ſh, 6 Realgymnasium in Cassel, Nr. 16. 1 Uni B 2 der. n 2188 welche Sonnabend den 21. Müärz d. J., vormittags von 9 Uhr ab, in der Aula des Realgymnasiums abgehalten werden soll, sowie zu der hierauf stattfindenden Entlassung der Abiturienten, ferner zu der öffentlichen Prüfung Sochüler des städtischen Realgymnasiums, ‿ welche Dounerstag, den 26. März, von nachmittags? Uhr ab, Freitag, den 27. März, von urutussi0fa d 07 und/ 6. Sonnabend, den 28. März, von 8— 9 ½ Uhr, ependaselbat vorgenecrarmen werden. l1, ladet die geehrten Eltern und Angehörigen der Schüler sowie die Freunde und Beschntzer des edulresuni ehrerbietigst und ergebenst ein Direktor Dr. Wittich. Inhalt: 1. Das deutsche Meer und seine Süd- und Ostküste, II, von Dr. Alb. Ulrici. 2. Gedächtnisrede des Direktors zu Ehren von Prof. F. Kreyssig und Dr. A. Preime. 3. Schulnachrichten vom Direktor. —:-—-ℳ-—-——— Cassel, 1885. Druck von Weber& Weidemeyer. 1883. Progr.-Nr. 364. H. 4. Das deutsche Meer und seine Süd- und Ostküste, von Dr. phil. Albert Ulrici ordentl. Realgymnasiallehrer. Teil II. Die Eider war nach von Maack ursprünglich ein Meerbusen mit vielen Inseln und mannigfaltigen Buchten, in den sich von Norden her die Treene, von Süden her ein kleines, namenloses Flüsschen, das im Isarnho Holsteins entsprang, ergoss. Zu Adams von Bremen Leit ist der Name dieses Flusses Eider. ³⁰) Der grosse Busen war bereits versandet und verschlickt. Ebenso trennte nach von Maack ³⁸⁵) die Königsau als ein breites Gewässer Schleswig von Jütland. Schleswig-Holsteins Festland aber ragte in alten Zeiten 15— 60 km westwürts in die See und umfasste nicht nur die gegenwärtigen Marschen und Inseln, sondern reichte sogar über die Sanddünen hinaus. Der Boden dieser jetzt grösstenteils vom Meere verschlungenen Niederungen bestand aus fruchtbarem Sande und Thonschichten, die nach Westen hin etwas höher gelegen waren und hier auf dem festen Gestein ruhten, von dem noch jetzt in Helgoland und in dem roten Kliff auf Sylt Überreste vorhanden sind. Die Katastrophe kam mit und nach der grossen Flut, welcher der Kanal zwischen England und Frankreich seine Entstehung verdankt. Sie hat als Zeugen ihrer Wirkung die sogenannte Steinahlschicht gebildet und zurückgelassen, welche sich von der Westküste von Ditmarschen an bis nach Vendsyssel bald über 1 m unter der Oberfläche, bald nur einige em tief vorfidet. Bis zur Mündung der Eider sind alle Dünen zerstört, und die Bewohner sind an der Küste von Ditmarschen lediglich auf den Schutz ihrer Deiche angewiesen. Auf der Halbinsel Eiderstedt dagegen, nordöstlich von der Mündung der Eider bei Tönning, sind die Dünen erhalten, aber weiter ³8) Adam. Brem. de situ Daniae IV. c. 1. 3°) Von Maack, das urgeschichtliche schleswig-holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erd-. kunde. N. F. Bd. VIII., 128. 1 nordwärts finden wir von ihnen nur noch auf den Inseln Nordstrand, Pellworm, Amrum, Föhr, Sylt, Romö und Fanö einige Reste. Die übrigen dieser nordfriesischen Inseln, die friesischen Uthlande, wie man sie insgesamt nennt, sind die Überreste der einst hinter den Dünen liegenden Marsch. Die kleineren von ihnen, die sogenannten Hallige, die ihrer Kleinheit wegen nicht bedeicht sind, werden von den hohen Winterfluten regelmässig überschwemmt und erleiden forkdauorud Abfus 9o) he„ Lu beklagen aber ist es, dass vor D den 11. Jarhundert wenige Plnten aGCeinnbt nden Sn. und die wenigen zeigen nur die Jahreszahl und höchstens das Datum. Die Einzelnheiten jedoch, die im Gefolge der Fluten waren, sind der Vergessenheit anheimgefallen. Saxo Grammaticus nennt diese Küstengebiete Frisia minor, ein fruchtbares, aber niedriges Land, das gefährlich sei wegen der verderblichen Überschwemmungen, denen es ausgesetzt sei. ⁵¹) Anderwärts werden mehrere Meeresüberflutungen erwähnt, die die Westküste der Herzogtümer heimsuchten. ⁵²) Alle diese Zerstörungen haben am härtesten die Insel Nordstrand betroffen. ²) Diese Gegend, die Inseln Sylt und Föhr mit einbegriffen, ward damals Nordfriesland genannt und war, wenn man von den scheidenden Bächen absieht, mit dem festen Lande verbunden. Bis zum Jahre 1240 war hier ein sehr angebauter und bevölkerter Landstrich, von Norden nach Süden 67— 80 km, von Osten nach Westen 45— 60 km breit. Da wo die Hewer das südliche Nordstrand begrenzt, hatte die Flut von 1240 grosse Umwälzungen bewirkt. Zwischen Pellworm und Nordstrand lag an einem sicheren Hafen die Stadt Rungholt und um sie herum eine Anzahl blühender Dörfer. Dieser reiche und fruchtbare Landstrich wurde 1300 ein Raub der Wellen. Sieben Kirchspiele sollen zerstört worden sein. In demselben Jahre ging die Stadt und Festung Mildesborg unter, und ebenso wurde das Marschland von Bökingharde im Amte Tondern zerstört. Im Norden der Uthlande, westlich von den jetzigen Dünen Sylts, lag an einer Bucht die Stadt Wedingstadt mit altberühmtem Hafen. Damals verschwand auch sie, und Sylt erhielt eine westliche Meeresgrenze, an der keine Schiffe mehr landen und ankern konnten. Dieselbe Flut löste östlich von Rungholt eine grosse Strecke Moorland ab und trug dasselbe über die Hewer nach Eiderstedt. Im Jahre 1632 in der Nacht vom 8. zum 9. September verschwanden zwischen Föhr, Amrum und Sylt Dörfer und Kirchspiele, und die frühere schmale Seestrasse dazwischen ward bis auf eine Meile erweitert. Eine andere Flut, vielleicht die des Jahres 1436, zerstörte das Dorf Eidum westlich Sylt. Dann überschwemmte das Meer im Jahre 1615 ganz Nordstrand, so dass nur zwei Kirchspiele, Pellworm und Trindermarsch, trocken blieben.. Nordstrand selbst hatte bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts noch 30 km im Umfange und war NeFen der Bevölkerung und Ertragsfähigkeit berühmt. Zwar wurde es von immer wieder- ²⁰) Daniel, Deutschland I., p. 6 fl.— Guthe, Lehrbuch der Geographie p. 470. *¹) Saxo Grammaticus III., 260. *²) Hamsfortii Chronologia ed. Langenbeck. *³) G. Weigelt, Die nordfriesischen Inseln vormals und jetzt, Hamburg 1873, p. 156 ff. kehrenden Fluten heimgesucht und verlor Land, behielt jedoch noch lange Zeit gegen 9000 Ein- wohner. Hohe Dämme waren zum Schutze gegen die Fluten angelegt. Da wurde am 11. Oktober 1634 abends die ganze Insel überflutet und gänzlich zerrissen. Hierbei wurden 1338 Häuser und die Kirchen zerstört, 6408 Menschen und gegen 50000 Stück Vieh kamen um. Von der grossen Insel blieben nur drei kleine Stücke übrig, die Inseln Pellworm, Nordstrand und das Inselchen Lütje-Moor. ⁹*) In den folgenden Jahren wurden die Dämme wiederholt zerrissen, die Inseln überflutet und Teile der Inseln vom Meere zerstört. Sylt verliert noch Land an seiner Westseite, während sich an der Nordseite der Hafen mit Sand verstopft. Die westlich von Tondern liegende Insel Nortoft ist fast günzlich vom Meere weg- gespült worden, wie auch die Halbinsel Widingharde auf der Westseite fast die Hälfte ihres Flächenraums eingebüsst hat. Wie dem auch sei, wir erkennen aus den wenigen Angaben, dass unserer gesamten Küste des deutschen Meeres von den Wellen arg mitgespielt worden ist. Guthe berechnet in seiner Beschreibung der Welfenlande ⁹⁵) den Verlust an Marschland auf 91,8 deutsche ◻Meilen, 50490 qkm. Es ist aber dieser Verlust an Land durch Meeresfluten nur erklärlich durch das Sinken des Landes; denn nur ein sinkendes Land vermag die See mit Erfolg anzugreifen. Bei Schleswig konnte auch archäologisch erwiesen werden, dass dem Einbruche des Meeres ein Sinken der Küste vorangegangen war. Beim Ausgraben eines Kanals nümlich in der Nähe von Husum stiess man auf einen unterseeischen Birkenwald und in diesem auf einen Grabhügel mit Feuer- steingeräten, etwa 1 m unter dem Meeresspiegel. ⁹⁶) Wann die Küstenbewohner nun angefangen haben sich durch Deichbauten gegen die Überflutungen zu schützen, lüsst sich kaum mit Sicherheit ermitteln. Niedrige Sommerdeiche wurden gewiss schon sehr frühzeitig errichtet, aber den höheren Herbst- und Winterfluten vermochten diese keinen hinreichenden Widerstand zu leisten. Jedesfalls mussten geordnete gesellschaftliche Zustünde vorhanden sein, weil die Deiche nicht Unternehmungen einzelner Anwohner sein können, zumal sie oft über weite Uferstrecken ununterbrochen ausgedehnt werden mussten. In Ostfriesland wird als erster Erbauer der Seeburgen König Adgil aus dem zweiten Jahrhundert genannt. ³⁷) Karl der Grosse gewährte den Friesen nach ihrer Unterwerfung Befreiung von der Heeresfolge:„Denn,“ so heisst es in ihrem Gesetz, ²⁸)„das ist recht, dass der freie Friese auf keiner Heerfahrt weiter ziehen dürfe als mit der Ebbe aus und mit der Flut zurück wegen der Not, dass er das Ufer alle Tage bewahren soll!“ Friesische Deichorduungen aber kennen wir erst seit dem 14. Jahrhundert. Grossartig uun sind die Werke der Menschen, die sie zum Schutze gegen die Fluten oder zur Wiedergewinnung an Land, das das Meer einst geranbt, nach und nach erbauen lernten. 24) Büsching, Erdbeschreibung I., p. 279. *6) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 29. *⁶) O. Peschel, Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde, p. 114. *¹) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 25 ff. **) Lex Frisonum. 1* — 1— Ermutigt durch so manche Siege, die der Mensch im kleinen davongetragen hatte, wagte er den Versuch,Seeboden und vom Meere bedeckten Strand zurückzuerobern. Und es ist den Bewohnern der Küsten des deutschen Meeres gelungen, siegreich gegen das Meer vorzudringen. Vor allem sind es die Holländer gewesen, die durch Jahrhunderte lange Arbeit ihr Land gegen das Meer sicher gestellt, ja z. T. der See erst abgerungen haben. Man fühlt, wenn man diesen ebenen Boden erblickt, von dem jede Scholle wieder und wieder umgewandt werden musste; man sieht, wenn man diese Abzugskanäle und Schutzdämme, die das ganze Land in zahllose Parzellen teilen, dass hier ein ganzes Volk im Kampfe mit der Natur begriffen ist. Freilich sind die Kanäle, welche zur Entwässerung der Landflächen zuerst erbaut wurden, nicht mit geometrischer Regelmässigkeit angelegt, weil die Ingenieure früher nicht so kühn wie heute waren, sondern bei ihren Kanalisationsarbeiten alle natürlichen kleinen Rinnen benutzten und alle Bodenerhöhungen umgingen, so dass ihre Gräben oft einen ziemlich gewundenen Lauf nahmen, während heute trocken gelegte Ländereien in ihren Abzugsgräben sich durch eine fast mathematische Regelmässigkeit auszeichnen. Geradlinige, parallele Kanäle ziehen sich heute in regelmässigen Abständen unter einander von einem Ende des für die Kultur gewonnenen Landes zum andern. Andere Kanäle von gleicher Breite durchschneiden diese rechtwinklig, so dass die ganze Fläche in grosse Parallelogramme zerfällt, die wieder durch schmälere, aber ebenfalls geradlinige Gräben in kleine Parzellen geteilt werden. Nur auf Kähnen vermag der Landmann sein Feld zu besuchen, um Dünger herbeizuschaffen und die Ernten heimzuführen. Rings um diesen weiten schachbrettartigen Feldercomplex läuft dann ein Gürtelkanal, der alles Wasser aus dem Polder, so nennt man einen eingedeichten und urbargemachten Strich Landes, aufnimmt und durch starke Dämme gegen Überschwemmangen von aussen wie von innen geschützt ist. Früher benutzte man den Wind, um das überflüssige Wasser aus den Polders zu heben und entweder unmittelbar oder mit Hilfe von Kanälen in irgend einen Fluss abzuleiten. Jene malerischen Windmühlen, die man auf allen Landschaften niederländischer Maler sehen kann, setzten die Schöpfwerke in Bewegung. Jetzt sind die grossen Polders, bei denen die gesicherte regelmässige Wasserabführung eine Lebensfrage ist, mit Dampfmaschinen versehen, die unablässig das Wasser in den Gürtelkanal schöpfen. Sind aber die trocken zu legenden Seeen zu tief, um sie allein mit Hilfe von Grüben und Kanälen für die Kultur zu gewinnen, so bleibt nur übrig dieselben durch Pumpen auszuschöpfen, oder man muss sich auf eine Arbeit gefasst machen, die Jahrhunderte lang dauert, indem man zuerst kleine Iuseln aufführt, die man später mit einander vereinigt. Und der wackere niederländische Bauer scheut in dem Bewusstsein, für seine Enkel zu arbeiten, vor einem solchen Unternehmen nicht zurück. Er dämmt zunächst an den Ufern ein verhältnismässig leicht trocken zu legendes Stück Land ab, und wenn dann infolge von Anschwemmungen und Ausschüttungen eine Schlamm- bank über das Wasser aufsteigt, so bemächtigt er sich dieser, erhöht sie, versieht sie mit Abzugs- gräben und giebt ihr eine langgestreckte Form, welche später, wenn der See in einen Polder ver- wandelt ist, die Kanalisationsarbeit erleichtert. Schon Generationen vorher bestimmt er die Lage der Felder, die eben noch vom Wasser bedeckt sind, und jede Schaufel Schlamm, die er vom Grunde des Meeres heraufholt, jeder Pfahl, den er einschlägt, muss zur Fortsetzung des Werke⸗s dienen. Man muss die Geduld, die Planmässigkeit und die Grossartigkeit der Ausdauer bewundern, mit der die Niederländer an die Zurückeroberung ihres Landes gehen! ⁹⁹) Auf diese Weise ist der Biesbosch, jener See, der sich im 14. Jahrhundert bei einer grossen Flut bildete, die schönsten Fluren von Dortrecht vernichtete und 72 plühende Ortschaften verschlang, heute teilweise der Kultur wiedergewonnen. Grossartiger aber und vielleicht die wichtigste unter den neueren Unternehmungen zur Trockenlegung von Seeen, namentlich wegen der Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt, und wegen des Nutzens, den man daraus zog, ist die Wiedergewinnung des gesamten Bodens des unter dem Namen„Harlemer Meer“ bekannten Sees für die Kultur. Dieses hatte eine Länge von 21 km, eine Breite von 10 km, bei einer mittleren Tiefe von 4 m, und enthielt eine Wassermasse, die auf 724 Millionen kbm geschätzt worden ist. Dazu kam noch das Sicker- und Regenwasser, das während der Trockenlegungsarbeiten dem See zufloss. Auch dieses konnte man auf etwa 200 Millionen kbm schätzen. Im Jahre 1840 wurde das Werk begonnen, 1852 war es vollendet. Drei gewaltige Dampfmaschinen, die zusammen mit jedem Kolbenhube 200 kbm Wasser hoben, hatten das ganze Haarleemer Meer dem Ocean zurückgegeben. Jetzt ist die Dampfmaschine nur noch thätig, das alte Seebecken von dem Regen- und Sickerwasser frei zu machen und zugleich bei Dürre das zur Bewässerung des Bodens erforderliche Wasser zu liefern. Der so lange der Luft und der Sonne entzogene Seeboden liess sich nur allmählich in Ackerkrume verwandeln, die aber nan sehr leicht das Regenwasser verschluckt nnd verdunstet. Der Thon und Torfboden des Grundes, der sich infolge der Eintrocknung um etwa 30 cm gesenkt hat, ist gegenwürtig ein herr- liches Ackerland und hat den Nationalreichtum Hollands erheblich vermehrt. Die Trockenlegung hat 33 Millionen Franks, 26 ⅞ Millionen Mark, gekostet, die Polders aber stellen bereits einen Wert von mindestens 150 Millionen Franks, 120 Millionen Mark, dar. 12000 Menschen etwa haben ihre Beschäftigung und ihren Lebensunterhalt gefunden. ¹⁰⁰) Dann wurde in den Jahren 1819— 25 der Nordhollandskanal gegraben, um die Untiefen der Zuidersee zu vermeiden. Ferner ward von 1844—50 der Anna-Paulowna-Polder vollendet. Ermutigt durch so glückliche Erfolge unternahm man 1864 ein anderes Werk. Mit 15 Millionen Gulden Aktienkapital, etwa 25 ½ Millionen Mark, ging man daran, die Landenge bei Velsen zu durchstechen. Ein Schiffahrtskanal von 25 km Länge wurde von Amsterdam direkt zur Nordsee gegraben, um das Y und das Wiyker Meer auszutrocknen. Durch einen Damm bei Amsterdam-Schellingwoude wurde das Y vom Zuidersee abgeschlossen, und bereits am 25. September 1872 lief das erste Dampfboot auf dem Kanale in die offene See. Das Wasser floss zur Nordsee ab. Schon denkt man daran, die Zuidersee, die einen Flächenraum von 57[ Meilen, 2420 qkm, enthält, zur Hälfte trocken zu legen, um Nordholland und Overiyssel zu verbinden. ¹⁰⁰4) Im Zusammenhange damit soll das Wieringer Meer ausgetrocknet werden. Ein Damm vom östlichen Rande der Insel Wieringen nach Süden soll den Anna-Paulowna-Polder bei Medemblik *⁴) Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, II., p. 407 u. 408. ¹0⁰) Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, II., p. 123 u. 124. 1004) Ich bedaure, dass wegen zu grosser Kosten meine Specialkärtchen nicht mit beigegeben werden konnten, verweise aber hier und für die Folge auf Stielers Handatlas, Karte 19, und Andrees Handatlas, Karte 34 und 65. 6 mit Nordholland verbinden, um dann die eingeschlossene See gleich dem Haarlemer Meere auszuschöpfen. Man hofft damit 19500 ha Land mit einem Aufwande von 20—25 Millionen Gulden, über 34— 42 Millionen Mark, trocken zu legen. Zugleich aber hat man Ameland mit dem Festlande verbunden, wodurch man ein Gebiet, von 30000 ha durch Austrocknen gewinnen will. Die Insel Ameland, in ostwestlicher Richtung parellel mit der Nordküste von Westfriesland liegend, hat kaum einen Meeresarm von 7 ½ km Breite zwischen sich und dem Festlande. Am Ostende dieser Wasserstrasse bricht sich die Strömung der Emsmündung, am Westende die der Jjssel. In der Mitte der Wasserstrassen neutralisieren sich die beiden Strömungen und gelangen beinahe vollkommen zum Stillstande. Diesen Punkt gerade hat man gewählt, um von der friesischen Küste einen 87 m langen Damm nach dem südlichen Ufer von Ameland zu leiten, wodurch der Stillstand der Strasse gesichert und die allmähliche An- schlemmung des betreffenden Terrains herbeigeführt wird. Zu Anfang des Jahres 1873 war der Absperrungsdamm vollendet, trotzdem heftige Stürme während des Baues im Jahre 1872 wüteten. Und nach den rasch von statten gehenden Anschlemmungen zu schliessen, wird die Arbeit vom besten Erfolge gekrönt werden. Auf diese Weise wird im Westen und Norden die Zuidersee immer mehr eingeengt, bis ihr nur noch die Gestalt eines dem Dollart ähnlichen Ausflussbeckens übrig gelassen wird. Schon beginnt man, der See auch selbst zu Leibe zu gehen. Ein Abschliessungsdamm ist in Aussicht genommen, welcher, bei Enkhuizen beginnend, vom westlichen Ufer über die Insel Urk und Schokland bis zur östlichen Küste bei Kampen reicht und die Scheidung der südlichen von der nördlichen Hälfte sichern soll. Kürzer wäre gewiss die Linie Medemblik-Stavoren, aber man will die wasserreiche Jjssel von der Verbindung mit der Nordsee nicht abschneiden, um so eher das auszuschöpfende Gebiet vor bedeutenden Wasserzuströmungen zu bewahren. Was für ein ganz anderes Gesicht würde dann die Karte Hollands bekommen? Das grosse Seebecken würde verschwunden sein. Die Städte Hoorn, Edam, Harderwijk und andere, die jetzt Seestädte sind und sich in den Fluten der Zuidersee spiegeln, werden in Binnenstädte verwandelt, und von den Inseln Urk und Schoklaud dürfte kaum noch der Name erhalten bleiben. Die See selber aber wird, die Gestalt einer halben kreisförmigen von Osten nach Norden gewundenen Bucht einnehmend, uur noch eine erweiterte Mündung der Jjssel vorstellen. Und sollte dann noch durch Anschlemmung ein Anschluss der Insel Texel und Vlieland, Terschelling und Ameland unter einander und an dem nordholländischen Kontinent zu stande kommen, dann würde nur noch die Mündung der Jjssel da sein, als Meer aber hätte die Zuidersee ihre Rolle ausgespielt. Dazu scheint auch alle Aussicht vorhanden zu sein, deun das eijerlandische Gat zwischen Texel und Vlieland versandet. Ein Strandsee oder auch ein Meerbusen Burdine, Borneda in der Gegend von Franeker ist jetzt trockenes Land, und sein Name wird nur noch in Borndiep, Boerdiep erhalten. Bolswardia, das sonst am Ufer lag, befindet sich heute weit vom Meere. Bereits ist man schon an die Ausführung des Projektes, die Zuidersee trocken zu legen, herangegangen. Man hat den Meeresboden untersucht und denselben, da er zu ½¼ aus Lehm, zu % aus Sand besteht, gut zur Bebauung gefunden. Die Kosten sind auf 180 Millionen holländische Gulden, etwas über 300 Millionen Mark, veranschlagt worden. — 7— Ein Damm, 40 km lang, 7 m über dem mittleren Wasserspiegel, am Scheitel 5 m breit, soll von Enkhuizen über die Iusel Urk bis südlich der Jjsselmündung geführt werden, weil hier die Tiefe des Sees im Maximum 3 ½ m nicht übersteigt. Eine Ringfahrt und ein grosser Kanal von Amsterdam nach der Venspitze bei Enkhuizen sollen den Verkehr vermitteln. Hierfür sind die Kosten allein auf 25 Millionen Gulden, etwa 42 Millionen Mark, veranschlagt. Der gesamte trocken zu legende Flächenraum peträgt 195000 ha, ein grossartiges Unternehmen, zu dem bereits die holländischen Kammern den Kredit bewilligt haben. Gelingt es, und sein Gelingen ist durch die holländische Ausdauer gesichert, dann würden dem Lande 32 ◻ Meilen, 1760 qkm, also die zwölfte Provinz gewonnen. Die Grossartigkeit des Unternehmens kann man erst recht ermessen, wenn mau die einzeluen Provinzen ihrem Flächeninhalte nach vergleicht. Die Zuiderseeproviuz würde dann die zehnte der Reihenfolge nach sein. 1. Nordbrabant..... 512370 ha 2. Geldern.... 508960„ 3. Südholland...... 503540„ 4. Ober-Ijssel...... 332010„ 5. Friesland...... 377060„ 6. Nordholland..... 267520„ 7. D)repthe....... 265070„ 8. Groningen...... 234800„ 9. Limburg....... 220550„ 10. Zuiderseeprovinz.... 195000„ . 11. Seelaud....... 165700„ 42. UItrecht....... 138560„ Was aber die Ausführung des Werkes betrifft, so behaupten die einen, es seien 12, die anderen dagegen wenigstens 16 Jahre nötig. Die mittlere Tiefe der trocken zu legenden Zuidersee beträgt 4,50 m. Die auszuschöpfende Wassermenge dürfte sich auf 5850 Millionen kbm belaufen. Bei einem Aufgebot von 9440 Pferdekräften, welche die zur Anwendung kommenden Dampfmaschinen erhalten sollen, werden 4500 kbm Wasser in der Minute, in 24 Stunden etwa 6 ½ Millionen aus- gepumpt. Nach dieser Berechnung würde das eigentliche Ausschöpfungswerk nicht mehr als 2 Jahre 8 Monate in Anspruch nehmen. ¹⁰⁴) Ausserdem aber sind bereits schon trocken gelegt und zu fruchtbaren Feldern umgewandelt im Amstellande das Diemer- und Beilmer-Meer, in Nordholland der Beemster-See. Auch dem Meere hat der Holländer seine Grenzen gesetzt, damit es nicht nach Belieben die dahinter liegenden fruchtbaren Landschaften von neuem überflute und in Seeen verwandle. Mächtige Schutzdämme sind aufgebaut bei Blankenberg in Flandern, bei Hellvoet und Gravezande in Seeland, bei Petten in Nordholland, am Marsdiep und auf den Inseln. Ja, auf Walcheren hat man Kosten und Mühe nicht gescheut, den Fuss des Deiches gegen die Kraft der Wellen, die über ¹⁰¹) Ausland 1875, p. 174 ff. — 8— 12 m weit den Damm hinaufgetrieben werden, durch aus Norwegen herbeigeführte Felsblöcke zu bedecken und zu beschützen, Blöcke, von denen einzelne bis zu 2000 kg wiegen. Land setzte sich hie und da auch selber an, wie z. B. in den Häfen von Arnemuiden, auf der Insel Walcheren, von Goes auf Südbeveland und von Maarteusdijk auf Tholen. Jedoch die Holländer sind nicht gewöhut, solchen Bildungen ruhig zuzusehen, sondern sie leisten ihnen Unter- stützung und Hilfe. So haben sie in neuerer Zeit unter anderen eine Sandbank zwischen der Insel Goeree und Ober-Flakkee eingedeicht, urbar gemacht und beide Inseln verbunden. ¹⁰²³) Natürlich müssen derartige Veränderungen auch auf die Schelde-, Rhein- und Maas- mündungen Einfluss ausüben. Und wir haben ja bereits gesehen, wie gewaltige Umänderungen im- Rheindelta stattgefunden haben. Manche Arme sind versandet, wie das ehemalige os immensum der Maas und der Waal, neue sind hinzugekommen. Daher bildet das heutige Rheindelta auch ein Gewirr von Verzweigungen, die klar zu übersehen und festzuhalten, nicht leicht ist. Wir folgen in unserer Schilderung der Rheinmündungen Daniel, indem wir zunächst einen linken und einen rechten Hauptarm unterscheiden. ¹⁰³) Der linke IIauptarm, die Waal, welche beinahe ¼ der Wassermasse wegführt, ist zugleich auch der vorzüglichste Schiffahrtskanal. Sandbänke finden sich zwar auch in ihr, aber sie sind nicht so bedeutend als die im nördlichen Hauptarme, welcher den Namen Rhein behalten hat. Namentlich berüchtigt ist hier die Arnhemer Sandbank. Die Schiffe, welche den Wasserweg der Waal einschlagen, müssen zwar einen Umweg von 75 km machen, aber dieser Weg hat den Vorzug, dass die Fahrzeuge jede Grösse haben dürfen, während auf dem nördlichen- Hauptarme die Schiffs- breite wegen der Schleusen 6 ½ m nicht überschreiten darf. Die Waal fliesst annähernd parallel mit der Maas. Die erste Vermischung beider Ströme findet schon in einer Entfernung von etwa 45 km von der Deltaspitze und von dem grossen Maas-Rheinwinkel bei dem Fort Anqdries unweit der Stadt Boemel statt. Diese Verbindung ist durch einen mächtigen Kanal hergestellt worden. Die Hauptmassen beider Flüsse bleiben dabei noch getrennt, um sich dann vollständig bei der Stadt Woudrichen zu vereinigen. Die Waal geht in westlicher Richtung weiter und teilt sich zwischen Hardingsveld und Werkendam in die Westkill und die Merwe, d. h. Wasser, Fluss. Die Westkill bildet den 2 ◻ Meilen, 1100 qkm, grossen Biesbosch mit etwa 120 kleinen Werdern, heisst nachher Hollandsdiep, das sich zwischen Buitensluis und Willemstad in den 178 km breiten Haringsvliet, später Revier Flakkee genannt, und in den 178 km breiten Arm, der anfangs Volke-Rak, dann Krammer-Grevelingen heisst, teilt. Der Revier Flakkee geht etwa 5 ½ km breit bei Hellevoetsluis ins Meer, der Krammer- Grevelingen mündet bei Brouwershaven etwa 7,5 km breit. Die Merwe, der rechte Arm der Waal, setzt den Weg nach Dortrecht fort, teilt sich dort dreifach, indem sie einen Arm zum Hollandsdiep nach Süden, einen andern, die sogenannte alte Maas, nach Westen zum Meere, einen dritten, die Merwe oder Merwede nach Norden sendet. Letztere verbindet sich hier wieder mit dem Leck, und die aus beiden entstehende Wasserader nimmt wieder den Namen Maas an. ¹02) Von Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I., p. 325. ¹⁰3) Daniel, Deutschland, I., p. 446 ff. — 9— Der Krammer steht mit der Osterschelde in Verbindung. Die Schelde, schon bei Cäsar genannt, ¹⁰⁴) hatte jedesfalls pereits damals die jetzige Lauf- linie, die Verzweigung mit der Maas und dem Rheindelta. Sie ist ein noch deutscher Fluss, ein Seitenfluss des deutschen Rheines, an dem das tüchtige deutsche Volk der Flämen wohnt. ¹⁰⁵) Der Fluss teilt sich unterhalb Antwerpen in zwei Hauptarme, die Wester- und Osterschelde. Der südliche Arm mündet bei VlIissingen, der rechte, nördliche, das Kreekeraak, teilt sich bei Bergen op Zoom wieder in zwei Arme, von denen der linke, die eigentliche Osterschelde, zwischen Thalen und Schouwen fliesst und durch die Roompot ins Meer geht, während der rechte, Eendragt genannt, zwischen Nordbrabant und Seeland hinläuft und sich durch den Slaak, Krabbe, Ramme- goes und Mosselkreeken in den Krammer und in den Mastgat ergiesst. Man nennt gewöhnlich alle aus der Schelde entstehenden Gewässer die„Zeeuwschen Ströme“. Zwischen diesem Durcheinander von Maas und Schelde liegen die seeländischen Inseln. Neuerdings ist nun durch einen 5 ½ km langen Eisenbahndamm von Bergen op Zoom nach Middelburg die Osterschelde abgeschnitten worden. Man muss sie deshalb so lange ausschliesslich als Rheinmündung betrachten, wenn auch ein schmaler durch Süd-Beveland führender Kanal die Schiffahrt vermittelt, bis die Kultur den seichten Fluss- und Meeresboden wiedergewonnen und in Land verwandelt haben wird. Der rechte Hauptarm oder der Rhein bleibt nur 11,8 km weit ungeteilt. Oberhalb Arnhem spaltet er sich wiederum in zwei Arme, von denen der rechte kleinere 60 m breite„Neue Ijssel“ oder„Drusus Vaart’“, der linke, grössere, 120 m breite,„Rhein“ heisst. Die neue Jjissel geht nach ibrer Vereinigung mit der alten Jjssel nordwärts bei Kampen in die Zuidersee. Früher ging 22,5 km unterhalb Arnhem, etwas oberhalb Rhenen ein anderer kleiner Arm, die Eem, in die Zuidersee. Jetzt ist die Eem, mit der sich kleine Zuflüsse vereiuigen, man weiss nicht wann und auf welche Weise, mit dem Rheine ausser Verbindung gekommen und bildet ein kleines System für sich. Noch eiumal treten Sandhügel, die Amersforter Berge, jedesfalls eine ehemalige Dünen- kette, die einen alten Meerstrand bezeichnet, an den Rhein. Dieser fliesst längs des Südrandes dieser Hügel hin, bis bei der Stadt Wejk bej Duurstede eine Hauptteilung erfolgt. Der linke grössere Arm, der Leck, führt ¼ℳ der Wassermasse fort. Er vereinigt sich oberhalb Krimpen op de Leck mit der Merwe. Der rechte Arm oder der krumme Rhein, sonst die Hauptwasserader, jetzt uur der kleine Rest der Rheingewässer, schleppt sich in trägem Laufe mit vielen Krümmungen nach ÜUtrecht. Hier spaltet er sich abermals rechts in die Vechte nach der Zuidersee, links in den alten Rhein, der nach Westen weiter fliesst. Beide Arme wurden bedeicht und kanalisiert. Weil aber der krumme Rhein so sehr abnahm, dass er am Ende nur noch mit kleinen Böten, den sogenannten Schuiten, befahren werden konnte, umging man diesen alten fast unbrauchbaren Rheinarm ganz, indem man 1373 von Utrecht aus direkt zum Leck einen Kanal grub, den sogenannten„NVaartschen Rein“, oder die Vaart. Auf diesem und dann weiter auf der Vechte geht nun der Hauptwaren- 104) Caesar, b. G. VI., 33. 105) Frdr. v. Hellwald, Die Erde und ihre Völker, II., p. 205. transport des Rheins über Utrecht nach Amsterdam. Von dieser Vechte geht ein Gewässer nach Westen ab, die holländische Jjssel, welche sich mit dem Maas-Waalmündungsgewässer zwischen Rotterdam und Dortrecht vereinigt. Durch die Gouwe steht sie noch einmal mit dem alten Rheine in Verbindung und ist ein Hauptverbindungskanal zwischen Holland und der Maas, weiterhin auch mit der Schelde. Fast der ganze Handel Hollands mit Antwerpen und Belgien geht auf der holländischen Jjssel und Gouwe, wohin er durch den südbeveländischen Kanal, die Osterschelde, Krammer, Hollandsdiep, Dordsche Kill, Merwe und Maas gelangt und von wo er sich durch den alten Rhein und andere Arme und Kanäle fortsetzt. Dieser alte Rhein war noch zur Römerzeit sehr wasserreich, wie bereits oben ausgeführt worden ist. Heute freilich durchströmt nur noch spärliche Flut das schöne, marschenreiche Rheinland- Etwa seit Karls des Grossen Tode versandete diese Mündung des Rheins völlig, und das Wasser verlor sich unter dem Namen Mallegat in den Dünen. Seit 1807 hat man bei Katwijk dem Flusse eine kanalisierte Mündung verschafft. Um nun sowohl der Versandung und Wiederaus- füllung dieses Dünendurchbruches als auch dem Einbruche der Meeresfluten in das Land durch diese Offnung vorzubeugen, verwahrte man sie mit zwei Steindümmen, die sich weit in die See hinein erstrecken. Drei Reihen Schleusen, jede von der anderen 1500— 2200 m entfernt, verteidigen nicht nur das Land gegen Fluten und Stürme, sondern bilden auch in dem etwa 16 m breiten Rheinkanale Bassins, welche durch die sinnreiche Einrichtung der Schleusen imstande sind allen eiugewehten und eingeschlemmten Sand zur Ebbezeit wieder hinauszuspülen. So wird der Rhein durch eins der grössten hydraulischen Prachtwerke aus seiner Versandung in die See hinausbugsiert. Mit derselben Kühnheit aber und derselben Aussicht auf Erfolg wie im Rheindelta haben die Holländer auch im Norden ihres Landes den Kampf mit der See aufgenommen. Wir gedachten bereits des Dammes von Frieslands Küste nach der Insel Ameland, der, ein kühner Gedanke, die Aussenseite der Zuidersee verschlammen, Nordholland und Friesland mit Texel, Vlieland einerseits, Terschelling und Ameland andererseits verbinden helfen soll. Dazu sind hier noch zu erwähnen die Uithuizer Polders und die Eroberungen von Land im Dollartbusen. Vier— Meilen, 220 qkm, Land, das meiste auf holländischer Seite, sind hier dem Meere bereits wieder entrissen, nnd es wird die Zeit kommen, wo die Lauwersee zugeschlemmt, der Simonzand und die Gronigerwatt nebst der Uithuizerwatt eingedeicht und urbar gemacht, die Brücken bilden zur Befestigung der Inseln Schiermouik und Rottum an das feste Land. Nehmen wir nun die Entwässerungsgräben der Meere mit hinzu, dann müssen wir allerdings mit Kohl ¹⁰⁶) bekennen:„Alle Flüsse und Flussarme und Bäche fliessen in Holland nicht in natürlichen Betten, sondern in künstlichen Gräben, die der Mensch ihnen schuf. Die wilden Flussgötter sind dort vollständig gebändigt. Auch dem Meere haben die Holländer Grenzen gesteckt. Sie weisen mit sehr künstlich geformten und berechneten Fortifikationen seine Angriffe zurück und lassen von seiner andringenden Flut nur so viel ins Land, als gut ist, um die Schiffe landeinwärts zu tragen und den Handel zu fördern. Die binnenländischen Seeen, wenn sie zu gross sind, werden ausgepumpt oder beschränkt. Ja, in die Tiefe der Erde steigen die Leute ¹06) Kohl, L., Reiseberichte über die Niederlande. — 11 hinab, um auch den versteckten Quellen, welche der Oberfläche des Bodens schaden können, durch ein unterirdisches Kanalsystem ihren Lauf vorzuschreiben. Man kann sagen, die Holländer haben die Najaden und Oceaniden mit samt ihren Flussurnen und Töpfen zum Lande hinausgejagt und das Wasser selbst in eigenen Urnen und Töpfen aufgefangen, um es so im Lande zu verteilen, wie es dem nationalen Ackerbau, einer vernünftigen Viehwirtschaft und dem Interesse des Handels und Verkehrs am besten konveniert. Ebenso haben sie auch das Land in ihre bildende Hand genommen. Sie überlassen es nicht dem Zufalle, ob sich irgendwo neues Land bilden soll oder nicht, sondern sie lassen hier oder dort, wo es thunlich ist, Acker anwachsen und wissen sogar mit Hilfe einer wunderbaren Pflanze Hügel und Berge aus Sand zu ihrem Schutze emporzuziehen.“ Es ist in der That ein eigenartiges Land, dieses rheinische Deltaland oder Holland, wie man es zusammenfassend nennen mag, aber in seinem Bestehen ist es auf die Wachsamkeit und den Fleiss seiner Bewohner angewiesen. Aufgegeben hat das Meer diese alten sinkenden Räume noch nicht. Ununterbrocheu nagt und bohrt es, aber die Schildwache ist auf dem Posten, und das ganze Land wird Soldat, wenn das Meer einen Sturm wagt. Beim ersten Zeichen von der Gefahr eines Durchbruches heulen die Sturmglocken von Turm zu Turm, die Alarmkanonen donnern den bestürzten Bewohnern die drohende Gefahr in die Ohren, und aus Städten und Dörfern eilt alt und jang mit Schaufel und Hacke, mit Faschinen, Werg und Lumpen zum bedrohten Punkte. Angstlich wird jede Bewegung des schäumenden und wütenden Meeres beobachtet. Beginnt ein Riss in dem Deiche zu klaffen, so verstopft man ihn mit Lumpen, Werg, Stroh und Lehm, wie man etwa ein Schiff kalfatert. Spült das Wasser auch diese Charpie aus der Wunde, so wird hinter derselben im Halbkreis ein neuer Erdwall aufgeworfen, damit das durchbrechende Wasser einen neuen Widerstand findet. Nicht immer aber gelingt es, die Fluten einzudämmen; sie fegen wie Spreu auch die letzte Schranke weg und verschlingen in massloser Gier die lachenden Fluren. Es leuchtet ein, dass durch solche Arbeiten der Boden des niederländischen Alluviums durch Zuthun der Menschen so veründert werden musste, dass es oft den Geologen schwer wird, die ursprüngliche Gestalt und Beschaffenheit des Bodens zu erkennen. Die oft über 1 m starke Humusschicht des bestellbaren Landes ist an vielen Orten lediglich ein Produkt der fleissigen Bewohner. Ostliech aber von den Niederländern haben Friesen, Ditmarschen und die Bewohner Schleswigs denselben Kampf mit dem Meere aufgenommen, und es ist ihnen ebenso wie den Holländern gelungen, siegreich gegen den Feind vorzuschreiten und weite vom Meere überflutete Landstrecken in Polders und fruchtbare Ackerländer umzuwandeln. Wann man jedoch in Deutschland angefangen regelrechte Deichbauten aufzuführen, das lässt sich mit Bestimmtheit nicht ermitteln. Nur soviel ist gewiss, dass es nicht niederländische Kolonisten waren, die den Deichbau die Deutschen gelehrt haben; denn diese haben, soviel wir wissen, von den Erzbischöfen von Bremen ins Land gerufen, nur in den Niederungen des Binnen- landes kultiviert. Auch müssen die Uferbauten mit vereinten Kräften aufgeführt worden sein, weil einzelne es auch hier nicht vermochten, so ausgedehnte Uferstrecken einzudeichen und die mit grosser Mühe und vielen Kosten gewonnenen Lündereien durch Schutzbauten gegen den Wogenprall und die Sturmfluten zu sichern. Denn welche Mühe, was für gewaltigen Kraftaufwand und wie ungeheure 2*¾ — 12— Kosten die von Seeland bis nach Schleswig hinauf in ununterbrochenem Zusammenhange das Land umsüumenden Dämme und Deiche verursacht haben müssen, das kann man einigermassen ermessen, wenn man die Bauart und Beschaffenheit nur eines einzigen studiert. Mächtige Dämme erheben sich bis zu 8 m Höhe, auf einer Basis ruhend, die oft 30 m übersteigt, während die Kappe etwa 2 ½— 3 m beträgt. Die Böschung nach der Seeseite läuft flach ab, während die nach der Landseite etwa einen halben rechten Winkel beträgt. Das geringste Verhältnis der Breite zur Höhe ist 2: 1, das aber an den gefährlichsten Stellen auf 4: 1 steigt. Der Fuss des Deiches wird mit Rasen bedeckt, der in der ersten Zeit von den Anwohnern mit höchster Sorgfalt gepflegt und gehütet wird. Damit das Wurzelgewebe recht dicht wird, lässt man das Gras von Schafen abweiden, welche zugleich auch die Mauselöcher zutreten, diese bequemen Zugänge für das Wasser ins Innere. Genügt aber eine Rasendecke nicht, dann werden Strohdecken darüber gelegt und an der Erde befestigt. Faschinen, mächtige am Fusse des Deiches in die Erde gerammte Pallisaden und an ganz besonders gefährlichen Stellen darüber gelegte Granitblöcke müssen zum Schutze des Dammes dienen. An der Binnenseite wird ein kleiner Abzugsgraben angelegt, in dem sich alles qurch- sickernde oder bei Stürmen über den Damm geschleuderte Wasser ansammelt. Für den Abfluss des Binnenwuassers sind in bestimmten Entfernungen Schleusen, sogenannte Siele, angebracht, deren Thüren durch die ankommende Flut geschlossen werden, wührend der Druck der angesammelten Binnengewässer nach Eintritt der Ebbe sie wieder öffnet. Auf diese Weise hat man für das Binnenland eine schiffbare Verbindung mit der Küste erlangt, und an den Sielen haben sich in neuerer Zeit kleinere Ortschaften entwickelt, die mit den Landesprodukten selbständigen Exporthandel treiben. ¹⁰*)— Zweimal täglich kehrt die Flut wieder, wälzt sich über die Watten bis an den Fuss der Deiche heran, jedesmal etwas Schlamm zurücklassend, dessen Absatz man durch die sogenannten Schlengen, d. h. an Pfähle befestigte Faschinenbündel, zu vermehren sucht. Dadurch wird allmählich der Wattboden höher. Bald sprossen Pflanzen hervor. Zuerst erscheint der Krückfuss oder das Gras- schmalz, Salicornia herbacea, durch dessen steife, rechtwinklig stehenden Aste die Thonablagerung befördert wird. Ist das Land dann so hoch geworden, dass bei starkem Winde die Flut nicht mehr darüber kann, so kommt eine schöne, beinahe 2 m hohe Aster, Aster trafolium, zu deutsch Sülte genannt, zum Vorschein. Zwischen ihren Asten und Blättern sammelt sich dann der Thonschlamm schneller. Nur die höheren Fluten des Neu- und Vollmondes vermögen jetzt noch darüber zu steigen. In dieser Zeit verschwindet auch diese Pflanze, und es folgt eine Grasart, der Andel oder Queller, Glyceria maritima. Damit ist nun das rohe Watt in festes Vorland, die üppigste Weide, verwandelt. Ein sogenannter Heller ist entstanden. Endlich aber erscheint der weisse Klee, Trifolium repens, ein Zeichen, dass das Land zur Eindeichung reif ist. Hat nun der so gewonnene Anwachs die nötige Höhe erreicht und ist er ausgedehnt genug, dass er der Bedeichung wert ist, so wird er eingedeicht, entweder von den Anwohnern, deren Eigentum das gewonnene Land wird, oder von der Regierung, die es an Privatleute gegen 107) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 31 ff. — 13— Erbpacht überlässt. Nur darf die Eindeichung nicht zu früh geschehen, wie bei dem Stadinger Lande am linken Weserufer, das aus diesem Grunde noch fortwährend an Nässe leidet. ¹⁰⁸) Etwas auders ist der Vorgang an den Flussmündungen, weil da das Wasser weniger salzhaltig ist. Hier stellen sich zuerst Halbgräser wie der, Scirpus, ein, worauf dann eigentliche Gräser, namentlich Glyceria, und das über 3 m hohe Schilfrohr, Arundo phragmites, folgen, welches oft grosse Wälder bildet, die ein reiches Tierleben bergen. Die Güte des so gewonnenen Landes ist unter sich verschieden. Von keinem übertroffen wird der Boden der Dollartpolder. Hier sind auch z. T. die grössten Polder. Wir nennen nur den Landschaftspolder, der 1752 von Friedrich dem Grossen eingedeicht ward. Sein Flächeninhalt beträgt etwa ½[ Meile, 2,5 qkm; er wurde für 900000 Mark verkauft. Zugleich ist dieser Polder, soweit bekannt, auch der einzige, der eine Kirche besitzt. Ausser ihm sind dann hier noch zu erwähnen der Bunderieteressen- und der Heinitzpolder. Vielfach folgt nach aussen zu nicht unbedeutender Landanwachs. Guthe ¹⁰⁸) perechnet das am Dollart und Ostfriesland wiedergewonnene Land zu 7—◻ Meilen, 385 qkm. Nördlich über dem Dollart ist in der Leybucht, in die früher die Osterems mündete, viel Land dem Meere abgerungen. Wann jedoch diese Emsmündung versandet ist, wissen wir nicht. Erst zu Ende des 16. Jahrhunderts ging man an die Eindeichung dieses Busens. Seit dieser Zeit erfolgte die Verschlammung ziemlich rasch, so dass jetzt Norden, welches direkt an der See lag, 3,75 km weit von der Ley liegt. Dazu verschlammt dies vielgekrümmte Fahrwasser mehr und mehr. Das Städtchen Marienhaven, das sonst an der Küste lag oder durch einen Kanal mit ihr in naher Verbindung stand, liegt jetzt im Lande. Die Stadt war der gewöhnliche Zufluchtsort Störtebeckers und seiner Gesellen, aber der Kanal, durch welchen sie mit ihren Schiffen in die Stadt gelangten, ist längst versandet und vertrocknet. Sein Name war Störtebeckers Deep. ¹¹⁰) Die Harlinger Bucht, ein Meerbusen zwischen Ostfriesland und Wangerland, südwürts bis Wittmund reichend, wurde seit 1547 eingedeicht. Im Jahre 1804 wurde bei Karolinensiel der Schweriner Groden gewonnen. Gegenwäürtig ist die Bucht gänzlich verschwunden. ¹¹⁰) Durch Wiedergewinnung von Land ist ganz besonders der Jadebusen eingeengt worden, und noch immer schreitet die Eindeichung vorwärts, zumal gerade hier eine sehr reiche Schlick- ablagerung stattfindet. Die Absperrung der Weserarme und das Zusammendrängen derselben in ein Bett hat diese Küste sehr verändert. Kaum ist diese Gegend wiederzuerkennen, wenn man die heutige Karte mit früheren vergleicht. Butjadingen und Staderland, die früher z. T. Inseln waren, sind heute landfest, und der Jadebusen hat eine ganz andere Gestalt bekommen. In der Weser- mündung selber bilden sich Inseln, und das Fahrwasser vermag nur durch fortwährende Baggerung für Seeschiffe tief genug erhalten zu werden. An der sogenannten Liener Platte, welche an der Mündung der von Beverstedt einst herkommenden Liene liegt, hat man ein lebendiges Bild der allmählichen Entstehung und des Wachsens unserer Marschen. ¹06) v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig-holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., Bd. VIII., p. 14.— Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 34. 106) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 29. 110) Arends, Ostfriesland und Jever I., p. 60 u. 375. 111) Arends, Ostfriesland und Jever I., p. 41.— Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 219. — 14— Diese Insel nämlich, welche etwa 1,8 km breit und 7,5 km lang ist, besteht noch nicht 100 Jahre. Ihr südliches Ende ist bereits bedeicht und hat gutes Weideland, wührend der nördliche Teil als Schlickplatte ausläuft. Vor der Jade erstreckt sich dann der hohe Weg bis zu dem Inselchen Altmellum. An der Wesermündung finden wir unterhalb Blexen den Langlütjensand und die Robenplate, wodurch die Wesermündung in zwei Arme geteilt wird. Rechts davon liegt die Wurster Watt und hinter derselben das Land Wursten, Hadeln und Kehdingen. Wir betreten hiermit ein Gebiet, das, früher beständig überflutet, heute in fruchtbare Landschaften umgewandelt ist. Das Land Wursten, das sich bis zum Aufhören der Deiche im Gebiete von Ritzebüttel 39 km weit nach Norden erstreckt, hat eine Breite von etwa 7,5 km. Schon sehr frühe wurde es von Friesen besetzt, von denen auch die Deichbauten herrühren. öfter allerdings wurden die Deiche zerstört, jedoch immer von neuem erhöht und verstärkt aufgebaut. Heute ist nur noch ein Teil der alten Deiche im Gebrauch; denn seit Anfang dieses Jahrhunderts war ausserhalb dieser Strecke eine so beträchtliche Fläche Land angewachsen, dass die Einwohner es einzudeichen beschlossen. Ihnen gehört hier das gewonnene Land. Das Gebiet aber zwischen dem verlassenen alten und dem neuen Deiche heisst seitdem Neufeld oder das neue Land Wursten. Auch diese Deiche wurden seit der grossen Flut vom Jahre 1825 bedeutend erhöht und verstärkt. Seitdem aber hat sich an der nordwestlichen Küste gegenwärtig auf einer Länge von über 7,5 km neues Land gebildet, das nach Norden hin bis zu 1,8 km an Breite zunimmt. Man gedenkt es einzudeichen. Ostlich vom Lande Wursten folgt dann an der Nordspitze zwischen Weser und Elbe das Land Hadeln, das gleich dem Harlingerlande ein zugeschlemmter Meeresbusen ist. Es ist dies ein äusserst fruchtbares Gebiet von 5 ¾ ◻ Meilen, 31625 qkm, Flächeninhalt, vorzüglich in seiner nördlichen Hälfte, die höher liegt als die zu früh eingedeichte südliche. Das Land Kehdingen ferner, so genannt von den Deichen, die in einigen Gegenden Kaje, gleich dem französischen„quai“ heissen, bezeichnet die reichen Marschen am westlichen Ufer der Elbe. Zum grössten Teile ist es dem Meere abgerungen. Seine Länge beträgt 30 km, während seine Breite zwischen 7,5 und 3,8 km wechselt. Freiburg ist sein Hauptort, oberhalb dessen auch die letzte grösste Elbinsel, das unbedeichte Krautsand, liegt. Lange Zeit wurde diese Insel nur zur Weide benutzt; viele Flussarme durchzogen sie, bis sich im 17. Jahrhundert hier Kolonisten nieder- liessen und das Land kultivierten. Am schlimmsten aber sind unsere Küsteninseln daran, die durch das Ein- und Ausströmen der Flut durch die sogenannten Seegaten arg mitgenommen werden. Und weil sich nicht überall so grossartige Bauten, wie sie in der neueren Zeit zum Schutze Norderneys aufgeführt worden sind, wegen ihrer Kostspieligkeit durchführen lassen, so wollen wir hoffen, dass die Inseln als erste Wellenbrecher sich so lange halten werden, bis die auf alle Weise zu befördernde Beschlickung der dahinterliegenden Watten die sämtlichen Inseln landfest gemacht haben wird. Ist dieses erfolgt, dann werden die durch die Seegaten eindringenden Fluten abgehalten und die dadurch wesentlich bedingten Verheerungen beseitigt sein. ¹¹²) —;;— 212) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannnover, p. 36, 109, 111, 158, 160. — 3— Auch die schleswig-holsteinische Westküste hat in gleicher Weise zahlreiche Veränderungen durch Landansetzungen zu verzeichnen. Das Wasser nämlich, welches die ehemaligen Niederungen verschlungen hatte, schied die schwereren sandigen Teile aus und verwendete sie zur Dünenbildung. während es die leichteren Humusteile in den ruhigen Buchten ablagerte und dadurch fruchtbare Marschländer schuf, die von der tüchtigen, an den Kampf mit dem Meere gewöhnten Bevölkerung allmählich eingedeicht, dem Meere entrissen und mit Inseln oder dem Festlande verbunden wurden. So ist das Kirchspiel Büsum im nördlichen Ditmarschen ein preit in das Meer vor- springendes, eingedeichtes Marschland, das, früher eine eingedeichte Insel, erst Ende des sechszehnten Jahrhunderts durch unsägliche Arbeit landfest gemacht wurde. Das südliche Ditmarschen hingegen, das viel weniger weit vorsprang, nahm mit seinen Eindeichungen schon frühe einen abgerundeten, gegen die Angriffe des Meeres stabilen IImriss an, der nach den Durchbrüchen der Deiche im Jahre 1717 nur um die geringe Breite des Sophien- kooges vorrückend in gleicher Weise ungegliedert blieb. Inzwischen wuchs im Laufe eines halben Jahrhunderts ausserhalb der Deiche mehr Land an. Viele ipselartige Brocken grünenden Landes wurden mit dem Festlande eins. So ward in den Jahren 1785— 87 von der dänischen Regierung der Seedeich 1,8 km im gerundeten Schwunge vorgeschoben und ein grosser Kreissektor von fast 15 km Länge dem Festlande zugelegt. Map naunte den neuen Deich Kronprinzenkoog. Weil nun das eingedeichte Land so grosse Beschwerden bei seiner Verwertung, d. h. Ver- pachtung, verursacht hatte, liess die Regierung die Eindeichung fallen. Unterdes wurden aber die Aussendeichstrecken unter dem Schutze der Büsumer Halbinsel immer grösser, erreichten schliesslich auf eine Lüngenausdehnung von 36,5 km etwa 500 ha. Da erst fasste im Jahre 1845 die Regierung mit einigem Zagen den Entschluss den Teil der Aussendeiche, der im Iunersten des Meldorfer Busens unter dem Schutze der nördlichen Halbinsel lag, einzudeichen. Mit einem Auf- wande von 300000 Mark wurde ein Damm gebaut, der 7,5 km lang war, über 5 m über die gewöhnliche Fluthöhe hatte und eine Erdmasse von 741984 kbm erforderte. Dafür ward eine Grasfläche von etwa 600 ha gewonnen. Heute ist dies ein Grasland, das durch eine vierjährige Verpachtung die ursprünglichen Kosten decken kann. Durch solch ein gelungenes Unternehmen ward die Regierung kühn gemacht. Sie führte noch ein grossartigeres Werk aus, indem sie den landzungenartig vorspringenden Aussendeich Dieksand zurückeroberte. Dieses Dieksand, noch um 1648 ein kleines Inselchen, fast 10 km vom Lande gelegen und durch einen Sund getrennt, war im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts landfest geworden. Dadurch war es reif zur Eindeichung. Freilich wurde es nur zur Viehweide benutzt; auch waren einige mangelhafte Deichkränze aufgeworfen, die das Vieh gegen plötzlich eindringende Fluten schützten und Tränken gewährten. Endlich im Jahre 1817 bauten unternehmende Privatleute weit aussen an der Spitze der Halbinsel einen kleinen Koog, umgaben ihn ringsum mit Deichen und schon fingen reiche Früchte an ihre Mühe zu lohnen, da vernichtete die grosse Flut von 1825 die Dämme und erschütterte den Wohlstand der Gründer derartig, dass für sie ein Wiederaufkommen unmöglich war. Heute ist die ganze Halbinsel gesichert und mit dem Festlande verbunden; 9,5 km lang, 3,8 km breit ragt die neugewonnene Landzunge, dem Strombette der Elbe parallel, ins Meer hinaus. Fast 82,5 km lang ist der Haffdeich, der gegen den Wogendrang schützt. Seine Enden — 16— schliessen sich an den Deich des Kronprinzenkooges an. Die Höhe wurde je nach den Stauungen auf 5— 6 m berechnet, vorläufig aber mit Rücksicht auf die Lagerung des lose aufgeschütteten Erdreiches zu 6— 6,30 cm errichtet. 2349616 kbm Erde waren zur Aufschüttung nötig, aber es ist damit ein Territorium von etwa 1980 ha gewonnen. Bereits auch hat das Meer wieder Schlick angesetzt, und schon ist ein nordwürts gerichteter Vorsprung, der Steert, mit einem 2 m hohen Sommerdeiche umgürtet, der dem neuen Werke Schutz gewährt auf die Länge von 1,8 km. Nach solchen günstigen Erfolgen richten sich die Blicke weiter nach auswärts. Der Meldorfer Busen, eingeschlossen zwischen zwei weit vorspringende, eingedeichte Landzungen, wird ruhiger im Sturm und verspricht einen raschen und dauernden Anwachs in seinem Innern nach Verlauf weniger Jahre. Bestimmter jedoch sind die Blicke nach Süden gerichtet, wo zwei grosse Grasflächen, die beiden Maxqueller, die noch vor wenigen Jahren im Wasser lagen und auf allen Karten als Inseln verzeichnet standen, durch zwei kurze Dämme landfest geworden, sich unmittelbar an den Klein- dieksander Sommerdeich anschliessen. Beide Maxqueller, zu einem grossen Koog vereinigt, ver- grössern Deutschland abermals um eine bedeutende Fläche. Dann soll die Eindeichung, fast an die Elbe heranrückend, jetzt unter dem Namen„Kaiser-Wilhelm-Koog“ auf die Regulierung des Elbe- fahrwassers einwirken, andernfalls auch einen Schutz des Friedrichskoogs abgeben und mithin einen Busen bilden, der bald aufschlicken muss. Beider Vereinigung schafft dann eine festere Gegenwehr. ¹¹⁸) Weiter nördlich ist dann die Halbinsel Eiderstedt nördlich der Eidermündung aus drei Inseln zusammengesetzt und zuletzt mit dem Festlande verbunden worden. Diese drei Iuseln waren das dem Festlande am nächsten liegende Eiderstedt, Ewerschop und nach Westen hinaus Utholm. Die Hewer und Eider teilten diese Inseln. Eiderstedt und Ewerschop wurden durch einen nördlichen Arm der Eider getrennt, von dem v. Maack behauptet, dass er sein Wasser früher von der Elbe empfangen habe, die etwa in der Gegend des Lister Tiefes mündete. Wann die Inseln sich unter einander verbunden haben, darüber fehlen die Nachrichten. Im 13. Jahrhundert soll Eiderstedt bereits durch den Milderdamm mit dem Festlande verbunden gewesen sein, und vom Jahre 987 bis 1631 sollen 48 verschiedene Eindeichungen stattgefunden haben. ¹¹⁴) Auf der Iusel Sylt an der schleswigschen Küste ist man sogar auf den Gedanken gekommen das Meer selber wieder aufbauen zu lassen, was es früher zerstörte. Man errichtet nämlich dort längs des Strandes zwei parallele Pallisadenreihen, die etwa 100 m von einander abstehen. Bei Stürmen rollen die mit Sand beladenen Wogen über die Faschinen hinauf, lassen aber in dem Zweiggewirr derselben die mitgebrachten Sandteile niederfallen. Der Sand häuft sich zwischen den beiden Pallisadenreihen an, und bald erhebt sich eine lange, künstliche Düne am Meeresufer und schützt die im Innern gelegenen Felder. ¹¹⁵) ¹13) Dr. Mayr, Petermanns Mitteilungen 1857, p. 459 ff. u) Weigelt, Die nordfriesischen Inseln vormals und jetzt, Hamburg 1873, p. 147 ff. 116) Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, II., 413. — 17— Freilich immer ist der Mensch in seinem Kampfe mit den Meereswogen nicht glücklich. Vor allem sind die Bewohner der kleinen Inselchen, Hallige genannt, an der Westküste Schleswigs vielfachen Überschwemmungen ausgesetzt, die sich alljährlich wiederholen, weil die Inseln wegen ihrer Kleinheit nicht eingedeicht sind. Eine herrliche Schilderung des mühe- und gefahrvollen Lebens auf den Halligen ist uns von J. G. Biernatzky geworden, der als Pastor auf der Hallig Nordstrandischmoor die grosse Flut von 1825 erlebte. Seine Schilderung jedoch hält ein anderer Geistlicher, Hachtmann, der von 1867—68 auf Hooge als Seelsorger wirkte, wenigstens für die ihm bekannten grösseren Hallige, für übertrieben. Im übrigen gilt von diesen nordfriesischen Inseln dasselbe wie von den ostfriesischen. Mögen sie dem dahinterliegenden Lande so lange als Wellenbrecher dienen, bis die dahinterliegenden Watten beschlickt und eingedeicht sind! Dann, nachdem sie landfest geworden, dürfte auch hier den Einbrüchen und Verheerungen z. T. gesteuert sein. Wir vermögen aber von den Küsten des deutschen Meeres, deren Verluste an Land Guthe ¹¹⁶) auf 91,8 ◻Meilen, 5049 qkm, berechnet, während die Wiedergewinnung nur etwa 47 ◻Meilen, 2585 qkm, beträgt, nicht zu scheiden, bevor wir nicht noch zweier Erscheinungen, der Dünen und der Moore, kurz gedacht haben; denn gerade die Dünen haben an den Küsten grosse Veränderungen hervorgerufen und den Menschen schweres Unheil gebracht, während die jetzt in Angriff genommene Urbarmachung der Torfmoore der ganzen Gegend ein verändertes, freundlicheres Aussehen geben wird. Dünen trafen wir bei unserer Wanderung von der Enge des Kanals bis nach Blaavandshuk, von wo sie sich bis zur äussersten Nordspitze Jütlands fortsetzen. Wir trafen die Dünen unzerstört von Calais bis zum Rheindelta und dann im Norden desselben bis Helder. Von der Zuidersee dann bis zur Insel Fanö hinauf bezeichnete eine Kette von Inseln und Sandbänken den alten Zusammen- hang. Auf die holländische Inselreihe folgte mit Borkum die deutsche, bis dann eine Reihe sogenannter Platen, wie z. B. die Tegeler Plate, der hohe Knechtssand etc. uns zur hamburgischen Seewarte Neuwerk führte, von wo aus der Zug sich nördlich wandte. Anfänglich ist hier die alte Düne ebenfalls nur durch Platen, wie z. B. durch den Buschsand, in ihrer Richtung erkennbar. Auf der Halbinsel Eiderstedt wird sie zum ersten Male wieder landfest, um dann über die Inseln Amrum, Sylt, Romö und Fanö auf Jütland überzusetzen. Wie die Bildung der Dünen vor sich ging, haben wir kennen gelernt, ja, wir konnten den Vorgang auf der Insel Norderney beobachten. Schwer aber ist es, eine Düne zum Stillstand zu bringen. Immer weiter wird sie von dem vorherrschenden Nordwestwinde landeinwärts getrieben. Die Insulaner an der Westküste Schleswigs haben ein eigen Wort„Sandstaf“, d. i. Sandgestöber, für diesen Feind, den sie nächst den Sturmfluten am meisten fürchten, weil er ihnen den grössten Schaden zugefügt hat. Ganze Feldmarken sind von solchen wandernden Dünenketten verwüstet worden, Häuser und Kirchen wurden verschüttet. Um die letzteren entspinnt sich dann ein langer und erbitterter Kampf. Durch die Fenster kriecht das Volk noch zuweilen ins Gotteshaus und lagert sich drinnen auf Sandhügeln, bis endlich der letzte Eingang versperrt wird. Nach halben und ganzen Jahrhunderten ¹16) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 29. — 18— kommen die Mauertrümmer der verschütteten Gebäude und die Särge der mit Sand überschütteten Kircbhöfe in den Dünenthälern und am Strande wieder zum Vorschein, und man beerdigt die Toten zum zweiten Male auf dem neuen Kirchhofe, den die inneren Dünen bereits wieder erreicht haben. Auf solche Weise wandern meilenlange Strecken Landes. Unablässig dringen diese beweglichen und wandernden Sandmassen vor und vernichten die Fluren; ja, ganze Inseln, wie Amrum und Sylt, wanderten. Auch die Inseln vor der Emsmündung müssen eine derartige Bewegung durchgemacht haben, was daraus hervorgeht, dass man im Nordwesten von Borkum auf einer Aussensandbank im Jahre 1789 Spuren von Brunnen, Urnen und dergleichen aufgefunden hat, die auf Ansiedlungen von Menschen deuten, welche einst binnenseits der Dünen gewohnt haben. Man hat die Dünen oft mit riesigen Sanduhren verglichen, welche die Zeit durch ihre Wanderungen messen. Man hat zu ermitteln versucht, wie gross die jährliche Geschwindigkeit dieser Bewegung ist. Bremontier hat durch eine achtjährige Reihe von Beobachtungen für das jährliche Vorschreiten der Dünen von la Teste einen mittleren Wert von 20— 25 m erhalten. Und dieses Resultat stimmt im ganzen auffallend mit dem überein, was man von dem Vorschreiten der Dünen von Lege in den letzten 4 Jahrhunderten weiss. An der nordfriesischen Küste giebt die Kirche von Ording auf Eiderstedt einen Anhaltepunkt. Im Jahre 1650 wurde sie etwa 600 m nach Osten verlegt, lag aber im Jahre 1777 schon wieder am Fusse der Dünen. Daraus ergiebt sich hier eine jährliche Geschwindigkeit von etwa 6 m. Beobachtungen auf Sylt und in den Nieder- landen stimmen damit überein. ¹¹*) Nicht immer waren diese Dünen vorhanden, sondern nach dem einstimmigen Zeugnis alter Geographen, wie Strabon und Plinius, denen doch die Erscheinung vom Winde fortgetriebener Hügel aufgefallen wäre, breiteten sich in der Ebene des heutigen Niederdeutschland bis zum Meere hin mächtige Wälder aus. Finden sich doch noch ganze Wälder unter den Sandbänken und Dünen vergraben, die übrig gebliebenen Zeugen ehemaliger Waldung. Naturereignisse, aber auch Menschenhand haben diesen Schutz vernichtet, und die Uferbewohner haben sich z. T. selbst anzu- klagen; denn die Dünen sind ihr eigenes Werk. Lehrreich sind in dieser Beziehung einige Vorgänge bei den preussischen Nehrungen. Diese schmalen Landzungen waren alle dicht bewaldet. Die Halbinsel Hela trug dichte Erlen- wälder, wurde aber nach deren Abholzung derartig angegriffen, dass es schon im Jahre 1818 auf 92 km 27 Stellen gab, die, von den Dünen nicht mehr geschützt, in Sturmzeiten überflutet wurden. Der Flugsand der Dünen überschüttete nicht nur das dahinter liegende fruchtbare Land, sondern begrub auch die Mundungen der Flüsse.. Friedrich Wilhelm I. von Preussen liess in augenblicklicher Finanznot die Dünenwälder der frischen Nehrung niederschlagen. Er löste wohl aus dem Holze 600000 Mark, aber die Folge war die zunehmende Versandung des frischen Haffes und die Vernichtung der Fischerei in demselben. Das weit in die Wasserfluten mächtig wuchernde Schilf drohte einen ungeheuren Sumpf zu bilden; die Meerstrasse nach Elbing ward durch die zunehmende Seichtigkeit gefährdet. Mit grossen Kosten, die jenen Nutzen bei weitem übersteigen, hat man die Dünenwanderung zu dämpfen . 117) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 12 ff.— Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, I., p. 159 ff. — 19— versucht, aber noch in den Jahren 1804— 1827 konnte der Flugsand 350 ha Kiefernhochwald vernichten. Herzog Albrecht von Preussen legte, um das am 6. Januar 1479 nach einem viertägigen Nordsturme entstandene Pillauer-Tief zu schützen, dort eine Schanze an, die Gustav Adolf 1626 zu einer Festung erweiterte. Von der Küste bis zur Festung zog sich ein Laubwald hin, unter dessen Schutze die Schweden im Jahre 1657 bis zur Festung vordrangen und dieselbe beinahe überrumpelt hätten. Der Generalmajor Pierre de la Cave liess deshalb den Wald fast gänzlich niederschlagen. Seitdem wurden nun die schönen Wiesen und die Festung mit Sand überschüttet, und so mächtig drang der Sand vor, dass Friedrich der Grosse im Jahrc 1770 die Festung eingehen und erst Friedrich Wilhelm II. sie 1790 aus dem Sande ausgraben liess. 1¹8) In Holland hat die Entwaldung ebenso traurige Folgen gehabt, und die Zuschüttung des Rheinarmes bei Katwijk durch Flugsand ist auf die Abholzung der Dünen mit zurückzuführen. Nach Staring ¹¹⁹½) verdankt sogar eine der höchsten friesischen Dünen der Vernichtung einer einzigen Eiche ihren Ursprung. Lange nun hat es gedauert, ehe man, die Natur selbst zur Lehrmeisterin nehmend, auf Anpflanzung von Strandhafer verfiel. Man errichtete im Anfang Reisigzüune auf den höchsten Dünenrücken, einen über den andern, bis man turmhohe Hügel hatte, die dann wohl Erdrutsche bekamen und einstürzten. Darauf begann man das Experiment von neuem. Endlich im Jahre 1796 dachte man an Anpflanzungen. Die ersten waren hierbei die Holländer, die Meister in Meeres- und Uferbauten. Sie erkannten die Notwendigkeit den Dünen Halt zu gebieten. Geschützt und bedroht zugleich durch diese beweglichen Sandmassen, die unablässig über ihre Fluren vordrangen, haben sie dieselben seit einem Jahrhundert durch Anpflanzungen von Schilfgräsern, Ahorn und Weiden anscheinend dauernd befestigt. Bei uns hat man an mehreren Stellen mit Erfolg Strandhafer angepflanzt. In Schleswig hat man eine eigene Aufsichtsbehörde, die Sandflugkommissarien, eingesetzt. Besser aber als der Strandhafer, Elymus arenarius, dessen Blätter im Winter absterben und dessen Schösslinge sich nicht so dicht an die Mutterpflanze anschliessen, ist der Sandhalm, Ammophila arenaria. Dies ist ein graugrünes Gras, das mit dem dürrsten Sandboden fürlieb nimmt, gesellig wächst und den Sand der Dünen befestigt. Der Sandhalm erhebt sich fast 1 m über den Boden, hat einen walzenförmigen Wurzelstock mit 6— 12 cm langen Gliedern, von denen wagerecht fortlaufende Wurzelfasern ausgehen, die meterlang werden. Am untern Stammende hat er 5, auch 6 Blätter, die 6— 9 cm lang und etwa 75 mm breit sind. In ihren Blattwinkeln stehen kleine Knöspchen, aus denen neue Pflanzen sich entwickeln, sobald sie mit Sand bedeckt werden. In der Mitte des August sind die Xhren reif, der Same fällt aus und trägt durch seinen Reichtum an Körnern sehr zur Verbreitung der Pflanze bei. Auch im Winter verliert der Sandhalm weder Halm noch Blatt, vermag also gerade in der Zeit der stärksten Stürme die Düne zu schützen. Dabei wird die Pflanze durch Sandüberschüttung nicht getötet, sondern nur noch zu stärkerem Wachstum von Seitentrieben und Schösslingen angeregt, so dass bei wiederholten UÜberwehungen ¹18) Foss, Die preussische Ostseeküste, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, Bd. XI, 1861. 113) Staring, De Bodem van Nederland, I., p 725. 3* — 20— ein Exemplar in über 6 m Tiefe lebende Wurzeln haben und mit allen seinen Verzweigungen auf der Oberfläche eine Strecke von über 6 m Durchmesser decken kann. Haben dann Strandhafer und Sandhalm die Düne zum Stillstand gebracht und durch ihren Blattabfall eine dünne Humusdecke gebildet, so stellen sich grössere Pflanzen ein, wie der Seedorn, Hippophaë rhamnoides, ein Strauch, der, etwa 1 m Höhe erreichend, schöne, rote und gewürzige Beeren trägt. In Helgoland hat er sich für die Dünenbefestigung höchst nützlich erwiesen. Sein Gestrüpp nämlich lässt kein hineingefallenes Sandkörnchen sich wieder entreissen, wührend es für die beständige Anhäufung neuen Sandes die trefflichste Gelegenheit bietet, dass der Strauch, wenn er von unten allmühlich im Sande begraben ist, nach oben beständig frische Zweige treibt. Ihm folgt dann Carex arenaria, Sandsegge, die mit ihrem fast 10 m langen Wurzelstocke weit umherkriecht und andere Pflanzen, wie Gagel, Wyrica gale, und Krähenbeere, Impetrum nigrum, dadurch fester knüpft. Bald kriecht auch eine Weide ¹²⁰), Salic repens, den Abhang hinauf, wilde Rosen, Rosa pimpinellifolia, und der Wachholderstrauch, Juniperus, siedelu sich an. Des letzteren Zweige senken sich zur Erde herab, schlagen dort Wurzeln und treiben neue Sträucher hervor. Schliesslich fliegt auch Kiefernsamen an, und das Heidekraut überzieht den Boden. Bei alledem muss aber anfangs ausserordentlich acht auf die Tierwelt der Dünen gegeben werden, besonders auf die Nagetiere, die in schneereichen Wintern die Wurzeln des Strandhafers und Sandhalmes zernagen, wie z. B. die Wühlmaus, Hypudaeus arvalis, und das wilde Kaninchen. Ausserdem sind die Dünen, so lange sie nach der Bepflanzung noch nicht den gehörigen Grad von Festigkeit haben, was etwa 15 Jahre dauern kann, vor jedem unvorsichtigen Betreten seitens der Menschen und besonders des weidenden Viehes zu schützen. ¹²¹) Die zweite Veränderung an unsern Küsten, auf die hier noch aufmerksam gemacht zu werden verdient, ist die Kultivierung der Torfmoore. Die Entstehung derselben hatten wir oben kurz berührt. Näheres darüber sowie auch über die Arten der Moore findet sich bei von Maack und Guthe. ¹²²) Uns interessiert hier nur die Umwandlung der mächtigen Sumpf- und Moorlandschaften, die von der Zuidersee aus bis über die Ems und Weser nach Holstein hinein die norddeutsche Tief- ebene bedecken, in fruchtbare Ackerlandschaften. Das ganze Gebiet dieser Moore schätzt man auf 100 ◻ Meilen, 5500 dkm, wovon allein auf das grosse Aremberger Moor zwischen Himling, Hunte, Leda und Ems 28—◻Meilen, 1540 qkm, auf das Bourtanger Moor und den Twist auf dem linken Emsufer 25 ◻ Meilen, 1375 qkm, kommen. Die völlige Ebenheit der Bodenoberfläche und die Hemmung des Wasserabflusses zur Nordsee durch einen Kranz zusammengewehter Dünen haben diese Torfbildung begünstigt, wie sie in ganz Deutschland nicht wieder vorkommt. 110) Griesebach, Die Vegetation der Erde, I., p. 148. ¹21) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover. p. 13 ff.— Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, I., p. 158— 160. ¹22) v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig-holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., Bd. VIII., p. 10 ff.— Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 49 ff. — 21— Dabei sind die Moorlandschaften die trostlosesten Striche unseres Vaterlandes. Kein Strauch unterbricht diese unübersehbaren Einöden. Spärlich sind sie mit kurzem, schilfigem Moorgras und Binsen bewachsen, und stellenweise tritt braunes, übelschmeckendes Wasser zu Tage. Eine Totenstille ruht auf ihnen, die höchstens durch das Geschrei des Kiebitz oder den klagenden Laut des Moorhuhnes unterbrochen wird.. Meist sind diese Moräste 1—3 m, hie und da auch 6 m mächtig. Wehe dem Unkundigen, der es wagt, über solchen Boden zu wandern! Ohne die langen Bretterschuhe der Eingeborenen würde er an vielen Stellen unfehlbar in dem tiefen Moore allmählich versinken, wenn nicht bald Hilfe geleistet würde. In diesen Mooren tritt uns die noch ungebändigte, freie Natur in ihrer ganzen Grösse entgegen. Da giebt es Stellen, wo wie auf hohem Meere der ebene Boden am Horizonte von einer Kreislinie umschlossen wird und kein Baum, kein Strauch, keine Hütte von der scheinbar unend- lichen Einöde sich abhebt. Auch die entlegenen Ansiedlungen, welche, im Birkengehölz verborgen, noch lange Zeit wie blaue Inseln in der Ferne erscheinen, sinken zuletzt unter diesen freien Horizont hinab.— Aber auch in diese öden Moorflächen ist die Kultur bereits eingedrungen, und Tausende von Hektaren hat sie bereits erobert. Freilich ist die Art der Kultur noch eine ziemlich rohe; denn sie beschränkt sich zum grössten Teil noch auf die seit dem 17. Jahrhundert eingeführte Methode des Moorbrennens. Hierzu teilt man die zum Brennen bestimmte Fläche in grosse Parallelogramme von etwa 50 m Breite und mehreren 100 m Länge durch Gräben von etwa 3 m Tiefe und 1 ½ m Breite. Ein solches Parallelogramm wird dann der Länge nach in Entfernungen von etwa 5 m mit 3— 6 dm preiten und über 6 dm tiefen Furchen durchzogen und längere Zeit dem Austrocknen überlassen. Darauf hackt man den Boden 3—6 dm tief und lässt den Acker so den Winter über liegen. Im Frühling wird der nur grob umgerissene Boden möglichst fein zerschlagen, bis er daun bei trockenem Wetter zerriebenem Torfe ühnlich sieht. Hierauf streut man an vielen Stellen glühende Kohlen auf den Boden, so dass bei mässigem Winde der ganze Acker in Flammen steht. Bald stehen tausende solcher Mooräcker in Brand und entsenden dicke Rauchwolken zum Himmel. Dies ruft die Erscheinung des Höhenrauches hervor, der bei Nordwestwind bis in weite Fernen des inneren Deutschlands getragen wird. So begann z. B. das Moorbrennen im Jahre 1857 am 6. Mai in der Gegend von Emden und dauerte mit Unterbrechungen bis Ende Juni fort. Am 10. und 11. Mai hatte man den Rauch, der nach Prestels Untersuchungen bis wenigstens 600 m., ja, über dem Bourtanger Moore bis zu 6000 m aufstieg, in Ansbach; vom 16. bis 18. Mai in Hannover, Münster, im Siebengebirge, in Köln, Bonn, Frankfurt, Gera, Neukirchen; am 17. und 18. Mai in Wien, am 18. und 19. in Dresden, am 19. in Krakau. Und als im Juli 1863 zu ungewöhnlicher Zeit in Ost- friesland Moor gebrannt wurde, kam der Moorrauch bis über den Genfer See. Ist das Wetter nun günstig, so wird ein Acker in einem Tage hinlänglich durchgebrannt, und man säet sofort Buchweizen in die heisse, ja, noch glühende Asche. Die Schalen der Körner müssen, wenn es gut sein soll, in der Glut knistern. Im ersten Jahre lohnt der Boden die angewandte Mühe reichlich, aber mit jedem Jahre wird trotz des wiederholten Brennens die Ernte schwücher, und nach 6 Jahren ist die Kraft des Bodens für Buchweizen völlig erschöpft. Man säet — 22— wohl noch Hafer und Roggen, muss jedoch die Kultur bald schliessen und den Boden einer 30 jährigen Brache überlassen, währenddessen das Moor z. T. in seinen Urzustand zurückkehrt. Eine weit vorzüglichere Verbesserung der Moore ist ihre Umwandlung in Fehne, ebenfalls eine Moorkultur, die bereits im 17. Jahrhundert in Holland angewandt ward. Allein um eine Fehne anzulegen, darf das Moor nicht zu tief liegen. Daher sucht man vorzugsweise solche Moore dazu aus, deren Oberfläche aus einer 1— 2 m dicken Lage Torf besteht. Auf diese Oberschicht folgt eine 1— 2 m, stellenweise auch 5—6 m mächtige Schicht von schwarzem Torfe, grösstenteils Holz- torf, der aus den verschütteten Wäldern einer früheren Periode entstanden ist. Dann folgt eine Schicht weissen Sandes von ½H— 1 ½ m Mächtigkeit und, was wesentlich ist, das Quellwasser. Bei der Urbarmachung gräbt man zunächst von einem schiffbaren Flusse aus einen Kanal in das Moor, der nicht bloss zur Entwässerung, sondern auch zur Verschiffung des abgestossenen Torfes in die Marschlande dient. Andere Entwässerungskanäle folgen dann nach. Die Oberschicht des Torfes wird nun abgetragen und in Haufen gelegt. Hierauf nimmt man die Mittelschicht weg, die als Brennmaterial verkauft wird. Ist dies geschehen, so wird die zurückgelegte Oberschicht auf den weissen Sand gestürzt und mit diesem vermengt. Findet man mergeligen Untergrund und kann Dünger auf den Kanälen aus der Stadt oder von einer naheliegenden Marsch herbeigeschafft werden, so entwickelt sich nach 2—3 maliger Düngung eine Fruchtbarkeit, die der mancher Marsch- gegend nicht nachsteht. Zum Schutze gegen heftige Winde legt man nach der Windseite Holz- pflanzungen an, am besten Eichen, die gut gedeihen. Die Fehne haben gewöhnlich eine Länge von 11—15 km und eine Breite von 4—7,5 km. Unter den Bewohnern sind die Torfgräber nach dem Moore zu immer voran. Dicht hinter ihnen kommen kleine Häusler, welche ein Stück des abgeräumten Moores in Pacht haben, weiter zurück dann Grossgrundbesitzer mit prächtigen Gebäuden, den vorbeifahrenden ärmeren Kolonisten ein Sporn und eine Hoffnung ihrer Zukunft. Manche von den grössten Fehnen zühlen über 10000 Einwohner, die Hunderte von Schiffen zur Ab- und Zufuhr auf den Kanälen besitzen. Diese Fehnkolonieen umfassen bereits in Friesland über 1000 ha, wozu noch die blühende Fehnkolonie Papenburg im Meppenschen mit etwa 4500 ha kommt. Freilich sind das nur ver- schwindende Strecken gegenüber der ganzen kultivierbaren Fläche; und es wird noch kostspieliger Kanalbauten bedürfen, um durch die Fehnkultur die traurige Brandkultur ganz zu verdrängen. Allein die Anfänge sind gemacht, und bei der rührigen Thätigkeit auf holländischer und deutscher Seite ist Aussicht vorhanden, dass diese deutsche Wüste, wie man sie nennen könnte, einst freund- lichen Kulturländern weichen muss. ¹²³) Werfen wir nun zum Schluss nochmals einen Blick auf die durchwanderte norddeutsche Tiefebene, so fällt uns sofort die Beschaffenheit und der Wechsel ihrer Oberfläche auf. Diese besteht nämlich vorherrschend aus Diluvialbildungen, Löss, d. i. sand- und kalkhaltigem Lehm, Thon, Mergel, Kleiboden, Sand, Kies und Geestland. Zuweilen sind über diese Diluvialdecke grosse Torfmoore, starke, fruchtbare Humusdecken, Marschen, Ablagerungen von Raseneisenstein oder von ¹23) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannnover, p. 48 ff.— Reclus-Ule, Die Erde und die Er- scheinungen ihrer Oberfläche, I. p. 65 ff.— Daniel, Deutschland, I., p. 462— 464. Ausland 1872, p. 205. — 23— Infusorienschalen ausgebreitet. Nur selten treten ältere Schichten darunter hervor. Unter diesen sind die Braunkohlenbildungen am häufigsten. Vereinzelt erscheinen Kreide, Jura und Muschelkalk. Je nachdem aber die Oberfläche aus Löss besteht, von Torfmooren oder von mächtigen Humusschichten bedeckt wird, ist die Bodenfruchtbarkeit eine ungleiche. Die üppigsten Fluren treffen wir natürlich auf dem Boden, dessen Decke aus Löss, Mergel und Humus besteht.. Ein solcher fetter, vielfach zerrissener Marschstrich zieht sich wie ein grüner Saum überall an den Küsten der Mündungsgebiete des Rheins, der Ems, der Weser, der Elbe und Eider hin, ja setzt sich weiter nach Norden hinauf au Inseln, Halbinseln und Sandbänken an. ¹2²⁴) Charakteristisch sind in diesen Landschaften die Deiche, die sich in langen Linien hindurch- ziehen. Man unterscheidet hierbei Binnen-, Haff- oder Seedeiche. Unter letzteren werden die äusseren Deiche verstanden, die gegen die See schützen und unmittelbar an der Küste hinlaufen. Halten wir auf einem solchen einmal eine kleine Umschau! Da stehen wir zunächst bei einer stürmischen Nacht an seinem inneren Fusse und hören vielleicht 6 m über unserm Haupte das stundenweit vernehmbare Brüllen der sich gegen den Damm heranwälzenden Fluten. Gefahr aber tritt dann erst ein, wenn die Wellen über den Kamm des Deiches schlagen. In einer solchen Nacht begreifen wir das stolze Wort der Küstenbewohner: „Deus mare, Batavus litora fecit.“ Treten wir dann an einem ruhigen Tage auf die Kappe des Deiches, so stehen wir gleichsam auf der Scheide zweier Welten. Nach aussenhin haben wir zur Flutzeit entweder das weite Meer oder den breiten Fluss unmittelbar vor uns, oder es liegt bei kleiner Flut ein breiter Strich Vorland zwischen uns und dem Meere. Da ist es nun interessant, den armen Strand- bewohnern zur Ebbezeit zuzuschauen, wie sie, den linken Fuss auf kleinem Schlitten, mit dem rechten denselben über den Schlamm fortschieben, um zu den Tümpeln zu gelangen, in denen sie Fische oder Krebse zu fangen gedenken. Daazu eilen von allen Seiten Schwärme räuberischer Seemöven herbei, um sich an der auch für sie gedeckten Tafel zu sättigen, bevor die zurückkehrende Flut die Watten bedeckt. An der Binnenseite schweift das Auge weithin über fruchtbare Fluren, die zwischen den Deichen liegen. Denn man lässt, wenn das Land nach dem Meere zu anwächst und dann durch Eindeichung ein neuer Haffdeich entsteht, die alten Deiche bestehen, die dann zu Binnendeichen werden. Ihre Wegräumung würde zu kostspielig sein, und sie schützen bei einem etwaigen Durch- bruche des Aussendeiches noch das Binnenland. Die Strecken fruchtbaren Landes, die zwischen den Deichen liegen, sind breite, völlig ebene, aber gänzlich baumlose Fluren, die im Sommer überall von zahlreichen Herden bevölkert sind. Die Wohnungen der Leute sind weit und breit zerstreut und liegen auf künstlich errichteten Hügeln von 3— 5 m Höhe, die man Wurten nennt, ihrer Zufluchts- stätte bei grossen Überschwemmungen. Scharf von den Marschen scheidet sich das hügelichte Festland, das die Marschbewohner „die Geest oder Gast“ nennen. Diese ist hoch und unfruchtbar und tritt in buntgestalteten Vor- gebirgen und Landzungen in die flache Marsch hinein. 14) Cotta, Deutschlands Boden, I., p. 59 ff. — 24— Die Marsch ist niedrig, flach, eben und fruchtbar, die Geest hoch, uneben und miuder fruchtbar. Die Marsch ist kahl und baumlos, die Geest stellenweise bewaldet. Die Marsch zeigt nirgends Sand und Heide, sondern ist ein ununterbrochen fetter, höchst fruchtbarer Erdstrich, in dem sich Acker an Acker, Wiese an Wiese reiht. Die Geest ist heidig, sandig und nur stellen- weise bebaut. Die Marsch ist von Deichen und schnurgeraden Kanälen durchzogen, ohne Quellen und Flüsse, die Geest hat Quellen, Bäche und Flüsse. Die physische Abteilung in Marsch- und Geestland hat wesentlichen Einfluss auf die An- bauungsweise der Bewohner gehabt. Sämtliche Ansiedlungen von Schleswig bis nach Holland nämlich finden wir am Raude der Geest, wie z. B. die Orte: Lunden, Heide, Meldorf, Stade, Neuhaus, Otterndorf, Varel, Jever, Esen, Norden u. s. w. Diese Erscheinung lässt sich nur daraus erklären, dass die Leute nicht gern in der den Überschwemmungen ausgesetzten Marsch wohnten. Weil sie aber Acker auf der Geest und in der Marsch besassen und beiden so nahe als möglich sein wollten, so siedelten sie sich hart auf dem Rande der Geest an. ¹²⁵) Dies ist etwa das Gesamtbild der Süd- und Ostgestade des deutschen Meeres. Wir haben seine Gestaltung der Küstenumrisse aufzuspüren versucht, als das deutsche Meer noch nicht vorhanden, dann als es ein Binnenmeer, schliesslich als es durch den Durchbruch des Isthmus von Calais-Dover zu einem grossen, offenen Busen des atlantischen Oceans ward. Wir haben ferner die Einbrüche des Meeres in historischer Zeit, die dadurch bedingte Veränderung der Küsten und die Wieder- gewinnung an Land nebst den Veränderungen des der Küste naheliegenden Binnenlandes in grossen Umrissen kennen gelernt; denn nur das sollte unsere Aufgabe sein, nicht eine Darstellung bis in das kleinste Detail hinein.. Aber auch diese kurze Zusammenstellung der wichtigeren, bereits bekannten Thatsachen schien der Mühe wert zu sein, weil wir aus ihnen so recht zu erkennen vermögen, wie man mit vereinter Kraft sich auch zum Herren der Elemente machen kann. Zugleich aber ist es ein lehrreiches Beispiel, wie fest der Mensch an den von den Vätern ererbten Sitzen hängt, sie nicht verlässt, sondern aus Liebe zu seinem engeren Vaterlande die Gefahren nicht scheut, vielmehr dieselben zu überwinden sucht. Ob nun freilich der heutige Zustand ein dauernder sein wird, das hängt jedesfalls von Umständen ab, die ausserhalb des Bereiches menschlicher Berechnung und Einwirkung liegen. Der Boden der eben besprochenen Küsten nämlich liegt an vielen Stellen tiefer als die gewöhnliche Fluthöhe. In Calais befinden sich die Strassen mehr als 1 m über. der Hochflut, während das Kulturland bis zur Flutgrenze hinabreicht. In Dünkirchen beträgt die Höhe der Strassen nur noch 60 cm, und die Ackerfelder liegen 1 m unter dem Meeresspiegel. In Ostende sind die Strassen noch tiefer gelegen, und die Oberfläche der Polders senkt sich beständig. An den Scheldemündungen liegt dieselbe 3 ½ m unter der Hochflut, wie denn überhaupt an den Mündungen der Schelde, der Maas und des Rheines die Senkungsbewegung die grösste Schnelligkeit zu haben scheint. Weiter nördlich davon steigt der Boden allmählich, obwohl die Strassen von Rotterdam und Amsterdam noch unter der Fluthöhe liegen. In der Umgegend von Emden hat sich der Boden um 2 m gesenkt, und nach von Maack dauert die Senkung an der schleswigschen Westküste in der Gegenwart fort. ¹²) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 33 u. 34.— Kohl, Marschen und Inseln der Herzogtümer Schleswig und Holstein. — 25— Einesteils ist diese Senkung wohl einem Insichzusammensinken des immer vollkommener entwässerten Bodens zuzuschreiben, andernteils aber entspricht nach Ansicht der Geologen die Senkung unserer Küsten einer Hebung Skandinaviens. Dürfen wir nun ein Untersinken des festen Untergrundes unseres Landes mit einer gleichzeitigen Hebung Skandinaviens annehmen, so ist es klar, dass alle die blühenden und mit grosser Mühe dem Meere abgerungenen Landschaften, wenn auch in ferner Zukunft, dem Meere, das sie geschaffen, wieder zur Beute werden müssen. Dann dürften sich auch hier die Worte bewahrheiten: „Die Elemente hassen das Gebild der Menschenhand.“ An die Leser aber richtet der Verfasser die Bitte wegen etwaiger Verstössse oder Unvollkommen- heiten nicht zu hart mit ihm ins Gericht zu gehen, sondern zu bedenken, wie er in dem kurzen Vorwort bemerkte, dass die Arbeit zunächst eine Studie für ihn war, die für die Interessenten nur eine unterrichtende Lektüre sein sollte. Bedeutend mehr hätte er geben können, besonders seitdem Freunde und Gönner ihn mit Material reichlich unterstützten; dann aber wäre die Arbeit über den Rahmen einer Programmabhandlung weit hinausgegangen. Für die freundliche Unterstützung aber nochmals den herzlichsten Dank! Lum Gedächtnis der Direktoren Prof. Friedr. rejsöig 1. Dr. Xug. Preime. Kurzer Rückblick, gegeben am 20. Febr. 1884 in der Abend-Unterhaltung des Realgymnasiums von Dir. Dr. Wittich. Geehrte Anwesende! Wie Sie bereits aus unserem Programm ersehen haben, ist ein Teil des Reinertrages des heutigen Abends dazu bestimmt, die Kosten für die Anbringung der Reliefmedaillons der beiden verstorbenen Direktoren unserer Anstalt, Friedr. Kreyssig und Aug. Preime, zu decken; ein Teil soll dem Fonds der Preimestiftung zugewiesen werden. Um von dieser zuerst kurz zu sprechen, so ist dieselbe, aus Sammlungen von den Kollegen, den Freunden des Verstorbenen, früheren und jetzigen Schülern unserer Anstalt entstanden, dazu bestimmt, unbemittelten und würdigen Schülern aus den Zinsen eine Unterstützung während ihres Aufenthaltes auf der Schule und bei ihrer weiteren Ausbildung zu gewähren. Ein Abschluss der Sammlungen hat noch nicht stattgefunden, und wir werden wohl auch in künftigen Jahren versuchen durch ähnliche Veranstaltungen wie die heutige dem Fonds weitere Mittel zuzuführen. Die beiden Reliefbilder, Nachbildungen der Medaillons auf den Grabdenkmälern der Dahin- geschiedenen zu Frankfurt a/M. und auf unserem Friedhofe, sind bereits als Schmuck unserer Aula angebracht. Für das Kreyssigsche waren auch schon die Mittel durch Sammlungen früherer Schüler gedeckt worden. Wie ich soeben die Hülle hier weggezogen und Ihrem leiblichen Auge die Bilder sich dargestellt haben, so möchte ich jetzt versuchen Ihrem geistigen Auge in kurzen Zügen die Dahin- gegangenen wieder vorzuführen. Friedrich Alexander Theodor Kreyssig war am 5. Oktober 1818 auf dem Gute Gottesgabe bei Mohrungen in Ostpreussen, dem bekannten Geburtsorte Herders, als Sohn eines Gutsverwalters geboren. Nachdem er frühe seinen Vater verloren, den er schon in allen ländlichen Arbeiten hatte unterstützen müssen, nahm sich sein Oheim, welcher Lehrer, zuletzt am Waisenhause in Königsberg war, seiner an. Dort wurde er zum Elementarlehrer ausgebildet und lag diesem Berufe ein Jahr lang ob. Dann aber trieb es ihn wieder nach Königsberg, und zwar zur Universität, auf der er sich 4 ½ Jahr dem Studium der alten und der neueren Sprachen widmete, während er zugleich als Erzieher der Söhne des Grafen Lehndorf seinen Unterhalt verdiente und Gelegenheit fand ganz andere Kreise des Lebens als früher kennen zu lernen. Nach Beendigung seiner Studien, 1843, wurde er Oberlehrer an der höheren Bürgerschule in Wehlau, 1845 in Elbing, 1859 Direktor an derselben Anstalt, die inzwischen zur Realschule 1. O. erhoben war. Von 1846 auf 47 hatte er einen längeren Urlaub zum Aufenthalte in Paris gehabt, der ihn nicht bloss die französische Sprache, nicht bloss das französische Volk jener Stadt, noch dazu in einer Zeit sich anbahnender politischer Umwälzungen, kennen lehrte, sondern auch wesentlich mit dazu beitrug, ihm die umfassende allgemeine Bildung und die vielseitigen Interessen zu geben, die ihn auszeichneten. Als er im Jahre 1868 zum Direktor — 27— der neu zu errichtenden Realschule 1. O. in Cassel gewählt war, da zogen sich die Verhandlungen über seine Bestätigung lange hin, wohl darum besonders, weil man meinte, seine politischen und wissenschaftlichen Interessen würden ihm nicht die Zeit und Ruhe lassen, welche die Neueinrichtung einer höheren Schule erforderte. Als er Ostern 1869 zur Ubernahme seines Amtes hier eintraf, hatten die hier anwesenden drei von den zuerst gewählten vier Lehrern der neuen Anstalt, Dr. Preime, Grebe und ich, schon 388 Anmeldungen entgegenzunehmen gehabt, es waren 6 weitere Lehrer gewählt und zugegen, und er fand sofort tüchtige Arbeit vor. Während der ersten vier Tage wurden in täglichen Konferenzen Vorbesprechungen gehalten, vier Tage wurden die Schüler geprüft, dann der Klasse zugewiesen und das Nötige für den Unterricht selbst beraten. Am 19. April begann dieser in 8 Klassen, deren je zwei einander parallel waren, mit 299 Schülern. Wie unermüdlich thätig Kreyssig für die als- baldige Organisation war, das zeigen die Data der Konferenzen aus jener Zeit, das wissen vor allen wir älteren Lehrer, die mit ihm zusammen die Arbeit begannen. Wie gern liessen wir uns von ihm in allem leiten; was er anordnete, was er vorschlug, es entsprang, das sahen wir, einer über- legenen Beurteilung, einer gereiften Erfahrung, einer vollen Liebe zum Lehrerberuf. Sein Geist belebte bald Lehrer und Schüler, und in frischer Kraft entwickelte sich die neue Anstalt. Und wie verstand er zu unterrichten! Die hiesigen Kollegen vom Gymnasium begriffen es kaum, als sie unserer ersten öffentlichen Prüfung beiwohnten, wie man mit Tertianern— die Tertia war unsere oberste Klasse— solche Dinge im deutschen Unterricht treiben konnte, wie Kreyssig sie behandelte. Es war eben ein Praktikum in der Logik, das er gab, er wusste zum Denken zu erziehen. Als wir drei Jahre nach seinem Fortgang, im Herbst 1874, unsere erste Maturitätsprüfung hielten und dabei von 10 Abiturienten, die seine Schüler gewesen, 6 mit„gut“, 4 mit„genügend bestanden“ entlassen werden konnten, da zeigte sich hierin noch die vortreffliche Nachwirkung seines grund- legenden Unterrichts. Mit welchem Interesse habe ich bei ihm hospitiert, wie konnte man von ihm lernen, was alles aus des Schülers Seele zu entwickeln ist, wenn man sie versteht und zu behandeln weiss. Und neben dém Schulmann, welch ein vortrefflicher Redner war Kreyssig! Ich werde nie den Eindruck vergessen, den ich in dieser Beziehung von ihm empfing, als uns im Saale des Rat- hauses unsere Bestallungsurkunden überreicht wurden. Er war aufgestanden, um zu sprechen; das Haupt gebückt, mit dem Daumen der rechten Hand nervös an der einen Ecke seiner Bestallungs- urkunde hin- und herschiebend, stand er da, mit dem wenig ansprechenden qurchfurchten Gesicht, „wohl einem thörichten Manne vergleichbar oder einem tückischen“, wie es bei Homer von Odysseus heisst; als aber dann der Mund sich geöffnet,„als die Worte ihm von den Lippen flogen wie stöbernder Schnee“, als sein Haupt sich erhob, als seine Augen leuchteten, da lauschte man voller Bewunderung der herrlichen Gabe, die ihm verliehen, da staunte man immer aufs neue über die Fülle von Wissen, über den weiten, klaren Blick, mit dem er die Dinge beurteilte. Und manchmal noch haben wir ihn seitdem reden hören. Ich erinnere an seine Festrede zum Gedächtnis Alexanders von Humboldt im September 1869, an die zu Ehren Beethovens im December 1870, an seinen Vorlesungencyklus über den deutschen Roman, an den über die Shakespeareschen Dramen, den er noch hier als Direktor hielt, an die Vorlesungen, zu denen ihn danach in jedem Winter der Kauf- männische Verein einlud. Viel Anerkennung ist ihm dafür zu teil geworden, manchen hat er auch unangenehm berührt mit dem, was er sagte. Er färbte nicht, er besass den Mut offen auszusprechen, 4* was er als wahr erkannt zu haben glaubte, er machte von seinen politischen und Weltanschauungen kein Hehl. Seine echt nationale Stellung hat ihm darum besonders noch in Frankfurt einen schweren Stand bereitet, ihm mancherlei Anfeindungen zugezogen. Aber das beugte ihn ebenso- wenig wie die mancherlei schweren Schicksale, die ihn in seinem häuslichen Leben trafen; sein sanguinisches Temperament, sein idealer Sinn, seine Erholung in wissenschaftlichem Schaffen erhielt ihm die Elasticität des Geistes, die zugleich durch einen kräftigen, allen Anstrengungen trotzenden Körper gesichert wurde. Wie er einst als Knabe den ländlichen Arbeiten obgelegen, wie er als Jüngling auf dem Gute des Grafen Lehndorf mit Reiten und Jagen sich Erholung verschafft, wie er in Wehlau mit den Kürassieroffizieren um die Wette geritten, wie er in Elbing geturnt und Turnunterricht erteilt, so war er hier noch gern zu einem tüchtigen Marsche bereit und verschmähte es z. B. nicht, mit mir, dem jungen Lehrer, allein einen ganzen Sonntag, von morgens 5 bis abends 10 Uhr, einer Tour durch den Reinhardswald zu widmen. Seine Reisen, die später durch die zahl- reichen Vorlesungen, welche er hielt, notwendig wurden, schienen ihn nicht anzugreifen!; immer frisch, unterhielt er sich nach einer solchen hier stets noch stundenlang mit denen, die sich dann beim Glase Wein um ihn drängten. Da erlag er plötzlich am 20. December 1879 einem Lungenleiden, tiefbetrauert von allen, die ihn zu würdigen gewusst. Wer ihm als Kollege, als Schüler nahe gestanden, wird ihn Zeit seines Lebens nicht vergessen, und seine Schriften, besonders die Shakespeare- vorlesungen, die Faustvorträge, die über den modernen deutschen Roman, über die französische Geistesbewegung im 19. Jahrhundert und seine Shakespearefragen, sichern ihm eine Bedeutung für lange Zeit und in den weitesten Kreisen. Als Ostern 1871 Direktor Kreyssig unsere Stadt verliess, um sich in Frankfurt a/M. der Aufgabe zu unterziehen die drei Schulen der polytechnischen Gesellschaft daselbst zu einem organischen Ganzen zu vereinigen, da trat an seine Stelle, zunächst provisorisch, nach einem Jahre definitiv, unser erster Oberlehrer Dr. August Preime. Er war ein Kind unserer Stadt. Geboren am 8. Februar 1827 als Sohn des Polizei- Kommissars Chr. Preime, hatte er das hiesige Gymnasium und dann die Universität Marburg besucht. Nachdem er 1 Jahr lang als Hauslehrer thätig gewesen und dann das Marburger Examen der Bewerber um ein Lehramt an Gelehrtenschulen— so hiess unsere kurhessische Fakultätsprüfung— bestanden, war er 1 Jahr lang Vorstand einer Knaben- und Mädchenschule zu Mengeringhausen in Waldeck, absolvierte hierauf von Ostern 1851—52 sein Probejahr am Gymnasium zu Hersfeld und trat dann als beauftragter Lehrer am hiesigen Gymnasium ein, zunächst zur Vertretung eines erkrankten Lehrers. Ich war damals Schüler der Quarta. Zweimal erteilte er uns ein Vierteljahr lang statt unseres Ordinarius Unterricht, und mit Vergnügen erinnere ich mich noch des angenehmen Gegensatzes, den wir empfanden, als uns nicht mehr nur unter Drohungen und Strafen, sondern in freundlicher Weise die lateinischen Genusregeln beigebracht wurden. Auch das wird mir stets in Erinnerung bleiben, wie Preime schon damals, als die Augen der Behörden sich diesem Teile der Pädagogik noch wenig zuwandten, eifrig auf die Körperhaltung der Schüler achtete, deren Berück- sichtigung für Gesundheit und Anstand so wichtig ist. Bis 1869 blieb er Lehrer am hiesigen Gymnasium. Daneben unterrichtete er eine Zeit lang an der hiesigen höheren Gewerbeschule; ausserdem gab er den Söhnen des Kurfürsten von Hessen, den Prinzen von Hanau, Privatunterricht. Manche Zeit widmete er seinen Freunden, die seinen unverwüstlichen Humor aus jenen Jahren nicht — 29— genug zu rühmen wissen, viele Zeit seinen Angehörigen, besonders seiner innigst geliebten Mutter, die ihm bis zum Oktober 1868 erhalten blieb. Die Sorge für diese mochte ihn auch wohl abgehalten haben sich früh einen eigenen Hausstand zu gründen. Erst 1870 schloss er seine erste Ehe, die nach 3 ½ Jahren glücklichen Zusammenlebens durch den Tod der geliebten Gattin gelöst wurde; 1876 verheiratete er sich zum zweiten Male. Diesmal sollte er noch vor dem Ablauf des sechsten Jahres von der Seite der treuen Lebensgenossin und zweier lieber Kinder weggerissen werden. Als Preime Ostern 1871 die Leitung der Schule übernahm, betrug die Zahl der Schüler bereits 395. Im Laufe der Jahre stieg sie dann mit denen der Vorschule bis zu 755, so dass die Direktorarbeit von Jahr zu Jahr wuchs. Und von vornherein war sie keine unbedeutende gewesen. So tüchtig als Pädagog, so vortrefflich als Organisator, so vorzüglich als innerer Leiter der Anstalt, der er seinen Geist einzuhauchen verstand, Kreyssig gewesen war, so wenig hatte er für Bureau- und Registraturarbeiten Sinn, die mit dem Direktoramt nun leider einmal verbunden sind. Er war sich selbst die lebendige Registratur gewesen und hatte dies wohl auch während der beiden Anfangs- jahre für sich sein können. Ein Nachfolger aber konnte ihn, den Abwesenden, nicht befragen, und so empfand Preime diesen Mangel besonders hart und legte daher um so mehr Gewicht darauf, demselben auf jede Weise abzuhelfen. Jetzt wurden erst, zum Teil mit Hilfe einzelner Kollegen, soweit diese die Bibliothek oder Sammlungen unter ihrer besonderen Aufsicht hatten, Inventare und Kataloge aufgestellt, ein Journal über die ein- und ausgegangenen Schriftstücke nachgetragen, Aktenfascikel angelegt und methodisch geordnet, die kleine üussere Ordnung, die doch auch nichts Kleinliches im Schulleben ist, hergestellt und durch stete Sorgfalt aufrecht erhalten. Wie sehr eine solche Beobachtung der Direktorgeschäfte neben der eigenen Lehrthätigkeit seine ganze Kraft in Anspruch nahm, das hatte Preime während des Jahres seines Provisoriums klar erkannt, das sprach er aus in seiner Antrittsrede vom 4. Mai 1872, indem er erklärte, dass er mit aller seiner Kraft für diese Schule leben und wirken wolle und nur für diese Schule, denn dass diese eine Sorge die volle Kraft eines Mannes erfordere, das habe er während des abgelaufenen Jahres erfahren. Und dieses Verspreehen, nur der Schule zu leben, hat er treulichst gehalten. Gewissen- hafteste Pflichterfüllung hat er, wie er sie von anderen forderte, vor allen Dingen stets selbst geübt. Wie er anderen die Gelegenheit gab durch Fortschreiten mit den Schülerklassen sich vor einem Verknöchern, vor dem Mechanischwerden des Unterrichtens zu schützen, die Schüler selber immer genauer kennen und somit immer besser fördern zu lernen, so hat er selbst auch während der 10 Jahre seines Direktorats, ohne Rücksicht auf die immer grössere Mühe, die er sich dadurch machte, in den verschiedensten Klassen Unterricht erteilt, in Deutsch und Latein, in Geschichte und Französisch, wie er früher auch noch in Englisch und Geographie unterrichtet hatte. Hielt ihn einmal eine andere Pflicht,— er war Mitglied einiger Prüfungskommissionen— von der Schule fern, so widmete er derselben nachher um so mehr Zeit, und alles, was er neben der Schule that, stand doch in innigstem Zusammenhang mit derselben. Wenn er für die Erweiterung der Berechtigung der Realschulen als Vorsitzender vom hiesigen Zweigverein des Realschulmännervereins in engeren Kreisen oder vor der Öffentlichkeit eine Lanze brach, so geschah es im Dienst der Schule. Wenn er im Kaufmännischen Verein aus dem Gebiete der altdeutschen Mythologie oder über die Verschiedenheit des Naturgefühls oder über Sprichwörter und Redensarten oder über Sprachsünden der Gegenwart Vorträge hielt, so waren — 30— diese seinen Studien für den Unterricht entsprossen und kamen dem Unterricht zu gute Der eine Stoff, über Sprichwörter und Redensarten, wurde auch von ihm noch ausführlicher in einem Schul- programm bearbeitet und zugleich in besonderem Abdruck im Verlage von Junghlaus veröffentlicht. Ja, als er in der Zeit seiner zweiten Verlobung zusammen mit seiner Braut eine Nachweisung von in unserer Schulbibliothek enthaltenen Erläuterungen zu deutschen Dichtwerken und Aufsätzen zusammenstellte, da war diese zum Geschenk für das Lehrerkollegium der Realschule erster Ordnung bestimmt, ein Nachschlagebuch, das jedem Lehrer des Deutschen sofort angab, wo er Besprechungen für ein von ihm zu erklärendes Gedicht finden konnte. Auch seine Muse, die früher mehr dem Freundeskreis, besonders der„namenlosen Gesellschaft“, sich gewidmet hatte, trat jetzt in den Dienst der Schule, wenn er bei der Sedanfeier am 2. September 1876, nachdem er 3 Jahre zuvor schon einmal die Festrede gehalten, in schwungvollen Stanzen den Krieg von 1870 und den durch ihn gesicherten Frieden besang. Es war dies kurz vor der Zeit, in welcher der Schule die Auszeichnung zu teil wurde, dass Prinz Heinrich von Preussen in die Obersekunda eintrat, um an einigen Unterrichtsfächern dieser Klasse teilzunehmen. Als Preime infolgedessen den roten Adlerorden 4. Klasse von Sr. Majestät dem Kaiser verliehen bekam, lehnte er, als er uns die Mitteilung machte, sein Verdienst bescheiden ab, indem er sagte, wie der Offizier ausgezeichnet werde, wenn seine Truppen sich brav geschlagen, so könne er diese Auszeichnung nur so auffassen, dass damit die Tüchtigkeit seines Kollegiums ihre Anerkennug finden solle. Wie schon erwähnt, hatte sich unter Preimes Direktorat die Zahl der Schüler beinahe verdoppelt, so dass sie Ostern 1882 einschliesslich der Vorschule 755 betrug. Jetzt sollte ihm eine Erleichterung werden, indem die Vorschule unserer Anstalt und die der Realschule zu einem besonderen Körper vereinigt wurden; nur zwei Vorschulklassen blieben noch in unserem Schulhause und unter Preimes Leitung, bis sie Johannis 1882 eine andere Unterkunft fanden; da schnitt ihm der Tod die Möglichkeit grösserer Schonung seiner Kräfte, wie sie ihm, dem nun 10 Jahre im Amte selbst, 11 in der amtlichen Thätigkeit stehenden seine Kenntnis aller Akten, seine Übung im Beruf bei einer Entlastung von einem Drittel der bisherigen Schülerzahl hätte bieten müssen, in unerbittlicher Weise ab. Ein Karbunkel hatte ihn vom 31. Mai an 14 Tage zu Hause gehalten- Da schon Prorektor Heuser wegen schwerer Krankheit lange gefehlt hatte und nun zur Wieder- herstellung seiner Gesundheit zu einer Badekur beurlaubt war, litt es ihn, der so wenig gewohnt war von der Schule fern zu bleiben, nicht lünger zu Hause; am 12. erschien er wieder zu unser aller Verwunderung mit der noch offenen Wunde am Halse bei hässlichem Wetter in unserem zugigen Schulhause. Vier Tage gab er noch seinen Unterricht, besorgte er noch seine Berufs- geschäfte; als er am Vormittage des vierten in sein Haus zurückkehrte, ergriff ihn Schüttelfrost, so dass er kaum die Treppen zu seiner Wohnung ersteigen konnte, am Morgen des 19. Juni kurz vor 2 Uhr ereilte ihn der Tod. Wir haben ihn tief betrauert. Ein einfaches Denkmal über seinem Grabe sollte der Anerkennung des Kollegiums für seine Thätigkeit Ausdruck geben, dies Bild hier soll unseren Schülern sein Andenken lebendig erhalten. Seine Pflichttreue soll unser Vorbild sein, das fernere Gedeihen der Schule, die, von Kreyssig geschaffen, unter ihm zu frischem Leben weiterentwickelt war, meiner Kollegen und mein stetes Ziel. Jahresbericht, das Schuljahr von Ostern 1884 bis Ostern 1885 betreffend. ₰ I. Allgemeine Lehrverfassung der Schule. 1. Udersicht üder die einzelnen Lehrgegenstände und die für jeden derselben destimmte Stundenzahl. Summa SGumma 11I, A,1 W I IIZ W Y VIrde K einf. Schule. uns. Anstalt. 1. Christl. Religionslehre. 2 2 2 2 2 2 2 2 3 19 34 2. Deutsch.. 3 3 3 3 3 3 3 3 3 27 48 3. Latein 5 5 5 5 6 6 7 7 8 54 100 4. Französisch. 4 4 4 4 4 4 5 5— 34 61 5. Englisch...... 3 33 3 3 4 4——— 20 31 6. Geschichte und Geographie. 3 3 3 3 4 4 4 3 3 30 54 7. Rechnen und Mathematik 5 5 5 5 5 5 5 4 5 44 77 8. Physik 333[3 3————— 12 15 9. Chemie 2 2 2—————— 6 6 10. Naturbeschreibung.——— 2 2 2 2 2[2 12 26 11. Schreiben— V—————— 2 2 4 10 12. Turnen. 2 2 2 2 2 2 2 2 2 18 25 13. Zeichnen. 21 21 2 2 21 2 2 2 2 18 30 14. Gesang. 2 V 2 2 2 2 2 2 2 2 18 10 Summa 36 V 36 36 36 36 36 34 34 32 316 527 Bemerkungen: 1. Die Anstalt zählte 16 Klassen: 2. und b, II 2a und b, II 1, I2 und I1. Als Gesamtzahl der Unterrichtsstunden ergiebt sich hiernach die oben angegebene zweite Summe für unsere Anstalt, abgesehen von 8 Stunden für katholischen und 2 für israelitischen Religionsunterricht; kombiniert waren im Turnen: I1, I2 und III, ferner II 2a und b, ebenso Va und b; im LZeichnen: I1 und I2; im Singen VIa und b und von IVa an die Sänger des Chors in wöchentlich je einer Chor- und je einer Stimmenstunde. VIa und b, Va, b und c, IVa und b, III 2a und b, III 1a — 32— 2. Ubersicht der Verteilung der —— 1 1, 1. I. 2. II, 1. II, 2a. II, 2b. III, 1a. III, 1b. III, 2a. Nr Namon Klasse..— Ord. Kramm. Stange. Heuser. Grebel. Siebert. Hornstein. Krauth. Ide. 1 WMittich— Dtsch. 3 Lat. 5 —— I.. 4 2 Heuser II1 Englisch 3 Rel. 2 Engl. 3 e 112chr — Mathematik 5: 1 Mathem. 5 5 3 Grebe Geographie 1 Geographie 1 Geogr. 1 Geogr. 2 1 Vorturner 1. 4 Hornstein IIII,la Chemie 2 Chemie 2(hemie 2 Naturkundez- Mathem. 5 Turnen 2 Turnen 2 Naturk. 2 ; 5; Dtsch. 3Lat. 5 5 Siebert II,2 b Geschichte 3 Gesch. 2 6 Hüölting III, b Französ. 4 Franz. 4 7 Kramm I,1 Math. 5Phys. 3 Physik 3 Mathem. 5 8 Stange 1.2 Math. 5 Phys 3 Math. 5 Phys. 3 9 Zwirnmann— Lat. 5 Gesch. 3 Lat. 5 Gesch. 2 Lat 5 Gesch. 2— 10 Schantz VNa Religion 2 Deutsch 3 Deutsch 3 Religion 2 Gesch. 2 11 Grebel II,2a Französ. 4 7 Frz. 4 Engl. 3 Deutsch 3 Disch. 3Lat. 6 12 Krauth III,1b Latein 6 Gesch. 2 13 Ide III, 2a Frz. 4 Engl. 3 Frz. 4 Engl. 4 14 Urrici VIa Rel. 2 Dtsch. JReligion 2 Gesch. 2 ci el.2 Dtsch. IReligion 2 Geogr. 2 Naturk. 2 15 Völler Ve Physik 3 16 Stehlich IVa Englisch 4 Franz. 4 17 Danker IVb Englisch 4 Geogr. 2 Mat 5 1s Heydenreieh Nb Naturk. 2 Naturk. 2 —; Religion 2 19 Lange Religion 2 Deutsch 3 20 Hildebrand VIb Latein 6 21 Spangenberg— 22 Jürgens— Turnen 2 23 Erdmann— Chorsingen, wöchentlich 4 Stunden, 2 für jeden Schüler, nämlich je 1 im Chor, 1 in seiner 24 Karbiner— Zeichnen 2 Zeichnen 2] Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen? zeichnenZeichnen?2 25 Hoffmann— Katholischer Religionsunterricht für die älteren Schüler 26 Nau—— 27 Stein— Israelitischer Religionsunterricht 28 Boppenhausen— l ſTurnen 2 Turnen 2 36 36 36 36 36 36 36 36 — 33— Stunden unter die einzelnen Lehrer. ———— III, 2b. IVa. IVb. Va. VYb Ne. VIa. VIb. S8 8 Hölting. Stehlich. Danker, Schantz. Heydenreich. Völler. Ulrici. Hildebrand. 5 5 Geschichte 2 10 17 Geographie 2 Geographie 2 19— Naturkunde? 17+5— Latein 7 20 3 Lat. 6 Frz. 4 18 4 Mathematik5 21— Naturkunde? Naturkunde? 20— 22 3 Lat.7 Gesch. 1 20 3 Englisch 4 Französ. 5 20 5 20 4 Französ. 5. 20 5 Deutsch 3 Latein 8 22 3 Geogr. 2 Natk. 2 Gesch. u. Geogr. 3 23— Rechn. u. Geom. 5 Rcha. u. Geom 1haturk. 2 Lat. 7 Frz. 5 5 Geschichte 2 Fran92. 5 B 4 Lat. 7 Frz. 5 Geschichte 2 22 4 Naturkunde? dee. dsnen Naturkunde2 24— Religion 2 Religion 2 Deuksch 3 Deutsch 3 23 3 Geogr. 2 Rchn. u. Geom. 1 Latein 7 Dtsch. 3 Lat. 88 24 4 Rel. Dtsch. 3 Religion 3 Rel.3 Rechn.5 Schreiben 2 Schreiben 2 Kelan Lehne 24 1 Religion 2 Religion 2(esch. u. Geogr. 3 Deutsch 3 Schreiben 2 Beufaoh 3 Turn. 2Rchn. 5 Turnen 2 24+8 2 Turnen 2 Schreiben 2 Singen 2 .: Rel. 2 Dtsch. 3 Turnen 2 1 Stimme bis IY einschl. Turnen 2 Turnen 2 Zeichnen. 2 Geschichte 1 23.98 1 Turnen 2(Adohn. Geom. 2 Singen 2 4 Sgen n Zeichnen 2 15 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen 2 Zeichnen 2 26— — 4— Katholischer Religionsunterricht für die jüngeren Schüler. 4— 2— 4— 36 34 34 34 34 34 32 32 537 5⁵ — 34.— s. Ubersicht über die während des abgelaufenen Schullahres absolrierten Pensen. Ober-Prima. Ordinarius: Oberlehrer Dr. Kramm. Wöchentlich 32 Stunden(ohne Turnen und Gesang). Kursus einjährig. I. Religion. 2 Std. Oberl. Dr. Schantz. Erklärung des Römer- und Hebräerbriefs. Mitteilung der sichern Nachrichten über die Abfassung der wichtigsten neutestamentlichen Bücher. Neuere Kirchengeschichte. Wiederholungen aus der alten und mittlern Kirchengeschichte. Hollenberg, Hilfsbuch für den evangelischen Religionsunterricht. 2. Deutsch. 3 Std. Direktor. Nach dem Lesebuch von Hopf und Paulsiek, II, 2, 1, wurde aus dem Mittelalter das Tierepos mit seinen neueren Bearbeitungen, die Eneit, das Alexanderlied, das Buch von Troie, das Rolandslied, Iwein in neuhochdeutscher Übersetzung der vorhandenen Proben den Schülern vorgeführt. Eingehendere Behandlung fand der Parzival. Tristan und Isolt, der arme Heinrich, Barlaam und Josaphat sowie die Lieder Walthers von der Vogel- weide wurden nur nach dem Lesebuch durchgenommen. Hieran schloss sich Schillers Wallenstein und Goethes Tasso, die mit verteilten Rollen gelesen und eingehend besprochen wurden. Vorträge. Deklamationen. Alle 4 Wochen ein Aufsatz. Aufsätze: 1) Wer überall die Wahrheit spricht, Empfiehlt sich dadurch wahrlich nicht, Und er muss oftmals draussen stehn, Wenn andere zum Schmause gehn. 2) Stellung und Charakter der Goetheschen Iphigenie. 3) Die Gralssage(Probearbeit). 4) Von unserer Harzfahrt. 5) Uber unehrlich, unehrenhaft, ehrlos, ehrvergessen, ehrenrührig, schändlich, schimpflich, schmachvoll. 6) Inhaltsangabe von Schillers Piccolomini. 6) Beschreibung unserer dynamo-elektrischen Maschine und einer Reihe von Versuchen, die mit derselben angestellt werden können. 8) Die Fernsprechkunst(Probearbeit). 9) Stellung und Charakter Isolanis in Schillers Wallenstein. Aufgabe für die Reifeprüfung: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott. 3. Latein. 5 Std. Direktor. Gelesen wurde im Sommerbalbjahr das erste Buch der Oden von Horaz, mit Ausnahme zweier Gedichte, sowie die ersten zehn des zweiten Buchs, im Winter das erste Buch des Livius. Durchnahme der in den gelesenen Oden vorkommenden Vers- masse. Gelegentliche Wiederholungen aus der Grammatik(Moiszisstzig). Übersetzung aus Süpfles Aufgaben zu lateinischen Stilübungen, Teil I, Nr. 311 bis Ende. Durchschnittlich alle 14 Tage eine schriftliche Übersetzung als häusliche oder als Klassenarbeit. Auswendig- lernen Horazischer Oden. 4. Französisch. 4 Std. Dr. Grebel. Syntaktische Übungen im Anschlusse an Plötz, Nouvelle Grammaire, und an die Lektüre. Übersetzt wurde aus Plötz, Übungen zur Erlernung der französischen Syntax. Lektüre: Kreyssig, Anthologie Française; Molière, Les Femmes Savantes. Privatlectüre: Ségur, Hist. de Nap. et de la Grande Armée. Bd. I der Ausgabe von Velhagen und Klasing. Exercitien, Extemporalien und Aufsätze. Sprechübungen. Aufsätze: 1) Régulus. 2) Louise, Reine de Prusse, I. 3) Louise, Reine de Prusse, II. 4) Gustave- Adolphe. 5) Rôle de Clitandre dans les Femmes Savantes. 6) Histoire de Macbeth. Aufgabe für die Reifeprüfung: Rodolphe de Habsbourg. 5. Englisch. 3 Std. Prof. Heuser. Nach der Grammatik von LZimmermann gruppenweise grammatikalische Wiederholungen aus Formenlehre und Syntax. Exercitien(vorzugsweise Ubersetzungen aus Schillers Wilhelm Tell). Extemporalien. Kurze freie Vorträge über — 35— einzelne englische Schriftsteller. Konversationsübungen. Lektüre: Sheridan, The School for Scandal, und Macaulay: History of England, Bd. I. 6. Geschichte. 3 Std. Oberl. Dr. Siebert. Deutsche Geschichte der neueren Zeit von der französischen Revolution bis 1871. Wiederholungen aus der alten Geschichte, der des Mittel- alters und der neueren Zeit. Pütz, Grundriss, Teil III. 7. Mathematik. 5 Std. Oberl. Dr. Kramm. I. Geometrie und Trigonometrie. 3 Std. Analytische Geometrie der Ebene, II. Teil. Repetitionen und UÜbungsaufgaben aus der Planimetrie, Stereometrie, ebenen und sphärischen Trigonometrie und analytischen Geometrie. II. Arithmetik und Algebra. 2 Std. Von den Funktionen und ihrer Anwendung auf die Auflösung höherer Gleichungen. Die unendlichen Reihen(die Exponential-, die logarith- mische, die sinus- und cosinus-Reihe). Von den complexen Zahlen. Repetitionen aus allen Gebieten der elementaren Arithmetik und Algebra. Lehrbücher von Koppe. Heis, Sammlung. Aufgaben für die Reifeprüfung: 1) Wie gross ist der Radius und die Höhe des grössten unter allen geraden Kegeln mit der Seite a= 12 m, und wie verhält sich sein Volumen zu dem einer geraden quadratischen Pyramide, deren Seitenkante ebenfalls 12 m und deren Inhalt ein maximum ist. 2) Eine Halbkugel, deren Radius r= 1 ist, soll durch eine mit der Grundfläche parallele Ebene in zwei gleiche Stücke geteilt werden. Wie gross ist die Höhe des Segments? 3) Von einer gegebenen geraden Linie hat ein Punkt P den Abstand d= 2 cm. Den geometrischen Ort aller Punkte zu konstruieren, deren Abstände von der Geraden und von dem gegebenen Punkte sich wie 3:2 verhalten, und der erhaltenen Curve ein gleichschenkliges rechtwinkliges Dreieck umzubeschreiben. 4) Wie gross sind auf der Erde die Seiten und Winkel eines gleichseitigen sphärischen Dreiecks, dessen Fläche 321 000 Quadrat-Meilen enthält(Erdradius r= 859,44 m)?— §. Physik. 3 Std. Oberl. Dr. Kramm. Fortsetzung der Mechanik, Optik. Ubungsaufgaben aus diesen Gebieten, Repetitionen aus der Akustik, Wärmelehre, Elektricitätslehre. Trappe, Schulphysik. Aufgaben für die Reifeprüfung: 1) Der brechende Winkel eines Prismas sei 20° 12“, sowie der Winkel der kleinsten Ablenkung desselben für einen roten Strahl gleich 24 46„ gefunden. Wie gross ist der Brechungsexponent für diesen Strahl? Die anzuwendende Formel ist abzuleiten. 2) Ein mit dem Standorte in horizontaler Ebene liegendes Gebäude, dessen Entfernung a= 1160 m beträgt, soll mit einem Mörser, welcher der Kugel die Geschwindigkeit c= 163 m erteilt, beworfen werden. Unter welchem Elevationswinkel muss dies geschehen, und welches ist die Zeitdauer des Wurfes(g= 9,81 m)? 9. Chemie und Mineralogie. 2 Std. Oberl. Dr. Hornstein. Die Metalle der Erden und Schwer- metalle mit den wichtigeren Verbindungen derselben, welche als Mineralien vorkommen oder künstlich dargestellt werden. Stöchiometrische Rechnungen. Rüdorff, Grundriss der Chemie. Hornstein, kleines Lehrbuch der Mineralogie. 10. Zeichnen. 2 Std. mit I,2. Karbiner. Zeichnen nach Ornamenten. Geometrisches Zeichnen. Unter-Prima. Ordinarius: Oberlehrer Stange. Wöchentlich 32 Std.(ohne Turnen und Gesang). Kursus einjährig. f. Religion. 2 Std. Prof. Heuser. Erklärung des Evangeliums des Johannes mit vorgängiger allgemeiner Einleitung in die Johanneischen Schriften des N. T. Erklärung des Augsburgischen Glanbensbekenntnisses mit steter Hinweisung auf die evangelische Glaubens- und Sittenlehre. Wiederbolung der alten Kirchengeschichte und Fortsetzung derselben bis in das 15. Jahrhundert (nach Hollenbergs Hilfsbuch für den evangelischen Religionsunterricht). 5* —- 36— 2. Deutsch. 3 Std. Oberl. Dr. Schantz. Lektüre, resp. Besprechung des Nibelungen- und Gudrunliedes, ferner von Goethes Iphigenie und Götz, Schillers Maria Stuart, Euripides' Iphigenie in Aulis nach Schillers Ubersetzung, Kleists Prinz Friedrich von Homburg. Vorträge. Deklamationen. Gelegentliche Wiederholungen aus der Poetik und Metrik. Alle vier Wochen ein Aufsatz. aher. Aufsätze: 1) Arbeit ist des Blutes Balsam, Arbeit ist der Tugend Quell. 2) Nie war gegen das Ausland ein anderes Land gerecht wie Du. Sei nicht allzugerecht! Sie denken nicht edel genug, zu sehn, wie schön dein Fehler ist. 3) Reichtum ist ein Glück, aber er hat auch seine Gefahren(Probe- arbeit). 4) Des Helden Name ist in Erz und Marmorstein so wohl nicht aufbewahrt als in des Dichters Lied. 5) Beweggründe Hagens zur Ermordung Siegfrieds. 6) Inhalt der drei ersten Akte von Euripides' Drama„Iphigenie in Aulis.“ Nach Schillers Übersetzung. 7) Charakteristik des Achilles in Euripides' Drama„Iphigenie in Aulis.“ 8) Entscheidungskampf der Burgunden mit den Hunnen(Probearbeit). 9) Kriegführung im Mittelalter. Nach dem Nibelungen- und Gudrunlied. 10) Götz von Berlichingen in seiner Stellung zu dem Kaiser und den Fürsten. 3. Latein. 5 Std. Oberl. Zwirnmann. Gelesen wurde Sallusti Jugurtha und Verg. Aen. lib. I. Grammatische Repetitionen nach Moiszisstzigs lateinischer Schulgrammatik. Ubersetzungs- übungen nach Süpfle, Aufgaben zu lateinischen Stilübungen, IJ. Wöchentlich ein Exercitium oder Extemporale. 4. Franzäsisch. 4 Std. Oberl. Dr. Hölting. Syntaktische Ubungen im Anschluss an Plötz, Nouvelle Grammaire, insbesondere die Abschnitte über die Pronoms, Temps und Modes. Ubersetzt wurden die entsprechenden Stücke aus Plötz, UÜbungen zur Erlernung der französischen Syntax. Lektüre: Molière, Le Misanthrope. Michelet, Précis de l'histoire moderne. Exercitien nach Diktaten, Extemporalien und Aufsätze abwechselnd. Aufsätze: 1) Damon et Pythias. 2) Le droit du plus fort. 3) Maximilien ler. 4) Charles XII et le paysan Muesebaek. 5) Invasion de la Saxe et de la Bohème en 1756. Batailles de Rosbach et de Leuthen. 6) Le facteur. 5. Englisch. 3 Std. Prof. Heuser. Gruppenweise grammatikalische Wiederholung und Erweiterung des bisher bearbeiteten Materials nach Zimmermanns Grammatik. Exercitien, Extemporalien, Deklamations- und Konversationsübungen. Lektüre: Shakespeares Julius Cäsar. 6. Geschichte. 3 Std. Oberl. Zwirnmann. Geschichte der neueren Zeit bis zu der französischen Revolution, nach Pütz, III. Wiederholung früherer Abschnitte. 7. Mathematik. 5 Std. Oberl. Stange. I. Geometrie und Trigonometrie. 3 Std. Sphärische Trigonometrie nebst ihrer Anwendung auf mathematische Geographie. Analytische Geometrie, I. Teil. Zahlreiche Ubungsaufgaben aus diesen Gebieten sowie aus der Stereometrie. II. Arithmetik und Algebra. 2 Std. Maxima und Minima. Arithmetische Reihen höherer Ordnung. Kubische Gleichungen. Diophantische Gleichungen. Kettenbrüche und ihre Anwendung. Lehrbücher von Koppe. Heis, Aufgabensammlung. Logarithmentafeln von Gauss. S. Physik. 3 Std. Oberl. Stange Mathematische Behandlung der Mechanik fester Körper nebst zahlreichen Ubungsaufgaben. Akustik. Repetitionen aus der Elektricitäts- und Wärmelehre. Mathematische Geographie. Trappe, Schulphysik; Koppe, mathematische Geographie. 9. Chemie und Mineralogie. 2 Std. Oberl. Dr. Hornstein. Spezielle Behandlung der Nicht- metalle(ausser Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Schwefel) und der Metalle der Alkalien —— und z. T. der alkalischen Erden. Dazu unter anderen Verbindungen dieser Elemente die wichtigeren als Mineralien vorkommenden. Stöchiometrische Reehnungen. Rüdorff, Grundriss der Chemie. Hornstein, kl. Lehrbuch der Mineralogie. 1f0. Zeichnen. 2 Std. mit I,l. Karbiner. Zeichnen nach Ornamenten. Geometrisches Zeichnen. Ober-Sekunda. Ordinarius: Prorektor Professor Heuser. Wöchentlich 32 Std.(ohne Turnen und Gwaug) Kursus einjährig. I. Religion. 2 Std. Prof. Heuser. Erklärung der Apostelgeschichte, des 1. Korinther- sowie des Galaterbriefs. Mitteilung der sicheren Thatsachen über die Abfassung der Paulinischen Briefe. Das Wichtigste aus der 1. und 2. Periode der Kirchengeschichte(nach Hollenbergs Hilfsbuch für den evangelischen Religionsunterricht). 2. Deutsch. 3 Std. Oberl. Dr. Schantz. Erklärung der in Hopf und Paulsieks Lesebuch euthaltenen Litteraturproben aus der Zeit von Luther bis Klopstock. Lessings Minna von Barnhelm, Goethes Egmont und Hermann und Dorothea, Schillers Jungfrau von Orleans, Eleusisches Fest, Spaziergang, einige Gesänge aus der Ilias. Gelegentliche Berücksichtigung von Poetik, Metrik, Prosodie. iIbungen im Disponieren, Deklamation und freiem Vortrag. Alle vier Wochen ein Aufsatz. Aufsätze: 1) Ferro nocentius aurum. 2) Inhalt der drei ersten Gesänge von Goethes Hermann und Dorothea(Klassenarbeit). 3) Wie erklärt es sich, dass die römischen Kaiser die Christen verfolgten? 4) Charakteristik des Apothekers in Goethes„Hermann und Dorothea“. 5) Uber Uneinigkeit, Miss- helligkeit, Zwiespalt, Zwietracht, Zank, Streit, Hader, Fehde. 6) Zwei Augen hat die Seel', eins schauet in die Zeit, das andere richtet sich hin in die Ewigkeit. 7) Inhalt des ersten Buches der Ilias(Klassenarbeit). 8) Segen des Bergbaues. 9) Die Vorfabel in Lessings„Minna von Barnhelm“. 10) Das Volk in Goethes„Egmont“. 3. Latein. 5 Std. Oberl. Zwirnmann. Wiederholung der Modus- und Tempuslehre, mit Erweiterung des grammatischen Stoffs, nach Moiszisstzig. Übersetzungsübungen nach Süpfle, Aufgaben zu lateinischen Stilübungen, I. Lektüre: Sallusti Catilina. Ausgewählte Abschnitte aus Ovids Metamorph. I, VII. Wöchentlich ein Exercitium oder Extemporale. 4. Französisch. 4 Std. Prof. Heuser. Wiederholung des grammatikalischen Pensums der Tertia und Unter-Sekunda nach Plötz, Schulgrammatik, und Erledigung des methodischen Teiles dieser Grammatik. Exercitien und Extemporalien sowie Anfänge zu freien Arbeiten. Konversationsübungen im Anschluss an die Lektüre aus Kreyssig, Trois Siècles, sowie von Scribe et de Rougemont: Avant, Pendant et Apreès. 5. Englisch. 3 Std. Prof. Heuser. Wiederholungen aus Zimmermanns Grammatik. Erweiterung des über die Pronomina sowie über die Syntax des erweiterten Satzes bisher Gelernten. Exercitien und Extemporalien und mündliche Übungen in Deklamation und Konversation. Lektüre aus Lüdeckings Lesebuch, Teil II, sowie aus Washington Irvings Sketch Book. 6. Ceschichte. 2 Std. Oberl. Zwirnmann. Geschichte des Mittelalters nach Pütz, II. 7. Geographie. 1 Std. Oberl. Grebe. Repetitionen aus den verschiedensten Teilen der politischen, physikalischen und mathematischen Geognaphie. Seydlitz Schulgeographie. — 39— S. Mathematil. 5 Std. Oberl. Grebe. I. Geometrie und Trigonometrie. 3 Std. Erweiternde Repetitionen aus Goniometrie und ebener Trigonometrie. Stereometrie nebst zahlreichen Ubungsaufgaben. Lehrbücher von Koppe. Mathematische Tafeln von Gauss. II. Arithmetik und Algebra. 2 Std. Zinseszins- und Rentenberechnung. Gleichungen vom I. u. II. Grade mit einer und mehreren Unbekannten. Syntaktik. Wahrscheinlichkeits- rechnung. Binomischer Lehrsatz. Heis, Aufgabensammlung. 9. Physik. 3 Std. Oberl. Dr. Kramm. Die Lehre von der Wärme, von der Elektricität und dem Maguetismus. Übungsaufgaben. Trappe, Schulphysik. 10. Chemie und Mineralogie. 2 Std. Oberl. Dr. Hornstein. Einführung in die Chemie: Ent- wickelung der chemischen Grundlehren auf Grund von Experimenten und aus den bereits bekannten physikalischen Erscheinungen und Gesetzen. Spezielle Behandlung des Wasser- stoffs, des Sauerstoffs, des Stickstoffs und des Schwefels; die wichtigeren Mineralien der letzteren Elemente. Rüdorff, Grundriss der Chemie; Hornstein, kl. Lehrbuch der Mineralogie. ff. Zeichnen. 2 Std. Karbiner. Zeichnen nach Gipsornamenten. Linearzeichnen. Unter-Sekunda. Ordinarien: In a Dr. Grebel, in b Oberlehrer Dr. Siebert. Wöchentlich 32 Std.(ohne Turnen und Gesang). Kursus einjährig. f. Religion. 2 Std. In a und in b Dr. Ulrici. Übersichtliche Darstellung der Geschichte des Reiches Gottes bis auf Christum. Lesen ausgewählter biblischer Abschnitte, namentlich aus dem Psalter und den Propheten. Erklärung des IV. und V. Hauptstückes. Repetition früher gelernter Lieder. Lehrbücher: Katechismus, Hollenberg. 2. Deutsch. 3 Std. In a Dr. Ulrici, in b Oberl. Dr. Siebert. Lektüre aus Hopf und Paulsieks Lesebuch aus der Zeit von Klopstock an, namentlich Goethescher und Schillerscher Gedichte sowie von Lessings„Wie die Alten den Tod gebildet“ und„Über die Fabel“; ferner wurden gelesen mehrere Abschnitte aus Homers Ilias und Odyssee, Schillers Tell. Das Wichtigste aus der Poetik, Metrik, Prosodie. Vorträge, Dispositions- und Deklamationsübungen. Alle vier Wochen ein Aufsatz. Aufsätze in a: 1) Warum ist Sicilien im Altertum ein so viel umworbenes Land gewesen? 2) Ein Morgenspaziergang im Mai. 3) Ein Sommerabend auf dem Lande. 4) Ursachen und Veranlassungen des peloponnesischen Krieges. 5) Nemo ante mortem beatus. 6) Die Kraniche des Ibykus(Klassen- arbeit). 7) Ein Wintersonntagnachmittag. 8) Tells Rettung auf dem Vierwaldstätter See. Nach „Wilhelm Tell“ IV.) 9) Das Auswandern von seiner Lichtseite betrachtet. 10) Warum die griechischen Dichter und Künstler den Tod und den Schlaf als Brüder dargestellt haben(Klassenarbeit, mit Anlehnung an die Lektüre:„Wie die Alten den Tod gebildet“.) Aufsätze in b: 1) Meer und Wüste. 2) Pferd, Ross und sinnverwandte Wörter. 3) Die Erziehung der spartanischen Jugend(Klassenarbeit). 4) Schwert und Pflug. 5) Die Turnfahrt nach Niedenstein. 6) Der Herbst. 7) Blinder Eifer schadet nur. 8) Ferro nocentius aurum(Klassenarbeit). 9) Ver- gleichuug des peloponnesischen und des dreissigjährigen Kriegs. 10) Vergleichung der Glocke von Schiller mit dem Schild des Achilles in der IIias. 3. Latein. 5 Std. In a Oberl. Zwirnmann, in b Oberl. Dr. Siebert. In a: Syntax nach Moiszisstzigs Grammatik,§ 342— 579. Ubersetzungsübungen nach Süpfles Aufgaben zu — — 39— lateinischen Stilübungen, I. Lektüre: Caes. B. G. lib. VI. VII. Ovid. Metamorph. lib. I. III. (mit Auswahl). Wöchentlich ein Exercitium oder Extemporale. Lektüre in b: Caes. B. G. lib. IV. V. Ovid. Metamorph. lib. I. II. III(mit Auswahl). 4. Französisch. 4 Std. In a Dr. Grebel, in b Ide. Wiederholung des Pensums von Ober-Tertia. Plötz, Schulgrammatik, Lektion 50— 69. Exercitien und Extemporalien. Sprech- und Deklamierübungen. Lektüre aus Kreyssig, Anthologie Française. 5. Englisch. 3 Std. In a Dr. Grebel, in b Ide. Zimmermann, Lehrbuch, Lektion 29— 54 und Wiederholung des Pensums von Ober-Tertia. Sprechübungen. Memorieren. Lektüre aus Lüdecking, II. Exercitien und Extemporalien. 6. Geschichte. 2 Std. In a Oberl. Zwirnmann, in b Oberl. Dr. Siebert. Griechische und römische Geschichte nach Pütz, Grundriss, I. 7. Geographie. 1 Std. In a und in b Oberl. Grebe. Das deutsche Reich, mit besonderer Hervor- hebung von Preussen. Repetitionen des Pensums der III. 1. Seydlitz, Schulgeographie. 8. Mathematill. 5 Std. In a Oberl. Stange, in b Oberl. Grebe. I. Geometrie und Trigonometrie. 3 Std. Wiederholung des Pensums von III, 1. Kreisberechnungen. Harmonische Teilung. Transversale. Unausgesetzte Übung im Lösen von Konstruktionsaufgaben. Elemente der Goniometrie und ebenen Trigonometrie. Einfache Berechnungen des rechtwinkligen und schiefwinkligen Dreiecks. II. Arithmetik und Algebra. 2 Std. Wiederholung der Lehre von den Potenzen und Wurzeln. Logarithmen. Quadratische Gleichungen mit einer Unbekannten. Arithmetische und geometrische Progressionen. Lehrbücher von Koppe. Heis, Aufgabensammlung. Logarithmentafeln von Gauss. 9. Naturbeschreibung. 2 Std. In a Oberl. Dr. Hornstein, in b Völler. Im Sommer: Das Wichtigste aus der Anatomie des menschlichen Körpers. Botanische Wiederholungen. Pflanzenbestimmungen. Im Winter: Krystallographie. Zoologische Repetitionen(Wirbeltiere, Gliederfüssler. Würmer, Weichtiere). Beispiele aus den Tierkreisen der Stachelhäuter, Cölenteraten und der Protozoa. Wigand, Flora von Kurhessen. Schilling, Bd. I. u. II A. Hornstein, kl. Lehrbuch der Mineralogie. 10. Physik. 3 Std. In a Oberl. Stange, in b Völler. Die allgemeinen Eigenschaften der Körper. Wirkungen der Wärme(Ausdehnung, Veränderung des Aggregatzustandes). Mechanik der festen, flüssigen und luftförmigen Körper. Einübung und Befestigung der Gesetze durch zahlreiche IIbungsaufgaben. Trappe, Schulphysik. 11. Zeichnen. 2 Std. In a und in b Karbiner. Freihandzeichnen. Schattieren nach Vorlagen und Gips. Ober-Tertia. Ordinarien: In a Oberl. Dr. Hornstein, in b Krauth. Wöchentlich 32 Std.(ohne Turnen und Gesang). Kursus einjährig. I. Religion. 2 Std. In a Oberl. Dr. Schantz, in b Lange. Das Evangelium Matthäi gelesen und erklärt. Das III. Hauptstück erklärt, das IV. und V. memoriert, das I. und II. repetiert. — 40— Sprüche und Lieder neu gelernt, die früher gelernten wiederholt. Lehrbuch: Der hessische Landeskatechismus. Deutsch. 3 Std. In a und in b Krauth. Lektüre poetischer und prosaischer Musterstücke aus Hopf und Paulsiek(für Tertia), verbunden mit sachlichen und sprachlichen Erläuterungen. UÜbungen im freien Vortrag wie in der Wiedergabe des Gelesenen. Dispositionsübungen. Erweiterung der Lehre vom zusammengesetzten Satz. Die Interpunktionslehre wurde repetiert. Alle vier Wochen ein Aufsatz. Latein. 6 Std. In a und in b Krauth. Repetition der Kasuslehre und des Pensums der Unter-Tertia.— Moduslehre nach Scheele II.§ 1— 56. Sodann nach demselben Buche 8 57— 71. Pragesätze, temporale, condicionale, concessive Nebensätze, Conj. in Relativsätzen, oratio obliqua, gerundium, gerundivum, supinum. Exercitien und Extemporalieu wöchentlich abwechselnd. Lektüre: Caes. Bell. Gall. lib. I und VI. Franzòsisch. 4 Std. In a Dr. Danker, in b Oberl. Dr. Hölting. Wiederholung des grammatischen Pensums der Unter-Tertia. Plötz, Schulgrammatik, Lektion 24— 49. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. Lektüre aus Plötz, Lectures choisies. . Englisch. 4 Std. In a Dr. Danker, in b Dr. Stehlich. Wiederholung des grammatischen Pensums der Unter-Tertia., Zimmermann: Systematischer Kursus, Lektion 1—28. Lektüre aus Lüdecking I. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. Geschichte. 2 Std. In a Dr. UlIrici, in b Krauth. Geschichte Deutschlands seit den Ent- deckungen im 15. Jahrhundert. Brandenburg-preussische Geschichte. Pütz, Grundriss, III. . Geographie. 2 Std. In a Dr. Ulrici, in b Oberl. Grebe. Repetition des früheren Pensums. Stellung der Erde im Weltall. Betrachtung der romanischen, slavischen und nordgermanischen Staaten Europas unter Berücksichtigung der Bodenverhältnisse, Verkehrswege, Produkte etc. Anweisung zum Kartenzeichnen. Seydlitz, Schulgeographie. Mathematik. 5 Std. In a Oberl. Dr. Hornstein, in b Oberl. Dr. Kramm. I. Geometrie. 3 Std. Wiederholungen. Proportionslehre. Kreislehre. Vom Verhältnis der Strecken. Thnlichkeit der Figuren. Inhalt geradliniger Figuren und des Kreises, Verhältnisse derselben; Kreisberechnung. Konstruktionsaufgaben. Koppe, Plauimetrie. II. Arithmetik und Algebra. 2 Std. Wiederholungen. Proportionslehre. Lehre von den Potenzen und Wurzeln. Quadrat- und Kubikwurzelausziehen aus algebraischen Summen, auch mit gebrochenen Gliedern. Gleichungen mit einer Unbekannten(Bewegungsaufgaben etc.), Gleichungen mit mehreren Unbekannten. Heis, Aufgabensammlung. . Naturbeschreibung. 2 Std. In a Oberl. Dr. Hornstein, in b Heydenreich. Im Sommer: Bestimmen von Pflanzen; das natürliche Pflanzensystem nach Schilling. Wichtigeres aus der Anatomie und Physiologie der Pflanzen. Im Winter: Beispiele aus den Tierkreisen der Gliederfüssler, Würmer und Weichtiere; spezieller die Insekten.— Wigand, Flora von Kurhessen. Schilling, Grundriss der Natur- geschichte, Bd. I u. IIA. 10. Zeichnen. 2 Std. In a und in b Karbiner. Freihandzeichnen; Schattieren nach Vorlagen und Gips. I -—- 41— Unten-Tertia. Ordinarien: In a Ide, in b Oberl. Dr. Hölting. Wöchentlich 32 Std.(ohne Turnen und Gesang). Kursus einjährig. I. Religion. 2 Std. In a Lange, in b Jürgens. Erklärung des II. Hauptstücks. Sprüche und Lieder neu gelernt, die früher gelernten wiederholt. Das Kirchenjahr. Gründung der christlichen Kirche und ihre erste Ausbreitung nach dem Bericht der Apostelgeschichte. Lehrbuch: Hessischer Landeskatechismus. 1. 2. Deutsch. 3 Std. In a Lange, in b Jürgens. Lektüre poetischer und prosaischer Muster- stücke aus Hopf und Paulsiek, verbunden mit sachlichen und sprachlichen Erklärungen. Upung im Vortrag und in der mündlichen und schriftlichen Wiedergabe des Gelesenen. Einführung i in die Lehre vom zusammengesetzten Satz. Alle drei Wochen ein Aufsatz. 3. Latein. 6 Std. In a Dr. Hildebrand, in b Oberl. Dr. Hölting. Die Syutax des Verbums eingeübt nach Scheele, II,§ 27— 37 und§ 53— 56. Repetition der Formenlohre, Exercitien und Extemporalien. Lektüre nach Ellendts Materialien. 4. Französisch. 4 Std. In a Ide, in b Oberl. Dr. Hölting. Wiederholung des grammatischen Pensums der Quarta. Plötz, Schulgrammatik, Leption 1— 23. Lektüre nach Plötz, Lectures choisies. Exercitien und Extemporalien. 5. Englisch. 4 Std. In a Ide, in b Dr. Grebel. Zimmermann, Lehrbuch der englischen Sprache, Abt. I: Methodische Elementarstufe, Nr. 1— 52. Diktate, Exercitien, Extemporalien. Memorieren leichter Gedichte. Lektüre aus Lüdecking, Englisches Lesebuch, I. 6. Geschichte. 2 Std. In a Oberl. Dr. Schantz, in b Direktor. Deutschland bis zum Ende des Mittelalters, Brandenburg bis ebendahin. Pütz, Teil II. 7. Geographie. 2 Std. In a Heydenreich, in b Oberl. Grebe. Deutschland, sterreich-Ungarn, Schweiz, Belgien und Niederlande mit besonderer Berücksichtigung der Verkehrswege, Boden- verhältnisse und Produkte. Anleitung im Kartenzeichnen. Seydlitz, Schulgeographie. 8. Mathematek. 5 Std. In a Heydenreich, in b Oberl. Dr. Kramm. I. Geometrie. 2 Std. Von den Dreiecken, Vierecken, Vielecken und vom Kreise. Von der Gleichheit der Figuren. Konstruktionsaufgaben. Koppe, Planimetrie. II. Arithmetik und Algebra. 2 Std. Die vier Grundoperationen mit allgemeinen einfachen und zusammengesetzten Grössen. Quadrieren und Kubieren. Quadrat- und Kubik- wurzelausziehen. Gleichungen des ersten Grades mit einer Unbekannten. Heis, Aufgaben- sammlung. III. Rechnen. 1 Std. Ubungen aus den verschiedenen bürgerlichen Rechnungsarten. Repetitionen. 9. Naturbeschreibung. 2 Std. In a Heydenreich, in b Oberl. Stange. Im Sommer: Übungen im selbständigen Bestimmen von Pflanzen nach Wigands Flora von Hessen. Die Wichtigsten natürlichen Familien. Fortgesetzte Einübung des Linnéschen Systems. Im Winter: Systematische Behandlung der Säugetiere und Vögel. Schilling, Grundriss. 10. Zeichnen. 2 Std. In a und in b Karbiner. Freihandzeichnen nach Wandtafeln, Vorlagen etc. Anfang des Schattierens. 6 — 42— . Quarta. Ordinarien: In a Dr. Stehlich, in b Dr. Danker. Wöchentlich 30 Std.(ohne Turnen und ebe Kursus einjährig. I. Religion. 2 Std. In a Lange, in b Erdmann. Erklärung des I. Hauptstücks und im Anschluss hieran die allgemeinen Forderungen der christlichen Sittenlehre, unter Heranziehung der Bergpredigt. Die früher gelernten Sprüche und Lieder wurden wiederholt, neu gelernt 30 Sprüche und 2 Kirchenlieder. Das II. Hauptstück wurde memoriert, ebenso die Reihen- folge der biblischen Bücher. ijbung im Aufschlagen einzelner Stellen. Die Gleichnisse aus den Perikopen. Lehrbuch: Hessischer-Landeskatechismus. 2. Deutsch. 3 Std. In a Lange, in b Erdmann. Erklärung prosaischer und poetischer Muster- stücke aus Hopf und Paulsiek. Mündliche und teilweise auch schriftliche Wiedergabe des Gelesenen. Repetition und Erweiterung des grammatischen Pensums. Satzlehre. Übung im Vortrag. Alle vierzehn Tage ein Aufsatz. 3. Latein. 7 Std. In a Dr. Stehlich, in b Dr. Danker. Wiederholung des grammatischen Pensums von Sexta und Quinta. Einübung des Acc. c. Inf., des Abl. abs. und der Kasus- lehre nach Wittich, Kurzgefasstes Lehrbuch des Lateinischen, 3. Bändchen. Lektüre nach ebendemselben. Wöchentlich ein Exercitium oder Extemporale. Französisch. 5 Std. In a Dr. Stehlich, in b Dr. Danker. Wiederholung des Peusums von Quinta. Plötz, Elementargrammatik, Lektion 61— 112. Exercitien, Extemporalien, wöchentlich abwechselnd. Memorier- und Sprechübungen. 5. Geschichte. 2 Std. In a Dr. Stehlich, in b Dr. Danker. Griechische Geschichte bis zu Alexander dem Grossen, römische Geschiehte bis zur Kaiserzeit. Pütz, Grundriss der Geschichte und Geographie für mittlere Klassen, Teil I. Geographie. 2 Std. In a Völler, in b Oberl. Grebe. Asien, Afrika, Amerika und Australien. Repetition von Europa. Einiges aus der mathematischen Geographie. Anweisung zum Kartenzeichnen. Seydlitz, Grundzüge. 7. Mathematil. 5 Std. I. Rechnen. 3 Std. In a Völler, in b Erdmann. Anwendung des Rechnens mit gemeinen Brüchen und Decimalbrüchen auf Zins-, Rabatt-, Termin-, Verteilungs- und Mischungsrechnung. Einfache Flächen- und Körperberechnungen. Böhme XII. II. Geometrie. 2 Std. In a Völler, in b Erdmann. FEinleitende Formenlehre, die von der Betrachtung der regelmässigen Körper ausgeht und an ihnen die geometrischen Grundanschauungen vermittelt unter Zuhilfenahme zeichnenden und sonstigen Nachbildens. Die Lehre von den Winkeln und Parallellinien, Sätze vom Dreieck bis zu den Kongruenz- sätzen einschliesslich; die wichtigsten Sätze über die Inhaltsgleichheit der geradlinig begrenzten Figuren bis zum pythagoräischen Lehrsatz. Lösen entsprechender Konstruktionen. Koppe, Abschnitt I—IV incl. u. Abschnitt VII. 8 Naturbeschreibung. 2 Std. In a Völler, in b Heydenreich. Im Sommer: Beschreibung und Vergleichung von Pflanzen der Umgegend und Einübung des Linnéschen Systems. Im Winter: Systematische Behandlung der Säugetiere, Reptilien und Amphibien. Schillings Grundriss der Naturgeschichte.. 9. Zeichnen. 2 Std. In a und in b Karbiner. Freihandzeichnen nach Vorzeichnungen an der Schultafel und nach Wandtafeln. 8 — 43 Quinta. Ordinarien: In a Oberl. Dr. Schantz, in b Heydenreich, in c Völler. Wöchentlich 30 Std (ohne Turnen und Gesang). Kursus einjährig. I. Religion. 2 Std. In a Lange, in b Spangenberg, in e Jürgens. Biblische Geschichten des Neuen Testaments. Luthers Erklärung des ersten Hauptstücks, dazu 20 Bibelsprüche und 2 Kirchenlieder. Die früher gelernten Sprüche und Lieder wurden wiederholt. Lehrbücher: Biblische Geschichten von mehreren Lehrern Cassels; Hessischer Landeskatechismus. 2. Deutsch. 3 Std. In a Lange, in b Spangenberg, in c Jürgens. Musterstücke aus dem Lesebuch von Hopf und Paulsiek gelesen, besprochen und wiedergegeben. Gedichte auswendig gelernt und vorgetragen. Der einfache erweiterte Satz. Das Leichtere von dem zusammen- gesetzten Satz. Die Konjugationen. Die Interpunktion. Orthographische und grammatische Ubungen. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit(Diktat oder leichter Aufsatz). 3. Latein. 7 Std. In a Oberl. Dr. Schantz, in b Oberl. Dr. Siebert, in c Dr. Hildebrand. Wiederholung des grammatischen Pensums von Sexta. Vierte Konjugation. Deponentia. Verba anomala, defectiva und neutro-passiva. Komparation der Adjektiva und Adverbia. Das Verbum infinitum. Ergänzungen aus der Deklination des Substantivs und Adjektivs, der Zahlwörter und Fürwörter; die Präpositionen. Nach Scheele, I, Abschnitt VII— XI. Lektüre nach Wellers Lesebuch(in a Abschnitt— IV, VI—VIII; in b Abscehnitt I, II, VI, VII; in e Abschnitt I— X). Bei der Lektüre wurde der Accus. c. Inf. u. Abl. abs. erläutert. Memorieren von Vokabeln und Mustersätzen. Exercitien. Extemporalien. Lehrbücher: Scheele, Vorschule zu den latein. Klassikern. Weller, Lateinisches Lesebuch aus Herodot. 4. Franeösisch. 5 Std. In a Dr. Stehlich, in b Dr. Grebel, in c Ide. Plötz, Elementar- grammatik, Lektion 1— 60. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. 5. Geschichte. 1 Std. In a Oberl. Dr. Schantz, in b Heydenreich, in e Völler. Griechische u. römische Sagen u. biographische Erzühlungen aus der griechischen u. römischen Geschichte. 6. Geographie. 2 Std. In a Lange, in b Heydenreich, in e Völler. Die Länder Europas, mit besonderer Berücksichtigung Deutschlands. Kartenzeichnen. Seydlitz, Grundzüge. 7. Rechnen und Geometrie. 4 Std. In a Lange, in b Heydenreich, in c Völler. Die gemeinen Brüche und die Decimalbrüche. Regeldetri in Brüchen, vorzugsweise unter Anwendung der Auflösungsweise durch Schluss über die Einheit hin. Böhme, Ubungsbuch Nr. IX. Vorbereitung für den geometrischen Unterricht. S. Naturbeschreibung. 2 Std. In a Oberl. Stange, in b Heydenreich, in c Völler. Im Sommer: Beschreibung und Vergleichung phanerogamischer Pflanzen. Morphologisches. Im Winter: Beschreibung und Vergleichung von Säugetieren und Vögeln. 9. Schönschreiben. 2 Std. In a Jürgens, in b Spangenberg, in c Jürgens. Ubung der deutschen und lateinischen Buchstaben in stufenmässiger Folge und Anwendung in Wörtern und Sätzen. Taktschreiben. 10. Zeichnen. 2 Std. In a und in b Karbiner, in c Erdmann. Freihandzeichnen nach Vor- zeichnungen an der Schultafel. 6* — 44— Sexta. Ordinarien: In a Dr. Ulrici, in b Dr. Hildebrand. Wöchentlich 32 Std.(ohne Turnen und Gesang). Kursus einjährig. 1. Religion. 3 Std. In a und in b Spangenberg. Ausgewühlte biblische Geschichten des Alten Testaments bis zur Teilung des Reichs. Die 10 Gebote, die drei Artikel des christlichen Glaubens und das Gebet des Herrn(sämtlich ohne Luthers Erklärung), 3 Kirchenlieder und 20 Bibelsprüche wurden gelernt. Lehrbücher: Hessischer Landeskatechismus; Biblische Geschichten von mehreren Lehrern Cassels. 2. Deutsch. 3 Std. In a Dr. Ulrici, in b Dr. Hildebrand. Maͤsterstücke aus dem Lesebuche von Hopf und Paulsiek gelesen, besprochen und wiedergegeben. Gedichte auswendig gelernt und vorgetragen. Die Wortklassen mit besonderer Berücksichtigung der Präpositionen. Der einfache nackte und einfache erweiterte Satz. Das Notwendigste aus der Interpunktionslebre. Orthographische und grammatische schriftliche Ibungen. Wöchentlich ein Diktat. 3. Latein. 8 Std. In a Dr. UIrici, in b Dr. Hildebrand. Das regelmässige Substantiv, 3 Adjektiv, Pronomen, Numerale, die regelmässige und unregelmässige Komparation und die Adverbien, die Genusregeln, das regelmässige Verbum mit Ausnahme des Verbum infinitum. Ubungen im Ubersetzen aus dem Lateinischen und ins Lateinische, wobei das Wiehtigste aus der Lehre vom Subjekt, Prädikat, Objekt, Attribat eingeprägt wurde. Memorieren der Vokabeln. Alle acht Tage ein Exercitium oder Extemporale. Wittich, Kurzgefasstes Lehr- buch des Lateinischen, I. h 4. Geschichte. 1 Std. In a Jürgens, in b Erdmann. Altdeutsche Sagen und biograpbische Erzählungen aus der deutschen Geschichte. 1 5. Geographie. 2 Std. In a Jürgens, in b Spangenberg. Geographische Grundbegriffe. Wiederholung der Heimatskunde; Provinz Hessen-Nassau. Orientierung auf dem Globus. Allgemeines über die fünf Erdteile. Ubungen im Zeichnen. 6. Rechnen. 5 Std. In a Jürgens, in b Spangenberg. Das Zehnersystem, Resolution, Reduktion, die vier Species in mehrfach benannten ganzen Zahlen, Zeitrechnung und die gemeinen Brüche. Hauptsächlich Kopfrechnen. Böhme, Übungsbuch VIII und IX. 7. Naturbesehreihung. 2 Std. In a Oberl. Dr. Hornstein, in b Heydenreich. Im Sommer: Ubungen im Beschreiben von solchen Blütenpflanzen, welche die wichtigeren Pflanzenteile besonders deutlich erkennen lassen. Im Winter: Beschreibung von Repräsentanten aus der Klasse der Säugetiere und Vögel. 8. Schönschreiben. 2 Std. In a und in b Spangenberg. Die Buchstaben des kleinen und grossen Alphabets deutscher und lateinischer Schrift in stufenmässiger Folge, einzeln und in Verbindungen. Taktschreiben. 9. Zeiohnen. 2 Std. In a Karbin er, in b Erdmann. UÜbungen im Freihandzeichnen nach Vor- zeichnungen an der Schultafel. Die katholischen Schüler der Anstalt erhielten den Religionsunterricht gemeinsam mit Schülern der Realschule und der Handels- und Gewerbeschule, dieses Jahr in Klassenzimmern des Realgymnasiums. Sämtliche Schüler waren in vier Abteilungen geteilt, die sich nicht unbedingt an Klassen unserer Anstalt anschlossen. 1. Abteilung. 2 Std. Kaplan Hoffmann. Die Lehre von der heiligen Schrift, von Gott, dem Einen und Dreipersönlichen, von den Werken Gottes nach aussen, nach Dubelmanns Leitfaden. 2. Abteilung. 2 Std. Kaplan Hoffmann. Die Lehre von Gott, von der Erschaffung, Erlösung und Heiligung, nach Dubelmanns Leitfaden. 3. Abteilung. 2 Std. Nau. Erstes Hauptstück. Von dem apostolischen Glaubens- bekenntnisse; das Gebet, nach dem grossen Katechismus für das Bistum Fulda. Die biblischen Geschichten des Alten Testaments nach Dr. J. Schuster. 4. Abteilung. 2 Std. Na u. Die biblischen Geschichten des Alten Testaments mit Auswahl nach Dr. Schuster. Anschliessend das apostolische Glaubensbekenntnis nach dem kleinen Katechismus für das Bistum Fulda. Vom Réligionsunterricht dispensiert waren: a) evangelische Schüler: 1 englischer Hospitant. b) katholische Schüler:—. Jüdischer Religionsunterricht. Erste Abteilung: 2 Std. Dr. Stein. Biblische Geschichte. Von der Richterzeit bis zum Tode Davids. Die Pflichtenlehre nach Steins Israelitischer Religionslehre. Fortgesetzte Ubertragung einzelner Gebete und Psalmen aus dem Hebräischen ins Deutsche. Technischer Unterricht. a) Turnen. Zwölf Abteilungen mit je 2 Std.; dazu 1 Vorturnerstunde. 1. Abteilung: I u. II,1; 2. Abteilung: II,2; dazu die Stunde der Vorturner, Dr. Hornstein. 3. Abteilung: III, la; 4. Abteilung: III,1b, Boppenhausen, Dirigent des städtischen Schulturnens. 5. Abteilung: III, 2a; 6. Abteilung: III,2b. Jürgens. 7. Abteilung: IVa; 8. Abteilung: IVb; 9. Abteilung: Va und b; 10. Abteilung: Ve, Erdmann. 11. Abteilung: VIa; 12. Abteilung: VIb, Jürgens. Vom Turnen dispensiert waren 20 Schüler. b) Gesang. Die Übungen fanden in 4 Abteilungen statt. 1. Abteilung: Vierstimmiger Chor, die Schüler von der Prima bis zur Quarta einschliesslich umfassend, soweit dieselben nicht zeitweise oder ein für allemal zum Singen unbrauchbar waren. Von 4 Stunden der Woche nimmt jedes Chormitglied an zweien teil, der Chorstunde und der Stunde für seine Stimme(Tenor und Bass gemeinschaftlich 1 Std.); 2. Abteilung: Va und b, 2 Std.; 3. Ateilung: Ve, 2 Std., Erdmann. 4. Abteilung: VIa und b, 2 8td, Jürgens. c) Schwimmen. Am Baden, bezw. am Schwimmunterricht beteiligten sich in der Colletschen Schwimmanstalt 270 Schüler. Privatkurse. Wie bisher hielt einen Privatkursus in Griechisch Oberlehrer Dr. Siebert, in Gabels- bergerscher Stenographie Karbiner. — 46— 4. LZusammenstellung der bei dem Unterricht gebrauchten Lehrbücher. Religion: Hollenberg, Hilfsbuch für den evangelischen Religionsunterricht, in I und II; Röth, Hessischer Landeskatechismus, von VI an; Biblische Geschichten, bearbeitet von mehreren Lehrern Cassels, in VI und V. Deutsch: Hopf und Paulsiek, Lesebuch, von VI bis I. Latein: Moiszisstzig, Lateinische Grammatik, in I und II; Süpfle, Aufgaben zu lateinischen Stil- übungen, I, in I und II; Scheele, Vorschule zu den lateinischen Klassikern, in III und V; Ellendt, Materialien zum Ubersetzen aus dem Lateinischen, in III; Weller, Erzählungen aus Herodot, in V; Wittich, Kurzgefasstes Lehrbuch des Lateinischen, in IV und VI. Französisch: Plötz, Nouvelle Grammaire, in I; Schulgrammatik, in II und III; Elementargram- matik, in IV und V; Kreyssig, Trois Siècles de la Littérature Française, in I und II; Plötz, Chrestomathie, in III; Ubungen zur Syntax, in I. Englisch: Zimmermann, Englische Grammatik, in I und II,1; Lehrbuch der englischen Sprache, in II,2 und III; Lüdecking, Englisches Lesebuch, in I, II und III. Geschichte: Pütz, Grundriss für die oberen Klassen, in I und II; Grundriss für die mittleren Klassen, in III und IV. Geographie: Seydlitz, Schulgeographie, in II und III; Seydlitz, Grundzüge der Geographie, in IV und V. Mathematile: Koppe, Analytische Geometrie der Ebene, in I; Algebraische Analysis, in I; Sphärische Trigonometrie, in I; Stereometrie, in II,1; Mathematische Geographie, in I; Arithmetik und Algebra, in II und III; Planimetrie, in II III und IV; Ebene Trigonometrie. in II; Gauss, Logarithmen, in I und II; Heis, Aufgabensammlung, in I, II und III; Böhme, Übungsbuch im Rechnen, in III, IV, V und VI. Naturgeschichte: Schilling, das Tierreich, in II. 2, III und IV; das Pflanzenreich, in II, 2, III und IV; Wigand, Flora von Kurhessen, in II,2 und III. Physik: Trappe, Schulphysik, in I und II. Chemie und Mineralogie: Rüdorff, Grundriss der Chemie, in I und II,I; Hornstein, Lehrbuch der Mineralogie, in I und II. Gesang: Erk und Greef, Sängerhain, in—VI. II. Verfügungen der vorgesetzten Behörden. 26. April 1884. Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums, wonach die Zusammen- legung von fünf Unterrichtsstunden nach einander im gesundheitlichen Interesse möglichst zu vermeiden ist. 25. April 1884. Verfügung derselben Behörde betreffend die Ferien. Hiernach betragen die Oster- ferien 14 Tage, vom Sonntag Palmarum ab, die Pfiogstferien 3 Tage, vom Sonnabend vor Pfingsten bis Mittwoch nach Pfingsten(einschl.), die Sommerferien 4 Wochen, vom ersten Sonntag im Juli ab, die Michaelisferien 14 Tage, vom Sonntage der Michaeliswoche ab, die — 421— Weihnachtsferien 14 Tage, vom 23. Dezember mittags ab(Fällt der 7. Januar auf einen Sonnabend, so beginnt der Unterricht erst am folgenden Montag). Die Gesamtdauer der Ferien beträgt 10 ½ Woche. Es ist auf möglichst baldige Beseitigung derjenigen freien Zeiten hinzuwirken, welche ausser den hergebrachten kirchlichen Feiertagen und den nationalen Festtagen(Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs und Sedantag) an einzelnen Schulen ortsüblich bisher beibehalten sind. 29. Mor 1884. Dieselbe Behörde teilt eine Verfügung des Herrn Ministers vom 16. Mai mit, durch welche die für die Lehrer des Realgymnasiums neu aufgestellte Besoldungsskala— volle Durchführung des Normaletats— genehmigt und die Wahl des ordentlichen Lehrers Zwirnmann zum Oberlehrer bestätigt wird; gleichzeitig genehmigt dieselbe die Beförderung des wissenschaftlichen Hilfslehrers Heydenreich zum ordentlichen Lehrer. 16. Juni 1884. Dieselbe Behörde teilt einen Erlass des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 30. März mit, wonach die Beförderung von Schülergesellschaften bei einer Teilnahme von mindestens 10 Personen(einschliesslich der begleitenden Lehrer) zu den Sätzen der Militärbillets genehmigt wird und nichts dagegen erinnert werden soll, dass bei Schulfahrten der niederen Klassen, deren Schüler im allgemeinen das 10. Lebensjahr nicht überschritten haben, je 2 Schüler auf 1 Militärbillet befördert werden. 13. August 1884. Dieselbe Behörde teilt einen Erlass des Herrn Ministers des Innern und der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten vom 14. Juli betreffend die Verhütung der Übertragung ansteckender Krankheiten mit. In Städten, welche vicht unter einem Landrat stehen, ist über die Schliessung der Schulen von dem Polizeiverwalter des Orts nach Anhörung des Kreisphysikus und des Vorsitzenden der Schuldeputation zu entscheiden Die Schliessung ist durch den Ortsschulinspektor zur Ausführung zu bringen. Kinder, welche a) von Cholera, Ruhr, Masern, Röteln, Scharlach, Diphtherie, Pocken, Flecktyphus und Rückfalls- fieber, b) von Unterleibstyphus, kontagiöser Augenentzündung, Krätze und Keuchhusten(sobald undsolange dieser krampfartig auftritt) befallen werden, sind vom Besuche der Schule auszuschliessen, ebenso gesunde Kinder, wenn in dem Haushalte, welchem sie angehören, ein Fall der unter a genannten Krankheiten vorkommt, falls nicht ärztlich bescheinigt ist, dass das Schulkind durch ausreichende Absonderung vor der Gefahr der Ansteckung geschützt ist. Die hiernach vom Schulbesuch ausgeschlossenen Kinder dürfen erst dann wieder zugelassen werden, wenn entweder die Gefahr der Ansteckung nach ärztlicher Bescheinigung für beseitigt anzusehen oder die für den Verlauf der Krankheit erfahrungsmässig als Regel geltende Zeit abgelaufen’ ist. 9. September 1884. Das Kuratorium des Realgymnasiums teilt mit, dass nur für solche einheimische Schüler und Schülerinnen, welche infolge Wegzugs der Eltern Cassel verlassen, die Verpflichtung zur Zahlung des Schulgelds mit dem Abgangsmonat aufhört. 22. November 1884. Das Königliche Provinzial-Schulkollegium teilt einen Ministerialerlass vom 10. November betreffend die Ordnung der die Lektionen unterbrechenden Erholungspausen und die Bestimmung der Zeitdauer für die von den Schülern in den aufsteigenden Klassen zu erfordernde häusliche Arbeit mit. Es wird festgesetzt, dass bei vierstündigem Vormittags- und zweistündigem Nachmittagsunterricht und gleicherweise bei Zusammenlegung des Unterrichts auf fünf Vormittagslektionen die Gesamtdauer der Erholungspausen nicht weniger — 48— als 40 Minuten(hiermit wird die Forderung der Wissenschaftlichen Deputation für das Medicinalwesen um 33 ½¼% überschritten) zu betragen habe und 45 Minuten nicht über- schreiten dürfe. Für die grösseren Pausen ist als Regel einzuhalten, dass alle Schüler die Lehrzimmer zu verlassen haben und diese inzwischen gelüftet werden.— Zum Zwecke der Verhütung einer i'berbürdung durch häusliche Arbeit wird darauf hingewiesen, dass durch den Unterricht das Interesse an der Sache geweckt und die häusliche Arbeit vorbereitet sein muss, so dass die häusliche Beschäftigung der Schüler in keinem Falle als Ersatz dessen benutzt werden darf, was die Lehrstunden bieten können und sollen, sondern als Fortsetzung und ergänzender Abschluss des Erfolges der Lehrstunden. Auch die nachfolgende Beurteilung des Erfolges der häuslichen Beschäftigung trägt wesentlich dazu bei, den Schülern diese Arbeit zu erleichtern oder zu erschweren und zu verleiden, und es muss daher verhütet werden, dass etwa selbst der gewissenhafte und des Erfolges nicht entbehrende Fleiss eine Auerkennung nicht zu erringen vermag. Unter normalen Verhältnissen der Schule und des Hauses müssen fleissige Schüler mittlerer Begabung, welche vollkommen auf dem Standpunkte ihrer Klasse stehen, in VI mit 1 Std., in V mit 1 ½ Std., in IV und III, 2 mit 2 Std., in III,l und II, 2 mit 2 ½ Std., in II,1 und I mit 3 Std. täglicher häuslicher Arbeitszeit allen Anforderungen der Schule zu genügen imstande sein. Es wird dann den von der Wissen- schaftlichen Deputation für das Medicinalwesen in dieser Hinsicht abgegebenen Erklärungen entsprochen, wonach für die unterste Stufe höherer Schulen 6 Stunden, für die oberste 8 Stunden als das Maximum der Zeitdauer bezeichnet werden, bis zu welcher die Schüler durch Lektionen und durch häusliche Beschäftigung zusammen in Anspruch genommen werden dürfen.— Im Auschluss an diesen Ministerialerlass weist das Königliche Provinzial-Schul- kollegium noch besonders darauf hin, dass die angegebenen Zahlen als die nicht zu über- schreitenden Maxima für Schüler mittlerer Begabung, die zu Hause ohne fremde Hilfe zu arbeiten haben, anzusehen sind, dass innerhalb dieser Grenzen auch für die umfassenderen Arbeiten, welche nach längeren Zwischenräumen geleistet werden(z. B. Aufsätze, Wieder- holungen) die erforderliche Zeit zu belassen ist und dass demnach die Lehrer der einzeluen Klassen, wie sich erwarten lässt, das für jeden Tag als zulässig bezeichnete Arbeitsmass, so oft es thunlich ist, nicht voll in Anspruch nehmen werden. 12. Januar 1885. Dieselbe Behörde teilt einen Ministerialerlass vom 7. Januar 1885 betreffend die Einrichtung der Schulprogramme, zur Nachachtung von jetet ab, mit. 13. Januar 1885. Dieselbe Behörde teilt einen Erlass des Herrn Ministers vom 24. December 1884 bezüglich der Reifeprüfungen mit, wonach die in§ 12, 3. Abs. 2 der Prüfungsordnung vom 27. Mai 1882 enthaltene Bestimmung über Kompensation dahin zu verstehen ist, dass nicht genügende Leistungen in je einem Gegenstande durch mindestens gute Leistungen in je einem anderen obligatorischen Gegenstande als ergänzt erachtet werden können. Ausdrücklich ist diese Ausgleichung nur für zulässig erklärt, nicht zu einem Rechtsanspruch der Geprüften gemacht; sie findet zugleich ihre äussere Grenze darin, dass in dem Gegenstande, für welchen die Kompensation zugelassen wird, die Leistungen keinesfalls unter das Mass herabgehen dürfen, welches füur die Versetzung nach Prima erfordert wird. — 40— 28. Januar 1885. Dieselbe Behörde überweist den Kandidaten des höheren Schulamts Dr. Paul Lohberg zu Schmalkalden dem Realgymnasium zur Ableistung des pädagogischen Probejahrs. 28. Januar 1885. Dieselbe Behörde teilt einen Erlass des Herrn Ministers vom 17. Januar betreffend die Verwaltung der Schulbibliotheken mit. Hiernach ist die unmittelbare Verwaltung der Lehrerbibliothek in der Regel von einem auf Antrag des Direktors seitens des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums hiermit beauftragten Lehrer der Austalt zu führen. Alljährlich einmal, zwischen 1. Januar und 31. März, hat der Direktor eine Revision der Bibliothek— au nicht staatlichen Anstalten mit Hinzuziehung eines Kuratoriumsmitgliedes— vorzunehmen, vor welcher alle entliehenen Bücher eingeliefert sein müssen. Bei den Anschaffungen für die Schülerbibliothek muss recht gewissenhaft verfahren werden; bei der Prüfung der anzukaufenden Bücher können sämtliche Mitglieder des Lehrerkollegiums mitthätig sein. I8. Februar 1885. Das Kuratorium teilt mit, dass das Königliche Provinzial-Schulkollegium am 12. Februar die Annahme des Hilfslehrers Ernst Siebert genehmigt hat. 6. März 1885. Das Königliche Provinzial-Schulkollegium überweist den Kandidaten des höheren Schulamts Alexander Boss dem Realgymnasium zur Ableistung des Probejahrs. 7. März 1885. Das Königliche Provinzial-Schulkollegium ordnet an, dass die Schulfeier des Geburts- tags Seiner Majestät des Kaisers und Königs am 21. März stattfinde. III. Chronik der Schule. Das Schuljahr begann am 21. April 1884. Am 21. Mai nahmen fünf Mitglieder des Lehrer- kollegiums an der Jahresversammlung des Vereins von Lehrern höherer Unterrichtsanstalten unserer Provinz zu Diez teil. Vom 31. Mai bis 4. Juni waren Pfingstferien, vom 7. Juli bis 2. August Sommer- ferien. Am 2. September beging die Anstalt das Sedanfest vormittags mit einer Schulfeier, bei welcher R.-G.-L. Völler an Stelle des erkrankten R.-G.-L. Dr. Grebel die Festrede hielt, nachmittags mit einem gemeinsamen Ausflug in den Habiehtswald. Die Herbstferien dauerten vom 29. September bis zum 11. Oktbr. Am 3. Dezember fand eine Abendunterhaltung statt, deren Reinertrag für das Grimmdenkmal und für die Preimestiftung bestimmt war. Am 23. Dezember wurde der Unterricht mit der üblichen Weihnachtshora geschlossen. Die Weihnachtsferien endigten am 6. Januar 1885. Am 7. Januar, in der Eröffnungshora, gedachte der Direktor mit Hinweis auf den hundertjährigen Geburtstag von Jakob Grimm der Verdienste der Brüder Grimm um unser Vaterland. Im Anschluss an die Grimm- feier wiesen in allen Klassen die Lehrer des Deutschen noch im einzelnen auf diejenigen Schriften der Brüder Grimm hin, welche für die betreffende Altersstufe von Bedeutung sind. Ausserdem gab qer Besuch der von Herrn Oberbibliothekar Dr. Duncker in der Landesbibliothek veranstalteten Grimmausstellung, welcher allen Schülern mit Ausnahme der Sextaner unter der Leitung von Lehrern ermöglicht wurde, mancherlei Anregung und Belehrung und gewiss eine schöne Erinnerung fürs ganze Leben. Die schriftlichen Arbeiten für die Entlassungsprüfung wurden vom 15. bis 21. Januar geschrieben. Am Fastnachtstag, 17. Februar, fiel der Unterricht aus. Am 25. Februar kand eine Abendunterhaltung zum Besten der Preimestiftung und der Ferienkolonieen statt. Am 17. März wurde unter dem Vorsitz des zum stellvertretenden Königlichen Kommissarius ernannten 7 — 50— Direktors die mündliche Entlassungsprüfung abgehalten. Es wurde drei Schülern die mündliche Prüfung erlassen; den übrigen zehn wurde nach dem Ergebnis der gesamten Prüfung ebenfalls das Zeugnis der Reife zuerkannt. Dem Examen zum Nachweis der Reife für die Prima unterzogen sich im Juni zwei Auswärtige, von denen einer bestand. Sommerausflüge wurden von allen Klassen unternommen, von den unteren für ½ Tag, von den oberen für 1 Tag, von den Oberprimanern wurde an den 3 letzten Tagen des ersten Schul- vierteljahrs und den ersten 3 Ferientagen unter der Leitung von Oberlehrer Dr. Hornstein und der Begleitung von Oberlehrer Dr. Kramm und Dr. Koch eine gemeinsame Haræfahrt ausgeführt. Im Winterhalbjahr wurde an 2 geeigneten Nachmittagen je der Hälfte der Klassen zum Besuch des Eises freigegeben. Das Kuratorium bestand, wie im vorigen Jahre, aus folgenden Herren: 1) Oberbürger- maeister Weise, als Vorsitzendem, 2) Stadtratsmitglied Tegethof, 3) Bürgerausschussmitglied Justizrat Hupfeld, 4) Kaufmann Rittershaussen, 5) Maurermeister Zahn, 6) Stadtschulrat Bornmann, 7) Pfarrer Wagner, 8) Direktor Wittich. Das Kompatronat des Staates vertrat Herr Regierungsrat von Stark. Das Lehrerkollegium setzte sich folgendermassen zusammen: 1) Direktor: Dr. Wittich; 2) Oberlehrer: Prorektor Professor Heuser, Grebe, Dr. Hornstein, Dr. Siebert, Dr. Höl- ting, Dr. Kramm, Stange, Zwirnmann, Dr. Schantz; 3) Ordentliche Lehrer: Dr. Grebel, Krauth, Ide, Dr. Ulrici, Völler, Dr. Stehlich, Dr. Danker, Heydenreich, Lange; 4) Wissenschaftlicher Hilfslehrer: Dr. Hildebrand; 5) Ordentliche Elementarlehrer: Spangen- berg, Jürgens, Erdmann; 6) Ordentlicher technischer Lehrer: Karbiner; 7) Probekandidaten: Lautz, Dr. Koch, Dr. Meyer; 8) Katholische Religionslehrer: Kaplan Hoffmann, Nau; 9) PSsraelitischer Religionslehrer: Dr. Stein; 10) Technischer Hilfslehrer: Boppenhausen, Dirigent des städtischen Schulturnens. Probekandidat Lautz verliess im Herbst 1884 nach Ablauf seines Probejahres die Anstalt, um in der Centralturnanstalt zu Berlin sich zum Turnlehrer auszubilden. Dr. Koch und Dr. Meyer werden zu Ostern, nach Vollendung ihrer Probandenthätigkeit, Stellen annehmen, ersterer an der evangelischen höheren Mädchenschule in Coblenz, letzterer am Gymnasium und Realgymnasium in Lüneburg. Ausserdem wird der wissenschaftliche Hilfslehrer Dr. Hildebrand mit Schluss des Schuljahres aus seiner hiesigen Stellung scheiden. Koch, Siegmund, geboren am 16. Dezember 1859 zu Lippoldsberg, evangelischer Konfession, Sohn des Lehrers H. Koch zu Helsa, besuchte bis Herbst 1878 die Realschule I. O. zu Cassel, studierte in Marburg und Berlin Mathematik und Naturwissenschaften, erhielt im Dezember 1881 von der philosophischen Fakultät zu Marburg den Doktorgrad und bestand im Dezember 1882 das Examen pro facultate docendi. Vom 1. April 1883 bis 1. April 1884 genügte er seiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger. Ostern 1884 begann er sein Probejahr. Meyer, Karl, geboren am 6. Februar 1859 zu Cassel, evangelischer Konfession, Sohn des Postpedellen Meyer daselbst, besuchte bis Herbst 1879 die Realschule I. O. zu Cassel, studierte in Berlin und Marburg neuere Sprachen, erhielt am 29 Oktober 1883 von der philosophischen Fakultät der Universität Marburg die Doktorwürde und bestand am 15. Februar 1884 das Examen pro facultate docendi. Ostern 1884 begann er sein Probejahr. Unterbrechungen des regelmässigen Unterrichtsgangs fanden mehrfach durch Krankheit von Lehrern statt; namentlich war 0,L, Dr. Hölting von den Sommerferien bis zu den Herbstferien — 51— durch ein rheumatisch-nervöses Leiden am Unterrichten verhindert. Durch dienstliche Abwesenheit wurde R.-G.-L. Dr. Ulrici vor den Sommerferien 6 Wochen lang seiner Lehrerthätigkeit entzogen, indem er zu einer militärischen Übung eingezogen war. Pror. Prof. Heuser wurde durch die Prüfungen zum Nachweis der wissenschaftlichen Reife für den Dienst als Einjährig-Freiwilliger sowie durch die Rektoratsprüfungen und die der Lehrer für Mittelschulen verhindert eine Anzahl seiner Unterrichtsstunden zu geben. IWV. Statistische Mitteilungen. 1. Ubersicht über die Frequenz und deren Veränderung im Lauf des Schuljahrs. — 11LZ II1 II ee ö a b a bla — —: Summa 0 8 1. Bestand am 1. Februar 1884.... ſ12 22 20 15 19 34 26 31 30 43 42 30 34 42 42 40 482 2. Abgang bis zumSchluss desSchulj. 1883/84 12 3 2 10 7 2 2 1[8 12 9 3 3 21. 45 85 3a. Zugang durch Versetzung zu Ostern.[13 16 13 25 24 23 19 29 26 21 24 28 29 29— 319 3b. Zugang durch Aufnahme......— 2 111[1 1 3 1 3 1[1 1— 3 26 27 72 4. Frequenz am Anfang des Schulj. 1884/85 13 24 16 28 27 26 27 36 33 26 30 33 33 37 40 40 469 5. Zugang im Sommersemester...——-—-[1— 1 2— 1 2 1— 2— 10 6. Abgang im Sommersemester...[— 1 3 1 2 1— 1 2 3 1— 3 3— 1 22 7a.Zugang durch Versetzung zu Michaeliſe1-—-—-—-——————— 4. 7b. Zugang durch Aufnahme zu Michaelis—— 2———— 2 3——— 2 1 10 8. Frequenz amAnfang desWinsersemesters[13 23 15 27 25 26 27 36 35 23 33 35 31 34 44 40 467 1 9. Zugang im Wintersemester.——-—--- 2—-1----— 4 10. Abgang im Wintersemester.....— 1 1— 1— 3 2————— 1 1 10 11. Frequenz am 1. Februar 1885....[13 23 14 26 25 27 27 33 34 23 33 35. 31 34 43 40 461 12. Durchschnittsalter am 1. Februar 1885[192 18,2 17,5 16, 16,7 14,7 15,5 14,9 14,2 13, 13,3 121 12.5 12,2 10 710, 2. Übersicht über die Religions- und Heimatsverhältnisse der Schüler. Evangel. Kathol. Dissid. Juden Prausöm Ausländ. —— Einheim.] Ausw. 1. Am Anfang des Sommersemesters.... 394 31— 44 341 104 24 2. Am Ankang des Wintersemesters..... 391 31— 45 338 103 26 3. Am 1. Februar 1885......... 386 31— 44 335 100 26 Das Zeugnis für den einjährigen Militärdienst haben erhalten: Ostern 1884= 30, Michaelis= 1 Schüler; davon sind zu einem praktischen Beruf abgegangen Ostern= 17, Michaelis= 1 Schüler. 7* 5² Ubersicht über die Abiturienten. —— S Besuchs- Vor dem Geburts- Des Vaters dauer Besuch der I. Gewählter Lu- und Vornamen 8 Bera dahr Tag Ort S Stand Vornamen Wohnort dene der I. tl*hre ſin? Schule ern — v. Dalwigk, Friedr. 1864 2. Okt. Cassel ref. † Profess elran Coburg 6 ½ J. 2 2—— Math. u. Natw. Ihle, Heinrich 1867 6. Juli Cassel ev. Schreinerm. Konrad(assel 8 ½ J. 2 J.—— Unbestimmt Franke, Georg 1867 2. März Witzenhausen ref. Färbermstr. Wilhelm Witzenhs. 4 J. 2 J.—— Neuere Sprachen Schaaf, Otto 1864 6. Okt. Altenbruns-ev. Weichen- Hartmann(Wabern 8 ½ J. 3 J.—— Post lar b/Melsg. steller Gundermann, Friedr. 1866 6. Aug. Coburg ev. †Bäckermstr Georg Coburg 2 J. 2 J. 7 R.-S., Coburg Post Sochorr, Richard 1867 20. Aug. Cassel ref. Sekretär[Reinhard(assel 8 ½ J. 2 J.— Math uAstronom Kothe, Georg 1866 23. Jan. Melsungen ev. Bäckermstr. Theodor(Cassel 9 ½ J. 2 J.—— Post Schenk, Georg 1866 24. Sept. Grossalmerode ref. Musiklehrer August(Cassel 8 J. 2 J.—— Mathem. u. Phys. Stange, Edmund 1867 27. Febr. Carlshafen ref. Oberlehrer Friedrich Cassel 9 ½ 1 2 J.—— Neuere Sprachen Heisen, Wilhelm 1863 27. April Asbach, Kreis ev. Pfarrer Georg Nieder- 6 ½ J. 3 J.—— Medicin Witzenhsn. möllrich Hornung, Felix 1866 4. Mai Prankenhausen ev. Zucker- August Franken- 2 J.[2 J. 8 Realprogymn. Forstfach fabrikant hausen Frankenhsn Menges, Karl 1865 25. März Cassel ref. Restaurateur Ludwig(Cassel 3 J. 3 J. 8 n.-S, Cassel Bergfach Krug, Otto 1863 24. Juliſ Besse, Kreis ref. Okonom Johann Besse 7 ½ J. 3 J.—— Landwirtsch. Fritzlar u. Chemie V. Sammlungen von Lehrmitteln. Lehrer-Bibliothek. 1. Anschaffungen. A. Eyth, Plutarchs Königssprüche. Harder, Werden u. Wandern unserer Wörter. Kaden, Italien. Gerland, Licht u. Wärme. Humbert, Molière, Shakspeare u. d. dt. Kritik. Joachimsthal, Elem. d. analyt. Geometrie. Wiese, Pädagog. Ideale u. Proteste. Schramm, Italien. Skizzen. Wolpert, Prüfung d. Schulluft. Schlechtendal u. Wünsche. Insekten. Elektrotechn. Bibliothek, I. II. IV. Biedermann, Dreissig Jahre dtsch. Geschichte. Riegel, ein Hauptstück von unserer Muttersprache. Krebs, Physik. Hasemann, UÜberbürdung. Wilcke, französ. Aufsatz. Christaller, Gym- nasialwesen. Dillmann, Realgymnasium. Franz, Ratgeber bei Wahl d. Berufs. Sachs-Villatte, Wrtrb. d. franz. u, dtsch. Sprache. Armknecht, Pfadweiser. Weinhold, physikal. Demonstrationen. Duncker, die Brüder Grimm. Topograph. Karte, Melsungen, Wolfhagen, Cassel. Müller, Tiere der Heimat. Kluge, etymolog. Wörterb. Nebelthau, die ältesten Gebäude Kassels. Jäger, aus d. Praxis. Luther, die 3 Reformationsschriften 1520. Statist. Jahrbuch 1883— 1884. Clasen, Bewegungsspiele. Dunger, Wörterb. v. Verdeutschungen entbehrl. Fremdwörter. Esmarch, über das Sitzen. Paulsen, Geschichte d. gelehrten Unterrichts. Wendt, Sophokles' Tragödien.— Bähr, eine dtsch. Stadt vor 60 Jahren. Seeger, Realgymnas. od. Oberrealschule. Göll, Kulturbilder aus Hellas u Rom. Rudolph, die Berufswahl. Götzinger, Reallexicon d. dtsch. Altertümer. Wingerath, über Vaterlandsliebe. Hufschmidt, Deutsch- land über Alles. Fricke, Schulfeier. Pfeil, Eins. Pfeil, Wie lernt man eine Sprache? Fortsetzung von: Päd. Archiv, Central-Organ, Revue d. d. mondes, Monatsschr. für d. Turnwesen, Aus allen Zeiten u. Landen, Franco-Gallia, Monatsbl. d. lib. Schulvereins. — 53— 2. Geschenke. Publikationen aus den K. Preuss. Staatsarchiven, Bd. 19. 20. 21. 22. 23. als Fortsetzung, vom Kultus- ministerium.— Deutsche Schulgesetz-Sammlung, 13. Jahrg, von demselben.— Rommel, Gesch. v. Hessen, Heinichen lat. Stil, v. d. zeitigen Bibliothekar O.-L. Dr. Siebert. Danker, die Realgymnasien, V. d. Verf.— Wendt, Dtsch. Lesebuch, III, v. d. Verleger.— Koppe, Anfangsgründe d Physik, v. d. Verleger.— Spiess, Ubungsbücher, für VI, V, IV, III, v. d. Verleger.— Zeitung für d. höhere Unterrichtswesen 1875, von einigen Lehrern der Anstalt. Meyer, die provenz. Gestaltung der mit dem Perfektstamm gebildeten Tempora des Lateinischen, v. d. Verf.— Reeb, kaufmänn. Rechnen, und Wolffberg, Gesundheitskatechismus, von O.-L. Dr. Hölting.— Reynolds, Experimental- Chemie, III. Teil, v. dem Übersetzer, O.-L. G. Siebert in Wiesbaden. B. Schüler-Bibliothek. Richter, Deutscher Sagenschatz, I. Dahn, Walhall. Falckenheiner, aus der bösen alten Zeit. Wegweiser durch d. dt. Jugendlitteratur. Ebers, Serapis. Brand, Einst und Jetzt. Elben, Bilstein. Baumgarten, die ausser- europäischen Völker. Brand, in Lehnspflicht. Dietlein, Deutschl. über Alles. Göll, Künstler u. Dichter d. Alter- tums. Göll, Die Weisen u. Gelehrten des Altertums. Guischard, Venezia. Hertzberg, Feldzug der 10,000. Hintze, Japan. Höcker, Deutsche Treue. Hoffmann, Entdeckung v. Amerika. Humboldt, Reisen. Kane, Nordpolfahrten. Jahrbuch der Welt d. Jugend. Leistner, Hans v. Schweinichen. Lohn des Fleisses. Maltzahn, Schillers Jugendjahre. Oberländer, Australien. Ohorn, Eisenkönig. Oppel, Wunderland der Pyramiden. Otto, Deutsche Dichter; Der Cäsar des 19. Jhrhdt.; Unsre Klassiker. Pasel, die versunkene Stadt. Schott, d. Jhrhdt. der Entdeckungen. Sonnenberg, Der Goldschmied v. Elbing; Der Bannerherr v. Danzig. Wagner, malerische Botanik. Wedell, Pompeji. Weinland, Rulamann; Kuning Hartfest. Zeitbilder. Vorwärts nach Ost und West. Otto, der Sohn des Schwarzwalds. Rank, Auf Um- und Irrwegen. Hempel, im Feuerregen. Meyer, poetisches Vaterlandsbuch. 9. Kartensammlung. 1) Kiepert, Wandkarte v. Osterreich-Ungarn. 2) Buamberg, Wandkarte von Atrika. 3) Bamberg, Wand- karte von Asien. 4) Bamberg, Wandkarte von Australien. 5) Bamberg, Wandkarte von Süd-Amerika, polit. D. Sammlung physikalischer Apparate. 1) Ein Apparat zum Nachweis der Temperaturänderung bei der Expansion und Compression der Gase. 2) Ein pneumatisches Feuerzeug. 3) Ein Inclinatorium und Declinatorium. 4) Ein Goldblatt-Elektroskop. 5) Ein Stromunterbrecher. 6) Ein Modell einer Pocinottischen Maschine. 7) Eine Wheatstonsche Brücke. 8) Zwei Draht- spiralen für den Fundamental-Inductions-Versuch. 9) Ein Zink-Kupfer-Element. 10) Eine dynamo-elektrische Handmaschine nach Siemens. 11) Eine Vacuum-Glühlampe und ein Kandelaber für 4 Lampen, 12) Ein selbstthätiger Regulator für Bogenlicht. 13) Ein Stativ zum Einspannen von Drähten. 14) Ein Wasserzersetzungsapparat. 15) Ein kleiner elektro-magnetischer Motor. E. Chemisches Laboratorium und naturhistorische Sammlung. . 1. Anschaffungen. Eine grosse pneumatische Wanne, Phosphorlöffelchen, einige Harzmineralien, grosse Gläser zum Auf- bewahren für Spirituspräparate, ein Hoffmannscher Wasserzersetzungsapparat, Retorten, Kochflaschen, Bechergläser und Glasröhren, Präparatengläser, graduierte Cylinder, Glas-Cylinder mit aufgesehliffenem Deckel, Pulverflaschen mit breitem Glasstöpsel, ein Kippscher Apparat; ein Leimtiegel. 2. Geschenke. a) Von Freunden der Anstalt: 3 Im Auftrage des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten durch die Königliche Eisenbahn-Direktion zu Magdeburg eine Sammlung von Gesteinsarten des Thüringer Waldes, welche beim Bau des Brandleite-Tunnels durch- fahren sind. Von Herrn Hüttenbesitzer Georg Buderus in Lollar: ausgestopft und aufgestellt 2 Exemplare Buteo vulgaris, 2 Exemplare Milvus regalis, je 1 Circus rufus, Alcedo ispida, Felis catus, 2 Exemplare Strix flammea, 1 junges Weibchen von Astur palumbarius, je 1 Columba palumbus, Col. oenas und Col. turtur, 1 Cuculus canorus, 1 Larus ridibundus, 2 Larus canus und 1 Oedemia nigra, ferner eine Sammlung von Mineralien(Erzen etc.), Hüttenprodukten und Zwischenprodukten zur Erläuterung des Hochofenprozesses und der Verwendung der Produkte. Von Herrn fl. Koppen in Neapel ein grösserer Zweig von Corallium rubrum mit den Tieren(aus dem Golf von Neapel) in Spiritus präpariert. Von Herrn Gastwirt Schiebeler im Druselthal am Habichtswald diluviale Knochen aus den Sanden des Druselthales. Von Herrn Fabrikant H. Diemar ein monströses Hühnerei. Von Herrn Ingenieur Emil Mons einen starken Gallus domesticus(Goldbrabanter Hahn). Von Herrn Eisenbahn-Sekretär F. Stein- metz Torfproben aus Ostfriesland. Von Herrn Kandidat Lautz von demselben angefertigte anatomische Präparate von Unio pictorum, Rana esculenta, Salamandra maculata, Hirudo medicinalis und Lumbricus vulgaris. Von Herrn Lieutenant a. D. v. Hartung ein von demselben geschossener Canis vulpes(ausgestopft und aufgestellt). Von Herrn Markscheider Schulz in Wattenbach ein grosses Stück Braunkohle mit Holzstruktur(bituminöses Holz). Von Herrn Juwelier Range mehrere geschliffene Edelsteine. Von Herrn C. Rupert eine grössere Anzahl Käfer aus Java, gesammelt durch dessen Bruder, Herrn Dr. med, Rupert. Von Herrn Ingenieur Theodor Hoh- mann aus Chile eine grössere Sammlung chilenischer Mineralien, bes. wertvoller und seltener Silbererze, Thenarditkrystalle etc. b) Von früheren Schülern der Anstalt: Von Herrn W. Kühnemann in Hamburg 1 Pagurus Bernhardus im Gehäuse von Buccinum undatum, 1 Echinus esculentus mit Kauapparat(2 Ex.), 1 Seestern und 1 Seenadel. Von den Herren Gebrüder Fritz und Luis Range verschiedene Mineralien und Conchilien. c) Von Schülern der Anstalt: 3 Von Karl Menges I, 1, ein grösseres Stück traubiger Wasserkies auf Steinkohle; von Heinrich Schmidt, J, 2, eine von demselben gezeichnete Karte von Nordchile und Südperu; Gustav Schröder, II, 1, einige Mineralien; Lorenzo Baumann,, II, 2a, eine kleine Mineraliensammlung; Karl Weygandt, II, 2b, 1 angeschliffenes Stück Granit von Guernsey und 1 Stück Syenit vom Odenwald; Fritz Becker, III, la, einen Igelfisch; Ludwig Maschmeier, III, 1b, 1 Necrophorus germanicus und eine von demselben angefertigte Zeichnung von stark vergrösserten Ansichten anatomischer Präparate verschiedener Teile des Insektenkörpers; von Karl Melms, III, 1b, 1 Astur nisus; von Lotz III, 1b, 1 Schädel von Felis domestica; von Lu dwig Albrand, IVa, 1 Emys europaea; von Heinrich Duch, IVa, 1 Nest und 3 Maulwurfsgrillen; von Wilhelm Lampmann, INYa, ein Drosselnest mit Gelege und einige Blutegel; von Richard Mann, Vb, ein Hermelin im Ubergangskleid; von Karl Schüssler, Vc, ein Parus major und von Wilhelm Schulz, Vla, ein Astur nisus. VI. Stiftungen und Unterstützungen von Schülern. Im Entstehen begriffen ist die Preimestiftung. Aus den Zinsen des zu sammelnden Kapitals sollen unbemittelte und würdige Schüler eine Unterstützung während ihres Aufenthaltes auf der Schule und bei ihrer weiteren Ausbildung erhalten. Aus den Erträgen der beiden- Abendunter- haltungen des letzten Winters konnten über 400 Mark zugesteuert werden, da zu der ersteren Herr Major a. D. Häring ein von ihm gemaltes Ölbild geschenkt hatte, für welches 200 Mark gelöst wurden, zur zweiten Herr Karl Ponfik einen Beitrag von 50 Mark übersandte. Beiden hoch- herzigen Gebern sei auch hier der Dank der Schule ausgesprochen. Das Stammgeld für die Preimestiftung hat jetzt 1100 Mark überschritten. Die Vergünstigung der Schulgeldbefreiung wurde, abgesehen von den Lehrersöhnen, 28 Schülern zu teil, entsprechend dem zulässigen Höchstbetrag von 6% der Schülerzahl. Ein Schüler erhielt durch Vermittelung der Schule eine Unterstützung aus dem Kerstingschen Legat. — 55— VII. Mitteilungen an die Schüler und deren Eltern. 1. Ordnung der Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers und Königs. Sonnabend den 21,. März) Anfang 9 Uhr. Chorgesang:„Das ist der Tag des Herru“, von K. Kreutzer. Festrede, gehalten von Realgymnasiallehrer Ide. Chorgesang:„Heil Dir im Siegerkranz“, von H. Carey. Deklamation:„Kaisers Geburtstag“, von Jahn, vorgetr. von Max Bethke, VIa;„Des deutschen Knaben Robert Schwur“, von E. M. Arndt, vorgetr. von Fritz Stellwag, Ve;„Das deutsche Reich“, von Hermann Hölty, vorgetr. von Hubert Meyer, Va;„König Wilhelms Auszug und Rückkehr“, von Ernst Curtius, vorgetr. von Louis Koch, IVa. Chorgesang:„Die Himmel rühmen“, von Beethoven. Deklamation:„Das Lied vom schwarzen Adler“, von H. v. Treitschke, vorgetr. von Wilhelm Huneck, III,2a;„Dem Kaiser Heil“, von Otto Heine, vorgetr. von Fritz Förster, III, la; „Fahnenschwur“, von E. M. Arndt, vorgetr. von Wilhelm Wagner, II,2a;„Kaisers Geburtstag“, von F. Adami, vorgetr. von W. Prätorius, I1,2. Chorgesang:„Auf dem See“, von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Französische Rede des Abiturienten Heinrich Ihle. Deutsche Rede des Abiturienten Friedrich Gundermann. Entlassung der Abiturienten durch den Direktor. Chorgesang:„Jubel ertön' in des Vaterlands Gau'n“, von Dercks. 2. Ordnung der öffentlichen Prüfung. Donnerstag, den 26. März. 2 Uhr bis 2 Uhr 40 Min. Quarta a: Latein, Dr. Stehlich; Deutsch, Lange; Deklamation: „La laitière et le pot au lait“, par Lafontaine, vorgetr. von Maximilian Heitz. 2 Uhr 40 Min. bis 3 Uhr 20 Min. Quarta b: Französisch, Dr. Danker; Geographie, OL. Grebe; Deklamation:„Die Muttersprache“, von M. v. Schenkendorf, vorgetr. von Fritz Hüter. 3 Uhr 30 Min, bis 4 Uhr 15 Min. Ober-Tertia a und b: Turnen, Boppenhausen. 4 Uhr 15 Min. bis 5 Uhr. Unter-Sekunda a und b: Turnen, O. L. Dr. Hornstein. Freitag, den 27. März. Choral.. 8 Uhr bis 8 Uhr 40 Min. Quinta a: Latein, O.L. Dr. Schantz; Naturgeschichte, O. L. Stange; Deklamation:„Die Witwe zu Eisenach“, von R. Hagenbach, vorgetr. v. W. Berthmann. 8 Uhr 40 Min. bis 9 Uhr 20 Min. Quinta b: Rechnen, Heydenreich; Französisch, Dr. Grebel. Deklamation:„Der Choral von Leuthen“, von Herm. Besser, vorgetr. von Karl Kranke. — 56— 9 Uhr 20 Min. bis 10 Uhr. Quinta e: Geographie, Völler; Deutsch, Jürgens; Deklamation: „Lateinischer Dialog“, vorgetr. von Ad. Lompe und Alfred Schmidt. 10 Uhr bis 10 Uhr 40 Min. Sexta a: Religion, Spangenberg; Latein, Dr. Ulrici. Dekla- mation:„Der kleine Hydriot“, von W. Müller, vorgetr. von Karl Wittich. 10 Uhr 40 Min. bis 10 Uhr 50 Min. Gesang der Sextaner. Jürgens.. 10 Uhr 50 Min. bis 11 Uhr 30 Min. Sexta b: Latein, Dr. Hildebrand; Geschichte, Erdmann; Deklamation:„Der Storch“, in alemannischer Mundart, v. J. P. Hebel, vorgetr. v. Robert Lotz. 11 Uhr 30 Min. bis 12 Uhr. Unter-Tertia b: Latein, O. L. Dr. Hölting; Deklamation: Fran- zösischer Dialog, gesprochen von Philipp Simon und Heinrich Wittich. 2 Uhr bis 2 Uhr 30 Min. Unter-Tertia a: Englisch, Ide; Deklamation:„The Legend of the Crossbill“, by Henry Longfellow, vorgetr. von Wilh. Wulp. 2 Uhr 30 Min. bis 3 Uhr. Ober-Tertia b: Geschichte, Krauth; Deklamation:„The Giant“, by Charles Mackay, vorgetr. von Karl Klein. 3 Uhr bis 3 Uhr 30 Min. Ober-Tertia a: Naturgeschichte, O.L. Dr. Hornstein; Deklamation: „Le Cbäteau de Boncourt“, p. Chamisso, vorgetr. von Heinrich Häring. 3 Uhr 30 Min. bis 4 Uhr. Unter-Sekunda b: Deutsch, O. L. Dr. Siebert; Deklamation: Ovid, Metam. II, 1—48, vorgetr. von Ernst Braun. Sonnabend, den 28. März. Choral. 8 Uhr bis 8 Uhr 30 Min. Unter-Sekunda a: Latein, O.L. Zwirnman; Deklamation:„Rede von Pitt“, vorgetr. von Siegfried Beutling. 8 Uhr 30 Min. bis 9 Uhr. O0ber-Sekunda. Physik, O.L. Dr. Kramm; Deklamation:„Die beiden Musen“, von Klopstock, vorgetr. von Hugo Gräser. 9 Uhr bis 9 Uhr 30 Min. Unter-Prima: Englisch, Pror. Prof. Heuser; Deklamatiou: Le Misan- thrope, par Molière, Acte III, Scêne I, vorgetr. v. Siegmund Gunckel und Karl Rudolph. Schluss der öffentlichen Prüfung. 10 Uhr. Gemeinsame Schlussandacht. Verkündigung der Versetzungen. Austeilung der Censuren in den einzelnen Klassen. Das neue Schuljahr beginnt Montag deun 13. April mit einer Schulandacht; die Schüler versammeln sich nachmittags 4 Uhr zunächst in ihren früheren Klassenzimmern. Die Aufnahmeprüfung der neuangemeldeten Schüler wird an demselben Tag morgens von 8 Uhr an vorgenommen, wozu Schreibmaterial mitzubringen ist; auch hat jeder Angemeldete die etwa noch fehlenden Zeugnisse vorzulegen. Zunächst versammeln sich alle im Zeichensaal. Für auswärtige Eltern, welche ihre Söhne dem Realgymnasium zuführen wollen, wird bemerkt, dass der Unterzeichnete in der Lage ist geeignete Pensionsgeber vorzuschlagen. Die Genehmigung der gewählten Pension muss bei dem Direktor nachgesucht werden(§ 9 der Schulordnung). Der Direktor des Realgymnasiums: Dr. Wittich. * 5 ‿