Römische Inschriften des Mainzer Museums. Dritter Nachtrag zum Becker'schen Katalog. Zusammengestellt oar ſl,reocon Prof. Dr. K. Körber. Mit 100 Zinkätzungen nach Facsimile-Zeichnungen von Heinrich Wallau. MAINZ Buchdruckerei von II. Prickarts 1897. 1897. Progr. Nr. 660. Die neuen römischen Inschriften des Museums zu Mainz. Dritter Nachtrag zum Becker'schen Katalog. Is der um die Mainzer Inschriften so hochverdiente Keller sich infolge seiner Ernennung zum Direktor der höheren Mädchenschule von Museumsangelegen- heiten zurückzog, fiel mir die Aufgabe zu, für die Veröffentlichung neugefundener Inschriften zu sorgen. Da ich dazu wenig vor- bereitet war, übernahm ich dieselbe nur mit grossem Wider- streben, das sich erst legte, als Herr Geh. Hofrat Zangemeister mir versprach, mich dabei mit Rat und That unterstützen zu wollen. Fast jede Seite der folgenden Arbeit zeugt davon, wie treu er dieses Versprechen bis auf den heutigen Tag gehalten hat. Ausser ihm haben noch eine Reihe anderer Gelehrter mir die schätzenswerteste Beihilfe gewährt, vor allen anderen die Herren Professoren von Domaszewski und Gundermann, welche überdies die grosse Liebenswürdigkeit hatten, eine Correctur zu lesen, bei welcher Gelegenheit sie auch für den Inhalt noch manchen Beitrag lieferten. Inbezug auf die Art und Weise der Besprechung war ich natürlich von meinen Vorgängern abhängig. Doch glaubte ich mich nicht so eng, wie Keller es that, an den Becker'schen Katalog anschliessen zu müssen. So sind der bequemeren An- führung wegen die Nummern selbständig von 1 an durchgeführt. Ferner fügte ich überall bei, was aus einer Inschrift für Ge- schichte und Kultur Interessantes zu entnehmen sei. Ausser den jedesmal angeführten Quellen und den bekannten Hand- büchern benutzte ich dabei besonders für die Zeitbestimmung der Soldaten-Grabsteine Ritterlings treffliche Abhandlungen zur Legionsgeschichte(Westd. Zeitschr. XII und die Dissertation De legione X gemina). 4— Einen besonderen Wert verleihen, wie ich glaube, dieser Arbeit die trefflichen Nachbildungen sämmtlicher aufgenommenen Inschriften. Sie verdanke ich Herrn Heinrich Wallau, der mit unermüdlicher Hingabe und ungewöhnlich grossem technischen Geschicke die Facsimilezeichnungen nach eigenem Verfahren her- stellte. Für den Inhalt derselben trifft mich die Verantwortung, da Herr Wallau als Nicht-Philologe in zweifelhaften Fällen mir die Entscheidung überliess. Dies schliesst natürlich keineswegs aus, dass sein scharfes und geübtes Auge manchen Buchstaben und Buchstabenrest entdeckte, der mir und anderen entgangen war. Allen den genannten Herren sage ich hiermit auch an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank. Die Indices, deren ein solches Buch nicht entbehren kann, werden einem zweiten im nächsten Winter erscheinenden Heftchen beigegeben werden, das die Inschriften auf Bein, Bronce u. s. w. sowie die christlichen Inschriften enthalten wird. Diejenigen auf Sigillata- und anderen Thongefässen wird voraussichtlich ein Kollege demnächst behandeln. Mainz, am 27. Juli 1897. Dr. Körber. 10 15 —— I. Altäre und Weihinschriften. 1. Votivaltar, von Annianus dem Juppiter und allen übrigen Göttern und Göttinnen errichtet zu Ehren des Kaisers Gordian III. und seiner Gemahlin Sabinia Tranquillina, gefunden am 30. März 1887 bei Kanalisierung der hinteren Christophsgasse gegenüber der Rückseite des Brauhauses zum Birnbaum und den Häusern Nr. 6, 8, bezw. 5. Roter Sandstein. H. 88, Br. 60, D. 36 cm. EM 1 w E ADIDSRLEGDTAMAN d KlNVh eNCAg BNTIIGSI EGL IG-PEGOR N 1 . Pelel SONII. EA — Td e 1 Movi) optimo) mawimo) ceterisque dis dejabuſsque omnibus] pro] salule aſtque)] ſincolumitat je et victoſriis ſd(omini) n(ostri) imp(eratoris) Gjordiani pii felſicis) Aug(uati)/ 5 ſatque Sſabiniae Trandquſillinae] ſtotiusque] d(omus) d(ivinae) eorum f... Jus, Lſuci) filius), Fabſia tribu), Annian us], Xvir stliſtibus iudicandiſs, tribſunus) militum)/ fleg(ionum) XXXA VUlp(iae) et I] Min(erviae) Gordianarum, inquo...) 10.... vi /c(es) leg(ati) sustinuit, guaestor) pr(o) prſaetore)....) ... j tiam(oder itam?) c(urator?) eſensibus?) civitlatium) admlini- strandis) limſitis] Germ ſan(iae) Halig(uensium?) et Chalitanoſrum?..j ſ.. sſevir turmae) I eg(uitum) ſrom(anorum)] adl... . Jnt.. J, praef(ectus) fr(umenti) dan/di) plſebſi) roſmanae) cur(ator)] 15 Veie?ſntium) et missus advſersus) hſostes) pl ublicos) in regionem) Tra-] ſnspjadſanam) tirſonibus) legendſis) et armſis) fabrſicandis) inlur be)] Meſdiolſanio), iuridſicus) per Calabriam Lue ſanſiam) et Bruttios, legl atus) leg(ionis) XXIII] [prilmig(eniae) p(iae) flidelis) Gordianae vo- 20 tum solvit Kal(endis) Jullis)] [Attijco et Praetextato co(n))s(ulibus). Juppiter, dem Besten und Höchsten, und allen übrigen Göttern und Göttinnen(hat) für das Heil, das Wohlergehen und die Siege unsres Herrn des Imperators Gordianus Pius Augustus, der Sabinia Tranquillina und ihres ganzen erlauchten Hauses.... us Annianus, des Lucius Sohn, von dem fabischen Bürgerverbande, Mitglied des Zehnmännergerichtes, Kriegs- tribun in den zwei Gordianischen Legionen, der dreissigsten Ulpischen und der ersten Minervischen, in welchem Amte er Stellvertreter des Legaten war, propraetorischer Quaestor.....„ Schatzungsbeamter für die an der germanischen Grenze gelegenen Gemeinden der Haliquenser und Chalitaner, ..., Vorsteher eines der sechs Geschwader der römischen Ritterschaft,..., ausserordentlicher Kommissär für die Verteilung von Getreide an das römische Volk, Curator(kaiserlicher Verwaltungsbeamter) der Veienter, gegen die Vaterlandsfeinde in die Landschaft jenseits des Po geschickt, um Rekruten auszuheben und in Mailand Waffen herstellen zu lassen, Rechts- pfleger in Calabrien, Lucanien und Bruttium, Befehlshaber der zweiund- zwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflichttreuen und zuverlässigen, der Gordianischen,— sein Gelübde erfüllt am 1. Juli unter dem Consulate des Atticus und Praetextatus(i. J. 242 n. Chr.). Dieses Denkmal mit der— nach v. Domaszewski— wichtigsten Inschrift der Rheinlande, die aber andrerseits, wie Mommsen einmal be- merkte, zu den schwierigsten Problemen der lateinischen Epigraphik gehört und manche Rätsel aufgibt, die wohl für immer ungelöst bleiben werden, wurde in mehrere Stücke, einen Hauptblock und einige grössere und kleinere Teile, zerbrochen aufgefunden. Namentlich die ersten Zeilen sind am Anfang und Ende schwer beschädigt. Das eine Eckstück des Krönungs- gesimses, eine Volute in Rosettenform, passt nicht an das übrige, verloren gegangen ist später ein kleines Stückchen am Ende von Zeile 20. Die Seiten- flächen sind am unteren Teile des Steines noch teilweise erhalten und damit für die Länge der Zeilen ein Anhalt gegeben, der freilich die Er- gänzung der 10 ersten wenig zu fördern vermag, zumal hier a. A. und a. E. manchmal ein freier Raum geblieben zu sein scheint.— Z. 1 war ursprünglich wohl die zweite: die erste wird nur die Widmung an Juppiter (I'OM) enthalten haben. Im übrigen ist die Ergänzung der ersten Zeilen durch ähnliche ziemlich gesichert, nur lässt sich natürlich nicht mit Be- stimmtheit sagen, welche Titel und Namen des Kaisers Gordian III. (238— 244) und seiner Gemahlin auf dem Steine gestanden haben. Z. 1 a. A. rechter Fuss des A, a. E. linker Schenkel des V.— Z. 2 ist die Senkrechte des L noch in ihrem ganzen Lauf verfolgbar, völlig erhalten ist davon nur der Kopf. Ebenso ist von dem folgenden kleinen V nur der Kopf des linken Schenkels noch vorhanden; T und E sind gebunden; a. E. ist von A der linke Schenkel und der Fuss des rechten erkennbar.— Z. 3 a. A. unten eine Wagrechte, dann von dem E die Senkrechte mit oben anschliessender Wagrechten; auf T folgt der linke Schenkel von V und eine deutliche Senkrechte, auf C die Wagrechte und der Fuss eines T. — Das Mass der Erhaltung der nächsten Zeilen ist aus der trefflichen Nachbildung hinreichend deutlich erkennbar; zu bemerken ist höchstens, dass Z. 6 fast die Hälfte der Zeile leer war.— Von dem Namen des Stifters ist leider nur das Cognomen Annianus erhalten; der Mann ist sonst unbekannt.— Interessant ist die Folge der Amter, die er bekleidet hat. Wie die meisten vornehmen Römer begann er mit dem aus vier verschiedenen Kollegien bestehenden Vigintivirat. Dann wurde man ge- wöhnlich Militärtribun; Annianus war es, wie der Plural Gordianarum beweist, in zwei Legionen, von denen jedoch nur der Name der einen durch ihren Beinamen gesichert ist, es ist die leg. I Minervia; die andere wird die leg. AXX Ulpia gewesen sein, welche damals ebenfalls in Unter- germanien stand. Z. 9 a. E. scheint ein N gestanden zu haben, Z. 10 a. A. ein C; die Ergänzung inlquo honore vilc. leg. sustinuit hat das Bedenkliche, dass sonst zur Bezeichnung der Stellvertretung rices agere üblich ist. Vielleicht ist das Objekt zu sustiunit(proelia, pericula u. ä.) ausgefallen und zu lesen vie(ibus) leg(ati)(so Gundermann).— Nachher war Annianus quaestor pro praetore: Z. 10 a. E. ist ein Buchstabenrest erhalten, der sehr wohl einem P angehört haben kann, nur die Gestalt des Bruches verleitet leicht zur Annahme eines S. In welcher Provinz er aber gestanden hat, ist unsicher, ebenso ob deren Namen überhaupt beigesetzt war, denn auf das Z. 11 a. A. stehende, bisher unerklärte.. tiam(oder ... itam) endigt keine senatorische Provinz, und nur in einer solchen gab es Quaestoren. Daran aber, schon das erste PR: als Ab- kürzung von praetor aufzufassen, hindert der Umstand, dass bisher kein sicheres Beispiel der Verwaltung des Sevirats nach der Praetur vorliegt.— Für die Zeilen 11 und 12 ist eine einwandfreie Deutung noch nicht ge- funden. Die oben gegebene stützt sich auf eine am Feldberg gefundene Inschrift, in welcher eine ewploratio Halic(ensis?) am germanischen Limes erwähnt wird; zweifelhaft bleibt dabei freilich die Lesung des zweiten Volksnamens, wenn überhaupt zwei genannt waren; denn der Stein ist an dieser Stelle so schwer beschädigt, dass die drei auf HALIOQ folgenden Buchstaben nicht mit Sicherheit festgestellt werden können. Weiteres Bedenken erregt der Ausdruck curator censibus administrandis für das einfache censitor. Auf jeden Fall stehen die civitates unseres Steins nicht auf einer Linie mit den römisch geordneten civitates der Mattiaker(um Wiesbaden) und der Taunenser(um Heddernheim), sondern sind als dem römischen Regiment unterstehende, aber nicht nach dem römischen Municipalsystem geordnete Barbaren-Distrikte aufzufassen.— Eine kleine — 8— Lücke zw. Z. 12 und 13 ist vorläufig nicht auszufüllen.— Das nächste Amt, das Annianus bekleidete, ist das Sevirat in einer der sechs lurmae der römischen Ritter; Z. 13 a. A. steht sicher ein E, ob davor noch ein Rest des S vorhanden, ist ungewiss; in der Mitte folgen auf das überhöhte I Buchstabenspuren, die auf EO. hinführen, hinter dem ROM: ausgefallen ist.— Was in der mit AD(Z. 13) beginnenden und mit gebundenem NIT. aufhörenden Lücke gestanden, ob hier wirklich, wie vermutet wird, die Praetur genannt war, ist zweifelhaft.— Dann übernahm Annianus als ausserordentliches Amt die Aufsicht über die Getreide-Austeilung an die römische Plebs: die Ergänzung der Lücke an dieser Stelle scheint sicher, obschon der Zusatz plebi Romanae sonst nur in griechischen, nicht in lateinischen, Inschriften vorkommt. Auch in der Lücke zw. Z. 14 und 15 kann kaum ein anderes Amt erwähnt gewesen sein, als eine cura civitatium; die oben genannte ist natürlich nur beispielsweise zu nehmen. — Während er diese cura verwaltete, erhielt er vom Senat den Auftrag (vergl. vita Mawimi X. 1) gegen den damals aus Pannonien heranrückenden Maximinus— dieser war mit seinem Sohne Maximus zum hostis publicus erklärt worden— den Widerstand zu organisieren: er sollte in Oberitalien Truppen ausheben und zu deren Ausrüstung in Mailand Waffen herstellen lassen.— Z. 15 ist bemerkenswert die Doppelsetzung von H und P zur Bezeichnung des Pluralis(vergl. Becker, Mainzer Inschriften Nr. 134: BB-FF.: é= Leneficiarii). Darauf folgt eine überhöhte Senkrechte, an welche der schräge Strich des N sich anlehnt, also war hier I und N ge- bunden. Die nächsten Reste können nur zu einem R gehört haben, auf das(als einzig möglicher Vokal) ein E gefolgt ist.— Der übrige Teil der Inschrift bietet keine erheblichen Schwierigkeiten. Annianus versah noch das Amt eines kaiserlichen Rechtspflegers in einem, auch aus einer anderen Inschrift bekannten, unteritalischen Sprengel und war zuletzt, als er den Altar stiftete, Befehlshaber der zweiundzwanzigsten Legion, deren Anwesen- heit in Mainz dadurch für das Jahr 242 festgestellt ist: später wird sie auf einer datierten Inschrift nicht mehr erwähnt. Als Keller den Stein zuerst abschrieb, war Z. 20 a. E. noch ein L, welches jetzt verloren ist, vorhanden. Somit ist der erste Juli als Stiftungstag gesichert.— Nach der Mitte der letzten Zeile ist von den Buchstaben T und X nur noch die Hälfte erhalten, zwischen den darauf folgenden Resten zweier Senk- rechten, wird der rechte Fuss eines dazwischen geschriebenen kleinen A sichtbar. Vergl. Keller, Nachtr. II, 23 b; Ihm, Bonner Jahrb. LXXXIV(1887), S. 88; v. Domaszewski, Korrbl. d. W. Z. XI. Sp. 230 und Rhein. Mus. 1893, S. 343 f. A. 2; Mommsen, Limesbl. 1. Sp. 13. 2. Votivaltar, gewidmet den Kaisern, dem Juppiter, der Fortuna, der Vesta,..., den Laren und Penaten, gefunden am 1. April 1892 beim Neubau des Hauses Schillerstrasse Nr. 24. Geschenk der Herren Architekt F. Suder und Rentner J. Klein. Grauer Sandstein. H. 62, Br. 35, T. 25 cm. Oben auf dem Altar ist eine flache Schale eingehauen. Vorder- und Rückseite trugen ursprünglich dieselbe Inschrift, doch ist dieselbe zum grossen Teil offenbar absichtlich weggemeiselt. EA 4— T. A 2 Selee PTW e Ve⸗ M 2 — 1:7,5. Numinib(us) Augustorum), Tovi) oſptimo) m(aæimo), Fortulnae], VIestlae,..., Laribus, Penatibus, Lſucius) Sallustius Sedatus hospes votumn] s(olvit) Iſibens) m(erito). Der Gottheit der Kaiser, Juppiter, dem Besten und Höchsten, der Fortunae, der Vesta,... den Laren und Penaten hat der Gastwirt Lucius Sallustius Sedatus sein Gelübde gern und nach Gebühr erfüllt. Von der Vorderseite sind nur die zwei ersten Zeilen einigermassen gut erhalten; Z. 3 a. A. muss zuerst ein N gestanden haben, dann waren vielleicht A und E gebunden. Dann folgen auf V einige undeutliche Buch- stabenreste, worauf ein A und die Hälfte eines E im Umriss erkennbar wird. Am Ende stand ein D; wie die Lücke hier zu ergänzen ist, bleibt ungewiss; vermutet wird dlis meile oder auch dleabu]s oder dlomuels. Von nun an ergänzen sich Vorder- und Rückseite gegenseitig, so dass über die Lesung kein Zweifel mehr entstehen kann. Hospes(Z. 6 u. 7) ist hier wohl der Quartierwirt für Soldaten(vergl. Tac. hist. II, 66. III, 2. 44), daher steht keine weitere Bestimmung dabei. Inhaltlich passt für dieses Gewerbe, dass Fortuna, Vesta, Laren und Penaten angerufen werden. Diesen Kreis von Gottheiten gibt ein Bild bei Baumeister, Denkm. S. 811, das auch zum„Wirtshause“ passt.— Auffallend ist die Ausmeiselung beider Exemplare der Aufschrift, die sich vielleicht durch die Annahme erklärt, dass der Altar in einem öffentlichen Gebäude stand; dafür, dass die Rasur christlichen Ursprungs ist, könnte das Kreuz sprechen, welches auf der Vorderfläche Z. 6 a. E. eingehauen ist. Die Verzierung über dem Sims des Altars ist, wie man trotz der argen Zerstörung erkennt, so ähnlich derjenigen anderer Altäre unseres Museums, dass man die Herkunft aus einer Werkstätte annehmen muss. Mehrere derselben(Nr. 12, 33, 38, 73 des Becker'schen Katalogs und Nr. 7 — 10— dieses Nachtrags) sind datiert: sie stammen alle aus den Jahren 198—211. Diesen Jahren wird also auch unser Stein ungefähr angehören und unter den Z. 1 genannten Augusti(die Mehrzahl ist durch numinibus gesichert) wird man also an Septimius Severus und seine Söhne denken müssen. Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 292 und Korrbl. d. W. Z. XVI, Sp. 112. 3. Weihinschrift an den Juppiter und die Juno, gefunden im Dezember 1889 bei Kanalisierung des Dampfmühlengässchens (an der Augustinerstrasse). Sandstein. H. 30, Durchm. 26 cm. Oben ist der Stein abgebrochen, ( unten mit einem Zapfenloch ver- — sehen. ſ 4 1 M 4 Novi) oſptimo) mſaximo) et Jun oni) reg(inae). J. IV NE EC Juppiter, dem Besten und Höchsten, und der Königin Juno. Der runde Aufsatz stand wahrschein- lich auf einem Viergötter-Postamente und trug eine sogen. Gigantensäule. Vergl. Haug, Westd. Zeitschr. X, S. 60, A. 8. 1:7,5. 4. Bruchstück von einer Weihinschrift an(Juppiter und 2) Juno, gefunden im April 1888 in einem Pfeiler der römischen Rhein- brücke. Sandstein. H. 33, Br. 40, Durchm. 20 cm. [Movi) oſptimo) m(amimo) et Jun Joni reglinae in honorem dom jus divinſae]... Juppiter, dem Besten und Grössten, und der Königin Juno zur Ehre des erlauchteu(Kaiser-) Hauses.... Z. 1 a. E. Bogen eines Coder G.— Die Formel in honorem domus divinae ist von dem Jahre 170 an üblich(zuerst auf dem frühesten Viergötter Sockel nachweisbar, der in Kastel gefunden und im Wiesbadener Museum aufbewahrt ist(vergl. Zangemeister, N. Heidelb. Jahrb. V, 60.— Z. 3 Reste zweier Senkrechten und eines N.— Dass die Platte auch dem Juppiter geweiht war, ist nur Vermutung. Vergl. Keller, Nachtrag I, 132 a. — 11— 5. Oberteil eines Votivaltars, den Ollogabien geweiht, gefunden . am 17. Juli 1896 bei der Kanali- sierung der grossen Kirchgasse in Kastel. Geschenk der dortigen Bürgermeisterei. Gelbl. Kalk- stein. H. 42, Br. 40, D. 32 cm. Der Sims ist mit einem Perlstab, von den beiden Seitenflächen die eine mit zwei Schöpflöffeln(sim- pula), welche auf einem anderen Gegenstand zu stehen scheinen, die andere mit einer Kanne in flachem Relief verziert. Ollogabiabus Anuva Messo... 8 Den Ollogabien(hat) Anuva, Messos 2(? Tochter oder Frau diesen Altar gestiftet.) Die Ollogabiae gehörte zweifellos zu den gallischen„Matronen“. Diese werden in der Dreizahl als segen- bringende Göttinnen— ausser in keltischen Landen, wie es scheint, be- sonders am Niederrhein— verehrt. Bei ihren Namen ist die Dativ- Endung abus sehr gebräuchlich, viel- leicht in Anlehnung an das Keltische. (Uber die Matronen vergl. Ihm, Bonner Jahrb., Heft 83.) Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 200. 6. Bruchstück von einer den Ollogabien geweihten Votivplatte. Wie die teilweise erhaltene Umrahmung zeigt, ist es die linke obere Ecke. Alter Bestand. H. 29, Br. 26, D. 7 em. Olloglabiabus] C. Mam... et Arr...[quon]dam... Z. 5 Neste eines M. Über die Ollogabiae s. Z. Nr. 5. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 201. 1:10 7. Votivaltar, den Aufanien geweiht, gefunden am 18. April 1895 beim Neubau des Hauses Petersstr. Nr. 8. Sandstein. H. 75, Br. 44, D. 24 cm. Die Verzierung der Opferplatte kommt mit geringer Abänderung an einer ganzen Reihe von Altären unseres Museums vor(vergl. z. Nr. 2). Deab(us) Aufan(iabus) et Tutelae loci pro salute et incol(u)mitate sua suorum- g(ue) omnium L(ucius) Maiorius Cogi- katus b(ene)/(iciarius) co(n)s(ularis) vot(um) sol(vit) I(aefus) T(ibens) m(e- ETTVTEILX ELOCI PROSAILVTEEEINN COLMITATESVA SVONWM NIVM-LMXINIORI VSCOGITATVS.BF Bee co(n)s(ulibus). Den Aufanien und der Schutzgott- heit des Ortes hat für sein und aller der Seinigen Heil und Wohlergehen rito) Idibus Julis Gentiano et Basso Lucius Majorius Cogitatus, Bene- ficiarius(Bureaubeamter) des Statt- halters sein Gelübde gern und freudig COS VOTSOLELNM nach Gebühr erfüllt. Am 15. Juli IDIBVS-= IVLIS des Jahres(211 n. Chr.), in welchem 19 GENTIANO- 5 Gentianus und Bassus Consuln waren. BX△SSOOCOS Die Aufaniae, die hier deae ge- — nannt sind, gehören 2zu den gallischen 2 Der Name Aufaniae kommt auf In- schriften öfter vor, doch ist er noch nicht sicher gedeutet. Z. 4 incolmitate 5„Matronen“(vergl. über sie z. Nr. 5). 1710. für incolumitate. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 82. 8. Votivaltar, den Sulevien geweiht, gefunden anfangs der —— — ◻☛ ß 6* neunziger Jahre beim Roden der sog. Wackenäcker in der Gemeinde Büdesheim bei Bingen. Geschenk des Herrn Wein- händlers Jul. Woog. Kalkstein. H. 71, Br. 24, D. 19 cm. Auf dem Altar ist eine flache Schale zwischen zwei Wulsten eingehauen. Sulev(i)s deaſbus] C(aius) Hostilius Saturninus et Hostilia Alpina fratres. Den Sulevien(haben) die Geschwister Gajus Hostilius Saturninus und Hostilia Alpina(diesen Altar errichtet). Der Stein war bei der Auffindung in zwei Stücke zerbrochen und wurde dann von un- geschickten Händen mit Cement zusammen- gesetzt, wobei man die zweite Zeile der Inschrift fast völlig zustrich. Dieser Ueberzug konnte auf dem Kalkstein nur z. T. mit verdünnter Salzsäure entfernt werden. Auch sonst ist die Inschrift schwer lesbar, da sie sehr flach und nachlässig eingehauen ist und mehrere Jahre lang allen Unbilden der Witterung ausgesetzt war.— Z. 1 a. E. ist von 8 nur der obere Teil schwach erkennbar; ob ein I davorgestanden, ist zweifelhaft; jedenfalls müsste es erst nach- träglich in den engen Raum zwischen V und S eingehauen sein. Z. 2 a. A. unsichere Reste — 13 der drei ersten Buchstaben des Wortes deabus(?). Z. 3 a. A. obere Hälfte eines C. Z. 5 a E. war vielleicht VS in kleinen Buchstaben übereinander- stehend dem N eingeschrieben. Z. 7 sind die zwei letzten Buchstaben sehr undeutlich.— Die Suleviae gehören ebenfalls zu den gallischen Matronen (s. z. Nr. 5) oder stehen ihnen wenigstens nahe(vergl. Zangemeister, N. Heidelb. Jahrb. V, 52, A. 3); sie kommen in Deutschland sehr selten vor. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 5. 9. Votivaltar, dem Mithras geweiht, gefunden im September 1893 bei Vertiefung eines Weinkellers in der Altenauergasse. Roter Sandstein. H. 36, Br. 22, D. 21 cm. In den Ver- tiefungen Spuren roter Bemalung. D(eo) i(nvicto) Mithrae). Oduintus) F(alerius?) ustinus?) vowit s]olwit ibens) Iaetus). Dem unbesiegbaren Sonnengotte hat Quintus Valerius() Justinus(?)(diesen Altar) gelobt und (sein Gelübde) gern und freudig erfüllt. Eine Erklärung der rätselhaften Zeilen 2—4 ist nur möglich unter der Annahme, dass der Steinmetz mehrfache Fehler begangen hat, die dann durch die Bemalung verdeckt und verbessert wurden. So steht Z. 2 a. A. 0 zweifellos für Q und Z. 4 a. A. fehlt wahrscheinlich ein S, während nachher LV viell. infolge missverstandener kursiver Vorlage zu IN geworden ist. Dafür, dass neben dem Prae- nomen auch Gentile und Cognomen bloss mit den Anfangsbuchstaben bezeichnet sind, findet sich in dem Mainzer Museum bereits ein Beispiel(vergl. Keller, Nachtr. I. 4a). Nicht unmöglich wäre übrigens, 1:7,5 dass der Stifter gar nicht genannt wäre, weil der Altar in seinem eignen Hause stand; dann würde 7uν vovit, soluit zu lesen sein. Vergl. Zangemeister, Korrbl. d. W. Z. XII, Sp. 226. 10. Weihinschrift, der Fortuna Salutaris gewidmet, gefunden am 22. September 1896 beim Neubau des Hauses Schuster- strasse Nr. 46. Rotbrauner Sandstein. H. 16, Br. 28(wovon jedoch rechts etwa 11 cm von der Schriftfläche abgesplittert sind), D. 28 cm. Unten und an beiden Seiten zeigen die glatt behauenen Flächen die ursprüngliche Grösse des Altars, oben könnte dagegen eine Zeile der Inschrift oder eine Skulptur abgeschlagen sein. Deae Folrlun]jae FEX 7 saluflari Ae?llius HP XMPV Luciſanus] tribſ(unus) pP(ro) flilio) Nibens) v(ovit), Plriva?] 5 WeIVG 5 ekathenihaaen 1RIB:P.FN Der Göttin For tuna salutaris hat der(Kriegs-) Tri- bun Aelius(?) Lucianus für AAXINAI seinen Sohn gern dieses Bild(?) gelobt; seine Gemahlin(?) Privatia(?) Maximina hat es herstellen lassen. Ergänzung und Erklärung nach Mitteilung Zangemeisters. Z. 1 sind von dem F nur noch schwache Spuren vorhanden.— tribunus allein für tribunus militum kommt öfter vor.— Privatia schlägt Z. nur bei- spielsweise vor, besser wäre ein etwas längerer Name.— Z. 5 a. E. führen bei oberflächlicher Betrachtung die Spuren auf ein V, bei genauerem Zusehen aber erscheint A zum mindesten ebenfalls möglich. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVI, Sp. 35. 11. Weihinschrift mit Statuette der Fortuna, gefunden im September 1888 bei Kanalisierung der Schusterstrasse. Uber der Inschrift eine sitzende Frauen-Figur in Stola nnd Palla; E Kopf und Hände mit den Attributen fehlen. — Bild und Inschrift ist links zu einer glatten Rundung behauen, rechts nach hinten zu abgeschrägt. Höhe der Figur 35 cm; H. Br. und D. des Inschriftteiles: 37, 19 und 24 cm. D(eae)[Fojrtunae[PlJacidius[◻lurio[v(o- tum)] s(olvit)(libens) m(erito) ſi]n suo. Der Göttin Fortuna hat Placidius(?) Curio(?) sein Gelübde erfüllt gern und freudig nach Gebühr, auf seinem Eigentum. Z. 3 a. A. Fuss eines A. 12. Votivaltärchen, den Nymphen geweiht, gefunden im Herbste 1894 beim Bau des Hauses Bingerstrasse Nr. 17. Feiner gelblicher Kalkstein(von den Italienern Palombino genannt, derselbe Stein, aus dem die tabula Iliaca u. ä. gearbeitet ist), in den Rheingegenden bei Maastricht brechend. H. 29, Br. 18, D. 15 cm. Oben ist eine flache Schale eingehauen, an der noch deutliche Brandspuren sicht- bar sind. Die Blume unter der Inschrift soll wohl eine Wasserlilie darstellen, die für Nymphensteine typisch ist. In den Vertiefungen der Buchstaben Spuren roter Farbe. Q(uintus) Atilius Nympis(= Nymphis) r(otum) s(olvit). Quintus Atilius hat den Nymphen (des nahe gelegenen Münsterweihers? durch Errichtung dieses Altares) sein Ge- lübde erfüllt. Daraus, dass der Stifter des Cog- nomens noch entbehrt, ist zu schliessen, dass die Inschrift aus der Zeit vor Kaiser Claudius(41—54) stammt. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 81. 1:10. — 15— 13. Weihinschrift an die Julia Domna, Gemahlin des Kaisers Septimius Severus, als Caelestis dea; gefunden im Jahre 1887 beim Abbruch der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Gelbl. Sandstein. H. 87, Br. 82, D. 23 cm. Der das Inschriftfeld noch auf zwei Seiten einfassende Rahmen ist mit Weinranken, Trauben und Vögeln verziert. In den Vertiefungen sind rote Farbspuren erhalten, die manchmal von einem weissen Uberzug bedeckt sind, der auch sonst auf dem Steine sichtbar ist. . 7 i 1e IDEXE- 1SCAESARIS= HHS dIIPII ELICIS 9 ICI-MAXIMI. MNS MI-GERMANICI Ä8ℳ ESENATVS-PARI) WANHONOREMℳ9G . — » 1:8. duliae Augustae] Caelesti deae,[matri imperatojris Caesaris [Marci) Aureli Anton lini pii felicis[ͥugusti Darthjici maximi [Brilannici maæxijmi, Germanici ſmawimi et(⁷) matrje senatus patri- [ae item(2) castrorjum in honorem llegionis XXTI A]ntoninianae pr(imigeniae) [p(iae) f(idelis)....] us Quirina(tribu) Amn............ An Iniana Der himmlischen Göttin Julia Augusta, der Mutter des Imperators Caesar Marcus Aurelius Antoninus Augustus, des Frommen und Glücklichen, des grossen Parther-, Britannen- und Germanen-Besiegers, ihr, der Mutter — 16— des Senats und des Vaterlandes sowie des Lagers, hat zur Ehre der zwei- undzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pfliehttreuen und zuverlässigen .. us An.... von dem quirinischen Bürgerverbande(und seine Gemahlin?).... ana(diese Tafel gewidmet?). Die linke Hälfte des Denkmals fehlt, ebenso der Schluss.— Z. 6 a. A. ist infolge eines Versehens, zu dem das Vorhandensein der Vulgär- form matre für matri beigetragen haben kann, E statt I eingehauen. Das Versehen blieb entweder bestehen, oder es wurde nachträglich, nach Be- malung des Buchstabens mit Rot, durch Einstreichen von Stuck in die drei Querstriche verbessert.— Z. 6 ist ein Apex über dem V; vereinzelt kommt dieses Zeichen noch bis Gallienus vor. Das Denkmal ist der Julia Domna geweiht, welche hier als die afrikanische Juno Caelestis(die phönikische Astarte) verehrt wird. Der Titel mater castrorum bezeichnet die Aufstellung des Genius der Kaiserin im Fahnenheiligtum, wie der Titel mater senatus et patriae die gleiche Verehrung im Senat und allen Stätten des Kaiserkultes. Ebenso unrömisch wie die damit angedeutete Mitherrschaft der Frau ist auch der Titel mater Augusti, d. h. Mutter des Sultans. Da diese Titel erst seit der Zeit der Syrerin Julia Domna(Domna nach Nöldeke eine Übersetzung des im N. T. zuerst vorkommenden syrischen Namens Martha= Herrin) auftreten, so ist sie es ohne Zweifel, welche diese orientalischen Herrschaftsbegriffe in die dynastische Politik einführte, und unser Stein ist ein hochinteressantes Denkmal dieser Entwickelung. Die Inschrift stand, wie ihr Inhalt beweist, ebenfalls in dem Fahnen- heiligtum des Praetoriums. Da der Sohn der Kaiserin M. Aurelius Antoninus(= Caracalla), unter dessen Regierung sie geweiht wurde, bereits den Titel Germanicus führt, den er im Jahre 213 annahm, so ist sie zwischen 213 und 217, seinem Todesjahre, entstanden. Von dem Namen des Weihenden ist leider Z. 9 bloss die Endung des Gentiles(... us) und der Anfang des Cognomens(An...) erhalten. Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. IX, 296 und v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV, 62 und 72. 14. Weihinschrift an den Kaiser M. Aurelius Antoninius(d. h. Caracalla) als Ammon; gefunden im Februar 1887 beim Abbruch der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Grünlicher Sandstein. H. 136, Br. 45, D. 20 cm. In den Vertiefungen Spuren roter Farbe; über dieser sind, wie auch an anderen Stellen des Steines, vielfach Reste eines weissen Uberzugs erhalten. 7—— N 5 Caelsari) Marco) Aurellio Antoſnino —l== po felele Augus]to, Parthſico mag- 2 V(imo])], Britanniſco, ponti]fici ma- 27 . imo),[tribſunicia) potesta..), IM(FS(00), lribſunicia) plotestate)... coſn)s(uli) IIII[p(atri) p(atriae), — O N 8 1 proco(n)s(uli)] O(uintus) Junius[... . 215 8 N Fſilius),...] Quintiaſnus, legl atus)] 1 eius pr(o)[pr(aetore) Germalniae su- P K F FE L 19[perioris] derotiſssimus] numinſi eius 15 diſ catissſimusgue]. 5 1 1 DA R ¹ Dem unbesiegbaren Sonnengotte, dem Imperator Caesar Marcus 1 B R 1 IAN N S Aurelius Antoninus Augustus, dem — E C MAA Frommen und Glücklichen, dem grossen Parther- und Britannen- T. PHo besieger, dem Oberpriester, dem Vater 0 5 J des Vaterlandes und Proconsuln hat QlV N IW im(sechzehnten?) Jahre seiner — △ D(eo) inviſcto Soli] imp(eratori) ——— Tribunengewalt, in seinem vierten 10— T; Consulate Quintus Junius Quintianus, K. des.... Sohn, von dem..... Bürger- 4 4— E V 8 P R verbande, sein Statthalter von Ober- germanien, seiner Gottheit unter- NIA‿ E S thänig und ergeben(diesen Altar N D FE V ◻ 1 errichten lassen). 4 Der Stein besteht aus zwei über- 4 31 einander gehörigen Stücken, durch NVMIA deren zushige Trennung Z. 10 arg 4 beschädigt wurde. Die rechte Hälfte 15 CA△ H⁴ 94 fehlt gne, in der Bruchkante sind die Buchstaben mehrfach(Z. 2—5,. 9, 10, 13, 15) nur noch zum Teil erhalten; unten ist noch leerer Raum für eine Zeile— Z. 1 a. A. ist von dem durch den Sinn geforderten D nur die Senkrechte vorhanden und mehr scheint auch niemals eingehauen gewesen zu sein: der Bogen wurde also durch Bemalung ergänzt.— Der Sonnengott, dem der Stein geweiht war, ist zunächst Ammon, der im karthagischen Gebiete als Hauptgott verehrt wurde. An Mithras darf darum nicht gedacht werden, weil er ein Gott der Perser d. h. eines Volkes war, das nicht zum römischen Reiche gehörte; darum ist derselbe nie ein Heeresgott geworden. Unter jenem Ammon ist aber dann der Kaiser Caracalla selbst gemeint(vergl. z. Nr. 13). Gundermann vermutet übrigens, dass jenes I gar nicht als D zu lesen, und Juppiter Dolichenus zu verstehen sei, der ebenfalls invictus genannt werde(z. B. Wilm. Nr. 92).— Z. 13 befindet sich über dem O ein regelmässig eingehauener Strich, der wohl nichts anderes als ein Apex sein kann(vergl. Nr. 13, Z. 6).— Das Jahr der Inschrift lässt sich wegen des Fehlens der Ziffer der trib. pot. nicht sicher bestimmen, denn das vierte Consulat des Caracalla, das in das Jahr 213 fällt, wird in der Titulatur bis zu seinem Tode(217) fortgeführt. Da aber der Kaiser 2 10 gerade im Jahre 213 am rätischen Limes und auch gegen die Chatten käümpfte und den Titel Germanicus annahm, so kann man nicht ohne Wahrscheinlichkeit das Jahr 213 als das Entstehungsjahr der Inschrift ansehen. Vergl. Keller, Nachtrag II, 66 a und 97 a; Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 315; v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV 62, 66 und 73. 15. Weihinschrift an die Pietas der zweiundzwanzigsten Legion und den Honos ihres Adlers, gefunden im Jahre 1887 beim Ab- bruch der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Gelblicher Sandstein. H. 92, Br. 74, D. 15— 23 cm. Der das Inschrift- feld einfassende Rahmen ist mit Guirlanden von Weinranken und Trauben verziert. In den Vertiefungen ist noch hier und da rote Farbe, häufiger die weisse Masse sichtbar, mit der der Stein zu irgendeiner Zeit bedeckt wurde. + 2ℳ / 5 3 SMITLAVLIXNIPS59 VONDAMI PPeEILp D.SOGM ERRADE: DICXEDEMAEIN e heee 18WE 8. Swes S. ae r. F 1 AE. A 1:7,5 Pietati leg(ionis) XXII prl(imigeniae)[Alexandr(ianae)] p(iae) Flidelis) et honori aduilae Lucius) Domitiuls Juljiſanus ilunior [tr(ibunus)](?) Lluci) Domiti Juliani quondam p(rimi) p(ili) hillius) dono) d(edit) ob merita dedicante Mawimo Attiano e(larissimo) viro), leg(to) Augusti)[p]Ir(o) pr(aetore) Germaniae)[s(uperioris] ante diem) quintum Caldendas) April(es)[domino)] n(ostro) Aleſælandro[dug(usto) III et] Dione cdn)s(ulibus)]. Der Pflichttreue der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, Alexandrianischen, gewissenhaften und zuverlässigen und der Ehre ihres Adlers hat der Tribun Lucius Domitius Julianus der jüngere, Sohn des ehemaligen Primipilus(vornehmsten Centurionen der Legion) ihrer Ver- dienste wegen(diese Tafel) zum Geschenk gemacht. Geweiht wurde sie durch den hochberühmten Kaiserlichen Statthalter von Obergermanien Maximus Attianus am fünften Tag vor den Kalenden des April unter dem dritten Consulate unseres Herrn des Kaisers Alexander und(dem zweiten) des Dio(=— 28. März 229 n. Chr.). Der Stein besteht in seinem jetzigen Zustand aus drei Teilen, der oberen rechten Ecke und den zwei grossen Stücken, die nur rechts am Rande zusammenpassen: dadurch ist die vierte und fünfte Zeile stark be- schädigt; auch sonst ist die Inschrift infolge von Verwitterung oder Ab- reibung schwer lesbar. Z. 2 und 12 ist der Kaisername weggemeiselt, doch lässt er sich an letztgenannter Stelle unter der Rasur noch feststellen. Dass gerade in Mainz und Umgegend der Name des Alexander Severus durchgängig getilgt ist, spricht für diejenige Uberlieferung, nach welcher der Kaiser bei Mainz von den Soldaten erschlagen wurde. Die Söhne der Primipili gelangen im dritten Jahrhundert immer zur militia equestris und dienen später als trib. leg. in der Legion ihrer Väter. Der Grund für die Errichtung dieses Altares und desjenigen Nr. 18 dieses Nachtr. ist der Primipilat des Vaters, der einmal den Legionsadler verteidigt hatte(v. Domaszewski). Das Denkmal stammt aus dem Fahnenheiligtum des Mainzer Prae- toriums; deshalb ist es auch von dem Statthalter in eigener Person geweiht worden. Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 297 und v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV, 41, 62 und 110. 16. 2wei Bruchstücke einer Weihinschrift an... und den Honos des Adlers der zweiundzwanzigsten Legion; gefunden im Februar 1887 beim Abbruch der alten Stadtmauer am Eis- grubenweg. Graugelber Sandstein. Zwei übers Kreuz zu- sammengehörige Stücke. Ihre Masse sind: 1) oberer Teil: H. 75, Br. 35, D. 24 cm., 2) unterer Teil: H. 67, Br. 46, D. 22 cm. — ——— — FN 5 AV ⁸ 1:10 [... et h]onolri aquilae Ijeglionis) AXII[pr(imigeniae) p(iae) f(idelis) Antonilnianlae...) Maræus) Tillius Marci)] Filius) Tereltina(tribu) Rufus] Atinaee.·. ꝓ(rimus) p(ilus) leg(ionis) s(upra) s(criptae) dπ) d(edit) eæ]ltrecenario)[dedicante... Avito lleg(ato) Aug(usti) pr(o) pr(aetore) Germaniae) s(uperioris).]Jd(omino) n(ostro) imſp(eratore) Antonino] Aug(usto) [IIII ex] Balbinlo II co(n)s(ulibus)]. . und der Ehre des Adlers der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflichttreuen und zuverlässigen, Antoninianischen.... hat Marcus Tillius Rufus, des Marcus Sohn, von dem teretinischen Bürger- verbande, geboren zu Atina(Stadt in Latium)...... Primipilus(vornehmster Centurio), der genannten Legion, gewesener Trecenarius(wahrscheinlich derjenige Centurio, der die 300 speculatores, die kaiserlichen Leibwächter, des Praetoriums befehligte)(diesen Altar) zum Geschenke gemacht. Geweiht wurde er von..... Avitus, dem Kaiserlichen Statthalter von Ober- Germanien... unter dem vierten Consulate unseres Herrn des Imperators Antoninus Augustus und dem zweiten des Balbinus. Das Denkmal ist durch die Ungunst der Verhältnisse arg mitge- nommen; sowohl vom oberen, wie vom unteren Teil fehlt über die Hälfte, und zwischen beiden ist wohl eine ganze Zeile ausgefallen. Desgleichen ist das auf der rechten Seite verbliebene Stück von Z. 7 durch einen ver- suchten Einschnitt bis auf die Reste der beiden Buchstaben LA oder EA zerstört.— Z. 10 ist von dem ersten C nur noch die untere Rundung und von dem vierten Buchstaben die Senkrechte im Bruche schwach sichtbar.— Auch diese Inschrift stammt zweifellos aus dem Fahnenheiligtum des Mainzer Praetoriums, weshalb sie von dem Statthalter selbst geweiht ist. Dies geschah im Jahre 212 n. Chr. unter der Regierung des Caracalla (Antoninus Augustus). Vergl. Keller, 134 b u. 97 b, Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 315 und v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV, 41. 17. Weihinschrift an.... die Numina castrorum und den Honos des Adlers der zweiundzwanzigsten Legion; gefunden im Mai 1886 1 ASTNS RiISLEC 1—,— D eA 2 — 1r 8 l F DEDICAN 10 CtMED — 22— beim Abbruch der alten Stadtmauer am Eisgrubenweg. Gelb- licher Sandstein. Zwei übers Kreuz zusammengehörige Stücke. Ihre Masse sind: 1) oberer Teil: H. 60, Br. 43, D. 23 cm. 2) unterer Teil: H. 54, Br. 48, D. 29 cm. In den Vertiefungen Spuren roter Farbe; der ganze Stein scheint später einen weissen (Gips-?) Ueberzug erbalten zu haben. -... conservalorji et nuſminib(us)] castrofrum hon]loriq(ue) leg(ionis) [AAII prlimi- geniae) p(iae) flidelis) Alexandrianae...] 3. Dn,..... p(rimus) p(ilus) leg(iones) s(upra)[s(riptae) dono) dedit)....] dedicanſte Sea(to) Catio] Clemenltino leg(ato) Aug0usti) pro) pr(aetore) Germaniae) s(uperioris)]..... .... dem Beschützer und den Gottheiten des Lagers und dem ruhm- vollen Adler der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflicht- treuen und zuverlässigen, Alexandrianischen, hat.... · Du.... Primipilus (vornehmster Centurio) der oben genannten Legion(diesen Altar) zum Geschenke gemacht. Geweiht hat ihn Sextus Catius Clementinus, der Kaiserliche Statthalter von Ober-Germanien. Auch dieses Denkmal ist in ähnlicher Weise schwer beschädigt, wie das eben besprochene: von den vier Stücken, in die es zerschlagen wurde, sind nur zwei erhalten geblieben, und auch auf diesen ist die Inschrift am Anfang und Ende abgehauen oder unkenntlich gemacht; ferner ist hier ebenfalls zwischen dem oberen und unteren Stück eine Zeile verloren gegangen.— Z. 1 scheint a. A. ein V, a. E. ein N gestanden zu haben, neben dem V ist eine Senkrechte deutlich sichtbar. Es war hier ein Gott genannt, und zwar, da der Stein unter Alexander Severus geschrieben ist. wahrscheinlich ein orientalischer, der dann wohl, als der vom Kaiser er- wählte Schutzgott, den Beinamen conservator geführt haben wird(vergl. Keller. II, 25 b).— Die numina castrorum kommen sonst nicht vor; man wird darunter die genii der Truppen und die signa zu verstehen haben— 2. 5 ist der Name Alexanders ausgemeiselt(vergl. z. Nr. 15), doch ist ein Na, A. noch deutlich erkennbar.— Z. 8 stand a. A. ein P, a. E. ein S.— Dass auch dieser Stein aus dem Fahnenheiligtum des Praetoriums stammt, ergiebt sich schon daraus, dass der Statthalter ihn geweiht hat.— Dass das Denkmal unter Alexander Severus(222— 235) gesetzt ist, ergiebt sich aus dem Beinamen der Legion, welcher seinerseits dadurch gesichert ist, dass der einweihende Statthalter offenbar derselbe Mann ist, der im Jahre 230 Consul war. Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 317 und v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV, 42 und 95. 18. Zwei Bruchstücke einer Weininschrift an den Adler der zweiundzwanzigsten Legion, gefunden am 10. und 26. September 1896 in einem unter der Wallaufschüttung am Gauthor be- grabenen Teil der mittelalterlichen Stadtmauer. Rötlicher Sandstein. Zwei übers Kreuz zusammengehörige Stücke. Ihre Masse sind: 1) oberer Teil: H. 32, Br. 50, D. 17 cm, 2) unterer Teil: H. 34, Br. 68 em,(wovon jedoch 28 an der Schriftfläche abgebrochen sind), D. 23 cm. Geschenk der Militärbehörde. [Honori] aquilae[legionis IXIJI pr(imigeniae) p(iae) f(idelis)..... ... rus[Tquondam p(rimi) pili)] Flius) ddono)[d(edit) ob merita] leg(ionis) eiſ usdem) dedic(ata)](ante diem) V Kal(endas)[... duobus Augg.(= Augustis)] Severſo III 1:15 et Antonino co(n)s(ulibus)]J. Der Ehre des Adlers der zwei- undzwanzigsten Legion, der erst- 5 1b LE GFEI. geworbenen, pflichttreuen und zuverlässigen hat..... rus, Sohn VEKAX eines ehemaligen Primipilus, wegen der Verdienste derselben Legion(diesen Altar) zum Ge- schenke gemacht; geweiht am 28(oder 27 oder 25)..„ als die beiden Kaiser Severus und — Antoninus— ersterer zum dritten 1: 15 Male— Consuln waren. Die Zusammengehörigkeit beider Stücke sah Zangemeister zuerst. Es ist eine Weihinschrift ähnlich der Nr. 15 dieses Nachtrags behandelten und sie hat gleiches Schicksal gehabt wie die Nr. 16 und 17.— Z. 3 Reste der drei Buchstaben R(P oder B) V S, zum Namen des Stifters, der der Sohn eines Primipilus war, gehörig.— Zeile 5 zwei Füsse von Senkrechten, dann Rest eines E oder EL und eines D.— Z. 6 musste auf V Kal. der abgekürzte Monatsnamen folgen, der die Lücke nicht ausfüllt, und darauf unmittelbar das Consulat. Wäre dieses ein gewöhnliches, so würde Severo an zweiter Stelle stehen, was zuletzt im Jahre 141 vor- kommt. Da aber die Inschriftsn honori aquilae, wie es scheint, erst mit Septimius Severus(193— 211) beginnen und die Legion keinen Kaisernamen führt, der Stein also vor Caracalla gesetzt ist, und endlich die Buchstaben- form die des dritten Jahrhunderts ist, so wird die Lücke auszufüllen sein, wie oben geschehen. Dann gehört sie dem Jahre 202 n. Chr. an. Der Statthalter, der die Weihe vollführte, war nicht genannt.— C08 wird (vielleicht in kleineren Buchstaben) in der Mitte unter den Consulnamen gestanden haben. ber die Errichtung des Altars durch den Sohn eines Primipilus vergl. z. Nr. 15 dies. Nachtr. Ergänzung und Erklärung nach Mitteilung v. Domaszewskis. 19. Bruchstück eines Votivaltares, einem orientalischen Gotte geweiht, gefunden im Mai 1886 beim Abbruche der alten Stadt- mauer am Eisgrubenweg. Sandstein. H. 30, Br. 51, D. 83 cm. Die linke Seitenfläche ist glatt behauen, auf der rechten dagegen springt vorn und hinten je eine Leiste von 13, bezw. 10 cm Breite und 2,5 cm Ausladung vor. Wir haben also das rechte Endstück einer längeren Inschrift vor uns. In den Buch- staben Reste roter Farbe, auf den Flächen Reste eines weissen Anstriches. —[.... leg(ionis) pjr(imigeniae) p(iac) — 1— Ridelis) 8 3.. J Lluei)? Jilius) Hippi f..... Cladyjanldja (.. J a Gbira. Z. 1 sind die Füsse eines R, einer Senkrechten mit folgendem Punkt und eines F sichtbar.— Z. 3 a. E. ist infolge einer Verletzung des Steines zwischen N und A ein Buchstabe ausgefallen; es kann dies nur ein I gewesen sein oder eine Ligatur von B, D oder P mit N: ein wagrechter Querstrich hätte eine, wenn auch schwache, Spur hinter- lassen müssen. Da Cybira im südlichen Phrygien unweit der karischen Grenze liegt, Hippus in Carien selbst, so wird die Endung wie in Alabanda, Labranda, Caryanda, Laranda u. a. zu ergänzen und die Stadt Cadyanda genannt gewesen sein.— Z. 4 a. A. linker Schenkel eines A im Bruche noch sichtbar.— Da die vielen Steine, die in derselben Mauer gefunden wurden, fast ohne Ausnahme einem Heiligtum entstammen, so wird auch unser Bruchstück von einem Altare herrühren. Die Lage der drei auf ihm genannten Städte aber lässt auf einen orientalischen Kult schliessen. Vergl. Keller, Nachtrag II, 236 f. und v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV, 62 und Anm. 259. 20. Unterteil eines Votivaltares, gefunden am 16. Juli 1896 beim Neubau des Hauses Markt Nr. 2, 4 und 6. Geschenk des bischöflichen Domkapitels. Weisser Marmor, der an der Verwitterungsschichte rötlich geworden ist. Die Ecken des er- haltenen Blockes sind teils abgebrochen, teils beschädigt. H. 42, Br. 74, D., 57 cm. 7——. 2... L[ulannensis A‿ N N E 5 P RO A prosalluſte Sul eiden 5 V M A* A QVE ◻ suorumgue om- nium aram de- IVM AM FN D E D J C X dicatam posuit 1 OSVII CSINISOREII Sedaeet; e l 5 .. aus... L— hat den(ge- 1:10 wissen im um] et Lepido iteruſm co]n- sulibus. fehlenden Stück genannt gewesenen Göttern) geweihten Altar für sein und aller der Seinigen Wohl errichtet unter dem zweiten Consulate des Censor und dem zweiten des Lepidus. Z. 1 a. A. hat O oder Q gestanden, C und G sind durch die runde Form des oberen Bogens ausgeschlossen. Der Name enthielt die Heimats- bezeichnung des Stifters. Z. 4 a. A. ist von dem P noch ein kleines Stückchen des Bogens erhalten.— Ein Consulat des Censor und Lepidus wird in den Fasti nicht erwähnt, trotzdem werden es consules ordinarii gewesen sein, aber von einem Gegenkaiser, wahrscheinlich von Postumus er LHIppl AN 8 CNBILRAA —— —— — 25— (258— 268), als Gegenconsuln ernannt. Diese Vermutung hat Dessau (Prosopogr. imp. rom. s. v. Lepidus) ausgesprochen und begründet, worauf Zangemeister mich aufmerksam machte. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 201. 21. Unterteil eines Votivaltares, errichtet von einem Marke- tender, gefunden am 14. Februar 1896 an der Wallstrasse hinter der Konservenfabrik. Gelblicher Sandstein. H. 46, Br. 28, D. 25 cm. ... voto sulsjeepto Lucius Fireius Deæter seplasiarius in legione prima adiutrice votum solvit laetus libens merito. Seinem Gelübde entsprechend hat Lucius Vireius Dexter, Marketender in der ersten Legion, der hülfreichen(den im verlorenen Teil genannten Göttern), sein Gelübde gern und freudig nach Gebühr erfüllt. Am Anfang werden etwa zwei Zeilen weggefallen sein; die erste erhaltene ist stark beschädigt: von den beiden V a. A. und a. E. sind nur noch schwache Spuren, von dem 0 in der Mitte die untere Run- dung sichtbar.— Das auffallende ex voto suscepto votum solvit kommt ökfter vor. Dagegen ist das Wort seplasiarius ausser- ordentlich selten; seine ursprüngliche Be- 1:7,5 deutung war„Salbenhändler“, später bezeichnet es, wie die Glossen lehren, den Marketender.— Die legio ad. stand in Mainz vom Jahre 70 bis Mitte der 80er Jahre. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 84 und 184. 22. Bruchstück eines Votivaltares. Alter Bestand. Sand- stein. H. 17, Br. 18, D. 10 cm. G Z. 1 VS. CI(die letzte Senkrechte vielleicht nur Teil eines Buchstabens).— Z. 2 a. A. stand E, dann C .(AEN oder G, hinter welchem ein Punkt gewesen sein kann; . a. E. stand N.— Z. 3 a. E. ist der Punkt ungewiss; — NSIV. davor unsichere Spuren eines kleinen S; ebenso ist ALI zweifelhaft, ob das A einen— vielleicht winkeligen 8 Querstrich gehabt hat.— Z. 4 ergänzt sich leicht zu 1:10. vο Uibens) Aaetus) m(erito). 23. Oberteil eines Votivaltares. Alter Bestand. Sandstein. — H. 23, Br. 32, D. 17 cm. Die Gestalt des Steines lässt vermuten, — dass er einem Altar angehört hat.— Z. 1 a. A. stand ein A, a. E. ein S.— Z. 2 Reste der Buchstaben MINI, dann ein Punkt und a. E. ein V. v. Domaszewski vermutet: — Ad(uilius) Mens(or) [nu]jmini o(otum) s(oloit) I(ibens) I(aetus) m(erito)]. II. Kaiserinschriften, Meilensteine und Bauinschriften. 24. Bruchstück einer Bauinschrift, angebracht am Architrav des Fahnenheiligtums des Mainzer Legionslagers, gefunden am 26. September 1896 in der unter der Erdaufschüttung des Walles östlich vom Gauthor entdeckten mittelalterlichen Stadtmauer. Geschenk der Militärbehörde. Sandstein. H. 31, Br. 39, D. 100 cm. In den Buchstaben sind noch Reste roter Farbe er- halten, über welcher der auch sonst stellenweise erhaltene weisse Stucküberzug sichtbar ist. 3 Imp(erator) Caes(ar) oder Imp(eratores) Cues(ares)[......]J leg(ioni) AXII pr(imi- geniae) p(iae) flideli) dono) ddedit) oder d(ede- runt) ded(icante)..... le³(uο) Aug(usti) oder Aug(ustorum) pr(o) pr(uetore)]. Der(oder die) Imperator(en)...... hat (haben) der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflichttreuen und zuver- lässigen,(dieses Bauwerk) zum Geschenke 1: 10 gemacht. Geweiht hat es der Kaiserliche Statthalter..... Links scheint nichts zu fehlen, obschon eine Randleiste nicht mehr vorhanden ist. Die Tiefe des Steines(1 m!), sowie die geringe Höhe im Vergleich zu der bei Ergänzung des Kaisernamens sich ergebenden Länge weist auf eine Verwendung am Epistylbalken eines Gebäudes hin. Die Inschrift ist ergänzt nach den von v. Domaszewski Westd. Zeitschr. XIV, S. 17 zuerst als solche erkannten Bauinschriften der Fahnenheiligtümer. Vier unter den fünf dort angeführten gehören dem Septimius Severus allein oder in Verbindung mit seinen Söhnen an. Da nun sämmtliche datier- baren Steine, die nach Inhalt und Fundort wahrscheinlich aus dem Mainzer Fahnenheiligtume stammen, der Zeit dieses Kaisers oder seiner nächsten Nachfolger angehören— nämlich der Zeit des Septimius Severus(193— 211) die Inschriften; Körber, Nachtr. III v. J. 204, wahrscheinlich auch Becker, 64; derjenigen des Caracalla(211— 217): Körber, III, 16 v. J. 213, ders. III, 14, wahrscheinlich ebenfalls v. J. 213, Brambach, C. I. Rh. 974 v. J. 217, ferner Körber, III, 13; derjenigen des Alewander Severus(222— 235): Körber, III, 15 v. J. 229, Becker, 65 v. J. 231, ferner Keller, II, 25 b u. Körber, III, 17— so ist auch hier zunächst an ihn und seine Söhne zu denken, unter deren Dynastie, der historischen Entwickelung der Heeresreligion entsprechend, der Kaiserkultus eintrat, der dazu bestimmt war, die Fahnenreligion des Principats zu verdrängen. Die Bauwerke, welche die Kaiser in sonst nie wieder- — 27— kehrender Weise als ihr Geschenk an die Truppen bezeichnen, sind geweilt gewesen und also für die Zwecke des Lagerkultus bestimmt. Alle anderen Gegenstände und Gebäude, welche dem Lagerkulte dienen, sind ebenfalls Geschenke und bei den Truppen römischer Bürger vom Statthalter, dem Stellvertreter des Kaisers, geweiht. Demnach können jene Bauwerke nur die vornehmsten Heiligtümer des Lagers, die Heiligtümer der Fahnen, gewesen sein. Wenn dem Fahnenheiligtum der Name fehlt, so ist dies ein Beweis, dass das Lager im Grund genommen kein Heiligtum besitzt, sondern nur einen Platz im Praetorium, wo heiliges Geräte aufbewahrt wird. So befremdend dies erscheint, so ist es doch nur eine nothwendige Folge der Idee, welche alle Einrichtungen des Lagers durchdringt. Das Lager der Römer ist ein Marschlager und kein Standlager, denn die Sprache unterscheidet wohl zwischen castra hiberna und castra destiva, aber sie hat keinen Ausdruck für den Begriff des Standlagers. Auf dem Marsch kann das Heer keinen Tempel mit sich führen. Deshalb ist das Fahnenheiligtum nie eine organische Institution des Heeres geworden, und alles, was zu seiner Ausstattung dient, behält den Charakter der freiwilligen Spende. Die Bedeutung des Bruchstückes erkannte v. Domaszewski; für die Erläuterung vergl. v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XII, 18 f. 25. Sockel für die Bildsäulen des Kaisers Septimius Severus und seiner Söhne und Mitregenten Caracalla und Geta sowie seiner Gemahlin Julia Domna. Drei aneinander passende Bruchstücke sind bis jetzt aufgefunden, zwei davon 1854(oder 1858*) auf dem Kästrich, eines(das obere) am 10. September 1896 in dem unter der Wallaufschüttung östlich vom Gauthor erhaltenen Teil der mittelalterlichen Stadtmauer. Letzteres Geschenk der Militärbehörde. Hellroter Sandstein. Die Masse der Bruchstücke sind: 1) unterer Teil: H. 39, Br. 70 cm; 2) mittlerer Teil: H. 32, Br. 28 cm; 3) oberer Teil: H. 30, Br. 41 cm. Die Dicke wechselt zwischen 30 und 13 cm, da das Denkmal nach allen Richtungen zerschlagen ist. 1[Imp(eratori) Claes(ari) L(ucio) Septimſio Severo Pio Pertinaci Aug(usto) Arabico] LXdiaben lico Parthlico maa(imo) trib(unicia) pot(estate) XII, imp(eratori) XI, co(n)s(uli) III, proco(n)s(uli), p(atri) p(atriae)] [et imp(eratori) Calesari Marco) Aurellio Antonino Aug usto), L(uci) Septimi Severi Aug(usti) n(ostri) filio, trib(unicia) pof(estate) PII. co(n)s(uli)] [et EL(ucio) Septimio Getae Caes(ari), Lduci) Septimi Severi Aug(usti) m(ostri) filio, et Juliae Domnae Aug(ustae), matri castrorum]. 5 primi olrdijnſes et centuriones et evocatus legionis) XAII pr(imigeniae) p(iae) flidelis)] coh(ors) priſma] Ammtanus Urlsus 2²......... [V jal(erius) Catulſus]........ [Callvis(ius) Prſimus][Ellorent(inus) 10.... Aatelrnſus]? V[ollus(ius) Ver(us) Val(erius) Alezand(er) Jul(ius) Hispan(us). Vallerius) Alezand(er) Dedicatae(sunt imagines) Cilone et Libone co(n)s(ulibus).... — 28— eh LVOVER.T BALALENANNDSB VLHIISPANS VALANLEXADS EGATaE. C. 1:7,5. Dem Imperator Caesar Lucius Septimius Severus Pius Pertinax Augustus, dem Besieger Arabiens und Adiabenes, dem grossen Parther- besieger, im zwölften Jahre seiner tribunicischen Gewalt, als er zum elften Male zum Imperator ausgerufen, zum dritten Male Consul gewesen war, dem Proconsul und Vater des Vaterlandes,— und dem Imperator Caesar Marcus Aurelius Antoninus Augustus, unseres Kaisers Lucius Septimius Severus Sohn, im siebenten Jahre seiner tribunicischen Gewalt, als er zum ersten Male Consul gewesen,— und dem Lucius Septimius Geta Caesar, unseres Kaisers Lucius Septimius Severus Schn,— und der Julia Domna Augusta, der Mutter des Lagers,—(haben) sämtliche Centurionen und der Evocatus der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflicht- treuen und zuverlässigen(diese Standbilder errichtet). Erste Cohorte: Ammianus Ursus(........ Valerius Catulus....... Calvisius Primus... Florentinus ..... Maternus(?) Volusius Verus Valerius Alexander Julius Hispanus. Valerius Alexander — 29— Geweiht(wurden die Standbilder) unter dem Consulate des Cilo und Libo(im Jahre 204)..... Z. 1. a. A. Fuss von dem rechten Schenkel eines A. Z. 2 a. E. ist eine Senkrechte noch im Bruche sichtbar; desgleichen Z. 3 a. A. Rest eines oben nach links gerichteten Buchstabens. Z. 4 ist vollständig ausgemeiselt. Z. 5 ist auf dem neugefundenen Stück ganz unten noch ein Buchstaben- rest erhalten(von dem N in ordines, wie es scheint). Zeile 6 gehört coh. prima der Buchstabenverteilung nach auch zur zweiten Columne. Unter Kaiser M. Aurelius hatte die Cohorte acht Centurionen(vergl. C. J. L. VIII, 18,065, und v. Domaszewski, W. Z. XII, Nr. 147), unter Sept. Severus kann sie recht wohl deren elf gehabt haben. Der evocatus, der nach Analogie der eben erwähnten Inschrift sicher auch hier genannt war, ist ein seit Hadrians Zeit den Legionen der Provinz zugeteilter Offcier, welcher die militärischen Neuerungen, die man in Rom im Praetorium des Kaisers anzuwenden oder zu erproben für gut fand, auf die armaturae, die Exerciermeister, der Legionen und somit auf die Provinzialheere übertrug.— Die beiden hier genannten Centurionen Volusius Verus und Valerius Alexander werden auch auf zwei im Jahre 1858 auf dem Kästrich gefundenen Altären(Brambach, C. I. Rh. 1024 und 1025, ersterer jetzt in Wies- baden) erwähnt. Z. 7 und 8 a. A. sind die beiden A nur sehr schwach sichtbar. Becker sah im Jahre 1875 an ersterer Stelle ein mit A gebundenes V; von einem solchen ist jetzt nur noch der Kopf eines Schenkels vor- handen. Es wird nicht mit A verbunden und das von Becker davorgesetzte Q nie vorhanden gewesen sein, wenigstens hat derselbe Becker es im Jahre 1859(Mainzer Zeitschr. II, 192) nicht gesehen, auch wäre es auffallend, wenn nur ein Centurio mit Praenomen versehen gewesen wüäre. Verloren ist jetzt das von Becker Z. 10 noch gesehene MA; von den Buch- staben RN dieser Zeile sind nur noch die Füsse da. Unsere Bruchstücke gehörten zu einem grossen Sockel, der, wenn die Centurionen aller 10 Cohorten der Legion, wie es scheint, nebeneinander aufgeführt waren, mehrere Meter breit war. Er trug, wie v. Domaszewski bereits erkannt hatte, ehe das obere Stück mit den Kaisernamen auf- gefunden war, die Standbilder des Septimius Severus, seiner Söhne Caracalla und Geta, sowie seiner Gemahlin Julia Domna. Die Eltern werden in der Mitte gestanden haben. Der Name des Geta ist später auf Caracallas Befehl, nachdem dieser ihn im Jahre 212 ermordet, wie überall im Reich, so auch auf diesem Denkmal getilgt worden. Errichtet wurde dasselbe von der Gesamtheit der Centurionen der Legion. Ausser dem Statthalter, dem Legionslegaten, sowie dem nächsthöchsten Officier, dem tribunus laticlavius, und dem höchsten aller Centurionen, dem primus pilus, hat nur die Gesamtheit der Tribunen und die Gesamtheit der Centurionen das Recht, Altäre und Statuen innerhalb des heiligen Bezirks zu setzen. So war auch unser Sockel, bestimmt für die Genien des Kaisers und der Kaiserin, aufgestellt im Fahnenheiligtume der Legion. Vergl. Bramb. C. I. Rh. 1038, Becker 114; die Zusammengehörigkeit des neu gefundenen Stückes mit den alten erkannte v. Domaszewski; vergl. ausserdem v. Domaszewski, Westd. Zeitschr. XIV, 32 f., 69(m. A. 276) und 111. 26. Bruchstück einer Ehreninschrift auf Kaiser Trajan, gefunden am 17. Juli 1896 bei Kanalisierung der grossen Kirchstrasse in Kastel. Geschenk der Bürgermeisterei Kastel. Kalkstein. H. 45, Br. 33, D. 7 cm. Vielleicht war die Platte unter einem Trajans- Denkmal angebracht, dessen Sockel man in nächster Nähe an der Nordseite der alten römischen Strasse 50,75 m von der Mauer des Castrums entfernt auffand. — 30— Imp(eratori) Caesaſri, divi Nervae filio),] Nervae Trlaiano Aug usto) Germ(anico).] nontici) mae(imo), trib(unicia) pot(estate) III, co(n)s(uuli) II,] p(atri) p(atriae) ſeo(n)s(uli) des(ignato) III] leg²) IIAII pr(imigenia) p(ia) flidelis)]. Dem Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus Germanicus, dem Sohne des ver- götterten Nerva, dem Pontifex maximus, dem Vater des Vaterlandes,(hat) im dritten Jahre seiner tribunicischen Gewalt, als er zum zweiten Male Consul und zum dritten Male dazu bestimmt war, die zweiundzwanzigste Legion, die erstgeworbene, pflichttreue und 1:10. zuverlässige(dieses Bild? errichtet). Die Ergänzung von Z. 1 ist sicher; damit ergibt sich bei Berück- sichtigung der so gefundenen Zeilenlänge, dass Z. 2 auf Traiano nur noch gefolgt ist: Aug(usto) Germ(anico), dass die Inschrift also vor dem Jahre 102 verfasst ist, wo Trajan den Beinamen Dacicus erhielt. Nicht ganz so zweifellos ist die Ergänzung der dritten und vierten Zeile. Ist sie richtig, so stammt die Inschrift aus dem Jahre 99, zu welcher Zeit Trajan am Rheine persönlich die Organisation des Befestigungssystems der germanischen Provinzen betrieb. Die Stellung von P. P. ist auffallend, aber nicht ohne Beispiel. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 197. 27. Meilenstein aus der Zeit des Hadrian, gefunden am 15. Juli 1896 bei Kanalisierung der grossen Kirchstrasse in Kastel. Er stand noch aufrecht am alten Standorte 52 m von dem Ost-Thor des Castrums entfernt; der obere Rand des Steines lag nur ungefähr 50 cm unter dem heutigen Pflaster. Geschenk der Bürgermeisterei Kastel. Flonheimer Sandstein. H. 2,10 m (wovon 70 cm auf den 50 cm breiten Sockel kommen), Umfang der Säule 1,66 m. EIOTN AADRIANOAVG PDONTMAXTRIBPOT VIGC OS TTII b ABAWISNATe, Jſeii⸗ W'L'WA 1:1 10 — 31— Imp(eratori) Caes(ari), divi Traiani Parthici filio, divi Nervae] nepoti, Traiano Hadriano Aug(usto), pont(ifici) max(imo), trib(unicia) pot(estate) VI, co(n)s(uli) III, p(atri) p(atriae). Ab Aquis Mattiacorum m(ilia) p(assuum) VI. Dem Imperator Caesar Trajanus Hadrianus Augustus, dem Sohne des vergötterten Trajanus Parthicus, dem Enkel des vergötterten Nerva, dem Pontifex maximus und Vater des Vaterlandes, im sechsten Jahre seiner tribunicischen Gewalt, als er zum dritten Male Consul gewesen. Von Aquae Mattiacorum(d. h. Wiesbaden) sechstausend(Doppel-) Schritt. Die Ergänzung vor der ersten, nur in der unteren Hälfte erhaltenen Zeile ist durch andere Inschriften völlig gesichert. Der Stein ist unter Hadrian i. J. 122, zu welcher Zeit der Kaiser persönlich in Obergermanien anwesend war, gesetzt und gibt die Entfernung von Wiesbaden auf 6 römische Meilen= 9 Kilometer an. Die Fundstelle neben der römischen Strasse, die geradeswegs nach dem bei Hofheim liegenden Kastell führt (ausserhalb der Stadt Kastel jetzt Elisabethenstrasse genannt), beweist, dass die Strasse nach Wiesbaden hinter unserm Brückenkastell von der nach Hofheim rechtwinkelig abging. bezw. dieselbe schnitt, um in ihrer rückwärtigen Verlängerung am rechten Mainufer, wo Wolff sie an ver- schiedenen Stellen aufgedeckt, nach Frankfurt weiterzulaufen. Ferner ist durch unsern Fund Zangemeisters Vermutung(s. W. Z. III, 245 A.), dass Aguae Mattiacorum der Hauptort der civitas Mattiacorum gewesen sei, glänzend bestätigt. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, 183. 28. Bruchstück eines Meilensteines aus der zZeit nach 202, gefunden gleichzeitig mit und dicht neben dem unter Nr. 27 be- schriebenen(2 m weiter von dem römischen Lagerthor entfernt). Geschenk der Bürgermeisterei Kastel. Flonheimer Sandstein. H. 1,55 m(wovon 65 cm auf den 39:47 em breiten Sockel kommen), Umfang der im Durchschnitt etwas ovalen Säule 1,44 m. [ab] Ag(uis Mattiacorum) L(eu- — 2——„ae) IIII. A DM Von Wiesbaden vier keltische 1:10. Meilen. Auch dieser Stein stand bei der Auffindung noch aufrecht am ursprünglichen Platze und ragte bis etwa 50 cm unter das heutige Pflaster, das seinerseits auf einer älteren Chaussierung aufliegt. Da er etwas höher stand als sein gleichartiger Nachbar, verlor er bei Anlage der modernen Strasse noch mehr von seinem oberen Theil, so dass von der Inschrift nur noch Reste der untersten Zeile stehen blieben. Aus diesen ersieht man, dass die Entfernung von Wiesbaden in Leugen angegeben war, was vom Jahre 202 an in Obergermanien üblich wurde. 4 leugae= 6 römische Meilen= 9 Kilometer.— Die Praeposition ab hat in der letzten Zeile gewiss nicht, vielleicht aber in der vorausgehenden gestanden.— Dass an einer Stelle zwei Meilensteine gefunden wurden, ist nicht auffallend, traf man doch bei Ladenburg deren fünf, bei Altripp sieben, bei Heidelberg gar acht beisammen an. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, 193. 29. Brunneninschrift enthaltend eine Schenkungsurkunde an Mars Leucetius, gefunden im Sommer 1852 (oder 1854?) zu Klein-Winternheim, und zwar wurde die rechte Hälfte in der Flur„im Füllkeller“ aus einer langen Mauer ausgebrochen. Zwei nebeneinander gehörende etwa 13 cm dicke Teile aus gelblichem Kalkstein, von denen der linke 62 cm hoch und 74 em breit, der rechte 108 cm(von denen 35 auf den rauh gelassenen Sockel kommen) hoch und 69 breit ist. In der litte der ersten Zeile befindet sich eine Offnung für das Brunnenrohr. — [Marti Lelucetio L(ucius) Julius B........... ulla fontem et itſer actumg(ue)?] [per Possess lionem suam ad tem] plum conces-] ſsit vicani] Aresaces publice plosuerunt.] Dem Mars Leucetius hat Lucius Julius B............... die Benützung der Quelle und des Weges zum Tempel, nebst dem Rechte des Fahrens und Treibens durch seine Besitzung eingeräumt. Die Gemeindegenossen Aresaces haben von Gemeinde wegen diesen Stein gesetzt. Die zum Teil sichere Ergänzung ergibt, dass rechts und links zwei ungefähr ebenso grosse Platten verloren sind; oben fehlt wahrscheinlich, unten sicher keine Zeile. Z. 1 a. E. stand ein B, der Anfangsbuchstabe des Cognomens,,..... ulla C. 2 a. A.) vielleicht das Ende eines zweiten? Die Ergänzung von actum ist nur Vermutung. Z. 3 a. E. der linken Platte Reste der Buch- 58 — 33— staben ES. Da ARESACES deutlich ein Wort ist, und dann publice folgt, so wird es eine geographische Bezeichnung und vicani davor zu ergänzen sein(ist es nicht ein ganzes Wort— vergl. die matres Arsacae, Bramb. C. I. Rh. 1969—, so kann kein anderer Buchstabe als L voraus- gegangen sein). Diesen wicani gehörte der Tempel und sie setzten den Stein auf Gemeindekosten.— Inschriften, die sich auf den Mars Leucetius oder Loucetius beziehen, sind ausserdem noch bei Marienborn, bei Worms und in England gefunden worden. Herr Pfarrer Dr. Falk, jetzt in Klein- Winternheim, übersandte mir vor einiger Zeit eine handschriftliche Notiz eines gewissen N. Fleck(jetzt in Nackenheim), laut welcher auf einem ebenfalls„im Füllkeller“ gefundenen, aber mit dem unsrigen nicht iden- tischen Steine in zwei Zeilen die Buchstaben: RTI mit Blume als Punkt und VCETIO gestanden haben. Dieser Stein war später in Ober-Olm eingemauert, ist aber jetzt verschwunden. Vergl. Brambach C. I. Rh. 925, Becker 105, Zangemeister, Korrbl. d. Westd. Zeitschr. VII, Sp. 116. A. 1.— Ergänzung und Erklärung nach v. Domaszewski. Legionsbausteine. 30. Bauurkunde der ersten Legion, bis zum 5. Januar 1895 neben dem Eingange der hiesigen Citadelle eingemauert, dann als Geschenk der Militärbehörde in das Museum verbracht. Kalkstein. H. 50, Br. 116 cm. —,———— ———;— 1 V —— Legio) I adiut(riw), = L(uci) Flavi Pu- dentis. Die legio I adiutrir stand etwa vom Jahre 70 n. Chr. an mehrere Jahre lang in Mainz. Dass so viele Bausteine dieser Legion und der lagio AIIII gemina Martia pietric, welche mit den beiden letzten Beinamen in den Jahren 70— 90 hier war(während ihres früheren Aufenthaltes 14— 43 führte sie nur den ersten), in Mainz gefunden werden, darunter zwei(Becker, 293 und Nr. 35 dieses Nachtrags, vergl. auch Nr. 40) in der Mauer, in welcher nur Reste des Praetoriums vermauert sind, deutet darauf hin, dass in der flavischen Zeit ein vollständiger Umbau des Lagers und des Praetoriums stattgefunden hat. Mainz ist während des batavischen Aufstandes nicht genommen worden(Tac. h. IV, 61), geriet aber in harte Bedrängnis(Tac. h. IV, 37). Wahrscheinlich war das Lager, wie das in gleicher Zeit ent- standene Vetera ohne Rücksicht auf die Möglichkeit einer Belagerung an- gelegt(Tac. h. IV, 23), so dass eine Erneuerung der Befestigung notwendig wurde. Vergl. Brambach C. I. Rh. 1102 und Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, 94; für die Anmerkung: Ritterling, Westd. Zeitschr. XII, 115, v. Doma- szewski, W. Z. XIV, 62, Anmerkung 258. Die erste Legion, die Helferin; die Centurie des Lucius Flavius Pudens. 3 — 34— 31. Bauurkunde der ersten Legion. Alter Bestand. Kalkstein. 2.— H. 30, Br. 50, D. 21 cm. ———— Leg(io) I ad(iutriæ) = Dſ(ecimi) Juni Ve- — LEOAA D 4 recundi. D-I V N IVE Die erste Legion, die Hel- RECV DL ferin; die Centurie des Junius —* 4 Verecundus. — 1:15. 32. Bauurkunde der ersten Legion, bis zum 5. Jannar 1895 neben dem Eingange der Citadelle eingemauert, dann als Geschenk der Militärbehörde ins Museum verbracht. Kalkstein. H. 49, Br. 98,5 cm. Leg(io) I adi(utriæ), = Gai) Porci Valentis. Die erste Legion, die Helferin; die Cen- turie des Gajus Por- cius Valens. ——— 1:15. Vergl. Bramb. GC. I. Rh. 1104. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 95. 33. Bauurkunde der ersten Legion, bis zum 5. Januar 1895 neben dem Eingange der Citadelle eingemauert, dann als Geschenk der Militärbehörde in das Museum verbracht. Kalkstein H. 47, Br. 91 cm. Leg(io) I ad(iutri) = Marci) Sili Januari. Die erste Legion, die Hel- ferin; die Centurie des Marcus Silius Januarius. 1: 15. Die hinter dem M sicht- bare geschlängelte Linie scheint infolge von Ungeschicklichkeit eingehauen zu sein; sie wurde wohl nachher durch Zustreichen beseitigt. Vergl. Bramb. C. I. Rh. 1103. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 95. — 34. Bauurkunde der ersten Legion, gefunden am 17. September 1889 hinter dem städtischen Wasser- werk in der Walpodenstrasse. Kalk- T. I stein. H. 41, Br. 58, D. 37 cm. Rote ℳ und darüber weisse Farbspuren. Leg(io) I adliutria) Die erste Legion, = EL(uci) Faleri die Helferin; die Cen- Modesti turie des Lucius Va- lerius Modestus. Vergl. Velke, Korrbl. d. W. Z. VIII, Sp. 246. 35. Bauurkunde der ersten Legion, gefunden am 15. September 1896 in der östlich vom Gauthor in den Festungswällen vergrabenen mittelalterlichen Stadtmauer. Geschenk der Militärbehörde. Kalk- stein. H. 51, Br. 96, D. 24 cm. Leglio) I adiut(ria) = Cai) Fetti Paulli. Die erste Legion, die Helferin; die Centurie des Gajus Vettius Paullus. 36. Bauurkunde der ersten Legion. gefunden am 10. September 1896 in der östlich vom Gauthor verborgenen alten Stadtmauer. Geschenk der Militärbehörde. Ein grosser Quader aus Kalk- stein; auf der Rückseite ein mehrfach gegliederter, 24 cm aus- ladender Sims. H. 46, Br.(ohne Sims) 45 cm. 8— I.(egio) I ad- 6 d.(iutriæ). 3 AD Die erste Legion, —. ꝛ die Helferin. —— 6 1:20. 37. Bauurkunde der vierzehnten Legion. Alter Bestand. Sandstein. H. 30, Br. 50, D. 21 cm. Leg(io) XIIII Die vierzehnte Legion, — ꝗVW ç= V gemina) die doppelte. LEC X* IT Der Umstand, dass die Legion auf diesem Stein nur den einen Beinamen gemina führt, C E A. 1 lässt darauf schliessen, dass er aus der Zeit 4 ihres ersten Aufenthaltes in Mainz(14—43 —— n. Chr.) stammt(s. 2z. Nr. 30). 1: 15 38. Hälfte einer Bauurkunde der vierzehnten Legion, gefunden am 14. November 1896 in der stadtseitigen Mauer des Haupt- walles westlich vom Gauthor. Muschelkalk. H. 30, Br. 18, D. 18 em. [Leg(io)) XIIII Die vierzehnte Legion, [lemina)] Martia) edic- die doppelte, Martische, triæ), siegreiche; die Centurie [= Corlneli des Cornelius Capito(?). [Cap?liton(i)s. Z. 3 ist das L zwischen E und I vielleicht nach- träglich eingehauen; Z. 4 wird der zweite Buch- stabe wohl ein dem I oft sehr ähnliches T sein; vor dem S scheint das I der Endung ausgelassen zu sein. Der Stein stammt aus der flavischen Zeit (s. z. Nr. 30). Lesung und Ergänzung nach Zange- meister. 39. Bruchstück einer Bauurkunde der vierzehnten Legion, gefunden am 10. September 1896 im Gewölbe der am Gauthor befindlichen Poterne. Sandstein. L(egio) XIIII Die vierzehnte Legion, = Juli die Centurie des Julius... FFII Links scheint zweimal ein Buchstabe 8 weggefallen zu sein, unten eine ganze Zeile LS mit dem Cognomen des Centurionen. Auch 1:7,5 dieser Stein gehört, weil die Beinamen der Legion fehlen, wahrscheinlich der Zeit ihres ersten Aufenthalts in Mainz(14—43) an(vergl. z. Nr. 30). Dazu stimmt die Abkürzung L für legio, die auch auf Ziegelstempeln nicht später als 70 n. Chr. vorkommt(vergl. Wolff, Frankf. Archiv, 1893, S. 340. 40. Bauurkunde der zweiten Cohorte der vierzehnten Legion, gefunden am 10. September 1889 bei Kanalisierung der Erbacher- hofstrasse. lliscellalle H. 17, Br. 33, D. 20 cm. —,—-o) ho(rs) II. Sn— leg(ic) XIIII gemina) Martia) r(ictrir) 8 Sie= Juli Sedati. 2b 8 e 1 Die zweite Cohorte der vierzehnten Legion, der doppelten, Martischen, sieg- reichen; die Centurie des Julius Sedatus. Die Angabe der Cohorte scheint in 1: 7,5 den rheinischen Inschriften ohne Beispiel 1 zu sein. Z. 3 hinter dem ersten I ein gebogener Strich: wohl ein Verschen des Steinmetzen. Der Stein gehört den Jahren 70— 90 an(s8. z. Nr. 36). Vergl. Velke, Korrbl. d. W. Z. XIII, Sp 244. —— — 37 41. Bauurkunde der vierzehnten Legion(?), gefunden am 15. Juli 1896 bei Kanalisierung der grossen Kirchstrasse in Kastel. Graue Sandsteinplatte, in den Sockel verbaut, in dessen Nähe sich die Ehreninschrift auf Kaiser Trajan(s. Nr. 26) vorfand. H. 26, Br. 60, D. 14 cm. L(egio) XIIII. Die vierzehnte Legion. Die Inschrift ist in die rauhe Platte sehr roh eingehauen; dass es eine Bauurkunde der 14. Legion sei, vermutete zuerst Dr. Ritterling; sie würde dann wohl der Zeit vor Claudius an- gehören(s. z. Nr. 37 und 39). Doch könnte die Inschrift eine blosse Versetznummer sein 1:20.= 1(oco) XIIII(so Zangemeister). Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 198. 42. Bruchstück von einer Bauurkunde der zweiundzwanzigsten Legion, gefunden am 18. April 1895 beim Bau des Hauses Petersstrasse Nr. 8. Kalkstein. H. 59, Br. 67, D. 16 cm. Nur rechts ist eine Randleiste erbalten, doch fehlt auch oben nichts. Leg(co) XXII Die zweiundzwanzigste Lplr(imigenia) p(ia) f(idelis). Legion, die erstge- worbene, pflichttreue und zuverlässige. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, 82. III. Grabsteine und Särge. a. Soldaten der vierten Legion. 43. Grabstein des Italikers M. Aurelius Metel(!)us, gefunden im September 1889 bei Bretzenheim in der Nähe der römischen Wasserleitung. Geschenk des Herrn Bauführers Lother. Kalk- stein. H. 130, Br. 66, D. 17 cm. Giebel und Fries mit Akan- thusblättern verziert. Vergl. Velke, Korrbl. Mareus) Aurelius, Marci) f(ilius), Camilia (tribu), Meteldl, us, A1ba, mil(es) leg(ionis) IIII Mac(edonicae), an(norum), XXX, stip(endiorum) X, h(ic) s(itus) e(st): h(eres) f(aciendum) c(uravit). Marcus Aurelius Metel(l)us, des Marcus Sohn, von dem camilischen Bürgerverbande, aus Alba, Soldat der vierten Legion, der Macedonischen, 30 Jahre alt, 10 im Dienst, liegt hier be- graben. Sein Erbe liess(ihm diesen Grabstein) setzen. Am Ende der ersten Zeile ist ein Rest des schliessenden S erhalten; Metelus steht wohl für Meteldl)us. Die Formel hic situs est und die Verzierung unter dem Giebel weisen auf das erste Jahrhundert n. Chr., die Nennung der vierten Legion bestimmter auf die Jahre 43— 70. d. W. Z. VIII, Sp. 245. 44. Grabstein des Spaniers L. Fabius Fabius, gefunden im TECITITAAAC 5 AxLTTENN ii ee EF IWaHFEC Anfang des Jahres 1890 an der Mainzer- strasse in Bingen beim Bau des Hauses Nr. 20/21. Kalkstein. H.(der Schrift- fläche) 65, Br. 39, D. 26 cm. L(ucius) Fabius, L(uci) flilius), Galleria kribu), Fabius, Nerto(briga), mil(es) leg(ionis) IIII Mac(edonicae), an(norum) XL, st(i)p(en- diorum) XAAI: Anicius Modestus h(eres) F(aciendum) c(uravit). Lucius Fabius Fabius, des Lucius Sohn, von dem galerischen Bürgerverbande, aus Nertobriga(j. Frejenal de la Sierra in Süd- Spanien), Soldat der vierten Legion, der —-— 39— 2 Macedonischen, 40 Jahre alt, 21 im Dienst. Anicius Modestus, sein Erbe, liess(ihm diesen Grabstein) setzen. Die Kursivschrift der Vorlage ist von dem unerfahrenen Stein- metzen teilweise missverstanden oder nicht in Lapidarschrift umgesetzt worden.— Z. 2 könnte man nach FAB zur Not auch ein T annehmen(vergl. Z. 7) und an eine Verschreibung für FABATVS denken; aber wahrscheinlicher ist Fabius, obgleich sich für die Benutzung desselben Namens als Gentile und als Cognomen kein weiteres Beispiel finden dürfte. Als Einzelnamen und(nach Erteilung des Bürger- rechtes) als Cognomina werden die Gentilicia bei Peregrinen nicht selten verwendet. Vergl. die von Keller(Korrbl. d. W. Z. VII, Sp. 97) und Zangemeister(uda VIII, Sp. 252) veröffentlichte Inschrift von Nierstein. — Z. 5 ist STIP verschrieben, ob aber SIP oder STP dasteht, ist zweifel- haft.— Z. 7 könnte das erste C commilito u. ä. bedeuten, aber wahr- scheinlicher ist es aus Versehen eingehauen und dann zugestrichen worden. — Die vierte Legion stand in den Jahren 43—70 n. Chr. in Mainz. Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 299. 45. Bruchstück von dem Grabstein eines Unbekannten. Alter Bestand. Kalkstein. H. 19, Br. 27, D. 23 cm. Links ist ein Rest der alten Umrahmung er- halten.— Z. 1 ist wohl ein Stück des Cognomens oder des Heimatsnamens erhalten. In letzterem Falle wäre vielleicht an Valentia zu denken, denn aus Spanien wurde die vierte Legion im Jahre 43 n. Chr. nach Ober-Germanien versetzt: der Buchstabe am . Ende der Zeile könnte sehr wohl auch ein E gewesen 1:10. sein.— Dass Z. 2 die vierte Legion genäannt war, ist allerdings nur wahrscheinlich, gedacht werden könnte auch an die zweite, die in den Jahren 14—43 in Vindonissa(j. Windisch in der Schweiz) stand und also ebenfalls dem in Mainz residierenden Befehlshaber des ober- germanischen Heeres unterstellt war; sie hat aber hier nur sehr wenig Spuren hinterlassen.— Z. 3 begann mit ANN(orum) die Altersangabe des Verstorbenen.— Gesetzt ist der Stein, wenn die obige Annahme richtig ist, in den Jahren 43— 70 n. Chr. 46. Bruchstück von dem Grabsteine eines Unbekannten, gefunden im April 1896 beim Abbruch des alten Kirchturmes in Bretzenheim. Geschenk des Herrn Pfarrers Dr. Probst. Gelblicher Kalkstein. H. 26, Br. 19, D. 16 cm. Die Buchstabenreste der ersten Zeile gehören noch zur Namensbezeichnung des Verstorbenen, in der zweiten war seine Heimat angegeben, vermutlich Tolosa(j. Toulouse), in der dritten die Legion, in der er diente. Dies muss, da an die zweite kaum zu denken ist, die vierte gewesen sein: die erste ist ausgeschlossen, da die Wagrechte über dem I sich viel weiter nach rechts als nach links erstreckt, auf das] also noch weitere Zahlzeichen gefolgt sein müssen. In der vierten Zeile begann wohl mit SIESeeen) die 1:10 Nennung der Dienstjahre. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 161. b. Soldat der achten Legion. 47. Bruchstück von dem Grabstein eines Unbekannten, ge- funden am 22. Juli 1896 bei Kanalbauten in der grossen Kirch- gasse zu Kastel. Geschenk der Bürgermeisterei Kastel. Gelber Kalkstein. H. 24, Br. 24, D. 16 cm. In der Zeile ist noch ein unbestimmbarer Teil der Namens- oder Heimatsbezeichnung erhalten. Darauf folgte die Angabe, in welcher Legion der Verstorbene gedient; sie führte, wie die dritte Zeile lehrt, den Beinamen Augusta, könnte also an sich sowohl die zweite als auch die achte gewesen sein. Beide haben nicht in Mainz gestanden: jene von 14—43 in Vindonissa, diese von 70 an sehr lange Zeit in Strassburg. Da jedoch in Mainz die zweite Legion wenig, die achte aber viele Spuren hinterlassen hat, so ist wohl zu ergünzen MIE-LIEGVIIII. c. Soldaten der vierzehnten Legion. 48. Grabstein des Italikers primus Aebutius, gefunden im Oktober 1889 bei Kanalisierung des Augustinergässchens. Kalk- stein. H. 185, Br. 61, D. 28 cm. Im Giebel eine Rose nebst pal- mettenartigen Blättern, zu beiden Seiten desselben als Akanthus- Dranken gebildete Akroterien. Primus Aebutius, L(uci) f(ilius), Vetu- ria(tribu), Pla(centia), vetſerlanus ex s(ignifero) leglionis) XIIII, anno(rum) LT, aeroru(m) XXII, h(ic) s(itus) edst). Primus Aebutius, des Lucius Sohn, vön dem veturischen Bürgerverbande, aus Placentia(j. Piacenza), ehemaliger Fahnenträger der vierzehnten Legion, 55 Jahre alt, 22 im Dienst, liegt hier begraben. Der Stein war in der Mitte gebrochen, daher die Verstümmelung an dieser Stelle.— Die Buchstaben sind sehr un- regelmässig eingehauen.— Primus ist Praenomen, schon darum, weil ein solches, was vor der Angabe L. F. nicht angeht, fehlen würde, wenn Primus Cognomen wäre.— aerorum statt aerum auch noch auf drei anderen Steinen des Mainzer Museums.— Die stilisierten Akroterien und die Formel hie situs est deuten auf das erste Jahr- hundert n. Chr.; in der That lag die 1:15. 14. Legion in den Jahren 14—43 und dann wieder 70— 90 in Mainz. Vergl. Velke, Korrbl. VIII, Sp. 245. 49. Grabstein des O. Lo(llius?), gefunden im April 1892 hinter dem Fort Karl, wo er als Deckplatte einer fränkischen, sonst mit Steinen abgegrenzten Grabstätte verwendet war. Ge- schenk der Militärbehörde. H. u. Br. der Schriftfläche 105 u. 56, D. 17 cm. Q(uintus) Lolllius?], Marei) flilius), Volt(iõnia tribu),—, mil(es) leg(ionis) AIIII geminae, ann(orum) XXXX, stip(endiorum) XVIII, h(ic) s(itus) e(st). Quintus Lo(llius?), des Marcus Sohn, von ¹ dem voltinischen Bürgerverbande, aus?, Soldat [der vierzehnten Legion, der doppelten, 40 Jahre FJalt, 18 im Dienst, liegt hier begraben. lZ. 1 ist die linke Rundung des O nur noch im Bruch erhalten, daher bei der Nachbildung nicht sichtbar— Für den Schluss des Gentiles ist kaum noch Platz: er stand also wohl auf dem Rand. Ahnliches gilt für den Heimats- namen, wenn er überhaupt angegeben war.— Ob Z. 3 XIII oder XIIII gestanden, lässt sich nicht entscheiden. Indes hat sich von einem gemeinen Soldaten der dreizehnten Legion, welche während der hier in Betracht kommen- den Jahre zwar zum obergermanischen Heer gehörte, aber in Vindonissa (j. Windisch in der Schweiz) lag, in Mainz noch kein Grabstein gefunden. Daher besitzt die Einsetzung der vierzehnten Legion hier die grösste Wahr- scheinlichkeit.— Nach dem Fehlen des Cognomens gehört der Stein in die Zeit vor Claudius(41—50). Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 291. 1:20 50. Grabstein des ltalikers O. Clodius. Alter Bestand. Kalk- stein. H. 77, Br. 49, D. 15 cm. In dem runden Abschluss- bogen eine roh eingehauene Rose. O(uintus) Clodius, OQ(uinti) flilius) Ani(ensi tribn), Verc(el)lis,[mi]l(es) leg(ionis) XIIII geminae, [ann(orum) X]XXW... Quintus Clodius, des Quintus Sohn, von dem aniensischen Bürgerverbande, aus Vercellae(j. Vercelli), Soldat der vierzehnten Legion, der doppelten, 35 Jahre alt,.... Das Gentile reicht noch über die Umrahmung hinaus, wie auch nachher Punkte und Buchstaben- teile auf ihr stehen.— Z. 3 PFerelis verschrieben für Vercellis.— Z. 5 passt XIIII besser in den Raum als XIII; ausserdem vergl. das zu Nr. 49 1:20 Gesagte.— Z. 6 lautete entweder: ANN:XXXXV oder AN:XXXXV.— Das Fehlen des Cognomens lässt auf die Zeit vor Claudius schliessen; in den Jahren 14—43 n. Chr. stand die vierzehnte Legion zum ersten Mal in Mainz. — 42— d. Soldaten der zweiundzwanzigsten Legion. 51. Grabstein des C. P()ullinius Decimus, lag bis zum 1. Juli 1895 unter einem grossen Steinkreuz an der Elisabethen- strasse, ½ Stde. von Kastel. Kalkstein. H. 90, Br. 95, D. 32 cm. In dem sehr beschädigten Giebel eine Rosette. 1:10. D() Manibus)]. Claio)[‿ ullinio Decimo, ſte(s)serario leg(ionis) XXII p(rimigeniae) p(iae). fidelis), an(n)orum XXXVII, stipen(d)iorum XVIII Reginius.. eques..... Den Manen(Schattengöttern). Dem Gajus P?ullinius Decimus, dem Tesserarius der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, pflicht- treuen und zuverlässigen, welcher 37 Jahre alt war und 18 diente, hat der Reiter Reginius.... Durch drei eingehauene Dollenlöcher, sowie durch Absplitterung ist die Inschrift leider sehr beschädigt.— Z. 2 wäre auch Jullinio u. ä. denk- bar.— Z. 3 sind vor S die Füsse von T E eben noch sichtbar; lesserarius ist derjenige Unterofficier, der die vom Feldherrn für die Nacht gegebene, auf ein Holztäfelchen geschriebene Parole(tessera) den Truppen überbrachte. — Z. 4 annorum mit einem n.— Z. 5 stependiorum ohne d geschrieben.— Z. 6 das Cognomen bis auf eine Senkrechte ausgefallen.— Z. 7 noch uner- klärt; am Ende vermutet Zangemeister: lelæ c(ustode) a(rmorum).— Z. 8 — 498— unsichere Buchstabenreste.— Der Stein ist jedenfalls jünger als 90 n. Chr.; in diesem Jahr erhielt die Legion die Beinamen pia Jidelis wegen ihrer bei Unterdrückung des Aufstandes des Saturninus bewiesenen Treue. (s. Ritterling, de leg. X, gem. p. 11 ff.). Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 180. 52. Grabstein des C. Valerius Secundus, gefunden am 23. Juni 1888 an der Böschung der neuen Anlage gegenüber der Eisen- bahn-Uberführung. Er war als Deckel eines Frauen-Sarkophags verwandt. Grauer Sandstein. H. 210(wovon die Hälfte in der Erde steckte und deshalb rauh gelassen wurde), Br. 64, D. 25 cm. Den oberen Abschluss bildet ein leider sehr beschädigtes Relief: zwei Greife halten mit je einer Tatze einen schalenartigen Gegen- stand, aus welchem Keller noch drei Mohnstengel mit den Kapseln hervorwachsen sah. In den Zwickeln zwischen dem Inschriftfeld und der oberen Querleiste schwebt je ein Delphin, den Kopf nach abwärts gerichtet. D(is) Manibus). C(aius) Valerius Secundus, mil(es) leg(ionis) XXII pr(imigeniae) p(iae) flidelis), stip(endiorum) AXT; Valerius Veranius fratri flaciendum) c(uravit). Den Manen(Schattengöttern). Gajus Valerius Secundus, Soldat der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, frommen und treuen, 25 Jahre im Dienst. Valerius Veranius liess(diesen Stein) seinem Bruder setzen. Das Denkmal gehört etwa in das zweite Jahr- hundert n. Chr.; denn der Umstand, dass es als fRMTIRLEE C(Deckel eines spätrömischen Sarkophages diente, lässt auf frühe Zeit schliessen, aber nicht vor e 90 n. Chr.(vergl. 2 Nr. 51). Vergl. Keller, Korrbl. d. W. Z. VIII, Sp. 167. 53. Steinsarg des Witalinius Salutaris, gefunden im April 1892 hinter dem Fort Karl. Geschenk der Militärbehörde. Roter Sand- stein. H. 69, L. 220, Br. 80, Wandstärke 12 cm. Bei der Auffindung war der Sarg seines Inhalts bereits beraubt. CITAILINIOSALVTXARLEOLECXXIIN CQVINTINAVXORTSAIVTARII VICTORINXVICTORINVS VvVICIORrFEII. f Vitalinio Salutari, eg(uiti) legiomis) AXII pr(imigeniae), Q(uintinia?) Quintina uxor et Salutarii Victorina, Victorinus, Victor Jili f(aciendum) c(uraverunt). 44— Dem Vitalinius Salutaris, Reiter der zweiundzwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, haben seine Gattin Q(uintinia?) Quintina und seine Kinder Salutaria Victorina, Salutarius Victorinus und Salutarius Victor(diesen Sarg) machen lassen. Z. 1 a. E. stand entweder bloss PR(primigeniae), wie oben an- genommen, oder die letzte Senkrechte ist zu P zu ergänzen, dem dann wohl ein kleines F untergeschrieben war(primigeniae piae Jidelis).— Z. 2 a. A. ist Q. wahrscheinlich Abkürzung des Geschlechtsnamens, denn Q(uaestori) ist nach equiti nicht gut möglich.— Die Inschrift bietet einen hübschen Beleg für die eigentümliche Namenbildung, dass Kinder(und Freigelassene) ein nach dem Cognomen des Vaters(oder Patrons) gebildetes Gentile haben. Dabei sind die Cognomina aller Geschwister, wie das oft der Fall ist, von einem Stamm gebildet.— Der Sarg stammt wohl aus dem dritten Jahrhundert n. Chr., um dessen Mitte die Brandgräber durch Skelettgräber verdrängt werden. Der letzte datierte Stein, auf dem die 22. Legion vorkommt, ist der Annianus-Stein(verg]. Nr. 1) v. J. 242; über- haupt erwähnt wird sie zuletzt auf einer Münze des Carausius(287—293) (vergl. Cohen, 149). Freilich stand sie wohl bis zum Ende der Römer- herrschaft in Mainz, aber die sorgfältige Arbeit spricht gegen das vierte Jahrhundert. Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 291. 54. Grabstein des Kärtners Catulus, gefunden am 30. April 1895 beim Bau des Hauses Petersstrasse Nr. 8. Kalkstein. H. 68(an der vorderen Fläche nur 58), Br. 70, D. 50 cm. Der Oberteil fehlt. 65 2.... Catulus, Viruno, mil(es) leg(ionis) XXII] CXTVI. S) Pr(imigeniae), an(norum) L. V, stip(endiorum) IXXX, hlic) s(itus) e(st): h(eres) faciendum) c(uravit). .... Catulus aus Virunum(j. Zollfeld bei Klagenfurt in Kärnten), Soldat der zweiund- en. zwanzigsten Legion, der erstgeworbenen, 55 Jahre alt, 30 im Dienste, liegt hier begraben. Sein Erbe liess(ihm diesen Grabstein) fertigen. . Z. 1 ist von dem Querstriche des T nur noch der rechte Apex schwach sichtbar; ebenso ist Z. 4 das mit P gebundene I in dem Worte STIP nicht mehr sehr deutlich, aber doch wohl sicher. Der Stein stammt aus den Jahren 43— 70, wo die 22. Legion zum ersten Male in Mainz stand; darauf führt der Umstand, dass die Legion nur primigenia, nicht auch pia jidelis heisst(s. z. Nr. 51) in Verbindung mit der Anwendung der Formel H-S.E, die auf rheinischen Denkmälern nur im ersten Jahrhundert vorkommt. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 84. . 55. Bruchstück von dem Grabstein eines Unbekannten. Alter Bestand. Kalkstein. H. 25, Br. 27, D. 8 em. Aus der zweiten und dritten Zeile ergibt sich, dass unser Bruchstück von dem Grabstein eines Soldaten der zweiundzwanzigsten Legion stammt. In der ersten Zeile würde man also die Formel MIEL(es)[LEG(ionis)] erwarten. Aber die Buch- stabengruppe MI ist von dem folgenden L soweit getrennt, dass beide schwerlich zu einem Wort ge- hört haben können, auch ist in dem Bruchrand noch deutlich der trennende Punkt erkennbar. Man wird also wohl annehmen müssen, dass der Stein- 1:10 metz(vielleicht aus Verschen) MI statt MIE ein- gehauen hat. Die vorausgehende Buchstabengruppe LI' gehörte dann zur Heimatsbezeichnung.— Am Ende der Z. 2 lassen die erhaltenen Spuren darauf schliessen, dass auf PRIGmigenia) sogleich mit AN(norum) die Alters- angabe folgte, nicht etwa weitere Legionsbeinamen.— Z. 4 gehören die Buchstaben P(od. B od. R) OTT wohl zum Namen des Mannes, der den Stein gesetzt; auffallend ist jedoch der weite Zwischenraum zwischen 0 und T.— Zu lesen wäre also mit Berücksichtigung des bei der Ergünzung der ersten und zweiten Zeile sich ergebenden Raumes:... I.I. MIIes) V.EO(ionis) XIAXIT PRI(migeniae)[A NCnorum) XX] VIII STOIOpendiorum) VII2I....— Da die Legion nur den Beinamen primigenia führt, so dürfte der Stein wohl während der Zeit ihres ersten Aufenthaltes in Mainz(43—70) gesetzt sein; sicher ist dies nicht. e. Soldaten der Hilfstruppen. 56. Grabstein des C. Julius Hastaius(von der ersten Cohorte der Bogenschützen) und der Amoena, gefunden im Februar 1891 zu Bingen. Geschenk des Herrn Dr. P. Puricelli. Bräunlicher Sandstein. H.(von der Unterkante der Inschrift an) 128, Br. 69, D. 23 cm. In dem runden Abschlussbogen eine grössere und zwei kleinere Rosetten. Caius) Julius Hastaius, c(o)hor(tis) sagi(ttari- orum) mis(s)icius(e!) Amoena Uiberta) h(ic) s(iti) s(unt). Gajus Julius Hastaius, verabschiedeter Soldat der Cohorte der Bogenschützen, und die Frei- gelassene Amöna sind hier begraben. Die cohors I sagittariorum(deren Nummer hier weggelassen ist) ist noch aus drei weiteren zu Bingen oder Bingerbrück gefundenen Grab- steinen bekannt(Bramb. 738 und 739, Korrbl. d. W. Z. XVI, Sp. 36). Sie scheint aus Orientalen bestanden zu haben.— Z. 4 misicius für missicius. Zu dem Asyndeton Z. 4 und 5 vergl. z. B. Bramb. 737.— Die Schlussformel HS:8S lässt auf das erste Jahrhundert n. Chr. schliessen; damit stimmt auch die Abkürzung SAGI, welche mit dem Ende statt mit dem Anfang der Silbe abbricht. Gerade auf den ältesten Inschriften der Rheinlande finden sich hiervon 1:20 zahlreiche Beispiele. Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 300 A5TAIVS; ORAAGC 3 NO — 46— 57. Grabstein des Dalmaters Beusas(von der vierten Cohorte der Dalmater), gefunden im Mai 1862 oberhalb des englischen Hofes vor dem Draisthor in Bingen; Geschenk des Herrn Wein- händlers Sander in Bingen(23. Aug. 1895). Kalkstein. H. 61, Br. 61, D. 15 cm. In dem Giebel über der Inschrift eine grössere und zwei kleinere Rosetten; auf beiden Seiten desselben je ein nach unten schauender Delphin, eine Rose und drei als Akanthus- ranken gebildete Akroterien. Beusas, Sutti. filius), Delmat(a), mil(es) coh(ortis) IIII[Delmat]jarum.... Beusas, des Suttus Sohn, aus Dalmatien, Soldat der vierten Cohorte der Dalmater... Delmata, andere Schreibweise für Dalmata. Z. 4 a. E. sind noch die Köpfe der vier letzten Buchstaben des Wortes DELMATAR(uum) erhalten. — Dass die vierte Cohorte der Dalmater in der Gegend von Bingen stand, ist auch noch durch zwei andere in Bingerbrück gefundene Grabsteine (Bramb. 741 u. 742) bezeugt.— Die Verzierung 1:20. neben dem Giebel lässt auf das erste Jahrhundert n. Chr. schliessen, und zwar auf die Zeit vor 74, da in den Militärdiplomen der nächsten 60 Jahre zwar die dritte und fünfte, nicht aber die vierte Dalmater-Cohorte vorkommt. Vergl. Bramb. C. J. Rh. 869. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 8. BEVAASW IIEDELAAN BCSO 1 58. Bruchstück von dem Grabstein eines Soldaten einer Thracier-Cohorte. Alter Bestand. Kalkstein. H. 37, Br. 28, D. 19 em. Aus Z. 1 ersieht man, dass der Verstorbene N einer Thraciercohorte angehörte, welcher, ist ungewiss, zumal über die Herkunft des Steines nichts bekannt ist; in Betracht kommt die erste, vierte und sechste.— Nach E. xI Z. 2 betrug seine Dienstzeit 13 Jahre.— Nach Z. 3, wo a. A. noch Reste der drei 5 letzten Ruchstaben des Wortes heres sicht- bar sind, liess ihm sein Erbe den Grabstein setzen. 59. Grabstein eines Reiters einer spanischen Ala(Schwadron), gefunden am 26. April 1896 bei Kanalbauten in der grossen Emmeransstrasse gegenüber dem Haus Nr. 25. Kalkstein. H. 150, Br. 87, D. 30 cm. 75 em der Höhe sind roh zubehauen; auf die Inschriftfläche kommen nur 25 cm. Mit dem Anfang der Inschrift ist auch die sicherlich darüber befindliche Reiter- darstellung verloren. Rechts ist noch etwas von einer säulen- artigen Verzierung übrig. — 47— .. eques[alla(e) Hispanorum[stlup(en- diorum) XXII an(n)olrum) XL.V hic) situs est. .. Reiter der spanischen Ala(Schwad- ron), 22 Jahre im Dienst, 45 alt, liegt hier begraben. 1: 15 Z. 1 sind vor EQVES noch Buch- stabenreste erhalten(A mit vorausgehender und folgender Senkrechte), die wohl zum Namen der Heimath gehörten.— Dieselbe Ala ist auch auf zwei Wormser Steinen genannt(Weckerling, die römische Abteilung des Paulusmuseums, S. 60 ff.), sowie auf einem in Mainz gefundenen, der jetzt in Mannheim steht(Haug, die römischen Denksteine des Grossherzoglichen Antiquariums in Mannheim, S. 36).— Z. 2[AlLA für ALAE.— Z. 3 [STIVP= STIP.— ANO: und Z. 4 HI. seltene Abkürzungen für AN. und H; bei ersterem ist noch das Fehlen eines N zu bemerken.— Nach der Schlussformel stammt der Stein aus dem ersten Jahrhundert und zwar vermutlich aus der ersten Hälfte desselben, da eine ala Hispanorum in keinem der 5 erhaltenen, aus den Jahren 74—134 stammenden Militär- diplomen genannt ist. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 162. 60. Grabmal des Betasiers Annauso von der zweiten flavischen Ala(Schwadron), gefunden im 17. Jahrhundert im Vorhause der alten Peterskirche und später beim Bau des Minoritenklosters verwendet. Kalkstein. H. 128, Br. 75, D. 13 cm. Der Grabstein ist offenbar, wie die bis auf Einzelheiten sich er- streckende Khnlichkeit beweist, in derselben Werkstätte gearbeitet worden, wie der viel besser erhaltene des C. Romanius Capito(Becker, Nr. 224; oftmals abgebildet, z. B. Lindenschmit, Altert. unserer heidn. Vorz. III. VIII. 4; derselbe, Tracht und Bewaffnung, des römischen Heeres, VII, 3, beidemal mit eingehender Beschreibung). Ueber der Inschrift befindet sich in einer Nische unter einem mit Blattwerk verzierten Bogen die Dar- stellung des vollständig bewaffneten, bärtigen Reiters, der sein Pferd über einen besiegten Feind hinwegsprengen lässt. Den Kopf bedeckt ein Helm mit Stirnschild und Nackenschirm; in der Helmhaube ist zur Verstärkung ihrer Widerstandsfähigkeit die Nachbildung von Haarlocken ausgehämmert. Der Lederpanzer ist an seinem unteren Rande geschlitzt und mit breiten, nach innen aufgerollten Achselplatten versehen, welche durch eine Spange zusammengehalten werden; er reicht bis zum Oberschenkel. Von etwa vorhanden gewesenen Hosen ist nichts mehr sichtbar. Der Fuss ist ab- gebrochen. Der Reiter schwingt mit der Rechten die Wurflanze, in der Linken führt er einen verhältnissmässig sehr langen sechseckigen, mit einem starken Metallrand beschlagenen Schild. Am Gürtel hängt auf der rechten Seite das lange Reiterschwert, an dessen Griff der grosse Knauf bemerkenswert ist. Drei runde, mit concentrischen Kreisen verzierte Schmuckplatten sind am Riemenzeug des Pferdes sichtbar. Am Sattel fällt das stark aufstrebende Rückende des Sitzes auf. Links im Hinter- grund steht ein Sklave, der zum Unterschied von dem auf dem Romanius- Stein dargestellten keine Waffen trägt. Er scheint mit Hosen und mit dem Sagum, dem gallischen weiten Armelmantel(vergl. Hettner, Westd. Zeitschr. II. 11) bekleidet zu sein; am Hals wird der breite Saum des im Rücken hängenden Cucullus(Kapuze) sichtbar. Der am Boden liegende Feind— natürlich ist an einen Germanen zu denken— hält in der Linken einen ebenfalls länglich-sechseckigen, aber viel kürzeren Schild, bei welchem der auf gallischen Schilden häufige Grat deutlich hervortritt. In der Rechten hat er ein nach unten gekehrtes Schwert oder Messer, von welchem nur der Knauf sichtbar ist. — 48— Annauso, Sedavonis flilius), eives ———— Betasiuſs eg(ues) alae] II Flaviale 12— A NXVSOSED gem(inae) h(ic) s(itus) e(st)]. . Annauso, des Sedavo Sohn, VONIS( V E 8 Bürger der Betasier-Gemeinde BEAS ee(Beetz in Brabant), ehemaliger Soldat der zweiten flavischen Ala, UELVIA der doppelten, liegt hier begraben. Z. 1 beginnt das O, da es kleiner 1:15 ist als die anderen Buchstaben, gewiss kein neues Wort, wie Becker meinte, sondern gehört zum vorhergehenden. Der Punkt dahinter ist allerdings zweifelhaft.— Mit dem Namen Sedavo ist zu vergleichen Haldauvo auf einer Kölner und das davon abgeleitete Haldauvonius auf einer Bonner Inschrift(s. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 273).— Cives in Germanien und Gallien sehr häufig für civis.— Der Z. 3 hinter BETASI deutlich sichtbare Punkt ist so flach eingehauen, dass man an- nehmen darf, er beruht auf einem früh bemerkten Versehen.— Bei den Truppenabteilungen, welche aus Nichtbürgern bestehen, wird die politische Heimat durchgänging durch das Ethnicum bezeichnet(Mommsen, Hermes, XIX, 25). Die ala II Flaria gemina kommt nur auf den beiden frühesten Militär-Diplomen vor, die wir von den Hilfstruppen Obergormaniens be- sitzen, auf denjenigen von 74 und 82; schon im Jahre 90 scheint sie nicht mehr hier gewesen sein, sie ist also unter den Flaviern gekommen und auch gegangen. Dadurch ist die Zeit des Steines genügend bestimmt. Ergänzung und Erklärung nach Mitteilung Gundermanns und Zangemeisters. Vergl. Becker, röm. Inschr. v. Mainz, Nr. 221. f. Grabsteine von Soldaten unbekannter Zugehörigkeit. 61. Grabstein eines Unbekannten. Alter Bestand. Kalkstein. 8 H. 92, Br. 33, D. 19 ecm. Die Buchstabenreste der ersten Zeile gehören wohl zum Namen: Gaius) GCh... Z. 2 folgt die Angabe des Bürgerverbandes(Tribus): es war der publilische; der Heimatsname scheint mit A begonnen zu haben. Die Legion, der der Verstorbene angehörte, ist weg- gefallen, ebenso der grösste Teil der Altersbezeichnung. Auf die Formel T.F. I.= kestamenlo fieri iussit folgte der Name desjenigen, der gemäss der testamentarischen Verfügung des Verstorbenen den Stein setzen liess. Der letzte Buchstabe scheint ein D gewesen zu sein. 62. Bruchstück von dem Grabstein des Asper. Alter Bestand. Unförmlicher Steinklotz. H. und Br. der Schriftfläche 22 und — 49— 32, D. 22 cm. ÜUber der Inschrift undeut- liche Teile der Bekrönung des Steines. Z. 1 ist vor dem Cognomen Asper noch das Ende eines V mit dahinter stehendem Punkt sichtbar.— Z. 2 scheint die Tribus Voltinia genannt zu sein; Asper war also römischer Bürger und höchstwahr- scheinlich— wenn man die Verhältnisse des römischen Mainz in Betracht zieht— Legionssoldat. 63. Grabstein eines Unbekannten, bildete im Kreuzgang der Stephanskirche einen Teil des Bodenbelags; von den Herren O. Winterhelt aus Miltenberg und P. Th. Kessler aus Mainz entdeckt, wurde er als Geschenk des Herrn Pfarrers Körner am 10. Juli 1895 ins Museum verbracht. Leider sind von den vier Stücken, in die er zerschlagen war, nur drei aufgefunden worden, und zwar in sehr beschädigtem Zustand: die drei ersten Zeilen sind mit grosser Gründlichkeit ausgemeiselt und an den Spaltungskanten ist jedesmal der Raum von etwa einer Zeile verloren gegangen.— Sandstein. Die Bruchstücke sind 17 cm dick und haben folgende Grösse: a) H. 43, Br. 34 cm; b) H. 70(den inschriftlosen unteren Teil gibt die Nachbildung nicht ganz wieder), Br. 36 cm; c) H. 52, Br. 35 cm. ... D(enturia) Clau(di) [Slecundi,[an(norum) .., st ji(pendiorum) trium h(ic) s(itus) e(st): heredes[ lece(runt) et viator) dic(at), sit tlibi terra levis]. ... aus der Centurie des Claudius Secun- dus,... Jahre alt, 3 im Dienst, liegt hier begraben. Seine Erben liessen(ihm diesen Denkstein) setzen und der Wanqderer sage: möge — die Erde ihm leicht 1 sein. ¹ Z. 1 ist mit Sicher- heit nur noch ein A und ein R zu erkennen; Z. 3 a. E. steht eine zur Legionsbezeichnung gehörige I.— Die Formel HS. E weist auf das erste Jahrh. n. Chr. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 181. — 50— g. Privatleute, Frauen und Kinder. 64. Grabstein des Gamuxperus, gefunden am 18. April 1895 beim Bau des Hauses Petersstrasse Nr. 8. Kalkstein. H. und Br. 58, D 11 cm. —— D(is) Manibus). Gamuæpero, Andangi 51—(Mlio), Titus filius fac(iendem) cur(avit). D 4 M Den Manen(Schattengöttern). Dem CAVWVX PRo Gamuxperus, dem Sohn des Andangus, bat sein Sohn Titus(diesen Grabstein) setzen AN OAℳ³ NG J lassen. MAIIV S Also Vater und Grossvater haben noch barbarische, der Enkel bereits einen rö- F L V. 8 mischen Namen. PEAC GO NA Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, — Sp. 83. 65. Grabdenkmal des O. Voltius Viator, gefunden Mitte Juni 1888 bei Erweiterung der„Neuen Anlage“. Er war zuletzt als Deckel eines Steinsargs verwandt, in welchem eine mit Gyps übergossene Leiche lag. Weisslicher Kalkstein. H. 275, Br. 75, D. 30 cm. Von der Höhe kommen 80 cm auf den roh ge- lassenen Sockel, der zum Einstecken in den Boden bestimmt war; dann folgt nach einem glatt bearbeiteten Stück das 51 cm hohe, etwas eingetiefte Inschriftfeld, von kräftigen Profilen um- rahmt; darauf ein 88 cm hohes gleichfalls eingetieſtes Skulptur- feld mit der Darstellung des Verstorbenen; zuletzt eine 35 cm hohe flache Nische mit sitzender sphinxartiger Figur. Das Ganze schliesst giebelförmig ab, an den Ecken streben aufrecht stehende Ohren empor, die mit je drei Ranken verziert sind. Eigentümlich ist die Skulptur-Darstellung des Verstorbenen. In der Mitte steht der Jüngling in Tunica und Paenula zwischen seinen zwei Pferden oder Maultieren; dabei stützt er auf den Bug des vorderen die Rechte, mit welcher er die Zügel beider Tiere hält, während er mit der langgestreckten Linken die Gerte zum Treiben gefasst hat. In kindlich- naiver Weise hat der Steinmetz die Perspektive zu ersetzen und alle drei Gestalten zur Anschauung zu bringen gesucht. Der Körper des Jünglings ist in zwei Hälften zerschnitten, von denen die eine über dem Rücken, die andere unter dem Bauch des vorderen Tieres sichtbar wird(noch dazu seitlich etwas verschoben): es sollte eben nichts verdeckt werden. Natürlich erscheint die Gestalt dadurch übermenschlich lang. Dieser Eindruck wird noch dadurch erhöht, dass die Tiere nicht auf gleicher Fläche, wie der Jüngling, sondern mit Vorder- und Hinterbeinen auf je einem kubischen Sockel stehen, das hintere steht— namentlich mit dem Hinterleib— noch höher. Wir werden in dem sechzehnjährigen Jüngling mit seinen zwei Tieren wohl einen jungen Bauernsohn oder auch einen jugendlichen Pferdehändler zu erkennen haben, den der Steinmetz nach römischer Sitte so dargestellt hat, wie er im Leben zu erscheinen pflegte. Das Relief ist flach eingehauen und macht auf künstlerischen Wert keinerlei Anspruch. Q(uintus) Voltius, O(uinti) Filius), Viator, an(norum) XVI, h(ic) s(itus) e(st): mater et pater pro pietate) posuere. ———— rdki N XN Quintus Voltius Viator, des Quintus Sohn, 16 Jahre alt, liegt hier begraben. E hr 8 1 Seine Mutter und sein Vater haben PRO- 4 Na D VA ſ inm aus Liebe(diesen Stein) gesetzt. Z. 1 steht F zum Teil auf der Rand- — leiste.— Die Formel hic situs est 1:15 weist auf das erste Jahrhundert n. Chr. Vergl. Keller, Korrbl. d. W. Z. VIII, Sp. 214; abgebildet Westd. Zeitschr. VIII, Tafel 11. — ᷣᷣᷣᷣ-—-:;-— 66. Bruchstück von dem Steinsarg des Vind(ius 2), gefunden im Juli 1897 bei Kanalisirung der Frühlingsstrasse in Kastel. Geschenk der Bürgermeisterei Kastel. Roter Sandstein. H. 42, Br. 75, D. 12 cm. Da„ie römischen Steinsärge bis zu 2,25 m lang sind, so können links gegen 1,50 m tehlen. Be⸗ rücksichtigt man dies und den Umstand, dass nach Z. 4 von Ge- schwistern die Rede ist, deren Cognomina oftmals miteinander und mit denjenigen des Vaters DIVS-DRI IIDRPFEBFTRIB CINVSFRA 1: 15. verwandt sind, so dürfte folgende Ergänzung möglich erscheinen: [DOis) Manibus) et perpet(uae) securiltati Findip..... Vin]dius(Priscianus mil(es leg(ionis) AIAII pr(imigeniae) p(iae) f(idelis), 5(ene) f(iciarius) tri- b(uni) et Vindi Priscus et Priscinus, fraſter et fratris filli heredes facien- dum) c(uraverunt). Den Manen und der ewigen Ruhe des Vindius... haben sein Bruder Vindius Priscianus, Soldat der zweiundzwanzigsten Legion, Bene- ficiarus(Bureaubeamter) eines Tribunen und Priscus Vindius und Priscinus Vindius, seine Neffen, als Erben(diesen Sarg) machen lassen. Auffallend ist bei dieser zum Teil auf Mitteilungen Zangemeisters be- ruhenden Ergänzung, dass Z. 1 hinter der Buchstabengruppe TATI kein Punkt steht oder gestanden hat.— Das Gentile ist aus Z. 1 und 2 com- biniert; es ist auch sonst nicht selten.— Der Sarg stammt vermutlich aus dem dritten Jahrhundert(s. z. Nr. 53. Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XVI, Sp. 33. 67. Steinsarg eines Registrators, gefunden im Sommer 1888 auf dem römischen Friedhof in der„Neuen Anlage“. Gelblicher Sandstein. H. 59, L. 143, T. 75, Wandstärke 15 cm. Der Sarkophag wurde als Bruchstück(links fehlt etwa die Hälfte der Inschrift) und leer gefunden. Die Mitte ist durch einen roh ein- gehauenen Palmzweig gekennzeichnet. ...] kabulario ABV LARI O[... Ida coniuæ, Aur [eliae? XCON IVN... et... rocla Hiliae *.. et her(edes)[acien- OCLAILIAEETHER“n39 1 G c(uraverunt). Dem Registrator... 1:20 haben seine Gattin ... da und seine Töchter und Erbinnen Aurelia(?)... und Aurelia(?)... rocla (diesen Sarg) machen lassen. Der Friedhof in der Anlage gehörte der bürgerlichen Bevölkerung des römischen Mainz an.— Der Sarkophag stammt etwa aus dem dritten Jahrhundert(s. z. Nr. 53). Vergl. Keller, Korrbl. d. W. Z. VIII, Sp. 170. 68. Bruchstück von dem Grabstein eines Freigelassenen, ge- funden am 4. April 1897 beim Abbruch des Neuthores. Kalk- stein. H. 24, Br. 42, D. 11 cm. Reddere paltrono eum] Munera facta[volebam], Peroeni in teuebſras] Ditisgq(ue) ad Tartara[praeceps] Et luce ereptus trisſtis] Per funera mortis]. Als ich meinem Beschützer die erwiesenen Wohlthaten vergelten wollte, sank ich jäh- lings ins Dunkel hinab und in des Pluto Unterwelt und, dem Lichte ent- rissen, ins Grab des finsteren Todes. Z. 1 sind noch Buchstabenreste vorhanden, die der Entaifferung einstweilen noch harren.— Z. 4 a. E. ist im Bruch die Senkrechte des B erhalten.— Z. 6 luce für luci; a. E. wird noch der Fuss eines S sicht- bar.— Vber die Zeit der Inschrift wage ich kein Urteil abzugeben. Vergl. Lindenschmit, Westd. Zeitschr. XIII, 300(wo nach einem Vorschlage Zangemeisters Zeilen 2 und 3 als Pentameter ergänzt sind: reddere patrono munera facta mihi) und Bücheler und Riese, Antol. lat. II, 840, Nr. 1828. 69 u. 70. Steinsarg der Attiania Ursa mit Deckel von dem Steinsarg des L. Peregrinius Justinus, gefunden im 20. Juni 1888 beim Bau eines Fabrikgebäudes in der Rheinallee. Geschenk des Bauherrn, Herrn Geh. Kommerzienrats Reuleaux. Roter Sandstein. H. 68(mit Deckel 105), L. 225, Br. 68, Wand- stärke 21 cm. Der Deckel gehörte nach Ausweis der Inschrift ursprünglich zu einem anderen Sarg. Dieser Umstand, sowie die gute Erhaltung der in dem Sarkophag aufgefundenen Gerippe und der Mangel jeglicher Beigabe beweisen, dass der letzte Inhaber bereits einer späteren, christlichen Zeit angehört hat. Der Deckel hat an den Ecken vier oben abgerundete viereckige Aufsätze. Der Sarg zeigt neben der Inschrift eine sehr flach gehaltene Verzierung 9 ATTIXNIAEVRSAEDOMITIVSSAL 171 ¹ AVIANVSCONIVNXETDOMITDI VRSVSETSAIVIXEIULIIEFG 1: 22. D(is) Manibus). L(ucio) Peregrinio Justino, filio, Soliti... Atlianiae Ursae Domitius Salvianus conjunz et Domitii Ursus et Saloia ilii f(acien dum) e(uraverun). Den Manen(Schattengöttern). Seinem Sohne Lucius Peregrinius Justinus hat Soliti....(diesen Sarg machen lassen). Der Attiania Ursa haben ihr Gemahl Domitius Salvianus und ihre Kinder Domitius Ursus und Domitia Salvia(diesen Sarg machen lassen). Der Yater des L. Peregrinius Justinus hiess vielleicht L. Solitius Peregrinus(vergl. Hettner, röm. Steindenkm., S. 92, 0.). Von den auf dem Sarg genannten Kindern führt der Sohn ein von dem Gentile der Mutter, die Tochter ein von dem Gentile des Vaters ge- bildetes Cognomen. Der Sarg stammt wohl aus dem dritten Jahrhundert n. Chr.(s. z. Nr. 53). Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 81. 71. Grabstein des L. Cominius Pollentinus, gefunden im Anfang des Jahres 1890 an der Mainzerstrasse zu Bingen beim Bau des Hauses Nr. 20/21. Sandstein. H. 92, Br. 78, D. 23 em. I(ucius) Cominius, O(uinti) f(ilius), Pollen- Jnus h(ic) s(itus) e(st) et Cominiae, Sp(uri) Filiae), Secundae. Lucius Cominius Pollentinus, des Quintus Sohn, liegt hier begraben, und der Cominia Secunda, der Tochter des Spurius,(hat man diesen Stein setzen lassen?). Z. 1 a. A. ist von L nur ein Teil der Wagrechten erhalten.— Z. 2 a. E. ist der Querstrich des T nur schwach an dem N zu erkennen; Pollentinus ist wohl als Cognomen 1115. aufzufassen, abgeleitet von dem Namen einer der drei Städte Pollentia.— Z. 3 der — 54— Apex über V ist wohl unbeabsichtigt, aber alt.— Z. 5 und 6 liegt Construktions-Wechsel vor, eine Nachlässigkeit, die mit der Schrift im Einklang steht; die zwei E am Ende beider Zeilen bestehen z. B. aus blossen Senkrechten.— Nach der Formel hic situs est ist der Stein dem ersten Jahrhundert zuzuweisen. Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 208. 72. Steinsarg der Attillia Runa, gefunden am 20. Juni 1888 beim Bau eines Fabrikgebäudes in der Rheinallee. Geschenk des Bauherrn, Herrn Geh. Commerzienrat Reuleaux. Grauer Sandstein. H. 68(mit Deckel: 96), L. 225, Br. 85, Wand- stärke 12 cm. Der Deckel ist oben dachförmig erhöht mit giebelartigen Aufsätzen in der Mitte und würfelförmigen an den vier Ecken. —— ATLTILLIAERVNAEFMATRLRESPECTIVS SERWANDVSMIILDPDECVARLEGXXIITRES FECTIVS RE RESPECTINVSFILIAMBN ANDIAMAXIMINATSERVANDIVS §EVERINVSNEPOTES'F-C 1:22 D(is) Manibus). Allilliae hunae matri Respectius Servandus, mil(es) pecuar(ius) leg(ionis) XXII et Respectius Respectinus fili et Servandia Mawimina et Servandius Severinus nepotes faciendum) c(uraverunt). Den Manen(Schattengöttern). Ihrer Mutter Attillia Runa haben ihre Söhne Respectius Servandus, Tierarzt(?) der zweiundzwanzigsten Legion, und Respectius Respectinus, sowie ihre Enkelkinder Servandia Maximina und Servandius Severinus(diesen Sarg) machen lassen. Z. 1 D-M. auf dem Deckel.— Z. 4 Doppelschreibung der Silbe RE; sie konnte nicht durch Zustreichen spurlos beseitigt werden, wie Z. 6 die ebenfalls aus Versehen eingehauene Senkrechte hinter S E; statt des P derselben Zeile scheint der Steinmetz ursprünglich ein R haben ein- meiseln wollen.— Ein miles pecuarius wird nur selten erwähnt; Marquardt- Mau(S. 466) erklärt ihn für den Aufseher über die Viehherden, v. Domaszewski(W. Z. XIV, 87) für den Tierarzt, für welchen es eine andere Bezeichnung nicht gäbe.— Das Gentile der Enkel ist aus dem Cognomen ihres Vaters gebildet(s. z. Nr. 53). Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 82. 73. Steinsarg der Lucania Victorina, gefunden beim Neubau des katholischen Pfarrhauses in Nierstein. Er stand seitdem im dortigen Pfarrhof und wurde am 26. Oktober 1893 von dem katholischen Kirchenvorstande dem Verein übergeben. Roter Sandstein. H. 70, L. 210, Br. 87, Wandstärke 12,5 cm. Rück- seite beschädigt. MEMORMAEAEEERNITATISIVAXNNNRE VICTORINAECONIVOLEPVDICISSIMAE. ADQVECAISATISSIMAEPERVINCGIVSRO- MVIVSBFCOSMARITVSTROMANVSFIVS OBINMENSVRABILEMPIEEATEMEIVS — 1:22 Memoriae aeternitatis Lucaniae Victorinae coniugi pudicissimae adgue castissimae Perwincius Romulus bene)fliciarius) co(n)s(ularis) maritus et Romanus filius ob inmensurabilem pietatem eius. Zum ewigen Gedächtnis! Seiner sittsamen und ehrbaren Gemahlin Lucania Victorina(liess) ihr Gatte Pervincius Romulus, Beneficiarius(Bureau- Beamter) des Statthalters, und ihr Sohn Romanus(dies Grab bereiten) aus massloser Liebe zu ihr. Z. 3 adque für alque. Vergl. Bramb. C. I. Rh. Nr. 920. 74. Steinsarg der Marcellinia Marcella, gefunden am 22. Mai 1842 in der Nähe von Klein-Winternheim. Seitdem stand er, als Brunnentrog dienend, im Pfarrhof und nachher auf der Strasse. Am 7. September 1895 wurde er von dem Verein gegen einen neuen Steintrog eingetauscht. Roter Sandstein. H. 71, L. 225, Br. 98, Wandstärke 12,5 cm. Schon bei der Auffindung war die sehr flach in den rauhen Stein eingehauene Schrift schwer zu lesen; der Deckel zerfiel in mehrere Stücke. Den Inhalt bildeten wenige Knochenreste, Spuren von Kalk und ein Gläschen. RCEINRAENVRGETCSNRNG tr::CTISSIKAAEEFNWICISSINWA SARSO‚EA WrA-IVSSVEIVSIVLPATERNINVSDITCXILAZ INDIANIECONAI:VCHINCCMDaRXRLIEC 1:22 Marcelliniae Marcellae coniugi dilectissimae et dulcissimae sarcofagum iussu eius Julius Paterninus, dec(urio) alae Indianae coniugi incomparabili Faciendum) c(urauit). Seinem geliebten, süssen Weibe, seiner unvergleichlichen Gemahlin Marcellinia Marcella hat auf ihr Geheiss Julius Paterninus, Decurio (Befehlshaber von 10 oder auch 30 Reitern) der Ala Indiana diesen Steinsarg machen lassen. Von manchen Buchstaben sind nur noch schwache Spuren sichtbar, namentlich in der Mitte und am Ende der ersten, sowie am Anfange der zweiten Zeile.— Auffallend ist die Doppelsetzung des Wortes coniugi Z. 1 und 4.— Die ala Indiania stand(nach Ritterling, W. Z. XII, 211) in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts in Obergermanien, nachdem sie dann eine Zeitlang dem brittanischen und dem niedergermanischen Heere angehört, kehrte sie etwa in der hadrianischen Zeit nach Obergermanien zurück. Ihr Name ist von demjenigen ihres ehemaligen Befehlshabers (dem Tac. ann. III, 42 genannten Julius Indus?) abgeleitet. Sie heisst auf dem von Zangemeister im Limesblatte, Sp. 68 veröffentlichten Militär- Diplom aus Neckarburken ala Indiana Gallorum.— Unser Sarg gehört wohl erst dem dritten Jahrhundert n. Chr. an(s. z. Nr. 53). Vergl. Klein, Zeitschr. d. Mainzer Altertumsvereins, I, 497.— Bramb. C. I. Rh. 924.— Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV, Sp. 95. 75. Vorderseite des Steinsarges der Mogetia Quintina, gefunden im Juni 1888 beim Bau eines Fabrikgebäudes in der Rheinallee. Geschenk des Bauherrn, Herrn Geh. Kommerzienrats Reuleaux. Roter Sandstein. H. 50, L. 205, D. 12 cm. Der Deckel war bei der Auffindung nicht mehr vorhanden; wegen der Schwierig- keit, den Sarg ganz zu heben, wurde die Vorderseite abgesprengt; die Beschädigung dieser hat bereits früher stattgefunden. 2-— SXANCTISSI-OQVINTINWSFRVENDVS LIBERTVST- HERES=PATRONTOPTIM INSEEIETETREVERENTIAEEFE C 1:22 Mogetiae Quintinae matronae sanctissimae Quintinius Fruendus libertus et heres patron(a)e optim(ae) in se piet(atis) et reverentiae flaciendum) c(uravit).. Der' ehrwürdigen Frau Mogetia Quintina, einer Beschützerin von ausgezeichneter Liebe und Rücksichtnahme gegen ihn, hat ihr Freigelassener und Erbe Quintinius Fruendus(diesen Sarg) machen lassen. Z. 1 sind nur noch die Füsse der einzelnen Buchstaben erhalten, die jedoch eine ganz sichere Ergänzung möglich machen.— Das Gentile des Freigelassenen ist aus dem Cognomen der Patronin gebildet(s. z. Nr. 53). — Die Inschrift gehört wohl dem dritten Jahrhundert an(s. z. Nr. 53). Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 83. 76. Grabstein der Turrania Suadulla und der Urbana, gefunden am 30. April 1895 beim Bau des Hauses Petersstrasse Nr. 8. Kalkstein. H. 100, Br. 68, D. 34 cm. In dem an der Spitze beschädigten Giebel eine Rose, an seinen Seiten scheinen Akanthus- Ranken angebracht gewesen zu sein. Die oberen vier Zeilen stehen gewissermassen auf einer Tafel mit besonderem Rahmen, der auf zwei Säulen ruht, zwischen welchen der übrige Teil der Inschrift steht oder stand. Turrania, Tliti) Liberta), Sua- dulla, an(norum) XXP, Urbana an(norum) XX hic) s(itae) s(unt). Lucilius Iilario sororiſbus Turrania Suadulla, des Titus Freigelassene, 25 Jahre alt, und Urbana, 20 Jahre alt, sind hier begraben. Lucilius Hilario hat den Schwestern(diesen Stein setzen lassen). Z. 4 ist das Zahlzeichen V fast nur noch im Bruch erhalten.— Die jüngere der Schwestern war bei ihrem Tode, da sie nicht als Freigelassene bezeichnet wird, noch Sklavin; daher führt sie nur einen Namen. Hilario ist dagegen Frei- gelassener; er führt ein anderes 1:15 Gentile als Suadulla, weil er bei einem anderen Herrn in Diensten gestanden. Denkbar wäre es freilich auch, dass die Schwestern gar nicht seine Schwestern sind.— Z. 5 überhöhtes I vielleicht zur Bezeichnung der Länge. Die Inschrift gehört wegen der Formel H. S. S(und wegen der Akanthus-Ranken neben dem Giebel) dem ersten Jahrhundert an. Vergl. Körber, Korrbl. XV, Sp. 83. 1 SNDAA 1 e — 77. Bruchstück von dem Grabstein dreier Mitglieder einer Familie, gefunden am 16. November 1896 beim Abbruch des Gauthores in der Mauer des westlichen Hauptwalles. Geschenk der Militärbehörde. Kalkstein. H. 28, Br. 25, D. 24 cm. Die ursprüngliche Begrenzung des Steines ist gegeben durch das Vorhandensein der alten Seitenfläche rechts neben der zweiten und dritten und links neben der letzten Zeile; unten ist un- regelmässiger Bruch, doch scheint hier von der Inschrift keine Zeile zu fehlen, oben wohl nur die eine, von der nur noch ein Rest sichtbar ist. Wie aus der letzten Zeile sich zu ergeben scheint, hat Macrina diesen Stein ihrem Gemahl und ihren Geschwistern oder Kindern(die Angabe des Verwandt- schaftsverhältnisses ist hinter E T wegg fallen) Maturus und Marina, die also beide wohl dasselbe Gentile(wovon Z. 4 noch A, Z. 5 noch IA mit überhöhtem I erhalten ist) gehabt haben.— Der Buchstabenrest Z. 1 hat einem O angehört.— Z. 6 ist in dem Worte cοο*iu⁹i) das n ausgelassen, wie das in späteren Inschriften häüufig 1:10 geschieht. 78. Bruchstück von dem Grabstein eines Kindes(2), alter Be- stand. H. 29, Br. 23, D. 9 cm. . Z. 1 sind noch die Füsse von zwei Senkrechten er- halten.— Z. 2 und 3 enthält die Altersangabe; da . hier Monate und Tage genannt werden, so wird es sich IE um ein Kind handeln, das 13 Jahre, einige Monate und Tage alt war.— Z. 4 Reste der Buchstaben A und E oder F. 1:10 79. Bruchstück von dem Grabstein einer Frau, gefunden im Sommer 1888 bei Erweiterung der„Neuen Anlage“. Unregel- mässiger Kalkstein-Brocken. H. 27, Br. 41(an der Schrift- fläche 27), D. 18 cm. ... ra h(ic) s(ita) e(st),... ticus coniuæ d(e) s(uo) p(οsuit) merit o]. ... ra liegt hier begraben, ihr Gemahl... ticus setzte(ihr diesen Grabstein) aus seinem Vermögen nach Verdienst. Z. 1 a. A. Rest eines R; a. E. steht das E bereits auf der Umrahmung.— Z. 5 undeutliche Buch- stabenteile(der scheinbare Querstrich an der linken Hasta ist zufällige Verletzung).— Die Formel hic sita est weist auf das erste Jahrhundert. Vergl. Keller, Korrbl. d. W. Z. VIII. Sp. 171. 80. Bruchstück von dem Grabstein einer Frau. Alter Be- stand. Sandstein. H. 30, Br. 34, D. 7 em. D(is)[Manibus)]. Fortes.. [sub hoc la]pide iac(et).... ofi[maltrona slancta?(oder der Name) PIDEIALN Saus Aliebeen 1 Den Manen(Schattengöttern). 1 TRONA‿S unter diesem Steine liegt die Frau.... 8 91. 1 8 i— 7. 2.. i NO CTED 8. Z. 1 Rest eines D Z. 2 a. E. Fuss eines — Z. 5 a. E. sah Zangemeister vor mehreren Jahren hinter dem D noch zwei Senkrechte, die jetzt abgebrochen sind. Ergänzung und Erklärung nach Mitteilung Zangemeisters. 81. 2Zweiseitig skulpierter Block von einem sehr grossen Grabdenkmal herrührend. Alter Bestand. H. 47, Br. 78, D. 104 cm. Uber der Inschrift ist noch der linke Fuss und die untere Mantelpartie von der Darstellung eines Mannes erhalten. Neben dem Ganzen ein 21 cm breiter Pilaster mit nackter Knaben- Figur(Kopf fehlt). Auch die rechte Seitenfläche des Blockes ist mit Skulpturen bedeckt: in der Mitte der bis über das Knie — 59— reichende Unterteil einer lang bekleideten Göttin; sie stützte sich vielleicht mit dem linken Arm auf einen Altar, der neben ihr steht(also eine Securitas?5); die Umrahmung bilden auf beiden 4 Seiten Pilaster, jeder ebenfalls 21 cm — breit, mit Akanthus-Verzierung. —— Von der Inschrift sind nur noch die Köpfe von M(zur Hälfte), A und N erhalten, zu lesen: AAN Ja⸗[(dis] man(ibus). 1:15 82. Steinblock von einem grossen Grabdenkmal herrührend. Alter Bestand. Kalkstein. H. 37, Br. 72(an der Inschriftfläche, weiter zurück reichlich 10 cm auf beiden Seiten breiter), D. 70. cm. Die verwaschene Beschaffenheit des Steins, besonders auf der Rückseite, lässt darauf schliessen, dass der Block s. Z. im Rhein gefunden wurde. Von der Inschrift ist nur die Formel: h(eres) flaciendum) c(uravit)(der Erbe liess das Denkmal setzen) übrig geblieben. 83. Reste von der Grabschrift eines Unbekannten blieben namentlich am Anfang und Ende der Zeilen erhalten, als der römische Grabstein im Mittelalter zum Zinnen- stein der mainzischen Stadt Eltville umgearbeitet wurde. Fuchs fand ihn 30 Schritte links vom Ausgang der Peterspforte(an der westlichen Ecke des jetzigen Schlossplatzes, also in der Richtung nach Fltville) in der Stadtmauer und liess ihn mit vielen anderen herausbrechen. Ausser einzelnen Buchstaben ist noch die alte Umrahmung nebst dem giebel- förmigen Abschluss erhalten. Die spätere ₰ Inscchrift lautet: cives de Elteville habent quattour cinnas, die Bürger von Eltville haben 4 Zinnen(nämlich zu erhalten und zu verteidigen). 8 Vergl. Bramb. C. I. Rh. 1129. l P. 1 1 4NIO 31133 L9A IV. Inschriften auf Gebrauchsgegenständen. aus Stein. 84. Drehmühle einer Centurie. Alter Bestand. Basalt-Lava. Erhalten ist etwa ein Drittel des Läufers, an dessen runder Aussenseite die Inschrift angebracht war. Entfernung der inneren von der äusseren Kante: 16 cm, H. und Br. der runden Aussen- seite: 11 und 38 cm. An der inneren Kante Rest eines schwalbenschwanzähnlichen Loches zur Befestigung des Zapfens, an welchem der Läufer rotierte. ——ꝛ;———= Virei Centurie des Virejus ) Tet.... Centurie des Vet.... „ Beee et we oesfeeerden he Aar! ie Inschrift ist in den schwer zu bearbeitenden Stein mit Mühe —— eingehauen. Die Mühle wird meh- 1:75 reren Centurien hintereinander gedient haben. 85. Brotstempel einer Centurie der vierzehnten Legion, ge- funden am 29. Juni 1897 bei Anlage einer Radfahrer-Rennbahn vor dem Gauthor. Kalkstein. H. und D. 5 cm, L. 11 cm. Die vier Längsseiten(a-— d) sind in Spiegelschrift beschrieben. Llegio) XIIII Die vierzehnte Legion, 2 glemina) Martia) die doppelte, Martische, victrie]) siegreiche. d=Caecili V Centurie des Caecilius, Sabinei(Arbeit) des Sabineius. — Cazeili V(2) Centurie des Caecilius, 1 Musenti(Arbeit) des Musentius, adiut(oris) des Gehülfen. = Caccili V Centurie des Caecilius, d Metoni(Arbeit) des Metonius. Seite c ist am schlechtesten erhalten, doch 1:4 ist die Lesung kaum zweifelhaft; nur bei dem dritten Buchstaben(von rechts) des mittleren — 61— Wortes könnte man auch an G denken, Zangemeister hält ihn aber wohl mit Recht für ein liegendes S. Nicht mehr recht erkennbar ist hier das auf den beiden entsprechenden Seiten hinter Caecili stehende V.— Der Stein ist wahrscheinlich ein Stempel für Brot und wird aus der Legionsbäckerei stammen. Jenes V bezeichnet wohl eher deren Nummer, als das Cognomen des Centurio. In dieser Bäckerei haben drei Männer gearbeitet oder die Aufsicht geführt: Sabineius, Musentius und Metonius; Musentius ist nur Gehülfe gewesen. Die Brote wurden gestempelt entweder mit Seite a und b oder mit a und c oder mit a und d. Erklärung nach Mitteilung Zangemeisters. (Vier steinerne Gewichte werden im Zusammenhang mit denjenigen aus Metall behandelt werden.) V. Inschriften, deren ehemalige Bestimmung nicht festgestellt ist. 36. Grosse schwer beschädigte Platte. Gefunden 1839 am Eisgrubenweg. Geschenk der Militärbehörde. Schiefriger Sand- stein. H. 100, Br. 85, D. 22 cm. Der grösste Teil der Vorder- fläche ist abgesplittert. Von dem Bildwerk, welches über der IrSchrift angebracht war, ist gerade an dem Trennungsstrich der beiden Columnen noch ein mit ausgebreiteten Flügeln breitspurig dasitzender Adler erkennbar. Rechts unter der Inschrift sah Klein i. J. 1845 (S. Mainzer Zeitschr. I. S. 208) noch zwei Figuren, von denen die eine sass, die andere, kleinere, stand und eine Keule im linken Arm führte. Von jener sieht man jetzt nur noch die Füsse, während der Herkules besser erhalten ist. Dagegen entging Klein die Bildnerei auf der verhältniss- mässig gut erhaltenen rechten Seitenfläche. In der Mitte der- selben befindet sich eine 44 em hohe Nische, über ihr liegt ein 3 cm hoher Balken und auf diesem ein 16 cm hoher Wulst. In der Nische steht rechts ein Mann, dessen Kopf und rechter Arm abgebrochen und nur in den Umrissen noch erkennbar ist. Er trägt eine oberhalb des Knies endigende Tunica, darüber ein Sagum, dessen einer Zipfel auf dem linken Arm liegt. — 63— Zwischen Tunica und Mantel nicht recht verständliche Gewand(?)- Stücke.(Vielleicht ein Lederschurz mit rundem Loch zum Ein- stecken eines W9erkzeuges?) In der Linken hält er ein Kästchen, die Rechte scheint er einem neben ihm stehenden Knaben, dessen Körper bis auf die Beine fast ganz zerstört ist, aufs Haupt zu legen. Ganz links steht ein zweiter Knabe, der seine Hände auf die Schultern des anderen Knaben zu legen scheint. Beide tragen ein einfaches, bis zu den Waden reichendes Gewand. Unter der Nische ist eine 32 cm hohe glatte Fläche, in welcher sich unten ein Zapfenloch von 15 cm Höhe und 3 em Breite befindet. Von der ursprünglichen Inschrift ist nur der kleinste Teil noch erhalten und teilweise schwer lesbar; jedoch dürfte seit ihrer Auffindung nichts Wesentliches daran verloren gegangen sein. Sie scheint nur Namen enthalten zu haben. Vergl. Bramb. C. I. Rh. 977. 87. Bisher unerklärte Inschriftplatte. Grauer Sandstein. Alter Bestand. H. 64 cm(von welchen nach oben hin etwa 18 inschriftlos sind und darum bei der Nachbildung wegblieben), Br. 52, D. 18 cm. ni ſſotat ist es un- . 4 möglich gewesen, die zu- b⸗ fälligen Kritze, die sich 5 G 14, auf dem weichen Sand- stein leicht bildeten, von den absichtlich einge- hauenen Schriftzeichen überall zu trennen. Da- S Ih L.), A ſIher enthältenendia bei- 14.S.. stehende Nachbildung 1[1W. tNl gewiss manchen Lese- SF VII NTr.UO NKINI„ fehler und kann nicht in M S XV N 1 dem Grade, wie wir dies „NIEILS S sonst hoffen, das Studium TI— 9 N I A des Steines ersetzen. Von 8 1 den vorkommenden ) X 4 Namen scheinen Secun- — dinus und Saturninus . festzustehen. — — 64— 88. Bruchstück, vielleicht von einer Weihinschrift, gefunden am 3. September 1895 im Rhein in der Nähe der Eisenbahnbrücke. Roter Sandstein. H. 46, Br. 28, D. 12 cm. öber der Inschrift ist eine vorspringende Be- krönung abgemeiselt. Links scheint vor den drei ersten Zeilen nichts zu fehlen.— Z 1 victoſria?]; Z. 2 militlum?]; Z. 3 a. A. könnte mit dem P ein J gebunden sein; Z. 4 a. E. vielleicht noch der linke Fuss eines A im Bruche sichtbar; Z. 5 Reste der Buchstaben I(?., C(oder G) und T. 1:10 89. Bruchstück, wahrscheinlich von einer Altarinschrift, ge- funden am 15. September 1896 in der mehrfach er- wähnten mittelalterlichen Stadtmauer östlich vom Gau- thor, in welcher ausser Bauinschriften fast nur solche aus Heiligtümern verbaut waren. Kalkstein. H. 45, Br. 25, D. 11 cm. Auf der Randleiste sitzt oben ein Kapitäl, über welchem die Ansätze einer Rundung sichtbar sind. Für die Ergänzung der Z. 2 liegt[Clalud(ia tribu) nahe. 1:20 90. Bruchstück, wahrscheinlich von einer Bauurkunde, ge- funden am 15. September 1896 in der unter dem Walle östlich vom Gauthor entdeckten alten Stadtmauer. Kalk- stein. H. 39, Br. 29, D. 12 cm. In den Vertiefungen M Reste roter Farbe und weissen Stuckes. . ¹[Leg(io) XXII] pr(imigenia) p(ia)[f(idelis)]. Die zweiundzwanzigste Legion, die erstgeworbene, pflicht- treue und redliche. — Unten eine Randleiste von 1 ½— 2 cm Ausladung. 91. Inschrift auf einem grossen Bauquader, gefunden in der mittelalterlichen Stadtmauer östlich vom Gauthor. Sand- stein. H. 53, Br. 71, D. 75 cem. An der einen Ecke ist eine rechtwinkelige Vertiefung ausgehauen, von 25 und 27 cm Seitenlänge und 41 cm Tiefe. Auf der rauhen Fläche ist açuil roh eingehauen; welche Bedeutung das Wort hier hat, ist unbekannt. 92. Bruchstück, vielleicht von einem Grabsteine, gefunden am 15. Dezember 1895 beim Abbruche des ehem. „VI Bilhildisklosters. Geschenk des Herrn Bierbrauerei- 111N besitzers Geyl. Kalkstein. H. 14, Br. 20, D. 13 cm. ATVS Das, wie es scheint, in Z. 1 allein stehende M weist 5 auf[H(is)]) Ma(nibus) hin. 1:10 93. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab- stein. Alter Bestand. Kalkstein. H. 20, Br. 17, D. 4 cm. Z. 4 weist auf annorum hin.— Z. 3 Reste eines S, C oder G. 94. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab- stein. Alter Bestand. Sandstein. H. 18, Br. 16, V D. 6 cm. 7 Z. 2 a. E. Kopf des linken Schenkels eines V. 95. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab- stein. Alter Bestand. H. und Br. 32 em. v. Domaszewski vermutet: Caius) Titius?.... 700) Filius), Qlui(rina)]. Doch hat hinter F(oder E) kein Punkt gestanden, ob hinter dem vorausgehenden T ist zweifelhaft. Der letzte Buchstabe könnte auch ein C, G oder O gewesen sein. 96. Bruchstück, wahrscheinlich von einem Grab- stein. Alter Bestand. Sandstein. H. 45, Br. 39. D. 18 cm. 2. 1 kleiner Rest einer Senkrechten.— Z. 2 Quilrina] oder[Aluiſlius]?— Z. 3 a. A. Rest einer Senkrechten, a. E. Rest einer Hasta. 97. Bruchstück, vielleicht von einem Grabstein. Alter Bestand. Weisser Marmor. H. 26, Br. 19, D. 5 cm. Z. 1 gebundenes M A,[D(is)] Ma(nibus)?— Z. 2 a. A. eine Wagrechte, wohl zu einem L oder E gehörig.— Z. 3 a. E. Rest eines F oder E. — 66— 98. Bruchstück, vielleicht von einem Grabstein, gefunden am 12. Mai 1895 beim Bau des Hauses Petersstrasse Nr. 8. Sandstein. H. 31, Br. 31, D. 10 cm. Z. 2 a. E. ein 0, darunter nach rechts hin ein Strich, wie er über Zahlzeichen zu stehen pflegt. 1:20 Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XIV., Sp. 84. 99. Unbestimmbares Bruchstück. Alter Bestand. Sandstein. H. 9, Br. 24, D. 17 cm. AND/ Z. 1 scheint a. A. V S, a. E. D D gestanden ₰ zu haben. 1:7,5 100. Unbestimmbares Bruchstück. Alter Bestand. Sandstein. H. 12, Br. 25, D. 13 cm. 1:7,5 Berichtigungen- z. S. 40, Nr. 47: Die leg. II Aug. und die leg. VIII Aug. haben beide in Strassburg gestanden, jene von 14— 43, diese von 70 bis an das Ende der Römerherrschaft. z. S. 47, Nr. 59, z. Z. 2: ala insofern nicht fär alae, als der Ablativ Absicht und auf älteren Steinen Regel ist. z. S. 48, Nr. 60 a. E. war zuzufügen, dass der Stein vor Becker, z. B. von Bramb. C. I. L. 981, bereits richtig gelesen und ergänzt war.