Jahresbericht des Königl. Gymnasium Philippinum zu Marburg für das Schuljahr 1906/1907. LXXIV. —— Inhalt: 1) Gellerts älteste Fabeln II. Von Professor Dr. Hugo Handwerck. 2) Schulnachrichten. Von Prof. Dr. Friedrich Aly, Königlichem Gymnasialdirektor. Marburg. R. Friedrichs Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Karl Gleiser). 1907. 1907. Progr.-Nr. 4903. Gellerts älteste Fabeln. Aus den„Belustigungen des Verstandes und des Witzes“ gesammelt und herausgegeben „ Anf von 58 Dr. Hugo Handwerck. ſ. I. — S II. Teil. ¹) 13. Der Täuber.(Belust. 1742 B, S. 191.) Ein Täuber gieng ſchon längſt der ſchönſten Taube nach, Die ihm nur mehr gefiel, je mehr er mit ihr ſprach, Und die aus Blick und Gang das ſelbſt errathen ſollte, Was mündlich zu geſtehn, die Scham nicht leiden wollte. 5 Einſt geht der Flug ins Feld, da wagt er ohne Kunſt, Halb ſtotternd, halb verzagt den Antrag ſeiner Brunſt, Fängt zehnmal zärtlich an, bleibt zehnmal ſchamroth ſtecken, Eh ſich der Mund vereint, ſein Herze zu entdecken. O! ſpricht die Taube bald: Ich bin ein muntres Weib, 10 Du biſt verzagt und ſcheu, und nicht mein Zeitvertreib, Geh, werde frey und froh, und komm mit muntern Trieben; Alsdann erzähle mir von deiner Glut im Lieben. Der Täuber glaubt dem Rath, und ſicher vor Betrug, Eilt er zehn Tage lang zu jedem nahen Flug, 15 Um durch den Umgang frey, und munter in Gebehrden, Kurz; artig, aufgeweckt und recht gewandt zu werden. Dann prüft er ſein Geſchick mit größter Dreuſtigkeit. Ol! ſpricht die ſchöne Frau, du irreſt noch zur Zeit, Du ſcheinſt mir frech, nicht frey; du haſt mich nicht verſtanden, 20 Und machſt durch eigne Schuld dein ganzes Glück zu Schanden. Wer mich gewinnen will, Freund, nimms genauer ein, Muß nicht zu unverſchämt, auch nicht zu blöde ſeyn. Der Täuber geht beſtürzt, und übt mit beſſerm Grunde Den räthſelhaften Spruch aus ſeiner Schönen Munde. 25 Ein Monat ſtreicht dahin, nachdem er unverzagt, Auf glücklichern Erfolg, den dritten Antrag wagt. O! rief die Taub ihm zu: Nun haſt du mich getroffen; Doch eines thue noch, ſonſt haſt du nichts zu hoffen, Geh, hole meinen Mann, ſcheint dir es nicht zu hart, 30 Und ſage, was du ſuchſt, in ſeiner Gegenwart. O ſtreicht den Titel aus, ſprach Thais jüngſt im Leſen, Denn man erräth es doch, wer dieſe Frau geweſen. Nur Tauben können bloß voll ſolcher Einfalt ſeyn. O führte jede Frau das ſchlimme Schicken ein, 35 Wie vielmal müßten wir vom Rathhaus, Wein und Gaſſen, Und aus der Kirche ſelbſt die Männer holen laſſen. 1) Der 1. Teil dieses Neudrucks ist 1904 als Programm des Kgl. Gymnasiums zu Marburg erschienen. (Vgl. G. Ellinger in der Zs. f. d. Ph. Bd. 38, S. 372.) 4 14. Der Dachs und der Hund. Bel. 1742 B, S. 261.) Ein beißend ſchlauer Dachs, der ſeinen ſichern Schacht Mit kleinen Pfoten gräbt, und ohne Hacke macht, Der ohne Bergmannskunſt ſich durch die Erde zwinget Und lange Röhren bohrt, eh ihm ſein Bau gelinget; 5 Dieß Thier, das nur bey Nacht ſich aus dem Bau erhebt, Und Raub und Beute ſucht, und in ſein Haus vergräbt, War einſt bey früher Zeit noch nicht zurück gewichen, Als ſchon ſein ärgſter Feind die halbe Flur durchſtrichen; Der Hund erblickt den Dachs, und ſetzt ihm eilig nach, 10 Der Dachs, der noch mit Noth durch ſeine Höhle brach, Und in die Burg entwich, war doch noch nicht geborgen. Der Hund ſchlug heftig an; den Jäger rief der Morgen In ſein Gehege hin: Er fand den treuen Hund, Der vor der Höhle lag, und ſich aus Rachgier wund; 15 Jedoch des Jägers Arm, und mancher Hieb der Haue, Vergrößerten ihm bald den Eingang zu dem Baue. Was thut nicht die Begier, des andern Tod zu ſeyn? Der Hund drang mit Gewalt durch enge Röhren ein, Und fand in ſeinem Weh nur Kraft zu friſcherm Muthe, 20 Und einen ſüßern Durſt nach ſeines Feindes Blute. Er hatte ſich nunmehr dem Keſſel bald genaht, Als der erſchrockne Dachs ſchon um ſein Leben bat. Nein, ſprach der Hund ergrimmt, du ſollſt es itzund fühlen, Dein Tod hat mich erhitzt, dein Tod ſoll mich auch kühlen! 25 Der eingetriebne Dachs, der ohne Rettung war, Ward durch Verzweiflung ſtark, und wütend durch Gefahr: Gut, ſprach er, komme nur, ich ſehe mein Verderben, Doch nimm dich wohl in Acht, daß hier nicht zweye ſterben. Der Dachs zieht ſich zurück, und hält den Rücken frey; 30 Der Hund ſetzt raſend an, mit gleicher Raſerey Wehrt ſich der kleine Feind, und bey der letzten Wunde, Die ihm der Hund verſetzt, beißt er zugleich dem Hunde Die Gurgel durch und durch, und beyde fallen hin. Gern ſterb ich, ſprach der Dachs, weil ich gerochen bin, 35 Und weil ich meinen Feind, der mich aus Trutz verheeret, Indem er mich gefällt, durch meinen Tod verzehret. Feind, ſchone deinen Feind, ficht er verzweiflungsvoll: So wagt er bloß ſein Blut, weil dir es gelten ſoll. Wahr iſts, ein ſchwacher Stahl ſpringt durch ein heftig Biegen, 40 Doch kann er, wenn er ſpringt, dir in die Augen fliegen. 5 15. Die Sonne.(Bel. 1742 B, S. 366.) Die eigne Glut, der eigne Schein Auch dieſe Bitte muß geſchehn; Ward einſt der Sonne ſelbſt zur Pein, Gleich laſſen ſich, zu ihrem Beſten, Vermehrten nur die heiße Plage. Viel tauſend dicke Wolken ſehn. 5 O, rief ſie, Gott der Oberwelt! Tee O Jupiter! wann wird mein Brennen 25. Sie wird von trüber Luft umſchiſft⸗ Den Schatten doch genießen können, V Der auf den Kreis der Erde fällt? V Und die durch ſie erhitzten Tage Von Norden, Süden, Oſt und Weſten, Umſonſt! Ihr Strall, der feurig trifft, V Zertheilet, durch die heiſſe Strenge, Der aufgethürmten Wolken Menge. Du haſt die Macht, verſetz mich bald V O! klagt ſie, ſoll mich nie dieß Gut, 10 In einen mir geraumen Wald 30 Soll denn nur mich kein Schatten laben? Und laß mich doch die Schatten fühlen, Ihn kannſt du, ſpricht der Gott, nicht haben, Die tauſend müde Wandrer kühlen! Du wehrſt ihm ſtets durch deine Glut! Sie wird erhört, und naht ſich kaum, Sich in dem Walde zu verſtecken, 15 So brennt der Wald an allen Ecken, So dringt die Glut durch jeden Baum. Vergebens, eiferſüchtigs Herz! Kein Mittel tilget deinen Schmerz; 35 Die ſtrenge Glut, die dich beſeelet, Iſt auch das Werkzeug, das dich quälet. Noch viel gequälter, als zuvor, Was Schatten giebt, entzündeſt du, Betäubet ſie des Himmels Ohr, Und meynſt, daß dich die Schatten haſſen. Und bittet, ſie, nach ihrem Willen, Wirſt du dein Weſen nicht verlaſſen: 20 Mit finſtern Wolken zu verhüllen. 40 So fühlſt du nie der Liebe Ruh. 16. Das Schaf.(Bel. 1742 B, S. 478). Damöt, ein ſtiller Hirt, ſo ſtille, wie ein Kind, Der gerne was erzählt, doch nichts dabey erſinnt, Entdeckte mir unlängſt, es war ſchon unter Lichte, Das, was er ſelbſt geſehn, in folgender Geſchichte. 5 Mein Schaf, ſo fing er an, mein beſtes braunes Schaf, Auf das bey ſchwüler Luft die Mittagshitze traf, Lief, um den Sonnenſtrahl nicht ſo erhitzt zu fühlen, Sich an dem kleinen Bach mit Wolluſt abzukühlen. Kaum hat es hier und da ſich lüſtern abgenetzt: 10 So ſprang es voller Luſt ganz aus ſich ſelbſt geſetzt. Allein die Luſt war kurz. Nach wenig Augenblicken Fühlt es die Glut nur mehr in dem benäßten Rücken. Und was geſchieht, Menalk? Das Schaf ſucht wieder Ruh, Es ſprang auf Damons Flur, und Damon dingte zu, 15 Und hatte Kalch geführt. Hier war es her gelaufen, Und rieb ſich in der Angſt an dem gelöſchten Haufen. Auch dieſer Kützel ward zu einer neuen Pein; 6 Die Sonne drang noch mehr durch Kalch und Waſſer ein, Und eh ichs mich verſah: ſo ſpringt es in die Hecken, 20 Um vor der Sonnenglut ſich ſicher zu verſtecken. Hier ſteckte nun das Schaf, ja ich erſchrak dir auch, Und lief; doch eh ich kam, brachs durch den Dornenſtrauch, Und ſprang, um bald den Dorn am Auge los zu werden, Viel raſender, als ich, zu meinen nahen Heerden, 25 Und hing ſich mit dem Dorn,(es war ein ganzes Stück) An einem Eyter an, und riß den Augenblick Das Eyter wund und auf, ſich, eh ich noch vorhanden, Wie leicht zu glauben iſt, das Auge ganz zu Schanden. Indem der Fall geſchah, kam einer aus der Stadt, 30 Der gegen unſer Vieh oft umgeſetzet hat, Ich weis nicht, wie er heißt, das Wort iſt ſchwer zu faſſen. Ich ſuchte gegen ihn den Unmuth auszulaſſen, Schalt auf das dumme Schaf, und ſagte, was geſchehn. O! ſprach der fremde Mann: Sollt ihrs in Städten ſehn, 35 Da reicht ein kleines Weh, das bald von ſelbſt verſchwände, Weil mans nicht tragen will, zehn größern oft die Hände. 17. Die Gans.(Bel. 1743 A, S. 94). In Städten wird doch noch etwas aus mir gemacht! So ſprach die fette Gans, die man zu Markte bracht. Im Dorfe wußte man von nichts, als mich zu reifen, Hier ſucht mich manche Hand behutſam anzugreifen; 5 Man hebt mich lachend auf, und ſetzt mich wieder hin, Weil ich ſo weiß, als Schnee, an meinem Leibe bin. Und keines, das mich ſieht, kanns übers Herze bringen; Es greift mir an die Bruſt und unter meine Schwingen. Ich muß ein artig Thier, und wohl gewachſen ſeyn. 10 Ja, das verwünſchte Dorf ſah meinen Werth nicht ein; Was gäb ich itzt darum, wenn ich, zu meiner Ehre, Nie auf die Gänſetrift getrieben worden wäre! Die Gans ward eingekauft, und endlich eingethan: Es wohnte neben ihr ein kalekutſcher Hahn. 15 Nun, ſprach ſie, ſeh ich doch, daß man Verdienſte ſchätzet, Weil mich der Köchinn Hand an deſſen Seite ſetzet. Im Dorfe hatt ich nichts, als was ich ſucht und fund; Hier ſteckt man mir ſo gar das Eſſen in den Mund; Man ſtopft mich auf der Schooß, und bringt mir Brodt bey Haufen, 20 Und giebt mir auch ſo gar, aus Liebe, Milch zu ſaufen. Aus Liebe, ſprach die Magd, daß ich nicht lachen kann! Man liebt nicht dich, dein Fett, dein Fett nur lockt uns an, Und ehſtens werd ich dieß auch meiner Jungfer ſagen; Denn hätte ſie kein Geld, wer würde nach ihr fragen? Bätus und Arria. (Bel. 1743 4A, S. 175). Ein an des Nero Hof ſonſt wohl gelittner Mann, Der dieſes Prinzen Gunſt nicht mehr behaupten kann, Erfährt die Grauſamkeit, mit der Tyrannen quälen, 3 Ihm wird der Dolch geſchickt, ſich ſelber zu entſeelen. 5 Ein Stummer bringt den Stahl, den Pätus unſchuldsvoll Sich, nach des Kaiſers Wink, ins Herze ſtoßen ſoll; Ein Stummer bringt den Stahl, und darf nicht eher weichen, Er ſähe Pätus denn durch dieſen Dolch erbleichen. Man bringt ihm dieſe Poſt noch da er Tafel hält, 10 Und mit der treuſten Frau, der beſten von der Welt, Ein reizendes Gezänk von Zärtlichkeit und Lieben, Zur Wolluſt des Geſchmacks, in ſüßer Ruh getrieben. Vor Angſt ſtirbt Pätus faſt, eh er den Dolch ergreift, Die Liebe zu der Frau, die ihm die Marter häuft, 15 Der Abſcheu vor dem Tod, die Liebe zu dem Leben, Verſagen ihm den Dolch, den Nero ihm gegeben. Kaum merkt dieß Arria: ſo ſtößt ſie voller Luſt, Das mördriſche Gewehr ſich ſelber in die Bruſt, Und zieht es bald heraus und ſpricht aus treuem Herzen: 20 Mein Mann, es thut nicht weh; doch der Stich wird mich ſchmerzen, Der deine Bruſt durchbohrt. Hier haſt du deinen Stahl, Stirb ſo getroſt, als ich. Dieß that auch ihr Gemahl. Die Nachtigall. Aus Neigung gegen Philomelen, Kann ich das Schickſal kaum erzählen, Das dieſe Sängerinn erfuhr. O Leſer, willſt du mich verbinden, 5 So laß dich voller Mitleid finden; Denn ſie verdients; beklag ſie nur! In dichten und bewachsnen Büſchen, Die durch den Schatten erſt erfriſchen, Und durch Geruch uns auch erfreun; 10 Jn dieſen Büſchen ſang die Kleine, Beym Morgenroth, beym Abendſcheine, Unendlich ſtark, unendlich fein. Früh, wenn noch alle Vögel ſchwiegen, Früh, eh der Thau noch aufgeſtiegen, 15 Drang ſchon ihr Ton ins Thal herab: Nie ſchien der Thau ſich aufzuſchwingen, Als bis ſie durch ihr reizend Singen, Ihm gleichſam die Bewegung gab. (Bel. 1743 A, S. 289.) Ich ſelber konnte deutlich ſchauen, 20 Wie jener Bach, in nahen Auen, Stets früh und Abends ſachte ging; Um nur den Ton mit an zu hören, Der, wie er ſchloß, bloß ihm zu Ehren, Sich itzund an zu heben fing. 25 Die Kunſt aus Philomelens Munde Hat auch das Echo, manche Stunde, In Eiferſucht und Scham gebracht; Weil dieſes in den ſteilen Klippen, Nur ſtets zu ſpät, mit ſchweren Lippen, 30 Die letzten Töne nachgemacht. Was regten ſich für ſanfte Triebe, Wenn ſie mit Kunſt und auch mit Liebe Die ferne Freundinn ſchamhaft rief; Und wenn bey Locken, Flehn und Zagen, 35 Noch ſtets ein zärtliches Verklagen Mit unter ihre Töne lief! Dem Vogelſteller muß es glücken, Einſt dieſe Sängrinn zu berücken; Er fängt ſie durch Betrug und Liſt. 40 Dir, ſpricht ſie, ſing ich tauſend Lieder; O gieb mir meine Freyheit wieder, Wenn du nicht unerbittlich biſt. Die Bitte wird ihr abgeſchlagen. Ol fängt ſie zärtlich an zu klagen: 45 Gern gäb ich meine Freyheit hin; O ſollt ich nur bey meinem Grämen, Noch von der Freundinn Abſchied nehmen, Der ich ſo treu gewogen bin. Dich noch einmal mit ihr zu laben, 50 Dieß, ſprach der Fänger, ſollſt du haben, So ungerecht verfahr ich nie. Ich will dich hier, bey dieſen Hecken, In einen grünen Bauer ſtecken; Hier lockſt du ſie mit leichter Müh. 55 Und daß ich nicht zu ſtrenge ſcheine: So laß ich dich mit ihr alleine. Er geht. Drauf klagt die Nachtigall; Das Weibchen hört die bangen Klagen, Und naht ſich ſchüchtern und mit Zagen 60 Zu ſeinem Gatten, und zum Fall. Sie letzen ſich mit treuen Küſſen; Der Fänger iſt indeß befliſſen Und legt ſich liſtig auf den Bauch. Nichts ſehen beyde vor Entzücken, 65 Er weis ſein Netz verſteckt zu rücken, Und kurz, er fängt die Freundinn auch. Ein ohne Vorſicht zärtlichs Herze, Liebt vielmals zu des andern Schmerze, Aus welchem ſeine Glut entſpringt: 70 O Vorwurf für die ſüßen Triebe, Daß man aus allzu großer Liebe Seiin Liebſtes oft ins Unglück bringt! Die Bienen. Bey warm- und ſchwüler Sommerszeit Entſponn ſich in dem Bienen-Heere Ein nie erregter Vorzugsſtreit: Wer beſſer oder ſchlechter wäre; Ob jene, die durch ihr Bemühn“ Den Saft aus Kraut und Blumen ziehn; Ob dieſe, die aus nahen Flüſſen Dem Stocke Waſſer bringen müſſen? 20. (Bel. 1743 A, S. 558.) Der Vorzug, war der erſten Wort, 10 Fällt jedem leichtlich in die Augen, Uns bleibt er, die wir hier und dort Das Mark aus ſüßen Blumen ſaugen; Uns, die wir ſtets beſchäfftigt ſind, Daß unſer Roſt von Honig rinnt, 15 Wenn wir mit Kunſt bey warmen Tagen Die Höschen in die Zellen tragen. Die Bienen. In einem Bienenſtock entſpann ſich einſt ein Streit Der bürgerlichen Eitelkeit; Mit einem Wort, ein Streit der Ehre, Wer edler und unedler wäre. O! rief die ſtachlichte Parthey, Was braucht man lange noch zu fragen, Wer beſſer oder ſchlechter ſey? Wir, die wir in den warmen Tagen Die Höschen in die Zellen tragen 10 Und ſtets mit Kunſt beſchäfftigt ſind, Daß unſer Roſt von Honig rinnt; Wer ſieht es nicht, daß wir die Beſſern ſind? Was braucht man alſo noch zu fragen? t So? fielen hier die andern ein, 15 Wo wird denn euer Honig ſein, Wofern wir nicht das Waſſer künſtlich tragen? Daß euer Stachel uns gebricht, (3. Buch, Nr. 17.) Dieß ſchadet unſerm Werthe nicht. Genug, daß wir das Amt getreu verwalten, 20 Wozu der Staat uns für geſchickt gehalten. So niedrig unſre Pflicht euch ſcheint, So ſoll euch doch der Ausgang lehren, Daß wir mit euch zugleich vereint ur ganzen Republik gehören. 25 Sie trugen drauf kein Waſſer mehr. Nun mußten die, die Honig machten, Fliehn, oder in der Brut verſchmachten, Und viele Zellen wurden leer. Der Weiſer rief darauf den Reſt der Unterthanen, 30 Um ſie zur Eintracht zu ermahnen. Der Unterſchied in eurer Pflicht Erzeugt, ſprach er, den Vorzug nicht. Nur die dem Staat am treuſten dienen, Dieß ſind allein die beſſern Bienen. So, fielen hier die andern ein, Sie trugen drauf kein Waſſer mehr, Ihr haltet uns für ſchlechtre Bienen? 30 Bald ward der Stock von Bienen leer, Wo wird denn euer Honig ſeyn, Und alle mußten faſt verſchmachten, 20 Wofern wir nicht mit Waſſer dienen? Die in der Brutzeit Honig machten. Dieß ſchadet unſerm Anſehn nicht, V Daß euer Stachel uns gebricht; Genug, daß wir das Amt verwalten, Wozu man uns geſchickt gehalten. Der Weiſer rief in kurzer Zeit Den Reſt von ſeinen Unterthanen, 35 Um ſolchen zur Geſelligkeit V Und zur Gemeinſchaft anzumahnen. 25 So klein itzt unſre Mühe ſcheint, Der Unterſchied in eurer Pflicht So ſoll euch doch der Ausgang lehren: Gebiehrt, ſprach er, den Vorzug nicht; Daß wir mit euch zugleich vereint V Nur die dem Staat am treuſten dienen, Zum ganzen Bienenſtaat gehören. 40 Dieß ſind allein die beſten Bienen. 21. Damon und Flavia.(Bel. 1743 B, S. 52). Von Gram und Noth beſtürzt ſaß Damon ganz zerſtreut, Und hing den Klagen nach. Denn bis auf dieſe Zeit War alle ſein Bemühn, ſein Hoffen, Wünſchen, Wagen, Mehr widrig in der Welt, als glücklich ausgeſchlagen. 5 Was hilft es, fing er an, daß man nach Tugend ſtrebt, Vernünftig in der That, im Herzen weiſe lebt? Der Thore ſchilt mich dumm, belohnt mich mit Verachten, Der Reiche ſieht mich kaum, und läßt mich Armen ſchmachten. O Schickſal, fuhr er fort, iſt dieß verdiente Pein? 10 So rief er, und indem trat Flavia herein, Und ſprach: Erſtaune nicht, ich folge meinen Trieben, Erkläre dich nur kurz, gedenkſt du, mich zu lieben? Dich hab ich in der Welt ein einzigmal erblickt, Mir blieb dein Bild ſeit dem tief in das Herz gedrückt; 15 Itzt will des Vormunds Geiz mich dem zur Seite legen, Der kein Verdienſt beſitzt als ein geraubt Vermögen. Entdecke mir nur bald, ob mich dein Herz auch liebt? Ich bin die Deine ſtets, und über nichts betrübt, Als daß Geburt und Stand mir keinen Thron gewähren, 20 Um dich zugleich zum Mann und König zu erklären. Und wenn dein Suchen noch der Meinen Wort erhält, Und du ihr Herz gewinnſt: ſo haſt du in der Welt, Bey deiner treuſten Frau, nach meines Vetters Sterben, Nebſt einer Tonne Golds ein Rittergut zu erben. 25 Entſchließe dich nur bald, denn ich bin in Gefahr. Wer kann beſtürzter ſeyn, als unſer Damon war? Ja, ſprach er, Flavia, ich liebe dich; doch höre, Ich wünſche mir dein Herz, allein zu deiner Ehre! Wenn deiner Freunde Hand mich dir zur Ehe giebt: 19 30 So ſieh hier deinen Mann, der dich verehrt und liebt; Doch ohne dieſes Ja entſteh ich, deinen Willen, Aus Liebe gegen dich, ſo plötzlich zu erfüllen. Ein Herz, wie deines iſt, muß durch Beſtand allein, Noch mehr von mir verdient, als mir geſchenket ſeyn: 35 Ich komm und ſuch es ſelbſt, laß nur das Schickſal walten; Denn bin ich deiner werth: ſo werd ich dich erhalten. Mit Thränen ohne Zahl eilt unſre Schöne fort, Und Damon folget nach, und ſucht des Vormunds Wort; Doch dieſer hörte nichts. Sie muß ſich nur bequemen, 40 Den kargen Selimor nach kurzer Zeit zu nehmen: Der Zwang vereint dieß Paar; den andern Hochzeittag Rührt unſern Selimor bey Tanz und Luſt der Schlag; Er ſtirbt noch dieſe Nacht, und bittet im Erblaſſen, Dem Damon ſeine Frau nunmehr zu überlaſſen. 45 Sein Gut, ſein ganzer Schatz, wird Flavien vermacht, Und Flaviens Beſitz dem Damon zugedacht. O Damon, ſey vergnügt, die Tugend weis zu ſchützen, Sie läßt dich Flavien, und auch ihr Glück beſitzen. Mein Leſer, glaube mir, ſie leben beyde noch. 50 O liebe dieſes Paar, gönn ihm ſein Glücke doch; Sie ſind einander werth, und daß ich dirs geſtehe, Ein Beyſpiel reiner Glut, und auch vollkommner Ehe. Die Hälfte ſeines Guts hat Damon nicht geſchätzt, Für arme Schönen gleich zur Mitgift ausgeſetzt. 55 Und manchem armen Freund ein recht gemächlich Leben, Den armen Witwen Brodt, den Wayſen Häuſer geben, Iſt ſeine liebſte Pflicht, und auch ſein Lebenslauf. Sein Landgut ſteht der Welt, ſo wie ſein Mitleid auf. Er ſchützt den Unterthan, und ſucht durch Gunſt und Wachen 60 Das ärmſte Hirtenhaus froh, wie ſein Gut, zu machen. Wo Damon ſteht und geht, iſt Glück und Ordnung da: Er zieht die Söhne ſelbſt, die Töchter Flavia, Und alle treten ſchon, bey glücklichen Naturen, In ihres Vaters Gleis und ihrer Mutter Spuren. 65 Beneidenswerthes Paar! dein Glück iſt endlich voll, O daß dein Eheſtand nicht ewig dauern ſoll! Auf, Freunde, ſeyd vergnügt, wer weis, in welchen Landen Noch eine Flavia für eure Ruh vorhanden! 11 Der Knabe und die Mücken.(Bel. 1743 B, S. 166.) Mein Vater eilt zur Jagd, wie ich gemerket habe, So ſprach der kleine Juſt, ein aufgeweckter Knabe, Und ging zu gleicher Zeit, indem er dieſes ſprach, Dem Vater voller Luſt, obwohl von weitem, nach. 5 Er ließ den kleinen Fuß vergnügt durchs Grüne ſtreifen, Fing oft zu ſingen an, und öfter noch zu pfeifen; Sein Rohr, ſein heißres Rohr, aus grünem Weidenholz, Klang, weil ers ſelbſt gemacht, in ſeinen Ohren ſtolz; Kein Ton erſcholl ſo rauh, den er nicht trefflich nannte, 10 Denn alles ſchien ihm Kunſt, weil er die Kunſt nicht kannte. Er geht am Felde hin und bückt ſich oft im Gehn, Bricht große Blumen ab, und reyht die Stengel ſchön, Und ſchätzt ſich ſo beglückt in ſeiner Blumenkette, Als ob das goldne Vließ daran gehangen hätte. 15 O Wolluſt ſonder Reu, wer ſchmeckt dich, als ein Kind? Wie ruhig ſind wir nicht, wenn wir noch unſer ſind, Und frey von Sorg und Gram, bey Unſchuld, Scherz und Spielen, Das Glück zwar nicht verſtehn; allein dafür es fühlen. Kaum tritt der muntre Juſt noch in den Buſch hinein, 20 So fühlt er manchen Stich und manche kleine Pein, Und ſieht ſich von dem Schwarm der Mücken ganz umzogen, Die bald an ſeiner Hand, bald an der Stirne ſogen. Er läuft, und denkt dadurch dem Haufen zu entfliehn; Allein je mehr er läuft, je mehr verfolgt er ihn. Der Knabe und die Rücken.(3. Buch, Nr. 20). Mein Vater geht ins Holz, wie ich gemerket habe, So ſagte Fritz, ein kleiner muntrer Knabe, Und hüpft', indem er dieſes ſprach, Von ſeinem Jugendglück gerühret, 5 Von ſeinem Phylax angeführet, Dem Vater ſchon von weitem nach. Kaum trat er in den Buſch, als ihn hier eine Mücke, Dort wieder eine Mücke ſtach. Er ſchalt, und lief ein gutes Stücke, 10 Dem böſen Schwarme zu entfliehn; Allein je mehr er lief, je mehr verfolgt er ihn. 25 O Thiere, fängt er an, euch will ichs itzo lehren, Den, der euch nichts gethan, nicht weiter zu verſehren. Ihr Mücken, fürchtet euch, hier ſeht ihr euer Grab. Was thut der kleine Juſt? er bricht ſich Ruthen ab, Sucht allen ſeinen Muth auf einmal an zu feuern 30 Und haut, als ſchlüg er ſich mit kleinen Ungeheuern. Nicht alle Kühnheit hilft, nicht alle Stärke ſchützt. Juſt macht die Feinde nur noch deſto mehr erhitzt; Denn ſtachen ſie zuvor, aus bloßer Luſt zu ſtechen: So ſtachen ſie nunmehr, um ſich zugleich zu rächen. 35 Von Wunden im Geſicht und auf den Händen roth, Trifft er den Vater an und klagt ihm ſeine Noth, Und zeigt ihm Stirn und Hand. Hier, ſpricht er, kannſt du ſchließen, Wie viel ich von der Wuth der Mücken dulden müſſen. Ich habe mit Gewalt zu retten mich geſucht, 40 Ich lief, ich ſchlug um mich; doch alles ohne Frucht. Geh ſachte, hub hierauf der Vater an zu ſprechen, Sie werden nicht ſo ſehr, als wenn du ſchlägſt, dich ſtechen. Denn wiß: ein kleiner Feind muß durch Geduld allein, Ermüdet, nicht verfolgt, auch nicht beſtrafet ſeyn; 45 Erſpahre dir die Müh, ihm lange nach zu trachten, Ich will es nicht umſonſt betheuern, Ihr findet hier heut euer Grab.“ 15 Erbittert bricht er Ruthen ab, Und kämpft mit ſeinen Ungeheuern; Allein ſie fanden nicht ihr Grab; Und ſtachen ſie zuvor aus bloßer Luſt zu ſtechen, So ſtachen ſie nunmehr, um ſich zu rächen. 20 Verwundet im Geſicht, auf beiden Händen roth, Eilt Fritz dem Vater zu, und klagt ihm ſeine Noth. „O ſehn Sie nur, das nenn' ich ſtechen! Ich habs bald ſo, bald ſo verſucht. Ich lief, ich ſchlug; und doch half weder Schlag noch Flucht.“ 25„Fritz,“ hub der Vater an,„du haſt's nicht recht verſucht. Geh ruhig fort, ſo kann ich dir verſprechen, Sie werden weniger, als wenn du ſchlägſt, dich ſtechen. Ein kleiner Feind, dieß lerne fein, Will durch Geduld ermüdet ſeyn. 30 Und trittſt du einſt, gleich mir, ins große Leben ein, Und wirſt um dich viel kleine Feind erblicken: So achte nicht auf ihre Tücken. Verfolge deinen Weg getroſt, und denke fein An die Geſchichte mit den Mücken.“ 23. Die Raupen.(Bel. 1743 B, S. 271). Zum Gärtner fingen einſt die Raupen ſchalkhaft an: Sieh, deines Nachbars Baum wächſt mit Gewalt heran, Und Früchte, die vordem bey dir noch Sonne hatten, Erſticken, wie du ſiehſt, durch dieſes Baumes Schatten. 5 Itzt iſt dein Nachbar todt, bediene dich der Zeit, Und fäll Philemons Baum, doch dieſes geht zu weit; Die Erben ſind noch da und würden dirs verwehren, Verbinde dich mit uns, wir wollen ihn verheeren. Doch dieſes ſiehſt du ſelbſt, wir kommen nicht hinein, 10 Dein Garten muß uns erſt zum Durchzug offen ſeyn. Genug, wir ſchwören dir ſelbſt bey Pomonens Ehren, Bei allen Lilien, kein Blättchen zu verſehren. Zu ſpät bereut man oft, was man zu zeitig glaubt! Der Gärtner geht es ein, der Durchzug wird erlaubt. 15 Sie kommen an. Wahr iſts, der Schwarm der ſaubern Gäſte Fällt auf Philemons Baum, und frißt bis auf die Äſte. Sie halten Treu und Wort. Gewiß, der Dienſt ſcheint ſchön; Allein er kömmt gar bald dem Gärtner hoch zu ſtehn. Denn eh er ſichs verſieht, wird Schwur und Eid vergeſſen, 20 Und bei Philemons Bluth auch ſeine mit zerfreſſen. Doch endlich nimmt der Zorn Philemons Tochter ein: O Schwarm, durch mich, ruft ſie, ſollſt du vertilget ſeyn! Sie nimmt mit eigner Hand ein Faß mit ſcharfem Rauche, Und eilt zu jedem Baum, und auch zu jedem Strauche. 25 Ein Freund, der ehedem Philemon wohl gekannt, Kam aus der Ferne her, und both ihr ſeine Hand, Und ſo gelung es ihr, mich deucht nach dreyen Tagen, Was nicht vom Rauche ſtarb, durch Rauch doch zu verjagen. Flieht, ruft ſie ihnen nach, und kehrt beſchimpft zurück, 30 Und lernt: Wer unrecht thut, hat ſelten Stern und Glück. 14 24. Das Kind mit der Scheere.(Bel. 1743 B, S. 536). Kind, hub der Vater an, eins mußt du mir verſprechen, Laß dieſes Meſſer ſtehn, wie leicht könntſt du dich ſtechen. Kaum hat das Kind gehorcht, kaum er ſich weggewandt: So nimmt es ſchon dafür die Gabel in die Hand. Auch die gebeut er ihm nicht weiter anzufühlen: O darf ich, rief das Kind, nicht mit der Nadel ſpielen! Nein, ſag ich dir hiermit, du ſiehſt, die Nadel ſticht. Die Scheere? rief das Kind, denn dieſe ſticht wohl nicht; Sie iſt an Ecken ſtumpf. Doch, ſprach er, kann ſie ſchneiden; Woferne du mich liebſt, mußt du dieß alles meiden. Iſt nicht dein ganzer Schrank für dich von Spielwerk voll? Gnug, daß zu deiner Luſt dir nichts gebrechen ſoll. Du ſiehſt, ich liebe dich, drum folge meinem Willen, Ich will den deinen auch, ſo oft dirs dient, erfüllen. Das Kind verſpricht es zwar; doch wider ſeinen Trieb; Der Scheere war es gut, und dieſe blieb ihm lieb; Das Meſſer ließ es ſtehn, die Gabel ließ es liegen, Die Scheere nur allein blieb dieſes Kinds Vergnügen. Der Vater trifft es an. Du, ſpricht er, haſt ſie doch? 20 Ach Vater, fleht das Kind, vergieb mir dießmal noch, Ich will— der Vater geht. Hier regt ſich in dem Kinde Ein doppeltes Gefühl; es haßt und liebt die Sünde. Mit Thränen hat es ſich an einen Stuhl geſtemmt, Bald ſieht es nach der Thür, ob auch der Vater kömmt, 25 Bald, wo die Scheere liegt. So theilten ſeine Triebe Sich, wie das Auge gieng, itzt bald in Furcht, bald Liebe. Halb langt es mit der Hand, halb zieht es ſie zurück, Es will und will auch nicht; allein mit jedem Blick Fällt etwas vom der Furcht im zitternden Gewiſſen; 30 Es nimmt die Scheere nicht, doch pflegt es ſie zu küſſen. Es hält die Hände weg, damits nicht greifen kann. Es küßt und rührt ſie nur mit einem Finger an, Bald folgt der andre nach. Halb gern und halb mit Schämen Siegt endlich doch die Luſt, die Scheere gar zu nehmen. 35 Schon iſt der Vater da. Er ſieht und zürnt und dräut. Kind, ſpricht er, meide mich und meine Zärtlichkeit, 1 —½ — ⁴◻ Das Kind mit der Scheere.(3. Buch, Nr. 31). „Kind,“ hub die Mutter an,„eins mußt du mir Die hab 8 lauge nicht ſo lieb, verſprechen: So ließ ich ſie mit Freuden liegen. Die Meſſer und die Gabeln ſtechen; Allein die Scheer' iſt mein Vergnügen, Drum rühre keins von beiden an.“ Sie hat ein gar zu ſchönes Band. „Allein die Scheere, ſollt ich glauben, 15 Geſetzt, ich ritzte mich ein wenig in die Hand, 5 Die könnten Sie mir wohl erlauben?“ So hätte dies nicht viel zu ſagen. „Nichts weniger; was dich verletzen kann, So klein ich bin, ſo hab ich ja Verſtand, Sieh niemals als dein Spielwerk an.“ Und alſo werd ichs immer wagen, Das Kind gehorcht; doch ein geheimer Trieb Sobald die Mutter nur die Augen weggewandt. Und das Verbot verſchönerten die Scheere. 20 Doch nein, weil Kinder folgen müſſen, 10„Ja“, ſpricht es zu ſich ſelbſt,„wenn es die Gabel So wär es ja nicht recht gethan. wäre, Nein, nein, ich ſehe dich bloß an; 15 Du liebſt die Scheere mehr, als mich und meinen Willen, Biſt zum Verſprechen ſchnell und langſam im Erfüllen. O! rief das Kind gerührt, du weiſt ja, wie ich bin, 40 Drum, Vater, höre mich, und nimm die Scheere hin, Zerbrich ſie ganz und gar: ſo werd ich ſie nicht lieben, Mich weiter nicht vergehn, dich weiter nicht betrüben. Hier iſt ſie, nimm ſie doch. Nein, ſprach der Vater, nein! Ich will, die Scheere ſoll vor deinen Augen ſeyn. 45 Kannſt du das Meſſer fliehn, die ſpitzge Nadel haſſen: So biſt du auch geſchickt, die Scheere ſtehn zu laſſen. Denn nehm ich dieſe weg: ſo fehlſt du zwar nicht mehr, Allein was wäre Zwang, wenn dieß Gehorſam wär? Wie leichte könnt ich dir die tollen Hände binden! 50 Frey, will ich, ſollſt du ſeyn, und frey dich überwinden. 5 * O Menſch, verſchone ja dieß Kind mit deinem Spott. Wir Klugen machen es viel thörichter mit Gott. Schrift und Vernunft verbeut. Was pflegen wir zu laſſen? Was jedem von Natur am leichtſten fällt zu haſſen. 55 Ein ſtill und träges Herz, das nichts von Thaten hält, Erſtickt den Hochmuth gern; denn ſeine Luſt iſt Geld. Der fühlt den Wolluſttrieb, doch will er Tugend üben, Er flieht den Geiz, warum? Er pflegt kein Geld zu lieben. Der Stolze, deſſen Zweck nicht Wolluſt leiden kann, 60 Steht auf und kündigt ihr den Krieg mit einmal an. Setzt unſer Kind hieher. Sagt, handeln jene beſſer? Die Scheere liebt das Kind und läßt dafür das Meſſer. Zerbrich die Scheere doch, fleht nicht allein das Kind. Sagt, ob die Menſchen oft im Bethen klüger ſind? 65 Was heißt: bewahre mich! in vieler tauſend Seelen, Als: ändre die Natur und wehre mir das Wählen? Doch warum läßt uns Gott zum Böſen Stoff und Kraft? Freund, wenn kein Böſes wär, wo wärſt du tugendhaft? Brauch Wahrheit und Vernunft, dieß ſind der Freyheit Waffen, 70 Wo nicht: ſo bitte Gott, aus dir ein Klotz zu ſchaffen. O ſchöne Scheere, laß dich küſſen! ch rühre ja kein Meſſer an, o werd ich doch—“ Schon griff es nach der Scheere. „Ja, wenn ich unvorſichtig wäre, Da freilich ſchnitte mich die Scheere; Allein ich bin ja ſchon mit ihr bekannt.“ Die Dinge, die wir wenig ſchätzen, 3 & 25 8 So ſprachs, und ſchnitt ſich in die Hand. 30 Die Mutter kam. O welche harte Lehre! „Ach“, hub das Kind fußfällig an, „Es kränkt mich ſehr, daß ichs gethan. Ich bitte Sie, zerbrechen Sie die Scheere, Damit ich ſie nicht mehr begehre, 35 Und ohne Zwang gehorchen kann.“ Oft ſind wir Menſchen dieſes Kind. Verſehn mit billigen Geſetzen, Die göttlich und uns heilſam ſind, Scheut ſich das Herz, ſie alle zu verletzen. 40 Wir unterlaſſen, wie das Kind, Um die zu thun, die uns am liebſten ſind. Die Reue kömmt. Wir ſehn, wie ſehr wir fehlen; Dann denken wir, dann beten wir als Kind. 45 Was heihn in vieler tauſend Seelen: Bewahre mich, o Gott, vor dieſer Miſſethat! Was heißt es? Wehre mir das Wählen, Damit mein Herz den Zwang nicht nöthig hat. 16 25. Das Heupferd, oder der Grashüpfer.(Bel. 1743 B, S. 553). Ein Wagen Heu, den Veltens Hand Drauf ward der Wagen fortgerückt. Zu hoch gebäumt und ſchlecht beſpannt, V Ey, rief das Heupferd ganz entzückt, Konnt endlich von den matten Pferden 15 Du Fuhrmann, wirſt an mich gedenken; Nicht weiter fortgezogen werden. Fahr fort! den Dank will ich Dir ſchenken. 5 Des Fuhrmanns Leib⸗ und Sittenſpruch, 1* 2 Ein zehnmal wiederholter Fluch, Der weder hilft, noch helfen kann, War eben, wie der Peitſche Schlagen, Maßt ſtets den meiſten Ruhm ſich an; Zu ſchwach bey dieſem ſchweren Wagen. Wie mancher möcht in unſern Tagen Ein Heupferd, das bey der Gefahr 20 Dieß Sinnbild in dem Wapen tragen. 10 Zu oberſt auf dem Wiesbaum war, Sprang itzt herab und ſprach mit Lachen: Ich wills dem Viehe leichter machen! Im 1. Buch der Fabeln und Erzählungen hat diese Fabel nur geringe Anderungen erfahren: Z. 5: Macht⸗ und Sittenſpruch, Z. 11: Sprang drauf herab. Die 5. Strophe ist fortgefallen. 26. Die geizige Claudia.(Bel. 1744 A, S. 90.) Die karge Claudia, verſtändig in Procenten, Arm ihrem Geize nach, doch gräflich reich an Renten, Die das fürs beſte Jahr in ihrem Leben ſchalt, In dem der Scheffel Korn ſechs Gülden, rheiniſch, galt; 5 Dieß arme Weib ward krank und ließ den Doctor hohlen. Er kam und ordnete, was ihm die Kunſt befohlen; Doch unſre Claudia, die ſicher vor Gefahr, Und auch im Tode noch dem Spiele günſtig war, Fiel ihm ins Wort und ſprach: Sie müſſen bey mir bleiben, 10 Und durch ein Kartenſpiel mir Zeit und Schmerz vertreiben. Sie ſpielten ziemlich hoch; der Arzt verlohr ſein Geld. Gut, ſagte Claudia, wenns ihnen ſo gefällt, Sie ſehn, wie krank ich bin, ich kann mein Ende fühlen, Wir wollen um den Werth der Leichenkoſten ſpielen. 15 ₰ O böſes Kartenglück, wie ungerecht biſt du! Dem einen nimmſt dus ab, dem andern wirfſt dus zu. Der arme Mann verliehrt; ſchnell weis ſie zu ſummiren, Was ihr Begräbniß kömmt; der Doctor muß quittiren. Nun, rief ſie, ſterb ich gern, mein Haus iſt wohl beſtellt, 20 Mein Leichbegängniß auch. Und um das bare Geld, Das ich von ihnen zog, wohl angewandt zu wiſſen: So ſolls das Armuth einſt durch ein Legat genießen. 17 Drey Tage lebt ſie noch, und bringet dieſe Friſt Mit ſtetem Leſen zu, weil ſie ihr Schuldbuch lieſt. 25 Sie rechnet auf ein Haar die eingetragne Beute, Das blutige Procent in Noth gerathner Leute. Sie ſchlug die Zinſen noch zum baaren Capital, Und zählte tauſend ſchon zum vierten hundertmal; Hier aber ward ſie ſchwach, ſie wollte noch was ſagen; Allein man hörte nichts, als: Schuld—— wo nicht—— verklagen. Sie ſtarb. Ihr Zimmer ward mit Trauer angefüllt, Und durch ein Stücke Tuch ſtandsmäßig ſchwarz verhüllt, Darum die Seelige den Meiſter einſt gepfändet, Weil er den Erbzins nicht zu rechter Zeit geſendet. 35 Die Lichter fackelten bey Haufen um den Sarg, Als ſich, ich weis nicht wie, ein Funk ins Tuch verbarg, In kurzem um ſich griff und eine Glut erregte, Die Leiche, Schuldbuch, Haus und Hof in Aſche legte. Das Löſchen war umſonſt. Des Leichengangs Gewinn, 40 Den ſie durchs Spiel erhielt, fiel von ſich ſelber hin. Dank ſey der Feuersbrunſt, die ſo viel wackre Leute Von Schuld und Wechſelſchrift in einer Nacht befreyte! 30 27. Das junge Wieſel.(Bel. 1744 A, S. 92). Ein Wieſel, das den Fang am Tage ſtehen ſah, Kam bey der finſtern Nacht dem Fange niemals nah. Ja, fing es einſtens an, dich Eiſen kenn ich eben, Mein Vater ſtarb durch dich, mich bringſt du nicht ums Leben. 5 So jung ich auch noch bin: ſo bin ich dir zu klug. Wer den Betrug erkennt, den fället kein Betrug. Ich geh den Eyern nach und habe das Vergnügen, Wenn mir der Totter ſchmeckt, die Falle zu betrügen. Allein, du ſchlaues Thier, das ſich geborgen ſchätzt, 10 Und ſtets die Falle flieht, wie gieng es dir zuletzt? Einſt da es ſich ſein Ey läßt gar zu herrlich ſchmecken, So bleibt es mit dem Kopf im Exye ſelber ſtecken, Und ihn heraus zu ziehn, iſts nicht vor Angſt geſchickt; Die Hausfrau kömmt dazu: ſo ward das Thier berückt. *⁵* * 15 Zwo Strafen findeſt du, die auf die Wolluſt wachen, Theils ſtrafet das Geſetz, teils die Natur der Sachen; Der erſten zu entgehn, lehrt dich die Wolluſt zwar, Doch bey der andren Art verbirgt ſie die Gefahr. 18 28. Die Affen und die Bäre. Die Affen bitten bey den Bären, Das Mittel ihnen zu erklären, Wodurch ſie ohne viel Bemühn, Die Jungen ſtark und alt erziehn. 5 Vielleicht, ſprach eine von den Müttern, Die ſtets vor Kinderliebe zittern, Iſt unſre Milch und unſer Trank Schuld an der Kinder Untergang. Vielleicht iſt manches unſrer Kinder 10 Aus dieſem Grunde nicht geſünder, Weil Obſt, Gewürm und was es frißt, Ihm gar zu unverdaulich iſt. Vielleicht, daß ſie durch Sprung und Schwänken Sich etwas in der Bruſt verrenken; 15 Vielleicht iſt manches ſiech und matt, Weil es die Luft getroffen hat. Drauf nimmt ſie eines von den Kleinen, Fängt an, es herzlich gut zu meynen, (Bel. 1744 A, S. 187.) Umarmt es brünſtig, küßt und drückt, 20 So lange, bis das Kind erſtickt. Du, ſprach die Bärinn, kannſt noch fragen? Nicht liegts an eurer Kinder Magen, Nicht liegts an Milch, an Obſt und Brodt, Ihr drückt ſie ſelbſt vor Liebe todt. Gebt acht auf unſre jungen Haufen; Wir nehmen ſie, ſo bald ſie laufen, Mit auf den Raub durch Sumpf und Wald, So werden ſie geſund und alt. Was macht viel Kinder ſiech? vielleicht Natur und Zeit? 30 Nein! reicher Eltern Gunſt und ekle 25 Weichlichkeit. O Reicher, ſoll dein Kind geſund in Städten blühen: So zieh es in der Stadt, wie es die Dörfer ziehen! Die Affen und die Bären. Die Affen baten einſt die Bären, Sie möchten gnädigſt ſich bemühn Und ihnen doch die Kunſt erklären, In der die Nation der Bären 5 Die ganze Welt des Walds zu übertreffen ſchien; Die Kunſt, in der ſie noch ſo unerfahren wären, Die Jungen groß und ſtark zu ziehn. „Vielleicht“, hub von den Affenmüttern Die weiſeſte bedächtig an, 10„Vielleicht, ich ſag es voller Zittern, Wächſt unſre Jugend bloß darum ſo ſiech heran, Weil wir ſie gar zu wenig füttern. Vielleicht iſt auch der Mangel der Geduld, Sie ſanft zu wiegen und zu tragen; 15 Vielleicht auch unſre Milch an ihren Fiebern ſchuld. Vielleicht ſchwächt auch das Obſt den Magen. Vielleicht iſt ſelbſt die Luft, die unſre Kinder trifft, (Wer kann ſie vor der Luft bewahren?) Ein Gift in ihren erſten Jahren; 20 Und dann auf Lebenszeit ein Gift. Vielleicht iſt, ohne daß wirs denken, Auch die Bewegung ihre Peſt. Sie können ſich durch Springen und durch Schwenken Oft etwas in der Bruſt verrenken, (3. Buch Nr. 32). 25 Wie ſichs ſehr leicht begreifen läßt; Denn unſre Nerven ſind nicht feſt.“ Hier fängt ſie zärtlich an zu weinen, Nimmt eins von ihren lieben Kleinen, Das ſie ſo lang und herzlich an ſich drückt, 30 Bis ihr geliebtes Kind erſtickt. „Du“, ſprach die Bärinn,„kannſt noch fragen, „Warum ihr ſo beſtraft mit kranken Kindern ſeyd? Nicht liegts an Luft und Milch, und nicht an Obſt und Magen. Ihr tödtet ſie durch eure Weichlichkeit, 35 Durch eure Liebe vor der Zeit. Gebt Acht auf unſern jungen Haufen; Wir nehmen ſie, ſobald ſie laufen, Mit uns, in Hitz und Froſt, durch Fluren und durch Wald, So werden ſie geſund und alt.“ 40 Was macht viel Kinder ſiech? Vielleicht Natur und Zeit? Nein, mehr der Aeltern Weichlichkeit. O Reicher, ſoll dein Kind geſund in Städten blühen: So zieh es in der Stadt, wie es die Dörfer ziehen! 29. Die Tiebe und das Glück.(Bel. 1744 A, S. 377.) Einſt ſtritten Lieb und Glück, wer zu der Menſchen Ruhe Das Meiſte ſtets gethan und noch das Meiſte thue. Das Glück ertheilte ſich mit eigner Hand den Preis; Die Liebe hörte zu, und forderte Beweis; 5 Und Cleon ward gewählt, daß ſie gewiß erführen, Wer mehr vermögend ſey, der Menſchen Herz zu rühren. Das Glück both alles auf, wodurch es ſonſt ergötzt, Was in die Sinne fällt und uns in Wolluſt ſetzt, Wodurch man ſich erhöht und zur Bewundrung eilet, 10 Ward unſers Cleons Hand in wenig Zeit ertheilet. Er ſah ſich groß und reich, von Freunden ganz umzirkt; Denn dieß iſt eine Peſt, die unſer Reichthum wirkt. Durch Pracht, Bequemlichkeit und Überfluß in allen Beſtrebte ſich das Glück, dem Manne zu gefallen. 15 Ein Bau von ſtolzer Art ſchloß ihn in Marmor ein, Sein Zimmer ſchien ein Thron, ſein Haus ein Schloß zu ſeyn, Und täglich wuchs die Zier der ſchon geſchmückten Wände Noch durch der Maler Witz, und durch der Künſtler Hände. Von dem, was ſchmackhaft iſt, in Fluren, See und Wald, 20 War ſein beladner Tiſch ein reicher Aufenthalt, Und zu dem beſten Trank, zu ſüſſer Weine Menge Ein Schenktiſch ſtets zu klein, viel Keller oft zu enge. Das Glück und die Liebe.(3. Buch, Nr. 27.) Einſt wollten Lieb und Glück ſich ſichtbar überführen, Wer ſtärker ſey, des Menſchen Herz zu rühren; Und Semnon, wie die Sag' erzählt, Ein Mann, der oft das Glück um ſeine Gunſt gequält, 5 Ein Mann in ſeinen beſten Jahren, Ward, um an ihm es zu erfahren, Vom Glück und von der Lieb' erwählt. Das Glück bot alles auf, was je der Menſch geſchätzt. Was ſeine Sinne rührt, was je ſein Herz ergetzt, 10 Wodurch der Stolz ſich hebt und zur Bewundrung eilet, Ward von der Hand des Glücks dem Semnon itzt ertheilet. Er ſah ſich reich, und Marmor ſchloß ihn ein. Sein Zimmer ſchien der Freuden Thron zu ſeyn. Und täglich wuchs die Pracht der ſchon geſchmückten Wände 15 Noch durch der Künſtler kluge Hände; Und täglich wuchs im Speiſeſaal Der Schüſſeln und der Diener Zahl, Mit ihnen der Bewundrer Menge Und der Clienten Lobgeſänge. 20 Bald fiel ein reiches Erb an ihn, 2 Er ſchlief bey Wein und Scherz, bey Tanz und Saiten ein, Und ſtund am Morgen auf, von neuem froh zu ſeyn; 25 Sein Wink war ein Befehl, ſein Wünſchen war ſein Wille, Je mehr ein Tag verthat, je mehr wuchs Gut und Fülle. Er ſann auf weiter nichts, als ſich nicht zu bemühn. Itzt fiel ein reiches Gut durch Erbſchaftsrecht auf ihn; Kaum nahm er dieſes ein: ſo mußt ihn hier von neuen 30 Aus einer Lotterie das größte Loos erfreuen. So ward ein neues Glück ihm täglich kund gemacht; Bald, was ſein Kux geſchenkt, bald, was ſein Schiff gebracht. Und ſo viel theure Gunſt aus ſeines Glückes Händen Blieb Schmeichler, Freund und Pracht zu wenig, zu verſchwenden. 35 Unendlich ſchien der Mann bey ſo viel Luſt gerührt. Wer zweifelt, ſprach das Glück, daß mir der Ruhm gebührt? Der Liebe kam es zu, durch ihre Zärtlichkeiten Den ſo beglückten Mann nunmehro zu beſtreiten. Der ſtark und ſüſſe Zug, der uns ins Herz geprägt, 40 Ward durch Serinens Blick in Cleons Bruſt erregt. Er ſah dieß holde Kind und brannt in ſeinen Trieben, Und bevydes ſchien hier eins: ſie ſehen und ſie lieben. Mehr Schönes hatte noch kein ſterblich Aug erblickt, Mehr Schönes, das zugleich, indem es reizt, beſtrickt. 45 Cithere ſelbſt geſtund, ſo viel vollkommne Gaben An eine Sterbliche noch nie verſchenkt zu haben. An das er nicht gedacht; kaum war ihm dieß verliehn: So zog das Glück durch ſeine Künſte Schon in den reichſten Lotterien Für ſeinen Freund die Hauptgewinnſte. 25 So ward ein neuer Schatz ihm täglich kund gemacht, Bald was ſein Kux, bald was ſein Schiff gebracht; Und ſoviel Gunſt aus ſeines Glückes Händen Blieb alle Pracht zu wenig zu verſchwenden. Er ſchlief, berauſcht von Freuden, ein, 30 Stund auf, den Freuden ſich zu weihn. Sein Wink war der Verehrer Wille, Und jeder Tag ein Feſt des Glückes und der Fülle. „Wer zweifelt“, ſprach das Glück,„daß mir der Ruhm gebührt? Iſt Semnon nicht unendlich ſehr gerührt?“ 35„Vielleicht“, verſetzt darauf die Liebe, „Rühr' ich ſein Herz durch ſtärkre Triebe; Er ſoll Serinen ſehn. Ihr unſchuldvoller Blick Beſiegt vielleicht dich, mächtigs Glück!“ Er ſah nunmehr die göttliche Serine. 40 Ihn rührt der Reiz der edlen Miene; Doch mehr, als ihr beredt Geſicht, 21 Ein Auge voller Ernſt, voll Anmuth und Vertraun, Voll Scham und Zärtlichkeit, groß, feurig, hoch und braun, Verrieth Serinens Herz, ein Herz voll edler Triebe, 50 Voll Großmuth, Unſchuld, Geiſt und nie geſchmeckter Liebe. Ihr, dieſer Reizenden, der Liebe Meiſterſtück, Gab Cleon beydes hin, ſein Herz und auch ſein Glück; Und dieſes Paar genoß im Lieben und Beſiegen Ein durch die Rednerkunſt noch nie entdeckt Vergnügen. 55 Die Liebe, ſprach das Glück, ſcheint Cleon vorzuziehn; Allein mehr, als zu bald, ſoll er Serinen fliehn. So viel ich ihm geſchenkt, ſo viel ſey ihm genommen! Reich hat er ſich vermählt, arm ſoll er von ihr kommen! Das Glück verließ ihn drauf, und Cleons Gut verſchwand. 60 Kein Bergwerk half ihm mehr, kein Schiff kam mehr ans Land, Sein allerreichſter Schatz ward frecher Räuber Beute, Und wem er geſtern half, des Liſt betrog ihn heute. So nahm ſein Reichthum ab. Dort brach ein Feuer aus, Und fraß ſein Landgut auf. Nun blieb ihm noch ſein Haus. 65 Hier war die Glut zu ſchwach, den Marmor zu verheeren; Das Herz, das aus Serinen ſpricht. Schon ſcheint der Glanz von ſeinen Schätzen, Schon ſein Palaſt, ſchon Freund und Wein, 45 Schon die Muſik ihn minder zu ergetzen. „Wie glücklich, wär ihr Herz erſt mein, Wie glücklich würd ich dann nicht ſeyn! O Liebe! lehre mich, dieß Herz mir zu verdienen, Und ſprich: wodurch beſieg ich einſt Serinen?“— 50„Sey“, ſpricht ſie,„kein Verſchwender mehr, Gieb Schmeichlern weiter kein Gehör.“ Schon iſt er kein Verſchwender mehr, Schon giebt er Schmeichlern kein Gehör. „Such deine Luſt in ſtillern Freuden; 55 Sei gütig, liebreich und beſcheiden; Und liebe nicht dein Glück zu ſehr.“ Schon ſuchte Semnon ſtillre Freuden; Schon ward er liebreich und beſcheiden; Serine floh ihn ſchon nicht mehr, 60 Serine gab ihm ſchon Gehör Und ward die Seele ſeiner Freuden. „Die Liebe“, ſprach das Glück,„ſcheint Semnon vorzuziehn; Allein mehr als zu bald ſoll er Serinen fliehn. So viel ich ihm geſchenkt, ſo viel ſey ihm entriſſen; 65 Wird ihm die Liebe wohl der Armuth Qual verſüſſen? Das Glück verließ ihn drauf, und Semnons Gut verſchwand. Kein Bergwerk half ihm mehr, kein Schiff kam mehr ans Land; Sein Reichthum ward der Liſt und der Gewalt zur Beute, 22 Doch was die Glut nicht kann, kann der Proceß verzehren. Vier Freunden hat er einſt viel Summen Geld geliehn, Er fordert dieſes Geld, und ſie belangen ihn, Und wiſſen ſeine Hand verſchlagen nachzumalen; 70 Nicht ſie bezahlen ihm; nein, er muß ſelbſt bezahlen. Dieß kann Betrug und Liſt, Verwegenheit und Schwur; Und wems nicht glaublich ſcheint, der ſtreit und rechte nur. So arm floh Bias kaum, ein Weiſer von den Sieben, Als Cleon, den der Streit von Haus und Hof vertrieben! 75 Was fängt nun Cleon and verzweifelt ſeine Bruſt? O nein! er bleibt getroſt. Sein Weib iſt ſeine Luſt, Und er Serinens Glück. Der Fleiß erhält ihr Leben, Und froh genießen ſie, was beyder Fleiß gegeben. Das ſo beſchämte Glück both endlich dieſem Mann, 80 Wenn er Serinen ließ, noch zehnmal Größers an. Nein, ſprach er, eitles Glück, die Eintracht der Gemüther, Der Zug der Zärtlichkeit iſt mehr, als alle Güter; Dieß Labſal iſt zu klug, zu groß, zu ungemein; Viel beſſer ohne Glück, als ohne Liebe, ſeyn! Und nichts blieb ihm von dem, was ſonſt ſein Herz erfreute. 70 Nichts, als ſein treues Weib, im widrigſten Geſchick Sein Beyſtand und auf ſtets ſein Glück. Durch Fleiß entriſſen ſie ſich der Gefahr zu darben; Und froh genoſſen ſie, was ſie durch Fleiß erwarben. Umſonſt perſprach das Glück, ihn doppelt zu erfreun, 75 Wenn er der Lieb entſagen wollte. „Nein“, rief er,„wenn ich auch ein Cröſus werden ſollte, Gieng ich doch nie dein Anerbieten ein. Die Liebe läßt mich weiſer ſeyn, Als daß ich dich mir wieder wünſchen wollte. 80 Serine, komm! Mein Herz bleibt dein; Viel beſſer, ohne Glück, als ohne Liebe ſeyn.“ „Ja, Semnon, ja, mein Herz iſt dein; Viel beſſer, ohne Glück, als ohne Liebe ſeyn.“ 30. Die Biene und die Henne. Nun, Biene, ſprach die träge Henne, Dieß muß ich in der That geſtehn, So lang ich dich nunmehro kenne: So ſeh ich dich auch müßig gehn. 5 Du thuſt ja nichts, als dich vergnügen. Im Garten auf die Blumen fliegen, Und ihren Blüthen Saft entziehn, Mag eben nicht ſo ſehr bemühn. Bleib immer auf der Nelke ſitzen, 10 Dann fliege zu dem Roſenſtrauch, Wär ich, wie du, ich thät es auch, Was brauchſt du andern viel zu nützen? Genug, daß wir ſo manchen Morgen, Mit Eyern, unſer Haus verſorgen. 15 Ol rief die Biene, ſpotte nicht, Du denkſt, weil ich bey meiner Pflicht Nicht ſo, wie du, bey einem Eye, Aus vollem Halſe zehnmal ſchreye: So denkſt du, wär ich ohne Fleiß. 20 Der Bienenſtock ſey mein Beweis, Wer Kunſt und Arbeit beſſer kenne, Ich oder eine träge Henne? Denn, wenn wir auf den Blumen liegen: So ſind wir nicht auf uns bedacht, 25 Wir ſammlen Saft, der Honig macht, Um Mund und Zunge zu vergnügen. Macht unſer Fleiß kein groß Geräuſch, (Bel. 1744 A, S. 461.) Und ſchreyen wir bey warmen Tagen, Wenn wir den Saft in Zellen tragen, 30 Uns nicht, wie du im Neſte, heiſch: So präge dir es itzund ein: Die Bienen haſſen ſtets den Schein; Will jemand ihrer kundig ſeyn, Der muß in Honig, Roſt und Kuchen, 35 Fleiß, Kunſt und Ordnung unterſuchen. Auch hat uns die Natur beſchenkt, Und einen Stachel eingeſenkt, Damit wir die beſtrafen ſollen, Die, was ſie ſelber nicht verſtehn, 40 Doch meiſtern und verachten wollen; Drum, Henne, rath ich dir, zu gehn. * O Spötter, der mit ſtolzer Mine, In ſich verliebt, die Dichtkunſt ſchilt; Dich unterrichtet dieſes Bild. 45 Die Dichtkunſt iſt die ſtille Biene; Und willſt du ſelbſt die Henne ſeyn; So trifft die Fabel völlig ein. Du fragſt, was nützt die Poeſie? Sie lehrt und unterrichtet nie. 50 Allein, wie kannſt du doch ſo fragen? Du ſiehſt an dir, wozu ſie nützt: Dem, der nicht viel Verſtand beſitzt, Die Wahrheit, durch ein Bild, zu ſagen. Die Anderungen im 1. Buch der Fabeln u. Prz. sind gering: Z. 3: So lange Zeit, als ich dich kenne, Z. 5: Du ſinnſt auf nichts als dein Vergnügen, Z. 26: Um fremde Zungen zu vergnügen, Z. 32— 34: Wir haſſen allen ſtolzen Schein; Und wer uns kennen will, der muß in Roſt und Kuchen; Z. 38: Mit dem wir etc. 24 31. Damötas und Phyllis. (Bel. 1744 A, S. 469.) Eine Schäfererzählung. Damötas war ſchon lange Zeit Der jungen Phyllis nachgegangen; Noch konnte ſeine Zärtlichkeit Nicht einen Kuß von ihr erlangen. 5 Er bath, er gab manch gutes Wort; Umſonſt! ſie ſtieß den Schäfer fort. Er holte Taſche, Stock und Band: Dieß, ſprach er, will ich alles miſſen, Verſprich mir nur mit treuer Hand, 10 Mich dieſen Sommer noch zu küſſen. Geh, rief die ſpröde Schäferinn, Das Küſſen kömmt mir nicht in Sinn. Zwey Lämmer ſchlug ſie in den Wind. O, ſpricht er, daß ich ruhig werde: 15 So küſſe mich, geliebtes Kind, Hier haſt du meine ganze Heerde; Doch nichts nahm unſre Phylllis ein; Mit finſtrer Stirne ſprach ſie: Nein! Wie? rief Damötas ganz erhitzt, 20 So kannſt du nichts, als widerſtreben? Gut, ich verbiete dir anitzt, Mir jemals einen Kuß zu geben. Ol ſpricht ſie, fürchte nichts von mir, Ich bin dir ewig gut dafür. 25 Den andern Morgen war Damöt, Im Hüten, bey den ſatten Schafen, Dort, wo Menalkens Buche ſteht, Vor Lieb und Kummer eingeſchlafen, Und Phylllis, im Vorübergehn, 30 Bleibt achtſam bey dem Schäfer ſtehn. Wie roth, ſpricht Phyllis, iſt ſein Mund! Bald dürft ich mich zu was entſchlieſſen. O thäte nicht ſein böſer Hund, Ich müßte dieſen Schäfer küſſen. 35 Sie geht; doch da ſie gehen will, Steht Phyllis vor Verlangen ſtill. Damötas und Phyllis. Damötas war ſchon lange Zeit Der jungen Phyllls nachgegangen; Noch konnte ſeine Zärtlichkeit Nicht einen Kuß von ihr erlangen. 5 Er bat, er gab ſich alle Müh'; Doch ſeine Spröde hört ihn nie. Er ſprach:„Zwei Bänder geb ich dir. Auch ſoll kein Warten mich verdrieſſen; Verſprich nur, ſchöne Phyllis, mir, 10 Mich dieſen Sommer noch zu küſſen.“ Sie ſieht ſie an, er hofft ſein Glück; Sie lobt ſie, und giebt ſie zurück. Er bot ein Lamm, noch zwey darauf, Dann zehn, dann alle ſeine Heerden. 15 So viel? Dieß iſt ein theurer Kauf. Nun wird ſie doch gewonnen werden? Doch nichts nahm unſre Phyllis ein. Mit finſtrer Stirne ſprach ſie:„Nein!“ „Wie?“ rief Damötas ganz erhitzt, 20„So willſt du ewig widerſtreben! Gut, ich verbiete dir anitzt, (1. Buch, Nr. 23.) Mir jemals einen Kuß zu geben.“ „O,“ rief ſie,„fürchte nichts von mir, Ich bin dir ewig gut dafür.“ 25 Die Spröde lacht, der Schäfer geht, Schleicht ungeküßt zu ſeinen Schafen. Am andern Morgen war Damöt Bey ſeinen Heerden eingeſchlafen; Er ſchlief, und im Vorübergehn 30 Blieb Phyllis bei dem Schäfer ſtehn. Die folgende Strophe ist unverändert, abgesehen von Z. 36: So ſteht ſie vor Verlangen ſtill. Im übrigen ist nur folgendes verändert: 38: Und ſucht die Zeugen, die ſie ſcheute, 42: Sich noch zween Schritte näher wagt 44— 46: Allein ſie kann ſich nicht entſchlieſſen. Doch nein, itzt bückt ſie ſich geſchwind Und wagts, Damöten ſanft zu küſſen. . 51: Scheint minder ſich, als erſt, zu ſcheun . 56: ſanfte Stunde . 62, 63: So ſollſt du mich zum Scherze küſſen. „Nun,“ ſprach der Schäfer,„iſts zu ſpät, . 66: Um einen Kuß zehn Küſſe hin. Z. Z. Z. Sie ſieht ſich dreymal ſchüchtern um, Ob jemand in der Nähe ſchreite; Sie macht den Hund mit Streicheln ſtumm, 40 Und lockt ihn freundlich auf die Seite. Sie ſinnt, bis daß ſie ganz verzagt, Zween Schritte ſich noch näher wagt. Und läßt ſich bei dem Schäfer nieder. Sie küßt und nimmt ſich nicht in Acht; Sie küßt ihn und Damöt erwacht. 55 O! fing Damöt halb ſchlafend an, Misgönnſt du mir die ſüße Stunde? Dir, ſprach ſie, hab ich nichts gethan, Hier ſteht nunmehr das gute Kind Voll Zärtlichkeit und voll Erröthen, 45 Und endlich bückt ſie ſich geſchwind; Was thut ſie wohl? Sie küßt Damöten. Sie giebt ihm drauf noch einen Blick, Und kehrt auf ihre Flur zurück. Ich ſpielte nur mit deinem Hunde; Und überhaupt, es ſteht nicht fein, 60 Ein Schäfer und ſtets ſchläfrig ſeyn. Jedoch, was giebſt du mir, Damöt, So ſollſt du mich nunmehro küſſen? Nunmehro, ſprach er, iſts zu ſpät, Wie ſüße muß ein Kuß nicht ſeyn! V Du wirſt an mich bezahlen müſſen. 50 Denn Phyllis kömmt noch einmal wieder, 65 Drauf gab die gute Schäferinn Kehrt mitten in dem Gehen ein, Um einen Kuß ſchon zwanzig hin. 32. Die Wahrheit.(Bel. 1744 A, S. 565.) Schon forſcht man ſeit viel tauſend Jahren, So hart ſie auf einander giengen, Warum die Wahrheit nackend geht, Und nie hat mans gewiß erfahren, Weil nichts davon in Büchern ſteht; 5 Doch endlich deckt der Zeiten Lauf Der Welt auch dieß Geheimniß auf. So blieb der Streit doch ungewiß, 15 Bis daß die Lügen, in dem Ringen, Der Wahrheit das Gewand entriß; Sie floh, und trug ſeit dieſer Zeit Kein anders, als der Wahrheit Kleid. Und dich, mein Leſer, zu vergnügen: b So kam die Wahrheit in dem Streiten So ſag ich dir durch dieſes Lied, 20 Um alles Glück, durch ihr Gewand; Daß einſt die Wahrheit mit der Lügen V Denn nackend ward ſie tauſend Leuten, 10 In einen harten Streit gerieth; V Auch ſelbſt den Klugen, unbekannt. Weil dieſe jener offenbar Hingegen ſah faſt jedermann An einem Hofe ſchädlich war. Die Lügen für die Wahrheit an. Der Spieler.(Bel. 1744 A, S. 566.) Am Höllenfluſſe Styx kam einſt auf Charons Kahn Aus unſrer Oberwelt ein ſtarker Spieler an. Man rief ihn eilends auf, ſich vor dem Gott der Höllen, Dem Richter dieſes Reichs, zur Rechenſchaft zu ſtellen. Drauf fing der Spieler an: o Minos, großer Fürſt, Mein Leben taugt nicht viel, wie du erfahren wirſt, Ich habe nichts gethan, als Blätter abgezogen, Bank Nacht und Tag gemacht, und manchen ausgeſogen. 0 26 Kein Kunſtgriff war ſo neu, ſo wußt und übt ich ihn; 10 Ich kannte ſchon das Blatt, eh noch das Blatt erſchien, Und ſelten wird ein Mann, auf dieſe Kunſt befliſſen, Mit Volten meiner Art, ein Blatt zu legen wiſſen. Mein Glück blieb wandelbar; bald hatt ich nichts, bald viel, Und ob ichs oft verſchwur: ſo ließ ich nie das Spiel. 15 Im Spielen ſtarb ich auch; denn mitten im Verlieren, Gleich da das Coeur-Aß fiel, muß mich ein Schlagfluß rühren. Wahr iſt es, meine Zeit ward übel zugebracht; Allein ich bin nicht ſchuld; der, der die Karten macht, Verdient beſtraft zu ſeyn, und mag den Spruch erwarten. 20 Hier griff er in den Rock und ſuchte ſeine Karten, Und fand ſie unverſehrt, und miſcht und mengte friſch, Lud ſelbſt den Minos ein und bath um Stuhl und Tiſch. Gut! hub drauf Minos an, hier menge ſtets vom friſchen, Denn ſpielen ſollſt du nie, wohl aber ewig miſchen. 25 So ſteht denn ſeine Hand zu keiner Stunde ſtill. Stets kömmt ein Geiſterheer, das pointiren willl. Doch wenns der Spieler wagt, einmal ein Blatt zu ziehen; So iſt die Müh umſonſt, denn alle Geiſter fliehen: O Unglück! ruft er ſtets, hat denn kein Menſch hier Geld? 30 Verſteht kein Menſch das Spiel? Was iſt doch eine Welt, Wo kein Coffeehaus iſt? o Brüder, bleibt auf Erden, Da kann ein braver Mann mit Ruhm ein Spieler werden! Der Anbedacht.(Bel. 1744 B, S. 288.) Durch ein gemein Geboth, wie die Geſchichte ſagt, Ward einſt der Unbedacht aus unſrer Welt verjagt. Kein Weiſer und kein Held, kein Kaufmann wollt ihn dulden; Dort bracht er Irrthum vor, und hier Verluſt und Schulden. 5 Er floh zum Jupiter in ängſtlicher Geſtalt Und bath um ſichern Aufenthalt. Mercur erhielt Befehl, dem Armen bey zu ſpringen; Schnell war Mercur bereit, ihn an den Mann zu bringen. Er gieng; doch dieß iſt falſch. Gehn wird Mercur nicht ſehr, 10 So lang er Flügel hat. So flog er denn vielmehr Mit ihm zum Liebesgott. Hier, ſprach er, kannſt du bleiben. Ein Gott, der niemals ſieht, wird niemals dich vertreiben; Und ſeit der Zeit, da dieß geſchehn, Läßt ſich der Unbedacht auch bey der Liebe ſehn. 15 Oft geht er vor ihr her mit Pfeilen auf dem Rücken; Und eh die Liebe kömmt: ſo pflegt er loszudrücken. Faſt glaub ich die Begebenheit; Und hat ſie ihre Richtigkeit: So darf man wohl in unſern Tagen 20 Nicht länger nach dem Grund der ſchlimmen Ehen fragen. Der Leichtſinn.(3. Buch, Nr. 33.) Der Leichtſinn, wie die Fabel ſagt, Die Fabel aus den goldnen Jahren, Ward von den Menſchen einſt verjagt, Weil alle ſeiner müde waren. Er floh zum Zeus, und bat um Aufenthalt. Kaum ſah Mexrcur die luſtige Geſtalt, So fühlt er ſchon die Pflicht, dem Flüchtling beyzuſpringen, „So will dich alle Welt verdringen? Du dauerſt mich. Komm, hüpf auf meine Schwingen! Ich hoffe dich gut anzubringen. Komm, Paphos ſey dein Aufenthalt!“ Schnell bracht er ihn zur Venus kleinem Knaben. „Hier, Gott Cupido“, fieng er an, „Schickt Ihnen Zeus den angenehmſten Mann, 15 Der ſchärfer, als Sie, ſehen kann; Sie ſollen ihn zu Ihrem Führer haben.“ Der Leichtſinn trat ſein Amt mit Eifer an, Das Amt, der Liebe vorzutraben, Und ſoll, wie die gedachte Fabel ſpricht, 20 Von dieſer Zeit an, ſeine Pflicht Sehr ſelten unterlaſſen haben. 51 1 —‿½ Schulnachrichten. I. Allgemeine Lehrverfassung. 1. Übersicht über die einzelnen Lehrgegenstände und ihre Stundenzahl. Lehrgegenstand VI V[IV(III, IIIIIIIIa IIe] 1I. I. 3. Sanne 1... ſa. evang. 3 2 2 2 2 2 2 2 2 2 21 Christl. Religionslehre L b. kath. 1 2 2 2 7 Jüdische Religionslehre. 2 2 2 6 Deutsch und Geschichtserzählungen 4 ½4 213 3 2 2 2 3 3 3 3 28 Latein 8 8 8 8 8 3 7 7 7 7 76 Griechisch——— 6 6 6 6 6 6 6 42 Französisch.—— 4 2 2 2 3 3 3 3 22 Englisch.——ſ 2 1 4 Hebräisch I= 3 2 2 2 2 2 2 Geschichte und Erdkunde. 2 2 2 1 1 11 3 3 29 Rechnen und Mathematik 4 4 4 3 3 3 4 4 4 4 37 Naturbeschreibung. 2 2 2 2—1=—— 8 Physik, Elemente d. Chemieu. Mineral.———— 2 2 V 2 2 2 2 12 Schreiben 2 2 5 Zeichnen. 2 2 2 2 2 V 12 Singen 2 V 2 3(2) 7 Turnen 3 V 5 3 3 3 3 3 21 Zusammen ſ 30 30 34 35 35 35 37 39 39 39 ſ 341 2. Verteilung des Unterrichts im Schuljahr 1906/7. ff 5 ſ Namen Oräl- der Lehrer Hate 1 II. IIIa IIbd III, V IV V VI ſ ſ p 1. Prof. Dr. Aly, L. Griech. 6 Latein 7 Direktor ——————— 7.. Deutsch 3 2. Dr. Wilhelmi, I Latein- Griech. 6 Gesch. und Professor Erdk. 3 ————— Franz 3 3 Dr. Schumann, Latein 8 Profossor III2. Fngl 2 Engl. 2 Franz. 3 Franz. 2 Franz. 4 —— V V . 4. Reinhard, Mathem. 4 Mathem. 4 Professor Physik 2 V rai 2 Physik 2 Physik 2 Mathem. 4 ——— V 5. Ewoldt, Mathem. 4 Mathem. 4 A ik 2 2 Mathem. 3 Mathem. 3 Mathem. 3 Professor Physik 2 Physik 2 11 ———————————+— Latein 7 6. Engelhardt, II, eri Gesch. und Professor 1. Grlech. 3 Turnen 3 PErdlk. 3 Turnen 3 — z—————— 7. Dr. Hand III, b h Griech. 6 Latein 8 V werck, 1 Deutsch 3 Franz. 2 Franz. 2 Professor 1— Deutsch 2, Griech. 6 8. Schenkheld, IIILa V atein 3 Gesche neſn Oberlehrer V Erdk. 5 Erdk. 3 —— ³——“—— 9. Stange, T PraAngee Deutseh 3 Oberlehrer Turnen 3 Turnen 3 eiiirhdhdhdhdhni1 laubt 10. Rath, u. dann Oberlehrer ver- storben. V —————————————— 5 ös Religion 2. Religion 2 V 1l. Mmbräeer, IIe Deutsch 3 Latein 7 Religion 2 Griech. 6 “— 12. Becker. Gesch. und Gesch. und Gesch. und GriecCh. 6 Gesch. und Erdk. 2 Prdk. 2 Oberlehror Erdk. 3 Erdk. 3 Erdk. 3. 6 V Erdk. 3 3. 13. Dr. Brack mann, beur. Oberlehrer, laubt Professor extraord.. 4 14. Kk 3 igion 2 Religian 2 Religion 2 Deutsch 4 14. Dr Neeen. VI Religion 2 Religion 2 Deutsch 3 Deutsch 2 L atein 8 ———— , Religion? 15. Lieberknecht, v Hebräisch: Religion 2 5 ebräisch 2 2 Rel- 2 Deutsch 3 probekandidat Hebraisch 2 Sns Deuiseh s engiom 2 atoin d —4————————— 8 7 zZeic Zei Zeichnen 2 jgi 16. Klonk ¹ 4 Zeichnen 2 Zeichnen ² 1 3, Religion 3 zeichenlehrer Zeichnen 2 Turnen 3 Turnen 3 ecienen 2 Zeichnen 2 Turnen 3 Naturb. 2 Natub. 2 Rechnen 4 Rechnen 4 17. Fiedler.*) l, r. 8 Naturb. 2 Mathem. 2 Lehrer am Gymn. Chorgesang 3 Schreib. 2 Schreib. 2 eiben Singen 2 Singen 2 ————— 4 18. Dr. Weber, Katholische Religion 2 Katholische Religion 2 Katholische Religion 2- 1 Kathol. Pfarrer ——— 4 19. Dr. Munk, Jüdische Religion 2 Jüdische Religion?² Jüdische Religion 2 Prov.-Rabbiner * Beurlaubt für das 4. Vierteliahr. Vertreter: Probekandidat Sander und Zeichenlehrer Klonk. 31 3. Übersicht über die während des abgelaufenen Schuljahres behandelten Lehraufgaben. Prima 1. Ordinarius: Professor Dr. Wilhelmi. Religionslehre. 2 St. a) Evangelische: S.: Lektüre der wichtigsten Abschnitte des Römer- und Galaterbriefs nach der Ubersetzung von Weizsäcker unter Heranziehung des Urtextes. W.: Glaubens- und Sittenlehre mit religionsgeschichtlicher Einleitung. Die Augustana und die alten Symbole. Wiederholung früherer Pensen. Klee. b) Katholische: Glaubens- lehre von Gott, der Schöpfung und Erlösung; nach Dreher, Lehrbuch der katholischen Religion. Ausführliche Mitteilungen aus der Kirchengeschichte bis auf die Zeit Karls des Grossen, vor- nehmlich durch entsprechende Charakterbilder. Weber. c) Jüdische: Religionsgeschichte zur Zeit des Mittelalters und der Neuzeit. Ausgewählte Kapitel der Glaubens- und Pflichtenlehre. Lektüre von Jeremijah im Urtext und von Luzzabo’s„Der Weg des Redlichen.“ Munk. Deutsch. 3 St. S.: Schillers Wallenstein, Uiber naive und sentimentalische Dichtung. Auswahl aus den philosophischen Gedichten. Shakespeares Macheth. Lebensbild Schillers. W.: Goethes Iphigenie und Faust I. Hermann und Dorothea, Auswahl aus seiner Lyrik, Abschnitte aus Dichtung und Wahrheit, besonders Buch 10. Überblick über sein Leben. Aus- wendiglernen. Vorträge der Schüler über Leben und Werke neuerer Dichter. Armbröster. Themata der deutschen Aufsätze: 1 Wie offenbart sich Sturm und Drang in Goethes Goetz? 2. Den grossen Charakter wie alles Grosse macht die UÜberschwenglichkeit. 3.(Klassenaufsatz) Die Frauengestalten in Schillers Wallenstein. 4. Welches Charakterbild entwirft Goethe von seinem Egmont? 5. In welchen Zügen begegnen sich Horaz und Walther von der Vogelweide? 6. a) Ist die Charakteristik Achills bei Horaz lep. ad Pisones 121/122) in jeder Beziehung gerechtfertigt? b) Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt. 7.(Klassenaufsatz) Mit welchem Recht lässt sich das Wort des Horaz„Merses profundo, pulchrior evenit“ auf die Geschichte des preussischen Volkes im Anfang des 19. Jahrhunderts anwenden? Aufgabe für die Reifeprüfung: a) Michaelis 1906. Inwiefern bildet der Zorn des Achillens den bewegenden Mittelpunkt der Ilias? b) Ostern 1907. Mit welchem Recht nennt Pericles seine Vaterstadt Athen zaiòeνοα 2oος? Latein. 7 St. S.: Tacitus, Annalen I und II(in Auswahl); Horaz, Oden III. W.: Cicero, Tusculanen V. Somnium Scipionis; Horaz, Oden IV und Episteln in Auswahl. Wieder- holung der gesamten Syntax, einiges aus der Stilistik und Synonymik. Alle 14 Tage eine Arbeit. 6 Oden memoriert. Wilhelmi. Griechisch. 6 St. Thucydides I und II(in Auswahl). Plato, Symposion(mit einigen Auslassungen). Sophocles, Oedipus auf Colonus. Ilias XIII—XXIV(mit Auswahl). Wieder- holungen aus der Grammatik. Alle 14 Tage abwechselnd eine Übersetzung ins Griechische und ins Deutsche. Direktor. Französisch. 3 St. Molière, Les femmes savantes. Lanfrey, Expédition d'Egypte. Rambaud, L'histoire de la civilisation en France. Grammatische Wiederholungen, einiges aus Stilistik und Synonymik im Anschluss an die Lektüre. Alle 3 Wochen eine OÜbersetzung ins Deutsche oder Französische. Stange. Hebräisch. 2 St. Ergänzung der Formenlehre, das Wichtigste aus der Syntax. Lektüre aus Kautzsch und Genesis. Lieberknecht. Englisch. 2 St. Ergänzung der Formenlehre, das Wichtigste aus der Syntax. Lektüre S.: Chambres, English history. W.: Shakespeare, Julius Caesar. Sprechübungen. Schumann. Geschichte und Erdkunde. 3 St. S.: Geschichte der neueren Zeit 1648—1789 mit besonderer Berücksichtigung der preussischen Geschichte. W.: Geschichte der neuesten Zeit 1789— 1888. Zahlentabellen. Wiederholungen aus der Erdkunde. Becker. 32 . Mathematik. 4 St. Arithmetik: Kombinationslehre, Binomischer Lehrsatz. Planimetrie und Trigonometrie: Dreieckskonstruktionen, Sätze über Transversalen. Stereometrie: Wieder- holung des Systems. Analytische Geometrie: Begriff der Koordinaten. Sätze und Aufgaben über Gerade, Kreis- und Kegelschnitte. Ausserdem wöchentlich 1 St. UÜbungsaufgaben aus allen Teilen der Mathematik. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Reinhard. Mathematische Aufgaben für die Reifeprüfung: a) Michaelis 1906. 1. Ein Kapital, welches zu 4 ½% auf Zinseszinsen angelegt war, hatte sich, obwohl jährlich 788 M. abgehoben wurden, in 20 Jahren verdoppelt. Wie gross war das Kapital? 2. Ein Dreieck zu konstruieren aus nAdα), 9, 5— y. 3. Von dem Gipfel P eines Berges aus sieht man in einer horizontalen Ebene zwei Punkte 4 und B, die genau hinter einander liegend erscheinen, unter den Tiefenwinkeln a= 12,10 und 6= 18,9°. Man bestimme die Höhe PG des Berges über jener Ebene, wenn die Punkte 4 und 8 2 km von einander entfernt sind. 4. Eine Kugel mit der Oberfläche Oä= 20 qm wird von einer Ebene, deren Abstand vom Mittelpunkt der Kugel ein Viertel des Radius beträgt, geschnitten. Den beiden Kugelabschnitten sind gerade Pyramiden eingeschrieben, deren gemeinschaftliche Grundfläche das der kreisförmigen Schnittfläche eingeschriebene Quadrat ist. Man berechne den Inhalt der Doppelpyramide. b) Ostern 1907. 1. An eine Strecke von der Länge a= ist eine Strecke von der Länge angetragen, hieran wieder eine Strecke von ½ der Länge der vorigen und sofort bis ins Unendliche. Uber den einzelnen Strecken sind gleichseitige Dreiecke errichtet. Welcher Grenze nähert sich a) die Summe der Umfänge, b) die Summe der Flächen aller dieser Dreiecke?(Zahlenbeispiel: a= 8 cm). 2. Von einem Dreieck kennt man den Winkel a, das Verhältnis der ihn einschliessenden Seiten b:c= m:n und die Mittellinie tαᷣ) zur Seite 5. Man zeichne das Dreieck. 3. In einem Dreieck ist die Seite a= 77 cm, die zugehörige Höhe ha)= 24 cm und die Diffe- renz der beiden anderen Seiten 5— c= 11 cm. Wie gross sind die Winkel des Dreiecks? 4. Ein eiserner, an einem Ende kugelförmig zugespitzter gerader Cylinder vom spezifischen Gewicht= 7,6 wird mit der Spitze nach unten, die Achse senkrecht gerichtet, auf Quecksilber vom spezifischen Gewicht 5= 13,56 gelegt. Wie tief sinkt er in die tragende Flüssigkeit ein, wenn die Cylinderachse= 18 cm, die Kegelachse 5= 6 cm ist? Physik. 2 St. S.: Optik. W.: Mathematische Erd- und Himmelskunde. Reinhard. Prima 2. Ordinarius: Direktor. Religionslehre. 2 St. a) Evangelische: S.: Kirchengeschichte. W.: Evangelium Johannis(im Urtexte). Wiederholungen. Klee. b) Katholische: Kombiniert mit Prima 1. c) Jü dische: Desgleichen. Deutsch. 3 St. Dispositionsübungen. S.: UÜberblick über die Entwicklung der deutschen Literatur seit der Reformation. Klopstocks Oden und Proben aus Messias. Lessings Emilia Galotti und Nathan der Weise. Auswendiglernen von Stellen. W.: Ausgewählte Kapitel aus Lessings Laokoon und der Hamburgischen Dramaturgie. Auswahl aus Herders Volksliedern. Shakespeare, Julius Cäsar. Götz von Berlichingen und Schillers Jugenddramen. Vorträge der Schüler über literargeschichtliche Themata aus der Privatlektüre. Handwerck. Themata der Aufsätze: 1. Worin beruht die Bedeutung des Meier Helmbrecht? 2. Was lässt sich für und was gegen das Wort sagen„Ubi bene, ibi patria?“ 3.(Klassenaufsatz) a) Wem Gott will rechte Gunst er- weisen, den schickt er in die weite Welt. b) Wie verhält sich Klopstocks vaterländische Dichtung zu der Walthers? 4. Gold und Eisen. 5. Marinelli. 6. Homer in Lessings Laokoon. 7. Warum erregt das Zeitalter der Hohenstaufen unsere besondere Teilnahme? 8.(Klassenaufsatz) Skake- speares Brutus, ein tragischer Charakter. Latein. 7 St. S.: Tacitus, Germania 1— 27. Auswahl philosophischer Schriften Ciceros von Weissenfels. Horaz, Oden II. Ep. 2, 16. W.: Cicero, Briefe(nach Aly). Horaz, Od. I. Sat. I, 6. 9. II, 1. 6. Epist. II. 2. Alle 14 Tage eine Arbeit. Wiederholung der gesamten Syntax. Einiges aus Stilistik und Synonymik. 7 Oden memoriert. Direktor. Griechisch. 6 St. S.: Plato, Apologie. Homer Ilias—VI. Sophocles, König Odipus. 2 Chöre memoriert. W.: Biese, Griechische Lyriker in Auswahl, besonders Elegiker und melische Dichter. Demosthenes, 1. Phil., 1. und 3. Olynth. Homer, Ilias VII— XII. 50 Verse memoriert. Wiederholungen aus der Grammatik. Alle 14 Tage abwechselnd eine schriftliche Ubersetzung ins Griechische und ins Deutsche. Engelhardt. Französisch. 3 St. Corneille, Cid. Mérimée, Colomba. d'Hérisson, Journal d'un officier d'ordonnance. Grammatische Wiederholungen, einiges aus Stilistik und Synonymik im Anschluss an die Lektüre. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Schumann. Hebräisch. 2 St. Kombiniert mit Prima 1. Lieberknecht. Englisch. 2 St. Kombiniert mit Prima 1. Schumann. Geschichte und Erdkunde. 3 St. S.: Römische Kaisergeschichte im Überblick. Ge- schichte des Mittelalters 375— 1272. W.: Geschichte der Jahre 1273— 1648. Zahlentabellen. Wiederholungen aus der Erdkunde. Becker. Mathematik. 4 St. Arithmetik: Schwierigere Gleichungen des 1. und 2. Grades. Zinses- zins- und Rentenrechnung. Kettenbrüche und diophantische Gleichungen. Planimetrie und Trigonometrie: Dreiecks- und Kreiskonstruktionen im Anschluss an die Lehre von der Khnlich- keitslehre(Lieber und v. Lühmann III). Stereometrie nebst Übungsaufgaben. Alle 3 Wochen eine Arbeit.(Ewoldt). Physik. 2 St. S.: Mechanik. W.: Akustik. Ewoldt. Sekunda 1. Ordinarius: Professor Engelhardt. Religionslehre. 2 St. a) Evangelische. S.: Erklärung der Apostelgeschichte nach der Übersetzung von Weizsäcker unter Heranziehung des Urtextes. W.: Erklärung des 1. Briefes an die Korinther. Kirchengeschichte bis 312. Wiederholung von Liedern, Kate- chismus, Sprüchen. Klee. b) Katholische: Kombiniert mit Prima 1. c) Jüdische: Desgleichen. Deutsch. 3 St. S.: Einführung in das Nibelungenlied im Urtext, Ausblicke auf die nordische Sage und die grossen germanischen Sagenkreise. Hebbels Nibelungen, Lessings Minna von Barnhelm. W.: Einführung in höfische Epik und Lyrik; Walther von der Vogel- weide(im Urtexte). Auswendiglernen von Strophen. Kleists Hermannschlacht. Sprach- geschichtliche Belehrungen. Klee. Themata der Aufsätze: 1. Schillers„Jungfrau von Orleans“ und„Wilhelm Tell“: ein Vergleich zwischen den Haupt- teilen beider Dramen. 2. Welchen Einfluss übt die Natur eines Landes auf die Geschichte seiner Bewohner? 3.(Klassenaufsatz) Welches Bild mittelalterlichen Lebens empfangen wir aus Scheffels„Ekkehard“? 4. Welche Wandlungen zeigt uns der Charakter Kriemhildens im Nibe- lungenliede? 5.„Der Roman soll das deutsche Volk da suchen, wo es in seiner Tüchtigkeit zu finden ist, nämlich bei seiner Arbeit,“ ein trefflicher Wahlspruch für Gustav Freytags„Soll und Haben.“ 6. Ein Vergleich zwischen den beiden grössten Gestalten der deutschen Heldensage, Dietrich von Bern und Siegfried. 7.(Klassenaufsatz) Wie begründet Lessing in seiner„Minna von Barnhelm“ den dramatischen Konflikt? 8. Welche religiösen Vorstellungen finden wir in „Virgils Aeneis? Latein. 7 St. S.: Sallust, Coniuratio Catilinaria; Verg. Aeneis VI—IX(nach Lange). W.: Livius XXII. Cicero, Cato maior. Verg. Aen. XI— XII in Auswahl. 50 Verse memoriert. Grammatik: Wiederholungen und einiges aus der Stilistik. Übersetzen aus Süpfle. Alle 14 Tage eine Arbeit. Engelhardt. 34 Griechisch. 6 St. S.: Herodot VIII und IX. Odyssee IX— XIII. Grammatik: Tempora und Modi. Wiederholungen aus der Formenlehre. W.: Arrian III und IV; Odyssee XIV— XXIII. 50 Verse memoriert. Grammatik: Ipfinitiv, Participium, Partikeln. Alle 14 Tage eine Arbeit. Wilhelmi. Französisch. 3 St. Duruy, Histoire de France. Sarcey, Siège de Paris. Seribe, Verre d'eau. Gropp und Hausknecht, Auswahl französischer Gedichte. Wiederholungen aus der Grammatik. Alle 3 Wochen eine Ubersetzung ins Deutsche oder Französische. Stange. Hebräisch. 2 St. Elementarlehre nach Gesenius. Lektüre aus Gesenius-Kautzsch. Lieberknecht. Englisch. 2 St. Lese-, Sprech-, Schreibübungen. Formenlehre nach Gesenius-Regel. Lektüre: Ascott, Holiday Stories. Schumann. Geschichte und Erdkunde. 3 St. S.: Griechische Geschichte bis Alexander. W.: Römische Geschichte bis Augustus' Tod. Zahlentabellen. Becker. Mathematik. 4 St. Arithmetik: Zusammenfassende Lehre von den Potenzen, Wurzeln, Logarithmen, arithmetischen und geometrischen Reihen. Quadratische Gleichungen mit einer und mehreren Unbekannten.(Bardey 12, 13, 16—18, 25— 27, 31— 32.) Planimetrie: Kon- struktion algebraischer Ausdrücke, Lehrsätze über Dreiecke und harmonische Teilung sowie über Transversalen. Konstruktionsaufgaben(Lieber I, 99— 101). Trigonometrie: Grundformen, Lehr- sätze vom Dreieck, Umformen trigonometrischer Ausdrücke. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Ewoldt. Physik. 2 St. S.: Wärmelehre und Meteorologie. W.: Galvanismus. Ewoldt. Sekunda 2. Ordinarius: Oberlehrer Armbröster. Religionslehre. 2 St. a) Evangelische: Altes Testament: poetische und prophe- tische Bücher(Psalmen, Hiob, Propheten). Lesen und Erklären des Evangeliums Lueae, mit Berücksichtigung der anderen Synoptiker. Wiederholung des Katechismus und Aufzeigung seiner inneren Gliederung. Wiederholung von Sprüchen, Psalmen, Liedern. Armbröster. b) Katholische: Begründung des katholischen Glaubens, von dem Dasein Gottes, von der geistigen Seele des Menschen, der Naturreligion und der Notwendigkeit der Offenbarung. Die Lehre von den Glaubensquellen und der Kirche; nach Dreher. Kleine katholische Apoelogie. Weber. c) Jüdische: Geschichte vom Abschluss der Talmuds bis zur Vertreibung der Juden aus der pyrenäischen Halbinsel. Wiederholung der biblischen Geschichte von Saul bis zur Zer- störung des Reiches Juda. Aus der Pflichtenlehre: Unser Nächster, Menschenliebe und Menschenachtung, Feindesliebe und Persönlichkeit; das Leben, Eigentum, die Ehre des Nächsten; das Vaterland. Lektüre ausgewählter Stücke aus den Prophetenbüchern und den Psalmen im Urtext. Munk. Deutsch. 3 St. Praktische Anleitung zur Aufsatzbildung(Partition, Division). Disponier- übungen. Die Dichter der Befreiungskriege, Schillers Glocke, Kleists Prinz von Homburg, Tell; daneben Lektüre aus dem Lesebuch. Auswendiglernen passender Stellen. Wilhelmi. Themata der Aufsätze: 1.(Klassenaufsatz) Amicus certus in re incerta cernitur.(Ennius). 2. Friedrichs des Grossen wohltätige Regierung während der Friedenszeit. 3. Welche Gesinnung hegt der Adel in Schillers Wilhelm Tell gegen das Volk? 4. Inwiefern ist in Schillers Wilhelm Tell die Einheit der Hand- lung gewahrt? 5. Deutschland vor hundert Jahren. 6. Schilderung Blüchers nach Arndts Lied vom Feldmarschall. 7.(Klassenaufsatz) Der Prinz von Homburg in Kleists Drama, verglichen mit dem Ritter in Schillers Kampf mit dem Drachen. 8. Mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten. 35 Latein. 7 St. S.: Cicero, de imperio Cn. Pompei, in Catilinam I und III, sowie Vergil Aeneis I(nach Lange). W.: Livius VII. 29— VIII. Verg. Aeneis II. Memorieren ein- zelner Stellen(50 Verse). Grammatik: Wiederholung der gesamten Syntax mit Übersetzen aus Ostermann-Müller. Wöchentlich eine Arbeit. Armbröster. Griechisch. 6 St. S.: Xenophon. Anabasis III und IV. Homer, Odyssee I und V (in der Klasse vorbereitet). Grammatik: Wiederholung der Formenlehre, Artikel, Pronom., Acc. W.: Xenophon. Hell. Iund II. Homer, Od. VI— VIII. Memoriert 50 Verse. Grammatik: Dat., Gen., Präp. Das Wichtigste über Tempora und Modi. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Becker. Französisch. 3 St. Syntax nach Plötz-Kares, Sprachlehre. Übersetzen aus dem UÜbungsbuch. Lektüre: Halévy, L'invasion. Gropp und Hausknecht, Auswahl französischer Gedichte. Alle 3 Wochen eine Übersetzung ins Französische. Schumann. Geschichte und Erdkunde. 3 St. Deutsche Geschichte von 1740— 1815. Länderkunde Europas. W.: Deutsche Geschichte von 1815— 1888 mit Berücksichtigung der nationalen und sozialen Bestrebungen. Zahlentabellen. Elemente der mathematischen Erdkunde. Wilhelmi. Mathematik. 4 St. Arithmetik: Eingekleidete Gleichungen vom 1. Grad mit einer und mehreren Unbekannten. Lehre von den Potenzen. Wurzeln und Logarithmen. UÜbungen im Rechnen mit vierstelligen Logarithmen. Einfache quadratische Gleichungen mit einer Un- bekannten. Planimetrie: Ahnlichkeitslehre, Proportionalität gerader Linien am Kreise, stetige Teilung. Regelmässige Vielecke. Kreisumfang und Inhalt. Übungsaufgaben.(Lieber I, 89, 103— 122). Alle 3 Wochen eine Arbeit. Reinh ard. Physik. 2 St. S.: Die wichtigsten chemischen Erscheinungen, die hauptsächlichsten Mineralien und ihre Kristallformen. W.: Magnetismus und Reibungs elek trizität. Reinhard. Tertia Ia. Ordinarius: Oberlehrer Schenkheld Religionslehre. 2 St. a) Evangelische: Geschichte des Reiches Gottes im neuen Bunde, im Anschluss an das Ev. Matthäi(Bergpredigt, Gleichnisse). Reformationsgeschichte im Anschluss an ein Lebensbild Luthers. Wiederholung des Katechismus. Die schönsten Stellen aus der Bergpredigt memoriert. Lieder: Ach bleib mit deiner Gnade, Ich will dich lieben. Wiederholungen. Armbröster. b) Katholische: Kombiniert mit Sekunda 2. c) Jüdische: Kombiniert mit Sekunda 2. Deutsch. 2 St. Belehrungen über Metrik und Poetik. Lektüre aus dem Lesebuche, besonders Balladen von Schiller und Uhland; dazu Körners Zriny und Uhlands Ernst von Schwaben. Gelernt: Der Sänger, Erlkönig, Taucher, Kraniche des Ibykus. 10 Aufsätze. Schenkheld. Latein. 8 St. S.: Caesar, de bello Gallico V— VI. Ovid, Met. 4 Weltalter, Cadmus, Ino und Athamas. Einübung im Lesen des Hexameters. W.: Caesar, de bell. Gall. VII. Ovid, Met. Niobe, Daedalus, Philemon und Baucis. Das Wichtigste aus Prosodie und Metrik. Memoriert 50 Verse. Grammatik: Tempus- und Moduslehre. Übersetzen aus Ostermann-Müller. Alle 8 Tage eine Arbeit. Schenkheld. Griechisch. 6 St. S.: Verba auf ι, Wiederholung und Erweiterung des Pensums der III?. Übersetzen aus Wesener II. Xenophon, Anabasis I(bis Pfingsten in der Klasse vorbereitet). W.: Die wichtigsten verba anomala, Präpositionen, Elemente der Syntax. Xenophon, Anab. II. Alle 14 Tage eine Arbeit. Handwerck. Französisch. 2 St. Die unregelmässigen Verben, syntaktische Hauptgesetze. Über- setzen aus Plötz-Kares, UÜbungsbuch Ausgabe E. Sprechübungen im Anschluss an die Lektüre. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Handwerchk. 36 Geschichte und Erdkunde. 3 St. S.: Deutsche Geschichte von 1519—1640, besonders Brandenburgische Geschichte. Physische Geographie Deutschlands. W.: Deutsche Geschichte bis 1740. Zahlentabellen. Politische Geographie Deutschlands. Die deutschen Kolonien. Schenkheld.. Mathematik. 3 St. Arithmetik: Gleichungen ersten Grades mit einer und mehreren Unbekannten(Bardey 10—13, 20, 22 erste Stufe, 23, 24). Potenzen und das Wichtigste über Wurzelgrössen. Planimetrie: von der Ausmessung und Gleichheit der Figuren; Kreislehre (Schluss). Flächeninhalt, Proportions- und Ahnlichkeitslehre(Lieber und v. Lühmann, I, 90— 119). Alle 3 Wochen eine Arbeit. Ewoldt. Naturbeschreibung. 2 St. Der Mensch und seine Organe nebst Unterweisungen über die Gesundheitsflege. Einiges über Nahrungs- und Genussmittel. Mechanische Er- scheinungen, das Wichtigste aus der Wärmelehre.(Sattler 1— 27, 34— 46). Reinhard. Zeichnen. 2 St. Kunst- und Naturformen. Malen mit Pastell- und Aquarellfarben. Skizzieren innerhalb und ausserhalb des Schulgebäudes. Klonk. Schreiben. 1 St. Für Schüler mit schlechter Handschrift. Fiedler. Tertia 1 b. Ordinarius: Professor Dr. Handwerck. Religionslehre 2 St. Lieberknecht. Deutsch 2 St. Lieberknecht. Latein 8 St. Handwerck. Griechisch 6 St. Schenkheld. Französisch 2 St. Handwerck. Geschichte und Erdkunde 3 St. Schenckheld. Nathematik 3 St. Ewoldt. Naturbeschreibung 2 St. Reinhard. Zeichnen 2 St. Klonk. Schreiben 1 St. Fiedler. Tertia 2. Ordinarius: Professor Dr. Schumann. Religionsléhre. 2 St. Lektüre aus den 2 Büchern Samuelis und der Könige. Psalmen. Katechismus: Erklärung und Erlernung des 4. und 5. Hauptstückes mit 5 Sprüchen, 7 messianische Weissagungen, 6 Psalmen. Belehrung über das Kirchenjahr und die gottes- dienstlichen Ordnungen. Lieder: Aus tiefer Not, Ein' feste Burg, Schmücke dich, o liebe Seele, Allein Gott in der Höh. Armbröster. b) Katholische: Kombiniert mit Sekunda 2. c) Jüdische: Kombiniert mit Sekunda 2. Deutsch. 2 St. Zusammenfassender UÜberblick des einfachen und zusammengesetzten Satzes. Lektüre: Walther und Hildegunde, Nibelungen, Gudrun nach Foss III. Belehrungen über die poetischen Formen. W.: Starke und schwache Flexion. Balladen. Gelernt: Die Bürgschaft, Glück von Edenhall, Lützows wilde Jagd, Der Postillon, Schenk von Limburg, Der Graf von Habsburg. 10 Aufsätze. Klee. Latein. 8 St. S.: Lektüre: Caesar, de bello Gallico I in Auswahl, Vorbereitung in der Klasse bis Pfingsten, Übungen im Konstruieren. Grammatik: Wiederholungen und Er- weiterungen, Acc. und Dativ. W.: Caesar II— IV. Ovid, Met. Lycische Bauern, Midas, Die Flut, Orpheus und Eurydice. Memoriert 50 Verse. Grammatik: Gen., Abl., Kongruenz. Das Wichtigste von der Tempus- und Moduslehre. Einiges aus Prosodie und Metrik. UÜbersetzen aus Ostermann-Müller III. Alle 8 Tage eine Arbeit. Schumannn. Griechisch. 6 St. Die regelmässige Formenlehre des attischen Dialekts einschliesslich der Verba liquida. Vokabeln und Ubersetzen aus Wesener I. Alle 14 Tage eine Arbeit. Armbröster. 37 Französisch. 2 St. Fortsetzung der Sprech-, Lese- und Schreibübungen. Erweiterung des Wortschatzes und der Formenlehre. ÜUbersetzen aus Plötz-Kares, Elementarbuch. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Schumann. Geschichte und Erdkunde. 3 St. S.: Kurzer UÜberblick über die weströmische Kaiser- geschichte von Augustus' Tod bis 476. Deutsche Geschichte bis zu den Saliern. Australien und Asien. W.: Deutsche Geschichte bis 1519. Zahlentabellen. Afrika und Amerika. Engelhardt. Mathematik. 3 St. Arithmetik: Grundrechnungen mit absoluten Zahlen, einfache Gleichungen(Bardey, 2, 4. 6— 9, 20— 22 mit Auswahl). Planimetrie: Lehre vom Parallelo- gramm und vom Kreise.(Lieber I, 48— 87; Übungssätze aus 36, 62, 89). Alle 3 Wochen eine Arbeit. Ewoldt. Naturbeschreibung. 2 St. S.: Ausländische Kulturpflanzen. UÜbungen im Bestimmen schwieriger Arten. Einiges aus der Anatomie und Physiologie der Pflanzen. W.: Ubersicht der Säugetiere und Vögel. Fiedler, zuletzt Sander. Zeichnen. 2 St. Gebrauchsgegenstände, Kunst- und Naturformen. Malen mit Pastell und Aquarellfarben. Leichte Skizzierübungen. Klonk. Schreiben. 1 St. Kombiniert mit Obertertia. Fiedler. Quarta. Ordinarius: Oberlehrer Stange. Religionslehre. a) Evangelische: 2 St. Einteilung und Reihenfolge der biblischen Bücher. Lesen geschichtlicher Abschnitte des A. und N. Testaments nach Schäfer-Krebs und N. Test. Katechismus: Erklärung und Einprägung des 3. Hauptstücks mit 19 Sprüchen. Wiederholung der in V gelernten Lieder, dazu: Was Gott tut, Auf Christi Himmelfahrt, Jesu lebt, Jesus nimmt die Sünder an. Lieberknecht. b) Katholische: 2St. Im Katechismus das zweite und dritte Hauptstück, von den Geboten und den Gnadenmitteln. In biblischer Geschichte das Neue Testament bis zur Auferstehung Jesu. Weber. c) Jüdische: 2 St. Geschichte von Saul bis zur Zerstörung des Reiches Juda. Die 10 Gebote, die Glaubens- artikel. Festkalender. Munk. Deutsch. 3 St. Der zusammengesetzte Satz. Lesen von Gedichten und Prosastücken nach Muff IV. Freies Nacherzühlen. Gelernt: Das Gewitter, Andreas Hofer, Die Auswanderer, Deutschland, Deutschland über alles, Das Grab im Busento, Roland Schildträger. Wieder- holungen. 10 Aufsätze. Stange. Latein. 8 St. Grammatik: Wiederholung der Formenlehre, das Wichtigste aus der Kasuslehre, Syntax des Verbums im Anschluss an Ostermann-Müller IV. S.: Cornelius Nepos (nach Lattmann). Milt. Them. Aristid.(bis Pfingsten in der Klasse vorbereitet). Vokabellernen W.: Alcibiades, Epaminondas, Hannibal. Alle 8 Tage eine Arbeit. Stange. Französisch. 4 St. Übungen im richtigen Sprechen, Lesen und Schreiben. Vokabeln und regelmässige Formenlehre nach Plötz-Kares, Elementarbuch bis Lektion 40 einschl. Über- setzen. Alle 14 Tage eine Arbeit. Schumann. Geschichte und Erdkunde. 4 St. S. Griechische Geschichte bis zum Tode Alexanders des Grossen. W. Römische Geschichte bis zum Tode des Augustus. Erdkunde von Europa mit Ausschluss Deutschlands. Becker. Mathematik. 4 St. Rechnen 2 St.: Ubungen mit Dezimalbrüchen. Wiederholung aus der Faktorenlehre und Bruchrechnung. Aufgaben aus dem bürgerlichen Leben nach Schellen II, 12— 19. Ubungen im Kopfrechnen. Planimetrie 2 St.: Lehre von den Graden, Winkeln und Dreiecken(Lieber und v. Lühmann I, 8— 47). Alle 3 Wochen eine Arbeit. Reinhard. 38 Naturbeschreibung. 2 St. S. Übungen im Bestimmen von Blütenpflanzen. Ubersicht der wichtigsten Phanerogamen. W. Wirbellose Tiere mit besonderer Berücksichtigung der nützlichen und schädlichen Insekten. Fiedler, zuletzt Sander. Zeichnen. 2 St. Naturblätter, Schmetterlinge, Fliesen, Vogelfedern und Stoffmuster. Anwendung der Pastell- und Aquarellfarben. Freie Pinselübungen ohne Vorzeichnung. Zeichnen an der Schultafel. Klonk. Schreiben. 1 St. Kombiniert mit Tertia. Fiedler. Quinta. Ordinarius: Probekandidat Lieberknecht. Religionslehre. a) Evangelische: 3 St. Biblische Geschichten des Neuen Testa- mentes nach Schäfer I. Erklärung und Einprägung des zweiten Hauptstücks mit Luthers Auslegung. Einprägung von 11 Katechismussprüchen und 5 Kirchenliedern, Wiederholung des ersten Hauptstücks und der in Sexta gelernten Lieder und Sprüche. Lieder: Wie soll ich dich empfangen, Komm, o komm du Geist, Wer nur den lieben Gott, Nun danket alle Gott. Lieberknecht. b) Katholische: Kombiniert mit Quarta. c) Jüdische: Kombiniert mit Quarta. Deutsch und Geschichtserzählungen. 3 St. Der einfache und der erweiterte Satz. Das Wichtigste vom zusammengesetzten Satz. Interpunktionsregeln. Lesen von Gedichten und Prosa, namentlich aus der griechisch-römischen Sage und Geschichte, nach Muff V. Gelernt Graf Richard Ohnefurcht, Der alte Ziethen, Abendlied, Mein Vaterland. Wiederholung der Gedichte aus VI. Alle 14 Tage ein Diktat, dafür auch eine Nacherzählung. Lieberknecht. Latein. 8 St. Wiederholung der regelmässigen Formenlehre, die Deponentia, die unregelmässige Formenlehre, insbesondere auch Genusregeln nach einem Kanon. Vokabel- lernen im Anschluss an das Lesebuch. Alle 8 Tage eine Arbeit. Lieberknecht. Erdkunde. 2 St. Physische und politische Geographie von Deutschland. Anfänge im Entwerfen von Kartenskizzen. Becker. Rechnen. 4 St. Primfaktoren 1— 100. Gemeine Brüche und einfache Aufgaben aus der Regel de Tri(Schellen I. Abt.§ 15—21; II. Abt. 1—11). Alle 14 Tage eine Arbeit. Fiedler, zuletzt Sander. Naturbeschreibung. 2 St. Die wichtigsten Pflanzenfamilien im natürlichen System. Beschreibung von Amphibien, Reptilien und Fischen. Fiedler, zuletzt Sander. Schreiben. 2 St. Das deutsche und lateinische Alphabet. Einübung der griechischen Schrift. Fiedler, zuletzt Klonk. Zeichnen. Einfache Gebrauchsgegenstände und Naturformen aus dem Gedächtnis. Anwendung der Kohle und der Pastellfarbe. Freie Pinselübungen ohne Vorzeichnung. Zeichnen an der Schultafel. Klonk. Singen. 2 St. Einführung in die Notenlehre und Bildung von Tonleitern. Treff- übungen. Volkslieder und Choräle. Fiedler, zuletzt Klonk. Sexta. Ordinarius: wissenschaftlicher Hülfslehrer Dr. Klee. Religionslehre. a) Evangelische: 3 St. Biblische Geschichten des A. T. nach dem Lehrbuche von Schäter 1, Teil. Vor den Hauptfesten die betreffenden Geschichten des N. T. Katechismus: 1. Hauptstück mit Luthers Auslegung, einfache Worterklärung und Ein- prägung des Textes vom 2. und 3. Hauptstück. 15 Sprüche. Lieder: Wenn ich o Schöpfer, Befiehl du deine Wege, Dies ist der Tag. O Haupt voll Blut. Klonk. b) Katholische: Kombiniert mit Quarta(+ 1 St.). c) Jüdische: Kombiniert mit Quarta. Deutsch und Geschichtserzählungen. 3 St. Grammatik: Redeteile, einfacher Satz. das Wichtigste über starke und schwache Flexion. Lesen von Gedichten und Prosa, wo- möglich aus der vaterländischen Sage und Geschichte nach dem Lesebuch von Muff VI. Mündliches Nacherzählen. Gelernt: Siegfrieds Schwert, Friedrich Barbarossa, Der gute Kamerad. Schwäbische Kunde, Des Knaben Berglied, Heinrich der Vogelsteller, Das Lied vom Feldmarschall. Die Wacht am Rhein. Alle Tage ein Diktat. Klee. Latein. 8 St. Regelmässige Formenlehre mit Ausschluss der Deponentia. Vokabel- lernen im Anschluss an das Lesebuch. Ubersetzungen aus Ostermann-Müller VI. Alle 8 Tage eine Arbeit. Klee Erdkunde. 2 St. S.: Grundbegriffe der mathematischen und physischen Geographie, Oro- und hydrographische Verhältnisse der Erdoberfläche. Verständnis des Globus, der Karte, des Reliefts. W.: Überblick über die 4 nichteuropäischen Erdteile. Becker. Rechnen. 4 St. Wiederholung der Grundrechnungen mit ganzen, benannten und unhenannten Zahlen. Die deutschen Masse, Münzen und Gewichte. Übungen in den ein- fachsten dezimalen Rechnungen. Primfaktoren von 1— 50. Schellen I, 1— 14. Alle 14 Tage eine Arbeit. Fiedler, zuletzt Sander. Naturbeschreibung. 2 St. Beschreibung von Blütenpflanzen mit Erklärung der Formen und Teile. Beschreibung wichtiger Säugetiere und Vögel. Fiedler, zuletzt Sander. Schreiben. 2 St. Deutsches und lateinisches Alphabet. Fiedler, zuletzt Klonk. Singen. 2 St. Einführung in die Notenlehre und Bildung von Tonleitern, Treff- übungen. Volkslieder und Choräle. Fiedler, zuletzt Klonk. Mitteilungen über den technischen Unterricht. a) Turnen. Geturnt wurde von jeder Klasse in 3 Stunden wöchentlich, zusammen in 21 Stunden, und zwar leitete Herr Professor Engelhardt 6 Stunden(II und V), Herr Oberlehrer Stange 6 Stunden(I und IV), Herr Zeichenlehrer Klonk 9 Stunden(IIII, III, und VI). Vom Turnen befreit waren auf Grund ärztlicher Zeugnisse im Sommer 45, im Winter 60 Schüler. b) Am Baden und Schwimmen in der städtischen Schwimmanstalt beteiligten sich 126 Schüler. Schwimmunterricht erteilte der Schwimm- und Bademeister Arenz an 7 Schüler. Ausser den genannten Schülern badeten 65 in einer zweiten öffentlichen, für sie bequemer gelegenen Anstalt. Dort lernten 3 Schüler das Schwimmen. Beim Wettschwimmen erhielten einen Preis: Piscator(IV), Gerlach(IV) und Walter(V). c) Chorgesang. 56 Schüler der Klassen IV— I bildeten den Sängerchor. Nach dem Liederschatz von Günther und Noack wurden Chöre klassischer Meister, Volks- und Vater- landslieder, sowie Motetten gesungen. Sopran und Alt 1 Stunde, Tenor und Bass 1 Stunde, Gesamtchor 1 Stunde. Fiedler, zuletzt Sander. d) Wahlfreies Zeichnen für Schüler aus I und II 2 St. Im Sommersemester nahmen teil: 13, im Wintersemester: 10 Schüler. Zeichnen und Malen nach Kunst- und Naturformen. Stillleben. Pastell., Aquarell- und Federtechnik. Skizzierübungen innerhalb und ausserhalb des Schulgebäudes. Projektionslehre. Klonk. 40 4. Zusammenstellung der eingeführten Lehrbücher sowie der für das Schuljahr 1907/8 ausgewählten Lektüre. In allen Klassen. 1. Evangelisches Kirchengesangbuch für den Konsistorialbezirk Cassel. 2. Der Katechismus: a) der lutherische, b) der reformierte, beide herausgegeben von Spangenberg. 3. Regel- und Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung 1902. 4. Debes-Kirchhoff, Schulatlas für die mittleren Unterrichtsstufen. Sexta: 5. Schäfer, Lehrbuch der evangelischen Religion II. 6. Hopf und Paulsiek, Deutsches Lesebuch I, 1, bearbeitet von Muff. 7. Ostermann-Müller, Lateinisches Ubungsbuch für VI. 8. Schellen, Aufgaben für das theoretische und praktische Rechnen 1. Teil. 9. Noack, Liederschatz I. Quinta: 10. Hopf und Paulsiek, Deutsches Lesebuch I, 2, bearbeitet von Muff. 11. Ostermannn-Müller, Lateinisches Ubungsbuch für V. 12. Kirchhoff, Erdkunde für Schulen I. 13. Noack, Liederschatz II. Dazu 5, 8. Quarta: 14. Schäfer und Krebs, Biblisches Lesebuch. 15. Neues Testament in Luthers Übersetzung. 16. Hopf und Paulsiek, Deutsches Lesebuch I, 3, bearbeitet von Muff. 17. Ellendt-Seyffert, Lateinische Grammatik(von der 37. Auflage ab). 18. Ostermann-Müller, Lateinisches UÜbungsbuch für IV, Ausgabe B. 19. CorneliusNepos, bearbeitet von Lattmann, ohne Beiheft. 20. Plötz-Kares, Französisches Elementarbuch Ausgabe E. 21. D. Müller, Alte Geschichte für die Anfangsstufe. 22. Zahlentabellen, neue Auflage. 23. Putzger, Historischer Schulatlas. 24. Lieber und v. Lühmann, Leitfaden der Elementarmathematik 1. Teil. 25. Schmeil, Leitfaden für den Unterricht in der Naturgeschichte. 26. Gies, Flora für Schulen. 27. Noack, Liederschatz III. Dazu 8, 12. Untertertia: 28. Hopf und Paulsiek, Deutsches Lesebuch für III und II bearbeitet von Foss(von der 27. Auflage ab). 29. Ostermann-Müller, Lateinisches UÜbungsbuch für III. 30. Caesar, de bello Gallico, ed. Dinter. 31. Ovid, Metamorphosen, delectus Siebelisianus. 32. Georges, Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch. 33. Kaegi, Kurzgefasste griechische Schul- grammatik. 34. Wesener, Griechisches Elementarbuch, 1. Teil(von der 7. Auflage ab). 35. Müller-Junge, Leitfaden zur Geschichte des deutschen Volkes. 36. Kirchhoff, Erdkunde für Schulen II. 37. Bardey, Methodisch geordnete Aufgabensammlung, neue Bearbeitung von Pietzker. Dazu 14, 15, 17, 20, 22, 23, 24, 25, 26, 27. Obertertia: 38. Körner, Zriny. 39. Uhland, Ernst von Schwaben. 40. Wesener, Griechisches Übungsbuch 2. Teil. 41. Xenophon, Anabasis, ed. Gemoll. 42. Benseler- Autenrieth, Griechisch-deutsches Schulwörterbuch. 43. Plötz-Kares, Französische Sprachlehre. 44. Plötz-Kares, UÜbungsbnch Ausgabe E. 45. Sattler, Leitfaden der Physik und Chemie. Dazu 14, 15, 17, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37. Untersekunda: 46. Schiller, Gedichte. 47. Schiller, Jungfrau von Orleans, Maria Stuart. 48. Ostermann-Müller, Lateinisches UÜbungsbuch für IL. 49. Cicero in Catilinam I und Phil. I. 50. Livius I und II. 51. Vergilius, Aeneis(Auswahl von Lange). 52. Xenophon, Hellenica I— II. 53. Homer, Odyssee. 54. Erckmann-Chatrian, Histoire d'un conscrit. 55. Engwer, Choix de poésies françaises. 56. Sachs-Vilatte, Kleines französisch-deutsches Schulwörter- buch. 57. Schülke, Vierstellige Logarithmentafeln. Dazu 14, 15, 17, 22, 23, 24, 27, 28, 32, 33, 35, 36, 37, 40, 41, 42, 43, 44, 45. Obersekunda: 58. Neues Testament nach der Übersetzung von Weizsäcker. 59. Kluge, Geschichte der deutschen Nationalliteratur. 60. Muff-Hoffmann, Lesebuch für II(von der 10. Auflage ab). 61. Lessing, Minna von Barnhelm. 62. Kleist, Hermanuschlacht. 63. Schiller, Wilhelm Tell. 64. Süpfle, Aufgaben zum UÜbersetzen in das Latein(für Sekunda). 65. Sallust, Bellum Ingurthinum. 66. Livius XXI. 67. Cicero, pro Archia. 68. Herodot VI und VII. 69. Arrian, Anabasis V bis VII. 70. Girardet, La joie fait peur. 71. Duruy, Louis XIV. 72. Sarcey, Siège de Paris. 73. Gesenius-Regel, Kurz- gefasste englische Sprachlehre. 74. Gesenius-Kautzsch, Hebräische Grammatik. 75. Altes 41 Testament im Urtext. 76. Neubauer, Lehrbuch der Geschichte für obere Klassen, 3. Heft. 77. Lieber und v. Lühmann, Leitfaden der Elementarmathematik 3. Teil. 78. Sumpf, Grundriss der Physik. Daazu 15, 17, 22, 23, 24, 27, 32, 33, 36, 37, 41, 42, 43, 44, 51, 53, 55, 56, 57. Unterprima: 79. Neues Testament im Urtexte ohne deutsche Übersetzung. 80. Holz- weissig, Repetitionsbuch für den evangelischen Religionsunterricht. 81. Klopstock, Oden. 82. Lessing, Laokoon, Dramaturgie, Emilia Galotti, Nathan. 83. Shakespeare, Julius Cäsar (nach Schlegel). 84. Goethe, Götz. 85. Schiller. Jugenddramen. 86. Tacitus, Germania. 87. Cicero in Verrem IV. 88. Cicero, Briefe mit Anmerkungen(Auswahl von Aly). 89. Horaz. 90. Kaegi, Repetitionstabellen. 91. Plato, Apologie, Criton. 92. Demosthenes, 1. und 3. Philippische. 93. Homer, Ilias. 94. Sophocles, Electra. 95. Biese, Auswahl griechischer Lyriker. 96. Corneille, Cid. 97. Ségur, Histoire de Napoléon et de la grande armée. 98. Zola, La débacle. 99. Hume, Queen Elizabeth. 100. Skakespeare, Macbeth. 101. Neubauer, Lehrbuch der Geschiche, 4. und 5. Teil. Dazu 15, 17, 22, 23, 24, 27, 32, 36, 37, 42, 43, 56, 57, 58, 59, 64, 73, 74, 75, 76, 77, 78. 8 Oberprima: 102. Schiller, Wallenstein, Über naive und sentimentalische Dichtung, Über das Erhabene, Gedichte. 103. Shakespeare, Macheth(nach Schlegel und Schiller). 104. Goethe, Iphigenie, Faust I, Dichtung und Wahrheit, Hermann und Dorothea. 105. Tacitus, Historien IV und V, Dialogus de oratoribns. 106. Auswahl aus Ciceros philosophischen Schriften von Weissenfels(aus Teubners Schülerausgaben). 107. Thucydides VI und VII. 108. Plato, Phaedon. 109. Sophocles, Aias. 110. Guizot, Histoire de la civilisation. 111. Taine, Napoléon I. 112. Molière, L'Avare. Dazu 15, 17, 22, 23, 24, 27, 32, 36, 37, 42, 43, 56, 57, 58, 59, 64, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 80, 90, 93, 99, 100, 101. In der Klasse werden nur Textausgaben gebraucht und zwar für die lateinische und griechische Lektüre, mit Ausnahme der angegebenen Bücher, nur die von Teubner(Vollständige Texte in der editio minor), für die französische und englische die von Velhagen und Klasing, aber ohne Anmerkungen und Wörterbücher. Im Deutschen werden die Ausgaben von Hendel und Meyer empfohlen. Gedruckte UÜbersetzungen sind verboten, Spezialwörterbücher und gedruckte Präparationen widerraten, Ausgaben mit Anmerkungen empfohlen. Schulbücher dürfen nur mit Erlaubnis der Eltern von Schülern gekauft und verkauft werden. Dieselben müssen stets gut gebunden, sauber und ohne übergeschriebene Bemerkungen sein. II. Verfügungen der vorgesetzten Behörden. 18. April 1906. Der Berichterstatter wird zum Direktor der Königlichen Wissenschaftlichen Prüfungskommission ernannt. 15. Juni. Dissidenten sind alle, die nicht einer der Landeskirchen angehören. 26. Juni. 2 Schillerausgaben werden als Prämien überreicht(verliehen an Natorp IIb und Dallwig IIIa-¹). Desgleichen ein Werk„Unser Kaiserpaar“(Tuczek I.). 24. Dez. Der Herr Minister hat den Oberlehrern Engelhardt und Dr. Handwerck den Titel„Professor“ verliehen. 19. Jan. 1907. Ein Prämienbuch wird zur Verleihung an Kaisersgeburtstag überwiesen (verliehen an Ort IL). 42 III. Chronik des Gymnasiums. Das Sommerbalbjahr begann am 24. April 1906. Während des ganzen Halbjahrs wurde Herr Oberlehrer Rath von dem Probekandidaten Herrn Lieberknecht vertreten, Herr Professor Dr. Brackmann, der zum Zweck wissenschaftlicher Studien beurlaubt war, durch den wissenschaftlichen Hülfslehrer Herrn Dr. Klee. Der Berichterstatter kehrte am 1. Mai von einer längeren Urlaubsreise zurück, Herr Oberlehrer Stange am 10. Mai von einer militärischen Dienstleistung. Vom 11. bis 29. Juni war Herr Professor Dr. Wilhelmi zu einer Reise nach Italien beurlaubt worden. Die herkömmlichen Feste wurden in folgender Weise begangen. Am 24. Mai fand die Jahresversammlung des Vereins von Lehrern höherer Unterrichtsanstalten der Provin⸗ Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck in Weilburg statt, die stark besucht wurde. Der Frühlingsspaziergang fiel auf den 30. Mai und hatte Spiegelslust zum Ziel. Am 7. Juli unternahmen die Klassen Turnfahrten nach verschiedenen Punkten, die Primaner nach Weil- burg, Braunfels und Wetzlar. Das Sedanfest wurde am 1. September durch ein Vorturnen auf Spiegelslust gefeiert. Wegen der Hitze fiel der Unterricht von 11 Uhr ab dreimal aus. Am 14. September beehrte der Departementsrat, Herr Provinzial-Schulrat Dr. Baier, die Anstalt mit seinem Besuche. Die Reifeprüfung wurde am 18. September unter dem Vor- sitze des Berichterstatters abgehalten. Das Winterhalbjahr begann am 12. Oktober. Das Reformationsfest wurde am 31. Oktober durch einen Vortrag des Herrn Kand. Lieberknecht„Ober Luthers nationale Bedeutung“ gefeiert. Am 25. November entschlief nach langen und schweren Leiden Herr Oberlehrer Gustav Rath, der unsrer Gemeinschaft seit Michaelis 1899 angehört hatte, aber seit Juli 1901 nur mit geringer Unterbrechung seinem Amt ferngehalten war. Wir betrauern von Herzen das frühe Hinscheiden eines gewissenhaften und pflichttrenen Amtsgenossen, dem es stets ein grosser Schmerz war, seinen Beruf nicht erfüllen zu können; am 28. November geleitete die gesamte Schule den Entschlafenen zur ewigen Ruhe. Nach Weihnachten erkrankte Herr Lehrer Fiedler und erhielt einen vierteljährigen Urlaub zur Wiederberstellung seiner Gesundheit. Zu seiner Vertretung wurde Herr Probe- kandidat Sander aus Wiesbaden überwiesen; während Herr Zeichenlehrer Klonk Schreiben und Singen übernahm, erhielt der Kandidat Rechnen, Naturgeschichte sowie die Chorstunden. Das Geburtstagsfest des Kaisers wurde am 26. Januar 1907 durch eine Vorfeier begangen, bei der nach Erkrankung des Festredners der Direktor über„Schiller als nationaler Dichter“ sprach. Die Reifeprüfung fand am 4. und 5. März unter Vorsitz des Direktors statt, am 7. März eine andre von 8 Nichtschülern, die der Anstalt zugewiesen waren, unter Vorsit⸗ des Herrn Provinzial-Schulrat Dr. Baier. Der Gesundheitszustand befriedigte bis Weihnachten bei Lehrern und Schülern; darauf erkrankte eine grosse Zahl von Schülern, aber auch von Lehrern an allerhand Erkältungs- leiden und Influenza. Herr Professor Engelhardt musste zuletzt wegen eines nervösen Leidens vom Nachmittagsunterricht befreit werden. Mit Schluss des Schuljahres scheidet Herr Probekandidat Lieberknecht aus, um seiner militärischen Pflicht zu genügen; der Berichterstatter spricht demselben auch hier den Dank für die geleisteten Dienste aus. 43 IV. Statistische Mitteilungen. A. Frequenztabelle für das Schuljahr 1906 07. Zu- 88 1. II II. IIla IIb IIIe IV V VI sam- men 1. Bestand am 1. Februar 1906 25 21 26 40 39 21 20 28 32 33 279 2. Abgang bis zum Schluss des 2 5 3. 1„ 3 97 Schuljahres 1905/1906. 21 5 6 3 2 1 3⁵ Za. Zugang durch Versetzung zu 20 21 31 28 18+17 24 31 30 220 Ostern 1906 3b. Zugang durch Aufnahme zu 5. 3 2 5, 8S—— 2 3 3 6 3 25 3 Ostern 1906 1 5 3 3 5 43 4. Frequenz am Anfang des 24 22 36 31 20 19 31 41 34 27 285 Schuljahres 1906/07. 5. Zugang im Sommersemester—— 1 1—— 1—— 3 6. Abgang im Sommersemester 4 1 1 1 1 2——— 12 la. Zugang durch Versetzung————— zu Michaelis 1906 7b. Zugang durch Aufnahme 5. iclegeli-—— 5 1 8 1 2 2 3 10 zu Michaelis 1906 1 8. Frequenz am Anfang des 20 21 36 32 19 18 33 49 36 28 286 Wintersemesters 1906/07..— 8 5 5 4 9. Zugang im Wintersemester— 1———————— 1 10. Abgang im Wintersemester.— 1—— 3— 1 1 2— 8 11. Frequenz am 1. Februar 1907 20 21 36 32 16 18 32 42 34 28 279 2 schMMittsalter; deͤ 12. Huroisohnitlsallor am 1. Fe 18,9 176 16,8 15,9 14,6 15,1 13,4 12,9 10,7 9,8— B. Religions- und Heimatsverhältnisse der Schüler. Evang. Kath. Diss. Juden Einh. Ausw. Ausl. 1. Am Anfang des Sommersemesters 234 19 2 30 206 57 2 1906 2 Am Anfang des Wintersemesters 232 21 5 28 228 56 2 1906/1907 L e 3 3. Am 1. Februar 1907. 227 21 4 27 223 54 2 Das Zeugnis für den einjährigen Militärdienst haben erhalten: Ostern 1906 35; davon sind zu einem praktischen Beruf abgegangen Ostern: 0; Michaelis: O. Michaelis: O Schüler; 44 C. Abiturienten. 5 82 Vor- Geburts 3 Des Vaters 3 G Gewahlter und— 353— 25 22 2 2 Beruf Zuname Ort V Tag 8 Stand Wohnort 88,3 8 —— a) zu Michaelis 1906: Otto Zöckler ELaubach 10. März 1885 v. † Pfarrer Mutter Marburg 4 ½ Medizin Julius Oppenheim Marburg 121. Aug. 1887 isr. † Kaufmann Mutter Marburg 10 ½ Medizin Hermann Schäfer Marburg 2. Juli 1887 kath. Oberlehrora. 9. Marburg 10 ½ Kaufmann Friedrich Becker V Cappel 22. Mai 1885 Kantor V Cappel 12* Medizin b) zu Ostern 1907: Reinhard Mörchen*) Traben 9. Oktob. 1888 ev. V † Pfarrer blatterlarburg 9 Philologie Josef Olmer*) Minden V 5. Dez. 1888 Lath. nüeaczandarn Marburg 8 Philologie Rendant Georg Spiess*) Christanshütte 18. Mai 1889 ev. † Eisenbahn- Mutter Marburg 9 Philologie direktor Hermann Holle*) Magdeburg V 3. Dez. 1888 3e Rechnungsrat Marburg 9 Mathematik u. Naturw. Paul Schäfer*) Marburg 4. Mai 1889 kath. JOberlehrera. D. Marburg 9 Medizin Gottloh Hamel*) Marburg 0 Juni 1889 ev. Buchdruckerei- Marburg 9 Philologie besitzer Pram Tuczek*) Marburg 20. Okt. 1888 ev. V Universitäts- Marburg 9 Elektrotechnik Professon Rudolf Budde*) Bonn 14. Dez. 1888 ev. Universitäts- Marburg 9 Geschichte Professor Otto Sommer*) Frankenberg 21. Sept. 1886 ev. † Rentmeister Mutter Marburg 11 Bankfach . Otto Ort Gladenbach 7. März 1886 V ev. r Kreistierarzt Mutter Marburg 10 Tierarznei- kunde Erich Rautenberg Danzig 23. Mai 1889 ev. V Postdirektor Marburg 2 Mathematik Gustav Wittich Limburg V 29. Nov. 1888 kath. Steuer- Mutter Marburg 7 Steuerfach inspektor Rudolf Eller Marburg 14. Nov. 1886 ev. Kaufmann Marburg 11 Jura Hans Jess Limburg 5. Juli 1887 ev. V Landgerichts- V Marburg 7 Bankfach direktor Hermann Warnke Gudensberg 6. Juli 1887 ev. Kanzleirat Marburg 10 Medizin Georg Koch Dagoberts- 14. April 188s ev. V Rentner Marburg 5 Tierarznei- hausen kunde Karl Ruppert Wadern 26. Okt. 1886 ſen Foritwelseor Marburg 5 ½ Forstfach Fritz Helferich Hameln 31. Mai 1888 e tkanomiura Mutter Marburg 2 ½ Jura Karl Ebert Cassel 12. Febr. 1887 ev. Domänen- Marburg 10 Jura V Rentmeister 9 Sind von der mündlichen Prüfung befreit worden. 11. 2. Gustav Wittich. . Rudolf Eller. . Hans Jess. 5. Hermann Warnke. 80 — SS9SNSO K Co— D. Verzeichnis der Schüler. 45 (Nach der Rangordnung von Weihnachten 1906.) 11. Reinhard Mörchen. . Josef Olmer. .Georg Spiess. Hermann Holle. Paul Schäfer. . Gottlob Hamel. Franz Tuczek. .Rudolf Budde. . Otto Sommer. Otto Ort. Erich Rautenberg. Georg Koch. Karl Ruppert. . FEritz Helferich. . Karl Ebert. . Ernst Justi. 1 2. Willy Schönwitz. . Karl Schwarzentraub. Heinr. Heuser a. Gladen- Erich Tilemann. ſbach. . Gottfried Rade. Rudolf Reissert. Karl Weishaupt. . Karl Tuezek. Albrecht Weiss. . Theodor Bauer. Hans v. d. Ropp. . Otto Parrée. . Fritz Schäfer. . Oskar Feyerabend. . Otto Strauss. . Willi Ammenhäuser. . Walther Ebach. . Max Bender. . Hans Meinshausen. . Wilh. Heldmann a. Eln- [hausen. .Fritz Kochendörffer. II 1 Franz Heuser a. Gladen- Hans Noll.(bach. Otto Schmidt. V V V V . Julius Strauss. 2. Eduard Fiedler. .Wilhelm Schäfer. Friedrich v. Wangenheim. . Richard Sommer. . Otto Hohmann. Hans Lippert. Fritz Dahm. Wilh. Römer a. Kirchhain. Wolfgang Beckmann. Reinhold Dorn. Gottfried Strippel. Karl Joseph. . Heinrich Römer a. Kirch- .FErritz Völker. . Karl Ebach. [hain. Wilhelm Hoffmann. 5. Heinrich Elsas. Hermann Mirbt. . Fritz Klonk. . Robert Reese. Karl Dorn. . Wilhelm v. Bismarck. . Hans Schumann. .FEriedrich Jess. . Oskar Rothfuchs. . Karl Fuchs. .Georg Hallmann. Otto Fenner. . Walther Baldus. . Kurt Krause a. Düssel- Kurt v. Dobbeler.(dorf. Georg Henkel a. Raden- (hausen. II 2. Hugo Lieber. Erich Schneider. Hans Gesing. Hans Natorp. Rudolf Noll.[Battenfeld. Leopold Oppenheimer a. August Reese. Karl Köhler. Bernhard Weiss. Georg v. Bismarck. Walther Schnell. Fritz Ahlfeld. Ernst Leyser. Ernst Bonhoff. Kurt Ostmann V V b V V O ISO A&& O do 6. Egenolf Roeder v. Diers- [burg. .Eduard Krug aus Besse. Heinrich Wenker. .Georg Eberhard. . Berth. Rothschild a. Hof (b. Kassel. .Fritz Dietrich Vogt. . Julius Spier a. Momberg. . Herrmann Boette. . Hans Heimke. 5. Arth. Marks a. Kirchhain. 3. Albert Nicolai. . Paul Lehmann. Hermann Atorff. . Kurt Noldan. . Theod. Rothschild a. Hof. . Emil Schneider. . Ludwig Ruhl. III 1a. Simon Moses a. Treysa. Hans Dallwig a. Neustadt. Hans Fett a. Amönau. Josef Kraus a. Ginsel- (dorf. Willi Werner a. Kirch- Kurt Bang.(hain. Kurt Becker a. Gladen- . Franz Zschorlich.[bach. Hans Schneider. Max Seelig. . Siegfried Kugelmann. . Justus Matthaei, Stein- [mühle bei Kappel. . Erich Beckmann. . Richard Schmier a. Verna. . Max Strauss. . Friedrich Vonschott. III 1b. . Walther Wrede. . Ernst Stroh. . Karl Finis. . Ludwig Werner. . Fritz André. . Josef Rosenzweig. Ludwig Noldan. . Hans Muhl. . Philipp Vial. 10. . Franz Lehn. 12. 13. . Fritz Eckhardt. . Fritz Könnecke. . Werner v. Reckow. .Albert Schäfer. .Walther Wigand. — — ———— 0 S d˖xxx .9= 9 8 0 S. Emil v. Heinrich Floret a. Kirch- .August Noldan. Gerhard Link. Julius Ruppert. Karl Halle. III 2. Adolf Wiegand. Walther Schumann. Karl Kaiser a. Ebsdorf. Ernst Heermann. Hermann Schnell. Alfred Kalb. Hermann Reuter. Rudolt Marks a. Esch- Karl Brauns.[wege. . Heinr. Müller a. Schweins- . Leo v. d. Ropp . Erich Strupp a. Treysa. . Heinz Tuczek. (berg. Arnold Meier. 5. Dieter Röderv. Diersburg. 6. Heinz Mirbt. . Ernst Sardemann. . Hans Völker. . Hermann Brennemann a. Ockershausen. Walther Klonk. Walther Prasse. Georg Pfeffer a. Wind- [hausen b. Cassel. Kurt Jesse. Hugo Dorn. Otto Jess. Eugen Fiedler. Hans Holzhauer. Wickede. l[hain. Fritz Gerlach.(bach. Frdr. Kaufmann a. Bauer- IV. Karl Metz.([hausen. Wilhelm Waas a. Sterz- Hans Rautenberg. Albert Hensel. . Wilhelm Degenhardt. ————— 46 Wilhelm Fuchs. Herbert Ziegner. Wilh. Trautwein a. Goss- Hermann Hamel.[felden. Hans Zumstein. Rudolf Heermann. Karl Budde. Werner Koch.(bach. HermannSimon a. Gladen- Emanuel Strupp a. . Hans Gautsch.[Treysa. .Arthur Ebach. . Max Hoffmann. . Wilhelm Fabricius.[bach. . Heinrich Haun a. Gladen- . Konrad Hebeler a. Goss- Leopold Blum a. felden. .Reinh. Scheffer.[Borken. . Otto Wiethüchter. Otto Lehmann. . Max Moritz a. Gelnhausen. . Aloysius Dege. . Rudolf Wigand. 29. Karl Erlanger. .Adolf Stahmer. . Erwin Piscator.[Ockersh- .Otto Brennemann a. 3. Hans Heermann. . Willy Kniese. . Hermann Thomas. . Hermann Arnold.[Vork. . Helmut Seibert a. New- 38. David Hess a. Gelnhaus. 1OS 00 b0— 12 . Hugo Heimke. . Karl Gerlach. . Heinrich Ellersiek. . Wilhelm Pfuhl. V. Hans Maurmann. Fritz Dallwig. Ludwig Rohde. Albert Jacobsohn. Wilhelm Assmann. Fritz Schumann. Walther Seippel. 8. Fritz Strauss. 9. 10. 11. Albert Walter. Walther Melde. Rudolf Mirbt. Karl Seelig. 27 28 Martin Lotz. .Leopold Krans. . Wilhelm Weibezahn. .Paul Schulin. . Georg Knauff. Karl Schneider. Siegfried Holle. Gustav Pape. . Heinrich Klingelhöfer. .Arthur Hattenbach. . Kurt aus'm Werth. Wilhelm Zinn. .Adolf Köhler. Alfred Holle. . Hans Bennecke. Otto Nölke. . Erich Frey. .Joseph Hambüchen. . Kurt Prasse. .Wilhelm Kaufmann. Otto Wenzel. VI. Karl Cramer. Erich Koch.[Lindheim. Abraham Schuster a Robert Finis. Willi Hamel. Walther Zumstein. Kurt Schulin. . Karl Ulrich. Arnold Jaenicke.* . Ernst Maus. . Karl Lucae. . Heinz Metz. (roth. Max Rothschild a. Licehen- Hans Jenner. . Wolfgang Elster. .Fritz Müller a. Gladen- . Fritz Lucae. . Wolfram v. Einem. . Erich Dreyling. . Hans Rath. . Hans Walther Mogk. . UHans Fenner. . Wilhelm Müller. .Benno Strauss.[Bürgeln. . Karl Neumeyer a. . Leopold Praeger a. . Louis Nöll. [bach. [Laasphe. Albert Thomas. 47 V. Sammlungen von Lehrmitteln. 1. Für die Lehrerbibliothek(unter Verwaltung des Herrn Professor Engelhardt) sind aus etatsmässigen Mitteln im Laufe des Jahres angeschafft worden: an Fortsetzungen: a) Zeitschriften: Centralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung; Lehrproben und Lehrgänge; Deutsche Literaturzeitung; Zeitschrift für das Gymnasialwesen; Zeitschrift für den deutschen Unterricht; Zeitschrift für den mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht; Zeitschrift für den evangelischen Religionsunterricht; Neue Jahrbücher für das klassische Altertum; Monatschrift für höhere Schulen; Natur und Schule; Mitteilungen der Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte nebst Beiheften. b) Sonstige Werke: Grimm. Deutsches Wörterbuch; Roscher, Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie; Schriften der Goethegesellschaft; Goethe- Jahrbuch; Goethes Werke, hg. von der Goethegesellschaft; Allgemeine Staatengeschichte; Statistisches Jahrbuch der höheren Schulen; Hohenzollern-Jahrbuch; Jahresberichte für das höhere Schulwesen; Hessler, Hessische Landes- und Volkskunde I. 2. Neubeschafft wurden: Kultur der Gegenwart I, IV, 1 und 2; I. VIII; Budde, Geschichte der althebräischen Litteratur; Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands I und II; Jülicher, Die Gleichnisreden Jesu, I und II; Natorp. Johann Heinrich Pestalozzi; Morsch. Das höhere Lehramt; Cauer, Siebzehn Jahre im Kampf um die Schulreform; Handbuch für Lehrer höherer Schulen; Scherbel, Schulgesundheitspflege und Schulkrankheiten; Laas, Der deutsche Aufsatz in den oberen Klassen; Kühnemann. Schiller; Ratzel, Glücksinseln und Träume; Bardt, Ausgewählte Briefe aus Ciceronischer Zeit; Sophokles von Wolff-Bellermann; Antho- logia Palatina; Platons Ausgewählte Schriften; Burckhardt, Griechische Kulturgeschichte I—III; Bergmann, Die sprachliche Anschauung und Ausdrucksweise der Franzosen; Grieb-Schröer, Englisch-deutsches Wörterbuch I und II; Krüger, Schwierigkeiten des Englischen I-—III; Drumann, Geschichte Roms III; Knoke, Die Kriegszüge des Germanikus; v. d. Goltz, Von Rossbach bis Jena und Auerstädt; Supan, Grundzüge der physischen Erdkunde; Scharf, Vor- turnerstunden; Friese, Jahrbuch für den Zeichen- und Kunstunterricht, II. An Geschenken sind im Schuljahr 1906/07 eingegangen: Von der hohen Behörde: Bode, Florentiner Bildhauer der Renaissance; Jahrbuch für Volks- und Jugendspiele, 15. Jg.:; Deutscher Universitätskalender. Vom Direktor: Zeitschrift des Vereins für hessische Ge— schichte und Landeskunde, 29. Bd. Vom Herausgeber: Die Schriften des Neuen Testaments, neu übersetzt und für die Gegenwart erklärt. Hgg. von Johannes Weiss. Bd. 1. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Vom Verfasser: Vergleichende Temperaturmessungen zu Marburg a. d. L. und seine barometrische Meereshöhe, Dissertation von Stützer. 2. Die Schülerbibliothek(unter Verwaltung des Herrn Oberlehrer Armbröster) hat gegenwärtig einen Bestand von 1200 Bänden, die auf die einzelnen Klassen verteilt sind. Wöchentlich einmal können die Schüler zu einer festgesetzten Stunde Bücher entleihen oder umtauschen; die Benutzung dieser Bibliothek wird den Schülern angelegentlich empfohlen. Aus den etatsmässigen Mitteln wurden im Schuljahr 1906/7 angeschafft: Die Kämpfe der deutschen Truppen in Südwestafrika(Generalstabswerk); Henningsen, Erzählungen neuerer deutscher Dichter; Klee, Sagen der griechischen Vorzeit; Joachim Nettelbeck, Selbstbiographie; Gjems-Selmer, Die Doktorsfamilie im hohen Norden; Donner, Die Lustspiele des Plautus; Todt, Die Tragödien des Aeschylos; Baltz, Die Königin Luise; Rheinische Hausbücherei, Bd. 10— 13; Francke, Der eiserne Landgraf. An Geschenken gingen ein: Von den Verlagsbuchhandlungen: Deimling, Süd- westafrika, 2 Exemplare; Luckenbach, Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts.— Von den Behörden: Bestimmungen über die Aufnahme von Studierenden in die Kaiser Wilhelms- Akademie, 2 Exemplare; Vorschriften über die Annahme und Anstellung von Anwärtern für die mittlere Laufbahn im Reichs-Post- und Telegraphendienst; Wilm, Der Kaiser und die 48 Jugend; Bayer, Der Krieg in Südwestafrika, 2 Exemplare.— Geschenke des Direktors: Luckenbach, Abbildungen zur alten Geschichte; Weissenfels, Auswahl aus Plato.— Geschenk des früheren Schülers Rosenow: Wörishöffer, Das Naturforscherschiff.— Geschenk des Herrn Doktor Seibert: Grinnel, Vanishing Indian Types. 3. Naturgeschichtlich-chemische Sammlung(unter Verwaltung des Herrn Professor Reinhard). Neu angeschafft wurden einige Spirituspräparate, Proteus anguineus, Cysticercus tenuicollis, Aurelia aurita, sowie H. v. Schuberts Naturgeschichte des Tierreichs. Geschenkt wurden von dem Untersekundaner Noll einige Käfer, vom Sextaner Schneider ein versteinerter Seeigel und von dem Unterprimaner Tuczek ein Schmetterling, Philosamia Cynthia. 4. Physikalische Sammlung(unter Verwaltung des Herrn Professor Ewoldt). Angekauft wurde ein neuer Mang'scher Universalapparat(2. Rate). Geschenkt wurde vom stud. rer. nat. Hermann ein elektromagnetischer Farbenkreisel und drei Leuchtsteine, vom Oberprimaner Zöckler ein Leuchtstein. 5. Der geographische Apparat(unter Verwaltung des Herrn Oberlehrer Becker) wurde durch Anschaffung folgender Karten vermehrt: 1) Niederlande und Belgien von Gäbler, 2) Baldamus, zur deutschen Geschichte von 911— 1125, 3) Baldamus, Deutschland im 17. Jahrh., 4) Baldamus, Deutschland im 19. Jahrh., Teil II, 5) Cybulski, Plan der Stadt Athen, 2 Blätter. Als Geschenk erhielt die Anstalt vom Kgl. Prov. Schulkollegium eine Karte der preussisch- hessischen Eisenbahngemeinschaft, von Herrn Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Ahlfeld eine Büste Homers, des Hermes und der Venus von Milo. 6. Der Zeichenapparat(unter Verwaltung des Herrn Zeichenlehrer Klonk). An- geschafft wurden einige Schmetterlinge, eine Anzahl Rahmen zum Einspannen von Blättern und 10 Ständer zum Aufstellen von Zeichenmodellen. 7. Musikalien(unter Verwaltung des Herrn Gesanglehrer Fiedler). 8. Turnapparat(unter Verwaltung des Herrn Oberlehrer Stange). Angeschafft wurden: 1 Barren, 2 Schlagbälle. VI. Stiftungen und Unterstützungen für Schüler. 1. Die Zahl der Freischüler während des Rechnungsjahres 1906 betrug 34, die Summe des erlassenen Schulgeldns 3656,25 Mark. 2. Der Kapitalbestand der„Münscherstiftung“ beträgt 1687,73 Mark. Das Stipendium in Höhe von 52,50 Mark wurde durch das Lehrerkollegium dem Oberprimaner Spiess verliehen. 3. Der Kapitalbestand der„Stiftung früherer Schüler“ beträgt 1060,20 Mark. Das Stipendium in Höhe von 35 Mark wurde durch das Lehrerkollegium dem Obersekundaner Heinrich Römer verliehen. 4. Der Kapitalbestand der„Buchenau-Jubiläums-Stiftung“ beträgt 1000 Mark. Das Stipendium in Höhe von 35 Mark wurde durch das Lehrerkollegium dem Oberprimaner Mörchen verliehen. 5. Die Unterstützungsbibliothek(unter Verwaltung des Herrn Oberlehrer Schenkheld) erhielt Zuwachs durch Geschenke, und zwar wurden der Bibliothek einzelne Schulbücher zugewiesen von Herrn Direktor, Herrn Oberlehrer Armbröster, Herrn Professor Engelhardt, Kollektionen von solchen von Herrn Studiosus Zölffel, Frau Professor Westerkamp, Frau Metropolitan Menche, Herrn Dr. W. Aly und Herrn Dr. Horst; Freiexemplare spendeten die Herrn Verleger Teubner, Weidmann, Herbig, Bonde, Winter und der Verlag der Halleschen Waisenhäuser.— Angekauft wurde Benseler, Griechisch-deutsches Schulwörterbuch. 49 VII. Mitteilungen an die Schüler und deren Eltern. 1. Die Ferien für das bevorstehende Schuljahr. 1) Osterferien vom 23. März bis 9. April 1907. 2) Pfingstferien vom 17. Mai bis 28. Mai. 3) Sommerferien vom 19. Juli bis 20. August. 4) Herbstferien 5. Oktober bis 18. Oktober. 5) Weihnachtsferien vom 23. Dezember bis 7. Januar 1908. 6) Osterferien vom 11. April bis 28. April. 2. Schulschluss und Anfang des neuen Schuljahrs. Sonnabend, den 23. März. findet die Verkündigung der Versetzungen und Austeilung der Zeugnisse statt. Die Prüfung der angemeldeten Schüler findet Freitag, den 22. März, um 3 Uhr nachmittags für die einheimischen Sextaner statt, für die übrigen Montag. den 8. April, und zwar pünktlich um 9 Uhr vormittags. Anmeldungen sowie Abmeldungen nimmt der Unterzeichnete von 12—1 Uhr im Amtszimmer mit Ausnabme der Sonn- und Festtage entgegen. Der Unterricht beginnt Dienstag, den 9. April, um 8 Uhr, vom 1. Mai ab um 7 Uhr. Die Schüler haben sich vorher mit den für die betreffende Klasse ausgewählten Büchern nach Massgabe dieses Programms zu versehen. Der Direktor ist stets an den Wochentagen mit Ausnahme Sonnabends von 12— 1 Uhr in seinem Amtszimmer in Schulangelegenheiten zu sprechen. Die Sprechstunden der Herren Mitglieder des Lehrerkollegiums werden den Schülern seiner Zeit bekannt gemacht. Marburg, 19. Mär⸗ 1907. Der Königliche Gymnasialdirektor Professor Dr. Friedrich Aly. 8* 3