5 Realgymnasium in Cassel, No. 15. Zu der öffentlichen Prüfung Schüler des städtischen Realgymnasiums, Honnerstag den 3. und Freitag den 4. April dl. J., vormittags von 8 Uhr ab, in der Aula des Realgymnasiums gehalten werden wird, sowie zu der Sonnabend den 5. April von 10 Uhr ab stattfindenden Schulfeier zur Entlassung der Abiturienten ladet ehrerbietigst und ergebenst ein Durelctor Dr. W. mitticnhn. —“.— Inhalt: 1. Das deutsche Meer und seine Süd- und Ostküste, I, von Dr. Alb. 2. Antrittsrede des Direktors. 3. Schulnachrichten vom Direktor. Cassel 1884. 1884. Progr.-No. 365. Druck von Rich. Trömner. H. 4. 2 Das deutsche Meer und seine Süd- und Ostküste von Dr. phil. Albert UIrici ordentl. Realgymnasiallehrer. TPeil I. n Gegenwärtige Abhandlung über die Veränderungen des deutschen Meeres und seiner Süd- und Ostküste will nicht etwas ganz Neues und Besonderes darbieten, sondern sie ist ein Versuch, durch eine kurze Zusammenstellung von im allgemeinen bekannten Meeresbildungen und Küstenwandlungen denen einen Dienst zu erweisen, die sich in der Kürze über jene höchst interessanten Verhältnisse und Begebenheiten unterrichten wollen. Nun bin ich mir recht wohl bewusst, dass reicherer Stoff mit vielleicht mehr Geschick hätte gegeben werden können, besonders bei ausgedehnterer Benutzung der zahlreichen fremdländischen, vor allem holländischen Quellen; sie waren aber für mich teils gar nicht, teils sehr schwer zu erreichen, weshalb ich mich neben den mir zugänglichen Werken sehr oft mit Auszügen und in Zeitschriften zerstreuten Abhandlungen begnügen musste. Und auch hierbei waren noch genug Schwierigkeiten zu überwinden, um alle von mir für diese Arbeit benutzten Hilfsmittel nach meinem damaligen Wohnsitze zu erhalten. Vornehmlich statte ich hier nochmals meinem früheren Direktor, Realschuldirektor Becker in Hanau, meinen Dank für die Unterstützung ab, die er mir bei der Bearbeitung dieses weiten Feldes teils durch treffliche Winke, teils durch Leihen von Büchern aus seiner reichen Bibliothek hat ange- deihen lassen. Eine genaue Betrachtung der Süd- und Ostgestade des deutschen Meeres auf einer Karte über- zeugt uns, dass diesen Küsten etwa von den Mündungen des Rheins bis hinauf zur jütischen Halbinsel vom Meere arg mitgespielt worden ist. Zerbrochene Dünenketten, eine Reihe zersplitterter Inseln, tiefeingerissene Busen bieten sich unserem Auge dar. Vergleichen wir aber ältere Karten mit den heutigen und ziehen glaubhafte Uberlieferungen zu rate, dann bekommen wir ein ganz anderes Bild. — 2— Die grossen Meeresbusen, wie Zuidersee, Dollart und Jadebusen sind noch nicht vorhanden, eine Reihe grosser Inseln ist der Küste vorgelagert, von denen heute manche verschwunden, andere in Teile zerspalten oder auch wesentlich verkleinert worden sind. Diese Veränderungen, welche sowohl mit dem deutschen Meere als auch ganz besonders mit seinem Süd- und Ostgestade vorgegangen sind, wollen wir, gestützt auf geologische Untersuchungen und historische UÜberlieferungen, in ihren Hauptzügen kurz zu einem Gesamtbilde zusammenzustellen versuchen. Das deutsche Meer war ehemals ebensowenig vorhanden wie der Rrmelkanal, sagt Oskar Peschel) in seinen neuen Problemen der vergleichenden Erdkunde. Ja, es erstreckte sich das Fest- land von Europa in der tertiären Vergangenheit über die Faréer und Island nach Grönland und stand in fester Verbindung mit Nordamerika. Das nordatlantische Becken war, wenn die Tiefenkarten uns noch etwas von den ehemaligen oceanischen Ufern verraten können, in den Vorzeiten viel schmaler und reichte nur mit zwei Armen teils zwischen Grönland und Island, teils zwischen Island und den Faröerinseln hinauf. Ehe sich hier die Verbindung der Festlande auflöste, waren die britischen Inseln ein Zubehör von Europa, dessen Ufer westlich von Irland jäh in atlantische Tiefen hinabfielen. In der Folge haben sich die Ränder unter den Wasserspiegel gesenkt, so dass das Meer den Boden der Nordsee überfluten und durch einen eindringenden Arm, den Krmelkanal, die britischen Inseln dem Festlande entfremden konnte. Dies ist, geologisch gesprochen, erst vor kurzer Zeit geschehen; denn Britannien besitzt alle wilden europäischen Gewächse und alle wilden europäischen Tiere, die seinem Klima zukommen. Nicht eine einzige Art gehört dem Boden des alten Albion als ursprüngliches Erzeugnis eigentümlich an. ²) An der Ostküste Schottlands finden sich Khnlichkeiten der Pflanzen- welt mit Norwegen, an der Ostküste Englands mit der Pflanzenwelt Deutschlands, an der Südküste Englands und Irlands Khnlichkeiten mit der französischen Pflanzenwelt. Kurz, wenn die britischen Inseln mit Europa noch trocken verbunden wären, ihre Pflanzen- und Tierwelt würde weder anders verteilt noch eine andere, weder reicher noch ärmer sein. Dazu ist der Xrmelkanal sehr seicht, zwischen Calais und Dover etwa 40 m tief. Der Meeresboden bildet nämlich in der Richtung von Dover nach Boulogne einen unebenen, höchst zackigen Bergrücken, welcher sich nach dem deutschen und dem Armelmeere zu sanft abflacht. Am westlichen Ausgange beträgt die Tiefe des Kanals 27— 40 m. Mancher Turm unserer Dorfkirchen würde noch über das Wasser ragen, wenn wir sie auf die Sohle jener Meerenge setzen könnten. Dasselbe aber gilt auch von dem deutschen Meere, wenn wir von einem tieferen Arme, der sich an der Südwestküste Norwegens hinzieht, absehen. Südeinwärts nämlich von einer Linie, die man sich von Aberdeen in Schottland nach der Nordspitze Jütlands gezogen denkt, würde das Strass- burger Münster, auch wenn er auf der tiefsten Stelle des Meeresbodens stünde, nicht unbeträchtlich über den Wasserspiegel aufragen. Es wäre also nur eine geringe sekuläre Erhebung nötig, um die britischen Inseln wieder an Europa zu befestigen. ³) Heute freilich bildet das deutsche Meer, das den Römern unter den Namen Oceanus septen- trionalis, Mare Britannicum, Mare Germanicum, Ptolemaios als Treuavode dæewrde, Adam von Bremen als Oceanus Britannicus und Fresonicus bekannt war, und das die Engländer heute noch German ¹) O. Peschel, Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde, p. 25, 26, 118. ¹) Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinung ihrer Oberfläche, II. p. 142. ³) DDr. J. Hann, F. v. Hochstetter und A. Pokorny, Allgemeine Erdkunde, III. p. 358 u. 359. — 3— Ocean nennen, einen offenen Busen des atlantischen Oceans von etwa 12000 ◻ Meilen Grösse. Es gab aber eine Zeit, wo das Verhältnis ein anderes war. Unzweifelhaft ist, sagt Guthe,⁴) dass noch in vergleichsweise junger Zeit, als bereits Europa mit Menschen bevölkert war, England und Frankreich zusammenhingen, der Kanal, wie noch heute die Bucht von Bristol, ein sich nach Westen öffnender Meerbusen war. Das deutsche Meer, welches durch einen schmalen Isthmus zwischen Dover und Calais geschlossen war, bildete einen bei weitem ruhigeren Meerbusen als heute und stand nur durch das breite Thor zwischen Schottland und Norwegen mit dem atlantischen Ocean in Verbindung. Von hier allein vermochte vom Norden her die oceanische Flut einzudringen. Für diese Annahme spricht zunächst die Beschaffenheit des Kanals selbst. Seine geringe Breite zwischen Dover und Boulogne, seine geringe Tiefe und deren stetige Zunahme nach Norden und Süd- westen hin fällt dem Auge des Beobachters auf. Dann hatte auch die Beobachtung der geologischen Gleichartigkeit und der steilen Form der beiden einander gegenüberliegenden Felsufer Englands und Frankreichs schon lange bei den Geologen die Vermutung geweckt, dass beide Länder einst zusammenhingen. Diese Ansicht wurde noch dadurch unterstützt, dass beide Länder dieselben wilden Tiere, z. B. Wölfe besitzen, die nicht auf dem Eise nach England gelangt sein können, weil der Kanal im Winter nie zufriert. Und ebenso ist es eine unbestreitbare Thatsache, dass England die gesamten wildwachsenden Pflanzen von dem benachbarten Kontinente erhalten hat. Dazu lässt sich als Beweis noch anführen, dass bis auf den heutigen Tag Sagen von dem Durchbruche des Kanals auf Sylt, am Nissumfjord in Jütland vorhanden sind, und die kymrischen Sagen wissen in der Form von Triaden von dem Durchbruche des Llyon Llion zu erzühlen. ⁵) Allein die eigentlichen Beweise für die in Rede stehende Thatsache hat erst die geologische Beobachtung der neueren Zeit geliefert. Die Bildung mancher geologischen Erscheinungen lassen sich nur durch das Geschlossensein des jetzigen Pas de Calais erklären. So findet nur in einem ruhigen, gleichmässig flutenden Meereswasser eine Marschbildung statt; denn nur unter diesen Verhältnissen setzt sich der feine, vom Meerwasser mitgeführte Thon ab, ohne wieder fortgespült zu werden.²) Die Marsch aber, ein Erzeugnis des Meeres, nimmt hinsichtlich ihrer Breite an dem südlichen Ufer des deutschen Meeres von Osten nach Westen zu. An der Westküste Schleswig-Holsteins bis zur Elbe beträgt dieselbe etwa 46 ◻ Meilen, von da bis zum Dollart 75 ◻ Meilen, während sie in den Niederlanden einen Flächenraum von etwa 330[◻ Meilen einnimmt.. Es erhellt nun hieraus, dass bei Bildung der holländischen Marschen dieser Teil des deutschen Meeres der ruhigste gewesen sein muss, während er gerade jetzt durch die Kanalströmung der unruhigste ist. Er konnte aber dann nur der ruhigste Teil sein, wenn der Kanal noch nicht vorhanden war. Unter den jetzigen Verhältnissen ist die Neubildung einer Marsch in Holland unmöglich; selbst die Erhaltung des Gebildeten ist nur durch die grössten Anstrengungen der Kunst zu eraielen. ¹) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 8 ff.— Guthe, Lehrbuch der Geographie, p. 711 ff. ³) v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig-holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., B. VIII. p. 115 ff. ⁴) v. Maack, Das urgeschichtlich schleswig- holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., B. VIII. p. 115 ff.— Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 8 fl.— v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 307 ff. — 1— Dann aber spricht auch die Veränderung der Flussmündungen im Gebiete der Nordsee dafür. Es ist nämlich ein allgemeingiltiges Gesetz, dass alle Flüsse mit ihren Mündungen sich nach der Gegend hinziehen, woher ihnen die Flut kommt.*) Darnach mussten die Nordseeflüsse mehr in nördlicher Richtung münden, so lange der Wechsel der Gezeiten allein um Schottland herum von Norden in das deutsche Meer kam. Und dies lässt sich in der That auch an einigen nachweisen. Das alte Bett der Elbe nämlich kann von Wedel unterhalb Altona bis nach Ripen verfolgt werden. Vom Rhein aber ist sogar historisch erwiesen, dass sein Hauptstrom früher nördlich in den Flevosee mündete, während er gegenwärtig seine Hauptwassermassen in westlicher Richtung der durch den Kanal ankommenden Flut entgegen ins Meer sendet. Ferner stimmt die Beschaffenheit der beiderseitigen Ufer Englands und Frankreichs auf das genaueste überein. Dem Granite von Kornwallis entspricht ein ähnlicher der Bretagne, und die Kreideufer bei Dover und Calais zeigen ein gleiches Schichtungsverhältnis und eine gleiche Entwickelung des Gesteins. Eine solche Bildung setzt aber notwendig einen vormaligen Zusammenhang beider Ufer voraus. Dann hat man beobachtet, dass die fossilen Schalen von cardium edule, der häufigsten Muschel unserer Küstenfauna, grösser sind als die jetzt lebenden. Der Grund hierfür ist in der grösseren Ruhe des Wassers zu suchen, wie ja auch noch heutiges Tages aus demselben Grunde die Muscheln im kleinen Belte grösser sind als im deutschen Meere. Das Tier nämlich muss, um der Gewalt der Wogen zu widerstehen, seine Schalen kleiner und dicker bauen. War nun einst das Wasser des deutschen Meeres weniger bewegt oder dem Einflusse der Flut und der Stürme mehr entzogen als jetzt, so muss der Kanal damals geschlossen gewesen sein. Schliesslich aber deutet auch noch die heutige Benennung der Strasse von Dover in England auf das einstige Verbundensein Englands und Frankreichs hin. Die Engländer nämlich nennen die Strasse von Calais„the cliff“, die Spalte, von dem Verbum„to cleave“ spalten. Ein Analogon finden wir an der heutigen Meerenge von Messina, dem alten fretum Siculum, von der die daranliegende Stadt Reggio, Reggium, vom griechischen aνrpruu reissen, bezeugt, dass Sicilien einst mit Italien landfest war; denn Reggium heisst nichts anderes als die Stadt am Riss. Flach nun liefen die Ufer des damals nach Norden geöffneten Beckens nach der Mitte hin ab. An ihnen aber bildete sich wegen dieser Flachheit unter dem Spiel ruhig wechselnder Gezeiten von jenem Isthmus von Dover und Calais eine Dünenkette aus, die ununterbrochen die Ufer begleitete. Die Fluten nämlich wühlten unter dem Einflusse von vorherrschenden Seewinden vom Grunde Sandmassen los, trieben diese dann bei jedem Hochwasser über den Strand und setzten sie dort ab. Heute noch kann man einem solchen Spiele zusehen. Bei jeder Ebbe ist die durch die vorher- gegangene Flut abgesetzte Sandschicht zu erkennen, besonders da, wo die jedesmalige Flutgrenze war. Wind und Sonne trocknen dann den feinen zurückgelassenen Sand rasch aus, Seewinde treiben ihn so lange landeinwärts, bis eine Vertiefung oder eine Erhöhung, wie ein Stein, ein Büschel Heidekraut oder ein Pfahl der Bewegung ein Ziel setzte und den Anfang einer Sandanhäufung bildete, die wie an Schleswigs Westküste bis zu einer Höhe von über 60 m anschwellen kann. Die Neubildung einer solchen Düne kann man beobachten, ja auch unterstützen. Man legt irgend einen Gegenstand auf den Boden oder pflanzt eine Reihe von Pfählen senkrecht auf die Richtung ¹) v. d. Wy k, in Leonhards und Brauns Jahrbuch für Mineralogie. des Windes ein, so wird sich der Luftstrom sofort an diesem Hindernis brechen, zurückgeworfen werden und so einen kleinen Wirbel bilden. Dadurch aufgehalten, werden sich die Sandkörner, die der Wind mit sich führte, allmählich jenseits der Pfahlreihe absetzen, bis der Gipfel der kleinen Düne sich genau in gleicher Höhe mit der idealen Linie befindet, die das Ufer mit dem höchsten Punkte des hindernden Gegenstandes verbindet. Der Sand, den der Seewind vor sich herjagt, und der über die geneigte Ebene, wgelche die Vorderseite des Hügels darbietet, hinansteigt, lässt sich dann nicht mehr in Wirbeln zurück- treiben, sondern übersteigt den kleinen Graben, der in Folge der Wirbelbewegung der Luft vor der Pfahlreihe entstanden ist und fällt jenseits nieder, um sich allmählich auf der Rückseite des Hinder- nisses anzuhäufen. So hat sich seit dem Anfange dieses Jahrhunderts im Osten von Nordernei eine Dünenreihe von ziemlich bedeutender Ausdehnung gebildet. Eine derartige Düne, die aus reinem Sande aufgebaut und vollständig ausgebildet ist, pflegt aus mehreren, durch Längsthäler, Dellen nennen sie unsere Inselbewohner, geschiedenen, parallelen Hügelzügen zu bestehen. Querrisse, Leegten genannt, die manchmal bis ans Meer geben und dann Schloppen heissen, teilen die Düne in einzelne Kegel und Hügel. Die Vegetation der Dünen ist in der Regel eine spärliche, die Thäler jedoch im Innern bieten, wenn sie recht wasserreich sind, wegen ihres Pflanzenreichtums ein treffliches W9eideland. Bekannt in dieser Hinsicht ist ja der Reichtum an Pflanzen auf der Insel Borkum. ³) Hinter diesen Dünen aber, die nur an wenigen Stellen durch schmale Offnungen den in zahl- reiche Rinnen geteilten Flüssen Ausgang gestattet zu haben scheinen, bildeten sich meistenteils weit- ausgedehnte Sümpfe, eine Bildung. die wir mit den heutigen 6tangs an der Südküste Frankreichs ver- gleichen können. In diesen Sümpfen entwickelte sich dann eine reiche Sumpfvegetation von wasserlebenden Moosen, Gräsern und Halbgräsern, die durch ihre dicke Blattdecke auf der Oberfläche des Wassers den Sauer- stoff der Luft allmählich ganz ausschloss. Verschwand dann im Herbst diese Decke der Wasserpflanzen, so wurde sie von einer Sommer und Winter ausdauernden Decke von Moosarten ersetzt, die stets dicker wurde. Es begann nun die Torfbildung, indem sich unten Humussäure bildete. Durch das jährliche Absterben der unteren Moosst engel aber, bei dem Ausschlusse der Luft und dem Dasein von Humus- säure wurden die Stengel leicht in Torf verwandelt und sanken zu Boden. Die Erle sammelte dann vermittelst ihrer sich lang ausstreckenden und viel wasserbedürfenden Wurzeln den schwimmenden Torf um sich und befestigte ihn. War dann das Moor so angewachsen, dass die untere Torfschicht bis an die obere Moosdecke reichte, das Moorwasser in der Mitte zwischen Torfschicht und Moosdecke ver- schwunden, so war ein reifes Moor entstanden,*) im Gegensatz zu den trügerischen, unreifen Grünlands- mooren. Die Reste dieser Sumpfvegetation, die durch den den Gräsern eigenen Reichtum des Halmes, den Reichtum der Blätter an Kieselsubstanz vor gänzlicher Zerstörung geschützt worden sind, liegen wohlerhalten in der Torfschicht, die unmittelbar unter dem fetten Thonboden der Marsch sich befindet. Man bezeichnet sie mit dem Namen Darg. ³) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 10 ff.— Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, II. p. 147 ff. *) v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig-holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., B. VIII. p. 10.— DDr. J. Hann, F. v. Hochstetter und A. Pokorny, Allgemeine Erdkunde, II. 118, 209. III. p. 305. — Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, I. p. 65 u. 366. — 6— Unmittelbar auf den Sandschichten, die das untere deutlich erkannte Glied der Bodenschichtungen unserer Küstengebiete bildet, ruht diese Dargschicht. Ihre Mächtigkeit ist ungleich. Im Mittel beträgt sie etwa 60 cm bis 1,30 m. Während sie aber in Ostfriesland bis zu 5 m anwächst, hat sie sich bei Brokdorf in Holstein bis zu etwa 6,60 m entwickelt. Das Vorkommen von Bäumen in dieser Dargschicht lässt sie als eine Süsswasserbildung erscheinen, da Bäume in einem Boden, der fortwährend vom Meerwasser benetzt wird, nicht gedeihen. Die untermeerischen Wälder der Küste, die besonders östlich von Sylt am Hallig Oland sich finden, scheinen zugleich mit dem Darge entstanden zu sein. Sie bestehen aus Birken-, Eichen- und Fichtenresten. Die Wurzeln reichen bis tief in den Sand hinab, und die Stämme zeigen durch ihre Lage nach Ost, dass sie von müchtigen Stürmen geknickt wurden. Bei Husum in Schleswig beträgt die Mächtigkeit des Darges etwas über 1 m, die Dicke der Baumschicht, hauptsächlich Zweige und Stämme von Birken, ebensoviel. Dargbildungen unter dem Spiegel des Meeres treffen wir von Jütland bis zur Scheldemündung, ja auch an der Aussenseite der Dünen. Letztere sind ebenfalls Süsswasserbildungen und durch Landverlust erst nach ihrer Bildung an die Aussenseite gekommen. Nach Oskar Peschell⁰) nämlich bleibt das Verhältnis des Meeres zum Lande nicht immer dasselbe, sondern wird durch Hebung und Senkung der Continente stets ver- ändert. Einem Hebungsgebiete entspricht gewöhnlich ein Senkungsfeld, wie z. B. Nordskandinavien mit Finnland sich im Jahrhundert etwa 1,30 m heben, während Südschweden sinkt. Ebenso beklagen wir längs der ganzen Nordküste unserer Heimat einen Verlust an Land und z. T. an senkrechter Höhe. Eine solche Senkung betraf auch damals die Küste des deutschen Meeres. Ihre Grösse aber scheint an den verschiedenen Orten verschieden gewesen zu sein. An der Westküste Schleswig-Holsteins betrug sie wenigstens 3 bis 4 m, wie aus den untermeerischen Wäldern von Birken, Eichen und Fichten bei der Hallig Oland bei Tondern und im Husumer Hafen hervorgeht. Plötzlich auch muss hier die Senkung eingetreten sein; denn das Holz der Stämme der unter- meerischen Wälder ist noch wohl erhalten, was bei langsamer Senkung und der zerstörenden Einwirkung der Luft nicht der Fall sein würde. Durch diese Senkung aber kamen auch die Moore hinter den Dünen unter den Meeresspiegel. Die Dünen selbst vermochten jetzt dem Drucke des höher stehenden Meeres nicht mehr zu widerstehen, mussten nachgeben, wurden von den Fluten zerbrochen, welche dann das dahinterliegende Land und die Moore überschwemmten. Jede Flut nun, die durch die ffnung der Dünen hindurchdrang, lagerte dort eine feine Erd- schicht ab, die nach und nach dicker wurde. Auch verstärkten z. T. die durch Flüsse zugeführten Schlammteilchen die Marschbildung. Das Hauptmaterial jedoch zu dieser Bildung, den Marschthon, Schlick genannt, lieferte die See. In der Tiefe der Nordsee nämlich spielt die Braunkohlenformation eine grosse Rolle. Diese lieferte sowohl den Thon der Marschen, als auch den Sand der Dünen. An Orten aber, wo das Wasser sich in Ruhe befand, setzte die See die aufgeschwemmten Erdteile bald langsamer, bald schneller ab. Eisfluten vor allem bewirkten eine stärkere Schlickablagerung, weil das Eis der Watten mit Thon sehr stark geschwängert ist. So hinterliess z. B. die Eisflut vom 7. und 8. Januar 1839 an vielen Stellen eine 2 ½ em dicke Schlickschicht. ¹⁰) 0. Peschel, Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde, p. 115 ff. — 7— Durch Ablagerung dieses äusserst fruchtbaren Schlammes, der z. T. stark mit kieselschaligen Seeinfusorien gemengt ist, entstand an unseren Küstenländern eine neue Bodenbildung, die Marsch. Ihre Bildung folgt ganz bestimmten Gesetzen. Weit ins Meer hinaus gehen die Watten, Reste zerstörten, oder Anfünge neu gebildeten Landes. An ihrem Üüussersten Rande bilden sich bei starkem Wellenschlage Sandbänke bis zur Höhe der vollen Flut. Gegen die Landseite hin setzt das Wasser den Thon ab, womit es beladen ist. Weil dieser aber sehr fein ist, fällt er nur in ruhigem Wasser nieder, wo eine Insel oder eine Sandbank Schutz gegen den Wellenschlag gewührt. Ein Teil dieser Schlickbildung lagerte sich an den meisten Stellen über die Torfschicht der Torf- oder Grünlandsmoore, presste diese zusammen und bildete dann gleichsam eine Decke, die oft kaum stark genug war, um einen Menschen zu tragen, an manchen Stellen aber so dick aufgebaut wurde, dass sie Felder auf ihrem Rücken trägt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Marschen des Dollart und der Zuidersee auf solchen Mooren ruhten, und deshalb auch leicht einleuchtend, wie die Fluten die darüber lagernden Marschen zerbrechen und viele Quadratmeilen Landes zerstören konnten. Andererseits erklärt sich auch aus der Bildung selbst die Senkung gewisser Marschen bei Aufschüttung von Dämmen. Die Sandwände der Moorbecken nämlich sind nicht ganz undurchdringlich, so dass eingeschlossenes Wasser durch die Last des daraufpressenden Schlicklandes seitwärts hinausgepresst wird. Dadurch sind besonders die älteren Marschen tiefer als der Meeresspiegel zu liegen gekommen, und es hat sich die Notwendigkeit herausgestellt, dass man das Regenwasser, welches infolge der Senkung keinen freien Abfluss mehr hatte, künstlich hinauspumpen musste, wollte man überhaupt das Land für die Kultur benutzen. ¹¹) 1 Zu welcher Zeit nun der Darg und dann die Marsch sich gebildet, das lässt sich historisch nicht genau bestimmen. Guthe, von Maack und von Hoff nehmen an, dass beide Bildungen erst nach Erschaffung der Menschen eingetreten seien, also der jüngsten geologischen Periode angehören. Als Beweis dient ihnen das Vorkommen eines Grabhügels und anderer Spuren menschlicher Thätigkeit unterhalb des Darges bei Husum. ¹²) Ebenso vermag nicht näher angegeben zu werden, wann die Zeit der Senkung zu Ende war und eine neue Hebung eintrat, wodurch die Marsch trocken gelegt wurde. Nur darin stimmen alle Forscher überein, dass die Marsch zu jener Zeit gebildet wurde, als der Isthmus zwischen Dover und Calais noch bestand. Mächtige Fluten drangen in den damaligen Busen von Calais-Dover ein, deren Höhe jedesfulls noch bedeutender waren, als die heutigen im Busen von Bristol und in der Bucht von St. Malo, obwohl diese über 12 m, jene über 6 m betragen. Diese liefen gleichsam Sturm gegen den aus Kreide- felsen bestehenden Isthmus, der allmählich den unaufhörlichen Angriffen weichen musste. Nun ergossen sich die Fluten heftiger über die Nordsee, die jetzt aufhörte, ein fast geschlossenes Binnenmeer zu sein. Es begann mit diesem Ereignis eine Periode der Zerstörung. Zunächst wurden ¹¹) v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig-holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., B. VIII. p. 13 ff.— Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 15 ff.— Reclus-Ule, Die Erde und die Er- scheinungen ihrer Oberfläche, I. p. 61.— Cotta, Deutschlands Boden, I. p. 78. ¹²) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 20.— v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig- hol- steinische Land, p. 15 ff.— v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 310 ff. — 8— die Dünen zerrissen, dann die dahinter liegenden Marschen, welche von demselben Meere einst gebildet worden waren, mit fortgerissen. Die Zeit des Durchbruches können wir nur annähernd bestimmen. Allmählich nur wurde jedesfalls der Isthmus durchwaschen. Mit dem Durchbruche aber zugleich muss eine ungeheure Flut- welle in das damals stille deutsche Meer eingedrungen sein, sich dann bis zu den Küsten Schleswig- Holsteins hin ergossen und mehrmals wiederkehrend die grossen Verluste an Land herbeigeführt haben. Ihre Spur hat sie hinterlassen in der sogenannten Steinahlschicht, einer Mauer, die aus losen, eckigen, abgerundeten Steinen besteht und sich etwa 12 m über das Meeresniveau erhebt. Sie ist jedesfalls dadurch entstanden, dass das Meer bis zu dieser Höhe das Land überflutete, die Sand- und Lehmmassen fortführte und die Steinschicht als bleibendes Denkmal aufbaute. Reste verbrannter Leichen in Gefässen von Thon, die man auf Sylt in Gräbern unter dieser Steinahlschicht gefunden hat, deuten auf ihre Entstehung im sogenannten Erz- oder Broncealter hin. ¹⁵) Möglicherweise waren die Bewohner Germanen. Und vielleicht ist diese grosse Flut dieselbe gewesen, die die Cimbern aus ihrer alten Heimat, Schleswig-Holstein, auszuwandern zwang. Wir hatten ja bereits erwähnt, dass auf Sylt noch heute die Sage von einer grossen Flut sich erhalten hat. Der Römer Florus¹⁴) gedenkt jener Flut ebenfalls als einer Sage. von Maack nimmt an, dass sie in den Jahren 360— 1000 v. Christi stattgefunden habe. ¹⁵) Die Grösse des Verlustes an Land, das durch die immer wiederkehrenden Fluten weggerissen wurde, vermögen wir einigermassen zu ermessen, wenn wir die Schilderungen römischer Schriftsteller, die uns die erste Kunde über diese Gegenden bringen und sie aus der Dämmerung der Sage an das Licht der Geschichte gezogen haben, mit dem heutigen Zustande vergleichen. Dreierlei fällt uns hierbei sofort in die Augen: Die Dünenketten waren damals grossenteils in Inseln zersplittert, aber diese waren grösser und zahlreicher, als sie heute sind. Die dahinter liegenden Marschen konnten nur in ärmlicher Weise bewohnt werden. Beginnen wir nun unsere Wanderung an der Küste bei dem Vorgebirge„Graue Nase“, so finden wir von da bis zum Mündungsgebiet des Rheines die alte Dünenkette, 75 km weit, noch unzerrissen. Nur wenige Hafenplätze befinden sich an dieser flachen Küste, worunter Ostende der bedeutendste ist. Und auch dieser wurde erst im Mittelalter geschaffen als Vorhafen von Brügge, das im 13. bis 15. Jahrhundert eine sehr blühende Hansestadt war. Weiter nach Norden folgt dann 75 km weit das Mündungsgebiet der Schelde, der Maas und des Rheins, die ein vielverzweigtes Delta bilden. Hier sind die Dünen überall verschwunden, und seit den Zeiten der Römer ist viel Land verloren gegangen. Mit äusserster Mühe und Anstrengung nur vermag, was an Land noch vorhanden ist, gegen das Meer geschützt zu werden. Gross vor allem sind die Veränderungen, die im Rheindelta teils durch die Natur, teils durch Menschenhand hervorgebracht worden sind. Es lohnt sich der Mühe, diese Veränderungen in der Kürze zu betrachten.. ¹³) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 20.— v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig-hol- steinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., B. VIII. p. 15 ff. ¹) Florus, III. 3, Cimbri, Teutoni atque Tigurini ab extremis Galliae profugi, cum terras eorum inundasset Oceanus, novas sedes toto orbe quaerebant. ¹) v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig- holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., B. VIII. p. 19.— Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 21.— v. Hoff, Natürliche Veründerungen der Erdoberfläche, I. p. 313. — 9— Eine Spaltung des Rheins in einen rechten und linken Arm scheint schon in den ältesten Zeiten stattgefunden zu haben. Cäsar é) bereits berichtet, dass der Rhein sich da teile, wo er sich dem Ocean nähere, und zwar in mehrere Arme, die viele und grosse Inseln umschliessen. Diese würden grösstenteils von rohen und wilden Menschen, sogar von solchen Völkern bewohnt, die nur von Fischen und Vogeleiern leben. Dann münde der Rhein in vielen Armen in das Meer. Einer dieser Arme, der Waal, umgebe mit dem Rheine die Inséèl der Bataver und vereinige sich da mit der Maas, wo diese etwa noch 80000 Schritte vom Meere entfernt sei. Virgil kennt zwei Mündungen des Rheins, während Strabon von mehreren Mündungsarmen spricht, ohne jedoch eine bestimmte Zahl anzugeben. ¹⁷) Pomponius Mela weiter erzählt, der Rhein teile sich nicht weit vom Meere. Der linke Arm pleibe bis zur Mündung ein Fluss, der rechte aber sei anfangs schmal wie früher. Nachher jedoch treten seine Ufer weit auseinander, und es bilde sich ein See, Flevo genannt, in dem sich eine grosse, gleich- namige Insel befinde. Dann werde der Rhein wieder schmäler und trete als Fluss aus dem See. Das Meer, in welches der Rhein mündet, heisst bei Mela der Ocean, auch der britische Ocean, wührend Strabon das Meer an der Küste Germaniens atlantisches Meer nennt. ¹⁵) Plinius lüsst den Rhein durch drei Hauptarme ins Meer strömen und nennt den westlichen mit der Maas verbundenen„Helium“, den mittleren„Rhenus“, den nördlichen„Flevus“. Zwischen „Helium“ und„Flevus“ liegen mehrere Inseln, deren grösste die Insel der Bataver fast 100 Millien lang ist. ¹⁹) Alle drei Namen haben sich erhalten bis auf den heutigen Tag: Der Name„Helium“ nämlich in der Stadt Hellevoetsluis,„Flevus“ in Vliestrom,„Rhenus“ in Rhein. Die Insel der Bataver findet sich in Batau wieder, wie sich der Name bis tief in das Mittelalter hinein erhalten hat. Betuwe nämlich wird das bessere Land genannt, im Gegensatz zu Vetuwe, das fahle, unfruchtbare Land. Nach Tacitus²¹) ferner ergiesst sich der Rhein in den nördlichen Ocean, den er mare oceantan nennt. Zu Anfang des batavischen Landes teilt sich der Rhein in zwei Arme, von denen der schmälere den Namen und die Heftigkeit des Laufes behält, wo er an Germanien hinfliesst, bis er in den Ocean mündet, der andere, breiter und weniger reissend, strömt an Gallien hin, wird von den Anwohnern Waal genannt, vertauscht aber diesen Namen mit der Maas und fällt mit derselben zugleich in ungeheurer Mündung in den Ocean. Wir sehen hieraus, dass Tacitus nur zwei Mündungen annimmt, die dritte aber übergeht, wahrscheinlich weil sie künstlich von Menschenhand angelegt war. Bekannt war ihm jedoch die dritte auf alle Fälle; denn er spricht von der fossa Drusiana. ²¹) Ebenso nennt Tacitus den östlichen Arm nicht wie Plinius„Flevus“, obgleich ihm der Name nicht fremd gewesen sein kann, weil er ein Castell, namens Flevum, erwähnt. ²²*) Und die Insel der Bataver ist nach ihm vorn vom Oceanus, an beiden Seiten aber vom Rhein umgeben. Im Rhein- ¹16) Caesar, de bello Gallico, IV. 10. ¹¹) Vergilii Aen., VIII. 727, Extremique hominum Morini, Rhenusque bicornis.— Strabon, I. 4, ad rod Pyrou*⁵οdα. IV. 1, u⁴‿᷑εαα τινν εακ⁵οα³ςιν rον Pwou. IV. 2, dn rονν εν⁵οα³ιιν roν Pivou. ¹16) Pomp. Melae de situ orb., I. 3, II. 2, III. 3, 6.— Strabon, VII. 2, Ardayrir alarra. ¹13) Plinius, h. n., IV. 28, 29, 30, 33. 2²⁰) Tacit. hist., IV. 12.— Tacit. annal., II. 6. 2¹) Tacit. annal., II. 8. ²²) Tacit. annal., IV. 72, castellurn, cui nomen Flevum. mündungslande sind grosse, schiffbare Seeen, Sümpfe und Wälder; Meeresarme und Kanäle durch- schneiden dasselbe. ²³) Aus allen diesen Angaben ist ersichtlich, dass die Trennung des Waals vom Rheine eine uralte ist, die Zeit jedoch, in der sie stattfand, lässt sich nicht bestimmen. Cäsar fand sie bereits vor, und die späteren Nachrichten bestätigen seine Angaben. Auch ist diese Trennung wohl eine natürliche, die nicht durch Menschenhand gebildet worden ist. Nur waren die Verschlingungen der Maas und des Waal nicht immer so geartet wie jetzt, wie auch der erste Trennungspunkt wohl nicht immer an derselben Stelle gesucht werden darf, wo er sich jetzt befindet. v. Hoff ²⁴) in seiner„Geschichte der natürlichen Veränderungen der Erdoberfläche“ sagt, dass bei der 1586 angelegten Schenkenschanze unter Grothausen der Punkt sei, wo sich in den ältesten Zeiten, von denen uns Nachrichten übrig geblieben sind, der Waal vom Rheine getrennt habe. Ukert ²⁸⁵³) dagegen vermutet und behauptet, der Trennungspunkt müsse etwas weiter strom- aufwärts gewesen sein, weil das chron. Regin. ann. 885 Herispich angebe, Herispich aber wohl das jetzige Spyk auf dem rechten Rheinufer sei. Für beide Annahmen spricht ganz besonders die Angabe von Plinius, dass die Länge der Insel der Bataver fast 100 Millien, nach unserer Rechnung etwa 150 km betrage. Hat nun der wiss- begierige Plinius selbst in diesen Gegenden, was sehr wahrscheinlich ist, die Länge der Insel gemessen, dann ist allerdings die Schenkenschanze, die etwa 150 km vom Meere entfernt liegt, oder das wenig weiter aufwärts liegende Dorf Spyk der Punkt, bei dem sich vordem Waal und Rhein trennten. Dies wäre der historische Beweis, dass zur Römerzeit die erste Rheinspaltung da gewesen ist, wo sie v. Hoff oder auch Ukert vermuten. Maas aber und Waal vereinigten sich früher bei Fort Andries, nicht bei Gorkum. Ausserdem war der Biesbosch noch nicht vorhanden, und die Zuidersee, die jetzt 54 ◻ Meilen umfasst, war zu der Römer Zeiten noch ein Binnensee, namens Flevo. Manches ist seitdem anders geworden. Schon die Römer haben in militärischem Interesse mit ihrem Unternehmungsgeiste und ihrer Arbeitskraft Verbindungen der Rheinarme unter sich und mit dem Meere hergestellt. Die wichtigsten sind etwa folgende: Der römische Feldherr Drusus, welcher von 15— 9 v. Chr. in Germanien Krieg führte, legte im Rheindelta Kanäle an, die Sueton wegen ihrer Grösse und der dabei zu überwindenden Schwierigkeiten mit Staunen nennt. ²⁶) Freilich die Gegend, wo diese Kanäle waren, wird von keinem Schriftsteller genau angegeben. Wir erfahren nur, dass Drusus die Angriffe zu Lande zu schwierig fand, weswegen er die Germanen zu Wasser zu bekriegen versuchte. Um aber auch die Gefahren, Stürme und Fluten des Oceans zu verringern, verband er den Rhein mit den nördlich darüber liegenden Seeen und dem Oceane. Dadurch wurde die gefahr- volle Fahrt auf dem Oceane bedeutend abgekürzt. Ob nun Drusus hierbei schon früher vorhandene Rheinarme benutzte und sie schiffbar machte, das wird uns nicht berichtet; nur erzählt er, dass man in späterer Zeit aus dem Rheine durch die Seeen in den Ocean schiffen konnte. ²⁷) Man vermutet ¹³)u) Tacit. hist., IV. 12.— Tacit. Germ., c. 34.— Tacit. annal., XIII. 54, XI. 18. ²⁴) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 320. ²⁵⁸) Ukert, Gallien, p. 160. Monument. Germ. hist. ed. Pertz, I. 595. ²⁶) Sueton, Claudius, I. ²⁷) Tacit. annal., I. 60, II. 8, XI. 18. — 11— deshalb, die fossa Drusiana sei der Rheinarm, der sich oberhalb Arnhem unter dem Namen„Neue Ijssel“ oder„Drusus Vaart“ von dem Strome trennt. v. Hoff ²⁸) ist der Meinung, dass die Ableitung dieses östlichen Rheinarmes durch Drusus bewirkt und ihm der Ausfluss in die Zuidersee gegeben worden ist. Dabei aber bleibt immer die Frage offen, ob nicht schon nach Manert ²⁸⁴) der Rhein vor Drusus eine Mündung in den Flevo gehabt habe. Drusus habe nur das Wasser aus dieser alten Mündung abgedämmt und mit der Ijssel ver- einigt, so dass sie schiffbar wurde und römische Kriegsflotten tragen konnte. Die Annahme scheint unbedingt richtig, dass Drusus von Iisselort einen Kanal nach Duisburg in die damals nicht schiffbare Ijssel führen, ihr Bett erweitern und vertiefen, dann Wasser aus dem Rheine zuführen liess, so dass der neue Strom Kriegsschiffe zu tragen imstande war. Weiter aber wird uns von einem neuen Rheinarme gemeldet, dem Leck. Drusus hatte nämlich einen Damm in den Rhein bauen lassen, zu welchem Zwecke und an welchem Orte, wird von keinem Schriftsteller erwähnt. ³⁰) v. Hoff nimmt an, dass dieser Damm bei der Spaltung des Leck und des krummen Rheins gewesen sei. ²¹) Nach ihm ist es wahrscheinlich, dass die Entstehung des Leck nicht auf einmal erfolgte, aber durch die Zerstörung des Dammes durch Civilis sehr befördert, wenn nicht gar vollendet worden ist, falls schon vorher ein Arm des Rheins in der Richtung des Leck vorhanden war, dessen Ver- grösserung man aber früher zu verhindern ratsam gefunden hatte. Der Umstand ferner, dass der Leck ganz in der Richtung läuft, die der Rhein oberhalb der Bifluenz hat, macht es sehr glaubhaft, dass diese alt und natürlich war. Ein Durchstich der Dämme, welche diesen Arm absperrten, musste nur zu natürlich den Erfolg haben, dass der in gerader Richtung fortlaufende Rheinarm dem krummen Rheine sein Wasser entzog. Diese Annahme stimmt auch mit Tacitus' Angabe überein, dass der Fluss mehr nach der Richtung des Leck, als des krummen Rheines strebte, und dass nach dem Durch- stiche der rechte Arm seicht(tenuis alveus) geworden sei, was heute der krumme Rhein allerdings ist, während er früher der Hauptarm war. ³²) Weiter erzählt Tacitus ³³) dann, was auch Dio Cassius bestätigt, dass der römische Feldherr Corbulo, welcher 47 n. Chr. gegen die Deutschen Krieg führte, von Kaiser Claudius den Befehl erhielt, nicht weiter vorzudringen. Damit jedoch die Soldaten nicht unbeschäftigt wären, liess der Feldherr zwischen Maas und Rhein einen Kanal von 23 Millien Länge graben, damit die Unsicherheiten des Meeres vermieden würden, oder, wie Dio Cassius ³⁴) deutlicher sagt, dass nicht die beiden Flüsse, wenn sie beim Überfluten des Oceans rückwärts strömten, Seeen bildeten. . Die Lage auch dieses Kanals ist schwer zu bestimmen, weil gerade in der dortigen Gegend die Römer viele Kanäle angelegt haben, später auch noch viele andere angelegt worden sind. v. Hoff ²⁵) und andere halten den aus der Maas in nördlicher Richtung über Delft nach Leijden am Rhein gehenden, etwa 37,5 km langen Kanal, eine Länge, die etwa 23 Millien gleichkommt, für ²2⁸) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 293. ²⁹) Manert, Gallien, p. 168. 3 ⁰) Tacit. hist.. V. 19. 3¹) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 196. ³²) Tacit. hist., V. 19. ³³) Tacit. annal., XI. 20.— Dio Cassius, LI. 30. 34) Dio Cassius, Ll. 30....... Tya*u) of rrauοòε ³ιeν τ roıο ⁴εαασνιοαι παπeωνναέσ eεοςεειονππ laaou. ²⁵) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 345 ff. — 12— die fossa Corbulonis. Länge und Lage sprechen ganz für diese Ansicht, wie auch die von Dio angegebene Ursache, dass der Kanal Überflutungen verhüten solle. Denn in der That wird durch den Kanal von der Maas zum Rheine bei Leijden den Überschwemmungen vorgebeugt und verhütet, dass das Wasser der beiden Ströme bei der Plut Sümpfe und Seeen bildet. Dazu soll bei Leijden noch ein Überrest der alten fossa Corbulonis unter dem Namen Tervliet vorhanden sein. Mancherlei andere Spaltungen und Veränderungen sind ausserdem im Laufe der Zeit durch Natur und Menschenhand im Rheinmündungsgebiet entstanden. Wir haben schon gesehen, dass der älteste Trennungspunkt von Rhein und Waal nicht immer an derselben Stelle war, wo er sich heute befindet. Schon oberhalb Rees in der preussischen Rheinprovinz fangen nach v. Hoff die Spaltungen des Rheins an. Am linken Ufer zieht sich ein Flussbett hin, der alte Rhein, über Calcar, Cleve, Grothausen bis Schenkenschanz. Am rechten Ufer ist der von Rees über Bienen sich absondernde Arm vom Strome verlassen, wie auch der von Emmerich über Elten gehende. Noch 1701 trennten sich Rhein und Waal bei Schenkenschanz, welches damals auf einer Insel lag. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts jedoch bemerkte man eine starke Versandung des rechten Hauptarmes.„Gleichwie jetziger Zeit“, heisst es in den»Monatlichen Unterredungen«, ³⁶)„in Holland bei Schenken-Schantz der rechte Arm des Rheines so sehr abnimmet, dass man im Sommer durchwaden kann und füllt das Wasser fast alles in den linken Arm, so man Wahl nennet; deswegen die Herren Staaten oft gerathschlaget, wie man den rechten Arm wieder ausstechen und fegen möge, dass er nicht dermaleins gar zufalle.“ Um diesem ÜUbelstande abzuhelfen, wurde 1701 einige Stunden von der Schanze abwärts bei dem Dorfe Pannerden ein 2 m tiefer und 24 m breiter Kanal, der sogenannte pannerdensche oder panderensche Kanal, von der Waal zum nördlichen Rheinarme gegraben. Allmählich ergoss sich eine grosse Wassermasse hinein und bildete ihn zu einem Hauptarme aus, indem in der Folge gleichzeitig der Rheinarm zwischen der Einmündung dieses Kanals und der Schenkenschanze versiechte und ver- sumpfte. Dieses Rheinstück von etwa 11,75 km Länge heisst noch heute„Oude Rhijn“, d. h. der alte Rhein, ein Name freilich, den übrigens noch eine Menge vertrockneter Rheinarme führen. Ein anderer Kanal, welcher in eben dieser Gegend von der Schenkenschanze aus zur Abkürzung eines Waalbogens gegraben wurde, der sogenannte bylandsche Kanal, gab wiederum Gelegenheit, dass nun auch dieser ehemalige Waalbogen versandete. Er heisst jetzt„Oude Waal“. Die Hauptmasse bahnte sich einen Weg durch den bylandschen Kanal. Nach Cüsar und Plinius hatten Schelde und Maas früher eine gemeinschaftliche Mündung. ³⁷) Diese ging über Saaftringen, Hulst, Axel, Ijzendijk, Ostburg und Sluis südlich der Insel Kadzand durch den Arm, der im Altertum Seine, Sincfala, jetzt Tzwie(?) heisst. Zu Karls des Grossen Zeiten war sie noch offen. ³⁸) Otto der Grosse liess im Jahre 949 einen Graben aus der Maas nach dem Ocean graben, fossa Ottoniana oder Hottoniana welche Kadzand von Walcheren abschnitt. Es ist die jetzige Wester- schelde oder der Hont. Hierein floss alles Wasser aus dem linken Arme der Maas und aus der Schelde, während die alte Mündung versandete. Kadzand, welches durch den Ottonischen Graben zur Insel wurde, war ehemals viel grösser als jetzt. Im Jahre 1337 zerstörte eine Uberschwemmung 14 Dörfer ³6) Monatliche Unterredungen vom Jahre 1691, p. 469. ³) Cäsar, b. G., VI. 33.— Plinius, h. n., IV. 28 und 31. ³8) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 316. — 13— westlich vom Hont, und in den Jahren 1703— 1746 soll die Insel Kadzand über 1000 Klafter von ihren Dünen verloren haben. Der Hont selber versandete, so dass grössere Schiffe durch den Haring- vliet auslaufen müssen. ³⁹) An dem Arme der Maas, welcher einst südlich von Kadzand floss, lag das Land Saaftingen mit einem Dorfe gleiches Namens. Beide sind im Wasser untergegangen. ¹) Dann hat das Meer auf der Insel Walcheren, die nach den Überlieferungen im dritten Jahr- hundert vom Festlande getrennt wurde, bei dem Orte Westkappel die Dünen und einen grossen Teil der Küste weggerissen. ¹¹) Von Südbeeveland ist im Jahre 1532 der östliche Teil mit mehreren Dörfern und den Städten Borselen und Remarzwalde auf dem linken Ufer der Osterschelde von den Wellen verschlungen worden. 4²) Auf Nordbeeveland lag das Dorf Kampen der Stadt Terveer gegenüber. Es wurde gleichwie die Stadt Kartgene durch die Überschwemmungen in den Jahren 1530 und 1532 vom Meere begraben. 4³) Die Insel Arizant im Nordosten von Nordbeeveland, die sich bis Zirksee erstreckte, verschlangen im Jahre 1658 die Wellen. Die Insel Schouwen ferner reichte ehedem weiter nach Süden als jetzt, und die Osterschelde, welche sie von Nordbeeveland trennt, war so wenig breit, dass die Bewohner von beiden Ufern miteinander reden konnten. Die Wellen haben auch hier so viel Land weggenommen, dass der Fluss jetzt eine holländische Meile breit ist. Die Stadt Bommens auf der Insel Schouwen ist vom Meere zerstört worden. Maas und Waal hatten früher ebenfalls eine gemeinschaftliche nördliche Mündung, Helitan ostium nannten sie die Römer, ein Name, der sich noch in Helvoet erhalten hat. Der Waal ging ungefähr in der Gegend von St. Andries in die Maas, nahm dann nach v. Hoffs Meinung seinen Lauf von Heusden durch das Bergsefeld nach der jetzigen Insel Dortrecht zu, floss durch die jetzige Insel Beijerland hindurch und vereinigte sich zwischen dem Lande von Putten und der Insel Voorn bei Geervliet wieder mit dem Waal, ein Flusslauf, der heute noch den Namen „alte Maas“ führt. ¹⁴¹) Der Fluss bildete damals die südliche Einfassung der insula Batavorum. Zu dieser Insel gehörte auch der Bömeler Waard. Der Teil des Waal aber, welcher diese Gegend jetzt im Norden abschneidet, von St. Andries bis Loevenstein, muss erst nachher hingeleitet worden sein. Neuerer Bildung ist der Kanal, welcher aus der Maas von Weel nach Loevenstein geht, jetzt das sämtliche Wasser der Maas aufnimmt, Bömeler Waard zur Insel macht und neue Maas heisst. Diese vereinigten Flüsse nun, von Loevenstein abwärts an Dortrecht vorbei bis Krimpen, nennt man Merwe oder Merwede, ein Name, der wohl mit Unrecht auf Meroväus zurückgeführt wird. Von Dortrecht geht dann ein Arm davon gerade nach Westen und wird wiederum die alte Maas genannt, während der Teil von Dortrecht nach Krimpen den Leck aufnimmt, darauf die holländische Ijssel und unter dem Namen neue Maas durch das alte Helium ostium in den Ocean geht. Der Leck hat eine Insel, Grünwert, nicht weit von Houten gelegen, zerstört, die noch 1228 genannt wird. Dann ist bei dem Dorfe Scheveningen, unweit dem Haag gelegen, so viel vom Dünen- ⁵9) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 317. ¹⁰) Büsching, Erdbeschreibung, X. p. 231. ¹¹) Büsching, Erdbeschreibung, X. p. 132. 4²) Büsching, Erdbeschreibung, X. p. 135. ³) Büsching, Erdbeschreibung, X. p. 136.. 4⁴) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 318. — 14— ufer weggeschwemmt, dass die Kirche, die sonst mitten im Dorfe sich befand, jetzt dicht an der Küste steht. Im Jahre 1570 nahm eine grosse Flut, wobei 400000 Menschen umgekommen sein sollen, nochmals das halbe Dorf mit. Im Jahre 860 veränderte der Rhein seinen Lauf, überschwemmte das Land und riss so viel vom Ufer mit hinweg, dass der Turm des Dorfes Katwijk, welcher sonst weit vom Meere stand, seit 1719 nahe an das Meer gerückt wurde. Dabei wurde die Rheinmündung verschüttet. Zwei Strassen von Katwijk hatte das Meer nach und nach unterwaschen; sie stürzten nach, 90 Häuser wurden binnen 15 Jahren vom Meere weggespült, und die aræ Britannica blieb mitten in den Fluten zurück. Ihr Unterbau steht jetzt im Meere, und in den Jahren 1752, 1758 und 1768 konnte man beim Zurück- treten der Fluten darüber hinweggehen. ¹⁵) Im Jahre 1231 begannen sich dann die Haarlemer Seeen zu bilden. Sie erweiterten sich in der Folge, durch Erniedrigung des Dammes bei Sparndam begünstigt, und durch Hinzunahme des Leijdener Spiering, der Oude Maas nebst den umliegenden Morästen und auf Kosten der anliegenden Felder und Ortschaften beständig. Im 16. Jahrhundert waren sie bereits ein Meer, und Holländer und Spanier lieferten auf ihren Fluten Seeschlachten gegen einander. Jeder neue Sturm erweiterte ihr Gebiet, und gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts waren alle Seeen zu einem grossen Binnenmeere zusammengeflossen. Im Winter des Jahres 1836 liess ein furchtbarer Weststurm die Fluten bis zu den Thoren Amsterdams vordringen. Die mit grossen Kosten unterhaltenen Dämme erwiesen sich ohn- mächtig gegen den Andrang des beständig wachsenden Wassers. Die Länge des Meeres betrug 21, seine Breite 10 km und die mittlere Tiefe etwa 4 m. Grosse Veränderungen gingen dann um Dortrecht vor, indem sich die sogenannte südholländische Waard bildete. Die vereinigten Flüsse Waal und Maas hatten lange schon Unheil gedroht. Das Dorf Waal, das in Urkunden noch 1064 genannt wird, wurde vernichtet. Eine grosse Sturmflut, die in der Nacht vom 19. November 1421 in das Land drang, zerstörte am linken Maasufer das alte Wiel gänzlich, ergoss sich dann durch Grundbrüche nach der Mündung Haringvliet und bildete ein grosses Meer, das sich von Gertruidenberg bis an die Insel Dortrecht erstreckte. Diese Gegend, Bergsefeld genannt, enthielt 72 Dörfer, von denen 22 unter dem Wasser geblieben sind. Das abfliessende Wasser liess an Stelle der bebauten Felder und volkreichen Ortschaften nur Gruppen sumpfiger Seeen, mit Schilf bedeckter Schlammbänke und eingestreuter Inseln zurück, was man insgesamt mit dem Namen Biesbosch, d. i. Binsenbusch, bezeichnet. Noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts sollen einige Turmspitzen daraus hervorgeragt haben. ¹⁶) Von der Mündung der Maas bei Rotterdam bis zum Eingang in die Zuidersee begleitet dann 134 km weit eine unzerbrochene Dünenkette die nordwärts ziehende Küste. Nur eine öffnung ist vor- handen, durch welche nördlich vom Seebade Scheveningen jetzt der kleinste aller Rheinarme bei Katwijk künstlich ins Meer geleitet wird. Eine zweite Offnung ist erst in den letzten Jahren für den Nordsee- kanal durch Menschenhand hergestellt worden. *⁵) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 347.— Kloeden, Handbuch der Erdkunde, II. p. 137. ¹) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 325.— Reclus-Ule, Die Erde und die Er- scheinungen ihrer Oberfläche, II. p. 123 und 405.— Daniel, Deutschland, I. p. 3.— Vergleiche Spruner-Menke, Karte No. 39. — 15— Von der Spitze der Stadt Helder aber beginnen dann die bedeutenderen Meereinschnitte. Die schützenden Dünen sind zertrümmert, ihr Zug nur noch in den vorgelagerten Sandinseln erkennbar, allesamt Reste weggerissenen Kontinents, jetzt Schanzen, die den wilden Sturmlauf des Oceans gegen die Küste brechen, aber von der gierigen Welle auch immer unterwühlt werden. Plinius ¹⁴⁷) kennt zwischen Texel und Eider 32 Inseln, die sich als schützender Damm längs der Küste hinzogen. Zwei Drittel sind verschwunden. Sandbänke, Watten genannt, welche zur Ebbe- zeit trocken liegen, von der Flut aber überschwemmt werden, lassen uns den alten Küstenrand Deutsch- lands im Norden noch erkennen. ⁴⁵) Bis zur Mündung der Ems reicht die heutige niederländische Inselreihe, aus sieben Inseln bestehend, von denen die westliche und grösste Texel neben der Düne noch Marschland besitzt und reiche Viehzucht treibt. Die Alten besassen von diesen Inseln schon einige Kunde. Neben Plinius erwähnt Strabon die Insel Burchana, das heutige Borkum. Ptolemaios hebt an dieser Küste drei Punkte hervor unter den Namen Phleum, Tekelia und Phabiranon, die v. Ledebur in den heutigen Inseln Vlieland, Texel und Borkum wiederfindet. Anderer Ansicht ist v. Maack. Die Insel Ameland kommt bei Ekkehard um das Jahr 810 unter der Bezeichnung insola Ambla vor und wird zu Oosterroog gerechnet. Texel, das ehemals noch viel grösser als heute war, wird bereits im 8. Jahrhundert erwähnt. UÜber Vlieland und Terschelling haben wir vor dem 14. Jahr- hundert sonst keine urkundlichen Nachrichten. ⁴⁹) Auf alle Fälle aber haben bereits früher häufige Wassereinbrüche Land losgerissen und zu Inseln umgebildet. Das Gebiet wenigstens, das nördlich von Enkhuizen und Stavoren lag, war bei der bis in die historische Zeit fortgesetzten Senkung der Niederlande schon vielfach durchfressen, ehe die vollständige Umwandlung des Flevoseees in einen Meerbusen vor sich gehen konnte, der sich heute hinter Texel öffnet und als Zuidersee sich 90 km weit nach Süden erstreckt, Holland zur Halbinsel gemacht hat und einen Flächenraum von 54 ◻Meilen bedeckt. Die Römer kannten hier nur einen Binnensee, den inneren Teil südlich Enkhuizen und Stavoren. Sie nannten ihn lacus Flevo. Nach Pomponius Mela hat der Rhein durch UÜberschwemmung den See gebildet. Plinius und Tacitus kennen in dieser Gegend mehrere Seeen, deren Ufer von Friesen bewohnt wurden. Mela nennt im Flevussee eine Insel, als deren Uberbleibsel v. Hoff die Inseln Urk und Schockland ansieht. 5⁰) Der See Flevo stand nach Pomponius Mela nur qurch eine schmale Öffnung mit dem Meere in Verbindung. Drusus leitete durch einen Kanal einen Teil des Rheines, die jetzige Iissel, in ihn ab, um mit seinen am Rhein gebauten Kriegsschiffen durch das flevum ostium Rhenum auf kürzestem Wege die Nordsee und die Emsmündung erreichen zu können. ⁵¹) 4*) Plinius, h. n., IV. 27. 4⁸) O. Peschel, Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde, p. 112. ¹³) Fried. v. Hellwald, Die Zuidersee, Mitteilung der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien. 1870 p. 257. 5⁰) Pom p. Melae de situ orbis, lib. III. 2.— Plinius, h. n., IV. 29.— Tacit. annal., I. 60, II. 8, IV. 72. — v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 352 ff. 51) Pomp. Melae de situ orbis, lib. III. 2.— Tacit. annal., II. 8.— Plinii h. n., IV. 29.— Ptolemaios Geogr., I. 2.— v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 354. — 16— Dieses alte flerum ostium Fhenum ging zwischen Vlieland und Terschelling in das Meer, während die Mündungen um Texel, das sonst mit Nordholland verbunden war, erst später durch den Ocean gebrochen wurden. Beim Einbruche des Meeres bahnte sich der Fluss Flevo seinen Weg um Westworcum, das vom Meere verschlungen worden ist, gerade nach Norden, bildete die Sandbank Breezant, floss dann zwischen Schieringshals und Langezant gegen die Küste von Vlieland und von da in die alte Mündung. Von Vlieland wurden grosse Stücke abgerissen, wie z. B. das ganze Dorf Westvlieland. 5²) Nach Alting war früher die Insel Wieringen noch Festland. Allein bereits im 4. Jahr- hundert begannen die grossen UÜberschwemmungen Frieslands. Ende des 7. Jahrhunderts war Ter- schelling und Ameland bereits durch ein Fahrwasser getrennt, und im Jahre 1170 wurde alles Land zwischen Texel, Medemblick und Stavoren überschwemmt, Texel und Wieringen wurden Inseln. Neue Einbrüche folgten im Januar 1219, dreimal im Jahre 1220, im Januar und September 1221, 1237, 1246 im October, 1249 im Dezember und 1251. Alles Land zwischen Vlieland und Vliestrom wurde unter Wasser gesetzt und im Süden erweiterte sich das Becken derartig, dass nur die Inseln Urk und Schockland als Landreste übrig blieben. Weitere Einbrüche fanden zwischen 1250 und 1287 statt. Der völlige Durchbruch des Isthmus, der Friesland, jetzt Nordholland, mit Stavoren verband, durch- schnitten durch den schmalen Ausfluss des Rheins, die Ijssel, fand um das Jahr 1295 statt, weil Medemblick zur Zeit des Grafen Florentius V.(1256— 1296) am Ufer eines Meerbusens lag, Stavoren aber im Jahre 1297 das Meer im Süden hatte. Durch diese grosse Flut erhielt die Zuidersee, Südsee der Friesen, ihre jetzige Gestalt und Ausdehnung von etwa 500000 ha. Die eigentliche Zuidersee ist der innere Busen, welcher durch die 2 ½ km breite Enge zwischen Enkhuizen und der Spitze von Stavoren abgeschlossen wird. Der äussere Busen zwischen jener Enge und den Inseln Texel, Vlieland, Terschelling, Ameland heisst der Vliestrom, die Strasse zwischen dem Helder und Texel das Marsdiep. Gleichfalls qurch einen Einbruch des Meeres scheint der Lauwerzee der Insel Schiermonik gegenüber entstanden zu sein. 5³) Von der Emsmündung dann bis zur Elbe, etwa 134 km, sind nur noch schwache Inselreste geblieben. Lassen wir aber den Römer Plinius hier Land und Leute schildern, bevor wir der ein- zelnen Einbrüche selbst gedenken. Plinius nämlich, der selbst im Lande der Chauken war, berichtet: ⁵⁴) Das Vorgebirge der Cimbern, welches sich weit in das Meer erstreckt, bildet eine Halbinsel, die Cartris genannt wird. In dieser Gegend sind den Römern 29 Inseln bekannt geworden. Die bedeutendsten darunter sind Burchana, Glessaria und Actania. Burchana wird von uns auch Fabaria genannt, weil dort eine Frucht wild wüchst, die den Bohnen ähnelt. Dass nun Burchana das heutige Borkum ist, das unterliegt wohl keinem Zweifel, wenn auch weder auf der Insel selbst, noch an den Küsten ein bohnenartiges Gewächs heute vorkommt. Sie musste ja wegen ihrer Grösse in die Augen fallen und verdiente genannt zu werden. Ist Borkum doch heute noch die bedeutendste unter den Küsteninseln und besitzt noch etwas Marschland, während die übrigen nur 19 v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 355 ⁵³) Friedr. v. Hellwald, Die Zuidersee, Mitteilungen der k. k. gaerAph. Gesellschaft in Wien, 1870 p. 248 bis 265.— v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 352 fl.— Reclus-Ule, Die Erde und die Er- scheinungen ihrer Oberfläche, I. p. 494, II. p. 123, 407.— Daniel, Deutschland. I. p. 3 und 4. 5) Plinius h. n., IV. 27. Reste alter Dünenketten sind und aus reinem Sande bestehen. Über Glessaria und Actania bestehen nur Vermutungen. Dass beide sich aber ebenfalls in dieser Gegend befunden haben müssen, scheint der Name„Glessaria“,„Bernsteininsel“ anzudeuten; denn Bernstein wurde nach glaubhaften Zeugnissen auch hier vormals und wird noch heute von den Wellen ans Land gespült. 5⁵) Die Marschen aber, die hinter den Dünen und an den Flüssen lagen, vor allem die Marschen an der Ems, schildert Plinius folgendermassen: ⁵⁰) „Die grössten Wälder findet man in der Nähe der Chauken, besonders an zwei Landseeen, deren Ufer ganz mit Eichen bedeckt sind, von vorzüglichem Wuchse. Bisweilen geschieht es, dass sie von den Wellen untergraben oder von Stürmen umgeweht werden. Dann nehmen sie oft ganze Strecken Erde, in welcher ihre Wurzeln verflochten sind, mit sich fort, wodurch sie sich im Gleichgewichte halten und mit ihren ungeheuren Zweigen betakelt stehend daherschiffen. Oft haben solche Eichen unsere Flotten erschreckt und trieben wührend der Nacht auf unsere vor Anker liegenden Schiffe an, die sich dann gezwungen sahen. gegen die Bäume eine Seeschlacht zu liefern.“ Wälder also trug nach dieser Schilderung die Marsch und zwar solche von mächtigen Stäummen. Heute jedoch finden wir nirgends einen eigentlichen Wald, aber Ortsnamen wie Wolzeten, Wolthusen, Holtgaste u. dgl. deuten auf vormaligen Waldbestand hin. Unmittelbar jedoch an der See konnten diese Wälder auch nicht liegen, weil Büume im Boden, der immer von Seewasser überschwemmt wird, nicht gedeihen. Wohl aber konnten sie an den Seeen hinter den Dünen sich finden. Und erinnern wir uns daran, wie sich die Marsch gebildet hat, dass sie nämlich entweder auf einer Torfschicht oder auf sogenanntem unreifen Moore, eingepresst zwischen den Wänden der Dünen ruhte, so ist es uns leicht erklärlich, dass durch hohe Fluten, nachdem die Dünen weggespült waren, grosse Stücke Landes mit fortgerissen werden konnten. Zusammengehalten wurden diese Landstücke durch den unter der Marsch liegenden Darg, der ja aus einem dichten Gewebe von Pflanzenresten besteht. Ereignisse der neueren Zeit beweisen die Beobachtungen des Römers. Im Jahre 1509 wurde am Dollart von der Gröninger Küste ein grosses Stück Land losgerissen und mit Häusern, Menschen und Vieh über den Dollart nach der ostfriesischen Küste getrieben. Ebenso sah man Stücke Landes, mit Eichen besetzt, forttreiben und die Büume nach ihrem Landen noch fortvegetieren. In der Linteler Marsch bei Norden schiffte im Jahre 1717 ein Grundstück mit einem Hause darauf und den darin schlafenden Bewohnern eine Stunde Weges weit, bis es wieder landete. Und wenig hätte gefehlt, dass nicht die Wolster und Kremper Marsch vom holsteinischen Elbufer bei den Sturmfluten von 1825 gänzlich zerstört worden wären. Derselbe Plinius 5⁵⁷) aber berichtet uns ferner über das Leben der Chauken, die an dieser Küste zwischen der Ems uud der Elbe wohnten: „Im Norden haben wir die Chauken gesehen, welche in grosse und kleine eingeteilt werden. Hier steigt und füllt der Ocean zweimal binnen Tag und Nacht, einen unermesslichen Landstrich über- flutend, so dass man bei diesem ewigen Kampfe der Natur nicht weiss, ob die Gegend zum festen Lande oder zum Meere gehört. Hier haust das elende Volk auf Hügeln oder auf künstlich gebauten, ſiber der höchsten Flut erhabenen Anhöhen, auf die sie ihre Hütten setzen, Schiffenden ähnlich, wenn die Flut alles um sie her bedeckt, Schiffbrüchigen aber, wenn sie zurückweicht. Auf die mit dem *⁵) O. Peschel, Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde, p. 113. 5⁶) Plinius, h. n., XVI. 2. 5*) Plinius, h. n., XVI. 1. — 18— Meere zurückgehenden Fische machen sie um ihre Hütten Jagd. Sie haben kein Vieh, noch ernühren sie sich von Milch wie ihre Nachbarn, ja sie können nicht einmal der Jagd obliegen, weil jedes Gebüsch fehlt. Aus Seegras und Binsen flechten sie Stricke zu Netzen, und mit den Händen gegrabenen Schlamm, den sie mehr beim Winde als in der Sonne trocknen, gebrauchen sie zum Kochen ihrer Speisen und zum Erwärmen ihrer vom Nordwind starren Glieder. Regenwasser, das sie in Cisternen in dem Vorder- hause ihrer Hütten aufbewahren, ist ihr einziges Getränk. Und diese Völker, wenn heute vom römischen Volke besiegt, sagen, sie seien Sklaven!“ Was lernen wir aus dem Gesagten? Die Chauken seien ein elendes Volk gewesen, das nur kümmerlich wegen der beständigen UÜberschwemmungen sein Dasein fristete. Allein wir dürfen die Stelle nicht allzu wörtlich nehmen und Plinius' Worte auf alle Chauken beziehen, sondern höchstens auf die armen Fischerfamilien, welche unmittelbar an der Meeresküste auf dem sogenannten rohen Watt wohnten. Dort war das Land dem Meere preisgegeben; dort gruben sie den Darg, der nur unter einer dünnen Decke der Marsch lagerte. Weiter im Binnenlande trieben die Bewohner sicherlich Vieh- zucht. Von den Friesen, die den Chauken benachbart wohnten, wird berichtet, dass sie den Römern Ochsenhäute als Tribut lieferten. 5⁵) Auch steht diese Nachricht von Plinius über die Armut der Chauken ganz im Gegensatz zu den Schilderungen von Tacitus und Vellejus Paterculus, die beide des Volkes Menge und Tüchtigkeit preisen. 5³) Nur die eine Wahrheit ergiebt sich mit Gewissheit aus Plinius' Schilderung, dass man damals den eigentlichen Deichbau noch nicht kannte und die ganze Küste, vor allem das Harlinger, Butjadinger und Hadelerland, der Wohnort der Chauken, den Fluten preisgegeben war. Die Deiche aber, welche man zu bpauen verstand, waren nicht imstande, das Land vor Zerstörung zu schützen. Deshalb kämpfte das Meer Jahrhunderte hindurch siegreich gegen die Werke der Menschen und führte Kata- strophen herbei, von denen wir die wichtigsten betrachten wollen. Zur Zeit der Römer war der grosse Meerbusen, den wir Dollart nennen, noch nicht vorhanden. Die Ems ergoss sich damals in zwei bis drei Mündungen in das Meer, nachdem sie dicht an der Stelle vorübergeflossen war, wo nachher die Stadt Emden erbaut wurde. Der Dollart selber aber befindet sich an Stelle des Reiderlandes, terra Reidensium. Dies war vordem ein Stück Land zwischen Gröningen und Ostfriesland und ragte mit einer Halbinsel nach Nordosten herüber bis gegen Emden. Dies Land bespülte die Ems im Osten und Norden, wührend es an der Nordwestseite den vom Ausflusse der Ems gebildeten Busen berührte. Von da kamen die Fluten, und an der Ostseite nagte das zurückströmende Wasser während der Ebbe an der niedrigen Halbinsel. Eine Flut am 12. Januar 1277 bewirkte die erste grosse Zerstörung. Am 25. Dezember desselben Jahres folgte eine noch verheerendere. Neue Fluten in den Jahren 1278, 1280 und 1287 traten ein und machten den Schaden unheilbar. An 7—◻Meilen Land wurde weggeschwemmt. Darauf lag eine Stadt, drei Flecken und fünfzig grössere und kleinere Ortschaften. Die Mehrzahl dieser Orte lag im nordöstlichen Teile des Busens. Iier befand sich an der Nordspitze des Reiderlandes die volkreiche Stadt Torum, welche einen eigenen Markt, eine eigene Münze und acht Goldschmiede hatte. Etwas weiter landeinwärts stand der reiche Flecken Reiderwolde mit zwei Kirchen, deren eine so reich war, dass sie ein eigenes Domkapitel hatte. Hundert und achtzig Matronen wohnten darin, die ihre Brust mit grossen Schildern von gediegenem Golde 58) Tacit. annal., IV. 72.* ⁵5 ⁹) Tacit. Germ., c. 35.. Vellejus Paterc., II. 106. — 19— schmücken konnten. Auch werden reiche Klöster erwähnt, von denen das eine, Palmar, 190 Mönche ernähren konnte. Das Land wurde zwar noch nicht sofort vollständig aufgegeben; denn Torum stand noch zum Teil im Jahre 1507, und es mochte bis dahin auf den etwas höher gelegenen Stellen Sommerweide getrieben werden, allein die alte Herrlichkeit war verschwunden. Die Dämme, die aufgerichtet wurden, zerstörte das Meer, und man war gezwungen, mit jeder neuen Deichlegung weiter ins Binnenland zu gehen. Erst 1539 wurde ein Damm errichtet, der stark genug war, um das weitere Umsichgreifen des Meeres zu hindern. Die Ufer waren um zehntausend Schritte zurückgerückt. Zwei Flüsse, welche diesen Landstrich bewässerten, die Tiam und Eche, verschwanden dadurch aus der Reihe der Flüsse. ²⁰) Die Entstehung des Dollart hat auch verursacht, dass die Ems ihren Lauf gänzlich verändert hat. Statt wie sonst östlich und nördlich um die Insel Nesserland, die vordem mit Reiderland zusammen- hing, herum und dicht an Emden vorbeizufliessen, hat sie sich einen geraden Weg nach Westen gebahnt und fliesst jetzt an Nesserland südlich vorbei. Zugleich auch sind mit dem ganzen Küstenlande nebst den vorliegenden Inseln grosse Verüänderungen vorgegangen. Die Ems, welche jetzt von Reide nord- westlich fliesst, teilte sich wahrscheinlich, indem sie die Insel Borkum zwischen ihre Mündungen fasste, bei Knock in zwei Arme, von denen der östliche, jetzt verschwundene, durch das Land der heutigen Amter Emden, Pawsum und Norden strömte und zwischen Juist und Nordernei zu der Zeit ins Meer fiel, als die Insel Borkum und Juist noch unter sich und mit dem verlorenen Bant und Buisse nur eine einzige Insel bildeten. Arends meint, das Zerreissen sei pei einer grossen Flut 1170 erfolgt, und es sollen Nachrichten da sein, dass Bant und Borkum noch im 9. Jahrhundert zusammenhingen. 5¹) Weil nun nur noch ein Teil des Stromes sich im alten Bette nach Emden wandte, schlug die Stadt, damals reich durch blühenden Handel, seit dem Jahre 1583 von Nesserlande nach Pogum hin ein gewaltiges Hoeft durch das neue Bett von wenigstens 600 m Breite. Grosse, in doppelter Reihe eingerammte Masten von Eichenholz bildeten die Dämme. Aber das Werk wurde vernachlässigt wegen Streitigkeiten mit benachbarten Städten und seit 1632 dem Meere preisgegeben. Nunmehr ergoss sich der Strom ungehindert von Pogum aus westwärts, und das alte Bett der Ems verschlammte. Gegen- wärtig ist von demselben keine Spur mehr zu sehen; Nesserland ist landfest geworden, Emden liegt eine Stunde von der Ems, und wo einst stolze Handelsschiffe auf dem Strome schwammen, da braust jetzt die Lokomotive durch die Gegend dahin. Weiter nach Osten folgt dann auf den Dollart die Leybucht, ein kleiner Meerbusen, welcher im 13. Jahrhundert entstanden sein soll. Im Amte Esens, der Insel Langeroog gegenüber, ging 1177 das Dorf Otzum unter, dessen Kirchturm von behauenen Flintensteinen gebaut gewesen sein soll. Westlich davon wurden die beiden Kirchdörfer Bense und Oldendorf 1570 am Allerheiligentage von den Fluten verschlungen. 5²) Weiter östlich im Amte Witmund hatte das Meer einen drei Stunden langen Busen vom Neu- harlinger- bis zum Friederikensiel in Jeverland eingerissen, die Harlinger Bucht genannt. 5³) 6) Guthe, Lehrbuch der Geographie, p. 169 ffl.— Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 26 ff. — Daniel, Deutschland, I. p. 4.— Hellwald, Die Erde und ihre Völker, II. 6, 90.— v. Hoff, Natürliche Ver- änderungen der Erdoberfläche, I. p. 358.— Arends, Ostfriesland und Jever, I. p. 76, 94, 155.— Reclus-Ule, Die Erde und ihre Oberfläche, II. 123. 6¹) Arends, Ostfriesland und Jever, I. p. 281, 317.— Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 199, 209, 210. 6²) Arends, Ostfriesland und Jever, II. p. 7. 6³) Arends, Ostfriesland und Jever, II. p. 41. — 20— Dann wiederholt sich die Erscheinung des Dollart an der Ostseite von Jever in der Jadebucht. Dieser über 3 ◻ Meilen fassende Meerbusen ist ebenfalls neueren Datums. Nach Büsching ⁶⁴) wurde im Jahre 1016 zwischen Jade und Weser ein Stück Land verschlungen, auf dem ein Schloss mit Namen Mellum lag. Die eigentliche Entstehung des Busens jedoch setzt man in das Jahr 1218. Einige Ort- schaften sollen sich bis 1422 darin erhalten haben. Seine jetzige Gestalt erhielt der Jadebusen durch grosse Fluten im Jahre 1509; und im Jahre 1511 wurden nochmals bei einer grossen Flut mehrere Kirchspiele in der Vogtei Rustringen von den Wellen verschlungen. Dann wurde noch 1651, wie Büsching erzählt, 6⁵) Land fortgerissen. Das Flüsschen aber, welches seinen Namen an diesen ziemlich ansehnlichen Busen überlassen hat, ist so unbedeutend, dass man die Hervorbringung eines solchen Einbruches seiner Gewalt allein oder auch nur z. T. nicht zuschreiben kunn. Arends hat folgende Vermutung aufgestellt: Der Jadebusen war in älterer Zeit ein Landsee, der ein paar südliche Hauptarme der Weser in sich auf- nahm, die dann aus dem See an der Nordwestseite unter dem Namen Made wieder ausflossen, sich zwischen Sande und Schaar auf einer, Accum und Kniphausen auf der anderen Seite hindurch nach Rustersiehl wendeten und in den jetzigen Ausfluss des Jadebusens sich ergossen. Das Flüsschen Jade hält er für eine andere ehemalige Verbindung des Landseees mit dem Meere durch einen Landstrich, welcher die nachmals untergegangenen Kirchspiele Douwens, Band und Bordum enthielt. Arends macht sich also vom Jadebusen das Bild, wie es die Zuidersee in älterer Zeit mehr im grossen darbot. Auch den erfolgten Durchbruch vergleicht er mit dem der Zuidersee und kommt zu dem Schlusse, dass die Binnenwasser das Land bereits in solchem Grade aufgelöst hatten, dass es zum Durchbrechen für das Meer gunz geeignet war. 5) Dies erscheint auch ganz einleuchtend, und der Einwurf v. Hoffs ⁶*) ist jedesfalls nicht gerechtfertigt, dass diese Entwickelung nicht stichhaltig sei, weil dadurch nicht erwiesen wäre, wie die Verbindung mit dem östlichen Hauptstrome der Weser aufgehoben worden sei. Wir wissen viel- mehr bestimmt und können es historisch nachweisen, dass die Weser bis zum Ausgange des Mittel- alters ein reichverzweigtes, sich bis zur Jade erstreckendes Delta bildete, so dass das Land Butjadingen, jene Halbinsel zwischen Jade und Weser, wie auch Staderland, damals Inseln waren. Die Thätigkeit des Menschen hat diese alten Weserarme in eine Rinne zusammengedrängt. Sie sind aber noch jetzt durch ihre Kleiablagerungen zwischen dem Meere, dem Stader- und dem Butjadingerlande wohl zu erkennen. ˙³) Die Lienen, deren Bette jetzt durch das Elsflether Tief bezeichnet wird, ging unter dem Namen Westerweser bei dem Dorfe Lienen in der Nähe von Elsfleth ins Land, vereinigte sich bei Loyerberge mit der Rosteder Beke und floss dann in die Jade. Ein Arm davon kehrte bei Käseburg wieder in die Weser zurück. Dieser Fluss wurde ums Jahr 1500 zugedämmt. Ein anderer grosser, schiffbarer Weserarm, das sogenannte Lockfleth, kam bei Brake aus der Weser, teilte sich in der Nähe von Oveljönne in zwei Arme, von denen der südlichste unter dem Namen Dornebbe in den Jadefluss ging, der nördliche aber an den Kirchspielen Holzwarden, Rodenkirchen 4) Büsching, Erdbeschreibung, IX. p. 613. 65) Büsching, Erdbeschreibung, IX. p. 610. 6s) Arends, Ostfriesland und Jever, II, p. 223— 235. 67) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfäche, I. p. 369. 38) Niebur, Hisstorische Karte von Oldenburg, Oldenburg 1841. — 21— und Esenshamm vorüber eilte und in der Feldmark Seefeld in den Jadebusen mündete. Dieser Arm ist jetzt noch als das Braker Sieltief wohl zu erkennen. Die letzte Durchdämmung erfolgte 1531 bei Harien. Die Hete, ein dritter Arm, der mit dem Lockfleth zusammen die Insel Stadland einschloss, kam ebenfalls als ein ziemlich breiter, schiffbarer Fluss, vielleicht mit mehreren Armen, aus der Weser und floss vereint mit der Ahne in den Jadebusen. Sie wurde 1450 pei Moorsen und später bei Atens zugedeicht und dadurch Butjadingen landfest gemacht. ⁹) Diese Anderung des Weserlaufes und das Zusammendrängen der Wassermassen in ein einziges Bett hatte seine Folgen. Der Strom grub sich ein erweitertes Bett, unterwusch nach dem bekannten Doveschen Naturgesetz, dass alle auf der nördlichen Halbkugel nach Norden strömenden Flüsse ihr rechtes Ufer unterspülen, sein rechtes Ufer, so dass Inseln, welche noch im 17. Jahrhundert in der Mitte der Weser lagen, jetzt am oldenburgischen Ufer landfest geworden sind, an dem rechten Ufer aber bedeutende Ausdeichungen haben stattfinden müssen. So musste 1419 die Kirche von Sandstedt verlegt werden, und nach Zudämmung des Lockflethes gingen vier Dörfer gänzlich verloren. Dieselben Veränderungen sind mit der Elbe vorgegangen. Sowohl der Fluss selber hat sein Bett verändert, wie auch ganz besonders die Anwohner ihm seinen Lauf vorgeschrieben haben. Die Elbe selbst mündete in den ältesten Zeiten in die heutige Wesermündung, wie auch die Weser einst als Ems, die Oder als Elbe, die Weichsel als Oder in das Meer flossen. Unter dem 52°nördlicher Breite ist für alle diese Flüsse der charakteristische Wendepunkt.*⁰) Vor allem sind es die Hamburger gewesen, die mit bewundernswerter Energie und Ausdauer und durch Jahrhunderte hindurch fortgesetzte Zudeichungen und dergl. den Hauptarm der Elbe an Hamburg herangezwungen und sich den vielleicht günstigsten Handelshafen auf dem Kontinente geschaffen haben. In früher Vorzeit nämlich scheint sich die Elbe von der Spitze bei Schulau unterhalb Blankenese in eine grosse Zahl von Armen gespalten zu haben, welche bis zum offenen Meere hin ein buntes Gewirr von Inseln bildeten, die bald vom Strome geschaffen, bald wieder zerstört wurden. Das alte Ufer eines solchen Armes ist in Holstein und Schleswig bis hinauf nach Ripen als ein mit Dünen bedeckter Abhang der Geest gegen die Marsch noch wohl zu erkennen. Das Volk nennt ihn Cleve oder Clove. Die Marschinseln sind dann landfest geworden, als unter dem Einflusse der veränderten Flutrichtung der Fluss sich mehr nach Nordwesten wandte. Die jetzige Flussrinne ist durch regelrechten Deichbau gebildet und dadurch einer weiteren Zersplitterung derselben vorgebeugt worden. Hamburg hat sich dabei das grösste Verdienst erworben. Durch Deiche sind die beiden Arme Dove- und Goseelbe abgeschnitten, und der Arm des Flusses, der früher geradlinig durch die Vierlande floss, hat sich mit dem Hauptarme vereinigt und fliesst zwischen Hoge und Zollenspieker hindurch. Dove- und Goseelbe, die nur zur Flutzeit von unten herauf Wasser bekommen, bilden die Billwerder Elbe. Dann haben die Hamburger durch Eindeichungen dem Reiher- stiege, einem Elbarme, die Wassermassen entzogen und dem Kohlbrand, der direkt auf den Hafen von Altona hingeht, zugeführt. 7¹)— Aber fortgesetzt bedarf der Strom noch der Beaufsichtigung und der Korrektionen, damit Ver- sandungen verhütet und, wo es nötig ist, neue Eindeichungen vorgenommen werden. 69) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 28, 116 ff., 406 fl.— Vergl. Spruner-Menke, Karte No. 39. ⁰) O. Peschel, Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde, p. 114. 711) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover. p. 85 ff. Von den sieben Inseln, die vor der Küste liegen, Borkum, Juist, Nordernei, Baltrum, Langeroog, Spikeroog und Wangeroog ist Borkum die einzige, die sich immer als Insel zeigt. Zu allen übrigen kann man zur Zeit der Ebbe vom festen Lande aus durch das dazwischen liegende seichte Meer zu Fuss gelangen. Dazu besitzt Borkum, das alte Burchana der Römer, noch Marschland, während die übrigen Inseln nur Reste der alten Dünenkette sind und aus reinem Sande bestehen. Mit dem heutigen Borkum hing auch Juist und Bant vor der Mündung der Ems zusammen. Die damalige Insel mochte etwa 20 ◻Meilen gross sein. Die Ems hat sich einen Weg hindurch gebahnt und Borkum geteilt. Von der Spitze von Knock aus nämlich ging ein noch jetzt durch den tiefen Klei seines ver- schlammten Bettes recht wohl erkennbarer Arm der Ems in östlicher Richtung ab, um Nordernei gegenüber sich ins Meer zu ergiessen. Zwischen diesem alten östlichen Arme des Flusses und seinem westlichen, der mit der heutigen Westerems identisch ist, lag Borkum. Während nun die alte Oster- ems mehr und mehr verschlammte, bildete sich der Fluss ein neues Bette, die jetzige Osterems, wodurch Borkum in zwei Hälften zerrissen wurde, deren östliche den Namen Bant führte. Im 9. Jahrhundert war Borkum noch sehr ansehnlich, dann traten weitere Stromspaltungen ein, infolge deren Bant sich in drei Eilande, Juist, Buise und Bant trennte. Buise, seit 1657 verschwunden, ist jetzt nur eine Sandplatte, und sein Name wird noch in dem Namen des Buiser Tiefs, der südlichen Fortsetzung des Seegats zwischen Nordernei und Juist erhalten. Die Stelle von Bant, ⁷²) welches noch 1743 als ein kleines Inselchen existierte, wird jetzt durch den Hamburger Sand bezeichnet. Juist aber erleidet an der Nordwestseite so starken Abbruch, dass seine jetzige Kirche seit noch nicht zweihundert Jahren vier- mal hat erneuert werden müssen. ²³) Ausserdem gehörte zu Borkum noch Ranzel, heute nur eine Sandbank, mit zwei Dörfern, Hamswesten und Etum.*⁴) Noch am Ausgange des Mittelalters bestand Borkum aus vier Teilen, dem jetzigen Ost- und Westlande, dem Knappensande und dem Wolden. Allein im Laufe von nicht ganz hundert Jahren hat die Insel, wie die Karten zeigen, eine auffallende Verkleinerung erlitten. 7⁵) Heute- treiben die Bewohner auf gutem Kleiboden noch ein wenig Ackerbau. Nordernei, welches seit 1799 Seebad ist, wird durch eine liegende Mauer vorläufig vor weiterer Zerstörung geschützt. Baltrum aber ist unter allen ostfriesischen Inseln diejenige, welche den meisten Verlust erleidet. Noch 1825 nach der grossen Flut mussten Dorf und Kirche von der Westseite nach der Mitte übertragen werden. Spiekeroog ist ebenfalls Seebad. Langeroog, das etwas über 1 km breit ist, wurde durch die Flut des Jahres 1717 mitten durchgerissen, wobei Dorf und Kirche zerstört wurden. Nur wenige Familien leben jetzt noch auf der Insel,*⁶) die in drei Stücke zerrissen ist. Die Insel Wangeroog, ein Uberrest des alten Wangerlandes, welches einst mit dem Festlande zusammenhing und sich weit in das Meer hinaus ePtreckte. war sonst grösser als jetzt. Fluten haben sie in zwei Stücke zerrissen. Von zwei Kirchdörfern, die ehemals auf Wangeroog standen, ist das vor dreihundert Jahren blühende, alte Mellum an der Nordseite längst ganz vom Meere verschlungen ²²) Büsching, Erdbeschreibung, VI. p. 300. ²³) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 15, 22, 214. ⁴) Arends, Ostfriesland und Jever, I. 50, 82, 91, 92, 317. ²⁵) Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, II. p. 123. ²) Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, p. 218 und 220. — 23— worden, während von dem andern wenigstens die Kirche sich noch erhalten hat, in deren untersten Räumen noch in den 20 ziger Jahren Gottesdienst gehalten wurde. ²⁷) Überhaupt gab es zur Zeit der Römer hier viel mehr Marschland, weil Jade und Dollart noch nicht vorhanden, die heutigen Watten aber damals nur Kanäle von geringer Breite waren. 1⁵) stlich von Wangeroog sollen noch mehrere Inseln gelegen haben. Plinius zählte ja, wie wir bereits oben sahen, von Texel bis zur Eider 32, und jetzt findet man, Neuwerk und Helgoland mit einbegriffen, nur 16. Helgoland aber selbst hat von den Fluten am meisten gelitten. Die Insel, die an ihrem Fusse aus Buntsandstein, an ihren oberen Teilen aus abwechselnden Schichten eines verhärteten Thones und eines weichen Sandsteines besteht, früher von weitausgedehnten Kreidebildungen umgeben war, zeigt in ihrem ganzen Umfange 60 m hohe Steilwände, die an„dem Fusse von den Wogen zernagt und zerrissen werden. Schon um das Jahr 800 soll ein grosser Teil derselben vom Meere verschlungen worden sein.*⁹) Weitere Abreissungen in den Jahren 1300, 1500 und 1649 haben fast nur einen Felsen und weniges niedriges, mit Dünen bedecktes Land, etwa den vierten Teil der Grösse, welche die Insel vor dem 14. Jahrhundert hatte, übrig gelassen. Clarke hat eine Karte bekannt gemacht, die die Gestalt der Insel im 9., 14. und 17. Jahrhundert zeigt. Zwei vortreffliche Häfen, welche der Insel eine grosse, strategische Wichtigkeit verliehen, öffneten sich noch gegen Ende des 17. Jahrhunderts im Norden und Süden zwischen den beiden Felsenmassen. Seit 1770 hat sich auch zwischen dem niedrigen und dem hohen felsigen Teile der Insel ein Strom hindurchgearbeitet und aus einer zwei Inseln gemacht. An Stelle der Steilwände sind einige Dünen und in der Ebbezeit trockenliegende Sandbänke getreten. Die Häfen sind nicht mehr vorhanden, und die grössten Kriegsschiffe segeln dort, wo noch vor andert- halb Jahrhunderten der Isthmus die Inseln verband. Wer vermöchte heute überhaupt in dem 2 km. langen und 600 m breiten Felsen von Helgoland das Land wiedererkennen, von dem Adam von Bremen ⁵o) im Jahre 1072 berichtet, dass es sehr fruchtbar, reich an Korn, Vieh und Geflügel, aber baumlos war, und dass es acht Milliaria in die Länge und vier in die Breite mass? Gegenwärtig sind einige Kartoffelfelder und ein paar magere Weiden die einzigen Überreste der ehemaligen Fruchtbarkeit. s¹) v. Hoff nun ist der Meinung, dass sämtliche Inseln einst eine zusammenhängende Dünen- reihe im Meere gleich den Nehrungen im baltischen Meere bildeten, in welcher sich nur den Mündungen der Ems und Weser gegenüber Öffnungen befanden. Oskar Peschel¹*²) hält sie für die Uberbleibsel des alten Küstenrandes von Deutschland gegen Norden. Er sagt:„Dass die übriggebliebenen Inseln ehemals viel grösser waren, beweist unter anderem für Borkum der Fund von Brunnen und Urnen auf einer Aussenbank, sowie das unaufhaltsam fortschreitende Abzehren von Helgoland.“ Und dass sich Deutschland einst bis zur Insel Helgoland erstreckte, das beweist nach Peschel, dass auf den ost- ²¹) Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, II. p. 124.— Arends, Ostfriesland und Jever, II. p. 275. 1⁸) Arends, Ostfriesland und Jever, I. p. 52. ²⁹) v. Hoff, Natürliche Veränderungen der Erdoberfläche, I. p. 56 ff.— NB. Ueber Helgolands Grösse ist mancherlei fabuliert worden, was einer gründlichen Untersuchung und Richtigstellung erst noch bedarf. Vieles ist durch K. W. M. Wiebel, Die Insel Helgoland, berichtigt worden. 8⁰) Adam Brem. de situ Daniae, IV. 3. 81) Reclus-Ule, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Oberfläche, II. p. 121 ff. 8²) 0. Peschel, Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde, p. 113. friesischen Inseln Bernstein vom Meere angespült wird; denn wo dies geschieht, muss notwendiger- weise ehemals trockenes Land, welches die Bernsteinhölzer trug, in das Meer hinabgetaucht sein. Diese Senkung aber wird durch andere Pflanzenbildungen bestätigt. „Befinden sich“, sagt Geinitz in dem Werke über die Steinkohlen Deutschlands,„hie und da, wie an den Küsten der Nordsee, Torflager unter dem Meeresspiegel, so sind sie durch Senkungen der Ufergelände entstanden, weil Torf auf einem Seeboden sich nicht bilden kann.“ Von der Elbmündung erstreckt sich dann die alte Küstenlinie 187 km nordwärts bis Blaavands Huk, da wo die Dünenkette von Jütland beginnt. Auf dieser Strecke ist ebenfalls der Schauplatz der furchtbarsten Verheerungen gewesen. Nicht nur die Westküste der Herzogtümer Schleswig-Holstein hat die grössten Veränderungen erlitten, sondern die Herzogtümer sind seit den ältesten Zeiten voll- ständig umgestaltet worden, wenn wir den Untersuchungen v. Maacks vollen Glauben schenken dürfen. ³³) 83) v. Maack, Das urgeschichtliche schleswig- holsteinische Land, Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, N. F., B. VIII. p. 126. (Fortsetzung im nächstjährigen Programm.) —---—Q— Antrittsrede des Direktors. —,—— Wemn ich in diesem Augenblicke an diese Stelle trete, um nunmehr alle Rechte und Pflichten des Amtes zu übernehmen, dessen Geschäfte ich tpeilweise schon seit einiger Zeit geführt, so sind es vor allem zwei widersprechende Gefühle, die mein Herz bewegen: das Gefühl der Trauer und das der Freude. Trauer erfüllt meine Seele, dass der Mann nicht mehr an dieser Stelle steht, der einst mein Lehrer, dann mein Kollege, dann mein Vorgesetzter gewesen, dem menschliches Urteil noch so manches Lebensjahr zugesprochen hätte, der uns so plötzlich vor Jahresfrist entrissen wurde. Und daneben findet doch auch die Freude Platz, die Freude, dass, wenn denn einmal nach Gottes unerforschlichem Ratschluss Direktor Preime von uns genommen werden sollte, nunmehr kein Fremder seinen Platz einnimmt, der die Menschen und Dinge hier erst kennen lernen, an den wir uns erst gewöhnen müssten, dass die vor zwei Monaten bestätigte Wahl auf mich gefallen ist, der ich seit 15 Jahren dieser Anstalt angehöre, der ich sie habe gründen helfen, der ich ein Jahrzehnt hindurch nicht daran gedacht, sie jemals wieder verlassen zu wollen, der ich jetzt die Hoffnung hege ihr bis an mein Lebensende meine Dienste widmen zu können. Und mit dem Gefühl der Freude paart sich das verwandte Gefühl des Dankes dafür, dass mir die Stelle zuteil geworden: des Dankes zuerst gegen den Lenker der Menschengeschicke, der es nicht gewollt, dass ich, wozu sich in den letzten Jahren mehrmals die Gelegenheit zu bieten schien, an einem anderen Orte Leiter einer Schule würde; des Dankes gegen Seine Majestät unseren König und Kaiser, dessen Bestätigung meiner Wahl erst mir die Leitung unserer Schule übertrug; des Dankes gegen den Herrn Minister und seine Rüte, die Seiner Majestät die Bestätigung vorgeschlagen, gegen das Königliche Provinzialschulkollegium unserer Provinz, meine vorgesetzte Dienstbehörde, welches diesen Vorschlag befürwortet; des Dankes gegen das Kuratorium unserer Anstalt, den Stadtrat und Bürgerausschuss, die mich zu dem Amte präsentiert, und endlich gegen alle die Freunde und Mitbürger, die an meiner Wahl so lebhaften Anteil genommen, die sie so von Herzen gewünscht haben. Und unter diesen habe ich besonders noch meiner Kollegen zu gedenken, die so einmütig den Wunsch gehegt, dass ich an ihre Spitze gestellt werden möchte. Ich habe schon mancherlei Leid und Enttäuschung in meinem Leben erfahren, es ist mir schon manche Freude und Genugthuung geworden. Mit zu dem Schönsten, was ich erlebt, rechne ich die Thatsache, dass alle meine Kollegen, die älteren wie die jüngeren, voran die beiden, welche das Direktorat während des nunmehr verflossenen Jahres versehen haben, gemeinsam diesem Wunsche Ausdruck verliehen; und diese Thatsache würde, auch wenn die Wahl nicht auf mich gefallen wäre, mir stets hohe Befriedigung geboten haben. Sie giebt mir aber auch den Mut mit Zuversicht an die Aufgabe heranzutreten, die mir gestellt ist. Sie lässt mich annehmen, dass es keine Selbstüberschätzung war, wenn ich mir zutraute mit 4 — 26— Gottes Hilfe den Pflichten des Direktorates gewachsen zu sein, sie giebt mir vor allen Dingen das feste Vertrauen, dass ich in meinen Kollegen stets treue Helfer in meinem Amte, in unserem Berufe finden werde, sie giebt mir die Gewissheit, dass wir einig sind in den Grundanschauungen über das, was unsere Aufgabe ist. Es werden daher keine eigenen, besonderen, neuen Gedanken sein, die ich jetzt aussprechen werde, wenn ich kurz von den Aufgaben der Schule überhaupt und von denen unserer Schule, des Realgymnasiums, insbesondere rede, es werden die Ansichten des Lehrerkollegiums sein, denen ich Worte leihe. Der Endzweck alles Unterrichts, aller Erziehung ist die Erreichung der Selbständigkeit des zu Erziehenden; die Aufgabe der Schule ist, ihre Thätigkeit bei jedem einzelnen ihr anvertrauten Zögling immer mehr unnötig zu machen. Wir haben unser Ziel erreicht, wenn wir einen jeden befähigt haben nun selbständig, ohne fortwährende Leitung im einzelnen, sich für den Beruf fachmässig aus- zubilden, dem er sich zu widmen gedenkt. Zu selbständigem Urteilen, zu selbständigem Wollen und Handeln müssen wir unsere Schüler hinzuführen suchen, wir müssen ihre geistigen wie ihre körperlichen Fähigkeiten zu wecken, ihnen selbst zum Bewusstsein zu bringen, zu üben und dadurch in jeder Weise zu kräftigen suchen, wir müssen sie befähigen tüchtige Bürger ihres Staates, treue Angehörige ihrer Kirchengemeinschaft, nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft zu werden. Wir dürfen uns darum nicht darauf beschränken wollen. Kenntnisse zu geben. Dieselben sind niemals überhaupt der Zweck. vielmehr nur Mittel zum Zweck, nämlich zum Zweck der Ausbildung der geistigen Fähigkeiten. Dies Mittel hat allerdings vielfach für den speziellen Beruf wie für das Leben jedes Menschen seinen grossen Nutzen, es ist auch für die Schule oft das einzige Mass zur Beurteilung der erreichten Höhe der Geistesbildung, aber es steht doch immer erst in zweiter Linie, die Schulung des Geistes, des Denk- vermögens ist das eigentliche Ziel. Aber die Denkfähigkeit ist wertlos, wenn ihr die rechte Richtung fehlt, wenn ihr der sittliche Inhalt mangelt, wenn der Mensch keine Ideale kennt. Diese sind nicht Schöpfungen seines Denkver- mögens, nicht von seinem Verstande erzeugt, das Gemüt erfasst sie, der Wille strebt ihnen nach, nicht der Unterricht giebt sie, sondern die Erziehung. Die höchsten Ideale hat uns das Christentum geschaffen, die Religion der Liebe, die den Gedanken von der Zusammengehörigkeit des Menschengeschlechts, von der Gleichberechtigung aller, da alle Kinder eines Vaters sind, erst zur allgemeinen Verbreitung gebracht hat. Wenn wir nur stets das Gebot von der Liebe des Nüchsten mit all seinen praktischen Folgerungen unseren Schülern ans Herz legen, wenn wir nur für jeden einzelnen Fall es richtig auslegen und anwenden, dann erziehen wir zu den höchsten Idealen. Die Ubung der Nächstenliebe macht zum tüchtigen Staatsbürger, denn sie lehrt, dass der Mensch sich an den Menschen reihen soll, dass er allein durch seine Sitte frei und mächtig sein kann; sie macht zum guten Christen, denn sie beweist, dass der Glaube kein toter, also kein Scheinglaube ist; sie macht zum nützlichen Glied der menschlichen Gesellschaft, denn sie hilft die Gesamtheit einander immer näher bringen und so sie dem Ziele entgegenführen, das ihr gesteckt ist, immer besser und vollkommener und freier zu werden. Frei von Selbstsucht und Eigennutz sich in den Dienst seines Staates, seiner Kirchen- gemeinschaft, der Menschheitstellen, das heisstideal gesinntsein, ideales Streben haben, und dazu die Jugend hinzuführen, das ist das höchste Ziel der Erziehung in der Schule. Ideale Geistesrichtung kann daram niemals abhängen von Verstandeskraft und — 27— Unterrichtsstoff, sondern nur von Gemütsanlage und Erziehung, wie sie Haus und Umgebung und Schule und Leben am Einzelnen bewusst oder unbewusst üben. Aber nach dem alten Wort mens sana in corpore sano darf die Schule auch die Sorge für den Körper nicht ausser Augen lassen, für einzelne Teile desselben wie für ihn im ganzen. Verstand und Gemüt vermögen nicht das Richtige zu leisten, wenn der Körper nicht hilft. Wie wichtig ist die Ausbildung der Sinne für die Schärfung des Denkvermögens wie die Richtung des Fühlens und Wolleus, wie notwendig die Schonung und Behitung der Sinnesorgane für die Brauch- barkeit derselben! Wie bedeutungsvoll ist allgemeine körperliche Gesundheit für die Prreichung der Ziele, die wir uns gesteckt! Wenn wir euch zurufen, ihr Schüler, dass ihr gerade sitzen sollt, dann wollen wir euer Rückgrat vor Verkrümmung schützen, dann wollen wir verhüten, dass eure Brust sich zusammendrückt, dann wollen wir eure Augen davor bewahren, dass sie ihre Sehfähigkeit beein- trächtigen. Wenn wir euch aufstehen lassen bei jeder Frage, dann wollen wir euch nicht bloss an Anstand gewöhnen, wir wollen euch auch Veranlassung zur Bewegung der Glieder geben, wie sie sich mit dem Unterricht im Zimmer wohl verträgt. Wenn wir euch in jeder Pause hinausschicken ins Freie und zwischen je zwei Stunden zu diesem Zwecke eine Pause machen, so wollen wir euch die Gelegenheit geben wieder frischere, gesundere Luft, als sie im Zimmer zuletzt war, in eure Lungen aufzunehmen und wollen es zugleich ermöglichen, dass inzwischen neue Luft in Menge den Zimmern zugeführt wird. Wenn wir euch turnen lassen, dann soll euch Veranlassung geboten werden jeden Muskel des Körpers in geordneter Weise zu prüfen und auszubilden. Wenn wir euch auffordern öfters Gänge in unsere schönen Wälder zu machen, wenn wir selbst euch dahin führen, wenn wir euch ans Herz legen Spiele zu üben, in denen Hand und Fuss und Auge ihre Tüchtigkeit zeigen können, dann soll das alles eurem Wohlbefinden dienen, dann wollen wir den Körper gesund zu erhalten oder gesund zu machen suchen, damit in ihm eine gesunde Seele wohnen könne. Das sind die Aufgaben, die jede Schule, ganz besonders jede höhere Schule sich zu stellen hat. Und wie steht es mit denen des Realgymnasiums insbesondere? Schon die Unterrichts- und Prüfungsordnung vom 6. Oktober 1859 für die Realschulen erster Ordnung sprach es aus, dass dieselben keine Fachschulen, sondern höhere Unterrichtsanstalten sein sollten, die, wie die Gymmasien, dazu bestimmt wären, eine höhere allgemeine Bildung zu verleihen. Anfangs von dem Besuch der Universitäten ausgeschlossen, sind unsere Abiturienten seit dem Jahre 1870 zum Studium der Mathematik und der Naturwissenschaften und zu dem der neueren Sprachen zuge- lassen worden, und sie haben durch die Ergebnisse ihrer Prüfungen bewiesen, dass sie dessen würdig waren. Vor wenigen Tagen hat ein früherer Schüler unserer Anstalt in Marburg das eramen rigorosun, die Prüfung zur Erlangung der Doktorwürde, mit dem Prädikat magna cum laude, einem selten ver- liehenen Grade, bestanden. Noch werden uns die Zugänge zu anderen Studien streitig gemacht, aber wir werden den Mut nicht verlieren, wir werden unsere Forderung voller Gleichberechtigung mit dem humanistischen Gymnasium immer und immer wiederholen, wir werden dieser Forderung durch die Leistungen unserer Schüler Nachdruck geben, und endlich wird doch das Wort des Schöpfers der Realschule erster Ordnung, des Geheimen Oberregierungsrates Wiese, das er letzte Ostern zu uns, den Delegierten des Realschulmännervereius, in Berlin aussprach, in Erfüllung gehen, das Wort kandem bona causa triumphabit, endlich wird die gute Sache siegen. Es ist eine gute Sache, für die unsere Schule kämpft, wenn sie die Zulassung ihrer Abiturienten zu allen Universitätsstudien verlangt; sie will und wird damit nicht nur ihrer eigenen Entwickelung, — 28— sondern auch der jener Studien dienen. Sie werden vielseitiger, gründlicher werden, wenn sie auch mehr von der Seite aufgefasst werden, in der der Charakter des Realgymnasiums sich ausprägt. Das ist keine Anstalt, die im Gegensatz zu den idealen Zielen einer anderen Schule ihren Namen trägt, sondern mit diesem besonderen Namen wird nur der besondere Weg gekennzeichnet, den sie geht nach demselben hohen Ziele hin wie das klassische Gymnasium. Auch sie schliesst mit ihrem Gange noch nicht die Zulässigkeit anderer Pfade ab, die zu demselben Ziele führen können. Es lässt sich auf die Möglichkeit der Erreichung allgemeiner Bildung dasselbe Bild anwenden, das unser Schiller von den Künsten gebraucht, deren jede von der anderen verschieden ist und doch demselben Zweck dient, in der Schönheit die Wahrheit zur Anschauung zu bringen. Er vergleicht sie mit den sieben Regenbogen- strahlen, in denen dasselbe Licht gebrochen so ganz verschieden sich darstellt und aus denen, wo sie im Prisma wieder zusammenlaufen, doch das eine weisse Licht entsteht. So können auch mancherlei Wege hinführen zu dem Ziel höherer allgemeiner Bildung, von denen wir zwei bis jetzt als die zuver- lässigsten erkannt haben, die der beiden Gymnasien. Während das eine hauptsächlich die Sprachen, und zwar in erster Linie die altklassischen Sprachen, als Mittel zur Schärfung des Geistes benutzt, legt das andere neben den Sprachen, deren eine nur dem Altertum angehört, noch ein wesentliches Gewicht auf die realen Wissenschaften. Hat sich durch die neuen Lehrpläne vom 31. März v. J. auch die Zahl der Unterrichtsstunden in Mathematik und Naturwissenschaften um ein Geringes ver- ändert— es sind 4 naturwissenschaftliche und 3 Mathematikstunden weniger und 8 sprachliche Stunden mehr geworden— so ist der Grundcharakter unserer Anstalt doch derselbe geblieben. Der Zuwachs an Lateinstunden aber, den wir bekommen haben, wird sicherlich von der segensreichsten Wirkung sein. Denn nicht nur wird nunmehr durch Verstärkung der Lektüre in den oberen Klassen viel eher die Möglichkeit geboten sein unsere Schüler durch die alten Schriftsteller selbst mit dem Altertum näher bekannt zu machen, es wird nicht nur ein festerer Mittelpunkt für den sprachlichen, namentlich den fremdsprachlichen Unterricht gewonnen sein, sondern es wird auch— und das sehe ich als den grössten Vorteil an— das früher hier und da an den Realschulen geltende Vorurteil schwinden, als dürfe man an ihnen das Latein oberflächlich behandeln. Mit der für das Latein geforderten Gründlichkeit ist aber auch dieselbe Forderung für andere Lehrgegenstände gestellt, wie umgekehrt die früher öfters gestattete oder gutgeheissene Oberflächlichkeit auch zur Oberflächlichkeit in anderen Disziplinen führen konnte und oft führte. Daneben bleibt die Möglichkeit durch den naturwissenschaftlichen Unterricht früh und stetig die Sinne, das Beobachtungsvermögen neben dem Verstande, dem Denkvermögen, zu üben und so für manche praktische oder wissenschaftliche Berufsarten neben der gleichen Schulung des Geistes eine geeignetere Grundlage von Fähigkeiten und Kenntnissen zu geben, als sie das humanistische Gymnasium zu geben vermag. Je mehr wir Lehrer uns die Gründlichkeit des Unterrichts zur Aufgabe machen, je mehr ihr Schüler euch bemüht mit Gründlichkeit die euch gestellten Aufgaben zur Aus- führung zu bringen, um so eher werden wir den Beweis unwiderleglich liefern, dass wir in nichts hinter der älteren Schwesteranstalt zurückstehen, dass wir ihr ebenbürtig sind; um so tüchtigere Bürger werden dem Staate, um so aufrichtigere Anhänger der Kirche, um so nützlichere Glieder der menschlichen Gesellschaft zugeführt werden. Hierzu das Meine nach Kräften in meinem Amte beizutragen ist mein fester Vorsatz, dem Gott der Herr seinen Segen verleihen möge! —.-ͤ— Jahresbericht. das Sehuljahr von Ostern 1883 bis Osterl 1884 betreffend. I. Lehrverfassung. A. Klassen und Lehrplan. Das Realgymnasium zühlte während des verflossenen Schuljahres 16 Klassen: Sexta a, b und c, Quinta a und b, Quarta a und b, Untertertia a und b, Obertertia a und b, Untersekunda a und b, Obersekunda, Unterprima und Oberprima. B. Erledigte Lehrpensa. Sexta. Ordinarien: In VIa Dr. Schantz, in VIb Heydenreich, in VIc im Sommer Dr. Geis, im Winter Dr. Hildebrand. Wöchentlich 28 Stunden(ohne Gesang und Turnen). Kursus einjährig. I. Religion. 3 St. In a Lange, in b und c Spangenberg. Ausgewühlte biblische Geschichten des Alten Testaments bis zur Teilung des Reichs. Die zehn Gebote, die drei Artikel des christ- lichen Glaubens und das Gebet des Herrn(sämtlich ohne Luthers Erklärung). Drei Kirchen- lieder und 20 Sprüche wurden gelernt. Lehrbücher: Hessischer Landeskatechismus und biblische Geschichten von mehreren Lehrern Cassels. 2. Deutsch. 3 St. In a Dr. Schantz, in b Dr. Siebert, später Dr. Ulrici, in e Jürgens, im Winter Dr. Hildebrand. Musterstücke aus dem Lesebuch von Hopf und Paulsiek gelesen, be- sprochen und wiedergegeben. Gedichte auswendig gelernt und vorgetragen. Die Wortklassen mit besonderer Berücksichtigung der Präpositionen und der einfache Satz. Das Notwendigste aus der Interpunktionslehre. Orthographische und grammatische schriftliche Ubungen. Wöchentlich ein Diktat. 9. Latein. 8 St. In a Dr. Schantz, in b Dr. Wittich, später Dr. Ulrici, in e Dr. Geis, im Winter Dr. Hildebrand. Das regelmässige Substantiv, Adjektiv, Pronomen, Numerale, die Genusregeln, das regelmässige Verbum mit Ausnahme der vierten Konjugation. Ubungen im Übersetzen aus dem Lateinischen und ins Lateinische, wobei das Wichtigste aus der Lehre vom Subjekt, Prädikat, Objekt, Attribut eingeprägt wurde. Memorieren der dazu gehörigen Vokabeln. Scheele I,§ 1— 22 b. 4. Geschichte. 1 St. In a Lange, in b Davin, später Dr. Ulrici, in c Dr. Geis, im Winter Dr. Hildebrand. Altdeutsche Sagen und biographische Erzühlungen aus der deutschen Geschichte. — 30— Geographie. 2 St. In a Lange, in b Heydenreich, inc Heydenreich, im Winter Dr. Hilde- brand. Geographische Grundbegriffe. Wiederholung der Heimatskunde; Provinz Hessen-Nassau. Orientierung auf dem Globus. Allgemeines über die fünf Erdteile. Übungen im Zeichnen. 6. Rechnen. 5 St. In a Lange, in b Heydenreich, in c Dr. Geis, im Winter Erdmann. Das Zehnersystem, Resolution, Reduktion, die vier Species in benannten ganzen Zahlen, Zeit- rechnung und die gemeinen Brüche. Hauptsächlich Kopfrechnen. Böhme, UÜbungsbuch VIII und IX. 7. Naturgeschichte. 2 St. In a und b Heydenreich, in e Dr. Geis, im Winter Heydenreich. Im Sommer: Übungen im Beschreiben von solchen Blütenpflanzen, welche die wichtigeren Pflanzen- teile besonders deutlich erkennen lassen. Im Winter: Beschreibung von Repräsentanten aus den Klassen der Säugetiere und Vögel. S. Schönschreiben. 2 St. In a Erdmann, in b und c Spangenberg. Die Buchstaben des kleinen und grossen Alphabets deutscher und lateinischer Schrift in stufenmässiger Folge, einzeln und in Verbindungen. Taktschreiben. 9. Zeichnen. 2 St. In a Karbiner, in b und c Erdmann. Übungen im Freihandzeichnen nach Vorzeichnungen an der Schultafel. 10. Gesang. 2 St. Jürgens. Stimmübungen. Einübung von Chorälen und ein- und zweistimmigen Volksliedern nach dem Gehör. I1. Turnen. 2 St. Erdmann. Die der uutersten Stufe entsprechenden Glieder-, Ordnungs-, Gerät- und Gerüstübungen, wie sie der„Neue Leitfaden“ angiebt; grösstenteils Gemeinübungen; Turnspiele. 8 Quinta. Ordinarien: In Va Völler, in Vb Dr. Danker. Wöchentlich 30 Stunden(ohne Gesang und Turnen). Kursus einjährig. I. Religion. 2 St. In a Jürgens, in bSpangenberg. Biblische Geschichten des Neuen Testaments mit Ausschluss der schwierigeren Gleichnisse und der längeren Unterredungen. Luthers Erklärung des I. Hauptstücks, dazu 20 Bibelsprüche und 2 Kirchenlieder. Wiederholung der früher gelernten Sprüche und Lieder. Lehrbücher: Biblische Geschichten von mehreren Lehrern Cassels; Hessischer Landeskatechismus. 2. Deutsch. 3 St. In a Jürgens, in b Erdmann, im Winter Dr. Hildebrand. Musterstücke aus dem Lesebuche von Hopf und Paulsiek gelesen, besprochen und wiedergegeben. Gedichte auswendig gelernt und vorgetragen. Der einfache erweiterte Satz. Die leichteren Formen des zusammen- gesetzten Satzes. Die Konjunktionen. Interpunktionslehre. Orthographische und grammatische schriftliche Ubungen im Bilden von Sätzen. Wöchentlich eine schriftliche Arbeit(Diktat oder leichter Aufsatz). 3. Latein. 7 St. In a Dr. Stehlich, in b Dr. Danker. Wiederholung des grammatischen Pensums von Sexta. Vierte Konjugation. Deponentia. Verba anomala, defectiva und neutro-passiva. Komparation der Adjektiva und Adverbia. Das Verbum infinitum. Dauneben Ergänzungen aus der Deklination des Substantivs und Adjektivs, der Zahlwörter und Fürwörter; ausserdem die Präpositionen. Nach Scheele I. Abschnitt VII— XI. Entsprechende Übersetzungsübungen, die Konstruktionen des Acc. c. Inf. und des Abl. abs. wurden bei der Lektüre erläutert. Mündliche und schriftliche Einübung, auch Retroversion. Anfang in zusammenhängender Lektüre nach Wellers Lesebuch. Memorieren von Vokabeln und Mustersätzen; Exereitien; Extemporalien, die, wie das in Sprachstunden als Regel gilt, nach deutschem Diktat sofort in der fremden Sprache niedergeschrieben wurden. Französisch. 5 St. Dr. Danker. Plötz, Elementargrammatik, Lektion 1— 60. Exercitien und Ex- temporalien wöchentlich abwechselnd. Geschichte. 1 St. In a Völler, in b Erdmann, im Winter Jürgens. Deutsche Sagen und biographische Erzühlungen. 6. Geographie. 2 St. In a Völler, in b Erdmann, im Winter Jürgens. Die Länder Europas mit besonderer Berücksichtigung Deutschlands. Kartenzeichnen. Seydlitz, Grundzüge. 7. Rechnen und Geometrie. 4 St. In a Völler, in b Erdmann. Die gemeinen Brüche und die Decimalbrüche. Regel de tri in Brüchen, vorzugsweise unter Anwendung der Auflösungsweise durch Schluss über die Einheit hin. Böhme, Ubungsbuch No. IX. Vorbereitungen für den geometrischen Unterricht. Naturgeschichte. 2 St. Völler. Im Sommer: Beschreibung und Vergleichung phanerogamischer Pflanzen. Morphologisches. Im Winter: Beschreibung und Vergleichung von Säugetieren und Vögeln. 9. Schönschreiben. 2 St. In a Jürgens, in bSpangenberg. Übung der deutschen und lateinischen Buchstaben in stufenmässiger Folge und Anwendung in Wörtern und Sätzen. Taktschreiben. 10. Zeichnen. 2 St. Karbiner. PFreihandzeichnen nach Vorzeichnungen an der Schultafel. II. Gesang. 2 St. Erdmann. Stimmübungen. Einübung von Chorälen und mehrstimmigen Volks- liedern.. 12. Turnen. 2 St. Erdmann. Das Pensum der Klasse VI. Hierzu kommen die im„Neuen Leit- faden“ mit † bezeichneten und dieser Stufe entsprechenden Frei-, Gerät- und Gerüstübungen; Turnspiele. H 8r 93 Quarta. Ordinarien: In IVa Dr. Stehlich, in IVb Dr. Hölting. Wöchentlich 30 Stunden(ohne Gesang und Turnen). Kursus einjährig. I. Religion. 2 St. In a Spangenberg, in b Jürgens. Erklärung des I. Hauptstücks und im Anschluss hieran die allgemeinen Forderungen der christlichen Sittenlehre unter Heranziehung der Bergpredigt. Die früher gelernten Sprüche und Lieder wurden wiederholt, neu gelernt zwei Kirchenlieder und 30 Sprüche. Einübung des II. Hauptstücks. Die Einteilung und Reihenfolge der biblischen Bücher nebst Übung im Aufschlagen einzelner Bibelstellen. Die Gleichnisse aus den Perikopen. 2. Deutsch. 3 St. In a Spangenberg, in b Jürgens. Erklärung prosaischer und poetischer Musterstücke aus Hopf und Paulsiek. Mündliche und teilweise auch schriftliche Wiedergabe des Gelesenen. Repetition und Erweiterung des grammatischen Pensums. Satzlehre. UÜbung im Vortrag. Alle 14 Tage ein Aufsatz. 3. Latein. 7 St. In a Dr. Stehlich, in b Dr. Hölting. Wiederholung des grammatischen Pensums von Sexta und Quinta. Einübung des Acc. c. Inf. und des Abl. absol., dann der Kasuslebre nach Scheele, Teil II.§ 1— 27 und 37— 52. Lektüre aus Wellers lateinischem Lesebuch. Wöchentlich ein Exercitium oder Extemporale. 77 4. Franzdsisch. 5 St. In a Dr. Stehlich, in b Dr. Hölting. Wiederholung des Pensums von Quinta. Die Formenlehre wird beendet. Plötz, Elementargrammatik, Lektion 61— 112. Exer- citien, Extemporalien. Memorier- und Sprechübungen. Geschichte. 2 St. In a Dr. Schantz, in b Direktor. Griechische Geschichte bis zu Alexander dem Grossen; römische Geschichte bis zur Kaiserzeit. Pütz, Grundriss der Geschichte und Geographie für mittlere Klassen. Teil I. 8 5 6. Geographie. 2 St. In a Heydenreich, in b Grebe. Asien, Afrika, Amerika und Australien. Repetition von Europa. Einiges aus der mathematischen Geographie. Anweisung zum Karten- zeichnen. Seydlitz, Grundzüge. 7. Mathematil. 5 St. I. Rechnen. 3 St. In a Spangenberg, in b Jürgens. Anwendung des Rechnens mit gemeinen Brüchen und Decimalbrüchen auf Zins-, Rabatt-, Termin-, Verteilungs- und Mischungsrechnung. Einfache Flächen- und Körperberechnungen. II. Geometrie. 2 St. Heydenreich. Einleitende Formenlehre, die von der Betrachtung der regelmässigen Körper ausgeht und an ihnen die geometrischen Grundanschauungen vermittelt unter Zuhilfenahme zeichnenden und sonstigen Nachbildens. Die Lehre von den Winkeln und Parallellinien, Sätze vom Dreieck bis zu den Kongruenzsätzen einschl.; die wichtigsten Sätze über die Inhaltsgleichheit der geradlinig begrenzten Figuren bis zum pythagoräischen Lehrsatze. Lösen entsprechender Konstruktionen. Koppe, Abschnitt I—IV incl. und Abschnitt VII. S. Naturgeschichte. 2 St. In a Völler, in b Stange. Im Sommer: Beschreibung und Vergleichung von Pflanzen der Umgegend und Einübung des Linné'schen Systems. Im Winter: Systematische Behandlung der Säugetiere, Reptilien und Amphibien. 9. Zeichnen. 2 St. Karbiner. Freihandzeichnen nach Vorzeichnungen an der Schultafel und nach Wanqdtafeln. 10. Gesang. 2 St. Erdmann. Vierstimmige Chorgesänge nach Noten. 11. Turnen. 2 St. Jürgens. Frei- und Ordnungsübungen wie in VI und V. Hierzu kamen im „Neuen Leitfaden“ mit* bezeichnete Ubungen. Der Turnfähigkeit der Klasse entsprechende Gerät- und Gerüstübungen. Turnspiele. Unter-Tertia. Ordinarien: In III, 2a Dr. Hornstein, in III, 2 5b Lange. Wöchentlich 32 Stunden(ohne Gesang und Turnen). Kursus einjährig. I. Religion. 2 St. In a Dr. Schantz, in b Lange. Erklärung des II. Hauptstücks, zugleich als Grundlage der christlichen Glaubenslehre. Einübung des III. Hauptstücks. Sprüche und Lieder neu gelernt, andere wiederholt. Das Kirchenjahr. Gründung der christlichen Kirche und ihre erste Ausbreitung nach dem Bericht der Apostelgeschichte. Lehrbuch: Hess. Landeskatechismus. 2. Deutsch. 3 St. In a Krauth, in b Lange. Lektüre poetischer und prosaischer Musterstücke aus Hopf und Paulsiek(Tertia), verbunden mit sachlichen und sprachlichen Erläuterungen. UÜbung im Vortrag und in der mündlichen und schriftlichen Wiedergabe des Gelesenen. Einführung in die Lehre vom zusammengesetzten Satz. Alle drei Wochen ein Aufsatz. — 33— 5. Latein. 6 St. In a Krauth, in b Zwirnmann. Die Moduslehre nach Scheele II. Exercitien und Extemporalien. Lektüre aus Ellendt, Materialien. Repetition der gesamten Formenlehre und der Casuslehre nach Scheele I und II. F'ranzösisch. 4 St. In a Dr. Grebel, in b Dr. Danker. Wiederholung des grammatischen Pensums der Quarta. Plötz, Schulgrammatik, Lektion 1— 23. Lektüre nach Plötz, Lectures choisies. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. Englisch. 4 St. In a Dr. Danker, in b Dr. Stehlich. Zimmermann, I. Abt. Methodisches Lehrbuch der englischen Elementarstufe No. 1— 52. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. Lektüre aus Lüdecking, Teil I. 6. Geschichte. 2 St. In a Dr. Geis, im Winter Dr. Hildebrand, in b Lange. Deutschland bis zum Ende des Mittelalters, Brandenburg bis ebendahin. Pütz, Teil II. Geographie. 2 St. In a Dr. Geis, im Winter Dr. Hildebrand, in b Grebe. Deutschland, Oster- reich, Schweiz, Belgien und Niederlande mit besonderer Berücksichtigung des Verkehrs, der Bodenverhältnisse und der Produkte. Seydlitz, Schulgeographie. 8. Mathematil. 5 St. In a Dr. Hornstein, in b Dr. Kramm. I. Geometrie. 2 St. Von den Dreiecken, Vierecken, Vielecken und vom Kreise. Von der Gleichheit der Figuren. Konstruk- tionsaufgaben. Koppe, Planimetrie. II. Arithmetik und Algebra. 2 St. Die vier Grundoperationen mit allgemeinen, einfachen und zusammengesetzten Grössen. Quadrieren und Kubieren; Quadrat- und Kubikwurzelausziehen. Gleichungen des ersten Grades mit einer Unbekannten. 1 III. Rechnen. UÜbungen aus den verschiedenen bürgerlichen Rechnungsarten. Böhme, Ubungsbuch. 9. Naturgeschichte. 2 St. In a Dr. Hornstein, in b Heydenreich. Im Sommer: Übungen im selbständigen Bestimmen von Pflanzen nach Wiegands Flora von Hessen. Wichtigere Pflanzen- familien. Fortgesetzte Eintibung des Linnéschen Systems. Im Winter: Systematische Behandlung der Vögel und Fische. Übersicht über die Gliederfüssler. 10. Zeichnen. 2 St. Karbiner. Freihandzeichnen nach Wandtafeln und nach Vorlagen. Anfang des Schattierens. 11. Gesang. 2 St. Erdmann. Vierstimmige Chorgesänge nach Noten. 12. Turnen. 2 St. Jürgens. Frei- und Ordnungsübungen wie in den vorhergehenden Klassen, besonders aber zusammengesetzte und kombinierte Bewegungen. Der Turnfertigkeit der Klasse entsprechende Gerät- und Gerüstübungen. Turnspiele. 8r 8 Ober-Tertia. Ordinarſen⸗ In III, la Dr. Grebel, in III, 1b Dr. Siebert. Wöchentlich 32 Stunden(ohne Gesang und Turnen). Kursus einjährig. I. Religion. 2 St. In a Dr. Wittich, später Dr. Ulrici, in b Lange. Das Praugelium Matthäi gelesen und erklärt. Das III. Hauptstück erklärt, das IV. und V. memoriert. Sprüche und Lieder neu gelernt, die früher gelernten wiederholt. 2. Deutsch. 3 St. In a Dr. Wittich und Kand. Siebert, später Dr. Ulrici, in b Lange. Lektüre poetischer und prosaischer Musterstücke aus Hopf und Paulsiek(für Tertia), verbunden 5 2 3 8₰ S — 34— mit sachlichen und sprachlichen Erläuterungen. Ubungen im freien Vortrag wie in der Wieder- gabe des Gelesenen. Dispositionsübungen. Die Lehre vom zusammengesetzten Satz wurde erweitert, verbunden mit der Interpunktionslehre. Alle vier Wochen ein Aufsatz. 3. Latein. 6 St. In a Zwirnmann, in b Dr. Siebert. Vervollständigende Wiederholung des Pensums von Untertertia nach Scheele II.§ 57— 71. Exercitien und Extemporalien. Lektüre: Caes. de bell. Gall. Französisch. 4 St. In a Dr. Grebel, in b Ide. Wiederholung des grammatischen Pensums der Untertertia. Plötz, Schulgrammatik, Lektion 24— 49. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. Lektüre aus Plötz, Lectures choisies. Englisch. 4 St. In a Dr. Grebel, in b Ide. Ergänzung des in III, 2 bezüglich der Aussprache Gelernten, nach Zimmermann No. 1— 52. Zimmermann: Systematischer Kursus, Lekt. 1— 28. Lektüre aus Lüdecking I. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. Sprach- übungen. Geschichte. 2 St. In a Dr. Grebel, in b Dr. Siebert. Geschichte Deutschlands seit den Ent- deckungen im 15. Jahrhundert. Brandenburg.-preussische Geschichte. Pütz, Grundriss, III. Geographie. 2 St. In a Dr. Geis, im Winter Dr. Hildebrand, in b Grebe. Spanien, Portugal, Frankreich, Italien, Russland, Bulgarien, Rumänien, Serbien, Türkei, Schweden, Norwegen und England. Repetition des früheren Pensums. Seydlitz, Schulgeographie. Mathematil. 5 St. In a Stange, in b Völler. I. Geometrie. 3 St. Von der Proportionalität der Strecken und der Xhnlichkeit der Figuren. Von den Verhältnissen und der Inhaltsberechnung der geradlinigen Figuren und des Kreises. Konstruktionen. Repetitionen der früheren Pensa. Koppe, Abschnitt VII— XI. II. Arithmetik und Algebra. 2 St. Wiederholung des Pensums von Untertertia. Die Lehre von den Proportionen, Potenzen und Wurzeln. Fortsetzung der Gleichungen des I. Grades mit einer Unbekannten, besonders der Bewegungsaufgaben, sowie Gleichungen des I. Grades mit mehreren Unbekannten. Heis, Sammlung. Naturgeschichte. 2 St. In a Völler, in b Heydenreich. Im Sommer: Pflanzenbestimmen nach Wiegunds Flora. Das natürliche System. Wichtigeres aus dem Bau und Leben der Pflanzen. Im Winter: Beispiele aus den Tierkreisen der Weichtiere, Gliederfüssler, Würmer, mit besonderer Berücksichtigung der Insekten. Schilling, Naturgeschichte. Wiegand, Flora. 10. Zeichnen. 2 St. Karbiner. Freihandzeichnen: Schattieren nach Vorlagen und nach Gips. I1. Gesang. 2 St. Vierstimmige Chorgesänge nach Noten. 12. Turnen. 2 St. Boppenhausen. Geräte- und Freiübungen. Turnspiele. Unter-Sekunda. Ordinarien: In II, 2a Krauth, in II, 2b Ide. Wöchentlich 32 Stunden(ohne Gesang und Turnen). Kursus einjährig. 1. Religion. 2 St. In a Dr. Schantz, In b Dr. Wittich, später Dr. Ulriei. ÜUbersichtliche Dar- stellung der Geschichte des Reiches Gottes bis auf Christum. Lesen ausgewählter biblischer Abschnitte, namentlich aus dem Psalter und den Propheten. Erklärung des IV. und V. Haupt- stücks. Repetition früher gelernter Lieder. Lehrbücher: Katechismus; Hollenberg. 2. Deutsch. 3 St. In a Krauth, in b Dr. Wittich und Davin, später Dr. Ulriei. Lektüre aus Hopf und Paulsieks Lesebuch aus der Zeit von Klopstock an, namentlich Goethescher und Schillerscher Gedichte, sowie von Lessings»Wie die Alten den Tod gebildet« und»Über die Fabel«; ferner wurden gelesen die Glanzstellen aus Homers Ilias und Odyssee, Schillers Tell. Das Wichtigste aus der Poetik, Metrik, Prosodie. Vorträge, Dispositions- und Deklamations- übungen. Alle vier Wochen ein Aufsatz. 3. Latein. 5 St. In a Krauth, in b Ide. Syntax nach Moiszisstzigs Grammatik§ 342— 579, 607— 610. Das grammatische Pensum wurde an den Übungsstücken aus Süpfles Aufgaben zu lateinischen Stilübungen noch besonders eingeprägt. Gelesen wurde in a im Sommerhalbjahr Caesar B. G. lib. VII bis zu des Labienus Feldzug gegen die Parisier; im Winter aus Ovids Met. lib. I: Die vier Weltalter, Wasserflut, Deukalion und Pyrrha, II: Phaëthon, III: Cadmus, VI: Niobe. Geeignete Stücke wurden auswendig gelernt; in b: Caesar de bello Gallico lib. IV und V, Ovids Metamorphosen: Phaëthon(I, 748— II, 412), Cadmus(III, 1—137), Niobe(VI, 146— 312), Frösche(VI, 343— 380), Philemon und Baucis(VIII, 611— 724). Wöchentlich ein Exercitium oder Extemporale. Französisch. 4 St. In a Dr. Hölting, in b. Ide. Wiederholung des Pensums von Obertertia. Plötz, Lektion 50— 69. Exercitien und Extemporalien. Sprech- und Deklamierübungen. Lektüre von Kreyssig, Anthologie Française. Englisch. 3 St. In a Dr. Grebel, in b Ide. Zimmermann, Lehrbuch bis zu Ende und Ergäünzung des früher Gelernten. Sprechübungen. Memorieren. Lektüre aus Lüdecking II. Exercitien und Extemporalien wöchentlich abwechselnd. 6. Geschichte. 28t. Krauth. Repetition vom Westfälischen bis zum Frankfurter Frieden 1648—1771. Geschichte der Griechen und Römer nach Pütz, Grundriss der Geschichte für obere Klassen, I. Geographie. 1 St. Grebe. Deutschland und die österreichisch-ungarische Monarchie, besonders mit Rücksicht auf Kultur, Handel, Gewerbe. Repetition des Pensums von III, 1. Zeichnen von Karten. Seydlitz. Schulgeographie. 3 S. Mathematik. 5 St. Grebe. I. Geometrie und Trigonometrie. 3 St. Wiederholung des Pensums von III, 1. Kreisberechnungen. Harmonische Teilung. Transversale. Unausgesetzte Ubung im Auflösen von Konstruktionsaufgaben. Elemente der Goniometrie und ebenen Trigonometrie. Ein- fache Berechnungen des rechtwinkligen und schiefwinkligen Dreiecks. II. Arithmetik und Algebra. 2 St. Wiederholung der Lehre von den Potenzen und Wurzeln. Logarithmen. Quadratische Gleichungen mit einer Unbekannten. Arithmetische und geometrische Progressionen. Naturgeschichte. 2 St. Dr. Hornstein. Das Wichtigste aus der Anatomie des menschlichen Körpers. Krystallographie. Charakterisierung der Weichtiere, der Stachelhäuter, der Cölenteraten und der Protozoa sowie der wichtigeren Unterabteilungen derselben an Beispielen erläutert. Botanische Exkursionen. Botanische und zoologische Repetitionen. 10. Physik. 3 St. In a Dr. Kramm, in b Völler. Die allgemeinen Eigenschaften des Körpers. Wirkungen der Wärme(Ausdehnung, Veränderung des Aggregatzustandes). Mechanik der festen, flüssigen und luftförmigen Körper. Einübung und Befestigung der Gesetze durch zahlreiche Übungsaufgaben. Trappe, Schulphysik. I1. Zeichnen. 2 St. Karbiner. Freihandzeichnen: Schattieren nach Vorlagen und Gips. 12. Gesang. 2 St. Erdmann. Vierstimmige Chorgesänge nach Noten. 13. Turnen. 2 St. Dr. Hornstein. Namentlich Übungen an Gerüten und Gerüsten(Riegenturnen). Kräftigere Freiübungen. Ober-Sekunda. Ordinarius: Stange. Wöchentlich 32 Stunden(ohne Gesang und Turnen). Kursus einjährig. Religion. 2 St. Professor Heuser. Erklärung der Apostelgeschichte, des 1. Korinther- sowie des Galaterbriefs. Mitteilung der sicheren Thatsachen hinsichtlich der Abfassung der paulinischen Briefe. Das Wichtigste aus der ersten und zweiten Periode der Kirchengeschichte. Hollenberg. Deutsch. 3 St. Dr. Schantz. Durchnahme der in Hopf und Paulsieks Lesebuch enthaltenen Litteraturproben aus der Zeit von Luther bis Klopstock. Lessings Minna von Barnhelm und Philotas. Göthes Egmont und Hermann und Dorothea. Schillers Jungfrau von Orleans, Huldigung der Künste. Eleusisches Fest, Spaziergang. Gelegentliche Berücksichtigung von Prosodie, Metrik, Poetik. Übungen im Disponieren, Deklamation und freiem Vortrag. Alle vier Wochen ein Aufsatz. Latein. 5 St. Zwirnmann. Wiederholung der Grammatik, insbesondere der Lehre von den Tempora und Modi, mit Erweiterung des grammatischen Stoffes, nach Moiszisstzig. Ubersetzungs- übungen nach Süpfle, Aufgaben zu lateinischen Stilübungen, der II. Abteilung. Lektüre: Sallusts Catilina. Ausgewählte Abschnitte aus Ovids Metamorph. I— IV. Exercitien und Extemporalien. Französisch. 4 St. Professor Heuser. Wiederholung des gesamten grammatikalischen Pensums der Tertia und Untersekunda. Erledigung der methodischen Grammatik von Plötz. Exercitien und Extemporalien sowie Anfänge zu freien Arbeiten in französischer Sprache. Konversations- übungen. Lektüre aus Kreyssig, Trois Siècles etc. und Scribe: Le Verre d'Eau. Englisch. 3 St. Professor Heuser. Wiederholungen aus Zimmermanns Schulgrammatik. Die Syntax des zusammengesetzten Satzes. Exercitien und Extemporalien sowie mündliche Ubungen in Konversation und Deklamation. Lektüre aus Lüdeckings Lesebuch, Teil II, sowie aus Washington Irvings Sketchbook. Geschichte. 2 St. Zwirnmann. Im Sommer: Geschichte des Altertums. Im Winter: Geschichte des Mittelalters nach Pütz I, II. Geographie. 1 St. Stange. Repetitionen aus allen Teilen der Geographie mit besonderer Berück- sichtigung von Deutschland und Preussen. Das Wichtigste aus der physikalischen Geographie. Seydlitz. Schulgeographie. Mathemutil. 5 St. Stange. I. Geometrie. 3 St. Ausführliche Behandlung der Goniometrie und schwierigere Aufgaben aus der ebenen Trigonometrie und Planimetrie. Stereometrie nebst zahl- reichen Ubungsaufgaben. Die Elemente der darstellenden Geometrie. Lehrbücher von Koppe. Logarithmentafel von Gauss. II. Arithmetik und Algebra. 2 St. Zinseszins- und Rentenrechnung. Gleichungen vom I. und II. Grade mit einer und mehreren Unbekannten. Syntaktik. Wahrscheinlichkeitsrechnung. Binomischer Lehrsatz. Heis, Aufgabensammlung. — 37— 9. Phgsik. 3 St. Stange. Die Lehre vom Magnetismus, von der Elektricität und von der Wärme. Ubungsaufgaben. Trappe, Schulphysik. 10. Chemie und Mineralogie. 2 St. Dr. Hornstein. Einführung in die Chemie: Entwicklung der chemischen Grundlehren auf Grund von Experimenten und aus den bereits bekannten physikalischen Erscheinungen und Gesetzen. Specielle Behandlung des Wasserstoffs, Sauerstoffs, Stickstoffs, Schwefels und Phosphors. Die wichtigeren diese Elemente enthaltenden Mineralien. Rüdorff, Grundriss der Chemie. Hornstein, kl. Lehrbuch der Mineralogie. 11. Zeichnen. 2 St. Karbiner. Zeichnen nach Gipsornamenten. 12. Gesang. 2 St. Erdmann. Vierstimmige Chorgesänge nach Noten. 13. Turnen. 2 St. Dr. Hornstein. Kombiniert mit Prima: Vornehmlich Gerät- und Gerüst- übungen(Riegenturnen). Unter-Prima. Ordinarius: Dr. Kramm. Wöchentlich 32 Stunden(ohne Gesang und Turnen). Kursus einjährig. 1. Religion. 2 St. Dr. Schantz. Das Evangelium Johannis gelesen und erklärt. Wiederholungen aus der Bibelkunde des Neuen Testaments. Die Confessio Augustana erklärt, im Anschluss daran das Wichtigste aus der Glaubens- und Sittenlehre. Das Wichtigste aus der Kirchengeschichte des Mittelalters. Hollenberg, Lehrbuch der Religion. 2. Deutsch. 3 St. Dr. Siebert. Lektüre bzw. Besprechung des Nibelungenliedes, der Gudrun, ferner von Goethes Götz und Iphigenie und von Schillers Maria Stuart. Deklamationen. Wiederholungen aus der Grammatik. Alle vier Wochen ein Aufsatz. 3. Latein. 5 St. Direktor. Lektüre: Sallusti lIugurtha. Vergili Aeneis, lib. I und II. Über- setzungen aus Süpfle, Aufgaben, Teil I. No. 244— 310. Grammatische Repetitionen. Grössere Partieen aus dem 1. und 2. Buch der Aeneis wurden auswendig gelernt. Wöchentlich in der Regel eine schriftliche häusliche oder Klassenarbeit, Uber setzungen ins Lateinische oder ins Deutsche. 4. Französisch. 4 St. Dr. Grebel. Wiederholung der Grammatik, insbesondere der Lehre von den Tempora und Modi und den Pronomina, mit Erweiterung des grammatischen Stoffes nach Plötz, Nouvelle Grammaire. Lektüre aus Kreyssig: Trois Siècles de la Littérature Française. Ferner Corneille: Le Cid, und Ponsard: L'Honneur et l'Argent, letzteres als Privatlektüre. Aufsätze, Exercitien und Extemporalien abwechselnd. Übersetzungen aus Plötz, ÜUbungen zur Syntax. Konversation. 5. Englisch. 3 St. Professor Heuser. Gruppenweise Wiederholung der wichtigsten sprachlichen Er- scheinungen in Formenlehre und Syntax. Exercitien, Extemporalien, kurze freie Vorträge, Konversationsübungen. Lektüre: Shakespeares Merchant of Venice. Litteraturgeschichtliche Mitteilungen im Anschluss an die Lektüre. 6. Geschichte. 3 St. Zwirnmann. Im Sommer: Geschichte des Mittelalters. Im Winter: Geschichte der neueren Zeit nach Pütz II, III. 7. Mathematil. 5 St. Dr. Kramm. I. Geometrie. Sphärische Trigonometrie nebst ihrer Anwendung auf mathematische Geographie. Analytische Geometrie I. Teil. Zahlreiche Ubungsaufgaben aus diesen Gebieten sowie aus der Stereometrie. — 38— II. Arithmetik und Algebra. Arithmetische Reihen höherer Ordnung. Maxima und Minima. Kombinationslehre, Binomischer Lehrsatz, Wahrscheinlichkeitsrechnung. Diophantische Gleichungen. Kettenbrüche und ihre Anwendung. Lehrbücher von Koppe. Logarithmentafel von Gauss. 8. Physik. 3 St. Dr. Kramm. Mathematische Behandlung der Mechanik fester Körper nebst zahl- reichen Übungsaufgaben. Akustik. Mathematische Geographie. Repetitionen aus der Elektricitäts- und Wärmelehre. Trappe, Schulphysik. 9. Chemie und Mineralogie. 2 St. Dr. Hornstein. Phosphor, Chlor, Brom, Jod, Fluor, Bor, Silicium, Kohlenstoff, Metalle der Alkalien und alkalischen Erden. Die wichtigeren Mineralien, welche diese Elemente enthalten. Stöchiometrische Rechnungen. Rüdorff, Grundriss der Chemie; Hornstein, Mineralogie. 10. Zeichnen. 2 St. Karbiner. Zeichnen nach ornamentalen Modellen und geometrisches Zeichnen. T1. Gesang. 2. St. Erdmann. Vierstimmige Chorgesänge nach Noten. 12. Turnen. 2 St. Dr. Hornstein. Kombiniert mit Obersekunda und Oberprima: Vornehmlich Gerät- und Gerüstübungen(Riegenturnen). Ober-Prima. Ordinarius: Direktor. Wöchentlich 32 Stunden(ohne Gesang und Turnen). Kursus einjährig. 1. Religion. 2 St. Professor Heuser. Mitteilung der sicheren Nachrichten über die Abfassung der neutestamentlichen Briefe. Erklärung des Römer- und Hebräerbriefs. Wiederholung der Kirchen- geschichte, Teil I und II. Neuere Kirchengeschichte. Unterscheidungslehren der evangelischen und katholischen Kirche. Hollenberg, Lehrbuch der Religion. 2. Deutsch. 3 St. Direktor. Es wurden gelesen und besprochen: Schillers Künstler, Sophokles' Ajas(Donner), die im Lesebuch von Hopf und Paulsiek, II, 2, 1 befindlichen Proben der Lieder und Sprüche Walthers von der Vogelweide, aus dem heroischen Epos, dem Tierepos, den Bearbeitungen antiker Sagenstoffe, dem romantischen Epos, den Legenden und moralischen Er- zühlungen, den Fabeln und Parabeln, den Spruch- und Lehrgedichten, ferner Schillers Braut von Messina, Sophokles König Oedipus, Lessings Emilia Galotti, Goethes Torquato Tasso. Vorträge über das Gelesene; Deklamationen. Alle vier Wochen ein Aufsatz. 3. Latein. 5 St. Dr. Siebert. Gelesen wurde im Sommerhalbjahr Verg. Aen. lib. III, IV, im Winterhalbjahr Cic. in Cat. I, II, III. Wiederholung einzelner Abschnitte aus der Grammatik. Übersetzungen aus Süpfles Aufguben zu lat. Stilübungen, Teil I, No. 370 bis Schluss und 244 bis 310. Wöchentlich ein Exercitium oder Extemporale oder eine Übersetzung ins Deutsche. Auswendiglernen geeigneter Stücke. 4. Französisch. 4 St. Dr. Hölting. Syntaktische Übungen im Anschlusse an Plötz, Nouvelle Grammaire, und an die Lektüre. Ubersetzt wurde aus Plötz, Übungen zur Erlernung der französischen Syntax. Lectüre: Kreyssig, Anthologie Française; Baumgarten, Tableaux; Molière, L'Avare. Exercitien, Extemporalien und Aufsätze historischen und beschreibenden Inhaltes. Konversationsübungen.. Englisch. 3 St. Professor Heuser. Grammatikalische und mündliche sowie schriftliche ibungen wie in Unterprima. Lektüre aus Macaulay: History of England, Teil I, und Shakespeares Julius Caesar. — 39— 6. Geschichte. 3 St. Dr. Siebert. Geschichte Deutschlands seit 1648. Wiederholung früherer Abschnitte, Pütz, Grundriss, Teil III. . Mathematil. 5 St. Dr. Kramm. I. Geometrie und Trigonometrie. Analytische Geometrie der Ebene, II. Teil. Allgemeine Repetitionen aus der Planimetrie, Stereometrie, ebenen und sphärischen Trigonometrie. II. Arithmetik und Algebra. Von den Funktionen und ihrer Anwendung auf die Auflösung höherer Gleichungen. Die unendlichen Reihen(Exponential-, logarithmische, sinus-cosinus-Reihe), complexe Zahlen. Allgemeine Repetitionen aus der Arithmetik und Algebra. Lehrbücher von Koppe.. 3. Phusilt. 3 St. Stange. Mathematische Behandlung ausgewählter Abschnitte der Mechanik. Die Lehre vom Licht. Zahlreiche Ubungsaufgaben aus diesen Gebieten. Repetitionen aus allen Teilen der Physik. Trappe, Schulphysik. . Chemie und Mineralogie. 2 St. Dr. Hornstein. Eisen, Kobalt, Nickel(Uran), Chrom, Zink, Blei, Kupfer, Quecksilber, Silber, Gold, Platin, Zinn, Wismut, Antimon, Arsen. Die wichtigsten dasselbe enthaltenden Mineralien wurden aufgeführt, vorgezeigt und soweit als möglich beschrieben. Stöchiometrische Rechnungen. Rüdorff, Chemie. Hornstein, Mineralogie. 10. Zeichnen. 2 St. Karbiner. Zeichnen nach Ornamenten. Geometrisches Zeichnen. I1. Gesang. 2 St. Erdmann. Vierstimmige Chorgesänge nach Noten. 12. Turnen. 2 St. Dr. Hornstein. Kombiniert mit I, 2 und II, 1. Vornehmlich Gerät- und Gerüstübungen(Riegenturnen). Ausserdem allwöchentlich 1 Vorturnerstunde mit Schülern aus I, II und IIIa. 2 ◻ Der katholische Religionsunterricht wurde in vier Abteilungen erteilt. Erste Abt. 2 St. Kaplan Hoffmann. Christliche Kirchengeschichte. Zweite Abt. 2 St. Kaplan Hoffmann. Die Lehre von der heiligen Schrift. Abriss der Kirchengeschichte. Dritte Abt. 2 St. Nau. Von den Geboten und heiligen Sakramenten; die biblischen Geschichten des Neuen Testaments. Vierte Abt. 2 St. Nau. Von den Geboten und heiligen Sakramenten nach dem kleinen Katechismus; die biblischen Geschichten mit passender Auswahl.— Israelitischer Religionsunterricht. 2 St. Dr. Stein. Biblische Geschichte: Von der Zeit Davids bis zum Untergange des Reiches Juda. Pflichtenlehre: zum 5., 6. und 7. Gebot. Gebete: Fortgesetzte Ubertragung von Gebeten und Psalmen aus dem Hebräischen ins Deutsche. Der Turnunterricht erhielt eine Erweiterung durch Einrichtung einer wöchentlichen Vorturner- stunde, welche von Dr. Hornstein gegeben wurde. Am Baden, bezw. Schwimmunterricht in der Badeanstalt von Collet beteiligten sich 220 Schüler.— Einen Privatkursus in Griechisch hielt Dr. Siebert, in Stenographie Karbiner. — 40— C. Bearbeitete Aufgaben. Themata für die schriftlichen Arbeiten der Abiturienten. Michaelis 1883. Deutscher Aufsatz.»Nie mag ein Gut ja, welches er in Händen hält, der Thor erkennen, bis es ihm entwunden ist.« Lateinisch. Übersetzung von Liv. I, 41. Franzüsisch. Ein Exercitium. Aufsatz: Rivalité de François I. et de Charles-Quint. Englisch. Ein Exercitium.. Mathematik. 1. In Bezug auf rechtwinklige Coordinaten sei die Gleichung einer Curve ¹= 4, und die Coordinaten eines Punktes seien=— 2; ¶h=+ 1. Es sollen von diesem Punkte an die Curve zwei Tangenten konstruiert und die Coordinaten der Berührungspunkte berechnet werden. 2.(22+† 9) 2+ 4(2 7+ p)= 96; 92+ 32+= 33— 3„. 3. Der Mittelpunkt einer Kugel vom Radius b= 5 liegt in der Oberfläche einer zweiten Kugel vom Radius a= 8. Wie gross ist der Inhalt des gemeinschaftlichen Teiles beider Kugeln? 4. Von einem Dreieck sind der Inhalt, = 350 qem, und die Winkel,«= 53°,„= 67°,„ 60 gegeben. Man berechne den Flächen- inhalt des Rechtecks, dessen Seiten gleich sind dem Durchmesser des um das Dreieck beschriebenen und des ihm eingeschriebenen Kreises. Physik. 1. Die Schwingungen gespannter Saiten. 2. Es soll das Gewicht eines Schwimm- panzers aus Kork berechnet werden, welcher einen Menschen von 65 kg im Wasser trägt, das spezifische Gewicht des Menschen zu 1,1 und das des Korkholzes zu 0,24 gerechnet. Ostern 1884. Deutscher Aufsate.»Ein anderes Antlitz, eh' sie geschehen, Ein anderes zeigt die voll- brachte That.« Latein. Übersetzung von Cicero in Verrem, act. II, lib. V, cap. 45 bis§ 119 zu Ende. Französisch. Ein Exercitium. Aufsatz: Bataille du Granique. Englisch. Ein Exercitium. Mathematil. 1. Um ein gegebenes gleichseitiges Dreieck eine Parabel zu beschreiben, sodass ihr Scheitel in einem Eckpunkte sich befindet, und den Inhalt jedes der Zweiecke zu berechnen, welche von einem Parabelbogen und einem Bogen des um das Dreieck beschriebenen Kreises eingeschlossen werden. 2. Welches sind die Wurzeln der Gleichung 32—— A- T 2a. he, 3. Eine V 2— V 32 2 hölzerne Kugel von d= 15 cm Durchmesser schwimmt in destilliertem Wasser so, dass sie an der Wasserfläche einen Kreis von 56 z dem Fläche bildet; wie gross ist hiernach das spezifische Gewicht der Holzart? 4. In einem Dreieck sind gegeben ein Winkel ⸗ 57°° 28 46,5“, seine Gegenseite a4= 527 m und die Differenz der beiden auf die anderen Seiten gefällten Höhen h— h.= 71,672 m. Wie gross sind diese beiden Seiten? 4 Physil. 1. Die Gesetze der Pendelschwingungen. 2. Bei einem zusammengesetzten Mikroskop ist die Brennweite des Objektivs fi= 5 mm, die des Okulars †= 20 mm; der Gegenstand befinde — 41— sich g= 5,125 m vom Objektiv, und die deutliche Sehweite des Beobachters sei d= 30 cm. Wie vielmal wird der Gegenstand vergrössert, und welche Länge muss das Mikroskop haben? In Prima bearbeitete Themata. d. Deutsche Aufsätze. I, 1. 1. Das Wenige verschwindet leicht dem Blick, der vorwärts sieht, wie viel noch übrig pleibt. 2. Inhaltsübersicht von Schillers Gedicht»Die Künstler«. 3. Das altgriechische Theater (Probearbeit). 4. Sterben und seine Sinnverwandten. 5. Nie mag ein Gut ja, welches er in Händen hält, der Thor erkennen, bis es ihm entwunden ist. 6. Die Telegraphie. 7. Gang der Handlung in Sophokles'»König Ödipus«. 8. Luthers Bedeutung für Deutschland(Probearbeit). 9. Disposition zur ersten Catilinarischen Rede. I, 2. 1. Drei Kiele kenn' ich, die gewaltig sind(Rückert). 2. Des Morgens denk' an deinen Gott, des Mittags iss vergnügt dein Brot, des Abends denk' an deinen Tod, des Nachts verschlafe deine Not. 3. Das Wasser(Probearbeit). 4. Gunthers Werbung um Brunhild. 5. In welchen verschiedenen Formen erscheint die Treue im Nibelungenlied? 6. Nicht der ist auf der Welt verwaist, dem Vater und Mutter gestorben, sondern der für Herz und Geist keine Liebe und kein Wissen erworben. 7. Weg, Strasse, Bahn und andere sinnverwandte Wörter. 8. In welchen verschiedenen Bedeutungen wird das Wort Zunge gebraucht? 9. Kriemhilde und Gudrun. 10. Götz und Weislingen. b. Französische Aufsätze. I, 1. 1. Le Préjugé. 2. Un Dimanche de Printemps à la Campagne. 3. Les Croisades (Probearbeit). 4. L'Orage. 5. Les Jeux nationaux des Grecs. 6. Aventure sur les Bords de l'Orénoque. I, 2. 1. Les sept Baguettes(amplifié). 2. Henri l'Oiseleur. 3. Charlemagne(Probearbeit).U 4. Lièvres et Lévriers. 5. Charles-Quint et la Réforme(Probearbeit). 6. L'Honneur et l'Argent (Analyse). 42 Unterrichis- Die eingeklammerten Gegenstände wurden von den Betreffenden bis zu den Sommerferien neben ihren sonstigen Fächern, = Kblassen: J 1. I. 2. II., 1. II, 2a. II, 2b. TII. la.[iii, 1b. III 2a. — Ordinarien: Direktor. Kramm. Stange. Krauth. Ide. Grebel. Siebert. Hornstein. 1 v.(Religion 2.)(Religion 2.) 1 Direktor DDeutsch 3.[Latein 5.(Deutsch 2.)(Deutsch 1.) D 2 Heuser Weligion 2 Englisch 3. Französisch 4. enes.ie teeenebeeeee Vngſsch 3 ar eographie 1. Geographie 1.— 92 .4rhe. athemmatik 5. Mathematik.. Gr. e... 4 Hornstein Chemie 2. Chemie 2. Chemie 2. Naturkunde 2. Naturkunde 2. Nath. 5 —— e TICfr eee .ehertt. ee. eeete 1. hen n.ene teeerereere fleeeeeen...... Gesch. B... 6 Hölting Französisch 4. Französisch 4. - ene.. renremnar Jſedſe dee eegr eeee Geographie 1. 8 Stange Physik 3. Mathematik 5. Mathematik 5. Physik 3.— raraeeee—— eirnunee Gaahente 3. ſeacldeihe.. Latann Seeee ehee ee 10 Schantz Religion 2. Deutsch 3. Religion 2. Religion 2. ööööö S— 11 Grebel Französisch 4. Englisch 3. Englisch 4. Franz. 4. Geschichte 2../.. ö..ö.. beeee 12 Krauth Latein 5. Ceschichte 2. Ventsehe 3. Geschichter. –— - ͤeeieiiee ne Treiv.. 13 Ide Französisch 4. PiAne 44 Fhelisch...rn. 1 Religion 2. Religion 2. 14 Urriei Deutsch 3. Deutsch 3. 15 Völler Physik 3. Naturkunde 2. Math. 5. 16 Stehlich 17 Danker Englisch 4 18 Heydenreich Naturk. 2. Religion 2. 19 Lange Deutsch 3. 20 a Geis Geographie 2. Lenene 2 zrri Sezer. ee 5 5—„ u verteilung. vom Direktor teils mit Hilfe der Probanden Davin und Siebert, unterrichtet; a) bedeutet im Sommer-, b) im Winterhalbjahr. ——————᷑—ÿ—x—’—ᷣB—’—O—O˖BO:Q Q˖—-—¶·-·-—-—-—-——.,„„„y ⅓ͤ⅓ͤIͤIͤIA AyAV VyiyiV2 A— III, 2b. IVa. IVb. Va. Vb. VIa. VIb. VIc. 2 5 Lange. Stehlich. Hölting. Völler. Danker. Schantz. Neyleurtich.) ngelehna. Jngem. e lunnnn Geschichte 2.(Latein 8.)++ ö 17 4 Geographie 2. Geographie 2. 18 1 ſ Geutsch 3.) 719 4* Lth). 3 ¹) — FrANzOsisch 5. 20 4 Mathematik 5. 21 Naturkunde 2. 19 Latein 6. 5 22 3 —————————————————— e—— BSeebhtee Tatn P 22 33 21 5 21 4 20 5 — Dolch.— Latein 8. 22 4 Gesch. 1. 3 GachaGg Naturkunde 2. Rechn. u. Geom. 4. Naturkunde 2. 23 Naturkunde 2. Englisch 4. Pticit, zep 5. Latein 7. 23 4 Französisch 4. Französisch 5. Tlet zeh 5. 25*3 —.— G— Geographie 2. 1 a) Geograph. 2. Naturkunde 2. GeoSehd 22 Geometrie 2 Naturk. 2. Rechnen 5. d) Naturk. 2. 23 —e kKFaturk. 2VL Religiond-d. Religion 3. Deutsch 3. Gsch. u. Cgr. 8 23 2 Geschichte 2.“ Rechnen 5.. 4. 2 3 Tatrin. 5. Gesch. 1, Rech. 5. 22 1 A Naturkunde 2. 30 20 20 21 14 24 21 18 44 Unterrichis- Die eingeklammerten Gegenstände wurden von den Betreffenden bis zu den Sommerferien neben ihren sonstigen Fächern, Kblassen: 1. 1. 12. II 1. II, 2a. II, 2 b. III, 1a. III, 1b.] III, Za. = Ordinarien: Direktor. Kramm. Stange.— Krauth. Ide. Grebel. Siebert. Hornstein. Bbertrag. 30 30 30 360 30 30 30 35 . Gesch. 2. 20 b Hildebrand Geographie 2. Geogr. 2. 21 Spangenberg J an) Jürgens 23a — Erdmann.... 23 b 2i Larvimer Iiann Zuehnen 2— Iicimm J. Wuihen 2. Ealhn 2. Waihm. 2. 25 Hoffmann Katholischer Relig ionsunterricht in der 1. und 2. Abteilung 26 Nau 27 Stein 28 Boppenhausennu Summa d. Stund.: D. Verfügungen und Mitteilungen der Behörden. 28. März 1883. Das Königliche Provinzial-Schulkollegium teilt einen Ministerialerlass vom 15. März 19. mit, wonach»bis zur Versetzung nach III, 2 einschliesslich das von einem Realgymnasium aus- gestellte Abgangszeugnis zur Aufnahme in die entsprechende Klasse eines Gymnasiums berechtigt, sofern in dem Urteile über die Kenntnisse und Leistungen im Lateinischen das Prädikat genügend ohne irgend welche Beschränkung gegeben ist. Andererseits berechtigt bis zur Versetzung nach III, 2 einschliesslich das von einem Gymnasium ausgestellte Abgangszeugnis zur Aufnahme in die entsprechende Klasse, sofern in den Urteilen über die Kenntnisse und Leistungen im Französischen und Rechnen(bezw. Mathematik) das Prädikat genügend ohne irgend welche Einschränkung gegeben ist«. April 1883. Das Königliche Provinzial-Schulkollegium übersendet einen Erlass des Herrn Kultus- ministers vom 27. Oktober 1882, betreffend das Turnen und Turnspiele. Die Wichtigkeit der Turnhalle für die Fortsetzung des Unterrichts durch das ganze Jahr hin, des Turnplatzes für manche Ubungen, wie Stabspringen, Gerwurf, Wettkämpfe, und für Turnspiele jeder Art, sowie die grosse Bedeutung der letzteren für die gesunde körperliche und geistige Entwickelung der Jugend wird hervorgehoben; Schulspaziergänge und Turnfahrten werden empfohlen, auf den Wert des Schwimmens und Eislaufens wird hingewiesen. — verteilung. vom Direktor teils mit Hilfe der Probanden Davin und Siebert, unterrichtet; a) bedeutet im Sommer-, b) im Winterhalbjahr. 45 (Fortsetzung.) III, 2b. IVa. IVb. Va. Vb. Vla. VIb. VIc. 1 Lange. Stehlieh. Hüölting. Völler. Danker. Schantz. Hajdenrulch.) Meeena.*¹ 30 20 25 21 14 24 21 18 8 5 Deutsch 3.. Deutsch 3. Latein 8. . Gesch. u. Googr.S. “ Rehgion 2.. 4 Lehe rerrereeeeere 2 gion 2. Religion 3. Religion 3. Feenneree e r Seen eee erhnhe Iſoondhea e.. Religion 2.[Religion 2. Deutsch 3. 2 — Peuben T. Deufa 3.(calcirte i. eee I 8. Rechnen 3. JSchreiben 2. Geographie 2. Deben beckene Gesch.n⸗Cigr.3. V, 2 St Rechn.u. Geom.4. Schreib. 2. Zeichn. 2. Zeichnen 2. Chor: . Rechnen 3. Rechnen 5. 4 St. Zeichnen 2. Zeichnen 2. und 4. Ab teilung 4. Turnen. 5. Mai 1883. Das Kuratorium übersendet Abschrift einer Mitteilung des Königlichen Provinzial-Schul- kollegiums, wonach»Seine Majestät der Kaiser und König mittels Allerhöchster Ordre vom 20. April der Wahl des Oberlehrers am hiesigen Realgymnasium Dr. Friedrich Wilhelm Werner Wittich zum Direktor dieser Anstalt die Allerhöchste Bestätigung zu erteilen geruht haben«. 1. Juni 1883. Das Kuratorium übersendet die Abschrift einer Verfügung, durch welche der Schulgeld- erheber ermächtigt wird bei denjenigen Schülern der Vorschule, welche bereits das Eintrittsgeld an den früheren mit den höheren Schulen verbundenen Vorschulen entrichtet haben, bei ihrem Eintritt in das Realgymnasium von Erhebung des bezeichneten Betrages abzusehen. 4. August 1885. Veranstaltung der Luthertfeier mit. S. August 1883. Das Königliche Provinzial-Schulkollegium teilt einen Erlass des Herrn Kultusministers vom 30. Juli mit, durch welchen darauf hingewiesen wird, wie wichtig es für die gedeihliche Entwickelung des Turnens an den höheren Schulen sei, dass 1) der Unterricht seine Vertretung in dem Kreise des Lehrerkollegiums selbst finde, und zwar seitens solcher Männer,»die ihre Vorbildung zu seiner Erteilung ordnungsmässig erwiesen haben«, und die auch»die entscheidende Einwirkung auf die Gesamtbildung der Schüler ausüben«; dass 2) die Schüler nur auf ärztliches Zeugnis hin aus Gesundheitsrücksichten von dem Direktor dispensiert, sonst aber nur in ganz besonderen Fällen von der Verpflichtung zur Teilnahme am Turnunterricht entbunden werden; Das Königliche Provinzial-Schulkollegium teilt den Ministerialerlass betreffend die dass ihnen die Möglichkeit im Sommer und Winter zu turnen durch brauchbare Hallen geboten werde und dass sie wöchentlich mindestens zwei Stunden in der Weise erhielten, dass höchstens 40— 50 Schüler in einer Abteilung vereinigt seien; dass 3) die sanitären Verhältnisse sorgfältige Berücksichtigung fänden, u. a. durch Zuführung guter Luft in die Turnhallen und Niederhaltung des Staubes. 6. Oktober 1883. Das Königliche Provinzial-Schulkollegium übersendet Abschrift eines Ministerial- erlasses vom 2. Oktober, durch welchen die Ostern stattgefundene Errichtung einer dritten Sexta nachträglich genehmigt wird, mit der Beschränkung jedoch, dass Ostern 1884 eine dritte Sexta nicht wieder eingerichtet werden dürfe, vielmehr bei grösserem Andrang von Schülern die Er- richtung einer neuen realistischen höheren Lehranstalt in Erwägung zu nehmen sei. 13. Oktoher 1883. Das Königliche Provinzial-Schulkollegium giebt einen Auszug aus dem Bericht des Professor Dr. Euler über seine Revision des Turnbetriebs an den höheren Schulen der Provinz; es empfiehlt den Direktoren thunlichste Berücksichtigung der auch schon in den obengenannten Ministerialerlassen ausgesprochenen Forderungen, es hebt hervor, wie es vielfach auch darauf ankomme, bei der Jugend den turnerischen Sinn zu beleben sowie den Eltern und den Schul- patronen die Bedeutung des Turnens für die Entwickelung unserer Jugend klarzumachen. Der Bericht von Professor Euler empfehle besonders noch die bessere Benutzung eines gut mit Geräten auszustattenden Turnplatzes, die Anwendung von Turnkleidern, das Turnen in nicht über 50 gehenden Abteilungen, nach verständiger Gliederung der Ubungen, das ausserhalb der Stunden zu befördernde freiwillige Turnen, Turnfahrten und Turnfeste; bei unserer Anstalt hebt der Bericht als besonderen-Mangel das Nichtvorhandensein einer eigenen Turnhalle hervor, einen Fehler, dessen Beseitigung wohl in ebenso sicherer Aussicht steht, wie bereits der Forderung entsprochen werden soll, dass mindestens der Schulhof zum Turnplatz eingerichtet werde. 3. Dezember 1883. Das Königliche Provinzial-Schulkollegium macht darauf aufmerksam, wie wichtig für die Gesundheit der Schüler die Form der Schulbänke und die Art ihrer Aufstellung in den Klassen ist; auch empfiehlt es Einrichtungen zur Aufnahme der Kopfbedeckungen, Überzieher und Regenschirme auf den Gängen zu treffen. 14. Dezember 1883. Das Kuratorium teilt mit, dass die städtischen Behörden die Einrichtung einer Vorturnerstunde bewilligt haben. 21. Dezember 1883. Das Kuratorium übersendet eine Mitteilung des Königlichen Provinzial-Schul- kollegiums, dass Dr. Schantz durch Erlass vom 4. Dezember zum Oberlehrer ernannt ist. 7. Februar 1884. Das Kuratorium übersendet die unterm 31. Januar 1883 bestätigte Bestallungs- urkunde für Dr. Ulrici. 13. Februar 1884. Das Kuratorium teilt mit, dass nach einer Verfügung der Königlichen Regierung vom 4. August 1873 nur die Kinder derjenigen auswärts wohnenden Eltern bezüglich des Schul- geldes als Einheimische zu behandeln sind, welche persönliche, d. h. solche Gemeindeabgaben zur hiesigen Stadtkasse entrichten, deren Veranlagung als Zuschläge zu Klassen- oder klassifizierter Linkommensteuer erfolgt ist. Die erste Feststellung der Frage, ob»auswärtig« oder»einheimisch« wird daher in Zukunft durch den Schulgelderheber erfolgen. Das Königliche Provinzialschulkollegium teilt mit, dass die Einführung des Lehrbuchs des Lateinischen von Wittich genehmigt ist. II. Chronik. Das Kuratorium der Anstalt verlor im Laufe des Schuljahrs ein Mitglied, den städtischen Schul- referenten Metropolitan Dr. theol. Hochhuth. Für alles, was derselbe innerhalb einer zehnjährigen Wirksamkeit für die Schule gethan, sei ihm hiermit der schuldige Dank gesagt. Neu eingetreten sind Herr Stadtschulrat Bornmann, Herr Pfarrer Wagner und Direktor Dr. Wittich. Das Kollegium besteht daher jetzt aus den Herren: 1. Oberbürgermeister Weise, als Vorsitzendem, 2. Stadtratsmitglied Tegethof. 3. Bürgeraus- schussmitglied Justizrat Hupfeld, 4. Kaufmann Rittershausen, 5. Maurermeister Zahn, 6. Stadtschulrat Bornmann, 7. Pfarrer Wagner, 8. Direktor Wittich. Das Compatronat des Staates vertritt Herr Regierungsrat von Stark. Das Schuljahr begann am 2. April 1883 und schliesst am 5. April 1884. Im Laufe desselben traten als Probanden ein: Wilhelm Davin, Ernst Siebert und Ferdinand Lautz, als ordent- licher Lehrer Dr. Albert Ulrici, als wissenschaftlicher Hilfslehrer Dr. Hugo Hildebrand. Herr Davin übernahm am 1. Juli die Stelle des Rektors an der Stadtschule zu Wolfhagen; Dr. Geis erhielt zu Michaelis eine Stelle an dem Realprogymnasium zu Hofgeismar. Beide Herren hatten, letzterer während eines 1 ½jührigen, ersterer eines ¹¼jährigen Aufenthaltes, eine eifrige Thätigkeit entwickelt, und wir sahen sie ungern scheiden. Das Lehrerkollegium setzt sich jetzt folgendermassen zusammen: 1. Direktor Dr. Wittich, 2. Prorektor Professor Heuser, 3. Oberlehrer Grebe, 4. O. L. Dr. Hornstein, 5. 0.L. Dr. Siebert, 6. 0.L. Dr. Hölting, 7. 0. L. Dr. Kramm, 8. 0. L. Stange, 9. Realgymnasiallehrer Zwirnmann, 10. 0. L. Dr. Schantz, 11. R. G. L. Dr. Grebel, 12. R. G. L. Krauth, 13. R. G. L. Ide, 14. R. G. L. Dr. Ulrici, 15. R. G. L. Völler, 16. R. G. L. Dr. Stehlich, 17. R. G. L. Dr. Danker, 18. R. G. L. Lange, 19. Wiss. Hilfslehrer Heyden- reich, 20. Wiss. Hilfslehrer Dr. Hildebrand, 21. Elementarlehrer Spangenberg, 22. El. Jürgens, 23. El. Erdmann, 24. Ord. Zeichenlehrer Karbiner, 25. Probekandidat Siebert, 26. Pr. Lautz; den katholischen Religionslehrern: 27. Kaplan Hoffmann, 28. Nau, 29. dem israelitischen Religionslehrer Dr. Stein, 30. für Turnen: Boppenhausen(Dirigenten des städtischen Schulturnens). Davin, Wilhelm., geboren den 15. April 1856 zu Cassel, evangelischer Konfession, Sohn des Lehrers Davin hierselbst, besuchte bis Ostern 1875 das hiesige Gymnasium, widmete sich zuerst in Leipzig dem Studium der Rechte, dann daselbst und in Marburg dem der alten Philologie. Nachdem er eine Zeit lang als Hauslehrer thätig gewesen, bestand er am 5. Januar 1883 das examen pro facultate docendi und wurde hierauf durch Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums dem Realgymnasium zur Ableistung seines pädagogischen Probejahrs überwiesen; am 9. Juli wurde sein Ausscheiden aus dieser Wirksamkeit genehmigt. Siebert, Ernst, geboren am 2. August 1857 zu Marburg, evangelischer Konfession, Sohn des verstorbenen Bahn- beamten Siebert, erhielt seine Vorbildung aufden Gymnasien zu Marburg, Cassel und Eisenach, studierte von Ostern 1876 ab zu Marburg anfangs Medizin, dann Geschichte, Geographie und alte Philologie und bestand am 15. Dezember 1882 das eramen pro facultate docendi. Durch Verfügung des — 18— Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 27. März 1883 wurde derselbe dem Realgymnasium zur Ableistung seines Probejahrs zugewiesen. Ulrici, Albert, geboren den 3. Mai 1848 zu Kirchsteitz bei Zeitz, Prov. Sachsen, evangelisch-lutherischer Konfession, Sohn des Gutsbesitzers Ulrici, besuchte bis Ostern 1872 das Gymnasium, und zwar zu Zeitz und dann zu Schleusingen, studierte in Halle zuerst Rechtswissenschaft, dann Geschichte, Geographie und alte Sprachen, wurde im August 1875 zum Doktor der Philosophie promoviert und bestand die Prüfung pro facultate docendi am 28. Januar 1877. Sein Probejahr absolvierte er von Ostern 1876— 77 an dem jetzigen Realprogymnasium zu Eilenburg, woselbst er als wissenschaft- licher Hilfslehrer bis Ostern 1878 blieb, dann trat er als ordentlicher Lehrer an der Realschule zu Hanau ein und ging am 1. August 1883 an das Realgymnasium zu Cassel, zunächst als wissenschaftlicher Hilfslehrer, über, bis im Januar d. J. seine definitive Anstellung erfolgte. Hildebrand, Hugo, geboren am 30. November 1856 zu Leipzig, evangelischer Konfession, Sohn des Professors Hildebrand zu Leipzig, absolvierte Ostern 1876 das Gymnasium zu St. Thomae seiner Vaterstadt, studierte in Leipzig, Bonn und Halle hauptsächlich alte Sprachen, Deutsch und Philosophie, bestand im Dezember 1880 das höhere Schulamtsexamen, genügte von Ostern 1881 bis 1882 seiner Militärpflicht, war sodann bis Ostern 1883 als candidatus probandaus am Köngl. Gymnasium zu Leipzig und bestand im Februar desselben Jahres nach Einreichung einer Disser- tation über Aristoteles' Stellung zum Determinismus und Indeterminismus das philosophische Doktorexamen daselbst. Von Ostern bis Herbst 1883 war er Hauslehrer in Chemnitz. Der hiesigen Anstalt gehört er seit Michaelis 1883 als wissenschaftlicher Hilfslehrer an. Lautz, Ferdinand, geboren den 22. September 1858 zu Wiesbaden, evangelischer Konfession, Sohn des Geheimen Regierungsrates Lautz, pesuchte das Gymnasium und dann, bis Ostern 1878, das Realgymnasium zu Wiesbaden, studierte in Göttingen und Strassburg Mathematik und Naturwissenschaften, indem er in Strassburg zugleich seiner Militärpflicht genügte, bestand am 10. Februar 1883 in Göttingen das examen pro facultate docendi und wurde durch Verfügung des Königlichen Provinzial-Schul- kollegiums vom 7. August 1883 dem Realgymnasium zur Ableistung seines Probejahres zugewiesen. Das Schuljahr 1883— 84 bot besonders in seinem ersten Teil mancherlei Schwierigkeiten. Da die Einführung des neuen Direktors erst am 21. Juni erfolgen konnte, musste bis dahin Herr Prorektor Heuser neben seiner Lehrthätigkeit, von der ihm die Unterstützung des Kollegen Dr. Grebel wie im vorhergehenden Schuljahr doch nur einige Stunden abnehmen konnte, den grössten Teil der Direktor- geschäfte weiterbesorgen. Es sei ihm hier, ebenso wie Herrn O.L. Grebe, noch einmal der Dank aus- gesprochen für alle die Mühe und Sorge, welche beide Kollegen dieser Thätigkeit zugewendet haben. Ferner zwang die Vakanz einer Lehrerstelle bis zum 1. August zur Anwendung verschiedener Aus- kunftsmittel. In Sexta b unterrichtete O.L. Dr. Siebert wöchentlich 3 St. Deutsch; die Geschichts- stunde in dieser Klasse musste von vornherein der Proband Davin geben. Dr. Wittich über- nahm zu den 10 Stunden, die er als Direktor zu geben gedachte, 8 St. Latein in VIb, 2 St. Religion in II, 2b, 2 in III, l1a. Von den drei deutschen Stunden in II, 2b gab er anfangs wöchentlich zwei, Proband Davin eine, von den deutschen Stunden in III, la konnte er eine selbst geben, zwei über- trug er dem Probanden Siebert. Nach und nach wurden dann die beiden jungen Lehrer stärker heran- gezogen, sodass dem Unterzeichneten die Möglichkeit wurde Herrn Prorektor Heuser immer mehr — 49— von den Direktorgeschäften zu entlasten. Später machten die Erkrankungen einiger Kollegen sowie das Auftreten des Scharlachfiebers in der Familie eines Lehrers längere Vertretungen nötig. Am 19. Juni beehrte seine Excellenz der Herr Kultusminister Dr. Gossler in Begleitung des Herrn Oberpräsidenten, Staatsminister Grafen zu Eulenburg, Exc., des Herrn Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer, des Herrn Oberbürgermeister Weise und des Mitgliedes unseres Kuratoriums Dr. Hoch- huth unsere Schule in den ersten Morgenstunden mit einem Besuche. Am selben Vormittag fand vor den versammelten Schülern auf dem Friedhofe die Enthüllung eines einfachen Denkmals auf dem Grabe des vor einem Jahre verstorbenen Direktors Dr. A. Preime statt. Der Sängerchor sang ein Lied, und Herr Prorektor Heuser hielt eine kurze Gedächtnisrede. Am 21. Juni führte Herr Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer den Unterzeichneten feierlich in sein Amt ein. In seiner Rede hob er besonders die Vorteile hervor, welche der Anstalt wie dem Direktor daraus erwachsen könnten, dass dieser so lange bereits als Lehrer an der Schule thätig gewesen sei. Nach der Antrittsrede des Direktors begrüsste denselben Herr Oberbürgermeister Weise in einer kurzen Ansprache, und Herr Dr. Hochhuth rief ihm das Wort zu, das die Anfangsworte des Schluss- gesanges des Schülerchors bildete: Unseren Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleicher Massen. Am 2. September hielt Herr Dr. Schantz die Festrede; Deklamationen schlossen sich an dieselbe an. Die Lutherfeier fand zunächst für sämtliche Schüler in der Aula des Realgymnasiums statt. Sie bestand aus Gesängen und Deklamationen der Schüler und der Festrede des Herrn Dr. Ulrici. Die Feier war eine öffentliche. Die Schüler der oberen Klassen hatten als Festgabe seitens der Stadt eine Sammlung von Luthergedichten erhalten, welche von Herrn Pfarrer E. Fürer verfasst sind, die unteren Klassen das Roggesche Leben Luthers. Nach der Schulfeier nahmen Deputationen sämtlicher Klassen an dem Gottesdienst teil, welcher für alle Schulen Cassels in der St. Martinskirche gehalten wurde. Am Festaug beteiligte sich das Lehrerkollegium. Am 26. und 27. November hielt Herr Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer eine Revision der Anstalt, bei welcher er dem Unterricht eines jeden Lehrers eine Zeitlang beiwohnte. Am 22. Dezember wurde, wie alljährlich um diese Zeit, eine feierliche Weihnachtshora gehalten. Am 22. März hielt zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät unseres Kaisers Herr Krauth die Festrede über die Einweihung des Nationaldenkmals. Die Sommerferien dauerten vom 2. bis zum 30. Juli, die Herbstferien vom 24. September bis 8. Oktober, die Weihnachtsferien vom 24. Dezember bis zum 7. Januar. Die mündliche Entlassungsprüfung für Ostern 1883 fand am 13. März unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulrat Kretschel statt. Es wurden drei Schüler(in der Liste mit* bezeichnet) dispensiert; auch die übrigen vier bestanden. Für den Herbsttermin hatte sich ein Abiturient gemeldet. Die schriftliche Prüfung desselben fand vom 6. bis 11. August statt, die mündliche am 18. September unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer; er erhielt das Zeugnis der Reife. Für den Ostertermin 1884 waren 12 Schüler und ein Auswärtiger zu prüfen. Erstere schrieben vom 21. bis 26. Januar ihre Prüfungsarbeiten, letzterer am 22., 23. und 24. Januar, einen Teil derselben erst vom 11. bis 15. Februar. Am 19. und 20. März wurde die Prüfung unserer Abiturienten unter Vorsitz des Herrn Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer abgehalten; zwei Schülern wurde die mündliche Prüfung erlassen(in der Liste mit* bezeichnet); die übrigen 10 erhielten ebenfalls das Reifezeugnis. 7 — 50— Am 17. März hatte der Auswärtige die mündliche, diesmal unter dem Vorsitz des Direktors stattfindende, Prüfung bestanden. Der Prüfung zur Frlangunge eines Zeugnisses der Reife für Prima unterzogen sich fünf Kandidaten. Von zweien derselben, welche nicht bestanden hatten, wurde einer später noch einmal mit günstigem Erfolg geprüft. Wie sonst fanden auch diesmal im Sommerhalbjahr kleinere und grössere Ausflüge mit den Schülern statt; der Sedauausflug, mit dem Trommlerkorps der Schule an der Spitze, konnte erst einige Tage nach dem Fest selbst vorgenommen werden. Die Sammlungen der Anstalt erhielten teils durch Anschaffungen aus den Mitteln des jährlichen Etats, teils durch Geschenke entsprechenden Zuwachs. Am 20. Februar führte eine Abendunterhaltung der Schule ein zahlreiches Publikum zu. Musikalische Vorträge, Deklamationen und scenische Darstellungen der Schüler in deutscher, lateinischer, französischer und englischer Sprache bildeten den Hauptinhalt des Gebotenen. Die Enthüllung der Reliefmedaillons der verstorbenen Direktoren Professor Kreyssig und Dr. Preime gab dem Unter- zeichneten Veranlassung, einen Rückblick auf Leben und Wirksamkeit seiner beiden Vorgänger zu werfen. Der Ertrag des Abends war teils zur Deckung der Kosten für die Ausführung und Anbringung des Preime-Medaillons, teils für die Preimestiftung bestimmt. Für das Kreyssig-Medaillon waren die Kosten schon länger durch frühere Schüler des Verstorbenen aufgebracht. III. Schüler. SA 5 6 7 S. 9. 10. 11.. 15. r. 1225 3 ½ ½ Zugang d— 5 5 2 2 5 F 3 2 1 55. 5 85 115 5 23 5 1 3 2 5 8 5 1zst s e ſkeue 7e abeung.. 2 8[1223 83 3 ½ 2* 5 8 8 5 8 a5.5 753 ostorn. dial 3 ½ V a. 5 5 80 3 k— — 1.1 9. 1 121 13 1 12.6 18 I. 2 17 4 17 V 2 23 1 22 13 10 21 1— II. 1 17 3. 2 2 fl. 1 1 1 117- 21 1 20 14„7 21 II. 22 20 4 15 2. 21 6 15 11 10 18— 3— II, 2b 20 6 14— 20 1 19 18 2 16 3 1— III, 14]1 40 8 l 33—- 35 1 34 20 15 26 4 5— III, 1b] 26 1 33 7 26 16 17 32 1— III, 2a2 39 5 27 2 34 4 30 27 7 26 1 7— III, 2b 43 9 22 2 33 5 28 29 4 22 2 9— IVa 39 10 31 3 44 1 43 25 19 38 4 2— IVb 38 12 30 3 45 3 42 39 6 37 2 6— Va 40 9 24 2 35 5 30 27 8 30 3 2— Vb 38 12 22 2 36 3 33 26 10 30 1 5— VIa 47 14 31 2 47 5 42² 45 2 42 2 3— VIb 49 11 35⁵ 1 47 5 42 37 10 41 3 3— VIe— 14, 32 2. 48 8 40 41 7 39 6 3— Sa. 468 123 388 24 535 57 478 395 140 452 33 49 1 Am 27. Februar verlor die Schule durch den Tod in dem Untertertianer Karl Lotz einen frischen, liebenswürdigen und strebsamen Schüler. Die Entlassungsprüfung bestanden zu Ostern 1883, Michaelis 1883 und Ostern 1884 folgende Oberprimaner: 5 3 55 V 5 Namen.(Gehurtsort. 5 Stand und Wohnort 5 2 Gewählter Beruf. 3 5 des Vaters. 8 2 5 I, 1.*Thle, Ernst ref. Cassel. 17%³¾ Schreinermeister, Cassel. 8 ½ 1 Postfach. 2.*Herzberg, Karl luth. Langensalza. 18 Kaufmann, Langensalza. 2 1 Postfach. 3.* Engelbrecht, Karl ref.(Cassel. 18 ½ † Lehmsteinfabrikant, Cassel. 9 ½⁰ 1 Baufach. 4. Hessberger, Karl kath. Fulda. 19 ¾ Gerber, Fulda. 2 1 Postfach. 5. Holzapfel, Ernst ref. Eschwege. 18 ⅜ Maurermeister, Eschwege. 3 ½ 1 Naturwissenschaften. 6. Becker, Heinrich ref. Volkmarsen. 20 ¾ Lehrer, Volkmarsen. 7 1 Postfach. 7. Müller, Philipp ev. Hofgeismar. 20 ½ Rechtsanwalt. Hofgeismar. 3 1 Bergfach. II, 1. Hornung, Hugo luth. Brooklyn(N.-York). 20 Fabrikbes., Frankenhausen. 7 1 Landwirtschaft. III, 1. Spangenberg, Otto ref.(assel. 18 ¾ Lehrer am Realgymn. Cassel. 9 ½ 1 Theologie und Philologie. (Gymnasium.) 2. Holzapfel, Paul luth. Büren. 18 ½ † Rechtsanwalt, Büren. 9 ½ 1 Mathematik und Natur- . wissenschaften. 3.*Fischer, Martin ref. Cassel. 16 ⁄ † Postwagenmeister, Cassel. 8 ½ 1 Postfach. 4. Finger, Adolf ev. Frankenberg. 18 ½ Bierbrauer, Frankenberg. 4 1 Postfach. 5. Sänger, Jérôme ref. Frommershausen. 20 ½ Gutsbesitzer, Ochshausen. 10 ½ ⁄ 1 Militärische Laufbahn. 6. Nolte, Fritz, ref. Cassel. 17 ½ †f Kammerdiener, Cassel. 8 ½ 1 Kaufmannsstand. 7. Schultheis, Karl ref. Cassel. 20 † Kammermusikus, Cassel. 9 ½ 1 Theologie(Gymnasium). 8. Pforr, Philipp ref. Hersfeld. 18 ½ Schreinermeister. Hersfeld]. 2 1 Mathematik und Natur- wissenschaften. 9. Stephan, Emil ev. Cassel. 18 ¾ †f Lehrer, Cassel. 9 ½ 1 ½ Mathematik. 10. Adam, Emil ev. Grossenritte. 20 ½ † Pfarrer, Grossenritte. 2 1½ Neuere Sprachen. 11. Kenter, Hermann ap.-k. Magdeburg. 18 ¾ Pfarrer, Marburg. 1 Naturwissenschaften. 12. Ulloth, Louis ref. Wehlheiden. 20 ½ Bäckermeister, Wehlheiden. 5 ½ 1 Postfach. Dazu kam ein Aus- wärtiger: 13. Salzmann, Heinr. ev. Spangenberg. 20 ½ † Kupferschm., Sbenageutang.—-—— Astronomie. IV. Geschenke. I. Für die Sammlungen. a) Von Freunden der Anstalt: 1) Von Herrn Dr. Kupfer 1 Schädel eines Brüllaffen mit Schallkapsel, brasilianische Schlangen und Eidechsen in Spiritus; von Herrn Dr. Stehlich einige Seetiere und Seepflanzen sowie Mineralien von Stassfurt und Mansfeld; von Herrn S. N. Wolff ein Stück Speckstein mit Pseudomorphosen; von Herrn Jacob Katz Chrysotil von Canada und Palmnüsse, sowie ein junger Alligator in Spiritus; von Hern Dr. Aekermann Phosphorit von Biedenkopf; von Herrn Major v. Schilgen Itacolumit — 52— aus Brasilien und eine Anzahl Mineralien, Antimonglanz etc. von Uentrop bei Arnsberg in Westfalen; von Herrn Döll aus Chile roher Salpeter von Aguas blancas bei Antofagasta in Chile und Thenardit aus den Salinen von Antofagasta; von Herrn C. Rupert 2 Exemplare Musophaga porphyreolophus aus Südafrika, 2 Exempl. Procellaria capensis, ein Draco spec., sowie Käfer von Java; von Hedwig Hölting Hornkorallen mit daran haftenden Muscheln, Serpulen, Balanen etc., sowie anderweite Muscheln und Schneckengehäuse von St. Thomas.— 2) Von früheren Schülern der Anstalt, und zwar von Herrn F. Steindecker ein Lanius collurio; von Herrn W. Kühnemann ein Proteus anguineus aus der Adelsberger Grotte, zwei grosse vollständige Bandwürmer und einige Mineralien; von Herrn Eduard F ul da eine Anzahl Mineralien; von Herrn Willi Scheel eine Anzahl Mineralien. b) Ferner von Schülern der Anstalt, und zwar von: Franz Krug, IVa, brasilianische Käfer, Paul Holzapfel, I, 1, Algen mit aufsitzenden Polypen, Kopf eines Albatros und zwei Echineis remora, von Eugen Oppenheim, VIb, 3 Stück Smirgel von Naxos, von August Hossfeld, III, 2 a, petrificierte Haifischzühne aus Nordamerika, von Arthur Wagner, II, 1, zwei Exemplare Phrynosoma orbiculare aus Texas, von Wilhelm Jüngst, II, 2a, 2 Stück Serpentinasbest von Canada, von Theodor Euler, Va, ein Strix otus und ein Lanius excubitor, von Otto Meyenberg. III, 2 b, ein Schlangenhemd, von Hermann Ochs, VIb, einige Schmetterlinge, von Wilh. Scharff, VIa, eine Eiersammlung, von Lorenzo Baumann, III, la, ein Gazellengehörn, und von Heinrich Wiederhold, IVa, ein Colibri und ein Kästchen mit Käfern aus Chile. II. Für die Bibliothelk. Hopf und Paulsiek, dtsch. Lesebuch für Sexta, Quinta, Quarta in je 2 Exempl., vom Verleger. Stehlich, die Sprache in ihrer Bez. zum Nationalcharakter, vom Verf. Thibaut, Li romanz de la poire, von demselben. Geolog. Karte von Preussen und den Thür. Staaten 21. Lieferung, vom Kultus-Ministerium. Ravenstein, Volksturnbuch, von Herrn Commerzienrat Henschel. Caesar, Aufzeichnungen über den gallischen Krieg, Denkwürdigkeiten über den Bürgerkrieg, und Cornelius Nepos, Lebensbeschreibungen, deutsch von Zwirmnann, von dem Ubersetzer. Lehrerzeitung, allg. deutsche, 20. 21. 22. Jahrgang, von Frau Stephan. Die preussische Expedition nach Ostasien. Zoolog. Teil, I Bd. und botanischer Teil, vom Kultus- ministerium. Ploetz, Englisch Vocabulary, Ploetz, Syntax der Formenlehre der neufrz. Sprache, Ploetz, Ubungen der frz. Syntax, diese 3 Freiexemplare der Verlagshandlung. Beck, Latein. Übungsbuch für Sexta, vom Verleger. Otto, französ. Conversations-Lesebuch; Wagner, kleine Schulgeographie; Hartmann, Leitfaden für den geogr. Unterricht; Clemen, dtsch. Lesebuch, 3. Stufe; Klöden, Leitfaden der Geogr., von Herrn Kaysan. Hottinger, Elsass-Lothringen, von dem Verf. Voung, die Sonne, aus dem Englischen; Reynolds, Experimental-Chemie; Tylor, Anthropologie, diese 3 von dem Übersetzer G. Siebert, O. L. zu Wiesbaden. — 53— Publikationen aus den K. Preuss. Sthatarchinen Band XVI. XVII. XVIII als eecte vom Kultus- ministerium. Deutsche Schulgesetz-Sammlung, 11. 12. Jahrgang, als Fortsetzung, von demselben. Denkschrift des 2. Evang. Schulkongresses, von dem Lokalkomité. Stacke, Bertrand du Guesclin und Abriss der Gesch. der Preuss. Monarchie; Rottok, Lehrbuch der Planimetrie und Lehrbuch der Stereometrie, diese 4 von der Verlagshandlung. Paulsiek, Deutsches Lesebuch für Vorschulen, für Octava und für Septima, von der Verlagshandlung. Kiepert, Schul-Atlas der alten Welt, und Schul-Atlas, von der Verlagshandlung. Dazu kam eine Anzahl von Büchern für die Hilfsbibliothek von Herrn Kaysan und von dem ab- gehenden Schüler Hans Wollermann. Von einem Geber, der ungenannt zu bleiben wünscht, wurde eine Büste des Kronprinzen zur weiteren Ausschmückung der Aula geschenkt. v. Ordnung der öffentlichen Prüfung. Donnerstag, den æ3. April. Choral. 8— 8 ½, Unterprima: Mathematik, Dr. Kramm. Deklamation: Vergili Aeneis, II, 108— 1 98, vorgetr. von Heinrich Ihle. 8 ½— 9. Obersekunda: Latein, Zwirnmann. Deklamation: Polonius' Farewell to his Son, vorgetr. von Arthur Wagner. 9— 9 ½, Untersekunda a: Geschichte, Krauth. Deklamation: Ovid, Metamorphosen, I, v. 89— 162, vorgetr. von Hugo Graeser. 9 ½— 10, Untersekunda b: Englisch, Ide. Deklamation:»Mort de Coligny«, par Voltaire, vorgetr. von Hans Förtsch. 10— 10 ½, Obertertia a: Französisch, Dr. Grebel. Deklamation:»The Village Blacksmith« von Henry Longfellow, vorgetr. von Sigfr. Beutling. 10 ½— 11, Obertertia b: Latein, Dr. Siebert. Deklamation:»Les Deux Rats«, par Andrieux, vorgetr. von Georg Zahn. 11— 11 ½, Untertertia a: Mathematik, Dr. Hornstein. Deklamation:»The First Voyage«, by Miss Eliza Cook, vorgetr. von Karl Fenner. 11 ½— 12, Untertertia b: Geographie, Grebe. Deklamation:»Huntsmen's Song«, by Walter Scott, vorgetr. von Ludw. Maschmeier. 2— 3, Quarta a: Französisch, Dr. Stehlich; Rechnen, Spangenberg. Deklamation:»Die Leipziger Schlacht«, von E. M. Arndt, vorgetr. von Karl Exter und Justus Butte.—»La Petite Mendiante«, par Boucher de Perthes, vorgetr. von Wilh. Huneck. 3—4. Quarta b: Französisch, Dr. Hölting; Naturkunde, Stange. Deklamation:»Die Auswanderer«, von Freiligrath, vorgetr. von Heinrich Wittich.— »La Cigale et la Fourmis, par Lafontdine, vorgetr. von Philipp Simon. 4 ½— 5, Sexta a, b, c: Turnen, Erdmann. 5— 6, Prima und Obersekunda . T. Vorturner ¹ Turnen, Dr. Hornstein. N Freitag, den 4. April. A N Choral. — 8 ½, Quinta a: Rechnen, Völler. Deklamation:»Der Trompeter an der Katzbach«, von Jul. Mosen; vorgetr. von Fritz Böley.—»Les Deux Anes«, vorgetr. von Theodor Euler. 8 ½— 9, Quinta a und b: Französisch, Dr. Danker. 9— 9 ½, Quinta b: Geographie, Jüurgens. Deklamation:»Der Schwarzwald«, von Max v. Schenkendorf, vorgetr. von Friedr. Dohme.—»L. Avure«, vorgetr. von Oskar Fuhse. 9 ½— 10 ½, Sexta a: Latein, Dr. Schantz; Rechnen, Lange. Deklamation:»Belle-Alliance«, von Jul. Sturm, vorgetr. von Wilh. Giede. 10 ½— 11 ½, Sexta b: Latein, Dr. Ulriei; Rechnen, Heydenreich. Deklamation:»Des Knaben Berglied«, von Ludwig Uhland, vorgetr. von Emil Drangenstein. 11 ½— 12 ½, Sexta e: Latein, Dr. Hildebrand; Rechnen, Erdmann. Deklamation:»Der fromme Schweppermann«, von Ludwig Uhland, vorgetr. von Wilh. Heidt. Sonnabend, den 5. April. Schulfeier. Anfang: 10 Uhr. Chorgesang:»Wie herrlich strahlt der Morgenstern«, von Bach. Deklamationen:»Mummelsees Rache«, von A. Schnezler, vorgetr. von Hans Bethke aus III, 2b.— »Der Graf von Habsburg«, von Schiller, vorgetr. von Fritz Förster aus III, 25— »Marcus Curtius«, von K. Müchler, vorgetr. von Eckhardt Umbach aus III, 1b.—»F rühlings- gruss an das Vaterlanda, von M. v. Schenkendorf, vorgetr. von Theod. Homann aus III, la. Chorgesang:»Abschied vom W alda, von F. Mendelssohn-Bartholdy. Französische Rede des Abiturienten Martin Fischer. Chorgesang:»Harre des Herrn«, nach Caesar Malan. Deklamationen:»Des Sängers Fluch«, von Ludw. Uhland, vorgetr. von Gustav Reusse aus II, 2b. „»Das Siegesfest«, von Sehiller, vorgetr. von Leop. Lindenfeld aus II, 2a.—»Die zwei Musen«, von Klopstock, vorgetr. von Sigism. GunCle. aus II, 1.— Mouolog aus Goethes Iphigenie, I, 1, vorgetr. von Georg Franke aus J, Chorersang:»Mailiede, von F. Mendelssohn-Bartholdy. Deutsche Rede des Abiturienten Otto Spangenberg. Entlassung der Abiturienten durch den Direktor. Chorgesang:»Brüder reicht die Hand zum Bunde«, von Mozart. Die Verkündigung der Versetzungen und Austeilung der Censuren findet alsdann durch die Ordinarien in den einzelnen Klassen statt. Das neue Schuljahr peginnt Montag, den 21. April mit einer Schulandacht; die Schüler ver- sammeln sich um 4 Uhr zunächst in ihren früheren Klassenzimmern. Die Aufnahmeprüfung der neuangemeldeten Schüler wird an demselben Tag morgens von 8 Uhr an vorgenommen, wozu Schreibmaterial mitzubringen ist; auch hat jeder sein letztes Schulzeugnis vor- zulegen. Zunächst versammeln sich alle im Zeichensaal. Für auswärtige Eltern, welche ihre Söhne dem Realgymnasium zuführen wollen, wird bemerkt, dass der Unterzeichnete in der Lage ist geeignete Pensionsgeber vorzuschlagen. Die Genehmigung der gewählten Pension muss bei dem Direktor nachgesucht werden(§ 9 der Schulordnung). Der Direktor des Realgymnasiums: D. W. Wittich.