Zu der öffentlichen Prüfung der Schüler DES GYMNASIUMS 2U ELBINC, welche Donnerstag und Freitag den 30. und 31. März Vormittags von 8 Uhr ab in dem Saale der Anstalt gehalten werden wird, ladet ergebenst ein Dr. Adolph Benecke, Professor und Director des Gymnasiums. INHALT: 1. Schulnachrichten von dem Director. 2. Sicilianische Untersuchungen. I. Von dem Gymnasiallehrer Wilhelm Behring. ELBING 1882. G Druck von J. Dreeger’s Buchdruckerei(C. Feicht) in Berlin. 1882. Progr. No. 29.. Schulnachrichten. I. Lehrverfassung. Da der zuletzt mitgetheilte Lehrplan des Gymnasiums seither keine wesentlichen Ande- rungen erfahren hat, so mögen der Raumersparniss wegen hier nur die Schriftsteller genannt werden, welche in den beiden oberen Classen mit zweijährigem Cursus während des Schul- jahres 1881/82 erklärt worden sind. In Secunda wurde gelesen: Livii Histor. Lib. III, Cap. 1— 54. Ciceronis in Catilinam Or. I, II, III, IV. Virgilii Aeneid. Lib. IV, V, VI.— Herodoti Histor. Lib. VIII, Cap. 97— Lib. IX, Cap. 43. Platonis Apologia Socratis. Homeri Odysseae Lib. XIII— XVIII.— Aus Goebel's Sammlung Bd. 3. Michaud, Histoire de la première croisade Chap. VII, VIII.— Aus Washington Irving's Tales of the Alhambra: The author's chamber, The Alhambra by moonlight, Inhabitants of the Alhambra. In Prima wurde gelesen: Ciceronis de Oratore Lib. I, Cap. 33— 62. Taciti Annal. Llb. IV, Cap. 1— 45. Ciceronis pro P. Sulla oratio. Horatii Odarum Lib. I, II, Satirarum Lib. I, 1 und 3. — Homeri Iliad. Lib. VI, VII, VIII, IX. Thucydidis Lib. VII, Cap. 36— 59. Sophoclis Philoc- tetes. Platonis Gorgias, Cap. 69 bis zum Schluss.— Aus Gocbel's Sammlung Bd. 39. Voyage en Orient par Lamartine, p. 151— 185. Athalie par Racine, Actes I, II, III.— Aus Washington Irving's Sketchbook: The Country Church, The Widow and her Son. Shakespeare's Romeo and Juliet mit Auswahl. Themata für die deutschen, lateinischen und mathematischen Aufgaben der Abiturienten. 1. Michaelis 1881. a. Drei Dinge machen den Meister: Können, Wollen, Wissen. b. Brutorum genus et nomen cur Cicero dixerit reipublicae Romanae ad libertatem vel constituendam vel recuperandam deorum beneficio esse datum. c. Einen Kreis zu zeichnen, der die Schenkel eines gleichschenkligen Dreiecks berührt und die Grundlinie in drei gleiche Theile theilt. Einer Kugel vom Radius ꝛ ist ein Cylinder von der Mantelfläche F eingeschrieben. Die Fläche der den Cylindermantel umgebenden Kugelzone zu berechnen. Aus zwei Seiten a und 5 und dem Inhalt F eines Dreiecks die Winkel und die dritte Seite zu berechnen.(a= 195; 5= 169; F= 4056.) 2. 2— 5 h„„, r½—„2+ g= 44. — Iv— 2. Ostern 1882. a. Was verdankte Goethe seinem Aufenthalte in Strassburg? b. De antiquissimis Graecorum expeditionibus communiter susceptis. c. Eine gegebene Strecke 4(c) soll so in drei Theile getheilt werden, dass der mittlere Theil das arithmetische Mittel der beiden äusseren, und die Summe der Quadrate der beiden äusseren gleich(‿²⁵ ist. Die Seitenlinie eines abgestumpften geraden Kegels ist= s, die Summe der Radien der Grundkreise= t, und die Summe der Flächen dieser Kreise ist a mal so gross als die Mantel- fläche. Die Radien der Grundkreise und die Höhe zu berechnen. In einem Dreiecke kennt man den Inhalt F, den Winkel an der Spitze und das Ver- hältniss der Höhe zur Halbirungslinie des Winkels an der Spitze m: n. Die beiden anderen Winkel und die Seiten zu berechnen. „ 115 æ+h— 22 *2+ 2= 322— 4 ar*)ſ= 322— 142— 4. II. Verfügungen. 1. Vom 17. März 1881. In jedem Falle, wo ungetaufte Kinder christlicher Eltern dem Gymnasium zugeführt werden, ist zu berichten und dem ersten Geistlichen der Stadt Mitthei- lung zu machen. 2. Vom 20. März. Den in ihrem ersten Militärpflichtjahre stehenden Schülern dürfen Zeugnisse der wissenschaftlichen Befähigung zum einjährigen Dienste in dringenden und geeig- neten Fällen auch schon vor dem völligen Ablaufe des einjährigen Besuchs der Secunda zuer- kannt werden. 3. Vom 1. April. Die Personal- und Einkommensveränderungen bei dem Lehrercolle- gium sollen in Zukunft bis zum 15. Mai und 15. November jeden Jahres nachgewiesen, dabei auch die verliehenen Titel und Allerhöchsten Auszeichnungen erwähnt werden. Ausserdem ist am 15. Mai, jedoch nur alle drei Jahre(1883, 1886 u. s. w.) im Anschluss an den Verwaltungs- bericht eine nach vorgeschriebenem Schema aufzustellende Nachweisung einzureichen. 4. Vom 19. April. Bei mehrstelligen Zahlen ist das Komma ausschliesslich zur Abtren- nung der Decimalstellen von den Einerstellen anzuwenden, anderweite Abtheilung derselben durch Gruppirung zu je drei Ziffern, insbesondere in den Etats und Rechnungen zu bewirken. 5. Vom 21. April. Bei der Ausstellung von Zeugnissen für den einjährigen Militärdienst sind die Bestimmungen der im Centralblatt 1881 p. 188 abgedruckten Ministerial-Verfügung vom 9. Februar zu beachten. 6. Vom 24. Mai. Es wird Bericht darüber erfordert, ob alle verheiratheten Lehrer der Anstalt Mitglieder der allgemeinen Wittwenkasse sind. 7. Vom 30. Juli. Mittheilung eines Exemplars von dem Regulativ über die Dienstwoh- nungen der Staatsbeamten vom 26. Juli 1880, das mit dem 1. April 1881 in Kraft tritt. 8. Vom 8. August. Wenn ein Schüler vor vollendetem 14. Lebensjahre die Anstalt ver- — F— lässt und sein Ubergang auf eine andere Schule zweifelhaft erscheint, so soll der Local-Schul- behörde seines Heimathsortes von dem erfolgten Abgange binnen vier Wochen Anzeige gemacht werden. 9. Vom 17. August. Wiederholte Anweisung, die Probecandidaten nur innerhalb der ihnen zuerkannten facultas zu beschäftigen. 10. Vom 15. Dezember. Die Ferien der höheren Lehranstalten in der Provinz West- preussen werden für das Jahr 1882 dahin bestimmt, dass dieselben zu Ostern vom 1. bis 17. April, zu Pfingsten vom 26. Mai bis 1. Juni, im Sommer vom 1. bis 31. Juli, zn Michaelis vom 30. September bis 16. Oktober, zu Weihnachten vom 22. December bis 8. Januar, überall mit Ausschluss der genannten Tage, dauern. 11. Vom 21. December. Ausser den Zeugnissen der wissenschaftlichen Befähigung zum einjährigen freiwilligen Dienst haben die Directoren abgesondert davon noch Unbescholtenheits- Zeugnisse auszustellen, welche bei Nachsuchung der Berechtigung beizubringen sind. Für die Ausstellung dieser Zeugnisse sind dieselben Grundsätze massgebend, welche Seitens der Polizei- behörden eingehalten werden. 12. Vom 23. Februar 1882. Als Berathungsgegenstände für die Directorenconferenz des Jahres 1883 werden festgesetzt: 1. Wie kann den Primanern der Gymnasien und der Real- schulen unbeschadet der erforderlichen Gleichmässigkeit der Ausbildung eine grössere Freiheit und Selbständigkeit der Studien gewährt werden? 2. Ziel und Methode des griechischen Unter- richts. 3. Bedeutung und Wirksamkeit der Vorschulen. 4. UÜber die Berücksichtigung der etymologischen und historischen Momente bei dem französischen Unterricht, hauptsächlich der Realschulen. 5. Uber allgemeine Schulordnungen. III. Chronik. Das ablaufende Schuljahr begann Donnerstag den 21. April 1881 und wird nach der Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers und Königs und nach der öffentlichen Prüfung Sonnabend den 1. April c. mit der Censur und Versetzung der Schüler geschlossen werden. Während dieser Zeit war der Gesundheitszustand der Schüler im Ganzen günstig zu nennen, insofern nicht massenhafte Versäumnisse durch epidemische Krankheiten herbeigeführt wurden, wiewohl es an solchen in der Stadt und Umgebung nicht fehlte. Doch haben wir einen lieben Zögling durch den Tod verloren, den Quartaner Semi Blum, der wegen an- dauernden Siechthums beim Wiederbeginn der Schule eben abgemeldet war, als er am 7. Mai 1881 durch die Auszehrung den tiefbetrübten Eltern entrissen wurde. Drei Tage später ge- leiteten seine früheren Classengenossen und der engere Gesangchor unter Führung von Lehrern die irdischen UÜberreste des früh Dahingeschiedenen zur letzten Ruhestätte. Störender für den regelmässigen Fortgang des Unterrichts gestalteten sich die Verhält- nisse im Lehrercollegium. Der ordentliche Lehrer Paul Schmidt trat in das neue Schuljahr mit einem Urlaube ein, der ihm wegen fortdauernder Krankheit bis Michaelis 1881 und darauf bis Ostern 1882 verlängert wurde. Glücklicherweise fügte es sich so, dass gleich vom ersten Tage des Sommersemesters an der Candidat des höhern Schulamts Momber die UÜbernahme aller Lehrstunden des Beurlaubten in seiner Person vereinigen konnte. Gleichwohl bedurfte es bald darauf einer theilweise geänderten Vertheilung der Lectionen, da auch Professor Reusch — yI— aus dringenden Gründen eines fünfwöchentlichen Urlaubs benöthigt war, der ihm theils vor, theils nach den Sommerferien bewilligt wurde. Seine Lehrstunden in Prima wurden von dem Unter- zeichneten, in Secunda von den Lehrern Gortzitza, Dr. Kausch, Behring und Momber vertreten. Eine noch durchgreifendere Umgestaltung des Lehrplans wurde nothwendig, als vom 1. October ab der Schulamtscandidat Momber von seiner stellvertretenden Thätigkeit zurücktrat und die- selbe auf den Schulamtscandidaten Dr. Hermann Kummrow überging, der zur Vollendung seines Probejahres und gleichzeitig zur provisorischen Verwaltung einer Hilfslehrerstelle von dem Königl. Provinzial-Schulcollegium unserer Anstalt überwiesen wurde. Aber auch damit sollte der störende Lehrerwechsel sein Ende noch nicht erreicht haben. Zum dritten Male musste ein neuer Lectionsplan entworfen werden, als Professor Reusch am 12. December 1881 so bedenklich erkrankte, dass der Königl. Kreisphysicus Herr Sanitätsrath Dr. Höltzel einen längern Urlaub des Erkrankten für unerlässlich erklärte, welcher in Folge dessen von der vorgesetzten Behörde bis zum 1. April 1882 genehmigt wurde. Dadurch, dass auf Anord- nung des Königl. Provinzial-Schulcollegiums der grade hier anwesende Candidat des höhern Schulamts Oscar Augustin vom 12. Januar c. ab sein Probejahr mit 12 wöchentlichen Lehrstunden bei uns antrat, dass ferner Dr. Anger die hebräischen Lectionen der Secunda und Prima combinirte, Dr. Kausch 2 Stunden Latein auf Prima ertheilte, zwei andere zu unserer Freude Professor Reusch wieder übernehmen konnte, wurde es möglich den Unter- richt unverkürzt fortzusetzen. Welche Wandlungen derselbe bei dieser Gelegenheit, wie bei früheren auf allen Classen erlitt, im Einzelnen darzulegen, würde zu weit führen. Es möge genügen, in zwei nachfolgenden tabellarischen Ubersichten nachzuweisen, A. wie die Vertheilung der Lehrgegenstände und der Ordinariate unter die Lehrer ursprünglich für das Schuljahr 1881/82 entworfen war, und B. welchen Modificationen dieselbe von Neujahr bis Ostern 1882 unterzogen werden musste. Nach Ostern 1881 übernahm Herr Propst Wagner den Religionsunterricht der katho- lischen Schüler des Gymnasiums, welcher seit dem Tode des Herrn Propst Hoppe ein volles Jahr hindurch geruht hatte. Abweichend von der bisherigen Sitte veranstaltete der Oberlehrer Dr. Anger am 2. September die Feier des Sedantages im Freien bei Dambitzen, welche in schönster Ordnung und auf erfreulichste Weise ihren Verlauf nahm zur allgemeinen Befriedigung aller Betheiligten. Am 22. Januar 1882 wurde die zum Gedächtniss Arthur Eggert's gestiftete Prämie dem Primaner Gustav Grunwald zuerkannt. Bei seinem Abgang von Elbing übergab Herr Staatsanwalt Geras Ciceronis Opera cum notis Gothefredi 1617 nebst Tacitus Werken in der Ausgabe von Brotier, und schon früher Herr Sanitätsrath Dr. Cohn Cicero's Werke in der Ausgabe von Schütz dem Unterzeichneten zur Verleihung an würdige Schüler. Im Sinne der Geber sind die genannten Werke den beiden Abiturienten August Borrmann und Gustav Grunwald überreicht. Die beiden Abiturienten-Prüfungen fanden am 17. September 1881 und am 27. Februar 1882 unter dem Vorsitze des Herrn Provinzial Schulrath Dr. Kruse statt. Der Neubau des Gymnasiums auf der Königsberger Strasse ist nunmehr so weit gediehen, dass der Einzug des Gymnasiums in das neue Gebäude nach den Osterferien erfolgen soll. Mit dieser UÜbersiedelung werden manche Veränderungen verbunden sein, über welche zu be- richten dem nächstjährigen Programme vorbehalten bleibt. IV. Statistische Nachrichten. A. Übersicht über die Vertheilung der Lehrstunden und der Ordinariate unter die Lehrer im Schuljahre 1881/82. * bedeutet: ausserordentliche Stunden. Lehrer. Prima. Secunda. Dher. Unter. Quarta. Quinta. Sexta. Summa. tertia. tertia. 1. Dr. Benecke, 6 Griech. . 2 4 Lat. Director und Professor. 1.; 11 :.. 1a. Dt. Lit. Ordinarius in I. b. Phil. Pr. 2. Dr. Reusch, 6 Griech. K. Professor. 4 Lat. 6 Lat. 18 Ordinarius in II.*2 Hebr. 3. Dr. Mehler, 4 Math. 4 Math. 3 Math. 3 Math. 3 Math. 20 K. Professor. 2 Fhys. 1 Phys. Inr 2 Franz. 2 Franz. 2 Franz. 2 Franz 2 Franz 3 Franz. 4. Dr. Heinrichs, 2 Engl. 2 Engl. 3 Deutsch 20 Oberlehrer. 5. Dr. Volckmann, 3 Gesch. 3 Gesch. 3 Gesch. 3 Gesch. Oberlehrer. u. Geogr. u. Geogr. u. Geogr. u. Geogr. 20 Ordinarius in IIIA. 8 Lat. 2 Relig. 2 Relig. 2 Relig. ſ 2 Relig. 2 Relig. 6. Dr. Anger 2 Deutsch]* 2 Hebr. 3 Gesch. 2 Gesch. 2 Gesch. 21 Oberleh 2 u. Geogr.] u. Geogr. u. Geogr.„4 erlehter.* 4 Turnen durch alle Classen mit Gortzitza. t ordentl. Lehrér. 2 Deutsch 1*4 Ordinarius in V.* 4 Turnen durch alle Classen mit Dr. Anger. 8. Dr. Kausch, 4 Lat.[6 Griech. S Lat. ordentl. Lehrer. 2 Deutsch 20 Ordinarius in III B. 9. Sohmict, 2 Lat. 10 Lat. ordentl. Lehrer. 2 Deutsch 3 Deutschh 20 Ordinarius in IV. 3 Relig. vertreten durch Momber. 10. Behring, 2 Deutsch 6 Griech. 10 Lat. ordentl. Lehrer. 3 Relig. 21 Ordinarius in VI. 11. Capeller,*2 Zeichn.*2 Zeichn.*2 Zeichn.*2 Zeichn. 2 Zeichn.] 2 Zeichn. 2 Zeichn. 5— 2 Natur- 2 Natur- 2 Naturg. 2 Naturg. Zeichenlehrer.—— eesch. gesch. 3 Rah 4 Racuid 27 12. Odenwald*2 Singen*2 Singen] 2 Singen 2 Singen 2 Singen 2 Singen 2 Singen C 3———— 2 Schön- 2 Schön- 14 antor. schreiben schreiben Summa 32 32 32 32 32 32 3⁰ 220 * 10* 10* 6* 6* 4* 4* 4* 16 V 236 B. Übersicht über die Vertheilung der Lehrstunden und der Ordinariate unter die Lehrer von Neujahr bis Ostern 1882. * bedeutet: ausserordentliche Stunden. 3. Ober- Unter- 4 Lehrer. Prima. Secunda. tertia, tertia. Quarta. Quinta. Sexta. Summa. 1. Dr. Benecke, 6 Griech. . 7 4 Lat. Director und Professor. j 11 1 1 T la. Dt. Lit. Ordinarius in I. b. Phil. Pr. 2. Dr. Reusch, K. Professor. 2 Lat. 2 3. Dr. Mehler, 4 Math. 4 Math. 3 Math. 3 Math. 3 Math. 20 K. Professor. 2 Phys. 1 Phys. 4. Dr. Heinrichs, 2 Franz. 2 Franz. 2 Franz. 2 Franz 2 Franz 3 Franz. 20 Oberlehrer. 2 Engl. 2 Engl. 2 Lat. 1 Deutsch 5. Dr. Volckmann, 3 Gesch. 3 Gesch. 3 Gesch. 3 Gesch. Oberlehrer. u. Geogr. u. Geogr. u. Geogr. u. Geogr. 20 Ordinarius in IIIA. S Lat. 2 Relig. 2 Relig. 2 Relig. 2 Relig. 2 Relig. 3 6. Dr. Anger, 2 Deutsch 3 Gesch. 2 Gesch. 2 Gesch. 21 Oberlehrer.* 2 Hebr.* 2 Hebr. u. Geogr. u. Geogr. u. Geogr. .. 2./— Oę— 4. †* 4 Ordinarius in II.* 4 Turnen durch alle Classen mit Gortzitza. 2 Lat. 10 Lat. W6 7. Gortzitza, 2 Deutsch 6 Griech. 20 ordentl. Lehrer. 44 Ordinarius in IV. 4 Turnen durch alle Classen mit Dr. Anger. 8. Dr. Kausch, 2 Lat. 4 Lat. 6 Griech. 8 Lat. ordentl. Lehrer. 2 Deutsch 22 Ordinarius in IIIB. 9. Schmicdt, ordentl. Lehrer. . 6 Lat. 10. Behring, 6 Griech. 6 Griech. 20 ordentl. Lehrer. 2 Deutsch 3 11. Dr. Kummrow, 10 Pat, enel 2 Cand. prob. elig. elig. Ordinuzus i V. V 2 Deutsch 2Deutsch 1 Deutsch 12. Augustin, 10 Lat. Cand. prob. 2 Deutch 12 Ordinarius in VI. 13 Capeller*2 Zeichn.*2 Zeichn.*2 Zeichn.*2 Zeichn. 2 Zeichn. 2 Zeichn. 2 Zeichn. 5 p 2——— 2 Natur- 2 Natur- 2 Naturg. 2 Naturg. 27 Zeichenlehrer. gesch. gesch. 3 Rechn. 4 Rechn. *2 Singen*2 Singen 2 Singen V 2 Singen 2 Singen 2 Singen 2 Singen 14. Odenwald,———— 2 Schön- 2 Schön- 14 Cantor. schreiben schreiben Summa 32 32 32 32 32 32 30 220 * 10* 6* 6* 4* 4* 4 4 16 236 Die Gesammtzahl der Schüler betrug gegen Ende des vorigen Schuljahrs(am 15. März 1881) 304, von denen 26 in I., 42 in II., 40 in IIIA., 45 in IIIB., 52 in IV., 53 in V., 46 in VI. sich befanden. Abgegangen sind seit jenem Datum theils noch vor dem Anfange des laufenden Schuljahrs, theils während desselben 70. Neu aufgenommen dagegen sind 60, so dass das Gym- nasium gegenwärtig(den 15. März 1882) 294 Schüler zählt, unter denen 25 in I., 42 in II., 41 in III A., 51 in III B., 48 in IV., 46 in V., 41 in VI. sitzen. Zu Ostern 1881 wurden unter den 12 Abiturienten 6 von der mündlichen Prüfung dis- pensirt: Benecke, Czolbe, Danielowski, Jacobsohn, Neumann, Wohl. Zu Michaelis 1881 bezog 1 Zögling mit dem Zeugniss der Reife die Universität: 1. Egbert Michalik aus Barten, 21 ¾ Jahr alt, evangelischer Confession, Sohn des Pfarrers Michalik in Pomehrendorf bei Elbing, 13 ½ Jahr auf dem Gymnasium, 2 ½ Jahr in Prima, welcher in Königsberg Theologie studirt. Zu Ostern 1882 werden 13 Abiturienten mit dem Zeugniss der Reife entlassen: 1. August Borrmann aus Neu-Teschen, Kreis Pr. Holland, 19 ½ Jahr alt, evangelischer Confession, Sohn des Hofbesitzers Borrmann in Neu-Teschen, 8 Jahre von Quinta ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher in Königsberg Theologie studiren will. 2. Oscar Eggert aus Weeskenhof, Kreis Pr. Holland, 20 ¾ Jahr alt, evangelischer Con- fession, Sohn des Rittergutsbesitzers Amtsrath Eggert in Zoppot, 7 Jahre von Untertertia ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher sich dem Militärstande widmen vill. 3. Theodor Eggert aus Weeskenhof, Kreis Pr. Holland, 17 ¾ Jahr alt, evangelischer Confession, Sohn des Rittergutsbesitzers Amtsrath Eggert in Zoppot, 6 Jahre von Untertertia ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher in Heidelberg Landwirthschaft studiren will. 4. Hugo Flatow aus Pr. Holland, 19 Jahr alt, mosaischen Glaubens, Sohn des Kauf- manns Flatow in Pr. Holland, 8 Jahre von Quarta ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher in Würzburg Medicin studiren will. 5. Ernst von Goetzen aus Choyten, Kreis Stuhm, 19 ½ Jahr alt, evangelischer Con- fession, Sohn des Rittergutsbesitzers Baron von Goetzen auf Rodelshöfen, Kreis Braunsberg, 10 Jahre von Sexta ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher die Landwirthschaft erlernen will. 6. Hermann Graudenz aus Berlin, 20 Jahr alt, evangelischer Confession, Sohn des Formermeisters Graudenz in Elbing, 12 Jahre von Sexta ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher in Halle Theologie studiren will. 7. Gustav Grunwald aus Schönfeld, Kreis Pr. Holland, 21 ½ Jahr alt, evangelischer Confession, Sohn des Hofbesitzers Grunwald in Schönfeld, 6 ½ Jahre von Quarta ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher in Berlin Philologie studiren will. 8. Paul Morgenroth aus Elbing, 17 ¾ Jahr alt, evangelischer Confession, Sohn des Steuerbeamten a. D. Morgenroth in Elbing, 10 Jahre von Sexta ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher in Leipzig Theologie studiren will. 9. Kuno von Plocki aus Elbing, 21 Jahr alt, katholischer Confession, Sohn des Majors a. D. von Plocki in Elbing, 8 Jahre von Untertertia ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher sich dem Militärstande widmen will. — X— 10. Gottfried Steckel aus Lomp, Kreis Pr. Holland, 19 Jahr alt, evangelischer Con- fession, Sohn des Hofbesitzers Steckel in Lomp, 8 Jahre von Quinta ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher in Königsberg Theologie studiren vill. 11. Eugen Strauss aus Elbing, 17 Jahr alt, evangelischer Confession, Sohn des Schneidermeisters Strauss in Elbing, 9 Jahre von Sexta ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher in Halle Theologie studiren will. 12. Wilhelm Tillmann aus La Crosse, Wisconsin, Vereinigte Staaten N.-A., 21 Jahr alt, evangelischer Confession, Sohn des Kaufmanns Tillmann in La Crosse, 2 ½ Jahr von Ober- secunda ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher in Würzburg Medicin studiren will. 13. Arthur Weisse aus Schönberg, Kreis Konitz, 21 Jahr alt, evangelischer Confession, Sohn des verstorbenen Administrators Weisse in Bärenwalde, Kreis Schlochau, 6 ½ Jahre von Untertertia ab auf dem Gymnasium, 2 Jahre in Prima, welcher in Berlin Mathematik und Naturwissenschaften studiren will. Die Abiturienten Borrmann, von Goetzen, Grunwald, Morgenroth, Steckel, Tillmann wurden auf Grund ihrer Schulleistungen und des Ausfalls der schriftlichen Probe- arbeiten von der mündlichen Prüfung dispensirt. V. Lehrapparat. 1. Die Bibliothek des Gymnasiums hat in diesem Schuljahre von dem Königlichen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten Steinmeyer's Zeitschrift für deutsches Alterthum und deutsche Literatur. Neue Folge. Band XIII, Heft 3, 4, und Band XIV, Heft 1; von dem Friedrichs-Werder'schen Gymnasium in Berlin Festschrift zur zweiten Säcularfeier des Friedrichs-Werder'schen Gymnasiums zu Berlin, Geschichte des Friedrichs-Werder'schen Gymnasiums von Dr. A. C. Müller; von dem Bureau of Education zu Washington Circulars of Information No. 1— 5, 1880. Report of the Commissioner of Education for the year 1878 Part I, Part II, for the year 1879 Part. I, Part II zum Geschenk erhalten. Ausserdem ist sie vermehrt worden, soweit es der Fonds zuliess. 2. Die Schülerbibliothek hat theils aus eigenen Mitteln, theils durch Geschenke einen nicht unbeträchtlichen Zuwachs erhalten. Zum Geschenk bekam sie von der Verlagshandlung Hopf und Paulsieck's deutsches Lesebuch. Th. 1— 3. 22. Aufl., und eine Anzahl von Schulbüchern von den diesjährigen Abiturienten. 3. und 4. Die Sammlung physikalischer Instrumente und das chemische Laboratorium sind für die ausgesetzte Summe nicht nur in erforderlichem Stande erhalten, sondern es wurde auch eine Tauchbatterie von zwölf Elementen mit Hebevorrichtung neu angeschafft. 5— 9. Die naturhistorischen Sammlungen, der geographische Apparat, die Musikalien, Vorschriften und Vorzeichnungen blieben ohne Erweiterung. Den fortgesetzten Beweisen des Wohlwollens gegen unsere Anstalt verfehle ich nicht den verbindlichsten Dank hierdurch abzustatten. VI. Ordnung der öffentlichen Prüfung. Donnerstag. Choral. Sexta. 1. Religion. Kummrow. 2. Latein. Augustin. Aus dieser Classe declamiren Kurt Reuter: Des deutschen Knaben Tischgebet von Gerok. John Marshal: Blauveilchen von Förster. Hugo Bertram: Feldmarschall Derfflinger von Lehmann. Quinta. 1. Rechnen.(apeller. 2. Latein. Kummrow. Aus dieser Classe declamiren Max Brieske: Von des Kaisers Bart von Geibel. Adolph Marcus: Der Glockenguss zu Breslau von Wilhelm Müller. Reinhold Walter: Der Wilde von Seume. PAUSE. Vater, ich rufe dich von Himmel. Dir möcht' ich diese Lieder weihen von Kreutzer. Quarta. 1. Geographie. Anger. 2. Griechisch. Gortzitza. Aus dieser Classe declamiren Otto Harder: Harras der kühne Springer von Körner. Georg Becker: Die Eroberung Alsens von Gruppe. Paul Möller: Deutsche Siege von Geibel. Untertertia. 1. Naturgeschichte. Capeller. 2. Latein. Kausch. Aus dieser Classe declamiren Paul Nickel: Rudolph's Ritt zum Kaisergrabe von Kerner. Richard Bückling: Gesicht des Reisenden von Freiligrath. Arthur Oppenheim: Die Kraniche des Ibycus von Schiller. Redeact zum Gedächtniss Richard Cowle's. Aus Secunda tragen vor Paul Dobberstein und Max öhlert eine Scene aus The Royal Convert by Nicholas Rowe. Aus Prima versucht sich in eigener Rede August Borrmann: On some Circumstances that have influenced the Text of Shake- speare's Plays. Choral. — xII— Freitag. Morgengesang. Obertertia. 1. Geschichte. Volckmann. 2. Französisch. Heinrichs. Aus dieser Classe declamiren Johannes Huss: Des Sängers Fluch von Uhland. Arthur Schubert: Der Taucher von Schiller. Georg Anger: Kassandra von Schiller. Secunda. 1. Mathematik. Mehler. 2. Griechisch. Behring. Aus dieser Classe declamiren Edgar Setzke, Paul Aschke, Paul Gizewski eine Scene aus L'Orphelin de la Chine par Voltaire. Ernst Gaupp, Siegfried Lilienthal, Louis Reimann eine Scene aus Schiller's Wallenstein. PAUSE. Der Einzige, Motette von Rinck. Tochter Zion, von Händel. Prima. 1. Latein. Kausch. 2. Religion. Anger. Aus Prima versuchen sich in eigenen Reden Johannes Förster: De lonis Platonici argumento. Arthur Weisse: Was verdankte Göthe seinem Aufenthalte in Strassburg? Entlassung der Abiturienten. Schlussgesang. Preis und Anbetung unserm Gott! Motette von Rinck. Über den Beginn des Sommerhalbjahres im neuen Gymnasialgebäude, sowie über die Aufnahme neuer Schüler wird das Nähere im Laufe der Osterferien durch öffentliche Anzeige bekannt gemacht werden. Benecke. Sicilianische Studien. I. Die Anfänge des Königreichs. Unter den grolſsen Gestalten unsrer mittelalterlichen Geschichte ist es vor allem die des zweiten Friedrich, die immer wieder Teilnahme erweckt und fesselnden Reiz übt. Einsam steht seine mächtige Gestalt unter den Zeitgenossen, fast wie ein Anachronismus erscheint sie. Und doch muſste auch diese geistige Richtung ihre erklärenden Vorbedingungen haben. Daſs diese nur in den sicilischen, nicht in den deutschen Verhältnissen liegen konnten, war klar, und so ergab sich von selbst die Aufgabe, die Anfänge dieser Monarchie zu untersuchen, eine Aufgabe, die sich bald genug als anziehend erwies. Denn wo wäre in der Welt des Mittelalters eine Stelle, wo ein so reges, so vielseitiges geistiges Leben geherrscht, wo durch das Zusammentreffen dreier Nationalitäten, mehrerer Religionen die Civilisation so farbenreich, so anziehend und zugleich so wenig in den Rahmen kirchlicher Anschauungsweise gespannt war. In dem Antlitz des Ahnen finden wir bald die wohlbekannten Züge des grofsen Enkels wieder, und Schrift- steller wie Hugo Falcandus werfen ein helles Licht auf die geistige Atmosphäre, in der Fried- rich aufgewachsen. Tritt in ihm doch das kirchliche Element so völlig in den Hintergrund; daſs man bisweilen einen Autor der Renaissance vor sich zu haben glaubt. Unteritalien im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts. Im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts war die normannische Herrschaft in Unteritalien viel- fach zersplittert. Neben dem Herzogtum Apulien hatten sich noch mehrere unabhängige Fürsten- tümer erhalten. Da war zunächst das Herzogtum Neapel. Sein Umfang) war sehr gering, es umfasste die Stadt Neapel, den Küstenstrich südlich von den phlegräischen Feldern bis Kap Miseno und die nahegelegenen Inseln Procida, ISchia u. s. w. Die Herrschaft war seit Jahrhunderten in den Händen derselben Familie, deren Haupt sich consul, dux oder magister 1¹) Derselbe ergiebt sich aus einer Urkunde Herzog Sergius von 1128 bei Del Gindice, codice dip l. di Carlo I e II d'Angid. Napoli 1863 appendice I dipl. 3. 1 2 militum nannte und bis zuletzt seine Urkunden nach den Regierungsjahren der byzantinischen Kaiser zu datieren pflegte. Faktisch war dieses Abhängigkeitsverhältnis längst gelöst. Von Bedeutung war eigentlich nur die Stadt Neapel durch ihre starke Befestigung!). Das Gebiet des Fürstentums Benevent war längst von vielen normannischen Baronen okkupiert, die Stadt selbst in Faktionen gespalten und ohne feste Regimentsordnungen, ver- suchte bald nach dem Beispiel der oberitalischen Städte eine communitas zu gründen*), bald erkannte sie die unsichere und ferne Herrschaft des apostolischen Stuhles an. Kämpfe, welche der Notar Falco in seiner köstlichen Stadtchronik aufs lebendigste schildert. Dagegen hatte sich das Fürstentum Capua, welches ziemlich genau den Umfang der späteren Provinz Terra di Lavoro erreichte, trotz der Bemühungen Guiscards, in seiner Unab- hängigkeit behauptet ³). Standen diese Fürstentümer unabhängig neben dem Herzogtum und waren sie der Natur der Sache nach ihm gerade nicht übermäſsig wohlwollend gesinnt, so waren sie die natürliche Stütze der grofsen Lehnsträger des Herzogtums. Und dieser mächtige kriegerische Adel meist normannischer Abstammung war sehr zahlreich. Das ausgedehnteste Gebiet besagt Boemunds Familie ⁴), ziemlich genau der Provinz Terra d'Otranto entsprechend. Die apulischen Städte, mit Ausnahme des mächtigen Bari waren in den Händen dieser groſsen Herren. Der Graf von Conversano war Herr von Brindisi, Ruvo, Monopoli, der von Avellino besaſs die ganze Valle Caudina, Alife, Airola, S. Agata de' Goti, in Bari erhob sich ein Oberhaupt mit dem Titel eines Fürsten in der Zeit des grofsen Kampfes, mächtig auch waren die Grafen von Loritello, Monopello, Ariano, Andria, Montescaglioso, Lecce, Chiaromonte und viele andere. Diese groſsen Barone waren teils Gefährten der ersten Eroberer gewesen, teils waren sie Nachkommen dieser selbst, der Söhne Tankreds von Hauteville. Da sie an der Eroberung gleichen Anteil gehabt und gleiche Hilfe und Beistand dazu geleistet hatten, konnten sie ge- wissermaſsen mit Recht behaupten, daſs sie nicht der Verleihung eines andern, sondern ihrem Schwerte und ihrer Tapferkeit allein ihre so grofsen und mächtigen Besitzungen verdankten. Dazu kam, dals viele von ihnen mit der regierenden Familie verschwägert waren. So hatten z. B. Emma und Matilde, zwei Schwestern des Grafen von Sicilien, die Grafen von Monte- scaglioso und Avellino geheiratet, Wilhelm von Grentmesnil eine Schwester Guiscards zur Ehe- Allerdings, zu Roberts Lebzeiten, wagten diese Magnaten noch nicht ihr Haupt zu erheben⁵), aber unter der schlaffen, kraftlosen Herrschaft seiner beiden nächsten Nachfolger versuchten nicht wenige von ihnen ein Joch abzuschütteln, das sie stets mit Widerstreben ge- ¹) Alexander Telesinus lib. III cap. 19(bei Del Re I, 138)... quamobrem adeo ipsa inexpugnabilis constat, ut nisi famis periculo coartata nullatenus comprehendi queat. 2²) Falco ad a. 1128 bei Del Re 1, 200. ³) Im Südosten reichte das Gebiet von Capua bis Nocera, Palma, Sarno, siehe Alex. Teles. 2, 29. 2, 55. Del Re 1, 112. 122. 4) Raoul v. Caen in seinen Gesta Tancredi cap. II bei Muratori, scriptores V col. 287: ejus imperio quidquid est oppidorum et urbium a Siponto ad Oriolum in maritima omnes, prorsus in montanis et campe- stribus locis omnes fere serviebant etc. ⁵) Was Malaterra bei Caruso p. 222 berichtet, ist doch nur eine ganz vereinzelte Erscheinung. 3 tragen hatten ¹). Auch war ja das Band, welches sie an ihre Lehnsherren knüpfte, das homa- gium, im Grunde doch ein recht schwaches, schwach daher die Macht, welche sich nur auf das servitium der Lehen gründete. Es ist bekannt, dafs das servitium militare durch Zeit und Ort vielfach beschränkt war²); war die vorgeschriebene Zeit abgelaufen oder wurden die ört- lichen Grenzen überschritten, innerhalb deren man verpflichtet war, das servitium zu leisten, so wurden die Lehnsträger nur durch Sold zur ferneren Leistung desselben verpflichtet, an- dernfalls hatten sie das Recht, sich zu entfernen. Es konnte daher leicht vorkommen, dafs ein Heer, welches nur aus Lehnsmiliz bestand, im entscheidenden Moment versagte, sich auf- löste, und in der That kam es damals bei den Feldzügen in Apulien oft genug vor, daſs die Lehnsträger aus Mangel an Sold oder Proviant offen oder heimlich das Feld verlieſsen. Und nicht alle Baronien Apuliens gingen zum Herzog zu Lehen, viele derselben waren abhängig von den grofsen Herren. Die Grafschaft Montescaglioso umfaſste 20 Baroniens), deren Inhaber den Grafen als ihren Lehnsherren erkannten, die Grafen von Avellino und Aquila hatten jeder 14 Barone, 17 der Graf von Gravina als Vasallen; es bestand keine Baronie, die nicht einige Afterlehen umfaſst hätte. Und da nun die gegebene und empfangene Treue das einzige Band der Unterordnung, das homagium*) das einzige Prinzip des Staatsrechts war, so ergab sich, dafs wie die Grafen und gröfseren Herren durch ihren Treueid dem Herzog von Apulien, so wiederum, um mich eines oberitalischen Ausdrucks zu bedienen, die Valvas- soren diesen Herren zu gehorsamen verpflichtet waren. Und noch hatte sich nicht der Grund- satz befestigt, den König Roger später stets aufs eindringlichste einschärfte, daſs die Pflichten der Lehnsunterthäuigkeit von den subfendatarii nur soweit zu erfüllen seien, als dabei die Treue gegen den obersten Lehnsherren ganz und unverletzt bestehen können. In ähnlichem Verhältnis standen auch die groſsen Barone zu einander, der Graf von Conversano nahm Lehen vom Fürsten von Tarent, der Graf von Avellino prätendierte das ho- magium von dem von Ariano. Wir sehen also einen»Staat« in viele getrennte Lehnskörper geteilt, die fast unabhängig waren und sehr leicht mit einander in Kollision kamen, über welche das oberste Regiment in stürmischen Zeiten eine allgemeine und höchste Autorität nicht aus- üben konnte. Die Sachlage war so, dafs wenn einer der groſsen Barone gegen einen andern Fehde erhob oder sich empörte, er viele Lehnsherrschaften, oft eine ganze Provinz mit hineinzog. Die Geschichte des Herzogtums Apulien in jener Zeit zeigt allerdings nur Zustände, welche diesen Betrachtungen entsprechen, wilde Unordnung, gefördert durch die absolute Schwäche und Unfähigkeit der Nachfolger Guiscards. Da es ihnen nicht gelang die unruhigen Barone im Zaume zu halten, so wandten sie sich in ihrer Not stets an die Grafen von Sici- ¹) Malaterra ed. Caruso p. 240. Sic quae ducis Roberti fuerant propter imbecillitatem haeredum quis- que quantae fidei erga ipsos heredes fieret ostentans, sibi distrahendo usurpabat. 2²) Vergl. darüber eine Urkunde König Rogers v. 1145 bei Gregorio, considerazioni sopra la storia di Sicilia lib. 2. cap. 4. not. 50. edizione II. Palermo 1831. vol. 1. p. 429. 3) Catalogus baronum bei Del Re 1, 571— 616. Dieser Katalog gehört allerdings erst in die Zeit Wilhelms II, därfte hier aber doch anzuführen sein, da kaum anzunehmen ist, dafs unter den normannischen Königen eine Erweiterung der Grafschaften eingetreten sei. 4) Siehe darüber die Beilage II. 1* 4 lien. Deren Hilfe war erwünscht und erfolgreich, aber sie wurde natürlich nicht umsonst ge- währt; schwere Opfer mulsten gebracht werden, nach und nach erwarben die Sicilier auf diese Weise die Besitzungen der apulischen Herzoge in Sicilien und die andere Hälfte Kalabriens. Und gelang es so, die herzogliche Gewalt vor dem Aeussersten zu bewahren, so gelang es ihr nicht die häufigen wilden Privatfehden, unter denen das Land entsetzlich litt, zu unterdrücken, nicht den aufstrebenden Freiheitstrotz der reichen Seestädte ¹) Apuliens niederzuhalten. All- gemein, endlos sind die Klagen der Zeitgenossen über diese trostlosen Zustände: Mord, Raub und Brand herrschten im Lande, die Kirchen wurden zerstört und auch die Klöster nicht ge- schont. Die Sache wurde womöglich noch ärger, als Herzog Wilhelm, der Letzte seines Na- mens, ins Grab sank. Sofort begann ein Kampf Aller gegen Alle, die mächtigen Herren griffen zu, wo sie konnten, die Städte erhoben sich und legten die herzoglichen Burgen nieder ²), kein Landmann war mehr sicher auf dem Felde, kein Wanderer auf der Strafse. So war der Zu- stand Apuliens, als der Graf von Sicilien Anspruch auf die Erbfolge erhob. Sieilien. Ganz anders lagen die Verhältnisse in Sicilien. Um zu verstehen, wie diese entstan- den und sich entwickelt haben, ist es nötig, zunächst die ethnographischen Verhältnisse bei Beginn der Eroberung, ihre Verschiebung durch dieselbe ins Auge zu fassen und dann zu untersuchen, wie Graf Roger I auf diesem Grund und Boden das stolze Gebäude seine Staates aufführte. Am Ausgang des 12. Jahrhunderts hatte sich zweifellos auf der Insel ein nicht unbe- deutender Teil der alten italischen und griechischen Bevölkerung erhalten. Die Seltenheit der Berichte, die Khnlichkeit der Eigennamen bei Byzantinern und Sicilianern einerseits, wie bei den Bewohnern Süditaliens andererseits, die Existenz der verschiedenen Stämme neben einander am selben Orte, oft im selben Dorfe machen es allerdings schwer, die Existenz dieser beiden Stämme zu beweisen. Doch finden sich in den Rollen der villani(Hörigen), die aus dem Ende des elften und Anfang des zwölften Jahrhunderts stammend, in einzelnen Bezirken sich erhalten haben, neben arabischen und griechischen Namen auch solche von lateinischem Gepräge, wie Campalla, Donus, Subula, Currucani, Notari, Luce³). Diese Hörigen waren sicher nicht mit den Er- oberern von der Terra ferma gekommen. Oft ist auch ein lateinisches oder griechisches Patro- ¹) Vor allem Bari. Es schliefst 1122 mit Venedig ein Bündnis, vergl. Marin Sanudo, vite de'duchi di Venezia bei Muratori scriptor. XXII col. 964. Sanudo setzt die Urkunde fälschlich auf 1125. Die unab- hängige Stellung der Stadt ist besonders erkennbar aus dem Privileg von 1132 bei Ughelli, Italia sacra VII, 612, der es falsch auf 1102 setzt, doch scheint mir dies Privileg nicht unverdächtig. ²) So Troia und Melfi nach Alexander Telesin I, 24 bei Del Re 1, 101. König Roger stellte sie später wieder her. ³) Amari, storia dei Musulmani di Sicilia. III, p. 205. Firenze 1868. Ein Werk von hervorragend- ster Bedeutung und zugleich eine politische That, da es den partikularistischen Träumereien von einer eigenen sicili anischen Nationalität gründlich ein Ende macht. 5 nymikon mit arabischen Vornamen verbunden, z. B. Omar ibn Crisobolli, Mohammed Pacione, woraus hervorgeht, dafs muselmanische Hörige griechischer oder italischer Abkunft existierten. Die Urkunden, welche sich erhalten haben, lassen einiges Licht auf die geographische Vertretung der Nationalitäten fallen, nicht nur durch die Eigennamen, sondern schon durch die Sprache, in der sie geschrieben sind, die natürlich die der in dem Ort überwiegenden Race ist. Latein und die gewöhnliche Kra findet sich bei den italischen oder ultramontanen¹) Be- völkerungen, Griechisch und die Xra von Konstantinopel bei den Griechen, Arabisch und die Hedschra bei den Bekennern des Islam. Die Urkunden beweisen nun zahlreiche griechische Niederlassungen an der Ostküste und an der Nordküste bis Cefalu und zeigen zerstreute grie- chische Niederlassungen über die ganze Insel. Die Muselmanen waren über den gröfsten Teil der Insel zerstreut und bildeten bei weitem den überwiegenden Teil der Bevölkerung. Die Diplome zeigen sie am zahlreichsten in Val di Mazara, in bedeutender Anzahl noch in Val die Noto, selten in Val Demone*). Hierzu nun kamen die Normannen. Sie kamen hier nicht, wie einst in die Normandie, als ein Volk in geschlossener Masse, nicht als geordnetes Heer, wie unter Wilhelm dem Er- oberer nach England. Auch würde schon der Umstand, dafs die Eroberung Englands sich gleichzeitig vollzog, die Annahme einer zahlreichen Auswanderung aus der Normandie und den anderen Provinzen des nördlichen Frankreich nach Sicilien ausschlieflsen. Kein historischer Be- richt redet von einer französischen Massenemigration nach Süditalien, sondern nur von einer Emigration Einzelner, mehr von Klerikern und Mönchen, als von Kriegern. Die französischen Namen, die wir in den Urkunden und Chroniken Siciliens finden, gehören nur Mitgliedern der höchsten Gesellschaftsklasse an, es sind Namen von Lehnsträgern, Prälaten und hohen Beam- ten. Und diese geringe Zahl bildete den gröfsten Teil der sicilischen Bevölkerung französi- scher Zunge. Normannische Bevölkerungen einer Stadt, eines Dorfes oder nur eines Stadtteils werden nirgends erwähnt, auch finden sich in topographischen Bezeichnungen keine Spuren französischer Herkunft.¹)) Es kann daher von einer normannischen Bevölkerung Siciliens nicht geredet werden, es fanden sich vielmehr am Ende des 11. Jahrhunderts in sicilien lediglich einige Lehnsträger, Prälaten und Mönche französischer Herkunft. Man wird daher eine Emi- gration von anderer Seite annehmen müssen. Schon die Sprache, die in Sicilien am Ausgange des 12. Jahrhunderts blühte, würde das Herüberkommen groſser Kolonien von der Terraferma beweisen, da die älteste italische Bevölkerung der Insel nach fünf Jahrhunderten byzantinischer und arabischer Herrschaft nicht ein Idiom hätte sprechen können, das dem Mittelitaliens so nahe stand. Auch gebeu die ara- bischen Schriftsteller ausdrücklich an⁴), dals Roger auf der Insel zusammen mit den Musel- 1) Natürlich in sicilianischem Sinne. 2) Vergl. Gregorio, considerazioni lib. 1 cap. 1 p. 56. In Girgenti z. B.(Gregorio p. 68) war das Ober- gewicht der Saracenen so grofs, dafs Bischof Walter(der seit 1127 Bischof war) zum Schutz der christlichen Bevölkerung Befestigungen anlegte, deren Material er den Trümmern des antiken Agrigent entnahm. Von Gregorio aus einem handschriftl. Libellus de successione pontificum Agrigenti aus dem Kapitelsarchiv von Gir- genti mitgeteilt, worin auch die Angabe steht: pauci Christiani erant ibi usque ad mortem regis Gulielmi secundi. 3) Amari 3, 215. 4) Amari 3, 218. 6 manen habe wohnen lassen die Franken und die Rúüm d. h. Franzosen und Italiener. Dies wird bestätigt durch eine Fülle topographischer Bezeichnungen, die ihren zweiffellos italischen Ursprung verraten ¹), sowie durch Personennamen, bei denen die Herkunft angegeben ist ²). In Bezug auf den Modus der Einwanderung aus Italien läſst sich natürlich positives nicht angeben, nur vermuten, daſs sie zahlreicher aus Oberitalien erfolgte. Denn das Feudal- regiment in Süditalien hinderte die freie Bewegung, suchte vielmehr den Einzelnen möglichst an die Scholle seines Herrn zu bannen. In Oberitalien aber schlug man zu dieser Zeit die Feudalität in Trümmer, ohne dafs die Organisation der Kommunen gleich abgeschlossen gewe- sen wäre. Da mochten wol unzufriedene Glieder des einen oder andern Standes ihr Glück in der Fremde versuchen und ohne Hindernis ihre Heimat verlassen können. Hierhin gehören die grofsen lombardischen Kolonien³), von denen wir gute historische Zeugnisse haben. Besonders wird eine kompakte lombardische Bevölkerung um den Aetna herum erwähnt, die z. B. im Jahre 1168 im stande war, 20 000 Krieger zu stellen. Ihnen gehört auch jenes mächtige Geschlecht an, dessen Haupt Markgraf Heinrich war, das Graf Roger durch verwandtschaftliche Bande an sich zu fesseln für gut hielt. Diese historischen Zeugnisse werden bekräftigt durch das lebendige Zeugnis der Sprache. Angelo de Gubernatis hat nachgewiesen, dafs der Dialekt dieser Lombardenorte, wie z. B. Piazza, Nicosia dem mon- ferrinischen sehr nahe steht*). Über den Zuzug aus Unteritalien finden sich brauchbare Notizen nicht, doch läſst sich vermuten, daſs die geringe christliche Bevölkerung, namentlich der Seestädte, mit Ausnahme von Messina, im Laufe des 12. Jahrhunderts besonders durch Zuzug aus den Seestädten Süditaliens, wie Amalfi, Bari u. a. gewachsen sei, wofür es an Zeugnissen nicht fehlt. Die örtliche Verteilung der Nationalitäten ist übrigens leicht zu erklären durch den Gang der Eroberung. Val Demone wurde ohne besondere Mühe erobert, daher blieb die alte, vor- wiegend griechische Bevölkerung im ganzen in ihren Sitzen; neue Einwanderer wurden nicht herangezogen, da die so leicht eroberte Provinz einer ständigen Besatzung nicht zu bedürfen schien. Ebenso in Val di Noto, nur mit dem Unterschied, dafs die Bevölkerung hier überwie- gend arabisch war. Dagegen erforderte die Eroberung des Innern einen 13 jährigen, wechsel- vollen und überaus blutigen Kampf(1073— 86), hier wurde ein groſser Teil der alten Bevöl- kerung verjagt oder vernichtet, an seine Stelle traten Kolonien von der Terraferma, die durch allmähliche Einwanderung zu hervorragender Bedeutung erwuchsen. Auf diesem Boden nun gründete Graf Roger seinen Staat. Besonders anziehend ist 1¹) Das Nähere bei Amari 3, 219. 2) Gregorio p. 133: in einer Urkunde von 1127 befinden sich unter fünf Kanonikern von Girgenti ein Franzose, ein Römer, ein Policastriner, ein Lucchese und ein Brescianer, unter den Zeugen derselben Urkunde ein Genuese und ein Kalabreser aus Bisignano. Weitere Zeugnisse bei Amari 3, 221. ³) Im 11. und 12. Jahrhundert werden Lombarden und Longobarden streng geschieden, erstere sind die Bewohner der Poebene, letztere die des griechischen Themas Longobardia d. h. Süditaliens, vergl. Con- stantin. Porphyrogenit, de thematibus p. 1462. 4) Amari 3, 227. 7 dabei seine weise und scharfsinnige Politik gegenüber den Genossen der Eroberung und gegen- über der Kirche. Daſs die sicilische Feudalität, die er am Ende des 11. Jahrhunderts begründete, sich so gemälſsigt und gehorsam entwickelte, ist wesentlich sein Werk. Der Fürst übertrug dem Baron seine Rechte über Dinge und Personen, behielt sich jedoch meist die oberste Kriminal- justiz vor und hielt stets die Regalien in seiner Hand. Doch vielleicht nicht weniger als durch dieses übliche Recht wurden die Barone durch ein materielles Gegengewicht im Zaum gehal- ten, durch die vielen Domanialgüter und die zahlreichen Allodien, die man den alten Bewoh- nern und Muselmanen belieſs. Guiscard hatte allerdings auch in Sicilien grofse Lehen zu begründen versucht, doch hatte Roger sie mit Geschick beseitigt und vergab meist nur kleine Lehen. Die ungefähre Verteilung derselben läſst sich natürlich nur in den gröfsten Umrissen erkennen: eine grolse Anzahl kleiner Lehen war über die ganze Insel zerstreut, seinem eignen Hause, der Kirche und dem Fiskus behielt er die ausgedehntesten und reichsten Ländereien vor, die im letzten Jahrzehnt besonders im Centrum, Süden und Osten der Insel erobert waren. So suchte er seinen Adel niederzuhalten, da er aus eigner Erfahrung wuſste, wie gefährlich diese unterneh- menden Ritter werden konnten. Ganz besonders bewundernswert ist aber seine weise kirchliche Politik. Roger, der so lange in Kalabrien und Sicilien unter Griechen gelebt, mufste sehr wol bekannt sein mit den kanonischen Lehren Konstantinopels, die dem Fürsten die höchste Jurisdiktion über die Kirche und die Befugnis beliefsen, Bistümer zu gründen, Bischöfe zu ernennen, zu translocieren und abzusetzen. Gleichzeitig mahnte der Investiturstreit, der den Westen Europas bewegte, ihn an die Gefahr, die jeder Fürst im Schofs der lateinischen Kirche lief. Gleichwohl lag die Notwendigkeit auf der Hand, in Sicilien eine Kirche zu gründen, die die Muselmanen zum Christentum bekehrte, die Griechen zum lateinischen Bekenntnisse herüberführte und den La- teinern die Ausübung ihres Kults sicherte, sonst hätte ein Umschwung des Glücks die Insel leicht wieder in die Hände ihrer alten Herren in Afrika oder Konstantinopel geführt. Roger nun gelang es, eine Kirche zu gründen, die möglichst wenig abhängig war von Rom, möglichst abhängig von Fürsten. Er erreichte seinen Zweck, da dem Papst natürlich die kirchliche Re- stauration nicht weniger am Herzen lag und doch allein von Roger abhing, der die Mittel besafs, Kirchen, Klöster und Bistümer zu dotieren. Er ernannte die Bischöfe, er bestimmte die Grenzen der Diözesen ¹). Mit Ausnahme von Palermo, dessen Erzbistum älter als die Er- oberung ist, verdanken alle andern Sitze ihm ihre Gründung, er befreite sogar mit Erlaubnis und, wie er einmal sagt, nach dem Beispiel des Papstes einige Klöster von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs ²).— Kurz, er hielt die kirchlichen Regalien der Byzantiner fest. Einen Legaten, den Ur- ¹) Amari 3, 304, not. 1. 2. ²) Urkunde von 1090 für S. Filippo di Fragalà Pirro, Sicilia sacra p. 1027, von 1092 für S. Maria di Mili ibid 1025, von 1093 für S. Michele Arcangelo di Traina, S. Angelo di Brolo, S. Pietro Paolo d'Italia. ibid. p. 1021, 1016, 1034 u. a. 8 ban II. ihm setzen wollte, liefs er sich nicht gefallen, sondern entrang dem Papst einen Teil der Privilegien eines Legaten für sich und seine Nachfolger durch die berühmte Bulle von 1098 ¹). Nicht auffallend erscheint es, dass er in die höheren kirchlicheu Würden mit Vorliebe Franzosen berief. Denn die Bischöfe Siciliens besaſsen Lehen von einer Ausdehnung, dals sie sich den ersten Baronien des Reichs vergleichen konnten²). Und da sie in vieler Beziehung vom Fürsten abhingen, von der ritterlichen Aristokratie aber ganz unabhängig waren, so tru- gen sie dazu bei, Rogers Herrschaft zu stützen. Indes nicht nur durch sein Schwert, sondern vielleicht noch mehr durch sein Gold war Roger zu so bedeutender Macht gelangt. Seines Reichtums wegen war er in der ganzen Christenheit berühmt. Wir sehen den Grafen bedeu- tende Scharen ständiger Söldner unterhalten, den Papst und seinen Bruder Guiscard häufig mit Geld unterstützen, überall Kirchen und Klöster errichten. Woher kommen diese Schätze? Die weise Verwaltung, die Lösung dieses Rätsels, scheint eine Erbschaft aus den ara- bischen Zeiten, von den Siegern übernommen. Zunächst finden wir einen allgemeinen Census der domanialen und feudalen Ländereien, den die Rollen der villani beweisen, die in Mazara 1093 veröffentlicht wurden. Dieser Census umfaſste eine allgemeine Beschreibung der Gren- zen, Angabe der Grölſse des Grundstücks, der Zahl und Namen der villani. Das Amt, das diesen Census bewahrte, ist die Dohana ³) de Secretis(arab. Diwaàn et Tahkik el Mamur, die Ubersetzung entspricht etwa unserm»Grundbuchamt«⁴). Der arabische Ursprung wird be- wiesen durch die Benennung des Amts und seiner Akten, der defetarii, die Falcandus erwähnt. De- fétir ist der Plural von difter und dies nur Ubertragung von ꝓμσ, Fell oder Pergamentrolle). Die defetarii waren also die Register dieses Amts. Diese Aufzeichnungen sind nun wol nicht, wie Gregorio will, der überhaupt gern englische Vorbilder entdecken zu können meint, nach dem Muster des Doomsdaybook angelegt, sondern ein Erbteil der arabischen, vielleicht noch der griechischen Verwaltung. Neben den Ergebnissen dieser geregelten Verwaltung, die zu dieser Zeit ihresgleichen in Europa nirgends hatte, sucht Amari als Haupteinnahmequelle den Getreidehandel nach Afrika und zwar, wie ich glaube, mit Glück nachzuweisené²). Man kennt aus arabischen Annalen, be- ginnt er seine Beweisführung, die furchtbaren Hungersnöte, die Nordafrika in dieser Zeit heim- suchten. Ihre Ursache waren die räuberischen Araber Agyptens, die das ganze Land auf ihren Raubzügen verwüsteten und jede Kultivierung des Bodens für lange Zeit unmöglich machten. Aus diesem Sachverhältnis erklärt sich auch die unnatürliche Ruhe der arabischen Dynastie in Tunis während der Eroberung Siciliens. Dieser einträgliche Handel bahnte zu- 1) Vergl. über sie das Buch von Sentis, monarchia Sicula. Die Bulle findet sich auch in der sicilia- nischen Überarbeitung des Malaterra von Fra Simone da Lentini aus dem Jahre 1358, die übrigens bei einer Ausgabe Malaterras zu berücksichtigen wäre. Sie ist gedruckt Di Giovanni, cronache siciliane dei secoli 13— 15. Bologna, 1865 p. 1— 111. 2²) Gregorio, considerazioni lib. 1, cap. 2. p. 77. 3) Douane ist bekanntlich aus Diwàn entstanden. 4) Hierüber hat ausführlicher gehandelt Amari, su i divani dell' azienda normanna in Palermo in den Memorie della Accademia dei Lincei. Roma 1878, deren gütige Zusendung ich Herrn Oberbibliothekar Hart- wig in Halle verdanke. 1 ⁵) So Amari 3, 324. 6) Amari 3, 332 sq. 3 9 gleich den Weg für die späteren Unternehmungen König Rogers in Afrika und machte die Fürsten von Tunis für zwei Jahrhunderte den Siciliern tributpflichtig. Die servitia, welche der Fürst zu fordern hatte, bestanden meist in Hand- und Spann- diensten und dem servitium militare, das von den Lehnsträgern geleistet wurde. Die kirch- lichen Lehen waren davon nicht prinzipiell eximiert, sondern nur einzelne von ihnen, wie auch von den Städten. Auch die Muselmanen rief Roger in den Krieg, sie bildeten eigne Schaaren die von ihren Kaid befehligt wurden ¹), auf Kosten des Fürsten während des Feldzugs unter- halten. Daneben hatte er einige stehende Truppen. Die unter der arabischen Herrschaft sehr verfallene Flotte brachte er wieder zu be- deutender Stärke, so dafs sie in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts mit den bedeutendsten Seemächten der Zeit in die Schranken treten durfte. So war in den allgemeinsten Umrissen das Staatswesen, das der erste Roger geschaf- fen, an dessen weiterem Ausbau sein ebenbürtiger Nachfolger fortarbeitete. So schufen diese Sicilier sich eine unabhängige Macht, die sie befähigte, mit starker Hand in die Verhältnisse Apuliens einzugreifen. Die Gründung der sicilischen Monarchie. Mit Herzog Wilhelms Tode*²) begann der grofse zwölfjährige Kampf um die Herrschaft in Unteritalien. Die fest begründete Macht Rogers ermöglichte ihm, seinen Erbansprüchen auf das Herzogtum Apulien sogleich den nötigen Nachdruck zu verleihen. Sowie er die Kunde von Wilhelms Tode erfahren, eilte Graf Roger mit einigen Schiffen nach Salerno und erhob als nächster Erbe Anspruch auf das erledigte Herzogtum. Gegen Gewährung wichtiger Frei- heiten nahm die Stadt ihn aufs), bald darauf auch das reiche Amalfi. Seinen Schwager, den Grafen Rainulf von Avellino gewann er durch die weitgehendsten Versprechungen4). Capua hielt sich ruhig, da Fürst Jordan soeben gestorben war. Doch unmöglich konnte der Papst einem solchen Beginnen ruhig zusehen, er der oberste Lehnsherr, der in diesem Falle zugleich Erbe des Verstorbenen zu sein prätendierte). 1) Eine Art arabischer Aristokratie, die Roger hatte bestehen lassen. Griech. zatros, lat. gayti, ar- cadii, was dem span. alcalde entspricht. 2²) Nach Falco bei Del Re 1, 192 am 26. Juli 1127 zu Salerno, vergl. Bernhardi, Lothar v. Supplie- burg. Leipzig 1879, p. 274. ³) Falco ad a. 1127. Del Re 1, 194. Alex. Telesin. 1, 5. Del Re 1, 91. 4) Alexander Telesin. I, 7. Del Re 1, 92. ⁵) Interessant ist die Notiz, welche der Archidiakon Walter von Terouanne in seinem Leben Karls von Flandern(Mon. Germ. Scriptor. XII, 540) bringt: quidquid mobilium vel immobilium in terra possidere vide- batur, beato apostolorum principi Petro ejusque vicario sanctissimo papae Honorio, ex cujus ore sacro hoc ipsum frequentur audivi, jure perpetuo possidendum delegavit und habe als Zeugen dieses Akts den Erz- bischof von Salerno und den Bischof von Troia zugezogen,— Walter schreibt vor der Aussöhnung des Papstes mit Roger vergl Koepke op. cit. p 532. — 2 10 Jetzt am wenigsten, wo auf Deutschlands Thron ein so kirchlich gesinnter Herrscher wie Lothar saſs, konnte er gemeint sein, eine so geschlossene, drohende Macht in der unmit- telbaren Nähe Roms entstehen zu lassen. Er wies daher alle Anerbietungen Rogers kurzweg ab und begab sich selbst auf den Kriegsschauplatz, um den Kreuzzug gegen den Sicilier zu organisieren. Wiederholt sprach er über ihn und seine Anhänger den Bann aus, allen, die in dem Kampfe fallen würden, verhiefs er vollständige Vergebung ihrer Sünden, allen Teilnehmern des Zuges den Erlals der halben Sündenschuld¹). Es gelang ihm, alle diese verschiedenen Köpfe unter einen Hut zu bringen, die Fürsten von Capua und Bari, die Grafen von Andria, Conversano, Ariano, Avellino*) u. a. gegen den gemeinsamen Feind zu vereinigen. Allein Ro- ger, wie er denn nie alles auf einen Wurf zu setzen liebte, wich behutsam aus, zog sich in die Berge zurück, bot dem feindlichen Heere keine Gelegenheit zum Schlagen. Dieses Tem- porisieren, mehr noch die glühende Julisonne und Mangel an Nahrungsmitteln ³) lieſs das päpst- liche Heer zusammenschmelzen wie Schnee vor der Sonne. Der schwächliche Robert von Ca- pua, die zuchtlosen Barone, diese bittere Erfahrung mufste der Papst jetzt machen, waren durchaus unzuverlässig, in diesem kritischen Augenblicke, wo für sie alles auf dem Spiele stand, zeigten sie sich ihrer Aufgabe nicht gewachsen, kaum ein volles Verständnis der Lage. Und wie, wenn Deutschland wieder in den alten Gegensatz trat? Dann führte Guiscards Herzogs- schwert doch wol am wirksamsten der Graf von Sicilien. Der Papst beschlofs zu retten was noch zu retten war. Am 22. August 1128 belehnte er den Sicilier mit dem Herzogtum Apu- lien, wogegen dieser den Lehnseid leistete. Benevent blieb in päpstlichem Besitz, die Selb- ständigkeit Capuas wurde gewahrt*). Das Verhältnis der Curie zu dem neuen Herzog war ziemlich befriedigend. Da der sehnlichst erwartete deutsche König durch die Wirren in Deutschland voraussichtlich noch längere Zeit zurückgehalten wurde, in Oberitalien der staufische Gegenkönig) der Curie groſsen Abbruch that, so suchte sie in ihm eine Stütze und fand sie bereitwilligé), da er selbst die Curie noch nicht entbehren konnte. Denn noch waren die Barone niederzuschlagen. Da Fürst Robert sich jedoch ruhig hielt und Graf Rainulf vom Herzoge gewonnen wurde!), so gelang es in verhältnismäſsig kur- zer Zeit. Im Sommer 1129 war die Ruhe im grofsen und ganzen hergestellt, hatten die Ba- rone sich unterworfen. Im September desselben Jahres hielt der Herzog zu Melſi) einen ¹) Falco ad ann. 1127.— Vergl. darüber auch noch die apulischen oder, wir mlr scheint, Tarentiner Annalen, welche uns in der Interpolation bei Romoald(Mon. Germ. Scr. XIX, 419) erhalten sind. 2) Graf Rainulf hatte seinen Schwager verlassen, sei es, dals dieser seine Versprechungen nicht ge- halten, sei es, weil der Papst ihn gebannt, wie Abt Alexander sagt: lib. 1, 8. Del Re 1, 93. ³) Falco ad a. 1128. Del Re 1, 199. Alexander Telesin. 1, 14. Del Re 1, 95. 4) Falco ad ann. 1128. Del Re 1, 200. 5) Giesebrecht, Kaiserzeit 4, 53. 6) Der Papst nahm 1129 Rogers Hilfe gegen die Beneventaner in Anspruch, die eine communitas aufgerichtet und den päpstlichen Rektor ermordet hatten. Sie wurde bereitwillig zugesagt. Falco ad ann. 1129. Del Re 1, 201. 7) Alexander Teles. 1, 19. Del Re 1, 98. 8) Die Tarentiner Annalen bei Romoald Mon. Germ. Ser. XIX p. 419 z. J. 1130.— Alex. Teles. 1, 21. Del Re 1, 99 bringt die genauen Bestimmungen des Landfriedens und preist seine segensreiche Wirkung. 11 Reichstag ab, auf dem er einen allgemeinen Landfrieden errichtete und von den anwesenden Baronen beschwören liels. Dafs er selbst die Upterwerfung des Landes für vollendet ansah, beweist, daſs er, wie die Tarentiner Annalen erzählen, die Grafen sich und seinen Söhnen Ro- ger und Tankred Treue schwören lieſs. So sicher fühlte er sich bereits, dals er Salerno zum Verzicht auf die Konzessionen zwang, die er ihnen in der Not gemacht¹), und dem Grafen von Ariano seine beiden stärksten Burgen nahm. Der Fürst von Capua schwur ihm freiwillig den Lehnseid. Inzwischen war in der römischen Kirche ein bedenkliches Schisma ausgebrochen ²). War der eine Papst, Innocenz II, von der Minderheit der Kardinäle mit Milfsachtung der ka- nonischen Satzungen gegen die Vereinbarungen eines vorhergegangenen Kompromisses gewählt, so hatte man den andern(Anaklet II.) erst erhoben, als jener bereits von dem Papsttume Besitz ergriffen. Freilich hatte die überwiegende Mehrheit der Wahlberechtigten ihm ihre Stimme gegeben, die gesetzlichen Formen waren hier genau eingehalten worden. Anfangs schien es zweifelhaft, welchem von ihnen die Anerkennung der Christenheit sich zuwenden werde. Hatte die Sache erst nur kirchliche Bedeutung, so machte sich die politische Seite derselben bald auch für das unteritalische Normannenreich geltend. Der deutsche König Lothar hatte Anaklet keiner Antwort gewürdigt, in Deutschland neigte sich die Wagschale entschieden zu Gunsten Innocenz ³). Anaklet warf sich daher in seiner Not dem gefährlichsten Feinde der kaiserlichen Ansprüche auf Unteritalien, dem Sicilier, in die Arme, durch eine Bulle vom 27. September 1130 erhob er Rogers Lande zu einem Königreich, dessen Sitz Si- cilien sein sollte, dem er auch Capua und Neapel einverleibte; auſser vielen anderen Vergün- stigungen stellte er auch Roger die Streitkräfte von Benevent zur Verfügung 4). Um diesen Preis anerkannte ihn der neue König und mit ihm der Klerus von Unteritalien als katholischen Papst. Am Weihnachtstage 1130 wurde Roger im Dom zu Palermo feierlich gekrönt. Nach kurzer Ruhe, die Roger zur Sicherung seiner Herrschaft benutzte?), brach in Apu- lien wiederum ein Aufstand aus. Gegen Ende des Jahres 1131 erhoben sich die apulischen Barone, an ihrer Spitze Grimoald von Bari und Tankred von Conversano ⁴), gleichzeitig von Ro- ger schwer gereizt sein Schwager, der Graf von Avellino. Im Frühjahr kehrte Roger, der den Winter wie alljährlich in Sicilien verbracht hatte, mit Heeresmacht zurück und warf sich zu- nächst auf Bari. Graf Rainulf wollte den bedrängten Baresen zu Hülfe eilen, wurde aber von seinem Lehnsherrn, dem Fürsten von Capua zurückgehalten, der ihn veranlalste den Weg der 1) Alex. Teles. 1, 22. Del Re 1, 100: petentibus ipsis, non corde annuerat. 2) Vergl. besonders die Schrift von Mühlbacher, die streitige Papstwahl von 1130. Innsbruck 1876 und die ausführliche Darstellung von Bernhardi, Lothar p. 281 sq. ³) Giesebrecht 4, 62 stellt wol nicht mit Recht die Sache so dar, als ob Deutschland sich schon de- finitiv erklärt hatte. 4) Watterich, vitae pontificum 2, 193. Falco ad ann. 1130. Del Re 1, 201. Petri Casin. chronic 4, 97. in Mon. Germ. Scr. VII, 871. 5) Er zwang die Amalfitaner ihm ihre Burgen zu übergeben, in 1131. Alex. Teles. 2, 7— 11. Del Re 1, 103 sq. Der Herzog von Neapel unterwarf sich freiwillig. Alex. Teles. 2, 12. Del Re 1, 105. 6) Die Tarentiner Annalen bei Romoald Mon. Germ. Scr. XIX p. 420. 2* 12 Verhandlungen einzuschlagen und seine Beschwerden unterstützte. Roger antwortete kurz und deutlich, der Fürst möge sich um seine eignen Sachen kümmern. Bald darauf fiel Bari nach dreiwöchentlicher Belagerung, über die aufständischen Barone erging ein strenges Strafgericht. Da der Fürst von Capua sich inzwischen offen gegen ihn erklärt hatte, ihm auch den Durch- zug nach Rom verweigerte, so war es nötig, zuerst sich gegen ihn und seinen Lehnsmann zu wenden. Bei Nocera kam es am 24. Juli 1132 zur Schlacht, in der der König total geschla- gen wurde:). Mit den Trümmern seines Heeres rettete er sich nach dem nahen Salerno. Die Auf- ständischen frohlockten, aller Orten jubelten die Anhänger von Innocenz, denn beider Interes- sen waren ja identisch. Anaklet geriet jetzt in die äufserste Bedrängnis, denn nun zog auch der deutsche König gegen Rom ²). Es war ein Glück für Roger und seinen Papst, dafs die geringe Heeres- macht Lothars und die deutschen Verhältnisse ihn verhinderten, Entscheidendes zu unterneh- men. Denn auf die Kunde der Niederlage bei Nocera hatten sich auch die apulischen Barone sofort wieder erhoben). Roger gelang es nur durch die angestrengteste Thätigkeit den Aufstand zu lokalisieren und namentlich die schon wankende Treue des mächtigen Bari sich zu erhalten4⁴). Während seiner Abwesenheit im Winter 1132/3 knüpfte Graf Rainulf mit den apulischen Rebellen Ver- bindungen an?), die jedoch ohne praktische Folgen blieben. Es fehlte den Aufständischen eine einheitliche Leitung, dem einzigen Manne, der durch seine Persönlichkeit zum Führer geeig- net war, fehlte die nötige Autorität, um diese querköpfigen Junker in Ordnung zu halten und nach seinem Willen zu lenken, dem geborenen Führer, dem Fürsten von Capua fehlten die persönlichen Eigenschaften²). So kam es, dafs sich die Apulier wieder vereinzelt von Roger schlagen lieſsen. Im Frühjahr 1133 überschritt er mit groſsem Heer den Faro, diesmal zu schonungslosem, durchgreifendem Verfahren entschlossen?). Sofort wandte er sich nach Apu- lien, besetzte die Ländereien der Grafen von Andria und Alexander von Gravina, letzterer ent- floh nach Dalmatien. Nach längerer Belagerung erstürmte er Montepiloso, die Hauptfeste der Rebellen, die Gefangenen erlitten eine ungewöhnlich harte Behandlung. Die apulischen See- städte nahm er mit leichter Mühes), das feste Troia wurde zerstört und in mehrere casali ¹) Uber die Schlacht Alex. Teles. 2, 29— 32. Del Re 1, 112 sq. Falco ad ann. 1132. Del Re 1, 212— 214 und den Bericht des Bischofs Heinrich von S. Agata an die Vikare Innocenz II in Rom bei Jaffé bibliotheca V Codex Uqdalrici n. 259. 2²) Sein Itinerar bei Stumpf R. 3269— 3283. 3) Alex. Teles. 2, 33. Del Re 1, 114 nennt die Grafen von Conversano, Andria und Alexander(von Gravina) als Häupter. 4) Alex. Teles. 2, 34. Del Re 1, 114. Nach Falco ad ann. 1139 zählte Bari damals 50 000 Einwohner. 5) Alex. Teles. 2, 36. Del Re 1, 115. 6) Später, da Graf Rainulf als Herzog von Apulien durch Belehnung des Kaisers und Papstes den Widerstand gegen Roger leitet, sehen wir wirkliche Erfolge. 7) Alex. Teles. 2, 37. Del Re I, 116: rex... tanto mentis erupit furore, ut non comiti, non magnati, non etiam cuilibet militi, qui ita perjurantes in eum colla erexerant, penitus parceret. 8) Charakteristisch ist die Behandlung dieser Städte: Bisceglie verlor seine Ringmauern, Trani musste alle seine turres zerstören, ebenso Bari, das nebenbei eine Citadelle erhielt. Alex. Teles. 2, 49. Del Re 1, 120. 13 verteilt, dasselbe Schicksal erlitt Ascoli. Uber Melfi, Gravina und Rapolla kehrte er nach Sa- lerno zurück ¹) und schiffte sich dort im Oktober nach Sicilien ein. Die Unterwerfung Apuliens war allerdings vollständig, allein inzwischen hatte die Re- bellion im Nordwesten des Reiches auch ihrerseits Fortschritte gemacht, Neapel, Benevent, der Graf von Boiano oder Molise hatten sich ihr angeschlossen. Der Fürst von Capua war von Rom, wo seine Bemühungen, Lothar für einen Feldzug gegen Rom zu gewinnen, vergeblich ge- wesen, nach Pisa gegangen und suchte dort die Republik zu kräftiger Hülfeleistung zu be- wegen. Innocenz, der bereits im Sommer 1133 aus Rom geflohen, in Pisa ein Asyl gefunden hatte, wird ihn dabei zweifellos unterstützt haben. ²) Während seiner Abwesenheit änderte sich jedoch die ganze Sachlage. Zu Anfang des Jahres 1134 war Roger wieder auf der Terraferma erschienen und war sengend und brennend in des Grafen Rainulf Gebiet eingefallen. Widerstand war unmöglich, so sah sich den Rainulf genötigt, unter den härtesten Bedingungen sich zu unterwerfen. Seinem Beispiele folgten Sergius von Neapel und Graf Hugo von Molise, in Benevent mufsten die Führer der innocen- tianischen Partei aus der Stadt fliehen²). Capua ergab sich, der Sieger hielt einen feier- lichen Einzug. So war nun die Ruhe im ganzen Reiche wieder hergestellt, die königliche Macht be- deutend gestärkt, die der Barone durch Gebietsabtretungen sehr geschmälert, das Fürstentum Capua durch Einziehung als heimgefallnes Lehen mit dem Körper des Reichs vereinigt. Bis an die Grenzen des Kirchenstaats herrschte Roger nun, und in Rom saſs ein Gegenpapst auf dem apostolischen Stuhle, der sich nur durch die Macht des Siciliers behaupten konnte und ganz in seine Hand gegeben war4). Triumphierend kehrte der König nach Sicilien zurück. Da durchflog im Frühjahr 1135 Italien die Nachricht, daſs Roger zu Palermo schwer erkrankt sei, bald folgte die falsche Kunde von seinem Tode ⁵). Sofort eilte Fürst Robert mit einer pisanischen Flotte nach Neapel, wo sich Sergius sofort an ihn anschlofs, sofort erhob auch Graf Rainulf die Fahne des Aufstandes. Allein den Stellvertretern des Königs, dem energischen und gewandten Kanzler Guarin und dem Ammiratusé) Johann gelang es, die am meisten bedrohten Pflätze, vor allem Capua, vor dem ersten Ansturm zu halten und zu Capua eine Kriegsmacht zu versammeln, die hinreichend war, die Unternehmungen der Gegner zu paraly- sieren?). Die Hoffnung derselben, Capua durch Verrat der Anhänger des Fürsten zu nehmen, hatte der Kanzler dadurch vereitelt, daſs er die entschiedensten derselben aufgehoben und nach ¹) Vergl. Rogers Regesten weiter unten. ²) Die Hilfe Pisa's war unbedeutend, doch geht aus Alex. Teles. u. Falco, sowie Marangone, annales Pisani and ann. 1134(pisanischer Kra) Mon. Germ. Scr. XIX: in mense Septembri incepta est lis a Pisanis eum rege qui dicitur Rogerius hervor, daſs die Feindseligkeiten in diesem Jahr doch bereits begonnen hatten. ³) Unter ihnen auch Falco, der Geschichtschreiber der Stadt. 4) Giesebrecht 4, 117. ⁵) Alex. Teles. 3, 1. Del Re 1, 129. 6) Bernhardi, Lothar p. 624 scheint Ammiratus für einen Eigennamen zu halten, es ist indes nichts anders, als eine Korruption des arabischen Worts emir, bezeichnet also einen Titel, woraus später das Wort »Admiral« enstand, vergl. Amari 3, 351 sq. ⁷) Der einzige Erfolg der Aufständischen war der Gewinn Aversa's. 14 Salerno gesandt hatte¹). Zum offnen Angriff auf die Stadt fühlten sich die Gegner nicht stark genug. So lagen beide Heere eine Zeit lang sich gegenüber. Da erschien anfangs Juni König Roger zu Salerno ²). Als der Fürst und die Seinigen dies erfahren hatten, wurden sie todestraurig, denn sie sahen, dals sie einem falschen Gerüchte geglaubt hatten ³). Alles fiel sogleich dem Könige zu, der Aufstand beschränkte sich auf das feste Neapel, alles was sich den Aufständischen angeschlossen hatte, floh dorthin. Da an eine Einnahme durch Sturm nicht zu denken war, sah sich der König genötigt, eine regelrechte Einschlieſsung zu beginnen, um die Stadt durch Hunger zu nehmen ⁴). Indessen auch diese Hoffnung wurde hinfällig, als Pisa eine ansehnliche Flotte mit Lebensmitteln nach Neapel sandte. Diesen Pisanern gesang es, am 4. August 1135 durch einen Handstrich das reiche Amalfi zu überrumpeln. So fürchterlich hausten und plünderten sie in der unglücklichen Stadt, in der sie zugleich die Rivalin hafsten, daſs mit diesem einen Schlage die Blüte Amalfis dahin sank. Nie hat es sich wieder zu erholen vermocht. Es war doch nur eine dürftige Genug- thuung, dals die Sieger sorglos sich überfallen lieſsen und eine ziemliche Anzahl ihrer Mann- schaft verloren. Anfangs September kehrte die pisanische Flotte mit dem Fürsten Robert nach Pisa zurück. In Neapel blieben Sergius und Rainulf, die Verteidigung zu leiten. Roger beschloſs auch den Winter hindurch die Stadt eingeschlossen zu halten. Der Befehl über das Cernie- rungscorps wechselte von 2 zu 2 Monaten unter den getreuesten Baronen. Bevor Roger nach Sicilien zurückkehrte, durchzog er das Land, strafend und die Getreuen ermunternd und belohnend mit dem Gute der Verjagten. Unfern von Benevent belehnte er seinen dritten Sohn Anfusus per vexillum mit dem Fürstentum Capua). In prächtigem Zuge ritt der junge Fürst an des Vaters Seite in seine Hauptstadt ein und empfing dort den Treueid seiner Barone6). Auf einem Tage zu Capua traf der König die nötigen Anordnungen für die Verwaltung des Landes!). Inzwischen zogen sich schwere Wetterwolken am nördlichen Horizont zusammen. Schon lange hatte der heilige Bernhard, der in Roger die einzige Stütze des verhaſsten Gegenpapstes sah, aller Orten gegen ihn gewühlt. Es war ihm gelungen, das Schisma in Oberitalien zu beseitigen, vor allem Mailand seinem Papste wiederzugewinnen. Hatte sich auch Lothar durch die deutschen Verhältnisse bisher noch verhindert gesehen seiner Aufforderung Folge zu leisten, so stand nun im Jahre 1135 nach Unterwerfung der Staufer einer Romfahrt nichts mehr im 1) Alex. Teles. 3, 7. Del Re 1, 132. 2) 5. Juni nach Alex. Teles. 3, 9. Del Re 1, 133. 3) Alex. Teles. 3, 10. Del Re 1, 133. 4) Die Belagerung Neapels erzählt Alex. Teles. 3, 20— 4, 2. Del Re 1, 138— 146. Dann verläſst uns dieser bewährte Führer. 5) Alex. Teles. 3, 27. Del Re 1, 141. 6) Alex. Teles. 3, 31. Del Re 1, 144: salva tamen sua(sc. regis) flliique ejus Rogerii fidelitate, qui ei in regnum successurus erat. ⁷) ibid.: Deinde ut omnibus injusta patientieus exhiberetur justitia, praefato electo(von Capua) si- mulque magnati cuidam, qui vocabatur Haymon de Argentia imposuit. Über alles Land, das sub proprio do- minio war, setzte er als Procurator einen gewissen Gaucellin(so Del Re nach Muratori, während Caruso die Form Cancellin hat).— Soviel ich sehe, ist dies die erste Stelle für die Einrichtung der Justitiare. 15 Wege. Die Zurüstungen zum Zuge wurden getroffen, mit Konstantinopel Verhandlungen ange- knüpft¹), das wahrscheinlich Subsidien zahlte. Im Herbste 1136 stieg der Kaiser nach Italien hinab. Den Rest des Jahres benutzte er zur Sicherung seiner Herrschaft in der Lombardei. Anfangs Februar lag er südlich von Bologna, wo er das Heer teilte. Sein Schwiegersohn, Herzog Heinrich sollte das kaiserliche Ansehen in Tuscien wiederherstellen. Er selbst zog über Ancona, Fermo ²) nach Apulien. Jubelnd empfingen ihn dort die Seestädte, vor allen Bari und Trani, bereitwillig unterstützten sie das deutsche Heer bei Balagerung und Zerstörung der Zwingburgen Rogers. In Bari traf Pfingsten 1137 auch Herzog Heinrich ein. Er war durch Tuscien gezogen, hatte den Bischof von Sutri als Anhänger Anaklets abgesetzt und war, Rom zur Seite liegen lassend, nach Capua gezogen. Hier hatte er Robert wieder in sein Fürstentum eingesetzt*), dem sofort alles zufiel, da Rogers straffes Regiment sich wenig beliebt gemacht hatte. Benevent zwang er die Exilierten wieder aufzunehmen und dem Papste Innocenz Treue zu schwören. Verheerend zog er dann weiter über Troia nach Bari. Im Juni fiel die Citadelle von Bari, das Hauptbollwerk des Nor- mannen in diesen Gegenden. Rogers Herrschaft schien, im tiefsten Grunde erschüttert, zu Boden zu sinken, Sergius atmete wieder frei in Neapel, nur die Burg von Salerno hielt sich tapfer verteidigt von Rogers Kanzler Robert von Salisbury ⁴). Er selbst, der sich bisher nirgends den Deutscheu gezeigt und sich durchaus abwartend verhalten hatte), verlor jetzt den Mut und bot dem Kaiser Frieden, natürlich ohne Erfolg. Die heifsesten Sommertage verbrachten Papst und Kaiser an den Quellen des Brandano im Gebirge bei Potenza. Bei den mannigfachen Anordnungen und Dispositionen, die beide Fürsten hier trafen, zeigte es sich doch, wie wenig sie ungeachtet ihrer Bundesgenossenschaft in ihren Ansichten über die Angelegenheiten Italiens übereinstimmten, welche Kluft zwischen dem deutschen Reich und der päpstlichen Kurie, zwischen dem kaiserlichen Heer und den römischen Kardinälen bestandé). Das deutsche Heer verlangte ungestüm die Rückkehr, es ¹) Vergl. über Anselms v. Havelberg Legation die Belegstellen bei Muralt, essai de chronographie byzantine ad ann. 1135/6, über ihn sonst Riedel in Ledebur's Archiv f. preuss. Gesch. 8, 97— 137, 225— 268 Berl. 1832 und Spieker in Niedner's Journal f. histor. Theologie X. Leipz. 1840. Wir hören ferner von grie- chischen Gesandten zu Pisa 1136 bei Maranzone ad ann. 1137 Mon. Germ. Scr. XIX, 240 und in Kalabrien in den Paderborner Annalen, vergl. Scheffer-Boichorst, ann. Patherbr. ad ann. 1137. Es scheint mir danach die Wirksamkeit der Byzantiner auch von Gisebrecht etwas unterschätzt zu sein. ²) Zu Giesebrecht 4, 448 bemerke ich, dafs der Palatinus Wilhelm der Graf v. Loritello ist, ein Ur- enkel des Grafen Gottfried v. Capitanata, vergl. Ravizza, diplomi della città di Chieti vol. 1, Nap. 1832, p. 8. not. 8, woselbst auch ein Stammbaum der Grafen v. Loritello. Ein Urkunde von ihm bei Ughelli 6, 705. 3) Bei Di Meo, annali critico-diplomatici del regno di Napoli. 10, 80 Nap. 1805 findet sich ein Diplom des Fürsten Robert, datiert Capua, Septemb. 1137. Bei Del Gindice, codice di Carlo I e II d'Angid I append. I hat eine Capuaner Urkunde von 1138 neben den Regierungsjahren Rogers die seines Sohnes Anfusus. 4) So hat die ältere Ausgabe des John v. Hexham bei Twysden, die neuere und, wie mich Herr Dr. Liebermann versicherte, kritischere Ausgabe der Surtees Society, liest Salebia= Selby. Über ihn vergl. Johannes Saresb. Polycratic. VII, 19, 55 ed. Giles. ⁵) Uber 1136 sind wir sehr dürftig unterrichtet, da Falco sich unter den Beneventaner Exilierten in Neapel befindet. Die Urkunden siehe in Rogers Regesten. 6) Giesebrecht 4, 137. 16 verwünschte laut und offen den Papst, dessen Eigennutz diesen mörderischen und fruchtlosen Krieg veranlafst habe¹). So sah sich denn Lothar, wenn er es überhaupt je gewollt, gehindert den Krieg nach Sicilien zu tragen. Er suchte nun den zersplitterten Kräften Unteritaliens eine feste Organisation zu geben, um zie zu befähigen Roger die Spitze zu bieten und die errungenen Erfolge zu behaupten. Zugleich dachte er so diese Länder dem Reiche dauernd zu sichern. Diesem war ja der Süden Italiens allerdings unterworfen gewesen, allein seit Hildebrands Zeit war er dem apostolischen Stuhle lehnspflichtig geworden, und Papst Innocenz zeigte sich nicht gewillt, irgend ein Recht der römischen Kirche hier aufzugeben. So gab denn gleich die Besetzung des Herzogtums Apulien zu heftigen Auftritten zwischen ihnen Anlaſs. Den neuen Herzog fand man im Grafen Rainulf von Avellino. Im September zog der Kaiser ab. Kaum war er fort, so erschien Roger racheflammend auf dem Festlande. Seine Sarazenen verheerten das Land, zumal die Besitzungen Rainulfs. Capua und Benevent ergaben sich im ersten Schreck, Robert von Capua entfloh, Sergius von Neapel leistete den Vasalleneid und Heeresfolge ²). Nur Herzog Rainulf, von den apulischen Seestädten kräftig unterstützt, kämpfte mit Mut und Glück, konnte aber trotz seines glänzenden Sieges bei Rignano³) am 30. Oktober 1137 keine entscheidenden Erfolge erringen. Inzwischen war es dem heiligen Bernhard gelungen, auch in Rom den gröſsten Teil der Geistlichkeit für Innocenz zu gewinnen. Anaklets Macht lag zu Boden, und so lieſfs sich denn auch Roger auf Bernhards Drängen zu Unterhandlungen herbei. Er verlangte, daſs von jeder Partei drei Kardinäle, die an der Wahl teilgenommen, an ihn abgeordnet würden; diese sollten den Verlauf beider Wahlen darlegen, damit der König den Ursprung des Zwistes ken- nen lerne. Er werde, so versicherte er, der rechtmäſsigen Wahl sich unterwerfen. Beide Seiten sandten ihre hervorragendsten Mitglieder. Roger nahm zuerst die Gesandten Innocenz vor und examinierte sie vier Tage lang immer bis Sonnenuntergang, mehr als man glauben kann 4). Ebenso eifrige Nachfrage widmete er den Legaten Anaklets. Nachdem er beide Teile gar aufmerksam gehört, erklärte er, er sei von all den vielen Fragen und verschiedenen Antworten so verwirrt, daſs er sich nicht getraue, allein eine Entscheidung zu treffen; die Kardinäle jedes Teils möchten also einen Wahlbericht aufsetzen und einer von jeder Partei ihn nach Sicilien begleiten, dort wolle er die Frage der Entscheidung eines Parlaments unter- breiten. Beide Teile sagten zu, und Roger fuhr mit den Kardinälen nach Sicilien. Doch ehe eine Entscheidung getroffen ward, starb unerwartet am 25. Januar 1138 der Gegenpapst in Rom. Auf Rogers Antrieb und mit seiner Zustimmung stellte Anaklets Partei ¹) Petr. Diac. chron. 4, 119. Annalista Saxo ad ann. 1137. Mon. Germ. Scr. VI, 775. ²) Falco ad ann. 1137. Del Re 1, 236 sq. ³) Der Editor der Annal. Cavenses in Mon. Germ. Scr. III war zweifelhaft, ob Rinianum oder Rania- num zu lesen sei, offenbar ist das erstere richtig, denn ein Ort Ragnano existiert nicht. Ferner bezeichnen die Annalen von Cava den Schlachtort als inter Rinianum et Casale novum gelegen, welche beiden Orte auch in einer Urkunde Kaiser Friedrich II von 1225 sich zusammengestellt finden: omnes terras in territorio Casale novo et Rineani, die der Kaiser im ferneren Text der Urkunde als in der Nähe von Siponto am Flusse Can- delaro gelegen bezeichnet. Ughelli 7, 833. 4) Falco bei Del Re 1, 239. Ernaldi vita Bernardi cap. 7 in der Ausgabe von Mabillon II pars 2 ed. IV. 8—— in Viktor IV. einen neuen Gegenpapst auf, doch hielt sich derselbe nur wenige Monate. Selbst Roger sah sich jetzt genötigt, Innocenz in seiner geistlichen Würde anzuerkennen, aber daran fehlte viel, daſs er deshalb auch sogleich seinen Frieden mit ihm gemacht hätte. Im April 1139 hielt Innocenz eine grolse Synode zu Rom ab, erklärte alle Ordinationen Anaklets und Viktors für nichtig und sprach von neuem über Roger und seine Anhänger den Bann aus¹). Der Papst mochte sich durch Rainulf's Erfolge ermutigt fühlen. Aber gleich darauf traf ihn ein furchtbarer Schlag. Herzog Rainulf starb am 30. April im kräftigsten Mannesalter. In kurzer Zeit war Uuteritalien wieder in der Hand Rogers. Da rüstete sich der Papst selbst mit ge- waffneter Hand dem Sicilier entgegen zu treten, begleitet von dem vertriebenen Robert von Capua ging er nach S. Germano, einen ungleichen Kampf zu wagen. Von dort aus unterhan- delte er mit Roger, doch wurden die Verhandlungen abgebrochen, als Roger sich weigerte, den Fürsten von Capua wiederherzustellen. Die Feindseligkeiten wurden wieder aufgenommen, durch einen glücklichen Handstreich fiel der Papst mit einem grolsen Teil der Seinigen am 22. Juli 1139 bei Galluzzo ²) in die Hände Rogers, der jetzt den Frieden erzwingen konnte. Nach kurzem Kampfe bestätigte der Papst am 27. Juli³)»dem erlauchten und berühmten Könige Siciliens« und seinen Erben das Königtum und den Besitz aller eroberten Länder ausser Be- nevent gegen einen jährlichen Zins. Der König mit seinen Söhnen Roger und Anfusus leistete den Lehnseid und erhielt Absolution, dann folgte der feierliche Akt der Belehnung. Auch das uralte Herzogtum Neapel wurde jetzt dem Reiche einverleibt, da Herzog Sergius kinderlos bei Rignano gefallen war. Ein weiser und glücklicher Fürst gebot jetzt über den ganzen Süden Italiens, über Provinzen, die zum ersten Male seit der Gothenzeit durch ihn in ein Reich ver- einigt waren. Nach langer Zeit empfanden diese Länder den Segen einer starken Hand, die Ordnung zu schaffen wuſste. Nach zwölf Jahren unsäglicher Mühen, unablässigen Kampfes war endlich das grofse Normannenreich in seiner Existenz gesichert, es hatte sich als Faktor gezeigt, mit dem die Politik der europäischen Reiche zu rechnen hatte. ¹) Jaffé Regesta p. 585. 2) Höchst merkwürdige Nachrichten hierüber, über eine Vergiftung Herzog Rainulfs etc. finden sich in den, soweit ich sehe, bisher ganz unbeachteten Bruchstücken, die bei Muratori I, 2, 519 sq. hinter dem Chron. Vulturn. stehen. Es liegt in ihnen eine wichtige Quelle der unteritalischen Geschichte des 12. Jahr- hunderts vor, nur ist dieselbe in ihrer gegenwärtigen Gestalt so gut wie unbrauchbar. ³) Ich halte gegen Giesebrecht 4, 454 das Datum der Bulle bei Mansi 21, 396 und Pirro, Sicilia sacra I p. XVI fest. Ich kann nicht finden, dals man nach Falco annehmen mufs, daſs die Urkunde an dem Tage des Friedensschlusses abgefafst sei. 18 König Roger und der zweite Kreuzzug. Die Politik, welche dieses neue Reich nach aufsen zu verfolgen hatte, war durch seine Lebensbedingungen, durch seine Geschichte von selbst gegeben. Im Gegensatze zu den beiden Kaiserreichen war es emporgekommen, dieser Gegensatz dauerte noch fort. Einstweilen jedoch, da die innere Erschöpfung eine starke Aktion nach aufsen nicht gestattete, muſste Erhaltung der Ruhe das vornehmste Ziel der normannischen Politik sein. Das Verhältnis zum Papste blieb, so lange Innocenz II. lebte, ein befriedigendes ¹). Innocenz war entschlossen, den Vertrag zu halten, die Aufforderung seiner Kardinäle, den ab- gedrungenen Vertrag für nichtig zu erklären, hatte er abgelehnt. Einmal glaubte er, sich nur so im Besitz Roms erhalten zu können, und sodann spekulierte die päpstliche Politik darauf, dafs dem deutschen Könige in seiner schwierigen Stellung ein Bruch unmöglich war. Da aber der Kampf mit den Welfen den deutschen König zugleich verhinderte nach ltalien zu ziehen, wie er lebhaft wünschte, so gestaltete sich das Verhältnis Roms zu Sicilien derart, daſs man kaum Anstand nehmen darf, es als ein abhängiges zu bezeichnen. Innocenz Nachfolger Coele- stin ²), der die Disputationen zu Palermo vielleicht noch in unliebsamem Andenken behalten, trat allerdings in ein feindliches Verhältnis, allein er sals nur wenige Monate auf dem Stuhle Petri, und sein Nachfolger Lucius sah sich, da König Roger Truppen in die römische Cam- pagna sandte, genötigt, wenigstens einen modus vivendi herzustellen. Hierbei blieb man bis 1149. Auch gelang es dem Könige, die kirchlichen Kreise Frankreichs sich zu gewinnen, was um so wichtiger war, als die damals mächtigsten Orden ihre Stammsitze auf französischem Boden in Cluny, Citeaux, Chartreuse, Prémontré hatten. Der heilige Bernhard und Abt Peter von Cluny wetteifern in ihren Briefen ³) an Roger in Verbindlichkeiten, nebenbei vergessen sie allerdings das Geschäftliche nicht. Denn in dem Eifer, die Interessen ihres Ordens wahrzu- nehmen, erscheinen sie fast wie Vertreter zweier Konkurrenz-Firmen, die sich um ein neues Absatzgebiet bemühen. Auch einflulsreiche Männer des französischen Hofes verpflichtete er sich durch Ge- fälligkeiten aller Art4). Mit Abt Suger stand er in vertraulichem Briefwechsel. ¹) So erzählt z. B. der römische Kanonikus Johannes in seinem Buch über die Laterankirche, dals Papst Innocenz das Dach der Kirche versehen habe novis trabibus, quas gloriosus et potens Roggerius Siciliae rex precibus suis eidem ecclesiae transmisit. Mabillon, museum Italicum II, 568. 2) Cf. Falco ad a. 1137. Er ist jener Guido de Castello, der als Vertreter der Innocentianer Roger nach Palermo begleitete. 3) Petr. Cluniac. epistol. lib. 3, 3, lib. 4, 37 und auch lib. 6, 16 von 1139, 1145, 1149 in Bibliotheca Cluniacensis coll. Marrier et Quercetanus. Paris 1614. col. 795. 868. 915 und S. Bernardi epist. 207. 208. 209, in der Ausgabe von Mabillon. 4) Z. B. Abt Suger und Graf Thibaud IV. von Champagne vergl. Sugerii, de rebus in administratione sua gestis bei Lecoy de la Marche, oeuvres de Suger, Paris 1867 p. 208. Dieses Werk schrieb Suger in den 19 Bedenklich dagegen war das Verhältnis zu Deutschland. Dort sah man Rogers Er- hebung und das Verhältnis des Papstes zu ihm mit anderen Augen an. Die Stimmung wurde natürlich auf's eifrigste genährt von den sicilischen Emigranten, die zum grolsen Teil am deut- schen Hofe sich aufhielten. Doch war für den Augenblick nichts zu fürchten, da der neue König zunächst genug zu thun hatte, sich gegen die mächtige Welfenpartei zu halten. Es kennzeichnet die weitsichtige und aktive Politik des sicilischen Herrschers, daſs er die deut- schen Wirren auf alle Weise zu nähren suchte. Ich glaube nämlich als sicher annehmen zu können, daſs Roger die Welfen schon 1140 mit Geldmitteln unterstützt hat. Seit dieser Zeit gewöhnte man sich in Deutschland, die Hand des»sicilischen Tyrannen« überall zu sehen). Des Siciliers vornehmstes Bemühen mufste es in der That sein, Konrad in Deutsch- land festzuhalten, zumal da grade damals durch Vermittlung Venedigs, welches die kräftig aufstrebende Seemacht Siciliens argwöhnisch betrachtete, eine Annäherung Konstantinopels an Deutschland erfolgte, ein Bündnis, dessen Spitze sich ausgesprochenermafsen vor allem gegen Sicilien kehrte ²)..* Es ist uns durch Cinnamuss) überliefert, dafs Roger bei Kaiser Johannes um die Hand einer kaiserlichen Prinzessin für seinen ältesten Sohn Roger geworben habe, dafs aber ehe die Verhandlungen zum Abschlufs gediehen waren, Johannes gestorben sei4). Bald darauf habe er dann in derselben Angelegenheit eine neue Gesandtschaft an Manuel abgehen lassen, der auch wirklich darauf eingegangen sei und zur Fortführung der Unterhandlungen den Basilius Xerus nach Sicilien abgeordnet habe. Allein dieser habe sich bestechen und zur Annahme unziem- licher Bedingungen bewegen lassen, deren wichtigste gewesen, daſs in Zukunft der Kaiser und Roger an Majestät sich gleichstehen sollten ⁵5). Nach Rückkehr des Unterhändlers habe Manuel das Resultat der Negociation verworfen und Roger vielfach ignoriert. Dieser sich vom Kaiser verhöhnt glaubend, habe eine Flotte gerüstet und nur auf eine Gelegenheit zur Rache, zu einem empfindlichen Schlage gegen Byzanz gewartet. Cinnamus sagt uns ausdrücklich, obige Geschichte sei der Grund gewesen für die griechische Politik König Rogers während des zwei- ten Kreuzzugs. Mag die Erzählung nun begründet sein, obwohl sie bei dem unzuverlässigen Charakter ⁶) dieses Schriftstellers mir zweifelhaft erscheint, so ist sie doch für das wahre Ver- ständnis der Politik Rogers durchaus nicht von Bedeutung. Diese Politik ist vielmehr allein bedingt durch die allgemeinen Verhältnisse: es galt einem gemeinsamen Vorgehen der beiden Jahren 1145— 1147 ibid. p. 155. Siehe ferner Rogers Brief an Suger bei Duchesne 4, 538, Bouquet 15, 495 und Sugers Antwort darauf epist. 4 Lecoy de la Marche p. 245 und in Sugers Leben von Mönch Wilhelm v. St. Denis lib. 1I. Lecoy p. 384. ¹) Otto Frising. chron. VII, 23 Separatausgabe vol. 1 p. 323. ²) Giesebrecht 4, 201— 203. 210. 215— 216. Jaffé, Konrad III p. 100. 101. Otto Frising. Gesta Frid. 1, 23. 24 in der Separatausgabe p. 36— 43. 3) ed. Bonn. p. 91. 4) ibid.— 44' odro rédos Boye rd rjje oεetas zal Nad r0 Hioν zaré*³νε. ⁵) loc. cit.— ro εν εασe μενααeν̈ ⁵ααa re roοον 2οeοο α Po†οον αεσνα. 6) Dafs Kugler demselben viel zu viel Glauben schenkt, hat schon Giesebrecht bemerkt. Allein auch er schlägt den Wert dieses Panegyristen noch zu hoch an. Ich halte die Ansicht Wilken's und Tafel's fest, dalfs Nicetas in jeder Hinsicht dem Cinnamus vorzuziehen sei. 3* 20 Kaiserreiche zuvorzukommen. Und die Gelegenheit dazu bot die unkluge Politik Konrads von Deutschland, dieses persönlich so hoch achtbaren, aber politisch unfähigen Herrschers. Im Dezember 1144 wurde der christliche Orient durch die Kunde von dem Falle Edessa's in den äussersten Schrecken versetazt. Da man zum Widerstande sich zu schwach fühlte, entschloſs man sich, Hilferufe an die abendländische Christenheit zu richten. Sie er- gingen zunächst an den Papst. In der That erlieſs dieser, es war Eugen III., am 1. Dezember 1145¹) ein schwungvolles Breve, durch welches König Ludwig von Frankreich, die Fürsten und alle Gläubigen Frankreichs zum Kampf gegen die Ungläubigen aufgerufen wurden. Der Natur der Sache nach erregte die Not der syrischen Christen in Frankreich ganz besondere Teilnahme. Bereits Weihnachten 1145 trat zu Bourges eine Versammlung zusam- men, um über die Not der Brüder im gelobten Lande zu beraten, sei es durch das päpstliche Schreiben veranlaſst, sei es, wie Kugler will, auf Betrieb des französischen Königs. Dieser sprach vor der Versammlung die Absicht aus, selbst das Kreuz zu nehmen und versuchte, die Anwesenden für das Unternehmen zu gewinnen. Der feurige Bischof Gottfried von Langres:), ein vertrauter Schüler des heiligen Bernhard, unterstützte ihn dabei mit begeisterter Rede. Doch hatten namentlich die Staatsmänner der französischen Krone, wie Abt Suger, ihre ernsten Be- denken gegen eine persönliche Teilnahme des Königs. Die Sache wurde deshalb dem Papst zur Entscheidung übergeben. Dieser ging gern auf des Königs Wunsch ein und übertrug, da er selbst nach Frankreich zu eilen verhindert war, die Kreuzpredigt dem heiligen Bernhard. Mit gröfstem Erfolge begann der Abt dieselbe auf der Versammlung zu Vezelay Ostern 1146. Nach derselben durchzog er Frankreich überall predigend. Der Kreuzzugs-Gedanke ergriff wiederum die ganze Nation. Ludwig VII. schickte inzwischen Gesandte an die Könige von Deutschland, Ungarn und Sicilien und den Kaiser von Byzanz. Er machte diese Herrscher mit dem bevorstehenden Unternehmen bekannt und bat sie, den Scharen der Kreuzfahrer freien Durchzug durch ihre Länder und unbehinderten Einkauf der Lebensmittel zu gestatten. Konrad von Deutschland und Geisa von Ungarn gewährten sofort Markt und Durchzug. König Roger, mit den Fran- zosen seit geraumer Zeit befreundet, schickte ebenfalls erwünschte Antwort und fügte hinzu, daſs er bereit sei, wenn die Kreuzfahrer den Weg über Süditalien nehmen wollten, dieselben in seiner Flotte nach Syrien überzuführen und entweder selbst oder wenigstens durch seinen Sohn an dem Zuge Teil zu nehmen. Kaiser Manuel versprach zwar auch, was man verlangte, deutete jedoch daneben an, dafs er dieselben Gegenleistungen von den Franzosen fordern werde, die einst sein Vorfahr Alexius von den Fürsten des ersten Kreuzzugs gefordert hatte. Die Rüstungen wurden das ganze Jahr 1146 hindurch mit rastlosem Eifer betrieben, die Masse der Kreuzfahrer mehrte sich beständig, die Hoffnungen auf einen glänzenden Erfolg des Kreuzzuges stiegen von Tag zu Tag. Die Aussichten des Unternehmens im Herbst 1146 waren in der That vielversprechend. Da wollte es das Unglück, daſfs der heilige Bernhard auch in Deutschland die Kreuz- 1) So mit Giesebrecht 4, 247. 471 gegen Kugler, Studien p. 88. 2) Früher Prior von Clairvaux, siehe über ihn Gallia christiana IV, 574 sq. predigt begann und wiewohl nach längerem Widerstreben selbst König Konrad sich von ihm für den Zug gewinnen lieſs(27. Dezember 1146). Dieser Erfolg Bernhards war ein schweres Unglück. Einmal für Deutschland, das von Parteiungen zerrilsen und von auswärtigen Feinden bedroht war, dessen Heere soeben von Polen und Ungarn geschlagen waren. Er durchkreuzte zugleich die Pläne des Papstes, der dringend König Konrad in Italien zu sehen wünschte, und die griechische Politik. Es war auch ein Unglück für den Kreuzzug, weil die Teilnahme König Konrads einmal König Manuel verstimmen mulste und Sicilien in ein schiefes Verhältnis zu demselben brachte. Inzwischen war König Konrad mit dem französischen Hofe in Verbindung getreten, um über den Weg des Kreuzheeres zu verhandeln. Das Ergebnis war, dals die Deutschen den Weg durch Ungarn nehmen sollten. UÜber den Weg des französischen Heeres beriet man bald darauf auf einer Reichsversammlung zu Etampes(16. Februar 1147). Hier erschienen Gesandte des griechischen Kaisers und König Rogers und machten aufs neue die günstigsten Anerbietungen, wenn das französische Heer durch ihre Länder ziehen würde. So sehr hier Rogers Gesandte auf den Seeweg drangen, gewann dennoch endlich die Meinung die Oberhand, man solle gleich dem deutschen Heere den Landweg durch Ungarn und das byzantinische Reich nehmen. Hierdurch aber wurden die normannischen Gesandten bitter verletzt. Sie sahen, dals ihre bisherigen Genossen, die Franzosen, mit denen sie sich durch den Kreuzzug nur noch enger zu verbinden, in denen sie einen Rückhalt gegen die beiden Kaiserreiche zu gewinnen gehofft hatten, nunmehr mit ihren schlimmsten Widersachern, den Deutschen, zu ge- meinsamem Handeln verbanden. In der gereiztesten Stimmung verliefsen sie die Versammlung. Mitte Mai setzte sich nun das deutsche Heer von Regensburg in Bewegung, am 20. Juni brach der gröſste Teil des französischen Heeres unter König Ludwig von Metz auf, ein kleiner Teil wählte den Weg durch Italien über Brindisi und Durazzo. Am 10. September erreichten die Deutschen Konstantinopel, gegen Ende des Monats setzten sie über den Bosporus, und wenige Tage, nachdem sie Konstantinopel geräumt, rückte auch bereits König Ludwig mit den Franzosen an. Sie hatten auf ihrem Marsche bereits unter der noch vom Durchzuge der Deutschen ¹) erbitterten Stimmung der Einwohner vieles zu leiden gehabt. In den ersten Tagen des Oktober lag das Heer, um die Kreuzfahrer, die den Weg über Apulien gewählt hatten, zu erwarten, etwa eine Tagereise vor Konstantinopel. Hatte die bisherige Behandlung von Seiten der Griechen im französischen Heer schon eine gewisse Erbitterung hervorgerufen, so stieg dieselbe auf's höchste, als Gerüchte von einer schimpflichen Behandlung des französischen Vortrabs zu Konstantinopel laut wurden und die Nachricht sich verbreitete, Manuel habe mit den Ungläubigen einen Waffenstillstand geschlossen. Gleichzeitig erfuhr man, König Roger habe einen Angriff auf das griechische Reich mit grolsem Erfolge gemacht. Das griechische Reich schwebte in diesem Augenblick in tötlicher ¹) Die Zügellosigkeiten einer solchen Masse, wie das deutsche Heer ausmachte, waren zweifellos arg genug. Doch finde ich bei Odo v. Deuil das konsequente Bestreben, alle Schuld den Deutschen in die Schuhe zu schieben, und kann daher seinen Angaben nicht unbedingtes Vertrauen schenken. Über den sonstigen Charakter des Autors vergl. Sugers Leben von Wilhelm v. St. Denis. 22 Gefahr. Im französischen Kriegsrate wurde ernstlich über die Frage verhandelt, ob man nicht mit Roger sich verbinden und gegen Konstantinopel ziehen solle¹) Der beredteste Vertreter dieser Ansicht war der feurige Bischof von Langres, allein vornehmlich durch den Einfluſs des Königs siegte die gemäſsigtere Ansicht. In friedlicher Haltung marschierte man nach Byzanz, von wo sie Manuel durch eine klug gewählte List²) bald abzuziehen veranlalste. Wir verlassen jetzt die Kreuzfahrer auf ihrem Zuge durch Kleinasien und wenden uns zu demoben erwähnten Angriffe König Rogers auf das griechische Reich ³). Als das französische Heer gegen Konstantinopel heranzog und alle griechischen Streit- kräfte nach der Hauptstadt gezogen waren, glaubte Roger den Augenblick gekommen, wo er einen Schlag gegen die Griechen wagen könne, jedenfalls hoffte er das französische Heer mit in den Kampf hineinzureiſsen. Zu Anfang des Herbstes lief sein Ammiratus Georg von An- tiochia von Otranto⁴) aus und besetzte das wichtige Korfu, dessen Bewohner ihn mit offenen Armen empfingen. Die Sicilier verstärkten den Platz und segelten um Kap Malea herum nach der festen Freistadt Monembasia, fanden hier aber unerwarteten Widerstand. Hier kehrte die Flotte um, doch wol nicht, wie Nicetas meint, wegen heftigen Widerstandes der Bürger von Monembasia, sondern unzweifelhaft deshalb, weil König Ludwig sich nicht gewinnen lieſs. Der Ammiratus fuhr nun um Malea herum in den lakonischen Golf) und die Küste des Peloponnes entlang ⁶), verwüstete und plünderte überall, brandschatzte Ktolien und Akarnanien, namentlich Arta, und lief dann in den Meerbusen von Korinth ein*). Seine Operationen gegen das Bin- nenland begann er von dem sichern Hafen von Krissa aus. Der erste Streich galt dem reichen Theben, der Hauptstadt des Thema Hellas, das eine besonders hochentwickelte Seidenindustrie betrieb. Es wurde gründlichst ausgeplündert, viele der angesehensten Männer, und nament- lich Seidenweber, wurden mitgeschleppt. Wahrscheinlich erfolgte von Theben aus auch ein Uberfall auf Euböas). Eine gleiches Schicksal traf das reiche Korinth, dessen uneinnehmbare Feste Akrokorinth sich im ersten Schreck ergab. Triumphierend kehrte die sicilische Flotte nach Palermo zurück.»Wahrlich, wer damals die sicilischen Trieren, mit unendlichen Kost- 1) Odo de Diogilo p. 35 cf. Giesebrecht 4, 275. 2²) Odo p. 41. ³) Vergl. über denselben Giesebrecht 4, 275 und besonders Hopf in Ersch und Gruber, 1. Sektion Band 85. p. 156 sq., aus dem Hertzberg, Geschichte Griechenlands. Gotha 1876. Band 1. p. 367 sq. schöpft. 4) So geben die Quellen an, nicht Brindisi, wie Hopf und Hertzberg haben, ebensowenig sind die 60 Schiffe zu begründen. Die Zeit geht hervor aus den oben angeführten Stellen Odo's von Deuil und aus einer Urkunde vom Oktober 1147, in der Manuel den Venetianern die Privilegien seiner Vorfahren bestätigt und aufserdem Handelsfreiheit in Kreta und Kypros erteilt. Die Urkunde steht Fontes rer. Austriae. 2 Abt. Band 12. p. 113 und ist bisher fälschlich auf 1148 gesetzt; während das Datum Oktober 6656 ind. 11 bekanntlich dem Oktober 1147 entspricht. ⁵) Nicetas ed. Bonn. p. 97. 98.— 5εd dε r0ν& Maléaν π⁴οον τν εσενωννα ονονον αἀναeꝙεac. 6) Hierher gehört wol die Verwüstung von Modon, die Brompton bei Twysden p. 1218 erwähnt. Eine Notiz, die er, wenn ich nicht irre, den Gesta Heinrici II entnommen hat. 7) Nicetas loc. cit. 8) Cinnamus p. 91, dessen Erzählung allerdings verwirrt und unzuverlässig ist. Aber auch das Chronic. Altinate im Arch. Storico Italiano vol. 8 p. 156. Firenze 1845 erwähnt die Plünderung von Nigropus. Ebenso Dandolo bei Muratori 12, 282, dem hier Manuels Urkunde vorgelegen hat. Übrigens hat er an dieser Stelle auch Gervas. Tilbur. otia imperialia benutzt vergl. Dandolo p. 283 mit Leibnitz, Scriptor. Brunsvic 1, 1001. barkeiten bis zum Wasserspiegel beladen sah, der hätte sie wol nicht für Piratenschiffe ge- halten, sondern für Kauffahrer, befrachtet mit köstlichem Gut jeder Art«). Den weiteren Verlauf dieses Krieges zu verfolgen, wie ihn namentlich die venetiani- schen und byzantinischen Schriftsteller berichten, liegt nicht in unserer Aufgabe. Denn es galt nur zu zeigen, wie Roger den bedrohlichen Bund der beiden Kaiserreiche lahm legte, indem er dem griechischen Reiche in einem Augenblick fast vollständiger Wehrlosigkeit einen schweren Schlag versetzte. Und dieser Schlag gewann welthistorische Bedeutung, weil er der abendländischen Kirche eine fürchterliche Niederlage bereitete, weil er das groſlse Unternehmen des Kreuzzugs vollends zu Grunde richtete. Wieder standen hier der heilige Bernhard und Roger sich gegen- über wie einst während des Schismas, diesmal aber war es der erstere, welcher unterlag. Wunderbarerweise scheint man in Frankreich in wildem Griechenhafs nicht erkannt zu haben, wie ein Fürst der abendländischen Christenheit selbst es war, durch den das grolse Werk zu Grunde gerichtet wurde, man feierte dort in Roger nur den glorreichen Sieger über die Grie- chen. In Deutschland, wo der Hals den Blick geschärft, hat man in diesem Punkte klarer gesehen.— Beilage I. Regesten König Roger's. Vorbemerkung: Urkunden, welche gefälscht oder wenigstens verdächtig erscheinen, sind mit einem Sternchen* versehen. 1100. Mai 9. Locri. Roger mit seiner Mutter daselbst. Trinchera, syllabus graecar. membranarum. Neap. 1865 dipl. 70. griech. 1101. Okt. S. Marco Adelasia für das Kloster S. Filippo di Fragala. 6610 ind. 10. Unterschrift oαμνασαάσ ade (bei Patti). Aaœoeα σeννταν ναι ννη ονοοσ diν ea ai ααααeασν. Cusa, diplomi greci ed arabi di Sicilia 1, 394. Palermo 1868 besser als bei Spata, pergamene greche esistenti nel grande archivio di Palermo. Palermo 1862 p. 191, der mannigfache Abweichungen hat. Di Meo, annali del regno di Napoli 9, 111 cit. Spata, pergamene p. 380 und 381 cit in einer Ur- kunde v. 1510. * 1104. Sept.... Graf Roger für S. Maria di Rossano. Ughelli, Italia sacra 9, 291. Di Meo, annali 9, 116 Extr. latein. 1109. Sept. 20. S. Marco Graf Roger für S. Barbara di Demenna. 6618. ind. 3. Bleibulle. Unterschrift: Porepeoc 1109.... Kop Kala,obαms Kat exe ²αꝓ. Spata, pergamene p. 215. griech. Adelasia und Roger für das Bistum Squillace. Bleibulle. Trinchera, syllabus. dipl. 139 citiert in einer späteren Urkunde Rogers. latein. 1) Nicetas p. 101. Nicetas hat offenbar dem Laurentius de Monacis vorgelegen, der in seiner Chronik ed. F. Cornaro, Venetiis 1758 p. 120 in Kürze dieselbe Darstellung hat und mit demselben Gedanken schlieſst: inde Corcyram revertitur cum classe adeo spoliis onusta, ut non armigerorum, sed mercatorum potius videretur. (1109)........ 1110. Februar 17. Messina. 1110. April. Messina. 1112. März. Messina. 1112. Juni12. Palermo. 1112. Novemb.... 1115. Juni 1. S. Seve- rina. 1115. August. Stilo. 1116. September.. 1116. Okt. Scala. S. Alexii. 1117. Mai 7. Mileto. 1117.(nach 31. Aug.) Palermo 1123. Jan. Palermo. * 1124. NMontes- caglioso. 1125. Dez. Messina. *1127.. Montes- caglioso 1128. Jan. 18. Palermo. * 1129. Mai 15. Pa- lermo. 1129. Okt. 5. Messina. 24 Adalasia und Roger für das Bistum Squillace. Bleibulle. 6617(also 1. September 1108 bis 31. August 1109). Trinchera dipl, 139 cit. latein. Adelasia und Roger für das Bistum Sqillace. ind. 3. Mit Zeugen. Ughelli 9, 429. Gregorio, opere scelte p. 130 not. 1., der 1113 Febr. 20 angiebt. Archivii Neapolitani Monumenta VI append. dipl. 18. Dafs diese Urkunde mit der vorigen nicht identisch, lehrt Trinchera dipl. 139. Adelasia und Roger für S. Filippo di Fragalà. 6618. ind. 3. Bleibulle. Spata, pergamene p. 221, p. 380 cit. griech.— Pirro, Sicilia sacra 2, 1027 cit(mit der Jahreszahl 6628). Adelasia und Roger für S. Filippo di Fragalà. 6620. ind. 5. Spata, pergamene p. 229. Pirro, Sicilia sacra 2, 1027 cit. grich. Adelasia und Roger jam miles, jam comes für das Erzbistum Palermo. ind. 5. Mit Zeugen. Bleibulle. Pirro, Sicilia sacra 1, 80. Mortillaro, catalogo dei diplomi esistenti nel tabulario della cattedrale di Palermo. Palermo 1842. p. 301. Mortillaro, opere vol 1. Palermo 1843. p. 376. Extr. latein. Adelasia und Roger für S. Filippo di Fragalà. 6621. ind. 6. Spata, pergamene p. 233. griech. Graf Roger für das Bistum Cerenzia. 6623. ind. 8. Ughelli 9, 477. Di Meo 9, 213 Extr. Von zwei Richtern von Cotrone im Jahre 1253 übersetzt und beglaubigt. Graf Roger für S. Maria di Arsafia. ind. 8. Trinchera, syllabus dipl. 78. griech. Graf Roger für den Konsul der Genuesen in Messina. 6625. ind. 10. Gregorio, considera- zioni lib 2 cap. 9. not. 3. p. 607, in latein. UÜbersetznng. Mortillaro opere 4, 7 griech. mit latein. Ubersetzung. Graf Roger für S. Pietro e Paolo di Agro. 6625. ind. 9(sic). Pirro 2, 1039 latein. Über- setzung.. Graf Roger für S. Filippo di Fragalà. 6625. ind. 10. Spata, pergamene p. 245. Pirro 2. 1027 cit. Am besten bei Cusa 1, 385. Graf Roger für die Peterskirche in Palermo. Pirro 1, 620 cit. Pirro 1, 737 cit mit ind. 10. Graf Roger entscheidet einen Rechtsstreit. 6631. ind. 1. Spata, pergamene p. 409, besser bei Cusa 1, 471. griech.. Graf Roger für das Bistum Catania. Pirro 1, 525 cit. Graf Roger für das Michaelskloster daselbst. Meo 9, 305 Extr. aus Tansi. Gräf Roger für das Bistum Catania. ind. 4. Mit Zeugen. Bleibulle. Pirro 1, 525. ibid. 386 cit. Meo 9, 316 Extr. Herzog Roger für das Michaelskloster daselbst. ind. 5. Meo 9, 339 Extr. aus Tausi. Über die Unechtheit siehe Meo loc. cit. Herzog Roger schliefst einen Vertrag mit Graf Raimund von Barcelona. 1127(sic). ind. 6. Amari, storia dei Musulmani di Sicilia 3, 389. latein. König(sic) Roger für Messina in solennitate nostrae coronationis. Dat. per Jacobum de Ma- riscalco militem de Messana. Mit Zeugen. Lünig, cod. dipl. Ital. 2, 846. 2515. 4, 402. latein. Herzog Roger für das Kloster S. Stefano in Valle di Anglona. per mau. Widonis protonotarii. ind. 8. 1130(sic). Di Meo, annali 9, 358. latein. 1129. Dezember 30. Palermo Mai 16. Pa- lermo 1130. Mai(Messina) 1130. 1130. Mai Messina 1130. Juli Palermo 1130.... Palermo 1131. Febr. Palermo 1131. Febr. Palermo 1131. Juni 7. Cefald 1132. 1132. 1132. 1132. Mai 13. Tarent *1132 Juni 1. Bari ... 1133. Jan. 10. Messina 1133. Febr. 26. Messina 1133. Juli 21. Salerno 1133. Sept. 21. Gravina 25 Herzog Roger für Monte Casino. Dat. per man. Guarnerii Mazariensis decani. ducatus anno tertio, ind. 8, 1130(sic). Goldbulle. Unter den Zeugen Guarinus magister camerarius domini ducis. Gattola, accessiones. Venet. 1734. p. 243. Di Meo 9, 358 Extr. latein. Herzog Roger für das Kloster S. Maria di Marsala. ind. 8. Pirro 2, 1001. latein. Herzog Roger für das Salvatorkloster in Messina. ind. 8. Bleibulle. Cusa, diplomi greci p. 292. griech. Pirro 2, 972. Cajetanus, vitae sanctorum Siculorum. Panormi 1657. vol. 1. animadvers. p. 52. in latein. Übersetzung. König(sic) Roger für das Kloster S. Maria zu Rossano. ind. 8. Trinchera, syllabus dipl. 106. Herzog Roger für den Griechen Scholaris. setzung aus dem Griech. Vor Herzog Roger und seinen Prälaten und Baronen wird ein Rechtsstreit zwischen dem Erzbischof von Palermo und dem Abt von Lipari geschlichtet. ind. 8. tibi Vidoni domini ducis notario inscribi praecepimus. Pirro 1, 84. latein. Herzog(sic) Roger für das Kloster S. Arcangelo di Petralia. primo. Goldbulle. Muratori, antiquit. 5, 775. latein. König Roger für Cava. per man. Michaelis notarii. regni anno primo. Goldbulle. Di Meo, annali 9, 386 Extr. latein. König Roger legt den Grundstein zum Dom von Cefalu. Pirro 1, 389. 799 cit. König Roger für das Bistum Cefaluè. ind. 10. Spata, pergamene p. 413. griech.-arab. König Roger für das Bistum Cefalu. ind. 10. Bleibulle. Spata, pergamene p. 429. griech. König Roger für das Bistum Cefalù. ind. 10. Bleibulle. Spata, pergamene p. 423. griech.-latein. König Roger für das Kloster S. Anastasio di Carbona. 6640. Bleibulle. Ughelli 7, 77. Di Meo, annali 10, 6 Extr. latein. UÜbersetzung aus dem griech. König Roger für Bari. Michael notarius scripsit. per man. Philippi Logothetae. 7, 612. latein. Di Meo, annali 10, 12 hält sie für unecht. König Roger für Monte Casino. per man. Vidonis nostri notarii. ind. 11. Bleibulle. Tosti, storia di Monte Casino 2, 114. latein. König Roger entscheidet einen Rechtsstreit zwischen dem Bischof und den Bewohnern von Patti. ind. 11. script. per man. Vidonis nostri notarii. Dat. per man. Guarini nostri can- cellarii(et magistri cappellani). Gregorio, considerazioni lib 1. cap. 5. not. 4. p. 195. latein. König Roger für Bischof Johann von Patti. Dat. per man. Guarini cancellarii. regni anno tertio. ind. 11. Bleibulle. Pirro 2, 773. Gregorio, considerazioni lib 1. cap. 3. not. 6. p. 123 cit. latein. König Roger für Bischof Ursus von Giovenazzo. Script. per man. Widonis notarii. Dat. per man. Guarini cancellarii. Anno regni quarto(sic). Ughelli 7, 724 mit ind. 2. Di Meo, annali 10, 25 Extr. mit ind. 11, der sie für gefälscht oder wenigstens verderbt hält und 10, 30 sie auf 1134 setzt. latein. König Roger für den Bischof Nicolaus von Castellaneta. Script. per man. Nicolai nostri notarii. Dat. per man. Guarini cancellarii. regni anno tertio. ind. 12. Bleibulle. Ughelli 9, 152. Di Meo, annali 10, 25 Extr. latein. Mit Zeugen. Goldbulle. 6636(sic). ind 8. Pirro 2, 1003. latein. Uber- 1130(sic). ind. 9 regni anno 1130(sic). ind. 9. Ughelli 4 1133. Sept. 28. Rapolla 1133. Okt. 15. Salerno 1133......... 1134. Jan.(Palermo) 1134. Febr. Messina 1134. Februar... 1134. Apr. 28. Palermo 1134. Mai Messina 1134. Juli 27. Salerno 1136. April..... *1136. Oktober 10. Palermo 1137. März 1137. Aug. 25. Palermo *1137. Oktober 10. Palermo 1137. Nov. Salerno 1137. Nov. 22. Salerno 26 König Roger für das Kloster S. Maria di Brindisi. Script. per man. Guidonis judicis et nostri notarii. Dat per man. Guarini cancellarii. regni anno tertio, ind. 11(sic). Ughelli 9, 32. Di Meo, annali 10, 25 Extr. Grande, collana di opere scelte di scrittori di tBerra d'Otranto. Lecce. 1867. vol. 1, 271 mit September 27. latein. für das Kloster Cava. Script. per man. Guidonis notarii. Dat. per man. Guarini cancellarii. regni anno tertio. Goldbulle. Muratori, antiquitates 5, 775. Di Meo, annali 10, 25 Extr. latein. für den Erzbischof von Tarent. Ughelli 9, 130 cit. für das Kloster S. Maria di Campogrosso. ind. 12. Mortillaro, catalogo p. 302. griech. Pirro 1, 292 cit. Besser ediert von Cusa, diplomi greci 1, 13. für das Salvatorkloster daselbst. ind. 12. Cajetanus, vitae sanctor. Siculorum vol. 1. ani- madvers. p. 53. Pirro 2, 974. ibid. 1, 389 cit. entscheidet einen Rechtsstreit zwischen Bischof Johann von Patti und Walter de Guantes. ind. 12. Pirro 2, 775. für den Bischof Johann von Patti. Script. per man. Guidonis magistri notarii. Dat. per man. Guarini cancellarii. anno regni quarto. ind. 12. Pirro, 2, 774. latein. Ubersetzung aus dem Griech. für das Salvatorkloster daselbst. ind. 12. Pirro 2, 976 Extr. für Monte Casino. Script. per man. Widonis notarii. Dat. per man. Guarini cancellarii. regni anno quarto. 1133(sic), ind. 12. Bleibulle. Gattola, accessiones 246. Di Meo, annali 10, 32 Extr. für Adelina, die Amme seines Sohnes Heinrich. ind. 4.(sic). Trinchera, syllabus dipl. 117. griech.. für den Johanniterprior Gubard. ind. 11. per man. Guarini cancellarii, anno quinto(viel- leicht für vero verlesen) regni Rogerii gloriosissimi regis Siciliae Ducatus Apuliae Princi- patus Capuae decimo. Bleibulle. Pünig, cod. dipl. Ital. 2, 1635. Meo, annali 10, 45 Extr., der es auch für falsch hält. latein. für das Kloster S. Filippo di Fragalà. ind. 4(sic). Spata, pergamene p. 381 als Regust an- geführt in einer Urkunde von 1510. griech. Pirro 2, 1027 cit. für das Salvatorkloster zn Messina. ind. 14(sic). Pirro 2, 977 Extr. Vielleicht auf 1136 zu setzen. für das Kloster S. Maria di Montevergine. per man. magistri Thomae capellani regis. ind. 15. Mit Zeugen. Acta Sanctorum, Junii tom. 5. Vita Wilhelmi auctore Joanne a Nusco cap. 7. Meo, annali 10, 81 hält es für verdächtig. latein. für den Johanniterorden. ind. 12. per man. Vidonis nostri notarii. Dat. per man. Guarini cancellarii, anno vero regni Rogerii glorios. regis Siciliae VI Ducatus Apuliae et Principatus Capuae XI. Bleibulle. Lünig, cod. dipl. Ital. 2, 1667. latein. Di Meo, annali 10, 80 hält es für eine Fälschung. Offenbar ist es ein Seitenstück zu 1136 Oktober 10. für die Stadt Benevent. per man. Henrici nostri notarii. anno regni septimo. Goldbulle. Falco Benevent. chron. ad a. 1137. Lünig, cod. dipl. Ital. 4, 7 mit 1. für die Stadt Salerno. Dat. per man. Henrici vener. Messanensis electi, anno regni septimo, ind. 1., script. per man. Gregorii nostri notarii. Goldbulle. Ughelli 7, 399. latein. 27 1138. April Tropea bestätigt eine Schenkung seiner Schwester Maximilla, Herrin von Oppido. ind. 1. Trinchera, syllabus dipl. 225. griech. [1139. April.... verleiht dem Ammiratus Christodulus die Würde eines Protonobilissimus. ind. 2. Wachsbulle. Garofalo, tabulario p. 10. Morso, Palermo antico. Palermo 1827. p. 300, letzteres ohne Jahreszahl. Nach Cusa, diplomi greci 1, 58 gehört es ins Jahr 1079.] 1140. Apr. 28. Palermo Stiftungsurkunde der Palastkapelle in Palermo. per man. Roberti caucellarii, regni anno decimo, ind. 3. Mit Zeugen. Garofalo, tabulario p. 11. 1140. August 17. In für das Kloster Casauria, per man. Roberti cancellarii, anno regni decimo, ind. 3. Chronic. territorio civitatis Casaur. bei Muratori, scriptores 2, 2, 888. latein. Theatinae super flumen Piscariae. 1140. Oktob. Atina läſst die Rechte des Fiskus im Gebiet von Atina feststellen und aufzeichnen. ind. 4. Tauleri, memorie istoriche della città d'Atina. Napoli 1702 p. 92. latein. 1140. Nov. 24. Palermo für das Kloster Montevergine. ind. 3. per man. magistri Thomae capellani regis, regni anno decimo. Acta Sanctorum Junii tom. 5 vita Willelmi auctore Joanne a Nusco cap. 7. latein. 1141. Febr. Palermo Schenkung an den Erzbischof von Palermo in Gegenwart des Königs. ind. 4. Mortillaro catalogo p. 15. griech. Pirro 1, 85. latein. Ubersetzung. 1141. Juni Sciacca für das Kloster S. Giorgio di Trocculi. ind. 4. Pirro 2, 978 Extr. *1141.Okt. 10. Palermo für den Johanniterorden. Script. per man. Vidonis notarii, Dat. per man. Guarini(sic) cancellarii, anno regni undecimo. Bleibulle. Pirro 2, 932. latein. Die gefälschten Urkunden für den Johanniterorden tragen sämtlich das Monatsdatum: Oktober 10. 1141......... für das Basilianerkloster zu Nardd. Ughelli 1, 1043 Extr. 1142. März 1. Palermo für das Kloster S. Maria di Gala. ind. 5. Mit Zeugen. Pirro 2, 1044 cit. griech. 1142. Mai. Linaria Graf Simon, des Königs Neffe und Ammiratus Georg entscheiden in Gegenwart und im Auf- trage des Königs einen Rechtsstreit. ind. 2.(sic). Cusa, diplomi 1, 306 griech. Pirro 1, 390 in latein. UÜbersetzung mit ind. 4. 1142. Mai..... Rocca, Witwe Wilhelms von Creun und ihr Sohn Roger restituieren in Gegenwart des Königs der Kirche vou Girgenti einige villani. ind. 5. Pirro 1, 698. latein. Di Meo, annali 10, 117 Extr. 1142......... weist die Barone und terrarii in der Diözese Girgenti an, dieser Kirche den Zehnten unver- kürzt zu leisten. Pirro 1, 698 Extr. Das Jahr ergiebt sich aus p. 696. 1143. Mai Palermo für den Abt Johann von Lipari. ind. 6. Pirro 2, 775. 1143. Mai..... bestätigt die Stiftungsurkunde des Klosters S. Maria dell' Ammiraglio. ind. 6. Garofalo. tabulario p. 13. Morso, Palermo antico p. 302. griech.-arab. 1143. Juli. Linaria für den erwählten Bischof Gerard von Messina. ind. 6. Cusa, diplomi 1, 312. griech. Pirro 1, 391 Extr. in latein. Übersetzung mit 1144, anno regni XIII per man. magistri Thomae (im griech. Text: εαεο ⁶⁴υμ⁴ τον /⁵οινοο. 1143. Nov. Capua entscheidet einen Rechtsstreit zwischen Bischof Johann von Aversa und Abt Walter von S. Lorenzo di Aversa. Mit Zeugen. Anno MO quadragesimo IIII(sic), ind. 7. anno Ro- gerii XIII. Ughelli 6, 95. Ohne Daten bei Del Giudice, append. I dipl. 6. Auf 1143 setzt es auch Di Meo 10, 126. latein. 1143. Nov. Salerno für das Kloster S. Maria de Capellis. 1144(sic), ind. 7., anno Rogerii XIII. Mit Zeugen. Ughelli 6, 97. latein. 4* 1143. Dezemb.... 1144. Jan. Palermo 1144. Febr. 1144. März Palermo 1144. Mara Palermo 1144. März Palermo 1144. Juli..... 1144. Okt. 18. Messina 1144. Okt. Messina. 1144. Nov. 3. Messina 1144. Nov. 5. Messina 1144. Nov. 6. Messina 1144. Novemb.. 1144. Novemb... 1144. Nov. Salerno 1145. März20. Palermo 1145. März20. Palermo 1145. März22. Palermo 1145. März 24..... 1145. April Palermo 1145. Mai 1. Messina 1145. Mai 6. Messina 28 für den Bischof von Syrakus. Fazello dec. I lib. 10 p. 651 cit. bestätigt eine Schenkung an das Erzbistum Palermo. ind. 7. Cusa, diplomi 1. 24. Mor- tillaro, catalogo p. 23. griech. gestattet einigen Venetianern eine Kirche zu Ehren S. Marco's in Palermo zu erbauen und stellt dieselbe unter Jurisdiktion des Erzbistums Palermo. ind. 7. Mortillaro, catalogo p. 303. griech. für Erzbischof Hugo von Palermo. ind. 7. Bleibulle. Cusa, diplomi 1, 20. Mortillaro, cata- logo p. 304. griech. Pirro 1, 91 in latein. Übersetzung. für Bischof Obert von Mazzara. Script. per man. Oddonis Remensis notarii. ind. 7. Dat. per man. Roberti magistri cancellarii. anno regni XIV. Bleibulle. Pirro 2, 844. für das Kloster S. Angelo di Brolo. ind. 8.(sic). Pirro 2, 1021 latein. Übersetzung aus dem Griech. legt einen zwischen Bischof Obert von Mazzara und den Königlichen Beamten entstandenen Grenzstreit bei. Pirro 2, 844 cit. für das Kloster S. Maria Calabrorum. Ughelli 9, 478 latein. UÜbersetzung aus dem griech. Di Meo, annali 10, 132 Extr. zweifelt die Urkunde an. für das Salvatorkloster daselbst. ind. 8. Pirro 2, 978 Extr. für das Kloster S. Maria di Macla(Diözese Bisignano). ind. 8. Bleibulle. Spata, sul cimelio diplomatico del duomo di Monreale. Palermo 1865 p. 21 latein. Pirro 2, 1210 cit. für die Karthause bei Arena. ind. 8 regni anno XIV. Di Meo, annali 10, 133. Er hält es wie alle übrigen Diplome dieser Karthäuser für gefälscht. für das Kloster S. Maria di Gala(bei Castroreale). ind. 8. Pirro 2, 1042 sehr schlechte latein. Ubersetzung aus dem Griech. . für das Salvatorkloster zu Messina. ind. 8. Pirro 2, 978 Extr. . für das Kloster S. Elia di Ambula(bei Traina). ind. 8. Pirro 2, 1012 cit. für S. Maria ad capellam di Napoli. Ughelli 6, 97 cit. für den designierten Bischof Celsius von Squillace. ind. 8. Bleibulle. Trinchera, syllabus dipl. 139. griech. für das Kloster S. Filippo di Fragala. ind. 8. Bleibulle. Latein. Ubersetzung in eine Ur- kunde von 1510 aufgenommen bei Spata, pergamene p. 379. Pirro 2, 1027. für die Kirche Palermo. ind. 8. Bleibulle. Cusa, diplomi 1, 26. Mortillaro, catalogo p. 26. griech.. zählt die villani des Lehens Gialiso auf. ind. 6.(sic). Bleibulle. Spata, cimelio dipl. del duomo di Monreale p. 15 Extr. griech.-arab. für das Bistum Cefalu. Script. per man. Petri notarii nostri. Dat. per man. Roberti can- cellarii. ind. 9.(sic). anno regni XV. Bleibulle. Pirro 2, 800. für das Kloster S. Maria di Maniaci. ind. 2.(sic). Bleibulle. Pirro 2, 1046 latein. Uber- setzung aus dem Griech. für das Kloster S. Filippo Grande bei Messina. ind. 8. Pirro 2, 1029 latein. Übersetzung aus dem Griech, 1145. Juni Palermo 1145. Juli. Palermo 1146. Mai..... 1146. Aug. Palermo 1146. Sept. Palermo 1147. April..... 1147. Nov. Salerno 1147. Dez. 12.... 1148. Juli Palermo 1150. Salerno(in pa- latio Terracinae). 1151. Mai Palermo 1151. Mai..... 1151. Okt. 15. Neapel 1151. Okt. Palermo 1113. Sept. 1.— 1114 August 31. 1120— 1127 1124 oder 1126 1126. Juli..... 29 der erwählte Bischof J. von Catania schenkt ein Drittel der Zehnten von Castrogiovanni und Aidone den Kapellanen des Königs in presentia regis. ind. 8. anno regni XV. Pirro 1, 529. für Abt Rao von Montescaglioso. per man. Roberti cancellarii. ind. 8. anno regni XV. Di Meo, annali 10, 143 Extr. aus Tansi. für die Kirche Cefalu. ind. 9. Mit Zeugen. Pirro 2, 801. Di Meo, annali 10, 147 Extr. bestätigt die Schenkungen seiner Schwester Emma u. a. an Montescaglioso. per man. Ma- jonis scriniarii, quia Robertus cancellarius absens erat ind. 9. anno regni XVI. Unter den Zeugen Herzog Roger von Apulien, Wilhelm Herzog von Neapel und Fürst von Capua. Di Meo, annali 10, 147 Extr., der es für gefälscht hält. bestätigt eine Schenkung seiner Schwester Emma, Gräfin von S. Severino an das Michaels- kloster in Montescaglioso. Scripsit Petrus noster notarius. Quia Robertus cancellarius absens erat per man. Maiovis scriniarii. ind. 10. anno regni XVI. Regii Neapolit. Archiv. Monu- menta vol. VI append dipl. 20. Di Meo, annali 10, 147 Extr. aus Tansi. latein. nimmt mit dem Salvatorkloster in Messina einen Ländereientausch vor, um sich ein Lust- schlofs zu erbauen. ind. 10. Pirro 2, 979 Extr. gestattet dem Bischof Berard von Aquila in seiner Diözese ein Kastell zu erbauen etc. per man. Roberti cancellarii. ind. 11, anno regni XVII. Ughelli 1, 378 latein. für Monte Casino. per man. Roberti cancellarii. ind. 11. anno regni XVIII(sic). Tosti, storia di Monte Casino 2, 193. Gattola, accessiones p. 255. Gattola, historia abbat. Casin. 1, 159. Di Meo, annali 10, 152 erscheint diese Urkunde verdächtig. für das Kloster S Giovanni degli Eremiti zu Palermo. Script. per man. Gilalphi(sic) nostri notarii. Dat. per man. Rauberti cancellarii. ind. 11, anno regni XVIII. Bleibulle. Pirro 2, 1109. König Roger daselbst nach der Sententia judicum Salernitanorum vom Oktober 1151 bei Mu- ratori, antiquitates 5, 317. für das Kloster S. Maria Maddalena di Corleone. ind. 14. Bleibulle. Spata, cimelio dipl. del duomo di Monreale p. 20 und besser bei Cusa, diplomi 1, 130. griech.-arab. für das Salvatorkloster in Messina. ind. 14. Pirro 2, 978 Extr. König Roger und sein Sohn, König Wilhelm für den Dom zu Neapel. ind. 15. regni Ro- gerii anno XXI et Guilielmi I. Di Meo, annali 10, 178 Extr. aus Mazzocchi. für S. Maria de Bancia. Quia Robertus cancellarius absens erat per man. Mazjoris(sic) vice cancellarii ind. 15, anno Rogerii XXI et Guilielmi I. Di Meo, annali 10, 180 hält die Urkunde für bedenklich. Adelasia und Roger für S. Filippo di Fragalà. Spata, pergamene p. 237. griech. Auszug in einer latein. Urkunde von 1510 ibid. p. 381 mit ind. 7. und Bleibulle Pirro 2, 1027. Graf Roger für Prior Wilhelm von Bagnara. Mit Zeugen. Anno 112. Pirro 1, 1240. für das Michaelskloster in Montescaglioso. 1124. ind. 4(sic). Archiv. Neapolit. Mon. vol VI append. dipl. 20. latein. für das Stift S. Maria Latina in Jerusalem ind. 4. per man. Gualterii capellani. Mit Zeugen. Pirro 2, 1245. Das Jahr der Ausstellung ergiebt sich aus der Indiktion und aus dem Um- stande, dals Erzbischof Petrus von Palermo als Zeuge fungiert. 30 1130— 1154 König Roger verleiht den Lombarden von S. Lucia dieselben Freiheiten wie denen von Ran- dazzo. Gregorio, considerazioni lib 1 cap. 4 not. 25 p. 167 der zweiten Edition. 1136. Sept. 1.— 1137. für das Kloster S. Giorgio di Triocala. 6645. Pirro 2, 1008 Extr. August 31. 1152. Sebt 1. 193. für das Kloster S. Maria Latina zu Jerusalem. 6661. Pirro 2, 1244 Extr. ugust 31.. Beilage II. In den Regii Neapolitani Archivii Monument. vol. V. p. 325 findet sich eine wichtige Urkunde von 1109 abgedruckt, auf die ich besonders aufmerksam machen möchte, weil sie eine ziemlich voll- ständige Aufzeichnung der Pflichten des senior und Lehensmannes gegen einander enthält. Wilhelm Carbonus wurde ligius homo des Robert von S. Severino bona sua voluntate per fidem quam in manibus meis(sc. Roberts) misit de puro corde et pura voluntate. Die Verpflichtungen, deren getreue Erfüllung er seinem Lehnsherrn und dessen Erben gegen- über auf die Evangelien beschwor, sind folgende. Zunächst würde er nie in consilio dictione vel opere sein, wodurch der Lehnsherr oder seine Erben ihr Leben oder ein Glied einbüfsten, auch nicht si captus vel debeam esse captus aliquo modo vel aliquo ingenio ad nostrum dampnum. Ferner dürfe er nie ein consilium, das sein Lehnsherr ihm anvertraut, wenn es so wichtig ist, dals es Leib und Gut des Letzteren schädigen kann, jemandem mitteilen(palificare) ohne Erlaubnis des senior. Er verpflichtet sich sodann das Land des Herrn zu behaupten und zu verteidigen gegen jedermann. Wegen Vergehen gegen Person oder Besitz des Lehnsherrn wird dieser seinen Mann qurch einen sichern Boten vorladen lassen, worauf derselbe innerhalb 40 Tagen vor der curia des Herrn zu erscheinen verpflichtet ist, wenn er nicht eine ausreichende Entschuldigung(exonium parutum et sine fraude) hat. Liegt ein Vergehen des Vasallen oder seiner homines gegen homines des Herrn vor, so muſs ersterer innerhalb 15 Tagen den homines des Herrn in seiner eignen curia Recht schaffen, wenn er dazu durch einen sichern Boten gemahnt ist. Hat er das nicht gethan, so geht die Sache an das Forum des Herrn. Dies alles beschwor Wilhelm auf die Evangelien und ligium humagium mihi fecit, per manus suas quas in manibus meis misit. . Dagegen verleiht der Lehnsherr ihm mit einem goldenen Ringe die Investitur und verspricht ihn in diesem Besitz gegen jedermann zu schützen. Nach dem Tode des Lehnsmannes sollen dessen Erben dem Lehnsherrn binnen acht Tagen, nachdem sie dazu aufgefordert sind, schwören, auch in diesen acht Tagen demselben keinen Schaden thun und seine Feinde in ihre Burgen nicht aufnehmen. Als testes und fidejussores wurden von beiden Seiten milites und andere boni homines zugezogen, ut semper inter nos firmam pacem et concordiam habeamus. Sed quia homines moriuntur, ist durch drei judices dies Protokoll aufgenommen und durch ihr Zeugnis dies capitulare bekräftigt. Gleichzeitig möchte ich auf das Hofrecht des Abts v. Terra Major für die homines des Kastells S. Severino von 1116 hinweisen, das über die Lage der Hörigen Klarheit giebt. Es ist abgedruckt Neapolit. Archiv. Monum. VI p. 17. 1. 3 Wilhelm Behring.