3) vor, stolz berichtet er als eine Heldenthat Alfonsos, dass er des Märtyrers Vincenz sanctissimo corpo venerado nach Lisboa gebracht habe(III, 74). Jede andere Religion als die katholische ist selbstverständlich eine grobe Ketzerei, die vor Camöes’ Augen keine Gnade finden kann; von religiöser Duldsamkeit ist bei ihm keine Spur zu entdecken, für ihn gilt nur das Christentum in der Form und Gestalt des Katholieismus(VIII, 47 a divina f€ und viele ähnliche Stellen).- Mit Abscheu blickt er auf die Deutschen, die dem neuen well Hirten(Luther) folgen(VII, 4), und es wagen, sich des hehren Joches des Papstes entledigen zu wollen, auf England, das auch nova maneira faz de christandada(VII, 5) und gegen die Katholiken die Waffen erhebt zum Kampfe, gegen os de Christo! Fanatischer Hass aber beseelt ihn gegen alles, was dem Glauben Mohammeds anhängt. Er findet kaum Worte genug, um diesen genügend und kräftig genug auszudrücken, kein Beiname ist ihm schlecht genug für die Anhänger des Propheten, mögen sie nun Mauren, der Lusitanen alte Erbfeinde, oder Türken sein. Es klingt noch sehr zahm, wenn er‘sie nennt 0s descendentes da escrava Agar(lII, 26) etc, meist erscheinen stärkere Beiwörter(Mauro enganoso II, 7, perfido IIL, 112,«a gente perfida II, 16 ete., ja, er trägt kein Bedenken, sie einfach os cües, Hunde, zu nennen. Wie die Ausbreitung des Christentums, d. h. des Katholizismus, Pflicht eines jeden ist— und Gott schützt die Seinen, die für die Ausbreitung seines Wortes und Reiches streiten—, dem kleinen Portugal allerdings nach Camöes als besonderes Loos von der Vorsehung zugefallen, so ist vor allem Aufgabe und Pflicht jedes Gläubigen der Kampf mit Feuer und Schwert gegen alle, die sich zur Lehre Mohammeds halten. Er ist ein gottgefälliges Werk; weil sie Gott verhasst sind, ein Krieg gegen sie ist eine justa e sancta guerra(VIII, 17). So sehr sich auch nach Camöes’ religiöser Anschauung und nach Portugals ganzer historischer Entwicklung ein derartiger Fanatismus begreifen lässt, so wenig kann es uns sympatisch berühren, dass der Dichter nichts Gutes an Mohammed und seinen Glaubensgenossen lässt, blind ist gegen irgend welche guten Eigenschaften in ihnen; sie sind für ihn eine Rasse, die man wie die Hunde totschlagen muss. Nur von zwei Mohammedanern weiss Camöes Menschliches und Gutes zu berichten, sie bilden eine Ausnahme ihres Geschlechtes. Es sind dies Melindens Herrscher mit seinen Unterthanen und der Mohr Moncaide im Dienste des indischen Grossen in Calicut. Für den Leser geradezu wohlthuend wirkt es, von den Bewohnern Melindens und ihrem Herrscher zu hören: Louvam do rei os Mouros a bondade, Oondicäo liberal, sincero peito, Magnificencia grande e humanidade Com partes de grandissimo respeito—(II, 71). und wenn der König selbst o generoso Mo:ro genannt wird(II, 107), der den Portugiesen friedlich gesinnt ist und ihnen jegliche Hilfe gewährt, wobei er allerdings beinahe schon wie ein halber Christ auftritt in Worten und Gedanken. Bei Moncaide, der in Calicut die Portugiesen durch seine Redlichkeit und seinen Biedersinn vor den schlau ersonnenen Ränken und Tücken der Inder und ihre Flotte vor dem Untergange rettet, unterlässt Camöes nicht, ausdrücklich zu erwähnen, dass Gott es so mit dem Mohr vorgehabt habe, damit er das Paradies sich erwerbe(IX, 5,) und fast wie eine Entschuldigung klingt es, wenn Mongaide dem Gama von seiner Herkunft erzählt und dabei vom Islam sagt: 0 culto no qual me instituiram meus parentes(VI, 33). Diese religiöse Kurzsichtigkeit und Voreingenommenheit ist dem Dichter in vielen Stücken künstlerisch hinderlich gewesen, abgesehen davon, dass sie für die heutige Zeit abstossend wirkt. Um wie vieles wahrer und packender wäre der grossartig geschilderte stete Kampf mit den Ungläubigen, wie viel vertiefter erschiene das Verhältnis zwischen Christen und Mahommedanern, um wie vieles näher wäre Canıdes der Lösung mancher Probleme gekommen, wenn irgendwo hervorleuchtete, dass der Mohr für die Wahrheit und Echtheit seines Glaubens und seines Bekenntnisses wie der Christ stritte, für ein ideales Gut kämpfte. Das gäbe dem ganzen Streite, der überall in den Lusiaden einen hervorragenden Platz einnimmt, ein ideales Motiv, während er so oft nur erscheint als ein Hinschlachten einer Rasse, die Gott in seinem Zorn erschaffen hat, gegen die Schonung ein Frevel 2+ u De wäre, jedes Mittel zur Vertilgung aber recht ist. Das aber muss dem Dichter anerkennend zugestanden werden, dass er mit Recht seine kräftige Stimme erschallen lässt gegen die schnöde Türkenwirtschaft im Osten Europas, die durch elende Missbräuche seinen ganzen Groll erregt hatte(VII, 13). Auch ist Camöes der Erste gewesen, der zur Befreiung Griechenlands vom türkischen Joche aufruft (VII, 13). Manche Züge sind jedoch in den Lusiaden anzutreffen, die nicht so recht mit seiner Recht- gläubigkeit als Katholik im Einklang stehen. Öfters hat er auch antike Anschauungen ganz zu den seinigen gemacht. Dem Muster der Alten folgt er in vielen Ausdrücken und Benennungen, mit denen er das höchste Wesen belegt, bisweilen spielt trotz göttlicher Vorsehung das blinde Fatum eine Rolle; ganz antik ist, dass die Nemesis der Schifismannschaft an Afrikas Küste die Skorbutplage schickt— fast klingt hier so etwas durch wie der Neid der Götter. R Auf die Verkündiger der christlichen Lehre ist er oft recht herzlich schlecht zu sprechen. Selbst der Stellvertreter Christi auf Petri Stuhl findet keine Gnade vor ihm. Sehr herb und bitter klingt es, wenn er ihm vorwirft, dass er schuld am Verfall Italiens ist: Mas despois que 0 porteiro tem divino, Perdendo o esforco veiu e bellica arte: Pobre esta ja da antigua potestade.(III, 15.) Schwere Anklagen gegen die Geistlichen beweisen, dass er nicht blind ist gegen pfäffische Gelüste. Besonders wirft er ihnen vor Gier nach Gelderwerb, die sie oft hinter dem Gewande der Tugend verstecken(VIII, 99); statt christliche Liebe auszubreiten, wie es ihr Beruf erheischt, streben sie nach Reichtum und Ämtern— aquelles, que devem d pobreza Amor divino e ao povo charidade, Amam sömente mandos e riqueza, Simulando justica e integridade—(IX, 28),(vgl. dazu X, 150). Den Herrschern und Grossen dieser Welt sind sie zu Willen, das gemeine Volk findet aber keinen Anwalt an ihnen; selbst den wahren Glauben lehren sie nicht immer(vgl. X, 119). Am verhasstesten aber ist es ihm, wenn die Geistlichen in der Umgebung des Herrschers sich pfäffischen Gelüsten ergeben, hohe Kirchendiener in der Verwaltung von Staatsämtern nicht gewissenhaft sind, da doch der Fürst auf sie sich verlassen muss. Voller Ingrimm ruft er aus: Nem täo pouco direi, que tome tanto Em grosso a conseiencia limpa e certa Que se enleve n’um pobre e humilde manto, Onde ambicdo a caso ande encoberta: ' E quando um bom em tudo€ justo e santö Em negocios do mundo pouco acerta.—(VII, 55.) Wir müssen Camöes’ Freimut bewundern, mit dem er in einer Zeit wie die seinige das aus- spricht, nennt er es doch selbst eine materia perigosa(X, 120), die besser unerörtert bleibt. Aber gerade diese Offenheit und Wahrheitsliebe allen gegenüber ist ein Hauptvorzug des Charakters des Dichters. Freimütig klagt er die höchsten Kreise der Verderbtheit an, dass keiner no bem publico imagina, dass die meisten dem Eigennutze fröhnen und ® en que esses que frequenlam os reais Pacos, por verdadeira e säa doutrina Vendem adulacäo, que mal consente Mondar-se o novo trigo florescente.(IX, 27.) Entartet nenut er das jetzige Volk gegen die alten Geschlechter(VII, 39), in Unkenntnis von Kunst und Wissenschaft versunken. Seine Wahrheitsliebe kann nicht mit Stillschweigen über das hinweggehen, was sein Volk und dessen Herrscher verübt haben, alles wird getreu berichtet. So wird die That an Ines de Castro als Frevel gebrandmarkt, die schmähliche Niederlage der Portugiesen gegen Fernando von Arragon als Folge eines tollkühnen Wagnisses trotz des bewiesenen Patriotismus von ihm bezeichnet(IV, 58). Überall tritt zu Tage seine sittliche Entrüstung über alles, was niedrig und gemein ist, was von wahrer Religiosität und Biederkeit abweicht(vergl. VII, 5 ft.). Scharf verurteilt er niedere Sinnenlust(III, 139), doch beurteilt er menschliche Schwäche auch milde[selbst Samorims Argwohn gegen Gama und die Wahrheit seiner Worte wird mit ererbter Schlechtigkeit von Adam her entschuldigt(VIII, 651)], besonders wenn sie sich in Liebes- verirrung zeigt(III, 144), wobei klassische Belege die Berechtigung seiner Milde darthun und erhöhen sollen. Nichts aber verdammt er mehr als eitle Ruhm- und Ehrsucht der Menschen(vgl. die Rede des Alten bei Abfahrt der Flotte aus dem Tejo), Wahren Ruhm soll aber ein jeder erstreben, der darin besteht, dass ein jeder Grosses an seinem Platze zu leisten trachtet, wo er auch stehen mag: nüo deize em fim de ter disposto Ninguem a grandes obras sempre o peito; Que por esta ou per outra qualquer via, Näo perdera seu prego e sua valia.(V, 100.) Wahrer Ruhm macht aber allein unsterblich. Nicht mit Müssigkeit oder Geld kann er erworben werden, sondern nur durch tüchtige und angestrengte Arbeit, Ehrgeiz und Begierde verschaffen ihn auch nicht. Wer so nach wahrem Ruhm strebt, hilft mit zum Ruhme des Vaterlandes. Ihn zu erringen, zu wahren und zu vergrössern, das ist für jeden Patrioten die würdigste Aufgabe, nur so kann ‘wahre Vaterlandsliebe sich bethätigen, die ein jeder in hohem Masse besitzen muss. Diese stark ausgeprägte Liebe zum Vaterlande bildet den zweiten hervor- stechendsten Zug in Camöes’ Charakter; Anlage, Bildung und des Vaterlandes Ruhm hatten sie zu vollster Blüte sich entfalten lassen. Der Glanz und die Grösse Portugals, für dessen Ruhm er mit den Waffen in der Hand gestritten, im Kampfe gegen dessen Feinde er ehrenvolle Wunden davongetragen hat, erfüllt ihn mit berechtigtem Stolze, mit Begeisterung singt er das Lob seines Vaterlandes. Alles, was die Portugiesen gethan, erscheint ihm im Lichte eines begeisterten Patrioten, mit Freude und Jubel preist er jede That, die Portugals Ruhm vermehrte, jeden Helden, der zu Portugals Grösse beitrug. Nichts sind ihm die Thaten der grossen Männer des Altertums gegen das, was Portugals Helden geleistet haben, ihr Ruhm wird vergessen werden gegen den seiner Landsleute. Esquecerem-se Gregos e Romanos Pelos illustres feitos, que esta gente Ha de fazer nas partes do Oriente.(ll, 44.) ld Giebt es Herrlicheres, als was Fernando(1V, 53) und Moniz gethan? Kann sich irgend ein Held des Altertums rühmen des Mutes und der Thaten eines Almeida(X, 19), oder eines Pacheco(X, 26)? Selbst Cäsars und Alexanders Ruhm ist nichts gegen den Alfonsos I., der mit so kleiner Zahl die gewaltigen Massen der Feinde zu Paaren trieb(VIII, 12). Nie sind Sang und Saiten zu Ehren von Thaten erklungen, die es mehr verdienten, als Portugals herrliche Sieges- thaten in Cochim(II, 52). So gross und unwiderstehlich erscheint ihm die Gewalt, Macht, Kühnheit und Tapferkeit der Lusitanen, dass sich alles vor ihnen beugt und niederwirft, dass selbst die Elemente sich willig von ihnen bemeistern lassen, und Neptun, der Herrscher des Meeres, vor ihrem Wagemut erzittert(II, 47). Darum kennt auch jedermann die Portugiesen, ihr Lob ist in aller Munde(II, 103, 111). Mit Stolz jubelt Camöes es aller Welt zu, dass sein Vaterland es ist, das eine der grössten Thaten vollbrachte, der Wut des Nereus erfolgreich trotzie(Il, 112) und den Ozean für immer der Herrschaft des Menschen unterwarf. Das zu erreichen war aber nur den Portugiesen möglich, deren Heldenmut und Kühnheit, alles zu wagen, ohne Grenzen ist, die als der Väter Erbteil überkommen haben Que 05 muitos por ser poucos nüo temam, was sie Hunderte von Malen in der Geschichte gezeigt haben; die im Verein mit ihrem Landes- herrn stets das unbezähmbare Bedürfnis hatten: descobrindo 05 mares inimigos De saber, que fim tinham e onde estavam As derradeiras praias, que lavavam. Selbstbewusst verkündet er, dass ihr ganzes Thun ein edles gewesen ist, nicht von schnöder Habsucht geleitet wurde(VII, 2); stets im Auge behaltend ihren Beruf, die Ausbreitung der Kirche (VII, 3), sind die Lusitanen sich ihrer civilisatorischen Aufgabe fortwährend bewusst gewesen, damit endlich Por elles, de tudo em fim senhores, Seräo dadas na terra leis melhores.(11, 46) Nie hätten aber die Lusitanen so Herrliches vollbringen können, wenn nicht Volk und Fürst einmütig zu einander gestanden hätten. Nur dann kann das Vaterland bestehen, wenn Volk und Fürst eins sind. Portugals Herrscher sind‘darauf bedacht gewesen, accrescenter a terra chara (IV, 67), Mehrer des Reiches zu sein; ihr Ziel und Zweck war die Grösse des Reiches, wie König- Johann und Manoel beweisen; ihrem Volke waren sie leuchtende Beispiele des Mute; und der Tapferkeit (IV, 38). An das Volk aber tritt die Mahnung heran, treu zu seinem Fürsten zu stehen, für den alles zu thun und zu ertragen es bereit sein muss, wie Gama es für Manoel zu thun so trefflich ausspricht(IV, 79/80). Was man aber für seinen Fürsten freudig übernimmt(V, 71), das sollte man noch vielmehr alles erdulden,- um die Grösse des Vaterlandes zu mehren und zu erhalten, um die Freiheit desselben zu wahren(IV, 15). Völlig unbegreiflich muss es ihm daher erscheinen, wie jemand imstande sein kann, zum Verräter an seinem Vaterlande zu werden, wovon die portugiesische Geschichte leider auch Beispiele aufzuweisen hat(IV, 33). Vaterlandsliebe muss sich durch ihre Treue vor allem als echt erweisen, eine Treue, die auch dann bewahrt wird, wenn das Vaterland mit Undank und Verkennung seinen Söhnen lohnt, wie uns die Heldengeschichte Portugals an zahlreichen Beispielen lehrt und der Dichter selbst durch sein eigenes Verhalten. Er hatte den Undank des Vaterlands erfahren, wie selten einer. Mit seinem Blute hatte er ihm treu gedient, aber es fand später keine Verwendung für ihn, seine Dienste vergass es. In seinem Innersten durch diesen Undank gekränkt, hatte er ihm den Rücken gekehrt und dabei die harten Worte ausgestossen: ingrata patria non possidebis ossa mea. Doch er verliess es nur, um ihm wieder mit alter, unwandelbarer Treue in den fernsten Landen zu dienen. Camöes’ ganzes späteres Leben im Orient sowohl, als auch wieder daheim in Portugal ist eine Kette von Leiden aller Art, die mehr oder weniger alle mit in dem Undank des so sehr geliebten Vaterlandes wurzeln. Er sieht, wie ihm geht es vielen Grossen, vielen Helden des Lusitanenstammes. Mit kräftigen und harten Worten, die den Groll des tief verletzten und gekränkten Patrioten atmen, wirft er dem Vaterlande und dessen Beherrscher Undankbarkeit vor (z.B. X, 22/25 u. ä.), geisselt sie bitter und beklagt, dass Schm:ichler und Schönredner Ruhm und Ehre für sich erringen von ihrem kurzsichtigen Fürsten. Aber nie ist auch der schnödeste Undank imstande gewesen, die Liebe zum Vaterlande in ihm zu ertöten, auch in weitester Ferne blieb sie stets dieselbe, ja wuchs noch an Innigkeit. Sein ganzes Thun, ob mit dem Schwerte, ob mit der Feder, blieb immer dem Vaterlande gewidmet. Des Vaterlandes Ruhm und Grösse begeistert ihn immer und erfüllt ihn mit Jubel und Frohlocken. War dem Vaterlande durch irgend einen seiner Söhne Schmach und Schimpf zugefügt, so war für Camöes das eine persönliche Kränkung, denn was dem Vaterlande geschah, geschah ihm, er war innig mit ihm verwachsen. War er voll Ingrimm im Herzen vom Vaterlande geschieden, so verzehrte ihn doch eine brennende Sehn- sucht nach ihm in der Ferne, sein ganzes Streben war darauf gerichtet, zu ihm wieder zu gelangen. Nur diese Liebe zum Vaterlande, das er je älter, je mehr mit wahrer Inbrunst fast anbetete, verschaffte ihm mitten in Entbehrungen, Kämpfen, Leiden, Drangsalen in der Fremde, die ihm ein Exil dünkte, Zeit, Mut, Ausdauer und nie schwindende Begeisterung, zum Lob und Preise seines Volkes und seines Vaterlandes, sein Epos, die Lusiaden, zu schreiben. Ihre Vollendung ist gleichsam seine Lebensaufgabe, die er vor dem Tode noch erfüllt sehen möchte(vgl. X, 9). Die Lusiaden. Wahl und Behandlung des Stoffes. Ganz naturgemäss erscheint es, dass ein Mann wie Comöes nur etwas zum Vorwurf einer epischen Dichtung machen konnte, in dem sich die Grösse und Herrlichkeit seines Volkes, der Glanz des Ruhmes seines über alles geliebten Vaterlandes abspiegelte. Er tritt damit in die Reihe der- Jenigen Kunstepiker, welche die Geschichte selbst oder doch eine grosse That oder Begebenheit aus einer besonders glanz- und ruhmvollen Zeit in den Kreis poetischer Auffassung und Darstellung zogen. Es hatte sich so das sogenannte historische Epos entwickelt, das in Italien, wie bekannt, die ihm nun anhaftende Kunstform gefunden hatte und das(der allgemeinen Annahme nach) in Camöes’ Lusiaden bis zu einer gewissen Vollendung gelangte. Mit glücklichem Griff vermied es Camöes, einen Stoff aus der alten Heroenzeit zu nehmen, aus der Zeit, in der sich Portugal seine Selbständigkeit errang und gegen Mauren und Kastilianer zu behaupten wusste, obwohl hier manche Begebenheit und manche Erscheinung sich trefflich zu einem solchen Vorwurf geeignet hätte. Für ihn gab es ein anderes Heldenzeitalter seines Volkes, een das mit Recht sein eigentliches genannt wird, die Zeit jenes leider so kurzen heldenhaften Auf- schwunges(Ende des XV. und erste Hälfte des XVI. Jahrh.), welcher es in die Weltgeschichte einführte und der zugleich die Zeit seiner höchsten Blüte bedeutete. Es zeugt von echt epischem Sinne und Verständnis und beweist eine glückliche Hand, dass Camödes die Auffindung Indiens durch Vasco de Gama zum— wir müssen sagen— Hauptvorwurf seines Epos machte, jene grösste nationale That Portugals, in der alle andern gleichsam gipfeln. Volkstümlich war sein Stoff in jeder Weise, nichts andres in der portugiesischen Geschichte konnte es mehr sein, und volkstümlich soll der Stoff des Epo; sein. Camöes steht in dieser Hinsicht höher als Tasso. Wohl bekundet sich des letzteren episches Geschick darin, dass er in Ermangelung eines streng nationalen Stoffes zum ersten Kreuzzug griff und die Befreiung Jerusalems durch die Kreuzfahrer, an ihrer Spitze Gottfried von Bouillon,-zum Gegenstand seines Epos nahm. Auch hatte er dabei den Vorteil, dass ihm der Boden für das Verständnis seiner Dichtung durch Sage, Überlieferung und steten Verkehr Italiens mit dem Oriente empfänglich gemacht war, es lebte ferner die Erinnerung an jene Heldenthat des Abendlandes in aller Herzen— volkstümlich in dem Sinne, wie es der des Camöes sein musste, war sein Stoff natürlich nicht. Auch die Forderung des Epos, dass eine besondere Begebenheit, ein geschichtliches Ereignis die Haupthandlung bildet, sehen wir erfüllt. Die Auffindung Indiens auf dem Seewege ist das welt- geschichtliche Ereignis, auf dessen Hintergrund die Handlung sich aufbaut; wir sehen aber zugleich in diesen eigentlich geringen Umfang in grossartiger Weise die Jahrhunderte umfassende Geschichte des portugiesischen Volkes hineingearbeitet. Der Held dieser historischen That ist Vasco de Gama, aber um ihn herum scharen sich alle Helden Portugals. Ungezwungen und wie sich von selbst verstehend, wird die Vergangenheit des portugiesischen Volkes mit all ihren Helden und ihren herrlichen Grossthaten herbeigeholt, und mit den Augen eines Sehers lässt uns der Dichter die Fleldenthaten der Lusitanen in Indien nach Gamas Zeit schauen.‘ So wird vieles in die Haupt- handlung eingeführt und eingeflochten, die Vergangenheit an passender Stelle hineingezogen. um der im Epos behandelten Gegenwart zum Verständnis und zur Motivierung zu dienen. Camöes zeigt hier hübsches Geschick. Als die Flotte unter Gamas Leitung den ersten ruhigen längern Aufenthalt in sicherem Hafen beim König von Melinde geniessen kann, hält er es für angebracht, uns mit Portugals Vergangenheit bekannt zu machen. Vorbereitet ist alles aufs beste. Gama hat nach Fährlichkeiten aller Art endiich auf Zeus’ Veranlassung einen Mohrenkönig an Afrikas Ostküste getroffen, der ohne Falsch und Tücke, dessen Einladung zu Ruh und Rast im Hafen keine leere Vorspiegelung ist, die Fremdlinge nur in Sicherheit und Sorglosigkeit einzuwiegen. Er hat durch Gerücht und Sage schon von den Portugiesen gehört(II, 107), auch durch die Botschaft der Götter, und ist nun in seiner Neugier auf das höchste gespannt durch die Ankunft der Portugiesen, deren Mut und Wagnis alles bisher von ihm Vernommene übersteigt. Was ist natürlicher, als dass er Gama auffordert, ihm während der Erholungspause Bericht zu erstatten von seines Volkes Ver- gangenheit und Grösse? Damit aber nichts vergessen werde, ruft ihm der Fürst zu: Mas antes, valeroso Capitäo Nos conta—— diligente Da terra tua 0 clima e regiäo Do mundo onde morais distinctamente.(II, 109). Gama kommt der Aufforderung nach, selbst auf die Gefahr hin, der Herold der Ruhmes- thaten seines eigenen Volkes zu sein, denn dem Gebot des Königs muss er gehorchen, auch wird er, trotzdem er viel verkünden wird, noch vieles verschweigen(III, 3). Nun erzählt Gama nach kurzer Schilderung der Länder Europas, dessen Haupt Spanien, dessen Stirn Portugal ist, in ausführlichem BL Bericht die Entstehung des lusitanischen Reiches, seine Kämpfe mit Rom, mit den Spaniern und den Mauren. Immer weiter sehen wir das Gebiet sich ausdehnen, der Vernichtungskampf gegen die Mauren erfolgt mit Unterstützung der Spanier bei Tarifa. Die Reihe der Herrscher gleitet an uns vorbei, siegreich geht Portugal aus schwerem Kampfe mit Spanien hervor, das um Frieden bitten muss. Wir sehen dann Portugals Könige den Kampf gegen die Ungläubigen in Afrika fort- setzen, sich hinauswagen immer weiter auf das Meer, bis unter König Manoel jener denkwürdige Zug ausgerüstet und unternommen wird, als dessen Befehlshaber Gama beim Fürsten von Melinde eingetroffen ist. Auf diese Weise ist die Verbindung zwischen der Vergangenheit und der besonderen Begebenheit der Gegenwart hergestellt. ks darf nicht geleugnet werden, dass diese ganze Darstellung der bisherigen Geschichte Portugals, so geschickt sie auch eingeführt ist, an gewissen Fehlern leidet, die dem reinen Kunst- genuss Abbruch thun. Wenn behauptet wird, dass sie mitunter weiter nichts sei, als eine gereimte Chronik, versifizierte Geschichte, so ist das vielleicht der geringste. Wohl mag uns manches trocken und dürr erscheinen, manches unwichtig und wertlos vorkommen, bei vielem uns das Interesse verlassen, anderes wieder monoton und gestaltlos aussehen, wir dürfen dabei nie vergessen, dass der Dichter zunächst für seine Landsleute schrieb. Sie fanden darin alle die Heldenthaten, denen Portugal seine Grösse verdankte, alle die Helden, deren Name in aller Munde lebte und von jeder- mann mit Stolz genannt wurde. Über alles aber hat der Dichter in vollendet dichterischer Sprache den Hauch echter Poesie ausgegossen, überall ist der Schlag eines vom glühendsten Patriotismus erfüllten Herzens zu spüren. Wenn aber diese ewigen Kämpfe, dieser grimmige Hass und Fanatismus gegen die Mauren, dieses ewige Schlachten und Morden für unser Gefühl etwas Unsympathisches und Abstossendes hat, so müssen wir bedenken, dass Portugal nur durch diese Kämpfe gross geworden ist, dass es sich, wie wir bereits erwähnten, um einen Kampf ums Dasein für das portugiesische Volk dabei handelte, um einen Kampf für die heiligsten Interessen desselben. Ausserdem hat es der Dichter verstanden, für Abwechslung und Unterbrechung zu sorgen. Mit künstlerischer Hand hat er einige reizende Episoden in seinen Bericht eingeführt. Wir treffen dort die ergreifende Geschichte von der Ines de Castro(III, 118 fi.), deren unschuldiger Tod durch Mörderhand unser tiefstes Innere erschüttert, wenn wir sehen, wie sie ein Opfer ihrer reinen, echten Liebe wird. Reizend erfunden ist die kleine Episode von der Erscheinung des Indus und Ganges, die dem König Manoel im Traume sich zeigen, um ihn aufzufordern, nach Indien zu kommen, das darauf warte ihm seinen Tribut zu entrichten(IV, 69 ff.). Trefflich unterbricht Camöes den geschichtlichen Bericht durch Äusserungen seiner subjektiven Empfindung, durch Vor- führung dessen, was sein innerstes Herz bewegt. Gleich einem erfrischenden Quell durchbricht an geeigneter Stelle, wo der Stoff dazu aufforderte, seine köstliche Poesie das Einerlei des historischen Berichtes. Wie ergreifend sind seine Worte, die er dem Nuno Alvarez(IV, 15 ff.) in den Mund legt, als die Streiter in banger Zaghaftigkeit ihren Herrscher im Stich lassen wollen! Wie klingt edelste Begeisterung für das Vaterland aus den Stanzen, die der Schlacht bei Tarifa gewidmet sind! : Ganz aus unserer Seele gesprochen ist jenes verdammende Urteil gegen eitle Ruhm- und Ehrsucht der Menschen, die nichts unversucht lässt(IV, Ende). Wie packt uns die Klage des Alten bei der Abfahrt der Schiffe aus dem Tejo, wie ergreifen uns die Worte der jammernd zurückbleibenden Verwandten der absegelnden Schiffer!. Das ist wahre, echte Poesie! Schwerer wiegt vielleicht der Vorwurf, dass dieser Bericht aus Portugals Geschichte schlecht motiviert ist. Hier ist wirklich ein schwacher Punkt in der Ronzıpierung des Stoffes, worauf schon öfters hingewiesen ist. Der König von Melinde hat noch nie etwas von Europa vernommen, auch nicht vernehmen können, was kann ihn die Lage der einzelnen Länder dieses Erdteils interessieren? Er hat nie die geringste Kunde erhalten von europäischen Völkern, ihren Schicksalen, Sitten und 3 le Gebräuchen, wie könnten ihre Kriege, ihre Gesetze, ihre vielseitigen Interessen auch nur irgendwie seine Wiss- und Lernbegierde, seine Neugier erregen? Der grösste Teil des ganzen langen Berichtes musste also für ihn vollkommen unverständlich sein. Hätte der Fürst aber wirklich schon einige Kenntnis von dem, was er aus Gamas Munde vernimmt, so müsste der Bericht eine Wirkung bei ‚dem Mohren erzielen, die ganz das Gegenteil von dem sein würde, was er bezweckte. Die Portugiesen erscheinen als Todfeinde seines eigenen Geschlechtes, die keine grössere und Gott wohlgefälligere That thun können, als die Mohren mit Feuer und Schwert zu vernichten, die nichts Widerwärtigeres und Abschreckenderes, zugleich in tiefster Seele Verhassteres kennen, als die Religion Mohammeds, deren treuer Anhänger Melindens Fürst ist. Wenn nun dieser dennoch in jeder. Weise sich den Portugiesen entgegenkommend zeigt, sie mit allem Nötigen, sogar mit einem gewissenhaften und zuverlässigen Lotsen versieht, so macht das seinem Charakter alle Ehre, ist uns aber nach allem, was wir bisher von der maldita gente gehört haben, nicht recht verständlich und nicht recht glaubhaft, da es psychologisch sehr unwahrscheinlich ist. Von Camöes scheint das übersehen zu sein. Oder sollte er es doch bemerkt haben und uns durch die vortrefflich geschilderte Neugier des Mohren und durch Einführung der auf überirdischem Wege von dem Fürsten erlangten Kunde-von Portugal haben hinwegtäuschen wollen? Noch an einer anderen Stelle hat Camödes versucht, in'epischer Weise die Vergangenheit in die dargestellte Einzelhandlung hineinzuziehen. Auch hier ist der Bericht geschickt untergebracht, zugleich aber auch gut motiviert. Nichts war natürlicher, als dass der Herrscher des Bezirkes von Calicut im Verein mit seinen Grossen Auskunft wünschte über Gamas Heimat, über Land und Leute und über die geschichtliche Vergangenheit der Portugiesen. Keiner war mehr als er berechtigt, Ausführliches zu erfahren, damit er die Grösse‘und Heldenhaftigkeit derer kennen lernte, deren Boten soeben auf weiter Wasserstrasse zu ihm gekommen sind. Wir erwarten hier, wo die Portugiesen doch ausgesprochenermassen, nach Gamas eignen Worten, mit den Leuten in Freundschaft für immer und in ausgedehnte Handelsbeziehungen treten wollen, am ehesten eine klare und ausführliche Darstellung alles dessen, was in den Augen der Inder die Macht und Stärke der Portugiesen und ihre geschichtliche Grösse kennzeichnen muss. Statt dessen wird aber auf verhältnismässig kleinem Raume, in 40 Strophen, abermals eine Verherrlichung der hervorragendsten Helden und Könige geboten, die von Lusus, dem sagenhaften ersten Herrscher ausgehend, mit Ceutas Eroberung durch Dom Pedro abschliesst. Abgesehen aber davon, dass uns die Empfindung beschleicht, es gehöre der ausführliche, historische Bericht eigentlich hierher, macht das einen störenden Eindruck, dass genau genommen noch einmal dasselbe, wenn auch kürzer, vorgetragen wird, was Melindens Fürst bereits in epischer Breite erfahren hat. Freilich wird auf einzelne Helden mehr Rücksicht genommen, die bei dem ersten Bericht übergangen und zu kurz gekommen sind, aber das Anschlagen desselben Themas wirkt störend, so fein auch die Ausführung im einzelnen ist, so geschickt auch manche neuen Züge angebracht sind und dem Stoffe ein anderes Interesse abgewonnen wird. Wir haben den besprochenen Umstand stets als einen Mangel empfinden müssen. Die Einführung selbst ist mit vielem Geschick bewerkstelligt. Ein indischer Grosser kommt im Hafen von Calieut im| Auftrage seines Herrschers auf Gamas Schiff und sieht auf den zur Feier des Empfanges aufgestellten Flaggen und Fahnen allerlei Grossthaten und. Heldengestalten dargestellt. Um Erklärung, des Abgebildeten sich an Paulo de Gama wendend, erfährt er von diesem Bedeutung und Sinn des Dargestellten und erhält so einen in Einzelheiten recht ansprechenden Bericht von Portugals Helden- thaten und Heldensöhnen. Eigentümlich ist die Einführung des für die Haupthandlung des Epos historisch in der Zukunft liegenden Berichtes von Portugals Heldenthaten und Eroberungen in Indien. Mit künstlerischem Geschick ist derselbe in den Sehermund einer Nymphe gelegt, die prophetisch der = 40 Lusitanen künftige Geschicke schaut und sie als herrlichste Gabe und grössesten Festesreiz bei dem fröhlichen Mahle, das Gama und seine Begleiter mit den ihnen von Venus zuerteilten Nymphen auf der ilha namorada feiern, mit entzückender Stimme in herrlichen Versen singt. Wir erfahren so von den in der Geschichte kaum ihresgleichen findenden Grossthaten, und von den gewaltigen kühnen Eroberungen, durch die Portugal sich Indien unterwarf und seine Herrschaft bis nach China hin ausdehnte, sehen an uns vorübergleiten die stattliche Zahl Helden, vor allen den Almeida und Pacheco, die durch ihre Tapferkeit und Kühnheit und durch ihren Wagemut, den sie im Kampfe und in Entbehrungen aller Art zeigten, sich unsterblichen Ruhm erwarben. Prächtig motiviert erscheint uns dieser Bericht. Gama und seine Schar, die trotz aller Anstrengungen mit Indiens Fürsten Verbindungen anzuknüpfen, unverrichteter Sache ‚umkehren müssen, die als Ergebnis ihrer Bemühungen nur die Thatsache heimbringen, dass sie das Zauber- land Indien gefunden haben, von denen die meisten es nie wieder sehen sollten, erhalten hier gleichsam als Belohnung, die für den wahren Vaterlandsfreund grösser sein muss, als Fürsten- lohn und Volkesdank, einen Blick in die Zukunft, der ihnen im einzelnen zeigt, wie durch ihre That das Vaterland zu ungeahnter Grösse emporsteigt und für die ganze Welt eine neue Zeit angebrochen ist. Die Entwickelung der Haupthandlung ist trefflich gelungen.‘ Wie es der rechte Epiker thun soll, versetzt uns Comödes gleich mitten hinein in die eigentliche Handlung. Von vorn- herein weiss er durch die Wahl des Ausgangspunktes seiner Darstellung unser Interesse zu erwecken. Schon jenseit des Cabo Tormentorio befinden sich die kühnen Seefahrer in Gewässern, die noch kein europäischer Kiel durchfurcht hat, trotz aller erduldeten Mühsal kühn und unentwegt ihr Vorhaben im Auge behaltend, Indien zu suchen. Da wird in hoher Götterversammlung gegen allen Einspruch des alten Lusitanenfeindes Bacchus beschlossen, dass die Bestimmung des Fatums bestehen bleiben soll, dass die portugiesischen Helden, wenn auch nach Fährlichkeiten mancher Art, schliess- lich doch Indien erreichen. So zeigt Camöes gleich zu Anfang klar das Ziel und eröffnet uns die Perspektive dorthin. Er erreicht somit, dass unser Interesse ferner erhalten und gespannt bleibt. Unter grossen Gefahren und Abenteuern, die sie mit den Elementen und den feindlichen Bewohnern von Inseln und Festland Afrikas zu bestehen haben, gelangen die kühnen Seefahrer nach Melinde.. Hier macht der Dichter Halt, wie wir sahen, und benutzt die Gelegenheit hier einzuflechten, was vor dem Beginn der Handlung liegt und zu ihrem Verständnis nötig ist, die bisherige Ruhmesgeschichte Portugals, verbunden mit der Darstellung dessen, was die Teilnehmer der Fahrt nach Indien bisher auf ihrer Bahn erlebt haben. Beides ist dem Helden des Zuges in den Mund gelegt, ähnlich wie bei Homer Odysseus einen grossen Teil seiner Erlebnisse selbst erzählt, bei Vergil Aeneas der Dido von Trojas und seinem Geschick Kunde giebt, im Nibelungenliede Hagen von Siegfrieds Jugendthaten berichtet. Mit der Abfahrt von Melinde schreitet dann die Haupt- handlung weiter. Gama segelt nun mit seinen tapferen Gefährten, neu zur grossen Aufgabe gestärkt, durch den unermesslichen Ozean. Von neuem besteht er die grössten Gefahren, kommt aber trotz allen Ungemachs endlich zum Ziel seines Strebens, nach Indien, Hier macht der Dichter wiederum Halt, um nochmals rückschauend vor der Haupthandlung Liegendes einzuflechten, einen zweiten Bericht aus Portugals Heldenzeit. Mit der Darstellung der mannigfachen Widerwärtigkeiten und Gefahren, die Gama von Herrscher und Bewohnern des Distrikts von Calicut zu erdulden hat, setzt sich dann die Haupthandlung fort und berichtet darauf kurz die Rückfahrt, wobei der Dichter ein köstliches Erzeugnis seiner eigenen Phantasie einflicht, die Erzählung von den Wonnen des Elysiums, die für die Indienfahrer zu ihrer Belohnung auf der ilha namorada warten. Kühn allegorisch deutet er dieselben dahin, dass sie Ehre und Ruhm vorstellen, den Lohu edlen Strebens und herrlicher g* NER Re That. ‚Mit kurzer Erwähnung der Ankunft der Helden im heimatlichen Hafen schliesst dann die Handlung. Wir sehen, dass dieselbe eine sehr einfache ist. Geschickt benutzt er nun das gerade dem Epiker so wichtige und gelegene Kunstmittel der retardierenden Motive, um uns aus ihr einen künstlerischen Bau herzustellen. Diese retardierenden Motive waren ihm naturgemäss gegeben durch das, was die Seefahrer auf ihrem Zuge durch den Ozean von den Elementen, von feindlichen Stämmen der Länder, an deren Küsten sie Anker warfen, zu erdulden hatten, was ohne ihren Willen und durch ihr Verschulden sie alles an Freud und Leid ertragen mussten. Bei all diesen Motiven verweilt Camöes mit gleicher Liebe und gleichem Interesse, wie es dem epischen Dichter zukommt. Gewissermassen vertieft und ganz besonders wirksam erscheinen sie dadurch, dass so vieles, womit Gama und seine Getreuen auf ihrer Fahrt zu kämpfen haben, sei es die Macht der Elemente, sei es Bosheit oder Verirrung der afrikanischen Küsten- bevölkerung, sei es sonstiges Ungemach, sich darstellt als der Einfluss einer höheren Macht, die den Portugiesen und ihrem Vorhaben feindlich entgegentritt. Diese wird gebildet durch den gegen Portugals Macht und Grösse eingenommenen Teil der Götter, an ihrer Spitze der alte Lusitanen- feind Bacchus. Mit aller Macht und allen Mitteln widersetzt er sich dem{seiner Herrschaft in Indien durch die Portugiesen drohenden Untergange. Überall sinnt und betreibt er. Unheil gegen die Portugiesen. Bacchus’ Bemühungen gelingt es, in Mozambique den Scheich gegen sie einzunehmen, indem er unter Annahme der Gestalt eines vornehmen Mauren die Schlechtigkeit des Lususvolkes predigt. Die den Portugiescn in Mombaza drohende Gefahr ist Bacchus’ Werk, Bacchus weiss es durch Überredung der Meeresgötter dahin zu bringen, dass im Indischen Ozean Meer und Sturm sich zum Untergange von Gamas Flotte vereinigt haben. Bacchus’ List und Hinterlist ist schuld an dem verräterischen Treiben und Gebahren der Vornehmen Malabars und der Widerwärtigkeiten, welche die Helden am Ziele ihrer Fahrt bestehen müssen, welche den Zweck des Zuges vereiteln. Man werfe hier nicht ein, dass das Bacchusmotiv, wenn man so sagen kann, zu oft gebraucht ermüdend und eintönig wirke. Camöes weiss in der Anwendung so gewandt zu Werke zu gehen, dass gerade die Wiederkehr in reicher Abwechslung ungemein wirksam ist. Geschickt hat es der Dichter vermieden, wozu die Gefahr, der schwache Dichter so leicht verfallen, immer, nahe liegt, dass er uns etwa nur eine Reihe von Episoden giebt, mögen sie noch so geschickt und mit Meisterhand ineinander geflochten sein. Überall tritt vielmehr klar und deutlich die Handlung hervor sowohl in ihrem Verhalten wie in ihrem Fortschreiten. Nie entgleiten die Fäden der Hand des Dichters, wir sehen sie vielmehr sicher und gewandt von ihr gehalten; sicher, denn wir spüren aller Orten den Einfluss der Hand; gewandt, denn Camöes versteht es, sie an geeigneter Stelle fallen zu lassen oder aufzunehmen. So weiss er ein wesentliches Mittel, unser Interesse fortdauernd wach zu halten und zu spannen, geschickt zu handhaben, ein Mittel, dessen Anwendung schon die alten Volksepen so meisterlich verstanden. Es liegen diese„Hemmungen“ durchaus im Charakter der Komposition des Epos. So sagt Goethe wohl mit Recht in einem Briefe an Schiller:„eine Hauptaufgabe des epischen Gedichtes ist, dass es immer vor- und zurückgeht“, Dieses Vor- und Zurückgehen geschieht bei Camöes aber nie ruck- und stossweise, wir haben nicht das Gefühl, als wären wir gleich einem Spielball behandelt, den Laune und Phantasie des Dichters nach Belieben umherwirft, sondern wir erkennen überall die Künstlerhand, die mit wahrem Verständnis geschickt abbricht, um später an der Stelle mit gleichem Geschick und ebenso verständnisvoll wieder einzusetzen, überall herrscht organische Verbindung und organischer Zusammenhang. Das Gesagte gilt aber nicht allein für die eigentliche Handlung des Epos, sondern auch für die Darstellung des ganzen im Epos behandelten Stoffes. In Beziehung auf den letztern hatte Camöes in dieser Hinsicht viel Schwierigkeiten zu überwinden. Sie haben ihren Grund in dem Umstande, dass Camöes’ Epos keinen eigentlichen Helden hat, insofern nämlich, als eine einzelne Ben 10 13 Kai Hauptgestalt des Ganzen fehlt. Daher fehlt auch ein eigentlicher Kernpunkt, eine Heldengestalt, worauf alles sich bezieht und hinweist. Die äussere Handlung, die Fahrt der Portugiesen unter Gamas Leitung, muss ihm das hier ersetzen. Wenn Vasco de Gama als Held des Epos bezeichnet wird, so kann das streng genommen nur insofern Geltung haben, dass er den Mittelpunkt abgiebt, um den sich alle Helden Portugals scharen und gruppieren, die gleichwertig mit Gama, für die Macht und Grösse ihres Vaterlandes wirkten, als seine Heldenthat den Schlussstein aller herrlichen und bedeutungsvollen Ereignisse und Thaten bildet, die den Glanz der portugiesischen Geschichte ausmachen. Singt doch Gama selbst gleich zu Anfang des Epos: As armas e os Baröes assinalados, Que da occidental praia Lusitana Por mares nunca d’antes navegados Passaram ainda aldm da Taprobana;— E tambem as memorias gloriosas Daquelles reis, que foram dilatando A f& o imperio, e as terras viciosas De Africa e de Asia andaram devastando, E aquelles, que por obras valerosas Se vüo da lei da morte libertando; Cantando espalharei por toda parte, Se a tanto me ajudar o engenho e arte.(I, 1, 2.) An die Stelle eines Helden trat die Gesamtheit der Nation, der Heldensinn, die Heldenthaten der Portugiesen, die dann gipfeln in jener Grossthat Gamas und seiner Schar. Es wäre die Aufgabe für Camöes eine leichtere gewesen, hätte er eine einzige Heldengestalt episch dargestellt, auch hätte er so nicht viele Vorteile und Schönheiten, welche die Darstellung des Werdens eines Heldencharakters ihm bieten konnten und mussten, aus der Hand zu geben brauchen. Er fasste seine Aufgabe gleichsam tiefer auf und steckte sich ein höheres Ziel. An Stelle des Einzelcharakters setzte er den Charakter seines Volkes, sein Epos ist geschrieben zum Lob und Preise der Heldengestalt einer ganzen Nation, deren Heldenthaten er vielseitig schildert, dessen Charakterentwicklung und-bildung im Strom der Welt er ausführlich zeigt an der Hand einer glorreichen Geschichte. In den mannigfachsten Lagen wird uns das Lusitanenvolk vorgeführt, die verschiedensten Einwirkungen auf dasselbe lernen wir kennen, seine innere und äussere Entwicklung können wir verfolgen. Uberall aber kommt uns seine- grosse Natur zum Bewusstsein, alles an ihm ist.echt menschlich. Wie am Charakter des Einzelnen, so zeigen sich an ihm gewisse Seiten besonders scharf ausgeprägt. ı Lust zu Abenteuern, ein Trieb in die Ferne, Mut und Kühnheit in allen Lebenslagen, Liebe zum Kampfe und Tapferkeit in ihm, Vater- landsliebe, Treue gegen den Herrscher und Gottesfurcht zeichnen den Portugiesen des Camöes besonders aus. Sie bedingen das glorreiche Werden der Nation, wie letzteres die ersteren zeigt. Dieses Werden, dessen Höhepunkt Gamas That bildet, zeigt uns Portugals Geschichte, die das Epos uns vorführt. Darum ist auch alles, was Camödes vorträgt, Wirklichkeit, echte Wirklichkeit, kein Erzeugnis oder Ausfluss seiner dichterischen Phantasie. Es ist etwas, was die Nation erlebt hat, von dem jeder Kenntnis hat. Diese Wirklichkeit wird aber nicht dargestellt in weitschweifiger Weise, wird, nicht vorgetragen in Form eines trocknen Berichtes, der Thatsache an Thatsache reiht,- unbekümmert um ihren innern Zusammenhang und ihre Wichtigkeit, sondern in zusammenfassender, klarer und gedrumgener Darstellung, alles Überflüssige weglassend, und mit sorgfältiger Vermeidung aller Abschweifung. Echt nationale Begeisterung beseelt die ganze Darstellung. Derartige Behandlung Y% a y des Geschichtlichen ist nur bei Camdes anzutreffen, sie unterscheidet ihn sehr wesentlich von andern Kunstepikern des Mittelalters und stellt ihn selbst höher als Tasso, denn keiner verwertet geschicht- lichen Stoff in dieser Weise,; Wir werden nicht fehlgehen, wenn wir das in Zusammenhang bringen mit der klaren und ernsten Auffassung des Wirklichen, die Camödes auszeichnet. Kein andrer Dichter der Renaissance kann sich hierin mit ihm messen. Andrerseits brachte dieser Umstand, verbunden mit den besonderen Charaktereigenschaften des Dichters, es mit sich, dass er eins nicht besitzt, dessen Fehlen freilich nicht zu sehr bei ihm gefühlt wird,„die Kunst des Fabulierens.* Es ist nicht zu leugnen, Phantasie steht ihm zu Gebote, das beweist das Werk in seiner ganzen Anlage, das zeigt die Darstellung des Treibens der Götter und Göttinnen für und wider die Portugiesen, das lehrt die Handhabung der Allegorie bei der Beschreibung der Vorgänge auf der ölha namorada, aber ihre Erfindung ist weder reich noch besonders glänzend zu nennen. Wie weit bleibt sie zurück hinter der des Ariost, die noch nie übertroffen ist. Daher kommt es auch, dass von eigentlicher Romantik wenig bei ihm zu spüren ist, und das um so mehr, je weniger der Vorwurf des Epos an und für sich Stoff und Gelegenheit dazu bot. Von allen Episoden bleibt. in dieser Beziehung vielleicht nur die anmutige Erzählung von den doze da Inglaterra(VI, 43 ff.), mit der Velloso die Wachenden auf dem Schiffe unterhält, damit Schlaf sie nicht beschleicht, mit dem Anspruch auf Romantik bestehen. Aber so reizend auch Einzelheiten darin sind, so anmutig sie selbst ist, wir vermissen doch in ihr das, was den romantischen Reiz derselben ausmachen müsste, der uns bei italienischen Kunstepikern mit unwiderstehlicher Gewalt umstrickt und gefangen hält. Doch heisst das gewiss zu viel gesagt, wenn gewisse Kritiker behaupten, diese Episode sei so alles romantischen Zaubers bar, dass man ordentlich froh sei, wenn sie endlich zu Ende gehe und der längst erwartete Sturm losbräche. Noch eins kommt hinzu, um das Fehlen der Romantik bei Camöes noch erklärlicher zu machen. Der Dichter erweist sich als ein ausgezeichneter Kenner des menschlichen Herzens und Gemütes, er kennt und versteht die geheimsten Regungen desselben, kennt die ganze Skala der Empfindungen und Gefühle des menschlichen Gemütes in Freud und Leid, Schmerz und Lust aus selbsteigner reicher Erfahrung und versteht auch die Töne der angeschlagenen Seiten prächtig und packend wiederzugeben, aber was ihm hierin an Wahrheit und Treue zu Gebote stand, fehlte ihm an„Vielseitigkeit der Entfaltung.“ Auch hierin stehen die Italiener, vor allem der Meister in dieser Kunst, Tasso, weit über ihm. Das Fehlende ersetzen aber reichlich in andrer Hinsicht Eigenschaften, die ihm als Epiker ganz besonders zu statten kommen. Rücksichtlich der Anschauung zeichnet ihn Unmittelbarkeit und Lebendigkeit aus, seine Empfindung zeigt Lebhaftigkeit und Natürlichkeit, die Darstellung schmückt Anschaulichkeit, das Angeschaute‘wird packend und fesselnd wiedergegeben. Alles bei ihm ist durchdrungen von frischer Natürlichkeit, nirgends verfällt er in Künstelei und Geziertheit, nirgends stört Sentimentalität oder falsches Pathos. Seine ganze Darstellung der Ruhmesgeschichte Portugals und der Fahrt Gamas zeigt ein echt historisches Kolorit, welches einen Hauptschmuck des Epos bildet; wir leben in der eigentümlichen Atmosphäre der damaligen Zeit, stehen mitten drin in der Sitte, Lebens- und Denkweise des Zeitalters der Gegenreformation, des nationalen Aufschwungs Portugals. In allem aber, was der Dichter vor unsern Augen entrollt, in allem was er geschehen lässt, in dem glorreichen Werden seiner Nation, das in der That Gamas seinen Glanzpunkt hat, haben wir nicht ein Spiel des Zufalls, sondern wir müssen mit ihm darin erkennen das Walten der sittlichen Weltordnung. Jedes echte Epos soll zeigen, wie dieses Walten vor sich geht, wie im Leben des Einzelnen und der Gesamtheit, in allem Menschlichen jener Wille der höhern Macht in Wirklichkeit sich umsetzt. In den alten Epen geschah das greifbar und fasslich, Die Kräfte der Natur, die im Gemüte des Menschen schlummernden Mächte nehmen greifbare und sichtbare Gestalt an, werden zu Personifikationen und erscheinen als Götter, die sichtbar vor aller Augen in alles Menschliche eingreifen. Der Zweck, den das Eingreifen dieser göttlichen Gestalten hatte, konnte natürlich nur so lange erfüllt werden, als der Glaube an sie noch im Volke lebendig und un- erschüttert war. Die Welt der Götter und deren Walten sank herab’ zu einem Gebilde und Spiel der Phantasie, nachdem der Glaube daran entschwunden war. Deshalb hatte schon für Vergil die Einführung der Götterwelt etwas Unnatürliches. Sie musste zu einer reinen Aeusserlichkeit und Dichtermanier werden in späterer Zeit, denn die Göttermaschinerie, das ist der dafür erfundene Name, entbehrte des inneren Leben, des organischen Zusammenhangs mit der Handlung. Jede Daseinsberechtigung musste ihr aber fehlen zu einer Zeit, als längst die christliche Religion in Europa die herrsehende geworden war, nach deren Lehren die Götterwelt der Alten mit ihrem Wirken als heidnische Vorstellung, als Irrtum erschien. Trotzdem finden wir nun die merkwürdige Erscheinung, dass alle Renaissancedichter, soweit von Epikern die Rede ist, immer wieder zu ihr greifen als zu einem für ihre Zwecke nötigem Requisit, obwohl doch durch Religion und Bekenntnis dem Volke die Vorstellung von der Offenbarung des göttlichen Waltens im Geschick der Menschen und Völker geläufig war. Wenn daher auch Camöes zu dieser Göttermaschinerie seine Zuflucht nimmt, so thut er damit nur, was die andern thaten, doch macht er allerdings sehr ausgiebigen Gebrauch von ihr. Man darf ihm also ohne weiteres keinen Vorwurf machen, dass auch bei ihm die antike Götterwelt zu lebhafter Thätigkeit herangezogen wird, und darf nicht behaupten, wie es wohl geschieht, dass bei ihm Christentum und heidnische Götterwelt durch einander gemischt würden. Auch für Camödes gehörte die Göttermaschinerie nötig zu dem Epos hinzu, und wenn auch für ihn der eigentliche Zweck derselben längst hinfällig geworden war, so mochte er sie doch nicht entbehren, sei es auch nur, um als Schmuck des Ganzen wie der Rede zu dienen, wie er durch Thetis’ Mund darüber sagen lässt: porque eu, Saturno e Jano, Jupiter, Juno fömos fabulosos, Fingidos de mortal e cego engano: So para fazer versos deleitosos Servimos—(X, 82). Gerade dadurch tritt bei ihm das Auffallende und Unnatürliche der Erscheinung so recht zu Tage. Andererseits hat er sich aber so liebend in die Anschauungen des Altertums. hinein- versenkt und ist so tief in das Studium desselben eingedrungen, dass es ihm wohl gelungen ist, die Göttermaschinerie so anzuwenden, dass ihr eine gewisse Innerlichkeit anhaftet, und wir nicht allzu sehr ihr Auftreten und ihr Dasein als störendes Beiwerk empfinden. Es ist uns ganz einleuchtend, dass der Vater Zeus immer noch mit all seinen Göttern und Göttinnen bei Camödes neben dem christlichen Gotte sein. Dasein führt. Die alte Pracht und Herrlichkeit der Götter besteht noch, es fehlt aber den Bewohnern des Olymp und der Unterwelt die alte Ungebundenheit und Natürlichkeit. Sie haben viel von ihrem alten Glanz und ihrem alten Wesen an den einen Gott abgeben müssen, in dessen Dienst sie getreten sind, als dessen Emanationen sie durch menschliche Auffassung und Benennung oft erscheinen.\ Das hat an manchen Stellen zu einer merkwürdigen Vermengung und Verquickung der antiken Götterwelt mit dem Christentum geführt, die einen komischen, ja lächerlichen Eindruck hervorzurufen imstande sind. Zeus ist wie ein echter Christ damaliger Zeit ein fanatischer Feind aller Muhamendaner, vor allem des Mauren, er spricht vom falso Mafamede(Il, 50 u. öfter). Von den Heiden sagt er, dass sie vor Götzenbildern knieen(II, 51). Als nach jener fast wie ein Wunder re erscheinenden Rettung der Schiffe Gamas an der Barre von Mombaza Gama in glühendem Gebet der göttlichen Vorsehung dankt, die ihn so treu bewacht hat, trägt Dione dies Gebet vor Zeus, um von ihm Gewogenheit gegen die Portugiesen zu erflehen(II, 33). Im Traume erscheint dem Gama der ‚Götterbote Merkur, um ihn vor den Anschlägen, welche die Mohren mit ihm vorhaben, zu warnen, Gama erkennt darin eine Warnung seines Gottes(II, 65). Der Riese Adamastor, ein Gigant, spricht wie ein gläubiger Christ von juizos incognitos de Deos(II, 45), denen die Menschen unterworfen sind. Öfters treffen wir bei den portugiesischen Helden auf antike Anschauungen, die schlecht mit ihrer Rechtgläubigkeit als wahre Katholiken im Einklang stehen. Die Darstellung der Götterwelt selbst ist eanz im Sinne des Altertums gehalten. Die auf- tretenden Götter und Göttinnen sind Gestalten von Fleisch und Blut, keine wesenlosen Schemen, keine Drahtpuppen, die von der Hand des Dichters geleitet, ihre Rolle herunterspielen. Wenn wir uns auch somit wohl mit der Anwendung der Göttermaschinerie aussöhnen können, so wirkt geradezu‘ störend die massenhafte Hereinziehung und das stete Auskramen antiquarischen Materials und antiquarischer Gelehrsamkeit. Camöes ist klassisch gebildet durch und durch, er lebt und denkt in Anschauungen des klassischen Altertums, kein Gebiet desselben ist ihm fremd, was Wunder, dass er Mythologie, Sage‘ und Geschichte desselben zu seinem Dienste heranzieht? seine Gedanken mussten ja notwendig immer dahin zurückkehren. Neben dem klassischen Altertum war ihm in gleicher Weise bekannt Geschichte und Schicksal des auserwählten Volkes Gottes, wie wir beides in der Bibel finden. Es ist erklärlich, dass er auch die Bibel für seine Zwecke verwendet. i Wir finden es natürlich, dass er bei Alfonsos I. Thaten an Alexanders und Cäsars Leistungen denkt, die ihm gering gegen die des Portugiesen erscheinen(VIII, 12), dass Pacheco in dem, was er für sein Vaterland leistet, mit Miltiades und Leonidas, Cocles und Quintus Fabius verglichen wird(X, 21), dass ihn Dom Nuno Alvarez in seiner Frömmigkeit und in seinem Vertrauen auf Gott, der ihm den Sieg verleihen wird, an Numa Pompilius erinnert(VIII, 31), dass ihm Moniz’ That, der sich und die Seinen dem Kastilianer zur Sühne für sein Thun darbietet, grösser und herrlicher vorkommt als das, was einst Spurius Postumius in Caudiums Pass that(VIII, 14/15). Die Flucht der Guzeraten vor den Streichen Heitors da Sylveira gemahnt ihn an der Griechen furchtsames Weichen vor jenem trojanischen Hektor(X, 60); was Fernando der Heilige für Rettung seines Vaterlandes thut, dünkt ihm grösser, als die Leistung des Kodrus und Regulus(IV, 53). Gegen das Blutbad nach dem Regierungsantritt König Johanns muss das urter Sulla und Marius ihm klein erscheinen. Keine einzige Gelegenheit lässt sich Camödes entgehen, um nicht sofort in Vergleich, Beispiel und Hinweis anti- quarische Gelehrsamkeit bei der Hand zu haben. Nuno Alvarez ist für Kastilien eine Rute, wie es die Hunnen für Italiens Gaue und das Frankenland gewesen sind, denn auch die Geschichte des Mittelalters ist dem Dichter geläufig. Madeira ist so entzückend an Reizen aller Art, dass Venus sie sicher, wenn anders die Insel ihr bekannt gewesen wäre, zu ihrem Lieblingsaufenthalte.erwählt hätte, wie Kypros und andere Eilande(V, 5). Polydor und Akrisios’ Tochter zeigen uns, dass für Gold alles in der Welt feil ist, dass der Goldgier alles zum Opfer fällt(VII, 97). Verbotener Liebe „wahnbethörte Glut“ lähmt und vernichtet den Mut und die Thatkraft selbst der Tüchtigsten, wie Herakles durch seinen Aufenthalt bei der Omphale beweist, und zerstört Ruhm und Ehre der Besten, wie wir an Antonius Liebe zu Cleopatra sehen(III, 141). Dass die Inder die Portugiesen in ihrer Sprache nicht verstehen, daran ist der Bau des Turmes von Babel schuld(VII, 45.) Bei der Besprechung der strengen Sitte der Naires,' jener indischen Kaste, jede Berührung mit Vertretern der verachteten Klasse der Poleas durch Waschungen und allerlei Gebräuche zu sühnen, hat er sofort den Vergleich mit der Gesetzesvorschrift der Juden Sr usohe bei der Hand, nach der jeder Verkehr mit. Bewohnern von Samaria als unrein machend galt (VII, 38/39). König Johanns Kraft wächst mit seinem Mute, wie Simsons Stärke durch sein langes Haar(IV, 15). Furcht vermag bis zum Verrat zu führen, wie bei Petrus zur Gottesläugnung(IV, 13). Camöes selbst kommt sich vor, als er nach schwerem Schiffbruch, dem Tode kaum mit Mühe ent- rinnend, nur das nackte leben rettete, wie der jüdische König Ezechias, dem Gott auf sein Flehen (las Leben verlängerte. i Wenn der verräterische Mohrenlotse Gama durch Vorspiegelungen belügt, handelt er, wie Sinon mit den Phrygiern that; wird das rote Meer erwähut, so dürfen die Juden mit ihrem Durchzug durch dasselbe nicht fehlen; ist vom Maulbeerbaum die Rede, so wird gewiss auf Pyramus’ und Thisbes Geschick angespielt. So sehr uns nun auch dieses Auskramen antiquarischer Gelehrsamkeit bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit abstossen mag, so sehr wir tadeln, dass alles mit antiquarischen Brocken geschmückt und ausstaffiert wird, so müssen wir andererseits die Art und Weise der Herbeiziehung, das Wie der Verwendung oft geradezu bewundern; Camöes entwickelt hierin eine wahre Virtuosität, die uns öfters über das Gesuchte und Unnatürliche hinwegzutäuschen versteht. Vor allem bieten natürlich Beispiele und Vergleiche ihm die prächtigste Gelegenheit, sein Talent und seine Gelehr- samkeit zu zeigen. Nicht vergessen wollen wir jedoch uns daran zu erinnern, dass zu Camöes Zeiten eine der- artige Überladung mit antiquarischem Material aller Art nicht so störend empfunden wurde wie heutzutage. Es gehörte als Schmuck und Reiz der Dichtung und Darstellung notwendig dazu und hatte schon bei der ansgiebigen Verwendung der Göttermaschinerie etwas Selbstverständfiches, das (dem Kolorit des Ganzen nur förderlich und erspriesslich sein konnte. Das für unsern heutigen Geschmack in Camödes Verfahren liegende Unschöne und Unkünst- lerische wird aber reichlich ersetzt durch die überall zu Tage tretende Meisterschaft des Dichters in Beschreibungen und Schilderungen. Gerade hierin kommen ihm die schon erwähnte Anschaulichkeit und Klarheit, sowohl in Auffassung als Darstellung, so recht zu statten. Was der Dichter auch beschreiben oder schildern mag, alles gelingt ihm zumeist prächtig. Die äussere Erscheinung von Personen, Gemüt und Charakter der Auftretenden, geschichtliche Ereignisse, Kämpfe, Vorgänge im ınenschlichen Leben und in der uns umgebenden Natur, alles versteht er als Kenner und Meister darzustellen, überall stehen ihm dabei treftliche Mittel der Darstellung neben Treue der Auffassung zu Gebote, sodass uns das Geschilderte gleichsam plastisch vor Augen tritt. Gerade darin aber zeigt er sich als Künstler, dass er dabei mit den einfachsten Mitteln auskommt, dass oft wenige charakteristische Striche ihm genügen, um uns das Bild deutlich und lebendig erkennen zu lassen. Besonders gut gelingen dem Dichter Schilderungen und Beschreibungen von Kampf und Schlacht, von dem Herandrängen der Heeresmassen und dem Getümmel der Schlachtentscheidung. Unübertrefflich aber ist Camödes, wenn er Erscheinungen und Vorgänge in der Natur schildert, besonders solcher, die ihren Ursprung haben in der ewigen Wechselbeziehung zwischen Luft und Wasser, da ist er in seinem Element. Hier spricht zu uns jemand, der in eigner Erfahrung all das Geschilderte auf dem unermesslichen Ocean mit eigenen Augen erschaut und selbst erlebt hat. Luft und Meer, Sturmgebraus und Unwetter zu See, die elementare Gewalt des Wassers und alle Schrecken desselben haben viele Dichter vor ihm herrlich geschildert, aber den Ocean in seiner erhabenen, überwältigenden Grösse und Unermesslichkeit mit allen sich auf ihm abspielenden grossartigen Er- eignissen und Vorgängen hat er zuerst der Menschheit dichterisch erschlossen und unnachahmlich dargestellt. Keinem wie ihm ist es so herrlich gelungen, die im glänzenden Sonnenlicht strahlende, unermessliche Oberfläche des Meeres, die im Sturm und Unwetter aufgeregten Wogen, der Menschen und der Schiffe Kampf gegen das Element so malerisch vor Augen zu führen, nie vor und nach ihm ist es jemand geglückt, die eigentümliche Färbung, das eigentümliche Licht tropischer Gewässer und Länder so getreu zu schildern, uns Tropenluft und Tropenduft gleichsam atmen zu lassen. Wir müssen uns hier auf diese kurzen Andeutungen beschränken, da im zweiten Teil bei der Sprache und dem Stile des Dichters ausführlich auch von den Beschreibungen und Schilderungen die Rede sein wird. Wenn wir nun zurückschauend das bisher Gesagte überblicken, so wird es uns klar, dass Camöes unter den Epikern eine eigenartige und hohe Stellung einnimmt. Er verdankt dieselbe Vor- zügen, die ihn besonders auszeichnen. Er wählte als Vorwurf seines Epos einen echt nationalen Stoff, so dass er der Schöpfer eines wahren nationalen Kunstepos werden konnte. Anordnung und Behandlung des Stoffes lassen in ihm epischen Sinn und episches Geschick erkennen. Die eigenartige Auffassung seiner Aufgabe, das historische Werden, die Ruhmesgeschichte seines Volkes uns im Rahmen eines Epos’ vorzuführen, lässt seine Lusiaden hoch erhaben erscheinen über die gefeierten italienischen Ritterepen. Des Dichters glühender Patriotismus, sein tiefreligiöses Gemüt, verbunden mit echt historischem Sinne, sichern dem Epos dauernden Wert und unvergänglichen Reiz. Für die Gebildeten aller Nationen werden die Lusiaden stets bleiben ein Kunstwerk, eine meisterhafte epische Dichtung. Der Portugiese aber wird mit Recht von dem Epos sagen, wie der Greis in Ludwig Tiecks Novelle„Tod des Dichters“:„für uns Portugiesen muss es das Höchste und Begeisterndste sein, so lange nur noch in uns und unseren Enkeln ein redlicher Blutstropfe glüht“, denn die Lusiaden sind für Portugal in Wahrheit, um mit Braga zu reden(Man. da hist. da litt. port. p. 298): o que nenhuma obra prima conseguiu ainda ser: 0 mais completo documento da vida de uma nacionalidade. Schulnachrichten, betreffend das Schuljahr 1889/90. A. Bericht über die Höhere Bürgerschule, erstattet vom Direktor Dr. Paul Hellwig. dieselben bestimmte wöchentliche Stundenzahl. I. Lehrverfassung. 1. Tabellarische Übersicht über die einzelnen Lehrgegenstände und die für I IL II Iv v VI| Gesamtzahl Religionslehre.. 2 2 2 2 2 3® 13 Deutsch:“ N 238 R 3 3' 4 4 4 a Französisch.! TEN) 5 bes 6 Ir 8 8 40 Englisch en ER 4 5___ 13 - Geschichte und Keosranhis 2 a a Er Pe es 3 22 Rechnen und Mathematik. 5 5. 5 5 4 29 Naturbeschreibung- Se Er| Be es“rn 3 2 13 Naturlehre” a 5 3 EN i 2 Br De Br Schreiben._ he 2 3, R 3. IB Zeichnen. ER ER ER Turnen.; ZUER ä 2 2 2 8 a ulm er 2= 2 2 6 Gesamtzahl 34 34 34 34 34 33 4* 8 jo%) | 2. Verteilung der Lektionen im Schuljahr 1889/90. Ordina-“ Stunden- Lehrer:“er I I I IV v vI Ah 2 Religion 2 Religion 2 Religion 2 Religion Dr. Hellwi 3 Deutsch E Direktoenr I 2 Geschichte 15 2 Geographie Dr. Löwe, u 5 ran zOninoh 5 Fronzösisch 2 Geographie 20 Oberlehrer, 4 Englisch 4 Englisch> Oberlehrer Meyer, 5 Mathematik| 5 Mathematik 3 Naturbeschr.| 3 Naturbeschr.| 2 Naturbeschr. 20 Ordentlicher Lehrer. 2 Naturbeschr. Geissler, 6 Bean 8 Französisch| 2 Geographie 9 Ordentlicher Lehrer. 5 Englisch 5 Naturlehre| 3 Naturlehre| 5 Mathematik| 5 Mathematik Dr. Schultze, II u. Rechnen u. Rechnen 2 Ordentlicher Lehrer, 3 Naturbeschr. 3 Deutsch 3 Deutsch 4 Deutsch 1 Geschichte Hampel, IV 2 Geschichte| 2 Geschichte| 2 Geschichte 9 Ordentlicher Lehrer. 2 Geographie 2 Geographie 4 Deutsch 8 Französisch Dr. Menze, v 8 Französisch 2 Ordentlicher Lehrer, 1 Geschichte 2 Schreiben 5 Rechnen u.| 4 Deutsch Naumann, vI Mathematik| 4 Rechnen 21 Lehrer. 3 Schreiben 3 Schreiben 2 Zeichnen 2 Zeichnen% Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen ; Ziebell, 3 Turnen 2 Turnen 20 Zeichen- u. Turnlehrer. 2 Turnen 2 Turnen ast, 2 Religion 3'Religion 7 Vorschulinspektor. 2 Geographie Schmidt z: 2. en 2 Singen 2 Sin Y Gesanglehrer. 2 Singen 4 F 6 3. Absolvierte Pensen. der Direktor. Schulz-Klix, Biblisches Lesebuch; Bibel; Spruchbuch; Schulgesang- “Prima. Ordinarius: Religionslehre: 2 St. buch. Der Direktor. a. Wiederholung des Pensums der II. Das Wichtigste aus der Geschichte der Reformation, kurzer Überblick über die Entwickelung der evangelischen Kirche bis zum evangelischen Bunde. — b. Hauptpunkte der Glaubens- und Sittenlehre, verbunden mit der Lektüre aus den Evangelien und Paulinischen Briefen. Unterscheidungslehren. Zusammenfassende Wiederholungen, auch der wichtigsten Kirchenlieder, Psalmen und Bibelsprüche. On Deutsch: 3 St. Regeln und Wörterverzeichnis. Der Direktor. Lektüre: Schillers Gedichte, Jungfrau von Orleans und Wilhelm Tell; Goethes Hermann und Dorothea. Zusammenfassung der litteraturgeschichtlichen Mitteilungen aus den früheren Klassen unter besonderer Berücksichtigung der Blütezeit der deutschen Litteratur im 18. Jahrhundert. und zwar im Anschluss an gelesene oder gelernte Dichtungen, desgleichen Zusammenfassung der Mitteilungen aus dem Gebiete der Poetik, hinzukommen Mitteilungen über das Drama.— Disponierübungen. Dreiwöchentlich ein Aufsatz.— Lernen von Gedichten nach dem Kanon. Aufgaben für die Aufsätze: 1. Es wird Frühling. 2, Welche Gründe bewogen Ulrich von Rudenz, die Sache des Vaterlandes zu verlasseg?(Klassenaufsatz)., 3. Krieg und Sturm, Eine Vergleichung. 4. Wie bewahrheitet Tell sein Wort:„Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt“? 5. Bedeutung eines Flusses für die von ihm durchströmte Landschaft. 6. Wie bewahrheitet sich an Wilhelm Tell der Ausspruch:„Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt“? 7. Was treibt den Jüngling hinaus in die Ferne?(Klassenaufsatz). 8. Inwiefern hat Preussen im Jahre 1813 das meiste zur Befreiung Deutschlands beigetragen?(Klassenaufsatz). 9. Mein Lebenslauf. 10. Der Zug der Vertriebenen in Goethes Hermann und Dorothea. Eine Schilderung.(Klassenaufsatz). 11. Die Glocke, die Begleiterin des Menschen durchs Leben.(Klassenaufsatz). 12, Das Besitztum des Wirtes zum goldenen Löwen in Goethes Hermann und Dorothea. Prüfungsarbeit. Ostern 1890: Der Strom, ein Bild des menschlichen Lebens, Französisch: 2 St. Grammatik, 3 St. Lektüre. Ulbrich, Schulgrammatik. Oberlehrer Dr. Löwe. a. Wiederholungen aus den$$ 184—329(Pens. der IL).— Erckmann-Chatrian, Histoire d’un Conscrit, ed. Strien. b.$$ 330—389(Gebrauch der Wortarten, Satzformen) sowie gelegentlich $$ 1—78(Aussprache, Schrift, Verslehre).— Thiers, Expedition en Egypte, ed. Foth.— Rücküber- setzungen, Inhaltsangaben, Sprechübungen, Belehrungen über den Geschäfts- und Briefstil, verbunden mit praktischen Übungen. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit.— Lernen von Gedichten nach dem Kanon. Englisch: 2 St. Grammatik, 2 St. Lektüre. Gesenius, Schulgrammatik. Oberlehrer Dr. Löwe, a. Wiederholung des Pensums der Il..(Kap. 1—4), dann Kap. 5 und 6(Adverbien, Präpositionen).— Seamer, Shakespeares Stories, ed. Saure. b. Kap. 7— 9(Verbum, Konjunktionen, Interjektionen).— Macaulay, The Duke of Monmouth, ed. Werner.— Rückübersetzungen, Inhalts- angaben, Sprechübungen. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit.— Lernen von Gedichten nach dem Kanon. Geschichte: 2 St. Beck-Viereck, Leitfaden; Senckpiehl, Kleiner Geschichtsatlas. Der Direktor. a. Wiederholung des Sommerpensums der II.. Deutsche Geschichte von 1740-1815 mit Einschaltung der wichtigsten Begebenheiten aus der Geschichte der Nachbarvölker. b. Wiederholung des Winterpensums der II. Deutsche Geschichte von 1815-1871 mit Einschaltung u. s. w.— Zusammenfassende Wiederholungen; im Anschluss die Geschichte Anhalts. Die Zahlen nach dem Kanon. Geographie: 2 St. Daniel, Leitfaden; Diercke-Gäbler, Atlas für die mittleren Stufen. Der Direktor. Zusammenfassende Wiederholungen mit besonderer Hervorhebung der Geographie von Mitteleuropa. Abschliessender Kursus der ‚allgemeinen physischen Geographie. Mathematik: 1 St. Planimetrie, 2 St. Trigonometrie und Stereometrie, 2 St. Arithmetik. Lackemann, Planimetrie, Trigonometrie und Stereometrie, Arithmetik; Feld-Serf, Übungsbuch; Greve, Logarithmen. Oberlehrer Meyer. Planimetrie: Wiederholung des ganzen Gebietes. Konstruktionen. Trigonometrie im S., Stereometrie im W.— Arithmetik: a) Wiederholung der bisher behandelten Kapitel, dann Gleichungen zweiten Grades mit einer Unbekannten, auch eingekleidete. Logarithm. Rechnen. b) Reihenlehre (arithm. und geometr.) und Anwendung auf Zinseszins und Rentenrechnung. Einfache Exponential- gleichungen,— Zweiwöchentlich eine schriftliche Arbeit. Prüfungsaufgaben. Ostern 1890: 1. Ein gleichschenkliges Dreieck zu konstruieren, wenn gegeben ist das Verhältnis des Radius des umgeschriebenen Kreises zur er auf der Grundlinie und die Summe von Grundlinie und Schenkel. (haı:r=m:na-+b). 2. Der Inhalt eines Dreiecks ist 84000) m, ein Winkel 749 36‘ 28”, ein anderer 81° 12‘ 9"; wie gross sind die Seiten des Dreiecks sowie der Radius des ein- und des umgeschriebenen Kreises? 3. 6x?— Alxt+ 9783— x?+ 4x—6—=I0.: 4, Wie gross ist der Barwert einer 18 Jahre lang am Ende eines jeden Jahres bezogenen Rente von 800 Mark, wenn 4°/, gerechnet werden? Naturlehre: 3 St. Physik, 2 St. Chemie. Krumme, Lehrbuch der Physik; Arendt, Leitfaden der Chemie. Ord. Lehrer Dr. Schultze. a Wiederholung des Sommerpensums der II. Lehre von der Ruhe und Bewegung der festen, flüssigen und gasförmigen Körper. b. Wiederholung des Winterpensums der II. Lehre vom Schall und Licht. a. Das Wichtigste aus der Kchlenstoff-, Natrium-, Caleium- und Magnesiumgruppe. b. Das Wichtigste aus der Kupfer-, Gold- und Eisengruppe. Einzelnes aus der Mineralogie. Wiederholung des Pensums der II.— Mathematisch-astronomische Geographie: Zusammenfassung des in den früheren Klassen Durchgenommenen. Sekunda. Ordinarius: Oberlehrer Dr. Löwe. Religionslehre: 2 St. Schulz-Klix, Bibl. Lesebuch; Bibel; Spruchbuch; Schulgesangbuch. Der Direktor. a. Zusammenfassende Wiederholung des Lebens und der Lehre Jesu. Apostelgeschichte, insbesondere die Reisen Pauli(1. Teil). Wiederholung des ersten und zweiten Hauptstücks. Kirchen- lieder repetitorisch.— b. Apostelgeschichte, 2. Teil, Ausbreitung des Christentums, zusammenfassen- der Überblick über die folgende Kirchengeschichte bis zur Reformation. Wiederholung des dritten, vierten und fünften Hauptstücks. Kirchenlieder wie im S.-- Wiederholungen aus dem Gebiete des A. T. Deutsch: 3 St. Regeln und Wörterverzeichnis; Wendt, Grundriss; Kohts, Lesebuch f. III; Nibelungenlied(Auswahl), herg. v. Legerlotz.— Ord. Lehrer Hampel. Gelegentliche grammatische Rückblicke im Anschluss an die Rückgabe der Aufsätze; Perioden- bau.— Ballade, Romanze, Epos(einige Proben aus den Homerischen Dichtungen), Iyrisches Gedicht. — Mitteilungen aus dem Leben der bedeutenderen Dichter.— Im Anschluss an die Lesestücke und Aufsätze Disponierübungen. Dreiwöchentlich ein Aufsatz(ein Klassenaufsatz nach je zwei häuslichen). Lernen von Gedichten nach dem Kanon. Französisch: 2 St. Grammatik, 3 St. Lektüre. Ulbrich, Schulgrammatik. Oberlehrer Dr. Löwe. a. Wiederholungen aus den$$ 184- 244(Pensum der IIl).— Michaud, Troisieme Croisade, ed. Bockhoff. b.$$ 245-329(Artikel, Substantiv, Fürwort, Adjektiv, Adverb) sowie gelegentlich $$ 1-61(Aussprache und Schrift).-— Souvestre, Au coin du feu, ed. Kaiser.— Rückübersetzungen, Inhaltsangaben, Sprechübungen.— Wöchentlich eine schriftliche Arbeit.— Lernen von Gedichten nach dem Kanon. u Englisch: 2 St. Grammatik, 2 St. Lektüre. Gesenius, Schulgrammatik; Callin, Lesebuch. Oberlehrer.Dr. Löwe. a. Wiederholung der Formenlehre(Kap. 1—21), von der Syntax neu Kap. 1(Artikel).— b. Kap. 2—4(Substantiv, Adjektiv, Zahlwort, Fürwort).— Marryat, The Settlers in Canada, ed. Löwe.— Rückübersetzungen, Inhaltsangaben, Sprechübungen. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. — Lernen von Gedichten nach dem Kanon, Geschichte: 2St. Beck-Viereck, Leitfaden; Senckpiehl, Kl.Geschichtsatlas. Ord.Lehrer Hampel. a. Wiederholung des Sommerpensums der IH. Deutsche Geschichte von 1500—1648 mit Einschaltung der wichtigsten Begebenheiten aus der Geschichte der Nachbarvölker. b. Wiederholung des Winterpensums der III. Deutsche Geschichte von 1648—1740 mit Einschaltung u. s. w. Die Zahlen nach dem Kanon. Geographie: 2 St. Daniel, Leitfaden; Diercke-Gäbler, Atlas für die mittleren Stufen. Ord. Lehrer Ham pel. a. Wiederholung des Sommerpensums der III. Amerika und Australien. b. Wiederholung des Winterpensums der III. Asien und Afrika.— Besondere Berücksichtigung der bedeutendsten Handelsplätze und Verkehrsverbindungen sowie der deutschen Kolonieen. Mathematik: 3 St.„Geometrie, 2 St. Arithmetik. Lackemann, Planimetrie und Arithmetik; Feld-Serf, Übungsbuch. Oberlehrer Meyer. Geometrie: a. Wiederholung des Pensums der IT. Proportionen, ähnliche Lage und Ähn- lichkeit($$ 79--88). b. Von den regelmässigen Polygonen, der Ausmessung des Kreises($$ 89 bis 96), dazu die dahingehörigen Fundamentalaufgaben. Planimetrische Konstruktionen.— Arith- metik: a. Wiederholung des Pensums der III. Lehre von den Potenzen($$ 21—26). b. Lehre von den Wurzeln($$ 27—36). Nebenher im S. und W. Gleichungen ersten Grades mit einer oder mehreren Unbekannten. Eingekleidete Gleichungen mit Auswahl.— Vorbereitung des logarithmischen Rechnens. Definition des Logarithmus und Ableitung der Grundformeln. Zusammenhang der sieben Rechenoperationen.— Zweiwöchentlich eine schriftliche Arbeit. Naturbeschreibung: 2. St. Vogel-Müllenhoff, H. 3; Vogel-Ohmann, Zeichenatlas, H. 1-3. Oberlehrer Meyer. a. Wiederholungen. Übungen im Bestimmen. Das Wichtigste aus der Pflanzenanatomie und Physiologie. b. Wiederholungen. Bau des menschlichen Körpers mit Hinweisungen auf die Gesundheitspflege.— Einige besonders wichtige Mineralien und Gesteine und die einfachsten Krystallformen.— Mathematisch-astronomische Geographie: Erläuterung der wirklichen Bewegungen der Himmelskörper am Mangschen Universalapparat. Rotation und Revolution der Erde; das Wandern der Sonne durch den Tierkreis. Erdbahn, Richtung der Erdachse. Bestimmung der Pol- höhe, der Länge und Breite. Entstehung und Wechsel der Jahreszeiten. Wechsel im Anblick des gestirnten Himmels. Planetenbewegung. Bahn des Mondes. Entstehung der Finsternisse und Bedingungen derselben. Naturlehre: 2 St. Physik, 1 St. Chemie. Krumme, Lehrbuch; Arrndt, Leitfaden. Ord. Lehrer Dr. Schultze. a. Magnetismus und Reibungselektrizität. b. Berührungselektrizität und Wärme. a. Zusammensetzung der Luft, Verbrennungsprozess; Bestandteile des Wassers, Wasser- stoffgruppe. b. Chlor-, Sauerstoff- und Stickstoffgruppe. Tertia.. Ordinarius: Ord. Lehrer Dr. Schultze. Religionslehre: 2 St. Schulz-Klix, Biblisches Lesebuch; Bibel; Spruchbuch; Schul- gesangbuch. Der Direktor. — 932 a.. Wiederholung der Geschichte des jüdischen Volkes bis Saul. Reihenfolge der Bücher des Neuen Testaments. Das Leben Jesu im Anschluss an Matthäus. Wiederholung des ersten und zweiten Hauptstücks, gelernt wird das vierte mit Luthers Erklärungen. Sprüche, Kirchenlieder und Psalmen nach dem Normalexemplar, b. Wiederholung der Geschichte des jüdischen Volkes (2. Teil). Die Lehre Jesu(Bergpredigt, Gleichnisse),, Wiederholung des dritten und vierten Hauptstücks, gelernt wird das fünfte(ohne Luthers Erklärungen). Sprüche, Kirchenlieder und Psalmen nach dem Normalexemplar. Bei geeigneter Gelegenheit Wiederholung der in VI und V gelernten Lieder. Deutsch: 3 St. Regeln und Wörterverzeichnis; Wendt, Grundriss; Kohts, Lesebuch. Ord. Lehrer Hampel. Rechtschreibung: Wiederholung besonders des Pensums der IV. Grammatik: Zusammen- fassende Wiederholung. Direkte und indirekte Rede. Einiges über den Periodenbau.— Im Anschluss an die Lektüre das Wichtigste aus der Verslehre: Jambus, Trochäus, Daktylus, Anapäst, Reim, Allitteration; Mitteilungen aus dem Leben der bedeutenderen Dichter. Lernen von Gedichten nach dem Kanon.— Zweiwöchentlich ein Aufsatz(abwechselnd Klassen- und häuslicher Aufsatz). Französisch: 3 St. Grammatik, 3 St. Lektüre. Ulbrich, Schulgrammatik; Wingerath, Lese- buch, Teil 2; Duruy, Hommes c&lebres. Ord. Lehrer Geissler. a. Wiederholungen aus’den$$ 136—183 und$$ 79— 135(Pensum der IV). b.$$ 184—244 (Wortstellung, Verbum). Rückübersetzungen, Inhaltsangaben, Sprechübungen. Lernen von Gedichten nach dem Kanon. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Englisch: 5 St. Gesepius, Elementarbuch. Ord. Lehrer Geissler. a. Kap. 1—13. b. Kap. 14—24, dazu die Übungsstücke der ersten Reihe. 2 St. Lektüre aus dem Anhange. Sprechübungen. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Geschichte: 2 St. Beck-Viereck, Leitfaden; Senckpiehl, Kleiner Geschichtsatlas. Ord. Lehrer Hampel. a. Wiederholung des Sommerpensums der IV. Deutsche Geschichte bis 1024 mit Einschaltung der wichtigsten Begebenheiten aus der Geschichte der Nachbarvölker. b. Wiederholung des Winter- pensums der IV. Deutsche Geschichte von 1024--1500 mit Einschaltung u. s. w. Die Zahlen nach dem Kanon. Geographie: 2 St. Daniel, Leitfaden; Diercke-Gäbler, Atlas für die mittleren Stufen. Ober- lehrer Dr. Löwe. a. Wiederholung des Sommerpensums der IV. Die Alpen und Deutschland physikalisch. b. Wiederholung des Winterpensums der IV. Deutschland politisch, Belgien, Holland und die Schweiz mit besonderer Berücksichtigung der Eisenbahn- und Dampfschiffverbindungen. Rechnen u. Mathematik: 1 St. Rechnen, 2 St. Geometrie, 2 St. Arithmetik. Krancke- Jöhrens, Exempelbuch, Ausg. B, H. 4; Lackemann, Planimetrie; Feld-Serf, Übungsbuch. Ordentl. Lehrer Dr. Schultze. Rechnen: Vervollständigende Wiederholung des Pensums der IV. Ausziehen der. Quadrat- wurzel. Kopfrechnen.. Geometrie: a. Wiederholung des Pensums der IV. Die Lehre vom Kreise. $$ 103. 110. b. Flächeninhalt geradliniger Figuren. Fundamentalaufgaben SS 104. 110. Arithmetik: a. Die vier Species in allgemeinen Zahlen. b. Proportionen. Gleichungen ersten Grades mit einer Unbekannten. Eingekleidete Gleichungen. Zweiwöchentlich eine schriftliche Arbeit, im Rechnen vierwöchentlich. Naturbeschreibung: 3 St. Vogel-Müllenhoff, H. 3; Vogel-Ohmann H. 1— 3. Ord. Lehrer Dr. Schultze. en a. Wiederholung des Pensums der IV. Pflanzen mit schwierigerem Blütenbau, besonders Gymnospermen und Kryptogamen. Die wichtigsten ausländischen Kulturpflanzen, ihre Verwertung im Handel, Anbau und Verbreitung. b. Wiederholung u. s. w. Beschreibung einzelner Vertreter der niederen Tierklassen. Erläuterung der bei den betrachteten Tieren vorhandenen schwierigeren morphologischen Verhältnisse. Entwicklungsvorgänge.— Mathematisch-astronomische Geographie: Scheinbare Bewegung der Himmelskörper. Obere und untere Kulmination der Gestirne. Zirkum- polarsterne, Änderung im Anblicke des Sternenhimmels. Lage der Ekliptik, des Frühlings- und Herbstpunktes, des Äquators. Scheinbarer Lauf des Mondes, Mondphasen. Siderischer, synodischer Monat. Erscheinungen im Laufe der Sonne und des Mondes an den verschiedenen Breiten. Mitternachtssonne. Verwendung des Mangschen Apparats auch zur Erläuterung der wirklichen Bewegungen der Himmelskörper. Quarta. Ordinarius: Ord. Lehrer Hampel. Religionslehre: 2 St. Schulz-Klix, Biblisches Lesebuch; Bibel; Spruchbuch; Schulgesang- buch. Der Direktor. a. Einteilung der Bibel, Reihenfolge der Bücher des Alten Testaments. Überblick über die Geschichte des jüdischen Volkes nebst Lesen einzelner Abschnitte aus der Bibel(1. Teil bis Saul). Geographie von Palästina. Wiederholung und Erweiterung des ersten und dritten Hauptstücks. Sprüche, Kirchenlieder und Psalmen nach dem Normalexemplar. b. Geschichte des jüdischen Volkes u.s.w.(2. Teil). Das zweite Hauptstück mit Luthers Erklärungen. Sprüche, Kirchenlieder und Psalmen. Das Kirchenjahr. Deutsch: 4 St. Regeln und Wörterverzeichnis; Wendt, Grundriss; Kohts, Lesebuch. Ord. Lehrer Iampel. Rechtschreibung: Zusammenfassende Wiederholung des Pensums der V. Schreibung der Fremdwörter. Grammatik: Vervollständigende Wiederholung der$$ 9--90, dann der$$ 91—116. Interpunktion: Wiederholung von Wendt, Anhang I. Übungen. Lernen von Gedichten nach dem Kanon. Zweiwöchentlich eine schriftliche Arbeit(in der Regel Klassenaufsatz, bisweilen Diktat). Französisch: 5 St. Grammatik, 3 St. Lektüre. Ulbrich, Schulgrammatik; Duruy. Hommes cclebres; Wingerath, Lesebuch. Ord. Lehrer Geissler. a. 8$ 136- 176(Verbum). b.$ 79-135(Artikel, Substantiv, Adjektiv, Adverb, Fürwoit, Zahlwort), dann die 88 179-183(die inflexiblen Wortarten). Rückübersetzungen, Inhaltsangaben, Sprechübungen. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Geschichte: 2 St. Jäger, Hilfsbuch; Senckpiehl, Kleiner Geschichtsatlas. Ord. Lehrer Hampel. a. Wiederholung des Sommerpensums der V. Griechische Geschichte bis zum Tode Alexanders des Grossen. Geographie von Alt-Griechenland. b. Römische Geschichte bis zum Untergang des weströmischen Reiches. Aus der Kaiserzeit nur das Allernotwendigste. Geographie von Alt-Italien. Die Zahlen nach dem Kanon. Geographie: 2 St. Daniel, Leitfaden; Diercke-Gäbler, Atlas für die mittleren Stufen. Ord. Lehrer Hampel. a. Wiederholung des Sommerpensums der V. Die drei südlichen Halbinseln, das Donau- tiefland und Österreich$$ 73, 74, 76-80, 102 u. 103. b. Wiederholung des Winterpensums der V. Frankreich, Grossbritanien und Irland, Skandinavien und Dänemark, Russland.$$ 81—84. Rechnen und Mathematik: 2 St. Rechnen, 3 St. Geometrie. Krancke-Jöhrens, Exempel- buch, Ausg. B, H. 4; Lackemann, Planimetrie. Ord. Lehrer Dr. Schultze. Rechnen: a. Wiederholungen, dann Abschnitt VII, Fortsetzung und Abschluss der. Bruch- rechnung; Abschnitt VIII, Aufgaben mit direkten und indirekten Verhältnissen. Kopfrechnen, b. Abschnitt IX, die leichteren Fälle aus der Durchschnitts-, Mischungs- und Teilungsrechnung. Abschnitt X, Prozentrechnung. Zweiwöchentlich eine schriftliche Arbeit. Geometrie: a. Von der Lage gerader Linien und Punkte. b. Dreieck, Parallelogramm. Fundamentalaufgaben. Zwei- wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Naturbeschreibung: 3 St. Vogel-Müllenhoft, H. 2; Vogel-Ohmann, H. 1- 3. Oberlehrer Meyer. a. Wiederholung des Pensums der V. Beschreibung von Pflanzen mit schwierigerem Blütenbau; die wichtigsten natürlichen Familien. Herbarium. b. Wiederholung u. s. w. Vergleichende Beschreibung des Körperbaues und der Entwicklung der Gliedertiere. Erläuterung des Wichtigsten aus der Morphologie und die wichtigsten Lebenserscheinungen der Gliedertiere.— Mathematisch- astronomische Geographie: Scheinbare Bewegung der Himmelskörper. Das kopernikanische System in den Grundzügen; Entstehung von Tag und Nacht, der Jahreszeiten, Finsternisse. Bewegung der Sonne im Laufe des Tages und Jahres, Bestimmung der Höhe an verschiedenen Tagen Tagbogen und Nachtbogen der Sonne. Bestimmung der Mittagslinie durch deu Sonnenstand und die Magnet- nadel. Veränderlichkeit der Morgen- und Abendweiten. Tag- und Nachtgleichen. Eine Reihe von Sternbildern wird aufgesucht mit Hilfe der Sternkarte und von Exkursionen. Scheinbare Bewegung der Himmelskugel, Weltaxe, Nordpol, Südpol, Aequator, Wende- und Polarkreis am Himmel, Ekliptik, Zenith, Nadir. Zeitunterschied von Orten verschiedener Länge. Mangs Universalapparat findet hier erst Verwendung. Quinta. Ordinarius: Ord. Lehrer Dr. Menze. Religionslehre: 2 St. Schulz-Klix, Biblisches Lesebuch; Spruchbuch; Schulgesangbuch. Vorschulinspektor Gast. a. Wiederholung des Sommerpensums der VI. Biblische Geschichte von Josua bis zum babylonischen Exil. Wiederholung des ersten Hauptstücks, gelernt wird das dritte bis zur 3. Bitte einschliesslich, mit Luthers Erklärungen. Sprüche und Kirchenlieder nach dem Normalexemplar. b. Wiederholung des Winterpensums der VI. Jesu Lehrthätigkeit(Gleichnisse), Apostelgeschichte. Gelernt wird der 2. Teil des 3. Hauptstücks mit Luthers Erklärungen. Sprüche und Kirchenlieder. Einteilung des Kirchenjahrs. Deutsch: 4 St. Regeln und Wörterverzeichnis; Wendt, Grundriss; Kohts, Lesebuch. Ord. Lehrer Dr. Menze. ö Rechtschreibung: Vervollständigende Wiederholung des Pensums der VI. Bindestrich und Apostroph. Nach dem Normalexemplar. Grammatik: a..Ergänzende Wiederholung des Pensums der VI, Deklination der Eigennamen, Adverbien, Präpositionen, Fürwörter und Zahlwörter($$ 36 und 37) unter Heranziehung der$$ 48 und 61. b. Konjunktionen, zusammengesetzter Satz. Nach dem Normalexemplar. Interpunktion: Wendt, Anhang I. Übungen. Lernen von Gedichten nach dem Kanon. Wöchentlich ein Diktat, im W. jede dritte Woche ein Klassenaufsatz. Französisch: 8 St. Ulbrich, Elementarbuch. Ord. Lehrer Dr. Menze. a. Wiederholungen aus Kap. 1—24. Sprechübungen im Anschluss an den Anhang. b. Kap. 25—50, sonst wie im S. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Geschichte: 1 St. Ord. Lehrer Dr. Menze. a. Wiederholungen aus dem Sommerpensum der VI. Griechische Sagen: Herkules, Theseus (Dädalus und Ikarus), Argonautenfahrt, der trojanische Krieg, Odysseus(Tantalus u. s. w., Hades). b. Wiederholungen aus dem Winterpensum der VI. Lebensbilder aus der griechischen und römischen Geschichte: Lykurg(Erziehung), Leonidas,'Themistokles, Alcibiades, Alexander d. Gr.; Romulus, Porsena(Horatius Cocles, Mucius Scävola, Clölia), Camillus, Pyrrhus, C. Duilius, Hannibal, Marius, 0. Julius Cäsar. Geographie: 2 St Daniel, Leitfaden; Diercke-Gäbler, Atlas für die mittleren Stufen. Ord. Lehrer Geissler. a. Wiederholung des Sommerpensums der VI. Deutschland mit Zugrundelegung des in$ 35, S. 41—44 Enthaltenen. b. Die aussereuropäischen Erdteile nach$ 35, mit gelegentlicher Erweiterung aus den 88 36- 70. Rechnen und Mathematik: 4 St. Rechnen, 1 St. Geometrie. Krancke-Jöhrens, Exempel- buch, Ausg. B, H. 3; Lackemann, Planimetrie. Lehrer Naumann. Rechnen: a. Wiederholungen aus dem Pensum der VI. Abschnitt IV, 1—256, die gemeinen Brüche. Kopfrechnen. b. Abschnitt IV zu Ende; Abschnitt V, der unbegrenzte Zahlenraum, die Dezimalbrüche: Abschnitt VI, Zeitrechnung, leichtere Fälle der Zinsrechnung, Preisberechnungen. Kopfrechnen. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Geometrie: Gebrauch von Lineal und Zirkel, 88 1-23, 98—100. Naturbeschreibung: 3 St. Vogel-Müllenhofl, H. 1; Vogel-Ohmann, H. 1 und 2. Ober- lehrer Meyer. a. Wiederholung des Pensums der VI, dann die im Kurs. 2 besprochenen Pflanzen und gegebenen Erläuterungen. Linnes System. Herbarium. b. Wiederholung u. s. w. Vergleichende Beschreibung einer Reihe von Wirbeltieren. Erläuterung morphologischer Grundbegriffe.— Mathe- matisch-astronomische Geographie: Fortsetzung der in V begonnenen Beobachtungen; Lauf der wichtigsten Planeten am Himmel. Hinweis auf die Veränderungen in der Ansicht des gestirnten Himmels. Sexta. Ordinarius: Lehrer Naumann, Religionslehre: 3 St. Schulz-Klix, Biblisches Lesebuch; Spruchbuch; Schulgesangbuch. Vorschulinspektor Gast. a. Biblische Geschichte bis zum Tode Moses. Gelernt wird das erste Hauptstück(Gebot 1—5) mit Luthers Erklärungen. Sprüche und Kirchenlieder nach dem Normalexemplar. b. Das Leben Jesu(ohne Bergpredigt, ohne Gleichnisse). Gelernt wird der 2. Teil des ersten Hauptstücks mit Luthers Erklärungen. Sprüche und Kirchenlieder.. Bedeutung der christlichen Hauptfeste- Wiederholung des Wichtigsten aus dem Pensum der Vorschule. Deutsch: 4 St. Regeln und Wörterverzeichnis; Wendt, Grundriss; Kohts, Lesebuch. Lehrer Naumann. Rechtschreibung: a. Grosse Anfangsbuchstaben, Silbenbrechung, Wahl verschiedener Buchstaben, welche denselben oder einen ähnlichen Laut bezeichnen. b. Konsonantenverdoppelung, Bezeichnung der Vokallängen. Nach dem Normalexemplar. Grammatik: a. Deklination, Kompa- ration, Konjugation. b. Das Allerwichtigste aus der Lehre vom einfachen Satz. Nach dem Normal- exemplar. Interpunktion. Die notwendigsten Hauptgesetze aus Wendt, Anhang I.— Korrektes, sinngemässes und wohlklingendes Lesen. Lernen von Gedichten nach dem Kanon. Wöchentlich 1 Diktat im Anschluss an die orthographischen Übungen. Französisch: 8 St. Ulbrich, Elementarbuch. Ord. Lehrer Dr. Menze. a. Kap. 1—9. Sprechübungen. b. Kap. 10—24. Sprechübungen im Anschluss an den Anhang. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. 5* Geschichte: 1 St. Ord. Lehrer Hampel. a. Deutsche Sagen, zunächst die der engeren Heimat, des Harzes, endlich die Nibelungen- und Gudrunsage. db. Lebensbilder aus der deutschen Geschichte: Arminius, Karl d. Gr.(Sachsen- kämpfe, Kaiserkrönung, Sagenkreis), Heinrich I., Otto d. Gr., Friedrich Barbarossa, Rudolf von Habsburg, Gutenberg, Luther, Friedrich Wilhelm der grosse Kurfürst, Friedrich d. Gr., Blücher, Wilhelm I. Geographie: 2. St. Daniel, Leitfaden; Diercke-Gäbler, Atlas für die mittleren Stufen. Vorschulinspektor Gast. a. Im Anschluss an den Unterricht in der Vorschule repetitorisch zu behandelnde Heimat- kunde, demnach Einiges über Deutschland, dann über die übrigen Länder Europas.$ 35 mit Auswahl. b. Übersicht über die aussereuropäischen Erdteile.$ 35 mit Auswahl.— Gestalt der Erde, Länge und Breite, Wende- und Polarkreise, Zonen. Aus den$$ 2, 8, 9 und 10. Rechnen: 4 St. Krancke-Jöhrens, Exempelbuch, Ausgabe B, H. 3. Lehrer Naumann. a. Abschnitt I und II. Der Zahlenraum bis zu den Millionen. Multiplikation mit Zehnern, Hunderten, Tausenden, desgl. Division. Die drei ersten Dezimalbruchordnungen. Häufige Übungen im Kopfrechnen. b. Abschnitt III. Multiplikation mit mehrstelligem und mehrteiligem Multiplikator, desg. Division. Kopfrechnen. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit. Naturbeschreibung: 2 St. Vogel-Müllenhof, H. 1; Vogel-Ohmann, Zeichenatläs, H. 1. Oberlehrer Meyer. a. Einzelbeschreivungen von etwa 25 Blütenpflanzen mit deutlich erkennbaren Blütenteilen. Besprechung der einfachsten morphologischen und physiologischen Begriffe. Anleitung zu planmässiger Anlegung und Weiterführung des Herbariums. b. Beschreibung von etwa 25 Säugetieren. Erläuterung der allerwichtigsten morphologischen Grundbegriffe.— Mathematisch- astronomische Geographie: Auf- und Untergang der Sonne, ungleiche Länge der Tage und Nächte, längster, kürzester Tag. Höhe der Sonne zur Mittagszeit im Sommer und Winter; Beobachtung der Höhe durch die Länge des Schattens. Beobachtung der Phasen des Mondes, Auf- und Untergang. Die wichtigsten Stern- bilder. Milchstrasse. Orientierung am Himmel, Technischer Unterricht. a) Turnen: 8 St. Zeichen- und Turnlehrer Ziebell. 1. Prima und Sekunda: 2 St. 2. Tertia und Quarta: 2 St. 3 Quintaz’2'8t. 4. Sexta: 2 St. Dispensiert: Sommersemester. Prima:—. Sekunda: 3. Tertia: 3. Quarta:—. Quinta: 4 Sexta:—. Wintersemester. Prima: 1. Sekunda: 4. Tertia: 5. Quarta: 2. Quinta: 5. Sexta: 1. gt b)@esang: 6 St. Lehrer Schmidt. Prima bis Quarta: 2 St. Choräle: wiederholt werden die in VI und V gelernten. Lieder (drei-, auch vierstimmig) nach Hauer, Auswahl, H. 3 und sonstige Gesänge für Schulfeierlichkeiten. Quinta: 2 St. Übungen nach Hauers prakt.. Lehrgang für den A-Capella-Gesang, H. 2. Choräle nach dem Kanon. Lieder(zweistimmjg) nach Hauer, Auswahl, H. 2. Sexta: 2 St. Übungen nach Hauers prakt. Lehrgang für den A-Capella-Gesang, H. 1. Choräle nach dem Kanon. Lieder(einstimmig) nach Hauer, Auswahl, H. 1. Teilnehmende: Sommer. Prima: 9. Sekunda: 17. Tertia: 31. Quarta: 33. Quinta und Sexta: alle Schüler. Winter. Prima: 5. Sekunda: 13. Tertia: 31, zeitweilig 25. Quarta: 26. Quinta und Sexta: alle Schüler. c) Zeichnen: 12 St. Zeichen- und Turnlehrer Ziebell. Prima: 2 St. Zeichnen nach Gipsen, schattiert in Blei oder auf farbigem Papier in zwei Kreiden nach Jauer und Weschke. Schwierige Flachornamente in farbiger Ausführung. Skizzen- übungen verbunden mit Formenlehre. Linearzeichnen: Elemente der darstellenden Geometrie, Projektionslehre, Schattenkonstruktion und Perspektive nach Krause. Sekunda: 2 St. Anfänge des Gipszeichnens nach Troschel; Schattieren auf weissem Papier mit Bleistift. Umrisszeichnen nach Jauerschen und Weschkeschen Gipsmodellen. Farbige llach- ornamente; Formenlehre. 3 Tertia: 2 St. Zeichnen nach Stuhlmannschen Übergangsmodellen; Gefässformen; Umriss- zeichnen nach Gipsornamenten; farbige Flachornamente. Quarta: 2 St. Leichtere Ornamente in Umriss und farbiger Ausführung. Zeichnen nach Heimerdingerschen Holzmodellen: der Würfel, der halbe Würfel, Leiste, Sechseck, Achteck, Kreuz, Pyramide, Hohlkehle, Cylinder, doppelte Hohlkehlen in frontaler Stellung und in Stellungen über Eck. Quinta: 2 St. Symmetrische Figuren: Das gleichschenklige Dreieck, geradlinig symmetrische Figuren, Blattformen, Schild- und Kelchformen, Rosetten, heraldische Lilie, Palmetten und Gefäss- formen; das Oval, die Ellipse, Spirale, Schneckenlinie und ihre Anwendungen; Reihen und Gruppen- bildungen von symmetrischen Figuren nach Vorlagen von Herdtle, Breuer und Kolb. Leichte Anlage der Figuren mit Farbe nach Häuselmann. Sexta: 2 St. Gerade Linien: Senkrechte, wagerechte, die schräge in den verschiedenen Winkeln zur wagerechten; die Parallele; der rechte, spitze, stumpfe Winkel. Regelmässig geometrische Figuren: Quadrat, Achteck, gleichseitiges Dreieck, Sechseck, Kreis und Fünfeck;; Flächenteilungen dieser Figuren, Blatt- und Rosettenformen, Bogenfriese, Wellenlinien und verwandte Formen nach den Vorhängetafeln von Stuhlmann. 4. Verzeichnis der eingeführten Schulbücher. Religion. Klasse: Sehulz-Klix, Biblisches-Desebuch©. 0.00 ey] Anhaltisches:Spruchbüch 20... cc. ne IN Bibel e a er Anhaltisches Schälresäpebuch u el ee AAN Deutsch. Regeln und Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung...» 2... I1-VI Wendt, Grundriss. I—VI Kohts, Meyer und Schuster, deutschen Techuch: für die betreffende er ehleV\l Französisch. Ulbrich; Elementarhiich eu. 00 ee Nm UlbriehSchulgrammatık2 2... 0..., 0... elN Wingerath? Chöix de. lectutes- Teil. 0 2 0.2. 2 0.0 00 ll Englisch. Geseninss Klemenfärbuch 2.2.2 u... 0, 0 2 nee ae ee ML tzeseniuss.Schulgrammatik 0, 0 u. 00 2 nn Callin, Lesebuch ee 1 Geschichte. Jager,-Hülisbuchsder alten Geschichte 0.2.0. 7 22 m 0. gi Beck-Vjereek,*Jibieitladen:., 2» 2: 2. 2 2,2. an,.1-lll Senekpiehl. 0 mn 2 en en l=lV Geographie. Daniel, Leitfaden De ee Diercke-Gäbler, Atlas für 31 tieren Stufen el Rechnen und Mathematik. Krancke-Jöhrens, Exempelbuch, Ausgabe B, Heft 3... 2 2... 22 2 en a V—Vl -- Heft a 0 a er LT] V. Lackemann, Planimetrie... en Le V Trigonometrie und SER EOHIELNIE ee el Arıthmetik 0.5000 0000 er JOH Felg-Sert Uhunpsbuch 7, 0... 0 2m en nenne, welelll Greve. Logarithmentafeln=. 2.2.0... 0. neueste Naturbeschreibung. Vorei-Müllenhoft, Botanik, Heft.1., sun 2, oe ee --- we en te a ee EV --- Eule san ll Vogel-Müllenhoflz Zoologie, Heft. 2... 2 um ne NN ==- a ee A T=IV ---, ee ne *) Von Ostern 1890: Müller-Junge, Leitfaden zur Geschichte des deutschen Volkes. Vogel-Ohmann, Zeichenatlas, Heft 1 U—VI ----.2 I-V --- en I-IV Naturlehre. Krumme,*). Lehrbuch sderzphysik- in zwei. Stüen=. 2,2 2.2. 22, 2 1-ll Arendt, Leitfaden für den Unterricht in der Chemie,’ I—II Singen. Hauer, Auswahl mehrstimmigers LiedereHet. io. 20.00, 2, a2, al ---- De NV ---- ro I—-IV Ausserdem: Die für die Lektüre eines jeden Semesters besonders bestimmten Schriftsteller und die erfogderlichen Wörterbücher. Il. Aus den Verfügungen der Herzogliehen Regierung, Abteilung für das Schulwesen. Bemerkung. Nur diejenigen Verfügungen sind aufgenommen, deren Kenntnis für das Elternhaus, bez. für das sonst beteiligte Publikum ein besonderes Interesse hat. Der Höheren Bürgerschule werden 12 mit Erlass des ganzen Schulgelds Terbund eye Stellen des Kirchenchors zugesprochen. Betr. den Erlass des Schulgelds an den höheren Lehranstalten, wenn die Schulver- säumnis nicht durch eigene Krankheit des Schülers, sondern durch epidemische Krankheiten in der Familie desselben und durch die in dieser Beziehung massgebenden polizeilichen Vorschriften veranlasst ist. 28. 6. 89. 132. 12..89. 8. 1. 90. Ferienordnung für 1890. Schluss des Unterrichts. Wiederbeginn des Unterrichts. Osterferien Freitag, d. 28. März. Dienstag, d. 19. April, Pfingstferien. Freitag, d. 23. Mai, nachmittags, Donnerstag, d. 29. Mai. Sommerferien Freitag, d. 4. Juli. Dienstag, d. 5. August. Michaelisferien Mittwoch, d. 1. Oktober. Donnerstag, d. 16. Oktober. Weihnachtsferien Dienstag, d. 23. Dezbr., um 10 U, vorm.| Dienstag, d. 6. Januar 1891. *) Von Ostern 1890: Sumpf, Grundriss der Physik. Ama he 9. 1. 90. Genehmigung, dass Ostern d. Js. die erste Reifeprüfung an der Höheren Bürgerschule stattfindet, Zugleich wird die Direktion veranlasst, darauf hinzuweisen,„dass denjenigen Schülern, welche Michaelis d. Js. durch vorausgegangene Beseitigung der zur Zeit ihrem Wissen und Können noch anhaftenden Mängel genügende Sicherheit für das Bestehen der Reifeprüfung bieten, zu diesem Termine die Zulassung zu derselben gewährt werden wird.“ 8. 2. 90. Die Direktion wird ermächtigt,„von der Abhaltung öffentlicher Prüfungen der Klassen Sexta bis Prima Abstand zu nehmen“; dagegen findet an der Vorschule„zur Zeit des Schlusses des Schuljahres eine öffentliche Prüfung aller Klassen in mindestens zwei Lehr- gegenständen statt.“ II. Chronik, sannın A. Gründung und Eröffnung der Höheren Bürgerschule. Nachdem bereits in einem zu Beginn des Jahres 1885 erstatteten Gutachten der Herzog- lichen Oberschulbehörde, betr. die sogenannte„Überbürdung“ der Schüler in höheren Lehranstalten, auf die Zweckmässigkeit einer Umwandlung der mit den Gymnasien zu Cöthen und Zerbst ver- bundenen Realprogymnasien in eine selbständige Höhere Bürgerschule kurz hingewiesen war, wurde der angeregte Gedanke nach zwei Jahren wiederum aufgenommen und unter dem Gesichtspunkte „einer dem Zeitbedürfnisse entsprechenden Ergänzung der gegenwärtig bestehenden höheren Lehr- anstalten realistischer Art“ in einer ausführlichen Denkschrift dem Herzoglichen Staatsministerium am 7. Dezember 1887 unterbreitet. Als besonders geeigneter Ort war sofort Oöthen ins Auge gefasst worden mit Rücksicht auf die„wenig lebensfähigen Verhältnisse des(mit dem Gymnasium verbundenen) Realprogymnasiums, sodann in der Erwägung, dass den Bedürfnissen der Einwohner- schaft dieser Stadt die Gründung einer solchen Schule in besonderem Masse entgegenkommen würde.“ Mit vollem Nachdruck wurde geltend gemacht, dass die zu einer Ausführung dieses Vor- habens erforderlichen Schulräumlichkeiten grösstenteils bereits sich vorfanden, da„die mittlere Parzelle des alten Seminargrundstücks, bestehend in dem neuerbauten Wohn- und Klassengebäude nebst Zubehör vollständig geeignet war, um eine sechsklassige Höhere Bürgerschule und drei Vorschulklassen daselbst unterzubringen.“ Auf diese Denkschrift hin ward die Herzogliche Regierung ermächtigt, eine Vorlage über diesen Gegenstand für den nächsten Landtag auszuarbeiten. Derselbe erteilte in der Sitzung vom 25. Februar 1888 seine Zustimmung zu der Begründung einer Höheren Bürgerschule in Cöthen. In Rücksicht auf die aus Klasse HI, bezw. II übertretenden Schüler des Realprogymnasiums, dessen Aufhebung zugleich vereinbart worden, wurde die gleichzeitige Errichtung aller sechs Klassen der Höheren Bürgerschule zu Ostern 1889 beschlossen und mit dieser die Vereinigung der bereits vorhandenen, bisher mit dem Gymnasium verbundenen dreiklassigen Vorschule. GE Schon gegen Ende des Jahres 1888 war das Lehrerkollegium der neuen Anstalt definitiv zusammengesetzt. Als Direktor wurde der Berichterstatter, als Oberlehrer Herr Oberiehrer Dr. Löwe, als Ordentliche Lehrer die Herren Meyer, Geissler, Dr. Schultze, Hampel, Dr. Menze, als Elementar- lehrer Herr Naumann, als Zeichen- und Turnlehrer Herr Ziebell, als Gesanglehrer Herr Schmidt angestellt. Die Herren Dr. Löwe, Meyer und Naumann waren bis Ostern 1889 bereits am hiesigen Herzoglichen Ludwigs- Gymnasium thätig gewesen, Herr Schmidt an der hiesigen Volksschule für Knaben, während die anderen Herren neu hierher berufen wurden. Carl Paul Hellwig wurde im Dezember 1850 zu Ostrowo geboren. Seine Schulbildung erhielt derselbe auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, das er im Herbste 1870 mit dem Zeugnis der Reife verliess, um sich auf den Universitäten von Breslau und Berlin philologischen, historischen und geographischen Studien zu widmen. Am 30. April 1875 wurde er zum Doctor philosophiae promoviert; am 18. Februar 1876 bestand er die Prüfung pro facultate docendi. Die erste Hälfte seines Probejahres hielt er an dem Königlichen Gymnasium zu Ostrowo ab, die andere an dem zu Bromberg, woselbst er nach Ablauf von sechs Monaten die Stelle eines wissenschaftlichen Hilfslehrers bekleidete. Zu Michaelis 1877 wurde er an die Königliche Gewerbeschule(Oberrealschule) zu Liegnitz berufen. Im Zusammenhange mit der Auflösung dieser Schule ward er Michaelis 1879 als Ordentlicher Lehrer an das mit einer Realanstalt verbundene Königl. Gymnasium zu Göttingen versetzt. Am 1. April 1884 erfolgte seine Ernennung zum ÖOberlehrer und seine Berufung an das Realgymnasium in Harburg.— Folgende litterarische Publikationen sind von demselben erschienen: 1) Deutsches Städtewesen zur Zeit der Ottonen(Inaugural-Dissertation). Breslau 1875. 2) Handel und Gewerbe zur Zeit der Ottonen. Göttingen 1882. 3) Hilfsbüchlein zum Gebrauch für den geschichtlichen Unterricht in den unteren Klassen höherer Lehranstalten. Harburg 1888. 4) Kanon der in den einzelnen Klassen der Realgymnasien zu lernenden Geschichtszahlen. Harburg 1888. Heinrich Emil Geissler, geboren in Osterfeld bei Naumburg a. S. den 16. September 1854, vorgebildet auf den Realanstalten zu Naumburg und Halle, studierte von 1873—1876 auf den Universitäten zu Leipzig, Strassburg und Halle vorzugsweise die neueren Sprachen. 1877 war er Lehrer in Miltenberg a. M., 1879 übernahm er eine Lehrerstelle in Marktbreit a. M., darauf in Kempten; seiner neusprachlichen Studien halber begab er sich 1880 nach Paris und 1881 nach London, woselbst er bereits den Sommer 1878 zugebracht. Nachdem er in Halle die Prüfung pro ‚facultate docendi schon 1878 abgelegt, wurde er von 1881--1883 als Kandidat und Hilfslehrer am Domgymnasium zu Naumburg beschäftigt, von 1883-1889 war er Ordentlicher Lehrer am Real- gymnasium in Dessau. Wilhelm Hermann Schultze, geboren am 20. August 1861 zu Stendal in der Altmark, besuchte das Realgymnasium zu Magdeburg. Er studierte nach Absolvierung desselben Mathematik, ‚Physik und die beschreibenden Naturwissenschaften in Berlin, Heidelberg und Halle, woselbst er im Jahre 1884 promovierte. Nachdem er im Oktober 1885 sein Staatsexamen bestanden, legte er 1885— 1886 sein Probejahr an der Oberrealschule zu Magdeburg ab, an welcher er auch später noch einige Unterrichtsstunden erteilte. Vom August 1887 bis Ostern 1889 wurde er vertretungs- weise an den Gymnasien zu Cöthen und Dessau beschäftigt.— Er veröffentlichte an wissenschaft- “lichen Abhandlungen: 1) Über die Wechselwirkung zweier zu einander senkrechter magnetischer Verteilungen(Inaugural-Dissertation). 2) Eine Abhandlung gleichen Namens wie Nr, 1 und 3) Das elektrolytische Verhalten des Glimmers bei hoher Temperatur(Annalen für Physik und Chemie). Ludwig Karl Max Hampel, geboren zu Hoym am 3. November 1856, besuchte das Gymnasium zu Quedlinburg, welches er Michaelis 1878 mit dem Zeugnis der Reife verliess. Nachdem er seiner Militärpflicht in Göttingen genügt, studierte er Philologie in Göttingen und Leipzig. Längere Zeit 6 19 an der Fortsetzung seiner Studien durch eine Augenkrankheit gehindert, bestand er am 17. Januar 1886 die Prüfung pro facultate docendi. Das Probejahr legte er 1886/87 am Herzogl. Karlsgymnasium in Bernburg ab, woselbst er auch bis Ostern 1889 beschäftigt wurde. Friedrich August(@otthold Menze, geboren den 30. August 1854 zu Ballenstedt, besuchte das Brinckmeiersche Institut, dann das Gymnasium zu Zerbst, das er Ostern 1875 mit dem Zeugnis der Reife verliess, um auf den Universitäten zu Leipzig und Strassburg neuere Sprachen zu studieren- Nachdem er seiner Militärpflicht 1878/79 genügt, war er mit kurzer Unterbrechung als Lehrer am Brinckmeierschen Institut bis Ostern 1889 beschäftigt. Er bestand das Examen pro doctoratu im Sommer 1870 und pro facultate docendi im November 1883 zu Strassburg.— Er veröffentlichte: Über den ostmittelländischen Dialekt(Inaugural-Dissertation). Cöthen 1889. Robert Johann Heinrich Ziebell, geboren am 10. November 1863 zu Danzig, besuchte das Friedrich-Wilhelms-Realgymnasium zu Stettin, das er im September 1883 mit dem Zeugnis der Reife für Oberprima verliess. Nachdem er darauf seiner Militärpflicht genügt, besuchte er die Königliche Kunstschule zu Berlin, an der er im Juli 1886 die Prüfung als Zeichenlehrer an höheren Schulen bestand. Im Oktober desselben Jahres trat er als Eleve in die Königliche Turnlehrer- bildungsanstalt und erhielt im April 1887 das Befähigungszeugnis zur Erteilung des Turnunterrichts an öffentlichen Unterrichtsanstalten. Während des folgenden Sommers nahm er Malstunden im Atelier des Landschaftsmalers Sturm. Vom Oktober 1887 bis eben dahin 1883 wurde er als Zeichen- und Turnlehrer am Realgymnasium zu Iserlohn beschäftigt, alsdann bis Ostern 1889 als ‚Hilfslehrer an der Königlichen Turnlehrerbildungsanstalt. Anmeldungen zum Besuche der Ostern 1889 zu errichtenden Höheren Bürgerschule» nahmen in dankenswerter Weise die Direktion des Herzoglichen Ludwigsgymnasiums sowie der Vorstand der'Knabenmittelschule hierselbst entgegen. Die Entscheidung über die Aufnahme und die Über- weisung an die einzelnen Klassen auf Grund der vorgelegten Zeugnisse, bezw. der abgehaltenen Prüfung fand unter dem Vorsitz des Herrn Oberschulrat Dr. Krüger am 16. April in dem Gebäude des Ludwigsgymnasiums statt. Welchem ausserordentlichen Bedürfnis die neue Anstalt entgegen- kam, geht wohl am besten daraus hervor, dass an diesem Tage 166 Schüler in die sechs Klassen der Höheren Bürgerschule aufgenommen werden konnten. Durch weitere Aufnahme war die Zahl der Zöglinge bis zum Tage der Eröffnnng auf 181 gestiegen, abgesehen von der Vorschule, welcher 71 Schüler angehörten. Die Eröffnung der Höheren Bürgerschule erfolgte am 30. April v. Js. Eine stattliche Versammlung hatte mittags 12 Uhr den festlich geschmückten Raum der Aula vollständig gefüllt. Se, Excellenz der Herr Staatsminister von Krosigk,, Se. Excellenz der Herr Regierungspräsident Oelze wie die Öberschulbehörde waren erschienen, ausserdem die Vertreter der hiesigen Herzoglichen und Städtischen Behörden, Leiter und Lehrer an den Schulen des Landes, die Eltern und Angehörigen unserer Schüler. Die Feier nahm mit dem durch ein Präludium eingeleiteten gemeinschaftlichen Gesang der beiden ersten Verse des Chorals:„O heilger Geist, kehr bei uns ein“ seinen Anfang, worauf Herr Archidiakonus Jänicke die Weihe der Höheren Bürgerschule vollzog in einer Rede, welcher er als Text den ersten Vers des 127. Psalms:„Wo der Herr nicht das Haus baut, da arbeiten umsonst, die daran bauen u. s. w.“ zu Grunde gelegt. Die nun folgende Rede des Herrn Oberschulrat Prof. Dr. Krüger entwickelte in eingehender Weise die Ursachen, die zur Begründung Höherer Bürger- rd schulen geführt, das Wesen und die Ziele derselben. Es sei mir gestattet, von dem reichen Inhalt der inzwischen veröffentlichten Rede!) dasjenige zum Abdruck hier zu bringen, was sich auf das Wesen der Höheren Bürgerschule bezieht. „Unzweifelhaft das segensreichste Neue.... ist die Errichtung solcher Schulen, welche, bestimmt zur Aneignung einer höheren bürgerlichen Bildung, in sechsjähriger Lehrdauer— vom 9. Lebensjahre der Schüler ab gerechnet— unter Ausschluss des altsprachlichen Unterrichts zu einem bestimmten, nicht auf die Fortsetzung durch weiteren allgemeinen Unterricht hinweisenden Abschlusse führen und den als reif entlassenen Schülern die Erwerbung des Militärzeugnisses vermitteln, d. h. die Errichtung sogenannter lateinloser Höherer Bürgerschulen.* Diene Anstalten„umfassen in 6 aufsteigenden Klassen 6 Jahrgänge; sie weisen nicht, wie ihre Vorgängerinnen, auf eine„Vollanstalt* hin, auf welcher ihre Schüler erst den eigentlichen Abschluss ihrer Bildung suchen und finden sollen; denn sie sind selbst„Vollanstalten“. Das Lateinische ist aus ihrem Lehrplane ganz verschwunden. Auf den ursprünglichen, glücklichen Gedanken, aus welchem die Bewegung für die Höhere Bürgerschule einst überhaupt hervorgegangen war, hat man zurückgegriffen: nicht Gelehrte, nicht Beamte sollen auf diesen Schulen vorgebildet werden,’ sondern sie sollen den Bedürfnissen, den Zwecken des bürgerlichen Lebens dienen, diesen aber auch voll und ganz. Die jetzigen Höheren Bürgerschulen sollen eine abgerundete, in sich abgeschlossene Bildung den Bürgersöhnen gewähren, durch welche dieselben in jeder Beziehung für die mannig- faltigen Lebenswege, insbesondere für die Berufsarbeit auf den Gebieten des Handels, des Gewerbes und der Technik wohl vorbereitet und in den Stand gesetzt sind, rechtzeitig, d. h. in dem passendsten Lebensalter in dieselben einzutreten und die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten unmittelbar zu verwerten. Aber„„damit diese Schulen nicht den Charakter von Fachschulen annehmen und den Charakter allgemeiner Bildungsanstalten verlieren, stellen sie sich nicht zu sehr in den Dienst der alltäglichen Wirklichkeit, sondern suchen innerhalb recht sorgsam bemessener Grenzen auch das gesamte Geistesleben der Jugend, das Leben des Verstandes, der Phantasie, des Gemütes und des Willens anzuregen und ideal auszugestalten““, hierdurch aber zugleich fortdauernd erziehlich zu wirken,„„damit der Zögling später nicht nur ein tüchtiger Fachmann, sondern auch ein tüchtiger und guter Mensch und ein ganzer Mann werde, der selbständig denkend und im besten Sinne des Worts produktiv seinem Berufe gerecht werde, auch für seine höheren bürgerlichen Pflichten in Staat und Gesellschaft und für seine religiösen Pflichten innerhalb seiner Kirche ein klares und mit sittlichem Ernst gepaartes Verständnis und die Fähigkeit besonnener Mitarbeit gewinne“*, Der Lehrstoff, welcher diesen Schulen zugewiesen ist, die Lehrziele der einzelnen Klassen, wie das Gesamtziel dieser Schulen sind sorgfältig so abgemessen, dass jeder normal begabte Schüler, der regelmässig seinen Schülerpflichten genügt, in 6 Jahren, also, wenn er(was für die Absolvierung der ganzen Schule innerhalb des gesetzmässigen Zeitraumes stets die meiste Bürgschaft gewährt) mit dem vollendeten 9. Lebensjahre in die unterste Klasse der Schule eintritt, mit dem vollendeten 15. Lebensjahre die ganze Schule vollendet haben und die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienste durch Bestehen einer Entlassungsprüfung erwerben kann..... Nach Überwindung mancher hier und da zunächst gehegter Vorurteile hat sich die Über- zeugung immer mehr Bahn gebrochen, dass die„Höhere Bürgerschule* wahrhaft einem Zeitbedürfnisse entspricht, ja dass sie mehr als andere der gegenwärtigen höheren Lehranstalten die„„Schule der: Zukunft ist 22% i) Die Lateinlose Höhere Bürgerschule. Rede, zur Eröffnung der Herzoglichen Höheren Bürgerschule zu Cöthen am 30. April 1889 gehalten von Dr. G. Krüger, Herzoglich Anhaltischem Oberschulrat. Cöthen, Paul Schettlers Erben. 6* dd Hierauf wandte sich Herr Oberschulrat Dr. Krüger an den Leiter und die Lehrer der neu- begründeten Anstalt, um dieselben in herzlicher Rede zu bewillkommnen und zugleich in ihre neue Stellung im Namen der Herzoglichen Regierung einzuweihen. Nachdem der dritte Vers des Chorals verklungen, bestieg der Berichterstatter das Katheder, um zunächst zu danken Sr. Excellenz dem Herrn Minister, Sr. Excellenz dem Herrn Präsidenten Oelze und der Hohen Oberschulbehörde für ihr Erscheinen bei der Eröffnungsfeier, desgleichen den Vertretern der Stadt und der Schulen, nicht zum wenigsten der Bauverwaltung, welche diese hellen und freundlichen Räume geschaffen. Insbesondere aber sprach er der hohen vorgesetzten Behörde seinen innigen Dank aus für das ihm bewiesene ehrenvolle Vertrauen zugleich mit dem GeJöbnis, nach besten Kräften die Pflichten seines verantwortungsreichen Amtes erfüllen zu wollen. Aus der Rede, welche darauf der Berichterstatter hielt, möge der über die besonderen Ziele der Höheren Bürgerschule handelnde Abschnitt hier zum Abdrucke gelangen. ».... Durch den Religionsunterricht soll dem Schüler ein solches Mass von Wissen vermittelt werden, dass er bekannt wird mit dem Hauptinhalte der Heiligen Schrift, insbesondere des Neuen Testamentes, mit der Reformationsgeschichte und den Hauptlehren seiner Konfession, um so für religiöse Fragen der Gegenwart das rechte Verständnis zu gewinnen. Es wäre aber um den Religionsunterricht schlecht bestellt, wollte er nur dem Wissen dienen. Herz und Gemüt vielmehr zu ergreifen und zu Gott zu erheben, einen wahrhaft gottesfürchtigen Sinn zu wecken und das Bewusstsein evangelischer Glaubensgemeinschaft in den Schülern wach zu erhalten und zu stärken, wird uns eine heilige Pflicht sein. Der Unterricht in der Geschichte bringt den Zögling die Bekanntschaft mit den wichtigsten Ereignissen des griechischen und römischen Altertums, von der Geschichte fremder moderner Völker erfährt er so viel, als notwendig ist, um deren weltgeschichtliche Stellung und deren Einfluss auf die Geschichte des eigenen Volkes zu begreifen. Vor allem soll er eine genauere Kenntnis der vaterländischen Geschichte vom Zeitalter der Reformation an erhalten, um sich zu begeistern für alles, was deutscher Mannes- und Wagemut, was echte Vaterlandsliebe und hingebendste Auf- opferungsfreudigkeit zu schaffen imstande ist. Von dem Schauplatz der Geschichte, der Erdoberfläche, erhält er eine bestimmt umschriebene Kenntnis sowohl nach ihrer natürlichen Beschaffenheit wie ihrer jetzigen politischen Einteilung, unter- richtet wird er insbesondere über Handel und Wandel ihrer Bewohner, vor allem gewinnt er eine eingehendere, für den später mitten im Leben stehenden Mann so notwendige Kenntnis von Mitteleuropa. Durch die hervorragende Berücksichtigung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer glaubt die Höhere Bürgerschule das Wissen ihrer Zöglinge so weit fördern zu können, wie es im allgemeinen der Industrielle sowohl wie der Kaufmann und der Techniker für weitere erfolgreiche Thätigkeit unbedingt nötig hat. Im Zusammenhange hiermit ist der Zeichenunterricht uns ein willkommenes Mittel zur Berücksichtigung der Bedürfnisse des technischen Gebietes, zur Übung des Blickes und des Augen- masses, zugleich aber auch ein wichtiges Mittel zur Einführung in das Gebiet der Kunstformen. Der Unterricht in den fremden Sprachen, dem Französischen und Englischen, will neben der„„allgemeinen Schulung des Geistes““, die er verfolgt, den Zögling dahin bringen, dass er ein gewöhnliches Buch mit einiger Leichtigkeit lesen und verstehen, auch im mündlichen Verkehr sich wenigstens zur Not zu helfen imstande ist. In den Mittelpunkt endlich des gesamten Lehrplans einer Höheren Bürgerschule wollen einige sehr beachtenswerte Stimmen, folgend dem Zuge der historischen Entwickelung, das Deutsche gestellt wissen. Ist nun auch eine solche Stellung diesem Unterrichtszweige innerhalb des Rahmens unserer Schule rücksichtlich der Anzahl der Stunden nicht eingeräumt, so wird doch immerhin daran festzuhalten sein, dass die Schüler„„teils durch diesen Unterrichtszweig speziell, teils auch durch den Lehrbetrieb in den übrigen Fächern dazu angeleitet werden sollen, nicht nur für jeden innerhalb ihres Gesichtskreises liegenden Gedanken mündlich wie schriftlich den angemessenen Ausdruck zu finden, sondern auch mit den Wörtern der Muttersprache einen dem Gebrauche der gebildeten Mehrheit sachlich entsprechenden und begrifflich einigermassen gegliederten Inhalt zu verbinden““. Dass der Unterricht in der Muttersprache ein reges und freudeerfülltes Verständnis für die Meister- werke unserer Litteratur wecken und pflegen will, wird kaum einer besonderen Erwähnung bedürfen. Als Preis, der äusserlich an das Ende eines solchen Bildungsganges gesetzt ist, gilt die Berechtigung für den einjährigen Dienst.....“ Mit dem gemeinschaftlichen Gesang der beiden ersten Verse des Chorals:„Nun. danket alle Gott“ fand die erhebende Feier ihren. Abschluss. Nachdem noch ein Rundgang zur Besichtigung der neu eingerichteten Schulräume unter- nommen, fand in Rumpfs Hotel ein Festessen statt, an welchem auch Se. Excellenz der Herr Minister, Se. Excellenz der Herr Präsident Oelze, die Mitglieder der Hohen Oberschulbehörde wie die Vertreter der Stadt teilnahmen. B. Anderweitige Schulnachrichten. Der Beginn des Unterrichts fand Mittwoch, den 1. Mai, statt. Schon am 4. Mai konnte der Unterzeichnete dem Ordentlichen Lehrer Herrn Albert Meyer mitteilen, dass ihm von Sr. Hoheit dem Herzoge der Titel„Oberlehrer“ verliehen worden. Am 18. Mai fuhren die Schüler der Klassen I, II und III in Begleitung mehrerer Lehrer und des Unterzeichneten nach Dessau, um der Aufführung des Volksschauspiels von Trümpelmann „Luther und seine Zeit“ beizuwohnen. Der Nachmittagsunterricht musste am 29. Mai, am 4., 6. und 7. Juni der Hitze wegen ausgesetzt werden. Am ersten Juni wurde Herr Dr. Menze zu einer achtwöchentlichen militärischen Übung eingezogen. Für die Vertretung wurde in der Weise gesorgt, dass Herr Oberlehrer Dr. Löwe den um zwei Stunden gekürzten französischen Unterricht in VI erhielt, Herr Geissler den in gleicher Weise gekürzten französischen Unterricht in V. Dafür übernahm. der Unterzeichnete die 2 St. Geographie des Herrn Oberlehrer. Dr. Löwe in III, Herr Hampel die 2 St. Geographie des Herrn Geissler in V, mit ihnen zugleich 1 St. Geschichte in derselben Klasse. Die vier deutschen Stunden in V mit dem Ördinariat erhielt Herr Naumann. Am 4. Juni wurde der Höheren Bürgerschule die freudige Überraschung zuteil, die Büsten der Kaiser Wilhelm IL, Friedrich III. und Wilhelm II. vom Herrn Kommissionsrat E. Meyer als Geschenk zur Ausschmückung der Aula zu erhalten. Der Berichterstatter spricht auch an dieser Stelle den Dank der Anstalt aus. Am 15. Juni unternahmen die einzelnen Klassen der Höheren Bürgerschule Ausflüge und zwar I—IV nach Ballenstedt, Sternhaus, Viktorshöhe, Teufelsmühle, Mägdesprung; V und VI nach Ballenstedt und dem Falkenstein. An dem Tage des Einzugs und des festlichen Empfangs(6. Juli) Sr. Hoheit des Erbprinzen und Höchstdessen Gemahlin hatte der Unterzeichnete— Herr Gymnasialdirektor Nicolai war durch Erkrankung behindert— die Ehre, den Hohen Neuvermählten im Namen der Lehrerkollegien der beiden hiesigen höheren Lehranstalten durch Überreichung einer Adresse die unterthänigsten Glück- 40 wünsche ausdrücken zu dürfen. An dem festlichen Empfange des Durchlauchtigsten Erbprinzlichen Paares in Cöthen— der Tag des Einzugs fiel auf den 16. Juli, in die grossen Ferien,— beteiligten sich mit dem Lehrerkollegium sämtliche zur Zeit anwesende Schüler der Anstalt. Das Sedanfest beging'die Schule am 2. September im engeren Kreise durch einen: Fest- aktus; Deklamationen wechselten mit patriotischen Gesangsvorträgen, die Ansprache hielt Herr Oberlehrer Dr. Löwe. Am 11., 12. und 13. November unterzog Herr Oberschulrat Dr. Krüger die Anstalt einer eingehenden Revision, auch sonst beehrte derselbe die Höhere Bürgerschule öfters mit seinem Besuche, wofür ihm der Unterzeichnete zu besonderem Danke verpflichtet ist. Am 4. Dezember fiel der Unterricht aus; Lehrer wie Schüler fuhren nach Dessau, um an dem festlichen Einzuge Sr. Majestät des Kaisers teilzunehmen. Zu Ehren des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fand Montag, den 27. Januar, 10'/, Uhr vormittags, in der Aula der Höheren Bürgerschule eine öffentliche Feier statt. Das Programm bei derselben war folgendes: 1) Gemeinsamer Gesang:„Vater kröne du mit Segen*(Str. 1 u. 2). 2) Choral:„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“(St. 1, 2 u.-5). 3) Deklamation, a.„Der alte Barbarossa“ von Rückert: Sehnert(VI.). b.„Das Lied vom deutschen Kaiser“ von Geibel: Reinicke(III). c.„Kaiser von Deutschland“ von Elze: Winter(III). d.„Dem Kaiser“ von Münch: Schröter(V). 4) Motette von Ed. Grell:„Herr, deine Güte reicht so weit“. 5) Festrede, gehalten von dem Direktor(über das Thema:„Der lernende Kaiser, das Vorbild der lernenden Jugend“). 6) a.„Dem Kaiser Heil und Segen“(Mel.: Christus, der ist mein Leben). b.„Herrscher im Äther“, komponiert von F. Flemming. 7) Deklamation. a.„Der Ulan* von Geibel: E. Nau- mann(IV). b.„Die Trompete von Vionville“ von Freiligrath: Schönemann(IV). c.„Zu Kaisers Geburtstag* von Thieme: Eberius(II). 8) Gemeinsamer Gesang:„Heil dir im Siegerkranz* (Str, 1, 2 u 3). Der Eisbahn wegen wurde am 7. Februar der Nachmittagsunterricht ausgesetzt, Nachdem die Arbeiten für die Abgangsprüfung vom 17.—20. Februar geschrieben, fand unter dem Vorsitz des Herrn Oberschulrat Dr. Krüger Mittwoch, den 19. März, die mündliche Prüfung statt. Beide Examinanden, Alwin Schröter und Wilhelm Reinicke, erhielten das Zeugnis der Reife. Störungen erlitt der Unterricht durch die Influenza: Herr Oberlehrer Dr. Löwe fehlte vier Tage, desgleichen die Herren Dr. Schultze und Hampel, Herr Oberlehrer Meyer acht Tage, während der Unterzeichnete im ganzen vierzelin Tage dem Unterricht fern bleiben musste. Am Ende des Schuljahrs scheidet aus dem Lehrerkollegium Herr Oberlehrer Dr. Löwe, welcher an das Realgymnasium in Dessau versetzt ist; von dieser Anstalt ist an die Höhere Bürger- schule der Ordentliche Lehrer Herr Fischer berufen. u BAT re IV. Statistische Mitteilungen. A. Frequenztabelle für das Schuljahr 1889/90. 4 II 11277. 1N; V, VI|Summa, 1. Bestand am 1. Februar 1889.. 2.2... 1)- 1-|- 1-1-— 2. Abgang bis zum Beginn des Schuljahrs 1889/90— il|.— 1-1— 3a. Zugang durch Versetzung zu Ostern 1889.. el ee ee an Kr u— 3b. Zugang durch Aufnahme zu Ostern 1889.. 11°) 2157.35] 3421: 35.2145 181 4. Frequenz am Anfange des Schuljahrs 1889/90. 11121 35|. 34| 85| 45 181 5. Zugang im Sommer-Semester...».. 2 h-|—|—- 1|— 2 3 6. Abgang im Sommer-Semester.. 2. 2.2..._ l_ 21—|— 3 7a. Zugang durch Versetzung zu Michaelis... a= 7b. Zugang durch Aufnahme zu Michaelis...—| ie 1 2 8. Frequenz am Anfange des Winter-Semesters..| 11| 20| 36| 33| 35| 47*)] 182 9. Zugang im Winter-Semester. Iren 10. Abgang im Winter-Semester Ben 3 11. Frequenz am 1. Februar 1890°...... 8 12. Durchschnittsalter am 1. Februar 1890 ER 18 ı 34| 33| 35147| 10 14,9 13,6| 12,8| 10,9 B. Religions- und Heimatsverhältnisse der Schüler (zugleich mit Angabe der Anstalt, welche sie bisher besucht haben). 1. Am Anfange des Sommer-Semesters 1889/90. Von den Schulen in Cöthen. Von anderen Schulen, Be;| g c& Klasse Real- A Höheren. N N 5|= E]| 7 3 5 Bd PR CANEERTG Peter en Ba Frotard BAterrd Berg ES Be DE ES 11,.—'1 10.’ 10123 ZT 16 Bell rl, 1.0.18), 6 1|—-|-|—-|—|.20| 1—| 12| 9|—| 21 II) 211—-|—|ı2 1l-|—- 1/|—| 32)—-|—-|.3).26)| 9|—| 35 IV 11]— 1.— 118 4|— 11-1.- 1.831,11—ı1— I 21! 7| 6| 34 |—-|—-I1 DE 7 1 3| 1|- 1116| 13| 6| 35 Vi 31— 4| 24 1 ı!-|!2|-|8|—|-—| 2| 30| 8| 7| 45 Summ| 48| 23| A| ojıs| 1| 1120| ı Ja] 3]—| 711] 51[ 19 Jıgı 2. Am Anfange des Winter-Semesters: 185%,:--- 1172| 3|—| 7108| 52| 22|182 3. Am 1. Februar 1890 108 BF II02 91:5 221176 *) Ein Schüler wurde nach der Vorschule zurückversetzt, zugleich auf Wunsch des Vaters. ran C. Übersicht über die Abiturienten. z| Termin Alter Auf der i S Ze Nee ee en Höheren 1a Stand und Wohnort| Künftiger & Bürger-| Prima. des Vaters. Beruf. 3 Prüfung. Konfession.| gehule. = geb.& ,| Ostern Alwin:-[Trebbichäu] 26.Mai 1, un 1 yan 1890, Schröter a/F. 1873, a2 ed evangel. Trebbichau a/F. geb.=, Wilhelm r 12. Juni Kaufmann i 2 r.desgl. Cöthen 1872 1 Jahr| 1 Jahr in Postfach ’.. evangel,| Cöthen D. Übersicht über die Namen der übrigen Schüler, welche vom Beginn bis zum Ende des Schuljahres die Anstalt verlassen haben. Prima: Wilhelm Dalchau(Harangs Institut in Halle), Karl Matthäi(ebendahin), Max Krüger (Postfach). Sekunda: Karl Hohmann(Kaufmann), Oskar Henning(Landwirt), Fritz Bunge(Handels- schule in Erfurt). Tertia: Erich Weissenborn(Gartenbauschule.in Köstritz), Kurt Löwe(Privatunterricht). Quarta: Robert Hamel(Mittelschule in Cöthen), Wilhelm Büchner(Kaufmann). V. Sammlungen von Lehrmitteln. A. Lehrerbibliothek und Lehrmittel. I. Religionswissenschaft. Die Bibel, nach der Übersetzung Dr. M. Luthers. Riehm, Handwörterbuch des biblischen Alter- tums. de Wette, Das neue Testament griechisch. Büchner-Heubner, Hand-Konkordanz. Harnack, Katechetik. Palmie, Evangelische Schulagende, Bd. 1: Evangelien. Fauth und Köster, Zeitschrift für den evangelischen Religionsunterricht. II. Sprachwissenschaft. 1: Deutsche Sprache. Sanders, Wörterbuch der deutschen Sprache, 3 Bde. u. Frick, Ergänzungswörterbuch der deutschen Sprache. Dietlein und Polack, Aus deutschen Lesebüchern, 4 Bde. Lyon, Zeitschrift für deutschen Unterricht. — 49°— 2. Englische Sprache. Grieb, Wörterbuch, 2 Bde. Mätzner, Englische Grammatik, 3 Bde. Körting, Encyklopädie und Methodologie der englischen Philologie. Tanger, Englisches Namenlexikon. van Dalen, Englisch für Kaufleute. Kölbing, Englische Studien. Geschenkt wurden: vom Verleger Herrn Buchhändler Schulze hier: Mensch, Characters of English Literature. Deutschbein, Theoretisch-praktischer Lehrgang der englischen Sprache; von dems., Kurzgefasste englische Grammatik und Übungsstücke; von dems., Methodisches Irving-Macaulay-Lesebuch. Wershoven, Hilfsbuch für den englischen Unterricht. Wershoven- Becker, Englisches Lesebuch. 3. Französische Sprache. Sachs-Villate, Französisch-Deutsches und Deutsch-Französisches Wörterbuch. Mätzner, Französische Grammatik. Körting, Encyklopädie der romanischen Philologie, Teil 2: Encyklopädie der romanischen(sesamtphilologie. Toussaint-Langenscheidt, Französich für Kaufleute, Geschenkt wurden: vom Verleger Herrn Buchhändler Schulze hier: Beyer, Französische Phonetik. Wershoven, Französisches Lesebuch; von dems., liilfsbuch für den französischen Unterricht. Ill. Geschichte. a. Bücher. Lübke, Grundriss der Kunstgeschichte. Oncken, Allgemeine Geschichte in Einzeldarstellungen, 32 Bde. Sybel, Historische Zeitschrift. Geschenkt wurden: vom Verleger Herrn Buchhändler Schulze hier: Blume, Quellensätze zur Geschichte unsres Volkes, 2 Bände; von der Herzogl. Gymnasialbibliothek hier: Krause, Urkunden, Aktenstücke und Briefe zur Geschichte der Anhaltischen Lande und ihrer Fürsten unter dem Drucke des 30jährigen Krieges, 5 Bde, b. Karten. Spruner-Bretschneider, Historische Karten: I. eirc. 350 n. Chr. II. Anfang des VI. Jahrh. III Zeit Karls des Grossen. 1V. Zweite Hälfte des X. Jahrhunderts. V. Zeit der Kreuzzüge. VI. Zeit des XIV. Jahrhunderts. VII. Zeit der Reformation. VIII. Zeit des 30jährigen Krieges. IX. Das XVII. Jahrhundert. X. Zeitalter Napoleons 1. LV%. Geographie. a. Bücher, Umlauft, Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. Heckenhayn, Methodisches Lehrbuch für den ersten Unterricht in der astronomischen Geographie. Bartholomäi, Fragen und Auf- gaben aus der astronomischen Geographie. Neumann, Örtslexikon des deutschen Reiches. Erläuterungen zu Mangs Universalapparat. b. Karten ete. Anhalt, von Reisner. Anhalt, von Behrendt. Deutschland, physikalisch, von Kiepert. Deutschland, politisch, von Leeder. Europa, physikalisch, von Kiepert; politisch, von dems.; Spanien und Portugal, politisch, von dems.; Italien, politisch, von dems.; Balkanländer, politisch, von dems.; Russland, politisch, v. dems.; Österreich-Ungarn, politisch, von dems.; Alpen, von Haardt; Frankreich, politisch, von Kiepert; Britische Inseln, politisch, von dems; Östlicher Planiglob, von dems.; Westlicher Planiglob, von dems.; Asien, physikalisch, K| — 590°— von Raaz; Palästina, von Kiepert; Afrika, physikalisch, von dems.; Afrika, politisch, von dems.; Nord-Amerika, physikalisch und politisch, von dems.; Süd-Amerika, physikalisch; und politisch, von dems.; der grosse Ocean, von dems.; Alt-Griechenland, von dems. Alt-Italien, von dems.; Römisches Reich, von dems.; Kirchhoff, Rassenbilder; Mangs Universalapparat für den Unterricht in der mathematisch-astronomischen Geographie. IV. Auflage. V. Beschreibende Naturwissenschaften. a. Bücher und Wandtafeln. Brehm, Tierleben(Kolorierte Ausgabe), 10 Bde. Fiedler-Blochwitz, Der Bau des menschlichen Körpers. Kollbach, Methodik der gesamten Naturwissenschaft. Rossmässler, Der natur- geschichtliche Unterricht. Richter, Der Anschauungsunterricht in den Elementarklassen. Zippel-Bollmann, Einheimische Pflanzenfamilien(Kryptogamen); von dems., Ausländische Kulturpflanzen; erläuternder Text zu vorstehenden Tafeln. Klein, Gäa, Natur und Leben. Fiedler, Anatom. Wandtafeln. Zur Benutzung überlassen: 27 Tafeln Handzeichnungen, dar- stellend den äusseren und inneren Bau der Insekten, Würmer, Spinnen, Krebse, Schnecken, Muscheln, Echinodermen und Cölenteraten. s b. Ausgestopfte und präparierte Thiere ete. Ausgestopft: Affe, Igel, Spitzmaus, Maulwurf, Eichhörnchen, Hamster, Wanderratte,‘Hausratte, Hausmarder, Fledermaus, Wasserratte. Wellensittich, Kuckuck, Eisvogel, Blauracke, Wiedehopf, Grünspecht, Grauspecht, Ziegenmelker, Mauersegler, Goldammer, Ortolanammer, Kreuzschnabel, Dompfaff, Kernbeisser, Zeisig, Bergfink, Stieglitz, Feldsperling, Baumläufer, Uferschwalbe, Hausschwalbe, Bachstelze, Goldhähnchen, Fliegenschnäpper, Zaunkönig, Amsel, Seidenschwanz, Grasmücke, Würger, Pirol, Kohlmeise, Staar, Eichelhäher, Saatkrähe, Waldohreule, Waldkauz, Turmfalk, Rebhuhn, Schnepfe, Kampfhahn(Männchen und Weibchen), Blässhuhn, Reiher, März- ente, Möve, Steisstaucher, Alk. Schildkröte, griechische Schildkröte, Eidechse, Blindschleiche, Feuersalamander, Wasserfrosch. Scholle, Stör, Haifisch, Nagelroche. Skelette: Fuchs, Kaninchen, Uhu, Schildkröte, Blindschleiche, Kreuzotter, Hecht, Wasserfrosch. Fussskelett von Katze, Schaf, Pferd. Schädel von Affe, Katze, Fledermaus, Marder, Fischotter, Seehund, Maulwurf, Spitzmaus, Bichhörnchen, Hase, Schwein, Pferd, Gürteltier, Gebiss vom Haifisch. Schildkrötenei. Anatomische Präparate(Nachbildungen): Auge, Gehörorgan, Zunge, Kehlkof, Herz.; Spirituspräparate: Tintenfisch, Malermuschel(durchschnitten), Weinbergschnecke, Wegeschnecke, Verdauungsapparat eines Wasserkäfers. Eine Sammlung Käfer, Aderflügler, Schmetterlinge, Fliegen, Schnabelkerfe, Netzflügler, Libellen, Gradflügler. Mikroskopische Präparate von Körperteilen der Insekten und von Diatomeen. Insektennadeln, Naphthalin, Insektenkästen. Flusskrebs, Krabbe. Eine Anzahl von Kästen, enthaltend die Entwickelung von dem Wasserkäfer(Gelbraud), Totengräber, Leuchtkäfer, Maikäfer, Borkenkäfer, Erbsenkäfer, der Schlupfwespe, Blattwespe, Honigbiene, Ameise, dem Wolfmilchschwärmer, Seidenspinner, Weidenbohrer, der Stechmücke, Stubenfliege, Wasserjungfer, Eintagsfliege, Maulwurfsgrille, Wanderheuschrecke, Feuerwanze, dem Wasser- skorpion, der Kreuzspinne. "Ein Mikroskop, eine Lupe mit einigen Präparaten. Geschenkt wurden: vom Herrn Kommissionsrat E. Meyer: eine Sammlung ausgestopfter süd- amerikanischer Vögel, Nester vom Webervogel; von Freunden der Anstalt: eine grosse Anzahl von Schlangen, Skorpionen, Skolopendern, Vogelspinnen und Insekten von Sumatra; von Herrn hie. Dr. Schultze: Kreuzspinne, Wassersalamander, Blindschleiche, Feuersalamander,. Ringelnatter, Eidechse, Wasserfrosch, Heupferd, Maulwurfsgrille(in Spiritus); vom Herrn Vorschullehrer Höde: Gebiss vom Haifisch, Schädel eines Delphins; vom Primaner Schrader: Glimmer, Bleiglanz, Flussspat, Quarz,'Pyrit, Gips, Serpentin; vom Sekundaner Kahleyss: ein Messer zu mikros- kopischen Schnitten; vom Tertianer Siemer: verkieseltes Eichenholz; vom Quartaner Meiling: ein Doppelei von der Ente; von den Quartanern Eberius und Engelhart: eine Anzahl Muscheln und Schneckengehäuse; vom Museumsbesitzer Förster: ein Seeigel mit Gebiss, eine Pilz-, Orgel- und Madreporenkoralle; von Herrn Dr. Schultze zur Benutzung überlassen: eine reichhaltige Mineraliensammlung. VI Mathematik. Hoffmann, Zeitschrift für mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht. VII. Physik und Chemie. a. Bücher. Weinhold, Physikalische Demonstrationen. Arendt, Technik der Experimentalchemie, Poske, Zeit- schrift für den physikalischen und chemischen Unterricht. b. Apparate. Batavische Glasthränen, Adbäsionsplatten. Schwungmaschine, Watts Regulator, Kugel mit Feder- wage, Glasballon, Apparat zum Zeigen der Abplattung, Farbenscheiben, Mechanisches Stativ mit Zubehör, Schraubenmodell, Schiefe Ebene, Keil, Kegel, Chinesischer Treppensteiger, Dezimal- brückenwage, Federwage, Pendeluhr. Kommunizierende Röhren, Nicholsons Aräometer, Alkoholometer, Normalaräometer, ober- und unterschlächtiges Wasserrad, Demonstrations- apparat von Pfaundler, Hydraulische Presse, Auftriebapparat, Apparat für das archimedische Prinzip und spezifische Gewicht, Pyknometer, Kartesianischer Taucher mit Glaszylinder und Gummideckel, Kapillarapparat, Heber, Stechheber, Saugpumpe, Druckpumpe, Segners Wasserrad. Gebläse von Gummi, Heronsball, intermittierender Brunnen, Apparat für Torricellis Versuch, Luftpumpe, Apparat zum Nachweis des Drucks der atmosphärischen Luft, Fallapparat, Gefrier- apparat. Glocke, Heber, Magdeburger Halbkugeln, Quecksilberregen, Barometerprobe, Baroskop, Heronsbrunnen, Dosenlibelle, Barometer. (tebläse, Violinbogen, Lippenpfeifen, offene Pfeifen, Zungenpfeifen, Resonatoren, Apparat für Klang- figuren, Stimmgabeln auf Resonanzkästen, Stimmhammer, Stimmgabel(Kammerton), Stimmgabel mit Spitze und Glasscheibe dazu, Sirene mit Fuss, Schallbecher, Monochord, Glasglocke mit Pendel, Apparat für Längsschwingungen, Kundtsche Röhre, Savarts gezähnte Räder. Camera ‚obscura, Modell eines Mikroskops, Glaskasten auf Untersatz mit Spiegel, Kaleidoskop, Winkelspiegel, Reflexionsapparat, sphärischer Spiegel, optische Bank, achromatisches Prisma, phosphoreszierende Substanzen, Stereoskop mit Bildern, 3 Fernrohrmodelle, Spektralapparat. Hebelpyrometer, Thermometer mit drei Skalen, Stab zur Wärmeausdehnung, Dampfmaschinenmodell, Radiometer, Lötrohr. chemisches Thermometer, Thermometer nach Six, Messingkugel mit Ring, Pulshammer, Kaltwasserschwimmer, Kupferschale zum Leidenfrostschen Versuche, Kryophor, Kompressionsfeuerzeug. Etui mit Stabmagnet, magnetisches Magazin, Hufeisenmagnet, Magnetnadel auf Stativ, Inklinationsnadel. Elektrisiermaschine, Verstärkungsapparat, Leydener Flasche, Blitzflasche, Papierhüschel, läutende Flasche, Lanes Massflasche, Elektroskop, Glasstab, Ebonitstab, Ebonitscheiben, Elektrophor, Henleys Entlader, fallende Ringe, elektrische Pistole, Korkkugeltanz, Kondensatorplatten. a. HE Klemmschrauben, galvanoplastischer Apparat, Flektromagnet, Läutewerk, 2 Telephone, Amperes Gestell, Schlittenapparat, Funkeninduktor, 5 Geisslersche Röhren, Telegraphenmodell mit Taster, Flaschenelement, 2 Tauchelemente, Galvanometer, Kommutator, Apparat nach Örstedt, Hoffmanns Zersetzungsapparat mit Platin- und Kohlenelektroden, Kupfer- und Zinkplatten, Glühapparat für Kohlenspitzen, Glühlampe mit Stativ, Thermoelement. Glasröhren, Platinblech, Wage mit Gewichten, Pneumatische Wanne von Glas und Prozellan, Kork- presse, Platindraht, Woulffsche Flaschen, Gaswaschflaschen, Trichter, Glashähne, Trockenflaschen, Gläser, Rührstäbe, Sicherheitstrichter, Abdampfschalen, Reagierglasbürsten, Glaszylinder, Draht- dreiecke, Dreifüsse von Eisen, Filtrierpapier, Faltenfilter, tubierte Flasche, Brenner, Kippscher Apparat, Gasometer, Gasplatten, Kautschukschläuche und Stopfen, Korke, Kolben verschiedener Grösse, Kolbenträger, Korkbohrer, Phosphorlöffel, Hornlöffel, Messzylinder, Mischzylinder, Quetschhähne, Mensur, Mörser, Gasentwickelungsflasche, Trichterröhren, Reagenzglasgestell mit Gläsern, Retorten mit und ohne Tubus, Sandbadschalen, Sandpapier, Schmelztigel, eisernes Stativ mit Ringen, verschiedene Elemente und Verbindungen in Gläsern, Kugelröhren, Flaschen, Magnesiumband, Lakmuspapier, messingene Gaze, messingene Haken, Retortenhalter, Eisen- pulver, Kochflaschen, Gasbrenner mit Schornstein, Glasröhren mit Stöpsel, Glaskästchen, Glas- röhren mit Platindraht, Reagenzglashalter, Wagschale, Hornlöffel. Zangen, Scheren, Fuchsschwanzsäge, Feilen, Stechbeutel, Meissel, Bohrer, Pfriemen, Schraubenzieher, Zollstock, Nägel, Messer, Hämmer, Blechschere, Schraubstock, Feuerzange, Holzscheiben, Blech, Pinzette, Holzkohlen, Schreibdiamant, Kollodiumballons. V1II. Technische Lehrgegenstände. 1. Zeichnen. a. Bücher. Krause, Lehrbuch der Projektionslehre, I. Teil. Elemente der Projektionslehre.— Kolb, Textheft zu den 25 Wandtafeln für das elementare Freihandzeichnen.— Krause, Lehrbuch der Schattenkonstruktion. b. Wandtafeln, Modelle. Kolb, 25 Wandtafeln für das elementare Freihandzeichnen.— Herdtle, 21 Blätter stilisierte Blumen aus allen Kunstepochen.— Stuhlmann, 40 Wandtafeln für den ersten Unterricht im freien Zeichnen; von dems., Wandtafeln für den Zeichenunterricht in preussischen Volksschulen, ReiheC, 1—27.— Putsche, Perspektivische Konstruktionen, Ser. I.— Kolb und Högg, Vorbilder für das Ornamentzeichnen, 30 Tafeln.— Weschke, Gipsmodelle, Ser. Rheinland, 1. 20.— Von dems., Gipsmodelle, Ser. O(Auswahl).— Jauer, Gipsmodelle, 137—150.— Zergiebel, Modelle für den ersten Unterricht im Zeichnen, 1-13.— Stuhlmann, Übergangsmodelle, 20—29. Weschke, Gipsmodelle, Ser. D, 1-10.— Häuselmann, Moderne Zeichenschule, Heft 3: Stili- sierte Blatt- und Blumenformen. einfache Flachornamente antiken und modernen Stils, Bl. 1—20. Heft 4: Die Spirale als Grundform des vegetabilen Ornaments, Bl. 1—20. Heft 5: Die Kom- positionen und Ornamente in Farben, Bl. 1-20. Heft 6: Freie Kompositionen und Ornamente in Farben, Bl. 1-20.— Troschel, Vorbereitung zum Zeichnen nach Gipsen, Nr. 1—12.— Kolb, Vorbilder für das Ornamentzeichnen. 2. Gesang. a. Noten etc. Hauer, 22 Wandtafeln für den A-Capellagesang: von dems., A-Capellagesang, Heft 1 2, je 45 Exem- plare; autographierte Stimmen:„Herr, deine Güte“ und„Verleih’ uns Frieden“, 80 Sopran- und 50 Bassstimmen. Anhaltisches Choralbuch. RE b. Instrumente. Flügel mit Decke und Podium; Violine mit Kasten. 3. Turnen. a. Bücher. Kohlrausch und Marten, Turnspiele nebst Anleitung zu Wettkämpfen und Turnfahrten.— Lausch, 137 Spiele im Freien für die Jugend. b. Geräte, Das Turnen findet während der schlechten Jahreszeit in der Halle des Herzogl. Ludwigsgymnasiums statt. Für den Unterricht im Freien(auf dem Schulhofe) sind folgende Geräte angeschafft: 3 Barren, 2 Recke, 1 Sprungkasten, 1 Bock, 2 lange, 4 kurze Sprungbretter, 2 Sprungständer, 3 Leinen dazu, 2 Kokosturnmatten, 3 Bälle, 81 Hanteln, 78 Eisenstäbe, 12 Springstäbe, 3 Türkenköpfe; ausserdem Schrank und Rück für Aufbewahrung der Turnschuhe. X. Allgemeines. Trenkel, Hof- und Staatshandbuch für das Herzogtum Anhalt.— Förstemann, Einrichtung und Verwaltung von Schulbibliotheken.— Ellendt, Katalog für Schülerbibliotheken.— Brockhaus, Konversationslexikon.— Wiese-Kübler, Verordnungen und Gesetze, 2 Bde.— Schiller, Geschichte der Pädagogik; von demselben, Praktische Pädagogik.— Lehrpläne für die höheren Schulen Preussens vom 31. März 1882.-- Ordnung der Entlassungsprüfungen an den höheren Schulen Preussens.— Rethwisch, Jahresberichte über das höhere Schulwesen, I., IL, III. Jahrgang. — Medizinische Sachverständigen-Kommission: Ärztliches Gutachten über das höhere Schul- wesen.— Frick, Lehrproben und Lehrgänge.— Gesetzsammlung für das Herzogtum Anhalt, betr. die Staatsbeamten.— Mushacke, Statistisches Jahrbuch der höheren Schulen, X. Jahrg., I. Teil 1889.— Wegweiser durch die deutsche Jugendlitteratur.— Verzeichnis der Programme der höheren Schulen Deutschlands 1890.— Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preussen.— Weidner, Zeitschrift für lateinlose höhere Schulen.— Zarncke, Litterarisches Zentralblatt. Geschenkt wurden vom Verleger Herrn Buchhändler Schulze hier: Thilo, Kurze pragmatische Geschichte der Philosophie, Bd. I u. 2.- Flügel, Probleme der Philosophie und ihre Lösungen. — Volkmann Ritter von Volkmar, Lehrbuch der Psychologie, Bd. 1, 2.— Ballauf, Elemente der Psychologie— Flügel, Die Seelenfrage.— Tepe, Ethische Abhandlungen. B. Schülerbibliothek. Schwab, Die schönsten Heldensagen des klassischen Altertums, 3 Bde.-- Stacke, Erzählungen aus der griechischen Geschichte; von dems., Erzählungen aus der römischen Geschichte.— Dav. Müller, Geschichte des deutschen Volkes,— Ferd. Schmidt, Der 30jährige Krieg in vier Erzählungen, 2 Bde.— Kohlrausch, Die deutschen Freiheitskriege.— Kugler, Geschichte Friedrichs des Grossen.— Hiltl, Der französische Krieg von 1870- 71.— v. Archenholz, Der siebenjährige Krieg.— G. Freitag, Doktor Luther.— Würdig, Des alten Dessauers Leben und Thaten.— Hahn, Hans Joachim von Ziethen.— Mücke, Heinrich IV. und Heinrich V.— -—— Kallsen, Friedrich Barbarossa.— Berndt, Das Leben Karls des Grossen.— F. Schmidt, Aus der Jugendzeit des grossen Kurfürsten; von dems.,‘Friedrich der Grosse bis zu seiner Thronbesteigung.— Sach, Die deutsche Heimat.— Lockyer, Astronomie.- Masius, Die RENT DR Tierwelt.- Wink, Deutschlands Vögel.-— Huxley, Allgemeine Einführung in die Naturwissen- schaften.— Geikie, Physikalische Geographie; von dems., Geologie.— Peters, Mineralogie.— de Bary, Botanik.— Stewart, Physik.-- Roscoe, Chemie.— Foster, Physiologie.— Leute- mann, Zonenbilder.— Pilz, Die kleinen Tierfreunde.— Wagner, Entdeckungsreisen in der Wohnstube; von dems., Entdeckungsreisen in Haus und Hof; von dems., Entdeckungsreisen in Feld und Flur; von dems., Entdeckungsreisen im Wald und auf der Heide; von dems., Ent- deckungsreisen in der Heimat: a) eine Alpenreise, b) Stadt und Land.— Gebr. Grimm, Kinder- und Hausmärchen.— Schwab, Die deutschen Volksbücher.— F. Schmidt Reinicke Fuchs.— Lohmeyer, Deutsche Jugend, 1886, Bd. I, 2; 1887, Bd. 3, 4; 1888, Bd. 5, 6; 1889, Bd. 7.— Gräbner, Robinson Crusoe.-— Österwald, Erzählungen aus der alten deutschen Welt für jung und alt. Diehl, Hebels Schatzkästlein für die Jugend.— Osterwald, Siegfried und Kriemhilde; von dems., Gudrun.— Spemann, Das neue Universum. C. Unterstützungsbibliothek- Geschenkt wurden: von der Verlagsbuchhandlung Reiter in Dessau:(16) Schulgesangbücher für das Herzogtum Anhalt; von Öhmigke in Berlin:(5) Schulz-Klix, Biblisches Lesebuch; von Hellwing ın Hannover:(4) Deutsches Lesebuch für Sexta,(4) für Quinta,(4) für Quarta,(4) für Tertia; von Grote in Berlin: Wendt, Grundriss der deutschen Satzlehre; von Gärtner in Berlin:(4) Ulbrich, Elementarbuch der französischen Sprache; von dems.:(4) Schulgrammatik der französischen Sprache; von Dumont-Schauberg in Cöln:(je 3) Wingerath, Choix de lectures francaises, i. und 2. Teil; von Friedberg und Mode in Berlin:(1) Duruy, Hommes celebres de V’histoire Romaine,(1) Michaud, Histoire de troisime croisade; von Renger in Leipzig:(1) Erckmann- Chatrian, Histoire d’un conserit,(1) Thiers, Expedition de Bonaparte en Eigypte; von Gesenius in Halle:(2) Gesenius, Elementarbuch der englischen Sprache,(1) Grammatik der englischen Sprache; von Hahn in Hannover:(1) Callin, Englisches Lesebuch; von Herbig in Berlin: (2) Seamer, Shakespeares Stories; von Braun in Karlsruhe:(3) Beck-Viereck, Leitfaden beim Unterricht in der Geschichte; von Kunze in Wiesbaden:(3) Jäger, Hifsbuch für den ersten Unterricht in alter Geschichte; von Peter in Leipzig:(7) Senkpiehl, Kleiner Geschichtsatlas; von der Waisenhausbuchhandlung in Halle:(4) Daniel, Leitfaden für den Unterricht in der Geographie; von Westermann iu Braunschweig:(2) Diercke-Gäbler, Schulatlas über alle Teile der Erde für die mittleren Unterrichtsstufen; von Hirt in Breslau:(2) Lackemann, Elemente der Planimetrie,(2) Elemente der Trigonometrie und Stereometrie,(2) Elemente der Arithmetik; von Kunze in Wiesbaden:(3) Feld-Serf, Ubungsbuch für den Unterricht in der Arithmetik und Algebra; von Velhagen und Klasing in Bielefeld:(2) Greve, Logarithmische und trigonometrische Tafeln; von Hahn in Hannover: Krancke-Jöhrens, Exempelbuch, Ausgabe B,: (7) 1. Heft,(5) 2. Heft,(5) 3. Heft,(2) 4. Heft; von Winkelmann& Söhne in Berlin:(2) Vogel-Müllenhoff, Botanik, 1. Heft,(2) 2. Heft,(2) Zoologie, 1. Heft,(2) 2. Heft; von Grote in Berlin:(2) Krumme, Lehrbuch der Physik in zwei Stufen; von Voss in Hamburg:(2) Arendt, Leitfaden für den Unterricht in der Chemie; von Hauer in Berlin:(9) Auswahl mehr- stimmiger Lieder, 1. Heft,(11) 2. Heft,(5) 3. Heft. Für die im vorhergehenden erwähnten Geschenke spricht der Berichterstatter auch an dieser Stelle den Dank der Anstalt aus. VI. Stiftungen und Unterstützungen von Schülern. Vergl. V.©. Unterstützungsbibliothek. VII. Mitteilungen an die Eltern und Stellvertreter derselben. s, Seite 61. Dr. Paul Hellwig, Direktor. B. Bericht über die Vorschule, erstattet vom Inspektor Wilhelm Gast. I. Lehrverfassung. 1. Übersicht über die Lehrgegenstände. Stundenzahl in: Gesamtzahl Klasse 1.| Klasse II.| Klasse III. der Stunden. Religion. BR 3 3 3 9 Deutsche Grammatik 3 2— 5 Orthographie 3 3— 6 Lesen. 4 4— 8 Schreiben 4 4_ 8 Schreiblesen—_—_ f. fi Anschauung. B= 2 2 4 Rechnen. D 4 4 13 Heimatkunde y. ne— 2 Singen 2 u— 2 26| 22 16 64 2. Verteilung der Lektionen. Lehrer.|Ordinarius. Klasse 1. Klasse II. Klasse III, er Gast I 3 Religion 2 Anschauung 2 Anschauung 13 3 Deutsche Grammatik(7 a.d. H. B.) 3 Orthographie Höde u 4 Lesen 2 Deutsche Grammatik 25 4 Schreiben» 3 Orthographie 4 Lesen 4 Schreiben 4 Rechnen Baxmann 1 5 Rechnen 3 Religion 3 Religion 26 2 Heimatkunde 7 Schreiblesen 2 Singen 4 Rechnen — 97 0— 3. Absolvierte Pensen. Klasse I. Ordinarius: Vorschulinspektor Gast. Religion: 3 St. Alle im biblischen Geschichtsbuche grossgedruckten(Geschichten. Lieder- verse, zu jeder Geschichte einen Spruch, die zehn Gebote ohne Luthers Erklärung. Heine, Biblische Geschichten.— Gast.> Deutsche Grammatik: 3 St. Die 10 Wortklassen; Deklination, Komparation, Konjugation. Der einfache Satz. Schulze, Lehrstoff für den grammatischen und orthographischen Unterricht. 2. Heft.— Gast. Orthographie: 3 St. Wiederholung und ausführlichere Behandlung des Pensums der 2. Klasse. Ähnlich klingende Laute. Biegung. Abteilung der Silben. Die grossen Anfangsbuchstaben Wöchentlich ein Diktat. Schulze, Lehrstoff für den grammatischen und orthographischen Unter- richt. 2. Heft.— Gast. Lesen: 4 St. Fast sämtliche Lesestücke aus dem Lesebuche, Auswendiglernen einiger Gedichte. Paulsiek, Lesebuch für Septima.— Höde. Schreiben: 4 St. Die deutsche Schrift auf einfachen, die lateinische Schrift auf Doppel- linien. Taktschreiben.— Höde. Rechnen: 5 St. Die vier Grundrechnungsarten mit unbenannten und benannten Zahlen im unbegrenzten Zahlenkreise; Resolvieren und Reduzieren. Übungsstoff für den Rechenunterricht in Vorschulen. 2. und 3. Heft.— Baxmann. Heimatkunde: 2 St. Anhalt und Umgebung.— Baxmann. Singen: 2 St. Elementarübungen zur Bildung der Stimme und des Gehörs. Eine bestimmte Auswahl von Volksliedern und Chorälen.— Baxmann. Klasse Il. Ordinarius: Lehrer Höde. Religion: 3 Stunden. Wiederholung und eingehendere Behandlung des Pensums der 3. Klasse. Hinzunahme von 20 biblischen Geschichten des alten und neuen. Testaments. Liederverse, kleine Sjrüche und Gebete, Heine, Biblische Geschichten.— Baxmann. Deutsche Grammatik: 2 St. Hauptwort und Geschlechtswort(Geschlecht, Zahl, Fall; Deklination). Eigenschaftswort. Das persönliche Fürwort(Person und Zahl). Das Zeitwort(die Hauptzeiten, That- und Leideform; Konjugation. Der unentwickelte einfache Satz. Schulze, Lehr- stoff für den grammatischen und orthographischen Unterricht. 1. Heft.— Höde. Orthographie: 3 St. Dehnung und Kürzung. Wortbildung durch Vorsilben, Nachsilben und Zusammensetzung. Wöchentlich ein Diktat. Schulze, Lehrstoff für den grammatischen und orthographischen Unterricht. 1. Heft.— Höde. Lesen: 4 St.. Fast sämtliche Tesestücke des Lesebuchs. Auswendiglernen einiger Gedichte. Paulsiek, Lesebuch für Octava.— Höde. Schreiben: 4 St. Die deutsche Schrift auf Doppellinien.— Höde. Anschauung: 2 St. Cöthen und Umgegend.—(rast. Rechnen: 4 St. Addieren und Subtrahieren 1—4stelliger Zahlen. Multiplizieren und Dividieren 1--4stelliger Zahlen mit einer ein- und zweistelligen Zahl. Ubungsstoff für den Rechen- unterricht in Vorschulen(Heft 2).— Höde. 8 Klasse Ill. Ordinarius: Lehrer Baxmann. Religion: 3 St. Eine bestimmte Auswahl von 20 biblischen Geschichten des alten und neuen Testamentes. Einige Liederverse und Gebete.— Baxmanın. Schreiblesen: 7 St. a) Lesen. Von Ostern bis Weihnachten den Schreibleseschüler, dann eine Auswahl von Lesestücken aus dem Lesebuche von Paulsiek für Octava. b) Schreiben. Die Formen der deutschen Schrift bis Michaelis auf der Schiefertafel, dann im Schreibebuche mit Doppellinien. c) Orthographie. Wörter, deren Orthographie an der Aussprache zu erkennen ist. Silbentrennung nach Sprechsilben. d) Grammatik. Laut, Silbe, Wort, Abe, Kenntnis des Hauptwortes, Zeitwortes und Eigenschaftswortes. Bildung der Mehrzahl.— Baxmann. Anschauung: Das Haus und Umgebung.(Unter Benutzung. der Hölzelschen Wand- bilder.)— Gast. Rechnen: 4 St. Das Rechnen mit den Zahlen von 1-10, von 1—20, von 1-—100 Übungsstoff für den Rechenunterricht in Vorschulen. 1. Heft(von Michaelis an gebraucht).— Baxmann. Hr Gheofnık, Seit Beginn des Schuljahres ist die Vorschule mit der am 30. April eröffneten Herzoglichen Höheren Bürgerschule vereinigt; sie bereitet aber ihre Schüler nicht nur für diese, sondern, wie vorher, auch für das Herzogliche Ludwigsgymnasium vor. An der Eröffnungsfeier der Höheren Bürgerschule nahmen seitens der Vorschule ausser den Lehrern die Schüler der 1. Klasse teil. Der Unterricht begann Donnerstag, den 2. Mai. Zu Ostern schied Herr Bosse, der als Lehrer am Gymnasium verblieb, aus unserer Mitte. Das von ihm verwaltete Ordinariat der zweiten Klasse wurde Herrn Höde übertragen, während der Unterzeichnete das der ersten erbielt. e Der Gesundheitszustand-der Schüler war im Sommer gut, im Winter sehr ungünstig; in der zweiten Klasse fehlte zeitweise die Hälfte der Schüler; die meisten derselben waren an der Influenza erkrankt, mehrere litten ausserdem auch an Diphtheritis, Scharlach und Masern. Leider hatten wir, nachdem ein Todesfall in unserer Vorschule seit langen Jahren nicht vorgekommen, den "Schmerz, zwei sehr liebe Schüler durch den Tod zu verlieren; am 20. Dezember starb Walter Hummel,. am-9. Februar Georg-Wedemeier.— Was den Gesundheitszustand der Lehrer anbetrifft, so war derselbe während des ganzen Jahres befriedigend. Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde, wie auch das Sedanfest, mit der Höheren Bürgerschule gemeinsam gefeiert. Der Geburtstag Sr. Hoheit des Herzogs fiel in die Ferien.— Am 16. Juli hatte die Vorschule die hohe Freude, sich an dem festlichen Empfange der Erbprinzlichen Hoheiten in unserer Stadt beteiligen zu dürfen, Am 28. Juni-unternahmen Lehrer und Schüler der 1. und 2. Klasse unter Führung .des Herrn Direktors und des Berichterstatters eine gemeinsame Schulfahrt nach Dessau. Der Hitze wegen fiel am‘28. Mai, sowie am 5., 7. und 8. Juni der Nachmittagsunterricht “aus, während am 8, Februar die Nachmittagsstunden den Schülern zum Schlittschuhlaufen freige- geben wurden. Am 4. Dezember wurde durch Ausfall des Unterrichts Lehrern und Schülern es ermöglicht, sich an dem festlichen Empfange Sr. Majestät des Kaisers in Dessau zu beteiligen. 59°— II. Statistische Mitteilungen. 1. Übersicht über die Frequenz und die Veränderung derselben im Laufe des Schuljahres. | Klasse I,| Klasse II,| Klasse III. 1. Bestand am 1. Februar 1889 2. Abgang bis zum Beginn des Schuljahrs. 3a. Zugang durch Versetzung Ostern 1889. 3b. Zugang durch Aufnahme Ostern 1889. 4. Frequenz am Anfange des Schuljahrs 5. Zugang im Sommer- Semester 6. Abgang im Sommer-Semester i 7a. Zugang durch Versetzung zu Michaelis 1889. 7b. Zugang durch Aufnahme zu Michaelis 1889. 8. Frequenz am Anfange des Winter-Semesters. 9. Zugang im Winter-Semester. 10. Abgang im Winter- Semester. 11. Frequenz am 1. Februar 1890. 12. Durchschnittsalter am 1. Februar 1890. 20. 2, 16 17,» 514 des Sta.s Es| 20 EIER] EAN z 1| eu Re] 1 N a 3 3 Er| 25| 1235 N TREE BER I®.) ERST TUEL 9 Jahr 3 Mon.| 8 Jahr 6 Mon.| 7 Jahr 5 Mo, 2. Übersicht Be Ei Religions- und Heimatsverhältnisse der er Ev: K thı- Di| Ein- Nicht-- Klasse. Br Katho- Din, Juden.| heimische. Auswärtige. Anhaltiner. 1. Fe Anfänge Mer I 27— ar_ 21 3| 3 Sommer- II 22 1_ 1 23—_ 1 Semesters III 19“__ 19 1— "3 Am Äntange des Il 3 ie 2| 3 3 Winter- IL 23 1— U ET 1 1 Semesters au 22 1—__ 19 4_ BR 1. Februar 1890 I 27 a Bine ie At 3 3 II 22 Bi— 1 22 1 1 III 20 1_ u 17 4 er — 60°— 3. Namen der Schüler, welche im Laufe des Schuljahrs die Anstalt. N en le verlassen haben. Brandt, Alfred; abgegangen den 21. Juni 1889 nach Weimar. Mohr, Werner; abgegangen den 1. Juli 1889 nach Leipzig. Weiland, Franz; abgegangen den 18. November 1889 nach Calbe a/S. Krug, Paul; abgegangen den 20. Dezember 1889 nach Nordhausen. Krug, Otto; abgegangen den 20. Dezember 1839 nach Nordhausen. VVilhelm Gast, Inspektor, Mitteilungen an die Eltern und Stellvertreter derselben. Donnerstag, den 7. März, vormittags 10 Uhr, findet in der Aula eine öffentliche Prüfung der Vorschule statt. Der Termin für die Prüfung und die Aufnahme neuer Schüler ist auf Montag, den 14. April, vormittags 9 Uhr, festgesetzt. Für denselben sind mitzubringen der Tauf-, bezw. Geburtsschein des aufzunehmenden Schülers, der Impf-, bezw. Wiederimpfungsschein und das Abgangszeugnis der zuletzt von ihm besuchten Schule; ausserdem ein Schreibheft und eine Feder für die Prüfung. Das neue Schuljahr beginnt Dienstag, den 15. April, für die Höhere Bürgerschule und die erste Klasse der Vorschule um 7 Uhr, für die zweite und dritte Klasse um 10 Uhr morgens. Noch seien einige Worte zur freundlichen Beachtung hinzugefügt. Die Höhere Bürgerschule beabsichtigt weder Gelehrte noch Beamte vorzubilden, sie will „den Bedürfnissen, den Zwecken des bürgerlichen Lebens dienen“. Allen denjenigen nun, welche für ihre Söhne oder Pflegebefohlenen den späteren Eintritt in ein bürgerliches Gewerbe oder einen verwandten praktischen Beruf ins Auge fassen, sei hiermit in ihrem eigensten Interesse die Mahnung ans Herz gelegt, ihre Schützlinge bereits der Sexta der Höheren Bürgerschule zuzuführen. Je weiter ein Knabe in den unteren und mittleren Klassen eines Gymnasiums oder Real- gymnasiums gelangt, um so schwieriger— und nicht ohne Zeitverlust-— vollzieht sich für ihn der Übergang. Wer dagegen im richtigen Zeitpunkt, d. h. mit dem vollendeten neunten Lebensjahr, in die Sexta der Höheren Bürgerschule aufgenommen wird, kann bereits mit dem vollendeten fünfzehnten Lebensjahre die Anstalt absolvieren und somit die Berechtigung zum einjährig-frei- willigen Militärdienst erlangen. Auf Grund der Reifeprüfung, welche Ostern d. Js. stattgefunden hat, ist mit Sicherheit zu erwarten, dass noch im Laufe dieses Jahres von seiten des Herrn Reichskanzlers der Anstalt die „Militärberechtigung‘“ zugesprochen werden wird und zwar mit rückwirkender Kraft für die dies- maligen Abiturienten. Dr. Paul Hellwig, Direktor,