L (Als Beilage zum Programm des Grossherzoglich. Uhlands Trauerspiel„Ernst, Herzog von Schwaben“ 8 Zweck dieser Arbeit ist nicht, einen Beitrag zur deutschen Litteraturgeschichte zu lièérè sondern zusammenfassend zur Darstellung zu bringen, was sich dem Verfasser in mehrjähriger Unterrichtsthätigkeit als inhaltlich und methodisch wertvoll bei der Behandlung des Uhlandschen Trauerspiels»Ernst, Herzog von Schwaben« zur Einführung in die dramatische Lektüre auf dem Gymnasium ergeben hat. Beschränkung in der Stoffauswahl, eine elementare Behand- lungsweise aller auf die Technik des Dramas und das Wesen der Tragödie bezüglichen Fragen ergab sich hieraus von selbst. Schon Hiecke war in seinem»Deutschen Sprachunterricht« dafür eingetreten, Uhlands dramatische Dichtungen in den Kreis des Schulunterrichts zu ziehen; aber erst seit Wendt in Herrig's Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Litteratur(1854, Bd. 15) durch eingehende Betrachtung des Aufbaus und des Charakters der Handlung in des Dichters Dramen den Nachweis erbracht hat, dafs diese eines erhöhten Interesses gerade seitens der Schule wert sind, wandte die pädagogische Welt sich ihnen mit grölserem Eifer zu; erfahrene Schulmänner sprachen sich in Wendts Sinn aus. Es trat dann H. Weis- mann mit einer Abhandlung hervor(L. Uhlands dramatische Dichtungen, Frankfurt a. M., Sauerländer 1863), deren ausgesprochener Zweck eine Würdigung der Uhlandschen Dramen als Schullektüre war. Die Resultate seiner Untersuchungen bezüglich des »Herzog Ernst« hat Weismann dann im Wesentlichen seiner Ausgabe dieser Tragödie(vgl. Cottas Sammlung von Schulausgaben deutscher Klassiker) einverleibt. Er betrachtete es nicht als seine Aufgabe, den Wert der dramatischen Dichtungen Uhlands gegen die zum Teil sehr wegwerfenden Urteile der Litterarhistoriker zu verteidigen, sondern wollte nur zeigen, wie man sie fruchtbar machen könne für die Jugend. Lange blieb die Weismannsche Schulaus- gabe des»Herzog Ernst« die einzige; erst i. J. 1893 erschien die Ausgabe von H. Grohn in Schöninghs Sammlung deutscher Klassiker(18. Bd., Paderborn). Den bekannten Grundsätzen dieser Sammlung gemäſs begleitet der Herausgeber das Stück in seinem Ver- lauf mit Fufsnoten sprachlichen und historischen Inhalts, je nachdem der Wortlaut der Dichtung zu Erklärungen aufforderte; im Anhang folgt dann eine Besprechung der einzelnen Aufzüge ¹ Der II. Teil folgt als Beilage zum Programm des nächsten Jahres. ² Das in den nachfolgenden Blättern Gebotene wird manchem noch als zuviel erscheinen; indessen Verf. glaubte für seine Zwecke eines Abdrucks der wichtigsten Abschnitte aus Wipo und einer eingehenden Erzählung des Lebens Ernsts nicht entraten zu können: vgl. unten S. 2 u. 4 Anm. 2. His- G, 62 2 und Scenen. Der Verfasser verfährt dabei so, dals er in Fragen und Antworten das ihm wichtig Erscheinende herausstellt. Gegen dieses Verfahren lälst sich geltend machen, daſs es das Ganze zu sehr in Einzelheiten auflöst, eine zusammenfassende Betrachtung der zu erörtern- den Gegenstände erschwert und dem Schüler, will man ihm so an jeder Scene Frage für Frage vorlegen und mit ihm so das ganze Stück durchackern, die Möglichkeit des Genusses nicht gerade erleichtert. Diese üble Folge mufs in erhöhtem Malse eintreten, wenn die Lektüre unseres Dramas ganz der Privatthätigkeit der Schüler überlassen wird und letztere also der sichtenden und leitenden Hand des Lehrers entbehren müssen, wie das ja in Preufsen der Fall sein wird, wo die Lehrpläne die Uhlandschen Dramen nicht in den Unterricht einbezogen haben. Crohn sieht weiter absichtlich von allen Quellennachweisen ab, weil sie dem Schüler nichts nützen und der Kundige sie nicht brauche. Verf. denkt darüber anders. Es gilt auch hier der schon von Frick(Wegweiser durch die klassischen Schuldramen, 1. Abtlg. p. 6) gestellten Forderung gerecht zu werden, dals man dem Schüler eine allgemeine Vorstellung von dem inneren Entwicklungsgang der einzelnen Dramatiker geben soll. Dals dies unmöglich ist, wenn man nicht den Schüler an der Hand der Quellen auch einmal in die Werkstätte des Dichters führt, ist ohne weiteres klar. Wenn eine frühere Unterrichtsstufe an einer gröfseren Zahl von Gedichten Uhland als Lyriker dem Schüler bekannt gemacht hat, und der Sekundaner ihn jetzt im Drama sich bethätigen sieht, so erscheint doch die Fricksche Forderung gerade für die Würdigung dieses Dichters in seiner Entwicklung von der lyrischen zur dramatischen Kunst berechtigt. Ist er doch der einzige Dichter, für dessen Kenntnis und Verständnis der frühere Unter- richt ein umfangreiches Material erworben hat, und der nächst den beiden Dichter- fürsten dem Schüler zu einer solchen Würdigung anschaulich genug geworden: ist ¹. Wenn ja auch eine abschliefsende Erörterung über das Wesen] der einzelnen Dichtungs- gattungen von der Lyrik bis zum Drama und eine abschlieſsende Schätzung ihrer Hauptver- treter, soweit sie im Schulunterricht eine Rolle gespielt haben, erst auf einer höheren Stufe erfolgen kann, so schliefst das nicht aus, dals eine Behandlung einzelner Erscheinungen auf diesem Gebiete schon da eintritt, wo eine frühere Stufe den Abschluls für die Lektüre eines Dichters bezeichnet, wie dies mit der Sekunda bezüglich Uhlands der Fall ist. An und für sich ist ja auch dieses Dichters schlichte, klare und doch so warm fühlende Persönlichkeit geeignet, den Schüler in ein inneres Verhältnis zu sich zu bringen und zu tieferer Beschäftigung mit sich anzuregen. Was wäre aber für die Beurteilung des dichterischen Wollens und Könnens Uhlands wichtiger als die Betrachtung der Stoffe für seine Dichtungen nach den Quellen und dann ihrer Umgestaltung in der Werkstätte poetischen Schaffens? Selbstverständlich gilt es hier für den Lehrer eintach und verständlich zu bleiben. Anlals zu derartigen Erörte- rungen bietet gerade die Behandlung der typischen Mittel in der Technik des Dramas in Fülle; Fragen nach der Art, wie der Dichter die Einheit der Zeit, des Ortes, der Handlung zu wahren gewufst hat, führen unmittelbar zur Heranziehung der in den Quellen gegebenen Darstellung und zur Begründung ihrer Umgestaltung durch den Dichter. Man kann weiter auch dem Sekundaner schon zeigen, wie Uhland den ihm gegebenen historischen Stoff in seiner Sprödig- keit durch eigne ldeen belebt, wie er das im Lichte der Geschichte vielleicht unverständlich oder ungerechtfertigt erscheinende Thun des Helden in seiner Tragödie durch eine sittliche ¹ cf. Schiller, Handbuch der praktischen Pädagogik, 3. Aufl., p. 359 f. 64.403, 430 3 Idee motiviert, beherrscht und geadelt sein läfst, und wie er hieraus das Recht nimmt, den in den Quellen vorhandenen Stoff zwar nicht in schroffen Gegensatz zur historischen Wahr- heit zu bringen, aber immerhin mit einer gewissen Freiheit umzugestalten im Interesse der inneren Wahrscheinlichkeit und Folgerichtigkeit der Handlung und der Sicherstellung ihrer rührenden, erschütternden und läuternden Wirkung.— Des Weiteren wird man Crohns Be- streben sicher billigen, alle Erörterungen über Technik des Dramas und Wesen der Tragödie einfach und elementar zu halten; allein das darf doch nicht geschehen auf Kosten der sach- lichen Klarheit und Richtigkeit. Seine Definition von dem Wesen des Tragischen(p. 93, Anm.) dürfte schwerlich auf Zustimmung stolsen. Denn mit einem Menschen, der- unverdient leidet, wird man kaum das Mitleid empfinden, welches der tragische Held erwecken soll; vielmehr muſs das Gefühl der Entrüstung über ungerechtes Walten des Schicksals so sehr das Empfinden des Zuschauers beherrschen, dals das Mitleid gewils nicht zur rechten Entfaltung gelangen kann i.— Im Jahre 1893 erschien dann noch die Ausgabe von Stötzner (Leipzig, Richard Richter), der im Jahre 1894 die von Bauer(Bamberg, Buchner) und 1895 die von Richter(Bielefeld-Leipzig, Velhagen& Klasing) folgte. Alle drei berücksichtigen zu wenig gerade den Gesichtspunkt, der für unsere Ausführungen malsgebend sein soll: nämlich die Verwendung des»Herzog Ernst« als dramatische Anfangslektüre. Stötzner und Bauer lassen insbesondere zu sehr gerade die Verwertung des Stückes zur Belehrung der Schüler über die Elemente der tragischen Kunst vermissen. Mit Stötzners Auffassung von dem Charakter Konrads, die der Düntzerschen nachgebildet zu sein scheint, wonach man in dessen Verfahren nur die listige, tückische Absicht zu erblicken hat, Ernst ins Unrecht zu setzen und zu ver- derben, kann ich mich nicht einverstanden erklären. Auch Richter ist dieser Auffassung schon entgegengetreten(p. XII); und in der That hindert nichts in der von Uhland gegebenen Charakteristik Konrads dem Urteile K. W. Nitzschs(Geschichte des deutschen Volks, Bd. II, Aufl. 2, p. 20) über die Persönlichkeit dieses Kaisers beizutreten, wo die Bemerkung eines französischen Beobachters(M. G. Scr. VlII, p. 66) zurückgewiesen wird, dals man in ihm einen»Mann von geistiger Kühnheit, gewaltiger Leibeskraft, aber wankelmütiger Treue«, eine »Herkules- und Ulixesnatur« zu erblicken habe. Richters Darlegungen in der Einleitung sind gut; von ihm scheidet uns weniger die Auffassung des Uhlandschen Trauerspiels rücksichtlich seéiner Verwendung im dramatischen Anfangsunterricht, als die Methode der Behandlung. Die didaktische Berechtigung, gerade unsere Dichtung an den Anfang der dramatischen Lektüre im Gymnasium zu setzen, beruht zunächst darauf, daſs sie vortrefflich geeignet ist, den Begriff des Tragischen in einer einfachen Ausgestaltung dem Schüler zu vermitteln. Weshalb der Held im Konflikt zwischen der Freundestreue und dem Gehorsam gegenüber dem Kaiser, den ihm sein Verhältnis zu diesem als Stiefsochn und Vasall um so dringender zur Pflicht macht, als er, der frühere Empörer, durch des Kaisers Gnade wieder mit dem Herzogtum Schwaben belehnt worden ist, lieber in irrtümlicher Auf- fassung der Freundespflicht beharrt und dem, wie er meint, bewährten Freunde die Treue hält, wird auch der Fassungskraft des Sekundaners sofort aus dem Charakter Ernsts ohne besonders schwierige psychologische Erörterungen verständlich. Nicht minder leicht begreift er die Schuld Ernsts, die dessen Entscheidung für den Freund involviert; er wird weiter von der ergreifenden Sühnung dieser Schuld um so gewisser erschüttert, je mehr einerseits Ernsts 1¹ cf. Schiller a. a O. p. 355. 4 edle Persönlichkeit ihm sympathisch geworden ist und andrerseits die Bewährung der Freundes- treue in Not und Tod das jugendliche Gemüt ganz zu ergreifen vermag. Die Wirkung eines so tragischen Geschickes auf sein Empfinden, der Begriff eines solchen tragischen Helden ist sonach ohne Schwierigkeit klar zu machen. Die Einfachheit im Aufbau der Handlung lälst das Drama besonders geeignet erscheinen, um an ihm die Grundbegriffe aus der Technik der dramatischen Kunst zu erlernen. Wenn die epische Lektüre der Klasse(Cid, Homer) häufig Veranlassung geboten hat, das Wesen der epischen Darstellung und Handlung zu erläutern. so läfst sich gerade an unserem Drama mit seinen zahlreichen epischen Partieen in besonders wirksamer Weise der Unterschied zwischen epischer und dramatischer Handlung nachweisen:. Hinter dem Schüler liegt die in den Tertien gelieferte Betrachtung der deutschen Geschichte. Es bedarf also bei unserem Drama nur einfacher Mittel, den Schüler mit der Zeit und den sie bewegenden Fragen, soweit deren Kenntnis zum Verständnis der Handlung erforderlich ist, in Beziehung zu setzen und seine historische Erkenntnis zu vertiefen, indem man ihn die vom Dichter gegebene Darstellung von Personen und Ereignissen an dem Malsstab seiner geschicht- lichen Kenntnisse beurteilen lehrt. In methodischer Hinsicht gilt es die vortrefflichen, und grolser Anerkennung sich erfreuenden Ausführungen von H. Schiller(Handbuch der praktischen Pädagogik, 1. Aufl. 1886, p. 228 u. 297 ff., 3. Aufl. 1894, p. 342 u. 352 ff.) und O. Frick(Wegweiser durch die deutschen Schuldramen, 5. Band des Werks»Aus deutschen Lesebüchern«, 1889, p. 5 ff.) für die Behandlung des»Herzog Ernst⸗ in umfassenderer Weise zu verwerten, als dies bisher von den Herausgebern geschehen ist. Hierin erblickte Ver- fasser ausreichende Begründung für die Berechtigung seiner Arbeit Die Ziele, welche bei der Lektüre des ersten Dramas im Gymnasium zu verfolgen sind, hat Schiller a. a. O. gerade an unserer Dichtung in Kürze bezeichnet. Ein äulserst lehrreiches Beispielfür eine grundlegende propädeutische Einführung in das Wesen des Dramas, sowie des Tragischen hat Frick in seiner Besprechung des Lessingschen Philotas a. a. O. p. 17ff. geliefert. Nach den von beiden Schulmännern gegebenen Anregungen und Ausführungen, ein Beispiel zu geben für die Methode, wie das Uhland- sche Trauerspiel als dramatische Anfangslektüre im Gymnasium ver-— wendet werden kann, betrachtet Verfasser als Hauptaufgabe seiner Darlegungen. I. Zur vorbereitenden Vorbesprechung’. Es empfielt sich etwa 3 bis 4 Wochen vor Beginn der eigentlichen Behandlung unseres Dramas die Aufgabe zu stellen, daſs bis dahin ein zweimaliges Lesen erfolgt und der Inhalt ¹ vgl. Schiller a. a. O. p. 342. * Verf. ist selbstverständlich nicht der Meinung, dals man dem Schüler eine vorbereitende Vorbesprechung von solcher Ausführlichkeit geben solle; er wollte nur das Material insoweit vollständig geben, dals der Lehrer im Stande ist, das wirklich Wichtige zu erkennen und auszuwählen. ² vgl. darüber Schiller a. a. O. p. 353. — 5 so weit angeeignet sein muss, dafs eine Erzäühlung der im Stück auf einanderfolgenden Ereignisse aus dem Gedächtnis stattfinden kann. Weiter verlangt Verf. von der vorbereitenden Lektüre zu Hause, daſs jeder wissen soll, welche Personen die Hauptrolle in der Handlung des Stückes spielen, wie ihr Verhalten zu einander im Allgemeinen ist. auf welchen Schauplätzen und in welcher Zeit die Ereignisse stattfinden; endlich muls er die hauptsächlichsten zeitgeschichtlichen Strömungen kennen, unter deren Einflufs sie sich vollziehen. Das sind Dinge, die weiter nichts als ein verständiges Lesen und Notizen ins Sammelheft vorausselzen und von jedem zu leisten sind. Daneben ist aus dem in der Tertia benutzten Hilfsbuch für den Unterricht in der deutschen Geschichte von Eckertz der Abschnitt über Konrad II. zu repetieren; und endlich wird für Schüler, welche noch Zeit dazu finden, die Lektüre des Volksbuchs»Herzog Ernst von Schwaben« und eine Sammlung der in dem er- wähnten Hilfsbuch für die deutsche Geschichte von S. 23 bis 59, wo die Ereignisse von der Bildung der fränkischen Monarchie durch Chlodwig bis zur Regierung Heinrichs III. dargestellt werden, sich findenden Notizen über Lehnswesen und Entwicklung der herzoglichen Gewalt empfohlen. Diese Forderungen an die häusliche vorbereitende Thätigkeit erscheinen auf dem Papier gröſser als sie in Wirklichkeit sind; sie bilden die Grundlage, auf die sich die eigentliche Besprechung des Dramas im Unterricht gründen mufs. Dafs ihnen auch wirklich entsprochen wird, ist vor allem ins Auge zu fassen, und nichts ist dafür wirksamer als eine häufige Kontrolle der Sammelhefte. 1. Zur Geschichte der Abfassung. Die Besprechung des Stückes im Unterricht beginnt mit der Anknüpfung an die dem Schüler früher bekannt gewordenen Dichtungen Uhlands. Ohne Mühe kann man die Kenntnis von Gedichten wie»König Karls Meerfahrt«,»Klein Ro- land-,»Roland Schildträger«,»Graf Richard Ohnefurcht«,»Bertran de Borne,»Des Sängers Fluch-,»Der blinde König«,»Schwäbische Kunde«,»Graf Eberhard der Rauschebart« u. A. feststellen. Kurze Fragen über deren Inhalt genügen, um zu zeigen, wie Uhland die Stoffe zu seinen kleinen epischen Dichtungen mit Vorliebe der Geschichte und Sage des deutschen Mittelalters entnommen hat, und damit ist die Brücke geschlagen zu einer Mitteilung über die wichtigste Seite der litterarischen Thätigkeit Uhlands. Geboren am 26. April 1787 in Tübingen, war er der Enkel väterlicherseits eines hoch- angesehenen Professors der Theologie an der dortigen Universität, wo sein Vater die Stellung eines Universitätssekretärs begleitete. Seine Abstammung und Umgebung, in die er von Jugend auf hineingestellt war, wurde für ihn bestimmend, insofern er von seinen Vor- fahren väterlicherseits die Liebe zur Wissenschaft, die Anhänglichkeit an die altwürttembergischen öffentlichen Verhältnisse ererbte. Er studierte Juris- prudenz, zwar obne besondere Neigung, aber mit energischem Fleifs. In seiner geraden Natur wurde dadurch unbeugsamer Rechtssinn und Unabhängigkeit des Denkens entwickelt. Sehr früh zeigte er Neigung und Begabung für dichterische Thätigkeit. Schon auf der Universität beschäftigte er sich gern mit dem Nibelungenlied, überhaupt mit altdeutscher Litteratur. Unter der Not der Zeit wandten sich damals edle Geister der Betrachtung des deutschen Lebens früherer Zeiten zu, um aus dem Studium deutschen Helden- und Volkstums Mut, Hoffnung und Widerstandskraft für sich selbst zu schöpfen und durch ihre Werke auch den Volksgenossen einzuflſsen(vgl. Uhlands gesammelte Werke in 6 Bänden, 6 mit biographisch-litterarhistorischer Einleitung von II. Fischer, Ip. 9 ff., u. W. Scherer, Geschichte der deutschen Litteratur, 3. Aufl., p. 632 und 639.) Seine erste Stellung im Staats- dienst erhielt Uhland i. J. 1812 als Sekretär bei dem Justizministerium. Er hatte die Aufgabe, die Entscheidungen der Gerichte zum Vortrag an den König Friedrich zu bearbeiten und fand dabei häufig Gelegenheit, den herrischen, despotischen Sinn dieses Fürsten kennen zu lernen. Des Dichters Sinn für Recht und Freiheit wurde oft verletzt, aber gleichzeitig auch gestärkt. Bald verliefs er diese Stellung wieder¹, von der er später sagte, in ihr sei»seine UÜberzeugung, wie notwendig feste Rechts- normen und die Herstellung der ständischen Verfassung für sein Heimatland seien, durch die Einsichten und Erfahrungen, die er dort ge- wonnen, geweckt und befestigt worden«. Uhland übernahm eine Advokatur in Stuttgart(1814) und wandte sich, soweit»die Advokatengeschäfte«, wie er zu sagen pflegte. ihm Zeit lielsen, wieder seiner Lieblingsbeschäftigung mit der Dichtkunst und der Litteratur des Mittelalters mehr zu. Auch die politischen Zeitumstände erregten seine ganze Teilnahme. Kurfürst Friedrich hatte i. J. 1805 die alte ständische Verfassung Württembergs kassiert und von 1806 an als König herrisch und willkürlich regiert. Bei den Verhandlungen über die Neugestaltungen Deutschlands auf dem Wiener Kongrels(1814) wurde den einzelnen Staaten, die den deutschen Bund bilden sollten, die Einführung ständischer Ver- fassungen auferlegt. König Friedrich legte 1815 den Landständen einen Verfassungs- entwurf vor, der freilich die wesentlichen Grundzüge konstitutionellen Regiments— freie Be- ratung der Stände und Mitwirkung bei der Gesetzgebung und Besteuerung— enthielt, aber trotzdem auf den Widerstand der Altwürttemberger stiels, die die Herstellung der alten ständischen Verfassung als eines Rechtsbodens, der durch des Königs Willkür zerstört worden war, forderten. Zu den Gegnern der neuen Verfassung gehörte Uhland. Hierüber schreibt dessen Witwe(Uhlands Leben S. 106 f.):»Die Beschäfti- gung auf dem Justizministerium hatte auf Uhland die Wirkung gehabt, dals er die groſsen Mifsstände, die das unumschränkte Regiment des Königs für das Land brachte, noch deut- licher erkannte. Er begrülſste daher den Umschwung der Zeit, die Versprechungen, die auf dem Wiener Kongress dem deutschen Volk gemacht wurden, mit Hoffnungen auch für die württembergischen Zustände, und sein Umgang mit anderen Männern von der gleichen Ge- sinnung führte ihn immer tiefer in die politischen Fragen hinein. Mit allem Feuer seiner ¹ Uhland schreibt selbst am 10. Mai 1814 an seine Mutter, dafs durch ein längeres Beharren in seinen bisherigen Verhältnissen sein Inneres von Tag zu Tag mehr gelitten und er, je mehr er etwa äulserlich vor- geschritten wäre, um so mehr an Seelenruhe und innerer Selbständigkeit verloren hätte. Gerade in der Zeit, wo er mit dem»Herzog Ernst- beschäftigt war, lagen seine Eltern ihm wiederholt und dringend an, doch nach einer anderen Stellung im Staatsdienst sich umzuthun; aber alle Bitten wies er stets mit der einen Motivierung ab, dals er vor Herstellung eines Rechtszustands im Lande auf jede Stelle verzichten müsse, die mit der Verpflichtung auf den Namen eines Königs verbunden wäre, der des württembergischen Volkes Recht und Freiheit so schnöde mifsachtet habe. In seinen Briefen giebt er wiederholt dem Gedanken Aus- druck, dals er, um seinen Grundsätzen treu zu pleiben, gerne alle Opfer und Entbehrungen in materieller und geistiger Hinsicht auf sich genommen, so schwer sie ihn auch drückten. Wenn er daher Werner einmal sagen läfst(vgl. v. 1537 ff.):»Der Dienst der Freiheit ist ein strenger Dienst: Er trägt nicht Gold, er trägt nicht Fürstengunst, Er bringt Verbannung, Hunger, Schmach und Tod. Und doch ist dieser Dienst der höchste Dienst; Ihm hab' auch ich mein Leben angelobt, Er hat mich viel gemühet, nie gereut«: so klingt das fast wie eine Enthüllung seiner eigenen innersten Gedanken, wie sie in ihm infolge persönlicher Erfahrungen in jener Zeit entstanden und sein Thun beherrschten. . 7 Seele beteiligte er sich an den Vorberatungen. die... dahin gingen, daſs die vom König dem Lande bestimmte Konstitution sich nur auf der Grundlage der alten Verfassung und auf dem Vertragswege erheben könne«. Wir haben in des Dichters Stellungnahme in diesen Fragen seine unerschütterliche Liebe zu seiner Heimat und dem Althergebrachten, seine Begeisterung für Freiheit, Gesetz und Recht gegenüber jeder Willkür zu erblicken; sie offenbart eine Gesinnung, deren Kenntnis uus erst so recht die von Uhland mitsolcher Liebe gezeichnetePersönlichkeit des Grafen Werner verstehen lehrtl. Gerade in der Zeit dieser Kämpfe, die sich bis zum Jahre 1819 hinzogen. erfaſst Uhland die Lust zu dramatischer Produktion, die ihm schon lange als Ziel für sein dichterisches Schaffen vorschwebte. Schon 1809 hatte er einem Freunde geklagt, dafs»seine Poeterei sich beinahe ganz in die Balladen verliere; das blolse Reflektieren oder das Aussprechen von Ge- fühlen scheine ihm nicht die eigentliche Poesie auszumachen«. Es bedurfte jener auf- regenden politischen Kämpfe, die des Dichters innerstes Wesen ge- waltig ergriffen, um ihn zur Abfassung unseres Trauerspiels zu be— geistern. Schon im März 1816 schreibt Uhland an Kerner:»hauptsächlich beschäftigt sich mein poetisches Treiben mit der schwäbischen Geschichte. Ein Trauerspiel»Herzog Ernst« liegt mir ziemlich klar in Gedanken«. Am 6. und 7. Juni vollendete er den ersten Entwurf, der ihn indessen nicht befriedigte; die Vollendung des Dramas zog sich hin bis zum August des nächsten Jahres(1817). Die Gründe, die den Dichter zur Bearbeitung gerade dieses Stoffs bestimmten, sind noch zu erkennen aus einer Rede»über die Sage vom Herzog Ernstz, die er am 22. Novbr. 1832 als Professor für deutsche Sprache und Litteratur in Tübingen hielt. Darin sagt er:»Die Schicksale des Herzogs Ernst, die wechselseitig aufopfernde Treue der beiden Freunde und ¹ Daſs Uhland den Grafen Werner vielfach seine eigenen politischen Anschauungen aussprechen lälst, hat schon O. Jahn in seinem bekannten Vortrag über Uhland(Bonn, 1863) dargelegt. Insbesondere des Dichters Rede, die er im Januar 1849 bei der Beratung über das Reichsoberhaupt in der Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. gehalten hat, gestattet so interessante Vergleiche mit Werners Anschauungen von Wahl- und Erbkönigtum, daſs einige Gedanken daraus hier ihre Stelle finden müssen(vgl. Uhlands Leben, von dessen Witwe erzählt, p. 366 ff.)ö. Uhland führte aus: Die Neugestaltung der politischen Verhältnisse (i. J. 1848) sei ausgegangen vom Volke; daher könne es dem natürlichen Wuchse der neuerstandenen deut- schen Eiche nicht gemäls sein, dals ihrem Gipfel ein Brutnest erblicher Reichsadler aufgepflanzt werde. —r habe einmal geträumt, dafs ein grofsartiger Aufschwung auch bedeutende politische Charaktere hervor- rufen werde und dals hinfort nur die hervorragendsten an der Spitze des freigewordenen und geeinigten Deutschlands sollten stehen können, die in der ganzen Grölse bürgerlichen Einfachheit durch den Adel ihrer freien Gesinnung auch die rohe Gewalt zu bändigen verstünden. Des ErbkaisersWidersacher wäre er immer gewesen. Es sei schon eine Beschränkung des Wahlrechts, dals man zum Oberhaupt nur einen regieren- den Fürsten berufen wolle. Man solle daher an der periodischen Wahl(alle 6 Jahre) festhalten, damit nicht ein Fürstenhaus, ein Volk für ewig über alle andern deutschen Stämme erhoben würde und diese in das Verhältnis des Dienens träten. Die Möglichkeit der Wahl aus jedem Volksstamme, je nach dem Bedürfnis der Zeit und nach der Beschaffenheit der Personen solle bleiben. Eine erste und einmalige Wahl, die Wahl eines Fürsten, der fortan die Würde vererben würde, wäre lediglich ein feierlicher Verzicht auf das Wahl- recht. Deshalb gelte es die Erblichkeit zu verwerfen und das Wahlrecht, dieses edle Volksrecht, zu retten als fortwirkendes Wahrzeichen des volksmälsigen Ursprungs der höchsten Gewalt«(vgl. übrigens auch S. 6 Anm.). 8 ihr gemeinsamer Tod, wie die Geschichte sie beurkundet, bieten dem Gemüte viel Er- greifendes dar«. Ebendort erklärt er, jenes»grofsartige Beispiel der Freundes- treue bis in den Tod« sei dichterisch bedeutender und tragischer als die Stellung Giselas zwischen dem Gemahl und dem unglücklichen Sohn. In Ernst erblickt er eine»sittlich-tragische Erscheinung« und in dessen Ende eine»tragische Ka- tastrophe«z. Zusammenfassung. Die Tragödie ist entstanden i. J. 1816/17. Auf den Stoff wurde der Dichter hingeführt durch seine Vorliebe für die Beschäfligung mit der deutschen Ver- gangenheit, durch die Verfassungskämpfe in seinem Vaterlande, die ihn zu eingehenderem Studium der schwäbischen Geschichte brachte, durch seine politische Stellungnahme, die ein Resultat seines unbeugsamen Rechtssinns und seiner Begeisterung für seine Heimat, für Frei- heit und Recht war gegenüber despotischer Willkür in der Beseitigung historisch gewordener Volksrechte, endlich durch die Überzeugung, dals Ernsts Schicksal in hervorragender Weise tragisch und geeignet sei, die Treue bis in den Tod zu verherrlichen. 2. Gattung. Das Drama kennzeichnet sich sofort als ein historisches. Uhland selbst giebt in der obenerwähnten Rede»über die Sage vom Herzog Ernst«(Gesammelte Werke in 6 Bänden, Cotta, V p. 169) eine Darstellung der in Betracht kommenden Ereignisse in fol- gender Weise: „Ein anderes Geschlecht deutscher Könige stieg herauf, das fränkische oder salische. An der Spitze desselben stand Konrad II. Fest und rastlos wirkte auch er darauf hin, die Macht seines Hauses und damit seine Herrschergewalt zu mehren und zu stärken. Er war vermählt mit Gisela, der Witwe des Herzogs Ernst von Schwaben, die als die ausgezeichnetste Frau ihrer Zeit gepriesen wird. Sie hatte aus erster Ehe einen Sohn, der gleich seinem Vater Ernst hieſs und dessen Nachfolger im Herzogtum Schwaben war. Um die Erbfolge im Königreich Burgund entzweite sich der junge Fürst mit seinem mächtigen Stiefvater. Er griff zu den Waffen, aber bald in diesem ungleichen Kampfe von seinen Vasallen verlassen, mufste er sich unbedingt dem Kaiser ergeben und wurde von diesem auf dem Felsschlosse Gibichenstein eingekerkert. Einzig Graf Werner von Kiburg war ihm treu geblieben, verteidigte drei Monate lang seine Veste Kiburg gegen den Kaiser und irrte, als solche nicht länger zu halten war, geächtet umher. Auf Fürsprache seiner Mutter Gisela wurde Ernst, nach zweijähriger Gefangenschaft, wieder freigelassen. Er sollte zuerst das Herzogtum Baiern erhalten, nachher aber in sein Herzogtum Schwaben wieder eingesetzt werden, jedoch unter der Bedingung, dals er schwöre, Werner, den Anstifter der Unrüuhen, wenn dieser sich in seinem Gebiete betreten lieſse, festzunehmen und auszuliefern. Ernst aber wollte lieber auf das Herzogtum verzichten, als den Freund verraten. Ihn schreckte nicht, dafs Reichsacht und Kirchenbann über ihn ausgesprochen wurde. Mit Wernern und einigen anderen begab er sich zuerst nach Frankreich, um bei dem Grafen Odo von Champagne, seinem Verwandten, Beistand zu finden. Als aber dieser Versuch vergeblich war, setzte er sich mit seinen Gefährten, in der Wildnis des Schwarzwalds, auf die Burg Falkenstein, deren Trümmer noch in der Gegend von Wolfach zu sehen sind. Dort aufgesucht und gedrängt, fiel er in verzweiflungsvollem Kampfe gegen die Übermacht zugleich mit Wernern und Vielen der Seinigen. Dies ereignete sich im Jahre 1030⸗. Interessant für das Verständnis unserer Dichtung ist auch Uhlands Urteil über den Charakter des deutschen Königtums im 10. und 11. Jahrhundert und über die auf Verstärkung ihrer Hausmacht und Herrschergewalt gerich- tete Politik der sächsischen und fränkischen Kaiser, deren Bestrebungen er als gleichartige auffaſst und in den Hauptzügen folgendermalsen(vgl. a. a. O. p. 158) schildert: „Die deutschen Könige waren, um die Macht ihres Hauses und die Kraft ihrer Herrschaft zu heben, unablässig darauf bedacht, sich zugleich der Gewalt, welche die hohen Reichsämter darboten, zu versichern. Mittel zu diesem Zwecke suchten sie vornehmlich darin, dals sie die 9 Herzogtümer und andere bedeutende Würden auf Glieder ihres Hauses übertrugen oder durch Vermählungen an dieses knüpften. Hierin lag aber auch der Keim der Eifersucht und Zwietracht unter den nächsten Verwandten selbst, die sich auf solche Weise in verschiedenem Trachten, nach gesammelter Herrschermacht von Seiten des Königs, nach Unabhängigkeit und Eigengewalt von Seiten der Fürsten, gegenübertraten. Statt dals die Provinzen dem Könige enger verbunden wurden, indem sein Sohn oder Eidam, sein Bruder oder Schwager über sie gesetzt war, wurden vielmehr diese seine Angehörigen ihm durch ihre Stellung nicht minder entfremdet, als es frühere, verdrängte Fürsten- geschlechter gewesen waren. Eine weitere Quelle des Familienzwistes ergab sich in der Unbe-— stimmtheit des Erbfolgerechtes, das hier mit dem Wahlrechte, dort mit der jezeitlichen Macht des Stärkeren in Wage stand.... Sang und Sage, die Organe der Volksstimmung, muſsten von diesen mannigfachen Bewegungen und Verwicklungen um so lebhafter angeregt werden, als es überall auch mächtige Persönlichkeiten waren, die auf dieser tragischen Weltbühne auftraten. Die herr- schende Gewalt ist, zu verschiedenen Zeiten, bald mehr in die Idee, bald mehr in die Person gelegt. Im deutschen Mittelalter war letzteres der Fall. Diese Zeit verlangte einen König von Mark und Bein, von sichtbarer, hoher Gestalt, dem der Geist aus den Augen leuchtete. Darum war Deutschland ein Wahlreich; zwar vererbte sich die oberste Gewalt meist langehin in demselben Stamme, aber ein solches Königsgeschlecht war selbst eine Persönlichkeit; konnte diese nicht mehr genügen, sotrat, vermöge des Wahlrechts, ein anderes anseine Stelle. So kam es denn, dafs wir in den Kaiserhäusern des Mittelalters überall auf hervorstechende, im Guten und im Bösen kräftige Persönlichkeiten treffen...« Kein Zweifel, dals der Dichter von dieser Geschichtsauffassung aus in unserem Dramadie Bestrebungen Konrads, Ernsts und Werners charakte- risierte. Die eigentliche Quelle aber, die ihm den Stoff und die Anregung zu seiner Dichtung gab, war Wipo, das Leben Kaiser Konrads II.(vgl. Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit, Leipzig, Dyk'sche Buchhandlung, Bd. 41, 2. Aufl., von Pflüger-Wattenbach). Wir lassen die wichtigsten Stellen aus dieser als Geschichtsquelle hochgeschätzten: Biographie folgen, soweit sie für unseren Zweck, des Dichters Verhältnis. zu seinem Stoff zu erörtern, von Wert sind. Wipo schreibt: Wenn ich über öffentliche Handlungen zu sprechen im Begriff bin, so werde ich vorzüglich die Thaten zweier Könige zusammenfassen, nämlich die des Kaisers Konrad und die seines Sohnes, des Königs Hein- rich III. Des Vaters Thaten aber, die ich erlebt habe, will ich, so wie ich sie selbst gesehen oder von anderen vernommen habe, mit der Kunst des Griffels der unkundigen Nach- welt darstellen.— Nunmehr komme ich zu den Thaten des Kaisers; vorher jedoch will ich erst einiges über die Wahl desselben erzählen, wie glücklich sie war, damit ich dann um so überzeugender zu schreiben imstande bin, nachdem ich zuvor noch erwähnt haben werde, welche Bischöfe und sonstige Fürsten in damaliger Zeit des Reiches Schirm waren.—(1) Nach des Kaisers[HeinrichsII] Hingange(13. Juli 1024) fing der Staat wie durch den Verlust eines Vaters verwaist in kurzem zu wanken an. Daher hatte jeder Gutgesinnte Angst und Sorge, die Schlechtesten aber wünschten die Zerrüttung des Reiches. Denn da der Kaiser kinder- los gestorben war, strebten die weltlichen Fürsten, je mächtiger sie waren, mehr mit Gewalt als mit Weisheit danach, entweder der erste zu werden oder unter irgend welcher Bedingung nach dem ersten der nächste. Infolge hiervon kam Zwietracht fast in das ganze Reich, so sehr, dals an sehr vielen Orten es zu Mord, Brand und Raub gekommen wäre, wenn nicht jene heftige Bewegung durch das Dazwischentreten erlauchter Männer verhindert wäre.— Damals hatte den Mainzer Bischofssitz Aribo, ein Noriker, inne, ein edler und weiser und für den Rat des Königs tüchtiger Mann; den Kölnischen Bischofsstuhl behauptete Pilegrin, ein Verwandter des Erzbischofs Aribo, einsichtig und geschickt zu solchem Amte; auch das Erzbistum Trier verwaltete Popo. der Bruder des Herzogs Ernst[I.]), ein frommer und bescheidener Mann, der damals seines Bruders Sohn, den Herzog Ernst, mit dem Alamannischen Herzogtum in Vormundschaft hatte.— Die Herzöge aber, welche gleich- zeitig lebten, waren: Bruno, Herzog von Sachsen; Adalbero, Herzog von Istrien; Hezilo, Herzog von Baiern; Ernst, Herzog von Alamannien; der Lothringer Herzog Friedrich; der Ripuarier Herzog Gozelo; Kuno von ¹ Uber den Wert dieser Biographie als Geschichtsquelle vgl. unten p. 15 Anm. 1. 10 Worms, Herzog der Franken; Ulrich, Herzog von Böhmen.— Da die vorgenannten Bischöfe und Herzöge und die übrigen Groſsen auf keine andere Art die drohende Gefahr besser und schneller verhüten zu können glaubten, so wendeten sie die gröfste Kraft und Thätigkeit an, dals der Staat nicht länger ohne Regenten schwanke.—(2) Zwischen dem Mainzer und dem Wormser Gebiete ist ein platz von weiter Ausdehnung, welcher wegen seiner ebenen Lage eine sehr groſse Menschenmenge falst und infolge der Inselverstecke für geheime Beratungen sicher und geeignet ist. Indem dort alle Grolsen und, wenn ich so sagen soll, das Mark und der Kern des Reichs sich versammelten, schlugen sie hier an beiden Seiten des Rheines ihr Lager auf(4. Sept. 1024). Da dieser Gallien von Deutschland trennt, kamen von deutscher Seite die Sachsen mit den ihnen anwohnenden Slaven, die Ostfranken, die Noriker und die Alemannen zusammen. Von Gallien her aber vereinigten sich die am Rheine wohnenden Franken, die Ripuarier und die Lothringer. Es handelt sich um das Höchste, man schwankt bei der Unsicherheit der Wahl, zwischen Hoffnung und Furcht schwebend fragten Verwandte sich einander nach den verschiedenen Wünschen, und Freunde lange Zeit sich gegenseitig aus. Galt ja doch die Beratung nicht einer Sache von gewöhnlicher Bedeutung, sondern einer solchen, die da, wenn sie nicht mit warmem Herzen in grölstem Eifer geschmiedet wurde, den ganzen Reichskörper ins Verderben zog.— Da solcher Malsen lange gestritten wurde, wer König sein sollte, und da dem einen ein bald noch zu unreifes, bald ein zu hohes Alter, dem andern sein noch nicht genügend erprobter Charakter, manchem ein offenkundiger Uebermut hindernd im Wege stand, so wurden unter den vielen wenige gewählt, und aus den wenigen nur zwei ausgesondert, bei denen nun die schlieſsliche Entscheidung, nachdem sie von den bedeutendsten Männern mit der gröfsten Sorgfalt lange beraten war, endlich in einheitlicher Wahl zur Ruhe gelangte. Es waren zwei Kuncne, von denen der eine, weil älter an Jahren, der ältere Kuno genannt wurde, der andere aber der jüngere Kuno hielfs, beide in Deutschfranken durch sehr vornehme Herkunft hervorragend, zwei Brüdern entstammend, von denen der eine Hezel, der andere Kuno hiels.— Zwischen diesen beiden, d. h. zwischen dem älteren und dem jüngeren Kuno, schwankte lange der übrige Adel; und obgleich fast alle im geheimen und mit besonderer Vorliebe wegen seiner Mannhaftigkeit und Biederkeit auf den älteren Kuno ihr Augenmerk richteten, so hielt doch ein jeder wegen der Macht des jüngeren, damit nicht bei dem Streben nach Ehre Zwietracht unter ihnen entstünde, wohlweislich mit seiner Meinung zurück. Schlielslich aber geschah es durch die göttliche Fürsorge, dals sie selbst sich in einem bei einer so schwie- rigen Sache wohl angebrachten Vergleiche einigten, dals nämlich, wenn die Mehrzahl des Volkes einen von ihnen ausrufe, der andere ihm unverzüglich weichen sollte.— Dadurch ihrer Eintracht gewils, setzten sich die Fürsten zusammen und das Volk stand in Masse dabei:. Da nun freute sich jeder, dafs jetzt die Zeit es erlaubte, Offen zu sagen und laut, was lange im Herzen verborgen. Der Mainzer Erzbischof, dessen Stimme den Vorrang vor allen übrigen hatte, rief, vom Volke um seine Meinung gefragt, mit überschwellendem Herzen und freudiger Stimme, und wählte den älteren Kuno zu seinem Herrn und König, zum Lenker und Beschützer des Vaterlandes. Diesem Vorschlage schlossen sich die anderen Erzbischöfo und die übrigen Männer des geistlichen Standes ohne Bedenken an. Der jüngere Kuno verhandelte cin wenig mit den Lothringern, dann kam er sofort zurück und wählte mit grofsem Eifer jenen zum Herrn und König; worauf der König ihm die Hand reichte und ihn neben sich Platz nehmen liets. Dann wieder- holten alle von den einzelnen Teilen des Reiches immer von neuem denselben Wahlspruch: die Menge ruft Beifall, alle waren in der Wahl des Königs mit den Fürsten eines Sinnes, alle verlangten den älteren Kuno; bei ihm verharrten sie, ihn zogen sie ohne Bedenken allen Machthabern vor, und ihn hielten sie für den der Königsgewalt würdigsten, und verlangten, dals ohne Verzug die Weihe desselben stattfinde. Die Kaiserin Kunigunde brachte freudig die königlichen Insignien dar, welche ihr Kaiser Heinrich hinterlassen hatte, und bestätigte ihm die Herrschaft, so weit ihr Geschlecht es vermag. Ich glaube nun, daſs dieser Wahl des Himmels Gunst nicht fehlte, da unter so vielen Männern von vorzüglicher Macht, so vielen Herzögen und Markgrafen neidlos und streitlos derjenige gewählt wurde, welcher an Herkunft und Tüchtigkeit und eignem Besitze niemandem nachstand, vom Reiche aber im Vergleich mit solchen Männern nur wenig Lehen und Amtsgewalt hatte. Der Kölner Erzbischof freilich und der Herzog Friedrich mit einigen anderen Lothringern, zogen des jüngeren Kuno wegen, wie das Gerücht ging, vielmehr aber vom Teufel, dem Störenfried, aufge- stachelt, unversöhnt von dannen; doch wandten sie sich bald zur Huld des Königs zurück, diejenigen ausge- nommen, welche das uns gemeinsame Loos des Todes vorher hinwegraffte, und nahmen seine Befehle bereit- willig entgegen; und der Erzbischof Piligrim bat, wie um die frühere Schuld zu sühnen, den König um die Erlaubnis, in der Kirche zu Köln die Königin weihen zu dürfen. Da ich aber später von ihr reden werde, 11 wende ich mich für jetzt zum Könige zurück. Wahrhaftig mit Gottes Willen wurde der erwählt, in dem Gott selbst das Zeugnis vorgesehen hatte, welches er als König später von den Menschen empfangen sollte. Denn er war ein Mann von grolser Demut, vorsichtig im Rate, wahrhaft in Worten, wacker in Thaten, frei von allem Geize, der freigebigste aller Könige.—(3) Als die Wahl beendigt war, eilten alle mit gröſster Freudigkeit den König nach Mainz zu geleiten, damit er dort die hochheilige Salbung empfange(S. Sept. 1024). Sie gingen frohes Sinnes, die Geistlichen sangen Hymnen, die Laien stimmten Lieder an, beide auf ihre Art. Solchen Preis hat meines Wissens Gott von den Menschen an éinem Tage an éinem Orte noch nicht empfangen. Wäre Karl der Grolse mit seinem Scepter leibhaftig erschienen, so wäre das Volk nicht fröhlicher gewesen, und es hätte sich nicht mehr über eines so grofsen Mannes Wiederkunft freuen können als über dieses Königs erstes Auftreten.— Als der Gottesdienst und die königliche Weihe aufs gebührlichste vollzogen waren, eröffnete der König den Zug. Und wie wir vom Könige Saul lesen, schritt er wie eines Hauptes länger denn alles Volk dahin, und wie umgewandelt zu einer Haltung, die man früher nie an ihm gesehen, und so kehrte er mit dem geistlichen Gefolge heiteren Angesichts in würdevollem Schritte in seine Wohnung zurück. Sodann wurde er an der Tafel mit königlicher Pracht empfangen, und verlebte jenen ersten Tag seiner königlichen Herr- lichkeit ganz nach Gebühr.—(4) Wie man nun dem Könige Treue schwur, darüber zu sprechen halte ich nicht besonders für nötig, da ja der oft wiederkehrende Brauch zeigt, dals alle Bischöfe, Herzöge und die übrigen Fürsten, die Bannerherrn und die gemeine Ritterschaft, ja sogar alle Freien, wenn sie von einiger Bedeutung sind, den Königen den Eid der Treue leisten; ihm jedoch unterwarfen sich alle durch einen um so aufrichtigeren Schwur, je lieber sie ihn leisteten.— Ueber allen stand des Königs geliebte Gemahlin Gisela mit ihrer Einsicht und Klugheit. Ihr Vater war Hermann, Herzog von Alamannien; ihre Mutter war Gerberga, die Tochter Konrads, des Königs von Burgund, dessen Vorfahren dem Geschlechte Karls des Grolsen entsprossen waren.— Obgleich sie von so hohem Adel und von der anmutigsten Schönheit war, plieb sie frei von aller Ueberhebung; im Gottesdienste voll Ehrfurcht, beständig im Gebet und im Almosen- geben, und das so geheim sie konnte, merkend auf jenes Wort des Evangeliums:»Lasset eure Gerechtigkeit nicht offenbar werden vor den Menscheu«. Denn sie war hohen Sinnes, von vorzüglicher Einsicht, nach Ruhm verlangend, nicht nach eitlem Lob, sie liebte die Sittsamkeit, lag mit Beharrlichkeit ihrem weiblichen Berufe ob, nie unnützer Weise verschwendend spendete sie in ehrbaren und nützlichen Dingen überaus reich- lich, sie war reich an Gütern und verstand es die höchsten Ehrenstellen wohl zu verwalten.— Auf über- einstimmendes Verlangen der Fürsten geweihet(21. Sept. 1024), folgte sie als notwendige Gefährtin dem Könige.—(6) Die Ritter fesselte dieser dadurch sehr, dafs er die althergebrachten Lehen der Eltern keinem der Nachkommen nehmen liefs. Aufserdem glaubten sie, dals in Bezug auf die häufigen Geschenke, durch die er sie zu kühner That anfeuerte, auf der ganzen Welt sich niemand finde, der ihm gleiche. Es könnte Zweifel erregen zu erzählen, wie freigebig er war, wie freundlich, wie standhaft, wie unerschrocken, allen Guten geneigt, den Schlechten streng, gegen die Unterthanen gütig, gegen die Feinde herb, im Handeln durch- greifend; für das grölstmöglichste Gedeihen des Reiches war er unermüdlich thätig, und erreichte in kurzem so viel, dals niemand zweifelte, nach Karls des Grolsen Zeiten habe kein des Königsthrones würdigerer ge- lebt. Daher besteht das Sprichwort: An Konrads Sattel hangen Karls Bügel.— Unter solchen Umständen verbreitete sich der Name und der Ruhm des Königs über die Grenzen der Völker, er drang bis über die Fluten des Meeres; überall erzählte man sich von seiner Kraft und Tüchtigkeit, die in stets unerschöpf- licher Frische strömte.—(8) Nachdem aber König Konrad einen königlichen Rat zu Basel gehalten und die Grenzen Burgunds gegen den Willen Rudolfs, des Königs von demselben Burgund, sorgsam besetzt hatte, zog er über den Rhein bis nach Sachsen. Weshalb ich aber den König Rudolf erwähne, will ich kurz sagen. Da jener Rudolf, der König von Burgund, in seinem hohen Alter die Regierung nachlässig führte und dadurch bei den Fürsten seines Reiches den grölsten Unwillen erregte, so lud er den Kaiser Heinrich II., seiner Schwester Sohn, in sein Land ein, bestimmte ihn für die Zeit nach seinem Tode zum Könige voen Burgund und liels ihm die Fürsten des Reiches schwören. Um diese Sache zu befördern, wendete Kaiser Heinrich gar sehr oft unsäglich viel Geld auf. Aber nach dem Tode des Kaisers Heinrich wollte der König Rudolf seine Versprechungen rückgängig machen. König Konrad jedoch, das Reich eher zu mehren als zu mindern bestrebt und vonseines Vorgängers Mühen die Früchte zu ernten gesonnen, unterwarf sich Basel, damit er sehen könnte, ob König Rudolf seines Versprechens gedächte. Sie beide hat später die Königin Gisela, die Tochter der Schwester eben des Königs Rudolf, wohl versöhnt.—(10) Zu derselben Zeit(1025) verabredeten sich, vom Teufel dem Friedensstörer angestiftet, Herzog Ernst von Alamannien, Herzog Kuno von Franken und Friedrich, Herzog von 12 Lothringen, mit noch vielen anderen gegen den König Konrad und, wiewohl sie vieles unternahmen und viele vergebliche Befestigungsanstalten ins Werk setzten, so erreichten sie nichts als ihr eigenes künftiges Unheil. Denn sie sämmtlich gering schätzend beschlols König Konrad mit Heeresmacht nach Italien zu ziehen. Aber Herzog Ernst, der ihn demütiglich bis nach Augsbur g begleitete, wurde auf Verwendung seiner Mutter, der Königin, und seines noch ganz kleinen Bruders Heinrich und anderer Fürsten nach langer Weigerung des Königs mit Mühe wieder zu Gnaden an genommen.—(11) Im Jahre der Fleischwerdung Christi 1026 bestimmte König Konrad auf Rat und Bitten der Fürsten des Reiches seinen Sochn Heinrich, der noch ein Knabe war, zu seinem Nachfolger und trat selbst mit zahlreichem Heere den Zug nach Italien an. Auf diesem Heerzuge erhielt der vorher genannte Ernst„Herzog von Alamannien, nachdem er eine Weile dem Könige Kriegsdienste geleistet hatte, von diesem die Abtei Kem pten zu Lehen, wie- wohl es gegen Fug und Recht war, ein freies Stift in unfreien Dienst zu geben, und wurde zum Schutze des Vaterlandes mit Ehren zurückgeschickt.—(19) Inzwischen waren, während der Kaiser inltalien ver- weilte(1027), bei den Deutschen fruchtloser Weise grolse Milsgunst, viele Anschläge, viele Partei- ungen gegen den Kaiser ausgebrochen. Ein Graf in Schwaben Namens Welf, reich au Land und mächtig im Kampfe, und der Augsburger Bischof Bruno gerieten mit einander in Streit und richteten durch Raub und Brand viel Schaden im Reiche an. Schliefslich brach der genannte Graf in Augsburg selbst ein, plünderte den Schatz des Bischofs und verwüstete die ganze Stadt.— Ernst, der Herzog von Alamannien, der Stiefsohn des Kaisers Konrad, der noch kurz vorher durch Verleihung von Lehen und Aemtern von ihm geehrt war, fiel wiederum ab, sann vom Teufel angetrieben auf Empörung, verwüstete auf Antrieb einiger seiner Mannen die Provinz Elsals und zerstörte die Burgen des Grafen Hugo, der mit dem Kaiser blutsverwandt war. Darauf drang er mit einer grolsen Heerschar junger Leute in Burgund ein und fing an oberhalb der Burg zu Solothurn eine Insel mit Damm und Wall zu befestigen. Aber Rudolf, der König der Burgunder, hinderte ihn daran, aus Furcht einen Feind des Kaisers aufzunehmen. Von da zurückziehend legte er oberhalb Zürich eine feste Burg an und fügte durch gewaltsame Heimsuchung der Reichenauer Kirche und ecbenso der Abtei St. Gallen dem Vaterlande nicht geringen Schaden zu. So beharrte er, Gesetz und Gerechtigkeit hintansetzend, bis zu des Kaisers Rückkehr bei seinen frevelhaften Unternehmungen.—(20) Nachdem Kaiser Konrad den Frieden durch ganz Italien hin gesichert hatte, kam er wieder glücklich nach Alamannien zurück und begann in einer vertraulichen Besprechung mit seinen Getreuen zu Augsburg über die Landesverräter zu verhandeln(Juli 1027). Von da nach der Stadt UIm kommend hielt er daselbst einen öffentlichen Reichstag. Hierher kam der Herzog Ernst nicht als bittender, sondern um voll Vertrauen auf seine zahlreiche Mannschaft, welche aus den auserlesensten Kriegern bestand, nach seinem Belieben sich mit dem Kaiser zu verständigen, oder auf dem Wege der Gewalt von da wieder zurückzukehren. Und in einer Unterredung mit den Seinigen erinnerte er dieselben zuerst an das eidlich gegebene Versprechen der Treue, sodann ermahnte er sie ihn nicht zu verlassen, auf dals sie nicht ihre Ehre verlören.— Auf solche Worte hin erwiderten ihm zwei Grafen„Friedrich und Ans-— helm, im Namen der übrigen folgendermalsen:»Wir wollen nicht leugnen, dals wir euch die Treue fest versprachen gegen alle, mit Ausnahme dessen, der uns euch gegeben hat. Wenn wir unseres Königs und und Kaisers Knechte und von ihm euch zu Rechte übergeben wären, so wäre es uns nicht erlaubt uns von euch zu trennen. So aber, da wir frei sind und den höchsten Beschützer unserer Freiheit auf Erden in unserm Könige und Kaiser haben, gehen wir, sobald wir ihn verlassen, der Freiheit verlustig, der kein rechtschaffener anders als mit dem Leben zugleich entsagt. Unter diesen Umständen wollen wir euch in allem gehorchen, was ihr ehrbares und gerechtes von uns fordert. Wenn ihr aber das Gegenteil wollt, so werden wir freiwillig dahin zurückkehren, von wo wir bedingungsweise zu euch gekommen sind.« Als der Herzog solches gehört und gemerkt hatte, dafs er von den Seinigen im Stiche gelassen werde, ergab er sich dem Kaiser auf Gnade und Ungnade; und der Kaiser verbannte ihn nach Sachsen auf eine Felsenburg, Gibichenstein genannt, damit er dort in Strafhaft gezüchtigt von weiterer Empörung ab- liefse.—(21) Alamannien durchziehend unterwarf der Kaiser alle, welche sich gegen ihn empört hatten, und zerstörte ihre Befestigungen(August 1027); und als er bis nach Basel kam, hatte er eine Unterredung mit Rudolf, dem Könige von Burgund. Nachdem unter Vermittelung der Kaiserin Gisela der Friede zwischen ihnen befestigt und die Herrschaft über Burgund dem Kaiser unter denselben Bedingungen übergeben war, wie es früher seinem VorgängerHeinrichverliehen gewesen war, kehrte der König reich beschenkt mit den Seinigen nach Burgund zurück. Der Kaiser aber kam den Rhein hinab ziehend nach Franken und dort ergab sich ihm der Herzo g Kuno, Sein Vetter, 13 der sich vorher gegen ihn aufgelehnt hatte; ihn bestrafte der Kaiser eine Zeit lang durch freie Haft und nachdem er seine Burgen, deren er sehr treffliche besafs, zerstört hatte, nahm er ihn wieder zu Gnaden an und setzte ihn wieder vollständig in seine Ehren ein. Bald nachher ſerst i. J. 10351] wurde Adalbero, Herzog der Istrier und Kärntner, als des Hochverrats schuldig überführt und vom Kaiser mit seinen Söhnen verbannt, und das Herzogtum desselben erhielt vom Kaiser jener Kuno, dessen Vater dasselbe schon vorlängst besessen haben soll. Von da an blieb Herzog Kuno dem Kaiser und seinem Sohne, dem Könige Heinrich, treu und ein guter Kriegsmann, so lange er lebte.—(23) Im Jahre des Herrn 1028(14. April) liefs der Kaiser Konrad seinen Schn Heinrich, einen Knaben von trefflichem Geiste und guten Anlagen, im Alter von elf Jahren, mit Zustimmung der Fürsten des Reiches und der ganzen Masse des Volkes von Pilegrin, dem Erzbischofe von Köln, bei der Pfalz zu Aachen zur Königswürde erheben. Da wurde er am ersten Ostertage geweihet uud gekrönt und verdreifachte so die Osterfreude.—(25) lia Jahre des Herrn 1030(29. März) feierte Kaiser Konrad beilngelheim das Osterfest. Dort wurde dem schon erwähnten Herzog Ernst von Alamannien, nachdem er aus seiner Haft entlassen war, sein Herzog- tum unter der Bedingung zurückgegeben, dafs er seinen Vasallen Wezel, der durch viele Parteiungen das Reich beunruhigt hatte, als einen Feind des Staates mit all den Seinigen verfolge und eidlich versichere, dals er dies thun wolle. Da das der Herzog aber nicht thun wollte, wurde er als offenbarer Feind des Kaisers verurteilt und des Herzogtums nun völlig verlustig wich er mit nur wenigen Anhängern von dannen. Der Kaiser aber gab die Herzogswürde Alamanniens an Hermann, den jüngeren Bruder desselben Ernst, und empfahl ihn der Obhut Warmanns, des Bischofs von Constanz. Auf einstimmigen Rat aller Reichsfürsten liefs der Kaiser denselben Ernst und alle, die sich gegen Gerechtigkeit und Frieden auflehnten, von den Bischöfen excommunicieren und ihre Besitzungen von Staats wegen einziehen. Selbst die Kaiserin Gisela setzte— traurig zu sagen, aber löblich zu thun— den unberatenen Sochn dem weisen Gatten nach und gab öffentlich die Zusicherung, dalfs sie, was jenem auch begegnen möchte, mit keinerlei Rache oder Feindschaft dafür Vergeltung suchen werde.—(27) Ernst sann nach dem Verluste seiner herzoglichen Würde auf mancherlei und setzte mancherlei ins Werk, wie er dem Kaiser Widerstand leisten könne, wendete aber damit vergebens viele Mühe auf. Dann nahm er seinen Vasallen Wezel zu sich und zog mit ihm und wenigen andern in das Franken lateinischer Zunge zum Grafen 0do, seinem Verwandten. Die Mutter des Odo nämlich und die Mutter der Kaiserin Gisela waren Schwestern gewesen. Da er aber diesen um Rat und Beistand ersuchte, gab ihm derselbe, mochte er es nicht wollen oder nicht wagen, keinerlei tröstliche Zusicherung wider den Kaiser.—(28) Der Herzog Ernst aber kam wieder heim nach Alamannien(1030), wo er sich in einer Wildnis, die der Schwarzwald heilst, an sehr sicheren Plätzen aufhielt und eine Zeit lang mit elender Beute sein Leben fristete. Nachdem er aber schliefslich von dem Heere des Kaisers auf allen Seiten lin der Burg Falkenstein¹] eingeschlossen war, fingen einige, die dem Kaiser anhingen, die Pferde, mit denen der Herzog und alle seine Leute trefflich versehen waren, durch List von der Weide ab. Da nun der Herzog nach dem Verluste der Pferde, auf die er seine Zuversicht setzte, keine Hoffnung mehr hatte, war er in so grofser Bedrängnis raflos, was er thun sollte; nachdem er jedoch von allen Seiten her noch Pferde jeglicher Art, wie er sie nur bekommen konnte, zusammengerafft hatte, zog er mit allen, die er nun hatte, aus dem Walde hinaus, bei sich erwägend, dals es besser sei mit Ehren zu sterben als mit Schande zu leben. Und als sie in ein Waldgebirge nach jener Gegend Alamanniens kamen, welche die Bar heifst, sahen sie ein verlassenes Lager, das in der Nacht vorher die Feinde inne gehabt hatten. Sofort merkten sie, dafs man ihnen Nachstellungen bereite. Denn der Graf Mangold:, ein Vasall des Kaisers, der von der Abtei Reichenau ein grofses Lehen trug, war von dem Kaiser und dem Constanzer Bischof War- mann, der damals an Stelle des Herzogs Alamannien verwaltete, zum Schutze hingestellt worden, damit der Herzog Ernst nicht Raub und Brand in der Gegend übe. Sofort wurden Herzog Ernst und seine Begleiter allzu frohen Mutes in dem Glauben, sie würden alsbald für das ihnen geschehene Unrecht an den Feinden Rache nehmen können; und rasch aufbrechend begannen sie ihren Verfolgern nachzusetzen. In derselben Absicht gingen Graf Mangold und seine Leute hierhin und dorthin vor und beobachteten sorgfältig des Herzogs Wege. Indem so auf beiden Seiten die Gelegenheit gegeben wurde, kamen sie sich so nahe, dals sie einander sehen und anreden konnten. Auf Mangolds Seite stand aber viel mehr Kriegsvolk als auf der Seite des Herzogs.— Die, welche auf der Seite des Herzogs standen, suchten und fanden, da sie gar nicht mehr an ihr Leben dachten, ihren raschen Tod. Der Herzog aber, wie er selbst In diesem Kampfe keines Menschen Den Namen geben die annal. Sangall.— ² Von Nellenburg, nicht von Veringen. 14 schonte, fand auch keinen, der ihn schonte, und von vielen verwundet fiel er schliefslich tot nieder. Da fiel der Graf Wezel, der Vasall des Herzogs, um deswillen dies alles geschehen war; Adalbert und Werin, Männer edlen Geschlechtes, und viele andere fanden dort ihren Tod. Auf der andern Seite fiel Graf Mangold selbst, der Urheber dieses Zusammenstofses, und viele andere mit ihm. Die Leiche des Herzogs Ernst wurde nach GConstanz gebracht und, nachdem sie zuvor durch bischöflichen Machtspruch von dem Banne gelöst war, in der Kirche der heiligen Maria beigesetzt. Mangolds Leiche wurde in Reichenau begraben. Dieses Gefecht fand statt, zum Leid auf ewige Zeiten, am 18. August(1030). Eine Prüfung des Inhalts unseres Trauerspiels an der Hand der Quellen und der Resul- tate neuerer Geschichtsforschung ergiebt, daſs er fast durchweg historisch ist. Histo- risch ist der der ganzen Handlung gegebene Hintergrund der allgemeinen politi- schen Verhältnisse jener Zeit. Diese ist charakterisiert durch die Erhebung der Königsgewalt hinweg über Herzöge und Bischöfe, d. h. durch die allgemeine Unterordnung der Groſsen unter die Centralgewalt(vgl. v. 301/2; 911/12) 2. Unsere Dichtung lälst die hierauf gerichtete Politik erkennen, wenn sie uns berichtet von der Besetzung der Herzogtümer mit Gliedern des königlichen Hauses und von der Be— kämpfuug widerspenstiger Fürsten(vgl. v. 100—116; 132; 202/3; 336—349; 367— 373; 492— 495; 908— 921; 1239— 1240; 1946— 1952), von der Stärkung des königlichen Einflusses auf die Masse der Vasallen im Reiche(Grundsatz der Erblichkeit der Lehen durchgeführt; der König wirkliches Haupt des Lehnsadels; Folge hier- von der Abfall der schwäbischen Vasallen auf dem Tag zu Ulm: v. 398— 407), von der fortschreitenden Betonung der Vererblichkeit der Königswürde(vgl. v. 1—19; 913), von der energischen und erfolgreichen Geltendmachung der Erbansprüche auf Burgund durch Konrad und ihrer Bekämpfung durch Ernst(vgl. 64— 89; 104— 107; 350— 360; 570— 627; 979— 994; 1708— 1713; 1940— 1958), von der Benutzung der Träger kirchlicher Gewalten und des kirchlichen Vermögens für die Politik des Königs(vgl. v. 16; 114—115; 135— 137; 233— 236; 465— 469; 472— 482; 516— 540; 855— 857; 1708— 1710; 1918— 1921).— Historisch sind ferner im Wesentlichen sämtliche Personen des Dramas, insofern die Geschichte ihnen allen mit ihrem Handeln und ihrem Namen in der erschütternden Tragödie von Ernsts Untergang eine Rolle zuweist. Wie eng sich Uhland auch bezüglich der Personen seines Trauerspiels in ihrer Charakterisie- rung und in der Schilderung ihres Thuns an seine Hauptquelle angeschlossen hat, ergiebt sich auf den ersten Blick. Daſs er dabei von dem Recht des Dichters, aus technischen und ästhetischen Erwägungen Verschiebungen in der Chronologie der Ereignisse und Anderungen in der Moti- vierung der Handlungsweise der auftretenden Personen vorzunehmen, Gebrauch gemacht hat, wird im Einzelnen unten zur Besprechung kommen, wo von der Gestaltung des Stoffs durch den Dichter, von dem Charakter der handelnden Personen, von der Einheit der Handlung, des Orts und der Zeit die Rede ist. Was aber der Dichter im Gegensatz zu solcher bewufster Umgestaltung seines Stoffs lediglich auft Grund eines unzureichenden Standes der Geschichtstorschung seiner Zeit im Widerspruch mit den Thatsachen dargestellt hat, mufs hier schon bei der Erzählung von Ernsts Leben kurz erörtert werden. Aber auch ¹ Vgl. die Darstellungen von K. W. Nitzsch, Geschichte des deutschen Volks II p. 13 ff., uud K. Lam- precht, Deutsche Geschichte II p. 247 ff. und 270 f. ²¹ Die Rücksicht auf den Raum verbietet den Abdruck der Citate aus unserer Dichtung im Wortlaut. 15 hierbei wird sich als Resultat ergeben, dals unser Drama in die historische Gattung gehört und der Dichter der Überlieferung, soweit sie ihm bekannt war, mit treuem Sinn folgte ¹. Ernst muls etwa 1007 oder 1008 geboren sein. Als nach seines Vaters Ernst I von Schwaben Tod Gisela dem damals etwa 25- bis 26 jährigen Konrad i. J. 1016 die Hand reichte, kam er unter die Vormundschaft seines Oheims väterlicherseits, des Erzbischofs Poppo von Trier. Gewils wird Ernst schon vorher von der letzten Mahnung seines Vaters an Gisela gehört baben, seiner nicht zu vergessen; dals Gisela trotz dieses letzten Wunsches ihres Gatten schon ein Jahr nach seinem Tode zu neuer Ehe schritt, die ihrem Hause den Zorn des Kaisers erweckte und für Ernst der Grund wurde, dafs er sein väterliches Haus verlassen mulste, mag ihr der heilsblütige Sohn nicht vergessen, mag von vornherein sein Verhältnis zu dem Stiefvater getrübt haben. Indessen ist es durchaus wahrscheinlich, daſs Ernst am 6. oder 7. Septbr. 1024, dem Beispiel seines Vormunds folgend, auf dem Tage zu Kamba(vgl. über die Ortlichkeit Riehl, Wanderbuch S. 323 ff.) für die Wahl seines Stiefvaters zum deutschen König gestimmt hat. Es ist daher nur ein historischer Irrtum, wenn Uhland(v. 885— 905) die Sache so darstellt, als ob Ernst bei der Wahlhandlung selbst nicht zugegen gewesen seis. Als Konrad auf seinem»Königsritt« durch die deutschen Lande im Mai 1025 nach Schwaben (Alamannien) kam, erhielt Ernst die selbständige Verwaltung seines Herzogtums. Noch stand ¹ Wir folgen in der Erzählung der Geschichte Ernsts den Resultaten der Forschungen H. Brelslaus, welche zusammengefasst sind in dessen»Jahrbüchern des Deutschen Reichs unter Konrad II«(Leipzig, Duncker& Humblot, Bd. I 1879, Bd. II 1884) und schlielsen uns oft wörtlich seiner Darstellung an. Dieser Gelehrte erkennt zwar den Wert der Biographie Konrads von Wipo an, wenn er sagt:»Wipo... hat Sinn für anschauliche Schilderung der Örtlichkeiten und Personen; er charakterisiert treffend mit An- führung eines kurzen, schlagenden Diktums; er hat Empfindung und Verständnis für tragische Konflikte: seine Darstellung der Katastrophe Herzog Ernsts, so einfach sie gehalten ist, muls auf jeden Leser ergreifend wirken. Und er hat ein lebhaftes Gefühl für die Bedeutung seines Helden und die Gröfse der Thaten des- selben, für die glänzende Machtstellung des Reichs, die er begründet; ein warmer patriotischer Hauch durch- zieht sein Werk u. s. w.« Dabei aber warnt Brelslau vor einer Überschätzung dieser Quelle(vgl. a. a. O. II p. 394) und nimmt in seinem Werke wiederholt Gelegenheit, Mifsverständnisse und Unrichtigkeiten darin nachzuweisen(vgl. besonders I p. 460 ff.). Gerade bezüglich der Begnadigung und Restituierung Ernsts nach seiner Haft auf dem Gibichenstein haben Brefslaus Aufstellungen, trotz manchen Widerspruchs(cf. a. a. O. I p. 251 Anm. 5), sich der Zustimmung so bedeutender Forscher wie W. Wattenbachs(vgl. die oben erwähnte Obersetzung des Wipo p. 59 Anm. 1) und K. Lamprechts zu erfreuen. Letzterer bringt in seiner»Deutschen Geschichte« Bd. II p. 250/51 bei der Erzählung von Ernsts Schicksalen vom Tage zu Ulm bis zu dessen Tod im Wesentlichen die Ergebnisse der Untersuchungen Brelslaus. ²) Die Geschichte von der gewaltsamen Entführung Giselas, die Uhland in unserem Trauerspiel ver- wertet hat(vgl. v. 1215— 1235) beruht auf dem Bericht des Gottfried von Viterbo, der übrigens die seltsamsten Sagen über Konrad und sein Haus überliefert hat. Auch der Annalist Saxo 1026 sagt: duxit eam(Giselam) violenter Conradus. Indessen entsprach eine solche Entführung durchaus jener Zeit, die wiederholt Ahn- liches gesehen hat. Berühmt ist die Geschichte des Markgrafen Bretislav von Mähren, der seine Erwählte, Judith, des Markgrafen Otto von Schweinfurt Schwester, mit einer erlesenen Schaar von tapferen Jünglingen raubte und auch wirklich in seine Heimat brachte. ²) Ebenso ist es wohl ein Irrtum, wenn Uhland, Wipos Bericht folgend, v. 806 die Sachsen an der Wahl teilnehmen läſst; letztere werden aus demselben Grunde bei Kamba nicht erschienen sein, der sie von Wahl und Krönung Heinrichs II. ferngehalten hatte: sie wollten in der günstigen Lage bleiben, den neuerwählten Herrscher innerhalb der Grenzen ihres eignen Landes zu erwarten, um ihm ihre Bedingungen stellen zu können, ehe sie die Huldigung leisteten und ihn damit als ihren König anerkannten(vgl. Breſslau a. a. O. I S. 11 ff.). Auch die Einstimmigkeit, mit der Uhland v. 857 ff. Konrads Wahl erfolgen lälst, war nicht vorhanden; denn der Erzbischof von Köln und Herzog Friedrich von Lothringen stimmten nicht für Konrad(vgl. auch Wipo.) 16 er in äufserlich guten Beziehungen zu seinem Stiefvater, als letzerer im Juni Konstanz verlieſs, wo er die schwäbischen Angelegenheiten geordnet hatte. Bald nachher aber erf olgte Ernsts erste Empörung. Dals hierbei der jugendliche Herzog als Vertreter der alten Stammesselbständigkeit in ihrem Kampfe gegen die nationale Monarchie aufgetreten ist, kann nicht von der Hand gewiesen werden. Indessen die unmittelbare Veranlassung zu dem Aufstande bot Konrads Einmischung in die burgundische Erbfolge- frage. Kaiser Heinrich II. hatte in den Jahren 1016 und 1018 durch Verträge mit Rudolt von Burgund es dahin gebracht, daſs er nicht nur das Recht der Nachfolge auf dem burgun- dischen Throne erhielt, sondern auch eine förmliche lehensrechtliche Auftragung des Königreichs an den römischen Kaiser erfolgte. Aus Heinrichs Hand hatte Rudolf darauf die Insignien seiner Herrschaft zurückempfangen. Da Rudolf bei seinem schwankenden Charakter nachher wieder- holt versuchte, sich der damals eingegangenen Verpflichtungen zu entledigen, so ist wahr- scheinlich, daſs ein bestimmter Rechtstitel, auf Grund dessen die Anwartschaft der burgundi- schen Krone an Heinrich. übertragen wurde, nicht vereinbart gewesen sein kann. Dies ist dann der Ausgangspunkt des Streites geworden um die Erbfolge in Burgund nach Heinrichs Tod. Uhland stellt in den Versen 64 ff. und 106 f. die Sache im Wesentlichen richtig dar. Indessen verdient doch hervorgehoben zu werden im Hinblick auf v. 82/3, dals durch Geburt der nächstberechtigte Thronerbe zweifellos Graf Odo II. von der Champagne als Sohn von Rudolfs älterer Schwester Bertha war, während Ernst erst als Enkel von Rudolfs jüngerer Schwester Gerberga in Betracht kam. Als nun Konrad noch im Juni 1025 nach Basel eilte, in die früher burgundische, aber von Heinrich II. für das Reich gewonnene Stadt, zeigte er gegenüber Rudolf, daſs er dessen Anschauung, als ob jene Verträge von 1016 und 1018 nur dem Blutsverwandten Heinrich gegolten hätten und durch dessen Tod alle daraus erwachsenen Verpflichtungen aufgehoben seien, durchaus nicht teile. Was Heinrich mit des Reiches Mitteln erworben hatte, betrachtete Konrad mit Recht als für das Reich ge- wonnen. Das keinen Zweifel lassende Auftreten Konrads wurde nun der direkte Anlals, daſs Ernsts schon vorhandene Unzufriedenheit mit dem Stiefvater zu offener Empörung fortschritt. Wenn Gisela nun bei Uhland v. 88 erklärt,»schlimmer Freunde Rat« habe Ernst zu diesem Schritt getrieben, so könnte man bei der Treue, mit der der Dichter Wipo folgt, der Meinung sein, es habe sich Ernst zu diesem Aufstand mit dem jüngeren Konrad von Franken und Friedrich von Lothringen und vielen anderen, besonders mit den Grafen Welf Il.(von Altdorf nennt ihn Uhland v. 894/5) und Werner von Kiburg, vorher verabredet. Schon auf dem sKönigsritt« hatte sich zu Augsburg Ostern 1025 ein vollständiger Bruch zwischen den beiden Konraden vollzogen¹. Friedrich von Lothringen hatte zu Kamba Konrads Wahl schon Wenn Uhland v. 915/6 Werner sagen läſst, der König habe seinen jüngeren Vetter genötigt zum Schwert zu greifen, so ist nicht klar, woran der Dichtér gedacht hat. In Augsburg ist jedenfalls nichts weiter ge- schehen, als dals Konrad der jüngere dem König gegenüber unverhohlen seinem Milsmut darüber Ausdruck verliehen hat, dafs er, dessen Verhalten zu Kamba so entscheidenden Einflufs auf die Königswahl geübt hatte, in der Folge gar keinen Einfluſs auf die Leitung der Reichsgeschäfte erhielt. Von einer Nötigung zum Schwert zu greifen kann dabei nicht die Rede sein. Es könnte also hier nur daran gedacht sein, dafs der jüngere Konrad gegenüber der burgundischen Politik des Königs seine Erbansprüche auf Burgund als Sohn der wie es scheint, älteren, nicht jüngeren Schwester Giselas und Nichte des Königs Rudolf Mathilde mit dem Schwerte verteidigt habe. Indessen waren diese Ansprüche gegenüber denen Odos von Champagne und Ernsts von Schwaben doch zu wenig begründet. bekämpft. Beide standen längst in offener Feindschaft gegen den König, als Ernst sich erhob und ihnen sich dann anschlols. Die Lothringer indessen verglichen sich schon im selben Jahre mit dem König. Anfangs 1026 weilte letzterer in Trier bei dem Erzbischof Poppo, dessen Vermittlung es vielleicht zuzuschreiben ist, daſs Herzog Ernst sich unterwarf und wirklich, nicht ohne dafs auch Gisela und Heinrich für ihn baten(v. 131), auf dem Tag zu Augsburg Ver- zeihung erlangte, wie es scheint, unter der Bedingung, daſs er den König auf dessen Zug nach Italien begleite(Februar 1026). Nachdem Konrad noch von den versammelten Fürsten die Anerkennung der Designation seines Sohnes Heinrich zu seinem Nachfolger erlangt hatte, brach er auf zur Romfahrt und überschritt am 23. Februar die Grenzen Italiens, während er die Ordnung der deutschen Verhältnisse, insbesondere die Bekämpfung der noch immer nicht unterworfenen Grolſsen, des jüngeren Konrad und des Grafen Welf, dem jungen Heinrich unter Leitung des Bischofs Bruno von Augsburg überliels. Von Italien aus ernannte der König als Nachfolger Heimos auf dem Bischofsstuhl von Constanz Warmann, den eine freilich un- sichere Tradition dem Grafenhause von Dillingen angehören lälst; wenn Uhland ihn zu einem Oheim des Grafen Mangold gemacht hat, so mag er dabei die ebenfalls unsichere Uberlieferung im Auge gehabt haben, wonach beide nahe verwandt gewesen sein sollen. Jedenfalls aber griff dieser Bischof, der in der zweiten Hälfte des Septembers 1026 die Weihe empfing, später verhängnisvoll in die Geschicke Ernsts ein.— Ende Oktober erhielt Konrad von den Wirren Kunde, die Graf Welf in Schwaben und Baiern anrichtete; Augsburg, die Hauptstadt Schwabens und der Sitz seines Vertreters Bruno, wurde in des letzteren Abwesenheit von dem trotzigen Grafen erstürmt und geplündert. Auch in der Folge blieb Welf im Obergewicht. Diese Ereignisse bestimmten Konrad, seinen Stiefschn Ernst nach Schwaben zurückzuschicken, um dort Ruhe und Ordnung herzustellen. Der König hoffte um so mehr jetzt bei Ernst, dem er groſsmütig erst kurz vorher verziehen hatte, auf Treue rechnen zu dürfen, als er ihm das reiche Klostergut der Abtei Kempten, ohne sich an die dadurch hervorgerufene Unzufrieden- heit des Klerus zu kehren, noch vor dessen Heimkehr verlieh(vgl. v. 135— 137). Indessen schlecht lohnte Ernst dem König diesen Beweis seiner Gnade. Kaum war er wieder in der Heimat, in der Umgebung seiner alten Genossen, so vergals er seiner Pflicht aufs Neue und wandelte wieder, dem Einflufs des Grafen Werner von Kiburg folgend, die trüheren Wege; er schlofs sich den Empörern an, zu deren Bekämpfung ihn Konrad heimgesendet hatte. Ernst wandte sich zunächst gegen seinen Vasallen, den mächtigen Grafen Hugo von Egisheim im Elsafs¹, der als naher Verwandter von des Königs Mutter Adelheid seiner Erhebung sich nicht angeschlossen hatte. In diesem Kampfe fand dann die Zerstörung jener 3 Burgen Hugos statt, die Uhland. Wipo folgend, seinen Helden v. 658 erwähnen lälst. Dann wandte sich Ernst nach Burgund, auf dessen Erwerb alle seine Gedanken auch bei dieser Erhebung gerichtet waren. Indessen Rudolf von Burgund hatte um diese Zeit schon jeden Gedanken an Feind- seligkeiten gegen Konrad aufgegeben und hinderte Ernst daran, in seinen Landen festen Fuls zu fassen. Ernst kehrte darauf nach Schwaben zurück und verheerte, vielleicht von der Feste Das Herzogtum Alamannia oder Schwaben— beide Namen finden sich seit den ältesten Zeiten neben einander— reichte damals im Westen bis an den Wasgenwald(Elsals), die Nordgrenze be- zeichnet die Lauter und eine in deren Verlängerung gedachte Linie über Cannstatt nach Nördlingen, die Ostgrenze der Lech; nach Süden hin gehörte dazu Rätien mit dem Engadin; Bellinzona war die südlichste Besitzung; von dort zog die Grenze nördlich bis zum Einfluls der Aare in den Rhein und von hier westlich über Basel hinaus etwa bis zu den Quellen des Oignon am Westabhang des Elsasser Belchen. 18 seines Freundes Werner, der Kiburg, aus, die Güter der reichen und königstreuen Abteien Reichenau und St. Gallen. Diese That bildete dann später den Grund, mit dem Bischof Warmann die Bannung Ernsts rechtfertigte(vgl. v. 473— 482). Da auch Herzog Konrad von Franken und Graf Welf noch im Aufruhr sich befanden, so entschlols sich Kaiser Konrad nach Ordnung der Verhältnisse in Italien heimzukehren. In der zweiten Hälfte des Juli 1027 hielt er zu Ulm eine allgemeine Reichsversammlung ab. um auf schwäbischer Erde nach altem Recht(vgl. Waitz, Verfassungsgeschichte VIII 19) über die Empörer Gericht zu halten. Herzog Ernst und Graf Welf folgten der an sie ergangenen Ladung, aber nicht um die Gnade des Kaisers zu erflehen, noch um sich seinem Richterspruch bedingungslos zu unterwerfen. Ernst hoffte, umgeben von zahlreichem Gefolge trefflicher Krieger und Vasallen, einen ihm vorteilhaften Vertrag bezüglich Burgunds durchzusetzen, oder im schlimmsten Falle sich den unbehinderten Rückzug, nötigenfalls mit den Waffen, zu erkämpfen(vgl. v. 398 fl.). Es folgte dann noch vor der eigentlichen Verhandlung jene ⸗Scene, die Uhland in die Reichs- versammlung selbst verlegt hat, bei der die Grafen Friedrich und Anshelm, jener vom Rieſs-, dieser vom Nagoldgau, ihrem Herzog erklärten, sie seien durch ihren Eid der Treue ihm zwar zur Hilfe gegen Jedermann sonst verpflichtet, nur nicht gegen den Kaiser, den höchsten Schirm- herrn ihrer Freiheit(vgl. oben den Bericht Wipos). Von den Seinen grölstenteils verlassen, that Ernst das Klügste in solcher Lage: er ergab sich dem Kaiser auf Gnade und Ungnade, ebenso Graf Welf. Ernst ging seines Herzogtums verlustig und wurde auf das feste Schlols Gibichenstein bei Halle gebracht, das damals öfters als Staatsgefängnis diente ¹. Bekanntlich stellt Chland jene Vorgänge zu Ulm so dar, als ob bei dem allgemeinen Abfall der Vasallen lediglich Graf Werner von Kiburg seinem Herzog treu geblieben sei, sich in seine Feste Kiburg geworfen habe, dort drei Monate lang vom Kaiser selbst belagert und, als es ihm bei deren Fall gelungen zu entrinnen, schlielslich geächtet worden sei. Wipo berichtet hier- von nichts; er erwähnt nur, nach Ernsts Unterwerfung habe der Kaiser»Alamannien durch- ziehend alle unterworfen, die sich gegen ihn empört hatten, und ihre Befestigungen(Burgen) zerstört.« Dies kann aber nur so verstanden werden, dals eine grölsere Anzahl der schwä- bischen Vasallen dem Beispiel ihres Herzogs nicht folgte, sondern in der Auflehnung gegen Konrad verharrte. Sonach verliert jedenfalls Werner das Verdienst. in jener Not. in jener tieten Schmach der einzig Treue geblieben zu sein(vgl. v. 413/4). Indessen bedurfte der Dichter gerade dieses Gedankens, um Ernsts unerschütterliches Festhalten an der Freundschaft mit Wer- ner auf dem Tag zu Ingelheim ausreichend zu motivieren; und er durfte mit um so gröſserem Recht jene Darstellung wählen, als seine Quelle— die schon erwähnten Jahrbücher von St. Gallen (vgl. a. a. O.)— über die Vorgänge nach dem Tag zu Ulm nichts weiter giebt als die Be- merkung:»auch die Burg Chuigeburch, welche Graf Werinher vergeblich verteidigte, nahm ¹) Den Grafen Welf ereilte ein ähnliches Schicksal. Wipo schweigt darüber; aber in den Jahrbüchern von St. Gallen heilst es unter dem Jahre 1027(vgl. die Übersetzung Wipos von P̃lüger-Wattenbach S. 86), dafs ebenso wie Ernst auch Graf Welfhard, das ist unser Welf, und andere Hochverräter an anderen Orten in Haft gebracht worden seien. Schon vorher hatte Konrad am 7. Juni auf dem Heimweg aus Italien zu Trient oder Brixen dem Grafen Welf alle Besitzungen im Eisack- und Innthal aberkannt; seine übrigen Besitzungen aber liels er ihm. Diese gingen, als Welf 1030 am 10. März, also noch vor dem Tag von Ingelheim, der den letzten, verhängnisvollen Bruch zwischen Ernst und Konrad brachte, starb, an dessen Sohn über. Hieraus ergiebt sich, dals die Worte. die Uhland Werner nach den Ingelheimer Ereignissen sagen lälst(v. 917»des Reichs verwiesen ist der graue Welk«), jeder historischen Begründung entbehren. 19 der König selbst nach dreimonatlicher Belagerung«. Dals Werner darauf auch geächtet worden sein mulste, ergab sich für Uhland schon daraus, dals Konrad ihn zu Ingelheim 1030 als hostem rei publicae bezeichnete(vgl. Wipo c. 25). Es ist hier überhaupt der Ort, kurz zusammenzustellen, was die geschichtliche Forschung über diesen Grafen ermittelt hat, den wir in unserer Tragödie einen so entscheidenden und verhängnisvollen Einfluss auf den Helden ausüben sehen. Uhland bezeichnet ihn kurzer Hand als Grafen von Kiburgi. Werners Name wird in den Quellen oft genannt, aber nie in der Weise mit dem Namen jener Burg zusammengestellt, wie das stets geschieht, wo die Burg dem Geschlecht den Namen giebt. Die einzige Stelle, wo Werner überhaupt mit der Kiburg zusammen genannt wird, findet sich abgesehen von der schon oben(vgl. S. 18 unten) abgedruckten Notiz aus den Jahrbüchern von St. Gallen, s. a. 1027, im Chron. Her. Aug. 1027:»Cuiyburg castrum Werenharii comitis«; auch sie beweist nichts weiter, als dass Werner Besitzer der Kiburg war. Wahrscheinlich gehörte er in das Geschlecht der Dynasten von Winterthur, das seine Mahlstätte in dem mit dem römischen Vitu- durum identischen Orte Wintirtura, dem heutigen Dorfe Oberwinterthur, hatte. Der letzte dieses Geschlechts, Adalbert, ſiel 1053 in Apulien; seine Tochter Adelheid brachte durch Ver- heiratung ihr väterliches Erbe an das Haus des Grafen Hartmann von Dillingen. Erst hundert Jahre später etwa(1155) werden die Nachkommen dieser beiden ausdrücklich als Grafen von Kiburg bezeichnet. Die alten Herren von Winterthur waren nicht einmal Grafen. Indessen nennt Wipo unseren Werner ausdrücklich comes. Sonach bleibt nur die Annahme übrig, dass dieser Titel sich nicht unmittelbar auf die Herrschaft Winterthur bezogen haben kann, sondern dass Werner von seinem Herzoge und Freunde Ernst mit dem Amte eines Grafen im Thurgau betraut worden war, in dem sein Haus besonders begütert war und u. A. auch die Kiburg besals. Man nennt also Ernsts Freund am besten Werner, Graf im Thurgau.— Wenn nun Graf Werner in unserem Trauerspiel(vgl. v. 1505 und 1506, ferner v. 1552) sich zu einem Verwandten des Grafen Mangold und des Bischofs Warmann macht und Mangold sich v. 1488 seiner Abstammung vom»erlauchten Burkhard« rühmt, so ist es ja sehr bequem und einfach, in diesen Verwandtschaftsangaben lediglich Erfindungen zu erblicken. Dals aber Mangold freilich kein Veringer, sondern ein Nellenburger war, daſs jener Burkhard, der Wiederhersteller des alamannischen Herzogtums i. J. 919, einem currätischen Hause entsprossen ist und unter seinen Vorfahren Grafen im Thurgau gehabt hat, daſs ebenso ein Graf Burchard von Nellenburg geradezu genannt wird, dafs endlich die alten Dynasten von Winterthur mit jenen Geschlechtern um den Bodensee verwandt waren: alles das ist kaum- zweifelhaft; man vermutet sogar nicht ohne Grund. daſs die Herren von Winterthur der Familie der Grafen vom Argen- und Linzgau, der späteren Grafen von Bregenz und Buchhorn, angehörten, d. h. also dem alten alamannischen Herzogsgeschlecht, das einst von den Franken seiner Vorrechte entkleidet, zunächst mit diesem Geschick sich aussöhnte, als Karl der Groſse aus ihm die Ge- mahlin sich wählte, Hildegard, des Herzogs Nebi Enkelin(771—783), das aber später wieder Versuche machte, sich die alte Stellung zurückzuerkämpfen?. Es ist gar kein Zweifel, dass ¹ Vgl. in den Forschungen zur deutschen Geschichte, Bd. XVI p. 69 ff.(Göttingen, Dieterich, 1873) den Aufsatz von Prof. G. Meyer von Knonau: Zur älteren alamannischen Geschlechtskunde. ² Die Liebesgeschichte jener Hildegard und die Stellung ihrer Verwandten zum fränkischen Königtum, dann die auf Wiederaufrichtung des alten alamannischen Stammesherzogtums abzielenden Bostrebungen der Brüder Erchanger und Berthold unter Kaiser Konrad I., überhaupt die Geschichte der Lande um den Bodensee, 20 in jenen alten nationalen Adelsgeschlechtern alamannischer Herkunft um den Bodensee, und zwar in dem Hause der Ulriche, Grafen vom Argen- und Linzgau, und dem ihrer Verwandten, der Berchtolte, deren Güterbesitz bis zu der Donau, dem Neckar und dem Breisgau reichte, weiter in dem Hause der stets besonders stolzen und trotzigen Welfen und der ihnen nahe- stehenden Burcharde mit ihrem reichen Besitz in Currätien, die Erinnerung an die alte Stammes- selbständigkeit und ihre Vernichtung durch die Franken fortlebte. Sollten diese Erwägungen nicht ausreichen, die unversöhnliche Feindschaft und den nicht zu bändigenden Haſs Werners gegen Konrad II. zu erklären? Die Geschichte kennt diesen Grafen als einen Mann, der den Widerstand gegen den Kaiser auch dann noch fortsetzte, als er auf irgend welchen Erfolg gar nicht mehr zu rechnen hatte, und der dabei noch den unglücklichen Ernst bis zuletzt für seine Zwecke gebrauchte und schlielslich mit ins Verderben rils. So aber kämpft man nur für eine Idee, für UÜberzeugungen, die den ganzen Menschen beherrschen, mit denen mansteht und fällt. Sicher ist, dals Uhland, wenn er uns in Werner, auch ohne auf urkundliche Beweise sich stützen zu können, den begeisterten Verfechter der alten Stammesrechte und Volksfreiheit vor Augen stellte, gegen den Geist der Geschichte sich nicht versündigte; und ebenso entspricht es nur der historisch beglaubigten Bedeutung dieses Grafen, wenn Konrad in ihm die Seele der ihm feindlichen Bestrebungen erblickte und bekämpfte. Kehren wir zu Ernst zurück! Ganz im Anschluſs an Wipos Bericht stellt Uhland Ernsts Ausgang dar, nur daſs er die Krönung Heinrichs zum deutschen König ins Jahr 1030 verlegt, während sie doch am 14. April 1028 stattfand; ebenso lälst er die Entscheidung über Ernsts Wiederbelehnung mit Schwaben i. J. 1030 zu Aachen statt in Ingelheim erfolgen, wie Wipo erzählt. Diese chronologischen und örtlichen Verschiebungen hat Uhland zweifellos, wie unten weiter erörtert werden wird, bewuſst, aus technischen Gründen vorgenommen. Dals aber sein Gewährsmann Wipo in der Erzählung dieser Vorgänge sich geirrt hati, wusste über deren Bewohner uns das Vorhandensein der grofsen Reichsabteien St. Gallen und Reichenau bis in die frühesten Zeiten hinauf eine besonders reiche Kenntnis vermittelt hat, ist in den auch für Schüler warm zu empfehlenden Romanen. K. Th. Zingelers»König Karls erste Liebe« und»der Reichskanzler« trefflich mit historischer Treue geschildert worden. ¹ Ein einfacher Vergleich der Worte des Wipo mit anderen Ouelen beweist schon seine Ungenauigkeit gerade an dieser Stelle. Wipo sagt:... ibi Ernestus supra memoratus dux Alamanniae, a custodia solutus ducatum recepit, eo tenore ut Wezelonem... persequeretur; quod cum dux facere nollet, hostis publicus imperatoris diiudicatus est et penitus ducatu amisso cum paucis inde recessit. Diese Worte sind an und für sich unklar, insofern das eine vollzogene Thatsache bezeichnende Perfekt recepit nicht den durch den Zu- sammenhang geforderten Sinn haben kann,»er sollte wieder erhalten«. Wipo hat hier, um rasch über jene für das Kaiserhaus vielleicht unangenehme Episode von Ingelheim wegzukommen, seine Quelle oder seine eignen Aufzeichnungen über jene Ereignisse, als er 1048 oder 1049 die vita Chuonradi vollendete, oberflächlich benutzt; Konrads Verhalten dort, mochte er denken, werde den Zeitgenossen plausibler erscheinen, wenn er die Lösung von Ernsts Verhältnis zu Werner als die notwendige Bedingung zu dessen Wiederbelehnung mit Schwaben hinstellte, die doch lediglich ein Akt der Gnade war, als wenn er sie den Anlals bilden lieſs, dem bereits begnadigten und restituierten Ernst Herzogtum, Ehre und Heimat abzuerkennen. Aber auf bloſse Vermutungen ist man zur Erhärtung von Wipos Ungenauigkeit gar nicht einmal angewiesen. Im Chro- nicon Herimanni Augiensis heifst es zu 1030:»Ernust dux, cum exilio relaxatus ducatum suum recepisset, pravorum consilio usus et denuo imperatori refragatus ducatu privatur« und ähnlich in den annales Sangal- lenses maiores zu 1030:»Ernest, dux Alamannorum, vitrico suo imperatori denuo rebellis effectus gratiam suam cum ducatu amisit«. Beide Quellen zeigen ganz bestimmt, dals Wipo sich irrt, wenn er die Wieder- belehnung Ernsts mit Schwaben von der Erfüllung jener Bedingung bezüglich seines Verhältnisses zu Werner 21 er nicht. Richtig ist, dals Heinrich am 1. Ostertage(14. April) des Jahres 1028 zu Aachen zum deutschen König vom Erzbischof Pilegrin von Köln gesalbt und gekrönt wurde. Darauf wandte Konrad sich nach Westfalen. In Corvey ordnet er einen das Kloster betreffenden Streit, worüber er dann am 1. Juli 1028 von Magdeburg aus eine Urkunde ausstellt, in deren Zeugenliste neben Bischöfen, Herzögen und Grafen auch Ernst von Schwaben als»dux« genannt wird. Brelslau a. a. O. hat unseres Erachtens unwiderleglich nachge- wiesen, dafs dies nicht anders zu verstehen sei, als dafs damals Ernst bereits sein Herzogtum Schwaben zurückerhalten hatte. Also noch einmal hatte Konrad Gnade geübt und Ernsts Haftentlassung anläſslich der Königskrönung Heinrichs zu Aachen verfügt. Zur Sühne für seinen Abfall musste Ernst bedeutende Teile seines väterlichen Erbguts im baierischen Nordgau, dar- unter Weilsenburg, an die Krone abtreten. Nach Wiedereinsetzung in sein Herzogtum trat Ernst bald wieder in Verbindung mit seinem Freunde Werner, und ohne Zweilfel hat dann letzterer, der sich seit seiner Achtung immer noch nicht unterworfen hatte, wieder einen un- heilvollen Einfluls auf Ernst gewonnen und ihn dem Kaiser wieder entfremdet. Konrad kannte Ernst zur Genüge, um es in beiderseitigem Interesse als dringende Pflicht erscheinen zu lassen, dieser verhängnisvollen Freundschaft ein Ende zu machen. Aulserdem hatte er ein gutes Recht darauf zu verlangen, dals Ernst, gerade um seiner Vergangenheit willen, nunmehr als Herzog von Schwaben und Inhaber eines der höchsten Reichsämter Ruhe halte, ihm beistehe in dem unmittelbar bevorstehenden Kampf mit Ungarn und Polen, jede Verbindung mit einem der un- ruhigsten, energischsten und hartnäckigsten Gegner des Reichsoberhauptes löse und fortan den Achter mit allen Mitteln zur Unterwerfung zu bringen helfe. So stellte er denn, als er 1030 zur Feier des Osterfestes nach Ingelheim gekommen war, vor den versammelten Fürsten an Ernst das Verlangen:-ut Wezelonem, militem suum, qui multis factionibus regnum turbaverat, quasi hostem reipublicae cum omnibus suis perse- queretur idquese facturum cum sacramento confirmaret«(vgl. Wipo 25). Es genügt hier den historisch richtigen Verlauf jener Ereignisse, so weit er bisher ermittelt werden konnte, dargestellt zu haben; mülsig wäre es die Frage zu erörtern, ob Uhland wohl in derselben Weise, wie er's gethan, seinen Stoff gestaltet haben würde, hätte er die Dinge so gekannt; wir haben, wie schon oben gesagt, nur der Thätigkeit des Dichters nachzugehen, wo er bewufst ihm bekannte Vorgänge der Geschichte modelt und anderen Zusammen- hängen eingliedert. Aber eins muls hier hervorgehoben werden: der wirkliche Verlauf fener Ereignisse entbehrt weit mehr der tragischen Kraft als deren Er- zühlung bei Wipo. Dalfs, was Uhland im Widerspruch zu der ihm bekannten Uberliefe- rung aus inneren Gründen zusammenlegt, nämlich Heinrichs Krönung und Ernsts Begnadigung (vgl. darüber unten!), nun als historisch zusammengehörig nachgewiesen ist, mag man dem Dichter immerhin als Beweis richtigen Urteils anrechnen; dals aber andrerseits die Geschichtsforschung Ernsts Verhalten zu Ingelheim nicht unwesentlicher Momente entkleidet hat, die es gleichsam zu einem Martyrium der Treue gemacht haben, ist kein Zweifel. In Wirklichkeit erschien Ernst damals zu Ingelheim nicht»blals und hager, wie aus dem Grab abhängig macht; sie konstatieren ausdrücklich, dals Ernst zuerst sein Herzogtum wiedererlangt habe und nachher erst, bestimmt durch die»Ratschläge gottloser Leute«,— natürlich in erster Linie Werners!— aufs neue in Zwist mit seinem Stiefvater geraten und infolge dessen erst des wiedergewonnenen Herzogtums verlustig gegangen sei.— 22 erstanden, wankend, hohlen Augs«(vgl. v. 185 ff. u. v. 244), ferner nicht als ein Mann, den ein hartes Geschick über die eignen Irrtümer aufgeklärt, so dals er sich seinen Brüdern als war- nendes Beispiel hinstellen kann(vgl. v. 206 ff.), weiter nicht als ein Fürst, der, weit entfernt nach Rache zu dürsten, nach langer Kerkernacht endlich in die Welt zurückkehrt, um nur noch Ruhe und Versöhnung zu suchen(vgl. v. 384 f.): um es kurz zu sagen, nicht als ein innerlich und äulserlich gebrochener Mann trat Ernst damals vor den Kaiser, um sich dann aus so tiefer Entmutigung zu einem um so ergreifender wirkenden Heroismus der Treue zu erheben: viel- mehr mufs er vorher schon ganz klar gewulst haben, was man dort von ihm fordern werde, und nicht minder mufs er zum Widerstand schon vorher entschlossen gewesen sein. War er doch nicht allein zu Ingelheim erschienen; unmittelbar darauf schon ist er aufs Eifrigste bemüht, eine Erhebung im Grofſsen, wie früher, gegen Konrad zu organisieren(multa cogitans, multa moliens, qualiter imperatori resisteret, sagt Wipo) und dabei ist Graf Werner schon sein Gehülfe und Genosse; die Worte Wipos(assumpto Wezelone milite suo cum aliis paucis perrexit in Franciam Latinam ad Oudonem comitem) zeigen, dals Ernst seinen Freund nach dem Tag zu Ingelheim nur zu rufen brauchte, um sich seiner thatkräftigen Unterstützung zu erfreuen. Es ist sonach weiter durchaus wahrscheinlich, daſs die beiden Freunde sorgfältig alle Schritte vorher zusammen erwogen haben, und dals Ernst als Herzog von Schwaben nach Ingelheim gegangen ist in berechtigtem Vertrauen auf seine wiedergewonnene Macht und in der bestimmten Absicht, dem Kaiser sich nicht zu fügen; er wulste so gut wie der Kaiser selbst, dals gefährliche Kämpfe mit dem Polenkönig Mesko be- vorstanden, der nach Thietmars, des Grafen der Ostmark, Tod schon im Januar 1030 in Sachsen eingefallen war und furchtbar wütete in dem Land zwischen Elbe und Saale. Hatte Ernst nicht allen Grund von der Gefährlichkeit gerade dieses Gegners Konrads, mit dem letz- terer schon im Jahre vorher unglücklich gekäümpft, Vorteile für seine eigne Sache wenig- stens in so weit zu erwarten, daſs der Kaiser verhindert sein würde, energisch den Kampf gegen ihn aufzunehmen? Ebenso wuſste Ernst, dals es mit König Stephan von Ungarn bald zum offenen Kampf kommen werde. Mit diesen Verhültnissen hat Ernst gewiſs gerechnet, als er dem Kaiser zu Ingelheim den Gehorsam verweigerte, aber nicht minder auch der Kaiser, als er angesichts dieser Gefahren mit den schärfsten Mitteln Sicherheit und Ordnung im eigenen Hause schaffen wollte. Da droht denn freilich die leuchtende Gestalt Ernsts, in der man den Typus edelherziger Freundschaft zu erblicken sich gewöhnt hat, hinter dunklen Schatten zu verschwinden. In der That zeichnen auch die Quellen, selbst der Hofhistoriograph Wipo, uns den Sohn Giselas als einen durchaus unbotmäfsigen. unbedachtsamen, in schnödester Weise undankbaren Jüngling, dessen Verhalten zu Ingelheim vollends, fügen wir hinzu, fast an Hochverrat grenzte. Trotzdem aber ist und bleibt die Ablehnung jener Forderung des Kaisers durch Ernst, von welchen Erwägungen sie sonst noch diktiert worden sein mag, auch im Lichte der Geschichte ein glänzender Beweis opferfreudiger Treue, einer Treue, die auch nachher, im tiefsten Unglück, unter der Last von Acht und- Bann, nicht wankte und selbst im Tode die Probe bestand. Gerade diese Bewährung der Freundschaft hat dann Ernsts Thun überhaupt verklärt, so sehr man geneigt sein möchte, ihn in seinem Verhalten zu Ingelheim als eine Marionette seines ihm an Charakterstärke und That- kraft jedenfalls weit überlegenen Freundes zu betrachten. Letztere Auffassung war zweitellos die des Kaisers. Dreimal schon, zu Augsburg, zu Ulm und zu Aachen, hatte er dem Stiefsochn vergeben; trotzdem zettelte dieser wieder Unruhen an im Bunde mit dem Achter Werner, und gerade jet«t, 23 wo die gefährlichen Kämpfe mit Polen und Ungarn drohten. Da galt es durchgreifen! Als Beschützer eines Achters, d. h. als Hochverräter gebrandmarkt, mit dem doppelten Fluch der Reichsacht und des Kirchenbannes beladen verlälst Ernst Ingelheim. Auch Gisela hatte dies Schicksal von ihm nicht abzuwenden vermocht. Da sein Starrsinn und seine Verblendung ihr nur die Wahl liels zwischen dem Gatten und dem Sohn, so mufste sie sich für ersteren entscheiden; aber sie vermochte noch durchzusetzen, dals wenigstens Schwaben dem Hause ihres zweiten Gemahls blieb und Ernsts unmündigem Bruder Hermann zugesprochen wurde, für den einstweilen Bischof Warmann von Constanz die Verwaltung führen sollte. Ernsts Plan, wiederum eine Konlition gegen Konrad zu stand zu bringen, wie sie 1027 bestanden hatte, scheiterte. Der alte Welf war kurz vor dem Tag zu ngelheim gestorben; des Kaisers Vetter Konrad der jüngere verharrte seit seiner Unterwerfung i. J. 1027 in Treue; die Lothringer hatten sich schon 1025 mit dem Kaiser endgültig ausgesöhnt. Da blieb denn Niemand übrig als Graf Odo von Champagne, mit dem Ernst das gemeinsame Interesse an der burgundischen Erb- schaft gegen Konrad verband. Allein Odo wollte nichts mit dem land- und heimatlosen Flüchtling zu thun haben. So blieb dem milsleiteten Jüngling nichts übrig als einen ehren- vollen Untergang zu suchen. Er kehrte in sein Herzogtum zurück; allein Konrad und Bischof Warmann hatten dafür gesorgt, dals er mit seinen wenigen Genossen nicht allzuviel Unheil stiften konnte. Auf einer Burg Falkenstein, wahrscheinlich im Schiltachthale unweit Schramberg gelegen, fanden die Freunde eine letzte Zufluchtstätte; von hier aus suchten sie die Umgebung mit Raub und Plünderung heim. Auch hier von den Mannen des Kaisers um- stellt und schlielslich der Pferde für sich und seine Schaar beraubt, wurde Ernst zum Todes- kampf gezwungen. Es gelang ihm aus dem Schwarzwald hervorzubrechen; in der weiten Ebene östlich des Gebirgs, die Baar genannt, traf er auf eine Schaar schwäbischer Krieger, die Warmann unter dem Befehl des Nellenburger Grafen Mangold zum Schutz dieser Gegend entsandt hatte. Nach heifsem Kampfe fiel Ernst, der den Tod suchte, von vielen Wunden be- deckt, ebenso Graf Mangold; nach der sonst weiter nicht beglaubigten Nachricht der annal. Sangal. 1030 töteten sich beide im letzten Kampfe gegenseitig. Auch Graf Werner befand sich unter den Gefallenen, ebenso werden noch unter den Opfern dieses Tags namhaft gemacht zwei schwäbische Edle, Adalbert und Werin. Die Leiche Mangolds wurde nach Reichenau gebracht; Ernst wurde in der Marienkirche zu Konstan⸗z beigesetzt, nachdem Warmann ihn vom Bann gelöst hatte. Eine Tragödie bildet, wie Brefslau meint, die Geschichte Ernsts Il. auch in den Augen des Historikers. Der Kaiser hat nach Wipo, als er Kunde erhielt von Ernsts Tod, das harte Wort gesprochen: raro canes rabidi foeturam multipli- cabunt. Man darf nicht vergessen. dafs das nur ein Sprichwort war; aber getreu spiegelte es die Gedanken wieder, die des Kaisers Seele erfüllten: ihm galt es nur, die Fruchtlosig- keit des Lebens zu bezeichnen, das am 17. August 1030 zu Ende gegangen war. Uhland ist aber nicht nur in der Darstellung der äulseren Schicksale Ernsts in der Hauptsache seiner Quelle, dem Berichte des Wipo, gefolgt. Wenn Wipo als Grund für Konrads Forderung an Ernst zu Ingelheim die Thatsache anführt: multis factionibus(Wezelo) regnum turbaverat; wenn er dann dem Bericht von jenem letzten Kampfe im Schwarz- walde die Worte einfügt: cecidit ibi Wezelo, miles ducis, cuius causa haec omnia acciderant, so bezeichnet er damit auch deutlich genug die Keime des Konflikts, die Uhland dann in unserer Tragödie weiter entwickelt hat, nämlich des Kaisers Uberzeugung von Werners Gefährlichkeit und Ernsts treues Festhalten gerade an diesem Freunde. Also auch 24 den psychologischen Gehalt, den Uhland seinem Trauerspiel gegeben hat, fand er in den Quellen schon angedeutet. Es ist aber zweifellos ein be- deutender psychologischer Vorgang, daſs in der nur nach Ruhe und Versöhnung begehrenden Seele des Helden unserer Tragödie, als sie sich vor die Entscheidung gestellt sah: entweder dem Kaiser gehorchen und damit Ehre, Frieden und Heimat gewinnen, oder dem Freunde treu bleiben und damit Acht und Bann auf sich nehmen: die Freundestreue triumphiert und den fast schon gebrochenen Mut Ernsts zu echtem Heldentum allmählich steigert. So ver- bindet sich mit dem im Wesentlichen historischen Inhalt unsers Stücks ein kaum minder be- deutender psychologischer Gehalt. Hieraus ist für den Schüler zugleich als Gewinn die Er- kenntnis abzuleiten, daſs jedes historische Trauerspiel zugleich auch der psychologischen Gattung angehören muss, weil die äufseren Kämpfe der Helden immer von seelischen Kämpfen veranlafst oder begleitet werden. Nehmen wir nun noch hinzu, was oben schon zum Teil ausgeführt worden ist, dafs Uhland, als er in Ernsts Persönlich- keit einen Typus der Treue verkörperte, in Werners Gestalt einen warmen Verteidiger von Recht und Freiheit hinstellte, endlich in Konrad den rücksichtslos, unter Umständen auch vor- handene Rechte miſsachtenden Herrscher zeichnete, zweifellos von den politischen Kämpfen in seiner engeren Heimat beeinfluſfst worden ist, so können wir sagen: unser Trauer-— spiel ist seiner Gattung nach ein historisches Drama mit be— deutendem psychologischem Gehalt und mit zeitgeschichtlicher Färbung.