Jahresbericht des Kköniglichen Gymnasiums zu Marburg für das Schuljahr 1903/1004. LXXI. ·= Inhalt: ) Gellerts älteste Fabeln I. Von Oberlehrer Dr. Hugo Handwerck. 1 2) Schulnachrichten. Von Prof. Dr. Friedrich Aly, Königlichem Gymnasialdirektor Marburg. R. Friedrichs Universitäts-Buchdruckerei(Inhaber Karl Gleiser). 1904. 1904. Progr.-Nr. 463. Gellerts älteste Fabeln. Aus den„Belustigungen des Verstandes und des Witzes“ gesammelt und herausgegeben von Dr. Hugo Handwerck. — Gellert hat sich auf verschiedenen Gebieten der Dichtkunst betätigt. Während aber seine matten Lustspiele und sein wunderlicher Roman„Die schwedische Gräfin“ heute ver-— gessen sind, leben noch diejenigen seiner Werke fort, die einst seinen Ruhm und seine ausser- ordentliche Popularität begründeten. Das sind einmal seine„Geistlichen Oden und Lieder“, von denen nicht nur ein beträchtlicher Teil in unsere Kirchen-Gesangbücher übergegangen ist, sondern auch manche, wie„Wenn ich. o Schöpfer, deine Macht,“„Wie gross ist des Allmächtgen Güte“, stets zu den besten protestantischen Kirchenliedern gehören werden und einige, von Beethovens machtvollen Tönen getragen, wie„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre,“ in ihrer gewaltigen Wirkung nie versagen. Sodann seine„Fabeln und Erzählungen,“ deren graziöses, schalkhaftes Geplauder auch jetzt noch zahlreiche ¹) dankbare Leser findet und in manchen Stücken, wie im„Process,“ wirklich unvergänglich ist. Eine lehrreiche Parallele zu diesem dauernden Erfolg bietet das Schicksal des Buches, das, in seinen Anfängen fast gleichzeitig mit Gellerts Fabeln erschienen, wie diese zu den Lieblingsbüchern des deut- schen Volkes im 18. Jahrhundert gehörte: Klopstocks Messias; einst mit schwärmerischem Entzücken aufgenommen, als unveraltbar gepriesen, wird er heute von niemand mehr gelesen und erweckt, wie Erich Schmidt treffend sagt,„der Gegenwart unleugbar ein Gefühl frommen Schauders.“ Unsterblichkeit war ihm verliehen, nicht aber das Geschenk ewiger Jugend, von der ein Schimmer wenigstens auf Gellerts beste Werke zu fallen scheint. Jedenfalls dürfen wir sagen: Von allen Dichtungen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts haftet keiner so wenig Moderduft an, hat keine sich solche Frische bewahrt wie Gellerts Fabeln. 1) Einen charakteristischen Beleg dafür, dass, wie Hettner mit Recht behauptet, seine Fabeln auch heute noch ihre unzerstörbare Anziehungskraft bewahren, verdanke ich Herrn Ph. Reclam in Leipzig, dem Herausgeber der„Universal-Bibliothek.“ Wie er mir freundlichst mitteilt, sind von der in dieser weit ver- breiteten Sammlung erschienenen Ausgabe der Gellertschen Fabeln seit 1869, also in 35 Jahren, ca. 50 000 Exemplare abgesetzt worden— eine vergleichsweise hohe Zahl—, und zwar ist der Absatz durchweg fast ganz gleichmässig gewesen. Zu berücksichtigen ist dabei, dass Gellerts Fabeln in den anderen billigen Volks- ausgaben ebenfalls erschienen sind und ausserdem in einer Reihe von teureren Ausgaben immer wieder auf- gelegt werden, die vermutlich doch auch einen befriedigenden Absatz finden. Im Jahre 1746— Gellert war 31 Jahre alt— erschien, gleichzeitig mit der„Schwe- dischen Gräfin,“ die heute selten gewordene¹) erste Sammlung„Fabeln und Erzählungen von C. F. Gellert. Leipeig, Ben Johann Wendlern, 1746.“ Das Titelblatt schmückt ein zierlicher Kupferstich: die völlig unbekleidete Wahrheit empfängt ein Gewand aus der Hand der Dicht- kunst, eine Allegorie, die auf den lehrhaften Zweck des Buches hinweist:„dem, der nicht viel Verstand besitzt, die Wahrheit durch ein Bild zu sagen.“ Vorausgeschickt hat Gellert der Sammlung eine Einleitung:„Nachricht und Exempel von alten deutschen Fabeln,“ eine für jene Zeit recht dankenswerte, durch gut gewählte Beispiele erläuterte Übersicht über die deutschen Fabelbücher von Boners Edelstein bis auf Justus Gottfried Rabeners(†⁵ 1699), des Rektors der Fürstenschule zu Meissen und Grossvaters des bekannten Satirikers,„Nützliche Lehrgedichte.“„Vielen,“ meint Gellert mit spöttischem Seitenblick auf gelehrte Pedanten, „Würde es vielleicht lieber gewesen seyn, wenn ich einige poetische Überbleibsel von einer uralten griechischen oder lateinischen Fabel hätte auftreiben und sie mit einem historisch- philologisch-eritischen Commentariolo von sechs oder zwölf Bogen versehen können. Zum Exempel, wenn ich die Gränzen der Gelehrsamkeit mit einigen wieder hergestellten Versen aus einer Fabel des Ennius hätte erweitern können, die, wie Gellius berichtet, von der Häudel- lerche(cassita) handelte und in versibus quadratis geschrieben war.“ In diesem literar-— historischen Überblick äussert er sich beiläufig auch über den Wert der Fabeldichtung: „Etliche Blätter voller äsopischen Witzes, den ein kurzer und muntrer Vortrag belebet, stiften bey der Jugend und bey tausend Erwachsenen vielleicht mehr Nutzen, als grosse Werke, worinnen man die Moral gründlich ausdehnet, mit einer tiefsinnigen Miene seicht, und mit einem systematischen Geschreye trocken abhandelt.“ An der Spitze der 54 Nummern umfassenden Sammlung steht die Fabel„Die Nachtigall und die Lerche“ mit der den Dichtern gewidmeten Nutzanwendung:„Singt nicht, so lang ihr singen wollt. Natur und Geist, die euch beseelen, Sind euch nur wenig Jahre hold.“ Den Schluss macht die Fabel„Der Maler,“ die der Dichter bei jener denkwürdigen Unterredung im Dezember 1760 dem grossen Preussenkönig vortragen durfte und wofür er das einzige, reichbemessene Lob erntete, das einem deutschen Poeten aus dem Munde Friedrichs zu teil geworden ist. Der Erfolg der Fabeln, von denen schon 1748 eine zweite Sammlung hinausging, war, wie bekannt, beispiellos. In allen Schichten und Kreisen des deutschen Volkes, vom Fürsten bis zum Bauern herab, in zahlreichen Auflagen verbreitet, wurden die Fabeln„das einzige wirklich allgemein gelesene poetische Buch des ganzen Jahrhunderts,“ ein Volksbuch, „das fortan neben Bibel und Postille stand.“ Die Fabeln von 1746 waren indes nicht die ersten Fabeln, die Gellert veröffentlichte. Seine ersten Versuche auf diesem Gebiet erschienen in den„Belustiqungen des Verstandes und des Witzes“, einer Monatsschrift, die vom„Heumonat“ 1741 bis zum„Brachmonat“ 1745 von Johann Joachim Schwabe(1714—84), einem Schüler Gottscheds, herausgegeben, bei Breitkopf in Leipzig erschien. Der Zweck dieser Monatsschrift war, einen Sammelplatz für die kleineren Gattungen der Literatur und in ihnen eine Sammlung von Mustern in Poesie und Prosa zu schaffen.„Alle Gattungen von Schriften,“ heisst es in der Vorrede zum 1. Band,„die ins Reich der Dichtkunst und Beredsamkeit können gezogen werden, als Fabeln, Dichtungen, 1) Ein Neudruck war für die„Deutschen Literatur-Denkmale“ in Aussicht genommen, ist aber vor- läufig von dem Plan der Sammlung wieder abgesetzt worden. Allegorien, Träume, Gespräche, Schreiben, Oden, Cantaten, Schäfergedichte, Elegien, Satiren, Lehrgedichte und Versuche von grössern Poesien wird man in dieser Sammlung aufnehmen. Indessen ist man doch gar nicht Willens, alle gemeine Hochzeitscherze. Leichenklagen und Glückwünsche allhier aufzuheben, welche uns in die Hände fallen. Wenn diese Schriften nicht so beschaffen sind, dass sie auch andern ergetzlich, angenehm und nützlich seyn können, welche nicht mit an der Hochzeittafel gesessen, oder die Leiche begleitet haben: So dürfen sie sich keines Nachdrucks von uns befürchten. Sonst wird man nichts, was witzig, vernünftig und tugendhaft ist, von dieser Sammlung ausschliessen. Ernst und Scherz sollen darinnen ohne Unterschied auftreten. Auch die Galanterie soll Theil daran haben; und man wird sehen, ob Deutsche dazu fähig sind, wenn wir zuweilen einige Briefe vorbringen, welche unter die Classe der galanten gerechnet werden müssen. Kurz, alle Gestalten. worinnen sich nur der Witz zeigen kann, ohne der Vernunft lächerlich zu werden, und alle kleine Werke, welche der Verstand nur hervorbringen mag, ohne sich pedantisch dabey zu erweisen, sollen allhier einer gütigen Aufnahme und Fürsorge geniessen.“ Man wollte zeigen,„wie viel der deutsche Witz vermag.“ Hatte Mauvillon noch soeben in seinen„Lettres françaises et ger- maniques“(1740) ausrufen dürfen:„Que manque-t-il donc à l'Allemagne pour produire de grands poètes? Rien que l'esprit!“, so wollte man nun beweisen, dass es den Deutschen auch an Esprit nicht fehle. Freilich das Vorbild für die neue Zeitschrift musste das Ausland bieten. Schon der Titel war den Nouveaux amusements de l'esprit et du coeur(1737) nachgebildet. Die Einrichtung folgte dem Mercure galant und dem Mercure français. Aber die junge Dichter- generation, zu der damals Elias Schlegel, Rabener, Kästner und Gellert gehörten, war für die Mitarbeit gewonnen, und so sind denn die Belustigungen„das wichtigste literarhistorische Denkmal für das Aufstreben der entbundenen Kräfte aus dem Bann platter Nüchternheit, für den Kampf der Phantasie um die ihr vorenthaltene bevorzugte Stellung in der Dichtung. ²¹) Gellert hat zu dieser Monatsschrift, die ein buntes Vielerlei von Gutem und Schlechtem, von Geistlosem und Witzigem bietet, folgendes beigesteuert: seine ersten dramatischen Ver- suche, die beiden Schäferspiele„Das Band“(im 6. Bd.) und„Sylvia“(im 8. Bd.), ferner drei Prosabeiträge(„Gedanken von einem guten deutschen Briefe“ im 2. Bd.,„Strohkranzrede“ im 7. Bd. und„Warum es nicht gut sei, sein Schicksal vorher zu wissen“, im 8. Bd.) und neben einer Anzahl poetischer Sendschreiben, Oden, Elegien etc. 34 Fabeln und Erzählungen, die mit allgemeinem Beifall aufgenommen wurden.„In jedem neuen Stücke,“ berichtet Cramer, „sah man zuerst nach, ob eine Fabel oder Erzählung von Gellert darin wäre. Pberall las man diese, las sie wieder und wusste sie auswendig.“ Von ihnen hat Gellert 19 in umgearbeiteter Form und teilweise mit veränderter Überschrift in die Sammlungen seiner Fabeln und Erzählungen aufgenommen und zwar 5 in die erste Sammelausgabe(1746), das später so bezeichnete 1. Buch, in das 2. Buch(1748) keine, in das 3. dagegen(1754) 14; hier mochte wohl seine Erfindungskraft erlahmen(das 3. Buch enthält im ganzen nur 37 Fabeln, während die beiden ersten Bücher je über 50 ent- halten), und so griff er auf die in den Belustigungen veröffentlichten Fabeln zurück. Über diese 34 Nummern gebe ich im folgenden eine UÜbersicht, und zwar bei den umgearbeiteten unter Angabe des Buches, in das sie später aufgenommen sind, und des etwa veränderten Titels. ¹) Waniek in der Allg. D. Biogr. Belusti- gungen. 1741. 1. Bd: 1. 3. 3. 4. 5. 1742. 2. Bd. 6. 7 3. Bd. 1743. 4. Bd. 17. 5. Bd. 1744. 6. Bd.: 7. Bd. Die 34. Titel. Der Die Das Die Die Der Der Der Zween Wandrer. Das Pferd und die Bremse. Montan und Lalage. Die Elster und der Sperling. Der Täuber. Der Dachs und der Hund. Die Sonne. Das Schaf. Die Gans. Pätus und Arria. Die Nachtigall. Die Bienen. Damon und Flavia. Der Knabe und die Mücken. Die Raupen. Das Das Die Das Die bestrafte Unempfindlichkeit. Kind und der Affe. Seemuschel und der Krebs. Lerche Sperling und die Taube. Hund. Schäfer und die Sirene. Kind mit der Scheere. geizige Claudia. junge Wiesel. Affen und die Bäre. Die Liebe und das Glück. Die Biene und die Henne. Damötas und Phyllis. Die Wahrheit. Der Spieler. Der Unbedacht. Canarievogel und die Lerche. Heupferd oder der Grashüpfer. umgear- beitet im 3. Buch. 3. B. Veränderter Titel Die Wachtel und der Hänfiing. Der Affe. Der junge Krebs und die See- muschel. Die Lerche und die Nachtigall. Die beiden Wandrer. Die Affen und die Bären. Das Glück und die Liebe. Der Leichtsinn. in den Belustigungen veröffentlichten Fabeln unterscheiden sich von den Fabeln der Sammlungen wesentlich hinsichtlich des Metrums, des Stils und des Inhaltes. Die ersteren sind fast ausnahmslos in fortlaufenden Alexandrinern oder in Strophen abgefasst, die aus jambischen Dimetern (nur Nr. 7 hat trochäische Dimeter) bestehen. Fortlaufende jambische Dimeter finden wir nur in Nr. 30, und erst die letzte dieser Fabeln zeigt die Form, die in den 3 Büchern Fabeln und Erzählungen die weitaus häufigste ist: Alexandriner abwechselnd mit kürzeren jambischen Zeilen. — Von den 16 in Alerandrinern abgefassten Fabeln hat Gellert nur 5(Nr. 4, 8, 22, 24, 29) und auch diese erst für das 3. Buch umgearbeitet. Offenbar machte der ausgeprägt steife und mit einer schwerfälligen Phraseologie durch die Tradition belastete Stil des Alexandriners die Umarbeitung besonders schwierig. Fünf andere, die nur eine geringe, sich im wesent-— lichen auf Besserungen des Ausdrucks im einzelnen beschränkende Überarbeitung erfahren und die Form des Alexandriners behalten haben(Nr. 11, 17, 26, 27, 33), sind erst lange nach Gellerts Tode von Ludwig Neuffer im„Taschenbuch von der Donau auf das Jahr 1824“ veröffentlicht worden,¹) zugleich mit einer Umarbeitung von Nr. 32 sowie einer noch in Alexandrinern abgefassten Bearbeitung von Nr. 4(die mithin in drei Fassungen vorliegt). Von sämtlichen Fabeln und Erzählungen der drei Sammlungen aber sind nur drei, wovon zwei im 1. Buch, in fortlaufenden Alexandrinern abgefasst:„Inkle und Yariko,“„Monime“ und (mit Ausnahme der Moral)„Die beiden Schwarzens; diese drei aber sind eruste poetische Erzählungen, für welche der Alexandriner überhaupt noch länger in Geltung blieb. Von den in Strophen verfassten Stücken der Belustigungen hat G. 5 metrisch unver- ändert herübergenommen(Nr. 2, 7, 9, 25, 31), wie Gellert überhaupt die Strophenform aus den Sammlungen nicht völlig ausgeschlossen hat(im 1. Buch sind 9, im 2. drei und im 3. Buch 4 strophische Gedichte), wenn er sie auch im allgemeinen für die Fabel verwarf. Er urteilt darüber sehr richtig:„In den meisten Fällen verträgt sich der Zwang der Strophen, der sich immer gleichen Zeilen, der bestimmten Ruhepunkte in den Strophen nicht mit den Tugenden der Erzäühlung. Man darf, um sich davon zu überzeugen, nur einen Versuch mit einer guten Fabel, die in freyen Versen erzählt ist, machen und sie in das Versmass der Ode übertragen; wie bald wird man sehen, dass die besten Stellen verloren gehen; dass dieser Gedanke in einer längeren Zeile gesagt seyn will, dass er oft, wenn er nur ein Wort verliert, nicht mehr so natürlich oder scherzhaft klingt; dass selbst die Länge und Kürze der Zeilen bald den Nachdruck, bald die Anmuth im Erzählen befördert! Und wo ist in der Strophe der Platz zu den Nebenbetrachtungen, zu einer kleinen im Vorbeygehen angebrachten Spötterey, zu gewissen Wiederholungen und anderen kleinen Schönheiten der Erzählung?“ (Schriften ²) I 287 f.„Beurtheilung einiger Fabeln aus den Belustigungen“). Ganz ähnliches aber gilt vom fortlaufenden Alexandriner, den, wie wir sahen, Gellert später fast ganz auf- gegeben hat. In den Belustigungen aber wird Gellert dem Vorbild Hagedorns gefolgt sein, der im 1. Buch seiner Fabeln(1738) ebenfalls fast nur Strophen und fortlaufende Alexandriner hat. Dann aber wählte er das Versmass, dessen Vorzüge ihm bei Lafontaine, Lamotte und Stoppe deutlich entgegentraten. Gellert weist in den oben angeführten Worten auf den bedeutenden Einfluss des Metrums auf den Stil hin. Und so gehen denn mit der Anderung des Metrums überraschende stilistische Fortschritte Hand in Hand. Über die Entwicklung des Gellertschen Fabelstils habe ich eingehend und unter Anführung zahlreicher Beispiele gehandelt in meinen„Studien über Gellerts Fabelstil, Marburg 18971.“ Ich verweise daher auf diese Untersuchungen, denen eine Vergleichung der in Schwabes Monatsschrift erschienenen Fabeln mit den drei Büchern „Fabeln und Erzählungen“ zu Grunde liegt, und kann mich hier damit begnügen, einige die Hauptergebnisse zusammenfassende Sätze daraus anzuführen:„Ein dramatisches Element 1) Bequemer zugänglich in der Hempelschen Ausgabe. 2) hrsg. v. J. L. Klee. Leipzig 1839. charakterisiert die Fabeln der Sammlungen im Unterschied von denen der Belustigungen. Jetzt wird uns nicht mehr erzählt, dass Jemand etwas sage, etwas tue, nein, wir hören ihn reden. Von der lästigen Herrschaft des Metrums und des Reims hat er sich befreit. Der Dichter hat alle unnützen Schilderungen und Beschreibungen, die Pleonasmen, die vielfach nur zur Füllung des Verses dienten, alle Zusätze, die nicht der Sache, sondern nur dem Reim ihr Dasein verdankten, beseitigt; an ihre Stelle sind diese unzähligen Einwürfe, Parenthesen, Fragen, Ausrufe getreten, die seinem Vortrag Natürlichkeit und Ungezwungenheit verleihen. „Seiner idealisierten Umgangssprache macht Gellert die Form der jambischen Systeme in so gefälliger Weise untertänig, dass die in diesem Masse geschriebenen Fabeln uns anmuten wie die angenehme mündliche Erzählung eines witzigen Freundes.“(Eigenbrodt, Hagedorn S. 125). Der Ausdruck im einzelnen ist conciser und prägnanter geworden, nichtssagende Wendungen naben charakteristischen Plat⸗ gemacht, die Pointe ist mehr herausgearbeitet. Alles, was den späteren Fabelstil Gellerts charakterisiert, vermissen wir noch in den Belustigungen oder er- blicken es nur in dürftigen Ansätzen, die die spätere Blüte kaum ahnen lassen.“ Was endlich den Inhalt angeht, so überwiegt bei Gellert in den Belustigungen die Tierfabel. Von den dort veröffentlichten 34 Nummern sind 20 Tierfabeln(Nr. 2—8, 10, 12, 13, 14, 16, 17. 19, 20, 23, 25, 27, 28, 30), während unter den 143 Fabeln der drei Bücher sich nur 30 Tierfabeln befinden, wobei noch zu bemerken, dass die 8 im 3. Buch befindlichen sämtlich den Belustigungen entstammen. Und die Menschen-Fabeln oder schwankhaften Er- zählungen mit fabelartiger Tendenz sind ihm später am besten gelungen.„Die moralisierende Neigung des damaligen Geschlechts hielt zu steter Beobachtung der Menschen an. Die Wochenschriften entwarfen mit Vorliebe Charakterbilder, und die Satire hatte eben durch Rabener scharfumrissene Zeichnungen typischer Verhältnisse und Menschen hergestellt. Alles drängte auf die Beobachtung und Darstellung menschlicher Charaktere und Handlungen hin. Gellert war der erste, der solche in künstlerischer Form vortührte.“(Eigenbrodt, Hagedorn S. 126). In den ältern Erzählungen aber fehlt es Gellert noch an der sorgfältigen Lebens- beobachtung, die die späteren Dichtungen dieser Art so anziehend macht,¹) und während er hier so fein ironisch über die Schwächen und Torheiten der Menschen zu lächeln versteht, predigt er dort grösstenteils nur allzu pedantisch in gleichförmigem Tone Moral. Nur wenige Nummern bilden hiervon eine Ausnahme, so vor allem die treffliche Erzählung vom kranken Hunde(Nr. 7). Im Gegensatz zu den Belustigungen wird in den Sammlungen die Sprache der redenden P'ersonen individualisiert, ihrem Stand und Charakter entsprechend gefärbt. (Vgl. meine„Studien“ S. 33 und S. 17 Anm.). Alles in allem sind es erstaunliche Fortschritte, die Gellert in wenigen Jahren vom ungelenken Anfängertum zur Höhe der Meisterschaft führen. Und wir verstehen die scharfe Kritik, die er später an seinen ersten Fabelversuchen übte. In dem Autfsatz„Beurtheilungen einiger Fabeln aus den Belustigungen“(1756) unterzog er drei derselben(Die Lerche, Der Schäfer und die Sirene, Der Sperling und die Taube) einer ein- gehenden, sehr strengen Besprechung, um die all seinen in jener Monatsschrift erschienenen Fabeln anhaftenden Mängel zu beleuchten und so zu begründen, weshalb er sie nicht habe zusammen drucken lassen. ²) 1) Vgl. die Programmabhandlung von Georg Ellinger„Gellerts Fabeln und Erzählungen.“ Berlin (Gärtners Verlagsbuchhandlung) 1895. 2) Er konnte jedoch nicht hindern, dass sie von unberufener Hand herausgegeben wurden. Im Jahre 1756 erschien eine„Besondere Sammlung verschiedener Fabeln und Erzählungen, die zwar der 9 Nun sind allerdings, wie wir gesehen haben, die Fabeln in den Belustigungen grössten- teils nach Form und Inhalt von der Vollendung der späteren so weit entfernt, dass sie, wenn man nur ihren dichterischen Wert in Betracht zieht, kaum einen Neudruck verdienen würden. Bei der Bedeutung Gellerts und seiner Fabeln aber scheint mir ein solcher Neudruck ¹) auf literarhistorisches Interesse rechnen zu dürfen, zumal da der überaus lehrreiche Vergleich eines Teils derselben mit der späteren Fassung, die ich in kleinerem Druck(nach der Ausgabe von klee, 1839) beigebe, dadurch bequem ermöglicht wird und wir so ein Bild von der Entwick- lung des beliebtesten deutschen Fabeldichters erhalten. Der zur Verfügung stehende Raum nötigt mich, den Neudruck— eine Ergänzung und Erweiterung meiner„Studien“— auf zwei Programme zu verteilen. Es folgen hier zu- nächst die ersten zwölf Fabeln in genauem Abdruck. Nur habe ich die Angabe„Fabel“ oder „Erzäühlung“ unter der ÜUberschrift sowie die Unterschrift des Dichters fortgelassen und an einigen wenigen Stellen eine zweifellos fehlerhafte Interpunktion stillschweigend verbessert. llerr Professor C. F. Gellert verfertiget, aber in denen unter seinem Nahmen herausgegebenen Poetischen Schriften nicht mit enthalten sind“(ohne Angabe des Orts und Verlags), worin der als Herausgeber nicht genannte vielgeschäftige J. Ch. Rasche 29 der in den Belustigungen veröffentlichten Fabeln abdruckte. In demselben Jahre folgte trotz der Einsprache Gellerts ein 2. Band, worin sich noch zwei dieser Fabeln be- finden. Einen Beweis für die Unverfrorenheit, mit der man damals mit dem geistigen Eigentum des Schrift- stellers umgehen durfte, liefert die Vorrede zu diesem 2. Teil, worin eine fingierte Dame sehr naiv schreibt: „Können Sie es wohl glauben, dass sich der Herr Professor Gellert über die besondere Sammlung seiner Fabeln und Erzählungen beschwert habe? öffentlich lim Hamburgischen Correspondenten] beklagt er sich in einer Nachricht an das Publicum über die gewaltthätige Ausgabe, die eine ungenannte Dame ver- anstaltet hat. Das hätte ich nicht gedacht, dass ein so liebenswürdiger Autor etc.“ Für die Sorgfalt, mit der diese buchhändlerische Spekulation gearbeitet war, sind charakteristisch die Worte des Herausgebers: „Wir behaupten nicht, dass alle Aufsätze aus Gellertscher Feder geflossen sind. Wir mischen sie aber ein, weil sie eine gute Aufnahme verdienen.“ Thatsächlich ist denn, abgesehen von Willkürlichkeiten der Ortho- graphie und Interpunktion sowie von ihrer Unvollständigkeit(es fehlen 3 Fabeln) die Ausgabe sehr flichtig gearbeitet. Zahlreiche Ungenauigkeiten und Versehen(der Fabel„Die Raupen“ ist sogar eine von Gellert nicht herrührende Moral angehängt) entstellen sie und machen sie für wissenschaftliche Zwecke ganz unbrauchbar.. 1) Von den Fabeln der Belustigungen waren bisher nur in einigen neueren Ausgaben wenige Proben gegeben. So sind in der Hempelschen Ausgabe 9 Nummern abgedruckt. Ein Schäfer aus der göldnen Zeit, Ein Thyrſis im Arkader Lande, Trieb öfters nach des Meeres Strande, In ruhiger Gelaſſenheit. 5 Sein treuer Hund war ſein Gehülfe, Ein kirres Lamm war ſeine Luſt, Und, außer einem Rohr vom Schilfe, Ihm weiter kaum ein Glück bewußt. Er kannte weder Liſt noch Feind, 10 Und ſchlief vergnügt auf ſeiner Matte; Er wünſchte nichts, als was er hatte, Und war ſich ſelber Glück und Freund. Ihn rührten keine Schäferinnen: Gefiel ihm eine bey dem Spiel; 15 So konnte ſie nichts mehr gewinnen,. Als daß ſie ihm einmal gefiel. 1. Der Schäfer und die Sirene.(B. I 82.) Doch ſeiner Ruhe droht Gefahr! Das Meer zeigt ihm die beſte Schöne, Er wird die nackende Sirene 20 Mit nie gefühlter Luſt gewahr. Er ſteht, und will nicht ſtehen bleiben, Er ſieht, verliehrt den freyen Sinn, Will abwerts mit der Heerde treiben, Und treibt nur mehr ans Ufer hin. 25 Zwo blauer Augen Blick und Zug, Die ſchmachtend voller Wolluſt brannten, Sich nach dem Angriff zaghaft wandten, Als hätten ſie nicht Muth genug. Halb ſtolze, halb verſchämte Minen, 30 In denen Ernſt, Gefahr und Luſt Einander zu begegnen ſchienen, Durchdrangen unſers Schäfers Bruſt. Ein Schäfer aus der goldnen Zeit, In ſeinem ſtillen Hirtenſtande Ganz Ruhe, ganz Zufriedenbeit, Trieb öfters an des Meeres Strande, Und was er ſang, war Frölichkeit. Ihn rührten keine Schäferinnen. Gefiel ihm Daphne ja zuweilen bey dem Spiel: So konnte fie doch nichts gewinnen, Als daß ſie flüchtig ihm gefiel. 10 Ein ſeltner Fall, daß ohne Schöne Ein junger Schäfer glücklich war! Doch ſeinem Herzen droht Gefahr. Welch eine reizende Sirene Schwimmt dort! Kaum wird er ſie gewahr: 15 So fühlt ſein Herz Lieb und Gefahr. Er ſteht und will nicht ſtehen bleiben, Erſtaunt, blickt auf die Sängerinn, Will abwärts mit der Heerde treiben, Und treibt nur mehr ans Ufer hin. 20 Nun irrt allein, ihr guten Heerden! Der Schäfer hat für euch itzt keine Zeit. Er klagt durch Lieder und Geberden Der Schönen ſeine Zärtlichkeit; Verſpricht ihr alle ſeine Heerden 25 Und alles Glück der goldnen Zeit. Sie, wohl in ihrer Kunſt erfahren, Hört nichts von dem, was er verſpricht, Scherzt mit der See, putzt an den Haaren, Als ſähe ſie den Schäfer nicht, 30 Und nöthigt ihn durch ſchlaue Blicke, Den Antrag ihr noch oft zu thun. Ich, ſingt ſie, bin nicht mein. Neptun beſtimmt mein Glücke: Vom runden Kinne bis zur Hand, Von weißen Hüften bis zur Stirne, 35 Entzückt ihn dieſe Waſſerdirne, An der er tauſend Anmuth fand. Nie wird ſie reizend gnug beſchrieben; Der beſte Riß bleibt ein Verſuch. Kurz: Sie zu ſehn, und nicht zu lieben, 40 War, wie man ſagt, ein Widerſpruch. Der gute Schäfer ſteht zerſtreut, Vergißt ſich ſelbſt und ſeine Heerden, Und klagt mit ängſtlichen Gebehrden Der Schönen ſeine Zärtlichkeit. 5 Dich, rief das Kind, kann ich erhitzen? Ich ſoll an deiner Seite ruhn? Ja, Freund, du ſollſt mein Herz beſitzen! Erbitte mich nur vom Neptun! Der Schäfer ruft zum Gott der See: 50 Ein Opfer von zwo feiſten Ziegen Soll dich, Neptun, ſo gleich vergnügen, Wofern ich nicht vergebens fleh. Dir, ſpricht Neptun, mein Kind zu geben? O ſpahre Seufzer, Wunſch und Harm! 55 Ich gäbe dir und deinem Leben Ein ewig Unglück in den Arm. Der arme Thyrſis ſeufzt und weint, Und klagt, mit manchem bangen Schalle, Sein Leid dem nahen Wiederhalle, 60 Bis wiederum Neptun erſcheint. Gut, ſpricht Neptun, du gleichſt den Knaben, Dich blendet eine Scheingeſtalt. Gut, gut, du ſollſt dein Unglück haben; Denn du verlangſt es mit Gewalt. 65 Die Nacht befördert Thyrſis Ruh. Neptunus giebt ihm die Sirene; Der Schäfer trägt die naſſe Schöne Entzückt nach ſeiner Hütte zu. Er weis ſein Glück kaum gnug zu ſchätzen 70 Sein mattes Herz wird wieder friſch, Der Tag erſcheint. O welch Entſetzen! Sirene war halb Menſch, halb Fiſch. O Fabel! meynſt du nicht die Welt, Die früher liebt und eher brennet, 75 Als ſie das Kind zur Hälſte kennet, Das Aug und Wahn für göttlich hält? Man liebt der Schönen Mund und Stirne, Bis der verborgne Fiſch uns ſchreckt, Ihr eitles Herz, ihr leer Gehirne 8o Die Fehler unſrer Wahl entdeckt. Und wenn ich dich nicht flüchtig nur entzücke: So geh und bitte den Neptun. 35 Er bat. Nein, ſprach der Gott der Meere, Wenn ich die Bitte dir gewähre, Gewähr ich dir dein Unglück nur. Der Schäfer ſchleicht betrübt nach ſeiner Hütte; Nun lacht ihm weiter keine Flur. 40 So oft Neptun am Strande fuhr, So wiederholt er ſeine Bitte. „Neptun! So ſoll das Meer die trefllichſte Geſtalt, Die mich entzückt, in ſeinen Schoos begraben?“ Nein, rief der Gott, du ſollſt ſie haben; 45 Denn du verlangſt ſie mit Gewalt. Wie hurtig ſchwamm nunmehr die Schöne Dem Ufer zu! Wie ſchön ſang ſie, wie zauberiſch! Er reicht ihr ſeine Hand.„Komm, göttliche Sirene!— Doch welch Entſetzen! Seine Schöne, 50 Sein Liebling, war halb Menſch, halb Fiſch. Mit Zittern floh Damöt vom Meere, Und gab nachher der Flur ſehr oft die Lehre, Daß unſer liebſter Wunſch oft große Thorheit wäre. 12 Zur Wachtel, welche der Gefahr, Dem Garne, kaum entgangen war, Ließ ſich der ſtolze Hänfling nieder: Mich, ſprach er, dauert dein Gefieder. 50O ſage, wie es immer ging, Daß du nicht flohſt, und man dich fing. Mich lockte jene grüne Saat, Indem ich nun in Ruhe trat; So hört ich tiefer in dem Weizen 10 Ein ſüßes Tönen, ſüßes Reizen: Ich lief; kaum war ich bey dem Ton; So hatte mich das Netz auch ſchon. Das Netz, ſprach dieſer, nicht zu ſehn? Dir, Flattergeiſt, iſt recht geſchehn. 15 Man muß, will man der Luſt genießen, Die Freyheit zu behaupten wiſſen. Und wenn ich aus mir ſelber wär, Ein Netz, das fängt mich nimmermehr. 2. Die beſtrafte Anempfindlichkeit. (I 183.) Der Hänfling flieht; die Wachtel weint; 20 Kurz drauf erblickt ſie ihren Freund Verzagt, und nur mit halbem Leben, Auf einer Vogelruthe kleben: Wie, rief ſie, kömmt es, lieber Gaſt, Daß du dich hier gefangen haſt? Die Freundinn, ſprach er, ging mir nah, Die ich in dieſem Bauer ſah; Aus Freundſchaft, da ich nichts vermuthe, Setzt ſich mein Fuß auf dieſe Ruthe. Nun weis ich ÄArmſter auf der Welt Nicht, was mich hier gefangen hält. 3 O! ſpricht die Wachtel: ſchweige ſtill, Es halte, was dich immer will; Der Liebe reizendes Entzücken Kann uns auf tauſend Art berücken; 35 Und ſäh es wie die Freundſchaft aus, Die Liebe macht ein Garn daraus. 82 Die Wachtel und der Hänfling. Zur Wachtel, welche der Gefahr Des Garns mit Noth entgangen war, Ließ ſich der ſtolze Hänfling nieder. Mich dauert, ſprach er, dein Gefieder. 5 O! ſage, wie es immer kam, Daß man dir deine Freyheit nahm? Mich, ſprach ſie, lockte jene Flur, Und ich, zu lüſtern von Natur, Flog hin; und tiefer im Getreide 10 Hört ich den Ton der Lieb und Freude. Ich lief! kaum naht ich mich dem Ton, So hatte mich das Netz auch ſchon. Das Netz, ſprach dieſer, nicht zu ſehn? Dir Flattergeiſt iſt recht geſchehn. 15 Man muß, will man ein Glück genieſſen, Die Freyheit zu behaupten wiſſen. Und wenn ich noch ſo lüſtern wär, Ein Netz, das fängt mich nimmermehr! Er fliegt und ruft noch: Merk es dir! 20 Kurz drauf ſieht ſie den Freund, der ihr Den weiſen Unterricht gegebeu, Auf einer Vogelruthe kleben. Sprich, rief ſie, wie es immer kam, Daß man dir deine Freyheit nahm? Die Freundinn, ſprach er, gieng mir nah, Die ich in dieſem Bauer ſah. Sie rief, und durch das Glück bewogen, Um ſie zu ſeyn, kam ich geflogen. Nun weis ich nicht, durch welche Liſt 30 Mein Fuß hier angefeſfelt iſt! Die Ruthe, ſprach ſie, nicht zu ſehn? Dir Flattergeiſt iſt recht geſchehn. Man muß, will man ein Glück genieſſen Die Freyheit zu behaupten wiſſen. 35 Nun lerne, wenn dichs nicht verdrießt, Wie nah der Fall dem Sichern iſt! 13 3. Das Kind und der Affe. Kaum hatte noch des Schneiders Hand Dem Affen ein erſtickt Gewand Von bunten Flecken umgehangen, Als dieß in ſich verliebte Thier 5 Der Menſchen Stolz, bey ſeiner Zier, Schon nachzuahmen angefangen. Sein kleines buntes Affenkleid Schön ausgeſteift, in Falten breit, Erhöhte Minen und Gebehrden, 10 Und in dem Gange that er ſchon, Als müßte gar Maroccons Thron Noch einſt von ihm beſtiegen werden. Indem er nun ſo prächtig ſtutzt: So ſieht er, daß ein Kind ſich putzt, 15 Und immer in den Spiegel ſiehet. Er eilt hinzu, ſieht auch hinein, Will wie das Kind geſtaltet ſeyn, Aus deſſen Stirn die Anmuth blühet Der Affe thut galant, nicht wild; 20 Umſonſt; der Spiegel zeigt das Bild Von einem ungeſtalten Affen. Er putzt den Kopf mit Blumen aus: Doch weder Müh, noch Blumenſtraus, Kann ihm des Kindes Anſehn ſchaffen. Er ſchiebt der Fehler Schuld allein Auf ſeines Spiegels falſchen Schein Und läſtert, ſchmäht und ſchimpft bey Haufen; 25 (1 284.) Er ſchmäht erhitzt und geifert auch, Bis endlich, durch ſo manchen Hauch, 30 Das Glas im Spiegel angelaufen. Drauf will das Kind ſich mehr beſehn, Erſchrickt und weis nicht, was geſchehn, Und kann ſich nicht im Spiegel finden. Der Unmuth heißt es kläglich thun; 35 Es meynt, der Spiegel würde nun Ddeen Schandfleck nimmermehr verwinden. Bald ruft ſein lautes Klaggeſchrey Den Alten ganz beſtürzt herbey, Das Kind erzählt die ganze Sache. 40 O, ſpricht der Alte, laß es ſeyn, Das Glas wird von ſich ſelber rein, Kind, laß den Affen gehn, und lache. Und bald verfliegt des Hauches Dunſt; Dem Spiegel bleibt die Bildungskunſt; b 45 Das Kind wird froh, und kömmt in Eifer: Und ſpricht zum Affen, o du Thor! Das Glas wird helle, wie zuvor. Was hilft dein ausgeſtoßner Geifer? Ja Kind, verſetzt des Alten Mund, 50 Kind, in Gedanken ſetz itzund Die Wahrheit an des Spiegels Stelle. S ie zeigt der Thoren Häßlichkeit; V Des Thoren Eifer ſchmäht und ſpeyt; Umſonſt ihr Licht bleibt ewig helle. Der Affe. Kaum hatte noch des Schneiders Hand Ein buntes comiſches Gewand Dem muntern Affen umgehangen: So gab ſein Rock ihm das Verlangen, 5 Sich in dem Spiegel zu beſehn. In Wahrheit, ſprach er, ich bin ſchön! o viel ich mir geſchmeichelt habe, So kann dem jungen Herrn der Rock nicht beſſer ſtehn. Komm, rief er, kleiner Edelknabe!. 10 Wir müſſen uns zugleich im Spigel ſehn. Er kam. Der Aff erſchrack, verzerrte das Geſicht, Stieß an den Hut, und rückte die Perücke; Und doch glich er dem Junker nicht! Der Spiegel warf, was er empfing, zurücke, 15 Ein närriſch haarichtes Geſicht In einer ſtruppichten Perücke. Der Junker lacht. Pfuy, hub der Aff erbittert an, Pfuy, Spiegel, wie du lügſt! Was hab ich dir gethan? Der Spiegel läuft darauf von ſeinem Hauchen an, 20 Und zeigt itzt keinen Affen weiter. Das dacht ich, rief er ſehr erfreut, Die Schuld liegt nicht an meiner Häßlichkeit, Nein, junger Herr, der Spiegel war nicht heiter! Schon eilte Junker Fritz mit der Begebenheit 25 Sie dem Magiſter zu erzählen; Und dieſem konnt es gar nicht fehlen, Mit einer nützlichen Moral, (Er war gelehrt,) ſie zu beſeelen. Nun, ſprach er, ſetzen Sie einmal 30 Die Wahrheit an des Spiegels Stelle. Sie zeigt der Thoren Häßlichkeit; Der Thor, der ſich vor ihrem Lichte ſcheut, Verhüllt ſie drauf in Dunkelheit, Und ſchmeichelt ſich, ſie ſey nicht helle. 14 4. Die Seemuſchel und der Krebs.(I 467.) Da, wo der weite Belt den Deutſchen nahgekommen, Ward einſt ein junger Krebs mit Unmuth eingenommen. Die Muſchel, die ihr Haus itzt von einander zog, Dann wieder ſo genau, als erſt, zuſammen bog, 5Schien ihm weit glücklicher, als er in Koth und Höhlen. Ich, rief er dieſer zu, muß mich im Schlamme quälen. Bald ſtößt der Nachbar mich aus meiner Wohnung aus; Bald ſchreckt mich Sturm und Netz. Du haſt dein eignes Haus; Du kannſt es, wenn du willſt, itzt öffnen, nachmals ſchlieſſen; 10 O daß wir Krebſe nur ſo ärmlich wohnen müſſen. Muſchel, gönnſt du mir, mir Armſten, noch ein Glück: So laſſe meinen Leib nur einen Augenblick In deiner Wohnung ruhn, und mich, bey meinem Grämen, Auch einen kleinen Theil an deiner Ruhe nehmen. O, fieng die Muſchel an, gefällt dir meine Ruh, Schein ich dir glücklicher und ſichrer noch, als du: 15 So wiſſe nur, mein Freund, ich diene mit Vergnügen; Du kannſt dich in mein Haus, ſo oft du denkſt, verfügen. Ich mache Platz und Raum; genieße meiner Ruh. 2 — Der Krebs kreucht in das Haus; ſie ſchließt es feſte zu; Der Krebs erſtickt ſogleich, und mitten im Erſticken Muß er zu gleicher 1 Zeit die Freundinn mit erdrücken. ii * Oft macht ein dummer Dienſt ein doppelt Unglück voll, Stürzt den, der ihn erzeigt, den, dem er nützen ſoll. Der junge Krebs und die Seemuſchel. Der Muſchel, die am ſeichten Strande Ihr Haus bald von einander bog, Bald wieder feſt zuſammen zog, Sah einſt, mit Neid und Unverſtande, 5 Ein junger Krebs aus ſeiner Höhle zu. O Muſchel, wie beglückt biſt du! O! daß wir Krebſe nur ſo elend wohnen müſſen! Bald ſtößt der Nachbar mich aus meiner Wohnung aus, Und bald der Sturm. Du haſt dein eigen ſteinern Haus, 10 Kannſt, wenn du willſt, es öffnen und verſchlieſſen. Vergönne mir nur einen Augenblick, Ich weis, du gönnſt mir dieſes Glück, In deinem Schloſſe Platz zu nehmen. Ich, ſprach ſie, ſollte mich zwar ſchämen, 15 In mein nicht aufgeputztes Haus, Denn in der That ſiehts itzt nicht reinlich aus, Vornehme Herren einzunehmen. Doch dienet es zu Ihrer Ruh, Auf knrze Zeit zu mir ſich zu verfügen: 20 So dien ich Ihnen mit Vergnügen; Wir haben Platz. Er kömmt. Sieſchließt ihr Schloß feſt zu. Mach auf, ſchreyt er, denn ich erſticke. Bald, ſpricht ſie, will ich dich befreyn; Sieh erſt der Mißgunſt Thorheit ein, 25 Und lerne hier, mit deinem Glücke, Wenn dirs gefällt, zufrieden ſeyn. Die Lerche. Bey manches Morgens hellem Schimmer, Sang Damons Lerche froh bemüht, Mit Schmettern durch das ganze Zimmer, Dem lieben Wirth ein Morgenlied; 5 Und ruhte nicht, bis daß ihr Klang Das ganze Haus erfüllt durchdrang. Einſt lehnt ihr Damon zum Vergnügen Das Thürchen nicht beym Füttern an, So, daß ſie aus dem Bauer fliegen, 10 Und in der Stube flattern kann. Sie fliegt, und ſang ſie vormals ſehr, So ſingt ſie itzt noch dreymal mehr. Auch Vögeln iſt die Freyheit lieber, Als Kerker, welche Gold umzieht. 15 Sie ſitzt, ſo, daß ſie gegenüber In Damons großen Spiegel ſieht. Sie ſieht ſich ſelbſt, und meynt dabei, Daß dieſes Bild die Schweſter ſey. Sie ſtutzt, und regt die kleinen Schwingen, 20 Bald will ſie fort, bald bleibt ſie hier. Dann fängt ſie ſchmetternd an zu ſingen, Drauf öffnet Damon bald die Thür. Da dringt der Schall im Augenblick Aus dem gewölbten Saal zurück. Sie läßt ſich zwo Minuten ſtören; Die Ehrſucht martert ihren Geiſt. Sie meynt die Schweſter ſelbſt zu hören, (I 557.) Ddie ihr der falſche Spiegel weiſt. Drauf läßt ſie ſich mit ſich allein, 30 Betrogen, in den Wetſſtreit ein. Sie ſingt aus ehrſuchtsvollem Grimme, Sie zieht, ſie trillert, mengt und paart Der hellen Kehle ſtarke Stimme Auf hundert und auf tauſend Art. 35 Umſonſt iſt ihre ganze Müh; Stets ſingt das Echo ſo, wie ſie. Noch läßt ſie ſich nicht kraftlos finden; Sie ſingt und will zu ihrer Pein Eh ſterben, als nicht überwinden, 40 Eh ſiegen, als am Leben ſeyn. Sie ſingt; allein zu ihrer Schmach, Das Echo wacht, und thut es nach. Drauf ſchießt ſie, bey dem letzten Zuge, Die ſo bethörte Sängerinn, 45 Mit aufgebrachtem ſchnellen Fluge Nach der verhaßten Freundinn hin, Und ſtößt ſich in der Raſerey Am Spiegel Kopf und Hirn entzwey. Hier trägt ſie Damon aus der Stube: 50 O! ſpricht er, da er nachgedacht, O kämen die in eine Grube, Die Ehr und Schatten umgebracht: So würdeſt du wohl manchem Held, Und manchem Weiſen beygeſellt. Die Lerche, die zu Damons Freuden, Frey im Gemach, ihr Lied oft ſang, Und ungewohnt, den Wiederhall zu leiden, Der aus dem nahen Zimmer drang, 5 Mit deſto ſtärkrer Stimme ſang; Saß itzt dem Spiegel gegenüber, Und ſang, und ſah ihr eignes Bild, Und floß, mit Eiferſucht erfüllt, Von ſchmetternden Geſängen über; 10 Und bildete, zu ihrer Pein, An ihrem eignen Wiederſchein Sich einen Nebenbuhler ein. Noch oft erhöhte ſie die Stimme; Allein umſonſt war Kunſt und Müh, 15 Stets ſang der Wiederhall, wie ſie. Sie ſchoß darauf mit ehrſuchtsvollem Grimme Auf ihren Nebenbuhler zu, Den ihr der Spiegel vorgelogen, Und ſtarb, ſich ſelbſt zu ſehr gewogen, 20 Faſt ſo, Ruhmſüchtiger, wie du! Durch Eitelkeit und durch ein Nichts betrogen. 16 6 Der Sperling und die Taube.(II 100.) Ein Vogel unverſchämter Zucht, Der lieber ſtiehlt, als Arbeit ſucht, Ein Sperling half den frommen Tauben Oft ihre Koſt vom Schlage rauben. Früh, wenn, beym erſten Sonnenſchein, Der Hauswirth ſang, und Futter ſtreute, Fand er ſich an des Schlages Seite Mehr frech, als ſcheu, zum Frühſtück ein. Die Tauben ſagten erſt kein Wort; Dann ſcheuchten ſie den Fremdling fort: Doch kam das ſchelmiſche Gefieder, Wo heute nicht, gleich morgen wieder. Drauf nahm ſich aus dem Taubenchor Die ältſte von den ſtillen Thieren, 5 Des Unrechts ihn zu überführen, Mehr redlich, als gekünſtelt, vor. ꝙ 1 — Sie war des ganzen Schlages Preis, An Hals und Bruſt, wie Schnee, ſo weiß, Im blauen Schwanz und blauen Flügeln 20 Schien ſich ihr Mann oft zu beſpiegeln. Sie trug die Bruſt gewölbt und frey, Die ſchönſten Latſchen an den Füſſen; Sie konnt auch alt noch zärtlich küſſen, War ſchön und doch dem Manne treu. 25 Noch größre Dinge zierten ſie, Sie hatte mit geſchickter Müh Wohl zwanzig Kinder aufgezogen, Die ihr zum Ruhm im Schlage flogen. Sie nahm ſie zeitig mit ins Feld, Sie ließ ſie nie zu Schaden fliegen. Die Körner, die in Furchen liegen, Die, lehrte ſie, ſind euch beſtellt. Von dieſer wird das Werk gewagt. Der Sperling kömmt, noch eh es tagt. 35 Nicht ungeſtüm und auch nicht blöde Setzt ſie den fremden Gaſt zur Rede. Biſt du, ſo fragt ſie, tugendhaft? Mit deiner Nahrung unzufrieden, Nimmſt du, was mir und den beſchieden? 40 Dieß iſt der Böſen Eigenſchaft! 30 V Der Sperling ward ſo gleich gerührt; Nur bin ich noch nicht überführt, Ob mehr ihr Anſehn oder Sagen Zu dieſem Siege beygetragen. 45 Die Überzeugung war geſchehn; Ihm fällt das Korn aus ſeinem Munde: O! ſpricht er, gleich von dieſer Stunde Sollſt du mich nun verändert ſehn. Er hält ſein Wort auch ohne Schwur, 50 Und zwingt die lüſterne Natur; Und ob er öfters füttern ſahe, Kam er doch nie dem Schlage nahe. Die Gärten ſtillten ſeine Luſt; Denn junge Schoten auszureißen, 55 Die beſten Kirſchen auszubeißen, Hat nie ein Spatz ſo gut gewußt. Einſt frißt er in der ſchönſten Ruh, Da ſieht ihm unſre Taube zu, Und ſpricht: Wie klug weiſt du im Sitzen 60 Der Fremden Frucht bequem zu nützen. Der Sperling hüpft ſo gleich empor: Nun, ſchreyt er, kannſt du mich noch haſſen? Hab ich mein Laſter nicht gelaſſen? Bin ich nicht frömmer, als zuvor? 65 Du, frömmer? rief die Taube nach, Du biſt noch eben deine Schmach, Du biſt, wie ſonſt, der geile Freſſer, Und ſcheinſt dir nur vergebens beſſer. Dir wohnt dein böſer Trieb noch bey, 70 Du ſtillſt ihn nur mit andern Dingen, Und ſuchſt dir ſchmeichelnd beyzubringen, Daß deine Bruſt gebeſſert ſey. Bald, Plato, trifft dein Ausſpruch ein; Die Tugend ſcheint ein Tauſch zu ſeyn; 75 Ein Laſter wird itzt ausgetrieben, Ein anders fängt man an zu lieben. Der Weichling flieht den geilen Scherz, Wird karg und nennt ſich fromm und klüger. Wer iſt der liſtigſte Betrüger? 80 Iſts nicht des Menſchen eignes Herz? Phylax, ein getreuer Hund, Der für allen Schaden ſtund, Und den Dieben, weil er wachte, Alle Gatter eiſern machte: 5 Phylax, der dem Tullian, Und auch Nicol Liſts Geſellen, Durch ſein nie zu ſtillend Bellen, Manchen Tort bey Nacht gethan, Dieſes ſonſt ſo wackre Vieh 10 Ward nach dem, man weis nicht wie, In der frühen Morgenſtunde Zu dem allerkränkſten Hunde. All im Hauſe, groß und klein, Suchten ſeinen Schmerz zu heilen, 15 Und der Knecht goß ihm zuweilen Warmes Seifenwaſſer ein. Alle Nachbarn gaben Rath, Krumholzöl und Mithridat Mußte ſich der Hund bequehmen, 20 Wider Willen einzunehmen. Selbſt des Nachbar Gaſtwirths Müh, Der vordem in fremden Landen, Als ein Doctor ausgeſtanden, War vergebens bey dem Vieh. Kaum erſcholl die ſchlimme Poſt, Als vom Hofe, Heerd und Koſt, Alle Brüder und Bekannten, Phylax zu beſuchen, rannten. Pantelon, ſein beſter Freund, 30 Leckt ihm an dem heißen Munde. O, erſeufzt er, bittre Stunde! O! Wer hätte das gemeynt? Ach! rief Phylax, Pantelon! Iſts nicht wahr, ich ſterbe ſchon? 35 Hätt ich nur nichts eingenommen, Wär ich wohl davon gekommen. Sterb ich Armſter zu geſchwind: Ol ſo kannſt du ſicher ſchreyen, Daß die vielen Arzeneyen 40 Meines Todes Quelle ſind. 25 17 7. Der Hund.(II 190.) Und ich ſchlief zufrieden ein, Sollt ich nur ſo manches Bein, Das mein Fuß verſcharren müſſen, Vor dem Tode noch genießen. 45 Dieſes macht mich kummervoll, Daß ich dieſen Schatz vergeſſen, Nicht vor meinem Ende freſſen, Auch nicht mit mir nehmen ſoll. Liebſt du mich, und biſt du treu! 50 O! ſo hohle ſie herbey; Eines wirſt du bey den Linden, An dem Gartenthore finden. Eines, lieber Pantelon, Hab ich nur noch geſtern Morgen, 55 In dem Winterreiß verborgen; Aber friß mir nichts davon. Pantelon war forigerannt, Brachte treulich, was er fand, Phylax roch mit ſchwachem Muthe 60 Noch die Dunſt von ſeinem Gute. Endlich, da ſein Auge bricht, Spricht er: Laß mir alles liegen, Alles, ſterb ich, ſollſt du kriegen; Aber, Bruder, eher nicht. Sollt ich nur ſo glücklich ſeyn, Und das ſchöne Schinkenbein, Das ich— doch ich mags nicht ſagen, Wo ich dieſes hingetragen. Werd ich wiederum geſund: 70 Will ich dir, bey meinem Leben, Auch die beſte Hälfte geben; Ja du ſollſt— hier ſtarb der Hund. Der Geizhals bleibt im Tode karg, Zween Blicke wirft er nach dem Sarg, 75 Und hundert tauſend mit Entſetzen 65 Nach den mit Angſt verwahrten Schätzen; O ſchwere Laſt der Eitelkeit! Um ſchlecht zu leben, ſchwer zu ſterben, Sucht man ſich Güter zu erwerben; 80 Verdient ein ſolches Glück wohl Neid? Die beiden ersten Strophen sind in der späteren Fassung im 1. Buch in eine zusammengezogen: Phylax, der ſo manche Nacht, Haus und Hof getreu bewacht, Und oft ganzen Diebesbanden Durch ſein Bellen widerſtanden; Phylax, dem Lips Tullian, Der doch gut zu ſtehlen wußte, Selber zweymal weichen mußte; Dieſen fiel ein Fieber an. Im übrigen sind die Anderungen bei dieser Fabel — wohl der besten aus den Belustigungen— nur geringfügig; es sind folgende: 26 Als von ihrer Mittagszeit ſo geſchwind Wie zufrieden ſchlief ich ein! Das ich mir verſcharren müſſen bey ſchwachem Muthe den Dunſt Sterb ich, ſo ſollſt du es kriegen. 74 auf den Sarg Und tauſend wirft er mit Entſetzen 18 8. Der Cauarievogel und die Nachtigall.(II 283.) Ein Sänger, den der Mohr an ſeinen Küſten fängt, Der Deutſche gerne hört und in ſein Zimmer hängt, Sang oft ſein Tagewerk mit vielfach heller Kehle, Nach dem von der Natur ihm erblichen Befehle; Zumal, wenn neben ihm der Lerche Mund erklang, Die nicht ſo klar, wie er, und dennoch reizend ſang, Die deutſche Triller ſchlug, und zaghaft bey ſich dachte, Daß doch des Fremdlings Mund die Töne ſüßer machte. Der Fremdling merkte dieß, ward ganz beredt und ſprach: 10 Du, Freundinn, ſingſt zu rauh, o ſinge mir doch nach! Willſt du bewundert ſeyn, mußt du nach meinen Tönen Den ungeübten Klang dir möglichſt abgewöhnen. Er ſchläfert, wie er wünſcht, die Lerche glücklich ein. Sie folgt und martert ſich mit unerhörter Pein, 15 Durch einen fremden Ton den eignen zu verdringen, Und ein canariſch Lied mit deutſchem Hals zu ſingen. Sie ſtottert tauſendmal und wird ſich ſelbſt zur Laſt, Indem ſie das verſucht, was ſie nur halb gefaßt. Dieß hört die Nachtigall; der Zorn reizt Philomelen: 20 Wie ſinnreich biſt du nicht, dein eignes Ohr zu quälen! Ruft ſie der Lerche zu. Erſt ſangſt du frey, und recht. Da du dich fremde zwingſt: So ſingſt du fremd, und ſchlecht. Erſt wart ihr beyde gleich; itzt willſt du ihn erreichen, Und äffſt ihm ſingend nach, und mußt ihm äffend weichen. 5 Behalte deinen Ton, die Mundart der Natur; In dieſer bringſt dus hoch; in jener fehlſt du nur. ₰r d0 & O Leſer, ſey ſo gut, die Fabel auszuführen; Denn mein Franzoſe kömmt, mit dem muß ich parliren. Die Lerche und die Nachtigall. Oft ließ, der Kunſt und ſeinem Wirth zu Ehren,“ O! ſprach die Nachtigall, die lang ihr zugehört, Sich der Canarievogel hören, 15 Wie ſinnreich biſt du nicht, mein Ohr und deins zu quälen! Und freute ſich, wenn durch ihr ſchmetternd Lied Dich hatte die Natur vortrefflich ſeyn gelehrt, Die Lerche minder Kunſt verrieth. Und ſieh, nun lehrt der Zwang dich fehlen. 5 O, ſprach ſie, wenn ich doch ein Lied— Gleich ſeinen hohen Liedern ſänge! Und ſang, indem ſie dieſes ſprach, Elpin ſchreibt niedrig und ſchreibt ſchön. Dem Nachbar eiferſüchtig nach, Cleanth ſchreibt hoch. Elpin wünſcht ihm zu gleichen. Verliebte ſich in ſeine fremden Gänge, 20 Wie theuer kömmt es ihm zu ſtehn! 10 Und quälte ſich, den angebohrnen Ton Er ſucht Cleanthen zu erreichen, Durch den erlernten zu verdringen, Und äfft ihn nach, und muß ihm weichen, Und trug, nach vieler Müh, zuletzt das Glück davon, Und ſchreibt und denkt für keinen Menſchen ſchön. Canariſch fehlerhaft zu ſingen. Diese Anderung der Nutzanwendung nennt E. Schmidt(Anz. f. d. A. II 58) mit Recht eine Schlimm. besserung; vgl. meine„Studien“ S. 28. Zween Wandrer. Zween Wandrer überfiel die Nacht. O Bruder, nimm dich ja in Acht! Rief Kunz, vom Schrecken eingenommen, Damit wir nicht vom Wege kommen. 5 Dort läßt ſich ſchon ein Irrlicht ſehn, Nur daß wir uns nicht ſelber blenden, Und uns nach dieſem Lichte wenden:; Sonſt iſt es um den Weg geſchehn. Schon gut! rief Velten, ſchweige nur! Doch Bruder, wenn ich die Natur, Und was ein Irrwiſch ſagen wollte, Nur einmal recht verſtehen ſollte. Gelehrte nennen es die Dunſt, Die aus den Sümpfen aufgeſtiegen. 5 Ich weis nicht, ob die Leute lügen, Mich hintergehn, iſt keine Kunſt. Sag, Velten, ob du thöricht biſt? Du weiſt nicht, was ein Irrlicht iſt? O dürft ichs nur bey Nachtzeit wagen, Ich wollte dirs wohl anders ſagen. Iſts wahr, daß du kein Irrlicht kennſt? Das Schrecken ſagt mirs im Gemüthe, Ein Irrlicht, daß mich Gott behüte, Ein Irrlicht, das iſt ein Geſpenſt. Den Drachen haſt du doch geſehn, Der, wie zu Stephens Zeit geſchehn, Bey Kleindorf im Vorüberziehen, Getreyd und Kälber ausgeſpieen. Das, was der Drach im Großen heißt, 30 Das nenn das Irrlicht nur im Kleinen, Denn da ſie bloß bey Nacht erſcheinen; So ſind ſie wohl kein guter Geiſt. 1 — 2 — —₰ & Die beiden — 2 O Velten 3 Sprach Kunz, von Schrecken eingenommen — eile nur. 11 Irrlicht 3 Studirte 16 Denn oft iſt Lügen ihre Kunſt. 17 Sprich 12 Und biſt ſchon nah an dreyßig Jahre? 23 bewahre 30 Nenn ich das Irrlicht gern im Kleinen 31 nur bey Nacht 35 Ich, ohne, Kunz, dich dumm zu nennen 36 Muß die Geſpenſter beſſer kennen 37 So ſpräche man? Nein, Kunz, ich ſage 49 Schweig, Velten, das klingt lügenhaft 51 ſchwören (II 380.) Nein, Kunz, nein, ſag ich! Nimmermehr, Ein Irrwiſch iſt kein wütend Heer! 35 Ich werde, mit Erlaub zu nennen, Doch auch noch wohl Geſpenſter kennen. Ein Rübezahl, ein ſolches Thier, Als zu Gehofen ehedeſſen Die Küch im Edelhof beſeſſen, 40 Dieß ſind Geſpenſter, glaube mir! Ein Irrwiſch muß was anders ſeyn. K. Wie, Velten, nennſt du dieſen Schein? V. Ich nenn ihn Irrwiſch. K. Iſts erhöret? Wer hat dich wieder das gelehret? 45 Ein Irrlicht heißts; kein Irrwiſch nicht! So ſpricht man ja mein Lebetage. V. So ſpricht man ja: ich aber ſage, Daß alle Welt ein Irrwiſch ſpricht. K. O Velten, ſey nicht lügenhaft. 50 Ich hab es auf der Wanderſchaft Und Bruder, ohne viel zu ſchweren, Von Meiſtern Irrlicht nennen hören. Bey dieſem ſo erhitzten Streit Gerathen beyde von dem Stege »Auf ihres Irrlichts krumme Wege, Bey aller der Gelehrſamkeit. Wo, rief drauf Velten, ſind wir nun? ſt das nicht ein verwünſchtes Thun? amit wir beyde ſinnreich irren, 60 Mußt ein Geſchwätz uns noch verwirren. Da wir die Sache nicht verſtehn: So zankten wir noch um den Namen, Damit wir ja vom Wege kamen. Du Disputirkunſt lohnſt uns ſchön! * —₰ H 53 ff. So ſtritten ſie noch lange Zeit Itzt um die Sach, itzt um den Namen Bis ſie zuletzt vom Wege kamen. Und ſchimpfend ſchloſſen ſie den Streit. So ſtreiten unſtudirte Velten Um Sachen, die ſie nicht verſtehn, Und endigen den Streit mit Schelten. Die Thoren ſollten erſt zu den gelehrten Velten Und Kunzen in die Schule gehn! Die ſtreiten dialectiſch ſchön, Und ohne Wortkrieg, ohne Schelten, Um Dinge, die ſie ganz verſtehn, Und fehlen ihres Weges ſelten, Weil ſie den Weg der Schulen gehen; Denn da läßt ſich kein Irrlicht ſehn. 209 10. Das BPferd und die Bremſe.(II 476.) Ein deutſcher Gaul, wohl zugeritten, Trug ſeines Herren dicke Laſt, Mit ſolchen gleich und ſtolzen Schritten, Als jemals du geſehen haſt. 5 So leiſe ſtrich kein Reh vorbey, Als dieſes Pferd im ſchnellen Traben. Ein ſchmaler Steg, ein breiter Graben, War ſeinen Füßen einerley. Es durfte keine Gerte fühlen, 10 Es hob ſich ſo mehr, als zu leicht. Man durfte mit der Zunge ſpielen, So ging es, wie ein Vogel fleugt. Es konnte jeden Zug verſtehn. Man durfte kaum die Trenſe rücken: 15 So ſahſt du es, von freyen Stücken, Den ſchönſten Antritt wiegend gehn. Kaum war ein beſſer Pferd im reuten, Das nie an Stein und Wurzeln ſties, Das ſich ſo leicht auf beyde Seiten, 20 In vollem Rennen werfen lies. Kein Schuß, kein blitzendes Gewehr Erſchreckte dieſen Gaul im Gange, Er ging und that, als wüßt er lange, Was Blitz und Schuß und Pulver wär. Ein Gaul, der Schmuck von weißen Pferden, Von Schenkeln leicht, ſchön von Geſtalt, Und, wie ein Menſch, ſtolz in Geberden, Trug ſeinen Herrn durch einen Wald; 5 Als mitten in dem ſtolzen Gange Ihm eine Brems entgegen zog, Und durſtig auf die naſſe Stange An ſeinem blanken Zaume flog. Sie leckte von dem heißen Schaume, 10 Der heeficht am Gebiſſe floß; Geſchmeiße! ſprach das wilde Roß, Du ſcheuſt dich nicht vor meinem Zaume? Wo bleibt die Ehrfurcht gegen mich? Wie? darfſt du wohl ein Pferd erbittern? 15 Ich ſchüttle nur: ſo mußt du zittern. Es ſchüttelte, die Bremſe wich. 25 Im Streite trug den Alexander V Kein ſolcher ſtolze Lichtebraun. Die Schenkel warf er aus einander, Als dürft er nicht der Ende traun. Und kam der Sporn: ſo ſahſt du ihn Sich mit ſo ſtarken Sprüngen heben, Daß ſelbſt der Fahrweg zu erbeben, Der Raſen zu verſchwinden ſchien. 3 —½ Und dieſer Schmuck von allen Pferden, V Im Kreuze hoch, braun von Geſtalt, 35 Breit auf der Bruſt, frey in Gebehrden, Trug ſeinen Herrn durch einen Wald; Als eine Bremſe ſumſend zog, Ihm, mitten in dem ſtolzen Gange, Ganz durſtig auf die rechte Stange, V 40 An ſeinem blanken Zaume flog. —₰½ Sie leckte von dem weißen Schaume, Deer heefigt am Gebiſſe floß. Wie, Thier, du nagſt an meinem Zaume? Du kannſt?——— ſprach das erhitzte Roß. 45 O, rief die Bremſe, laß mich hier, Ich will dich vor den Fliegen ſchützen. V Wie, ſchrie der Gaul, du willſt mir nützen? Und ſchüttelte: ſo flog das Thier. Allein ſie ſuchte ſich zu rächen; Sie flog ihm nach, um ihn zu ſtechen, Und ſtach den Schimmel in das Maul. 20 Das Pferd erſchrak, und blieb vor Schrecken In Wurzeln mit dem Eiſen ſtecken, Und brach ein Bein; hier lag der ſtolze Gaul. Auf ſich den Haß der Niedern laden, Dieß ſtürzet oft den größten Mann. 25 Wer dir, als Freund, nicht nützen kann, Kann allemal, als Feind, dir ſchaden. Die Bremſe hatte Rach im Sinne; 50 Sie flog, und blieb vor Unmuth ſtumm, Und ſtach ihn ſchmerzhaft in das Dinne, ¹) Drauf fuhr der Gaul erhitzt herum; Verſah es aber doch dabey Erſchrocken, und im vollen Grimme Verlies der Herr das kranke Pferd, Und ſprach mit aufgebrachter Stimme: 60 Du biſt kein beſſer Schickſal werth. Wie thöricht iſt es nicht gethan, Sich Feindſchaft auf den Hals zu laden! Der kann uns allemal noch ſchaden, Der mir und dir nicht helfen kann! Und blieb, wo ſich die Wurzeln ſtrecken, 55 Im Schreiten, mit dem Eiſen ſtecken, Und fiel, und brach ein Bein entzwey. 1) Dinne(mhd. tinne)= Stirn, Schläfe.(Anm. d. Hrsgbs.) 11. Montan und Lalage.(II 565.) Montan und Lalagen trieb Lieb und Noth aufs Meer. Nie liebte ſich ein Paar ſo rein, ſo treu und ſehr, Als dieſe Zärtliche. Sie ſchwuren oft, ihr Leben, Zum Zeichen ihrer Gluth, mit Freuden hin zu geben. 5 Ich weis nicht, hat die See den Schwur mit angehört? Genug, es kömmt ein Sturm, der ihre Ruhe ſtört. Die Wellen fangen an, ſich ſo erhöht zu thürmen, Als wollten ſie die Welt, und nicht ein Schiff, beſtürmen. Montan und Lalage, ganz aus ſich ſelbſt geſetzt, 10 Umfangen in der Angſt ſich noch zu guter letzt, Und wollen noch umarmt, bey ihrem jähen Sterben, Eins an des andern Bruſt, aus Zärtlichkeit, verderben, Du meines Glückes Reſt und auch ſein Inbegriff! So ſeufzt noch Lalage; darauf zerreißt das Schiff, 15 Und mitten in dem Sturm, und mitten im Zerſpalten Muß noch ein ſchmales Brett dieß arme Paar erhalten. Der Seeſturm lagert ſich. Sie ſchwimmen durch das Meer; Doch für ein kleines Brett war dieſe Laſt zu ſchwer. Ol ſchrie Montan beſtürzt, das Brett wird unterſinken, 20 Und beyde müſſen wir, wenn eins nicht weicht, ertrinken. O Probe voller Angſt; wer ſoll nun in die See? Das Leben liebt Montan, auch liebt es Lalage; Noch iſt für beyden nicht die Rettung zu vermuthen, Wenn eines leben ſoll, muß eines in die Fluthen. 25 Wer überwindet ſich? Montan gewiß; doch nein. Ich, rief hier Lalage, will dein Erretter ſeyn; Doch daß du ewig weiſt, daß dich mein Tod erhalten: So ſtoße mich ins Meer. Montan, nicht zu erkalten, Stößt auch das zärtlichſte, das treuſte Herz hinab. 30 Doch edle Lalage, zu edel für dieß Grab, 22 Die See kennt deinen Werth, und läßt es dir gelingen, Und weis dich, ohne Brett, geſund ans Land zu bringen. Hier trifft nun Lalage den Freund errettet an. Er fleht und bittet ſie. O, ſpricht ſie, geh, Montan, 35 Ich habe dich geliebt, dich durch das Meer geleitet, Das Leben dir geſchenkt, du mir den Tod bereitet. Verlaſſe mich nunmehr, weil mich ein Herz betrübt, Das in der Ruhe zwar, doch in Gefahr nicht, liebt. Sey ſtets beglückt, Montan! dich werd ich niemals haſſen; 40 Beſtrafen will ich dich. Drauf hat ſie ihn verlaſſen. 12. Die Elſter und der Sperling.(III 78.) An jenem flach und ebnen Thale S ie ſchrie mit unbedachter Stimme, Wo ſich die Unſtrut mit der Saale Bis ſie der Winzer bald im Grimme Aus alter Neigung friedlich paart, Mit ſeiner Schnurre wandern hieß. Grenzt eine Reyhe ſtolzer Höhen,.. 5 Wo man den Segen von Lyäen Sie und der Sperlin mußten fliegen. 6 je etzte- Ner ae In ſüßen Trauben reich verwahrt. 20 O, rief der leßzte: Welch Bergnügen Entbehr ich nicht durch dein Geſchrey! Hier ließ ſichs, bey den ſchönſten Stöcken, Willſt du der Frucht mit Luſt genieſſen: Der Sperling oftmals herrlich ſchmecken, So mußt du dir den Mund verſchlieſſen, Und ſchluckte manches Beerchen ein. Sonſt eilt der Winzer gleich herbey. 10 Dieß ſah die Elſter auf den Weiden, Uud wollte, bey dergleichen Freuden, Vielmehr ein Gaſt, als Zeuge ſein. Ich weis es beſſer anzugreifen, Mein Blick muß oft den Berg durchſtreifen, Eh mich ein ſüßes Träubchen kühlt. 0 & Sie hüpfte zu den nahen Trauben, Ich ſeh auf meines Feindes Blicke, Und konnte kaum dem Auge glauben, Und ſtehle mir mit beſſerm Glücke, 15 Das ihr ſo vielen Vorrath wies. 30 Als wenn der Winzer ſelber ſtiehlt. Ein Sperling ließ ſichs auf den Stöcken O, ſprach der Sperling, welch Vergnügen Des Weinbergs recht vortrefflich ſchmecken, Entziehſt du mir, du Schwätzerin! Und ſchluckte ſtill die beſten Beeren ein. V Willſt du der Frucht in Ruh genieſſen, Die Elſter ſahs mit ſcheelem Blicke, So muß es nicht der ganze Weinberg wiſſen. 5 Und wollte von des Sperlings Glücke 20 Siehſt du denn nicht, wie ſtill ich bin? Nicht bloß ein ferner Zeuge ſeyn. Drum ſchweig, und komm, den Berg noch einmal durch Sie hüpfte zu den vollen Trauben. zuſtreifen. „Wie? darf ich meinen Augen glauben? V Sie thuts, und frißt mit ihm ganz ſtill. O welcher Vorrath! Ja, gewiß,„Ein einzig Wort, Herr Spatz, ich kann es nicht begreifen, 10 So reif, Herr Sperling, und ſo ſüß, Warum mirs itzt nicht ſchmecken will; (Denn Sie verſtehn ſich auf die Trauben,) 25 Die Trauben ſind ja reif. Doch ſtill! War, was nun anch der Winzer ſpricht, Der Winzer läßt ſich wieder hören. Der Wein ſeit vielen Jahren nicht.“ Drum weißt du, was ich machen will? Der Winzer hört der Elſter Lobgedicht, Ich nehme von den blauen Beeren 15 Und zwingt die Göſte fortzufliegen. Mirr eine Traube mit, ſie ruhig zu verzehren Kaum war der Winzer fortgegangen: So trieb das durſtige Verlangen Die Elſter wieder zu dem Moſt. Allein ſie brachte bald von neuen, 35 Sich ſchwatzhaft, durch ein heftig Schreyen, Wie vorhin, um die ſüße Koſt. Nun, ſchrie der Sperling, werd ich inne, Du Elſter biſt nicht wohl bey Sinne, Stets ſtöhrſt du dich in deiner Luſt. 40 Wie, rief ſie, hab ich doch geſchrien? Noch dießmal werde mirs verziehen, Vor Freuden hab ichs nicht gewußt! Sie fliegt nunmehr zum drittenmale Nach der vom Wein geſchwollnen Schaale, Frißt ſicher, weil ſie ſtille frißt. Wiewohl ſie muß ſich doch entdecken, Kein Träubchen will ihr weiter ſchmecken; Sie ſchreyt, bis ſie der Winzer ſchießt. 1 Wie mancher wär beglückt gediehen, 50 Wenn er ſein Glück nicht ausgeſchrien, Und vor der ganzen Welt entdeckt! O Schwätzer! lernt ein Guth genieſſen, Das, weil es wenig Neider wiſſen, Uns ſichrer bleibt, und ſüßer ſchmeckt. 30 Komm mit mir unter jenen Baum.“ Sie nimmt die Traube mit; und kaum Erreichte ſie den ſichern So ſchrie ſie laut: O Baum, Sperling, welche Freude! Wie glücklich ſind wir alle beide! 35 In Wahrheit, glücklich, bis zum Neide. So ſchrie ſie noch, als ſchon ein Schwarm von Elſtern kam, Und das gepriesne Glück ihr nahm. * * * Du, der ſein Glück der ganzen Welt eutdeckt, 40 O Schwätzer, lern ein Gut genieſſen, Das, weil es wenig Neider wiſſen, Uns ſichrer bleibt, und ſüßer ſchmeckt! Schulnachrichten. I. Allgemeine Lehrverfassung. 1. Übersicht über die einzelnen Lehrgegenstände und Ihre Stundenzahl. Lehrgegenstand VI v IV fIIIIII, II. I, II. 1. 1, — a. evang.. 3 V 2 2 V 2 2 2 2 2 2 2 Christl. Religionslehre 3 5 I b. kath[1 2 2 2 Jüdische Religionslehre..... 2 2 2 Deutsch und Geschichtserzählungen 344 V*„ 3 3 2 2 2 3 3 3 28 Laten 3 3 8 3 7 7 7 7 76 Griechisch.......(ͤ6 6 6 6[6 6 6 42 Pranzisisch......... 4 2 2 2 563 3 2 Pnglisch..........== 2 2 4 Hlebräisch........——-———— 2 2 4 2 2 2 2 2 Geschichte und Erdkunde. 2 2[2 1 1 1 1 3 3 3 Rechnen und Mathematile... 4 4 4 3 3 3 4 4 4 V 4 Naturbeschreibnng 2 2 2 2—————— Physik, Elemente d. Chemieu. Mineral..—— b 2 2 2 2 2 V 2 Schreiben..[2 2 1———— Zeichnen 2 2 2 2 2 2 Singen[2 2 V 3(2) e........ l,. Zusammen ſ 30 30 ſ 35 ſ 36 36 ſ 36 37 ſ 39 39 39 2 a. Verteilung des Unterrichts im Sommerhalbjahr 1903. Namen der Lehrer I III. IIIa IIIeb 1. Prof. Dr. Aly, Direktor 2. Pfarrer Vogt 1 81, Professor 3. Dr. Wilhelmi, Professor 4. Schenkheld Oberlehrer 5. Reinhard, Oberlehrer 6. Dr. Euler. Oberlehrer 7. Ewoldt. Oberlehrer 8. Ashelm. Oberlehrer 9. Stange. Oberlehrer 10. Rath. Oberlehrer 11. Engelhardt, Oberlehrer 12. Dr. Hand- werck, Oberlehrer 13. Armbröster, Oberlehrer 14. Becker, Oberlehrer 15. Dr. Warth, wiss. Hilfslehrer 16. Möhl. wiss. Hilfslehrer 17 Klonk, Zeichenlehrer 18. Fiedler, Lehrer am Gymn. Dr. Weber, 19. Kathol. Pfarrer — 3 20. Dr. Munk, Rabbiner V Deutsch 3 beur- laubt IIIea IV beur- laubt IIe IIIeb IILI V VI Griech. 6 Latein 7 Mathem. 4 Physik 2 Griech. 6 Mathem 4 Physik 2 Latein 7 Franz. 3 Engl. Franz. 3 2 Turnen 3 Erdk. 3 Religion 2 Religion 2 Deutsch 3 Gesch. und Gesch. und Erdk. 3 Gesch. u. Erdk. 3 Latein 7 Mathem. 4 Physik 2 Engl. 2 Franz. 3 Deutsch 3 Gesch. und Erdk. 3 Physik 2 Mathem. 4 Gesch. und V Hebräisch 2 Turnen 3 Griech. 6 Deutsch 3 d V Latein 7 Griech. 6 Religion 2 Religion 2 Hebr. 2 V Zeichnen 2 Physik ² Erdk. 3 Mathem. 3 Franz. 2 Deutsch 2 Griech. 6 4 Religion 2 Latein 8 V V Deutsch 2 Latein 8 Naturb. 2 Mathem. Religion 2 Franz. 2 Griech. 6 Zeichnen 2 Turnen 3 Gesch. und Erdk. 3 3 3—— 4 Zeichnen 2 Zeichnen 2 IV 1 Deutsch 2 Griech. 6 Mathem. 4 Gesch. und Erdk. 3 Mathem. 3 p Religion 2 Franz. 2 V Religion 2 Latein 8 Turnen 3 TPurnen 3 Latein 8 Franz. 4 Deutsch 3 V Religion 2 Gesch. 2 Erdkunde 2 Deutsch 3 Latein 8 Erdk. 2 V Turnen 3 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Naturb. 2 Naturb. 2 Chorgesang 3 Naturb. 2 Schreib. 2 Schreiben 1 Singen 2 Rechnen 4 Katholische Religion 2 Katholische Religion 2 Katholische Religion 2+ 1 Jüdische Religion 2 Jüdische Religion 2 Jüdische Religion 2 V 12 V 19 18 20 20 21 20 22 Turnen 3 22 — 21 V 20 Erdkunde 220 22 Deutsch 4 Latein 8 22 Religion 3%. Naturb. 2 23 Rechnen 4 Schreib. 2 26 Singen 2 7 6 Namen Orai- der Lehrer riate 1 Il IIe III III a IIIeb 2 b. Verteilung des Unterrichts im Winterhalhjahr 1903/1904. IV Zusam- men 1. Prof. Dr. Aly. 1 Direktor 3 Deutsch 3 2. Pfarrer Vogt beur- Professor laubt 3. Dr. Wilhelmi, I, Professor Griech. 8 4. Schenkheld, II1à Oberlehrer 3 1 „. Reinhard, Oberlehrer 6. Dr. Euler, h Latein 7 Oberlehrer 4 Mathem. 4 Physik 2 Ewoldt. Oberlehrer — Griech. 6 Mathem. 4 Physik 2 Latein 7 Franz. 3 8. Ashelm, Oberlehrer Engl. 2 9. Stange, IV Frana. 3 Oberlehrer 10. Rath. V Oberlehrer 11. Engelhardt, I, Gesch. und Erdk. 3 Latein 7 Mathem.- Physik 2 Engl. 2 Franz. 3 Deutsch 3 Gesch. und Erdk. 3 Mathem. 4 Physik 2 Franz. 3 Oberlehrer Turnen 3 12. Dr. Hand- werck, IIIeb Oberlehrer 13. Armbröster, II, Oberlehrer Gesch. und Ges Erdk. 3 14. Becker. Oberlehrer 15. Dr. Warth, ¹) wiss. Hilfslehrer Religion 2 Religion? 16. Pfarrer Möhl, vI Deutsch: h. und Erdk. 3 Religion wiss. Hilfslehrer IIebräisch 2 17. Dr. Manger, ²) Probekandidat (Religion? (Gesch. und Erdk. 3. Purnen 3 Griech. 6 Deutsch 3 Hebr. 2 2 Latein 7 Griech. 6 Religion 2 Physik 2 h. und . 3 Mathem. 3 Franz. 2 Religion 2 Latein 8 Deutsch 2 Griech. 6 (Deutsch 3) 18. Klonk, Zeichenlehrer Zeichnen 2 Griech. 6 Gesch. und Erdk. 3 TPurnen 3 Deutsch 2 Latein 8 Naturb. 2 Mathem.: Religion? Franz. 2 Deutsch 2 Griech. 6 Gesch. und Erdk. 3 Mathem. 3 Religion 2 Franz. 2 Latein 8 Leichnen„ Zeichnen 2 Zeichnen ² Turnen 3 Naturb. 2 Mathem. Latein 8. Turnen 3 Franz. 4 Religion? Deutsch 3 Gesch. 2 Erdkunde 2 Zeichnen 2 Naturb.: 19. Fiedler. Lehrer am Gymn. Chorgesang 3 Schreiben 1 Religion? Latein 8 Erdk. 2 Turnen 3 Deutsch 3 (Religion? Zeichnen ² Rechnen 4 Naturb. 2 Schreib Singen 2 20. Dr. Weber, Kathol. Pfarrer, Katholische Religion 2 Katholische Religion? Katholische Religion: 21. Dr. Munk, Rabbiner Jüdische Religion: Jüdische Religion 2 Jüdische Religion? 20 A te 10 + 8 be tE 20 1) Die Stunden übernahmen seit dem 6. Dezember Oberlehrer Rath und Dr. Manger. 2) Vom 15. Februar ab übernahmen die Herren ihre Stunden wieder 21 in IIIza Oberlehrer Rath; zur Entlastung des ersteren Oberlehrer Schenkheld Geschichte in IV, Oberlehrer Rath Erdkunde in VI. das Griechische in IIIza Oberlehrer Becker, Geschichte und Erdkunde — 28 3. Übersicht über die während des ahgelaufenen Schuljahres hehandelten Lehraufgaben. Prima 1. Ordinarius: Oberlehrer Dr. Euler. Religionslehre. 2 St. a) Evangelische: S.: Neuere Kirchengeschichte(Schluss). Lektüre des Römerbriefs im Urtext. W.: Glaubens- und Sittenlehre im Anschluss an die Augustana nebst Einleitung über die alten Symbole. Wiederholung früherer Pensen. Möhl. b) Katholische: Glaubenslehre von Gott, von der Schöpfung; eingehende Besprechung der Lehrpunkte, die gegenüber den herrschenden Zeitfragen eine apologetische Behandlung er- fordern. Ausführliche Mitteilungen aus der Kirchengeschichte bis auf Karl den Grossen. Nach Dreher, Katholische Sittenlehre und Abriss der Kirchengeschichte. Weber. c) Jüdische: Vertiefung der Glaubenslehre: Monotheismus, Offenbarung, Unsterblichkeit. Die Hauptwerke der jüdischen Literatur des Mittelalters. Geschichte der Juden in der Neuzeit. Lektüre aus- gewählter Stücke aus dem Buche Hiob und den Sprüchen Salomos im Urtext. Munk. Deutsch. 3 St. S.: Schillers Wallenstein, Über naive und sentimentalische Dichtung. Auswahl aus den philosophischen Gedichten. Shakespeares Macheth. Lebensbild Schillers. W.: Goethes Iphigenie und Faust I, Hermann und Dorothea, Auswahl aus seiner Lyrik, Abschnitte aus Dichtung und Wahrheit, besonders Buch 10. Überblick über sein Leben. Auswendiglernen. Vorträge der Schüler über Leben und Werke neuerer Dichter. Einiges aus der Logik. Direktor. Themata der deutschen Aufsätze: 1. Mit welchem Recht kann die Charakteristik in„Wallensteins Lager“ typisch heissen? 2. Lob Marburgs. 3.(Klassenaufsatz) Das alte und das neue Deutsche Reich. 4. Wodurch unterscheidet sich Schillers„Macheth“ von dem Originale Shakespeares? 5. Mit welchem Recht nennt Goethe Lessings„Minna von Barnhelm“ die wahrste Ausgeburt des Siebenjährigen Krieges? 6. Homer und Horaz. 7.(Klassenaufsatz) Goethes Iphigenie, die Versöhnung und innige Durchdringung des Antiken und Modernen. Aufgabe für die Reifeprüfung: Mit welchem Recht errichtet man in Strassburg wie in Rom ein Denkmal Goethes? Latein. 7 St. S.: Tacitus, Historien IV und V(in Auswahl), Horaz, Oden III. W.: Cicero, de oratore(nach Weissenfels), Horaz, Oden IV und Episteln in Auswahl. Wieder- holung der gesamten Syntax, einiges aus der Stilistik und Synonymik. Alle 14 Tage eine Arbeit, daneben Übersetzungen. Euler. Griechisch. 6 St. S.: Thucydides I und II(in Auswahl). Sophocles, Oedipus Coloneus. Homer, Ilias XIII bis XVIII. W.: Plato, Gorgias. Ilias XIX bis XXIV(mit Aus- wahl). Wiederholungen aus der Grammatik. Alle 14 Tage abwechselnd eine Ubersetzung ins Griechische und ins Deutsche. Wilhelmi. Französisch. 3 St. Molière, Les femmes savantes. Ausgewählte Essays hervorragender Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Zola, La Débacle. Grammatische Wiederholungen, einiges aus Stilistik und Synonymik im Anschluss an die Lektüre. Alle 3 Wochen eine Übersetzung ins Deutsche. Stange. Hebräisch. 2 St. Ergänzung der Formenlehre. Das Wichtigste aus der Syntax. Lektüre aus Kautzsch und Genesis. Möhl. 29 Englisch. 2 St. Ergänzung der Formenlehre, das Wichtigste aus der Syntax. Lek- türe S.: Scott, Kenilworth. W.: Seely. Expansion of England. Sprechübungen. Ashelm. Geschichte und Erdkunde. 3 St. S.: Geschichte der neueren Zeit 1648— 1789 mit besonderer Berücksichtigung der preussischen Geschichte. W.: Geschichte der neuesten Zeit 1789— 1871. Zahlentabellen. Wiederholungen aus der Erdkunde. Becker. Mathematik. 4 St. Arithmetik: Kombinationslehre, Binomischer Lehrsatz. Planimetrie und Trigonometrie: Dreieckskonstruktionen, Sätze über Transversalen. Stereometrie: Wieder- holung des Systems. Analytische Geometrie: Begriff der Koordinaten. Sätze und Aufgaben über Gerade, Kreis- und Kegelschnitte. Ausserdem wöchentlich 1 St. Ubungsaufgaben aus allen Teilen der Mathematik. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Ewoldt. Mathematische Aufgaben für die Reifeprüfung: 1. Bei dem Bau eines horizontalen Tunnels war zur Festlegung der Tunnelachse eine von dem Eingangspunkte unter einem rechten Winkel gesehene 101 m lange Standlinie benutzt worden, deren beide Endpunkte nur vom Eingang sichtbar waren, während der dem Eingang zunächst liegende vom Ausgange des Tunnels aus unsichtbar blieb. Die Tunnelachse bildete mit der grösseren Kathete einen Winkel von 113⁰,2, die Standlinie nach dem Ausgange einen Winkel von 74⁰02. Wie lang ist der Tunnel, wenn der dem Eingange zunächstliegende Endpunkt der Stand- linie nur 20 m von ihm entfernt ist? 2. Von einer Kugel, deren Radius r= 12 cm ist, wird ein Segment von 5 cm Höhe abgeschnitten und zu einer Vollkugel umgeformt. Wie gross ist der Radius der neu entstehenden Kugel? 3. Ein Hohlspiegel hat eine Brennweite von 20 cm. Wie gross ist die Bild- und Objektweite eines auf der Achse liegenden Punktes, wenn dieser von seinem Bilde 75 cm entfernt ist? 4. Von einem Dreieck ist der Winkel a, die Summe aller Seiten(a+ b c= m), sowie der Flächeninhalt(J= 0²) gegeben. Es soll die Analysis, Konstruktion und der Beweis gegeben werden. Physik. 2 St. S.: Optik. W.: Mathematische Erd- und Himmelskunde. Ewoldt. Prima 2. Ordinarius: der Direktor. Religionslehre. 2 St. a) Evangelische: S.: Kirchengeschichte. W.: Evangelium Johannis(im Urtexte). Wiederholungen. S. Möhl, W. Manger. b) Katholische: Kombiniert mit Prima 1. c) Jüdische: Desgleichen. 92 Deutsch. 3 St. Dispositionsübungen. S.: UÜUberblick über die Entwicklung der deutschen Literatur seit der Reformation(Luther, Sachs, Opitz). Klopstocks Oden und Proben aus Messias. Lessings Nathan der Weise. Auswendiglernen von Stellen. W.: Laokoon und Hamburgische Dramaturgie in Verbindung mit Aristoteles' Poetik. Auswahl aus Herders Volksliedern. Shakespeare, Julius Cäsar. Götz von Berlichingen. Vorträge der Schüler über literargeschichtliche Themata aus der Privatlektüre. Armbröster. Themata der Aufsätze: 1. Hêr Walther von der Vogelweide, Swer des vergaeze, der taet' mir leide. 2. Mit welchem Recht verteidigt Goethe in seinem Gedichte„Hans Sachsens poetische Sendung“ die Person und Kunst des Nürnberger Meistersängers und welches Bild gibt er uns von seinem dichterischen Schaffen? 3.(Klassenaufsatz) Mit welchem Recht tritt Demosthenes dem König Philipp ent- gegen? 4. Welche Berechtigung hat der Ausspruch„Navigare necesse est, vivere non est necesse“? 5. Wodurch erweist sich Lessings„Nathan“ als eine Predigt religiöser Duldung? 6. Wie wider- legt Lessing die Behauptung Winckelmanns, dass edle Einfalt und stille Grösse das vorzüglichste 30 Kennzeichen der bildenden Kunst der Alten sei? 7.(Klassenaufsatz) Inwiefern ist Goethes„Goetz von Berlichingen“ eine nationale Dichtung? 8. Ringe, Deutscher, nach römischer Kraft, nach griechischer Schönheit. Beides gelang dir; doch nie glückte der gallische Sprung. Latein. 7 St. S.: Cicero in Verrem V. Tacitus, Germania 1— 27. Horaz, Oden II. Ep. 2,16. W.: Cicero, Briefe(nach Aly). Horaz, Od. I. Sat. I, 6. 9. II, 6. Alle 14 Tage eine Arbeit. Wiederholung der gesamten Syntax. Einiges aus Stilistik und Synonymik. 60 den memoriert. Euler. Griechisch. 6 St. S.: Demosthenes, Phil. 1 und 3. Homer, Ilias I— VI. Sophocles, Electra., 2 Chöre memoriert. W.: Biese, Griechische Lyriker in Auswahl, besonders Elegiker und melische Dichter. Plato, Phaedon(1— 34, 39— 40, 63— 70). Homer, Ilias VII-— XII, 50 Verse memoriert. Wiederholungen aus der Grammatik. Alle 14 Tage abwechselnd eine schriftliche Übersetzung ins Griechische und ins Deutsche. Direktor. Französisch. 3 St. Molière, Lavare. Boissier. Cicéron et ses amis. Grammatische Wiederholungen, einiges aus Stilistik und Synonymik im Anschluss an die Lektüre. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Ashelm. Hebräisch. 2 St. Kombiniert mit Prima 1. Möhl. Englisch. 2 St. Kombiniert mit Prima 1. Ashelm. Geschichte und Erdkunde. 3. St. S.: Römische Kaisergeschichte im Überblick. Ge- schichte des Mittelalters 375— 1272. W.: Geschichte der Jahre 1273— 1648. Zahlentabellen. Wiederholungen aus der Erdkunde. S. Becker, W. Manger. Zinzeszins- und Rentenrechnung. Kettenbrüche und diophantische Gleichungen. Planimetrie und Trigonometrie: Dreiecks- und Kreiskonstruktionen im Anschluss an die Lehre von der Khnlichkeitslage(Lieber und v. Lühmann III). Stereometrie nebst Ubungsaufgaben. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Reinhard. Physik. 2 St. S.: Mechanik, W.: Akustik. Reinhard. Mathematik. 4 St. Arithmetik: Schwierigere Gleichungen des 1. und 2. Grades. Sekunda 1.. Ordinarius: Professor Dr. Wilhelmi. Religionslehre. 2 St. a) Evangelische. S.: Erklärung der Apostelgeschichte. W.: Erklärung des 1. Briofes an die Korinther. Wiederholung von Liedern, Katechismus, Sprüchen. Möhl. b) Katholische: Kombiniert mit Prima 1. c) Jüdische: Desgleichen. Deutsch. 3 St. S.: Einführung in das Nibelungenlied im Urtext, Ausblicke auf die nordische Sage und die grossen germanischen Sagenkreise. Lessings Minna von Barnhelm. W.: Einführung in höfische Epik und Lyrik; Walther von der Vogelweide dim Urtexte). Aus- wendiglernen von Strophen. Kleists Prinz von Homburg, Goethes Egmont. Sprachgeschichtliche Belehrungen. Handwerck. Themata der Aufsätze: 1. Wodurch erregen die Alpen vor andern Gebirgen unser Interesse? 2. Das Glück eine Klippe, das Unglück eine Schule. 3. Wodurch wird unsre Teilnahme am Tode Siegfrieds erhöht?(Klassen- aufsatz.) 4. Charakteristik Rüdegers. 5. Warum verdient Alexander den Beinamen der Grosse? 31 6. Der arme Heinrich im Verhältnis zur höfischen Epik. 7. Wie kommt es, dass der Prinz von IHlomburg die Parole nicht befolgt?(Klassenaufsatz.) 8. Verbunden werden auch die Schwachen mächtig. Der Starke ist am mächtigsten allein. Latein. 7 St. S.: Sallust, Bellum lugurthinum, Verg. Aeneis IV und VI(nach Lange). W.: Livius XXII. Cicero pro Archia, Verg. Aen. VII— XII in Auswahl. 50 Verse memoriert. Grammatik: Wiederholungen und einiges aus der Stilistik. Übersetzen aus Süpfle. Alle 14 Tage eine Arbeit. Wilhelmi. Griechisch. 6 St. S.: Lysias Reden 13. 24, 25, 32, Odyssee IX— XIII. Grammatik: Tempora und Modi. Wiederholungen aus der Formenlehre. W.: Herodot VIII= IX. Odyssee XIV—XXIII. 50 Verse memoriert. Grammatik: Infinitiv, Participium, Partikeln. Alle 14 Tage eine Arbeit. Engelhardt. Französisch. 3 St. S.: Corneille, Le Cid. Duruy, Le siècle de Louis XIV. W.: Gropp und Hausknecht, Auswahl französischer Gedichte. Wiederholungen aus der Gram- matik. Alle 3 Wochen eine Ubersetzung ins Deutsche. Stange. Hebräisch. 2 St. Elementarlehre nach Gesenius. Lektüre aus Gesenius-Kautzsch. Möhl. Englisch. 2 St. Lese-, Sprech-, Schreibübungen. Formenlehre nach Gesenius- Regel. Ashelm. Geschichte und Erdkunde. 3 St. S.: Griechische Geschichte bis Alexander. W.: Römische Geschichte bis Augustus' Tod. Zahlentabellen. Direktor. Mathematik. 4 St. Arithmetik: Zusammenfassende Lehre von den Potenzen, Wurzeln, Logarithmen, arithmetischen und geometrischen Reihen. Quadratische Gleichungen mit einer und mehreren Unbekannten.(Bardey 12, 13, 16—18, 25— 27, 31— 32.) Planimetrie: Kon- struktion algebraischer Ausdrücke, Lehrsätze über Dreiecke und harmonische Teilung sowie über Transversalen. Konstruktionsaufgaben(Lieber I, 99— 101). Trigonometrie: Grundformen, Lehrsätze vom Dreieck, Umformen trigonometrischer Ausdrücke. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Ewoldt. Physik. 2 St. S.: Galvanismus. W.: Wärmelehre und Meteorologie. Ewoldt. Sekunda 2. Ordinarius: Oberlehrer Engelhardt. Religionslehre. 2 St. a) Evangelische: Altes Testament: poetische und prophe- tische Bücher(Psalmen, Hiob, Propheten). Lesen und Erklärung des Evangeliums Lucae mit Berücksichtigung der anderen Synoptiker. Wiederholung des Katechismus und Aufzeigung seiner inneren Gliederung. Wiederholung von Sprüchen, Psalmen, Liedern. Armbröster. b) Katholische: Apologetische Begründung des katholischen Glaubens: von der natürlichen Religion, der göttlichen Offenbarung und der katholischen Kirche. Weber. c) Jüdische: Giaubenslehre. Stücke aus den Prophetenbüchern und den Psalmen im Urtexte. Geschichte der Juden bis zum Jahre 1900. Wiederholung der biblischen Geschichte bis zum babylonischen Exil. Munk. Deutsch. 3 St. Praktische Anleitung zur Aufsatzbildung(Partition, Division). Dis- ponierübungen. Die Dichter der Befreiungskriege, Schillers Glocke, Jungfrau von Orleans und Tell; daneben Lektüre aus dem Lesebuch. Auswendiglernen passender Stellen. S. Wilhelmi, W. Manger. Themata der Aufsätze: 1. Inwiefern kann man den Grossen Kurfürsten als den Gründer des preussischen Staates be- zeichnen? 2.(Klassenaufsatz.) Welchen Grundgedanken erkennen wir in vielen Balladen Schillers? 3. Amicus certus in re incerta cernitur(Ennius). 4. Wie wird der Bund der Waldstätte auf dem Rütli geschlossen?(Nach der zweiten Scene des ersten Aktes von Schillers Wilhelm Tell). 5. Die Lage Frankreichs bei dem Auftreten der Jungfrau von Orleans.(Nach Schillers Tragödie.) 6.(Klassenaufsatz.) Wie erhob sich Preussen aus der unglücklichen Lage nach dem Tilsiter Frieden? 7. Wie bewahrheitet sich das Sprichwort„Hochmut kommt vor dem Fall“ im Leben Napoleons I.? 8.(Klassenaufsatz.) Die Schlacht bei Sedan und ihre Bedeutung. Latein. 7 St. S.: Cicero, in Catilinam I und III, sowie Vergil Aeneis I(nach Lange). W.: Livius VII, 29— VIII. Cicero, de imperio Cn. Pompei. Verg. Aeneis II. Memorieren einzelner Stellen(50 Verse) Grammatik: Wiederholung der gesamten Syntax mit Übersetzen aus Ostermann-Müller. Wöchentlich eine Arbeit. Engelhardt. Griechisch. 6 St. S.: Xenophon, Anabasis III und IV. Homer, Odyssee I und V (in der Klasse vorbereitet). Grammatik: Wiederholung der Formenlehre, Artikel, Pronom., Acc. W.: Xenophon, Hell. I und II., Homer, Od. VI— VIII. Memoriert 50 Verse. Grammatik: Dat., Gen., Praep. Das Wichtigste über Tempora und Modi. Alle 14 Tage eine Arbeit. Handwerck. Französisch. 3 St. Syntax nach Plötz-Kares, Spachlehre. Übersetzen aus dem Übungsbuch. Lektüre: Erckmann-Chatrian, Histoire d'un conserit, Gropp und Hausknecht, Auswahl französischer Gedichte. Alle 14 Tage eine Übersetzung ins Französische. Ashelm. Geschichte und Erdkunde. 3 St. Deutsche Geschichte von 1740— 1815. Länder- kunde Europas. W.: Deutsche Geschichte von 1815—1888 mit Berücksichtigung der nationalen und sozialen Bestrebungen. Zahlentabellen. Elemente der mathematischen Erd- kunde. Wilhelmi. Mathematik. 4 St. Arithmetik: Eingekleidete Gleichungen vom 1. Grad mit einer und mehreren Unbekannten. Lehre von den Potenzen, Wurzeln und Logarithmen. Ubungen im Rechnen mit vierstelligen Logarithmen. Einfache quadratische Gleichungen mit einer Un- bekannten. Planimetrie: Khnlichkeitslehre, Proportionalität gerader Linien am Kreise, stetige Teilnng. Regelmässige Vielecke. Kreisumfang und Inhalt. Ubungsaufgaben.(Lieber I, 89, 103— 122). Alle 3 Wochen eine Arbeit. Reinhard. Physik. 2 St. S.: Die wichtigsten chemischen Erscheinungen, die hauptsächlichsten Mineralien und ihre Kristallformen. W.: Magnetismus und Reibungselektrizität. Reinhard. Tertia 1. Ordinarius: Oberlehrer Armbröster. Religionslehre. 2 St. a) Evangelische: Geschichte des Reiches Gottes im neuen Bunde, im Anschluss an das Ev. Matthäi(Bergpredigt, Gleichnisse). Reformations- geschichte im Anschluss an ein Lebensbild Luthers. Wiederholung des Katechismus. 17 Sprüche. Lieder: Ach bleib mit deiner Gnade, Ich will dich lieben. Wiederholungen. Armbröster. b) Katholische: Kombiniert mit Sekunda 2. c) Jüdische: Kombiniert mit Sekunda 2. 0 33 Deutsch. 2 St. Belehrungen über Metrik und Poetik. Lektüre aus dem Lesebuche, besonders Balladen von Schiller und Uhland; dazu Körners Zriny und Uhlands Ernst von Schwaben. Gelernt: Der Sänger, Erlkönig, Taucher, Kraniche des Ibykus. 10 Aufsätze. Becker. Latein. 8 St. S.: Caesar, de bello Gallico V—VI. Ovid. Met. 4 Weltalter. Cadmus, Ino und Athamas. Einübung im Lesen des Hexameters. W.: Caesar, de bell. Gall. VII. Ovid, Met. Niobe, Daedalus, Philemon und Baucis. Das Wichtigste aus Prosodie und Metrik. Memoriert 50 Verse. Grammatik: Tempus- und Moduslehre. Ubersetzen aus Ostermann- Müller. Alle 8 Tage eine Arbeit. Armbröster. Griechisch. 6 St. S.: Verba in 1ł, Wiederholung und Erweiterung des Pensums der III 2. Ubersetzen aus Wesener II. Xenophon, Anabasis I(bis Pfingsten in der Klasse vorbereitet). W.: Die wichtigsten verba anomala, Präpositionen, Elemente der Syntax. Xenophon, Anab. II. Alle 14 Tage eine Arbeit. Becker. Französisch. 2 St. Die unregelmässigen Verben, syntaktische Hauptgesetze. Uber- setzen aus Plötz-Kares, Uibungsbuch. Sprechühnngen im Anschluss an die Lektüre. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Stange. Geschichte und Erdkunde. 3 St. S.: Deutsche Geschichte von 1519—1640, besonders Brandenburgische Geschichte. Physische Geographie Deutschlands. W.: Deutsche Geschichte bis 1740. Zahlentabellen. Politische Geographie Deutschlands. Die deutschen Kolonien. Kartenskizzen. Euler. Mathematik. 3 St. Arithmetik: Gleichungen ersten Grades mit einer und mehreren Unbekannten(Bardey 10—13. 20, 22 erste Stufe, 23, 24). Potenzen und das Wichtigste über Wurzelgrössen. Planimetrie: von der Ausmessung und Gleichheit der Figuren; Kreislehre Schluss). Flächeninhalt, Proportions- und Khnlichkeitslehre(Lieber und v. Lühmann, I. 90— 119). Alle 3 Wochen eine Arbeit. Ewoldt. Naturbeschreibung. 2 St. Der Mensch und dessen Organe nehst Unterweisungen über die Gesundheitspflege. Einiges über Nahrungs- und Genussmittel. Mechanische Er- scheinungen, das Wichtigste aus der Wärmelehre.(Sattler 1— 27, 34— 46). Reinhard. Zeichnen. 2 St. Zeichnen und Malen'’ nach Kunst- und Naturformen. Skizzieren. Zeichnen aus dem Gedächtnis. Klonk. Schreiben. 1 St. Für Schüler mit schlechter Handschrift. Fiedler. Tertia 2 a. Ordinarius: Oberlehrer Schenkheld. Religionslehre. 2 St. Lektüre aus den 2 Büchern Samuelis und der Könige. Psalmen. Katechismus: Erklärung und Erlernung des 4. und 5. Hauptstückes mit 5 Sprüchen, 7 messianische Weissagungen, 6 Psalmen, Belehrung über das Kirchenjahr und die gottes- dienstlichen Ordnungen. Lieder: Aus tiefer Not, Ein' feste Burg, Schmücke dich, o liebe Seele, Allein Gott in der Höh. Ashelm. b) Katholische: Kombiniert mit Sekunda 2. c) Jü dische: Kombiniert mit Sekunda 2. Deutsch. 2 St. Zusammenfassender UÜberblick des einfachen und zusammengesetzten Satzes. Lektüre: Walther und Hildegunde, Nibelungen, Gudrun nach Foss III. Belehrungen 34 über die poetischen Formen. W.: Starke und schwache Flexion. Balladen. Gelernt: Die Bürgschaft, Glück von Edenhall, Lützows wilde Jagd, Der Postillon, Schenk von Limburg, Der Graf von Hahsburg. 10 Aufsätze. Schenkheld. Latein. 8 St. S.: Lektüre: Caesar, de bello Gallico I in Auswahl. Vorbereitung in der Klasse bis Pfingsten, Ü'bungen im Konstruieren. Grammatik: Wiederholungen und Er- weiterungen, Acc. und Dativ. W.: Caesar I— IV. Ovid, Met. Lycische Bauern, Midas, Die Flut, Orpheus und Eurydice. Memoriert 50 Verse. Grammatik: Gen., Abl., Kongruenz. Das Wichtigste von der Tempus- und Moduslehre. Einiges aus Prosodie und Metrik. Ubersetzen aus Ostermann-Müller III. Alle 8 Tage eine Arbeit. Schenkheld. Griechisch. 6 St. Die regelmässige Formenlehre des attischen Dialekts einschliesslich fler Verba liquida. Vokabeln und Übersetzen aus Wesener I. Alle 14 Tage eine Arbeit. Warth, seit Dezember Manger. Französisch. 2 St. Fortsetzung der Sprech-, Lese- und Schreibübungen, Erweiterung des Wortschatzes und der Formenlehre. UÜbersetzen aus Plötz-Kares, Elementarbuch. Alle 3 Wochen eine Arbeit. Ashelm. Geschichte und Erdkunde. 3 St. S.: Kurzer Uberblick über die weströmische Kaiser- geschichte von Augustus' Tod bis 476. Deutsche Geschichte bis zu den Salieren. Australien und Asien. W.: Deutsche Geschichte bis 1519. Zahlentabellen. Afrika und Amerika. Kartenskizzen. Warth, seit Dezember Manger. Mathematik. 3 St. Arithmetik: Grundrechnungen mit absoluten Zahlen, einfache Gleichungen(Bardey, 2, 4, 6— 9, 20— 22 mit Auswahl). Planimetrie: Lehre vom Parallelo- gramm und vom Kreise.(Lieber I. 48— 87; Ubungssätze aus 36, 62, 89). Alle 3 Wochen eine Arbeit. Ewoldt. Naturbeschreibung. 2 St. S.: Ausländische Kulturpflanzen. Ubungen im Bestimmen schwierigerer Arten. Einiges aus der Anatomie und Physiologie der Pflanzen. W.: Obersicht der Säugetiere und Vögel. Reinhard. Zeichnen. 2 St. Zeichnen und Malen nach Blättern, Schmetterlingen, Stoffmustern, Kunst- und Naturformen. Skizzieren. Zeichnen aus dem Gedächtnis. Klonk. Schreiben. 1 St. Kombiniert mit Obertertia. Fiedler. Tertia 2 b. Ordinarius: Oberlehrer Dr. Handwerck. Religionslehre 2 St. Ashelm. Deutsch 2 St. Schenkheld. Latein 8 St. Hand- werck. Griechisch 6 St. Schenkheld. Französisch 2 St. Ashelm. Geschichte und Erd- kunde 3 St. Euler. Mathematik 3 St. Ewoldt. Naturbeschreibung 2 St. Fiedler. Zeichnen 2 St. Klonk. Schreiben 1 St. kombiniert mit Tertia 1. Quarta. Ordinarius: Oberlehrer Stange. Religionslehre. a) Evangelische: 2 St. Einteilung und Reihenfolge der biblischen Bücher. Lesen geschichtlicher Abschnitte des A. und N. Testaments nach Schäfer-Krebs und N. Test. Katechismus: Erklärung und Einprägung des 3. Hauptstücks mit 19 Sprüchen. 35 Wiederholung der in V gelernten Lieder, dazu Was Gott tut, Auf Christi Himmelfahrt, Jesus lebt, Jesus nimmt die Sünder an. Armbpröster. b) Katholische: 2 St. Im Katechismus von den Geboten und den Gnadenmitteln. Ausgewählte biblische Geschichten des N. Testa- mentes bis zur Auferstehung. Weber. c) Jüdische: 2 St. Die Glaubensartikel. Sabhath und Festtage. Pflichten gegen die Nebenmenschen. Lektüre ausgewählter Psalmen und Gebete im Urtexte. Biblische Geschichte: Wiederholung von Samuel bis zur Teilung des Reiches. Munk. Deutsch. 3 St. Der zusammengesetzte Satz. Lesen von Gedichten und Prosastücken nach Muff IV. Freies Nacherzählen. Gelernt: Das Gewitter. Andreas Hofer. Die Auswanderer, Deutschland. Deutschland über alles, Das Grab im Busento, Roland Schildtrüger. Wieder- holungen. 10 Aufsätze. Armbröster. Latein. 8 St. Grammatik: Wiederholung der Formenlehre, das Wichtigste aus der Kasuslehre, Syntax des Verbums im Anschluss an Ostermann-Müller IV. S.: Cornelius Nepos (nach Lattmann), Milt. Them. Aristid.(bis Pfingsten in der Klasse vorbereitet). Vokabellernen. W.: Alcibiades, Epaminondas. Hannibal. Alle 8 Tage eine Arbeit. Stan ge. Französisch. 4 St. Ubungen im richtigen Sprechen, Lesen und Schreiben. Vokabeln und regelmässige Formenlehre nach Plötz-Kares, Elementarbuch bis Lektion 40 einschl. fiber- setzen. Alle 14 Tage eine Arbeit. Handwerck. Geschichte und Erdkunde. 4 St. S.: Griechische Geschichte bis zum Tode Alexanders des Grossen. W.: Römische Geschichte bis zum Tode des Augustus. Erdkunde von Europa mit Ausschluss Deutschlands. Einfache Kartenskizzen an der Wandtatfel und im Heft nach Debes. Becker. Mathematik. 4 St. Rechnen 2 St.: Ubungen mit Dezimalbrüchen. Wiederholung aus der Faktorenlehre und Bruchrechnung. Aufgaben aus dem bürgerlichen Leben nach Schellen II, 12— 19. Ubungen im Kopfrechnen. Planimetrie 2 St.: Lehre von den Graden, Winkeln und Dreiecken(Lieber und Lühmann I, 8—47). Alle 3 Wochen eine Arbeit. Reinhard. Naturbeschreibung. 2 St.: UÜbungen im Bestimmen von Blütenpflanzen. Übersicht der wichtigsten Phanerogamen. W.: Wirbellose Tiere mit besonderer Berücksichtigung der nützlichen und schädlichen Insekten. Fiedler. Zeichnen. 2 St. Ubungen im Zeichnen krummliniger Figuren aus dem Gedächtnis. Formen: Blätter, Schmetterlinge, Fliesen und Stoffmuster. Anwendung der Farbe. Ausserdem Skizzierübungen. Klonk. Schreiben. 1 St. Kombiniert mit Pertia. Quinta. Ordinarius: S.: wissenschaftlicher Hülfslehrer Dr. Warth, W. Oberlehrer Rath. Religionslehre. a) Evangelische: 2 St. Biblische Geschichten des Neuen Testamentes nach Schäfer I. Erklärung und Einprägung des zweiten Hauptstücks mit Luthers Auslegung. Einprägung von 11 Katechismussprüchen und 4 kirchenliedern, Wiederholung des ersten Hauptstücks und der in Sexta gelernten Lieder und Sprüche 3s Lieder: Wie soll ich dich empfangen, Komm, o komm du Geist, Wer nur den lieben Gott, Nun danket alle Gott. S.: Ashelm, W. Manger. b) Katholische: Kombiniert mit Quarta. c) Jüdische: Kombiniert mit Quarta. Deutsch und Geschichtserzählungen. 3 St. Der einfache und der erweiterte Satz. Das Wichtigste vom zusammengesetzten Satz. Interpunktionsregeln. Lesen von Gedichten und Prosa namentlich aus der griechisch-römischen Sage und Geschichte, nach Muff V. Graf Richard Ohnefurcht, Der alte Ziethen, Abendlied, Mein Vaterland. Wiederholung der Gedichte der VI. Alle 14 Tage ein Diktat. Warth, seit Dezember Rath. Latein. 8 St. Wiederholung der regelmässigen Formenlehre, die Deponentia, die un- regelmässige Formenlehre, insbesondere auch Genusregeln nach einem Kanon. Vokabellernen im Anschluss an das Lesebuch. Alle 8 Tage eine Arbeit. S. Warth, W. Rath. Erdkunde. 2 St. Physische und politische Geographie von Deutschland. Anfänge im Entwerfen von Kartenskizzen. S. Warth, W. Rath. Rechnen. 4 St. Primfaktoren von 1— 100. Gemeine Brüche und einfache Aufgaben aus der Regel de Tri(Schellen I. Abt.§ 15— 21; II. Abt.§ 1—11). Alle 14 Tage eine Arbeit. Fiedler. Naturbeschreibung. 2 St. Die wichtigsten Pflanzenfamilien im natürlichen System. Beschreibung von Amphibien, Reptilien und Fischen. Fiedler. Schreiben. 2 St. Das deutsche und lateinische Alphabet. Einübung der griechischen Schrift. Fiedler. Zeichnen. 2 St. Ubungen im Zeichnen gerad- und krummliniger Figuren aus dem Gedächtnis. Anwendung der Farbe. Skizzierübungen. Klonk. Singen. 2 St. Einführung in die Notenlehre und Bildung von Tonleitern, Treff- übungen. Volkslieder und Choräle. Fiedler. Sexta. Ordinarius: wissenschaftlicher Hilfslehrer Möhl. Religionslehre. a) Evangelische: 3 St. Biblische Geschichten des A. T. nach dem Lehrbuche von Schäfer, 1. Teil. Vor den Hauptfesten die betreffenden Geschichten des N. T. Katechismus: 1. Hauptstück mit Luthers Auslegung, einfache Worterklärung und Ein- prägung des Textes vom 2. und 3. Hauptstück. 15 Sprüche. Lieder: Wenn ich o Schöpfer, Befiehl du deine Wege, Dies ist der Tag, O Hanpt voll Blut. Klonk. b) Katholische: Kombiniert mit Quarta(+ 1 St.). c) Jüdische: Kombiniert mit Quarta. Deutsch und Geschichtserzählungen. 3 St. Grammatik: Redeteile, einfacher Satz, das Wichtigste über starke und schwache Flexion. Lesen von Gedichten und Prosa, womõög- lich aus der vaterländischen Sage und Geschichte aus dem Lesebuch von Muff VI. Münd- liches Nacherzählen. Gelernt: Siegfrieds Schwert, Friedrich Barbarossa, Der gute Kamerad, Schwäbische Kunde, Des Knaben Berglied, Heinrich der Vogelsteller, Das Lied vom Feld- marschall, Die Wacht am Rhein. Alle 8 Tage ein Diktat. Möhl. Latein. 8 St. Regelmässige Formenlehre mit Ausschluss der Deponentia. Vokabel- lernen im Anschluss an das Lesebuch. Übersetzungen aus Ostermann-Müller VI. Alle 8 Tage eine Arbeit. Möhl. 37 Erdkundeé. 2 St. S.: Grundbegriffe der mathematischen und physischen Geographie. Oro- und hydrographische Verhältnisse der Erdoberfläche. Verständnis der Globus, der Karte, des Reliefs. W.: Überblick über die 4 nichteuropäischen Erdteile. Becker. Rechnen. 4 St. Wiederholung der Grundrechnungen mit ganzen, benannten und unbenannten Zahlen. Die deutschen Masse, Münzen und Gewichte. ÜUibungen in den ein- 50. Schellen I, 1—14. Alle 14 Tage fachsten dezimalen Rechnungen. Primfaktoren von 1 eine Arbeit. Fiedler. Naturbeschreibung. 2 St. Beschreibung von Blütenpflanzen mit Erklärung der Formen und Teile. Beschreibung wichtiger Säugetiere und Vögel. Klonk. Schreiben. 2 St. Deutsches und lateinisches Alphabet. Fiedler. Singen. 2 St. Einführung in die Notenlehre und Bildung von Tonleitern. Treff- übungen. Volkslieder und Choräle. Fiedler. Mitteilungen über den technischen Untericht. a) Turnen. Geturnt wurde von jeder Klasse in 3 Stunden wöchentlich, zusammen in 21 Stunden, und zwar leitete Herr Oberlehrer Stange 6 Stunden(II und IV), Herr Oberlehrer Engelhardt 9 Stunden(I, V und VI), Herr Zeichenlehrer Klonk 6 Stunden(III, und III.). Vom Turnen befreit waren auf Grund ärztlicher Zeugnisse im Sommer 33, im Winter 36 Schüler. b) Am Baden und Schwimmen in der städtischen Schwimmanstalt an der Lahn beteiligten sich 136 Schüler. Schwimmunterricht erteilte der Schwimm- und Bademeister Arenz an 7 Schüler. Ausser den genannten Schülern badeten 79 in einer zweiten öffent- lichen, für sie bequemer gelegenen Anstalt. Beim Wettschwimmen erhielt einen Preis: Becker V. c) Chorgesang. 45 ausgewählte Schüler der Klassen IV bis I bildeten den Sänger- chor. Nach dem Chorbuche von Sering wurden Chöre klassischer Meister sowie vierstimmige Volks-, Vaterlands- und Marschlieder und Motetten gesungen. Sopran und Alt 1 St., Tenor und Bass 1 St., Gesamtchor 1 St. Fiedler. d) Wahlfreies Zeichnen für Schüler aus I und II 2 St. Im Sommersemester nahmen teil: 20, im Wintersemester: 11 Schüler. Zeichnen und Malen nach Kunst- und Naturformen. Zusammenstellungen(Stilleben). Skizzierübungen und Zeichnen aus dem Gedächtnis. Projektions- lehre. Klonk. 4. Zusammenstellung der eingeführten Lehrbücher sowie der für das Schnljahr 1904/5 ausgewählten Lektüre. In allen Klassen. 1. Evangelisches Kirchengesangbuch für den Konsistorialbezirk Cassel. 2. Der Katechismus: a) der lutherische, b) der reformierte, beide herausgegeben von Spangenberg. 3. Regel- und Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung 1902. 4. Debes-Kirchhoff, Schulatlas für die mittleren Unterrichtsstufen. 38 Sexta: 5. Schäfer, Lehrhuch der evangelischen Religion II. 6. Hopf und Paulsiek, Deutsches Lesehuch I, 1, bearbeitet von Muff. 7. Ostermann-Müller, Lateinisches Ubungsbuch für VI. 8. Schellen, Aufgaben für das theoretische und praktische Rechnen 1. Teil. 9. Noack, Liederschatz I. 10. Widmann, Kleine Gesangschule für die Hand der Schüler. Quinta: 11. Hopf und Paulsiek, Deutsches Lesebuch I, 2, bearbeitet von Muff. 12. Ostermann-Müller, Lateinisches Ubungsbuch für V. 13. Kirchhoff. Erdkunde für Schulen I. 14. Noack, Liederschatz II. Daazu 5, 8, 10. Quarta: 15. Schäfer und Krebs, Biblisches Lesebuch. 16. Neues Testament in Luthers Übersetzung. 17. Hopf und Paulsiek, Deutsches Lesebuch I, 3, bearbeitet von Muff. 18. Ellendt-Seyffert, Lateinische Grammatik(von der 37. Auflage ab). 19. Ostermann-Müller, Lateinisches Ubungsbuch für IV. 20. Cornelius Nepos, bearbeitet von Lattmann. 21. Plötz- Kares, Französisches Elementarbuch B. 22. D. Müller, Alte Geschichte für die Anfangsstufe. 23. Zahlentabellen. 24. Putzger, Ilistorischer Schulatlas. 25. Lieber und v. Lühmann, Leit- faden der Elementarmathematik 1. Teil. 26. Koppe, Leitfaden für den Unterricht in der Naturgeschichte. 27. Gies, Flora für Schulen. 28. Sering, Chorbuch. Dazu 8, 13. Untertertia: 29. Hopf und Paulsiek, Deutsches Lesebuch für III und II 2, bearbeitet von Foss 27. Auflage. 30. Ostermann-Müller, Lateinisches libungsbuch für III. 31. Caesar de bello Gallico, ed. Dinter. 32. Ovid, Metamorphosen, delectus Siebelisianus. 33. Georges, Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch. 34. Kaegi, Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. 35. Wesener, Griechisches Elementarbuch, 1. Teil. 7. Auflage. 36. Müller-Junge, Leitfaden zur Geschichte des deutschen Volkes. 37. Kirchhoff, Erdkunde für Schulen II. 38. Bardey, Methodisch geordnete Aufgabensammlung, neue Bearbeitung von Pietzker. Dazu 15. 16, 18, 21, 23, 24, 25, 26, 27, 28. Obertertia: 39. Körner, Zriny. 40. Uhland, Ernst von Schwaben. 41. Franke- Bamberg, Griechische Formenlehre. 42. Wesener, Griechisches libungsbuch 2. Teil. 43. Xeno- phon, Anabasis, ed. Gemoll. 44. Benseler-Autenrieth, Griechisch-deutsches Schulwörterbuch. 45. Plötz-Kares, Französische Sprachlehre. 46. Plötz-Kares, libungsbuch B. 47. Sattler, Leitfaden der Physik und Chemie. Dazu 15, 16, 18, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 35, 36, 37, 38. Untersekunda: 48. Schiller. Maria Stuart und Wilhelm Tell, Gedichte. 49. Oster- mann-Müller, Lateinisches Ubungsbuch für IIe. 50. Cicero, de imperio Cn. Pompei und in Catilinam. 51. Livius VII und VIII. 52. Vergilius, Aeneis(Auswahl von Lange). 53. Seyffert- Bamberg, Hauptregeln der griechischen Syntax. 54. Xenophon, Hellenica I—II. 55. Homer, Odyssee. 56. Bruno, Le tour de la France. 57. Gropp und Hausknecht, Auswahl französischer Gedichte. 58. Schülke, Vierstellige Logarithmentafeln. 59. Sachs-ilatte, Kleines französisch- deutsches Sehulwörterbuch. Dazu 15, 16, 18, 23, 24, 25, 28, 29, 33, 36, 37, 38, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47. Obersekunda: 60. Kluge, Geschichte der deutschen Nationalliteratur. 61. Muff- Hoffmann, Lesebuch für III. 10. Auflage. 62. Lessing, Minna von Barnhelm. 63. Kleist, Prinz von Homburg. 64. Süpfle, Aufgaben zum Übersetzen in das Latein(für Sekunda). 65. Sallust, Coniuratio Catilinaria. 66. Livius XXIV—XXV. 67. Cicero, pro Ligario. 68. Plutarch, Alexander. 69. Herodot I und II. 70. 5 Erzählungen aus Souvestre, Au coin du feu. 71. Gesenius-Regel, Kurzgefasste englische Sprachlehre. 72. Gesenius-Kautzsch, Hebräische Grammatik. 73. Altes Testament im Urtext. 74. Neubauer, Lehrbuch der 39 Geschichte für obere Klassen, 3. Heft. 75. Lieber und v. Lühmann, Leitfaden der Elementar- mathematik 3. Teil. 76. Sumpf, Grundriss der Physik. Dazu 16, 18, 23, 24, 25, 28, 33, 37, 38, 41, 43, 44, 45, 47, 52, 53, 54, 55, 57, 58, 59. Unterprima: 77. Neues Testament im Urtexte. 78. Holzweissig, Repetitionsbuch für den evangelischen Religionsunterricht. 79. Klopstock, Oden. 80. Lessing, Laokoon, Drama- turgie, Nathan. 81. Shakespeare, Julius Cäsar(nach Schlegel). 82. Goethe, Götz. 83. Schiller, Jugenddramen. 84. Tacitus, Germania. 85. Cicero, in Verrem IV, Cato maior, Briefe(Auswahl von Alv). 86. Horaz. 87. Demosthenes, Olynth. I und III, Phil. II. 88. Plato, Criton und Laches. 89. Homer, Ilias. 90. Sophocles, König Oedipus. 91. Molière, Les précieuses ridicules. 92. Racine, Phèdre. 93. Loti, Péôcheurs d'Islande. 94. Shakespeare, Macheth. 95. Ascott, Holiday Stories(Gärtner). 96. Neubauer, Lehrbuch der Geschichte, 4. und 5. Teil. Dazu 16, 18, 23, 24, 25, 28, 33, 37, 38, 44, 45, 53, 58, 59, 60, 64, 71, 72, 73, 74, 75, 76. Oberprima: 97. Schiller, Wallenstein, Über naive und sentimentalische Dichtung, Gedichte. 98. Shakespeare, Macbeth(nach Schlegel und Schiller). 99. Goethe, Iphigenie, Faust I., Dichtung und Wahrheit, Hermann und Dorothea. 100. Tacitus, Annalen I und II. 101. Cicero, Tusculanen I und V(nach Weissenfels). 102. Thucydides VI und VII. 103. Plato, Staat I. 104. Sophocles, Philoctet. 105. Racine, Athalie. 106. Lanfrey, Expédition d'Egypte. 107. Krause, A travers Paris. Dazu 16, 18, 23, 24, 25, 28, 33, 37, 38, 44, 45, 53, 58, 59, 64, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 86, 89, 96. In der Klasse werden nur Textausgaben gebraucht und zwar für die lateinische und griechische Lektüre, mit Ausnahme der angegebenen Bücher, nur die von Teubner(vollständige Texte in der editio minor), für die französische und englische die von Velhagen und Klasing, aber ohne Anmerkungen und Wörterbücher. Im Deutschen werden die Ausgaben von Hendel und Meyer empfohlen. Gedruckte Übersetzungen sind verboten, Spezialwörterbücher und gedruckte Präparationen widerraten, Ausgaben mit Anmerkungen empfohlen. Schulbücher dürfen nur mit Erlaubnis der Eltern von Schülern gekauft oder verkauft werden. Dieselben müssen stets gut gebunden, sauber und ohne übergeschriebene Bemerkungen sein. II. Verfügungen der vorgesetzten Behörden. 1. Mai 1903. Gymnasialdirektor Aly wird zum stellvertretenden Direktor der Königlichen Wissenschaftlichen Prüfungskommission und Mitglied für die allgemeine Prüfung ernannt. 3. September. Die Fragen des Vereins für Schulgesundheitspflege dürfen nicht beantwortet werden. 7. September. Dem Schuldiener Pohle ist das allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. 29. November. Die regelmässige Feier des Sedantages ist beizubehalten; besonders werden Ausflüge und Turnübungen empfohlen. 6. Jan. 1904. Das Buch von Wislicenus„Deutschlands Seemacht einst und jetzt“ wird als Prämie zu Kaisersgeburtstag überreicht(verliehen an Heermann II). 13. Februar. Es dürfen eingeführt werden, Kaegi, Kurzgefasste griechische Schulgrammatik, Noack, Liederschatz, Putzger, Historischer Handatlas. 40 III. Chronik des Gymnasiums. Das abgelaufene Schuljahr begann am 21. April 1903 mit der Einführung des Herrn Oberlehrers Dr. Handwerck, dessen Lebenslauf bereits im vorigen Jahresbericht mitgeteilt ist, sowie der wissenschaftlichen Hilfslehrer Dr. Warth und Möhl. Jener vertrat während des Sommerhalbjahres Herrn Oberlehrer Rath, dieser während des ganzen Jahres Herrn Professor Vogt. Der Sommer verlief ohne erhebliche Störung. An der Generalversammlung des Provinzialvereins in Eschwege am 20. Mai nahm eine grössere Anzahl von Lehrern teil. Der Frühlingsspaziergang fand am 26. Mai bei schönstem Wetter statt und hatte Spiegelslust zum Ziele. Nur 4 Mal musste der Unterricht wegen der Hitze von 11 Uhr ab ausfallen. Herr Oberlehrer Stange war vom 26. Juni bis 18. Juli durch eine militärische libung der Schule entzogen. Die Turnfahrt der oberen Klassen wurde am 3. und 4. Juli unternommen, während die anderen sich auf einen Tag beschränkten. Der grössere Ausflug war ins Sauerland ge— richtet, insbesondere nach dem Kahlen Astenberge, und verlief nach Wunsch. Am 15. Juni beehrte Herr Generalsuperintendent D. Werner aus Cassel die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte dem Religionsunterricht in mehreren Klassen bei. Am 7. bis 9. Juli unterzog der Direktor des Kgl. Provinzialschulkollegiums, Herr Ober- und Geheimer Regierungsrat D. Dr. Lahmeyer, den Unterricht, die Sammlungen und das Archiv einer eingehenden Revision und hielt am Schluss eine längere Konferenz ab. Das Sedanfest wurde am 2. September zunächst im Verein mit der Oberrealschule durch eine patriotische Feier auf dem Kümpfrasen begangen; dann marschierte das Gymnasium nach Spiegelslust, wo in Anwesenheit zahlreicher Eltern ein Vorturnen stattfand, das mit einer Preisverteilung schloss. Beim Beginn des Winterhalbjahres am 16. Oktober übernahm zu unsrer Freude Herr Oberlehrer Rath einen Teil seiner Stunden, die andern behielt Dr. Warth. Gleichzeitig trat als Probekandidat Herr Dr. Manger ein. Am Reformationstage sprach Herr Pfarrer Möhl über das Kirchenlied. Der Wahltag am 12. November war schulfrei. Am 6. Dezember starb plötzlich, wenn auch nach längerem Leiden, Herr Dr. Warth; wir werden dem pflichttreuen Amtsgenossen, der uns durch sein stilles, schlichtes Wesen lieb geworden war, ein ehrendes Andenken bewahren. Wir geleiteten ihn am 10. Dezember zur letzten Ruhe. Am 26. Januar fand zur Vorfeier des Kaisersgeburtstages in der Aula eine Aufführung von Heyses„Colberg“ statt, die, dank der opferwilligen Tätigkeit des Herrn Oberlehrers Armbröster, vorzüglich gelang und den wärmsten Beifall der zahlreichen Zuhörerschaft erntete. Am Festtage selbst sprach der Berichterstatter über„Feldmarschall Graf von Gneisenau“. Am 3. Februar beehrte Herr Oberregierungsrat D. Lahme yer die Anstalt mit seinem Besuche. Zum heiligen Abendmahl ging die Schule am 6. März. Die Reifeprüfung leitete am 11. März der Berichterstatter. Am Schluss spricht der Berichterstatter Herrn Dr. Manger, der schon am 15. Februar zu einer militärischen Ibung abberufen wurde, für seine treue und erfolgreiche Lehrtätigkeit den Dank der Anstalt aus. 41 IV. Statistische Mitteilungen. A. Frequenztabelle für das Schuljahr 1903/04. 1„ 1 2 Zu- 1¹ l2 II IIe IIIl IIIa IIIeb IV N VI saim- men 1. Bestand am 1. Februar 1902 14 24 34 40 27 17 20 42 33 29 280 V 2. Abgang his zum Schluss des 14 F 5 3 ⸗ Schuljahres 1902 1903. 4 3 4 2 2 3 3 3 44 3a. Zugang durch Versetzung zu 9..„a„ Ostern 1903.. 17 25 31 22 28 18 12 29 26 213 3 b. Zugang durch Aufnahme zu V—„ 2 Ostern 1903. 2 2 3 3 1 21 32 4. Frequenz am Anfang ges. 37 7 2. 24 6 Schuljahres 1903/04. 17 31 37 V 27 V 34 V 23 22 34 V 29 22 2276 — 5. Zugang im Sommersemester— 1———— 2 2 1 6 ¹——— ang im S rsemcstor— 2 b2—.2 6. Abgang im vmmeisanenker V 3 V 1 V 1 9 7a. Zugang durch Versetzung 4—— zu Michaelis 1903... I— V— . 8.— 154 f 7b. Zugang durch Aufnahme— 1 2— 11 5 zu Michaelis 1903 V ——————— 8. Frequenz am Anfang des— 2 59 3 4 1 6 5 Wintersemesters 1903/04.. 17 32 37 25 32 23 23 34 V 32 23 278 —+ 3 9. Zugang im Wintersemester.————— V—— 3 10. Abgang im Wintersemester.———— V— V——— V—— — 11. Frequenz am 1. Februar 1904 17 32 37 25 32 23 23 34 32 V 23 278 —— , ehschnittsalter 1. Darehschnitsalter am 1. Pe. 187 178 168 153 147 137 1353 12.8 115 9— Pruar 1904...... 2* 3 B. Religions- und Heimatverhältnisse der Schüler. Evang. Kath. Diss. Juden Einh. Ausw. Ausl. 1. Am Anfang des Sommersemesters 225 22 1 28 220 254 2 1903. ———— 2. Am Anfang des Wintersemesters 3 1903/1904. 225 23 2 28 229 47 2 — 3. Am 1. Pebruar 1904..... 225 23 2 28 229 47 2 Das Zeugnis für den einjährigen Militärdienst haben erhalten: Ostern 1903: 33; Michaelis: 2 Schüler davon sind zu einem praktischen Beruf abgegangen Ostern: 2, Michaelis 2. 42 C. Abiturienten. 6 9 9 O. 00 d9 l Vor- und Zuname Karl Strippel*) Rudolf Wenck*) Fritz Jülicher*) Ernst Schäfer*) Georg v. Apell Hans Mardorf Friedrich Schott*) Arthur Meyer*) Karl Schäfer Karl Könnecke Otto v. Bismarck Siegfried Vogt Otto Dörbecker Otto Heldmann 1-1. Rudolf Wenck. Karl Strippel. Fritz Jülicher. Ernst Schäfer. Georg v. Apell. Hans Mardorf. Friedrich Schott. Arthur Meyer. Karl Schäfer. Karl Könnecke. . Otto v. Bismarck. . Siegfried Vogt. . Rudolf Bötte. Geburts- b 5 Des Vaters 3 2 Gewählter = 5 B 83 f Ort Tag 3 Stand Wohnort 8,5 Pi Z2 55 —— 4——— Halle 15. Nov. 1885 ev. Universitäts- Marburg 3 Jura und Professor V Kameralia Allendorf a. W. 1. Febr. 1885 ev. Rentner Marburg 5 V Philologie Rummelsburg 19. Sept. 1885 ev. Universitäts- Marburg 9 Geschichte V Professor Marburg 15. Sept. 1886 ev. Kaufmann Marburg 9 Medizin Wesel 21. Okt. 1884 ev. Generafmajor Marburg 5 ½ Soldat 2. D. Marburg 23. Mai 1885 ev. Konditor Marburg 9 V Medizin Marburg 26. März 1886 ev. Bäckermeister Marburg 9 Bauingenieur- fach Wiesbaden 16. März 1885 ev. Universitäts- Marburg 10 Medizin Professor Marburg 27. Jan. 1886 kath. Oberlehrer Marburg 9 Jura Marburg 28. Juli 1884 ev. aen Archivratt Marburg 4+ Medizin 5 5 Bucharzewo 9. Okt. 1886 ev. V Forstmeister Marburg 5 ½ Forst- (Posen) verwaltung Kiel 24. Juli 1886 ev. Universitäts- Marburg 1/¹½ Philosophie u. Professor Philologie Marburg 13. März 1885 ev. Lehrer Marburg 10 Naturwissen- schaft Ellnhausen 19. Sept. 1885 ev. Pfarrer Ellnhausen 7 Theologie V *) Sind von der mündlichen Prüfung befreit worden. D. Verzeichnis der Schüler. 14. Otto Dörbecker.[hausen. 9. Hermann Stern. 15. Otto Heldmann a. Elln- 10. Claus v. Bismarck. 16. Wilhelm Köhler. 11. Rudolf Wegner. 17. Othmar Naua. Bauerbach. 12. Wilhelm Brill. 13. Peter Wirges. 12. 14. Gerhard Kayser.[burg. 1. Theodor Heukrath. 15. Wilh. Hegemann a. Berle- 2. Siegfr. Stern a. Ockersh. 16. Georg Linz. 3. Ludwig Pfannmüller. 17. Hugo Lippert. lhausen. 4. Heinrich Leypoldt. 18. Julius Heldmann a. Elln- 5. Fritz Happich. 19. Ludwig Ascher a. Nördl. 6. Walther Seehaussen. 20. Otto Wiekert a. Langen- 7. Wilh. Mausa. Oberrosphe. 21. Wilhelm Strippel. ltein. 8. Hermann Eichler. 22. Reinhard Bartsch. —] . Otto Könnecke. .Friedrich Gäbel. .Wilh. Braun a. Wetter. . Gustav Buck. . Max Pfarrius. Pritz Becker a. Cappel. Ernst Eucker. . Fritz Zölffel. .Adolf v. Heusinger. II 1. Adolf Heermann. Emil Sardemann. Wolfram Vogt. Walther Vogt. Julius Oppenheim. Ernst Lippert. Erich Herrmann. Otto Strippel. Hermann Schäfer. . Fritz Natorp. .Georg von Boxberger. . Hans Ernst. . Bruno Strauss II. Otto Zöckler. 5. Karl Ruppert. Eduard Bücking. Bruno Strauss I. .Georg Koch. . Bernhard Elsas. Christian Both a. Wickenr. . Karl Zeisse. Wolfgang Rödiger. 3. Otto Sommer. Fritz Dörffler. 5. Heinrich Köhler. z. August Eberhard. . Hermann Warnke. . Rudolf Eller. 9. Ernst Ehrhardt. . Waldemar Euler. . Hans Corell. . Karl Ebert. .Alexander Böckel. . Theodor Hofmann. . Wilhelm Trebing. 5. Wilhelm Ursprung. . Ernst Justi. II 2. . Joseph Olmer. Reinhard Mörchen. SSAP L . Richard .Friedrich Isenberg. . Hans Schöneseiffer. 43 Georg Spiess. Werner Littmann. Gottlob Hamel. Paul Schäfer. Franz Tuczek. Hermann Holle. Otto Ort. Rudolf Budde. . Martin Jülicher. . Hans Jess. .Gustav Wittich. . Otto Dörr. . Wilhelm Schlarbaum. Albert Roth. . Pritz Schöneseiffer. . Karl Schwarzentraub. . Karl Wetz a. Lichtenau. . Emil Schöbel. . Karl Jehn. . Wilhelm Heldmann aus . Ernst Bauersachs. . Theodor Bauer. . Ernst Strauss. (Ellnh. III 1. Willy Schönwitz.[bach. Heinr. Heuser a. Gladen- Karl Weishaupt. Richard Brauns. Rudolf Reissert. Max Bender. Fritz Völker. Karl Tuczek. Alban Ruppert.(Uslar. Katzenstein a. Albrecht Weiss. Otto Parée. . Otto Strauss. . Julius Strauss. . Fritz Klonk. . KurtKrause a. Düsseldorf. Wilh. Römer a. Kirchhain. . Heinr. Henkel a. Specks- [winkel. . Karl Schneider a. Wetter. . Heinrich Elsas. .Friedr. Hammerschlag a. Gottfried Rade.[Kirchh. . Hans von der Ropp. . Rudolf Voss. . Oskar Rothfuchs. . Herbert Weiss a. Hilchen- . Eduard Fiedler. . Julius Mack a. . Heinrich Brill. . Wilhelm v. Bismarck. [bach. Nieder- [klein. III 2 a. . Otto Schmidt. . Hans Noll. . Hans Lippert. . Gottfried Strippel. . Joseph Borggreve. . Ernst Blumenfeld. . Otto Ganslandt. . Fritz Dahm. . Eduard Krug a. Besse. . Reinhold Dorn. . Berthold Rothschild a. Hof .Robert Reese. Karl Dorn. Ernst Leyser. 5. Adolf Hartmann. . Richard Sommer. . Wilhelm Schäfer. . Otto Hohmann . Ernst Bonhoff.[kirchen. . Emil Schneider. Paul Lettow. . Friedrich von Wickede. .Albert Nicolai. a. Neu- III2 b. . Franz Heuser. Karl Joseph. . Hermann Mirbt. . Woltgang Beckmann. . Heinr. Römer a. 6. Karl Köhler. . Kurt Ostmann. . Georg von Bismarck. . Friedrich Jess. .Rud. . Wilhelm Spruck. . Kurt von Dobbeler. . Felix Desloges. Kirch- (hain. Wetter. Braun a. Gustav v. Veit. .Kurt Noldan. . Georg Eberhard. .Friedr. v. Wangenheim. . Georg Henkel a. Baden- . Karl Fuchs. [hausen. Dietrich Vogt. . Herm. Atorff a. . Wilh. Schulz, .Fritz Wagner. Kirch- l[hain. IV. 1. Theophil Walz. Hans Natorp. Rudolph Noll. Fritz Ahlfeld. Heinrich Wenker. .Julius Spier a. Momberg. Julius Ruppert. Bernhard Weiss. .Alexander Frenzel. Hans Gesing. . Theodor Rotschild a. Hof. . Kurt Horbach. . Egenolf Röder v. Diers- Franz Zschorlich.[burg. . Hermann Bötte. . Heinrich Seil. . Paul Lehmann. . Hermann Seil. Ludwig Noldan. August Reese. .FEritz Könnecke. . Walther Schlifter. Isidor Weinberg. . Wilhelm Schaaf. SallyGrünbaum a. Bergen .Aug. NMüller a. Barchfeld. .Alfred Gieseler. . Heinz Edmund Schultze. 29. 30. 31. 32. 33. 34. d́— SSE 44 Hans Muhl a. Wasenberg. Justus Matthäi a. Cappel. Leo Rosenblüth a. Berlin. Philipp Vial. Karl Weinmann. Hans Völker. V. Hans Dallwig a. Neust. Naphtalie Neumark a. Altenstadt. . Hans Minor a. Essen. . Walther Wrede. Simon Moses a. Treysa. Hellmut Schenck. Joseph Rosenzweig a. Gladenbach. Willi Werner. Fritz Eckhardt a. Cappel. Max Seelig. . Hans Fett a. Amönau. Ludwig Werner a. Cappel. .Albert Schäfer. . Gerhard Link. . Erich Beckmann. . Karl Halle. . Max Strauss. . Karl Brauns. . Kurt Bang. .Dieter . Kurt Becker a. Gladen- 2. Werner v. Reckow.[bach. . Wilhelm Frenzel. Siegfried Kugelmann. [burg. Röder v. Diers- V. Sammlungen von Lehrmitteln. 1. Für die Lehrerbibliothek(unter Verwaltung des Herrn Oberlehrers Engelhardt) sind aus etatsmässigen Mitteln im Laufe des Jahres angeschafft worden: an Fortsetzungen: a) Zeitschriften: Centralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung; . Alfred Kalb. .Erich Strupp a. Treysa. . Ernst Sardemann. . Fritz André. Walther Wigand. . Herm. Brennemann a. Ockershausen. . Immanuel Reichle. . Reinhold Reichle. VI. Hermann Reuter. Karl Kaiser a. Ebsdorf Ernst Heermann. Heinz Mirbt. Leo von der Ropp. Arnold Meier. Emil von Wickede. Otto Jess. Walter Prasse. August Noldan. . Heinz Tuczek. . Erwin Piscator. . Kurt Jesse. . Hans Holzhauer. . Walter Klonk. . Hugo Dorn. .Eugen Fiedler. Otto Lehmann.(hausen. Georg Pfeffer a. Holz- . Otto Brennemann a. Ockershausen. .Adolf Stahmer. Aloys Dege. . PFritz Strauss. Lehrproben und Lehrgänge; Deutsche Läitteraturzeitung; Zeitschrift für das Gymnasialwesen; Zeitschrift für den deutschen Unterricht; Zeitschrift für den mathem. und naturwissenschaftl. Unterricht; Zeitschrift für den evangelischen Religionsunterricht; Nene Jahrbücher für das klassische Altertum; Monatschrift für höhere Schulen; Natur und Schule. 45 b) Sonstige Werke: Grimm, Deutsches Wörterbuch; Roscher, Ausführliches Lexikon der griech. und röm. Mythologie; Schriften der Goethe-Gesellschaft; Goethe-Jahrbuch; Goethes Werke, hg. von der Goethe-Gesellschaft; Geschichte der europäischen Staaten; Statistisches Jahrbuch der höheren Schulen; Hohenzollern-Jahrbuch; Bulthaupt, Dramaturgie IV; Hülfsmittel zum evangelischen Religionsunterricht 22; Delbrück, Geschichte der Kriegskunst II; Koser, König Friedrich der Grosse II; Leimbach, Ausgewählte deutsche Dichtungen XIII; Bielschowsky, Goethe, sein Leben und seine Werke II; Verhandlungen der Direktoren-Versammlungen 64 und 65; Busolt, Griechische Geschichte III, 2. Neubeschafft wurden: Cauer, Die Kunst des Ubersetzens; Harnack, Geschichte der königlich preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin; Mirbt, Quellen zur Geschichte des Papsttums und des römischen Katholizismus; Sitzler, Ein ästhetischer Kommentar zu Homers Odyssen; Weissenfels, Kernfragen des höheren Unterrichts; v. Wilamowitz-Moellendorff, Griechisches Lesebuch; Diels, Die Fragmente der Vorsokratiker; Böckh und Klatt, Die Alters- und Sterblichkeitsverhältnisse der Direktoren und Oberlehrer in Preussen; Kromayer, Antike Schlachtfelder in Griechenland I; Schulze, Die römischen Grenzanlagen in Deutschland und das Limeskastell Saalburg; Parzival, neubearbeitet von Hertz; Hessler, Hessische Landes- und Volkskunde II. An Geschenken sind im Schuljahr 1903/04 eingegangen: Von den hohen Behörden: Deutscher Universitätskalender; Müller, Deutsche Schulen und deutscher Unterricht im Auslande; Jahrbuch für Volks- und Jugendspiele; Verhandlungen der Direktoren-Versammlungen 66 u. 69; Vom Direktor: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde 26. und 27. Bd., Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins 1901 und 1902; Friedrich Cauer, Ciceros politisches Denken. Von Herrn Prof. Dr. Schemann, Freiburg i. B.: Übersetzungen von Gobineaus „Renaissance“ und„Alexander.“ 2. Die Schülerbibliothek(unter Verwaltung des Herrn Oberlehrers Armbröster) hat gegenwärtig einen Bestand von 1116 Bänden, die auf die einzelnen Klassen verteilt sind. Wöchentlich einmal können die Schüler zu einer festgesetzten Stunde Bücher entleihen oder umtauschen; die Benutzung dieser Bibliothek wird den Schülern angelegentlich empfohlen. Aus den etatsmässigen Mitteln wurden im Schuljahr 1903/4 angeschafft: Kürschner, Kaiser Wilhelm II. als Soldat und Seemann; Groningen, Der Heldenkampf der Buren; Müller-Bohn, Unser Fritz, Deutscher Kaiser und König von Preussen; Storm, Pole Poppenspäler; Rosegger, Wie ich noch der Waldbauernbub war; Liliencron, Kriegsnovellen; Dickens, Sylvesterglocken; Oliver Twist; Frenssen, Die drei Getreuen; Schäfer, Die deutsche Hansa; Menge, Ithaka; Ebers, Homo sum; Ebner-Eschenbach, Das Gemeindekind; Raabe, Die Leute aus dem Walde; Fontane, Vor dem Sturm; Rosegger, Das ewige Licht; Hula, Römische Altertümer; Bendel. Wetterpropheten; Vogelwanderleben; Bals, Staatswesen und Staatsleben im Tierreich; Wiesbadener Volksbücher, Nr. 1— 19; 21—26; 29; 30(in 9 Sammelbänden). An Geschenken gingen ein: Von den Verlagsbuchhandlungen: Porger, Moderne erzählende Prosa, 3. und 4. Bändchen; Jahnke, Fürst von Bismarck; Lorenz, Raydt und Rössger, Deutsches Lesebuch für die mittleren Klassen höherer Lehranstalten, Teil I und II; Lorenz, Raydt und Rössger, Von allen Zweigen, Sammlung deutscher Gedichte; Andrä, Grundriss der Geschichte der Neuzeit. Geschenk der Frau Geheimrat von Veit: Stacke, Griechische Ge- schichten; Römische Geschichten. 46 3. Naturgeschichtlich-chemische Sammlung(unter Verwaltung des Herrn Oberlehrers Reinhard). Neu angeschafft wurden 17 ausgestopfte Vögel und elf Wandtafeln von Frommann und Morian für den Unterricht in der Zoologie und Botanik. 4. Physikalische Sammlung(unter Verwaltung des Herrn Oberlehrers Ewoldt). Neu angeschafft wurde ein grosser Projektionsschirm und ein Schrank für den Projektionsapparat. 5. Der geographische Apparat(unter Verwaltung des Herrn Oberlehrers Dr. Euler) wurde durch Anschaffung folgender Karten und Tafeln vermehrt: 1) Gaebler, Russland und Skandinavien; 2) Schwabe, Altgermanien; 3) Gäbler, Deutschland; 4) Hölzel, Rassetypen der Menschen. Für die kunstgeschichtliche Sammlung wurden angeschafft: 20 Glasphotogramme, Schneider und Metze, Baustile(10 Blätter), und Cybulsky, Vestitus Romanorum. Herr Professor v. Sybel schenkte der Anstalt einen Abguss des Kopfes der Athene Lemnia. 6. Der Zeichenapparat(unter Verwaltung des Herrn Zeichenlehrers Klonk) wurde durch Anschaffung von Schmetterlingen, Käfern, Vogelfüssen, Fächern, Wappen, Gefässen und dergl. bereichert. Ausserdem wurden von der hohen Behörde einige schöne Modelle der Sammlung überwiesen.(1 Vase, 1 Broncelampe, 1 Steinbecher und ein Krokustopf.) 7. Rusikalien(unter Verwaltung des Herrn Gesanglehrers Fiedler). 8. Turnapparat(unter Verwaltung des Herrn Oberlehrers Stange). Angeschafft wurde: ein Treppentritt und einige lederne Bälle. VI. Stiftungen und Unterstützungen für Schüler. 1. Die Zahl der Freischüler während des Rechnungsjahres 1903 betrug 31, die Summe des erlassenen Schulgeldes 3412,50 Mark. 2. Der Kapitalbestand der„Münscher-Stiftung“ beträgt 1670,61 Mark. Das Stipendium in Höhe von 52,50 Mark wurde durch das Lehrerkollegium dem Oberprimaner Strippel verliehen. 2 3. Der Kapitalbestand der„Stiftung früherer Schüler“ beträgt 1054,84 Mark. Das Stipendium in Höhe von 35 Mark wurde durch das Lehrerkollegium dem Oberprimaner Warnke verliehen. 4. Der Kapitalbestand der„Buchenau-Jubiläumsstiftung“ beträgt 1000 Mark. Das Stipendium in Höhe von 35 Mark wurde durch das Lehrerkollegium dem Unterprimaner Strippel verliehen. 5. Die Unterstützungsbibliothek(unter Verwaltung des Herrn Prof. Dr. Wilhelmi) erhielt Zuwachs durch Geschenke von: 1. Dem Verlag von Wagner und Debes, Leipzig: Schulatlas für mittl. Klassen, 5 Exemplare geb., für Ober-Klassen 3 Exemplare geb. 2. Verlag von Diesterweg, Frankfurt a. M.: Schäfer, Lesebuch für den evang. Religions- unterricht II. 3 Exemplare geb., Schäfer und Krebs, Bibl. Leseb., alt. Test. 3 Exemplare geb. 3. Vieweg u. Sohn, Braunschweig: Sattler, Leitfaden der Physik und Chemie, 5 Exemplare. 4. G. D. Bädeker, Essen: Koppe, Leitfaden für den Unterricht in der Naturgeschichte, 3 47 Exemplare, geb. 5. B. G. Teubner, Leipzig: Sophocles' Electra und Oedip. Col., je 2 Exemplare geb., Sallust, 2 Exemplare, geb. Lysias' Reden 2 Exemplare, geb. 6. Verlag von Langenscheidt, Berlin: Sachs-Vilatte, Wörterbuch, franz.-deutsch und deutsch-franz., je 2 Exemplare geb. 7. Pabst, Delitzsch: Holzweissig, Repetitionsbuch, 1 Exemplar, geb. 8. von Frau Geh. Rat von Veit eine grössere Anzahl Schulbücher: Ostermann-Müller für Sexta, Quinta, Quarta je 2 Exemplare; Hopf und Paulsiek: Sexta, Quinta, Quarta je 2 Exemplare u. a. 9. Verlag von Freytag, Leipzig: Biese, griech. Lyriker I., 5 Exemplare geb. VII. Mitteilungen an die Schüler und deren Eltern. 1. Die Ferien für das bevorstehende Schuljahr. 1) Osterferien vom 26. März bis 12. April. 2) Pfingstferien vom 21. bis 31. Mai. 3) Sommerferien vom 16. Juli bis 16. August. 4) Herbstferien vom 1. bis 14. Oktober. 5) Weihnachtsferien vom 21. December bis 5. Januar 1905. 2. Schulschluss und Anfang des neuen Schuljahrs. Sonnabend, den 26. März, findet die Verkündigung der Versetzungen und Aus- teilung der Zeugnisse statt. Die Prüfung der angemeldeten Schüler findet Freitag, den 25. März, pünktlich Tum 3 Uhr nachmittags, für die einheimischen Sextaner statt, für die übrigen Montag, den 11. April, und zwar pünktlich um 9 Uhr vormittags. Anmeldungen sowie Abmeldungen nimmt der Unterzeichnete den 8.—11. April vormittags von 10—1 Uhr in seinem Amtszimmer entgegen. Der Termin der Abmeldung wird bis zum 8. April verlängert. Der Unterricht beginnt Dienstag, den 12. April, pünktlich um 8 Uhr. Die Schüler haben sich vorher mit den für die betreffende Klasse ausgewählten Büchern nach Massgabe dieses Programms(S. 37— 39) sowie mit Schreibheften u. s. w. zu versehen. Vom 1. Mai ab wird der Unterricht wieder um 7 Uhr beginnen. Der Unterzeichnete ist stets an den Wochentagen mit Ausnahme des Freitags von 12— 1 Uhr in seinem Amtszimmer in Schulangelegenheiten zu sprechen. Die Sprechstunden der Herren Mitglieder des Lehrerkollegiums werden den Schülern seiner Zeit bekannt gemacht. Marburg, 22. März 1904. Der Königliche Gymnasialdirektor Prof. Dr. Friedrich Aly.