D2d2, Realschule I. O. in Cassel, Nr. II. öfkentlichen Prüfung Schüler der städtischen Realschule erster Ordnung, Donnerstag 18. und Freitag 19. März d. J., von 8 Uhr ab, sowie zu der Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Königs, welche Sonnabend 20. März von 9 Uhr ab in der Aula der Realschule I. Ordnung gehalten werden wird, ladet die geehrten Eltern und Ingehörigen der Schule, ſowie die Freunde und Veſchützer des Schulweſens 7, ehrerbietigst und ergebenst ein. O= 4 der — Inhalt: 1. Abriss der Kirchengeschichte, ein Leitfaden für den Unterricht in den oberen Classen, II. Theil, von Dr. Ferdinand Schantz. 2. Schulnachrichten von dem Director Dr. Preime. ÿiſq··/—YV=ü—ꝙ́;́;́ Cassel 1880. 1880. Progr.-No 339. Druck von Joseph Has. Kirchengeschichte des Mittelalters. I. Periode. Vom Tode Karls d. Gr. bis auf Bonifaz VIII. (800— 1294.) §. 12. Misston. Der Apostel des Nordens war Ansgar(Anschar, Speer Gottes), geboren 801 bei Amiens, aus vornehmem fränkischen Geschlecht. Nach dem frühen Tode seiner Mutter wurde er im Kloster Corbie in der Picardie zum Dienst der Kirche ausgebildet, dann in das neugegründete Kloster Corvey an der Weser versetzt. Eine Vision(»Gehe hin und kehre zurück zu mir mit der Krone des Märtyrerthums«) befestigte ihn in seinem von Jugend auf gehegten Vorsatz, sich der Mission zu widmen. Mit Unterstützung Ludwigs des Frommen wirkte er zuerst in Schleswig(Südjütland), dessen Fürst sich am Hofe Ludwigs hatte taufen lassen. Die Bitten schwedischer Kaufleute um Missionare veranlassten den Frankenfürsten, Ansgar nach Schweden zu senden(830), und der dänische König empfahl ihn dem dortigen Herrscher mit den Worten, er habe noch nie einen so milden und guten Mann gekannt. Unterwegs wurde Ansgar von Seeräubern ausgeplündert, verlor aber den Muth nicht. In Schweden wurde er vom König gut aufgenommen und gründete eine kleine Gemeinde. Bald kehrte er zu Ludwig dem Frommen zurück; dieser stiftete das Erzbisthum Hamburg und übertrug es Ansgar, der in seiner Klosterschule nationale Missionare für den Norden auszubilden begann. Aber Hamburg war stets den Angriffen der benachbarten Heiden ausgesetzt und wurde endlich von den Normannen völlig zerstört. Nach dem Vertrag von Verdun entzog ihm Karl der Kahle sein Einkommen aus einem westfränkischen Kloster; so war er ein Bettler. Sobald er später Bremen als erzbischöflichen Sitz erhalten hatte, widmete er sich wieder mit allem Eifer der Mission unter den Normannen, sandte Priester aus, legte Kirchen und Schulen an und machte selbst noch eine Missionsreise nach Schweden; um seine Einkünfte ganz für die Mission verwenden zu können, lebte er nur von Wasser und Brot. Unter frommen Betrachtungen, Gebet, Almosengeben verlebte er seine letzten Lebensjahre in Bremen, † 865. Seine Schüler setzten sein Werk eifrig fort, aber noch anderthalb Jahrhundert verflossen bis zur völligen Bekehrung des Nordens. In Dänemark verhalf Knut d. Gr.(1016— 1035), der durch seine angelsächsische Gemahlin bekehrt war, dem Christenthum zum Sieg; er zog aus England, das zu seinem Reich gehörte, Geistliche in das Land und erbaute Kirchen und Klöster. Fünfzig Jahre später wurde auch Schweden, wo deutsche und an gelsächsische Missionare wirkten, vollends christianisiert. In Norwegen suchten um 1000 mehrere christliche Könige das Christenthum mit Gewalt einzuführen; so Olaf d. Dicke, der in einer Schlacht gegen Knut d. Gr. fiel, später vom Volk als Heiliger verehrt wurde. Olafs Sohn(Magnus) — 1— vertrieb die Dänen und vollendete die Bekehrung des Landes. Von Schweden aus kam das Evangelium nach Finnland, von Norwegen und Dänemark aus nach Island und Grönland. Die Slavenapostel waren die Brüder Cyrillus und Methodius aus Thessalonich. Um 850 bat der Mährenherzog, um sein Land auch kirchlich von den Deutschen unabhängig zu machen, den griechischen Kaiser um Missionare. In Folge dessen zogen Methodius und Cyrillus nach Mähren und eigneten sich rasch die Landessprache an; nun bildeten sie einheimische Priester aus, machten Missionsreisen durch das Land und gründeten Kirchen und Altäre. Besonders gewannen sie das Volk durch die Feier der Messe in slavischer Sprache. Cyrill gab den Slaven eine Litteratur, erfand ein eigenes Alphabet und übersetzte die Bibel in die Landessprache. Auf Einladung des Papstes (Nicolaus I.) gingen sie nach Rom, wurden von Nicolaus' Nachfolger ehrenvoll aufgenommen und unterwarfen sich dem päpstlichen Stuhl. Cyrillus starb in Rom; Methodius wurde zum Erzbischof von Mähren ernannt. Unermüdet wirkte er in Mähren weiter und erhielt vom Papst ausdrücklich die Erlaubniss, in slavischer Sprache die Messe zu feiern und die heilige Schrift zu lesen, nur sollten die Evangelien zuerst lateinisch gelesen werden. Methodius † 883, vom ganzen Volk beweint. Er hatte um 870 auch den Böhmenherzog bei dessen Erscheinen am mährischen Hof für das Christenthum gewonnen. Der Enkel desselben, Boleslav, wüthete grausam gegen die Christen, aber Otto I. zwang ihn, das Christenthum zu dulden, dem das Erzbisthum Prag, eine Stiftung Ottos I., festen Halt gab. Von Böhmen aus kam das Evangelium zu den Polen; der Herzog Miecislav wurde durch seine Gemahlin, eine böhmische Prinzessin, bekehrt und bewog auch sein Volk zur Taufe. Unter den Ungarn wirkten zuerst griechische Mönche; aber erst der Bischof Pilgrim von Passau und der König Stephan d. Heilige(997— 1038) verschafften dem Christenthum das Uebergewicht über das Heidenthum. Stephan zog selbst predigend im Land umher, berief Geistliche und sorgte für den Unterricht des Volkes; auch in Siebenbürgen führte er das Christenthum ein. Der Papst (Sylvester II., der Lehrer Ottos III.) verlieh ihm die Königskrone und machte Ungarn durch Er- richtung des Erzbisthums Gran von Deutschland unabhängig. Zur Bekehrung der Slaven östlich von der Elbe gründeten Heinrich I. und Otto I., die Besieger derselben, mehrere Bisthümer und das Erzbisthum Magdeburg und viele Slaven nahmen äusserlich das Christenthum an. Die Sorben(im Königreich Sachsen) machten keinen Versuch wieder sich unabhängig zu machen und blieben dem Christenthum treu. Aber die Lutizier(in Brandenburg) und die Obotriten(in Mecklenburg) warfen nach der Niederlage Ottos II. in Unteritalien 983 das deutsche Joch ab und rotteten das Christenthum aus. Ein Versuch des Obotritenfürsten Gottschalk (um 1050), sein Volk zu bekehren, misslang. Erst nachdem Albrecht der Bär die Lutizier, Heinrich der Löwe die Obotriten unterworfen hatte, fasste das Evangelium dort festen Fuss. Gottschalk, ein obotritischer Fürstensohn, erneuerte, obwohl christlich erzogen, die Verfolgung der Christen, um den Tod seines Vaters zu rächen; aber bald verliess er voll Schauder über sein Werk die Heimath. Nach seiner Rückkehr gründete er 1045 ein grosses Wendenreich, wirkte nun eifrig für die Einführung des Christenthums und predigte selbst das Evangelium. Als sein Freund, der Erzbischof Adalbert von Bremen, der Erzieher Heinrichs IV., 1066 gestürzt war, ermordete die heidnische Partei unter den Obotriten Gottschalk und opferte die Priester den Götzen. Den Pommern predigte zuerst ein Mönch, hatte aber wegen seines ärmlichen, bettelhaften Aeussern keinen Erfolg. Da begann auf Bitten des Polenherzogs, des Oberlehnsherrn von Pommern, der Bischof Otto von Bamberg die Mission und bekehrte auf zwei Reisen fast ganz Pommern. Otto, aus einem adligen Geschlecht in Schwaben, war beim Polenherzog, dann bei Kaiser Heinrich IV. Kaplan und Geheimschreiber gewesen; bei Heinrich war er beliebt und hochangesehen, besonders wegen seiner Bekanntschaft — 5— mit der heiligen Schrift. Als er 1103 vom Kaiser zum Bischof von Bamberg erhoben wurde, widmete er sich seinem Amte, vor allem der Seelsorge und Armenpflege, mit allen Kräften. Auf die Einladung des Polenherzogs zog er mit tüchtigen Gehülfen und einem glänzenden Gefolge, mit Büchern, Messgewändern und anderen Kirchengeräthen, mit Geschenken und Reisevorräthen reichlich versehen, über Polen nach Pommern 1124, gewann durch seine begeisterte Predigt, mehr noch durch seine Werke der Barmherzigkeit Viele für das Evangelium und gründete eine Anzahl von Gemeinden(die erste in Pyritz), war aber mehrmals dem Märtyrertode nahe. Auf einer zweiten Reise 1128 ermuthigte er, wiederholt mit Lebensgefahr, die Christen, vollendete fast die Bekehrung des Landes und setzte einen Bischof ein. Von Bamberg aus sorgte er mit unermüdlichem Eifer für die Befestigung seines Werkes. Die Preussen zeigten sich dem Christenthum ausserordentlich feindlich und tödteten jeden Missionar, auch den Erzbischof Adalbert von Prag 997. Erst nach Eroberung des Landes durch den deutschen Orden(1126— 1183) nahmen die Reste des Volkes das Evangelium an. Ebenso konnte das Christenthum in Livland, Esthland, Kurland erst dann Wurael schlagen, als diese Länder durch den Orden der Schwertritter unterworfen waren.— Am längsten heidnisch blieben in Europa die Litthauer; als der Grossfürst Jagello 1380 die polnische Erbprinzessin heirathete, nahm er mit seinem Volk das Christenthum an. Die griechische Kirche hatte schon vor 800 die in das griechische Reich eingedrungenen slavischen Völker bekehrt, nun nahm sie sich auch der übrigen Slaven an. Zu den Bulgaren berief (um 860) die in Constantinopel bekehrte Schwester des Bulgarenfürsten griechische Mönche. Ein Gemälde, das jüngste Gericht darstellend, erschütterte diesen so, dass er Christ wurde, mit ihm sein Volk. Später traten die Bulgarenfürsten aus politischen Gründen mit Rom(Nikolaus I.) in Verbindung; seitdem war die bulgarische Kirche ein Zankapfel zwischen Rom und Constantinopel, bis endlich letzteres siegte. Die Erfolge griechischer Mönche in Ungarn und Mähren gingen zwar für die griechische Kirche verloren, dagegen gewann dieselbe die Russen. Die Grossfürstin Olga nahm in Constantinopel das Christenthum an(950), ihr Enkel Wladimir, der Gemahl einer griechischen Prinzessin, liess sich im Dniepr taufen, ihm folgte das ganze Volk und zerschlug seine Götzenbilder(980). Durch Berufung von Priestern und Bischöfen, durch Anlegung von Kirchen, Schulen und Klöstern machte sich Wladimir und seine Nachfolger um die Hebung der Kirche sehr verdient. §. 13. Das Papstthum. Nachdem durch Pipin und Karl d. Gr. der Papst ein weltlicher Gebieter geworden und sein Ansehen im Abendland fest begründet war, suchte sich derselbe von der Oberhoheit des Kaisers unabhängig zu machen und sich den ganzen Clerus unbedingt zu unterwerfen. Dazu diente die Sage von der Schenkung Constantins d. Gr.(dieser habe dem Papste die weltliche Herrschaft über ganz Italien gegeben und deshalb seinen Sitz nach Constantinopel verlegt) und die pseudoisidorischen Decretalen. Isidor, B. von Sevilla, hatte um 630 eine Sammlung von Decretalen herausgegeben; um 840 erschien unter seinem Namen eine neue Sammlung, die eine Menge gefälschter Documente enthielt. Zweck derseiben war die Befreiung der Geistlichkeit, besonders der Bischöfe, von der weltlichen Obrigkeit wie von der Gewalt der Metropoliten und der Provinzial- synoden und die Begründung der päpstlichen Allgewalt in der Kirche; daher stellen diese Decretalen die Priester als den Augapfel Gottes hin, erklären jede Verletzung eines Priesters, auch eines unwürdigen, für Todsünde, machen den Papst, dessen Primat von Petrus herrühren soll, zum allgemeinen Bischof der Kirche. — 6— Auf diese falschen Decretalen berief sich zuerst Nicolaus I.(858—867), der grösste Papst des 9. Jahrhundert. Er zwang Lothar II. von Lothringen seine verstossene Gemahlin wieder aufzunehmen, bewog die Kirche in Mähren und Bulgarien zum Anschluss an Rom und suchte auch dem Patriarchen von Constantinopel gegenüber seine Oberhoheit geltend zu machen. Der Patriarch von Constantinopel war abgesetzt worden und an seine Stelle der gelehrte Photius erhoben, aber Nicolaus sprach sich für den Verdrängten aus, setzte Photius ab und that ihn in den Bann. Photius erwiderte denselben und beschuldigte die abendländische Kirche, das Glaubensbekenntniss gefälscht zu haben(durch den Zusatz filioque, cf.§. 11). Nicolaus erle bte noch den Triumph, dass Photius abgesetzt und der frühere Patriarch wieder eingesetzt wurde. Nach dessen Tod aber bestieg Photius den Patriarchenstuhl von Neuem. Durch Nicolaus war das Ansehen des Papstthums so gestiegen, dass sein zweiter Nachfolger bei der Kaiserkrönung Karls d. Kahlen aussprechen konnte,»aus göttlichem Rechte und auf göttlichen Befehl verleihe der Papst die Kaiserkrone⸗. Im 10. Jahrhundert wurde das Papstthum ein Spielball der italienischen Grossen, die den römischen Stuhl mit den verworfensten Menschen besetzten. Das Papstthum gerieth in die tiefste Versunkenheit und verlor viel von seinem Ansehen. Otto I.(der, von Papst Johann XII. zu Hülfe gerufen, diesen bald wegen seiner Schandthaten absetzen liess) und seine Nachfolger setzten tüchtige Päpste ein, aber nach dem Aussterben des sächsischen Kaiserhauses traten bald wieder die alten gräulichen Zustände ein und zur Zeit Kaiser Heinrichs III. kamen in Rom sogar 3 Päpste auf(Benedict IX). Der Kaiser liess auf der Synode von Sutri 1046 alle 3 Päpste absetzen und einen deutschen Bischof(Suidger von Bamberg) zum Papst ernennen; die Römer mussten schwören, nie einen Papst ohne Zustimmung des Kaisers zu wählen. Heinrich III. erhob noch mebrere deutsche Bischöfe auf den päpstlichen Thron; einer derselben, Leo IX.(1048— 1054), begann den Kampf gegen die Simonie, die Priesterehe und die Sittenlosigkeit des Clerus; unter ihm wurde das Schisma zwischen der morgenländischen und abendländischen Kirche vollendet. Als der griechische Kaiser sich aus politischen Gründen um die Freundschaft des Papstes bewarb, erliess der Patriarch von Constantinopel, Michael Cerularius, ein Schreiben, in dem er der römischen Kirche ausser anderen Ketzereien den Gebrauch von ungesäuertem Brot im heiligen Abendmahl vorwarf. Der griechische Kaiser bewog zwar Leo IX. Legaten nach Constantinopel zu senden, aber hier entbrannte der Streit noch heftiger. Die Legaten thaten die griechische Kirche in den Bann; Michuel Cerularius erwiderte denselben 1054. Alle späteren Versuche der griechischen Kaiser, eine Wiedervereinigung zu bewirken, waren vergeblich. Unter Leo IX. und den folgenden Päpsten übte grossen Einfluss Hildebrand, der Sohn eines Handwerkers aus Saona in Toskana, das Haupt der streng kirchlichen Partei, er wollte die Kirche von aller weltlichen Gewalt unabhängig machen, vor allem die Rechte des Kaisers beseitigen. Als nach Heinrichs III. Tode während der Parteikämpfe in Deutschland das kaiserliche Ansehen in Italien tief sank, wurden auf Hildebrands Betreiben mehrere Päpste ohne Rücksicht auf die kaiser- lichen Rechte gewählt und Nicolaus II.(1059— 1061) übertrug auf einer Synode in Rom die Papstwahl den Cardinälen und schloss mit den Normannen in Unteritalien einen Bund.— Nachdem Hildebrand 1073 als Gregor VII. den päpstlichen Stuhl bestiegen hatte, liess er sich noch von Heinrich IV. bestätigen. 1074 erneuerte er auf einer Synode in Rom die alten Cölibats- gesetze und führte sie trotz heftigen Widerstandes des Clerus(Synode in Erfurt) mit Hülfe der Mönche und des gegen die verheiratheten Priester aufgereizten Volkes rücksichtslos durch. 1075 verbot er die Simonie und die Investitur durch die Laien und bannte die Räthe Heinrichs. Als der Kaiser die Gebannten zurück rief und die päpstlichen Decrete unbeachtet liess, lud Gregor den Kaiser nach Rom zur Verantwortung. Heinrich liess auf einer Synode in Worms den Papst absetzen, — 7— Gregor antwortete mit dem Bann, ja er setzte den Kaiser ab, entband die Unterthanen ihres Eides und verbot ihnen Heinrich als König anzuerkennen. Der Abfall der deutschen Fürsten verschaffte dem Papst den Triumph, dass sich Heinrich in Canossa demüthigte 1077. Bald begann der Kampf zwischen Kaiser und Papst heftiger als je und führte zu einer heillosen Verwirrung in Kirche und Staat. Gregor führte ihn mit immer grösserer Erbitterung und wies alle Friedensanerbietungen Heinrichs zurück, † 1085 in Salerno mit den Worten:»Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst, darum sterbe ich in der Verbannung«. Auch den übrigen Fürsten Europas gegenüber machte Gregor VII. sein Ansehen geltend, verfuhr aber gegen Wilhelm den Eroberer, der die Simonie noch schlimmer trieb als Heinrich IV. in seiner schlimmsten Zeit, weit schonender als gegen Heinrich. Gregors Grundgedanke war die Gründung einer Welttheokratie, deren Haupt, der Papst, der Stellvertreter Christi, die höchste geistliche und weltliche Macht in sich vereinige. Die Fürsten erhalten ihre Macht vom Papst, dieser, ihr Richter und Oberlehnsherr, kann ihnen ihre Gewalt auch wieder entziehen.— Nicht allein aus Ehrgeiz oder Herrschsucht begann er sein Werk, sondern in der Ueberzeugung von der N othwendigkeit desselben zum Heil der Kirche, und bei allen seinen Fehlern haben ihm selbst seine erbittertsten Gegner den Ruhm der Sittenstrenge und Unbestechlichkeit lassen müssen. Gregors zweiter Nachfolger, Urban II., begeisterte auf den Synoden von Piacenza und Clermont das Abendland für die Befreiung des heiligen Grabes. Bald war er allgemein anerkannt und erlangte eine Macht, wie sie kein Papst vor ihm gehabt hatte. Durch ein Kreuzheer vertrieb er den kaiser- lichen Gegenpapst aus Rom und zwang den französischen König(Philipp I.) zur Unterwerfung, den er wegen unerlaubter Ehe gebannt hatte. Sein Nachfolger scheute sich nicht, den greisen Kaiser Heinrich IV. durch dessen Sohn, Heinrich V., aufs tiefste zu demüthigen. Aber sobald dieser die Herrschaft allein besass, begann er den Investiturstreit von neuem und nahm sogar den Papst gefangen. Endlich wurde der Streit 1022 durch das Wormser Concordat mit Calixt II. beigelegt. Die Wahl solle nach dem Kirchenrecht in Gegenwart des Kaisers, die Investitur mit Ring und Stab durch den Papst, die Belehnung mit dem Scepter durch den Kaiser geschehen. Als Friedrich I. Barbarossa die kaiserlichen Rechte in ihrem vollen Umfang wieder geltend machen wollte, begann der Kampf der Päpste gegen die Hohenstaufen, der mit dem Untergang dieses Herrschergeschlechtes endigte. Friedrich I. selbst musste sich nach der Schlacht bei Legnano 1176 in Venedig dem energischen Alexander III. unterwerfen. Auf den Gipfel der Macht gelangte das Papstthum durch Innocenz III.(1198— 1216). Dieser machte die von Gregor VII. erstrebte Gewalt im ganzen Abendland geltend. In Deutschland masste er sich die Entscheidung im Kampf zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. an und erhob später seinen Mündel Friedrich II. auf den Kaiserthron. In England demüthigte er Johann ohne Land und zwang ihn zum Vasalleneid, in Frankreich nöthigte er Philipp August durch Bann und Interdikt, seine verstossene Gemahlin wieder anzunehmen, Portugal und Arragonien zwang er zu einem Tribut, in den östlichen und nördlichen Ländern Europas brachte er seine Würde als Oberherr der Christenheit und Schiedsrichter zur Geltung. Durch den 4. Kreuzzug beugte er auch Constantinopel unter seine Gewalt. 1215 hielt er ein Lateranconcil, auf dem die Transsub- stantiation als Dogma bestätigt und Massregeln gegen die Albigenser berathen wurden. Nach Innocenz' Tod begann der Kampf zwischen dem Kaiser und Papst von neuem. Als Friedrich II. den versprochenen Kreuzzug verschob, bannte ihn Gregor IX. Friedrich machte trotzdem den 5. Kreuzzug und krönte sich selbst zum Könige von Jerusalem. Nach seiner Rückkehr erfolgte zwar eine Versöhnung mit dem Papste, als aber der Kaiser Neapel mit Deutschland vereinigen wollte, that ihn der Papst, angeblich wegen Unglaubens und Gotteslästerung, abermals in — 8— den Bann. Auch Innocenz IV., früher ein Freund Friedrichs, erneuerte denselben auf einem Concil in Lyon 1245 gegen den Kaiser und dessen Söhne Konrad und Manfred. Letzterer fiel in der Schlacht gegen den vom Papst herbeigerufenen Karl von Anjou, Konradin starb durch Henkershand 1268. Das Papstthum hatte gesiegt, aber bald trat Frankreich gegen Rom auf; schon Ludwig IX. der Heilige sicherte sein Reich gegen die Erpressung des Papstes. Die Kreuzzüge.— Seit Constantin d. Gr. waren die Wallfahrten nach Palästina immer häufiger geworden, da man den Gebeten an den heiligen Stätten ganz besonders sündentilgende Kraft zuschrieb. Der Chalif Omar hatte bei der Eroberung Jerusalems 637 den Christen unter einigen Beschränkungen freien Gottesdienst zugestanden. Aber die Seldschuken, seit 1075 Herren von Palästina, misshandelten die Pilger und entweihten die heiligen Stätten. Peter von Amiens bewog den Papst Urban II. die Christenheit zur Befreiung des heiligen Grabes aufzufordern; eine allgemeine Begeisterung ergriff das Abendland. Der 1. Kreuzzug unter Gottfried von Bouillon hatte die Befreiung Jerusalems und die Stiftung eines christlichen Königreichs zur Folge. Zum Schutz der Pilger entstanden die geistlichen Ritterorden. Doch schnell gewannen die Moslim wieder die Oberhand, auch die folgenden Kreuzzüge, meist von den mächtigsten Fürsten des Abendlandes unternommen, konnten Palästina nicht sichern und allmählig erlosch die Begeisterung für die Kreuzzüge. 1291 ging Ptolemais, der letzte Platz der Christen in Palästina, verloren.— Wenn auch die Kreuzzüge ihren Zweck verfehlten: immerhin war diese Begeisterung, die ganze Nationen ergriff und sie zu ausser- ordentlichen Anstrengungen für ein ideales Ziel entflammte, eine grossartige Erscheinung. Die Kreuzzüge beförderten zwar in keiner Weise das wahre Christenthum, waren aber auf die damalige Kirche von grossem Einfluss. Sie trugen viel zur Hebung der Macht der Päpste bei, da diese das Kreuz predigen liessen und den Ablass ertheilten. Ausserdem verschaffte die Abwesenheit der Fürsten aus ihren Ländern dem Papste Gelegenheit, sich ins weltliche Regiment zu mischen; auch benutzte er die Kreuzheere in seinem Interesse oder sammelte Heere gegen seine Gegner. Zugleich wurde die ganze Kirche fester an Rom geknüpft und die Macht der Bischöfe beschränkt; auch stieg der Reichthum Roms und der Kirche überhaupt. Besonders wichtig war der Einfluss der Kreuzzüge auf das religiöse und sittliche Leben. Die Werkheiligkeit wurde befördert durch Anpreisung der hohen Verdienste, die sich der Mensch durch Dahingabe von Gut und Blut für die Kirche erwerbe, und der Ablass erhielt eine grössere Ausdehnung; die verderblichen Folgen davon im Volksleben traten hald hervor. Intoleranz und Fanatismus wuchsen und rissen die Menge zu manchen Unthaten fort(Judenverfolgungen). Wie gegen die Muhammedaner begann man auch Kreuzzüge gegen heidnische Völker(Preussen, Liven, Kuren) oder gegen Ketzer zu machen.— Ausserdem hatten die Kreuzzüge grossen Einfluss auf das staatliche und sociale Leben, auf die Beförderung der Wissenschaften, der Gewerbe und des Handels und auf die Ausbildung des Ritterthums. §. 14. Das Mönchthum. Das Mönchswesen erreichte in der ersten Hälfte des Mittelalters seine höchste Blüthe und übte auf die Kirche den grössten Einfluss. Die Mönche waren die Säulen des Papstthums, ihnen verdankt dasselbe zum grossen Theil seinen Sieg über die weltliche Macht, daher beförderten die Päpste das Mönchthum auf alle Weise. Auch die Fürsten und das Volk begünstigten die Klöster und wandten ihnen Schenkungen und Belehnungen in reichem Masse zu. Aber mit dem Reichthum der Klöster begann auch stets ihr Verfall. — 9— Der Benedictiner-Orden war am Anfang des Mittelalters tief gesunken(Laienäbte). Um eine Reform herbeizuführen, gründete 910 ein frommer Abt(Berno) das Kloster Clugny in Burgund, das bald das Haupt eines grossen und einflussreichen Ordens wurde. Derselbe beschäftigte sich eifrig mit der Jugenderziehung und Wissenschaft und gehörte zu den eifrigsten Vorkämpfern für die Reform und Unabhängigkeit der Kirche. Der Cistercienser-Orden(gegründet 1098 durch Robert von Cistercium bei Dijon) war anfangs unbedeutend, erlangte aber durch Bernhard von Clairveaux ausserordentlichen Einfluss(daher auch Bernhardiner genannt). Bernhard von Clairveaux(1091— 1153), geboren zu Fontaines in Burgund, stammte aus ritterlichem Geschlecht. Seine fromme Mutter Aleth bestimmte ihn zum Mönch; das Bild der früh Verstorbenen übte eine solche Macht auf ihn aus, dass er im 23. Jahr in den Cistercienser-Orden trat; sein Beispiel bewog seine vier Brüder zur Nachfolge;(auf das Wort des ältesten:»Siehe, nun sind alle unsere Güter und Schlösser dein!« erwiederte der jüngste:-Also euch der Himmel und mir die Erde, das ist keine gleiche Theilung«). Mit glühendem Eifer erfüllte Bernhard alle Pflichten eines Mönches, ja er ging in der Selbstpeinigung so weit, dass er seine Gesundheit schwächte. Um so grössere Verehrung gewann er bei seinen Zeitgenossen und seine gewaltige Predigt und der Ruf der Wunderthätigkeit erhöhte dieselbe noch. Alles drängte sich in den Orden, bald mussten neue Klöster errichtet werden; in einem, Clairveaux(Clara vallis), wurde er, 25 Jahre alt, Abt. Auch zu diesem war der Zudrang so stark, dass 160 Klöster von Clairveaux gegründet wurden. Seinem Amte widmete sich Bernhard mit allem Eifer. Für angefochtene Seelen war er ein treuer Seelsorger, viele Verbrecher errettete er vom leiblichen und geistlichen Tode, unzählige Ketzer und Schwärmer führte er zur Kirche zurück. Unerschrocken trat er für alle Bedrückten auf, so am Rhein für die heftig verfolgten Juden. Oft wurde er berufen, um Frieden zu stiften, Päpste und Fürsten fragten ihn um Rath, ihm verdankten mehrere aus Rom vertriebene Päpste den Sieg über ihre Feinde, aber freimüthig strafte er auch die Missbräuche am päpstlichen Hofe. Als einer seiner Schüler (Eugen III.) Papst wurde, hielt ihm Bernhard in einer besonderen Schrift die hohen Pflichten seines Amtes ernst und eindringlich vor, warnte vor Verweltlichung der Kirche und des Papstthums und weissagte, wenn der Papst die höchste geistliche und weltliche Macht vereinigen wolle, werde er beides verlieren. Welch gewaltigen Einfluss er auf seine Zeit übte, zeigt der zweite Kreuzzug, dessen Misslingen ihn tief schmerzte. Obwohl Bernhard ein eifriger Asket war, hielt er doch das Mönchthum an sich nicht für verdienstlich, ebenso verwarf er die Ueberschätzung des Fastens, hielt es überhaupt für Pharisäismus auf Aeusserlichkeiten Werth zu legen, vielmehr wies er auf die Gerechtigkeit in Christo als den festen Grund alles Vertrauens hin:„Wer zerknirscht über seine Sünden nach Gerechtigkeit hungert und dürstet, glaube an den, welcher den Gottlosen rechtfertigt, und durch den Glauben allein gerechtfertigt, wird er Frieden mit Gott haben.“ Die uneigennützige Liebe zu Gott, die nichts für sich sucht, galt ihm als das Höchste, daher betonte er die stille Betrachtung, das beschauliche Leben. Die Wissenschaft verachtete er nicht, aber verlangte, dass sie auf Demuth gegründet sei, und dass die Gotteserkenntniss von der Selbsterkenntniss und Gottesliebe ausgehen solle:„Durch Gebet wird Gott würdiger gesucht und leichter gefunden als durch wissenschaftliche Untersuchung“;„soweit wird Gott erkannt, als er geliebt wird.“— Bernhard gehört auch zu den bedeutendsten Hymnendichtern des Mittelalters. Die Begeisterung der Kreuzzüge bewirkte eine Verbindung des Mönchthums mit dem Ritterthum in den drei Ritterorden, 1. die Johanniter, seit 1118 auch zum Kampf gegen die Ungläubigen verpflichtet, 2. die Templer, gestiftet 1119 zur Beschützung der Pilger in Palästina, 3. die Deutschen Ritter, gestiftet 1190 durch Friedrich von Schwaben vor Ptolemais. 2 — 10— Eine neue Epoche des Mönchthums beginnt mit den Bettelorden, den Franziskanern, gegründet durch Franz von Assisi, und den Dominikanern, gestiftet durch Dominicus Guzmann. Franz von Assisi, einem Städtchen unweit Spoleto, geboren 1182 als der Sohn eines reichen Tuchhändlers, war ein lebensfroher Jüngling, aber eine Krankheit änderte seinen Sinn. Er erwählte die Armuth Christi, schenkte alles den Armen, widmete sich der Pflege der Armen und Aussätzigen und erbettelte sein Brot. Den Ruf Christi:»Franziskus, gehe hin und stelle mein Haus wieder her, das zerfallen will«, verstand er zuerst wörtlich. Sein Vater misshandelte und verfluchte ihn, Franz blieb standhaft, legte Kutte und Sandalen an und marterte seinen Leib durch Fasten, Gei sseln, Nachtwachen. Das Evangelium Matthäi 10, 8 ff. ergriff ihn tief; seitdem zog er als Bettler und Busspr ediger umber, bald verböhnt, bald bewundert. Gleichgesinnte sammelten sich um ihn, die er ausser zu den drei Mönchsgelübden zur Armuth und Demuth verpflichtete(daher fratres minores). Zu Zweien schickte er sie zur Reisepredigt durch Italien, dann durch alle Länder Europas, er selbst wollte den Muhammedanern das Evangelium bringen, drang bis zum Sultan von Egypten vor und wurde ungekränkt entlassen, freilich ohne etwas ausgerichtet zu haben. 1223 bestätigte der Papst den Orden. Franz † 1226; der Grundzug in seinem Wesen war innige Liebe zum Heiland, das Lob Gottes zu verkünden sein liebstes Geschäft(sein Lied an die Schwester Sonne und den Bruder Mond). Gebet, Andacht, Betrachtung galt ihm mehr als alle Weisheit der Welt.— Der Franziskaner-Orden widmete sich von Anfang an der Predigt und der Seelsorge, wozu er vom Papst unbeschränkte Volimacht erhielt, später beschäftigte er sich, durch die Erfolge der Dominikaner angetrieben, eifrig mit der Wissenschaft und eine bedeutende Anzahl grosser Theologen gingen aus ihm hervor. An der Spitze stand ein General mit dem Sitz in Rom; die Ordenstracht war eine Kutte mit Kapuze. Dominicus Guzmann wurde 1170 zu Osma in Altkastilien geboren und von seiner Mutter zum geistlichen Stand bestimmt, studierte in Valencia und zeichnete sich früh durch Enthaltsamkeit und Wohlthätigkeit aus. Dann widmete er sich zehn Jahre lang im südlichen Frankreich der Bekebrung der Albigenser und zog barfuss und schlicht umher. Im Albigenserkreuzzug schloss er sich dem Heere an und war als Inquisitor thätig. Seinen Verein bestätigte der Papst 1216; erst 122 0 erklärten sich Dominicus und sein Orden nach dem Vorbild der Franziskaner für Bettelmönche. Dominicus † 1221 in Bologna, in Asche liegend, in härenem Gewand, mit eiserner Kette umgürtet; kurz vor dem Tod verfluchte er den, der sichere Einkünfte und Güter in den Orden einführen würde.— Der Dominicaner-Orden erhielt ebenfalls vom Papst das Recht, überall zu predigen und Beichte zu hören, mit der besondern Aufgabe, die Ketzer zu bekehren; zugleich strebte er von Anfang an nach wissenschaftlicher Bildung; v iele bedeutende Gelehrte zählte er unter seinen Mitgliedern und übte grossen Eipfluss durch Besetzung der akademischen Lehrstühle. Besonders eifrig war er für die Mission und Ketzerbekehrung, weshalb ihm später die Inquisition übertragen wurde. Unter den später gestifteten Bettelorden erlangte grössere Bedeutung der Augustiner- orden, gegründet 1256 vom Papst(Alexander IV.) §. 15. Emntadlcklung der Kirchenlehre. Um 844 lehrte der Abt Paschasius Radbertus im Kloster Corbie über das heilige Abendmahl:»Durch die Consecration des Priesters werde Brot und Wein in den Leib und das Blut — 11— Christi verwandelt, so dass von Brot und Wein nur Gestalt und Geschmack bleibe.« Hervorragende Kirchenlehrer verwarfen diese Ansicht, aber im Clerus und Volk gewann sie immer grössere Aus- breitung. Als 200 Jahre später Berengar von Tours es aussprach, Brot und Wein des Altars seien nur Zeichen des Leibes und Blutes Christi, wurde er durch mehrere Synoden, endlich durch Gregor VII. auf einer Synode in Rom 1079 gezwungen, seine Lehre als Irrthum abzuschwören. Die Verwandlung(Transsubstantiation) war von da an allgemein anerkannt, wurde auf dem Lateranconcil 1215 zum Dogma erklärt und seit 1264 durch das Frohnleichnamsfest gefeiert. Nachdem die theologische Wissenschaft im 10. Jahrhundert(seculum obscurum) fast untergegangen war, blühte sie gegen Ende des 11. Jahrhunderts wieder auf, zunächst in den Kloster- und Dom- schulen(daher Scholastik, Schulwissenschaft), seit dem 12. Jahrhundert an den damals entstehenden Universitäten, besonders in Paris, Oxford, Köln. Die Scholastik erkannte das kirchliche Dogma als unantastbare Autorität an und setzte es als vollkommene Wahrheit voraus, wollte es aber auch vernunftmässig erweisen und die einzelnen Dogmen zu einem System verbinden. Die Beweise entnahm sie der Philosophie des Aristoteles oder des Plato, deren Werke man anfangs nur in Uebersetzungen, später auch im Grundtext hatte. Dagegen wurde das Studium der heiligen Schrift, der wahren Quelle der christlichen Erkenntniss, wenig betrieben. Der eigentliche Begründer der Scholastik war Anselm von Canterbury, geboren 1084 zu Aosta in Piemont. Er war Mönch, dann Abt im Kloster Bec der Normandie, später Erzbischof von Canterbury, lebte wegen des Inyestiturstreites mit dem englischen König(Wilhelm II.) mehrere Jahre im Ausland, † 1109 in Canterbury. Sein Grundsatz war: Credo, ut intelligam, erst müsse man durch den Glauben in den Besitz der Wahrheit kommen, ehe man über sie denken könne. Daher versuchte er in seinem»-Proslogium« einen Beweis(den sog. ontologischen) für das Dasein Gottes zu geben, in der Schrift»Warum ist Gott Mensch geworden?« die Thatsache der Erlösung und Versöhnung als nothwendig zu erweisen. Peter Abailard, geboren 1079 in dem Dorfe Palais bei Nantes, zeichnete sich früh durch Scharfsinn, dialektische Gewandtheit und Disputiersucht aus. Nachdem er an mehreren Orten gelehrt hatte, errichtete er in Paris eine Schule und gob sich einem eitlen Weltleben hin. Wegen seiner heimlichen Ehe mit Heloise nahm deren Oheim grausame Rache an ihm, worauf er in das Kloster St. Denys ging. Bald erhob sich gegen ihn die Anklage der Irrlehre, eine Synode zwang ihn, seine„Einleitung in die Theologie“ ins Feuer zu werfen; dann lebte er in mehreren anderen Klöstern. Als er von neuem in Paris eine Schule eröffnete, trat Bernhard von Clairveaux gegen ihn auf, denn Abailard wollte nur die Glaubenswahrheiten annehmen, die sich vor dem Verstand als richtig erweisen liessen. Auch hatte er die Widersprüche der Kirchenlehrer in seinem Buch„Ja und Nein“(Sic et non) dargestellt. Eine Synode, ebenso der Papst verdammten Abailard als Ketzer. Er starb 1142 im Kloster Clugny, durch dessen Abt(Peter den Ehrwürdigen) mit Bernhard von Clairveaux versöhnt. Petrus Lombardus(† 1164) war Lehrer, dann Bischof in Paris. Sein dogmatisches Lehrbuch Sententiarum I. IV. war epochemachend; es wurde die Grundlage der späteren Scholastik und auf dem Lateranconcil 1215 kirchlich beglaubigt; des Lombarden Lehre von der Siebenzahl der Sakramente wurde Dogma. Thomas von Aquino, der Sohn eines süditalischen Grafen, wurde in Monte Cassino erzogen und schloss sich dann dem Dominikanerorden an. Seine Familie wollte ihn mit Gewalt hindern und liess ihn 2 Jahre im väterlichen Schloss gefangen halten. Aber er blieb fest und studierte in der Einsamkeit eifrig die Schrift; endlich entfloh er aus dem Kerker und trat in das Kloster ein. Mit eisernem Fleisse studierte er in Cöln, seine Mitschüler nannten ihn anfangs den stummen Ochsen, aber sein Lehrer sprach weissagend:„Dieser stumme Ochse wird einst die ganze Welt mit dem Ruf seiner Wissenschaft erfüllen“. Er war Lehrer in Cöln, Paris und Rom. Als Scholastiker und Philosoph war er gleich gross („der engelgleiche Doctor“), dabei ein beliebter Prediger. Aber höher noch als seine Gelehrsamkeit und sein Scharfsinn stand seine Demuth, Frömmigkeit und sein unbedingter Gehorsam. Sein Ruhm verlieh dem Dominikanerorden neuen — 12— Glanz und sein Ansehen war so bedeutend, dass ihn Fürsten, z. B. Ludwig der Heilige von Frankreich, um Rath fragten. Seine Summa theologiae ist das Hauptwerk der Scholastik; auf die Kirchen- und Sittenlehre hatte er grossen Einfluss. Johannes Duns Scotus, † 1308, Lehrer in Oxford, Paris, Cöln, war der grösste Dialektiker; er trieb die Spitzfindigkeiten der Scholastik auf ihre höchste Spitze und führte das barbarische Latein in die Wissenschaft ein. In der Kirchenlehre war er ein Gegner des Thomas von Aquino. Der Dominikaner- und Franziskanerorden behielt die von Thomas und Scotus eingeschlagene Richtung bei, (Thomisten, Scotisten). Die Dominikaner folgten wie Thomas dem heiligen Augustin in der Lehre von der Sünde und Gnade, dem Anselm von Canterbury in der Lehre von der Erlösung. Die Franziskaner waren wie Duns Scotus Semipe- lagianer und vertheidigten die Lehre von der Sündlosigkeit der Jungfrau, während die Dominikaner diese Lehre verwarfen. Uebersicht der herrschenden Kirchenlehre.— In der Lehre über die Sünde und die göttliche Gnade wurde der Semipelagianismus wieder herrschend. Die Rechtfertigung aus dem Glauben wurde zwar nicht förmlich verworfen, aber durch die Lehre verdrängt, der Mensch müsse sich die Gnade Gottes durch seine guten Werke verdienen, und diese Lehre wurde bis zu der Behauptung getrieben, dass einzelne Menschen in der Kraft Christi mehr Gutes thun könnten, als das Gebot verlange; so bildete sich die Lehre vom Schatz des überschüssigen Verdienstes der Heiligen(thesaurus supererogationis sanctorum). Aus der Lehre von der Verdienstlichkeit der Werke ergab sich auch, dass der Mensch nie vollkommene Gewissheit über seinen Gnadenstand haben könne, denn wer kann sagen, ob seine guten Werke zur Bezahlung seiner Sündenschuld genügen? Diese Ungewissheit trieb den Menschen zur(Qual einer ruhelosen Werk- heiligkeit und zur völligen Hingabe an die Kirche, um durch deren Vermittlung die Bürgschaft des Heils zu erlangen. Dazu kam noch eine ganz falsche Vorstellung von Christo. Obwohl man nicht leugnete, dass Christus der Mittler zwischen Gott und den Menschen sei, wurde er doch als Sohn Gottes den Menschen so fern gerückt, dass neue Vermittler nöthig wurden. Als Vermittler im Himmel wurden die Heiligen gedacht, deren Zahl immer wuchs, und Maria, die durch ihre Fürbitte den Zorn des Sohnes stillen müsse; die Anrufung der Jungfrau wurde immer überschwenglicher, besonders seitdem im 12. Jahrhundert die Lehre von Marias Sündlosigkeit aufkam. Als Mittler auf Erden galten die Priester. Der Priester bringt täglich das Messopfer dar, hat die Schlüssel des Himmels und die Gewalt, aus dem Fegfeuer zu befreien, wo die Frommen für ihre lässlichen Sünden Strafe erdulden; denn die Kirche, die Verwalterin des Schatzes vom über- schüssigen Verdienst der Heiligen, kann durch Seelenmessen den einzelnen Seelen davon zuwenden und so die Zeit des Fegfeuers abkürzen. Besonders wurde die Lehre von den Sakramenten von den Scholastikern ausgebildet und die Siebenzahl derselben festgestellt: Taufe, Firmung, Abendmahl, Busse, Ehe, Priesterweihe, letzte Oelung(Jacob. 5,14). Die Wirksamkeit der Sakramente galt als unabhängig von dem Glauben des Empfängers, es genügt, wenn er sich nur nicht dagegen verstockt. Der Taufe und Priesterweihe schrieb man einen unauslöschlichen Charakter(character indelebilis) zu. Im Abendmahl var seit 1215 die Verwandlungslehre Dogma, später entzog man aus Scheu, es möchte ein Tropfen vom Blute Christi verschüttet werden, den Laien den Kelch und rechtfertigte dies durch die Lehre von der Concomitanz, dass im Brot auch schon das Blut Christi enthalten sei,(auf dem Concil von Costnitz 1415 zum Dogma erhoben); zugleich galt das heilige Abendmahl als Messopfer, unblutige Wiederholung des Opfers Christi. Zur Busse gehörte die contritio cordis, Reue des Herzens, confessio oris, Bekenntniss mit dem Munde(seit dem Lateranconcil 1215 die Ohrenbeichte) und satisfactio operis, die Verbüssung der Kirchenstrafen durch Leistung äusserer Werke, wie Almosen, — 13— Fasten, Wallfahrten, später eine Geldzahlung für einen guten Zweck(nach dem Vorbild der Geldbussen im deutschen Gerichtsverfahren). Die Satisfactio operis wurde die Grundlage des Ablasses. Dieser war nicht ein Erlass der Sündenschuld und der ewigen Strafen, sondern nur Erlass der zeitlichen, im Fegfeuer zu verbüssenden Strafen; aber das Volk vermengte Sündenvergebung und Ablass und meinte, mit Erlangung des Ablasses sei alles geschehen, Busse sei nicht nothwendig. Noch schlimmer wurde es dadurch, dass der Ablass immer leichtfertiger ertheilt wurde. In den Kreuzzügen gab der Papst allen Kreuzfahrern, ja allen, die Almosen zur Förderung der Kreuzzüge gaben, vollkommnen Ablass; später ertheilte man auch- für erst beabsichtigte Sünden Ablass im Voraus. §. 16. Ferfassung. Cultus. Leben. Der Papst war der unumschränkte Oberherr der Kirche, ihm mussten sich die Bischöfe, Erz- bischöfe und Patriarchen willenlos unterwerfen und sich die Eingriffe der Legaten in ihre Rechte gefallen lassen. Die Wahl der Bischöfe geschah seit dem Investiturstreit durch die Domcapitel. Der Glerus wurde als eine von den Laien ganz verschiedene Classe betrachtet und sollte sich durch Kleidung, Tonsur, vor allem durch das Cölibat von der Welt unterscheiden, doch bestand die Priesterehe an vielen Orten bis auf Gregor VII. Die Bildung und die Sittlichkeit des Clerus war im Allgemeinen gering; das ungeistliche Leben, die sittliche Entartung, die Theilnahme an Fehden, die Unwissenheit und der Mangel an christlicher Erkenntniss, sowie die Unfähigkeit der meisten Geistlichen hemmten eine kräftige Einwirkung auf das Volk. Doch gab es manche tüchtige Bischöfe, die für die Bildung des Clerus und des Volkes eifrig wirkten(Erzbischof Bruno von Cöln, Bruder Ottos J.). Der Gottesdienst wurqde in der lateinischen Sprache gehalten, die das Volk, oft der Priester selbst nicht verstand. Der Mittelpunkt des Cultus war die Messe, die Predigt trat ganz zurück; zwar fehlte es nicht an bedeutenden Predigern(Bernhard von Clairveaux, in Deutschland der Franziskaner Berthold von Augsburg, † 1273, der oft vor 60,000 Menschen predigte), aber die Predigt war kein regelmässiger Theil des Gottesdienstes. Auch der Kirchengesang war lateinisch, daher war die Gemeinde auf einige Refrains»Kyrie eleison«(Herr erbarme dich!),»Ora pro nobis⸗ beschränkt. Heiligen-Marien-Reliquien- und Bilderdienst nahm immer mehr überhand. Aus dem Cultus entwickelten sich die geistlichen Schauspiele, namentlich Weihnachts- und Osterspiele. Die schönsten lateinischen Hymnen sind„Salve caput cruentatum“ von Bernhard von Clairveaux(ck.„O Haupt voll Blut und Wunden“ von Paul Gerhard),„Dies irae, dies illa“ von dem Franziskaner Thomas von Celano,„Pangue lingua“ und„Lauda Sion“ von Thomas von Aquino,„Stabat mater dolorosa“ von Jacoponus.— Die Anfänge des deutschen Kirchenliedes sind die Leisen, kurze Strophen, deren Refrain das Kyrie eleison bildete; vom eigentlichen Gottesdienst waren sie ausgeschlossen und blieben auf Wallfahrten, Bittgänge beschränkt. Im 12. und 13. Jahrhundert entstanden die schönsten Leisen, wie„Christus ist erstanden von der Marter Banden“,„Nun bitten wir den heiligen Geist“. Später entstanden Mischlieder, wie„In dulci jubilo nun singet und seid froh“. Auch die Baukunst gelangte im Dienst der Kirche zu ihrer höchsten Blüte. Aus der altchristlichen Basilikenform entwickelte sich der romanische Baustyl mit Rundbogen; im 12. Jahrhundert begann der gothische(deutsche) Styl mit Spitzbogen, gewaltigen Strebepfeilern, schlanken Thürmen; Denkmäler dieses Styles sind die Elisabethkirche in Marburg, der Cölner Dom(gegründet 1248 vom Erzbischof Konrad von Hochstaden) und das Strassburger Münster (begonnen 1275 von Erwin von Steinbach). Die Völker waren zunächst nur äusserlich bekehrt worden; heidnische Sitten und Anschauungen erhielten sich noch lange. Die Kirche suchte zwar der Rohheit möglichst zu steuern(Gottesfriede), aber sie wirkte zu wenig durch Predigt und Unterricht auf das Volk ein. Die Bibel war schon — 14— wegen der Kostbarkeit und Seltenheit der Handschriften nur Wenigen zugänglich(vor 1300 kostete ein Psalter 155 Mark; ein Taglöhner erhielt damals täglich 12 Pfennige) und selbst den Geistlichen wenig bekannt; zudem wurde seit dem Auftreten zahlreicher Ketzer den Laien der Besitz und das Lesen der Bibel verboten. Daher konnte das Evangelium die Volksmassen nicht wahrhaft durchdringen, die religiöse Erkenntniss war dürftig, Aberglaube und Werkheiligkeit herrschte überall, als höchste Stufe der Heiligkeit sah man das Mönchthum an, man meinte der mönchischen Heiligkeit schon theilhaftig zu werden, wenn man sich nur in einer Mönchskutte begraben lasse. Leichtfertigkeit im Sündigen, Rohheit, Selbstsucht, Gottesleugnung waren häufig. Doch brachte das Christenthum manche herrliche Früchte, Opferfreudigkeit, Wohlthätigkeit gegen Arme und Elende, innige Gottesliebe, bussfertige Gesinnung, ernstes Streben nach Heiligung bei tieferen Gemüthern. Ein Spiegel der reinsten Gottesliebe, der glänzendsten Tugenden ist die heilige Elisabeth. Elisabeth, geboren 1207, eine Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn und vermählt mit dem Landgrafen Ludwig von Hessen und Thüringen, war unermüdlich in Werken der Barmherzigkeit, voll Demuth, eine strenge Büsserin. Als ihr Gemahl 1227 in Unteritalien auf dem Kreuzzug Friedrichs II. starb, wurde sie von ihrem Schwager(Heinrich Raspe) von der Wartburg vertrieben und gerieth ins tiefste Elend, bis sie in Marburg einen Witwensitz erhielt. Auch hier brachte sie ihre Zeit mit Gebet, Pflege der Armen und Kranken und mit Askese zu, ihr Beichtvater Konrad von Marburg behandelte sie streng, oft roh. Elisabeth † 1231, vier Jahre später wurde sie heilig gesprochen und bald als Heilige verehrt. §. 17. Opposition gegen die Kirche. Bei den grossen Schäden und dem Verderben der Kirche traten das ganze Mittelalter hindurch zahlreiche Gegner derselben auf, theils Schwarmgeister, von denen manche sich sogar für den Sohn Gottes hielten, theils manichäische oder pantheistische Secten(letztere leugneten den persönlichen Gott und hielten das All für Gott). Alle bekämpften nicht nur die Schäden der Kirche, sondern wollten die ganze Kirche, das Papstthum, die Hierarchie und alle kirchliche Ordnung vernichten, ja verirrten sich bis zum Umsturz alles Bestehenden und zur Lästerung des Heiligen. Am zahlreichsten waren die verschiedenen manichäischen Secten, die schon im Anfang des 11. Jahrhunderts im Morgen- und Abendland auftraten. Sie hiessen die Reinen(Cathari, Ketzer), auch Bulgari(bougres), später Albigenser nach dem Städtchen Albi in Südfrankreich, gliederten sich in credentes und perfecti, hielten die Materie für den Sitz des Bösen, verwarfen das Alte Testament, die Sacramente, das Fleischessen, manche auch die Ehe. Die Kirche trat ihnen zwar mit Feuer und Schwert entgegen, aber sie wurden nur um so zahlreicher und feindseliger. Ihren Hauptsitz hatten sie in Südfrankreich, wo Adlige und Fürsten sie schützten wie Raimund von Toulouse. Zur Unterdrückung dieser Secten liess Innocenz III. nach Ermordung eines Legaten einen Kreuzzug predigen. Die Kreuzfahrer unter Simon von Montfort und dem Abt Arnold von Citeaux eroberten die Städte der Albigenser (Béziers, Albi, Carcasonne) und hieben alle Gegner nieder, in Béziers 20,000 nach dem Befehl Arnolds:„Schlagt sie alle nieder, der Herr kennt die Seinen“. 20 Jahre wüthete dieser grausame Religionskrieg. Eine Synode in Toulouse 1229 verpflichtete, um ein Wiederaufkommen der Katharer zu verhindern, die Bischöfe zur Aufspürung derselben un d verbot die Bibel. Gregor IX. errichtete 1232 besondere Inquisitionstribunale mit unbeschränkter Vollmacht und übertrug dieselben den Dominikanern. Die Hartnäckigen wurden der weltlichen Obrigkeit zum Verbrennen übergeben, die Widerrufenden gewöhnlich lebenslänglich in Klosterhaft gehalten.— In Deutschland wurde der erste Ketzermeister, Konrad von Marburg, bald ermordet, seitdem blieb Deutschland von der Inquisition verschont. Eine evangelische Richtung vertraten der römischen Kirche gegenüber nur die Waldenser, gestiftet von Petrus Waldus, einem reichen Kaufmann in Lyon. Der plötzliche Tod eines Freundes erschäütterte ihn tief und bewog ihn den Freuden der Welt zu entsagen. Von einem Priester liess er sich mehrere Bücher der heiligen Schrift mündlich in das Provenzalische übersetzen — 15— und von einem Schreiber die Uebersetzung nachschreiben; mit allem Ernst suchte er nun nach dem Buchstaben der Bergpredigt einen apostolischen Wandel zu führen. Nach dem Wort des Herrn zum reichen Jüngling Matthäi 19, 21 verkaufte er seine Habe, gab den Erlös den Armen und zog als Bussprediger umher. Viele wurden bekehrt; diese sandte er zu Zweien aus, um zu predigen, sie sollten arm und schlicht auftreten, ja nach Lucas 10, 4 nur Sandalen tragen. Das Volk nannte sie die Armen von Lyon(Pauperes de Lugduno, Leonistae), Sandalenleute, Waldenser. Der Erz- bischof von Lyon verbot ihnen das Predigen, aber sie erklärten, sie müssten Gott mehr gehorchen als den Menschen. Dann wandten sie sich an Alexander III., auch dieser verbot ihnen das Predigen und sein Nachfolger that sie in den Bann. In den nun hereinbrechenden Verfolgungen zerstreuten sie sich; bald hatten sie Gemeinden in Spanien, Frankreich, Oberitalien, Deutschland, Böhmen, Ungarn. Petrus Waldus zog selbst als Prediger flüchtig von Land zu Land, † um 1200 in Böhmen. Innocenz III. wollte die Waldenser mit der Kirche aussöhnen und zu einem Mönchsverein umgestalten, aber es war zu spät, die Waldenser hatten das Verderben der Kirche zu tief erkannt. Daher wurden sie mit gleicher Heftigkeit wie die andern Secten verfolgt und Tausende starben für ihren Glauben auf dem Scheiterhaufen. Ihre Reste flohen in die Alpenthäler von Savoyen und Piemont. Die Waldenser wollten anfangs nur Verwirklichung des reinen apostolischen Christenthums im Wandel, blieben aber der Lehre der Kirche im Ganzen treu. Erst nach ihrer Trennung von der Kirche verwarfen sie das Papstthum, die Werkheiligkeit, Heiligenanbetung, Messe, Ohrenbeichte, Ablass, Fegfeuer und sprachen jedem Christen das Recht und die Pflicht zu, die Bibel zu lesen. Selbst ihre Gegner rühmten ihr ernstes, sittenreines Leben und bewunderten ihre Bibelkenntniss. Im 16. Jahrhundert traten sie mit den Reformatoren(Calvin) in Verbindung, was eine Reform im evan- gelischen Sinn zur Folge hatte. Trotz aller blutigen Verfolgungen im 17. Jahrhundert haben sie sich bis heute erhalten, und nachdem sie im Königreich Sardinien, dann im Königreich Italien Religionsfreiheit erhalten haben, in vielen Städten, auch in Rom, blühende Gemeinden und Schulen gestiftet, die ein grosser Segen für Italien sind. II. Periode. Von Bonifaz VIII. bis zur Reformation. (1294— 1517.) §. 18. Terfall der Kirche. I. Der Verfall des Papstthums beginnt mit Bonifaz VIII. 1294— 1303. Dieser wollte in dem Krieg zwischen Philipp IV., dem Schönen von Frankreich und dem englischen König Eduard I. als Schiedsrichter entscheiden. Philipp wies den Papst zurück, erkannte aber nach heftigem Streite Bonifaz als Schiedsrichter an. Da die päpstliche Entscheidung nicht nach Philipps Willen ausfiel, wurde der Streit noch heftiger als früher. Der Papst schrieb an Philipp: Scire te volumus, quod in spiritualibus et temporalibus nobis subes. Beneficiorum et praebendarum ad te collatio nulla spectat. Aliud autem credentes haereticos reputamus. Der König antwortete: Sciat maxima tua fatuitas in temporalibus nos alicui non subesse, ecclesiarum ac praebendarum vacantium collationem ad nos jure regio pertinere. Secus autem credentes fatuos ac dementes reputamus. Die Bulle Unam sanctam sprach die Lehre aus, dass beide Schwerter, das weltliche wie das geistliche, dem Papst übergeben seien, und erklärte die Meinung, dass die weltliche Macht von der geistlichen unabhängig sei, für manichäische Ketzerei; zugleich belegte Bonifaz Frankreich mit Bann und Interdikt und entband die Unterthanen vom Eid der Treue. Philipp berief die Stände, diese — 16— appellierten an ein allgemeines Concil und der französische Kanzler nahm den Papst gefangen. Das Volk befreite ihn zwar, aber er starb noch in demselben Jahr.— Bonifaz erweiterte auch das Ablasswesen durch Anordnung eines Jubeljahres; wer nach Rom wallfahrtete, erhielt vollkommenen Ablass. Nun wurde Clemens V., der sich im Geheimen Philipp IV. verkauft hatte, Papst; er verlegte den päpstlichen Hof nach Avignon. Während der babylonischen Gefangenschaft 1309— 1377 gerieth das Papstthum in die grösste Unsittlichkeit und war von Frankreich ganz abhängig, aber anmassend gegen andere Länder. Clemens V. selbst musste auf Philipps Verlangen den Tempel- orden aufheben 1312. Sein Nachfolger Johann XXII. nahm in dem Streit zwischen Ludwig von Baiern und Friedrich dem Schönen von Oesterreich das Schiedsrichteramt in Anspruch und verhängte Bann und Interdikt über Ludwig und seine Anhänger. Als auch alle Bemühungen Ludwigs, sich mit dem friedliebenden Nachfolger Johanns XXII. zu versöhnen, vergeblich waren, erklärte der Kurverein von Rhense 1338, dass der von den Kurfürsten Gewählte auch ohne die Bestätigung des Papstes römischer Kaiser sei. Die Zerrüttung in Italien wurde immer grösser, so dass der Papst Gregor XI. wieder nach Rom zurückkehrte. Nach seinem Tode trat von 1378— 1409 ein Schisma ein; zwei Päpste, in Rom und Axignon, verfluchten sich gegenseitig. Endlich kam, namentlich durch die Bemühung Johann Gersons, des frommen und gelehrten Kanzlers der Pariser Universität, der eine Reform an Haupt und Gliedern forderte, das Concil von Pisa 1409 zusammen; dieses setzte beide Päpste ab, aber statt die Reform zu beginnen, wählte es einen neuen Papst, Alexander V., der sogleich das Concil vertagte. Die abgesetzten Päpste blieben, so war das Uebel nur vergrössert. Alexander † 1410, wahrscheinlich vergiftet von seinem Nachfolger Johann XXIII., einem früheren Seeräuber. Diesen zwang Kaiser Sigismund das Concil zu Costnitz 1414 zu berufen. Gerson und Peter d'Ailly setzten es durch, dass das Concil die Reform an Haupt und Gliedern für die Hauptaufgabe erklärte, die Abstimmung nach Nationen annahm und den Grundsatz aussprach, ein allgemeines Concil stehe über dem Papst. Johann XXIII. wurde wegen seiner Verbrechen abgesetzt, auch die andern Päpste beseitigt. Nun forderten Sigismund und die Deutschen vergeblich, die Reform vor der Papstwahl vorzunehmen. Martin V. wurde gewählt, schloss mit den einzelnen Völkern besondere Concordate ab und löste dann 1418 das Concil auf, mit dem Versprechen, es bald wieder zu berufen. Unter Martins Nachfolger(Eugen VI.) trat das Concil zu Basel 1431 zusammen. Dieses machte mit den Reformen Ernst, gerieth aber sofort mit dem Papst in Streit, beide bannten sich gegenseitig. Der Papst wusste die tüchtigsten Mitglieder des Concils und die bedeutendsten Fürsten, auch den schwachen Kaiser Friedrich III. für sich zu gewinnen und das Concil löste sich endlich von selbst auf. Das Papstthum hatte über die Reformbewegung vollständig gesiegt, versank aber in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts noch einmal in die grösste Liederlichkeit und frivolen Unglauben. Diese sittliche Entartung und die zahllosen Gelderpressungen der Päpste unter allerlei Vorwänden(Jubeljahr, zuletzt auf 25 Jahre herabgesetzt, Türkenkrieg, Ablässe, Dispensationen, Verzehntung des Kirchenvermögens, Annaten, Exspectanzen u. s. w.) machten das Papstthum verächtlich und verhasst, und Bann und Interdikt wurden wenig geachtet, vor allem in Italien. Innocenz VIII.(† 1492), der den Hexenprocess in Deutschland einführte, war ein höchst ausschweifender Mensch. Alexander VI.(† 1503) schändete seine Würde durch Unzucht, Giftmischerei, gräuliche Simonie und brachte den Reformator Savanarola auf den Scheiterhaufen(„Sterben muss er und wenn er Johannes der Täufer wäre“!), † an Gift, das sein Sohn für einen reichen Cardinal bereitet hatte. Julius II.(† 1513), der sich als „Zweiten Gott auf Erden“ anreden liess, war ein gewaltiger Kriegsheld, hatte aber nichts von einem Hirten der Christenheit — 17— an sich, ebenso wenig Leo X.(F† 1521), der feingebildet und prachtliebend, aber ohne allen Sinn für Religion und Kirche war; von ihm soll das Wort herrühren:„Wieviel die Fabel von Christo uns und den Unsern eingetragen habe, ist hinlänglich bekannt“. II. Scholastik und Mystik. Die Scholastik artete in leeres Schulgezänke und spitzfindige Begriffszergliederung aus. Ihre Vertreter behandelten mit grossem Aufwand von Gelehrsamkeit die frivolsten Fragen über die heiligsten Dinge, zeigten aber eine erstaunliche Unkenntniss der Kirchen- väter und der heiligen Schrift, ihr Streben ging hauptsächlich dahin, in der Disputierkunst zu glänzen. Kein Wunder daher, dass die Scholastik allgemein ein Gegenstand des Spottes wurde. Schon während der Blüthezeit der Scholastik war neben derselben die Mystik hervorgetreten, die durch fromme Betrachtung zur Vereinigung mit Gott kommen wollte. Bernhard von Clairveaux, Thomas von Aquino, Berthold von Regensburg und Andere, namentlich Deutsche, vertraten diese Richtung. Als aber die Scholastik entartete, kam die Mystik zur selbständigen Entwicklung und höchsten Blüthe. Die Mystiker legten allen Werth auf die persönliche Frömmigkeit, waren aber gleichgültig gegen das äussere Kirchenwesen. Doch blieb die Mystik stets auf kleinere Kreise beschränkt und konnte den Verfall der Kirche nicht aufhalten. Johann Tauler, geboren 1290 in Strassburg, war Dominikanermönch. Als Strassburg wegen seiner Treue gegen Ludwig von Baiern vom Interdikt getroffen wurde und die meisten Geistlichen auswanderten, predigte Tauler zum Troste des Volkes mit grossem Segen. Nicolaus von Basel, das Haupt der Gottesfreunde, drang in Tauler, nur Christo anzuhangen; nach langem innern Kampfe gab sich Tauler dem ungelehrten Laien hin. Um allen Dünkel zu unterdrücken, untersagte ihm Nicolaus das Predigen; Tauler gehorchte und lebte einsam in seiner Zelle, den Spott seiner Klosterbrüder und des Volkes mit Geduld ertragend; erst nach zwei Jahren trat er wieder auf und gewann die alte Liebe des Volkes rasch wieder. Als Strassburg wegen seines Widerstandes gegen Karl IV. im Bann blieb und der schwarze Tod 1348 wüthete, nahmen Tauler und zwei andere Geistliche sich des Volkes an und erklärten in einem Schreiben,»es sei lieblos, dass man das arme unwissende Volk also im Banne sterben lasse, wer den wahren Glauben habe und sich nur gegen des Papstes Person verfehle, sei kein Ketzer und der Papst könne einem, der unschuldig im Banne sei, den Himmel nicht verschliessen. Tauler und seine Freunde verbreiteten viel Trost, die Menschen starben getröstet und fürchteten den Bann nicht. Später lebte Tauler in Cöln und Basel, † 1361. Sein Hauptwerk ist die»Nachfolge des armen Lebens Christi.« Thomas(Hamerken, Hämmerlein) a Kempis, geboren um 1380 im Städtchen Kempen unweit Cöln. Sein Vater war ein unbemittelter Handwerker, seine Mutter eine fromme Frau. Zwölf Jahre alt kam er nach Deventer in die berühmte Schule der Brüder vom gemeinsamen Leben, im zwanzigsten Jahre trat er in das Kloster auf dem Agnetenberge bei Zwolle. Nie war er müssig, aber seine höchste Wonne war das Gebet in der Einsamkeit. Sein Wahlspr uch war: Trachte unbekannt zu bleiben(ama nesciri). Die Lehre der Kirche liess er unangefochten und war eifrig im Marien- und Heiligendienst, verwarf aber alles blos äusserliche Ceremonienwesen und betonte die Herzensfrömmigkeit:»Mehr solltet ihr euch auf Gnade und Barmherzigkeit verlassen, als auf eure Gebete und guten Werke«; das Bibellesen empfahl er nachdrücklich. Er verfasste die»vier Bücher von der Nachfolge Jesu Christi«, die nächst der Bibel am meisten gedruckt und verbreitet sind. Was nützt es dich, gelehrt über die Dreieinigkeit zu reden, wenn du nicht demtithig bist und dadurch der Dreieinigkeit missfällst? Fürwahr, hohe Worte machen den Menschen weder gerecht noch heilig, nur ein reines Leben 3 — 18— verschafft ihm das Wohlgefallen Gottes. Wenn du die Bibel auswendig wüsstest und alle Meinungen der Gelehrten, was hülfe dir das ohne Gottes Gnade und Liebe? Darin besteht die wahre Weisheit, unbekümmert um die Welt nach dem Reiche Gottes zu trachten. Halte dich an Jesum im Leben und im Sterben und überlass dich seiner Treue, er allein kann dir helfen, wenn alles von dir weicht. III. Mönchthum und Clerus. Ebenso grosse Verdorbenheit wie am päpstlichen Hof herrschte in den Klöstern und unter dem Clerus. Unsittlichkeit, Lasterhaftigkeit, Rohheit, Habsucht, weltliches Treiben und Herrschsucht, verbunden mit der grössten Unwissenheit im Christenthum und Verachtung der Wissenschaft nahm mehr und mehr überband; auch die Bettelorden verfielen zuletzt dem allgemeinen Verderben und alle Reformversuche scheiterten völlig. Die meisten Priester konnten nicht einmal predigen; die wenigen Prediger, meist Bettelmönche, brachten gewöhnlich Fabeleien zur Verherrlichung ihrer Schutzpatrone und Heiligthümer oder unfruchtbare scholastische Gelehrsamkeit vor. Der Gottesdienst wurde zu einem leeren Schauspiel. Besonders schlimm wurde es im 15. Jahrhundert; im Strassburger Münster liessen kurz vor der Reformation Ritter ihre Falken steigen, Geistliche plauderten und gingen hin und her, das Gotteshaus wurde zum öffentlichen Durchgang. Werkheiligkeit, Marien- und Heiligendienst wurde dem Volk auf das überschwenglichste angepriesen, sogar vor Betrug und falschen Wundern bebten Manche nicht zurück(1509 wurden deshalb vier Dominikaner in Bern verbrannt) und die Ablassprediger scheuten kein Mittel, um den Ablass anzubringen. IV. Das Volk war ebenfalls unwissend, aber gläubisch(Hexenwesen), roh, entsittlicht, wozu das Ablasswesen viel beitrug. Die Frömmigkeit des Volkes bestand in leeren Ceremonien, gedankenlosem Beten des Rosenkranzes und Gehorsam gegen die Kirche. Die religiöse Begeisterung war verschwunden, alle Ermahnungen der Päpste zu einem Türkenkrieg fanden keinen Widerhall in den Herzen, nur vereinzelt waren Erscheinungen wie die Jungfrau von Orleans. Für die religiöse Belehrung des Volkes geschah so gut als nichts. Mancherlei Gegner erhoben sich gegen die Kirche, theils Schwärmer, die eine überspannte Askese forderten und das Hereinbrechen der göttlichen Gerichte weissagten, wie die Geissler im 14. Jahrhundert, theils pantheistische Secten(Brüder und Schwestern des freien Geistes). Gegen sie trat die Kirche mit Feuer und Schwert auf; namentlich in Spanien wüthete die Inquisition mit unerhörter Grausamkeit. Torquemada, wohl der blutdürstigste und schrecklichste aller Grossinquisitoren, liess an 9000 Menschen lebendig verbrennen und 90,000 in verschiedener Weise bestrafen. Doch war in Spanien die Inquisition mehr ein politisches Institut zur Schwächung des Adels und zur Bereicherung des königlichen Schatzes. §. 19. Die Porläufer der Reformation. Die Humandisten. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts traten einzelne Vorläufer der Reformation auf, Männer, welche auf die heilige Schrift zurückgingen und trotz einzelner Irrthümer die Grundwahrheiten richtig erkannt hatten, die von den Reformatoren des 16. Jahrhunderts zur Geltung gebracht wurden. John Wycliffe, geboren 1324 im Dorfe Wycliffe in Yorkshire, studierte in Oxford, wandte sich aber bald dem Studium Augustins und der heiligen Schrift zu(⸗der evangelische Doctor-); auch trat er gegen die Bettelmönche auf und sprach sich gegen Bezahlung des Tributs aus, den Johann ohne Land einst versprochen hatte. Vom König(Eduard III.) zum Mitglied einer Gesandtschaft ernannt, die in Brügge mit päpstlichen Abgeordneten über Besetzung der englischen Kirchenämter — 19— verhandelte, lernte er recht das Verderben der Curie kennen und bezeichnete nach seiner Rückkehr den Papst offen als Beutelschneider und Gelderpresser, ja als Antichrist. Dann zog er sich auf seine Pfarrei Lutterworth zurück; hier predigte er fleissig und stiftete einen Verein von Männern, die als Reiseprediger wirkten. Besonders drang er auf das Lesen der heiligen Schrift, erklärte es als Ketzerei, dem Volk die Bibel zu verbieten und übersetzte die ganze heilige Schrift nach der Vulgata. Der Papst(Gregor XI.) verdammte zwar 19 seiner Sätze als ketzerisch, aber der König (Richard II.) und das Parlament waren für Wyeliffe, daher mussten sich die Bischöfe mit einer mildernden Erklärung von ihm zufrieden geben. Zugleich sprach er offen aus, so lange noch ein Athemaug in ihm sei, wolle er Christi Gesetz bekennen und vertheidigen, und trat auch ferner gegen die Missbräuche der Kirche unerschrocken auf. Als er später die Transsubstantiation im Abendmahl leugnete und Berengars Lehre erneuerte, stiess ihn die Universität aus und eine Synode verdammte seine Lehre als ketzerisch. Doch behielt er seine Pfarrei und widmete sich hier mit unermüdlichem Eifer der Predigt und Seelsorge, † am 31. December 1384. Auf dem Concil von Costnitz wurde seine Lehre verdammt; seine Gebeine wurden später ausgegraben und verbrannt. Wyeliffe hat zuerst die beiden Hauptprincipien der Reformation, das der Schriftautorität und der Rechtfertigung durch den Glauben, ausgesprochen, er betonte, dass alle Wahrheit entweder ausdrücklich oder mittelbar in der heiligen Schrift enthalten sei, dass Christus der alleinige Mittler zwischen Gott und den Menschen und sein Tod der Grund unserer Sünden- vergebung sei. Daher bekämpfte er nachdrücklich die Werkheiligkeit und den Ablass. Sein Hauptirrthum war die strenge Prädestinationslehre. In den höheren Ständen und im Volk hatte Wycliffe viele Anhänger, auf die der Ketzernamen Lollarden übertragen wurde, und seit dem Ende des 14. Jahrhunderts begannen die Verfolgungen der verhassten Secte. Einer der Hauptmärtyrer war John Oldcastle, Baron von Cobham, der 1417 in Ketten gehängt und von unten auf verbrannt wurde. Johann Huss, geboren 1369 im Flecken Hussinecz an der bairischen Grenze von frommen Eltern, studierte in Prag und fand schon früh im Glauben an den Sohn Gottes den Trost der Sündenvergebung. 1398 trat er als Lehrer an der Universität Prag auf und wurde 1401 Prediger an der Bethlehemskapelle, wo er unter reichem Segen predigte. Um dieselbe Zeit kehrte Hie ronymus von Prag von Oxford zurück und machte Huss mit wyeliffes Schriften näher bekannt. Bald entstanden an der Universität Streitigkeiten über Wycliffes Lehren, dazu kam noch eine nationale Spaltung zwischen Deutschen und Czechen. Als die Universität 45 Sätze Wycliffes verdammte, bewirkten Hussens Anhänger einen Erlass des Königs(Wenzel), dass die Czechen drei Stimmen, die Ausländer nur eine haben sollten. In Folge dessen verliessen die deutschen Professoren und Studenten Prag. 1412 trat Huss gegen den Ablass(zum Kreuzzug gegen Neapel) auf und Hieronymus verbrannte die Bulle. Als Huss gebannt und über Böhmen das Interdikt ausgesprochen wurde, appellierte er an den einzig gerechten Richter Jesum Christum und zog sich auf die Burgen seiner Freunde zurück, wo er seine Hauptschrift»Von der Kirche« verfasste. Huss betonte besonders den Glauben an die Schrift, dagegen die Rechtfertigung aus dem Glauben hob er weniger hervor. Auch er vertrat wie Wycliffe die strenge Prädestination, erklärte die wahre Kirche für die Gemeinschaft der Prädestinierten und lehrte, nur ein erwählter Priester könne die Sakramente wirksam verwalten. In der Abendmahlslehre blieb er bei der Transsubstantiation. Unterdess war das Concil von Costnitz berufen und Huss vorgeladen worden. Der Kaiser Sigismund stellte ihm freies Geleite für die Hin- und Rückreise aus und obwohl Huss von seinen Freunden gewarnt wurde, beschloss er doch hinzugehen. In Costnitz wurde Huss bald nach seiner — 20— Ankunft gefangen und in einen ungesunden Kerker geworfen. Der Kaiser befahl zwar seine Freilassung, liess sich aber vom Concil umstimmen. Ein Anwalt wurde Huss verweigert und erst nach sieben- monatlicher Haft, deren Qualen er geduldig ertrug, wurde er dreimal öffentlich verhört. Huss erklärte sich bereit, jeden Irrthum zurückzunehmen, wenn er aus der heiligen Schrift überführt werde, wies aber alle Ermahnungen zum Widerruf standhaft ab. Am 6. Juli, seinem Geburtstage, wurde er wieder vorgefordert; in seiner Vertheidigung erwähnte er das freie Geleit und schaute den Kaiser fest an, so dass dieser erröthete. Er wurde verurtheilt, seines priesterlichen Ornates beraubt, aus der Kirche ausgestossen und der weltlichen Obrigkeit überliefert. Auf dem Richtplatz betete er den 51. und 31. Psalm und starb auf dem Scheiterhaufen als ein rechter Märtyrer Christi mit dem Gebet:»O Jesu, du Sohn Gottes, erbarm dich meiner-! Seine Asche wurde in den Rhein geworfen.— Kurz vor Hussens Tod wurde Hieronymus von Prag gefangen genommen; anfangs widerrief er, als er aber später den Widerruf zurück nahm, wurde er als rückfälliger Ketzer verbrannt, am 30. Mai 1416. Die Czechen in Böhmen erhoben sich unter Ziskas Anführung gegen die römische Kirche, der nur der Clerus und die Deutschen treu blieben, und nach Wenzels Tode weigerten sie sich, den„wortbrüchigen“ Sigismund anzuerkennen. So begann der schreckliche Hussitenkrieg, der zugleich ein Nationalkrieg der Czechen gegen die Deutschen wurde. Nach Ziskas Tode spalteten sich die Hussiten in zwei Hauptparteien: die Calixtiner(calix) oder Utraquisten(sub utraque) verlangten nur den Genuss des Abendmahls unter beiderlei Gestalt, freie Verkündigung des göttlichen Wortes in der Landessprache, Beschränkung der grossen Reichthümer der Kirche und strenge Kirchenzucht unter dem Clerus, die Taboriten aber wollten in Kirche und Staat nichts dulden, was nicht in der heiligen Schrift begründet sei, und verbannten allen Schmuck aus der Kirche. Das Baseler Concil bewilligte 1433 den Calixtinern ihre vier Forderungen und dieselben kehrten auf Grund dieser Baseler Compactaten zur römischen Kirche zurück. Die Taboriten setzten den Kampf fort, wurden aber geschlagen und zerstreut. Der Papst beschränkte die den Calixtinern gemachten Zugeständnisse immer mehr und hob sie 1462 ganz auf; die Calixtiner verschwanden gänzlich.— Von den zersprengten Taboriten hatten sich Mehrere um 1450 zu einer kleinen Gemeinde vereinigt, die am Evangelium festhielt(Böhmische Brüder, unitas fratrum). Trotz aller blutigen Verfolgungen erhielten sie sich und vermehrten sich durch Vereinigung mit den Resten der Waldenser und andern evangelisch Gesinnten auf etwa 200 Gemeinden(um 1500). Aus ihnen ging später durch Zinzendorf die Brüdergemeinde(Herrnhuter) hervor. Johann Wessel, geboren um 1420 in Gröningen, verlor seine Eltern früh und wurde bei den Brüdern vom gemeinsamen Leben in Zwoll erzogen. Thomas a Kempis machte den grössten Eindruck auf ihn, schon damals trat seine evangelische Richtung hervor. Als Thomas einst den Jüngling zur Verehrung Marias aufforderte, erwiderte dieser:»Vater, warum führst du mich nicht lieber zu Christo, der doch alle Mühseligen und Beladenen so gütig zu sich ruft«? Auf der Universität Cöln lernte er Griechisch und Hebräisch und widmete sich neben der Scholastik und Mystik dem Studium der Classiker, besonders Platos. Nach mehreren Reisen blieb er längere Zeit in Paris, wo er mit den Humanisten Reuchlin und Agricola bekannt wurde. Später ging er nach Rom. In einer Audienz beim Papste Sixtus IV., einem alten Freunde, forderte ihn dieser auf, sich eine Gunst auszubitten, aber er bat zum Erstaunen des Papstes nicht um eine reiche Pfründe, sondern um eine griechische und hebräische Bibel aus der vatikanischen Bibliothek. In Heidelberg wirkte er als Lehrer der Philosophie und machte sich mehr und mehr von der Autorität der Scholastiker los, darum der»Meister der Widersprüche- genannt, von seinen Schülern gepriesen als das-Licht der Welt«. Seine letzten Jahre verlebte er ruhig in mehreren Klöstern seiner Heimath, † 1489 zu Gröningen. Von ihm sagte Luther:-Wenn ich den Wessel zuvor gelesen, so liessen meine Widersacher sich dünken, Luther hätte alles vom Wessel genommen, also stimmt unser beider Geist zusammen«. — 21— Wessel betonte beide Principien der Reformation ausdrücklich. Die Bibel war ihm die einzige Autorität. Diese solle nicht allegorisch, sondern nur in ihrem einfachen grammatischen Sinn verstanden und mit heilsbegierigem Herzen gelesen werden. Alle menschlichen Autoritäten verwarf er, auch die Unfehlbarkeit des Papstes und der Concilien und wollte alle Aussprüche der Kirchenlehrer und Concilien nur so weit gelten lassen, als sie mit der heiligen Schrift überein- stimmen. Ebenso hob er die paulinische Lehre von der Rechtfertigung bestimmt hervor und verwarf Alles, was der Lehre des Evangeliums entgegen ist und den Menschen vom Weg des Glaubens abführen kann, wie Ablass, Messen. An der Einheit der Kirche hielt er fest, setzte diese aber in die Einheit des Glaubens und des himmlischen Hauptes, nicht in die Einheit Petri als des Lenkers der Kirche oder seines Nachfolgers. Das Papstthum betrachtete er als etwas historisch Entstandenes, das auch wieder aufhören könne, nicht als eine göttliche Einrichtung. In Italien trat gegen das Verderben der Kirche Hieronymus Savonarola auf, geboren 1452 in Ferrara aus vornehmem Geschlecht. 23 Jahre alt trat er in ein Dominikanerkloster, um der Gottlosigkeit der Welt zu entfliehen, und las eifrig die Schrift, namentlich die prophetischen Bücher. Bald machte er als gewaltiger Straf- und Bussprediger Aufsehen, besonders seitdem er in Florenz Prior vom Kloster St. Marco geworden war. Vergebens suchte Lorenzo, aus dem Geschlecht der Mediceer, der die Stadt beherrschte, ihn durch Geld zu gewinnen. Als Lorenzos Sohn vertrieben wurde, trat Savonarola an die Spitze der Republik und wollte eine Theokratie aufrichten(»Gott allein will dein König sein, o Florenz, wie er der König Israels war«). Allgemeine Begeisterung ergriff die Bürger, alle Luxusgegenstände wurden verbrannt. Der Papst Alexander VI. wollte ihn durch den Cardinalshut gewinnen, er erwiderte:»Ich begehre keinen anderen rothen Hut als den Hut voll Blut, den Hut des Märtyrerthums;« seitdem verfolgte ihn der Papst unaufhörlich. Der Adel in Florenz wurde das strenge Regiment bald überdrüssig, auch die Volksstimmung schlug um, da mehrere Weissagungen sich nicht erfüllten und eine Hungersnoth ausbrach. Da erfolgte der Bann, Savonarola appellierte an Christum; eine Feuerprobe wurde vereitelt, was seine Feinde zur Aufreizung des Volkes benutzten. Das Kloster wurde vom Pöbel gestürmt, dem Savonarola sich freiwillig auslieferte. Die Richter, seine erbittertsten Feinde, liessen ihn foltern und verurtheilten ihn als Ketzer zum Scheiterhaufen. Savonarola † 1498 am 23. Mai im gläubigen Vertrauen auf Christum. Auch das Wiederaufblühen der classischen Studien half die Reformation vorbereiten. Als nach der Eroberung Constantinopels 1453 zahlreiche griechische Gelehrte nach Italien flohen und bei den Mediceern und am päpstlichen Hofe freundliche Aufnahme fanden, widmete man sich mit Begeisterung dem Studium der alten Classiker, und die Buchdruckerkunst förderte dasselbe bedeutend. Zugleich erhielten die classischen Studien eine neue Richtung. Früher hatten sie hauptsächlich kirchlichen Zwecken gedient, jetzt sollten sie die Grundlage einer allgemein-menschlichen Bildung sein(Humanismus). In Italien gewann aber unter den Humanisten heidnische Weltanschauung allgemeine Verbreitung. Marsilius Ficinus achtete Plato höher als die Heiligen und redete seine Freunde als»Geliebte in Plato« an, Pletho hoffte, dass sich das Christenthum bald in eine dem Heidenthum ähnliche Religion auflösen werde, und bei seinem Tode äusserte sein Freund, der Cardinal Bessarion, dass der Verstorbene sich im mystischen Bacchustanz den olympischen Göttern angeschlossen habe, der Cardinal Bembo, Leos X. Geheimschreiber, stellte die griechische Mythologie an Stelle des Christenthums, nannte Christum Minervam e Jovis capite ortam. Bei ihrer religiösen Gleich- gültigkeit vermieden es die Humanisten, ihre Wissenschaft auf die Theologie anzuwenden und die Schäden der Kirche ernstlich zu bekämpfen. Nur einer(Laurentius Valla) gebrauchte seine Sprach- kenntniss zur Erläuterung der heiligen Schrift und zur Kritik(Nachweis der Unächtheit der Constantinischen Schenkung), und vereinzelt steht Picus, Fürst von Mirandola, der die Scholastik, Plato und Aristoteles, die Kabbala, Mathematik und Naturwissenschaft studiert hatte und seine — 22— umfassende Bildung zur Vertheidigung des Christenthums verwandte; bemerkenswerth ist sein Wort: »Die Philosophie sucht die Wahrheit, die Theologie findet sie, die Religion hat sie«. Die deutschen Humanisten, meist ernste, religiöse Männer, hielten sich von den Verirrungen der italischen fern und stellten die neue Bildung in den Dienst des Evangeliums. Johann Reuchlin aus Pforzheim, († 1522) Professor in Tübingen, Heidelberg und Ingolstadt, Lehrer von Melanchthon, war seiner Zeit der grösste Kenner des Hebräischen und erwarb sich grosse Verdienste um das Studium desselben durch seine hebräische Grammatik, welche die Grundlage aller späteren wurde. Das Vorgehen der Cölner Dominikaner gegen Reuchlin, der sich gegen die Verbrennung der jüdischen Schriften ausgesprochen, veranlassste einen heftigen Kampf zwischen den Humanisten und den Mönchen, in dem letztere völlig unterlagen. Epistolae virorum obscurorum.— Der bedeutendste deutsche Humanist war Desiderius Erasmus von Rotterdam, geboren 1467, unterrichtet von den Brüdern des gemeinsamen Lebens. Seine Verwandten zwangen ihn zum Eintritt in ein Kloster, aber sein Bischof befreite ihn vom Klosterleben. Er studierte in Paris, machte grosse Reisen, war Professor des Griechischen in Oxford, lebte seit 1521 in Basel, † 1536. Die Mängel der Scholastik und die Schäden der Kirche deckte er offen auf, geisselte in geistvollen Schriften das Verderben aller Stände, namentlich des Mönchthums. Die theologische Wissenschaft förderte er nach Kräften und gab durch seine treffliche griechische Ausgabe des Neuen Testamentes mächtige Anregung zu einem tieferen Studium desselben. Weder die Vorläufer der Reformation noch die Humanisten konnten eine Heilung der grossen Schäden der Kirche bewirken, immerhin wurden schon wichtige Anfänge zum Bessern gemacht. Die ersteren brachen mit der Scholastik, gingen auf die heilige Schrift und Augustin zurück und sprachen die Principien aus, die allein eine Reform der Kirche herbeiführen konnten. Die Humanisten erneuerten die Kenntniss der griechischen und hebräischen Sprache, bahnten ein richtiges Verständniss der Schrift an und schufen wissenschaftliche Hülfsmittel zur Bekämpfung der Scholastik. Als das allgemein gefühlte Verderben der Kirche die Sehnsucht nach einer Reform gesteigert hatte und alle Verhältnisse die siegreiche Durchführung derselben sicherten, da sandte der Herr der Kirche auch die rechten Männer, um dieselbe zu erneuern und in ihrer Reinheit herzustellen. Jahresberdeht, das Schuljahr von Michaelis 1879 bis Ostern 1880 betreffend. I. CEehrverfassung. A. Klassen und Lehrplan. Die Realschule I. Ordnung zählte während des verflossenen Schuljahres, das diesmal ausnahmsweise nur die Zeit von Michaelis bis Ostern umfasste, 18 Klassen; von diesen bildeten 3 die Klassen der Vorschule, die übrigen 15 die der Realschule I. O. und hatten die Bezeichnungen Sexta a und b, Quinta a und b, Quarta a und b, Untertertia a und b, Obertertia a und b, Unter- secunda a und b, Obersecunda, Unterprima, Oberprima. B. Erledigte Lehrpensa. Vorschulklasse IIl. Ordinarius: Gottschalk. Wöchentlich 20 Stunden. Cursus einjährig. I. Feligion. 4 St. Gottschalk. 15 ausgewählte Geschichten aus dem Neuen und Alten Testament. Eine Anzahl kleiner Gebete und Bibelsprüche. 2. Deutsch. 11 St. Gottschalk. Elementarisch richtiges Lesen beider Abtheilungen der Handfibel mit Auswahl:„Des Kindes erstes Schulbuch“. Memorieren kleiner Gedichte. Abschreibeübungen. 3. Rechnen. 5 St. Gottschalk. Addition und Subtraction der Grundzahlen im Zahlenraum von 1— 100. Kopfrechnen. 4. Gesang. Gottschalk. Fiel aus. Vorschulklasse Il. Ordinarius: Jürgens. Wöchentlich 22 Stunden. Cursus einjährig. I. Religion. 4 St. Jürgens. 15 ausgewählte biblische Geschichten aus dem Alten und Neuen Testamente. Biblische Geschichten von mehreren Lehrern Cassels. Die zehn Gebote und das„Unser Vater“ ohne Luthers Erklärung. Einige leichte Bibelsprüche und Liederverse. 2. Deutsch. 9 St. Jürgens. Fortgesetzte Uebung im richtigen und geläufigen Lesen deutscher und lateinischer Schrift mit sinngemässer Betonung. Inhaltliche Besprechung des Lesestoffs. Uebung im Erzählen. Memorieren und Vortragen kleiner Gedichte. Ab- und Aufschreibeübungen. Dictate. Allgemeine Kenntniss des Haupt-, Zeit- und Eigenschaftswortes. Lebensbilder II. von Berthelt etc. 00 4 Or ☛ ☛ 4 — 24— . Rechnen. 5 St. Jürgens. Die vier Species im Zahlenraume bis 100. Das kleine Einmaleins. Numerieren bis 1000. Addition und Subtraction in dem Zahlenraume von 1—1000. . Schreiben. 4 St. Jürgens. Die kleinen und grossen Buchstaben der deutschen Schrift in genetischer Folge. Wörter und kleine Sätze. Ziffern. Tactschreiben. . Gesang. Jürgens. Gelegentlich des Unterrichts in der Religion und im Deutschen einige Lieder und Choräle. Vorschulklasse l. Ordinarius: Erdmann. Wöchentlich 24 Stunden. Cursus einjährig. Religion. 4. St. Erdmann. 20 ausgewählte Geschichten aus dem Neuen und Alten Testament. Ein Kirchenlied memoriert. Die 10 Gebote, die drei Glaubensartikel und das„Unser Vater“ ohne Luthers Erklärung. Biblische Geschichten von mehreren Lehrern Cassels. . Deutsch. 8 St. Erdmann. Uebung im fliessenden Lesen mit Betonung. Besprechung des Inhalts, Erzählen. Kenntniss des Artikels, des Substantivs und des Eigenschaftswortes (Declination) und des Zeitwortes(Conjugation). Orthographische Uebungen(Dictate). Memorieren und Vortragen geeigneter Gedichte. Lesebuch: Lebensbilder II. von Berthelt etc. . Rechnen. 5 St. Erdmann. Die 4 Species in unbenannten und einfach benannten ganzen Zahlen. Rechenbuch: Böhme No. VII. . Schönschreiben. 4 St. Erdmann. Lateinische Schrift. . Geographie. 1 St. Erdmann. Cassel und Umgegend. . Gesang. 2 St. Erdmann. Leichte Choräle und Volkslieder. Sexta. Ordinarius: In VIa Krauth, in VIb Hunrath. Wöchentlich 32 Stunden. Cursus einjährig. . Religion. 3 St. In. beiden Cötus Spangenberg. Die Geschicht en des Alten Testaments bis zur Theilung des Reichs. Wortlaut des 1. und 2. Hauptstücks ohne Luthers Erklärung. Bibelsprüche und Kirchenlieder. Lehrbücher: Biblische Geschichten von mehreren Lehrern Cassels, Hessischer Landeskatechismus. . Deutsch. 4 St. In a Krauth, in b Hunrath. Musterstücke aus dem Lesebuche von Hopf und Paulsiek wurden gelesen, besprochen und mündlich wiedergegeben, Gedichte auswendig gelernt und declamiert. Die Wortarten Präpositionen, die Pronomina, das Nothwendigste aus der Satz- und Interpunctionslehre. Wöchentlich ein Dictat, statt dessen zuweilen ein kleiner Aufsatz. . Latein. 8 St. In a Krauth, in b Hunrath. Formenlehre nach Scheele, Vorschule zu den lateinischen Classikern, Theil I, Abschnitt—VI. Wöchentlich abwechselnd ein Exercitium oder Extemporale. . Geographie u. Geschichte. 3 St. In a von Michaelis 1879 bis Januar 1880 Merkelbach, von da bis Ostern Dr. Stehlich, in b Völler. Geographische Grundbegriffe. Uebersicht über die Erdoberfläche. Provinz Hessen-Nassau. Die schönsten Sagen der griechischen und germanischen Vorzeit. 9 — 25— Rechnen. 5 St. In beiden Cötus Spangenberg. Wiederholung des Zehnersystems und der vier Grundrechnungsarten mit unbenannten und einfach benannten Zahlen. Kenntniss der Maasse, Münzen und Gewichte. Resolvieren und Reducieren mehrfach benannter Zahlen. Die vier Species mit mehrfach benannten Zahlen. Leichte Regeldetriaufgaben mit ungleich benannten Zahlen. Zeitrechnung. Hauptsächlich Kopfrechnen. Böhme, Uebungsbuch 8. Naturgeschichte. 2 St. In a Völler, in b Schwarz. Propädeutischer Unterricht: Beschreibung einiger Herbstgewächse und noch grünender Holzgewächse in Bezug auf die Haupttheile der Pflanze; später: Betrachtung und Beschreibung von Säugethieren und Vögeln nach ausgestopften Exemplaren. Schönschreiben. 3 St. In beiden Cötus Spangenberg. Die Buchstaben des kleinen und grossen Alphabets deutscher und lateinischer Schrift. Anwendung derselben in Wörtern und Sätzen. Tactschreiben. Zeichnen. 2 St. In beiden Cötus Karbiner. Vorübungen im Freihandzeichnen auf Schiefertafeln. . Gesang. 2 St. In beiden Cötus Jürgens. Stimmübungen. Einübung von Chorälen und ein- und zweistimmigen Volksliedern nach dem Gehör. Quinta. Ordinarius: In Va Schwarz, in Vb Lange. Wöchentlich 33 Stunden. Cursus einjährig. Religion. 3 St. In a Lange, in b Spangenberg. Biblische Geschichten des Neuen Testaments mit Ausschluss derjenigen, welche Unterredungen und Gleichnisse zum Gegenstand haben. Luthers Erklärung zum 1. Hauptstück gelernt. Eine Anzahl Bibelsprüche und Kirchenlieder. »„Biblische Geschichten von mehreren Lehrern Cassels«,»Hessischer Landeskatechismus-. . Deutsch. 4 St. In a Jürgens, inb Lange. Stücke aus dem Lesebuch von Hopf und, Paulsiek wurden gelesen, besprochen und wiedererzählt. Orthographische und grammatische Uebungen. Wöchentlich ein Dictat oder ein kleiner Aufsatz. Uebung im Vortrag. Weiteres aus der Satz- und Interpunktionslehre.(Hopf und Paulsiek; Quinta.) G . Latein. 6 St. In a von Michaelis 1879 bis Januar 1880 Dr. Schantz, von da bis Ostern Dr. Stehlich, in b Dr. Hunrath. Durchnahme der Formenlehre nach dem Lehrbuche von Scheele. Ein Exercitium und ein Extemporale wöchentlich abwechselnd. Französisch. 5 St. In a Dr. Grebel, in b Dr. Hölting. Plötz, Elementargrammatik, Lection 1— 60. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. Sprechübungen. . Geographie u. Geschichte. 3 St. In a Grebe, in b Dr. Hunrath. Das deutsche Reich, zuerst oro-hydrographisch, dann politisch. Seydlitz, Grundzüge der Geographie. Griechische Geschichte bis auf Alexander den Grossen in einfacher epischer Darstellung. Pütz, Grundriss der Geschichte und Geographie Th. I. . Rechnen. 4 St. In a Schwarz, in b Lange. Die Lehre von den gemeinen und Decimalbrüchen. Verbindung beider Arten und Verwandlung der einen in die andere. Regel de tri mit Brüchen. Böhme, Uebungsbuch No. 7. Naturgeschichte. 2 St. In beiden Cötus Schwarz. Morphologische Uebungen an Pflanzen. Beschreibung und Gruppirung von Säugethieren, insbesondere von Raubthieren, Insektenfressern, Nagern und Wiederkäuern. 4 — 26— §. Schönschreiben. 2 St. In beiden Cötus Gottschalk. Uebung der deutschen und lateinischen Buchstaben in genetischer Folge und Anwendung in Wörtern und Sätzen. Tactschreiben. 9. Zeichnen. 2 St. In beiden Cötus Karbiner. Vorübungen im Freihandzeichnen nach Vor- zeichnungen an der Schultafel. 10. Gesang. 2 St. In beiden Cötus Erdmann. Einübung von Chorälen und zwei- und drei- stimmigen Volksliedern nach dem Gehör. Quarta. Ordinarius: In IVa Dr. Schantz, in IVb Dr. Ortmann. Wöchentlich 34 Stunden Cursus einjährig. I. Religion. 2 St. In a Lange, in b Spangenberg. Das erste Hauptstück wurde erklärt, der Text zum zweiten Hauptstück gelernt. Sprüche und drei Lieder neu gelernt, früher gelernte wiederholt. Die Eintheilung und Reihenfolge der biblischen Bücher nebst Uebung im Aufschlagen derselben. Lehrbuch: Hessischer Landeskatechismus. 2. Deutsch. 3 St. In a Lange, in b von Michaelis 1879 bis Januar 1880 Erdmann, von da bis Ostern Dr. Stehlich. Erklärung prosaischer und poetischer Lesestücke aus Hopf und Paulsieks Lesebuch. Declamationsübungen. Satzlehre. Alle drei Wochen ein Aufsatz und ein Dictat.(Hopf und Paulsiek; Quarta.) 3. Latein. 6 St. In a Dr. Schantz, in b Dr. Ortmann. Wiederholung der Formenlehre. Casuslehre nach Scheele II.§. 1— 44. Wöchentlich ein Exercitium oder Extemporale. 4. Französisch. 5 St. In a Ide, in b Dr. Ortmann. Plötz, Elementargrammatik, Lection 76— 105. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. In a Sprechübungen mit Benutzung von Wilke's Bildertafeln. 5. Geographie. 2 St. In a Grebe, in b Dr. Hunrath. Die Erädtheile, specieller Europa. Aus der mathematischen Geographie, was sich an Globus und Tellurium erläutern lässt. Seydlitz, Grundzüge der Geographie. 6. Geschichte. 2 St. In a Dr. Schantz, in b Dr. Hunrath. Römische Geschichte nach Pütz, Grundriss I. Th. 7. Mathematik. 6 St. Geometrie. 3 St. In beiden Cötus Völler. Geometrische Propädeutik, Herstellung und Betrachtung geometrischer Körper, Lehre von den Winkeln, Parallelen, Congruenzen, Lösen von Aufgaben. Koppe, Lehrbuch, Abschnitt I-—IV incl. Rechnen. 3 St. In beiden Cötus Völler. Practische Anwendung des Rechnens mit gemeinen und Decimalbrüchen auf alle bürgerlichen Rechnungsarten mit besonderer Berücksichtigung der Zins-, Rabatt-, Termin-, Gesellschafts- und Mischungsrechnung. Böhme Nr. 12. §. Naturgeschichte. 2 St. In a Dr. Kramm, in b Völler. Systematische Betrachtung der Säuge- thiere und Vögel. Schilling Bd. I. 9. Schönschreiben. 2 St. In a Gottschalk, in bSpangenberg. Ein- und mehrzeilige Vor- schriften in deutscher, und lateinischer Schrift, Geschäftsaufsätze. 10. Zeichnen. 2 St. In beiden Cötus Karbiner. Freihandzeichnen nach Vorzeichnungen an der Schultafel. II. Gesang. 2 St. In beiden Cötus Lange. Choräle und vierstimmige Lieder. Erk und Greef II. — 27— Unter-Tertia. Ordinarius: In U 3a Dr. Wittich, in U 3 b Dr. Hölting. Wöchentlich 34 Stunden. Cursus einjährig. I. Religion. 2 St. In a Lange, in b Erdmann. Erklärung des zweiten Hauptstückes, vollständiges Memorieren des dritten Hauptstückes. Evangelische Pericopen mit Auswahl gelesen und besprochen. Das Wichtigste über die Eintheilung des Kirchenjahrs. Die wichtigsten Abschnitte aus der Apostelgeschichte wurden gelesen. Sprüche und zwei Lieder neu gelernt, die früher gelernten wiederholt. 2. Deutsch. 3 St. In a Dr. Wittich, in b Lange. Erklärung ausgewählter Lesestücke aus Hopf und Paulsiek. Declamationsübungen. Satzlehre. Alle drei Wochen einen Aufsatz. Dictate. 3. Latein. 5 St. In a Dr. Wittich, in b Dr. Hölting. Lehre von den Modi nach Scheele, Th. II. §. 45— 56 incl. Lectüre aus Ellendts Materialien. Wiederholung der Casuslehre und der Formenlehre. Wöchentlich abwechselnd ein Exercitium oder Extemporale. 4. Französisch. 4 St. In a erst Dr. Ortmann, dann Dr. Stehlich, in b Dr. Hölting. Plötz, Schulgrammatik, Lection 1— 28. Lectüre nach Plötz, Lectures choisies. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. 5. Englisch. 4 St. In a anfangs Director, dann Dr. Stehlich, in b Prorector Heuser. Die methodische Elementarstufe in Zimmermann's Lehrbuch und Lectionen I— XVIII. aus dem systematischen Cursus, letztere in summarischer Abkürzung. Lectüre und Memorieren leichterer Lesestücke. Exercitien, Extemporalien und Dictate abwechselnd. 6. Geographie. 2 St. In a Grebe, in b Dr. Hölting. Das deutsche Reich, mit besonderer Hervorhebung von Preussen.— Schweiz, Niederlande, Belgien, deutsche Kronländer Oesterreichs. Seydlitz, Schulgeographie. 7. Geschichte. 2 St. In a Dr. Wittich, in b Dr. Hölting. Geschichte des Mittelalters nach Pütz, Theil II. §. Mathematik. 6 St. Geometrie 3 St. In a Völler, in b Schwarz. Die Lehre vom Dreieck, Viereck, Kreis und von der Inhaltsgleichheit der Figuren. Constructions-Aufgaben. Koppe, Planimetrie Abschnitt IV— VII. incl. Arithmetik und Algebra 3 St. In a Völler, in b Schwarz. Die vier Species mit algebraischen Grössen. Quadrat- und Cubikwurzelausziehen. Gleichungen vom 1. Grad mit einer Unbekannten. Wiederholung bürgerlicher Rechnungsarten. Heis, Aufgabensammlung. 9. Naturgeschichte. 2 St. In a Dr. Hornstein, in b Schwarz. Systematische Betrachtung der Reptilien, Amphibien und Fische. Allgemeines und Uebersicht über die Gliederfüssler. Schilling, Band I. 10. Zeichnen. 2 St. In beiden Cötus Karbine r. Freihandzeichnen nach Wandtafeln und nach Vorlagen. II. Gesang. 2 St. In beiden Cötus Lange. Choräle und vierstimmige Lieder, Erk und Greef, Heft II. Ober-Tertia. Ordinarius: In O 3a Dr. Siebert, in 0 3b Dr. Grebel. 34 Stunden. Cursus einjährig. I. Eeligion. 2 St. In a Siebert, in b Dr. Schantz. Das dritte Hauptstück nach dem hessischen Landeskatechismus. Sprüche und Lieder gelernt, bezw. wiederholt. Gleichnisse und Reden Jesu nach Matthäus. 2. Deutsch. 3 St. In a Dr. Siebert, in b Krauth. Lectüre poetischer und prosaischer Musterstücke aus Hopf und Paulsieks Lesebuch, verbunden mit sachlichen und sprachlichen Erklärungen. Uebungen im Vortrag wie in der Wiedergabe des Gelesenen. Satzlehre. Alle vier Wochen ein Aufsatz. 3. Latein. 5 St. In a Dr. Siebert, in b Ide. Repetition der Syntax nach Scheele II. Exercitien und Extemporalien. Lectüre in a: Caes. bell. gall. II. III., in b: Caes. bell. gall. lib. I. 4. Französisch. 4 St. In a Dr. Ortmann, in b Dr. Grebel. Plötz, Schulgrammatik, Abschnitt IV. V. und VI., L. 46— 55. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. Lectüre aus Plötz, Lectures choisies. Memorier- und Sprech-Uebungen. 5. Englisch. 4 St. In a Dr. Ortmann, in b Dr. Grebel. Zimmermann, Lehrbuch der englischen Sprache, systematischer Cursus, Lection 19— 54. Lectüre aus Lüdeking, Theil I. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. Memorier- und Sprech-Uebungen. 6. Geographie. 2 St. In a Grebe, in b Stange. Die romanischen, slavischen, germanischen Staaten Europas mit Ausschluss der in Unter-Tertia specieller behandelten. Die Colonieen der europäischen Nationen. Seydlitz, Schulgeographie. 7. Geschichte. 2 St. In a Siebert, in b Krauth. Neuere Geschichte mit besonderer Berück- sichtigung der vaterländischen, nach Pütz, Grundriss für mittlere Klassen III. §. Mathematik. 6 St. In a Dr. Kramm, in b Stange. Geometrie 3 St. Von der Proportionalität der Linien und Figuren. Inhaltsberechnung der ebenen Figuren. Constructions-Aufgaben. Koppe, Planimetrie. Arithmetik und Algebra. 3 St. Lehre von den Proportionen. Gleichungen des I. Grades mit einer und mehreren Unbekannten. Einige Sätze von den Potenzen und Wurzeln. Rechnen: Rabatt-, Gewinn- und Verlust-Rechnung. Heis, Aufgabensammlung. 9. Naturgeschichte. 2 St. In a Dr. Kramm, in b Stange. Die Gliederfüssler. Schilling Bd. I. 10. Zeichnen. 2 St. In beiden Cötus Karbiner. Freihandzeichnen. Schattieren nach Vorlagen. II. Gesang. 2 St. In beiden Cötus Lange. Choräle und vierstimmige Lieder. Erk und Greef, Heft II. Unter-Secunda. Ordinarius: In U 2a Stange, in U 2b Ide. Wöchentlich 34 Stunden. Cursus einjährig. I. Religion. 2 St. In a Dr. Schantz, in b Prorector Heuser. Lebersichtliche Darstellung der Geschichte des Reiches Gottes bis auf Christum. Lesen ausgewählter biblischer Abschnitte. Erklärung des 4. und 5. Hauptstücks des Katechismus mit Bibelsprüchen. Erklärung und Auswendiglernen von Gesangbuchsliedern. 2. Deutsch. 3 St. In a Dr. Schantz, in b Dr. Ortmann. Lectüre ausgewählter Stücke aus Hopf und Paulsieks Lesebuch, sowie Göthescher und Schillerscher Gedichte. Declamationsübungen. Alle 4 Wochen ein Aufsatz. 3. Latein. 4 St. In a bis Januar Krauth, von da Dr. Stehlich, in b Krauth. Caes. bell. gall. lib. II. und Anfang des III. bis zur Empörung der Seestaaten, zuletzt theilweise cursorisch. Uebersetzung aus Süpfle, Aufgaben Th. I., Abtheilung I. und II. Repetition der Casuslehre im Anschluss an die Gram matik von Moiszisstzig§. 362— 482. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. — 29— 4. Französisch. 4 St. In a Director, in b Ide. Plötz, Schulgrammatik, Abschnitt VII. bis IX. Lection 56— 71, Repetition des Abschnitts vom Subjontif. Sprech- und Declamationsübungen. Lectüre aus Kreyssig: Trois Siècles de la Littérature Française. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. 5. Englisch. 3. St. In beiden Cötus Ide. Zimmermann, Grammatik; Formenlehre, Abschnitt I-IV. Lehre vom einfachen Satz. Lectüre aus Lüdeking II. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. 6. Geographie. 1 St. In a Grebe, in b Schwarz. Das deutsche Reich, besonders mit Rücksicht auf Cultur, Handel und Gewerbe. Seydlitz, Schulgeographie. 7. Geschichte. 2 St. In a Ide, in b Krauth. Geschichte des Alterthums, besonders der Griechen und Römer, nach Pütz, Grundriss für obere Klassen, I. §. Mathematik. 5 St. In a bis 1. Februar Merkelbach, dann Stange, in b Schwarz. a) Trigo- nometrie und Geometrie: Die Elemente der Goniometrie und ebenen Trigonometrie. Leichtere Uebungsaufgaben. Beendigung der Planimetrie: Von den Aehnlichkeitspunkten, der harmonischen Theilung und von den Transversalen. b) Algebra und Rechnen: Die Lehre von den Potenzen, Wurzeln und Logarithmen. Quadratische Gleichungen mit einer Unbekannten. Arithmetische und geometrische Reihen. Repetitionen aus den bürgerlichen Rechnungsarten. Koppe's Lehrbücher der Planimetrie und Trigonometrie. 9. Naturgeschichte. 2 St. In a und b Dr. Hornstein. Die Thierkreise der Weichthiere, der Stachel- häuter, der Darmlosen und der Urthiere. Das Wichtigste aus der Anatomie des menschlichen Körpers. Schilling, Naturgeschichte, Band I. I0. Physik. 2 St. In beiden Cötus Stange. Die allgemeinen Eigenschaften der Körper. Die Elemente der Mechanik fester Körper. Uebungsaufgaben. Trappe, Schul-Physik. II. Chemie. 2 St. In a und b Dr. Hornstein. Methodische experimentelle Begründung der wichtigsten chemischen Grundlehren. 12. Zeichnen. 2§t. In beiden Cötus Karbiner. Freihandzeichnen. Schattieren nach Vorlagen. 13. Gesang. 2 St. In beiden Cötus Lange. Choräle und vierstimmige Lieder. Erk und Greef, Heft II. Ober-Secunda. Ordinarius: Dr. Kramm. Wöchentlich 33 Stunden. Cursus einjährig. I. Religion. 2. St. Prorector Heuser. Geschichte der alten Kirche bis auf Karl d. Gr. mit Beschränkung auf das Wichtigste. Erklärung des ersten Corintherbriefs. Erklärung und Auswendiglernen von Gesangbuchsliedern. 2. Deutsch. 3 St. Dr. Schantz. Lectüre aus Hopf und Paulsieks Lesebuch aus der Zeit von Luther bis Klopstock. Schillers Jungfrau von Orleans. Uebungen im Disponieren und freiem Vortrage. Declamationsübungen. Alle 4 Wochen ein Aufsatz. 3. Latein. 4 St. Dr. Wittich. Ovid. Metam. II, 367 ff. Battus, Cadmus, Pentheus. Caesar, bellum civile, III, 1— 30. Grammatik von Moiszisstzig§. 342— 579 repetiert,§. 580— 745 neu. Uebersetzungen aus Süpffe, Aufg., Thl. I. Wöchentlich ein Exercitium oder Extemporale. — 30— 4. Französisch. 4 St. Dr. Grebel. Wiederuolung der wichtigsten Abschnitte aus Plötz, Schul- grammatik. Extemporalien und Exercitien wöchentlich abwechselnd, theils aus Plötz, Uebungen zur Syntax, theils freiere Arbeiten. Lectüre aus Kreyssig: Trois Siècles de la Littérature Française. Horace von Corneille. Sprechübungen. 5. Englisch. 3 St. Dr. Grebel. Grammatik nach Zimmermann V—X der Formenlehre. Syntax mit Auswahl der wichtigsten Abschnitte. Extemporalien und Exercitien wöchentlich abwechselnd. Lectüre aus Lüdeking II. und Critical and Hist. Essays by Macaulay, Vol. 4. Tauchn. edit. Sprechübungen. 6. Geographie. 1 St. Grebe. Die europäischen Staaten ausser dem deutschen Reiche und die übrigen Erdtheile, soweit Colonieen europäischer Staaten in Betracht kommen. Seydlitz, Schulgeographie. 7. Geschichte. 2 St. Dr. Wittich. Geschichte des Mittelalters mit besonderer Berücksichtigung der Kulturgeschichte, nach Pütz, Grundriss der Geschichte, II. §. Mathematik. 5 St. Dr. Kramm. Gleichungen vom 2. Grade mit einer und mehreren Unbekannten. Diophantische Gleichungen. Stereom etrie. Uebungsaufgaben aus der Planimetrie. Heis, Aufgabensammlung, Koppe, Stereometrie. 9. Naturgeschichte. 2 St. Dr. Hornstein. Specielle Mineralogie. Wichtigere Mineralspecies wurden betrachtet und beschrieben. Hornstein, Kl. Lehrbuch der Mineralogie. 10. Physik. 2 St. Dr. Kramm. Lehre vom Magnetismus und von der FElectricität. Trappe, Schul-Physik. II. Chemie. 2 St. Dr. Hornstein. Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel, Phosphor, Bor. Stöchiometrische Berechnungen. Rüdorff, Grundriss der Chemie. 12. Zeichnen. 2 St. Karbiner. Zeichnen nach einfachen Gypsornamenten. 19. Gesang. 2 St. Lange. Choräle und vierstimmige Lieder. Erk und Greef, Heft II. Unter-Prima. Ordinarius: Grebe. Wöchentlich 33 Stunden. Cursus einjährig. — Religion. 2 St. Dr. Schantz. Kirchengeschichte des Mittelalters. Evangelium Johannis. Confessio Augustana Art.— XV. . Deutsch. 3 St. Dr. Siebert. Lectüre und Besprechung der in Hopf und Paulsieks Lesebuch enthaltenen Abschnitte aus dem Nibelungenlied, von Göthe's Iphigenie und von Schiller's Braut von Messina. Declamationen. Alle 4 Wochen ein Aufsatz. Latein. 3 St. Dr. Siebert. Repetitionen der Syntax nach Beispielen. Süpfle, Aufg. No. 124— 170. Lectüre Sall. de Catil. conjur. Wöchentlich ein Exercitium oder ein Extemporale. . Französisch. 4 St. Dr. Hölting. Wiederholung der Formenlehre. Syntax nach Plötz, Nouvelle Grammaire, Abschnitt—III. Lectüre aus Kreyssig, Trois Siècles, und Baumgarten, Tableaux Zoologiques. Phraseologie. Sprechübungen. Aufsätze, Thèmes und Extemporalien abwechselnd. Englisch. 3 St. Prorector Heuser. Grammatische Repetitionen aus der Formenlehre und Syntax. Schriftliche Uebungen. Exercises, Extemporalien und Aufsätze abwechseln d. Lectüre aus Washington Irving's Sketch Book. Conversationsübungen. N 8 ⁸ &☛ — 31— 6. Geographie. 1 St. Grebe. Mathematische Geographie nebst Anfangsgründen der Himmelskunde und der Zeitrechnung. Koppe, Mathem. Geographie. 7. Geschichte. 2 St. Dr. Schantz. Neuere Geschichte von der Reformation bis zur französischen Revolution nach Pütz. Repetition früherer Abschnitte. §. Mathematik. 5 St. Grebe. Analytische Geometrie der Ebene. Syntaktik. Wahrscheinlichkeits- rechnung. Binomischer Lehrsatz. Lehrbücher von Koppe. 9. Naturgeschichte. 2 St. Dr. Hornstein. Geologie. Petrographie, historische Geologie. Hornstein, Kl. Lehrbuch der Mineralogie. 10. Physik. 2 St. Stange. Die Lehre von der Wärme. Uebungsaufgaben. Trappe, Schul-Physik. II. Chemie. 2 St. Dr. Hornstein. Die Nichtmetalle(exc. O, H, S, N). Metalle der Alkalien. Stöchiometrische Rechnungen. Rüdorff, Grundriss der Chemie. 12. Zeichnen. 2. St. Karbiner. Zeichnen nach ornamentalen Modellen. Darstellende Geometrie. 1 St. Dr. Kramm. Hauptsätze der darstellenden Geometrie. Durchschneidung von Ebenen und Körpern. 19. Gesang. 1 St. Lange. Choräle und vierstimmige Lieder. Erk und Greef, Heft II. Ober-Prima. Ordinarius: Prorector Heuser. Wöchentlich 33 Stunden. Cursus einjährig. I. Religion. 2 St. Dr. Schantz. Römerbriefe mit Auswahl gelesen und erklärt. Repetition einzelner Abschnitte aus dem Alten Testament. 2. Deutsch. 3 St. Dr. Wittich. Lectüre und Besprechung von Schillers Künstlern und Braut von Messina, Sophokles' König Oedipus und Antigone. Vorträge der Schüler über diese Stücke sowie über Schillers Maria Stuart, Göthes Götz von Berlichingen und Lessings Minna von Barnhelm. Declamationen. Repetitionen aus der Literaturgeschichte. Alle 4 Wochen ein Aufsatz. 3. Latein. 3 St. Director. Lectüre Virgilius, Aen. lib. II. Grammatik. Wiederholung einzelner Abschnitte. Uebersetzungen aus Süpfle, Aufgaben zu lateinischen Stilübungen, Stück 370— 391. Alle 14 Tage eine Extemporale. 4. Französisch. 4 St. Heuser. Einzelne Abschnitte aus Plötz, Nouvelle Grammaire. Thèͤmes, Extemporalien und Aufsätze abwechselnd. Lectüre nach Kreyssig, Trois Siècles de la Littérature Française. 5. Englisch. 3 St. Heuser. Zusammenstellende Rückblicke auf schwierigere Gebiete der Formen- lehre und Syntax nach Zimmermanns Grammatik der englischen Sprache. Exercitien, Extem- poralien und Aufsätze abwechselnd. Lectüre Macaulay's History of England, I. Buch, und Washington Irving's Sketch Book. 6. Geographie. 1 St. Grebe. Repetitionen, besonders der germanischen Staatengruppe. Seydlitz, Schulgeographie. 7. Geschichte. 2 St. Director. Neue Geschichte von der französischen Revolution an bis auf die Gegenwart mit besonderer Berücksichtigung der Kulturgeschichte. Wiederholung der römischen Geschichte und der Zeit vom Interregnum an. Pütz, Grundriss der Geographie und Geschichte für die oberen Klassen. Band III. — 32— §. Mathematik. 5 St. Grebe. Repetitionen aus allen Theilen der Elementar-Mathematik. Lehr- bücher von Koppe. 9. Physik. 3 St. Dr. Kramm. Optik: Reflexion und Brechung des Lichtes, Optische Instrumente. Uebungsaufgaben aus der Mechanik. Trappe, Schul-Physik. 10. Chemie. 3 St. Dr. Hornstein. Kobalt, Nickel, Mangan, Uran, Zink, Cadmium, Blei, Kupfer, Quecksilber, Silber. Stöchiometrische Rechnungen. Rüdorff, Grundriss der Chemie. II. Zeichnen. 2 St. Karbiner. Zeichnen nach ornamentalen Modellen und antiken Köpfen. Darstellende Geometrie. 1 St. Dr. Kramm. Schattenconstructionen. 12. Gesang. 1 St. Lange. Choräle und vierstimmige Lieder. Erk und Greef, Heft II. Der katholische Religionsunterricht wurde gemeinschaftlich den Schülern der Realschule I. und II. Ordnung in drei Abtheilungen ertheilt. Erste Abth. 2 St. Kaplan Hoffmann: Die Lehre von der Kirche, von der Heiligung und Vollendung. Die Lehre von den Sacramenten. Dubelmann, Leitfaden. Zweite Abth. 2 St. Nau: Zweites Hauptstück: Von den Geboten und den heiligen Sacramenten. Katechismus für das Bisthum Fulda. Die bibl. Geschichten des N. Testamentes nach Dr. J. Schuster. Dritte Abth. 2 St. Nau: Erstes Hauptstück: Das apostolische Glaubensbekenntniss nach dem kleinen Katechismus für das Bisthum Fulda. Die bibl. Geschichten des N. Test. mit passender Auswahl. Israelitischer Religionsunterricht. 2 St. Dr. Stein. Biblische Geschichte: Von der Theilung des Reiches bis zum Untergang des Reiches Israel. Systematische Religionslehre: Die Pflichtenlehre. Psalmen und Gebete: Fortgesetzte Uebertragung einzelner Psalmen und Gebete aus dem Hebräischen ins Deutsche.: Den Turnunterricht ertheilten Dr. Hornstein in Prima und Secunda, Erdmann in Unter- Tertia und Sexta, Jürgens in Quinta und Quarta und der Dirigent des Städtischen Schulturnens Boppenhausen in Obertertia. Am Baden und Schwimmunterricht in der Badeanstalt von Collet betheiligten sich 240 Schüler. C. Bearbeitete Aufgaben. Schraiftliche Prüfung der Abiturlenten. Michaelis 1879. Deutscher Aufsatz. Ueber die Folgen der Kreuzzüge. Französisch. Eine Uebersetzung aus dem Deutschen in das Französische. Englischer Aufsatz. The Empress Maria Theresia. Latein. Eine Uebersetzung aus dem Deutschen in das Lateinische. De Cambyse et Psammenito. Mathematik. 1) Zwischen die Arme einer durch ihre beiden Axen gegebenen Hyperbel ein Rechteck einzuzeichnen, welches dem Quadrat der Hauptaxe gleich ist. Gesucht halbe Grundlinie und halbe Höhe des Rechtecks. 2) Die drei Seiten eines Dreiecks betragen a= 456 cm, b= 512 cm, c= 560 cm; wie gross ist die Transversale, welche die kleinste von diesen Seiten halbirt? 3) In einer Kugel vom Radius r= 2,315464 construirt man einen Würfel, in diesem Würfel eine Kugel, in der letzteren wiederum einen Würfel u. s. w. unendlich oft; wie gross ist die Summe aller dieser Würfel? 4) x*+„2+—„= 132 (x**+ p²)„(x— py)= 1220 auf x und y aufzulösen. — 33— Physik. 1) Wie bestimmt man die Geschwindigkeit des Lichtes? 2) Welche Höhe und welche Sprungweite erreicht ein Wasserstrahl, der unter einem Elevationswinkel von 60⁰ mit 30 Meter Geschwindigkeit aufsteigt? Chemie. 1) Elementaranalyse zur Bestimmung von Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff. 2) Berechnung der bei der Analyse von 0,465 gr. Anilin zu erhaltenden Gewichtsmengen der zur Bestimmung dienenden Substanzen. Berechnung des Volumgewichtes von Anilin im Gaszustande. Ostern 1880. Deutscher Aufsatz. Die Elbe. Französischer Aufsatz. Fuite de Louis XVI. Englisch. Eine Uebersetzung aus dem Deutschen ins Englische. Latein. Eine Uebersetzung aus dem Deutschen ins Lateinische. De Scipione minore. Mathematik. 1) Auf einem Quadranten einer Ellipse einen Punkt zu bestimmen, dessen Ordinate halb so lang ist, als die Entfernung desselben vom nächsten Scheitel der kleinen Axe. 2)(+ N²— 3)= 28+ 3 und 2 x+ 3= 35— auf x und y aufzulösen. 3) Die Höhe desjenigen Segmentes einer Kugel vom Radius r= 1m zu finden, welches zu einem Cylinder von derselben Grundfläche und Höhe das Verhältniss men= VS5:V7 hat. 4) Die Sehne eines Centriwinkels verhält sich zu der zugehörigen Paralleltangente, welche zwischen den Schenkeln dieses Winkels liegt, wie 3: 5. Wie gross ist dieser Centriwinkel? Physik. 1) Der Radius eines Hohlspiegels von kleiner Apertur sei 4 m. Ein kleiner, dünner Draht soll senkrecht zur Axe des Hohlspiegels so aufgestellt und in eine solche Entfernung vom mittelsten Punkte des Spiegels gebracht werden, dass sein optisches Bild ½ der Länge des Drahtes besitzt. Die betreffende Formel ist zu entwickeln. 2) An einer Atwoodschen Fallmaschine werden die beiden gleichen Gewichte, von denen jedes 125 gr. wiegt, durch ein Uebergewicht von 2 gr. in Bewegung gesetzt. Wieviel Centimeter ist das Gewicht nach 3 Minuten gefallen? Chemie. Zur Darstellung von 1 kg. Ammoniakalaun werden wieviel l. Ammoniakgas erfordert? Um eine gleiche Menge freien Stickstoffs darzustellen, als in dieser Quantität Ammoniak gebunden enthalten, müssen wieviel gr. Ammoniumnitrit zersetzt werden? Wieviel der betreffenden Materialien sind nöthig, um eine gleiche räumliche Menge, wie die obige Rechnung für Ammoniakgas ergibt, von den verschiedenen gasförmigen Verbindungen des Stickstoffs mit dem Sauerstoff zu erhalten? Erläuterung der in Betracht kommenden Vorgänge. In Prima bearbeitete Themata. a. Deutsche Aufsätze: 1) in Oberprima. 1) Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehn. 2) Inhaltsangabe von Sophokles' König Oedipus. 3) Grundgedanken des ersten Chors in Schillers»Braut von Messina-. 4) Die Wartburg(Probearbeit). 5) Nachweis der geschichtlichen Richtigkeit der Worte Manfreds»Sclaven sind wir in den eigenen Sitzen, das Land kann seine Kinder nicht schützen-. 6) Vergleichspunkte zwischen Schillers»Braut von Messina- und Sophokles'»König Oedipus-. 5 *△ — 34— II) Unterprima. 1) Vergleichung des menschlichen Lebens mit einem Flusse. 2) Noch ist es Tag, da rühre sich der Mann! Die Nacht bricht ein, da Niemand wirken kann. 3) Ueber Lessings Hamburgische Dramaturgie(Probearbeit). 4) Gang der Handlung in Göthes Iphigenie. 5) Die Vorgeschichte im König Oedipus von Sophokles. 6) Vergleichung der Braut von Messina mit dem König Oedipus. Französische Aufsätze: 1) Oberprima. 1) Périclès. 2) Gustave-Adolphe. 3) Madame de Staël. 4) Fuite de Louis XVI. II) Unterprima. 1) Dispute de Leipzig. 2). Féte séculaire en l'honneur de Guttenberg. 3) Aristomène. 4) Combat d'un gladiateur contre une lionne, à Alexandrie. Probearbeit(Thème): Excursion de Carlsruhe au lac de Mummel. Englische Aufsätze. D Oberprima. 1) The Moon. 2) Stratford on Avon(Probearbeit). 3) Secession of the Plebeians to the Sacred Mount. 4) The Caravansary. An Eastern Tale. Il) Unterprima. 1) Combat of the Horatii and Curiatii. 2) A Christmas Journey. 3. Origin of the English Nation and Language. D. Verfügungen und Mittheilungen der Behörden. Das Königliche Provinzial-Schulcollegium dahier und das Curatorium der Anstalt haben folgende Verfügungen erlassen beziehungsweise mitgetheilt. 9. October 1879. Das Curatorium eröffnet, dass die Städtischen Behörden ihre Zustimmung zur Errichtung einer zweiten Untersecunda ertheilt haben. 23. October 1879. Das Königliche Provinzial-Schulcollegium eröffnet, dass nach der Anordnung des Herrn Ministers der geistlichen etc. Angelegenheiten von Ostern 1880 an das Schuljahr mit diesem Termin zu beginnen hat. 24. October 1879. Das Königliche Schulcollegium genehmigt, dass Reallehrer Zwirnmann während eines sechsmonatlichen Urlaubes durch Dr. Hunrath vertreten werde. 25. October 1879. Das Königliche Provinzial-Schulcollegium überschickt die auf seinen Antrag von dem Ministerium des Unterrichtes ertheilte Genehmigung zur Errichtung einer zweiten Untersecunda. 24. Nouember 1879. Bei Uebernahme des Schiedmannsamtes durch Lehrer der Realschule I. 0. bedarf es der Genehmigung seitens des Curatoriums der Anstalt. 19. Dezember 1879. Das Königliche Provinzial-Schulcollegium macht darauf aufmerksam, dass Max Berger eine Schülerzeitung herauszugeben beabsichtigt; die Betheiligung von Schülern ist zu verhindern. I7. Januar 1880. Das Königliche Provinzial-Schulcollegium theilt eine Verfügung des Herrn Ministers der geistlichen etc. Angelegenheiten, betreffend die Einführung von Schulbüchern, mit. 30. Januar 1880. Das Königliche Provinzial-Schulcollegium verfügt, dass Schüler, welche wegen Theilnahme an verbotenen Verbindungen ausgewiesen worden sind, nicht vor Ablauf eines Jahres in derselben Schule, welcher sie früher angehörten, wieder aufgenommen werden dürfen. — 35— 4. Februar 1880. Das Königliche Provinzial-Schulcollegium verfügt, dass die im Auftrage des Herrn Ministers der geistl. Angelegenheiten ausgearbeiteten Regeln nebst Wörterverzeichnis für deutsche Rechtschreibung zum Gebrauch an den preussischen Schulen, Berlin, Weidemann'sche Buch- handlung, 15 Pfg., von Ostern dieses Jahres an in der Realschule I. O. für die Rechtschreibung massgebend sein sollen. 4. Februar 1880. Das Königliche Provinzial-Schulcollegium genehmigt das Gehalts-Regulativ für die Städtischen Elementarlehrer vom 19. August 1879. II. Chronik. Das Curatorium der Anstalt bestand im vorigen Schuljahre aus den Herren: Oberbürgermeister Weise, Vorsitzender des Curatoriums, Stadtschulreferenten Metropolitan Dr. theol. Hochhuth, Regierungsrath Scheffer, Justizrath Hupfeld, Stadtrath Kaufmann Ritz, Stadtrath Tegethof und dem Director der Realschule I. O. Dr. Preime. Die neu eintretenden Schüler wurden am 6. October 1879 geprüft, an demselben Tag begann das Schuljahr, es schliesst mit dem 20. März 1880. Während desselben bestand das Collegium aus folgenden Lehrern: I. Director: Dr. Preime. II. Oberlehrer: 1. Prorector Heuser, 2. Grebe, 3. Dr. Wittich, 4. Dr. Hornstein, 5. Dr. Siebert, 6. Dr. Hölting, 7. Dr. Kramm, 8. Stange. III. Ordentliche Lehrer: 1. Zwirnmann(beurlaubt), 2. Dr. Schantz, 3. Krauth, 4. Ide, 5. Dr. Grebel, 6. Schwarz, 7. Dr. Ortmann, 8. Dr. Stehlich, 9. Lange. IV. Wissen- schaftliche Hilfslehrer: 1. Völler, 2. Dr. Hunrath. V. Probecandidaten: 1. Merkelbach, 2. Mohrmann. VI. Elementarlehrer: 1. Spangenberg, 2. Gottschalk, 3. Jürgens, 4. Erdmann. VII. Religionslehrer: A) katholische: 1. Kaplan Hoffmann, 2. Nau. B) israelitische: Dr. Stein. VIII. Technische Lehrer: 1. Zeichnen: Karbiner(ordentlicher Zeichenlehrer). 2. Turnen: Bop penhausen. Siehe ausserdem die Bemerkung zu Turn- unterricht pag. 32. Veränderungen sind also in der Art eingetreten, dass zu den bisheri igen Lehrern Dr. Stehlich hinzugekommen ist. Hunrath, Georg, geboren zu Kirchhain, am 23. Juni 1855, evangelischer Confession, besuchte die Gymnasien zu Cassel und Marburg und studierte von Ostern 1875 bis Michaelis 1878 zu Marburg alte Sprachen, Geschichte und Geographie. Im Frühjahr 1879 erwarb er sich zu Marburg die philosophische Doctorwürde und bestand im Herbst 1879 ebendaselbst die Prüfung pro fac. doc. Zu Beginn des Wintersemesters 1879/80 wurde ihm an hiesiger Anstalt die Vertretung des beurlaubten Reallehrers Zwirnmann übertragen und ihm nach zurückgelegter Prüfung pro fac. doc. gestattet, an der Anstalt das Probejahr abzuleisten. Stehlich, Friedrich, geboren zu Eisleben am 18. Januar 1852, evangelischer Confession, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt. Er diente als Freiwilliger während des Krieges 1870/71 und studierte nach dem Feldzuge zu Halle und Tübingen neuere Sprachen. Im Frühjahr 1875 erlangte er zu Halle die philosophische Doctorwürde und bestand ebendaselbst ein Jahr später die Prüfung pro fac. doc. Die beiden folgenden Jahre verlebte er in Kurland, theils als — 36— Hauslehrer, theils als erster wissenschaftlicher Lehrer an der Kreisschule zu Tuckum. Nach längerem Aufenthalt in London und Paris während der Jahre 1878/79 wurde er im Januar 1880 an hiesiger Realschule I. O. angestellt. Ferner wurde der Candidat Mohrmann zur Ableistung seines Probejahres der Realschule I. O. durch Verfügung Königlichen Provinzial-Schulcollegiums vom 12. Januar c. zugewiesen. Mohrmann, Karl, den 27. November 1853 zu Hanau geboren, evangelischer Confession, besuchte die Gym- nasien zu Cassel und Marburg sowie die Universität Marburg. 1878 bestand er die Prüfung pro fac. doc. 1877/78 war er Lehrer der hiesigen Realschule II. O., 1878/79 diente er im Heer. Im Januar 1880 wurde er der Anstalt zur Ableistung seines Probejahres zugewiesen.— Das Schuljahr begann den 6. October 1879, die Weihnachtsferien dauerten vom 22. December 1879 bis 3. Januar 1880, der Schluss erfolgt am 20. März. Am 30. October 1880 bezog die dritte Vorschulklasse ein Zimmer im Kunsthaus, die Errichtung einer zweiten Unter-Secunda hatte diese Veränderung nöthig gemacht. In den Weihnachtsferien kam die Nachricht von dem unerwartet eingetretenen Tode des Directors Professor Friedrich Kreyssig aus Frankfurt hierher. Der Verstorbene hatte die hiesige im Jahr 1869 errichtete Realschule I. O. organisiert und bis Ostern 1871 unter schwierigen Verhältnissen geleitet. Für die Verdienste, welche er sich um die Anstalt erworben hat, wird ihm diese für alle Zeiten ein treues und ehrenvolles Gedächtniss bewahren. Auch in weiteren Kreisen wird der Verlust, den Kreyssigs Tod verursacht, schmerzlich empfunden werden, da ihm die ausser- gewöhnliche Begabung, die er als Redner und Schriftsteller zeigte, eine hervorragende Stellung unter den geistig bedeutenden Männern unserer Zeit verschafft hatte. Am 31. Januar d. J. fand eine Abendunterhaltung im grossen Saal der Schule statt, zu welcher die Eltern unserer Schüler und die Freunde unserer Anstalt eingeladen worden waren. Auf derselben wurden durch Schüler theils Gesänge, theils einzelne Scenen aus classischen Stücken aufgeführt. Ausserdem hielt Oberlehrer Dr. Hornstein einen Vortrag über die ausgestorbene Gattung Ichthyosaurus oder Fischechse. Ein für die Schule zu erwerbendes schönes Exemplar eines solchen Ichthyosaurus war im Saal ausgestellt und der Ertrag des Abends war für die Anschaffung bestimmt. Der überaus zahlreiche Besuch hat der Anstalt die Mittel gegeben, ihren Zweck zu erreichen. Die Maturitätsprüfung fand in ihrem schriftlichen Theil vom 16. bis 21. Februar c., in ihrem mündlichen am 8. März unter Vorsitz des Directors Dr. Preime statt. Wie früher war auch in diesem Winter Gelegenheit, die Stenographie und die griechische Sprache zu erlernen; den ersteren Cursus leitete Zeichenlehrer Karbiner, den letzteren Ober- lehrer Dr. Siebert. Dispensation vom Religionsunterricht wurde von keinem Schüler erbeten. Die im vorigen Programm bereits angekündigte Veränderung bezüglich des Anfangs des Schuljahres, das von Ostern d. J. ab mit diesem Zeitpunkt beginnen soll, wurde zur Ausführung gebracht. Dies erforderte seitens der Lehrer und Schüler grössere Anstrengungen als gewöhnlich; die Verkürzung des Schuljahres machte eine Veränderung des Unterrichtsstoffes nöthig; diese wurde durch das Weglassen von Unwichtigem und durch eine Verringerung der Lectüre, nicht des gramma- tischen Pensums erreicht; eine Veränderung des Lehrplans in der Art, dass einzelne Abschnitte in andere Klassen verlegt wurden, ist möglichst vermieden worden. denen 500 der Realschule I. O. und 165 der Vorschule angehörten. 37 III. Schüler. Die Zahl der Schüler betrug zu Anfang des Schuljahres— 5. October 1879— 665, von Die Zahl der Klassen war 18, von diesen hatte Ober-Prima 14, Unter-Prima 15, Ober-Secunda 26, Unter-Secunda a 28, b 28, Ober-Tertia a 36, b 36, Unter-Tertia a 40, b 39, Quarta a 31, b 31, Quinta a 40, b 38, Sexta a 48, b 50, Vorschulklasse I. 55, II. 55, III. 55 Schüler. Der Unter-Secundaner Emil Baumann, Sohn des verstorbenen Bereiters, starb am 29. September v. J., der Unter-Tertianer Richard Hornstein, Sohn des Oberlehrers Dr. Hornstein, starb am 8. Januar d. J., Bernhard Luckhardt, Sohn des hiesigen Kaufmanns, der Vorschulklasse II. angehörend, am 7. Februar d. J., Fritz Heuser aus Ober-Secunda, Sohn des Prorectors Heuser, am 2. März d. J. In Allen verliert die Anstalt brave, hoffnungsvolle Schüler. Folgende Schüler, bezw. Extraneer bestanden die Abiturientenprüfung: (Siehe Programm von 1879 pag. 39). Richaelis 1879: . Meyer, Carl ☛ 20 11. 12. 90* Namen. . Volz, Jean . Heuser, Ludwig . Bächt, Hermann . Eisenberg, Ferdinand . Garthe, Emil Becker, Heinrich . v. Sturmfeder, Wilh. .. Tolle, Konrad . Nolte, Heinrich Fitz, Eduard Seipp, Heinrich Ostern 1880: . Maul, Walter . Wentzell, Eduard . Wallach, Moritz . Fischer 8 5 In der 8 2 Stand und Wohnort Real.- 2 S 5 oburtsort. 7 des Vaters. n, 53 S——jq ref. Cassel 20 ½ Postpedell in Cassel 8 1 ev. Hanau 18 ½ Kupferwaarenfabr. in Hanau 1 1½ luth. Marburg 19 Sattlermstr. in Marburg 2 1 ev. Zennern, Kr. Fritzlar 21 ½ † Oeconom in Zennern 7 ½ 1 isr. Cassel 19 ½ Kaufmann in Cassel 10 ½ 1 ref. Trendelburg, Kreis 18 Rentmstr. in Eschwege 2 ½ 1 Hofgeismar ev. Ems 18 ¾ † Hotelbesitzer in Ems 2 ½ 1 luth. Cassel 23 Oberpostcommissar, Cassel 2 ½ ½ luth. Altenau am Harz 21 † Bürgermstr. in Altenau 2 1 ref. Oberkaufungen bei 17 ¾ Versicherungsbeamte in 5 ½ 1 Cassel Cassel ev. Kaiserslautern 26 † pract. Arzt, Kaiserslautern—— ref. Frankfurt a/M. 25 ½ Kanzlist in Frankfurt—— luth. Pregelswalde bei 18 ¼ † Gutsbesitzer in Pregels- 6 ½ ½ Tapiau, Ostpreuss. walde ref. Cassel 21 Gastwirth in Cassel 11 1 ½ isr. Cassel 19 ¾/ Kaufmann in Cassel 11 1 ½ ev. Wied 32 † Mühlenbesitzer in Wiec—— Gewählter Beruf. Stud. der neuen Sprachen und Geschichte. Stud. der Math. u. Natur- wissenschaft. do. Stud. der neuenSprachen. Höh. Verwaltungsdienst. Stud. der Math. u. Natur- wissenschaft. Bergfach. Maschinenfach. Stud. der neuenSprachen. Steuerfach. Staatsbaudienst. Stud. der Math. u. Natur- wissenschaft. Kaufmann. Staatsbaudienst. Stud. der Naturwissensch. Stud. der neuenSprachen. — 38— IT. Eeschenke. An Geschenken erhielt die Anstalt a) Seitens des Staates: 1. Beschreibung der astronomischen Apparate im hiesigen Museum, herausgegeben von Gerland und Cöster; 2. Ein Exemplar der Schulgesetz-Sammlung von Keller, Jahrgang 1879. b) Von Freunden der Anstalt: 1. Herr Partikulier Hentze schenkte das von seinem verstorbenen Vater Herrn Hofgarten-Director Hentze angelegte Herbarium. 2. Herr Heydenreich ein Kaleidoscop neuerer Construction. 3. Herr Stadtrath Rupert ein sogenanntes indianisches Vogelnest (Nest der Salangane). 4. Herr Fabrikant Diemar ein Exemplar von Ostrea virginea. 5. Herr Baron Waitz von Eschen Pyrit von Gross-Almerode. 6. Ein ungenannter Freund der Anstalt eine grössere Anzahl aus dem Nachlass des Herrn Brock stammender werthvoller Conchilien. 7. Herren R. und A. Hahn Eisen- und Manganerze, Hüttenproducte und Zerreissproben von der Gussstahlfabrik Witten. 8. Herr Nagel in Fulda, früherer Schüler der Anstalt, eine gestopfte Strix noctua und Mineralien. 9. Herr Kaufmann Ad. Schönfeld eine schöne Stufe Psilomelan von Ilmenau. 10. Herr Verlags- Buchhändler Herbig aus Berlin eine Anzahl französischer Schulbücher. 11. Herr Lieutenant v. Hartung einige ausgestopfte Vögel. 12. Herr Klöpfer, früherer Schüler der Anstalt, einen Podiceps minor. 13. Herr Keim ein Pirolmännchen. c) Durch Schüler der Anstalt: 1. Gummiproben durch Julius Rieger, Schüler der Unter II. 2. Käfer durch Karl Kley, Schüler der Ober IIIb. 3. Conchilien durch Theod. Hornthal, Schüler der Unter II. 4. Verschiedene Naturalien durch Ferd. Habich, Schüler der IV b. 5. Ein Haifischgebiss, eine kleine Säge eines Sägehai etc. durch Eduard Hartdegen, Schüler der IV b. 6. Eine Nebelkrähe durch Karl. Diemar, Schüler der Unter II. 7. Seethiere von der Küste von Nordamerika durch Moritz Alsberg, Schüler der Ober III a. 8. Ausländische Käfer durch Otto Sachs, Schüler der Unter I. 9. Ein Zebrafink durch Fasshauer, Schüler der Unter III b. 10. Verschiedene Reptilien und Insecten durch August Schmidt, Schüler der Unter IIIb. 11. Geschliffenen Achat und Jaspis durch August Schöler, Schüler der Unter III b. 12. Versteinerte Seeigel von Paderborn durch Joseph Vonschott, Schüler der Unter II. 13. Einen Flaschenkürbis von Natal durch Eduard Löwenthal, Schüler der IV. 14. Eine Blaumeise durch Oscar Dreist, Schüler der IV. 15. Eine reiche Sammlung von Spirituspräparaten, Reptilien, Insecten etc. aus Java durch Fritz van Swieten, früheren Schüler der O III. 16. Flossen und Zähne eines Haies durch von Sturmfeder, früheren Schüler der U III. 17. Ein schönes Exemplar Pyrit durch. Gustav Schröder in IVa. 18. Einen grossen Igelfisch durch Tertianer Hartdegen U III b. 19. Eine weissbrustige Schleiereule von Wilhelm Hartmann, Schüler der O0 II. V. Ordnung der öffentlichen SPrüfung. Donnerstag den 18. März 1880. Choral. Oberprima: 8— 8 ½ Geschichte Director. Unterprima: 8 ½— 9 Französisch Hölting. Declamation: Französisch: Trois Jours de Christophe Colomb, par Casimir Delavigne(Messéniennes, liv. III.), vorgetragen von Wilhelm Möller. — 39— Obersecunda: 9— 9 ½ Physik Kramm. Declamation: Französisch:-Le Cid,« Act I. Scene VII., vorgetragen von Carl Bülbring. Untersecunda a: 9 ½— 10 Physik Stange. Declamation: Englisch:»Birds of Passage- by Mrs. Felicia Hemans, vorgetragen von Emil Stephan. Untersecunda b: 10— 10 ½ Deutsch Ortmann. Declamation: Englisch:»Flowers⸗ by Mrs. Felicia Hemans, vorgetragen von Ernst Ihle. Obertertia a: 10 ½— 11 Geschichte Siebert. Declamation: Französisch:»Le Moulin de Sans-Souci-, par Andrieux, vorgetragen von Georg Nuhn. Obertertia b: 11— 11 ½ Geschichte Krauth. Declamation: Französisch:»La Goutte de Rosée« par H. F. Amiel, vorgetragen von Friedr. Stück. Untertertia a: 11 ½— 12 Latein Wittich. Declamation: Englisch: Die erste Seefahrt von Miss Eliza Cook, vorgetragen von Carl Sander. Zu gleicher ZLeit findet die Prüfung der Vorschulklassen im Zeichensaale statt. Vorschulklasse 1 9— 10 Lesen, Rechnen, Singen Erdmann. 11 10— 11„„„ Jürgens. III 11— 12„„„ Gottschalk. 7) 7) Freitag den 19. März 1880. Choral. Untertertia b: 8— 8 ½ Mathematik Schwarz. Declamation: Französisch: L'Echo Merveilleux, par Pons de Verdun, vorgetragen von Ludwig Schmunk. Quarta a: 8 ½— 9 Französisch Ide. Declamation: Französisch:»Les deux Voyageurs=, par Florian, vorgetragen von Ernst Hartje. Quarta b: 9— 9 ½ Mathematik Völler. Declamation: Französisch:»-La Pacha et le Dervis«, par Florian, vorgetragen von Carl Manger. Quinta a: 9 ½— 10 Geographie Grebe. Declamation: Deutsch:»Das Lied vom Feldmarschall«, von E. M. Arndt, vorgetragen von Paul Matthias. Quinta b: 10— 10 ½ Rechnen Lange. Declamation: Deutsch:»Der Choral von Leuthen-, von Besser, vorgetragen von Eduard Gentsch. Sexta a: 10 ½— 11 Latein Krauth. Declamation: Deutsch:»Der Schmied von Solingen⸗, von Otto Friedr. Gruppe, vorgetragen von Moritz Schmidt. Sexta b: 11— 11 ½ Rechnen Spangenberg.. Declamation: Deutsch:»Mittwoch Nachmittag⸗, von Carl Fröhlich, vorgetragen von Albert Schink. — 40— sonnabend den 20. März 1880. Peier lles hörksterlreulirſſen Geburtstages Keiner NMjestit Wilhelms I., Jbalsers vou Deutschlaud uud Jbouigs vou Dreusdeu. Beginn der Feier 9 Uhr, Ordnung derselben: Chorgesang:»Singet dem Herrn«, Motette von B. Klein. Festrede des Oberlehrers Dr. Hölting über»Unsere Nordostmark-«. Chorgesang:»Heil dir im Siegerkranz«, Volkshymne. Declamationen VIa:-Ziethen«, von Friedr. von Sallet, vorgetragen von Georg Sälzer. Va:»Der Trompeter an der Katzbach«, von Jul. Moser, vorgetragen von Carl Hupfeld. IVa:»Harras«, von Th. Körner, vorgetragen von Ernst Stephan. UIIIa:»Nächtliche Erscheinung zu Speier«, von Wolfgang Müller, vorgetragen von Richard Schorr. Musikstück:»Hexentanz« nach Paganini, von Wallau, vorgetragen von dem Tertianer Georg Schenk. Chorgesang:-Brüder, reicht die Hand zum Bunde«, von Mozart. Declamationen OIIIa:»Das Lied vom Rhein«, von Schenkendorf, vorgetr. von L. Bülbring. UIla:»Frühlingsgruss an das Vaterland-, von Schenkendorf, vorgetragen von A. Pulwer. Chorgesang: Im Wald, im Wald,« von C. M. v. Weber. Rede des Abiturienten Walter Maul über die Wartburg. Entlassung der Abiturienten. Choral: Nun danket alle Gott.