u——— ſUrir. Bibl. Jeiessen 8 N I 5 — »ADA womit zu den am 22. und 23. Merz 1858 im Hörsaal des Gymnasiums Statt findenden 6ffentlichen Prüfungen ergebenst einladet der Gymnasialdirector Dr. K. W. Piderit. Inhalt: 1) Zur Kritik u. Exegese von Cicero de oratore, vom Gymnasialdirector Dr. Piderit. ror 2) Schulnachrichten. HANAL, Druck der Waisenhausbuchdruckerei. 1858. —— 44. 8 b 41 Lur Kritik und Exegese von Cicero de oratore Dr. K. W. Piderit. — . 4 I ent I Ans ene 36—E . 3 rnilA whait* ä eha id. e nt, 1 95 Ar b 82 Allbn DD nachfolgende Abhandlung kann als Fortsetzung einer kleineren Gelegenheitsschrift angesehen werden, die zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Directorial-Jubiläums des Gymna- sialdirectors Dr. W. Münscher zu Hersfeld am 31. October vorigen Jahres unter dem gleichen Titel: Zur Kritik und Exegese von Cicero de oratore erschienen ist. Es sind einige schwierigere Stellen, deren Behandlung dort versucht ward; und ging meine Ansicht dahin. da sz: 1) I 12, 53 statt des herkömmlichen quod volet zur Vermeidung der unerträglichen Ana- koluthie vielmehr quoad volet zu lesen sei; 2) I 13, 56 die irrtümlich eingeschobenen Worte„communie vor civium und de hominum“ wegfallen und nur ‚de civium, de gentium iure“ bleiben müszten; und 3) I 27, 125 zu Herstellung des Zusammenhangs die durch ein Versehen hinter non habet ausgefallenen Worte illud habet wieder in den Text zu setzen seien. Ferner schlug ich vor: 4) I 29, 132 statt ‚unus paterfamilias“ lieber unus e multis, und 5) I 59, 253 mit Streichung des Glossems„iurisperitos' qui ipsi sint pertissimi zu lesen.— Weiter wären: 6) II 2, 6 die grammatisch nicht zu rechtfertigenden Worte et ingeniis als auch in den Zusammenhang der Stelle nicht recht passende Interpolation aus dem Text wieder zu entfer- nen. In der oft misverstandenen Stelle: 7) II 9, 38 sei der Concessivsatz: ‚etsi— tamen“ nicht zu dulden, und nur si ex eo iudicari potest, hoc certius nihil esse potest, und weiter vielleicht statt„quid quaeque do- ceant' auf Grund handschriftlicher Spuren: quid quique teneant zu schreiben. Endlich müszten: IV 8) II 20. 86 nach dem unleugbaren Zusammenhang die Worte von ‚quod' an ohne Zweifel in Zukunft so gelesen werden: quod alterum, non facere quod non optime possis, divinitatis mihi cuiusdam videtur, alterum, facere quod non pessime facias, humanitatis. An diese acht Stellen sollen sich nun die nächsten zwölf, die den wiszenschaftlichen Inhalt des diesmaligen Osterprogramms des hiesigen Gymnasiums bilden, weiter anreihen, und so zu- gleich mit jenen gewissermaszen eine etwas ausführlichere Prolusio zu der bereits angekündig- ten Ausgabe von Cicero de oratore bilden, die, so Gott will, noch im Laufe dieses Jahrs er- scheinen wird. — K enn——— I. Cic. de orat. I 10, 41. Ouod vero in eæxtrema oratione quasi luo jure sumpsisti, oratorem in omnis sermonis dispulatione copiosissime versari posse, id, nisi hic in tuo regno essemus, non lu lissem mullisque praeissem, qui uut interdicto lecum contenderent, aut te e; jure manum conserlum vocarent, quod in alienus possessiones lam lemere irruisses. Agerent enim lecum lege primum Py- thagorei omues alque Democritü ceterique jure suo physici vindicurent, ornati homines in dicendo et grares, quibuscum libi justo sacramenlo contendere non liceret. In zwei Punkten kann Scävola seinem Schwiegersohn nicht beistimmen, sowol was die von diesem behauptete staatsmännische Bedeutung des Redners, als auch was die beanspruchte um- fangreiche Thätigkeit desselben auf allen Gebieten sprachlicher Darstellung betrifft. Zur Wider- legung dieser letzteren Behauptung, die Crassus so sicher aufgestellt hat, als könnte gar kein Rechtseinspruch dagegen erhoben werden— meint Scävola— würden sich sicher viele erheben, die über diesen Eingriff in ihr Eigentumsrecht Klage führen würden. Hier läszt nun Cicero den rechtskundigen Q. Mucius Scävola augur(in dessen Familie die Kunde des positiven Rechts gewissermaszen erblich war) in der heitersten Stimmung absichtlich die ihm eigene juristische Sprache führen, und wühlt zu dem Ende lauter technische Ausdrücke, die in ihrer streng juri- stischen Bedeutung zu nehmen sind. So gleich praeire„die erforderlichen Worte vorsagen“ so- wol zur Einleitung des Processes, der durch mündliches Aussprechen bestimmter solenner For- meln begonnen wurde, als auch um vorschriftsmäszig den Anspruch, den die Processführenden erhoben, mit Gesetzesworten zu bezeichnen.¹²) Auszerdem aber sind noch fünf andere juri- stische termini angewendet, um das Processverfahren zu bezeichnen, das die in ihrem Eigen- tumsrecht beeinträchtigten Gegner einschlagen würden: interdicto contendere, ex jure manum consertum vocare, lege agere, vindicare in jure und sacramento con- tendere.— Zu den Rechtsmitteln, durch welche der Prätor den Privatbesitz schützte, gehörten die s. g. possessorischen Erlasze oder Interdicte. Sie hatten den Zweck, theils einen gegen- wärtigen Besitz vor Störung zu schützen, theils einen verlorenen Besit⸗ wieder zu verschaffen, und wurden demnach entweder interdicta retinendae oder interdicta recuperandae possessionis 1) Vgl. G. F. Puchta Cursus der Institutionen, Leipzig 1857, 2. B.§. 161. 2 genannt. Das gewöhnliche Verfahren bei diesem interdicto contendere der Parteien war, dasz der Kläger, der sich in seinem Eigentumsrecht bedroht oder beeinträchtigt glaubte, den Beklagten zu einer Sponsion provocierte, wodurch dieser eine Strafe versprach, wenn er con- tra edictum praetoris gehandelt hätte, z. B. si fundum unde tu me vi deiecisti, contra edictum praetoris non restituisti, tot nummos Jare spondes. Ergab sich nun in Folge der deshalb ange- stellten Untersuchung, dasz der Beklagte sich wirklich unrechtmäszig den Besitz des Klägers angemaszt hatte, so wurde er in die Sponsionssumme verurteilt und der Kläger in sein Eigen- tum restituiert. ²) Einen solchen Interdictenprocess, meint nun Scävola launiger Weise, müszten von Rechtswegen die Philosophen gegen Crassus anstellen, der den Redner von ihrem Eigen- tum widerrechtlich Besitz ergreifen lasze. Oder aber sie sollten eine förmliche legis actiogegen ihn bewirken. Sobald nämlich die streitenden Parteien zu Austragung ihres Rechtsstreits vor dem zuständigen Magistrat erschienen, so gieng das juristische Verfahren in bestimmten solen- nen Formen vor sich, nach ältestem Recht durch das Aussprechen solenner Worte(theils von den Parteien, theils von dem Magistrat) verbunden mit bestimmten andern(symbolischen) Hand- lungen. Diese feierliche durch eine lex vorgeschriebene Processhandlung heiszt legis actio und seine Sache unter den gesetzlichen Formen führen lege agere. Die erste dieser Actionen war nun die legis actio sacramento, so genannt von dem Succumbenzgeld, das beide Parteien(ur- sprünglich an einem locus sacer) deponieren muszten, und das die unterliegende Partei an das aerarium verlor. Der Process erhielt dadurch die Form eines Streites um die Strafe— sacra- mento contendere— und darauf lautete auch das Urteil des Gerichts, wodurch das sacra- mentum desjenigen, der sein Recht siegreich behaupten konnte, für iustum, das des Ueber- wundenen für iniustum und damit als dem Staatsschatz verfallen erklärt wurde.*)— In gewsisen Fällen z. B. eben bei dem Rechtsstreit über das Eigentum an einer Sache enthielt die Verhand- lung in jure(vor dem Magistrat) noch einen besonderen Act, welcher von den damit verbun- denen symbolischen Handlungen vindicatio, vindicare ⁴¹) heiszt, oder in iure manum con- serere: der Kläger legte mittelst eines Stabes(festuca oder vindicta, signo quodam iusti dominii) und der solennen Formel Hand an die Sache, ebenso darnach der Beklagte. Diese Vindication erforderte daher eigentlich die Gegenwart der Sache selbst, oder doch, wenn die Herbeischaffung derselben nicht thunlich war, eines Stücks davon. So gieng bei der Vindication von Grund- stücken nach ältestem Recht der Prätor mit den Parteien zu dem Grundstücke, um dort die Handlung vornehmen zu laszen; später substituierte man dafür eine Scholle, welche die Parteien von demselben mitbrachten. Wenn sie vor dem Prätor erschienen, sprach der Kläger: fun- dum qui est in agro qui Sabinus vocatur ego te ex iure manum consertum voco. ³) Der 2) Puchta a. a. O. 2. B.§. 169. 3) Puchta a. a. O.§. 161. 4) Nach O. Müller= vindicere d. i. vim dicere, quod potius dicitur vis, quam ſit inter cos qui contendunt(Festus). 5) Gell. N. A. XX 10 ex iure manum consertum verba sunt ex antiquis actionibus, qune, cumn lege agitur et vindiciae contenduntur, dici nunc quoque apud practorem solent. Dann werden aus dem 8 Buch von Ennius Annalen weiter folgende Verse angefährt: 3 Gegner sprach: unde tu me ex iure manum consertum vocasti, inde ibi ego te revoco.— So. meint Scävola, würden die Philosophen mit Crassus lege agere und ihn ex iure manum consertum vocare, um mittelst dieser vindicatio in iure wieder zu ihrem Eigentum zu gelangen; denn Crassus würde wol den Process verlieren und das Succumbenzgeld nicht wieder bekommen. Und dieser Process gegen den Eingriff des Redners in das allgemein-philosophische Gebiet gienge sicher von allen philosophischen Richtungen ohne Ausnahme aus: zuerst von den Pythagoreern(als Repräsentanten der italischen Philosophie überhaupt) deren Haupt wegen seines umfaszenden Wiszens und wegen seiner Beredsamkeit die Bewunderung seiner Zeitge- nossen erregte, und dessen Jünger— man denke nur an Philolaos aus Tarent, qui multis voluminibus de intelligendis rebus et quid quaeque significent disseruit²)— durch ihre Seelen- lehre und ihre ethisch-politische Richtung so hoch standen, dasz man sogar den zweiten römi- schen König zum Pythagoreer machte;*) dann von den Naturphilosophen mit Demokrit an der Spitze,*) der nicht nur um seines universalen Wiszens, sondern auch um seiner fast durch poetischen Rhythmus ausgezeichneten Darstellung willen berühmt ist ⁹), und den übrigen, wie Empedokles ¹¹⁹) und besonders dem berühmten Anaxagoras, gleichfalls physicus ¹¹), a quo Plato censet Periclem, cum alia praeclara quaedam et magnifica didicisset, uberum et fecundum fuisse, gnarumque(quod est eloquentiae maximum) quibus orationis modis quaeque animorum partes Pellitur e medio sapientia, vi geritur res; ¹ Spernitur orator bonus, horridus miles amatur. Ilaud doctis dictis certantes nec maledictis Miscent inter sese inimicitias agitantes. Non ex iure manum consertum, sed magis ferro Rem repetunt regnumque petunt, vadunt solida vi. Darauf wird zur Erklärung dieser ‚verba actionum civilium celebriora' Folgendes bemerkt: Nam de qua re dis- ceptatur in re praesenti, sive ager sive quid aliud est, cum adversario simul manu prendere et in ea re sollem- nihus verbis vindicare id est, vindicia.“ Correptio manus in re atque in loco praesenti apud praetorem ex duode- cim tabulis fiebat, in quibus ita scriptum est, si qui in iure manum conserunt. Sed postquam praetores propagatis Italiac finibus, datis iurisdictionis negotiis occupati proficisci vindiciarum dicendarum causa ad lon- ginquas res gravabantur, institutum est contra duodecim tabulas tacito consensu, ut litigantes non in iure apud praetorem manum consererent, sed ex iure manum consertum vocarent,“ id est alter alterum ex iure ad conserendam manum in rem, de qua ageretur, vocaret atque profecti simul in agrum, de quo litigabatur, terrae aliquid ex eo, uti unam glebam, in ius in urbem ad praetorem deferrent et in ea gleba, tamquam in toto agro, vindicarent. Für die Iuterpretation der Ennianischen Stelle folgt daraus: Idcirco Ennius significare volebat, non ut ad practorem solitum est, agi legitimis actionibus neque ex iure manum consertum, sed bello Terroque et vera vi atque solida; quod videtur dixisse conferens vim illam civilem et festucariam, quae verbo dice- retur, non quae manu ficret, cum vi bellica et cruenta. 6) Cic. de or. III 31, 139. 7) Cic. de or. II 37, 154. de rep. II 15, 28. Tusc. IV 1, 3. Liv. I 18, XL. 29. 8) Cie. de or. I 11, 49. III 15, 56(mit Pythagoras und Anaxagoras zusammen) de fin. V 19, 50. Jusc. IV 19, 44. 9) Cie. or. 20, 67. 10) Cic. de or. 1 50, 217(physicus) de rep. III 41, 19. Empedocles et Pythagoras viri maximi et docti. 11) Cic. or. 4, 15 Acad. II 23, 72 maxima fuit et gravitatis et ingenii gloria. 1 82 4 pellerentur; ¹²)— endlich von Sokrates und den von ihm ausgehenden Philosophenschulen, den Akademikern, Stoikern und Peripatetikern. Betrachten wir nun die jetzt übliche Lesart: Democritii ceterique iure suo(oder suo iure) physici vindicarent näher, so bietet sie sehr viel Bedenkliches dar. Einmal nämlich könnte dann vindicare nur in dem weiteren Sinn von„beanspruchen“ genommen werden, und der nach dem Vorigen erforderliche Parallelismus der verschiedenen rein technischen Rechtsausdrücke gienge verloren. Dazu kommt, dasz in diesem Falle die Objectsbezeichnung nicht fehlen dürfte, wie Corn. Nep. Thras. 1 Itaque iure suo nonnulla ab imperatore miles, plurima vero fortuna vindicat, oder Cic. de off. I 1, 4 si id mihi adsumo, videor id meo iure quodam modo vindicare. Ferner aber wäre nicht einzusehen, warum das suo iure nur zu vindi- carent und nicht vielmehr gleich zu agerent lege gesetzt wäre. Drittens wird der Gedanke, der mit suo iure ausgedrückt werden sollte, von Scävola(der ein so bestimmtes subjectives Urteil gar nicht aussprechen will) viel treffender durch den folgenden Relativsatz quibuscum tibi etc. gegeben. Endlich ist auch die Stellung von physici zwischen iure suo und vindicarent in der That ganz unerträglich. Auch wird damit nicht viel geholfen, dasz man mit Bake ¹³) suo in sua ändert; denn wenn gleich vindicarent allerdings damit sein Object erhält, so bleibt doch der oben geltend gemachte doppelte Einwurf, dasz wir damit keinen specifisch-juristischen terminus erhalten, und nicht zu erklären ist, warum iure nicht schon früher steht. Aus diesen Gründen ist die recipierte Lesart zu verwerfen, und zu der ursprünglichen Lesart zurückzukehfen: ceteri- que in iure vindicarent physici. Darauf scheinen auch die handschriftlichen Spurer zu führen. Gute Handschriften haben nümlich nur in suo. Spätere Abschreiber nahmen an, es sei in diesen nur ein Wort ausgelaszen und fügten, aber ganz unpassend, genere die vermeint- liche Lücke ergänzend hinzu. Das Wort suo kam vielmehr durch ein Glossem in den Text der erst- genannten Classe von Handschriften, welches von einem Glossator, der den juristischen terminus iin iure vindicare“ nicht verstand, über das in iure geschrieben war. Ein späterer Abschreiber des so glossierten Exemplars(der kein Latein verstand und daher mechanisch treu copierte, wie dies beim Erl. I. der Fall zu sein scheint), behielt zwar das„in“ richtig bei, setzte aber an die Stelle von iure das darüberstehende suo, das er für eine Correctur von iure halten mochte, wie dergleichen Irrungen unzälige vorgekommen sind; ein anderer Abschreiber dagegen(dem die Verbindung suo iure mehr vorgekommen war) zog das darübergeschriebene suo statt des ihm unverständlichen„in“ in den Text. So entstand suo iure, was andere umstellten und iure suo schrieben. Mit dem Ausdruck in iure vindicare bezeichnet dann Scävola das Verfahren vor dem Magistrat, wodurch das Prozessverhältnis zwischen den Parteien begrün- det wird und seine Form erhält, im Gegensatz von in iudicio„vor dem Richtert, wohin Alles andere gehört, was zur Erledigung des Rechtsstreits erforderlich ist, ¹*) wie es denn auch in 12) Cic. or. 4, 20. de or. III 34, 138. Brut. 11, 41. 13) Scholica hypomnemata vol. II p. 58.— In den N. Jahrh. für Ph. u. P. B. 75. HI. 12. S. 810 babe ich selbst noch sua vertheidigt u.(ohne ausreichende Beachtung der streng juristischen Sprache, die hier obwaltet) zu lesen vorgeschlagen: ceterique physici in iure sua vindicarent. 14) Puchta a. a. 0. 2. B.§. 150. Vgl. de or. 1 48; 58, 248. — 0 dem locus classicus, der die Lesart in iure vindicarent besonders stützt, in Gai instit. comm. IV. §. 16 heiszt: si in rem agebatur, mobilia quidem et moventia, quae modo in ius adferri addu- cive possent, in iure vindicabantur ad hunc modum: qui vindicabat, festucam tenebat u. s. W. Es wird also mit dem Ausdruck, der ganz parallel steht mit agerent lege, sehr pas- send, da es sich eben um einen Eigentumsstreit handelt, diese specielle Form der legis actio, die vindicatio in iure, bezeichnet.— Was endlich die Stellung von physici betrifft. so gehört dies Wort— worauf auch die handschriſftliche Lesart vindicarentque führt— hinter vindicarent und ist, wie gleich die hinzugefügte Apposition beweist, mit absichtlichem Nachdruck ans Ende gestellt:„Philosophen von so umfaszendem Wiszen, die zugleich in der Form der Darstellung so tüchtig sind wie z. B. Anaxagoras, werden sich schwerlich von dem Redner ihr Recht streitig machen laszen.- 2. I 51, 219. Negque rero islis tragoediis tuis, quibus uli philosophi maxime solent, Crusse, perlurbor, quod ita diæisli, neminem posse eorum mentes, qui audirent, aut inflammare dicendo aul inflammatas restinguere, cum eo maxime vis oratoris magnitadoque cernatur, nisi qui rerum ommnium naturam, mores hominum alque rationes penilus perspexerit, in quo philosophia sit oralori neces- sario percipienda. Antonius bestreitet hier von seinem mehr praktischen Standpunkte aus ¹) den Satz, dasz der Redner auf die Seelen der Menschen nicht wirken könne, wenn er nicht zuvor philosophi- sche, insbesondere psychologische Studien gemacht habe, in directer Erwiderung auf die Be- hauptung des Crassus c. 14, 60 Quaero enim— num admoveri possit oratio ad sensus animorum atque motus vel inflammandos vel etiam exstinguendos, quod unum in oratore dominatur. sine diligentissima pervestigatione earum omnium rationum, dquae de natu- ris humani generis ac moribus a philosophis explicantur. Daher haben schon Schütz und nach ihm Bake hypomnemata schol. II. p. 100 darauf aufmerksam gemacht, dasz hier rerum omnium naturam unmöglich richtig sein könne. Auch läszt sich dieser Ausdruck nicht so vertheidigen, wie Ellendt nach Matthiä's Vorgang gethan hat: Antonius trage in iro- nischer Uebertreibung, um jene„philosophischen“ Anforderungen an den Redner zu geiszeln. absichtlich die Farben ein wenig stark auf, als verlange man, dasz der Redner auch gründliche und umfassende metaphysische Studien gemacht haben misze. Das⸗ Crassus überhaupt zu hohe Forderungen an das Studium des Redners stelle, insofern dieser AIles wiszen müsze, dagegen hatte sich Antonius bereits sowol oben c. 18, 80 ff, als eben noch c. 49, 213 ge- äuszert; jetzt kommt es ihm offenbar darauf an, auch die speciellere Behauptung, dasz der Redner seiner Hauptfunçtion wegen, auf die„rn, des Menschen zu wirken, jedenfalls ethisch- psychologische Studien gemacht haben müsze, ausführlich zu widerlegen. Die Concession, dasz man den Redner von dem besondern wiszenschaftlichen Studium der 1) Vgl. I. 48, 208. 6 peiden andern Theile der Philosophie, der Metaphysik und Dialektik allenfalls dispensieren könne, hatte Crassus selbst gemacht(c. 15, 68). Um so nachdrücklicher aber war er dabei stehen geblieben, dasz dem Redner das specielle Studium des dritten Theils der Philosophie, der Ethik, nicht erlaszen werden könne. ²) Gegen diese, wie es schien, unangreifbare und darum von den Philosophen den Rhetoren gegenüber mit hohem Selbstgefühl behauptete Posi- tion ³) erhebt nun Antonius seinen Widerspruch, und die ganze nachfolgende Exposition ist schlechterdings nur darauf gerichtet, selbst diese Anforderung an den Redner als unberechtigt zurückzuweisen. Ist dem aber so, hat unsere Stelle den speciellen Zweck, gerade diesen Punkt zu widerlegen, so kann Antonius den Satz, den er bestreiten will, unmöglich so anführen, wie ihn die Vulgatlesart bietet; hier darf er die Behauptung seiner Gegner durch eine willkürliche Steigerung nicht entstellen;— das könnte nur zum Nachteil seiner eigenen Kritik geschehen, deren Absicht, wie gesagt, jetzt nicht darauf geht, die leichter zu widerlegende Forderung. dasz der Redner die ganze Philosophie studiert haben müsze, zu bekämpfen, sondern die Sei- tens der Philosophen mit viel mehr Schein erhobene und auf den ersten Anblick weit schwerer zu bestreitende Behauptung: insoweit seien doch für den Redner philosophische Studien uner- laszlich, als er um seinen Hauptzweck— auf den Menschen zu wirken,— sicher erreichen zu können, ohne Zweifel auch der Menschen Natur und Charakter studiert haben müsze. Dasz daher rerum omnium naturam falsch ist, erleidet keinen Zweifel, und wird viel- mehr dem dargelegten Zusammenhange nach zu lesen sein: hominum naturam(oder natu- ras) mores atque rationes. ⁴) Darauf führen nämlich ähnliche vorausgehende Stellen, die zugleich als Commentar zu unserer Stelle(besonders zu rationes) dienen können, sowol c. 12. 53 quae nisi qui naturas hominum vimque omnem humanitatis causasque eas, quibus mentes aut incitantur aut reflectuntur, penitus perspexerit etc. als die bereits angeführte c. 14, 60, wie c. 36, 165 de naturis hominum, de moribus, de rationibus eis, quibus hominum mentes et inci- tarentur et reprimerentur. Wie aber die hergebrachte Lesart entstanden ist, erklärt sich sehr leicht. Durch einen Abschreiberfehler kam statt hominum(wie das bekanntlich unzäligemal geschehen ist) omnium in den Text, und dies hatte wieder sowol den Zusatz rerum zu omnium, als auch die Hinzufügung von hominum hinter mores zur Folge. 3. II 16, 69 negque est omnino ars ulla, in qua omnia, quue illa arte effici possint, a doctore tradantur; sed qui primarum el certarum rerum genera ipsa didicerunt, reliqus non incommode per- secquunlur. Es gibt schlechthin keine Kunst(meint Antonius) in der AIles, was in ihren Bereich gehört, bis in die individuellsten Einzelheiten ausdrücklich gelehrt wird. sondern der Unterricht 8 2) Vgl. c. 12, 53; 14, 60; 15, 68. 3) So z. B. von Charmadas gegen Menedemus c. 19, 87; vgl. c. 10, 42. Daher: istis tragoediis tuis, quibus uti philosophi maxime solent. 4) Nicht: omnem naturam moresque hominum, wie Bake will. 7 kann sich natürlich eben nur auf die genera, die Hauptgattungen, auf die allgemeinen Formen z. B. des menschlichen Fuszes, Kopfes oder der Brust, der Hand u. s. W. als Typen des Einzelnen und Individuellen, und auch da nur auf die wichtigsten und feststehenden Objecte, wie z. B. in der Bildhauerkunst auf den Kopf des Zeus, des Apollo, des Bacchus, der Hera. der Aphrodite oder auch auf den Kopf eines Löwen, eines Pferdes, eines Stiers, eines Adlers u. s. W. richten. Wer in diesen allgemeinen Formen und Typen gehörig unterrichtet ist, der wird auf Grund dieser seiner allgemeinen Kunstfertigkeit alles Weitere ganz bequem, ohne erst für jedes Einzelne einer besondern Unterweisung zu bedürfen, von selbst fertig bringen. Die Behauptung Ellendts, dasz per se, das in der Vulgatlesart vor non incommode steht, handschriftlich nicht begründet sei, ist nicht ganz richtig. Der Erlangensis II(in dem, wie im Abrincensis und Erlangensis I die Worte non incommode ausgefallen sind) hat per se(denn etwas anders kann das apbreviiert geschriebene Wort dort nicht bedeuten) tuentur. Es ist aber per se um des nachdrücklichen Gegensatzes gegen das vorhergehende a doctore tradi“ und „discere“ nicht zu entbehren und steht hier gerade so, wie später II 88, 360 neque verum est, quod ab inertibus dicitur, opprimi memoriam imaginum pondere et obscurari etiam id, quod Der se(d. h. ohne die technische Hülfe der Mnemonik) natura tenere potuisset. Seine richtige Stellung findet es dann hinter incommode, und da hat es auch ursprünglich gestanden. Das folgende Verbum aber ist nicht persequi, sondern adsequi gewesen, ganz wie gleich im Folgen- den c. 20, 84 sed si hoc in iure civili, si etiam in parvis aut mediocribus rebus doctiores ad- sequi possunt oder c. 41. 176 si vero adsequetur, ut talis videatur qualem se videri velit.) Wie leicht hinter per se namentlich am Ende der Zeile die Silben„ad se“ wegfallen konnten, liegt auf der Hand und läszt sich diese Auslaszung durch zalreiche Analogieen bestätigen. So schrieb man per se und zu Anfang der folgenden Zeile quuntur(oder wie wir gleich sehen werden quentur) woraus im Erl. II per se tuentur, in den übrigen Handschriften hernach persequuntur geworden ist. Als äuszere handschriftliche Bestätigung dieser Vermutung darf übrigens vielleicht auch die Lücke angesehen werden, die in einigen sehr wertvollen Handschriften an dieser Stelle vorhanden ist. Der Abrincensis nämlich wie der Guelf. A. hat gegen das Ende der Reihe p. dann einen Zwischenraum von etwa 7—8 Buchstaben, worauf die folgende Reihe mit tur fort- fährt. Auszerdem führt die Lesart des Erl. II tuentur auf das futurum adsequentur, was als Ausdruck der Versicherung, dasz dies dann unzweifelhaft eintreten werde, hier jedenfalls den Vorzug verdient. Nur ist dann auch mit einer ganz leichten Aenderung im unmittel- bar Vorhergehenden didicerint statt didicerunt zu schreiben; ähnlich wie in dem auch dem Inhalte nach verwandten Satz c. 17, 73 in his operibus si quis illam artem comprehen- derit— quemadmodum— minora illa opera facere discat non laborabit. 1) Vgl. 1 29, 132; 51, 261. 4. Die eben citierte Stelle lautet nach der gewöhnlichen Lesart vollständig: II 17, 73. In his operibus si quis illam artem comprehenderit, ut tlämgquam Phidias Minervae signum eſfſicere possit, non sane, ut quemadmodum in clipeo idem aurtife minura illa opera facere discat, laborahil. Das Bedenken des Catulus, dasz Antonius doch vielleicht zu wichtige und bedeutende Dinge der Uebung und Analogie überlasze, statt besondere theoretische Vorschriften darüber zu ertheilen, sucht Antonius damit zu beseitigen, dasz er ihm die gewaltige Grösze des orato- rischen Gebietes, auf das er seine Lehrvorschriften beschränkt hatte, in wenigen, aber inhalts- schweren Worten vorhält. Wer hier— fügt er dann hinzu— auf diesem Gebiete der öffent- lichen Beredsamkeit vor Gericht Meister ist, wer den hohen Forderungen, die da an den Redner gestellt werden, Genüge leistet, der wird um Erlernung der übrigen Dinge von mehr untergeordneter Bedeutung nicht in Verlegenheit zu sein brauchen. So gewis dies der Sinn der ganzen Stelle ist, so viel Schwierigkeit haben den Erklärern einige Worte in derselben gemacht. Die Handschriften haben nämlich sämtlich nur non sane quemadmodum in clipeo idem artifex minora illa opera facere discat laborabit; das ut“ der Vul- gatlesart fehlt in allen. Hat aber Cicero die übrigen Worte alle so wie sie dastehen geschrie- ben, so kann allerdings ut nicht entbehrt werden, und ist dies daher von Ernesti und von den meisten andern Herausgebern, die ihm gefolgt sind, in den Text gesetzt. Nur Orelli hatte früher die Vulgata durch die Erklärung zu vertheidigen gesucht: ,is non sane, quemadmodum minora illa opera facere discat laborabit, quemadmodum neque in clipeo idem ille artifex, quem- admodum illa opera faceret, laboravit, so dasz also das einmalige quemadmodum zu dem Sat⸗ minora illa opera facere discat noch einmal zu denken und aus facere discat nur das erstere, facere, zu entnehmen wäre. Später aber hat Orelli selbst diese seine Erklärung um dieser dop- pelten unerträglichen Härte willen gewis mit Recht wieder aufgegeben. In der Stellung des durch Conjectur eingeschobenen ut weichen jedoch die Herausgeber von einander ab. Ernesti und die ihm folgen, wie Ellendt und Orelli in der zweiten Aus- gabe setzen es hinter quemadmodum, Pearce hinter clipeo, noch andere, wie Klot⸗z nach dem oben gegebenen Text vor quemadmodum. Schon aus diesem Schwanken ergibt sich, wie mislich die Einschiebung des in den Handschriften fehlenden ut ist. Bake in den hypomn. schol. II p. 135 will daher lieber discat gestrichen haben und erklärt demgemäsz: non sane, quemadmodum in clipeo idem ille artifex(sc. non laborabat) minora illa opera facere laborabit i. e. non sollicitus erit de minoribus illis. Für den Gebrauch von laborare mit dem Inſinitiv verweist er dabei auf Verr. III 55, 127 saltem populi Romani commoda respicite, si sociis fidelissimis prospicere non laboratis. Das geht aber nach dem ganzen Zusammenhang entschie- den nicht an; Antonius begegnet, wie bereits oben bemerkt ist, einem Einwurf des Catulus, der zwar im Allgemeinen zugestanden hatte, Antonium praeclare ante oculos posuisse, quid dis- cere oporteret eum, qui orator esset futurus, aber gleichwol zu bedenken gibt, ob nicht Antonius doch noch zu bedeutende Dinge dem Selbststudium überlasze.— Müller dage- 9 gen in einem nach seiner Ausgabe erschienenen Programm will ut beibehalten, jedoch den ganzen vergleichenden Satz: quemadmodum in clipeo idem artifex als Glossem aus dem Text entfernt haben. Dem steht aber das entgegen, dasz man hier die Beziehung auf den Schild des Minervenbildes, dessen Cicero auch im orator c. 71, 234 gleichfalls in oratorischer Hinsicht erwähnt, ¹) sehr ungern vermissen würde. Ein Glossem ist allerdings in der Stelle, nämlich die beiden Worte ‚idem artifex.“ die genau betrachtet ein zu dem Ganzen nicht passender, störender Bestandteil sind. Antonius stellt näm- lich hier nicht Bild und Gegenbild, jedes gesondert gegenüber, so dasz auf der einen Seite die künstlerische Thätigkeit des Phidias, auf der andern, dieser gegenüber, die des Redners stände, sondern er läszt Bild und Gegenbild zusammenfallen, und sagt: wenn einer die Kunst der gericht- lichen Beredsamkeit so versteht, dasz er als ein zweiter Phidias eine Athene Parthenos zu Stande bringen kann, dann wird er warlich nicht in Verlegenheit zu kommen brauchen, wie er die kleineren Kunstwerke am Schilde machen soll; denn so bedeutend diese auch immerhin sein mögen, ²) so sind sie doch im Verhältnis zu dem groszen Götterbild untergeordneter Art, und bieten für den, der die ganze Statue bilden kann. keinerlei Schwierigkeiten dar, die er mittelst seiner allgemeinen künstlerischen Virtuosität nicht mit leichter Mühe überwinden könnte. Nun steht in dem Satz: non sane quemadmodum in clipeo minora illa opera facere discat laborabit Alles im besten Verhältnis, ohne dasz wir nötig hätten,„ut“ einzuschieben, das sich ohnehin nicht gut unterbringen läszt. Dem Minervae signum steht in clipeo, das sig- num den minora opera in scharfem Gegensat⸗ als die Arbeit éines Meisters gegenüber; hat es der Redner zur Meisterschaft in der éinen Hauptfigur gebracht(in dem Minervae signum d. h. dem genus iudiciale), so wird es ihm sicherlich keine groszen Schwierigkeiten machen, sich die nötige Fertigkeit zur Bildung der anderen kleineren Nebenfiguren am Schild(in clipeo illa mi- nora d. h. in den andern untergeordneten Zweigen der Beredsamkeit) zu erwerben. So erhalten wir einen ganz ähnlichen Gedanken wie ihn Crassus hernach hinsichtlich der stilistischen Fer- tigkeit ausspricht III 31, 125 Sit modo is, qui dicet aut scribet, institutus liberaliter educatione doctrinaque puerili et flagret studio et natura adiuvetur et in universorum generum ininitis disceptationibus exercitatus ornatissimos scriptores oratoresque ad cognoscendum imitandumque delegerit, nae ille haud sane, quemadmodum verba struat et illuminet a magistris istis requiret.— Wie leicht aber quemadmodum zu dem Glossem idem artifex Veran- laszung geben konnte, bedarf keines weiteren Nachweises. 5. II 23, 96. Ouod si hic noster Sulpicius faceret, multo eius oralio essel pressior; in qua nunc interdum, ut in herbis rustici solent dicere, in summa ubertate inest luæuries quaedam, uae slilo depascenda est. Schon oben(c. 21, 88) hatte Antonius von der hohen oratorischen Begabung des jungen 1) Ebenso die ganze Statue Minervae signum ex ebore pulcherrimum als Inbegriff künstlerischer Vollkommenheit Brut. 73, 257. 2) Der Schild der Athene Parthenos war bekanntlich, was Cicero sehr wol wuszte(or. 71, 234) von innen und auszen mit kunstrcichen Figuren(der Gigantomachie und der Amazonenschlacht) verziert. 2 10 Sulpicius geredet, ¹) und dabei unter andern auf die Lebendigkeit und das Feuer seiner Rede, wie auf die Ueberfülle von Kraft und seine überströmende Fruchtbarkeit aufmerksam gemacht. Und wenn sich auch diese übersprudelnde Ueppigkeit unter dem bildenden Einflusz seines Vorbildes und Meisters Crassus in etwas gelegt, so müszte sich doch auch jetzt noch, meint Antonius, der feurige, gährende Wein mehr und mehr abklären. Das bewährteste Mittel hier- zu aber sei die fleiszige schriftliche Uebung; denn stilus optimus est dicendi magister. ²) Uebe Sulpicius diese heilsame Zucht sorgfältiger schriftlicher Conception, so würden die überflüszigen Ranken abgeschnitten und die allzu voll und üppig aufwachsende Saat zum Besten des Ganzen ein wenig gelichtet werden, oder ohne Bild, seine Sprache würde einfacher und reiner, von allem Ueberflüszigen befreit, gediegener und kernhafter(pressior) werden. Die angeführte Stelle kann nun(was die Erklärung im Einzelnen angeht) einmal als ein recht deutliches Beispiel dienen, wie durch unrichtige Interpunction die Auffaszung des Sinnes getrübt wird. In allen Ausgaben steht nämlich, wie oben, hinter dicere ein Komma, so dasz in summa ubertate mit in qua sc. oratione Sulpicii inest luxuries quaedam zu verbinden ist. Diese Verbindung in oratione Sulpicii in summa ubertate inest luxuries quaedam hat aber etwas sehr Auffallendes, denn die summa ubertas ist ja eben nichts anders als luxuries quaedam. So verwandte oder gar geradezu gleichbedeutende Begriffe können aber natürlich auf diese Weise nicht zusammengestellt werden; es müszte dann nach Analogie anderer Beispiele ³) statt ubertate vielmehr ein Wort dastehen, das einen gewissen Gegensatz zu luxuries bildete; wie denn auch Bake schol. hypomn. II p. 142 gerade aus dieser Rücksicht gravitate zu lesen vorschlägt. Aber einer so willkürlichen Aenderung der handschriftlichen Lesart bedarf es nicht, wenn wir nur das Komma nicht hinter dicere, sondern erst hinter ubertate setzen und also diese Worte in summa ubertate zu dem Zwischensatz ut in herbis rustici solent dicere sc. in- esse luxuriem ziehen, wo sie auch notwendig hingehören: den figürlichen Ausdruck luxuries braucht ⁴) der Landmann von der jungen grünen Saat, wo sie zu gut, zu üppig steht(in summa ubertate). So wird die luxuries der Sulpicischen Rede mit der luxuries segetum ver- glichen. Beide Arten von luxuries sind Fehler, ³) und wie der verständige Oekonom die allzu- voll und reichlich stehende Saat, natürlich so lange sie noch grün ist, abweiden läszt,*) damit nicht Alles unter der Ueberfülle ersticke: so musz der Redner, dessen Diction an einer luxu- ries der Worte leidet, bei Zeiten mit dem Griffel— der wie der dens pecoris ohne Schaden*) 1) Vgl. I 29, 131 u. 132. Brut. 55, 202 ff. 2) Cic. de or. I 33, 150; 60, 257. Brut. 25, 96 artifex ut ita dicam stilus. ad Fam. VII 25, 2 stilus est dicendi opifex. Brut. 24, 92 nulla enim res tantum ad dicendum proficit, quantum sceriptio. 3) Vgl. Brut. 40, 148 Crassus in summa comitate habebat etiam severitatis satis, Scävolae multa in severitate non decrat tamen comitas. 4) Cic. de or. III 38, 155. Nam gemmare vites, lIuxuriem esse in herbis, laetas segetes etiam rustici dicunt. 5) Plin. h. n. XVIII 44, 2 inter vitia segetum etiam luxuria est. 6) Plin. h. n. XVIII 45 luxuria segetum castigatur dente pecoris in herba dumtaxat. Virg. Georg. I 112 luxu- riem segetum tenera depascit in herba. 7) Plin. I. I. et depastae quidem(sc. segetes) vel saepius nullam in spica iniuriam sentiunt. 11 die überflüszigen Gedanken tilgt,— den übrigen gesunden Keimen Luft und Licht zu machen suchen. II 41, 176. Si vero adsequetur, ut talis videalur, qualem se videri velit, et animos eorum ita adſiciat, apud quos aget, ut eos quocunque velit, vel trahere vel rapere possit, nihil profecto praeterea ad dicendum requirel. 1 Wie eben vorher ein einzelner Ausdruck„in summa ubertate“ das Auffallende, das er bpei unrichtiger Interpunction hat, sofort verlor, sobald wir nur die einzelnen Theile des Satzes richtig verbanden: so schwindet an dieser Stelle das scheinbar Störende, das der ganze Satz auf den ersten Anblick hat, sobald man nur den Gedankengang in seinem lebendigen, raschen Fortschritt recht betrachtet. Und so wenig wir dort Ursache hatten, dem vermeintlichen Uebel- stande durch Veränderung des betreffenden Wortes abzuhelfen, so wenig werden wir uns hier dazu zu verstehen brauchen, wie Bake schol. hypomn. II p. 163 f. will, vorstehenden Sat=z ganz auszustoszen, oder ihm eine andere Stelle am Schlusz des§. 178 anzuweisen, an die er nicht gehört. Antonius hat eben eine kurze systematische Uebersicht der rhetorischen Topik gegeben (c. 39, 163— c. 41, 174). Am Schlusze dieser theoretischen Exposition, wie sie die Schulrhetorik nach Aristoteles zu geben pflegte, war es dann ganz an seinem Orte, über die Brauchbarkeit dieser Lehre von den locis argumentorum für den praktischen Redner einige Winke zu geben, und überhaupt im Gegensatz gegen die Schulrhetoriker, die jene abstracten Kategorieen bei weitem überschätzten, darauf aufmerksam zu machen, was die gegebene Theorie zu leisten vermöge, und was nicht; wie dies in ganz ähnlicher Weise nach der kurzen Darstellung des rhetorischen Schulsystems Crassus gethan hatte(I 32, 145 ff.)„Die Topik zeigt eben nur die Fundstätten, wo man das edle Metall zu suchen hat; nun darnach graben, die Schätze heben und an's Tageslicht bringen, das ist Sache selbsteigener Thätigkeit und Arbeit.“ Dann fährt Antonius§, 175 fort:„Welche der angeführten Kategorieen für die Beweismittel aber für jeden einzelnen Fall in Anwendung zu bringen sei, das läszt sich nicht durch besondere theo- retische Vorschriften und Regeln lernen, sondern dazu gehört vielmehr natürlicher Verstand und Urteil. Der reine Theoretiker mag auch das in den Bereich seiner Technik ziehen; das ist aber hier unser Standpunkt nicht, die theoretischen Winke, die wir ertheilen, sollen stets auch praktische Bedeutung haben.“ An diesen Gedanken, dasz für die Wahl der jedesmal passendsten Beweis-Kategorieen im Einzelnen keine besondere Regel zu geben sei, schlieszt nun Antonius, wie in einem Resumé, zur Angabe dessen, was nun eigentlich die Topik dem prak- tischen Redner leiste, die folgende Worte an:„Stehen nun die angeführten(hi) loci unerschüt- terlich im Gedächtnis fest, und sind sie dem Redner sofort bei jedem Thema lebendig gegen- wärtig, so gewähren sie ihm den wesentlichen Vorteil, dasz ihm Angesichts dieser Alles um- faszenden Kategorieen nicht leicht etwas entgehen kann,“ wie das Antonius schon oben c. 34, 147 in ähnlicher Weise ausgesprochen hatte. Um jedoch auch nicht im entferntesten den Schein zu erregen, als sei damit nun Alles gethan, sondern um schon hier, wenn auch vorläufig nur 2* 42 mit einem Wort, daran zu erinnern, dasz der Redner doch noch nicht Alles habe, wenn ihm diese loci argumentorum behufs des probare zu Gebote ständen, weist Antonius eingedenk jenes glänzenden Vortrags des Charmadas ¹) gleich auf die Notwendigkeit hin, mit den rechten locis auch für die beiden andern Hauptthätigkeiten des Redners gerüstet zu sein, für das con- ciliare u. movere, die hernach noch besonders zu erörtern sind:„»Wenn er es aber dazu noch dahin bringt, dasz das Publikum so von ihm denkt, wie er wünscht, und dasz er die Herzen der Zuhörer nach seinem Gefallen, sei es allmählich lenken oder wie im Sturm mit sich fortreiszen kann, wohin er will, so hat er in der That Alles, was er zum Reden braucht. jede weitere Theorie ist damit für ihn überflüszig.“ Dann erst geht Antonius zum Abschlusz dieses Capitels dazu über, mit ein paar flüchtigen Strichen die tractatio argumentorum zu be- rühren, um darauf die beiden eben angedeuteten wichtigeren oratorischen Thätigkeiten, das conciliare und permovere, ausführlicher zu besprechen. So schlieszt sich Alles auf das Beste aneinander an, und der auf den ersten Anblick etwas fremdartige Satz erweist sich bei genauerer Betrachtung so wenig als störend, dasz wir in ihm vielmehr eine hier ganz passend angebrachte Ergänzung und Vervollständigung des vorausgehenden Gedankens finden müszen. 7. II 61, 248. Tantum interest, quod gravilas honestis in rebus severe, iocus in lurpiculis et quasi deformibus ponitur. Cäsar erinnert daran, dasz das Witzige und Scherzhafte mit dem Ernsthaften— da dies ja nur die Kehrseite von jenem ist— dieselben Fundstätten miteinander gemein haben, gerade so wie beim genus iudiciale das defendere mit dem accusare, beim genus deliberativum das suadere mit dem dissuadere und beim genus demonstrativum das laudare mit dem vituperare. ¹) Dann fährt er mit obigem Satze fort: der Unterschied liege nur darin, dasz beide sich auf ver- schiedenen Gebieten zu bewegen pflegen, wie schon oben c. 58, 236— nach Arist. art. poet. c. 6, der 0„2οον als 16 σ ο 0 ciονο nimmt, als dμαερτανἀ τι eꝛα αονs eνα‿dονον od H.αινeν— ausdrücklich als die regio ridiculi eine turpitudo quaedam et deformitas angegeben war, während der Ernst in den Kreis der honestae res gehört. Dies ist der einfache Zusammen- hang; éin Wort aber ist dabei unberücksichtigt geblieben, der Ausdruck severe. Ellendt hat ihn geradezu als ein unerklärbares, nicht in den Text gehöriges Einschiebsel in Klammern ge- schloszen; Bake schol. hypomn. II p. 134 erkennt gleichfalls das Unerträgliche der Wendung gravitas severe ponitur in rebus honestis an und vermutet, dasz für severe zu lesen sei: si 1) Cic. or. I 19, 87. Caput enim arbitrabatur esse oratoris, ut et ipse eis, apud quos ageret, talis qualem se esse optaret videretur— et ut ei, qui audirent, sic adficerentur animis, ut cos affici vellet orator. Vgl. Brut. 38, 142(bei der Schilderung des Antonius als Redner) Nulla res magis(als ein die Herzen bewegender Vortrag) penetrat in animos eosque fingit format flectit tales que oratores videri fa cit, quales ipsise videri volunt. 1) Cic. de or. II 53, 215. Jam illud Perspicuum est, omnium rerum in coutrarias partes facultatem ex eisdem suppeditari locis. 13 verae sunt und für ponitur vielmehr agnoscitur. Was die erste Aenderung betrifft, so weicht diese doch, um Billigung zu finden, von den handschriftlichen Spuren zu sechr ab, abgesehen davon, dasz die Cautel ,si verae sunt“ formell und materiell schief wäre, denn gravitas hat doch auch in rebus, quae non verae, sed fictae sunt ihre berechtigte Stelle. Für ponitur aber ag- noscitur zu setzen, wäre(von severe natürlich abgesehen) ein übeler Tausch, da ponitur neben versatur oder cernitur in der Bedeutung: besteht, beruht, zeigt sich, das ganz übliche Verbum bei solchen Begriffsbestimmungen ist. ²)— Die leichteste und einfachste Aenderung ist wol, dasz man statt severe liest: et severis, wodurch auch der Parallelismus mit dem Gegensatz: in turpiculis et quasi deformibus hergestellt wird. Zugleich aber wird durch den Zusatz et severis(was noch wichtiger ist) eine specielle Bestimmung zu honestis in rebus hinzugefügt, die nicht wol entbehrt werden kann. Die gravitas im Gegensatz von jocus liegt im Gebiet des Sittlichguten und hier wieder in der Region des Strengen von durchaus gemeszenem Aussehen; der jocus dagegen mehr im Bereich des Sittlichtadelnswerten oder doch nicht eben Löblichen des Absonderlichen von fast karrikaturartigem Aussehen,— wie dieser Gegensatz dann weiter durch die nachfolgenden Beispiele erläutert wird: durch das eine Witzwort von dem Diener, vor dem man nichts zu verschlieszen braucht, das im Ernst von dem ehrlichen und treuen Sklaven, im Scherz von dem Schalksknecht gilt, gegen dessen Diebs- hand doch nicht Schlosz noch Riegel hilft; wie durch das andere von dem Ehrenmanne, dem sein lahmer Fusz, wie er ihn im Kampfe für das Vaterland davon getragen, bei jedem Schritt ein Zeuge seines Ruhmes ist, und dem Podagristen, dessen Hinken nur zum Spott über seinen politischen Wankelmut Veranlaszung gibt.— Dasz übrigens(um das noch zu erwähnen) der früher angenommene Unterschied von severus und serius, wonach jenes nur von Personen ge- braucht werde, nicht richtig ist, beweist die gleich hernach folgende Stelle§. 250 zur Genüge: nullum genus est ioci, quo non ex eodem severa et gravia sumantur. Für die Verbindung der beiden Begriffe von honestum und severum kann endlich, wenn es dessen bedürfen sollte, noch Cic. de off. II 3, 4 angeführt werden: Summa quidem auctoritate philosophi severe sane at que honeste haec tria genera— distinguunt. S. III 25, 99. Licet hoc videre in reliquis sensibus, unguentis minus diu nos delectari summa et acerrima suavitate condilis, quam his moderatis et magis laudari quod ceram quam quod crocum olere videatur. Crassus sucht eins der Hauptgesetze für die Schönheit stilistischer Darstellung, dasz näm- lich der Ausdruck nicht überladen, sondern einfach und natürlich sei, durch eine allgemeine Sinneserfahrung zu bestätigen. Wie sich das Auge an den grellen, blendenden und üppigen Farben der neueren Gemälde leicht satt sicht, so wird das Ohr der überkünstlichen auf den Effect berechneten Musik, der Triller und Coloraturen des Gesanges gar bald überdrüszig. 2) So z. B. um aur einige Stellen aus Cic. de or. anzuführen I 2, 5. II 29, 129; 32, 138 u. 140; 84, 343. 14 Dasselbe gilt von den übrigen Sinnen des Geruchs, Geschmacks und Gefühls; zunächst des Geruchs: unguentis minus diu nos delectari u. s. w. So lautet die Vulgatlesart, wie sie auch von Ellendt und Orelli recipiert ist; und doch steht zwei Ausdrücken in derselben eine gewich- tige Autorität entgegen. Bei Plinius hist. nat. XIII 3, 4 heiszt es: in M. Ciceronis monimen- tis invenitur unguenta gratiora esse, quae terram, quain quae crocum sapiant, und ebenso XVII 5, 3 Certe Cicero, lux doctrinarum altera,„meliora, inquit, unguenta sunt, quae terram, quam quae crocum sapiunt;“ hoc(nämlich sapere) enim maluit dixisse, quam redolent. An- zunehmen, dasz Plinius eine andere Stelle Ciceros im Sinne gehabt, oder dasz er sich in der Anführung der Ciceronianischen Stelle beide Male geirrt habe, ist an sich schon sehr mislich, und wäre nur dann gerechtfertigt, wenn innere und äuszere Gründe dem Citat, wie es Plinius gibt, entgegenständen. Dem ist aber in Beziehung auf das Hauptwort terram wenigstens durch- aus nicht so; terram ist nicht nur handschriftlich beglaubigt(wenn auch die Mehrzahl der Handschriften ceram hat), sondern erweist sich auch bei näherer Betrachtung als allein rich- tig und ceram als Corruptel. Es wird an unserer Stelle ein Gegensatz gemacht von unguentis summa et acerrima suavitate conditis und his moderatis. Erinnert man sich nun, dasz Cicero hier im III B. das nachmittägliche Gespräch des zweiten Tags, an dem von der blumenreichen Ausschmückung der Rede gesprochen werden soll, sehr sinnreich mitten in den Park unter schattige Bäume und den gewürzreichen Duft der frischen Waldesblumen verlegt hat¹)— wie das vormittägliche Gespräch, wo es sich um die Architektonik der Rede handelt, in den künst- lich gebauten Porticus ²)—, so wird man sofort einsehen, dasz Crassus mit den his modera- tis auf den einfachen, natürlichen aber köstlich duftenden Pflanzengeruch hinweist. ³) den sie mitten im Freien jetzt einathmen, im Gegensatz zu den künstlichen pikanten nervenreizenden Parfümerien anderer Art. Diesen moderatis unguentis entspricht aber nun, in der so häufigen chiastischen Stellung, quod terram redolet, den acerrima suavitate conditis dagegen der cro- cus, der mit Waszer und Wein und anderen Ingredienzen versetzte Safran, ein damals häufiges, besonders für den Theatergebrauch übliches Parfum; eine künstliche Mixtur, die durch das Penetrante und Pikante ihres Geruchs auf die überreizten Nerven stärker wirkte, als der na- türliche Pflanzengeruch, der frisch und gesund von dem mit Blumen und wolriechenden Kräu- tern bedeckten Erdboden aufsteigt, wie eben Plinius h. n. XVII 3, 38 diesen odor terrae schil- dert: cum a siccitate continua immaduit imbre, tunc emittit illum suum halitum divinum ex sole conceptum, cui comparari suavitas nulla possit. Die Lesart ceram ist also entweder ein bloszer Schreibfehler aus Versehen, oder sie rührt von einem hyperklugen Abschreiber her, der terram nicht mehr vertand und um dem crocus etwas seiner Meinung nach Homogenes entge- genzustellen in das unpassende ceram verwandelte.— Ebenso ist auf Plinius Autorität hin auch wol sapere zu schreiben, was bekanntlich schon bei Plautus Pseudol. II 4, 47 vom Geruch, 1) 111 5, 18. 2) II 5, 20. 3) Ganz ebenso erhalten die Worte III 5, 20 omnia haec quae supra et subter erst ihr rechtes Verständnis, wenn man bedenkt, dasz Crassus mit seinen Gästen im Freien ist, und mit den Worten auf den Himmel über ihren Häuptern und die Erde unter ihren Füszen, also auf das ganze Universum hinweist. 15 den einer verbreitet gebraucht wird, das ursprüngliche sapere wurde später durch das anfäng- lich an den Rand gesetzte, im gewöhnlichen Gebrauche häufigere olere, wie das schon oft ge- schehen ist, aus seiner rechtmäszigen Stelle im Text verdrängt. 9. III 28, 110. Atque hactenus loquunlur lilli. Ouamquam rhetores] etiam hac in instituendo divisione uluntur etc. Die Beredsamkeit, klagt Crassus, hat sich von der Philosophie, oder vielmehr von den Philosophenschulen ungebührlicher Weise beschränken laszen. Denn indem sie zwischen all- gemeinen, abstrakten und besondern concreten Fragen unterscheiden, nehmen sie jene ganz für sich allein in Anspruch und laszen dem Redner höchstens jenes genus finitum als eigentliche causa oder controversia übrig, die dann das genus iudiciale, deliberativum und demonstrativum unter sich begreife. Und soweit(fährt dann Crassus fort) als es sich um die Aufstellung der beiden Gattungen des genus infinitum und finitum handelt, gehen die Lehrer der Beredsamkeit mit:; sie machen beim Unterricht theoretisch auch diese Einteilung; aber anstatt nun auch beide Gebiete in ihrem vollen Umfang in der Wirklichkeit auf alle mögliche Weise ernstlichst zu behaupten, bleibt es vielmehr bei einer schwachen blosz formellen Besitzergreifung(auf dem Papier, wie wir uns ausdrücken würden); kaum dasz sie das genus finitum noch festhalten, denn auch das laszen sie sich, wie es scheint, beinahe aus den Händen reiszen.— Das ist der Sinn der Worte; was aber diese selbst betrifft, so stehen erstens die eingeklammerten Worte in den Handschriften nirgends, sondern sind vielmehr eine von Schütz in den Text aufgenom- mene Conjectur des Hotomannus. Aber auch loquuntur sodann ist sehr unsicher und schon von Ellendt mit Recht als unächt bezeichnet worden. Wie es in den Text gekommen, zeigt am besten die Lesart des Ergänzers des ältern cod. Erlang., der(mit der üblichen Abbreviatur) loquamur hat. Ein Abschreiber meinte mit hactenus schlösze der Satz und setzte das vermeint- lich zu supplierende loquamur an den Rand, das hernach in den Text kam und erst in loqua- tur, dann in loquantur, zuletzt in loquuntur umgewandelt wurde. Es ist daher dem oben dar- gelegten Gedankengang gemäsz einfach zu schreiben: Atque hactenus etiam hac in in- stituendo divisione utuntur nämlich(wie Ellendt richtig suppliert) ei qui instituunt, die rhetorischen Techniker:„Und insoweit braucht man ja auch die eben erwähnte (hac) Einteilung beim Unterricht;“ aber es wird nicht Ernst damit gemacht. 10. III 46, 181. Hoc in omnibus item partibus oralionis evenit, ut utililalem ac prope necessita- ltem suarilas quaedam et lepos consequatur. Clausulas enim atque interpuncta verborum animae interclusio alque angusliae spirilus atlulerunt. Id inventum ila est suave, ut si cui sit infinilus spi- ritus datus, lamen eum perpeluare verba nolimus. Id enim auribus nostris gralum est inventum, quod hominum laleribus non lolerabile solum, sed eliam facile esse posset. In dieser Stelle ist das zweite inventum nach gratum est gewis nicht richtig. Der Zu- sammenhang ist folgender: Ganze Satzabschlüsze(Periodenbildung), wie kleinere Satzabteilungen 16 (Interpunction) sind zunächst eine auf natürlichem Wege gemachte Entdeckung; das gänzliche Ausgehen des Athemzuges nötigte den gesamten Satz zu schlieszen, das Anhalten und Stocken des Athems kleinere Ruhepunkte eintreten zu laszen. Diese durch die Beschaffenheit und Dauer des natürlichen Athemholens bedingte Erfindung ist aber dann zugleich so wolthuend, dasz auch, wenn einer eine so starke Lunge hätte, dasz er in einem fort ohne Beengung des Athems reden könnte, wir das nicht einmal möchten. Hiermit ist der vorausgehende Satz be- gründet„dasz oftmals das, was anfangs nur der Vorteil oder die äuszere Notwendigkeit an die Hand gab, hernach auch den ästhetischen Gesetzen der Schönheit und Anmut entspricht;“ und inventum, das sich auf das unmittelbar vorausgehende attulerunt bezieht, ganz an seiner Stelle. Nun folgt zur Begründung von nolimus der nächste Satz:„»denn nicht daran findet unser Ge- hör Wolgefallen, was man überhaupt der menschlichen Lunge bieten kann, sondern was sie auch ohne Beschwerde(facile) und ohne dasz man die Anstrengung merkt, zu leisten vermag.“ (Diesz facile gibt denn auch den natürlichen Maszstab für die höchste Zeitdauer einer Periode, die die Ausdauer eines vollen Athemzugs nicht übersteigen soll). Hier also, das zweite- mal, ist inventum gar nicht zu brauchen, da der Satz id enim u. s. w. die ästhetische Ange- meszenheit des erwähnten inventum durch eine allgemein anerkannte Thatsache (nicht durch ein neues inventum, von dem hier gar nicht die Rede sein kann) begründen soll; es ist wol nur durch ein Versehen in den Text gekommen, was um so leichter geschehen konnte, wenn etwa das erste inventum im Anfang und gratum est am Ende der Zeile stand. 11. III 47, 182. Longissima est igitur compleæio verborum„ Jude volvi uno spiritu potest. Sed hic naturae modus est, urtis alius. Vam cum sint numeri plures, iambum et trochaeum freguentem segregat ab oralore Arisloteles, qui natura tamen incurrunt ipsi in oralionem sermonemque nostrum; sed sunt insignes percussiones eorum numerorum et minuti pedes. Ouare primum ad heroum nos (dactgli et anapaesti et spondei) pedem invitat; in quo impune progredi licet duo dumtawat pedes aut paullo plus, ne plane in versum aut similitudiuem versuum incidamus. Allae sunt geminae quibus — hi tres(heroi) pedes in principia continuandorum verborum salis decore cadunt. Vorstehende Worte schlieszen sich unmittelbar an die eben besprochene Stelle an. Es ist Aristot. Rhet. III 8, dessen Inhalt Cicero genau wiedergibt. Die prosaische stilistische Dar- stellung, das eννια εέεeν darf weder Eαεrς sein, in regelmäszig wiederkehrenden Reihen oder Metren sich bewegen, noch auch dοοιυνοιν, ganz ohne Hebungen und Senkungen einförmig, endlos ohne Einschnitte fortgehen, sondern soll vielmehr rhythmisch sein, also kunstmäszig gegliedert, natürlich in rechter Weise.*) Unter den gewöhnlichen Rhythmen ist nach Aristo- ¹) VgI. Dion. Halic. de comp. verb. c. 25 000 4εευιαο επtτ⁵νοQ q Veνμεᷣεοοωνι ο⁶ν dοιυινοωαχννvεμεννα doxerν— d⸗ννꝗꝙ ειςσνιυιιμοων αάιντ deꝓννν ναά εειιεμεοο †αtνεᷣσάα ⁴νον Cie. or. 56, 187 Perspi- cuum est igitur numeris astrictam orationem esse debere, carere versibus. Quint. IX 4, 56. Itaque Cicero optime videt ac testatur frequenter se quod numerosum sit quaerere, ut magis non dοοιισο quod esset inscitum atque agreste, quam νουνννοων, quod poeticum est, esse compositionem velit. 17 teles für den oratorischen Gebrauch die Häufung des Jambus und Trochäus ¹) am wenig- sten zu empfehlen; dieser ist zu tanzend, ³) jener ist als Rhythmus der täglichen Umgangs- sprache zu gewöhnlich; ⁴) der Redner aber soll einen höheren Ton anschlagen. ³) In dieser Beziehung wäre gegen den dritten Rhythmus, gegen den Daktylus nichts einzuwenden— 1*σ εκιν⁴—, aber er ist andererseits zu poetisch und schlieszt sich an den prosai- schen Ausdruck zu wenig an. ²) So pleibt als besonders empfehlenswert nur der päonische Rhythmus übrig.*) Für die Erklärung unserer Stelle folgt aber aus Vorstehendem, erstens: Ci- cero hat ganz Recht(und die ihn beschuldigen, die aristotelische Stelle misverstanden zu haben, haben Unrecht), wenn er von Aristoteles sagt: primum ad heroum nos pedem invitat— probatur autem ab eodem illo maxime paeon. Zweitens: die Worte dactyli et ana- paesti et spondei sind offenbar ein spätes Glossem, das am Rand die drei Versfüsze des„ε- „oOs ov(im Gegensatz zum„ε„νοοσ eμιςον des Jambus und Trochäus) zusammenstellte. Aristo- teles und nach ihm Cicero spricht hier nur vom heroischen Rhythmus d. h. dem dak- tylischen Rhythmus des heroischen Verses oder des Hexameters; von dem anapästischen Rhyth- mus ist erst c. 48, 185 die Rede, und der mit dem Daktylus im Hexameter wechselnde Spon- deus kann als besonderer Rhythmus nicht angeführt werden.*) Ebendarum, weil hier genau genommen, im engsten Anschlusz an die aristotelische Darstellung, eigentlich nur von Rhythmen 2) Später unterscheidet Cicero(or. 57, 191 u. 193; 64, 217) und nach ihm Quint. IX 4, 8 zwischen Trochäus und Choreus, und bezeichnet mit jeuem Ausdruck den Tribrachys, mit diesem den gewöhnlich sogenannten Trochäus (‿O) par choreo trochacas, qui habet tres breves, sed spatio par, non syllabis. 3) Arist. 1. 1. 0 0³ 100X₰ οs 00lQιάχ‿⁴|☛008— von dem ausgelaszenen, lasciven Tanz des komischen Chors 1000!½ so genannt. Cic. or. 57, 193 Trochaeum autem, qui est eodem spatio quo choreus, cordacem appellat, quia contractio— d. h. die aus den zwei Rürzen des Tribrachys zusammengezogene Länge(Trochäus)— et brevitas dignitatem non habeat. Quint. IX 4, 88. 4) Arist. l. 1. G ν◻ Ʒ Gos ανπmsĩᷣ⁷ν ν 14⁸8ε⁸*) 100„ 10140 d εα³ἀναςπα TGAννπιινõΤm¹:⁰" 1⁴ετ⁵˙οου L.‿ιιρνέ☚εαά ꝙ9εꝓνꝙνοντεασ Aeνοννεσ Cic. or. 57, 192 Aristoteles iudicat, iambum nimis e vulgari esse sermone. In Bezichung auf das Lateinische sagt Cicero 56, 189 senarios— effugere vix possumus; magnam enim partem ex iambis nostra constat oratio. 5) Arist. I. 1. deã dν GeιινανQτιτσα νεένεεασοσαι ναά ε̈σσσeε. 6) Arist. I. I. 100„ dε ⁴ιαι ν½ρι ⁴μἀεέ νσσο σέις τα εακνενκς dνμιοωQðασς ϑ³μ‿εμνο. Cic. or. 57, 192 Aristoteles iudicat heroum numerum grandiorem quam desideret soluta oratio. Ita(fährt dann Cic. fort) neque humilem et abiectam orationem nec nimis altam et exaggeratam probat, plenam tamen eam vult esse gravitatis, ut eos qui audient ad maiorem admirationem possit traducere. Quint. IX 4, 88 licet— herous, qui est idem dactylus, Aristoteli amplior, iambus humanior videatur. 7) Arist. I. 1. 0 40ενꝗ 0 1404(sc. 6u9½ ⁴) de εᷣ τα&lOνεμμενα eεεeεο—εα ddrtν εμεεουτοιε⁶⁴‿ α τμρηναεοεε α̈⁶ 1μἀνοαν⁴ας dα 89νι ⁴αετον ꝙτ⁶σ ννϑεέωντνιυνν ευοιμμ de εααμοια ν αeει. 8) Wie ja auch an der aristotelischen Stelle von den Rhythmen nur angeführt werden: 0„οοε, 6 1lοε, 0 r9X¼˙s u. G T.⁴eν, und ebenso von Cic. or. 57, 192 f. herous numerus, iambus, trochaeus, pacan. de or. III 49, 191 neque vos paeon aut herous ille conturbet; ipsi occurrent orationi. 3 18 (ouονi, numeri) die Rede ist, wird vielleicht auch„pedem“ zu streichen und zu„heroem: ganz einfach numerum zu supplieren sein. ⁹) Uebrigens ergänzt und modificiert Cicero noch in einigen Punkten die aristotelische Dar- stellung, indem er erstens der Eigentümlichkeit der lateinischen Sprache gemäsz das, was Ari- stoteles ausschlieszlich vom Jambus gesagt hatte, auch auf den Trochäus überträgt; zweitens aber gegen die Häufung der Jamben und Trochäen in der prosaischen Darstellung das weitere Moment geltend macht, dasz wo diese kleinen Versfüsze zu dicht aufeinanderfolgen, die Ein- schnitte(percussiones) zu merklich sind und die Rede dadurch nicht 60υιοο, sondern(was zu vermeiden ist) ναμεοσσ wird, d. h. es entstehen leicht förmliche Verse, und das ist fehler- haft. Drittens gibt Cicero auch die Grenze an, bis wie weit man im heroischen Rhythmus vorschreiten dürfe, nämlich zwei höchstens drei Versfüsze.*⁰) Viertens endlich fügt noch Ci- cero, ehe er zum vierten, dem päonischen Rhythmus übergeht, die abschlieszende Bemerkung hinzu, dasz die drei genannten Rhythmen, der trochäische, jambische, heroische, für die Periodenanfünge ganz passende Rhythmen seien ¹¹)(während für die Periodenschlüsze nach Aristoteles sich mehr der vierte päonische Rhythmus, und zwar der paeon quartus nach unserer Zählung eigne). Es ist also hier das Wort heroi aus grobem Misverstand in den Text gekommen, indem der Glossator unter den„hi pedes“ fälschlicher Weise entweder die drei Vers- füsze des als Beispiel angeführten Fragments oder die drei oben unrichtig hinzugefügten Vers- füsze, Daktylus, Anapäst und Spondeus verstand. 12. I 46, 202. Non enim causidicum nescio quem negque proclamalorem aul rabulam hoc sermone nostro conçuirimus, sed eum virum, qui primum sit eius arlis anutistes, cuius cum ipsa natura magnam homini facullalem daret, tamen esse deus pualalur, ut ipsum, quod erat hominis proprium, uon parlam per nos, sed divinitus ad nos delatum videretur. Noch vor Kurzem ¹) glaubte ich in dieser viel besprochenen Stelle die überlieferte Lesart esse deus so vertheidigen zu können:„der Redner(— sagt Crassus und wählt darum sehr schön das Wort antistes, um zu bezeichnen, dasz er im Dienste eines Gottes stehe, gleichsam als antistes sacrorum artis oratoriae—) soll ein Priester der Kunst sein, die nach allgemeiner Annahme, obgleich der Mensch als solcher schon von Natur die Gabe der Rede vor allen 9) So steht ja auch heroum numerum in der angeführten Stelle. Cic. or. 57, 192. —=84” 10) Hlierzu wird ein Beispiel angeführt:„altac sunt geminae quibus,“ ein Fragment dessen Sinn nicht mehr zu er- mitteln ist, natürlich aus einer prosaischen Schrift, wahrscheinlich einem Geschichtswerke. Vielleicht ist alti sunt gemini zu lesen; daun könnten sich die Worte auf Romulus und Remus und deren Ernährung durch die Wölfin bezichen. 11) Wie dies auch Cic. or. 64, 217 ausdräcklich aussagt: Sed eidem hi tres pedes(der iambus, trochaeus u. dac tylus) male concludunt, si quis eorum il extremo locatus est. Vgl. de or. III 50, 192 ff. 1) Neue Jahrb. für Phil. u. Päd. B. 75. IH. 12. S. 842. 19 andern Geschöpfen besitzt, dennoch auch ihren besonderen Gott hat— nümlich den Mercurius, den facundus nepos Atlantis—, damit eben dies eigenste Gut des Menschen nicht durch unser Verdienst errungen, sondern als von der Gottheit von oben herab zu uns gebracht erscheinen sollte. Aber es lüszt sich bei dieser Erklärung dem schon von Ellendt erhobenen Einwurf, dasz es wenn man esse lese, hernach nicht erat, sondern est, nicht videretur, sondern videatur heiszen miszte, doch nichts recht Stichhaltiges entgegensetzen. Dasselbe Bedenken ist denn auch gegen die Conjecturen derer geltend zu machen, die noch ein Substantivum zu putatur hinzufügen, sei es auctor oder effector oder pater. Sich aber so zu helfen, dasz man, wie Pearce thut, den Sat⸗ suppliert: qui dedit hominibus hanc facultatem, zeigt sich auf den ersten Blick als unstatthaft. Erträglicher wäre noch Ernesti's Vorschlag, putabatur zu lesen, wenn nicht nach dem ganzen Zusammenhange ein praesens verlangt würde, zum Ausdruck einer noch gültigen Annahme; abgeschen davon, dasz man auch da zu ähnlichen Ergänzungen, wie bei Pearce, sich genö- tigt sieht und„erat' in dem Satz quod erat hominis proprium bei dieser Auffassung sehr auf- fallend bleibt. Dies letztere ist auch gegen Madvig's Conjectur invenisse, wie gegen Klotz, der dedisse in den Text gesetzt hat, mit Recht zu erinnern.— Mir scheint es jetzt am zweck- mäszigsten, auf eine Stelle bei Quintilian zurückzugehen. Bei diesem wird nämlich X 7, 14 erwähnt, dasz oftmals die sorgfältigst vorbereitete Rede hinter den in warmer Begeisterung ohne Vorbereitung gesprochenen Worten weit zurückbleibe; eine wunderbare Erscheinung, die er dann selbst so erklärt: nam bene concepti affectus et recentes rerum imagines continuo im- petu feruntur, quae nonnumquam mora stili refrigescunt et dilatae non revertuntur. Ehe er aber diese seine Erklärung angibt, fügt er zu dem angeführten Satz:„‚duod si calor ac spiritus tulit, frequenter accidit, ut successum extemporalem consequi cura non possit“ unmittelbar die Worte hinzu: deum tunc affuisse, cum id evenisset, veteres oratores, ut Cicero dicit, aiebant(oder ut Cicero ait, dictitabant). Damit scheint Quintilian auf unsere Stelle anzuspielen, und ich vermute daher, dasz hier zu lesen ist: tum adfuisse deus pu- tatur. Um die Bezeichnung des Redners als eines antistes zu rechtfertigen weist Crassus auf den allgemeinen Glauben hin, wonach in solchen Momenten, wo die unmittelbare eigene Natur (die bene concepti affectus, wie es bei Quintilian heiszt) dem Menschen eine hohe Befühigung im Reden(cuius etc.) verleihe, die hülfreiche Gegenwart der Gottheit angenommen werde, nach deren Eingebung(wie Sokrates nach der Eingebung seines Dämoniums) der Begeisterte rede. ²) Dann passt Alles, wie mirs scheint, auf das Beste. In dem Satz cum— daret ist daret der bekannte Conjunctiv der unbestimmten Frequenz:„jedesmal wo'; und in dem Relativsatz quod erat hominis proprium bezieht sich das Imperfectum auf die Zeit, wo jedesmal eine solche innere Begeisterung eintritt, während mit dem Indicativ absichtlich das wirkliche Verhältnis dieser Erscheinung angegeben wird. Dasz tamen und tum in den IIs. sehr oft verwechselt wer- den, ist bekannt. Die Angabe von Harless, dasz der Erl. I,(d. h. der Ergänzungscodex von 2) Dazu passt auch das so häufig gebrauchte divinitus, ‚wie durch göttliche Eingchung, oder ‚wie durch ein Wunder- ge. daher ‚überaus herrlich“ I 7, 26 u. 28; 53, 227. II 2, 7. 20 Erl. I, da die Stelle aus der Partie genommen ist, die in sämtlichen älteren Handschriften fehlt) wirklich ‚„tum“ habe, ist nicht richtig, der Erl. Ib hat die Abbreviatur von tamen; das adfuisse deus aber scheint von einem Abscheiber entweder aus Versehen oder weil er adfuisse nicht verstand, mit dem ohnehin viel öfters vorkommenden und geläufigeren esse deus vertauscht worden zu sein. Schulnachrichten. I. Lehrverfaszung während des Schuljahrs von Ostern 1857 bis dahin 1858. Prima. —(Ordinarius: der Director.) Griechische Sprache. Homers Ilias, Buch XIX- XXIV, 1 Stunde wöchentlich.(Gymnasial- lehrer Casselman n). Sophocles Oedipus Coloneus im Sommer; Antigone im Winter, 2 St. w. (Director Dr. Piderit). Thucydides, B. I 20— 31; 44— 67, 79; 87— 119. Platos Apologie u. Crito. Scripia nach Franke; daneben cursorisch Herodot B. VII 163— IX 122, 4 St. w. (GL. Casselmann). Lateinische Sprache. Horatius Episteln I. 2, 4. 5, 7, 8, 9, 13, 16, 20 im S. 2 St. w.(Dr. Heraeus); Satiren I 1, 3, 4, 5, 6, 9, 10 im W. 2 St. w.(Dr. Fürstenau). Cicero de oratore B. II 29— III 24 und die Rede pro Archia poeta, 2 bzw. 3 St. w. Daneben von Zeit zu Zeit mit Cicero abwechselnd freie Aufsätze(Dir. Dr. Piderit). Tacitus Annalen B. I- III 30, 3 St. w.(im S. Dr. Heraeus, im W. Dr. Fürstenau). Scripta n. Seyffert 1 St. w.(im S. Dr. Heraeus, im W. Dr. Fürtenau). Deutsche Sprache. Grammatik n. Vilmar im S., Lecture des Nibelungenliedes u. eini- ger mittelhochdeutschen lyrischen Gedichte im W., Declamationsübungen u. Aufsätze(Chrieen, Dispositionen u. Redeversuche) 3 St. w.(Dr. Vilmar). Französische Sprache. Ponsard Agnès de Méranie u. Moliere L'avare. Grammatik n. Knebel (Syntax) u. Uebersetzung der gröszeren Aufgaben in Höchstens Uebungsbuch, 2 St. w.(Dr. Suchier). Hebräische Sprache. Grammatik n. Thiersch. Erklärung von Stücken aus Brückners Lese- buch, 2 St. w.(Pfarrer Fuchs). Religionslehre. Symbolik im S., Geschichte des Reiches Gottes im A. B. im W., 2 St. w. (Dir. Dr. Piderit).. Weltgeschichte. Geschichte des Altertums n. Dietsch, anfangs 2, hernach 3 St. w.(Gym- nasialpracticant Münscher). 4 22 Physik. Die allgemeinen Gesetze des Gleichgewichts u. der Bewegung im S., die tropſbar- flüszigen u. ausdehnbar-flüszigen Körper, Magnetismus u. Electricität im W.(Dr. Fliedner). Mathematik. Arithmetik⸗ die Potenzen, Wurzeln u. Logarithmen, Gleichungen des 1. Grads mit einer und mehreren unbekannten, Gleichungen des 2. Grades. Uebungen n. Heis, 2 St. w. Geometrie. Flächeninhalt geradliniger Figuren und die Lehre vom Kreis im S. Ebene Trigo- nometrie im W. Uebungen n. Wöckel, 2 St. w.(Dr. Fliedner). secunda. (Ordinarius: GL. Casselman n.) Griechische Sprache. Homers Odyssee B. XVI—XX,ö2 St. w.(Dir. Dr. Piderit, im S. 2. Q. eine Zeit lang GP. Gerlanch. Xenophons Hellenica VI 5— V bilien I 1 u. 2, 2 St. w. Grammatik n. Curtius von§. 484 bis z. En 2. Curs. 2 St. w.(GL. Casselmann). Lateinische Sprache. Virgils Aeneide B. IV—VI, 2 St. w.(Dr. Suchier). Livius B. XXI bis XXII 18 und Ciceros Laelius 4 St. W. Grammatik n. F. Schult⸗§. 405 Dictaten, 2 St. w.(GL. Casselman n).— Deutsche Sprache. Lesen u. Erklärung deutscher Gedichte n. Ph. Wackernagels Auswahl, (ausgewählte Gedichte Hölderlins), Declamationsübungen u. Aufsätze, 2 St. w.(Dr. Vilmar). Französische Sprache. Scribe Avant pendant après u. Malesville u. Duveyrier Michel Perrin. Grammatik n. Knebel Syntax, Repetition d. Cap. I-III u. Cap. IV u. V, 2 St. w.(Dr. Suchier). Religionslehre. N. T. Erklärung des Evangeliums Johannes im S., des Römerbriefs im W., 2 St. w.(Dir. Dr. Piderit). Weltgeschichte. Geschichte des Mittelalters n. Dietsch, im S. 3. Periode, Gesch. d. Kreuz- züge, Gesch. Deutschlands von 1106— 1273, im W. 4. Periode Gesch. Deutschlands von 1273— 1493, französ. u. engl. Gesch. von 1096— 1498, 2 St. w.(Dr. Vilmar). Geographie. Die allgemeinen Grundsätze d. mathematischen Geographie im S., 2 St. w. (GP. Melde) Politische Geogr. Preuszens, Oestreichs, der Schweiz, des Königreichs d. Nieder- lande und Belgiens im W., 2 St. w.(Dr. Vilm ar). Naturgeschichte. Einleitung zur Mineralogie; die Classe der Brenze u. Metalle im S. 2 St. w.(GP. Mel de). Hathematik. Arithmetik: die Gesetze der Multiplication u. Division mit vielen Uebungen Gleichungen des 1. Grads mit einer unbekannten im S., Potenzen, Wurzeln, Logarithmen mit Uebungen n. Heis im W., 2 St. w. Geometrie: Die Vierecke u. Vielecke. Proportionalität u. Achnlichkeit der Figuren. Flächeninhalt geradliniger Figuren. Uebungen n. Wöckel. Die ersten Elemente der ebenen Trigonometrie, 2 St. w.(Dr. Fliedner). Tertia. (Ordinarius: Dr. Vilmar.) Griechische Sprache. Homers Odyssee B. I-II 259, 2 St. w.(Dr. Vilm ar). Anabasis B. IV 4— V 7. Grammatik n. Curtius§. 225— 327, 331 2 St. w.(im S. Dr. Heraeus, im W. Dr. Fürstenau). II 5 27, später Memora- de, und Scripta n. Franke — 467 u. Scripta n. Xenophons — 333 u. Scripta n. Franke, 23 Lateinische Sprache. Orids Metamorphosen n. d. Auswahl v. Siebelis 9, 10, 13, 16, 17, 19, 2 St., nach Neujahr eine Zeit lang 3 St. w.(GP. Münscher). Caesar de B. G. B. VII u. VIII und daran sich anschlieszende Extemporalien, 5 St. w.(Dr. Vilmar). Grammalik n. F. Schultz(Syntax§. 239— 318 u. Repetition einzelner Partieen der Formenlehre). Scripta und mündl. Uebers. nach Spiesz u. Holzer, 2 St., im W. 4 St. w.(GP. Münscher). Deutsche Sprache. Lesen u. Auswendiglernen n. Ph. Wackernagels Lesebuch 3. Th. und Aufsätze, 2 St. w.(im S. GP. Junghenn, im W. GP. Münscher). Französische Sprache. Grammatik n. Knebel: Formenlehre. Ahn, Lesebuch I. Theil histo- rische u. beschreibende Stücke, 2 St. w.(Dr. Suchier). Religionslehre. Erklärung des A. Testaments: die prophetischen Bücher im S., die Psalmen u. d. Buch Hiob im W., 2 St. w.(Dr. Vilm ar). Weltgeschichte.*) Geschichte des Altertums, 2 Hälfte n. Dietsch, 2 St. w.(GP. Junghenn). Geographie.*) Einleitung zur physischen Geographie; physisch-topische Geographie von Amerika, Australien, Afrika u. Asien n. Roon, im S. 2 St. w.(GP. Melde). Geographie von Europa n. Roon, im W. 2 St. w.(GP. Junghenn). Naturgeschichte. Botanik im S.(GP. Meld e). Mathematik. Arithmetik: Die Gesetze der vier ersten Operationen. Positive u. negative Zahlen. Uebungen n. Heis, 2 St. wW. Geometrie- Die Elemente der ebenen Geometrie. Lehre vom Dreieck. Die Vierecke u. Vielecke. Uebungen n. Wöckel, 2 St. w.(Dr. Flie dner). Quarta. (Ordinarius im S.: Dr. Heraeus, im W.: Dr. Fürstenau.) Griechische Sprache. Grammatik n. Curtius§. 1— 300, nebst schriftlichen Uebungen. Ele- menlarbuch v. Schmidt u. Wensch S. 10— 32 mit Auswahl, 4 St. w.(GP. Münscher). Lateinische Sprache. Cornelius Nepos: Thrasybulus, Conon, Timotheus, Datames, Epami- nondas, Timoleon, Hamilcar, Hannibal, 4 St. W. Grammatik n. F. Schultz kl. lat. Sprachlehre §. 189— 277. Scripta n. Spiesz, 4 St. wW. Chrestomuthie lat. Dichter v. Franke Nr. 29— 56, 2 St. w.(im S. Dr. Heraeus, im W. Dr. Fürstenau). Deutsche Sprache. Lesen u. Auswendiglernen aus Ph. Wackernagels Lesebuch, 2. Th., orthographische Uebungen u. Aufsätze, 2 St. w.(im S. 1 0. Dr. Suchier, darnach Pfarrer Fuchs). Französische Sprache. Grammatik n. Knebel: das Wichtigste aus der Formenlehre bis zum unregelmäszigen Verbum. Ahns Lesebuch 1. Th.(Uebungssätze, Fabeln u. Anekdoten), 2 St. w.(Dr. Suchier, im S. eine Zeit lang GP. Gerland). Religionslehre. Erklärung der 5 Hauptstücke des Katechismus u. Memorieren einer Anzahl evangelischer Kirchenlieder, 2 St. w.(im S. 1. Q. Dr. Vilmar, darnach PfarrerFuchs). *) In Folge einer langwierigen KRrankheit des GP. Junghenn erlitten diese Disciplinen seit Neujahr 1858 eine län- gere Unterbrechung. 24 Weltgeschichte. Chronologische Uebersicht der allgemeinen Weltgeschichte n. Schäfers Ta- bellen bis auf Rudolf v. Habsburg, 2 bzw. 3 St. w.(im S. 1. 0. GP. Münscher, dann GP. Gerlan d). Geographie. Europa(Lage, Flüsze, Gebirge) n. Dommerich, 2 St. w. im S.(GPracticant Melde); Orographie, Hydrographie u. politische Geographie Deutschlands, 2 St. w. im W. (GP. Gerland). Mathematik. Arithmetile: Wiederholung der Bruchreehnungen. Decimalbrüche. Regel de tri. Uebungen nach Schellen, im S. 3, im W. 2 St. w. Geomehze: Constructionen im S. 1 St. w. Elemente der Planimetrie bis zur Congruenz der Dreiecke u. Constructionen im W. 2 St. w.(Dr. Flie dner). OQuinta. (Ordinarius: im S. 1. 0. Pfarrer Fuchs, darnach Gymnasialpracticant Gerland.) Griechische Sprache. Grammalik n. Curtius§. 1— 130, 135— 214, Elementarbuch von Schmidt u. Wensch§. 1—9, im S. 2, im W. 3 St. w.(Gymnasial-Lehrer Casselmann), Lateinische Sprache. Grammatik n. Fr. Schultz kl. lat. Sprachlehre§. 1—178, 189— 235 (Wiederholung d. Formenlehre u. Einübung der wichtigsten syntaktischen Regeln). Elementar- buch v. Schmidt 1. u. 2. Th.(daneben Uebungen n. Spiesz, Uebungsbuch für Quinta) 10 St. w.(im S. 1 0. Pfarrer Fuchs, darnach GP. Gerland). Deutsche Sprache. Lesen u. Auswendiglernen n. Ph. Wackernagels Lesebuch 1. u. 2. Th. kurze Darstellung der neuhochdeutschen Formenlehre mit gelegentlichen Anknüpfungen an die Syntax, orthographische Uebungen und Aufsätze, 4 St. w.(im S. Dr. Suchier, im W. GP. Gerlanc). Religionslehre. Biblische Geschichte d. N. T. n. Zahn u. Memorieren einer Anzahl evange- lischer Kirchenlieder, im S. 2, im W. 3 St. w.(Pfarrer Fuchs). Weltgeschichte. Erzählungen aus der mittleren u. neueren Geschichte, 2 St. w.(Dr. Suchier). Geographie im S.(mit der Naturgeschichte verbunden). Allgemeine Erdkunde u. Geographie d. Oceane u. Meerestheile n. Dommerich. Beschreibung der wichtigsten Pflanzen Asiens, 4 St. w.(GP. Melde); im W. Geographie von Europa, besonders Deutschland u. Kurhessen, 2 St. w. (Dr. Suchier).. Mathematik. Arithmelik: die Bruchrechnungen mit Uebungen n. Schellen. Regel de tri. Uebungen im Kopfrechnen. 3 St. w.(Dr. Fliedner). Schönschreiben mit Sexta zusammen 4 St. w.(Lehrer Zimmermann). Sexta. (Ordinarius. Gymnasialpracticant Junghen n.) Lateinische Sprache. Grammatik- Formenlehre n. P. Schultz kl. lat. Sprachlehre§. 1—57, 70— 90, Elementarbuch von Schmidt§. 1— 15(daneben Uebungen n. Spiesz, Uebungsbuch für Sexta, 10 St. w.(GP. Junghenn). 25 Deutsche Sprache. Lesen u. Auswendiglernen nach Ph. Wackernagels Lesebuch, orthogra- phische Uebungen u. Aufsätze, 4 St. w.(GP. Junghenn). Religionslehre. Biblische Geschichte des A. Testaments n. Zahn u. Memorieren einer An- zahl evangelischer Kirchenlieder, im S. 2, im W. 3 St. w.(Pfarrer Fuchs). Weltgeschichte. Erzählungen aus der alten(griechischen u. römischen) Geschichte, im S. 2, im W. 3 St. w.(Dr. Suchier). Geographie. Allgemeine geographische Vorbegriffe. Geographie der Oceane u. Meerestheile n. Dommerich, 2 St. w. im S.(GP. Melde). Geographie von Europa, besonders Deutsch- land u. Kurhessen, 3 St. w.(Dr. Suchier). Naturgeschichte. Beschreibung der wichtigsten Giftpflanzen, dann der wichtigsten ausländi- schen Cultur- u. Handelsgewächse, 2 2 St. w. im S.(GP. Melde). Mathematik. Arithmetik. Reduction u. Resolution. Die vier Species mit benannten ganzen Zahlen n. Schellen, 3 St. w.(Lehrer Zim mermann). Schönschreiben mit Quinta zusammen, 4 St. w.(Lehrer Zimmermann). Gesang, der evangelische Choralgesang nach dem deutschen evangelischen Kirchen-Gesang- buche, 4 St. w.(Gesanglehrer Eichenberg). Leibesübungen(vorzugsweise der drei untern Klassen) 4 St. w.(Lehrer Zim mermann). II.(hronik des Gymnasiums. Der Cursus des Schuljahrs 1857— 58 begann am 20. April 1857. Während desselben war Dr. Dommerich an der Versehung seines Amtes(mit Ausnahme eines Theils qer Bibliothekar- geschäfte) durch Krankheit verhindert. Durch Beschlusz Kurfürstlichen Ministeriums des Innern vom 12. Mai wurde der Gymnasial- practicant Franz Melde zu Fulda mit Aushülfeleistung am hiesigen Gymnasium während der Erkrankung des Dr. Dommerich beauftragt. Derselbe ist geboren am 11. Merz 1832 zu Groszen- lüder, besuchte von Michaelis 1844 bis Ostern 1853 das Gymnasium zu Fulda, und studierte von Ostern 1853 bis dahin 1857 auf der Landesuniversität zu Marburg Mathematik und Natur- wiszenschaften. Am 25. Mai trat er in seine hiesigen Functionen ein, verliesz dieselben jedoch bereits am Ende des Sommersemesters wieder, und gieng, in Folge Allerhöchster Entschlieszung vom 25. Juni 1857 zum Assistenten bei dem mathematisch-physikalischen Institute zu Marburg für den Zeitraum von zwei Jahren angenommen, mit dem 1. October in diese seine neue Stel- lung über. Der geographische Unterricht wurde von da an von den Lehrern der Weltgeschichte mit übernommen, während der naturgeschichtliche Unterricht von Michaelis bis Ostern cessie- ren muszte. Durch allerhöchstes Rescript vom 28. April 1857 wurde der Hülfslehrer Dr. O. Vilmar zum ordentlichen Lehrer allergnädigst befördert. Durch Beschlusz Kurfürstlichen Ministeriums des Innern vom 16. Juli 1857 wurde der Gymnasialpracticant am Gymnasium zu Kassel Georg Karl Cornelius Gerland mit 5 26 Aushülfeleistung am hiesigen Gymnasium beauftragt. Derselbe ist geboren am 29. Januar 1833 zu Kassel, besuchte von Ostern 1842 bis Ostern 1851 das Gymnasium zu Kassel, studierte in den darauf folgenden Jahren zu Marburg und Berlin Philologie und bestand im August 1856 die theoretische Prüfung für Bewerber um ein Gymnasiallehramt. Darnach trat er Michaelis 1856 seinen Vorbereitungsdienst an dem Gymnasium zu Kassel, seine Functionen am hiesigen Gymnasium(an dem er zugleich mit dem Ablauf des Sommersemesters sein Probejahr zu voll- enden hatte) am 27. Juli 1857 an. 1 Am 20. August fand die Feier des Geburtstages Sr. Königlichen Hoheit des Kurfürsten in der Aula des Gymnasiums statt. Die Festrede über Landgraf Ludwig den Friedferti- gen hielt Dr. Vilmar. Am 21. und 22. September fand die gewöhnliche halbjährige Prüfung der Schüler statt. Der Cursus des Wintersemesters begann am 12. October. Durch Beschlusz Kurfürstlichen Ministeriums des Innern vom 28. October 1857 wurde der beauftragte Lehrer Dr. Karl Heraeus seinem Ansuchen gemäsz von den ihm seit October 1857 übertragenen dienstlichen Functionen entbunden, und verlies⸗z darauf seine hiesige Stellung, in der er anderthalb Jahr mit anerkennenswertem Eifer, Geschick und Erfolg thätig gewesen, um sogleich als Lehrer an das Königlich-preuszische Gymnasium zu Hamm, wohin er berufen war, überzugehen. 3 Durch allerhöchstes Rescript vom 29. October 1857(mitgetheilt durch Beschlusz Kurfürst- lichen Ministeriums des Innern vom 4. November 1857) wurde der ordentliche Lehrer am Gym- nasium zu Kassel Dr. Wilhelm Fürstenau in gleicher Eigenschaft an das hiesige Gymnasium versetzt, und nach Ablauf des ihm ertheilten Urlaubs am 21. November 1857 in seine hiesigen amtlichen Functionen eingeführt. Durch Beschlusz Kurfürstlichen Ministeriums des Innern vom 7. Januar 1858 wurde der Gymnasialpracticant Friedrich Münscher, dessen Probejahr zu Anfang Januar abgelaufen war, mit Fortversehung des Unterrichts bis zum Schlusze des laufenden Semesters beauftragt. III. Statistische Uhersiecht. A. Lehrer. Das Lehrerpersonal des Gymnasiums hat gegenwärtig folgenden Bestand: Dirertor: Dr. Karl Wilhelm Piderit, Ordinarius von Prima. Ordentliche Hauptlehrer: Dr. Ferdinand Dommerich*) Dr. Wilhelm Fürstenau, Ordinarius von Quarta. Dr. Konrad Fliedner. *) S. II Chronik d. G. zu Anfang. 27 Ludaig Casselmann, Ordinarius von Secunda. Dr. Outo VFilmar, Ordinarius von Tertia. Hülfslehrer: Dr. Reinhard Suchier. Beauftragte Lehrer: Pfarrer Karl Friedrich Fuchs. Theodor Junghenn, Ordinarius von Sexta. Georg Gerland, Ordinarius von Quinta. Friedrich Münscher. Auszerordentliche Lehrer: Kaspar Zimmermann, Schreiblehrer, zugleich mit der Leitung des Turnunterrichts be- auftragt. MNicolaus Eichenberg, Gesanglehrer. B. Schüler. Die Schülerzahl am Schlusze des Schuljahrs 1856— 1857 betrug... 89 Bei dem Beginne des Sommersemesters 1857 schieden aus: 1 aus III, um ich der Phar- macie zu widmen; 4(1 aus II, 2 aus III, 1 aus IV) um zum Raufmannsstand, 1 aus II um zum Militärstand, und 3(1 aus III, 1 aus IV, 1 aus VI) um auf andere Lehr- anstalten überzugehen................. b..... I.. 9 87 Neu aufgenommen wurden im dommneralhſabe(in I 1, in II 1, in III 6, in IV 2, in V 2, in VI 6).. 18 Die Schülerzahl belief sich denmach äin I 17. in II 15. in III 35, in IV 8s. in v 12, in VI 8) auf........ I. 105 Am Schlusze des Sommersemesters vFurden mit dem Zeugnis der Reife zur Universität entlaszen die Primaner: 1) Johann Heinrich Rusz aus Hanau, 19 ¾ Jahr alt, 9 Jahr im Gymnasium, 2 ½ Jahr in Prima; Willens Philologie und Theologie zu studieren. 2) Friedrich Otto August Wille aus Schwarzenfels, 18 ½¼ Jahr alt, 6 ½ Jahr im Gym- nasium, 2 Jahr in Prima; um Jurisprudenz und Cameralwiszenschaften zu studieren. Ohne den Cursus vollendet zu haben traten aus: 3(1 aus II, 1 aus III, 1 aus IV) um sich dem Kaufmannsstande, 1 aus II um sich dem Militärstande, 1 aus III um sich der Pharmacie zu widmen, 1 aus II um sich durch Privatunterricht, 2(1 aus III, 1 aus V) um sich auf anderen Lehranstalten weiter zu bilden; 1 aus I wurde ausgewiesen, zusammen............... 9.... 3 1.......... 10 Neu aufgenommen wurden im Winterhalbjahr(1 in I, 1 in II, 1 in III, 1 in IV, 2 in VI) 6 Die Schülerzahl betrug also(in I 16, in II 14, in III 33, in IV 18, in V 10, in VI 10).......................... 101 28 von denen jedoch im Laufe des Semesters 3(1 aus III um Oekonom, 1 aus III und 1 aus IV um Kaufmann zu werden) das Gymnasium wieder verlieszen. Ferner wurden am Anfange des Wintersemesters mit dem Zeugnis der Reife zur Universität entlaszen: 3) Karl Wilhelm Tassius aus Kassel, 18 ½ Jahr alt, 1 ¾ Jahr im Gymnasium, 1 ½ Jahr in Prima, um Theologie zu studieren; zugleich mit 4) Karl Hugo Oscar Sporleder aus Bergen bei Hanau, 19 ¼ Jahr alt, früher 5 ¼ Jahr lang Schüler des hiesigen Gymnasiums, 2 ¼ Jahr in Prima; Willens Medicin zu studieren. Mit dem Schlusze des Semesters werden mit Maturitätszeugnissen zur Universität entlaszen werden die Primaner: 5) Karl Calaminus aus Hanau, 17 Jahr alt, 8 Jahr im Gymnasium, 2 Jahr in Prima; will. Cameralia studieren; 6) Johann Heinrich Karl Heller aus Frankenberg, 19 Jahr alt, 6 ½ Jahr im Gymnasium, 2 Jahr in Prima; will Theologie studieren. 7) Jean Jagues Charles Maret aus Hanau, 21 ¾ Jahr alt, 8 Jahr im Gymnasium, 2 Jahr in Prima; will Medicin studieren. 8) Wilhelm Rogge-Ludwig aus Kassel, 18 ¾ Jahr alt, 4 Jahr im Gymnasium, 2 Jahr in Prima; will Medicin studieren. 9) Heinrich Frankenberg aus Hanau, 22 Jahr alt, von Michaelis 1855 bis zum 24. Februar 1857 Schüler der Prima des Kasseler, von Juni 1857 Schüler der Prima des hiesigen Gymnasiums; will Medicin studieren. 10) Karl Willich Carl aus Marienhöhe bei Osterburken im Groszherzogtum Baden, 19 ¼ Jahr alt, 2 Jahr Schüler der obersten Classe des Gymnasiums zu Heilbronn, ½ Jahr Schüler der Prima des hiesigen Gymnasiums; will Theologie studieren. Unter sämmtlichen vorstehenden Abiturienten erhielten fünf(2, 5, 6, 7, 9) das Praedicat gut vorbereitet, die übrigen das Praedicat ziemlich gut vorbereitet. IV. Ordnung der öffentlichen Prüfung. Montag den 22. Merz. Vormittags. Morgens 8 Uhr Choralgesang(D. E. Kirchengesangbuch Nr. 94 Ein reines Herz, Herr, schaff in mir). Von 8 ¼— 10 Uhr Prüfung der PRIMA. Sophocles. Weltgeschichte. Horaz. Französisch. Von 10— 12 Uhr Prüfung der SECUNDA. Xenophon. Geographie. Cicero. Französisch. Nachmittags. Von 2— 4 Uhr Prüfung der TERTIA. Religionslehre. Xenophon. Geographie. Caesar. Dienstag den 23. Merz. Vormittags. Von 8— 10 Uhr Prüfung der CUARTA. Religionslehre. Cornelius Nepos. Mathematik. Geographie. Von 10— II Uhr Prüfung der CUINTA. Lateinisches Elementarbuch. Mathematik. Von II— 12 Uhr Prüfung der SEXTA. Lateinisches Elementarbuch. Religionslehre. Nachmittags von 3 Uhr an: Choralgesang(D. E. Kirchengesangbuch Nr. 116 Befiehl du deine Wege V. 1— 3). Valedictionsreden der Abiturienten K. Calaminus und H. Heller. Rede des Directors und Entlaszung der Abiturienten. Choralgesang(D. E. Kirchengesangbuch Nr. 116 V. 11 u. 12). Verkündigung der Versetzung; hernach Austeilung der Zeugnisse. Der Gymnasialdirector Dr. Piderit. m 2 6 eene 3 SIII M AAAlg nh Zamst un 4 6 2Tf ,91 hal⸗ 1arZc9) Kijn uundigll aceet Sein AIMID u uur ril 307 8* Aitaat dKA aemiell 5 ATXIZ nh Nanrl 4 21 I ucf 1 Hatlof naigitost Anulmi hii A II 8 r a2 Amsan (d=I V t antob ub lh att SIrM. hehe ven BW AM'hun 1sehe„ A in tif, * 1 AtsitA Anb Hlenl 76 hain „(Mn l. Hl rcte ae 2 aa oh nulloten Mhantan 3½ 1 d'Seh'I5IDIENISISKERN AAN An A 3 4 141 4 7 * ** 7 32 4 N 8 — 4