Jahresbericht 1 Königlichen katholiſchen Gymnaſiums zu Breslau für das Schuljahr 18 ¾3, womit zu der den 13., 14. und 15. Auguſt zu haltenden öffentlichen Prüfung aller Klaſſen und der auf den 16. Auguſt feſtgeſetzten Schlußfeierlichkeit, bei welcher die Abiturienten entlaſſen, die Prämien vertheilt und die Verſetzung der Schüler aller Klaſſen bekannt gemacht werden wird, alle Vorgeſetzten, Gönner und Freunde der Anſtalt ergebenſt einladet Dr. August Wissowa, Director des Gymnaſiums und Profeſſor, Ritte ¶¶ʒʒʒöòᷣ ᷓ————— Breslau, 1845. Druck von Robert Lucas, Schuhbrüͤcke o 38. nar Lne Beitraäaͤge Geſchichte des Königlichen katholiſchen Gymnaſiums zu Vreslau von ſeiner Stiftung bis zur Gegenwart, von Dr. Auguſt Wiſſowa, Director und Profeſſor des Königl. katholiſchen Gymnaſiums, Ritter des rothen Adlerordens 4. Klaſſe. —— Zweite und letzte Abtheilung, Vierte Periode von 1776—1801, oder von der Aufhebung des Jeſuiten⸗ ordens bis zu der neuen Schulreform. Dem Programm des Koͤnigl. katholiſchen Gymnaſiums vom Jahre 1843 haben wir einen kurzen Abriß der Geſchichte dieſer Anſtalt vorausgeſchickt, welcher die Zeit von der Stiftung der Anſtalt im Jahre 1638 bis zur Aufhebung des Jeſuiten⸗Ordens umfaßte und die Schule in den Haͤnden dieſer Corporation darſtellte. Es iſt bereits am Schluſſe jenes erſten Theils dieſer Geſchichte des Gymnaſiums darauf hingewieſen worden, daß Friedrich der Große die Aufhebung des Jeſuiten⸗Ordens fuͤr ſeine Staaten, und insbeſondre fuͤr Schleſien, als nachtheilig betrachtete und ihr daher keine Folgen zu geben entſchloſſen war. Als daher dem großen Koͤnige im Auguſt 1773, bei ſeiner Anweſenheit in Schleſien zur Abnahme der Revue, im Hauptquartier zu Goldſchmiede die Kunde von der vollzogenen Aufhebung des Ordens durch Papſt Clemens XIV. zukam, verbot er unter dem 5. Sep⸗ tember die Bekanntmachung der betreffenden Bulle und ließ ſie zwar den Jeſuitenobern mittheilen, aber auch hinzuſetzen, daß der Orden in den preußiſchen Staaten erhalten und geſchuͤtzt werden ſolle 1). Waͤhrend aber die Unterhandlungen in Rom, welche der Koͤnig anknuͤpfen ließ, um die Erhaltung des Ordens fuͤr ſeine Staaten auszuwirken, nicht rechten Fortgang gewinnen wollten, ſelbſt nicht, als Clemens XIV. etwa 18 Monate nach der Aufhebung geſtorben und Pius VI. auf den paͤpſtlichen Stuhl gekommen war, ſahen ſich die Jeſuiten in Schleſien in einer ſehr delicaten Lage, zwiſchen den entgegengeſetzten For⸗ derungen ihres geiſtlichen und ihres weltlichen Vorgeſetzten, zumal auch der Weihbiſchof von Strachwitz beſtaͤndig auf Vollziehung der paͤpſtlichen Aufhebungsbulle drang ²2). Alle Vermittellungen und Unterhandlungen fuͤhrten aber endlich doch nur dazu, daß der Papſt genehmigte, daß aus den bisherigen Mitgliedern des Ordens in Schleſien, jedoch unter Ablegung ihres Namens und Ordenskleides, eine Prieſter⸗Corporation gebildet werden durfte, die ſich durch Aufnahme junger Maͤnner, welche die geſetzlichen Studien gemacht, ergaͤnzen und vervollſtaͤndigen, und die Erziehung und Unterweiſung der katholiſchen Jugend in den Gymnaſien Schleſiens und auf der Univerſitaͤt zu Breslau ausſchließlich beſorgen ſollte. So wie aber durch die Aufhebung des Jeſuitenordens, wenn dieſe auch nicht pu⸗ blicirt worden, der Staatsgewalt auf die bisherigen Jeſuiteninſtitute ein groͤßerer Einfluß eroͤffnet war, hatte Friedrich der Große auch ſofort Einleitungen getroffen, den Maͤngeln ¹) Siehe Bachs Kirchengeſchichte der Grafſchaft Glaz S. 263 ff. und vergl. K. A. Menzels Geſchichte Schleſiens I11. S. 638 ff. 2) Vergl. Wilhelm Sohr's Abhandlung in den Schleſ. Provinzialbl. 1836. Stück 1—4; ſiehe auch die Rede von Sckeyde bei der Jubelfeier der Leopoldina, S. 17. 1 2 des bisher ertheilten Unterrichts abzuhelfen und dieſe Lehranſtalten mit den Forderungen der Zeit in groͤßere Uebereinſtimmung zu bringen, ohne doch den Grundriß und Plan, nach dem ſie angelegt waren, gaͤnzlich umzugeſtalten. Die Leitung dieſer Reform erhielt der Juſtiz⸗Miniſter von Schleſien, Freiherr von Carmer, welcher, unter Zuziehung des Ordens⸗Provincials, die Ausarbeitung des neuen Plans dem Profeſſor der Mathematik an der Univerſitaͤt Anton Zeplichal auftrug, der dem Koͤnige durch ſeine Algebra in Ta⸗ bellen perſoͤnlich bekannt war 1). Das neue Schul⸗Reglement erſchien den 11. Decem⸗ ber 1774. Seine wichtigſten Beſtimmungen fuͤr den Gymnaſial⸗Unterricht duͤrften fol⸗ gende ſein. Die Univerſitaͤt zu Breslau zerfaͤllt in vier Klaſſen, wovon zwei, die gram⸗ matiſche Klaſſe mit drei, die aͤſthetiſche mit zwei Jahrescurſen, das Gymnaſium; zwei Klaſſen, die philoſophiſche mit drei, die theologiſche mit vier Jahrescurſen die Akademie bilden. Sonach hat das Gymnaſium 5 Klaſſen, Grammatica infima, media, und su- prema, und die beiden aͤſthetiſchen, wozu auch 5 Lehrer erforderlich waren.(Vergleiche die Einrichtungen der fruͤhern Periode S. 9. des Programms von 1843.) Als Lehrge⸗ genſtaͤnde fuͤr die infima wird richtiges Leſen, Recht⸗ und Schoͤnſchreiben, die Rede⸗ theile, die Declination und Conjugation im Deutſchen und Latein und leichte Conſtructionen in beiden Sprachen, Leſen des Griechiſchen, eine Einleitung zum nüuͤtzlichen Leſen der claſſi⸗ ſchen Schriftſteller, die Vorbereitung zur Geſchichte und Geographie und die erſten Species der Rechenkunſt vorgeſchrieben. In der media classis grammatica wird die Conſtruc⸗ tionslehre fortgeſetzt, wozu die Regeln uͤber die genera nominum und die practerita et supina verborum traten; geleſen ſollten werden Aeſops Fabeln, Ciceros kuͤrzeſte und leichteſte Briefe; Pontanus de urbanitate morum und die lateiniſche Ueberſetzung von Stobaei sententiis. Im Griechiſchen ſollte die Declination und Conjugation erklaͤrt werden. Die Rechnenkunſt wurde fortgeſetzt, der Unterricht in Weltgeſchichte und Geographie begonnen. In der suprema classis grammatica ſollte im Latein und Deutſchen die hoͤhere Syntax, der Briefſtil und die lateiniſche Proſodie, im Griechiſchen die Conſtruction erklaͤrt werden. Zur Lectuͤre waren beſtimmt Selecta ex J. Caesare et Justino, Curtii lib. III. et IV. Cic. epp. selectae, et selecta e Cic. de off.— Ovid. Tristia; im Griechiſchen Selecta ex Xenoph. Cyr. et Memm. Socratis. Die Real aͤcher der vorigen Klaſſe wurden fortgeſetzt. In der untern aͤſthetiſchen Klaſſe ſollten die all⸗ gemeinen Grundſaͤtze der Beredſamkeit, der lateiniſchen und deutſchen Dichtkunſt, die red⸗ neriſche Dialektik, die Lehre vom Versbau und dem dichteriſchen Plan, ferner von der Ausfuͤhrung leichterer poetiſcher und proſaiſcher Aufſaͤtze im Deutſchen und Latein und die griechiſche Syntax gelehrt werden. Geleſen ſollten werden Cic. oratt. pro Archia, pro 1) Nach den, der Univerſitäts⸗Matrikel beigefügten Notizen war derſelbe den 13. Mai 1737 zu Trebitz in Mähren geboren. Im Jahre 1767 kam er an die Univerſität als Profeſſor der natürlichen Theologie, Moral⸗ philoſophie und des Naturrechts; er lehrte ſpäter Phyſik, Mathematik, Mineralogie; 1777 wurde er Director des Schuleninſtituts, was er bis 1800 blieb. Seine Schriften ſiehe in E. Jung Nachrichten von dem Perſonale der Leopolds⸗Univerſität, S. 13. Vergl. auch ſein Leben von Veith, im Programm des Glogauer Gymnaſiums 1827. 12. — 3 Marcello, in Catil. I. Epp. Cic. ad Sulpitium et Sulpitii ad. Cic.; Selectae ex Livio oratt. narratt. et descriptt.; Vitruvii prooemia duo; im Dichter Virg. selecta ex Eclogis et Georgicis, Georgicon liber IV. Ovidi libri de Ponto et selecta ex Metamm.; Catulli Hendecasyllaba, Jambi, Elegiae; im Griechiſchen Plutarchi vitae Demosth. et Cic.— Anacreon. Der Unterricht in Geſchichte und Geographie ſollte fortgeſetzt, und eine Einleitung in die Geometrie, Naturlehre und Naturgeſchichte gegeben werden. In der obern aͤſthetiſchen Klaſſe endlich ſollten die beſondern Re⸗ geln der Beredſamkeit in Bezug auf die verſchiedenen Arten von Reden und redneriſchen Aufſaͤtzen im Deutſchen und Latein, eine Anweiſung zur Verfertigung buͤrgerlicher deutſcher Auüfſaͤtze gegeben und die Lehre von den verſchiedenen Gattungen der Gedichte vorgetragen, der Unterricht im Griechiſchen fortgeſetzt werden. Zur Lectuͤre wurden beſtimmt im Latein Cic. oratt. pro lege Man., pro Ligario, pro Milone, pro domo sua, Philippica IX. Selecta ex Tacito et Sallustio; Virg. Aen. lib. II. III. IV. et IX. Horatii selectae odae, satirae et epistolae; im Griechiſchen Demosth. oratt. Olynth., Plat. Phaedo; Selecta ex Hom. Jl. Der Unterricht in Geſchichte, Geographie, Naturlehre und Na⸗ turgeſchichte ſollte fortgeſetzt, Geometrie und praktiſche Arithmetik vorgenommen werden. Vieles, was jetzt in den Kreis des Gymnaſialunterrichts gezogen worden, blieb damals den philoſophiſchen Klaſſen vorbehalten, in welchen die klaſſiſchen Studien aus⸗ fielen, dafuͤr aber die philoſophiſchen Disciplinen, im erſten Jahre Logik, Ontologie und Cosmologie, im zweiten Pſychologie, natuͤrliche Theologie, Natur⸗ und Voͤlkerrecht mit der Moral, im dritten die Aeſthetik vorgetragen wurden. Eben ſo ward im erſten Jahre die reine Mathematik, im zweiten Jahre die angewandte, im dritten die phyſikaliſche Mathematik gelehrt. Hierzu traten im erſten Jahre griechiſche und roͤmiſche Alterthuͤmer und Staatengeſchichte, im zweiten deutſche Reichshiſtorie und Naturgeſchichte, im dritten Theorie der Landwirthſchaft und Geſchichte der Philoſophie und ſchoͤnen Wiſſenſchaften. Eine Vergleichung dieſes Planes mit dem im Program von 1843 S. 15 und 16. dargeſtellten der aͤltern Jeſuitenſchule wird leicht ergeben, daß ungeachtet mancher Veraͤn⸗ derungen, Vervollſtaͤndigungen und Verſchiebungen der Grundgedanke im Weſentlichen bei⸗ behalten war. Als die wichtigſten Abweichungen ergeben ſich die gleichmaͤßige Beruͤckſichtigung der deutſchen Sprache neben der fruͤher ausſchließlich beachteten lateiniſchen, wie denn der Unterricht nach ausdruͤcklicher Verordnung in den niedern Schulen deutſch gegeben werden ſollte; und die Aufnahme einiger Realgegenſtaͤnde, wie des Rechnens in den untern 3, der erſten Anfaͤnge der Geometrie in den beiden obern Klaſſen ¹), ferner der Geographie, wie eines ſynchroniſtiſchen Abriſſes der Weltgeſchichte, der in den drei obern Klaſſen ertheilt werden ſollte, ſo daß in der 3. Klaſſe die alte, in der 4. die neuere bis zum 18. Jahr⸗ hunderte, in der fuͤnften und ſechſten die Geſchichte jenes Jahrhunderts ſelbſt behandelt wuͤrde, nachdem in den untern beiden Klaſſen eine Art von Vorbereitung fuͤr die Geſchichte ¹) Freilich wird bei der Mathematik und den Naturwiſſenſchaften nur die mögliche praktiſche Anwendung auf manche Verhältniſſe im bürgerlichen Leben als Zweck hingeſtellt. Man kann den Einfluß der Zeit, in welcher die Realien ſich allenthalben anfingen geltend zu machen und die erſten Realſchulen ent⸗ ſtanden, nicht verkennen. 1 4 durch Aushebung einzelner wichtiger Ereigniſſe in der erſten und einen kurzen Grundriß in der 2. Klaſſe gegeben worden war ¹). Andere Abweichungen mochte die Erfahrung als nothwendig gezeigt haben, wie den ſpaͤteren Beginn der lateiniſchen Lectuͤre, erſt in der zweiten, ſtatt in der erſten Klaſſe; der griechiſchen erſt in der dritten, ſtatt in der zweiten, und die Verſchiebung mancher klaſſiſchen Schriften fuͤr die Lectuͤre einer hoͤhern Stufe, als fuͤr welche ſie fruͤher beſtimmt geweſen. Ausgeſchloſſen vom Lehrplane blieben, wie bisher, die franzoͤſiſche und andere neuere Sprachen und die ſchoͤnen Kuͤnſte, außer der Poeſie. Die hebraͤiſche Sprache blieb den Theologen vorbehalten und wurde erſt in der oberſten oder theologiſchen Abtheilung gelehrt. In der Methode wurde gleichfalls in mannigfacher Beziehung Neues angeordnet oder doch auf Abſtellung von Mißbraͤuchen und uͤbeln Gewohnheiten gedrungen, die ſich allmaͤhlig eingeſchlichen haͤtten. Dahin ward gerechnet das allzulange Verweilen beim Lernen der Regeln, ohne ſie an der Lectuͤre zu veranſchaulichen; was an ausgewaͤhlten Stellen ſelbſt ſchon in der erſten Klaſſe geſchehen ſolle; die Vernachlaͤſſigung des Inhalts der Klaſſiker fuͤr Geiſt und Gemuͤth uͤber der Betrachtung der Form; wogegen auch zur tiefern Einfuͤhrung in den Geiſt des roͤmiſchen Alterthums curſoriſche Lectuͤre empfohlen ward. Die Ueberſetzungen ins Latein ſollen erſt in der zweiten Klaſſe beginnen und die zu dictirenden Themata ſo gewaͤhlt werden, daß dem Schuͤler die Vocabeln aus der vor⸗ angegangenen Lectuͤre bekannt ſein muͤßten. In Beziehung auf das Memoriren ward vor jedem Uebermaße und davor gewarnt, daß nicht Unverſtandenes gelernt werden muͤſſe. Das Latein ſprechen ſollte— doch ſchon!— im zweiten halben Jahre der zweiten Klaſſe beginnen. Die Dicht⸗ und Redekunſt ſollte mehr durch Vorlegung und Aneignung guter Muſter und deren Zergliederung, als durch philoſoöphiſche Demonſtrationen oder, wie bisher, durch einen unermeßlichen Vorrath„der ſogenannten locorum rhetoricorum, Tropen, Figuren und Schematum“ gelehrt, auch die Jugend mit dem Mechaniſchen der Dichtkunſt nicht zu lange aufgehalten werden. Die bisher gebrauchten Schulbuͤcher ſollten, da ſie theils mit großen Maͤngeln behaftet, theils ganz unbrauchbar waͤren, verbeſſert oder mit neuen vertauſcht werden. Die Schul⸗Magiſtratur blieb dieſelbe, ſo daß unter dem Rector der Univerſitaͤt der Praefectus generalis studiorum, auch Cancellarius genannt, unter dieſem die Decane der Facultaͤten und der Praefectus scholarum inferiorum, unter dieſem die Lehrer des Gymnaſiums ſtanden. Neu aber war die Einfuͤhrung eines Directors des geſammten katholiſchen hoͤheren, dem Jeſuitenorden anvertrauten Schulweſens, der unmittelbar unter den ſchleſiſchen Juſtizminiſter geſtellt, und dem Orden ſelbſt angehoͤrig, alle Anſtalten jaͤhrlich wenigſtens einmal revidiren und daruͤber dem genannten Miniſter berichten ſollte. Dieſer ſollte auch fuͤr vacant gewordene Lehrerſtellen dem Provincial des Ordens zur Auswahl 2—3 Subjecte praͤſentiren, den gewaͤhlten der Miniſter beſtaͤtigen; während Veraͤnderungen im Lehrplan und den Lehrbuͤchern auf Antrag des Provincials ¹) Wir zählen hierbei die Klaſſen nach der, bis in ſehr neue Zeiten gebräuchlich geweſenen Weiſe ſo, daß die Uaterfe Klaſſe die erſte heißt. — 5 oder Directors dem großen Schulenrath vorzulegen wäͤren, der aus dem Ordens⸗Pro⸗ vincial, dem Director, dem Rector der Univerſitaͤt, dem Canzler und den Decanen(alſo ohne Zuziehung des Praeſectus scholarum oder des Gymnaſialvorſtehers!) beſtand. Unter der ſpeciellen Aufſicht des genannten Directors ſtand auch das ſogenannte Privatum studium paedagogices, eine Art Seminar fuͤr kuͤnftige Lehrer, das der Orden einge⸗ richtet hatte. Bei der intenſiven und extenſiven Erweiterung der Unterrichtsfaͤcher war es uͤbri⸗ gens eine eben ſo nothwendige als heilſame Maßregel, daß die Sitte aufgegeben wurde, (Vergl. Programm von 1843 S. 14), wonach ein Lehrer alle Klaſſen und alle Unter⸗ richtsgegenſtaͤnde durchlief. Vielmehr ſollte es beguͤnſtigt werden, daß ein Lehrer durch laͤngeren Betrieb in ſeinem Fache recht feſt und ſicher wuͤrde. Jedes halbe Jahr ſollten alle Schuͤler vom Vorſteher und allen uͤbrigen Lehrern, mit Ausnahme ihres eignen in beſondern Stunden außer der Unterrichtszeit gepruͤft und hiernach auch die Verſetzung beſtimmt werden. Endlich wurden die Ferien und Feier⸗ tage beſchraͤnkt und jene an Oſtern auf 8, an Weihnachten und Pfingſten auf 5 Tage, im Herbſte auf einen Monat, dieſe auf die allgemeinen Kirchenfeſte reducirt. Lehrſtun⸗ den waren taͤglich vier und ein Tag in der Woche frei. Der Unterricht wurde, wie fruͤher, unentgeldlich ertheilt. Die Ausfuͤhrung dieſes neuen Stundenplanes ſcheint aber, bei der Fortdauer der Verhandlungen uͤber die Aufrechthaltung des Ordens mit dem Papſte, im Jahre 1775 noch verſchoben worden zu ſein, zumal er im Laufe des Studienjahres, in welchem er erlaſſen worden, nicht ohne große Stoͤrung des ſchon begonnenen Curſus haͤtte ins Werk geſetzt werden koͤnnen. Da nun die Verhandlungen in Rom nur den oben bereits gemel⸗ deten bedingten Erfolg gehabt hatten, ſo ließ der große Koͤnig die Aufhebungsbulle fuͤr ſeine Staaten am 5. Februar 1776 promulgiren und es erſchien unter dem 26. Auguſt deſſelben Jahres eine, das im Vorigen naͤher beſchriebene Schulreglement ergaͤnzende In⸗ ſtruction, aus der wir Nachſtehendes mittheilen. Die Jeſuiten traten nach derſelben in eine Corporation unter dem Namen der Prieſter des Koͤniglichen Schuleninſti⸗ tuts; ſie wurden aufs Neue zum Unterrichte der Jugend verpflichtet und erhielten das Recht, neue Mitglieder aufzunehmen und zu Lehrern und Profeſſoren auszubilden, wie ihnen der ungeſtoͤrte Beſitz der Ordensguͤter gewaͤhrleiſtet wurde, und aus deren Einkuͤnften den Mitgliedern gemeinſame Verpflegung und eine auskoͤmmliche Beſoldung angewieſen werden ſollte. An die Stelle des Ordens⸗Generals und Provincials, welche natuͤrlich wegfielen, trat unter einem Koͤniglichen Chef, zu welchem zuvoͤrderſt der mehrgenannte Juſtiz⸗Miniſter in Schleſien, Freiherr von Carmer ernannt wurde ¹), eine Köͤnigliche Schulen⸗Commiſſion, beſtehend aus dem Director(ſiehe oben), dem Rector und Canzler der Univerſitaͤt, den Decanen und Senioren der beiden Facultaͤten und dem Schulpraͤfecten, und es wurde ihr, die unmittelbar unter dem Koͤnige ſtand, nicht allein die Aufficht uͤber 1) Ihm toigte, als derſelbe als Großkanzler 1780 nach Berlin verſetzt wurde, der ſchleſtſche Juſtiz⸗Mi⸗ niſter Baron von Dankelmann. 6 den geſammten Unterricht, ſondern auch die Beſetzung der Lehrerſtellen zugewieſen, wobei jedoch dem Landesbiſchof ſeine Aufſichtsrechte uͤber die Lehrer als Prieſter und über die Religions⸗ und theologiſchen Lehrſtunden geſichert bleiben ſollten. Aus dem obgedachten Studium privatum paedagogices der Jeſuiten wurde nun ein Seminar von 12 Candidaten gebildet. Junge Maͤnner von Talent, Liebe zu den Wiſſenſchaften und Sittenreinheit, und mit Lehrgaben ausgeruͤſtet, die ſchon Magistri philosophiae waͤren, ſollten vom Director einer Commiſſion, beſtehend aus dem Canzler, den beiden Decanen und dem Schulpraͤfecten, unter dem Vorſitz des Univerſitaͤts⸗Rectors zur Pruͤfung praͤſentirt werden, die in der deutſchen, lateiniſchen und griechiſchen Gram⸗ matik, in Geographie und Geſchichte, in Philoſophie und Mathematik vorgenommen werden ſollte, ſich auch auf die Theologie erſtrecken koͤnnte, wenn der Candidat ſie ſchon ſtudirt haͤtte. Der beſtandene und aufgenommene Candidat verpflichtete ſich eidlich, außer zum fleißigen Fortſtudiren und zur Fuͤgſamkeit in die haͤusliche Disciplin, auch zum le⸗ benslangen Lehrgeſchaͤft und erhielt nun, außer freier Verpflegung, auch ein kleines Gehalt. Die Studien, denen er, außer der eigentlichen Paͤdagogik, obzuliegen hatte, waren die⸗ ſelben, in denen er bereits zum Eintritte gepruͤft worden, mit Einſchluß der geſammten Theologie, doch iſt weiſe verordnet, daß, ohne gaͤnzliche Vernachlaͤſſigung der uͤbrigen Faͤcher, es einzelnen Candidaten geſtattet ſein ſolle, nach Maßgabe beſondern Talents und hervortretender Neigung, ſich auf einzelne Faͤcher vorzugsweiſe zu legen, aber auch die Verpflichtung ausgeſprochen, ſich vom Director ein beſonderes Fachſtudium auflegen zu laſſen. Viertelaͤhrliche groͤßere Arbeiten und jaͤhrliche ſtrenge Pruͤfungen ſollten den Er⸗ folg der Studien ausweiſen. Dagegen iſt zwar fuͤr theoretiſchen Unterricht in der Paͤda⸗ gogik, nicht aber fuͤr praktiſche Uebungen und Lehrverſuche Fuͤrſorge getragen. Vor der Anſtellung, welche nach Praͤſentation des Directors durch den Koͤniglichen Commiſſarius erfolgt, ſollte eine Pruͤfung in den oben genannten Schulwiſſenſchaften und der Paͤdagogik ſtattfinden, und einige Probelectionen gehalten werden. Da das Gymnaſium zu Breslau mit der Univerſitaͤt verbunden blieb, ſo erhielt daſſelbe keinen beſondern Rector, wie ihn die andern Collegien beſaßen, indem ſeine Stelle an dieſem der Univerſitaͤts⸗Rector mit verſah. Waͤhrend dagegen an den andern Colle⸗ gien zu dieſem Amte eines Rectors, dem bisher faſt nur die Sorge fur die leiblichen Beduͤrfniſſe und die wirthſchaftliche Verpflegung des Lehrer⸗Collegiums obgelegen hatte, noch das des Praefectus scholarum hinzugefuͤgt wurde, welchem die Aufſicht und Lei⸗ tung der Lehrer und Schuͤler und die nächſte Sorge fuͤr das geſammte Unterrichtsgeſchaͤft der Anſtalt uͤbertragen war: behielt das hieſige Gymnaſium eben deßhalb ſeinen beſondern Praefectus scholarum, dem zugleich auch die Aufſicht uͤber die Bibliothek uͤbertragen wurde und der, wie die Rectoren der uͤbrigen Collegien, ſowohl uͤber Eifer und Geſchick der Lehrer, als uͤber Fleiß und Fuͤhrung der Schuͤler genaue Nachweiſe zu fuͤhren hatte. uUnterricht ertheilte derſelbe jedoch nicht, nur war er in Erkrankungsfaͤllen der Lehrer, wenn dieſe nicht lange anhielten, zur Uebernahme der ausfallenden Stunden verpflichtet; dagegen ſollte ihm die Entwerfung des Lehrplanes und die Sorge fur deſſen genaue Ausfuͤhrung, der haͤufige Beſuch der Lectionen, die Pruͤfung der zu bearbeitenden Themata, 7 die Abhaltung halbjaͤhrlicher Pruͤfungen und, in Folge des Ergebniſſes derſelben, die Ver⸗ ſetzung der Schuͤler und die Beaufſichtigung derſelben außer dem Hauſe obliegen, wie ihm allein zuſtehen, groͤßere Strafen zu verhaͤngen oder gar die Verweiſung zu verfuͤgen. Dieß iſt die Verfaſſung, welche den ehemaligen Jeſuiten⸗Gymnaſien uͤberhaupt und dem hieſigen insbeſondere, nach Aufhebung des Ordens, gegeben wurde und die ohne erhebliche Veraͤnderungen bis zum Erlaß des neuen Schul⸗Reglements vom 26. Juli 1800 fortbeſtanden hat. Da im Ganzen die vorgenommenen Umgeſtaltungen ſo geringfuͤgig waren und die geiſtliche Corporation der Prieſter des Koͤnigl. Schuleninſtituts dem aufgehobenen Orden, deſſen Haͤuſer ſie bewohnten und deſſen Guͤter ſie beſaßen, ungeachtet der Able⸗ gung des Ordenskleides glich, ſo iſt es nicht zu verwundern, daß die Menge in ihnen noch immer, nach der verſchiedenen Sinnesart, theils mit Freude, theils mit Mißtrauen und Unwillen, die fruͤhern Jeſuiten zu erkennen meinte. Und beſonders trug, nach dem Bruchſtuͤck eines handſchriftlichen Aufſatzes in meinem Beſitze, der von einem der letzten Exjeſuiten, dem langjaͤhrigen Rector und nachherigen Domſtifts⸗Capitular Dr. Johann Kohler herruͤhrt, dazu der oben erwaͤhnte Candidaten⸗Eid bei, welcher auch dahin lautete, daß der Schwörende in allen Dingen, welche auf die Schulanſtalten und die ſowohl oͤffentliche als haͤusliche Disciplin einigen Bezug haben, den jedesmaligen Vorſtehern des Schul⸗ und Hausweſens einen billigen Gehorſam leiſten wollez ſo daß der Director, dem der Argwohn zu Ohren gekom⸗ men, als wollte man den ehemaligen Jeſuiten⸗Gehorſam reſerviren, es vorzog, den Eid, den er nicht foͤrmlich abſchaffen konnte, doch nicht mehr zu fordern. Wenn wir nun nach den Perſonen fragen, welche die, durch die genannten beiden Reglements von 1774 und 1776 geſchaffenen Aemter uͤbernommen haben, ſo haben wir daruͤber Nachſtehendes zu berichten. Die Univerſitaͤts⸗Matrikel weiſet erſt in dem Jahre 1777 den Eintritt der neuen Maßregeln nach, deren Ausfuͤhrung waͤhrend der fortdau⸗ ernden Verhandlungen ſcheint ausgeſetzt geblieben zu ſein. Wie bereits oben erwaͤhnt worden, wurde der Profeſſor Anton Zeplichal Schu⸗ len⸗Director, und er hat dieſen Poſten als der einzige durch die ganze Periode bis zum Eintritt der neuen Schulreform verwaltet. Rector der Univerſitaͤt, alſo, nach Obigem, zugleich auch des Gymnaſiums, war in jenem Anfangsjahre Heinrich Stolz; Canzler der Profeſſor des canoniſchen Rechts, David Krumbhorn; Praͤfect des Gym⸗ naſiums Joſeph Haberkorn von Habersfeld, Profeſſor der Oekonomie, eines Faches, das nach dem Reglement vom 11. December 1774 in das dritte Jahr des philoſophiſchen Lehrcurſus mit aufgenommen war. Die Genannten bildeten, nach der Inſtruction vom 26. Auguſt 1776, unter ihrem Chef, dem oft erwaͤhnten Miniſter von Carmer die Koͤnigl. Schulen⸗Com⸗ miſſion, zu welcher noch als Decan der philoſophiſchen Facultaͤt der Profeſſor der Philoſophie Franz Javer Beinhauer, als Senior derſelben der Profeſſor der Mathematik Johann Schmidl, als Decan der theologiſchen Facultaͤt der Profeſſor Franz Geisler, als Senior der Profeſſor der Theologie Franz Meißner gehoͤrten. Durch den Abgang 8 des Canzlers Krumbhorn als Stadtpfarrer nach Oppeln, wo er 1787 ſtarb, fand ein Avancement zu Oſtern ſtatt und es wurde von Obengenannten Geisler Canzler, Meißner Decan, Beinhauer Senior der theologiſchen, Schmidl Decan, und der Profeſſor Haintzel) Senior der philoſophiſchen Facultaͤt. Die Lehrer der 5 Klaſſen des Gymnaſiums waren im genannten erſten Jahre dieſer Periode fuͤr die erſte Klaſſe(inſima) Abundus Neumann ²), fuͤr die zweite Johann Hausladen; fuͤr die dritte Cajetan Rupprecht, der als Rector des Gymnaſiums zu Neiſſe geſtorben iſt; fuͤr die untere aͤſthetiſche Klaſſe Anton Liebiſch, und da dieſer am 22. Februar 1777, 40 Jahr alt, ſtarb, Anton Schoͤrner, welchem, da auch er am 4. September deſſelben Jahres ſtarb, Joſeph Rottmann von Roͤder⁰), folgte; endlich fuͤr die obere aͤſthetiſche Klaſſe Anton Goch. Der Vollſtaͤndigkeit wegen wollen wir, ſo weit es unſere Quellen zulaſſen, fuͤr das ganze Vierteljahrhundert dieſer Periode die naͤheren Vorgeſetzten und die Lehrer des Gym⸗ naſiums aufzaͤhlen, und mit einigen biographiſchen und literariſchen Notizen die Perſonal⸗ Angaben begleiten. Zeplichals, als beſtaͤndigen Directors, iſt bereits gedacht worden. Rector der Univerſitaͤt, der vom Chef der Schulen⸗Commiſſion auf unbeſtimmte Zeit wie der Schulpraͤfect, nicht aber auf Lebenszeit ernannt wurde, blieb bis ins Studien⸗ jahr 1783⁄⁄4 der oben genannte Heinrich Stolz aus Neiſſe, in welchem er ſein Amt niederlegte und ſich in das Collegium zu Liegnitz zuruͤckzog, das jedoch, wie das zu Schweidnitz, ſchon ſeit Anfang dieſer Periode aufgehoͤrt hatte, eine Schule zu beſorgen. Er ſtarb daſelbſt 1789 den 5. Juni in einem Alter von 82 Jahren. Ihm folgte als Rector der Univerſitaͤt der obengenannte Franz Xaver Beinhauer, aus Troppau gebuͤrtig, und als dieſer am 19. December 1795 in einem Alter von 61 Jahren ſtarb, der letzte Rector der Leopoldina Joſeph Grollmus, aus Sagan gebuͤrtig, welcher, bis dahin Canzler derſelben, erſt bei der Vereinigung dieſer Univerſitaͤt mit der Frankfurter Viadrina in Ruheſtand verſetzt wurde und im Jahre 1831 geſtorben iſt 4). Das Amt eines Univerſitaͤts⸗Canzlers verwaltete der obengenannte Franz Geis⸗ ler, aus Glaz gebuͤrtig ⁵), bis zu ſeinem Tode, der am 5. Juni 1789 erfolgte. Dann trat an ſeine Stelle der Profeſſor der Theologie, Joſeph Strobl, und als dieſer im Jahre 1792 als Rector an das Collegium zu Sagan ging ⁶), der Profeſſor Grollmus, der bei der Uebernahme des Rectorats am Anfang des Jahres 1796 die Canzlerwuͤrde an den Profeſſor der Theologie und Regens des Convicts bei St. Joſeph, ſpaͤter auch 1) Vergleiche Jung S. 13. wo ſeine Schriften Astronomiae physicae juxta Neutoniana principia eom- pendium und De praecipuis quibusdam fluidorum quorundam aercorum proprietatibus recens de- tectis angeführt ſind. Er war zu Schlackenwalde in Böhmen den 1. Januar 1702 geboren und ſtarb den 3. März 1784. 2) Geb. zu Breslau den 15. November 1755, geſtorb. an den Blattern den 15. März 1780. 3) Er wurde 1786 Pfarrer zu Deutſch⸗Wartenberg, wo er den 25. Mai 1803 ſtarb. 4) Einige Schriften deſſelben führt Jung an S. 6.. 5) Vergl. Jung S. 8. wo auch ſein Jubiläum beſchrieben wird. 6) Von Sagan ward Strobl im Jahre 1802 als Rector nach Leobſchütz verſetzt, als das Saganer Gym⸗ naſtum mit der Leobſchützer Kloſterſchule vereinigt wurde und in Sagan nur ein Progymnaſium von 3, ſpäter 4, jetzt 5 Klaſſen, zurückblieb. Milde Stiftungen haben an den verſchiedenen Orten ſeines Aufenthalts ſein Andenken geſichert. 9— Canonicus zum heil. Kreuz Anton Steiner, gebuͤrtig aus Liegnitz, abgab, welcher ſie als der letzte, bis 1811 fuͤhrte und ſodann Domſtifts⸗Capitular wurde. Minder genau ſind wir im Stande, uͤber die Verwaltung des Amts eines Schulpraͤfecten zu berichten, da die Univerſitaͤts⸗Matrikel es oft nicht der Muͤhe werth ſcheint gehalten zu haben, den Inhaber dieſes Gymnaſialamts anzugeben. Bei dem Schweigen derſelben hieruͤber iſt es nur wahrſcheinlich, daß der obengenannte Profeſſor Joſeph Haberkorn von Ha⸗ bersfeld es auch die folgenden Jahre bis Michaelis 1784 verwaltet habe. Im Jahre 178 ⁄ war der Profeſſor Ambroſius Kollenetz Praͤfect und von Michaeli 1785 bis 1789 der mehr genannte Profeſſor Grollmus. . Der Tod des Canzler Geisler brachte eine Befoͤrderung zu Wege, indem, wie bereits erzaͤhlt, Strobl Canzler, der bisherige Schulpraͤfect Grollmus an ſeiner Statt Decan der theologiſchen Facultaͤt wurde und in die Stelle eines Schulpraͤfecten der Pro⸗ feſſor der hebraͤiſchen Sprache Johann Koͤhler erhoben ward, welcher derſelbe fortan unausgeſetzt vorgeſtanden zu haben ſcheint, obſchon die Matrikel in den Jahren 1790 bis 93 wieder daruͤber nichts ausdruͤcklich beſagt. Dagegen wird er die folgenden Jahre ſtets als ſolcher genannt, 179%/ auch als Praefectus Gymnasii et Canditatorum bezeichnet, woraus hervorgeht, daß ihm auch die ſpecielle Leitung des obengeſchilderten Candidaten⸗Inſtituts uͤbertragen war. Unter dem 1. Juli 1801 erhielt er den Titel: Rector Gymnasii von der vorgeſetzten Schul⸗Behoͤrde. Es iſt dies der ehrenwerthe Mann, welcher der Anſtalt bis zum Jahre 1830 vorgeſtanden, und erſt den 25. Juni 1836 als Domſtifts⸗Capitular in dem ehrenvollen Alter von faſt 86 Jahren ge⸗ ſtorben iſt.— 1. Endlich wollen wir ſaͤmmtliche Lehrer der Anſtalt auffuͤhren, die waͤhrend der jetzt behandelten Periode am Gymnaſium gewirkt haben. Es haben deren 25 in dem, ein Vierteljahrhundert umfaſſenden Zeitraume an der Anſtalt gearbeitet, was damit zu⸗ ſammenhaͤngt, daß in den erſten 10 Jahren der Wechſel ein eben ſo haͤufiger war, als wir es unter der Zeit der Jeſuiten geſehen haben. In den letzten 15 Jahren findet ſich eine ungleich groͤßere Staͤtigkeit, bei welcher auch das beobachtete Geſetz um ſo ſtaͤrker hervortritt, die Lehrer der untern 3 Klaſſen unter ſich in der Art wechſeln zu laſſen, daß immer jeder ſeine Schuͤler durch alle drei Grammatikal⸗Klaſſen hindurchfuͤhrte und dann wieder von unten begann, waͤhrend die beiden Lehrer der zwei aͤſthetiſchen oder obern Klaſſen eben ſo unter ſich alternirten. Uebrigens traten nach kuͤrzerem oder laͤngerem Aufenthalt die Lehrer der Grammatikal⸗Klaſſen eben ſo in die aͤſthetiſchen uber, wie dieſe Oberlehrer nach heutigem Begriff unter die Univerſitaͤts⸗Lehrer mit der Zeit einruͤckten. Rechnet man hierzu Verſetzungen an andere Gymnaſien als Lehrer oder auch als Rectoren, und oͤftere Uebergaͤnge in die practiſche Seelſorge, ſo iſt der ſtarke Wechſel erklaͤrlich 1).. ¹) Die hier und da eingeſtreuten biographiſchen Nachrichten, ſo lüͤckenhaft ſie ſind, dürſten manchem äl⸗ tern Manne, der dieſer Lehrer Unterricht einſt genoſſen, eine angenehme Erinnerung ſein. Mögen hierin deren Mittheilung ihre Rechtfertigung finden. 2 10— Von den obengenannten 5 Lehrern im erſten Jahre dieſer Periode war am Ende des zweiten Studienjahres 1778/⁄29 keiner mehr vorhanden, da Neumann und Goch nach Glatz abgingen, wo erſterer, wie gemeldet 1780, letzterer ſchon am 18. Novem⸗ ber 1779 ſtarb, Rupprecht nach Neiſſe, auch Hausladen nach einem andern Orte ver⸗ ſetzt wurde und Rottmann von Roͤder Profeſſor der Staatengeſchichte an der Univerſi⸗ taͤt wurde. Fuͤr ſie traten ein als Lehrer der untern Klaſſen Carl Thaul, Ignatz Koͤr⸗ ber, Johann Kneſowesky, als Oberlehrer Anton Steiner und Ambroſius Kollenetz. Von dieſen diente Thaul dem Gymnaſium bis 1783 durch 6 Jahre, worauf er Proofeſſor der Mathematik an der Univerſitaͤt wurde und dieſes Fach, wie wir von ſeinen Schuͤlern gehoͤrt zu haben uns erinnern, mit Auszeichnung betrieb. Er ſtarb den 4. Januar 1802. Koͤrber blieb Lehrer der untern Klaſſen bis 1784, ging dann in die oberen Klaſſen uͤber, denen er bis 1789 ſeine Kraͤfte widmete, worauf er Profeſſor der Philoſophie an der Univerſitaͤt wurde und bis Ende des Zeit⸗Abſchnittes blieb. Bei ſeinem Abgange wurde er Superior der Reſidenz zu Brieg und ſpaͤter Lehrer am Gymnaſium zu Glaz. Er ſtarb waͤhrend der Belagerung dieſer Feſtung zu Wilmsdorf den 16. Juni 1807.— Kneſowesky lehrte nur 2 Jahre von 1779— 81 hier, worauf er nach Neiſſe ging, wo er erſt 1827 geſtorben.(Vergl. Nowack Schriftſteller⸗Lex. IV. 61). Zahlreiche latei⸗ niſche Dichtungen ſind von ihm zu vielen Gelegenheiten erſchienen. Ueber A. Steiner iſt im Obigen das Erforderliche gegeben. Kollenetz haben wir auch bereits oben als Schul⸗ praͤfect kennen gelernt. Vorher war er von 1779— 84 Lehrer der oberen Klaſſen ge⸗ weſen. Seit 1785 iſt er von Breslau abgegangen, es iſt nicht zu ermitteln, wohin. In die Stelle der genannten waren nach und nach andere eingetreten und bei ihrem Abgange wieder von andern erſetzt worden, nehmlich Joſeph Prillmeyer, Johann Grollmus, Tobias Hoffmann, Ignaz Preuß, Georg Mogalla, Dominicus Gubitz, Eli⸗ gius Jung, Nicolaus Miclis. Der erſte derſelben, Prillmeyer, ſchied ſchon nach einem Jahre 1782 aus und war zuletzt Stadtpfarrer zu Schweidnitz. Ueber Grollmus iſt im Vorigen alles beigebracht. Tobias Hoffmann gehoͤrte dem Gymnaſium 2 Jahre, war dann mehrfach anderweitig von 1784—96 beſchaͤftigt; dann trat er als Profeſſor der Theologie ein und wir werden ihn in dem Folgenden als ſolchen und als Mitglied der dann organiſirten Schul⸗Behoͤrde wirken ſehen. Preuß gehoͤrte dem Gymnaſium als Lehrer der Gymnaſialklaſſen von 1783— 87 anz kuͤrzere Zeit noch, von 1784— 86 lehrte an demſelben Gubitz; nur ein Jahr 178 ⁄/67 Miclis, worauf alle Breslau verlie⸗ ßen. Dagegen iſt das Leben Mogalla's bekannt.(vergl. auch Nowacks Schriftſteller⸗ Lex. IV. 77). Falſch iſt uͤbrigens, was dort geſagt iſt, daß er als erſter weltlicher Profeſſor am katholiſchen Gymnaſium in Breslau angeſtellt worden, da die Verpflich⸗ tung der Lehrer an den ſchleſiſchen katholiſchen Gymnaſien zum geiſtlichen Stande erſt durch das ſpaͤter zu erwaͤhnende Schulreglement vom 26. Juli 1800 aufgehoben wurde. Die Prieſterweihe hatten auch zu Zeiten der Jeſuiten die Gymnaſial⸗Lehrer meiſt noch nicht erhalten. Nach 3 Jahren ſchied Mogalla ganz aus dem Lehrſtande und bildete ſich fuͤr die mediciniſche Laufbahn aus. Er ſtarb, wie bekannt, den 14. October 1831 an der Cholera als Regierungs⸗Medicinalrath zu Breslau. Jung endlich lehrte am —:9ÿ 11 Gymnaſium von 1784— 96 in den obern Klaſſen und ging dann als Profeſſor der Geſchichte an die Univerſitaͤt uͤber, der er bis zur Vereinigung derſelben mit der Frank⸗ furter Viadrina angehoͤrte. Schon im Programm von 1843 iſt auf ſeine Schrift: Nachrichten von dem Perſonale der Leopolds⸗Univerſitaͤt in ihrem er⸗ ſten Jahrhunderte verwieſen worden, die auch hier mehrfach benutzt worden iſt. In die jetzt abgehandelte Periode faͤllt das Wirken der Lehrer Ignaz Fiedler, Friedrich Bittner, Franz Milan, Franz Raſchdorf, Franz Rhediger und Anton Rathsmann. Von dieſen iſt nur einer, Bittner, am Gymnaſium eine voruͤbergehende Erſcheinung ge⸗ weſen. Nach einem Jahr trat er 1788 aus. Milan lehrte von 1787 erſt 3 Jahre in den untern, dann 8 in den obern Klaſſen und ging dann 1798 zur Univerſitaͤt als Profeſſor der Philoſophie uͤber, die er erſt 1803 verließ um nach Glaz zu gehen. Sein Nachfolger am Gymnaſium war Anton Scholz, welcher dieſem bis in die nachfolgende Periode angehoͤrte. Spaͤter wirkte er an der Univerſitaͤt als Profeſſor der Dogmatik, als welcher er 1830 ſtarb. Die uͤbrigen 4 gehoͤrten dem Gymnaſium noch weit uͤber die jetzige Periode hinaus, denn Rhediger ſtarb den 16. November 1809; Rathsmann, ſpaͤter zur Univerſitaͤt uͤbergegangen, verungluͤckte 1812 ¹) durch einen Sturz aus dem Fenſter. Raſchdorf wurde von Geiſtesverwirrung uberfallen und Fiedler ſtarb im jetzi⸗ gen Gymnaſialgebaͤude erſt im Jahre 1815. Alle dieſe Lehrer hat bis heute der Mann uͤberlebt, der als Pedell an der Univer⸗ ſiaͤt und dem Gymnaſium von 1790 bis 1811 angeſtellt geweſen, Franz Popitius. Ueber die Frequenz⸗Verhaͤltniſſe des Gymnaſiums in dieſer Periode iſt es leider nicht moͤglich geweſen, etwas zu ermitteln, da die vorhandene Gymnaſial⸗Matrikel nur bis zum Jahre 1757 reicht, der dritte Theil derſelben, wie der erſte, verloren gegangen iſt. Einen Anhaltspunkt fuͤr Ermittelungen dieſer Art duͤrfte die, nach den Einrichtungen der Jeſuiten jaͤhrlich aus der Zahl der Gymnaſial⸗Schuͤler mit Ausnahme der unterſten in die Univerſitaͤts⸗Matrikel Eingetragenen abgeben.— Im Jahre 1776/77 wurden in dieſelbe eingetragen aus der V. IV. III. II. Klaſſe. Summa. 12 11 21 67— 111 173 ⁄1— 12 3 50— 74 170% 14 9 25— 38 180% 1 11 4 32— 48 Wenn dieſe Zahlen auch nur die, in die einzelnen Klaſſen neu aufgenommenen Schuͤler bezeichnen, wobei die unterſten Klaſſen nicht in Betracht kommen und erſt im naͤchſten Jahre als Schuͤler der mittlern grammatiſchen aufgeführt werden, ſo ſcheint doch ein auffallendes Abnehmen im Laufe der Periode ſtatt gefunden zu haben. In der That ſinkt dieſe Zahl der Neu⸗Immatriculirten ſogar bis 35 im Jahre 1795 ⁄5 herab. ¹) Rathsmann gab heraus: M. K. Sarbieweki lyriſche Gedichte metriſch aus dem Lateiniſchen überſetzt. Brsl. 1800. Sonſt ſind von ihm lateiniſche Gedichte vorhanden, wie eine Gluckwuͤnſchungsode zum Ju⸗ biläum der Univerſität. 4 — 12 Es iſt bereits geſagt worden, daß den Prieſtern des Koͤnigl. Schulen⸗Inſtituts der Beſitz und die Verwaltung ihrer Guͤter geblieben waren und ſie daraus verpflegt und beſoldet wurden. Das Einkommen des einzelnen Lehrers belief ſich außer ſei⸗ ner Verpflegung auf 120— 40 Rthl. jaͤhrlich. Koͤnigliche Beſtimmungen waren indeß uͤber die Grundſaͤtze ihrer Verwaltung und uͤber die Mittel, dieſelben von der auf ihnen haftenden Schuldenlaſt zu befreien, gegeben worden. Als aber Friedrich der Große geſtorben war, zog es die Regierung ſeines Nachfolgers, Koͤnig Friedrich Wilhelm des Zweiten vor, die Guͤter zu verkaufen. Dies geſchah bereits am 16. No⸗ vember 1787. Die Haͤlfte des abgeſchaͤtzten Werthes blieb als Canon auf den Guͤtern ſtehen, der Ueberſchuß des gebotenen Preiſes wurde baar eingezahlt. Wenn nun auch dieſer Verkauf unter der Aufſicht und Mitwirkung des Directors des Inſtitutes erfolgte, und dieſer den Zuſchlag mit zu ertheilen hatte; ſo mußte der Verkauf einer ſo großen Menge von Guͤtern auf einmal den Preis herabdruͤcken und einen bedeutend geringeren Er⸗ loͤs bedingen 1). Die Verwaltung des aus dem Verkauf gebildeten Fonds ging an die Koͤnigl. Kammer uͤber.. Fünfte Periode, das Wirken des Gymnaſiums von 1801—1811 nach dem 4 Studienplan vom 1. Auguſt 1801. Nach dem Tode Friedrich Wilhelm II. ließ ſein Nachfolger ſich die Sorge für die Schulen in Schleſien beſonders angelegen ſein und wie dem niedern, ſehr vernach⸗ laͤßigten Schulweſen, ſo wurden auch der Univerſitaͤt und den mit ihr zuſammenhaͤngen⸗ den Gymnaſien eine neue Verfaſſung zu Theil. Man fand die Urſachen der bisherigen unzulaͤnglichen Erfolge hauptſaͤchlich darin, daß die Corporation der Prieſter des Schu⸗ leninſtituts, im Beſitz eigner Guͤter und einer daher ruͤhrenden Unabhaͤngigkeit, ſich gegen die Fortſchritte und Forderungen der Zeit verſchloͤſſe und im alten Geiſte und der fruͤher hervorgebrachten Methode fortgewirkt haͤtte. Beſonders erſchien die Einrichtung ſchaͤdlich, daß jede Klaſſe nur einen Lehrer haͤtte, welcher uͤberdieß ſeine Schuͤler 2— 3 Jahre fortfuͤhrte und daher, da kein Lehrer alles zu wiſſen vermoͤchte, auch nicht fuͤr alle Faͤcher gleiche Neigung und Liebe haͤtte, einzelne Gegenſtaͤnde im Unterrichte bevorzugte, andere hinten anſetzte und daher die Schuͤler nur mit luͤckenhafter Vorbereitung zur Univerſitaͤt foͤrderte. Dazu kaͤme, daß bei einem Gymnaſialkurſus von nur 5 Jahren um ſo weniger geleiſtet wuͤrde, als woͤchentlich nur 5 Schultage, taͤglich nur 4 Schulſtunden waͤren und zahlreiche Feſttage noch ſtoͤrend eintraͤten. Man meinte auch, daß der Zwang der klo⸗ ſterlichen Einrichtung manchen guten Kopf abſchreckte, ſich dem Lehrfache zu widmen. Demnach erſchien das bereits erwaͤhnte Reglement dd. Charlottenburg den 26. Juli 1800, wodurch die Corporation der Prieſter des Schuleninſtituts aufgehoben und jeder Lehrer zu einem beſoldeten Diener des Staats erklaͤrt, auch die Verpflichtung zum geiſtlichen 1) Vergl. Manſo Geſchichte des preußiſchen Staats I. S. 146 ff. J. Müller, im Programm des Gläzer Gymnaſiums vom Jahre 1842 giebt den Erlös für alle Güter nur auf 338,760 Rthl. an. 13 Stande beſeitigt wurde. Der, aus dem Verkauf der Guͤter gebildete allgemeine Schul⸗Fonds, das ſaͤmmtliche Vermögen des Inſtituts in Baarem und Kapitalien umfaſſend, ſollte, wie es von den Guͤtern ſelbſt Friedrich II. wiederholt verheißen hatte, fur ewige Zeiten dieſer Beſtimmung verbleiben und in den Collegien und Seminar⸗ Gebaͤuden das noͤthige Gelaß zu Lehrer⸗Wohnungen eingeraͤumt werden. Das Ober⸗ Curatorium erhielt der jedesmalige ſchleſiſche Finanz⸗Miniſter, und unter ihm ſollte eine Schul⸗Direction ſtehen, an welche die Functionen des fruͤhern Schulen⸗Directors und der Schulen⸗Commiſſion uͤbergehen ſollten. Sie wurde zuſammengeſetzt aus zwei Raͤthen der Kammer(Regierung), zuerſt den Geheimen Raͤthen Wenzel Graf Haugwitz und Friedich Pachali ¹), einem Schul⸗Director, dem Canonicus zum heil. Kreuz Joſeph Sckeyde, welchem eben ſo geiſtvollen als kenntnißreichen Ehrenmanne das katholiſche Schulweſen, dem er bis zu ſeinem Tode am 7. Januar 1827 in verſchiedenen amtlichen Stellungen vorgeſtanden, außerordentlich viel verdankt und deſſen dankbares Andenken bei der aͤltern Generation der jetzigen Lehrer an den katholiſchen Gymnaſien nur mit ihrem Tode erloͤſchen wird?); ferner aus zwei Aſſeſſoren aus der Zahl der Docenten, wozu der mehrgenannte Canzler A. Steiner und der Profeſſor der Theologie Tobias Hoffmann ernannt wurden, dem nach ſeinem Tode 1804 der Profeſſor Jungnitz folgte; endlich aus zwei biſchoͤflichen Aſſeſſoren, wozu der General⸗Vicariats⸗Amts⸗Secretair Johann Libor und der Erzprieſter und biſchoͤfliche Conſiſtorialrath Joſeph Huͤbner vom Biſchof ernannt wurden. Das Amt eines Secreetaͤrs verwaltete mit Eifer und Einſicht der einzige noch lebende aus jener Behoͤrde, der jetzige Regierungs⸗Secretaͤr A. M. Wilde 3). Die feierliche Einfuͤhrung dieſer neuen Behoͤrde erfolgte durch den Miniſter Grafen Hoym den 17. November 1800. Auf den Grund dieſes Reglements nun wurde von der Schulen⸗ Direction ein Studien⸗ und Erziehungsplan fuͤr die Univerſitaͤt Breslau und die katholiſchen Gymnaſien in dem Herzogthum Schleſien und der Grafſchaft Glaz entworfen und unter dem 1. Auguſt 1801 promulgirt. Hiernach wurde die Zahl der Klaſſen von 5 auf 6 ¹), die der taͤglichen Lehr⸗ ſtunden von 4 auf 6 vermehrt, die Feier der Ordensfeſte aufgehoben und ſo die Unter⸗ richtszeit ausgedehnt. Die Ferien wurden aber zu Weihnachten und Pfingſten auf 6, zu Oſtern auf 14 Tage, am Jahresſchluſſe auf die Zeit vom Montag nach dem 15. Au⸗ guſt bis zum Montag nach dem 10. October verlaͤngert. In aͤhnlicher Art wie die Lehrzeit wurden die Unterrichtsfaͤcher extenſiv und intenſiv erweitert. Das Reglement vom 26. Juli 1800 ruͤgt es im Eingange, daß bisher die genaue Grenzlinie vermißt worden ſey, zwiſchen den eigentlichen Buͤrger⸗ und den gelehrten Schulen in der Art, daß der Knabe, der ſich dem Studiren nicht widmen wolle oder koͤnne, nur genau den Unterricht erhielte, der 1) Nach ſeinem Tode 1804 trat dafür der Geheime Rath und Cammer⸗Director Andreä ein. 2) Ein Denkmal hat ihm im Schulprogramm des Glogauer Gymnaſiums 1830 der damalige Director A. Ender geſetzt. 3) Vergk. deſſen Werk: Reform des katholiſchen Schulweſens im Preuß. Schleſten. Breslau 1803. 4) Da indeß die 5. und 6. Klaſſe alle Stunden gemeinſchaftlich hatten, ſo blieben in der That 5 Klaſſen, deren letzte nur einen zweijährigen Curſus hatte. 14 ſeinem kuͤnftigen Stande angemeſſen waͤre. Demgemaͤß nimmt der Studienplan ausdruͤck⸗ lich Ruͤckſicht auf die Mittheilung gemeinnuͤtziger Realkenntniſſe auf dem Gymnaſium und ſtellt die Erwerbung derſelben entſchieden als den einen Zweck des Gymnaſiums neben den andern, die Vorbereitung fuͤr die Univerſitaͤt. Die untern beiden Klaſſen werden daher fuͤr die Buͤrger⸗ die obern vier fuͤr die Gelehrtenſchule erklaͤrt. Daher ſind Lehrgegenſtaͤnde der Buͤrgerſchule außer Religion und Moral die deutſche Sprache(nach Wismayr) und Orthographie, Schoͤnſchreiben, Verſtandes⸗, Gedaͤchtniß⸗ und Declamationsuͤbungen, Geo⸗ graphie, Voͤlkerkunde, Geſchichte der neuſten Zeit und ſchleſiſche Geſchichte, Kenntniß der preußiſchen Staatsverfaſſung, Naturgeſchichte, Naturlehre, populaͤre Technologie, Rech⸗ nenkunſt, in der zweiten Klaſſe(von unten gezaͤhlt) auch allgemeine Weltgeſchichte, prak⸗ tiſche Geometrie, deutſche Aufſaͤtze fuͤr das buͤrgerliche Leben, und endlich Latein, nach Esmarch's Speccius. Die obern vier Klaſſen ſetzen von dieſen Lehrgegenſtaͤnden fort den Unterricht in Religion und Moral, in Declamation und Geſchmacksbildung, in Geogra⸗ phie(in der 6. Klaſſe alte Geographie), in der allgemeinen Weltgeſchichte, wozu in der dritten und vierten Klaſſe noch griechiſche und roͤmiſche ſpeciell hinzukommt; in ſyſtemati⸗ ſcher Naturgeſchichte bis in die 4. Klaſſe, in Mathematik und Experimentalphyſik, endlich im Latein, dem 8 Stunden woͤchentlich beſtimmt werden und worin die Lectuͤre der Klaſſiker in der 4. Klaſſe mit Eutrop, Nepos, Caesar, Curtius, Phaedrus beginnt und in den obern beiden zu Cicero, Tacitus, Sallust, Virgil, Horaz, Ovid, Martial fortſchreitet, woran ſich in den obern drei Klaſſen Stiluͤbungen anſchließen. Neu treten zu dieſen Gegenſtaͤnden in der dritten Klaſſe das Griechiſche, Franzoͤſiſche, deutſche Stil⸗ uͤbungen, die in den obern beiden Klaſſen in den Unterricht in Rhetorik und Poetik uͤber⸗ gehen; in der 5. und 6. Klaſſe endlich polniſche Sprache, Erfahrungsſeelenlehre und Logik, gemeinnuͤtzige, vorzuͤglich anthropologiſche Vernunfterkenntniſſe und Aeſthetik, My⸗ thologie bei Leſung des Ovid, roͤmiſche Alterthuͤmer bei Leſung des Salluſt. Dieſe Erweiterungen des Unterrichts machten die Vermehrung der Lehrkraͤfte noth⸗ wendig. Das Gymnaſium erhielt daher, außer dem Rector, der, wie fruͤher, keinen Un⸗ terricht ertheilte, und dem Religionslehrer, 6 Lehrer, zu welchen noch ein Zeichnenlehrer trat, der aus dem Zeichnengelde, das die Schuͤler zahlten, beſoldet wurde. Durch das Hinzutreten dieſes Zeichnengeldes zu dem Holz⸗ und Apparatsgelde ſtieg die Zahlung der Schuͤler auf 2 Rthlr. 20 Sgr. jäͤhrlich, die jedoch nicht wenigen zur Haͤlfte, den aͤrm⸗ ſten auch ganz erlaſſen wurde.* Der Studienplan begnuͤgt ſich uͤbrigens nicht mit der Angabe des Lehrſtoffs und ſeiner Vertheilung in die Klaſſen, ſondern rechtfertigt die getroffene Wahl mit den Gruͤn⸗ den, welche der damalige Standpunkt der Paͤdagogik dafuͤr an die Hand gab. Viele Anordnungen ergaben ſich mit Nothwendigkeit aus dem Grundgedanken, dem freilich die Billigung verſagt werden muß, die untern beiden Klaſſen als Buͤrgerſchule zu behandeln und dort wieder aus dem Grundſatze, den Realunterricht zunaͤchſt auf die wirklichen ge⸗ genwaͤrtigen Verhaͤltniſſe zu beziehen und daher von der Geographie der Umgebung und der Geſchichte der naͤchſten Zeit und des beſondern Vaterlandes zu beginnen. Uebrigens ertheilt die 3. Section des Studienplans uͤber die zu befolgende Methodik manchen treff⸗ - 15 lichen Wink, der auch heut noch der Beachtung werth ſein duͤrfte. Vieles hat ſich freilich praktiſch nicht bewaͤhrt und ſeine Ausſcheidung zur Nothwendigkeit gemacht, wie die Tech⸗ nologie, in der jeder Handwerkslehrling den Profeſſor uͤberſah, die gemeinnuͤtzigen Kennt⸗ niſſe, die Verfaſſungskunde, die Verſtandesubungen, oder es hat ſich die Verſchmelzung mit andern Faͤchern gefallen laſſen muͤſſen. Indeſſen iſt manches ſpaͤter Verworfene in der neueſten Zeit wieder zu Ehren gekommen, wie die Logik und Pſychologie und ſelbſt die Encyclopaͤdie, die heut in den hodegetiſchen Vortraͤgen fuͤr Abiturienten eine Stelle findet. War die polniſche Sprache doch auch ſchon nahe daran, wieder in den Stunden⸗ plan des Gymnaſiums einzuruͤcken. Die Verſetzung, in der Regel jaͤhrlich, ohne die Moͤglichkeit fuͤr den ausgezeich⸗ neten Kopf, den angeſtrengteſten Fleiß, das Ziel fruͤher zu erreichen, ganz auszuſchließen, ſoll von einer, in Gegenwart des Rectors, von dem jedesmaligen Lehrer abzuhal⸗ tenden muͤndlichen und ſchriftlichen Pruͤfung abhaͤngen, die am ſtrengſten fuͤr die zur Univerſitaͤt abgehenden ſein ſoll. Eine beſondere Abiturienten⸗Pruͤfung findet jetzt ſo wenig als fruͤher ſtatt. Das Gymnaſium genießt das Vertrauen, nach eigenem Ermeſſen die Reife ſeiner Zoͤglinge fuͤr die Univerſitaͤt zu beſtimmen. Eine beſondere Aufmerkſam⸗ keit wendet der Studienplan auf die ſittliche Leitung und Beaufſichtigung der Schuͤler auch in ihren Wohnungen, und ſie wurde als ein Haupttheil des neugeſchaffenen Amtes des Religionslehres bezeichnet. Seine Beſtimmung, die Foͤrderung der Moralitaͤt und Religioͤſitaͤt aller Schuͤler, ſoll er durch einen zweckmaͤßigen, den Beduͤrfniſſen und Faͤhigkeiten der Schuͤler angemeſſenen Religionsunterricht, durch eine erbauliche Ein⸗ richtung des, fuͤr den Standpunkt der Jugend berechneten Gottesdienſtes, und durch ſitt⸗ liche Einwirkungen mittelſt Aufſicht, Leitung und Ermahnung zu bewerkſtelligen bemuͤht ſein. Eine Sammlung von Schulgeſetzen erſchien gleichzeitig, welche eben ſowohl die Benuͤtzung des Unterrichts als das ſittliche Leben zu regeln ſuchten. Nicht unintereſſant iſt es, daß, wie ſowohl die Jeſuiten in ihrer Ratio studiorum humaniorum, als auch das Schulreglement von 1774 eine große Milde in den Schulſtrafen anordneten, erſtere wenigſtens in der Theorie alles auf den Ehrtrieb gruͤndeten, wenn auch in der Praxis Zuͤchtigungen haͤufig waren ¹), letzteres III.§ 19. ſchaͤrfere Strafe nur dem Rector vorbehielt, ſo auch der neue Studienplan in gleichem Geiſte verfugt, ja koͤrperliche Stra⸗ fen nach§ 11. gaͤnzlich abgeſchafft wiſſen will, wie er denn vorſchreibt, jedes groͤßere Vergehen der Schul⸗Direction zur Unterſuchung und Beſtrafung anzuzeigen. Die bedeutend geſteigerten Forderungen an die Lehrer machten auch eine Erhoͤ⸗ hung ihres Einkommens als einen billigen Erſatz nothwendig. Die gemeinſchaftliche Verpflegung, welche bisher die geiſtlichen Lehrer genoſſen hatten, mußte ohnehin weg⸗ fallen bei Lehrern weltlichen Standes und ſie bekamen dafuͤr eine, freilich ſehr geringe Entſchaͤdigung von 50 Rthl. Den geiſtlichen Lehrern aber ward der Austritt aus der gemeinſchaftlichen Oeconomie zwar nicht gradezu verwehrt, aber doch erſchwert. Die Gehalte ſtiegen von 212 bis 292 Rthl. Der Rector als ſolcher hatte eine Zulage von 1) Vergl. das Programm des Rector Köhler von 1822. S. 10. u. ff. 16 50 Rthl. Zu hoͤhern Leiſtungen reichte der Schulfonds nicht hin, da an die Univerſi⸗ taͤten Halle 7000 Rthl., Frankfurt 2000 Rthl., Koͤnigsberg 1000 Rthl., zuſammen 10000 Rthl. und ſpaͤter wenigſtens noch 5000 Rthl. gezahlt werden mußten. Die Lehrer, welche in dieſem Abſchnitte an der Schule arbeiteten, waren außer den oben, im vorigen Abſchnitte genannten fuͤnf, folgende. Den Religions⸗Unterricht uͤbernahm in nur drei Stunden woͤchentlich ¹) immer eine fuͤr je zwei Doppelklaſſen, Carl Haaſe, fruͤher Prediger der Inſtitutskirche; der andere bisherige Prediger, Anton Legenbauer, uͤbernahm eine Stunde Anleitung zur Kenntniß der preußiſchen Staatsver⸗ faſſung; Mathematik, Philologie, Verſtandesuͤbungen und Latein lehrte der Profeſſor Carl Rake, endlich den Unterricht in der ſyſtematiſchen Naturgeſchichte uͤbernahm der Pro⸗ feſſor Franz Heyde. Den polniſchen Unterricht gab der Profeſſor der Theologie Martin Pelka. Ein Zeichnenlehrer wurde in Palsner gewonnen.— Als Rake im Jahre 1802 ganz an die Univerſitaͤt uͤberging, ward von Oppeln der Profeſſor Joſeph Rohowsky als Lehrer der Mathematik berufen, welcher noch jetzt an der hieſigen Univerſitaͤt thaͤtig iſt. Sein Uebergang zu derſelben, welchem ſpaͤter der von Haaſe, Rathsmann, Scholz folgte, das Ausſcheiden Heyde's und Legenbauers aus dem Gymnaſial⸗Unterrichte, der Ausbruch des Irrſinns bei Raſchdorf und der Tod Rhedigers machten neue Anſtellungen aus der Zahl der indeß herangebildeten Candidaten nothwendig. Es traten dafuͤr ein: Franz Hausdorf) als Lehrer der Geſchichte und Phyſik, Franz Helbig ³) fuͤr Mathematik und Geographie, Johann Wiechota ⁴) fuͤr Mathematik in den obern Klaſſen des Gymnaſiums, der erſte weltliche Lehrer an hieſiger Anſtalt; Auguſt Kaluza ⁵) fuͤr Naturgeſchichte und ſchleſiſche Geſchichte, Alois Bachs) fuͤr das Latein, Johann Kabath) fuͤr beide alte Sprachen, Franz Reiſchel fuͤr den Religionsunterricht. Seit 1808 wurde auch ein be⸗ ſonderer Schreiblehrer in der Perſon des Rectors am Hospital ad matrem dolorosam J. A. Fritſch angeſtellts). Dies waren die Lehrer am Ende dieſes Zeit⸗Abſchnittes, nur daß Reiſchel ſchon 1811 nach langem Leiden ſtarb und nach laͤngerer Vacanz der Stelle an dem damaligen Caplan, jetzigen Domkapitular Carl Herber einen Nachfolger erhielt. Gleichzeitig arbeiteten ſtets mehrere Candidaten zur Aushilfe und eigenen Aus⸗ bildung am Gymnaſium. 1) Heute hat jede Klaſſe deren zwei, alle zuſammen 16. 2) geſt. den 20. Juli 1838. 3) geſt. zu Nieder⸗Langenau den 4. Auguſt 1827. 4) geſt. den 11. Mai 1821. 5) Vergl. den Nekrolog im Programm des Leobſchützer Gymnaſiums 1837 von dem Verf. dieſer Zeilen, und Nowack's Schriftſteller⸗Lexicon III. 63. f. 6) geſt. 1845 den 1. Februar, penſionirt, zu Ober⸗Schwedeldorf in der Grafſchaft Glaz. 7) Von 1818— 27 Director des Gymnaſtums zu Glaz, dann Regierungs⸗Schulrath zu Breslau; geſt. 12. December 1828. 8) Geſtorben als Bade⸗Inſpektor zu Reinerz, ſeinem Geburtsorte. 17 Leider mangeln alle Quellen uͤber die Frequenz des Gymnaſiums in jenem Zeit⸗ Abſchnitte mit Ausnahme des Jahres 180⁄%, aus welchem ein Verzeichniß der, beim Anfang des Schuljahrs inſcribirten Schuͤler vorhanden iſt. Nach ihm waren in der er⸗ ſten Klaſſe,(Sexta) 73, in der 2ten 63, in der Zten 50, in der 4ten 32, in der 5ten 22, in der 6ten 19 und 7 Hospitanten, zuſammen 266. Dieſe Zahl iſt aber kaum als Durchſchnittszahl dieſer Periode zu betrachten, da die traurige Lage des Staats nach dem vorausgegangenen unheilvollen Kriege auf die Herabdruͤckung der Frequenz ſicher wird eingewirkt haben. Eine beſondere Bibliothek hatte das Gymnaſium ſeit der Gruͤndung der Univer⸗ ſitaͤt nicht beſeſſen, ſondern dieſelbe war beiden Inſtituten gemeinſchaftlich, uͤbrigens we⸗ der reich an Baͤnden noch beſonders gewaͤhlt. Fuͤr das nach dem neuen Studienplane gegruͤndete Inſtitut der Candidaten war eine Handbibliothek angelegt worden, welche die noͤthigſten Lehrbuͤcher und eine Sammlung gewoͤhnlicher, meiſt Nuͤrnberger Ausgaben der Klaſſiker enthielt. Auf Anſchaffung von Apparaten nimmt das Schul⸗Reglement von 1774 zuerſt Bedacht, indem es III.§ 53. die Anlegung einer verhaͤltnißmaͤßigen Sammlung von Naturalien und Experimentir⸗Inſtrumenten anordnet. Desgleichen verlangt der Studienplan von 1801, Section II.§. 57. die Beſchaffung von phyſikaliſchen und geometriſchen Inſtrumenten, Modellen und Naturalien, und es wird daher das Holzgeld von 20 Sgr. auf einen Reichsthaler erhoͤht, um aus die⸗ ſem Ueberſchuſſe eine Summe fuͤr Apparate zu gewinnen. Freilich waren die Sammlun⸗ gen der Geringfaͤhigkeit der Mittel und den maͤßigen Anſpruͤchen angemeſſen, welche da⸗ mals in den Realien gemacht wurden. Nur fuͤr die Naturgeſchichte begann der Pro⸗ feſſor Kaluza mit großem Eifer Sammlungen in allen Reichen anzulegen, vorzuͤglich in der Mineralogie. Eine lebendigere und freiere Regſamkeit veranlaßte einige der Lehrer dieſes letzten Abſchnittes zur Abfaſſung eigener Schulbuͤcher fuͤr ihre Lehrfaͤcher, und be⸗ ſonders ging Wiechota hierin voran, der fuͤr das geſammte Gebiet des mathematiſchen Unterrichts auf dem Gymnaſium Lehrbuͤcher ausarbeitete ¹). Helbig folgte, als er den franzoͤſiſchen Sprach⸗Unterricht uͤbernommen, mit einem franzoͤſiſchen Leſebuche, das er in der 4. Auflage ganz umarbeitete, und mit einem Lehrbuch der Geographie. Kaluza's naturhiſtoriſche Schulſchrifften, obwohl in dieſem Abſchnitte vorbereitet, erſchienen doch erſt im zweiten Decennium. Fritſch ſchrieb auf Veranlaſſung der Schuldirection einen Leitfaden, die wahren Grundſäͤtze der deutſchen Rechtſchreibekunſt, freilich ohne auf dem hiſtoriſchen Grunde zu ſtehen, den die neuere Sprachforſchung erſt füͤr dergleichen Unter⸗ ſuchungen gelegt hat. 5 Des mit dem Gymnaſium verbundenen Convictoriums, welches Freiſtellen fuͤr Studirende der Univerſitaͤt und des Gymnaſiums umfaßte, und eine Anzahl Penſionaͤre aus den Kindern der hoͤhern Staͤnde aufzunehmen pflegte, iſt nicht beſonders gedacht worden, da eine beſondere Geſchichte deſſelben, verfaßt von ſeinem damaligen Vorſteher 1) Die Arithmetik in 4 Curſen, die Geometrie mit Stereometrie und Trigonometrie in 3 Curſen; ſämmt⸗ lich in mehreren Auflagen erſchienen; auch eine Anleitung mit römiſchen Ziffern zu rechnen. Breslau 1806. 18 Hausdorf 1828 als Schulprogramm erſchienen iſt. Daſſelbe befand ſich in dem Hauſe am Ende der Schmiedebruͤcke, zu welchem am 6. Mai 1634¹) der Grund gelegt wor⸗ den war, und ſtand, wie vorher und noch heut, unter zwei Vorſtehern aus der Zahl der Profeſſoren, deren einer der Regens, der andere der Proregens hieß. Der letzte Regens in dieſer Periode und in dem eignen Hauſe war der mehrgenannte Canzler A. Steiner. Sechſte Periode, die neuere Zeit ſeit 1811. Es kann nicht unſere Abſicht ſein, die Geſchichte des Gymnaſiums auch durch die letzten drei Decennien zu verfolgen. Seit dem Jahre 1824 haben die Gymnaſien mittelſt ihrer Programme eine fortlaufende Geſchichte ihrer ſelbſt oder doch das Mate⸗ rial dazu gegeben, und ſchon ſeit 1811 ſind die katholiſchen Gymnaſien Schleſiens mit den uͤbrigen Anſtalten unſers Vaterlandes unter gleiche Fuͤhrer und hoͤchſte Verwaltungs⸗ Behoͤrden geſtellt und gleichen Anordnungen unterworfen worden. Es kann daher nur dieſes Uebergangs noch gedacht und der Gang dieſer Umwandlung angedeutet werden.— Von dem eingreifendſten Einfluſſe auf unſer Gymnaſium war die Regeneration unſerer ganzen Verfaſſung und Verwaltung ſeit dem ſchweren Sturze, den unſer Vaterland 1806 gethan hatte, von einem um ſo tiefer greifenden Einfluſſe, als die Weisheit des Koͤnigs die Wiedergeburt des preußiſchen Staates durch die geiſtige Erhebung deſſelben hauptſaͤchlich zu bewirken bemuͤht war. Es iſt daher mit Recht bewundert und geprieſen worden, daß der Staat unter dem harten Drucke der Bedingungen, welche ein uͤbermuͤthiger Sieger aufgelegt hatte, dennoch 1810 in der Hauptſtadt eine Univerſitaͤt gruͤndete. Aus gleicher Quelle entſprang die Maßregel, die Breslauer Leopoldina durch die Vereinigung mit der Frankfurter Viadrina zu ergaͤnzen und zu kraͤftigen. Dieſe Maßregel wirkte zunaͤchſt inſofern auf das Gymnaſium, daß ſie eine gaͤnzliche Trennung deſſelben, wie der uͤbrigen katholiſchen Gymnaſien Schleſiens, von der Univerſitaͤt herbeifuͤhrte, die auch fuͤr ihren Antheil an dem katholiſchen Schulfonds abgefunden wurde, ſo daß dieſer nun lediglich Gymnaſial⸗Fonds wurde und hieß, eine Trennung in der Verwaltungs⸗Form wie im Raͤumlichen. Indeß die Univerſitaͤt einen Curator erhielt, uͤbrigens unmittelbar unter das Koͤnigl. Miniſterium geſtellt wurde, traten die Gymnaſien unter die Leitung der Geiſt⸗ lichen⸗ und Schulen⸗Deputation, einer Behoͤrde, die durch die Verordnung vom 27. October 1810 bei der Regierung zu Breslau gebildet, und unter die Abtheilung fuͤr den Cultus und den oͤffentlichen Unterricht zu Berlin geſtellt wurde. Sckeyde trat bei derſelben mit dem Vortrag fuͤr katholiſche Gymnaſial⸗Angelegenheiten ein und blieb Mitglied, als ſie im Jahre 1815 den Namen des Koͤniglichen Conſiſtoriums erhielt, und als davon im Jahre 1826 das Koͤnigl. Provincial⸗Schul⸗Collegium als Behoͤrde ¹) Vergl auch H. Wuttke, Friedrichs des Großen Beſitzergreifung von Schleſten II. 438. ff Auffallend erſcheint es, daß nach Wuttkes Anführung die Leipziger Univerſitäts⸗Bibliothek eine Handſchrift von dem Convict ad S. Josephum zu Breslau beſttzt. 1 19 fuͤr die gelehrten Schulen abgezweigt wurde. In der Zwiſchenzeit vom 20. Maͤrz 1820 bis 13. Maͤrz 1825, wo die hieſigen Gymnaſien dem Conſiſtorium entzogen und unter die Leitung des außerordentlichen Bevollmaͤchtigten an der Univerſitaͤt geſtellt waren, blieb er auch dieſem als Rath beigeordnet. Die Erweiterung der Univerſitaͤt machte es ferner unmoͤglich, die Haͤlfte des Lokals dem Gymnaſium zu uͤberlaſſen. Es mußte, das aͤltere der juͤngern Schweſter, weichenz auch das Convict⸗Gebaͤude zu St. Joſeph ward eingezogen und der Univerſitaͤt uͤbergeben. Fuͤr beide Verluſte wurde dem Gymnaſium das, durch die Saͤkulariſation leer gewordene Gebaͤude der Kreuzherrn mit dem rothen Stern auf der Schuhbruͤcke eingeraͤumt. Statt der Aula Leopoldina, worin es ſeinen Gottesdienſt gehalten, benuͤtzte es noch die ehemalige, ihrem Gebrauche nun wieder ge⸗ widmete und reſtaurirte Univerſitaͤtskirche, nachdem dieſe Jahre lang zum Heu⸗ und Strohmagazin gedient hatte. Erſt 1819 wurde dieſelbe zur Pfarrkirche der Mathiasgemeinde beſtimmt und deren bisherige, mit dem Gymnaſium zuſammenhaͤngende Kirche dieſem uͤber⸗ geben, freilich mit der Beſtimmung, auch zu einem Simultan⸗Gottesdienſte fuͤr die Univerſi⸗ taͤt zu dienen, der jedoch bisher nicht eingerichtet worden iſt. Erſt ſpaͤt gelangte uͤbrigens das Gymnaſium und Convict zum Beſitz des ganzen Hauſes, wie denn die Saͤculariſa⸗ tions⸗Commiſſion lange ihren Sitz darin gehabt, auch zu andern Zwecken waͤhrend der Kriegeszeit mehrfach Lokalien hatten eingeraͤumt werden muͤſſen. Ja noch heut hat die Koͤnigl. Kunſt⸗, Bau⸗ und Handwerksſchule einen Saal und Nebengelaß inne, den das Gymnaſium, bei der in Ausſicht ſtehenden Erwerbung eines eignen Hauſes fuͤr dieſe An⸗ ſtalt, endlich zuruͤckzuerhalten hoffen darf. Bei aller Großartigkeit des Stifts⸗Gebaͤudes mußte uͤbrigens gleichwohl die Angemeſſenheit zum Schulzwecke, fuͤr den es nicht errichtet war, um ſo mehr vermißt werden, als Uebereilung und Koſtenerſparniß bei der erſten An⸗ lage manches verdarb, was kaum mehr gut zu machen ſein moͤchte. Einen Pruͤfungsſaal groͤßern Umfangs erhielt die Anſtalt erſt 1822 ausgebaut, der der heutigen Frequenz der Anſtalt gleichwohl bei weitem nicht entſpricht. Die Verfaſſung, welche der Studienplan von 1801 dem Gymnaſium gegeben hatte, ward nun wieder geaͤndert. Die Richtung auf den Realismus ward beſeitigt; aus dem Stundenplan verſchwand die Technologie in den untern Klaſſen, die polniſche Sprache, die Logik und Encyelopaͤdie aus den obern Klaſſen, die beſondern Stunden fuͤr Decla⸗ mationsuͤbungen durch alle Klaſſen. Dagegen wurde die Richtung auf das humaniſtiſche Princip entſchieden hevorgehoben, die griechiſche Sprache ſchon in der dritten Klaſſe nach alter Zaͤhlung(Quarta) angefangen, die ſprachlichen Studien uͤberhaupt gruͤndlicher auf⸗ gefaßt, deutſchen Uebungen und der Kenntniß der deutſchen Literaturgeſchichte in den obern Klaſſen der Raum gewaͤhrt, der ſonſt der Theorie der Dicht⸗ und Redekunſt zugeſtan⸗ den war. Die Mathematik und Geſchichte wurde in weiterer Ausdehnung gelehrt, Geo⸗ metrie in Quarta ſchon begonnen, der hebraͤiſche Unterricht fuͤr die obern Klaſſen einge⸗ fuͤhrt. Bald trat auch der Geſangunterricht unter die ordentlichen Lehrfaͤcher des Gym⸗ naſiums. Die Ferien erlitten, wenigſtens im Herbſte, eine Beſchraͤnkung und wurden auf die Zeit feſtgeſetzt vom Montag nach dem 15. Auguſt bis zum Montag vor Michaelis. 3 † 20 Der ſchulfreie Mittwoch iſt erſt 1836 mit zwei freien Nachmittagen vertauſcht worden. Wie endlich fuͤr die Bildung eines tuͤchtigen Lehrerſtandes durch das Edict wegen ein⸗ zufuͤhrender allgemeiner Pruͤfung der Schulamts⸗Candidaten vom 12. Juli 1810, das jedoch erſt vom 1. Januar 1813 an in Wirkſamkeit treten ſollte, vorgeſorgt worden war, ſo gab den Beſtrebungen des Gymnaſiums Norm und Richtung das Abi⸗ turienten⸗Pruͤfungs⸗Reglement vom 25. Juni 1812, das an die Stelle des veralteten vom 23. December 1788 mit ſtrengen Forderungen trat. Die erſte Pruͤfung nach dem⸗ ſelben wurde mit 3 Abiturienten am 23. October 1813 gehalten. Doch die Freiheitskriege hatten die Hallen der Muſen entvoͤlkert, ihre Zoͤglinge waren dem Rufe des Vaterlands gefolgt; die Frequenz war daher in dieſen Jahren ſehr herabgeſunken; denn waͤhrend ſie im Winter 18 1 ⁄13 noch 230 in allen Klaſſen betragen hatte, fiel ſie, nachdem der Koͤnigliche Aufruf ergangen, auf 165 herab. Nach dem Kriege hob ſie ſich raſch und betrug 18 11⁄15 ſchon 298, und in dieſem Wachsthum blieb ſie ein Decennium, ſo daß ſie endlich bis uͤber 700 Schuͤler ſich erhob, eine Zahl, welche das Gymnaſium in den Jah⸗ ren 1825— 27 aufzuweiſen hatte. In gleichem Maaße wuchs die Zahl der Abiturienten und wenn dieſe in den erſten 8 Jahren auch nur zuſammen 85 betrug, alſo durchſchnitt⸗ lich etwa 10 im Jahre, ſo waren 1823 ſchon 20, 1826 bereits 40 und im Jahre 1827 ſogar 56. Das Lehrerperſonal, dem die Ausfuͤhrung der neuen Form des Unterrichts uͤber⸗ tragen war, erlitt allmaͤhlig manche Aenderungen. Zunaͤchſt trat, an die Stelle des nach Glaz abgehenden Profeſſors Aloys Bach, zu Oſtern Dr. Franz Nicolaus Klein, der ſeit 1820 als Director dem Gymnaſium zu Koblenz vorſteht, naͤchſt dem bereits genannten nun⸗ mehrigen Domkapitular Herrn Herber der einzige noch lebende der ordentlichen Lehrer aus dem 2. Decennium dieſes Jahrhunderts. Durch ihn wurde den Schuͤlern der obern Klaſſen das Gebiet der Alterthumswiſſenſchaft, wie der deutſchen Literaturgeſchichte eroͤffnet und der Eeſichtskreis bedeutend erweitert. An des, im Jahre 1815 verſtorbenen Poofeſſors Fiedler Stelle war der Exconventual von Gruͤſſau Gregor Hielſcher getreten, der am dortigen Kloſter⸗Gymnaſium bis zu deſſen Aufhebung gelehrt hatte. Er ſtarb bereits den 20. Februar 1821, nach Kabath auch Regens des Convicts. Als im Jahre 1818 der Pro⸗ feſſor Kabath zur Uebernahme des Directorats nach Glaz, Kaluza als Pfarrer nach Naſſidel bei Leobſchuͤtz abgegangen waren, traten an ihre Stellen der zeitherige Lehrer Franz Ullrich von Leobſchüͤtz und der Rector der Stadtſchule zu Beuthen in Oberſchleſien Emanuel Faulhaber. Der letztere, welcher mit großem Eifer die uͤberfüllten untern Klaſſen unterrichtete, ſtarb den 27. Mai 1827, der erſtere, ein ſorgſamer Lehrer der klaſſiſchen Sprachen, auch noch unter ſeinen jahrenlangen Koͤrperleiden, unterlag dieſen den 19. Au⸗ guſt 1833. Da nun der Religionslehrer Herber 1819 ganz an die Univerſitaͤt als Pro⸗ feſſor der Theologie uͤberging und der nunmehrige Erzprieſter Joſeph Zahn dafuͤr eintrat, an die Stelle des verſtorbenen Zeichnenlehrers Palsner 1812 zwei Lehrer, Joſeph Kalter und der heut noch beſchaͤftigte, nunmehrige Koͤnigliche Profeſſor Joſeph Schall, an des 1818 nach Reinerz abgegangenen Schreiblehrers Fritſch der derzeitige, Schulrector Haucke, endlich an des Kapellmeiſters Joſeph Schnabel Stelle, der 1814 den Geſangunterricht 21— einzufuͤhren angefangen, der damalige Signator und jetzige Kapellmeiſter Bernhard Hahn gekommen war, ſo beſtand beim Beginn des dritten Decenniums, womit wir dieſe Ge⸗ ſchichte ſchließen, das Lehrerperſonal aus dem Rector Koͤhler, den Profeſſoren und Leh⸗ rern Hausdorf, Helbig, Ullrich, Hielſcher, Faulhaber, Zahn und dem Verfaſſer dieſer Zeilen, welcher Kleins Nachfolger geworden war; die mathematiſche, durch Wiechotas Tod erle⸗ digte Stelle wurde erſt 1822 durch Berufung des Lehrers Felix Prudlo aus Leobſchütz beſetzt. Die Hilfslehrer waren, mit Ausnahme des im Jahre 1834 verſtorbenen Kalter, bereits die heutigen.— Von entſcheidend wichtigem und guͤnſtigem Einfluſſe war uͤbrigens das Jahr 18 18⁄19 fuͤr das Gymnaſium. Durch die Einfuͤhrung eines Schulgeldes, welches im Herbſtprogramm jenes Jahres der Rector vorſichtig und ſchonend bei dem ungewohnten Publikum bevorwortete und das auf 5 und 10 Rthl. beſtimmt wurde ¹), waͤhrend fuͤr die aͤrmſten der alte Satz des Schul⸗ und Apparatsgeldes von 2 Rthlr. 20 Sgr. beſtehen blieb, wurde es moͤglich, die ſpaͤrlichen, nur wenig gegen fruͤher er⸗ hoͤhten Lehrergehalte anſehnlicher zu verbeſſern und den Grund zu einer Gymnaſialbiblio⸗ thek und zu wiſſenſchaftlichen Apparaten zu legen. Erſterer, deren Anfaͤnge in einer kleinen Zahl unbedeutender, oft noch defecter Werke beſtanden, welche der Profeſſor Jungnitz nach der Trennung des Gymnaſiums von der Univerſitaͤt jenem uͤberwieſen hatte, wurde, außer wiederholentlich außerordentlich angewieſenen groͤßeren Summen, ein Etatsquantum von 100 Rthl. ausgeſetzt, welches ſpaͤter verdoppelt worden. Bedeutende Schenkungen an dieſelbe machten der Rector Koͤhler und Profeſſor Jungnitz. Auch fuͤr eine Schuͤler⸗ Bibliothek wurde Sorge getragen, welche durch eingefuͤhrte Beitraͤge der Schuͤler ſchnell bedeutend anwuchs. Ihrer beider heutiger Beſtand ergiebt in den folgenden Schulnach⸗ richten der Nachweis uͤber die Lehrmittel. Auf gleiche Weiſe ward, mit einem jaͤhrlichen regelmaͤßigen Etatsquantum von 70 Rthl. und vielen außerordentlichen Bewilligungen, ein anſehnliches phyſikaliſches Kabinet gebildet. Jetzt nahmen auch die Sammlungen fuͤr den Zeichnen⸗ und Geſangunterricht ihren Anfang, die heut zu ſo anſehnlichem Um⸗ fange gediehen ſind. Nur fuͤr die Naturgeſchichte traten mit dem Abgange Kaluza's ſchlechtere Verhaͤltniſſe ein. Die ihm von der Schulbehoͤrde abgekauften Sammlungen wurden durch eben dieſelbe zum großen Theil wieder der Univerſitaͤt und dem Gymnaſium zu Gleiwitz uͤberlaſſen. Der hiergebliebene Reſt, wenigſtens der zoologiſche Theil, ging unter ſorgloſen Haͤnden faſt ganz zu Grunde. Die Gehalte der Lehrer mit Ausſchluß des Directors wurden im neuen Etat in einer Stufenfolge von 400 bis 700 Rthl. feſt⸗ geſtellt, wozu im Jahre 1829 eine Erhoͤhung der Zwiſchenſtufen kam. Das Jahr 1844 endlich brachte, durch die Munificenz der vaͤterlich ſorgenden hohen Behoͤrden, die letzten Gehaltserhoͤhungen, zugleich mit der Vermehrung ordentlicher Lehrerſtellen auf zwoͤlf. Blicken wir nun, indem wir die Schickſale der Anſtalt in den letzten 20 Jahren als aus den Programmen hinreichend bekannt vorausſetzen, auf die heutigen Verhaͤltniſſe ¹) Später iſt bekanntlich das Schulgeld auf 12 Rthlr. geſetzt worden, wovon einer Anzahl fleißiger und dürftiger Schüler ein Drittheil oder die Hälfte, einem Zehntheil aller Schüler auch das ganze er⸗ laſſen werden kann. 2²2 derſelben im Vergleich mit dem Zuſtande vor 70 Jahren, womit wir dieſe zweite Abthei⸗ lung der Geſchichte begonnen haben: welche Unterſchiede treten da hervor! Damals bei etwa 300 Schuͤlern 5 Klaſſen mit eben ſo vielen Klaſſenlehrern, und taͤglichen 4 Unter⸗ richtsſtunden in nur 5 Schultagen woͤchentlich, alſo mit 100 Stunden woͤchentlich. Heut bei faſt 600 Schuͤlern, 12 Klaſſen mit 12 ordentlichen, zwei außerordentlichen, drei techniſchen Huͤlfslehrern, drei Collaboratoren und wochentlichen 347 Lehrſtunden! Damals keine Apparate, keine Schulbibliothek, nur fuͤr die Lehrer Mitbenutzung der an Zahl und Gehalt wenig betraͤchtlichen Univerſitaͤts⸗Bibliothek; heut eine Bibliothek fuͤr Lehrer und Lernende von 11000 Baͤnden, ein reiches mathematiſch⸗phyſikaliſches, ein nicht unbedeutendes naturhiſtoriſches Cabinet, Kartenſammlung, mehr als tauſend Vor⸗ zeichnungen, ein reicher Vorrath der gediegenſten Geſangwerke. Damals fuͤr die Lehrer, ausſchließlich der doch nur mit 50 Rthl. abgegoltenen Naturalverpflegung, eine Summe von etwa 700 Rthl. auf Gehalte; heut ein etatsmaͤßiger Bedarf von 8725 Rthl. zu gleichem Zwecke und noch 520 Rthl. auf Apparate! Der, ſeiner fruͤhern fremdartigen Zahlungen ſeit der Erſcheinung des neuen Schul⸗ Reglements von 1800 wieder entlaſtete, und von der Koͤnigl. Provinzialbehoͤrde mit der gewiſſenhafteſten Sorgfalt verwaltete und vermehrte katholiſche Haupt⸗Gymnaſial⸗Fonds traͤgt dazu die Summe von 5400 Rthl. bei, ſo daß aus den Schulgeldern fuͤr alle Beduͤrfniſſe des Gymnaſiums noch an 5000 Rthlr. aufgebracht werden muͤſſen und ſo auf jeden Schuͤler durchſchnittlich jaͤhrlich etwas uͤber 8 Rthl. kommen, waͤhrend ſie fruͤ⸗ her, bis auf das Holz⸗ und Apparatsgeld, unentgeldlich unterrichtet wurden. Wenn aber dieſes freilich manchem ſchwer fallende, aber in Vergleich mit andern Anſtalten immer noch maͤßige Schulgeld auch heut noch oft vielfachem Tadel unterliegt: ſo moͤgen dieſe Tadler, ſonſt wohlmeinende Jugendfreunde, erwaͤgen, daß ohne jenes Schulgeld es un⸗ moͤglich geweſen waͤre, den eben geſchilderten Zuſtand des Gymnaſiums herbeizufuͤhren. Sie moͤgen bedenken, daß durch die Vortheile, welche ein reicher Vorrath zweckmaͤßiger Lehrmittel und die Berufung eines Lehrercollegiums gewaͤhrt, das durch ſeine Zahl die Maſſe der Schuler und der Arbeit gruͤndlich zu bewaͤltigen vermag und das in einer ſorgenfreieren, in ſocialer Beziehung wuͤrdigeren Stellung die dem Amte erſprießliche Ruhe und Zufriedenheit des Gemuͤths gefunden hat, das Geldopfer, ſo ſchwer es manchem Einzelnen fallen mag, vielfaͤltig aufgewogen wird. Dann werden auch dieſe ſich mit uns in den Gefuͤhlen der dankbarſten Anerkennung gegen die eben ſo weiſe, als wohlwollende Fuͤrſorge der Unterrichtsbehoͤrden der Provinz und im Centrum des Staates fuͤr das Ge⸗ deihen der hoͤhern katholiſchen Lehranſtalten vereinen! Schulnachrichten kür den Zeitraum vom 30. September 1844 bis 16. August 1815. A. I. Lehrverfaſſung. ¹) 1. Ober⸗Prima. Ordinarius war der Director mit 10 Stunden wöchentlich. a) Sprachen. 1. Deutſch in 2 Stunden wöchentlich bei dem Oberlehrer Dr. Zaſtra. In einer Stunde deutſche Literaturgeſchichte nach Schäfers Leitfaden, die Geſchichte der deutſchen Literatur vom An⸗ fange des achtzehnten Jahrhunderts bis auf unſere Zeit; in einer Stunde wurden die deutſchen Aufſätze, nachdem ſie zu Hauſe vom Lehrer waren corrigirt worden, cenſirt, auch extemporirte Vor⸗ träge gehalten über Themata, die den Schülern erſt vor der Stunde waren zum Durchdenken ge⸗ geben worden. 2. Latein in 8 Stunden wöchentlich, wovon 3 dem lateiniſchen Stile, 3 der Leſung des Proſaikers, 2 der des Dichters gewidmet waren; erſteres beides war in den Händen des Direc⸗ tors, letztere in denen des Oberlehrers Rotter. Im lateiniſchen Stil wurden in einer Stunde die freien Aufſätze, nach vorausgegangener häuslicher Correctur, cenſirt, in einer abwechſelnd Ertem⸗ poralien geſchrieben und die Lehre vom lateiniſchen Stil nach Heinichen vorgetragen; in einer end⸗ lich abwechſelnd Soph. Oed. T. interpretirt und darüber disputirt, wozu die Schüler in 19 Ab⸗ theilungen getheilt waren, deren jede einmal an die Reihe kam; das andere Mal aus Gryſar's Handbuch lateiniſche Exercitien gebracht und durchgenommen. Im Proſaiker wurden in zwei Stun⸗ 2 ¹) Ueber die gelieferten Arbeiten, ſo weit ſie der Director zur Reviſion eingefordert hat, wird am Schluſſe dieſes Abſchnittes eine Zuſammenſtellung beigefügt werden. 24— den wöchentlich Tac. Hist. II. 1—68 ſtatariſch, in einer Sall. Iug. c. 30—85 curſoriſch geleſen; privatim laſen die Schüler Cic. Cat. I. II. und memorirten ſie. Im Dichter wurden, nach einer Einleitung über die idylliſche Poeſie bei den Alten, geleſen Virg. Eclogg. 1. 3. 4. 5. 7. 9.; nach Oſtern Hor. Epp. II. 1. 2. 3. Griechiſch in wöchentlich 6 Stunden, wovon 1 der Grammatik, 2 der Leſung des Pro⸗ ſaikers, 3 des Dichters beſtimmt waren; erſteres beides bei dem Oberlehrer Rotter, letztere bei dem Oberlehrer Dr. Zaſtra. In der grammatiſchen Stunde wurde Buttmanns Sprachlehre von §. 139 an theils wiederholt theils neu erklärt, und durch Ueberſetzen von Dictaten aus dem Latein geübt. Im Proſaiker wurde geleſen Plat. Timoleo u. Aemilius Paullus; im Dichter nach einer Einleitung in die dramatiſche Poeſie der Griechen Soph. Antig., außerdem Hom. II. XI. XII. v. 1— 245. 4. Franzöſiſch in 2 Stunden bei dem außerordentlichen Lehrer Profeſſor Dr. Schmöl⸗ ders; es wurde aus Ideler und Nolte's Handbuche 3. Th., Stücke von Lacretelle, Villemain, Guizot, Pouqueville und Michaud geleſen und erklärt; abgelieferte Aufſätze mündlich cenſirt nach vorgängiger häuslicher Correctur, endlich Extemporalien geſchrieben. 5. Hebräiſch, gemeinſchaftlich mit Unter⸗Prima in 2 Stunden wöchentlich, bei dem Reli⸗ gionslehrer Stenzel; es wurden die unregelmäßigen Verba und ein Theil der Syntax nach Ge⸗ ſenius Sprachlehre erklärt und aus deſſe Leſebuche I. Moſes c. 6. 8. Pſalm 8, 19, 29, 72 geleſen. 3 Wiſſenſchaften. 1. Religion in 2 Stunden wöchentlich, in dieſer wie in allen übrigen Klaſſen bei dem Re⸗ ligionslehrer Stenzel, allgemeine Einleitung in die Religionslehre, Quellen des chriſtlichen Glau⸗ bens, Einfluß des Chriſtenthums nach Gottfr. Angelus Fiſchers Lehrbuche und eigenen Heften. 2. Mathematik in 4 Stunden wöchentlich bei dem Mathematicus Dr. Sondhauß, nach Brettners Lehrbüchern; in 2 Stunden, nach Vollendung der Stereometrie, die Trigonometrie; in 2 Stunden die Lehre von den Kettenbrüchen, das Wichtigſte aus der Combinationslehre, Anwen⸗ dung auf die Entwickelung des binomiſchen Lehrſatzes, zuletzt die Entwickelung der Binomial⸗ und logarithmiſchen Reihen nach der Methode der unbeſtimmten Coeffizienten; in beiden Gebieten wurden Aufgaben gelöſet. 3. Geſchichte in 3 Stunden wöchentlich bei dem Director, nach eigenen Heften die neuere Geſchichte vom Mittelalter bis zur franzöſiſchen Revolution. 4. Phyſik in 2 Stunden wöchentlich bei dem Mathematicus Dr. Sondhaußz; die Lehre vom Gleichgewicht und der Bewegung feſter, tropfbarflüſſiger und luftförmiger Körper; die Akuſtik und Optik, mit Exrperimenten alles erläutert. 5. Philoſophiſche Propädeutik in einer Stunde wöchentlich bei dem Director, die Logik nach Trendelenburg, Elementa logices Aristotelicae. 4 c) Techniſche Fertigkeiten und Künſte. (Siehe die Geſammtüberſicht am Schluſſe dieſes Abſchnittes.) 25 2. Unter⸗Prima. Ordinarius der Director mit 7 Stunden wöchentlich. a) Sprachen. 1. Deutſch in 2 Stunden wöchentlich bei dem Oberlehrer Dr. Zaſtra; in einer Stunde Geſchichte der deutſchen Literatur von den älteſten Zeiten bis Herder nach Schäfers Leitfaden; in der andern, wie in Ober⸗Prima, Cenſur der ſchriftlichen Arbeiten, Uebung in extemporirten Vor⸗ trägen, worin hier jeder Schüler dreimal daran kommen konnte. 2. Latein in 8 Stunden wöchentlich, wovon 3 dem lateiniſchen Stile, 3 der Proſaikerlectüre, beides unter Leitung des Oberlehrers Rotter, 2 der Dichterlectüre unter Profeſſor Dr. Schmöl⸗ ders beſtimmt waren. In den lat. Stilſtunden wurde aus Zumpts Grammatik Kap. 80— 83 und ein Theil der Syntaxis ornata erklärt, die freien Aufſätze, nachdem ſie zu Hauſe corrigirt waren, cenſirt, endlich Exercitien aus Forbigers Materialien überſetzt und Extemporalien geſchrieben. Im Proſaiker wurde Cic. pro lege Man. und de ofſiciis lib. tertius erklärt; privatim laſen die Schüler Cic. or. pro Ligario; im Dichter Hor. carmm. III. 1— 17. 30. IV. 2—7; Satirr. I. 1. 3. 4. 53 die Oden wurden theilweiſe memorirt. 3. Griechiſch in 6 Stunden wöchentlich, wovon 1 für Grammatik, 2 für die Leſung des Proſaikers, beides unter dem Oberlehrer Dr. Zaſtra beſtimmt waren, während der Director in 3 Stunden die Dichterlectüre leitete. In der grammatiſchen Stunde wurde die Lehre von den Zei⸗ ten und Arten des Zeitworts erklärt und an Beiſpielen aus Roſt geübt, auch zuſammenhängende Stücke aus dem 4. Curſus überſetzt; im Proſaiker wurde Plat. Laches und Charmides, im Dichter Hom. JI. II. III. IV. geleſen; außerdem laſen die Schüler privatim Jl. XIV. XV. 4. Franzöſiſch in 2 Stunden bei Profeſſor Dr. Schmölders, in einer Wiederholung der Syntax nach Hirzel, in der andern wurde Lucréèce, tragédie par Ponsard geleſen; außer⸗ dem wurden freie Aufſätze, zu Hauſe vom Lehrer corrigirt, in der Schule mündlich cenſirt, auch Extemporalien geſchrieben.— 5. Hebräiſch mit Ober⸗Prima. b) Wiſſenſchaften. 1. Religion in 2 Stunden wöchentlich, in einer von den Quellen der chriſtlichen Glau⸗ benslehre nebſt einem Theile der Glaubenslehre ſelbſt nach Fiſcher; in einer Leſung von Lucas K. 10— 14 im Urtexte. 2. Mathematik in 4 Stunden wöchentlich bei dem Mathematicus Dr. Sondhauß; in zwei Stunden die Stereometrie von der Betrachtung der Ecke bis zu Ende; in zwei Stunden die Hauptſätze aus der Combinationslehre nebſt Entwickelung des binomiſchen Lehrſatzes; Progreſſionen nebſt Anwendung auf die Rentenrechnung; Uebung in Auflöſung diophantiſcher Gleichungen. 3. Geſchichte in 3 Stunden wöchentlich bei dem Director, die mittlere Geſchichte und die neuere bis 1556 nach eigenen Heften. 4 26 4. Phyſik in 2 Stunden bei dem Mathematicus Dr. Sondhauß, die Lehre von den mechaniſchen Potenzen, vom freien Falle, Wurfe, von der Central⸗ und Pendelbewegung; vom Gleichgewicht und der Bewegung tropfbarflüſſiger Körper. 5. Philoſophiſche Propädeutik in einer Stunde wöchentlich bei dem Director, die Pſychologie nach Matthiaͤ und der Anfang der Logik. c) Techniſche Fertigkeiten und Künſte. (Siehe die Geſammtüberſicht am Schluſſe dieſes Abſchnittes.) 3. Ober⸗Secunda. Ordinarius war der Oberlehrer Dr. Zaſtra mit 9 Stunden wöchentlich. a) Sprachen. 1. Deutſch in 2 Stunden wöchentlich bei dem Hilfslehrer Hägele; Cenſur der freien, vom Lehrer vorher corrigirten Aufſätze; im Winterſemeſter Lyrik, im Sommer das Epos nach Otto Lange's Poetik, in Hiekeſcher Weiſe. 2. Latein in 9 Stunden wöchentlich, wovon 3 dem lat. Stile, 3 der Proſaikerlectüre, 3 der des Dichters beſtimmt waren; erſteres beides war in den Händen des Ordinarius Dr. Zaſtra, letztere in denen des Hilfslehrers Hägele. In den Stilſtunden wurde die Syntax nach Zumpt wiederholt, Exercitien, nach Schirlitz Materialien gefertigt, durchgegangen; die freien Aufſätze nach der häuslichen Correctur mündlich cenſirt, Extemporalien geſchrieben, wöchentlich einmal Loci me- moriales nach Ruthardt geübt. Im Proſaiker wurde erſt Liv. IX. c. 1— 16. I. c. 22— 28, dann Cic. pro lege Man. geleſen; privatim laſen die Schüler Cic. Cat. III. IV., im Dichter bis Oſtern Virg. Aen. II.; nach Oſtern Hor. carmm. lib. I. 3. Griechiſch in 6 Stunden wöchentlich, wovon 1 der Grammatik, 2 der Leſung des Pro⸗ ſaikers, beides unter dem Gymnaſiallehrer Winkler, 3 der Dichterlectüre unter dem Ordinarius Dr. Zaſtra gewidmet waren. In der grammatiſchen Stunde ſyntaktiſche Uebungen über die Ca⸗ ſus mit und ohne Präpoſitionen, eingeübt nach Roſt's Anleitung; im Proſaiker wurde Xen. Uyr. VII. geleſen mit beſonderer Berückſichtigung der Lehre von den Zeiten und Arten; im Dichter las Dr. Zaſtra erſt Hom. Odyss. XII. XIII., dann Jl. IV.; pripatim laſen die Schüler das 8. Buch. 4. Franzöſiſch in 2 Stunden bei Profeſſor Dr. Schmölders; in einer Stunde die Grammatik nach Hirzel vom Gebrauch der Zeiten bis zu Ende; in der andern Lectüre von Cha⸗ teaubriands Atala; außerdem Extemporalien. 5. Hebräiſch in 1 Stunde wöchentlich bei dem Religionslehrer Stenzel; aus der Gram⸗ matik wurde die Lehre vom Nomen und die Verha gutturalia erklärt, geleſen wurde I. Moſes c. 22. 27 — b) Wiſſenſchaften. 1. Religion in 2 Stunden wöchentlich, Religionsgeſchichte von Conſtantin dem Großen bis zur Kirchentrennung 1517, nach Barthels Religionsgeſchichte; memorit wurden aus dem Neuen Teſt. die zwei Briefe Petri, der erſte Brief Johannis und einige Kapitel aus dem Hebräer⸗Brieſe. 2. Mathematik in 4 Stunden wöchentlich bei dem Mathematicus Dr. Sondhauß; in zwei Stunden nach einer ausführlichen Wiederholung des Früheren und nach Beendigung der Pla⸗ nimetrie die Stereometrie bis zur Betrachtung der Ecke; in 2 Stunden Auflöſung von Gleichungen des erſten Grades mit 3 und 4 unbekannten Größen und von Gleichungen des zweiten Grades; Rechnung mit imaginären Größen; die Lehre von den Logarithmen, verbunden mit Uebungen im Gebrauch der logarithmiſchen Tafeln. 3. Geſchichte in 3 Stunden bei dem Gymnaſiallehrer Idzikowski, die römiſche Geſchichte von Erbauung der Stadt bis zum Untergange des weſtrömiſchen Reiches, mit ſteter Berückſichti⸗ gung der Geographie, nach Pütz. 4. Phyſik in einer Stunde, bei dem Mathematicus Dr. Sondhauß, nach Beendigung einer Beleuchtung des Wichtigſten aus der Chemie wurde die Lehre von den mechaniſchen Potenzen durchgegangen. c) Techniſche Fertigkeiten und Künſte. (Siehe die Geſammtüberſicht am Ende des Abſchnittes.) 4. Unter⸗Seeunda. Ordinarius war der Oberlehrer Rotter mit 8 Stunden wöchentlich. a) Sprachen. 1. Deutſch in 2 Stunden wöchentlich bei dem Ordinarius; vor Oſtern eine Theorie des proſaiſchen Stils, zumal des Brief⸗ und Geſchäftsſtils; nach Oſtern die ältere deutſche Literatur nach Koberſtein; Cenſur der freien Aufſätze, nach vorausgegangener häuslicher Correctur; Extemporalien; Leſe⸗ und Declamationsübungen nach Bachs Leſebuche für Secunda. 2. Latein in 8 Stunden wöchentlich, wovon unter dem Ordinarius 3 dem lateiniſchen Stile, 3 der Leſung des Proſaikers, 2 unter Oberlehrer Kabath der Dichterlectüre beſtimmt waren. In den Stilſtunden wurden, nach vorausgegangener genauer Erklärung der bezüglichen§§. aus Zumpts Grammatik, ausgewählte Abſchnitte aus Süpfles Aufgaben bis S. 97 überſetzt, daran paſſende Loci memoriales aus Ruthardts Sammlung geknüpft, endlich auch Extemporalien geſchrieben. Im Proſaiker wurde, nach vorausgeſchickter Einleitung, Liv. VII. 1— 21. IX. 1— 20 geleſen. Die Lectüre im Dichter beſtand in Virg. Aen. I. und V. 1— 262. nachdem eine Einleitung über Virgils Leben und Schriften rorausgeſchict worden. 4* 28— 3. Griechiſch in 6 Stunden wöchentlich, wovon eine in der Grammatik, 2 in der Proſaiker⸗ Lectüre der Gymnaſiallehrer Dr. Pohl, 3 Stunden für die Leſung des Dichters Profeſſor Dr. Schmölders übernommen hatte. In der grammatiſchen Stunde wurden die meiſten, für Se⸗ cunda bezeichneten Abſchnitte aus Franke's Ueberſetzungsbuche, unter Erklärung der bezüglichen Ab⸗ ſchnitte aus Buttmanns Grammatik, ins Griechiſche überſetzt, auch Extemporalien geſchrieben. Geleſen wurde im Proſaiker Xen. Agesilaus mit beſonderer Berückſichtigung der Grammatik; im Dichter Hom. Odyss. I. II. 4. Franzöſiſch in 2 Stunden, unter dem Sprachlehrer Scholz; in der Grammatik, nach Hirzel, die unregelmäßigen Zeitwörter bis zur Syntax der Artikel, ſchriftliche Uebungen; geleſen wurden mehrere Stücke aus Ahns Leſebuche und mehrere Geſpräche aus deſſelben Handbuche aus⸗ wendig gelernt. 5. Hebräiſch in 2 Stunden wöchentlich, bei dem Profeſſor Dr. Schmölders, die Ele⸗ mente der Grammatik, das Verbum sanum und gutturale; die Flexion des Nomens und die Suffixa, nach Geſenius; von Oſtern an das 1. und 2. Kapitel der Geneſis. b) Wiſſenſchaften. 1. Religion in 2 Stunden wöchentlich, aus der Religionsgeſchichte nach Barthel die Zeit⸗ räume von Chriſtus bis auf Conſtantin d. Gr., und von der Kirchentrennung 1517 bis auf unſere Zeit. Memorirt wurde aus dem N. T. Johannes K. 13— 17, der Brief Jacobi und einige Ka⸗ pitel aus der Apoſtelgeſchichte. 2. Mathematik in 4 Stunden wöchentlich, bei dem Mathematicus Dr. Sondhauß, in zwei Stunden, nach einer ausführlichen Wiederholung des Früheren, aus der Geometrie die Lehre von der Aehnlichkeit der Figuren und vom Kreiſe bis zur Betrachtung der regelmäßigen Polygone im Kreiſe; in zwei Stunden die Lehre von den Potenzen und Wurzelgrößen und die Auflöſung von Gleichungen des erſten Grades mit ein und zwei unbekannten Größen. 3. Geſchichte in 3 Stunden wöchentlich, bei dem Gymnaſiallehrer Idzikowski, die Ge⸗ ſchichte der alten aſiatiſchen und afrikaniſchen Staaten, ferner Griechenlands, Macedoniens und der daraus entſtandenen Monarchien, nach Pütz. Die Geographie dieſer Länder wurde dabei ſpeciel durchgenommen. 4. Phyſik in einer Stunde wöchentlich, bei dem Matſernaffcns Dr. Sondhauß, die Lehre von den allgemeinen Eigenſchaften der Körper und Betrachtung der, in der Phyſik vorkommenden chemiſch⸗wichtigen Körper. 5. Naturg eſchichte in 1 Stunde wöchentlich, bei dem Gymnaſiallehrer Dittrich; Been⸗ digung der in der Tertia begonnenen Beſchreibung der wichtigſten Mineralien; im Sommer Ana⸗ tomie der Pflanzen und Ueberſicht der Akotyledonen. c) Techniſche Fertigkeiten und Künſte. (Siehe die Geſammtüberſicht am Ende dieſes Abſchnittes). 29 5. Tertia a. und Tertiab. In Tertia a. war Ordinarius der Gymnaſiallehrer Janske mit 12 Stunden, in Tertia b. der Oberlehrer Kabath mit 14 Stunden wöchentlich. a) Sprachen. 1. Deutſch in jeder Abtheilung 3 Stunden, bei dem reſp. Ordinarius. Es wurden die deutſchen Aufſätze, zu denen der Stoff faſt immer aus der Lectüre entnommen war, nachdem ſie vom Lehrer zu Hauſe corrigirt worden waren, mündlich beſprochen; außerdem poetiſche und proſaiſche Stücke aus Bach's Leſebuche für Tertia theils geleſen, theils auswendig gelernt und declamirt, nach vorangegangener alſeitiger Erklärung. 2. Latein in jeder Abtheilung 9 Stunden, wovon 3 der Grammatik und deren Einübung, 3 der Leſung des Proſaikers, 3 der Dichterlectüre beſtimmt waren. Die Stil⸗ und Proſaikerſtunden waren in den Händen des jedesmaligen Ordinarius, die Dichterlectüre in Tertia a. hatte im Winterſemeſter der Candidat Dr. Steiner, im Sommerſemeſter der Candidat Eichner, beides Mitglieder des pädagogiſchen Seminars, in Tertia b. das ganze Jahr der Hilfslehrer Hägele un⸗ ter ſich. Die Grammatik wurde nach Blume's Schulgrammatik erklärt und zwar die Syntax voll⸗ endet, die Regeln eingeübt an Beiſpielen aus Auguſt's Leſebuche, womit Uebungen über die Loci memoriales nach Ruthardt Hand in Hand gingen. Im Proſaiker wurde Jul. Caes. de bello civili, in Tertia a. Buch 3 K. 50 bis zu Ende, in Tertia b. Buch 2 und 3 Kap. 1— 16 gele⸗ ſen und erklärt. Im Dichter wurde in Tertia a. geleſen vor Oſtern bei Dr. Steiner Ovid. Met. I. 1— 451; nach Oſtern bei Candidat Eichner II. 1— 400; in Tertia b. bei Hilfslehrer Hägele aus Friedemanns Chreſtomathie Virg. Aen. I. 46— 157; Ovid. Met. VI. 152— 303; X. 1— 62; XI. 410— 743; in beiden Klaſſen wurde die dritte Stunde zu metriſchen Uebungen verwendet. 3. Griechiſch in 5 Stunden wöchentlich, in Tertia a. bis Oſtern bei dem Candidaten Dr. Steiner, nach Oſtern bei dem Candidaten Eichner, in Tertia b. bei dem Oberlehrer Kabath. In drei Stunden wurde in beiden Klaſſen die Grammatik nach Kühner erklärt, insbeſondre, nach Wiederholung der Conjugation der Verba muta, liquida und pura die Verba auf 1⁴ und die unregelmäßigen, auch einiges aus der Syntax, alles eingeübt an den Beiſpielen in Kühners Gram⸗ matik; in zwei Stunden wurden einige Kapitel aus Xen. Anab. geleſen, in Tertia b. auch, nach vorausgeſchickter Einleitung über homeriſche Sprache und Versbau, ein kleines Stück aus der Odyſſee. 4. Franzöſiſch in 3 Stunden wöchentlich in jeder der beiden Klaſſen, in beiden bei dem franzöſiſchen Sprachlehrer Scholzz nach Wiederholung der regelmäßigen Conjugation die Lehre von den Bei⸗ Zahl⸗ und Fürwörtern, dem Paſſiv und den reflexiven Zeitwörtern, endlich die unregel⸗ mäßigen der erſten drei Conjugationen, nach Hirzels Grammatik; ſchriftliche Uebungen; Memoriren von Geſprächen aus Ahns Handbuche; Ueberſetzung mehrerer Stücke aus deſſen Leſebuche. b) Wiſſenſchaften. 1. Religion in 2 Stunden wöchentlich, worin beide Abtheikungen combinirt waren, die Pflichtenltehre nach dem Münchner Unterrichtsbuche und zwar die Pflichten in beſondern Ständen; — à&o— die Lehre von den heiligen Sacramenten; memorirt wurden aus dem N. T. Matth. K. 5— 7, und die auf die Sacramente bezüglichen Stellen. 2. Mathematik in 3 Stunden wöchentlich nach Brettners Lehrbüchern, in Tertia a. bei dem Ordinarius Janske, in Tertia b. bei dem Gymnaſiallehrer Dittrich; i Lehre von den Parallellinien bis zur Lehre vom Kreiſe, in der Arithmetik trahiren, die Gleichungen des erſten Grades mit einer unbekannten Größe. 3. Geſchichte und Geographie in jeder der beiden Abtheilungen 3 Stunden wöchentlich, beide unter dem Gymnaſiallehrer Stephan. In der Geſchichte wurde in beide nach Pütz, unter ſteter Berückſichtigung der geographiſchen Verhältniſſe, die Geſchichte Deutſchlands bis zum weſtphäliſchen Frieden, die Geſchichte Preußens bis zum Hubertsburger Frieden aus der Geſchichte der übrigen Staaten ſo viel, als zum Verſtändniß der deutſchen und preußiſchen Geſchichte erforderlich war. In der Geographie wurden die außereuropäiſchen Welttheile n Anfangsgründen in topiſcher, phyſiſcher und politiſcher Hinſicht durchgenommen. 4. Naturgeſchichte in jeder der beiden Abtheilungen in 2 Stunden wöchentlich, bei dem⸗ ſelben Lehrer Dittrich, nach Eichelberg, Beſchreibung der Mollusken, Strahlenthiere und Urthiere, c) Techniſche Fertigkeiten und Künſte. (Siehe die Geſammtüberſicht am Ende dieſes Abſchnittes). 6. Quarta a. und Quarta b. Ordinarius war in Quarta a. der Gymnaſiallehrer Winkler, in Quarta b. der Gymnaſiallehrer Dr. Pohl, jeder mit 16 Stunden wöchentlich. a) Sprachen. 1. Deutſch in 3 Stunden wöchentlich in jeder Abtheilung, bei dem reſp. Ordinarius. Aus⸗ gewählte proſaiſche und poetiſche Abſchnitte aus Bach's deutſchem Leſebuche für Quarta wurden ge⸗ lche vom Lehrer verbeſſert, in der gen; davon waren 5 Stun⸗ den für Grammatik und deren Einübung beſtimmt und befanden ſich in den Händen des reſp. Or⸗ dinarius; drei Stunden wurde Corn. Nepos geleſen, und zwar in Quarta a. vom Oberlehrer Ka⸗ bath, in Quarta b. vom Hilfslehrer Dr. Baucke. In der Grammatik wurde, nach Siberti und lärt und nach dem, auf jene berechneten Ue⸗ bungsbuche von Spieß mit Beiſpielen eingeübt, auch entſprechende Loci memoriales vorgenommen. Geleſen wurde in Quarta a. Miltiades, Hannibal, Pomponius Atticus; in Quarta b. Alci- biades, Thrasybulas, Iphicrates, Chahbrias, Timotheus. 31 3. Griechiſch in 5 Stunden wöchentlich in jeder der beiden Abtheilungen, in jeder bei dem reſp. Ordinarius und nach Kühners Grammatik; die beiden erſten Curſe bis zu den Verben in 1 die Beiſpiele zum Ueberſetzen aus dem Griechiſchen und ins Griechiſche wurden vollſtändig benützt. 4. Franzöſiſch in 3 Stunden wöchentlich in beiden Abtheilungen, bei demſelben Lehrer Scholz; die Anfänge der Grammatik, über Ausſprache, Artikel, Zahlwörter, Hilfszeitwörter und regelmäßige Verba; überſetzt wurde aus Ahns praktiſchem Lehrgange. 3 b) Wiſſenſchaften. 1. Religion in 2 Stunden wöchentlich, worin beide Abtheilungen combinirt waren, in einer Stunde von den zehn Geboten und den allgemeinen Pflichten nach dem Münchner Religionsbuche; in einer die bibliſche Geſchichte von den Richtern bis zu Ende des A. T., nach Kabath. 2. Mathematik in 3 Stunden in jeder Abtheilung, nach Brettner, in Quarta a. unter dem Gymnaſiallehrer Janske, in Quarta b. unter dem Gymnaſiallehrer Dittrich; in der Geometrie bis zur Congruenz der Dreiecke einſchließlich, in der Arithmetik die Rechnung mit Monomen und Polynomen. 3. Geſchichte und Geographie in 3 Stunden wöchentlich in jeder Abtheilung, bei dem reſp. Ordinarius, Geſchichte des Alterthums nach Pütz Grundriß, in Quarta b. vollendet, in Quarta a. nur bis zu den puniſchen Kriegen; in der Geographie Europa in topiſcher und phyſika⸗ liſcher Hinſicht nach Roon. 4. Naturgeſchichte in 2 Stunden in jeder der beiden Abtheilungen, aber bei demſelben Lehrer Dittrich, nach Eichelberg; im Winter Zoologie, Beſchreibung der Fiſche, Gliederthiere und Wurmthiere; nach Oſtern Botanik; botaniſche Excurſionen mit Benutzung von H. Scholz's Flora. c) Techniſche Fertigkeiten und Künſte. (Siehe die Geſammtuüͤberſicht am Ende dieſes Abſchnittes). Anhang zu Tertia und Quarta. Die Stunden für die vom Griechiſchen Dispenſirten und die Nichtzeichner. 1. Deutſch 2 Stunden bei dem Gymnaſiallehrer Stephan, in einer Stunde Beſprechung der zu liefernden Arbeiten, die meiſt in den verſchiedenen Arten von Geſchäftsaufſätzen beſtanden, in der andern Cenſirung dieſer, vom Lehrer voher corrigirten Arbeiten; von Zeit zu Zeit Extem⸗ poralien. 3 1 2. Franzöſiſch 3 Stunden, Sprechübungen nach Ahns Handbuche der franzöſiſchen Um⸗ gangsſprache.. 3. Geographie und Geſchichte in 2 Stunden wöchentlich, mit den Nichtzeichnern aus beiden Abtheilungen der Quarta, bei dem Gymnaſiallehrer Dr. Pohl; vor Oſtern der öſterreichiſche Staat, Belgien, Holland, Dänemark, Schweden und Großbrittanien, nach Berghaus; nach Oſtern die Biographien einzelner berühmter Männer, nach Dethier. 3²2 7. Quinta a. und Quinta b. Ordinarius war in Quintaa der Gymnaſiallehrer Stephan, in Quintab der Gymnaſiallehrer Idzikowski, jeder mit 15 Stunden wöchentlich. a) Sprachen. 1. Deutſch in jeder Abtheilung drei Stunden wöchentlich, bei dem reſp. Ordinarius; die Sprachlehre wurde praktiſch an Muſterſtücken aus N. Bach's Leſebuche für Quinta nach Hieke's Methode dargelegt und geübt, Leſe⸗ und Declamationsübungen angeſtellt, mündliche Nacherzählung des Geleſenen abverlangt und daſſelbe zu den ſchriftlichen Arbeiten benützt, die von 14— 14 Tagen geliefert nach vorgängiger häuslicher Correctur mündlich beſprochen wurden; außerdem Etxemporalien, beſonders zur Uebung in Orthographie und Interpunction. 2. Latein in 8 Stunden wöchentlich, bei dem reſp. Ordinarius; nach einer Wiederholung der ganzen Formenlehre wurde dieſelbe fortgeſetzt und erweitert, auch die Hauptlehren der Syntax bis zum Acc. c. inf. und dem Abl. abs. erklärt und durch deutſche und lateiniſche Beiſpiele eingeübt, nach Blume's Elementarbuch der lateiniſchen Sprache; es wurden ferner Extemporalien geſchrieben und ſeit Oſtern Loci memoriales aus Ruthardt's Sammlung eingeübt. b) Wiſſenſchaften., 1. Religion in 2 Stunden wöchentlich, worin beide Abtheilungen combinirt waren; in einer Stunde Beendigung der Glaubenslehre und von der Hoffnung, nach dem Münchner Religions⸗ buche; in einer Fortſetzung der bibliſchen Geſchichte des A. u. N. T. nach Kabath. 2. Rechnen in 3 Stunden in jeder Abtheilung, beide bei demſelben Lehrer Janske und nach Brettners Arithmetik, die bürgerlichen Rechnungsarten und die Decimalbrüche. 3. Geſchichte und Geographie in 4 Stunden wöchentlich, bei den reſp. Ordinarien; in der Geſchichte biographiſche Schilderungen von Männern der alten und mittlern Geſchichte bis Luther; in der Geographie nach Roon, topiſche Geographie der geſammten Erde. 4. Naturgeſchichte in 2 Stunden wöchentlich, beide Abtheilungen bei demſelben Lehrer Dittrich, im Winter Mineralogie, im Sommer Botanik nach Eichelberg; botaniſche Excurſionen. c) Techniſche Fertigkeiten und Künſte. (Siehe die Geſammtüberſicht am Ende dieſes Abſchnittes). s. Sextaa. und Sextab. Ordinarius war in Sertaa der Hilfslehrer Dr. Baucke, in Sexta b der Hilfslehrer Dr. Teuber, jeder mit 17 Stunden wöchentlich. a) Sprachen. 1. Deutſch in 3 Stunden wöchentlich, bei dem reſp. Ordinarius, Leſe⸗ und Declamirübun⸗ gen in Magers deutſchem Leſebuche für untere Klaſſen mit Erläuterungen beſonders in ſprachlicher 33 Hinſicht; das Geleſene wurde nacherzählt und paſſende Stücke daraus zu deutſchen Arbeiten verwen⸗ det, die vom Lehrer zu Hauſe corrigirt, in der Schule durchgenommen wurden; außerdem Dictate zur Uebung der Orthographie und Interpunktion. 2. Latein in 6 Stunden wöchentlich, bei dem reſp. Ordinarius; nach vorausgegangener Er⸗ klärung der Redetheile am Deutſchen die lateiniſche Formenlehre nach Blumes kleiner Grammatik bis zum regelmäßigen Verbum einſchließlich, eingeübt durch Ueberſetzung der deutſchen und lateiniſchen Beiſpiele in Blumes Elementarbuch; außerdem wurden Vocabeln nach Ruthardts Vocabularium ge⸗ lernt und Extemporalien geſchrieben. 3 b) Wiſſenſchaften. 11. Religion in 2 Stunden wöchentlich, in welchen beide Abtheilungen vereint waren; in einer Stunde Glaubenslehre nach dem Münchner Religionsbuche, in einer der Anfang der bibliſchen Geſchichte nach Kabath. man 1 di en e 2. Rechnen in jeder Abtheilung 4 Stunden wöchentlich, bei dem reſp. Ordinarius und nach Brettners Arithmetik, das Numeriren, die vier Species in benannten und unbenannten Zahlen, die gemeinen und Decimalbrüche. 3. Geſchichte und Geographie in jeder Abtheilung 4 Stunden wöͤchentlich, bei dem reſp. Ordinarius; in der Geſchichte biographiſche Schilderungen bedeutender Männer der alten Ge⸗ ſchichte, nach Seemanns Leitfaden; in der Geographie, nach Vorausſchickung der nöthigen Erläute⸗ rungen aus der mathematiſchen und phyſiſchen Geographie, eine Ueberſicht der geſammten Erdober⸗ fläche und dann Europas in orographiſcher und hydrographiſcher Hinſicht, nach Raumers Beſchreibung der Erdoberfläche. 4. Naturgeſchichte in 2 Stunden woͤchentlich für jede Abtheilung, doch unter demſelben Lehrer Dittrich, Ueberſicht der geſammten Zoologie, nach Eichelberg. c) Techniſche Fertigkeiten und Künſte. (Siehe die nachſtehende Geſammtüberſicht). 6 Der Unterricht im Zeichnen, Schreiben, Singen und Turnen. Den Zeichnenunterricht ertheilte Profeſſor Schall in der Art, daß in den beiden Abtheilungen der Sexta, in jeder in zwei Stunden wöchentlich, die allgemeinen Elemente, Linien, Winkel, grad⸗ und krummlinigte Figuren und deren Anwendung zum Zeichnen einfacher Gegen⸗ ſtände in geometriſcher Anſicht, auch die Schattenlehre für den Umriß vorgenommen, in den beiden Abtheilungen der Quinta, auch in jeder zwei Stunden wöchentlich, das Vorige fortgeſetzt, das perſpectiviſche Zeichnen nach Vorlegeblättern und der Natur hinzugefügt, die Lehre von Licht und Schatten weiter ausgeführt, in Quarta, bei zwei Stunden wöchentlich, zu den Uebungen im Kopf⸗ Landſchaft⸗Blumen⸗ und Ornamentenzeichnen im Umriß fortgeſchritten, und in Tertia, auch bei zwei Stunden wöchentlich, damit fortgeſahren und zum ausgeführten Zeichnen nach Natur⸗ 5 34 körpern und nach Vorlegeblättern in Kreide, mit der Feder und dem Pinſel übergegangen wurde; die vollſtändige Licht⸗ und Schattenlehre trat hier ein. Endlich wurde in zwei, für die Geübtern aus Secunda und Prima beſtimmten Stunden größere Zeichnungen in allen Manieren ausgeführt. Den Schreibunterricht ertheilte der Schreiblehrer, Schulrector Haucke, in Sexta und Quinta, in jeder Klaſſe durch 3 Stunden wöchentlich, nach der ihm eigenthümlichen Methode. Den Gef angunterricht endlich beſorgte auch in dieſem Schuljahre, in Vertretung des Kapellmeiſters Hahn, der Muſiklehrer Bröer in der bisherigen, wohlbewährten Weiſe, ſo daß in Sexta, während zwei Stunden woöchentlich, die Elemente gelehrt, in Quinta, bei einer Stunde wöchentlich, beendet und ſobald es anging, Uebungen im Bilden des Tones und im Treffen, auch im Geſange zwei⸗ und mehrſtimmiger Lieder angeſtellt, in Quarta, bei einer Stunde wöchentlich, beſonders die vierſtimmigen Kirchenlieder eingeübt, aber auch andre Lieder geſungen wurden. Eine Stunde vereinte die Geübteſten aller Klaſſen zu einem Singchor, das größere und ſchwierigere Ge⸗ ſänge einübte, und in einer Stunde wurden eine Anzahl Discantiſten und Altiſten weiter fortge⸗ bildet, um bald zur Verſtärkung jenes allgemeinen Singchors zutreten zu können.. Eine Anzahl Gymnaſiaſten der untern drei Klaſſen nahm auch dieſes Jahr wieder an den Uebungen des Königl. Inſtituts für Kirchenmuſik unter Leitung des Muſikdirectors Herrn Moſewius Theil. Die Uebungen der Convictoren in der Inſtrumental⸗Muſik, Behufs der Ausführung der Muſik an den Kirchenfeſten, dauerten unter Leitung des Kapellmeiſters Hahn auch dieſes Jahr fort. Zu den Uebungen des Gymnaſi ums iſt in dieſem jetzt abgelaufenen Schuljahre auch noch der Turn⸗Unterricht getreten. Bereits in den Wintermonaten hatten gegen 40 Schüler der obern Klaſſen unter dem Turnlehrer Rödelius, gegen ein Honorar von einem Rthl. für die Perſon, ſich in deſſen Turnſaale vorgebildet, um einſt, bei Eröffnung des allgemeinen Turnplatzes, als Anmänner(Vorturner) zu dienen. Seit dem 17. Juni iſt nun dieſe Eröffnung erfolgt,(vergl. unten die Chronik) und es haben ſeitdem, Dinstag und Freitag von 6—8, an 480 Schüler, ge⸗ theilt in 34 Abtheilungen oder Riegen, am Turnen Theil genommen, unter dem Hauptlehrer Rödelius und ſeinen beiden Hilfslehrern Dr. Roſenhain und Hennig, welche von dem Hochlöbl. Magiſtrat für den Turnverein von drei Gymnaſien, der höhern Bürgerſchule, der Bür⸗ gerſchule zum heil. Geiſt und der Wilhelmsſchule angeſtellt woren ſind. Den Riegen ſtehen die im Winter gebildeten Anmänner vor. UMeberſicht der gelieferten Schularbeiten nebſt einigen Bemerkungen zu vorſtehendem Lehrplane. Abgeſehen von den täglichen Praͤparationen der Schüter auf die Lectionen und deren Wiederholung, von den Rechnen⸗ und mathematiſchen Aufgaben, den von Stunde zu Stunde zu fertigenden ſchriftlichen Erercitien in den verſchiedenen Sprachen, den zu liefernden Probeſchriften, ſind einerſeits im Deutſchen, Lateiniſchen und Franzöſiſchen freie Aufſätze geliefert, andrerſeits Extempo⸗ ralien geſchrieben und letztere monatlich einmal in jeder Klaſſe und Sprache zum Certiren gebraucht worden. Was die Aufſätze anlangt, ſo ſind ſie in folgender Anzahl gefertigt, vom Lehrer corrigirt und dem Director zur Anſicht überreicht worden. Deutſche Aufſätze, berechnet nach dem Stand⸗ — 35 punkte der Klaſſe von einfacher Nacherzählung bis zur wiſſenſchaftlichen Abhandlung, find geliefert worden in beiden Abtheilungen der Serta bei den Lehrern Dr. Baucke und Teuber 20, in der Regel von 14— 14 Tagen; in Quinta a. bei dem Gymnaſiallehrer Stephan und in Quinta v. bei dem Gymnaſiallehrer Idzikowski 17, je 2, zuletzt je 3 Wochen einer; in Quarta a. bei Gym⸗ naſiallehrer Winkler 12, in Friſten von 3— 6 Wochen; in Quarta b. bei Gymnaſiallehrer Dr. Pohl 18 in zweiwöchentlichen Friſten; in Tertia a. bei Gymnaſiallehrer Janske 17 in meiſt zwei⸗ wöchentlichen Zeiträumen; in Tertia b. bei Oberlehrer Kabath 14 in 2—4 wöchentlichen Friſten; in Secunda b. bei Oberlehrer Rotter 10 in Monatsfriſten, in Secunda a. bei Hilfslehrer Hägele 7, meiſt in Monatsfriſten; in Prima b. 11, in Prima a. 8, beides bei Oberlehrer Dr. Zaſtra, erſtere in Zwöchentlichen, letztere in Monatsfriſten. Lateiniſche freie Aufſätze wurden abgeliefert in Se⸗ cunda a. bei Oberlehrer Dr. Zaſtra 9, in Prima b. bei Oberlehrer Rotter 11, in Prima a. bei dem Director 9, ſämmtlich in Monatsfriſten. Den Ober⸗Primanern war, wegen der gehäuften Arbeiten für die Abiturientenprüfung, ein Aufſatz im Deutſchen und einer im Latein erlaſſen wor⸗ den. Franzöſiſche freie Aufſätze ließ Prof. Dr. Schmölders liefern in Prima a. 7, in Primab. 8. Die Certamen in den fremden Sprachen wurden in der Art fortgeſetzt und vom Director beauf⸗ ſichtigt, wie es im vorjährigen Programme S. 46 gezeigt worden iſt; certirt wurde, im Latein in allen Klaſſen 10mal, nur in Prima a. wegen des Dazwiſchentretens des Abiturienten⸗Examens Hmal; im Griechiſchen in Quarta a. und b. 9mal, in allen übrigen Klaſſen 10mal; im Franzöſi⸗ ſchen endlich in Quarta a. und d. smal, in allen übrigen Klaſſen 10mal. Außer dieſen Certa⸗ men⸗Extemporalien wurden in mehrern Klaſſen noch beſondere von den Lehrern veranſtaltet und durchcorrigirt. 2. Die ſittlich⸗religiöſe Bildung wurde, außer den bereits erwähnten Religionsſtun⸗ den, gefordert durch die Theilnahme aller Schüler am Gottesdienſte, ſowohl dem ſonn⸗ und feſt⸗ täglichen als der täglichen, nur kurze Zeit während der kürzeſten Wintertage ausgeſetzten heil. Meſſe vor den Lehrſtunden, wie durch den Genuß der heil. Sacramente der Buße und des Abendmahls, zu welchem alle Schüler viermal des Jahres angehalten wurden und wobei jedesmal eine beſondere Vorbereitung vorausging. Am 4. Mai wurden 54 Schüler zum erſtenmale zum Tiſche des Herrn mit würdiger, angemeſſener Feierlichkeit geführt, nachdem ſie vorher einen halbjährigen beſon⸗ dern Unterricht dafür von dem Religionslehrer erhalten hatten, welcher auch für den Empfang des heil. Sakraments der Firmung eine größere Zahl von Schülern in einer Reihe von Stunden vor⸗ bereitete. Das ſittliche Wohl der Schüler zu fördern war ferner der Zweck der häuslichen Beauf⸗ ſichtigung und Ueberwachung der auswärtigen Schüler, welcher ſich, mit dem Director und Re⸗ ligionslehrer, die Ordinarien unterzogen, ſo unvollkommen ſie auch bei der Größe der Stadt und der ſonſtigen Fülle der Geſchäfte des Lehrerperſonals bleiben mußte. 3. Die Trennung aller Klaſſen in Doppelklaſſen, die in den untern vier ſich coordinirt, in den obern beiden ſich ſubordinirt ſind, iſt in dieſem Schuljahr zum erſten Male vollſtändig durchgeführt worden. Vereint blieben die Parallelkurſe der untern vier Klaſſen nur in der Religion, im Schreiben und Geſange. Die Vortheile dieſer Trennung für die beſſere Durcharbeitung muß⸗ ten ſich ſofort fühlbar machen und werden ſich von Jahr zu Jahr in immer ſchöneren Früchten zeigen. Für den möglichſt parallelen Gang der ſich coordinirten Klaſſen iſt Sorge getragen wor⸗ 5* —— 36— den und haben ſich die Ordinarien dieſer parallelen Curſe faſt alle bemüht, durch recht vielfache Beſprechungen mit ihren Collegen im Neben⸗Curſus für die Erhaltung eines gleichförmigen Schrit⸗ tes zu wirken. Als Mittel diente auch die Anfertigung gleicher Certamen⸗Extemporalien in den parallelen Cötus, wonach die Schüler beider geordnet wurden, um auch den Wetteifer zu entzün⸗ den. Für die vier untern Klaſſen iſt 40 ungefähr die Normalzahl einer Abtheilung geweſen. In Unter⸗Secunda fließen die getrennten Abtheilungen wieder zuſammen, um nun ungetrennt bis ans Ende der Gymnaſialbahn zu bleiben. Hier muß alſo, was ſich etwa noch von Ungleichartigkeit der Vorbildung findet, ausgeglichen werden. Obwohl übrigens viele Schüler aus Tertia ins prak⸗ tiſche Leben überzugehen pflegen, ſo bleiben doch immer noch genug, um die Secunda ſehr anzu⸗ ſchwellen, die in der That dieſes Jahr in ihren beiden ſubordinirten Cötus an 120 Schüler ge⸗ zählt hat. Auch in der Prima muß natürlich dieſes Verhältniß noch fortdauern, und die nothwendige Folge muß der Abgang einer großen Zahl von Abiturienten zur Univerſität ſein, da ſich in Prima die Zöglinge des, nach unten geſpaltenen Doppelgymnaſiums zuſammen finden und zum Abgang vereinen.(Vergl. unten die Chronik).(1 jarE nanl 3rſtun zi2f eoenet. Den unterricht dieſer zwölf Klaſſen haben zwölf ordentliche Lehrer, zwei außerordentliche, drei wiſſenſchaftliche, drei techniſche Hifslehrer beforgt und ein Candidat aus dem pädagogiſchen Seminar, bis Oſtern Dr. Steiner, nach Oſtern Eichner, hat dabei noch helfend mitgewirkt. Un⸗ geachtet dieſer Lehrermenge hat die Stundenzahl einer ordentlichen Lehrſtelle 19— 23 Stunden be⸗ tragen und auch der Director hat deren 17 gegeben und das Ordinariat von beiden Abtheilungen der Prima verwaltet. Erkrankungen von Lehrern haben theils Combinationen der Abtheilungen, theils Vertretungsſtunden nothwendig gemacht. Es erkrankten auf längere Zeit, ſchnell vorüberge⸗ hender Fälle nicht zu gedenken, der Religionslehrer Stenzel, Hilfslehrer Dr. Teuber und wieder⸗ holt der Hilfslehrer Hägele, der auch einige Wochen vor dem Schluſſe des Schuljahrs ins Bad nach Reinerz gehen mußte. n5s 2 13 4. In der Methodik iſt neues nicht eingeführt worden. Die Ruthardſche Methode im Latein iſt, wie es im vorjährigen Programme ſchon verſprochen worden, zuſammenhängend von Quinta bis Ober⸗Secunda betrieben worden. Leider läßt die neue Auflage ſeiner Loci ſchon ſo lange vergeblich auf ſich warten. Daß die Lehrer der Sexta mit einem, von demſelben Gelehrten entworfenen lateiniſchen Vocabularium glückliche Verſuche gemacht haben, iſt bereits oben an ſeiner Stelle erwaͤhnt worden. Jrg an. ₰ II. Verordnungen und Zuſchriften der Behörden von allgemeinerem Intereſſe bis zum 1. Auguſt 1845. 1. Vom 19. Auguſt 1844. Das Hohe Miniſterium verfügt, daß der ſchon einmal ohne glücklichen Erfolg geprüfte, interimiſtiſch immatriculirte Student R. als ſolcher nicht noch ein⸗ mal zur Maturitätsprüfung zugelaſſen werden könne; er ſolle auf ein Gymnaſium zurück⸗ kehren. 1 1. 37 2. Vom 4. October. Es wird durch Cireular⸗Verſügung den Kaſſen⸗Verwaltungen aller Gymnaſien größere Strenge in Erhebung des Schulgeldes zur Pflicht gemacht, da der Haupt⸗ ⸗Gymnaſial⸗Fonds nach der Iinſen⸗ Herabſetung tnichte ifün alle die vermehrten Anſprüche aufkommen könne. 3. Vom 9. November. Die Beſtallung der Lehrer Sreöhan, Idzikoweki und Ditt⸗ rich, denen die drei neu geſchaffenen Lehrerſtellen übertragen worden, geht ein, und der Director bekömmt den Auftrag, ſie einzuführen und zu vereiden. 4. Von demſelben Tage. Das Hohe Miniſterium, überzeugt von der Erſrießliket hodegetiſcher Vorträge für die Ableun eiden, wünſch Nachrihie ob und wie dieſelben bisher am hie ſigen Gymnaſium ertheilt worden. 5. Vom 14. Reui ber Der Director wird, um das Gelangen unfähiger Schüler in die obern Klaſſen zu verhüten, angewieſen, den Unterricht in den untern und mittlern Klaſſen ſorgfältig zu überwachen und beſonders bei der Verſetzung aus Tertia nach Secunda und von Secunda nach Prima mit unnachſichtlicher Strenge zu verfahren. Abiturien⸗ ten, deren Arbeiten ungenügend esgefalen⸗ möchten zum Rücktritte vor der Peüfang veran⸗ laßt werden. 2 nr 6. Vom 15. November. Des Herm Miniſters Ercellenz ordnet an, an den katholi⸗ ſchen Biſchof und an das evangeliſche Conſiſtorium jeder Provinz ein Exemplar des Programmes zu überreichen. 7. Vom 31. Januar 1845. Das Koönigl. Provincial⸗Schul⸗Collegium theilt mit, daß der hieſige Magiſtrat für einen Turnplatz geſorgt habe, der mit den nöthigen Geräthen, einem Wächterhäuschen und einer Halle verſehen werden ſolle; daß Herr Rödelius als Lehrer angenommen und der Magiſtrat bereit ſei, mit den nicht⸗ ſtädtiſchen Gymnaſien wegen deren Betheiligung eine Vereinbarung zu treffen. Der Director wird zum diesfälligen Gutachten aufgefordert. Vergl. Nr. 11. 8. Vom 14. März. Dem Gymnaſium werden die, unter dem 4. Februar von des Königs Majeſtät Allerhöchſt genehmigten Beſtimmungen über die zukünftige Ergänzung der Offiziere des ſtehenden Heeres im Frieden und die militairiſche Ausbildung der Diiiner⸗ Aspitanim, ſo wie über die 8 Organiſation des Cadetten⸗Corps mitgetheilt. Hervorzuheben iſt, daß derjenige, der in Zukunft mit Ausſicht auf— in die ſtehende Armee eintreten will, die Kenntniſſe eines Secundaners und zwar die vollſtändige Reife für Prima erworben haben ſoll. Da nun aber das, was nach§ 4. der Verordnung in Mathematik und den hiſtoriſchen Kenntniſſen gefordert wird, zum Theil erſt in Prima auf den Gymnaſien vorgenommen wird, ſo können ſolche junge Leute in Secunda vom Griechiſchen dispen⸗ ſirt werden, um die dadurch gewonnene Zeit dazu zu benützen, durch Privat⸗Unterricht, welchen die Lehrer des Gymnaſiums im Schullokale, während der griechiſchen Stunden, wenn Raum vor⸗ handen, zu ertheilen befugt ſind, das Fehlende zu ergänzen. 9. Vom 24. April. Es wird genehmigt, daß, vom neuen Schuljahre ab, für die vom Griechiſchen dispenſirten Schüler der Secunda und Prima Unterricht in der engliſchen Sprache durch den Profeſſor Dr. Schmölders ertheilt werde, ohne den Schülern deshalb eine neue Zah⸗ lung aufzulegen..— 38 10. Vom 10. Mai. Das Koönigl. Provincial⸗Schul⸗Collegium fordert, in Folge höherer Genehmigung, den Director auf, ein Verzeichniß der lateiniſchen und griechiſchen Grammati⸗ ken und der derſelben Stelle vertretenden Lehrbücher, die am hieſigen Gymnaſium gebraucht ſind, mit dem Gutachten der betreffenden Lehrer über dieſelben und Vorſchlägen über etwa an deren Stelle zu ſetzende, einzureichen. 11. Vom 23. Mai. Der Magiſtrat wünſcht, im Falle des Zutrittes des katholiſchen Gymnaſiums zu den Uebungen auf dem ſtädtiſchen Turnplatze, daß deſſen Schüler ſich zur Claſſiſi⸗ cirung bei dem Turnlehrer Rödelius melden, an den Vorübungen Theil nehmen und daß ſie an der, auf den 17. Juni angeſetzten Eröffnungsfeier ſich dabei miteinfinden, auch für die Erhebung des Turngeldes von monatlich 2 ½ Sgr. von allen Schülern ausſchließlich der Freiſchüler Vorſorge getroffen werden möge. 5 2 12. Vom 27. Mai. Derſelbe zeigt dem Director ſeine Erwählung zum Mitgliede des Turnraths an. 9122 2 1 er e d Ann nan. 85 138. Vom 26. Juni. Es ſoll für das neuerrichtete Progymnaſium zu Hohenſtein ein Programm mehr eingeſendet weden. grr 1** Außerdem wurden empfohlen unter dem 24. Januar die Jahrbücher des Vereines der Alterthumsfreunde, Bonn bei Marcus; und unter dem 6. April Müllers Lehrbuch der Geometrie ſür Gymnaſien und Realſchulen. Halle 1844. B. Chronik des Gymnaſiums. Am 30. September und 1. October wurden die neu ſich meldenden Schüler vom Director aufge⸗ nommen und inſcribirt, indeß ſich auch alle übrigen Schüler bei ihren reſp. Lehrern meldeten, die nöthigen Anweiſungen und Mittheilungen erhielten, auch ihr Schulgeld abführten. Mittwoch den 2. October wurde das Schuljahr mit Veni sancte spiritus feierlich eröffnet und hierauf die Prüfung der Schüler vorgenommen, welche für höhere Klaſſen als Sexta vorbereitet zu ſein glaubten, auch vom Director an alle verſammelten Schüler ein Vortrag gehalten, in dem er ihnen ihre Pflichten auseinanderſetzte und eine Anleitung zum rechten Studiren gab. Donnerſtag den 3. October begann der Unterricht mit der Lehrerzahl, welche oben bereits in den Bemerkungen zum Lehrplane angegeben worden iſt. Die Schülerzahl wird ſich unten angegeben finden. Der 15. October unterbrach den erſt begonnenen Unterricht durch die freudige Feier des Königlichen Geburtsfeſtes. Nach der kirchlichen Feier verſammelten ſich mit den Lehrern und Schü⸗ kern eine kleine Zahl Freunde der Anſtalt in dem Prüfungsſaale, wo, nach dem Vortrage der Mo⸗ tette von Mühling: Herr! unſer Herrſcher! der Director die Katheder beſtieg und einen Vortrag über die Frage hielt: Welchen Sinn und welches Streben fordert des Königs Wille von der ſtudirenden Jugend. Er beantwortete ſie dahin, daß der König durch Wort und — 39 — Beiſpiel verlange, daß die Jugend ſirebe nach Geſundheit und Kraft des Leibes und der Seele, Sittlichkeit, wahrer Religiöſität, Frömmigkeit und Duldſamkeit, wahrer Liebe zur Kunſt und Wiſſen⸗ ſchaft; daß ſie Achtung des Menſchen als ſolchen in jeddeem Stande, endlich Anhänglichkeit an das deutſche Geſammtvolk und Geſammt⸗Vaterland, ſeine Geſchichte, Denkmale, Sprache, Ehre und Selbſtſtändigkeit zeige. Zu ſolchem Streben forderte der Redner die Jugend auf. Den Schluß machte der Geſang: Segne den König, von Schulz. Nachdem die Beſtallungen für die drei Lehrer, die die neu errichteten Lehrſtellen übernehmen ſollten, angekommen waren, wurde am 24. November die feierliche Vereidung derſelben durch den Director vollzogen. Eine Einführung fand nicht ſtatt, da alle drei ſchon ſeit kürzerer oder längerer Zeit an der Anſtalt arbeiteten. Die drei neuen Lehrer haben über ihre bisherigen Lebensverhältniſſe dem Director Nachſtehendes mitgetheilt: 3 „K. J. Auguſt Stephan wurde geboren den 16. November 1813 in Bärdorf, Kreis Münſterberg, empfing ſeine Gymnaſial⸗Bildung auf dem Königlichen katholiſchen Gymnaſium zu Breslau, ſtudirte von 1830 bis 1834(die beiden letzten Jahre als Mitglied des Königl. philoſo⸗ phiſchen Seminars) auf der univerſität zu Breslau Philologie und erwarb ſich im Mai 1835 die facultas docendi.— Die damals für Pädagogen günſtigeren Ausſichten im Königreiche Polen und eine ihm angebotene Hauslehrerſtelle in der Nähe Warſchau's bewogen ihn im Auguſt 1835, ſich in genanntes Land zu begeben, woſelbſt er im Jahre 1837 und im Auftrage der K. K. ruſſ. Regierung ſein Hauslehrer⸗Amt mit dem eines Gymnaſial⸗Lehrers am K. K. Gymnaſium zu Kielce, im Gouvernement gleichen Namens, vertauſchte. Doch nur 3 Jahre war es ihm vergönnt, daſelbſt zu verbleiben; vermeintlicher politiſcher Umtriebe halber wurde das Gymnaſium im Jahre 1840 geſchloſſen und der oben Genannte an das K.K. Gymnaſium zu Lomza, im Gouvernement Auguſtowo verſetzt. In dieſer Stellung verweilte er abermals 3 Jahre und kehrte, von Sehn⸗ ſucht nach dem ihm in der Ferne mit jedem Jahre theurer gewordenen Vaterlande getrieben, im Auguſt 1843 nach Preußen zurück, um eine Collaboratur am Königlichen katholiſchen Gymnaſium in Leobſchütz zu übernehmen. Von dort wurde er im October 1844 an das Königl. katholiſche Gymnaſtum in Breslau verſetzt und am 24. November deſſelben Jahres als Gymnaſial⸗Lehrer vereidet.“ 3. „Franz Idzikowski iſt den 27. April 1817 in Paruſchowit, einem Hüttenwerke bei Rybnik in Oberſchleſien geboren. Er empfing ſeine erſte Schulbildung in der Rybniker Stadtſchule, dann in der Hüttenſchule zu Paruſchowitz. Mit 11 Jahren in die Quarta des Gleiwitzer Gymna⸗ ſiums aufgenommen, beſuchte er dieſe Anſtalt bis zum Jahre 1834 und verließ ſie mit dem Zeug⸗ niß Nro. 1. Nachdem er hierauf das Quadriennium auf der Breslauer Univerſität vollendet hatte, wurde er im Herbſt 1838 Hauslehrer bei dem Grafen Schaffgotſch auf Maiwaldau und blieb in dieſer Stellung bis zum 1. Juli 1842. Nach Breslau zurück gekehrt machte er das Examen pro facultate docendi den 10. Februar 1843 und wurde ſofort in das Königl. pädagogiſche Seminar für gelehrte Schulen aufgenommen. Als Mitglied deſſelben war er ſowohl am Matthias⸗Gymnaſium, als auch am Magdaleneum und dem Friedrichs⸗Gymnaſium bis zu ſeiner Anſtellung als ordent⸗ licher Lehrer beſchäftigt.“ 40 „Hugo Oscar Waldemar Dittrich iſt geboren am 15. December 1815 in Schweid⸗ nitz, welche Stadt ſein Vater, der Juſtitiarius Dittrich, bereits 1818 verließ, um ſich ein bei Frei⸗ burg gelegenes Dorf zum Wohnſitz zu erwählen. Durch Hauslehrer wurden hier dem Knaben ſo viele Vorkenntniſſe beigebracht, daß er 1825 das Gymnaſium, an dem er jetzt als Lehrer wirkt, zu beſuchen für vorbereitet erklärt wurde. An dieſer Anſtalt konnte er jedoch nur bis 1830 ver⸗ weilen und mußte, weil ſich die Vermögensumſtände der Eltern geändert, im nahen Schweidnitz ſeine Vorſtudien vollenden. Zu Michaelis 1834 verließ er mit dem Zeugniß der Reife dieſe Anſtalt und widmete ſich auf der Breslauer Univerſität durch vier Jahre den mathematiſchen und phyſika⸗ liſchen Wiſſenſchaften, zu denen er ſich ſchon als Gymnaſiaſt hingezogen gefühlt hatte. Im Juli 1843 beſtand er das Examen pro facultate docendi und hatte das Glück, ſoſort an der Anſtalt wirken zu dürfen, der er ſeine erſte Ausbildung verdankt. 4 Vor den Weihnachtsferien wurde die erſte Cenſur aller Klaſſen gehalten und ihr Reſultat den Schülern zur Aushändigung an ihre Eltern und deren Vertreter ſchriftlich übergeben. Die Weihnachtsferien dauerten vom 22.— 29. December, beide Tage eingeſchloſſen. dA Zu der Oſterprüfung hatten ſich 22 unſerer Schüler und 5 Extranei gemeldet. Nachdem die ſchriftlichen Arbeiten angefertigt und corrigirt waren, wurde am 11. und 15. März, unter dem Vorſitze des Herrn Regierungsraths Dr. Vogel als des nunmehrigen beſtändigen Königl. Commiſſarius, die mündliche Prüfung abgehalten. Auf den Rath des Directors waren übrigens 5 Schüler von der Prüfung abgetreten, ſo daß außer den Fremden nur noch 17 zu prüfen blieben. Davon wurden 14, und aus der Zahl der Extranei 4 für reif erklärt. Die Schüler waren nachſtehende: Anton Aſſmann aus Breslau, 11 ½ Jahre auf dem Gymnaſium; Conſtantin von Bardzki aus Fran⸗ kenſtein, 8 ⅜ Jahre auf dem Gymnaſium; Herrmann Baumann aus Breslau, 8 Jahre auf dem Gymnaſium; Anton Baumert aus Grüſſau, 10 ½ Jahre auf dem Gymnaſium; Guſtav Biſchek aus Langenbielau, 3 ½ Jahre auf dem Gymnaſium zu Glaz, 6 auf dem hieſigen; Guſtav Breuer aus Landeshut, 6 Jahre auf dem Gymnaſium in Schweidnitz, 5 ½ hier; Theophilus Gorke aus Kniſchwitz, Ohlauer Kreiſes, 8 ½ Jahre auf dem Gymnaſium; Joſeph Merkel aus Klein⸗Tinz, Nimptſcher Kreiſes, 10 ½ Jahre auf dem Gymnaſium; Guſtav Neudeck aus Klein⸗Nädlitz, Breslauer Kreiſes, 8 ½ Jahre auf dem Gymnaſium; Auguſt Roſemann aus Lomnitz, Waldenburger Kreiſes, 4½ Jahre auf dem Gymnaſium in Schweidnitz, 3 auf dem hieſigen; Joſeph Schöbel aus Raſchen, Trebnitzer Kreiſes, 8 ½ Jahre auf dem Gymnaſium; Auguſt Spiegel aus Reichthal, Nams⸗ lauer Kreiſes, 9 ½ Jahre auf dem Gymnaſium; Daniel Staſch aus Bralin, Wartenberger Krei⸗ ſes, 8 ½ Jahr auf dem Gymnaſium; Carl Winkler aus Breslau, 9 Jahre auf dem Gymnaſium. In der oberſten Klaſſe hatten alle 2 ½ Jahre geſeſſen. Von ihnen wollten v. Bardzki und Spiegel Jurisprudenz, Roſemann Mediein, alle übrigen Theologie auf hieſiger Univerſität ſtudiren; nur Gorke kennte es, wegen ſchwerer und langwieriger Bruſtkrankheit nicht beſtimmen, welcher er auch leider! am 11. Juli erlegen iſt. 29 Am 14. März hatten die Schüler des Gymnaſiums, auf Grund der vorher abgehaltenen Cenſur und der halbjährlichen Prüfungen, ihre Zeugniſſe erhalten und waren damit auf die Oſter⸗ ferien entlaſſen worden, welche vom 15. bis 30. März, beide Tage eingeſchloſſen, dauerten. Eine feierliche Entlaſſung der Abiturienten fand, wie gewöhnlich zu Oſtern, nicht ſtatt. 2.. 41 Mit dem Schluſſe des Winterſemeſters verließ uns, auf Anordnung des Directors des Königl. pädagogiſchen Seminars für gelehrte Schulen, des Königl. Conſiſtorialraths Profeſſor Dr. Middeldorpf der Candidat Dr. Steiner, der dem Gymnaſium ein Jahr, wenigſtens nominell, angehört, in der That aber, wegen ſeiner frühern, anhaltenden Kränklichkeit, nur das zweite Se⸗ meſter gelehrt hatte, und an ſeine Stelle trat ein andres Mitglied dieſes Seminars, Candidat Eichner. Zugleich ging das Probejahr der Hilfslehrer Dr. Dr. Baucke und Teuber zu Ende; ſie verblieben aber dem Gymnaſium, das ihrer Hilfe bedarf. Die Lage der kirchlichen Feſte, von denen viele dieſes Jahr in den Mai trafen, in welchen auch vom 11. bis 18. die Pfingſtferien fielen, machten es unmöglich, den gewöhnlichen Frühlingsſpazier⸗ gang in hergebrachter, feierlicher Weiſe zu halten. Ein improviſirter Nachmittags⸗Spaziergang am Sonnabend den 24. mußte dafür als ein, freilich unzulänglicher Erſatz gelten. In Hinſicht auf Geſundheitspflege konnte er um ſo leichter entbehrt werden, als inzwiſchen die Vorübungen für die feier⸗ liche Eröffnung des Turnplatzes ihren Anfang nahmen. Dieſe Eröffnung ſelbſt erfolgte am 17. Juni in ſehr würdiger, anſprechender Weiſe. Geführt von dem Turnrathe bewegte ſich, unter dem Schall der Muſik zweier Chöre, der lange Zug von 16— 1700 Turnern, in welchem unſere Gymnaſiaſten die 81.— 114. Riege bildend, den Schluß machten, unter dem Geleit von Tauſenden auf den feſtlich geſchmückten Turnplatz, deſſen Umfriedigungen Abtheilungen der Bürgergarde ſchützten. Die Feſtrede, gehalten von dem Mitgliede des Turnraths, Director Dr. Schönborn, ſetzte den Werth und die Bedeutung des Turnens auseinander, ſprach die freudigſten Hoffnungen auf ſegens⸗ reiche Erfolge aus und endigte mit einem Hoch! auf Sr. Majeſtät den König, den Wiederherſteller der Turnübungen. Geſänge der Turner, von den Muſikchören begleitet, gingen der Rede vorher und folgten ihr. Ein Schauturnen bildete den zweiten Theil der Feſtlichkeit, nach welcher die Turnerſchaar in umgekehrter Reihenfolge bis zum Sammelplatze zurückzog. In der Mitte des Juni fand auch die dritte Cenſur aller Schüler ſtatt, deren Reſultat in die Cenſurbücher eingetragen, ihnen mitgetheilt ward. Am 16. Juli hatte das Gymnaſium das Glück, an einer freudenvollen und erhebenden Feierlichkeit mitwirkend Antheil zu nehmen, welcher die katholiſche Bevölkerung der Provinz ſchon lange mit froher Erwartung entgegen geſehen und wofür ſie mit geſchäftiger Luſt Vorbereitungen getroffen hatte. An dieſem Tage hielt Sr. Fürſtbiſchöflichen Gnaden, der erwählte und bereits conſecrirte Fürſtbiſchof von Breslau, Herr Freiherr Melchior von Diepenbrock, ſeinen feierlichen Einzug in unſere Stadt. Der Director befand ſich unter der Zahl der Männer, welche den Herrn Fürſt⸗ Biſchof beim Eintritt in das Weichbild der Stadt empfingen und ihn dann zu Wagen bis an die Stelle begleiteten, wo ihn, an der Spitze des aufgeſtellten Spaliers, die hochwürdige Curatgeiſtlichkeit durch den Mund des Erzprieſters bewillkommete. Von hier war er dem feierlichen Zuge, der den Eingeholten geleitete, vorangeeilt, um ſich mit den Lehrern des Gymnaſiums wieder zu vereinen, die an der Spitze des Theils jenes Spaliers aufgeſtellt waren, der, aus den Gymnaſiaſten mit ihrem Stabträger an der Spitze jeder Klaſſe beſtehend, ſich nach der Stadt zu an die Seminariſten des katholiſchen Schullehrer⸗Seminars, nach der Kathedrale zu an die katholiſchen Studenten der Univerſität anſchloß. Der Eindruck wird ſich den jugendlichen Gemüthern unvertilgbar eingeprägt haben und als Männer werden ſie freudig des Tages gedenken, an den ſich gewiß eine lange Reihe ſegensvoller Folgen knüpfen wird. 6 4² Die Abiturientenprüfung für den Michaelis⸗Termin, zu welcher ſich 43 Schüler des Gym⸗ naſiums und 6 Fremde gemeldet hatten, mußte in dieſem Jahre wegen der bevorſtehenden ander⸗ weitigen Reiſen des Königl. Commiſſarius, Regierungsraths Dr. Vogel, zeitig gehalten werden und wurde auf die Tage des 19., 23., 24. und 26. Juli feſtgeſetzt. Einer der Schüler trat von der Prüfung zurück; von den übrigen 42 wurden 33 für reif erklärt, von den 6 Fremden zwei. Die Schüler waren felgende: Jahr auf dem Gymnaſium; 1) Franz Bayer aus Klein⸗Strenz, Wohlauer Kreiſes, war 7 2) Franz Bergel aus Frankenſtein. 92— 3—„„ 3) Anton Berger aus Baitzen, Frankenſteiner Kr.— 6—„„ 4) Ernſt von Euen aus Frauſtadt....—. 6¹)—„„ 5) Anton Frenzel aus Koſtenthal, Kosler Kr..— 9—„„ 6) Alexander v. Fürſtenmühl, aus Ob.⸗Glogau, Neuſtädter Kr.— 5— 9„ 7) Wilhelm Göbel aus Grafenort, Habelſchwerdter Kr.— 8—„„ 8) Robert Grieger aus Breslau. n.. 4— 8—„„ 9) Heinrich Großpietſch aus Striegau..— 99—„ 4 10) Hugo Haucke aus Breslau....— 8—„„ 11) Paul Hoffmann aus Breslau...— 8—„„ 12) Franz Knoblich aus Krummöls, Löwenberger Kr.— 8—„„ 13) Eduard Lange aus Bunzlau. Hn0.— 8—„ 1„ 14) Carl von Lariſch aus Guhrwitz, Breslauer Kr..— 7—„ 4, 15) Franz Laugwitz aus Broſewitz, Ohlauer Kr.— 8—,„ 16) Hirſch Lövy aus Jeſſowa, Lublinitzer Kr...— 6 ½²)—„„ 17) Joſeph Martin aus Breslau.— 10—„„ 18) Graf Benno Matuſchka aus Arnsdorf, Hirſchberger Kr.— 6— 3, 19) Julius Müller aus Kauffung, Schönauer Kr..— 10 ½—„„ 20) Nathan Pappenheim aus Kempen, Schildberger Kr.— 4 ½)—„„ 21) Auguſt Peukert aus Breslau...— 9—„„ 22) Robert Przibylla aus Strehlitz, Namslauer Kr.— 7 ⅓—„„ 23) Adolphy Roſenberger aus Breslau..— 10—„„ 24) Reinhold Schedler aus Breslau....— 7—. 5 25) Rudolph Schedler aus Breslau..— 71—„„ 26) Julius von Schlebrügge aus Hamm in Weſtphalen— 9.„ 27) Jeſeph Schmidt aus Strehlen....— 8— 1 3 28) Franz Schwarz aus Alexanderhof bei Berlin.— 8)—„„ 29) Theodor Stelzer aus Krummöls, Löwenberger Kr.— 8—„„ 30) Wilhelm Stern aus Breslau....— 7—„„ 1) Früher 2 Jahr 2 Monate am Magdaleneum, 3 Jahre 10 Monate am hieſigen Gymnaſium. 2) Früher 4 ½ Jahre in Gleiwitz, 2 hier. 9 3) Früher 1 ½ Jahre in Oppeln, 1 in Berlin, 2 hier. 4) Früher 4 Jahre in Torgau, 4 hier. 43 31) Franz Werner aus Frankenſtein..... war 111) Jahr auf dem Gymnaſium; 32) Carl Winkler aus Leupuſch, Grottkauer Kr..— 11¹)—„„ 33) Auguſt Wurſt aus Breslau 4..— 3— 2„ Von ihnen war Großpietſch, Martin, Schmidt drei Jahre, die übrigen alle zwei Jahre in der oberſten Klaſſe. Sie wollen alle die Univerſität Breslau beziehen, von Euen, von Fürſtenmühl, Haucke, Hoffmann, Graf Matuſchka, Rudolph Schedler, von Schlebrügge um Jurisprudenz, zum Theil in Verbindung mit Cameralien; Großpietſch, Pappenheim, Reinhold Schedler um Medicin, Schwarz um Philoſophie, Lövy um Phllologie, die Übrigen 20 um Theologie zu ſtudiren; nur von Lariſch will ſich dem Hüttenfache widmen. Die letzte Cenſur, über welche halbjährliche ſpecielle Zeugniſſe ausgeſtellt werden, wurde, nach Beendigung der Prüfungen in allen Fächern, in der Zeit unmittelbar vor Beginn des öffent⸗ lichen Examens abgehalten und damit die Entſcheidung über die, demnächſt zu promulgirende Ver⸗ ſetzung verbunden. C. Statiſtik des Gymnaſiums. I Frequenz der Anstalt bis zum 10. Juni 1815. Faut vorjährigem Programme S. 52 betrug die Schülerzahl am 10. Juni 1844 2 Sexta Quinta Quarta Tertia Secunda Prima Summa 76 110 85 69 106 79 525 Hierzu traten bis Ende des Schuljahres...——— 1 2— 3 Summa 76 110 85 70 108 79 528 Es gingen dagegen ab bis zu Ende des Schuljahrs 18 ¾2 9 9 5 11 11 22 67 mithin blieben bis zum Beginn des neuen Schuljahres 677 101 80 59 97 57 461 Von dieſen wurden in höhere Klaſſen verſetzt 53 85 64 47 28— 277 und es blieben zurüch..... 14 16 16 12 69 57 184 Rechnet man nun die Schüler in die Klaſſen, wohin ſie geſtiegen......— 53 85 64 47 28 277 ſo giebt dieß.... 14 69 101 76 116 85 461 Dazu kamen neue am Anfange des Schuljahres 64 18 14 7 7 1 111 Folglich waren zu Anfange des Schuljahres. 78 87 115 83 123 86 572 1) Frſther 8 Jahre am Gymnaſium in Neiſſe, dann 3 hier. 6 — 44 Sexta Quinta Quarta Tertia Secunda Prima Summa 78 87 115 33 123 86 572 Davon gingen ab bis 10. Juni..... 6 14 9 6 12 24 71 Es blieben allo......... 72 73 106 77 111 62 501 Dazu kamen neue bis zum 10. Juni... 14 3 11 4 6 5 43 Es waren alſo an dieſem Tage vorhanden. 86 76 117 81 117 67 544 nehmlich in Sextab. Sextaa. Quintab. Quintaa. Quartab. Quartaa Tert. b. Tert. a. Sec.b. Sec. a. Primab. Primaa. Summa 40 46 35 41 56 61 42 39 355 61 23 44 544 Eine Vergleichung der Frequenz am 10. Juni 1844 von 525 Schülern mit der an dem⸗ ſelben Tage dieſes Jahres von 544 Schülern weiſet wieder eine Vermehrung um 19 Schülern nach, da 138 Schüler abgegangen, dagegen 157 Schüler neu aufgenommen worden ſind. Von jenen 138 Schülern waren als Abiturienten zu Michaelis 1844 zur Unioerſität abgegangen 20, nach S. 52 des vorjährigen Programms, und dieſes Jahr zu Oſtern, nach der oben in der Chronik enthaltenen Angabe 14. Außer ihnen gingen alſo noch 104 Schüler ab, und zwar um zu priva⸗ tiſiren Julius von Kujawa und Joſeph Brill aus Prima; Gotthard Cogho, Julius Lachmann und Joſeph von Zaluskowski aus Quinta; auf andre Schulen Conſtantin Talaczynski aus Prima; Ju⸗ lius Czerwenka, Ludwig Gregorowicz, Anton von Koraczewski aus Secunda; Auguſt Bernard, Emil Renner, Theodor Timm aus Quinta; Boleslaus von Bontani, Siegismund von Bontani, Balduin Milde aus Sexta; Herrmann von Förſter aus Sexta ins Cadettenkorps. Zur Oeconomie begaben ſich Adolph Müller aus Prima; Friedrich Gräber, Wladislaus Nowacki, Ferdinand Wahl aus Secunda; Auguſt Grätz, Neſtor Tepfer aus Tertia. Zur Handlung begaben ſich Conſtantin Sander aus Prima; Moritz Peiſer, Conſtantin Preis, Paul Treutler aus Secunda; Julius Kemp⸗ ner, Eduard Knaus, Siegismund Zadig aus Tertia; Friedrich Eckert aus Quarta; Carl Geiſter, Ferdinand Rügner aus Quinta. Zum Forſtfache gingen Otto Wiedemann aus Secunda, Joſeph Schätzke aus Quarta. Zum Subalterndienſte traten über Carl Schmidt, Herrmann Schmidt aus Prima; Herrmann Schönig, Emanuel Schubert, Carl Weiß aus Secunda. Zum Schulfache ging Heinrich Gaſe aus Quinta; zum Baufache Conrad Manger und Herrmann Sander aus Tertia, Carl Kluge aus Quinta; zur Muſik Emanuel Kania aus Secunda, Carl Lochwitz aus Sexta; zum Gewerbe Berthold Theuer aus Tertia, Joſeph Fiedel und Louis Kotzerke aus Sexta. In ihre Heimath mußten als Ausländer zurück Franz Schittler und Adolph Wollberg aus Tertia. Wegen Krankheit mußten die Schule verlaſſen Otto Herrmann aus Prima; Herrmann von Aigner, Paul Niedenführ(leider auch ſeitdem ſchon geſtorben!) und Bernhard Roſenberger aus Secunda; Hugo Bodſtein aus Quinta; Carl Heymann aus Sexta; wegen des Todes des Vaters Allwin Treutler aus Quarta und wegen Abgang deſſelben von Breslau Heinrich Cyrkas aus Quinta. Ohne ihre Beſtimmung angeben zu können gingen ab Auguſt Siebner aus Secunda; Theodor Benda, Herrmann Egers, Carl Jäger, Eduard Lasker, Heinrich Roſt aus Tertia; Paul Johnſcher, Auguſt Langer, Julius Salus, Joſeph Zobel aus Quarta; Carl Adam, Herrmann Kloſe, Iſrael Rother, Wilhelm Ulbrich, Oscar Vieweger aus Quinta; Ferdinand Antony, Emil Carl, Eduard Krawei, Alexander Tenſchert und Franz Vogel aus Sexta. Ohne die geſetzliche Abmeldung blieben undankbarer Weiſe weg Friedrich Richter aus Prima; Arthur Fabiankowski aus Secunda; Jonas 45 Fraͤnkel aus Tertia; Stanislaus von Cielecki, Oscar Höcker aus Quarta; Wilhelm Lange, Otto Nickel, Friedrich Pietſch, Rudolph Sänger, Wilhelm Werner aus Quinta; Heimann Brieger aus Serta. Auf Veranlaſſung und Rath oder auch auf Weiſung der Schule gingen ab Alexander Lakotta, Franz Leuthel und Heinrich Wagner aus Prima; Wilhelm Dobermann, Albert Kuſchel, Guſtav Langer aus Secunda; Salomon Piorkowski aus Tertia; Rudolph Baſt, Franz Hering, Guſtav Scharfenberg, Adolph Schön, Adonias Stephan aus Quarta; Reinhold Zeigan aus Quinta, Leopold Köhler aus Sexta. Ein Primaner, Carl Kloſe, iſt ſeit dem 16. April verſchollen und keine Kunde über ſein Schickſal bisher zu ermitteln geweſen. II. Die Sammlungen des Gymnasiums. Die Lehrerbibliothek enthielt am 1. Auguſt 1844 mit Ausſchluß der Schenkung des Herrn Profeſſors Dr. von Boguslawski———— 4103 Werke in 7357 Bänden. Dazu kamen: a) durch Schenkung 26„„ 117m„ b) durch Ankauft 10 b„: 59„ Summa Werke in 7533 Bänden. Die Geſchenke beſtehen, außer den Büchern von Herrn Profeſſor von Beguslawski, welche im vorjährigen Programme bereits in ihrem ganzen Betrage von 221 Werken in 289 Bänden erwähnt worden ſind, wovon wir jedoch nur 88 Werke in 105 Bänden in die Lehrerbibliothek, 10 Werke in 10 Bänden in die Jugendbibliothek aufgenommen haben, da die übrigen Dubletten und dergl. ſind, in dem, unter dem 2. September 1844 von der Königl. Hochlöbl. Regierung, Abeheilung für Kirchen⸗ und Schulweſen erhaltenen, Leitfaden zur nordiſchen Alterthumskunde, und in folgenden von dem Königl. Hochlöbl. Provincial⸗Schulcollegium erhaltenen Werken: F. A. Wolf's Leben von Körte, Plückers analytiſch⸗geometriſche Entwickelungen, beide erhalten den 11. November 1844; Klödens Geſchichte des Markgrafen Waldemar, erhalten den 18. Januar 1845; Codex Pomeraniae diplomaticus, erhalten den 9. Februar; Gerhard's archäologiſche Zeitung, Jahrgang 1844, erhalten den 27. Februar. Ferner ſchenkte Herr Profeſſor Dr. Kutzen den 9— 12. Band der 1001 Nacht im Urtexte; Herr Dr. Anton ſeine Schrift de rineipli⸗ identitatis et contra- dictionis. Unter den angekauften Werken ſind hervor zu heben Kortünrs römiſche Geſchichte; Uhland's deutſche Volkslieder; Ovid. ed. Jahn; Humbold's Cosmos; Cic. Brut. ed. Ellendt; Gräſſe's Literaturgeſchichte; Thiers Geſchichte des Conſulats und des Kaiſerreichs; Mehlhorns igriechiſche Grammatik, u. a. 1 Die Jugendbibliothek zählte am 1. Auguſt 1844 1662 Werke in 3558 Bänden. Dazu kamen: a) durch Geſchenke 11„„ I1„ b) durch Ankauf 38„„ 80„ Summa 1711 Werke in 3649 Bänden. 46 Außer den oben erwähnten 10 Werken und Bänden von Herrn Profeſſor von Boguslawski erhielt dieſe Sammlung die grammatiſch⸗geordnete Stoffſammlung zu lateiniſchen Memorirübungen von dem Verfaſſer, Gymnaſiallehrer Dr. Spiller. unter den angekauften Werken weiſen wir hin auf Schloſſers Weltgeſchichte von Kriegk, Lanz hiſtoriſches Leſebuch, Külb Länder⸗ und Völkerkunde, Böttiger's Wreiigelähicts in Biographien, Bomhard, Vorſchule des akademiſchen Lebens. Beide Sammlungen enthielten alſo zuſammen 5927 Werke in 11182 Bänden. Der phyſikaliſche Apparat wurde vermehrt mit einem Hebelapparat, einem Blaſetiſch mit doppelten Blaſebalg nebſt Windlade und neun Orgelpfeifen und mit einer Bunſenſchen Kohlen⸗ Batterie. Aus den betreffenden Etatstiteln wurden ferner die Kartenſammlung, der Vorrath an Vor⸗ zeichnungen und Geſängen vermehrt. Den bedeutendſten Zuwachs aber erhielt der naturhiſtoriſche Apparat, zu deſſen Aufſtellung ein zweiter großer Glasſchrank nöthig und bewilligt wurde. Die Schüler ſteuerten zu Anſchaffungen, da das Etatsquantum für die Naturgeſchichte äußerſt gering iſt, freiwillig 37 Rthlr. 9 Sgr. 9 Pfg. bei. Hierdurch wurde es möglich, nachſtehende Anſchaf⸗ fungen zu machen: 1 1. Säugethiere: Arctomys citellus, Lepus timidus, Mus decumanus, Mustela erminea, Canis vulpes, Erinaceus europaeus, Myrmecophaga torquata, Ornithorynchus fuscus(die beiden letzteren wurden ausgeſtopft), und Vespertilio serotinus, Cervus capreo- las, zuſammen 10 Stück. 2. Vögel: Sturnus vulgaris, Oriolus galbula m., 2 Coryus caryocatactes, Columba oenas, Strix aluca, Perdix cinerea m. et f., Picus viridis, Cuculus canorus, Charadrius auratus, Alcedo ispida, Fringilla coecythentstes, linaria et carduelis, Regulus flavica- pillus, Sterna hirundo, Erer pratensis, Turdus merula, Falco Umnunculus, pygargus und palumbarius, Perdix coturnix, Psittacus amazonicus und erithacus, Loxia pithyo- psittacus, Gallus Bankiva, Strix Otus, Pieus major, Eringilla oryzivora, Fringilla chloris, Scolopax gallinago, Anser cinereus, zuſammen 35. 3. Amphibien wurden 2 Stück Schildkröten in Spiritus gekauft. Von wirbelloſen Thieren wurde in dieſem Jahre, außer einer Koralle nichts angeſchafft. Es erhielt das Kabinet eine Anzahl Käfer geſchenkt. Von Mineralien wurden eine Anzahl meiſt ſchwediſcher Exemplare gekauft. Endlich wurden für den Unterricht ein Löthrohr und Reaggentien angeſchafft, und durch Geſchenk der hohen Behörde erhielt die Sammlung ein Modell des menſchlichen Ohres. Werth⸗ vollere Geſchenke unter den Schülern machten: Graf Frankenberg, Fendler, Graf Saurma, von Mionczynski, Müller, Seitz, Bauke, Redlich, Ebel. III. Unterstützung armer Schüler. Außer den Stipendien, welche das Hochwürdige Domkapitel aus den von ihm verwalteten Stiftungs⸗Fonds und außer den Spenden, die das Königl. Hochlöbl. Provincial⸗Schul⸗Collegium aus 47— der von Garnierſchen Stiftung und dem Fonds zur Unterſtützung armer Studirender an Gymna⸗ ſiaſten vertheilt hat, ſind vom Director, unter Berathung mit dem Lehrer⸗Collegium, wieder 18 Schüler zum Empfang des Caspar von Obergſchen, ſogenannten Schulſtixendiums ausgewählt worden, wie das Jungnitz'ſche Stipendium von ihm und dem Religionslehrer ſtiftungsmäßig an zwei arme Schüler vergeben worden iſt. Der Wohlthätigkeitsſinn zahlreicher Jugendfreunde hat ſich überdieß in der Stille aus eignen Mitteln, ſei es durch Geldſpenden, ſei es durch Naturaltiſche, gegen viele unſerer armen Schüler auch in dieſem abgelaufenen Schuljahre ſegensreich bewährt und ſo manchem begabten aber armen Knaben und Jünglinge es möglich gemacht, auf der Bahn zu höherer Aus⸗ bildung fort zuſchreiten. Inniger Dank ſei den edlen Wohlthätern dafür dargebracht! 2. Gymnaſial Kranken„Kaſſe. Wir fahren fort, öͤffentlich über Einnahme und Ausgabe derſelben Rechenſchaft abzulegen, ungeachtet die Rechnungen derſelben, nach den geſetzlichen Vorſchriften von der Kaſſenverwaltung geführt, von der vorgeſetzten Behörde revidirt und dechargirt werden. Wie der Fonds der Kran⸗ kenkaſſe theils aus freiwilligen Beiträgen der Schüler, theils aus Geſchenken von Wohlthätern er⸗ wachſen iſt, ſo ſoll den Gründern deſſelben der Kaſſenzuſtand auch immer vorliegen. Die Einnahme an Beſtand, Beiträgen der Schüler, Zinſen und Geſchenken betrug im abgelaufenen Schuljahre.. 279 Rthlr. 3 Sgr. 10 Pfg. Die Ausgabe an Honorar für— die Aerzte, für Medicin, Kran⸗ kenpflege, Unterſtützung zu Bade⸗ kuren und zur Vermehrung des Kapitalſtocks..... 276„ 27„ 11„ Mithin baarer Beſiand 2 Rthl. 5 Sgr. 11 Pfg. Die Activa der Kaſſe betrugen 1775 Rthlr. 3. Convictorium. Als Fundatiſten mit freier Verpflegung befanden ſich in der Anſtalt 31 Schüler, als Pen⸗ ſionaire gehörten ihr 29 an. Die Vorſteher des Inſtituts waren dieſelben wie früher, nehmlich Regens war der Religions⸗ und Oberlehrer Stenzel, Proregens der Oberlehrer Kabath. Die beſondern Sammlungen dieſer Anſtalt an Büchern und Muſikalien erhielten auch in dieſem Jahre zweckmäßige Dermehrung. Statiſtiſche Ueberſicht des Königl. Gymnaſiums für das Schuljahr 18 ¾3. II. Augemeiner Lehrplan. III. Anzahl, Abgang und Zutritt I. Lehrer 3 Lehrplan der Schüler. und Wöchentliche Stunden in 5 I Avbiturienten 8 4,„ 4 8) 8.8 8—. Zahl ihrer wöchentlichen Fächer— 23u 15 ⸗ 2 25 Prden entlrſſen. Stunden LaI.b. II. a. 11. b. 1II. a. IIIbIVaIVLIVaVbVIa VIB5 55'5 E2S M 4.9. 1845. 5== reif un⸗ reiff un⸗ 2 55' A reif reiff reif . 2) Sprachen. d.. Director Dr. Wiſſowa 17 St. Oeutſch..... 2 2 2 2 3 3 V 3 3 3 3 3 3 321.*. 57117 4 41 20 11 14 3 Erſter Oberlehrer Religionsl. u. für die Parallelkl1—— 2 2] 21 2—-=Ö 21I. b. 29 7 1] 23 Stendef 20 St. ſeateie.. 86 8 0. 8. 5-ſ 2ſ8= F 3 8 6 5 93711-1. 33 5 G 36 Zweiter Oberl. Rotter 19 St. Beiechiſc,.. 5 5 6 4 5 5 55= na. 25 3 1 54 V ; Franzöſiſch 2* 2 3 3 3 ,—-—— 20 4 4 5 Drin Slerleheer Dr. Zaſtra u. für die Parallelkl.——— 1.14⁴ 3 3 2 1——— 3 1 43 3 3 4* Oberlehrer Kabath 19 St, Hebräiſch... 272, 2 2= 1-———-———— 61V. b. 58 7 5 56 Anmrk. Die für un⸗ Gymnaſ. L. Janske 21 St. 8 12. V.a. 441 6 3] 4t freif Erklärten blie⸗ Lan b) Wiſſenſchaften. 5. V.b. 43 8— 35 ſben beide Male auf Gymnaſ. L. Winkler 19 St.Religion.. 2 21 22 2 2 2p 21 21 21 21 21 2 16 vI.a. 40, 5 5 40 dem Gymnaſium. Gymnaſ L. Dr. Pohl 21 St. Mathematik.... 4 1 4 4 723 3=F== le. 1. 46 Mathemat. Dr. SondhaußſRechtnen.— S—=——-— 3[3 4 4 14 522ſiſuſs 2 22 St. Geſchichte und Geo- mnaſ. L. 3 graphie 3 3 3 3 3 3 3 3 44 4 4 140 Gymmaſee Stepßan 25 St u. fur d. Nichtzeichner--——-—- 22---—— 2 Prof. Dr. Schmölders 13 St. phvft 21211 1 S vſik.[2 2——————— 6 Snrecehe Senu 12 St Naturgeſchichte——— 1 2 1 2 2 V 2 21 2 2 2 17 ilfslehrer Dr. Baucke 20 St. ſphiloſ. Propädeutik. 11 41—— 1-—----SI-l=!l 2² Hilfslehrer Dr. Teuber 17 St. 3 3 Hilfslehrer Hägele 15 St.c) Techniſche Fertig⸗. wovon die Halfte ver. keiten u. Künſte.—. treten durch Zeichnen. 2 121 2 1 2 2 2 2 2 2 14 .. 2.——— 2 Candidat Eichner 8 St. Schreiben— 1—-— 1=-——-—[3131 3 3 6 gei S 7..————.... Snen. hr ahe S Singen————— 1— 117 21 2 3) In dieſen 6 Stunden iſt die allgemeine h e.—————(Siingſtunde und eine beſondere für die Singlehrer Bröer 6 St. San der wöchent⸗ 34 34 33 33 37 37 39 39 28[28] 28] 28 352 Discantiſten und Altiſten mit enthalten. . ichen Stunden G 1 Die— bedeutet combinirte Klaſſen, deren Stunden ſo gerechnet ſind, daß die parallelen Stunden wie Griechiſch, und z. B. Deutſch, Zeich⸗ nen und Geographie auch beide gezählt werden. Es hat alſo z. B. kein Schüler in Quarta wirklich 39 Stunden gehabt, ſondern hochſtens 32. Ordnung der Prüfung. Mittwoch den 13. August. Gegenſtand. Lehrer. Klaſſe. Religion und bibliſche Geſchichte Rel.⸗L. Stenzel V. VI. Latein Dr. Baucke u. Dr. Teuber VI. Latein G.⸗L. Stephan u. Idzikowski V. a. b. Rechnen Gymn.⸗L. Janske V. Geſchichte Dr. Baucke u. Dr. Teuber VI. a. b. Geſchichte und Geographie G.⸗L. Stephan u. Idzikowski V. n. b. Naturgeſchichte Gymn. ⸗L. Dittrich V. VI. Hierauf Vorträge der Sertaner: Zeit. 8— 8 8 ½— 9 9— 9 ½ 9½— 9 9 ¾— 10 ½ 10 ¼— 11 11— 11 ½ 2— 21 2 ½— 3 3— 3 3 ½— 4 4— 4 ½ 41½— 4½ Eugen Förſter aus Prausnitz: Die Nothglocke, von A. Kopiſch; Robert Jaſchke aus Breslau: Der Bauer und ſein Sohn, von Gellert; Reinhold Jochmann aus Breslau: Phylax, von Gellert; Hippolyt Kabath aus Breslau: Die Leichenbegleitung, von W. Smets; Auguſt Lonsky aus Frankenſtein: Der Bauer unter der Eiche, von Michaelis; Carl Ronke aus Reiſen: Der reichſte Fürſt, von J. Kerner; Carl Schreiber aus Breslau: Der Glockenguß zu Breslau, von W. Müller. Nachmittags. Religion 4 Rel.⸗L. Stenzel III. IV. Latein G.⸗L. Winkler u. Dr. Pohl IV. a. b. Latein(Caesar) G.⸗L. Janske u. Oberl. Kabath III. a. b. Griechiſch— G.⸗L. Winkler u. Dr. Pohl IV. a. b. Griechiſch(Xen. Anab.) Oberl. Kabath III. b. Franzöſiſch Sprachl. Scholz IV. III. Hierauf Vorträge der Quintaner: Johann Hübner aus Liebenthal: Johannes Kant, von Guſtav Schwab; Emil Kabath aus Breslau: Der Schutzgeiſt, von Sydow; Eduard Kloſe aus Bockau: Johanna Sebus, von Göthe; Otto Hoffmann aus Breslau: Die Widerſprecherin, von Gellert; Moritz Schilling aus Breslau: Die halbe Flaſche, von Simrock; Julius Schuſter aus Breslau: Columbus, von Louiſe Brachmann; Franz Steiff aus Klein⸗Tinz: Der alte Ziethen, von Fr. v. Sallet; Moritz Tannhauſer aus Breslau: Wo hör' ich Gottes Ruf, von Hey. 7 Zeit. 8— 8 8 ½— 9 9— 9 9 ½— 10 10— 10 ¼ 10½— 11 11— 11 ½ 2— 2 ½ 2 ½— 24 2 ¾— 3 3— 3 3 ½— 3 ¾ 3 411 4 ½— 4 ½ 4 ½— 4 ¾ 50 Donnerstag den 14. August. Gegenſtand. Lehrer. Klaſſe. Naturgeſchichte Gymn.⸗L. Dittrich III. IV. Mathematik 8„„ IV. a. b. Mathematik(Gymn. L. Janske u. Dittrich III. a. b. Geſchichte G.⸗L. Winkler u. Dr. Pohl IV. a. b. Geſchichte und Geographie Gymn.⸗L. Stephan III. a. b. Religion Rel.⸗L. Stenzel II. a. b. Hebräiſch R.⸗L. Stenzel u. Prof. Schmölders II. a. b. Hierauf Vorträge der Quartaner: Moritz Friedländer aus Breslau: Neujahrsnacht eines Unglücklichen, von J. Paul; Carl Hanſel aus Peicherwitz: Nadir, von Ludwig Tiek; Julius Jenſchke aus Seitendorf: Conradino, von G. Schwab; Carl Ilgner aus Reichenbach: Don Ramiro, von H. Heine; Julius Meltzer aus Klein⸗Tinz: Georg Hauſer, von Vogel; Johann Pech aus Oſſig: Harras, der kühne Springer, von Th. Körner; Auguſt Schneider aus Breslau: Der Ring des Polykrates, von Schiller; Eduard Schombara aus Breslau: Die Tanne, von Freiligrath; Guido Stache aus Namslau: Nächtliche Heerſchau, von Zedlitz; Carl von Wallhoffen aus Roſenberg: Barbaroſſa's erſtes Erwachen, von Freiligrath. Nachmittags. Mathematik Gymn.⸗L. Dr. Sondhauß II. a. b. Latein(Liv.) Oberl. Rotter II. b. Latein(Cic. pro lege Man.) Oberl. Dr. Zaſtra II. a. Griechiſch(Xen.) G.⸗L. Winkler u. Dr. Pohl II. a. b. Franzöſiſch Sprachl. Scholz II b. Geſchichte Gymn.⸗L. Idzikowski II. a. b. Phyſik Gymn.⸗L. Dr. Sondhauß II. a. Naturgeſchichte Gymn.⸗L. Dittrich II. b. Hierauf Vorträge der Tertianer: Herrmann Bautz aus Breslau: Aus dem erſten Geſang des Oberon, von Wieland; Bernhard Colbert aus Breslau: Das Eleuſiſche Feſt, von Schiller; Otto Franklin aus Berlin: Richard Löwenherz und Blondel, von Langbein; Eugen Roſſi aus Breslau: Der Polenflüchtling, von N. Lenau; Leopold Graf Saurma aus Jeltſch: Wittekind, vom Grafen Platen; Herrmann Wenzel aus Breslau: Die wiedergefundenen Söhne, von Herder. 4 51 Freitag den 15. August. Zeit. Gegenſtand. Lehrer. Klaſſe. 8— 8½ Religion 1 5 L. S„ a. b. 81— 9 Hebräſſch Rel L. Stenzel I. a 9— 9 ½ Griechiſcher Proſ.(Plato u. Plutarch) Oberl. Rotter u. Dr. Zaſtra I. a. b. 9½— 9 ¾ Griechiſcher Dichter(Soph. Ant.) Oberl. Dr. Zaſtra I. a. 9 ¾— 10 ¼ Lat. Proſ.(Cic. de Off. u. Tac. Hist.) Director u. Oberl. Rotter I. a. b. 10 ½— 10 ½ Lat. Dichter(Hlorat.) Prof. Dr. Schmölders I. b. 10 ½— 11 Franzöſiſch Prof. Dr. Schmölders I. a. b. 11— 11 ½ Deutſche Literatur Oberl. Dr. Zaſtra I. a. b. 11½— 11 ¾ Philoſophiſche Propädeutik Director I. a. b. Hierauf Vorträge der Unter⸗Secundaner: Joſeph Fulde aus Zadel: Herzog Leopold von Solothurn, von Collin; Theodor Pantke aus Hennersdorf: Simonides, von Apel. Nachmittags. 2— 3 Mathematik Gymn.⸗L. Dr. Sondhauß 3— 3 Geſchichte Director 4 a. b. 3 ½— 4 Phyſik Gymn.⸗L. Dr. Sondhauß Hierauf Vorträge der Ober⸗Secundaner: Reinhold Schütze aus Trachenberg: Monologue de Marie Stuart, par Jouy; Julius Heimann aus Breslau: Abſchied von Griechenland, von Leopold Schefer; Otto Salice aus Breslau: Die Ideale, von Schiller. Probeſchriften und Probearbeiten werden an den Examen⸗Tagen ausgelegt ſein, ſo wie Donnerstags und Freitags von 3—5 ½ Uhr der Zeichnenſaal zum Beſchauen der gelieferten Zeich⸗ nungen geöffnet ſein wird. Sonnabend den 16. August wird, nach geendigtem Gottesdienſte, die Schlußfeier von 9 ½ Uhr an, in nachſtehender Art ſtatt⸗ finden: 1) Motette von Grell: Barmherzig und gnädig iſt der Herr. 2) Vortrag ſelbſt gearbeiteter Reden der Abiturienten: Reinhold Schedler aus Breslau: Ueber den Charakter Cicero's, lateiniſch; Rudolph Schedler aus Breslau: Ueber die Urſachen der franzöſiſchen Revolution; franzöſiſch; 7*¾ — 52— 3) Chor von E. Bröer: Notam fac mihi viam. 4) Vortrag des Abiturienten Paul Hoffmann aus Breslau: Ueber den Spruch Göthes: Es bildet ein Talent ſich in der Stille, Sich ein Charakter in dem Strom der Welt; derſelbe nimmt zugleich im Namen der Abiturienten von der Schule Abſchied; und des Unter⸗Primaners Carl Scholz aus Groß⸗Schwundnig: Das Leben in der Schule, eine Vorberei⸗ tung zum Leben im Staate; derſelbe ſagt den Abgehenden im Namen der Zurückbleibenden Lebewohl. 5) Schlußchor: Holder Lenz, du biſt dahin; von Mendelsſohn⸗Bartholdy; 6) Entlaſſung der Abiturienten durch den Director, Vertheilung der Prämien und Be⸗ kanntmachung der Verſetzung in allen Klaſſen. Die Anmeldung neuer Schüler für das künftige Schuljahr iſt auf Montag den 29. und Dinſtag den 30. September angeſetzt. Mittwoch den 1. October wird die feierliche Eröffnung des Schuljahrs und die Prüfung derjenigen Schüler ſtattfinden, welche dazu berechtigt oder verpflichtet ſind. Der Unterricht wird Donnerstag den 2. October ſeinen Anfang nehmen. Zu den vorſtehend angekündigten Prüfungen und Feierlichkeiten beehrt ſich, alle Hohen Vorgeſetzten, Gönner und Freunde der Anſtalt und des Schulweſens überhaupt, insbeſondere die geehrten Eltern und Angeyörigen der Zöglinge ergebenſt einzuladen g der Director des Königl. katholiſchen Gymnaſiums Profeſſor Dr. Wiſſowa. * 1