—— 11=n, Imiu-Di 1 VUnn.- Sil. CGiossen 11 8——— Königliches Wilhelms-Gymnasium Iu(assel. — JASBAIun über das Schuljahr Ostern 1891 bis Ostern 1892, durch welchen zugleich zu der am 8. und 9. April d. J. stattfindenden öffentlichen Prüfung der Oaterklassen ergebenst einladet der Direktor Dr. Friedrich Heufsner. Enthält: 1. Freitags Ingo und Ingraban im Unterrichte der Prima, Abteilung I. 2. Schulnachrichten. Beides vom Direktor. ARAn 8 N ₰ N Cassel 1892. Druck von Baier& Lewalter. 7892. Proor. Vr. 38 2. — Freytags Ingo und Ingraban im Unterrichte der Prima. —— 1. Nur dann hat man die Erziehung in seiner Gewalt, wenn man einen grofsen und in seinen Teilen innigst verknüpften Gedankenkreis in die jugendliche Seele zu bringen und mit denjenigen ihre ideale Natur geheimnisvoll nährenden Mächten zu verknüpfen weifs, welche auch in der jugendlichen Seele schon schlummern und nur auf die Stunde harren, in der sie zum Bewufstsein werden erweckt werden“). Welchen grölſsern und würdigern Gedankenkreis könnten wir uns nun nächst dem religiösen denken, als die Kenntnis unseres deutschen Volkslebens, und welcher möchte unmittelbarer herauswachsen aus den die jugendliche Seele von früh auf nährenden Mächten, nämlich dem deutschen Familien-, Heimats- und Vaterlandsgefühle? In der Tiefe der Seele sind sie von früh unbewufst wirksam, brechen aus ihr hervor wie Quellen ursprünglichen Lebens und teilen allem, was sich mit ihnen verbindet, etwas mit von ihrer Ursprünglichkeit, ihrer Innerlichkeit, ihrem zeugungskräftigen Wesen. Das Heimatsgefühl*), der Zauber der Muttersprache, die bannende Macht der heimischen Volkssitte, sie sind unmittelbar in der Seele wirkende Mächte, in ihnen haben wir die unmittelbarsten und elementarsten Aneignungsstützen, sowie die sicherste Gewähr für ein lebendiges Interesse, und eine sorgsame Pflege derselben, zumal der Volks- sitte, vermag auch eine gewaltige erziehende Macht zu üben. Darum sollen wir in die heimatliche Welt, den fruchtbaren Gehalt von Anschauungen, den Landschaft, Sage und Dichtung, Geschichte und Sitte der Heimat darbieten, die jugendlichen Gemüter auch in den höheren Schulen von früh auf bis zu den oberen Stufen recht allseitig, tief und ganz hineinsenken, daſs dieselben für sie zu einer wirklichen Lebensmacht werden, Sinn und Ver- ständnis für deutsches Wesen und deutsche Sitte recht allseitig wecken, bilden, kräftigen *) Herbart u. Frick, vergl. Lehrproben 8, S. 11. **) Vgl. über dieses Frick Lehrpr. 29, S. 14 ff. 4 und pflegen, unserer Jugend und somit dem gesamten Volkstum selbst zu gröſstem Gewinn und Segen. Damit ist dann auch ein fester Ausgangspunkt für eine Theorie des Lehrplans, für ein Lehrplansystem gewonnen, um von da aus die Fäden zu den andern Unterrichts- stoffen hinüberzuspinnen, ein machtvolles, lebendig wirkendes Centrum des Unterrichts, von dem aus gleichsam unzählige Saugwurzeln und Arme den neu sich darbietenden Stoffen aus der Sinnen- und Geisteswelt, mögen diese auch noch so weit entlegenen Gebieten anzu- gehören scheinen, sich entgegenrecken, um sie zu erfassen, an sich zu ziehen, sich zu assimilieren und in den Dienst eines neuen geistigen Wachstums zu vollerer, vertiefter und geläuterter Auffassung und zu vollerem Verständnis vaterländischen Lebens und Wesens zu ziehen*). So und nur so wird sich eine planmäſsige einheitliche Ausgestaltung der gesamten Innenwelt des Zöglings ergeben, ein wahres Heimischsein in dem, was der Unterricht geboten hat, ein hohes Kraftgefühl und daraus ein lebendiges Interesse. Hat nun schon die Herbartsche Schule fort und fort mit allem Nachdruck auf die Fruchtbarkeit der Anknüpfung an heimatliche Anschauungen, Vorstellungen, Erinnerungen hingewiesen, und würdigt man jetzt mehr und mehr im Unterrichte den erziehlichen Wert der Pflege heimatlichen und vaterländischen Lebens und Wesens, vaterländischer und heimat- licher Natur, Sprache, Geschichte und Volkssitte, so tritt diese Forderung, seitdem sie von höchster Stelle, durch Se. Majestät den Kaiser, an unsere Schulen ergangen ist, um so gebieterischer in den Vordergrund und mahnt uns Sorge zu tragen, daſs wir bei keinem Unterrichtsgegenstande sie aus dem Auge verlieren. Wie vermögen wir nun zunächst dieses Centrum selbst recht zu kräftigen und zu stärken und als einen fruchtbaren Grundstock für weitere Apperzeption fähig zu machen zu dem, was es nach dem Obigen leisten und wirken soll? Wie vermögen wir in der Folge des gesamten Unterrichts zunächst auf diesem Gebiete selbst einen grofsen, in seinen Teilen innigst verknüpften Gedankenkreis in die jugendliche Seele zu bringen in einer stufen- mäſsigen Bildung der Anschauungen, Urteile und des Willens? In der Vorschule und Sexta führen wir die Schüler in Naturkunde und Geographie ein in das frische Leben der sie umgebenden heimatlichen Welt, machen sie in stufenweise sich erweiterndem Verständnis bekannt mit der Schönheit und Eigentümlichkeit der Muttersprache, bekannt mit den heimat- lichen Sagen und geschichtlichen Erzählungen des Heimatlandes, und ein„vaterländisches Lesebuch“ mag ihnen das, was der übrige Unterricht ihnen aus der Welt der Heimat schon nahe gebracht hat, noch weiter veranschaulichen und beleben. Und wie das staunende Gemüt des Kindes durch die an die Stätten der Heimat sich knüpfenden Märchen und Sagen in eine ferne Zeit voll wunderbarer Phantasiegebilde geführt wird, so lassen wir, daran anknüpfend, nun vor seinem geistigen Auge jene grolsartigen Gestalten der deutscchen Heldensage erstehen, wie sie uns vor allem im Nibelungenliede entgegentreten*). *) vgl. Willmann Pad. Vortr. 1. Aufl. S. 69:„Die innige Berührung mit dem heimatlichen Boden gibt, wie dem Riesen Antäus die Mutter Erde, dem Geiste immer neue Lust und Kraft auch das Ferne, Fremde zu bewältigen.“ **†) Schön spricht sich über das Wesen der Volkssage aus Herm. Schultz Alttestamentliche Theologie, 4. Aufl. Göttingen 1889 S. 17 f. Seine Worte können wir mut. mut, auch auf Freytags — Der Lehrer hat es in seiner Hand, hier der Anschauung und Phantasie wirklich fruchtbare Bilder und Stoffe zuzuführen, jene Gestalten schon für dieses jugendliche Alter zu wahren Lebensmächten zu machen, indem die Kinder mit ihnen fühlen, mit ihnen sich freuen, mit ihnen sich sehnen und trauern und so in ihren Herzen keimen und reifen fühlen die Liebe, die Milde, die Versöhnlichkeit, die Treue in ihren verschiedenen Gestalten, deutsche Kraft und Mut und deutsche Heimatsliebe, während anderseits Grausamkeit, Untreue, Feigheit und Verrat in ihnen den Vorsatz wecken, sich von solchen finstern, lebenzerstörenden Eigen- schaften frei zu halten. Fort und fort wird auch auf den folgenden Stufen besonders der deutsche und der Geschichtsunterricht dahin wirken, jene Grundlagen fester zu legen und zu sichern, und aus der Poesie werden solche Dichtungen und Erzählungen bevorzugt werden, welche die Schüler zu allseitigem Verständnis und rechter Würdigung unseres Volks- tums, insbesondere der periοτmε der deutschen Volkspersönlichkeit zu führen geeignet sind*). Vor allem wird auch die Lektüre auf der höchsten Stufe des Unterrichts ein Hauptmittel sein können und müssen, abgesehen von der Begründung und Festigung anderer wertvoller Gesichtspunkte und Begriffe(s. u. S. 7), in einer wahren, vollen und wirk- samen Konzentration eine abschliefsende, feste Begrindung allseitiger Kenntnis deutscher Geschichte, deutschen Volkstums und deutschen Charakters herzustellen, ihre Auswahl dann aber auch dieses Ziel sich ausdriücklich zu setzen haben. Der so geweckte Zustand des Geistes, in dem der Jüngling sich dann mit der Lust eines gehobenen Kraftgefühls in dem von ihm beherrschten Gebiete frei und heimisch bewegt, wird dann zugleich der Zustand sein, aus dem recht eigentlich das freie Wollen hervorwächst, die sittliche Kraft, der geweihte und veredelte Charakter. Aus diesem Grunde wird nun Freytags Ingo, beim Übergang aus Obersekunda nach Prima als Privatlektüre gelesen, ganz wesentlich zur Bestätigung, Ergänzung und Vertiefung der Anschauungen dienen, welche durch die Einführung in die geschichtliche Welt, hier besonders in die patriarchalischen Anfänge des Volkstums überhaupt und speziell unseres Volkstums zum Teil schon gegeben und gewonnen worden sind, zum Teil auch noch zur 5 Vorbereitung auf solche, welche in Prima erst festgelegt werden sollen. Die Schüler haben in Ingo anwenden.„Öberall, wo wir ein Volk aus der unbestimmten vorgeschichtlichen Zeit in das Licht des geschichtlichen Lebens treten sehen, bringt dasselbe als einen seiner köstlichsten geistigen Schätze die Volkssage mit.... Die Gestalten der Urzeit werden lebendig, gewinnen unvergängliche Jugend und Lebenskraft im Geiste des Volkstums; so liegt der Sage stets ein geschichtlicher Kern zu Grunde.... Vor allem aber werden die Hauptgestalten zu Ausprägungen, zu Charakterbildern des Volkstums und seiner geschichtlichen Aufgabe... So läſst sie uns in das innerste Herz des Volkes blicken, dort die treibenden und bewegenden Kräfte sehen, aus denen das geschichtliche Leben desselben quillt. Daher ihre ewig frische Wirkung, daher das Gefühl mit Gestalten von Fleisch und Blut zu verkehren, welche wahrer sind als die geschichtlichen.... NMan sitzt am Herde im Hause eines Volkes und lauscht seinem eigensten Lebensodem.“ Vgl. Willm. Päd. Vortr. 1. Aufl. S. 38 ff. 48. Vgl. in Bezug auf Ingo Scherer Preufs. Jahrb. 1873 8 481 ff. *) Vgl. meinen Aufsatz Lehrproben 27 S. 106 ff. — 4 einer der letzten Geschichtsstunden der Obersekunda von der Schlacht bei Strafsburg im Jahre 357 gehört, in der Julianus die Alemannen besiegte und ihren König Chnodomar gefangen nahm: mit dieser beginnt unser Roman. Dann haben sie in denselben Geschichtsstunden schon mancherlei von den Zuständen des alten Germaniens und den Sitten des Volkes gehört: von diesen entwirft uns Freytag ein lebensvolles Bild; sie haben in Ober- sekunda das Nibelungenlied gelesen: vieles in dem Roman wird auch daran erinnern, und ferner ist derselbe reich an homerischen Analogieen aus der Odyssee, deren Lektüre in Obersekunda abgeschlossen ist, denn in Bezug hierauf sagt sehr richtig Herbst in seiner Biographie des Joh. Heinrich Voſs II a. S. 94:„Es würde ein nicht uninteressantes Thema bilden, die Fäden blofszulegen, welche von der Volsischen Odyssee in die eigene Litteratur wie in die vaterländische Kunst zurücklaufen bis herab zu den Anfängen des jüngsten Nationalepos in Romanform, G. Freytags Ingo, der ohne Homer und ohne Voſs auch schwer zu denken ist, da der groſse Dichter den halbleeren Raum urgermanischer Zu- stände mit homerischen Analogieen auszufüllen verstanden hat.“ So ist eine reiche Anknüpfung an Bekanntes gegeben, eine innere Beziehung zu dem neuen Stoffe in reichem Maſse schon vorhanden, das Interesse von vornherein schon geweckt zur Gewinnung tieferen Verständ- nisses und reicherer Belebung des Wissens in der angegebenen Richtung. Der Geschichts- Unterricht der Prima wiederholt dann gleich am Anfang die altgermanischen Zustände, wie sie in Obersekunda geschildert sind, wofür es keine lebensvollere Ergänzung gibt als eben unseren Roman, und wir sind so zugleich in der günstigen Lage den Geschichtsunterricht mit dem Deutschen in engste Fühlung zu setzen und jenen durch die von diesem darge- brachten Geschichts- und Kulturbilder zu vervollständigen. Bei der Besprechung des Ingo wird dann auch auf Parallelen im Beowulf und andere altgermanische und deutsche Dichtungen hingewiesen werden*) und sich somit Gelegenheit zu einer wertvollen Ergänzung der Litteraturkenntnis bieten. Dazu kommt dann im Lateinischen Unterricht die Lektüre von Tacitus' Germania und Annalen I u. II(Darstellung der Freiheitskämpfe der Germanen). Ein Vierteljahr später(etwa in den Juliferien) mag dann Ingraban zu lesen auf- gegeben werden, zu der Zeit, wo im Geschichtsunterricht jener epochemachende Höhepunkt in der Entwickelung unseres Volkslebens behandelt ist, und in Wiederholung der in Ober- sekunda gewonnenen Kenntnis des Parzival wird, nun erst zu rechtem Verständnis auch dieses, das gröſste psychologische Epos in Parallele zu dem groſsen psychologischen Roman gestellt werden. Eine reiche Anzahl von Vergleichungspunkten wird hier auch der Heliand bieten. Nun ist es freilich ein wichtiger und nie genug zu betonender Grundsatz der Pädagogik, die Lektüre zu beschränken nicht nur auf die hervorragendsten Gattungen der Litteratur, sondern auch diejenigen typischen, wahrhaft klassischen Vertreter und Erzeugnisse derselben, welche ihr Wesen am vollkommensten und durchsichtigsten zum Ausdruck bringen und inhaltlich die reichste und am meisten lebenzeugende Nahrung bieten, deren Lektüre ¹) Über den Wert solches Parallelisierens vgl. Willmann Päd. Vortr. S. 94 f. 66. - die idealsten Persönlichkeiten, Einzel- und Volkspersönlichkeiten, sowie bedeutsame Begriffe bietet, daſs sie eine reiche Erfahrungsquelle werde zu innerem Wachstum des Zöglings und zur Bildung eines festen sittlichen Willens. Dafs aber in Ingo und Ingraban die„ννατƷᷣ des deutschen Volkes, die Begriffe der Ehre, der persönlichen und der Volksehre, und der Treue als Gattentreue, Mannen- und Königstreue, Treue gegen sein Volk und das ererbte Gut, sowie Treue gegen sich selbst u. s. w. in lebensvollen Bildern und Gestalten uns entgegentreten, daſs sich in diesen Romanen eine reiche Gelegenheit zur Bildung und Pflege des Naturgefühls*) bietet, dals sich auch hier in hervorragendem Maſse Gelegenheit zum Nachweis des Tragischen findet, eines Begriffs, welcher auf der obersten Stufe des Unterrichts besonders gepflegt wird, daſs auch die archaistische, zugleich vom reinsten dichterischen Hauch durchwehte Sprache im stande ist, unsere Schüler sprachlich und ästhetisch zu bilden*), das wird eine eingehende Be- trachtung reichlich lehren. Wie aber der Held Ingo insbesondere den Schülern ein Vorbild des deutschen Charakters in seinem angeborenen Seelenadel, in seiner Lauterkeit und Wahr- haftigkeit und seinem siegreichen Beharren gegenüber aller Tücke, Versuchung und dem Andringen fremden Wesens ist, so bietet Ingraban wie nichts sonst unserer Jugend ein Mittel zu tieferem Verständnis für jene folgenreichste innere mwandlung unserer Ahnen, für die Verschmelzung des Christentums mit dem Germanentum und die Veredelung und Läute- rung germanischen Wesens durch christlichen Geist, zugleich ein Mittel allgemeiner das Wesen des christlichen Glaubens und die Wege, wie derselbe gewonnen wird, anschaulich darzustellen. Und je gröſsere Verwandtschaft wir hier mit Parzival finden, um so wertvoller wird es für unsere Schüler sein, diesen Lebensgang auch von einem neueren gefeierten Dichter in derselben Weise entwickelt zu sehen, wie er in jener ganz in christ- lichen Geist getauchten Zeit des Mittelalters sich gestaltete und wie ihn Goethe in seinem Faust nicht zu finden vermochte. Alles ideale Suchen und Gären des jugendlichen Gemütes dringt doch schlieſslich den Ewigkeitsfragen religiöser Art zu, deren Beantwortung daher auch für den Schüler schon bald genug eine zentrale Bedeutung gewinnt. So vermögen Ingo und Ingraban, die ja ihrer ganzen Anlage nach einen höhern Bildungsgrad des Lesers voraussetzen, in besonderem Maſse eine vaterländische und religiöse Bildung des Willens bei den Schülern der obersten Gymnasialklasse zu fördern. Die rechte Konzentration ist uns Prinzip des Unterrichts, die eigene Erfahrung des Zöglings das Centrum, der sittliche Wille das Ziel; nach all diesen Seiten sind Ingo und Ingraban höchst wertvolle Unter- richtsmittel. In der Gattung schlieſst sich dieser Roman den grolsen epischen Dichtungen an, in welche in Sekunda und Prima die Schüler tiefer eingeführt werden, und es ist jedenfalls auch von grolsem Wert und groſser Bedeutung für die Schüler, wenn sie von seiten der Schule und des Unterrichts auch mit einem hervorragenden Vertreter dieser die Jetztzeit so *) Vgl. über dieses Frick Lehrpr. 29 S. 1 ff. **) Ein nachteiliger Einfluſs auf den Stil der Schüler ist dadurch gewiſs nicht zu fürchten. S. Verh. der Dir. Vers. zu Hannover 1891 S. 182. — beherrschenden Litteraturgattung vertraut gemacht und ihnen Anhaltspunkte mit auf den Weg gegeben werden, welche sie befähigen, sich, wenn auch zum Teil erst später, mit eigenem Urteil auf diesem schwankenden Boden zu bewegen und feste Gesichtspunkte zu gewinnen für die rechte Beurteilung der so sehr verschiedenartigen Erzeugnisse dieser Gattung*). Und daſs Ingo und Ingraban wahrhaft klassische Vertreter dieser Gattung sind, das hat doch die Kritik, obgleich anfangs schwankend, nun schon festgestellt**). Somit glaube ich den didaktischen Wert und die didaktische Berechtigung des Romans erwiesen zu haben. 2. Was ich im Folgenden nun gebe, soll dem Lehrer die unterrichtliche Behandlung der beiden Romane, zunächst des Ingo, erleichtern und gewisse für das Verständnis und die Würdigung derselben durch die Schüler, event. für daraus zu entnehmende Themata wertvolle Gesichtspunkte bieten. Beim Übergang der Schüler aus Sekunda nach Prima wird der Lehrer des Deutschen leicht in Verlegenheit sein um ein geeignetes Thema zum ersten Aufsatz. Es ist noch nichts mit den Schülern eingehend von ihm behandelt worden, und er darf ihnen doch für die Osterferien keine„Ferienarbeit“ aufgeben, aus der das erste Aufsatzthema herauswachsen könnte. Eine Ferienarbeit nicht, aber eine geordnete, planmäſsig geleitete Privatlektüre wird für das Deutsche auch in den neuen Lehrplänen gefordert***), für eine solche aber eignen sich gerade die Ferien, und so mache ich mir kein Gewissen daraus, ihnen vor den Ferien zu sagen:„Thr, die ihr jetzt nach Prima versetzt seid, lest in den Ferien Freytags Ingo, denn darüber wollen wir in den ersten Stunden nach den Ferien sprechen.“(Eine bestimmte Aufgabe, etwa ein Aufsatzthema, darf noch nicht gegeben werden, ja kaum gesagt werden: Daraus wollen wir den ersten Aufsatz nehmen, denn dann wird der Roman nur zu diesem Zweck gelesen und der Totaleindruck verkümmert). Ihr habt in einer der letzten Geschichtsstunden von der Schlacht bei Strafsburg im Jahre 357 gehört, in der Julianus die Alemannen besiegte: mit dieser und ihren Folgen beginnt der Roman. Dann habt ihr ebenso von den Zuständen der alten Germanen in den Geschichts- stunden gehört: von diesen entwirft uns der Roman ein lebensvolles Bild, und er wird wesentlich dazu dienen, unsere Kenntnis jener Zeit, insbesondere des Kulturzustandes, zu *) Vgl. über den Roman Schiller Ober naive und sentimentaliche Dichtung, Cottasche Aus- gabe 1879 S. 688 ff. Er nennt den Romanschreiber,„der die Erde noch so sehr berührt“, nur den „Halbbruder des Dichters.“— Freytag schrieb an Frick aus Siebleben bei Gotha am 12. Mai 1873 über Ingo und Ingraban u. a.:„Könnte mir gelingen, der heranwachsenden Jugend dadurch eine längere Zeit dauernde bildende Lektüre zu schaffen, so wäre dem poetischen Spiel ein edeler Nutzen gewonnen, und der Verf. hätte das Höchste erreicht, einen Anteil an dem idealen. Empfinden künſtiger Geschlechter.“ **) Vgl. Verh. der Direkt. Versamml. zu Hannover 1891 S. 153 ff. 1) Für die fremden Sprachen möchte ich eine Privatlektüre in keiner Weise empfehlen; das gibt Überbürdung! ergänzen und zu vertiefen*). Ihr habt das Nibelungenlied eingehend kennen gelernt: vieles in dem Roman wird euch daran erinnern; und endlich ist derselbe sehr reich an Analogieen zu der euch nun vertrauten Odyssee.(Vgl. oben S. 6). Ingraban kann dann, wie oben schon gesagt, in den Juliferien gelesen werden. Zu dieser Zeit ist die Geschichte von Karl Martel und Pipin eben erledigt, Bonifatius hat das besondere Interesse der Schüler gewonnen, sie stehen etwa an dem Kampf der Sachsen gegen das Christentum: also auch wieder unmittelbare Verknüpfung mit dem Geschichts- unterricht.(Vgl. oben S. 6.) Der Lehrer wird natürlich in den betreffenden Ferien den Roman selbst wieder sorg- fältig lesen und sich ein bestimmtes Urteil darüber bilden, sich aber auch mit einigen her- vorragenden Besprechungen des Romans bekannt machen, von denen ich am Ende dieser Abhandlung eine Anzahl im Auszuge mitteile, besonders mit denen von Scherer und Friock, auch, wenn möglich, die betr.„Bilder aus der deutschen Vergangenheit“ von neuem lesen, von denen die drei ersten Ingo, das vierte Ingraban entspricht. Die Schüler erzählen dann in der ersten deutschen Stunde den Inhalt des Ingo zunächst zur Orientierung für den Lehrer, ob sie einen richtigen Überblick über den Gang der Handlung haben, dann um bei dieser Gcelegenheit schon auf die mannigfachen Konflikte und Höhenpunkte, die Personen und ihre wesentlichen Eigenschaften u. dgl. hinzuweisen bezw. auf das, was Thema für den Aufsatz werden soll. Ich gebe eine etwas ausführlichere Skizzierung des Inhalts, aus der die Hauptmomente leicht herausgehoben werden können. Eine Erleichterung der Wiedergabe des Inhalts wird es für die Schüler sein, wenn der Lehrer zuvor immer die Überschrift der einzelnen Kapitel mitteilt. Ingos Begegnung mit Wolf, dem Wächter der Thüringe, Hindeutung auf die Alemannenschlacht und ihre Folgen(vgl. auch S. 17, 34, 42), Geleit zum Herrenhof, erste Begegnung mit Irmgard auf der Waldweide, ihre Teilnahme für ihn(attrativa des Helden, die sich auch bei Wolf, Answald, Gundrun, den Thüringen, Bisino bes. S. 166 u. s. w. geltend macht), das Verhältnis zwischen Wolf und Frida(Necken und Streit). Ingos Aufnahme bei Answald und sein Bericht über die Römerschlacht und ihre Folgen. Beide erkennen, dafs altheiliges Gastrecht von den Vätern her sie verbindet, Ingo berichtet über sein Geschick, herzlicher Willkomm, aber Gundrun, Answalds Frau, rät zur Vorsicht, und so bleibt der Held zunächst unerkannt am Hofe,„zu unterst an der Bank.“[Kap. 1. Im Jahre 357.] Steigende Neigung Irmgards für den Helden(S. 32 ff.), Groll und Neid seines Nebenbuhlers Theodulf, der ihm auch beim Wettkampf im Rossesprung unterlegen, welchen Ingo zur Wahrung seiner Ehre unternommen(die Ehre hier wie öfter ein Hebel der Geschichte, s. S. 24). Beim Festmahl Volkmars Lied von der Alemannen- schlacht(S. 49 ff.), Ingos Ruhm, Erkennung(dναυρννυασισςf, er, der gefeierte Gast, rückt *) Vgl. Scherer a. a. O0. S. 498:„Die moralischen Grundkräfte dieser Zeit sind im Einzel- schicksal thätig u. s. w.“ S. 500:„Wie in Ingo die römische Kultur und Kaiserherrlichkeit hereinragt in abgestuftem Einflusse, so in Ingraban die fränkische vorgeschrittene Civilisation und das Papsttum. Auf den UÜbergangstypen ruht das Hauptinteresse.“ nun oben an die Bank der Edeln, und„mit dem Römertrank aus Römergolde trinken sie Heil dem königlichen Helden.“[Kap. 2. Das Festmahl.] Ingos und Irmgards Liebe reift, ihr erzählt er das ihm verkündete Geschick, an den Drachenzauber geknüpft(S. 59 f.), und wie er(darin gleich Achilles) den Ruhm und frühen Tod gewählt; sie gelobt sich ihm heimlich.— Nach langer Beratung, ob die Aufnahme eines entschiedenen Römerfeindes keinen Neutralitätsbruch bedeute, wird ihm in der Versammlung der Edeln und Führer der Gemeinden, sodann im Ring der Landgenossen das Gastrecht des Volkes erteilt. Er wählt sich Wolf zum Kämmerer und versöhnt sich mit Theodulf. In der Versammlung Gegensatz der Ingo freundlichen und feindlichen Thüringe, zugleich Gegensatz der Römerfeinde und-Freunde— der Römerdienst S. 64 ff.— wie schon oben beim Festmahl S. 46, 50 ff. König Bisino (s. S. 48), die Entstehung seiner Königsmacht und sein Verhältnis zu den Thüringen, vgl. S. 87, 92 f. u. 123 f. Miſstrauisch sieht er das Wachsen ihrer Macht und fürchtet deren Ausdehnung, während sie Eingriffe in ihre alten Rechte und Freiheiten besorgen.[Kap. 3. Offene Herzen.] Wechsel des Schauplatzes: der Königshof. Bisino, der römerfreundliche Thüringer- könig*), und sein Weib Gisela aus Burgundengeschlecht, eine Walküren- und Brunhilden- natur, einst von ihrem Vater zu Ingos Gemahlin bestimmt(S. 79), werden uns in ihrem Wesen, Charakter und Verhältnis zu einander vorgeführt. Volkmar berichtet dem König von der Schlacht, der Königin von Ingos Heldenthat. Bisino schwindelt dem Sänger den Goldbecher wieder ab, die Gabe der Königin. Ingo wird durch Volkmar in die Königsburg geladen und ihm Friede und sicheres Geleit gelobt.[Kap. 4. Am Königshofe.] Anderung des Verhältnisses an Answalds Hofe. Irmgards Liebe (S. 96 f. vgl. 102 f.), der Fürstin Sorge(S. 89); Konflikt zwischen beiden; Frida der Irmgard treu, wie Wolf dem Ingo. Die Vermählung Irmgards mit Theodulf wird im Herrenhofe beschlossen(S. 100 f.).— Ingos Vandalengefolge, das in der Römerschlacht von ihm geschieden wurde(sein Schicksal S. 107 f.), trifft unter Berthars Führung, von Volkmar an Answalds Hof gewiesen(S. 94), von Bero, Fridas Vater, geleitet, ein. Reibereien zwischen den Thüringen und Vandalen, die Fürstin diesen feindselig, Frida und Irmgard günstig, die selbst klagend gegen Theodulf auftritt. Durch Gundrun auch Argwohn und Sorge in Answald geweckt, zugleich gesteigertes Miſstrauen Bisinos gegen die Thüringe und Forderung Ingos an seinen Hof. Unter dem Vorwande einer Jagd Berufung der Häupter des Gaues zu einer Beratung über des Königs Gebot; Beschlufs: die Fremden dem König nicht in die Hand zu liefern, auſser mit ihrem freien Willen. Auf dem gemeinsamen Jagdzug kommt die Feindschaft zwischen Theodulf und Ingo zu offenem Ausbruch.[Kap. 5. In den Waldlauben.] Am folgenden Morgen Ingo und Theodulf zum„Notkampf auf der Aue“ einander gegenüber, Theodulf schwer verwundet, Ingo schenkt ihm das Leben und erhält dadurch *) Vgl. über ihn Scherer a. a. O. S. 494 ff.„Vielleicht die gelungenste Figur in Freytags Ingo.“„Ein geschichtlicher Typus.“ 11 seinen künftigen Mörder. Frida und Wolf einander gegenüber in ernster Lage(S. 134 f.), Konflikt zwischen Irmgard und dem Vater. Zürnend kündet Answald Ingo und seinen Leuten das Gastrecht, der alte Bund der Väter wird gelöst(S. 137 f.), und Ingo zieht mit den Seinen ab, von Bero in die Dörfer der freien Bauern des Waldlandes geladen. Noch tauscht er mit Irmgard in schwerer Stunde den Schwur der Treue an derselben Stelle, wo sie früher sich gefunden, und vertraut ihr den Drachenzauber an(S. 140 ff., s. o. S. 10). Von Bero und Rothari bewirtet, wird er vor Bisino gewarnt und ihm geraten, im Frühjahr zu den Marvingen am Idisbach zu ziehen(vgl. S. 104), um sich dort ein neues Königtum zu gründen.[Kap. 6. Der Abschied.] Ingos Empfang an Bisinos Hofe. In sorgenvoller Nacht halten Berthar und Wolf Wache gegen Bisinos verräterische Pläne. Gisela ihnen günstig gesinnt, Bisinos Her⸗ wird durch Ingos Heldengestalt und edle Sitte gewonnen(S. 157), zumal dieser ihm auf der Jagd das Leben rettet. Beim Mahl Verhandlung über Römerwesen und Römer- dienst und den neuen, christlichen Glauben. Bisino eröffnet Ingo seine„Königs- kunst“, seine Gesinnung über die freien Thüringe und Ingos Plan Irmgard zu gewinnen [Kap. 7. Ingo am Königshofe.] Auf der Beize spricht Gisela ihre Neigung zu Ingo aus. Inzwischen ist der Franke Harietto als Bote des Cäsar gekommen mit reichen Geschenken, um Ingos Auslieferung zu verlangen. Widerstreit im Herzen des Königs; Konflikt mit der Königin. Verräterischer Plan Bisinos gegen Ingo im Turmgemache der Königin, aber Gisela wirft sich da- zwischen, und Ingo, des Königs Söhnlein Hermin ergreifend und das Messer über dessen Haupt haltend, zwingt ihn zur Gewährung freien Abzugs für sich und die Seinen. Sie trinken „Minne“ zum Abschied und scheiden herzlich. Giselas Trauer.[Kap. 8. Die letzte Nacht.] Sie ziehen zur Bauernschaft der Marvinge am Idisbach, Gründung der Burg und Gaugemeinde, Zuzug aus dem freien Waldlande Answalds unter der Führung von Beros Söhnen. Freudiger Empfang. Fridas mahnendes Zeichen(S. 210). In dunkeler Sturmnacht, vor dem Morgen, da sie gewaltsam Theodulf getraut werden soll, entführt Ingo Irmgard mit Frida durch Raub, und Irmgard wird sein Weib, im Ring der Blutgenossen mit ihm vermählt.[Kap. 9. Zur Idisburg.] Nach einem Jahre wird ihnen ein Söhnlein geschenkt: sie stehen auf des Lebens und Glückes sonniger Höhe; nur Sorge vor Händeln mit den Grenznachbarn, den Burgunden, vor heimlicher Rachefahrt Answalds und die Meldung Volkmars vom Tode Bisinos und seine Warnung vor der Königin Sinn werfen leichte Schatten über dieses Glück.— Da kommt Gisela, von Sintram, dem Oheim Theodulfs, begleitet, auf Ingos Burg, die selbst den Tod ihres Gemahls veranlafst hat, um für Ingo frei zu werden. Streit der Königinnen am Quell: Die Eifersucht der Frauen. Heiſs und heiſser umwirbt sie den Helden, sie weist auf die Gefahr hin, die ihm auch vom Cäsar droht, sie deutet ihm an, daſs sie um seinetwillen Bisino den Tod bereitet: Ingo widersteht, und rachekündend reitet sie von dannen[Kap. 10. Am Quell.] Giselas Liebe hat sich in Haſs gewandelt, ihr Hafs vereinigt sich mit dem Theodulfs und Sintrams zum Werk der Rache und„zum drittenmal wirbt der Cäsar 12. um Ingos Leib“ durch die Burgunden(S. 237, 247). Konflikt zwischen Irmgard und Ingo, aber niedergerungen wird ihr Zweifel, und der Schlachttag wird der Ehrentag ihres Gatten sein. Vorbereitung zum Empfang der Feinde. Wolf und Frida wieder einander gegenüber in Necken und Streiten, dann sich einander gelobend in der Not(S. 245, vgl. S. 263). Menschen und Vieh flüchten in den Burgraum. Am Opferstein wird Todestreue geschworen. Von Gisela geführt und angefeuert, stürmt die ÜUberzahl der Feinde Ingos Burg. Auch Answald erscheint noch, sein Kind zu retten. Konflikt zwischen ihm und der Königin, dann durch der Königin Gnade freier Abzug der Weiber und Kinder und vieler Bauern, welche, durch die Not gescheucht, enteilen, unter den letzten auch Beros Söhne. Abschied Irmgards von ihrem Vater; Berthars, Wolfs und Fridas Treue. Ingo wird von Theodulf zum Tode getroffen; Berthar stöſst Answald, zur Sühne für Ingo, den Speer in die Brust. Ingo und Irmgard in der Todesstunde(S. 265): ein Blitzstrahl füllt die Halle, ein Wetterschlag dröhnt, und das Dach bricht zusammen. Drauſsen unter Trümmern und Leichen und Hagelschauer steht Königin Gisela und spricht vor sich hin die Worte:„Vertauscht hat der Neid der Götter die Lose, mein Recht war es, dort drinnen zu sein.“ Das Kind, Ingos und Irmgards Sohn, war verschwunden. Die treue Dienerin Frida hatte es gerettet, samt der Tasche von Otterfell mit dem Römerzauber, die ihm Irmgard noch umgehängt.[Kap. 11. Der Wetterschlag.] Durch dieses Kind wird das Geschlecht Ingos fortgepflanzt und der Römerzauber erhalten bis auf Ingraban(s. S. 467, zugleich ein schönes Beispiel der Sagenbildung.) 3 Die Zeit der Handlung beginnt, wie die Überschrift des ersten Kapitels zeigt, mit dem Jahre 357. Konstantius, ein Sohn Konstantins des Groſsen, war Alleinherrscher des Reichs von 353— 361. Er schickte gegen die Germanen seinen Vetter, den jugendlichen Cäsar Julian(reg. als Julianus„Apostata“ 361— 363), der 357 bei Straſsburg einen groſsen Sieg über die Alemannen davontrug, den letzten, welchen die Römer über die Germanen gewannen, und diese aus dem römischen Gebiete vertrieb. Die Könige der Alemannen Chnodomar und Athanarich wurden gefangen genommen. Von dieser Schlacht gibt uns Freytag im Anschluſs an Ammianus Marcellinus einen eingehenden lebensvollen Bericht am Schlusse seines ersten Bildes aus der deutschen Vergangenheit, und an dieses groſse geschichtliche Ereignis lehnte er, ganz in Walter Scotts Weise, seine frei- erfundene Erzählung an. An Athanarichs Seite kämpfte, so erzählt der Dichter, Ingo, Ing- berts Sohn, aus Vandalenland. Im letzten verzweifelten Kampfe entriſs er den siegreichen Römern ihre Hauptfahne, das siegbringende Drachenbild von Purpurseide, und entführte es durch die Fluten des Rheins. Dadurch raubte er den römischen Waffen den Zauber, den sie in den Augen der Germanen besaſsen. Die Scharen des Cäsar aber brannten vom Schwarz- wald bis zum Main, der Cäsar war Herr des Grenzlandes, man sagte, dafs die Katten ihm Bündnis böten, und weithin zeigte sich, wie die Dichtung schildert, die Wirkung der Schlacht auf die deutschen Stämme und einzelne in diesen, je nach dem Grade ihrer Römer- freundschaft oder ihres Römerhasses. 13 Den Ort der Handlung haben wir natürlich im Thüringerlande zu suchen. An den Abhängen des Inselsberges beginnt die Geschichte, durch das Reinhardsbrunner Thal(S. 9) kommen wir an den Hof des Fürsten Answald. Mehr gegen die Ebene hin, im freien Moor(Frimar) werden die freien Bauern gedacht, und darüber hinaus, in nordöstlicher Richtung von Gotha geht es an den Hof des Bisino. Die neue Ansiedelung befindet sich am Idisbach d. i. der Itz, auf der Berglehne, welche heute die Feste Koburg trägt (S. 204, 209). Nun verstehen wir auch die Worte am Schlufs der Widmung an die damalige Kronprinzessin Viktoria, unsere Kaiserin Friedrich, daſs die Erzählung eine Landschaft schildere, in der ihr Menschen, Berge und Wälder lieb seien, denn es ist die Heimat ihres Vaters, des am 14. Dezember 1861 gestorbenen Prinzen Albert von Sachsen- Koburg-Gotha. Die Personen des Romans und ihr Verhältnis zu einander. Die Haupt- personen sind Ingo und Irmgard, ein Nebenspiel zu ihnen bilden Wolf und Frida. Die Dichtung ist reich an Konflikten, wie schon oben die Inhaltsangabe zeigt. Die Haupt- antagonisten in diesem Spiel sind Ingo auf der einen, Theodulf(mit Sintram), dann Bisino, endlich die ihm anfangs freundlich gesinnte Gisela auf der anderen Seite. Kampf- objekte sind Irmgard oder Ingo. Ingo weiter im Widerstreit mit Gundrun und Answald. Auf seiner Seite Irmgard mit Frida und Wolf, seine Vandalen(Berthar), ein Theil der freien Thüringe(Bero und Rothari), dann die Marvinge. Widerstreit zwischen Irmgard und ihrer Mutter Gundrun, sowie ihrem Vater Answald. Konflikt zwischen Gisela und Bisino, Gisela und Irmgard, leichtere Konflikte zwischen Ingo und Irmgard, Wolf und Frida. Reibereien zwischen Vandalen und Thüringen, Widerstreit der freien Thüringe in den Wald- lauben gegen den König Bisino, Gegensatz zwischen den Römerfeinden und Römerfreunden an Answalds und an Bisinos Hofe. Völkerkonflikt der Römer unter dem Cäsar Julianus und der Alemannen(Ingo), Zusammenstoſs des Germanentums und Römertums. Schon hierin ein groſser Reichtum die Handlung treibender oder hemmender Motive. Dichterische Analogieen. Neben dem im Vordergrund stehenden Liebespaar Ingo und Irmgard stehen im Nebenspiel Wolf und Frida, zu vergleichen den beiden Paaren bei Lessing: Tellheim und Minna und daneben der Wachtmeister und Franziska; dieses Verhältnis jenem auch ähnlich in dem scherzhaften und neckischen Ton, in dem sich dasselbe entwickelt.— Ingos Ehre und Ruhm durch den Sänger verkündigt gleicht der Verkündigung der Ehre und Ruhmesthat des Grafen von Habsburg bei Schiller. Wie der Sänger Volkmar Ingo seine Rettung verdankt, so erscheint beim Krönungsmahle Rudolfs als Sänger der Priester, dem einst der Graf den edlen Dienst erwiesen.— Ingo wird durch den Anblick Irmgards zum„Königssprung“ ermutigt, wie der Knappe in Schillers Taucher durch den Anblick der Königstochter zum Sprung in die Tiefe.— Der Streit der Königinnen am Quell aber hat ein Analogon im Streite der Elisabeth und Maria in Schillers Maria Stuart. Eine reiche Zahl von Analogieen finden wir im Beowulf. Der Inhalt desfelben ist den Schülern nun nicht näher bekannt. So ist dies eine Gelegenheit für den Lehrer, sie wenigstens mit einigen wichtigen Scenen und charakteristischen Seiten dieses altgermanisches Heldenleben so trefflich schildernden Gedichtes bekannt zu machen, das offenbar Freytag bei 14 seinem Ingo vielfach vorgeschwebt und als Vorbild gedient hat. Nachdem der Lehrer den Inhalt des Beowulf jetzt oder schon früher kurz mitgeteilt, etwa in dem Umfang, wie er sich bei Werner Hahn, Gesch. der poet. Litt. der Deutschen§ 15 findet, weist er auf folgende Vergleichungspunkte hin: Ingos Ankunft an Answalds Hof gleicht Beowulfs Ankunft beim Dänenkönig Hrodgar, und getreu dem angelsächsischen Gedichte nachgebildet ist, wie der Wächter, im Beowulf„der Buchtwart“, den Ankommenden empfängt und in die Halle seines Herrn geleitet(Simrock S. 16 ff.), dann der Empfang bei diesem mit seiner strengen Etikette, wie der Fremde aufsen die Waffen an die Wand lehnt und sich niedersetzt, bis er gemeldet und förmlich zum Eintritt geladen ist und wie ihn dann der Herrscher feierlich auf dem Hochsitz erwartet(Simr. S. 19— 23). Ingo findet in Theodulf gleich an dem fremden Hofe einen eifersichtigen Gegner und muſs von ihm miſsgünstige, spöttische Reden hören, ganz wie Beowulf durch Hunferd. Denn „Allzu ungern hörte er(Hunferd), daſs ein anderer Mann In diesem Mittelkreis mehr des Ruhmes Unterm Himmel hätte als Hunferd selbst.“(Simr. S. 28 ff.). Answald aber war ein Gastfreund von Ingos Vater, ebenso wie Beowulfs Vater ein Freund des Hrodgar(Simr. S. 22, 26). Gundrun begrülfst die Edeln und freien Bauern der Thüringe als Gäste, wie die Gäste begrüfst werden durch Hrodgars Gemahlin(Simr. S. 33). Und dals Gundrun von vornherein die überströmende Liebe ihres Gemahls für den Fremdling zu ermäſsigen sucht, um nähere Verwandte nicht zurückzusetzen, erinnert wieder an die Stellung der Dänenkönigin im Beowulf(S. 33, 62 f.). Der Sänger singt an einem heimischen Fürstenhofe nach dem Mahle wie im Beowulf in dem„mächtigen Methsaale“(S. 7, 27, 56 ff.), und Ingos That wird vom Sänger gepriesen wie Beowulfs„Kraftthat“(S. 46). Das Verhältnis der Mannen zu ihrem Herrn, wie es Tacitus Germ. 14 schildert, zeigt sich in gleich schöner Weise im Ingo und Beowulf, die Treue der Mannen besonders im Beowulf S. 43, 134 f, 145, und Ingo bittet für seine Blutgenossen bei Gisela(S. 187) wie Beowulf fur die Schar seiner Degen,„wenn der Kampf ihn hinnimmt“(S. 79). Eine Anzahl treffender Analogieen bietet sodann das Nibelungenlied. Ingo und Theodulf haben in Wesen, Charakter und Verhältnis zu einander viel Khnlichkeit mit Siegfried und Hagen, und auch hier ist Eifersucht ein Hauptmotiv des Hasses. Ingo hilft Bisino, der sich später treulos gegen ihn zeigt, durch siegreichen Kampf gegen die Sachsen(S. 174) wie Siegfried dem Gunther. Gisela war Ingo in der Jugend verlobt und hat ältere Ansprüche auf ihn: dasfelbe Verhältnis wie zwischen Siegfried und Brunhild. Daher Eifersucht der Frauen um den Mann, das Gut, um das gestritten wird. Ingo steht zwischen Irmgard und Gisela wie Siegfried zwischen Kriemhild und Brunhild, und der Streit der Königinnen hat auch hier eine treffende Parallele(Ingo S. 228 ff.). Irmgard ist Kriem- hild das Mädchen und die Frau, Gisela ist Brunhild oder Kriemhild als Witwe Siegfrieds— ein uralter Gegensatz deutscher Frauencharaktere.— Hier wie dort ist es eine verhängnis- volle Jagd, die alle künftige Feindschaft, Rache und Verderben einleitet, auch die Schilderung der Jagd ist ähnlich(Ingo S. 125), schon früher aber ist erzählt, wie Theodulf einen Bären lebendig fing(S. 31), ähnlich wie Siegfried bei der grolsen Jagd. Der Empfang Ingos an 15 Bisinos Hofe erinnert an den Empfang der Burgunder bei den Hunnen. Die leidenschaftliche Gisela hat in der Person des Bisino ihren Etzel zur Seite, zu dem Etzel im Walthari- liede manche Züge liefert. Berthar und Wolf halten Wache(S. 152 ff.) wie Hagen und Volker, und dieser ist der Sänger am Hofe wie Volkmar. Irmgards Bruder ist im Kampfe gefallen(S. 98) wie Nodung, der Bruder Dietlindes. Auch im Nibelungenliede tritt das Motiv der Treue zwischen König und Mannen ganz ähnlich hervor: wie Ingo seine Gefolg- schar, so steht dem Dietrich von Bern das Geschlecht der Wölfinge zur Seite, Ingos Berthar erinnert an den alten Hildebrand. Wie aber am Ende die feindlichen Scharen heranziehen, in ihrer Mitte als Leiterin des Verderbens Gisela, die furchtbare Königin, das ist Kriemhilds Rache, und der Vernichtungskampf gegen Ingo und die Seinen gleicht dem Vernichtungs- kampf gegen die Burgunden am Ende des Nibelungenliedes, beide der Götterdämmerung vergleichbar.— An Gudrun im Gudrunliede, wie sie zu niederer Arbeit gezwungen ist und halbnackt am Gestade von den Königen getroffen wird, erinnert Irmgard wie sie sich zur Mägdearbeit bequemt und halbentblöfst von Gisela am Quell gefunden wird, wo Gisela Züge der Gerlinde zeigt. Beide leiden um der Liebe und Treue willen.— „Freytags bester Bundesgenosse ist aber jedenfalls Homer“, wie Scherer sagt*), Ingo ist ein Gegenbild verwandter Art zur Odyssee, ähnliche Kulturzustände hier wie dort,— und doch Ingo wieder ein ganz Neues und Höheres(Frick). Besonders erinnern die beiden ersten Kapitel des Ingo fast auf jeder Seite an Homer und bieten eine Reihe von Bildern, die selbst in ihrer Aufeinanderfolge den Homerischen in Buch 6—8 der Odyssee gleichen**). Ingo ist ein deutscher Odysseus, der heimatlos an den gastlichen Herd kommt, Irmgard ist die deutsche Nausikaa. Ihr, die mit ihren Mädchen in häuslicher Pflicht begriffen, begegnet er gleich anfangs, Gnade und Hülfe suchend.„Du kennst sie leicht heraus“, sagt der Wächter zu Ingo, und ebenso heilſst es bei Homer von Nausikaa:„Sie ist leicht unter allen erkennbar.“ Sie aber erkennt in dem umhergetriebenen Fremdling alsbald den Sproſs aus edlem Geschlecht. Answalds Hof ist die Halle des Alkinoos, die Aufnahme, Ubung das Gastrechts, Versammlung, Festmahl, Spiele bieten viel Khnliches, die klug beratende Gundrun gleicht Arete, Theodulf ist der höhnende Euryalos, beide suchen nachher Ver- söhnung; Volkmar ist der Sänger Demodokos, beider Lied erschallt vor den Ohren eines Teilnehmers am Kampfe, und die innere Erregung dieses führt zur Erkennung desfelben. Beim Kampfspiele der Einheimischen wird der Gast gereizt, und er zeigt zur Wahrung seiner Ehre seine Kunst hier im Königssprung, dort im Diskuswerfen, sowie seine edele Abkunft. Die Beratung Answalds mit seinen Leuten über Erteilung des Gastrechts ist zu vergleichen der Versammlung der Phäaken, in der die Entsendung des Odysseus beschlossen wird. Wie Circe und Kalypso um Odysseus werben und ihn in seiner Treue wankend zu machen suchen, so Gisela um Ingo. Ingo, der heimatlose, und Odysseus, der weit umhergetriebene, der Leiden viel erduldet, klagen auch in ähnlicher Weise über ihr Los (Od. 7, 208 f., 241 f.; Ingo S. 32, 58, 187, 239). In Wahrheit taucht, wie ein Beurteiler sagt, *) Vgl. auch Herbst oben S. 6 und Freytag selbst in den„Bildern“ I. S. 55. **) Vgl. Redslob Altertum und Gegenwart im Unterrichte in den N. Jahrb. für Phil. und Päd. Band 144(1891) S. 438 ff. — 16 der ganze Zauber des Nibelungenliedes und Homers goldige Wunderwelt beim Lesen Ingos lebendig in unserer Seele auf. Ein schönes Analogon aus der Ilias aber ist noch, daſs Ingo und Answald so wie Glaukos und Diomedes sich als Gastfreunde von den Vätern her erkennen. Manche der übereinstimmenden Züge, besonders die aus der Odyssee und dem Nibe- lungenliede, sind gewiſs mit Bewuſstsein vom Dichter aufgenommen, anderes ist unbewulſste, manches ohne Zweifel ganz zufällige Übereinstimmung. Des Dichters Verdienst wird durch jene Bemerkung nicht geschmälert(vgl. Scherer S. 497, B. Auerbach unten S. 21). 4. Es wird nun nicht ohne Wert für den Lehrer sein, eine Reihe von Urteilen kennen zu lernen, wie sie bald nach dem Erscheinen von Ingo und Ingraban in Zeitungen und Zeitschriften gefällt wurden, und es mag manches daraus auch den Schülern zur Klärung ihres Verständnisses und Urteils mitgeteilt werden. Denn es gilt hier in vollem Maſse, was Berthold Auerbach in seiner nachher noch näher zu betrachtenden Besprechung unseres Romans sagt:„Der gebildete Leser ist so in den Stand gesetzt nach freier Wahrnehmung zu vergleichen und abzuwägen, inwie- weit die litterarisch-künstlerische Betrachtnahme mit dem einfachen Eindruck und Urteil übereinstimmt. Ich glaube, daſs mit solcher nachträglichen Verständigung Heilbringendes für Autor und Publikum sich bilden kann; denn das ist doch hoffentlich bereits anerkannt, daſs Einsicht in Aufbau und Ausführung eines Kunstwerks die reine Lust an demselben nicht auflöse, ebensowenig als Erkenntnis der Mängel das Wohlgefühl für das Ganze zerstört.“ Da ich aber beim Sammeln dieser Urteile selbst die Erfahrung gemacht habe, wie schwer zugänglich uns eine ganze Reihe derselben schon geworden ist, so setze ich den Hauptinhalt und die für uns wichtigsten Stellen hier zusammen, mir das Lessingsche Wort aneignend: „Nun denke ich, keine Mühe ist vergebens, die einem andern Mühe ersparen kann.“ Am abfälligsten unter den mir bekannten Recensenten urteilt R. Gottschall in den Blättern für litterar. Unterhaltung 1873 Nr. 1. Er sagt u. a.: »Wir bedauern bei aller Achtung vor dem begabten Autor seinen Roman nur als ein litterarisches Kuriosum bezeichnen zu können, welches aus einer unglücklichen Mischung von Gelehrsamkeit und künstlerischem Wollen hervorgegangen ist.“„Als Beiträgen zur deutschen Kulturgeschichte in poetischer Form werden wir den Erzählungen Freytags alles Lob spenden müssen; er hat aus den Überlieferungen der Sage und alten Geschichte, aus dem, was über Rechtsaltertümer und sonstige Sitten und Bräuche deutscher Vorzeit bekannt geworden ist, anschauliche Bilder derselben entworfen, und die von ihm frei erfundene Handlung erfüllt den Zweck, altdeutsches Leben uns nach allen Seiten hin vorzuführen. Als selbständige Dichtungen aber haben diese Erzühlungen nur geringen Wert. Die Erfindung ist im ganzen nüchtern und schablonenhaft.“„Die Art der Grenzbewachung, Milchwirtschaft u. s. w., das wird uns alles in der Erzählung„Ingo“ mit einer wir möchten sagen erschöpfenden Vollständigkeit geschildert.“„Dafs Winfried sich 17 am Schluſs gegen das Papsttum erklärt, ist gewils unhistorisch und wohl nur eine captatio benevolentiae für den Bischof und eine kleine Entschädigung für den Leser, dem so viele zuckersüſse Frömmigkeit im Laufe dieser zweiten Geschichte eingelöffelt wurde“() Manches wird mit Spott und Ironie behandelt, besonders der„manierierte Stil“ getadelt und eine Sammlung von Wendungen dieses Stils zusammengestellt, schlieſslich spottend ein„stilvoller“ Abschluſs der Kritik gegeben, gebildet aus einer„Blütenlese“ Freytagschen Stils. Doch erkennt er an, daſs„des Dichters Begabung mehrfach glänzend zum Durchbruch komme, daſs das Werk„Glanzstücke epischer Schilderung und stimmungsvoller Naturbeleuchtung“ enthalte.„Freytags Talent für epische Darstellung, seine sinnige Poesie bricht oft durch die ganze manierierte Einkleidung siegreich hindurch; aber man muſs diese Lichtblicke mit Kapiteln von öder Langweiligkeit erkaufen, namentlich in der zweiten Erzählung, wo ein ziemlich triviales Christentum oft sehr weitschweifig gepredigt wird“(D).„Ohne Frage sind einzelne Schilderungeu von anziehender und keuscher Schönheit; an diesen Stellen macht die durchgängige Künstelei des altertümelnden Stils wahrer Kunst Platz, und ein stimmungsvoller Hauch schwebt über den Gruppen. Hierher rechnen wir in Ingo die Schilderung der Römerschlacht, das Liebeswerben am Bach im Walde mit der sinnvollen Natursymbolik und in Ingraban die Waldeinsamkeit des geächteten Helden und seiner Walburg. Im ganzen aber haben wir es nur mit Reliefbildern zu thun u. s. w.“ Von demselben Recensenten ist gewiſs auch die Beurteilung in„Unsere Zeit“ 1873 I. S. 860 f. Hier heiſst es u. a.:„Der novellistische Reiz dieser Kulturbilder ist nicht hoch anzuschlagen, da die Verwickelungen ungefähr dieselben sind, wie wir sie aus den Indianerromanen oder den Romanen, deren Helden andere„wilde Männer“ sind, kennen.“—„Eine thüringische Heldin wie diese Gisela erinnert sehr an die„Georgine“ in Freytags Graf Waldemar. Das Empfinden dieser Frauengestalten ist durchaus modern, und die innere Unbefriedigung, welche Gisela in ihrer Ehe fühlt, würde in einem neu- französischen Romane ganz an ihrem Platze sein. Wenn aber Freytag dafür durch die Eigenart altertümlicher Sprache das Moderne in der dargestellten Gefühlswelt verdecken will, so verfällt er in eine stilistische Manieriertheit, welche bisweilen dicht an der Grenze der Parodie steht.“„Der Oberherrscher ist ein normaler Barbar mit einigen urwüchsigen Eigenschaften von Roheit, Schlauheit, Grausamkeit, wie man sie bei den farbigen wilden Männern findet. Seine Gemahlin Gisela erscheint Ingo gegenüber als eine thüringische Potiphar, die sich aber nicht mit dem Mantel begnügt, den er in ihren Händen läſst u. s. W.“ „Gerade oft in den kräftig gezeichneten Einzelbildern findet sich eine störende Hyper- naivetät, so in der Besuchscene der Gisela, wo diese die Gattin des Helden im Negligé am Brunnen findet.“ Von Ingraban heilſst es:„Die ganze Erzählung hat einen legenda- rischen Ton, und es geht ein Klang durch dieselbe von Meſsglockengeläute; der Weihrauch- duft christlicher Kirchen mischt sich mit dem Harzduft der deutschen Nadelholzwälder. Doch der Autor hat für diese christlichen Missionen keine rechte Eigenwärme; er betrachtet sie von dem Standpunkte der Geschichtsphilosophie, und so bekommen seine christlichen Helden etwas puppenhaft Lackiertes, etwas fromm Sülsliches wie Pfefferkuchenheilige mit 18 einem sauber ausgebackenen Heiligenschein.“(z) Auch von diesem Teil sagt Recensent: „Die Erfindung des Autors erweist sich nicht gerade reich und originell, und die Abenteuer Ingrabans erinnern an diejenigen, welche die Helden Coopers und Gerstäckers bei den Rothäuten zu erleben pflegen.“ Anerkannt wird nur in Ingo die„sauber gezeichnete alt- germanische Milchwirtschaft“ und daſs„einzelne Bilder dieser schroffen wilden Heldennovelle sich mit plastischer Anschaulichkeit hervorheben.“ Von beiden wird anerkannt, dalſs trotz der oft drolligen Spracharabesken, trotz der altgermanischen Rococostuccatur mit ihren tropfsteinartigen Wortgebilden einzelne Partien der Erzählung durch echt poetischen Duft, Grazie der Darstellung und Wärme des Kolorits künstlerische Bedeutung beanspruchen dürfen.“ Von Ingraban aber heilſst es noch:„Gegen den Schluſs hin erhebt sich die Darstellung etwas; das Hereinbrechen eines neuen Geistes in die alte Welt wird lebendiger und stim- mungsvoller geschildert, und die anmutige Darstellung der Waldidylle übt einen anziehenden Reiz aus.“„Zu den sauber ausgeführten, oft ergötzlichen Genrebildern gehört die Dar- stellung des Sorbenlagers u. s.w. Unleugbar hat dies Gemälde ethnographische Verdienste.“ Gottschall widmet dem Werke auch eine kurze Besprechung in„Über Land und Meer“ 1873 Nr. 17 S. 234(Vom Büchermarkt und den Brettern Leipzigs); natürlich ganz in dem Sinne der vorstehenden.„Selbständigen poetischen Wert“ kann er ihm nur sehr zum Teil zugestehen.„Die Sprache klingt an einzelnen Stellen wie eine Travestie.“„Das moderne Weib(Gisela) tritt in altdeutschem Gewande auf..... Wir fühlens heraus, daſs sie sich in das 4. Jahrhundert nach Christi Geburt bloſs durch eine Maskerade verirrt hat.“ Er spricht von„bizarren und gespreitzten Künsteleien“ und sagt, daſs am meisten„Ingo“ an dieser„altdeutschen Manieriertheit leidet.“„Ingraban“ ist freier davon; erinnert dafür aber oft an alte Glasbilder, auf denen die Heiligenscheine mit besonderer Kunst angefertigt sind.“„Eine etwas gekünstelte legendarische Beleuchtung schwebt über dem Ganzen; denn der Autor hat für diese Seite seines Stoffes selbst kein rechtes Herz“(i!) Im Anschluſs daran, daſs eine Reihe von Gesohichten in Aussicht gestellt wird, sagt er zum Schluſs: „Freilich einen Roman wird man einen solchen Rattenkönig von Geschichten niemals taufen können.“ Die„Nationalzeitung“ 1872 Nr. 576(8. Dezember) enthält eine über Ingo wenigstens ungünstige Besprechung, aus der ich folgende Sätze heraushebe.„Der kundige Leser fühlt bald heraus, daſs er nur Bilder aus der deutschen Vergangenheit in einer eigen- tümlichen Form vor sich hat.“„Der Gedanke ist nicht neu, W. Hauff beabsichtigte etwas ähnliches, Walter Scotts Romane fügen sich zu einer Art von schottischer Geschichte zusammen, liest man Wilibald Alexis' Romane in chronologischer Reihen- folge, so hat man jene verklärte Geschichte der Mark Brandenburg, die uns jetzt Freytag für ein gröſseres Gebiet geben will.“„Unter dem flatternden Mantel des Poeten guckt der Talar des Archivarius, des gelehrten Professors vor, welcher die verlorene Handschrift des Tacitus suchte.“„Daſs nun einmal die Verse nicht als Verse gedruckt sind, anderseits der Rhythmus auf die Dauer nicht streng eingehalten wird, macht ein längeres Lesen dieser Blätter ermüdend. Man hat die unruhige und unbehagliche Empfindung des beständigen Schaukelns und kommt nicht zu Ruhe im Genuſs. Die Neigung, altertümliche Worte und 19 Wendungen der Rede zu gebrauchen, dem Stil ein altertümliches Kolorit zu geben, ruft beinahe auf jeder Seite den Widerspruch des Lesenden hervor. Nur schlecht stimmt nämlich mit dieser Altertümelei der Gedanke zusammen. Alt oder besser altmodisch ist die Tracht zugeschnitten, aber ein anderer Mensch steckt darin.“„Einfacher, schlichter, natürlicher ist die zweite Erzählung von Ingraban dem Heiden.“„Wenn freilich Freytag hinter Scheffels Ekkehard zurückbleibt, so scheint mir dies darin zu liegen, daſs Scheffel naiver zu Werke gieng, Freytag aber absichtlicher uns belehren will. Für sich allein betrachtet gehört Ingraban zu den besten und am reichsten ausgeführten Bildern aus der deutschen Vergangenheit..... Milſslungener ist Ingo. Ob nicht das epische Gedicht allein Anspruch und Anrecht auf diese fernabliegenden Zeiten hätte? Daher der homerische, der Nibelungen- ton, der uns anklingt..... Seine Phantasie gefällt sich in einer Verschönerungskunst u. s. w.“„Indem Freytag die Römer, ihre Bildung und ihr Verderbnis von seinen„wilden Männern“ fernhält, hat er sich um den einzigen Gegensatz gebracht, der in uns Teilnahme für sie hervorrufen konnte; indem er in Ingraban den ersten seelischen Kampf unseres Volkes aufgriff, hat er ein bedeutsames Kunstwerk gedichtet.“ In der„Kölnischen Zeitung“ 1872, 29. November, Nr. 32(3. Blatt) gibt A. Bacmeister eine schöne, die Hauptmomente, Motive und Höhen bestimmt hervorhebende Entwickelung des Inhalts von„Ingo“, wenn er sie auch bescheiden nur ein„notdürftig aufgeschlagenes Stangengerüst“ nennt.— In einem Vergleich mit Scheffels„Ekkehard“ gibt er diesem den Preis. Hier treten uns die Personen„so überraschend lebhaft und sym- pathisch nahe“, hier„wähnen wir fast unter unseres gleichen zu sein, im„Ingo“ sind wir unter andern Leuten. Es fragt sich aber nicht, was historisch richtiger, sondern was poetisch d. h. menschlich wirksamer ist.“„Für den Dichter, wenn er nämlich ein echter ist, sind alle Zeiten gleich, die älteste, wie die jüngste..... Es wird ihm aus allen noch so verschiedenen Umgebungen u. s. w. immer nur das eine hervorgehen: der Mensch in der Schönheit seiner ewig und überall gleichen Gefühle und Leidenschaften. Darin ruht die ewige Gröſse des Homer.“„Trotz aller sinnvoll bemessenen Anwendung der äuſseren Mittel, welche dem Verfasser seine reiche Bildung und sein feiner Kunstsinn zur Verfügung stellen, vermochte uns seine auf althistorischem Hintergrunde frei erfundene Einzelgeschichte im grofsen und ganzen nicht mit jener unmittelbaren Gewalt zu erfassen, wie es die wahrhafte Dichtung soll. Es ist dem Dichter seine Absicht nicht gelungen, das geschichtliche und kulturgeschichtliche Element vollständig in Stoff und Pathos der Poesie aufzulösen, die Zeit und die Menschen dieser Erzählung gehen nicht voll in einander auf, sondern sie laufen neben einander her, und wir schauen statt einer uns ganz und einfach ergreifenden künstlerischen Einheit zwei Bilder, ein kulturhistorisches und ein individuelles; wir hören zwei Geschichten, eine nationale und eine persönliche!.... Der Dichter hat sich trotz entgegengesetzter Vorsätze vom Historiker imponieren lassen und hat nicht gewagt— oder nicht vermocht?— die Geschichte zu durchbrechen d. h. zu ergänzen und das Geschlecht jener Zeit vom Kopf bis zum Fuſs in den Strom der poetischen Empfindung zu tauchen. Daher die Achillesferse dieses Romans, die aber schon an der Herzgrube anfängt.“ 20 Günstiger ist die Beurteilung von Paul Lindau in der„Gegenwart“ 2. Band 1872, S. 344, obgleich auch er noch manches zu tadeln findet. Er sagt, das Werk sei eher Freytags Kulturgeschichten aus der deutschen Vergangenheit beizuzählen; man wisse nicht, wo die Wissenschaftlichkeit aufhöre und die Phantasie anfange. Und doch rühmt er:„Der Dichter reicht uns immer ausgegorenen Trank in kunstvollem Gefäſse zur Labe.“ In der Schilderung, im Kolorit ist auch Ingo in seiner Weise wieder ein groſses Kunstwerk; ob die Weise aber jedem zusagen wird? Liest man das Buch in der rechten Stimmung, mit der rechten Weihe, so wird es hohen Genuſs gewähren; bringt man aber diese weihe- volle Stimmung der alten Geschichte nicht entgegen, so wird sie unerbittlich zum Spott und Hohn herausfordern. Bewunderung oder Verspottung— das ist das Los, welches diesem Werke beschieden ist, ein Mittelding gibt es nicht..... Das Buch ist eben nicht für jeder- mann geschrieben u. s. w.“ Es wird auf die formalen Eigentümlichkeiten hingewiesen, den Stabreim und den vollständig rhythmischen Gang einzelner Partien. Dieser Rhythmus und das oft Gesuchte in der Ausdruckweise wird getadelt, anderseits die„groſsartige Schönheit“ mancher Teile hervorgehoben.„So ist die Schilderung des Sturmes auf die Burg in Komposition und Anschaulichkeit meisterhaft.“ „In Ingraban fühlen wir festeren Boden unter unsern Füſsen, fühlen uns sicherer und heimischer..... Ingraban und Winfried sind beide mit groſser Kraft und warmer poetischer Empfindung geschildert. Wie ein feierlicher Choral, in langgezogenen Tönen, klingt weihevoll das Christentum durch den Roman, zuerst von wunderbarer, ergreifender Wirkung, mit der Zeit aber durch die eintönige Erhabenheit etwas ermüdend. Besonders in den ersten Kapiteln macht die kindlich groſse und gläubige Sprache des Winfried einen bedeutenden Eindruck, aber es ist gleichsam ein Oratorium, in dem ein Choral auf den anderen folgt.“ Er vergleicht das Oratorium„Paulus“ von Mendelssohn.— Auch hier findet der Recensent oft„absonderliche und erzwungene Redewendungen, zuweilen gemachte Naivetät“, und stellt„sprachliche Raritäten“ zusammen(Wustung, Berglaite, langlodig u. s. W.).—„Ingraban begleitet schlieſslich Winfried in das Land der Friesen, und dort werden beide getötet. Dieses traurige Nachspiel ist auch in der dichterischen Darstellung matt.“— Als besonders schön hebt er hervor die Schilderung der Flucht Ingrams aus dem Lager des Ratiz(„sie gehört zu den schönsten Seiten der Freytagschen Dichtung, sie ist geradezu ein Meisterwerk“). Auch die Schilderung, wie Ingram den Ratiz erschlägt, ist von wunderbarer Schönheit. Als eine„prächtige Episode“ wird die Erzählung von Memmo bezeichnet, als eine„dramatische Scene“ die, in welcher Ingram das Schwert gegen den Bischof zieht, als„herrliche Seiten“ die, welche vonm dem ersten Erklingen der christlichen Glocke berichten. Zum Schlufs:„Ingo und Ingraban ist das Werk eines echten Deutschen, eines ernsten Gelehrten und bedeutenden Dichters.“ Eine Besprechung von B. Auerbach in der Beilage zur Augsburger Allgemeinen Zeitung 1873 Nr. 11 ist reich an tiefgehenden philosophischen Gedanken und Betrachtungen, die Widmung wird sehr gründlich besprochen und in ihren einzelnen Sätzen kritisiert, homerische Analogieen zusammengestellt und das Verschiedene auch betont, die Exposition als besonders gelungen bezeichnet(was Ingo bei seiner Ankunft sieht und hört und umgekehrt) und als schön die kulturgeschichtliche Grundlage. Von Stellen wie Seite 6:„Wir Waldleute u. s. w.“, S. 58:„Geradeaus geht die Rede u. s. w.“ sagt er, daſs sie gegen die Naivetät verstoſsen.— Noch einzelne Stellen:„Kulturgeschichte darf die Lücken nicht ausfüllen, Poesie muſs es, sie muſs uns schauen und empfinden lassen. An die Stelle des antiquarischen und rein geschichtlichen Interesses tritt das rein menschliche.“ „Die Gegenwart des Vaterlandes empfindend geht Freytag ihren historischen Gründen nach und erneuert dieselben lebendig.“„In der Seele des Dichters und zwar, wie man es heute nennt, in der Sphäre des Unbewuſsten, liegen vorbereitete Kräfte als Empfindung, Wissen, geschaute Gestalt, Nachklang einer gehörten Sangesweise, eines Spruchs, und die erste Bewegung dieser Elemente setzt ebenso geheimnisvoll an wie die Bewegung eines Moleküls in der Zelle. Gesättigt und getränkt vom Wissen der geschichtlichen Vergangenheit bildete sich das Angesammelte zu freier dichte- rischer Schöpfung, so dafs der Dichter selber kaum mehr bestimmen kann, was Erinnerung, was Anregung von aufsen und was selbstthätige Erfindung und freie Zuthat war.“ In der„Für Mufsestunden“ betitelten Beilage zur„Zeitung für das höhere Unterrichtswesen Deutschlands“ 1873 Nr. 2 und 3 befindet sich eine übersichtliche, klare und ansprechende Inhaltsentwickelung von Ingo und Ingraban. Aus der Besprechung hebe ich folgende einzelne Sätze heraus:„Ihn regten die neuen Schöpfungen unserer Zeit an, die von glücklich erlangtem Höhepunkt aus einen willkommenen Blick auf die weiten, beschwerlichen und verschlungenen Bahnen eröffnen, auf welchen unser deutsches Volk sich allmählich emporgerungen hat.“„Um die Schicksale eines deutschen Heldengeschlechts in fortlaufendem Entwickelungsgang lebensvoll und wahr vorzuführen, muſs er die jedesmaligen Spröſslinge desfelben als vollkommene Repräsentanten ihrer Zeit, ergriffen und bewegt von deren Ideen und Schicksalen, darstellen.“„Bei der ersten Geschichte fehlt es dem Verfasser fast ganz an geschichtlichem Boden, und er ist recht eigentlich auf die freie Erfindung angewiesen.“„In erhöhtem Grade fesselt Ingraban, welches in Ingram und Winfried den gewaltigen Gegensatz zwischen germanischem Heidentum und römischem Christentum, sowie den Sieg des letzteren über das erstere zur lebensvollen Darstellung bringt.“ Rec. hebt die würdige Darstellung, den Wohllaut der Sprache hervor.„Stellenweis tönt die Rede wie eine fortlaufende Musik, und deutlich erkennen wir, wie mit den Momenten von Bedeutung sich auch Sprache und Darstellung steigert.“„Mit Liebe sind die weiblichen Charaktere gezeichnet; Irmgard und Walburg sind wahre Typen deutscher Weib- lichkeit, gestaltet nach den Angaben älterer Schriftsteller, nicht am wenigsten auch nach den Vorbildern, welche sich glücklicherweise gerade in unserem Vaterlande dem auf- merksamen Auge des sinnigen Dichters heute noch darstellen.“ „Weserzeitung“ 1872, 15. Dezember(Nr. 9297).„Von den reichen und gründ- lichen historischen Studien, welche uns mit Freytags Bildern a. d. d. V. beschenkt haben, ist in der Seele des Verfassers dieses vorzüglichen Buches ein Rest zurückgeblieben, den er, der Dichter, nicht anders als dichterisch aus sich herauszugestalten und vom Herzen los zu werden vermochte. So, stellen wir uns vor, entschloſs er sich, dieselben Pfade noch 22 einmal zu wandeln auf den leichten Sohlen der Phantasie.“„Mehr als ein Mittelding zwischen der Darstellung wissenschaftlicher Ergebnisse und einem frei geschaffenen Kunstwerk wird diese Erzählung erst durch die geschlossene, ganz unabhängig von ihrem geschichtlichen Hintergrunde ergreifende und rührende Menschengeschichte, welche sich hier vor unseren Blicken abspielt.“„Der Leser ist bei Freytag sicher gegen störende oder irreführende Zeitverwechslungen. Was dieses Dichters eigenste Stärke ist, das darf nicht dazu verleiten, ihn im spezifisch Poetischen schwächer zu finden als andere, die es mit dem Kolorit und dem Kostüm weniger genau nehmen, weil es ihnen an Kenntnis gebricht.“„Poesie heilst Illusionen hervorrufen. Diese Tendenz wird hier so konsequent verfolgt, daſs die Sprache sogar, nicht nur der redenden poetischen Figuren, sondern des Erzählers selbst altertümlich gemodelt erscheint und in Ingo noch um eine starke Schattierung altertümlicher als im Ingraban. Sie liest sich oft geradezu wie Verse, was einige curiose Kritiker wieder für unabsichtlich anzusehen scheinen und in aller Form dem Richter Publikum denuncieren. Andere schelten es wenigstens ermüdend; sie werfen es ohne weiteres mit den Eigenthüm- keiten des Freytagschen Stils zusammen, der sich durchaus dem Berliner Konversationston anbequemen soll..... Es wäre schlimm, wenn alle unsere Schriftsteller sich in Schablonen pressen mülsten, die ihnen der eine oder andere moderne Nicolai, der sich für einen Lessing hält, aufnötigen möchte. Von Berlin aus will man, scheint es, uns armen Provinzialen neuerdings auch ohne Akademie das Joch korrekten Schreibens auf den Nacken legen. Es ist ein Labsal, wenn man einen Freytag die Würde seiner schriftstellerischen Selbständig- keit und Eigenheit unantastbar behaupten sieht. Selbst was daran bloſse Zufälligkeit oder willkürliche Manier ist, wollen wir uns im Notfalle lieber noch gefallen lassen, als das öde Einerlei eines Geschwätzes, das Papageien ebenso leicht von sich zu geben lernen können, wie der stärkste und freiste Kopf. Allerdings scheint Freytag seiner Manier etwas mehr, als für den Eingang seiner herrlichen Dichtung zu wünschen war, nachzuhängen. Der Vernichtungskrieg, welchen er gegen das kleine Beziehungswörtchen„es“ führt, eine zu weit getriebene Scheu vor den nächstliegenden Worten und Wendungen, die ihn statt der Scylla der Trivialität nicht selten in die Charybdis der Schwerverständlichkeit fallen lälst, die Sucht nach neuen Beiwörtern, mancherlei Umstellungen der Sätze u. dgl. mehr sondern ihn von dem Strome der allgemeinen Entwickelung des nationalen Sprechens und Schreibens ab, mehr nur unnötig ab, als daſs sie dieser Entwickelung auf frischen Pfaden vorwärts helfen. Aber auch bei anderen Romanschriftstellern finden wir gewisse Manieren, z. B. bei Fanny Lewald die Anhängung zweier Verben hinter einander an dasselbe Subjekt ohne Copula. Edmund Höfer hat sich dergestalt gewöhnt, bei jedem halbwegs drastischen Ausdruck erst durch ein„sagen wir einmal“ u. dgl. gewissermaſsen Mut zu schöpfen, daſs es am Ende komisch wirkt. Daraus auf ein gewisses geistiges Altern bei Freytag zu schlieſsen wäre sehr voreilig..... So reich wie dieser Erquickungsquell rinnt uns der-— malen kein anderer.“ Die„Neue Evangelische Kirchenzeitung“ 1873, Nr. 2(S. 17 ff.) enthält eine kurze, markige und treffende Beurteilung, welche die Hauptvorzüge und die nationale Bedeutung von Ingo und Ingraban schön hervorhebt.„Der Dichter greift in die Ver- 23 gangenheit unseres Volkes und läſst sie wieder lebendig werden vor unseren Augen, wie jeder echte Dichter von Gottes Gnaden, der aus der Fülle der Phantasie nachschafft, was Gott der Herr werden lieſs in Natur und Geschichte.“„Aus trümmerhafter Kunde und toten Denkmalen der Vergangenheit erweckt der Zauberstab des Dichters volles warmes Leben; wir schauen das Leben unserer Ahnen, wir hören ihre Sprache, wir lernen mit ihnen fühlen, mit ihnen lieben und leiden, bangen und ringen, sorgen und streben in Haus und Hof, in Kampf und Streit.“„In die graue Vorzeit des 4. Jahrhunderts führt uns die erste Erzählung, wo die Römermacht feindlich vordringt gegen die Grenzen der deut- schen Stämme, wo der Zauber wälscher Glorie und Uppigkeit den deutschen Sinn zu umstricken beginnt. Ingo, der deutsche Held, ist zugleich Feind der Römer und Römerfreunde in seinem Volke.“„Das Groſse, das uns als der Ruhm unserer Ahnen aus der Geschichte entgegenklingt, das wir als das Erbgut der Väter hüten und pflegen sollen, deutscher Mannesmut und deutsche Treue, Mannentreue und Liebestreue sind in Ingo und Ingraban verkörpert wie in so manchen anderen Gestalten seiner Helden.“ Es wird die Schönheit der Sprache gerühmt, die sich oft„in klingenden Rhythmen bewegt als ob es Verse wären“, oft tönt„wie Orgelton und Glockenklang in feierlicher Würde.“ Dann heiſst es vom Dichter:„Die Herzen unserer Jugend, die jetzt oft kalt bleibt für die Gestalten der Dichtung, die uns einst begeistert hat zu idealem Streben, wird er wiedergewinnen. Denn nier verbindet sich die Gewalt idealster Dichtkunst mit dem nationalen Zuge, der durch unsere Zeit geht. Die Ideale verkörpern sich, sie beginnen zu uns die Muttersprache zu reden, und so wird der Dichter, das hoffen wir, in manchem jugendlichen Herzen Begeisterung entzünden für das Schönste, das unsere Voreltern besessen, und für das Höhere, das ihnen das Evange- lium gebracht hat.“ In dem„Allgem. litter. Anzeiger für das evangel. Deutschland“ (Gütersloh, Bertelsmann), Jahrg. 11, S. 231 ff. heiſst es:„In den Tagen welthistorischer Ereignisse und gewaltiger politischer Umgestaltungen erwacht die Lust, aus der geschicht- lichen Wirklichkeit in das vertraute Element der geschichtlichen Poesie uns wieder unter- zutauchen; ja es erwächst die Neigung, das Leben der Vorfahren in Bildern und Geschichten in helleren Farben darzustellen, als die strenge Historie es zu thun vermag.“„Aus der Überlieferung der alten Sage und alten Geschichte, aus dem, was über Rechtsaltertümer, Sitten und Gebräuche deutscher Vergangenheit bekannt geworden ist, hat Freytag anschauliche Bilder für Ort und Zeit entworfen; in der zweiten Erzählung tritt uns in einer der beiden Hauptfiguren eine historische Persönlichkeit von allgemeiner Berühmtheit entgegen. Den beflügelten Schritt der Phantasie stützt der feste Stab gewissen- hafter historischer Forschung, sowie die Grundlage ernster Kulturstudien.“„Freytags Helden und Weiber, seine Thüringer und Vandalen des 4. Jahrhunderts, wie seine Thüringer, Franken und Sorben des 8. Jahrhunderts, überzeugen den Leser, daſs sie das in Wirklichkeit sind, was sie vorstellen sollen.“„Ein uns fremdes Denken ist auch in einer fremdartigen Sprache wiedergegeben.“ Recensent findet freilich auch manche Wortbildungen und Wen- dungen gesucht, geschraubt, ästhetisch unschön u. s. w., rühmt aber, wie Freytags talentvolle 24 Begabung in den Glanzstücken epischer Schilderung und sinnvoller Naturbetrachtung durch eine teilweise manierierte Einkleidung immer siegreich hindurchbricht(vgl. o. S. 17). Am Schluſs wird von Ingraban noch gerühmt:„Es gehört, für sich als ein geschlossenes Werk betrachtet, zu den am reichsten und vollständigsten ausgeführten Bildern aus der deutschen Vergangenheit. Halb Geschichtsstudie, halb erfundene Geschichte reiht es sich im ganzen und groſsen den historischen Romanen an. Die Geschichte ist reich an wundervollen Offenbarungen der Dichtkunst; auch erhebt sich der altertümlich schwere Entwicklungsgang der ersten Erzählung hier zu einem reicheren Orts- und Personenwechsel, wie zu bewegteren Leidenschaften.“ Sehr eingehend und durchaus anerkennend ist die Recension in der„Beilage zur Augsburger Allgem. Zeitung“ 1872, Nr. 352 und 353:„Freytag geht gern seine eigenen Wege und wählt sich zum Ort, wo er seine Lese hält, lieber abseit liegende, für unergiebig oder ausgebeutet geltende Stellen, so früher in„Soll und Haben“, dann in der „Verlorenen Handschrift“, so jetzt in„Ingo und Ingraban“.— Den Leser wird einerseits die Ursprünglichkeit, Gedrungenheit und Groſsartigkeit der ihm hier erschlossenen Welt dergestalt überwältigen und hinreiſsen, anderseits aber wird er sich von der Blutsverwandt- schaft, Geistesgemeinschaft und Ebenbürtigkeit der ihm in derselben entgegentretenden Gestalten in dem Grad innerlichst angesprochen und angezogen fühlen, daſs sich beide Ein- drücke einander zu wirklicher Einheit ergänzen und ihn vermöge dieser Totalwirkung die unmittelbare Gegenwart zwar vergessen, aber nicht vermissen, vielmehr ihn in dem Recken und Strecken der Vorzeit zugleich das Ringen und Vollbringen der Gegenwart— bewulst oder unbewufst— mit empfinden lassen. Im allge- meinen die Mittel zu bezeichnen, durch welche Freytag dies erreicht hat, ist eine nicht zu lösende Aufgabe. Ohne Frage sind dieselben ebensowohl im Inhalte als in der Form zu suchen; aber das Hauptverdienst an der Leistung glauben wir gleichwohl der Form zu- schreiben zu müssen..... Nachdem dann betont ist, daſs Freytag zwischen altertümlicher und moderner Redeweise die rechte Mitte gehalten und beide wirklich einheitlich ver- schmolzen habe, heiſst es:„Je öfter an ähnlichen Problemen schon die besten Kräfte gescheitert sind, um so mehr müssen wir in der ebenso sehr von angeborenem Takt, wie von vollendeter Durchbildung zeugenden Art und Weise, mit welcher er diese schwierige Aufgabe gelöst, das eigentliche Meisterstück seiner diesmaligen Leistung erblicken“(siehe dagegen oben Gottschall!).„Wer Sinn und Verständnis für ideale typische Gestaltung hat, wer eine Darstellung zu würdigen weiſs, die im Ver- schiedenen auch das Gemeinsame, im Vergänglichen zugleich das ewig Bleibende, im längst Entschwundenen zugleich das sich immer neu Verjüngende zum Ausdruck zu bringen ver- steht, der wird sich in der Sprache, die hier an sein Ohr klingt, sehr bald nicht nur voll- Lommen heimisch und zu Hause fühlen, sondern er wird sich auch von Schritt zu Sohritt mehr ihrer allgemeinen wie ihrer charakteristischen Schönheit zu erfreuen vermögen.“ Hervorgehoben wird die durch kein Fremdwort getrübte und doch in keiner Weise nach erzwungenem Purismus schmeckende Reinheit, sodann die mit Vorliebe sich in Stamm- und Wurzelwörtern bewegende Urwüchsigkeit und Gedrungenheit, ferner die hiermit —25 eng zusammenhängende Klangfülle und Eurhythmie, auf der anderen Seite aber auch die dem Stoff und Zeitalter angemessene Eigentümlichkeit, Bestimmtheit und Auſserordent- lichkeit der Sprache.„Er hat die Elemente der Sprache gerade aus den Quellen geschöpft, welche befruchtend und erquickend bis in die jüngste Zeit gewirkt haben, d. i. aus den Quellen der ältesten deutschen Poesie, wie sie noch heute in den Liedern der Edda, in den gotischen und altdeutschen Hymnen und Schlachtgesängen, Heldengedichten und Minneliedern, Zaubersprüchen und Trinksprüchen für jeden sprudeln, der von der Urquelle zu kosten Lust hat.“ Anerkannt werden die archaistisch zusammengesetzten Wörter, die rhythmische, oft nahezu versartige Wortstellung und Satzbildung, ähnlich wie sie sich in den Nachbildungen altnordischer uud anderer Sagen von Goethe, Talvj, Simrock, Chamisso, Jordan u. a. findet und selbst in rein modernen Dichtungen, z. B. in Heines„Nordseebildern“ mit Erfolg angewandt ist. Als ein besonders schönes und charakteristisches Beispiel der Sprache wird das erste Zusammentreffen zwischen Ingo und Irmgard S. 11 von„Sie betraten die Lichtung“ bis S. 13„nach dem ich mich leidvoll sehne“ abgedruckt.„Markiger als in dieser idyllenartigen, kaum weniger an die hellenische als an die germanische Urvätersitte und Redeweise gemahnenden Schilderung offenbart sich natürlich der charakteristische Stil dieses Romans in den bewegteren Partien desselben, welche die Darstellung gegen einander stürmender Leidenschaften und blutiger Kämpfe zum Inhalt haben. So z. B. schon in dem Wortgefecht, welches Ingo mit Theodulf— dem von ihm im Kampfspiel um Mannesehre und Frauengunst in den Sand gestreckten und darum von Haſs und Eifersucht gegen ihn erfüllten Freier Irmgards— zu bestehen hat, S§. 45 f. In noch höherem Wellenschlag aber bewegt sich der Rhythmus der Rede, wo es die Schilderung des blutigen Würfelspiels um Tod und Leben gilt. So im Bericht des Sängers S. 50 f. In der Weise eines Klage- gesangs schildert sodann der Sänger weiter, wie sich die flüchtigen Alemannen in den Rhein stürzen u. s. w.; hier wird S. 53 noch besonders hervorgehoben.—„Der Form entspricht ein gleich Paſentomior und auſserordentlicher Inhalt.“—„Die erste Geschichte zeigt uns hauptsächlich den Charakter und die Willenstüchtigkeit der deutschen Rasse, wie sie sich neuerdings in den Heldenthaten von 1870 erprobt hat, die zweite vorzugsweise die Gemütstiefe und Erkenntniskraft des deutschen Wesens u. s. w.“ Schön werden noch die(nationalen, politischen und socialen) Konflikte, der bewegte und drastische Verlauf der ersten, der ruhigere, einfachere Verlauf und die Konflikte mehr innerlicher, geistiger Art der zweiten Geschichte hervorgehoben, schlieſslich der innere Konflikt des Bonifatius erwähnt, in dem er sich Lullus gegenüber gegen das Streben Roms erklärt S. 506. Die eingehendste und gründlichste Besprechung von Ingo, die auch jeder Lehrer, welcher Ingo im Unterrichte der Prima behandeln will, lesen sollte, ist die des leider allzu früh für uns gestorbenen Wilhelm Scherer in den Preufsischen Jahrbüchern 1873, Heft 5, S. 481 ff. Er bespricht das Verhältnis der„Ahnen“ zu Freytags„Bildern aus der deutschen Vergangenheit“, die Motive, welche Beowulf und dann Homer an die Hand gaben, führt aus, wie wir hier auch in das alltägliche Treiben unserer Ahnen wahr und lebensvoll eingeführt werden bespricht, die örtlichkeiten, wo wir die Handlung sich ab- spielend zu denken haben, sehr gründlich die Motive der Handlung und die verwandten * 2²⁸⁶ Motive der deutschen Sage und Poesie, das Verhältnis der Liebe und Liebeswerbung zwischen Ingo und Irmgard zu anderen Überlieferungen deutscher Sage— es erscheint ihm das Liebesverhältnis und insbesondere die Erklärungsscene„zu modern, zu sentimental gedacht“, wenn auch andere Motive der alten Liebespoesie schön hereinklingen(der Fichten- baum, der Raubvogel, s. S. 491)— das Motiv der Treue zwischen dem Herrn und seinen Mannen, den Gegensatz der Frauencharaktere und entwirft eine treffliche Charakteristik Bisinos. Dann bespricht er die kulturgeschichtliche Bedeutung des Romans, die Sprache und den ethischen Gehalt. Von letzterem sagt er, daſs er nicht poetisch ausgeschöpft sei; er vermiſst im Ingo„den Fanatismus der kriegerischen Leidenschaft, wie im Bonifatius der zweiten Erzählung„den Fanatismus der hierarchischen Leidenschaft“. Diese zweite Erzählung wird nur ganz kurz besprochen. Die wärmste Anerkennung findet Freytags Roman bei O. Frick in der Zeitschr. für G. W., 1873 S. 154 f., der ihn besonders auch als ein Lesebuch für unsere Gymnasiasten würdigt. Diese Besprechung, einem jeden Gymnasiallehrer leicht zugäng- lich, wird jeder bei Behandlung des Romans in der Prima gründlich lesen müssen. Frick nennt das Werk„die reinste und köstlichste Poesie unserer nationalen und deutschen Kulturgeschichte“, betont den groſsen pädagogischen Wert, in dem hier der Jugend unserer höheren Schulen eine Gabe geboten werde,„aus welcher ihr die Herrlichkeit unseres deut- schen Volkes, seine Gesundheit, seine Tiefen, sein ethischer Gehalt in solchem Reichtum entgegentreten und obenein in dem Glanze wahrhaft künstlerischer Darstellung.“ Dann hebt er aus Ingo die Verhältnisse hervor, welche„die Höhepunkte der mannigfachen Kon- flikte erzeugen, an denen die Dichtung so reich ist“, und weist darauf hin, wie wir in der Dichtung mit fast allen Gebieten des öffentlichen und häuslichen Lebens unserer Ahnen bekannt gemacht werden.„Wir fühlen die Verwandtschaft mit den Bildern und Schilde- rungen, welche wir aus Cäsar und Tacitus, aus der Edda, dem Hildebrands- und Nibelungen- liede, die wir aus des Paulus Diakonus Longobardengeschichte, aus der Chronik von Novalese kennen lernten; wir fühlen die Verwandtschaft vor allem mit unserem eigenen Sein und Empfinden.“„An homerische Dichtung klingt auſserordentlich vieles an, nicht weil der Dichter kopieren wollte, sondern weil die Kongenialität der Zeiten verwandte Zustände und Verhältnisse schafft.“„Die Kampfes- und Schlachtscenen aber sind auch hier so homerisch, wie diejenigen im Walthariusliede.“—„Auch ist Held Ingo, wie er eine Burg, eine Kultur, ein Reich sich gründet, eine Art Robinson; und an den letzten der Mohikaner, den Pfadfinder und verwandte Coopersche Romane wird man stets erinnert durch die Verwandtschaft der Zeiten und Zustände.“ Er rühmt die archaistische Form und die an vielen Stellen rhythmische Sprache.„Solche Sprache, dazu die Atmosphäre uralter Sitte mit fremdartigen und den Gebildeten doch bekannten Bezeichnungen dient als ein sehr wirksames Mittel, den Eindruck aller falschen Modernisierung fern zu halten; ein jugendliches Gemüt wird aber gerade durch solche vom reinsten dichterischen Hauch durch- wehte Diktion sich auf das höchste angezogen fühlen.“ Ebenso eingehend und anerkennend wird der zweite Teil, Ingraban, besprochen. Zum Schluſs hebt Frick noch besonders das lebendige und tiefe Naturgefühl hervor,„welches aus dem Inhalt und der Form der ganzen Dichtung, aus beiden Abteilungen in gleicher Stärke hervorbricht. Es zeigt sich in den wahrhaft klassischen Naturschilderungen, in der Art, wie das Leben in der Natur das geistige Leben begleitet, spiegelt sich aber auch in den Stimmungen der handelnden Personen wieder und trifft damit auf das glücklichste die besondere Eigentümlichkeit der deutschen Nation, welche sich dieses als ein Erbe unserer Urahnen und gleichsam als einen Talisman durch alle Zeiten erhalten hat und das auch in unserer Jugend zu erhalten und zu pflegen heilige Pflicht ist“*). Der dieser Abhandlung zugemessene Raum gebietet mir abzubrechen. Dieselbe enthält schon eine Menge von Andeutungen und Ausführungen für unserem Roman zu ent- nehmende Themata zu deutschen Aufsätzen, durch die dann ein tiefergehendes Verständnis und eingehendere Würdigung bei den Schülern erzielt werden kann. In einem zweiten Teil gedenke ich eine Anzahl solcher Themata, zunächst aus Ingo, zusammenzustellen, zu disponieren und für die wichtigeren wenigstens die Ausführung zu skizzieren, wodurch dann manche hervorragende Seiten der Dichtung erst in das rechte Licht gesetzt werden sollen. Dr. F. Heufsner. e *) Mit dem vorstehenden Urteile Fricks hatte ich meine Programmabhandlung geschlossen, und dieselbe war schon im Druck begriffen, da lief die erschütternde Kunde ein von dem plötzlichen Tode dieses trefflichen, hochverdienten Mannes. Am 19. Januar ist er in noch nicht vollendetem 60. Lebensjahre dahingeschieden im gläubigen Vertrauen auf seinen Herrn und Heiland, den er im Leben so entschieden und freudig bekannte, bis in die letzten Tage seines Lebens eifrig mit pädagogisch- didaktischen Arbeiten und Fragen beschäftigt zum Nutzen der Jugend, an welcher(so heifst es am Schluſs der oben erwähnten Besprechung des Freytagschen Romans) zu arbeiten unser Beruf und unsere Freude ist. Wie viel unser deutsches Gymnasium und unsere Lehrerwelt ihm zu danken haben, was wir in ihm verloren haben, das brauche ich denen, für die diese Abhandlung geschrieben ist, nicht zu sagen. Nun ist er uns hinweggenommen, aber sein Andenken besteht, so hoffe ich, bei unseren Schulen dauernd in Ehren, und was er auf pädagogischem Gebiete geleistet, das bleibt uns unverloren und wird, so Gott will, noch reiche Frächte tragen. n .EeNiid 2 4— 21* 8* Seera 33ele. a 3 2 — 29— Jahresbericht über das Oster-Schuljahe 1890/92. 1. Die allgemeine Lehr-Verfassung des Gymnasiums. 1. Ubersicht über die einzelnen Lehrgegenstände und die für jeden derselben bestimmte Stundenzahl. Unter- Ober- Unter- Ober- Unter- Ober- V v I i m 1 1* 8. ſ Religionslehre, ev...... 3 2 2 2 2 2 2 2 2 19 Religionslehre, kath...... 2 2 2 6 Deutsch.......... 3 2,2 2 2 2 2 3, 3 21 Latein..... 9 ◻9 19 9 9 8 8 8 8 77 Griechisch=—— 7 7 6 6 40 Hebräisch..........—————(2)(2)(4) Französisch.........— 4 V 5 2 2 2 2[2 2 21 Englisch.........————— V(2) 0) Geschichte und Geographie.. 3 V 3 4 3 3 3 3 3 3 28 Rechnen und Mathematik 4 V 4 4 3 3 4 4 4 4 34 Naturbeschreibung...... 2 4 2 2 2 2 V— b——— 10 Physike........————— 2 2 2 2 8 Schreiben......... 2 2——————— 4 Zeichnen.. 2 2 2(2) 6(+ 2) mrnen....... 2 2 2 2 2 2 2 2 2 18 Gesang........... 2 2 2 2 2 10 32 34 34 34 34 32 32 32 32 302 V(38)(38)(38)(38)(310) Das Gymnasium zählte während des verflossenen Schuljahres achtzehn Klassen, nämlich neun Herbstklassen(Oberprima bis Sexta) und neun Osterklassen(Oberprima bis Sexta). 2. ibersicht der Vrree. der Stunden ——OOAä—————ꝛ⸗——— Nr. Namen. Ordin.] Suanden-] Korr.] MIL I. l 0I ola. MI. 0I M2 ſ Horaz 2 1. Dir. Dr. Heufsner— V 12— Horaz 2ſforaz 2 Deutsch 3 5 Soph. Hom 3 —— e mem 6. Griech. 7 2. Obl. Prf. Dr. Prätorius MI1. 20 5 Soph Hom. 3 Französ. 2 Lr drys, 2— Mathem. 4 Mathem. 4 3.„ Dr. Auth— 21 ehysik 2 Physik 2 Y MMathem. 4 Mathem. 1 4.„ Dr. Eberhard— 22— Puysik 2 Physik 2 — Gesch. 3. 5.„ Wagner MI2. 22 4 Latein 4 Srchahe 3 6.„ Manns 011 22 4 Deutsch 3 baten 3 Horaz 2 Pranös. 2 — 25 3 0 n Hebräisch...... et.224 Fsiaie 2 7.„ Zülc 2. 21 3 eligion 2 atein Religion 2 Neneio penden⸗ 3 Deutsch 2 Mathem. 4 Mathem. 4 3 -ä A JPhysic 2Physik 2 9.„ Wiskemann 012. 21 4 Latau 6 Mathem. 4. Mathem. 4 10. Ord. L. Frans— 23 F Physik 2 Physik 2 — Vreicen 6 roat r SGriech;-e 24efſee n— atein s 11.„ Dr. EigenbrodtſO II1. 22 4. Deutsch 2 — 2 1— Prosa 3 Gesch. 3 12.„ Bochröder MIV. 24 6 Franzos. 2 Franzos. 2 Französ. 2 Englisch.............. 2 ——————— ſ Latein 8 13. Bleckmann MII1. 23 5(Griech Deutsch 2(Griech. 7 Pros. 3 dHebräisirihnhn 2 14.„ Sunkel oOmi 4A 3 Gesch. 3 Gesch. 3 3EEſſ Deutsch 3. 1 Gesch. u. 15.„ Dr. Schmitt] M III 1 23 3 dernrn Geogr. 3 Dr. V Latein 8 22 16.. r. lber MII2. 23 4 Deutsch 2 Griech. 7 —— 3 2. 17.„ Zimmermann OIII 2, 24 4 —————————.——— 18.„ Sandrock OIv. 244 1 19. Hülfsl. Thies ovI 23 4 ———— 4—————— 20.]„ Watermeyer 1 lII 2= 28 4 21.„ Dr. Heermann 0 V. 24 3 Vergil 2 2————— 22.„ Eitet— 24 7 Französ. 2 Französ. 2 23.„ v.„Seidet M V 11 2 V 24. Techn. L. Stern- 26 4,— Turnen(2 Abt.)...... 4 Turnen 2 25.„ Wenzei-sSI—. ſ 26. 5 Stheeober MVI. 27— Chorgesang—V. 3 Turnen 2 27. Pfr. Fürer- s[— neligion 2 Religion 2 Religion 2 Religion M2 28.] Kaplan Martin- 16— Kathol. Reſigionslehre................ 2 W ſ 32[32 32 32 32 32 1 32 32 Kand. Thieme gab Deutsch und Vergil in OII 2(4 St.), Kand. Pfr. Siebert Religion in O II 2, sowie Religion und Ovid (vgl. Chronik S. 49) Mathematik und Naturkunde unter die einzelnen Lehrer. (Sommerhalbjahr 1891.) 2-OlIL2. W. dOw. wV. OV. mVI. 0V. Namen. — V Heufsner V V V V Prätorius Kletusme.5 Rechnen 4 Auth V Rechnen 4 Rech Naturk. 2 Rechnen 4 Dr. Eberhard wagner 11 e* Gesch. u. V V Geogr. 3 Manns Zülch Mathem. 8 Mathem. 3——— Naturk. 2 Naturk. 2 Rost ——,—————————— V Latein 9 Wuskomann Mathem. 3 l w+—— Naturk. 2———— Franz Gesch. u. Gesch. u. Geogr. 3 deogr. 3 Eigenbrodt .— L Französ. 2 E aunin,9 9 3 Boohräder 1 desch. 1 Bleckmann Griech. adena 2 Sunkel Latein 9 1 1= Deussohe 2 Schmitt Geogr. 3 Geogr. 2 Gesch. 2 lIber — Deutsch 2 — 1 85 Latein— 9———— 3— 1 5— euts 2;; h 3 Peatzenn, 2 Religion 2 Religion 2 Raitie 3 zZimmermann ———————————— Latein 9 Religion 2 Religion 2 Religion 2 Religion 2 Religion 2 Religion 3 Sandroock b Turnen 2 ——— Griech. 7 1 Französ. 4 Deuts ch 32 Ilbies 2 4l Faeun/ Griech. 7 Französ. 5 Watermeyer Gesch. u., Gesch. u. Latein 9. desch. 3 Heoger 4 4 Deutsch 2 Geogr. 2 Heermann — 1 5 IFranzös. PS 5 Lrſeeh 3 Französ. 2 Französ. 2 Gesch. u. Eitel ranzd. 2 deogr. 3 Latein 9. 57 Deutsch 2 v. Seidel — aclion Schreib. 2 Schreib.2 desang 2— Rel- 2 1 4 g Tarnen 2 Jaturk. 2 Turnen 2 Keclnenz Stern zeichnen.. 2 Zeichnenz Zeichnen2ſ Zeichnen Zeichnen Zeichnenz Zeichnen? Wenzel — schreib. 2Schreib. 2 Rechnen 4 Turnen 2 Turnen 2 Turnen 2 desang 2 Gesang... 2 Naturk. 2 Stolzenberg Turnen 2 Naturk. 2 Turnen 2 V Fürer Katholische Religionslehre-2 RKatholische Reſigionsſehre..3] martin 52—Ennͤ in O0 III 1(6 St.), Kand. Brandes Rechnen und Naturkunde M V(6 St.), Kand. Detlefs 14 Tage bis zu seinem Abgang in M III1 und Ghemie in M II 2(7 St.). 2. Ubersicht der Verteilung der Stunden Kand. Detlefs gab Rechnen und Naturbeschr. in O V, sowie Nat urbeschr. 0OVI und Geographie in MV(10 St.). Nr. Namen. Ordin. Stunden-Korc.] OI1. MIl. 012 MI2. ·0II 1. H II 1. 0II2. MII2. [Deutsch 3 1. Dir. Dr. Heufsner— 10 1 Horaz 2 Horaz 2 2—. Soph. Hom. 3 2, 1 Latein 6 Griecbh. 7 5 2. Obl. Prf.Dr. Prätorius 44 12. 20 4 Französ. 2 Hom. Soph. 3 Französ. 2 1 . Mathem. 4 Mathem. 4 — e au— Pysik 2 Pbysik 2 3 e athem. 4 Mathem. 4— 14.„Dr. Eberhardusf— 22— Physik 2 V Physik 2 ſdesch. 3 oſſſ“— .; 3 Griech. 7 1. wannweeeenAl. 5— iee ————————————O——— . Deutsch 3 6.„ Manns 011. 21 2 atein IIoraz 2 Hlorazg 2 ————— 4—— esch————— debräischf........ 2 Franads 2 7.„ Zülch 0 11 2. 23 3 89 an o Religion 2 Felixlon Religion 2 Religion 2 Deutsch 3—— ³ 22 Mathem. 4 Mathem. 4 3.A br Eost—2 Physik 2 Physik 2— 1 91 K2 Latein 6 9. Wiskemann 012 21 3 CGriech. 6 V— V 2 3 Mathem. 4 Mathem. 4 10. Ord. L. Franz— 23— physik 2 Physik 2 Griech Latein 8 11.„ Dr.Eigenbrodtſ OIII. 22 3 4 Deutsch 2 LEid Prosa 3 Gesch. 3 —————————.—.,—— 12.„ Bochröder MVI. 24 6 TFranzös. 2 Französ. 2 Englisch.............. 2 — 1 j x Bm: r„ ILatein 8 Griech. Griech. 7 13. Bleckmann MII2. 23 4 V Deutsch 2 ———————— Pros 2 Hebräisch.... ere 2 14.„ Sunkel OIII 1.24 3 Gesch. 3 Gesch. 3 — Deutsch 3. 1 G Gesch. u 15.„Dr. Schmitt MIII2. 23 3 Homer VU. 5 Sophokl. 3 Geogr. 3 Latein 8%½ 16.„ Dr. lber M 1. 24 3 Deutsch 2 Griech. 7 17.„ Zimmermann 0III2.] 23 3 18.„ Sandrock OIV. 24 1 V 19. Hülfsl. Thies 0 VI. 23 4 ¹ 20.„ Wuatermeyer MIII 1. 23 4 V 21.„ Dr. Heermann 0 V. 24 3 Vergil 2 22.— Eitel— 24 9 Französ. 2 Französ. 2 Französ. 2 23.„ V. Seidel MIV. 11 2 V 24. Techn. L. Stern- 29— Turnen, 2 Abt. à 2 St... 4 Turnen 2 Turnen 2 „. 25.„ Wonzot 8. 19— Zeichnen.. † 26.„ Stolzenberg- M V V 27— JCVhorgesang(I— V)........... 3. Turnen 2 —— 27. Pfr. Fürer— 8— Religion 2 Religion 2Religion 2 Religion 2 28.] Kaplan Martin—— 72— Kathoſische Religionslehre...............2 ſ ſ 1EEöEEͤ 55 ͤ 3.. 32 Kand. Pfr. O0 IIIf, Deutsch und Vergil in O II 2(8 St.), Kand. Brandes Mathematik in M III 2, sowie Mathematik und Naturbeschr. Geschichte, Deutsch und unter die einzelnen Lehrer.(Minterhalbjahr 1891/92.) OI1. M 1MI 1. OI2. M 1 2. OW. NWV OV. nv. 0VW. HVI. Namen. — V Heufsner V V prätorlus Mathem. 3— V. Naturk. 2. Rechnen 4] Auth 3 dednen4 Rechnen 4 Eberhard V Wagner Geogr. 2 Manns ——— 1 1 Zülch Mathem. 3 Mathem. 3— Naturk. 2 Naturk. 2 08 ᷓỹᷓᷓᷓᷓ́——————————————— Latein 9 Wiskemann Mathem. 3 u b Rechnen4 ANaturk, 2 2 Naturk. 2 Fin⸗ Gesch. u. Gesch. u. Geogr. 3 Geogr. 3 Eigenbrodt k Französ. Franz. 4 ſatein 9 Sochröder 1— l BDeutsch. 3 Gesch. 1 Bleckmann Latein Jo I ſgiigel i Sijrbeſene Heudmeh 2 Griech. 7 Sunkel ———ffem 1————— Deusgeand⸗ Schmitt ——— äern.— Gesch. u.— ſGeogr. 2 ſmer — Geogr. 4 Gesch. 1 lher — e e—— Deutsc z0 eligion utsch 2 V Ferer ung, b Religion ²Gesche 1 Religion 2 Zimmermann . Latein F5 4.— Religion 2 Religion 2 Religion 2 Religion 2 Religion 2 Religion 3 Sandrock aaahh Turnen 2 3 ateino Thies ⸗ Erieeh, 7 L4265.4 Peutsch 3 Thies haann Joech. ² rur. S V hhebee , ſdesch. u. r 1 3 Gesch. u.., Latein 9 1. Geogr. 4 Geogr. 2 Heermann Geogr. 3 Deutsch 2. Griech. 7— 4 auioeh 2 8. V Fraztis. 2 Französ. 2 Französ. 2 Pranzös. 5 V Eitel Latein 9 Deutsch 2 V v. Seidel Gesang 2 Turnen 2 Turnen 2 Sehreib. 2 Rechnen4 Rehigion 3]ſStern Turnen 2 Naturk. 2 Naturk. 2. ......... 2 LZeichnenè Zeichnenz Zeichnene Zeichnen Schreib. 2 Schreib. 2 Wenzel —.— Zeichnenz Zeichnen Haturk. 2 Rechnen 4 T 2 hr aturk. Naturk. 2 Stolzenber urnen 2 Turnen 2 Turnen 2 Schreib. 2 Turnen 2 9 — Lesang. 2 Sesang 2— 8— ſ Fürer — Kathol. Religionslehre....... 2 Kathol. Reſigfonslehre......... /... 2 Martin 3² 35—— i ee 35 32 j Siebert Religion in O II 2, Religion und Ovid in O III 1(6 St.), seit Thiemes Weggang(s. Chronik§. 50) statt der Religion in in M IV(9 St.), Kand. Schlitt Griechisch u. Vergil in MII 2(9 St.), Kand. Thieme die kurze Zeit bis zu seinem Abgang Vergil in OII 2(7 St.) 34 3. Übersicht über den während des abgelaufenen Schuljahres erledigten Lesestoff. (Die Mittheilungen über das Schuljahr 1890/91 der Herbstklassen beschränken sich auf die Lektüre und die Aufsatzthemata der beiden oberen Klassen.) a. Lektüre und Aufsatzthemata der MI und MII im Schuljahre 1890/91. Deutsch. Oberprima. Lektüre: Lektüre aus Klopstocks Oden, Lessings Laokoon und mehrerer Abschnitte aus der Hamb. Dramat.; Philotas; Emilia Galotti; Goethes Tasso; Lyrik von Schiller und Goethe. Aufsätze: 1. Die Hauptunterschiede in Goethes und Euripides' Iphigenie auf Tauris. 2. Hans Sachsens poetische Sendung. 3. Warum würdigt die Nachwelt verdienstvolle Männer meist richtiger als die Mitwelt? 4. Wodurch unterscheidet sich Lessings Emilia Galotti von der Virginiaerzählung bei Livius?(Klassenarbeit.) 5. Wie malt Goethe die körperliche Schönheit der Dorothea?(Laokoon 17, 20 u. 21.) 6. Der Einfluſs des Strafsburger Aufenthaltes auf Goethes geistige Entwickelung.(Dichtung und Wahrheit 9— 11.) 7. Auf welchen Gebieten und wie offenbarte sich die der Reformation in Deutschland voraufgehende Bewegung?(Probe- arbeit.) 8. Heinrich I. und Otto I., die Begründer des deutschen Reiches. Unterprima. Lektüre: Auswahl hauptsächlich aus Nibelungenlied, Gudrun, Parzival; Lieder Walthers von der Vogelweide; Goethes Egmont; Schillers Braut von Messina und Wallenstein. Aufsätze: 1. Die Wirkung der Schlacht bei Stralsburg und das Römertum in Freytags Ingo. 2. Tarent, ein Landschafts- und Kulturbild, mit Bezug auf Horaz Od. II 6. 3. Zweck und Bedeutung der Thersitesscene im 2. Buch der Ilias(Klassenarbeit). 4. Der Charakter Ingrabans bei Freytag. 5. Die Ehre und Treue im deutschen Volksepos(Klassenarbeit). 6. Parzivals Charakter in seiner Entwickelung. 7. Kreons Schuld, Strafe und Sühne in Sophokles' Antigone. 8. Hektors Abschied von Andromache.(Klassenarbeit). 9. Würdigung des Körnerschen Gedichtes „Aufruf.“— Aufserdem wurden noch 5 kleinere Klassenarbeiten geschrieben. Obersekunda. Lektüre: Ausgewählte Gedichte von Goethe; Schillers Glocke; Goethes „Götz von Berlichingen“ und„Hermann und Dorothea.“ Aufsätze: 1. Unser Friedrichsplatz ein Denkmal hessischer Geschichte. 2. Alle Schuld rächt sich auf Erden. 3. Die Wärmekraft des Feuers in ihrer Bedeutung für den Menschen. 4. Eine Regatta zur römischen Kaiserzeit.(Nach Vergils Aeneis Vv. 104— 285. Klassenaufsatz.) 5. Götz und Weisslingen. Eine vergleichende Charakteristik nach Goethes„Götz von Berlichingen“ Aufzug I. 6. O04t pauriον§εᷣ οεs.(Chrie). 7. Von unserer Turnfahrt.(Klassenaufsatz.) 8. Ein deutscher Trunk. Nach Goethes„Hermann und Dorothea.“ Gesang I. Untersekunda. Lektüre(2 St. w.): Lessings Minna von Barnhelm und Herders Cid(nach Hopf und Paulsiek); Schillers Jungfrau von Orleans und Wilhelm Tell. Ausgewählte Gedichte von Goethe, Schiller, Uhland, Chamisso, Geibel. 35 Aufsätze: 1. Wodurch liefs sich Manlius Capitolinus zum Aufstand hinreilsen?(Liv. VI. 11.) 2. Bedeutung des 6. Auftritts des IV. Aufzugs in Lessings Minna von Barnhelm. 3. Inwiefern gereicht die Rede Jupiters in Vergils Aen. I. der göttlichen Mutter des Aeneas zum Trost, dem römischen Volke zu patriotischem Stolze, dem Augustus zur Verherrlichung seines Namens? 4. Gedankengang in Uhlands Ballade„Des Sängers Fluch“(Klassenarbeit). 5. Ans Vaterland, ans teure, schliels dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen. 6. Inwiefern ist im Tell Akt I die Harmonie zwischen Handlung und Scenerie gewahrt? 7. Welchen Gang nahmen die Verhandlungen auf dem Rütli?(Klassenarbeit.) 8. Mit welchen Gründen empflehlt Cicero die Wahl des Pompejus zum Oberfeldherrn im Mithridatischen Krieg? Lateinisch. Oberprima. Lektüre: Tacitus Ann. I. II.(mit Auswahl) und Germania. Cicero or. in Verrem act. sec. IV. und V. z. T. Horaz Oden III. und IV., sowie Epoden mit Auswahl. Carmen saec. Ars poetica. Unterprima. Lektüre: Cicero, Cato maior, or. pr. Marcello. Laelius. Horaz, Oden I. und II. mit Auswahl. Sat. I. 1. 3. 5. 7. II. 6. Obersekunda. Lektüre: Cicero, pro Milone. Livius XXI mit Auswahl. Vergils Aen. V und IX mit Auswahl. Untersekunda. Livius Buch VI und VII mit Auswahl. Cicero, de imperio Cn. Pompei. Vergils Aen. I und II 355. Griechiscb. Oberprima. Hom. II. XIII— XXIV. Sophokles Aias. Demosthenes αι ODilinmov, T. u. εο* τi Eloννν. Plato: Kriton und Die Schlufskapitel aus Phaedon. Unterprima. Hom II.—IX. Sophokles' Antigone.— Thucydides I mit Auswahl. Obersekunda. Herodot VII mit Auswahl. Lysias, Rede gegen Eratosthenes zum Teil. Homer, Odyssee, ausgewählte Stellen aus den Büchern IX— XI, XIV— XVII und XXI. Untersekunda. Hom. Od. I 1— 95. V, VI, IX. Xen. Anab. II— IV. Französisch. Oberprima. Ségur, Histoire de Napoléon et de la grande armée en 1812. Montesquieu, Considérations sur les causes de la grandeur des Romains et de leur décadence. Unterprima. Molière, l'Avare. Ségur, Histoire de Napoléon et de la grande armée. Obersekunda. Michaud, Histoire des croisades I, livre II— IV mit Auswahl. Untersekunda. Voltaire, Charles douze mit Auswahl. 36 ibersicht über den während des abgelaufenen Schuljahres erledigten Lehrstoff. Oster-Oberprima. Ordinarius: Oberlehrer Manns. 1. Evangelische Religionslehre(2 St. w.). Das Johannisevangelium. Die neue Kirchen- geschichte. Wiederholung der alten und mittleren Kirchengeschichte und der Bibelkunde, sowie früher gelernter Lieder. Grundzüge der evangelischen Glaubens- und Sittenlehre auf Grund der Augsburger Konfession und des Katechismus. Zülch. Katholische Religionslehre(2 St. w.). Glaubens- und Sittenlehre nach Dreher. Wieder- holung des I. Hauptstücks des Diözesan-Katechismus. Martin. 2. Deutsch(3 St. w.). Lektüre aus Klopstocks Messias und Oden; Lessings Laokoon und Abschnitte aus der Hamb. Dramat., Emilia Galotti; Goethes Iphigenie und Tasso; Lyrik von Schiller und Goethe. Schmitt. Themata der Aufsätze: 1. Warum nannte Sophokles sein Drama nicht„Kreon“, sondern „Antigone“? 2. ITIolld ⁴α detyd o⁴εν αά̈ν⁷‿σιιον§εεινεοεον πμαιε. 3. Welche Umstände führen dazu, einem Fürsten den Beinamen„der Groſse“ zu geben? 4. Glücklich bestandene grofse Gefahren sind oft eine Wohlthat für die Völker.(Klassenarbeit.) 5. a. Lessings„Emilia Galotti“, eine Frucht der Hamburgischen Dramaturgie. b. Wie läfst sich der Ausspruch Niebuhrs„Griechenland ist das Deutsch- land des Altertums“ begründen? 6. Goethes dramatische Kunst nachzuweisen durch einen Vergleich seiner „Iphigenie“ mit dem gleichnamigen Drama des Euripides. 7. Wie wurde durch Erfindungen und Ent- deckungen die Entwickelung des Menschengeschlechts gefördert?(Klassenarbeit.) 8. Der Strom, ein Bild des menschlichen Lebens(Maturitätsaufsatz); ein Schüler bearbeitete das Thema: Warum beginnt man mit der Völkerwanderung einen neuen Abschnitt in der Weltgeschichte? 3. Latein(8 St. w.). Horaz Oden III und IV mit Auswahl Ars poetica.(2 St. w.). Direktor. Tac. Germania. Annal. I und II mit Auswahl Cicero de amicitia. In Verrem IV und V c. 1— 16. Ubersetzungen aus dem Deutschen ins Lateinische(schriftlich und mündlich) nach Seyfferts UÜbungsbuch und nach Diktaten. Wiederholung der Grammatik nach Ellendt- Seyffert.(6 St.) Manns. 4. Griechisch(6 St. w.) Platos Phaedo mit Auswahl; Demosthenes orat. Phil. I, orat. Olynth. III(2 St). Übersetzungen in das Griechische nach Sepfferts UÜbungsbuch und nach Diktaten, desgl. UÜbersetzungen aus dem Griechischen in das Deutsche nach Diktaten.(1 St) Eigenbrodt. Hom. Ilias XII—XXIV mit Auswahl. Sophokl. Aias.(3 St.) Schmitt. 5. Französisch(2 St. W). Mignet, Histoire de la révolution frangaise. Montesquieu, Considérations sur les causes de la grandeur des Romains et de leur décadence. Scholastika und Extemporalien Grammatische Repetitionen nach blöt⸗z Bochröder. 6. Hebräisch(2 St. w.). Repetition der Formenlehre. Die wichtigsten Regeln der Syntax gelegentlich der Lektüre. I. Reg. 1— 19 m. A. Psalm 1, 3, 13, 15, 29, 46, 137. Zülch. 37 7. Geschichte und Geographie(3 St. w.). Geschichte der Neuzeit vom Beginn des dreiſsig- jährigen Krieges bis zum Frankfurter Frieden. Wiederholung der alten und mittleren Geschichte und der gesamten Geographie. Manns. S8. Mathematik(4 St. w.). Kombinationslehre, Binomischer Lehrsatz. Gleichungen höheren Grades mit mehreren Unbekannten. Wiederholung und UÜbungen auf allen Gebieten. Franz. 9. Naturkunde(2 St. w.). Beendigung der Mechanik. Mathematische Geographie. Akustik. Wiederholung. Franz 10. Gesang(2 St. w. mit den Primen und den Sekunden der Herbstklassen verbunden). Stolzenberg. Oster-Unterprima. Ordinarius: Oberlehrer Wiskemann. 1. Evangelische Religionslehre(2 St w.). Der Römerbrief. Mittlere und neuere Kirchen- geschichte. Wiederholung der alten Kirchengeschichte, des Katechismus, sowie früher geleruter Sprüche und Lieder. Zülch. Katholische Religonslehre(2 St. w.). Wie Oberprima. 2. Deutsch(2 St. w.). Lektüre aus dem Nibelungenliede, aus Gudrun, Parzival und den Liedern Walthers von der Vogelweide; Schillers Braut von Messina und Wallenstein. Goethes Egmont. Zülch. Themata der Aufsätze: 1. Wie veranschaulicht uns G. Freytag in seinem„Ingo“ das Werden und Wachsen des deutschen Volks- und Heldengesangs? 2. Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande.(Freie Chrie.) 3. Siegfried. Ein Charakterbild. 4. a. Die Ursachen des ersten Kreuzzuges. b. Die Tragödie im Nibelungenlied.(Klassenarbeit.) 5. Im Leben ist Vergessen nicht die letzte Tugend. 6. Ist das Freiheitsstreben der Schweizer in Schillers„Tell“ gerechtfertigt? 7.„Wallensteins Lager“, ein anschauliches Bild des Soldatenlebens im 30 jährigen Kriege. 8. a. Die Bedeutung Ottos I. für die Entwicklung des deutschen Reiches b. Welche Verdienste hat sich Luther um die deutsche Litteratur erworben?(Klassenarbeit). 3. Latein(8 St. w.) Horaz Od. I und II mit Auswahl. Sat. I, 1, 5, 7, 9; II, 6.(2 St.) Manns. Cic. Cato Maior; Laelius. Tacitus Germania mit Ausschlufs der letzten 8 Kap. Ubersetzungen aus dem Deutschen(schriftlich und mündlich) nach Seyfferts Übungsbuch und nach Diktaten. 3 freie Klassenarbeiten. Wiederholung wichtiger Kapitel aus der Grammatik.(6 St.) Wiskemann. 4. Griechisch(6 St w.). Hom. II. lib.—XI mit Auswahl. Sophokles Antigone.(3 St.) Thukydides lib. l und II mit Auswahl. Grammatische Wiederholungen nach Bamberg; mündliche und schriftliche Übungen nach Seyfferts Übungsbuch und im Anschlufs an Xenephons Anabasis und Thukydides.(3 St.) Wiskemann. 5. Französisch(2 St. w.). Molière, L'Avare. Ségur, Histoire de Napoléon et de la grande armée. Scholastika und Extemporalien. Grammatische Repetitionen nach Plötz. Bochröder. 6. Hebräisch(2 St. w.). S. Oster-Oberprima. 7. Geschichte und Geographie(3 St. w.). Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit bis zum Beginn des 30 jährigen Krieges nach Herbst II und III. Geschichtliche und geographische Wiederholungen. Sunkel.„ 38 8. Mathematik(4 St. w.). Reihen, Zinseszinsrechnung, Gleichungen vom 1. und 2. Grade mit mehreren Unbekannten. Trigonometrie und Stereometrie. Repetition der früheren Pensen der Planimetrie. Konstruktionen. Eberhard. 9. Naturkunde(2 St. w.). Optik und Akustik. Eberhard. 10. Gesang(2 St. w.). S. Oberprima. Oster-Obersekunda. Ordinarius: Gymnasiallehrer Dr. Eigenbrodt. 1. Evangelische Religionslehre(2 St. w.). Geschichte des Reiches Gottes nach Holzweissig I§ 52— 90. Gelesen wichtige Abschnitte aus den Evangelien, meist im Grundtext. Alte Kirchen- geschichte vom Tod der Apostel bis Bonifazius. Holzw. II§ 1— 21. Der ganze Katechismus nebst Sprüchen und Liedern wiederholt. Fürer. Katholische Religonslehre(2 St. w.). S. Oberprima. 2. Deutsch(2 St. w.). Goethes Hermann und Dorothea; Schillers Maria Stuart; Goethes Götz von Berlichingen und Nibelungenlied; ausgewählte Gedichte von Klopstock, Schiller, Goethe und Geibel. Memorieren von Gedichten, sowie Vorträge. Eigenbrodt. Themata der Aufsätze: 1. Wie verhält sich in Schillers Drama„Maria Stuart“ die Königin Elisabeth zu der Frage der Hinrichtung der schottischen Königin? 2. Principiis obsta.(Chrie.) 3. Warum erweckt Hannibals Schicksal unser menschliches Mitgefühl. 4. Inhalt und Gedankengang von Geibels Gedicht„Der Tod des Tiberius“. 5. Gefährlich ist's, den Leu zu wecken, verderblich ist des Tigers Zahn; jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn. 6. Graf Leicester in Schillers Maria Stuart. 7. Die römische Republik von 509 v. Chr. bis 133 v. Chr.; eine Charakteristik ihrer Geschichte. 8. Götz von Berlichingen und Adalbert von Weislingen; ein Vergleich (Klassenaufsatz). 3. Latein(S St. w.). Vergils Aeneide IV und V. Wiederholung der Prosodie.(2 St.) Cicero pro lege Manilia, in Catilinam I, III, IV. Sallustius de coniur. Catilinaria c. 45 bis Ende (4 St.). Übersetzungen aus dem Deutschen ins Lateinische(schriftlich und mündlich) nach Seyfferts Ubungsbuch und nach Diktaten; zusammenfassende Wiedergabe aus der Lektüre in lateinischer Sprache.(2 St.). Eigenbrodt. 4. Griechisch(7 St. w.). Homer, Odyssee IX—XXIII. mit Auswahl.(3 St.) Herodot V— VII mit Auswahl. Lysias, zœr Ayoατον.(2 St.) Tempus und Moduslehre nach Bamberg. Mündliche und schriftliche Ubungen in Ubersetzungen nach Seyffert und im Anschluſs an die Lektüre.(2 St.) Bleckmann. 5. Französisch(2 St w.). Corneille, le Cid. Michaud, Histoire des croisades. Plötz, Schulgrammatik L. 70— 79. Wiederholungen. Mündliche und schriftliche Ubungen im Übersetzen aus dem Deutschen; Extemporalien, Diktate. Eitel. 6. Hebräisch(2 St. w.)(mit Untersekunda verbunden). Starkes und schwaches Verbum und Übersetzungen aus dem Hebräischen nach Seffer. Bleckmann. 7. Geschichte und Geographie(3 St. w.). Römische Geschichte bis zum Untergange des Westreiches. Geographische Wiederholungen. Eigenbrodt. 39 8. Mathematik(4 St. w.). Logarithmen. Schwierigere Gleichungen des 1. Grades mit mehreren Unbekannten, Gleichungen 2. Grades mit einer Unbekannten.(Heis§ 69, 71.) Exponential- gleichungen. Anfangsgründe der ebenen Trigonometrie. Kreismessung. Aufgaben aus allen Teilen der Planimetrie. Rost. 9. Naturkunde(2 St. w.). Wärmelehre, Mugnetismus und Elektrizität nach Trappe. Rost. 10. Gesang. S. Oberprima. Oster-Untersekunda. Ordinarius: Oberlehrer Zülch. 1. Evangelische Religionslehre(2 St. w.). Geschichte des Reiches Gottes im Alten Bund, Bibelkunde des A. T. nach Holzweissig I,§ 1— 51. Die Prophetie im A. B., Lesung wichtiger Abschnitte aus den poetischen und prophetischen Büchern des A. T. Wiederholung des Katechismus, sowie früher gelernter Lieder und Sprüche, insbesondere der messianischen Weissagungen und der Psalmen. Neu gelernt wurden Ps. 6, 32, 90, 130. Siébert. Katholische Religionslehre(2 St w.). S. Obersekunda. 2. Deutsch(2 St. w.). Lessings Minna von Barnhelm und Herders Cid(nach Hopf und Paulsiek); Schillers Jungfrau von Orleans und Wilhelm Tell. Ausgewählte Gedichte von Goethe, Schiller, Uhland, Chamisso, Geibel; Aufsätze und Dispositionsübungen. Ubungen im Vortrag aus- wendig gelernter Gedichte. S.: Thieme. W.: Siebert. Themata der Aufsätze: Sommer: 1. Vergleich zwischen Uhlands Gedichten„Der blinde König“ und„Normannischer Brauch“. 2. Was soll Riccaut de la Marliniére in Lessings„Minna von Barnhelm“? 3. Rom ist nicht in einem Tage gebaut.(Chrie.) 4. Des Publius Decius Mus erste Heldenthat.(Klassenarbeit.) Winter: 5. Mit welchem Recht kann man unser Jahrhundert das eiserne nennen? 6. Wie weit werden wir im ersten Akt von Schillers„Wilhelm Tell“ mit den Personen des Stückes bekannt gemacht? 7. Warum kann die That des Parricida nicht mit der des Tell verglichen werden? 8.(Klassenarbeit.) a. Philipp von Macedonien. b. Wie weit führt uns der Prolog in Schillers „Jungfrau von Orleans“ in das Stück selbst ein? 3. Latein(8 St. w.). Vergil Aen. IV mit Auswahl. Prosodie nach Ellendt-Seyffert. (2 St.) Siebert. Livius VII, VIII, IX, XXI(4 St). Grammatik nach Ellendt-Seyffert § 129— 233. Wiederholung der Formenlehre. Mündliche Ubungen und schriftliche UÜbersetzungen nach Süpfle und Diktaten.(2 St.) Zülch. 8 4. Griechisch(7 St. w.). Die Casuslehre, die genera verbi nach Bamberg§ 1—70. Ubersetzungsübungen aus Seyffert. Wiederholung der Formenlehre(2 St.). Homer Odyssee Buch I—VII mit Auswahl(2 St.). Xenophon Auabasis Buch II-—IV(3 St.). Iber. 5. Französisch(2 St. w.). Grammatik nach Plötz Schulgrammatik Lekt. 57— 69. Wieder- holung der vorhergehenden Teile der Grammatik. Mündliche und schriftliche Dbungen im Uber- setzen aus dem Deutschen nach Plötz und Diktaten. Lektüre aus der Chrestomathie von Plötz und Voltaire, Charles douze. S.; Eitel. W.: Zülch. . 6. Hebräisch(2 St. w.).(Mit Obersekunda verbunden.) Starkes und schwaches Verbum und Ubersetzungen aus dem Hebräischen nach Seffer. Bleckmann. 40 7. Geschichte und Geographie(3 St. w.). Hessische Geschichte nach Wagner; griechische Geschichte nach Herbst. Geographie der aufsereuropäischen Erdteile. Schmitt. 8 Mathematik(4 St. w.). Potenzen und Wurzeln. Gleichungen des ersten Grades mit einer und mehreren Unbekannten.(Hleis§ 34— 46, 50, 65, 67) Lehre von den Proportionen und der Ahnlichkeit nach Uth. Wiederholung der früheren Pensen. Konstruktionen. Eberhard. 9. Naturkunde(2 St. w.). Einzelne leichtere Abschnitte aus der Hydro- oder Abro- mechanik und aus der Wärmelehre. Anfangsgründe der Chemie. Eberhard. 10. Gesang(2 St. w.). S. Oberprima. Oster-Obertertia. Ordinarius: Gymnasiallehrer Sunkel. 1. Evangelische Religionslehre(2 St. w.). Lesung der Apostelgeschichte. Bilder aus der Kirchengeschichte. Wiederholung des Katechismus, gelernter Sprüche und Psalmen, sowie früher gelernter Lieder. S.: Siebert. W.: Sandrock. Katholische Religionslehre(2 St. w.). Glaubenslehre nach Dubelmann. Zweites Haupt- stück im Katechismus wiederholt. Martin. 2. Deutsch(2 St. w.). Lesen und Erklären ausgewählter Stücke aus Hopf und Paulsiek. Lesen und Erklären von Schillers Glocke. Vortrag auswendig gelernter Gedichte. 12 Aufsätze, darunter 4 Klassenaufsätze. Sunkel. 3. Latein(9 St. w.). Syntax nach Ellendt-Seyffert§ 234— 342 und Wiederholung von § 129— 233. Mündliche und schriftliche Übungen nach Süpfle und Caesar(3 St.). Caesar, d. b. G. V—VII mit Auslassungen(4 St.). Sunkel. Ovid nach Siebelis(Jason und Medea; Phaethon; Niobe)(2 St.) Siebert. 4. Griechisch(7 St. w.). Beendigung der Formenlehre, Franke-Bamberg,§ 77— 97. Wiederholungen. Mündliche und schriftliche Übersetzungen aus dem Deutschen ins Griechische, zum Teil im Anschlufs an die Lektüre. Xenophons Anabasis I. Eitel. 5. Französisch(2 St. w.). Lektüre historischer Abschnitte aus der Chrestomathie von Plötz. Grammatik: Tempora und Modi(Plötz, Schulgrammatik, L. 46— 57). Wiederholungen früherer Pensa. Scholastika, Extemporalien und Diktate. Eitel. 6. Geschichte(2 St. w.). Deutsche Geschichte von 1648—1888 nebst brandenburgisch- preuſsischer Landesgeschichte nach Eckertz. Heermann. 7. Geographie(1 St. w.). Die Staaten Europas aufser dem deutschen Reiche. Heermann. 8. Mathematik(3 St. w.). Wiederholung. Null und negative Zahlen. Division von algebraischen Summen. Aufsuchen des gemeinschaftlichen Teilers und Vielfachen. Teilbarkeit der Zahlen(Heis§ 17— 28). Gleichungen des ersten Grades mit einer Unbekannten(Heis § 61, 63). Konstruktionsaufgaben. Kreislehre. Rost.. 9. Naturbeschreibung(2 St. w.). Krystallographie und Mineralogie. Lehre vom mensch- lichen Körper. Rost. 10. Gesang(2 St. w. mit Untertertia verbunden). Stolzenberg. 41 Oster-Untertertia. Ordinarius: Gymnasiallehrer Zimmermann. 1. Evangelische Religionslehre(2 St. W.) Leben Jesu. Einteilung und Inhalt der biblischen Bücher des alten Testaments. Erklärung des christlichen Kirchenjahrs. Wiederholung des Katechismus nebst Sprüchen. Wiederholung früher gelernter Lieder. Sandrock. Katholische Religionslehre(2 St. w.). S. Obertertia. 2. Deutsch(2 St. V.). Lesen und Erklären ausgewählter Stücke aus Hopf und Paulsiek. Aufsätze und Anleitung zum Disponieren. Übungen im Vortragen auswendig gelernter Gedichte. Zimmermann. 3. Latein(9 St. w.). Ovid metam mit Auswahl nach Siebelis I(2 St.).(2 St.) Caesar de bello Gallico I, 1—29, II, III(4 St.). Syntax nach Ellendt-Seyffert§§ 129— 233. Wieder- holung der Formenlehre. Mündliche UÜbungen, schriftliche Übersetzungen aus dem Deutschen ins Lateinische, teils nach Süpfle, teils im Anschluſs an die Lektüre(3 St.). Zimmermann. 4. Griechisch(7 St. w.). Formenlehre nach Bamberg(I§ 76 mit Auswahl). Vocabellernen, mündliche und schriftliche Ubungen nach Ostermann, Übungsbuch(— X einschl.). Waterme yer. 5. Französisch(2 St. v.). Lektüre nach Plötz, Chrestomathie. Grammatik: Plötz, Schulgrammatik, L. 14— 28. Wiederholungen. Scholastika, Extemporalien und Diktate. Eitel. 6. Geschichte(2 St. w.). Deutsche Geschichte im Mittelalter nach Eckertz. Wieder- holung der alten Geschichte. Zimmermann. 7. Geographie(1 St. w.). Die auſsereuropäischen Erdteile. Zimmermann. 8. Mathematik(3 St. w.). Arithmetik nach Ileis§ 7— 24. Lehre vom Parallelogramm- Trapez und der Flächengleichheit nach Uth. Konstruktionsaufgaben. Rost. 9. Naturbeschreibung(2 St. w.). Beschreibung und Bestimmung von Pflanzen; allgemeine Botanik. Insekten. Rost. 10. Gesang(2 St. w.). S. Obertertia. Oster-Quarta. Ordinarius: Gymnasiallehrer Sandrock. 1. Evanglische Religionslehre(2 St. w.). Biblische Geschichte des alten Testaments mit besonderer Berücksichtigung der Geographie. Stiftshütte, Opfer und ähnliche Einrichtungen im alten Bunde. Das 4. und 5. Hauptstück mit Erklärung nach dem Wortlaut. Wiederholung der 3 ersten Hauptstücke mit Sprüchen. Erlernung einiger Psalmen und der messianischen Weis- sagungen. Lieder wiederholt und einige neu gelernt. Sandrock. Katholische Religionslehre(2 St. w. mit Quinta und Sexta verbunden). a. Katechismus: Von den Geboten. b. Biblische Geschichte: A. T. 63 bis Schluſs; N. T. 1— 35. Martin. 2. Deutsch(2 St. w.). Lesen und Erklären von Prosastücken und Gedichten nach Hopf und Paulsiek. Ubungen im Deklamieren. Wiederholung und Erweiterung des grammatischen Pensums der Quinta. Aufsätze und Diktate. Heermann. 42 3. Latein(9 St. w.). Lektüre: Lhomond, Urbis Romae viri illustres mit Auswahl. Grammatik: Wiederholung der Formenlehre, Durchnahme der Syntax nach Ostermann IV. Repetitio der früher gelernten Vokabeln, Extemporalien Scholastika und Domestika nach Oster- mann und Lhomond. Sandrock. 4. Französisch(5 St. w.). Plötz, Elementargrammatik L. 61— 108 und die unregelmäſsigen Verba L. 109— 112. Wiederholungen. Exercitien, Extemporalien und Diktate. Watermeyer. 5. Geschichte(2 St. w.). Griechische und römische Geschichte nach Jäger. Heermann. 6. Geographie(2 St. w.). Physische und politische Erdkunde von Mitteleuropa. Heermann. 7. Mathematik(4 St. w.). Rechnungen mit gewöhnlichen und dezimalen Brüchen. Auf- gaben aus der Verteilungs- und Gesellschaftsrechnung, der Prozentualrechnung und Mischungs- rechnung(Fölsing II, Cap. 3— 7). Anfangsgründe der Planimetrie bis zur Kongruenz einschlieſslich; leichte Konstruktionsaufgaben. Eberhard. 8. Naturbeschreibung(2 St. w.). S: Beschreibung nnd Bestimmung von Pflanzen. W.: Beschreibung und Systematik der niederen Wirbeltiere. Eberhard. 9. Gesang(2 St w.). Stolzenberg. 10. Zeichnen(2 St. w.). Leierornament, Intarsia, Amphora, Merkurstab. Flächenverzierung aus dem Gedächtnis nach gegebenen Hauptlinien. Emblem der Forstwissenschaft. Akroterion. Bekrönung eines Portals. Handgriff eines römischen Broncespiegels. Heraldische Adler; Greif. Der siebenarmige Leuchter der israelitischen Stiftsnütte. Vase mit Muschel. Libelle, Hirschkäfer, Kreuzspinne mit Netz. Trophäen, Wappen. Quadrat, Würfel, Würfelkreuz, Pyramide perspektivisch. Wenzel. Oster-Quinta. Ordinarius: Hilfslehrer Dr. Heermann. 1. Evangelische Religionslehre(2 St. w.). Ausgewählte biblische Geschichten aus dem N. T. nach Kurtz§§ 102— 171. Das zweite und das dritte Hauptstück. Auswendiglernen von Liedern und Sprüchen. Zimmermann. Katholische Religionslehre(2 St. w.). S. Quarta. 2. Deutsch(2 St. w.). Lesen und Erklären poetischer und prosaischer Stücke aus Hopf und Paulsieks Lesebuch für Quinta; Deklamation erklärter Gedichte. Rechtschreibeübungen; Satz- und Zeichenlehre. Wöchentlich ein Diktat oder ein Aufsatz. Heermann. 3. Latein(9 St. w.). Wiederholung des Pensums der Sexta. Einübung der unregel- mäſsigen Formenlehre und einiger Regeln der Syntax nach Ostermann. Wörter nach Ostermann, soweit sie für die Lektüre nötig waren. Wöchentlich ein Extemporale oder ein Scholastikum oder ein Domestikum. Heermann. 4. Französisch(4 St. w.). Mündliche und schriftliche UÜbungen nach Plötz, Elementar- grammatik, L. 1— 60. Thies. 5. Geschichte(1 St. w.). Charakterbilder aus der mittleren und neueren deutschen Geschichte. S.: Manns. W.: Zimmermann. 43 6. Geographie(2 St. w.). Die vier auſsereuropäischen Erdteile. Europa mit Ausschluſs von Mitteleuropa, nach Seydlitz. Manns. 7. Rechnen(4 St. w.). Gemeine Brüche; Wiederholung der Dezimalbrüche; Regeldetri, Verteilungs- und Zinsrechnung. Berechnung einfacher Klammerausdrücke. S.: Franz. W.: Detlefs. 8. Naturbeschreibung(2 St. w.). Beschreiben von Pflanzen und Tieren. Anfangsgründe der Systematik. S.: Franz. W.: Detlefs. 9. Gesang(2 St. w.). Stolzenberg. 10. Zeichnen(2 St. w.). Ornament, dem die Eilinie zu Grunde liegt. Blätter und Blüten des Leberblümchens ornamental ausgebreitet. Elliptische Füllung. Verziertes lateinisches Kreuz. Kastanienblatt, Blatt des wilden Weines, Epheu-, Ahorn-, Kastanienblatt. Kanne. Schild aus der Zeit der Kreuzzüge; Wappenschild. Spirallinien. Palmette. Blatt- und Blumenbänder. Stirnbrett. Merkurstab. Leierornament. Brombeerzweig. Wenzel. 11. Schreiben(2 St. w.). Stern. Oster-Sexta. Ordinarius: Hilfslehrer Thies. 1. Evangelische Religionslehre(3 St. w.). Ausgewählte biblische Geschichten des alten Testaments, Festgeschichten des neuen Testaments. Das 1. Hauptstück des Katechismus mit Erklärung. Erlernung von dazu gehörigen Sprüchen und von Liedern. Sandrock. Katholische Religionslehre(2 St. w.) S. Quarta. 2. Deutsch(3 St. w.). Lesen, Erklären und Nacherzählen von Lesestücken und Aus- wendiglernen von Gedichten aus Hopf und Paulsiek. Ubungen in der Rechtschreibung; Diktate. Thies. 4. Latein(9 St. w.). Formenlehre nach der Grammatik von Ellendt-Seyffert(§ 32— 96 mit Auswahl) mit Ausschluſs der Deponentia. Mündliche und schriftliche Ubersetzungen aus dem Lateinischen ins Deutsche und aus dem Deutschen ins Lateinische; UÜbungen im Konstruieren und Rückübersetzen; Vokabellernen nach Ostermann. Thies. 4. Geschichte(1 St. w.). Homerische Sagen. Nibelungensage. Bleckmann. 5. Geographie(2 St. w.). Heimatskunde. Erklärung geographischer Begriffe. Europa. Heermann. 6. Rechnen(4 St. w.). Zahlensystem. Die vier Grundrechnungsarten in benannten und unbenannten Zahlen. Einüben der Maſse, Münzen und Gewichte. Zeitrechnung. Decimal- brüche. Stern. 7. Naturbeschreibung(2 St. w.). Beschreibung von Pflanzen und Tieren. S.: Stern. W.: Detlefs. 8. Gesang(2 St. w.). Stern. 9. Zeichnen(2 St. w.). Die gerade Linie, das Quadrat, das gleichseitige Acht-, Drei- und Sechseck. Flächenverzierungen, denen diese Formen zu Grunde liegen. Vorderseite eines 44 Nähtisches, eines viereckigen Tisches; Giebelseite eines Hauses; Öffuungen der Bienenzellen. Das lateinische, griechische und Andreaskreuz; das egyptische und chinesische Kreuz. Der Kreis. Rosetten. Ei-, herz- und nierenförmige Blätter. Kleeblatt, junges Hopfenblatt, Blatt des Leber- blümchens, des Goldregens, des Wegetrittes, des Pfeilkrauts, Ampferblatt. Blütenkelch der Winde, der Nelke. Champagnerglas, Kelch, Flasche. Stilisierte Blumen. Wenzel. 10. Schreiben(2 St. w.). Wenzel. Aufgaben bei der Reifeprüfung. Michaelis 1891. Deutscher Aufsatz: Heinrich I und Otto I, die Gründer des deutschen Reichs. Mathematische Arbeiten: 1. Aus einem Winkel(a), der Halbierungslinie dieses Winkels (ma) und der Höhe auf die dem Winkel a gegenüberliegende Seite(ha) sind zwei Seiten und ein Winkel des Dreiecks trigonometrisch zu bestimmen. α—= 40 48 50“, ma= 40,367 Meter, ha= 39,512 Meter.— 2. Wie verhalten sich der Würfel und das reguläre Tetraeder bei gleichen Oberflächen ihrem kubischen Inhalte nach?— 3. Ein gleichschenkliges Dreieck zu konstruieren aus der Schwerpunktstransversale zu einem Schenkel(t b) und der Be- dingung, daſs der Winkel an der Spitze dreimal so groſs wird als der Winkel an der Grundlinie(2= 3).— 4. Jemand hat ein Kapital von 30000 M. zu 3% Zinsen jährlich ausstehen. Nach Ablauf von 10 Jahren vermehrt er weitere 10 Jahre lang am Ende jedes Jahres sein Kapital um 1000 Mark. Wie groſs wird das Kapital mit Zinseszinsen nach den 20 Jahren? Ostern 1892. Deutscher Aufsatz: Für 011: Der Strom, ein Bild des menschlichen Lebens.— Für einen Schüler der M I1: Die homerischen Helden sind nach ihren Thaten Geschöpfe höherer Art, nach ihren Empfindungen wahre Menschen(Lessings L. aokoon). Mathematische Arbeiten: Für O0 II1: 1. Ein Dreieck zu konstruieren aus zwei Höhen und der Differenz der Seiten, auf denen die Höhen stehen.— 2. Nach wieviel Sekunden hat eine mit 300 m Geschwindigkeit senkrecht aufwärts geschossene Büchsenkugel eine Höhe von 1375 m? Welches Maximum erreicht die Kugel?(g= 10 m).— 3. Auf demselben Grundrisse, dessen Radius= r ist, stehen ein Cylinder und eine Kugel; die Seitenlinie des Kegels ist unter 60°gegen die Grundfläche geneigt. In welcher Höhe mufs man einen zur Grundfläche parallelen Schnitt legen, damit der Mantel des entstehenden abgestumpften Kegels ¹¼ von dem des Cylinders beträgt, der zwischen denselben parallelen Ebenen liegt? 4. Von einem Dreiecke die Winkel und den Flächeninhalt zu berechnen aus dem Radius o des einbeschriebenen Kreises, dem Radius ob des einer Seite anbeschriebenen Kreises und dieser Seite b; für= 167,38 m, Ob= 392,49 m und b= 554,03 m. Für einen Schüler der M I1: 1. Eine Gesellschaft von 30 Personen(Männer und Frauen) zahlte in einem Gasthofe eine Rechnung von 140 Mark. Jeder Mann zahlte 2 M. ⁴⁵. mehr als jede Frau; die Frauen dagegen zahlten im Ganzen 20 M. mehr als die Männer. Wieviel Männer und wieviel Frauen waren es, und wieviel zahlte jede Person?— 2. In einem Dreieck sind die Summe der drei Seiten((a-† bc)= 8. und zwei Winkel a u. 9 gegeben. Es soll der Radius des dem Dreieck umgeschriebenen Kreises trigonometrisch berechnet werden. a † b+c= 884,= 46⁰ 40˙ 12“,= 170⁰ 51˙ 48“.— 3. Ein gerader Kegelstumpf ist siebenmal so groſs als der ihm auf der kleineren Grundfläche mit derselben Höhe eingeschriebene Cylinder. Wie grols ist der Radius der gröſseren Grund- fläche, wenn der Radius der kleineren= r gegeben ist?— 4. Ein Dreieck soll konstru iert werden aus der Summe der drei Seiten(a b e= 8), einem Winkel(a) und der Fläche des Dreiecks F= m:. Von dem christlichen Religionsunterricht waren im W. zwei Konfirmanden der 0 III1 dispensiert. Den fakultativen jüdischen Religionsunterricht erteilten den vereinigten Schülern der beiden Gymnasien in drei Abteilungen je 2 St. w. der Landrabbiner Dr. Prager, der Seminar- lehrer Katz und der Lehrer Gutkind. An dem Unterricht der 1. Abteilung haſmc 8.: 4 W.: 6 Schüler, an dem der 2. Abteilung§.: 3, W.: 5 Schüler, an dem der 3. Abteilung 8 4, W.: 2 Schüler des Wilhelms-Gymnasiums teil. e An dem fakultativen hebräischen Unterricht nahmen teil im S.: 5 Schüler der ersten und 10 der zweiten Abteilung; im W.: 11 Schüler der ersten und 12 der zweiten Abteilung. An dem fakaultativen englischen Unterricht beteiligten sich im S.: 31, im Winter 26 Schüler der Sekunda. Turnen: Stern: S.: MII, OIT2, MI2(in 2 Abt.), MII 2 und O II 2, MIII 2, M V und 0 V. W.: MII, OI1. MI2, 012(in 2 Abt.), MII 2, OII 2, MIII1, MIV, MV und OV. Stolzenberg: S.: MII1 und O0 II 1, MIII 1, O III 1, O III 2, MIV, M VI und 0 VI. W.: MII1 und 0II1, O0 III 1, MIII2, O III 2, MVI und 0 VI.: Sandrock: OIV. 4 Im Sommer waren 19, im Winter 22 Schüler vom Turnen dispensiert. An dem Baden und Schwimmen in der Militärschwimmanstalt, welche den Schülern der beiden Gymnasien für bestimmte Stunden des Tages zur Benutzung reserviert war, beteiligten sich 337 Schüler des Wilhelms-Gymnasiums. Schwimmunterricht erteilten die Sehvimmlehrer des Infanterieregiments von Wittich an 120 Schüler. Gesang in 5 Abteilungen(11 St. w.). Die erste Abteilung(Tenor und Baſs) zählte im S.: 24, im W.: 27 Schüler, die zweite Abteilung(Sopran und Alt) im S.: 87, im W.: 92, darunter auch Quintaner, die dritte Abteilung(Quartaner) im S.: 33, im W.: 32 Jede diesor Abteilungen hatte wöchentlich 2 Gesangsstunden. Daneben erhielten die Kiassen Quinta und Sexta w. je 2 St. Klassen-Gesangsunterricht. Es erteilte den Unterricht in der Klasse Sexta (je 2 St.) Stern, den der anderen Klassen Stolzenberg. 46 Zeichnen für Schüler der drei oberen Klassen(2 St. w.) Wenzel. An diesem fakul- tativen Unterrichte, der den vereinigten Schülern des Friedrichs- und Wilhelms-Gymnasiums in unserem Zeichensaale erteilt wurde, beteiligten sich im S.: 18, im W.: 20 Schüler der Klassen III und II des Wilhelms-Gymnasinms. 4. Verzeichnis der eingeführten Lehrbücher. Religion: 1. Evang. Katechismus und evang. Kirchengesangbuch, Kurtz, Biblische Geschichten(VI— III), Bibel(III— I), Holzweissig, Repetitionsbuch für den evang. Religions- Unterricht(III— I). 2. kathol. Diözesan-Katechismns(VI—III), Biblische Geschichte von Schuster (VI—IV); Dubelmann, Religionshandbuch(III); Dreher, Lehrbuch der kathol. Religion(II— I). Deutsche Sprache: Herbst, Hülfsbuch für die deutsche Litteraturgeschichte(I); Deutsches Lesebuch von Hopf und Paulsiek(in jeder Klasse der für dieselbe bestimmte Teil); Regeln und Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung. Lateinische Sprache: Ellendt-Seyffert, Lateinische Grammatik(VI—I); Ostermann, Lateinisches Ubungsbuch mit Vokabularium(VI-IV); Gereimte Geschlechtsregeln(VI und V); Süpfle, Aufgaben I(III); Süpfle, Übungsschule(II); Seyffert, Übungsbuch(II1 und D); Lhomond, Urbis Romae viri illustres(IV); Ovid von Siebelis(III. Griechische Sprache: Bamberg, Griechische Grammatik(III— I); Ostermann, Ubungsbuch(IID); Seyffert, Griechische Grammatik(II—. Hebräische Sprache: Seffer, Hebräisches Elementarbuch(II—I); Hebräische Bibel(I). Französische Sprache: Plötz, Elementargrammatik(V und IV); Plötz, Schul- grammatik(IIID); Chrestomathie(III und II). Englische Sprache: Gesenius, Elementarbuch(II und I). Geschichte: Jäger, Hülfsbuch(IV); Eckertz, Hülfsbuch(III); Herbst, historisches Hülfsbuch(II und D; Wagner, Abriſs einer Geschichte des Hessenlandes(II). Geographie: Diefenbach, Der Regierungsbezirk Cassel(VD); v. Seydliz-Oehlmann, Grundzüge der Geographie(VIund V), Kleine Schulgeographie(IYV—I); Schulatlas von Debes(IYV— I. Rechnen und Mathematik: Fölsing, Rechenbuch 2. Teil(V—IV); Heis Arithmetik (III— D; Uth, Leitfaden der Planimetrie(IVY—I); Schlömilch, Logarithmen(II 1 und D; Nagel, Stereometrie(I). Naturbeschreibung: Leunis, Leitfaden der Naturgeschichte(V— III). Physik: Trappe, Physik(II und D. Gesang: Stolzenberg, Liederbefte(VI—IV); Sering, Chorbuch(Chor). Die lateinischen, griechischen und französischen Klassiker sind(auſser Ovid) nur in Textausgaben in Gebrauch; Sophokles, Plato, Demosthenes, Caesar aus dem Verlag von Freytag, Vergil aus dem Schöninghschen, die anderen Schriftsteller aus dem Teubnerschen Verlage. 47 II. Verfügungen der vorgesetzten Behörden. Cassel, 14. März 1891. Zur Neuordnung der Inventarien wird ein Ausstand bis zum 1. Januar 1892 bewilligt. Cassel, 14. März. Aufrage wegen Beteiligung an einem physikalischen Kursus in Berlin. Cassel, 21. März. Anfrage wegen Beteiligung an einem archäologischen Kursus in Berlin und Trier. Cassel, 23. März. Die Einführung der Liederhefte von Stolzenberg wird genehmigt. Cassel, 31. März. Die Anschaffung des Reliefplanes von Olympia von Walger vird empfohlen. Cassel, 15. April. Nicht berührt von der Aufhebung des lateinischen Aufsatzes sind die mündlichen und schriftlichen Ubungen in der Klasse, sofern dieselben eine allseitige Verarbeitung des sprachlichen Materials zu einem freien schriftlichen Gebrauch der lateinischen Sprache fördern und dadurch zum besseren Verständnis der Schriftsteller befähigen sollen. Cassel, 17. April. Zusendung der Grundsätze etc. über Invaliditäts- und Altersversicherung. Cassel, 25. April. Die Anschaffung neuer Leinemannscher und Lickrothscher Schulbänke im Betrag bis zu 950 Mark genehmigt. Cassel, 22. Mai. Mitteilung von Vorschriften zur Verhütung ansteckender Krankheiten, besonders der Tuberkulose. Cassel, 11. Juni. Ersparnisse sind nach Ablauf der Etatsbewilligungsperiode an die all- gemeinen Staatsfonds zurückzuführen. Cassel, 16. Juli. Mitteilung eines Ministerialreskripts, wonach Eleven des Maschinenbau- fachs vor Eintritt in die technische Hochschule 1 bezw. ½ Jahr unter Leitung des Präsidenten einer Eisenbahndirektion zu arbeiten haben. Cassel, 11. September. Zusendung eines Exemplars von Hottinger„Die Welt in Wort und Bild“, um es bei geeigneter Gelegenheit an einen Schüler, der zu ernster Lektüre heran- gereift ist, zu verleihen. Cassel, 28. September. Genauere Anweisung in betreff der Anleitung der Seminarkandidaten. Cassel, 6. Cktober. Es empfiehlt sich bei der Anlage von Anstaltskapitalien die Ein- tragung in das Staatsschuldbuch. Cassel, 22. Oktober. Anweisung zu genaueren statistischen Zusammenstellungen über Zurückbleiben und Aufrücken der Schüler. Cassel, 5. November. Mitteilung einer Ministerialverfügung über die Behandlung von Defizits in der Rechnung. Cassel, 30. Dezember. Mitteilung einer Ministerialverfügung betr. die Zuschüsse des Staats und Verwendung von Ersparnissen. Cassel, 11. Januar 1892. Die Anschaffung von Wolff„Die That des Arminius“ für die Schülerbibliothek wird empfohlen. Cassel, 16. Januar. Zusendung der neuen Lehrpläne und Ordnung der Prüfungen. 48 Cassel, 17. Januar. Anderungen in dem Berechtigungswesen der höheren preuſsischen Lehranstalten. Cassel, 17. Januar. Mitteilung eines Ministerialerlasses über Reinhaltung der Turnhallen. Cassel, 25. Januar. Genauere Anweisungen über die Verwaltungsberichte. Cassel, 26. Februar. Revisionsbericht. Cassel, 24. März. Mitteilung der Ministerialvertügung, daſs das Schulgeld auf 120 ℳ erhöht ist. Schulgeschichte. Das neue Osterschuljahr wurde Montag den 6. April, nachmittags 3 Uhr, mit einer gemein- samen Aundacht eröffnet, die neu eingetretenen Lehrer vorgestellt, nämlich die beiden von Dillen- burg hierher berufenen Oberlehrer Dr. Eberhard und Wiskemann, der vom städtischen Gym- nasium zu Frankfurt a. M. berufene ordentliche Lehrer Sandrock und der mit Vertretung eines zum Militär einberufenen Lehrers beauftragte Kandidat vom hiesigen Friedrichs-Gymnasium Bode, sodann 60 neu aufgenommene Schüler auf die Schulgesetze verpflichtet. Dr. Carl Eberhard, geboren am 8. Februar 1843 zu Allendorf an der Werra, besuchte von Ostern 1856 an das Gymnasium zu Hersfeld und von Ostern 1863 an die Universität Marburg. Nach bestandenem Staatsexamen leistete derselbe von Ostern 1867 am Königlichen Gymnasium zu Wetzlar sein Probejahr ab und verblieb daselbst zur Unterstützung des erkrankten Lehrers der Mathematik bis zum Juni 1868. Darauf war er als Lehrer der höheren Bürgerschule zu Schmalkalden, vom 1. Oktober 1869 an als Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaften an der Realschule und dem Gymnasium der Groſsen Stadtschule zu Rostock, vom 1. Oktober 1874 an als ordentlicher Lehrer am Königl. Gymnasium zu Marburg und vom 1. April 1881 bis dahin 1891 als Oberlehrer am Königlichen Gymnasium zu Dillenburg thätig. Wilhelm Wiskemann, geb. zu Berge, Kreis Witzenhausen, den 20. April 1851, wurde auf dem Gymnasium zu Hersfeld für die Universität vorbereitet, widmete sich von 1870 bis 1875 in Mar- burg und Leipzig dem Studium der Philologie und unterzog sich im Winter 1874/75 der Prüfung pro facultate docendi. Von Ostern 1875 an war er an der höheren Bürgerschule zu Biedenkopf als Probandus und zugleich als Hilfslehrer beschäftigt und wurde daselbst zu Michaelis 1876 als ordentlichsr Lehrer angestellt. Im Herbst ging er an das Gymnasium zu Fulda über. Von da wurde er Ostern 1888 nach Dillenburg versetzt, woselbst er im Sommer 1890 zum Titular-Oberlehrer ernannt wurde. Heinrich Sandrock, geboren den 17. Februar 1862 zu Mansbach, Kreis Hünfeld, besuchte bis Ostern 1880 das Gymnasium zu Hersfeld, studierte in Marburg, Leipzig, München und Göttingen Philologie. Nach Ablegung der Prüfung pro facultate docendi leistete er von Ostern 1885 bis 1886 sein pädagogisches Probejahr am Köͤniglichen Friedrichsgymnasium zu Cassel ab. Im darauffolgenden Jahre genügte er seiner Militärdienstpflicht und war dann bis Ostern 1891 am städtischen Gymnasium zu Frankfurt a. M. beschäftigt.. Die Kandidaten Thieme, Detlefs und past. extr. Siebert blieben als unbesoldete wissenschaftliche Hülfslehrer an der Anstalt, doch war Thieme vom 1. April auf 8 Wochen zu einer militärischen UÜbung einberufen. Von demselben Tag an war auch der wissenschaftliche Hülfslehrer v. Seidel auf 8 Wochen einberufen; mit seiner Vertretung wurde der oben genannte Kandidat Karl Bode beauftragt, der nach Ablauf dieser Zeit an das Friedrichs-Gymnasium zurück- — kehrte. Kandidat Detlefs war vom 21. April an zunächst zur Vertretung eines Lehrers in Goslar, dann in Hannover und kebrte erst zu Anfang des Winterhalbjahrs hierher zurück. Am 27. April gedachte Pfarrer Fürer in der Morgenandacht des dahingeschiedenen Feldmarschalls Grafen Moltke. Am 6. Mai nahm an der Versammlung des Vereins von Lehrern der höheren Lehranstalten zu Biebrich Oberlehrer Wagner teil. Am 11. und 12. Mai, ebenso am 11. September, 22. Dezember und 2. März besuchte Herr Geheimrat Dr. Lahmeyer den Unterricht mehrerer Lehrer und besonders der Seminar⸗ kandidaten. Auch besuchte er mit sämtlichen Seminarkandidaten eine Turnstunde des technischen Lehrers Stolzenberg. An einem für das Wilhelms-Gymnasium eingerichteten Kursus für Stolzesche Stenographie beteiligten sich 19 Schüler der Klassen I-—III, an einem das ganze Jahr hindurch dauernden Handfertigkeitskursus für Papparbeit bei Lehrer H. Schunk 36 Schüler der Klassen UII bis V. Am 15. Juni sprach zum Gedächtnis des Todestages Kaiser Friedrichs Pfarrer Fürer, Montag den 19. Oktober zur Erinnerung an den Geburtstag desselben Gymnasiallehrer Sandrock, am 9. März zum Gedächtnis des Todestages Kaiser Wilhelms I. der Direktor, am 21. März (da am 22. wegen der Reifeprüfung der Unterricht ausfiel) Gymnasiallehrer Bleckmann. Am Freitag den 3. Juli fand in der Aula unter Leitung des Gesanglehrers Stolzenberg eine musikalische Abendunterhaltung statt, in der„König Goldner“ aufgeführt wurde, ebenso am 26. Januar, in der hauptsächlich vierstimmige Volkslieder zum Vortrag kamen. Am 28. Mai machten sämtliche Klassen unter Führung ihrer Ordinarien bezw. von Stell- vertretern derselben bei günstigem Wetter Klassenspaziergänge. Die MII 1 dehnte ihren Ausflug mit Erlaubnis des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums noch auf den folgenden Tag aus. Freitag den 26. Juni fiel der Nachmittagsunterricht wegen Hitze aus. Die Sommerferien dauerten vom 5. Juli bis 2. August. Die schriftliche Reifeprüfung für den Michaelistermin fand statt in der Zeit vom 10. bis 13. August, die mündliche unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Regierungsrat Dr. Lahmeyer am 8. und 9. September. Am 2. September machten die Lehrer und Schüler der Anstalt unter zahlreicher Betei- ligung von Angehörigen einen Ausflug auf die Dönche. Die Ansprache an die Schüler hielt Oberlehrer Wagner. Sonnabend den 12. September fiel der Unterricht wegen Anweseuheit Sr. Majestät des Kaisers in unserer Stadt aus. Das Gymnasium wurde durch 6 neu angeschaffte Fahnen geschmückt und am Abend des 11. und 12. September illuminiert. Am letztgenannten Tage nachmittags beteiligte sich die Anstalt an einer Spalieraufstellung zu Ehren Sr. Majestät in der Hohenzollernstraſse. Am Sonntag den 13. September wurde der Direktor durch eine Einladung zur Kaiser- lichen Tafel beehrt und ihm der Rote Adlerorden IV. Klasse Allergnädigst verliehen. Am 23. September fand in der Aula eine Körnerfeier statt, mit der zugleich die Entlassung der Abiturienten verbunden wurde. Es wechselten Deklamationen und Gesänge Körnerscher Lieder, der Abiturient Stephan hielt eine Abschiedsrede über den Einfluſs des 50 Aufenthalts in Straſsburg auf die geistige Entwickelung Goethes. Der Direktor schilderte den Abiturienten Körner als das Vorbild eines deutschen Jünglings. Herr Geh. Rat Dr. Lahmeyer beehrte die Feier durch seine Anwesenheit. Am 25. September von 3— 5 Uhr und am 26. September von 8—10 Uhr wurden öffent- liche Prüfungen der Michaelisklassen VI bis UIII abgehalten. Gleichzeitig fand die Aufnahme- prüfung der neu zugehenden Schüler statt. Am letztgenannten Tage morgens 10 ¼ Uhr wurde das Michaelisschuljahr mit einer gemeinsamen Andacht geschlossen. Die Seminarkandidaten Franke und Temme verlieſsen nach Beendigung ihres Seminar- jahres die Anstalt, ersterer um an der Musterschule zu Frankfurt sein Probejahr abzuleisten, letzterer um als Einjährig-Freiwilliger bei dem hiesigen Infanterieregiment v. Wittich einzutreten. Die Herbstferien dauerten vom 27. September bis 11. Oktober. Das neue Herbstschuljahr wurde Montag den 12. Oktober nachmittags 3 Uhr mit einer gemeinsamen Andacht eröffnet und 46 neu aufgenommene Schüler auf die Schulgesetze verpflichtet. Mit dem genannten Tage traten als Seminarkandidaten ein Dr. Bauer und Dr. Christ, als unbesoldeter Hülfslehrer kehrte Kandidat Schlitt an die Anstalt zurück. Am 24. Oktober schied Kandidat Thieme von uns, um die Vertretung eines Lehrers an dem städtischen Gymnasium zu Frankfurt a. M. zu übernehmen. Am 29. November, dem 1. Advent-Sonntag, fand eine gemeinsame Abendmahlsfeier evangelischer Lehrer und Schüler der Anstalt in der Oberneustädter Kirche statt. Am 23. Dezember 11 Uhr wurde bei brennenden Weihnachtsbäumen eine liturgische Weihnachtsandacht abgehalten. Herr Geh. Rat Dr. Lahmeyer wohnte der Feier bei. Dem Oberlehrer Dr. Auth wurde von Sr. Excellenz dem Herrn Minister der Professor- titel verliehen. Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. September bis 6. Januar. Vom 14. bis 16. Januar hielt Herr Geh. Regierungsrat Dr. Lahmeyer eine eingehende Revision der Klassen Sexta bis Obertertia, sowie der Sammlungen und Gebäude der Anstalt ab. In einer Konferenz sämtlicher Lehrer am 20. Januar teilte er seine Beobachtungen mit. Am 27. Januar wurde der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers durch Deklamationen, Gesänge und eine Festrede des Oberlehrers Dr. Rost über„die Alchimie und die Hohenzollern“ gefeiert. Am 14. März verlieſs Kandidat Detlefs die Anstalt, um die Vertretung eines Lehrers am Kaiser-Friedrichs-Gymnasium zu Frankfurt a. M. zu übernehmen. Die schriftliche Reifeprüfung für den Ostertermin fand statt vom 8. bis 11. Februar, die mündliche unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Regierungsrat Dr. Lahmeyer am 22. und unter dem des Direktors am 23. März. Am 28. März war die feierliche Entlassung der Abiturienten. Der Abiturient Thon hielt eine Abschiedsrede über Lessings Jugendjahre bis zu seinem Abgang vom Gymnasium, der Direktor schilderte ihnen kurz das Leben und die Bedeutung des Comenius. An dem- selben Tage fand abends für die Lehrer und Lehrerinnen Cassels eine Comenius-Feier im groſsen Stadtbausaale statt, an der sich aufser dem Direktor 16 Lehrer bezw. Kandidaten der Anstalt beteiligten. Über das erste Jahr des botanischen Gartens ist folgendes zu berichten: Zur Aus- saat, die wegen der ungünstigen Witterung erst spät im April erfolgen konnte, gelangten die wichtigsten einheimischen Kultur- und Giftpflanzen und später zur Ausschmückung noch einige Zierpflanzen auf frei gebliebenen Beeten. Leider gingen nicht alle Samen auf, was seinen Grund zum Teil in der anhaltend ungünstigen Witterung im Mai, zum Teil wohl auch in nicht geeigneter Bodenbeschaffenheit gehabt haben mag. Die Schüler der unteren und mittleren Klassen wurden von Zeit zu Zeit in den Garteu geführt, um die Entwickelung der Pflanzen an Ort und Stelle zu beobachten, ferner wurden die blühenden Pflanzen im Unterricht in der Klasse benutzt. Auch in diesem Jahre erlitt der Unterricht wieder mannigfache Unterbrechungen, meist durch Krankheit, zum Teil auch durch Beurlaubungen. Der Direktor war zweimal(2 und 1 Tag) zu vertreten, Prof. Dr. Prätorius dreimal(3, 2 und 1 Tag), Prof. Dr. Auth einmal(10 Tage) Oberlehrer Wagner einmal(3 Tage), Oberlehrer Manns einmal(1 Tag), Oberlehrer Zülch sechsmal(2, 1, 2, 1, 2, 1 Tag), Oberlehrer Dr. Rost siebenmal(4, 6, 1, 1, 5, 1, 2 Tage), Oberlehrer Wiskemann einmal(4 Tage), Gymnasiallehrer Franz zweimal(4 und 3 Tage), Dr. Eigenbrodt einmal(3 Tage), Bleckmann viermal(1, 2, 1, 1 Tag), Sunkel zweimal (3 und 1 Tag), Dr. Schmitt einmal(2 Tage), Dr. Iber einmal(3 Tage), Zimmermann einmal(3 Tage), Hülfslehrer Thies zweimal(1 und 2 Tage), Watermeyer dreimal(1, 5 und 1 Tag), Dr. Heermann fünfmal(, 1, 1, 9, 8 Tage), Eitel zweimal(je 1 Tag), v. Seidel einmal (4 Tage), Lehrer Stern zweimal(1 u. 4 Tage), Wenzel einmal(6 Tage), Stolzenberg dreimal (1, 1, 3 Tage), Pfarrer Fürer einmal(4 Tage). Auſserdem konnte Gymnasiallehrer Franz in der Zeit vom 8. bis 14. Oktober, sodann vom 7. bis 19. März wegen Teilnahme an der Prüfung für Einjährig-Freiwillige nur einen Teil seiner Unterrichtsstunden geben. Oberlehrer Manns und Kandidat Schlitt wurden vom 28. März an zu achtwöchigen militärischen UÜbungen eingezogen. In die 5. ordentliche Lehreistelle ist Gymnasiallehrer Dr. Gorges aus Meseritz berufen. W. Statistische Mitteilungen. A. Religions- und Heimatsverhältnisse der Schüler. Evang. Kath. Dissid. V Juden. Linbeim- Ausw. V Ausl. Gesamtzahl 5 Anf 29 358 135 29 ſ 352 141 29 351 V 141 V 21 513 1 16 509 1. Am Anfang des Sommersemesters 430 50 21 514 2. Am Anfang des Wintersemesters] 430 55 3. Am 1. Februar 1892... 1430 54 B. Frequenztabelle für das Schuljahr 1891/92. Osterklassen Herbstklassen 011O12 ſoniſona 0 IIIIO III2 OIV 0 V 0 VI Sa. MII2 MIIII AII2 MIVMV Frequenz am Anfang des Schuljahres 1891/92 Zugang im Sommer- semester.. Abgang im Sommer- semester.. Zugang durch Versetzung zu Michaelis 34 35 19 35 15 22 d ‿ 17 175 Zugang durch Übergang in Cötus O bezw. H.. 36 b — 1 Zugang durch Aufnahme zu Michaelis Frequenz am Anfang des Winter- semesters. Zugang im Winter- semester.. Abgang im Winter- semester. Frequenz am 1. Febr. 92 — — 41 36 3² 22 12 43 33 26 243 4 ſ 16 3² 37 33 271 22 12 18 3² 42² 3² Durchschnitts alter am 1. Febr. 92 19 /⁄1 V 17 ⁄12 175/12 1 16 ⁄12 15 /12] 14§12 13 ⁄912 11/12 10 6⁄12 19 ⁄12 b 17¹⁰⁄12 V 16¹⁰⁄12 1510⁄12 15 ¼ 13¹⁰⁄12 125⁄12 115/12 10 ⁄2 Das Zeugnis für den einjährigen Militärdienst erhielten zu Michaelis 1891 15 Schüler; davon praktischen Reruf abgegangen 2. sind zu einem —53— J1aod Suugd epunu ep ee ede pu ssoA uoA SSIASns n-Saοοd 5 e IA KN... lossO oslAonsSunssoulnoA man 52 IIIA FI ulleslodlV 030*.. uIodH uoA 91 opunxlleH 3 9. III NM losseo-... 4axHe⸗ J4 12. L/28 108S20 pauHuxog u 493[r1 Jeosuosst aοοσ 0I[A0.. S.. lossx uuegme ae e T 612. X/92 · 10sSe0 31OePD.. Jeuose A FI elSololud'n loenl zs 1 IOſ: Jopuallv.... Noxxe Jo-N F 4 61 32. IX618 A JiopuollV sulluf.... mupv S8r1 JeuosuesslAsaο2⁴ 5 6 IA O losso+ uezehe e T e T ö.. 188u0 Z311I 4 2Ios oH 21 roraSog 3 5ſre IIO losszo: 4 aAMleKuvsaoe Joel*M F T 02 12 IIX/3 8 uopleAIEIS e euuedang I 1301oOeuI. 3 haII IAMNÄ=:lessvo*4o1S-IPaSoOdQ0 JolKS f 03 12 IIA/Is lossuo pPolrſ.... Noog 01 (AuIZ2a1. 8121 eulosuossASHoοd] 18 0I IARNſ““Nonaqsele A:.. 1221sodsaup 20 f 03 52 III 81: en deoRen snsuVvſ...„osJuS8 6 lSolollld'n Tooui rOl AN.. lossuo: aaeNossqo-se] JoeK g T O2, e Lee. losseo uuviof HovdsaοV8 ololooud,, 3 16[ANſ.. lelu ro?, Jee T f O31e LIXæ lossc) Druorg... rellgK2 losuosstASoed]1 01[IA0. 5.uuuumeM[Waul'N I T 61 Ge. II/Is. lossvo 10AIA uguos 9 ed he i9 a IIINO 3rnqseed 3S..... JeAuvgl„UanlK 2 f 81] 82. XIL/eT 3qsae4ν⁴ α⁵ 193124sSlug„ 3suolpsoreeHß 3 51 I HIO 2sr0—O[Uan!] f 08 22 AIs. 1osoR oroep. sommodl* oegueg 6ES fäaR: IElHesuuequestd Jo-K OI f SI 92 IA/F†᷑. 0Aouuef uuxm H. odme N 1SruosaIASAIOA nagelosuossASa o* 3 r[3IIO NezsunmnoN:.. zuuxqe. NZ2T 6 22 IIIA/2I: aeasunumnoNHolrule uo 2 sSIASevS'n-Salοο³ 5 5/1 ſ[a III Oſ(asus Muund N0IJ u N9 61 3 XIISS 24leaS-neN oLDT. ssSoA uoAI Inxog. er eher 25* 1oudo A burns 3 L 1 10 emru B 53.7 1241V-T0A* ul N 10lEAOH sleuueguV 3 5⁵ S1A S G-sSAIn de 8ep lenecc 5 Ind 3681 u⁵αs V G V 1SoOIoOLId 3 51. Jioplessuſdpo 4 uueuue A. Jaoplessud 0 1qo° 83 Ined dorqdleple H 3I JJeuosuosstAsS 8 5/h6 losse) 10 Nolljodv JoJd.. 1osseo 24. qze I pauup Joon imn punx1oH 8 2/10. uOoSunsuo 4 10241s0qsaug Joeon uosunsuen 02 N.eO 2 1e. zuuN 01 JeHosuosst As0 9 38 leehee 0zs191100 Jel* uosunsued 3, uef 2 lucdh 119C ſ6 Jellosuoss Asροο 56[.= 088r).. Jpueuong Jol* 1ossuo TLz AoN 3 2roqlVV Telosg ſ8 epunxIIoH 3 F reulslo2oſſ 4 uueuge. puf luusosof Ie i XeN PIIDOSDdd 2 rosuosstasalood 3 6 ossz0 uue hee lesseo e. eN I e 1elleH 9 SIAInqeN'u„Mel. 3 01.. 1esseo M Joa 1sSe 22 runf 2 HorueH 21 dosleuM ſ Soloeu. 5. 3 aan loslodd ond Jor zamos-edal e, ek 6 Prwduled) umola 1 epunXIIeH 5 Oll osseo zeA-Sod dod axix lessu) 22. q.*— † IuNSO0 ledund ſ8 Soloo. 3 8.. 110s80 ee e 5 lossuo G. de e opeg Uorssod 3 sſis uqees.. 1oOesod un... loessuo 82. 2z1EIN 85]dolaufe urlders 1 1 vnaa uuusd a1ouo A purzs ½ 10 Tar mwuok 3] Inleg ee„ 5 e UMV uUZ SalulueznV s 19 4 2A 8S Z.-sSAInq.οᷣ( oA 80p 10nuI S8 ———OVęQOʒVV:ʒ;ʒ;·)—-——— 1681 stlevuonk uονmπ Q odu 211½10—G 0% V. Sammlungen und Lehrmittel. I. Lehrer-Bibliothek. A. Angeschafft wnrden: Meyer, Conversations-Lexikon 17, 18.— Gymnasium 1891.— Zeitschr. für das Gymnasial- wesen 1847— 1886. 1891(41 Bände).— Neue Jahrb. für Phil. und Päd. 1891.— Aristotle, on the constitution of Athens.— Aristoteles, Staatsverfassung Athens, übersetzt von Kaibel und Kiessling.— Marx, Hilfsbüchlein für die Aussprache der lat. Vokabeln.— Lattmann, Gebrauch der Tempora im Lateinischen.— Wetzel, Gebrauch der Tempora im Lateinischen.— Caesar, Vokabeln und Phrasen von Schmidt 9.— Tacitus-Lexikon von Gerber und Greef 9.— Horaz, Oden von Küster.— Zeitschr. für den deutschen Unterricht.— Frick, aus deutschen Lesebüchern V, 2. Abt. 5— 7. 2 Exempl.— Grimm, Deutsches Wörterbuch IV, I, II, 8. VIII, 6, 7. XI, 3. XII, 4.— Leimbach, Deutsche Dichter 3. 4.— Lyon, Lektüre I.— Kellner, Lied von der Glocke.— Franco-Gallia 1891, 7—12.— Passy, le français parle.— Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit 27— 38.— Verein für Reformationsgeschichte, Schriften 32— 34. Schriften für das deutsche Volk 10—14.— Oncken, Allgemeine Geschichte IV, 6. Zeitalter Kaiser Wilhelms II.— Müller, politische Geschichte der Gegenwart 1890.— Mahrenholtz, Wandlungen der Geschichtsauffassung.— Büchner, Leben vor der Geschichte.— Moltke, Schriften III. — Lorenz, Ranke-Bädecker, Krupp.— Lenz, Luther.— Roscher, Lexikon der Mythologie 19— 20.— Hoffmann, Zeitschr. für den math. und naturwiss. Unterricht 1891.— Naturwiss. Rundschau 1891.— Ostwald, Klassiker der exakten Wissenschaften 9— 30.— Müller, Tiere der Heimat 14—16.— Rüller- Pouillet, Lehrbuch der Physik 1, 3.— Planck, Erhaltung der Energie.— Frick, Geschichte der Elementar- mathematik.— Lieber, stereometrische Aufgaben.— Lieber-Lühmann, trigonometrische Aufgaben.— Fliedner, Aufgaben aus der Physik mit Auflösungen.— Fuhrmann, synthetische Beweise.— Petersen, Methoden und Theorien.— Stokes, das Licht.— Frick, physikalische Technik.— Sumpf, Schulphysik. — Seidel, Präparationen für den Unterricht in der Naturkunde I.— Hübner, geographisch-statistische Tabellen 1891.— Günther, physikalische Geographie.— Peters, Emin-Pascha-Expedition.— Zeitschr. für den evangel. Religionsunterricht 1891.— Heydrich, Handbuch für den Religionsunterricht, 2 Bände. — Baum, Kirchengeschichte.— Hess, christl. Glaubens- und Sittenlehre.— Schürer, Geschichte des jädischen Volkes I, 2.— Centralblatt für die Unterrichtsverwaltung 1891.— Just, Praxis der Erziehungs- schule 1891.— Rethwisch, Jahresbericht 1890.— Weidmann, Kalender fär die höheren Lehranstalten Preuſsens 1891.— Schriften des Einheitsschulvereins 4—7.— Lehrproben 26— 29. 2 Exempl.— Frick-Meier, Sammlung päd. Abhandlungen 4, 5.— Killmann, Direktoren-Versammlungen.— Verhand- lungen über Fragen des höheren Schulwesens.— Willmann, Didaktik II, 2.— Eulenberg-Bach, Schul- gesundheitslehre.— Lehmann, Kartenzeichnen.— Matthaei, das bewufste Sehen in der Schule.— Monatsschrift für das Turnwesen 1891.— Melodienbuch zum evangelischen Kirchengesangbuch. B. Geschenkt wurden: Von dem Königlichen Ministerium des Unterrichts: Deutsche Litteraturzeitung 1891.— Zahn, Melodien der Kirchenlieder 25— 34.— Das humanistische Gymnasium 1891.— Uhlig, Stunden- pläne.— v. Donop, Geselschap und seine Wandgemälde. Von dem Königl. Provinzialschulkollegium: Universitäts-Programme von Berlin, Breslau, Marburg.— Verhandlungen der Direktoren-Vers. 38.— Cohausen, Altertämer im Rheinland. Von dem Zweigverein Cassel des allg. deutschen Sprachvereins: Riegel, ein Stück von unserer Muttersprache. Von dem Verein gegen den Mifsbrauch geistiger Getränke: Mitteilungen 1890. 55 Von Herrn Oberbürgermeister Weise: Verwaltungsbriefe der Residenzstadt Cassel 1889/90. Von Herrn Oberregierungsrat Mittler: Hessischer Musenalmanach 1784.— Bibliotheca magica. — Wolff, Encyklopädie der deutschen Litteratur. 7 Bände. Von Herrn Geh. Regierungsrat Dr. Lahmeyer: Griechische Lyriker, von Biese.— Sophokles, Elektra, von Schubert.— Curtius, von Schmidt.— Horaz, Oden, von Küster.— Livius I, II, XXI, XXII von Zingerle.— Sallust, von Schindler. Von Herrn Verlagsbuchhändler Weidmann, Berlin: Verhandlungen der Direktoren-Vers. 35. Von Herrn Verlagsbuchhändler Freyschmidt, Cassel: Verzeichnis der Bücher und Landkarten 1890 II, 1891 I. ¹ Von Herrn Haasenstein& Vogler: Zeitungs-Katalog 1891. Von Herrn Direktor Dr. Heussner: Lewalter, Deutsche Volkslieder.— Haupt, lateinische Wormenlehre.— Wartenberg, Lehrbuch der lateinischen Sprache II.— Schleiden, Reime und Lieder. — Ludwig-Erck-Greef, Sängerhain.— Schuster, Tabellen zur Weltgeschichte.— Schwahn, Erzühlungen aus Sage und Geschichte.— Lutsch, Vokabularium für Sexta.— Lutsch, lat. Lesebuch für Sexta.— Müller, lat. Lesebuch für Quarta. II. Schüler-Bibliothek. A. Angeschafft wurden: Für Prima: Jäger, Weltgeschichte, IV.— Aly, Cicero, sein Leben und seine Schriften.— Wustmann, Allerhand Sprachdummheiten.— Familien-Bücherschatz II.— v. Klöden und v. Köppen, Unser deutsches Land und Volk, Bd.— XI.— Dahn, Ein Kampf um Rom. Für Sekunda: Bode, Meergold.— Wustmann, Allerhand Sprachdummheiten.— Familien- Bächerschatz I, III.— Bücker, Unsere Arbeiter der Neuzeit.— Das neue Universum, 12. Jahrgang.— Wolf, Die That des Arminius..— Für Tertia: Ortleb, A. und G., Häusliche Kunstarbeiten. Für Sexta: Becker, Erzählungen aus der alten Welt, 2 Ex.— Niebuhr, Griechische Heroen- geschichten.— Richter, Götter und Helden, I, II, III.— Schmidt, Homers Odyssee.— Schmidt, Homers Iliade.— Witt, Griechische Götter- und Heldengeschichten.— Lausch, Heitere Ferientage. 2 Ex. — Pilz, Die kleinen Tierfreunde.— Wagner, Im Grünen.— Hundertundacht Asopsche Fabeln.—„Es war einmal“.— Gabriel und Suprian, Goldener Hausschatz.— Gräbner, Robinson Crusoe, 2 Ex.— Grimm, J. und W., Kinder- und Hausmärchen. 2 Ex.— Hey, 50 Fabeln.— Hey, Noch 50 Fabeln.— Horn, Von den zwei Savoyardenbüblein.— Horn, Von dem Manne.— Keck und Johansen, Vater- ländisches Lesebuch. 2 Ex.— Reinick, ABC-Buch.— Reinicks Märchen-, Lieder- und Geschichtenbuch. 2 Ex.— Scherer, Rätselbüchlein.— Schmidt, Reineke Fuchs. 2 Ex.— Die schwarze Tante.— Spekter, Das Märchen vom gestiefelten Kater.— Tobelius, MNärchen und Erzählungen.— Campe, Robinson der Jüngere.— Lausch, Das Buch der schönsten Kinder- und Volksmärchen.— Die schönsten Märchen von Andersen.— Kolb, Unsere Tierwelt.— Hoffmann, Fabelbuch. B. Geschenkt wurde: Von dem Tertianer Tuchmann: Scott-Heinrich, Stanley und Emin Pascha. III. Unterstützungs-Bibliothek. A. Angeschafft wurden: Hopf und Paulsiek, Deutsches Lesebuch für VI, V und IV.— Hopf und Paulsiek, Deutsches Lesebuch für III, 2 Exempl.— Hopf und Paulsiek, Deutsches Lesebuch für II und I, 2 Exempl.— Seyffert, Lateinisches Übungsbuch, 2 Exempl.— Süpffe, Aufgaben I.— Seyffert, Griechisches Ubungsbuch.— Ostermann, Griechisches Ubungsbuch I.— Bamberg, Griechische Grammatik.— Corneille, Le Cid mit Wörterbuch.— Gesenius, Englisches Elementarbuch.— Debes, Schulatlas.— Heis Arithmetik, 2 Exempl. 56 B. Geschenkt wurden: Von den Herren Verlagsbuchhändlern Wagner& Debes in Leipzig: Debes, Schulatlas, 4 Ex. Von Herrn Gymnasiallehrer Bleckmann: Plato, Apologie des Sokrates und Kriton. Von dem Primaner Brede: Ovidii metamorphoses ed. Siebelis II.— Ciceronis de oratore libri tres.— Demosthenes, Ausgewählte Reden. IV. Lehrmittel für den Anschauungs-Unterricht. 1. Ein Stahlstich„Das erlauchte Haus Hohenzollern“. 2. Bildnis des Turnvaters Jahn(Geschenk des Herrn Kultusministers). 3. öldruckbildnis Kaiser Wilhelms II. 4. Bildnis Kaiser Wilhelms II. von Max Kroner(Ausgabe der Nationalgallerie). 5. Reliefbild von Olympia, entworfen von Kaupert, modelliert, von Walger. 6. Bildnis Leopolds von Ranke von J. Schrader;(Ausgabe der Nationalgallerie. Geschenk des Herrn Kultusministers). V. Geographische Lehrmittel. Anschaffungen: Bamberg, Schulwandkarte von Palästina; Kiepert, Schulwandkarte von Paldstina(zweimal); Kiepert, Die biblischen Länder; Kampen, Gallia antiqua(zweimal). Geschenkt wurde: Geologische Karte von Preuſsen und den thüringischen Staaten, Lieferung 45. VI. Naturwissenschaftliche Lehrmittel. l. Naturgeschichtliche Sammlung. Anschaffungen: Eine Nachbildung des menschlichen Auges. Abbildungen der heimischen Pflanzenwelt von Bley. Geschenke: Von Herrn Lenke in Bolivia durch Herrn Ingenieur W. Schäffer überreicht: Ein Kondorei, verschiedene andere Vogeleier, eine Natter, verschiedene Eidechsen, eine sehr grofse An- zahl verschiedener Insekten, namentlich Käfer, einige Mineralien, zwei Holzquerschnitte, Holzkohlen. 2. Chemisches Laboratorium. 1 Eudiometer, 1 Löffel von Messing mit Drahtnetz für Natriumkügelchen auf Wasser, 1 Queck- silberwanne, 1 Röhre zur Mischung von Chlor und Wasserstoff, 1 Kondensator für schweflige Säure, 2 Quetschhähne, Hoffmann's Wasserstoffzersetzungsapparat, 1 Standflasche mit eingeschliffenem Stöpsel, 2 Glühlämpchen von Porzellan. 3. Physikalische Sammlung. Anschaffungen: Ehrhardt’s physikalische Wandtafeln.— Seibert'sches Mikroskop.— Anschütz' Schnellseher. VII. Für den Gesangunterricht wurden angeschafft: König Goldner, Partitur von J. Mäller und Textbuch dazu. VII. Das Inventar des Zeichennnterriechts wurde vervollständigt durch die Serien Rheinland und C der Dresdener Gipsmodelle. 3 Die Lehrerbibliothek verwaltet Gymnasiallehrer Sunkel, die Schülerbibliothek Gymnasial- lehrer Zimmermann, die Unterstützungsbibliothek Gymnasiallehrer Bochröder, die Bild- werke und das Material für den Apschauungsunterricht Oberlehrer Manns, die geographischen Lehrmittel Gymnasiallehrer Dr. Schmitt, die naturgeschichtliche Sammlung Oberlehrer Dr. Auth, die physikalische Sammlung Gymnasiallehrer Franz, die Lehrmittel für den chemischen Unter- richt Oberlehrer Dr. Eberhard, das Inventar des Gesangunterrichts Gesanglehrer Stolzenberg, den Zeichenapparat Zeichenlehrer Wenzel, den Turnapparat und das Hauptinventar Turnlehrer Stern, den botanischen Garten Oberlehrer Dr. Rost. Allen freundlichen Gebern, welche unsere Sammlungen mit Geschenken bedacht haben, sage ich auch an dieser Stelle im Namen des Gymnasiums herzlichen Dank. VI. Mitteilungen an die Schüler und deren Eltern. Ordnung der öffentlichen Prüfung einiger Osterklassen in der Aula des Gymnasiums. Freitag, den 8. April 1892. 3— 4 Uhr. Oster-Sexta. Rechnen; Stern.— Latein: Thies. 4— 5„ Oster-Quinta. Rechnen: Franz.— Latein: Dr. Heermann. Sonnabend, den 9. April 1892. 9— 10 Uhr. Oster-Quarta. Naturbeschreibung: Dr. Eberhard— Französisch: Watermeyer. 10— 11„(Oster-Untertertia. Französisch: Eitel— Latein: Zimmermann. Um 11 ¹¼ Uhr wird das Schuljahr mit einer gemeinsamen Andacht sämtlicher Lehrer und Schüler der Anstalt beschlossen. Das neue Oster-Schuljahr wird Montag den 25. April nachmittags 3 Uhr mit einer gemeinsamen Andacht eröffnet werden. Am Vormittage desselben Tages von 8 Uhr an findet dis Aufnahmeprüfung der neu zugehenden Schüler statt, soweit diese nicht am 8. und 9 April geprüft worden sind. Cassel, am 30. März 1892. Der Königliche Gymnasial-Direktor Dr. Heufsner.