Ernſt Spangenberg's Dr. der Rechte, Gteffier's bey dem Tribunale erſter Inſtauz des Diſtricts Göttingen im Leinedepartement, und Privatlehrers auf der Univerſitat zu Goͤttingen, Connentar uͤber den Code Napoleon. Zweyter Band. — ——————— gen, bey Johann Friedrich Röwer. —— Syter, als es meine Abſicht war, erſcheint dieſer zweyte Band; aber nur uͤberhaͤufte Dienſtgeſchaͤfte haben ihn ver⸗ zoͤgert. Auch dieſerhalb darf ich Verzeihung erwarten, wenn ich hier einige— jedoch nur Schreib- und Druckfehler des erſten Bandes verbeſſere; imgleichen nachtrage, was bey dem raſtloſen Schreiten der Legislation abgeaͤndert, oder naͤher be⸗ ſtimmt worden iſt. Im erſten Bande ſind folgende Verbeſſerungen zu be⸗ merken: S. s6. daß ich ſtatt des verſtorbenen Tribunalrichter Schulz mit dem Herrn Tribunalrichter Peſterley das genannte Magazin, unter dem Titel: Maga- zin für das Civil- und Criminal-Recht des Königreichs Weſtphalen fortge⸗ ſetzt habe; daher dann in dem zweyten Vande dieſes Werk; OrsrEa1nx und mein Magazin allegirt wird. S. 142.§. 99. g. E. ſetze die Zahl 4) hinzu. Vorrede. S. 164.§. 127. Not. 1. ließ: Auch die Leibrente verliehrt er nicht— ſeinen natuͤrlichen Tod, in ſo fern ſie ſich nicht als Alimente verhalt. S. 173. F. T29. Not. 3. ließ: dem Staatsrechte anheim. S. 200. Not. 3. ließ: ſo kann er in der Regel nie in der Privatwohnung u. ſ. w. — Eine Ausnahme f. jedoch im F. 210. Nok. T. S. 205. F. 163. Rubr. ließ: für die unter b. c. d. enthaltenen Fäͤlle: S. 280. F. 210. Not. 1. ließ: iſt ausnahmsweiſe guͤltig u. ſ. w. S. 258.§. 190. Not. I. Zeile 6. v. u. ließ: eine abſolute Verpflichtung. S. 278. Not. 7. Z. r2. v. u. ließ: unterſcheiden: I. die u. ſ. w. Im zweyten Bande iſt zu bemerken, daß die Weſtphäl. Proceßordnung bis zu dem Titel von Schenkungen und Teſta⸗ menten, nach der Artikelfolge der proviſoriſchen koniglichen De⸗ crete citirt worden iſt; von da an wird jedoch das ſpaͤter er⸗ ſchienene Geſetz allegirt. S. 13. 5. 397. Not. 2. ließ: Art. 356. S. 72. 5. 491. Not. 1. ließ: fuͤr idotalité, fdodalitè. Auch iſi in die Stelle des S. 148. Not. 2. genannten Stempelgeſetzes vom g. Maͤrz 1809., eln anderes neueres vom 7. Junius 1810. getreten, welches alſo jetzt nachzuſehen iſt. S. 137. letzte Zeile ließ; demence. Eine reichliche litteraͤriſche Ausbeute, und einen Nachtrag zu den Entſcheidungen der Franzoſiſchen und Weſtphäliſchen Obergerichte, behalte ich mir, zu einer bequemern Zeit mitzu⸗ theilen, vor. Gottingen den 3. Auguſt 1810. E. Spangenberg. Zweytes inn hi ſth D n ſchi u he z Zweytes Buch. Von den Sachen und den verſchiedenen Beſchränkungen des Eigenthums. Spangenberg' Commentar Bd. II. Zweytes Buch. Von den Sachen und den verſchiedenen Beſchraͤnkungen des Eigenthums. e Von der Eintbeilung der Sachen⸗ — Von den Sachen uͤberhaupt. Se iſt uͤberhaupt das, was Gegenſtand eines Rechtsverhaͤltniſſes ſeyn kann, im Gegenſatze des Inhabers des Rechtsverbhältniſſes, naͤmlich der Perſon. Dieſer Gegenſtand kann koͤrperlich ſeyn, oder nicht koͤrperlich, d. h. er kann auch in einem Rechte, das man ver⸗ folgt, beſtehen, mag daſſelbe auf eine Sache oder auf eine perſönliche Verbindlichkeit gerichtet ſeyn ¹). 1) BENTRAAM traieas de la legislation ejvile.(Paris. 1802.) T. I. p. 230.— S. auch Art. 526. 829. Metne Tſtit utiones juris civilis Napoleonsi. F. 22. Zackaktat Handbuch. Th. I. F. 62. 5. 384. Eintheilung derſelben, Alle Sachen ſind entweder unbeweglich oder beweglich ²). xrt. 516. Beyde Arten ſind in Hinſicht ibrer juriſtiſchen Wichtigkeit einander gleich geſeßt, obgleich die erſtere durch die Wiedereinfuͤhrung von Majoraten einige Praͤrogativen wieder erhalten hat ²). 2 1) S. 4 Zweytes Buch. Erſter Titel. 1) S. J. F. C. von Düring von den Arten der Guͤter, den Erwerbungs⸗ und Beſchrankungsarten des Eigenthums nach dem Code Napoleon. Braunſchweig. 1808. 8. 2) Geſetz vom T. Maͤrz 1808. bey Laſſaulx Annalen. B. 1. H. 1. S. 7 ff. u. a. S. Traite du majorat. Paris. 1808. 8. und Goͤnner uͤber Adel, Majorate und Aufhebung der Fidelcémmiſſe in ſ. Archio fuͤr Geſetzgebung. B. 2. H. 2. Nr. 10. Erſtes Kapitel. Von den unbeweglichen Sachen. §. 385. Begriff und Eintheilung. Art. 317. Unbeweglich iſt eigentlich eine Sache, wenn ſie unbeſchadet ihrer Form nicht von einem Orte zum andern gebracht werden kann. Die Sachen ſind aber unbeweglich: I. ihrer Natur nach; 1I. oder vermöge ihrer Beſtimmung; 1I. oder in Hinſicht des Gegenſtandes auf den ſie ſich beziehen. 5. 386. Unbewegliche Sachen: 1. Ihrer Natur nach. Art. 518. Ihrer Natur nach unbeweglich ſind: I. Grundſtuͤcke und Gebaͤude. Art. 519. II. Wind⸗ oder Waſſermuͤhlen, welche auf Pfeilern befeſtigt ſind. Art. 520. III. Feldfruͤchte die noch auf dem Halme ſteben ¹). Sind ſie geſchnit⸗ ten, ſollte die Ernte auch nur theilweiſe geſchehen ſeyn, ſo gehoͤren ſie zu den beweglichen Sachen, ſie mogen noch auf dem Felde liegen oder . ſt weggebracht ſeyn. Daſſelbe iſt Regel bey den abgepfluͤckten und abge⸗ Art. 321. fallenen Baumftuͤchten. IV. Der gewöhnliche Abtrieb, ſowohl des Un⸗ tetholzes als des in regelmäßige ²) Schlaͤge gelegten Oberholzes(der hohen Waldung) wird fär beweglich gebalten, ſo wie die Baͤume einzeln 6 Art. Sa2. gefaͤllt worden ſind. V. Vieh, welches der Eigenthuͤmer eines tandguts 63 dem Paͤchter oder Meyer zum Feldbau überliefert, es mag daſſelbe taxirt ſeyn oder nicht, wird, ſo lange daſſelbe vermöge des Contracts bey dem Landgute bleibt, fuͤr unbeweglich gehalten.(II. Buch, 8. Titel, 4. Kap. 4. Abſchnitt.) Dieſes findet alſo nur ſtatt bey der eiſernen Viehpacht, „ und der colonariſchen Viehpacht; nie aber bey der einfachen wrt . ieh⸗ Von der Eintheilung der Sachen. 5 Viehpacht zur Haͤlfte, und der uneigentlichen Viehpacht; vielmehr wird in dieſen letztern Faͤllen das Vieh nur fuͤr bewegliches Gut angeſehen. VI. Die Roͤhren, welche das Waſſer nach einem Hauſe, oder einem Art. 523. u andern Grundſtuͤcke leiten, werden als Theil des Grundſtuͤckes, zu dem ſie gehoören), betrachtet. 1) Zu bemerken iſt jedoch, daß die Artikel 520— 525. nur in ſo fern die in den⸗ ſelben genannten Gegenſtaͤnde fuͤr unbeweglich erklaͤren, als ſie nach denſelben Regeln zu beurtheilen ſind, welche bey dem Grundſtücke eintreten, wenn deſſen Eigenthum durch Erbſchaft oder Schenkung u. ſ. w. oder der Rießbrauch deſſels ben uͤbertragen wird. Tronchet in der Discuſſion.(Conférence. T. III. p. 129R) MarEvIILILBE Analyſe ad h. art. ZAcRARIAE Handbuch. Th. I. S. 97. not. 2. Nicht aber I. wenn ſie einzeln von dem Eigenthümer verkauft werden, ſo daß mithin in dieſem Falle ſich die Regeln uͤber den Verkauf unbewest licher Sachen nicht aiwenden laſſen. Caſſationshof in DRNEvERs Journal des audiences de la Conr de caſſation. 1806. p. 31. Laſſaulr Journal⸗ II. 11. S. 401.— 11. Ebenfalls nicht, wenn die Fruͤchte auf dem Halme durch 6 Saiſie brandon in Beſchlag genommen werden; denn in dieſem Falle treten die ie im Code de proccdure frangol⸗ art. 626— 635. Veſiphalien art. 574— ige 580. aufgeſtellten Regein ein. S. OEsTERLEx practiſche Erläuterung der u Weſtphäliſchen Proceſsorduung. Th. II. S. 171.. 2) Waͤre das Oberholz mithin nicht in regelmäßige Schlaͤge getheilt, ſo wuͤrde es immer fuͤr unbeweglich gehalten werden muͤſſen, es moͤchte gefallt ſeyn oder nicht. Der an und fuͤr ſich nicht ganz deurliche Artikel erhaͤlt aus der Coutume de Rari. F. 92, die uͤberhaupt in dieſen Titeln vorwaltet, einige Erlaͤuterung. Es heißt in derſelben: Boir coupé, bled, foin— ſuppoſé qu'il ſoit encore ſur le champ, et non transporté, eſt reputé meuble. Mais quand il eſt ſur le pied, et pendant par racine, eſt reputé immeuble.“ Die Coutume nd unterſchted die Holzarten nicht; wohl aber ihre Commentatoten. Dieſe be⸗ nit ſchränken naͤmlich das Geſetz nur auf hohe Bäume, Hochwald(futaie). Sed ſi quoad ſtlpam caeduam, vulgo 5o014 taillin, ſagt GuERiRus Com- mentar. in jus civile Parifiorum. p. 103; verum eſt, quoad non caeditur, 5 immobilem ſle, excepto tempors, quo caedi debeat— quo caedendi temyore mohili eſt, et iuter fructus aduumeratur, licet ea eſa non fuerie, hn et ylana. ratio, quia ſi hòs enededi termiuos emcederet, non amplius v iloa caedua eſſet, ſed in graudes arbores trantiret. Dieſer Meynung ſucht der Artikel des Code zu begegnen, indem er verordnet, daß in beyden . Fallen die Schlaͤge nur dann fuͤr bewegliche Sachen zu halten ſeyen, wenn ſie u wirklich abgehauen wären. Wäre mithin ein bois taillis verhypothecirt, ſo il kann dennoch der Eigenthuͤmer die coupe verkaufen, ohne daß die hypotheca⸗ riſchen Glaubiger ſich dem Verkaufe widerſetzen koͤnnen. Caſſationshof in 4 S1REv Journal gẽéntral. 1809, P. I. p. 65. Futaie, Oberholz, hohes Holz⸗ nennt man aber das, was zu hohen Baͤumen und volligen Stämmen gewachſen iſt; hingegen was entweder ſeiner Natur nach nicht zu ſtarken Stämmen zu . wachſen pflegt(Buſchholz), oder was nur niedrig geblieben iſt, weil es nicht A 3 zu Zwehtes Buch. Erſter Titel. zu hohen Baumen gezogen, oder in der Jugend durch einen Zufall im Wacht⸗ thume geſtört worden, wird Unterholz, bois taillis genannt. S. Beckmann Grundſätze der teutſchen Landwirthſchaft.§. 242. a.— Vergl. Art.§90 ff. 3)—“fond partie du fond auquel ils ſont attaches.“ So ſcheinen mir dieſe Worte zu erklaͤren zu ſeyn, wie aus fr. 15. D. XIX. I. do actionibur emi et venditi, aus weſchem dieſer Artikel genommen iſt, erhellt. In dieſem heißt es nämlich:„Lines et labra, falicntes, ſtulae Juoue, quae ſaſientibus junguntur, quamvin longe ewcurraut extra acdfictum, aedium ſunt; item canales.“ S. auch fr. 17.§. 7. eod. fr. 12. 5. 24. D, XXXIII. 7. de inſtructo vel inſtrum. legato⸗ Fiſtulae et canales— matis domi portio, quam domus inſtrumentum funt.“ Eine gleiche Bedeutung hat das Wort attacher im Art. 322. 523 ff— Die Verſſonen erflären dagegen den Irtikel faſt durchgehends dahin, daß dieſe Röhren einen Theil des Grundſtuͤcks, auf welchem ſie angelegt ſind, ausmachen; z. B. die Weſtphäliſche Uebert ſetzung, Laſſaulr, Blanchard, v. Düring S. 5, die lateiniſche Ueber⸗ ſetzung, Erhard u. ſ. w. Nur allein Spielmann ſtimmt der oben gegebenen Erklaͤrung bey, indem er üͤberſetzt: die Roͤhren— machen einen Theil des Grundſtuͤcks aus, zu dem ſie gehören.“ Ebenfalls das Projet: I II. fit. 1. chap. I. art. 12,—*fout partie du fonds au fervice duquel ils ſont deſtines“ wobey JovANnFA und Soron bemerken: Larticie fuc adoptꝭ ſan? disuNou.— In Weſtphalen würden dergleichen Röhren nach den B. 1. S. 9. not. 4. 1. angegebenen Grundſätzen, als Theil des Grundſtuͤcks, auf, oder is welchem ße angelegt ſind, zu betrachten ſeyn. §. 387. 2. Ihrer Veſtimmung nach. get. 52. Ibrer Beſtimmung nach werden diejenigen Sachen fuͤr unbeweglich gebalten, welche der Eigenthuͤmer eines Grundſtuͤcks zum Dienſte und zur Benutzung deſſelben darauf gebracht hat. Unter dieſer Bedingung ſind mithin als unbewegliche Sachen zu betrachten: I. das zum Feldbau 333 beſtimmte Vieh; II. das Ackergeraͤthe; III. das Saatkorn, welches dem * Paͤchter oder Theilpächter(colonus partiarius) uberliefert worden iſt; IV. Tauben in den Taubenhaͤnſern; V. Kaninchen, die in Kaninchen⸗ gehägen eingeſchloſſen ſind; VI. Bienenſtöcke; VII. Fiſche in den Tei⸗ i chen ¹); VIII. Kritern, Keſſel, Deſtillirkolben 2), Buͤtten und Tonnen; . IR. Geräthſchaften, die zum Gebrauche der Huͤtten und Hammerwerke, Papiermuhlen, und anderer dergleichen Anlagen ²) gebören; X. Stroh i Art. 323. und Duͤnger, ſo wie endlich XI. uͤberhaupt alle an ſich bewegliche Sachen, welche der Eigenthuͤmer*) mit einem Grundſtuͤcke in Verbindung geſett bat, um ſie fuͤr beſtändig dort zu laſſen. Eine rechtliche we ieſet n nu dir i heth libu ſn 4 rtio reilt au ſeben lebeh hene de it. ine Jn , e Von der Eintheilung der Sachen. 7. dieſer Abſicht entſteht daraus, wenn dergleichen Sachen: 1) entweder mit Gyps, Kalk oder Kitt an das Grundſtück befeſtigt ſind, oder 2) nicht weggenommen werden können, ohne entweder ſie ſelbſt, oder den Theil des Grundſtüͤcks, an welchem ſie befeſtigt ſind, zu zerbrechen oder zu beſchädigen. Mithin tritt a) in Anſehung der Spiegel im Zimmer dieſe Vermuthung ein, wenn die Bekleidung, woran ſie befeſtiget ſind, mit dem Tafelwerk ein Ganzes ausmacht. Daſſelbe tritt b) ein bey Gemaäl⸗ den und andern Verzierungen. e) Bildſaͤulen werden zu den unbeweg⸗ lichen Sachen gerechnet, wenn ſie in beſonders dazu angelegten Riſchen aufgeſtellt ſind, ſollten ſie auch ohne Verletzung weggenommen werden koͤnnen*). ¹) Es verſteht ſich von ſelbſt, daß alle dieſe Thiere aufhören, unbewegliche Sachen zu ſeyn, wenn ſie ihre Behaͤlter verlaſſen haben. Goutume de Par?s art. 91. Poiſſon eſtant en eſtang ou en foſſe, eſt reputé immeuble; mais quand il eſt en boutique ou reſervoir, il eſt reputé meuble.“ Die Seidenwuͤrmer gehoͤren jedoch nicht hierher, und haben die Gerichte es nur nach den Umſtän⸗ den zu beurtheilen, ob ſie mit den Grundſtuͤcken veraͤußert ſind, oder nicht. Berenger, Cretet, Cambagéres und Galli in der Discuſſion.(Confẽ- rence. T. III. p. 131.) 2) Hierunter ſind nicht die Inſtrumente der Chemiker zu verſtehen, ſondern die⸗ jenigen, welche bey dem Landbaue angewandt werden. Regnaud(de St. Jean d'Angely) und Treilhard in der Discuſſion.(Confẽrence. T. III. P. 134.) 3) Dieſe Verfuͤgung iſt auch auf die Zuͤge einer Muͤhle, Schmiede, der Keller⸗ lager eines Kellers, die Raufen oder Krippen eines Pferdeſtalls u. ſ. w. aus⸗ zudehnen. GouPI1- PREpBTLN Rapport bey Garnery B. II. S. 15. Eben⸗ falls auf das Geraͤthe einer Seifenſiederey. S1REx Journal géntral. 1899. P. II. p. raz. S. auch Coueume de Paris. F. 90. Projet du COode civil a. a. O. art: Tr. Auf die Preſſe eines Buchdruckers, den Werkſtuhl eines Bor⸗ tenwirkers, JovanwEav et Sorox Discuſſion. T. I. p. 365. not. 1. Auf Weinpfaͤhle, v. Düring S. 9. 4) DEvINcouR? Iuſtitutes. T. I. p. 303. 5) Als Commentar dient das Se du Code eivil a. o. O.„Le proprietaire eſt cenſe avoir attache 3 ſes batimens des effets mopiliers 3 perpetuelle de- n Ber meure, lorsqu ils v ſont ſcelles en platre, ou z chaux et eiment. Ou lors⸗ qu'ils ne peuvent en étre détaches fans étre fracturès et. detériorés, ou ſans briſer et détériorer la partie du bätiment à Jaquelie ils font incorporẽs. Tels peuvent étre le lambris, boiſeries, tableaux, peintures, glaces et trumeaux,“—. 6. 388. 8 Zweytes Buch. Erſter Titel. §. 388. 3. In Hinſicht des Gegenſtandes. Art. 26. In Hinſicht des Gegenſtandes, worauf ſie ſich beziehen, ſind unbe⸗ weglich I. der Rießbrauch ¹) an unbeweglichen Sachen; II. Servituten oder Grunddienſtbarkeiten; III. Klagen wodurch das Eigenthum einer unbeweglichen Sache verfolgt wird ²). 1) Da der Code unter dem Ausdrucke Servituten einzig nur die begreift, welche die Roͤmer ſervitutes reales nannten, ſo iſt unter dem Nießbrauche ſowohl uſusfruttus als uſus und habitatio begriffen. Zu bemerken iſt ferner, daß nur das Recht des Nießbrauchs als unbewegliche Sache betrachtet wird, nicht aber die Einkuͤnfte und Fruͤchte die der Rießbraucher zieht. Gooprt.⸗ PRFPIV a. a. O. S. 15. 16. 2) Sie mögen Real⸗ oder Perſonalklagen ſeyn. Arg. art. 529. Sehr richtig bemerkt BousdoEr Explicstion du Code ad h. l. und nach ihm ZAcCRAkLAE Handbuch. Th. 1. S. 97. daß die oben angegebenen Fälle nicht die einzigen ſind, die zu dieſer Claſſe von unbeweglichen Sachen gehören. So werden z. S. auch Hypotheken dahin zu rechnen ſeyn. Zweytes Kapitel. Von den beweglichen Sachen. §. 389. Begriff und Eintheilung. Beweglich kann man eigentlich nur die Sache nennen, welche unbeſchadet ihrer Form von einem Orte zum andern entweder durch eigene, oder durch außere Kraft bewegt werden. Die Sachen ſind aber urt. 327. beweglich: I. ihrer Natur nach; 1I. zufolge geſetzlicher Be⸗ ſtimmung. . 390. Bewegliche Sachen: 1. Ihrer Natur nach. art. 32. Ihrer Natur nach ſind beweglich alle die Gegenſtände, welche ſich entweder ſelbſt von einem Orte zum andern bewegen, wie die Thiere ¹), oder einer äußeren Kraft zur Veränderung ihrer Stelle unbeſchadet ihrer Form, beduͤrfen. 1) Ohne Von der Eintheilung der Sachen. 9 1) Ohne Grund rechnet DRLvIcovRT Iuſtitutes. T. I. p. 300. hlerher auch die Neger, nach Anleltung des Art. 44. des Edicts vom Maͤrz 1685, indem er animaux? durch ötres animés paraphraſirt. be 1 5 2 2. Zufolge geſetzlicher Veſtimmung. 3 Zufolge geſetzlicher Beſtimmung ſind beweglich: I. Perſoͤnliche For⸗Art, 529. n derungen. II. Klagen auf bewegliche Sachen und beyzutreibende Forde⸗ u rungen. III. Actien, oder Antheile an Finanz⸗ Handels⸗ und Gewerbs⸗ it geſellſchaften ¹). Zu bemerken iſt: 1) Die Actien bleiben immer beweg⸗ u. lich, weil das was ſie einbringen, beweglich iſt; ſelbſt dann, wenn unbe⸗ wegliche Guͤter ²) zu ihnen beſtimmt ſind, z. B. Bergwerksantheile oder 4 Kuxe. 2) Sie werden nur ſo lange als beweglich betrachtet, als die i Geſellſchaft dauert; und auch das nur in Hinſicht auf die einzelnen In⸗ n 3 5 tereſſenten. Jedoch bleiben dergleichen Guͤter ohne Widerſpruch unbe⸗ weglich in Ruͤrkſicht der Gläubiger der Geſellſchaft; ebenfalls in Hinſicht der Geſammtheit der Intereſſenten, ſobald die gegenſeitigen Anſpruͤche derſelben bey Aufloͤſung der Geſellſchaft regulirt werden ſollen ²). IV. Beſtaͤndige oder lebenslängliche Renten, ſie moͤgen von dem Staate oder von Privatperſonen bezahlt werden; und zwar aus dem Grunde, weil jede Rente oder Grundabgabe dieſer Art ihrem Weſen nach abloͤsbar iſt; ſie mag als Kaufpreis eines Grundſtuͤcks, oder als Bedingung der Art. 530. belaͤſtigend oder unentgeldlich geſchehenen Uebertragung deſſelben, gegeben ſeyn 4²). Bey dieſer Ablöſung iſt zu bemerken: Nur der Schuldner kann ſie ablöſen*). Dennoch bleibt es dem Glaͤubiger unbenommen, die l beſondern Beſtimmungen und Bedingungen der Abloͤſung feſtzuſetzen. Auch iſt es ihm geſtattet, bey Conſtituirung derſelben ſich vorzubehalten, 4h daß die Rente nur nach einer beſtimmten Zeit, die aber niemals dreyßig 8 Jahre uͤberſchreiten darf, abgeloßt werde. Jede Verabredung auf laͤngere Zeit iſt unguͤltig. V. Kaͤhne, Faͤhren und Seefahrzeuge, Schiffbäder Art. s31. und Schiffmuͤhlen, und uͤberhaupt alle Huͤtten⸗ und andere Werke, die nicht durch Pfeiler befeſtigt ſind, und keinen Theil eines Hauſes aus⸗ machen. Einige dieſer Gegenſtaͤnde 6) konnen jedoch ihrer Wichtigkeit ſt wegen nur mit Beobachtung beſonderer in der Proceßordnung angege⸗ benen Formen mit Akreſt belegt werden. VI. Materialien, welche von Art. 532. in einem abgebrochenen Gebaͤude herruͤhren, oder zur Errichtung eines neuen Spangenberg's Commentar Bd. 1I. B zuſam⸗ 10 Zweytes Buch. Erſter Titel. zuſammengebracht ſind, ſind ſo lange bewegliche Sachen, als ſie nicht in einen Bau wirklich verwandt worden ſind. 1) Bende ſind jetzt einander gleich geſetzt. Sonſt iſt der Unterſchled, daß L'intérde reud aſſocié copropriẽtaire; Paction ne rend que commauditajre, et ne donne droit qu'à la ſomme qu'on a fournie. Trenchet in der Discuſſion: (Conforence. T. III. p. 137.) Tintereſyꝰ eourt tous les risques de lꝛaffaire, et peut etre pourſuivi ſur tous ſes biens en raiſon de Finterét qu'il. a dans la focietè; au lieu que l'actionnaire n'eſt jamais qu' aſſociẽ commanditaire, c'eſt à.cire, qu'il ne peut jamais perdre au- delà de la valeur de ſon attion. DELvINcouRT Inſtitutes. T. I. p. 308. 2) Erhard ad h. l.— Ausnahmsweiſe haben die Actionnairs der Bank von Frankrelch die Befugniß ihre Actten zu immobilariſiren. Kaiſerl. Decret vom 16. Januar 1808. Art. 7. Ebenfalls kann es geſchehen, um ein Majorat zu bilden, Statut vom 1. Maͤrz 1808. Art. 2— 5. 3) TRrIILHakp Fxpoſé des motift bey Garnery B. II. S. 10. 4) Dieſes wuͤrde mithin ein ſehr beſchränkter Emphyteutcontract ſeyn, da der wahre contractus emphyteuticarius wegfaͤllt. Ebenfalls gehören hierher mehrere Contracte des teutſchen Rechts, die ein ſogenanntes dominium utile verleihen. S. v. Duͤring S. 20. JouaNNEAu et Soron Discuſſions. T. I. p. 569⸗ 577. PpEIPrER Napol. Geſetabuch. Th. I. S 5) S. Art. 1911. 1972. Caſſationshof in DrnkvEns Journsl des audien ces. 1805. p. 330. Jaup in Crome und Jaup Germanien. B. I. H. 1. S. 07. not. Fuͤr Weſtphalen iſt in dem königl. Decrete vom 23. Januar 1808. Art. 13. beſtimmt:„Alle beſtehenbleibenden Grundgerechtſame ſind durchaus ablösbar, und zwar entweder vermittelſt guͤtlicher Uebereinkunft, oder nach einem noch zu beſtimmenden Maaßſtabe. Geſetzbuͤlletin 18038. Th. 1. S. 225. Ueber die Auflsſung derſelben exiſtirt fuͤr Frankreich das Geſetz vom 18. bis 29. December 1790. in FrEuRI6EoN Code adminiſtratif. 6 Adminiſtration P. I. p. 156 ff.. 3 6) 8. B. Fahrzeuge. Code de procédure frangoir ort. 620. ſtphalien art. 568. Code de commerce art. I97 ff. 6. 392. Begriff des Worts Mobilien. Prt, 333. Zu bemerken iſt noch: I. Kömmt der Ausdruck Mobilien allein und ohne weitern Zuſatz oder näbere Beſtimmung in geſetzlichen Per⸗ fuͤgungen oder Willenserklaͤrungen eines Menſchen vor, ſo begreift er nicht in ſich: baares Geld, Edelſteine, ausſtehende Forderungen, Buͤcher, Schaumuͤnzen, wiſſenſchaftliche Inſtrumente, Handwerksgeraͤthe, Leib⸗ 3 waͤſche, Pferde, Equipage, Waſſen, Getreide, Weine, Viebfutter 3 6 andere t'in eri tu ſon; zite an zile ſion to trel jotu lei ſoo Von der Eintheilung der Sachen. 11 andere Nahrungsmittel, ebenfalls nicht Gegenſtaͤnde des Handels. II. Koͤmmt der Ausdruck Möbeln, Stubengeraͤth, vor, ſo gehören Art. 553, bierber nur die Mobilien, welche zum Gebrauche oder zur Auszierung der Wohnzimmer beſtimmt ſind, als Tapeten, Betten, Stuͤble, Spiegel, Wand⸗ und Tiſchuhren, Tiſche n. d. gl. ebenfalls einzelne Gemaͤhlde und Bildſaͤulen, nicht aber Gemaͤhldeſammlungen. Eben dieß gilt vom Porzellan, das nur in ſo fern zu den Möbeln gerechnet wird, als es zur Verzierung des Wohnzimmers dient, z. B. Pagoden, u. ſ. w. IIH. Kömmt der Ausdruck bewegliches Vermögen, Mobiliar⸗ ſchaft, bewegliche Sachen vor, ſo begreift derſelbe alles, was nach den oben aufgeſtellten Regeln fuͤr bewegliches Gut zu halten iſt. §. 393 Folgerungen aus demſelben. Hieraus folgt: I. Der Verkauf oder die Schenkung eines meublir⸗ Art. 336. ten Hauſes begreift nur die eigentlichen Möbeln in ſich. II. Der Ver⸗ kauf oder die Schenkung eines Hauſes mit allem, was ſich in demſelben befindet, erſtreckt ſich nicht auf das baare Geld, nicht auf die ausſtehen⸗ den Forderungen, noch auf andere Gerechtſame, woruͤber die Urkunden in dem Hauſe aufbewahrt werden, wohl aber auf alle uͤbrigen beweglichen Sachen. Drittes Kapitel. Von den Sachen in Ruͤckſicht auf ihre Beſitzer. 6. 394. Verſchiedenheit der Beſitzer. Die Sachen können entweder Privatperſynen zuſtehen, oder nicht. §. 395. I. Privateigenthum. Privatperſonen haben ein freyes Verfuͤgungsrecht uͤber alle ihnen Art. 537. zuſtebenden Sachen; jedoch nur unter den durch die Geſetze beſtimmten Beſchraͤnkungen. Dieſe Beſchraͤnkungen finden nur dann ſtatt, wenn das offentliche Beſte ſie heiſcht, z. B. xi die Geſetze ihne 5 al⸗ 12 Zweytes Buch. Erſter Titel. Waldes verbieten, ihn auszurotten; wenn ſie ihm unterſagen, eine Sache zu veraͤußern, die zu ſeinem Eigenthume gehoͤrt, z. B. ſchaͤdliche Lebens⸗ mittel, Gifte, u. f. w. ¹). Vorzuͤglich nur auf dieſe Sachen gehen die in dem Code aufgeſtellten Regeln. 1) TaERanp Expoſé des motifs.(Garnery Th. I. S. I2.) FAuRk Ray port.(Ebendaſ. S. 50.) 3₰ „ * §. 396. II. Nichtprivateigenthum. Die Sachen, welche einer Privatperſon nicht gehoͤren, koͤnnen hin⸗ gegen nur nach den ihnen eigenthuͤmlichen Formen und Geſetzen verwaltet und veraͤußert werden. Hierher geboͤren Staatsguͤter ¹), Gemein⸗ deguͤter und ſolche, deren Benutzung allen gemeinſchaftlich zuſteht. 1) Die Geſetze über das Staatseigenthum ſ. bey FRURIGEov Code admini- Nratif. adminiſtration. P. II p. 549— 694. Vergl. SBIPRNsTIckER Einlei- tung in den Code Napol. S. 33. 5. 397. 1. Staatsgůter. Art. 538. Zum Staatseigenthume gehoͤren: I. die vom Staate zu unterbalten⸗ den Wege, Heer⸗ und andere Straßen; lI. Stroͤme, und ſchiffbare und floßbare Fluͤſſe 1); 11I. die Meeresufer ²), und der Strand den das Meer trocken laͤßt, ſo wie die Alluvionen an demſelben; IV. die Haͤfen, Buchten ²) und Rheden; V. alle Theile des Staatsgebiets, die eines Lrt. 339. Privateigentbums unfaͤhig ſind; VI. alle ledigen(bona vacantia) und 3 berrenlofen Sachen*), ſo wie der Nachlaß deren, welche ohne Erben „ Art. v40. geſtorben ſind, oder deren Erbſchaft niemand angenommen bat; VII. die 3 Thore, Mauern, Graͤben, Wälle der Kriezs⸗ und Waffenplaͤte und der Feſtungey. Daſſelbe iſt Regel bey dem Grund und Boden dieſer Feſtungs⸗ werke an' ſolchen Orten, die nicht mehr Feſtungen ſind; ausgenommen, wenn ſie gultig veräußert, oder gegen den Staat verjährt ſind. 1) Leiſt Staatsrecht.§. 194. 4 2)*Les rivages, lais et relais de la mer.“ Daß rivages ſich auf de la mor beztehe, folgt aus Art. 338, in welchem es ausdrucklich heißt, daß das Ufer eines Flulſes, er moge ſchiffbar ſeyn oder nicht, Privatetgenthum ſeyn könne, ſo daß die Alluvion dem Eigenthuͤmer zu ſtatten komme. Waͤre mithin rivage WVon der Eintheilung der Sachen. 13 h rrivage ein Flußufer, ſo wuͤrde ihm dieſe Eigenſchaft abgeſprochen werden muͤſſen⸗ en Sehr richtig uͤberſetzt daher Laſſaulr: Ufer, Spielmann: die Ufer und der Strand des Meers. Blanchard: die Ufer und Seekuͤſten mit ihrem Anwuchſe. v. Duͤring S. 26: Meeresufer. DxuvrNcouRr Inſtitutes. T. I. p. 314. erklaͤrt: les rivages de la mer. Erhard dagegen minder richtig: die Ufer der Fluͤſſe und der Meeresſtrand; die Weſtphalica: die lfer der Fluͤſſe und die k Seekuͤſten mit ihren Anwuͤchſen. Die lateiniſche Ueberſetzung: ripae, litora maris aeſtu occupata. 3)„Havres“ i. e ports qui ne peuvent regevoir que des batimens d'une moindre grandeur. DELvIRNcoukT a. a. O. 4) Art. 713. li 68 598. l 2. Gemeindegůter. Gemeindeguͤter ſind diejenigen, auf deren Eigenthum und Benutzung Art. 3½½. 5 die Einwohner einer oder mehrerer Gemeinden ein erworbenes Recht u haben. Daſſelbe gilt analogiſch von den Guͤtern einer Corporation ¹). 1) Eine Sammlung der ſich auf die Gemeindegůter beztehenden Geſetze ſ. in FrRuRIGRoN Code adminiſtratif. Adminiſtration. P. I. p. III- 244. Reil und Reinhard Handbuch fuͤr Maire, u. ſ. w. un 8 63 u 3. Gemeinſchaftliche Güter. de Es giebt Sachen, die niemanden ausſchließlich zugehören, deren ſin Gebrauch fuͤr alle gemeinſchaftlich iſt, z. B. Luft, das vorbeyfließende int Waſſer, u. ſ. w. ¹). Policeygeſetze beſtimmen ihre Benukung.. 1) Art. 714. be de Von den Rechten die jemand an einer Sache haben kann. Die Rechte auf Sachen ſind theils dingliche, theils Ferſon⸗ liche. Dingliche Rechte ſind die, welche jemanden auf eine Sache gegen jeden Beſitzer derſelben zuſtehen; perſoͤnliche, welche jemanden gegen eine beſtimmte Perſon zuſtehen, die zu einer Leiſtung der Sache, ſie mag kör⸗ n perlich oder unkorperlich(S. 383.) ſeyn, verpflichtet iſt. Die dinglichen lſe Rechte auf Sachen ſind: I. Eigenthumsrecht; II. Nutzungsrecht; Art. 43. ſin MI. Grunddienſtbarkeit; IV. Hypothekenrecht ¹). Die leßtern ih B 3 werden 14 Zweytes Bych. Erſter Titel. Von d. Eintheilung d. Sachen. werden durch den Ausdruck Obligationen(B. III. Titel 3.) bezeichnet. Von dieſen wird unten gehandelt werden; hier beſchaͤftigen uns nur die erſtern. Eigenthum und Nutzung koͤnnen einer und derſelben Perſon zugleich zuſtehen; ſie können aber auch von einander getrennt ſeyn, ſo daß das Eigenthum einer, die Rutzung einer andern Perſon zuſteht; wie dieſes bey der Grunddienſtbarkeit und dem Pfandrechte der Fall iſt, da dieſe beyden leßtern Rechte nie zugleich dem Eigenthuͤmer an eben der⸗ ſelben Sache zuſtehen können. Iſt dieſes der Fall, ſo bildet das ge⸗ trennte einem dritten zuſtehende Nußungsrecht eine perſoͤnliche Be⸗ ſchränkung ²) des Eigenthums, ſo wie die Grunddienſtbarkeit eine dingliche, da das erſte nur zu Gunſten einer Perſon beſtimmt werden kann, das zweyte ſich aber nur zum Vortheile eines Grundſtuͤcks denken läßt 2). Hierdurch wird mithin die Ueberſchrift des zweyten Buchs des Code erklärt, und in demſelbßen hiernach vom Eigenthume und deſſen Beſchränkungen gehandelt. Die Mittel, dieſe Rechte gerichtlich zu verfolgen, werden unten ab⸗ gehandelt werden⸗ 1) Art. 21r4.— Das Erbrecht wird nicht ſowohl als ein dingliches Recht, als vielmehr als Erwerbsart eines dinglichen Rechts betrachtet; und deshalb unter den Erwerbsarten des Eigenthums, und der Rechte auf Sachen auf⸗ gefuͤhrt. 2) Gakv Discours bey Garnery Th. ll. S. 97. CiLET Discours.(Ebendaſ. 3) Mithin konnte das Hypothekeurecht hier nicht abgehandelt werden. S. DEI⸗ vIcouRT latitutes. T. I. p. 352. not. 2. Zwey⸗ en 15 ne F nu ſimn 8 wiey ter Bit⸗el d e der Be 8. 401. ein Begriff und Eintheilung. tdu n ¹) iſt das Recht, eine Se hränk i igen ht. ache auf die unbeſchränkteſte Art, 544. 6 Weiſe, jedoch den Geſeben gemaͤß, zu benutzen, und über ſie zu perfugen. 5 Der Staat bat vermöge ſeiner Gewalt das Necht darüber zu wachen, daß der Eigenthuͤmer von dieſer ſeiner Befugniß keinen fuͤr das Ganze ſchaͤdlichen Gebrauch mache, er kann mithin einzelne Verfuͤgungen ver— bieten oder modificiren ²); ja er kann ſogar den Eigenthümer zwingen, Art. 543. ſeine Sache abzutreten ²), jedoch nur, wenn das öffentliche Wohl dieſes erwieſen nöthig macht, und gegen eine angemeſſene und vorgaͤngige Ent⸗ ſch ſchaͤdigung. Das Geſetz kennt nur ein einziges einfaches Eigenthums⸗ 7 recht*), obgleich daſſelbe mehreren Perſonen an derſelben Sache zu gleicher Zeit zuſteben kann, und ein Miteigenthum*) bildet. Dieſes 3 wird im Ganzen nach den allgemeinen Regeln benrtheilt, da ſich im Code nur einzelne Dispoſitionen daruͤber finden. d 1) S. Pornn traité du Jroit du domaine de proprieté. Nonvelle edition, miſe en rapport avec le Code civil; par M. HuTTEA fils. Paris. Z. 2) Art. 337. 3) In dieſem Falle kann man jedoch nie von etnem dominium ewinens des Staats ſprechen. Das Franzöſiſche Recht verabſcheuet dieſen Begriff, und be⸗ trachtet den Staat in dieſen Fallen nur wie einen Privatmann, der mit einem andern Privatmanne unterhandelt. PonTArIs Expoſé des motifs(Garnery B. II. S. 38.) v. Düring S. 35. Mon hat hier vorzüglich MoNTBsQuIE Eſprit de Loir. Lib. VIII. ch. 2. zum Fuͤhrer genommen. In welchem Falle das oͤffentliche Wohl eine ſolche Nothwendigkeit erfordere, iſt der Beurtheilung der Gerichte uͤberlaſſen. S. Avis du conſeil dtat du 13. Aont 1807, Vur Pewocution de Tarticle 5 ¾5 du Code Wapoldon in RoNDoNMEAv Supple⸗ ment. p. 235. ed. Voss.— Leiſt Staatstecht. F. 192. Die Trennung eines dominium directum und utile iſt in der Maaße, wie ſie das Roͤmiſche und Teutſche Recht kennt, unznläſſig, da jeder ab⸗ losbar 16 Zweytes Buch. Zweyter Titel. lösbar iſt. S. Art. 530. Konigl. Weſtphaͤliſches Decret vom 23. Jan. 1809. Art. 9. vergl, mit Art. 13. im Bulletin det Jois Meſtph. T. I. p. 22. BERGMaNN Privatrecht des Code Nap. S. 256. Art. 5) BPERGMAdN a. a. O. F. 164. S. Art. 575. 815. 1686. u. a. Ueber revo⸗ cables Eigenthum Se. Art. 1672. 2125. ZackAkat Haudbuch. Th. I. S. 1053 ff. §5. 402. Wirkung des Eigenthums. Art. 346. Das Eigenthum an einer beweglichen oder unbeweglichen Sache giebt zugleich ein Recht auf alles I. was dieſelbe hervorbringt; Il. was mit derſelben vereinigt wird, nach den unten aufzuſtellenden Regeln. Dieſes Recht heißt Acceſſion, Zuwachsrecht, und iſt Ausfluß des Eigentbums; ob es gleich auch wie im Römiſchen Rechte als Erwerbs⸗ mittel derſelben betrachtet werden kann*), in ſo fern immer ein neues Eigenthum durch Zuwachs erworben wird ²). 1) Im Art. 712. geſchieht dieſes auch⸗ 2) S. von Ramdohr jutiſtiſche Erfahrungen. Th. I. S. 25 ff. Erſtes Kapitel. Von dem Zuwachsrechte auf das, was die Sache bervorbringt. 8. 403. Früchte. Art. 547. Der Eigenthuͤmer wird vermoͤge des Zuwachsrechtes Eigenthuͤmer I. uͤber die Fruͤchte ſeines Landes, mögen ſie durch Bearbeitung oder ohne dieſelbe hervorgebracht ſeyn(fructus induſtriales et naturales); II. uͤber die Jungen, die ſein Thier wirft*); III. uͤber das, was, ihm ſeine Sache auf irgend eine Art mittelbar einbringt, z. B. Miethzins, In⸗ tereſſe(fructus civiles) ²). )*Le droit des animauz.“ Mithin gehört die Frucht, das Thier mag von einem eigenen oder fremden Thiere befruchtet ſeyn, dem Eigenthuͤmer der Mutter. 2) Art. 536.— Die Lehre von dem Eigenthume des Schriftſtellers an ſeinen Geiſtesproducten wird im Code Napoleon nicht beruͤhrt. S. Laſſaulx Journal. M6 S 5iz. S. 3 §. 404. Von dem Eigenthume. 17 0 ² Erwerb der Fruͤchte. 3 Die Fruͤchte, welche eine Sache bervorgebracht bat, geboͤren dem e Eigenthuͤmer, jedoch nur unter der Bedingung, daß er die vielleicht von einem dritten aufgewandten Koſten der Beſtellung, Arbeit und Ausſaat erſetze. Nicht bloß aber der Eigentbuͤmer hat ein Recht auf die von ſeiner eigenthuͤmlichen Sache hervorgebrachten Fruchte, ſondern auch der bloße Art. 549. Beſitzer einet Sache, wenn er nur im zuten Glauben(bona ſide) beſitzt. Iſt dieſes nicht der Fall, und war er ein Beſitzer im böſen Glauben (mala fide), ſo iſt er verbunden die Fruͤchte mit der Sache an den Eigen⸗ 6 thuͤmer zurückzugeben N. Beſitzer im guten Glauben wird der genannt, der als Eigenthuͤmer und vermöge eines Titels ²), der ſonſt das 6 Eigenthum uͤbertraͤgt, deſſen Fehler ihm aber unbekannt ſind, beſitzt.— Beſitzer im böſen Glauben iſt dagegen 1) der ohne Titel, oder Art. 550. aus einem wiſſentlich feblerbaften Titel, der mithin das Eigenthum nicht übertragen kann, beſitzt; 2) der Beſitzer im guten Glauben von dem Augenblicke an, da ihm die Fehler ſeines Titeis bekannt ſind; 3) der Beſitzer im guten Glauben von dem Angenblicke der ihm auf geſetzliche Art inſinuirten Vorladung an ²).. ²) Soch muß ihr der Eigenthuͤmer die Koſten der Beſtellung, Adbeit und Ausſaat he erſetzen. Arg. art. 548.— jedoch nur dann, wenn ſie ihren Zweck erreicht haben, denn der Code ſoricht ausdrücklich von hervorgebrachten Fruͤchten die wirklich vorhanden ſind.— In Hinſicht des Beſitzers im guten Glauben zweifelt ZacRanIaß Handbuch. Th. I. S. ris, ob das Pachtgeld unter die frudus: civiles zu zählen ſey, die ihm nach Art. 547. zuſtehenz da dieſes nicht in der Lehre pon der Acceſſion, ſondern nur vom Niröbrauche genannt ſey. BenGlp franz, Privatrocht.§. 137. Anm. 3. bemnekt dagegen ſehr richtig, daß aus der Stellung des Art. S49. erhelle, daß kein Unterſchied. gemacht werden m ſolle; daß dagegen äber dem poſſeſſo? bonae ſidei nicht die Vörchelle zu ſtatten ode kämen, welche der Art.§86. dem Nießbraucher gäbe., S. auch ZacaRAn Handhuch. Th. I. S. 120.— Der b. F. pꝛbraucht dahep ſo wenig die fructus e) perceptas herauleierAut⸗ 555), als der m. f. p. die pergipiendos, Letzteter ſin muß bloß perceplö herausgeben. Laſſauly Zournal U. 2. 70. Caſſallohs⸗ hof in Vuriprudeſice. T. IEł p. 240. 1. 5 2) Mithin muß er dieſen immer kennen, um b. f. p. zu ſeyn. v. Ramdohr a. a. D. S. 27. Auf den Glauben kömmt dagegen nichts an; und hier⸗ elnin durch unterſcheidet ſich der Code ſo weſentlich von dein Röm. Rechte. S. Tul- ter. BAuT Syſtem des Pandectenrechts. Th. 1. 5. 297.— Inmmer ſtreitet jedoch die Präſumtion fuͤr den b.f. p. daß er dieſe Maͤngel nicht kannte. PokTArIs ſin Expoſe bey Garnery Buch II. S. 4o. Bi6oT ds PBEAnMEARu Expoſẽ. u B. III. it. 20. S. 313, bey Garnery. „ 40 Spangenberg's Commentar Bd. II. E 3) 18 Zweytes Buch. Zweyter Titel. 3) Nach dem Geiſte des Franz. Rechts. Dieſer Grundſatz findet ſich ausdru im Cod⸗ de procddure VMeſtphaliert. art. 23. F. 3. nicht 4 im geze vrocodure Fraugai S. Meinen Proreſſus judiciarius regni Meſiphalici. 6. o5. MAtpvir..g Analyſe ad art. 550. ZncRAkIAE Handbuch. Th. I. S. 119. not. 4.. Zweytes Kapitel. Von dem Zuwachsrechte auf das, was mit der Sache vereinigt und ihr einverleibt wird⸗ 5. 405. B egri ff. tt. 531. Dem Eigenthuͤmer gehort alles, was mit ſeiner Sache vereinigt und einverlerbt wird; jedoch unter beſtimmten Bedingungen. Man muß nämlich unbewegliche und bewegliche Sachen unterſcheiden. Erſter Abſchnitt. Vom Zuwachsrechte in Beziehung auf unbewegliche Sachtn. 5. 406. . In*eijtientið. 2nt. 532. Hierbey ſind folgende Fälle zu bemerken: I. Das Eigenthum des Bodens zieht das Eigenthum deſſen, was daruntér, und beſſen, was daruber iſt, nach ſich. Mithin kann der Eigenthuͤmer: 1) auf der Ober⸗ flaͤche Pflanzungen und Anlagen nach Gutduͤnken machen, mit Vorbehalt der gefetzlichen Ausnahmen, die in dem Litel von den Servituten ¹) vor⸗ kommen. 2) Unter der Oberfläche kann er nach Belieben alle Arten von Anlagen und Grüben machen, jedoch mit Vorbehalt zer Einſchränkungen, die ſich aus den Bergwerks⸗ und. Policeygeſetzen ²) und Verordnungen ergeben. 1) S. z. B. Art. 675 ff. 2) Nach dem Geſetze vom 12. Jul. 170r. gehört die Herausitehung: des mine⸗ et miniéres, tant mötalliques que non métolliques, vinß que hes bitimen⸗ charboms de terre ou de pirrres et pyrites— der Nation; dem Eigenthuͤmer aber: lextradtion de ſables; eraie, arßiles⸗ piefres à batir, tourbes, pierre⸗ vittio · Von dem Eigenthume. 15 4 vittioliques&c. Im erſtern Falle haben ſie jedoch den Genuß der Mineralien li bis 100 Fuß Tlefe, nur beduͤrfen ſie der Einwilligung der Regierung, um ſie e herauszufoͤrdern, im letztern Falle beduͤrfen ſie derſelben nicht. S. auch In- Nruction relative d Peæzoꝛition des joit concernat ler mihes, iſires et ſalines, du 18 Meſßdor an IX. beh FrEuRISEon Code adminiſtratif. Adminiſtration. p. II. p. 856 ff. Für Weſtphalen befinden ſich faſt ähnliche Beſtimmungen im Königl. Dreretevom 27. Januar 1809. im Geſetzbuͤlletin 1309. Nr. ö. Es heißt hierin: Unſer Vergregal umfaßt: I. alle metallhalti⸗ h gen Foſſilten, 2. alle Edelſteine, Z. alle Arken von Salz— 4. alle brennbare Foſſillen. Die uͤbrigen Foſſilien hingegen, die in ihrem rohen Zuſtande, oder bloß auf einfache Weiſe gebrannt, in den Kuͤnſten und Gewepben ihre Anwen⸗ dung ſinden, oder gewohnlich zum Bauen dienen, gehoren dem Eigenthuͤmer des Grundes u⸗ ſ. w.“ Auch findet man hier die Um Code angedeuteten Ein⸗ ſchraͤnkungen des Rechts des Eigenthuͤmers. S. auch Leiſt Staatsrecht S. 141 ff. i 5 0 mf Folgen hieraus. I. Mithin tritt bey allen auf einem Grundſtuͤcke, oder im Innern Art. 533. deſſelben befindlichen Anlagen, Pflanzungen und Werken ¹) die Ver⸗ muthung ein, daß ſie 1) vom Eigenthuͤmer, und zwar 2) auf ſeine Koſten geſcheben ſind, und 3) ibin zugehörig ſind. Dieſe Vermuthung kann nur dem erwieſenen Gegentheile weichen, da ein dritter an einem unterirdi⸗ ſchen Baue unter dem Gebaͤude des Eigenthuͤmers ſowohl, als an jedem Theile des Gebaͤudes ſelbſt ein Eigenthum durch Verjaͤhrung erwerben kann. II. Der Eigenthuͤmer des Grund und Bodens, der mit fremden Art. 354. d Baumaterialien ²) auf demſelben Anlagen gemacht hat, wird auch Eigen⸗ vu thuͤmer derſelben. Der wahre Eigenthuͤmer dieſer Materialien hat nicht he das Recht ſie wegzunehmen, doch kann er den Werth derſelben einklagen, che und wegen des etwa dadurch erlittenen Nachtheils eine vollſtändige Schad⸗ vn loshaltung verlangen. UI. Sind hingegen dieſe Anlagen, Pflanzungen Art. 335. u. ſ. w. von einem dritten, und mit deſſen Materialien gemacht, ſo iſt der Eigenthuͤmer des Grundes und Bodens berechtigt, entweder ſie zuruͤck⸗ n zubehalten, oder den dritten zur Wegnahme zu nöthigen. Im letztern Falle geſchieht die Wegnahme auf Koſten desjenigen, der ſie gemacht hat, und zwar ohne daß derſelbe einige Entſchädigung verlangen kann. Viel⸗ mehr kann gegen denſelben auf vollſtäͤndige Schadloshaltiung des Eigen⸗ nin thuͤmers, wegen des demſelben etwa verurſachten Rachtheils, geklagt werden. 6. Im erſtern Falle, wenn der Eigenthumer dieſe Pflanzungen und Anlagen ien ſieber behalten will, muß er den Werth der Materialien und den Arbeits⸗ iu E lohn 20 Zweytes Buch. Zweyter Titel. lohn erſetzen ²), und zwar ohne Ruckſicht auf die groͤßere oder geringere Erhoͤhung des Werths, den der Grund und Boden durch dieſe Anlagen erhalten hat.— Dieſes muß er immer thun, wenn derjenige, von dem die Anlagen u. ſ. w. herruͤhren, ein Beſitzer im guten Glauben war, dem nachher das Eigenthum abgeſprochen iſt. Er kann in diefem Falle die Wegnahme der gedachten Anlagen nicht verlangen; er hat aber die Wahl, entweder den Werth der Materialien und des Arbeitelohns, oder eine Summe zu erſetzen, welche ſo viel, als der Boden an Werthe gewonnen hat, aus⸗ macht. Sind die Anlagen ſo betraͤchtlich, daß der Eigenthuͤmer nicht im Stande iſt, weder ihren Werth noch das Arbeitstoöhn zu erſetzen, ſo muß er den Grund und Boden gegen eine gerechte Verguͤtung an den Sſer 1) Te mot* ouvrage“ paroit nece aire yartout, ſurtout lorsqu'il peut exprimer den réparations, qui ſont autre choſe qus de con ruetion et plantationy. PppiPppk Napöleons Geſetzbuch. Th. I. S. 254. not.*) aus der Conférence. 2) Das Geſetz unterſcheidet nicht, ob der Eigenthuͤmer wiſſentlich oder nicht, fremde Materiallen gebraucht hat. Zweifelhaft bleibt es, ob die Matertalien noch nach Zerſtöhrung des Gebaͤudes vindicirt werden können. ZacRan1AE Handbuch. Th. I. S. 123. not. 7.— MaLEvILILE unterſcheidet(Analyſe ad h. l.) gewoͤhn⸗ liche Baumatertalten und außergewoͤhnliche z. B. Statuͤen, Säulen, und will in Hinſicht der letztern dem Eigenthuͤmer immer das Vindicstionsrecht geben. Dieſes leidet keinen Zweifel, da man dieſe Gegenſtände doch nie Materialten nennen kann. 3) Und zwar unterſcheldet der Artikel hler nicht zwiſchen expenſas neceſſarias, utiles und voluptuarias. MALEvILLE Analyſe ad h. art. 4) So wuͤrde ich die von JovAnRAv und Soron DicuNon. T. I. p. 589. aufgeworfene Frage beantworten. §. 403. 2. Al1luvio. Art. 356. Die zweyte Art der Acceſſion bildet die Alluvion. Hierunter verſteht man Anſchwemmungen und Vergrößerungen, welche ſich nach und nach und unmerklich an Grundſtücken anſetzen, die an einem Strome oder Fluſſe anliegen. Immer nämlich erhaͤlt der Ufereigenthuͤ⸗ mer dieſe Anſchwemmungen, der Fluß oder Strom mag ſchiffbar oder floßbar ſeyn, oder nicht. In erſtern Falle iſt er jedoch verbunden, einen Fußſteig oder Leinpfad ²), den Verordnungen ²) gemäß k Von dem Eigenthume. 27 te Zu bemerken iſt: 1) daß es eine gleiche Bewandniß mit ſolchen Plaͤtzen Art. 557. en hat, welche das Flußwaſſer trocken laͤßt, indem es ſich unmerklich von i einem Ufer zuruckzieht und auf das andere uͤbertritt. Dieſe Plätze ge⸗ reichen dann als Alluvion dem Eigenthuͤmer des verlaſſenen Ufers zum ne Vortheile, ohne daß der Eigenthuͤmer, auf deſſen Ufer der Fluß ubertritt, Nr ſtatt des Grundes und Bodens, den er hierdurch verloren hat, den trocknen zu Platz diesſeits in Anſpruch nehmen kann. II. Die Alluvion tritt nicht ein t. 1) in Hinſicht der Meeresufer, da dieſe immer Staatseigenthum ſind 3); t ebenfalls nicht in Anſebung der vom Meere verlaſſenen Plaͤtze. 2) Eben Art. 553. ſo ſo wenig findet ſie ſtatt bey Landſeen und Teichen. Der Eigenthuͤmer en derſelben bebaͤlt immer, auch wenn ſich die Waſſermaſſe verringern ſollte, den Grund und Boden derſelben bis zu der Linie, die das Waſſer nicht uͤberſteigen kann, ohne auszutreten 4). Umgekehrt erwirbt aber auch der Eigenthuͤmer des Teichs kein Recht auf die angraͤnzenden Grundſtucke, welche das Teichwaſſer bey einer außerordentlichen Hoͤhe uͤbertretend bedeckt 3). e 6 1) D. h. wo die Pferde gehen, dle die Schiffe aufwaͤrts ziehen. ch. 2) Edit d'Aoüt 2669. rit. 28. art. 7. Les proprietaires des héritages abou- n tiſſant aux riviẽres navigables, laiſſeront le Jong des bords 24 pieds(7 mst. . 80 c.) au moins de place en largeur, pour chemin et trait des chevaux, in. ſans qu'ils puiſſent planter arbres, ni tenir cloture ou haie plus preès de ien 30 pieds(9 mẽt. 74 c.) du coté, quc les bateaux ſe tirent, et 10 pieds (S mèt. 24 e.) de l'autre bord, à peine de 500 livr. d'amende, coufiſcation des arbres, et d'ètre, les contrevénans contraints à reparer et remettre les chemins en état à leurs frais.“ S. FrEURI6Eon Code admiuſt ratif. Police. S. so2. S. Eſtor kuͤrgerliche Rechtsgelehrſamkeit der Teutſchen. Th. 1. 5. 2231 f. 3) Ordonnance de la marine. L. IV. tit.7. LEBRET de la ſouverainetẽ. L. II. ch. I4. 4)* la hauteur de décharge de l'étang.“ So ſcheinen dieſe Worte zu erklären zu ſeyn. Jen. A. L. Z. 1808. Nr. 283. S. 430. Daniels und Muͤller über⸗ ſetzen:; wenn das Waſſer auf die Höͤhe geſtiegen iſt, daß man den Teich ablaſſen 36, tt kann: Erhard, wenn es bis an den Abzug geſtiegen iſt; Laſſaulx und 1 Spielmann, wenn es bis zu dem Abfluſſe des Teichs geſtiegen iſt, oder dem⸗ m ſelben gleich ſteht. Die lateiniſche Meberſetzung: quum aquae ad effluvium i perveniunt; die Weſtphalica: wenn es bis zur Hohe des Abfluſſes geſtiegen iſt; v. Duͤring S. 53. wenn es in der Hoͤhe des Abzugsgrabens ſteht, u. ſ. w. 5) Aber wenn die Landſeen ein Staatseigenthum ſind?— Dann will MarB⸗ vIILE ad h. l. und Ramdohr Juriſt. Erf. Th. I. S. 37. die Analogie der in Alluvionen an Flüſſen eintteten laſſen; mich duͤnkt aber mit Unrecht, da in 3 C3 dieſem Zweytes Buch. Zweyter Titel. dieſem Falle der Staat Eigenthuͤmer des Bodens des See's bleitt.— Schlimni iſt es, daß die Alluvion bey den Seen aus dem Grunde wegfallen ſoll, weil ſie nicht ſeyen ſuſceptibles de s'étendre d'un coté, et de séloigner de l'autre, denn leider widerſpricht dieſer Behauptung die Erfahrung. S. Faonk Discoure. bey Garnery B. ll. S. 58. §. 409. 3. Vis Huminis, appuiſio⸗ Art. 339. Wird von einem Fluſſe oder Strome, derſelbe mag ſchiffbar ſeyn oder nicht, durch plotzliche Gewalt des Waſſers ein betraͤchtlicher und erkennbarer Theil eines angraͤnzenden Feldes abgeriſſen, und an ein unter⸗ halb oder am entgegengeſeßtem Ufer liegendes Grundſtuͤck angeſpuhlt, ſo gehört derſelbe dem Eigenthuͤmer dieſes letztern nur dann, wenn der Eigenthuͤmer des abgeriſſenen Tbeils nicht denſelben gerichtlich in Anſpruch nimmt ¹). Letzterer jedoch muß die Klage deshalb binnen einer beſtimm⸗ ter Zeit anbringen. In Hinſicht dieſer Zeit muß man nämlich unter— ſcheiden, ob der Eigenthuͤmer des Grundſtuͤckes den angeſpuͤlten Theil in Beſitz genommen hat oder nicht. Im erſten Falle muß der Eigenthuͤmer des angeſpuͤlten Theils die Klage auf Vindication deſſelben binnen einem Jahre anſtellen 2), und wird nach dieſer Friſt mit derſelben nicht weiter gehort; im letzten Falle iſt die Klage an keine Zeit gebunden. 1) Dieſe Regel iſt jedoch nicht auf den in Gebirgsgegenden ſehr haͤufigen Fall anzuwenden, wo Haͤuſer und Walder ins Thai geſchleudert werden. Es iſt leicht, dieſe wieder zu erkennen, ſo daß der Eigenthämer ſie immer wieder reclamiren kann. Tronchet in der Discuſſion.(Conférence. T. III. p 176.) Mar⸗ vILILE Analyſe ad h. art. 2) Code de procédure Frangair art. T. F. 2.— Königl. Decret vom 27. Jan. 1308. Art. 3. F. 2. Geſetzbuͤlletin 1803. Nr 13. S. 301. . Iuula in flumine nata. Art. 360. Große und kleine Inſeln, und trockne Stellen ¹), die ſich in dem Waſſerbette der Ströme, und ſchiffbaren oder flößbaren Fluͤſſe bilden, gehören dem Staate, in ſo fern nicht ein Privateigenthuͤmer ſie durch einen beſondern Rechtsgrund, oder durch Verjährung, erworben hat. Art. 361. Hingegen die Inſeln und trocknen Plätze, die ſich in nicht ſchiffbaren oder flößbaren Fluſſen bilden, gehören dem Ufereigenthuͤmer der Seite, wo die ſe K. n er ⸗ it r m et . w ie Von dem Eigenthume. 23 die Inſel entſtanden iſt. Hat ſich die Inſel nicht ganz auf einer Seite gebildet, ſo gehoͤrt ſie den Ufereigenthuͤmern beyder Seiten, nach Maaß⸗ gabe ihrer anſtoßenden Laͤndereyen, und zwar erhaͤlt jede Seite den Theil, der vermittelſt einer in der Mitte des Fluſſes in Gedanken gezogenen linie, auf dieſelbe fallt 2).— Nur muß man mit dieſen Inſeln u. ſ. w. nicht einen andern aͤhnlichen Fall verwechſeln. Wenn naͤmlich ein Strom Art. 362. oder Fluß, indem er einen neuen Arm bildet, das Feld eines Ufereigen⸗ thůmers abſchneidet, und ſo umgiebt, daß es eine Inſel bildet, ſo behaͤlt dieſer das Eigenthum ſeines Feldes, ſelbſt wenn der Fluß ſchiffbar oder flößbar waͤre. 1) Kattériſſements“ Ramdohr a. a. O. S ao. bemerkt, daß hlerdurch die Plaͤtze, welche bey verringertem Woſſer entſtehen, wenn der Fluß einen Theil ſeines Bettes trocken läßt, und auf beyden Seiten zu umſtrömen beginnt, be⸗ zeichnet werdeß ſollen. 2) Am beſten hat dieſes verſinnlicht: Hopfner theoretiſch practiſcher Commentar uͤber die Inſtitutionen§. 310; denn hier findet das Röm, Recht ganz ſeine Anwendung. r 5. Alveus derelictus. Wenn ein Strom oder Fluß, er ſey ſchiffbar oder floßbar, oder Artt. 363. nicht, ſeinen Lauf verändert, und ſein altes Flußbette verlaͤßt, ſo erßalten die Eigenthuͤmer der Grundſtuͤcke, durch welche ſich der Fluß das neue Bette gewaͤhlt hat, das alte verlaſſene Flußbett als Entſchadigung ¹), und zwar jeder nach dem Verhaͤltniſſe des ihm entzogenen Grundes und Bodens. Ebenfglls wenn der Fluß das neue Bette wieder verlaͤßt, und das alte wieder äufſucht, wuͤrden dieſelbigen Regeln anzuwenden ſeyn. Gegen die Vorſchriſten des Roͤmiſchen Rechts. 5. 412. 6. Sodes derelictae, Tauben, Kaninchen und Fiſche ¹), die in ein anderes Taubenhaus, Art. 36. Kaninchengehaͤge, oder in einen andern Fiſchteich uͤbergehen, gehören dem Eigenthuͤmer dieſer Gegenſtände; nur duͤrfen ſie nicht durch tiſt und Kunſtgrifſe hineingelockt ſeyn 2), 1) Man — 24 Zweytes Buch. Zweyter Titel. 1) Man unterſcheidet uͤberhaupt wilde Thiere, Hausthiere, und ſolche, die weder ganz wilde, noch ganz Hausthiere genannt werden können. Wilde Thiere ſind die, welche ſich nie an das Joch der Menſchen gewoͤhnen; das Eigenthum an denſelben wird nur durch Beſitzergreifung erworben, und durch Beſitzverluſt aufgegeben. Hausthiere konnen ſich durch die Flucht nie dem Eigenthume ihres Herrn entztehen, da er ſie immer reclamiren kann. Nur auf die Thiere der dritten Claſſe ſindet die im Art. 564. aufgeſtellte Regel ſtatt. PoRTAr, 18 Expoſe bey Garnery B. li. S. 47. Ueber die Bienenſchwaͤrme iſt nichts entſchieden, obaleich das Tribunal von Orleans verlangte, es ſolle bey ihnen ein Gleiches feſtgeſetzt werden, mit Vorbehalt eines binnen 24 Stunden aus⸗ zuuͤbenden Nachfolgerechts.— Mal.EvILLB Aualyſe ad h. a. unterſcheidet noch unter Haus⸗Tauben, und Haus⸗Caninchen, und wilden Tauben und Kaninchen, rechnet die erſten zu den Hausthieren, die immer reclamirt werden können, und will den Art. nur bey den letzten anwenden; aber gegen den Buchſtaben deſſel⸗ ben. ZAcRHARIAE Handbuch. Th. I. S. 122. 2) und zwar macht das Geſetz keinen Unterſchied, ob ſie durch den Eigenthuͤmer dieſer Gegenſtaͤnde, oder durch einen dritten hingelockt ſind. Zweyter Abſchnitt. Von dem Zuwachsrechte auf bewegliche Sachen. — §. 413 Beurtheilung deſſelben. Art. 36. Hat die Acceſſion bewegliche Sachen zum Gegenſtande, die zwey verſchiedenen Eigenthuͤmern gehören, ſo muß ſie ganz nach den Grund⸗ ſaͤtzen der natuͤrlichen Billigkeit beurtheilt werden. Um jedoch dem Richter eine Anleitung zu geben, dergleichen Faͤlle zu entſcheiden, ſo iſt folgendes Art. 566 beſtimmt: I. Sind zwey Sachen, die verſchiedene Stgenthuͤmer haben, dergeſtalt mit einander vereinigt, daß ſie zwar ein Gauzes bilden, aber doch nicht von einander getrennt werden koͤnnen, ohne beyde zu zerſtoͤhren, ſo gehört das Ganze dem Eigenthuͤmer der Sache, die den Haupttheil davon ausmacht; jedoch unter der Verbindlichkeit dem andern den Werth der Art. 367. hiermit verbundenen Sache zu bezahlen. Zu hemerken iſt: 1) Als Haupt⸗ theil wird diejenige Sache in der Regel betrachtet, der die andere nur urt. 36s. zum Gebrauche, zur Verzierung oder Ergänzung dient. 2) Iſt jedoch die hinzugefuͤgte Sache, z. B. Beſetzung eines Kleides, Faſſung eines Steins, Gemählde, Schrift, von viel größerm Werthe als die Haupt⸗ ſache, und iſt ſie ohne Vorwiſſen des Eigenthuͤmers dazu verwendet worden, Von dem Eigenthume. 25 e worden, ſo kann dieſer die Trennung und Zuruͤckgabe verlangen, ſelbſt . wenn dadurch die Sache, womit jene verbunden iſt, Rachtheil leiden ſollte. 3) Wenn von zwey Sachen, welche, um ein Ganzes zu bilden, Att. 369. t mit einander verbunden werden, die eine nicht als Zubehoͤr der andern u angeſehen werden kann; ſo wird diejenige fuͤr die Hauptſache gehalten, welche an Werth die beträchtlichſte iſt. Iſt der Werth auf beyden Seiten beynahe gleich, ſo entſcheidet der körperliche Umfang, ſo daß die größte i Sache fuͤr die Hauptſache gehalten wird. n, 5. 414. i Folgen hieraus. 1. Specification. Hat Jemand einen ihm nicht zugebörigen Stoff dazu gebraucht, um Art. 570. nt eine Sache anderer Gattung daraus zu bilden, ſo heißt dieß Speci— fication. In dieſem Falle iſt der Eigenthuͤmer des Stoffs, als der Hauptſache, berechtigt, die daraus gebildete Sache, gegen Verguͤtung des Arbeitslohns, in Anſpruch zu nehmen, und zwar ohne Ruͤckſicht darauf, ob der Stoff in ſeine vorige Geſtalt zuruͤckgebracht werden kann, oder. nicht ¹). Iſt inzwiſchen die Arbeit daran ſo bedeutend, daß ſie den Art. 571. Werth des Stoffs bey weitem überſteigt, ſo wird die angewandte Mühe als Hauptſache angeſehen, und der Arbeiter iſt berechtigt, die verarbeitete Sache zu behalten, muß dagegen aber den Preis des Stoffes dem Eigen⸗ thuͤmer verguͤten. 12) Wie im Römiſchen Rechte. tet 5. 415. de 2. Verbindung eigenen und fremden Stoffs. en, Hat Jemand theils eigenen, theils fremden Stoff gebraucht, um Att. 572. oi daraus eine neue Sache anderer Gattung zu bilden, ohne zwar den ſ einen oder den andern gänzlich zu zerſtohren, jedoch ſo, daß ſie nicht bon fuglich wieder getrennt werden koͤnnen, ſo gehoͤrt die Sache beyden Eigen⸗ er thuͤmern gemeinſchaftlich, und zwar nach dem Verhaͤltniſſe des Stoffs p eines jeden, und der darauf angewandten Arbeit des einen. Uut och§. 416. nes 3. Vermiſchung. Iſt durch Vermiſchung mehrerer Stoffe, die verſchiedenen Eigen⸗ Art. 573. ndu thuͤmern zugehören, eine Sache gebildet, jedoch ſo daß keiner dieſer ver⸗ en, Spangenberg's Commentar Bd. II. D ſchie⸗ — 26 Zweytes Buch. Zweyter Titel. Von dem Eigenthume. ſchiedenen Stoffe als ein Hauptſtoff angeſehen werden kann, ſo kann, wenn die Stoffe getrennt werden koͤnnen, derjenige, ohne deſſen Vorwiſſen die Stoffe gemiſcht ſind, die Trennung verlangen, nie aber der Vermi⸗ ſcher ſelbſt. Koͤnnen die Stoffe nicht fuͤglich getrennt werden, ſo erwer⸗ ben alle an denſelben gemeinſchaftlich das Eigenthum, und zwar jeder nach dem Verhaͤltniſſe der Groͤße, der Beſchaffenheit und des Werths Art. 374. ſeines Stoffs. War der eine den Eigenthuͤinern zugehoͤrige Stoff, der Groͤße und dem Werthe nach, bey weitem bedeutender, als der andere, ſo kann der Eigenthuͤmer des betraͤchtlichern Stoffs die vermiſchte Maſſe, gegen eine dem andern fuͤr den Werth ſeines Stoffs zu leiſtende Ver⸗ guͤtung, fordern. Allgemeine Regeln über dieſe Fälle 1). Art. 573. I. Bleibt die Sache den Eigenthuͤmern der Stoffe, woraus ſie ge⸗ bildet wurde, gemeinſchaftlich, ſo muß ſie zu beyder Vortheile verſteigert Art. 376. werden. II. Der Eigenthuͤmer, deſſen Stoff ohne ſein Vorwiſſen gebraucht wurde, um eine Sache anderer Gattung hervorzubringen, hat das Recht, in allen den Faͤllen, in welchen er das Eigenthum der Sache in Anſpruch nehmen kann, die Wiedererſtattung ſeines Stoffs in derſelben Art, Große, Art. 377. Gewicht, Maaß und Gůte, oder deſſen Werth zu verlangen. III. Wer fremde Stoffe ohne Vorwiſſen ihres Eigenthuͤmers gebraucht, kann zur vollſtändigen Schadloshaltung, wegen des etwa verurſachten Nachtheils, verurtheilt werden, mit Vorbehalt des den Umſtaͤnden nach eintretenden außerordentlichen Verfahrens, z. B. des peinlichen, wenn er ſie geſtoh⸗ len hatte ²).. „ ſt 1) FaunE Ropport bey Garnery B. II. S. 62. 64. 3) Vergl. MALBvILLE Analyſe ad h. art. Dritter 22 —————— in, ſn mi e t Von dem Rießbrauche, dem Gebrauchs⸗ und de Wohnungsrechte. n, e. ⸗ Erſtes Kapitel. Von dem Nießbrauche, S. 418. z. Begriff und Eintheilung. Rörauch 1) iſt das Recht eine fremde Sache auf die Art zu benußen, Art. 37. als wenn man Eigenthuͤmer derſelben waͤre ²), jedoch ohne daß man die Subſtanz derſelben angreifen darf ²). Dieſes Recht ſteht entweder kraft des Geſetzes zu, wie z. B. den Eltern an dem Vermoͤgen der Art. 579. Kinder u. ſ. w. oder kraft der Willensaͤußerung des Eigenthu⸗ mers 4) z. B. durch Teſtament oder Uebereinkunft. Es kann ebenfalls i theils unbedingt, theils bedingt, oder bis zu einem gewiſſen Termine art. 330. 2 jemanden verſtattet werden. oh 1) H J. A. BaEwEn Diſſertatio de uſufructu, fecundum principia juris Romani comparata cum Codicis gallici civilis, dispoſitionibus. Confluentiae. 1807. 4. 2) Nur eine Ausnahme findet ſich in Hinſicht des Schatzes. Art. 598. Eine andre will ZAcRARIAE Haudbuch. Th. I. S. 139. in Hinſicht der inſula in flumine nata annehmen; aber wohl gegen die Abſicht des Geſetzgebers, welche aus den Worten des Artikels“comme je propriétaire lui méme“ erhellt. 3) S. borRiEk traité du douaire. chap. 5—7. Dieſer muß natuͤrlich fähig ſeyn zu alientren, weil die Verleihung des Nießbrauchs eine wahre Veräußerung eines Theils des Eigenthumsrechts iſt. DRLvINcorRT Inſtitutes. T. I. p. 322. 1407.. 3) Art. 384 ff. Andere Faͤlle ſ. in Art. 754. 1549. 1562. Einen durch den Richter angeordneten Rießbrauch(fr. 6. D. VII. 1. de uſufructu) kennt der Code nicht; doch iſt er nicht verboten. 2acRakIaß Handbuch. Th. I. S. 138. Marx- vII.I.E Analyſe ad art. 373. §. 419. — Zweytes Buch. Dritter Titel. §. 419. Gegenſtand. Art. 581. Der Rießbrauch kann ſowohl an beweglichen, als an unbeweglichen Gegenſtänden eingersumt werden. In der Regel muͤſſen dieſelben von der Art ſeyn, daß ſie benutzt werden können, ohne ihre Subſtanz anzu⸗ greifen. Ausnahmsweiſe kann aber auch der Nießbrauch auf ſolche Sachen gehen, deren Subſtanz durch die Benutzung zerſtöhrt wird. (Quaſi uſusfructus.) ¹) 1) Von dieſem ſ. Art. 587. v. Düring S. 127. läugnet irriger Weiſe, daß das Franzoſiſche Recht einen quaſiuſusfructus kennt. Erſter Abſchnitt. Von den Rechten des Nießbrauchers ˙). 5. 420. Grundſatz. Die Rechte des Nießbrauchers werden eigentlich durch die Willens⸗ zußerung des Eigenthuͤmers, der den Nießbrauch einräumt, beſtimmt ²). Nur in dem Falle, wenn eine ſolche Beſtimmung fehlt, oder in dem Falle eines geſetzlichen Rießbrauchs, treten die im Code uͤber die Rechte grt. 532. des Rießbrauchers feſtgeſetzten Regeln ein. Nach dieſen iſt der Rieß⸗ braucher berechtigt, außer der freyen Benutzung des Gegenſtandes, jede Gattung von Fruͤchten, welche der dem Rießbrauche unterworfene Ge⸗ genſtand hervorbringen kann, zu beziehen, mögen dieſelben natrliche, indu⸗ Lrt. 83. ſtrielle oder Civilfruͤchte ſeyn. Natuͤrliche Fruͤchte ſind die, welche die Sache ohne Zuthun des Menſchen aus ſich hervorbringt, wie Gras, Art. 38z. Junge, u. ſ. w. Induſtrielle gewinnt man nur durch Bearbeitung und Beſtellung des Grundſtücks. Civilfruͤchte ſind uneigentlich ſoge⸗ nannte Erzeugniſſe einer Sache, wie Mietbzins eines Hauſes, Zinſen von auftuͤndbaren Capitalien, Renten und Pachtertrag.— Dieſer allgemeine Grundſatz erleidet nun nach der Mannichfaltigkeit des Gegenſtandes des Rießbrauches, eine mannichfaltige Anwendung. 1) Dieſe kann eine einzelne Perſon oder, eine Gemeinheit ſeyn. Art. 618. 1) Arg art. 613. Cambacorés in der Discuſſion. Conference. T. III. p. 220. 5. 421. Von dem Nießbrauche, dem Gebrauchs⸗ u. Wohnungsrechte. 29 5. 427. Folgerungen. I. In Hinſicht der Fruchte. I. Die natuͤrlichen und induſtriellen Fruͤchte gehören dem Rießbrau⸗ Art. 583. cher, 1) wenn der Nießbrauch ſeinen Anfang nimmt, in ſo fern ſie im . Augenblicke des Anfanges noch an den Zweigen haͤngen, auf dem Halme ſtehen, oder uͤberhaupt durch Wurzeln befeſtigt ſind; 2) während des 3 Nießbrauchs ohne Unterſchied; 3) nach geendigtem Rießbrauche, wenn ſie im Augenblick des Endes ſchon von ihrem Stamme, Halme oder Wurzel u abgeſondert ſind. Sind ſie noch nicht getrennt, ſo gehören ſie dem Eigen⸗ thuͤmer. In Hinſicht der erſtern und letztern treten folgende Regeln ein: 1) ſowohl der Rießbraucher erhaͤlt im erſtern, ſo wie der Eigenthuͤmer im letztern Falle die noch nicht geſonderten Fruͤchte, ohne daß er die Beſtellungs⸗ oder Saatkoſten zu vergüten braucht; 2) beyde muͤſſen ſich den Antheil an den Fruchten abziehen laſſen, der vielleicht dem Theil⸗ paͤchter, wenn ein ſolcher vorbanden war, zuſtand. II. Die Civilfruchte Art. 336. gehören dagegen dem Rießbraucher nur nach Verhaͤltniß der Dauer ſeines Rießbrauches; weil man annimmt, daß ſie Tag für Tag erworben werden. Hat z. B. ein Miethsmann, Pächter ¹) u. ſ. w. bey Beendigung des Rießbrauchs ein halbes Jahr und drey Tage gewohnt oder geſeſſen, ſo erhaͤlt der Rießbraucher den Mietb⸗ oder Pachtzins von dieſer Zeit, und der Eigenthuͤmer den Reſt. Daſſelbe tritt auch bey den Zinſen der Capi⸗ talien ein. de 1) Die Pachtgelder gehoͤren dem Nießbraucher auch dann, wenn die Fruͤchte des Pächters noch auf dem Halme bey Erloͤſchung des Nießbrauchs ſtehen; ſogar dann, wenn ſie, wie in einigen Gegenden Frankreichs gebräuchlich iſt⸗ erſt i achtzehn Monate nach der Ernte zahlbar ſeyn ſollten. MarBvIIILB Analyſe che ad art. 586. 6 n 8. 422. g I. In Hinſicht des Gennſſes fungibler Sachen. on Iſt ein Rießbrauch an ſolchen Sachen eingeräumt, die man nicht Art. 67. in benutzen kann, ohne ſie dadurch zu verbrauchen, z. B. an Gelde, Ge⸗ d6 treide, Getränke ¹); ſo kann der Rießbraucher dieſelben conſumiren. Rur muß er bey Beendigung des Nießbrauchs Sachen von derſelben Quantität und Qualität, und von demſelben Werthe zuruͤckgeben, oder deren Werth, ſo wie er geſchaͤtzt iſt, erſtatten. P 20 N — 30 Zweytes Buch. Deritter Titel. 1) Ebenfalls gehört hiether ein Specereyladen. Caſſationshof in Stser Jurisprudence du tribunal de caſſation. An. KII. p. 29 ff. §. 423. II. In Hinſicht einer Leibrente. Art. 338. Auch an einer Leibrente kann ein Nießbrauch verſtattet werden. Dann hat der Nießbraucher das Recht, waͤhrend ſeines Nießbrauches die davon faͤlligen Nutzungen zu beziehen; ohne deshalb zu irgend einem Erſatze verpflichtet zu ſeyn. §. 424. IW. In Hinſicht des Genuſſes nicht fungibler Sachen, wodurch dieſelben jedoch abgenutzt werden. art. 589. Begreift der Rießbrauch ſolche Sachen, die eigenrlich keine weder ummittelbare noch mittelbare Fruͤchte bringen, ſo beſteht er nur in einem Gebrauchsrechte an denſelben. Dergleichen Sachen ſind z. B. Leinwand umd Meublen ¹). Zwar werden dieſelben durch den fortgeſetzten Gebrauch nach und nach abgenutzt; indeſſen iſt doch der Rießbraucher berechtigt, ſich derſelben zu bedienen, wenn er ſie nur zu dem ihrer Beſtimmung angemeſſenen Zwecke gebraucht, und braucht ſie bey Beendigung des Nießbrauches nur in dem Zuſtande zuruͤckzugeben, worin ſie ſich befinden, falls ſie nur nicht abſichtlich, oder durch ſein Verſchulden verſchlechtert wurden. 1) Auch Kleider, wodurch die bekannte Controverſe des Röm. Rechts wegfaͤllt. v. Duͤring S. 127. S 5 V. In Hinſicht der Holzungen. Art. 590. I. Hat der Rießbrauch Unterholz(Schlagholz) zum Gegenſtande, ſo muß der Nießbraucher die Groͤße und Ordnung der Schlaͤge beobach⸗ ten, welche theils die Bemtzung des Holzes erfordert, theils der Eigen⸗ thuͤmer beobachtet hat. Hat er Schlaͤge vorbeygehen laſſen, oßne das Holz zu faͤllen, ſo kann weder er noch ſeine Erben nachber eine Entſchaͤ⸗ Zrt. 591. digung wegen Unterlaſſung des Abtriebes verlangen ¹). II. Der Nieß⸗ braucher benutzt ferner, unter Beobachtung der von dem vorigen Inhaber beach⸗ Von dem Nießbrauche, dem Gebrauchs⸗ u. Wohnungsrechte. 31 beachteten Zeit und Gewobnheit, die Holzabtheilungen des in ordentliche Schlaͤge gelegten Oberholzes; es mag ſeyn, daß dieſe Schlaͤge zu beſtimmten Zeiten auf einem gewiſfen Umfange des Bodens abgetrieben werden, oder daß eine beſtimmte Anzahl Baͤume ohne Unterſchied auf der ganzen Oberflaͤche des Guts gefällt wird. Iſt daſſelbe jedoch nicht in Art. 592. Schlaͤge eingetheilt, ſo darf der Rießbraucher ſich des Oberholzes nicht bedienen, nicht einmal der ausgeriſſenen oder abgebrochenen ²) Baͤume, i ausgenommen nur allein zu den ihm obliegenden Ausbeſſerungen. Behuf 4 dieſer darf er ſogar dergleichen Baͤnme faͤllen laſſen, wenn es die Noth⸗ wendigkeit, die jedoch mit Zuziehung des Eigenthuͤmers vorher ausgemit⸗ telt werden muß, erfordert ²). 1H. Ebenfalls kann der Rießbraucher Baͤume aus einer Baumſchule nehmen, falls es ohne deren Nachtheil geſchehen kann; jedoch nur unter der Bedingung, daß er nach der Ge⸗ wohnheit des Orts fuͤr deren Wiederergaͤnzung ſorge 4). IV. Immer Art. 393. darf er jedoch aus den Holzungen Weinpfaͤhle nehmen, und uͤberdieß die jäbrlichen oder periodiſchen Nutzungen*) der Bäume ziehen, und zwar nuch der Gewohnheit des Landes und der Eigenthuͤmer. 1) Man darf in dem obigen Attikel nicht bois de futaie, mit dem im folgenden Artikel genannten bois de haute futaie verwechſeln. Bois de futaie, hohes Stammholz, findet ſich wohl einzeln im bois taillis, Unterholze— ein Wald von lauter hohem Stammholz gehoͤrt hingegen allein zur haute fautaie, Oberholze. 66 2) Auch verdorrete. MatEvII.LE Anaiyfe ad h. art. ſ, 3) DELvINcovRT Inſtitutes. T. I. p. 328. ſagt ſehr richtig: Te raillis eſ½ t regardè comme fruit, et non la futule, parceque le taillis ſe coupe à des opohues heaucouyp plus rapprocher. Mailleurs le taillis n'a pas dautre deſtination, Jus celle d'ötre coupe; la futaie ſert ordinaire- ſi menut pour Jagrément. Mais comme lſuſruſtier a le Jroit de jouir, comme le proprietaire, ſi celui- ei a antsrieuremeyit let futaien ent coupe reglee, Iſuſruitier a 1s droit d'en jouir ſur le möme pfed. 4) Art. 590. 5) 3. B. Fruͤchte, Eicheln und Rinde, Blätter, Zweige bey ſolchen Baͤumen, welche hierdurch nuͤtzlich ſind. z B. von Weiden, Erlen, Eichen, Birken, Kork⸗ baͤumen u. ſ. w. GAkv Discours.(Garnery B. Il. S. 101.) N, 4 VI. In Hinſicht der Obſtbaͤnme. Abgeſtorbene, durch Zufall ausgeriſſene Obſtbäume gehören dem Art. 394. 6 Nießbraucher, jedoch unter der Bedingung, ſie durch andere zu erſetzen. Die Fruchte gehoren ihm natuͤrlich immer⸗ 5. 427. Zweytes Buch. Dritter Titel. 5. 427. VII. In Hinſicht der Alluvion. Art. 596. Der NRießbrauchevabenutzt den Zuwachs, welchen der dem Nieß⸗ brauche unterworfene Gegenſtand durch Alluvion erhaͤlt. §. 428. VIII. In Hinſicht der Servituten. Art. 397. Er hat die Benutzung der Servituten, des Uebergangsrechts, und uͤberhaupt aller Gerechtſame, deren ſich der Eigenthuͤmer bedienen könnte, ganz wie dieſer. 5. 429. IX. In Hinſicht der Bergwerke u. ſ. w. Art. 393. Er benutzt ferner eben ſo, wie der Eigenthümer, die Bergwerke und Steinbruͤche u. ſ. w.; jedoch nur I. wenn ſie beym Anfange des Rieß⸗ brauchs ſchon wirklich betrieben wurden; II. wenn er die Genehmigung des Kaiſers Behuf dieſer Betreibung in den Fallen ausgewirkt hat, in welchen dieſelbe nothig iſt G. 406. Not. 2). Er hat mithin kein Recht 1) auf noch nicht eroffnete Bergwerke und Steinbruͤche; 2) auf Torf⸗ gruben, die man noch nicht angefangen bat zu benutzen ¹). 1) DnLvIXcouR Inſtitutes. T. I. p. 330. behauptet, daß der Eigenthuͤmer ohne Erlaubniß des Nießbrauchers ebenfalls die noch nicht eroffneten Bergwerke u. ſ. w. eröffnen duͤrfe; ich ſehe aber nicht ein, was ihn daran hindern ſollte, wenn er nur der Vorſchrift des Art. 599. nicht zugegen handelt. 5. 430. X. In Hinſicht des Schatzes. Den Schaß erhaͤlt er nicht ¹). 1) Was unter Schatz verſtanden werde, ſ. zum Art. 716. S Art der Benutzung. Art. 393. Der Nießbraucher kann die Rutzungen entweder ſelbſt zieben, oder ſein Recht auf einen andern durch Kauf, Pacht, Schenkung u. ſ. w. uͤbertragen 1). In Hinſicht der Verpachtung iſt zu bemerken, daß die dem Ehemanne im Art. 1429. 1430. vorgeſchriebenen Einſchraͤnkungen auch Von dem Nießbrauche, dem Gebrauchs⸗ u. Wohnungsrechte. 33 auch bey dem Nießbraucher eintreten. Uebrigens kann er verlangen, daß Art. 399. ihm der Eigenthuͤmer ſeiner Benutzung durchaus nichts in den Weg lege. Hat der Nießbraucher die Sache meliorirt, ſo kann er nach Been⸗ digung des Rießbrauchs keine Entſchaͤdigung deshalb verlangen; er ſteht mithin die nothwendigen und nuͤtzlichen Ausgaben. Was die zum Ver⸗ gnuͤgen dienenden anlangt, ſo hat er das Wegnahmerecht, d. h. ſowohl er, als ſeine Erben koͤnnen die Spiegel und andere Verzierungen, die der nd Nießbraucher etwa bat anbringen laſſen, zuruͤcknehmen; jedoch unter der , Verbindlichkeit, die Stellen, wo ſolche befindlich waren, in den vorigen Zuſtand wieder zu verſetzen. 1) Es verſteht ſich von ſelbſt, daß dieſer andere den Nießbrauch nicht laͤnger ausuͤben kann, als ſo lange es der Nießbraucher ſelbſt wuͤrde haben ausuͤben koͤnnen. MarEvIILLE ad art. hunc. ind 5 Zweyter Abſchnitt. Von den Yerbindlichkeiten des Nießbrauchers. cht rß§. 432. Besgriff. Die Verbindlichkeiten des Nießbrauchers ſind mancherley, und be⸗ l ziehen ſich theils auf die Sicherheit des Eigenthuͤmers, theils beruben ſie auf dem Grundſatze der natürlichen Billigkeit, daß der die kaſten einer Soche zu tragen habe, welcher den Vortheil aus derſelben zieht. Sie ſind folgende: I. Inventariſation, II. Cautionsleiſtung, III. Erhaltung der Sache, IV. Tragung der auf derſelben liegenden Lkaſten, und V. Litis⸗ denunciation.. 5. 433. I. Inventariſation. Der Rießbraucher muß die ihm zum Rießbrauche gegebene Sache Art. 600. in dem Zuſtande annehmen, worin ſie ſich zur Zeit der Beſtellung des der Nießbrauchs ¹) befindet; er darf jedoch die eigentliche Benutzung derſelben v. nicht eher anfangen, als bis er in Gegenwart, oder nach gehöriger Vor⸗ di ladung des Eigenthuͤmers, wenn derſelbe auch derſelben nicht gehorcht, ge ein Vetzeichniß der bewegiichen, und eine Beſchreibung der unbeweg⸗ u6 Spangenberg Commentar Bd. II. E lichen — 34 Zuweytes Buch. Dritter Titel. lichen Sachen, die dem Nießbrauche unterworfen ſind, durch Notarien ²) hat aufnehmen laſſen. Ueber die Aufnahme dieſes Inventars treten die allgemeinen Regeln ein. 7) So iſt der Art. 600. zu erklären. 2) MarEvILLE ad h. art. und aus ihm BERGMANd Franz. Privatrecht 5. 171. not. 1. behaupten, daß auch die Intereſſenten eine Privatinventariſtrung ohne Notarien vornehmen konnen. Ob die Inventariſation durch den Erblaſſer u. ſ. w. erlaſſen werden könne? dieſes bejaht der Appellhof zu Agen aus der Analogie des Art 601. DRMEvRERs Journal des audiences. 1806. Suppl. p. 135. Juris- prudence. T. VI. p. 283. Richtiger ſcheint es doch der Appellhof zu Paris bey MarBvIIILE a. a. O. zu verneinen, da die Sicherheit des Eigenthuͤmers durch eine ſolche Erlaſſung zu ſehr gefährdet ſeyn wurde. 5. 434 · II. Cautionsleiſtung⸗ Art. 601. Er muß ferner Caution durch Buͤrgen ſtellen, daß er die Sache, wie ein guter Hausvater benutzen wolle; ausgenommen: I. wenn dieſelbe ihm erlaſſen wird; II. wenn ihm der Rießbrauch kraft des Geſetzes zu⸗ ſteht ¹); MI. wenn er ſich den Rießbrauch an einer Sache vorbehalten hat, die er verkaufte oder verſchenkte ²). Art. 6o2. Iſt der Rießbraucher nicht im Stande Buͤrgſchaft zu leiſten, oder hat er dieſelbe nicht geleiſtet 3), ſo werden I. die unbeweglichen Sachen entweder verpachtet oder in Sequeſter gelegt. Den Pachtertrag erhält dann der Rießbraucher. Il. Das unter dem Rießbrauche begriffene baare Geld wird angelegt, und die Zinſen dem Nießbraucher gegeben. III. Die etwa vorhandenen Lebensmittel werden verkauft, das Kaufgeld angelegt, xrt. 6o3. und die Zinſen dem Nießbraucher ausgezahlt. IV. Daſſelbe tritt in Hin⸗ ſicht der beweglichen Sachen ein, welche durch den Gebrauch an ihrem Werthe verlieren; doch kann der Nießbraucher verlangen, und das Trie bunal der Beſchaffenheit der Umſtände nach verfügen, daß ihm ein Theil derſelben, die er zu ſeinem Gebrauche nothwendig hat, gelaſſen werde; doch muß er eidlich erhaͤrten, daß er ſie nach beendetem Rießbrauche zuruͤckliefern wolle. *t, 6oz. Die Verzögerung der Buͤrgſchaftsleiſtung ſchadet ſonſt dem Nieß⸗ braucher nicht weiter; ſie entzieht ihm nicht einmal die Fruͤchte worauf er ſonſt ein Recht hätte. Dieſe gebuhren ihm vielmehr vom Augenblicke des Anfalls derſelben.. 5 Von dem Nießbrauche, dem Gebrauchs⸗ u. Wohnungsrechte. 35 1) Dahin iſt Art. 601. ausdehnend zu erkliren, wie aus ſeiner Zuſammenſtellung di mit Art. 1550. erhellt.— Mithin muͤſſen Eltern Buͤrgſchaft leiſten, welche durch Schenkung u. ſ w. Nießbrauch an dem Vermoͤgen ihres volljährigen Kindes ethalten, da dieſer kein geſetzlicher Nießbrauch iſt. MarEviIIILE ad h. art⸗ S. Art. 754. . 2) Aber ſelbſt dann iſt der Nießbraucher dieſe Buͤrgſchaft zu ſtellen ſchuldig, wenn hn er ſich mit den Erben über ihre gegenſeitigen Rechte verglichen hat. Appellhof „. zu Aachen in Jurisprudence. T. X. p. 383. 3) Daß der verſchtedene Anfang der Worte des Art. 602. 603. nicht auf eine i Verſchiedenheit der darin aufgefuͤhrten Fälle deute, wie man vielleicht glauben i könnte, hat ſchon MalEvILLE Analyſe ad art. 602. 603. bemerkt. Eben i daſſelbe ergiebt ſich aus der Discuſſion. Confereuce. T. III. p. 206. §. 435. IM. Erhaltung der Sache. , bopo⸗ Wer Rießbraucher iſt zu den Ausbeſſerungen verpflichtet, die keine Art. 603. be Hauptausbeſſerungen ſind. Hauptausbeſſerungen ſind ¹): die der Haupt⸗ Art. 606. n mauern und Gewölbe ²), die Erneuerung der Balken und ganzer Daͤcher, und die im Ganzen geſchebende Herſtellung der Daͤmme, der Mauern, auf denen ein Gebaͤude rubt, und der Einfaſſungsmauern. Alle uͤbrigen Ausbeſſerungen fallen dem Nießbraucher zur taſt, und heißen Unterhal⸗ 4 tungsausbeſſerungen. Nur dann fallen dem Rießbraucher auch die Haupt⸗ 5 ausbeſſerungen zur Laſt, wenn ſie dadurch nöthig geworden ſind, daß er . die Unterhaltungsausbeſſerungen nicht beſorgt bat. II. Weder der Eigen⸗ Art. 607. e thuͤmer noch der Rießbraucher koͤnnen einander wechſelſeitig zwingen, das i wieder aufzubauen, was vor Alter gänzlich zuſammengefallen, oder durch Zufall zerſtört worden iſt; vielmehr muß jeder dieſen Zufall tragen, n ohne daß Entſchaͤdigung dafuͤr verlangt werden kann ²). III. Nicht 6 beſtimmt entſcheidet der Code die Frage, ob der Nießbraucher die Sache 4 veraͤndern duͤrfe, z. B. ſtatt eines Bosquets einen Gemuͤſegarten anlegen⸗ i u. ſ. w. Das Römiſche Recht unterſagte es ihm im allgemeinen, machte jedoch einige Ausnahmen, der Code ſcheint es unbedingt zu verbieten, e da er 1) den Rießbrauch ausdruͤcklich nur unter der Bedingung, den Be⸗ ſtand der Sache zu erhalten, geſtattet; 2) und dem Nießbraucher durchaus ß kein Recht, die natzlichen Koſten zurückzufordern, erlaubt, dieſe ſelbſt nicht f einmal in dem Fall zu compenſiren ſeyn wuͤrden, wenn ein Theil des ke Grundſtüͤcks verbeſſert, der andre verſchlimmert ware a), und der NRieß⸗ braucher wegen dieſes letztern zur Rechenſchaft gezogen wuͤrde*). E 2 1) Der — 36 Zweytes Buch. Dritter Titel. 1) Der Nießbraucher kann den Eigenthuͤmer zwingen, die Hauptreparaturen, welche noͤthig ſind, zu beſorgen. Arg. art. 509. DErvIXcouRr Inſtitutes. T. I. p. 334. not. 3. doch wird auf die Vorſchrift des Art. 607. zugleich Ruͤckſicht zu nehmen ſeyn. 2) DErLvINcouRT a. a. O. S. 335. not. 2. 3) Wenn der Eigenthuͤmer, obgleich er nicht dazu verpflichter iſt, eine durch Alter oder Zufall zerſtorte Sache hergeſtellt hat, ſo kann er nur dann gehalten ſeyn, dem Nießbraucher an derſelben Rechte einzuräumen, wenn eine Verbindung mit andern in dem Nießbrauche gebliebenen Sachen dieſes noͤthig macht, bemerkt ſehr richtig BeRGMAMNN Franz. Privatrecht. F. 172. Anm. 3. 4) Anberer Meynung iſt MarBvILILE Analyſe ad art. 399. aber gegen den Buch⸗ ſtaben des Geſetzes, und zu ſehr an Roͤmiſchen Ideen klebend. 5) S. auch Dst vINcoukRT Inſtitutes. T. I. p. 333. 8. 436. 1V. Tragung der auf denſelben liegenden Laſten. Art. 683. Hieruͤber finden ſich folgende Beſtimmungen: L. die Laſten die auf den Fruͤchten ruhen, wie z. B. jährliche Gefälle und Steuern ¹), trägt Art. öo9. der Nießbraucher allein; II. die Laſten, welche waͤhrend des Rießbrauchs auf das Eigenthum 2²) gelegt werden, trägt der Eigenthuͤmer. Doch muß der Rießbraucher die Zinſen der Capitale verguten, welche um dieſe taſten abzutragen geborgt ſind. Hat er ſelbſt das Capital hergeſchoſſen, ſo kann er daſſelbe nach geendigtem Rießbrauche zuruͤckfordern. 1) 3. B. Grundſteuer. S. Declaration des Steuerdirectors Crome vom 30 Aug. 1808. in den Departementalblättern des Leinedepartements 1808. S. 115. Fuͤr Frankreich iſt beſtimmt: Die Grundſteuer, welche ſolchen Grundſtuͤcken aufliegt, die in emphyteutiſche Pacht gegeben ſind, fällt dem Emphyteuten zur Laſt, ſelbſt wenn der Pachtcontract ihm dieſe Zahlung nicht ausdrücklich zur Laſt legt; der Emphyteute iſt dagegen berechtigt, 1 von dem Betrag des von ihm zu zahlenden Pachtſchillings in Abzug zu bringen, um den Beytrag des Verpächters zu den Steuern zu repräſentiren, es ſey denn, daß das Gegentheil ausdruͤcklich be⸗ dungen wäre. Gutachten des Staatsraths vom 2. Febr. 1809. in Laſſaulp Annalen. II. 3. S. 195. 2) 3. B. gezwungene Anleihen, die dem Eigenthume auferlegt werden. 6. 437. Anwendung dieſes Grundſatzes auf einzelne Fälle. Beſondere Beſtimmungen uͤber die Pflichten des Nießbrauchers zu den auf das Grundſtuͤck gelegten Laſten mit beyzutragen, finden ſich noch: RSIn Von dem Rießbrauche, dem Gebrauchs⸗ u. Wohnungsrechte. 37 ſ I. In Hinſicht einer aus der zum Nießbrauche uͤbergebenen Sache zu Art. 610. bezahlenden Rente. Hierbey iſt zu bemerken: 1) war dem Nießbraucher der Rießbrauch an der ganzen Verlaſſenſchaft gegeben, ſo muß er die von dem Erblaſſer jemanden vermachte lebenslangliche Rente oder jähr⸗ 1* lun liche Unterhaltsſumme nach ihrem ganzen Umfange auszahlen; 2) war nn, ihm bingegen nur ein gliquoter Theil, eine Quote, z. B. oder 4 des 5 Rießbrauchs an der Sache vermacht, ſo muß er ſie nach dem Verhbält⸗ er niſſe ſeiner Benutzung, nämlich zum Drittel, zum Viertel u. ſ. w. be⸗ zahlen, und zwar ohne daß er deshalb ein Zuruͤckforderungsrecht hat; 4 3) war ihm hingegen nur eine einzelne Sache zum Rießbrauch gegeben, ſo bezahlt er ebenfalls nach Verhaͤltniß zu dieſer Rente ¹). II. In Hin⸗ Art. 611. ſicht der Schulden. 1) Wem der Rießbrauch an einzelnen Sachen unter Particulartitel ²) gegeben iſt, der haftet nicht fuͤr die Schulden, wegen welcher das Grundſtuͤck, auf welchem ſich dieſelben befinden, ver⸗ bypothecirt iſt. Wird er genöthigt dieſelben zu zahlen, ſo hat er eine Ent⸗ u ſchäͤdigungsklage gegen den Eigenthuͤmer; ausgenommen, wenn ihm die iht Zahlung ausdruͤcklich zur Pflicht gemacht worden iſt 32). 2) Wer an At. 611. ch dem ganzen Nachlaſſe, oder an einer Quote deſſelben den Nießbrauch o erhielt, ſoll nach folgenden Regeln zu den Schulden ⁴) beytragen: iſ a. Der Werth des Grundſtuͤcks, das zum Nießbrauche gegeben iſt, muß en zuvörderſt geſchaͤtzt, und nach dem Verhaͤltniß des Werths der Beytrag zu den Schulden beſtimmt werden. b. Will der Rießbraucher dieſe 1 Summe, die das Grundſtuͤck zu den Schulden der Verlaſſenſchaft bey⸗ ßi tragen muß, vorſchießen, ſo wird ihm nach geendigtem Rießbrauch das 6 Capital erſetzt, ohne daß er jedoch Zinſen davon verlangen kann. e. Will hingegen der Nießbraucher dieſen Vorſchuß nicht thun, ſo hat der Eigen⸗ on thuͤmer die Wabl, entweder ſelbſt jene Summe zu bezahlen, und dann hn muß ihm der Rießbraucher waͤhrend ſeines Nießbrauchs die Zinſen der⸗ b ſelben verguͤten,— oder einen Theil der dem Nießbrauche unterworfenen 3 Sachen bis zu dem Betrage ſeines Schuldenantheils verkaufen zu laſſen*). III. In Hinſicht der Proceßkoſten iſt zu bemerken: der Rießbraucher urt. ör3. hat nur die Koſten derjenigen Proceſſe zu tragen, welche die Rutzungen betreffen, ſo wie die Verurtheilungen, die dieſe Proceſſe mit ſich fuͤhren; mithin 1) alle Koſten der Proceſſe, die er mit dem Eigenthümer fuͤhrt, und in denen er unterliegt; 2) derer, welche er mit dritten Perſonen, j welche unerlanbte Eingrifſe in ſeine Rechte tbaten, fuͤhrte; 3) derer, h welche er mit dritten Perſonen über das Recht des Nießbranchs fuͤhrt, N E 3 z. B. 38. Zweytes Buch. Dritter Titel. z. B. mit jemanden, der ein fruberes Rießbrauchsrecht an der Sache behauptet. In dieſem letztern Falle würde er jedoch eine Entſchädigungs⸗ klage gegen den Eigenthuͤmer haben.— Die Proreſſe bingegen, die das Eigentbum betreſſen, z. B. wenn ein dritter die Sache, ſe bit mit den Ruͤtzungeh o), vindieirt, gehen ihn gar nicht an. 1) Der Art. 61r. kann hler nicht zur Anwendung kommen. Tronchet und Treilhard in der Discuſſion. Conference T. III. p. 309. 2) Man kann aber nicht Nießbrauch unter Particulartitel nennen, wenn nur Ein Grundſtück ſich in der Verlaſſenſchaft befindet, und von dieſem der Nießbrauch, ſo wie das Eigenthum der Mobiliarſchaft, vermacht iſt. Dieſes iſt vielmehr Nießbrauch unter Untverſaltitel. Caſſationshof in Jurisprudence T V. p. 105. Ganz falſch iſt die Erklärung dieſes Artikels bey MArEvILILE Bd. Blanchard Th. 1I. S. 71. da er den Art. 1020, worauf ſich Art. 611. be⸗ zieht, unrecht verſteht. 4) Nie aber kann der Nießbraucher gezwungen werden, die Schulden aus dem ſeinigen zu bezahlen, ſondern nur aus den Fruͤchten, die er erhebt. MAlEVILLE Analyſe ad h. art⸗ 8) In dleſem Falle wird der Nießbraucher ganz von der Verbindlichkeit frey, zu den Schulden beyzutragen. Contume de Bretagne art. 219. und daſelbſt ARGENTRE's Commentar. Gloſf. g. 6) Denn dieſe verhalten ſich hier wie eine res acceſſoria; ſo dofi der Art. 613. nicht darauf bezoaen werden kann. Anderer Meynung ſind MarRvILLFE Aua- lyſe ad h. art. ZacRAnlax Handbuch. Th. I. S. 143 not. 4. und gewiſſer⸗ maaßen auch BERGMANN Franz. privatrecht. F. 172. not. 7. welche behaupten, daß in dem Falle, wo zugleich die Ruͤckerſtattung der Fruͤchte gefordert wuͤrde, der Nießbraucher zu den Proceßkoſten beytragen müßte, aber gegen den Geiſt des Geſetzes⸗ §. 438. V. Litisdenunciation. Art. 61. Wenn während der Dauer des Nießbrauchs ein dritter ſich in Anſehung des Grundſtucks ſelbſt(nicht in Anſehung der Fruͤchte, weil in dieſem Falle der Rießbraucher ſein Recht perſonlich vertheidigen kann) einen Eingriff erlaubt, oder ſinſt etwas vornimmt, was den Gerecht⸗ ſamen des Eigenthuͤmers zuwiderlaͤuft, ſo iſt der Rießbraucher verbun⸗ den, dieſen letztern davon zu benachtichtigen(item denunciare). Thut er dieſes nicht, ſo iſt er fuͤr allen Schaden, der aus dieſer Unterlaſſung fuͤr den Eigenthüͤmer entſtehen könnte(z. B. daß gegen ihn verjaͤhrt wird) eben ſo verantwortlich, als wenn die Beſchädigungen von ihm ſelbſt herruͤhrten. 5. 439. Von dem Nießbrauche, dem Gebrauchs⸗u. Wohnungsrechte. 39 ce 5. 439. 6 Ueber den Rießbranch am Vieh. 06 Ueber den Rießbrauch, der jemanden am Viehe eingeräumt wird, treten folgende ſpecielle Regeln ein: I. Macht nur ein einzelnes Stuͤck Art. 61. Vieh den Gegenſtand des Rießbrauchs aus, und geht daſſelbe ohne ſeine un Schuld zu Grunde, ſo braucht der Rießbraucher weder ein anderes an deſſen Stelle zu geben, noch den Werth deſſelben zu erſtatten. II. Iſt Art. 616. En jemanden eine Heerde zum Nießbrauche gegeben, und geht dieſelbe durch c, Zufall oder Seuche und zwar ohne Verſchulden des Nießbrauchers zu 8. Grunde; ſo iſt derſelbe zu weiter nichts verbunden, als dem Eigenthuͤmer die Haͤute oder deren Werth zu berechnen. Geht aber die Heerde nicht iu gaͤnzlich zu Grunde, ſo iſt der Rießbraucher ſchuldig, die gefallenen Stucke, ſo weit die Zuzucht oder das junge aus der Heerde erzeugte Vieh hinreicht, dn zu erſetzen ¹). IE 1) Uebrigens konnen hier auch tr. 68. 70. D. VII. T. de ſufructu, und fr. 30. D. vII. 4. quibus modis uſüofructus amittitur, analogiſch angewandt werden. 4 S. MALEvII.LE Analyſe ad h. art. . Dritter Abſchnitt. Wie ſich der Nießbrauch endigt. tn, te, ziſ 5. 440. Im allgemeinen. Der Rießbrauch erloͤſcht: I. durch natuͤrlichen oder buͤrgerlichen ¹) gt. 617. Tod des Rießbrauchers; II. durch Ablauf der Zeit, auf welche er z verlieben war; III. durch Conſolidation, d. b. Vereinigung der Ei⸗ nil genſchaften des Nießbrauchers und Eigenthuͤmers in einer Perſon,(z. B. 5 wenn der Rießbraucher das Eigenthum der Sache erwirbt); W. durch it dreyßigjaͤhrigen Richtgebrauch; V. durch gaͤnzlichen Untergang zi der Sache, an der der Rießbrauch haftet*); VI. durch Eintritt einer hu reſolutoriſchen Bedingung 3); VII. durch Mißbrauch*); ſi VIII. durch Verzichtleiſtung*). ben 2) MarEvIILILE Analyſe ad art. 617. behauptet, daß der Rießbraucher, der den un buͤrgerlichen Tod erlitten habe, nach geendigtem Nießbrauch doch Alimente aus demſelben verlangen könne. Arg. art. 1983. 39 3) Die — Art. 618. 40 Zweytes Buch. Dritter Titel. 1 2) Die unter Nr III-V. aufgefuͤhrten Erlöſchungsarten finden bey d brauche an fungibeln Sachen nicht ſtstt. p dem Nieb⸗ 3) Art. 620. 4) Art. 618. 5) Art. 621. 5. 441. Beſondere Beſtimmungen. 1. Wegen Mißbrauch. Durch Mißbrauch erlöſcht der Rießbrauch nie ipſo jure, ſondern nur vermittelſt einer Klage des Eigenthuͤmers auf Expulſion des Rieß⸗ brauchers. Einen Mißbrauch begeht der Rießbraucher dadurch, I. wenn er die Sache, an welche er den Nießbrauch hatte, gegen ihre natuͤrliche Beſtimmung, oder gegen die Beſtimmung, die ihm der Eigenthuͤmer zu⸗ geſtand, benutzte; Il. wenn er die Nutzungen ſo uͤbermäßig zog, daß die Sache dadurch beſchaͤdigt wurde; 11. wenn er die Sache aus Mangel der Unterhaltung zu Grunde gehen ließ.— Wird aus dem zweyten Grunde gegen den Nießbraucher auf Expulſion geklagt, ſo koͤnnen ſeine Glaͤubiger zur Erhaltung ihrer Rechte als Intervenienten auftreten, und ſich zur Ausbeſſerung der ſchon erfolgten Beſchaͤdigungen, wie auch zur Gewährleiſtung fuͤr die Zukunft, erbieten. Dem richterlichen Ermeſſen bleibt es dann anheim geſtellt, ob es den Glaͤubigern des Nießbrauchers dieſen Rießbrauch ſtatt ſeiner, bis zur Erloͤſchung deſſelben, geſtatten will ¹). Ueberhaupt haben die Richter das Recht, die Glaͤubiger — mogen concurriren oder nicht, erwogenen Umſtänden nach, entweder unbe⸗ dingt auf Erloͤſchung des Rießbrauches zu erkennen, oder dieſelbe nur unter dem Vorbehalte zu verfuͤgen, daß der Eigenthuͤmer dem Nießbraucher oder denen, die an ſeine Stelle treten, jaͤhrlich und bis zu dem Angenblicke, wo der Nießbrauch wuͤrde aufgehört haben, eine beſtimmte Summe entrichte. 1) Dieſes erhellt aus den Worten des Artikels: pour l'avenir.“ S. DRLvIN⸗ couRT Inſtitutes. T. I. p. 340. Meine Inſtitutiones juris civilis Napol. F. 1o2. not. 3. Ebenfalls ethellt es aus der Discuſſion, die freylich hier ſehr unvollſtaͤndig protocollirt, und bey MalEVIILLE Analyſe ad h. art. noch unvoll⸗ ſtändiger dargeſtellt iſt. Im Project war der Rechte der Glaͤubiger keine Er⸗ wahnung gethan; auf Portalis Bemerkuna uͤber dieſelben: Lorsqu'il y a ré- nonciation de ſa part, point de doute qu'ils doivent étre admis 3 réclamer; mais lorsqu'il a dechéonce, il faut ou les éearter, ou faire continuer l'uſu- fruit à leur profit, entſtand uͤber die Faſſung des Artikels in Hinſicht der⸗ ſelben Streit; da man, daß ihrer Erwahnung geſchehen muͤſſe, ſchon anden eh ſter der ke, me IN⸗ pol ſehr voll Er r ner uſi. det⸗ wel⸗ nden Von dem Nießbrauche, dem Gebrauchs⸗ u. Wohnungsrechte. 4r ſtanden war. Cambacéreès ſchlug ausdruͤcklich vor hinzuzuſetzen: fans préjudice des droits légitimes des créanciers, und bemerkte dabey: Les circonſtances ſeules doivent dẽcider; car il ſerait poſſible qu'un uſufruitier prèſentàt des fauſſes créanciers pour conſerver ſa jouiſſance ſous leur nom. Jetzt wandte ſich der Streit dahin, wann die Gläͤubiger zugelaſſen werden könnten. Bigot de Preameneu wollte ſie ſogar nach dem gegen den Nießbraucher auf Expul⸗ ſion geſprochenen Urtheil zulaſſen, Treilbard hingegen nur während des Pro⸗ ceſſes, als Intervententen. Treilhard's Meynung gieng durch, und hierauf bezlehen ſich di⸗ Worte Lameudement du O. Treilhard eſt adoptè S. Conference. T. II. p 215. Die Discuſſion publique umgeht dieſen Umſtand ganz, ſo wie auch Z2a0MAR1aE u. a. Commentatoren. 5. 442. II. Wegen Ablauf der Zeit. I. Der Rießbrauch, welcher moraliſchen Perſonen eingeraͤumt wird, Art. 619. dauert nur dreyßig Jahre. Il. Der auf ſo lange, als ein dritter ein be⸗ urt. 620, ſtimmtes Alter erreicht haben wuͤrde, bewilligte Nießbrauch, dauert bis zu dieſem Zeitpuncte, wenn auch der dritte vor Erreichung dieſes Alters ſterben wuͤrde. 6. 443. III. Wegen Verzichtleiſtung. Verkauft der Eigenthuͤmer die dem Nießbrauche unterworfene Art. 621. Sache, ſo behaͤlt der Rießbraucher noch immer ſo lange den Genuß der⸗ ſelben, bis er demſelben formlich entſagt. Eine ſtillſchweigende Verzicht⸗ leiſtung laͤßt ſich mithin nicht daraus präſumiren, daß der Nießbraucher den Verkauf zulaͤßt. Geſchah jedoch die Entſagung zum Rachtheile der Art. 622. Glaͤubiger des Nießbrauchers, ſo koͤnnen ſie dieſelbe fur nichtig erklaͤ— ren laſſen. S. 444 · W. Wegen Untergangs der Sache. Iſt nur ein Theil der Sache, die dem Nießbrauche unterworfen Art. 523. war, zu Grunde gegangen ¹), ſo dauert derſelbe in Ruͤckſicht des Ueber⸗ reſtes noch fort. Hieraus folgt: I. Hat mithin der Rießbrauch nur ein Art. 624. Gebaͤude zum Gegenſtande, und wird dieſes durch eine Feuersbrunſt oder einen andern Zufall zerſtöhrt, oder ſtuͤrzt es vor Alter zuſammen, ſo hat der Rießbraucher kein Rutzungsrecht an dem Grunde und Boden, oder an den Materialien. II. Betrifft dagegen der Rießbrauch ein ganzes F Spangenberg's Commentar Vd. 1I. Gut, —— b Zweytes Buch. Deritter Lite. Gut, wovon dieß Gebaͤnde nur einen Theil ausmachte, ſo ſteht dem Nießbraucher die Benutzung des Bodens und der Materialien zu. 1) Ob dieſe und die folgenden Regeln auch auf den Fall anzuwenden ſeyen, wenn der Gegenſtand durch den Eigenthuͤmer veraͤndert iſt, iſt beſtritten. Meines Erachtens laßt ſich die Frage leicht entſcheiden. Entweder geſchah die Verände⸗ rung während des Nießbrauchs, ſo braucht ſſe ſich nach Art. 599. der Nieß⸗ braucher nicht gefallen zu laſſen. Oder vor Antritt des Nießbrauchs, jedoch nach Verleihung deſſelben; dann tritt die Regel des Art. 1038. ein. Zweytes Kapitel. Von dem Gebrauchs⸗ und Wohnungsrechte. I. Vom Gebrauchsrechte. §. 445. Auch das Gebrauchsrecht beruht eigentlich in Hinſicht ſeiner Ausdehnung nur auf den Beſtimmungen des Disponenten ¹). In Er⸗ mangelung derſelben iſt es das Recht, eine fremde Sache jedoch nur in Hinſicht ſeiner und ſeiner Familie Beduͤrfniſſe zu benutzen ²). 1) Art. 628. Im Ganzen ſind hier die Vorſchriften des Rom. Rechts anwendbar. 2) Art. 630. DoMAr loix civiles. T. I. p. 117.(der Fol. Ausgabe).— Frey⸗ lich hat Thibaut Verſuche. B. I. Nr. 3. die Unhaltbarkeit dieſes aus den Dogmatikern des Roͤmiſchen Rechts entlehnten Begriffs gezelgt, wie ZacMAk1Ah Handbuch. Th. I. S. 146. ſehr richtig bemerkt. F.46 Erwerb deſſelben. Art. 623* Man erwirbt und verliert das Gebrauchsrecht auf eben die Art, Ati, öa6. wie den Rießbrauch ²). Dem Gebraucher liegt ebenfalle vor dem Ge⸗ nuſſe ob, Buͤrgſchaft zu leiſten, und ein Inventarium zu errichten, beydes nach den oben entwickelten Grundſaͤtßen. 1) Nur nicht durch den kuͤrgerlichen Tod. Arg. art. 1984. S. oben 5. 123. MaLBvIILLE Analyſe ad ars. 617. 8. 447. Von dem Nießbrauche, dem Gebrauchs⸗ u. Wohnungsrechte. 43 den§. 447 pflichten des Gebrauchers. ten Die Pflichten des Gebrauchers ſind: J. Er muß die Sache als Art. 627 eine. ne guter Hauswirth benutzen. II. In Ermangelung näberer Beſtimmungen Art. 623. eh durch den Verleiher, kann er nur ſo viele Nutzungen erheben, als ſeine Art. 629. und ſeiner Familie ¹) Beduͤrfniſſe erfordern. Er kann dieß Nutzungs⸗Art. 630. recht auch auf die nach Einräumung des Gebrauches hinzugekommenen Kinder ausdehnen. III. Er kann ſein Recht einem Andern weder ab⸗ Art. 631. treten noch verpachten. IV. Sind ihm durch den Willen des Verleihers Art. 633. alle Früͤchte zugeſtanden, ſo muß er, gleich dem Rießbraucher, glle Beat⸗ . beitungskoſten, ferner die zur Unterhaltung gereichenden Ausbeſſerungen, und die Steuern uͤbernehmen. Ziebt er nur einen Theil der Fruchte, ſo träͤgt er nach dem Verhaͤltniſſe ſeiner Benutzung bey.— Das Gebrauchs⸗ Art. 636. recht an Hölzern und Waldungen wird durch beſondere Geſeße ²) beſtimmt. 1) Was bedeutet dieſer Ausdruck in dieſem Kapitel? Unzweifelhaft iſt, daß hier⸗ unter Frau, Kinder, moͤgen ſie leibliche oder Adoptivkinder ſeyn, und das Haus⸗ ine geſinde gehsren. MArgvILLE Analyſe ad h. art. rechnet auch Eltern und Er Schwiegereltern dahin; der raiſon serite fr.. 5. D. VII. 8. de uſu et Mabita- c tione gemäß. Auch konnte dieſer Satz ſchon aus Art. 203. und 206. gefolgert, und in Hinſicht der Schwiegereltern auf die dort engegebene Art beſchraͤnkt werden, daß die Wohnung fuͤr ſie aufhöre: 1) wenn die Schwiegermutter zur zwehten Ehe geſchritten iſt; 2) wenn derjenige von beyden Ehegatten, von welchem die Schwägerſchaft herruͤhrt, und die aus ſeiner ehelichen Verbindung mit dem andern Ehegatten abſtammenden Kinder, verſtorben ſind. ju 2) 3. B. die Ordonnance des eaum et forètt. 1669. und durch die neuern . Geſetze in FrEuRIGEon Code adminiſtraiif. Adminiſtration. T. II. 1 p. 202— 249. S. beſonders ein Gutachten des Staatsraths vom 16. Fri⸗ maire XIV. ebendaſ. und fuͤr Weſtphalen ſ. das Königl. Decret vem 29. Maͤrz 1808. Art. 175— 133. im Geſetzbuͤtletin 1808. Nr. 335. S. 639 ff. U. Vom Wohnungsrechte. t, Bi f Das Wohnungsrecht iſt das Recht, vermoͤge deſſen jemand mit den Seinigen in einem fremden Hauſe zu wohnen befugt iſt. Seine Ausdehnung wird ebenfalls durch den Willen des Verleihers beſtimmt ¹). F2 44 Zweytes Buch. Dritter Titel. Von dem Nießbrauche r. 1) Art. 632. 603. Man ſieht, daß daſſelbe von dem uſus aedium des Römiſchen Rechts bedeutend abweicht. Vergl. PoTRHER traité du droit d' habitation vor ſeinem traite des donations entre mari et femme. 5. 449.· Erwerb deſſelben. Ebenfalls iſt der Erwerb und Verluſt*) dieſes Rechts an dieſelben Bedingungen, wie bey dem NRießbrauche geknuͤpft; mithin bedarf es einer Buͤrgſchaftsleiſtung und Inventariſation, nach den fruͤher aufgeſtellten Regeln 2). 1) S. jedoch not. I. zum§F. 406. 2) Art. 625. 626. 5. 450. Pflichten des Wohners. Die Pflichten des Wohners ſind: I. Er muß als guter Hauswirth Art. 632. die Wohnung benutzen ¹). II. Er darf ſie jedoch nur in ſo fern benutzen, Art. 633. als er fuͤr ſich und ſeine Familie ²) Wohnung bedarf. Zu bemerken iſt aber, daß er dieſes Recht nach ſeinen Beduͤrfniſſen ausdehnen darf, wenn er entweder zur Zeit der Verleihung noch unverheirathet war, oder nach⸗ Art. 634. her ſeine Familie ſich vermehrte. UI. Das Wohnungsrecht kann weder abgetreten noch verpachtet werden. Er kann mithin auch niemanden zur Miethe aufnehmen, weil das Recht ſtreng nach ſeinen Beduͤrfniſſen und auf ſeine Familie einzuſchraͤnken iſt. IV. Bewohnt er das ganze Haus, ſo muß er, gleich dem Rießbraucher, alle Bearbeitungskoſten, die zur Erhaltung des Hauſes gereichenden Ausbeſſerungen, und die Steuern uͤbernehmen. Bewohnt er nur einen Theil des Hauſes, ſo traͤgt er nach den Verhaͤltniſſen ſeiner Benutzung bey ²). 1) Art. 627. 2) S. die Note 1. zum F. 497. 3) Art. 635. Vierter he——— tion ee Von den Servituten oder Grunddienſtbarkeiten. ben inet lun 545 Begriff. Servitut ¹) heißt die Laſt, welche einem Grundſtuͤcke zum Gebrauche, Art. 637. und zum Beſten eines einem andern Eigentbümer zuſtebenden Grund⸗ ſtuͤckes ²) auferlegt iſt 3).— Nie begruͤndet jedoch die Servitut eine Att. 633. Abhaͤngigkeit des Grundſtuͤcks à), dem die Laſt auferlegt iſt, von dem, zu deſſen Beſten ſie auferlegt iſt. ith 1) S. Traité des ſervitudes, ſuivant les principes du Code civil, par J. M. en, paRDpssus. Paris. 1806. 8.— und in Hinſicht des fruͤhern Rechts 1a LAuR i traité des fervitudes reelles 3 Puſage de tous les parlements et ſiéges du i royaume. Caen et Paris. 1786. 4. 2) Benachbart brauchen ſie gerade nicht zu ſeyn. ArB1880* Rapport bey Gar⸗ nery S. 130. de 3) Der Begriff einer Servltut wird mithin paſſin genommen, nie actir wie zur im Roͤmiſchen Rechte.(Activ wird jedoch das Wort genommen, als Recht und im Art. 699. 701. 702) ueberhaupt weicht die Franzöſiſche Servitut dadurch von dem genannten Rechte ab: I. daß die beyden erſten Arten derſelben, die 16 natuͤrlichen und geſetzlichen, wahre Policeyverfuͤgungen ſind, die beſtändig in jut einem gewiſſen Thun beſtehen muͤſſen; Il. daß alle Servituten nur ſervitudes etn resles ſind.— Die vertragsmäßigen Servituten ſind dagegen die wahren Ser⸗ ach vituten des Römiſchen Rechts, und treten auch bey denſelben die nämlichen Grundſätze ein. Hieraus fließt, daß mehrere gleichnahmige Servituten himmel⸗ weit von einander unterſchieden ſind, z. B. die geſetzliche Servitut der Dach⸗ trauſe, und die vertragsmäßige deſſelben Nahmens. 4) Eben ſo wenig wie der Perſonen. TarRann Expoſẽ des motils bey Gar⸗ nery S. 6. und G1LILET Discours, ebendaſ. S. 142. §. 452. Eintheilung⸗ Die Servituten ſind in Ruͤckſicht auf die Quelle, aus welcher ſie Art. 639. emſpringen, dreyfach: I. natuͤrliche, welche aus der natuͤrlichen tage ti 53 der 46 Zuweytes Buch. Vierter Titel. der Orte gegen einander entſpringen; M. geſetzliche, welche das Geſetz beſtimmt, und III. vertragsmäßige, welche ihr Daſeyn den Vertraͤ⸗ gen oder ſonſtigen Willensaͤußerungen der gegenſeitigen Eigenthuͤmer ver⸗ danken ¹). ) Es ſcheint teinem Zweifel unterworfen ſeyn zu können, daß auch der Richter eine Servitut anordnen könne, z. B. bey Theilungsklagen. Arz. art. 682. Erſ5 Fapitel. Ven den natuͤrlichen Servituten⸗ §. 453 Arten derſelben. Natuͤrliche Servituten ſind vier angegeben: I. Servitut des Abzugs; I. Quellenſervitut; UI. Servitut des Fließwaſ⸗ ſers; IV. Servitut der Verſteinung⸗ §. 454 I. Servitut des Abzugs⸗ Art. 640. Die Servitut des Abzugs beſteht in der Verpflichtung der tiefer belegenen Grundſtuͤcke, das von den boͤher belegenen, nach ſeinem natuͤrlichen Laufe, und ohne Zuthun des Menſchen abfließende Waſſer aufzunehmen. Hieraus entſpringt eine gegenſeitige Verpflichtung der beyden keſpectiven Eigenthuͤmer. Der Eigenthuͤmer des tieferbelegenen Grundſtuͤcks darf keinen Damm aufwerfen, um dieſen Abzug zu verbin⸗ dern; der Eigenthuͤmer des boͤherbelegenen aber nichts vornehmen, was die Servitut des tiefern laͤſtiger macht, z. B. das Waſſer nicht in einen Graben ſammeln, u. ſ. w. §5. 455. II. Quellenſervitut. Die Quellenſervitut beſteht in einer Verpflichtung desjenigen, auf deſſen Grundſtuͤck eine Quelle vorhanden iſt ¹), die Rechte auf den Waſſerlauf derſelben anznerkennen, und denſelben nicht zugegen zu handeln, welche ſh ti⸗ ſe — —— de en ſer det nel wat inen gah de deln, ih Von den Servituten oder Grunddienſtbarkeiten. 47 welche durch Verjäbrung oder Nothwendigkeit erworben ſind. In der Art. 631. Regel hat der Eigenthuͤmer der Quelle das Recht, nach Willkuͤhr uber dieſelbe zu ſchalten, ausgenommen I. wenn der Eigenthuͤmer des unter⸗ halbliegenden Grundſtuͤcks durch einen beſondern Rechtsgrund, oder durch Verjäͤhrung den Genuß des auf ſein Grundſtuck hinuͤberfließenden Waſſer⸗ laufs ²) erworben hat. Die Verjaͤhrung wird in dieſem Falle begruͤndet: Art. 642. 1) durch einen dreyßigjährigen ununterbrochenen Beſitz; a) auch muß der Eigenthuͤmer des untern Grundſtuͤcks ins Auge fallende Anlagen gemacht baben, wodurch der Fall und Lauf des Waſſers auf ſein Eigenthum erleichtert wird. Die Verjaͤhrung laͤuft von der Vollendung derſelben. II. Wenn die Quelle den Einwohnern einer Gemeinde, eines Dorfs oder Art. éa3. Guts das noͤthige Waſſer verſchafft. Haben indeſſen die Einwohner den Gebrauch derſelben nicht erworben oder verzaͤhrt, ſo kann der Eigen⸗ thuͤmer eine Entſchäͤdigung, die durch Sachverſtaͤndige beſtimmt wird, fordern. 3 1) Auf Quellen, die erſt entdeckt werden, iſt der Art. nicht auwendbar. Zacta⸗ RIar Handbuch. Th. I. S. 151. v. Düring S. 169 ff. 2) Hierdurch unterſcheidet ſich mithin die natuͤrliche Quellenſervitut von der ver⸗ tragsmäßigen, ſich eines Brunnens oder einer Quelle auf einem fremden Boden dergeſtalt zu bedienen, daß man denſelben betritt. F. 456. III. Servitut des Fließwaſſers. Die Servitut des Fließwaſſers beſteht in der Verpflichtung xrt. 634. des Eigenthuͤmers, der ſich eines uͤber ſein Grundſtuͤck hinfließenden Waſ⸗ ſers bedient, denſelben, wo es aus demſelben beraustritt, ſeinen freyen Lauf wieder zu verſchaffen ¹); z. B. wenn er es mittelſt Graͤben in ſeine Wieſen zur Bewaͤſſerung geleitet hat, ſo muß er dieſe Graͤben wieder in den Fluß hineinleiten, damit derſelbe ſeinen gewöhnlichen Lauf wieder erbalte. Zu bemerken iſt: I. Daß dieſes Benutzungsrecht eincs vorbey⸗ oder durch⸗ füießenden Waſſers nicht an ſolchen Fluſſen ſtatt findet, die zum Staats⸗ eigenthume G. 397.) gehören*). U. Erhebt ſich ein Streit zwiſchen den Art. 65. anliegenden Eigenthuͤmern, welchen dergleichen Waſſer nuͤtzlich ſeyn kann, ſo ſollen die Gerichte bey ihren Erkenntniſſen das Intereſſe des Ackerbaus mit der dem Eigenthume ſchuldigen Achtung zu vereinigen ſuchen à). i. Ueber den Lauf und die Benutzung des Waſſers und deren Entſchei⸗ dung, 4⁸ Zweytes Buch. Vierter Titel. dung, ſollen vorzuͤglich die Particular- und Localverordnungen des Orts zu Rathe gezogen werden. 1) Dieſe Regel tritt jedoch nur in ſo fern ein, als nicht ein anderer beſondergr Rechtsgrund eine Ausnahme von der Regel macht. MargviLLE Aualyſe ad h. art. ZacaRIAE Handbuch. Th. I. S. 151. 2) Das Geſetz vom 6. October 1791. tit. 1. Sed. I. art. q. erlaubt es jedoch, in ſo ſern der Schifffarth dadurch kein Eintrag geſchieht. 3) S. auch Caſſattonshof bey S1RBx Jurisprudence de la cour de caſſatiou. 1807. P. 183. 470. §. 45. IV. Servitut der Verſteinung. Die Verſteinungsſervitut beſteht in der Verpflichtung des Ei⸗ Art. 646. genthuͤmers, ſeine Grundſtuͤcke abzumarken. Jeder Graͤnznachbar kann ihn dazu zwingen ¹); doch geſchieht die Abmarkung auf gemeinſchaftliche Art. 647. Koſten. Zu bemerken iſt: I. Jeder Eigenthümer iſt berechtigt, eine Be⸗ friedigung um ſein Grundſtuͤck anzulegen, wenn nicht ein anderer die Art. 6us. Durchgangsgerechtigkeit(Art. 682.) daruͤber ausuͤben darf. II. Der Eigenthuͤmer jedoch, der ſeine Grundſiucke befriedigt, verliert ſein Recht an der Koppelweide und andrer Hut auf den leeren Feldern ²*), und zwar nach dem Verhaͤltniſſe des der Hut und Weide dadurch entzogenen Bodens. 1) Und zwar mittelſt einer vor dem Friedensrichter anzubringenden Klage. Code do procodure frangais art. 3. Koͤnigl. Decret vom 21. Januar 1808. im Geſetzbulletin 1808. Nr. 5. Jedoch iſt es keinem Zweifel unterworfen, daß die Partheyen auch ohne Dazwiſchenkunft des Richters in der Güte thre Laͤndereyen verſteinen koͤnnen. Mar.FEVIILLE Analyſe ad h, art. ZacHAkRaß a. a. D. S. 151. 2)* parcours et vaine patüre.“ Es giebt zwey Arten von patäres: patures graſſes ou vives, und patures vaines.— Die erſtern ſind les marais, les pätis, ſes bruyerèés, les landes qui appartiennent à des communautés d'habitans, oder welche durch Gewohnheitsrecht einander zugeſtanden ſind, um ihr Vieh zu weiden. Les vaines patures ſont les grands chemins, les près après la Fauchaiſon, les guerets et terres eu friches, les bois de haute futaie, les pois taillis, aprds je quatriéme ou einquiéme bourgeon und im allgemeinen alle nicht umäunten Feider, worauf keine Saaten und Fruͤchte ſtehen. BRILLon dictionnaire des arrẽts[. v. pature. LECAMUs D'HovLouvE fur la cout. de Boulonnois. tit. S. ſect. 3. Coutume de Niverkois. chap. 3. art⸗ 5. Chalon ſur Marne. 256. Troyes. 170. Auwerre. 263. Sens. I47. Melun. 302. Durch das Geſetz vom 28. Sept. und 6. Oct. 1791. wurde die vaine pature 4 geſeßs tt eitt i oc ion, qu icht Be die der echt und nen od in fen, hie 145 ures iti tal, 6h e inen 107 ot t. 3 ʒon eſth Von den Servituten oder Grunddienſtbarkeiten. 49 geſetzliche Servltut aufgehoben, und nur als conventionelle geſtattet. MERItN Queſtions v. Vaiue patüre. F. I. behauptet, daß ſich jeder dieſer Servitut durch Einzãunung ſeiner Grundſtucke entziehen koͤnne, und Art. 647. ſagt daſſelbe. Aber immer kann man noch einwenden, daß ſich der Art. 647. nur darauf beztehe, wenn keine Conventionen zum Grunde liegen, comme toutes les diſpo- ſtions qui n'ont pas le caractère prohibitif ou imperatif; wie S1REv Jourual genéral des lois et arrsts. 1809. b. I. p. 72 ff. ſehe richtig bemerkt. S. auch FrEURIGRod Code adminiſtratif. Police. T. II. p. 672 ff. und ein Gutachten des Staatsraths vom 7. Dec. 1805. in CLaſſaulx Journal. I. 12. S. 537. Zweytes Kapitel. Von den geſehlichen Servituten. 6. 4. Eintheilung derſelben. Die geſetzlichen Servituten ſind in Hinſicht ihres Zwecks dreyfach: Art. 649. ſie betreffen naͤmlich entweder das oͤffentliche Beſte, oder das Beſte von Gemeinden, oder das von Privatperſonen*). 1) Aus der Benennung geſetzliche Servituten kann jedoch nie gefolgert werden, daß ſie durch den Willen der Menſchen nicht abgeaͤndert oder beſchraͤnkt werden duͤrfen; vielmehr kommen dieſelben nur in Ermanglung einer ſolchen Uebereinkunft, vermoͤge der Natur der Sache, und kraft der Geſetze in Anwen⸗ dung. BERLiIER Expoſé des motifs bey Sarnery B. ll. S. 125. 136. 5 1. Servituten die das öffentliche Beſte und das der Gemeinde betreffen. Die zum offentlichen Beſten, oder zu dem Beſten der Gemeinden Art. 650. eingefuͤhrten Servituten betreffen z. B. den Leinpfad an ſchiffbären oder floͤßbaren Fluͤſſen, ferner die Anlegung und Ausbeſſerung der Straßen und anderer öffentlichen und Gemeindeanlagen.— Der Code beſtimmt faſt) nichts uͤber ſie; vielmehr treten hier beſondere Geſetze und Ver⸗ ordnungen ein, die policeylich oder adminiſtrativ) ſind 2). 1) 3. B. Art. 356. 2) S. Ordormance des eaug et forèts 1669. tit. 28. und DENISAkT L.v. chemin Nr. 15. 16. ferner ein kaiſerl. Decret vom 22. Januar 1608, und ein anderes vom 7. Marz 1808.(im Buletin Nr. a954. 3177.) Spangenbergs Sommentai Bh. 11. G 50 Zweytes Buch. Vierter Titel. 2. Servituten bie das Privatwohl betreſſen. Nur die Servituten, die das Wohl der Privatperſonen betreffen, Irt. 631. ſind Gegenſtand des Code. Der Character derſelben iſt, daß das Geſetz die Eigenthuͤmer gegenſeitig gewiſſen Verbindlichkeiten unterwirft, ohne Dazwiſchenkunft eines Vertrags. Man muß jedoch nicht glauben, als wenn alle moͤgliche Verbindlichkeiten dieſer Art allein durch den Code Art, 632. beſtimmt werden, vielmehr wird ein Theil derſelben durch die Geſetze uͤber die Feldpolicey ¹) angeordnet. 1) S. Code rural, ou reeueil dor lois relatiues a Pagriculture et 4 la Volic⸗ rurale, epnuis 159. juqu d ce jour. Par. 1804. 8. FlTuRIGRot Code adminiſtratif. Police. p. 672 ſ. S Arten derſelben. Folgende Arten derſelben ſind im Code beſtimmt: I. Seroj⸗ tut des Zwiſchenwerks; I. Servitut des Zwiſchenraums; III. Servitut der Ausſicht; IV. Servitut der Dachtraufe; V. Setvitut des Uebergangs. Erſter Abſchnitt⸗ VPon der Servitut des Zwiſchenwerks. 5. 462 Besriff und Arten derſelben. Die Servitut des Zwiſchenwerks iſt eine den Rachbarn auferlegte wechſelſeitige Verpflichtung, zu der Ausbeſſerung und Wieder⸗ aufbauung des Zwiſchenwerks gemeinſchaftlich beyzutragen ²). Dieſes Zwiſchenwerk kann ſeyn: K eine Zwiſchenmauer; II. ein Zwiſchen⸗ graben; III. eine Zwiſchen hecke. 1) Hauptquelle derſelben iſt die Coutums do Paris tit. 9o; mithin auch wich⸗ tiges Interpretationsmittel. Ferner DEsGoPETS Lois de Batimenr, adee dor nores de Gourv; endlich FouRnt. traité de volſinage coſiderè dars ſes rapports avee lordre judiciaire 2 Voll. 13, und TBNNEson Vpuſcule ſur les reglus et droitꝰ du voiſinage. §. 46. bi⸗ 8; ftz Von den Servituten oder Grunddienſtbarkeiten. F1 §. 463. 1. Zwiſchenmauer. a. Vegriff derſelben. In den Städten und auf dem Lande wird jede Mauer, die ſich zwiſchen Gebaͤuden findet, ſo weit deren gemeinſchaftliche Höhe 1) reicht, ferner zwiſchen Hofraͤumen und Gaͤrten, ja ſelbſt zwiſchen eingeſchloſſe⸗ nen ²) Stuͤcken Feldes, in ſo fern ſie zur Scheidewand dient, als ge⸗ meinſchaftlich betrachtet, wenn nicht das Gegentbeil aus einem beſondern Rechtsgrunde, z. B. Vertrage, oder aus einem geſetzlichen Merkmahle 2) erhellt. Ein ſolches Merkmahl der nicht ſtattfindenden Gemeinſchaft iſt naͤmlich den Geſetzen nach vorhanden: I. wenn das obere Ende der Mauer eine ſchiefe, nach einem Grundſtuͤcke herablaufende Fläche bildet; H. wenn ſich nur nach einer Seite ein Wetterdach, oder ſchmale Lei⸗ ſten a), oder hervorragende Kragſteine s), die bey Aufrichtung der Mauer Art. 654. daſelbſt angebracht murden“), ſich befinden. In dieſen Faͤllen wird nämlich dafuͤr gehalten, daß die Meuer ausſchließlich dem Eigenthuͤmer zugeboͤre, auf deſſen Seite ſich die Traufe, die Kragſteine, oder die Leiſten von Stein befinden*). 1) Hier iſt von zwey Gebauden von ungleicher Höhe die Rede. Rrtich gehort der Theil der Mauer, der uͤber das niedere Gebäude hinausreicht, offenbar dem Eigenthuͤmer des hoͤhern Gebaͤudes. MaLRviLILE Analyſe ad h. art. 2) Nämlich beyden. Ware nur eines eingeſchloſſen, ſo wuͤrde die Vorſchrift des Art. 670. eintreten. DxELvINcouRT Inſtitutes. T. I. pe 357 3) Dervicouk behauptet hier a. a. D. N faut eitre au contraire. N le mir eſt entre batiments. St ceſt euere court, jardins ou enclos, la marqie de non · mit oyennit⸗ VupMt. Aber es laͤßt ſich ja denken, daß beydes auf beyde Arten von Mauern paſſen kann. Filet eſt la partie du chaperon, qui déborde le mur, afin que l'eau tombant au- déla du parement du mur, ne le degrade pas. DRLvINCobRT a. a. O. S. 353. 3) Dieſes erkannt man daran, wenn der Kragſtein aus einem einzigen Steine, der den ebenen Theil der ſenkrechten Fläche der Mauer ausmacht, ausgehauen her⸗ vorſpringt. Dieſe Vedingung muß vorhanden ſeyn, denn ſonſt konnte der eine Nachbar Steine in die Mauer mit leichter Mühe hineinſetzen, um ausſchließ⸗ licher Eigenthuͤmer derſelben zu werden. DRr.vINcöURT a. a. O. 6) In der Franzöſiſchen Bauart zeigt man das ausſchlleßliche oder gemeinſchaftliche Eigenthum durch ganze Steine an, welche hin und wieder auf einer oder reſp⸗ beyden Seiten aus der Mauer hervorragen; in Deutſchland und andern Ländern bringt man zu dieſem Behufe Blindlocher an. S⸗ Spielmann Codex Na⸗ poleon S 259). 6 2 7) 52 Zweytes Buch. Vierter Titel. 7) Außer dieſen Merkmahlen gab es nach der Franz. Praxis noch andere. Se wird z. B. vermuthet, daß die Mauer dem Eigenthuͤmer bes hohern Grund und Bodens gehoͤre, dem daran gelegen iſt, daß ſeine Erde nicht in den tieſerlie⸗ genden Boden herabſchieße; eben ſo vermuthet man, daß wenn von zwey anein⸗ anderſtoßenden Grundſtuͤcken, das eine aus einem Weinberge, das andere aus Ackerland oder Waldung beſteht, die Scheidemauer dem Eigenthuͤmer des Weln⸗ bergs zugehöre, weil dieſem mehr daran gelegen iſt ſich abzuſchließen. CoQuit Queſtions. Nr. 298. MarEvILLE Analyſe ad h. art. Letzterer behaupit, daß dieſe Vermuthungen auch noch jetzt fortdauern. Vielleicht koͤnnte man auch Thuͤren und Fenſter, odef bi alten Merkmahle dieſer Oeffnungen hierher rechnen. Ohſervations de cours d'aypel de Aiæ et Lyon in CRuSSA1RE Analyſe des obſervations. p. 408. v. Rechte und Verbindlichteiten der Mitelgenthumer. Art. 633. I. Die Ausbeſſerung und Wiederaufhauung der gemeinſchaftlichen Mauer liegt allen denen ob, denen ein Recht an derſelben zuſteht, und Art. 6ʒ6. zwar nach dem Verhaͤltniſſe dieſes Rechts. Gleichwohl kann jeder Mit⸗ eigenthuͤmer ſich durch Verzichtleiſtung auf die Gemeinſchaft von dem Beytrage zur Ausbeſſerung und Wiederaufbauung befreyen, ausgenom⸗ men, went die Mauer einem ihm zugehörigen Gebaͤude zur Unterſtuͤung Art. 677. dient ¹). I. Jeder Miteigenthuͤmer kann an die gemeinſchaftliche Mauer anbauen, und in dieſelbe bis auf 54 Millimeter ²)(zwey Zoll) Tiefe, die er an der andern Seite ſtehen laſſen muß, Balken jeder Art legen laſſen. In dieſem Falle bleibt jedoch dem Nachbar das Recht vorbe⸗ halten, dieſe Balken bis zur Mitte der Mauer mit dem Meißel verkuͤrzen zu laſſen, wenn er an eben dieſer Stelle gleichfalls Balken einlegen laſſen will. Daſſelbe Recht hat er, wenn er an dieſer Stelle auf der andern Seite einen Schornſtein einfuͤhren will, da ihn die geringe Dicke von 54 Millimeter Mauerwerk nicht vor der Gefahr, daß ſich die inliegenden Art. 633. Balken entzuͤndeten, ſchuͤtzen kann. III. Jeder Miteigenthuͤmer kann die gemeinſchaftliche Mauer erhöhen laſſen ²); doch fallen ihm 1) die Er⸗ höhungskoſten mund die zur Unterhaltung nöthigen Ausbeſſerungen dieſes erhöhten Theils allein zur Laſt. 2) Auch iſt er fuͤr die Belaſtung der Kauer nach dem Verhältniſſe der Erhöhung, und des Werths Entſchaͤ⸗ art. 659. digung zu leiſten ſchuldig. 3) Iſt die gemeinſchaftliche Mauer nicht ſtark genug, um die Erhöhung zu tragen, ſo muß der, welcher ſie erhöhen will, dieſelbe auf ſeine Koſten von neuem auffuͤhren laſſen; auch muß der erforderliche Zuſatz an Dicke der Mauer, um die St rho⸗ Und rlie⸗ ſein aus deh daß alch hen. des Und Nit dem un uer ift, gen the tzen ſen dern von den die eſes det icht hen nuß dit thi Von den Serbituten oder Grunddienſtbarkeiten. 63 Erhöbung tragen zu koͤnnen, zu erlangen, auf ſeiner Seite angeſetzt werden. Der Nachbar, welcher zur Erhshung nichts beygetragen hat, kann die Art. 660. Gemeinſchaft derſelben erwerben, wenn er die Haͤlfte der Erhoͤbungs⸗ koſten und des Werths des fuͤr den Zuſatz an Dicke etwa hergegebenen Bodens, entrichtet. 1IV. Jeder an eine nicht gemeinſchaftliche Mauer Art. 661. angraͤnzende Eigenthuͤmer hat das Recht, dieſelbe ganz oder zum Theil dadurch gemeinſchaftlich zu machen, daß er dem Eigenthuͤmer der Mauer entweder deren ganzen Werth, oder den Werth des Theils, welchen er gemeinſchaftlich machen will, und den Werth des Bodens worauf die Mauer gebauet iſt, zur Haͤlfte erſetzt. V. Keiner der Nachbaren darf Art. 662. in die gemeinſchaftliche Mauer Vertiefungen machen, noch irgend ein Werk an dieſelbe lehnen oder ſtuͤtzen, wenn er nicht die Einwilligung des andern erhaͤlt. Verweigert dieſer dieſelbe, ſo muß er durch Sach⸗ verſtaͤndige die Mittel beſtimmen laſſen, durch deren Anwendung das neue Werk den Rechten des andern unſchädlich einzurichten iſt. 1) Wiſ er das Gebaͤude derelinquiren, ſo wird er freylich ganz frey. MArk⸗ vILIE Analyſe ad h. art. 2) Schrader kurze tabellariſche Darſtellung des neuen Franzoſiſchen Maaßes. S ſ 3) Doch hat der Richter das Recht, dieſe Erhohung zu vermindern, wenn zwar die Erhoͤhung dem Erhoͤher nuͤtzlich, dem Nachbar aber ſchaͤdlich iſt, z. B. ihn des Lichts beraubt. Appellhof von Metz in S1REx Jurisprudence de la Cour de caſſation. 1807. Suppl. p. 188 ff. 6. 465. c. Ausdehnung dieſer Regel auf ähnliche Faͤlle. I. In den Städten und PVorſtaͤdten kann jeder ſeinen Nachbar xrt. 663. zwingen, daß er zur Aufrichtung und Ausbeſſerung der Wand mit bey⸗ trage, welche ihre Haͤuſer, Hofraͤume und Gaͤrten von einander ſcheidet. Die Hoͤhe der Scheidewand wird nach den Verordnungen, oder nach dem beſtaͤndigen und anerkannten Gewohnheitsrechte beſtimmt. In Ermanglung beyder*) ſoll jede ſolche Scheidewand in den Staͤdten von 5oooo Seelen und daruͤber, wenigſtens 32 Decimeter 2)(10 Fuß) mit Inbegriff des Mauerdachs, und in den uͤbrigen Staͤdten 26 Deeimeter (8 Fuß) hoch ſeyn 3). II. Wenn die verſchiedenen Stockwerke eines Art. 663. Hauſes verſchiedenen Eigenthuͤmern gehoͤren, und die Art und Weiſe der G 3 Aus⸗ 54 Zweytes Buch. Vierter Titel. Ausbeſſerung und des Wiederaufbauens nicht bey dem Erwerbe des Ei⸗ genthums feſtgeſetzt ſind, ſo treten folgende Regeln ein: 1) Die Haupt⸗ mauern und das Dach fallen ſaͤmtlichen Eigenthuͤmern zur Laſt, und zwar jedem nach Verhaͤltniß des Werths des ihm zugehoͤrigen Stockwerks. 2) Der Eigenthuͤmer eines jeden Stockwerks macht den Fußboden worauf er geht. 3) Der Eigenttuͤmer des erſten Stockwerks macht die Treppe, welche dahin fuͤhrt; der Eigenthuͤmer des zweyten Stockwerks macht die Treppe, die von dem erſten Stockwerke zu ihm fuͤhrt, u. ſ. w. 1) Und der gegenſeitigen Einwilligunoy. Denn jeder kann in dieſem Falle ſich ſo hoch einſchlleßen wie er will. Der Artikel bezieht ſich nur auf den Fall⸗ wenn einer der Nachbarn den andern zur Einſchließung zwingt. MatRvIILtB Analyſe ad h. art. aus der Discuſſion. 2) Schrader kurze tabellariſche Darſtellung des neuen Franzoͤßſchen Maaßes, a. a. O. 3) Außerdem iſt zu bemerken: I. Es bleibt Policeyſache, zu gebieten, daß ſich alle Einwohner ohne Ausnahme, ſie moͤgen von den Nachbarn dazu aufgefordert ſeyn oder nicht, ſich elnſchließen ſollen. Il. Von dem Bentrage kann ſich jeder des Art. 606. durch Verzichtung befreyen. MarRvIILuR Analyſe B art. . Dauer dieſer Servitut. art. 666. Dieſe Servitut dauert ſo lange als die Grundſtücke dauern, der Verjährung jedoch unbeſchadet. Wird daher eine gemeinſchaftliche Mauer oder ein Haus wieder aufgebauet, ſo leben die demſelben und gegen daſſelbe zuſtehenden Servituten wieder auf; doch durfen dieſelben nicht laſtiger eingerichtet werden; auch muß die Wiederaufbauung vor vollen⸗ deter Verjaͤhrung geſcheben. §. 467. I. Zwiſchengraben. a. Begriff. Art. 666. Alle Gräben zwiſchen zwey Grundſtuͤcken werden fur gemeinſchaft⸗ lich gehalten, wenn nicht das Gegentheil aus eineim beſondern Rechts⸗ grunde, oder aus einem andern Merkmahle erwieſen werden kann. Ein xrt. 65ꝛ. folches Merkmahl iſt vorbanden, wenn der Erdwall oder der Auswurf der Erde bey Anfertigung oder Reinigung des Grabens ſich nur auf xrt. 663. einer Seite deſſelben befindet. Der Graben wird naͤmlich als aus⸗ ſchließ⸗ lpt⸗ und ks. rauf phe, die ſch ſall, LIE fei, ele rdert jeder alle der guet egen ſicht Aen⸗ haft cht Ein wur uf al ließ Von den Servituten oder Grunddienſtbarkeiten. 55 ſchließliches Eigenthum desjenigen betrachtet, auf deſſen Seite ſich der Auswurf befindet. §. 468. b. Rechte und Verbindlichkeiten. Ein gemeinſchaftlicher Graben muß auf gemeinſchaftliche Koſten Art. o69. unterhalten werden, und jedet Miteigenthuͤmer hat folglich das Recht den andern zu dem Beytrage derſelben zu zwingen, wenn dieſer ſich nicht durch Abtretung des Grabens von der Gemeinſchaft befreyen will ¹). 1) Arz. art. 635. 636. III. Zwiſchenhecke. a. Begriff. Jede Hecke, welche Grundſtucke ſcheidet, wird fuͤr gemeinſchaftlich Art. 67«. gehalten, ausgenommen: I. wenn nur eines dieſer Grundſtücke umzaunt iſt, denn dann nimmt man an, daß die Hecke dem Eigenthuͤmer des umzäunten Grundſtuckes allein gehoͤre; II. wenn ein beſonderer Rechts⸗ grund, oder ein hinlaͤnglicher Beſißſtand ²) das Gegentbeil dartbut. 1) Derjenige, der ſich in einem ſolchen Beſitz befindet, iſt mithin berechtigt, eine poſſeſſoriſche Klage anſtellen, um in dieſem Beſitze geſchuͤtzt zu werden, wenn man darin geſtshrt wird. Caſſationshof in DEREvERs Journal des au- diences. 1806. p. 9. 5. 470. b. Rechte und Verbindlichkeiten. In Hinſicht auf die Umzäunung der Grundſtuͤcke iſt zu bemerken: Art. 671. I. Daß hochſtämmige Baͤume nur in der durch beſondere Verordnungen oder Gewohnheitsrechte beſtimmten Entfernung von dem andern Grund⸗ ſtuͤcke, gepflanzt werden ſollen. In Ermangelung derſelben ſollen hoch⸗ ſtämmige Baume zwey Meter(ſechs Fuß), andere Baͤume und lebendige Hecken hingegen einen halben Meter(14 Fuß) von der Graͤnzlinie beyder Grundſtuͤcke entfernt hleiben. II. Der Nachbar hat das Recht zu ver⸗Art. 672. langen, daß die in einer geringern Entfernung gepflanzten Baͤume und Hecken ausgerodet werden ¹). III. Derjenige, auf deſſen Eigenthum die Aeſte von des Rachbars Baͤumen uͤberhaͤngen, kann den letztern zwingen, dieſelben abzuſchneiden. IV. Etſtrecken ſich die Wurzeln bis in ſein Grund⸗ — 56 Zweytes Buch. Vierter Titel. Grundſtuͤck, ſo hat er das Recht ſie darin ſelbſt abzuſchneiden. Art. 673. V. Baͤume die in einer gemeinſchaftlichen Hecke ſich befinden, ſind ge⸗ Lrt. 674. meinſchaftlich, wie die Hecke ſelbſt. Jeder der beyden Eigenthuͤmer hat das Recht zu verlangen, daß ſie gefaͤllt werden. 1) Nur darf ihm nicht die 3ojährige Verjaͤhrung entaegenſtehen. MarßvitI; Analyſe ad h. art. DRLvINcopRT Inſtitutes. T. I. p. 364. weſche nach Art. 690. eintreten kann, da dieß eine[ervitude apparente iſt. Gehoͤren dem Eigenthuͤmer die Fruͤchte, welche von des Nchbars Baumen auf ſein Grun?ſtuͤck heruͤber fallen?— CoaurTE Queſtions. Nr. 274. behauptet, daß in dieſer Hinſicht fr. un. D. LXIII. 28. de glaude leg. welches dieſes bejaht, in Frankreich nicht gebraͤuchlich geweſen; MaLEvILI.B hingegen leugnet nur d. Allgemeinheit der Guͤltigkeit deſſelben, und bemerkt, daß jetzt hierüber keine Schwierigkeiten entſtehen wuͤrden, da der Eigenthuͤmer des Grundſtuͤcks, woruͤber die Aeſte der Baͤume hervorragen, befugt ſey, ſie abſchnciden zu laſſen, und er dleſes zuver⸗ lafſig immer thun wuͤrde, wenn der Herr des Baums nicht zugiebt, daß er die Fruͤchte davon fuͤr ſich behalte. In dieſem Falle ließ das ältere Franzoͤſſſche Recht gegen das Abſchneiden keine Verjährung zu. Auch wuͤrde ſie nach Art. 2232. unzulaͤſſig ſeyn. ZAcHaRIAßF Handbuch. Th. I. S. 133. Zweyter Abſchnitt. Von der Servitut des Zwiſchenraums. S 5 1 S i f. Wer einen Brunnen oder eine Miſtgrube neben einer gemeinſchaft— lichen oder nicht gemeinſchaftlichen Mauer graben; wer daſelbſt einen Schornſtein, eine Schmiede, einen Backofen oder andern Ofen errichten, einen Stall an dieſelbe anlehnen, oder ein Salzmagazin, oder einen Vor⸗ rath ſonſtiger aͤtzender Materialien bey jener Mauer anlegen will ¹), iſt verbunden, ſo viel Zwiſchenraum zu laſſen, als die Localverordnungen ²) und Gewohnheitsrechte in Anſehung dieſer Gegenſtaͤnde beſtimmen, oder diejenigen Werke aufzufuͤhren, welche durch eben dieſe Verordnungen und Gewoßhnheitsrechte zur Verbuͤtung jedes Nachtheils fuͤr den Nachbar vor⸗ geſchrieben ſind. 1) Dieſe Fälle ſind nur Beyſplelshalber genannt. Von den Servituten oder Grunddienſtbarkeiten. 57 en 2) 3. B. Coutume d⸗ Parit art. 188. 189. 191. 192. S. MarvIIIE Analyſe ad h. art.— Sollten dergleichen Localverordnungen nicht exiſtiren, ſo kann der g⸗ Nachbar verlangen, daß durch Kunſtverſtändige die Entfernung beſtimmt werde, at in welcher der andere zu bauen hat. ZacRAkIAE Hahdbuch. Th I. S. 154.— Nur darf ihm nicht die Verjährung entgegenſtehen. Arsg. art. 642. Dritter Abſchnitt. Von der Servitut der Ausſicht. ſet. eich ten Begri ff. d 6.. Die Servitut der Ausſicht*) iſt eine dem Grundſtuͤcke von den Geſetzen auferlegte Laſt, wodurch der Eigenthuͤmer deſſelben verhin⸗ dert wird, eine freye Ausſicht auf das benachbarte ²) Grundſtuͤck ²) zu haben. 1) S. Coutume de Paris art. 199— 202. 2) Immer muß das Grundſtuͤck mit dem andern zuſammenſtoßen, wenn dleſe Ser⸗ vitut elntritt. Waren z. B. die beyden Grundſtuͤcke durch einen öffentlichen Weg getrennt, der nicht die geſetzliche Breite hat, ſo könnte dennoch die Ser⸗ vitut nicht zur Anwendung kommen, da die Grundſtuͤcke nicht an einander, ſondern beyde nur an den öffentlichen Weg ſtoßen. DesGoppTs a. a. O. DrI.vIocouRT Inſtitutes. T. I. p. 367. 3) Nur muß es bebauet ſeyn. Geht die Ausſicht auf Wieſen oder Felder, ſo muß die Servitut, dem Geiſte des Geſetzes nach, nicht zur Anwendung kommen. ZackaRIaE Handbuch. Th. I. S. 155. . en, Specielle Arten derſelben. on Mithin: I. Darf kein Nachbar, ohne Bewilligung des andern, it Art. 675. iſ der gemeinſchaftlichen Mauer ein Fenſter oder irgend eine Heffnung an⸗ ¹) bringen, ſelbſt nicht einmal ein ſolches Fenſter, das ſich nicht öfſnen läßt, da ſondern nur das Durchſchauen erlaubt. Iſt dagegen die Mauer nicht Art. 676. ind gemeinſchaftlich, ſondern ihm eigenthuͤmlich, und ſtoßt dieſelbe unmittelbar or an das Grundſtuͤck des andern, ſo darf er zwar in derſelben Oeffnungen und Fenſter anbringen; jedoch muͤſſen dieſelben 1) mit einem Dratgitter verſehen, und von der Art ſeyn, daß ſie nicht geöffnet werden können. Spangenberg's Commentar Bd. 1I. H 2) 58 In Zweytes Buch. Vierter Titel. 2) Dieſe Fenſter muſſen außerdem mit einem eiſernen Gitter verſeben ſeyn, deſſen Maſchen höchſtens einen Decimeter(3 Zoll 8 Linien) Weite baben duͤrfen; ſo wie auch mit einem Rahmen, der nicht geoͤffnet werden Art. 677 kann. 3) Ferner duͤrfen dieſe Fenſter oder kichtoͤffnungen nicht anders als ſechs und zwanzig Deeimeter(s Fuß) uͤber den Fußboden des Zim⸗ mers, welchem man kicht verſchaffen will, wenn es unten an der Erde iſt, und neunzehn Deecimeter(6 Fuß) uͤber den Fußboden, wenn das Zimmer in den höhern Stockwerken belegen iſt, angebraͤcht werden. Art, 678. II. Man darf nach dem Grundſtuͤcke ſeines Nachbarn, es mag mit einer Befriedigung eingeſchloſſen ſeyn oder nicht, keine Heffnungen in gerader Richtung, kein Fenſter das zur Ausſicht dient, keinen Balcon oder ähn⸗ lichen Vorſprung haben, wenn nicht die Mauer, woran man ſie anbringt, von dem erwaͤhnten Grundſtuͤcke neunzehn Decimeter(6 Fuß) entfernt Art. 679. iſt. Auch eine Ausſicht von der Seite, oder in ſchraͤger Richtung kann man nur dann haben, wenn die Heffnung oder der Balcon, von dem man ſie hat, wenigſtens ſechs Decimeter(2 Fuß) von dem erwaͤhnten Art, 630. Grundſtuͤcke entfernt iſt ²).— Die in dieſen Faͤllen zu beobachtende Entfernung wird von der Außenſeite der Mauer, in welche die Heffnung angebracht iſt, und, wenn von einem Balcon oder aͤhnlichem Vorſprung⸗ die Rede iſt, von der aͤußerſten Randlinie deſſelben angerechnet, bis zu der Graͤnzlinie des beiderſeitigen Eigenthums. 1) DesGopETs a. a. O. behauptet ſogar, daß wenn der Balcon ſo vlel Vor⸗ ſprung hat, daß man ſich gaͤnzlich auf denſelhen begeben, und frey umwenden und um die Ecke auf das benachbarte Grundſtuͤck hinausſehen könne, dert ſelbe in dieſem Falle in einer Entfernung von 6 Fuß von dieſer Scke angebracht werden muͤſſe. Vierter Abſchnitt⸗ Von der Servitut der Dachtraufe. e vtt. 6s1. Die Serbitut der Dachtraufe iſt die Pflicht, die das Geſetz einem jeden Eigenthuͤmer auferlegt, ſeine Dächer ſo einzurichten, daß das Regenwaſſer auf ſeinen rigenen Grund und Boden, oder en ite ets m de 0 et der , t in en de e ol den t t jaͤhrt iſt. Von den Servituten oder Grunddienſtharkeiten. 59 öfientliche Straße fällt). Nie darf er es auf das Grundſtuͤck ſeines Rachbars herabfließen laſſen. 1) Mithin iſt die geſetzliche Servitut der Dachtraufe von der vertrags⸗ mäßigen(der Römiſchen), vermittelſt welcher jemand den Nachbarn zwingen kann, zu erlauben, daß er ſein Regenwaſſer aufnehme, ſo verſchteden, daß die erſtere durch die letztere abgeandert werden kann. Fünfter Abſchnitt. Von der Servitut des Uebergangs⸗ 5. 475. Die Servitut des Uebergangs iſt die vom Geſetz auferlegte Art. 652. Pflicht, den Uebergang ſeines Rachbars, deſſen Grundſtucke uͤberall ein⸗ geſchloſſen ſind, und der keinen Ausweg auf eine öffentliche Straße hat, auf dieſelbe zu leiden. Uebergang iſt hier im weitern Sinne dieſes Worts, fuͤr Ueberfarth, oder jeden Weg, den derſelbe zur Benutzung ſeines Grund⸗ ſtuͤcks noͤthig hat, zu nehmen ¹). 1) ZackantAn Handbuch. Th. I. S. T36. Beſtimmungen hieruͤber. golgendes beſtimmt das Geſetz uͤber die Art der Ausubung dieſer Servitut: I. Der Uebergang muß der Regel nach auf der Seite genom⸗ Art. 633. men werden, wo er von dem eingeſchloſſenen Grundſtuͤcke am kuͤrzeſten zur offentlichen Straße fuͤhrt. Il. Gleichwohl muß dazu derjenige Ort xrt. 64. gewaͤhlt werden, wo er dem, uͤber deſſen Grundſtuͤck er geſtattet wird, am wenigſten nachtheilig*) iſt. II. Derjenige, der den Uebergang fordert, muß dem Eigenthuͤmer eine dem Schaden, den er dadyrch veranlaßt, angemeſſene Entſchädigung ²) entrichten 2). Dieſe Klage auf Entſchä⸗ Art. 636. digung iſt der Verjaͤhrung unterworfen, und ausdruͤcklich beſtimmt das Geſeß, daß der Uebergang dennoch nicht verwehrt werden dürfe, wenn auch gleich die Klage auf Entſchaͤdigung nicht mehr zuläſſig und ver⸗ H 2 1) — 60 Zweytes Buch. Vierter Titel. 1) Wenn er auch nicht der kuͤrzeſte iſt. Zacantap a. a. O. 2) Ausgenommen: I. Wenn die Grundſtuͤcke einem Erwerber gehörten, und der⸗ ſelbe das eingeſchloſſene Grundſtuͤck abgeſondert verkaufte. II. Wenn die Grund⸗ ſtuͤcke urſpruͤnglich einer Familte gehörten; CoavtLLE Queſtions Nr. 74. MaEvILLE Analyſe ad h. art. III. Wenn das Grundſtuͤck desjenigen, welcher uͤber das Grundſiuck ſeines Nachbars ſelnen Weg zu nehmen berechtigt zu ſeyn behauptet, einen Ausgang auf einen öffentlichen Weg hat. Caſſationshof bey DeNEvERs Journa! des audiences. 1806. Suppl. p. 29. 3) 6 Verguͤtung muß zuvor in Richtigkeit gebracht werden. v. Duͤring 193. Drittes Kapitel. Von den durch die Handlung eines Menſchen begruͤndeten oder conventionellen Servituten. §. 477. Begriff derſelben. Rur dieſe Claſſe von Servituten verdient den Nahmen einer Ser⸗ itut im engern Sinne. Auf ſie allein paßt der Römiſche Begriff ¹) einer Servitut; naͤmlich, daß ſte eine Laſt, welche einem Grundſtuͤcke zum Vortheil ²) eines andern dergeſtalt auferlegt iſt, daß es etwas leiden muß, oder von einer naturlichen Freyheit nicht Gebrauch machen darf. 1) Hierher gehoͤren mithin alle Roͤmiſchen Servitaten, ſie mogen einen Nohmen haben welchen ſie wollen, z. B. fuminis recipiendi, tigni immittendi, lumi- num, ne luminibus oßeiatur u. ſ. w. S. Hoͤpfners Commentar über die Inſtttutionen F. 346 ff. 2) Dieſer Vortheil muß ſeyn un avnntage nerpetuel, et non une commodite, ou une convenance paſſagere. ArRssoN Rapport, bey Garncry B. I. S. 130. Erſter Abſchnitt. Von den verſchiedenen Gattungen der Serbituten, die bey Grundſtuͤcken ſtatt finden koͤnnen. 5. 487. Grund ſatz. Art. 6s6. Jedem Eigenthuͤmer ¹) iſt es erlaubt, ſeinem Grundſtuͤcke ent⸗ weder zum Vortheile eines andern eine Laſt aufzuerlegen, oder ſich Le or⸗ Von deu Servituten oder Grunddienſtbarkeiten. 61 Vortheile ſeines Grundſtuͤcks von dem Eigenthuͤmer des andern verſpre⸗ 6 chen zu laſſen, daß dieſer etwas leiden, oder nicht tbun wolle. Nur iſt zu bemerken: I. Die Servitut kann weder einer Perſon 72. noch zum he Vortheile einer Perſon auferlegt werden; ſondern nur einem Grund⸗ i ſtuͤcke, oder zum Vortheile eines Grunbſtuͤcks. Il. Die Servieut darf if nichts enthalten, was der öffentlichen Ordnung zuwider waͤre.— Eigent⸗ lich wird der Umfang der Servitut durch den Verleiber beſtimmt; in Er⸗ n mangelung dieſer Beſtimmung treten jedoch die unten aufgefuͤhrten Re⸗ geln ein. 1) Mithin laͤßt ſich kein titulus a non domino denken. n 2) Alſo läßt ſich hier keine ſervitus in faciendo conſiſtens denken, da dieſe nur einer Perſon auferlegt werden konnte. §. 479. Eintbeilung. I. In Hinſicht auf den Gegenſtand ſind die Servituten doppelt: Art. 632. Sie werden nämlich entweder zum Vortheile eines Gebaͤudes, oder „ zum Vortheile anderer Grundſtucke errichtet. Iſt das erſte der Fall, ſo heißen ſie ſtaͤdtiſche Servituten(ſervitudes urbaines); die Ge; baͤude, welchen ſie zuſtehen, moͤgen in der Stadt oder auf dem Lande gelegen ſeyn. Im letztern Fall heißen ſie Feldſervituten(ſervitudes rurales). II. In Hinſicht auf ihren Gebrauch ſind ſie entweder fort⸗Art. 688. u. waͤhrende(continues) oder nichtfortwährende(discontinues)*). 6 Die erſtern ſind ſolche, deren Gebrauch entweder immerwaͤbrend iſt, oder ie doch immerwaͤhrend ſeyn kann, ohne daß es dazu jedesmal der Handlung P eines Menſchen bedarf, z. B. bey Waſſerleitungen, Dachtraufen, Aus⸗ ſichten ²). tetztere ſind hingegen ſolche, die ohne jedesmalige Handlung eines Menſchen nicht ausgeuͤbt werden können, z. B. die Servitut des uebergangs, das Weiderecht, das Recht Waſſer zu ſchoͤpfen, u. dergl. mehr. II. In Hinſicht ihrer Sichtbarkeit ſind ſie entweder augen⸗Art. 689. fällige oder nicht augenfaͤllige. Erſtere ſind ſolche, die ſich durch äußere Anlagen, z. B. eine Thuͤr, ein Fenſter, eine Waſſerleitung an⸗ kuͤndigen. Letztere ſind diejenigen, welche kein aͤußeres Merkmahl ihres Daſeyns haben, z. B. die Servitut der Ausſicht, vermöge welcher jemand 6 nicht hoͤher bauen darf, damit dem Berechtigten die Ausſicht nicht entzogen n werde u. ſ. w. IV. In Hinſicht ihrer Wirkung: affirmativc und en H 3 nega⸗ 62 Zweytes Buch. Vierter Titel. negative. Erſtere ſind die, welche in einem Leiden beſtehen, wenn man etwas erlauben, leiden muß, z. B. Waſſeerſchoͤpfen aus einem fremden Brunnen; letztere, welche in einem Verbotenſeyn beſtehen, z. B. wenn man nicht die Ausſicht des Nachbars verbauen darf⸗ 8 1) Hierher gehoren alle negattven Servituten. 2) Nicht den geſetzlichen Servititen dieſes Nahmens, ſondern den Roͤmt⸗ ſchen; nach welchen die Servitut der Dachtraufe das Recht ſſt, fordern zu können, daß der Nachbar mein Regenwaſſer auf ſeiner Hof fallen laſſe; die Servitut der Ausſicht, verlangen zu können, daß der Nachbar meine Ausſicht nicht verbaue, u. ſ. w⸗ Zweyier bſchn Pie die Servituten erworben werden. §. 480. Erwerblarten. Art. 69o. Die Servituten werden erworben: I. Durch ſchriftliche Vek⸗ leihung ¹). Hierbey iſt jedoch zu bemerken: 1) Fortwährende augen⸗ fallige Servituten ²) erwirbt man durch Verleihung oder durch dreyßig⸗ Art. 691 jährigen Beſitz. 2) Fortwäͤhrende nicht augenfaͤllige dagegen und alle nicht fortwaͤhrende ³) einzig durch Verleihung, nicht durch bloßen Beſitz oder durch Beſtimmung des Eigenthuͤmers. Bloßer Beſitz, ſelbſt wenn er unvordenklich waͤre, iſt nie hinreichend ſie zu begruͤnden*), doch kann man Servituten dieſer Art, die durch den Beſitz bereits erworben ſind*), in Ländern, wo ein ſolcher Erwerb zulaͤſſig war, nicht mehr anfechten.— IM. Durch bloßen dreyßigjäbrigen Beſit 5 ausgenommen fortwaͤhrende nicht augenfallige und nicht fortwaͤhrende. Att. 62. III. Durch Beſtimmung des Eigenthuͤmers“), ausgenommen ebenfalls in Hinſicht der fortwährenden nicht augenfälligen, und der nicht⸗ Art. 693. fortwaͤhrenden. Eine Beſtimmung des Eigenthümers iſt näͤmlich vorhan⸗ den, wenn jemand, der vorher zwey gegenwaͤrtig getrennte Grundſtucke beſeſſen hat, das eine dekſelben erweißlich*) in einen Zuſtand geſetzt hat, aus dem die Servitut hervorgeht. 1)*par titre.“ Unter litre vorſtehen die Franzoſen immer nur eine Urkunde z. B. Vertrag, Teſtament u. ſ. w. Spielmann, Erhard, v. Duͤring S. 193.— Etwas undeutlicher uberſetzt die lateiniſche Ueberſetzung: titulo, die die t üde in lo, di Von den Servituten oder Grunddienſcbarkeiten. 63 die Weſtphaͤliſche: Verleihung; die Badiſche und Blanchard: Ver⸗ guͤnſtigung;— noch undentlicher Laſſaulx: Rechtsgrund; Prpiprkß Geſetz- buch Nap. Th. I. S. 312. Rechtstitet.— Nur durch eine Urkunde oder durch dreyßigjaͤhrigen Beſitz kann eine Servitut erwieſen werden. Die Ruͤckſicht auf die Freyheit des Eigenthums, fur welche die Vermuthung in dieſem Falle immer ſtreitet,(BEuriEn Expolc. bey Sarnery BV. M. S. 126. 127.) und der Wunſch⸗ Proceſſe ſo viel als moͤglich zu verhuͤten(F. 49.) hat die Beſtimmung herbeys gefuhrt, daß der Erwerb der Servituten ſo viel als mözlich beſchränkt werde. Ich kann mich daher auch nicht von der Behauptung DELvrIRcounT's Inſti- tutes. T. I. p. 370. not. 3. und Planck's: Lehre von der Verjährung S. 193* uͤberzeugen, daß eine zehn oder zwauzigjaͤhrige Verjährung nicht ausgeſchloſſen ſey. Denn einmal wird ausdruͤcklich ein ſchriftlicher Rechtstitel erfordert, um eine Servitut zu begruͤnden, zu deſſen Beſtaͤrkung es mithin keiner Ver⸗ jährung bedarf; ein muͤndticher hat dagegen gar keine Kraft⸗ und verhält ſich wie kein Titel, erfordert mithin den dreybigjährigen Beſitz; und dann läßt ſich keine Venjährung eines Titels a non domino gedenken, der einzige Fall, in dem außer dem obigen die Rede von einem juſtus titulus und 10 und 20jähriger Verjahrung ſeyn koͤnnte, da nur der wahre Eigenthuͤmer eine Servltut ver⸗ teihen kann, und jede Verleihung a non domino ungultig und nichtig ſeyn wuͤrde, ſie mag durch noch ſo lange Verjaͤhrung unterſtuͤtzt werden.— Ueber das ſruͤhere Frauzöſiſche Recht ſ. Planck a. a. O. und BousQuET Enplication ad h. I. MarEvrLE Analyſe ad h.tit. Leider verwechſeln hier die meiſten Schriftſteller titre Urkunde, und titre, titulus, Rechtsgrund; da letzterer nicht gerade ſchriftlich zu ſeyn braucht. 2) 3. B. eine gemeinſchaftliche Hecke. Caſſationshof dey DrnvEns Journal des audiences. An. XIV. p. II. 3) Sie mögen augenfaͤllig ſeyn oder nicht. Zu den erſtern gehoͤrt das Recht eine Treppe oder Waſchbuͤtte auf dem Eigenthume eines andern zu haben, und ſich deren bey dem Auswaſchen und Aushaͤngen des Leders zu bedienen. Caſſa⸗ tionshof in der unten angefuͤhrten Stelle. Daher kann auch dey dergleichen Servituten von poſſeſſoriſchen Rechtsmitteln die Rede nicht ſeyn. Cafſationshof in DELAPoRTE Discuſſions. T. III. p. 149. 150. S1REX Jurisprudence. 1808. p. 37. Juriprudence. T. IX. p. 442. und ein anderes in SiREx Journal genéral. 1809. p. 36. Laſſaul Annalen. I. 1. 99. Poja acquiſes.“ Mithin kann die noch nicht beendigte Verjährung durch Beſitz vollendet werden. ZAcHakAß Handbuch. Th. I. S. 161. 6) Der Beſitz muß öffentlich, augenfällig, und ohne Widerſpruch des andern ges ſchehen. BrRik a. a. O. Arsisson Ropport. a. a. O. S. 137. Auf bona vder mala üdes kömmt es dagegen nicht an. Planck a. a. O.— Die Zeit wird angerechnet von dem Tage, an welchem die Baue, die augenfollig ſind, vollendet ſind. Arg art. 642. 7) Dieſe Beſtimmung braucht nicht ſchriftlich geſchehen zu ſeyn. 3) Der Beweis kann durch Zeugen gefuͤhrt werden. MarEvIILIE ad h. art. 5. 481. 64 Zuweytes Buch. Vierter Titel. §. 481. Anmerkungen. Art. 694. I. Veraͤußert der Eigenthuͤmer zweyer Grundſtuͤcke, worauf ſich ein ins Auge fallendes Merkmahl einer Servitut befindet, eins von beyden,, ohne daß uͤber dieſe Servitut in dem Vertrage etwas beſtimmt iſt, ſo dauert die Servitut ſowohl activ zum Beſten des berechtigten, als paſſiv Art. 693. zum Nachtheil des belaſteten Grundſtuͤcks fort.— II. Iſt bey ſolchen Servituten, die durch Verjaͤhrung nicht erworben werden koͤnnen, die Verleihungsurkunde verloren gegangen, ſo kann dieſe nur durch eine beſondere Anerkennungsurkunde von Seiten des Eigenthuͤmers des bela⸗ Art. 696. ſteten Grundſtücks erſetzt werden ¹).— III. Wenn man eine Servitut exrichtet, ſo wird dafuͤr gehalten, daß man auch alles zu deren Gehrauch erforderliche zugeſtanden habe. So habe ich z. B. wenn ich jemanden das Recht, Waſſer aus meinen Brunnen zu ſchöpfen, verlieben habe, ihm zugleich das Uebergangsrecht uͤber mein Grundſtuͤck gegeben. 1) An bie Stelle derſelben tritt auch wohl ein richterliches Urtheil, das in Rechts⸗ kraft uͤbergegangen iſt. Dritter Abſchnitt. Von den Rechten und Verbindlichkeiten des Eigenthuͤmers des Grundſiuͤcks, welches die Servitut von dem andern fordern kann. §. 482. I. Rechte. Die Rechte des Eigenthuͤmers, deſſen Grundſtuͤck eine Servitut ver⸗ Art. 697. langen kann, ſind: J. Er hat das Recht, alle zu deren Gebrauch und Art. 693. Erhaltung nöthigen Anlagen zu machen. Dieſe Anlagen geſchehen jedoch nur auf ſeine Koſten, und nicht auf Koſten des Eigenthuͤmers des be⸗ laſteten Grundſtücks, ausgenommen wenn das Gegentheil ausdrucklich bey urt. 699. der Verleihung beſtimmt iſt; doch kann ſelbſt in dieſem Falle der Eigen⸗ thuͤmer des belaſteten Grundſtuͤcks ſich von dieſer Obliegenheit dadurch be⸗ freyen, daß er das belaſtete Grundſtuͤck dem Eigenthuͤmer des berechtigten Art. 700. abtritt 1). II. Er hat das Recht, die Servitut auch dann zu fordern, wenn Von den Servituten oder Grunddienſtbarkeiten. 65 wenn ſein Grundſtück getheilt wird ²). In dieſem Falle bleibt jeder Antheil ſeines Grundſtuͤcks berechtigt, die Servitut zu fordern; doch darf hierdurch der Zuſtand des belaſteten Grundſtuͤcks nicht erſchwert werden. So ſind z. B. im Fall eines Uebergangsrechts alle Miteigen⸗ thuͤmer verbunden, ſich des nämlichen Wegs bey deſſen Ausuͤbung zu be⸗ dienen. III. Er kann fordern, daß der Eigenthuͤmer des belaſteten Grund⸗ Art. 701. ſtuͤcks nichts vornehme, was den Gebrauch der Servitut ſchmälern oder unbeguemer machen wuͤrde. So darf derſelbe z. B. weder den Zuſtand der Orte verändern, noch die Ausubung der Servitut auf eine andere Stelle verlegen, als worauf ſie urſpruͤnglich angewieſen wurde. Soollte inzwiſchen dieſe urſprungliche Anweiſung dem Eigenthuͤmer des belaſteten Grundſtuͤcks beſchwerlicher geworden ſeyn, oder ihn verhindern, daſelbſt nutzliche Ausbeſſerungen vorzunehmen; ſo kann derſelbe dem Berechtigten eine andre Stelle anweiſen, nur muß dieſelbe zur Ausuͤbung der Servitut eben ſo bequem ſeyn. Dieſe darf dann der Berechtigte nicht ausſchlagen. 1) MarBvrILTE Analyſe ad h. art. beſchraͤnkt den Artikel dahin, daß bey der Lervitus oneris ferendi, wo der Eigenthuͤmer des belaſteten Grundſtucks zur Re⸗ paratur der Mauer verpflichtet iſt, nicht das ganze Haus, ſondern nur die Mauer abzutreten ſchuldig ſey. Dieß folgt auch ſchon aus der Analogte des Art. 636. 2) Es kann mithin z. B. eine Servltut nicht ohne das Grundſtuͤck, oder den Theil der Wirthſchaft, worauf ſie ſich bezieht, verpachtet oder verkauft werden. 6 2achRaRaß Handbuch. Th. I. S. 163. n §. 483 · H. Verbindlichkeiten. Die Verbindlichkeit des Berechtigten beſtebt aber auch darin, daß Art. 702. er die Servitut nur nach dem Inhalte der Verleibung benutzen, und nichts auf dem belaſteten oder berechtigten Grundſtuͤcke vornebmen darf, was den Zuſtand des erſtern erſchwert. Vierter Abſchnitt. be Wie die Servituten erloſchen. 7 5. 484. Erloſchungsarten. Die Servituten erlöſchen: I. Durch eine ſolche Veraͤnderung Art. 703. des Zuſtandes der Sachen, welche jede Benutzung der Servitut un⸗ Spangenberg's Commentar Bd. 1. ₰ möglich , in — 66 Zweytes Buch. Vierter Titel. Von den Servituten:c. Lrt. 704. möglich macht. Wird dieſer Zuſtand wieder hergeſtellt, z. B. das Ge⸗ baͤude, an dem die Servitut zuſtand, wieder aufgebauet, ſo lebt ſie wieder auf, ausgenommen wenn man dreyßig Jabre nach Wiederher⸗ ſtellung dieſes Zuſtandes, ohne daß man ſich der Servitut bedient hatte, Art. 703. verfloſſen ſind, denn dann iſt ſie verjaͤhrt. II. Durch Confuſion d. b. durch Vereinigung ¹) des berechtigten und belaſteten Grundſtucks Art. 706. in einer Hand. UI. Durch dreyßigjaͤhrigen Richtgebrauch ²). Art. 707. War die Servitut eine fortwaͤhrende, ſo laufen die dreyßig Jahre von dem Tage an, wo man aufhorte ſie zu benutzen; war ſie eine nicht fort⸗ waͤhrende oder negative ²), von dem Tage, wo eine mit der Servitut in Widerſpruch ſtehende Handlung vorgenommen war, und ſich der Berech⸗ tigte biebey beruhigte, z. B. wenn die Ausſicht verbaut wurde, ohne Art. 703. daß dagegen proteſtirt iſt. Hieben iſt zu bemerken: 1) Auf eben die Art⸗ wie die Servitut kann anch die Art der Ausuͤbung derſelben verjaͤhrt Art. 709. werden*à). 2) Gehört das berechtigte Grundſtuͤck mehrern Miteigen⸗ thuͤmern, ſo verhindert die Ausuͤbung des einen die Verjaͤhrung in Hin⸗ Art. 710. ſicht aller. 3) Befindet ſich unter den Miteigenthuͤmern einer, gegen den die Verjaͤhrung nicht laufen konnte, z. B. ein Minderjaͤhriger, ſo wird durch ihn das Recht aller uͤbrigen erhalten.— IV. Durch Ablauf der Zeit, auf welche ſie verliehen war*). V. Durch Entſagung, Eintretung einer Reſolutivbedingung, und auf aͤhnliche Art ⁵). 1) Dieſe muß jedoch unwiderruflich ſeyn, well ſonſt die Servitut wieder auf⸗ leben kann. Arg. art. 2177. DErvINcovRT Inſtitutes. T. I. p. 375. 2) Sowohl von Seiten des Eigenthuͤmers als deſſen Stellvertreters, z. B. des Nieß⸗ brauchers, gegen den erſterer in dieſem Falle zwar eine Klage auf Schadenserſatz haben wuͤrde. Arg art. 614. 1428. 3) MAIEvIILILE Analyſe ad h. art. 4) Natuͤrlich, in ſo fern uͤberhaupt die Servitut ſelbſt durch Verjahrung erwor⸗ ben werden kann. Zackaktaß Handbuch. Th. I. S. 162, da gegen den Verleihungstitel dem Geiſte dieſer Lehre nach, keine Verjährung möglich iſt. 3) Arg. art. 617. 686. 6) In Hinſicht der Klagen aus den Servituten iſt zu bemerken, daß immer die Vermuthung fuͤr die Freyheit des Eigenthums ſtreitet, den Fall ausgenommen, wo die Servitut durch Beſitz erworben werden kann. ———————————————— Anhang. 57 Von einigen Beſchraͤnkungen des Eigenthums, deren der Code Napoleon nicht erwaͤhnt. 5. 485. Arten derſelben. Arßer den im Code Napoleon beſtimmten Beſchraͤnkungen des Eigen⸗ thums giebt es noch verſchiedene, die großtentheils gemeinrechtlich ſind, und bey denen die Frage ſehr wichtig iſt, ob ſie auch neben dem Code noch zu eriſtiren fortfabren. Hierher gehört: I. das Lehnsverhält⸗ niß; II. das Colonatverhaͤltniß; HI. die Emphyteuſe. Erſtes Kapitel. Vom Lehnsverhaltniſſe. 5. 486. Unverträglichkeit deſſelben mit dem Code Napoleon. Es laͤßt ſich nicht lengnen, daß das kehnsinſtitut, da es ſowohl die freye Dispoſition des Eigenthums verhindert, als auch das Vermoͤgen in einzelne zu große Maſſen haͤuft, und da es an die von dem Code aufgeſtell⸗ ten Grundſaͤtze uͤber Erbrecht und Servituten durchaus anſtößt*), mit dem Geiſte deſſelben vollig unvertraglich iſt?). Der Code konnte jedoch keine daſſelbe abrogirende Verordnung enthalten, weil es lange vor Pro⸗ mulgation deſſelben in Frankreich vernichtet war, und es bedurfte daher Specialverordnungen, welche das tehnsinſtitut entweder ſogleich oder nach und nach aufboben. Solche erſchienen faſt in allen Staaten, die dem Franzöſiſchen Kaiſerreiche theils unmittelbar, theils mittelbat unterwor⸗ fen waren ²). 1) — 68 Anhang. 1) S. F. 49. 2) So ſaate Napoleon ſelbſt in ſ. Decrete vom 11. Jan. 1809, wodurch die Lehen im Großherzoathum Berg aufgehoben wurden, daß das Lehnweſen unvereinbar mit dem C. N. ſey. 3) S. v. Hohnhorſt uͤber die Allodification der Lehen in Crome und Jau Bd. UI. H. II. Nr. XI. H. III. Nr. XVII. 3 Abſchaffung deſſelben. a. In Frankreich. Fuͤr Frankreich exiſtirt das Lehensverhaͤltniß nicht mehr 1it E wurde durch den Beſchluß vom 4. Auguſt 1789 im allgemeinen abge⸗ ſchafft. Naͤher wurden die Wirkungen dieſes Beſchluſſes durch das Geſetz vom 28. März 1790 entwickelt. Wegfielen alle Unterſcheidungen der Ehre, alle Oberherrſchaft, beſondere Rechte der Erbfolge, Vorkaufs⸗ rechte, Gerichtsbarkeit u. ſ. w. Ohne Entſchadigung zu geben, wurden folgende lehnsherrliche Rechte abgeſchafft: I. der Sterbefall; 1I. das Recht außerordentliche Steuern von den Vaſallen zu erheben; III. die perſon⸗ lichen Abgaben von Menſchen und Thieren, z. B. Rauch⸗ oder Heerdgeld; IV. Wachtgeld; V. Schutzgeld; VI. Aeciſe und Umgeld; VII. Zolgeld welches die Gutsherrn erheben; VIII. alle Zwangsgerechtigkeiten nebſt den an ihre Stelle getretenen Geldabgaben; IX. alle Frohnen, mit Aus⸗ nahme derjenigen, welche fuͤr die Abtretung eines Realrechts verſprochen waren; X. alle Dienſte und Pflichten, welche demjenigen, welchem ſie geleiſtet werden, ihrer Ratur nach keinen Nutzen bringen können, u. dergl. mebr ²). Stehen blieben dagegen die Rechte, welche durch Abtretung eines Grundſtuͤcks erworben waren, doch wurden ſie fur abloͤsbar erklaͤrt; und zwar wurde dieſer Erwerb immer vermuthet, wenn nicht das Gegentheil von den Vafallen erwieſen war 3). Da dieſe Geſetze ſehr mißverſtanden, und die uͤbrig gebliebenen Rechte der Lehnsherren ſehr geſchmaͤlert wurden, ſo beſtimmte das Geſetz vom 13. April 1791 die aufgehobenen Rechte näher, dem das Geſetz vom 18. Junius 1792, das die noch beſtandenen zufaͤlligen lehnsherrlichen Gefaͤlle, welche wegen Veraͤnderung der Perſon des Beſitzers durch Kauf, Tauſch, Schenkung u. ſ. w. erhoben wurden, aufhob, und das Geſetz vom 20. Auguſt deſſelben Jabrs, wodurch die Abloͤſung der den Lehnsherrn verbliebenen Rechte ſehr leicht gemacht wurde, folgte. Den vernichtenden Schlag verſetzte jedoch der tehns⸗ verfaſſung das Decret vom 25. Auguſt deſſelben Jahrs, vnhi . eſtän⸗ hen her ¹ E Re gen ſt den cht on eld bſt hen ſe . nes nd heil en, en, hte nen ſon en, die cht ns it⸗ Von einigen Beſchraͤnkungen des Eigenthums. 69 beſtändigen Lehns und Erbzinsabgaben, ohne Entſchaͤdigung, abgeſchafft wurden, wenn nicht der Beweis, daß ſie gegen Ueberlaſſung eines Grund⸗ ſtuͤcks erworben worden, durch die urſpruͤngliche Verlethungsurkunde gefuhrt werden konute. Und wie war dieß möglich, da die meiſten Ur⸗ kunden durch die Revolution zernichtet waren? 1) Man verwechſele jedoch die Franzoſiſchen Reichslehn nicht mit dem Longobar⸗ diſchen Lehn, wovon natuͤrlich nur hier die Rede ſeyn kann. S. die Geſetze uͤber die Zernichtuna des Lehnweſens in FLEURIGSEon Code adminiſtratif. Adminiſtration. T. II. P. I. p. 195— 20r. im Code rural et féodal. Paris. 1792. 8. und einen Auszug aus denſelben in Schmid kritiſche Einleitung in das burgerliche Recht des Franzöſiſchen Reichs. Th. 1. S. 83 ff.— Ueber die allmallae Entwickelung des Lehnweſens in Frankreich ſ. MoNTEsaurk Eſprit des Loix. Liv. XXX. KKXI. 2) Lot du 26. Mars. 1790. tit. 2. 3) Inſtruction d. 16. Juin. 1791. §. 488. b. In den verbundeten Staaten außer Weſtphalen. Aus dieſem Grundſatze der Unverträglichkeit des Lehnsinſtituts mit dem Code Napoleon, wozu freylich aber auch noch politiſche und finan⸗ zielle Gruͤnde kamen, folgte, daß faſt in allen den Staaten, wo der Code eingefuͤhrt war, oder deſſen Einfuͤhrung bevorſtand, die Lehen entwe⸗ der ganz aufgehoben wurden, oder doch bedeutende Veränderungen er⸗ litten. Ganz aufgehoben wurden die Lehen: I. in Italien, II. Hol⸗ land, II. Neapel, IV. Spanien, V. Berg ¹). Modificirt in: 1. Bayern ²), II. Weſtphalen; unverandert blieben ſie in I. Ba⸗ den ³), II. Heſſen*), III. Ahremberg, IV. Anbalt⸗Cöthen u. ſ. w. ) S. das Decret vom 11. Januar 1609. in Crome und Jaup Germanien⸗ B. II. S. 518. 2) Bayerſches Edict uͤber die Lehenverhältniſſe von 1805. 3) Edict vom 3. Februar 1809. 4) S. winkopp Rheinbund. B. 7. S. 339. 5 5. 489. — 70 Anhang. §. 489. e. In Weſtphalen. guͤr Weſtphalen erſchien in Hinſicht der Lehen das beruͤhmte koͤnig⸗ liche Decret vom 28. Maͤrz 1809*), welches die Allodification derſel⸗ ben ²) folgendermaaßen beſtimmte. Es unterſcheidet naͤmlich: I. tehen, die nur noch auf vier oder weniger Augen ſtehen, und dem Heimfalle nahe ſind, d. h. ſolche, deren Beſißer entweder gar keinen, oder nur noch einen zur Succeſſion berufenen Nachfolger hat, und II. Lehen, die nicht bloß auf vier Augen ſtehen, in Anſehung deren mithin mehrere lehnfaͤhige Erben vorhanden ſind. Die erſtern ſind von aller Allodifica⸗ tion ausgeſchloſſen; es beſtehen mithin in Anſehung derſelben alle Ver⸗ bindlichkeiten der Lehnsherrn und Vaſallen nach gemeinem Lehenrechte. Wuͤrde jedoch der leßte Nachfolger noch mehrere lehnsfaͤhige Nachkom⸗ men erzeugen, ſo muß das Lehen als der Allodification unterworfen be⸗ trachtet werden.— Die letztern ſind der Allodification unterworfen, doch ſoll in denſelben die Succefſion noch einmal ſtatt finden: A. In der geraden tinie; zum Beſten 1) desjenigen, welcher zur Zeit der Be⸗ kanntmachung dieſes Geſeßzes bereits gebohren oder unmittelbar zur Lehns⸗ folge berechtigt war. Lehnsexpettanzen werden dagegen nicht beruͤckſich⸗ tigt 2).— 2) Der noch zu erzeugenden Deſcendenten der Lehnsbeſitzer, in ſo fern ſie zur Erbfolge berechtigt ſind. 3) Der zur Zeit der Publi⸗ cation des gegenwaͤrtigen Decrets bereits lebenden Deſcendenten, wenn ſie kraft des Repraͤſentationsrechts in die Stelle ihres verſtorbenen Aſcen⸗ denten ruͤcken. B. In der Seitenlinie; zum Beſten der ſchon ge⸗ bohrenen oder noch zu erzengenden Kinder, welche kraft des Repraͤſen⸗ tationsrechts in die Stelle ihrer verſtorbenen Eltern, die zur Zeit der Publication des Geſetzes die naͤchſten Lehnsfolger waren, einzutreten be⸗ rechtigt ſind.— Dieſe Grundſaͤtze finden auch auf diejenigen ihre An⸗ wendung, welche ſich in der geſammten Hand oder Mitbelebnung befinden. Die Lehne, welche auf mehr als vier Augen ſteben⸗ ſollen in Allodium verwandelt werden. 5 Tritt mithin der Fall ein, in welchen dem obengeſagten nach eine Allodification zuläſſig iſt, ſo muß der Senior der Vaſallen ſich an die mit dem Allodificationsgeſchaͤfte beauftragte Behoörde wenden. Dieſe iſt der königliche Procurator bey den königlichen Lehen, der Lehnsſecretair ben den uͤbrigen. Dieſer beſtimmt ſodann einen Termin, in welchem die Ab⸗ e, bli be ine ie it di Von einigen Beſchraͤnkungen des Eigenthums. 71 Abſchätzung des Lehens und die Beſtimmung des jährlichen Grundzinſes geſchieht. Derſelbe wird naͤmlich aus dem jäbrlichen Ertrage der tehens⸗ aufkuͤnfte zu 1 Procent angeſetzt; doch bleibt es dem Lehnbeſitzer uͤber⸗ laſſen, ob er denſelben nicht völlig, nach Maaßgabe des Art. 14. des unten erwaͤhnten Geſetzes ¹), ablöſen will. Da indeſſen die Revenuͤen des allodificirten Lehens in Zukunft ſteigen oder fallen können, ſo iſt ſowohl der Lehnsherr berechtigt, auf eine Erhöhung des Grundzinſes zu dringen, als der Beſitzer des Lehnsguts um eine Verminderung deſſelben nachſuchen kann. Dieſer Grundzins ruht nun immer auf den Grund⸗ ſtuͤcken, ſie moͤgen in Haͤnde kommen, in welche ſie wollen, da der ehemalige Vaſall nunmehr eine freye Diſpoſition uͤber dieſelben erhaͤlt. Zur Sicherheit des Lehnsherrn ruht in dieſer Hinſicht ein Privileg auf den Grundſtucken. 1) Im Geſetzbälletin 1809. Mr. XVII. S. 676.— S. auch ůͤber daſſelbe: Jaup uber die Allodification der Lehen in Weſtphalen und Berg, in Crome nd Jaup Germanten. B. II. S. 313. und vorzuglich J. C. C. Wehrs Unterricht fuͤr Lehnsbeſitzer in Weſtphalen in Hinſicht des koͤnigl. Decrets vom 28. Maͤrz 1809, die Allodification der Lehne betreffend, nebſt einigen dazu ge⸗ horigen Formularen. Gottingen 1810. 8. 2) und zwar ohne Unterſchied, ob ſie Kunkellehne oder Erblehne u. ſ. w⸗ ſind. Wehrs F. 1. 3) Arg. art. I. des konigl. Decrets. ) Es heißt darin:„Elle ſera rachetable, au grè des redevables ou de Tun qeux, ſur le pied de ciuq pour cent ou de vingt fois ſa valeurz““diefer Grundzins ſoll losgekauft werden können— auf den Fuß von 5 Procent oder ſeines zwanzigfachen Betrags“ d. h. ber Loskauf geſchieht durch Entrichtung des zwanziafachen Betrags dieſes 1 Procent. Z. B. die Einkaͤnfte des Lehns betragen booo Rthl., ſo iſt der jahrliche Grundzins davon, zu 1 Procent gerechnet, 60 Rthi. Dieſer kann abgelöht werden durch zwanzigfache Entrichtung, duſch 1200 Rthl., oder wiſſenſchaftlich ausgedruͤckt, auf den Fuß von 5 Procent, fo daß man nämlich annimmt, als feyen die 60 Rthl. eine Zinſenſumme ven 5 Procent von einem noch auszumittelnden Capitale. 60 Rthl. als Zinſen zu 5 Procent gerechnet⸗ zönnen aber nur von einem Capitale von 1200 Rthl. herruͤhren.— Dieſes iſt der Sinn dieſer dunkeln Stelle.— Mithin wuͤrde nach derſelben der Lehnsherr 2 des ſämtlichen Lehnsertraas erhatten, und hiemit auf immer abaefunden werden.— Nicht ganz vichtig iſt dagegen die Erklaͤrung dieſes Artikels von Wehrs S. 18.„Wenn der Lehnsbeſitzer ſich nicht etwa gleich zu einer gänz⸗ lichen Ablsſung des Brundzinſes durch 20 mal 5 Procent entſchließen ſollte.“ S. auch Jaup uͤber die Allodification der Lehen; in Germanien B. l. S. 514. Zwey⸗ 72 Anhang. Zweytes Kapitel. Von dem Colonatverbältniſſe. §. 490. VBegriff. Unter dem Colonatverhaͤltniſſe verſtehen wir hier das ſo ge⸗ nannte teutſche Eigentbum an Bauerguͤtern, welches unter den verſchie⸗ denen Namen von Erbmeyerrechte, tandſiedeley, Meyerding, Erbzins u. ſ. w. bekannt iſt, und ſich dadurch von einem bloßen Pachtverhaͤltniſſe unterſcheidet, daß es eine gewiſſe Abhaͤngigkeit von einem Gutsherrn be⸗ gruͤndet, die ſogar oft in eine wahre Leibeigenſchaft ausartete.— Dieſes Verhältniß iſt aus denſelben Gruͤnden, aus welchen das kehnsverhaͤltniß nicht ſtatt finden kann, mit dem Geiſte des Code unverträglich. 5. 491. Abſchaffung deſſelben in Frankreich. Daſſelbe Geſetz vom 28. Maͤrz 1790, welches das Lehnsverhältniß aufhob, zernichtete auch die grundsherrlichen Rechte. Nur diejenigen, welche nicht ſowohl Ausfluͤſſe einer Grundsherrſchaft, ſondern des Grund⸗ eigenthums waren, wurden den Gutsherren gelaſſen, aber zugleich für ablöelich erklärt. Hierher gehörten: I. alle beſtndigen grundberrlichen Gefälle in Geld oder Naturalien; II. alle ſo genannte Laudemien oder zufällige Rechte, welche in Veranderungsfällen des Grundſtücks an den Gutsherrn bezahlt werden mußten. Weitlaͤuftig beſtimmte das Geſetz vom 5. May 1790 die Art und Weiſe des Loskaufs, welchem das Decret vom 18. December 1790 folgte. Naͤhere Beſtimmnngen hieruber gab das Geſetz vom 13. April 1791, die Inſtruction vom 15. Jun. 1791, das Geſetz vom 18. Jun. 20. und 25. Auguſt 1792 1).— Die Leib⸗ eigenſchaft war dagegen ſchon fruͤber zernichtet worden. 1) S. dieſe Geſetze in FLEURIGEoN Cod. adminiſtratif. Adminiſtration. T. II. p II. v Idotalitt, und einen Auszug derſelben in Schmid Einleitung in das Franzöſiſche Recht. Th. I. S. 37 ff. §. 492. Von einigen Beſchraͤnkungen des Eigenthums. 56 6a Veſchräntug Iifihn in Biſiyhalen⸗ Nachdem die Conſtitution Weſtpbalens ¹) alle Leibeigenſchaft, nebſt ihren Folgeh⸗ gufgehaben patte, ſo war es eine neue Sorge der Regie⸗ rung, öieſe olgen genauer zu brſtimmen, um beurtheilen ſuvtdmnen, welche Rechte wogfalen, umd welche den Gutsherrn verbleiben follten. Ein köntl. Detret vom 23. Janugt tgo80 eyöbnete Daher folgen⸗ des: Als Folgen der Lerbeigenſchaft werden aufgehoben: I. Bloß per⸗ ſonliche Dienſte und Perſonalfrohnen, d. b. ſolche, die emer Perſon einzig aus dem Grunde obliegen, weil ſie Vaſall iſt, oder einen gewiſſen Ort bewohnt. II. Alle unbeſtimmten ader ungemeſſenen Dienſte ²). III. Das Geſindezwangrecht, oder die Verbidlichkejt der Bauern, in dem Hofe ihres hisberigen Herrn alß Geſinde enweder ſetbſt zu dienen, oder ihre IV Die Einholung des Conſenſes der Gins? berrſchaft, wenn ſie ſich verherathen wollen(Bedemund, Brautlauf, Klauerthaler u. ſ. w.). V. Alle Rechte des Herrn uͤber, die Erztehung un eſnnn der Kinder der Banern. VI. Das Valaſlagium. VII Der VIII Der Sterbefall, Beſthaupt, Curmede u. ſ. w. 4) Seblieben ſind dagegen folgende gutsherrlichen Rechte: I. Zinſen, Renten) Zehnten und Raturalgiften, ſo wie die beſtimmten oder gemeſſenen Dienſte. II. Der Weinkauf und die Laudemalgelder ben Veraußerung des Grund⸗ ſtuͤcks. III. Das Recht, bey einer Veraͤnßerung, Verhypothecirung oder Zerſtuͤckelung des Grundſtucks ſeine Einwilligung zu geben.— Alle be⸗ ſtebenblebenden Grundgerechtſame ſind jedoch fuͤr ablosbar ³) erklaͤrt, und zwar können ſie entweder mittelſt güthicher Uebereinkunft, oder nach einem noch zu beſtunmenden Paaßſtabe abgelsßt werden. Dieſer Maaß⸗ ſtab wurde durch das dze Sache völlig erfchöpfende Deeret vom 18. Anguſt 1809*) dergeſtalt zien däs im Ganzen der bey Abloͤſung der allo⸗ dificirten Lehndieuſte befolgte Grundſatz angenommen wurde. 1) Acte ednſtl ntionel du Royanume de MWeſtphalte art. I3.— Ueberhaupt ſcheint in Weſtphalen eine gaͤnzliche Umſtaltung des⸗Colonatsverhältnifſes bevor⸗ zuſtehen.. 2) Geſetzbuͤlletin 1808. Nr. XII. S. uͤber daſſelbe Gönner Archiv fuͤr Ge⸗ ſetzgebung. B. I. Heft II. Nr 14 vorzuͤglich Blein Annalen der Geſetzqebung und Rechtsgel in den Preußiſchen Staaten. Bd. 25. S. 97 ff.— Ein ähnliches Geſetz erſchien fuͤr das Großherzogthum Berg. Spangenbergs Commentar Vd. II. K 3) 74½— Anhang. 3) Dieſe wurden durch ein koͤnigl.-Decret?vom 27. Jul. 1809.(Geſetzbuͤlletin 1809. Nr XXXV. S, 15 eihn daß huerher nicht gehören ſollten: 1. Dieſenigen, welche durch die Anzcht der Wage, oder durch ihre Qnantitat beſtimmt ſind. II Die, welche durch die Größe per. Grundſtücke heſtimmt ſind— S. auch Gutachten des Stäatstäths vom 23. October 1809(Geſetz⸗ buͤlletin 1809.Nr. XKLVII.) welches die in Ruͤckſicht der Frohndlenſte gemachten Reclamationen an die Tribundle verweißt. 4) Dieſen fuͤgt das letzterwähnte koͤntgl. Decret hinzu; I Lehndienſte) JI. Jagdt frohnen.— Hierher gehören denn auch alle Zwangs⸗ und⸗Banngerzſhtigketzen⸗ die ebenfalls Wegen der Freybeit der Gewerbe und der Patentſteue iegfa en. 3) S. PrEiPpBk Napoleons Geſetzbuch. Th. I. S. 242. 8 6) Geſetzbülletin. 1809. Nr. XLI. S. 291 ff. 9 493. Erbfolgs in denſeiben. In Hinſicht der Erbfolge iſt jedoch zu bemerken, daß dann die Grundſatze des Code Napoleon unbeſchraͤnkt zur Anwendung kommen. Da jedoch in dieſem Falle jura quaelta concurriren köynen, z. B. kann der Gutsberr ein Intereſſe dabey haben, daß die Guter ungetheilt in einer Hand bleiben, daß durch uhwermiſchte Succeſſion des Mannsſtämms deren Uebergang in nsue Faimben verhindert werde, u. ſ. w. ſo hat dre franzoͤſiſche Prarits beſtimmt, daß die Rechte des Gursherrn ihm auf den dereinſtigen Ruͤckfall vorbehalten bleben ſollen; und daß derſelbe, wenn er emn erweisliches Intereſſe dabey hat, verlangen kann, daß die Rathral⸗ theilung unterbleibe, und mithin Töchter und Rachgebohrne ausge⸗ ſchloſſen bleiben ſollen. In dieſem Falle muß der Werth der Guͤter mit Ruckſicht auf deren eigentliche Qualttät, und der darauf haftenden Laſten, zur Erbſchaftsmuſſe geſchlagen, und glerch vertheilt werden ¹). . 1 7) Caſſationshof in Jurisprudence. T. X. p. II2. FrRTx Jurtsprudence. 1808 p. 72. Appellhof zu Turin ebendaſ. T. IV p. 106— 132. vorzüglich aber Pfeiffer Rechtsfälle, entſchieden nach dem Geſetzbuche Napoleons, von Frankreichs und Weſtphalens oberſten Gerichtshoͤfen. Abth 1. S. a7 ff. Dabe⸗ lov Archiv. St. V. S 437. Als Anhang eintge Bemetkunaen uͤber das Retractrecht. Es folgt aus dem vortgen unwibderſprechlich, daß das Retractrecht nur noch von ſehr eingeſchraͤnk⸗ ter Anwendung ſeyn kann, da es denn doch im Ganzen mit dem Geiſte des Code unvertraͤglich iſt Es wuͤrde mithin nur noch ſtatt finden: 1. Bey den Lehen, welche nur noch auf vier Augen ſtehen. II Bey den Bauerguͤtern, in ſo fern dem Colon noch nicht das freye Diſpoſitionsrecht uͤber daſſelbe zuſteht. MI. Bey neuen von dem ſoͤnige geſtifteten Maſoraten.— In allen übrigen Fällen wird es dagegen wegfallen. Diittes elih eh: ſt imt h n 1 ü em n te den ee. ſic von be en n des bel h gen Von Ainigen· Beſchraͤnkungen des · Eigotthums. 75 Drittes Kapitel. i e X 55 494‧ B6 3 r7f. d 03 Unter Einpbyttuſis ¹) verſtehen wir wer, vem Sinne des reinen Römiſchen Rechte gemaͤß, den Contract, wodurch ein Eigenthuͤmer jeman⸗ den ſein Grundeigentbum auf eine lange Zeit, oder ſogar auf ummer, unter der Bedingung uͤberläßt, daß derſelbe jbm dafur eine zährliche be⸗ ſtimmte Rente in Geld oder Fruͤchten emrichte. 5. 495. Sie findet in Füankreich nicht ſtatt. Es laͤßt ſich eigentlich micht behaupten, daß die Emphyteuſe mit den Grundſäͤtzen des Code unvertraͤgliche fey, indeſſen entſtanden üͤber die Bey⸗ behaltung oder Abſchaffung derſelben waͤhrend der Daeuſſion die heftig⸗ ſten Debatten. Da näwlich das Proet einen Litel uͤber die Emphyteuſe enthrelt, ſo theilten ſich bey der Discuſſion dieſes Tutels ſchon in der Commiſſion die Meynungen. Portalis und Maleville waren der Meynung, dieſen Contract beyzubehalten, Tronchet und Bigot⸗ de⸗Préamenau ſtummten fuͤr deſſen Abſchaffung. Die Commnſſioh herichtete desbalb an den Eanſul Cambacsreès, dieſer zog den Inſtiz⸗ mimſter Abrtal zu; aber beyde waten wieder verſchedener Meynung⸗ Endlich wurde die Frage muttelſt eer ſchriftlichen Darſtellung Male⸗ vrlle's ¹) und Tronchet's dem zetzigen Kaiſer Napoleon vorgelegt. Da auch dieſer ſeinen Entſchluß micht geäußert hatte, ſo blieb die Frage bes zur Sttzung vom 16. Vendemtare XR. unentſchreden, in welcher ſie dann nach einer langwierigen Discuſſton definitw verworfen*) wurde, und mithin in Frankreich nicht wiedef ufkommen kank. 1) S. dieſelbe in MatBvIILE Analyſe. T. W. in gu. bey Blanchard Th. XI. S. 142 ff. 6 2) Dieſe wichtige Disguſſion ſ. in JovaRav et SoroN Discuſſions. T. I. p· 509 577. 2 K2§. 496. — 76 Anhang. Von. einigen Beſchraͤnkunen des Eigenthums. 5 496 Sb aber in Weſtphalen? In Frankreich wurde die Emphyteuſe zugleich mit deni. tehnrecht abgeſchafft, und kein Geſetz autoriſirt ihre Wiederentſtehung, da ſie aus⸗ druͤcklich bey der Redaction des Geſetzbuchs verworfen iſt. Dieſes hindert jedoch ihr Beſtehen in Weſtphalen nicht, wo ſie me abgeſchafft wurde; wo ſie mithin ſo lange guͤltig hleiben muß, als ſie nicht durch ein aus⸗ druckliches Geſetz zernichtet wird. Aber ſie wurde ja von Penſelben Ge⸗ ſetzgebern, deren Reſültate fuͤr Weſtphalen geſetziche Kraft haben, aus— druͤcklich verworfen?— wohl; indeſſen kann man einer ſolchen Mißbillgung eben ſo ben mn oheien die Fraft einer ſtullſchweigen⸗ den Abrogahot emes heſtehenden Rechtvinſtuts uſchreibenz als mai 4 t —. in Frankreich derſelben zuwider em Rechisinſtititt ſwieder von neüem en ſtehen laſſen kann, ohne daß em erlaubendes Geſetz hierzu autoriſirt*¹). 1) S. FovaMonr Inſtruction ſur le Notsriat. T. II. p. 4! ff.— wo er auch eine kurze Darſtellung dieſes Contracts mit Formulaten giebt. 5. 497* Mdiſicatlon dieſrt Empbyteufef, Wenn nun aus dem Obengeſclhten uhwtverſprichlich folgt, daß die in Weſtphalen beſtehende Emphyteuſe noch ferner beſtehen bleiben, und ſogar, ſo lange dieſes Rechtsinſtitut nicht durch ein ausdruͤckliches Geſetz aufgehoben iſt, vön neuem eingegangen werden kann, da die be⸗ ſondfrn Geſete, welche ſie erkauben/ von dem Code, als gemeinem Geſetze, und außer deſſen Rerhts ſphäre liegend, nichs als abrogert berrachtet werden können,— ſo iſtes dennoch eben ſo wahr, daß die Folgen dieſes Rechts⸗ inſtuuts dem Geiſts des Code, und den in demſelben enthaltenen Diſpo⸗ ſitonen nach, beſchraͤnkt werden muͤſſen ¹). Es findet daher bey der Emphyteuſe der Grundſatz des Art. 530. ſtatt, welcher jede dergleichen Renten fur ablösbar erklänt, und durch den Leét. à 3. des königl. Decrets vom 23. Januar 18080 beſtätigt iſt) Ueber die Art unb Weiſe der Ablöſung vergleiche das votige Kapitet. 1) S.§ 49. 2) Geſetzbuͤlletin. 1808. Th. I. S. 225. * Drittes — 1 Dritt ttes Buch ſ K 3 S t e Buch. Von den verſchiedenen Erwerbsarten der Sachen. Allgemeine Verfuͤgungen uͤber dieſelben. 8. 498. Eintheilung der Erwerbsarten. De Erwerbsarten des Eigenthums ſind doppelt. Sie ſind theils ein⸗ fache, d. b. ſolche, welche ſedermann ohne Ruͤckſicht auf ein beſtunmtes Verhaͤltniß gegen den vorigen Eigenthuͤmer zuſtehen; auch kemer zuriſti⸗ ſchen Einkleidung beduͤrfen, und zuſammengeſetzte, d.b. ſolche, bey denen ein beſtimmtes Verhaͤltmß gegen den vorigen Eigenthuͤmer, und beſtimmte juriſtiſche Foͤrmlichkeiten erfordert werden. §. 499 · 1 Zuſammengeſekte Erwerbsarten. Dieſe Erwerbsarten treten entweder durch den Willen des vorigen Eigenthuͤmers ein, oder ohne deſſen Willen durch das Geſetz. Zu den letzten gehört: I. die Erbfolge; zu den erſtern: 11 die Schen⸗ t. 71. kungen; ſie mogen auf den Todesfall oder unter den Lebendigen geſcheben. HI. Die Obligattonen ¹). ¹) S1MPoNPcourt ſur le zit. T. du Prv. 3 bey Garnery 3 I Th 1. S 151 JausEaT Happort. Ebendaſ. S. 172. Meine Inſtitutiones J C N. 5. 118 ff. Traditton kann nicht als Erwerbsart betrachtet werden, da das Eigenthum einer Sache in der Regel, nach dem Franzoſiſchen Rechte, ſchon t eber⸗ 80 Drittes Buch. Uebereinkunft uͤbergeht Art 1138 S. BIG0T DE PREaMPNAu EFxpoſé. IL. III. nt. 3. bey Garnery B II S 49.— c'eſt le conſent ement des coytt actans, ut rend pan fait lobligatton de lvrer la choſe N weſt donc pas beſoꝛn de traditton réelle, hour que le erdancrer dove étre conſidèrè comme proprꝛetaute— c'eſi ne plus alors un ſimple drott à la choſe, Ju'la le créaucter, ceſt un dr oꝛt de proprꝛètè. F. 500. 2. Einfache Erwerbsarten Att. 712. Dieſe ſind: I. Acceſſton; II Verjaͤbrung; III. Finden. Von der Acceſſion iſt oben(B. II Tit. 2.) gehandelt; von der Verzaͤb⸗ rung wird unten(B. III Tit. 20.) das nothige geſagt werden; hier nur noch einige Worte uͤber die Occupation und das Finden. Octupation. Art. 713. Der Code ſtellt den Grundſatz auf, daß alls berrenloſe Sachen dem Staate gehoͤren, wodurch dann die Occupation als Erwerbsart rechtlich xrt. 714 unmoglich wird ¹). Nur in Hinſicht ſolcher Sachen läßt ſie ſich alſo denken⸗ deren Gebrauch fuͤr alle gemeiſchaftlich iſt, z. B. Erdheeren, kleme Vögel u. ſ. w. Poltceygeſetze beſtunmen die Art ſie zu benutzen. Ferner Art. 715. th Hinſicht der Sachen, bey denen zemand durch beſondere Geſetze eine Befugniß zur Ocrupatwn erhielt, z⸗B. in Betreff des Jagens ²) und Fiſchens 3). 1) Son Dincours a. a O. S. 152. ZAcHARIAß Handbuch Th I. S 112. 2) Ueber das Jagen ſ. das Geſetz vom 28. April 1790. Fuͤr Weſtphalen beſtimmt das eönigl. Decret vom 6. Febr. 1808 Art. 1 2 3. daß nur der jagen„duͤrfe, weicher einen Erlaubnißſchein Waffen zu tragen hat, daß derſelbe in dieſem Falle auf ſeinem eigenthuͤmlichen oder gutshertlichen Grund und Boden jagen duͤrfe, ſo wie auf dem fremden, wenn er däs Recht dazu erworben hat, daß dagegen dem Landelgenthuͤmer und Pächter das Recht zuſtehe, dieſenigen Thiere zu todten, welche er uͤber Verwuͤſtung ſeines Etgenhums betrifft, derſelbe jedoch ſich hierzu nicht eines Feuergewehrs bedienen duͤrfe. Geſetzbuͤltetin 1808. Th 1⸗ S 330. S. auch Decret vom 6. Matz 1809 im Geſetzbuͤlletin 1809. Nr. 12. S. 525. 3) In Hinſicht des Fiſchens ſ. die Geſetze in FrruRIGPon Code adminiſttatſ. Police p 383.— Code de 14 haſe et de poche. 8.— Grundſat iſt: in den ſchiffbaren Fluͤſſen darf der Anwohner nicht fiſchen, außer mit der zu ruthe; Von den verſchiedenen Erwerbsarten der Sachen. 87 . ruthe; wohl aber in den nicht ſchiffbaren. Die Gemeinden haben dagegen das Recht, in dergleichen Fluͤſſen zu ſiſchen, verloren. Gutachten des Staatsraths vom 30. Pluv. KlII. in RoMpohRRau Supplement. p. 144. ed. Voss.— 3 Fuͤr Weſtphalen beſtimmt ein königl. Decret vom 6. Maͤtz 1800. Geſet⸗ buͤlletin 1809. Nr. 14. S. 541. nur uͤber die Fiſcherey in den Krondomainen. 6 0 0 5 Dieſes kann verſchieden ſeyn: I. Finden eines Schatzes. xrt. 716. Einen Schatz neunt man jede verborgene oder vergrabene Sache, woran un niemand ſein Eigenthum darthun kann, und die durch bloßes Ungefähr entdeckt wird ¹).— Das Eigentbum deſſelben gehoͤrt halb dem Eigen⸗ thuͤmer des Grund und Bodens, wo er entdeckt wird, und halb dem Entdecker, nur muß er ihn durch Ungefähr entdeckt haben; hat er ab⸗ ſichtlich nach demſelben geſucht, ſo gebört er dem Eigenthuͤmer gaͤnzlich ²). II. Die Rechte auf Sachen, die ins Meer geworfen 3), und von dem⸗ xrt. 712. 4 ſelben ausgeworfen ſind*); ſo wie auf die Pflanzen und Kraͤuter, die am Strande des Meers wachſen*), werden durch beſondere Geſetze beſtimmt. III. Daſſelbe gilt in Hinſicht verlorner Sachen, deren Eigen⸗ m thuͤmer ſich nicht meldet 9). ner ine 1) Naher wird der Sah folgendermaaßen beſtimmt: ein Schatz iſt nur das, was im Handel und Wandel Werth hat, und welches der Beſitzer vergräbt, um es m dazu zu erhalten, und ſich die Conſervation deſſelben zu verſichern. Urnen, mar⸗ morne Saͤrge ſind keine Schitze, weil ſie beſtimmt ſind, die Ueberbleibſel der Körper den Augen auf immer zu entziehen. Appellhof in Bourdeaux in D⸗ NRvERs Journal des audiences. An. XlV. Suppl. 212. ſ 2) S. auch DErvrncoukT Inſtitutes. T. II. p. 3. rfe, lt 3) Code de commerce art. 410— 429 enthält daruͤber Beſtimmungen. 4) Ordonnance de la marine 1681. L. IV. tit. 9. art. 19- 42. Geſetz vom 3 13. May 191. über die See⸗Invaliden⸗Caſſe. Arrété des Conſuls du ſt 17. Floréal au IX. 5) S. Ordounance de la marine. L. X. tit.. Arréte des Conſuls du 10. Ther- oh midor K. 6) Wem dergleichen Sachen gehören, daruͤber ſ. vorzugſich die meiſterhafte Aus⸗ fhrung Blanchard's zu Maleville Th. II. S. 160 ff. aus dem Journsl d'en- t. regiſtrement. S. Snkx Jurisprudence de la Cour de eaſſation. 150b. Suppl. u Spangenberg's Commente Bd. II. b. 4 f· 82 Drittes Buch. Bon d. verſchiedenen Erwerbsarten d. Sachen. p. 4 ff. Vor der Revolution mußte der Finder binnen drey Tagen davon Anzeige vey ſeinem Richtet thun. Dieſer verkaufte dann die Sachen, wenn ſich ber Verlterer nicht angefunden hatte. Der Finder erhielt nach einigen Coutumes 1 des Preiſes. Wahrend der Rervolution wurden ſie durch das Decret vom 22. Nov. 1790. fuͤr herrenloſe Sachen erklärt; und die Rechte der Gutsherrn, als Patrimonialrichter auf dieſetben, durch das Geſetz vom 15. April 1791. abgeſchafft. Als herrenloſe Sachen muͤſſen auch jetzt noch die gefundenen Sochen dem Staate zuaeeiqnet werden, da der Art. 717. ausdruͤcklich auf die Jurisprudence intermédiaire zuruͤckweißt. Den gefundenen Sachen werden nun auch gleichgeſtellt die in den Greffen liegenden Corpora delicti, und in den Poſtbureaux liegenaebliebene Gaͤter.— MarEvILX.E Analyſe ad h. art. und DELvINcouRT Inſtitutes. T. II. p. 4. wollen dagegen die gefundenen Sachen irrig dem Finder zuetgneit.— Fuͤr Weſtphalen werden die Regeln des Römiſchen und Provinctalrechts in Hinſicht der gefundenen Sachen zu beobach⸗ ten ſeyn. Erſter tn, eine be me von rnn, 791. enen de den in art. enen de ach 83 E r ſter Sitel. S. 5. Foz3. Gefchichte der Legislation uͤber dieſelbe. De⸗ Erbrecht ¹) war eines derjenigen Rechesinſtitute, welches durch die Revolution die meiſten Veraͤnderungen erleiden mußte, da es mit den Grundſaͤtzen derſelben im ſchneidendſten Widerſpruche ſtand. Durch ein Decret vom 4. Januar und 7. März 1793. wurde deshalb alle vorher⸗ beſtandene Succeſſion in ſpeciellen Arten von Guͤtern, ſo wie nach der Erſtgeburt, aufgehoben. Zu gleicher Zeit wurde der Grundſatz aufge⸗ ſtellt, daß der Menſch uͤber ſeine Guͤter nicht auf den Todesfall dispo⸗ niren könne, da uͤber den Tod hmaus nur das Geſetz beſtimmen muͤſſe, auf wen dieſe nachgelaſſenen Guͤter fallen ſollen, und durch ein Decret vom 7. Maͤrz 1793. die Teſtamente völlig aufgehoben. Den unehelichen Kindern wurden ebenfalls ausgedehnte Erbrechte gegeben, die Fideicom⸗ miſſe und Verzichte zum Voraus aber verboten, um nicht zu vieles Vermoögen auf eine Perſon zu bringen. Obgleich ſpaͤterhin die Teſta⸗ mente wieder erlaubt wurden, ſo hat ſich doch der Grundſatz erhalten, daß die Inteſtaterbfolge die Regel ausmacht und eigentlich als Erb⸗ folge(ſucceſſion) betrachtet wird, und die zur Erbfolge berechtigten, Erben(heritiers) heißen; daß dagegen das Teſtament in die Kategorie der Schenkungen geſetzt wird, mithin hierbey nie die Rede von einer Erbſchaft, oder von Erben, ſondern nur von kegatarien iſt. Das Geſetz vom 29. Germinal Xl. war dasjenige, welches die beſtehende Erbfolge anordnete, und ein Theil des Code Napoleon wurde ²). 4) Ueber die Geſchichte des Erbrechts ſ. MaALBvIILLB Analyſe ad h. tit. ZAcnaA⸗ RIAr Handbuch. Th. 11. S. 127 ff.; vorzůglich aher CRApoT tableau de la legislation aucienne ſur les ſucce ſions, et de la legislation nouvelle établis par le Code civl. à Paris XlII. 8. 4 Ueber — Drittes Buch. Erſter Titel. Ueber das alte Erbrecht: LEnRuN traité des ſucceſſions. Paris 1775. fol. porn1ER des ſucceſtons.(Oeuvres poſthumes. Par. 1777. 4. T. II.) Ueber das mittlere: Außer den oben angefuͤhrten Geſetzen, das Geſetz vom 7. Nivoſe II, 18. Plu⸗ vioſe v, 24. Germinal VIII. A. C. GuIckand Diſ. ſur le régime cetuel des ſucceſſtons. Paris. 1797. 8. Deſſelben Code des ſucceſſion. 1791. 8. Recueil complet des joĩs ſur les ſucceſſions depuis 1790. jusqu'au 4. Germinal an. VIII. 4. TIssAnpiEn eraie? eomplet ſur les Sratuiter, et les ſuc- ceſſions ab inteſtat, conformetment à la loi du 4 Germinal. Par. 1301. 12. Kurzer Abriß öͤber die Erbfolge ab inteſtato, nach den neueſten Geſetzen der Fraͤnkiſchen Republik, mit Schematen erlaͤutert. Im Waffenträger der Geſetze 1801. H. XIl. S. 213. Ueber das neuere: Code de? ſucceſionr. donations, teſtamens et partages, contenant le texte des lois) heurs motifs, leurs rapj orts, des discours aunquels elles ont donnè ieu, ſutvi des notes et obſervations ẽtabliſfant la concordance, et la difference entre les lois anciennes, les lois précedentes, et nouvelles par J. M. D. FParis. 18035. II. Voll. 8. Code des ſucceſſtons, ou traité complet ſur les diſpofitions du Code civil, relatives aux fueceſfions, donations, teſtamens, partages&c avec des mo- deles des principaux actes, redigés d après les formes nouvelles; ſuivi du texte des lois, et de l'expoſe des motifs— par Ab6usTE FIRMI6tER LAnO1x. II. Voll in 12. RII. Code de⸗ ſurceMons. donations, teſtamens et partages contenant la loi avec l'expoſition, les dicours en entier ou par extrait, auxquels la dis- cuſſion a donné heu. Par EMANuEIL. BRossrLARP Paris. in 8 und 12. (ConMA1L1E) Wouveau traits der dontiont entre viſs, te famentai- res et des ucceſſions. Paris. 1805. II. Voll. 8. p. 1. TissanpirR traitè moſ hndique ſur la tran miſon der biens, par ſucceſſions, donations, et teſtamens. Paris. IX. 12. vIII. Voll Commentaire ſur la loi du 20 Ge minal Au X. relative aux ſucceſſions, formant le titre t. du Liv. III. du Code civil, par CRasoT(de Palher). Paris. 1805 II voll. 8. Das vorzůglichſte Weik Die geſetzliche Erbfolge in der Franzoͤſiſchen Republik, nach dem Geſetze 29. Germinal von Pfender. Coblenz 1804. 3.(auch in Laſſaulr ournal, Jahrg. I. „Jahrg. 1.) Syhem Plu ari, vinal ſuc. 1 3 de terte ont , et elle ioi j du 515 ei dit d 12 ai. ſa on, ner) eſtte uuh Von der Erbfolge. 85 Syſtem der Inteſtaterbfolge nach dem Civilgeſetzbuche der Franzoſen, von Grebel. Föln 1807. 8.(Ebenfalls in Laſſaulx Journal. Jahrg. 1.) Gönner uͤber die Erbſolge nach dein Code Napoleon mit den Römiſchen und Preußlſchen Rechten aus dem Geſichtspuncte der Legislation verglichen. In ſ. Archiv fuͤr Geſetzgebung. FAvaRb Ordre d'après lequel on eſt habile d ſuccèder in ſ. Conſférenee. T. MI. p. 268 ff. und in ſ. Repertoire de la legislation du notariat. 1 2) Ueber die Anwendung des Code Napoleon in dieſer Hinſicht enthaͤlt ein Schreiben des Hrn. Miniſter Siméon an das Civiltribunal in Magdeburg den 19. Febr 1808. folgendes auf deſſen Anfrage: Ob man ſich in Faͤllen der Erbfolge ab inteſtato noch nach den Provinzialgewohnheiten zu richten habe, oder ob ſolche von jetzt an auſgehoben ſeyen? Der Code Napoleon hebt alle Geſetze auf, die ihm entgegen ſind, und erhaͤlt nur die Localſtatuten bey Kraͤf⸗ ten, auf welche von ihm Zuruͤckweiſung geſchteht, oder in Anſehung derer der Landesherr erklaͤrt, daß ſie beybehalten werden ſollen. Es wird in Praxi leicht ſeyn, dieſes Princip anzuwenden⸗ und zu bemerken, ob die Statuten und Gebräuche, deren Sie erwähnen, den Votſchriften des Code Napoleon ent⸗ egen ſind, oder ob der Landesherr durch eine Willensaͤußerung zu erkennen gegeben, daß er deren Beybehaltung wolle. Sind dieſe Bedingungen nicht vorhanden, ſo iſt einleuchtend, daß die Localgebräuche als aufgehoben betrachtet werden muͤſſen.“ S. Winkopp's Rheinbund. St. 18. Nr. 59. §. 504. Begriff des Erbrechts. Das Erbrecht iſt ein Rechtsinſtitut, mittelſt welchem das Geſetz die Rechte und Verbindlichkeiten emer verſtorbenen Perſon, ohne Da⸗ zwiſchenkunft der Willensäußerung derſelben, auf andere, welche in ihre Stelle eintreten, uͤbertragt. Die verſtorbene Perſon wird mit dem Nah⸗ men Erblaſſer, die hingegen, welche in ihre Stelle eintritt, mit dem⸗ jenigen eines Erben(heritier) belegt*). 1) Schon in dem vorigen 5 iſt es bemerkt, daß heritier immer Inteſtaterbe, legataire dagegen der Teſtamenterbe iſt. 5. 505. unterſchled zwiſchen Anfall und Erwerb des Erbrechts. Die ganze Lehre uͤber die Erbfolge zerfaͤllt in zwey Haupttheile: 1. Anfall des Erbrechts. In dieſem wird die Frage, wann iſt man zur Erbfolge berufen? und wer iſt dazu berufen? beantwortet. 11 Er⸗ 6 werb — Art. 718. Art. 719. Art. 720. 86 Drittes Buch. Erſter Titel. werb des Erbrechts; oder die Frage: was hat der Berufene zu thun um wirklich in den Beſitz der Erbſchaft zu gelangen? Mit dem erſten Haupttheile beſchaͤftigen ſich die erſten fuͤnf Kapitel; mit dem letztern das ſechste. Erſtes Kapitel. Von dem Anfalle des Erbrechts und dem Uebergange des Beſitzes auf die Erben. F. 5o6. 1. Eröffnung der Erbfolge. Man wird zur Erbfolge berufen durch Ersffnung derſelben. Sie wird aber eroͤffnet: I. Durch buͤrgerlichen Tod. II. Durch na⸗ tuͤrlichen Tod. S. 507. 1. Durch buͤrgerlichen Tod. Durch den buͤrgerlichen Tod wird die Erbfolge in dem Augenblicke eröfſnet, wo nach den im I. Buche L. Titel II. Kapitel II. Abſchnitt ent⸗ haltenen Verfuͤgungen(§. 124— 129.) dieſer Tod verwirkt wird ¹). 1) S. CnakoT Tableau. p. 20— 2. F. Fo8. 2. Durch natuͤrlichen Tod. Durch den natuͤrlichen Tod wird die Erbfolge in dem Augenblicke eröffnet, wo der Erblaſſer denſelben erleidet.— Bleibt dieſer Augenblick biswerlen unbekannt, z. B. wenn mehrere Menſchen durch ein gemein⸗ ſchaftliches Ungluͤck umgekommen ſind, ſo kann dieſer Umſtand in Hin⸗ ſicht der Erbfolgeverhältniſſe, in welchen die zugleich Umgekommenen mit einander ſtanden, aͤußerſt wichtig feyn*), um die Erbfolge der Himter⸗ laſſenen zu beſtimmen; z. B. wenn Eltern und Kinder ommen, Von der Erbfolge. 87 un, kommen, die wieder Crben haben. Stirbt in dieſem Falle das Kind frͤber, ſen ſo werden die Erben des Vaters; ſtirbt der Vater fruͤher, die Erben des en Kindes erben.— Um dieſer Ungewißheit ein Ende zu machen, hat das Geſetz eine Vermuthung aufgeſtellt, nach welcher das ſpätere oder fruhere Ableben der zuſammen Umgekommenen beurtheilt werden ſoll; welche auf die natürliche Zähigkeit des Lebens, ſo wie ſich dieſelbe nach der Alters⸗ und Geſchlechts-Verſchiedenheit richtet*), gebauet iſt; aber auf der andern Seite vorausſetzt, daß ſolche factiſche Umſtaͤnde nicht vorhanden ſind, aus denen man das Ueberleben einer oder der andern Perſon naͤher erſchließen kann). In einem ſolchen Falle, verordnet das Geſetz mithin, ſolle man zuerſt auf die denſelben begleitenden factiſchen Um⸗ ſtände Ruͤckſicht nehmen, um das Ueberleben der zuſammen umgekom⸗ menen Perſonen zu beſtimmen*). kaͤßt ſich aus dieſen factiſchen Um⸗ ſtänden durchaus nichts erſchließen, ſo beſtimmt das Geſetz folgendes: I. Sind diejenigen, welche mit einander umkamen, alle juͤnger als Art. 721. funfzebn Jahre, ſo wird der aͤltere als überlebend angeſehen. Sie 1I. Sind dieſelben alle aͤlter als ſechzig Jahre, ſo wird der juͤngere n als letztverſtorben angeſehen. IlI. Waren die einen unter funfzehn, die andern uͤber ſechzig Jabre*), ſo werden die erſten als letztver⸗ ſtorbene betrachtet. IV. Standen ſie alle in einem Alter zwiſchen urt. 722. funfzehn und ſechzig Jahren, ſo wird der Juͤngere als letztverſtor⸗ ben vermuthet. Rur in dieſem letztern Falle wird auch zugleich auf Ge⸗ id ſchlechtsverſchiedenheit geſeben. Standen nämlich die umgekommenen nt Perſonen verſchiedenen Geſchlechts entweder in einem gleichen, oder doch wenigſtens nicht uͤber ein Jahr verſchiedenen Alter, ſo wird die Manns⸗ perſon als letztverſtorben angeſeben.— In dem Code ſind jedoch zwey mögliche Faͤlle uͤberſeben: V. Wenn mehrere umkamen, von denen die einen unter funfzehn, die andern uͤber funfzehn Jahr alt ſind ²). vI. Wenn die zuſammen Umgekommenen unter ſechzig und uͤber ſechzig Jahre alt waren. Es kann ſedoch dem Geiſte des Geſetzes it nach(S. not 2.) nicht zweifelhaft ſeyn, daß im erſtern Falle die über lit funfzebn Jahre, und im letztern die unter ſechzig Jabren fuͤr in die Laͤngerlebenden gehalten werden muͤſſen 7). it⸗ 1) Ebenfalls kann dieſes außer dem Erbrechte wichtig ſeyn: 1) Wenn der Teſtirer und Legatar zuſammen umkommen. Stirbt der Leqatar fruͤher, ſo koͤnnen ſeine Erben das Legat nicht verlangen, wohl aber wenn der Teſtirer fruͤher ftirbt. m 2) Wenn der Schenkgeber und Schenknehmer zuſammen umkommen, und der en, erſtere Drittes Buch. Erſter Titel. erſtere ſich ein Ruͤckfallsrecht auf den Fall ausbedungen hat, wenn letzterer früher ſterben wuͤrde. Wenigſtens glaube ich, daß die aus dem Art. 720 ff. gezogene Analogte der Abſicht des Geſetzgebers gemäßer iſt, als CRasor's(Commen taire. Th. I. S. 11.) Behauptung, daß man immer in dieſem Fall dite Auf⸗ rechthaltung der Teſtamente, Schenkungen u. ſ. w. beabſichtigen, und in dieſem Falle demjenigen, der dieſelben als nichtig aus dem Grunde anſicht, daß der Legatar fruͤher geſtorben waͤre, den Beweis dieſer Behauptung, der dann doch in den meiſten Fällen unmöglich iſt, auflegen muſſe, um das Teſtament bey Kraͤften zu erhalten. Freylich ſpricht der Art. 720. nur von ſolchen Perſonen —*reſpectivement appeiées 4 la ſueceſſton l'une de lautre.“— Mar⸗ vIuILg Analyſe ad h. art. will deshalb nichts beſtimmen. 2) Und zwar nimmt es die wenigſte Zähigkelt des Lebens beym weiblichen Ge⸗ ſchlechte(wohl gegen die Natur, obgleich auch ME rzcen gerichtliche Arzney- wiſſenſchaft F. 236. derſelben Meynung ſcheint, wie der Code), nnd in den Alttersjahren unter 15 und uͤber 60 an. 3) S. Gönner Kritik der Verordnungen des Romiſchen und Franzöſiſchen Rechts uͤber die Vermuthung des Ueberlebens, wenn mehrere Perſonen zugleich ihr Leben verloren haben, in ſ. Archtv fuͤr Geſetzgebung. B. II. H. 2. S. 253- 260. 4) Iſt z. B. ein Hau ebgebrannt, worln mehrere Menſchen umkamen, ſo iſt der fuͤr zuerſt verbrannt anzunehmen, deſſen Kammer zuerſt in Brand gerieth; iſt ein Corps aufgerieben, ſo iſt der in der Avantgarde früͤher gecsdtet, als der in der Arriergarde; iſt ein Schiff untergegangen, ſo iſt der der Letztver⸗ ſtorbene, den man noch zuletzt ſah. Daſſelbe iſt der Fall mit dem, der wegen ſchwerer Krankheit u. ſ. w. ſich nicht ſo geſchwind retten konnte, als die uͤbrigen Mitumgekemmenen; mit dem am meiſten Gemißhandelten, wenn mehrere von Räubern erſchlagen ſind, mit dem am weiſten und toͤdlichſten Zerſchmetterten, wenn ein Gebäude einſtuͤrzte, mit dem am meiſten Verbrannten, oder mit Metall verſehenen, wenn der Blltz mehrere erſchlage, u. ſ. w. CRasor Commentaire. T. I. p.9. Goͤnner a. a. D. S. 257. Grebel Inteſtatert⸗ folge. Th. I. 8) Von welchem Jahre an muß man aber annehmen, daß derjenige, welcher unter 18 Jahr alt iſt, den uͤber 60 Jahre uͤberlebt habe? Es kann keinem Zweifei unterworfen ſeyn, daß dieſer Termin von der Lebensfahigkeit des zur Welt gebohrenen Kindes, mithin vom ſechsten Monat angerechnet werden mus. So nimmt mithin das Geſetz das 6 monatliche Kind als den 6rährigen Greis uͤberlebend an, obgleich der letztere gewiß mehr phyſiſche Kraft hatte, als erſteres. S. auch CRaBoT Commentairc. T. I. p. 8. 6) CuasoT a. a. O. S. 13. 7) Ebenfalis ſchweigt der Code uͤber den nicht ganz ungewoͤhnlichen Fall, daß Zwil⸗ linge zugleich ums Leben kommen, von denen man nicht wußte, wer von ihnen ſräher ans Lecht gekommen war, aber ſchon CHaBoT a. a. O. entſcheidet ſehr richtig dem Geiſte des Code, und der raiſon écrite des fr. 10. D. XXXKIV.. de rebus dubiis gemäß, daß der robnſteſte fuͤr den laͤngſtlebenden gehalten werden muͤſſe, mithin, wenn ſie verſchledenen Geſchlechts waten, das Knabchen. 5. 5o9. Von der Erbfolge. 39 5. 509. II. Anfall der Erbfolge. Das Geſetz beſtimmt allein die Erbfolge. Dieſe iſt theils ordent⸗ Art. 723. liche Erbfolge, theils außerordentliche. Die ordentliche Erbfolge macht die Regel aus, die außerordentliche tritt nur in Ermangelung der erſtern ein. Zur ordentlichen Erbfolge beruft das Geſetz die regelmäßi⸗ gen Erben, nämlich Deſcendenten, Aſcendenten und Collateralen; zur außerordentlichen hingegen die unregelmäßigen, naͤmlich die unehelichen Kinder, den uͤberlebenden Ehegatten und den Staat. Die Ordnung, in welcher die genannten Perſonen erben, wird unten beſtimmt werden; hier nur noch einige Worte uͤber den Unterſchied zwiſchen beyden Arten der Erbfolge. Dieſer iſt folgender: I. Die regelmaßigen Erben treten in Art. 724. den Beſitz des Vermoͤgens, in die Rechte und Verbindlichkeiten des Ver⸗ ſtorbenen ¹), ipſo jure ein;(e mort ſaiſit le vif) ²) mithin trans⸗ mittirt der Erbe ſeine Rechte, wenn er nur eine Minute ſpäͤter ſtirbt als der Erblaſſer, auf ſeine Erben, ohne Ruͤckſicht darauf, ob er die Erbſchaft angenommen hat, oder ob er uͤberall Wiſſenſchaft von ihr gehabt hat; nur darf er ſie nicht ausgeſchlagen haben 3). II. Die unregelmaͤßigen Erben bingegen muͤſſen um Einweiſung in den Beſitz bitten, und ſuccediren nicht iplo jure in die Rechte und Ver⸗ bindlichkeiten des Verſtorbenen. 1) Er hat jedoch dos beneßcium inventarii. M i t burreau. 1809. P. I. p. 24 ff. n 2) Auch der Untverſallegatar hat das bẽnẽfice de ſaiſine, wenn keine Notherben vorhanden ſind. Art. 1006. CcRasoT a. a. O S 17. Nur allein das nicht lebensfähige Kind transmittirt die Erbſchaft nicht im Augenblicke des Todes auf ſeine Erben. S. F. 510. not. I. Zweytes Kapitel. Von den zur Erbfolge erforderlichen Eigenſchaften. §. F10. Erforderniſſe. Um erben zu können, iſt es nothig: I. Daß wan im Augen⸗Att. 72. licke des Anfalls der Erbſchaft exiſtirt. Mithin ſind unfäbig Spangenberg's Commentar Bd. II. M zur — 90 Drittes Buch. Erſter Titel. zur Erbfolge: 1) Das noch nicht empfangene Kind. Hierbey iſt jedoch zu bemerken, daß das empfangene Kind, ob es gleich an und fuͤr ſich erbfaͤhig iſt, die Erbſchaft nicht eher erwerben, mithin auch nicht auf einen andern transmittiren kann, als bis es lebensfaͤhig, d. b. nach dem xgoſten Tage gebohren iſt, oder wenn es fruͤher gebohren wurde, uͤber denſelben hinauslebte 1). 2) Der buͤrgerlich Todte. II. Daß man auch fäͤhig iſt, eine Erbſchaft den Civil⸗ Art. 726. Geſetzen nach erwerben zu können. Unfaͤhig ſind: 1) Fremde. Ein Fremder wird naͤmlich zur Erbfolge in das Vermogen, welches ſein Verwandter, er mag Fremder ſeyn, oder Inlaͤnder, in dem Gebiete des Reichs beſitzt, zufolge des Art. 1I. nur in den Faͤllen und auf die Weiſe zugelaſſen, wie ein Inlaͤnder ſeinen Verwandten in dem Lande jenes Art. 727. Fremden ſuccedirt ſeyn wuͤrde(§. 107.). 2) Unwuͤrdige. Der Erb⸗ folge unwuͤrdig, und als ſolche davon, jedoch nicht ipſo jure, ſondern Kraft einer gerichtlichen Unterſuchung ausgeſchloſſen, ſind: a) derjenige welcher verurtheilt iſt ²), weil er den Erblaſſer ermordet, oder ihn zu ermorden geſucht hat; b) der welcher wider den Verſtorbenen eine An⸗ klage ²) wegen eines Capitalverbrechens, die nachher falſch befunden worden iſt, erhoben hat; c) der Erbe, welcher die Ermordung des Ver⸗ ſtorbenen, obgleich ſie ihm bekannt war, dem Gerichte nicht angezeigt ⁴) Prt. 728. hat, ausgenommen æ) wenn er minderjaͤhrig war; 6) wenn er ein Ver⸗ wandter oder Verſchwägerter des Moͤrders in gerader Linie, oder Ehe⸗ gatte deſſelben, oder Geſchwiſter, oder Oheim oder Tante, oder endlich Nefſe oder Richte des Mörders*) war 6). 1) So ſcheint der Art. 725. ſeinem Geiſte nach zu erklären zu ſeyn. S. auch RaoT a. a. O. S. 20.— Stirbt das Kind within vor ſeiner Lebensfaͤhig⸗ 6 keit, ſo wird der zur Erbfolge berufen, weſcher nächſter Erbe geweſen ſeyn „ wuͤrde, wenn das Kind gar nicht exiſtirt hätte. 3¹ 2) Mithin iſt ſelbſt ein erwieſener Todtſchlag nicht hinreichend, um den Todt⸗ ſchläger der Erbfolge verluſtta zu erklaͤren, es iſt vielmehr eine Verurthellung deſſelben, als Mörder, erforderlich, da der Todtſchlag als Nothwehr begangen 1 ſeyn kann. CRABoT a. a. O. S 24. MarEvII1E Analyſe ad h. art Der 32 Moͤrder bleibt immer unfaͤhlg, wenn er auch Vegnadigung erhielt, denn dieſe 13 letztere hebt nie die Verurtheilung auf, ſondern nur die Strafe. Daſ⸗ ſelbe iſt der Fall, wenn die Strafe verhährt iſt, ars ärt. 32 in ſo fern eine i ſolche wirklich ausgeſprochen war; nicht aber wenn das Verfahren ſelbſt 6 verſährt iſt, Z2AchanAß Handbuch. Th. II. S. 188, denn dann iſt keine Verurtheilunz moͤglich⸗ 3) Eine Anklage muß immer vorhanden geweſen ſeyn. Wuͤrde z. B. eine Be⸗ ſchuldigung auf Adſuchen des Erblaſſers ſuͤr calumnios erklärt, ſo er Von der Erbfolge. 91 ſ der Beſchuldigte dadurch nicht erbunfaͤhig werden. Schwieriger iſt es zu be⸗ ſtimmen, was accuſation capitale“ ſey. Meines Erachtens iſt es eine ſolche, welche, wenn ſie erwieſen wäre, eine ſolche Strafe nach ſich zieht, die den buͤr⸗ gerlichen Tod(Art. 22— 24.) bewirkt. Dieſes ſcheint die Abſicht des Geſetzes h. zu ſeyn, ſolche Anklagen zu verhindern, welche vielleicht einzig in der Abſicht er⸗ hoben werden, um den buͤrgerlichen Tod des Erblaſſers zu bewirken, und hier⸗ durch ſein Erbe zu werden. Cnaso? a. a. O. S. 26. 27. will dieſe Anklage jedoch als eine ſolche betrachten, welche eine peine afflictive ou infamante, il mème temporaire zur Folge hat.— S. auch MArPviLL; Analyſe ad h. art. e, Zacantae Handbuch. Th. Il. S. 188. 4) Eine bloße Anzeige iſt hinreichend, einer wahren Klage gegen den Moͤrder bedarf es nicht. CHaBoT a. a. O. S. 28. 5 5) Aus demſelben Arnkei läßt ſich ſchließen, daß die in demſelben genannten Per⸗ iſ ſonen uͤberhaupt nicht verbunden ſind, von der Miſſethat des Verwandten An⸗ ſ zeige zu thun. Sie koͤnnen mithin nicht wegen der Unterlaſſung der Denun⸗ ti ciation beſtraft werden. Fuͤr Weſtphalen ſ. auch Art. 56. des Königl. Decrets vom 19. Aug. 1803. und das Handſchriftliche Schreiben des Hrn. Juſtizmint⸗ ſters an den Hrn. Generalprocurator des Harzdepartements vom 22. Aprit 1809. ig 6) Alle uͤbrigen Unwürdigkeitsurſachen des Römiſchen Rechts fallen weg. ſ i§. Ftr. n unwuͤrdigkeit. en Der wegen Unwuͤrdigkeit von der Erbfolge ausgeſchloſſene Erbe iſt Art. 729. , verbunden, alle Fruchte und Einkuͤnfte, die er ſeit deren Anfalle bezogen e hat, zuruͤckzugeben ²). Doch ſind die Kinder des Unwuͤrdigen nicht Art, 730. he ausgeſchloſſen, wenn ſie nur aus eigenem Rechte, und nicht vermoͤge ih der Repräſentation, zur Erbfolge gelangen; d. h. wenn ſie nicht als Erben ihres Vaters, ſondern als naͤchſte einzige Erben des Erblaſſers berufen werden ²). In dieſem letztern Fall hat ihr Vater aber an dieſem erb⸗ ſchaftlichen Vermogen der Kinder keinen geſetzlichen Nießbrauch. ſy 1) Er braucht aber auch die Schulden der Erbſchaft nicht zu bezahlen. CHanor a. a. O. S. 36. Ebenfalls ſind die Verkäufe, die er vor dem Zeitpuncte, da obh er gerichtlich fuͤr unwuͤrnig erklaͤrt wurde, annahm, guͤltig, doch haben die m aren Erben einen Regreß gegen dieſen Dritten. MarEvII.L.E Analyſe ad gen h. art. CHABoT a. g. O. D 2) 3. B. C iſt unwuͤrdig. Seine Kinder D ſuccediren 4 ie in dieſem Falle den A, als naͤchſte Erben, und in M eigenen Namen, weil B verſtorben iſt. Lebt dage⸗ B c ein gen B noch, ſo ſind ſie nicht einzige nächſte Erben, i ſondern könnten nur Kraft des Repraſentationsrechts, en durch Eintreten in die Stelle ihres Vaters C, erben; D und wuͤrden mithin, da derſelbe unwuͤrdig iſt, nichts erhalten, vielmehr das be Vermogen allein auf B fallen. S. DnrvIXcovk Inſtitutes. T. II. p. 46. M 2 Drit⸗ Art. 731. Drittes Buch. Erſter Titel. Drittes Kapitel. Von den verſchiedenen Claſſen der Erbfolge. Erſter Abſchnitt. Aligemeine Grundſätze. Ausführung derſelben. Die Erbſchaften fallen zu: I. den Blutsverwandten; und zwar den Deſcendenten und Seitenverwandten; jedoch in der Ordnung und nach den Regeln, welche unten näher beſtimmt werden. Sie ſucee⸗ diren naͤmlich 1) der Naͤbe der Claſſe, und in derſelben 2) der Naͤhe des Grades nach; und zwar in der Regel zu gleichen Theilen. Nur die halb⸗ buͤrtigen Verwandten ſind der Rutur der Sache nach ausgenommen, da dieſelben nur in der Lime ihrer Verwandtſchaft ſuecediren koͤnnen. Halb⸗ buͤrtige Verwandte ſind naͤmlich ſolche, welche von einer Perſon abſtam⸗ men, welche einmal in dieſem, das anderemal in jenem Paare vorkömmt: 5 AB ſind halbbuͤrtige Geſchwiſter in Ruͤckſicht gegen einander, da ihr Erzeuger C einmal mit der D, und das andremal mit der E ein Paar ausmacht. Vollbuͤrtige dagegen ſind ſolche, welche alle von einem einzigen Paare abſtammen. Z. B. CD N C D Art. 732. II. Ohne Ruͤckſicht auf die Natur, und den Urſprung der einzelnen darin enthaltenen Vermögensſtuͤcke. Vielmebr bildet das Von der Erbfolge. 93 das ſämmtliche Vermögen des Verſtorbenen nur eine Maſſe*), ohne Ruͤckſicht ob die Guͤter adeliche oder unadeliche 2), Mobilien oder Immo⸗ bilien, vaͤterliches oder mütterliches Vermoͤgen ſind. ĩ ueber die unendliche Verſchledenheit der Erbſchaftsguͤter im alten Frankreich, und die daraus entſtandenen Erbfolgeordnungen ſ. MarEVILLE Analyſe ad tit. h. Einleitung. 2) Dieſer Grundſatz iſt durch das Adelsſtatut und die Einführung der Maorate wieder ſehr beſchrankt. Ebenfalls durch das Senatusconſult vom 30. Januat 1810, worin es heißt: Art. 44. Hinterlaßt der Kaiſer ein Kind maͤnnlichen Geſchlechts, ſo erhaͤlt daſſelbe die geſammten Privatdomatnen. Att. g5. Hinterlaͤßt er mehrere, männlichen und weiblichen Geſchlechts, ſo n ſollen ſie die beweglichen und unbeweglichen Pridatdomainen bis zum Belaufe eines Capitals von 3 Millionen Renten, nebſt dem Eigenthume eines ausmöb⸗ 6 lirten Pallaſts fuͤr einen jeden, und dem Vorſchuſſe einer dem zährlichen Ein⸗ M kommen gleichen Summe unter ſich cheiten; alles dieſes unabhängig von ihrer e Appanage, wenn ſie eine haben. Der Ueberſchuß gehort dem Aelteſten. d Art. 46. Wenn der Kaiſer nur Prinzeſſinnen hinterläßt, ſo erhalten ſie l ihren Antheil, wie die Prinzen ihn erhalten wuͤrden, und bis zu demſelben n Betrag. Die älteſte der Prinzeſſinnen kann bis zum Belaufe von 6 Millionen Einkuͤnfte erben. Der regierende Katſer wird dieſelben Rechte haben, als ob er 6 ein Sohn des verſtorbenen Kaiſers wäre. Art. 47. Die zu auswartigen Kronen berufenen Prinzen und Prinzeſſinnen ſind außer Erbfahigkeit geſetzt. Jedoch können die Prinzeſſinnen im Falle des Wuwenſtandes, die juͤngern Prinzen, die Prinzeſſinnen, und ihre Deſcendenten wieder zur Erbſchaft berufen werden. Art. 34. Das Witthum der Kaiſerin faͤllt dem Staate zur Laſt. Art. 33 ff. enthalten Beſtimmungen über die Appanagen. 5 S. im Moniteur Meſphalien 1810. Nr. 18. Suppl. II. an en Cheilung der Maſſe in zwey gleiche Theile. Faͤllt jedoch die Erbſchaft Aſcendenten oder Seitenverwandten ¹) zu, Art. 233, ſo wird ſie in zwey gleiche Theile gerbeilt Den emen erhalten die ge⸗ nannten Verwandten von der väterlichen, den andern die von der muͤtter⸗ lichen Linie. Und zwar iſt hier nicht auf den Urſprung des Vermoͤgens, e ob es vaͤterliches oder muͤtterliches ſey, Ruͤckſicht zu nehmen; ſondern die du M 3 ganze Art. 234. 94 Drittes Buch. Erſter Titel. ganze Maſſe, mag ſie der Erblaſſer von jemand erhalten haben, wovon er will, wird auf dieſe Art getheilt. Z. B. avA* Stuͤrbe A, ſo wuͤrde ſein Vermoͤgen in zwey Haͤlften auf die Linie B, und die Linie C fallen, und die erbfaͤhigen Verwandten dieſer beyden Linien in demſelben ſueeediren. Hierbey iſt zu bemerken: I. Die halb⸗ buͤrtigen Verwandten werden durch die vollbuͤrtigen micht ausgeſchloſſen: ſie gelangen jedoch, mit Vorbehalt der im 752. Artikel beſtimmten Aus⸗ nahmen, nur in ihrer Linie ²) mit zur Theilung. 1I. Vollbürtige Ver⸗ wandte, z. B. Geſchwiſter, erhalten in beyden kinien ihren Antheil.— Die Erklaͤrung dieſer Sätze ſ. unten zum Att. 752.— III. Der An⸗ theil, der auf eine tinie faͤllt, kann nur dann auf die andere fallen, wenn ſich in der einen linie weder Aſcendenten noch Seitenverwandte finden. Z. B. *evM Stirbt mithin A, ſo werden B und C zu gleichen Tbeilen in ſeinem Ver⸗ moͤgen ſuccediren.— IV Nach dieſer erſten Vertheilung in die genannten beyden Linien, findet keine weitere Vertheilung in die verſchiedenen Stamme ſtatt, ſondern die einer jeden kinie zugefallene Haͤlfte gebuhrt dem dem Grade nach nächſten Erben, ausgenommen wenn ein Ent⸗ fernterer durch Repraͤſentation in eine naͤhere Stelle tritt; obgleich der⸗ ſelbe anfangs um emen Grad entfernter ²) war. Z. B. boh l, t⸗ kn ſen h h et⸗ Von der Erbfolge. 95 6 P F ſtirbt, ſo fällt 4 ſeines Vermoͤgens auf die muͤtterliche Linie D, und 4 auf die natuͤrliche E. Die väterliche kinie theilt ſich nun wieder in zwey Stämme, G H. Da aber auf dieſe weitere Vertheilung nicht Ruͤck⸗ ſicht genommen wird, ſo ſuccedirt in der kinie E der dem Grade nach nächſie väterliche Verwandte A, und ſchließt den C aus. Da die weitere Vertheilung nicht ſtatt findet*), ſo folgt ebenfalls daraus, daß der Verwandte zweyer Staͤmme derſelben Linie nur eine eben ſo ſtarke Portion erhaͤlt, als der Verwandte eines Stammes dieſer linie; z. B⸗ H F 6 Ef, ſo fällt 4 auf die tnie G, und 4 auf D. Die tinie C bildet zwey Stämme F6 und HF B iſt ſowohl Verwandter des Stammes FG, als HF, erhält aber nicht mehr als A, der nur Verwandter des Stam⸗ mes HF iſt. 1) Bey den Geſchwiſtern tritt eine im Art. 780 ff. aufaeſtellte Ausnahme ein⸗ Ordre daprès lequel&c. iu Conforence. T. III. P. 265. 2) 3. B. c d E vin 8 kKt. — Drittes Buch. Erſter Titel. K, ſo fällt 1 ſeines Vermögens auf die Linie B, auf A. Die Linie 5 theiit ſich in zwey Zweige, nämlich in die vollbuͤrtige F, und ole halbbuͤrtige H. Hier ſchließt die vollburtige die halbbuͤrtige nicht aus, denn da nach Art. 734. keine weitere Verthellung ſtatt findet, ſo ſuccediren H und F zu gleichen Theilen, ohne Ruͤckſicht auf Halbbuͤrtigkett und Vollbuͤrtigkeit, welche nur in Art. 752. eine eigene Beſtimmung in Hinſicht der Geſchwiſter erhaͤlt. CRaboT g. d. D. S. 55. 3) 3. v. Dem Grade nach naͤchſter Erbe wuͤrde A ſeyn. Da aber C durch Repräſentation ſeines Vaters D in deſſen Stelle ruͤckt, ſo wuͤrde er vom A nicht ausgeſchloſſen werden, ſondern denſelben ſogar ausſchließen, da er auch der Claſſe nach näher iſt. 4) Wenn jedoch der Artikel eine weitere Vertheilung unter die väterliche und muͤtterliche Linie verbietet, ſo iſt dieſes nur von etner weltern Abtheilung in die verſchtedenen Staͤmme zu verſtehen; nicht aber von der weitern Vertheilung des auf die Linle gefallenen Antheils unter die Verwandten des naͤmlichen Grades, wiewohl ſie von verſchtedenen Verwandten abſtammen, wenn ſie ſich gleich zur Zeit der erſten Theilung nicht gemeldet hatten. Caſſa⸗ tionshof in Journal des audiences. 1806. Suppl. p. 110 ff. S. JI4. Berechnung der Verwandſchaftsgrade. Da nur die naͤhern Blutsverwandten zur Erbfolge kommen, ſo iſt es wichtig, die Berechnung dieſer Raͤbe kennen zu lernen. Dieſe geſchieht art. 738. nach Graden. Grad iſt nämlich der durch Zeugung entſtandene Ab⸗ ſtand eines Verwandten von dem andern. Eine Nähe mehrerer Grade urt. 736. bildet die Linie. Die linie kann doppelt ſeyn: I. Eine gerade; wenn man die Gradefolge mehrerer Perſonen, welche mit einander in dem Ver⸗ pältniſſe des Erzengers zum Erzeugten ſtehen, berechnet. Z. B. A e5 R 30. len, eine e Von der Erbfolge. 97 A iſt mit B und mit G in gerader Linie verwandt, da er ſich zu ihnen, wie Erzeuger zum Erzeugten verbaͤlt. II. Seitenlinie, wenn man die Gradfolge ſolcher Perſonen be⸗ rechnet, welche zwar nicht mit einander in dem Verbäaͤltniſſe des Erzeu⸗ gers zum Erzeugten ſteben, aber doch einen gemeinſchaftlichen Erzeuger b** B. baben. 3 e A B A iſt mit B in der Seitenlinie verwandt, da beyde zwar nicht in dem Verhaͤltniſſe des Erzeugers zum Erzeugten ſtehen, in den C aber doch einen gemeinſchaftlichen Stammvater haben. Die gerade lime iſt theils aufſteigend, wenn man die Grad⸗ folge von den Deſcendenten nach den Aſcendenten heraufzählt; abſtei⸗ gend, wenn man zählt wie viel Grade ein Deſcendent von dem Aſcen⸗ denten herunter, entfernt ſey. Um die Entfernung zu beſtimmen, in der Verwandte gegen einander ſtehen, zaͤhlt man in jeder Linie die Grade, und zwar: I. in der geraden Art. 737. time zaͤhlt man ſo viel Grade, als ſich Zeugungen zwiſchen den Perſonen befinden, z B A B C Der Vater A iſt mit dem Sohne B im erſten, mit dem Enkel C im zweyten Grade verwandt, und umgekehrt. II. In der Seitenlinie zählt Art. 738. man die Grade nach den Zeugungen, von einem der Verwandten bis zum gemeinſchaftlichen Stammvater, dieſen nicht mitgerechnet, und alsdann von dieſem bis zu dem anderen Verwandten; z⸗ 4 B C D Spangenberg's Commentar Bd. I. N Die 98 Drittes Buch. Erſter Titel. Die Bruͤder AB ſtehen deshalb mit einander im zweyten, der Oheim B mit dem Reffen C im dritten, die Geſchwiſterkinder CD im vierten Grade der Verwandſchaft, u. ſ. w. Zweyter Abſchnitt. Von dem Repraäſentationsrechte. 5. F15. Begriff deſſelben. Die Erben ſuccediren entweder kraft eigenen Rechts, oder kraft Art. 739. des Repraͤſentationsrechts. Das Repräſentationsrecht iſt eine ge⸗ ſetzliche Fietion, vermoͤge welcher jemand in die Stelle, den Grad und die Rechte ſeines vorweggeſtorbenen Aſcendenten tritt. Es findet ſtatt⸗ Att. 740. I. In der geraden abſteigenden Linie und zwar bis ins Unend⸗ liche. Z. B. t S O* F tritt immer in die Stelle des E D C B A. Und zwar tritt es ein, ſowohl 1) wenn die Kinder des Verſtorbenen mit den Deſcendenten eines fruͤher verſtorbenen Kindes zuſammentrefſen. Z. B. K Ag H 3 c D EF A repräſentirt mithin ſo gut ſeinen verſtorbenen Vater B, als die Deſcen⸗ denten CDEF dir fruͤher verſtorbenen GH, ihren Großvater B.— 2 — ten in, met ſten Von der Erbfolge. 99 2) Als auch, wenn nur Deſecendenten der Kinder des Erblaſſers in gleichen oder ungleichen Graden vorhanden ſind; z. B. F AB C D E repraͤſentiren mithin immer den F 1). Die Repraͤſentation findet nur in der geraden abſteigenden, nie in der aufſteigenden Linie ſtatt; d. h. zum Vortheile der Aſcendenten findet ſie nicht ſtatt; denn bey Art. 74r. dieſen ſchließt der Nähere einer jeden Linie immer den Entferntern dieſer tinie(nicht aber der andern Linie) aus. Z. B. dem E ſuecedirt B, und ſchließt ſowohl den A als den F aus. H. In der Seitenlinie nur zum Vortheile der Deſcendenten dek urt. 742. Geſchwiſter des Verſtorbenen, jedoch aller dieſer Deſcendenten; nicht aber zum Vortheue der übrigen Seitenverwandten. Z. B. D Stirbt — 100 Drittes Buch. Stirbt A, ſo faͤllt die Erbſchaft zuerſt an die Deſcendenz ſeines Bruders, alſo auf BCD. Nur dann, wenn B C D nicht vorhanden wären, wuͤrde ſie auf F fallen; dieſer wuͤrde FG ausſchließen, weil zu deren Gunſten kein Repraͤſentationsrecht mehr ſtatt findet. 1) Man vergleiche hiemit das Römiſche Recht, ſo wird man eine bedeutende Ab⸗ Erſter Titel. weichung von demſelben finden; denn 1) kennt daſſelbe keine Repräſentation in der geraden Linie; 2) beſchraͤnkt es dieſelbe in der Seitenlinie bis auf den Grad der Geſchwiſterkinder einſchliehlich.— Nach dem Projer du Code etwil, ſollten die Kinder eines couſin germain, mit den couſins germains ſelbſt, zur Erbſchaft eines verſtorbenen couſin germain berufen werden. Z. Be Starb B, ſo ſollten die Kinder C ſeines Couſin germain A, jure repraeſentatio nis denſelben beerben. Hiervon gieng man nachher ab, und beſchraͤnkte das jus repraeſentationis in der Seitenlinie auf die Deſcendenz, und zwar alle Deſcendenz der Geſchwiſter. MarPvILILE Auslyſe ad art. 742. ZacRAkIaß Handbuch. Th. II. S. I144. CRHABoT a. a. O. S. 70. DBrvINcouRT Inſtitutes. T. II. p. 29— Manche haben jedoch die Verfuͤgung des Proects mißverſtanden, und deshalb das Repräſentationsrecht auf die Geſchwiſterkinder beſchränkt, z. B. BocRRR Napol. Pivatrecht. Th. II. S. 467. TissANpER Tom. V. p. 20. 5 6. Wirkung des Repräſentationsrechts. Das Repraͤſentationsrecht bewirkt, daß der Repräſentant in den Grad, und alle Rechte des Repraͤſentirten tritt, mithin auch alle die Perſonen ausſchließt, welche der Repraſentirte ausgeſchloſſen baben wurde, wenn er am Leben geblieben waͤre. So ſchließt z. B. das kraft der Re⸗ präſentation berufene Bruderskind, die Oheime und Tanten des Erblaſſers, ſo wie deren Deſcendenten aus*). 1) MAEvirIE Analyſe ad art. 748. CRHABorT tablean. tit. IV. c. 2. Conr- meytatre ad art. 739 ff. Laſſaulx Journal. k. 1. 49. I.. 32 ff. ZacRA⸗ R1AE Haudbuch. Th. Il. S. 144. 5. 517. —————— 5 — Von der Erbfolge. 101 5. 517. Erbtheilung nach dem Repräſentationsrechte. Eine Erbtheilung kann uͤberhaupt auf eine doppelte Art ſtatt finden: I. nach Koͤpfen, wenn jeder der Berufenen einen gleichen Theil erhaͤlt; I. nach Staͤmmen, wenn mehrere der Berufenen nur einen Theil erhalten.— Nach Koͤpfen theilen nur die, welche in dem⸗ ſelben Grade ſteben, und kraft eigenes Rechts, d. b. als nächſte Erben zur Succeſſion kommen, z. B. drey Soͤhne, u. ſ. w. In allen Faͤllen hingegen, wo das Repraͤſentationsrecht eintritt, ge⸗ Art. 743. ſchieht die Theilung nach Staͤmmen. Sind von einem Stamme mehrere Nebenliien entſproſſen, ſo geſchieht in jeder Nebenlinie die Theilung gleichfalls nach den Staͤmmen. Z.⸗ B. B C 5 AD F bilden hier drey Stämme, die ſich in die Nebenlinien BC auf⸗ löſen. B und C kommen kraft des Repraͤſentationsrechts zur Succeſſion, die drey Perſonen unter B erhalten eben ſo viel, als die zwey unter C, und der eine unter A, mithin jeder T. Ebenfalls: 4A . X d B 6 2 C. D D Hier zerfiele die Erbſchaft in drey Theile, 1 erhält A, 1 B, und die unter C begriffenen drey Perſonen. Da aber die eine derſelben verſtor⸗ ben iſt, und zwey Kinder D hinterlaſſen hat, ſo erhalten die unter G begriffenen 3, und D 4 der Erbſchaft. R 3 Die Art. 744. 102 Drittes Buch. Erſter Titel. Die Glieder einer und derſelben Nebenlinie theilen hingegen unter ſich nach der Anzahl der Köpfe. So theilen in dem erſten Beyſpiele, die drey Perſonen des Stammes B, ihren auf ſie fallenden Antheil gleich, die zwey Perſonen des Stammes G ebenfalls, u. ſ. w. §. 518. Wer kann repraͤſentirt werden? Nur ein naturlich oder buͤrgerlich Todter kann repraͤſentirt werden; mithin micht: I. Lebende; II. Unwuͤrdige*); wohl aber derjenige, auf deſſen Erbſchaft man Verzicht gethan hat. 1) S. zum Art 787. Dritter, vierter und fuͤnfter Abſchnitt. Von den verſchiedenen Claſſen der Erbfolge⸗ §. 519. Im allsemeinen. um die Claſſen der Erbfolge in einen lichtvollen Zuſammenhang zu bringen, wird es nothig ſeyn, die Artikelfolge des Code zu verlaſſen, und die einzelnen Beſtimmungen deſſelben gedrängter zuſammen zu ſtellen ¹). Die erbfaͤhigen Verwandten ſuccediren nämlich in vier Claſſen, von denen die vordere immer die hintere ausſchließt. In der I. Claſſe ſuccediren die Deſcendenten, in der II. Vater und Mutter und Geſchwi⸗ ſter, nebſt deren Deſcendenten, in der III. die weitern Aſeen⸗ denten beyder tinien, in der IV. die weitern Aſcendenten einer Linie, und die ͤbrigen Collateralen. Sind mithin Ver⸗ wandte der erſten Claſſe vorhanden, ſo ſchließen ſie die der zweyten aus; Verwandte der zweyten Claſſe ſchließen die der dritten aus, u. ſ. w. ²). 1) um jedoch einen leichten Ueberblick uͤber die erklaͤrten Artikel zu geben, ſͤge ich folgende Concordanz hinzu: Art. 745.— F. 520. — 746.—. 522. 525. 527. 324. S 5. 527. 524 Von der Erbfolge. 103 . Art. 740.— 8. 524. ⸗— 750.— F. 323. ,— 751.— F. 324. — 752.— 5. 5a3. — 753.— S. 526. — 754.— S. 522. — 755.— 5. 326. 2) Gonner uͤber die Ervſolge im Archtv für Geſetzgebung Bd. II. S. 143 ff. ſtellt folgende fuͤnf Ciaſſen auf: 1. Deſcendenten; 2. Geſchwiſter und Eitern; 3. Aſcendenten beyder Linten; 4. Aſcendenten einer Linie und Settenverwandte; u§. Collateralen.— Vielleicht koͤnnte man auch nur drey Ciaſſen bilden, z. B. Cl. 1. Deſcendenten. Cl. 2. Geſchwiſter. a) Geſchwiſter mit Eltern. b) Geſchwiſter allein. Ci. 3. Weder Deſcendenten noch Geſchwiſter. Lincalfolge. a) Aſcendenten in jeder Linle. b) Seitenverwandte. Erſte Claſſe. Succeſſion der Deſcendenten⸗ 5. 520. 1 Erbfolge derſelben. Die Deſcendenten des Verſtorbenen beerben denſelben, ohne Unter⸗ mt. 748. ſchied des Geſchiechts, der Erſtgeburt und der Ehe ¹). Mithin erben I. die weiblichen Deſcendenten in chen der Maaße als die mannlichen; I. die juͤngern Kinder, in eben der Maaße als der Erſtgebohrene; n III. die Kinder zweyter Ebe, eben ſo wie die der erſten, u. ſ. w. In Hinſicht auf den Antheil den die erbenden Deſcendenten erbalten, iſt zu bemerken: I. Sie erben nach Köpfen, wenn ſie ſich alle im 6 erſten Grade befinden, und vermoͤge eigenen Rechts(d. h. nicht vermöge des Repraͤſentationsrechts) berufen ſind. Z. B. g 6 k F ſ Hier — 104 Drittes Buch. Erſter Titel. Hier ſuceediten AB CD nach Köpfen, und ſchließen den F, Bruder des Erblaſſers K, und den Vater G, als eine Claſſe tiefere Verwandte, aus.— H. Sie erben nach Stämmen, wenn ſie alle oder zum Theil kraft des Repräſentationsrechts zur Erbfolge gelangen,. B. C B D Aß CD erben nach Stämmen, d. b. Merhaͤlt, die unter B bezeich⸗ neten zwey Enkel 4, der Enkel Gx, und die unter D bezeichneten drey Enkel ebenfalls z. Zweyte Claſſe. Succeſſion der Eltern, der Geſchwiſter und deren Deſcendenten. 5. 521. Erbfolge derſelben. Sind keine Deſcendenten des Verſtorbenen vorhanden, ſo ſuccediren deſſen Eltern, Geſchwiſter und Deſcendenten derſelben. Hier laͤßt ſich nun ein dreyfacher Fall denken. Nämlich es ſind: I. entweder nur Eltern vorhanden, oder II. nur Geſchwiſter, und deren Deſeen⸗ denten, oder endlich UI. Eltern und Geſchwiſter und deren Deſcendenten⸗ S52 1. Der Eltern allein. Art. 746. Sind nur allein I. beyde Eltern vorhanden, nicht aber Geſchwiſter des Verſtorbenen und deren Deſcendenten, ſo ſuccediren ſie zu gleichen Art. 733. Theilen, und ſchließen die weitern Seitenverwandten aus. II. Iſt nur einer der Eltern vorhanden, ohne daß Geſchwiſter oder deren Deſcen⸗ denten Von der Erbfolge. 105 denken da ſind, ſo fallt die Hälfte der Erbſchaft an ihn, und die andere Haͤlfte an die naͤchſten Verwandten der andern kinie. Dieſe theilen dann nach Köpfen, wenn ihrer mehrere gleichnahe ſind. Z. B. A A ſtirbt, ſo faͤllt 4 auf B, 4 auf C und D. Dann erbält aber der At. 73 Ueberlebende der Eltern 4 des Mießbrauchs an dem Vermoͤgen, welches auf die Seitenverwandten fällt. 5. 323. 2. Der Geſchwiſter allein. Sind nur Geſchwiſter vorhanden, ſo kömmt es darauf an, ob ſie Art. 760. volkbuͤrttge oder halbleuͤrtige ſind. l. Sind ſie vollbuͤrtig, ſo ſind ſie entwedet aklein vorhanden, oder ſie conenrriren mit andern Deſcen⸗ denten von Geſchwiſtern. Iſt das erſte der Fall, ſo erben ſie nach Koͤpfen. Z. B. X 4 Stirbt mithin A, ſo theilen ſeine drey Geſchwiſter B C N die Erbſchaft unter ſich zu gleichen Theilen, ſo daß ein jeder † erhaͤlt. Coneurriren hingegen Geſchwiſter mit Deſcendenten von Geſchwiſtern, ſo kommen die uͤber die Repraͤſentation aufgeſtellten Regeln zur Anwen⸗ dung. Muthin wird nach Staͤmmen ſuccedirt. Spangenberg's Commentar Bd. I. O Stirbt 106 Derittes Buch. Stirbt A, ſo zerfaͤllt ſein Nachlaß in 4; naͤmlich fällt auf B, auf C, und auf D. Art. 752. I. Sind vollburtige und halbbuͤrtige Geſchwiſter vorhanden, ſo wird die Verlaſſenſchaft in zwey Haͤlften getbeilt; die eine faͤllt auf die väter⸗ liche, die andere auf die muͤtterliche Linie des Verſtorbenen. Die vollbuͤr⸗ tigen Geſchwiſter erhalten in beyden Unien ihren Antheil; die Halb⸗ geſchwiſter von dem Vater oder der Mutter her, nur in der reſp. väter⸗ hchen oder mütterlichen Linie. Z. B. F 6 Erſter Titel. B C A D E A ſtirbt, und hinterläßt zwey vollbuͤrtige Brüder DE, und zwey Halb⸗ buͤrtige BC. Das Vermögen wird in zwey Hälften getheilt, von denen die eine auf die muͤtterliche Seite G, die andere auf die väterliche F faͤllt. In der Hälfte auf der Mutterſeite G ſuccediren DE ganz allein; erhalten mithin 4. In der Hälfte auf der Vaterſeite F ſuecediren ſie mit ihren Halbbruͤdern B C zu gleichen Theilen. Concurriren in dieſem Falle Geſchwiſter mit Deſcendenten anderer Ge⸗ ſchwiſter, ſo treten die oben aufgeſteilten Regeln uͤber die Repräſenta⸗ tion, ein. II. Sind nur halbbuͤrtige Geſchwiſter vorbanden, ſo erben ſie das 3 Ganze ¹), mit Ausſchließung aller uͤbrigen Verwandten der andern 3 linie, Z. B. B 3 4 ſtirbt, und hinterlaͤßt einen Halbbruder von der Seite der Mutter, und einen Oheim. Hier ſchließt B den C aus, und erhaͤlt das Ganze. NW. len Von der Erbfolge, 107 IV. Sind nur Geſchwiſterkinder(halbbuͤrtige oder vollbuͤrtige) vor⸗ handen, ſo wuͤrden bey ihnen, kraft des Repraͤſentationsrechts, dieſelben Grundſaͤtze eintreten. Muthin wuͤrden ſie das Vermoͤgen nach Maaßgabe der väterlichen und muͤtterlichen Linie theilen, u. ſ. w. 1) So iſt der Att. 752. zu erklaͤren; da der Art. 750, der den Geſchwiſtern dieß Vorzugsrecht einrdumt, kelnen Unterſchted zwiſchen voll- und halbbuͤrtigen Ge⸗ ſchwiſtern macht. CRanor a a. O. S. 136 ff. MarEvrIS Analyſe ad b. art. ZAcRHARIAE Handbuch. Th. II S. 433. Goͤnner Nrchiv. B. 1I. S 132 ff. Appellhof zu Bräſſel und Nancy in S1RRx Jurisprudence de ls Cour de Caſſation. An KlII. Suppl. P. 39. 40. 78. 79.— JoUannBa et SoroM Diſcuſions. T II. p 24. Andere ſind wegen des Art. 733. anderer Meynung, und wollen dem Machlaß unter a und C aetheilt wiſſen. S. Pan- dactos fraugaiſer. T. VI, p. 284 ff. Cnanor tableau. p. 136. 6. 524. 3. Der Geſchwiſter und Eltern. Concurriren I. beyde Eltern, mit Geſchwiſtern und deren Deſcen⸗ Art. 73. denten, ſo fällt die Haͤlfte der Erbſchaft auf die Eltern, ſo daß jeder TArt. 751. erhält; die Haͤlfte auf die Geſchwiſter und deren Deſecendenten, welche ſich darin, nach Maaßgabe der in dem vorigen Paragraphen aufgeſtellten Grundſaͤtze, in derſelben theilen. Z. B. 8 G Aà D A ſtirbt, und hinterlaͤßt B CD. Hier erhaͤlt B und C 4, und D ebenfalls. Concurrirt II. einer der Eltern, mit Geſchwiſtern des Verſtorbe⸗ nen, oder deren Deſcendenten, ſo erhält er 4, und die letztern 4. Z. B. W 3 . Stirbt E, ſo erhält B 4, W aber 4 des Nachlaſſes. Die Geſchwiſter theilen ſich in dieſen 3, ebenfalls nach den in dem vorigen Paragraphen aufgeſtellten Grundſätzen. Art. 749. Dritte Drittes Buch. Erſter Liter. Dritte Claſſe. Succeſſion der weitern Aſcendenten beyder Linten. Erbfolge derſelben. Art. 746. Hinterläͤßt der Verſtorbene weder Deſcendenten, noch Eltern, noch Geſchwiſter und deren Kinder, ſo kommen die weitern Aſcendenten beyder Lnien zur Succeſſion. Zwiſchen dieſen wird die Erbſchaft dergeſtalt getheilt, daß die Haͤlfte auf die mütterliche, die Haͤlfte auf die vaͤterliche unie fällt, und zwar entſcheidet die Nähe des Grads, ſo daß der dem Grade nach am nächſte, die ſeiner Linie zugefallene Hälfte erhaͤlt. Mehrere Aſcendenten deſſelben Grads erben nach Anzahl der Köpfe. Z. B. BF 6 5 6 Stirbt K, ſo fällt 4 auf die Linie L, 4 auf die Linie M. In der linie L. ſuccedirt allein A, und ſchließt BCD E aus; in der Linie M ſuccediren F G HI zu gleichen Theilen. Wherte Slaſe Succeſſion der weitern Aſcendenten einer Linie, und der uͤbrigen Collateralen. 5. 526. Erbfolge derſelben. Art. 753. Hinterlaͤßt der Verſtorbene nur weitere Aſcendenten einer tinie, fe kommen dirſe mit den uͤbrigen Collateralen z. B. Oheim, Tante u. ſ. w. zut e Von der Erbfolge. 109 zur Succeſſion. I. Sind nur Aſcendenten einer Linie da, ſo erhält der naͤchſte des Grades das Ganze. Z. B. Stirbt A, ſo ſchließt B alle uͤbrigen Aſcendenten aus, und erhaͤlt das Ganze. II. Sind Aſcendenten emer Linie, und Collateralen da, ſo er⸗ balten die erſtern die Haͤlfte der Erbſchaft, und ſuccediren in derſelben nach der Naͤhe des Grads. Von den letztern ſuccediren in der andern Haͤlfte nur die Verwandten der andern time, als zu welcher die Aſcen⸗ denten gehören, denn dieſe ſchließen die Seitenverwandten ihrer tinie aus. Auch die Seitenverwandten ſuccediren dann nach der Naͤhe des Grads, und zwar, wenn mehrere deſſelben Grads zur Erbfolge kommen, nach den Koͤpfen. Z. B. Stirbt A, ſo faͤllt 4 der Erbſchaft auf B, der den C, als einen Grad näher ſtehend, ausſchließt. 4 fällt aber auf DE, welche den F6 aus⸗ ſchheßen.— 1I. Sind nur Collateralen vorhanden, ſo ſuccediren die— ſelben — 110 Drittes Buch. Erſter Titel. ſelben allein, und zwar wird die Erbſchaft unter die Verwandten der väterlichen Linie zur Hälfte, und unter die der muͤtterlichen zur andern Haͤlfte vertheilt. Zu bemerken iſt: 1. Sie ſuccediren jeder in ſeiner Unie nach der Nähe des Grads. 2. Mehrere deſſelben Grads ſuccediren art. 735 nach der Kopfzabl. 3. Ueber den zwölften Grad entfernte Verwandten ſuccediren nicht ¹). 4. Feblt es in einer der beyden tmien an erbfähigen Verwandten, ſo erhalten die Verwandten der andern Linie das Ganze. 5. Auf Vollbuͤrtigkeit und Halbbuͤrtigkeit köͤmmt es nicht mehr an. Z. B. 5 EF6 F S Stirbt A, ſo ſuccedirt B in die Haͤlfte, und EF 6 H in die andere Häͤlfte. 1) 3. P. Von der Erbfolge. 111 Hter erbt§ dem O allein, da I im 13ten Grade verwandt iſt. Bocnyn Napol. Privatrecht. Th. II. S. 402. S. F. 512. not 2. CRABoT Rapport ſur le tit. 1. L. IlI. bey Garnery B. Ul. Th. 1. S. 134. 135. Vorausnahmerecht der Aſcendenten. Die Aſcendenten jedes Grads haben außerdem das Recht der Vor⸗ Art. 737. ausnahme der Sachen, welche ſie an ihre Deſcendenten, welche ohne Nachkommen ſtarben ¹), geſchenkt haben, jedoch nur in ſo fern die ge— ſchenkten Gegenſtaͤnde ſich unter dem Rachlaſſe noch in Natur befinden. Sind dieſelben veraußert, ſo können ſie den Kaufpreis verlangen, wenn derſelbe noch ruͤckſtaͤndig iſt, nicht aber wenn derſelbe ſchon von dem Be⸗ ſchenkten erhoben oder verwandt war ²). Ebenfalls erhalten ſie die Vin⸗ dicationsklage auf die geſchenkte Sache, in dem Falle daß der Beſchenkte dieſelbe anſtellen konnte ²). Aus dieſen Saͤtzen folgt: I. Gleichguͤltig iſt es, ob die Sachen bewegliche oder unbewegliche ſind 4). II. Die Sachen duͤrfen nicht unter oneroſen Rechtstitel den Deſeendenten uͤber⸗ geben ſeyn. III. Den Aſcendenten ſteht dieſes Recht nur bey der In⸗ teſtatſucceſſion zu. IV. Die Erben des Aſcendenten können, wenn derſelbe vor dem beſchenkten Deſcendenten verſtarb, auf dieß Vorzugs⸗ recht keinen Anſpruch machen. V. Die Aſcendenten uͤbernehmen die Sachen mit ihren Laſten*). VI. Der ſchenkende Aſecendent geht allen uͤbrigen Verwandten in den geſchenkten Sachen vor. Der Großvater, wenn er z. B. ſeinen Enkel beſchenkte, hat in der geſchenkten Sache vor dem Vater den Vorzug, ob er gleich in der uͤhrigen Erbſchaft dieſem nachſtehen muß). 1) Mithin nicht, wenn z. B. der Aſcendent dem Sohne etwas ſchenkte, und der⸗ ſelbe zwar Kinder hinterließ, welche aber ohne Nachkommenſchaft verſtarben. Andrer Meynung ſind jedoch die Pandectes frangaiſer. Tom VI. p. 747. 2) Dieſes Rct ſt ſedoch immer ſtreng zu erklaͤren, da es ein Jus fingulare iſt, wie CRAnor Commentaire Th. 1. S. 109. ſehr richtig bemerkt, un? MAlE⸗ vIiE Analyſe ad art. 747. irrig leugnet. Hieraus folgt: I. Dieſes Recht iſt verſoönlich, und kann nicht durch beſondere Verrräge zum Vertheil eines Dritten bedungen werden.(Geſetz vom 13. Floreal XI. Art. 241.) 1I. Sind die Sachen fort, und veräußert, ohne daß der Kaͤufer das Kaufgeld noch ſchuidig iſt, ſo kann der Werth der Sacke oder die dafuͤr angeſchafte Sache, nicht verlangt werden lIl Iſt es Geld, ſo treten dteſelben Regeln ein, nämlich: 1) Wenn es ausgeliehen worden iſt, ſo kann es durch achon en repriſe zuruͤckgefordert werden, — Drittes Buch. Erſter Titel. werden, nur muß es die erſte Ausleihung ſeyn. Dle Mutation des Schuldners ändert nichts, ſo lange' der erſte Auslethungstitel in ſeiner Kraft bleibt, und nicht auch von dem Darleiher mutirt wird. 2) Iſt das Geld von den Beſchenk⸗ ten mit dem ſeinigen vermiſcht, oder in ſeinen Handel geſteckt, oder zum An⸗ kauf von Sachen angewandt, pder auch anfaͤnglich ausgeliehen, wieder einge⸗ zogen, und hierauf wieder ausgeliehen, ſo liegt der Ruͤckfall nicht mehr in den Buchſtaben dts Geſetzes, welches, da von einem jure ſingulari die Rede iſt, ſrice interpretirt werden muß. Pfender F. 16. Anderer Meynung iſt irriger Weiſe MaLEv1I.ILE a. a. O.— IV. War die Sache veraͤußert, nachher aber an den Deſcendenten durch einen andern Rechtsgrund zuruͤckgekommen, ſo verliert eben⸗ falls der Aſcendent das Recht ſie zuruͤckzufordern. CRasor a. a. O. 3) Z. B. eine Action en repriſe des ſoimmes conſtitues en dot, die die Tochter gegen den Mann hatte. MArEvIILR in der Diſeuſſion. Conftrence. 5 P 29 6 4) Treilhard in der Diſeuſſon. Conférance. Daſ. S. 29. 5) Denn das Recht iſt ein Erbrecht, kein wahres Ruͤckfallsrecht. Art. 952. 6) S. Goͤnner uͤber die Erbfolge in ſ. Archiv fuͤr Geſetzgebung. B. II. S. 142. ZacRaRIar Haudbuch. Th. II. S. 147. DrILvINcouRT Inſtitutes. T. II. Viertes Kapitel. Von der außerordentlichen Erbfolge. §. 528. Claſſen derſelben. In Ermangelung der regelmaͤßigen Verwandten ſuccediren I. die uneblichen Kinder ¹); I. in deren Ermanglung der uͤberlebende Ehegatte, und III. wenn auch ein ſolcher nicht vorhanden iſt, der Staat. 1) Naͤmlich in der Regel, denn gleich werden wir ſehen, daß das unehliche Kind auch neben den regelmaͤßigen Verwandten zur Succeſſton kömmt, was dagegen bey dem Ehegatten und Staate uicht eintritt.— Ueber das reglement d'état et des droits des enfarns naturels, dont les péres ſont morts depuis la loi du 12. Brumaire II. jusqu'a la promulgation du C. N. ſ. das Geſetz vom 19. Floreal XI. in RoNPovREav Supplement. p. 49. ed. Voss.— Ueber ihre Rechte zur Zeit der Revolution ſ.§. 286. Erſter Von der Erbfolge. 113 Srſter Abſchnitt. Von der Succeſſion der unehlichen Kinder. e en 5. 549 BVegriff dieſer Erbfolge. ſe n Nur im uneigentlichen Sinne wird das Recht des uneblichen Kindes grt. 756. auf den Nachlaß ſeiner verſtorbenen Eltern, Erbrecht genannt ¹); denn eigentlich iſt es nur ein Recht auf einen beſtimmten Theil des te Nachlaſſes ²) ſeiner Eltern, nie aber auf den Nachlaß der Ver⸗ . wandten der Eltern, auch kann das Kind deshalb nicht Erbe genannt werden ³). Uebrigens iſt erforderlich: J. daß das unehliche Kind ge⸗ ſetziich anerkannt ſey(§. 290.); daß es II. mithin weder durch Ehebruch, noch durch Blutſchande erzengt ſey, als in welchem p. Falle keine Anerkennung denkbar iſt. S. C. A. Unterholzner uͤber die Rechte der naturlichen Hinder nach dem Code Napol. und dem Bayriſchen Geſetzbuche, in ſ. juriſtiſchen Abhandlungen. Wuͤnchen. 1810. 8. Nr. I. S. auch Hugo Raturrecht. Dritter Verſuch. S. 355 ff.— Es kann jedoch bey allen conſervatoriſchen Handlungen, z. B. In⸗ ventariſationen, zu aſſiſtiren verlangen, um daruͤber zu wachen, damit ſein Recht nicht geſchmälert oder vernichtet werde. Appellhof zu Paris in Jurtsprud. T. I. p. 112. T. II. p. 347. 2) Das unehliche Kind hat nur ein Recht auf den Nachlaß, d. h. auf das, was ſeine Eltern hinterlaſſen; Art. 338, mithin kann es durchaus nichts verlangen, wenn der Erblaſſer ſein ganzes Vermoͤgen noch bey Lebzeiten verſchenkt hat. MusERT Rapport bey Garnery B. III. Th. I. S. 175. CRasoT Commen. taire. T. I. p. I158. MarEvIILLE Analyſe. T. II. p. 226.— Hat er dagegen ie nur einen Theil deſſelben verſchenkt, ſo kann es wenigſtens den Ueberreſt ver⸗ langen. Arg. art. 761.— Höchſtbeſtritten iſt jedoch die Frage, ob das unehliche * Kind die Reduction der Schenkungen auf den Todesfall, Legate u. ſ. w. er verlangen koönne, wenn dadurch ſein Recht auf den Nachlaß vetkurzt wird? Folgendes ſind die verſchiedenen Meynungen: n 1. CRABoT a. a. O. S. 188. verneint die Frage, und behauptet, daß es in dieſem Falle nicht einmal Alimente verlangen könne, well en fait de ſuccefßon, 5. la voloutt de ſ'homime l'emporte ſur ja volouté de ja lot. Dieſes auf⸗ ki geſtellte Princip iſt jedoch hoͤchſt ungerecht, da der Geſesgeber wahrlich den unehlichen Kindern kein Recht gegeben haben wuͤrde, weiches thnen auf die Art ſo leicht genommen werden könnte, und außerdem falſch, da der Art 9os. nicht erlaubt, daß das Kind mehr von der volonte de l'homme erhalten könne, als was ihm die volonté de la loi giebt; indem er ſagt: Unehliche Kinder Spangenberg's Commentar Bd., II. koͤnnen ſ — Drittes Buch. Erſter Titel. konnen durch Schenkung unter Lebenden oder Teſtament nicht mehr empfan⸗ gen, als ihnen in dem Titel von der Erbfolge zugeſtanden iſt. 2. MaLEvILLB q. a. O. S. 227, ſferner T. IV. in fine bejaht dagegen die Frage, weil in Hinſicht der unehlichen Kinder la volonté de la loi Femporte ſur la volonté de homme. Auch dieſes Princip iſt hart, denn wenn z. B. jemand ſterven wuͤrde, ohne erbfähige Verwandte zu haben, und das unehliche Kind nach Art. 758. den ganzen Nachlaß erhalten wuͤrde, ſo wuͤrde der Erb⸗ laſſer kein Legat geben duͤrfen, nicht einmal ſeine treuen Dienſtboten u. ſ. w. belohnen duͤrfen. Ferner wuͤrde das Recht des unehlichen Kindes groͤßer ſeyn als des ehlichen, welches ſich nach Art. 913. gefallen laſſen muß, daß ſein Vater zu Gunſten eines Fremden diſponirt. 3. DaNiEIs betrachtet das Recht der unehlichen Kinder als eine Forderung oder Schuld, welche abgezogen werden muͤſſe, ehe die Rede von einer Erbſchaft ſeyn könne. Freylich wird hierdurch der Zweifel ſcheinbar gelößt; er tritt aber in vollem Maaße wieder ein, wenn man annimmt, daß der Erblaſſer ohne erbfahige Erben ſtirbt, und das Kind den ganzen Nachlaß hasen ſoll. Hier kann nach ſeiner Theorie der Erblaſſer wieder nicht uͤber einen Theil des Vermogens verfuͤgen. 4. Die p. 326. Blanchard zu Maleville Th. II. S. 210 ff., und ZacRARIAß Handbuch. Th⸗Il. S. 161. nehmen an, daß zwar die geſetzliche Diſpoſition über die Rechte unehlicher Kinder imperativ iſt, deß aber ihr Erbtheil nach Art. 761. bis zur Hälfte durch Legate, u. ſ. w. gekuͤrzt werden konne— abet ſie wenden den Art. 761. falſch an, da dieſer nur von einer ſolchen Verkuͤrzuna, die von dem Erb⸗ laſſer bey ſeinem Lebzeiten geſchieht, mithin von einer Abfindung ſpricht, und nicht auf den ganz verſchiedenen Fall, wenn derſelbe in ſeinem Teſtamente uͤber ſeinen Nachlaß verfuͤgt, angewandt werden kann. F. Die richtigſte Mevnung ſcheint dagegen diejenige, welche ſich bey DENFEvERs Journal des audience⸗ de la cour de caſſation An. XIV. Suppl. p. 193. findet, zu ſeyn. Deeſe nimmt die dem unehlichen Kinde zugefailene Portion zwar als einen wahren Pflichtthetl an, der demſelben nicht entzogen werden kann, ſtellt jedoch den Art. 913. damit in Verbindung. dergeſtalt, daß nach . Anlettung deſſelben dem Erblaſſer ſrey ſteht, das übrige Bermogen durch Legate zu erſchoͤpfen. Sehr richtig wird bemerkt, daß die Portion des nnehlichen Kindes ein beſtimmter Theil der Portion ſey, welche es erhalten haben wuͤrde, wenn es ehlich geweſen wäre. Wäre es ehlich geweſen, ſo wuͤrde mithin ſein Anthetl nach der Anzahl der ehlichen Kinder, es mit eingeſchloſſen, zu berechnen geweſen ſeyn. Soll deshalb der Anthetl des uneblichen Kindes beſtimmt werden, ſo muß es, in Coneurtenz mit ehlichen Kindern, als ehlich betrachtet werden, um ſeine Portion zu berechnen. Es wird alſo in dem Falle der Berechnung ſeines Antheils einem ehlichen Kinde gleich geſetzt, und treten daher dieſeiben Beſtimmungen bey demſelben ein, welche der Art. 913. in Hinſicht der ehlichen Kinder macht, ſo daß dem Erblaſſer immer em Theil des Vermögens frey bleibt, um daruͤber diſpontren zu können. Stirbt mithin der Erbiaſſer ohne erbfaͤhige Verwandte, ſo ſuccedirt zwar uneh⸗ Von der Eibfolge. 115 unehliche Kind nach Art 7½8 in dem Ganzen ſeines Vermoͤgens, wie ein ehliches Kind, das ab inteſtsto ſuccedirt; der Vater hat aber das Recht nach Art. 913. uͤber die Hälſte deſſelben zu verfuͤgen. Und in dieſem Sinne iſt der Art. 738. zu erklären. So entſchied auch der Appellhof zu Pau bey DENEvpRs a. a. O. SiRRv Jurisprudence. 1806. Suppl. p.74. Blanchard a o. O. Seie⸗ Jurisprudence. T. VII. p. 235. Caſſationshof ebendaſ. T. VIII. 140. 3) Das heißt: I. es tritt der Grundſatz nicht bey ihnen ein: le mort ſaiſit le vif C. 509.), ſondern ſie muͤſſen um die Ueberantwortung des Erbtheils bitten. War es ſchon im Beſitze, ſo muß es ihn aufgeben, und lI. da das unehliche Kind nie Erbe iſt, ſo braucht es auch zu den Schulden der Erbſchaft nicht weiter beyzutragen, als bis zu dem Werthe ſeiner Portion, mithin nur wie ein Beneſiclarerbe. Paudectes frangaiſor. T. VI. p 322 ff. III. Es tritt keine Collation der übrigen Erben zu thren Gunſten ein. Appellho deaux in Jurisprudence. T. VIII. p. 273. ſ §. 530. Erbrecht des unehlichen Kindes. um die Erbportion des unehlichen Kindes zu beſtimmen, muß man Att. 757. unterſcheiden: I. Das unebliche Kind ſuccedirt neben den regelmaͤßigen Erben ¹). Hier concurrirt es entweder 1) mit ehlichen Kindern— dann erhält es ein Drittel der Portion, die es erhalten haben würde, wenn es ehlich geweſen wäre. 2) Concurrirt es mit Aſcendenten, Geſchwiſtern oder deren Deſcendenten ²) des Vaters, ſo erhält es die Hälfte der Por⸗ tion, die es als ehliches Kind erhalten haben wuͤrde, oder was in dieſem und dem folgenden Falle einerley iſt, des ganzen Nachlaſſes à*). 3) Con⸗ currirt es mit andern rechtmäßigen Verwandten, ſo erhaͤlt es drey Viertel der Portion, die es als ehliches Kind gehabt haben wuͤrde. II. Succedirt es in Ermangelung aller Verwandten ſeiner Eltern im erb⸗ rt. 738. fähigen Grade, ſo erbält es den ganzen Nachlaß 4). 1) Wenn jedoch nur ein regelmäßiger Verwandter deſſelben Grades vorhanden war, und auf die Erbſchaft renuncitrte, oder unfahig und unwuͤrdig wuͤrde, z. B. ein ehliches Kind; erhält dann das unehliche Kind die Portton, die es erhalten haden wuͤrde, wenn derſelbe nicht renunctirte u. ſ. w. oder die welche es bekömmt, wenn die tiefern Erben an die Stelle des Renunctirenden u. ſ. w. ruͤcken? Erhaͤlt es in dem eben angegebenen Beyſpiele 3 oder 27 CRABor commentaire. T. I. p. 169. behauptet, daß der Renunclirende u. ſ. w. immer in Hinſicht des unehlichen Kindes als nicht vorhanden betrachtet werde, ſo daß z. B. wenn das einzige ehliche Kind renunciirt, und nun die Eltern und Ge⸗ ſchwiſter zur Succeſſion kommen, das unehliche nicht, ſondern z bekömmt.— P2 Doch Art, 759. Drittes Buch. Erſter Titel. Doch glaube ich, muß hier unterſchleden werden: I. Die tiefern Verwandten ruͤcken durch Repräſentation herauf, z. B. wenn der höhere die Erbſchaft aus⸗ ſchlaͤgt. Art. 744.— Dann ruͤckt der tiefere nach Art 739. in alle Rechte des Repraͤfentirten, und reducirt das unehliche Kind auf die Portion, welche es neben dem Repraͤſentirten erhalten haben wuͤrde. II. Sie ſuccediren durch eigenes Recht, z. B. wenn der hohere unwuͤrdig iſt, buͤrgerlich ſtirbt, u. ſ. w. alsdann werden ſie in Hinſicht des unehlichen Kindes fuͤr nicht vorhanden ange⸗ ſehen, und mithin tritt CnasoT's Grundſatz in dieſem Falle ein. 2) Zwar ſind dieſelben in dem Geſetze nicht namentlich genannt, allein daſſelbe muß auch auf ſie ausgedehnt werden. MarEvILLE Analyſe ad h art. Cna BoT Commentatre. T. I. p. 169. Anderer Meynung iſt jedoch der Appelthof zu Bordeau in Jurisprudence. T. VIII. p. 273, und will in dem Falle, daß das unehliche Kind mit Geſchwiſterkindern concurrirt, demſelben 4 geben. Er erkiaͤrt mithin die Worte des Art. 737.— fréres ou ſoeurs— reſtrictiv. Con⸗ currirt das Kind mit halbbuͤrtigen Geſchwiſtern von väterlicher und entferntern Seitenverwandten von muͤtterlicher Seite, ſo erhält es richtiger 4, ohne Ruͤck⸗ ſicht auf die entferntern Verwandten zu nehmen, als daß eine Theilung ſtatt ſinden ſollte, wie der Appellhof zu Parts in S1REv Jurtsprudence An. MII. Suppl. p. 109. gegen den Buchſtaben des Geſetzes erkannte. 3) Appellhof zu Pau und Caſſationshof in S1REx Jurisprudence de la cour de eaſſation. 1305. p. 131. 3) Zwar ſpricht der Artikel immer nur in der einfachen Zahl; doch kann hieraus nicht gefolgert werden, daß mehrere unehliche Kinder nur fuͤr ein einziges zu rechnen wären. ZAcRAkIAp Handbuch. Th. II. S. 109. not. 3. In dieſem Falle, wenn mehrere unehliche Kinder vorhanden ſind, nimmt Hugo Natur⸗ recht. Ausgabe IIf. S. 336, die von Unterholzner angegebene algebraiſche Gleichung an. Er ſazt nämiich:„Ein unehliches Kind bekommt, wenn uneh⸗ 1 liche Kinder(i) mit ehlichen(1) concurriren hn ſie mit Aſcendenten und privilegilrten Seitenverwandten concurriren— und wenn ſi ni nicprivlegirten Seitenernanttentencurtitenʒ Zum Be⸗ weiſe fuͤhre ich nur das Einzige an: ein unehliches Kind neben einem unehlichen bekömmt mehr, als wenn es mit elnem ehlichen concutrirte, denn das ehliche ſelbſt würde in der Concurrenz mit einem unehlichen ja auch mehr bekommen, als in der Concurrenz mit einem ehlichen, und ein unthliches bekömmt immer einen Theil deſſen, was es bekommen haͤtte,“ s*l eut été legitime.“ 5 3 Erbrecht der Abkoͤmmlinge des nnehllchen Kindes. Dieſelben Rechte, die das unehliche Kind nach dem vorigen Para⸗ graphen hat, konnen auch deſſen Abkommlinge(Deſecendenten) ¹), wenn es vor ſeinen Eltern geſtorben iſt, in Anſpruch nehmen⸗ 1) Von der Erbfolge. 117 en 1) Der Artikel verſteht wohl zunächſt unter Deſcendenten die ehlichen. Aus u der Diſcuſſion erhellt jedech, daß die unehlichen anerkannten Deſcendenten auf te den Antheil Anſpruch machen koͤnnen, an welchen ſie an der Verlaſſenſchaft ihrer che Mutter, oder ihres Vaters Anſpruch zu machen berechtigt ſind. Z. B. das Kind ſch wuͤrde haben, ſo erhalten deſſen unehliche Deſcendenten 3. Andrer n. Meynun iſt jedoch CnaßoT Commentaire ad h. art. und ſchließt die unehlichen gu Deſcendenten ganz aus⸗ lbe S32 Verbindlichkeiten des erbenden unehlichen Kindes. o Das unehliche Kind, oder die Deſcendenten deſſelben, muͤſſen ſich E jedoch: I. Auf das, was ſie zu fordern berechtigt ſind, alles anrechnen Art. 760, 3 laſſen, was ſie von dem Erblaſſer empfangen haben, in ſo fern ſolches W der Collation(S. Kap. 6.) unterworfen iſt. II. Sind ſie in Ermangelung der regelmäßigen Erben zur Erbfolge gekommen ¹), ſo muͤſſen ſie 1) den Nachlaß verſiegeln und inventariſiren laſſen; 2) bey dem Tribunale erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk die Erbſchaft eröffnet iſt, um Einweiſung in 4 den Beſitz nachſuchen; 3) das bewegliche Vermögen verkaufen, und das daraus gezogene Geld anlegen; oder fuͤr die Zurückgabe deſſelben, wenn p binnen drey Johren ſich Erben des Verſtorbenen melden wuͤrden, Buͤrg⸗ in ſchaft leiſten; und zwar alles dieſes unter Strafe der vollſtaͤndigen Schad⸗ un loshaltung an die Erben ²). ce 1) Denn anf dieſen Fall muͤſſen die Art. 769. 770. 77r. 772. vermoͤge ihrer Stellung und des Art. 773. beſchraͤnkt werden. n 2) Art. 769— 773. un. Bu In welchem Falle das Erbrecht des unehlichen Kindes unwirkſam wird? hen Wenn daſſelbe bey Lebzeiten des Erblaſſers die Haͤlfte ſeiner in dem Art. 761. §. 530. beſtimmten Erbportion, unter der ausdruͤcklichen Erklarung er⸗ * bielt, daß es die Abſicht des Erblaſſers ſey, daſſelbe auf den ihm ange⸗ wieſenen Theil zu beſchraͤnken; ſo iſt ihm jeder weitere Anſpruch unter⸗ ſagt. Dieſe Hälfte kann es jedoch immer ergaͤnzt verlangen, wenn der ihm angewieſene Theil weniger als dieſelbe betraͤgt*). 1) Nie konnen yedoch die Collateralverwandten des Putativvaters ſich zum Beweiſe t gegen dieſes Kind erbleten, daß es im Ehebruch u. ſ. w. erzeust ſech, um es n von dem Genuſſe der väterlichen Erbſchaft zu entfernen. Appellhof zu Aix in S1REv Journa! genéral. 1809. P. II. p 311. P3 5. 534. Drittes Buch. Erſter Titel. §. 534 Recht des adulterinen und des inceſtuoſen Kindes. Schon oben(S. 529.) iſt bemerkt, daß demjenigen Kinde, welches aus Ehebruch oder Blutſchande erzeugt iſt, kein Erbrecht auf das Ver⸗ mogen ſeiner Eltern zuſtehe ²). Das Geſetz giebt ihm nur Alimente, und zwar kann es dieſelben von dem Nachlaſſe ſeiner Eltern fordern. Art. 763. Dieſe werden dann mit Ruͤckſicht auf das Vermögen des Erblaſſers und auf die Zahl und die Eigenſchaft der rechtmäßigen Erben beſtimmt. Hat Art. 764. der Erblaſſer dieſem Kinde ein Handwerk lehren laſſen, oder hat eines ſeiner Eltern ihm bey Lebzeiten dieſe Alimente zugeſichert, ſo hat es durch⸗ aus gar keinen Anſpruch auf deren Nachlaß ²), 1) Man hat zwiſchen dem Art. 762, welcher ſagt, daß die adülterinen und ince⸗ ſtuofen Kinder Alimente fordern koͤnnten, und dem Art. 335, welcher verfuͤgt, daß dergleichen Kinder nicht anerkannt werden können, und dem Art. 342, der die Nachforſchung der Vaterſchaft oder Mutterſchaft verbietet, einen Widerſpruch ſinden wollen. Wie iſt es moglich, ſagte man, daß dieſe Kinder Alimente fordern können, da die Pflicht zur Alimentatton einen gewiſſen Vater voraus⸗ ſetzt, die Gewißheit des Vaters aber weder durch eine Klage von ihrer Seite erzwungen, noch von der Seite des Vaters durch Anerkennung ins Klare geſetzt werden kann? der Art. 762. verordne mithin etwas, was ſich nicht realiſiren laſſe. Die Pandectes frangaiſes T. VI. p. 331. und Dabelow Archiv. St. II. S. 184. wollten um dieſe Sd, vierigkeit zu beſeitigen den Art. 335. dahin erkldren, daß er nur die geſetzliche Anerkennung dergleichen Kiuder verbiete, nicht aber die unvollkommene, deren oben§. 290. Not. 2. Nr 4. Erwähnung geſchteht; ugo Ratutrecht. III. Ausgabe S⸗ 356. ſagt ſogar, daß der Art. 762. wegen des Art. 335. und 342. faſt bloß auf die vor dem Code anerkannten Kinder paſſe, alſo eigentlich ein tranſitoriſches Geſetz ſey.— Allein der Artikel laͤßt ſich dennoch ſehr gut erklären und anwenden: I. Zwar iſt die Erforſchung der Vater⸗ und Mutterſchaſt im Falle einer Blurſchande, oder eines Ehebruchs ver⸗ boten; ſie kann jedoch im Falle der Entfuͤhrung der Mutter geſchehen, denn dahin erklärt den Art. 340. ausdruͤcklich Treilhard in der Diſcuſſion, Conforenco. T. Iv. p. 39. Und dann muß der Att. 342. nur von dem Falle verſtanden werden, daß er, wenn das Factum des Ehebruchs, oder der Blutſchande klar iſt, den daraus entſprungenen, vielleicht ausgeſetzten Kindern das Recht verſagt, die Mutter oder den Vater gerichtlich conſtatiren zu laſſen, um Alimente zu erhalten; wie leicht kann es aber möglich ſeyn, dak, da nach Art. 341. die Erfor⸗ ſchung der Mutterſchaft im Ganzen erlaubt iſt, dieſe an ſich unſchuldige Hand⸗ lung dahin fuͤhren kann, ein ſolches Verbrechen zu entdecken. Cependant, comme la récherche de la maternité, admiſe par la mẽme loi, pourrait entrainer la preuve de commerces adulterins, ou incertueux, il a hbien fallu aſſurer des alimens zux frulta malheureux de ces deſordres revoltants, ſagt ſehr richtig TRRILRakp Expoſe des motifs bey Garnery P. UI. Th. I. S. 35. Jau⸗ ERT Von der Erbfolge. 115 srRr ebenbaf. S. 176. S. auch Obſervationr. T. Houen. S. 32.— II. Durch die gerichtliche Unterſuchung des Ehebruchs, oder des Inceſts,(in dieſem letztern Falle geſchieht ſie ſogar ex oſficto durch den kaiſerlichen Procurator, Art. 184.) wird ebenfalls klar, ob Kinder aus dieſem Verbrechen erzeugt ſind oder nicht, und auch dieſen muͤſſen dann vom Gerichte Alimente zugeſprochen werden.— llI. Sollte einem Adulterinkinde von deſſen Vater etwas vermacht ſeyn, ſo iſt dieſes Vermächtniß auf ein Altmentationsquantum zu reduciren. Caſſattonshof in Jurisprudence. T. V. p. 134. 2) In wie fern ihnen jedoch etwas vermacht werden koͤnne, daruͤber ſ. zum Att. 908. 5. 535. Erbfolge in dem Vermoͤgen des unehlichen Kindes. Jedes Erbrecht iſt wechſelſeitig. Stirbt nämlich das unehliche Kind, ſo ſuccediren ihm: I. ſeine ehlichen ¹) Deſcendenten, und in deren Er⸗ mangelung II. derjenige ſeiner Eltern, von dem es anerkannt war. Iſt es von allen beyden anerkannt, ſo faͤllt die Erbſchaft auf beyde zu gleichen Tberlen. III. In Ermangelung der Eltern fällt die Erbſchaft auf die unehlichen Geſchwiſter des unehlichen Kindes, jedoch nur in ſo fern ſie von den Eltern anerkannt ſind ²). Sind auch dieſe nicht vorhanden, ſo ſuccedirt I. das unehliche Kind des unehlichen Kindes, unter den nam⸗ lichen Bedingungen, unter welchen uͤberhaupt ein unehliches Kind ſucce⸗ diren kann; II. der Ehegatte; III. der Staat ²). 1) Dahin iſt der Art. 76, der im allgemeinen von Deſcendenten ſpricht, zu be⸗ ſchränken. MAlBvIILILE Analyſe ad art. 766. und ZacHakRaE Handbuch. Th. II. S. 161. wollen ihn dagegen auch von unehlichen Deſcendenten verſtehen, ſo daß dieſelben, ſo gut wie die ehlichen Deſcendenten des unehlichen Kindes, die Eltern deſſelben ausſchueßen ſollten, aber irrig, denn I. iſt es gegen den Geiſt des Geſetzes, welches den unehlichen Kindern weniger Rechte eintäumt. Sie wuͤrden aber gleiche Rechte erhalten, wenn ſie zualeich mit den ehlichen ohne Unterſchied ſuccedirten; II. muͤſſen die Eltern mehr Rechte haben, als das uneh⸗ liche Kind des unehlichen Kindes, weil ſie letzteres anerkannten, und ihm dadurch ein Erbrecht verſchafften. 2) Dahi erklären den Artikel richtig MatRvIILLE eod. und CRasor a. a. O. der Artikel ſcheint hedoch auch auf die Deſcendenten der unehlichen Geſchwiſter kraft des Repräſentatonsrecht auszudehnen zu ſeyn. Da nämlich nur zwiſchen den Eltern und dem unehlichen Kinde ein Verwandſchaftsverhaltniß entſteht, wenn ſie daſſelbe anerkonnt haben, dieſe Anerkennung aber auf die Settenverwandten keine Kraft hat, ſo ſind dir Collateralen ausgeſchloſſen, ausgenommen ble uͤbrigen anerkannten unehlichen Kinder der Eltern, oder die unehlichen Geſchwiſter des unehlichen Kindes. 3) So iſt weniaſtens dem Geiſte des Geſetzes nach zu entſcheſden.— SMEon Discours bey Garnery a. a. O. ſagt ausdruͤckſich: A defaut, henfart Vatk- Art. 76. 120 Drittes Buch. Erſter Titel. naturol wa point dheritier rgulier; ſa ſucceſton nppartient 4 ſer heritiers irrègulier, qut ſont J. ſer enfaus naturels, ſℳ troy Rdele imi- tateur der vices de ſon pöre, Il ne veſt perpetuè qne diune maniere illegitime; TI. ſa femme; et III. a Heprblrque. PppirFgR Napol. Geletab. Th. I. S. 362. S. ZacRakRAE Handbuch. Th. Il. S. 162.— Die Pandectes frangalſes T. VI. p. 337. berufen dagegen ſogleich in Et⸗ mangelung der tinehlichen Geſchwiſter den Staat mit Ausſchluß des Ehegatten, u. ſ. w.— jedoch gegen den Geiſt des Geſetzes, und die Discuſlion publique. Auch CuAßoT Commentatre. T. I. p. 241. rangirt die Erben des unehlichen Kindes folgendermaaßen, gegen den Geiſt des Geſetzes: I. Leurs enfans et deſcendans légitimes, ſauf les droits des autres enfanz naturels. 2. Leurs enfans naturels légalement réconnus. Z. Leurs et mére, qui les ont réconnus. 4. Leurs fréres et ſoeurs naturels, et les deſcendans de ees fréres et ſoeur, lorsquil ont été réconnus. §. Le conjoint ſurvivant, ou divorck. 6. La republique. S. auch Pfender S. 60. 5. 536. Voransnahme der ehlichen Kinder der Eltern. Atz. 766. Im Falle des frühern Abſterbens der Eltern des unehlichen Kindes fällt das Vermögen, welches daſſelbe von ihnen erhalten hat, wenn es ſich noch in natura in der Erbſchaft vorfindet, den ehlichen Deſecendenten derſelben zu; ſo wie ebenfalls die dem Verſtorbenen auf Wiedererlangung veraͤußerter Sachen etwa zuſtandigen Klagen, oder der noch ruͤckſtaͤndige Preis ſolcher Sachen ¹).. 1) Bey Beſtimmung dieſes Zurücknahmerechts ſind dieſelben Grunbſaͤtze in An⸗ wendung zu bringen, welche oben F. 527. uͤber das Zuruͤcknahmerecht der Aſcen⸗ * denten aufgeſtellt ſind. Zweyter Abſchnitt. Von den Rechten des uͤberlebenden Ehegatten und des Staats. S. 537. Erbfolge derſelben. Art. 757. Hinterläßt jemand weder Verwandten im erbfaͤbigen Grade, noch unehliche Kinder, ſo gehort die Verlaſſenſchaft I. dem ihn uͤberlebenden Ehe⸗ Von der Erbfolge. 121 Ehegatten, in ſo fern die Ehe noch fortdauerte, und nicht durch Schei⸗ i dung ¹) getrennt war*). 1l. In Ermangelung des uͤberlebenden Ehe⸗ Art. 768. pi gatten faͤllt der Nachlaß dem Staate ²) zu. Um jedoch zu dem Beſitz — deſſelben zu gelangen, werden verſchiedene Formalitaͤten erfordert, welche theils beyden genannten Berechtigten gemeinſchaftlich, theils jedem beſonders auferlegt ſind. 60 1) Pivorcd.“ Hat dagegen der quoad thorum et menſam ſeparirte Ehegatte dieſes Erbrecht?— Nach einer lehſen Debatte le Conſeil adopte en prin- ſn cipe que leponæ ſurvivaut neſt pas admis x la de lepouæ predòcẽdè, loꝛvul V a dharation de corpo. Larticle eſt renvoye d a ſection, pour le rediger conformement o ce principe. Conferenee. T. VIII. p. 47. Da dieſe Abanderung nicht geſchehen iſt, ſo ſcheint es als wenn man dem ſeparirten Ehegatten dieß Erbrecht nicht hat nehmen wollen, da auch ohnehin durch dieſe Separation das Band der Ehe nicht aufgeloßt wird. CHaßoT Commentaire. T. I. p. 243. 2) Ciner Succeſio conjugr pauperis in bona locupletis findet man nirgends er⸗ wähnt. MarEvtrIP ſchlug in der Diſcuiſton(Conference. T. IV. p. 49. Diſcuſſions von JouAXNEAv et SoroR T. I. p. 36.) vor, dieſelbe zu adopti⸗ ren. Trerlhard antwortete aber darauf que par barticle 55.(bey SoLoN 40.) on loi accoide l'uſufruit d'un tiers des biens.“ Dieſer Artikel exiſtirt gar nicht; denn Art. 55. des Projet L. II. tit. I. enthaͤlt: Cetie portion, lorsque d le pere o la mére laiſſe des enfans ou deſcendaus, ou des aſcendans legi- times, eſt, en propriétè, d'une valeur égole au tiers de la portion hére- ſ ditaire u. ſ. w. ſo daß Treilbard vtelleicht aus Gedächtnißfehler bey ſeiner in Angabe irrte. MarEvILLE Analyſe ad h. art. ſagt nun, die' Billigkeit einer ſolchen Beſtimmung habe man anerkannt; und nimmt daher an, daß, da man den Antrag auf dieſelbe nur durch den Einwand, es ſey ſchon daruͤber beſtimmt, was aber nicht der Fall geweſen, zuruͤckgewieſen, der Richter noch ferner dem Gerichtsgebrauche folgen duͤrfe, der dem armen Ehegatten einen Antheil am Vermögen des Reichen gebe. Es wuͤrde mithin hier eine Conſuetudo praeter legem eintreten koͤnnen, deren Zuläſſigkeit oben§. 73. erwieſen iſt. Es mögen Verwandte uͤber den zwölften Grad hinaus vorhanden ſeyn, oder nicht; da ſich dieſe nur wle Fremde verhalten. Der Staat hat außerdem noch ein beſonderes Erbrecht: I. In dem confis⸗ cirten Vermögen der Verbrecher. II. In dem Vermoͤgen der buͤrgerlich Todten, welches ſie nach dem buͤrgerlichen Tode erworben haben.(F. 129.) 1II. In dein t Vermögen des Fremden, wenn der Fall des Art. II. nicht eintritt.(. 107.) i0 §. 538 Gemeinſchaftliche Erforderniſſe. Sowohl von demn uͤberlebenden Ehegatten als vom Staate iſt naͤmlich zu beobachten: I. Sie ſind verbunden, die Siegel anzulegen, und ein In⸗ Art. 766. Spangenberg's Commentat Bd. 1I. Q. ventar 122 Drittes Buch. Erſter Titel. ventar in der unten(Abſchn. III.) zu beſtimmenden Form aufnehmen zu Art. 770 laſſen. II. Sie muͤſſen bey dem Tribunale erſter Inſtanz, in deſſen Be⸗ zirke die Erbſchaft eroffnet wurde, um Einweiſung in den Beſitz nach⸗ ſuchen. Hierauf muß daſſelbe die etwa vorhandenen Erben durch drey⸗ maligen Aufruf, und durch drey Anſchlaͤge in gewöhnlicher Form auf— fordern. Iſt dieſes fruchtlos geſchehen, ſo erkennt baſſelbe nach Anhö⸗ rung des kaiſerlichen Procurators. §. 539. Beſondere: I. In Hinſicht des Ehegatten. Art. 771. Außerdem iſt noch der uͤberlebende Ehegatte verbunden, das beweg⸗ liche Vermoͤgen anzulegen, oder fuͤr die Zuruͤckgabe deſſelben, wenn binnen drey Jahren ſich Erben des Verſtorbenen melden wuͤrden, hinlaͤngliche Buͤrgſchaft zu leiſten. Rach dieſer Friſt wird die Buͤrgſchaft losgegeben. Art. 77. Haben die uͤberlebenden Ehegatten oder die Domainenverwaltung die einem jeden von ihnen vorgeſchriebenen Foͤrmlichkeiten nicht beobachtet, ſo können ſie zur vollſtaͤndigen Schadloshaltung gegen die ſich etwa meldenden Erben Art. 773. verurtheilt werden. 5. 540. II. In Hinſicht des Staats. Hieruͤber beſtimmt ¹) ein Eircularſchreiben des Großrichters Juſtiz⸗ miniſters vom g. Jul. 1806. ²) folgendes: 1. Wenn die Regierung durch das Heimfalls⸗Recht(droit de deshé. rence) zu einer Erbſchaft berufen iſt, ſo ſind die Prepoſes des domai- nes nicht befugt, Verzicht darauf zu leiſten, und ſie nicht zu beziehen. . 3 II. Der erſte Akt des Tribunals, der auf das Geſuch um Beſitz⸗Ein⸗ 3 ſetung erlaſſen wird, muß in den Moniteur eingeruͤckt werden; die drey Anſchlagzettel, welche dem Urtheile, das die Beſitz⸗Einſetzung 3 verordnet, vorhergehen muͤſſen, muͤſſen in dem Amtsbezirke des Tribu⸗ nals, worin die Erbſchaft eröffnet iſt, von drey zu drey Monaten angebeftet werden; das Urtheil, welches die Beſitz⸗Einſetzung erkennt, darf erſt ein Jahr nach dem Begehren erlaſſen werden, und bis zu dieſem Urtheil darf kein Akt, wodurch der Genuß oder ein Eigenthums⸗ recht uͤbertragen wuͤrde, anders als auf Befehl des Tribunals vor⸗ genommen werden. 3 Von der Erbfolge. 123 IM. Wenn der Ertrag einer vacanten, oder ohne Erben befindlichen Erb⸗ ſchaft hinlaͤnglich iſt, um die Begraͤbnißkoſten des Verſtorbenen und die zur Erhaltung des Vermögens noͤthigen Auslagen zu beſtreiten, ſo muͤſſen die Akte uͤber die Beſtattung, die Anlage und Wegnahme der Siegel, und das Inventarium ohne Koſten aufgenommen werden; das Honorar des offentlichen Beamten, der zum Verkauf geſchritten iſt, muß von dem Betrage bezahlt oder reducirt werden; die Begraäbmßkoſten muͤſſen von dem Betrage des Verkaufs bezahlt werden; iſt dieſer nicht binreichend, ſo bleiben ſie der Domainen⸗Verwaltung zur Laſt; in demſelben Falle werden auch die Koſten des Stempels und der Ein⸗ regiſtrirung nicht bezahlt. n IV. Wenn von einer vacanten Erbſchaft herruͤbrende Guͤter ungebuͤhrlicher Weiſe ſo verwaltet worden ſind, als kämen ſie von einer durch das n Heimfallsrecht erworbenen her, ſo hat der Einnebmer dem von dem n Tribunale beſtellten Curator eine Abſchrift der offenen Rechnung zu uͤber⸗ u geben, welche er uͤber dieſe Erbſchaft halten mußte. Er hat auf ſeinen Regiſtern und Hauptbuͤchern anzumerken, daß die Einnahmen und Aus⸗ gaben von einer vacanten Erbſchaft herruͤhren, und ſich ſodann, in, Gemäßheit des Art. S3. des Civilgeſetzbuchs, darauf zu beſchränken, einzunehmen und auszuzablen. V. Die Curatoren von ſolchen vacanten Erbſchaften, die vor oder nach der Verkuͤndigung des Geſetzes: von den Erbſchaften, eröffnet worden ſind, und welche Einnahmen gemacht haben, ſind verbunden, Rechnung daruͤber abzulegen, und den Ruͤckſtand in die Haͤnde des Domainen⸗Empfaͤngers des Ortes, an welchem die Erbſchaft eroffnet iſt, zu bezahlen. Es iſt ihnen unterſagt, in Zukunft irgend Einnah⸗ men und Zahlungen zu machen. i 1) S. auch Art. 811. 812. 2) Bey DRRBvERs Journal des audienees, XIV. Suppl. p. 203. Laſſaulr Anhang zu ſeiner Ueberſetzung des Code Napol. Ausg. 1I. S. 570 ff. Succeſſionsrecht der Hoſpizen. Recht derſelben. t Die Genannten ſind diejenigen phyſiſchen und moraliſchen Perſonen, welche nach dem Code zur Sueceſſion kommen; all⸗ uͤbrigen[ucceſſiones 1 HD 2 ſingu- — 124 Drittes Buch. Erſter Titel. lingulares des ältern Rechts fallen weg. Nur in Hinſicht der Hoſpizen beſtimmt das Geſetz vom F. Pluvioſe des Jahrs XIII.*¹), daß, wenn ein in denſelben aufgezogenes Kind vor deſſen Austritt aus denſeiben, vor ſeiner Emancipation, oder ſeiner Volhaͤhrigkeit ſtirbt ²), ſein Nachlaß an ſeine regelmäͤßigen Verwandten unter der Bedingung fallen ſolle, das Hoſpiz wegen der dem Erblaſſer dargereichten Alimente n. ſ. w. zu ent— ſchaͤdigen. Meldet ſich kein regelmaͤßiger Verwandter, ſo kann das Hoſpi; auf Betreibung des Caſſirers deſſelben, und auf den Antrag des kaiſer⸗ lichen Procurators, ſich in den Beſiß der Güter des Verſtorbenen ſetzen laſſen. Meldet ſich ein regelmaͤßiger Verwandter nach dieſer Einweiſung, ſo wird ihm der Rachlaß mit den gezogenen Fruͤchten, jedoch nur von dem Tage der Klage angerechnet, herausgegeben. 1) DrIvINcovRT Inſtitutes. T. II. p. 38 ff. S. RoXDonMEAa Supplement. p. 136. 2) Mithin hat das Hoſpiz eine ſolche Entſchaͤdigungsforderung, oder ein ſolche Erhrecht nicht, wenn die Kinder nach dem Austritte aus dem Hauſe, oder nach ihrer Emancipation oder Volhährigkeit geſtorben ſind. 11. Erwerb des Erbrechts. §. 542. Im allgemeinen. Iſt man nun auf die oben bemerkte Art zu einer Erbſchaft berufen, ſo hat man die Wahl, ob man dieſelbe annehmen oder ausſchla⸗ gen will. Fuͤnftes Kapitel. Von der Annahme oder Ausſchlagung der Erbſchaften⸗ Erſter Abſchnitt⸗ Von der Annahme⸗ 5. 743‧ 1. Grundſaͤtze bey derſelden. Zweyerley Grundprineipien finden ſich nämlich bey dem Erwerbe des Erbrechts; I. Der Todte ergreift den Lebendigen(e ailit Von der Erbfolge. 125 ſaiſit le vif) d. h. der Erbe tritt iplo jure und kraft des Geſetzes in die Rechte und Verbindlichkeiten, Forderungen und Schulden des Erb⸗ laſſers em. Dieſer Grundſatz iſt hedoch dahin modiſicirt, 1) daß der Erbe deſſen obngeachtet nicht als Erbe behandelt werden kann, ſo lange er nicht durch Worte oder Handlungen ſeine Eigenſchaft als Erbe dar⸗ gethan hat; 2) daß es dem Erben frey ſteht, die angefallene Erbſchaft unbedingt oder bedingt, jedoch letzteres nur in dem Falle der Rechts⸗ Art. 774. wohlthat ¹) des Inventars(S. Abſchn. III.) anzunehmen. II. Rie⸗ mand iſt gezwungen, eine ihm angefallene Erbſchaft anzu⸗Art. 776. nehmen; mithin hat er das Recht dieſelbe ganz auszuſchlagen. purement et ſimplement ou ſous benéfice d'inventaire.“ Mithin kann der Erbe die Erbſchaft nicht ex die oder pro parte antreten, denn die uͤbrigen Be⸗ dingungen fallen weg. Z2AcHakRIA Haudbuch. Th. Il. S. 168. not. 3. S. 544. II. Eigenſchaften. 1) In Hinſicht der Perſon. Rur derjenige kann eine Erbſchaft guͤltig und unbedingt annebmen, der eine freye Diſpoſition uͤber ſein Vermögen hat ¹). Mithin können es: I. verheirathete Frauen nur unter Genehmigung des Mannes, oder, wenn Art. 776. derſelbe die Genehmigung nicht geben wuͤrde, des Tribunals ²); II. Min⸗ derjährige*) und Interdicirte nur unter den im Art. 461.(§. 357.) beſtimmten Bedingungen; II. buͤrgerlich Todte gar nicht. 1) Nach Weſtphäliſchen Geſetzen muß der Erbe außerdem noch beweiſen, daß er den Conſcriptlonsgeſetzen ein Genuͤge gethan habe. Königl. Decret vom 16. No⸗ vember 1809. Art. 8. Geſetzbuͤlletin 1809. Nr. 48. S. 403. 2) Art. 217. 218 3) Selbſt emancipirte. Art. 484.— Das Tribunal wollte den Art. 776. dahin erklaͤren, daß der Minderyährige das Recht habe eine bloß vortheilhafte Suct teſſion anzunehmen. La lot veut dire ſeulement, qu'il ne peut Sobliger par ſon acceptauon. Da jedoch die hierauf gebauete Abänderung des Artikels nicht genehmigt wurde, ſo folgt daraus, daß dem Minderährigen die Annahme einer Erbſchaft ſchlechterdings verboten iſt. Conference. T. W p. 50 Der Prodigus bedarf zur Annahme feines Beyſtandes. Paudectes fi angæiſe. T. IV. p 369. S. 545. 2) Der Wirkung. I. Die gultig geſchehene Annahme aͤußert ruͤckwirkende Kraft bis Art. 777. zum Tage des Anfalls der Erbfolge, d. b. des Todes des Erblaſſers. Mit⸗ — L 126 Drittes Buch. Erſter Titel. Mithin kann in dieſem Falle der Erbe die ſeit dieſem Tage gezogenen an die Zinſen der Schulden bezahlen. II. Die Rechte und Verbind⸗ lichkeiten des Erblaſſers gehen dergeſtalt auf den Erben uͤber, daß der⸗ er die Erbſchaft unbedingt angenommen hat ¹). 1) S. CEaßoT Commentaire. T. II. p. 232 ff. §. 546. 3) Der Form. Art. 77. Die Annahme geſchieht entweder ausdruͤcklich oder ſtillſchwei gend. Ausdruͤcklich, wenn man z. B. in einer öffentlichen oder Privat⸗ urkunde ¹) den Titel oder die Eigenſchaft kines Erben annimmt; ſtill⸗ die Erbſchaft anzunehmen, nothwendig vorausſetzen, oder die jemand nur in der Eigenſchaft eines Erben vornehmen kann; d. h. ſolche, welche eine directe oder indirecte Veraͤußerung erbſchaftlicher Sachen enthalten. art. 779. Handlungen hingegen, die bloß auf Erhaltung ²) abzwecken, oder zur Aufſicht ³) und vorlaͤufigen Verwaltung ²) gehoͤren, gelten nicht als Beweis der Annahme, ausgenommen wenn man ſich dabey des Titels oder der Eigenſchaft eines Erben bedient hat. Vielmehr gehören zu den Handlungen, aus welchen ſich die Annahme der Erbſchaft folgern läßt mt. 780. I. Verſchenkung, Verkauf oder Abtretung erbſchaftlicher Sachen an gremde oder Miterben. II. Wenn jemand ſelbſt unentgeldlich auf ſeine 6 Rechte auf die Erbſchaft zum Vortheil eines oder mehrerer ſeiner Mit— erben verzichtet, weil ſich dieſes als Schenkung verbaͤlt. III. Wenn „ jemand gegen eine angemeſſene Verguͤtung zum Vortheile aller ſeiner Miterben ohne Unterſchied der Erbſchaft entſagt?). Iſt dagegen die Entſagung unentgeldlich und zum Beſten aller Miterben geſchehen, ſo wuͤrde man hieraus keinen Schluß aufidie Erbeigenſchaft des Entſagenden machen koͤnnen. 1) Die urkunde muß jedoch in der Abſicht ſich verbinblich zu machen ausgeſtell ſeyn. MarEvIILLE ad h. art. CRAso a. a. O. S. 254. Welche Wirkung hat ein Urtheil, worin ſemand fuͤr den Erben erklaͤrt iſt? Nach Att. 1351. ſich ein Dritter nicht darauf berufen könnte. Der Art. 800. ſagt dagegen, daß weny Fruchte u. ſ. w. fordern. Dagegen muß er aber auch von dieſem Tage wuͤrde ſich daſſelbe nur wie ein Geſetz unter den Partheyen verhalten, ſo daß ſelbe ſogar die Schulden mit ſeinem eigenen Vermoͤgen decken muß, wenn ſchweigend, wenn man ſolche Handlungen vornimmt, welche die Abſicht, der Erbe nicht mehr die Erbſchaft ſub beneficio iuventaris antroten koͤnne, hen n en Von der Erbfolge. 127 wenn er als Erbe rechtskraͤftig verurtheilt iſt. MarBvIILLE Analyſe ad hu art. ſieht daher den Art. 800. als Ausnahme von der im Art. 1351. aufgeſtellten Regel an. S. zum Art. 800. 2) 3Z. B. Inſcriptionen der Hypotheken um Verahrung zu verhindern, Klagen, Arreſtanlegungen gegen die Schuldner. S. auch Art. 796. 3) 3Z. B. Deteriorationen der Pächter verhindern. 4) 3. B. Vermiethen, Verpachten u. ſ. w. DRrvIXcouRT Inſtitutes. T. II. p. 51. In zweifelhaften Fällen iſt es gut, daß der Erbe, der dieſe Handlun⸗ gen vornimmt, dabey proteſtire, daß er ſie nicht in der Abſicht, die Erbſchaft annehmen zu wollen, vornehme, doch wuͤrde ſeine Proteſtation nichts helfen, wenn die Handlung evident nicht zu den conſervatoriſchen oder adminiſtrativen gehört. CuABoT Commeutaire. T. II. p. 259. 5) Practicien frangais. T. II. p. z2.— Man ſehe jedoch die im Art. 796. enthaltene Ausnahme. 6. 547. m. uebertragung des Rechts der Annahme auf die Erben. Wenn derjenige, dem eine Erbſchaft angefallen war, verſtarb, ohne Att. 731. ſie ausgeſchlagen oder angenommen zu haben, ſo koͤnnen ſeine Erben ſie anſtatt ſeiner annehmen oder ausſchlagen. Sind dieſelben jedoch uͤber Art. 782. die Annahme oder Ausſchlagung der Erbſchaft nicht einig, ſo ſoll ſie nur unter der Rechtswohlthat des Inventars angenommen werden ¹). 1) Anders iſt es in Hinſicht der Erben, denen die Erbſchaft perſsnlich zugefallen iſt, denn bey dieſen tritt dieſer Zwang nicht ein. 5. 548. IV. Anfechtung der Annahme. Die Annahme kann angefochten werden:; I. Von Volljaͤhrigen nur Art. 23. wegen Gewalt*) und Betrug, nicht aber wegen Irrthum; ausgenommen, in ſo fern derſelbe mit einer Verletzung begleitet war, welche dadurch entſtand, daß die Erbſchaft durch ſpaͤtere Entdeckung eines zur Zeit der, Annahme noch unbekannten Teſtaments ²) entweder ganz zerronnen oder uͤber die Haͤlfte vermindert war. II. Von Minder)aͤhrigen nur dann, wenn der Vormund in ihrem Ramen nicht unter der Rechtswohlthat des Inventariums die Erbſchaft angetreten hatte; weil ſich nur in dieſem einzigen Falle eine Läſton fuͤr ſie denken laͤßt 2). II. Wegen Verjaͤhrung, und zwar wird dieſelbe durch dreyßigjährigen Nichtgebranch begruͤndet*). 128 Drittes Buch. Erſter Titel. 1) Arg. Ari. T1I7. CuasoT Commentaire. T. II. p. 266. 2) Nicht aber durch Entdeckung einer unbekannten nach Annahme der Erbſchaft zum Vorſchein gekommenen Schuldforderung an den Erblaſſer. Tronchet in der Diſeuſſion in Conférence. T. IW. p. 50. Auch kann ſich der Erbe immet durch die Vorſicht decken, daß er nur[ub beueficio inventarii die Erbſchaft antritt. 3) Art. 462. 3) Art. 789. Zweyter Abſchnitt. Von der Ausſchlagung der Erbſchaften. §. 349. I. Form derſelben. Art. 784. Die Ausſchlagung einer Erbſchaft wird nicht vermuthet, d. h. kann niemals ſtillſchweigend, ſondern muß⸗ immner ausdrucklich geſcheben; den unten zu beruͤhrenden Fall der Verjaͤhrung ausgenommen. Sie geſchieht mittelſt einer Erklaͤrung ¹) bey dem Secretariate des Tribunals erſter Inſtanz, in deſſen Bezirke die Erbſchaft eröffnet iſt, und zwar muß dieſe Erklärung in ein beſonders dazu beſtimmtes Regiſter eingetragen werden ²). 1) Dieſe Erkläͤrung muß jedoch von dem Ausſchlagenden in Perſon, oder durch einen Speclalbevolmächtiaten geſchehen. CRanoT Commentaire ad h. art. Die Pandectes frangaiſes T. VI. p. 389. erfordern ſogar eine authentiſche Vollmacht, fuͤr Weſtphalen wird jedoch auch eine Vollmacht unter Privatunter⸗ ſchrift hinlaͤnglich ſeyn. Arg. Art. 30. des Code de procodure Meſtphalien. Ebenfolls iſt es erlaubt dieſe Etklärung vor einem Notar zu thun, und dieſes Document im Greffe einregiſtriren zu laſſen. Cambaceres in der Diſcuſſion Conference. T. IV. p. 6o. 2) Code de procodure frangais art. 997. S. F50. u. Wirkung derſelben. Art. 783. Die Wirkungen der Ausſchlagung ſind: J. Der Ausſchlagende wird art. 786. als nicht vorhanden betrachtet. II. Der Antheil des wſc waͤ me Von der Erbfolge. 129 waͤchſt den Miterben ſeiner Claſſe zu ¹); ſtebt er in ſemer Claſſe 6) allein, ſo faͤllt er auf die nächſtfolgende Claſſe. Z. B. 2 6 A Schlaͤgt A, als Verwandter der erſten Claſſe, die Erbſchaft aus, ſo faͤllt dieſelbe auf die Verwandten der zweyten Claſſe, die Geſchwiſter des Verſtorbenen BC. Nie kann man jedoch kraft des Repraͤſentationsrechts in die Stelle Art. 787. eines Erben treten, der entſagt hat, vielmehr ſind die denſelben Repra— ſentirenden voͤllig ausgeſchloſſen, ausgenommen: I. wenn der Entſagende in ſeiner Claſſe der einzige Erbfaͤhige war; II. oder wenn er zwar Mit⸗ erben hatte, aber dieſelben ebenfalls alle der Erbſchaft entſagen. Denn in dieſen Fällen kommen die Kinder des Entſagenden kraſt eigenen Rechts Gure devolutionis, nicht jure repraeſentationis) zur Etbfolge, und ſuccediren dann in capita. Z. B. G „(F F Schlaͤgt A die Erbſchaft des G aus, ſo koͤnnen nur dann ſeine Kinder BGD zur Erbſchaft gelangen, wenn E F entweder nicht vorhanden ſind, oder ebenfalls die Erbſchaft ausſchlagen. Schluͤge K ebenfalls die Erb⸗ ſchaft aus, ſo wuͤrden deſſen Kinder H und K ebenfalls zur Succeſ⸗ ſion kommen, und zwar ſuccedirten BCDHI in capita, und nicht in ſtirpes). SGpangenberg's Commentar Bd. II. R 3 m — 130 Drittes Buch. Erſter Titel. Imgleichen: DE F6K Stirbt B, und ſchlaͤgt C. die Erbſchaft aus, ſo wuͤrden FGH den D und E ausſchließen; wuͤrde hingegen J die Erbſchaft auch ausſchlagen, ſo wuͤrde DEF G H in capita ſuccediren. Beſtritten iſt es jedoch, ob ſie in dieſem Falle den A und K ausſchließen wuͤrden; doch iſt meiner Meynung nach die Frage zu bejahen*), da Geſchwiſterkinder dem Geiſte der geſetzlichen Erbfolge nach denn doch immer em ſtaͤrkeres Erbrecht haben, als die brigen Seitenverwandten und weiteren Aſcendenten*).— Art. 73. III. Die Glaͤubiger*) desjenigen, der zum Nachtheil ihrer Rechte Ver⸗ zicht leiſtet, können ſich jedoch vom Gerichte autoriſiren laſſen, die Erb⸗ ſchaft im Rahmen ihres Schuldners anzunehmen*). Die Verzichtlei⸗ ſtung wird aber in dieſem Falle nur zum Vortheile der Glaͤubiger, und bis zum Betrage ihrer Forderungen aufgeboben; nicht aber zum Vortheile des Erben, der entſagt hatte. 1) Zu bemerken iſt jedoch, daß wenn ſich die Erbſchaft in Staͤmme theilt, und eins der Glieder eines Stamms ſie ausſchlägt, der ausgeſchlagene Anthetl nur den Gliedern ſeines Stamms zuwäͤchſt, nicht aber denen des andern Stamms. Pandectes frangaiſer T. VI. p. 392. 2) Zwar heißt es im Art. 786.— La part du renongant accroit à ſes rohéri- tiersʒ Sil eſt ſeul, elle eſt devolue au degré ſubſequent, und im Art. 787.— ñ le renongant eſt le ſeul de ſon degré—; zwar uͤberfetzen Danlels⸗ Laſ⸗ ſaulx, Spielmann, Muͤller, Erhard, die Badiſche und Lateiniſche lieberſetzung degré durch Grad; es geht aber ans dem Zufammenhange hervor, daß die Weſtphältſche Ueberſetzuna das Wort degre an dieſem Orte einzig richtig durch Claſſe giebt; da unter feul héritier de ſon degré derzenige verſtanden wird, welcher keine Miterben hat, allo nicht bloß der Einzige in ſeinem Grade(denn Enkel ſind Miterben der Kinder, Geſchwiſterkinder Miterben der Geſchwiſter, ob ſie gleich einen Grad tiefer ſtehen), ſondern der der Einzige in ſeiner Claſſe iſt, in welchem Falle die devolution au degré ſubſequent— guf die ſolgende Claſſt ejntrut. S. Pfeiffer Napol. Seletzbuch ad h. . Jenge Von der Erbfolge. 131 Jenaer Allg. Litt. Zeit. 1808. Nr. 283. S. 43r. Ueberſetzt man nämlich degre hier durch Grad, ſo wuͤrde z. B. die Unbilligkeit daraus entſtehen, daß in dem nachſtehenden Falle K B CDE F 6 wo A untvuͤrdig iſt, oder ausſchlägt, ſeine Kinder BCD mehr erhalten wuͤrden, da ſie in Koͤpfen ſuccediren, als EF G, die in ſtirpes ſuccediren, da ſie vielmehr in dieſem Falle durch EFG ganz ausgeſchloſſen werden. Ja der Vater A wuͤrde dann die Liſt gebrauchen konnen, die Erbſchaft auszuſchlagen, um ſeinen Kindern einen deſto groͤhern Anthetl zu verſchaffen; und dergleichen mehr. 3) Irrig behauptete Treilhard in der Diſcuſſion(Conference T. Iy. p. 6ʒ.) und die Pandectes frangaiſer T. VI. p. 393“ daß in dieſem Falle in ſirpes ſuccedirt wuͤrde; denn die Kinder kommen ja jure proprio, als nächſte Ver⸗ wandten, und nicht jure repraeſentationis zur Succeſſten. Der richtigern Meynung iſt CHaßoT Commentaire. T. II. p. 276 ff. 4) Andrer Meynung ſind jedoch CnasoT Commentaire. T. I. p 79. 2Aca. k1AB Handbuch. Th. II. S. 145 ff. und beantworten die Frage verneinend. 5) Man bemerke jedoch wohl, daß in Hinſicht ber Erbſchaftsglänbiger die Erbſchaft in dem Augenblicke fuͤr vacant gehalten wird, als die zuerſt berufenen Erben die Erbſchaft ausſchlagen; ſollten auch gleich andere Erben vorhauden ſeyn, denen nunmehr die Erbſchaft deferirt wird.— Die Glaͤubiger hrauchen ſich mithin mit ihren Forderungen nicht an die zunächſt berufenen Erben zu wenden, um zu erfahten, ob dieſelben die Erbſchaft antreten wollen, ſondern können vlelmehr ſogleich um einen Curator der vacanten Erbſchaft bitten. Appelhof zu Air in Jurisprudence. T. X. p. 449. 6) Und zwar jeder Einzelne. CRanoT Commentaire. T. II. p. 278. 7) Nie verhalten ſie ſich jedoch wie Erben, ſo daß ſie die Schulden bezahlen muͤßten, u, ſ. w. ſondern ſie werden nur zur Erbſchaft berufen, um aus der⸗ ſelben bezahlt zu werden. Zu den erbſchaftlichen Handlungen, welche die Er⸗ haltung ihrer Rechte betreffen, z. B. Errichtung eines Inventars ſw muͤſſen ſie jedoch zugezogen werden. CKasor Commentaire. T. II. p. 279. Ebenfalls können ſie alle Klagen erheben, welche dem Erben zuſtanden, z. B ⸗ die actio 2d[upplendam letzitimam, u. ſ. w. Appellhof zu Paris in Juris- prudence. T. II. p. 335. R 2§. 553 Drittes Buch. Erſter Titel. 5. FFT⸗ III. Wiederantritt der einmal ansgeſchlagenen Erbſchaft. Die Ausſchlagung kann in folgendem Falle widerrufen werden: art. 789. I. Schon oben(§. 548.) iſt es bemerkt, daß die Befugniß, eine Erbſchaſt anzunehmen, durch den Ablauf einer ſo langen Zeit verjährt wird ¹), als die laͤngſte Verjaͤhrung von Rechten auf unbewegliche Sachen erfor— Art. 790. dert, mithin durch den Ablauf von dreyßig Jahren*). So lange das Recht der Annahme wider die Erben, wenn ſie auch gleich der Erbſchaſt entſagt haben, nicht verjaͤhrt iſt, ſind ſie befugt dieſelbe noch anzutreten, ausgenommen: 1) wenn dieſes ſchon von andern Erben ²) geſchehen iſt; 2) wenn ſie dem Art. 797. gemaͤß genöthigt worden ſind, ſich wahrend dieſer Zeit wegen des Antritts oder der Entſagung zu erklären. II. Treten ſie jedoch die einmal ausgeſchlagene Erbſchaft an, ſo muͤſſen ſie diejemgen Rechte anerkennen, welche dritte Perſonen durch Verjährung, oder durch die mit dem Curator der Erbſchaft ⁴) guͤltig abgeſchloſſenen Rechtsge⸗ ſchäfte an dem Erbſchaftsvermögen, erworben haben. 1) Man denke jedoch hierbey nicht an eine Verjahrung im ſtrengen Sinne dieſes Worts; denn es iſt hier nur von einem bloßen Richtgebrauche die Rede, wie ſich aus den Worten: La faculté— ſe préſerit, erhellt. S. Art. 790. und ZacRaklaß Handbuch. Th. II. S. 167. not. 2. 2) S. Att. 2262. 3) Es ſchadet jedoch eine bloße Beſitzeinweiſung eines Präſumtiverben dem wahren Erben nicht. CHasor Commentaire ad h. art. Andrer Meynung ſind die Pandectes fraugaſſes T. VI. p. 399. 3) Oder dem in dem Beſitze Eingewieſenen. IW. Wegfallen der Ausſchkagung. Die Befugniß, eine Erbſchaft auszuſchlagen, faͤllt weg; J. Durch Verjaͤhrung, wenn man naͤmlich binnen dreyßig Jabren von dieſer Int. 291. Befugniß nicht Gebrauch macht). II. Bey der Erbſchaft, dit noch zukuͤnftig iſt*). Man kann naͤmlich der Erbſchaft einer noch lebenden Perſon nicht entſagen, nicht einmal durch eme Ebeſtiftung. Eben ſo wenig kann man die auf eine ſolche Erbſchaft zuſtehenden eben urt. 792. tuellen Rechte veraͤußern. UI. Bey dem Erben, welcher Erb⸗ ſchaftsſtuͤcke unterſchlagen, oder verheimlicht bat⸗ eib Von der Erbfolge. 133 bleibt der Entſagung ungeachtet unbedingt Erbe, ſo daß er ſich nicht einmal der Rechtswohlthat des Inventars bedienen kann. Außerdem verliert er ſeinen Antheil an den unterſchlagenen und verheimlichten Ge⸗ genſtänden. IV. Bey dem Erben, welcher die Erbſchaft an⸗ getreten hat ³); denn die Entſagung iſt widerrufbar, die Antretung unwiderrufbar; außer in dem Falle des 783. Artikels. 1) Art. 789. 2) Auch der Art. 1130. verfuͤgt, daß man einer noch nicht angefallenen Erbſchaft nicht entſagen, ja nicht einmal uͤber dieſelbe einen Vertran ſchließen konne, wäre es auch mit der Bewilligung des Erblaſſers. S. auch S1dEoN Discours bey Garnery B. III. Th. 1. S. 166. 3) Art. 780 ff. Dritter Abſchnitt. Von der Rechtswohlthat des Inventars. §. 553 e gi ff. Die Rechtswohlthat des Inventars iſt die Befugniß, welche das Geſetz dem Erben zugeſteht, eine ihm angefallene Erbſchaft bedingt anzunehmen ¹). Sie findet ſowohl bey der geſetzlichen Erbfolge als bep dem Teſtamente ſtatt. 1) Zwar ſpricht der Code vom beneſicio inventarii nur bey der Inteſtaterbfolge; daß ſie aber auch bey der teſtamentariſchen Schenkung ſtatt finde, erhellt aus der Natur der Sache, und aus Art. 942 des Code de procodure frangair. Att 870 des Code de procodure Weſtphalien S. auch Mav6UIN Eſſai ſur le Code Napoleon im Journal de darreau 1809. P. I. p. 241 ſqq. §. 554 II. Erwerb derſelben. Jeder Erbe*), welchem eine Erbſchaft zufaͤllt, bey der er ungewiß iſt, ob ſie ihm Vortheil oder Schaden bringen könne, hat das Recht zu erklären, daß er dieſelbe nur mit dem Vorbehalte eines Inventars an— nehmen wolle. Dieſe Erklärung muß auf die oben(§. 549.) angegebene Art. 793. Art bey dem Secretariate des Tribunals erſter Inſtanz, in deſſen Bezirke 3 die 134 Drittes Buch. Erſter Titel. in das fuͤr die Eintragung der Verzichtleiſtungen beſtimmte Regiſter ²) art 79. getragen. Dieſe Erklaͤrung hat jedoch nur in ſo fern Witkung, als ein getreues und genaues Inventarium des Erbſchaftsvermogens, nach der vorgeſchriebenen Form, und binnen den gleich zu erwaͤhnenden Friſten vorhergegangen, oder wenigſtens darauf gefolgt iſt. 1) Auch dem Erben des Erben ſteht das beneficium inventarii zu. CAgor commentaire ad h. art. Der Erblaſſer kann uͤberhaupt dem Erben dieſe Rechtit wohlthat nicht entziehen. Mar.FVIILI Aualyſe ad h. art. 2) Nämlich in daſſelbe Regiſter, welches im Art. 784. genannt iſt; denn der Art. 793. ſagt:*elle doit étre inſcrite fur le regiſtre deſtins 3 regevoir les actes de renonciation.“ Ich bemerke dieſes deshalb, weil man durch die Ueben ſetzungen, welche“ſie ſoll in das fuͤr die Aufnahme ſolcher Verzichtleiſtungen beſtimmte Regiſter eingetragen werden“ haben, verieitet werden könnte, hier noch ein eigenes, von dem im Art. 784. erwaͤhnten, verſchledenes Regiſtet, fuͤr erforderlich zu halten. S. v. STROMBEck Abhaudlung äber die Organi- fation der franzoſiſchen öffentlichen Gerichtstzungen, wie auch der Secre- tariate der Tribunale erſter Inſtanz.(Gött. 1809. 8.) S. 41.§. 7.— Jn Weſtphalen wuͤrde zedoch, da auch die ofſizielle Ueberſetzung den Art. 793. ange gebener Maaßen wiedergiebt, nach den oben Th. I. S. 95. aufgeſtellten Grund⸗ fätzen ein doppeltes Regiſter, nämlich eins zur Eintragung der Verzichtleiſtungen, und eins zur Eintragung der Erkläͤrungen der Annahme ſub beueſicio inven. tari noͤthig ſeyn· §. 555. I. Inventarium. 1) Friſt zur Aufſtellung deſſelben. Art. 793. Dieſes Inventarium ſoll naͤmlich binnen drey Monaten, von dem Tage des Anfalls der Erbfolge angerechnet, errichtet werden. Außerden . 3 hat der Erbe, um ſich üͤber die Annahme oder Ausſchlagung ¹) der Erb⸗ 3 ſchaft zu bedenken, eine anderweite Friſt von vierzig Tagen, welche mit dem Tage des Ablaufs der zur Inventarerrichtung beſtimmten drey Mo⸗ nate, oder mit dem Tage der Vollendung des Inventars, wenn daſſelbe i vor Ablauf der drey Monate vollendet wurde, ihren Anfang mmmt. Art. 796. Zu bemerken iſt: I. Befinden ſich inzwiſchen Sachen unter dem Nachlaſſe, 31 die dem Verderben unterworfen ſind, z. B. Lebensmittel, oder ſolche, deren Erhaltung zu koſtbar ſeyn wuͤrde; ſo kann der Erbe, ohne daß man von ſeiner Seite eine Annahme hieraus folgern koͤnnte, ſich von dem Gericht⸗ ermaͤchtigen laſſen, dieſe Sachen zu verkaufen ²). Dieſes geſchiebt fol— gendermaaßen: Er muß dem Praͤſidenten des Tribunals erſter Inſtanz, die Erbfolge eröffnet worden iſt, geſcheben; und wird von dem Greffier in Von der Erbfolge. 135 in deſſen Bezirke die Erbſchaft eröffnet iſt, eine Bittſchrift um Erlaubniß zu dieſem Verkaufe uͤberreichen à). Dieſer ertheilt dieſe Erlaubniß mit⸗ telſt einer Ordonnanz, auf deren Grund der Erbe folgendes zu beſorgen bat: 1) Die Verſteigerung geſchiebt, wenn nichts anders daruͤber ver⸗ fugt iſt, auf dem naͤchſten öffentlichen Markte, an dem bergebrachten Markttage, und zur gewöhnlichen Stunde, oder an einem Sonntage; die Verſteigerung muß jedoch einen Tag vorher, wenigſtens durch vier öffent⸗ liche Anſchlaͤge, bekannt gemacht werden, wevon einer an dem Hauſe, wo ſich die Sachen befinden, der zweyte an dem Thore des Gemeinde⸗ hauſes, der dritte auf dem Marktplatze des Orts, und wenn es dort keinen giebt, auf dem naͤchſten Markte, und der vierte an der Thuͤr des Sitzungszimmers des Friedensrichters des Orts, wo ſich die Sachen uͤber⸗ baupt befinden, angeheftet werden muß. Geſchieht der Verkauf an einem andern Orte, ſo wird ein fuͤnfter Anſchlagszettel an dem Orte an⸗ geheftet, wo die Verſteigerung vor ſich gehen ſoll. Außerdem iſt die Verſteigerung durch öffentliche Blätter in den Staͤdten, wo dergleichen ſind, anzuzeigen. 2) Die Verſteigerung geſchieht durch einen offentlichen Beamten, den der Präſident hiezu committirt. Dieſer kann ein vereide⸗ ter Auctionator, oder Hmſſier, Notar u. ſ. w. ſeyn ²).— H. Während Art. 797. der Dauer der fuͤr die Inventaraufnahme und Bedenkzeit vorgeſchriebenen Friſten kann der Erbe nicht genöthigt werden, ſich beſtimmt zu entſcheiden, ob er die Erbſchaft annehmen oder ausſchlagen wolle 3); und es kann ſo lange gegen ihn kein verurtheilendes Erkenntniß in Hinſicht der Erb⸗ ſchaftsſchulden ausgewirkt werden; vielmehr verhalt ſich der Richtablauf dieſer Friſten als eine wahre Exceptio dilatoria.— Entſagt er der Erbſchaft beym Ablaufe dieſer Friſten, oder ſchon fruͤher, ſo bleiben die bis zu dieſem Zeitpuncte aufgewandten Koſten der Erbſchaft zur Laſt, und muͤſſen aus derſelben bezahlt werden 5). III. Nach dem Ablaufe Art. 798. der oben beſtimmten Friſten kann der Erbe, wenn eine Klage gegen ihn als Erben oder auf Erklärung angeſtellt wird, um eine neue Friſt nach⸗ ſuchen, die das Gericht den Umſtaͤnden nach entweder geſtattet oder verſagt. Die Koſten dieſes Verfahrens fallen dem Erben perſonlich zur Art. 799. Laſt, ausgenommen wenn er dartbut: 1) daß er von dem Todesfalle des Erblaſſers keine Wiſſenſchaft gehabt habe; oder 2) daß wegen der tage, des Vermögens, oder wegen dazwiſchen gekommener Streitigkeiten die Friſten unzulänglich geweſen ſeyen.— IV. Der Erbe behaͤlt gleichwohl, Irt. sco. auch nach dem Ablaufe der geſetzlichen und gerichtlichen Friſten, wenn er nicht 136 Drittes Buch. Erſter Titel. nicht zur Erklaͤrung durch Legatarien u. ſ. w. genöthigt wird*), das Recht ein Inventar zu errichten und die Rechtswohlthat des Inven⸗ tars ³); ausgenommen*): r) wenn er ſchon in der Eigenſchaft eines Erben gehandelt hat; 2) wenn nicht ſchon gegen ihn ein rechtskraͤftiges Erkenntniß vorhanden iſt, welches ihn als Erben ſchlechthin und unbedingt Art. 301. verurtheilt(S. 546. Not. 1.): 30 wenn er Erbſchaftsſtucke verhemlicht, oder wiſſentlich und in boͤſer Abſicht nicht in das Inventar aufgenommen bat; 4) wenn er Erbſchaftsſachen ohne Autoriſation verkauft 10). 1) Hat er die Erbſchaft ausgeſchlagen, ſo kann er dennoch kein Urtheil anfechten, welches aegen ihn, da er noch Benefictarerbe war, ausgewirkt iſt. Caſſations hof in DEREvRRS Journal des audiences. An. KIII. p. 104. Cedirt er dage, gen ſeine Erbrechte als unbedingter Erbe an einen Dritten, ſo wird er auch als ſolcher betrachtet. Appellhof zu Amiens in Jurisprudence. T. VII. p. 38. 2) Wuͤrde er hingegen ohne die Ermächtigung des Gerichts zum Verkaufe ſchreiten, ſo wuͤrde dieß von ſeiner Seite die Annahme der Cibſchaft nach ſich ziehen. MarRvIILLE Analyſe ad h. art. 3) Code de procidure fraugais art. 986. HMeſtphalien art. 913. 4) Code de procòdure ſraugais art. 616. 625. Meſtphalien art. 36. 573. 5) S. mein und Oeſterley Commentar uͤber die P. O. Th. I. S. 225— 237. Dieſes hindert jedoch die Glaͤubiger, oder andere, welche Anſpruͤche an der Erbſchaft machen, nicht, ſolche geltend zu machen und conſervatoriſche Maaß⸗ regeln zu nehmen; ja ſie muͤſſen dieſes thun, da dem Art. 2259. zufolge, die Ver)ahrung waͤhrend der Inventars⸗ und Bedenkfriſt läuft. MatEvIII; Analyſe ad h. art. Dieſem zufolge ſind die Glaͤubiger befugt, den Erben während dieſer Zeitfriſten vor Gericht zu laden, um die Unterſchrift des Ver⸗ ſtorbenen anzuerkennen, ohne daß ſich der Erbe hingegen durch die Einrede, daß man ihn hierdurch zur Erklaͤrung zwinge, ſchuͤtzen konnte. Caſſations⸗ hof in SinB Juritsprudence de la Cour de caſſation. 1807. S. 291 ff. Bulletin de jurisprudence. T II. p 3iz- 6) BoosauEr Explication du Code ad art. 797. behauptet, daß, wenn der Erbe, während dieſer Friſten in die Eigenſchaft eines Erben handele, aber während derſelben das Invenvartum wirklich anfertige, nicht anzunehmen ſtehe, daß er auf die Rechtswohlthat des Inventars Verzicht geleiſtet habe, aber, wie ich glaube, ohne Grund. 7) So iſt Art. 794. und 795. mit Art. 800. zu vereinigen. MarEvIILTLE Analyſe ad h art. 2ACHARIAE Handbuch Th. II. S. 176. 3) In dieſem Falle muß er jedoch das Inventar unverzuglich errichten, und hat die im Art. 795. gegebenen drey Monate Ftiſt nicht. CRanoT Commentaire. T II. p. 303 9) Alle dieſe Strafen laufen nur gegen den maſorennen Ecben, denn in Hinſicht des Minderjährigen treten die Art. 461. und 776. ein. 10) Code de procédure frangais art. 938. 989. MWeſtphalien art. 2 „FFo⸗ Von der Erbfolge. h 5. 556. ben 2) Aufſtellung und Inhalt deſſelben. n I. Das Inventarium ¹) muß errichtet werden im Beyſeyn 1) des u letztlebenden Ehegatten; 2) der muthmaßlichen Erben, oder deren Stell⸗ vertreter; 3) des Teſtamentsexecutors; 4) der Univerſallegatare und Uni— verſalſchenknehmer, ſo wie der Legatare und Schenknehmer unter Univer⸗ h ſaltitel, gleichviel ob das Vermächtniß ſich auf das Eigenthum erſtreckt, oder auf die Nußnießung beſchränkt iſt. Dieſe muͤſſen perſonlich vorhan— den, oder doch wemgſtens gehörig vorgeladen ſeyn, wenn ſie in einer Ent⸗ nt fernung von fuͤnf Myriametern(Meilen) wohnhaft ſind. Wohnen ſie ent⸗ fernter, ſo muß fuͤr alle Abweſende ein einziger Rotar, der vom Praͤſi⸗ u denten des Tribunals erſter Inſtanz ernannt wird, dazu gerufen werden, um die Stelle der vorgeladenen aber ausgebliebenen Partheyen zu vertreten. II. Muß es errichtet werden vor zwey Notarien, oder einem Rotar und zweyen Zeugen. UI. Es muß enthalten: 1) Ramen, Gewerbe und Wohnort der Requirenten, Comparenten und Taxatoren, ſo wie eine Erwaͤhnung der richterlichen Verfuͤgung, wodurch der Rotar fur die Aus⸗ gebliebenen ernannt iſt; 2) Anzeige des Orts, wo es aufgenommen wird; 3) Beſchreibung und Schaͤtzung der Effecten; 4) Bezeichnung der Be⸗ ſchaffenheit, des Gewichts, und des Gehalts der Geſchmeide; 5) Bezeich⸗ b. nung der Muͤnzſorten des baaren Geldes; 6) Angabe der vorhandenen lu Papiere und wem ſie uͤbergeben ſeyen. Dieſe ſollen paginirt, und auf tu dem erſten und letzten Blatte von den Rotarien paraphirt werden; 7) Angabe der Activorum und Paſſivorum; 8) Erwähnung des Ma⸗ n nifeſtationseides(daß nichts uͤber die Seite geſchafft ſey) von Setten f derjenigen, welche in dem Sterbehauſe wohnten ²). Entſtehen Schwie— rigkeiten bey Fertigung des Inventars, u. ſ. w. ſo entſcheidet der Tribu⸗ n nalspräſident uͤber dieſelben im Refere 3). 1) FovnMonT Inſtrudtion ſur le notariat. T. II. p. 275 ff. GakNIER Dns- cuBsNEs traitẽ du notariat. p. 514 ff. der Octavausgabe. Laſſaulx Unter⸗ richt uͤber die Errichtung von Inventarien, in deſſen Journal l. 6. S. 235 ff. Kann der Erblaſſer uͤberhaupt die Anfertigung eines Inventars verbieten? Die Pandecter frangaiſer T. VI. p. 403. ieugnen es, well der Erbe dann die Friſten nicht einhalten konnte, welche zur Anfertjgung des Inventars beſtimmt un ſind, und mithin immer als unbedingter Erbe angeſehen wuͤrde. Indeſſen erhellt auch daraus ble verneinende Antwort, daß es immer eines Inventars ſt bedarf, um die droits de ſucceſſion der Regie zu erhalten. Denn die Erben muͤſſen zu dieſer Abſicht ein Inventarium dem Domainenerheber produciren. Spangehberg' Commentar Bd. 11. S S. 138 Drittes Buch. Erſter Titel. S.§. 565. not. ult. und§. 559. not. 1. Eine Verſieaelung hlnaegen iſt nicht in der Regel, ſondern nur in den unten(§. 565.) angegebenen Fallen nöthig. Arg. Art. S10. S. Att. 819. 2) Code de procòdure franguis art. 941. 944. Meſiphalien art 870— 874. 3) MWein Aufſatz üker die Reſeres in meinem und OßsTRRLEx's Magazin lur das Crimiual- und Civilrecht des Konigreichs Weſpholen. Th. I. S. 339 ff. §. 577. 3) Wirkung deſſelben. Art. 302. Die Rechtswohlthat des Inventars verſchafft dem Erben den Vor tbeil: I. daß er nur bis zum Betrage des Werthes des ihm zugefallenen Vermögens fuͤr die Bezahlung der Schulden des Erblaſſers und Aus zahlung der Legate haftet, und ſich von dieſer Pflicht ganz los machen kann, wenn er den Glaͤubigern und den Legatarien die ganze Erbſchafts⸗ maſſe uͤberlaͤßt ²); II. daß er dagegen mit ſeinem Vermoͤgen nicht zu haften braucht(S. 543.) und vielmehr das Recht behält, die Bezahlung ſeiner eigenen Forderungen an den Erblaſſer, zu verlangen. 1) Hat der Beneſiclarerbe Klagen anzuſtellen, ſo ſtellt er ſie gegen die üͤbrigen, und in deren Ermangelung, oder wenn dieſelben ebenfalls gegen die Erbſchaft klagen, gegen einen Curateur au beneſce d inventaire, deſſen Ernennung er ben dem Tribunale auswirken muß, an. Code de procedure frangais art. 996. VMeſtphalten art. 924. 6 o 56. W. Verbindlichkeiten des Beneſiciarerben. Erklaͤrt ſich der Erbe fur entſchloſſen, die Erbſchaft unter der Rechts⸗ wohlthat des Inventars anzunehmen, ſo heißt er Beneficiarerbe, erhält folgende Rechte, außer den in dem vorigen Paragraphen genannten, und xrt. 303. übernimmt nachſtehende Verbindlichkeiten: J. Er iſt verbunden das erb ſchaftliche Vermögen gehörig zu verwalten ¹), und hieruͤber den Lega⸗ tarien und Erbſchaftsgläubigern Rechnung abzulegen ²). Hierbey iſt zu bemerken: 1) Zwar findet in der Regel auf ſein eigenes Vermögen kein Angriff ſtatt, ausgenommen a. wenn ihm in Anſehung der Rechnungs ablage ein Verzug zur Laſt faͤllt, oder b. wenn er uͤberhaupt gar kem Rechnung abgelegt hat. 2) Hat er die Rechnung abgelegt, und iſt ſi juſtificirt, ſo kann er nur in ſo fern in Hinſicht ſeines eigenen Vermögens in Anſpruch genommen werden, als er der Erbſchaft eine in um Von der Erbfolge. 139 Summe ſchuldig bleibt. 3) Er haftet in Hinſicht der Verwaltung nur Art. 80.. fur grobes Verſehen. 4) Die zur Erbſchaft gehörigen Mobilien ²) kann Lrt. 305. „ er unter den im§. 584. enthaltenen Formalitaͤten*) verkaufen laſſen. 5 tiefert er ſie dagegen in Natur zuruͤck, ſo hat er nur fuͤr die durch ſeine Rachlaͤſſigkeit verurſachte Deterioration und Verminderung des Werths der⸗ ſelben zu haften*. 5) Die Immobilien kann er nur unter Autoriſation Art. 306. des Tribunals verkaufen laſſen. Er uͤbergiebt zu dem Ende dem Präſi⸗ denten eine Bittſchrift, welche die Gruͤnde des Verkaufs und eine genaue Bezeichnung dieſer Grundſtuͤcke enthalten muß. Dieſe wird dem kaiſer⸗ Bu lichen Procurator mitgetheilt, und auf deſſen Gutachten und den Vortrag en emes committirten Tribunalrichters ein Urtheil erlaſſen, welches vorlaͤufig M verordnet, daß die Immobilien durch einen von Amtswegen ernannten chu Sachverſtaͤndigen in Augenſchein genommen und geſchatzt werden ſollen⸗ aſt Iſt das Gutachten ordnungsmaͤßig abgegeben, ſo wird es auf ein Geſuch 1 des Erben vom Tribunale beſtätigt, und nach Anhoͤrung des kaiſerlichen lun Procurators die oͤffentliche Verſteigerung verfuͤgt. Die Formalitäten ſolcher Verſteigerungen ſind in der Franzoͤſiſchen P. O. Art. 966— 985. . und 953— 965; in der Weſtphaͤliſchen P. O. Art. 894— 912, 882— 893. ſtin vorgeſchrieben. Der Kaufpreis verkaufter Immobilien wird vorzugs⸗ weiſe an die hypothekariſchen Glaubiger nach der Rangordnung ibrer p Privilegien und Hypotheken vertheilt*). II Er iſt verbunden, wenn es Art. 07. die Gläubiger oder andere Intereſſenten 7) verlangen, fuͤr den Werth des in dem Inventar begriffenen beweglichen Vermögens, und fuͤr den Tbeil des Preiſes der unbeweglichen Sachen, welcher den hypothekariſchen Gläu⸗ bigern noch nicht ausgezahlt iſt, gute und zahlbare Buͤrgſchaft zu chl ſtellen. Stellt er dieſelbe nicht, ſo werden die Mobilien verkauft, und thi ſowohl das hieraus gelößte Geld, als der den Glaͤubigern noch nicht un ausgezahlte Theil des Preiſes der unbeweglichen Sachen wird deponirt, um zur Tilgung der Erbſchaftskoſten verwendet zu werden. Das Ver⸗ fahren hierbey ſt folgendes: Der Intereſſent muß ihn durch eine ihm in ſ Perſon, oder an ſeinem Wohnorte inſinurte Schrift, hierzu auffordern. i Binnen drey Tagen von dieſer Aufforderung angerechnet, denen jedoch fuͤr n lede drey Myriameter(Meilen) Entfernung zwiſchen dem Wohnorte des ſe Erben und des Sttzes des Tribunals, noch ein Tag zugelegt wird, hat ßſ der Erbe auf dem Greffe einen Buͤrgen vorzuſchlagen*). IMI. Er iſt zu verbunden die Legatarien und Erbſchaftsglaͤubiger aus dem Erbſchafts⸗ un vermogen zu befriedigen ²). In der Regel befriedigt er dieſelben Art. sc8. un S 2 nach —* 140 Drittes Buch. Erſter Titel. nach der Ordnung, wie ſie ſich gemeldet haben. Thun jedoch einige Einſpruch gegen die Auszahlung der Gelder an ihre Mitglaäͤubiger oder Mitlegatarien, ſo muß der Beneſiciarerbe die Gelder nur nach der von dem Richter beſtimmten Ordnung, und auf die Art, wie dieſes derſelbe verfuͤgt, bezahlen 10). Der Einſpruch kann nur vor dem Rechnungs⸗ abſchluſſe und der Auszahlung des Ueberſchuſſes geſchehen; denn nach Art. So. dieſer Zeit iſt der Erbe befreyet. Glaͤubiger alſo, die keinen Einſpruch gethan haben, können ſich nach dieſer Zeit nur an die Legatarien halten, um von dieſen die Bezahlung ihrer Forderungen zu erwirken. Dieſes muß jedoch binnen drey Jahren geſchehen, denn nach dieſer Zeit iſt deren Anſpruch verjährt. Dieſe drey Jahre laufen von dem Tage des Rech⸗ nungsabſchluſſes und der Bezahlung des Ueberſchuſſes an 12). Die art. 310. Koſten der etwa ſtatt gefundenen Verſiegelung des Inventars und der Rechnungsablage fallen der Erbſchaft zur Laſt. 1) Die Erben koͤnnen auf die Beſtellung eines andern Guͤterverwalters ankragen, wenn der Erbe die Verlaſſenſchaft ſchlecht verwaltet. MArRvirI.E Analyſe ad h. art. 3) Hierbey iſt die im Code d⸗ procedure frangalr art. 327 ff. Meſtphalien art. 472 ff. vorgeſchriebene Form zu beobachten. S. auch Art. 995. deſſelben, ſo wie Art. 923. der Weſtphaͤliſchen Proceßordnung. 3) ueber die Veraͤußerung von Renten ſ. F. 561. Net. 2. 4) Code de proceduro fraugait art. 989. §5)*Il weſt tenu que de la depréciation ou de la detẽrioration.“ Eine Sache kann depréciée ſeyn, ohne detériorée zu ſeyn. Z. B. ſie war modern zur Zeit der eroͤffneten Erbſchaft. Hätte ſie der Erbe in dieſem Augenblicke ver⸗ kauft, ſo würde er ein gutes Kaufpretium erhalten haben. Er hat dieſes aber nicht gethan, und die Sache iſt nachher aus der Mode gekommen, ſo iſt ihr Werth vermindert, ohne dafi ſie deteriorirt worden iſt, und der Erbe muß fuͤr dieſe Depreciation haften. DEr.vINcovRT Inſtitutes. T. II. p. 59. 6) Cod⸗ de procodure frangait art. 987— 991. Weſtnhalien art. 9137 91h. 7) Eine Mehrheit dieſer Perſonen muß die Buͤrgſchaft fordern; ein einziger von ihnen kann es nicht. Auf welche Mehrheit ſoll aber der Richter Ruckſicht nehmen? Auf die Mehrheit der Zahl nach, oder auf die Mehrheit nach der Große der Forderungen? Die Paudectes Frangaiſes. T. VI. p. ꝗ34. be⸗ haupten das erſtere, Ma.EVIILLE Analyſe ad h. l. das letztere. Fuͤr Maleville fpricht die Analogle des Art. 519. des Gode de commerce. 8) Cod⸗ de procédure frangais art. 993· Weſtphalien art. 921. S. auch ebendaſelbſt Art. 517— 522, und in der Weſtphäliſchen Procehordnung Art. 460— 465. 9 Von der Erbfolge. 141 ig 9) Concurrirt ein Erbſchaftsglaͤubiger mit einem Leaatare, ſo iſt erſterer vorzugs⸗ det weiſe zu bezahlen. DsLvINcouRT Inſtitutes. T. II. p. 60. bon 10) S. Code de procedure frangais art. 656— 672. MWeſtyhalien art. lie 598— 616. 11) In dem Art. 309. ſind die Worte dans l'un et''autre eas aus Verſehen u ſtehen geblieben. Der erſte§. des Art. enthielt urſpruͤnglich zwey Fälle, von denen der eine geſtrichen iſt. Mar.BvIILILE Analyſe ad h. art. 2ACRARIAß u Handbuch. Th. Il. S. I179. not. 8. en, ſis n Von erbloſen Verlaſſenſchaften. de §. 559. n 6 ht Eine Verlaſſenſchaft wird fuͤr erblos r) gehalten: I. wenn nach Lrt. s1. 5 dem Ablaufe der fuͤr die Inventaraufnahme und Bedenkzeit beſtimmten Friſten niemand ²) erſcheint, der die Erbſchaft in Anſpruch nimmt; oder H. wenn uͤberhaupt kein bekannter Erbe vorhanden iſt; III. wenn die bekannten Erben die Erbſchaft ausgeſchlagen haben ²); IV. wenn die Erben unfaͤhig oder unwuͤrdig ſind, die Erbſchaft anzunehmen, z. B. 5 Fremde, buͤrgerlich Todte, u. ſ. w. Einer erbloſen Verlaſſenſchaft wird † ein Curator ernannt*). S. 6. 537. r 2) 8. B. em regelmäßiger oder unregelmaͤßiger Erbe, kein unehliches Kind u. ſ. w. CRABoT Commentaire. T. II. p. 32I. ſt f 3) Code de procòdure franugais art. 9os. VMeſtphalien ait. 923. h 4) Code de procẽdure fraugait a. a. D. n iſt§. F6o. Ernennung eines Curators fuͤr die erbloſe Verlaſſenſchaft. u Dieſer Curator wird auf ein Geſuch der Intereſſenten, d. h. Lega⸗ Art. 372. tarien und Glaͤubiger, oder auf den Antrag des kaiſerlichen Procurators u von dem Tribnnale erſter Inſtanz ernannt, in deſſen Bezirk die Erbſchaft l eroͤffnet wurde ¹). S8 Art. 813. Art. 814. 142 Drittes Buch. Erſter Titel. 1) Zu bemerken iſt: 1. Gegen das Erkenntniß des Tribunals in einer Sache, die eine vacante Erb⸗ ſchaft betrifft, kann zwar der kaiſerliche Procurator Appellition einwenden; am beſten thut es aber der prepoſé de l'adminiſtration des domaines Lettre du Miniſtre Grand jige d. 73 Wov. 157. in Bavoux und LorsEao Jurtsprudence du Code de procédure. T. I. p. 350. 2. Wird durch den Appellatlonshof die von dem Tribunale geſchehene Ernennung eines Curators annullirt, ſo kann derſelbe zugteich einen neuen Curator er⸗ nennen Caſſattonshof im Journal de barreau. 1809. P. II. p. 272. S1REv Jourual géuéral. 1809. P. I p. 14l. 3. Treten mehrere auf, wovon jeder Curator zu ſeyn behauptet, ſo ſoll der zuerſt ernannte ohne weiteres, und ohne daß hiezu ein Urtheil nöthig ſey, dorgezogen werden. Code de procod. frang. art. 999.(ehlt im C. d. p. Meſphalien.) F. 561. Verbindlichkeiten deſſelben. Die Pflichten dieſes Curators ſind: I. er muß ein Inventarium uͤber die Verlaſſenſchaft aufſtellen; II. er muß dieſelbe verwalten ¹); nämlich 1) die Mobilien und Renten ²) verkaufen; 2) die Aetiva ein⸗ taſſiren ³), und als Vertheidiger gegen die Klagen auftreten; 3) Rech⸗ nung ablegen 4); 4N alles gelößte Geld, und die vorhandenen Baarſchaf⸗ ten zur Caſſe des Receveur de la Régie impeériale abliefern). Uebrigens hat er ſowohl bey der Errichtung des Inventars, als bey der Art der Verwaltung und etwaiger Verkaͤufe, ſo wie bey der Rech⸗ nungsablage, die dem Beneficiarerben vorgeſchriebenen Formalittaͤten zu beobachten. 1) Code de procod. frangait art. 1000— 1002. Meſlphalien art. 927— 929. 2) Betragen jedoch die Renten mehr als 30 Franken, ſo muß er dazu gerichtlich autoriſirt ſeyn. Gutachten des Franzoͤſiſchen Staatsraths vom 11. Jan. 1803. in BAvovx et LoisEAv Jurisprudence du Code de proeéd. T. II. p Iol. 3) S. auch Caſſationshof im Journal de barreau. 1809. P. II. p. 137. 4) In ſo fern aus dem Nachlaß etwas eingegangen war, ſonſt nicht. Caſſa⸗ tſonshof in S1RrX Jurisprudence. 1807. pe 3. 3) Doch hat er das Recht, inſeribiete Glaͤubiger zu befriedigen, in ſo fern dieſes nur mit Beobachtung der geſetzuchen Formalitäten geſchteht— bevor er die gelößten Gelder an den Domainenerheber abliefert. Circularſchreiben des Groß⸗ richters Juſtizmintſters an die kaiſerlichen Procuratoren vom 12. Meſſidor Kll. in Laſſaulr Ueberſ. Anhang. S. 574. RONDoXNEAU Supplement. p. 151. ed. Voss.— Irrig behauptet dagegen CHABoT Commentaire. T. II. p. 323 daß der Curator nur die bey dem Ableben vorhandenen, nicht aber die nachher ein⸗ Von der Erbfolge. 143 eingehenden Baarſchaften an die Regie abliefern, ſondern fuͤr dieſe Buͤrgſchaft t ſtellen muͤſſe. Denn die Pflicht, alles dahin abzuliefern, verhält ſich als eine un Cautionsleiſtung von Seiten des Curators, ſo daß es weiter keiner beſondern e bedarf.— Ueberhaupt ſ. uͤber das Verfahren der Curatoren die Inſtruction un des Großrichters Juſtizminiſters an die kaiſerlichen Precuratoren vom g. Jul. 1806. und 26. Maͤrz 1807. in Blanchards Ueberſetzung von MWaleville un Th. II. S. 265. RoRboNRBau Supplement. S. 198. und 214. ed. Voss⸗ Sechstes Kapitel. Von der Theilung und Collation. , §. 562. Im allgemeinen. Sind mehrere Erben vorhanden, ſo können ſie auf Theilung der Erbſchaft unter ſich dringen. Eine Folge jeder Theilung iſt aber die Collation. ech hi Erſter Abſchnitt. Von der Theilung, und zwar I. ihrer Form. d ech §. 563. Allgemeine Grundſätze. 0 Niemand kann gezwungen werden, in einer Gemeinſchaft des Be⸗Art. 31. ſitzes der Erbſchaft zu bleiben; man kann vielmehr ohne durch gegenſei⸗ h tige Verbote und Vertraͤge gehindert zu werden J. jederzeit auf Theilung 1 dringen. Man kann jedoch verabreden, waͤhrend einer beſtunmten Zeit die Therlung nicht vorzunehmen. Dieſe Verabredung iſt aber nicht länger ſ guͤltig als fuͤnf Jahre; doch kann ſie nach Ablauf derſelben erneuert werden. 1I. Man kann die Theilung verlangen, ſelbſt wenn einer der urt. 316. Miterben ſich ſchon abgeſondert im Gennſſe einos Theils des Erbſchafts⸗ ti ju vermoͤgens befunden haͤtte, ausgenommen: 1) wenn er denſelben kraft WM einer fruͤhern Theilung beſaß; 2) oder wenn ein zur Verzaͤhrung hin⸗ 4 reichender(ein 3o jaͤhriger) Befihſtand zum Grunde liegt ¹). III. Eine Theilung einzelner Gegenſtände iſt nicht thunlich ²). IV. Die Thei⸗ lung 144 Drittes Buch. Erſter Titel. lung geſchieht in beliebiger Form, und außergerichtlich, wenn bloß im Genuſſe der buͤrgerlichen Rechte ſich befindliche Volhäbrige und gegen— waͤrtige Erben vorhanden ſind. Iſt dieß nicht der Fall, ſo kann ſie nur in Form einer Klage bey dem Tribunale erſter Inſtanz des Bezirks, in dem die Erbſchaft eröffnet iſt, nachgeſucht werden ³).— Die gericht liche Beſtätigung einer außergerichtlichen Theilung iſt unthunlich*). 1) Dieſer Artikel iſt nicht ſo zu erklaͤren, als ſage er, daß die Klage auf Thei⸗ lung gegen denjenigen, der ſie anſtellen will, deswegen durch Verzährung er⸗ loſchen ſey, well die Miterben 30 Jahre im ungethellten Genuſſe waren. Die Flage tſt unveryaͤhrbar. Sondern: Waren einer oder mehrere Miterben allein 30 Jahre lang im Genuſſe der Erbſchaft, und zwar mie Aus ſchließung der uͤbrigen, ſo waͤren dieſe letztern nicht mehr berechtigt auf Theilung anzutragen, weil nun ihr Antheil ſelbſt an dem Eigeuthume ver)ährt ſeyn wuͤrde. Mar. vILLE Analyſe ad h. art. S. auch ZAcHARLAE Handbuch. Th. 11. S. 189. 2) So entſchied das Tribunal erſter Inſtanz zu Goͤttingen in Sachen der Saal⸗ vachſchen voll)ährigen Kinder wider thre minderjährigen Geſchwiſter. „Nach Anhoͤrung des Subſtttuten des Koͤnigl. Procurators, In Erwaͤgung: Daß die zwiſchen den Klägern und den beklagten Vormuͤndern hereits außergerichtlich vorgenommene Theilung des väterlichen Nachlaſſes, mit Aus ſchluſſe des Hauſes,— da hiebey die Vorſchriften des 838. Art⸗ des C. N. nicht beobachtet worden, dem Art. 840. zufolge nur als vorlaͤnfig geſchehen betrachtet werden, und auf eine gerichtliche Beſtätigung uͤberali keinen Anſpruch machen kann, Daß ferner die gerichtliche Theilung eines einzelnen Erbſchaftsſtuͤckes, mit Ausſchluſſe der uͤbrigen zu dem Rachlaſſe gehörigen Gegenſtaͤnde, vom Tribu⸗ nale nicht verfuͤgt werden kann, weil es auf dieſe Weiſe unmoglich iſt, die Benachtheiligung der Minderjahrigen bey der ganzen Theilung zu verhuͤten, und weil auf ſolche Art leicht der Zweck des Geſetzes umgangen werden koͤnnte, 3 Daß auch außerdem die Untheilbarkeit eines einzelnen Grundſtückes an ſch zu der Verſteigerung deſſelben noch nicht berechtiget, weil nach dem 901. Art. der buͤrgerlichen Proceßordnung zuvorderſt durch die Sachverſtändigen ausge⸗ mittelt werden muß, ob nicht die Geſammtheit der Grundſtuͤcke auf die Weiſe beguem ſo getheilt werden koͤnne, daß jeder Theilnehmer ein Grundſtuͤck von i ungefähr glelchem Werthe erhalte; erkennt das Tribunal, daß das Thellungs⸗ 3 geſuch in angebrachter Maaße nicht Statt finde.“ 3) Code de procòdure frangats art. 983. MWeſthhalien art. 912. Cod⸗ Napoldon art. 838. Die Minderjaͤhrigen moͤgen emantipirt ſeyn oder nicht. 4) S. das Erkenntniß des Tribunals zu Goͤttingen in Rote 2. Von der Erbfolge. 145 * 6. 564. Erforderniſſe. ir, Um die Theilung nachſuchen zu können, iſt erforderlich: I. daß ticht man wirtlich Erbe ſey, und die Erbſchaft angenommen babe ¹); lI. daß man fäbig ſey, uber ſein Vermoͤgen frey zu disponiren. Mithin muͤſſen 1) ſtatt der Minderjaͤhrigen ²*) und Art. 317. J Interdicirten die Vormuͤnder die Theilung erwirken, und zwar bedarf es in deren Hinſicht einer beſonderen Genehmigung des Familtenraths. 5 2) Statt der fuͤr abweſend Erklarten*): die in den Beſitz des Ver⸗ n mogens derſelben eingewieſenen Verwandten. 3) In Hinſicht der Ehefrau eh iſt zu unterſcheiden: a. Der Ebemann kann ohne Mitwirkung derſelben, Art. 1. 3 und in eigenem Nahmen die Theilung der ihr zugefallenen beweglichen 1 und unbeweglichen Sachen verlangen, wenn dieſelben in die Guͤtergemein⸗ Bu ſchaft fallen. b Fallen ſie aber nicht in die Guͤtergemeinſchaft, ſo kann er um eine deſinttive Theilung nur unter ihrer Mitwirkung, und mit ihr gemeinſchaftlich nachſuchen. Ohne Muwirkung der Frau kann er jedoch hn auch in dieſem Falle um eine proviſoriſche Theilung nachſuchen, wenn „n ihm naͤmlich die Benntzung ihres Vermoͤgens zuſteht.— Ebenfalls koͤnnen e die Miterben der Fran nur dann eine definitive Theilung ²) erwirken, nt wenn ſie die Klage gegen Mann und Frau zugleich richten. c. Lebt ſie in der Guͤtertrennung, ſo kann ſie in Hinſicht der Mobilten die Theilung „n allein nachſuchen; in Hinſicht der Immobilien bedarf ſie der Autoriſation ilb ihres Mannes oder des Gerichts*). d. Lebt ſie unter der Dotalver⸗ faſſung, ſo treten dieſelben Grundſätze ein 6). „ , 1) Auch der emtor bereditatis kann die Theilungsklage erheben, ob er gleich nach nſt Art. 841. von der wuklichen Theilung ansgeſchloſſen werden kann⸗ „n 2) Ohne Unterſchied ob ſie emancipirt ſind oder nicht. Art. 484. Mithin muß der fuͤr den emancipirten Minderährigen die Klage erhebende Curator(Art. 840.) Wiſt ſich auch von dem Familienrathe autoriſiren laſſen, da der Art. 454. ausdruck⸗ lich jeden Unterſchied zwiſchen emancipirten und nichtemancipirten Minderjaͤhrigen u in dieſem Falle, verwuſt. 3) S. Art. 113. Dohin iſt das Wort abſens im Art. zu erklaren. Die Eriſtenz (un des Abweſenden muß jedoch immer anerkannt ſeyn. Art. 136. S. oben§. 190. 6t S. 232. Th. 1. 4) Appellhof zu Brüſſel in DNBvERs Journal des audiences. 18o6. Supplem. p 64. 5) Art. 1449. 1538. 3 öt Spangenberg's Commentar Bd. II.— 6) Art. 319. Art. 820. 146 Drittes Buch. Erſter Titel. 6) Art. 1776. S. auch mein und Oeſterley Commentar uͤber die Ptoceßord⸗ nung. Th. 1. S. 65 ff.— Alle dieſe in Hinſicht der Ehefrau oben aufgeſtellten Regeln ſetzen voraus, daß die Theilung außergerichtlich geſchieht; denn will die Chefrau dieſelbe gerichtlich anſuchen, ſo bedarf ſie immer der Autoriſation ihres Ehemanns oder des Gerichts. Art. 224. 5. 565. Einzelne Handlungen bey der vorzunehmenden Theilung. 1 Verſieglung. Die Verſieglung der Verlaſſenſchaft vor der Theilung iſt gewöhnlich die erſte Handlung. Sie geſchieht durch den Friedensrichter oder deſſen Suppleant. Die Verſieglung iſt entweder freywillig oder nothwen⸗ dig. Eine freywillige Verſieglung kann nachgeſucht werden: I. Von den Miterben, in ſo fern ſie alle gegenwärtig und volljäͤhrig ſind, denn ſind einige abweſend, oder minderjährig, ſo tritt eine nothwendige Ver⸗ ſieglung ein. II. Von den Glänbigern, in ſo fern ſie eine gegen den Erblaſſer gleich vollſtreckbare Urkunde ¹) beſitzen, oder durch eine Erlaubniß des Präſidenten des Tribunals erſter Juſtanz, oder des Friedensrichters des Sterbeorts dazu autoriſirt ſind ²*). II. Von dem Hausgeſinde des Verſtorbenen, oder denen die bey ihm wohnten, wenn ſein Ehegatte oder Erbe, oder einer ſeiner Erben abweſend war.— Sind die Muterben oder Glaubiger noch minderjährig, ſo ſind ſie entweder emancipirt oder nicht. Inm erſtern Falle koͤnnen ſie in eigenem Nahmen, und ohne Beyſtand ihres Curators die Verſieglung anſuchen; im letztern muß der Vormund dieſelbe in ihrem Nahmen begehren. Haben ſie jedoch keinen Vormund, oder iſt derſelbe abweſend, ſo kann ſie von einem ihrer Verwandten be⸗ gehrt werden. Die nothwendige Verſieglung geſchieht entweder auf Ver⸗ kangen des kaiſerlichen Procurators, oder des Maires, oder deſſen Ad⸗ juneten, oder von Amtswegen vom Friedensrichter in folgenden Faͤllen: I. Wenn einige der Muterben die Therlung verweigern. II. Wenn einge der Mutrben abweſend oder minderjährig ſind, in ſo fern der Minder⸗ zährtge keinen Vormund hat ²), und auch kein Verwandter die Verſieg⸗ lung verlangt. Hat er einen Vormund, ſo findet die nothwendige Ver⸗ ſieglung nicht ſtatt, da dieſer dafuͤr haften muß, wenn er dreſelbe ver⸗ nachlaͤſſigt, und hierans Schaden fuͤr den Pupillen entſtebt. III Wenn der Verſtorbene Staatsauter in Verwahrung hatte. In dieſem Falle geſchiebt j doch nur die Verſieglung der zu denſelben gehörigen Effecten, z. B. die Negiſter und Caſſen der offentlichen Beamten,— Ueber ve er⸗ Nh ten will ſon ich ſen en on ein et den ſiß ets des der de ht. and und nd, be e⸗ len ug der en vi e ale tel, da Ner⸗ ⸗ Von der Erbfolge. 147 Verfabren bey der Verſiegiung ſ. die Proceßordnung 4).— Sowohl gegen die Verſieglung“), als gegen die Entſieglung kann Oppoſition ein— gelegt werden. So haben z. B. die Gläubiger das Recht, wenn die Verſieglung nicht von ihnen, ſondern von andern nachgeſucht iſt, gegen die Entſieglung Wiederſpruch zu erheben, ſelbſt wenn ſie weder eine gegen den Erblaſſer ſogleich voüſtreckbare Urkunde, noch eine Erlaubniß des Richters fuͤr ſich haben.— Dieſe Oppoſition kann entweder ſogleich bey der Verſieglung zu Protocoll gegeben, oder nachher durch eine dem Greffier des Friedensgerichts zugeſtellte Schrift, welche ſowohl die Wahl eines Domicils in dem Bezirke des Friedensgerichts, falls der Opponent nicht in demſelben wohnbaft iſt, als auch eine genaue Angabe der Ur⸗ ſache, worauf ſich die Oppoſition gruͤndet, bey Strafe der Richtigkeit enthalten muß ⁵), eingelegt werden. 1) D. h. einer authentiſchen mit der executoriſchen Clauſel verſehenen. 2) Irrig behauptet MatEvILLE Analyſe ad h. art. daß nur allein der Tribunal⸗ richter dieſe Erlaubniß geben könne. 3) Nur auf dieſen Fall beſchraͤnkt der Code de procedure frangais art. 91r. Meſiphalien art. 841. den ganz allgemein redenden Art. 819. des C. N. S. auch Löw über Verſieglungen bey Sterbefaͤllen, in Dabelow Archiv fuͤr den C. N. St. V S Foo— 5c6. 4) Code de procꝰdure frangais art. 913— 925. Meſtphalien art. 838— 833. 5) 3 B. wenn jemand Sachen der Verlaſſenſchaft als Eigenthum in Anſpruch nimmt, und deren Verſieglung geſchehen zu laſſen ſich weigert. 6) Code de procodure frangais art. 926. 927. WMeſphalien art. 856— 358. §. 5F66. 2) Entſiezlung und Inventariſation. Erſt drey Tage nach der Beerdigung, wenn die Verſieglung vorher geſcheben iſt, und erſt drey Tage nach der Berſieglung, wenn ſie nach der Beerdigung geſchab, kann zur Entſieglung und Verfertigung des Inventars geſchritten werden, bey Strafe der Nichtigkeit des In⸗ ventars und der vollſtaͤndigen Schadloshaltung; ausgenommen wenn der Tribunalspraͤſident aus dringenden Urſachen, deren er in ſeiner Ver⸗ fuͤgung zu erwähnen hat, eine fruͤbere Entſieglung verhaͤngt. Zu be⸗ merken iſt: I. Alle diejenigen, welche berechtigt ſind um Verſteglung nachzuſuchen, koͤnnen auch um Entſieglung nachſuchen, ausgenommen das Hausgeſinde, und die bey dem Verſtorbenen wohnten. Sind die Erben 2 oder Art. 821. Art. 822. 148 Drittes Buch. Erſter Titel. oder einige von ihnen, minderjaͤhrig und nicht emanecipirt, ſo ſoll nicht eher zur Entſieglung geſchritten werden, als bis ſie entweder mit Vormundern verſehen oder emancipirt worden ſind. II. Die Formaltäten bey der Entſieglung ſind: 1) es wird ein Geſuch um Entſieglung bey dem Frie⸗ densrichter eingereicht; 2) dieſer erlaͤßt ſodann eine Verfuͤgung, in welcher Tag und Seunde, an denen die Entſieglung vor ſich gehen ſoll, beſtimmt ſind; 3) der Anſucher muß den noch lebenden Ehegatten des Verſtor⸗ benen, die Erben, Teſtamentsexecutoren und Opponenten, ſo wie die Glaͤubiger, welche die Verſieglung bewirkt haben, auffordern laſſen, bey der Entſieglung gegenwaͤrtig zu ſeyn.— Das weitere Verfahren, und wie die Aufgeferderten erſcheinen muͤſſen, ſiehe in der Proceßordnung ¹).— Nach der Entſieglung wird ein Inventar ²) nach der oben(S. 556.) beſtimmten Form aufgenommen. 1) Code de procodure frangais art. 928— 940. Meſtphalien art. 359 869. 2) In Weſtphalen auch dann, wenn nur ein einziger Erbe vorhanden iſt, wegen der Stempelabgabe;(S. Koͤntal. Decret vom 4 Maͤrz 1809. Art 24 ff. Ge⸗ ſetzbuͤlletin 1809. Nr. 13 S. 307 ff.) es mag eine Verſieglung vorhergegangen ſeyn oder nicht. S. oben F. 556. Not. I. 5. 567. 3) Erhebung der Theilungsklage. Das weitere Verfahren richtet ſich darnach, ob die Theilung mittelſ⸗ einer Klage gerichtlich oder außergerichtlich geſchieht. Im letztern Falle muß daſſelbe natürlich wegfallen(§. 562. IV.); da die uͤber daſſelbe gegebenen Vorſchriften eine Theilungsklage vorausſetzen. Zu bemer⸗ ken iſt: I. Die Therlungsklage, ſo wie uͤberbaupt auch die Incidentſtrei⸗ tigkeiten muͤſſen bey dem Tribunale des Orts, wo die Erbfolge eroͤffnet wurde, angeſtellt werden 1). Dieſes verfuͤgt dann, nach Anhörung des kaiſerlichen Procurators, wenn Minderjaͤhrige dabey intereſſirt ſind, und auf den Vortrag eines dazu commtttirten Richters, die Natural-peilung, oder falls dieſe nicht möglich iſt, die Verſteigerung. 1l. Vor demſelben Tribunale werden die Klagen auf Gewährleiſtung fuͤr die einzelnen An⸗ theile der Miterben, und auf Wiederaufhebung der Theilung anaebracht. Art. 323. III. Die Sache wird ſummariſch verbandelt.— Meber das bey der Therlungsklage ſtattfindende Verfahren, ſe die Precrſordnuna*).— IV. Wird ſie von Volhaͤhrigen, Gegenwärtigen und im S der uͤrger⸗ het Arn der rie che um de by un 6) göh ee Go n 1⁵ tein le l met⸗ ti fne N Und inh, ben Von der Erbfolge. 149 buͤrgerlichen Rechte ſich befindenden Erben angeſtellt, ſo können dieſelben ſie dann wieder fallen laſſen, und die Theilung nach Gutduͤnken ver⸗ anſtalten ²). 1) Ausgenommen: I. Iſt die Theilung vollzogen, dabey aber ausgemacht, daß ein oder das andere Stuͤck noch ferner in Gemeinſchaft beſeſſen werden ſolle, und will in der Folge einer der Miterben es zur Verſteigerung bringen laſſen, ſo kann er dieſe Verſteigerung bey dem Gerichte, wo dieß Stuͤck beiegen iſt, betreiben, ohne eine Klage bey dem Gerichte der eroͤffneten Succeſſion anzuſtellen zu brauchen. Caſſationshof bey SiREv Jurisprudence. 1807. p. 267. S. auch fr. 20. F. g. D. K. 2. famtl. erciſcundae. Il. Hinterläßt der Verſtorbene nur einen einzigen Erben, ſo koͤnnen die erbſchaſtlichen Glaubiger ihn auch bey dem Gerichte ſeines Wohnorts belangen; Cafſationshof ebendaſ. S. 42. weil hier keine Theilung eintritt. S. auch Oode de procédure frangais art. 59. 5 3. M eſtphclien art. I. J. 3. III. Die Klage auf Claſſifcatton der Glaubiger, und Verthetlung des Kauſpreiſes muß bey dem Tribunale der belegenen Sache anaebracht werden. Caſſattonshof bey S1nEv Journal gencral. 1809 P. I. P. 226— IV. Iſt von den Erben die Klage auf Verſtet⸗ gerung der Immobilten bey dem Orte der eroͤffneten Erbſchaft ſchon angebracht, ſo bewirkt dieß ketne Litispendenz für die Glaubiger. Dieſe können vielwehr ihre hypothecariſchen Klagen an dem Orte der belegenen Sache etheben. Caſ⸗ fationshof bey S1REv Jurtsprudence. 1808. p. 83. 2) Code de procedure frangais art. 966 ff. IVeſiyhalien art. 894 ff. 3) Code de procédure frangais art. 985. WMeſlhhalien art. 912. §. F68. 4) Schätzung. In dem naͤmlichen Urtheile, welches uͤber die Klage auf Theilung erkennt, wird, wenn dieſelbe zugelaſſen wird, I. die Schätzung der Im⸗ mobilien verfuͤgt; II. die Naturaltheilung, oder auf den Fall, daß ſie nicht ſtatt finden koͤnnte*), denn ſie macht die Regel; III. die öffentliche Ver⸗ ſteigerung angeordnet. Zu bemerken iſt: I. Die Schaͤtzung geſchieht Att. 824. durch Sachverſtaͤndie, die entweder durch die Intereſſenten, oder falls dieſelben keine vorgeſchlagen haben ſollten, von Amtswegen ²) ernannt werden. Ueber die Art ihrer Ernennung, Vereidung und das Verfabren welches ſie zu beobachten haben, ſ. den Code de procédure civile franqaid ant 302— 323. Weſtphalien art 238— 258. In der Regel muͤſſen drey Sachverſt indige ernannt werden; ſind alle Partheyen voll⸗ aͤhrig, ſo khmen ſie verlangen, daß nur ein einziger ernannt werde. II. Das Schaͤtzungsprotocoll der Sachverſtandigen muß die Gruͤnde ³) 3 der 160 Drittes Buch. Erſter Titel. der Schaͤtzung enthalten, und außerdem bemerklich machen, ob eine Ra⸗ turaltheilung möglich oder unmöglich, und wie dieſelbe zu veranſtalten ſey. In dieſem Folle muß es ebenfalls den Werth jedes einzelnen Theils vrt. 825. beſtimmen. UI. Die Schätzung geſchieht in Hinſicht der Immobilien nach dem Werthe. In Hinſicht der Mobilien iſt zu bemerken: entweder iſt ein ordnungsmaͤßiges Inventar vorhanden, welches ihren Preis be⸗ ſtimmt, oder nicht. Im erſtern Falle bleibt es bey dieſem Preiſe; um leßtern geſchieht die Schaͤbung nach ihrem wahren Werthe, und ohne daß eine wertere Erböhung) ſtatt findet. IV. Dieſes Gutachten der Sachverſtaͤndigen, ob und wie getheilt werden koͤnne, muͤſſen die Inte⸗ reſſenten gerichtlich beſtätigen laſſen M 1) So iſt der Art. 959. 970. des Code de procẽd. frangais und 896. 397. des Code de procẽd. Weſtphalien zu erklären, welcher lautet: Le méme jugement, qul prononcera ſur la demande en partage— ordonuera, que les ummeubles— leront eſtimes par experts... En prouoncant fur cette dentande, Je trihunal ordonnera par le mẽme jugement le partage s'il peut avoir hieu, ou la vente ar jcitation.“— Aber da durch die Schaͤtzung erſt die Moglichkett oder Un⸗ mögllchkent einer Naturaltheilung ausgemittelt wird, ſo ſieht man, daß das Er⸗ kenntniß die Naturaltheilung, und eventualitter, wenn die Schaͤtzung ein der⸗ ſelben ungunſtiges Reſultat hervorbringen wuͤrde die Verſteigerung verfuͤgen muß. 2) Dieſes muß immer geſchehen, wenn bey der Thellung Minder)aͤhrige vor⸗ handen ſind. Art. 466.(§ 300) CMaoT Commentaire T. H. p. 377. lößt dagegen den Widerſpruch des Art. 824. mit dem Art. a66 der die Schätzer von dem Tribunal ernannt wiſſen will, dahin, daß er ſagt, der Art. g66. bezoge ſich nur auf die Bildung der Looſe von Grundſtuͤcken, der Art. 824. ſpraͤche aber von der Bildung der Looſe de rous les biens de la ſuceeſſion. 3) So erklärt CRAsoT Commentatre. P. II. p. 350. ſehr richtig“les baſet de l'eſtimation.“ 4) Sans erue. CRHABOT Commentaire a. a. O. giebt hieruͤber den beſten Com⸗ mentar. Er ſagt: Dant preque toutes nos coutumet, on aoltait au mortart de eſtimatiou des meubles, un ſipplement de priæ u'on 3 ahyellait erue ou pariſis, et qui etait presue s encralemene Rb au 3 quart en Jus de l'eſimarion ainſi le zuterer—)ui avoit neglige de 3 vendre les meubler d mineter— etait obligb de payer le montant, et le qwart en ſus. Ce qui avait donné heu d cet /age, ceſt quil 3 econn e let merhles netatent presqe jumain ¶imd a leur jſte valeur. S. auch die Pandetes frangaiſes T. VII. p Ioõ ff. §) Code de procedure Frangais art. 972. Weſthhalien art. 899. 5. 569. Re Un eilz ilien Nder be u ohn der nte (oit qu 1— ila velle ln s Eu der nih. e liſt n eig rich hal Con t a un 6au a, gul e Von der Erbfolge. F 569. 5) Vertheilung. a. Allgemeine Grundſätze. Iſt die Schaͤtzung geſcheben, ſo erfolgt die Theilung, und zwar der Art. 826. Sachen in natura; ausgenommen I. wenn Glaͤubiger vorhanden ſind, welche Arreſt angelegt, oder Einſpruch gethan haben ¹); Il. wenn der groͤßere Theil der Miterben den Verkauf fuͤr nothig haͤlt, um die Schul⸗ den und kaſten der Erbſchaft zu tlgen; III. wenn ſich die Sachen nicht Art. 327. bequem theilen laſſen 2).— In dieſen Faͤllen muß der Verkauf der beweglichen Sachen öffentlich, und in der oben(§. 555.) angegebenen Form geſchehen. Die unbeweglichen Sachen muͤſſen gerichtlich verſteigert werden; und zwar von einem dazu committirten Rotar oder Tribunal⸗ richter. Außergerichtlich kann die Verſteigerung von dem Notar ohne Auftrag des Tribunals geſchehen, wenn die Partheyen alle volljaͤhrig ſind. In dieſem Falle haben ſie ſich uͤber deſſen Wahl zu vereinigen ³).— Ueber die Form der Verſteigerung ſ. die Art. 953— 965. und 972. 973. des Code de procédure frangais, und 894 ff. des Code de pro- cédure Weſtphalien. 1) Doch könnte in dieſem Fall einer der Erben den Verkauf verhindern, wenn er die Glaͤublaer befriedigte. MarTVIILIE Analyſe ad h. art. CHABoT Commentaire T. II. p. 354. 2) Sollte die ganze Maſſe und die Immobilien getheilt werden konnen, obaleich die in einzelnen Gegenden hegenden Gruͤnde nicht ſuͤglich getheiit werden können, ſo ſoll dennoch die Theilung in natura geſchehen. Code de procodure frangais art. 974. Weſtphalien art. 901. 3) Das Verfahren hierbey ſ. im Code de procodure frangais art. 975. 976. Meſthlalien art. 903 ff. §. 570. b. Feſiſtellung der Maſſe. Die erſte Sorge iſt nunmehr, die Maſſe, welche getheilt werden ſoll, feſtzuſetzen; alles dazu gehörige herbeyzuſchaffen, und alles fremd⸗ artige abzuſondern; gleichviel, ob die Theilung in natura geſchehe oder nicht. Zu dieſem Ende erwaͤhlen die Partheyen einen Notar ¹)(oder Art. S23. geſchah eine Verſteigerung vor einem commtttirten Richter, ſo verweißt derſelbe, falls es nöthig iſt, die Partheyen vor dieſen Notar); oder falls ſie ſich uͤber die Wahl deſſelben nicht vereinigen können, ſo bitten. 6. da 152 Drittes Buch. Erſter Titel. daß das Tribunal einen beſtimme. Dieſer Notar hat dann uͤber alle von thin vorzunehmenden Handlungen ein genaues Protocoll zu führen 2). In Hmſicht der Feſtſtellung der Maſſe iſt zu beſorgen: I. daß die Rech⸗ nungen abgelegt werden, wozu vielleicht die Theilenden einander verbun⸗ At. 829 pen ſind; II. daß die Miterben dasſenge, was ſie confertren muͤſſen, Art. s30.(S. Abſchn. II.) einwerfen. Dieſe Einwerfung geſchteht in der Regel in natura, werl auch die Theilung in natura geſchehen ſoll. Geſchiebt ſte nicht in Natur ²), ſo erhalten die Miterben, welche durch die Colla⸗ tion gewinnen, einen gleichwerthen Theil aus der Erbſchaftsmaſſe zum Voraus 4); und zwar muß dieſer Voraus wo moͤglich Gegenſtände ent⸗ halten, die mit den in Ratur nicht eingeworfenen Sachen von gleicher Art, Beſchaffenheit und Guͤte ſind 5). 1) Der Notar uͤbt ſeine Geſchaͤfte ganz allein, ohne Beyſtand eines zweyten Notars, und ohne Zeugen aus. Code de procediere fraugart art. 977. Meſipalien art 904. 2) Dieſer handelt dann aber immer kraft Auftrag des Gerichts, und nicht als außergerichtlicher Beamter. Daher ſagt Art. 388, die Theilung muͤſſe gericht⸗ lich geſchehen, und wird mithin dieſe Vorſchrift vom Art. 838. nicht aufge⸗ hoben. CnABoT Commentaire. T. II. p. 383. 3) S. Art. 863 ff. 4) Dieſe Vorausnahmen muͤſſen, wenn Minderjährige u. ſ. w. unter den Mit⸗ erben ſind, durch das Tribunal, nach vorgängiger Schätzung, durch Kunſtver⸗ ſtaͤndige beſtimmt werden. CRaBoT Commentatre. T. II. p. 368. 5) Ueber die Geſchäſte des Notars in dieſen Fällen ſiehe FovRMonr inſtruction ſux le notsriat. T. II. p. 377 ff. §5. 57 16 c. Bildung der Looſe. Art. 831. Hat der Notar dem Ebengeſagten zufolge die zu theilende Maſſe, collatis conſerendis, und deductis deducendis feſtgeſetzt, ſo werden aus der noch uͤbrigen Maſſe ſo viele gleiche Theile gemacht, als erbende Perſonen oder Staͤmme vorhanden ſind. Hierbey iſt zu bemerken: Art. 332. J. Bey der Bildung der einzelnen Theile ſoll ſo viel als moͤglich die Zer⸗ ſtuͤckelung von Grundſtuͤcken, und die Vertherlung der Benutzung derſel⸗ ben vermieden werden, und man ſoll darauf ſehen, daß in den Antheil eines jeden, wo möglich, eine gleiche Menge beweglicher und unbeweg⸗ keher Sachen, Rechte und Forderungen, von derſelben Ratur, gleichem l 1²) hun ſin, ſen oll jn ent iche eyten tich lſge Mu ſr Gion Von der Erbfolge. 153 gleichem Werthe falle. II. Iſt es nicht möglich ganz gleiche Theile zu Art. s33. bilden, ſo geſchiebt die Verguͤtung durch Herausgabe von Geld oder Renten(Beſtellung eines Nießbrauchs u. f. w.). UI. Die Theile werden Art. 33. durch einen der Miterben gehildet; dieſen erwaͤhlen die uͤbrigen, wenn ſie alle volhäbrig ſind. Koͤnnen ſie ſich nicht uͤber die Wahl vereinigen, oder ſind Minderjährige vorhanden, ſo verweißt der Notar die Miterben an das Tribnnal, welches dann einen Sachverſtaͤndigen zur Bildung der Theile ernennt. Der Miterbe oder Sachverſtaͤndige ſetzt die Verfertigung derſelben mittelſt eines Gutachtens feſt, welches der Rotar aufſetzt ¹). IV. Sind die einzelnen Theile gehoͤrig gebildet, ſo entſteht entweder uͤber dieſe Bildung Streit, oder nicht. Im erſtern Falle geſchteht die Ziehung des Looſes uͤber dieſelben ſogleich, im letztern Falle muß jeder Intereſſent Art. 835. mit ſeinen Einwendungen gegen die Beſtimmungen der Theile gehoͤrt werden, z. B. wenn die Verthetlung nicht den einzelnen Staͤmmen gemaͤß geſcheben waͤre: denn die fuͤr die Vertheilung ganzer Maſſen vorgeſchrie⸗ Art. 336. benen Regeln ſind auch bey der weitern Vertheilung unter die daran theilnehmenden Staͤmme zu beobachten. Wenn ſich nun auf dieſe Art Art. 337. Streitigkeiten uͤber die Bildung der Looſe erheben, ſo muß der Notar ein Protocoll uͤher die ſtreitigen Puntte, und uͤber die gegenſeitigen Be⸗ hauptungen der Intereſſenten aufnehmen; zugleich aber die Partheyen an den comwittirten Richter verweiſen. Der thaͤtigſte Querulant wirkt dann bey dieſem eine Andienz aus, um die Sache der Ordnung gemaͤß ent⸗ ſcheiden zu laſſen. V. Sind die Theile gebildet, und die Streitigkeiten beygelegt, ſo wird das uͤber dieſe Verhandlungen von dem Notar auf⸗ genommene Protocoll geſchloſſen, und zwar geſchieht dieß im Bureau des Rotars, nachdem der thätigſte Intereſſent die uͤbrigen hiezu hat vorladen laſſen. Der Notar ſtellt eine Ausfertigung deſſelben der Parthey zu, die zuerſt hierum nachſucht, damit dieſelbe dieſes dem Tribunal zur Beſtä⸗ tigung, die immer nothwendig iſt, wenn die Theilung definitir ſeyn ſoll, vorlege. Die Beſtaͤtigung geſchieht auf den Bericht des committirten Richters, und nach Anhoͤrung des kaiſerlichen Procurators, in Gegenwart, oder nach gehöriger Vorladung der Partheyen. 1) Code de procẽdure frangais art. 979. WMeſiyhalien art. 90ð. Spangenberg's Commentar Bd. 1I. Drittes Buch. Erſter Titel. S52 d. Beſtätigung und Ziehung. In dieſem Beſtaͤtigungsurtheile wird zugleich verordnet, daß die Looſe entweder vor dem beauftragten Richter, oder vor dem Rotar ge⸗ zogen werden ſollen. Dieſer hat ſie ſodann gleich nach der Ziebung den Partheyen verabfolgen zu laſſen ¹). 1) Code de Focedure frangais art. 980— 982. Meſtphalien art. 9o7 9oh. S d. Anmerkungen. Art. 338. Zu bemerken iſt: 1 Sind mehrere minderjährige Miterben vor⸗ handen, die bey der Theilung ein entgegengeſetztes Intereſſe haben, ſo muß einem jeden ein tutor ad hoc ernannt werden. Dieſes geſchieht von dem Tribunnle auf Anſuchen des Vormunds, und nach Anhoͤrung Art. S39. des kaiſerlichen Procurators. II. Findet in dieſem Falle eine Verſteige⸗ rung ſtatt, ſo ſind bey derſelben die bey Veraͤußerung des Vermoͤgens der Minderjährigen vorgeſchriebenen Formen zu beobachten*). Auch ge⸗ ſchieht die Verſteigerung nicht unter den Miterben allein, ſondern es werden Fremde bey derfelben zugelaſſen ²). 1) S. auch Art. 466. 2 S. Art. 687 Daß die Verſteigerung zur Erſparung der Koſten auch einem Fri⸗densrichter aufgetrnaen werden konne, hat das Tribunal zu Goͤtringen in mehreren Fällen entſchieden. Arg. Art 638. der Weſtphaͤliſchen P. O. §. 574. II. Von der Wirkung der Theilung. Art. 340. Theilungen, welche entweder unter Volhäbrigen und Gegenwaͤrtigen in beliebiger Form, oder unter Minderjährigen mit Beobachtung der im §. 564. bis§72. vorgeſchriebenen Formalitaͤten geſchehen, ſind definttev ¹). Wurden in dem letztern Falle zene Vorſchriften nicht beobachtet, ſo haben ſie nur proviſoriſche Guͤlttgkert, und können von dem Familienrathe, Min⸗ derzährigen, u. ſ. w. angefochten werden. I. Iſt die Theilung definitiv geſchehen, ſo tritt ſeder, mit Vorbehalt deſſen, was unten G. 585.) uͤber die Reſciſſion der Theilungen geſagt werden wird, unwiderruflich in ſeinen Antheil, und zwar in natura, wenn eine Naturaltheilung vor⸗ Art. sg1. genomimen war, ein. Ausgenommen: derjenige, dem einer der Miterben ein Recht an dem Rachlaſſe des Verſtorbenen abgetreten hat, mag der⸗ ſelbe * Von der Erbfolge. 155 ſelbe iit dem letzten verwandt ſeyn, oder nicht, falls er nur kein wirk⸗ liches Erbrecht hatte, kann von der Raturaltheilung dadurch ausgeſchloſ— ſen werden, daß ibm ſaͤmmtliche Miterben, oder emer derſelben, das ver— e guͤtet, was er fuͤr dieſe Abtretung gezahlt hat(lex Anaſtaliana) 2).— de II. Nach vollzogener Theilung muͤſſen jedem der Intereſſenten die be⸗Art, 8e. ſondern Urkunden, z. B. Kaufbriefe u. ſ. w. ausgeltefert werden, welche ſich auf die ihm zugefallenen Gegenſtaͤnde beziehen. Hierbey iſt zu be⸗ merken: 1) Urkunden, die ein getheiltes Erbſchaftsſtuͤck betreffen, erhaͤlt derjenige, welchem der großte Therl deſſelben zuſteht; doch iſt er verbind⸗ lich, demſenigen ſemer Miterben, welche ein Intereſſe dabey haben, ur bey Fübrung eines Proceſſes u. ſ. w. mit denſelben an die Hand zu gehen. „ℳ 2) Urkunden, welche auf die Totalmaſſe der Eröſchaft Bezuz haken, i z. B. Teſtamente, legate, Schenkungen auf den Todesfall u. ſ. w. run werden einem der Miterben anvertrauet, den die uͤbrigen zu ihrem Depo⸗ un ſitar erwaͤhlen. Können ſie ſich uͤber dieſe Wahl nicht vereinigen, ſo uut verfuͤgt der Richter breruber. Die Pflicht des Depoſitars iſt, mit dieſen P Urkunden dann jedem der Intereſſenten, der es verlangt, behuͤlflich iden zu ſeyn. 1) Doch werden die im Art. 465. 466. angegebenen auch zu beobachten ſeyn, welche fuͤr den Vormund eine Autoriſatlon des Famllienraths zur Erhebung der Theilungsklage erfordern. Nur in Hinſſcht des emancipirten Minderhähtigen iſen findet ſich eine ſolche Vorſchrift nicht; und muß man daher annehmen, daß er zur Erhebung einer Theilungsklage einer ſolchen Autoriſatlon nicht beduͤrfe. MAEvIILI.E Analyſe ad h. art. 2) S. auch Art. 1609.— Der Artikel findet jedoch keine Anwendung: I. Wenn ein Miterbe bloß ſeinen Antheil an beſtimmten noch ungetheilt gebllebenen Gegenſtaͤnden cedirt. Caſſatſonshof in DpdEvERs Journal des audiences. tihn 1806. p. 553. Der Artikel iſt vielmehr nur von dem zu verſtehen, der einen Erbt anthetl titulo univerſfali erhieit, und abtrat. Tribunal zu Parts bey Laſſaulx 4 Journal. Jahrg. I. H. 1. S. 131.— Anderer Meynung iſt jedoch der Appellhof o zu Turin im Journal de barreau. 1809. P. II. p. 174. II Wenn ein Mit⸗ hbe verwandter eines unter Verwandten in unzertheilter Gemeinſchaft beſeſſenen Myn Gutes, ſeinen Antheil an einen Fremden uͤbertragt, weil hier von dem Ueber⸗ jnn trage eines Erbrechts die Rede nicht ſeyn kann. Caſſationshof in S1Rpx Jurisprudence. 1807. p. 74.— II. Auch hindert der Artikel nicht, daß im 8ſ Falle des Art 733. ein z. B. zur väterlichen Linie gehoͤrjger Verwandter, ſein ufit in dieſer Linie ihm zuſtehendes Erbrecht einem zur Erbſchaft mitberechtigten Verwandten mütterlicher Linie uͤbertrage. Appellhof zu Ronen in Ftnpr ie a. a. D. 1808. Suppl. p. 40— Dagegen erkannte der Appellhof von Amiens: 1. daß auch der Beneficiarerbe ſich dieſer Befugniß gegen den Fremden bedienen könne; 2. daß dieſes Recht gegen Ceſſionar des geſammten Erbrechts 3 ſeibſt 136 Drittes Buch. Erſter Titel. ſelbſt dann ausgeuͤbt werden konne, wenn ſchon die in dem Uebertrage befind⸗ lichen Gegenſtaͤnde groͤßtentheils beſtimmt bezeichnet worden ſeyen; 3. daß die Ausuͤbung dieſes Rechts auch gegen denſenigen ſtatt finde, dem der Univerſal⸗ ſchenknehmer eines nicht cedirendem Erben, ſein durch die Schenkung erworbenes Erbrecht uͤbertragen habe; 4. daß endlich Der Erbe, der ſich dieſes Re⸗hrs be⸗ dient, ebenfalls die Vortheile und den Zuwachs genteße, den die erbſchaftlichen Gäter vor Anhebung ſeiner Klage erhalten haben mögen. DeNRvERs a. a. O. 1306. Suppl. S. 205 ff. Zweyter Abſchnitt. Von der S ei5 N. VBegriff. Bey der Erbtheilung tritt die Collation ein.(§. 562.) Die Att. S43. Collation ¹) iſt die von dem Geſete auferlegte Verpflichtung, vermoͤge welcher jeder Erbe ²), mag er unbedingter oder Bepeficiarerbe ſeyn, falls er mit mehreren Miterben zur Erbſchaft kömmt, dasſenige einwerfen muß 3), was er von dem Verſtorbenen bey deſſen Lebzeiten mittelbar oder unmittelbar erhalten hat. Nachher bedeutet Collation die Hand⸗ lung des Einwerfens ſelbſt. Zweck des Geſetzes bey Auflegung dieſer Pflicht iſt, eine vollkommene Gleichbeit der Erben zu bewirken.— Die Lehre der Collation erſchöpft ſich durch die drey Fragen: I. Wer muß conferiren? II. Was muß conferirt werden? III. Wie muß conferirt werden? 1) Die Collation findet eigentlich nur bey der Inteſtaterbfolge ſtatt; da der Titel nur von der Verpflichtung der heritiers zu conferiren ſpricht, und in Art. 857. ausdruͤcktich ſagt, legatatres d. h. Teſtamentserben könnten ſie nicht verlangen. Man kann aber ſagen, daß ſie ausnahmsweiſe auch bey der teſtamentariſchen Schenkung ſtatt finde, wenn man das Verbot, daß der Legatar die Legare ucht verlangen kann, wenn er zugleich Erbe iſt, als Collation betrachtet, mithm, wenn der Teſtamentserbe zu gleicher Zeit Inteſtaterbe des Verſtorbenen iſt. CRHaBor Commentaire. T. II. p. 420. P. 537 ff. 2) Irrig beſchränken die Pandectes frangaiſer T.VII. p. 186. 221. die Colla tion nur auf die Erben der geraden Ltnie; da das Geſetz gar keinen Unterſchted macht, ſondern im allgemeinen von jeden Erben redet. Auch der ſich auf die Collation beziehende Art. 919. redet ganz im allaemeinen von autres ſucceſ- ſibles.“ CRABOT Commentaire. T. II. p. 414. MarREvIILILE Analyſe ad h. art. 3) Z. B. mitteiſt verdeckter Verträge oder Verkaͤufe. S. Art. 918. 8 6 5 Von der Erbfolge. 157 S. 576. I. Wer muß conferiren? I. Nur der Erbe iſt dieſer Pflicht unterworfen; und nur dann, wenn er mit Miterben ¹) concurrirt. Er kann mithin weder die Geſchenke be⸗ balten, noch die Vermachtniſſe verlangen, die ihm der Verſtorbene zuge⸗ wandt hat, ausgenommen: 1) Wenn ihm dieſe oder jene ausdrucklich zum Voraus ²), und außer ſeinem Erbtheile gegeben waren. 2) Wenn Art. 34. die Collation von dem Erblaſſer ihm erlaſſen wurde. In beyden Faͤllen kann er jedoch, wenn es zur Theilung koͤmmt, dieſe Gegenſtaͤnde nur in ſo fern behalten, als ſie den disponibeln Theil des Vermögens des Erb⸗ laſſers micht uͤberſteigen; uͤberſteigen ſie denſelben, ſo muß der Ueberſchuß conferirt werden. 3) Wenn er der Erbſchaft entſagt; doch tritt in dieſem Art. 845. Falle ebenfalls eine Reduetion dieſer Gegenſtaͤnde auf den disponibeln Tbeil ein.— Außerdem iſt hiebey folgendes zu bemerken: a. Der Be⸗Art. 846. ſchenkte, welcher zur Zeit der Schenkung kein vermuthlicher Erbe war, am Tage der Eroffnung der Erbfolge aber erbfäͤhig iſt, iſt ebenfalls in der Regel zur Collation verbunden; ausgenommen wenn ihn der Schenk⸗ geber von dieſer Pflicht befreyete. b. Der Vater braucht Geſchenke und Art. 847. Vermaͤchtniſſe, die ſeinem Sohne gegeben waren, nicht zu conferiren, ſollte er auch zur Zeit des Anfalls der Erbfolge in das Vermoͤgen des Schenkgebers, erbfaͤhig ſeyn. c. Auf gleiche Weiſe iſt der Sohn, welcher Art. 48. jure proprio zur Erbfolge in das Vermögen des Schenkers gelangt, z. B. wenn ſein Vater unwuͤrdig iſt, nicht verbunden, das ſeinem Vater gemachte Geſchenk einzuwerfen; ſelbſt nicht einmal, wenn er deſſen Erb— ſchaft angenommen hätte ²). Koͤmmt aber der Sohn jurs repraelen- tationis zur Erbfolge, ſo muß er alles, was ſeinem Vater gegeben worden iſt, einwerfen; ſogar dann, wenn er deſſen Erbſchaft ausgeſchlagen haͤtte. d. Der Ehegatte einer erbfaͤhigen Perſon braucht das nicht zu conferiren, Art. 349. was er erhielt, wenn der erbfähige Ehegatte Erbe wurde. Geſcheben die Geſchenke oder Vermächtniſſe gemeinſchaftlich an zwey Ehegatten, wovon nur der eine erbfähig iſt, ſo wirft letzterer ſie zur Hälfte ein; waren die Geſchenke dem erbfaͤhigen Ehegatten allein gemacht worden, ſo conſerirt ſie derſelbe ganz. II. Die Collaton geſchieht nur zu der Erbſchaft Art. s3o. des Schenkers; um naͤmlich die Verlaſſenſchaftsmaſſe feſtzuſetzen, und zur demnaͤchſtigen Theilung geſchickt zu machen, 5 1) — 138 Drittes Buch. Erſter Titel. 1) Nie können mithin Legatare d. h⸗ Teſtamentserben oder Erbſchaftsglaubiger ſie verlangen. Art. 857. 2) Der Teſtirer oder Schenkgeber braucht ſich jedoch gerade nicht der Worte zum Voraus“ oder mit Beſreyung von der Collarion“ zu bedienen; es iſt hinreichend, wenn er ſolche Worte braucht, woraus ſein Wille, das Geſchenk oder Vermaͤchtniß von der Collatton zu befreyen, ohne alle Sweydeutrakrie her⸗ vorgeht. Civittribunal zu Melun in S1RkRx Jurtsprudence. An. XKII. Suppl. 139.— Der Geſchenkgeber oder Teſtirer kann ſogar durch emen ſpaͤtern Artkel das fruͤher gegebene Geſchenk von der Collation befreyen. S. Art. 919. Blanchard zu Maleville B. Il. S. 298. 3) Hierin liegt mithin eine Ausnahme von dem Art. 740. §. 577. 1. Was muß conferirt werden? I. Alles muß conferirt werden, was der Erbe aus der Freygebig⸗ keit des Erblaſſers erhielt; mithin 1) Geſchenke 1); 2) Vermaͤchtniſſe; xrt. 51. 3) was zur Verſorgung(dem Etabliſſement) eines der Miterben ²), oder zur Bezahlung ſeiner Schulden ²) von dem Erblaſſer verwandt worden urt. 352, iſt. Ausgenommen: 1) Alimente, d. b. die Koſten fuͤr Nahrung, Unter⸗ halt, Erziebung und Unterricht 4). 2) Die gewöhnlichen Koſten der Aus⸗ ſtattung Linſtructus nuptialis, muliehris; ja nicht die Mitgift, dos; denn ketztere wird conferirt*), da ſie zum Etabliſſement gehört, und ſich ihrer Natur nach als freywilliges Geſchenk(§. 24.) verhält;) die Art. 833. Koſten der Hochzeit und die dabey uͤblichen Geſchenke. 3) Der Gewinn, welchen der Erbe aus Vertraͤgen, die er mit dem Verſtorbenen eingieng, etwa gezogen hat; nur duͤrfen dieſe Vertraͤge nicht zur Zeit ihrer Ein⸗ gebung ſchon eine mittelbare Beguͤnſtigung des Erben enthalten haben 6). Art. 333. 4) Ebenfalls nicht der Gewinn aus Geſellſchaftsvertraͤgen, die zwiſchen dem Erben und Erblaſſer eingegangen ſind; vorausgeſetzt: a. daß ſie obne betriegliche Abſicht, dieſem Erben einen den uͤbrigen zu entziehenden Vor⸗ theil zuzuſpielen, abgeſchloſſen, und b. daß die Bedingungen dieſer Ver⸗ art. 333. träge in einer öffentlichen Urkunde feſigeſetzt ſind. 5) Eme unbewegliche Sache, die durch bloßen Zufall und ohne Schuld des Beſchenkten zu Grunde gieng, iſt ebenfalls der Collation nicht unterworfen. Bey be⸗ weglichen Sachen muß dagegen wenigſtens der Werth erfotzt werden. 6. Endlich ſind ausgenommen, Geſchenke zum Voraus, und Praͤ⸗ Art. 356. legate*).— II. Die zu conferirenden Gegenſtaͤnde werden mit den Fruͤchten conferirt. Die Fruͤchte und Zinſen der der Collation unter⸗ worfe⸗ Von der Erbfolge. 159 ſ worfenen Sachen werden naͤmlich von dem Tage des Anfalls der Erb⸗ ſchaft an verguͤtet. ſ 1) Moaen ſie remuneratoriſch ober unter oneroſen Tilel gegeben ſeyn, oder nicht. u CRaßoT Commentaire. T II. p. 421. 2) Hierunter verſteht man das, was zur Ausuͤbung eines Handels, oder eines Ge⸗ . werbes erforderlich iſt, auch z. B. Doctoratskoſten. MaLEvILIS Analyſe ad h. art. 3) Ausagenommen wenn er ſie fuͤr Alimente, die ihm der Erblaſſer ſchuldig war, gemacht hat. Treilhard in der Diſcuſſien.(Conferencs T. IV. p. 92.) 4) Hierher gehoͤren dann auch Studierkoſten. 5) Art. 1573. CRABoT Commwentaire. T. II. p. 424 ff. S. auch Art. 1438. 1430. 6) CnoPrN Commentaire fur la Coutume d'anjou. L. III. CchI Nr 5. LEGRaNh ſur la Coutume de Troyes. Art. 102. Nr. rI. 12 38 B. wenn 6 der Vater einem ſeiner Kinder ein Grundſtuͤck fuͤr einen ſehr geringen Preis 3 verkauft hätte. MaLTvLILE Analyſe ad h. art. 7) Findet anch dann die Collatton ſtatt, wenn der Vater als Miterbe ſeines Sohns auf die ganze Ervſchaft Verzicht leiſtet, um die ganze Erbſchaft auf denſelben kommen zu laſſen? oder, wenn die Frau auf die Guͤtergemeinſchaft ihrer erſten Ehe Verzicht leiſtet, um alle Vorthetle derſelben den Kindern erſter 6 Ehe, mit Ausſchlirßnuna jenet, die ſie allenfalls aus der zweoten Ebe hat, 6 zuzuwenden? Die Pandecter fraugaiſes T. vII. p. 193. 200. ſagen Rein. MarEvILLT Analyſe ad h. art. 850. bejaht die Frage. III. Wie muß conferirt werden? 1) In Hinſſcht der Immobilien. ot. 1. 0. 3 Die Collation geſchieht entweder in Natur, oder durch Anrech⸗Art. 88. nung auf den Erbantheil. Bey unbeweglichen Sachen kön⸗ Art. 359. nen beyde Arten der Collation eintreten. In Ratur kann ſie naͤmlich immer in dieſem Falle verlangt werden, wenn der geſchenkte unbewegliche Gegenſtand von dem Beſchenkten nicht veraͤußert worden iſt, und ſich unrer dem Rachlaſſe keine unbeweglichen Sachen von gleicher Natur, Guͤte und Werth befinden, woraus man ungefaͤhr gleiche Theile fur die uͤbrigen Miterben machen könnte. Wenn aber der Beſchenkte die unbe⸗Prt. 86.. wegliche Sache veraußert hot, ſo geſchieht die Collation nur durch An⸗ rechnung, wobey der Werth, welchen die unbewegliche Sache zur Zeit des Anfalls der Erbfolge batte, zu verzuͤten iſt. Hierbey iſt zu bemer⸗ ken: I. Geſchahe die Collanon in Natur oder durch Anrechnung, ſo Art. 361. kann 1 Art. 862. Art. 863. Art. 864. Art. 863. Art. 866. Art. 867. 160 Drittes Buch. Erſter Titel. kann immer 1) der Beſchenkte die zur Verbeſſerung der Sache ange⸗ wandten Koſten bis zu dem Betrage, um welchen die Sache zur Zeit der Theilung ſich an Werth erhöhet findet, in Rechnung bringen(die m— peuſas utiles). Ebenfalls kann er die zur Erhaltung der Sache angewandten nothwendigen Koſten, wenn gleich dieſelbe dadurch micht verbeſſert worden iſt, in Rechnung bringen(die impenlas neceſſarias). 2) Der Beſchenkte muß ſich aber dagegen die Verſchlimmerungen, die als Folge ſemer Handlung, ſeines Verſehens, oder ſemer Nachläſſigkeit, den Werth der unbeweglichen Sache vermindert haben, anrechnen laſſen. War die Sache von dem Beſchenkten veraußert worden, ſo werden die von dem Erwerber geſchehenen Verbeſſerungen oder Verſchlimmerungen ebenfalls in Zurechnunz gebracht. Il. Geſchieht die Collation in Natur, ſo werden die Gegenſtaͤnde derſelben frey von allen Hypotheken, Serv⸗ tuten und Laſten, womit ſie von dem Beſchenkten beſchwert worden ſind, in die Erbſchaftsmaſſe geworfen. Da hierdurch nun die berechtigten dritten Perſonen, z. B. hypothecariſche Glaͤubiger, einen bedeutenden Verluſt leiden wuͤrden, ſo haben ſie das Recht bey der Theilung mit auf⸗ zutreten, und Einſpruch zu thun, damit nicht die Collation zur Beein⸗ traͤchtigung ihrer Rechte geſchehe. Die Collation kann in dieſem Falle nicht eher vor ſich geben, bis ihnen die Miterben die Sicherung ihrer Forderungen verſprochen haben ¹). III. Ueberſchreitet in dem Falle des Art. 845. die einem zur Erbfolge Berechtigten, mit Erlaſſung der Collation geſchenkte unbewegliche Sache den disponibeln Theil des Vermögens, ſo wird der Ueberſchuß, falis deſſen Abſonderung bequem geſchehen kann, in Natur eingeworfen. Iſt dieſes nicht der Fall, ſo muß der Beſchenkte, wenn der Ueberſchuß den halben Wertb der Sache uͤberſteigt, dieſelbe ganz einwerfen; er hat aber in dieſem Falle das Recht ²), ſo viel aus der Maſſe zum Voraus zu nehmen, als der ihm geblieben geweſene Theil werth iſt. Wenn hingegen dieſer Theil den halben Werth der unbeweg⸗ lichen Sache uͤberſteigt, ſo kann der Beſchenkte ſie ganz bebalten; er erhaͤlt dann um ſo viel weniger aus der Theilung, als er haͤtte als Ueberſchuß einwerfen muͤſſen, oder muß ſeine Miterben durch baares Geld, oder auf andere Art entſchädigen. IV. Der Miterbe, welcher eine unbewegliche Sache n Natur einwirft, kann bis zur wirklichen Ver⸗ gutung der fuͤr Auslagen und Verbeſſerungen ihm gebuͤhrenden Summen im Beſitze der Sache bleiben, d. h. hat an derſelben ſo lange ein Reten⸗ tionsrecht. ¹) Von der Erbfolge. 161 1) GRaßoT Commentaire. T. II. p. 577. 2) Jedoch nur, in ſo fern er erbfaͤhig iſt. CRABoT Commentaire. T. II. p. 582. S 2) In Hinſicht der Mobilien. Bewegliche Sachen werden nur mittelſt Anrechnung conferirt. Art. 868. Man legt bey letzterer den Werth zum Grunde, den dieſe Sachen zur Zeit der Schenkung gehabt haben, und zwar entweder nach der bey der Schenkungsurkunde ſich befindenden Schaͤtzung ¹), wenn eine ſolche vor⸗ banden war, oder in deren Ermangelung nach einer von Sachverſtaͤndigen vorzunehmenden Beſtimmung des wahren, einer weitern Erhoͤhung nicht unterworfenen ²), Preiſes. In Hinſicht des geſchenkten Geldes iſt be⸗ Art. 69. ſtunmt, daß ſolches dadurch conferirt wird, daß man um ſo viel weniger aus der Baarſchaft des Nachlaſſes empfaͤngt 3). Iſt dieſes nicht' hinreichend, ſo kann der Beſchenkte ſich dadurch von der Collation des baaren Geldes befreyen, daß er bis zu deſſen Betrage auf das be; wegliche, und in deſſen Ermangelung auf das unbewegliche Vermogen der Erbſchaft Verzicht leiſtet. 1) S. Art. 948. 2)* Sans crue.“ S. oben F. 568. not. 4. 3) Es muß jedoch auf den nach der Zeit der Schenkung veraͤnderten Werth des Geides ja Ruͤckſicht genommen werden. Pandectes frangaiſo. T. vVII. p. 294. Dritter Abſchnitt. Von der Bezahlung der Schulden. §. F8o. Allgemeiner Grundſatz. Außer der Collationspflicht liegt den Muterben noch eine andere Pflicht ob, naͤmlich die Bezahlung der Schulden des Erblaſſers, ſo wie Art. 370. die Uebernahme der uͤbrigen Verbindlichkeiten deſſelben ¹); und zwar trägt jeder Miterbe hierzu nach Verhaͤltniß ſeines Erbtheils bey 2). Dieſe Verbindlichkeit findet ſtatt: I. bey dem Inteſtaterben; II. bey dem art. 371. Univerſallegatar; III. bey dem Legatar unter Univerſaltitel, und zwar trägt dieſer mit den beyden erſten gememſchaftlich nach dem Verhaͤltniſſe Spangenberg's Commentar Bd.. ſeines Drittes Buch. Erſter Titel. ſeines Antheils bey⸗ Hingegen der Particularlegatar haftet nicht fuͤr die Schulden und kaſten der Erbſchaft; wohl aber kann gegen die ihm ver⸗ machte Sache eine bypothecariſche Klage von dem Glaͤubiger, dem ſie zur Hypothek verſchrieben war, angeſtellt werden 3). Ebenfalls nicht der Pflichterbe ²). S. P. J. D. BrTTEn Diſ. fur obligation des hẽritiers et autres ſucceſſeur⸗ de payer les dettes de la ſucceſſion. Coblence. 1807. 2) S. Art. 1009. 1012. und 1085. 3) Der Erbe, gegen den eine hypotherariſche Klage angeſtellt wird, kann das ver⸗ hypothecirte Grundſtück derelinquiren. Art. 2174. CRAbor Commentaire. T. II. p. 617. 4) S. zum Att. 919. 922. §. I81. gRechte der Miterben gegen einander⸗ Die Miterben haben jedoch in Beziehung auf die Bezahlung der Art. 372. Erbſchaftsſchulden folgendeRechte: I. Sind erbſchaftliche Sachen mit einer Specialhypothek, oder einer Rente belegt, ſo kann jeder Miterbe verlangen, daß, ehe zur Beſtimmung der Theile geſchritten wird, die Rente abgeloßt, und die Hypothek getilgt werde. Wird dieſes nicht ver⸗ langt, ſo wird das belaſtete Grundſtuͤck nach eben dem Fuße, wie die uͤbrigen nicht belaſteten, geſchaͤtzt, und bierauf das Capital der Rente von dem ganzen Werthe deſſelben abgezogen. Betrüge z. B. die Rente jährlich 20 Franes, ſo wuͤrde auf den Fuß von5 Procent das Capital 400 Fr. betragen. Geſetzt das Grundſtuͤck wäre 800 Fr. werth, ſo wird es jedoch nur als von einem Werthe von 400 Fr. einem der Erben ge— geben. Der Erbe nun, der es erhält, muß allein die Rente entrichten, Art. 373. und dafuͤr den übrigen Miterben einſteben. Il— Die Erben haften zwar fuͤr die Schulden und Laſten der Erbſchaft perſoͤnlich nach dem Verhaͤlt⸗ niſſe ihrer beſondern Antheile, und hypothecariſch fur das Ganze; d. h. die Gläubiger können perſonliche Forderungen gegen den Erblaſſer nur gegen jeden jeden Erben pro rata, bypothecariſche gegen alle in Iolidum 6 verfolgen ¹); in Hinſicht des letztern hat jedoch der Angegriffene einen Entſchaͤdigungsanſpruch gegen ſeine Miterben und Univerſallegatarien nach Maaßgabe des Antheils, in Hinſicht deſſen letztere zum Beytrage ver⸗ Art. 374. bunden ſind. M. Der Particularlegatar, welcher die auf dem vermach⸗ t ten Grundſtuͤcke haftende Schuld getilgt bat, tritt dadurch in die Rechte der Von der Erbfolge. 163 der Glaͤnbiger gegen die Erben und Univerſallegatarien, aus deren Haͤn⸗ den er das Legat empfangen mußte, ein ²). IV. Hat einer der Miterben Art. 373, oder Univerſallegatarien oder Legatarien unter Univerſaltitel 3), zufolge einer Hypothek, die er in lolidum tilgen mußte, mehr zur Tbtragung der Schulden bezahlt, als er nach Maaßgabe ſeines Antheils an der Erb⸗ ſchaft zu bezahlen nothig hatte*), ſo hat er, ſelbſt wenn er durch Bezablung des Glaͤubigers in deſſen Rechte(die active Solidaritaͤt) eingetreten war, nur gegen die uͤbrigen ein Klagrecht pro rata ihres perſoͤnlichen Antheils an der Schuld; ausgenommen der Miterbe, welcher Beneficiarerbe iſt. Dieſer kann die Erben in[olidum wegen ſeiner perſönlichen Forderun⸗ gen belangen*). Im Falle der Inſolvenz eines der Miterben kann der Art. 376. Zahler der Hypothecar⸗Schuld*) verlangen, daß deſſen Antheil auf die ubrigen Miterben nach Verhältniß des Antheils eines jeden vertheilt werde, 1) Dieſes iſt auch der Fall, wenn die Verbindlichkeit untheilbar iſt. Art. 1222. 2) Da aber der Art. 1020. ſagt, daß in der Regel der Erbe das Legat dem Legakar unbeſchwert herausgeben müſſe, ausgenommen wenn der Erblaſſer das Gegen⸗ theil verordne, ſo ſieht man, daß der Art. S*. nur in dem Falle der letzt⸗ gedachten Ausnahme eintceten kann. MalEviLLE Analyſe ad h. art. 3) Nicht aber der Particularlegatar, denn der kann in dieſem Falle nach Abzug ſeines Legats, das uͤbrige in[olidum einklagen. CRaBoT Commentaire ad h. art. 4) Dieſes tritt ebenfalls eln, wenn der Erbe eine Erbſchaftsſchuld freywillig ganz gezahlt haͤtte. CuaßoT Commentaire ad h. art. S it. 6) Nur der Erbe, der eine hypothecariſche Schuld zahlt, kann es. Cuanor Commentaire. T. II. p. 643. S. 582. Rechte der Glänbiger. In wie fern die Glaͤubiger ein Klagrecht gegen die Erben haben, iſt ſchon aus dem vorigen Paragrapbhen klar; indeſſen finden hier folgende Bemerkungen ihren Platz: I. Die Urkunden, welche wider den Erblaſſer Art. 377. ſogleich vollſtreckbar geweſen waͤren, ſind es auch gegen die Erben 1). Die Glaͤubiger können jedoch die Vollſtreckung erſt acht Tage, nachdem dieſelben dem Erben in Perſon, oder an ſeinem Wohnorte zugeſtellt ſind, betreiben. II. Die Erbſchaftsglaͤubiger oder Glaͤubiger des Erblaſſers Art, 878. haben das Recht, die Abſonderung des Vermoͤgens des Erblaſſers von 2 dem 104 Drittes Buch. Erſter Titel. dem des Erben zu verlangen, wenn auch Glaͤubiger des Erben auftreten Art. 879 ſollten; ausgenommen 1) wenn ſie den Erben ausdruͤcklich als ihren Aut. 330. Schuldner angenommen ²) haben; 2) wenn dieſes Recht verjährt ſt. Es veryaͤhrt aber in Hinſicht der Mobilien durch den Ablauf von drey Jahren; in Beziehung auf unbewegliche Sachen ſieht es ſo lange zu, Art. s81. als der Erbe ſich in dem Beſitze derſelben befindet.— Nie aber haben die Gläubiger des Erben das Recht, auf Trennung der Vermoͤgensmaſſen Art. 882. wider die Erbſchaftsgläubiger zu klagen. III. Die Gläubiger eines Mit⸗ erben können, um zu verhuͤten, daß die Theilung nicht zur Beeinträch⸗ tigung ihrer Rechte geſchehe, Einſpruch dahin thun, daß zu derſelben nicht ohne ihre Gegenwart geſchritten werde 3). Sie ſind vielmehr, jedoch auf ihre Koſten, dabey zu erſcheinen berechtigt. Sie können jedoch eine ſchon vollzogene Theilung nicht anfechten; ausgenommen, wenn man ſie ohne ihre Gegenwart, und ohne ihrin Einſpruch zu achten, voll⸗ zogen haͤtte. 1) Dieſe Verfügung tritt auch dann gegen den Erben ein, wenn ſchon die Erb⸗ ſchaft vor Promulgation des Code eroffnet war. Appellhof zu Paris in S1REv Jurisprudence du trib. de Caſſat. An. XKII. Suppl. p. 8. Es iſt mithin nicht nothig, daß die Gläubiger die Urkunden erſt fuͤr executoriſch erklären laſſen; folls ſie nur nicht die Klage vor dem neuen Geſetze erhoben haben. S. auch Laſſaulx Journal. I. I. S. 33. 2) 3. B. dieſe Annahme kann ausdruͤcklich oder ſtilſchweigend geſchehen, z. B. wenn der Glaͤubiger einen Buͤrgen, ein Pfand u⸗ ſ. w. vom Erben annahm. MAtEvILLE Analyſe ad h. art. 3) S. Art. 865. Vierter Abſchnitt. Von der Wirkung der Theile und der Gewaͤhrleiſtung fuͤr dieſelben. F. 583. Grundſat. Art. 833. Nach geſchebener Theilung ¹) wird jeder Miterbe ſo betrachtet, als baͤtte er alle in ſeinem Antheile begriffenen, oder ihm zugefallenen Gegen⸗ ſtände allein und direct geerbt, an den uͤbrigen Erbſchaftsſachen aber nie ein Eigenthum gehabt ²). 3 Von der Erbfolge. 165 1) Maß ſie gerichttich oder außergerichtlich geſchehen ſeyn. CMator commen- taure. T. II. p. 674. 2) S. Caſſationshof' in Jurisprudenee de la cour de caſſation. r307. p. 270 ff. MalRvILILB Analyſe ad h. art. Folgerung aus demſelben in Hinſicht der Evictionsleiſtung. Er iſt deshalb den uͤbrigen Erbintereſſenten zu keiner Evictions⸗ leiſtung verbunden, ausgenommen, wenn die Verbindlichkert zu derſelben Art. 884. aus emer der Theilung vorhergegangenen Urſache entſprang. Aber auch in dieſem Falle wird er von der Evietionsleiſtung befreyt I. wenn dieſelbe in der Theilungsurkunde beſonders*) und ausdruͤcklich unterſagt iſt; II. wenn der Miterbe durch eigene Schuld die Eviction erleidet, z. B. wenn er verſaͤumte, gegen die Vertheilung des Kaufgelds eines gerichtlich verſteigerten Guts, an dem er eine Hypothek hatte, die ihm in der Thei⸗ lung zugefallen war, Oppoſition einzulegen, u. ſ. w.; III. wenn derſelbe auf die Forderung der Evictionslerſtung Verzicht thut ²).— Iſt hin⸗ gegen die Verbindlichkeit der Evictionsleiſtung begruͤndet, ſo iſt jeder Mit⸗ Art. 8s. erbe, nach Verhältniß ſeines Etbantheils, perſonlich verbunden, den Mit⸗ erben, dem die Sache evincirt wurde, fuͤr den durch die Evictron erlit⸗ tenen Verluſt*) zu entſchaͤdigen. Zu bemerken iſt: I. Iſt einer der Miterben nicht zahlungsfähig, ſo muß der auf ihn fallende Betrag auf alle uͤbrigen Miterben zu gleichen Theilen repartirt werden, doch traͤgt auch der zur Forderung der Gewaͤhrleiſtung Berechtigte ſeinen Antheil. Waͤren z. B. 13 Miterben vorhanden, von denen emer die Evictions⸗ leiſtung verlangt, einer aber inſolvent iſt, ſo tragen die uͤbrigen ſo den Antheil des Inſolventen mit, daß der, dem die Sache evincirt iſt, 42 dieſes Betrags des Inſolventen erſetzt erbaͤlt; er aber das letzte 2 fahigkeit des Schuldners einer Rente(Art. 872.) kann nur binnen der auf die Theilung folgenden fuͤnf Jahre geltend gemacht werden, und dieſes auch dann nur, in ſo fern der Schuldner ſchon vor vollzogener Theilung inſolvent war. 1) Nie kann dieſes Verbot im allgemeinen geſchehen. CRABoT Commen⸗- taire. T. II. p. 677.— Ueber die Dauer der Klage auf Evictionsleiſtung ſ. 2) MarBvIILILE Analyſe ad h art. 6 3) ſelbſt zu ſtehen bat. IM. Die Klage auf Gewährleiſtung fuͤr die Zahlungs⸗ Art. 336.. 1665 Drittes Buch. Erſter. Titel. 3)“De la perte.“ Aus dieſen Worten wollen eiuige ſchließen, daß mur der Werth der evincirten Sache, ſo wie ſich derſelbe zur. Zeit der Theiluns belief, erſtattet werden muͤſſe. Indeſſen ſcheint jede Forderung, welche de damno vitando von dem Miterben, der die Eviction erlitten hat, angeſtellt wird, zu befriedigen zu ſeyn; z. B. wens er ſchon Anlagen auf dem evincirten Gut machte u. ſ. w. nicht aber die Forderungen de lucro captaudo, z. B. Leiſtung des Intereſſe. S. auch Mal.EvILIE Aualyſe ad b. art. Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Aufhebung geſchehener Theilungen. 6. 585. Grund derſelben. Eine definitiv geſchehene Theilung kann aufgeboben werden, wegen: Art. 387. I. Zwang; II. Betrug; HII. erwieſener Verletzung uͤber ein Viertel.—(Das bloße Auslaſſen eines zur Erbſchaft gehörigen Ge⸗ genſtandes begruͤndet dagegen nicht eine Klage auf Wiederaufbebung, ſondern nur auf Ergaͤnzung des Theilungsgeſchäfts.) Das ift jedoch Art. 66s. einerley, ob die Therlung in Form eines Verkaufs, Tauſchs, Vergleichs, oder eines andern Rechtsgeſchäfts, welches die Aufhebung der Gemein⸗ ſchaft zum Zweck hatte, geſchah. NRach Aufbebung der erſten Theilung erfolgt dann eine neue. F. 586. Anſtellung der Klage. Die Klage findet nur gegen eine definitive Tbeilung ſtatt; mithin nicht I. gegen einen vor der Theilung uͤber die Schwterigkeiten derſelben abge⸗ Art. s89. ſchloſſenen Vergleich ¹). II. Nicht gegen den Verkauf des Erbreches ²), welcher an einen der Miterben 3), auf deſſen Gefahr von den uͤbrigen, At. s9o. ohne betriegliche Abſicht geſchab. Außerdem iſt zu bemerken: I. Um zu beurtheilen, ob eine der Klage zum Grunde kiegende Verletzung uͤber 4 vorhanden ſey, werden die Gegenſtände nach dem Werthe geſchaͤtzt, den Art. 391. ſie zur Zeit der Theilung hatten. I. Der, wider welchen die Auß⸗ hebungsklage angeſtellt iſt, kann deren Fortgang hemmen, und eine neue Theilung verhindern, wenn er dem Kläger die Ergaͤnzung ſeines Erbtheils in Von der Erbfolge. 167 * in baarem Gelde, oder in Natur gerichtlich anbietet oder leiſtet. III. Ein Art. 392. i Miterbe, der ſeinen Antherl ganz oder zum Theile veraͤußert hat, kann die Klage aus dem Grunde eines Betrugs oder Zwangs nicht mehr an— ſtellen, wenn er die Beraͤußerung nach der Entdeckung des Betrugs, oder n dem Aufhören des Zwangs, vorgenommen hatte. 1) Hierher gehoͤrt: k. wenn ſich die Erben uͤber Streitigkeiten, die uͤber ihre Antheile entſtanden ſind, vereinbaren; Il. wenn Miterben die Theilung eines Grundſtuͤcks verlangen, welches einer von ihnen-uusſchließlich in Anſpruch nimmt, und uͤber denſelben eine juriſtiſche Handlung erfolgt. Caſſationshof in SiRRv Journal général. 1809, P. I. p. 2I0. 2) Mag dieſer Verkauf vor oder nach der Theilung vorgenommen ſeyn. Einige Commentatoren glauben, daß der Art. 889. nur eintrete, wenn die Theilung dem Verkaufe vorhergegangen ſey, und im entgegengeſetzten Falle eine Reſciſ⸗ ſion nach dem Art. 888. ffatt habe. Allein ſchon MarEvIILIB ad h. art. be⸗ merkt ſehr richtig, daß dieſes nicht die Abſicht der Redactoren geweſen ſeyn . könne, da ſie es dann bey dem Art. S88. wuͤrden haben bewenden laſſen, und in uͤberhaupt der Art. 389. eine Ausnahme von der im Art. 888. aufgeſtellten Regel ausmache.— 3) Geſchah der Verkauf des Erbrechts an einem Fremden, ſo tritt die Vorſchrift des Art. 841. ein. S. DaRD ad h. I. CRasoT Rapport.(Garnery B. 1. Th. I. S. 150.) Zweyter Drittes Buch. Zweyter Titel. ZSweyter Titel. Von Schenkungen unter tebenden, und von Teſtamenten. Srſtes F qpitrenl. Allgemeine Grundſätze fuͤr beyde. 6. 87. Begriff. S enkung ¹) iſt eine unentgeldliche Verfuͤgung uͤber ſein Vermögen. Art. 393. Sie kann doppelt geſchehen: I. unter tLebenden(Schenkung im eigentlichen Sinne); II. auf den Todesfall des Schenkers(Te⸗ ſtament). Beyde Arten von Schenkungen ſind jedoch weſentlich von ein⸗ Art. 894. ander unterſchieden, wie aus ihren Definitionen erhellt. Die Schen⸗ kung unter Lebenden iſt naͤmlich die Handlung, wodurch der Schen⸗ ker ſich der geſchenkten Sache zum Vortheile des Beſchenkten, der die⸗ ſelbe jedoch annehmen muß, wenn die Schenkung guͤltig ſeyn ſoll, wirklich und in der Regel unwiderruflich begiebt; mithi ſind Haupt⸗ unterſcheidungskennzeichen I. die Nothwendigken der Annahme des Be⸗ ſchenkten ²), II. die Unwiderruflichkeit der Verfuͤgung. Art. 393. Ein Teſtament dagegen iſt die Handlung, wodurch derjenige welcher es errichtet(der Teſtator), auf den Fall, daß er ſterben wird, uͤber ſein Vermogen ganz oder zum Theil disponirt, welche er jedoch widerrufen kann 3). Die Geſetzgebung uͤber Schenkungen und Teſtamente hat bedeutende lmwand⸗ lungen erlitten. S.§. 303. Ueber die ältere Geſetzgebung ſiehe vorzuͤglich: Riccanp des donations. Ueber Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 169 Ueber die mittlere: Das Geſetz vom 17. Nwoſe lI. Das Geſetz vom 4. Germinal VIII. LFvAssEun Explication de la loi du z. Germinal vIII. VERMErL. Code des ſucceſſions et donatious ouvertes avant le Code Napolcon. BERGIRR Inſtruction faeile ſur la faculté de diſpoſer à titre gratuit.(Juri⸗ ſtiſches Archiv. B. III. S. 62.) Ueber die neuere außer den zum F. 5o3. genannten Werken: J. E. Benakpi Conmentaire ſur la loi du 13. Floréal an RI. relatwe aut donations et teſtamens.(Dieſes Geſetz bildet den zweyten Titel des Code.) 1804. 8. J. GRENira(du Puy de Dłme) Traitè des donations et teſtamens, et des toutes autres dispoſitions gratuites, ſuwant ſes principes qu Code Napo- léon, précédé d'un diſcours buſtornue ſur l ancienne legislation relative à cette matiére. Paris. 1307. III Voll. in g. 2) Iſt dieſe Annahme nicht geſchehen, ſo gilt die Schenkung nicht elnmal als donatio mortts cauſſa. S. die Diſcuſſion zum Art 942. JOovanMNRao et SoLoN PDiſcuſſions ad art. 942. 3) Nach Roͤm. Recht war die ſuccefſ. teſtamentaria die Regel; die ſuce. ab inteſtate nur ſubſidiariſch. Durch die Revolntion hingegen ſollte die ſucc. teſtam. ganz n aufgehoben werden, und nur ſucc. ab inteſtato gelten. Daher macht letzte nur allein Erbrecht, erſtere iſt als Schenkuna angeſehen, und als Modificatlon der letztern betrachtet. Daher auch die Beſtimmung: I. Quod quis pro parte teſtatus&e. ſterben könne. II. Daß heredis inſtitutis nicht nöthig ſey im Teſtament. Denn dieſes iſt nur jede letzte Willenserklaͤrung, die die Erbfoige nicht aufhebt, ſondern nur bedingen ſoll. . UI. Daß kein Unterſchled zwiſchen den verſchlednen letzten Willen ſeyn ſoll. Art. 1002. IV. Daß die Lehre vom Pflichttheil ausgedehnter iſt, als im Roͤmiſchen Rechte, weil ſich hierin die ſucceſſ. ab inteſtato zeigt. S. h. Soz. 5o. und JuBRnT Rapport.(GakRERx L. III. P. I. p. I73.) §. 588. 3 Hauptgrundſaͤtze. I. Unentgeldlich kann man uͤber ſein Vermogen nicht anders ¹) als auf eine dieſer beyden Arten, und mit Beobachtung der nachher zu be⸗ ſtummenden Formalitäten verfuͤgen. II. Die Subſtitutionen ſind ver⸗ Art. 396. boten ²); d. h. jede Verfugung, wodurch dem Schenknehmer und Legatar Spangenberg's Commentar Bd. IM.(ſey 170 Drittes Buch. Zweyter Titel. (ſey er Univerſallegatar, oder Legatar unter Univerſaltitel, oder Parti⸗ cularlegatar) auferlegt wird, fuͤr einen dritten etwas zuruͤckzuliefern, iſt ungultig, ſelbſt in Anſehung des Beſchenkten, oder des Legatars 3). Aufgehoben iſt daher 1) die pupillariſche Subſtitution, wodurch ein Vater, indem er ſein unmuͤndiges Kind zum Erben einſetzt, ihm einen dritten auf den Fall ſubſtituirt, wenn es vor dem Alter, wo es ſelbſt uber ſein Vermögen disponiren könnte, ſterben ſollte; 2) die exempla— riſche, wodurch man ſeinem wahnſinnigen, taubſtummen, oder ver⸗ ſchwenderiſchen Sohne einen Erben ſubſtituirte; 3) die fideicommiß— ſartſche, wodurch man ſeinem Legatar die Pflicht auferlegte, die Sachen, die man ihm ſchenkte, Andern zuruͤckzuerſtatten 4).— Von dieſem Ver⸗ bote finden ſich jedoch mehrere Ausnahmen: 1) In Hinſicht der freyen Guͤter, welche die Ausſtattung einer vom Kaiſer zu Gunſten eines Prinzen, Art. 397. oder eines Familienbaupts geſtifteten erblichen Wuͤrde machen5). 2) In Hunſicht der im ſechsten Kapitel dieſes Titels gemachten Verfuͤgungen. Art. 398. 3) Die Verfuͤgung, wodurch ein Geſchenk, eine Eröſchaft oder ein Ver⸗ maͤchtniß einem dritten auf den Fall zugewandt wird, daß der Beſchenkte, der eingeſetzte Erbe oder Legatar dieſes nicht annehmen wuͤrde oder könnte, (die lubftitutio vulgaris iſt nicht als Subſtitution anzuſehen, und daher Art. 899. guͤltig). 4) Ebenfalls ſind Verfügungen unter Lebenden oder durch Te⸗ ſtament guͤltig, wodurch dem Eien der Nießbrauch, und dem Andern Art, oco, das bloße Eigenthum gegeben wird ⁵). II. Bey jeder Verfuͤgung unter Lebenden oder durch Teſtament werden die unmöglichen, ſo wie die den Geſetzen und guten Sitten zuwiderlaufenden Bedingungen als gar nicht beyge fuͤgt betrachtet*). 7) Hieraus folgt ſchon von ſelbſt die Unzuläſſigkeit der Erbverträͤge; ſo wie auch außerdem fuͤr Weſtohalen eine Benachruchtigung des Juſtizminiſterit im Moniteur Weſtphalten· 1809. Nr. 96. beſagte.— Ein ausdruͤckliches Verbot derſelben finden wir ferner im Art. 1130.— Zwar wil ZacAkRIAR Handbuch des franzöſiſchen Civilrechts. Th. II. S. 132. einen Erbverttag als Teſtament gelten laſſen, ſobald derſelbe nur in dieſer Hinſicht die erſorderlichen Solemni⸗ täten habe, weil Art. 1130 keinesweges die Urkunde ſelbſt, in welcher ein Erb⸗ vertrag enthalten ſey, fuͤr unguͤltig erkläre, und der Art. 1002. auf die Be⸗ nennung, unter welcher Vortheile auf den Todesfall zugewendet wuͤrden keine Ruͤckſicht nehme. Aber der Art. 1002. ſetzt ausdrucklich Dispoßitions teſtamen- taires voraus, und wenn das Geſchäft, uͤber welches die Urkunde aufgeſett wird, nichtig iſt, ſo braucht die Urkunde nicht erſt ſelbſt fuͤr nichtig erklärt zu werden; und dann wuͤrde aus der Annahme des Verf. folgen, daß man ein und daſſelbe Geſchäft zu gleicher Zeit als widerrufiich und unwiderruflich eingehen könne. S. Leipꝛiger Litteraturzeitung. 1809. St. IV. S. 53 f. 2 Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 171 2)*Les ſubſtitutions ſont prohibées.“ Etwas zu eng uͤberſetzt die Weſtphalica: „Die fideicommiſſariſchen Subſtitutionen ſind verboten.“ 3) Hieraus folgtz daß auch der Beſchenkte, Legatar u. ſ. w. das Geſchenk, das Legat verliert. Indeſſen iſt die franzöſiſche Praxis dennoch hieruber nicht einig. Der Appellationshof zu Parts hlelt die Einſetzung des Inſtitutus bey einem Teſtament, worin eine Pupillarſubſtitutton vorgenommen war, fuͤr guͤltig, weil in der Pupillarſubſtitutlon eine doppelte Inſtitutton llege, und der Art 896. nur von der Nichtigkeit der Subſtitution des Inſtituten ſpreche. Kaſſaulr Journal. I. 7. S. a7 ff. Beyde Inſtitutlonen erklaͤrten für nichtig: die Appelle höfe zu Turin, Agen, und der Caſſatlonshyf. S. DnNEvRRs Jourual des audiences. 1806. p. 97. Supplem. p. 177 ff. 4) Unter die Categorie der aufgehobenen fideicommiſſariſchen Subſtitutionen ge⸗ hören: I. Die Teutſchen Fideico mmiſſe, wenn jemand Guͤter hinterläßt, daß ſie zur Erhaltung und Vermehrung des Anſehens der Familie ſtets bey der⸗ ſelben verbleiben, und auf eine beſtimmte Art unter die Glieder derſelben vererbt werden ſollen. II. Die Römiſchen Fideicommiſſe, wenn ſemand ſeinen Teſtamentserben oder Legatar mit der Reſtitutlon des Erhaltenen an einen Dritten beſchwert. Nicht aber III. wenn der Teſtirer verordnet, daß beſtimmte Sachen unveräußerlich ſeyen, und die Revenden vertheilt werden ſollen, z. B. eine Blbliothek, Naturaliencabinet.(Dispoſitionen in Geſtalt der Fideicommiſſe.) Dabelow Archiv. H. 1v. S. 300 ff. 1V. Ebenfalls nicht, wenn der Erblaſſer ſeine Erben bittet, bey ſeinem Ableben einen Theil des ererbten Vermogens einer von ihm beſtimmten Perſon zu uͤberlaſſen. S. Jurisprudence“ T. VIII. p. 376. Dabelow Archtv. S. 375. V. Ebenfalls nicht die Legate unter Reſolutiv⸗ bedingung, oder ex die certo; wie ZAcRaRaß Handbuch. Th II. S. 223. behaupten will. S. Leipziger Litteraturzeitung. 1809. St. 1V. S. 63. Ferner hat der Staatsrath des Koönigreichs Weſtphalen durch ein Gutachten vom 9. Januar 1808.(Geſetzbülletin 1808. Nr 9.) beſtimmt, daß der naͤchſte Fidei⸗ commißerbe, welcher vor dem I. Januar 1808 gebohren iſt, noch zur Suceeſſion komme, jedoch nur er allein, und dergeſtalt, daß ihm die voͤllig freye Ver⸗ fuͤgung uͤber die Guͤter zuſteht. Dieſes Gutachten wurde durch etn anderes vom 8. April 1809.(Geſetzbüllerin 1809. Nr. 19) dahi beſtimmt: I. daß diejenigen fideicommiſſariſchen Subſtitutionen, in Ruͤckſicht welcher am 1. Jannar 1808. kein Succeſſor am Leben war, durch das Geſetzbuch Napoleons gänzlich auf⸗ gehoben ſind; II. daß die Subſtttution auf gleiche Art erloſchen ſeyn ſoll, wenn der unmittelbar zur Succeſſion berufene, und in dem gedachten Zeitpuncte bereits lebende Fideicommißerbe vor Eroͤffnung der Succeſſion verſtorben iſt, oder noch verſterben ſollte, es ſey denn, daß derſelbe einen qualiſicirten Deſcendenten, welcher kraft des Repräſentationsrechts in ſelne Stelle einzutreten befugt iſt, hinterlaſſen hätte; Ill daß, wenn dem Beſitzer des Fidelcommiſſes nach dem 1. Januar 1808. ein zur fideicommiſſariſchen Succeſſion qualificirtes Kind ge⸗ bohren iſt, oder gebohren wird, der nachſte Collateralerbe, welcher in jenem Zeitpuncte bereits am Leben war, demſelben nachſtehen ſoll, dergeſtalt, daß er von allen Rechten an dem Fideicommiſſe ausgeſchloſſen iſt, ſelbſt alsdann, wenn jenes Kind vor ihm, und zwar vor dem Anfalle der Subſtitntlon, welche in Y2 dieſenr Drittes Buch. Zweyter Titel. dieſem Falle in Gemaͤßheie der utter Nr. 2. enthaltenen Entſcheidung, erloſchen ſeyn ſoll, verſterben ſollte; IV. daß in dem Falle, wenn Mehrere, zu deren Beſten die Subſtitution zum letzten Male auftecht erhalten worden iſt, zugleich zur fideicommiſſariſchen Succeſſion berufen ſind, das Repraͤſentstionsrecht, ſowohl in der geraden Linie, als in der Seitenlinie ſtatt finden ſoll, ſo daß die guali⸗ ficirten Kinder der zur Succeſſion berufenen Fideicommißerben, ſie moͤgen ge⸗ bohren ſeyn zu welcher Zeit ſie wollen, in die Stelle threr verſtorbenen Eltern einruͤcken, und gemeinſchaftlich mit den uͤbrigen Fideicommißerben zur Succeſ⸗ ſion gelangen. S. die Stamm⸗Erbfolge des teutſchen Adels nach der Roͤmiſchen Teſtamentstheorie, Juſtinians Geſetzbuch und den C. N. betrachtet, in Win⸗ kopp Rheinbund. H. 37. Nr. 7. 3) Eine ſolche iſt beſonders in den neuern Zeiten haͤufig geſchehen; und die kaiſer⸗ liche Verordnung vom 30. Marz, und das SC. vom 13. Anguſt 1806. in dieſer Hinſicht auch fuͤr Weſtphalen durch die offictelle Ueberſetzung recipirt; hierauf in dem koͤnigl. Decrete vom 28. Maͤrz 1809.(Geſetzbuͤlletin 1809. Nr. 17.) wiederhohlt. S. Sammlung der Statuten und Verordnungen uͤber den neuen Adel in Frankreich und die Maoſoratsguͤter. Franzöſiſch und Teutſch von Ant. Reil. Cölln. 1810. 8. SaArFELD recueil. T. I, p. 44I- 444. Traité du wajorat. Paris. 1808. 8. 6) Von einem uſusfrudus cauſſalis wird nichts geſagt, mithin faͤllt derſelbe weg. 7) Der Art. 900. iſt eine Ausnahme vom Art. 1172. Zu ſolchen Bedingungen, die als nicht hinzugefuͤgt zu betrachten ſind, gehoͤrt auch eine jede, die die Freyheit des Menſchen betrifft, z. B. jede Bedingung zu heirathen, oder nicht zu heirathen, oder eiue beſtimmte Perſon, oder vor einer beſtimmten Zeit nicht zu heirathen u. ſ. w. Ebenfalls)eder modus, in ſo fern er dieſer Freyheit zu nahe tritt, weshalb denn auch der Code nichts von der Verbindlichkeit eines modus ſagt. S. meine Inſtitutiones juris eivilis Napoleouei. 5. 37. not. 1.— und vorzuͤglich uͤber die wegfallenden Bedingungen, die vortreffliche Abhandlung von MaNGuIN im Journal de barreau. 180. P. I. p. 167. und in S1REx Journal général. 1809. P. II, p. 356 ff. GRENIER T. I. p. 355 ff. Zweytes Kapitel. Von der Faͤhigkeit durch Teſtament oder Schenkung unter Lebenden etwas zu verfuͤgen oder zu erhalten. I. Erforberniſſe in Hinſicht des Disponenten. Art. 9o1. um eine Schenkung unter Lebenden, oder ein Teſtament zu machen, iſt erforderlich: I. Man muß bey geſundem Verſtande II. n eh 6 hl li i eſi en i Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 173 II. Man muß nicht geſetzlich unfäbig dazu ſeyn. Dieſe Un⸗Art. o2. fäbigkeit iſt theils abſolut, theils relativ. Abſolut unfaͤhig iſt 1) der buͤrgerlich Todte(§. 122.); 2) in der Regel der Fremde. C. 107.) Relativ unfaͤhig, d. h. nur in gewiſſer Hinſicht faͤhig: 1) Der Minderjaͤhrige. Schenkungen zu machen, iſt ihm durchaus verbo⸗ xrt. o03. ten ¹); in Hinſicht der Errichtung eines Teſtaments iſt zu unterſcheiden, ob er unter ſechszehn Jahr alt war, oder uͤber ſechszehn Jahr. Im erſtern Fall kann er kein Teſtament machen; im letztern iſt es ihm er⸗Art. 90z. laubt, doch kann er nur bis zum Betrage der Haͤlfte desjenigen Ver⸗ mögens, woruͤber das Geſetz dem Volljährigen die Verfuͤgung geſtattet des disponibeln Theils(§. 592.)), verfuͤgen. 2) Die verheirathete Lrt. 903. Frau. Hier muß man wieder unterſcheiden: a. Eine Schenkung unter Lebenden kann ſie nur unter dem Beyſtande, oder unter beſonderer Ein⸗ willigung ibres Mannes, oder falls derſelbe ſie verweigert, mit Geneh⸗ migung des Gerichts vornehmen ²). b. Um durch ein Teſtament zu ver⸗ fuͤgen, bedarf ſie weder der Einwilligung ihres Mannes, nach der Ge— nebmigung des Gerichts 3). 1) Eine Ausnahme ſ. jedoch im Art. To93. 2) Art. 217. 219. 3) 1. In Hinſicht des Kaiſers beſtimmt das Senatusconſult vom 30 Jan. 1870: Art. 36. Der Kaiſer verfuͤgt uͤber ſeine rivatdomainen, theils durch Schen⸗ kungen unter Lebenden, theils durch letzte Willensverfuͤgungen, ohne durch das Verbot des C. N. gebunden zu ſeyn. Art. 37. Dle Verfuͤgungen unter Lebenden geſchehen durch ein kaiſerl. Decret. Art. 40. Die teſtamentariſchen, nach den Formen des Art. 23. 24. des Statuts vom 30. Maͤrz 1806. Art. 41. Der Kaiſer kann vor dem 25. Jahre keine Schenkungen unter Lebenden uͤber ſeine Privatdomainen machen. Art. 42. Er kann ein Teſtament machen, wenn er 16 Jahr alt iſt, jedoch nur bis zn Belaufe von zwey Millionen.(S. Monteur AWeſph. Nr. 18. Suppl. 1I.) M. 1) Ob ein Teſtament deshalb reſeindirt werden koͤnne, weil es im Zorne gemacht ſey, will BI6oT p PREaMrnk Expoſé, bey GaRrnv L. II. h. I. p 7. dem Ermeſſen des Tribunals qberlaſſen. Richtiger iſt jedoch der Satz: Ein Leſtament kann nicht mehr deshalb angegriffen werden, weil es im Zorne gemacht, ſollten ſich die Spuren des Zorns auch in dem Auffatze ſelbſt zeigen, denn die Klage kann nicht ſtatt haben, weil 1. dem Vatet nur erlaubt iſt, uͤber einen beſtimmten Theil des Vermögens zu disponiren; 2. weil die Kinder das Reductionsrecht hoben, wenn er dieſen uͤberſchreitet; 3. weil es im Art. 504. und gor. heißt, daß die Handlungen eines Todten nur wegen demenon angefochten werden koͤnnen. So entſchled auch der Appellhof zu Y 3 Paris Drittes Buch. Paris in DrupvERs Journal des audiences An KIV. Suppl. p. I0s. S. auch 6aENIEn T. I. p. 345 ff.— 2) Daß ein captatoriſches Teſtament nicht reſcin: dirt werden koͤnne, entſchied der Appellbof zu Bruͤſſel im Journal de barreau. 1809. P. II. p. 80, Caſſationshof in DErRvERs Journal des audiences. 1810. S. 31. Theyer Archiv fuͤr das Notariat. B. I. H. 1. S. 126. Dim Ermeſſen des Tribunals uͤbertäßt es jedoch BrGor pE PRBAMENs a. a. O. GRENiE T. I. p. 337 ff.— 3) Ein erzwungenes Teſtament iſt aber immer nichtig. 6aEEs T. I. p. 346. Zweyter Titel. 5. 590. m. Erforderniſſe in Hinſicht des Erwerbers. Um eine Schenkung oder ein Vermaͤchtniß anzunehmen, iſt nöthig: Art. oo6. I. Daß man empfangen ſey. Zu der Faͤbigkeit, durch Schenkung unter den Lebenden zu erwerben, iſt es hinreichend, wenn man im Augen⸗ blicke der Schenkung empfangen iſt. Zu der Fäbigkeit, durch ein Teſta⸗ ment zu erwerben iſt es hinreichend, wenn man zur Zeit des Todes des Teſtators empfangen iſt.— In beyden Faͤllen kann man jedoch das Ei⸗ genthum der geſchenkten oder vermachten Sache nur dann erwerben, wenn man lebensfähig gebohren iſt. G. 510.) II. Daß man nicht den Geſetzen nach, unfaͤbig ſey, etwas aus einer Schenkung, oder aus einem Teſtamente zu empfangen. Dieſe Unfähigkeit iſt entweder ab ſolut oder relativ. Abſolut unfaͤbig ſind 1) buͤrger⸗ lich Todte; doch koͤnnen ihnen Alimente geſchenkt oder vermacht werden. G. 122.) 2) Fremde in der Regel G. 107.) ¹). Relativ unfaͤhig zit. 907. iſt: 1) Der Vormund. Dieſer kann von ſeinem Pupillen nichts er⸗ halten, als bis derſelbe volljährig geworden, und demſelben die Schluß⸗ rechnung uͤber die Vormundſchaft abgelegt und abgeſchloſſen ²) iſt. Ausgenommen, die Aſcendenten der Minderjaͤhrigen, welche deren Vor⸗ muͤnder ſind, oder waren; doch muß der dispomrende Minderyaͤhrige Aut. gcs. wenigſtens uͤber ſechszehn Jahr alt ſeyn. 2) Unehliche anerkannte Kinder, denn dieſe können durch Schenkung oder Teſtament nicht mehr empfangen, als was ihnen bey der Erbfolge zugeſtanden iſt(§. 530.) 3). Art. 9oo. 3) Die Doctoren der Arzney⸗ und Wundarzneykunde, ſon⸗ ſtige Aerzte und Apotheker, die eine Perſon waͤhrend der Krank⸗ heit, woran ſie geſtorben iſt, behandelt haben, können das nicht empfan⸗ 13 gen, was ihnen dieſe Perſon wahrend der Dauer der Krankheit geſchenkt oder vermacht hat ²). Ausgenommen: a. Eine einzelne Sache unter 3 Particulartitel, welche ihnen vergeltungsweiſe geſchenkt oder vermacht iſt, hedoch mit Beruckſichtigung des Vermögens des Verfuͤgenden, und gelel⸗ Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 175 geleiſteten Dienſte. b. Sogar unter Univerſaltitel, wenn ſie mit dem Disponenten in gerader Lnie, oder in der Seitenlinie bis zum vierten Grade einſchließlich verwandt*) ſind; vorausgeſetzt, daß in dieſem letztern Falle der Verſtorbene keine Erben in gerader Linie hat. 4) Die Re⸗ ligionsdiener, und zwar unter den nämlichen Beſtimmungen. 5) Die oͤffentlichen Beamten, welche die Urkunde uber die Schenkung oder das Teſtament aufſetzen. 6) Verpflegungshaͤnſer, die Armen Art. 91o. einer Gemeinde, und gemeinnuͤtzige Anſtalten, z. B. Waſſen⸗ baͤuſer ⁵); denn dieſe koͤnnen nur in ſo fern, aſs das Geſchenk oder Ver— maͤchtnß durch einen kaiſerlichen Beſchluß genehmigt worden iſt, daſſelbe annehmen 7). 1) S. Art. 912. 2) Doch iſt es nicht noͤthig, daß auch gerade der den Pupillen ſchulbige, oder vvn geſchuldete Ueberſchuß der Rechnung gezahlt iſt. GapNEn T. I. p. 304 ff⸗ 3) Nie konnen die Collateralen ein ſolches Vermaͤchtniß anfechten, unter dem Vorgeben, daß das Kind ein ehebrecheriſches Kind ſey, und alſo nichts erhalten duͤrfe. Appellhof zu Parts bey S1Rrv Journal général. 1809. P. II. Dem Adulterinkinde konnen jedoch Alimente vermacht werden. Caſſations⸗ hof bey MarEvIILLE Analyſe. T. IV. Anhang.— Ein unehliches nicht an⸗ erkanntes Kind kann aber ſo viel bekommen als ein Fremder, was auch die e Frangalſes. T. VI. p. 327 ſf. ſagen moͤgen; denn es iſt ja ein remder. 3) Der Arzt, der die Kranke heurathet, kann aber alle Leberalitaͤten von ihr an⸗ nehmen; und kann deſſen Ehe nicht als ſinudirt, und in fraudem articuli 909 eingegangen betrachtet werden. Appellhof zu Lyon in Laſſaulx Annalen. Bd. II. H. 1. S. 73. Auch laßt ſich der Artikel nicht auf Krankenwaͤrter be⸗ ziehen. GREdiEn T. I. p. 311. Ebenfalls nicht auf andere Perſonen, die von ihren Subalternen etwas erhalten haben, z. B. Officlere von den Soldaten, Ad⸗ vocaten und Procuratoren von den Clienten. BERNARpI Commentaire. p. 39. 5) Da perenté auch die Schwägerſchaft in ſich begreift, ſo gilt das nämliche auch von den Verſchwägerten. 6) Der Art. 910. loͤßt ſich jedoch nicht auf jede moraliſche Perſon indiftinde beziehen. So hat z. B. ein Adlicher das Recht zum Beſten ſeiner, oder einer andern adlichen Faniilie ein Vermächtniß zu hinterlaſſen. S. Winkopp Rhein⸗ bund. H. 37. Nr. 7. BERNARpr Commentaire. p. 44. Kaiſerl. Decret vom 12. Auguſt 1807. ſur le mode d'acceptation des don et legs faits auæ abr iquer, aua ẽtabliſſemens d'iſtruction publique et auæ cbmmunes, in RoNPoNREAu Supplement. p. 231. ed. Voss. 7) Fuͤr Weſtphalen iſt noch aukerdem beſtimmt, daß kein Weſtphale eher eine Erbſchaft oder Legat in Empfang nehmen koͤnne, als bis ron ihm nachgewieſen ili⸗ Drittes Buch. iſt, daß er den Geſetzen der Conſeriptton ein Genuͤge geleiſtet habe. Um dieſes nachzuweiſen, muß er eine Beſcheinigung der Gegenwart unter den Fahnen, eine Stellvertretungsurkunde, einen endlichen Abſchied, eine wegen Untauglich⸗ keit zur Dienſte ertheilte Entlaſſung, eine definttive oder vorläufige Befreyung, oder ein Zeugniß uͤber die nicht geſchehene Aufforderung zum Dienſte, produ⸗ ciren. Königl. Detret vom 16. Nov. 1809. Art. 8 9.(Geſetzbuͤlletin. 1809. Nr 48 S doz.)— Eine ähnlche Verfügung iſt auch in dem Köoͤngreiche Neapel erlaſſen.— Koͤnnen Concubinen etwas erhalten? Die Ordonnarz von 1629 Art. 132. verneinte dieſes; ebenfalls das Project. Liv. III. ehap. I. art 11 Ceux, qui ont véeu enſemble dans un concubinage notoire font reſpectivement incapabſes de ſe donuer. Auf Ettnnerung des Tribunals von Lyon(CRussatkk Analyſe p. 750.) wurde der Artitel wegaelaſſen, weil er veranlaſſe des inquiſitions, qui pourroient ẽtre également injuſtes et odieuſes. B160 T DB PREAMRNRU Bxpoſe.— Da nun ebenfalls der Code darüber ſchweigt, ſo macht Dabelow Archiv St. IV. S 367. einen Unterſchted zwiſchen notoriſchen und zweifelhaften Concubinen, und ſchließt bloß die erſten als unfähig aus, aber ſehr richtig bemerkt dagegen Gönner Archiv B III. H. 1. S. 55. daß die Verfaſſer den Artikel nicht als uͤberftuͤſſtg ausließen, ſondern den Inhalt deſſelben mißbilligten, daß mithin die allgemeinen Worte des Art. 902. gelten maͤſſen, worin keln Unterſchred in Hinſicht der Concubinen gemacht iſt⸗ und daß dieſelben mithin faͤhig ſind. So erkannten auch der Appellhof zu Paris in Jurtsprudence T. II. p. 50. Appellhof zu Amiens. Daf. T. II. S gt. Caſſationshof. Daſ. T. V. S. 225. Appellhof zu Nismes. Daſ⸗ T. III. S. 198. Appellhof zu Poitiers Daſ. T. X S 467. S. auch Gönner Archtv. B lII. H. 2. S. 304— 327. und MERLN Repertoire v. Gou cuhinage. Deſſ. Queſtions de droit. T. II. p. 379. GREnrER T I. p. 348 ff. Dagegen behauptet DErviNcouRT Inſtitutes T II. ad h. art., dergleichen Geſchenke ſeyen nach Art. 1131. 1133. gegen die guten Sttten, und der Ap⸗ pellhof zu Beſangon, daß ſie von dem Schenknehmer zuruͤckgefordert werden könnten. S. SiREx Journal général. 1809. P. II. p. 15. und DENIZaRp v. Coneubinage. Zweyter Titel. §. For. Anmerkungen. Art. 911. Zu bemerken iſt: I. Jede Verordnung zum Vortheile eines Un⸗ faͤhigen iſt nichtig, mag auch dieſelbe in die Form eines oneroſen Con⸗ tracts, z. B. Verkaufs, eingekleidet, oder auf den Namen untergeſcho⸗ bener Perſonen, d. h. ſolcher, von denen der Unfaͤhige direct, oder indirect 3 dieſen Vortheil zu gemeßen haben wuͤrde, geſchehen ſeyn. Als ſolche untergeſchobene Perſonen werden betrachtet: 1) die Eltern des Unfähigen; Art. o12. 2) die Deſcendenten deſſelben; 3) der Ehegatte deſſelben. Il. Zum Vor⸗ theile eines Fremden kaun man nur in dem Falle verfuͤgen, wo dieſer Fremde zum Vortheil eines Inländers verfuͤgen konnte. G. t Drit⸗ Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 177 6 Dnttes Kapitel. , 5 Von dem disponibeln Theile des Vermoͤgens und von der Reduetion. Erſter Abſchnitt. . Von dem disponibeln Vermoͤgenstheile. M t§. 592. . G ſ 6. Jeder Disponent iſt verpflichtet, zum Beſten beſtimmter Perſonen uber einen Theil ſeines Vermögens nicht zu disponiren, weil dieſer Theil den genannten Perſonen als unangreifbarer Pflichttheil verbleiben muß. Das uͤbrige, welches nicht unter dieſem Pflichttheile begriffen wird, iſt der freyen Dispoſition des Disponenten unterworfen, und heißt deshalb . disponibler Theil ¹). 1) S. Portion dispomble, ou traité de la partie des biens, dont on peut, ſuivant le Code eivil, dispoſer à titre gratuit, au prẽjudice de ſes hẽritiers ſ par M. LEvAssEuk, ancteu avocst. Paris. KIII.(180.) g. Planck A6⸗ bandlungen aus dem franzoͤſiſchen Civilrechte. Bo. II. ſoll die Succellio neceſ. faria oder die Lehre von dem Pflichttheile enthalten. 6. 593. Betrag des Plichttheils. Der Betrag des Pflichttheils richtet ſich nach der Anzahl und Be⸗ ſchaffenheit der Perſonen, denen der Pflichttheil gebuͤhrt. Rur ehliche ¹) . Deſcendenten und Aſcendenten können einen Pflichttheil verlangen 2). Sind mithin I. Deſcendenten vorhanden, ſo kömmt es bey Beſtim⸗ Art. 9tz. . mung des disponibeln Theils auf deren Zahl an. Freygebigkeiten durch Schenkung oder Teſtament duͤrfen naͤmlich 1) nicht die Haͤlfte des Ver⸗ mögens des Disponenten uͤberſteigen, wenn er bey ſeinem Abſterben n ein ehliches Kind hinterläßt; 2) nicht das Drittheil, wenn er zwey; art. 9r4 3) nicht das Viertheil, wenn er drey oder mehrere Kinder hinterlaͤßt. ſ Sollten nur Kindeskinder(Enkel u. ſ. w.) vorhanden ſeyn, ſo werden ſie nach Stammen berechnet, ſo daß die Kinder eines verſtorbenen Deſcen— Spyangenberg's Commentar Bd. II. 3 denten 178 Drittes Buch. Zweyter. Titel denten denſelben repraͤſentiren 3). Die nachſtehende Tabelle 4) wird dieſes deutlicher machen: Iſt die So vetiigt der Vermö⸗Der Pflicht⸗ Anzahl genstheil und zwar ſtheilfür jedes der Kind beträgt Kinder:„der mithin: disponible: ſindis ponible 2 oder 3 ² 2 3 it oder ½ 2 4 oder 13 6 I 5 ſ oder 26 26 25 5 ſt ader 24 2 1 7 pß oder 2 2 8 ſt oder 2 2½ *9 t oder 16 32 2 10 oder 16 15 4 3 11 ſ oder 3 xx 12 oder 35 28* Art, 15. Sind dagegen II. Aſcendenten vorhanden, ſo iſt dabey zu bemerken, Art. 916. daß dieſelben nur dann einen Pflichttheil verlangen koͤnnen, wenn der Disponent keine Deſcendenten hinterläßt, Um ihren Pflichttheil zu be⸗ ſtimmen ſt zu unterſcheiden: 1es ſind einer oder mehrere Aſcendenten in beyden linten(der vaͤterlichen und der muͤtterlichen) da, ſo erhalten ſie die Haͤlfte des Vermoͤgens des Disponenten als Pflichttheil; d. h. der Drsponent darf nur zu Gunſten freinder Perſonen uͤber die Haͤlfte ſeines Vermögens disponiren; 2) ſind nur Aſecendenten einer kinie vor⸗ handen, ſo betraͤgt ihr Pflichttheil, mithin der indisponible Theil, ein Viertheil*). Zu bemerken iſt jedoch bierbey; a. die Aſcendenten könyen dieſen Pfiichttheil nur nach der Ordnung verlangen, in welchef das Geſetz ſie zur Erbfolge beruft. Es ſchließt mithin der in Zeiner Linie dem Grade nach naͤhere, den Entferntern aus. b. Coneurriren Eltern mit Geſchwiſtern des Verſtorbenen, ſo daß ſie mit denſelben das Vermogen theilen mußten, ſo haben die erſtern das Recht, ihren Pflichttheil ganz zu verlangen, wenn ſie durch die Theilung weniger erhalten wuͤrden, als den Betrag deſſelben ⁵). 15 Sind weder Aſcendenten noch Deſtendenten vorhanden, ſo kann der Disponent ſein ganzes Vermögen durch Schenkung oder S hopfen, Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 179 ſchöpfen, da er weiter keinen Perſonen, nicht einmal ſeinen Geſchwi⸗ ſtern*) einen Pflichttheil ſchuldig iſt ³). 1) S. jedoch zum Art. 736. CtrasoT Commentaire. T. I. p. 195. 2) Ob ſie die Erbſchaft ausſchlagen oder ahnehmen, macht kelnen Unterſchied. LRvassEuk p. 23. Iſt jedech ein Kind des Pflchttheile unwuͤrdig, ſo wird es zwar mitgezohlt, um derſelben zu brſttmmen;'die ubrigen(wie auch der Fall iſt, wenn eines der Kinder den Pflichttheil ausſchlägt) können ſedoch die uͤbermäßigen Schenkungen nut in ſo weit anfechten„als ſie es gekonnt hätten, wenn ihr Bruder nicht unwuͤrdig geweſen waͤre. ZacRARtar Haudbuch. Th. II. S. 210. Derſelbe Schriſtſteiler rechnet ſogar die Adoptivkinder auch z0 denen, auf deren Zahl man ſehen muͤſſe, da dieſelben den ehlichen Deſcen⸗ denten gleichgeſetzt wuͤrden. Art. 350. 3) Aus den Anfangsworten des Art. 914. 6Sont compris— ſous le nom q'enfants, les deſceudans en quelque degré, que ee foit“— ſchliett LEvassrun. p. a6 ff. daß, wenn nur mehrere Enkel eines verſtorbenen Kindes vorhenden ſind, dieſe als mehrere Kinder gezahlt werden, und hiernach der Pflichttheit beſtimmt werden muͤſſe. Anderer Meynung iſt jedoch BgRMARDr Coinmentaire p. 51. Man muß hier unterſcheiden: I. Kamen die Enkel duic Repräſenti⸗ tion zur Succeſſion, ſo bilden ſie nur eine Perſon. II. Kamen ſie in eigenem Rechte zur Succeſſion, weil ihr Vater z. B. unwuͤrdig war, ſo werden ſie als ſo viel einzelne Perſonem gezaͤhlt, als ſie ſind. Gleichwohl können ſie die Schen⸗ kungen und Legate nur in dem Grade verkürzen, in welchem ihre Vaͤter hierzu berechtigt waren. Bovscbnr Explication ad art. 913. Nr. IK. 4) S. J. H. A. FRinrIN6 Frinnerungsblätter fur practiſche Rechtsgelchrte des Konigreichs Weſtphalen. Helwſtadt 1810. fol. 5) Zu bemerken iſt, daß dieſer Artikel durch den Art. 730. eine Einſchrän⸗ kung leidet, wenn weitere Aſcendenten durch die Geſchwiſter des Verſtorbenen ausgeſchloſſen werden, denn dann können die ausgeſchloſſenen Aſcendenten keinen Pfichttheil verlangen, weil es ungeretmt ſeyn wuͤrde, daß dieſe Aſcendenten ſelbſt dann einen Pflichttheil haben ſollten, kwenn ſie nicht zur Inteſlaterbfolge kaͤmen. JauBERT Rapport bey GakNERT L. III. P. I. p. 179. BoosquRT Explication ad h. i. DErvINcouRT Inſtitutes. T. II. P⸗ II5. 6) So iſt dieſer Artikel zu erklären. MarTvILIE Analyſe ad h. art. Bigot de Preamenau in der Discuſſion,(Conférence. T. IV. p. 211.) deſſen producirtes Beyſpiel jedoch zu irrigen Folgerungen fuͤhrt. S. ZacaR1an Handbuch. Th. HI S. 213. LRvAssRuR S. 42 ff. 7) S. die Discuſſion in der Conférence. T. IW. p. 208 ff. 3) Ueberhaupt wird die cautela Socini, da ſie ganz in der Natur der Sache lieat, auch jetzt noch angewandt werden koͤnnen. Auch ſiehe die Ausnahme im Att. 1094. 3 2 Dleſer 180 Drittes Buch. Zweyter Titel. Dieſer Pflichttheil iſt immer quota bonorum deductis debitis, mithin braucht der Pflichterbe mie Schulden zu bezahlen. Wäre der Pſitchttheil erſchöpft, ſo kann er doch die fruͤhen Schenkungen reductren laſſen, um wieder zu einem Pflichttheil zu gelangen, ohne daß er auch in dieſem Fall Schulden zu bezahlen brauchte. Andrer Meynung iſt jedoch MarEvIILE Analyſe ad art. 922. und behauptet, daß die Glaͤubiger zwar den Pflichterben belangen, dieſer dagegen einen Regreß gegen den, welcher den disponibeln Theil erhielt, nehmen koͤnne. Aber ſ. unten zum Art. 922; in dem es auch ausdruͤckiich heißt, daß der Pflicht⸗ theil nach Abzug der Schulden erſt ausgemittelt werde; ſo daß mithin jede weitere Forderung an den Pflichterben unmoglich iſt. §. 594. Fernere Beſtimmung in Hinſicht des disponibeln Theils. Art. 917. gerner iſt beſtimmt: I. Hat der Disponent den zum Pflichttheile Berechtigten alles gegeben, einem dritten jedoch einen Nießbrauch, oder eine Leibrente vermacht, oder verliehen, deren Betrag den disponibeln Theil uͤberſteigt, ſo haben die zum Pflichttheile Berechtigten die Wahl, ob ſie dieſe Leibrente auszahlen, oder den Nießbrauch geſtatten wollen, oder ob ſie das Eigenthum des disponibeln Theils an den Beſchenkten urt. 913. abtreten wollen. II. Sind gewiſſe Vermoͤgensſtucke unter der Bedingung einer Leibrente, oder einer jahrlichen Leiſtung, ſo daß das Capital nie zu⸗ ruͤckgezahlt werden ſoll(à fonds perdu), an einen der Erbfaͤhigen in gerader kinie z. B. den Sohn veräußert werden, ſo ſoll dieſer Vertrag als eine verſteckte Schenkung angeſeben*), und deshalb der Werth des vollen Eigenthums dieſer Stuͤcke auf das, was dieſer Sohn aus dem disponibeln Theu erbielt, aufgerechnet, der Ueberſchuß aber in die allge⸗ meine Verlaſſenſchaftsmaſſe eingeworfen werden. Dieſe Auftechnung und Collation können die Miterben verlangen, ausgenommen: 1) die Aſcendenten und Deſcendenten, welche in dieſe Veraͤußerung eingewilligt haben; 2) die Seitenverwandten⸗ 1) Welche nach Art. 853. verboten iſt. LEvASsPuR p⸗ 178 ff. Collatlon desjenigen, was man auf den disponibeln Theil erhielt. Zrt. 919. Aus den oben aufgeſtellten Grundſätzen uͤber die Collation folgt 3 unwiderruflich, daß, da der disponible Theil ſowohl den Kindern als andern Erbfolgern des Disponenten, zugewandt werden kann, dieſe, ſe en0 Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten, 181 ſie zugleich zur Erbfolge gelangen, den Betrag deſſen, was ſie auf den disponibeln Therl erhalten haben, eonferiren muſſen; es waͤre denn, daß ihnen dieſer Betrag ausdrucklich zum Voraus, oder außer ihrem Antheil gegeben wäre.(S. 577.) Dieſe Erklaͤrung, daß das Geſchenk oder Ver— mächtniß zum Voraus, oder außer dem Erbtheile gegeben ſey, braucht jedoch nicht ſogleich bey der Dispoſition uͤber daſſelbe, abgegeben zu werden; ſie kann auch ſpaͤterhin in einer beſondern Schenkung, oder in emem beſondern Teſtamente geſchehen. Zweyter Abſchnitt. Von der Reduction der Schenkungen und Vermaͤchtniſſe. (actio ad ſupplendam legilimam). 6. 596. Grundſat. Verfuͤgungen unter Lebenden, oder auf den Todesſall, welche den Art. a0. disponibeln Theil uberſteigen, können bey dem Anfalle der Erbfolge bis auf dieſen Theil vermindert werden, d. b. es findet eine actio ad Tup- plendam legitimam ſtatt. §. 597. I1 Wer kann die Reductionsklage anſtellen? Dieſe Reductionsklage können diejenigen anſtellen, welche einen Art. 921. pflichttheil verlangen können, ingleichen deren Inteſtuterben und Rach⸗ folger*), nicht aber die Geſchenknehmer, Legatarien und Glaͤubiger des Verſtorbenen. 1) Ceſſionarien, Glaͤubiger u.[. w. DntvIncovn laſtitutes. T. HI p. 119 §. 598. II. Wann kann man dieſe Klage anſtellen? Um zu beuttheilen, ob die Klage ad Iupplendam legitimam zu⸗ Art. 922. läſſig ſey, muß man auf die Maſſe der Verlaſſenſchaft ſehen, zu welcher man rechnet: 1) das ganze active Vermögen, ſo wie es bey des Schen⸗ 8 3 kers Art. o23. Grundſaͤtze: I. Vorzugsweiſe werde 182 Drittes Buch. Zweyter Titei. kers oder Teſtators Tode vorhanden war; M. Fictionsweife r) die be⸗ weglichen oder unbeweglichen, fungibeln oder nicht fungtbeln Gegen⸗ ſtäͤnde, woruber durch Schenkung unter den Lebenden verfuͤgt worden iſt, und zwar nach der Beſchaffenheit, in welcher ſie ſich bey dem Tode des Schenkers befanden. Von dieſer Maſſe werden ſodann, ſedoch fruͤher ehe man die disponirten Gegenſtaͤnde dazu rechnet ²), die Schulden des Ver⸗ ſtorbenen abgezogen, und nun von der reinen Maſſe, mit Beobachtung der oben(§. 593.) angegebenen Grundſätze berechnet, wie hoch ſich der disponible Theil des Vermoͤgens belaufen duͤrfe. 1) Mithin nicht in Natur. 3) Dahin berichtigt ſehr richtig den Artitel LEvasspun p. 6. denn wenn man denſelben buchſtäblich verſtehen, und die Schulden erſt nach Hinzurechnung der disponirten Gegenftaͤnde abziehen wollte, würden Folgerungen entſtehen, die dem Geiſte des Geſetzes zuwider wären. 8 B. der Schenker hinterlaͤßt 100, 0c0 Fr. activa, 180,000 Fr. paſſiva, und hat eine Schenkung von 50,000 Fr. gemacht. Rechnet man nun von den acuvis die 180,000 Fr. paſüva ab, ſo wie es der richtigen Erklärung nach geſchehen muß, ſo bleiben 0 Fr. activa. Hierzu kommt die Schenkung von 30,000 Fr.; uͤber welche denn die Pflicht⸗ erben ihr Recht ausaben. Wollte man dagegen die Schulden erſt nach der Collation der Schenkung abziehen, ſo wuͤrde gar nichts uͤbrig bleiben, wovon eine Reductlon ſtatt finden könnte. In dieſem Sinne erklärt auch die Discufſion publique den Artikel. S. JauRRaT Rapport. bey GakNkkV a. 6. O. homme 4 disyoſe 1l laiſſe des deſcendans ou⸗ des aſcendans... on calcule le montaht net des Plens dont?l n' c pas diyoœſe Jjoint avec 7a valeur de ceuæ dont il« dispo— So auch BERMARDI Commentaire p. 62.— In der Discuſſion wurdè nämlich beſchloſſen, daß die Glaubiger des Schenkers an den Gätern deſſelben, weiche nach ſeinem Tode durch Reduction an den Pflichterben kommen, keme Forderungen mehr machen köunten⸗ dIat.EvL1L.F Analyſe ad art, 921⸗ S. oben F. 593. Not, 8. §. 599. III. Wirkungen dieſer Klage. Iſt nun durch dieſe Berechnung aufgefunden, daß der Verſtorbene mehr vermacht, odet verſchenkt habe, als er nach der Eigenſchaft der Pflichterben konnte, ſo werden ſeine Verfuͤgungen zum Vortheile der verletzten Pflichterben verkuͤrzt, und zwar unter Beobachtung folgender n n die teſtamentariſchen Verfuͤgungen reducirt; und nur, wenn dieſelben den Pflichttheil nicht ergänzen ſollten, kann man zur Reduction der Schenkungen unter Lebenden ſchreiten, und zwar Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 183 zwar 1) muß dann mit der letzten Schenkung der Anfang gemacht, und wenn auch dieſe noch nicht zur Ergaͤnzung des Pflichttheils hinreichen ſollte, ſtufenweiſe ruͤckwaͤrts von den juͤngern Schenkungen zu den aͤltern fortgeſchritten werden; 2) war die der Reduction unterworfene Schen⸗ Art. 924. kung an eine, der zur Forderung des Pflchttheils berechtigten Perſonen geſchehen, ſo kann dieſe von den geſchenkten Sachen den Wertb der ihr, als Erben von dem nichtdisponibeln Vermögensbetrage zukommenden Ergaͤnzung zuruͤckbehalten, vorausgeſetzt, daß beyde Antheile, ſowehl Pflichttherl als Schenkung, von gleicher Beſchaffenbeit ſind. II. Ueber⸗ Urt. 923. eigt mithin der Betrag der Schenkungen unter Lebenden den disponibeln Theil, oder kömmt er dem Betrage des letztern gleich, ſo ſind alle etwaigen teſtamentariſchen Verfuͤgungen ohne Wirkung. III. Ueberſteigen Art. 926. dagegen die teſtamentariſchen Verfuͤgungen entweder in Ermangelung von Schenkungen den disponibeln Theil, oder, wenn Schenkungen vorhan⸗ den ſind, den nach Abzug des Betrags dieſer Schenkungen uͤberbleiben⸗ den Reſt deſſelben; ſo werden dieſe teſtamentariſchen Verfuͤgungen ver⸗ paͤltnißmäßig gekürzt, ohne daß ein Unterſchied zwiſchen Univerſal? oder Particular-Vermaͤchtniſſen gemacht wird, doch ſoll in dieſen Faͤllen, Art. 27. wenn der Teſtator ausdruͤcklich erklaͤrt hat, daß dieſes oder jenes Ver⸗ maͤchtniß vorzugsweiſe zum Voraus ansgezahlt werden ſolle, diefer Vorzug ſtatt finden, und dieſes Vermächtniß erſt alsdann eine Verkuͤrzug erlei⸗ den, wenn der Betrag der uͤbrigen den Pflichttheil noch nicht ergänzen ſollte 1) 1) Die Quarta Falcidia fällt aus dieſen Gruͤnden wes. MarkvIILE Aualyſe ad h. art. 5. b00. W. Folgen öer Reduction. I. Der Beſchenkte muß nun nach Beſchaffenbeit der Umſtaͤnde das Art. 9as. ganze Geſchenk oder einen Theil deſſelben, in ſo fern dieſer zur Ergaͤnzung des Pfſichttheils hinreicht, erſtatten. Ebenfalls muß er die Fruchte dreſes Geſchenks zuruͤckgeben, und zwar I. wenn die Klage auf Erganzung und Reduction binnen einem Jahre von dem Sterbetage des Schenkers an, angebracht wurde, von dieſem Sterbetage an; 2) war ſie ſpaͤter angebracht, von dem Tage der angrſiellten Klage angerechnet. lI. Iſt Art. 929. die geſchenkte Sache eine unbewegliche, ſo muß ſie frey von Schulden und Hypotheken, die der Beſchenkte darauf gelegt hat, zuruͤckgegeben werden 1). 1) 184 Drittes Buch. Zweyter Titel. 1) Freylich leiden die Glaͤubiger hierdurch gewaltig. Aber BpRMAnpr Commen⸗ taire p so. bemerkt richtig: Tes crcanciers du donatans e pourratent pa ℳe plnindre d'a voir 6t trompéf, la tran ſoriytiou de la donation an 5reau de a cohſe⸗ vation der hypothéques qui neeſaire vour Ja verfection— 4 4ů leur Faire conmnaitre a quel titre le donatatre poſedait, et à quel dauger il pourait tre oœpſe; ils devaient faire ce calcul en traitant abec lui. v. Gegen wen dieſe Klage angeſtellt werden könne? In der Regel kann der Pflichterbe dieſe Klage nur gegen den Be⸗ Art. o30. ſchenkten anſtellen ¹). Sollte dieſer jedoch nicht den Betrag der zuruͤck⸗ geforderten Schenkung mit ſeinem eigenen Vermoͤgen zu decken im Stande ſeyn, ſo kann die Klage auch gegen dritte Beſitzer der unter der Schen⸗ kung begriffenen, und von dem Beſchenkten veraͤußerten Sachen, auf dieſelbe Weiſe, und in derſelben Ordnung, wie gegen den Beſchenkten ſelbſt, angeſtellt werden; nur muß bey Anſtellung dieſer Klage gegen dritte Beſitzer derjenige zuerſt in Anſpruch genommen werden, an den die juͤngſte Veraußerung geſchehen iſt. 1) S. LEvAssEuR p. 3— 22.— Iſt jemand, dem Geld oder Mobilien geſchenkt waren, inſolvent, ſo muͤſſen freylich die ältern Geſchenknehmer zur Berich⸗ tigung des Pflichttheils beytragen; Pandectes frangaiſes T. VII. p. 381 ff— allein MalEvILIB Analyſe ad h. art. behauptet, baß in dieſem Falle der ge⸗ ſchenkte Gegenſtand, als vom Erblaſſer verlohren angeſehen werden mäͤſſe, ſo daß die ganze Maſſe des Vermoͤgens hierdurch, und mithin auch der Pflichttheil nach Verhältniß verringert wird. Viertes Kapitel. Von den Schenkungen unter tebenden. Erſter Abſchnitt. Pon den Erforderniſſen der Schenkungen unter Lebenden. §. 602. Eintbeilung derſelben. Die Erforderniſſe der Guͤltigkeit ſolcher Schenkungen ſind tbeils weſentliche, theils außerweſentliche; je nachdem ſie vorhanden ſeyn muͤſſen, oder vorhanden ſeyn koͤnnen*). 1 Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 185 n. 1) S. uͤberhaupt uͤber die Schenkungen unter Lebenden die Ordonhance von 1731. und n, Ohſetvations ſur l'ordonnanee de Louis XV. conceruant les donations. un Toulouſe 1701. 4. II. Vol. re §. 663. I. Weſentliche Erforderniſſe. Weſentliche Erforderniſſe ſind: I. öͤffentlich glaubhafte Form ¹); II. die gehoͤrige Annahme; II. daß die Schenkung nur ze auf gegenwärtiges Vermoͤgen gehe. Fehlt eines dieſer drey Stuͤcke, . ſo iſt die Schenkung nichtig. 1) Ausgenommen von dieſer Form ſind unbedeutende Schenkungen(les don? in. manuelles) JAuBERT Rapport bey GakNFRv L. III. P I. p 187. Caſſa⸗ u ttonshof. in S1RBV Jurisprudeuce. 1807. S. I21. MeRrIN Queſtions. tu v. Donation F. 6. Was eine unbedeutende Sache ſey, iſt dem Ermeſſen der Tribunaͤle uͤberlaſſen, nur iſt zu bemerken: I. Sie kann in Gelde, oder in . Obligationen, die man jemanden giebt, beſtehen, in ſo fern uur die uͤbrigen di Umſtände nicht widerſprechen. II. Immer muß jedoch das Obſect der Schen⸗ kung eine bewegliche Sache ſeyn. Appellhof zu Trier in SrRkv jurisprudence. n 1808. Suppl. p. 75 ff. III. Die Schenkung gewaͤhrt kein Klaarecht, wenn ſie i unter 130 Franken bettaͤgt. S. Ordonnance 1731. art. I. BousQE Ex- plication ad art. 931. z.§. 604. ſ „ 1) Oeffentliche glaubhafte Form. Jeder Aufſatz, der eine Schenkung unter Lebenden enthäͤlt, ſoll vor Art. 3 Notarien in der gewohnlichen Form der Contracte verfaßt werden ¹). Dieſe baben das Originalconcept(la minute) bey Strafe der NRichtig⸗ keit in Verwahrung zu behalten, und nur Ausfertigungen davon an die Contrahenten zu geben. 1) Nämlich von zwey Notarien, oder einem Notar und zwey Zeugen. GakNiEn DrscREsNEs traité du notartat p. 441 ff. der Octavausgabe. Weſtphalſche n. Notatlatordnung Art. 58 ff.(Geſetzbuͤlletin 1809. Nr. 8.) §. 605. 2) Annahme. a. Vornahme derſelben, eit Nur von dem Tage an, daß die Schenkung gebörig angenommen de wurde, iſt dieſelbe von Wirkung, und macht den Schenkenden zur Er— Spangenberg's Commentar Bd. I. Na füuung Art. 932. Art. 933. Art. 934. Art. 935. Art. 936. Art. 937. 186 Drittes Buch. Zweyter Titel. fuͤllung ſeines Verſprechens verbindlich. Die Annahme muß jedoch ge⸗ ſchehen: I Gehoͤrig, d. h. in beſtummten Ausdruͤcken, und bey Leb⸗ zeiten des Schenkenden ¹). Ste geſchiebt gewoͤhnlich zugleich mit in dem Schenkungsinſtrumente, doch kann ſie auch vermittelſt eines ſpätern, jedoch öffentlichen Inſtruments, wovon das Originalconcept ebenfalls bey dem in⸗ ſtrumentirenden Notar zuruͤckbleibt, geſchehen. In dieſem Fall verbindet die Schenkung den Schenker nur von dem Tage an, wo die Urkunde, welche die Annahme in Gewſßheit ſetzt, zu ſeiner Wiſſenſchaft gebracht worden iſi ²). I. Von Perſonen, welche annebmen konnen. Iſt mithin: 1) der Beſchenkte volljaͤhrig, ſo muß die Annahme von ihm ſelbſt, oder Namens ſeiner von einem Bevollmaͤchtigten geſchehen, welcher entweder ſpeciell zur Annahme dieſer Schenkung, oder im allgemeinen zur Annahme aller Schenkungen, welche dem Schenker gemacht werden konnten, beauftragt iſt. Dieſe Vollmacht muß gedoch vor Notarien errichtet, und eme Aus⸗ fertigung derſelben dem HOrigmalconcepte der Schenkungsurkunde, oder des Annahmeinſtruments, falls die Annahme in einer beſondern Urkunde geſchehen war, beygefuͤgt werden. 2) Eine Ehefrau kann nur unter Autoriſation ihres Mannes, oder im Falle der Weigerung deſſelben, mit Genehmigung des Tribunals eine Schenkung annehmen 2). 3) Die einem nicht emancipirten Minderjͤhrigen, oder einem Interdreir⸗ ten gemachte Schenkung, muß in Gemäßbeit des Art. 463. von deſ⸗ ſen Vormund angenommen werden. Der emancipirte Minderjaͤhrige kann ſie aber in eigenem Nahmen, jedoch nur unter Benyſtande ſeies Curators annehmen. Außerdem können fuͤr den Minderzährigen, mag derſelbe emancipirt ſeyn oder nicht, deſſen Eltern, und ſelbſt bey Lebzeiten der Eltern*), deſſen uͤbrige Aſcendenten, wenn ſie gleich weder Vor⸗ muͤnder noch Curatoren des Muderzjährigen ſind, die Schenkung an⸗ nehmen. 4) Der Taubſtumme, welcher zu ſchreiben verſteht, kann die Schenkung ſowohl ſelbſt, als durch einen Bevollmäͤchtigten annehmen. Kann er nicht ſchreiben, ſo muß die Annahme durch einen ſpetiell dazu beſtellten Curator geſchehen. 5) Schenkungen, die zum Vortheile von Waiſenhaͤuſern und Hoſpitaͤlern, ſo wie zum Vortheile der Armen einer Gemeinde, oder gemeinnuͤtziger Anſtalten ge⸗ ſcheben, ſollen von den Verwaltern dieſer Gemeinden oder Anſtalten, nachdem dieſelben von der Regierung hiezu ermaͤchtigt worden*) ſind, angenommen werden*). 1) Von Schenkungen unter Lebenden, und bon Teſtamenten. 187 1) Bis zur Annahme fann die Schenkung immer widerrufen werden. B1607 h E PREAnNpu Expoſc, bey GakNrRv L. III. b. I. p 91. Eine nicht an⸗ n genomiene Sthenkung gllt nicht eimmnal als donatio mortis cauſſa. JoUAn- vrAU et Sot.ON Discuſlions. T II. p. 180. 184. Auch kann die Annahme nicht aus Thatſachen gefolgert werden. BI6or pE PREAMENE a. a. O. 6 2) Sind ſimulirte Schenkungen, welche unter der Form eines Verkaufs eingegan⸗ i gen ſind, guͤltig?— Die Civilſection, und die Section der Requeten des Caſ⸗ ie fattonshofs ſcheinen ſich, dem erſten Anſchein nach, zu widerſprechen. Vier ) Arrets der erßen annullirten Urthelle, wodurch ſolche Schenkungen fuͤr nichtig i erklärt waren, während dem drey der letztern das Rechtsmittel der Caſſatien voͤllig verwarfen. Journal de barreau. 1809. T. I. p. 39. Doch will man ſ ſogar zwiſchen ſpätern Arrets der letztern einen Widerſpruch finden, und be⸗ el haupten, daß ſie zu den von der Ctvtiſectton aufgeſtellten Grundſätzen zu⸗ lt ruͤckaekehrt ſey. Z. B. CRasoT Queſtions tranſitoires, GRENiTR traité des donations ad teſtam. T. 1. p. 395. Jorisprudence T. V. p. 297. MRRLIN 6 Repertotre v. Donation degumſée. Ob ſich gleich dieſes letztere nicht b.haupten läßt, wie in S1RBx Jourual général. 1809. P. I. P. 103. gezeigt mird, ſo u verdient dennoch die Meynung der Civliſection den Vorzug, da es voͤllig de gleichguttig iſt, ob eine Schenkung, gegen die weder in Hinſicht der Per⸗ ſonen noch des Gegenſtandes etwas einzuwenden iſt⸗ auf dieſe oder jene i Art eingegangen iſt, und da ſich uͤberhaupt der Art. 803. als genommen aus der n Ordonnance von 1731. nur auf expreſſe, nicht auf ſtillſchweigende Schenkungen i bezleht. FoukGotE ſur Fart. 1. de'ordonn. 1731. it Dagegen laͤßt ſich ſagen— que la ſimulation eſt une veritable fraude à la ſoi fur les donations, en ce que le donatamre ſe trouve dupenſé des formes ſevéres établies pour les dispoſitons à titre gratutt, aber das faͤllt nach FouvRGotEs Bemerkung weg; en ce que d'aulleurs le donsteur ſe trouve privé du béuefice de revocation pour iugratitude, ou furvenance des eu- tans. Das iſt zedoch ſeine eigne Schuld! Die Grundſätze der Civilſection hat auch der Appellhof zu Bruͤſſel adoptirt. Zu bemerken iſt jedoch, doß wenn eine ſolche ſimulata donatio einen Theil disponibles, und einen Theil nicht disponibles Vermoͤgen in ſich faßt, dieſelbe . durchaus nult iſt. Coſſarienshof. Ebendaſ. u Eben ſo wenig ſind ſmulirte Schenkungen, die in Form eines Wechſels, 6 worin bekanut wird, Valutem empfangen zu haben, geſchehen, unguͤltig. Appell⸗ hof zu Met in Jurisprud. T. XI. p. 284. Iſt eine Schenkungsurkunde fehlerhaſt, ſo kann dieſer Fehler nur durch Wie⸗ derhohlung der Schenkung gehoben werden. Art. 1339. Die Erben des Schen⸗ 6 kers, oder deſſen Nachfolger, koͤnnen die Schenkung ſedoch nicht wegen fehler⸗ hafter Urkunde angreifen, wenn ſie di⸗ Schenkung ſelblt vollzogen haben. 0 Art. 1340. 5 3) 3. B. in deren Abweſenheit. Das Arrèté du gouvernement vom 4. pluvioſe XII. erlaubte dieß, auf Ge⸗ nehmigung des Praͤfecten, wenn nur das Geſchenk nicht 300 Franken in Capital Aa 2 uͤber⸗ Art. 938. Art. 939. Art. 940. Art. 941. Art. 942. Drittes Buch. Zweyter Titel. uͤberſteigt. Dleſes wurde durch das kaiſerl. Decret vom 12. Auauſt 1807. bey koNpoRNa Supplement p. 231. ed. Voss beſtätigt. Ueberſteigt hinaeaen der Werth dieſe 300 Fraken, ſo iſt die Genehmigung der Regierung noth⸗ wendia. Dieſe wird dadurch erwirkt, daß jedes Jahr ein Verzeichniß dieſer Schenkungen ven dem Praͤfecten dem Miniſter des Innern vorgeleat wird, der dem Katſer daruͤber berichtet.— Fuͤr Weſtphalen findet ſich daſſelbe Ver⸗ fahren, nur bedarf es immer der Autoriſatlon des Gouvernements, die Schen⸗ kung mog unter oder uͤber 300 Francs betragon⸗ 5) Froͤher gilt nicht einmal eine ſolche proviſoriſche Annahme. B1GoT DE PREA- MENEo in der Diſcuſſion. §. 606. b. Wirkung. Iſt die Schenkung gehorig angenommen*), ſo erhaͤlt ſie durch die bloße Einwilligung der Partheyen volle Gultigkeit, und das Eigenthum der geſchenkten Sachen geht, ohne daß es einer Tradition beduͤrfte, auf den Beſchenkten uͤber. Doch iſt zu bémerken: 1. Betrifft die Schenkung Gegenſtaͤnde, an denen eine Hypothek ſtatt findet, ſo muß die Schenkungs⸗ und Annahmeurkunde, wie auch die Bekanntmachung der etwa in einem beſondern Aufſatze erfolgten Annahme in die Hypotbekenbuͤcher eingetragen werden, und zwar in die des Diſtricts, in deren Bezirke jene Gegen⸗ ſtände liegen*). Dieſe Eintragung ſoll der Schenknehmer beſorgen, und zwar: 1) Der Mann, wenn die Sachen ſeiner Frau geſchenkt worden ſind. Die Fran hat jedoch das Recht, daß ſie die Eintragung, wenn der Mann ſie nicht beſorgt, ohne deſſen Genebmigung vornehmen laſſen kann. 2) Iſt die Schenkung Minder)aͤhrigen, Interdicirten, oder offent⸗ lichen Anſtalten gemacht worden, ſo iſt die Eintragung auf Betreiben der Vormuͤnder, Curatoren oder Directoren dieſer Anſtalten zu bewirken. II. Iſt dieſe Eintragung nicht geſchehen, ſo kann die Schenkung von jedem der ein Intereſſe dabey hat,. B. dem Glänbiger oder Rach⸗ folger*) des Schenkers, angefochten werden, ausgenommen 1) von denen, welche die Eintragung vornehmen zu laſſen verbunden ſind, und ihren Nachfolgern, und 2) von dem Schenker. IiI. Gegen die unterlaſſene Annahme oder Eintragung findet keine Wiedereinſetzung in den vorigen Stand ſtatt; nicht einmal 1) zu Gunſten der Minderjährigen, Inter⸗ dicirten oder Ehefrauen; doch haben dieſelben einen Entſchaͤdigungs⸗ anſpruch gegen ihre Vormuͤnder oder Chegatten. Auch nicht einmal 2) im Falle der Zahlungsunfaͤhigkeit der erwaͤhuten Vormuͤnder oder Ehe⸗ gatten. Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 189 i gatten. IV. In der Schenkungsurkunde muß ein Verzeichniß der auf dem Geſchenke haftenden Schulden und taſten angegeben ſeyn 4). 1) Pollicitationes finden mithin nicht mehr ſtatt. eu 2) Binnen welcher Zeit die Transſcription geſchehen ſolle, iſt nicht beſtimmt. en Die Pandeotes fraugaiſes. T VIII. p. 409. glauben, daß in dieſer Hinſicht die durch die fruͤhern Geſetze beſtimmte Zeitfriſt zur Anwendung kommen muͤſſe. 4. 3) Ordonnance 1731. art. 27. MalEvIILLE Analyſe ad h. art. Die Nichtig⸗ keitsklage veraͤhrt jedoch binnen 30 Jahren. 4) Art. 943. §. 607. die 3) Die Schenkung darf nur das gegenwartige Vermögen begreiſen. n Eine Schenkung unter Lebenden kann nur das gegenwaͤrtige Ver— Art, uf mögen des Schenkenden begreifen; geht ſie auf zukünftige Sachen*), ſo iſt ſie, jedoch nur in Hinſicht dieſer letztern, ungultig; ausgenommen die g im achten und neunten Kapitel zu erwaͤhnenden Schenkungen ²). en ſen 1) Ohne Unterſchied ob dieſelben nur einen Theil der Schenkung oder die ganze en Schenkung ausmachen. FouRG6olg fur Iordonnance de 1731. art. 1. en Unter das gesenwärtige Vermögen gehören aber nach MarnvIITE's Analyſe ad h. art. Behauptung, die Anſpruͤche, weshalb dem Geber ein unbedingtes n Klagrecht zuſteht. un ſ 2) Art. 947. n 8. 6o8. M. Außerweſentliche Erfordetniſſe. Hierber gebören die Bedingungen, welche bey einer Schenkung gemacht werden können; denn die Schenkung wird unguͤltig, wenn ſie nicht erfullt werden. Dieſe Bedingungen koͤnnen ſehr mancherley ſeyn ¹), der Code ſpricht jedoch nur, nachdem er im allgemeinen von der Zulaͤß— ſigkeit ſolcher Vedingungen geredet hat, I von der Bedingung des Vorbehalts; l. von der Schenkung beweglicher Sachen; el, ren III. von der Schenkung ohne Rießbrauch; IV. von der Be⸗ dingung des Ruͤckfalls. nil 1) Att. 1169— 1174. Aa3 8. 609. Drittes Buch. Zweyter Titel⸗ §. 609. Allgemeine Veſtimmungen. Einige Bedingungen machen die Schenkung nicht unguͤltig, ſondern werden nur fuͤr nicht binzugefuͤgt gehalten, z. B. die unmöglichen, und den Geſetzen und guten Sitten zuwiderlaufenden*), andere hingegen ziehen die Richtigkeit der ganzen Schenkung ſelbſt nach ſich. Zu den Art. 9a4. letztern gehoͤren: I. Dieſenigen, deren Erfuͤllung lediglich von der Will⸗ Art. as. kuͤhr des Schenkenden abhaͤngt ²). II. Die Bedingung, daß der Schenk⸗ nehmer noch andere zukuͤnftige Schulden und Laſten tilgen ſolle, als welche zur Zeit der Schenkung vorhanden ſind, oder in der Schenkungs⸗ urkunde angegeben ſind.— Nur dann bringen dieſe Bedingungen fuͤr die Schenkung keine Nichtigkeit zuwege, wenn ſie zu den im achten und neunten Kapitel dieſes Titels zu erwähnenden Schenkungen gebört ⁵). 1) Art. 900. 2) Art. 1174. Beyſpiele efner ſolchen ſ. in fr. 8. D. KLIV. I. de obligatt. et actt. fr, 46, F. 2. 3. D. KI.V. I. de verbor. o6l. 3) Art. 947. 5. 610. J. Schenkuns unter Vorbehalt. Art. 946. Hat der Schenker ſich die Befugniß vorbehalten, uͤber eine in der Schenkung mitbegriffene Sache, oder uͤber eine beſtimmte aus den ge⸗ ſchenkten Guͤtern zu erhebende Summe zu verfügen, und ſtirbt er ohne dieſe Verfuͤgung vollzogen zu haben, ſo gehoͤrt die Sache oder Summe den Erben des Schenkers, ohne Ruͤckſicht auf irgend eine entgegenſtebende Beſtimmung und Verabredung. Grund des Geſetzes iſt, weil man uͤber eine zukuͤnftig anfallende Sache nicht disponren kaun, weshalb denn auch Art. 47. dieſe Beſtimmung in Hinſicht der im achten und neunten Kapitel zu er⸗ waͤhnenden Schenkungen wegfällt. §. 617. 3. Schenkung beweglicher Sachen. 3 Att. 948. Jede Schenkung uͤber bewegliche Sachen iſt nur in Anſehung der⸗ jenigen Gegenſtände guͤltig, worüber ein deren Taxation enthaltendes, und von dem Schenker ſowohl, als dem Beſchenkten, oder ſeinen Stellver⸗ tretern etn nh ge den it n al 96 fi lnd de 9 m nN be uh het Uet ſer Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 191 tretern unterſchriebenes Verzeichniß dem Originalconcept(minute) jeder Urkunde beygefuͤgt worden iſt. 6. 612. 1II. Schenkung ohne Nießbrauch. Der Schenkende iſt berechtigt, den Nießbrauch, oder den Gebrauch Att. 949. der geſchenkten beweglichen oder unbeweglichen Sachen entweder fuͤr ſich ſelbſt, oder zum Vortheile eines Andern vorzubehalten. Nach Erlö⸗ ſchung des Rießbrauchs wird dann der Beſchenkte unbeſchraͤnkter Eigen⸗ thuͤmer. In Hinſicht der unter dieſer Bedingung verſchenkten beweg⸗ lichen Sachen iſt zu bemerken, daß der Beſchenkte, nach erloſchenem Art. 950. Rießbrauche die geſchenkten Sachen, welche ſich in Natur vorfinden, in dem Zuſtande annehmen muß, worin ſie alsdann ſind; daß er aber in Anſebung der nicht mehr vorhandenen eine Klage wider den Schenker oder deſſen Erben auf den, denſelben in der der Schenkungsurkunde an— gehängten Taxation beſtimmten Werth hot. 5. 623. W. Rucfallsrecht. Der Schenker kann ſich das Ruͤckfullsrecht an den geſchenkten Art. 951. Sachen ausbedingen, ſowohl auf den Fall, wenn der Beſchenkte allein ¹), als auch, wenn der Beſchenkte und deſſen Deſcendenten vor ihm ver⸗ ſterben ²) ſollten. Doch kann der Schenker dieſes Recht ſich nur zu ſeinem Vortheile, nicht aber zum Vortheile anderer Perſonen ausbe⸗ dingen. Dann fallen nach dem Tode des Beſchenkten oder deſſen Deſeen⸗ Art. 952. denten die geſchenkten Sachen frey und ledig von allen Laſten und Hy⸗ potheken an den Schenker zuruͤck. Ausgenommen: der Schenker muß die auf dem Geſchenk ruhende Hypothek fuͤr den Brautſchatz, und fuͤr die in der Eheſtiftung enthaltenen Beſtimmungen anerkennen, in ſo fern: 1) das ubrige Vermoͤgen des beſchenkten Ehegatten nicht binreicht, den andern für den Brautſchatz u. ſ. w. ſicher zu ſtellen; 2) die Schenkung an den Beſchenkten in eben der Eheſtiftung geſchehen iſt, in welcher jene Beſtimmungen und Hypotbeken feſtgeſetzt ſind. Le donataire ſeul.“ In der Weſtphaliea iſt mithin in dieſem Artikel, ſuͤr wenn der Schenker allein“*“wenn der Beſchenkte allein verſterben ſollte,“ zu verbeſſern 2 1) 192 Drittes Buch. Zweyter Titel. 2) Buͤrgerlich oder wirklich, iſt völlig gleich, GRENIEn T. I p. 208. 209. S. auch Art. 25. welcher ſagt, daß der buͤrgerliche Tod dieſelben Foigen habe, wie der natuͤrliche. 6. Verbindlichkeiten des Schenknehmers. Der Beſchenkte iſt in gewiſſer Hinſicht verbunden, die Schulden des Schenkers zu bezahlen. Man muß namlich unterſcheiden: Entweder begriff die Schenkung das ganze Vermoͤgen; dann muͤſſen die Schulden zum Voraus abgezogen und bezahlt werden, ehe der Beſchenkte die Schen⸗ kung erhaͤlt; oder nur eine Quote deſſelben, dann bezahlt der Beſchenkte nach dieſem Verhältniſſe die Schulden; oder eine einzelne Sache, dann bezahlt der Beſchenkte die Schulden nicht anders, als wenn er es aus⸗ druͤcklich verſprochen hatte ¹). 1) JaustkRT Rapport, bey GakNERx L. III. P. I. p. 188. Zweyter Abſchnitt. Ausnahmen von der Regel, daß Schenkungen unter Lebenden unwiderruflich ſind. §. 615. Gruͤnde des Widerrufs. Art. 933. Obgleich Schenkungen unter Lebenden ihrer Ratur nach, in der Regel unwiderruflich ſind, ſo können ſie doch ausnahmsweiſe widerrufen werden: I. wegen Richterfuͤllung der Bedingung; L. wegen Undanks; III. wegen nachgebohrener Kinder. 5. 616. I. Wegen Nichterfullung der Bedingung. Art. 934. Wird die Schenkung widerrufen, weil der Beſchenkte die Bedin⸗ gungen nicht erfullte, welche der Schenker ihm auferlegt hatte, ſo fallen die geſchenkten Güter, frey von allen Laſten und Hypotheken, welche der Beſchenkte darauf gelegt hatte, in die Haͤnde des Schenkers zuruͤck. Sollte der Beſchenkte dieſe Guͤter ſchon an dritte Perſonen haben, Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 103 baben, ſo ſteben dem Schenker gegen dieſe dritte Perſonen dieſelben Kla⸗ gen und Rechte zu, welche er gegen den Beſchenkten hatte ¹). Zu bemer⸗ ken iſt, daß dieſer Widerruf nicht iplo jure ſtatt findet 2); ſondern eine Klage auf Widerruf und Herausgabe von dem Schenker, oder deſſen Stellvertreter, angeſtellt werden muß 3), 6 1) S. Art. 1183. I184. er 2) Art. 956. en 3) Ebeufalls hat der Schenker das Recht, ſtalt des Widerrufs auf Erfüllung 5 der Bedingung zu klagen, MAEvIILLR Analyſc. ad h. art.— Die Klage wird, da der Code keine beſondere Verjaͤhrunaszelt in Hinſicht ihrer feſtſetzt, kt binnen 30 Jahren verhähren. 2cRak1aß Handb. Th II. S. 237. Ande⸗ n rer Meynung iſt BovsauT Explicaton ad art. 936. nro. II. und will arg. 6 Art. 937. annehmen, daß ſie binnen etnem Jahre verzähre. 6. IHI. Wegen Undanks. Als ſolcher Undank, welcher den Widerruf der Schenkung begruͤn⸗Art. 935. det, wird angenommen: F. wenn der Beſchenkte dem Schenker nach i dem Leben trachtete, II. wenn er ſich gegen ihn Mißhandlungen, Ver⸗ gehungen(délits) oder grobe Beleidigungen zu Schulden kommen ließ; III. wenn er ihm Alimente verſagte.— Auch dieſer Wiederruf findet Art. 96. nicht iplo jure ſtatt; er muß vielmehr, und zwar binnen Jahresfriſt, Art. 937. von dem Tage anzurechnen, wo das Vergehen begangen, oder dem Schenker bekannt wurde, mittelſt einer gegen den Beſchenkten erhobenen Klage geſchehen. Dieſe Klage findet weder gegen die Erben des Be⸗ ſchenkten ſtatt, noch kann ſie von den Erben des Schenkers wider den Beſchenkten angeſtellt werden, ausgenommen 1) wenn der Schenker vor ſeinem Tode die Klage ſchon angeſtellt haͤtte, oder 2) in dem Jahre des begangenen Vergehens geſtorben wäre. Ein Auszug aus dieſer Klage muß an dem Rande der im 939ſten Art. vorgeſchriebenen Ein⸗ tragung, und zwar auf Betreiben des Klaͤgers, angemerkt werden. Uebrigens iſt zu bemerken: I. dieſer Widerruf bewirkt nicht den Zuruͤck⸗ hin fall der Sachen ohne Laſten, denn ſowohl die von dem Beſchenkten ln vorgenommenen Veraͤnßexungen, als die von ihm darauf gelegten Hypo⸗ N theken und ſonſtigen Laſten bleiben guͤltig, vorausgeſetzt, daß ſie vor⸗ it genommen ſind, bevor der Auszug der Klage, wie eben bemerkt iſt, n eingetragen iſt. Der Beſchenkte iſt jedoch ſ⸗ den Werth der ver⸗ Spangenberg's Commentar Vd. 1I. aͤußér⸗ Art. 959. Art. 960. Art. 961. Art. 962. 194 Drittes Buch. Zweyter Titel. äußerten Sachen, ſo wie er ſich zur Zeit der angeſtellten Klage befand, und die Fruͤchte von dem Tage dieſer Klage an, zu erſetzen. II. Schen⸗ kungen, die zur Begünſtigung einer Ehe von einem dritten ¹) geſchehen, (Cap. 8.) konnen wegen Undank nicht widerrufen werden; doch berech— tigt die Trennung von Tiſch und Bette und Scheidung dazu ²). 1) Hierauf iſt der Artikel zu bezlehen. Bullet in de jurin prudence. T. II. p. 23 ff. 2) rt. 299. 306. Tribunal erſter Inſtanz zu Paris im Journal de bar eau. T. I. p. 61.(1809.). 618. III. Wegen nachgebohrener Kinder. Jede Schenkung, welche von Perſonen gemacht wurde, die zur Zeit der Schenkung keine wirklich lebenden Kinder oder Deſcendenten hat⸗ ten, wird jpſo jure dadurch aufgeboben, daß dem Schenker nachber, wenn gleich erſt nach ſeinem Tode, entweder I. ein ehliches Kind ge⸗ bohren ¹), oder II. ein unehliches ²), jedoch erſt nach ver Schenkung gebehrenes ²) Kind durch nachfolgende Ehe legitimirt wurde. Dieſer geſetzliche Widerruf tritt bei allen Schenkungen ein; ſis mögen einen Werth haben, welchen ſie wollen, ſie mögen aus einem Grunde geſche⸗ ben ſeyn, aus welchem ſie wollen, ſie mögen wechſelſeitige*) oder re⸗ nuneratoriſche Schenkungen ſeyn: ja ſogar bey den doch ſonſt ſo privrle⸗ girten Schenkungen, welche zur Begunſtigung einer Ehe von dritten Per⸗ ſonen gemacht ſind; falls ſie nur nicht von den Aſcendenten der Ehegat⸗ ten, oder gar den Ehegatten ſelbſt einander gegenſeitig gemacht worden ſind; denn dieſe ſind dieſem Widerrufe nicht unterworfen. Dieſe Auf⸗ bebung der Schenkung findet ſtatt: I. wenn gleich das Kind des Schenkge⸗ bers, oder der Schenkgeberin, zur Zeut der Schenkung ſchon empfan⸗ gen war; II. wenn auch der Beſchenkte ſchon zum Beſitze der geſchenk⸗ ten Sachen gelangt war, und in dieſem Beſitze ſeit der Geburt des Kin⸗ des von dem Schenker gelaſſen war. In dieſem letzten Falle iſt der Beſchenkte jedoch die erhobenen Nutzungen von dem Tage an zu erſtat—⸗ ten ſchuldig, wo ihm von der Geburt des Kindes, oder deſſen Legitima⸗ tion durch nachfolgende Ehe, mittelſt einer Vorladung vor Gericht, um die Raͤumung der Sache gegen ihn ausſprechen zu laſſen, oder ſonſt auf eine formliche Weiſe, Rachricht gegeben wurde, ſollte auch gleich die Klage auf Zurückgabe der geſchenkten Sachen erſt nach dieſet förmlichen Bekanntmachung, im letztern Falle angeſtellt ſeyn. 1) Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 195 d, 1) Selbſt wenn dieſelben mit dem Schenknehmer ſelbſt erzeugt waͤren. ZactA- n RIaß Handbuch Th. II. S. 259. 2) Ein Adoptivkind kann dagegen, ob es gleich in der Regel die Rechte ehelicher Kindet hat, etne ſolche Schenkung nicht unguͤltig wachen; denn das Geſeß er⸗ fordert ausdruͤcklich nachgebohrene Kinder.— Wohl aber ein Kind e ma⸗ trimonto putativo. f. 3) Wäre mithin das legitimirte Kind vor der Schentung gebohren, ſo wird ſie durch deſſen Legitimatton nicht widerrufen. MalEvILI.E Analyſe ad h. art.— Aus demſelben Grunde muß man eine von GRRNIER T. I p. 399. auſgewer⸗ fene Frage: ob ein Kind, welches der Vater zur Zeit der Schenkung fuͤr todt hielt, und welches nach derſelben zuruͤckkͤmmt, die Schenkung widertufe? verneinen. FokGorg ſur lordonnance de 1731. queſton 19). GkRBRiEn u. a. aͤltere Schriftſteller bejahen ſie. Ja GRENIER vehnt dieſe Regei ſogar zu auf den Fall aus: daß der Vater beſchenkte, als das Kind ſeinen état eiv1 verlohren hatte, und es denſelben nach der Schenkung wiedererhtelt. er 4) Jedoch wuͤrde die Schenkung in dieſem Falle nur auf Seiten deſſen, dem das Kind gebohren wird, unguͤltig werden, nicht auf Setten des andern. Aoxa- 9 NBT fur la Coutuue de Paris. art. 280. GRRNIER T. I. p. 402. un . Wirkung dieſes letzten Widerrufs. I. Die in einer ſolchen, kraft des Geſetzes aufgehobenen, Schenkung Art. 963. befindlichen Sachen fallen frey von allen von dem Beſchenkten herruͤh⸗ e renden Laſten und Hypotheken in das Eigenthum des Schenkers zuruͤck. go Sie haften ſelbſt nicht einmal ſubſidiariſch fuͤr die Erſtattung des Braut⸗ de ſchatzes der Ehegattin des Beſchenkten, oder deſſen, was ihr demnächſt luf zum voraus gebuͤhrt, ebenfalls nicht fuͤr andere in der Eheſtiftung ent— th haltene Verabredungen. Dieſe letztere Beſtimmung tritt ſogar dann ein, n wenn die Schenkung zur Beguͤnſtigung der Ehe des Beſchenkten geſche⸗ en ben, und der Eheſtiftung eingeruͤckt waͤre, ja der Schenker ſich durch Kin die Schenkung als Buͤrge fuͤr die Vollziehung der Eheſtiftung darge⸗ N ſtellt haͤtte ²). II. Die auf ſolche Art aufgehobenen Schenkungen kön⸗ Art. 964. ſin nen weder durch den Tod des nachgebohrenen Kindes, noch durch ir⸗ in gend eine beſtatigende Urkunde von Seiten des Schenkers von neuem u aufleben, und Kraft erhalten. Der Schenker muß vielmehr, wenn er u vor oder nach dem Tode des Kindes, durch deſſen Geburt oder Legi⸗ E timation die Schenkung anfgehoben wurde, dieſelben Gegenſtaͤnde dem 6 Beſchenkten von neuem geben will, dies nun durch eine neue Verfuͤgung thun. 1II. Ebenfalls iſt jede Beſtimmung oder Uebereinkunft, wodurch Art. 963. Bb2 der „ 196 Drittes Buch. Zweyter Titel. der Schenker auf die Aufhebung der Schenkung wegen Rachgeburt eines Kindes Verzicht thut, nichtig und ohne Wirkung. 1) FonGorx ſur l'Ordonnance de 173t. art. 112. unterſcheidet hier: ob jemand in einer Eheſtiftung etwas ſchenkt, und ſich fuͤr die Vollziehung dieſes Con⸗ tracts verbůrgt, oder ob er nichts ſchenkt, ſondern ſich nur verbuͤrgt. Im erſten Fall wird die Buͤrgſchaft als Folge der Schenkung angeſehen, und hoͤrt auf; im letztern verhaͤlt ſie ſich als bloßer Contract, der dadurch nicht wider⸗ rufen wird, daß der Buͤrge nachher Kinder bekömmt. S. auch Pousavt? Explication ad h. art⸗ 5. 620. Aufhebung dieſes Widerrufs. Art. 966. Nur durch eine Zojaͤhrige Verjaͤhrung wird dieſer Widerruf unkraͤf⸗ tig gemacht. Es konnen jedoch der Beſchenkte, deſſen Erben oder Stell⸗ vertreter, wie auch andere Inbaber der geſchenkten Sache, ſich nicht eher auf dieſe Veraͤhrung berufen, als nach einem Beſitze von dreyßig Jah⸗ ren. Dieſer Beſiß läuft von dem Geburtstage des letzten Kindes des Schenkers an; ſollte daſſelbe auch nach deſſen Tode gebohren ſeyn, wenn derſelbe nicht durch die geſetzlichen Interruptionen ¹) unterbrochen worden iſt. 1) S. Art. 2242 fgd⸗ Fuͤnftes Kapitel. Von Deſt ament enn⸗ S. 621 Eintheilung derſelben. Die Teſtamente ſind theils gemeinrechtiiche, theils privile⸗ girte. Die erſtern machen die Regel aus, die letztern können nur von beſtimmten Perſonen, und unter beſtimmten Umſtaͤnden gemacht werden ¹). 1) S. Anßer den im§. 587. genanhten Schriften, L. SPvFRIED D. de teſta⸗ mentis ſecundum Codicem Mapoleonis. Heidelbergae 1309. C. H. à PoN6E theoret. pradt Anleitung zur Abfaſſung letztwilliger Ver⸗ fugungen, nach Vorſchrift des Code Nap. Aus dem Fran. des Ferriére un Maſſe bearbeitet, und mit Formularen betzleitet. Lemto 1810. 8. Im Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 197 iſe Im Ganzen warne ich vor Formularen in einer Materie, wo jeder nach⸗ gebetete unbedeutende Fehler Nichtigkeiten nach ſich zteht. ah 6 Erſter Abſchnitt. 0 hi Von den gemeinrechtlichen Teſtamenten. ihen un 6 622. Allgemeine Grundſaͤtze. I. Auf die Benennung des letzten Willens koͤmmt es nicht an. Art. 967. 8 Auch bedarf es keiner ausdruͤcklichen Erbeinſetzung(F. 587. Not. 2.) ¹) ſi II. Das testamentum reciprocum iſt verboten; zwey oder mehrere Art. 968. . Perſonen können in einem und demſelben Aufſatze weder zum Vortheile h eines dritten, noch wechſelſeitig eine zum Vortheile der andern ein Te⸗ . ſtament errichten ²). 1) Alle heredis inſtitutio, inſtitutio ſucceſſorum neceſſariorum, quarta Falcidia, Trebellianica, der Grundſatz: nemo poteſt pro parte teſtatus et pro parte inte- hn ſtatus decedere, Nahmen eines Teſtaments, Codicils, donatio mortu cauſa fallen weg. Jeder, der zu disponiren faͤhig iſt, iſt dieſemnach befugt, es uͤber ſein ganzes Vermoͤgen zu thun, oder uber einen Theil die Inteſtaterbfolge ein⸗ treten zu laſſen, einen Erben einzuſetzen, oder ein bloßes Vermaächtniß zu hin⸗ terlaſſen, ſeinen Verordnungen den Nahmen eines Teſtaments, oder jeder an— dern Verfuͤgung zu geben, den er fuͤr ſchicklich haͤlt. Sein Wille wird voll⸗ ſtreckt werden, vorausgeſetzt, daß er ihn nach der voraeſchriebenen Form errich⸗ tet, und den disponibeln Theil nicht uͤberſchreitet. MarßviILLE Analyſe ad h. art. 2) S. auch Art. 1097.— Wuͤrden jedoch dergleichen Teſtamente vor Einfuͤh⸗ rung des Eode errichtet ſeyn, ſo wuͤrden ſie guͤltig bleiben. Appellhof zu Luͤttich in S1REy Journal génCral. 1809. P. II. Pe 330d. le§. 623. von Arten der gemeinrechtlichen Teſtamente. 1„.„*— Das gemeinrechtliche Teſtament kann ſeyn: I. ein eig enhaͤndiges, qrt. o69. ſn U. ein oͤffentliches, III. ein myſtiſches*). 1) Ueber die Formalitaͤten der Teſtamente ſ. Laſſaulr Annalen I. 2. S. 198. 5 Goͤnner Archtv fuͤr Geſetzgebung B. III. H. I. F. 102. Theyer Archtv für un das Notariat B. I. H. i. S. 76— 124.— Sttenge und Gelindigkeit wechſeln bey ihrer Beurtheilung in den ſranzoſ. Gerlchten ab. Bb 3 Ueber 198 Drittes Buch. Zwepyter Titel. Ueber die Form der Teſtamente ſind nämlich erſtaunend viele Streltfragen in franzoſiſchen Gerichten vorgekommen, wovon die vorzüglichſten folgende ind: Die Form der Teſtamente im allgemeinen betreffend: a. Man kann das Geſetz vom 25. Ventoſe XI. oder die Notarlatsorduung auf die Teſtamente nicht anwenden, vielmehr verhält ſich der Code in Hirſicht auf die Teſtamente als hex ſpectals, ſo daß man die ind NO. um allqemet⸗ nen vorgeſchriebenen Foͤrinlichketten nicht zu beobalhten braucht. Vppeltof zu Bruͤſſel in Jurtsprudence. T. II. p. 479. T. KI. p. 153. u. KII. p. 138. 345. Appellhof zu Nismes in Jurisprudence. T. VII p 421. zu Riom. Jurisprudence. T. XII. p. 3 0. Laſſaulx Mnnelen. Bd. II. H Vorzuͤglich die P.sculon pubi quc. JauBRRT Rapport. bey GakNERv L. III P. I. p. 192. T. a J0 ſr le Kotajet— Me peut zre invoqulde danus la malvcte dey feſtameus pohr lesquels une lol par. ticuliere regle tout ce qui e¶ relae j auæ temoln. Gerade das Gegentheil dieſes Grundſatzes behaupten: der Appellhof zu Turin. Jursprudence T. VI. p. 14. Der Appellhof zu Mix. Jurtsprudence. T. III. p 418. Die Pandede⸗ franqaiſes ad h. ↄrt. GakNER Psckksns trä.te du uotartst. p.(F. M LFvIIL1E Analyſe ad art. 975. GRENiRk traite des donat. et teſtam. T. II. P. 243. Folgende Fragen bleiben mithin ſtreitig: 1. Muͤſſen ſie franzöſiſche Staatsbuͤrger ſeyn, oder genuͤgt es, wenn ſie ſich im Genuſſe der Civilrechte befinden?(z. B. ein fallirter Kaufmann). 2. Muͤſſen ſie in dem Gemeindebezirke wohnen, wo das Teſtament aufgenom⸗ men wird, oder genuͤgt es, daß ſie im franzoͤſiſchen Reiche ihren Wohnſit haben 3. Iſt das Teſtament unguͤltig, wenn einer der Zeugen mit dem Teſtirer oder Fotar im zten Grade verwandt oder verſchwägert iſt, wenn der Mann bey dem Teſtamente die Frau als Zeugin auffuͤhrt u. ſ. w. g. Schadet die Unfähigkeit, die der Art. 10. der fr. NO., nicht aber der Art⸗ 6 o80. des Code bemeldet? 3 Dieſe Fragen ſind durchaus ſreitig; vorſichtig iſt es, ſich nach Art. 9. 10. der fr. N. O, oder Art. 5s. der Weſtph. R. O. zu richten. Laſſaulx Annalen III. 1. 35. ſ p. Der Beweis, daß die geſetzlichen Formlichkeiten bey einem Teſtamente nicht 1 beobachtet worden ſind, kann nicht außer der Urkunde ſelbſt geſucht werden⸗ 4 Z. B. kann nicht bewieſen werden, daß der Teſtator dos Teſtament dem No⸗ tar nicht dictirt habe, wenn in dem Leſtamente Meldung dieſer Furmalität geſchah. Es muß vlelmehr in allen dieſen Fällen die plainte en faux gegen dos Teſtament angeſtellt werden. Appellhof zu Bruͤſſel in Juresprudence. T. vII. p. 416. Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 199 ni e Die Form der Teſtamente wird nach den Geſetzen beurtheilt, unter denen e ſie errichtet waren; dle Kraft ihrer Dispoſittonen nach den Geſetzen, weiſche am Todestage des Erblaſſers gelten. Appellhof zu Genua, und Bruͤſſel. Jurisprudence. T I p 169. u Aus mehreren Urtheilen des Caſſationshofs und der Appellhoͤfe leitet Laſſaul ſch folgende Jurisprudenz ab: e 1. Doß das neue Teſtament in Hinſicht ſeiner Form guͤltig iſt, ſobald es denjes fn nigen Geſetzen gewaͤß abgefaßt iſt, die im Augenblick ſeiner Errichtung guͤttig 36½ waren. Da ein holoaraphiſches Teſtament kein gewiſſes Datum hat, und daher die Cpoche der Errichtung nicht gewiß iſt, ſo ſcheint daraus zu fol⸗ gen, daß ein ſolches auch mit denſenigen Formalitäten bekleidet ſeyn muß, welche die Geſetze, die zur Zeit ſeiner Eröffnung beſtanden, vorgeſchries polt ben haben. Bey einem myſtiſchen Teſtamente muß auf die Geſetzgebung geſehen werden, die zur Zeit der Errichtung des Subſcriptions oder Hin⸗ terlegungsactes, der dem Teſtament ein gewiſſes Datum gtebt, guͤltig war⸗ 2. Daß in Hinſicht auf den Inhalt des Teſtaments die)enige Geſetzgebung fn in Anſchlag kömmt, welche zur Zeit der Eroͤffnung der Erbſchaft beſtand. Wenn daher ein ſolches Teſtament den disponibeln Theil uͤberſteigt, ſo ele muß man unterſuchen, ob die darin enthaitene Verſuͤgung von dem Ge⸗ M ſetze ganz verboten war z. B. eine Subſtitutton, in welchem Falle ſie ganz 1 erliſcht; oder ob die Verfuͤgung zwar erlaubt war, aber das geſetzliche Maaß uͤberſtieg, dann tritt die Reduction auf daſſelbe ein. Laſſauly Journal II. 3. 237. ſ 6. 624. non 1. Eigenhaͤndiges Teſtamenk. huſt Ein eigenhändiges(holograpbiſches) Teſtament ¹) iſt ein ſol⸗Art. 970. ches, welches von der Hand des Teſtators ſdurchaus geſchrieben, datirt und unterzeichnet iſt. Einer weitern Form iſt esl nicht unterworfen 2). Auch bedarf es nicht der Uebergabe an einen dritten, damit dieſer es verwahre; der Erblaſſer kann es in ſeinem Schreibtiſch niederlegen. 1) Cu. Dproos D. ſur les teſtamens en général, et le teſtament holographe be en particulier. Coblence 1809. lu 2) Muthin bedarf es auch keiner weitern Beſcheintgung, daß das Teſtament wirklich, und eigenhaͤndig von dem Erblaſſer geſchrieben ſey. Schreiben des Hrn. Jus nt ſtizminiſters des Kon. Weſtph. vom 10. Dec. 1800. in OFsTERLEV und en meinem Magazin für das Civil- und Crimnalrecht des KR. W Bd J. p. 475 fag⸗ No Fuͤr Weſtyd nen iſt belimmt: wenn dieſenigen Teſtamente, welche Perſonen, die i bey Einfuͤhrung des C. N. noch am Leben waren, nach der vorigen Verfaſſung er⸗ richtet harten, nicht nach den Vorſchriften des C. N. gemäß, ihrer innern und enet zußern Form nach abgeſaßt ſind, ſo koͤnnen dieſelben nicht mehr beſtehen, ſon⸗ dern muͤſſen vielmehr von neuem errichtet wetden. Circulaite du Miuiſtre à Drittes Buch. Zweyter Titel. la Juſtiee d. d. a3. Janvier 1808. im Moniteur VMeſtphalien T80 Eine ſpatere Declaration vom 18. Febr. 1808. ſeßt ſtamente nicht eine authentiſche Form haben, die, indem ſie das Datum derſel⸗ ben in Gewibheit ſetzt, keinen Zweifel übrig läht, daß ſie ſerſt nach dem 1ſten Januar 1808. errichtet worden ſind; z. B. twenn ein vor dem Iſten Ja⸗ nuar 1508. errichtetes Teſtament nachgehends im Gerichte deponirt iſt. Hier gilt das Teſtament als Prlvatteſtament, welches nach Einfuͤhruna des C N ein beſtimmtes Datum erhalten hat. Teſtamente von etnem frühern Datun ſind dagegen völlig ungältig, wenn ſie nicht der vortgen und jetzigen Verfaſſung zugleſch, gemaͤß abgefaßit ſind. Geuſſenhainer kurze Nochricht uͤber den Ge⸗ ſchäftskreis der Weſtphaͤliſchen Notarien. Heiligenſtadt 1809. 8. S. 38. 3) Ueber die Oeffnung deſſelben ſ. Art. 1007. II. HOeffentliches Teſtament. Ein öffentliches Teſtament iſt dasjenige, welches von zwey Art. 972. Notarien ¹) in Gegenwart zweyer Zeugen, oder von Einem Notar in Gegenwart von vier Zeugen aufgenommen iſt*). Hierbey ſind folgen⸗ de Formalitäten bey Strafe det Richtigkeit zu beobachten: I. es muß von dem Teſtator den Notarien dutirt, und von einem derſelben, ſo wie es dictirt iſt, niedergeſchrieben werden; II. es muß in Gegenwart der Zengen dem Teſtator vorgeleſen werden, und von allem dieſen aus⸗ Art. 93. drückliche Erwaͤhnung geſchehen; 1II. Auch muß dies Teſtament von dem Teſtator unterſchrieben, und wenn er erklaͤrt, daß er zu unter⸗ ſchreiben nicht verſtehe, oder dazu außer Stande ſey, ſeine Erklaͤrung und die ihn verhindernde Urſache, z. B. weil er keine Hand hatte, aus⸗ Art. oyz. drucklich erwieſen werden. W. Auch die Zeugen muͤſſen das Teſtament unterſchreiben; doch iſt es auf dem Lande hinreichend, daß, wenn das Teſtament von zwey Notarien aufgenommen wurde, nur einer der bey⸗ den Zeugen, und wenn es von Einem Notar aufgenommen wurde, nur zwey von den vier Zeugen unterſchreiben. Als Zeugen bey einem dſſentlichen Teſtamente können nicht zugezo⸗ gen werden: I. die Umverſallegatare, Legatare unter Univerſaltitel und Particularlegatare, 4ten Grad einſchließlich; I. die Schreiber der Notarjen, von dénen die Urkunde aufgenommen wurde. Die Zeugen muͤſſen überdem tüchtig ſeyn(Art. 980.) 3). 1) Teſtamente)e oder Friedensr und deren Verwandte oder Verſchwägerte bis zum doch, welche vor Beſtellung der NPotarien durch einen Beamten, ichter, in Ermanglung eines Notars aufgenommen wurden, ſind guug, ), 2 ſſtl den J0 Hie ſtun ſn 6) ſoe in gen muf ſt watt gu⸗ von ki tun aut nel da be ſtde ez U jun ne Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 201 gultig, wenn dabey auferdem die eine geſetzliche Form beobachtet wurde. A pellhof zu Caſſel, in Pfeiffer Rechtställe noch dem C. N. Abth.. nro. S. auch Commentar. T. I. S. 122. S. BIRNBAUM D. ſur la validité des te- ſtameus faits avant, et ouvertes ſous l'empire du C. N. Coblenz 1809. 8. 2) S. auch Dabelow Archtv. St. W. S. 291. 299. das jeboch hier von Fehlern wimmelt. die Foͤrmlichketten des öffentlichen Teſtaments entſtanden ſehr viele Streit⸗ ragen: 1. Ein Teſtament iſt unguͤltig, in welchem die Meldung, daß d i dictirt wurde, nicht ausdruͤcklich geſchteht. t ren Appelhof zu Turin in Jurisprudence. T. III. p. S5. Lät in DEuEvERs Journal des S An KIII. St 2. Die Meldung, daß das Teſtament dictirt worden ſey, kann durch gleichbe⸗ deutende Worte, z. B. daß es ausgeſtrochen, auseinandergeſetzt ſey, geſche⸗ hen, und man iſt nicht an dos Wort dietiren gebunden. Appellhof zu Paris in Jurisprudence. T. VIII. p. S0. A1x T. KIII p. 418. 3. Es iſt hinlänglich zu ſagen, daß das Teſtament von dem Teſtator dictirt worden ſey, ohne daß es noͤthig wäre zu bemerken, es ſey dem Notar dictirt worden. Appellhof zu Bruͤſſel in Jurisprudence. T. VII. p. 78. 289. 4. Iſt das Teſtament von zwey Notarien aulgenowien, fo iſt es hinlaͤnglich, wenn in demſelben geſagt wird, daß beyde bey dem Dictiren deſſelben gegen⸗ wärtig waren, ohne daß es gerade noͤthig wäre, zu bemerken, das Teſtament ſey ihnen beyden dictirt worden. Caſſattonshof in Jurtsprudence. T. IX. p. T35. . Das Diruren mur in Gegenwart der Zeugen geſchrhen. von Tournay und St. Claude in Jurisprudence. T. V. p. 74. 368. 6. Es muß ausdrucklich im Teſtament geſaat werden, daß es der Notar nieder⸗ geſchrieben habe. Appellhof zu Bruͤſſel. Jurtsprudence. T. I. p 27. V. p 364. zu Parts. Ebendaſ. T. III. p. 52. 393. Caſſaonohof daſelbſt. T. Iv. p. 450. T. X. p. 302. Gutachten des Staatsraths vom 31. Januar 180b. in Kaſſaulx Ueberſ. des Code. Bd. 2. p. 243 fag. Meynung iſt das Tribunal zu Montdidter in Jurtsprucence. T. II. p. 263. 7. Die Melbung, daß der Notar das Teſtament geſchrieben habe, iſt nicht an das Wort ſchreiben gebunden. Dieſes kann vielmehr durch andere un⸗ zweydeutige Worte, z. B. ſchriftlich aufſetzen, geſchehen.— Das Wort ſchreiben wird aber nicht erſetzt durch: a. reténir, feſthalten. Appellhof zu Toulouſe. Jurisprudence. T. IX. p. 63. b. rödiger. Appellhof zu Beſabßon. Ebendaſ. T. VIII. P. 53. c regevomr, aufnehmen. Appellhof zu Turtn. Cbendaſ. T. VII. p. 32. d. dreſſei. Caſſationshof. Ebendaſ. T. VII. p. 82. g. Es iſt nicht nöthig, daß der Notar in ſeluer Urkunde ausdruͤcklich ſage, er habe das Teſtament ſo niedergeſchrieben, wie es ihm ſey dictirt worden. Appellhof zu Turin in Jmisprudence. T. VII. p. 159. 428. Spangenbeig's Commentar Bd. II.. Ce Iſt 20 Drittes Buch. Zweyter Titel. Iſt jedoch etwwas von einer andern Hand, als des Notars ſeiner, hineinge⸗ tn ſo iſt das ganze Teſtament ungältig. BoosauBr Explication. ad h. art. 9. Das Teſtament kann die Worte des Disponenten in der erſten, und in der dritten Perſon enthalten. Appellhof zu Nismes Jurisprudence. T. VII. p. 422. Bruͤſſel. Eben⸗ daſ. T. III. p. 236. Anaers. Cbendaſ. T. X. p. 142. Caſſationshof. Daſ. T. XII. p. 163. S1REx Journal général. 1809. P. I. p. 129. 10. Auch braucht es der Notar nicht in derſelben Sprache niederzuſchreiben, in welcher es dictirt wurde. Appellhof zu Luͤttich in Jurisprudence. T. VIII- p. 61. Coſſationshof. Daſ. T. VIII. P. 412. 11. Die Meldung, daß der Notar das Teſtament geſchrieben habe, kann ſo⸗ wohl vor, als nach niedergeſchriebenen Verfuͤgungen geſchehen. Caſſa⸗ tlonshof in Jurisprudence. T. IXK. p. 176. 12. Der Notar darf aber, daß er das Teſtament geſchrieben, nicht erſt dann bemerken, wenn er ſchon von der Unterſchrift des Teſtators, oder von deſe ſen Erklärung nicht ſchreiben zu konnen, Meldung gethan hat. Appellhof zu Douay in DrnEvrRs Journal des audienees. 1810. Suppl. p. II. 13. Noch weniger darf er nach ganz geſchloſſener Urkunde, nach den Unter⸗ ſchriften des Teſtators und der Zeugen, erſt bemeiken, dah er das Teſtament geſchrieben. Appellhof zu Turin in Jurisprudence. T. VI. P. Taq. 14. Es muß ausdruͤcklich in dem Teſtamente Meldung davon geſchehen, daß es dem Teſtator vorgeleſen ſey; ſonſt iſt daſſelbe nichtig. Appellhof zu Bruͤß fel. Jurisprudence. T. IR. p. 160. Atx. Daſ. T. IX. P. 161. Turin. Daſ. T. VI. S. 144. 3 13. In Gegenwart des Teſtirers vorgeleſen, iſt eben ſo viel, als dem Teſtiter vorgeleſen. Appellhof zu Turin in Jurisprudence. T. VII. p. 137. 159. 16. Es muß bey Strafe der Nichtigkeit Meldung davon geſchehen, daß das Teſtament dem Teſtirer in Gegenwart der Zeugen vorgeleſen iſt. Appellhof zu Naney in Jurisprudence. T. V. P. 129. zu Bruͤſſel. Daſ. T. W. p. 47. Beſangon. Daſ. T. VII. pP 414 Rouen. Daſ. T. K. P. g61. Pau. Daſ. T. XII. p. 157. Caſſattonshof. Daſ. T. VI. p. 49⸗ 17. Gelten die allgemeinen Ausdruͤcke alſo geſchehen, vorgegangen, abge⸗ ſchloſſen in Gegenwart“ und ähnliche fuͤr eine ausdruckliche Meldung, daß das Teſtament dem Teſtator in Gegenwart der Zeugen vorgeleſen werden, und erfüllen ſie in der Hinſicht die Abſſcht des Geſeßes? Beſahend entſchie⸗ den von dem Appellhofe zu Turin in Jurisprudence. T. XII. p-153. Laſi ſaulr Annalen. 1803.. 2.— Verneinend. Appellhof zu Riom. Juris- prudence. T. XIII. p. 414. T. KII. pe 330. Atx. Daſ. T. VII. p. 60. 13. Die Meldung der Vorleſung des Teſtaments iſt nicht an gewiſſe geſetzli⸗ che Ausdruͤcke gebunden. Es iſt z. B. einerley, ob es helßt: dem Teſtator in Gegenwart der Zeugen, oder dem Teſtator und den Zeugen vorgeleſen. Api pellhof zu Bruͤfſel Jurisprudence. T. III. p. 236. Trier. Laſſaulx An⸗ nalen. 1803. H. 2. Andeter Meynung find Appellhof zu Limoges in Ju- risprudeuce. T. Kl. p. I41. Cotimar. Ehend. T. KIII. p 173. Caſſa⸗ tions⸗ Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 203 tionshof. Daſ. T. KIII. p 295. Appellhof zu Caeu. Daſ. T. VIII. p. 55. Paris in Kaſſaulr Journal. II. 6. 471. 19. Die Meldung der dem Teſtator in Gegerwart der Zeugen geſchehenen Vor⸗ leſung muß ſo gethan werden, daß ſie auch die ſpaͤter hinzugekommenen nenen Verfuͤgunaen in ſich kaßt. Caſſationshof in Jurisprudence. J. XlI. p. 466. MERLIN Queftions. T. IX. p. 130. 20. Dieſe Meldung bezteyt ſich ipſo jure, auf die ad marginem poſita, Einſchaltungen u. ſ. w. ohne daß es noͤthtg waͤre, ſie ausdruͤck'ich auf die⸗ ſelben zu beziehen. Caſſationshof in Jjurisprudence. T Kl. p. 159. Iſt dagegen die Erwaͤhnung, daß das Teſtament vorgeleſen ſey, zwar hin⸗ ter der Einſetzung des Untverſalerben, aber vor der Einſetzung des Particu⸗ larlegatars befindlich, ſo koͤnnen die Richter erkennen, daß ſich dieſe Erwäh⸗ nung uicht auf dem Particularlegatar beziehe, und daß das ganze Teſtament nichtig ſey. Caſſattonshof in S1REx Journal génèral. 1809. p245. 2I. Etn in einer fremden Sprache, ohne franzöſiſche Ueberſetzung, niederge⸗ ſchriebenes Teſtament iſt gůltig, wenn es auch in derſeſben dictirt iſt, falls dieſe Sprache nur die Sproche eines mit Frankreich vereinigten Volks iſt. Appellhof zu Bruͤſſel in Jurisprudence. T. XII. p. 343. 22. Bey einem in teutſcher Sprache geſchriebenen, mit einer franzoͤſiſchen Ueber⸗ ſetzung verſehenen Teſtamente, kann man den frauzoͤſiſchen Text durch den teutſchen verbeſſern. Appellhof zu Tricr. Jurisprudence. T. X. p. 127. 23. Ein in einer fremden Sprache geſchriebenes Teſtament iſt gaͤltig, falls es nur mit einer franzoſiſchen Ueberſetzung verſehen iſt. Appellhof zu Trier und Bräſſel. 34. Zwey Teſtamentszeugen koͤnnen mit einander verwandt ſeyn. Appellhof zu Bruͤſſei in Jurisprudence. T. VII. p. 78. 25. Der Geiſtliche, welchem ein Legat fuͤr Meſſen fuͤr den Teſtirer hinterlaſ⸗ ſen wird, kann Zeuge bey dem Teſtamente ſenn. Appellhof zu Luͤttich in Jurisprudence. F VII. p. 300. Angers T. X. p. 145. Caſſattons⸗ hof. Daſ. T. KIII. p. 300. 26. Die Kommis des Leaatars können Zeugen ſeyn. Appellhof zu Limoges in Jurisprudence T. KI. p. 141. Journal de barreau. 1809. P. II. p. S4. 27. Es iſt nicht nöthta, daß die Zeugen die Spyrache des Teſtaments verſtehen. Appellbof zu Brüſſel Jurisprudence. T. XI. p. 153. XII. p. 545. DENag- vRRs Journal des audrences. 1810. Suppl. p. 4. S1RTx Jouinal genéral. 1809. P III p. 154. Anderer Meynung ſind Mar.BvIILLE Analyſe ad art. 972. GRrNIER T. II. p. 57. 28. Es iſt keine Nullität, die Zeugen erſt am Ende der Urkunde, und nach Angabe ihres Datum, zu nennen. Eaſſationshof in Jurisprudeuce. T. VII. p. 151. 29. Ebenfals nicht, wenn der Notar im Teſtamente nicht ausdrücklich be⸗ merkt, daß die Zeugen die geſetzlichen Qualitäten haben. Appellhof zu Bruͤſ⸗ ſel. Jurisprudence. T. V. p. 71. 30. Ein Teſtament iſt nichtig, wenn zwey von den Zeugen minderſahrig ſind, wenn ſie ſich auch fuͤrſ volzährig ausgegeben haben. Appellhof zu Turin in Jurisprudence. T. VI. P. 317. Ct 2 31. * 1 „ 1 3 . 4 204 Drittes Buch. Zweyter Titel. 31. Kann ein étranger jouiſſant des droits civils Teſtamentszeuge ſeyn? Be⸗ jahend emſchieden vom Appellhoſe zu Turin in DENEvRRs Journal des audiences. 1810. Suppl. p. 5. Vernetnend. Rennes Ebendaſ. p. 9. 32. Die zur Bezeugung der Identität der Perſon des Teſtators berufenen Zeu⸗ gen koͤnnen mit dem Legatar verwandt ſeyn. Caſſationshof in Jurts⸗ prudence. T. XII. p. 215. S1REN Journsl gẽnéral. 1809. P. I. S. 225. 33. Ein Teſtament, welches beſagt, der Teſtirer habe das Teſtament unter⸗ ſchrieben, und gleich darauf: er habe nicht ſchreiben konnen, iſt guͤltig⸗ Caſfattonshof Jurisprudence. T. VI. p. 133. 3g. Der Notar muß nicht allein melden, daß der Teſtirer nicht habe unter⸗ ſchreiben koͤnnen, und warum? er muß auch bemerken, daß dieſe Unmoͤg⸗ lichkeit und ihre Urſache von dem Teſtirer ſelbſt erkläͤrt ſey. Appellhof zu Limoges Jurisprudence. T. XI. p. 133. 35. Dle Meldung der Unterſchrift des Teſtators, oder ſeiner Erklaͤrung nicht ſchreiben zu können, muß nothwendig ganz am Ende der Urkunde geſchehen. Limoges ebendeſ. 36. Die Unterſchriſt der Zeugen darf nicht in einer Margque(z. B. 3 Kreut zen) beſtehen, ſondern muß eine wahre Unterſchrift ſeyn. Appellhof zu Luͤt⸗ tich in DruEvERs Journal des audiences. Au. XIV. Suppl. p. 212— 221. Anderer Meynung iſt MarRvILLE Analyſe ad h. art. 37. Wenn zu einem guͤltigen Teſtamente Zuſatze gemacht ſind, ohne daß entwe⸗ der ein Theil derſelben, oder ſie alle expreß datirt ſind, ſo ſind dieſelben unguͤltig. Caſfationshof bey DENBvRRs ebendaſ. p. 342. 38. Die Nullität der Unterſchrift eines der Zeugen, z. B. wenn er einen fal⸗ ſchen Nahmen unterzeichnet hat, macht das Teſtament nicht unguͤltig, falls aur die übrigen guͤltigen Zeugen in der geſetzlichen Anzahl vorhanden ſind⸗ Appellhof zu Limoges im Jourual de barreau. 1809. P. II. 87. §. 595. III. Myſtiſches Teſtament. Will der Teſtirer ein geheimes oder myſtiſches Teſtament er⸗ richten), ſo hat er folgendes zu beobachten: I. er muß ſeme Verfuͤ⸗ gungen unterſchreiben, mag er ſie nun ſelbſt geſchrieben baben, oder durch einen andern haben ſchreiben laſſen. Il. Das Papier, welches ſeine Verfuͤgungen enthaͤlt, oder das etwa zum Umſchlag deſſelben die⸗ nende Papier muß verſchloſſen und verſiegelt ²) werden. UI. Der Teſtirer ubergiebt dies Teſtament entweder ſchon verſchloſſen und verſiegelt, dem Rotar und wenigſtens ſechs Zeugen, oder laͤßt es in deren Gegenwart verſchließen und verſſegeln. Er erklaͤrt hierauf, daß das in dieſem Pa⸗ piere enthaltene ſein Teſtament ſey, und daß er es geſchrieben und un⸗ zerſchrieben, oder daß ein anderer es geſchrieben, und er es mnetſ en Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 205 ben habe. W. Der Rotar verfaßt hieruͤber ein Protoeoll, welches auf eben dieſes Papier, oder auf das zum Umſchlage dienende Blatt geſetzt, und ſowohl von dem Teſtirer, als von dem Notar und den Zeugen un⸗ terſchrieben werden muß 3). Alles obige a) ſoll in ununterbrochener Folge, und ohne andre recht— liche Handlungen dazwiſchen vorzunehmen, geſchehen. 1) Das myſtiſche Teſtament iſt das teſtamentum commune folenne der Roͤmer, nie das T. myſticum der Roͤmer. S. JoR. NIc. HoXTRRIM D. ſur les principes du teſtament myſtique. Co- blence 1808. GonEr D. ſur une queſtion relative au teſtament myſtique. Coblence. 1809. 2) Dieß kann auch durch Oblaten geſchehen. GnniEs T. I. p.66. Auch er⸗ fordert das Geſetz nicht, daß der Erblaſſer das Teſtament mit feinem eige⸗ nen Pettſchafte verſiegelt habe. 3) Ueber das myſtiſche Teſtament finden ſich folgende Streitfragen: 1. Die Auslaſſung der Meldung, daß der Teſtirer das Teſtament ſelbſt ge⸗ ſeete oder von einem andern habe ſchreiben laſſen, zernichtet das Te⸗ ament. Appelhof zu Turin in Jurisprudence. T. VI. p. 383. 2. Die fuͤt die myſtiſchen Teſtamente erforderliche Anzahl von Zeugen kann nie vermindert werden, auch wenn das Teſtament auf dem Lande gemacht wird. Cambacérés, Bigot de Preameneu, in der Diſtuſſſon. Or- e von 1735. Art. 9. aus dem der Artikel genommen iſt. GRENiTR 3 Unditer Meynung ſind MarTvIIIE Analyſe und Pandecter frangaiſes ad h. art. ZacRakra Randbuch Th. II. S. 209. 3. Eben ſo muß auch die Aufſchriftsurkunde von allen 6 Zeugen wirklich unter⸗ ſchrieben ſeyn, wenn ſie gleich auf dem Lande gemacht iſt. Appellhof von Luͤttich in Jurtsprudence. T. VII. p. 61. KII. 140. Jour⸗ nal de barreau. 1809. P. II. S. 247. 4. Ein Teſtament kann als holographiſches gelten, wenn es deſſen Eigenſchaf⸗ ten befolgt, ob es gleich als myſtiſches nicht gelten kann. Appellhof zu Air Jurisprudence. T Xl. p. 14. 5. Ein myſtiſches Teſtament iſt nichtig, weun die Aufſchriftsurkunde weder auf dem Teſtamente ſelbſt, noch auf dem Umſchlage deſſelben, ſondern auf ein fliegendes Blatt geſchrieben iſt. 8 Appellhof zu Turin in Jurisprudence. T. W. p. 3. Jeder Verſuch näͤmlich mub unmöglich gemacht werden, das Teſtament zu entſiegeln, und allenfalls der Willensmeynung des Teſttters eine andere zu fubſtuuiren. Dadurch daß die Auſſchriftsurkunde auf den Umſchlag geſchrieben werden muß, wird es ſchwe⸗ rer ihn zu eroͤffnen; wenn man auch die Siegel, ohne ſie zu verleßen, er⸗ brechen koͤnnte, ſo wuͤrde es doch ſchwer halten, die auf dem Winkel des Cc 3 Umſchlags —* 206 Drittes Buch. Zweyter Titel. Umſchlags befindlichen Buchſtaben ſo genau wieder zuſammen zu poſſen, baß man die Eröffnung nicht bemerken könnte. LaſſattlT Journal I. 9. 244. 6. Es ſchadet aber ſeiner Guͤltigkeit nichts, wenn der Notar in der Aufſchrifts⸗ urkunde geſagt hac, er habe bieſelbe auf das die Verfuͤgungen enthaltende Papier ſelbſt geſchrieben, da er ſie doch nur auf den Umſchlag geſekt hat. Aopellhof zu Bräſſel in Jurisprudence. T. KII. p. 143. Sikrx Journal genéral. 1809 P II. S, 69. 7. Es iſt nicht nothwendig, daß das myſtiſche Teſtament, aufßer in dem das Da⸗ tum enthaltenen Aufſchriftsvrotocolle, noch außerdem datirt ſey. Caſſa⸗ tionshof in Sußv Journal génsral. 1809. P. I. S. 235. 4) TLer termet de l'art 96., bemerkt GRFNIFR T. II. p. 70. ſehr richtig, tout ce que deſſus ſera fait xe. ſe rapporteut ſeulement 4 la preſeutation du teſtament de Ia part die Ceſtateur, d action de clore et cacheter le teſtament,— et au oper ations relatives æ hacte de ſe ne concernent pa le teſiament il eſt indiſerent quꝰ il ait at⸗ fait d une epoque plus ou moits eloignée, avant que le ſiotaire ot les re- moins ſolent convoquce, et ite ce ceſtameut leur ſoit preſentẽ. S. auch MärRviIE's Analyſe àd h. art. 5. 627. Beſondere Regeln uͤber das myſtiſche Teſiament. I. Kann der Teſtirer, wegen eines erſt nach der Unterzeichnung des Teſtaments eingetretenen Hinderniſſes das Protocoll nicht unterſchrei⸗ ben, ſo ſoll ſeine deshalb zu thuende Erklaͤrung angemerkt werden, ohne Art. o77. daß es nöthig wäre, die Anzahl der Zeugen zu vermebren. IM. Ver⸗ ſtand dagegen der Teſtirer das Schreiben uͤberhaupt nicht, oder war er dazu außer Stande, als er ſein Teſtament niederſchreiben hieß, ſo ſoll zu dem Protocolle noch ein ſiebenter Zeuge hinzugezogen werden, welcher nebſt den uͤbrigen Zeugen das Protocoll unterſchreibt, und in Anſehung deſſen die Urſache ſeiner Zuziehung in demſelben bemerkt wer⸗ Art. 978 den muß. III. Die weder leſen noch ſchreiben können, duͤrfen kein my⸗ Art. o7. ſtiſches Teſtament machen. IV. Kann der Teſtirer nicht reden, aber doch ſchreiben, ſo kann er ein myſtiſches Teſtament machen, nur muß daſſelbe durchaus von ſeiner Hand geſchrieben, datirt und unterſchrieben ſeyn. Er muß es ferner dem Notar und den uͤbrigen Zeugen uͤberreichen, und in ihrer Gegenwart oben uͤber das von dem Notar aufzunehmende Pro⸗ tocoll hinſchreiben, daß das vorgezeigte Papier ſein Teſtament ſey. Hier⸗ auf ſeßt der Rotar das Protocoll daruntet, und bemerkt darin, daß der Teſtirer in ſeiner und der Zengen Gegenwart ſene Worte mderzeſ en Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 207 ben habe. Außerdem muͤſſen die uͤber die Ausfertigung dieſes Protocolls oben angegebenen Regeln befolgt werden ¹). 1) Das wyſtiſche Teſtament iſt ein Eigenthum des Teſtirers. Er hat das Recht ſich daſſelbe ſelbſt aushändigen zu laſſen um es aufzubewahren, wie dieſes bey dem eigenhaͤndigen Teſtamente der Fall iſt. Ebenfalls kann er es einem Notar, oder einer jeden andern Perſon zur Aufbewahrung uͤbergeben. Schretben des Herrn Juſttzminiſters vom 29. Auguſt I809. in OpTpRrrx und meinem Magazin. B. I. p. 440. Anderer Meynung iſt GRENIER T. II. p. 98 fgg. und behauptet, daß das Teſtament immer in den Händen des Notars verbleiben muß⸗ §. 628. Allgemeine Erforderniſſe über die Tuͤchtigkeit der Teſtamentszeugen. Die Zeugen, welche bey einem Teſtamente gegenwaͤrtig zu ſeyn Art. 6o. aufgefordert werden, muͤſſen I. maͤnnlichen Geſchlechts, 1I. volhaͤhrig, III. Unterthanen des Kaiſers, und IV. im Genuſſe der buͤrgerlichen Rechte ſeyn ¹). 1) S. oben§. 623. Not. I. nro. a. Die Schreiber der Notarien werden bey dem myſtiſchen Teſtamente nicht unfaͤhige Zeugen ſehn. JauBERr Rapport, bey GakNPRV B. IHI. P. I. p. 192.: Le vrojet ne repete pas cett⸗ eæxciuſton pour les Teſtamens mſtiquen. N faut remarquer dailleurs, que la vrohibition ne ceſſe que pour l'acte de ſubſeription oß la vprèſence de ſiæ remoint eſt noceſſairs. Anderer Meynung iſt jedoch GRTNIER T. II. p. 77 fgg⸗ ZAcRaRfAn fandbuch Th. II. S. 202. Zweyter Abſchnitt. Von den priviſegirten Teſtamenten. 5. 629. Arten derſelben⸗ Zu den privilegirten Teſtamenten gehören, wenn man die in Hin— ſicht des auf dem Lande gemachten öffentlichen Teſtaments beſtimmte Ausnahme von der uͤber dieſe Teſtamente aufgeſtellten Regel, nicht fuͤr eine eigene Art privilegirter Teſtamente rechnen will, folgende: I. das Teſtament der Militairperſonen, II. das Teſtamentzur Zeit einer Epidemie, III. das nautiſche Teſtament, und IV. das Teſtament, welches im Anslande errichtet iſt ¹). 1) 208 Drittes Buch. Zweyter Titel. 1 1) Zu bemerken iſt jedoch, doß neben dieſen beſondern Regeln, die ſich auf das Vorrecht beziehen, die in dem vorigen Abſchnitte vorkommenden allgemeinen 16 Regeln, inſofern ihnen nicht in dieſem Abſchnitte derogirt wird, genau zu be⸗ folgen ſind. GRPNIER T II. p 131. Duſes folat aus der Rubrik des erſten 33 Abſchnirts: Des regler genrrales ſur la Vorene des teſtamens, verbunden, mit der des zweyten: Des regles particuſiẽres ſur Ja Forme de ceyt ain te- 6 Namens. Mithin wuͤrde das privilegnte Teſtament nichtig ſiyn, wenn es dem Teſtirer in Gegenwart der Zeugen nicht vorgeleſen waͤre, wenn er es nicht unterſchrieben hatte, oder, daß er nicht ſchreiben konnte, Etwaͤhnung geſchah 630 1 I. Teſtament der Militairperſonen. Lrt. o1. Die Teſtamente der Militair- oder ſonſtigen bey den Armeen an⸗ geſtellten Perſonen, koͤnnen, in welchem kande es auch ſch, aufgenom⸗ men werden: 1. durch einen Batalllons- oder Escadronschef, oder pe⸗ 3 dem andern Officier eines höhern Grades in Gegenwart zweyer Zeugen; II. durch zwey Kriegscommiſſaire, oder durch einen Kriegscommiſſair Art. o32. im Beyſeyn zweyer Zeugen; 11 falls der Teſtirer krank oder verwun⸗ 3 det ſeyn ſollte, von dem erſten Feldarzte, mit Zuziehung des mit der Art. 933. Hospitalpolicey beauftragten Militairtommandanten ¹).— Damit aber das Prwilegium einer ſolchen Teſtamentserrichtung dem Teſtirer zukom⸗ 4 me, iſt erforderlich: 1. daß er ſih bey einer kriegeriſchen Expedition be— finde, oder Il. daß er ſich außerhalb des Staatsgebrets in Quarteer oder Beſatzung; oder III. bey dem Feinde als Kriegsgefangner ſich be⸗ finde. Diejenigen, welche innerhalb des Staatsgebtets in Quartiet, oder Beſatzung liegen, haben dieſes Vorrecht nur dann, wenn ſie ſich 3 in einem belagerten Platze, in einer Feſtung oder anderm Orte, wo des Kriegs wegen die Thore geſchloſſen, und die Commnnication unterbrochen 3 iſt, befinden. 1 Art. 984. Ein auf dieſe Art errichtetes militairiſches Teſtament wird nach ſechs konaten unguͤltig, wenn der Teſtirer an einen Ort gekommen iſt, wo er die Regeln fuͤr die Errichtung eines gewoͤhnlichen Teſtaments beobachten 3 kounte. 4 1) Doch ſcheint der Artikel, der Diſtuſſion nach, ſedialich auf das Liegen in ei⸗ nem Feldhoſpitale, oder fllegenden Heſpltale, nicht in einem ſtehenden 3 Hoſpitale, zu beſchränken zu ſeyn. S. MarrvIIE Analyſe ad b. art⸗ §. 631. Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 209 6 63r. II. Teſtament zur Zeit einer Epidemie. Teſtamente, welche an einem Orte gemacht werden ſollen, mit wel— Aut. 6s, chem wegen Peſt oder emer andern Epidemie alle Communicationen un— terbrochen ſind, konnen vor dem Friedensrichter, oder vor einem Mu— nicipalbeamten der Commuͤne, in Gegenwart zweyer Zeugen ¹) errichtet werden. Das iſt einerley, ob der Teſtrrer mit der Epidemie ſelbſt be⸗Art. 980. fallen iſt, oder nicht. Auch dieſes Teſtament wird nach ſechs Monaten, ſeitdem die Ait. 987. Communication mit dem Orte, wo der Teſtirer ſich befindet, wieder hergeſtellt iſt, oder ſeitdem ſich der Teſtirer an einen Ort begeben hat, woſelbſt die Communication nicht unterbrochen geweſen iſt, unguͤltig. 1) Die Worte* en préſence de deux temoins“ heziehen ſich ſowohl auf die Vor⸗ nahme der Handlung durch den Friedensrichter, als auch, wenn das Teſta⸗ ment von dem Municipalbeamten aufgenommen iſt. 632. III. Nautiſches Teſtament. a. Regel. In Hinſicht der auf der See. waͤhrend einer Seereiſe gemachten Art. 88. Teſtamente iſt zu unterſcheiden, ob ſie am Bord eies der Regierung zugehérigen Schifſes, oder eines Kauffartheyſchiffes gemacht werden. Im erſten Falle müſſen die Teſtamente von dem Commondeur des Schiffes, oder in deſſen Ermanglung von demjenigen, der der Dienſt⸗ ordnung nach ſeine Stelle vertritt, und zwar in beyden Faͤllen mit Zu⸗ ziebung des Verwaltungsbeamten, oder deſſen Stellvertreters, aufgenom⸗ men werden. Im letzteren Falle aber von dem Schiffſchreiber, oder deſ— ſen Stellvertreter, mit Zuziehung des Schiffscapitgins, Rheders oder Schiffpatrons, oder in deren Ermangelung, deren Stellvertreter. Au— ßerdem muͤſſen in dem einen wie dem andern Falle zwey Zeugen zuge— zogen werden.— Auf den Schiffen der Regierung wird das Teſta⸗ ment des Capitains oder des Verwaltungsbeamten, und auf den Kauf⸗Att. 939. fartheyſchiffen das Teſtament des Capitains, Rheders, Patrons oder Schreibers, von denjenigen aufgenommen, die in der Dienſtordnung den nächſten Rang nach thnen einnehmen. Spangenberg's Commentar Pd, 1I, Dd§. 633. 210 Drittes Buch. Zweyter Titel. 5. 635 b. Ausfertigung. Art. 990. Dieſe Teſtamente muſſen immer in duplo im Originale ausgefer⸗ Art. 99r. tigt werden. I. Laͤuft das Schiff in einen fremden Hafen ein, worin ſich ein kaiſerlicher Conſul befindet, ſo ſind dieſenigen, welche das Te⸗ ſtament aufgenommen haben, verpflichtet, das eine dieſer Originale ver⸗ ſchloſſen und verſiegelt dieſem Conſul zu uͤbergeben. tetzterer hat es dem Mimſter des Seeweſens zu uͤberſenden, und dieſer ſchickt es an den Greffe des Friedensgerichts des Wohnſitzes des Teſtirers, wo es auf⸗ bewahrt wird. Befindet ſich kein kaiſerlicher Conſul in dem fremden Art. 92. Hafen, ſo bleiben beide Originale auf dem Schiffe. II. Bey der Ruͤckkehr des Schiffes, entweder in den Hafen, wo es qusgeruͤſtet wurde, oder in jeden andern, ſollen die beyden Originale, oder falls das eine ſchon auf die eben angegebene Art deponirt waͤre, das uͤbrig bleibende eben⸗ falls verſchloſſen und verſiegelt dem Préposé à l'inscription maritime uͤbergeben werden. Dieſer hat es dem Miniſter des Seeweſens zu uͤber⸗ ſenden, welcher es an den Greffe des genannten Friedensgerichts gelan⸗ Art. 993. gen laͤßt.— Die geſchehene Ablieferung in die Haͤnde des Conſuls, oder des Préposé, muß am Rande der Schiffsrolle, wo der Nahme des Teſtirers eingetragen iſt, bemerkt werden. 5. 634. c. Ausdehnung dieſes Vorrechts. Dieſes Vorrecht findet nur ſtatt: I. wenn das Teſtament wirklich auf dem Meere gemacht iſt. Mithin tritt es nicht ein, wenn das Schiff zur Zeit ſeiner Errichtung auf ausländiſchem, oder embeimiſchem Gebiete gelandet wat. Im erſtern Falle muß es nach den im Auslande uͤblichen Formen, im letztern nach den fuͤr die Art der Teſtamente uͤberhaupt durch den Code vorgeſchriebenen Regeln ab⸗ Art. 995. gefaßt ſeyn; II. zu Gunſten aller Perſonen, welche ſich auf dem Schiffe befinden, mögen ſie zur Schiffsmannſchaft gehoͤren, Art. 96. oder bloße Paſſagiere ſeyn; II. jedoch nur in ſo fern, als der Teſtirer entweder noch auf dem Meere, oder binnen der naͤchſten 3 Monate, nachdem er ans Land ſtieg und an einem Ort kam, wo er es nach den gewöhnlichen Formen baͤtte erneuern koͤnnen, ſtarb. Art. 994. Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 211 8.635. d. Form dieſes Teſtaments. Außer der oben(§. 532.) gedachten Form dieſes Teſtaments iſt noch zu bemerken: I. daß daſſelbe keine Verfuͤgung zum Vorthetle der Art. 97. Schiffsoffietere enthalten darf, ausgenommen, wenn ſie Verwandte des Teſtirers waren; II. daß daſſelbe ſowohl von dem Aufnehmenden, als Art. 998. dem Teſtirer unterſchrieben, oder falls derſelbe erklaͤrt, daß er micht ſchreiben konne, von dieſer Erklarung, und dem Umſtande, der ihn dar⸗ an verhindert, Erwaͤhnung gethan werde. Ebenfalls ſoll das Teſta⸗ ment von den beyden Zeugen, oder wenigſtens von einem derſelben un— terſchrieben, und in dieſem letztern Falle, die Urſache, weshalb der an— dere nicht unterſchrieben hat, erwaͤhnt werden. §. 636. IV. Teſtament im Auslande. Der im Auslande ſich aufhaltende Inländer kann entweder eim ei⸗ Art. 999. genbändiges, oder ein öffentliches Teſtament machen. In Hin⸗ ſicht dieſes letztern hat er das Vorrecht, daſſelbe mit Beobachtung der an dem Orte der Abfaſſung uͤblichen Formen errichten zu laſſen. Zu bemerken iſt jedoch: I. die im Auslande gemachten Teſtamente koͤnnen Art. 1000, in Anſebung der im Staatsgebiete belegenen Guͤter nicht eher vollzogen werden, bis ſie nicht, wenn der Teſtirer in ſeinem Vaterlande ei Do— micil behalten hatte, in das bureau d'enregistrement dieſes Wohnorts, oder falls dieſes nicht der Fall war, in das Bureau ſemes letzten in— laͤndiſchen Domicils, eingetragen ſind. II. Enthaͤlt das Teſtament Ver⸗ fuͤgungen uͤber im Staatsgebiete belegene Grundſtuͤcke, ſo muß es uͤber⸗ dieß in das buneau d'enregistrement des Orts, wo dieſelben liegen, eingetragen werden, ohne daß gleichwohl in dieſem Falle doppelte Ge⸗ buͤhren genommen werden koͤnnen ¹). 1) Der Art. 1000. ceſſirt fuͤr das KR. Weſtphalen, da ſich hier kein Enregi- ſtrement findet. S . ine Regeln über die Foͤrmlichkeiten, die in dieſem und dem vorhergehenden Ab⸗ Allgeme ſchnitte vorgeſchrieben ſind. Die Formalitäten, welche den verſchiedenen Teſtamenten durch die Art. Icor. Verfuͤgungen des gegenwärtigen, und des vorhergehenden Abſchnitts vor⸗ Dd 2 geſchrie⸗ 212 Drittes Buch. Zweyter Titel. geſchrieben ſind, muͤſſen bey Strafe der Richtigkeit des Teſta⸗ ments*) beobachtet werden ²). 1) Iſt jedoch das Teſtament ſine vitio viſibili, ſo kann es dennoch, obgleich es als nihtig angefochten wird, vollſtreckt werden. Appellhof zu Amiens in Jovanxnau und SoLoN diseuſſions. T. IHI. p. 207. Not I. 2) S. FRANgols Jos. ScRMITT D. ſi quelques moyens anciennement admis pour attaquer les teſtamens doivent encore l'etre ſous l'empire du C. N. Coblence 1808. 6 638 Aufbewahrung der Teſtamente. Art. 1007. I. Jedes eigenhaͤndige Teſtament ſoll, ehe es vollzogen wird, dem Praͤſidenten ¹) des Tribunals erſter Inſtanz in dem Bezirke, wo die Erbſchaft angefallen iſt, vorgelegt werden. Der die Verſieglung im Sterbehauſe nämlich beſorgende Friedensrichter, muß, wenn er ein Te⸗ ſtament findet, daſſelbe hinnehmen, uͤber die aͤußere Beſchaffenheit deſ⸗ ſelben ein Protocoll aufnehmen, und das Teſtament von den gegenwaͤr⸗ tigen Partheyen mit deren Nahmenszugen bezeichnen laſſen; er muß ferner den Tag, an welchem er daſſelbe dem genannten Präſidenten vorlegen will, anzeigen, und in dem Protocolle bemerken.⸗ An dem genannten Tage uͤberreicht derſelbe, ohne daß die Partbeyen vorgeladen zu werden brauchen, das Teſtament dem Praͤſidenten, der es eröffnet, uͤber die äußere Form deſſelben ein Protocoll aufnimmt, und die Niederlegung deſſelben in die Haͤnde eines Rotars ²) verfuͤgt ³). II. Iſt das Teſtament ein myſtiſches, ſo geſchieht die Vorlegung, Eroͤffnung, Beſchreibung, und NRiederlegung auf die naͤmliche Weiſe; doch darf die Eroffnung des Teſtaments nur in Beyſeyn, oder wemgſtens nach geſchehener gehoriger Vorladung der Notarien und Zeugen, welche die Aufſchrift unterzeichnet haben, und ſich am Orte befinden, vorgenom— men werden*). 1) Oder dem deſſen Stelle vertretenden Richter. Blanchard zu Maleville Th. II. S. 456. 2) Code de procddure frangais art. 916 920. MMeſtphalien. art. 844. 345— 846., 848 3) Nach dem Code de proced. Meſtphalien art. 846. kann der Praͤſident auch die Niederlegung in die Haͤnde irgend einer andern tauglichen Perſon verfuͤgen. 4) Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 273 4) Zteht die Unterlaſſung dieſer Formalitaͤten die Nichtigkeit nach ſich? z. B. iſt ein eigenhaͤndiges Teſtament guͤltig, und kann es zur Ausuͤbung gebracht werden, wenn es von einem der Intereſſenten eröffnet worden iſt, ehe es dem Präſidens ten eingehaͤndigt wurde, und ohne daß das Couvert, worin es einaeſchloſſen war, mit uͤbergeben worden iſt? Der Appellhof iu Riom in Jurisprudence. T. VIII. p.416. hielt ein ſolches Teſtament fuͤr guͤltig; es finden ſich aber in Dabe⸗ low's Archiv. St. IV. S. 382 fg. triftige Erinnerungen dagegen. Wer ſtehe z. B. dafuͤr, ob das Teſtament allein in dem Paquet enthalten war, oder ob demſelben nicht noch mehrere andere Dispoſitionen des Erblaſſers, entweder nachtragende, oder abändernde, beylagen?— Ein anderes Erkenntniß des Appellhofs von Rouen in S1RBx Jurtsprudenee. 1808. Suppl. p. 73., beſtaͤ⸗ tigt ebenfalls den Satz, daß die Nichtbeobachtung der im Art. 1007. vorge⸗ ſchriebenen Formalitäten die Nichtigkeit des Teſtaments nicht nach ſich ziehe. Dritter Abſchnitt. Von dem Inhalte der Teſtamente. §. 639. Im Allgemeinen. Die teſtamentariſchen Verfuͤgungen ſind entweder Univerſallega⸗ Art, 1002. te, oder Legate unter Unverſaltitel, oder Legate unter Par⸗ tichlartitel. Vierter Abſchnitt. Von den Univerſallegaten. 5. 640. ff. Ein Univerſallegat iſt diejenige teſtamentariſche Verfuͤgung, Art. 1003. wodurch der Teſtirer einer oder mehreren Perſonen den ganzen Inbe⸗ griff des Nachlaſſes uͤbergiebt. 5. 641. Wirkung deſſelben. I. Hinterlaͤßt der Teſtirer Erben, welche einen Pflichttheil zu ver⸗Nit, 1c0, langen berechtigt ſind, ſo geht der Beſitz des ſämmtlichen Rachlaſſes, Dd 3 bey * 3 . 6 3 N Art. 1003. Art. 1006. Art. 1007. S. F. 638. Art. 1008. Art. 1009. 214 Drittes Buch. Zweyter Titel. bey ſeinem Tode, auf dieſelben Kraft des Geſebes uͤber, und der Univer⸗ ſallegatar muß die Ueberantwortung von ihnen verlangen ¹). Verlangt er dieſe Ueberantwortung binnen Jahresfriſt vom Sterbetage des Erb⸗ laſſers angerechnet, ſo bat er die Nutzungen des Nachlaſſes auch von dieſem Tage an zu begehren; verlangt er ſie ſpaͤter, ſo kann er ſie nur von dem Tage an beſtimmen, da er ſein Geſuch im Wege Rechtens ange— bracht hat, oder an dem die Auslieferung von den Pflichterben freiwil⸗ lig zugeſtanden wurde ²). II. Sind bey dem Abſterben des Teſttrers keine Pflichterben vorhanden, ſo gebt durch deſſen Tod der Beſitz kraft des Geſetzes auf den Umwerſallegatar uͤber, ohne daß derſelbe die Auslie⸗ ferung des Nachlaſſes zu verlangen brauchte.— Dieſe Einweiſung in den Beſitz geſchieht durch den Praͤſidenten, und zwar kraft einer Or— donnanz deſſelben, die er unter die von dem Unwerſallegatar einzurei⸗ chende Bittſchrift, der auch der Depoſitionsſchein uͤber die Riederlegung des Teſtaments angehängt ſeyn muß, ſetzt. 1) Die Pflichterben koͤnnen aber in dieſem Falle ihren Pflichttheil zuruͤckbehalten. In der Diſcuſſion wurde es ihnen nur in ſo fern erlaubt, als ſie das Teſtament nicht kannten, in welchem der Unwerſallegatar eingeſeßzt war, aber ſchon Ma⸗ LRvIILLE Analyſe ad art. 1005. bemerkt ſehr richtig, daß es gle'chauͤltig ſey, ob ihnen das Teſtament unbekannt war, oder nicht. S. auch ZackakAE Handbuch Th. II. S. 220. 2) Der Unitverſallegatar braucht nicht zu leiden, daß der ausgeſchloſſene Inteſtat⸗ erbe, unter dem Vorwand der Nichtigkeit des Teſtaments(falls er nur micht einen Pflichttheil zu fordern hat, und das Teſtament dieſen Pflichttheil nicht hinterließ) die Siegelauflage und Inventariſation bewirken will. Ctvllttibunal zu Paris in Laſſaulx Journal I. 1. 36. §. 642. Verbinblichkeiten des Univerſallegatars. Der Univerſallegatar haftet fuͤr die Schulden des Erblaſſers und die Bezahlung der üͤbrigen Legate, und zwar, wenu er mit einem Pflicht— erben zuſammentrifft, perſonhich fuͤr ſeinen Anbeil, und bypothecariſch fuͤr das Ganze. Doch tritt auch in Huſicht ſeiner die im Art. 926. 927. bemerkte Reduction ein. Fuͤnf⸗ Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 215 Fuͤnfter Abſchnitt. Von den Legaten unter Univerſaltitel⸗ 56 Beif. Ein Legat unter Univerſaltitel iſt dasjenige, wodurch der Art. 1070. Teſtator eine Quote des disponibeln Theils ſeines Nachlaſſes, z. B. 4, 4, oder 3, oder ein ganzes Genus von Sachen, z. B. ſein ganzes bewegliches oder unbewegliches Vermoͤgen, oder eine Quote deſſelben, jemanden vermacht ¹). 1) MArEVILLE Analyſe ad h. art. bemerkt ſehr richtig, daß hedes Univerſallegat, falls es mehreren gegeben ſey, eo ipſo in gewiſſe Quoten zerfalle, daß man aber den Fall, wo das ganze Vermogen umco ſermone mehreren zuſam⸗ men, und ohne Beſtimmung der Antheile vermacht wird, von jenem unterſchei⸗ den muͤſſe, wo der Teſtirer in abgeſonderten Dispoſirlonen verſchiedene Quoten ſeinen Legatarien qtebt. Im erſtern Falle hoͤrt das Legat nicht auf, Univerſalle⸗ gat zu ſeyn, im letztern allein iſt es Legat unter Univerſaltitet.— Schenkt der Toaſtirer einem Legatar die Hälfte ſeiner Mobilten, und dem andern den Reſt ſeines Vermoͤgens, ſo iſt der erſtere Legatar unter Untverſaititel, der letztere Univerſallegatar. Wirkung deſſelben. Die Legatarien unter Univerſaltitel treten nie kraft des Geſetzes in Att. 101. den Beſitz dieſes Vermaͤchtniſſes. Sie ſind vielmehr verbunden, die Aus⸗ lieferung deſſelben zu verlangen, und zwar I. zuerſt von den Pflichterben, II. in Ermanglung derſelben, von den Univerſallegatarien, Il. und in deren Ermanglung, von den Inteſtaterben, nach der Succeſſionsordnung derſelben. §. 645. Verbindlichkeiten des Legatars unter Univerſaltitel. Der tegatar unter Univerſaltitel iſt eben ſo, wie der Univerſalle⸗Art. 1012. gatar, fuͤr die Schulden und kaſten der Verlaſſenſchaft perſönlich, nach dem Verhaͤltniſſe ſeines Antheils, und hypothecariſch fur das Ganze ver⸗ 216 Drittes Buch. Zweyter Titel. Art. 1013. haftet. Auch iſt derſelbe verpflichtet, die Particularlegate verhaltnißmäßig mit den geſetzlichen Erben zu berichtigen, wenn der Teſtirer nur uber en nen Theil des dispombeln Vermoͤgens unter Univerſaltitel verfugt hat. Sechster Abſchnitt. Von den Particularlegaten. §. 646. VBegriff. Ein Pärticularlegat iſt ein Vermaͤchtniß einer, oder mehre⸗ rer einzelnen Sachen ¹). 1) arg. Art. roro.— Ob die einzelne Sache in der Wirklichkeit die Haälfte, das Drittel u. ſ. w. des Vermoͤgens des Teſtirers uͤberſtetgt, iſt gleichgaͤtttg, und prrändert den Begriff des Partſcularlegats nicht. MarEvILIB Analyſe ad art. 1002. F. 647. Wirkung. Die Wirkung des Partieularlegats iſt verſchieden, je nachdem es bedingt, oder unbedingt hinterlaſſen war. Iſt es bedingt hinterlaſſen, ſo hängt die Wirkung von der Erfuͤllung, oder Richterfuͤllung der Bedin⸗ gung ab, ſo wie in dem folgenden Titel die naͤhern Grundſätze bieruͤber Art. 101z. gegeben werden ſollen. Iſt es dagegen unbedingt hinterlaſſen, ſo giebt es dem Legatar, von dem Todestage des Teſtirers an, ein Recht auf die vermachte Sache, welches auf ſeine Erben und Nachfolger uͤbergeht. Deſſen ungeachtet darf er ſich nicht ſelbſt in den Beſitz dieſer Sache ſet⸗ zen; ſondern er muß in derſelben Ordnung, in welcher der Legatar unter Univerſaltitel dies thun muß, ſein Geſuch um Auslieferung der Sachen anbringen, falls ihm das Legat nicht durch eine von dem Teſttrer beſtimmte Perſon ausgezahlt werden muß, denn in dieſem Falle kann er das Ge⸗ aut. 1015. ſuch nur an dieſe richten ¹). Die Fruͤchte und Zinſen des legats kann er vom Sterbetage des Teſtirers an verlangen, falls er das Auslieferungs⸗ geſuch binnen einem Jabre, von dieſem Tage angerechnet, vorgebracht hat; ſonſt nur von dem Tage des angebrachten Geſuchs, oder der tuu Auslie⸗ Von Schenkungen Uuter Lebenden, und von Teſtamenten. 217 Auslieferung; ausgenommen: I. wenn der Teſtirer ihm die Fruͤchte und Zinſen ausdruͤck kchvon ſeinem Sterbttage an zuſprach, II. wenn das Vermaͤchtniß in einer Leibrente, oder in einer jaͤhrlichen Alimenta⸗ tionsſumme beſtand. Die Koſten des Auslieferungsgeſuchs fallen der Erbſchaft zur Laſt, Art. 1016, doch daͤrf der indisponible Theil des Vermoͤgens dadurch keinen Abzug lei⸗ den. Die Einregſſtrirungsgebühren muß dagegen der Legatar tragen ²). Mles dieſes findet jedoch nur Statt, in ſo fern in dem Teſtamente nicht eine andere Verfuͤgung getroffen iſt. Jedes Vermaͤchtniß kann fuͤr ſich beſonders einregiſtrirt werden, oh⸗ ne daß dieſe Emregiſtrirung andern Perſonen, als dem kegatar und deſ⸗ ſen Nachfolgern, zum Vortheile gereichen könnte, 1) MaITvII.1T Analyſe ad. art. 1017. 2) Schon oben iſt bemerkt, daß das droit d'Enregilrement fuͤr Weſtphalen wegſält. 1 §. 648. Verpflichtung derer, die das Legat auszahlen ſollen. I. Alle diejenigen, denen der Erblaſſer die Auszahlung des Legats Art. 10r7. auferſegt hat, ſind fuͤr deſſen Auszahlung, und zwat ein jeder nach dem Antheile des auf ihn fallenden Erbantbeils, perſoͤnlich und hypotbeca⸗ riſch bis zu ſedem Betrage des Werths der ihnen zugefallenen Mobilien, verhaftet. II. Die vermachte Sache muß mit dem nothwendigen Zube⸗ Art. 101. bör, und in dem Zuſtande, worin ſie ſich am Todestage des Teſtirers befindet i), herausgegeben werden. Hierbey iſt zu bemerken: Wemn Att. 1019. der Teſtirer nach Errichtung des Teſtaments, oder Gebung des Legats, daſſelbe durch Erwerbungen vergroͤßerte, ſo konnen dieſelben, wenn ſie gleich damit zuſammenhaͤngen, ucht als Acceſſorien, oder Theile des Legats betrachtet werden. Wohl aber ſind als Therle des Legats die Ver⸗ zierungen und neuen Anlagen zu betrachten, die auf dem legirten Grund⸗ ſtuͤcke angebracht ſind. Eben ſo vertzaͤlt es ſich mit einem legirten ein⸗ geſchloſſenen Platze, deſſen Umgebung der Teſtirer nachher erweitert hat. iIt. Wenn vor oder nach Errichtung des Teſtaments die legirte Sache, Art. 1c2. fur eine auf der Erbſchaft baftende Schuld, oder fuͤr die Schuld eines Dritten, zur Hypothek geſetzt, oder mit einem Nießbrauche beſchwert war, ſo iſt derſenige, der das Vermaͤchtniß anszuzahlen hat, nicht ſchuldig Spangenberg's Commentar Vd, II. Ee das 3 — . 3 218 Drittes Buch. Zweyter Titel. das Legat von dieſen kaſten zu befreyen ²); ausgenommen, wenn ihm ſolches durch den ausdruͤcklichen Willen des Teſtirers auferlegt worden Art. 1021. iſt. IV. Hat der Teſtirer eine fremde Sache vermacht, ſo braucht der, dem das tegat zu praeſtiren auferlegt war, nichts herauszugeben; denn ein ſolches kegat iſt unguͤltig, mag der Teſtirer gewußt haben, daß die Art. 1022. Sache fremd ſey, oder nicht ²). V. Beſteht das tegat in einer unbe⸗ ſtimmten Sache, z. B. in mehreren Schaafen aus des Teſtirers Heer⸗ de, ſo braucht der Erbe dieſe micht von der beſten Beſchaffenheit zu geben; doch darf er auch nicht die allerſchlechteſten anbieten à). VI. Art. 1023. Der Auszahler des Legats darf nie das einem Glaͤubiger hinterlaſſene Legat, auf deſſen Forderung*), und das einem Dienſtboten gegebene Vermaͤchtniß nicht auf deſſen Lohn anrechnen ⁵). 1) Mithin auch mit den Alluvtonen u. ſ. w. MArEVILLE Analyſe ad h. art. den ſcheinbaren Widerſpruch dieſes Artikels mit dem Fu. ſ.§. 581. kot. 2. 3) S. auch Art. 1599. 4) Mithin hat in dieſem Falle der Erbe die Wahl. S⸗ auch Art. 1190. welchet in jedem Falle dem Schuldner einer Leiſtung die Wahl läßt. Ohne unterſchied, ob ſie aus einer freywilligen, oder aus einer geſetzlichen Verbindlichkeit entſpringt. 6) Doch iſt gewiß der Fall auszunehmen, wenn der Teſtirer dem Glaͤubiger eine beſtrittene Forderung z. B. ein waͤhrend ſeiner Minderhähriqkeit unguͤltig auf⸗ genommenes Darlehen, als Legat zuruͤckgiebt, um ihn der Weitläuftigkeit eines Proceſſes zu entheben⸗ 5. 649. Verbindlichkeiten des Particnlarlegatars. Irt. 1024. Der Particularlegatar haftet nicht fuͤr die Erbſchaftsſchulden, doch muß er ſich die Reduction ſeines Legats gefallen laſſen, wenn die Pflicht⸗ erben verkurzt ſind. Auch konnen die Gläubiger das Legar mit der hypothecariſchen Klage angreifen, falls daſſelbe ihnen verbypotbecirt war, und ſie von den uͤbrigen Erben und Legatarien keine Befriedigung er⸗ balten können*). ¹) S. Art. 374. 1030. Sieben⸗ . Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 219 Siebenter Abſchnitt. Von den Teſtamentserecutoren. 5. 650. Begriff. Der Teſtirer hat das Recht, um der PVollziehung ſeines letzten Art. 102. Willens ſicher zu ſeyn, einen oder mehrere Teſtamentsexecutoren zu er⸗ nennen ¹). Er hat ferner das Recht, ihnen den Beſitz ſeines beweg⸗ Art, 1026. lichen Vermoͤgens ganz, oder zum Theil, jedoch auf nicht läugere Zeit, als auf Jahr und Tag nach ſeinem Tode, einzuraͤumen. Hierbey iſt jedoch zu bemerken: 1. Hat der Teſtirer den Teſtamentsexecutoren dieſen Beſitz nichs zugeſtanden, ſo können ſie ihn nicht fordern; II. der Erbe zrt. 1027. oder Legatar kann dieſem Beſitze ein Ende machen, wenn er den Te⸗ ſtamentsexecutoren entweder eine hinlaͤngliche Summe zur Bezahlung der in beweglichen Sachen beſtehenden Vermaͤchtniſſe, anbietet, oder dar⸗ thut, daß er dieſelben ſchon bezahlt habe.„ 1) Dleſe Ernennung verhält ſich wie ein Mandat, deſſen Grundſaͤtze mithin hier immer zur Anwendung kommen, ſo z. B⸗ kann niemand gezwungen werden, Teſtamentsexecutor zu werden u. ſ. w. S 6 Erforderniſſe. Um Teſtamentsexecutor werden zu können, iſt nothwendig, daß man Ant. 1023. rechtlich faͤhtg ſey, Verbindlichkeiten eingehen zu können. Hieraus folgt: I. Interdieirte, und buͤrgerlich Todte ſind voͤllig ausgeſchloſſen; U. Eine grt. 1029. Ehefrau kann nur unter Autoriſation ihres Mannes zum Teſtamentsexe⸗ cutor ernannt werden. Verweigert der Mann dieſe Autoriſation, ſo fann ſie ſich nur dann vom Tribunale autoriſiren laſſen, dieſes Geſchaͤft zu uͤbernehmen, wenn ſie in Guͤtertrennung lebt, nicht aber wenn ſie in Guͤtergemeinſchaft lebt. ¹). II. Kein Minderjähriger kann, nicht xrt. 1c30. einmal unter Amoriſation ſeines Vormundes oder Curators, Teſtaments⸗ executor werden. 1) Art. 217. 219. MaAlBvIILILR Analyſe ad h. art. GRRNiRs T. II. p. 213. E§. 652. 3 220 Drittes Buch. Zweyter Titel. . Pflichten des Teſtamentsexecntors. Urt. 1031. Die Pflichten des Teſtamentsexecutors ſind folgende: I. er muß, wenn unter den Erben Minderzährige, Interdieirte, oder Abweſende ſind, . den Rachlaß unter Siegel legen laſſen 1). II. Er muß in Gegenwart, oder nach gehöriger Vorladung des Etben ein Inventar uͤber denſelben i aufnehmen laſſen. II. Er muß die Mobilien verkaufen laſſen, wenn 33 das vorräthige Geld zur Bezahlung der Legate nicht hinreicht ²*). IV. Er pat fuͤr die Vollziehung des Teſtaments Sorge zu tragen, und kann, wenn uͤber dieſelbe Streit entſtebt, bey dieſem Streute mit auftreten, 3 um die Guͤltigkeit des Teſtaments zu verfechten. V. Er iſt verbunden, nach Jahr und Tag vom Sterbetage des Teſtirers angerechnet, den Be⸗ 3 ſitz der beweglichen Verlaſſenſchaft abzugeben, und Rechnung uͤber ſeine Berwaltung abzulegen. 7) Der Beſitz mag ihnen eingeräumt ſeyn, oder nicht. 2) Verſteht ſich alles unter den im§ 553. angegebenen Formen. Auch kann er ſogar um Verſteigerung eines Grundſiuͤcks beym Tribunale nachſuchen, wenn noch nicht hinlängliche Baarſchaft da iſt, um die Legate zu bezahlen. MatEviIIE Analyſe ad h. art. 663 Rechte des Teſtamentsexecutors⸗ Art. 1032. I. Er handelt kraft ſeiner Vollmacht, und nach der Ausdehnung derſelben. Die Vollmacht des Teſtamentsexecutors iſt höchſt perſoͤnlich; art. 1033. ſie geht mithmn nicht auf deſſen Erben uͤber. II. Sind mehrere Teſta⸗ mentsepecutoren vorhanden, ſo kann auch einer in Ermanglung ¹) der „ uͤbrigen, z. B. wenn dieſelben abweſend oder ſonſt verhindert ſind, han⸗ deln. Doch ſind ſie alle wegen des ihnen anvertrauten beweglichen Vermögens ſolidariſch verhaftet; ausgenommen, wenn der Teſtirer jedem ſein beſtimmtes Geſchäft angewieſen hat, und derſelbe die Grenzen deſſelben Art. 103g. nicht uͤberſchreitet. 11 Die vom Teſtamentsexecutor ausgelegten Koſten der Verſiegelung des Inventars, der Rechnungsablage, ſo wie alle übrigen, die ſich auf ſeine Geſchaͤftsfuͤhrung beziehen, und erweißlich nuͤt⸗ ſie lich oder nothwendig ſind ²), fallen der Erbſchaft zur kaſt. „ 1) Nicht, bloß„heym Abgange aller uͤbrigen“ wie die Weſiphalica hat, denn es heißt im franzöſiſchen Teyr aanz allgemein au dsfaut. S. CoQiLE Quaeſt. 329. MALEVILLE Aualyſe ad h. ort, 2) e0 Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 221 2) Dohin muß der Artikel beſchraͤnkt werden. S. auch Art. 2034.— 24chA⸗ n1aE Handbuch T. II. S. 226. ſagt: der Teſtamentsexecutor ſey nicht berech⸗ tigt, ein Satar zu fordern, weil es naͤmlich ein Mandat iſt; doch kann der Tes ſtirer dem Teſtamentsexecutor ein Legat geben. GaENIER T. II. b. 205. Achter Abſchnitt. Von dem Widerruf der Teſtamente, und den uͤbrigen Urſachen ihrer Unwirkſamkeit. §. 654. Im Allgemeinen. Teſtamente werden unkraftig: J. durch Widerruf; II. durch andere Urſachen*). 1) J. 6. GaTTERMAMN D. ſur la révocation des teſtamens. Coblence. 1809. §. 655. 0 Die Teſtamente können gaͤnzlich oder theilweiſe widerrufen werden: Art. 1033. I. durch ein nachheriges Teſtament ¹); Il. durch eine widerrufende, oder abaͤndernde Erklaͤrung vor Rotarien*). In Hinſicht der erſtern Art des Widerrufs iſt jedoch zu bemerken: 1) ſpäter errichtete Teſtamente, Art. 1036. worin die fruͤhern nicht ausdruͤcklich widerrufen ſind, machen nur die Verfuͤgungen der fruͤhern Teſtamente unguͤltig, welche mit den n'uen unvertraͤglich, oder denſelben geradezu entgegen ſind. 2) Der Widerruf Art. 1037. bleibt auch dann guͤltig, wenn das neue Teſtament, wegen a. der Un⸗ fähigkeit des eingeſetzten Erben oder Legatars, oder, weil b. dieſe die Annahme verweigern, nicht zur Vollztehung koöͤmmt. Wuͤrde dagegen das zweyte Teſtament wegen Fehler in der Form nichtig ſeyn, ſo wür⸗ de das erſte beſtehen bleiben 3). Il. Durch Zerreißung, und Durch⸗ ſtreichung des Teſtaments*). 2 1) So kann z. B. ein öffentliches oder myſtiſches Teſtament durch ein ſpäteres eigenhaändiges widerrufen werden u. ſ. w. Bovsaußr Fxplication ad h. art. 2 Nimlich zweyen, oder einem Notar und 3 Zeugen. MarEvVIILER Analyſe ad. h. art. Ee3 3) Drittes Buch. Zweyter Titel. 3) Anderer Meynung iſt Berixs in der Diſcuſſion. Canference T. IV. p 337. S. aber Appellhof zu Ltmoges im Journal de barreau. 1809. P. II. p If p 85 241. Pau und Pottiers in S1kEx Journal général 1809 P 11 p. 106. S. auch P. I. p. 302. und deſſelben Jurtsprudence. 1803. P. Il. S. 234. GRENIER T. II. p 225. T. III. p 229. Seyr zweiſelhaft iſt die Fra⸗ ge, ob, wenn das widertufende Teſtament der Fori, als Teſtament, nach unguͤltig, jedoch als Act vor Notarten aultig iſt, es nicht wenigſtens als ſolcher das fruͤhere Teſtament widerrufe. S. Loi du notariat. art 0. Sect. I Es be)ahen die Pandecter frangaſſet T. IX. S. 104 MalEvILIE ad art. 1035. DerapokTE Diſeuſſions du Code civil. 1. II. S. 389. Der Appell⸗ hof zu Brüſſei m Juruprudence T. IX. S. 432. Es verneinen Juriprudence T. IR. S. 264. 417 weil eine an ſich nichtige Handlung rechtliche Wirkungen nicht hervorbringen karne. Ebenfalls die Appell⸗ höſe von Turin Jurtsprudence T. IX. S. 420. Nismes daſ. S. 425. und zwar aus folgenden Grunden: 1) wei das Geſetz nur 2 Arten, ein fruͤheres Teda⸗ ment zu widerrufen, anerkenne: ein ſpaͤteres Teſtament und einen Aet vor Notarten. Der Widerruf durch ein Teſtamnent, welches ale Teſtament ungültig, aber als ein Act vor Notarten guͤltig iſt, waͤre eine dritte Net Teſtamente zu entkraften, er ſey alſo fremd einem Geſetze, das nur zwey Arten des Wibderrufs ſanctionirt. Daſſetbe erhelle aus den Diſcuſſionen, aus welchen hervorgehe, daß der in Frage ſtehende Fall den Geſetzgebern nicht unbekaunt blteb, daß ſie ihn aber urter⸗ ließen unter der Ausnahme des Art. 1037. anzufuͤhren. Dies iſt auck Gön⸗ ner's Meynung im Archtv. iIl. 1. S.77. Wird nach franz. CR. ein fruͤhes Teſtament durch ein ſpäteres unguͤltiges aufaehoben? — Da es jſedoch ungereimt ſeyn wuͤrde, den im Fphen genannten diitten Fall der Durchſtreichung auch aus dem Grunde nicht anerkennen zu wollen, man vielmehr denſelben annehwen muß, ſo laͤßt ſich uͤberhaupt folgern, daß one Arz ten des Widerrufs nicht auf die besden geſetzlichen einaeſchraͤnkt werden toͤunen; weshalb ich doch lteber der beſahenden Meynung beptreten moͤchte. S. auch Het deiberger Jahrbuͤcher. Jurisprudenz. 1810. S. 79. 4) Dieſes findet ſich zwar niraends im Geſeßhuche, iſt jedoch der Natur der Sa⸗ che gemäß. S. ZncMakRraß Handbuch. Th. II. S. 243. §. 656. II. Andere ürſachen. Die andern Urſachen, welche ein Teſtament ganz, oder theilweiſe unguͤltig machen, ſind: J. die von dem Teſtirer vorgenomme⸗ ne Veraͤußerung des Legats; II. der Tod des Legatars vor dem Teſtirer, lI. der Tod des Legatars vor dem Eintritte einer ungewiſſen Bedingung, IV. der Untergang der le⸗ girten Sache. V. Die Unfähigkeit des Legatars zur An⸗ nahme, oder deſſen Ausſchlagung. VI. Die Klage auf Wider⸗ — Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 223 Widerruf, welche die Erben des Teſtirers gegen den Le⸗ gatar anſtellen. S. 657. 1. Veräußerungen. Jede Veraͤußerung, welche der Teſtirer mit der legirten Sache Art. 1038. vornahm, mag ſie in Verkauf, ſelbſt unter Vorbehalt des Wiederkaufs, oder in Tauſch beſtehen, enthaͤlt einen Widerruf des Legats ¹). Dieſer Widerruf bleibt ſelbſt dann guͤltig: I wenn die Veraͤußerung nich⸗ tig war; II. wenn die veraͤußerte Sache wieder in die Haͤnde des Te⸗ ſtiters zuruͤckkam. 1) Hat dageaen der Teſtirer zwey Sachen alternativ legirt, und die eine derſel⸗ ben nachher veraͤußert, ſo kann der Leqatar die andere verlangen. Appellhof zu Angers in S1REX Journal général 18c9. P. II. p. 3. Potiers in Eben⸗ deſſelben Jurisprudence. 1808. p. 353. Dabelow Archtv. St. V. S. 471 f8g. Laſſaulx Annalen 11. 1. S. 211. 5. 658. 2. Tod des Legatars vor dem Teſtirer. Jede teſtamentariſche Verfuͤgung wird unwirkſam, wenn der Lega⸗ Art. 1039. tar den Tod des Teſtirers nicht uͤberlebt hat. 5. 659. 3. Tod des Legatars vor Eintritt der Bedingung. Jede teſtamentariſche Verfuͤgung, welche unter einer Bedingung Art. 1040. gemacht wurde, die von einem ungewiſſen Umſtande abhaͤngt, und die durch das Eintreten, oder Richteintreten dieſes Umſtandes guͤltig werden ſoll, wird unwirkſam, wenn der Legatar noch vor Eintritt dieſes Um⸗ ſtandes ſtirbt. War dagegen die Bedingung, unter welcher das Legat guͤltig wer⸗Art. 1041. den ſollte, nur eine aufſchiebende, ſo macht der Tod des Legatars das Legat nicht unwirkſam, ſondern ſein Erbe tritt in ſeine Rechte, und kann nach Eintritt der Bedingung das Legat verlangen⸗ 6. 660. 4 224 Drittes Buch. Zweyter Titel. §. 660. 4. Untergang der Sache. Art. 101: Das Legat wird auch alsdann mwirkſam, wenn die vermachte Sache I. noch bey Lebzeiten des Teſtirers gänzlich zu Grunde ging: 3 denn blieb ein Theil derſelben vorhanden, ſo kann der kegatar denſel⸗ ben verlangen. II. Wenn ſie nach des Teſtirers Tode ohne Verſchul⸗ den ¹) des Erben zu Grunde ging. War der Erbe in Hinſicht der — Ablieferung des Legats an den Legatar in mora, ſo muß er das unter⸗ gegangene Legat erſetzen, ausgenommen, wenn die Urſache des Unter⸗ gangs eine ſolche war, welche das kegat auch dann betroffen hatte, wenm die Sache ſchon in den Haͤnden des Legatars geweſen waͤre. Z. B. wenn das legirte Grundſtuck durch ein Erdbeben vor der Ablieferung un⸗ tergegangen war. 1) S. Art. 1302. z. Unfahigkeit des Legatars, und Ausſchlagung. Art. 1043. Eine teſtamentariſche Verfuͤgung verliehrt ihre Kraft, wenn der Le⸗ gatar ſie ausſchlägt, oder ſich weigert ſie anzunehmen. In dieſem Falle Art. 1044. ſoll das Legat den uͤbrigen Mutlegatarien zufallen, falls den mehre⸗ ren Legatarien die Sache in Verbindung vermacht war. Daß dieſes geſchehen ſey, nimmt man dann an! I. wenn das Ver⸗ maͤchtniß mehreren in einer Verfuͤgung zugedacht, und jedem nicht ein beſtimmter Theil*) an der vermachten Sache angewieſen war. Z. Rrt. 1033. B. A. ſagt: Ich vermache den B. C. D. meinen Garten. 11. Wenn * die Sache ohne nachtheil ſich nicht theilen laͤßt, und in demſelben Aufſatze mehreren, wenn gleich einem jeden beſonders vermacht wurde. Z. B. A. ſagt: Ich vermache dem B. meinen Garten: und dem C. meinen 1 Garten; auch D. ſoll meinen Garten haben ²). 1) Als ein Vermaͤchtniß eines beſtimmten Theils wird nicht angeſehen, wenn je⸗ dem der Legatarien eine Quote der Sache zugeſichert war. Caſſattonehaf 6 3 in SFiRn Journal gẽncral. 1809. P. I. pP.31. Appeſlhof zu Turtn Ebendaſ. b. II. p. 375. Journal de barreau. 1809. P. II. p. 294. Anderer Meynung ½ war der Appellhof zu Agen in DeEVERS Journal. An XIV. Suppl. p. 135. ½ Blanchard zu Marzvirrn Th. II. S. 477. Gonner Archiv. B. lll. S. 495. 2) Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 225 2) Dieſes jus accreſcendi der Legatarien iſt mithin beſchränkter, als das éhnli⸗ che des Roͤmiſchen Rechts; es findet nur zwiſchen den Conjumctis re et ver- bin, nicht zwiſchen conjunctis verbis tantum, oder re tantum ſtatt. MarR- vILLE Analyſe ad h. art, 6 662. 6. Klage auf Widerruf. Die Erben des Teſtirers ¹) koͤnnen ebenfalls eine Klage auf Wi⸗ Art. 1046. derruf des Legats gegen den Legatar anſtellen: I. wegen nicht erfüllter Bedmgung; II. wenn der Legatar dem Teſtirer nach dem Leben trachte— te, 11I. wenn ſich der Legatar gegen den Teſtirer Mißhandlungen, Ver⸗ gebungen oder grobe Beleidigungen zu Schulden kommen ließ 2); I1V. wegen Beſchimpfung des Andenkens des Teſtirers; doch muß in dieſem letzten Falle die Klage binnen einem Jahre, von dem Tage dieſes Ver⸗ Art. 1047. gebens angerechnet, angeſtellt werden. Wann ſie in den üͤbrigen Fällen angeſtellt werden toͤnne, daruͤber ſ. Art. 956. 957. und oben§. 616. 1) Dteſen Foll ſetzt der etwas undeutliche Artikel 1046. des Code voraus. Ma⸗ LEvILI.E Analyſe ad h. art. 2) S. Art. 954. 955. Von einigen Arten von Schenkungen, bey denen beſon⸗ dere Regeln eintreten. §. 663. Im Allgemeinen. Beſondere Regeln treten ein: I. in Hinſicht der Verfuͤguu⸗ gen, die zum Vortherle der Enkel des Schenkers oder Te⸗ ſtirers, oder der Kinder ſeiner Geſchwiſter, erlaubt ſind. I. Der Theilungen, welche Aſcendenten unter ihre Deſcen— denten vornebmen. III. Der in einer Eheſtiftung an die Ehegatten, oder die aus der Ehe zu erwartenden Kinder gemachten Schenkungen. IV. Der Verfuͤgungen unter Ehegatten in der Eheſtiftung, oder während der Ehe. Spangenberg's Commentar Bd. 1I. Ff. 226 Drittes Buch. Zweyter Titel. I. Von den Verfuͤgungen die zum Vortheile, der Enkel des Schenkers oder Teſtirers, oder der Kinder ſeiner Geſchwiſter, erlaubt ſind. 5. 664. Art derſelben. Dieſe Verfuͤgungen ¹) ſind nämlich von zweyfacher Art: I. Eltern koͤnnen den disponibeln ²) Theil ihres Vermogens, ganz oder zum Theul, durch Schenkungen oder Teſtament, auf eines oder mehrere ih⸗ rer Kider, und zwar unter der Bedingung uͤbertragen, daß ſie dieſes Vermögen an ihre ſchon gebohrenen und noch zu erwartenden Kinder Art. 1049. wieder abgeben ſollen. Ebenfalls können, jedoch nur in Ermanglung von Deſecendenten 3), Geſchwiſter auf eine gleiche Weiſe einem oder mehreren ihrer Geſchwiſter einen Theil, oder das Ganze des disponi⸗ beln Theils ihres Vermögens unter derſelben Bedingung uͤbertragen⸗ Beyde Arten von Verfuͤgungen bilden dann eine erlaubte Art von Fi⸗ deicommiß. 1) Auch dieſe Verfuͤgungen ſind groͤßtentheils aus der Ordonnance von 1747. genommen. Höchſt intere ſſant iſt uͤberdies die uͤber dieſelbe im Staatsrathe ge⸗ pflogene Diſcuſſion.— Dieſe Verfugungen ſind als Surrogat der in dem Code verbotenen Enterbung aufgeſtellt, und ſollen vorzuglich dazu dienen, um den Enkein und Geſchwiſterkindern ein Vermogen aufzubewahren, welches ihr Vas ter vergeuden wuͤrde. Sie heißen daher auch Dispoſitions officieuſes. S. MAr. RvIILE Analyſe ad h. tit. Lockt Eſprit. T. IV. p. 403. Blanchard zu Maleville Th. 1. S. 490 fgg. 2) Berlier in der Diſtuſſion. 3)“*En cas de mort ſans enfans.“ Zweifelhaft iſt es, ob eine ſolche Verfuͤgung denn doch nicht aufgehoben wird, wenn der Teſtirer zwar Kinder nach derſel⸗ ben erhielt, dieſe aber vor ſeinem Tode ſterben. Art. 960. Gnut iſt es we⸗ nigſtens, in einer beſondern Clauſel der Verfuͤgung hieruͤber zu beſtimmeß. GRENIER T. II. P 25Ie 5. 665. Erforderniſſe derſelbeu. Außer den in dem Begriffe dieſer Verfuͤgungen oben erwaͤbnten Erforderniſſe iſt die Auflage nothwendig, daß das Vermögen nur an die Kinder erſten Grades, drhe mur an die Enkel des pen ͤbet⸗ Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 227 uͤbertragen werde; II. daß dann das Vermögen unter alle gebohenen Att. 1030. oder noch zu erwartenden Kinder des Beſchwerten, ohne Ausnahme, und ohne Vorzug des Alters und Geſchlechts, vertheilt werden muß.— Zu bemerken iſt es ferner, daß, ohnerachtet die Auflage eine Vertheilung xrt. 1051. an die Kinder erſten Grades anordnen muß, dennoch, wenn der Be⸗ ſchwerte ſtirbt, und ſowohl Kinder erſten Grades, als Deſcendenten eines fruͤhern Kindes erſten Grades hinterlaͤßt, letztere kraft des Reprae⸗ ſentationsrechts den Antheil des vorhergeſtorbenen Kindes erhalten ¹). 1) MArrvur Analyſe ad h. art. geht ſogar noch weiter, und will, wenigſtens dem Geiſte und der Analoate des Geſetzes gemäß, alle Enkel und Geſchwi⸗ ſterkinder jure repraeſentationis ſuccediren loſſen, wenn dieſelben nur allein ( vorhanden ſind. Anderer Meynung iſt jedoch EsNIEB T. II. p. 251. und er⸗ u klärt den Artikel reſtrictiv. 5. 666. Rechte der Sybſiituirten. Die Subſtituirten koͤnnen veriangen: L. daß wenn dem Beſchwer⸗ Art. 1032. ten fruͤher ein Theil des Vermögens durch Schenkung, ohne dieſe Be— dingung, gegeben war, und derſelbe ſpaͤter durch Schenkung oder Teſta⸗ ment etwas unter der Bedingung anuimmt, daß die ftuͤhere Schen⸗ kung dieſer Wiederabtretung unterworfen ſeyn ſolle, es demſelben nicht mehr geſtattet werden möge, die beyden zu ſeinem Vorthenle geſchehenen 6 Verfuͤgungen zu trennen, und der zweyten zu entſagen, um ſich an die erſte zu halten. Dieſes iſt dem Beſchwerten ſogar durch das Geſetz verboten, und wird nicht einmal auf die etwaige Erklaͤrung derſelben, daß ſie ſich das unter der zweyten Verfuͤgung begriffene Vermögen wie⸗ der abzutreten erböten, geſtattet. UI. Den Subſtiturten fallen ihre Art 1033. Rechte von dem Zeitpunkte an, wo die Benutzung von Seiten des Be⸗ ſchwerten aus irgend emer Urſache, z. B. Tod, Abtretung, Ansſchla⸗ gung, Verzichtleiſtung, Unwaͤrdigkeit, Ablauf der vom Teſtirer beſtimm⸗ ten Zeit u. ſ. w. aufhort.— Doch kann ¹) eine zum Beſten der Sub⸗ ſtitnurten vor der Zeit geſchehene Abtretung der Benutzung den vor der⸗ ſelben ſchon vorhandenen Gläubigern des Beſchwerten nicht zum Nach⸗ theile gereichen, vielmehr haben ſie das Recht bis zur Zeit der Abtre⸗ t tung ſich in die Benutzung dieſes Vermögens einweiſen zu laſſen, um u auf dieſe Art zzu ihrer Befriedigung zu gelangen ²). Die Ehefrauen Art. 1054. der Beſchwerten haben auf den Fall der Unzulaͤnglichkeit des uͤbrigen Fſ2 Ver⸗ 228 Drittes Buch. Zweyter Titel. . Vernögens deſſelben, auf das der Wiederabtretung Unterworfene in Anſehung der Reſtitution ihres Brautſchatzeapitals, jedoch nur dann, ſ wenn es der Teſtirer ausdruͤcklich verordnete, einen Entſchaͤdigungs⸗ anſpruch ²). MarrviIIE ad h. art. ZAcMarar Handbuch Th. II. p. 227. ef. Ordon 3 3 nance 1747. tit. I. Art. 43. 2) MatEviLILB Analyſe ad h. art. Daky ad h. art. 3) Zum Schluſſe iſt zu bemerken, daß es als Grundſat anzunehmen iſt, daß der Beſchwerte als Eigenthumer des zu reſtituirenden Vermogens betrach⸗ tet wird, deſſen Eigenthum jedoch durch den Emtritt einer Reſolutivbeotnaung aufhoͤrt. Exiſttren mithin die Subſtitutrten im Augenblick der Reſtituton nicht, ſo wird er unabänderlicher Eigenthuͤmer. Exiſtren ſie dagegen, ſo wird der Beſchwerte angeſehen, als ſey er nur Niteßbraucher geweſen. Hiernach ſind die 1 verſchtedenen Fragen, welche bey dieſer Materie aufgeworfen werden können, zu beantworten. GRBNIER T. II. P. 255. f ſ Ernennung eines Executors. Trt. 1055. Der Disponent kann entweder in der Verfuͤgung ſelbſt, oder ſpäter in einer Urkunde vor Notar und Zeugen, einen Executor fuͤr dieſelbe ernennen ¹). Dieſer hat nur dieſelbigen Entſchuldigungsgruͤnde gegen Att. 1036. die Annahme dieſes Auftrags, als der wirkliche Vormund.— Iſt ein ſolcher vom Disponenten nicht ernannt, ſo muß er auf Anſuchen des Beſchwerten, oder, folls derſelbe noch minderjaͤhrig iſt, auf Anſu⸗ chen ſeines Vormundes, binnen Monatsfriſt von dem Todestage des Disponenten, oder von dem Tage des Bekanntwerdens der Verfuͤgung Art. 1037. ernannt werden; und zwar bey Strafe 2), daß der Beſchwerte des ihm durch die Verfuͤgung zugedachten Vortheils verluſtig ſey, und das Recht der Subſtituirten füͤr eroͤffnet erklaͤrt werde 3). Dieſe Erklä⸗ rung können auswirten: I. die Subſtituirten, falls dieſelben vollhäh⸗ rig ſind, II. die Vormuͤnder oder Curatoren, falls ſie minderjaͤh⸗ rig oder interdicirt ſind; III. von Amtswegen der kaiſerliche Procu⸗ rator bey dem Teibunale, unter deſſen Sprengel die Erbſchaft an⸗ 1 ſ gefallen iſt. ſi 1) Dieſer Executor darf aber nie der Vormund des Beſchwerten ſenn, da iht Inteteſſe einander ſehr entgegengeſetzt iſt. MatEv IR Knalyſe ad h. àrt⸗ 2) Dieſe Strafe wird auch gegen den beſchwerten Minderjaͤhrigen eintreten, wenn ſein Vormund die Ernennung eines Executors unterlaſſen hat, dehn der 3½ macht Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 229 Fiacht zu ſeinen Gunſten keinen Unterſchied. Haͤtte dagegen der Beſchwerte kelnen Vormund, welches z. B. ſehr leicht ſeyn kann, wenn der Ueberleben⸗ de der Eltern als natuͤrlicher Vormund eine ſolche Dispoſitien macht, ſo wuͤr⸗ de die genannte Friſt erſt von dem Tage der Crnennung eines Vormundes lau⸗ ſen. MaTvIII;E Analyſe ad h. art. 3) Nämlich den tUmſtanden nach, deren Beurtheilung dem Ermeſſen des Tribu⸗ nals anheim faͤllt. GaENIER T. II. p. 306⸗ §. 668. Verbindlichkeiten des Beſchwerten. 1. Inventariſation. Der Beſchwerte iſt verpflichtet: J. nach dem Tode des Disponen⸗Art. 1038. ten ein Inventarium über alle zum Nachlaſſe gehörigen Guͤter und Sachen nach den geſetzlichen Formen aufnehmen zu laſſen; ausgenom⸗ men, wenn das restituendum nur in einer oder mehreren einzelnen Sachen beſteht. In Hinſicht dieſes Inventars iſt zu bemerken: 1) es ſoll eine Taration der Mobilien nach deren wahren Werthe enthalten; 2) es ſoll auf Anſuchen des Beſchwerten, und binnen drey Monaten Art⸗ 1039. in Gegenwart des Executors ¹), und auf Koſten des restituendi, errichtet werden. a. Hat binnen dieſer Friſt der Beſchwerte nicht darum Art. 1060. nachgeſucht, ſo muß es binnen dem darauf folgenden Monate auf An⸗ ſuchen des Executors in Gegenwart des Beſchwerten ²*), oder ſeines Vormunds geſchehen. b. Hat auch dieſer, auf die Inentariſation Art. 1661. anzutragen, unterlaſſen, ſo ſoll das Inventar auf Anſuchen der Sub⸗ ſtituirten, oder ihrer Vormuͤnder, oder von Amtswegen, auf den An⸗ trag des kaiſerlichen Procurators, nach geſchehener Vorladung des Be⸗ ſchwerten, oder ſeines Vormundes, und des Executors, aufgenommen werden. 1) In Gegenwart heißt bier ſo viel als? nach gehoͤrig aeſchehener Vorladuna, denn, wenn der Executor ausbleibt, ſo wird darum doch das Inventanium nicht nichtig. Fus6o1ß ſur Iordonnance. 1747. tit. 2. art. 5. MalEvILLE Ans- hyfe ac R I. GRPNIEn T. II. p. 310. Anderer Meynang iſt Pandectes fran- Fnſes ad h. art. 2) Hierbey iſt daſſelbe zu bemerken, was die Not. 1. beſtimmt. 5. 669. 2. Verfauf der Mobilien. H. Der Beſchwerte iſt verpflichtet, alle unter der Verfuͤgung be⸗ Art. 1062. griffenen Mobilien nach emem öffentlichen Anſchlage verſteigern zu laſ⸗ Ff 3 ſen; S 230 Deittes Buch. Zweyter Titel. ſen; ausgenommen: r) diejenigen, bey denen der Disponent ausdruͤck⸗ lich wollte, daß ſie in Natur aufbewahrt werden ſollen. Dieſe muͤſ⸗ ſen dann in dem Zuſtande, worin ſie ſich bey der Reſtitution befinden Art. 106. abgeliefert werden; 2) das Ackervieh und Ackergeraͤth. Der Beſchwerte hat daſſelbe nur taxiren zu laſſen, und bey der Wiederabtretung einen gleichen Werth zu erſtatten, z. Wiederanlegung des Kaufpreiſes. Art. 10653. III. Der Beſchwerte muß 1) die Baarſchaften, das aus der genann⸗ ten Verſteigerung gewonnene Kaufgeld, und was während dieſem Verfah⸗ ren von den ausſtehenden Forderungen etwa eingegangen iſt, binnen ſechs Monaten von dem Tage des geſchloſſenen Inventars angerechnet, wieder anlegen; doch kann dieſe Friſt den Umſtänden nach verlaͤngert werden; Art. 1066. 2) hingegen die durch Beytreibung der ausſtehenden Forderungen, und Ablöſung der Renten eingegangenen Gelder binnen drey Monaten ſeit dem Art. 1067. Empfangstage derſelben. Dieſe Anlegung ſoll dadurch geſchehen, daß die Gegenſtaͤnde damit erkauft werden, deren Ankauf mittelſt dieſes Gel⸗ des der Disponent verfuͤgt hat. Hat er nichts verfuͤgt, ſo ſollen Grund⸗ ſtuͤcke damit erkauft, oder das Geld gegen Verhypothecirung ¹) von Art. 106. Grundſtuͤcken ausgeliehen werden. Dieſe Anlegung ſoll in Gegenwart und auf Betreiben des Executors geſchehen 1) Se, und nicht in der ſtrengern Bedeutung des Art. 2To3. nro. 2 und 5. iſt das Wort privilége zu verſtehen. BouscupT Explication ad art. 1067. ſagt daher mit Recht: Ou doit entendre par privilege un emploi ſolide, comme par ewemple, u oht Ne ſit pas courir auæ ap pelles le danger 4 btre privòs par des inſeriptions anterieureꝝ, qui ahſorbaſſent la va· zeur dei immeubles. ſur lesquel les emplois ſeraient faitu. ꝗi on pour- procurer de vrais privileger, comme des ſubrogations elæ. ela vaudroit encore mieuæ. Mais on e penſe pat, que les emnplois diſfeut etre ctreonſorit? dans cette elaſſe d) pothequer. On courrait avec de ℳ grander prẽcaut ion⸗ le danger de lalſſer long tem les Fond ſan omploi. § 671. z. Bekanntmachnug. Qrt. 1069. IV. Die Dispoſition ſelbſt ſoll auf Anſuchen des Beſchwerten, oder des Exeentors folgendermaaßen bekannt gemacht werden ¹): ¹) Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 231. 1) Dieſelben haben naͤmlich in Hinſicht der unbeweglichen Sachen, die darin begriffen ſind, die die Dispoſition enthaltenen Aufſaͤtze in die Re⸗ giſter des Hypothekenbewahrers des Orts, wo die unbeweglichen Sa⸗ chen liegen, eintragen zu laſſen. 2) Ebenfalls ſind die gegen Hypo⸗ theken angelegten Summen auf die zur Hypothek geſetzten Grundſtucke inſeribiren zu laſſen. In Hinſicht dieſer Eintragung iſt zu bemerken: a. fehlt ſie, ſo kann ſie von den Glaͤubigern und dritten Erwerbern Art. 1070. ſogar den minderzaͤbrigen, und interdicirten Subſtituirten entgegengeſetzt werden, d. h. die Gläubiger koͤnnen den Vorzug ihrer Hypothek vor der fruͤhern der Subſtituirten aus dem Grunde verlangen, weil letztere noch nicht inſeribirt iſt, ſo wie die dritten Erwerber die Guͤltigkeit ihres Kaufs behaupten koͤnnen ²). Die letztern haben dann den Regreß wider den Beſchwerten, und den Exeecutoren. Sind dieſelben jedoch inſol⸗ vent, ſo kann ihnen nicht weiter geholfen werden, denn auf eine Wie⸗ dereinſetzung in den vorigen Stand können ſie keinen Anſpruch machen. b. Der Mangel der Eintragung wird dadurch nicht gehoben, daß die Art. 1071. Glaͤubiger oder dritte Erwerber auf einem andern Wege, als die Ein⸗ tragung, von der Dispoſition Wiſſenſchaft erhalten hatten. c. Auf die⸗ Art. 1072, ſen Mangel koͤnnen ſich nur die Glaͤubiger, und dritten Erwerber be⸗ rufen, nie aber die Erben, Schenknehmer und Legatarien des Dis⸗ ponenten, noch deſſen Stellvertreter 3). 1) Binnen welcher Zeit? S.§. 606. Not. 2. 2) Vindlciren kann der Subſtituirte dieſe Guͤter auf keinen Fall. MatBvII1LE Analyſe ad art. 1072. Anderer Meynung iſt hedoch 2acMakak Handbuch. Th. II. S. 229. Not. 8. 3) Man häte ſich ja, den Art. 941. hier anwenden zu wollen. S. Rcann des ſubſtitutions. ch. 13. Sect. 3. nro. 121. 179.— GRENIER T. II. p. 275— 304. 65 652. Verantwortlichkeit: 1. des Execntors⸗ Der Executor iſt perſoͤnlich verantwortlich, wenn et nicht durchge⸗ Art. 1073, hends die fuͤr die Ausmittelung des Vermogensbeſtandes durch Inven⸗ tariſation, den Verkauf der Mobilien, die Anlegung der Geldet, und die Eintragung vorgeſchriebenen Regeln beobachtet, und uͤberhaupt nicht allen erforderlichen Fleiß angewandt hat, damit die Reſtitution richtig und getren vollzogen werde, 5. 673. . 6 „ 1 . N . 4 6 3½ 3 232 Drittes Buch. Zweyter Titel. §. 673. 2. Des Beſchwerten. Art. 1073. War der Beſchwerte minderjährig, und hat deſſen Vormund di genannten Verbindlichkeiten nicht erfuͤllt, ſo hat er zwar einen Regrej gegen letztern. Iſt dreſer jedoch inſolvent, ſo kann der Minderjaͤhrig eine Wiederemſetzung in. den vorigen Stand nicht verlangen. * Siebentes Kapitel. II. Von den Tbeilungen, welche Eltern oder andere Aſecet⸗ denten unter ibren Deſcendenten vornehmen. §. 674. Begriff. Art. 1073. Die Aſcendenten koͤnnen ihr Vermoͤgen unter ihre Deſeendenter vertheilen, und zwar ſowohl durch Schenkungen, als durch Teſtamente, §. 675. Erforderniſſe. Art. 1076. Eine ſolche Theilung muß I. unter ſolchen Formen geſchehen, ale das Geſetz fuͤr die Schenkungen und Teſtamente vorſchreibt ¹). II. Ge⸗ ſchieht ſie unter der Form einer Schenkung, ſo kann ſie nur das zur Zeit der Theilung vorhandene Vermögen zum Gegenſtande haben ²). Art. ro77. Sollte in dieſem Falle nicht das ganze Vermögen, welches der Thei⸗ lende an ſeinem Sterbetage hinterlaͤßt, in der Theilung begriffen ſeyn, ſo ſuctediren in den uͤbrigen Theil des Vermögens die Erben nach Art. 1075. den Regeln der Inteſtaterbfolge. III. Die Theilung muß unter alle Kider, welche zur Zeit des Abſterbens des Theilenden am teben ſeyn werden, und die Deſtendenten der fruͤher Verſtorbenen, geſchehen; denn ſonſt iſt ſie durchaus nichtig, und ſowohl die übergangenen, als die in der Theilung begrifſenen Deſcendenten können eine neue Theilung verlangen. ¹) —— Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 233 1) Mithin buͤrfen ſie nicht, gegen den Inhalt des Art. 968. in einer und derſel⸗ ben Urkunde geſchehen. Anderer Meynung ſind MalRviLIE Aualyſe ad h. art. und 240MARILAE Handbuch. Tn II. S. 230. 2) Als eine Schenkung ſoll nicht angeſehen werden, wenn der Vater eine Thei⸗ lung ſeines wirklich vorhandenen unbeweglichen Vermögens, vermittelſt eines authentiſchen Acts, unter ſelne Kinder vornimmt, ſich jedoch den Nießbrauch vor⸗ behält, und zugleich ausbedingt, daß die Kinder die bey ſeinem Abſter⸗ ben vorhandenen Schulden zahlen ſollen; und daher ſoll auch das Eigenthum nicht übergehen. Caſſattonshof in S1sxx Jurtsprudence. 1807. p. 374. Laſſaulx Journal III. 2. S. 71. S. auch Art. 945. 5. 676. Anfechtung derſelben. Die Theilung kann angefochten werden: I. wegen Uebergehung ei⸗ Art. 1079. niger Deſcendenten; M. wegen einer das Viertel uͤberſteigenden Verlet— zung; 11I. wem einer der Theilnehmer einen größern Vorthen, als das Geſetz erlaubt, erhalten hatte. Das Kind, welches aus einer dieſer Ur- Art. 1080. ſachen die Theilung anficht, muß die Schaͤtzungskoſten, wenn eine Ta— ration zur Ausmittetung der Verleßung nothig iſt, vorſchießen, und wird, falls es mit ſeinem Anfechtungsgrunde nicht durchkömmt, zur Er⸗ ſtattung der Proceßkoſten verurtheilt. Achtes Kapitel. III. Von den in einer Eheſtiftung an die Ehegatten, oder die aus der Ehe zu erwartenden Kinder gemachten Schenkungen. 5. 677 Begriff und Erforderniſſe. Eine ſolche Schenkung muß geſchehen: I. unter Beoöachtung der ur. uber die Schenkungen im allgemeinen gegebenen Regeln; ll zum PVor— theile der Ehegatten, oder der aus der Ebe entſproſſenen oder zu erzeu— genden Kinder ¹). Hierbey iſt noch zu bemerken: 1) Beſteht die Schen⸗ Spangenberg's Commentar Vd. 1I. Gg kung ——— — 234 Drittes Buch. Zweyter Titel. kung in gegenwärtigen Guͤtern, ſo kann ſie zum Vortheile noch nicht gebohrener Kinder nicht ſtatt finden, außer in ſo fern die im 6. Cap. bemerkte Subſtitution geſchieht. 2) Beſteht die Schenkung in gegen— wärtigem und zukuͤnftigem oder bloß zukuͤnftigem Vermoͤgen, ſo koͤnnen auch die zur Zeit derſelben noch nicht gebohrenen Kinder Anſpruch dar— auf machen ²). Art. 1082. Sie kann geſchehen: III. von den Eltern, Aſcendenten, und Seu tenverwandten des Ehegatten; ja von jedem Fremden; IV. uͤber gege⸗ waͤrtiges und zukuͤnftiges ²) Vermögen, ganz oder zum Theil. 1) Und zwar ohne Unterſchied der Geburt und des Geſchlechts⸗ Arß. Art. 1030. Bovsaupr Explication ad h. C. 2) So erktärt MarEvILLE Analyſe den dunkeln Att. 1061. S. auch GakNirn T. II. p. 405. 3) Feruer uͤber gegenwärtiges oder zukuͤnftiges allein. S. Art. 1093. GRx- NIER T. II. p. 404 5. 678. Beſondere Regeln. I. Iſt eine ſolche Schenkung nur zum Vortheile der Ehegatten, oder eies derſelben gemacht, ſo wird in dem Falle des Ueberlebens des Schenkers immer vermuthet, daß ſie zum Vortheile der aus der zrt. 1033 Ehe zu erwartenden Kinder und Deſcendenten geſchehen ſey. I. Dieſe Schenkung iſt unwiderruflich, ſedoch nur in dem Sinne, daß der Schenker uͤber die darin begriffenen Gegenſtaͤnde nur nicht mehr un⸗ entgeldlich verfuͤgen darf; ausgeucnmen: über geringe Summen zur Art. 105z. Belohnung, oder auf andere Weiſe. III. Begreift die Schenkung das gegenwaͤrtige und zukunftige Vermögen, ſo muß der Urkunde uͤber die⸗ ſelbe ein Verzeichniß der an dem Tage der Schenkung vorhandenen Schulden und Laſten des Schenkers beygefuͤgt werden. Dann ſieht es dem Beſchenkten frey, ſich an das gegenwaͤrtige Vermögen zu halten, und auf den uͤbrigen Nachlaß Verzicht zu tbun, um nicht auch die Art. 1035 ſpaͤtern größern Schulden zu bezahlen zu brauchen. Iſt dagegen dieſes Verze chniß nicht augehangt, ſo muß der Beſchenkte die Schenkung ent⸗ weder ganz annehmen, oder ganz ausſchlagen. Im erſtern Falle kann er Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 235 er nur das am Todestage des Erblaſſers vorhandene Vermoͤgen in Anſpruch nehmen, und iſt zur Bezahlung aller Schulden und kaſten des Nachlaſſs verbunden. IV. Die Schenkung kann unbedingt oder urt, 1086. bedingt geſchehen. Die Bedingung kann ſogar 1) in einem Vorbehalte beſtehen, daß der Beſchenkte alle Schulden und taſten der Verlaſſen⸗ ſchaft ohne Unterſchied bezahlen ſoll; ja 2) von der Willkuͤhr des Schen⸗ kers*) in Hinſicht ihrer Erfullung abhaͤngig ſeyn. Der Beſchenkte muß alsdann, wenn er nicht lieber auf die Schenkung verzichten will, dieſen Bedingungen nachkommen. Stirbt dagegen der Schenker, ohne von ſeinem Vorbehalte Gebrauch zu machen, ſo gehört die Sache dem Be⸗ ſchenkten oder deſſen Erben. V. Eine Annahme iſt nur dann nicht noth⸗ Art. 87. wendig, wenn ſie in einer Eheſtiftung gemacht wurde, ſonſt aber erfor⸗ derlich. des Schenknehmers, wie es in Laſſaulx Ueberſ. des Code S. 271. ei t. Unguͤltigkeit dieſer Schenkung. Dieſe Schenkung wird ungültig ¹): I. wegen Richt⸗Beobachtung der Erfordermſſe; II. wenn die Ehe, zu deren Beguͤnſtigung ſie gemacht iſt, At. 1088. nicht erfolgt; lII. wenn die Schenkung das gegenwärtige und zukuͤnftige Art. 1089. Vermogen begriff, und der Schenker ſowohl den Beſchenkten, als deſſen Deſcendenten uͤberlebt.— Auch ſind dergleichen Schenkungen der Re⸗ Art. 1090. duction auf den disponibeln Theil unterworfen ²). 1) Wird die Schenkung unguͤltig, ſo fallen die geſchenkten Sachen frey von allen Loſten auf den Beſchenkten zuruͤck. Nach Analoate des Art. 032. wuͤrde jedoch die in Hinſicht der Mitgift u. ſ w. eritirende Hypothek guͤltig bleiben. MAr.F- viIE Analyſe ad h. art. Anderer Meynung ſind die Pandectes frangaiſes ad h. art.. 1) S. Art. 920. Gg 2 Reun⸗ —— 236 Drittes Buch. Zweyter Titel. Neuntes Kapitel. IV. Von den Schenkungen unter Ehegatten, Die Schenkungen unter Ehegatten geſcheben entweder in der Ehe⸗ ſtiftung oder waͤhrend der Ehe ¹). 1) Und zwar ſowohl durch Teſtamente, als durch Schenkung unter Lebenden. Caſſationshof in S1REr Jurtsprudence de ka cour de caſſation. 1807. p. 361 fgg. DrREvRas ſJournal des audienees. An XIV. Suppl. p. 235.— S. uͤberhaupt: LPDvasstoR traité des avantages entre epoux. Paris IX. 8. Zeiz Darſtellung der Rechte uͤberlebender Ehegatten auf das Permoͤgen des zuerſt verſtorbenen Gatten im KR. Weſtph. Halle 1808.. 1. Schenkungen in der Cheſtiftung. Att. 1091, Dieſe können entweder das gegenwärtige, oder das zukuͤnftige, oder das gegenwaͤrtige und zukuͤnftige Vermogen betreffen. Zu bemer⸗ Art. 1092. ken iſt: I. Von einer das gegenwaͤrtige Vermoͤgen betreffenden Schen⸗ kung unter Lebenden wird niemals angenommen*), daß ſie unter der Bedingung des Ueberlebens des Beſchenkten geſchehen ſey, wenn die⸗ ſelbe nicht ausdrucklich hinzugeſetzt iſt. Auch treten bey ihr nur die Art. 1093. allgemeinen Regeln und Förmlichkeiten ein). II. Die auf kuͤnftiges, oder auf gegenwaͤrtiges und kuͤnftraes Vermoͤgen ſich beziebende Schen⸗ kung, ſie mag einſeitig oder wechſelſeitig ſeyn, iſt den uber die von einem dritten an die Ehegatten geſchehenen Schenkungen, in dem vorigen Titel aufgeſtellten Regeln unterworfen, jedoch mit dem Vorbehalte, daß dieſelbe, im Fall der beſchenkte Ehegatte vor dein Schenkenden ſtirbt, auf die aus der Ehe abſtammenden Kinder nicht uͤbergeht. 1) Woehl aber bey der Schenkung kuͤnftigen, oder gegenwärtigen und kuͤnftigen Vermögens⸗ 2) Ausgenommen die Förmlichkeit der Annahwe, wovon alle Schenkungen einem Checontracte durch Art. 1087. befreht ſind. MarEvIrLE Analyſe„ h. àrt⸗ §. 682. Von Schenkungen unter Lebenden, und von Teſtamenten. 237 F. 692. Beſondere Regeln. I. Durch eine ſolche Schenkung kann einer der Ehegatten dem an⸗ Art. 1094. dern 1) wenn er keine Deſtendenten hinterlaſſen wuͤrde, das Eigen⸗ thum des ganzen disponibeln, und den Nießbrauch des indisponibeln Theils ſchenken, 2) auf den Fall, daß er Deſcendenten binterlaſſen wuͤrde, nur 4 eigenthuͤmlich, und 4 nießbraͤuchlich ¹), oder die Haͤlfte ſeines ganzen Vermögens bloß nießbraͤnchlich geben. II. Es bedarf Art. 1093. zur Guͤltigkeit durchaus der Einwilligung derjenigen, welche in die Ehe einwilligen muͤſſen, falls dieſe Schenkung durch einen Minderjährigen geſchiebt. Iſt dieſe Einwilligung erlangt, ſo kann er alles dasjenige ſchenken, was unter nro. 1) beſtimmt iſt. ¹) Nämlich de la ræſerde, qut ſeroit due auæ aſcendant. JavnrnT Rap- port. bey GakERx L. III PI p. 204. Der Art 1094. macht eine Ausnah⸗ me von der im Art. 913. aufgeſtelten Regel. Journal de barreau. 1809. P. I. p. 171. 5. 683. II. Schenkungen waͤhrend der Che. In Hinſicht dieſer iſt zu bemerken: I. daß dieſe Schenkungen wider⸗Art. 1096. ruftich ſind, und die Frau, ohne dazu der Antorsſation des Man⸗ nes oder des Gerichts zu beduͤrfen, dieſen Widerruf ausuͤben kann. Rur können ſie nicht wegen nachgebohrener Kinder widerrufen werden. II. Daß ſie nie in einem und demſelben Aufſabe reciproce geſchehen Att. 1097. koͤnnen ¹); UI. daß zwar in der Regel auf dieſe Art alles das ge⸗At. 1095. ſchenkt werden kann, was mittelſt einer Eheſtiftung gegeben werden kann (S. 682. nro. I.), daß jedoch 1) wenn ein Ehegatte zu einer weitern Ehe ſchreitet, und aus der vorigen Ehe Kinder vorbanden ſind, derſelbe ſeinem neuen Ehegatten nicht mebr geben kann, als der Antheil des am wenigſten begunſtigten ehlichen Kindes beträgt; auch in dieſem Falle die Schenkung nie ein Biertel des Vermoͤgens uͤberſteigen darf; 2) daß auch die Schenkung nicht mittelbar mehr betragen darf, als nach den eben gegebe⸗ nen Beſtimmungen zu ſchenken erlaubt iſt. Jede Schenkung iſt daher Art. 1099. unguͤltig, welche an zwiſchenſtehende Perſonen geſcheben iſt. Als ſol⸗ che Perſonen werden angeſehen ¹): a. die aus eier fruͤhern Ehe Art. uoo. des Ehegatten, dem der Vortheil zugewandt werden ſoll, abſtam⸗ Gg 3 men⸗ 3 238 Drittes Buch. Zweyter Titel. menden Kinder deſſelben. b. Die Verwandten, deren vermuthlicher Erbe der andere Ehegatte an dem Tage der Schenkung iſt; die Schen⸗ kung an denſelben iſt ſelbſt dann unguͤltig, wenn der Ehegatte den be— ſchenkten Verwandten nicht uͤberlebt haben ſollte. 1) Art. 968. 2) Und zwar kraft einer pracſumtio juris et de jure, ſo daß kein Gegenbeweis hier ſtatt findet. Arg. Art. 1352. Art. 911. Itrig behauptet BooscuEr Er. plication ad art. 9II. das Gegentheil. Snde des zweyten Bandes. . ————= S—— —————.— ——————— ⸗ ——— 2— ——————