N Ernſt Spangenberg's Dr. der Rechte, ꝙreffers vey dem Tribunale erſter Inſtanz des Diſtricts Goͤttingen S im Leinedepartement, und Privatlehrers auf der Univerſitaͤt zu Göttingen, Conmnentar uber den Code Napoleon. SrF Band. Godttingen, bey Johann Friedrich Roͤwer⸗ . 8o. 1 Seiner Hochwohlgebohrnen 5 Herrn Juſtus Chriſtoph Leiſt Konigl. Weſtphaͤl. Staatsrathe, und Generaldirector des oͤffentlichen Unterrichts⸗ gewidmet. Sie fanden mich wie eine zertretene Pflanze am Wege— und retteten mich unter dem Fußtritte der Menſchen— davon rede ich nicht! hunderten waren Sie eben der, welcher Sie mir waren— aber keiner von ihnen kann dieſes ſo tief und innig fühlen, als ich! Anſpruchsto uͤbergebe ich dieſe Bogen dem Leſer; nicht ohne Furcht, da mein Unternehmen mit tauſend Schwierigkeiten ver⸗ bunden war; nicht ohne Hofnung, meinen Mitbuͤrgern nuͤtzlich zu ſeyn, da ich das allgemeine Beduͤrfniß einer Erlaͤuterung des Geſetzbuchs Napoleons aus Erfahrung kenne; obgleich wohl uͤber⸗ zeugt, daß ich das Ideal einer ſolchen, dem ich folgte, nicht erreicht habe. Eine genaue Zuſammenſtellung der Materialien; eine gruͤndliche Erklaͤrung der ſchwierigen Artikel des Geſetzbuchs, und eine ſorgfaͤltige Darſtellung der Grundſatze, nach welchen Frankreich daſſelbe zur Anwendung bringt, wird hoffentlich niemand vermiſſen; der Zeit und Erfahrung muß es vorbehal⸗ ten bleiben, die fernern Reſultate aufzufinden, die ſch aus den einzelnen Lehren ziehen laſſen duͤrften. Schließ⸗ vin— Vorrede. ———— Schleßlich 8 eine Bemerkung: das unter der cſich Bezeichnung Jurisprudence allegirte Buch, iſt daſſelbe, welches S. 86. Nr. 6. aufgefuͤhrt iſt; uͤber das als Conference be⸗ zeichnete, S. Seite So. Nr. 4. und uͤber das als Garnery aufgefuͤhrte S. F1. Nr. 2 von Locré habe ich immer die Octavausgabe vor Augen gehabt. Der Bequemlichkeit wegen habe ich mein Werk in drey maͤßige Baͤnde getheilt; der zweyte iſt unter der Preſſe, und wird um Oſtern 1810. erſcheinen; der dritte um Michaeli.— Gottingen den 22. December 1809. C. Spangenberg. Einlei⸗ ckaMee.. Puͤtzlichkeit des Studiums des Franzöſiſchen Rechts. W⸗ uͤberbaupt jeder Verſuch, den rechtlichen Zuſtand der Men⸗ ſchen im Staate gegen einander zu beſtimmen, als ein erfreuliches Zeichen einer verheißenen friedlichen Ruhe zu betrachten iſt, ſo wuͤrde ein Geſetzbuch, welches den Nahmen des groͤßten Mannes dieſes Jahr⸗ bunderts an der Spibe trägt, ſolite uns auch kein anderer Umſtand zum Studium deſſelben anreitzen, doch immer einer genaueren Unterſuchung nicht unwuͤrdig; ja dieſelbe in einer ſo ideenſchwangern, erhabenen Zeit, wie die gegenwaͤrtige, vielmehr hochſt nothwendig ſcheinen; da es der erſte freundliche Stern war, welcher uͤber dem ungluͤcklichen Frankreich aufgieng, nach einer langen ſchreckenvollen Nacht; der erſte Bote einer frohen Zukunft. Empfangen in den Stuͤrmen der Revolution, und den Gräueln der Anarchie, gepruͤft und bewährt durch eine theuer erkaufte Erfahrung, enthält es die neueſten Reſultate einer Wiſſenſchaft, die Frankreich ſpaͤt, Teutſchland fruͤher, aber ungluͤcklicher bearbeitete, der Geſetzgebung; und die um ſo mehr beruͤckſichtigt zu werden verdienen, als man durch den Code Napoleon den immerwäbrenden Kampf zwiſchen Theorie und Praxis endlich beſeitigt erwarten durfte, da er, obgleich motivirt durch die pbiloſophiſchen Maximen, die durch die Revolution in Umlauf gebracht wurden, nur von Geſchäftsmaͤnnern entworfen iſt, die dieſen Widerſpruch möglichſt zu vermeiden geſucht baben ¹). Schon in dieſer Ruckſicht iſt daher dieſes Geſetzbuch aͤußerſt wichtig, und ein erfreulicher Beytrag zur Philoſophie des poſitiven Rechts; denn es ent⸗ baͤlt einen Schatz der folgenreichſten Reſultate von Ideen, welche die pangenberg Commentar Bd. I. A groͤßten Einleitung. größten Kopfe Frankreichs alter und neuer Zeit) beſchaftigt haben, und die theils unmittelbar, theils mittelbar in das neue Geſetzbuch uͤberge⸗ gangen ſind. 1) Falſch iſt es daher, wenn einige ihn als reine Geburt der Speculation, andere, als reines Reſultat des Pragmatismus anſehen wollen, da doch beyde in ihm vereinigt ſind. H. Allg. Litt. Z. 1805. Nr. 61. S. 482. 2) Sowohl Montesquieu und Pothier, als Mtrabeau und Lanjuinais haben An⸗ theil daran. So jfinden wir z. B. den art. 295 aus Eſprit. des Lois. XVI. I15. genommen u. a. m. 5. 2. Nothwendigkeit des Studiums des Franz. Rechts. Aber um ſo nothwendiger wird fuͤr uns die Kenntniß des Code Na⸗ poleon, als er anfaͤngt das gemeine Recht in Teutſchland und in andern Richtteutſchen Staaten zu werden; als ſogar ſeine Vorſchriften in frem⸗ den unabhaͤngigen Staaten nicht unberuckſ ichtigt geblieben ſind. Denn auch Kayſer Alexander von Rußland hat eine Commiſſion ernannt, welche den Ruſſiſchen Geſetzen die einzelnen Lehren des Code Napoleon an⸗ paſſen ſoll, und wirklich finden wir ſchon Grundſaͤtze deſſelben i in einer Ukaſe uͤber die Erbrechte der Adoptivkinder ¹). 1) Vom 9. Jan. 1809. S. Moniteur. An KlI. Nr. 143.— gieie finden ſich in der Kirchenordnung für die Proteſtanten im Ruſſifchen Reiche; entworfen und mit Genehmigung der Kayſerl. Geſetztommiſſion herausgegei ben von Geo. Friedr. Sahlfeldt. Mitau 1808. 8.— worin es unter andern heißt:—„Die Eheſachen kommen— an die weltlichen Gerichte. Guͤtliche Suͤhne, und Trennungen von Tiſch und Bette fallen ganz weg. Sobald ein Paar daruͤber einig iſt, wird die Ehe ohne weiteres aufgehoben, denn ſie iſt kein Sacrament, und nur als huͤrgerlicher Contract guͤltig.“— 6. 3. Verbreitung des Code. 1) Grund derſelben. Weit zahlreicher aber ſind die Staaten, in denen er wirklich 4 Eivilgeſetzbuch eingefuͤhrt iſt, und ſogar groͤßtentheils die vaterlaͤndiſchen Rechte verdraͤngt hat. Dieſe Verbreitung deſſelben war eine unmittelbare Folge des durch den Kayſer Rapoleon aufgeſtellten neuen politiſchen Sy⸗ ſtems, kraft deſſen ein Hauptſtaat gebildet wird, dem die uͤbrigen als ver⸗ Snde anbaͤngen, und das daher nicht unpaſend Foͤderativ⸗ oder S tions⸗ * 7 Einleitung. 3 tionsſyſtem genannt wird. Wirken ſollte nämlich dieſe Föderation nach außen durch Stärke und Unuͤberwindlichkeit; deshalb ward der Rhein⸗ bund, und die Koͤnigreiche Holland, Italien und NReapel geſchafſen; nach innen durch Einheit der Verfaſſung und Verwaltung ¹), und deshalb finden wir die Verfaſſung des Hauptſtaats Frankreich unter mehrern oder wenigern Modificationen in den genannten Reichen, dem Koͤnigreiche Weſtphalen, und nur mit Veraͤnderung einiger Nahmen in dem Koͤnigreiche Bayern, Großherzogtbum Warſchau u. a. Deshalb wurde auch das Gebiet des buͤrgerlichen Geſetzbuches der Franzoſen (Code civil des Frangais) auf die ganze Foͤderation erweitert, und dieſem der allgemeinere Nahme Code Napoleon gegeben ²). 1) Eine ſehr gute Vergleichung der verſchtedenen von Napoleon gegebenen Conſtl⸗ tutionen ſ. in Crome und Jaup Germanien. Bd. 1. Heft 1.(Gießen 1808. 8.) S. 15o ff. 2) Motife du projet de loi concernant le Cod⸗ Napoldon(vom 3. Sept. 1807.)—*c'eſt dans les mémes vues de former un nouveau lien eutre les peuples, qu'il(le Code eſt encore deſti 6 à divers peuples d'Allemagne; et deja ſi l'on conſidère l'étendue des pays oů il eſt, oů il ſera en vigueur, ou peut le regarder comme le droit commun de l'Furope;“ ſagte Bigot de Preameneu als Redner der Regierung. Noch deutlicher druͤckte ſich Chabot de l'Allier als Redner im Cabinet aus;„— n'en doutez pas, Meſſieurs, il étendra plus loin(qu'au dela les Alpes et du Rbin) encore ſon empire: bien ſuperieur au Code juſtinien, il doit auſſi ſurpaſſer ſa fortune et ſes ſuccès. Puiſſe-til, regiſſaut bientõt l'Furope euticre, etablir de nouveaux rappro- chemens entre les peuples du coutinent, les unir[ous les rapports civils comme ils le ſont déja ſous les rapports politiques et n'en faire pour ainſi dire, qu'une ſeule et mème famille vivant en paix ſous les mẽmes loix.“— S. Moniteur 1807. Nr. 137.— J. Fr. Reitemeyer das Napoleonsrecht, als allgemetnes 6 in Europa, insbe ſondere in Teutſchland betrachtet. Frankf. an der Oder 1809. 3. 5. 4. 2) Ueber Italien. Zuerſt faßte dieſes Geſetzbuch feſten Fuß da, woher es ſeinen Ur⸗ ſprung mittelbar erhalten: in Italien. Denn in den ehemaligen Staa⸗ ten von Parma, Piacenza und Guaſtalla galt es vom 1. Julius 1605 an, nachdem ſchon einen Monat fruͤher die Civil⸗ und Criminal⸗ gerichte der beyden erſtern Staaten auf franzöſiſchen Fuß organiſirt, und dem Caſſationsgerichte zu Paris unterworfen waren. Im Koͤnigreiche x A 2 ta⸗ 3 Einleitung. Italien dagezen, in welchem zwar die Einfuͤhrung deſfelben am 5. Junius 1805 feſtgeſetzt war, trat es jedoch erſt vom 1. Januar 1806 in Kraft, und ward daher in franzoͤſiſcher, italiäniſcher und latei⸗ niſcher Sprache promulgirt, obgleich nur die erſtere geſetzliche Kraft haben ſollte. Gleichermaaßen iſt der Code Napoleon in der ehemaligen Liguriſchen Republik vom 1. Vendemiaire XIII.(1805) als guͤltig publicirt; ſpäter im Fuͤrſtenthume Lucca, und den mit dem Königreich Italien vereinigten Venetianiſchen Staaten(den z0. Maͤrz 1806). Im Koͤnigreiche Neapel galt er gleich nach der Thronbeſteigung des vorigen Königs Joſeph Napoleon, der auch eine officielle Ausgabe und Ueberſetzung veranſtalten wollte; und in dem zuerſt mit Frankreich ver⸗ einigten, jetzt wieder getrennten Toscana ſeit dem 1. May 1808, wes⸗ balb denn auch faſt zu gleicher Zeit der Feudalismus, Erbadel, und alle vom Kayſer nicht beſtaͤtigten Praͤrogativen und Privilegien aufgeho⸗ ben wurden ¹). 4 3 Se 1) Seidenſticker Einleitung in den C. N. Cap. 9.§. 6- 17. i 5 3) Ueber Teutſchland. Hierauf verbreitete ſich der Code uͤber Teutſchland. Danzig und das Koͤnigreich Weſtphalen nahmen ihn zuerſt an; jenes nach dem ausdruͤcklichen Willen des Kaiſers; dieſes vermöge ſeiner Conſtitution ¹); weshalb auch hier eine officielle Ausgabe in teutſcher, franzöſiſcher und lateiniſcher Sprache erſchienen iſt, wovon jedoch nur die erſtere Geſetzes⸗ kraft hat. Beſtimmt ſcheint er allen Staaten des Rheinbundes nach dem Geiſte des Föderativſyſtems, und aus den Arbeiten einiger Regie⸗ rungen laͤßt ſich ſchließen, daß der Zeitpunet ſeiner Einfuͤhrung nicht ſehr entfernt ſeyn wird ²). So hat der Großherzog von Baden, öffent⸗ lichen Blaͤttern zufolge, eine Commiſſion ernannt: um den Code von dem Jabre 1810 an in Guͤltigkeit zu ſetzen, und wirklich iſt auch ſchon die officielle Ueberſetzung fuͤr Baden erſchienen; und ſo erſchien am 1. Auguſt 1808 eine Declaration des Großherzogs von Heſſen, worin derſelbe ſeine Staatsdiener anweiſt, ſich mit dem bald einzufuͤhrenden Franzöſiſchen Civilgeſetzbuche bekannt zu machen ²); ebenfalls von dem Herzoge von Anhalt Koͤthen, welcher den Code Napoleon ſowohl als die Franzoſiſche Proceßform vom 1. Januar 1809 an fuͤr Geſetz er⸗ klärte ———— Einleitung. 5 klaͤrte à). Spaͤter iſt jedoch dieſer Termin weiter hinausgeruckt. Wirklich eingefuͤhrt iſt er durch den Herzog von Ahremberg*) vom 1. Julius 1808, und in den Hanſeſtaͤdten Hamburg und Bremen ſteht ſeine Einfuͤhrung bevor; im ebemaligen Großherzogtbum Berg war man damit beſchaͤftigt, als es Frankreich ſelbſt einverleibt wurde ⁰). Auch in den Primatiſchen Laͤndern faͤngt der edle Fuͤrſt ſehr weiſe mit der Anordnung der öfſentlichen Lehre des Code Napoleon an, um deſſen kuͤnftige Einfuͤhrung vorzubereiten*).— 1) Adte conſtitutionel du Roy. de Weſtphalie art. 45. 3 2) Ob, und in wie fern es rathſam ſey den C. N. in den Staaten des Rhein⸗ bunds einzufuͤhren? daruͤber waren die Gelehrten nicht einig. Bedenklich aͤußer⸗ ten ſich H. v. Almendingen in ſ. Metaphyſik des Civilproceſſes. Th. 1.(Vor⸗ bericht). C. v. R— in Winkopp's Rheinbund. Th. 3. H. 9. S. 474 ff. S. in Crome und Jaup's Germanten. Bd. 1. H. 1. Nr. 4. Anderer Mey⸗ nung waren; Jaup in der Nachſchrift zu vorerwaͤhntem Aufſatze, Seidenſticker Einieitung in den C. N. Cap. 9. F. 19 ff. Gonner im Archtv fuͤr Geſetzgebung. B. 1. H. 1. Nr. 13. H. 3. zu Ende. v. Dalwigk in Winkopp's Rheinbund. H. 20. Nr. 24.— Zu vergleichen uͤber dieſen Gegenſtand ſind noch: Anſich⸗ ten über die Einfuͤhrung des C. N. in den Staaten des Rhein⸗ bunds. Gießen und Wetzlar. 1803. 8.(auch in: Allgem. Bibltothek fuͤr Staatskunſt, Rechtswiſſenſchaft und Crittk. Heft I. 2.)— Ueber die Einfuͤhrung des C. N. in den Europaͤiſchen Annalen. 1807. Heft 12. Nr. 1.— Welche Grundſätze befolgte man im Preußi⸗ ſchen bey Einfuͤhrung des A. L. R.? zur Erinnerung an den C. N. aufgeſtellt vom KG Aſſeſſor v. Ramptz in Archenholz Mi⸗ nerva. 1807. Octob. Nr s. TM(Johannes von Muͤller) in der Jen. A. L. Z. 1807. Nr. 238. Endlich Coup dbeil ſur le C. W. en AMemagne. Caſſel 1808. 8. und Gedanken uͤber die Einführung des C. N. in Laſſaulr Annalen. Bd. 1. H. 2. Nr. 3. Sehr richtig wird im Jaſon 1808. St. 1. Nr. 6. erwieſen, daß die meiſten Modiſicationsanſpruͤche nicht darauf hinaus⸗ gehen, dieſes Geſetzbuch zu modifickren, ſondern den Geiſt deſſelben zu vernichten. Ein Vorſchlag die kuͤnftige Geſetzgebuna und Rechtsverfaſſung in den rhein. Bun⸗ . desſtaaten, beſonders die Einfuͤhrung des Code Nap. betreffend, findet ſich in den. Europ Annalen 1808 St. XII. Nr. 6. S. auch Zachariaͤ Handbuch des Franz. R. B. I. S. LXIII- LXVIII. 3) Ueber Baden[. P. Oeſterreicher Denkwuͤrdigkeiten der Staatenkunde Leutſch⸗ lands Rd. 2. H. 1. 4) Winkoppe Rheinbund. Heft 22. Nr 3. Heft 30. am Ende. 5) Winkopp's Rheinbund. Heft 16. Nr. 13.* Dem Vernehmen nach wird dort die offictelle Ueberſetzung des Koͤnigreichs Weſtphalen promulgirt werden. S. auch Winkopp's Rheinbund. Heft 28. S. 140.(1809) dS. Oeſterreicher a. a. O. 5. 6. 6 — Einleitung. 5. 6. 4) Vrber einige andere Pichttzutſche Länber. Was die uͤbrigen Richtteutſchen Staaten anlangt, ſo iſt der Code im Großherzogthum Warſchau am 1. May 1808 in Rechtskraft ge⸗ treten; ingleichen hat der Koͤnig von Holland ſchon im November 1 eine Commiſſion niedergeſetzt, beſtehend aus den Staatsräthen van Gennep van Weſele, Scholten und Loke, um ihn den Holndiſchen Geſehen au⸗ zupaſſen. Außerdem exiſtirt eine Flamländiſche uretſtun von Lorio, ſo wie eine Portugieſiſche von Lopez⸗ 8. 7. Art der Einfuͤhrung. In allen dieſen genannten Staaten, in denen der Code wirklich als Geſetzbuch gilt, hatte ſeine Eisfuͤhrung eine mehrere oder mindere An⸗ naͤherung an die Franzſiſche Gerichtsverfaſſung zur Folge, obgleich das zweyte Geſetzbuch Rapoleons uͤber das Verfahren in buͤrgerlichen Rechts⸗ ſtreitigkeiten(Code de procéedure civile) nur allein bis jetzt im Konig⸗ reiche Italien eingefuͤhrt iſt. Der einzige Herzog von Ahremberg hat dagegen verſucht, den Code der alten Verfaſſung voͤllig anzupaſſen, und ihn ſich als Civilgeſetzbuch mit Beybehaltung der vorigen Gerichtsver⸗ faſſung, und der fruͤhern Rechte zuzueignen ¹). Ein gleiches ſtebt von den Hanſeſtaͤdten zu erwarten. 1) S. unten⸗ §.„ Was nicht mit recipirt ſey. Wenn ferner in dieſen Staaten nur der Code Napoleon eingefuͤhrt 7 wurde, ſo iſt es auch nur dieſer, der unter dieſem Rahmen recipirt iſt, nicht aber zugleich die uͤbrigen Geſetzbuͤcher, welche zwar den großen. Kaiſer zum Schoͤpfer haben, jedoch nicht deſſen Nahmen an der Spitze tragen ¹); nicht alſo der Code de procédure civile, da Holland, Weſt⸗ phalen u. ſ. w. ihren eignen entwarfen; nicht der Code de commerce, obgleich demſelben eine ſolche Reception bevorſtehen wird*); endlich nicht die ſpaͤtern Decrete und Geſetze, welche nur in daſſelbe Verhaͤltniß fuͤr Frankreich treten ſollten, worin die eigenen Verordnungen der Recipienten fuͤr ihre Lande gegen das recipirte Geſetzbuch ſtehen. 8 uns die 4 — Einleitung. 7 die letztern vortreffliche Interpretationsregeln an die Hand geben, ſo können ſie doch nicht mit eingefuͤhrt ſeyn, da dieſes gegen des großen Kayſers eigene Abſicht ſeyn wuͤrde, welcher in der Zuſchrift von 12. Januar 1806, die Adoption des Königs von Italien betreffend, vielmehr ſelbſt ſagt: die Geſchichte aller Zeiten kehre es, daß Einförmigkeit der Geſetze der Kraft und der guten Organiſation der Reiche merklich ſchade, ſobald ſie ſich weiter ausdehne, als die Sitten der Nation, oder die geographi⸗ ſchen Ruͤckſichten es erlauben. Eben dahin gerade gieng der Plan bey der Abfaſſung des Code, daß dieſer wo moglich nichts enthalten ſolle, als was fuͤr ganz Europa paſſe, und daß nichts beſtimmt werden ſolle, was Localitäten üͤberlaſſen bleiben, und jeder Recipient durch eigene Verordnungen anordnen muͤſſe 2). Dieſes nun thum ebenfalls die ſpaͤtern kaiſerlichen Deerete und Geſetze fuͤr Frankreich, ſo wie es die koͤniglichen fuͤr Weſtphalen thun, ſo daß ſie daher ihrer Natur nach nicht recipirt werden konnten. 2) Daher iſt es falſch, wenn man öie verſchiedenen erſchlenenen und zu erſcheinen⸗ den Geſetzbuͤcher fuͤr einen Cyclus haͤlt, dem zuſammengenommen der Nahme Code Rapoleon gegeben ſey; wie in der Hall. A. L. Z. 1807. Nr. 241. (Abgedruckt in der Einleitung in das Geſetzbuch Napoleons, oder Bemerkungen teutſcher Gelehrten uͤber daſſelbe. Duͤſſeldorf. 1808. 8. Nr. 1.) and in des Geh. Oberreviſions R. Goßler Einleitung zu Vor⸗ leſungen uͤber den C. N.(in Gedike und Bieſter's Neuer Berltn. Monats⸗ ſchrift. Jun. 1808) behauptet wird. Jo Levaſſeur nannte ſchon fruͤher ſ. Ausgabe des Code de procédure, Code Wapoléon IIae partie. 2) Der Staatsrath Regnaud ſagte:“ La France aura un autre Code, qu'elle pourra, comme le Code Napoleon, montrer avec orgueil, donner comme un bienfait à ſes voifins 3 ſes allics.— La victoire faifait le préfent du C N aux Polonais affranchis; et la ſageſſe dirigeait des bords de la Viſtule, le travail d'une loi vouvelle, deſiné peut- ẽtre à devenir le Code commer- cial de FFurope.“— Montit eur 1807. Nr. 246. Der Staatsrath Corvetto: Le C. d. C peut méme devenir une loi commune aus peuples que leur intérèt place dans notre Pftöme de fedération et dalliamee.— Le Code que vous avez adopté deviendra alors le droit eommun de l' Europe.“— Moniteur 1807. Nr 233. 3) S Motift du Projet de la lot concernane le C. N.—*pour parvenir à ce but que les peuples voilins fuſſeut preſſes de ſe conformer au Code civil) il fallai, que ſe Fyſtéme genéral püt ſe concilier aver les divers ſyfièmes de gouvernement; et nul legiolateur n'avoit encore temtẽ de reſoudre ee grand probléme“ ſagte Bigot de Preameneu. Sie geiten nie als Geſetze in den Staaten, wo der E. N. recipirt iſt, ſollten ſie auch noch ſo nahe mit demſelben C N. in Verb'ndung ſtehen. S. Hr. Prof. Dabelow Archiv fuͤr den C. N. St. 1I. S. 132. §. 9. 4 ———————————————— 8 Einleitung. 5. 9. Bedingungen, unter welchen man ſich eine gruͤndliche Kenntniß des im Code enthaltenen Rechts verſchaffen kann. Wenn nun aber die Kenntniß des Code Napoleon uns alſo unent⸗ behrlich iſt, ſo iſt es um ſo nothwendiger, ſeine Entſtehungsgeſchichte, ſeinen Inhalt und Graͤnzen, ſein Verbaͤltniß zu den fruͤhern und gleich⸗ zeitigen Geſetzen, und die Art wie er erklaͤrt werden muß, kennen zu lernen, da ſich jene ohne dieſem gar nicht erwerben laͤßt. Wie alſo der Zuſtand der Legislation in Frankreich vor der Promulgation des neuen Geſetzbuchs geweſen, aus welchen Quellen es geſchopft, wie ibm vor⸗ gearbeitet, unter welchen Bedingungen es entſtanden, und wie eine dringende Nothwendigkeit die Mutter deſſelben geworden; wie die Vor⸗ ſchriften deſſelben zu erklaͤren und anzuwenden, und in welchem Ver⸗ hältniſſe ſie rüͤckwaͤrts mit den frühern, und vorwaͤrts mit dem ſpätern Geſetze ſtehn; was eigentlich der Geiſt deſſelben beſage, und welche Gränzen ihm abgeſteckt; endlich unter welchen Bedingungen dieſe fremde Pflanze auf vaterlaͤndiſchen Boden geſetzt, und welche einheimiſchen ſie verdraͤngt habe, dieſes alles wird der Gegenſtand der folgenden Unter⸗ ſuchungen ſeyn. =R Erſter Abſchnitt. Von dem Zuſtande des Franzöſiſchen Rechts vor dem Code Napoleon, und der Emtſtehungsgeſchichte deſſelben. .§. 10. Eintheilung der Geſchichte des Fr. Rechts. Frr die Geſchichte des Franzöſiſchen Rechts laſſen ſich im allgemeinen drey Perioden unterſcheiden; namlich die Periode der ältern Ge⸗ ſetzgebung(Legislation ancienne), welche von den fruͤheſten Zeiten bis auf den Anfang der Revolution geht; die Periode der mittlern Geſetzgebung(Legislation intermédiaire) bis zum Conſulate Na⸗ poleons, oder der Abfaſſung des Code; und die Periode der neuern Geſetzgebung(Legislation nouvelle) bis auf die jetzige Zeit ¹). 1) Die Abtheilung in dieſe drey Perioden iſt officiell. Gleichbedeutend iſt eine andere Claſſification: 1. Droit ancien. 2. Droit de h'organiſation nouvelle; a. avant le Code civilz b. empire du Code civil. S. Seidenſticker's Ein⸗ leitung in den C. N S. 184— Ueber die Geſchichte des Franzoͤſiſchen Rechts haben wir wenig befriedigendes; alles betrifft nur die äußere, oder die Ge⸗ ſchichte der Rechtsquellen, nicht die innere Rechtsgeſchichte; oder Geſchichte der Ausbildung der Dogmen. Die vorzuͤglichſten Schriftſteller uͤber dieſelbe ſind: AkTRuR Dock de uſu et authoritate juris civilis Romanorum in dominiis pPrincipum chriſtianorum Lib. II. Cap. 5.(Londini. 1633. 8.) Hiſtoire du droit Frangois. Paris b. Eſtienne Loyſon. 1682. 12. DE BovrAtvIILLIERs Ftat de la France. Londres 1727. FrRuRv hiſtoire abregée du dr. Fr.— in Ak6ov Inſtitution au droit Fr. ſtatt der Vorrede(Paris. 1739. 1774. 2 Voll. 3.) MonTRsauIRu de k'eſprit des loix. Liv. XXVIII.(de l'origine et des révo- lutions des lois civiles chez les Frangais.). Jo. MARTIN. SILBRRRAD hiſtoriae juris Gallicani epitome. Argentor. 1765. 8.(auch hinter ſeiner Ausgabe von HEIRRccit hiſtoria juris civilis.) Spangenberg's Commentar Bd. I. B GRos Erſter Abſchnitt. Erſte Periode. GRosLRv recherches pour ſervir à l'hiſtoire du dr. Fr. Paris. 1752. I2. (DucnkEsB) Analyſe hiſtorique des principes du dr. Fr. Paris 1737. 12. P. CRaßRiT de la monarchie Frangaiſe, ou de ſes loix. Bouillon. 1783. und 1785. 2 Voll. 8. BERNARDI Eſſais ſur les revolutions du droit Frangais. Paris. 1785. 8. Hiſtoriſche Ueberſicht der verſchiedenen Codices, welche in Frankreich verbinbliche Kraft gehabt haben(gezogen aus MERLIN repertoire univerſel de juris- prudence) in Laſſaulx und Birnbaum's Journal fuͤr Geſetzkunde und Rechtsgelehrſamkeit. 1807. Heft 7. 8. 9. 12. Laſſaulx Geſetzgebung Napoleons, dargeſtellt und commentirt. 1. Abtheilung⸗ Privatrecht. Thetl I. S. 20— 82.(Koblenz 1809. 8.) — M. L. J. Bo1RAu hiſtoire du droit frangois. Paris. 1806. 8. und das Werk De la magiſtrature en Frauce. Paris. 1806. 8. enthalten mehr die Geſchichte der Gerichtsverfaſſung. Erſte Periode. Von den aͤlteſten Zeiten bis auf den Ausbruch der Revolution. Eintheilung derſelben.. um den Urſprung der mannigfaltigen Rechte kennen zu lernen, die in Frankreich guͤltige Kraft hatten, und an deren Reichthum es vielleicht alle uͤbrige Völker uͤbertraf*), unterſcheidet man fuͤglich in der Ge⸗ ſchichte der aͤltern Legislation vier Abſchnitte; naͤhmlich den Galliſchen, Roͤmiſchen, Fränkiſchen und Franzoͤſiſchen Zeitraum. Eine gedrängte Ueberſicht eines jeden wird vielleicht nicht unintereſſant ſcheinen. 1) Sehr richtig bemerkt MonralGE L. III. e. 13.„La France a plus des joĩv que tout lo reſte du monde enſemble.* I. Gal⸗ Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 11 Galliſcher Zeitraum. 5. 12. Bruchſtuͤcke der Galliſchen Rechte. Gallien hatte vor der Roͤmer Ankunft, wie alle barbariſche Staa⸗ ten, ſeine eigene Verfaſſung, Gebraͤuche und Rechte, von denen uns deſſen Eroberer Julius Caͤſar ¹) einzelne Bruchſtuͤcke aufbehalten hat, und aus welchen ein nicht gemeiner Grad politiſcher Cultur hervorleuchtet. Aber auch dieſe waren ſchon damals ſehr verſchieden, da es mehrere unabhaͤngige Voͤlker, nach welchen es in das Belgiſche, Aquitani⸗ ſche und Celtiſche getheilt wurde, in ſich entbielt; die ſehr eiferſuchtig gegen einander, und faſt immer in Fartionen getbeilt, ſich durch ihre Sitten, Geſetze und Sprache von einander unterſchieden; waͤhrend im Nor⸗ den ſich uͤberdieß Germaniſche Gebraͤuche zeigten. Geſchriebene Geſetze exiſtirten ſchwerlich, denn die Druiden waren der Schreibekunſt abhold. 1) Comment. de bello Gallico Lib. VI. PonMP. MBIA Lib. III. cap 2. STRAßo Lib. IV. p. 197. ed. 1620. JoRPanus(Jornandes) de Gothorum origine, und GRRGoR. TuRONRNsIs hiſtor. Francor.— Vergl. P. RAM libellus de moribus veterum Gallorum. Paris. 1562. 8. SILBERRAp a. a. O. F. T. PpRäpcror de l'état eivil des perſonnes— dans les Gaules. T. I. p. z. F⸗ und vorzuͤglich uͤber dieſe und die folgende Periode: C. G. Röſſig Geſchichte des deutſchen Privatrechts. Leipz. 1801 8. und Herrn Prof. A. F. Eichhorn deutſche Staats und Rechtsgeſchichte. Gottingen. 1808. 8. I⸗ Abthetlung. II. Nömiſcher Zeitraum. 6. 413. Gallien, eine Romiſche Provinz. Nach mehrern fruchtloſen Verſuchen gelang es durch zehnjaͤhrigen ſchweren Kampf den Roͤmern, ein Land zu unterjochen ¹), was ſich ihnen ſtets furchtbar gezeigt hatte, und, nachdem es als Roͤmiſche Provinz orga⸗ niſirt und befeſtigt war, bis auf die Zeiten des Honorius zu behaupten; vier lange Jahrhunderte hindurch, waͤhrend welchen die Beſiegten der Roͤmer Sprache, ihre Sitten und Geſetze, und die chriſtliche Religion annahmen. Aber ſchon damals behaupteten einige Landſchaften und Staͤdte ihre eigenen Rechte, beſtätigt Julius Cäſar, der ihnen, durch . 3 den 12 Erſter Abſchnitt. Erſte Periode. . den hartnaͤckigſten Widerſtand hewogen, gern dieſe Erlaubniß zugeſtand ²); auch ſcheinen ſelbſt einzelne Gewohnheiten neben dem Roͤmiſchen Rechte ſteben geblieben zu ſeyn, in ſo fern ſie den Romiſchen Begriffen des jus gentium, als hiſtoriſch allgemeingeltenden poſitivem Nichtroͤmiſchen Rechte, gemaͤß waren; allein dieſes vom noͤrdlichen Gallien durchaus zu bebaupten, und hier ſchon eine Eintheilung deſſelben in die kaͤnder des Romiſchen, und in die Laͤnder des ſtatutariſchen Rechts finden zu wollen, moͤchte doch wohl zu gewagt ſeyn 3). Das dem uͤbrigen Gallien aufgedrungene Römiſche Recht beſtand aus den Conſtitutionen der Kaiſer, welche in verſchiedene Sammlungen zuſammengefaßt waren; und aus den Schriften einzelner Rechtsgelehrten. Zu den erſtern gehoren der um Dioeletians Zeit verfaßte Codex Gregorianus, und der gleich darauf folgende Hermogenianus 4); welche vielleicht nie als Geſetzbuͤcher geſetzliche Kraft hatten, ſondern nur als Privatſammlungen einzelner Geſetze gebraucht wurden; und der fuͤr Frankreich ſo aͤußerſt merkwuͤrdige Codex Theodoſianus*). Zu den letztern gehoͤrten, nach der Pro⸗ mulgation dieſes letztern Geſetzbuchs, nur die in dem beruͤhmten Citir⸗ geſetz) verzeichneten Schriften des Papinian, Paulus, Gaius, Ulpian, deſſen Erhaltung wir vielleicht nur dieſem einzigen Umſtande zu verdanken baben, und Modeſtinus. 1) Im Jahre 36. v C. G. S. Duck a. a. O. F. 2— 5. SrEBERRAn F. 2. 2) EzpcR. SPAMRHEMII Orbis Roman. Frercit. II cap. 1. 3) Wie in Laſſaulr und Birnbaums Journal. 1807. H.7. S. 294. Deſſel⸗ ben Geſetzgebuna N pokeons commentirt 1. Abtheil. S. 34. Schen fruͤher findet ſich dieſe Meynung bey S1.BERRAD a. a. O. 4) Die im breviario Alariciano aufbewahrten Fragmente derſelben ſ. bey ScRor- TINGII Jurisprudentia Antejuſtinianea. 5) Noch 1724 behaupteten einige, daß nur er allein in Frankreich gelte, nicht der Juſtinianiſche Codex. Laſſaulx Journal. 1807. H. 7. S. 290. Juſtinians Compilation konnte nicht in Gallien Eingang finden, weil er immer mit den Koͤnigen dieſes Landes welche Bundsgeneſſen der Weſtgothen waren, im Kriege verflochten war; ob ſie gleich einigen Gelehrten, wie Jves Biſchof zu Chartres(XII. Jahrh.), bekannt war. 6) C. m. C. Theod, I. g. de reſponſis prudentum. ⸗ Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 13 Rechte dieſer Periode. 1) Aus dieſer Darſtellung folgt, daß, beſonders nachdem allen Be⸗ wohnern des großen Römiſchen Reichs(Empire romain, wie jetzt Empire francais) das Römiſche Buͤrgerrecht ertheilt war, dieſelben Rechte in Gallien galten, deren Genuſſes ſich die Römer erfreueten; vielleicht unter einzelnen Modificationen, welche uns jetzt unbekannt ſind. Denn auch die Roͤmiſchen Kaiſer Maximian, Conſtans und Julian bielten ſich längere Zeiten dort auf; und von Cäſar bis Conſtantin hat⸗ ten Roͤmiſche Legaten, und bis auf Honorius Praftcten des Prätorium, daſelbſt ihren Sitz. 1) Gouncv: Quel fut Tetat des perſonnes en France ſous la premisre et ſe- conde rage de nos rois?— Nancy. 1769. 8. Teutſch von Georg Heinr. Oeſterley, unter dem Titel: Ueber Freyheit und Leibeigenſchaft; den Adel⸗ geiſtlichen und dritten Stand, Beneſicien und Lehn unter den Merovingern und Farolingern. Göttingen. 1788. 8. Abſchn. 6- 9.— S. auch S1LbERRAp 5. 2. III. Fränkiſcher Zeitraum. 5. 15. Gallien unter den Barbaren. Aber die Romiſche Herrſchaft endete durch das Einſtrömen ¹) teut⸗ ſcher Völkerſchaften. Bey dem Verfalle des abendlaͤndiſchen Kaiſerthums zogen die Sueven, Vandalen und Alanen durch Spanien; die Weſt⸗ gothen aber ſetzten ſich im Aquitaniſchen und Narbonenſiſchen Gallien (zwiſchen der Loire, Marne, Durance, dem Mittelmeer und den Alpen) ſeſt, und ſtifteten unter Alarich(412) ein eigenes Koͤnigreich; waͤhrend die Burgunder das Land um die Rhone und Aar; die Britannier Ar⸗ morica oder Bretagne behaupteten, bis ſie gegen 456 aus Burgund, Lwon, Dauphine, Savoyen, Wallis und der Schweiz das Koͤnigreich Burgundien bildeten. Die Alemannen und Sueven beſetzten dagegen den nachherigen Elſaß und die Rbeinpfalz; die Römer hielten ſich noch kaum zwiſchen dem Rheine, dem Meere und der Loire. Bald darauf drangen um 430 die Franken ein, und ob ſich gleich die Romer anfangs mit ihnen und den Weſtgochen vereinigten, um den eindringenden Hunnen B 3 bey Erſter Abſchnitt. Erſte Periode. bey Chalons an der Marne(451) einen Damm zu ſetzen, ſo brachen doch bald neue Zwiſtigkeiten zwiſchen ihnen und denſelben aus; und die Schlacht bey Soiſſons machte im Jabr 486 der Römiſchen Herrſchaft ein Ende. 1) Im Jahr do7 nach C. G. 5. 16. Stiftung der Fraͤnkiſchen Monarchie. Dieſe lieferte ein Heerfuhrer, und Konig der Franken, Chlodwig, deſſen Ahnherr gleiches Nahmens, ums Jahr 438 die Fraͤnkiſche Mo⸗ narchie geſtiftet batte. Er beſiegte die Alemannen bey Zulpich(496), die Weſtgothen bey Poitiers(507), und zerſtohrte die Koͤnigreiche Coͤlln(welches den Ripuariſchen Franken gehoͤrte, die ſich von den Saliſchen unterſchieden), Terruane, Mans, Cambray u. ſ. w. ſo daß er ſich zum Alleinherrſcher des Landes machte. Anfangs waren die Eingebohrnen glucklicher unter ſeiner neuen Herrſchaft als unter der Römiſchen, allein dieſes Gluͤck war nicht von Beſtand; denn zu fruͤh⸗ zeitig erlangte die Geiſtlichkeit großen Einfluß in alle Staatsgeſchaͤfte. 6. 17. Geſetze dieſer Periode. a. Der Völker. Die Geſetze) und Rechte dieſer Periode ſind theils römiſchen ²) Urſprungs, theils barbariſchen; denn auch dieſe Volker brachten ihre eigenen Sitten, Gebraͤuche und Geſetze mit, welche, da ſie von einigen der beſiegten Volker angenommen wurden, ſchon damals eine ungluͤckliche Verſchiedenheit von Rechtsnormen. bervorbrachten. Zu den erſtern ge⸗ 6 borte Alarichs II. Geſetzbuch, genannt previarium Alaricianum, oder die Weſtgothiſche Compilation, nicht zu verwechſeln mit dem urſprunglich Gothiſchen vom Koͤnige Eurich*)(466) verfaßten, und von Chin⸗ deſuind und Receſſuind revidirten Geſetzbuche. Da näͤmlich Eu⸗ richs Geſetze nur fuͤr die Gothen beſtimmt waren, ſo verfertigte Go⸗ . jarich Go6) fuͤr die Beſiegten eine Compilation aus dem Römiſchen Rechte 4), welche vom Könige Alarich, unter den Nahmen ſeines Re⸗ ferendars Anian, zu Aire in Gascogne promulgirt wurde. Beſonders wichtig ſind die unter den Nahmen Seintilla bekannten Gloſſen Gojarichs, und Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 15 und die faͤlſchlich ſo genannten Emblemata Aniana, weil ſie bisweilen Abweichungen des Fraͤnkiſchen Rechts vom Römiſchen enthalten. Die barbariſchen Geſetzbuͤcher hatten die Franken groͤßtentheils mit den Teutſchen gemein, denn bis auf den Verduner Vertrag(843) waren Frankreich und Teutſchland unter derſelben Herrſchaft und denſelben Rechten vereinigt. Zu bemerken iſt es, daß dieſe Geſetze nicht in ur⸗ ſpruͤnglicher Geſtalt auf uns gekommen ſind, ſondern nach einer Redaetion, die Karl der Große mit ihnen vornahm(798); daß ſie nie den Gebrauch des Roͤmiſchen Rechts verdraͤngten, da ſie im Gegentheile ſogar mehrere oder wenigere Roömiſche Rechtsnormen enthalten; und daß ſie gegen das Ende des 12ten Jahrhunderts allmaͤhlig in Nichtgebrauch geriethen. Das Saalfraͤnkiſche Geſetzbuch ²)(Lex Salica), entworfen von Wiſogaſt, Salogaſt, Bodogaſt und Windogaſt gegen das Jahr 422, galt nur im Saalfraͤnkiſchen Reiche; nachher in den Fraͤnkiſchen Colonien, nie aber im Koͤnigreiche Burgund. Die Ripuariſchen Geſetze ⁵) ſind zwiſchen 511— 534 vom Koͤnig Theoderich von Auſtraſien aufgeſetzt, und unter Dagoberts Regierung von einem gewiſſen Claudio Chadoin, Domagno und Agillolfo revidirt. Dieſen liegt das Saliſche Geſetz zum Grunde; doch enthaͤlt es mehr Römiſches Recht, und haͤrtere Beſtimmungen als jenes. Die Geſetze der Frieſen, welche 738 der Fraͤnkiſchen Monarchie unterworfen wurden, ſind wahrſcheinlich aus der erſten Haͤlfte des 7ten Jahrhunderts; denn die Macht der Könige iſt in ihnen ſehr be⸗ ſchraͤnkt, und das Heidenthum erſcheint in ihnen noch neben dem Chri⸗ ſtenthume. Sie haben Zuſätze von Ulemar und Saxmund, zweyen Rechtsgelehrten, erhalten*). Um gleiche Zeit entſtanden die Geſetze der Sachſen(Ewa Saxonum), die unter Karl dem Großen unter Fraͤnkiſche Hobeit kamen). Das Burgundiſche Geſetzbuch*)(Lex Gundobada, Loi Gombette) iſt vom Koͤnig Gundobald, ums Jahr 486 verfaßt, und um ʒoꝛ revidirt. Es enchalt ſehr viel Roͤmiſches Recht. Die Alemanniſchen Geſetze 10) wurden wahrſcheinlich vom König Theoderich von uſtraſien zwiſchen 511 und 534 auf der Cata⸗ jauniſchen Reichsverſammlung aufgezeichnet, und von Childebert und Chlo⸗ 16 ⁵ Erſter Löſchnitt. Erſte Periode. Chlotar II. verbeſſert. Dieſe Geſetze ſind nachher zum Theil in den Schwabenſpiegel uͤbergegangen. Die Geſetze der Bayern ¹¹)(Leges Bajuvariorum) ſchreiben ſich aus derſelben Zeit her, und haben dieſelben Verfaſſer. Revidirt ſind ſie um 630 von Garibald Il. Zuſaͤtze machen das Decretum Pafſi- lonis vom Jahr 772, und ein Capitulare Bajuvariorum. Die Longobardiſchen Geſetze 12)(Lex Lombarda) ſind 643 vom Koͤnig Rothar geſammelt, von Grimoald, Luitprand, Ra⸗ chis und Aiſtulph verbeſſert.(Im Jahr 774 kamen die Longobarden unter Fraͤnkiſche Hoheit, wurden aber nachher wieder frey, und erhielten von ihrem Könige Guido neue Geſetze.) Aus dieſen Zeiten haben wir auch noch Formelſammlungen übrig, welche zur Erläuterung dienen; dahin geboͤren die Formulas Marculſi aus dem 7ten Jahrhunderte, und die in Anſebung der Zeit ungewiſſen Formulae Sirmondicae, Bignonianae, Andegavenſes, Longobardi- cae, Alemannicae, Allaticae, Caſſiodorianae, und die ad legem Romanam ¹3). Das Saliſche Geſetzbuch verbreitete ſich durch die Stiftung der Frankiſchen Monarchie, nach Unterjochung der Burgunder und Vertrei⸗ bung der Weſtgotben, am weiteſten; und blieb bis auf die Zeiten der Revolution eines der Grundgeſetze des Reichs; allein nie verdraͤngte es gaͤnzlich die Weſtgothiſchen Geſetze, welche Alarich II. aus den Roͤmi⸗ ſchen compiliren ließ, eben ſo wenig wie die Burgundiſchen, welche viel⸗ mehr im 9ten Jahrhundert noch nicht gaͤnzlich außer Gebrauch gekommen waren 14). Rber zugleich entſtand nun fuͤr die neue Monarchie ein eigenthuͤmliches Recht aus den Verordnungen ihrer Koͤnige; den ſo genannten Capitularien, welche ein ſolches Anſehen erhielten, daß . Fraͤnkiſchen Geſeten zu gehorchen ein Stolz der Unterthanen war 15). ⸗ 1) Zu vergleichen uͤber dieſelben: Fr. Chph. Jonath. Fiſcher Litteratur des Germaniſchen Rechts. Leipz. 1782. 8. 6. 17 25. C. 6. BIEnßR Commentarii de origine ae progreſſu LL. et jur. German. Lipf. 1787. 8. P I. II. T. 1.2. Roſſig Geſchichte des teutſchen Privatrechts. Eichhorn deutſche Staats⸗ und Rechtsgeſchichte S. 79 ff. Geſammelt findet man ſie am beſten in Fa LIN bnRRRoGr1 Codex LI. antiquarum, 1607. 16150 fol.— Corpus juris Ger- mauiei antiqui— conſilio et praefat. J. G. HpINBccrt adornavit P. Gnon 61ScR. Halae. 1738. 4. und vorzuͤglich in: Barbarorum leges antiquae cun notis et gloſſariis eollegit J.PauI CaxcIANI. Venet. 1781 1792. 5 Voll. fol. 2) Denn — — Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 17 2) Denn das Roͤmiſche Recht galt noch immer neben den barbariſchen Geſeßen und den Capitularien der Fraͤnkiſchen Koͤntge. Einige haben freylich behaupten wollen, Carl der Große habe den Gebrauch deſſelben verboten, aber das Capi⸗ tulare, worauf man ſich bezieht(L. VI. cap. 269. ed. PITR.) iſt untergeſchoben. S S113ERRap I. c.§. 6. Nur der Weſtgothiſche Koͤnig Chindaſvind verbot es. ig ti e 3) Oder Konig Theoderich. Daher heißen ſie auch Leges Theodoricianae. Siehe uͤber ſie Roͤſſig Geſchichte des teutſchen Privatrechts. Abſchn. II. Periodell. Cap. 11 Eichhorn 5. 34. Andrer Meynung iſt Fk. Röks Ueber die Geſetze der Weſtgothen. Greifswald 1801. 8. welcher behauptet, man habe alle Go⸗ thiſchen Einrichtungen und Geſetze Theodoricianae genannt, weil viele Gothl⸗ ſche Konige Theoderich geheißen.— Ausgabe iſt: Codieis Legum Wiſigothorum Libri XII.&c. ex bibl. P. PTHoRt. Pariſ. ap. Nivell. 1679. fol. 4) Aus dem Coder Theodoſianus, Gregorianus und Hermogenianus, Paulus, Cojus, Papintan— und einigen Novellen. Daher nennt man ſie auch Lex Romana, obgleich nicht ausſchließlich. Veral. Hin Hofr Hugo Geſchichte des Roͤm Rechts. H. 286.(Zte Ausgabe.) C. G. B RXRRr hiſtoria LL.. Wiſigothi- carum in regno Hiſpaniae vetere. Spec. I. Lipf 1783. 4.) Die einzige Aus, gabe iſt von Sichard, ünter dem Titel: Codicis Theodoliani Libri XVI. Novellae Theodoſii, Valgntiniani&c. Baſileae ap. Henric Petri. 1528. fol. S. Hugo im ludex fontium hinter ſ. Ausgabe des Julius Paulus. S. 133.— Alle andere Ausgahen ſind aus dem ächten Theodoſiuniſchen Codex ergaͤnzt.— Eine Privatarbeit ſcheint hingegen, die unter dem Nahmen Paptad Reſponſa bekannte Compilation, welche ſich in ScRuILTIN6G jurisprudentia Antejuſtinianes p. 827 ſqq. findet. 1 5) Röſſig Geſchichte des teuſchen PrivatR. Abſchn. II. Pertode II. Cap. r.— Andere ſetzen es unter Chlodwig. Pichhorn F. 35.(zwiſchen 484 und 496.) Eine neue Ausgabe hat Herr Regierungstath Wiarda in ſ. Geſchichte und Aus⸗ legung des Saliſchen Geſetzes. Bremen und Aurich 1809. 8. geliefert. Eine andere iſt: Liber legis Salicae, cum gloſſario. Ex bibl. FR. PrTRoßt. Pariſ. 1602. 8. 7 6) Roͤſſig a. a. O. Cap. 10.— Ausgabe: Leges Francorum Falicae et Ripuario- rum dc. eura Jo. GBo. EccARpI. Francof. et Lipſ. 1720. fol und alleinz Leges Riboariorum Bajoariorumque quas vocant a Theoderico rege Francorum latae. Item Alemaunbrum leges a Lothario rege latae. Nuné priinum vetu- ſtotis ergo recuſae. Baſileae. Anno 1530. 8.. 7) Roſſig a. a. O. Cap 5.— Ein provinclelles Geſetzbuch der Frieſen iſt: Aſega⸗ Buch, ein Attfrieſiſches Geſetzbuch der Ruͤſtringer. Herausgegeben, uͤberſetzt und erlaͤutert von IJ D. Wiarda. Bertin und Stettin. 1805.. 8) Röſſig a. a. O. Cay. 6.— Ausgabe: Saxonum Leges tres, quae extant auti- quiſſimae notis illuſtravit C. G. GaERTNPR. Acceſſit Lex Friſtonum cum not. Sibrandi Siccamae. Lipſ. 1730. 4. 9) Röſſig. a. O. Cap. 8. Eichhorn. 37. 10) Eichhorn F. 39. 5 Spangenberg's Commentar Bd. I. C 10 18 Erſter Abſchnitt. Erſte Pertode. 11) Roͤſſig a. a. O. Cap. 9. Eichhorn.§. 40. „12) Roſſig a. a. O. Cap. 12. 13) Roͤſſig a a. O. Cap. 14. Pichhorn§. 156.— Ausgaben ſind: MascuIEt monachi Formularum Libri II. ltem veteres formulae incerti auctoris HiBnoN. BIGNoNrus nunc primum edidit, et notis illuſtravit. Lutet. Parif. ſumtib. Henr. Drouart. 1612. 8.— MakcuILFI M. Form.&c. editae ab H. BIGNoM. Acceflit Liber Legis Safieae cum not. ejusd. Opera et Stud. TRHRohoRIcI BIGMont. Pariſ. 1665. ₰. 14) A60Banbi Epiſtola ad Ludov. Rn. adverſus letzem Gundobadae et impia certamina, quae per eam geruntur, in ſeinen Opp. T. II. p. 107 und 301. 15) S1RBERRAD F. 6. 5. 18. d. Der Koönige. Die Geſetze, die die Frankiſchen Konige, naͤmlich mit Zuziehung des Adels und der Geiſtlichkeit, entwarfen, heißen ſeit Carl Martell Capitularien ¹), und ſind in dieſer Eigenſchaft den Geſetzen der Voͤlker entgegengeſetzt. Das wichtigſte aus denfelben ließ Carl der Große aus⸗ beben, und den Geſetzen der Völker anbaͤngen, bey welcher Gelegenheit letztere zugleich mit uͤberarbeitet wurden. Von dieſen Capitularien machte der Abt Anſegiſus im Jahre 327 eine Sammlung von 4 Buͤchern, fortgeſetzt von dem Mainzer Diacon Benedict Levita, welcher drey Buͤcher hinzufuͤgte, geſchoͤpft aus den Capitularien, Canonen, Decretalen, Stellen aus der Bibel und den Kirchenvaͤtern u. ſ. w. Mit den Capitularien ſtand das Canoniſche Recht in genauer Ver⸗ bindung. Die Abendlaͤndiſche Kirche bediente ſich anfaͤnglich nicht des Griechiſchen von Juſtinian anerkannten Coder Cerfertigt im Jahr 385), ſondern eines eignen, der ans den Canonen der Abendläͤndiſchen Concilien beſtand; ſpäter eines neuen Coder der Gallicaniſchen Kirche; unter Carl dem Großen der Sammlung des Dionyſius Exiguus G74), und endlich der Gratianiſchen(1151) ²). Dieſes waren die hauptſaͤchlichſten Rechtsquellen dieſer Periode. 1) Eichhorn F. 149. 150. Am vollſtindigſten findet man ſie in: Capitularia regum Francorum: additae funt MakcuLFr, et aliorum formulae— et notae dodiſſimorum virorum— ex edit. STRpR. Barvzt. Nova ed. per PRTRUM pR CRINIAc. Paris. 1780. 2 Voll. fol. Eine nicht vollendete Ausgabe beſitzt die Goͤttinger Univ. Bibliothek, die Dutiltet(Joannes Tilius) beſorgt hat. Der Titel derſelben iſt: In Chriſti nomine incipiunt eapitula regum et epiſco- porum maximeque omnium nobilium Fraucorum ad reprimendas Neophy- torum 1 Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C N. 19 torum quaſi delium diverſas adinventiones. Cum privilegĩo. Pariſiis apud Jacobum Bogardum ſub inſigni D. Chriſtopbori e regione gymnaſii Camera- cenium. 1548. 12. Sie ſchließt mit Seite 448.— Auch in Georgiſch Corp. Jur Germau. ſindet man die wichtigſten. Vergl. Röſſig Geſchichte des deutſchen Prtvat R. 11 Aöſchn. Il. Pertode. Cap. 16. III. Abſchn. 1IHI. Pertote Cap. T.— Andere Ausaaben ſind: Karoli M. et Ludovici Pii Capitula ſive ieges— ab Anſegiſo Abbate et Benedicto Levita coliedae Lib. VII. Pariſ. 1588. 1603. 8.— Karoli Calvi et Succeſſorum aſiquot Frauciae regum Capitula. Jacok. Sn- onpus coliegit, et notis illuſtravit. Pariſ. 1623. 8. 2) Eichhorn F. 151.— Vergl. Spittier Geſchichte des Canon. Nechts§. 22. 33— 35. Planck Geſchichte der chriſtl. Geſellſchaftsverf. B. II. S. 106. vor⸗ zualich BoRHMpR D. de decretorum pontific. Rom. collectionibus vor f. Corp. jur. canon. T. II. p. 8.— Der Liber fextus, und andere Stellen des Canon. — erhtelten nicht Geſetzeskraft. S. LIMNABt notitia regni Franciae. 193 IV. Franzöſiſcher Zeitraun. §. 19. Zuſtand des Reichs im Anfange deſſelben. 1) Die letzten Zeiten der Carolingiſchen, und die erſten der Capetingiſchen Dynaſtie begraͤnzen die Periode, in der ſich eine neue Schopfung, durch das Emporko⸗nmen eines freyen Buͤrgerſtandes und einer ſtaͤdtiſchen⸗ und Zunft⸗Verfaſſung, hervorhebt. Anarchie und feindliche Einfaͤlle batten jede Geſetzgebung verdrängt; die immer weiter um ſich greifenden Anmaaßungen des Lehnſyſtems hatten die koͤnigliche Macht zernichtet, ſo daß ſie nur auf das Herzogthum von Frankreich, welches die Stadt Paris nebſt einigen dreyßig Herrſchaften begriff, eingeſchraͤnkt; die Kron⸗ vaſallen hingegen unbeſchraͤnkte Herren uͤber den Reſt des Reichs waren. * Durch die Theilung des Reichs unter Karl dem Großen waren zahlloſe Buͤrgerkriege entſtanden; jedes Land, jede Provinz, jeder Vaſall hatte fich zu iſoliren geſucht, und mit wilder Macht alle Rechte, die nur dem Koͤnige zukamen, an ſich geriſſen, nach Willkuͤhr die Unterthanen bedruͤckt, beſteuert, und Rechtspflege geuͤbt. Aber mit der Regierung des heiligen Ludwigs kehrte allmählig eine beſſere Ordnung zuruͤck. Schon Philipp der Eroberer und ſeine Vorgänger hatten durch allmaͤhlige Schwaͤchung der Kronbeamten die konigliche Gewalt von den wichtigſten Beſchraͤnkun⸗ gen befreyt, durch Befoͤrderung der Entſtehung des dritten Standes, 5 und Erſter Abſchnitt. Erſte Periode. und der Communen, welche ſchon unter Pbilipp dem Schoͤnen(1303) Sitz und Stimme hatten; durch Anſetzung königlicher Amtleute, um die Gerichtsbarkeit in eigenem Nahmen auszuuͤben, und die der Lehnsherren zu beſchraͤnken, und durch eine Vergrößerung der Domainen durch die Conſolidation der bedeutendſten großen Lehnguͤter, ſich eine Macht uͤber diejenigen zu verſchaffen geſucht, welche in Hugo Capet nur den Erſten ihres Gleichen, nicht aber ihren König hatten erkennen wollen. Mehrere guͤnſtige Umſtaͤnde trugen dazu bey, zu welchen vorzuͤglich die Kreuzzuͤge, welche ſo manchen laͤſtigen Vaſallen entfernt hielten, die größere Macht der Geiſtlichkeit, die von ihrer Seite auch alles mögliche that, um die weltlichen Großen zu ſchwaͤchen, und ſich an die Spitze der Regierung zu ſtellen, und die allmählige Verbreitung des Inſtinianeiſchen Rechts, welche neues Leben in die Verfaſſung des Reichs brachte, gehoͤren. 1) Vergl. HEwAurT abrége de l'hiſtoire de France. I. p. 128. 140. MoN- TEsQurBo XRVIII. 26 ſqg. Laſſaulr Geſetzgeb. Napol. a. a. O.§. 19 20. critiſche Einleitung in das geſammte Recht des Franz. Reichs. Th. 1. 6. urſprung des ſtatutariſchen Rechts. Gerade das Iſolirungsſyſtem der einzelnen Provinzen gegen ein⸗ ander, und die beguͤnſtigte Communalverfaſſung bewirkte, daß ſich die einzelnen Rechtsgewohnbeiten ¹) der verſchiedenen Unterthanen abſonder⸗ ten, und anfiengen Provinzialgewohnbeiten zu bilden; und da gegen das zwölfte Jahrhundert auch das Juſtinianeiſche Recht, denn fruͤher kannte man nur den Theodoſtaniſchen Codex und das Alarichſche Breviarium als Roͤmiſche Geſetze, in Frankreich ſeinen Eingang fand, ſo mußten dieſe ein groͤßeres Intereſſe gewinnen, und mehrere Rechtsgelehrte ver⸗ anlaſſen, dieſe Gewohnbeiten zu ſammeln, und mit dem neubekannten Roͤmiſchen Rechte zu vergleichen. Solches geſchab, nachdem Ludwigs des Heiligen Verordnungen ²) den Weg gebahnt batten, vorzuglich durch Pierre Desfontaines, der das Gewohnheitsrecht, welches zu ſeiner Zeit guͤltig war, in einem beſondern Werke ²) ſammelte, und mit den Ge⸗ ſetzen der Pandekten und des Juſtinianeiſchen Coder verglich. Ein aͤhn⸗ liches Unternehmen verſuchten mit gleichem Gluͤcke Philipp de Beau⸗ manoir 4), und Bouteiller 5), aber ihre Sammlungen blieben nur Privatſammlungen, und hatten keine geſetzliche Kraft. Hierher gehörten auch 1— Von dem Suſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 21 auch le grand Couſtumier, der unter Carl dem ſechsten abgefaßt iſt, und die Entſcheidungen des Jean de Marets, welche Brodeau heraus⸗ gegeben hat ⁵). Auch erließen die Kronvaſallen auf ihren Provinzial⸗ verſammkungen(Alliles) fuͤr ihre Beſitzungen Provinzialſtatuten, welche unter den Rahmen chartes, etabliſſemens, alliſes bekannt find; ſo wie auch die Koͤnige in beſondern Freybriefen die Privilegien und beſondern Municipalberechtigungen der Städte beſtaͤtigten, um ſie dadurch noch feſter an das Intereſſe des Throns zu knuͤpfen. 1) Zu dteſen gehörten die Contumes de Barcelone, von Ralmund Berenger dem ältern 1060, die von Fort de Bearme, vom Vicomte Gaſton 1V. 1038, Cou- tumes der Angloſachſen, von Wilhelm dem Baſtard 1080. Vergl. Anciennes Joix des Frangais, conſervées dans les coutumes zngloiſes par LITTLETON. Fdition par VavID HouARp. Rouen 1766. 2Vo)l. g. Chartes de Beauvois von Ludwig dem fängern 1144. Rivres des fiefs des Lombards 1150, chartes d'Ahbeville von Johann II. 1184, de Bourdeaux 1173, de Dijon 1187 de Beaune 1203. Ftabliſſemens de Rouen 1207, de Bar ſur Seine 1234, de Semur 1276, Aſſiſes de Godefroy Comte de Bretagne 1279„ Coutume de Normandie von Raonl, Coutumes de Champagne du Comte Phibault, Coutumes d Anjou, Loiz de Simon Comte de Montfort, u. g. m. S Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 63. Dieſe Urkunden enthalten jedoch meiſt nuc eine allgemeine Be⸗ ſtotigung der ſtaͤdtiſchen Verfaſſung, nicht das Gewohnheitsrecht der Stadt ſelbſt. Geſammelt in Le grand Couſtuwier de France. à Paris 1513. ANT L. HOsTE Coutumes anciemes des Lorris. Paris. 1629. Coutumes du baillage de Troyes par P. PrTRov. Troyes. 1609. S. 440. 2) Sie hießen Erabliſementu, ein Nahme, der an die Stelle der Capitularia getreten iſt. Man irrt ſehr, wenn man glaubt, daß ſie fuͤr ganz Frankreich verbindliche Kraft gehabt, ob ſie gleich auf das Recht der folgenden Jahrhun⸗ derte einen bedeutenden Einfluß hatten. Die beſte Ausgabe derſelben findet man in LnuRirRn Ordonnances des rois de France. par. 1723 TF. I. S. 107.— Siehe uber ſie S1LBERRAh a. a. O. F. 12. 3) Le Conſeil que Pierre des Fontaines donna à ſon ami.— In DU CaNGE hiſt. de§. Louis P. III. Von demſelben ſoll auch ſenn le Livre de la reine Blanche, auch genannt li livres de la reigne et enfeigne droit 2 fete, et Juſticea tenir tres eſpecisument.— Er war aus Vermandois⸗ Bailif und Senateur(1253 und 1260). 3) Pnurrg pß BPaunaNoIR ſivre de conſtumes et uſages de Beauvoiſins. 1283— in D 1L TMHoMassrERE Commentaires ſur les Coutumes de Pays vet Duché de Berri. Bourges. 1701. und hinter den sfüſes de Jeruſalem. Paris 1690. S 3 5) Somme rurale. Lypn. 1627. Herausgegeben von Charondas le Caron. Hol⸗ ländiſch: Jan Botelgier Somme ruyral ſprekende van allen rechten. F. K eta. C3 6) Noch Erſter Abſchnitt. Erſte Periode. 6) Nech gehören einige Werke hieher, unter denen das Buch: Pour monſtrer et enſeigner a un chaſcun, quel ordre de proceder eſt en eourt laye pour ha couſtume gardie par droit au Chaſtelet de Paris— vorzůglich bekanut iſt.— Vergl. auch Hiſtoire de droit Frangais(1632) S. 148 ff. Reccption des Roͤmiſch-Juſtinianeiſchen Rechts. 1) Der erſte Verbreiter des Roͤmiſchen Rechts ²) ſoll Peter Pla⸗ centinus aus Montpellier geweſen ſeyn; der unter des Irnerius, oder wie andere wollen, unter deſſen Schuͤler Martinus Leitung daſſelbe in Bologna ſtudirte, und nach Frankreich verpflanzte. Ihm folgte Wil⸗ helm Durand, der Verfaſſer des Speculum juris, Guido Folraut, und Jacob von Ravenna, ein Lothringer, welcher im Anfange des 14ten Jahrhunderts zu Tonlouſe mit vielem Beyfall lehrte, und Petern von Belleperche(bella Pertica) zum Schuͤler hatte. Zu gleicher Zeit ward das Römiſche Recht in Paris gelehrt, und zwar mit einem ſolchen Beyfalle, daß um das Jahr 1220 der Papſt Honorius III. ²) den Vortrag deſſelben dort verbot; welches Verbot, ob es gleich ver⸗ ſchiedene male uͤbertreten worden zu ſeyn ſcheint, durch die Ordonnance von Blois 4)(1579) wiederhohlt wurde. Aber dagegen entſtanden in Frankreich andere Univerſitäten, unter denen ſich vorzuglich Toulouſe, Bourges, Orleans und Cabors auszeichneten, wo das Studium des Römiſchen Rechts durch die erſten Köpfe Frankreichs getrieben, zu einer ſolchen Hoͤhe aufbluͤhte, daß dieſelbe bis jetzt unerreichbar geblieben iſt. Dort lehrten Arnold du Ferriere, Jean Coras, Frangois Noheau(Roaldus), Duaren, Ruſſard, Antoine le Conte, Hugunes Doneau, Jean Mercier, und vorzuglich der große Jar⸗ ques Cujas, der die frühern alle üͤbertraf. — —. 1) Vergl. S1LRERRap F. 9. Io. II. 2) Ven einer ſehr frühen Franz. Ueberſetzung des Coden Juſtinianeus ſiehe Cu)Acn Obſervat. I. KI. e. 1I. L. XVI. c. 24. Laſſaulx ſagt a. a. O. ſie exiſtire jetzt in der kaiſerl. Bibllothek.— Das Roͤmiſche Recht fand doch noch immer ſogar in den ſpaͤtern Zeiten heftige Widerſacher, und galt nur groͤßtentheils als raiſon crite, ſo wie noch jetzt. S. JoA. LIMNAR notitia regni Franciae. Argentor. 1635. 4.— S. 174 ff. BoucRnT threſor du droit Frangois ſub voce: droit.— Auch galten viele Geſetze und Stellen der Juſtinianetſchen Ge⸗ ſetzbuͤcher gar nicht. Einen Catalog derſelben ſ. bey LIMwApus a. a O. S. 179 ff. und in AbTonNk la Conférence du droit Frangois avec le droit romain, — L Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 23 romain, en la quelle les titres oü loix des digeſtes&e. font confirmés, in- terpretes, ou abrogẽs par edidts dc.— und in einem eigenen Werke BUGNvOn Legum abrogatarum et inufitatarum(fe. Romanarum) in omnibus curits, terris, jurisdiionibus et dominiis regis Fraficiae trastatus. Fdit. auctior auctore Liberto Francisco CRHRISTVN. Bruxellis F I. 1666. T. II. 1671. 4.— Fur das guͤltige Romiſche Recht arbeitete vorzuglich: Donar les loix civiles dans leur ordre naturel. Paris 1693. 3 Voll. 8. und Pothier Pandectae Ju- ftinianeae in novum ordinem digeſtae. 3) Durch das beruͤchtigte Capit. ſuper ſpeeula. 23. M. de privileg. et exc. S. S11. BERRAp F. 10. 11. 4) Art. 69. Abgeſchafft durch Ludwigs XIV. Edit qui regle les eſtudes de Droit. 1679. . Eintheilung Frankreichs in das Land des geſchriebenen, und das Land des ſtatutari⸗ ſchen Rechts. Bald nach der Rereption des Römiſchen Rechts, oder vielleicht waͤhrend derſelben, ſcheint eine Eintheilung des Rechtsgebiets in Frank⸗ reich aufgekommen zu ſeyn, welche ſich bis an das Ende dieſer Periode erhalten hat. So wie naͤmlich ehemals Teutſchland in das Land des Sächſiſchen, und in das Land des Frankiſchen Rechts getheilt wurde, ſo zerfiel Frankreich in Hinſſcht der in ihm geltenden Rechte in zwey Haupt⸗ theile, nämlich in das Land des geſchriebenen Rechts(Pays du droit öcrit) und in das Land des ſtatutariſchen Rechto(Pays du droit coutumier). Ungewiß iſt es, von welcher Zeit an ſich dieſe Eintheilung herſcheeibt; denn ſie aus den letzten Zeiten der Carolingiſchen. und den erſten der Capetingiſchen herleiten zu wollen, ſcheint doch etwas zu gewagt, da ſich die erſte ſichere Spur davon um das Jahr 1220 in dem beruͤchtigten Capitulum ſuper ſpecula, und in einer Ordonnance Pbilipp des Schonen vom Jahre r312 findet ²). Roch gewagter iſt die Meynung ²), welche die Veranlaſſung dieſer Eintheilung in den fruͤ⸗ heſten Zeiten Frankreichs ſucht, und behauptet, Cäſar habe den fruͤber eroberten ſuͤdlichen Provinzen das Römiſche Recht aufgedrungen, die ſpaͤter eroberten nördlichen aber bey ibren vaterlaͤndiſchen Rechten ge⸗ laſſen. So viel iſt gewiß, daß unter dem Ausdrucke Pays du droit 6crit alle Provinzen Frankreichs begriffen waren, in welchen das Römi⸗ ſche Recht als Hauptrecht galt, ſo wie das Pays du droit contumier dasjenige war, worin die ſiatutariſchen und Provinzialrechte das Haupt⸗ geſetz — S* W* 24 Erſter Abſchnitt. Erſte Periode. geſetz ausmachten; und daß jenes die fudlichen Provinzen Guyenne, Languedoc, le Forets, le Beaujolais; einen Tbeil von Auvergne, und überhaupt diejenigen, welche den Parlamenten zu Toulouſe, Bourdeaux, Grenoble, Air, Pau, und einen Theil derjenigen, welche dem zu Paris unterworfen waren, in ſich begriff; da im Gegentbeile, dieſes die nörd⸗ lichen Provinzen enthielt, welche bey ihren alten Provincialrechten ge⸗ blieben waren ²). 1) S1IBERRAp I. c. 5. 7. Monteequieu(XXvII. g.) wollte in einem Edict Karls des Kahlen, gegeben zu Piſtes im Jahr 864. Spuren von dieſer Einthei⸗ lung finden, ollein er hat ſeine Quelle nicht genau unterſucht, denn das Edict enthäit nur eine Liſte der Städte, wo Muͤnzen gepraͤgt werden ſollten⸗ 2) Laſſaulr und Birnbaum's Journal. 1307. H. 7. S 294. Laſſaulr Ge⸗ ſetzgeb. Napoleous Th. I. S. 33. Schon fruͤher erwaͤhnt S1I3ERRAp l. c. dieſer Meynung. 5 2 2) Pucs a.g. O. H. 18. 19. 32. Geſetzliche Abfaſſung der Gewohnheitsrechte. 1)„. Dieſe alten Provinzialrechte und Statuten, welche großtentheils durch Tradition uͤbergetragen, und ſelten ſchriftlich abgefaßt waren, wurden ſpäterbin unter Autorität der Könige redigirt, und als Geſetze von denſelben beſtaͤtigt. Dieſe officielle Redaction der Gewohnheitsrechte bildet nun eine neue Epoche in der Geſchichte der Franzöſiſchen Rechte. Die Einfuͤhrung des Römiſchen Rechts nämlich batte durch das feine Detail deſſelben, und die vielen Formalitäten, die darin angeordnet wurden, eine verwickeltere Jurisprildenz hervorgebracht; und beſonders eine Vervielfachung der Gewohnheitstechte 2), denn im Kampfe eines fremden Rechts mit dem eigenthuͤmlichen findet das letztere immer Ver⸗ theidiger, welche, um Gelegenbeit zum Kampfe zu finden, das längſt Bergeſſene wieder aufſpuͤren; und zuhleich alle Nachcheile einer ſolchen Ueberladung zur Folge; und da bey den Gerichtshoͤfen unmoͤglich eine Kenntniß dieſer unzaͤbligen Gewohnheitstechte vorausgeſetzt werden konnte, ſo war es binreichend, um einen Rechtsſtreit ins unendliche zu verlaͤn⸗ gern, wenn man ſich auf ein ſolches Herkommen berief, das nür durch ein ſo genanntes Zengenverhoͤr par turbes 3) erwieſen werden konnte. Um dieſen Mißbraͤuchen zu begegnen, war es die erſte Sorge 51 S ———— Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 25 Carl VII.„ nachdem er durch Vertreibung der Engluͤnder aus ganz Frank⸗ reich, ſeinen Thron geſichert hatte, eine authentiſche Redaction der ver⸗ ſchiedenen Gewohnheitsrechte anzuordnen ²); vielleicht um aus ihnen dereinſt ein allgemeines Geſetzbuch fuͤr Frankreich zuſammenzuſetzen. An dieſem Unternehmen wurde er jedoch durch den Tod verhindert, und erſt unter Carl VIII.(1495) kam das foͤrmlich redigirte Statut der Grafſchaft Ponthieu zu Stande. In ſeine Fußſtapfen traten Ludwig XII.*), Franz I., Heinrich II. und Carl IX. Aber ſchon 1580 ſab ſich Heinrich 11I. genchigt, die vorher redigirten Gewohnbeitsrechte, ihrer Maͤngel wegen, einer neuen Critik zu unterwerfen, und beauftragte hier⸗ zu den Parlamentspräſidenten Chriſtoph de Thou, und die Räthe Matthieu Charrier, Jacques Viole und Pierre Longueil; allein deſſenohngeachtet blieb der Mangel an Ordnung, und die Dunkel⸗ beit einzelner Stellen, ein ſehr druͤckendes Uebel. Die Zahl der ſolcher⸗ geſtalt redigirten Coutumes, denn außer ihnen galten auch noch nicht⸗ redigirte, belief ſich auf einige ſechzig Provinzial⸗ und 283 Local⸗Statuten; indeſſen zäblen einige Rechtslehrer mehrere, andere weniger*). 2) Ueber dieſe Prori ztalrechte ſ. A. LolsBa inſtitutes couſtumiẽres; avee le⸗ notes de P. CRAtLINR. Paris 1657. 8. und vorzuͤglich von LaukikR. Paris 1733. 2 Voll. 12. C. DE FRRRIERR nouyelle ein coutumiere. Paris 1692. 3 Voll. 8. 1702. 3 Voll. T2. GIM Analyſe raiſonnée du droit frangais par la des loix romnines et celles de la coutume de Paris. Paris 1782. 4. Die Litterairgeſchichte der Coutumes ſ. in BRUNRau traité des eriées. paris 1686. 12. BRRRo6ER et PE LAuRERE bibliothéque des coutumet. Paris 1694. 4. JENICRRN bibliotheca jur. v. Gallia. CAMus bibliothéque choiſie des— de droit. Paris 1805.(ed 3.) 2 Voll. 8.— Endlich vergl. Coaunr Av DE CRHAUsSBPIERRB Ftude du droit civil et coutumier frangois. Paris 1789. 4. JurIEN Blemens de jurisprudence ſuivant les loix romaines et celles du royaume. Aix et paris 1788. 4. Higoire du droit Francais S. 149 ff. S1ILBERRAp 5. 13. Laſſaulr Ge⸗ ſetzgeb. Napoleons Th. 1. S. 67 ff. Schmid Einleitung. Th. 1. S. 41 ff. Außerdem GIN Analyſe du droit Fr.— Introdudtion— LIPEBNII bibl. jurid. [ v. Gallia. 2) Hierbey unterſchied man Fors, Freyheiten und Privilegien der Communen, us, allgemeine Rechtsgewohnheiten; Coutumes, ſtatutariſche Rechte und Lehnsge⸗ wohnheiten; Franchiſes, Befreyungen von Dienſtbarkeiten. Hiſtoire du droit Franqais S. 135. Spangenberg's Commentar Bd. 1. 35 26 Erſter Abſchnitt. Erſte Periode. 3) Durch 20 Zeugen mußte ein ſtreitiges Gewohnheitèrecht bewieſen werden; d. h. durch 2 Turben, denn eine Turbe enthielt 10 Menſchen. 4) In einer Ordonnance de Montil- lez- tours. 1453. art. 124.— Voulant abréger les procès et litiges Tentre nos fujets, et les relever des miſes ee dẽpenſes, et õter toute matisre des variations et contrariétès, ordonnons que les coutumes, uſages et ſtyles de notre royaume foient rédigẽs et mi⸗ en Ccrit, accordés par les eoutumiers, pradticiens et gens de chacun desdite — pays de notre dit royaume, lesquels coutumes, uſages et ſtyles ainſi accor- des, feront mis et écrits en livres, lesquels ſeront apportés par Cevers nous⸗ pour les faire voir et viſiter par gens de notre grand confeil ou de notre cour de parlement, et par nous les décréter et confirmer §) Er ſetzte eine Commiſſion nieder, die aus dem Präſidenten Thibant Baillet, Franz von Morvilliers, und Roger Barme, koͤnigl- Advocaten beym Parifer Pariement beſtand. Die Verfahrungsart war: Durch koͤntgliche Patente wurde eine Verſammlung der drey Staͤnde zuſammenberufen. Die koͤnigtichen Richter, Gerichtsſchreiber, Maires und Schoffen mußten dem Landtage ſchrift⸗ liche Aufſätze uͤber die ihnen bekannten Gewohnheiten vorkegen, und aus dieſen wurde das Provinzialrecht zufammengetragen. Den Vorſitz bey dieſen Verſamm⸗ lungen hatten Parlamentsglieder als koͤnigliche Commiffarien. S. S11BERRAp I. c. Schmid a. a. O. S. 42. not. 5. 6) Die Ausgaben und Commentare der vorzüglichſten Coutumes find: Coutumier gẽnẽ ral par Bovpor px RckEbovRG. FPar. 1708. VIII. Tom. fol. Le Contumes generales et part'euliéres de Franee et des Gaules corrigées et annotees par Mr. CRARrEs DB MouLN angmentẽes et revus par Gann. MicnkI AnSERIR. Paris 1734. IV. Fom. Einzelne: 1. Abbeville. 2. Amiens. 3. Amaury. z. Angoumois Sovchnr Coutume TAngoumois. Par. 1787. 5. Anjon R. CRopPIn de Legibus Andium Libri 3. Paris 1600. Libri 2. ofterieres. 160 fol. G. Po Prunav Obſervations fur la Coutume * d'Anjou. 1646. fol. C. du pays et Duché d'Anjou, avee le comment. par G. DuPIREAu. Ed. Claud. Porquet de Livonie. Par. 1725. 2 Voll. fol. S. Maine. 6. Arras: N. 60880Ms ad Conſuetud. Atrebatienſes Commentatio. Antk- verp. 1382. fot. 7. Artois Couſtumes genéroles du Comté d'Artois, Betune, Lens, St. Omer. Ordonnances et Stils d Arras 1553. 4. 3. Auvergno: Les Couſtumes du Rault et pas pays d'Auvergne: inprimé 1 Paris le 20. d. May 1511. in pergamen. 4. JoR. BEssILAMI Annot. in Conſuet. Arvernorum. Traj. ad Rh. 1661. 4⸗ g. Au- — Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 27 9. Aurerre: Coutumes d'Auxerre. Paris 1663. 4. 10. Bar. 11. Barège? Cout. de Barsge par G. N. No6uEr. Foulouſe 1760. 8. 12. Beauwoſtr. 13. Berry Gaßs. T 4BRE Cout. gẽnẽrales de Berry. Par. 1607.. 14. Bloit Coutumes gCnẽrales de Blois par FouRRß. 1777. 2 Voll.— Cn. MorIManr notae in Conſuet. Bleſemſes. 1572. fol. D. PoNTApri Commeutar. in Conſuetud. Bleſenfes. 1677. Fol. 15. Bonlenois. S. Picardie. 16. Bourtonmoit: Cout. du Pays et Ducht de Bourbonnois par CIAvpE MakIs Roxnn 1779. 1.— PoTIER Coutumes de Bourbonnois. 16 34 4. 17. Bourdeau Atciens et nouveaux flatuts de Bourdeau. 1612 4. AkNorp. FERRon in Conſuet. Burdigalens. Comment. Lugd. 1863. fol. 18. Bourger- Couſuetudines et ſtatuta municipalia civitatum, Bituricenſis NcoLA1 BoERIt, Aurelianenſis PTRRRI ENGLEBRRpEr, Turonenſe JoH. Sa1S0NM Commentariis ſingulae illuſtratae. Par. 1529. fol. Francof. 1375. fol. ed. D. GoTRHorREpPr. Ib. 1598. fol. 19. Borrgogne: BRRTRorP A CRHAsSAMRo Conſuetudines ducatus Bur. gundiae. Par. 1552. Genev 1647 fol.— La Couſtume de Bourgogne de nouveau commentée et confere avec toutes les autres Couſt. de angen et avec le commeutaire par HuGoRs DRscousU scrit ſous Frangois par J. BouvoT. Genev. 1632. 4.— TaAaisANT Cout. gén. de Bour. Sogne. 1698. 1747. fol. 20. Bretagne: v'AaGETRE Commeutarii in Patrias Britonum leges. Ed.. Par. 1760. fol. 2I. Calain. 22. Cambray. 23. Chalons. S. Vermandois. 24. Chartres. 25. Chateneuf: DRB LoRBNs Coutumes de Chateneuf. 1645. 4. cCn. Dw. nIOvILIN Goutumes de Chateneuf. 1645. 26. Chaulny. S. Vermandois. 27. Ghaumont⸗ Coutume de Chaumont en Balſigny. 1606. 3. 23. Clermont en Argon. 29. Clermont en Beauvoiſtr. 30. Dauphiné Statuta Delphinalia. Gratianopoli. 1623. 4. 31. Dourdan. 32. Dreuw. 33. E/lampes. Erſter Abſchnitt. Erſte Periode. 34. Lamarche. 35. Laon. 36. Langnedoc. Les aneiennes Couſtumes de la ville d'Aigues mortes.— Lois municipales de Languedoc. Par. 1780. 8. 5 37. Lorrit: Coutumes de Lorris-Montargis par M. LRosTB, ed. LRPAGE. 1771 8 3Voll.. 38. Maine: L. OrIvIER Pß SatT-VasT. Comm. ſur les coutumes de Maine et d'Anjon. 4 Voll. 1777— 1779. 3. 39. Manter⸗ go. Meauw. 41. Melun: M. J. CRantp Coutume du baillage de Melun. Par. 1637. 4.— par SEvRNEr. 1768. 4. 42. Merz Cout. de l'Eveche de Metz. 1683. 8. 43. St. Mihiel: Cout. de baillage de St. Mihiel. Par. 1678. 8. 4g. Montargis. S. Lorris. 45. Montfort: Coutumes de Montfort par CR. DMovr1N. 1608. 8. 46. Namur: Coutumes et ordonnances du Pays et Comté de Namur. 1736. fol. 47. Wvernois: pR Guv CoauiIB Commentaires ſur les Coutumes de Nivernois. Paris 1625. 4. 48. Normandie: Couſtumier du pays de Normandie. 1483. 4. TANI611 SonIn Commentar. de Conſ. Normanniae. Cadomi 1568. fol. TEn⸗ R1EN Commentaires du droit eivil obſervé au pays de Normandie. 1578. fol.— Cout de Normandie expliquée par M PßsNEILB et RouPNEr. 1759. 4. FrAvor Explication de la Cout. d R. 1781. fol. 40. Noyon.. 50. Orléanv. S. Bourges.— Couſtumes des Duché, Baillage, Prevoſtè d'Orleans. 1609. 12. avee une introdustion. 1760. 2 Voll. 8. J. DB 1 LAnpn Comment. ſur les C. d'Orl. 1673. 1704. fol. 51. Paris- A. DE FERRIERE Corps et Compilation de tous les Commenta- teurs fur la coutume de Paris. Par. 1714. 4 Voll. fol.— Couftume de la ville, prevoſté et vicomté de Paris avec les Comment de L. CRA- RONDAs LE CAKoR. 1505. q.— Nouveau Commentaire de L. Cn. p Canon ſur la Cout. de Paris. 1613. fol.— R. CRopPpiRt de legib. pariſiorum. 1624. fol. CLAup. GuRRIN Commentarii in jus civ Pari- or. 1634. fol,— LRGR AMD Cout. de Paris. 1691. 8. C. N oLINAEI Conſuetud. Pariſienſes 1597. Pj. Confereuce de la Coutume de Paris. 1666. 4. 52. Perche. 53. Péronne. S. Picardie. königliche Anſehn wieder gehoben hatte, ſo wurden auch die allgemeinen Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 29 54. Picardie: Le Cout. de Picardie, conténant les comment. de IsEU, DopREsnß et RIcARp ſur les Cout. d'Amiens, de GBossET ſur celle de Ponthieu, de LR CaRon fur Peronne, Mondidier et Roye, DURoURs ſur Montrevil, LERov PR LozRMBRUME ſur Boulenois. 1726. 2 Voll. fol. 55. Poit ou TiRAauPrII Comment. in Pictonum leges. 1561. 1586. fol. p. Rar in Pidtonüm leges gloſſemata. 1609. fol. Coutum. de Poictou — vv MourIN. 1610. 4. Coutumier général et Compilation de tous es Commentateurs ſur la Cout. de Poitou, par BoUcCREUIL. I1727. 56. Ponthien. S. oben in Picardie. 57. Provence: Jor1EM Nouveau Commentaire ſur les ſtatuts de Provenee. Aix 1778.— 58. St. Ouintin- L. HonpRRT p FrEcRIN hiſtoire des droits ancien de St. Quintin 1780. 59. Rheim Cout. de la eitè et ville de Rheims. 1769. 8. S. Vermandois. 6o. Ribemont. 61. Sedan. 62. Senr Couſt. de Sens. 1556. 4. PENoN Coutume de Sens. 1352. 8. 63. Senlis Coutumes du baillage de Senlis par BoNRHoMM. 1781. J M. RIcaRp les Cout. du baillage de Senlis. 1664. 4. 6g. Tour. S. Bourges. 65. Troyer LEGRAND Comment. ſur la cout. de Troyes. PvTRHON Cout. de Froyes. 1630. 4. J. RocRETTE Cout de Troyes. 1396. 8. 66. Turraine: Coutumes de Turraine par J. BaRRAv. 1691. 4. ParLv Annotations ſur les Coutumes de Turraine. 1661. ₰. 67. Valenciennes- Cout de la ville, banlieu et eheffieu de Valenciennes. 1626. 8. 68. Verdum- Cout. generales de la ville de Verdun. Metz. 1678. 8. 69. Vermandois: CrAupn pE TLa Fons Cout. de baill. de Vermandois. Metz. 1688. 8. Le Contumier de Vermandois, contémant les Commen- taires de BURIDAM, FoRs, D'HRRIcouRT ſur Vermandois, de GobRT et BILLEcART fur Chalons, de BURIDA fur Rheims, de VRRvIN ſur Chaulny. 1728. 2 Tom. fol. 7o. Vitry- Cn. DE SAr16Nx comment. fur la coutue de vitry. 1660. 12. 71. Xaintonger- Cosn BEcRRT Fuſage de Naintonges. 1633. 8. 5. 24. Ordonnanzen. Nachdem ſich unter den Nachfolgern Ludwigs des Heiligen das Ver⸗ 3 30 Erſter Abſchnitt. Erſte Periode. Verordnungen ¹) der Könige immer haͤufiger, und erhielten den Nahmen Ordonnanzen ²). Da ſie einen entſchiedenen Einfluß anch auf das Privatrecht aͤußerten, ſo ſammelte man dieſelben, und Barnabas Briſſon ſetzte aus ihen auf Befehl Heinrichs 11l. ein Werk nach der Art des Juſtinianeiſchen Coder zuſammen, welches man die Baſiliken und Code Henry nannte ²); denu damals nannte man jede Samm⸗ ſung einzelner Geſetze, ja ſogar einzelne abgeſonderte Geſetze Codes. Aber auch Heinrichs Code blieb nur eine Privatſammlung, und erhielt nie geſetzliche Kraft; denn die innern Unruhen zogen des Koͤnigs Auf⸗ merkſamkeit von dieſem Werke ab, und Briſſons ungluͤcklicher Tod ver⸗ hinderte deſſen Vollendung, die wir aber nicht ſehr vermiſſen werden, da das Werk keinesweges den Anforderungen entſpricht, die man billigerweiſe an daſſelbe machen könnte. Wichtiger iſt das Edict von Blois, das Reſultat eines 1576 daſelbſt gehaltenen Reichstages. Unter Ludwig Xlil. finden wir einen andern Verſuch zur Annäherung an ein allgemeines Geſetbuch, nämlich die vielumfaſſende koͤnigliche Verordnung(1629), welche von ihrem Urheber, dem Siegelbewahrer Michael von Ma⸗ rillac, den Nahmen Code Michaut oder Code Marillae erhielt. Sein Rachfolger Ludwig XIV. ſuchte beſonders das Formelle der Rechts⸗ pflege zu verbeſſern, und ihm gelang es durch ſeinen ehrwuͤrdigen Kanzler Segnier, der im 79ſten Jahre ſeines Alters, und dem Zaſten ſeines Amts, den Anfang des großen Werks machte, eine Einfoͤrmigkeit derſel⸗ ben durch das ganze Reich herzuſtellen ²). Unter Ludwig XV. gieng man noch einen Schritt weiter, und promulgirte auch uͤber das Materielle des Rechts“), was bisber den Roͤmiſchen und ſtatutariſchen Geſetzen üͤberlaſſen war, einige allgemeine Verordnungen; tudwig den XVI. ver⸗ hinderte ſein ungluckliches Schickſal ſich der Geſetzgebung thätiger an⸗ zunehmen ²), 1) Hierher gehören: PhllippIV. Geſetz gegen den Wucher 1317, Ludwigs X. Abſchaffung der Sclaverey 1315, Philipps V. und Johanns 11. Proceßordnun⸗ gen 1318, 1361; Carls IV. Forſtordnung 1326, Carl VI. Edict uͤber die Fähig⸗ teit der Frauenzimmer, ein Zeugniß abzulegen 1394 Carls VIII. Cdict die Verbeſſerung der Juſtiz und Parlamente betreffend 1493, Ludwigs KII. Ordon⸗ nanz von Blois 1498, Franz 1. Edict oon Cremieu uͤber die Gerichtsbarkeit der Aemter und Senechauſſeen 1536, die Ordonnanz von Billers⸗Cotterets die Abkuͤrzung der Proceſſe betreffend 1539/ Heinrichs 1I. Einrichtung der Praſtdial⸗ gerichte 155r, und Karl X. Ordonnance von Moulins, die Juſtizreforme be⸗ treffend 1566, ein Werk des Kanzlers de l Hopital. 2) Samm⸗ Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem E. N. 31 2) Sammlungen der Orbonnanzen ſind: 3 Anr. ForAMon Les Edicis et Ordonnnces des Roys de France, depuis S. Loys jusques à préſent, avec les verifieations, modiſications et decla- rations fir icelles. Paris 1580. 4 Fomi. fol.„ volume premier des Ordonnances, loix, ſflatutz et Pdids royauls de tous les pays de France. Depuis le regne de Saint Loys jusqueau Roy Henry II. Lyon 1551. fol. Und die vollſtaͤndigſte: Ordonnances des rois de France de la troiſiéme rage(der Kapetingiſchen) recueillies par ordre chronologique. T. I. par M. P LAURIERE Paris 1723. T. II. parM. D. LAvRIER etsncoussn. 1729. T. II. 1732. T. IV. 2733. T. V. 1736. T. vI. 1741. T. VM. 1743. T. VIII. par SEcoUs5h 1730 T. MR. par feu SBcobssn et VIIIEvAurT. 1753. T. X. 1763. T. XI. par M pn vixRvAuxv. 1769. T. AII. 1777. F. XIII. 1782. T. XIV. 1790. fol. Ferner: Gu1II. BAMcRHaRp Comyilation ehronologique ou recueil en abregs des Ordonn. Ke. qui eoneernent la Juſfice, la Police Ac. Faris 1713. fol. 3) Abgefaßt 1378.— Le ode du roy de Frame et de Mavarre Flenry IV., du droit civtl jadi⸗ deferit et 3 mous de)aiſſé confuſement par Femperenr Juſtinien, et maintenant reduit et compoſé en bon et certain ordre avec he Aroit eivil de la France par M. TRoM. CokRIER. Genev. 1618. 4.— Henriei IV. Galliarum Na varraeque retzis Codex cc. auttore TRopiA Cok⸗ uEIRRo. Lugd. 1602. fol. Nun folgten ähnliche Verſuche. Z. B. La grande Conference des Ordon nances et edicts royaux, premisrement diſtribuse en Kll. livres à l'imitation et ſelon Pordre et diſpoſition du Code de Teupereur Jullinien par PIERRE GuRRois, amplifis par L. Charondas, M. Frerot, M. de la Faye, G. Michel et L. Bouchel, de nouveau redigée en II. Tomes, et augmenté d'un grand nombre des ecicts, ordonnances, reglemens, zrréts et obſervations, par J. Jorv. Paris 1036. fol. 7 Pandedes ou Pigeſtes de droit Fr: par L. CRARONpAs LE CARON„ cor- riges et augmentés de nouveau. 4 und andere mehr. Als Commentar iſt zu bemerken: Pnrn REBur! in conſtitutiones vegias commentarius. Mova ed. enr. E. B1 AsII⸗ Amſt. 1668. 3 Voll. fol. 4) Unter ſeinen Ordonnanzen ſind die wichtigſten: Die Ordonnaner en matisre civile 1657, Pur les matiéres eriminelles 1670. Ordonnance de eommeree 1673. Ordonnancr marine 1631. und Code noir 1635, den Sclavenhandel u. ſ. w. betreffend, die auch noch jetzt von dußerſter Wichtigkeit ſind, und uͤber welche die ſchaͤtzbarſten Commentare verfaßt ſnd.— S. S1BnRRAp F. 16. 3) Ordonnance ſur les donations 173r. Sur le teſtamens 1735. Ord. conrer⸗ nunt le faux principal&c. 1732. Ord. ſur les fubſtitutions 1745. Edit ſur . 105 — Erſter Abſchnitt. Erſte Periode. les hypothéques 177 t, die Grundlage der jetzigen Franz. Hypothekenverfaſſung. Sie ſind enthalten im Code Louis KMV. BRecueil des Ordonn d&c depuis 29 Sept 1722 jusqu'au Mars 1739. Pariſ 1739. X. Voll 8— Becueil des edits, lettres Patentes&c. I771— 1775. Paris. 4. S. SILBBRRAp 5. I17. 6) Edit, wodurch die todte Hand und Leibeſgenſchaſt auf den koͤnigl. Domainen aufgehoben ward 1779. Deeret vom 24. Aug. 1787. wodurch die queſtion prẽparatoire, oder Tortur abgeſchafft ward. 5. 25. Verhaͤltniß dieſer Rechtsquellen gegen einander. Beſtaͤndig ſtreitig war das Verhältniß dieſer obengenannten ver⸗ ſchiedenen Rechtsnormen gegen einander. Zwar hatten die Ordonnanzen der Koͤnige als förmliche Geſetze allgemein verbindliche Kraft, ſo wie die Provinzial- und Localſtatuten in ihren Bezirken ſich einer gleichen ſpeciellen erfreuten, aber ſchwierig war die Frage, welche Kraft das Romiſche Recht in den Provinzen des geſchriebenen Rechts habe, und was in den Provinzen der ſtatutariſchen Rechte bey dem Stillſchweigen einer Coutume als ſubſidiariſches Recht zu betrachten ſey? ob das Roͤ⸗ miſche Recht, oder, wie viele bepaupteten, die Coutume von Paris? Wir haben ſchon oben geſehen, daß das Römiſche Recht, nur als ge⸗ ſchriebene Vernunft, nicht aber als ein eigentliches poſitives Geſetz von unbedingter Guͤltigkeit war, weil immer dem Richter die Unterſuchung frey ſtand, ob das Geſetz als unpaſſend fuͤr die heutigen Zeiten zu ver⸗ werfen, oder als veraltet anzuſehen ſey. Selbſt in den Provinzen des geſchriebenen Rechts war es bald mehr, bald weniger durch den Geiſt der Coutumes beſchrankt, in andern Lehren aber, z. B. in der von den Verträgen, ſogar in den Provinzen des ſtatutariſchen Rechts die Richt⸗ ſchnur der Gerichte geworden 1). 1) Vergl. S1BRRRAp 1. c.§. 13. 5. Aus ſpruͤche der Parlamente. Dieſe Abweichungen und Verſchiedenbeiten der verſchiedenen Rechts⸗ quellen von einander wurden noch dadurch vermehrt, daß die Praxis der höchſten Gerichte einen ganz eignen Gang in Ausbildung dieſes Rechts genommen hatte ¹). Die Parlamente, deren Zahl nach und nach au Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 33 auf dreyzehn anwuchs(Paris, Toulouſe, Grenoble, Bourdeaux, Dijon, Rouen, Aix, Rennes, Pau, Metz, Beſangon, Douay und Raney), waren von einander durchaus unabhaͤngig, und jedes befolgte einen eigenen Gerichtsgebrauch. Ihr Anſehen wurde um ſo größer, als ſie einen bedeutenden Antheil an der geſetzgebenden Gewalt erbielten; denn da die Ordonnanzen der Koͤnige nur dann als Geſetze galten, wenn ſie in die Regiſter derſelben eingetragen waren ²), ſo nahmen ſie ſich bald heraus, nicht nur vor Eintragung derſelben an den König Vorſtellungen zu thun, als auch das Enregiſtrement gänzlich, oder theilweiſe zu ver⸗ weigern. Außerdem hatte jedes Parlament die Befugniß, in ſeinem Sprengel Verordnungen fuͤr kuͤnftige Faͤlle zu erlaſſen(die im Code Rapoleon ²) verbotenen dispoſitions reglementaires), welche in den⸗ ſelben Geſetzeskraft hatten; und von dieſer Befugniß machten ſie um ſo lieber Gebrauch, als das Pariſer Parlament behauptete, das allge⸗ meine Reichsparlament zu ſeyn, von welchem die uͤbrigen gleichſam nur Deputationen waͤren. Gerade aus dieſer Sucht, ſich von einander, und vorzuglich von dem Pariſer Parlament unabhaͤngig zu machen, entſprang die Verſchiedenheit ihrer Ausſpruͤche, indem ſie durch eben dieſelbe ein⸗ ander factiſche Beweiſe ihrer Unabhaͤngigkeit entgegen zu ſetzen ſuchten; eine Verſchiedenheit, die um ſo weniger auffallend ſeyn konnte, als durch den Mangel wahrer allgemeinverbindlicher Geſetze der richterlichen Will⸗ kuͤhr ein ſebr großer Spielraum eröffnet war. Dieſe Willkuͤhr oder ſo genannte Billigkeit artete aber bald in eine ſolche Zuͤgelloſigkeit und Un⸗ gebundenheit aus, daß ein altes Spruͤchwort„Gott bewahre einem vor der Billigkeit der Parlamente“ entſtanden war, und ſich das von Franz I. eroberte Savoyen es als eine Gnade ausbat, nicht nach„Billigkeit“ gerichtet zu werden. 1) Die Jurisprudenz der hoͤchſten Gerichte iſt in den zahlreichen Sammlungen der Parlamentsbeſcheide enthalten. Die älteſten ſind die unter den Nahmen Olim bekannten Regiſter des Parlaments zu Paris, welche Monluc von 1254— 1319 ſammelte. Siehe: J. J. M. BroNpRI. mémoires du parlement de Paris, ou recueil de fes deliberations ſecrètes, arrètés et remontrances; avec les lits de juſtice qui y ont éte tenus depuis que Philippe- le-bel l'a rendu ſedentaire, jusqu'au moment ou il a été fupprimé par l'aſſemblée conſtituante. Paris ſ. a. T. I. (ao Bande wird das ganze Werk ausmachen) Avertifſ. Sammlungen enthalten: Jo. GAponI Corpus juris Francici, ſeu collectio Arreſtorum in ſupremis regni tribunalibus. Colon. Allobrog. 1624. Spangenberg's Commentar Bd. I. Les Erſter Abſchnitt. Erſte Periode. Les reponſes et degiſions du droit Frangoĩs, confirmces par arreſts des eours ſouveraines du royaume. Paris 1637. fol. Arrèts notables du Parl. de Toulouſe, par BRRN. DE LA RocRnyrAvIN. Toulouſe 1682. fol. BRILLoN dictionaire des Arréts. 1780. 4 Tom. Recueil des arrètés de M. DE LAMorGNoN. Nancy et Paris 1768. 8. pp SarvIAr la jurisprudence du Parlament de Bourdeaux. Paris 1760. 4. CaR. MorINAEI Comment. in conſuetud. Parlamenti Pariſienſis; ed. D. Go- THoOEREDI. Bernae. 7603. fol. 2) Eben ſo wie die Gewohnheitsrechte, ob gleich auch nicht einregiſtrirte, galten. S. MgRLIN Queſtions de droit. T. III. p. 197. 3) Code Napoléon. art. 5. — — 5. 27. Zuſtand des Rechts in dieſer Periode. Aus dieſer ſkizzirten Darſtellung ergiebt ſich die traurige und ver⸗ wirrte Lage der Rechtswiſſenſchaft dieſer Periode in Frankreich. In den Provinzen des geſchriebenen Rechts galt das Roͤmiſch⸗Juſtinianeiſche Recht als Geſetz; in den tändern des ſtatutariſchen Rechts die redigirten und nicht redigirten Gewohnheiten*), und das Roͤmiſche Recht ſubſidia⸗ riſch als geſchriebene Vernunft, obgleich auch hieruͤber die Franzöſiſchen Juriſten nicht einig waren ²). Die Geſetze der Koͤnige, welche theils Ordonnanzen, theils Edicte und Declarationen waren ²), galten fuͤr beyde, aber in den Laͤndern des geſchriebenen Rechts oft untergeordnet dem Roͤmiſchen Rechte, beſonders wenn ſie das Proceßverfahren betrafen. So hatte jede Provinz ihr eigenes Recht, und die darin belegenen Gegenden und Oerter ebenfalls; beyde widerſprachen einander, ſo wie die Provin⸗ zialrechte den Landrechten, und dieſe dem Romiſchen Rechte; ſo wie endlich die Ausſpruͤche der Parlamente ebenfalls. Die Verwirrung war auf das hoͤchſte geſtiegen, und auf dieſe Zeiten paßte es vollkommen, was ein alter Chroniciſt von fruͤhern ſagte, daß, wenn fuͤnf Menſchen verſammelt ſeyen, es aͤußerſt ſelten ſey, zwey unter ihnen anzutreffen, die demſelben Rechte unterworfen waͤren. Tief wurde das Beduͤrfniß einer einförmigen Legislation gefuͤhlt*); denn man vermißte bey dem Reichthume an ſo vielen Materialien, aus denen ein neues Geſetzbuch geſchaffen werden konnte, nichts, und doch wieder alles, weil alle Bedingungen fehlten, welche zu einer paſſenden, genuͤgenden Geſetzgebung gehoͤrten. Die edel⸗ ſten der Ration, wie d'Agueſſeau, Lamoignon u. a, wuͤnſchten— e⸗ Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 35 Redaction derſelben ſehr, aber es blieb bey langen Vorbereitungen und leeren Wuͤnſchen. In dem Staatsrechte Frankreichs, in den Privilegien ſeines Adels und der Geiſtlichkeit, in der Lehnsverfaſſung und Leibeigen⸗ ſchaft, und in den ſtaͤndiſchen Verfaͤſſungen der Provinzen lagen die Hinderniſſe, woran jene Unternebmung nothwendig ſcheitern mußte*); und deshalb liefen alle Verſuche o), ein allgemeines Franzoſiſches Recht auf⸗ zuſtellen, nicht gluͤcklicher ab, wie die äͤhnlichen Verſuche fuͤr Teutſchland. 1) S. BouRrER ſur la Coutume de Bourgogne. Chap. I. F. 4.— ſont encore les uſages de quelques unes de ces Provinces et entre autres celle de Breſſe, Bugey⸗ Valromey et Gex, ou ces Coutumes non ecrites ont conſervẽ leur autorité.“ 2) Der Praͤſibent pierre Lizet behauptete gegen Chriſtoph. Thou, daß das Roͤmiſche Recht auch hier das Hauptrecht ſey. S. Dock l. c. F. 31. 3) Ordonnance heißt jedes Geſetz des Koͤnigs, was er auf Anſuchen einer Magiſtrats- oder Privatperſon erlleß; Edict, welches auf eignen Antrieb ge⸗ geben wurde, und Declaration, was ein fruͤheres Geſetz erklaͤrte. SIIBRR⸗ Rab l. p. 5. 12. 4) Vergl. D'OrivIER de la rèforme des loix civiles T. I. 2. Paris 1786. 8. und denſelben Sur la Coneiliation des coutumes frangoiſes. Amſt. et Par. I1787. 8. 5) LocRt Eſprit du Code Napoléon. Vol. I. p. 61. 6) Z. B. FR. BouRIon Le 4roit eommun de la France. Paris 1747. 1770. II. Voll. fol. Zweyte Periode. Von dem Ausbruche der Revolution bis auf das Confulat Napoleons. 5. 28. Ausbruch der Revolution. 6 Dieſes kuͤnſtliche Gebaͤude des Franzoͤſiſchen Rechts ward durch die in der Nacht des vierten Auguſts 1789 ausbrechende Revolution zer⸗ nichtet; da das alte Recht mit ihren Hauptgrundſaͤtzen, Trennung der vom Staat, Einheit des Stgats, Aufhebung des Adels und der E 2 tehns⸗ 36 Erſter Abſchnitt. Zweyte Periode. Lehnsverfaſſung, und Gleichheit der Rechte im ſchneidendſten Widerſpruche ſtand, weshalb auch die neue, waͤhrend der Revolution entſtandene Legis⸗ lation ſowohl das widerſtreitende auszumerzen, als auch neue Grund⸗ ſaͤtze einzufuͤhren ſuchte, welche fuͤr die veraͤnderte Lage der Dinge, fuͤr die neuen Beduͤrfniſſe des Staats und der Regierung nothwendig waren. Hauptſaͤchlich jedoch gieng ihr Beſtreben dahin, rechtliche Einheit des ganzen Reichs, mit Aufhebung des traurigen Unterſchieds zwiſchen den Ländern des geſchriebenen und ſtatutariſchen Rechts hervorzubringen, und eine beſſere Familienverfaſſung zu begruͤnden. Und hieraus laͤßt es ſich erklaͤren, wenn der Theil des ehemaligen Civilrechts, deſſen Gegenſtand dieſes war, eine große Veraͤnderung erlitten hat, ein großer Theil aber vollig unberuͤhrt geblieben iſt, weil er mit den neuen Einrichtungen in keinem Widerſpruche ſtand. Ueber dieſen erſtern Theil, welcher mithin Hauptaugenmerk der Regierung war, erfolgten zahlloſe Geſetze ¹), und mit jeder neuen Periode derſelben ward das umgeworfen, was erſt kaum feſten Fuß gefaßt batte, indem man mehr die Civilgeſetzgebung zu refor⸗ miren, als die einzelnen Theile derſelben mit einander in Harmonie zu ſetzen ſuchte. Ganz von einem metaphyſiſchen Geſichtspuncte ausgehend, verſchmaͤhte man die leitende Hand der Erfahrung; aber je mehr ſich die Periode der Revolution ihrem Ende naͤherte, deſto mehr entfernte ſich die Legislation von dem Punete, woher ſie ausgegangen war, und kehrte zur Empirie zuruͤck 2). 1) So erlitt die Theorie der Erbfolge und Schenkungen durch das Geſetz vom 17. Nivoſe II, vom 9. Fructidor Ill, vom 3. Vendemiaire IV, vom 18. Plu⸗ vioſe V, und vom z. Germinal VIII. verſchiedene Modificationen, bis ſie durch das jetzt im Code befindliche Geſetz vom 13. Floreal fixirt wurde. 2) Seidenſticker Einleitung in den Code Napoleon Cap. 2.§. 2. 3. 5. 29. Geſetzgebung 1) in dieſer Periode. a. Aſembles eonſtituante. Die auf Befehl des Konigs zuſammenberufenen Staͤnde, um die zerruͤtteten Finanzen in Ordnung zu bringen, verwandelten ſich bald in eine Nationalverſammlung(Aſſemblée nationale conſtituante). Dieſe eroffnete in der genannten Nacht ihre Arbeiten damit(4. Auguſt 1789), daß ſie das Feudalſyſtem zernichtete, und ſowohl alle Rechte, welche ſich auf Real⸗ und perſänliche Abhängigkeit bezogen, aufhob, als auch die uͤbrigen fuͤr loskaͤuflich erklaͤrte; alle Privilegien aber, die Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem E. N. 37 ſich auf Steuerfreybeit begruͤndeten, caſſirte, und den Zehnten, die Ver⸗ kauflichkeit der Aemter u. ſ. w. verbot. Hierauf erſchien die Erklaͤrung der Rechte des Menſchen und des Buͤrgers, von Sieyes, und ſodann die neue Conſtitution. In dieſer ward die geſetgebende Gewalt der Nationalverfammlung beygelegt, und nur die Sanction der gegebenen Geſetze dem Könige erlaubt. 1791 trat an die Stelle der vorigen Na⸗ tionalverſammlung die zweyte durch die Conſtitution berufene, und ſetzte nach den obigen Grundſätzen ihre Arbeiten in einem Geiſte der ruhigen Forſchung und Maͤßigung fort. Durch ein Decret vom 19. Iun. 1790 wurde der Erbadel vollig abgeſchafft, und ſchon am 8. October des vori⸗ gen Jahrs verſchiedene wichtige Reformen in der Criminaljuſtiz gewagt. Am 16. Auguſt 1790 erſchien das Geſetz uͤber die neue Organiſation der Gerichte, der Friedensrichter für jedes Canton, Tribunale erſter Inſtanz fuͤr den Diſtriet, und Appellationsgerichte, und am 27. November des zweyten Jahrs das uͤber die Einrichtung des Caſſationsgerichts. Fuͤr die Familien⸗ ſtreitigkeiten waren Familientribunale angeordnet, welche aus zwey Schieds⸗ richtern beſtanden, von welchen jeder der ſtreitenden Theile einen erwaͤhlen, und von ſeinem Ausſpruche an das Tribunal erſter Inſtanz appelliren konnte. Am 16. Sept. 1791 wurden die Criminalgerichte organiſirt, und die Geſchwornen eingefuͤhrt*), und am 25. Sept. das Strafgeſetzbuch vol⸗ endet 3). Auch wurden am 29. d. M. die Notarien organiſirt. Die vorzuͤglichſten Bemuͤhungen der Nationalverſammlung galten jedoch der Vernichtung des Lehnweſens. Die Wirkungen des Beſchluſſes vom 4. Auguſt 1789 wurden durch das Geſetz vom 28. Maͤrz 1790 naͤher entwickelt, die oben erwaͤhnten Rechte fuͤr loskaͤuflich erklaͤrt, und durch das Geſetz vom 3. May d. J. die Art und Weiſe des Loskaufs beſtimmt. Auf denſelben Gegenſtand bezogen ſich das Geſetz vom 13. April 1791, wodurch zugleich das droit d'Aubaine aufgehoben wurde, die Inſtructio⸗ nen vom 15. Jun. und 30. Jul. d. J., und das Decret vom 28. Sept⸗ d. J., welches die Feldordnung entbaͤlt, und Cocke rural genannt wird. Aeußerſt wichtig war auch das Geſetz vom 12. Jul. 1790 uͤber die buͤr⸗ gerliche Verfaſſung des Clerus. 1) Die im Laufe der Revolution erſchienenen Geſetze finden ſich vollſtaͤndig im Mo⸗ niteur. Außerdem hat man noch folgende Sammlungen: Collection der Lois(vom 6. May 1789 bis 10. Jun. 1794) gewöhnlich ge⸗ nannt Collection du Louvre, XRIII. Voll. g.— Jetzt erſcheint eine neue Ausgabe in 8.— Vom 10. Jun. geht an das E 3 Bulle- Erſter Abſchnitt. Zweyte Periode. Bulietin des loit, welches durch ein Decret vom z. Dec. 1793 beſchloſſen wurde. Es beſteht aus 4 Séries; die erſte von 6 Lieſerungen enthaͤlt die Geſetze des Nationalconvents, die zweyte von 15 Lteferungen die der Directo⸗ rialverfaſſung, die dritte von 17 Lieferungen die der Conſularregierung, und die vierte die ſeit der Errichtung des Kaiſerthums erſchienenen Verordnungen⸗ Dieſe Sammtungen ſind officiell; die folgenden nicht: Collection géncrale des décrets rendus par l'aſſemblée nationale vom 1. Jun. 1790 bis zum 25. Dec. 1799 in LXI Baͤrden. Paris bey Baudoin— beſorgt von Camus. Lois civiles interm?diaires, ou Collection des lois rendues depuis le 4. Acüt 1789„ jusqu'au Code Napolcon. 4 Tom. 8. Repertorien uͤber dieſe Geſetze ſind: Repertoire ou tables chronologiques et alphabétiques des lois, des adtes du Gouvernement, et des inſtructions et lettres miniſterielles depuis 1789 jusques l'au XI. 13 Voll. 4. Précis ou tableau chronologique des évEnemens et de la législation de la revolution, depuis 1789 jusques I'au XI. par HRuLHanD-MonTrGNv. g. Guvor dictionnaire raiſonué des lois frangaiſes. 22 Voli.. BRAurAc repertoire des lois et des arrẽtés du gouvernement, de 1789 f'an Kl. 8. Ueber die Sammlungen einzelner Geſetze vergl. Seidenſticker's Einleitung Cap. I. und Bibliotheque des étudians en droit. Paris 1806. 12. JouRArk Extrait alphabétique de tous les déerets&e. Paris 1791. 1792. 2 voll. g. Goickakh Code univerſel des lois, qui regiſſent la Frauce depuis 1789. Paris 1791. 8. Die Geſetze dieſer Periode, ſo wie die, nach dem Code erſchienenen, heißen tranſitoriſche Geſetze, da ſie nur fuͤr einen beſtimmten Zeitraum geſetzliche Kraft haben, und den kimſtaͤnden nach aufgehoben werden koͤnnen. 2) Code judiciaire; contẽnant tous les dẽcrets relatifs au nouvel ordre judi- ciaire. Paris 1791. 8. S. Seidenſticker Einleitung in den C. N. Cap. 1. 6. 37. 3) Peinliches Geſetzbuch der fraͤnkiſchen Republik, gegeben zu Paris am 6. October 1791. Strasburg 1798. 8. 6. b b. Aemblee nationale Jegislative. ¹) Am r3. Sept. 1791 war die von der Nationalverſammlung pro— mulgirte neue Conſtitution ſanctionirt, und hierdurch eine neue geſetzge⸗ bende Verſammlung angeordnet, welche aus 745 Repraͤſentanten beſtand, und an die Stelle der vorigen trat. Dieſe nahm dem König faſt ganz den Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 39 den Reſt der geſeßgebenden Gewalt, den er bisher gebabt hatte; ſeine Weigerung(Veto) war nur ſuſpenſiv, und ward gar nicht mehr beachtet, ſobald ihm ein Deeret von drey Legislationen nach einander vorgelegt war. Jetzt fieng aber die Revolution allmaͤhlig an, eine furchtbare Geſtalt zu gewinnen, die Partheyen waren ſchon gebildet, und von den ehrgeitzigſten, aber dabey ſelbſtſuchtigſten Anfuͤbrern geleitet; die Idee von Freyheit und Gleichheit ward immer mehr mißverſtanden, und endlich die ungluͤckliche Periode des Terrorismus herbeygeführt, worin zahlloſes Buͤrgerblut floß, und wo einander die beyden Extreme, Anarchie und Despotie, beſtändig begegneten. Durch das Deeret vom 18. Jun. 1792 wurden alle noch beſtehenden zins⸗ und gutsherrlichen zufaͤlligen Rechte aufgehoben, und am 21. Auguſt auch die beſtaͤndigen, ſo daß dieſer Schlag das Lehnſyſtem vollig zernichtete. Durch ein Decret vom 14. Auguſt wurden die Ge⸗ meindeguͤter und die Beſitzungen der Emigranten vertheilt, und ſchon fruͤher am 11. Auguſt der Unterſchied zwiſchen aetiven und nicht activen Buͤrgern, denn nicht activ war jeder der kein Eigenthum aufzuweiſen hatte, aufgehoben. Am 20. September ward die neue Einrichtung der Actes de l'état civil bekannt gemacht, die Großjährigkeit auf 21 Jahr geſetzt, die Formen der Ehe beſtimmt, und die Eheſcheidung, ein bis dahin unerhörtes Inſtitut, eingefuͤhrt. Hiermit beſchloß die Nationalverſamm⸗ lung ihre Arbeiten, und legte am 21. Sep ihre Gewalt in die Haͤnde des Nationalconvents nieder. 1) Vergl. beſonders uͤber dieſe Perioden: Schmid krit. Einleitung in das Recht des Franz. Reichs Th.. Abih. 1. S. 63 125. Laſſaulr Geſetzgeb. Napo⸗ leons comment. Th. 1. S. 74 ff. 5. 31. e. Convention nationals. Der Nationalconvent eroͤffnete ſeine Sitzungen mit der feyerlichen Ihaſn des Koͤnigthums, und verwandelte Frankreich in eine Re⸗ publik. Eine neue Conſtitution wurde von einer Commiſſion entworfen, deren Mitglieder Sieyes, Payne, Vergniaud, Condorcet, Genſonne u. a. der aufgeklaͤrteſten Koͤpfe waren; allein die wilden Factionen, und die ungezugeltſte Democratie hatten ſchon ſo zugenommen, daß ſie offenbar zu ſpaät kam. Man rang nach der zuͤgelloſeſten Freybeit und Gleichheit, — der Hefen des Volks ward entflammt, und die Nation theilte ſi ſich in — Erſter Abſchnitt. Zweyte Periode. in zwey Faetionen, die Gironde oder die der Gemaͤßigten, und die des Berges(Jacobiner, Cordeliers, Maratiſten), welche mit der groͤßten Erbitterung gegen einander kaͤmpften, bis die letztern den Sieg davon trugen. Am 21. Jan. 1793 ſtarb kudwig XVi. auf dem Blutgeruͤſte; das Schreckensſyſtem wurde thätig, und tauſende bluteten unter der Guillotine. Ein Wohlfarthsausſchuß beherrſchte das Reich und den Convent mit. unbeſchränkter Macht. Am 24. Jun. 1793 ward eine neue Conſtitution deeretirt, nach welcher eine vollkommene Volksberrſchaft eingefuͤhrt wurde, aber ſie ward ſchon am§. December in den weſentlichen Puneten ab⸗ geändert, und alle Gewalt dem Wohlfarthsausſchuſſe uͤbertragen. Dieſer bob darauf die Miniſter auf, und ſetzte an deren Stelle zwölf unter ibm ſtehende Commiſſionen. Aus der Schreckensperiode ſchreibt ſich die Auf⸗ bebung des Zunftweſens; die Verordnung vom 9. März 1793, daß niemand Schuldenhalber perſoͤnlich verhaftet werden ſolle, das Geſetz vom 24. Jun. 1793, welches den unehlichen Kindern gleiche Rechte mit den ehlichen einraͤumte, die Geſetze vom 26. Oet. 1793 und 6. Jan. 1794 uͤber die Schenkungen, Teſtamente und Inteſtaterbfolge u. ſ. w. Ferner das Geſetz, welches den Nahmen Buͤrger, und das Duzen einfuͤhrte, die Entſtehung des republicaniſchen Kalenders*), deſſen Verfaſſer Fabre d'Eglantine war; und die Aufſtellung eines allgemeinen einfachen Syſtems der Maaße und Gewichte ²). Nachdem Robespierre am 3. Thermidor III.(a7. Auguſt 1794) das Haupt der Schreckensregierung, gefallen war, ſo uͤbernahm der Con⸗ vent die Zugel der Regierung wieder, und es entſtand eine Gegenrevolu⸗ tion, wodurch die Jacobiner u. ſ. w. eben ſo verfolgt wurden, als ehemals die Koͤniglichgeſinnten. Der Convent, der in große Gefahr kam, procla⸗ mirte von neuem eine Conſtitution am 23. Sept. 1795, welche von Cam⸗ baceres, Sieyes, Dannou, Merlin von Douay, u. a. entworfen war. Fruͤher ward jedoch am 9. Meſſidor(27. Jun. 1795) eine neue Hypo⸗ thekenordnung aufgeſtellt, die aber nicht zur Ausuͤbung kam, am 9. Fructi⸗ dor(26. Aug.) und 3. Vendemiaire(24. Sept.) uͤber Erbfolge und Teſtamente neue Beſtimmungen gemacht, und am 3. Brumaire der noch geltende Code des deélits et des peines 3) promulgirt. 1) Er ward durch den Kaiſer abgeſchafft. Um ihn zu verſtehen ſehe man: Ver⸗ gleichung des Gregorianiſchen Kalenders mit dem Franzöſiſch⸗republicaniſchen. Coblenz bey Laſſaulr.— Auch in Laſſaulx Ueberſetzung des Code Nap. Ausg. M.— Zacharia Handbuch des Franz. Civtlrechts. Th. 1I. S. 333. Con- = . — Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dein C. N. 41 Concordance des calendriers républiezin et gregorien depuis 1703 jusques l'an NlI avec les decrets de la convention, le SCte du 22 Frudtidor KIII, et les discours rélatit au rétabliſſement du calendrier gregorien.— g. 2) Geſetz 8. May 1790, 26. März 1791, 1. Auguſt 17903, 18. Germinal III, 1. Vendemiatre 1V. Da dieſe fuͤr das Koͤnigreich Weſtphalen auch etngefuͤhrt ſind, ſo ſind folgende Buͤchet ſehr brauchbar, um ſie kennen zu lernen, und mit den frohern Maaßen zu vergleichen: Fr. W. Schrader Kurze tabellariſche Darſtellung des neuen Franz. Maaßes in Vergleichung mit dem Calenbergiſchen und Rheinländiſchen. Goͤtcingen 1808. 12. F. G Lingemann das neue Franz. Maaß⸗ Munz⸗ und Gewichtsſyſtem, verglichen mit den verſchiedenen Muaßen im Harzdepartement des Koͤnigreichs Weſtphalen. Heillgenſtadt 1808. 8. v. Roſenthal Franzoͤſiſches Muͤnz⸗ Maaß⸗ und Gewichtsſyſtem. Nordhauſen 1808. 8. C. H. Hoff Anleitung zur richtigen Vergleichung der Muͤnzen, Maaße und Gewichte im Koͤnigreiche Weſtphalen, und in den vornehmſten Staͤdten des Königreichs Preußen und Deutſchlands mit den alten und neuen Franzoſiſchen. Magdeburg 1808. 8. 3) Code des délits et des peiues. Paris. 8. 5. 82* d. Diysctoire excoutif. Durch die neue Conſtitution wurde die geſetzgebende Gewalt zweyen Rathsverſammlungen anvertraut, dem Rathe der Fuͤnfbundert naͤm⸗ lich der Entwurf der Geſetze, und dem Rathe der Alten, welcher aus 250 Mitgliedern heſtand, die Sanction oder Verwerfung derſelben. An der Spitze derſelben ſtand ein vollziehendes Directorium von fuͤnf Maͤn⸗ nern(Lareveillere-Lepeaur, Rewbel, Letourneur, Barras und Carnot), von denen jaͤhrlich einer abtrat, und durch ein anderes Mitglied erſetzt wurde, welches die geſetzgebende Verſammlung zu ernennen hatte. Die Mitglieder der Räthe hingegen wurden durch die Departementswahlver⸗ ſammlungen ernannt. Die meiſten Geſetze die in dieſer Periode erſchie⸗ nen, betrafen die zerruͤtteten Finanzen und das Papiergeld ¹), mit dem alles uͤberſchwemmt war; dann die Ausgewanderten ²), uͤber welche die widerſprechendſten Normen entſtunden. Die Geſetze uͤber die Erbfolge wurden ebenfalls in einigen Puneten abgeaͤndert. So ließ das Geſetz vom 15. Tbermidor IV.(1. Auguſt 1796) den uneblichen Kindern zwar die ihnen ſchon fruͤher zugeſtandenen Rechte, hob aber die den fruͤhern Ge⸗ ſetzen beygelegte ruͤckwirkende Kraft wieder auf, ſo wie ein gleiches durch Spangenberg's Commentar Bd. J. F das 42 Erſter Abſchnitt. Zweyte Periode. das Geſetz vom 18. Pluvioſe V.(6. Febr. 1797) in Anſehung der Ge⸗ ſetze vom§. Brumaire und 17. Nivoſe II.(7. Rov. 1793 und 6. Jan. 1794) die Teſtamente und Erbvertraͤge betreffend, geſchab. Durch ein anderes Geſetz vom 18. Praireal IV. G. Jun. 1796) ward beſtimmt, daß, wenn mehrere Perſonen, welche einander beerben, in einer gemein⸗ ſchaftlichen Hinrichtung(man denke an die Scenen in Lyon und Avignon) umgekommen ſind, vermuthet werden ſolle, daß der juͤngere den aͤltern uͤberlebt habe; durch das Geſetz vom 24. Ventoſe V.(14. März 1797) wurde die abgeſchaffte Verhaftung wegen Schulden wieder hergeſtellt, und durch dasjenige vom 15. Germinal VI.(4. April r798) nach langen Debatten, die Faͤlle, in welchen ſie ſtatt finden ſollte, und die Art, wie ſie vollſtreckt werden ſolle, beſtimmt. Ein aͤhnliches vom 17. Brumaire VII.(1. Nov. 1798) regulirte die Expropriation forgée; und das beruͤhmte Geſetz vom 11. Brumaire VII.(deſſelben Tages) fuͤhrte die neue Hypothekenordnung ein; worauf ſodann durch das Geſetz vom 21. Ventoſe VII.(11. May 1798) die Bureaux der Hypothekenbewahrer organiſirt wurden. 1) Geſetz 21. Dec. 7784, 12. Sept. 7700, 3. Meſſidor III, 12. Frimaire V, 28. Ventoſe, 7. 15. Germinat, 14. Pratreat, 29. Meſſidor IV, 16. Pluv., F. Meſſidor V. 2) Geſetze vom 9. Febr., 30. Maͤrz, 27. Jul., 22. Oct. 1792. 28. Maͤrz, 25. Jul. 1793. 4. Germinal II, g. 25. Brumatre, 2. Praireal, 1. Fructidor III. geſammelt im: Code des Emigrés. Paris b. Garnery. 3. 6. 35. Geiſt dieſer Verfaſſung. Von den unzaͤhligen Geſetzen, welche während des Laufs der Re⸗ volution gegeben worden ſind, ſind mehrere in das Rapoleoniſche Geſetz⸗ buch uͤbergegangen: mehrere ſind auch noch neben demſelben, unter den unten aufzuzählenden Bedingungen guͤltig. Gerade ihre große Anzahl mußte machen, daß uͤber die einzelnen Theile der Civilgeſekgebung die ſchwankendſten Begriffe entſtanden, und der Mangek eines allgemeinen einfachen Geſetzbuchs doppelt fuͤhlbar wurde; und wirklich erſchien auch in dieſer Zeit das beruͤhmte von dem jetzigen Reichserzkanzler Cambacérès entworfene Project, von dem unten die Rede ſeyn wird. Aber der Geiſt der ganzen Directorialverfaſſung hinderte dieſes Vorhaben; denn ſtatt einer Einigkeit, welche nach Montesquieus richtiger Bemerkung die Haupt⸗ tugend WVon dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 43 tugend in republicaniſchen Staaten ſeyn muß, herrſchte die groͤßte Zwietracht und der gefaͤhrlichſte Eigennutz. Die fünf Directoren wurden wegen ihrer hoben Stellen von den Raͤthen beneidet und gehaßt; man befolgte ihre Befehle nicht, man verachtete ihre Anordnungen; man ſuchte ſie von ihren Stellen zu verdraͤngen, um ſich hinaufzuſchwingen; die Gedruͤckten erhoben, um ſich zu ſichern, und wirkſame Vertheidigungs⸗ mittel zu erwerben, viele ihrer Creaturen zu den bedeutendſten Stellen, zu welchen dieſe nicht paßten; auf die Staatsbeduͤrfniſſe ward gar nicht Ruͤckſicht genommen, man that die groͤbſten Mißgriffe in der Auswahl ſeiner Diener; uͤberall riß Anarchie ein, und Frankreich war in Gefabr von neuem den Greueln des Schreckensſyſtems Preis gegeben zu werden, als der verloren geglaubte Obergeneral Bonaparte, aus Aegypten zuruͤck⸗ kehrend, durch das ſeltenſte Gluͤck den auflauernden Engliſchen Schiffen entgieng, und das Chaos ordnend, ſein neues Vaterland von der fuͤrch⸗ terlichſten Gefahr befreyete, die ihm drohte ¹). 1) Ueber das Privatrecht dieſer Periode ſ. BERNAnpr cours du droit civil fraucais. 4 Voll. 8. Deſſelben Inſtitution au droit frangois. Paris VII. 8. Deſſelben Mouvelle théorie des loix civiles. Paris 180I. S. 8. 34. Verſuche, eine einfoͤrmige Legislation herzuſtellen. Die Jurisprudenz war durch die oͤftern Veraͤnderungen in der ge⸗ ſetzgebenden Gewalt, durch die Zerſtöhrung alles alten Rechts, und die zahlloſen Geſetze, welche uͤber einen und denſelben Gegenſtand erfolgten, immer ſchwankender, ja vielleicht ungewiſſer denn je geworden; denn was die verſchiedenartigen Geſetze der fruͤhern Perioden einigermaßen in Har⸗ monie brachte, und eine ſichere Anwendung derſelben hoffen ließ, naͤmlich eine Praxis, fehlte bey der neuern Geſetzgebung durchaus, da die ewig wechſelnden Verordnungen und Rechtsnormen eine ſolche gar nicht auf— kommen und entſtehen laſſen konnten. Dringend fuͤhlte daher ſchon die Aſſemblée conſtituants ¹) das Beduͤrfniß eines einfoͤrmigen Geſetzbuchs, und hatte deshalb der Conſtitution von 1791 den Artikel einverleibt: Il fera fait un Code de lois civiles communes à tout le royaume. Doch die Alſemblée legisfative wich bald von dieſer weiſen Abſicht ab. Erſt der Nationalconvent beſchaͤftigte ſich ernſtlich mit dem Plane, ein ſolches Geſetzbuch zu entwerfen. F 2 121) Auch Erſter Abſchnitt. Zweyte Periode. 1) Auch von Privatmännern erhoben ſich daruͤber manche Stimmen. Z. B. VIcoR CHAMTRREvNE eſſai ſur la reforme des loix civiles. Paris et Caen. 1790. 8. Ein vortreffliches Werk, weiches vorzugtich eine Vergleichung der Coutumes in ſich enthaͤlt. 6. 35. Erſtes Projet du Code ervil. Dem ju folge ertheilte er der Geſetzcommiſſion, einem Theile des Convents ſelbſt, den Auftrag, das Werk zu entwerfen ¹), und am 9. Auguſt 1793 legte der damalige Repraͤfentant(jetzt Reichserzeanzler) Cambacerés den Entwurf dem Convente vor ²). Aber dieſer Ent⸗ wurf gefiel nicht; man fand ihn zu poſitiv, und vermißte darin die neuen Ideen, welche durch die Revolution in Umlauf gekommen waren; er blieb deshalb liegen, ohne daß es zur völligen oͤffentlichen Berath⸗ ſchlagung ³) uͤber denfelben kam. Man beſchloß vielmehr eine Commiſ⸗ ſion von Philoſophen niederzuſetzen, die nach ganz neuen Ideen das Werk ausfuͤhren follten; indeſſen blieb es bey dem bloßen Beſchluſſe. 1) Plan du Code civil et uniforme pour toute la republique frangaiſe par DoRAND DB MarLLAME. 1793. 2) Projet de Code eivil préſenté 3 la Convention nationale le 9. Aoũt 1793 au nom du comité de legislation par Cambacérès. Paris 1793. 8. Dieſes hat viel Aehnlichkeit mit dem dritten Project, welches derſelbe entwarf⸗ 3) Kaum das Perſonenrecht ward voͤllig discutirt⸗ 6. 36. Zweytes Projet du Code civil- Erſt nach dem 9. Thermidor ward die Sache wieder vorgenommen. Der damalige Repraͤſentant Cambacérès legte einen andern ſehr kurzen Entwurf am 23. Fruetidor II. dem Nationalconvente vor, allein obgleich einige Artikel decretirt wurden, ſo blieb er dennoch waͤbrend der bekann⸗ ten ſtürmiſchen Zeiten liegen. Er zerfällt in drey Bücher, des per- sonnes, des biens, und des obligations, und in 297 ſehr kurze 1) Projet de Code civil. Précẽdẽ du rapport fait au mom du Comité de Legis- lation, dans la ſéance du 22. Fructidor, Fan II.(1703) par CaMBAcEREs, Depuré du Departement de PHerault: avec une table des titres, et des matiẽres. A paris, chez Garuerx, l'au III. de la Rep. frangaiſe, une et §. 37. —— — Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 45 5 37.. Drittes Projet du Code cinil. Der Rath der Fuͤnfhundert bemtzte die durchf die Conſtitution vom Jahre III. erhaltene augenblickliche Ruhe, um in der Arbeit fortzufahren⸗ Eambacérès legte daher am 24. Praireal IV. zum drittenmal einen Ent⸗ wurf vor, welcher auch gedruckt, und an alle Tribunale verſandt, um deren Bemerkungen einzuhohlen; auch den Juriſten der Ration zur Pruͤfung vorgelegt wurde. Aber er kam nicht zur öffentlichen Berathung uͤber denſelben, und, nachdem ſein Verfaſſer den Rath der Fuͤnfhundert verließ, ſo blieb er gar liegen, und gerieth in Vergeſſenheit. Dieſer Entwurf, der dieſelben Hauptrubriken, wie der vorige, enthaͤlt, war jedoch bey weitem vollſtaͤndiger und ganz dem erſten Verſuche nachge⸗ bildet. Er enthaͤlt 1104 Artikel, welche größtentheils ausfuhrlich ſind ¹). 1) Originakausgabe: Corps legislatif. Projet de Code eivil preſenté an eonſeil des einq cents, au nom de la commiſſion de la elaſſification des lois, par CaMBAcEREs. Deputé par le departement de'Merault. A Paris, au bureau du journal de Rgislation.— Meſſidor. An IV.— 3. Nachdruck: Code frangais, on collecton par ordre des mateires(matiẽres) des lois de la republique, d'après le travail de Ja commiſſion de claſlification des lois et les discuſfions des deux conſeils, accomnpagnée de tables chronolo- giques et alphabétiques, publiée ſous ha furveillance des repréſentans au peuple CaMackREs et Owpo.— Projet de Code civil.— 4 Paris, chez Garnery. Pluvioſe An V.— Z⸗. — Dritte Periode. ¹) Von dem Confulate Napoleons bis auf die jetzig⸗ Zeit⸗ 5. 38 Der achtzehnte Brumaire VIII, und deſſen Folgen⸗ Der achtzehnte Brumaire des Jahrs VIII, war der ewig merkwür⸗ dige Tag, welcher Frankreich zum zweytenmal den Greueln der Anarchie entriß, indem er den Obergeneral Napoleon Bonaparte an die Erſter Abſchnitt. Dritte Periode. Spitze der Regierung ſtellte, und die ſchlaffe Directorialcegierung, welche durch unzaͤhlige Mißgriffe das unglückliche Land an den Rand des Ver⸗ derbens gebracht hatte, zernichtete. Bonaparte erbielt, durch die vierte Conſtitution von 1800, das Conſulat auf zehn Jahre. Neben ihm ſtanden zwey Collegen, Cambacérés und Lebrun, ein Senat con- fervateur, der die Conſtitution aufrecht erhalten ſollte, ein Corps legis- latif, und das Tribunat ²). Am 3. Auguſt 1802 ward das Conſulat lebenslänglich, und am 18. May 1804 in ein Kaiſerthum verwandelt; das Tribunat horte auf, die uͤbrigen Anordnungen, mit Ausſchluß der Mitconſuln, blieben. 1) Ueber den Geiſt dieſer Periode ſ[. W. Bern Napoleon und ſein Zeitalter. Koblenz T808. 8. 2) Mit dem geſetzgebenden Corps ſollte die Regierung die Geſeße entwerfen; das Tribunat ſoilte nur darüber discutiren, und ſeine Bemerkungen durch Redner dem erſtern bekannt machen. Denn ſollte letzteres dieſe durch geheime Abſtim⸗ mung unnehmen oder verwerfen. Aber da bald im Tribunat eine Faction ent⸗ ſtand, ſo wurde es am 19⸗ Auguſt 1807 mit dem geſetzgebenden Corps vereinigt. §. 39. Geſetzgebung dieſer Zeit. 1) Napoleon ſtellte mit herkuliſcher Kraft alle Verwirrungen im Innern der Republik ab; das Vertrauen auf die Regierung, die Induſtrie und der Handel lebten wieder auf. Kein Zweig der Adminiſtration blieb ohne Verbeſſerung; weder Finanzen noch Militair, oder Unterricht, Religion und Polizeyn. Aus der Revolutionsperiode wurden die Anordnungen beybehalten, die eine lange Erfahrung erprobt hatte, wie das Conſeriptions⸗ Maaß⸗ Gewicht⸗ und Muͤnzſyſtem, dagegen aber der republicaniſche Kalender abgeſchafft. Durch die Eintheilung der Departemente in Unter⸗ praͤfecturen gewann die Organiſation des Geſchaͤftgangs ſehr, und bald zeigte ſich der Hauptgedanke der Franzöſiſchen Staatsverwaltung ſehr klar, daß Verwalten das Geſchaft eines, Berathen das Geſchaͤft mebrerer ſeyn muͤſſe. Ueber alle Gegenſtaͤnde der Regierung erſchienen weiſe Ge⸗ ſetze, welche alle hier namentlich aufzufuͤhren zu weit fuͤhren wuͤrde. Die vorzüglichſten derſelben ſind das conſtitutionelle Geſetz vom Jahre VIII, die organiſchen Senatusconſulte vom 20. Floreal, 16. und 24. Thermidor X; vom 28. Floreal XII. und 15. Brumaire KIII, uͤber die Einfuͤhrung der Kaiſerwuͤrde, das Familienſtatut vom 30. Maͤrz 1806, das Adels⸗ Adelsſtatut vom r. May und 27. Junius 180g; die Geſetze vom 29. Floreal K, und 11. Pluvioſe KIII. in Betreff der Ehrenlegion; die Geſetze vom 10. May 1806 und 17. Maͤrz 1808, uͤber den oͤffentlichen Un⸗ terricht, und uͤber die Errichtung der kaiſerlichen Univerſitaͤt von Frank⸗ reich; das Geſetz vom 27. Ventoſe VIII, üͤber die Gerichtsverfaſſung, und vom 28. Pluvioſe deſſelben Jahrs uͤber die Verwaltungsorganiſation, das Concordat mit dem Papſte vom 26. Meſſidor IX, und vor allen die neuen Geſetzbuͤcher, Gode Napoléon, Code de procédure civile, und Code du commerce ²), wozu jett noch ein Code de ſ'inftitution cri- minelle gekommen iſt, da man ſich bis jetzt des Code des delits, et des peines vom 3. Brumaire IV. bedient hatte. 1) Eine ſyſtematiſche Ueberſicht der Geſetzaebung des Jahrs RII, XIII, Xlv, ſ. in Laſſanly's Journal. Jahrg. II. Heft 2. Jahrg. Ml. Heft I. 2.— und eine chronoiogiſche der Civtlgeſetzgebung in Schmid's crit. Einleitung in das Franz. Recht. Th. 1. S. 132— 144. 2) ileber die Ausgaben dieſer Geſetzbücher vergl. Seidenſticker Einleitung in den C. N. Cap. 1. Zachariaͤ Handbuch des Franz. Eivitrechts. Einleit. F.. 1a. 13. 4. 19. ² 5. 40. Code Napolson, oder Code cipil der Fanpais. 2) Entwurf deſſelben.(Viertes und fünftes Projet du Code civil) Das Geſetz vom 18. Brumaire VIII, welches den großen Kaiſer an die Spitze der Regierung ſtellte, verſprach zugleich das baldige Er⸗ ſcheinen eines neuen Civilgeſetzbuchs; ſo wie auch das naͤmliche Geſetz, welches eine proviſoriſche Regierung einſetzte, zugleich den proviſoriſchen legislativen Commiſſionen den Auftrag gab, den Anfang zu machen. Tronchet, Craſſous und Vermeil waren thaͤtige Mitarbeiter, und ſo erſchien ein Anfang dieſer Arbeit*), welche aber bald durch einen andern Entwurf erſetzt wurde. Durch einen Beſchluß der Conſuln naämlich(vom 24. Thermidor VIII.), wurde der damalige Präſident des Caſſationsgerichts Tronchet, der Commiſſair der Regierung und nach⸗ maliger Miniſter des Cultus Portalis, der Commiſſair bey dem Caſſa⸗ tionsgerichte und nachmalige Miniſter des Cultus Bigot de Préa⸗ meneu und J. de Maleville, Mitglied des Caſſationsgerichts, beauf⸗ tragt, die Ordnung der fruͤher publicirten Entwuͤrfe zu pruͤfen, die beſte auszuheben und darnach einen neuen Entwurf zu verfertigen. Die vier Com⸗ Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 47 „ Erſter Zöſchnitt. Dritte Periode. Commiſſionen verabredeten mithin die Titelfolge; vertheilten die Materien unter ſich, und pruͤften gemeinſchaftlich, unter dem Vorſitze Tronchets, was ein jeder vollendet hatte. So konnte alſo der Wunſch des erſten Conſuls befriedigt, und am 26. Ventoſe IX. der Druck des auf dieſe Art redigirten Projet de Code civil vollendet werden; vier Monate darauf, nachdem der Anfang gemacht worden war ²). 1) Projet de Code eivil préſenté par JacQvEMNoT, deputé de la Meurthe à la commiſſion legislative du conſeil des cinq-cents, au nom de la ſection de legislation. Frimaire ViII. Paris. VIII. 8.— Die Geſchichte der Entſtehung des Gode Napoléon erzaͤhlen LocRE Bſprit du Code Mapolcon. T. I. 69— 113.— ZAcHARTAp Handbuch des Franzoſiſchen Civilrechts. Th. I. Einleit. §. XIII. Schmid a. a. O. S. 146 ff. Laſſaulx Geſetzgeb. Napoleons comment. Th. 1. S. 78 ff. vorzöglich aber Seidenſticker Einlet. in den C, N. Cap. 2. Dabeiow Archiv fuͤr den C. N. St. I. Nr. 1. S. I ff. St. II. S. 136. 2) Projet de Code eivil préſenté par la commiſſion nommée par je gouverne- ment le 24 Therwidor an. VIII. Paris. 8.— Sehr wichtig iſt das von Por⸗ talis ausgearbeitete Praͤliminärbuch, die allgemeinen Grundſatze uͤber Recht und Geſetz enthaltend. Mehre Commentatoren haben den Tert des Projeets in ihre Commentare eindrucken laſſen, wie Jouanneau und Solon in den DiseuHons du Code eivii. Eine Vergleichung deſſelben mit dem Code ſ. bey Seidenſticker Einlelt. S. 230 ff. 5. 41. b. Pruͤfung deſſelben. Dieſes Project wurde darauf an das Caſſationsgericht und an die Appellationsgerichte verſandt, damit ſie ihre Bemerkungen dazu machen moͤchten, welche auch durch den Druck bekannt gemacht wurden ¹). Zugleich wurden alle Franzoſen aufgefordert es zu pruͤfen, von denen mehrere ²) den Wunſch der Regierung erfuͤllten. Hierauf wurden die einzelnen Titel, mit Ruͤckſicht auf dieſe Bemerkungen, in Gegenwart der Commiſſarien, in der Geſetzgebungsſection des Staatsraths unter⸗ ſucht ²). Stimmenmehrheit entſchied fuͤr die Abaͤnderung des Entwurfs. Dann wurde derſeibe gedruckt, unter ſaͤmmtliche Mitglieder des Staats⸗ raths vertheilt, und im vollen Staatsratbe, unter Napoleons oder Cambacéres Vorſitze zum zweytenmale gepruͤft. Zu dieſer Discuſſion wurden die Commiſſarien mit eingeladen; ſie hatten, ſo wie die uͤbrigen Mitglieder das Recht, Bemerkungen zu machen, uͤber die nach Stimmen⸗ mehrheit vom Praͤſidenten entſchieden wurde. Ueber dieſe Verhandlung ward ——— ₰ X Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 49 ward ein Protoroll gefuͤhrt, welches der Staatsrath nach vorgusgegan⸗ gener Reviſion in ſeiner urſpruͤnglichen Form drucken ließ à), um es an den Senat, an die geſetgebende Verſammlung, an das Tribunat und an das Caſſationsgericht zu vertheilen. Bisweilen ward aber fruͤber das Project eines Titels mit wichtigen Bemerkungen an die Geſetzge⸗ bungsſection des Staatsraths zur nochmaligen Reviſion zuruͤckgeſchickt. Nachdem nun der Entwurf durch den Staatsrath feſtgeſetzt war, ſo ward er dem Tribunat uͤbergeben, damit er auch von dieſem discutirt werden, koͤnnte 7). Nun erſt wurde er, als Geſetzesvorſchlag, der geſetzgebenden Verſammlung vorgelegt, und in derſelben von drey Staatsraͤthen nach ſeinen Zwecken und Motiven(in den Expolés des motifs) entwickelt, von vieſer aber wieder an das Tribunat verwieſen. Dieſes geſchah demſelben durch eine Berichterſtattung durch Redner(Rapports faits au tribunal), nach deren Anhörung es uͤber den Vorſchlag abſtimmte, und hierauf Redner ernannte, um hieruͤber der geſetzgebenden Verſamm⸗ lung einen Vortrag zu thun(Discours prononcés au corps legislatif) ⁰) durch deſſen Genehmigung(Decretirung) der Vorſchlag endlich in ein wirkliches Geſetz uͤbergieng. War nun auf dieſe Art ein Titel als Geſetz decretirt, ſo wurde er ſofort fuͤr ſich allein, und ohne die uͤbrigen noch nicht deeretirten abzuwarten, als ein eigenes Geſetz promulgirt und in Ausuͤbung geſetzt*). 6 1) Obſervations de la cour de caſſatian et des cours d'appel ſur le projet de Code Napoléon. Fdition officielle. Paris chez Clament. 4 Voll. 4. Und ſyſtematiſch im Auszuge: CRUSSAarRE Analyſe des obſervations des tribunaux d'appel et du tribunal de caſſation ſur le projet du Code civil rapprochées du texte. Paris 180g. 4.— Conferences des obſervations des trib. d'appel ſur le projet de Code civil. 3 Voll. 4. 2) FouRMRr Analyſe eritique du projet de Code civil. Paris. IX. 8. GARNIEn DrschksnEs obſervations fur le projet&c. Daſeibſt. J. M. DopovR Ob- ſervations u. ſ. w. DB MonTILostER Obſervations u ſw Lettres(1 II.) ſur le projet u. ſ. w. CRRvArLER objedtions aux articles du Projet, relatifs au divorce. 1801. 8. praͤparatoriſche Discuſſion iſt nicht redigirt. Lockt Eſprit du C. N. PT p. 1c. 4 4) Procès- verbaux du conſeil d'etat; contẽnant la discuſſion du projes de Code civil, faite[ous la direction du citoyen Lock. Paris, chez Rondonneau. 5 Voll. 4.— Syſtematiſch geordnet in: Spangenberg's Commentar Bd. I. G Dis· Erſter Abſchnitt. Dritte Periode. Diseuſſions du Code eivil dans le conſeil d'état, prẽeédẽes des artieles cor- reſpondans du texte, et du projet; avee des notes principalement puiſees Aans les obſervations et la jurieprudence des cours de caſſation, et dappel; ſur le plan donné par M. RE6NAUp(de Saint Jean d'Angely) conſeitler d'état— par MM. JovAMNFAb et So1.ON. Paris. XIII.(1805) 2 Voll. 4. Reue Ausgabe. 3 Voll..(1808). Der dritte Theil enthaͤlt jedoch nur Aus⸗ ſprüche der Gerichte, und die Discuſſion im Tribunat. Herausgeber deſſelben iſt DRLAPoRTE. Ferner, nebſt der Discuſſion im Tribunat in: Conférence du Code Mapolcon avec la discufion particuliére du conſeil d'état, et du tribunat, avant la redaction d finitive de chaque projet de joi, par un jurisconſulte, qui a coneouru à la confetion du Code(FavARp, tribun). Paris, chez Firmin Pidot. 8 voll. 12.— und) pn MarviLLK Analyſe de la discuſion du Code civil au conſeil d'état. Voll. 8. 3) Die Discuſſion im Tribunat findet ſich in den obengenannten Werken, iſt daher nicht mehr ungedruckt, wie Schmid a. a. O. verleitet durch LocRE T. I. S. 104 ſagt. 6) Diefe finden ſich bey manchen Ausgaben des Code, Außerdem in: Discours des orateurs du gouvernement, rapports de la commiſſion, du tribinat. et les opinions emiſes pendant je cours de la discuſſion du Code Napoléon. Paris, chez Clament. XI Voll. 8. Seſſion du Corps legislatif an VIII.(1805.) on reeueil des lois, des discours des orateurs&e. Edition originale. 2 Voll. 8. 2) Bisweilen haben ſogar Artikel eines Geſetzes verſchledene Termine z. B. art. 152— 157, und ein Zuſatz zu art 329. So auch die Zuſätze, die durch das Geſetz vom 3. Sept. 1807 uͤber die Promulgation des Code, hinzugekommen ſind⸗ F. 42* e. Promulgation deſſelben. 2) Alle dieſe auf die obengenannte Art discutirten und gepruͤften Ge⸗ ſetze wurden durch ein eigenes Promulgationsgeſetz vom 30. Ventoſe XII. zu einem Ganzen vereinigt, in Buͤcher, Titel und fortlauſende Artikel getheilt, und unter dem Nahmen Code eivil des Frangais als Geſetz⸗ buch promulgirt, ohne daß jedoch die einzelnen Geſetze, ungeachtet ihrer Vereinigung zu einem Ganzen, und ohngeachtet jetzt die Artikel fortliefen, aufhoͤrten, jedes ſeinen eigenen Termin, an dem es in Kraft getreten war, auch fernerhin zu behalten. Ganz unterdruͤckt wurde ein Livre préli- minaire des Projects, welches Portalis ausgearbeitet hatte, und worin allgemeine Grundſaͤtze enthalten waren; weil es nämlich der Doetrin und nicht — — Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 5. nicht der Legislation angehörte, welche der Code allein enthalten ſollte. Aber deſſenohngeachtet bleibt es außerſt wichtig, um den Geiſt und die Grundſätze, worauf der Code gebaut iſt, kennen zu lernen. Die Ausgaben dieſes Code civil ſind von doppelter Art; naͤmlich ſolche, welche vor dem Geſetze vom 30. Ventoſe erſchienen, und die, welche nach ihm erſchienen. Die erſtern unterſcheiden ſich von den letztern dadurch, daß ſie nicht die fortlaufende Artikelfolge haben, wie die letztern. 4. Auegaben vor dem GSeſete vom 30. Ventoſe. Dieſe ſind theils officiell, wie im Moniteur, dem Bulletin des Lois, theils nicht. Zu den letztern gehören: 1) Recueil des lois, compoſant le code civil, avec les discours des oratcurs du gouvernement, les rapports de la commiſſion du tribunat, et les opinions emifes pendant le cours de la dicuſſion, tant au tribunat qu'au corps legislalif. XI. Voli. 8. 2) Code civil, contenant la ferie des lois qui le compoſent avec— leurs molifs, et un extrait des rapports faits au tribunat, et des discours prononcès au corps legislatif fur les matières les plus importantes. Paris 18035. 8.(chez Garnery) 5 Voll. 8. 3) Code civil des Francais, contenant la ſerie des lois, qui le compoſent etc. luivie d'une table raiſonnée des matiéres, Par auteur du dictionnaire foreſtier. Strasbourg(chez Levrault) XII. 6 Voll. 8. 4) Code civil. Premiére livraiſon. Troiſiéme livraiſon. A Co- logne(chez Keil) an XI.(1805.) 8. 5) Code civil, par LassAULX. Coblenz 1803. 8. B. Anusgaben nach dem Geſetz vom zo. ventoſe. Auch dieſe ſind theils officiell, theils nicht officiell. Unter den of⸗ ficiellen iſt diejenige die vorzüglichſte, welche im Geſetzbuͤlletin enthalten iſt 3). Unter den nicht officiellen zeichnen ſich aus: 320) Code civil des Frangais. Edition du depòt des lois, con- forme à Pedition originale et feule officielle, avec la table alphabetique des matiéres. 3. G2 2) Code 5. 3 Erſter Abſchnitt. Dritte Periode. 2) Code civil des Fr. dans une feule[érie de numéro- compre- nant 2281articles. Edition ftereotype. Paris an RiI.(1804) 12. 3) Code civil des Fr. fuivi de l'expoſé des motifs fur chaque loi, Preſenté Ppar les orateurs du gouvernement, des rapports faits au tribunat au nom de la mſibn de ſe des opi- nions émiſes dans le cours de la ect des Ziskuts pro- noncés au corps legislalif par les prateurs du tribumat; et d'une table analytique et raiſonnée des matiéres tant du que des discours, dans laquelle on trouvera les paſſages de chaque discours qui ſe rapporte à chaque article du code. Paris. XII.— 3 Vol 12. 4) Code civil des Francais. Bdition d'après la loi du 5o. Ven- toſe, an XII; Par. M. DaNIRLs. A Cologne(Keil). An. KIII. 1805. 8. 5) Code civil des Frangais avec des notes indicatives des lois romaines, coutumes, ordonnances, édits et declaratious, qui ont rapport à chaque article; ou conſerence du Oode civil avec les lois anciennes par H. J. B. DaRh. A Paris et Strasbourg. 1809. 4.— Brauchbar, obgleich er das nicht leiſtet, was er ver⸗ ſpricht; denn oft paſſen die Parallelſtellen nicht ¹). 6) Code civil plus étendu, indiquant les fources, ou toutes ſes dispoſitions ſont P des obſervations et explications par DRLAPoR'rTE. 4 Voll. 7) Code civil des Fr. avec 6 ou ſes dispoſitions ont été puiſées; ouvrage, ou font établis les différences et les rapports des nouvelles loix civiles avec les anciennes; les diffe- rences, et les rapports des loix romaines avec les loix frangai- ſes etc. par DupouR. 4 Voll. 8. 3) Code Napoléon, ou Code civil des Frangais par M. LRwas-— sRuR. Paris 1806. 8.(Gehört allerdings hierher, denn die Aus⸗ gabe erſchien fruͤber ebe er den Nahmen Napoleons geſetzlich fuͤhrte. Als Anhang findet man die Rotariatsordnung und das Goſetz uͤber die Rechtsſchulen, und unter dem Terte eine auf die Protocolle des Staatsraths.) 9 Außer⸗ —— Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 53 9) Außerdem iſt er eingedruckt in viele Commentarien, wie in Male⸗ vilke's Analyſe, die Discuſſions von Jouanneau und Solon, die Pandectes frangaiſes, Conférence von Favart, u. a. 1) Ueber die Litteratur des C. N. vergl. Seidenſticker Einleit. Cap. 1. Dabelow Archiv. St. III. S. 26 ff.— Ueber die Art der Promulgatton des C. N. in den Staaten des Rheinbundes iſt ein Aufſatz in Crome und Jaup Germanien Bd. II. H. 2. S. 340 verſprochen. 2) Da dieſes Geſetz keineß weſentlichen Beſtandtheil des C. N. ausmacht, ſo kann man auch nicht annehmen, das es zugleich mit dem Code recipirt ſey. Es bleibt daher den Recipienten unbenommen, das Verhältniß des Code Napoleon gegen die fruͤhern Geſetze anders zu beſtimmen, wie es dieſes Geſetz gethan, ſo wie ſolches auch von dem Herzoge von Ahrenberg geſchehen iſt. In Weſt⸗ phalen iſt jedoch daſſelbe Verhältniß, obgleich durch ein eignes Deeret, welches in die Stelle des“oftgenannten Geſetzes tritt, beſtimmt. Ebenfalls fuͤr Venedig durch ein katſerl. Decret vom 10. Febr. 1806, in Laſſaulx Journal. 1801. Nr. z. S. 10. u. ſ. w. 3) Moniteur du 12 Floréal. XII. Nr. 222. p I1007. Die nicht officiellen haben bieweilen Fehler, wie art. 1212. ſans arrérages für dans les arrérages. Im Gegentheil ſtimmen auch oft die officiellen nicht uͤberein. So haben einige im art. 331. galement füͤr legalement. 4) Dard's Ausgabe erſchien 1808 unter den Titel: Code Napoléon halb umge⸗ druckt; denn nur Blätter waren eingeſchaltet, worauf die Artikel, welche eine Aenderung erlitten hatten, umgedruckt waren. Einen brauchbaren Abdruck der Noten findet man, außer in Erhards Ausgabe und Ueberſetzung des Code Napoléon, in: Conference du C. N. avec les lois anciennes, c'eſt a dire avee les lois romaines&c. Bxtrait de l'ouvrage de Mr. Dakp, fait à luſage du texte. Vergleichung des buͤrgerlichen Geſetzbuchs N poleons mit Quellen u. ſ. w. Leipzig 1808 3.(von R E. M. Muͤller).— Ein Abdruck des aͤußerſt vollſtaͤndigen Regiſters von Dard's Ausgabe wäre ſehr zu wuͤnſchen. 8. 43. d. Reviſion. Um die aͤußern Formen des Code jedoch, nach der Thronbeſteigung — des Kaiſers, mit den Reichsconſtitutionen in Uebereinſtimmung zu bringen; und, da das Rechtsgebiet deſſelben auch auf Richtfranzoſen erweitert war, den zu engen Nahmen Code civil des Frangais abzuſchaffen, und dagegen den zu ſubſtituiren, der mit größerm Rechte an der Spitze des Geſetz⸗ buchs ſteben mußte, ward er durch ein Geſetz vom 3. Sept. 1807 noch⸗ mals revidirt, einige Modificationen hinzugefuͤgt, und unter dem Nahmen 6 3 Code 34 Erſter Abſchnitt. Dritte Periode. Code Napoléon promnlgirt ²), Die Veraͤnderungen beſtanden darin, daß die republicaniſchen Benennungen durch menarchiſche vertauſcht wurden, z. B. empereur, emnpire, 6tat fuͤr prémier conful, gouvernement, republique u. a. daß der gregorianiſche Kalender, der fruͤher durch ein Senatusronſult vom 9. Sept. 1805 als vom 1. Jan. 1806 an gultig eingefuͤhrt war, wiederbergeſtellt wurde; und daß ſonſtige Zuſätze gewacht wurden, welche die Conſtitution des Stasts erforderte. Die Ausgaben ſind theils officielle, theils nicht officielle. Offi⸗ cielle ſind; 1) Code Napoléon. Edition originale et ſeule officielle. 4 Paris, de Timnprimerie impériale. 1807. in 4., 8. und 32. Richt oſficielle ſind: 2) C. N. edition conténant les changemens faits aux arlicles r. 13. etc. du Code civil, et adoptés dans la Héance du corps legislatif̃ du 3. Sept. 1807. Paris chez Collin. 8. 3) C. N. décrété par le corps legislatif le 3. Sept. 1807; précédé des expoſés des motiſs par les orateurs du canſeil d'état ſur les formes extérieures du Code, et fuivi des loix tranſitoires relatives aux adoptions, aux divorces, et aux enfans natu- rels;— de Parrété contenant le mode de delivrance des dis- penſes relatives au mariage; de Farrété, contenant le tableau des diftances de Paris à tous les chef- lieux des départe- mens;— des loix reglemeutaires et interprétatives, rendues par le corps lẽgislatif pendant ſa ſeſſion de 1807, fur le taux de Pintéret, fur les inſcriptions hypothécaires eto.— du ſe- natus- conſulte ſur Pordre judiciaire— d'une table analytique et raiſonnée des matièeres— etde la table fommaire des objets de complément. Edition des archives des droit frangais con- forme pour le texte à Fedition officielle. 8. und 32. 4) C. N. fuivi de Fexpoſé des motifs ſur chaque loi, préſents par les orateurs du gouvernement— des rapporis faits au tribunat au nom de la commiſſion de legislation;— des opi- nions emiſes dans le cours de discuſſion;— des discours prononcẽs au corps legislatif par les orateurs du tribunat;— et d'une table analytique et raiſonnée des matiéres tant du Code, Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 59 Code, que des discours. 4 Paris chez F. Didot. 1807. 8 Voll. 8. Die vorzuͤglichſte. 5) Code Napoléon, par Danp.(S.§. 65. Nr. 5.) 6) Code Napoléon, nouvelle édition conforme à l'édition origi- nale, à laquelle on a ajouté les lois tranſitoires, et une table analytique et raiſonnée des matiéres. Edition Htercotype. g. und 16.— 1807. 1808. 7) Code Napoléon, nouvelle édition, conforme à l'édition offi- cielle avec la traduction allemande foignée par une fociété de Jurisconſultes et augmentée de Noles explicatives(Parallel⸗ ſtellen, und ſehr wenige, oft falſche, erklärende Roten) par L. SeIEr⸗- nAMN, Procureur impérial au tribunal civil, et proſeſſeur fuppléant à Fécole de droit à Strasbourg. 8. 8) Code Napoléon, ete. avec la traduelion allemande, de Mr. DaNIRILs. Cologne. 8. Ed. 1. 2. 3. Man kann auch die teutſchen Ueberfetzungen, von denen unten ein mehreres geſagt werden wird, allein bekommen, ſo wie auch die folgende: 9) Code Napoléon, avec les notes de Mr. Panp, et ſes remar- ques par ERBAnp. 3. 10) Andere Nachdrucke erſchienen unzählige in Teutſchland: Leipzig bey Fleiſcher, Darmſtadt und Gießen bey Heyer. 1¹) Code Napoléon, préeédé des expoſés des motifs par les ora- teurs du conſeit d'tat et fuivi des hois tranſitoires, des plu- fieurs arretés, et des lois reglementaires et interprétatives, rendues par le corps legislatif pendant la ſeſſion de 1807 et d'une table analytique et raiſonnée des matiéres; eckition des archives du droit frangais, conforme pour le texte à'ecition oficielle. Paris. 8. 12) Code Napolécon. Edition officielle pour le royaume de Weſt- halie. Strasbourg. 1808. 4. und 8.— iſt nur fuͤr Frankreich u. ſ. w. nicht officiell. Die prachtige Quartausgabe entbaͤlt außer dem Teyt die teutſche und lateiniſche Ueberſetzung des Königreichs Italien; die Erſter Abſchnitt. Dritte Periode. die Oetavausgabe iſt doppelt. Eine iſt franzöſiſch und teutſch, die andere nur teutſch. Die Ueberſetzung iſt von Herrn Pfeiffer, Subſtitut des Generalprocureurs beym Appellhofe in Caſſel, unter Aufſicht der von S. M. dem Koͤnige dazu beauftragten Staatsraͤthe, Herrn Leiſt und Herrn von Coninx, verfertigt*). 1) Seidenſticker Einleitung. Cap. 2.§. 7. 2) Ueber den Antheil des Kaiſers ſelbſt an dem Geſetzbuche ſ. Seidenſticker a a. O.§. 9. Goͤnner uͤber Napoleons perſoͤnlichen Einfluß auf das franzoͤſi⸗ ſche Civilgeſetzbuch in ſ. Archiv fuͤr die Geſetzgeb und Reforme des juriſtiſchen Studiums. II. Bd. Heft I. Nr. 3. S. 72. Heft II. Nr. S8.— Faſt auf jeder Seite der Discuſſions kommen Beweiſe vor. 3) Die veränderten Artikel ſind: r, 13, 17— 27, 33, 48, 49, 53, 59, 60, 86, 88, 90, 99, 116, 118, 123 126, 145, 136, 164, 169, 171, 19c, 192, 199 200, 235, 239, 240, 243— 248 250, 253 256, 257, 262, 263, 265, 267, 288, 289, 292, 293, 294, 302, 354, 356, 358 360, 377, 382, 427. 429 436, 458, 467, 483, 491 496, 500, 501, 511, 315 541, 560, 598, 713 7 23, 724, 726, 708, 770, 312, 319, 896, 910, 580, 983, 988, 989, 991 903, 1037, 1597, 2045, 2121 2138 245. 2153, 194 27 0— Faſt eine jede Buchhandlung hat dieſe Changemens beſonders abdrucken laſſen, und den uͤbrigen Exemplaren des Code civil beygelegt; ja iſt oft ſo unredlich ver⸗ fahren, ein neues Titelblatt, mit der Bemerkung avec les changggens, vor⸗ zudrucken, aber dieſe Changemens nur beyzulegen, ohne die Be, worauf die veraͤnderten Artikel ſtehen, umzudrucken, ſo daß man doch keinen Code Napoléon, ſondern nur einen Code civil kauft. Vergl. Seidenſticker a. q. O. S. 76. 77. 4) S. Goͤtting. gel. Anzeigen 1809. St. 17. 18. S. 44 · Privatrecht. Tranſitoriſche Geſetze. Wir glauben uns einer Detaillirung des Franzoſiſchen Privatrechts dieſer Periode enthalten zu können, da ſich der Haupttheil dieſes Buchs damit beſchaͤftigt. Alle Geſetze, welche daſſelbe betreffen, und nicht in dem Code Rapoleon aufgenommen ſind, ſo wie auch die ſpaͤtern kaiſer⸗ lichen Verordnungen, welche bierher einſchlagen, werden tranſitoriſche Geſetze genannt. Zu den fruͤhern tranſitoriſchen Geſetzen gehort das vom 26. April 1802, wodurch den Emigrirten voͤllige Amneſtie zugeſichert wurde, welche vor dem 1. Vendemiaire XI.(24. Sept. 1802) nach Frankreich zurͤckkommen wuͤrden; zu den letztern das Geſetz den . Zins⸗ — ———— — Von dem Zuſtande des Fr. Rechts vor dem C. N. 57 Zinsfuß, u. a. Bey ihnen iſt ſehr haͤufig die Frage aufgeworfen, ob ſie bey der Reception des Code Rapoleons in den teusſchen Staaten zugleich— mit recipirt ſeyen, da man ſie doch hinter ſo manchen Ausgaben deſſelben faͤnde? Dieſe Frage iſt jedoch unbedingt zu verneinen ¹). 1) Siehe§ 8.— Geſammelt finden wir ſie in einigen Ausgaben des Code Na⸗ poleon, beſonders den Laſſaulp'ſchen und Daniel'ſchen Ueberſetzungen; ferner im I. Supplement des Codes Napoleon et de procédure civile, on recueil des ſenatus- confultes, des lois des decrets impériaux, des avis du conſeil d'état, des circulaires et inſtructions miniſterielles, contenant des explica- tions de ces deux Codes, ou des moyens d'exccution des articles, qui preſentaient des difficultés dans leur application; publiés depuis l'an XI; rẽunis et mis en ordre par IL. RoNpoNNRau, propriétaire du depot des lois. à Paris chez Rondonneau. 1808. 8.(Wird fortgeſetzt. Einen Rach⸗ druck hat geliefert Voß in Deſſau und Leipzig in 8., eine Ueberſetzung ver⸗ ſprochen Herr Oberhofgerichtsaſſeſſfor Erhard. 2. LocR législation et jurisprudenee frangaiſe; ſoll einen Commentar uͤber dieſelben enthalten. Ern Theil iſt bereits erſchienen. 3. Recueil des diſpoßtions additionelles au C. N. et de P. civile par J. A. ConMMaILLE. Paris. 1808. 8. 4. Einen Auszug aus ihnen ſ. in Dabelow's Archiv fuͤr den Code Nap. Hift 4. S. 412. Heft 5. S. 462 ff. ℳ Spangenberg's Commentar Bd. I. Zweyter Abſchnitt. — sweyter Abſchnitt. Von dem Inhalte des Code Napoleon. §. 45. Plan des Code Napoleon. a. Grundſatz. De Plan bey Abfaſſung des Code Napoleon war, nur die Grundſaͤtze des allgemeinen Civilrechts zu liefern, und auch dieſes nur in legislativer Hinſicht*). Vereinfacht ſollten dieſe Grundſätze werden, aber nicht populariſirt, denn man fand es, wie es auch in der That iſt, vollig unmoglich, die Geſetze ſo einzurichten, daß die Unterthanen ohne Huͤlfe der Rechtsgelehrten ihre Rechtsgeſchaͤfte gefahrlos haͤtten eingehen koͤnnen; vieles blieb den erſtern uͤberlaſſen, und mußte ihnen uͤberlaſſen bleiben, da das Geſetzbuch nur die allgemeinen Principien aufſtellend, die Folgerungen unberuͤhrt ließ, welche nur Maͤnner, die in den Geiſt und alle Theile deſſelben eingedrungen, durch ſcharfſinnige Combinationen ziehen konnten. Einzelne Rechtsfragen zu beantworten, die Anwendung der Geſetze zu leiten, ſteht daher allein den Richterbehoͤrden und den Rechts⸗ gelehrten zu 2). 2) Veral. Seidenſticker Einleit. Cap. z. Schmid Einteit. Th. 1. S. 13o ff. Schomann Erlauterung der Civilgeſetzgebung Napoleons und Juſtinians. H. 1. Porrede. LocR Eſprit. Einleit. Th. 3. Cap. 33 ff. Zacharia Handbuch des franzoͤſiſchen Civilrechts. Einleit. F. 15. 16. 17.— Eine Characteriſtik des Code ſ. in Bredow Chronik des 19ten Jahrhunderts. Bd. II.(vom Prof. Schrader) In der Hall. L. Z. 1807. Nr 24ff. S. auch: der allgemeine und vollſtaͤndige C. N. in Voat's Europ. Staatsrelation. Bd. X. H. 2. Nr. III.— Coup doeil ſur le Code N. en Allemagne. Caſſel et Marbourg 1808. 3. 2) PoRTarIs discours prélimineire du projet de code civil. p. IX. LockE a. a. O. Cop. 33. Und dieſe ewige Wahrheit wurde doch ſpater nicht anerkaunt in den Motifs zum Promukaattonsgeſetz vom 3. Sept. 1807, wo es dem Preußi ſchen Landrechte zum Vorwurf gemacht wird, daß la carriére a donc reſté dans la Pruſſe aux feuls jurisconſultes. Vergl. Seidenſticker a. a. D. 9. 3. Daher kann —— . Von dem Inhalte des Code Napoleon. 59 kann man auch, gewiß uͤberzeugt, daß das Populariſiren einer poſitiven Wiſſen⸗ ſchaft fuͤr ſie ſelbſt und das Volk gleich verderblich ſey, einem Buche keinen Beyfall geben, welches den Code bis in ſein kleinſtes Detail in Catechtsmusform zerlegt, und die einzelnen Materien wieder als eben ſo viele Abhandlungen behandeit, damit ja jeder Buͤrger, der Belehrung uͤber eine derſelben braucht, ſie allein kaufen koͤnne. Dieſes iſt Chriſt. Sommer Syſtem(21) des Civilgeſetzbuches Napoleons in Fragen und Antworten. Zweyte Auflage(des Titelblatts naͤmlich). Koͤln 1807.(1804. 1805.) 2 Theile(oder 10 Hefte) in 8. Eben ſo ungluͤcklich hat es Fr. Hartmann zu populariſiren geſucht, in ſ⸗ belehrenden Buͤrgerfreund fur die Einrichtung des Koͤnigreichs Weſt⸗ phalen. Bd. I.(1807). Zweckmuͤßiger iſt ein Auszug der vorzuglichſten Rechtsſätze fuͤr das Volk; wie im: Unterricht in dem franzoͤſiſchen Civilgeſetzbuche fuͤr den Bürger, den Land⸗ mann und uͤberhaupt jedem Nichtgelehrten beſtimmt. Halle 1807. 8. S. G. Laube kurzer Unterricht fuͤr Jedermann uͤber das buͤrgerliche Geſetzbuch Napo⸗ leons in alphabetiſcher Ordnung. Bresiau 1808. 8. Polniſch und Teutſch. (Schlecht dagegen: Auszug aus den neuen franzoͤſtſchen Geſetzb. genannt C. N., fuͤr Jedermann, beſonders fuͤr Weſtphalen. Leipz. 1808. 8.) Und einzelne Theile deſſelben populartſirt: Die Vermögensrechte der Ehegatten. Caſſel 1808. s. Laſſaulx Handbuch fuͤr Vormuͤnder. 1806. und fuͤr Weſtphalen: Willigerod Inſtructton fuͤr Vormuͤnder. Goͤttingen 1809. 8. b. Folgerungen darans. Hieraus folgt I. der Code Napolevn umfaßt nicht die Rechtswahr⸗ heiten, welche dem Staats⸗ oder Regierungs⸗Rechte ¹), und ſolchen Zweigen des Privatrechts angehoͤren, bey denen beſondere kirchliche oder buͤrgerliche Verbältniſſe zum Grunde liegen. Fuͤr dieſe letztern ſind eigene Codes beſtimmt, von denen ein Theil ſchon erſchienen iſt, wie der Code de commerce; ein anderer Theil noch erwartet wird, wie der Code rural 2), Code foréſtier, Code en matiére de culte, u. a. Eben deshalb macht man dem Code den Vorwurf der Unvollſtaͤndigkeit nur mit großem Unrecht, indem man mehr von ihm verlangt als er ſeiner Natur nach geben kann ²). Weit entfernt, daß eine ſolche Unvollſtaͤndigkeit ſtatt findet, macht viekmehr der Code durch dieſe zweckmäßige Anord⸗ nung gerade den Stand des Richters zu den bedeutendſten und ehren⸗ vollſten, indem dieſer, obgleich nicht Geſetzgeber, manche Entſcheidungen nach ſcharfſinnigen Combinationen und Folgerungen machen darf, und H 2 dadurch 60 Zweyter Abſchnitt. dadurch ſeiner Denkkraft ſelbſt Spielraum genug eingeraͤumt wird.— Rur in dem Praͤliminarartikel des Code finden wir von dieſer Beſchraͤn— kung deſſelben auf das Civilrecht eine Ausnahme, weil er allgemeine Dispoſitionen uͤberhaupt enthaͤlt, die nicht bloß dem Civilrecht eigen ſind, weil ſie, obgleich Vorkenntniſſe aller Geſetzbuͤcher, dennoch am beſten an der Spitze des Civilgeſetzbuchs ſtehen, welches den Anfang der Reihe der neuen Geſetzbuͤcher macht*). Ferner folgt daraus II: alles doetrinelle iſt von dem Organismus des Code ausgeſchloſſen, und bleibt lediglich der Jurisprudenz uͤberlaſſen. Ganz uͤberſehen war dieſer Grundſatz in den erſtern Entwuͤrfen, in welchen das Geſetzhuch zugleich Lehrbuch des Rechts ſeyn ſollte, und noch in dem letztern Project finden ſich Spuren dieſer Idee. Allein wenn gleich die todten Geſetze nur durch wiſſenſchaftliche Bebandlung in Verhaͤltniß gegen einander geſetzt werden, und auf dieſe Art Leben gewinnen können, ſo hat doch der Code den Grundſatz xein ausgeſprochen, daß ein Geſetzbuch nur einen legislativen Zweck haben muͤſſe. Um jedoch der doectrinellen Be— handlung des Code die gebörige Richtung zu geben, ſind die Motife und Gruͤnde einer jeden Diſpoſition bekannt gemacht, ob man gleich in dem Geſetzbuche ſelbſt alle Definitionen ſorgfaͤltig unterdruͤckt hat, welche nicht gerade unentbehrlich ſchienen*à). Auf dieſe Weiſe iſt denn auch beſſer fuͤr die Wiſſenſchaft geſorgt, als durch Entwerfung eines eigenen, dem Geſetzbuche anzupaſſenden Naturrechts, wodurch man bey der Abfaſſung des Preußiſchen Geſetzbzuchs den Schluͤſſel zur Doctrin deſſelben gefunden zu haben glaubte.— Wenn aber nach dem obhen ausgefuͤhrten Grund⸗ ſatze der Code kein ſyſtematiſches Lehrbuch des Eivilrechts ſeyn ſoll, ſo kann doch hieraus nicht gefolgert werden, däß ſich im Code keine ſyſte⸗ matiſche Zuſammenſtellung der darin enthaltenen Rechtswahrheiten finde, und daß man daher ein anderes Syſtem bey der doectrinellen Behandlung deſſelben befolgen müſſe. Dieſes letztere wärde vielmehr hochſt gefährlich ſeyn, da die Stellung der Geſetze im Code gegen einander, beſtimmte Interpretationsregeln erzeugt, und das Syſtem des Code als ſolches aus⸗ druͤcklich von der Regierung autoriſirt iſt. Denn dieſe bat den Profeſ⸗ ſoren des Rechts in dem oben angefuͤhrten Geſetze uͤber die Rechtsſchulen ausdruͤcklich verboten, nach einer andern als der legalen Oednung den Code vorzutragen 6); und in mehrern Stellen der Motifs*) wird das Syſtem des Code vorzäglich deshalb geprieſen, und als vorzuͤglicher als das Von dem Inhalte des Code Napoleon. 61 das des Romiſchen Rechts vorgeſtellt, weil es beſtimmter ſey als das letztere. 3— 1) Deshalb ward F. 2. des art. 17. durch das Geſetz vom 3. Sept 1807 als nicht civiliſtiſch unterdrüͤckt. Mehrere Beyſpiele findet man in der Discuſſion. Wahre Policeyverfuͤgungen findet man jedoch in den geſetzlichen Servituten. 2) Man muß ſorgfaͤltig zwiſchen einzelnen Geſetzesſammlungen und zwiſchen foͤrm⸗ lich redigirten Geſetzbuͤchern unterſcheiden, da ſie beide nach franzoͤſiſchem Sprach⸗ gebrauch Codes heißen(5. 24). Was bts jetzt Code rural genannt wird, gehoͤrt zur erſtern Claſſe; der foͤrmlich redigirte iſt noch nicht erſchienen. 3) Hterdurch unterſcheidet ſich mithin auch der Code ſo ſehr von dem Allgemeinen Preußiſchen Landrechte, welches auf die moͤglichſte Vollſtaͤndigkeit aller Rechtswahrheiten geht, und daher den Richter größtentheils zur Urthetlsmaſchine herabwuͤroigt. S. von Carmer Entwurf eines allgemeinen Geſetzbuchs fuͤr die Preußiſchen Staaten. Th. 1. S. 3. Schömann a. a. O. Vorrede. 4) LocRß Eſprit. Th. 1. S. 134.(Cap. 34 der Einleit.) 5) Direuſions par JoanAv et SoroN. T. I p. 236(Fd. 1.) deshalb iſt auch das ſonſt ſo vortreffliche Livre préliminaire des Projects(§. 68.) unterdruͤckt. 6) Ueber die Methode, wie das franzoſiſche Recht und vorzuͤglich der Code Napoleon vorgetragen werden ſoll, finden ſich in dem Geſetze uͤber die Rechtoſchulen mérk⸗ wuͤrdige Beſtimmungen, und zwar im Geſetz vom 22. Ventoſe XlI.(relative aux ecoles de droit) art. 2. On 7 enſeignera 1. le droit civil frangais, dan Tordre dtabli par 6 Code civil, les élemens du droit naturel et du droit des gens, et le äroit romain dans ſes rapports avec le droit frangais 2. Le droit public frangais, et le droit civil dans ſes rapports avec l ad- miniſtration publique. 3. La législation criminelle, et la procedure civile et criminelle. Und im Decret vom. Complem. an. XII.(ſur l'organiſation des ec de droit) art. 70. Pendant une partie des legons, les profeſſeurs dicteront des cahiers. que les étudians feront tenues d'6erire eux wémes. Les profeſſeurs expliqueront et développeront verbalement, dans chaque legon, le texte, quils auront dicté. S. auch Coup d'oeil ſur le C. N. chap. 3. 7) 3. B. SavovERorIIM Discours prononce au corps Kgislatif ſur le titre 7 du Livr. II.(Ausaabe von Garnery des Code eivil Buch Il. S. 23) Anderer Mey ung ſcheint Seidenſticker Einleitung. Cap⸗3. 6. 4. und ſtillſchweigend Zachari Handbuch des ſranzoöſiſchen Civtlrechts u. a.— indem ſie daſſelbe nach einer andern Ordnung abhandeln.— Aber auch im Staatsrathe wurde uͤber das Syſtem debattirt, welches daß daſſelbe doch nicht ſo gleichgultig 3 gewe⸗ Zweyter Abſchnitt. geweſen ſey.(Sttzung am g. Thermidor IX.) Vergl. Prof. Bucher uͤber die wiſſenſchaftliche Ordnung des Napoleoneiſchen Codex in Dabelow Archiv. Heft 5. S. 417 ff.— Im dritten Buche des Code iſt dagegen das Syſtem der darin enthaitenen Materien zwar im Praͤliminair⸗ artikel angedeutet, bey Rangirung der einzelnen Contracte aber nicht befolgt. 6. 47. Methode des Code Napoleon. Die Methode des Code iſt ſehr einfach. Er iſt auf den Grundſaß gebauet, daß das Eigenthum das Fundament des Privatrechts ausmache, daß letzteres aber nur vollkommen von einem Franzoͤſiſchen Buͤrger aus⸗ geuͤbt werden konne, und zerfällt hiernach in drey Buͤcher, deren Erſtes in§15 Artikeln von den Perſonen; das zweyte von den Sachen und den Modificationen des Eigenthums an denſelben in 195 Artikeln; das drirte Buch von den verſchiedenen Erwerbsarten des Eigenthums in 1571 Artikeln handelt 1). Die Ueberſchrift des letzten Buchs iſt jedoch nicht ganz paſſend, weil darin auch von den Tilgungs⸗ arten des Eigenthums und dem Beweis deſſelben gebandelt wird 2). Geſetz vom 30. Ventoſe KlI. art. 4. 2) Eine Rechtfertigung dieſer Anordnung findet man in Seidenſticker Einleitung. Cap. 3.§. 9— 12. Quellen des Code Napoleon. 10 Wohl uͤberzeugt, daß jede Legislation, welche ſich zu weit von den alten beſtehenden Rechten entfernt, ſowohl füͤr das Volk, fuͤr welches ſie beſtimmt iſt, als auch fuͤr die fremden Völker ſehr verderblich ſeyn muͤſſe; in ſo fern ſie im erſten Falle zu tiefe Wunden der Familienverfaſſung der einzelnen Buͤrger und der darauf gebaueten Rube des Staats ſchlaͤgt, im letztern aber durch eine zu große Verſchiedenheit des Rechts die Staaten gegen einander iſolirt, war es auch Grundſatz der Redactoren des Code, auf dem Alten fortzubauen; desbalb denn auch der Code eben⸗ falls auf das ſo genannte droit écrit und droit coutumier gegruͤndet iſt. Am meiſten hat der Code aus der vortrefflichen und nie untergebenden Romiſchen Legislation geſchöpft, und es iſt daher ein nicht wohl zu begreifender Irrthum, wenn man das Roͤmiſche Recht neben dem uͤr B Von dem Inhalte des Code Napoleon. 6 3 für völlig entbehrlich hält, da er ohne daſſelbe gar nicht verſtanden werden kann ²). Rur dann hat man es zu verlaſſen muͤſſen geglaubt, wenn ſich die Franzöſiſche Legislation ſelbſt neue Wege eroͤffnen mußte, von denen das Roͤmiſche Recht nichts ahndete, wie im Perſonen⸗ und Erbrecht, bey welchen man daher letzteres nur mit der großten Vorſicht als Fuͤhrer annehmen darf. Dagegen waltet das Römiſche Recht in der Contractenlehre wieder vor. Weniger iſt aber aus den Coutumes geſchöpft, obgleich ſie in der Lehre von den Servituten und der Guͤter⸗ gemeinſchaft, ſo wie die königlichen Ordonnanzen in der Lehre von den Subſtitutionen und Schenkungen, vorzüglich benutzt ſind. Mehr iſt da⸗ gegen aus den von der Nationalverſammlung gegebenen Civilgeſetzen auf⸗ genommen, und vorzuͤglich das ganze Hypothekenweſen nach ihnen regulirt; vieles endlich aus den doctrinellen Schriften eines Potbier, ja ſogar eines Montesquieu angenommen. Auf die neuern teutſchen Verſuche in der Civillegislation iſt jedoch faſt gar nicht Ruͤckſicht genommen, und obgleich im Jahre 1804 auf Befebl des Juſtizminiſters das Allgemeine Landrecht fuͤr die Preußiſchen Staaten ins Franzöſiſche uͤberſetzt wurde, ſo iſt es dennoch wenig benutzt, ja bey manchen Gelegenbeiten, z. B. bey der Lehre von der Abweſenbeit, in der Diseuſſion ziemlich bitter abgefertigt. 1) Seidenſticker Einleit. Cap. 3. F. 5. Cap. 5. Dabelow Archiv fuͤr den C. N. St. S 2) Sehr wahr ſagen daher Bigot de Préameneu(Eæpoſ« des motifi Au titre 3. Liv. TI. in Garnery's Ausgabe S. 38. 30.)— Plles feraient bien mal entendues— ſes dispoſitions du Code eivil— ſi on les enviſageoit autre- ment, que comme des regles élémentaires d'éqnité, dont toutes les ramifca. tions ſe trouvent dans les Jois romaines;— c'eſt la, que doivent puſſer ceux, qui ſeront chargé de la defenſe, on de Fexécution des lois conkignses dans le Code frangais; und Gary(Dicours Vur le tiere 3. du Lire J. bey Gaonery S. 108.) Qu'il me foit permis de ſignaler iei une erreur, rẽpan due deja par Tignorance, et que la pareſſe pourroit peut étre accréditer, e'eſt, qu'il ſuffira déſormais à cenx qui ſe deſtinent ſ'étude des los, de eonnoitre le Code civil. Nous ne ponvons aſfez leur repẽter, qu Fexemple de nos plus grands magiſtrats et de nos plus célébres jurisconſultes ils doive nt ẽtudier le droit dans Ja ſource la plus pure, dans les lois romaines. S. auch DiſcNons par JoanMBav. Th.1. S3 und 8. Deshalb iſt auch das Römiſche Recht an ote Spitze des Unterrichts in der Jurtsprudenz geffellt, wie aus den Lectionsverzeichniſſen der Rechtsſchulen, und dem kaiſerl. Decret vom 4 jour complément. de Pan XII. erhetlt, und deshalb iſt man jetzt auch in Frankreich mit Bearbettungen des Roͤmiſchen Rechts, obgleich nicht gerade ſehr gluͤcklich, doch wenigſtens ſehr thaͤtig. Die Schriften uͤber daſſelbe ſ. man in Seiden⸗ Zweyter Abſchnitt. Seidenſticker Einleitung. Cap. 1. 5. 28. Denen ſich noch zugeſellen läßt: Hrinpccros legons elémentaires du droit civil romain, traduit par A M NEsTRIER. 3 Voll. 12. CoTELILE traité des teſtamens, legs et fideicommis, Analyſe de la Zieme partie des Pandectes&e. Paris 1807. 8.— Diejenigen mögten daher ſehr irren, welche in der Entſtehung des Code Napoleon den Un⸗ tergang des Romiſchen Rechts ſehen wollen, wie in der Allgemeinen Bibliothet für Staatskunſt, Rechtswiſſenſchaft und Fritik⸗ Gießen und Wetzlar. 1808 H I.(Einen Auszug aus der Abhandl von Almen⸗ dingen ſ. in Winkopp Rheinbund. H. 24. Nr. 34.) Vergl. Seidenſticker qQ⸗ d. O. Cap. 6. 5. 8⸗ §. 49. Zweck des Code Napoleon.— Der nicht zu verkennende Hauptzweck des Code Napoleon iſt, zunaͤchſt fuͤr Frankreich, und dann fuͤr die foͤderirten Staaten ein allgemeines einformiges Privatrecht aufzuſtellen, und dadurch ſowohl Ruhe und Sicherheit des Eigentbums im Innern des Centralſtaats zu erhalten, als auch die foͤderirten Länder durch ein neues feſtes Band unter ſich und an den Centralſtaat zu knuͤpfen. Auf dieſen Hauptzweck, beſonders der erſten Gattung, bezieben ſich dann die mehreren Rebenzwecke, welche als eben ſo viele Vorzuͤge ¹) des Eode vor andern Geſetzbuͤchern betrachtet werden können. Unter die vorzuglichſten derſelben gehören 1L. die groͤßere Einheit und Befeſtigung der Familienverhaͤltniſſe; II. die Trennung der Ehe von der kirchlichen Macht; UI die groͤßere Beſtinmtheit im Erb⸗ recht; IV. die Verbeſſerung des Hypothekenweſens; V. die Fuͤrſorge fuͤr die Gläubiger, welche ſich durch den ganzen Code verbreitet findet, und VI. das Beſtreben, Proceſſe moͤglichſt zu vermeiden*). Dieſes letztere ſieht man vorzuglich in der möglichſten Abkuͤrzung der Extinetivverjaͤhrung, der Beſchränkung des Zeugenbeweiſes, und daß bey einigen Rechtsgeſchaf⸗ ten, bey welchen viele Streitigkeiten vorkommen koͤnnen, z. B. Ver⸗ gleichen u. a. die ſchriftliche Abfaſſung ein weſentliches Erforderniß iſt. In dieſe Fußtapfen, vorzuͤglich des Code Napoleon, iſt denn auch ſein Zwillingsbruder, der Code de procédure civile, der mit ihm in einem ſolchen innigen Verhältniſſe ſtebt, daß ſich die beyderſeitigen Verordnungen durchkreuzen, und daß es ſchwer iſt zu beſtimmen, welche Materie fuͤr erſtern, welche fuͤr letztern gebort, getreulich nachgetreten ²). Endlich VlI. das Beſtreben, große Guͤtermaſſen zu vereinzeln, und uͤberhaupt die Ungewißheit des Eigenthums zu verhuͤten 4). 7) Zu Von dem Inhalte des Code Napoleon. 65 1) Zu den Vorzügen des Code kann auch gewiß gerechnet werden, was ein ſehr —competenter Richter in dieſen Sachen, Herr Prof Schrader in ſ. Abhandlun⸗ gen aus dem Civilrechte(S. 164) ſagt: man ſehe es den Zahlenbeſtimmungen des Code Napoleon an, daß die Mathematik in Frankreich viel mehr bluͤhe als im alten Rom(Ravenna und Conſtantinopel). S. auch Zacharia Handbuch des franzöſiſchen Civilrechts. Einleitung 5. 16. 2) S. Goͤnner uͤber die Mittel Proceſſe vorzubeugen, in Vergleichung des C. N. mit dem Preußtſchen Landrecht, in deſſen Archtv fuͤr Geſetzgebung. B. I. H. 1. Nr 8. wozu noch die Beſchränkung der erwerbenden Verjährung unkoͤrperlicher Sachen, und die Verordnung, daß die Servitudes continues non apparentes, und discontinnes nur durch ſchriftliche oder Anerkennungsurkunden(titres con- ſtitutifs ou recognitifs) erworben werden konnen,(S. Code Napoléon art. 691. 695.) gerechnet werden kann. —— 3) S. J. C. D. Salchow Eroͤrterungen uͤber das gerichtliche Verfahren in buͤr⸗ aerſichen Rechtsſtreitigketten nach dem neuen franzoͤſiſchen Rechte. Leipz. 1808. 8. . Nr 7 und 8. 4) Deshalb faͤllt die ſubſidiariſche Klage des Pupillen gegen andere Perſonen, außer 6 den Vormund, wegz deshalb iſt die Diepoſitlon uͤber die Guͤter erleichtert und das Erbrecht vereinfacht u. ſ. w.. . Spangenbergs WCommentar Bd. I. Dritter Abſchnitt. Dritter Abſchnitt. Von dem Verhältniſſe des Code Napoleon zu den uͤbrigen Geſetzen. 5. Fo. Nothwendigkeit des Studiums der uͤbrigen Geſetze neben dem Code Rapoleon. D a der Code Napoleon mit den uͤbrigen Theilen der Legislation in einer ſo genauen und innigen Verbindung ſteht, daß man ihn beynahe als deren Baſis betrachten kann, ſo kann wohl uͤber die Nothwendigkeit, die dem Civiliſten obliegt, auch die uͤbrigen Geſetze, welche neben den Code gegenwärtig zur Anwendung kommen, zu kennen, kein Zweifel ſeyn. Dieſe Wahrheit iſt allgemein anerkannt; gefaͤhrlich dagegen eine Meynung, welche aufzukommen ſcheint, als ob es naͤmlich des Studiums der fruͤhern Geſetze nicht mehr beduͤrfe. Denn l. iſt es eine der Hauptunbequem⸗ lichkeiten, welche die Einfuͤhrung eines neuen Geſetzbuches mit ſich bringt, daß man ſo lange noch ein doppeltes Recht, das vergangene und das neue, ſtudiren muß, bis die Fälle, welche nach den fruͤhern Rechte ent⸗ ſchieden werden muͤſſen, abgemacht ſind, und deren nach den mannigfal⸗ tigen Colliſionen der Menſchen gegen einander ſo viele ſind, daß vielleicht noch mehrere Menſchenalter hingehen werden, ehe die Vergangenheit, ſo zu ſagen, rechtlich abgethan iſt*). 1I. Auch ſteben die ältern Geſetze mit dem Code Napoleon uͤberhaupt in einem zu innigen Verhältniſſe, als daß man glauben duͤrfe, daß ibre Kenntniß unnothig ſey. Dieſes Ver⸗ baͤltniß kann aber darin beſtehen, daß die fruͤhern Geſetze den Code Rapoleon ausſchließen, wie oben bemerkt iſt, oder daß der Code ſie aus⸗ ſchließt, oder daß ſie neben den Code zur Anwendung kommen. 1) So wird noch jetzt in dem Caſſationshofe groͤßtentheils nach aͤltern Rechten entſchieden, und ſeltener iſt es, daß ein Fall vorkömmt, der nach dem Code Na⸗ poleon zu entſcheiden waͤre. 5. F. Von dem Verhaͤltniſſe des C. N. zu den uͤbrigen Geſetzen. 6 5. 51. Verhaͤltniß des Code Napoleon gegen die fruͤhern Geſetze. Ganz unbedenklich iſt es näͤmlich, daß, da der Code Napoleon, wie das Geſetz ſeiner Natur nach, nicht zuruͤckwirkende Kraft hat, er in den Faͤllen nicht unbedingt zur Anwendung kommen konne 1), welche unter der Herrſchaft des aͤltern Rechts angefangen, und unter der des neuern beendigt ſind. Aber ſehr ſchwierig iſt es zu beſtimmen, in wiefern die fruͤhern Geſetze auch noch neben dem Code für die Zukunft ²) zu gelten fortfahren ³). Denn die Beſtimmung, die ſich hieruͤber in dem Reu⸗ nionsgeſetze vom z0. Ventoſe XlI. findet, läßt mehrere Erklaͤrungen zu. In dieſem heißt es naͤmlich im 7ten Artikel: 4 compter du jour ou ces lois[ont exécutoires, les lois ro- maines, les ordonnances, les coutumes générales, ou locales, les ſtatuts, les reglemens ceſſent d'awoir force de loꝛ générale ou particuliere dans les maltẽres ui ſont Vohſet desdites lois compoſant le prcſent Code 4). Von dem Tage an, da die in dem Code enthaltenen Geſetze in Kraft treten*), haben die Römiſchen Rechte, die Ordonnanzen, die allgemeinen und beſondern Localgewohnheiten, die Statuten und Ver⸗ ordnungen in den Materien, welche der Gegenſtand der genann— ten Geſetze ſind, woraus der Code beſteht, als allgemeine oder particu⸗ laire Gefetze, keine verbindliche Kraft mehr. Und vollig gleichlautend fuͤr Weſtpbalen in dem koͤnigl. Decrete vom 21. September 1808. 6)— im dritten Artikel: 1 Acompter du 1. Janvier 1808, ou le Code Napoléon, confor- mement à Tarticle 45 de l'acte constitutionel du 15. Novembre, a eié mis en activité dans le royaume, les lois romaines, les lois canoniques, et celles du ci- devant empire germanique, ainſi que les lois et ordonnances particulières des pays dont le royaume eſt compoſé, les coutumes générales et locales, les ſtatuts ou réglemens ont ceſſe d'avoir force de loi genrale ou paricu- liere dans toutes les malieres, qui ſont hohſjet des di aſitions contenues dans le Code Napoleon 7). Seit dem 1. Januar 1808, wo, in Gemaͤßheit des 45ſten Artikels der Conſtitution, das Geſetzbuch Napoleons in dem Koͤnigreiche zur J2 Anwen⸗ 68 Dritter Abſchnitt. Anwendung gekommen iſt, haben die röniſchen, eanoniſchen und ehe⸗ maligen teutſchen Reichsgeſetze, wie auch die beſondern Geſetze und Verordnnngen der kaͤnder, aus welchen das Konigreich beſteht, in⸗ gleichen die allgemeinen und örtlichen Obſervanzen und Gewohnheiten, Statuten und Vorſchriften aufgehört, in Anſehung derſenigen Gegenſtaͤnde, woruͤber das Geſetzbuch Napoleons Ver⸗ fügungen enthaͤlt, die Kraft eines allgemeinen oder be⸗ ſondern Geſetes zu baben⸗ In Colliſionsfaͤllen der fruͤhern Geſetze mit dem Code iſt daher den die geſetzliche Kraft genommen, jedoch nur bey den Materien, welche der Code abgebandelt hat. Um dieſen Satz gehörig zu verſte⸗ ben, iſt es nothig, daß wir die verſchiedenen Fälle aufſuchen, in welchen eine Colliſion mit dem Code moͤglich iſt, und bey jedem die Anwendung der obigen Vorſchrift verſuchen. Dieſe Faͤlle konnen namlich drey⸗ fach ſeyn: I. Der Code verordnet etwas bey einer die zu ſeiner rechtlichen Sphaͤre gehoͤrt O. b. das allgemeine Pri⸗ vatrecht betrifft§. 46 ff.)*), während das kräbers Geſetz ebenfalls etwas verordnet hat. Hier geht natuͤrlich der Code vor, und das fruͤhere Geſetz kömmt nicht zur Anwendung, weil obnehi n ein aͤlteres Geſetz durch das neuere aufgehoben wird*). II. Der Code ſchweigt bey einer Lehre, die zu ſeiner Sphaͤre geboͤrt ¹0), waͤhrend das fruͤhere Geſetz uͤber dieſen Punct disponirt hat. Hier ſoll nach dem Ausſpruch der oͤffentlichen Verhandlungen uͤber dieſen Artikel des Geſetzes vom zo. Ventoſe, das fruͤhere Geſetz zwar nicht als Geſetz zur Anwendung kommen, ſondern als geſchriebene Vernunft(railon écrite). Was hietunter verſtanden werde, und welches die Folgen dieſer Dispoſition ſeyen, darüber iſt man keinesweges einig. Vorzuͤglich zwey Meynungen ſind zu beruͤckſichtigen, denn die uͤbrigen fallen mehr oder weniger mit dieſen zuſammen. Einige nehmen an, die ältern Geſetze ſeyen völlig abgeſchafft, haͤtten jedoch da, wo der Code kuͤcken laſſe, noch einige Autorſtät als geſchriebene Vernunft, d. b. könnten in ſo fern zur Richtſchnur dienen, als ſie der natuͤrlichen Billig⸗ keit, —— F Von dem Verhaͤltniſſe des C N. zu den uͤbrigen Geſetzen. 69 keit, deren Beurtheilung freylich dem Richter uͤberlaſſen bleiben muͤſſe, nicht widerſpraͤchen; der Unterrichter duͤrfe alſo davon abwei⸗ chen, wo er ſie ſeiner Vernunft nach fͤr ungerecht halte, und der Oberrichter das unterrichterliche Erkenntniß, was auf ein älteres unbilliges Geſetz gebaut ſey, re formi⸗ ren 1¹). Andere ſtellen folgenden Grundſatz auf: In den im Code zwar nicht entſchiedenen, aber doch in den umfang irgend eines ſeiner Titel gehörigen Sachen, gelten die Verordnungen des ältern Rechts nicht mehr als Geſetze, ſondern nur als Regeln; in dem Sinne, daß der Richter ſich zwar darnach richten, und, wenn dieſes nicht geſchieht, der Appellationsrichter reformiren muß; auch durch die von einem Richter in diefer Hinſicht begangenen Fehler die Syndicatsklage gegen denſelben, nie aber Caſ⸗ ſation gegen das von demfelben geſprochene Urtbeil be⸗ gründet werden kann ¹²). Rur die erſte Meynung iſt richtig ¹3); es gilt daher das fruͤhere Recht in den Lehren, welche zwar zum Reſſort des Code gehören, aber nicht darin abgehandelt ſind, und in den Luͤcken, welche der Code in dieſen Materien laßt; aber nicht als Geſetz, ſondern nur als doctrinelle Autorität, ſo daß der Richter es verlaſſen kann, wenn es ihm ſeiner individuellen Ueberzeugung nach unbillig ſcheint, und daß er es befolgen kann, wenn es ihm gerecht und gut ſcheint, und daß auch der Oberrichter kein Erkenntniß deshalb reformiren kann, weil es gegen ein aͤlteres Geſetz in dieſem Falle geſprochen iſt,(ſo wie dieſes in Hinſicht des Caſſationshofes 1²) fuͤr Frankreich ausdruͤcklich beſtimmt iſt,) wohl aber wenn es auf ein unbilliges früberes Geſetz gebaut iſt. Denn 1) iſt es gegen die Politik und den Zweck einer neuen Legislation, beſonders der Franzöſiſchen, welche eine gleichförmige Rechtswiſſenſchaft beabſichtigte, wenn die fruͤhern Geſetze, die ſo verſchiedenartig ſind, dennoch unter gewiſſen Bedingungen zur Anwendung kommen ſollten, wo ein neues Geſetz etwas beſtimmt, oder für den Richter beſtimmbar gemacht hat**). 2) Heißt es ausdrucklich in den öſſentlichen Verhandlungen uͤber den genannten Artikel, welche als officielle Interpretation angeſehen werden muͤſſen 10): Das Römiſche Recht behalt die Kraft der geſchriebenen Vernunft, und eingeſchloſſen in dieſe Gränzen wird es ſo viel nützlicher ſeyn, da man in der Anwendung nur die Grundſätze der Billigkeit, die es Dritter Abſchnitt. enthaͤlt, benutßen kann, ohne ſich der Spitzfindigkeiten und Irrthumer, welche ſich mitunter darin finden, bedienen zu muͤſſen; aber nirgends darf es zu Caſſationsurtheilen Veranlaſſung geben,(wenn naͤmlich der Richter gegen das alte Recht geſprochen haͤtte). Nie ſoll man jedoch den Richtern die Freyheit rauben, es als Wegweiſer, als Regeln,(wie jeden andern doctrinellen Schriftſteller uͤber eine Lehre,) zu gebrauchen.“ 1*) 3) Iſt der 7te obengenannte Artikel auch in dieſem Sinne in der Franzöſiſchen Praris angenommen. Hier verdient vorzuͤglich Herr Prof. Laſſaulx ¹*) als geſchaͤtzter Geſchaͤftsmann und als Zeuge Glauben, wenn er ſagt: „Das Roͤmiſche Recht iſt in Frankreich eine Autoritat und kein Geſetz, auch kein ſubſidiariſches. Haͤtte der Richter in einem von dieſen Rechten in terminis vorgeſebenen Falle, von der in den Fran⸗ zöſiſchen Rechten enthaltenen, und von dem Römiſchen Beyſpiel abge⸗ leiteten Regel eine dieſem ganz entgegengeſetzte Anwendung gemacht, ſo koͤnnte dieſes Urtheil wohl reformirt werden, weil jene Anwendung der Vernnnft und der vernunftmaͤßigen Anwendung in dem Beyſpiele widerſpricht, nicht aber, weil der Richter ſich nicht an die Entſcheidung des Römiſchen Tertes gebunden hat; deshalb giebt auch die Verletzung der Roͤmiſchen Geſetze nie, und in keinem Falle zur Kaſſation eines Urtheils ſtatt, weil der Kaſſationshof ſich mit der Frage, ob gut oder uͤbel geſprochen worden, nicht beſchaͤftigt, ſondern nur mit der, ob das Geſetz verlett worden iſt oder nicht.“ So entſchied auch der Appellhof zu Bruͤſſel die Frage, ob die nach den fruͤhern Geſetzen, bey dem Begraͤbniß eines Todten, von deſſen Ab⸗ ſterben dem Civilſtandsbeamten keine Anzeige geſchehen, eintretende, im Code aber mit Stillſchweigen uͤbergangene, Strafe gegen den, welcher die Anzeige haͤtte thun muͤſſen, zuerkannt werden koͤnne? mit Ruͤckſicht auf den 7ten Artikel des genannten Geſetzes dahin, daß die Strafe nicht ſtatt finde, weil der 7te Artikel alle fruͤhern Geſetze uͤber den Civilſtand vollig abrogire ¹2). 4) Bezeichnet raiſon écrite in der Diseuſſion den Gegenſatz des poſitiven Rechts,— das natuͤrliche oder Vernunftrecht— mithin nicht das poſitive Recht ſelbſt; dieſes erhellt vorzuglich aus Fau⸗ ——— — Von dem Verhaͤltniſſe des C. N. zu den uͤbrigen Geſetzen. 71 Faure's(Not. 1.) angefuͤhrten Worten— ſi la loi ſe tait, les juges doivent ſe dterminer par les regles de l'équité, qui conſiſtent dans „ les maximes de droit naturel.— Dieſe Maximen des natuͤrlichen Rechts ſoll der Richter im Roͤmiſchen Rechte, als einer Sammlung derſelben, aufſuchen. 5) Endlich erhellt es daraus, daß wenn ein Erkenntniß, welches dem fruͤhern Rechte offenbar zuwider iſt, nicht durch ein Caſſationsgeſuch ſoll angefochten werden koͤnnen, demſelben dadurch offenbar die Eigen⸗ ſchaft einer geſetzlichen Rorm entzogen wird, da der Caſſationshof alle die Erkenntniſſe aufheben muß, welche gegen klare Geſetze(contra jus in theſi) geſprochen ſind 20). 6) Was beſonders das Königreich Weſtphalen anlangt, ſo iſt fuͤr daſſelbe dieſe Anſicht durch ein Schreiben des Herrn Juſtizminiſter Simeon außer Zweifel geſetzt, in welchem es heißt: „Der Code Napoleon, wodurch alle ebmaligen Geſetze, die mit deſſen Dispoſitionen in Widerſpruch ſtehen, aufgehoben werden“— 21). Und in einem andern an das Civilgericht in Magdeburg vom 29. Februar 1808; 2²) 3 „Der Code Rapoleon hebt alle Geſetze auf, die ihm entgegen ſind, und erbaͤlt nur diejenigen Localſtatuten bey Kraͤften, auf welche von ibm Zuruͤckweiſung geſchieht, oder in Anſehung derer der Landesherr erklaͤrt, daß ſie beybehalten werden ſollen.“ Dieſes alſo würde die wahre Anſicht des Verhältniſſes des Code Napoleon in den Laͤndern gegen die fruͤhern Geſetze ſeyn, worin er, nebſt dem Ge⸗ ſetze vom 30. Ventoſe XII. eingefuͤhrt iſt; und iſt er ohne daſſelbe ein⸗ geſuͤhrt, ſo muß dieſes Verhaͤltniß durch ein eigenes Geſetz des Recipienten beſtimmt werden 23). Ein ſolches haben wir von dem Herzoge von Abrenberg, vermöge welches die fruͤhern Geſetze in allen den Puncten, worin der Code ſchweigt, ſie mögen zu ſeinem Reſſort gehören oder nicht, als wahre ſubfidiariſche Geſetze zur Anwendung kommen 2¹); und von dem Großherzoge von Baden, worin ſie völlig abgeſchafft ſind ²*). IMI. Der Code ſchweigt bey einer Lehre, die nicht zu ſei— ner Sphäre gebört, während das ältere Recht hieruͤber In etwas beſtimmt. 72 Dritter Abſchnitt. In dieſem Falle müſſen die ältern Geſetze als wabre Geſetze zur Anwendung kommen, ſo daß ihre verbindliche Kraft nicht mehr auf die einer geſchriebenen Vernunft eingeſchraͤnkt iſt; iſt daher gegen ſie ge⸗ ſprochen, ſo muß das Urtheil caſſirt werden. Dieſes laßt ſich ſowohl aus dem 7ten Artikel des Geſetzes vom z0. Ventoſe XlI negativ folgern, der den fruͤhern Geſeßen nur in den Materien, die zum Reſſort des Code gehören, ihre geſeßliche Kraft raubt, als auch durch die Franzoſiſche Praris beweiſen. Herr v. Maleville**) will jedoch dieſe Regel nur in Anſehung des droit commun de France 27), nämlich der Ordon⸗ nanzen und der Revolutionsgeſetze, zulaſſen; in Anſehung der nicht ge⸗ meinen Rechte, wie des römiſchen und ſtatutariſchen Rechts, aber annehmen, daß letztere bloß die Kraft einer geſchriebenen Vernunft hätten. Aber, wenn wir nicht den Fall vorausſetzen, daß er dieſes nur in ſo fern als Regel aufgeſteilt hat, als ſich ſchwerlich aus den römiſchen und ſtatutari⸗ ſchen Geſetzen etwas ſchopfen laͤßt, was nicht durch ſpaͤtere Revolutions⸗ geſetze und die Folgerungen aus ihnen aufgehoben iſt, ſo moͤchte ſich feine Anſicht nicht rechtfertigen laſſen, ſondern eher inconſequent erſchei⸗ nen.— Wenn wir nun dieſen aufgeſtellten Grundſatz auf Teutſchland, und vorzuglich auf Weſtphalen anwenden, ſo iſt es eben ſo wahr, daß der Code in allen den Materien und bey allen den Rechtsinſtituten nicht in Anwendung kommen kann, die entweder ihm, oder uͤberhaupt Frank⸗ reich durchaus fremd, Teutſchland hingegen eigen ſind. Aber wenn dieſes auch der Fall iſt, ſo muß man doch nie, um zu beſtimmen, was dieſer Regel zu Folge durch den Code nicht aufgehoben iſt, außer Acht laſſen, daß manches Rechtsinſtitut, ob er es gleich nicht kennt, ſtillſchwei⸗ gend durch die Folgerungen, die ſich aus ihm machen laſſen, und durch den Geiſt des Code aufgeboben worden iſt, ſo wie dieſes ſein Schweigen auch bey Rechtsinſtituten, die er kennt, als eine Mißbilligung deſſelben angeſehen werden kann. Daher moͤchte die ganze Unterſuchung in zwey Fragen zerfallen; in wie fern beſtehen die Rechtsinſtitute noch, die der Code als bekannt annehmen mußte, und die Frankreich kennt?— und in wie fern beſtehen die Rechts⸗ inſtitute neben den Code, welche demſelben unbekannt und nur Teutſchland eigen ſind? Beide Fragen möchten folgender⸗ maaßen zu entſcheiden ſeyn: ſie beſtehen noch, in ſo fern ſie nicht das allgemeine Privatrecht, ſondern die beſondern Zweige deſſelben, und beſondere kirchliche⸗, Handels⸗ und laͤndliche- oder Policey⸗Verbaͤltniſſe 2 betref⸗ ——— — F7 Von dem Verhaͤltniſſe des C N zu den uͤbrigen Geſetzen. 73 betreffen, die durch eigene Geſebe entweder regulirt ſind, oder doch regulirt, werden ſollen, und in ſo fern ſie den Grundſaͤtzen und dem Geiſte des Code nicht widerſprechen. In Hinſicht der erſtern Haͤlfte der Entſcheidung iſt die Beſtimmung leicht, denn in dieſem Falle treten alle dieſe Zweige beſtimmenden Geſetze, als ſolche, ein; in Hinſicht der letztern faͤllt fur Frankreich weg: die Emphyteuſe, Eheſcheidung wegen boͤslicher Verlaſ⸗ ſung, Legitimation durch ein Teſtament, Erwerb durch Hecupation, die Quarta Falcidia, Trebellianica und Divi Pii, das Vellejaniſche und Ma⸗ cedoniſche Senatusconſult, Pollicitationen u. a. Es bleiben aber ſteben: der Troͤdelcontract, Exiſtenz der Misgeburten und Hermaphroditen, Be⸗ ſtimmungen uͤber moraliſche Perſonen, Curatel uͤber Taube oder Stumme, Erlöſchung der Obligationen durch gegenſeitige Einwilligung, den Tod, Revveation, die Colliſion zweyer lucrativer Etwerbsgruͤnde n. f. w. weil ſich alles dieſes aus Folgerungen aus den Grundſaͤtzen des Code, und aus der Natur der Sache, die dem Code nicht widerſpricht, erſchließen läßt 25). Fuͤr Teutſchland werden in Hinſicht der erſten Hälfte der obigen Ent⸗ ſcheidung das Lehnsinſtitut, Adel, das Bauernverhältniß, Zehntverhaͤltniß, Leibeigenſchaft u. ſ. w. ſtehen bleiben, was auch in den fremden Staaten, in welchen der Code recipirt iſt, dadurch ausdrücklich anerkannt iſt, daß einige dieſer Inſtitute durch eigene Decrete aufgehoben ſind 3% In Hinſicht der zweyten Haͤlfte moͤgten jedoch die Folgen mancher dieſer Ver⸗ haͤltniſſe bedeutend modificirt und aufgehoben werden. So werden die Stammguͤter durch das Verbot der Familienfideicommiſſe verſchwinden. das Retractrecht nur beym Lehen und den Bauernguͤtern, nicht aber unter Nachbarn und bey Stadtguͤtern ſtatt finden 3¹), die Erbvertraͤge nur in ſo fern guͤltig ſeyn, als ſie nicht den Grundſaͤtzen des Code Napolcon uͤber Teſtamente und Schenkungen widerſprechen 32), der Zehnten und alle Erbzinſen ablößlich ſeyn(nach art. 1911) und dergl. mehr. Völlig unbezweifelt iſt es dagegen, daß die fruͤhern Geſetze, welche der Code in den Materien, woruͤber er verfuͤgt, nennt, und ſich auf die⸗ ſelben bezieht, immer geſetzliche Kraft, in Hinſicht dieſer Beziehung haben und behalten 23).— Schließlich iſt zu bemerken, daß die oben aufgeſtellten Grundſätze dieſelben ſind, welche der Staatsrath und der Appellationsgerichtshof im Koͤnigreich Weſtphalen adoptirt baben. 1) Ueber die möglichen Faͤlle, in welchen der Code ruͤckwirkende Kraft hat ober nicht, ſiehe den Commentar zum art. 3. Spangenberg's Commentar Bb. I. K 2) Juͤr e ee xneet e ee 74 Dritter Abſchnitt. 2) Fuͤr Frankreich datirt ſich dieſe Zukunft fuͤr den ganzen Code nicht von einem Termine an; weil jedes Geſetz als beſo ders publicirt, ſeinen eigenen Zukunfts⸗ termin hat(Loi 30. Ventoſe KII. art 6.) fuͤr Weſtphalen und tie uͤbrigen Staaten, worin der Code eingefuͤhrt it, faͤngt dieſe Zukunft mit dem Tage an, da derſelbe in rechtliche Wirkung tritt. 3) S. beſonders hieruͤber Seidenſticker Einleit. in den C. N. Cap. 6. 4) Vergl. Gode Napoldon art. 1390.— Les epoux ne peuvent plus ftipuler d'une maniére générale, que leur aſſociation/ſera réglée par hune des cou- tumés, lois on ſtatuts locaux qui rẽgiſſaient cidevant les diverſes parties du territoire frangais, et qui ſont ahrog&t par le preſent Cods. Und PoRTA⸗ 118 Dicours preliminaire(in der Conference du Code civil T. I. p. 14). 5) Und getreten ſind; da die meiſten ſchon allgemein verbindliche Kraft er⸗ halten hatten, hevor das Reunionsgeſetz erſchien. 6) Bulletin der lolt du royaume de WMeſiphalio. 1803. Nr. LVII. S. 92. Da Weſphalen zum Rheinbunde geboͤrt, ſo kann auch der art. 2. der Acte de la Confédération du Rhin hierher gezogen werden, worin es heißt: Tonto loi de lempire germauique, qui a pu jusqu à préſent concerner et obliger LIL. MM. es LI. AA. S§. les rois et princes et le comte dénommeès en Farticle prẽcẽdent, leurs ſujets et leurs états, ou partie d'iceux, ſera d l'avenir, relativement à heurs dites MM. et A. et au dit comte, à leurs états et ſujets reſpectifs, nulle, et de nulle effect.— Vergl. ZacRAk1Aß jus publ. civi- tatum, quae foederi Rhenano adſeriptae ſunt.§. 12. not. 2. v Brauer Beyträge zu einem Staatsrecht der Rhein. Bundesſtaaten Nr. 3. v. Berg Abhandlungen zur Erläuterung der Rhein. Bundesacte. Th. 1 Nr. 3. obgleich Gonner Ueber den Umſturz der deutſchen Staatsverfaſſung, und ihren Einfluß auf die Quellen des Privatrechts. Landshut 1807. zu weit geht, wenn er be⸗ hauptet, daß dieſer Artikel außer den Reichsgeſetzen, auch die durch Reichsgeſetz⸗ liche Beſtaͤtigung geltenden recipirten fremden Rechte mit aufgeboben habe. Freylich gelten die erſtern nur noch nach dieſem Artikel, als recipirte Rechte und Gewohnheitsrechte in den Rheiniſchen Bundesſtaaten. 7) Eben ſo im Koͤnigreiche Italien. Acee der eonſtitut. TI. 5. Juin. 1606. it6. art 56. 3) Nur dieſes allein kann beſtimmen, was zur Sphaͤre des Code gehoͤrt, oder nicht. Zachariaͤ in ſ. Handbuch des Fr. Civilrechts Einleitung F. 18. geht offenbar zu weit. Im Zweifel muß eine Frage eher außerhalb als innerhalb des Code ent⸗ halten angeſehen werden, beſonders wenn ſie ein großes Detail betrifft. N 9) Hierauf bezieht ſich cambacérèẽs wenn er ſaat(Procet verb al du 17 Ven. toſ⸗ X.) C'eſt un principe général, que les lois ſubſequentes abrogent les lois anterieures. On eut done craint de furcharger le Code d'un article inutile, ñ h'on eüt prononcé formellement l'abrogation des anciennes lois, ſous ce rapport. 10) 3. B. uͤber Misgeburten, Hermaphroditen, Troͤdelcontract u. a. S. dieſen 5. ſub Nr. III. 5 11) Von dem Verhältniſſe des C. N. zu den üͤbrigen Geſetzen. 73 11) Laſſaulr Geſetzgeb. Napoleons comment. Th. 1. S. 94 ff. Bergmann Franz. Civilrecht§. 14. Dabelow Archiv fuͤr den Cede Napoleon. St. I. S. 20 ff. LocR Bſprit. T. I. p. 140. MalRvILLE Analyſe. T. IV. p. 416. Schömann Erlauterung der Ctvilgeſetzgebung Napoleons und Joſtintans. Vor⸗ rede. Seidenſticker Einleitung in den C. N. Cap. VIe§. 4. Goͤnner Unpar⸗ theyiſche Beautwortung der Frage: Hat das Roͤmiſch-Juſtintaniſche Recht im Code Napoleon ſubſidiariſche Kraft? im Archiv fuͤr Geſetzgeb. B. 1. H. I. Nr. 9. Zachariaͤ Handbuch des Franz. Civtlrechts Einleit.§. 18. Meine Inſtitutiones juris civil. Napoleonei. 5. 8. Baver Napol. Civilrecht§. 15. Coup d'oeil fur le C. N. chap. 1. Bucher Napel. Privattecht Th. 1. 5.5. Hierbey machen jedoch Seidenſticker, Bergmann, Bauer und Locré, die unter Nr. HI. ent⸗ haltene richtige Ausnahme. Ueber Maleville's Meynung ſiehe ebendaſelbſt. Schomann iſt der Sache nach mit den obern Grundſätzen einverſtanden, nicht aber dem Titei ſeiner Schrift und den Worten nach, worin er die fruͤheren Geſetze in ein Subſidtaritaͤtsverhaͤltniß gegen den Code ſetzt. Deshalb iſt auch Goͤnner's Abhandlung gegen ihn gerichtet.— Sommer dagegen in ſ. Syſtem des Civil⸗ geſetzbuchs Napoleons. Bd. I. S. 2. ſagt:“Sie haben keine verbindliche Kraft mehr in denjenigen Rechtsverhältniſſen, welche im gegenwaͤrtigen Geſetz⸗ buche beſtimmt und entſchieden ſind(offenbar gegen den Stun des Artikels, wo nicht von cas, ſondern von matiéres geſprochen wird). In ſo fern aber durch Obſervanzen und Ortsgebraͤuche etwas beſtimmt wird, was die Geſetze unent⸗ ſchieden gelaſſen haben, hat es bis zum Erfoig einer geſetzlichen Beſtimmung dabcy ſein Bewenden.“ Zu wett geht man frevlich auf jeden Fall, wenn man die oben gedachte Ausnahme nicht anerkennt, wie Dabelow, Gönner, u a.— Die richtigen Anſichten, beſonders fuͤr Weſtphalen, habe ich auszufuͤhren ge⸗ ſucht in Schulz und Geſterley Magazin fuͤr das Civiirecht des Koͤnigreichs Weſtphalen Heft I. 12) Schrader: in wiefern gelten aͤltere poſitive Rechtsquellen nach geſchehener Einfuͤhrang des C. N. in etnem deutſchen Lande?— in Crome und Jaup Germanten. Bd. Il. H. 1. Nr 5. Daß dem Richter durch die erſtere Meynung ein großer Spielraum gegeben iſt, iſt zwar wahr, aber dafuͤr ſteht er auch unter der ſpeciellern Aufſicht der koͤnigl. und Generalprocuratoren, ſo doß eine voͤllige Willkuͤhr nicht zu fuͤrchten iſt.— Noch weiter will S. in: Germanten B. I. S. 83. gehen, und den Grundſatz aus c. 32. F. 6. C. VII. 62. de ahpellat. unbedingt zur Anwendung bringen.— Gegen Schrader iſt ein Aufſatz von B. W. Pfeiffer in: Germanten. B lI. H. 2. S. 283 ff. erſchienen.— Bucher(Napol. Civil⸗ recht F 5.) weicht in den Berichtigungen(S. 296) von ſeiner richtigen Idee in die unrichtige ab; denn das Decret vom 21. Sept. 1808 iſt ja identiſch mit dem Ventoſe⸗Geſetz. 13) Alſo: 1) Eine richterliche Entſcheidung, welche gegen die Geſetze anſtoͤßt, iſt nichtig und qualificirt ſich zur Caſſation, wenn ſie hingegen einem doctrinellen Rechtsſatze oder der raiſon écrite zuwider laͤuft, kann ſie nur als unbillig betrachtet werden. 2) Der K. Procureur iſt berechtigt einen Rechtsſpruch im erſtern Falle anzufechten, auch wenn die Partheyen ſich dabey beruhigen, im andern Fall hingegen darf er ſich en ofßeio nicht einmiſchen. 3) Die Beur⸗ K 2 theilung Dritter Abſchnitt. theilung des erſtern Falls gehoͤrt fuͤr das Laſſationsgericht, die des letztern fuͤt die Appellationshöfe. Hall. L. Z. 1808. Nr. 318. 14) Auch bey der Einfuͤhrung des Preußiſchen Geſetzbuchs wurden dieſelben Grund— ſätze befolgt. Aelteres Pubitcationspatent F. 1. XvIII. Entwurf. Einleit.§. 2. 49. 13) Dieſen Grund ſetzt vorzglich Sönner a. a. O. auseinander. S. auch Laſ⸗ ſaulx a. a. O. Coup d'oeil a. a. O. 16) So wie auch in dem Livre préliminaire des Projet tit.§. art. 17. welches vorzſaliches Haͤlfsmittel der Inrerpretation iſt: Dans les matiéres eiviles, le juge, à defaur de loi préciſe, eſt un miniſtre d'e jui. Léquitè eſt le retour à la loi naturelle ou aux uſages regus dans la ſilence de la loi poſitive. 17) Conference du Code civil. Tom. VII. p. 284.— Wie Sommer a. a. O. behaupten kann, daß der Richter ſich nicht mehr auf Meynungen der Rechts⸗ gelehrten berufen koͤnne, iſt ſchwer zu begreifen, da auch ſie nur als Autorttaͤt zu gebrauchen ſind.— Kuch nur auf die Regeln der Billtgkeit verweißt Saure Discours fur le tit. 1. L. 1.(in Garnerv's Musaabe Th. 1. S. 238.) Si la loi civile ſe tait, les juges doivent ſe déterminer par les regles de équité, qui conſiſteut des maximes de droit naturel, de juſtice unverſelle et de raiſon&c. und nur aus dieſem Grunde hat man das Roͤmiſche Recht wieder an die Spitze der Lehranſtalten geſtellt, als woraus ſich die meiſten Regeln der Billigkeit erſchließen laſſen, und da es aleichſam ein Univerſalrecht fuͤr alle Voͤlker ſeyn kann. So auch Bigot de Préameneu im Erpoſe des motifs ſur le tiere 3. L. III.(b. Garnery. S 33. 39.) S. F. 46 not 6. Sehr richtig bemerkt daher Dabelow Archiv St. 1. S. 46. daß zum Studium des Röm. Rechts in dieſer Hinſicht mehr die Buͤcher zu empfehlen ſeven, welche das reine Römiſche Recht vortragen, als diejenigen, welche es mit Ca⸗ noniſchen und Teutſchen Geſetzen vermiſcht zum Behuf der Praxis lehren.— Und deshalb braucht ſich der Richter, der ein fruͤheres Geſetz zu Rathe zieht, nicht mehr en die ehemalige Subordination deſſelben unter andere Geſetze zu kehren, ſondern kann aus der ganzen Maſſe des altern Civilrechts, ja ſogar aus fremden Ge⸗ ſetzen, dasjenige heraus heben und anwenden, was ihm das tauglichſte ſcheint. 18) Geſetzgeb. Napol. comment. Th 1. S. 95.— Die Urtheile der Gerichts⸗ hoͤfe, weiche man anfuͤhrt, um die Schraderſche Meynung zu begruͤnden, be⸗ weiſen nichts. Denn das Gutachten des Staatsraths vom 28. Jul. 1803, ferner die Urtheile und Gutachten in Laſſaulx Journal. Jnhra. I. Heft ö. S. s15. Heft 8. S. 189. beziehen ſich auf die mehegedachte ſub Nr III. auf⸗ geſtellte Musnahme, und im Jahr„II. H. g. S. 315, auf den art 2. des Code Npoleen; im Jahrg 1807. St. 10. S. 313 St. 11 S. 322. auf das was Laſſaulx in der oben angezogenen Stelle faat. 19) Bavoux et Lo1spav Jurisprudence du Code civil T II. p 224: Le trihunal— vu Tart. 7. de la loi du 30 Ventoſe an XII Conſid rant que cet article abroge les lois antérieures au Code, concernant l'etat civil des citoyens; Conſidẽrant, que la loi du 30. Ventoſe an Kl.(der Titel im Code) ne Von dem Verhältniſſe des Ei N. zu den uͤbrigen Geſetzen. 77 ne prononce aueune peine, en cas de non déclaration du décès d'une per- ſonne, et que le fait, dont il s'agit, eſt poſtẽ rieur à la prouulgation de cette loi acquitte&c. 20) S. beſonders Pfeiffer in Crome und Jaup Geimanien. Bd. II. H. 2. S. 284 ff. 21) Le Code Napoléon dont les diſpoſitions abrogent tous celles qui leur ſont contraires— in Moniteur Weſiphalien. 1808. Nr. 43. P⸗ 173. 32) In winkopp Rheinbund. 1803. St. 17. Nr. 59. Dieſem ſteht auch nicht ein Schreiben deſſelben, bey Schrader a. a. O. entgegen, da es offenbar zu der oftbenannten Ausnahme ſub Nr. III. gehoͤrt⸗ 23) Sollte dieſes nicht geſchehen ſeyn, ſo iſt es unmoͤglich, dieſes Verhaͤltniß zu beſtimmen. 24) Bep winkopp Rheinbund. H. XVI. Mr. 13. Hier ſind ſolgende Modifica⸗ tionen gemacht: 1) Was im 2. Cap. des 1. Titels in Hinſicht der Fremden uͤber häusliche Niederlaſſungen im Anslande, uͤber die Annahme eines oͤffent⸗ lichen, von einer auswaͤrtigen Regierung verliehenen Amts, uͤber den Eintritt in eine fremde Corporation, welche Geburtsvorzuͤge erfordert, und uͤber den hiemit verbundenen Verluſt der Civitrechte(dtefes war aber ſchon im Code Rapoleon weggelaſſen) verordnet iſt, ſoll auf Frankreich und die Rheiniſchen Bundesſtaaten nicht angewandt werden. 2) Wer den Geſetzen uͤber den Kriegs⸗ dienſt in den Herzogl. Staaten ein Genuͤge geleiſtet hat, iſt gleichfalls unter den im 21. Art. des C. N. enthaltenen Verfügungen nicht beariffen, in ſo fern er in Frankreich oder bey einer zu dem Rheiniſchen Bunde gehoͤrigen Macht in Kriegsdienſte tritt. 3) Die im Code uͤber Ehe und Eheſcheidung enthaltenen Verfügungen haben nur die buͤrgerlichen Wirkungen dieſer Handlung zum Ge⸗ genſtande. 4) Wegen Schwangerſchaft kann vom Eheverbote diſpenſirt werden⸗ 5) Die Erbfolge unter Ehegatten und die ehliche Guͤtergemeinſchaft werden nach den zur Zeit geſchloſſenen Ehe beſtehenden Geſetzen beurtheilt. 6) Subſtitu⸗ tionen können von dem Regenten beſtätigt werden; ſonſt ſind ſie verboten. 7) Alle in dieſem Geſetzbuche nicht entſchiedenen Faͤlle werden nach dem ge⸗ metnen Rechte beurtheilt. 25) S. ZAcMARIAß Zuſfätze und Verãnderungen, die der C. N. als Landrecht für das Groſcherzogthum Baden erhalten hat. Heidelberg 1809. 8. S. 9. In dem Pubtcationsgeſetze heißt es:„Die Gältigken aller fruͤhern Geſetze und Sewohnheiten fuͤr bürgerliche Rechtsſachen hoͤrt mit dem Augenblicke auf wo das neue Geſetzbuch in Kraft tritt. F. 17. Von dieſer Regel ſind ausgenommen: 1) die Conſtitutionsedicte, 2) de fruͤhern Landesgeſetze, die in dem Landrechte ausdrůcklich beſtätigt werden, in ſo fern ſie neben dem, was der Code verordnet, beſtehen koͤnnen. 26) Analyſe. T. IV. p. 416. a7) Hurvon ſpricht das Gutachten des Staatsraths vom 4. Thermidor KlII, bey Laſſauly Journal. Jahra. II. H. VIII S. 189. worin als Grund der haͤufigen Mabverſtändniſſe geſetzt iſſ— que les officiers de letat eivil ne discernent pas aſſeꝛ ſoigneuſement les divers cas, que la loi a voulu regler de ceun, a lai Dritter Abſchnitt. a laiſſée à la diſpoſition des principes generaux, et du droit commun. (Vergl. den Titel der Pand. frangaiſes.) Vorzüglich zu beachten iſt, daß die fruͤhern Geſetze nur in ſo fern zugezogen werden koͤnnen, als ſie in einer bet ſtimmten Gegend erweißlich galten; ſo daß mithin Particulargeſetze, nicht als allgemeine zur Anwendung kommen.(Hierdurch unterſcheidet ſich die Kraft der Geſetze von der der geſchriebenen Vernunft, bey welcher aller Unterſchted zwiſchen ehemaligem General? und Particularrecht verſchwindet, da nur auf das Billige und Vernunftmäßige Ruͤckſicht genommen wird, nicht aber auf die Quelle, woraus es entſpringt.)— Noch deutlicher iſt ein Spruch des Caſſationsgerichtsboſes vom 12. Frimatre KlV.(bey DRNRvERs Journal des audieuces de la cour de caſſation. Supplem. p. 62.)— Conſidérent, heißt es hier, que larticle 1244 qu Code civil— na derogé ridn à l'ordonnance de 1667, pareceque les obli- gations du commerce ont leurs régles particulieres traeses par cette ordon- nance, qui eſt encore dans toute ſa vigueur, et fait loi jusqu à pe qu'elle ſoit remplacde par le nuveau Code commercial. 1 28) Veral. JovANNEaU ſur les queſtions de droit, qui paraiſſent nétre pas reſolues dans le Code, hinter ſ. Ausgabe der Discuſſions. Ueber den Schalttag haͤtte nothwendig bey Wiedereinfaͤhrung des Gregeria⸗ niſchen Kalenders etwas geſagt werden muͤſſen.— Eheverlobniſſe ſind nach den Grundſätzen uber Conventionen zu beurthetlen, ob man gleich nicht aus ihnen auf Vollziehung der Ehe dringen kann.— Pupillarſubſtttutton kann nicht ſtatt finden, weil in einem Teſtamnente nicht zwey Willensaußerungen vorhanoen ſeyn können, was bey der Pupillarſubſtiturton der Fall iſt, da ſie einen doppelten letzten Willen des Vaters für ſich und ſein Kind enthalt.— Reine Erbvertrage, wenn ſie nicht mit Ehevertraͤgen verbunden ſind, können wegen art. 893. nicht ſtatt finden.— Die Nonae datio des ſchaͤdlichen Thiers fallt weg, wegen des im srt. 1382. anbefohlenen unbedingten Schadenserſatzes⸗ 29) Z. B. in Toscana durch ein Decret vom April 1808. Adel und Lehne; in Weſtphalen Leibeigenſchaft und Lehne; dagegen iſt in Baden ſo manches andere Rechtsinſtitut ausdruͤcklich beſtaͤtigt. k 30) Daß die Stammguͤter des hohen und niedern tentſchen Adels in den Staaten des Rheinbundes noch fortdauern, ſucht aus dem 27. Art. der Rhein. Bundes⸗ acte zu beweiſen D. N. in Winkopy Rheinbund. Heft 22. Nr. 6.— Wie eine Regredtenterbſchaft in den Läͤndern, wortn der C. N. eingefuͤhrt iſt, zu beurtheilen ſey, unterſucht C. v. Weurath von der Regredienterbſchaft. (Gießen 1808. 8.)§. 32. 8 31) Denn es iſt gegen die Grundſaͤtze des C. N., daß das Eigenthum in große Maſſen verſamielt werden ſoll, wie auch aus dem Prebot der Fideicommiſe zu erſehen iſt.(F. 49. Nr. VII.) 32) S. not. 1. 33) So beruft er ſich art. 1648. 1733. 1754. 1737. 1762. auf den Ortsgebrauch, art. 1873. 2070. 2102. auf Handelsgeſetze, art. 715. auf Jagdgeſetze, art. 717. auf Geſetze der intermediaiten Jurisprudenz, u. a⸗ §. 52. ——— ——,—— ⸗ Von dem Verhältniſſe des C. N. zu den uͤbrigen Geſetzen. 79 Verhaͤltniß des Code zu den beſtehenden Geſetzen. 1) Schon oben iſt es beruͤbrt, daß der Code gleichſam den uͤbrigen nachfolgenden Geſetzbuͤchern zum Centralpuncte dienen ſoll, weshalb ihm ein Praͤliminarartikel vorgeſetzt iſt, der ſich uͤber das Weſen und die WVerbindlichkeit der Geſetze uͤberhaupt verbreitet, und daß er alſo mit ihnen innig verbunden, gleichſam einen Cyelus machen wird. Vorzuͤglich eng muß dabher die Verbindung des Code mit den Geſetzen ſeyn, welche mehrere Verwandſchaft mit ſeinem Inbalte haben, z. B. mit dem Code de procédure und dem Code de commerce; und hauptſaͤchlich wird dieſes bey dem erſtern offenbar, da ſich ſeine Vorſchriften ſo haufig mit denen des Code Napoleon durchkreuzen, ſo daß ſie auch gewoͤhnlich in dieſem Fall unter den Teyt deſſelben untergedruckt ſind. Unbedeutend aber iſt bis jetzt ſein Verhaͤltniß zum Voͤlkerrechte, da beſonders einige bisher zu demſelben gehörige Objecte dem Gebiete des Code anheim gefallen ſind; aͤußerſt wichtig dagegen das zum Staatsrechte, da theils durch Wiedereinfuͤhrung der Majorate, theils durch das kaiſerliche Fami⸗ lienſtatut mehrere Stellen des Code bedeutend modificirt; andere hingegen durch die Conſtitution vom Jahre VII. ergaͤnzt werden. Ebenfalls ſehr wichtig iſt das Verhaͤltniß zu der Adminiſtration und den politiſchen Ge⸗ ſetzen, und ſehr wuͤrde man irren, wenn man durch Folgerungen, die man aus dem Code zieht, Ausnahmen in den politiſchen Geſetzen zu begruͤnden ſuchte ²*). Sebr richtig bemerkt daher Herr Hofrath Sei⸗ denſticker, daß man ſehr fehlen wuͤrde, wenn man z. B. eine fuͤr das öffentliche Wohl geſchebene dingliche Beſchraͤnkung des Eigenthums, oder der natuͤrlichen Freyheit als eine Dienſtbarkeit, oder ein Bannrecht be— trachten wollte; wenn man die Frage von willkuͤhrlicher Entlaſſung der Staatsbeamten ans dem Dienſtcontracte entſcheiden, oder die Peräquation der Kriegsſchaͤden nach den Quaſidelicten beurtheilen wollte 3). Weniger koͤmmt uͤberhaupt der Code mit den Criminalgeſetzen und inſonderheit mit dem Code d'inſtruction eriminelle in Beruͤhrung. Ueber die Wir⸗ kungen der tranſitoriſchen Geſetze, und den Geſichtspunct, woraus die⸗ ſelben zu betrachten ſind, iſt ſchon oben gehandelt. 1) Seidenſticker Einleitung in den C. N. Cap.. 2) Wie bey der Conſeription in Frankreich, der man dadurch nicht entgehen kann, wenn man ſein civilrechtliches Domſcil, um die Eonſeriptionsgeſetze zu umgehen, aͤndert. Hierher gehdren auch Privilegien die der Landesherr gibt, und uͤber die der Code ſchweigt, weil ſie zu den polttiſchen Geſetzen gehoͤren⸗ Vier⸗ Vierter Abſchnitt. „ Vierter Abſchnitt. Von der Auslegung des Code Napoleon. F. 53. Von der Auslegung der Geſetze uͤberhaupt. Kein Geſetz kann angewandt werden, wenn man nicht den Sinn deſſel⸗ ben begriffen hat. Oft iſt der Sinn des Geſetzes dunkel, und muß nach beſt immten Regeln herausgelockt werden. Dieſe Handlung heißt Aus⸗ legung, und ein Syſtem dieſer Regeln Hermeneutik. Jede Aus⸗ legung iſt doppelt, theils authentiſche(par voie de Pautorité), wenn ſie durch die geſetzgebende Gewalt oder eine durch dieſelbe als Recht anerkannte Gewohnheit geſchieht, theils doctrinelle(par voie de doctrine), wenn ſie durch den Richter oder andere Perſonen vorgenommen wird ¹). Die doctrinelle iſt entweder grammatiſche, wenn der Ausleger die Dunkelheit des Geſetzes durch Erklaͤrung der Worte deſſelben aufzuhellen ſucht; oder logiſche, wenn er da, wo ihn die grammatiſche Erklärung im Stiche laͤßt(denn früher darf er es nicht), das Geſetz, nach den Umſtänden, welche daſſelbe bey ſeiner Abfaſſung begleiteten, und nach dem Zwecke, welchen der Geſetzgeber beabſichtigte, erklärt; und demnächſt zeigt: entweder, daß das Geſetz gar nicht mehr paßt, weil ſich die Um⸗ ſtände veraͤndert baben,(ceſſante ralione legis ceffat lex ipſa,) oder, daß das Geſetz auf weniger geht, als die Worte deſſelben beſagen(nter- „ pretatio legis reſtrictiva), oder daß es auf mehrere Fälle nach den Umſtänden ausgedehnt werden muͤſſe, als die Worte deſſelben andeuten ¶nterpretatio extenſiva). Aehnlich damit iſt die Auslegung durch Analogie, wenn naͤmlich das Princip, was in einem Geſetze zur Ent⸗ ſcheidung eines beſtimmten Falles gebraucht iſt, bey andern aͤhnlichen Fällen, die nicht entſchieden ſind, zur Entſcheidung angewandt wird ²). 1) Livre préliminaire du projet, tit. S art. 2. 2) Livre prẽliminaire u yrojet, tit. ᷓ. art. 8.— On ue doit raiſonner d'un cas) un autre, que lorsqwil y a mẽme motif de décider. 6. 54. Von der Auslegung des Code Napoleon. 6. 54. Auslegung des Code Napoleon 1). a. Authentiſche. Bey der authentiſchen Erklaͤrung der Geſetze findet ſich gleich eine bedeutende Verſchiedenheit zwiſchen der Franzoͤſiſchen und Preußiſchen Geſetzgebung. Bey der letztern konnte ein dunkles Geſetz nur authentiſch interpretirt werden; der Richter war in dieſem Fall zwar befugt, doetri⸗ nell zu erklaͤren, um die Entſcheidung nicht aufzuhalten, alsdann aber verbunden, uͤber den Sinn des Geſetzes bey der hoͤchſten Behörde an⸗ zufragen. Dieſes letztere ſoll jedoch bey der Franzoͤſiſchen Geſetzgebung durchaus nicht ſtatt finden*), ſondern der Richter ſoll nach den Regeln der geſchriebenen oder ſeiner individuellen Vernunft entſcheiden 3). Dieſes iſt in Frankreich bey den officiellen Huͤlfsmitteln, den richtigen Sinn des Geſetzes zu faſſen, bey der genauen Cenſur uͤber den Richter, und der gewiſſenhaften Aufſicht uͤber die richterliche Gewalt uͤberhaupt, durchaus nicht gefaͤhrlich, ob es gleich ſehr wahr iſt, was Agreſti ¹) und Crivelli*) gegen dieſe Maxime behaupten, daß dadurch der Richter gewiſſermaaßen Geſetzgeber werde. Ueberdieß verordnet das Geſetz vom 27. Ventoſe XII. die Organiſation des Caſſationsgerichtshofes betreffend, im Söſten Artikel: daß von dieſem Hofe jaͤhrlich eine Deputation an die Regierung geſchickt werden ſolle, um ihr die Puncte bemerklich zu machen, bey welchen ſich nach der bisherigen Erfahrung ein Mangel oder eine Unvollkommenheit der Geſetzgebung habe wahrnehmen laſſen 6).— Die authentiſche Erklaͤrung der dunkeln Stellen des Code findet man in der offentlichen und geheimen Discuſſion, jedoch in dieſer nicht immer unbe⸗ dingt, da die unten genannten Cautelen dabey zu beobachten ſind*), den tranſitoriſchen Geſetzen nach dem Code, und den von dem Kaiſer be⸗ ſtaͤtigten Gutachten des Staatsraths. Miniſterielle Inſtructionen), ſo wie die Bemerkungen der Obergerichte uͤber einzelne Stellen des Projects, woraus nachher der Code entſtand, i Prinehe d doctrinellen In⸗ terpretation anheim. I. Die Pruͤfung naͤmlich, oder Diseuſſion, aus welcher der Code hervorgieng, zerfaͤllt in die geheime(particuliere), und oͤffentliche (publique)*). Unter der erſtern ſind die Berathſchlagungen im Staats⸗ rathe zu verſtehen. Unter der letztern die Discours, rapports et opi- nions des orateurs du conſeil d'état, et du tribunat, dans la dis- cuſſion qui a précedé l'adoption de chaque loi.(. 41. wo auch die Spangenberg's Commentar Bd. 1. 1 ver⸗ 82 Vierter Abſchnitt. verſchiedenen Ausgaben derſelben bemerklich gemacht ſind.) Bey dem Gebrauche dieſer Discuſſionen hat jedoch der Richter folgende Regeln zu beobachten: 1) er darf ſich nicht auf das eine oder das andere dieſer authentiſchen Huͤlfsmittel einſchraͤnken, ſondern er muß ſie alle und zuſammen gebrauchen 10). Beſonders vorſichtig ſind die Rapports und Expoſes des motils anzuwenden, weil ſie zu ſehr die Rechtsſätze generaliſiren, und zu einer ubereilten Extenſivinterpretation Gelegenbeit geben. 2) Die autbentiſchen Huͤlfsmittel mſſen in der gehorigen Ordnung und mit der gehörigen Subordination gebraucht werden. Die Ordnung der authentiſchen Huͤlfsmittel wird durch die Zeitfolge beſtimmt, in welcher ſie einander ſuccediren, ſo daß die immer wahre Regel eintritt, daß das neueſte dem ältern vorzuziehen ſey. Sehr richtig bemerkt Herr Prof. Dabelow, daß zuerſt die Discuſſionen im Staatsrath, dann die Dis⸗ cuſſionen im Tribunat, dann die Abſtimmungen im Staatsrath uͤber die Bemerkungen des Tribunats, dann die Expoſes des motifs, und endlich die Abſtimmungen im Tribunat und dem Corps législatif angewandt werden muͤſſen; uns daß die Subordination der authentiſchen Huͤlfsmittel auch in ſo fern fehr wichtig ſey, als namlich die Expoſés des motifs den Discuffions untergeordnet ſind, in ſo fern von dem Verſtehen der einzelnen Artikel des Code die Rede iſt; daß dagegen die Piseuthions den Expoſés des motifs untergeordnet ſind, in ſo fern uͤber den Geiſt und die Tendenz einzelner Titel oder Geſetze die Frage entſteht, oder es irgend zweifelhaft aus den Discullions bleibt, in welchem Sinne ein Artikel genommen oder verſtanden werden ſoll. Dieſer letzte Punct komme beſonders alsdann in Betracht, wenn aus den Disculſions nicht erhelle, in welchem beſtimmten Sinne der Artikel angenommen worden ſey, wo natuͤrlich, wenn der Wortverſtand deſſelben mit Hinſicht auf die Dis⸗ euſſionen nicht ſowohl als der mit den Worten zu verbindende Sinn zweiſelhaft bie e, zur Ausmittelung dieſes die Expoſés des motifs zu⸗ gezogen werden muͤßten. 3) Vorzuglich bey der Piscuflion publique muß ſich der Rechtsgelehrte huͤten, nicht in die unreifen und abſchwei⸗ fenden Ideen ſich zu verlieren, welche natuͤrlich bey den mündlichen De⸗ batten uͤber einen Gegenſtand vorkommen mußten. Das muß daher ans⸗ geſondert und zur Erklaͤrung angewandt werden, was weſentlichen Einfluß auf die Faſſung des Artikels gehabt hat 1). 4) Wenn der Wortver⸗ ſtand des Artikels mit dem Sinne in Widerſpruch ſteht, in welchem er von den Diseuſſionen angenommen iſt, ſo iſt der, den die letztern beſagen, . vor⸗ —,————— Von der Anslegung des Code Nopoleon. 33 vorzuziehn, ſollte er auch dem Wortverſtande vollig zuwider ſeyn 12). 5) Widerſprechen einander verſchiedene Artikel des Code dem Wortver⸗ ſtande nach, ſo muß man ſuchen dieſen Widerſpruch aus den Diseuſſtonen zu heben. Die Diseuſſionen uͤber den ſpaͤtern Artikel ſind dann denen uͤber den fruͤhern vorzuziehen 13), II. Die tranſitoriſchen Geſetze, nebſt den öffentlichen und geheimen Verhandlungen, die ſie veranlaßten, ſind ebenfalls unendlich wichtig fuͤr die authentiſche Interpretation des Code. Sie derogiren bisweilen dem Code, wie in Weſtphalen das koͤnigl. Decret uͤber die Dis⸗ penſabilitaͤt des Ehehinderniſſes wegen Schwaͤgerſchaft; bisweilen ergaͤnzen ſie ihn, bisweilen erklaͤren ſie ihn. Dieſe letztern ſind die haͤufigſten 14). 1) Seidenſticker Einleit. Cap. 8. Ueber das Perhältniß des Code zur Doctrin. Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. comment. Th. 1. S. 88§. 30. Dabelow Archtv fuͤr den C. N. St. I. S. 67 ff. St. II. S. 167 ff. Zacharia Handbuch des Franz. Citvilrechts. B. I. S. XXVIII. 2) Dicours prelim. ſur le projet. S. XI. 3) Code Napoldon art. 4. 4) A6REsTt obſervations ſur le perfecti onnement de la legislation poſitive. §) CRtvprIt obſervations ſur le danger d'interpréter les lois. 1807. 6) Laſſaulx Journal. Jahrg. 1. H. 1. S. 26.— Eine authentiſche Interpreta⸗ tion ſoll immer gegeben werden, wenn der Caſſattonshof zwey Urtheile in letzter Inſtanz annullirt, welche in demſelben Falle und denſelben Partheyen ertheilt, und auf dieſelbe Art angefochten waren. Geſetz vom 16. September 1807. im Moniteur 1807. Nr. 256. 237. und bey Zacharia a. a. O. S. XXVIII. 7) Warum Laſſaulx a. a. O. S. 96 dieſes leugnet, iſt mir unbegreiflich. Denn authentiſche Interpretation iſt immer, wenn der Geſetzgeber beſtimmt, wie ein Artikel ſeines Geſetzes zu verſtehen ſey, und wie haͤufig findet man nicht in den Dscuſſionen: Le conſeil adopte larticle en ce ſens. Vergl. auch LockE Eſprit T. I. p. 15. 16. Seibenſticker S. 403. not. 2. 8) Dieſes erkannte vorzuͤglich fuͤr Weſtphalen der Herr Juſtizminiſter Siméon an, wenn er in ſeinem Circularſchreiben an die Tribunale vom 23. Jan. 1808 ſagte: je w'ai point le droit de faire des lois, ni des reglemens. 9) Die erſtere nennt man na7 ekoN Dincuſton. 10) LocRE Eſprit. T. I. p. 14. Dabelow a. a. O. St. II. S. 170. 11) Dabelow a. a. O. S. 173 ff. Wichtig bleiben jedoch die unreifen Ideen fuͤt Rechtsphiloſophie. 12) Dabelow a. a. D. St 1. S. 70.— Dieſer Sat folgt aus dem Weſen einer authentiſchen Interpretation. Freylich iſt er dem art.5. des F. tit. des Praͤli⸗ 2 3. minar⸗ Vierter Abſchnitt. minarbuchs zuwider, worin es heißt: Quand une loi eſt claire, il ne faut point en éluder la lettre, ſous prétexte d'en pẽnétrer Jeſprit. 13) Dabelow a. a. O. S. 73. der es aus dem zwiſchen den art. 340. 335. 757. 758. und 762. beſtehenden ſcheinbaren Widerſpruche beweißt, woruͤber am ge⸗ hörigen Orte gehandelt werden ſoll. 14) Seidenſticker Einleit. Cap. 7. Von der ſupplementariſchen Legislation. Die Ausgaben derſelben ſ.§. 44. not. 1. Dabelow Archtv. St. II. S. TIo ff. F. F55. b. Doctrinelle. An der Spitze der doctrinellen ſtehen außer den beylaͤufig im vorigen Paragraphen genannten miniſteriellen Inſtructionen und Bemerkungen der Gerichtshoͤfe*), die ſich vorzuglich auf die Anwendung des Code auf vorliegende Faͤlle beziehen, das Project des Code, die Urtheile der Ge⸗ richtshöfe und die fruͤhern Geſetze. I. Das Projeet(. 40.) iſt vorzuͤglich wichtig, um die Artikel des Code in ihrer urſpruͤnglichen Geſtalt kennen zu lernen, wenn ſie durch ihre nachherige Faſſung an Deutlichkeit verloren haben ſollten ²). II. Die Urtheile der Gerichtshoͤfe 3), d. h. des Caſſations⸗ gerichts und der Appellationsgerichte bilden eine der reichlichſten Quellen, aus denen ſich die doctrinelle Interpretation des Code ſchoͤpfen laͤßt. Beſonders der Caſſationshof ſoll Einheit des Rechts erhalten und den Gerichtsbrauch leiten, daß er einfoͤrmig werde und nicht von dem Ge⸗ ſetze oder deſſen Geiſte abweiche. Aber der Centralpunct, von dem alles ausgeht und in den alles zuruͤckkehrt, iſt der Juſtizminiſter, der einen der erhabenſten Poſten im Staate bekleidet, und vorzuͤglich auf die Beobachtung der Geſetze und der geſchriebenen Vernunft wachen ſoll; woraus ſich leicht erklaͤren laͤßt, warum der große Kaiſer der Inſtiz einen ſolchen hohen Rang unter den uͤbrigen Staatsämtern gegeben hat. Richter muͤſſen daher die Entſcheidungen der franzöſiſchen Obergerichte vorzuͤglich ſtndiren, um zu erlernen, wie und auf welche Art der Code angewandt und erklaͤrt werden muß, denn die Bildung eines Syſtems der Anwendung iſt lediglich dem Gerichtsgebrauche uͤberlaſſen 4à). III. Die frühern Geſetze, als Quellen aus denen der Code geſchöpft iſt, bieten ebenfalls eine ergiebige Fundgrube dar, Bey e⸗ Von der Auslegung des Code Napoleon. 85 Gebrauche derſelben ſind folgende Regeln zu beachten: 1) Bey der Er⸗ klaͤrung der einzelnen Artikel des Code iſt genau darauf zu ſehen, welche aus dem alten vor der Revolution geltenden Rechte, und welche aus dem intermediairen waͤhrend des Laufes der Revolution zu Stande gekommenen Rechte genommen worden ſind, und bey den erſtern wieder, welche aus dem droit coutumier, und welche aus dem droit ecrit herruͤhren; und iſt jeder Artikel nach der ihm eigenthuͤmlichen Quelle zu erklären*). 2) Huͤten muß man ſich jedoch in die klaren Dispoſitionen des Code die Diſtinctionen des fruͤhern Rechts einzutragen*). 3) Wenn indeſſen der Wortverſtand eines Artikels des Code, der Quelle, woraus der Ar⸗ tikel genommen iſt, widerſpricht, und auch die Discuſſionen uͤber den Artikel kein Licht geben, ſo iſt man ſchuldig anzunehmen, daß von den Geſeßgebern eine utti S von der Quelle beliebt wor⸗ den iſt 7). Außerdem iſt der Code, ſo wie andere Geſeße, nach den Regeln der natuͤrlichen Billigkeit zu interpretiren ³); mithin: 1) diejenige Erklaͤrung vorzuziehen, welche derſelben am naͤchſten kömmt; 2) ohne Noth der Wort⸗ verſtand und der Buchſtaben des Geſetzes nicht zu verlaſſen*); 3) vor⸗ zuͤglich das zu befolgen, was von dem gewobnlichen Gebrauch am wenig⸗ ſten abweicht; 4) verboten iſt es dagegen, einen Unterſchied zwiſchen be⸗ guͤnſtigenden und beſchwerenden(Join favorables ou odieuſes) Geſetzen zu machen, um die erſtern extenſiv, die andern reſtrietiv zu erklaͤren 10). Ueberhaupt moͤchten hier die Grundſaͤtze des gemeinen Rechts als Wahr⸗ heiten, die unabhaͤngig von einem poſitiven Geſetze ſind, fuͤglich anzu⸗ wenden ſeyn. 1) Ausgaben ſ. F. 41. not. 1. 2) Beyſpiele vom Gebrauch des Projects finden ſich in Laſſaulx Journal. Jahrg.. H. g. S. a3 ff. Jahrg. II. H. 6. S. 518⸗ 3) Seidenſticker Cap. 8. 6.3 ff. 1. F. 24 Die Ausſpruͤche der Gerichts⸗ höle ſind geſammelt: 1. Mpnr IM recueil alphabstique des queſtions de droit. Paris. IX. Voll. 4. 2. TnRvRnor et SacMIER recueil de jurisprudence. III. Voll. 8. 3 Jauprapr Gazette de tribunaux. Paris. 1791— 1793. VII. Voll. 3. Journal de jurisprudence. 5. S1REv Jurisprudence de la cour de caſſation. 1791— 1808. Von 1809 an unter dem Titel: Journal génẽral des lois et des arrẽts. L 3 6. BA⸗ Vierter Abſchnitt. ß. Bavoux et LorsAu Jurisprudence du Code Mapoléon, ou reeueil des arréts rendus par la cour de caſſation, et les cours d'appei. Paris. XII. ff. 8.— Aeußerſt vorzuͤglich 7. DnNEvERs Journal des audiences de la cour de caſſation, ou recueil des arréts,&c. 4⸗ 3. Discuſſions du Code Mapoléon par JouArNEAv et SoroK. Ed. 2. Tom. III. redigirt von DnLAPoRTE, enthaͤlt die Dtecuſſion des Tribunals und Arréts des Caſſatious- und der Appeühoͤfe. 9. BERGoGRE table aualytique des jugemens, contenus dans je bulletin du tribunal de caſſation. u. a. Alles ſoll umfaſſen LocRß Législation et jurisprudence frangaiſe. Fur Weſtphalen B. W. Pfeiffer Sammlung von Erkenntniſſen des Appel⸗ lations⸗ und Caſſationshofs in Caſſel. Magazin fuͤr das Civilrecht und die buͤrgerliche Rechtspflege des Koͤntgreichs Weſtpholen, herausgegeben vom Tribu⸗ nalrichter Schulz und Tribunalſectetair Geſterley. Ferner gehören hierher Rechtsfälle, z. B. ME)AN Cauſes das Journal de barreau u. a⸗ 4) Dieſes wird haͤußg in den Piscuſſions ſeibſt geſagt⸗ z. B⸗ zum art. 102. 5) Dabelow a. a. O. S. 71. Um dieſe Quellen benutzen zu koͤnnen iſt vorzuglich Dakp's Ausgabe des Code(§. 42. Nr 5.), wo unter jedem Artikel des Code die correſpondirende Stelle der fruͤhern Geſetze ſich findet, unentbehrlich. 6) Alſo darf man art. 838. des C. N. nicht nach ſeiner Quelle, e. 22. C. V. 37. de admiiſtrat. et pericul tutor. auf Imwobilien bloß beſchränken; nicht den art. 791, unter der Diſtinction der e. 30. C. II. 3. de pactis, obgleich er aus derſelben gefloſſen iſt, anwenden⸗ 7) Dabelow a. a. O. S. 72. 8) Livre prẽliminaire. tit. 3. art. 5.— Dans happlication d'une loi obſeure, on doit préferer le ſens le plus naturel, et celui, qui eſt le moins defectueux dans l'execution. 9) Jede aequitas cerebrina iſt verboten durch den art. 7. des tit. 5. des Livre prẽliminaire du projet: La prẽſomtion du juge ne doit par ötre miſe à la place de la préſomtion de la loi; il m'eſt pas permis de diſtinguer, lorsque ja loi ne diftingue pas, et les exceptions, qui ue font point dans la loi, ne doivent pas Etre fupplées. 10) Livre prélim. tit. V. art. 10. Doch iſt dieſe Dispoſitlon nicht zur verbind⸗ ichen Kraft eines Seſeßes gelangt. Von der Auslegung des Code Napoleon. 5 Ob der Code ſich ſelbſt widerſpreche? Endlich möchte hier am Ende eine Frage wobl nicht ganz unpaſſend zu beruͤhren ſeyn, nämlich, wie ſich der Richter zu verhalten habe, wenn er widerſprechende Stellen des Code zu vereinigen habe? Zwar haben mehrere behauptet, daß der Code Widerſpruͤche enthalte; aber laͤngſt iſt man von dieſer Meynung zuruͤckgekommen 1), welche nur durch Unbekanntſchaft mit dem Code und deſſen Geiſte, und mit dem Verbältniſſe, in welchem er zu ſich und den uͤbrigen Geſetzen ſteht, erzeugt werden konnte. Man verwechſelte naͤmlich die Ausnahmen, welche ſpaͤtere Ge⸗ ſetze, die im Code enthalten ſind, von Regeln machen, die ſich fruͤher finden 2, mit wahren widerſprechenden Dispoſitionen. Letztere finden ſich aber im Code nicht; anſcheinende Widerſpruͤche werden im Verlaufe des Werks ſelbſt an den gehörigen Orten und entſchieden werden. 2) Herr Prof. woltaer in Dabelow Archiw. St. I. S. 17 ff. Wtberſpricht Code Napoteon?— Zweifolhaſt ſcheint Seidenſtieker Einlsit⸗ ap 359 2) So iſt z. B. art. 1096 nur mine Ausnahme von der Regel, daß Sanhhen ſeyen⸗ Fünfter Abſchnitt. ——— Fuͤnfter Abſchnitt. Von den Huͤlfsmitteln zur Auslegung des Code Napoleon*). §. 57. Claſſification derſelben. Außer dem Studium der Geſchichte des Franzöſiſchen Rechts, des Staatsrechts und anderer oben beruͤhrten Wiſſenſchaften, ſind vorzuͤglich als Huͤlfsmittel zur doctrinellen Auslegung des Code, ſo wie uͤberhaupt zur Kenntniß deſſelben zu betrachten: die Einleitungen, Handbuͤcher, Ueberſetzungen, Commentare, Woͤrterbuͤcher und die Werke, worin der Code mit den fruͤhern Rechten verglichen wird, ſo wie auch Journale uͤber das Franzoͤſiſche Recht. 1) S. CaMUs lettres ſur la profeſſion d'Avocat, et bibliotheque choiſie des livres de droit.(Paris 1803. 8.) Th. I. S. 185. Th⸗I. Bibliothéque particuliere de legislation, de jurisprudence, d'adminiſtration publique et de finances. Paris. 1807. 1808. III. Voll. 8. 1. Einleitungen. ½ Als Einleitung in den E. N. verdient den erſten Platz das vortreff⸗ liche Werk: 1. Dr. J. A. L. SprpRNsTIcRnn's(Herzogl. Sachs. Weim. Hofr. und ord. Prof. des Rechts zu Jena) HFinleitung in den Coden Napolòon, handelnd von deſſen Litteratur, Geſchichte, Plan und Methode, Verbindung mit der übrigen Franzöſiſchen Le- gislation, Quellen, Verhältniſs zu den ältern Geſetzen und Rechten, zu den ſupplementariſchen Dispoſitionen und zur — doctrin. Verbreitung. Tübingen 1803. 8. Dem Von den Huͤlfsmitteln zur Auslegung des C. N. 89 Dem Werke liegt eine Recenſion des C. R. zum Grunde, welche der Herr Verf. in der Jenaiſchen allgem. Litteraturzeitung 1807. Nr. 3—9. lieferte, und die hier umgearbeitet und ausnehmend erweitert erſcheint. 2. Schmid(Regierungsrath in Hildburghauſen, jetzt Prof. in Jena) Kritiſche Einleitung in das geſammte Recht des Franz. Reächs. r. Th. Buͤrgerliches Recht.(Auch unter dem Titel: Ktitiſche Einleitung in das bürgerliche Recht des Franz. Reichs mit vergleichenden Blicken auf das römiſche, gemeine deutſche, ſaͤch⸗ ſiſche und vorzuͤglich das preußiſche Recht. 1. Bd. 1. und 2. Abtheil.) Hildburghauſen 1808. 8. Der vorliegende Theil enthält eine Geſchichte des Code und der ftuͤhern Geſetze des Franz. Reichs, ſo wie auch den Anfang eines Commentars. Das Werk iſt vorzuͤglich brauch bar, als Einleitung in die Geſchichte des Franzöſiſchen Rechts. 8. Einleitung in das Geſetzbuch Napoleons, oder Bemer⸗ kungen teutſcher Gelehrten uͤber die neue Franzäſiſche Geſetzgebung, zu mehrerer Verſtändlichkeit derſelben fuͤr die Bewohner der Rhein. Bundesſtaaten, aus einigen gelehrten Zeitſchriften beſonders abge⸗ druckt, nebſt einem vollſtändigen Handbuch des Coder Rapoleon fuͤr Staatsdiener und Buͤrger in alphabetiſcher Ordnung. Duͤſſeldorf 1808. 8. Enthält nur die über den C. R. aus der Jenaer 1. Z. und der Haller L. Z.(1807. Nr. 241 ff.); und Recenſionen uͤber den Code de procédure, und die Discuſſions aus der Haller 1. Z. Die Recenſion des Code der Haller 1. Z. iſt oft übereilt; aber der Tadel derſelben iſt auch zu weit gegangen, und oft wieder fehlerhaft 1). Das geprieſene andbuch iſt nur ein Sachregiſter uͤber die Verordnungen des C. R. 1) Er findet ſich in Crome und Jaup Germanien. Bd. 1. S. 93 ff. 5. 59. z. Handbucher. 1) A. PRRRRAW prin cipes generaua du roit civil yrivs. 1805. 8.. Es enthaͤlt zugleich eine Vergleichung des C. N. mit dem Roͤm. Rechte. Spangenberg's Commentar Bd. 1. M 2. Wo 90 Fuͤnfter Abſchnitt. 2. Novum ſuris compendium in quo praecipne fervatur ordo Codicis civilis gallici, ab imperatore Napoleone M. promul- gati. Nouvel abrégé du droit, dans lequel eſt principalement obfervé hordre du Code eivil des Frangais, promulgué par PEmpereur Napoléon le Grand. Paris 1806. 8. 2 Voll. Vielleicht eine neue Ausgabe iſt: Novum juris compendium etc. par M. DnrapokrR; ouvrage, auquel Mr. PRRRERau a concouru Par ſes obſervations et correctious. 1807. 3. Pranau(Prof. aux écoles de droit à Paris) Nolions dldmen- toires du nouneau droit ciwil, ou expoſé methodique des dispoſitions des titres du Code civil. Paris 1804. IV. Voll. 8. 4. VassRLIR Cours dldmentaire du Aroit exvil. II. Voll. 8. 5. GouIINanr Hapoſition des vegles du droit ancien et obſervations ſur ja nouvelle legislation. 6. J. E. D. BRRRanp Cours complet de droit civi frangais. Paris 1802— 1805. IV. Voll. 8. Deſſelben Introduction au droit frangais. Baris 1807. 8. 7. TissanprRn rgles diu droit frangais, ſervant d' introduction au Code civil. 12. N 8 Ennns SpakGhRRnRnRc J. U. D. Inſtitutiones jieris civxlis Napolonei. Goettingae 1808. 8. Das erſte Compendium des C. R. in Teutſchland, weshalb der Verfaſſer manche Mängel zu entſchuldigen bittet. Es befolgt die Titelfolge des Code; nach Vorausſchickung eines allgemeinen Theils und Verſetzung einiger Materien ²). g. Dr. KaRt. SaTLvMo TacIARraÿ(Großherzogl. Badenſchen Hofr. und Prof. in Heidelberg) NMandbuch des frunzfiſohen Civil- rects. Heidelberg 1808. II. Baͤnde in 8. Nach ſelbſt gewoͤhlter Ordnung. Unſtreitig das vollſtaͤndigſte und brauch⸗ barſte der bis jetzt erſchienenen Handbuͤcher ²). 1o. hervInconnr(Prof. de C. Nap. 4 Fẽcole de droit à Paris) Inſtituces de droit civil frunpais/ vonformement aux dispo- ions du C. N. avec les explications et interprẽtations réful- tantes Von den Huͤlfsmitteln zur Auslegung des C. N. 91 tantes des Codes, lois et réglemens poſterieurs. Paris 1308. III. Voll. 8. Dieſes vorzugliche Buch, aus welchem man nur einige Reminiſcenzen des Romiſchen Rechts, die dem Geiſie des Code widerſprechen, wegwuͤn⸗ ſchen mochte, iſt aus den Dictaten des Verf. uͤber den Code, wozu er nach dem Deeret vom 4. Complém. 22. Ventoſe XII, die Rechtsſchulen betreffend, verpflichtet war, entſtanden*). 11. Anron Baunn(Prof. zu Marburg) Lehrbuch des Mapoleo- niſohen Ciwrecs. Marburg 1809. 3. Nach eigner Ordnung. 12. Kanr. FRAxz BwoRnn(Prof. in Halle) Sſtematiſche Dar- Nellung des im Kõnigreiche Veſtphalen geltenden Wapo- Veoneiſchen Civrechls. 2 Baͤnde. Halle und Berlin 1809. S. Nach eigner Ordnung. 1) Nicht hlerher gehört DupIN principia juris civilis tum Romani, tum Gallici. paris 1806. 1807. M. Voll. 8. da ſie nur aus Stellen des Roͤm. Rechts, abgedruckt nach dem Spſteme des C. N., und duͤrftigen Remiſſionen auf denſelben beſtehen. Auch nicht Sommer Syſtem des Franz. Civilrechts(§. 45. not. 2.) 2) ueber den Plan deſſelben ſ. Goͤtt. gel. Anz. 1808. St. 85. S. 846. Veur⸗ theilung in der Leipz. Litteraturzeitung. 1808. Nr. 153. 3) Beurtheilung in Leipz. Litteraturzeitung. 1809. Nr. 4. 4) S. F. 46. not. 5. 5. 60. s. Ueberſetzungen. a. Teutſche.. — . Die fruheſte iſt die, welche in dem Geſetzbuͤlletin fuͤr die vier De⸗ partements am linken Rheinufer erſchien. Aber ſie durfte nicht als Geſetz in den Gerichten gebraucht werden, ſondern nur der fran⸗ zſiſche Lert. Dann ſind die zu unterſcheiden, welche vor dem Geſetze vom 30. Ventoſe XI. erſchienen ſind, hierauf die, welche vor dem Geſetze vom 3. Sept. 1807 und welche ſeit demſelben herauskamen. Zu der erſtern Claſſe gehoren: Lz M 2 2. Da⸗ Fuͤnfter Abſchnitt. 2. Daniels und Laſſaulx angefangene S welche Heft⸗ weiſe berauskamen. Zu der zweyten: 3. Civilgeſetzbuch der franzöſiſchen Republik, zht iſ mit Anmerkungen begleitet von F. Laſſaulx, offentlichem Verthei⸗ diger bey dem Tribunale zu Coblenz(jetzt Prof. der Rechtsſchule daſelbſt). Cobſenz. Tb. I. Jahr XI. Th. II. Jahr XII. Th. III. Jabr XKl. Th. IV. Bd. 1. 2. Jahr XIII. 3. Di erſten drey Theile ſind aͤlter als das Geſetz vom 30. Ventoſe. Die Anmerkungen ſind Auszuͤge aus der öffentlichen und geheimen Discuß ion; und nicht von ihm ſelbſt, wie einige glaubten. 4. Civilgeſetzbuch der Franzoſen, aus dem Franzöſiſchen uͤber⸗ ſetzt von Daniels. Ausgabe nach Vorſchrift des Geſetzes von 30. Ventoſe XII. Koͤlln. XIII. g. 5. Buͤrgerliches Geſetzbuch der Franzoſen, uͤberſetzt von P. F. Cremer, Regierungscommiſſair bey dem Civilgerichte des Crevelder Bezirks. Jahr Kll. 8. ¹) Zu der dritten Claſſe gehören: 6. Coder Napoleon, uͤberſetzt von Laſſaulx. nach dem Geſetze vom 3. Sept. 1807 geordnete, mit allen bis zur Verkuͤn⸗ digung dieſes Geſetzes erſchienenen, ins Civilrecht einſchlaͤgigen Ge⸗ ſetzen und Verordnungen vermehrte Ausgabe. Mit einem Anhange und vollſtändigem Sachregiſter.(Auch unter dem Titel: Coder Napoleon, uͤberſetzt und commentirt von 4. Th. 1. welcher den Text des Codex enthaͤlt.) Coblenz 1807. 8. „ Die Ueberſetzung iſt richtig, nur der Styl undeutſch. Sehr zur Erlaͤn⸗ terung tragen die mit abgedruckten Geſetze bey. Sie iſt keinesweget ganz nach dem Geſetze vom 3. Sept. eingerichtet. Coder RNapoleon. Ueberſetzt nach der neuen oſſiciellen Ausgabe von einer Geſellſchaft Rechtsgelehrten und durch Noten erlaͤutert von C. Spielmann, Kaiſerl. Proc. bey dem Civilgerichte zu Straßburg, und außerordentl. Prof, der ni daſelbſt. Straßburg und Paris. 1g08. S. 3„ Richt ————— Von den Huͤlfsmitteln zur Auslegung des C. N. 93 Richt ſo treu, aber in beſſerem Style. Die Noten enthalten größten⸗ theils Parallelſtellen des Code, und ſind in ſo fern mit Rutzen zu ge⸗ brauchen ²). Das beſonders herausgegebene Sachregiſter iſt ſehr voll⸗ ſtaͤndig. 8. Code Napoleon, aus dem Franzöſiſchen uͤberſetzt von Hrn. Daniels, Subſtituten des Kaiſerl. Generalprocur. bey dem Caſſa⸗ tionshofe zu Paris. Zweyte Auflage, welche die Geſetze, Kaiſerl. Decrete, Gutachten des Staatsraths und Inſtructionen des Groß⸗ richters Juſtizminiſters, wodurch mehrere Verfuͤgungen des Geſetz⸗ buches Napoleons näher beſtimmt oder erlaͤutert werden, an den gehörigen Orten beygefuͤgt ſind. Kolln 1808. 8. Dritte Auflage 1809. Unſtreitig eine der vorzuͤglichſten, und deshalb in den Herzogl. Arenber⸗ giſchen Staaten als officiell eingefuͤhrt. 9. Napoleons I. bürgerliches Geſetzbuch. Rach der neue⸗ ſten officiellen Originalausgabe, und den decretirten Abaͤnderungen von 3. Sept. 1807 verdeutſcht und mit einigen erklaͤrenden Anmer⸗ kungen, auch einem vollſtändigen Wort⸗ und Sachregiſter verſehen von K. 1. M. Muͤller. Leipzig 1808. 8. Aus der Danielsſchen Ueberſetzung gefertigt. 10. Napoleons I. buͤrgerliches Geſetzbuch. Nach der neue⸗ ſten officiellen Ausgabe verteutſcht, und nebſt den von dem franzo⸗ ſiſchen Rechtsgelehrten Hrn. Dard jedem Artikel beygeſuͤgten Pa⸗ rallelſtellen des römiſchen und aͤltern franzöſiſchen Rechts, auch ſeinen eigenen Bemerkungen und einem vollſtaͤndigen Sachregiſter heraus⸗ gegeben von Dr. Chriſt. Dan. Erhard, Koͤnigl. Saͤchſ. Ober⸗ hofgerichtsaſſeſſor, ordentl. Prof. der Rechte zu Leipzig. Deſſau und Leipzig 1808. S. Sehr vorzuͤglich; nur oft zu frey berſetzt. Die eigenen Bemerkungen des Ueberſetzers ſind unbedeutend ²). 11. Vom Dr. Eckard. Hamburg bey Vollmer. 1808. 8. Ob ſie wirklich erſchienen iſt, iſt mir unbekannt. 12. Napoleons Geſetbuch. Einzig officielle Ausgabe fuͤr das Königreich Weſtphalen. Straßburg 1808. 8. 4) S. oben§. 43 Nr. 12% M 3 13. 94 Fuͤnfter Abſchnitt. 13. Napoleons Geſetzbuch, nach der officiellen Ausgabe uͤberſetzt, nebſt Angabe der wichtigſten Abweichung der Ueberſetzungen von Daniels, Erhard, Laſſaulr, Müller und Spielmann. Darmſtadt und Gießen 1809. 2 Baͤnde. 14. Außerdem in Blanchards Ueberſetung von MArnvITE's Analyle, und Stickel's Ueberſetzung vom LocRÿ. 15. Kölln bey Rotamerskirchen. 1809. 8.— Von einer Geſellſchaft uͤberſetzt. 16. Codex Napoleon mit Zuſaͤtzen und Handelsgeſetzen, als Landrecht fur das Großberzogtbum Baden. Carlsruhe 1809. 12. Geändert iſt im weſentlichen nichts, nur ſind mehrere Abſchnitte zuge⸗ ſetzt*). Der C. N. tritt zwar nach dem Einfuͤhrungspatente vom 1. Jul. 1809 in verbindliche Kraft, die Regeln jedoch uͤber weltliche Abfaſſung der Geburtsurkunden, Einrichtung des Familienraths, Ehegemeinſchaft und Pfandbewahrung vom 1. Januar 1810. b. Flamländiſche. Eine flamländiſche Ueberſetzung fuͤr das ehemalige Braband von Lorio erwähnt der Moniteur 1805. Nr. 188. e. portugieſiſche. Eint ſolche bearbeitete Dr. Lopez. 4. Itatiäniſche. Eine officielle erſchien fuͤr das Koͤnigreich Italien. Eine andere officielle, von der vorigen verſchiedene, ward fuͤr das Koͤnigreich Reapel beſorgt. e. Lateiniſche. Codea Gallorum civiſjs, e patrio in latinum fermonem trans- latus; quadam addita legum e jure romano conſerendarum indi- catione. Studio H. B. GIBAuILT. Paris 1805. 8. Richt ſo vorzüglich als eine andere, welche zuerſt in Italien ver⸗ fertigt, und in der Quartausgabe fuͤr Weſtphalen abgedruckt iſt. 1) Ueber Von den Huͤlfsmitteln zur Auslegung des C. N. 95 1) ueber dieſe drey Ueberſetzungen ſ. Jen. A. L. Z. 1807. Nr. 3. Hall. L. Z. 1805. Nr s9. 1507. Nr. 24r. Letpz. L. Z. 1808. St. 190.— Von der Laſſaulp⸗ ſchen Ueberſetzung erſchien ein Probebogen in klein Duodez. Ob ſie in dieſem Format vollſtaͤndig herausgekommen, iſt mir unbekannt. 2) Goͤtt. gel. Anzeigen 1808. 3) Eine gruͤndliche Beurtheilung der Caſſaulyſchen, Danielsſchen, Spiel⸗ mannſchen. Muͤllerſchen und Erhardſchen Ueberſetzung ſ. in der Jenger A. L. Z. 1808. Nr. 282 ff.(von Pfeiffer 7) 4) Nach dem Publicationspatente vom 21. September 1808. F II., welches dieſer offictellen Ueberſetzung vorgedruckt iſt, ſoll ſelbige die einzige“ ſeyn, welche in den Gerichten des Koͤnigreichs Weſtphalen angefuͤhrt werden darf, und geſetze liche Kraft hat. Vergleichen wir ſie jedoch mit dem franzoͤſiſchen Texte, ſo finden ſich hier und da Abweichungen; ſo daß die Frage: Wie verhält ſich die Ueberſetzung zu dem zugleich mit publicirten Originalterte? ſehr wichtig iſt. Dieſe iſt nach den verſchtedenen Fällen, in welchen eine ſolche Abweichung möglich iſt, verſchieden zu beantworten. Die moͤglichen Faͤlle, in welchen dieſe Frage zur Sprache kommen kann, ſind folgende: 1. Fänden ſich wahre Wiberſpruͤche mit dem franzöſiſchen Texte, ſo gienge die teutſche Ueberſetzung vor, denn ſie iſt neuebes Geſeb⸗ II. Faͤnden ſich Dunkelheiten in der teutſchen Ausgabe, ſo muß die Franzoſſche als Quelle den Ausſchlag geben; denn man hat auch etnen officiellen franzs⸗ ſiſchen Text promulgirt, und unmöglich kann aller ſubſidiariſcher Gebrauch des Franzöſiſchen Rechts aus den Weſtphäliſchen Gerichten verhannt ſeyn. nI. Wären geſetzliche Beſtimmungen weggelaſſen, ſo unterſcheide man, ob ſie uͤberſehen ſind, oder ob die geſetzgebende Gewalt ſie abſichtlich wegließ. Im erſtern Falle muͤſſen ſie aus dem franzoſiſchen Texte ergaͤnzt werden, im letztern nicht. Beyſpiele des letztern Falls finden ſi ſich“ im ö3ſten Artikel, ih welchem es heißt, die Aufgebotsurkunde ſolle in ein eigenes Reaiſter ein⸗ geſchrieben werden, da es nach dem Franzoſiſchen Texte il fera inſerit ſur un feul regiſtre— heißt. Hier darf nicht aus dem Franzoͤſiſchen ergänzt werden, daß es nur ein einziges, nicht doppelt gefuͤhrtes ſeyn ſoll. S. Reil und Reinhard Handbuch fuͤr Maire. Bd. I. S. 572.(Pfeiffer) Vollſtaͤndige Unterweiſung fuͤr Citvilſtandsbeamte S. g8. denn das koönigl. Dectet vom 22. Januar 1808 ſchreibt ein doppeltes Regiſter vor.— Ein anderes findet ſich im 23 1ſten Artikel, wo in der Ueberſetzung das Wort exeds, welches doch ein fuͤr ſich beſtehender beſtimmter Eheſcheidungsgrund iſt, aus⸗ iſ. S. Dabelow Arehtv fuͤr den Code Napoleon. St. V. 518 1V. Andere Veraͤnderungen ſu nd dagegen, als von der geſetzgebenden Gewalt herruͤhrend, genau zu beachten. So iſt ſtatt Empereur immer König ge⸗ ſetzt, u. dergl. mehr: durch Art. 896. der neue Franzoſiſche Adel in⸗ ſeinen 4 dem Königveiche mitgetheilt, und die Verordnung vom z0. Maͤrz, zua2 und Fuͤnfter Abſhnitt. und das Senatusconſult vom 14. Auguſt 1806.(nicht aber die Velprdnunz vom 1. Marz 1808) gleichſam recipirtes Geſetz geworden; ſo auch durch den Art. 21, der Unterſchied zwiſchen Buͤrger und Inlaͤnder nicht anerkannt. Des⸗ holb ſind auch die Worte pour devenir citoyen nicht mit uͤberſetzt, weil in Weſtphalen kein Geſetz exiſtirt, wodurch Buͤrger im ſtaatsrechtlichen Sinne von Inlaͤndern unterſchieden werden; und dadurch der Sinn des Artikels dahin abgeaͤndert, daß ein ſolcher geweſener Inlaͤnder gegenwaͤrtig nur das zu thun braucht, was ein gebohrener Fremder noͤthig hat, um Inländer zu werden (d. h ſich mie Erlaubniß der Regierung im Lande aufzuhalten; nicht aber 10 Jahre, wie in Frankreich,— um citoyen werden zu können). S. Haller Litteraturzeitung 1809. Nr. 78. 5) S. Winkopp Rheinbund. Heft 30. Nr. 32. 2zAcRantA Zuſätze und Verãnderungen, die der Code Napoléon als Landrecht für das Herzogthum Baden erhalten hat. Heidelberg 1809. 8. §. 61. 4. Commentare. 1. Qhſervations ſir le C. N. par M. D'OrvIRR, membre de la cour d'appel de Mismes, et de diverſes académies. Paris 1807. 8. 35 1 2. BovsouRr Eplation diu Code ciwi, d'après les motifs exprimés dans jes discours prononcés par les orateurs du gouvernement, et du tribunat, avec la ſolution des queſtions, tant de droit, que de forme qui peuvent naitre du texte des artices. 1805— 1807. V. Voll. 4. Mit Vorſicht zu gebrauchen. 5. JAcoups DR MarnvLLR(ſécond préfident de la cour de caſſation, et Pun des rédaoteurs de ce Code) Analhſe raſon- nee de la discuſfion du Code civil au conſeil detat, eontenant le texte des lois, le précis des obſervations faites fur chaque article, et les motils de la décißon du conſeil, Pindication de la conformité ou de Poppoſition de ces articles aux lois anciennes; les arrèts rendus par la cour de caſſation pour en fixer le fens, et les obſervations particuliéres de Pauteur, pour concilier et rectifier quelques uns de ces articles, et faciliter Pintelligence des autres. Paris 1805. 4 Voll. 8. Zweyte Ansgabe 1809. 36 Com⸗ v ⸗. Von den Hulfsmitteln zur Auslegung des C. N. 97 Commentar uͤber das Geſetzbuch Napoleons, oder gruͤndliche Entwickelung der Discuſſion dieſes Geſetzbuchs im Staats⸗ rathe u. ſ. w. von Jacob v. Maleville; aus dem Franzöſiſchen uberſetzt, mit practiſchen Erlaͤuterungen, den Meynungen beruhmter Rechtsgelehrten, ſo wie mit vielen Urtheilen vermehrt, die uͤber wich⸗ tige Rechtsſragen, die nach dem Geſetzbuche Napoleons entſchieden werden mußten, in Frankreich erlaſſen worden ſind; von Wilhelm Blanchard, Praͤſidenten des Civilgerichts in Cölln. Cölln 1g0g. 4 Voll. 8. Malevilles Commentar zeichnet ſich durch zweckmaͤßige Kuͤrze aus, ſo wie die Ueberſetzung Blanch ard's durch Treue und Genauigkeit. 4. Eſprit du Code Napoléon, tiré de la discuſſion, on confe- rence hiftorique, analytique et raiſonnée du Projet de Code civil, des obſervations des trihunaux, des proces- verbaux du conſeil d'état, des obſervations du tribunat, des expoſes de motiſs, des rapports et discours etc. dedié à S. M.'empereur et roi, par J G. LocRß, Secrétaire général du conſeil d'stat, membre de la légion d'honneur. Paris. XII.— 1807. T. 1. 2. 3 5 6 in 8 nd Geiſt der Civilge ſetzgebung Frankreichs, ein ganz aus den Qüellen geſchoͤpfter erklaͤrender Commentar von J. G. Locre. Bd. 1. Gießen und Wetzlar. 1808. 8.(Auch unter dem zweyten Titel: J. G. 1. Geiſt des Geſetzbuches Napoleons, verdeutſcht von Dr. Franz Stickel. Erſtes Heft. Und unter dem dritten: Geiſt des Geſetzbuches Napoleons, aus der Verhandlung geſchoͤpft von J. G. 1. Mit Ruͤckſicht auf die neuern geſetzlichen Verfuͤgun⸗ gen verdeutſcht vom Hofrathe Ernſt Muͤller und Dr. Franz Stickel.) Loere Geiſt des Geſetzbuches Napoleons, aus der Urſprache uͤber⸗ ſetzt von F. C. Gladbach, revidirt und mit erläuternden Zuſätzen verſehen vom Appell. R. v. Almendingen. Gießen 1809. Bey weitem die vollſtaͤndigſte Materialienſammlung uͤber den C. N., nur oft ermuͤdend weitſchweifig. Die Stickelſche Ueberſetzung iſt vortrefflich, die Gladbachſche ſcheint nur die Fortſetzung derſelben ausmachen zu ſollen⸗ §. F. Laſſaulx über das Civiltecht der Franzoſen, ruckſichtlich auf deſſen Abweichungen von dem gemeinen Rechte und der vorigen Spangenberg's Cemmentar Bd. I. fran⸗ 6 2 8 d. S S 98 Fuͤnfter Abſchnitt. franzöſiſchen Geſetzgebung. Eine eiviliſtiſche Abhandlung. 1. Abtheil. Coblenz 1807. 8. Iſt ein Anfang eines wabren Commentars; zuerſt abgedruckt in dem Journale des Verf. über Franzoſiſche Rechtshelehrſamkeit. 6. Die Geſetzgebung Napoleons, dargeſtellt und commentirt von F. Laſſaulx. Erſte Abtheilung. Privatrecht. Erſter Theil. Koblenz 1809. 8.(Auch unter dem Titel: Coder Rapoleon, dar⸗ geſtellt u. ſ. w. Erſter Theil.) Bis jetzt der vollſtäͤndigſte Commentar. . Razionali ſull Codice Napoleone. Mir unbekannt. Angekuͤndigt ſind: 3. Code N. commenté par Mav6RRRT. 9. G. Hopnranp Commentar ſiber das gemeine Peutſche Civil- recht, und die neuern Deutſchen und F ranzöſiſchen ſtatutari- ſchen Geſetzbücher. Gieſsen. VI. Baͤnde. Ferner geboͤrt hierher: 10. Code civil avec des notes explicatives redigées par des juris- confultes, qui ont contribué à la confection du Code. Paris. 1805. 1807. 8. T. 1— VII. 5. 63. 5. Woͤrterbücher. Dieſe ſind entweder uͤber das ganze Franzoͤſiſche Recht ausgedehnt, oder ſie liefern nur den Text des Code alphabetiſch dargeſtellt. Ein er⸗ klaͤrendes Woͤrterbuch des Code fehlt noch durchaus. Den Text des Code liefern: 1. Dictionnaire du Code ciil, ou le texte du Code civil rangé par ordre alphabétique, et[on uſage rendu beauconp plus facile par une concordancé de tous les mots, par M. DAv- BAMToM. Paris 1806. 8. ni 2Z. D- F Von den Huͤlfsmitteln zur Auslegung des C. N. 99 2. Dictionnatre raiſonné, et par ordre alphabétique des matières du Code Napoléon par N. F. VRRPIERR, ancien nolaire à Rouen. Paris 1807. 12. 3. Das Handbuch des Coder Napoleon(§. 58. Nr. 3.) Zu den erſtern Werken gehören: 3. C. H. Da6cAk e norvenu Ferriere, ou dictionnaire de droit et de pratique, eiv. commero. elc. conténant Pexplication de tous les termes du droit, anciens et modernes. Paris 1807. IMI. voll. 4. pE LAPoRTE norveau Ferriére, etc. contenant Texplication des termes uſités dans la pralique, ſoit anciens, ſoit nouveaux, et préſentant à la ſuite de chaque mot l'origine de nos for- mes etc. Paris 1807. DnsokRMAWX Dictionnaire rniſohné des matieres de la le- „eon cle et cmninelle, de finance, et adininiftrative. . Voll. 8. Repertoire legislnif⸗ adminſtratif, ſudiciaire et hſtori- que ou memorial des lois et actes du gouvernement, des circulaires, inſtruotions et déciſions miniflérielles, des juge- mens de la cour de caſſation, et des cours d'appel, auſſi que des évenemens politiques publiés officiellement an. XII. Z. MnnrIX(Conſeiller d'état; procureur- général- impérial à la cour de cafſation) reper?oire univerſel et raiſonne de Vurisudence. T. I. II. III. IV. gr. 4. 5. 63. 6. Vergleichung des Code mit ſich ſelbſt und andern Geſetzen. a. Mit ſich ſelbſt. Hierher gehört die Ausgabe von Spielmann(6 43. Nr..) welche die obgleich nicht ganz gegluckte Hauptabſicht hatte, den Code durch ſich ſelbſt, vermittelſt Anzeige der Parallelſtellen, zu erläutern. Ferner: BaIILann Code Napoléon, expliqué par lui mẽme. 5 Voll. 8. . Mit Fuͤnfter Abſchnitt. d. Mit andern Zweigen des Rechts. 1. LnNGLNT eſſai ſur les rapports et la diftribution des digeren- tes parties du Code civil, du Code rural, du Code de com- merce, et du Code ieil 1804. 8. 2. BoucRnR principes du droit civil et du droit commercial comparés. 1804. II. Voll. 8. 3. Abregé méthodique des loix viviles, et du droit commun de la France conſidérés dans leur rapport avec celles du Code civil. II. Voll. 8. c. Mit Roͤmiſchen und einheimiſchen Quellen. Hierher gehoͤren die Ausgaben von Dard und Duͤfour, und die Jurisprudence von Bavoux und Loiſeau; ferner dds vortreffliche Werk: Tes Pandectes ſungaſes, ou recueil complet de toutes les lois en vigueur, contenant le Code civil avee les dispoſitions des lois romaines, coutumiéres, édits, declarations, et décrets que la legislation nouvelle laiſſe fubſiſter, par RIFPR- CABRAv et Paris. Voll. I- XV. 8. d. Mit dem Roͤmiſchen Rechte. 1. N. D. LIsLRPRRMk abrégé iméthodique(nach der Pandekten⸗ ordnung) du droit romain, conféré avec le droit franqais. Agen. IX. X.— V. Voll. 8. Ganz mißlungen. 2. GIN Ana! yſe raiſonnée du droit frangais par la comparaiſon des dispoſitions des lois romaines, de celles de la coutume de Paris, et du nouveau Code civil. Paris 1803— 1805 8. 3. Leſprit des Inſtitutes de Pempereur Jultinien, conféré avee les principes du Code Napoléon etc. par DusQuIRon. Paris 1807. II. Voll. 4. ¹) Höchſt unbedeutend. 4. Les Inftitutions de Juſtinien comparées au Code civil des Francais, par F. LAssAUILX. In ſeinem Journal. Jahrg. II. Heft ff. Unbedeutend. 5. Le- * 7 Von den Huͤlfsmitteln zur Auslegung des C. N. 101 5. Lecons 6lementaires du droit civil romain par J. G. HRT- vncotus, ouvrage traduit en francais, mis en conférence avec les articles du C. N. du C. D. P. du C. pénal et des lois antérieures par A. MERRSTRIER. III. Voll. 12. ℳ e. Mit Roͤmiſchen und Teutſchen Geſetzen. Vn. ScnöMaRn(Prof. in Jena) Erläuterung der Civilgeſetz- Napoléons und Juſtinians aus[ämmtlichen Quellen und nach ihtem Subſidiaritätsverhältniſſe in Vergleichung mit dem Preuſsiſchen Landrecht. Erſtes Heft. Gieſsen und Wetzlar 1808. 8.(Auch unter dem Titel: Das Römiſche Civilrecht nach dem Pandectentexte mit dem Preuſsiſchen und Franzöſiſchen verglichen.) Nach der Titel- und Fragmentenordnung der Pandecten. Das Buch geht bis zum Bten Titel des erſten Buchs der Pandecten. 2. Napoléons Geſetzbuch, nach fſeinen Abweichungen von Deutſch- lands gemeinem ein Handbuch für teutſehe Geſchäfts- männer. von Dr. B. W. Prrrvnn und J. G. PyRIPPRR. Göt- tingen 1808. II. Theile. S. 3. Wehrn(Prof. in Halle) Vergleichung des Roͤmiſchen, preußt⸗ ſchen und Franzoͤſiſchen Rechts. Iſt angekuͤndigt ²). f. Mit Preußiſchen und andern Geſetzen. 1. v. Grevenitz Unterricht zur Kenntniß der vorzuͤglichſten Abwei⸗ chungen des C. N. von den Preußiſchen und Polniſchen Geſetzen. Leipzig 1808. 8. 2. Eine Vergleichung der Rubriken des Code mit dem Preußiſchen Landrecht und der Gerichtsordnung ſ. in Schmid's Einleitung Th. 1. Abth. 1. zu Ende.(§. 58. Nr. 2.) 3. Eine andere iſt in Gmelin, Danz und Tafinger eritiſchem Archive fuͤr Rechtsgelehrſamkeit verſprochen. 4. Ueber die Verſchiedenbeit der Form des Franzöſiſchen Eivilcoder und des Preußiſchen allgemeinen Landrechts, wie auch die Verſchie⸗ denheit des Geſichtspunets, welcher bey Geſetzbuͤchern zum Gr. inde liegt. N 3 In — 29 Fuͤnfter Abſchnitt. In des Herrn Obertribunalsrath Klein Annalen der Geſetzgebung und Rechtsgelehrſamkeit in den Preußiſchen Staaten. Bd. 25. Nr. X. 5. Ueber die bey dem gewoͤhnlichen Faiche vorkommenden Unter⸗ ſchiede der Fanzöſiſchen und Preußiſchen Geſetzgebung. Ebendaſelbſt Nr. XI. Beyde Abhandlungen enthalten eine Vergleichung des C. N. mit dem Preußiſchen Landrechte bey den vorzuͤglichſten Rechts⸗ inſtituten, die jedoch groͤßtentheils zum Rachtheil des erſtern ausfäͤllt. 1) Hall. A. L. Z. 1808. Nr. 51. 2) Hall. L. Z. 1309. Nr. 22. S. 184. 5. 64. 1. Fr. Laſſaulr und J. Birnbaum Journal fuͤr Geſetzkunde und Rechtsgelehrſamkeit. Koblenz. KIII. 1807. 8. Drey Jahrgaͤnge, jeden zu 12 Hefte. 2. Fr. Laſſaulx Annalen der Geſetgebung Napoleons. Koblenz. In zwangloſen Heften. Drey Hefte machen einen Band. Dieſes Werk ſoll auch auf das Koͤnigreich Weſtphalen Ruͤckſicht nehmen. z. Dabelow Archiv fuͤr den Code Napoleon. Halle 1808. 5 Hefte. (Auch unter dem Titel: Materialien zur Geſchichte, kitteratur, Beurtheilung, Erklaͤrung und Anwendung des E. R. hauptſächlich zum Gebrauch der practiſchen Rechtsgelehrten in Teutſchland.) 4. Nic. Theod. Gönner Archiv fuͤr die Geſetzgebung und Reforme des juriſtiſchen Studiums. Landshut 1808. 8. Drey Hefte machen einen Band.„ 5. Danz, Gmelin, Tafinger Critiſches Archiv der neueſten juri⸗ diſchen Litteratur und Rechtspfiege. Tuͤbingen 1803. 8. 6. Allgemeine Bibliothek fuͤr Staatskunſt, Rechtswiſſenſchaft und Critik, bearbeitet von den vorzuͤglichſten Gelehrten Teutſchlands. Gießen und Wetzlar. 1808. 8. Großtentheils vom Appell. R. p. Almendingen⸗ 5 —— N Von den Hülfsmitteln zur Auslegung des C. N. 103 7. Schulz und Heſterley Magazin fuͤr das Civilrecht und die buͤrgerliche Rechtspflege des Koͤnigreichs Weſtphalen. Göͤttingen 1809. 8. 8. Einige unten(S. 55. not. 3,) angefuͤhrte Journale, wie 3. B. das Journal du barreau. 9. Th⸗ Hartleben allgemeine Inſtiz⸗ und Policeyblaͤtter. 1809. Sollen ebenfalls von dem genannten Jahre an, franzöſiſche Rechtsſpruͤche und Critiken der Geſetze enthalten. 10. Magazin fuͤr die Geſchichte und Pbiloſophie des Rechts und der Geſetzgebung von Dr. Carl Grollmann und E. v. Loehr. Dieſes Werk ſoll ſich kuͤnftig auch uͤber die neue franzöſiſche Geſetzgebung verbreiten. 5. 65. 3. Vermiſchte Schriften. 1. F. W. B. v. Ramdohr juriſtiſche Erfabrungen oder Reperto⸗ rium der wichtigſten Rechtsmaterien in alphabetiſcher Ordnung ruck⸗ ſichtlich auf poſitives Recht und Geſetzgebung, erläutert durch merkwuͤr⸗ dige größtentheils noch ungedruckte Erkenntniſſe des Oberappellations⸗ gerichts zu Celle, verglichen mit dem C. N. dem projet de code civil Pan ð(ꝙ), und dem Preußiſchen Landrechte. Hannover 1805. 8. 2. Seidenſticker Geiſt des Code Rapoleon. Tubingen 1809. 8. 3. Coup d'oeil fur le Code Napoléon. Marbourg et Caſſel. 1808. 8. 6. 66. — Andere Hülfsmittel⸗ Mehr oder weniger konnen auch zur Erlaͤuterung des Franzoͤſiſchen Rechts, und beſonders des Code, die Werke mittelbar dienen, in welchen die Franzöſiſche Staatsverfaſſung und Statiſtik abgehandelt wird. Als Quellenſammlung zeignet ſich aus: 1. Recuei hſtorique des Vois conſtitul ionelles et des 7eglemens gendrau d'adminiſt ration, publies en France depꝛis le commencement de la revolulion juschu preſent⸗ par F. SAryRLp, Dr. en philoſophie. Goettingue 1809. 3. Tom. I. Gute Gute Materialien findet man in dieſer Hinſicht im: AUmanac ampérial par TRsTv. PpvoRRr ſatiſtique dlmentaire de Fance. 4. Hnnnr* Valiſtique genérale et panticulire de Fance, verarbeitet in 5. R.(von) BossR(Anditeur beym koͤnigl. Weſtphal. Staatsrath) Veberſeht der anzdſiſchhen Staatsitſohft bis zum F nanzplan ſr 1806. Braunſchweig 1807. 1I. Theile in S. 6. Vergleichende Schilderung der Organiſation der franzöſiſchen Staats⸗ verwaltung in Beziehung auf das Koͤnigreich Weſtphalen und andere deutſche Staaten. Frankf. und Leipzig. annover) 1808. 8. Fur das Koͤnigreich Weſtpbalen iſt das vorzuͤglichſte Werk: C. J. Ba1I, ſtaliſtique gendale des Prowinces compoſant le Royaume de VWſtphalie. Goeltingue 1809. gr. 4. ſo wie auch in Ermangelung eines eigenen Staatskalenders die fuͤr ein⸗ brauchen ſind. Code Napoleon endlich giebt: Herr Hoftr. Hugo in ſeinem: Lehrbuch des Naturrechts, als einer Philoſophie des poſitiven Rechts. Dritter, ganz von neuem aus⸗ gearbeiteter Verſuch. Berlin 1809. 8.(Des Civiliſtiſchen Curſus zweyter Band.) Commen⸗ 104 Fuͤnfter Abſchn. Von d. Huͤlfsmitteln zur Auslegung d. C. N. zelne Departements ſchienenen mit Rutzen zu ge⸗ Einzelne vortreffliche Winke zur Rnheßeilcäh e und S des uber den Spangenberg's Commentar Bd. I. uber den Code Napoleon. Einleitungstitel. Von der Verkuͤndigung, den Wirkungen und der Anwen⸗ dung der Geſetze im Allgemeinen⸗ Shon oben iſt es bemerkt worden, daß ſich dieſer Titel des Code Ra⸗ poleon mit Gegenſtaͤnden beſchaͤftige, welche keinesweges dem allgemeinen Privatrechte, dem derſelbe gewidmet iſt, allein zuſtehen, ſondern viel⸗ mehr auch den uͤbrigen Geſetzbuͤchern gemeinſchaftlich ſind. Sie fanden jedoch am zweckmaͤßigſten ihren Platz an der Spitze des Code Napoleon, da dieſer wieder an der Spitze aller der uͤbrigen ſteht. Erſtes Kapitel. Von den Geſetzen uͤberhaupt r). 5. 66. Begriff der Geſetze. Das Geſetz iſt die Erklaͤrung des poſitiven Willens der Suats. gewalt; d. b. eine beſtimmte zwingende Rorm, welche die O a— den Einleitungstitel. den Unterthanen vorſchreibt ²). Das Reſultat, das aus den Geſetzen ber bildet das Recht. Dieſes laͤßt ſich uberhaupt zwiefach denken: J. im ſubjectiven Sinne dieſes Worts, als ein beſtimmtes Verhältniß unter den Unterthanen; I. odet im öbjecttven, als Wiſ⸗ ſenſchaft oder Inbegriff vo Wahrheiten, welche das ſubjective Recht zum Gegenſtande baben. Das ſubzective Recht iſt immer ein rechtliches Zwangsverhältniß, d. b. ein Verbaͤltniß, zu deſſen Beachtung ein Menſch von dem andern gezwungen werden kann; weil es Reſultat des Geſetzes, einer poſitiven Zwangsnorm, iſt; ein Rechtsverbaͤltniß. Dieſe Ver⸗ haͤltniſſe beſtimmen den rechtlichen V Wirkungsl kreis der Unterthanen gegen einander, und erſcheinen daher l. von Seiten desſenigen, zu deſſen Wir⸗ kungskreiſe etwas gehoͤrt, als Befugniſſe, Rechte, Gerechtſame, und Il. von Seiten desjenigen, zü deſſen Wirkungskreiſe etwas nicht gehoͤrt, der vielmehr den Wirkungskreis des andern anerkennen muß, als Pflich⸗ ten, Verbindlichkeiten. Auch dieſe letztern ſind voöllige Zwangs⸗ pflichten oder Rechtspflichten; und beyde Arten von Rechtsverhältniſſen, als Ausfluß des poſitiven Willen des Staats, bilden das poſitive Recht. Dem poſitiven Rechte wird das pr oblematiſche Naturrecht entgegengeſetzt, welches vielmehr nach franzoſiſchen Begriffen ſolche poſi⸗ tive Rormen enthaͤlt, welche aus der Natur der Sache, einer geſunden Beurtheilungskraft 3), und vorzuͤglich aus Geſetzen entſpringen, denen ſpaͤter die geſetzliche Kraft genommen worden iſt, und die daher inskuͤnftige nur als rechtliche Maximen exiſtiren(F. 51.)(der ſogenannten raiſon écrite). 1) DoMaT traité des loix, vor ſeinen Loix civiles dans leur ordre naturel⸗ LocRE Eſprit. T. I. p. 23— 69. Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. comment. Th. I. S. 3— 20.— vorzuglich Projet de Code eivil. Lidre preliminaire. 2) Jedes Geſetz muß etwas gebieten oder verbieten(loix précéptives ou prohi- bitives) denn ohne eine ein Gebot oder Verbot vorausſetzende Verbindlichkeit iſt kein Recht denkbar. Das Erlaubtſeyn iſt nur eine indirecte Folge aus dem Geſetze, denn was demſelben nicht zuwider iſt, iſt rechtlich erlaubt. Ob es moraliſch erlaubt ſey, darum bekuͤmmert ſich der Juriſt nicht⸗ 3) Projet de Code civil. Lidre yreſim. tit. T. art 7.«Il exiſte un droit univerſel et immuable,[ource de toutes les lois poſitives; il meſt que la raiſon naturelle en tant, qu'elle gonverne tous Ies hommes.“ FAURE Dis⸗ cours ſur le tit. 1. du Livre 1.(Code par GakNERV P E p.328.) i la loi civile ſe tait. les juges en emier par les régles de l'dquité, qui conſiſtent dans les maximes de droit naturel, de juſtice univerſelle⸗ et de raiſon.“ Pfeiffer in Crf und Jaup Germanien. Bd. 2. H. 2. S. 283 ff. §. 68. . Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 109 5. 68. Jurisprudenz⸗ Das objective Recht, als Wiſſenſchaft des poſitiven Rechts, heißt dann im weitern Sinne dieſes Worts Jurisprudenz, obgleich man in engerer Bedeutung damit eine Reihe von Saͤtzen und Maximen be⸗ zeichnet, die von den Entſcheidungen der Gerichte, inſofern ſie die Er⸗ klärung und Anwendung der Geſetze betreffen, abgeleitet ſind, und die beutige Praxis enthalten G. B. La jurisprucence des arréts de la Cour de cafſation, de la Cour d'appel u. ſ. w.) ¹) 1) Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1.§. 1. Rot. 3· F. 69. Eintheilung des Rechts uͤberhaupt⸗ Die Rechtsverhaͤltniſſe der Menſchen in einem Staate können aber von dreyfacher Art ſeyn; entweder betreffen ſie die Verhaͤltniſſe aller, als Einheit gerechnet, gegen einen andern Staat, und dann erzengen ſie das Völkerrecht(droit des gens), oder ſie betreffen die Verhaͤltniſſe aller, als Unterthanen gegen den Staat und deſſen Oberhaupt, dann bilden ſie das Staatsrecht(droit publio), oder endlich die Verhaͤltniſſe der Unterthanen gegen einander, und dann entſpringt aus ihnen das Pri⸗ vatrecht(droit privé, gewöhnlich genannt droit civil). Jede einzelne Art dieſer Verhaͤltniſſe kann wieder mehrere Gegenſtaͤnde begreifen, wo⸗ durch ſie eigen motivirt und beſtimmt wird. S. z. B. zerfällt das Staats⸗ recht in das Conſtitutions- und Regierungsrecht, und dieſes wieder in Unterabtheilungen; das Privatrecht in das allgemeine und beſondere, z. B. Handelsrecht, u. ſ⸗w. Der Code beſchaͤftigt ſich dagegen nur, wie wir oben geſehen haben, mit dem allgemeinen Privatrecht(S. 45.J, weshalb ſeine Vorſchriſten auch nicht auf das ſpecielle, und noch weniger auf das Staats⸗ und Voölkerrecht ausgedehnt werden koͤnnen ¹). 1) Eine andere Eintheilung, welche jedoch im Grunde ouf die näͤmliche hinauslaͤuft und zu ihrer Erklärung dienen kann, hat das Liore prelim. tit 2. not.. Il eſt diverſes eſpoces de lois. Les unes reglent les rapports de ceux, qut gouvernenk, avec ceux qui font gouvernés, et les rapports de chaque membre de la cité avec tous: ce font les lois cohnſtitutionelles et politiquen. O 3 Les ———— 110 Einleitungstitel. Les autres règlent les rapports des citoyens eutre eun: ee ſont les lois civiles. Les troiſiẽmes règlent les rapporte de l'homme avec la loi. Cette partie de la legislation eſt la garantie et la ſandtion de toutes les lois: elle ſe compoſe des lois relatives à jordre judiciaire, des lois criminelles, des lois concernant la police, et de toutes celles qui out directement les moeurs ou la paix publique pour objet. Les quatriémes dispoſent fur des objets qui n'appartiennent exe luſivement 3 aucune des diviſions précédentes: ce ſont les lois fiſcales, les lois com⸗ merciales, les lois maritimes, les lois militaires, les lois rurales. 5. 0. Gegenſtand des Privatrechts.. Das Privatrecht beſchäͤftigt ſich nach der Anſicht der franzöſiſchen Rechtsgelehrten nur mit Perſonen und Sachen, und zerfaͤllt daber in das Perſonenrecht und das Sachenrecht. Das letztere begreift das Recht der Forderungen mit in ſich. Zweytes Kapitel. Von der Eintheilung der Geſetze. S Verſchiedenheit dieſer Eintheilung, Da ein Geſetz immer eine zwingende Norm vermoͤge ſeiner Ratur enthalten muß; jede zwingende Norm aber nur poſitiv ſeyn kann, ſo ergiebt ſich hieraus die Unzukaͤſſigkeit einer Eintheilung der Geſetze in Ruͤckſicht auf ihren Urſprung in natuͤrliche und poſitive. Ebenfalls unzweckmaͤßig iſt die, vermoͤge welcher die Geſetze in geiſtliche und weltliche getheilt werden, in ſo fern ſie von der geiſtlichen und welt⸗ lichen Macht erlaſſen ſind. Nach der Idee der franzöſiſchen Staats⸗ verfaſſung gehoͤren vielmehr die Geſetze uͤber die aͤußern Religionsgegen— ſtände dem Staatsrecht an, da der aͤußere Gottesdienſt Gegenſtand der Staatspolicey, der innere dagegen keinen poſitiven Geſetzen unterworfen iſt.— Wichtig kann fuͤr uns nur die Eintheilung der Geſetze in Hinſicht ihrer Abfaſſung, in geſchriebenes, oder ungeſchriebenes, oder Gewohnheitsrecht ſeyn ¹). 1) Auch Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 111 1) Auch von Privtlegien in Hinſicht der Perſonen ſpricht der Code nicht, weil dieſe ins Staatsrecht gehoͤren, wohl aber von Privtlegien in Hinſicht der Sachen, beym Pfandrechts. 5. 542. Geſchriebenes Recht. Die Quellen des geſchriebenen franzöſiſchen Rechts 1) ſind: I. Kai⸗ ſerliche Decrete Mecrets impériaux, ſonſt Arrétés des Conſuls), Verordnungen, die der Kaiſer auf den Bericht ſeiner Miniſter, nach Anhoͤ⸗ rung ſeines Staatsraths, ohne Beytritt des Senats oder der geſetzgeben⸗ den Verſammlung erlaͤßt. II. Senatusconſulte, Beſchluͤſſe, die der Senat des franzöſiſchen Reichs unter Beobachtung der Formalitaͤ⸗ ten, welche die Conſtitution vorſchreibt, faßt. HI. Geſetze(Lois) im engern Sinne, welchen die geſetzgebende Verſammlung, in Gemaͤßbeit eines von der Regierung vorgelegten Entwurfes, nach vorausgegangener ſpecieller und allgemeiner Discuſſion im Staatsrathe, verbindende Kraft beylegt ²). IV. Gutachten des Staatsraths(Avis du Conſeil d'Etat) uͤber die ihm von der Regierung vorgelegten ſtreitigen Fragen, in ſo ſern ſie vom Kaiſer genehmigt ſind. V. Kaiſerliche Statuten, welche ſich auf die Organiſation des Kaiſerlichen Palais und der Kaiſer⸗ lichen Familie beziehen. Die Miniſteriellen Inſtructionen oder Verordnungen, welche ein Miniſter in ſeinem Geſchaͤftskreiſe wegen Anwen⸗ dung und Vollziebung der Geſetze erläͤßt, ſind dagegen eher Interpretations⸗ mittel als Geſetze; freylich mit dem Character des Officiellen begleitet, ſo daß ſie kuͤcken der Geſetzgebung ausfüllen koͤnnen, wenn es der doctrinellen Interpretation erlaubt iſt. Da aber die Miniſter, als ſolche, nicht geſetz⸗ gebende Gewalt baben, ſo iſt eine ſolche Inſtruction immer bey Seite zu legen, wenn ſie dem klaren Buchſtaben des Geſetzes widerſtreitet. 1) Zacharia 6. 6. der Einleit.— In Weſtphalen beſteht das geſchriebene Recht aus: I. Königlichen Deereten; n. Gutachten des Staatsroths, welche beyde unter den näͤmlichen Be⸗ dingungen, wie in Frankreich, erlaſſen ſind; Ni. aus Geſetzen, welche dem Reichsſtänden vorgekegt und von ihnen geneh⸗ miat ſind. Adte conſtitutionel- de Weſtphalie art. 33. IV Königlichen Statuten⸗ 2) SCe organique de Pan 1804. art. 79- 36.(SaALFELD recueil des loi eonftitutione lles Frangaiſes. T I. p. 372.) Dte Art der Discuſſion iſt oben bey der Geſchichte der Entſtehung des Code erzählt, nur iſt die Mittheilung an das Tribunat, nach deſſen Aufhebung, weggefallen. 5 73 Einleitungstitel. §. 73. N ungeſchriebenes Recht. Uueber die Frage, ob es noch ein ungeſchriebenes, oder, was dasſelbe ſagt, ein Gewohnheitsrecht gebe, ſind die Meynungen ſehr getheilt ¹). VPieſe Verſchiedenheit entſtand theils aus dem Mißverſtehen des Verhältniſſes des conſuetudinariſchen Provincialrechts(Contume) zu dem wahren Gewohnheitsrechte, theils aus der irrigen Erklaͤrung des be⸗ ſtrittenen 7ten Artikels des Ventoſegeſetzes. Gewohnbeitsrecht iſt nämlich die durch mehrere gleichformige binnen einer gegebenen Zeit vor⸗ genommene Handlungen, und durch ausdruͤckliche oder ſtillſchweigende Genebmigung der geſetzgebenden Gewalt im Staate, anerkannte rechtliche Norm ²). Dieſes heißt im franzöſiſchen Nechte ge, Herkommen, Ortsgebrauch. Perſchieden von ihm iſt dagegen die Corme, d. p. das ehemalige ungeſchriebene, jetzt aber ſchriftlich redigicte Provinzial⸗ recht.(§. 23.) ²) ketzteres iſt durch das Ventoſegeſetz, ſo wie durch das koͤnigliche Decret vom 21. Sept. 1808, der geſetzlichen Kraft beraubt; jedoch nur bedingt, naͤmlich in den Materien, wo der Code etwas neues verordnet; da es im Gegentheil die Kraft rechtlicher Regeln sder Maxi⸗ men behält. Eine gleiche Bewandniß hat es mit dem wahren Gewohn⸗ beitsrechte, es kann ſich mithin als beſtärkende Maxime neben dem Code erzeugen(Conſuetudo ſecundum legem); es kann ſogar den Code ſup⸗ pliren, in ſo fern uͤberhaupt eine ſolche Ergaͤnzung moglich iſt*)(Conſue- tudo praeter legem); nie aber kann es dem Code derogiren, weil es unter der Clauſel des benannten Ventoſegeſetzes, nach welcher alle rechtliche . Normen bey den Materien, wo der Code etwas neues anordnet, ihrer ge⸗ ſetzlichen Kraft beraubt ſind, ſtillſchweigend mit begriffen iſt, ſo daß es weder jetzt noch in Zukunft ein Gewohnheitsrecht gegen den Code(Con- „ ſueludo contra legem) geben wird und kann*). Außerdem ſind alle Provincialrechte und alle wahren Gewohnbeitsrechte noch in den Puncten als Geſetze anzuſehen, in welchen der Code Napoleon, indem er auf ſie verweißt, ſie als geſetzliche Normen beybehalten will 6). ————— „ 1) Die Exiſtenz eines Gewohnheitsrechts fuͤr Frankteich neben dem Code Napoleon leugnen PFRIFFER Napoleons Geſetzbuch. Th. 1. S. 2. Dabelow Archiv. St. 1. S. 65. Dagegen erkennen ein ſolches an: Livre prelimimaire. tit. I. art. g. Le droit partichlier ſe compoſe en partie de cou- tumet ou uſages qui ſont le ſupplement des lois* S. auch not. 2.— Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. 1.§. 8. Meine Iuſtitutiones juris Napoleonei. F. 11. not. 2. , —— 2) Dieſe Bedingungen, Spangenberg's Commentar Bd. I. Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 113 not. 2.— 2ActARInB Haudbuch. Einleit.§. II. nur in ſo fern als ſie vom Code beſtätigt ſind. welche ſchon in der Natur der Sache liegen, enthaͤlt bey⸗ laͤufig der 671 Artitkel des code Napoléon—*par les uſages vohKan et reconnnun— durch gleichſoͤrmtge und vom Geſetzgeber als rechttiche Norm gnerkannte Gewohnheit.— Unrichtig iſt es mithin, wenn Dabelow a. a. O. ſagt: Der Ufage ſey weiter nichts, als etue bloße Handlungsweiſe an einem Oete in Geſchäften des buͤrgerlichen Lebens, wobey es ledialtch auf das Factiſche,— nicht auf das Rechtliche ankomme, und demuach uſage von dem wahren Ge⸗ wohnheitsrecht unterſcheiden will. S. Laſſaulr a. a. D.§. 8. Not. 4.— Eben ſo wenig läßt ſich mit Zachariä aus art.§ des Code die Nichtexiſtenz des Ge⸗ woͤhnheitsrechts folgern, da ſich dieſer auf eine locale Veranlaſſung fuͤr Frankreich bezieht, nämlich auf die Reglements der Parlamente, welche dadurch alle geſet⸗ gebende Gewalt lähmten und hoͤchſt verderblich waren.(F. 260) Keinesweges kann man daher mit Blein Annalen der Geſetzgebung und Rechtsgelehrſamkeit in den Preußtſchen Staaten. Bd. XKV. S 168. dieſen Artikel mit dem F. 6. der Einſeitung in das A. L. R. worin es heißt:„Auf Meynungen der Rechts⸗ lehrer oder ältere Ausſpruͤche der Richter, ſoll bey kuͤnftigen Entſcheidungen keine Ruͤckſicht genommen werden“ fuͤr identiſch halten. S. auch das Präliminatrbuch des Projets tit 1. art. 5. über das Gewohnheitsrecht:„La coutume réſulte d'une longe ſuite d'actes conſtamment röpẽtẽs qui ont acquis la force d'une convention tacite, et comimune.“ 3) Laſſaulx a. a. D. 4) Möglich kann ſie ſeyn: I. Wenn das Gewohnheitsrecht in Materien etwas be⸗ ſtimmt, bey denen der Code ſchweigt, weil ſie nicht zu ſeiner Rechtsſphäre ge⸗ hören— dann gilt es als wahres Geſetz. II. Wenn es in Materien etwas anordnet, bey denen der Code ſchweigt, ob ſie gleich zu ſeiner Rechtsſphaͤre gehören— dann gilt es als rechtliche Maxime, die der Richter nach ſeiner indi⸗ viduellen Ueberzeugung entweder folgen oder verlaſſen darf. S. F. 50. Nr. II. In dem erſtern Fall können ſich die Partheyen auf die Gewohnheit als ein Recht berufen, und den Beweis deſſelben als einer neben dem Geſetze beſtehenden Rechtsquelle fordern; im letztern aber nicht. S. auch Livre prèliminaire des Projet. tit. 5. art. 1I.(5. 30. not. 16.) 5) Wenn Laſſaulx a. a. O.§. 9. not. 3. das Gegentheil zu behaupten ſcheint, ſo ſcheint dieſes auch nur ſo, da er eigentlich die Frage beantwortet, ob wohl eine Conſuetudo contra legem ſich uͤberhaupt fuͤr Frankreich denken laſſe, was wohl in Hinſicht der uͤbrigen Geſetze, denen eine ſolche derogatoriſche Clauſel nicht angehängt iſt, wie dem Code, eben ſo unbedenklich iſt, als es gewiß iſt, daß ſie ſich gegen den Code nicht denken laſſe. 6) Z. B. Art. 1641, 1648, 1754, 1759 und 663, 571, 574 u. a⸗ P§. 74. Einleitungstitel. 3 5. 74. Andere Eintheilungen. Von andern Eintbeilungen der Geſetze in Ruckſicht auf den Zweig der Geſetzgebung, den ſie betreffen, baben wir oben gehandelt, ſo wie die Eintheilung in perſönliche und dingliche, der Sache nach unten erläutert werden wird. Drittes Kapitel. Von der verbindlichen Kraft der Geſetze. 6. 35 Kein Geſetz kann beobochtet werden, wenn es nicht bekannt geworden iſt; die unerlaͤßigſte Pflicht der Staatsbuͤrger iſt es aber im Gegentheile, ſich mit den ihnen gegebenen Geſetzen moͤglicherweiſe bekannt zu machen. Art. 1. Hieraus folgt: I. Das Geſetz erbaͤlt verbindliche Kraft von dem Augen⸗ blicke an, daß es vom Landesherrn promulgirt iſt. 1I. Der Inhalt des Geſetzes kann vollſtreckt werden von dem Augenblicke an, daß die Pro⸗ mulgation deſſelben bekannt geworden iſt. 11I. Die Unbekanntſchaft mit dem Geſetze nach dem Zeitpuncte, an welchem dieſes Bekanntſeyn fuͤr juriſtiſch möglich gehalten wird, iſt unentſchuldbar.(Error juris nocet.) ¹) 1) PokTAr1s Eæhoſs tit. yrelim. p. 10.(b. Garnery Th. 1.) Aus dem Ablaufe des Zeitpunets der Möglichkeit des Bekanntſeyns entſpringt eine prae- ſumtio juris, daß jedem linterthan das Groſetz bekannt ſey, wenn es nur unter der geſetzlichen Form promulgirt iſt, ſo daß nicht einmal ein Gegenbeweis gegen dieſe Vermuthung ſtatt findet. GRPNIER Rapport. tie. yrél p. 230.(Gar⸗ nery Th. 1.) Laſſaulx Journal. 11.§. S. 398. Geſetzaeb. Nop Th. 1. F. 26. Vorzuͤglich Art. 1365.— Mithin fallen alle Ausnahmen des gemeinen Rechts * in Hinſicht dieſer Verordnung weg; da aus keinem Grunde ein error juris entſchuldigt werden kann. Dieſes iſt um ſo weniger unbillig, als der Vorwurf jetzt wegfaͤllt, daß der Unterthan die in einer fremden Sprache geſchriebenen Geſetze nicht verſtehen koͤnne. GFrenier ſogt daher a a. O. fehr mit Recht: Il y a ſans doute bien moins d'inconveniens 3 ce, qu'un citoyen foit lié par une loi, qu il n'a pes conuue, lorsque tous les moyens de publicité ont étè pris, qu'à laiffer ja ſociétè ſans Joi, ou, ce qui eſt la méme choſe, 3 lui donner des lois que chacun pourroit violer impunement ſous prétexte d'ignorance— Man macht keinen Unterſchied zwiſchen Civil⸗ und Criminalgeſetzen. S. Grenier a. a. O. Erſte Allgemeiner Grundſatz. Verkundigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 115 Erſte Abtheilung. Von der Promulgation und Publication der Geſetze. 5. 76. Unterſchied zwiſchen Promulgation und Publication. Promulgation iſt die Handlung, wodurch einer Vorſchrift die Eigenſchaft eines rechtlich verpflichtenden Geſetzes ertheilt wird; Publi⸗ cation die Handlung, wodurch die Promulgation zur Kenntniß der Un⸗ terthanen gebracht wird. I. Das Geſetz iſt daher vollſtreckbar, d. h. mit allen den innern Eigenſchaften verſehen, welche erforderlich ſind, um es im allgemeinen vollſtrecken zu laſſen(exécutoire) von dem Augenblick ſeiner Promulgation an; ob es gleich II. nicht eher an einem Orte wirklich vollſtreckt werden kann(exécutée)*), als bis die juriſti⸗ ſche Möglichkeit ſeines Bekanntſeyns erwieſen worden iſt ²); obgleich, wie aus dem erſtern Grundſatze nothwendig folgt, die Partheyen, auch— ehe das Geſetz in dem Departement verpflichtend iſt, ſich ſchon demſelben freywillig unterwerfen koͤnnen ²). ) LocRß Eſprit. T. I p. 154. 2Ackak1ar Handbuch. Th. I. Einleit. F. VII. Blanchard zu Maleville. S. 14. Not. Schmid Einleitung. Th. 1. 333.. 2) Sollte daher das Geſetz an einem Orte auch fruͤher wirklich bekannt werden, ehe es d'e Geſetze fuͤr bekannt annehmen, ſo wuͤrde dennoch niemand ver⸗ bunden ſeyn, ſich eher nach demſelben zu richten, als bis die geſetzliche Friſt, in welcher es fuͤr den beſtimmten Ort in verbindliche Kraft eintritt, abgelaufen 4 iſt. MarEvIILI.E Analyſe ad art. I. 6 3) Der Juſtizminiſter(Abrial) Dicætons p 12.(Conférence T. I.) LocR; a. a. O. ZacRARIAß a. a. O.— Die Tribunale muͤſſen alſo die Urkunden und Verträge, worin die Partheyen erklaͤren, daß ſie dabey ein promulgirtes, aber noch nicht publicirtes Geſetz zur Richtſchnur angenommen haben, fuͤr guͤltig und rechtsbeſtaͤndig erkennen. Schmid a. a. D. S. 338. §. 77‧ 1 I. Promulgation der Geſetze. Die wirklichen Geſetze(Lois) werden folgendermaaßen promul⸗ girt ¹): I. Der Entwurf zu denſelben muß der geſetzgebenden Verſamm⸗ lung durch die Mitglieder des Staatsraths vorgelegt werden ²). II. Dieſe P 2 theilt 116 Einleitungstitel. theilt ihn derjenigen ſeiner Commiſſionen zu, welche ſich mit dem Gegen⸗ ſtande, welchen der Entwurf enthaͤlt, beſchaͤftigt ²). II. Die Commiſ⸗ ſion berathſchlagt über denſelben im Geheimen, ſtimmt entweder fuͤr An⸗ nahme oder Zuruͤckweiſung, und traͤgt ihr Gutachten nebſt den Grün⸗ den deſſelben der geſetzgebenden Verſammlung vor 4). IV. Der Entwurf muß denn durch Stimmenmehrheit von wenigſtens zwey Drittel der Mitglieder derſelben angenommen*), und endlich V. am zehnten Tage nach der Annahme von dem Kaiſer in der gehörigen Form promulgirt werden*); d. h. mit der vollſtreckbaren Formel verſehen werden*). Eine aͤhnliche Art der Promulgation findet ſich im Königreiche Weſt⸗ phalen. Es ſollen naͤmlich 1. die Geſetze im Staatsrathe discutirt und entworfen werden. II. Dieſer Entwurf ſoll der Commiſſion der Reichs⸗ ſtände vorgelegt werden, welche fuͤr den Gegenſtand ernannt iſt, womit ſich der Entwurf beſchaͤftigt. UI. Dann ſoll er zugleich von der ſtaͤndi⸗ ſchen Commiſſion mit der Section des Staatsraths, welche fuͤr denſelben Gegenſtand beſtimmt iſt, discutirt werden. IV. Hierauf ſollen die Bemer⸗ kungen der gedachten Commiſſion im vollen Staatsrathe, in dem der Koͤnig praͤſidirt, verleſen, und uͤber die vorgeſchlagenen Modificationen debattirt werden. V. Iſt durch dieſe Diseuſſion das Geſetz definitiv beſtimmt, ſo ſoll es durch die Redner des Staatsraths den Reichsſtaͤnden, nach ſeinem Inhalt und ſeinen Zwecken vorgetragen, und von der Commiſſion eben denfelben ein Bericht uͤber daſſelbe erſtattet werden. VI. Die Reichs⸗ ſtaͤnde ſtimmen dann uͤber die Annahme oder Verwerfung der Geſetze ab*); im erſtern Fall wird dann das Geſetz vom Koͤnige promulgirt*). 1) DErvINcovRT Trſtitutet. T. I. p 7. 8. Caſſaulp a. a. O. F. 26. Not. 1. Derſelbe; Ueber das Civtigeſetzbuch der Franzoſen, in ſ. Journal. Jahrg. II. S. 56 ff. Schmid Einleit. Th. 1. Sa 223 ff. 2) Conſtitution 1799.(VIII.) art. 25. 3) SC. organique 19. Thermid. 1807. art. I. 4) Conſtit. art. 25. 90. 5C. org auigue. art. 5. 6. 5) SC. du 29. Voréal X. art. 140. 6) Conſtit. art. 37. SC. ors. du 26. Fnr. art. 70— 73. 7) Dieſe iſt folgende: Mandous et ordonnons que les prẽſentes, vetues des ſceaux de T Etat, inſérées au Bulketin ckes lois, ſoient addreſſées aux cours, aux tribunaux et aux antoritẽs adminiſtratives, pour qu' ils les ihſrivent dans leurs regiſtres, les obſervent et les faſſent obſerver: et le grand- juge miniſtre de la juſtice eſt chargé den ſurveiller la publication. 8) Acte Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 117 3) Aete conſtitutionel du Royaume de Meſiphalie art. 22— 25. art. 33. 9) Doch iſt hier nicht beſtimmt, daß daſſelbe am zehnten Tage, nachdem es von den Ständen decretirt iſt, promulgirt werden ſolle, ſondern der Tag der Pro⸗ muigation kann von dem Koͤnige willkuͤhrlich angeſetzt werden.— In Frankreich entſtand die Frage, ob die Geſetze von dem Tage ihrer Promulgation an datirt werden muͤßten, oder von dem Tage an, an welchem ſie durch die geſetzgebende Verſammlung decretirt wuͤrden? Aber ein Gutachten des Staatsraths vom 5. Pluvioſe vIII. hat entſchleden, daß das Geſetz durch das letztere Decret fuͤr vollendet zu halten ſey, da die Promulgation nur die Vollſtreckung deſſelben verordne⸗ S. 78. m. Publication der Geſetze. a. Vey wahren Geſetzen. Die Bekanntmachung eines Geſetzes geſchieht auf eine doppelte Art; theils factiſch, theils rechtlich. Die erſtere laͤßt einen Gegenbeweis zu, daß das Geſetz nicht bekannt geworden ſey; die letztere aber nie, ſondern begruͤndet eine juriſtiſche Praͤſumtion, daß jeder das Geſetz ge⸗ kannt habe. Die factiſche Publication geſchieht: I. Durch die Art der Entſtehung des Geſetzes, und den Druck der uͤber daſſelbe gepflogenen Verhandlungen. Il. Durch die Ueberſendung des Geſetzbulletins an die Praͤfecten, welche daſſelbe an die einzelnen adminiſtrativen und gericht⸗ lichen Behorden zu uͤbermachen haben. UI. Durch Ableſung und oͤffent⸗ lichen Anſchlag derſelben. Die rechtliche Publication geſchiebt ohne weiteres Kraft des Geſetzes, nach Ablauf einer beſtimmten Zeitfriſt von dem Promulgationstage des Geſetzes*), oder von der Ankunft des Bul⸗ letins an gerechnet. Was nämlich die wahren Geſetze(Lois) anlangt, ſo ſoll deren Publication ²) als bekannt angenommen werden:“L. in dem Departement, wo der Kaiſer ſeine Reſidenz hat ²), einen Tag nach dem Tage der Promulgation; M. in den uͤbrigen, nach dem Ablaufe der naämlichen Friſt, mit Zurechnung eines Tager fuͤr jede zehn Myriameter(ungefaͤhr 20 Stunden), welche der Hauptort des Departe⸗ ments von der Stadt entfernt liegt, in welcher die Promulgation geſchehen iſt.“ à) Da dieſe Entfernung aber nicht immer uͤberein berechnet werden kann, ſo iſt dieſelbe durch ein eigenes Geſetz*) beſtimmt worden. Ein ähnliches ⁵) hat fuͤr Weſtphalen folgende Beſtimmungen gemacht: I. das Geſetz ſolle in dem Departement der königlichen Reſidenz am Tage nach ſeiner Promulgation als bekannt angeſeben werden; II. im Leine⸗ und Harzdepartemente am zweyten Tage nach demjenigen, wo es in Caſſel als bekannt betrachtet wird; III. im Ocker⸗Saale⸗ und Werradepartemente P3 am Einleitungstitel. am dritten Tage; IV. im Weſerdepartemente am vierten Tage, und endlich v. im Elbedepartemente am fuͤnften Tage. Da nun der Tag der Pro⸗ mulgation nicht mitgerechnet, und auch noch ein Tag zwiſchen dem der Promulgation, und dem, an welchen das Geſetz zum Vollziehen koͤmmt, gezaͤhlt werden muß*); ſo koͤmmt, wenn die Promulgation z. B. am erſten des Monats ſtatt findet, das Geſetz im Fuldedepartement am dritten, im Harz und Leinedepartemente am fuͤnften, im Saale⸗Werte⸗ und Ockerdepartemente am ſechsten, im Weſerdepartemente am ſiebenten, und im Elbedepartemente am achten zur Vollſtreckung. 1) Wärde daher die Verſendung des Buͤlletins verſpätet, oder gienge daſſelbe gar verloren, ſo wuͤrde dennoch das Geſetz mit Ablauf dieſer Zeitfriſt verbindlich ſeyn, weil die rechtliche Publicatton, als allein verbindlich, von der factiſchen völlig unabhaͤngig iſt. Uebrigens kann man in Frankreich den Publicationstag der Geſetze auch dadurch beſtimmen, daß man den Promulgationstag beachtet, welcher der zehnte Tag vorher iſt. Kaſſaulx a. a. D. Not. 2. Saure Dircours (b. Garnery Th. 1. S. 235.) 2) Von der Art der Publication in fruͤhern Zeiten ſ. Mar BvIILILE Analyſe ad art. I. LocRE Fſprit. T. I. p. 153— 161. Laſſaul a. a. O. 3) Dieſes iſt aber nicht von einem temporairen Aufenthaltsort zu verſtehen. 4) Locki a. a. O. T. I. p. 162— 181.— Dieſe Zritfriſt wird nach Tagen, nicht aber nach Stunden berechnet. Ohſervation du Tribunat.(Conſérence. T 5) Arrote du 25. Termidor an. X. bey Locré, Laſſaulx Ueberſetzung des C. N. Anhang, und in den meiſten nichtofficiellen Ausgaben des Code. 6) Decret vom 27. Januar 1808.(Geſetzbuͤlletin 1808. Nr. XIII. S. 239, und hinter den officiellen Ausgaben des Code.) 5) Sourcroy, Portalis in Discuſſions.(Conforence. PP p. 16.) Konigl. Decret a. a. O. Art. 2.— Ohſervations du Tribunat.(Conſérence. eod. p. 21.) §. 79. 6 Ausnahmen. 1) Dieſe allgemeine Beſtimmung erleidet jedoch in folgenden Puncten eine Ausnahme. Denn I. iſt ſie nicht anwendbar fuͤr die Colonien; da die regelmaͤßige Ankunft der Geſetze in denſelben zu vielen Schwierigkeiten unterworfen iſt, als daß man einen gleichen Termin haͤtte annehmen duͤrfen. Vielmehr ſoll fuͤr dieſe durch ein eigenes Reglement geſorgt werden ²). II. Fällt ſie weg fuͤr die von dem Feinde beſetzten Länder, jedoch nur in ſo fern alle Communicationen mit demſelben abgeſchnitten ſind, Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 119 ſind, und dort an keine Publication der Geſetze gedacht werden kann 7). III. In boͤchſt dringenden Faͤllen kann die Regierung eine außerordent⸗ liche Publication durch eigene Courriere verfuͤgen. In dieſem Falle wird das Geſetz von dem Augenblicke an, daß es angekommen und bekannt iſt, vollſtreckbar, ohne daß man noch auf die geſetzliche Friſt Ruͤckſicht zu nehmen haͤtte 4). 1) LocR? Eſprit. T. I. p. 181— 185. 2) Tronchet, Portalis, Boulay in der Discuſſion.(Conférence. T. I. p. 15 ſqq.) 2 S6 3) Berlier in der Discuſſion. ocRß a. a. O. S. 184. not. 3.) 4) Napoleon in der Discuſſion.(Conſérence. T. I. p. 120) 5. 8o. b. Bey den uͤbrigen verbindlichen Normen. Die Verfuͤgung des Code Napoleon in Hinſicht der Publication der Geſetze gilt aber keinesweges auch bey den kaiſerlichen Decreten, Gut⸗ achten des Staatsraths und andern von der geſetzgebenden Gewalt er⸗ laſſenen Normen. Dieſe naͤmlich erhalten ibre geſetzliche Kraft von dem Augenblicke, da ſie dem Einzelnen, welchen ſie intereſſiren, durch eine officielle Mittheilung, oder allen Unterthanen durch die Ankunſt des Ge⸗ ſeßbuͤlletins bekannt gemacht ſind ²). Daher iſt eine aͤhnliche Beſtim⸗ mung auch in Weſtphalen erfolgt: I. die ins Geſetzbuͤlletin naͤmlich ein⸗ geruͤckten königlichen Decrete erhalten in jedem Departemente, am Tage nach der Ankunft des Buͤlletins im Hauptorte des Departements, ibre verbindliche Kraft. Zu dem Ende ſoll nicht nur in jeder Praͤfectur ein Regiſter gebalten, worin Tag fuͤr Tag die Ankunft des Buͤlletins einge⸗ tragen wird, ſondern auch deren Empfang ſogleich dem Juſtizminiſter, der uͤberhaupt die Beſorgung des Abdrucks und der Abſendung der Ge⸗ ſetze hat, gemeldet werden; II. die Decrete hingegen, welche ins Geſetz⸗ buͤlletin nicht eingeruͤckt, oder darin nur ihrer Rubrik nach angezeigt ſind, kommen von dem Tage an zur Vollſtreckung, an welchem die Perſonen, welche ſie betreffen, durch die, von den mit der Vollſtreckung be auftragten Beamten, geſchehene oder angeordnete öffentliche Bekanntmachung, An⸗ ſchlagung, Mittheilung, Anzeige oder Zuſendung mit ihnen bekannt ge⸗ macht ſind ²). 3 1) Eut⸗ N 120 † Einleitungstitel. 1) Gutachten des Staatsraths vom 23. Pratreal. XIII. bey Maleville ad art. I. Laſſaulx Ueberſetzung des C. N. Auss. II. S. 7. Deſſelben Journal. II. 7. S 9r. Deſſelben Geſetzg. Nap. comment. Th⸗1. S. 85. not. 5. Lockß Eſprit. T. I. p. 164. 2) Decret vom 27. Januar 1808. Art. 3. z.(Geſetzbulletin a. a. O.) Woͤrtlich entlehnt aus dem angefuͤhrten Sutachten des Staatsraths. Zweyte Abtheilung. Von den Wirkungen der Geſetze. F. 8g1. Fm allgemeinen⸗ Die allgemeinen Wirkungen des Geſetzes laſſen ſich aus einem drey⸗ fachen Geſichtspuncte betrachten: I. in Hinſicht der Zeit, waͤhrend welcher dieſelben ihre verbindliche Kraft äußern können; II. in Hinſicht des Ge⸗ genſtandes, welchen ſie betreffen 1); IMI. in Hinſicht ihrer verbindlichen Kraft ſelbſt. Art⸗2. 1) LocRE Eſprit. T. I. p. 185. §. 82. I. In Hinſicht der Zeit. a. Unverbindlichkeit des Geſetzes für die Vergangenheit. Das Geſetz kann nur binnen den Gränzen der Zeit, fuͤr welche es gegeben iſt, rechtliche Wirkung haben; es kann daher l. nicht auf die Vergangenheit, fuͤr welche es noch nicht exiſtirte, zuruͤck⸗ gezogen werden, eben ſo wenig II. auf die Zukunft angewandt werden, welche uͤber die Zeit, fuͤr welche es geſetzliche Kraft haben ſoll, hinausliegt. Wenn es aber den Grundſaͤtzen jeder Geſetzgebung und der Aufrechthaltung der allgemeinen rechtlichen Ordnung und Sicherheit unwiderſprechlich gemaͤß iſt, daß Handlungen, die vor der Exiſtenz eines Geſetzes vorgenommen worden ſind, nach demſelben nicht beurtheilt werden dürfen*), ſo erleidet dieſes Prinzip doch in der An⸗ wendung große Schwierigkeiten. In vorzüglicher Ruͤckſicht auf den Code Napoleon ſind folgende Grundſaͤtze anzunehmen: I. Die Handlung, welche vor der Promulgation oder Einfuͤhrung dieſes Ge⸗ ſetzes Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 121 ſetzes vorgenommen iſt, iſt auch ſchon in ihren Folgen vol⸗ lendet. In dieſem Falle kann dieſelbe auf keine Weiſe durch den Code angefochten werden ²). Il. Die Handlung iſt an ſich vol— lendet, aber ihre Folgen oder Wirkungen ſind es noch nicht. In dieſem Falle ſoll die Guͤltigkeit der Handlung, als ſolcher, nach den Geſetzen beurtbeilt werden, welche bey Vornahme derſelben exiſtirten; die Folgen hingegen nach den Geſetzen, die zur Zeit ihrer Ein⸗ tretung guͤltig ſind ³). Ebenfalls gehort bierher der Fall, wenn die Hand— lung zwar vollendet iſt, aber aus derſelben eine Klage angeſtellt werden ſoll, welche nach den Verordnungen des Code verboten iſt; dann kann die Klage nicht mehr angeſtellt werden, wenn ſie nicht ſchon vor Promul⸗ gation oder Einfuͤhrung des neuen Geſetzbuchs gerichtlich anhaͤngig gemacht ward ⁴). Ferner: wenn ein gewiſſes Rechtsgeſchaͤft unter einer Bedin⸗ gung abgeſchloſſen worden iſt, und dieſe erſt nach Bekanntmachung des Code exiſtirt, und daſſelbe in Wirklichkeit ſetzt, ſo iſt dennoch das Rechts⸗ geſchaͤft noch nach dem alten Rechte zu beurtheilen, in ſo fern die erfullte Bedingung auf den Anfang deſſelben geſetzlich zurückgezogen, und demnaͤchſt das Geſchaͤft als gleich anfangs unbedingt abgeſchloſſen, betrachtet werden muß. III Die Handlung iſt zwar angefangen, aber nicht vollendet. In dieſem Fall aͤußert der Code ſogleich geſetzliche Kraft auf den noch nicht vollendeten Theil derſelben: 1) Wenn er die privatrechtlichen perſoͤnlichen Eigenſchaften des Menſchen betrifft 5). 2) Wenn er beſtimmte Förmlichkeiten fuͤr das fortdauernde Verfahren in heſtimmten Rechtsgeſchaͤften vorſchreibt 6), ausgenommen wenn dieſe Förm⸗ lichkeiten nur indirecte Folgen aus dem vor dem Code angefangenen Ver⸗ fahren ſind, und die einzelnen Theile deſſelben, woraus dieſe Folgen fließen, wirklich ſchon vor dem Code vollendet ſind*). 3) Wenn eine Handlung aus mehrern einzelnen Handlungen beſtebt, ſo muͤſſen die folgenden nach dem neuen Geſetze beurtheilt werden 8). 4) Rechtsanhaͤngige Proceſſe ſind dagegen ausnahmsweiſe in dem alten Verfahren fortzuſetzen und zu entſcheiden?); ſo wie auch 5) angefangene Verjaͤhrungen nach den alten Rechten zu beurtheilen ſind 10). Dagegen kann man aber wohl nicht behaupten, daß fruͤhere Handlungen, welche nach dem aͤltern Geſetze wegen Mangels einer Formlichkeit unguͤltig, nach dem neuern aber, worin die⸗ ſelbe nicht vorgeſchrieben iſt, guͤltig ſeyn wuͤrden, aufrecht erhalten werden können, in ſo fern ſie nicht vor Promulgation des letztern bereits gerichtlich angefochten waren; weil dadurch dem Geſetze offenbar eine ruͤckwirkende Spangenberg's Commentar Bd. I. 8 Eigen⸗ 122 Einleitungstitel. Eigenſchaft gegeben werden wuͤrde. Billigetweiſe wuͤrde nur die Aus⸗ nahme hiegegen ſtatt finden, wenn alle Intereſſenten Vortheil biervon haben wuͤrden 1¹), In Weſtphalen ſind die nämlichen Grundſaͤtze anzunebmen, da der Herr Juſtizminiſter folgendes 12) beſtimmt hat: 1 Die rechtsanbängigen Prorceſſe, deren Einleitung und Verhandlung ſich auf die Verfolgung eines Rechts bezieht, welches die bisherigen Geſetze begruͤndet haben, ſollen nach demſelben auch entſchieden werden 13). IM. Dagegen ſind alle diejenigen bisher von den Geſetzen zugeſtandenen Rechte als erloſchen anzuſehen, deren Ausuͤbung verſaumt worden iſt, oder die noch nicht an⸗ gefallen oder gerichtlich geltend gemacht ſind, wenn ſie den Beſtimmungen des Code Napoleon zuwider ſind. III. Die Teſtamente ſollen auftecht erhalten werden, welche eine authentiſche Form haben, die, indem ſie das Datum derſelben in Gewißheit ſetzt, keinen Zweifel uͤbrig laͤßt, daß ſie nicht erſt nach der Einfuͤhrung des Code errichtet ſind 14). 1) ueber die ruͤckwirkende Kraft der Geſetze in Hinſicht auf den Code Napoleon ſ. vorzuglich: cnasor(de P'Allier) Queſtions tranſitoires ſur le Code Napoléon relatives à l'autorité qu'il doit exércer, et à celle qu'il ne pourroit avoir ſans retroactivitè ſur les conventions faites et les droits établis avant ſa promul- gation. Paris. II. Voll. 4. Goönner ueber die ruͤckwirkende Kraft der Geſetze in ſ. Archiv fuͤr Geſetzgebung. Bd. 1I. H. 1. Nr. 10. SpIpEusTIckkER Finleitung in den C. N. Cap. VI. 5. 7. Dabelow Archiv fuͤr den Code Napoleon. St. 1. S. 183 ff. St. III. S. 276— 289. der in manchen Stuͤcken von der vorzutragenden Meynung, obwohl gegen die Jurisprudenz der Franzoͤſiſchen und Weſtphäliſchen Obergerichte abweicht. 2) So z. B. 1. Der nach aͤlterm Rechte erlaubte Ausſchluß der Kinder von der Erbſchaft, kann nicht angefochten werden, wenn der ſtatt ihrer eingeſetzte Erbe durch Antretung ſein Recht wirklich erworben hat; weil dann die Folgen des Ausſchluſſes ſchon unwiderruflich beendet ſind;— wohl aber wenn der Erbe die Erbſchaft noch nicht angetreten hat.(Appellhof zu Turin, in der Juriprudence. T. VII. p. 100. Caſſationshof. daſ. T. X. p. 414.) 3. Die vor dem Code errichtete Generalhypothek kann nach demſelben in keine Specialhypothek umgeſchaffen werden.(Appellhof zu Agen. Daſ. T. V. S. 199.) Denn die Folgen, Sicherheit naͤmlich, ſind erreicht und dadurch dem Glaͤubiger ein gegruͤndetes Recht erworben. 3. Der vor dem Code zuläſſige Zeugenbeweis iſt auch nach demſelben zulaͤſſig, wenn er ihn gleich verhietet,(App. Colmar, Daſ. T. II, Se 490.) 5 3) So * Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 123 3) So z. B 1. Das Teſtament, welches unter den Formalitaͤten errichtet wurde, welche die Geſetze zur Zeit ſeiner Abfaſſung vorſchrieben, bleibt guͤltig, wenn auch der Code andere Formalitäten beobachtet haben will.(Tribunal zu Paris. Juris⸗ prudenee. T. I. p. 316. Appellhof zu Bruͤſſel. Daſ. T. III. S. 234. Caſſa⸗ tionshof. DRuRvERs Journal des audiences. XlII. p. 82. Laſſaulr Jour⸗ nal. II. 2. S. I19. Tribunal zu Grenoble. Jurisprudence. T. II. S. 159.) In Hinſicht des Inhalts iſt es jedoch den Geſetzen zur Zeit des Sterbefalls des Erblaſſers unterworfen, mithin der Reduction auf die diſponible Portion. SBIDRNsTICRKER a. a. O. S. 365⸗ 2. Die Schenkung oder ein Erbvertrag, der vor dem Code eingegangen war⸗ iſt ebenfalls der Reduction unterworfen, wenn die Wirkungen derſelben nach Einfuͤhrung des Tode eintrat, z. B. wenn die Schenkung conferirt werden ſoll, weil der Inhalt dieſes Geſchäfts nach den Geſetzen der Zeit des Todes zu beur⸗ theilen iſt. Jurisprudence. T. VII. S. 115 ff. 3. Iſt der Frau ein Witthum verſprochen, ſo kann auch dieſes reducirt werden, wenn es die disponible Portion uͤberſteigt. Anderer Meynnung iſt der Appellhof zu Angers. Jurispr. T. VII. S. 412. S. jedoch SErDENsTIckRR a. a. O. S. 368. 4) So 3. B I. Kann das Maädchen, welches vor Einfuͤhrung des Code ſich verheirathete, und eine dos neceſſaria einklagen konnte, dieſe nicht mehr nach dem Code einkla⸗ en. Ausgenommen, wenn ſie ſich dieſelbe hat durch einen beſondern Vertrag verſprechen laſſen; wo denn aus dieſem letztern geklagt werden kann.(Ap⸗ pellhof zu Toulouſe. Jurisprudence T. I. S. 198.) 2. Das Madchen, welches vor der Promulgation geſchwaͤngert iſt, kann keine Klage auf Aliwentation nach derfelben erheben. Laſſauir Journal. I. I. S. 33. ⸗ 5) So z. B. 1. Die Frau, weſche ſich nach allem Rechte zur Eingehung von Rechtsgeſchaͤften nicht brauchte autoriſiren zu laſſen, muß es bey Fortſetzung des angefan⸗ genen Geſchäfts thun. 3. Die Frau, der der Mann in ihrem Ehevertrage das Recht ertheilte, ohne ihn contrahiren zu koͤnnen, iſt dennoch nach Einfuͤhrung des Code dieſes Rechts verluſtig. 3. Der nach altem Recht im 25ſten Jahre Minorenne, wird im 21ſten majorenn, und kann das verlangen, was ihm unter der Bedingung der Volljährigkeit verſprochen iſt. z. Das Kind welches ſonſt früher heurathen durfte, als vor dem 13ten Jahre, darf es jetzt nicht. Der nach altem Recht Majorenne fällt in die Gewalt der Aeltern zuruͤck, wenn er das zur Volljährigkeit beſtimmte Jahr nach neuem Rechte noch nicht erreicht hat. Ausgenommen, wenn er ausdrucklich emancipirt iſt. Q 2 6. Det * — Einleitungstitel. 6. Der Vater verliert den Nießbrauch an dem Vermögen des nach neuerm Reche fruͤher volljaͤhrigen Kindes.. 7. Der Majorenne, der fruͤher der Einwilligung des Vaters in die Ehe nicht bedurfte, iſt jetzt an dieſelbe gebunden. (Appellhöfe zu Paris, Grenoble, Beſangon, Toulouſe, u. ſ. w. Jurisprudence. T. I. S. 449. ass. T. II. S. 27. T. V. S. 462. DEMRvERs Journal des audiences. an. XIV. S. 641. Laſſaulx Journal. I. 6. S. 217.) 6) Apellh. zu Nismes. Jurisprud. T. II. S. 233. 7) Z. B. ein bey der FExpropriation forgee vor dem Code angefangenes Verſtei⸗ gerunqsverfahren muß nach den Vorſchriften des ältern Rechts fortgeſetzt werden⸗ Tribunal zu Paris. Jurisprud. T. I. S. 39. 8) Ausgenommen bey Zinſenzahlungen, denn hier verordnet das Geſetz vom 3 Sept. 1807. Art. 5.„Es ſoll jedoch den Verabredungen wegen der Zinſen, welche durch Vertrag oder andere Urkunden vor Publication des gegenwaͤrtigen Geſetzes getroffen worden ſind, ihre Rechtsgülrigkeit nicht entzogen werden.“— Mehr aus practiſchen Gruͤnden(S Motifs bey RonpoNEab Spplement. p. 242. ed. Voſs.) als nach der Conſequenz, die das Roͤmiſche Recht(c. 27. C. IV. 32. de ſuris) beobachtet hat. Schmid Einleitung. Th. 1. S. 349. not. 12. 9) S. Jurisprudence. T. I. S. 8 und 42. 10) Code Napoléon art. 2281. S. SBipEusrIckpR Einleitung. S. 340. 11) Schmid Einleitung. Th. 1. S. 344 ff. Laſſaulx a. a. O.— Anerkannt iſt dieſer Grundſatz in einem Circulare des Großrichters vom 19. Brumatre 12. in RowpPoMNBau Supplement des Codes Wapoldon et de proced. p. 112. ed. Voßs. 12) In einem Cireulaire aux prẽ ſidens des tribunaux, du 25. Janvier 1808. 13) S. auch Weſtphaliſche Proceßordnung art. 418. 14) Moniteur Feſtphalien. 1803. p. 94. 5. 83. Ausnahmen. Als Ausnahmen von der Regel der Unwirkſamkeit ſpaͤterer Geſetze auf fruͤhere Handlungen giebt man an ¹): J. wenn das ſpätere Geſetz ein interpretirendes eines andern iſt, nach weichem die Geſchaͤfte eingegangen ſind. Dann ſollen auch alle vergangenen Faͤlle nach dieſem interpretirten Geſetz zu reguliren ſeyn. Aber ſehr richtig bemerkt ſchon Loere 3 und nach ihm Dabelow ²), daß es aus der Discuſſion bervorgehe; nicht, daß ſich dieſe Ausnahme bey dem Schweigen des Code Rapoleon von ſelbſt verſtehe*), ſondern daß man ſie, bey der Schwierigkeit der Be⸗ —— 7 —— 7 Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 125 Beſtimmung, was ein rein interpretatives Geſetz ſey, gar nicht habe an⸗ erkennen wollen. Gegruͤndet iſt dagegen die Ausnahme: II. wenn der Geſetzgeber ein Geſetz ausdruͤcklich auf die Vergangenheit ebenfalls be⸗ zogen haben will. Dieſes geſchieht gewöhnlich dann, wenn entweder grobe Misbraͤuche abzuſchaffen, oder durch eine allgemeine Entſcheidung Anſpruͤche zu reguliren ſind, in Hinſicht welcher die beſtebende Geſetz⸗ gebung nichts beſtimmt hat. Denn kann ſich aber auch nur das Geſetz als ein Urtheil verhalten, welches nur dann ſeine Anwendung erleidet, in ſo fern dieſe Anſpruͤche noch nicht durch ein richterliches Urtheil, oder durch Vertrag unter den Partheyen regulirt ſind*). 1) ScRöMaMM Civilgeſetagebung Napoleons und Juftiniams.§. 20. Laſſaulr Geſetzgeb. Napoleons comment.§ 27. PrEIFFER Geſetzbuch Napoleons. Th. I⸗ p.. MarßvILILE Analyſe ad art. 2. 2) Eſprit. T. I. p. 190. 191. 3) Archiv fuͤr den Code Napoleon. St. 1. S. 83 ff. Wie Maleville a. a. O. unvorſichtiger Wetſe, und nach ihm Schmid Ein⸗ leitung Th. 1. S. 342. und Pfeiffer behaupten. 5) Laſſaulx a. a. O. not 2. Benſpiele ſolcher ruͤckwirkender Gefetze ſind das Geſetz vom 17. Nwoſe Il. uͤber die Erbfolge, und das vom 25. Ger ninal Kll. üͤber die Adoptionen. Es iſt mithtn nicht ganz richtig, wenn ScMöMANN Erlãut erung. H 1. p. 20. ſagt, daß eine ſolche ausdruͤckliche Ausdehnung eines — auf das Vergangene dem Geiſte der Franzoſiſchen Civtlgeſetzgebung ganz remd ſey. F. 84⸗ b. Unverbindlichkeit des Geſetzes fuͤr die Zukunft. Aber auch fuͤr die Zukunft kann ein Geſetz ſeiner geſetzlichen Kraft beraubt werden, nämlich durch eine Aufhebung deſſelben durch die geſetz⸗ gebende Gewalt; und zwar nur der Code Rapoleon durch ein ausdruͤckliches Geſetz, da eine ihm entgegenſtehende Gewohnheit auch in Zukunft unwirk⸗ ſam ſeyn wuͤrde ¹). Durch Veränderung der Umſtaͤnde kann das Geſetz zwar aus dem Gebrauche kommen, vorzäglich tranſitoriſche Geſetze; nie verliert aber das Geſetz ſelbſt durch Nichtgebrauch ſeine Kraft, da es im Gegentheil völlig als Geſetz wieder hervortreten wuͤrde, wenn die Um⸗ ſtande, welche ſeine Entſtehung herbeyfuͤhrten, die naͤmliche Geſtalt an⸗ nehmen wuͤrden, wie zu dieſer Zeit. 1) Anderer Meynung auf eine nicht ganz begreifliche Weiſe ſind die Pandectes frangalſes. T. I. p· 384. Vergl. Einleitung. The 1. S. 340 8 3 5 55 Art. 3 Einleitungstitel. §. 85 I. In Hinſicht ihres Gegenſtanbes. Ueber die verbindliche Kraft der Geſetze in Hinſicht ihres Gegen⸗ ſtandes ¹) ſtellt der Code folgende Grundſaͤtze auf: I. Die Geſetze, deren Zweck die öffentliche Sicherheit iſt, verpflichten alle diejenigen, welche ſich auf dem franzöſiſchen Gebiete befinden. II. Das unbewegliche Vermoͤ⸗ gen, welches in Frunkreich liegt, wird nach den Geſetzen des Ortes, wo es gelegen iſt; und III. die perſönliche Rechtsfuͤhigkeit und der Civilſtand des Franzoſen, nach den Geſetzen ſeiner Herkunft beurtbeilt. 1) LocRE Eſprit. T. L p. 192— 202. Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. 5 36. Schmid Einleitung. Th. 1. S. 333 ff. ZacIHARIAn Handbuch. Binl. F. VIII. §. 86. Erſter Grundſatz: die Sicherheitsgeſetze verpflichten jeden in Frankreich. Dieſer Grundſatz iſt ſo allgemein, daß er ſowohl den Inlaͤnder als den Auslaͤnder ¹) trifft, dieſer mag ſich auch noch ſo kurze Zeit in Frank⸗ reich aufhalten. Mithin werden die franzöſiſchen Criminal- 2) und Policeygeſetze ohne Umterſchied gegen jeden Fremden angewandt, welcher in Frankreich ein Verbrechen begangen, oder Policeyverordnungen und andere Geſetze, welche die oͤffentliche Wohlfarth betreffen(z. B. Zollgeſetze, Geſetze gegen den Schleichhandel) uͤbertreten hat; das Vergeben mag aus einer Handlung beſtehen oder aus mehreren zuſammengeſetzt ſeyn, von denen nur einige auf dem franzöſiſchen Boden, die andern aber im Auslande vorgenommen ſind, weil eine ſolche aus mebrern einzelnen Handlungen beſtehende That im rechtlichen Sinne nur eine einzige That ausmacht 7). Hat im Gegentheil ein Franzoſe im Auslande ein Ver⸗ brechen begangen, ſo kann er nur dann vor die franzoͤſiſchen Gerichte gezogen werden, wenn er dieſes Verbrechen gegen den franzöſiſchen Staat oder gegen einen Franzoſen begieng 4). Dagegen kann ein Fremder nur wegen Verbrechen gegen den Staat vor die franzöſiſchen Gerichte gezogen werden, die er im Auslande hegieng*). Beyde Grundſaͤtze ſind der Natur der Sache angemeſſen, da keinem Staate die Verbindlichkeit aufer⸗ legt werden kann, die Sicherheit eines andern Staats zu ſchuͤtzen; zuge⸗ ſchweigen, daß er nicht einmal dazu befugt iſt, weil er ſich hierdurch zum Richter uͤber Dinge und Perſonen aufwerfen wuͤrde, welche ſeiner Staats⸗ gewalt gar nicht unterworfen ſind 6). 1) Nur 1 Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 127 1) Nur die Geſandten ſind ausgenommen⸗ da man ſich in Hinſicht ihrer nach dem Völkerrechte richtet. Projet du Code civil. L. I. tit. I. art. 9. LocRE J. e. 2) Bonlay bey LocRE Eſprit. T. I. p. 197. 3) So wurde z. B. ein Fremder, der innerhalb der franzöſſchen Gränze geſtohlen hatte, und als er von dem Beſtohtnen uͤber die Graͤnze verfolgt war, dieſen im Auslande ermordet hatte, mit der Strafe des mit dem Todtſchlage verbun⸗ denen Diebſtahls belegt. Caſſationshof b. S1REv Juriprudence. 1307. p 524— 323.— Das Princip atſo, daß in diefem Falle die franzoſiſchen Ge⸗ richte bloß von dem Handlungen, die anf dem franzoͤſiſchen Gebiete vorgefallen ſind, Notiz nehmen muͤſſe— iſt dadurch nicht anerkannt⸗ 4) Code dinſtruction criminelle art. 5. 7. wodurch die weitergehenden Beſtim⸗ mungen des Code der delits et des Peines art. 11— 13. wegfallen, welche Schmid Einleitung. Th. 1. S. 352. als Commentar uͤber dieſe Grundfätze auf⸗ geſtellt hat. Code dꝰinſtruetion criminelle. art. 6. dem Seuerbachiſchen Syſtem gemaß. S. deſſen Lehrbuch des peinlichen Rechts§. 40⸗(Ausg. 4.) 6) Schmid a. a. O. s. 87. gweyter Grundſatz: die franzöſiſchen Geſetze müſſen zur Venrtheilung des unbeweglichen Vermoͤgens, welches in Frankreich liest, angewandt werden*). Auch in dieſem Falle macht das Geſetz keinen Unterſchied zwiſchen Inländern und Fremden; es beſtimmt vielmehr mit klaren Worten, daß es einerley ſey, ob dieſe Güter von Franzoſen oder von Fremden beſeſſen werden ¹). Doch iſt diefer Satz nach Zachatia's 2) treffender Be⸗ merkung nicht ſo zu verſtehen, als ob ein Fremder in Beziehung auf die Grundſtuͤcke, die er beſitzt, alle Rechte eines Franzoſen habe, da uͤber⸗ haupt ſeine Rechte nur nach dem Retorſionsrechte beurtheilt werden können. Der Sinn des Artikels iſt vielmehr nur der: J. In einem jeden Rechtsverhältniſſe, das von dem Buͤrgerrechte unabhaͤngig iſt, iſt ein fremder Grundeigenthuͤmer, als ſolcher, ganz nach denſelben Grundſätzen, wie ein Franzoſe zu beurtheilen, z. B. wenn die Rede iſt von Uebertragung des Eigenthums, von Beſtellung einer Hypothek, oder einer Servitut, oder von dinglichen Rechtsverbaͤltniſſen; nicht aber bey bloß perfönlichen, welche ſich mittelbar auf das Grundſtuͤck bezieben, z. B. bey der Pacht. 1M. Iſt der fremde Gutsbeſitzer zu Folge der Staatsverträge dem Heimfallsrechte nicht unterworfen, ſo wird in die in Frank⸗ 128 Einleitungstitel. Frankreich gelegenen Grundſtuͤcke nach den franzoſiſchen Geſetzen ſueeedirt; ſelbſt wenn die Geſetze des Orts, an welchen die Erbſchaft eroffnet iſt, eine andere Erbfolge verordnen ſollten 3²). Auch kann er keine fideicom⸗ miſſariſche Subſtitutionen in ihrer Hinſicht vornehmen, da dieſes ein Geſetz der oͤffentlichen Ordnung iſt, und ihn um ſo mehr trifft, als durch daſſelbe verhindert werden ſoll, daß nicht zu viele Guͤter dem Privat⸗ verkehr entzogen werden ſollen à). III. Dieſe Guͤter ſind ebenfalls den Verfuͤgungen der franzoͤſiſchen Regierung in Hinſicht der Beſteuerung und der Dispoſition zum Beſten der oͤffentlichen Wohlfahrt(z. B. bey Anle⸗ gung von Chauſſeen u. ſ. w.) unterworfen*)(domaine éminent du Souverain im franzoͤſiſchen Sinne dieſes Worts). *) Auf dieſen und den folgenden Grundſatz bezieht ſich die Eintheilung der Ge ſetze in ſatuta perſonalia und realia. Die erſtern beſtimmen die huͤrger⸗ lichen Eigenſchaften der Perſonen, abſtrahirt von allen Sachen, mithin die Rechtsfähigkeit oder Rechtsunfaͤhigkeit eines Individuums in Ruͤckſicht auf ſein Alter, ſein Geſchlecht und ſeine intellectuelle Fähigkeiten; und bey dieſen Katut réel tritt die Regel ein: Iuhaeret oſſibus ejus, ubicunque moratur.(F. 88.) Der Geſetzgeber iſt abſoluter Herr uͤber dieſelben, und kann ſie nach Willkuͤhr veraͤn⸗ dern.— Die letztern dagegen betreffen die Sachen, von allen Perſonen unabhaͤngig (§. 87.); beyde Arten von Statuten ſtehen jedoch in einer beſtändigen Wechſel⸗ wirkung mit einander, indem ſich keine Perſon ohne alles Vermoͤgen, und keine Sache ohne allen Beſitzer leicht denken laͤßt. So z B. bewirkt das ſtatut perſonel, daß der Minderjaͤhrige ſein Vermoͤgen nicht veraͤußern darf: das itatut réel, welches den legetimen Erben einen Pflichttheil vorbehaͤlt, ſetzt den Erblaſſer in Ruͤckſicht ſeines Vermoͤgens, aus dem der Pflichttheil genommen werden ſoll, in eine partielle Interdiction, die ihm die Veraͤußerung deſſelben verbietet u. ſ. w. Aus dieſem Grunde nahm PAuI. VoBT de ſtatutir. Sect IV. cap. 4. Nr. 4. noch ein ſtatutum mixtum an. S. Juribprudence. T. IV. p. 145 ff. T. I p. 440 ff.— Indeſſen iſt dieſe Einthetlung der Geſetze in ſtatuts perſonels und reels doch zu viel Mißdeutungen unterworfen, als daß man ſie anders anwenden duͤrfte, als um die doctrinellen Schriften der Franzoͤ⸗ ſiſchen Rechtsgelehrten zu verſtehen.. 1) Einen andern Sinn giebt die Ueberſetzung in der Spielmannſchen Ausgabe: Ueber unbewegliche Guͤter, ſogar uͤber die, welche Auslaͤndern gehöten, wird nach den franzöſiſchen Geſetzen geſprochen.“— S. LockE T. I. p. 193 ff. 2) Handbuch. EFinleit.§. VIII. not. 2. 3) Mithin kann es kommen, daß die Kinder eines Auslaͤnders, der in Frankreich liegende Gruͤnde beſitzt, von dieſem einen größern Pflichttheil erhalten⸗koͤnnen, als ſie nach den Geſetzen des Auslandes erhielten. Unehliche Kinder können in dieſem Falle ebenfalls zu einer Succeſſion gelangen, die ihnen im Auslande ver⸗ ſagt Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 129 ſagt iſt. So ſind die von Schmid a. a. O. S. 361. aufgeworfenen Fragen zu beantworten. 4) Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. comment. Th. 1. S. 112 ff. 5) PosrarIs Eæpoſe d moriſn zu dleſem Titel(bey S. 15.) 8. 88. Dritter Grundſatz: die perſonliche Rechtsfaͤhigkeit und der Civilſtand des Franzoſen wird nach den Geſetzen ſeiner Herkunft beurtheitt. Die perſoͤnliche Rechtsfaͤhigkeit eines Menſchen muß immer nach den Geſetzen des Wohnſitzes oder der Herkunft beurtheilt werden ¹), weil nach der verſchiedenen Anſicht dieſer, im Gegentheil die Ungereimtheit entſtehen köunte, daß ein Menſch zu gleicher Zeit z. B. minderjaͤhrig und volljaͤhrig zugleich ſeyn koͤnnte. Da jedoch keine Geſetzgebung uͤber die Graͤnzen des Staats binaus von Wirkung ſeyn kann, und daher eben ſo wenig fran⸗ zoͤſiſche Geſetze auf Handlungen außerhalb Frankreich angewandt werden können, als auswaͤrtige Geſetze innerhalb Frankreich wirkſam ſeyn können, ſo iſt die Verordnung dieſes Artikels, daß die Geſetze, welche die Rechts⸗ faͤbigkeit und den Civilſtand der Perfonen betreffen, auch diejenigen Fran⸗ zoſen verbinden, welche ſich im Auslande aufhalten, nur in dem Sinne anzunehmen, daß ſie nach dieſen Geſetzen beurtheilt werden muͤſſen, wenn das, was ſie in dieſer Beziehung im Auslande gethan haben, vor franzoͤſiſchen Gerichten zur Sprache kommen ſoll ²). Im Gegentheil muß dagegen auch jeder Auslaͤnder nach den Geſetzen ſeiner Herkunft in diefer Beziehung beurtheilt werden; da es eine Ungerechtigkeit ſeyn wuͤrde, wie Schmid ſehr treffend bemerkt, wenn ein Staat dem Auslaͤnder, der ſeine Graͤnzen betritt, Rechte der perſoͤnlichen Faͤhigkeit entziehen wollte, die er ſchon erworben hatte, ſo wie ebenfalls kein Grund vorhanden ſeyn wuͤrde, demſelben mehr Rechte beyzulegen, als er zu Hauſe batte 2). So wird mithin der Fremde, der nach den Geſetzen ſeines Wohnorts im ſten Jahre volljaͤhrig wird, diejenigen Geſchaͤfte anfechten können, die er in den kaͤndern, wo der Code die Volljaͤhrigkeit auf das 21ſte Jahr ſetzt, zwiſchen ſeinem 2rſten bis 25ſten Jahre eingieng, und in dieſer Hinſicht mehr Rechte haben als der Inlaͤnder, der es nur bis zum 2rſten Jabre kann 4). Dagegen kann aber der Inlaͤnder gleicher⸗ weiſe im Auslande dadurch mehr Vortheile haben als der Auslaͤnder, R Spangenberg's Commentar Vd. I. da — * 13 Einleitungstitel. da er dort in ſeinem arſten Jahre Geſchaͤfte guͤltig eingeben kann, ob es gleich dem Ausländer verſagt iſt. Deshalb ſagte der Staatsrath Regnaud auch: der Fremde koͤnne ſich nicht die Dispoſitionen zu Nutze Civilſtand der Perſonen gemacht hat. 2) LocR T. I. p. 199 ff. Laſſaulr a. a. O. F. 36. Schmid a a. O. 6. 358 ff. Ueber die Bedeutung der Worte:“les lois coneernant T'état et la capacité des n iſt man verſchiedener Meynung geweſen. Aber es kann doch wehl einem gegruͤndeten Zweifel unterworfen ſeyn, daß nur dieſenigen Geſetze darun⸗ ter verſtanden werden muͤſſen, welche theils die Rechtsfaͤhtakeit uͤberhaupt, als auch in Hinſicht einzelner Handlungen, theils die perſoͤnlichen Rechte zwiſchen Eheleuten, Eltern und Kindern betreffen. Zacharia dehnt den Arttkel auch auf die Rechte aus, die den genannten Perſonen an ihrem Vermoͤgen gegenfeitig zuſtehn, in ſo fern ſie eine unmittelbare Folge der perſoͤnlichen Verhaͤliniſſe find⸗ Schließt z. B. ein Franzoſe im Austande eine Ehe, ſo iſt anzunehmen, daß unter den Eheleuten die Guͤtergemeinſchaft beſtehe. 2) Z. B. wenn ein Franzoſe im Auslande eine Ehe ſchließt, welche in Frankreich wegen Verabſaͤumung nothwendiger Formalten unguͤltig ſeyn wuͤrde, fo wuͤrde dennoch dieſe Ehe im Auslande vollkommen rechtsbeſtaͤndig ſeyn, wenn ſie gleich in Frankreich als nichtig angefochten werden koͤnnte.(Appeſlationshof zu Paris bey Laſſaulx Annalen der Geſetzgeb Nap. Bd. 1. H. 2. Nr. 8.) 3) Tronchet in der Disenſſion:„Fétranger meſt pas ſoumis aux lois civiles qui reglent Fétat des perfonnes“(Conference. T. I. p. 24.) Regnaud (de St. Jean d'Angely) ebend.“pétranger ne peut pas ſe yrwnloir de ee qu'elles décident fur Fétat et ſur la capacité des perſonnes.“ Bey LocR a. a. O. S. 193. Derſelbe Grundſatz findet ſich im Allgem. Preußiſchen Landrecht. Einleitung F. 23. 26. 35. 5. 89. MII. In Hinſicht ihrer verbindlichen Kraft ſeköſt.. . Die franzöſiſchen Geſetze ſind in Frankreich in der Regel ans⸗ ſch ließend verpfüchtend. Daher kann weder J. eine im Auslande auſ⸗ genommene Urkunde in Frankreich vollſtreckt werden, noch II. hat das im Auslande geſprochene Urtheil in Frankeeich Kraft. 5. 90o. . Auslaͤndiſche Urkunden haben keine vollſtreckende Kraſt. In Frankreich abgefaßte Urkunden konnen nur dann daſelbſt voll— ſtreckt werden, wenn ſie von den öffentlichen competenten Beamten ab⸗ gefaßt, machen, welche das franzöſiſche Geſetz uͤber die Rechtsfähigkeit und den ——— —— S Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 131 gefaßt, und mit det executoriſchen Clauſel verſeben ſind. Eben ſo wenig als die franzöſiſchen Urkunden, bey denen dieſelbe fehlt, können daher oͤffent⸗ liche Urkunden des Anslandes, die zwar in ſo fern auch in Frankreich recht⸗ liche Wirkung haben, als ſie nach den Geſetzen und Formen des Orts, wo ſie aufgenommen ſind, abgefaßt ſind, vollſtreckbar ſeyn 2). Die inlaͤn⸗ diſchen executoriſchen Urkunden koͤnnen durch den Huiſſier vollſtreckt werden, ohne daß es einer Anrufung des Richters bedarf; die ausländiſchen muͤſſen immer vor dem Richter producirt werden, der dann in Hinſicht ihrer ein Urtheil ſpricht, wodurch die Vollſtreckung angeordnet wird ³). 1) S. dieſelbe m Code de procedure Frangois art. 146. Code de procodure VI¶phalier art. 488. Weſtphaͤl. Notariatsordnung. art 75.(Geſetzbuͤlletin. 1809 Nr. VIII.) 2) Libre yrelim. Ift. j. art. 6. La forme des actes eſt réglée par les lois du lieu dans lequel ils font faits et pafſés.“ S. auch Code Napoléon. art. 137. verbunden mit art. 47 und 999. 3) Schmid Enleitung Th. 1. S. 361 ff.— Code Wapoldon art. 2128 Code de procòd. Frang. art. 546. Code de proced. MWeſiphalien art. 490. 5. 91. 2. Auslaͤndiſche Erkenntniſſe ebenfalls nicht. Eben ſo wenig kann ein im Auslande geſprochenes Urtheil in Frank⸗ reich vollſtreckt werden; es bewirkt keine Hypothek und keine Rechts⸗ kraft ¹); ausgenommen l. wenn Staatsvertraͤge ein anderes feſtſetzen 30, oder II. wenn ein Franzöſiſches Gericht die Vollziehung eines ſoichen Urtheils anordnete. Dieſes kann durch ein bloßes Pareatis(einen Be⸗ fehl an alle Huiſſiers, die Urkunde in Vollzug zu ſetzen) oder durch eine Reviſion des Urtheils geſchehen. Letztere findet nur dann ſtatt, wenn der Nachſuchende ein Franzoſe iſt, wie dieſes ein Spruch des Caſſations⸗ gerichts ausdrucklich anerkannt hat ²); iſt dagegen der Impetrant ein Aus⸗ länder, ſo bedarf es nur eines Pareatis.— Auswaͤrtige Erkenntniſſe haben deshalb gegen Franzoſen durchaus keine Wirkung innerhalb Frankreich, ſelbſt wenn der Franzoſe im Auslande Klaͤger war*). Hierdurch werden alle Ausländer gegen Franzoſen in eine ſchlimme Lage geſetzt, da, wenn der Auslaͤnder, wie er es kann, wegen Verbindlichkeiten die er mit einem Franzoſen eingegangen iſt, vor ein franzoſiſches Gericht gezogen wird, nie durch ein Erkenntniß von ſeinem ordentlichen Richter des Auslandes 2 von 132 Einleitungstitel. von den Anſpruͤchen des Franzoſen befreyhet werden kann, ſondern immer beſorgen muß, ſobald er oder ſeine Effecten ſich in Frankreich befinden, daß die Sache von neuem angefangen werde, Arreſt angelegt und Geſetze gegen ihn anwendbar gemacht werden koönnen, deren Daſeyn er nicht ahndete 5). 1) Ob dieſer Satz auch fuͤr Weſtphalen ſeine Anwendung habe, wird in Dabelow Archiv St II. S. 140 bezweifelt, aber gegen den Geiſt des Code und die allgemeinen Grundſatze. 2) 3 B. in Hinſicht der Schweiz. Allianztractat vom 27 Sept. 1803. art. 15. „Die in bhuͤrgerlichen Rechtsſtreitigkeiten ergangenen und rechtskraͤftig gewor⸗ denen Definitiverkenntniſſe franzoſiſcher Gerichte ſolen in der Schweiz vohſtreck⸗ bar ſeyn, und umgekehrt; ſobald ſie von den Geſandten der andern Ration, oder in deſſen Ermangeluna von der competenten Landesbehoͤrde legaltſirt feyn werden.“ In DE MaRTENs Recueil des traités. Supplem. T. II. p 563. 3) Bey JovANMNRAU und SoLoN Discuſſions. T. I. p. 49. not 2.— S. Code NWapolcon art. 2123. F. 4.— Code Michaut(1626) art 121. gsb naͤmlich bloß den Franzoſen das Recht dieſe Revifion zu verlangen, welches auch fuͤr dieſe nur durch einen Spruch des Caſſationshofs bey S1RF Jurisprudence. XIV. p 129 beſtätigt iſt. S. Schmid a. a O. S. 370. Laſſauix a. a. O. S. 115. Irrig iſt daher die Meynung in Dabelow Archiv St. II. S. 140, welche dieſes leugnet; denn obgleich die Parlamente nicht alle den Code Michaut anerkannt hatten, und einige durch ein bloßes pareatis die Sentenz fuͤr executoriſch erklärten, ſo ſoll doch die im Code vorgeſchriebene Masßtregel nicht bloße Formalitat, wie ein Pareatis ſeyn wuͤrde, ſeyn. S. Jurisprudence du Code Napoldon. FMW. p 150 ff. 4) Caſſationshof bey SiREx Jurisprudence de la Cour de Caffation. an. XII. p. 267. 3) Schmid a. a. O. S. 367. Siehe uͤberhaupt uͤber dieſen Gegenſtand Zacka- RIAE Liber quaeſtiommm. Wittenb. 1805. 8. qu. 1.— Aber wenn denn die⸗ ſes Urtheil auch nicht die Kraft eines Geſetzes haben kann, ſo kann es doch unter beſtimmten Bedingungen als Vergleich unter den Partheyen, oder als ſchiedsrichterlicher Spruch, in ſo ſern die Graͤnzen deſſelben nach Franzöſiſchem Recht nicht uͤberſchritten ſind, betrachtet werden. Da es naͤmlich dem Inlaͤnder nicht verboten iſt, ſich vor ein fremdes Gericht, vor welches er geladen iſt, zu ſtellen; Arg. art. 15 des Code Napoléon— da ſich uͤberhaupt die Mitglieder eines Staats untereinander vergleichen, und insbeſondere einen Schtedsrichter waͤhlen koͤnnen, da es ferner nicht verboten iſt, einen Auslaͤnder zum Schieds⸗ richter zu wählen— ſo wird auch das Urthetl eines auslaͤndiſchen Gerichts in ſo fern gelten, als es unter die Kategorie eines ſchiedsrichterlichen Spruches gebracht werden kann. LocRß H. 321. Alle Einreden koͤnnen mithin aus dem⸗ ſelben gemacht werden, welche aus einem Vergleiche oder einem ſchiedsrichter⸗ lichen Erkenntniſſe gezogen werden können;— ſo wie auch alle Einreden gegen daſſelbe — ————— Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 133 daſſelbe ſtatt finden, welche gegen einen Vergleich oder ein ſchiedsrichterliches Erkenntniß gemacht werden koͤnnen; aber nie kann daraus eine astio oder exceptio rei judicatae hergenommen werden. Hieraus folgt, daß auslaͤndiſche Contumacialurtheile, ſo wie Zwiſchenurtheile durchaus keine Kraft haben, da ſie nicht einmal eine exceptio litis pendentis begruͤnden koͤnnen; erſtere, weil ſich hierbey kein Vergleich denken laßt, letztere, weil ſie nicht in Rechtskraft treten, und vertragsmaßige Kraft hervorbringen konnen. Vergl. uͤber dieſen Gegenſtand Zachariaͤ Ueber die Rechtskraft eines von einem auswärtigen Ge⸗ richte geſprochenen Urtheits, in Crome und Jaup Germanten. Bd. II. H 2 Nr. X.— daß jedoch Retorſionsrechte andere Grundſaͤtze in individuellen Fälles aufſtellen können, erkennen Code Napoléon art. 2123 und 2128 ſelbſt au⸗ S. auch art. 14. Viertes Kapitel. VPVon der Anwendung der Geſehe. 5. 92. Anwendung der Geſetze uͤberhaupt. Außerdem was in dem vierten Abſchnitt oben§. 53. und 55. uͤber die Erklärung und Anwendung der Geſetze, und namentlich des Code Rapoleons geſagt iſt, und worauf wir fuͤglich zuruͤckweiſen koͤnnen, be⸗ merken wir noch: I. daß es dem Richter zur Pflicht gemacht iſt, nie die Entſcheidung eines Rechtsſtreits unter dem Vorwande eines entweder ganz mangelnden oder unanwendbaren Geſetzes zu verſagen; und II. daß es ihm dagegen aber verboten iſt, in einem ſolchen Falle die Gränzen der richterlichen Gewalt zu uͤberſchreiten und in die Sphaͤre des Geſetzgebers einzugreifen. 5. 93. Verhalten des Richters bey dem Schweigen des Geſetzes. Jeder Richter, der aus dem Grunde, daß das Geſetz ſchweige, oder den vorgetragenen Fall unberuͤhrt laſſe, oder daß es dunkel und unzulaͤng⸗ lich ſey, ſich weigert ein Urtheil zu ſprechen, kann als der Juſtizver⸗ ſagung ſchuldig, gerichtlich belangt werden*). Hierans folgt: I. auch eine bloße Verzögerung des Spruchs begruͤndet dieſes Verbrechen ²). II. Nur die gekränkte Parthey hat das Recht, den Richter dieſes Ver⸗ 5 brechens 1 34 Eeinleitungstitel. brechens halber anzuklagen ²)(le juge— pourra ẽtre pourſuivi—).— Iſt naͤmlich das Geſetz dunkel, ſo muß er es doctrinell zu erklaͤren ſuchen G. 53.), ausgenommen, wenm eine authentiſche Interpretation nothwendig erfordert wird ⁴); iſt es unzulaͤnglich, oder ſchweigt es durchaus, ſo ſoll er nach den Grundſaͤtzen der geſchriebenen Vernunft*) und ſeiner indivi⸗ duellen Ueberzeugung ſprechen C. 54). Er verbaͤlt ſich dann wie ein öffentlicher Schiedsrichter. Zu bemerken iſt aber, daß dieſe Regel nur bey Civilfaͤllen gilt, daß es aber keinesweges dem Richter erlaubt iſt, in Triminalfaͤllen das Geſetz zu ergaͤnzen, ſondern daß er in dieſem Falle rielmehr dem Buchſtaben deſſelben unterworfen iſt ⁵). 1) Man konnte um ſo weutger dieſen Artikel als ein Selbſtgeſtändniß det Man⸗ geihaftigkelt des Code anſehen, als ſelbſt das Allgem. Preuß. Landrecht Einleit. 6. 40. daſſelbe verordnete, das ſich doch durch ſeine Vollſtaͤndigkeit ſo auszeichnet. Schmid Einleit. Th. 1. S. 375. LockE Piprit. T. I. p. 2021 213. 2) Das Gegentheit behanptet aus der durch die Discuſſion geſchehenen Beſchraͤnkung des art. 12. des Livre prélim. tit. S. in welchem es hieß: Le juge qui refuſe on différe de juger&c.— und da die Worte ou différe im Code ausgelaſſen ſind, LöcRE a. a. O. S. 216. irriger Weiſe, denn es heißt im Code de prors- dure Praugois. art. 506.(Veſtphalien. art 41.)*Il y a deni de juſtice, lorsque les juges refuſent de repondre les requètes, ou négligent de juger les affaires en état, et en tour d'étre jugées.“ 3) Durch die Syndicatsklage S. Code de procèdure art. 507. 5og.(Weſtphal. 449. 450.) 4) S. S. 53. not. 6. 8) S. S. 50. 6) Portalis in der Discuſſion.(Conf. T. I. p. 27.) Expoſe des motifa. (Garnery. Th. 1. S. 17.) PFaukß Dircours.(Daſ. S. 239.) Dicours pròliminaire du Projet. p. AIV. En maticre criminelle, le juge ne doit „ prononcer que lorsque la loi a qualifié de delit l'acte qui eſt déféré à la zuſtice, et lorsqu'elle attache une peine.“— Alſo muß man mit Dabelow Archiv. H. Il. S. 114. annehmen, daß I. wenn durch das Geſetz eine Handlung nicht füͤr ein Verbrechen gehalten, oder doch die Strafe nicht beſtimmt worden iſt, der Richter nicht berechtigt ſey, vermöge der Analogie oder einer andern Quelle das Geſetz eigenmaͤchtig zu ergaänzen, eben ſo wenig II. wenn das Geſetz uͤber Gegenſtaͤnde des peinlichen Verfahrens ſchweigt; ſondern daß er im letztern Falle zu der geſetzgebenden Behoͤrde ſeine Zuflucht nehmen, und um Inſtructton bitten, im erſtern den Angeſchuldigten abſolviren müſſe. S. auch MAl.EvIII.E Analyſe ad art.. 5. 94. —————————— Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 135 5. 94 Verbot der reglementariſchen Entſcheidung. Bey dieſer doetrinellen Ergänzung des Geſetes muß ſich jedoch immer Art. ⸗ der Richter huͤten, in den Wirkungskreis der geſetzgebenden Gewalt ein⸗ zugreifen, und da dieſes geſchehen wuͤrde, wenn er im Wege allgemeiner, Anordnungen und Reglements die vor ihn gebrachten Sachen erkennen wuͤrde, ſo ſind dieſe durchaus verboten ¹). Dieſes Verbot bezieht ſich auf einen bey der vorigen Gerichtsverfaſſung Frankreichs eingeſchlichenen Mißbrauch, daß nämlich ein Theil der geſeßgebenden Gewalt ſich in den Händen der Parlamente befand, und dieſe ſich erlaubten, ihre Entſchei⸗ dungen einzelner Faͤlle zu Verordnungen für alle ähnliche zu erheben (. 26.); dieſe hießen dann arréts reglementaires. Die Rationalver⸗ ſammlung ſchaffte dieſes ab*), und befahl den Gerichten, ſich allemak an die geſetzgebende Behoͤrde zu wenden, wenn ſie die Geſetze dunkel oder unzureichend ſaͤnden. Hieraus entſprang aber das entgegengeſetzte Uebel, daß die Gerichte nur ſtumme Vollſtrecker des Buchſtabens wurden, und ſtatt die Sache zu entſcheiden, auf eine Anfrage an die geſetzgebende Verſammlung erkannten. Beyden Mißbraͤuchen ſuchte man durch dieſen und den vorigen Artikel abzuhelfen. Dieſer Artikel fällt alſo in ſeiner Anwendung fuͤr tentſche Staaten in dieſer Maaße weg, da ein ſolches Verfahren unerhört war ²), ob er gleich fur aͤhnliche Faͤlle aualogiſch angewandt werden kann, 3) Locxÿ T. 1. S. a18- 221. Laſſaulx Geſetzgeb Nap. Th. 1. S. 92. not.. Schmid a. a. O. S. 376. Dabelow Archiv. H. M. S. 113. 116. 2) Geſetz vom 24. Anguſt 1790. Tit. II. Art. 12. 3) Man ſieht mithin, daß er auf den Gerichtsgehrauch(Kes judicatae) keine Anwendung finden kann, da hierdurch nur die Mapime ſancttontrt wird, daß ein dunkles Geſetz von einem Obergerichte immer auf die gleiche Weiſe in⸗ terpretirt werden ſoll. Allein auch dieſer wird durch den Ciſſationshof ſehr beſchraͤnkt⸗ ʒünß 136 5 Einleitungstitel. 8 Fuͤnftes Kapitel. Von den Verhältniſſen der Geſetze zur Willbuͤhr. 5. 95. In wie fern ſich Privatperſonen den Beſtimmungen des zu beobachtenden Geſetzes entziehen koͤnnen. Da die Geſetze uͤberbaupt einen doppelten Zweck haben, die öffent⸗ liche Wohlfarth zu erbalten, und die Befugniſſe der Unterthanen zu ſichern, ſo ergeben ſich hieraus folgende Grundſoͤtze: 1. Jeder kann der Befugniß entſagen, die ihm durch ein Geſetz zu ſeinem Vortbeil gegeben iſt. II. Die aber in dieſer Hinſicht in den Geſetzen enthaltenen Vor⸗ ſchriften koͤnnen durch Privatverfuͤgungen nur in ſo fern aufgehoben oder abgeandert werden, ais nicht das Intereſſe des Staats oder der oͤffentliche Anſtand der Zweck einer dergleichen Vorſchrift iſt⸗ Oulibet yoteſt juri ſuo renunciars. In der Regel iſt die Wirkſamkeit des burgerlichen Rechts von der Willkuͤhr der Burger unabhaͤngig(Willkuͤhr bricht Landrecht); jeder iſt der ſicherſte Beurtheiler ſeines individuellen Intereſſes; zeder hat daber das Recht alles das anzuordnen, was ihm ſeiner Ueberzeugung nach am beſten ſcheint; und in ſe fern von den Geſetzen abzuweichen. Hieraus folgt: I. Jeder kann einen Vortheil ausſchlagen, den ihm das Geſetz giebt, in ſo fern er nicht dadurch in die öffentliche Ordnung gewaltſame Eingriffe thut(. 97.)/ nur muß er das Recht, welches ihm dieſen Vortheil giebt, wirklich erworben paben ¹). M. Jeder kann ein Geſchäft unter andern Formalitaͤten und Bedingungen eingehen, als denen die das Geſetz vorſchreibt, wenn er ſich die rechtlichen Folgen derſelben gefallen laſſen will 2) 1) So kann z. B. jemand einer Verjahrung entſagen, die ſchon zu ſeinem Gunſten abgelaufen iſt, nicht aber einer kuͤnftigen abzulaufenden; ſo kann man ebenfalls auf die Succeſſion, die einem angetragen wird, nach deren Anfall verzichten, nicht aber vor demſelben, bey Lebzeiten des Erblaſſers. Code Napoleon art. 2220. 791. 2) So — ,—,— — 2 „ . Verkuͤndigung, Wirkungen und Anwendung der Geſetze. 137 2) So z. B. konnen die Ehegatten die geſetzliche Gätergemeinſchaft durch jede Gattung von Verträgen, welche dem 1387— 1390 Artikel des C. N. nicht wider⸗ ſprechen, abaͤndern. Code Napoldot art. 1497.— So iſt es bey einigen Contracten gleichgültig, ob ſie ſchriftlich oder muͤndlich eingesangen werden ſollen u. L. w. So können die Partheyen ſich einem in Hinſſcht ihrer Perſon incompetenten Richter, Code de procodure art. 7.(Weſiphalien art 375.) oder einem nichtigen Verfahren, in vo fern es nicht gegen die oͤffentliche Ordnung iſt, unterwerfen, auf Einreden verzichten, u. ſ. w⸗. 5. 97. Ausnahmen von dieſer Regel. Zu bemerken iſt jedoch: I. Man kann nicht von den beſondern Geſetzen, durch welche beſtimmte Formen bey Strafe der Richtigkeit vorgeſchrieben, oder gewiſſe Handlungen uͤberhaupt und unbedingt verboten ſind, abgehen ¹). Selbſt derjenige, der ſich zu einer geſetzwidrigen Leiſtung verbunden hat, kann nicht zu einer Entſchaͤdigung fuͤr den andern, im Falle der Nichterfuͤl⸗ lung, angehalten werden ²). II. Von den Geſetzen, deren Zweck die Erhal⸗ tung der oͤffentlichen Ordnung und Sittlichkeit iſt, darf durch Privatvertraͤge nicht abgegangen werden, d. h. zum Rachtheil der oͤffentlichen Ordnung und Sittlichkeit kann Niemand dem ihm durch das Geſetz zugeſtandenen Rechte entſagen 3). Mitbin kann man ſich 1. den Vorſchriften nicht entziehen, welche zur Aufrechthaltung der Verfaſſung und Verwaltung des Staats gegeben ſind*), oder 2. welche die Organiſation des perſonlichen Zuſtandes betreffen*); oder endlich 3. die auf ausdruͤcklich vom Geſetzgeber ſanctio⸗ nirte ⁵) Begriffe der Moral und des äußern Anſtandes Bezug haben*). 1) Z. B. ſich nicht einem in Hinſicht des Gegenſtandes incompetenten Richter unterwerfen. LEPacg nouveau ſtyle de la procédure p. 138. 140. u. d. gl.— einen Zinsvertrag oder Vergleich nicht muͤndhch eingehn, u⸗ſ. w⸗ 2) LockE Fſprit. T I. p. 222. 3) Erhard Ueberſetzung des C. N. zum öten Artikel. 4) Alſo ſich nicht dem in Hinſicht des Gegenſtandes incompetenten Richter unter⸗ werfen; eine moraliſch unmoͤgliche Bedingung erſuͤllen.(Code Napolcon art⸗ ooo· 1133. 1172. 1387.) nicht von bem Verkäufer von Nationalguͤtern eine Schad⸗ loshaltung in Hinſicht der Eviction derſelben ausbedingen, u. ſ. w.(Caſſattons⸗ hof in Jurisprudence. T. VI. p. 478.) So auch ein Vergleich uͤber ein Verbrechen. §) Daher können z. B. Ehegatten keinen Vertrag daruͤber ſchließen, daß ihre Ehe durch den Willen eines von ihnen heyden, und 2 Beobachtung der geſetzlichen Spangenberg's Commentar Bd. I. For⸗ Art. 6. Einleitungstitel. Formalitäten aufgelößt werden ſolle. SiRkv Jurisprudenee de la Eour de Caß. ſation. XIII. S. 221. Jeder Vertrag, wodurch die Ehefrau ſich fuͤr eine Conecu⸗ bine, woourch ein ehliches Kind ſich fuͤr ein unehliches erklaͤrt, wodurch eine unguͤltige Ehe als guͤltig, oder eine guͤltige als unguͤltig anerkannt wird, wodurch ſich eine Ehefrau als geſchieden, oder eine geſchiedene als Chefrau ausgtebt; uͤberhaupt jeder Vertrag oder Vergleich uͤber den ſtatus civilis und perfonalis iſt unguͤltig, er mag geſchehen auf was Art er wolle. Einem ſolchen Vettrage iſt gleichgeſetzt, wenn man ſich einem Urtheil, welches eine queſtion d'état ausſpricht, foͤrmlich unterwirft,(Caſſationshof in Juriprudence. T. X. p. 94.) und der Appellation dagegen entſagt.(Appelhof zu Toulouſe Doſ. S. 103. 104.) Auch die Verjaͤhrung laͤuft nicht gegen das Kind, das den ſtatus in Anſpruch nimmt.(Code Wapolcon art. 328.) Dagegen iſt aber die Frage wohl zu unterſcheiden, oh man uͤber die rechtlichen Wirkungen tranſigiren koͤnne, welche einem der Etat civil giebt? denn dieſes iſt unbedingt zu bejahen. Eben ſo kann man uͤber die Folgen einer Handlung, die gegen die oͤffentliche Wohl⸗ farth anſtieß, in ſo fern ſie das Privatintereſſe betreffen, einen Vergleich ein⸗ gehen. Code Napoldon art. 1046. Caſſattonshof in Jurisprudence. T. W. P. 183. 6) Hierauf beſchraͤnkt den Artikel ſehr richtia Blanchard zu ſeiner Ueberſetzung von Maleville. Th. 1. S. 23. Not.— Denn in der Regel beſteht ver oͤffent⸗ liche Anſtand nur in einer Mennung; uͤber das Reich der Meynungen aber hat der Richter keine Gewalt(interna haud curat Praetor). 7) So kann nicht ausgemacht werden, daß der Mann in der Gewalt der Frau ſtehe, ſeinen Wohnſitz zu Gunſten der Frau nicht veraͤndern ſolle, u. ſ. w. So kann der uͤberlebende Ehegatte nicht unter der Bedingung vom Sterbenden ein Legat erhalten, daß er nicht weiter heirathe, weil dadurch Ausſchweifungen ohne Zahl die Folge ſeyn wuͤrden.(Der Code ſchweigt uͤber dieſen Punct, die intermediaire Jurisprudenz verbot eine ſolche Clauſel, die alte erlaubte ſie. Da der Geiſt des Code rein hiſtoriſch iſt, da man immer bey Anwendung des⸗ ſelben von dem naächſtfruͤhern auf das entferntere zuruͤckaehen muß, ſo muß der der intermediatren Jurisprudenz als raiſon 6erite adoptirt werden. Erſtes Buch. d e n Erſtes Buch. Erſter TDitel. Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrger⸗ lichen Rechte. 5. 98. Pon den Perſonen uͤberhaupt). a. Phyſiſche. Perfon iſt uͤberhaupt das, dem man fuͤr ſich, und abſtrahirt von jedem andern Gegenſtande, ein Rechtsverhaͤltniß zuſchreiben kann, das mithin fuͤr ſich Inhaber von Rechtsverhältniſſen ſeyn kann. Um jedoch Perſon ſeyn zu koͤnnen iſt noͤthig: I. daß man ein menſchliches Weſen, mithin keine Mißgeburt ſey, der die Organiſation, wodurch ſich der Menſch von den Thieren unterſcheidet, fehlt ²); 11 daß dieſes menſchliche Wefen lebend, und faͤhig, ſein Leben von der Mutter getrennt fortzuſetzen, ge⸗ bohren ſey 3). Die Perſonen koͤnnen in phyſiſche und juriſtiſche eingerheilt werden, je nachdem ein einzelner Menſch als ein Inhaber von Rechtsverhaͤltniſſen, oder je nachdem mehrere Menſchen als einzelner Inhaber derſelben betrachtet werden. Die phyſiſchen Perſonen ſind dop⸗ pelten Geſchlechts, entweder maͤnnlichen oder weiblichen, denn Herma⸗ phroditen müſſen zu dem einen oder dem andern gerechnet werden, da ſie nur Perſonen eines Geſchlechts mit widernatürlich gebildeten ſcheinbaren Geſchlechtstheilen des andern ſind à). In der Regel haben beyde Ge⸗ ſchlechter gleiche Rechte, ſo daß, was von dem einen gilt, auch auf das 2 S 3 andere 142 Erſtes Buch. Erſter Titel. andere bezogen werden muß; ausnahmsweiſe iſt jedoch das weibliche zuruckgeſetzt 3. 1) Meine Inſtitutiones I. C. N. H. 15— 18. Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. comment. 9. 36. 8 2) Hiervon ſchweigt der Code gaͤnzlich. 3) Bisweilen reicht es hin, empfangen zu ſeyn. Z. B. um eine Schenkung oder Vermaächtniſſe annehmen zu koͤnnen; Code Napoloon art. 9ob. doch wird beydes nur durch eine wirkliche Geburt erworben.— Die Periode der Lebens⸗ faͤhigkeit ſetzt der Code auf den 180ſten Tag, art. 312. 4) Auch von Hermaphroditen ſchweigt der Code. Die vorgetragene Anſicht recht⸗ fertigt METZGER Syſtem der gerichtlichen Arzneywiſſenſchaft. Dritte Ausgabe (1803) F. 503. §) Rach öffentlichem Rechte, daß ſie keine öffentliche Staatsaͤmter bekleiden können; uͤber Nachſetzungen von Seiten des Privatrechts ſ. Code Wapoléon art. 214— 220. 230. u. a. Verhetrathete Frauen ſind abhaͤngiger als unverheirathete, denn ſie ſtehen in einer ehelichen Gewalt. 5. 99.. b. Iuriſtiſche. Die jnriſtiſchen(moraliſchen) Perſonen ²) bilden die Gemein⸗ heiten, und von dieſen exiſtiren fuͤr Frankreich nur die Dorf- und Stadt⸗ gemeinden(die Commuͤnen), da alle uͤbrigen nach dem Principe, daß es im Staate keine andere Gemeinheiten geben duͤrfe, als die, deren Exiſtenz der Staatszweck nothwendig mache, aufgehoben ſind. Ebenfalls konnen die einzelnen Stände der Staatsbuͤrger, in ſo fern beſtimmte Rechte und Pflichten, welche jedes einzelne Mitglied treffen, damit verbunden ſind, als moraliſche Perſonen betrachtet werden, ſo wie in Teutſchland auch alle übrigen Arten von Corporationen, welche nicht aufgehoben worden ſind, als ſolche beurtheilt werden koͤnnen. Der Inbegriff der rechtlichen Grund⸗ ſaͤtze, welche ſich auf die Gemeinheiten bezieben, betrifft entweder die rechtlichen Verhaͤltniſſe der Gemeinheit und ihrer Mitglieder, oder die Verhältniſſe derſelben zum Staate und den einzelnen Perſonen im Staate, die nicht Mitglieder ſind. Die erſtern gebören in das Regierungsrecht (droit adminiſtratif) ²), ſo wie auch gréßtentheils die letztern. Haupt⸗ regel bleibt jedoch: daß Gemeinheiten und oöffentliche Anſtalten in Be⸗ ziehung auf ihr Vermoͤgen dieſelben bürgerlichen Rechte wie einzelne Menſchen haben 3), in ſo fern nicht das Geſetz eine Ausnahme von der Regel macht. . 1) ZA Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgerl. Rechte. 143 1) ZAcMaRaß Handbuch h. I. 2) Code Napoléon art. 1712.— S. üͤber ſie FrRuRIGEon Code admin- Nratif. Section de IAdminiſtration ſ. v. Gommunes. 3) Arg. Ohde Wapoléon art. 2227. 4) Dergleichen ſ. im Code Wapoléon art. 619. 670. 2046. 5. 100. Buͤrgerliche Rechtsfähigkeit derſelben. Aber die pbyſiſche Exiſtenz als Menſch iſt noch nicht allein hin⸗ reichend, um in alle und jede Rechtsverhaͤltniſſe treten zu koͤnnen, die Perſon muß auch eine buͤrgerliche Exiſtenz haben, um der beſondern Rechte eines Staatsbuͤrgers theilhaft werden zu koͤnnen. Die Eigenſchaften, welche zu dieſer buͤrgerlichen Exiſtenz erforderlich ſind, bilden den Stand einer Perſon ¹). Der Stand theilt ſich in den politiſchen und Eivilſtand (etat civil). Der politiſche Stand begreift die Eigenſchaften einer Perſon im Verhaͤltniß zum Staate, und nach dieſem ſind die Unterthanen ent⸗ weder Staatsbuͤrget(citoyens) oder nicht. Dieſer Stand kann nur nach den Grundgeſetzen des Staats beurtheilt werden, ſo wie denn fuͤr Frankreich folgendes beſtimmt iſt: I. Eine jede in Frankreich ge⸗ bohrne und wohnhafte Perſon, die das 2nſte Jahr zuruͤckgelege hat, und ſich in das Buͤrgerregiſter ihres Gemeindebezirks hat einſchreihen laſſen; die ferner ſchon ſeit einem Jahre auf dem franzöſiſchen Gebiete gewohnt hat, iſt franzöſiſcher Staatsbuͤrger ²) M. Ein Fremder wird ein franzöſiſcher Staatsbuͤrger, wenn er, nachdem er das 21ſte Jahr ſeines Alters zuruͤckgelegt hat, ſeine Abſicht, ſich in Frankreich niederzukaſſen, erklaͤrt, und zehn Jahre lang ſich daſelbſt aufhaͤlt 2). Dieſe Zeit wird auf ein Jahr Anſäßigkeit beſchraͤnkt, wenn er dem Staate wichtige Dienſte geleiſtet hat oder noch leiſtet, wenn er Talente, Erfindungen oder nuͤtzliche Induſtrie dahin bringt, oder große Etabliſſements anlegt 4). Der Civil⸗ ſtand hingegen enthaͤlt die Fähigkeit uͤberhaupt, in die Privatverhaͤltniſſe, vorzuͤglich des Perſonenrechts, die der Code beſtimmt, eintreten zu koͤnnen⸗ In Beziehung auf dieſen Stand ſind die Menſchen entweder buͤrgerlich lebend oder buͤrgerlich tod, entweder Franzoſen oder Fremde⸗ 1) ZAcRAraß F. 2. LocRß T. I. p. 235. 237. 2) Confitution vom J. VIII. art. 2.[SaA1ypIV Recneil. T. I. p. 182.) Es kaun alſo jemand Franzoſe, aber nicht ein franzoſiſcher Staatsburgsr ſeyn; d. h. nicht 144 Erſtes Buch. Erſter Titel. n et nicht fählg ſeyn zu den Wahlverſammlungen berufen zu werden oder Staats⸗ wuͤrden zu bekleiden, z. B. Banaueroutttrer, Domeſtiken; ſo lange ſie ſich in dieſerm Zuſtande befinden, Frauenzimmer, Minderjahrige, Interdicirte u. ſw. S. Schmid Einleit. Th. I. S. 414. 3) Daſ. art. 3. Nur muß er in dieſem Falle den art. 13. des Code Napolson gesbachten. Gutachten des Staatsraths vom 18. Prairial. II. bey Blanchard zu Maleville S. 35. 4) Senatusconſult vom 18. Febr- 1803. im Moniteur vom 23. Febr. 1808.— Außerdem kann auch jemand das Staatsbuͤrgerrecht durch ein Senatusconſult erhalten, wie der Prinz Kamtlle Vorgheſe durch das Senatusconſult vsm 6. Germinal XIII.— Für Weſtpholen iſt der pelitiſche Srand eines Bürgers durch kein Geſet beßimmwt, ſo wie ſich auch ausdrücklich aus der Weſtphäliſchen Ueberſetzung ergiebt, in welcher kein Unterſchted zwiſchen Weſtphalen und Staatss buͤrger gemacht iſt. S.§. 00. not. 4. Nr. IV. Die Anſicht Einiger(S. z. B. Departementsblaätter des Harzdepartements 1808 S. 471), als ſey durch den „ten Artikel des C. R. die franzöͤſtſche Conſtituttonsurkunde in dieſer Hinſicht als recipirt zu achten, möchte denn doch keinesweges zu rechtfertigen ſeyu⸗ Erſtes Kapitel. Von dem Genuſſe der buͤrgerlichen Rechte⸗ 5. 07. I. Begriff der buͤrgerlichen Rechte. Die Ausübung der buͤrgeriichen Rechte iſt unabhaͤngig von der Eigen⸗ ſchaft eines Staatsbuͤrgers, welche letztere man nur nach den Vorſchriften der conſtitutionellen Geſetze des Staats erwirbt und erhaͤlt, ſo daß man die erſtern ausuͤben kann, wenn man auch die letztern nicht hat(. 100. not. 2.), aber worin die buͤrgerlichen Rechte beſtehen, dieſes iſt ſehr ſchwer zu beſtimmen*); da es faſt unmöglich iſt, aus den wenigen Rotizen, vie uns der Code darbietet, einen ſyſtematiſchen Begriff aufzuſtellen. Civilrecht iſt zwar gleichbedeutend mit Privatrecht; und in ſo fern wuͤrde die Frage, was ſind buͤrgerliche Rechte? mit der: welche Rechte fließen aus dem Privatrechte her? gleichbedeutend ſeyn; will man aber in einem beſtimmten Staate von dem Genuſſe dieſer Privat⸗ rechte ſprechen, ſo kann denn doch nur die Rede von den poſitiven Privat⸗ rechten dieſes Staats ſeyn; und hiernach wuͤrden die buͤrgerlichen Rechte in Frankreich ein Inbegriff derjenigen Rechte ſeyn, welche dem Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgerl. Rechte. 145 dem Franzoſen nach den poſitiven privatrechtlichen Ge⸗ ſetzen ſeines Landes zuſtehen, und deren er beraubt wird, ſo wie er aufbört Franzoſe zu ſeyn 2). 1) S. ZAcRARIaE5 II. DRIvINcouRT Inſtitutes. T. I. p. 13. Dabelow im Archtv St. 3. S. 233. will dagegen die droits eivils aus dem jus ecivile Romanorum ableiten, welches an den ſtatus civitatis geknuͤpft war. Kaſſaulp Geſetzgeb. Napol. commentirt. S. 103. iſt dagegen gegen Zachartaͤ und Dabelow, und nimmt buͤrgerliche Rechte fuͤr ſolche au, welche aus dem poſitiven und natürlichen Privatrechte entſpringen. Wirklich ſcheint dieſes aus dem 25ſten Artikel zu erhellen, wo unter den droits civils weltbuͤrgerliche Rechte begriffen ſind; da man aber dem Fremden ketztere nicht verſagen kann, ſo moͤchte man dieſe Meynung nicht annehmen duͤrfen.— Der Art. 25. des Code Nap. giebt uns einen kleinen Catalog der hauptſaͤchlichſten Rechte, die durch den buͤrgerlichen Tod verloren gehen, und mithin, mit Ausnahme der weltbuͤrgerlichen, welche dem huͤrgerlich todten ebenfalls entzogen werden, wahre Civilrechte ſind; es kann aber wohl keinem Zweifel unterworfen ſeyn, daß nach analogiſchen Schluͤſſen aus denſelben auch noch andere hinzugerechnet werden duͤrfen. 2) Es kann freylich kommen, daß ein Franzoſe, der die Eigenſchaft als Franzoſe verloren hat, doch als Fremder, nach dem im 1iten Artikel aufgeſtellten Retor⸗ ſionsrechte, dieſelben buͤrgerlichen Rechte in Anſpruch nehmen kann, die er fruͤher als Franzoſe hatte. „ 10 II. Bedingung, dieſelben auszuuben. Rur ein Franzoſe kann der buͤrgerlichen Rechte theilhaftig ſeyn, ob Art. s. es gleich nicht darauf ankömmt, ob er Staatsbuͤrger iſt, oder nicht ¹); der Fremde oder Auslaͤnder kann ſie nur bedingt genießen. 1) Lockb T. I. p 239. 240.— Man ſieht hieraus, daß die Römiſche Einthei⸗ lung in ſtatus libertatis, civitatis et familiae nicht anwendbar ſeyn kann, da die beyden letztern in einem ganz andern Sinne genommen ſind; der erſtere aber vollig wegfiel. Die Leibeigenſchaft iſt mit allen ihren Spuren durch die Revolution von Grund aus vertilgt, da ſie ſchon fruͤher gemißbilligt und theilweiſe aufge⸗ hoben war(z⸗ B. unter Ludwig dem heiligen). Die Sclaverey beſtand noch in den Colonien, aber durch den Code noir(das Edict von 1716) wurde der Grundfatz aufgeſtellt, daß jeder nach Frankreich gebrachte Sclav frey werden ſollte, wenn nicht ſein Herr gleich bey der Ankunft auf der Kanzley der Admi⸗ ralität ausdruͤcklich erklarte, daß es ſeine Abſicht ſey, ihn nach den Colonien zuruͤckzufuͤhren. S. Urtheil des Parlaments von Paris vom 15. Aug. 1790. Die Nationalverſammlung hob darauf den Negerhandel und die Sclaverey voͤllig auf, aber durch die Empoörung der Neger ſah man ſich genoͤthigt, in dem Geſetze vom 30. Floreal X, zu verordnen, daß 4 den nach dem Tractat von Spangenberg's Commentar Bd. I. 2 Amiens 146 Erſtes Buch. Erſter Titel. Amlens zuruͤckzugebenden Colonien, ſo wie in den franzoſiſchen Colonien jenſeits des Vorgebirges der guten Hoffnung, die Sclaverey wirder nach den vor 1789 guͤltig geweſenen Geſetzen und Reglements eingefuͤhrt, und der Negerhandel nach eben dieſen ältern Geſetzen erlaubt, die Verfaſſung der Colonten aber der Regie⸗ rung auf zehn Jahre lang gaͤnztich anheim gegeben werden ſollte. Im Koͤntg⸗ reiche Weſtphalen iſt die Leibeigenſchaft durch den 13ten Artikel des Acte conſti- tutionel aufgehoben, ſo wie auch die Folgen dieſes Verbots durch das Decret vom 23. Jan. 1808.(Geſetzbuͤlletin 1808. Nr. 12. S. 223) naͤher beſtimmt ſind. *§. 103. Wie wird man Franzoſe? Man wird Franzoſe I. durch Geburt, entweder auf franzöſiſchem Boden, oder von franzöſiſchen Eltern; 1I. durch Ehe mit einem Fran⸗ zoſen maͤnnlichen Geſchlechts; III. durch Naturaliſation. 5. 104. Erſtes Erwerbsmittel: Geburt. Vermoͤge derſelben ſind I. alle in Frankreich gebohrnen Kinder in ſo fern Franzoſen, als deren Eltern ans irgend einem der anzugebenden Gruͤnde die Eigenſchaft der Franzoſen hatten, oder wenigſtens die Abſicht Art. 9. hatten, ſich in Frankreich niederzulaſſen ²). II. Wird ein Kind in Frank⸗ reich gebohren, deſſen Eltern ²) Auslaͤnder ſind, ſo iſt es berechtigt, in dem Jahre, welches auf den Zeitpunkt ſeiner Volljährigkeit 3) folgt, die rechtliche Eigenſchaft eines Franzoſen in Anſpruch zu nehmen; nur muß es, wenn es ſich ſchon in Frankreich aufhaͤlt, erklaͤren*), daß es Willens ſey, ſeinen Wohnſitz daſelbſt aufzuſchlagen; im Falle des auswaͤrtigen Aufenthalts aber ſich verpflichten, ſeinen Wohnſitz im Lande zu nehmen, auch darin binnen einem Jahre nach dieſer Verpflichtung ſich wirklich niederlaſſen*). Doch bleibt es ſeiner beſten Ueberzeugung uͤberlaſſen, ob „ Art. 10. es dieſe Eigenſchaft verlangen will„der nicht. III. Jedes im Auslande gebohrne Kind, deſſen Vater ein Franzoſe iſt, wird auch Franzoſe. Man muß jedoch hier unterſcheiden, ob der Vater die Abſicht der Ruͤckkehr gehabt, oder ob er im Gegentheil ſeine Eigenſchaft als Franzoſe ver⸗ loren hatte? Inm erſtern Fall bedarf das Kind keiner weitern Forma⸗ litaͤten, um als Franzoſe aufzutreten; im letztern muß es die[ub Nr. II. vorgeſchriebenen Bedingungen erfüllen, um dieſe Eigenſchaft wieder zu erlangen ²). Das oben geſagte findet in gleicher Maaße ſtatt, wenn das Kind eine Franzöſin zur Mutter hat, und außer der Ehe erzeugt iſt. Iſt * Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgerl. Rechte. 147 Iſt hingegen die Mutter mit einem Ausländer verbeurathet, ſo laſſen ſich zwey Faͤlle denken. Entweder kehrt ſie mit dem Kinde wieder nach Frankreich als Witwe oder Geſchiedene(divoreée) zuruͤck, dann wird das Kind ſogleich Franzoſe, weil die Mutter wieder in ihre rechtliche Eigenſchaft als Franzöſin zuruͤcktritt. Oder ſie bleibt im Auslande, dann hat ſie durch die Heurath die Eigenſchaft einer Franzoſin verloren, das Kind iſt Ausländer und bedarf deshalb, um Franzoſe werden zu können, der Naturaliſation. 1) Z Actanta 5. 6. not. 1. Eheliche Kinder ſind hlerbey nach dem Stande des V Vaters, unehliche nach dem der Mutter zu beurtheilen. Tronchet in der Discuſſion(Confer. T. I. p. 37.)— ſollten ſie ſogar in Ehebruch oder Blutſchande erzeugt ſeyn. MAr BvIILLE ad art. 342. und Blanchard. Schmid Th. r. S. 411. Iſt der Vater ein Franzoſe, die Mutter aber eine Ausländerin, ſo wuͤrde es, wenn er es anerkannte, es mag in Frankreich oder im Auslande ge⸗ bohren ſevn, ſogleich Franzoſe werden; erkennt er es nicht an, ſo wuͤrde es, wie[ſub Nr. II. gezeigt wird, die Eigenſchaft eines Franzoſen reclamiren koͤnnen. Iſt der Vater ein Ausländer, und erkennt es nicht an, ſo folgt das Kind dem Stande der Mutter; erkennt er es an, ſo hat es dennoch das Reclamattons⸗ recht.— Die Anerkennung des Kindes muß freywilltg und durch eine nach den Geſetzen des Landes, wo ſie aufgenommen wird, authentiſche Urkunde geſchehen; eine gerichtliche Anerkennung vermittelſt einer vor einem auswaͤrtigen Gerichte geſchehenen Klage auf Paternität, welche der Code verbietet, wuͤrde unwirkſam ſeyn, weil das Urtheil des auswärtigen Gerichts in Frankreich ohne Kraft waͤre, und kein franzsſiſches Gericht es fuͤr executoriſch erklären koͤnnte(F. 91) indem es mit den franzoſiſchen Geſetzen in Widerſpruch ſtäͤnde. Laſſaulx Geſetzaeb. Nop. Th. 1. S. 124. not 2. LocRß T. I S. 253. hält dagegen eine ſolche guͤltige Anerkennung in der Fremde fuͤt unmoͤglich. 2) Ne— d'un 6eranger— die Weſtphäliſche Ueberſetzung hat:—*deſſen Vater ein Fremder iſt.“ Aus den Discuſſionen ergtebt ſich jedoch, daß das Kind auch dann dieſes Recht in Anſpruch nehmen kann, wenn beyde Eitern Auslaͤnder ſind. Portalis(Confereuce. T. I. p. 40), Napoleon ebendaſ. S. LocRE. T I. p. 248. 3) Dieſe iſt nach ſranzoͤſiſchen Rechten zu beurtheilen, nicht nach den Geſetzen des Landes, zu weiſchem der Ausländer gehoͤrt, wie bey PPBIFFER Napolcons Geſetzbuch Th. 1. S. 10 ſteht, da es aus den Discuſſionen ſich ergiebt, daß anfangs die bloße Geburt auf Franzoſiſchem Boden ſchon die Eigenſchaft etnes Franzoſen geben ſollte, ohne auf das Alter Ruͤckſicht zu nehmen, und dieſe Be⸗ ſchraͤnkung fuͤr die Kinder favorabel zu erklaͤren iſt.(Das Urtheil des Tribunals zu Paris bey PyrPpER ſagt dieſes nicht, ſondern bezieht ſich auf den 3ten Artikel.) 4) Vor wem die Erklaͤrung geſchehen ſoll, iſt nicht geſagt. BousQET Explication du C. civil. art. 9. nr. q. hält es fuͤr rathſam, ſie vor der Behoͤrde zu thun, die die Urkunde des Ctvilſtandes aufzunehmen berechtigt iſt. Nach den Discuſ⸗ ſions geſchteht ſie vor dem Communalmaire oder dem Unterpraͤfect. Sind die T 2 Kindet Erſtes Buch. Erſter Titel. Kinder noch minderjaͤhrig, oder ſterben ſie waͤhrend der Zeit, da ihnen das Geſetz geſtattet, die rechtliche Eigenſchaft eines Franzoſen in Anſpruch zu nehmen, ſo werden ſie als Fremde betrachtet, denn im erſtern Falle hatten ſie keivnen Willen, und waren dem der Eltern unterworfen; im letztern war die Bedingung nicht erfuͤllt, unter der ſie nur allein dieſe Eigenſchaft rectamtren konnten. Da uͤbrigens das Geſetz ihnen nur binnen dem auf ihre Volljaͤhrigkeit folgenden Jahre es ihnen verſtattet, jene Eigenſchaft in Anſpruch zu nehmen, ſo folgt daraus, daß ſie nach dteſer Epoche nicht anders Frauzoſen werden können, als weun ſie ſich nathraliſiren laſſen wollen. MarEvIILE Analyſe ad art. 9. 4) Dieſe Bedingung verhält ſich aber nicht wie eine Natzraliſationsbedingung, mithin kann hier der art⸗ S des Code in Anwendung kommen. BousQußr l. c. Nr. 12 5) Dieſe Beſlimmung zeeht ſich jedoch nicht auf die Kinder der Emigranten, weil dieſe nach den uͤber die Emigration erlaſſenen Geſetzen beurtheilt werden muͤſſen, da ſonſt dieſer Artikel zuruͤckwirkende Kraft haben wuͤrde. Bigot de Prea⸗ méneu in der Discuſſion(Conſérence. T. I. p. 49). Nach dieſem(Geſetz vom 28. März 1793) ſind die Emtgranten fuͤr buͤrgerlich todt zu halten; die Kinder, welche ſie im Augenblick der Emigration hatten, ſind nur allein recht⸗ mäßige(Wapoleon Ebendaſ. S. 47), die ſpäter erzeugten nicht, da der buͤr⸗ gerliche Tod die Guͤltigkeit der Ehe aufhebt. Da letztere auch nicht von ihrem buͤrgerlich todten Vater anerkannt werden koͤnnen, ſo haben ſie keine Rechte; nicht einmal als Fremde, ſondern ſie werden auch fuͤr buͤrgerlich todt gehalten. Die Erſtern hingegen werden fuͤr nicht emigrirt gehalten, wenn ſie vor ihrer Voll⸗ jaͤhriakeit(ſo iſt wohl avant l'age de puberté in Cambacéres Worten in der Discuſſion a. a. O. zu verſtehen) zuruͤckkehren. MALEvILLE Analyſe ad art. 10. unterſcheidet ferner zwiſchen den Emigranten, welche nach dem Geletze vom 12. Ventoſe VIII. ausgeſtrichen waren oder nicht; ſo wie die, welche vor dieſem Geſetze nur der Auswanderung beſchuldigt waren. Die erſtern erhalten die Eigen⸗ ſchaft als buͤrgerlich lebende von dem Tage der Ausſtreichung wieder, aber dteſes hat keine zuruͤckwirkende Kraft; die letztern werden, wenn ſie ausaeſtrichen waren angeſehen, als haͤtten ſe nie aufgehort Franzoſen zu ſeyun. MERLIN ueſtions de droit. T. VI p. 241. Maleville will auch den Kindern der nicht ausgeſtrichenen Emrirten die Reclamation der Eigenſchaften etnes Fran⸗ zoſen nicht verſagen.— Das Kind, von dein in dem Artikel die Rede iſt, kann * dann nur die Rechte in Anſpruch nehmen, welche ſeit der erlangten eines Franzoſen ihm zugefallen ſind. S. art. 20. S. 105. Zweytes Erwerbsmittel: Ehe mit einem Franzoſen. Ein allgemeiner Grundſaß iſt es, daß die Frau dem Stande des Mannes unterworfen wird ¹). Jede Auslaͤnderin wird daher ſogleich als Franzöſin betrachtet, ſo wie ſie einen Franzoſen heirathet. Sie behaͤlt dieſe Eigenſchaft, wenn ſie auch Witwe geworden iſt ²). 1) Code „ * Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgeri. Rechte. 149 1) Code Wapoldon art. 12. 2) Zweifelhaft iſt es, ob ſie dieſe Rechte durch die Eheſcheidung verliert— oder wenn ſie in ihr Vaterland zuruͤcktehrt. Bovsaugr Expl. art. 12. Das erſtere ſcheint zu verneinen zu ſeyn, das ietztere nach ars⸗ Cod. Napoléon art. 19. zu bejahen. 5. 106. Drittes Erwerbsmittel: Naturaliſation. Naturaliſation iſt die von der Regierung durch einen Auslaͤnder ge⸗ 1 ſchehene Erwirkung des Staatsburgerrechts. Unter welchen Bedingungen die Raturaliſation erwirkt werden kann; davon iſt oben(S. 100.) gehan⸗ delt worden 1). Er erhalt dann die buͤrgerlichen Rechte nach Erfuͤllung der zur Erlangung der Naturaliſation vorgeſchriebenen Bedingungen.. 1) Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. comment. Th. 1. S. 131. unterſcheidet noch eine Naturaliſation, wodurch man nur die Eigenſchaft eines Franzoſen(nicht eines Staatsbuͤrgers) erhält, die alſo auch auf Perſonen weiblichen Geſchlechts anwendbar iſt, die nie dieſer politiſchen Rechte theilhaft werden koͤnnen. Er beſtimmt, um dieſe erlangen zu koͤnnen, nach Analogie des 18ten Artikels, als Erforderniſſe: 1. Die Erlaubniß des Kaiſers ſich in Frankteich niederzulaſſen; 2. den wirklichen Aufenthalt in Frankreich⸗ 5. 107. m. Verhaͤltniß der buͤrgerlichen Rechte zu Auslaͤndern. Der Genuß der buͤrgerlichen Rechte iſt in Hinſicht der Auslaͤnder Art. 11. lediglich durch das Retorſionsrecht beſtimmt. Jeder Ausländer naͤmlich genießt in Frankreich eben die burgerlichen Rechte, welche die Nation, zu der er gehört, den Franzoſen durch Vertraͤge eingeraͤumt hat oder auch noch einräumen wird 7). Hiervon finden ſich nur zwey Ausnabmen: 1. Die Fremde, die ſich mit einem Franzoſen verheurathet hat, tritt in Art. 12. das buͤrgerliche Verbaͤltniß ihres Mannes uͤber. II. Der Auslaͤnder, dem Art. 13. der Kaiſer erlaubt haben wird, ſeinen Wohnſitz in Frankreich aufzuſchla⸗ gen, ſoll, ſo lange er daſelbſt zu wohnen ²) fortfährt, alle buͤrgerlichen Rechte eines Franzoſen genießen.— Wenn jedoch der Auslaͤnder nach dem Retorſionsrechte beurtheilt werden ſoll, ſo iſt er, in ſo fern keine Vertraͤge zwiſchen ſeiner Nation und Frankreich ſich vorfinden, in ein ſehr nachtheiliges Verbältniß geſetzt, da das beruͤchtigte durch die Ratio⸗ nalverſammlung abgeſchaffte droit d'Aubaine(Jus albinagii) wieder bergeſtellt iſt, und in Ermangelung derſelben eintritt à). Nach dieſem 3 ſind Erſtes Buch. Erſter Titel. ſind ſie vollkommen rechtsfaͤhig in Anſehung aller gemeinrechtlichen Hand⸗ lungen unter Lebenden; aber uͤber die Graͤnze ihres Lebens geht dieſes Recht nicht hinaus. Michin faͤllt I. die Erbſchaft eines im Lande ver⸗ ſtorbenen Auslaͤnders dem Staate anheim; doch erben im tande oder auswaͤrts gebohrne naturaliſirte Kinder. II. Der Auslaͤnder, der ſich nicht im Lande befindet, hat kein Erbrecht auf die Verlaſſenſchaft des Franzoſen. Rähere auswaͤrtige Verwandten werden mithin durch ent⸗ ferntere Franzoſiſche ausgeſchloſſen. 111. Durch Teſtamente oder Schen⸗ kung auf den Todesfall kann dem Auslaͤnder nur dann etwas gegeben werden, wenn er einem Franzoſen in ſeinem Lande vermachen kann; und auch nur ſo viel 4). IV. Der Auslaͤnder hat die Wohlthat der Guͤter⸗ abtretung nicht*). . 1) Dergicichen Vertraͤge ſind mit der Schweiz, ſo wie am 19. Febr. 1806 mit Italien, Parma, Piacenza und Guaſtalla abgeſchloſſen. Der Fremde alſo, der ſolche Rechte in Anſpruch nehmen will, muß Falle beweiſen, in welchen ſeine Nation bereits jene Civilrechte Franzoſen verliehen hatte. Jen. L. Zeit. 1808. Nr. 233. S. 32. In Ermangelung ſolcher Vertraͤge bleiben dem Fremden nur die allgemeinen oder weltbuͤrgertichen Rechte, welche ſich einzig auf die Aner⸗ kennung ſeiner, als rechtsfählges Subject, beziehen, naͤmlich: I. Das Recht auf perſoͤnliche Freyheit. H. Das Recht auf rechtliche Gleichheit und Gehör, wie⸗ wohl beſchraͤnkt durch den 14ten und 16ten Artikel. III. Das Recht auf Eigen⸗ thum und den freyen geſetzmaͤßigen Gebrauch deſſelben; beſchraͤnkt jedoch durch das äroit d'Aubaine. IV. Das Recht auf Unbeſcholtenheit und Zulaſſung zu Zeugniſſen, wenn die Zeugen nur nicht der Feyerlichkeit wegen zugezogen ſind. v. Das Recht Familtenverbindungen einzugehen. VI. Das Recht die Mittel anzuwenden, die zur Sicherung ſeiner Exiſtenz noͤthig ſind. 2) Reſider bedeutet hier eben ſo viel als étre domicilié. Es folgt daraus, daß der Fremde dennoch immer Reiſen, ſelbſt in ſein eigenes Vaterland, thun kann, ohne daß er dieſes Recht verliert. Kaſſaulx Geſetzgeb. Nap. comment. Th. 1. S. 126. 3) Lockk Fſprit. T. I. p. 279— 301. DnIvIncouRr Iuſtitutes. T. I. p. 18. not. 1. Anderer Meynung iſt Laſſaulx. uͤber das Ctvilgeſetzbuch der Franzoſen, im Journal. Jahrg. II. H. 6. S. 438. Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 112.— Ueber daſſelbe ſ. auber BacaunT droit d'subaine. Schmid Einleitung. Th. 1. S. 303- 4o1. MARVIILLE Anaiyſe ad art. 12.— Da in den Pro⸗ vinzen des Koͤnigreichs Weſtphalen nie ein ſolches Recht exiſtirte, ſo werden in Ermangelung der Vertraͤge dem Fremden die nämlichen Rechte zuzugeſtehen ſehn, die er ſonſt daſelbſt in Anſpruch nehmen konnte. 4) Code Napoléon art. 912. Eben ſo wenig wie ab inteſtato. Daſ. art. 226. 5) Oode d⸗ proc&d. art. 9oʒ. Code de commerce art. 375.§. 2. §. 1og. „ Von dem Swiß e und der S der virge iechte 151 §. rog. Fortſetzung. Die brin Faͤlle, in welchen das Geſetz einen Unterſchied zwiſchen Franzoſen und Fremden macht, beruben auf dem Grundſatze, daß der Fremde durch ſeine auswaͤrtige Heimath nicht die Sicherheit gewaͤhrt, die der Inländer gewährt ¹). Hieraus folgt: I er darf keine Vormund⸗ ſchaft uͤbernehmen, da ihn die franzoſiſchen Behörden nicht zur Erfuͤllung ſeiner Pflichten wuͤrden zwingen koͤnnen; II. er kann bey Beglaubigung einer Handlung keinen Zeugen ²) abgeben, weil dieſes Leute ſeyn muͤſſen, welche in der Folge zu haben ſind; III. er kann in der Regel, wenn er mit einem Franzoſen Verbindlichkeiten eingegangen hat, perſoͤnlich ver⸗ baftet werden, außer wenn er liegende Gruͤnde in Frankreich beſitzt oder einen Buͤrgen ſtellt ²). 1) Schmid Einleit. Th. 1. S. 402. 2) Noch der franzoͤſiſchen Notariatsordnung können nur wirkliche Staatsbuͤrger, die in dem Bezirke, wo die Handlung vorgenommen wird, thren Wohnſitz haben., zu Zeugen gebraucht werden. Lof ſur le notariat du 2. Ventaſe XI. art. 9. in RonponNEAu Supplement. p. 3.— NRach Weſtphaͤl. Recht kann jeber Zeuge ſeyn— jouiſſant des droits civils, mithin auch der Fremde, der ſich in dem Falle des art. 13 befindet. S⸗. Koͤnigl. Decret vom 17. Febr. 18c9, die Notartatsordnung enthaltend, art. 9.(Geſetzbuͤlletin 1809. Nr. 8. p 299.) Geſetz vom 10. Sept. 1807. tm Supplement S. 267.— Spielmann za dieſen Titel und Code de proced. art. 842. §. 109. cinpetenz der franzoͤſiſchen Gerichte gegen Fremde. Ueber die Competenz der franzoͤſiſchen Gerichte gegen Fremde iſt zu Att. 13. bemerken: I. Der Fremde kann, ſelbſt wenn er ſich im Lande aufhaͤlt, vor ein franzöſiſches Gericht gefordert werden, um Verbindlichkeiten zu erfuͤllen, die er im Lande gegen einen Franzoſen uͤbernommen hat. Er kann auch wegen ſolcher Verbindlichkeiten, die er im Auslande gegen einen Franzoſen uͤbernahm, vor die franzoͤſiſchen Gerichte gezogen werden.— Hierbey iſt zu bemerken: 1. daß die Verbindlichkeit, welche der Franzoſe geltend machen will, gerade nicht aus einem Vertrage entſtanden zu ſeyn braucht. Der Franzoſe kann alle Anſpruͤche, die er aus irgend einem Grunde an einen Auslaͤnder macht, vor franzöſiſchen Gerichten ausfuͤhren; denn wenn man die Verordnung des Code lediglich auf Verbindlichkeiten aus —— 1 Erſtes Buch. Erſer Titl. aus Vertraͤgen beſchränken wollte, ſo wuͤrde der Franzoſe in Hinſicht der üͤbrigen durchaus keine Hülfe haben, da ihm die im Auslande ergangenen Erkenntniſſe nichts helfen ¹). 2. Daß der Fremde, wenn er die Ver⸗ bindlichkeit in Frankreich eingegangen, vor das Gericht, innerhalb deſſen Sprengel er ſie eingieng(das[orum contractus), geladen wird(ciue); hatte er aber die Verbindlichkeit im Auslande eingegangen, vor jedes franzöſiſche Tribunal gezogen wird, welches nicht korum contractus iſt (traduit) 2). 3. Daß es gar nicht darauf ankomme, ob der Fremde ſelbſt perſonlich im Lande anzutreffen ſey, oder ob er Guͤter und Effecten daſelbſt habe ²) oder nicht; denn auch im letztern Falle findet dieſelbe Verfuͤgung ſtatt. Der Einwurf, daß in dieſem Falle die Execution der Sentenz gegen den Fremden unmoglich ſeyn wurde, mithin dieſe Ver⸗ fuͤgung unnuͤtz ſey, fällt dadurch weg, daß in Frankreich, ſo wie in Weſt⸗ phalen, die rechtſprechende Macht von der executiven Gewalt getrennt iſt; die erſtere deshalb gar wohl ein ſolches Urtheil ſprechen kann, da die Aus⸗ wirkung der Vollſtreckung dem ſiegenden Theil uberlaſſen bleiben muß, und ſich Fälle genug denken laſſen, in welchen der Franzoſe die Ladung athſam finden koͤnnte, um von der Vollſtreckb arkeit des Erkenntniſſes in Zukunft deſto ſchleunigern Gebrauch zu machen. Auch kann der Franzoſe, um die Vollſtreckung des gegen den Fremden erlaſſenen Urtheils im Auslande zu erwirken, ſich an den Juſtizminiſter wenden, der vielleicht durch Unter⸗ ſtuͤtzung des Miniſters der auswaͤrtigen Angelegenheiten zur Vollſtreckung Rath ſchaffen kann ¹).— In dieſem erſtern Falle faͤllt mithin die Regel Actor ſequitur forum rei weg*). 1) Appellhof zu Poitiers, bey Mritprudence. T. V. p. 477. DREREvERs Journal des audiences. Au. XIV. Supplement p. 71. S1RRv Jurisprudence de la Cour de Caſſetion. 1806. Supplement p 40.— Nicht aanz richtig ſagt daher DBr- viNcouRT T. I. p. 10— l'étranger devient juſticiable des tribunaux frangais pour l'exẽcution des obligations reſultaut de ces contractu.— S auch PrEryEER Napoleons Geſetzbuch. S. 11. Laſſaulx uͤber das Civilrecht der Franzoſen im Journal. II 6. S. 140. 2AcHARIAB Finleit. S. XXIV. vorzüglich aber Pl6EAu La procédure civile des tribunaux de France. T. I. p. 94 ff. 2) So iſt eits und traduit im art. 14. zu erklaͤren. S. Laſſaulx Geſetzgeb. Napoleons Th. 1. S. 116.— Anderer Meynung ſind irriger Weiſe Dabelow Archiv. H. II. S. 142. Erhard zum art. 14. welcher letztere eben ſo irtig behauptet, daß hier die Einrede der Litispendenz gelte, da, wie wir oben ge⸗ ſehen haben, nicht einmal die Einrede der Rechtskraft opponirt werden kann. Die Einrede der Litispendenz verwarf ausdruͤcklich der Appellhof zu uri- Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgerl. Rechte. 153 ¶urirprudence. T. IX. S. 114.)— Vergl. uͤber den art. 14. Jenaiſche L. Z. ſ 1808. Nr. 232. S. 423. Daniels, Spielmann und Muͤller nehmen die* beyden Ausdruͤcke in ihren Ueberſetzungen gleichbedeutend, ſo wie ebenfalls die lateiniſche und italiaͤniſche Verſion. 3) Wie Dabelow, Erhard u. a. behaupten. S. Appellhof zu Trier a. a. O. 4) Die Frage, ob ein Fremder, der von einem Franzoſen belangt wird, die Ein⸗ rede der Verjaͤhrung entgegenſetzen koͤnne, iſt offenbar zu bejahen; denn iſt das Recht des Franzoſen in Frankreich durch ſie zernichtet, ſo kann er dieſes zernich⸗ tete Recht nicht mehr guͤltig machen, wenn auch im Auslande dieſe Verjaͤhrung nicht ſtatt finden ſollte.— Eben ſo richtig iſt es, daß ein ausländiſches Gericht einmal im Lande vernichtete Rechte uͤberhaupt nicht mehr anerkennt. Ein merkwuͤrdiges Beyſpiel ſ. bey Dabelow Archtv. St. 5. S. 511, wo durch ein ausländiſches Urtheil die Klage einer ſtuprata, die in Weſtphalen, wegen Code Nap. art. 340 abgewieſen war, aus dieſem Grunde ebenfalls abgewieſen wurde, obgleich der ſtuprator Weſtphalen verlaſſen, und ſein Domicil unter dem aus⸗ laͤndiſchen Gerichte genommen hatte.— Nach welchen Geſetzen der Fremde beurtheilt werde, ſ. F. 11I. not. 4. . 5) Die Vererdnung des 14ten Artikels bezleht ſich auf Handelsſachen(Caſſationshof bey Laſſaulx Journal. II. 6. S. 440), auf Wechſelforderungen(Appellhof zu Trier a. a. O.), auf Kriegsgefangene(Appellhof zu Paris. Daſ. S. 441); nicht aber auf Schwetzer kraft des Allianztractats vom Jahre KII. art. 13. S. MArBvIILLE Analyſe ad art. 14. und daſelbſt Blanchard S. 39. 5. 110. Fortſetzung. II. Fremde koͤnnen den Franzoſen vor ſeinen franzöſiſchen Richter (naͤmlich des Wohnorts) belangen, wegen Verbindlichkeiten, die er in einem fremden Lande mit ihnen eingieng). 1) Der Franzoſe kann auch in dieſem Falle den Einwand einer auslaͤndiſchen rechts⸗ kraͤftigen Entſcheidung wohl nicht dem Kläger entgegenſetzen, da eine ſolche in Frankreich durchaus keine Kraft hat, ſondern nur den Einwand, der vermoͤge derſelben geſchehenen Befriedigung des Gegners. Anderer Meynung iſt Schmid Einleitung. Th. 1. S. 405. not 3.— Dieſe Verbindlichkeiten muͤſſen jedoch perſoͤnliche oder bewegliche Gegenſtande betreffen. LocR Eſprit. T. I. p. 325. 6. rx⸗ — Fortſetzung. II. Fremde können einander nur in folgenden Fällen vor ein fran⸗grt. 1. zöſiſches Gericht fordern: 1. Wenn ihr Anſpruch aus einem in Frankreich u Spangenberg's Commentar Bd. 1. began⸗ etſtes Buch. Eiſer Liel. begangenen Verbtechen herrührt ¹); denn in dieſem Falle ſind ſie nach Art. 3. den Criminalgerichtshofen und Correctionstribunalen unterworfen. 2. Wenn die Klage dingliche Rechte in Anſebung der in Frankreich lie⸗ genden Grundſiuͤcke betrifft; nach demſelben Artikel. Aber da die Frem⸗ den weder in Hinſicht ihres perſoͤnlichen Zuſtandes, noch in Hinſicht der perſoͤnlichen und beweglichen Klagen, welche letztere immer den perſoͤnlichen gleich geſetzt werden, den franzöſiſchen Geſetzen unterworfen ſind, ſo ſind ſie in dieſem Falle vor dem Richter ihres Wohnorts zu belangen. Außerdem haben jedoch die Fremden in dieſem letztern Falle das Recht, ein franzö⸗ ſiſches Tribunal zum Schiedsrichter zu wählen⸗ Dieſes Compromiß kann theils ausdrucklich 3) eingegangen werden, theils ſtillſchweigend: 1. Wenn der beklagte Fremde, der vor ein franzoſiſches Gericht geladen wird, Ddaſelbſt erſcheint, und auf die Klage antwortet ²). 2. Wenn zwiſchen Fremden auf franzoſiſchen Maͤrkten Verpflichtungen eingegangen ſind*).— Rur in dem einzigen Falle kann der Fremde in jeder Sache von einem Fremden vor ein franzöſiſches Tribunal geladen werden, wenn er oder ſein Gegner, vermoͤge des 13ten Artikels, den Genuß der buͤrgerlichen Rechte hat, weil er ſich in dieſem Falle völlig wie ein Franzoſe verhaͤlt. Eben ſo können Fremde ein franzöſiſches Tribunal um ein Erkenntniß über ihre perſonlichen Klagen desbalb angeben, weil den Franzoſen das⸗ ſelbe Recht nach den Vertraͤgen Frankreichs mit ihrem Vaterlande, zu⸗ ſtaͤnde(Art. 11). ¹) Tronchet in deſſen Disenſſon(Conſförence T. I. p. 32) LocRE Eſprit. T. I. p. 319 321. Blanchard zu Maleville. Th. 1. S 39. 2) PrSEAv Procedure de vnnt ler tribnnauc frangaft. T. I. p. 94. 93. ſagt ſehr richtia, daß auch, wenn die pertoͤnliche Verpflichtung in Frankreich einge⸗ gannen ſey, die Klage nicht in foro contractus erboben werden koͤnne: Les tribunaux de France ne peuvent pas connoitre de Pexécution des obligations qu un étranger, qui ſe trouve paſſagdrement en France? a contractꝰes envers un autre étranger, ſoit dans les pays étrangers, ſoit méme en France. Ainſi Pétrauger qui eſt venu paſſer quelque temps en France pour ſon plaiſir, ou pour des affaires de commerce, ne pent pas étrè pourſuivi devant les tri- bunaux frangais par ltranger dont il eſt debiteur. Ih ne ceſſe point à Pegard des étrangers, d'étre entiérement juſticiable des tribunaux de fon pays ou il a conſervé ſon domicile; car Tartiele 14. du Code eivil ne concerne, que les Franqais. 3) Auch in Weſtphalen geht dieſes an. Code de prorddure VMeſphalien art. 375. Mntichtig iſt daher Dabelow Archiv. H. II. S. 136.— S. Code de procedure frangois art. 7⸗ ½) cam⸗ —,——— Von dem Genuſſe und der Beraubung der bůrgerl. Rechte. 136 4) Cambacérès in der Discuſſion. Defermon⸗ Tronchet ebendaſ.— In dieſem Falle erkennt der Richter nach franzoͤſiſchen Geſetzen. Denn jeder Richter iſt verbunden, nach den Geſetzen des Staats zu ſprechen, von welchem er beſtellt iſt. Jeder aber, der vor einem Richter belangt werden kann, iſt in ſe fern Unterthan des Staats, von welchem der Richter beſtellt iſt; ausgenommen l. in ſo fern die Geſetze ſelbſt den Richter an die Geſetze auswaͤrtiger Staaten ver⸗ weiſen, z. B. bey Beurtheilung der äußern Form der Urkunde, wohin aber nicht der Fall gehört, daß ein nach franzoſiſchem Recht ſchriftlich abzufaſſender Contract in Frankreich guͤltig ſey, wenn er nach den Geſetzen des Auslandes in der fuͤr Frankreich nichtigen muͤndlichen Form eingegangen iſt,— bey Beur⸗ theilung des etat civil, u. ſ. w. II. In ſo fern die Partheyen nach Art. 6. durch Verträge eine Aenderung machen konnten. ZacakIaß Handbuch. Einſeit. p. KXV. Anderer Meynung iſt Dabelow Archtv. 11. S. 136. Aber auch in dem Falle, daß der Fremde nach auswärtigen Geſetzen zu beurtheilen iſt, kann er ſich den Franzöſiſchen unterwerfen.(Caſſationshof in Laſſaulp Journal. IiI. 2. S. 58.) 5) Code de commerce art. 6371. S. Laſſaulx Geſetzgeb. Napoleons. Th.. S. 114. I15. 8 5. 112. 4 Fortſetzung. W. Der Fremde, der als Kläger auftritt, muß in der Regel fuͤr Art. 16. den Erſatz der durch den Proceß erwachſenden Koſten und Schadloshal⸗ tungen Buͤrgſchaft leiſten 1). Nur der Klaͤger, nicht aber der beklagte Auslaͤnder iſt dieſer Cgution unterworfen; hieraus folgt, daß weder der Intervenient, der in die Stelle des Beklagten tritt, noch der Beklagte, welcher von dem Urtheil der erſten Inſtanz appellirt, dieſer Laſt unter⸗ worfen ſeyn kann. Auch in der Appellationsinſtanz kann dieſe Caution noch von dem Beklagten verlangt werden, wenn gleich der Klaͤger ſie nicht in der erſten Inſtanz verlangte, und wenn ſelbſt der Beklagte die Sache in der erſten Inſtanz gewann ²). Die allgemeine Regel der Verpflich⸗ tung des Ausländers zur Sicherheitsſtellung faͤllt weg: I. in Handlungs⸗ ſachen; II. wenn der Auslaͤnder nach dem Art. 13. in Frankreich wohnte; III. wenn der Franzoſe durch Vertraͤge im Vaterlande des Auslaͤnders von einer ſolchen Sicherheitsſtellung frey war; IV. wenn der Auslaͤnder Grundſtucke von hinreichendem Werthe in Frankreich beſaß; V. wenn nicht ſowohl von einem wahren Rechtsſtreite, ſondern nur von der Vollſtreckung einer executoriſchen Urkunde die Rede iſt ²). Außer dieſen fuͤnf Faͤllen iſt jeder Fremde, er ſey ſo reich und mächtig als er wolle, ſelbſt fremde Souveraine ¹) und Geſandten*), zur Cautionsleiſtung verbunden. 12 1) Nach Erſtes Buch. Erſter Titel. 1) Nach Weſtphaͤliſchem Rechte wuͤrde die Verpflichtung des Auslaͤnders, entweder Buͤrgſchaft zu leiſten, oder eine Summe Geldes niederzulegen, alternattv ſeyn, obgleich der Code de procédure Weſtphalien art. 118. die Buͤraſchaft in Er⸗ mangelung des baaren Geldes zuzulaſſen ſcheint, denn ſonſt wuͤrde dieſer Artikel dem Code Napolson art. 16. widerſprechen; man muͤßte denn annehmen, daß der art. 118 als neueres Geſetz dem art. 16. derogire.— S. Code de yro- cechure franguit art. 166. Der Inlander kann vom Inlaͤnder etne ſolche Cau⸗ tion nicht verlangen. 2 F. C. von SrRonnck(Präſident des Tribunals in Einbeck) Formulare und anmerkungen zu der Proceſsordnung des Königreichs Weſtphalen. Ed. II.— Th.. S. 128 ff.— Pr6Rav a. a H. T. I. S. 152. iſt anderer Meynung. 3) Caſſationshof in uritprudence. T. IX. p. 46. 133 3) MERILIN repertoire. T II. p. 804 5) Nouveau Deniſart par Ganus et BAvAkT fub v. Cautio judicatum ſolvi. 3Zweytes Kapitel. Von der Beraubung der buͤrgerlichen Rechte⸗ 3 5. 113. „ Im allgemeinen. Man verliert die buͤrgerlichen Rechte: I. Durch den Verluſt der Eigenſchaft eines Franzoſen. Il. Durch gerichtliche Verurtheilungen⸗ Erſter Abſchnitt. Von der Beraubung der buͤrgerlichen Rechte durch den Verluſt der Eigenſchaft eines Franzoſen. 5. 114. I. Arten der Beraubung. Man verliert immer die Eigenſchaft eines Franzoſen, wenn man ſeinem Vaterlande entſagt ²). Das Geſetz hält es aber fuͤr unmöglich, daß man ſeinem Vaterlande ausdrücklich und durch eine Handlung ent⸗ ſagen koͤnne ²); es vermuthet vielmehr, daß der Franzoſe ſo lange ſeine Eigen⸗ Von dem Genuſſe und der Beraubung der bürgerl. Rechte. 137 Eigenſchaft als ſolcher behalte, bis nicht das Gegentheil klar dargethan iſt. Dieſes tritt ein I. durch die in einem fremden Lande erlangte ²) Naturaliſirung; II. durch die von dem Kaiſer nicht genehmigte Annahme*) eines öffentlichen, von einer fremden Regierung verliebenen Amtes; iI. durch jede*) in einem fremden Lande ohne die Abſicht der Ruͤckkehr ⁵) geſchehene Riederlaſſung*). 1) LocR Eſprit. T. I. p. 332. nennt die formelle Entſagung abdication, und unterſcheidet von ihr die expatriation oder Unterwerfung unter eine fremde Macht. 2) Dieſe iſ deshalb auch als moraliſch unmoͤglich voͤllig unguͤltig; denn man fuͤrch⸗ tete, que ſi elle 6toit permiſe aux Frangois, elje ne devint pour eux un 8 moyen de ſe ſouſtraire à certraines chares publiques au moment oů elles ß feroient près de les atteindre. Defermon in d. Discuſſion⸗ Cambacérès b. LocRß a. a. O. 3) Acqulſe; alſo nicht durch die bloße Vitte um Naturaliſation. LocRE T. I. p. 334. 4) Mit der Annahme eines Militatramts iſt noch ein beſonderer Nachtheil verbun⸗ 3 den, der im 2iſten Artikel erklaͤrt wird. Eine Genehmigung kann in dieſen Fallen erfolgen, wegen freundſchaftlichen Verhaͤltyiſſen mit der auswärtigen Macht, oder aus Krieasliſt. Portalis in der Discuſſion.(Conférence. T. I. p. 68.) Ob in den Fällen, wo der Mann die Eigenſchaft eines Franzoſen ver⸗ liert, ſeine Frau ebenfalls dieſelbe einbuͤße, iſt beſtritten. Doch ſcheint es nach der Discuſſion, in welcher ein vorgeſchlagener Zuſatz zu dem Geſetze zum Beſten der Ehefrauen, weil er leicht zur Umgehung des Gefetzes Veranlaſſung geben könne, verworfen wurde, und aus der Analogie des 19ten Artikels zu bejahen zu ſeyn. S. auch zacRakIAE Handbuch§. 58. not.2. Anderer Meynung iſt jedoch MarRvIILLE Analyſe zum 19ten Artikel, weil die Franzoͤſin, wenn 6 ſie dem Manne ins Ausland folge, nur die Pflichten ihres Geſchlechts erfuͤlle. 3) Aber wenn ſich der Franzoſe aus Frankreich entfernte, ohne einen beſtimmten Aufenthaltsort zu wählen? dann bleibt er immer Franzoſe⸗ Thibaudeau in d. Discuſſion.(Conſérence. T. I. p. 64.) 6) Derſenige natuͤrlich, welcher dem Abweſenden die Eigenſchaft eines Franzoſen abſpricht, muß beweiſen, daß derſelbe die Abſicht der Ruͤckkehr nicht gehabt habe. Boulay in d. Discuſſion.(Conférence. T. I. p. eod.) DErvINcovRT T. I. p. 14. not. Z. 7) Treilhard im Fxpoſt des motifs.(Garnery Th. 1. S. 23.)— In Ge⸗ mäßheit dieſes Artikels ſind olle Weſtphalen in auswaͤrtigen Dienſten zuruͤck⸗ berufen. Decret vom 9 Jonuar 1808(Geſetzbuͤlletin 1808. Wr IX. S. 145.) S. auch das Decret vom 12. Junius 1808.(Geſetzbulletin 1808 Nr XLIII, S. 179 ff.) Man verltert das Franzöſiſche Buͤrgerrecht zugleich durch die Eigen⸗ ſchaft eines Franzoſen, wie auch umgekehrt die Eigenſchaft eines Franzoſen durch 5 den Verluſt des Buͤrgekrechts.(Nach der Conſtitution des Jahrs VIII. art.. geht das Buͤrgerrecht verloren: I. durch Naturaliſation im Auslande; Il. durch u3 Annah⸗ . — Erſtes Buch. Erſter Titel. Annahme oͤffentlicher Stellen odet einer Penſion von einer fremden Regierung; 1II. durch Eintritt in eine auslaͤndiſche Corporation, welche Vorzuͤge der Geburt vorausſetzt; IV. durch Leibes- und iufamirende Strafe.(SaatFErD recueil. T. I. p. 183. 184.)— S. Boulay b. LocRh. T. I. p. 337.) Desholb wurde auch der im Code civil befindliche F. 3. des art. 17.— par l'aßiliation à toute corporation ctrangere, qui exigera des diſtinctions de uaiſſance“ im Code Napoléon weggelaſſen. 36 §. 115. Ausnahmen. In allen dieſen Fällen behaͤlt man jedoch die Eigenſchaft eines Franzoſen: J. wenn derjenige, der ſich zu voruͤbergehenden Zwecken im Auslande naturaliſiren laſſen will, die Vorſicht gebraucht, ausdruͤcklich bey der Municipalitaͤt ſeines Wohnorts zu erklaͤren, daß er der Eigenſchaft eines Franzoſen nicht entſagen wolle, ſondern nur aus dem angegebenen beſtimmten Zwecke die auslaͤndiſche Naturaliſation ſuche 1). II Wenn man in Kriegszeiten gezwungen wird, ſich in einem fremden Lande aufzu⸗ halten, und dort die Raturaliſation zu verlangen*). II. Wenn man ſich Handelsverbindungen wegen an einem fremden Orte, ſogar zeitlebens, aufhält; denn eine Niederlaſſung zu Handelszwecken ſoll nie ſo angeſehen werden, als ſey ſie ohne die Abſicht der Ruͤckkehr geſchehen 3). 1) Thihaudeau in d. Discuſſion.(Conférence. T. I. p 67.) Z. B. um eine Erbſchaft zu thun, in Handelsverbindungen zu treten, bey denen die Naturali⸗ ſation erfordert wird. Röderer, Defermon in d. Discuſſion.(Conſérence. T. I. p. 63.) Iſt freylich dieſe Erklärung nicht geſchehen, ſo kann der Franzoſe nur durch die Beobachtung der im art. 18. vorgeſchriebenen Bedingungen die Eigenſchaft eines Franzoſen wieder erhalten. Tronchet Ebendaſ. 2) Napoleon in d. Discuſſion.(Conſérence. T. I. p. 67.) Denn les cas de guerre ſont hors de la loi commune, parceque tout ce qui ſe fait alors eſt * forge. Tronchet Ebendaſ. 3) Gary b. Lockß a. a. O. — 5. 116. Wirkungen dieſes Verluſts in Anſehung der Frau und Kinder. Die Frau, die ſich mit einem Auslaͤnder verheirathet, oder die ihrem auswandernden Manne folgt, wird als Auslaͤnderin betrachtet, und ihre Kinder muͤſſen nach dem 9ten Artikel beurtheilt werden. Was alſo die Kinder derſelben anlangt, ſo iſt zu unterſcheiden: I. die vor der Auswanderung und ——— und Naturaliſation gebohrnen Kinder bleiben Franzoſen, bis ſie durch Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgerl. Rechte. 139 eigene Handlungen dieſe Eigenſchaft verlieren. Waren ſie mithin voll⸗ jährig, als ſie ihren Eltern ins Ausland folgten, ſo verlieren ſie die Eigenſchaft eines Franzoſen nach den im 17ten Artikel aufgeſtellten Grund⸗ ſätzen. Waren ſie dagegen minderjaͤhrig, ſo koͤnnen ſie erſt nach erlangter Volljaͤhrigkeit dieſe Eigenſchaft verlieren, ſelbſt auch dann, wenn gleich der Vater fuͤr ſie zugleich bey ſeiner Niederlaſſung in einem fremden Staate das dortige Burgerrecht erworben bätte. Sie konnen daher auch ohne Ertaubniß des Kaiſers nach Frankreich zuruckkehren, und ihre Eigenſchaft als Franzoſen auch in Anſehung der Rechte, die ihnen waͤhrend ihrer Minderjäͤhrigkeit zufielen, geltend machen. II. Die nach der Auswan⸗ derung gebohrnen Kinder haben keinen Anſpruch auf die Eigenſchaft eines Franzoſen, und konnen ſie nur unter Beobachtung der im 10ten Artikel enthaltenen Bedingungen wieder erhalten ¹). 1) 2cRanA F. 60. Schmid S. 444— g46. aus LocRß a. a. O. T. I. p 302.— S. Dabelow Archiv St. III. S. 213. §. 117. II. Wiedererlangung der Eigenſchaft eines Franzoſen. Alle diejenigen, welche aus den oben G. 114.) erwaͤhnten Urſachen Art. 18. die Eigenſchaft eines Franzoſen verloren haben, koͤnnen dieſelbe jedoch unter den in dem Geſete beſtimmten Bedingungen wieder erlangen, und zwar: I. der Franzoſe, welcher die rechtliche Eigenſchaft eines ſolchen verloren hat, kann ſie zu jeder Zeit wieder erlangen, wenn er mit Geneh⸗ migung des Kaiſers in das Reich zuruͤckkoͤmmt und erklärt, daß er ſich daſelbſt niederlaſſen wolle, und daß er einer jeden Auszeichnung entſage, welche mit den franzöſiſchen Geſetzen unvertraͤglich iſt, die er vielleicht im Ohne Erlaubniß des Kaiſers können ſie zwar Auslande erlangt hatte 1). verhalten ſich aber dann wie Fremde 2). nach Frankreich zuruͤckkommen, II Die Franzöſin, welche durch Verheirathung mit einem Ausländer die Art. 19. Eigenſchaft eines Franzoſen verlor, erhaͤlt dieſelbe wieder, wenn ſie bey Trennung der Ehe ³) ſich in Frankreich aufbaͤlt ²). Iſt dieſes nicht der Fall, ſo bedarf ſie außerdem noch der Genebmignng des Kaiſers, um dahin zuruͤckkehren zu können, und muß erklären, daß ſie ihren Wohnſitz daſelbſt aufſchlagen wolle.— Perſonen die wiedererlangte rechtliche Eigenſchaft eines Franzoſen eher In beyden Fällen können aber die genannten Art. 20 160 Erſtes Buch. Erſter Titel. eher guͤltig machen, als bis ſie die oben genannten Bedingungen erfuͤllt art. 21. haben. III. Die Franzoſen, welche ohne Erlaubniß des Kaiſers aus⸗ waͤrtige Kriegsdienſte nahmen, oder ſich in eine fremde Militaircorpora⸗ tion aufnehmen ließen, koͤnnen nur dadurch die Eigenſchaft eines Fran⸗ zoſen wieder erlangen, wenn ſie 1) nach erhaltener Erlaubniß des Kaiſers zuruͤckkehrten, und 2) alle die Bedingungen erfuͤllten, welche dem Fremden auferlegt ſind, um wirklicher Staatsbuͤrger citoyen) zu werden(S. 100)*). Auch dann ſind ſie noch den Criminalgeſetzen unterworfen, und koͤnnen demnach peinlich beſtraft werden, wenn ſie die Waffen gegen ihr Vater⸗ land getragen haben ⁵) oder noch tragen werden 7). 1) Dieſe letztere Beſtimmung ſcheint ſich lediglich auf den unterdruͤckten 3ten F. des 17ten Artikels zu beziehen. S.. 114. not. 7. PPRIPPEn Napoleons Ge- ſetzbuch. S. 16. not. h. 2) uebrigens kann der ganze 18te Artikel auf die Emigranten keine Anwendung finden, da dieſe zu den buͤrgerlich Todten gerechnet werden. Tronchet in d. Discuſſion bey LocRE Eſprit. T. I. p. 352. 3) Zwar ſagt nur der Code: Si elle devient veuwe— allein daß eine geſetzmaͤßige völlige Scheidung der Ehe dieſelben Wirkungen haben muͤſſe, wie der Tod, iſt wohl keinem Zweifel unterworfen. Schmid Einleitung. Th. 1. S. 446. not I. Laſſaulr Geſetzgeb. Napoleons comment. Th. 1. S. 131. not. 5.— Auf die Trennung von Tiſch und Bette iſt jedoch der Artikel nicht anwendbar, weil in dieſem Falle das Band der Ehe ſtehen, und der Ehemann Ehemann bleibt. 4) Imn Texte ſteht: reſide, aufhält. So auch Laſſaulr, Zacharià und Schmid. Prhard, Blanchard, Spielmann und die Weſtphalica: wohnt. Die latei⸗ niſche Ueberſetzung hat: dummodo in regno moretur. Daß der Artikel vielmehr von einem temporairen Aufenthalt und nicht vom wahren Domicil rede, wird daraus ſichtbar, daß der fremde Gatte einer ſolchen Frau keinen andern in Frank⸗ reich nehmen konnte, ohne dieſer kaiſerlichen Erlaubniß zu beduͤrfen, und es in dieſem Falle mithin ungereimt ſeyn wuͤrde, die Frau der zweyten Haͤlfte der Dispoſition des T9ten Artikels zu unterwerfen, und eine nochmalige Erlaubniß zu verlangen, wenn ſie nicht ihr wirkliches Domicil in Frankreich habe; was ſie nicht einmal haben kann, da ſie dem Stande ihres Mannes folat, und nach Franzoͤſiſchen Rechte niemand ein doppeltes Domicil haben kann. RIFFE-Cau- sRAv in den Pandecte frangaiſes T. II. p. 155. unterſcheidet noch zwiſchen réſidence und einer zufaͤlligen und augenblicklichen Anweſenhett. Im erſtern Falle beduͤrfe ſie der kaiſerlichen Erlaubniß nicht, wohl aber im letztern. Aber dieſer Unterſchied findet wohl nicht ſtatt, da réſidence ja einen ſolchen tempo⸗ rairen Aufenthalt bedeutet. 5) Die Weſtphalica uͤberſetzt die Werte pour devenir citoyen nicht, weil ſie zwiſchen Weſtphalen und Weſtphäliſchen Staatsbuͤrgern keinen Unterſchied macht. Mithin braucht der in fremden Militairdienſten geſtandene Weſtphale nur die Bedin⸗ ——ꝛ 7 — Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgerl. Rechte. 161 Bedingungen zu erfuͤllen, welche jeder Fremde erfuͤllen muß, um die Eigenſchaft eines Weſtphalen zu erlangen. S.§ 60. Not.. Nr. IV. 6) Hat der Franzoſe wirklich die Waffen gegen ſein Vaterland getragen, ſo beſtra⸗ fen ihn die Criminalgeſetze mit dem Tode; und nur vermittelſt einer Amneſtie kann derſelbe die Faͤhigkeit eines Franzoſen wieder erlangen. Gode penal 6. O8. 1701. P. II. tic. 1. Sect. 1. art. 3. Eine gleiche Sanction enthält das neue Projet de Code erimintel. Au. X. art. 79.„Tout Frangois qui aura porté les armes contre la France, ſera puni de mort. S§es biens feront confisquẽs.*— MarRvIIIE Analyſe ad art. 21. erklaͤrt den Satz: le tout ſans prcjudice des peiues&c. dahin, daß man dieſe Strafen in Hinſicht derjenigen habe beybehalten wollen, denen der Kaiſer die Ruͤckkehr nach Frank⸗ reich verſagen wuͤrde; die lerhaltene Erkaubniß zuruͤckzukehren waͤre im Gegen⸗ theil ein hiureichender Grund, um die Erlaſſung der Strafe daraus herleiten zu können— aber wohl etwas gezwungen. Prhard uͤberſetzt: alles mit Vor⸗ behalt der Strafen; Laſſaulx: alles den— verhängten Strafen unbeſchadet; Blanchard: alles mit Vorbehalt der Strafen; die Weſtphalica: dieß jedoch mit Vorbehalt der Strafen; die lateiniſche Ueberfetzung: poeualibus prae- terea ſervatis fanctionibus; Spielmann: Alles jedoch mit Vorbehalt der Strafen. 7) Was uͤberhaupt die Erklaͤrung des Artikels anlangt, ſo bemerken die Pandectes Frangai 26 T. II. p. 158, daß derſelbe vorausſetze: I. daß ein Franzoſe Kriegs⸗ dienſte im Auslande formlich uͤbernommen habe(prendroit du ſervice) und folglich nicht hierher gehoͤre, wenn er als Volontair einen Feldzug bey einer fremden Macht mitgemacht. 1I. Daß der Ausdruck corporation militaire, vorzugsweiſe den Orden von Malta betreffe, deſſen franzoͤſiſche Zunge ſupprimirt worden ſey, naͤchſtdem militairiſche Orden, nicht aber Verdienſtorden. Der Unterſchied, der in Dabelow Archiv St III. S. 217. darin geſucht wird, daß der Franzoſe, * der in keinen Kriegsdienſten im Auslande geſtanden habe, nur der Autoriſation zur Ruͤckkehr, derjenige hingegen der in Kriegsdienſten ſtand, der Erlaubniß zur Ruͤckkehr beduͤrfe, verſchwindet, da Autoriſation und Erlaubniß gleichbedeutend ſind. 5. 118. Wirkungen derſelben. Dieſe Wiedererlangung des Buͤrgerrechts hat aber keine ruͤckwirkende Kraft, und kann daher nie geltend gemacht werden, um Rechte in Anſpruch zu nehmen, welche dem Ruͤckkehrenden während ſeiner Abweſenheit eroffnet wurden ¹). 1) Schmid Einleit. Th. T. S. 448. Er kann daher, wenn nicht Staatsvertraͤge mit der Ration, bey der er naturaliſirt iſt, etwas anderes beſtimmen, keine in der Zwiſchenzeit ihm eroͤffnete, aber mit Ausſchließung ſeiner, von gleich nahen oder entfernteren Verwandten, oder vom Fiscus in Beſitz genommene Erbſchaft zuruͤckfordern, keine Theilung anfechten u. ſ. w. S⸗ art. 30. Spangenberg's Commentar Bd. I. X Zwey⸗ —— 162 Erſtes Buch. Erſter Titel. Zweyter Abſchnitt. . Von Beraubung der buͤrgerlichen Rechte durch gerichtliche Verurtheilung⸗ 6. IT9. 8 Begriff des buͤrgerlichen Tods. Der bürgerliche Tod iſt eine den Verluſt der buͤrgerlichen und anderer allgemeiner Rechte ¹), die ſich auf eine geſellſchaftliche Verfaſſung be⸗ zieben, nach ſich ziebende Ausſchließung aus dieſer Geſellſchaft. Der Art. a2. burgerliche Tod tritt ein: I. durch Verurtheilung zu ſolchen Strafen, deren Wirkung darin beſteht, daß ſie den Verurtheilten von aller Theil⸗ nahme an den buͤrgerlichen Rechten ausſchließen, z. B. ewige Landes⸗ Art. a3. verweiſung, Deportation ²) u. ſ. w. II. Durch Verurtheilung zur To⸗ desſtrafe, wenn der Verbrecher ihrer Vollſtreckung entgangen iſt 3). Art. 24. III. Durch Verurtheilung zu lebenslaͤnglichen 4) Leibesſtrafen, mit denen das Geſetz dieſe Wirkung verbunden hat. Z. B. lebenslaͤnglicher Galee⸗ renſtrafe. Groͤßtentheils, aber doch nicht uberall*), liegt dieſem Inſtitut die rechtliche Fiction zum Grunde, daß einer zu der Zeit, wo der burger⸗ liche Tod eintritt, phyſiſch verſtorben ſeyo. Bis zur Vollziebung des Urtheils hat jedoch der Verurtheilte noch alle Civilrechte eines Fran⸗ zoſen*). Außer dem wahren buͤrgerlichen Tod giebt es noch einen unvollkommnen(mors civilis imperfecta), wenn namlich dem Verur— theilten nur gewiſſe buͤrgerliche Rechte entzogen werden 7. 1) Der Ausdruck droits civils im 22ſten Artikel, begreift in ſich: J. dte droits civils im wahren Sinne dieſes Worts(F. 101.); I. einige der weltbuͤrgerlichen „ Rechte, welche dem Fremden zuſtehen, und die dem buͤrgerlich Todten genommen ſind(§. 107. not. T.); dieſes laͤßt ſich nur dadurch erklaͤren, daß der Geſetz⸗ geber von den wahren droits civils im eminenten Sinne ſprach. Schmid Einleit. Th. 1. S. 457.— S. uͤber den buͤrgerlichen Tod: MERIIN Repertoire. v. mort eivile. RIcREn traité de ja mort civile. Jovssg traité de ja juſtice criminelle en France. T. II. p. 85 ff. Schmid a. a. H. S. 449 bis 3 zu Ende. Dabelow Archiv. H. III. S. 218 ff. ZacRAnaß Handbuch.§. 61. LocRE Eſprit. T I. p. 368. bis Ende.— Uebrigens iſt zu bemerken, daß die Grundſätze des Code über den buͤrgerlichen Tod auf die Emigranten nicht ange wandt werden können, da dieſe nach den eigenen über ßie erlaſſenen Geſetzen zu beurtheilen ſind⸗ 2) Ueber 1 Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgerl. Rechte. 163 2) ueber die Rechte des Deportirten am Orte der Deportation wurde in der Dls⸗ cuſſion viel verhandelt, ohne eine Entſcheidung zu faſſen. Man ſetzte ſie bis auf die Discuſſion des Criminalgeſetzbuchs aus. Ebenfalls uͤber die Wirkungen des bürgerlichen Todes bey ihnen. MarEvILLE Analyſe ad art. 24. 3) Z. B. durch Tod, oder weil man ſeiner nicht habhaſt werden konnte. 4) Nur koͤnnen die Handlungen, die er während dieſer Zeit vorgenommen hatte, in ſo fern ongefochten werden, ob ſie zum Nachtheile der Erben gereichen⸗ Z. B. die Schenkungen die er gemacht hat. MarBvIII.F Analyſe ad art. 37. 5) Z. B. die Leibrente erloͤſcht nicht durch den buͤrgerlichen Tod. Code Napo- leon art. 1982. 6) Richt, zu voruͤbergehenden Leibesſtrafen. 7) Tronchet in d. Discuſſion bey LocRÿ g. a. O. 5 5. 120. Wirkungen deſſelben. Die Wirkungen des buͤrgerlichen Todes ſind in dem 25ſten Artikel aufgezaͤhlt, aber nur Beyſpielsweiſe*), ſo daß man als Regel aufſtellen kann, daß der buͤrgerlich Todte unfähig iſt, in alle und jede Rechtsverbalt⸗ niſſe ſowohl activ als paſſiv zu treten. Dieſem widerſpricht weder die Faſſung des 22ſten Artikels, worin es heißt: daß der buͤrgerliche Tod den Verurtheilten von aller Theilnahme an den unten angegebenen buͤr⸗ gerlichen Rechten ausſchließe, da dieſe ofſenbar enunciativ iſt, noch der Zzſte Artikel, da dieſer eine Ausnahme von der Regel enthaͤlt. Die Wir⸗ kungen des buͤrgerlichen Todes ſind doppelt: ſie erſtrecken ſich theils auf die buͤrgerlichen Rechte, theils auf die allgemeinen oder weltbuͤrgerlichen Rechte.(S. 107. not. 1. 1) Dieſes behaupten LocR Fſprit. T. I. p. 379. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 137. ZAcRHARILAE Handb.§. 10. 61. Auch ergiebt dieſe Anſicht ſich aus dem Projet du Code civil. I. I. c. 3.§. 2. F.3. art. 30. Ceux qui ont été condamnés à une— peine emportänt mort civile,[ont privés des avantages du droit civil proprement dit. Ainſi, par ewemple, leur contrat civil du mariage eſt diſſous&c. Deshalb wurde auch eine beſtimmtere Abs faſſung der Anfangsworte des 25ſten Artikels, die eine Specification der zu verlierenden Civilrechte angeben ſollte, verworfen, weil cette forme de redaction ourroit laiſſer des incertitudes, ou donner lieu à des omiſſions qui tour⸗ neroient à Pavantage du condamnẽ. Cambacéres.— qu'il stoit diffieile de faire une énumeration exacte des droits, dont la mort civile prive le condamné, et de wen omettre aucun. Portalis in d⸗ Discuſſion. Ebendaſ. (Conjorence. T. I. p. 101.) E 2 6. 121. —— Erſtes Buch. Erſter Titel. § 121 I. In Hinſicht der weltbuͤrgerlichen Rechte. ttt. 23. In dieſer Hinſicht wird I. das Eigenthum bey ihm rechtlich nicht anerkannt. Dieſes ſoll vielmehr an ſeine Erben eben ſo in dem Augen⸗ blicke des Eintritts des buͤrgerlichen Todes fallen, als es durch den natuͤr⸗ lichen Tod an ſie fallen wuͤrde. Doch behaͤlt der buͤrgerlich Todte noch ſo lange den Beſitz ſeines Vermögens, als ſich die Erben nicht melden ¹). II. Auch ſein Recht auf Unbeſcholtenheit wird nicht anerkannt. Er kann weder Zeuge bey irgend einer feyerlichen oder in glaubhafter Form vor⸗ zunehmenden Handlung ſeyn, noch zur Ablegung eines Zeugniſſes vor Gericht zugelaſſen werden ²). Il. Er kann weder als Klaͤger noch als Beklagter ver Gericht erſcheinen, als unter dem Nahmen und unter Ver⸗ tretung eines beſondern Curators, den ihm das Gericht, bey welchem die Klage angebracht iſt, zuordnet ²). IV. Er verliert das Recht Familien⸗ loſen ſich durch den buͤrgerlichen Tod auf 4). Mithin iſt er unfaͤhig eine Heirath einzugeben, welche buͤrgerliche Wirkungen haͤtte), die Heirath welche er vorher eingegangen hat, iſt in Ruͤckſicht aller ihrer buͤrgerlichen Wirkungen aufgeloͤßt ⁵), und ſein Ehegatte kann fuͤr ſeinen Antheil die Rechte ausuͤben und die Klagen anſtellen, welche ihm zuſtehen wuͤrden, wenn der buͤrgerlich Todte den phyſiſchen Tod erlitten haben wuͤrde 7). 6 1) Dabelow Archiv. H. III. S. 220.— Sonſt wurde ſein Vermsgen confiſcirt. JovssE c. F. I. p. 99.— Auch die Leibrente verliert er, die er auf den Fall ſemes natuͤrtichen Todes erhielt, doch bezieht er ſie ſeit ſeinem buͤrgerlichen Tode nicht, ſondern ſeine Erben bis an ſeinen natuͤrlichen Tod. MarRvILILE Ana⸗ lyſe ad art. 25. S. F. 119. not. 5. 2) Weder im Crtminal- noch im Civiproceſſe. Ueber die Frage, ob der buͤrgerlich Todte, welcher im Gefaͤngniſſe Angenzeuge eines Verbrechens war, ſo daß man 5 keinen andern Zeugen haben konnte— als Zeuge guͤltig ſey, hat auch der Code dinſruction criminelle nichts beſtimmt. So viel ſcheint richtig, daß in dieſem und ähnlichen Fallen ſeine Ausſage eine Nachricht für den Richter abgeben kann, ob ſie gleich nicht als Beweismittel zu gebrauchen iſt. Dabelow Yrchiv a. a. O. S. 224, den keinesweges Laſſaulx Tadel in der Geſetzgeb. Nap. —— eomment. Th. 1. S. 141. trifft, da letzterer erſterem eine andre Meynung unter⸗ legt. Schmid Einlett. Th. 1. S. 466.— Auch als glaubhafter Zeuge bey Privaturkunden iſt er zu verwerfen, da ihm die Glaubwuͤrdigkeit fehlt. Die Wirkung des buͤrgerlichen Todes erſtreckt ſich auch in ſo fern außer Frankreich, daß ein nach den Geſetzen eines fremden Landes guͤltiges Teſtament, wobey aber ein in Frankreich mit dem buͤrgerlichen Tode behafteter als Zeuge zugezogen war, in Frankreich aus dieſem Grunde angefochten werden kann. Ausgenommen, wenn er verbindungen einzugehen, und diejenigen, die er fruͤher eingegangen hat, 1 — 3) Waͤhrend der fuͤnfjährigen Gnadenfriſt bey der 5 Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgerl. Rechte. 163 er an dem Orte, wo er zum Zeugen gebraucht wurde, die rechtliche Fähigkeie dazu erlangt hatte, weil er durch den buͤrgerlichen Tod aufhoͤrte Franzoſe zu ſrun, und Bürger des Orts wurde, der ihn aufnahm. S. Schmid a. a. H. S1REv Jurisprudence de ja Cour de Caſſation. an. XIII. p. I40. Dieſelben Grundſaßze Kellt in Hinſicht der Emigranten der Caſſationshof auf. S1REN g. a. D. an. XIV. P. 129. Verurthetlung zum buͤrgerlichen Tode in contumaeiam, von der wir unten ſprechen werden, werden die Guͤter des Verurtheilten eben ſo verwaltet, und ihre Rechte eben ſo ausgeuͤbt, als die der Abweſenden. Code ponal, 6. Octobr. 1791. p. I. tit. q. art. 2. Mithin ſorgt: I. vor der proviſortſchen Einweiſung in die Guͤter das Tribunal auf An⸗ rufen der Intereſſenten, d.i. der Verwandten oder des katſerlichen Procurstors für die Bewahrung ihres Intereſſes, wenn eine Klage zu erheben iſt. Es ernennt alſo einen Curator, der wie jeder andere Verwalter, entweder dem Contumax, wenn dieſer ſich ſtellt, oder ſeinen Erben, wenn er den buͤrgerlichen Tod leidet, Rechnung ablegen muß. 11. Nach der proviſortſchen Einweiſung werden die Eingewieſenen die Verwalter des Vermoͤgens des Contumax, und müſſen ſeine Rechte vertreten, alſo die Klagen, die der Contumax haben konnte, ausfuͤhren, oder ihn, wenn dergleichen gegen ihn erhoben werden, vertheidigen. Steltt ſich der Lontumax währynd dieſer fuͤnf Jahre, oder wird er aufgegriffen oder verhaftet, ſo kann er ſeine Rechte wieder ausuͤben, und dann hoͤrt die Verwaltung des Curators oder der Eingewiefenen auf.— War hingegen der Verurtheilte wirklich ſür buͤrgerlich todt erklärt, ſo kann er nur durch den Specialcurator klagen Ein Klagrecht iſt fuͤr ihn dann moͤglich: I. Wenn die Klage aus einem der allgemeinen Menſchenrechte entſpringt, welches ihm nicht entzogen iſt, z. B. wenn er Alimente ſordert. II. Wenn er auf die Heraus⸗ gabe ihm geſchenkter oder vermachtet Alimente klagen will. III. Wenm er ſich wegen ſeiner Contumaz reinigen will. IV. Wenn er vermoͤge des 33ſten Arti⸗ kels Eigenthum erwirbt, und in dieſer Hinſicht klagen muß. PIGEAU Procedure devant les tribunaux de Franee. F. I. p. 73— 75. Dieſer Curator kann nicht vom Familtenrathe ernannt werden, da der buͤrgerliche Tod alle Banden des Verurtheilten mit ſeiner Familie zerriß, und er im buͤrgerlichen Sinne nieman⸗ des Angehoͤriger iſt;(nur in natüͤrlichen Verhaͤltniſſen lebt er mit feiner Famtlie, und auf dieſe nimmt das Geſetz nicht Ruͤckſicht;)— fondern er muß durch das Gericht beſtimmt werden. Er bedarf dieſes Curators, wie Dabelow a. a O. S. 226. ſehr richtig bemerkt, nicht bey dem Antrage bey Gerichte um Beſtellung eines Specialcurators, denn dieſes kann er in ſeinem eigenen Nahmen etnreichen; und dann kann er immer perſoͤnlich doch vor Gericht erſcheinen, da nur der Proceß nicht in ſeinem eignen Nahmen geführt werden darf. In ſo fern alſo Fälle vorkommen, wo ſein perſoͤnliches Erſcheinen beym Proceß unumgänglich nothwendig iſt, iſt daſſelbe keinem Bedenken unterworfen.— Der Antrag um Beſiellung eines Curators muß in dinalichen Sachen vor dem Richter des be⸗ legenen Grundſtuͤcks geſchehen, in verſoͤnlichen und gemiſchten Sachen vor dem Richter des Klägers, da der buͤrgerlich Todte zugleich mit den buͤrgerlichen Rechten auch den Ort, wo er ſie ausüben durfte, das Domicil verloren hat. Paudectes frunalſev. T. II. p. 191. 2 3 4) Er —— —— 166 Erſtes Buch. Erſter Titel. 4) Er kann alſo nicht mehr Mitglied des Familienraths ſehn, u. ſ. w. 5) Will die Frau das Schickſal ihres ungluͤcklichen Mannes theilen, ſo behandelt ſie mithin das Geſetz wie eine Concubine, und die nachher erzeugten Kinder wie unehliche. LockRß Eſprit. T. I. p. 402. Daß, da in dieſem Falle zwar die buͤrgerlichen Wirkungen der Ehe wegfielen, aber nicht das Band der Ehe, wenn ſie unter kirchlichen Ceremonien abgeſchloſſen ſey, eine ſolche Ehe mithin einem matriimonio praeſumto gleichgeſtellt werden muͤſſe, wie in Dabelow Archtv. a. a. O. S. 227. behauptet wird, iſt, ſammt den daraus gezogenen Folgerungen gegen den Geiſt des Geſotzbuchs und des Franzoͤſiſchen Rechts. S. Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. comment. Th. 1. S. 142. Nur dann wuͤrde ein matrimonium prae- ſumtum vorhanden ſehn, wenn die Perſon, welche ſich mit einem buͤrgerlich Todten ehelich verband, nicht wußte, daß ihr Ehegatte buͤrgerlich todt war. PorRIBR traité du contrat de mariage. Part. V. ch. 2. Nr. 436. Joussg 1. C. P. 37 6) Der andere Ehegatte kann zu einer zweyten Ehe ſchreiten. LocnRE Eſprit. T. I. p. 400.— Merkwuͤrdig iſt, was Wapoleon gegen dieſes Syſtem ſagte. Conförence. T. I. p. 87. 7) Doch kann immer ausgemacht werden z. B. durch Ehevertraͤge, daß der andre Ehegatte im Fali des buͤrgerlichen Todes von den Vortheilen ausgeſchloſſen werde, welche ihm im Fall des natuͤrlichen Todes eingeraͤumt find. In dteſetn Fall ver⸗ bleiben die Vortheile, welche dem Ehegatten des burgerlich Todten auf den Fall des natuͤrlichen Todes ſtipulirt worden ſind, bis zum Eintrtitt deſſelben in den Haͤnden des Erben. Dieſer muß jedoch wegen der dereinſtigen Reſtitution der⸗ ſelben Caution machen. Doch bleiben ihm die waͤhrend dieſer Zeit percipirten II. In Hinſicht der buͤrgerlichen Rechte. Er verliert in dieſer Hinſicht; I. die active und paſſive Erbfaͤhigkeit, d. h. er kann von nun an weder ſelbſt erben ¹), noch das Vermoͤgen, welches er waͤhrend dem buͤrgerlichen Tode erworben hat, durch Erbrecht auf andere uͤbertragen. II. Er kann auch nach ſeiner Verurtheilung weder durch Schenkung und Teſtament uͤber ſein Vermögen ganz oder zum Theil verfuͤgen, noch durch dieſe Rechtsverhaͤltniſſe etwas erwerben, ausgenommen, wenn es zur Erhaltung ſeiner Exiſtenz gegeben iſt. IV. Er kann weder zum Vormunde ernannt werden, noch zu den Verrichtyngen mitwirken, die ſich auf die Vormundſchaft bezieben, da er uͤberdieß auch nicht Mitglied des Familienraths ſeyn kann. IV. Er kann unter den Formen der poſitiven Geſetzgebung weder contrahiren noch eine Verbind⸗ lichkeit ſtipuliren ²). 6 1) Nach 1 Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgerl. Rechte. 167 1) Nach der Anſicht der Franzoſen iſt die geſetzliche Erbfolge die einzige wahre; nur die Inteſtaterben erben, die Teſtamenterben werden beſhenkt. Nur von dem erſten iſt der oben ausgefuͤhrte Satz zu verſtehen. 2) Dieſes folgert hoͤchſt conſequent P'Or1viEn Obſervations ſur je Code civil 1Io. LocRE Eſprit. T. I. p. 386. behauptet dagegen, daß dem buͤrgerlich Todten das Recht bleibe, kleine Schenkungen, die gleich conſumirt werden(dona manualia) zu machen. Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. Th. I. S. 140. dehnt dieſe Befuͤgniß des buͤrgerlich Todten auf alle aus dem Naturrecht fließende Hand⸗ lungen aus, die ohne die Form der poſitiven Geſetzgebung nicht zur Vollkom⸗ menheit gelangen können. Dabelow's Archiv. St. II. S. 222 ff. geht offen⸗ bar zu weit, denn wo wuͤrde hier die Graͤnze zwiſchen den dem burgerlich Todten erlaubten und nicht erlaubten Handlungen ſeyn?— Glivier's conſequente Meynung iſt immer als die richtigere anzunehmen. Schmid Einleit. Th. 1⸗ S. 463. folgt LockE. Daraus, daß dem buͤrgerlich Todten die Rechte, welche aus dem Vernunftrechte fließen, eingeräumt ſind, hat man wohl nicht ganz richtig gefolgert, daß ihm alle Handlungen erlaubt ſeyen, welche in dem imnginairen Naturrechte ihren Urſprung nehmen. Demn die Rechte, welche ihm nach dem Naturrechte eingeraumt ſind, konnen nur die ſeyn, welche dem Menſchen überhaupt als Weltbuͤrger zuſtehen. Sehr richtig ſagte daher das Appellatlonsgericht zu Agen:„Le condamne eſt mort pout la ſociété. La loi ne doit Hui conſerver, que la ſimple eæxiſtance. Hors de la il ne peut plus lui étre permis, de jetter ſes régards fſur la ſocicté.“ Dieſes Syſtem bewahrt ſich auch im Code, denn gerade der 25ſte Artikel: fi ce n'eſt pour caufe d'alimens, und der 33ſte Artiket weiſen einzig auf das Recht der Exiſtenz und ſie zu erhalten zuruͤck. Obſervations de tribunauæ. P. I. Agen. p. 4. Deshalb iſt auch der art. 37. L. I. tit. I. des Projet unterdruͤckt, welcher ebenfalls die Rechte des buͤrgerlich Todten auf das droit naturel und des gens deutend ſie zu weit ausdehnte. Auch die Verjährung muß dem buͤrgerlich Todten in ſo fern zu ſtatten kommen, als durch ſie Rechte, ohne Ruͤckſicht auf den Beſitzer derſelben, zernichtet werden⸗ S. auch Dabelow Archiv. St. HI. S. 262 ff. Auf eine adquiſitive Verjaͤhrung kann er ſich dagegen nicht berufen, da er hierdurch Rechte in der buͤrgerlichen Geſellſchaft erhalten wuͤrde, die ihm nicht mehr zuſtehen⸗ 5. 123. Welche Rechte dem buͤrgerlich Tobten bleiben? Die Welthuͤrgerlichen Rechte, welche dagegen dem buͤrgerlich Todten verbleiben, redueiren ſich alle auf das Recht auf Exiſtenz, mithin auch auf die Mittel dieſelbe zu erhalten ¹). Hieraus folgt: 1) man kann dem bürgerlich Todten Alimente ſowohl durch Schenkung als Teſtament geben(S. 121. II.); 2) er kann forthin durch Arbeit und Induſtrie erwer⸗ ben; 3) er bleibt im Beſitze dieſes Erworbenen bis an ſeinen Tod 2); 4) ge⸗ —— 1668 Erſtes Buch. Erſter Titel. 4 gegen perſonliche Beleidigungen kann er den Schutz der Gerichte an⸗ rufen, da ihm das Recht der Selbſthuͤlfe entzogen iſt 3). 1) Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. comment. Th. 1. S. 140. Locnf Eſprit. T.. P. 385. e 2) Code Napoldon art. 33. Regnaud(de St. Jean d'Angely) in der Dis⸗ cuſſion bey LocRE a. g. 3) Regnaud, Tronchet Ebendoſ. Ob er eine Injurienklage anſtellen könne, wie das Projet L. 1. tit I. art 31. ſagt, iſt wohl ſehr zu bezweifeln, deyn ſie iſt eine Klage auf Entztehung der buͤrgerlichen Ehre; wie kann aber jemand wegen Entziehung derſelben klagen, dem ſie ſchon laͤngſt durch das Geſetz ent⸗ zogen iſt? Eintritt des buͤrgerlichen Todes. Die Strafe des buͤrgerlichen Todes tritt nicht mit der Verurtheilung, ſondern mit der Vollſtreckung des Urtheils ein. Hieraus folgt: 1. die Anklage und Verurtheilung bringen noch keine Veraͤnderung in ſeiner Eigenſchaft als Franzoſe hervor. Stirbt er folglich vor der Vollſtreckung des Urtheils, ſo ſtirbt er in dem vollen Beſitze ſeiner buͤrgerlichen Rechte; die Vollſtreckung mag durch die Einwendung der Caſſation gegen das Urtheil oder aus einer andern Urſache aufgehalten ſeyn ¹). 1I. Die Geſchäfte unter den Lebendigen, welche ein Verurtheilter vor der wirk⸗ lichen Vollſtreckung vornimmt, ſind guͤltig; doch können ſie immer ver⸗ nichtet werden, wenn ſie um dritter Perſonen Anſpruͤche betruͤglicher Weiſe zu vereiteln, eingegangen ſind ²). Das von ihm gemachte Teſtament iſt gultig, wenn er vor der Execution, gleichviel auf welche Weiſe 4), ſtirbt; ungültig, wenn die Execution ſtatt findet, weil dann die Inteſtaterbfolge eintritt.— Der Tod befreyt jedoch den Verurtheilten nur von der öffent⸗ lichen Strafe; ſeine Erben muͤſſen aber den Schadenserſatz leiſten, wozu er verdammt war; und als ſolcher werden die Koſten des Verfabrens angeſehen, die der Verurtheilte zu bezablen ſchuldig erkannt war 1) Die Pandectes fraugalſes a. a. O. wollen den nach den verdammenden urtheil erfolgten Tod annehmen, als ſeyen die Falgen deſſelben, dieſelben, als wenn das Urtheil executirt ware, aber, da doch gegen ein verdammendes Urtheil noch Caſſation nachgeſucht werden kann, und uͤberhaupt das Geſetz nur an die wirk⸗ liche Vollſtreckung die Wirkungen des buͤrgerlichen Todes knuͤpft, irrig. 2) Tronchet, Maleville in der Discuſſion bey LocRt a. g. O. Dabelow Archiv. St. III. S. 237. ſtellt als Princip auf, daß zwar mit der rtheils Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgerl. Rechte. 169 urtheils zwar die Wirkungen des buͤrgerlichen Todes erſt vollſtändig eintreten, daß aber deſſenohngeachtet der Angeklagte nach der bloßen Publication deſſelben uͤber ſein Vermoͤgen nicht disponiren koͤnne, da die intereſſirten Perſonen durch dieſelbe ein jus quaeſitum darauf erhalten haͤtten. Allein das Geſetz ſpricht zu 1 klar, daß nur durch die Vollſtreckung dieſe Wirkungen eintreten ſollen, und dann moͤchte ſich ein ſolches jus quaeſitum wohl nicht fruͤher, als dieſe eintritt, be⸗ hanpten laſſen. Fuͤr Dabelow iſt BousquBT Explication du Code civil. T. I. p. 220. Gegen ihn Le Pandectes frangaiſes a. a. O. Locki a. a. O. Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. Th. 1. S. 144. Schmid Einleit. Th. I. S. 475. 3) Selbſt wenn er ſich durch Selbſtmord im Gefaͤngniſſe, der Strafe entzog. Tronchet, Portalis in der Discuſſion.(Conférence. T. I. p. 136.) Erſterer bemerkte ſehr richtig, que le ſuicide d'un condamne peut porter préjudice à ſes héritiers(Inteſtaterben) en validant ſon teſtament. 4) Avis du Conſeil dEtat in Jurisprudenee. T. V. S. 327 ff. 5 12. I. Bey contradictoriſchen Urtheilen. Die Verurtheilungen nach vorgängiger Vertheidigung des Angeklag⸗ Art. a6. ten ziehen den buͤrgerlichen Tod von dem Tage an nach ſich, da ſie ent— weder wirklich an ſeiner Perſon oder an ſeinem Bildniſſe ¹) vollſtreckt ſind.“ 2) Solche Verurtheilungen heißen contradictoriſche, weil der Angeklagte gegenwaͤrtig iſt, und ihm kein Vertheidigungsmittel entzogen wird, was bey den Contumacialurtheilen der Fall iſt, wo immer gegen ihn geſprochen werden muß. Contradictoriſche Urtheile konnten daber nur allein den buͤrgerlichen Tod ohne Aufſchub und unwiderruflich zur . Folge baben, Contumacialurtheile nicht. ¹1) 3Z. B. wenn der Verurtheilte zwar gehoͤrt, aber nach dem Urtheile eniwichen iſt. 2) Wer alſo durch den buͤrgerlichen Tod eines andern gewinnen will, muß den⸗ ſelben beweiſen. In der Regel geſchieht dieſes durch das Protocoll, das uͤber die Vollſtreckung abgehalten iſt; doch kann dieſer Beweis auch auf andere Art gefuͤhrt werden. Ein merkwuͤrdiges Beyſpiel enthält davon der Ausſpruch des Caſſationshofs in der beruͤchtigten Sache des Divernois bey MarEvIILIB ad art. 26. 5. 136. II. Bey Contumacialurtheilen. 3 Die Verurtheilungen bingegen wegen ungeborſamen Nichterſchei⸗Art. 27. nens zieben den buͤrgerlichen Tod erſt nach dem Ablaufe, der auf die Spangenberg's Commentar Bd. I. bild⸗ ———— Erſtes Buch. Erſter Titel. bildliche Vollſtreckung des Urtheils folgenden fuͤnf Jahre ¹) nach ſich; weil es immer möglich ſeyn kann, daß die Abweſenheit des Angeklagten rechtliche Entſchuldigungsgruͤnde hat, und ihm eine Gnadenfriſt erlaubt ſeyn muß, um dieſelben gehorig auszufuͤhren, und ſich dieſerhalb ſtellen zu koͤnnen. Bis er ſich jedoch ſtellt oder aufgegriffen wird, ſchließt ihn das Geſetz von der Ausuͤbung der buͤrgerlichen Rechte aus, und verbaͤngt eine Sequeſtration ſeines Vermögens auf eben die Art wie bey den Ab⸗ Urt. 2s. weſenden. Mithin I. verliert er nicht die Ausuͤbung der buͤrgerlichen Rechte, ſondern er kann nur dieſelbe nicht perſönlich vornehmen ²); ſeine Verwandten uͤben ſie in ſeiner Stelle aus, gerade wie dieſes bey den Abweſenden der Fall iſt 3). Alle Vertraͤge und andere Geſchaͤfte, welche dieſelben in ſeinen Nahmen abſchließen, ſind guͤltig; alle uͤbrigen buͤrger⸗ lichen Rechte, die er nur in Perſon ausuͤben konnte, ſind dagegen ſuſpen⸗ dirt; z. B. vaͤterliche Gewalt, eheliche Gewalt ²), obgleich die ſchon beſtehende Ehe in ihren Wirkungen fortdauert, und die waͤhrend dieſer Zeit erzeugten Kinder ehelich ſind. 1I. Alle Erbſchaften und Vortheile, welche ihm anfallen, erwirbt er durch die Adminiſtration ſeiner Verwandten, obgleich er, ſo lange dieſelbe dauert, keinen Genuß davon hat. Uebrigens ſind hier die naͤmlichen Regeln anzuwenden, die wir unten bey den Ab⸗ weſenden werden kennen lernen. III. Rach Ablauf der Gnadenfriſt ver⸗ liert er alle buͤrgerlichen Rechte gaͤnzlich, ſeine Erbſchaft faͤllt ſeinen Verwandten zu, ſeine Ehe wird aufgelößt, ſeine nach der Gnadenzeit erzeugten Kinder*) ſind unrechtmaͤßig. 1) Hierdurch iſt dem art. 48 1. des Code der delit et der peines vom 3. Bru⸗ maire 1V. derogirt. S. Joussß ſur l'ordonn. eriminelle p. 375. BExOM Developpement de la théorie des lois criminelles. I. p. 55.— Wie bey dieſen Verurtheilungen zu verfahren iſt, glebt der Code d'inſtruction eriminelle art. 465— 478. an. Dieſer fordert, daß zehn Tage nach der zweyten Ladung „ cijede ebenfalls zu zehn Tagen gerechnet) das Contumacialurthetl erlaſſen werde, daß nur dann die Contumaz von ſeinen Verwandten oder Freunden entſchuldigt, und die Folgen des Ungehorſams ſiſtirt werden koͤnnen, wenn er außerhalb dem europaͤlſchen Territorium Frankreichs ſich befindet, und daß, wenn er ſich geſtellt hat, er doch immer die Koſten des Contumacialverfahrens tragen muß. 2) So lößt ſich der ſcheinbare Widerſpruch zwiſchen den 27ſten und 28ſten Artikel. MarEvIILILRB Analyſe ad art. 28. TLes Pandecter frangaiſes. T. II. p. 213. 3) Vergl. Codo d'in ſtruction eriminelle art. 471. Die Verwandten muſſen dagegen ſeine Frau, Kinder oder Eltern, nach der Beſtimmung, die der Praͤ⸗ fect deshalb macht, unterſtutzen. Ibid, art. 475. Auch kann der Beſchaͤdigte auf Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgeri. Rechte. 171 auf Schadenserſatz dringen, ohne deshalb in der Regel Caution zu ſtellen. MaEvIILILB a, a. O. Pandectes frangaſæ. T. II. p. 231 ff. Schmid Einleit. Th. 1. S. 47s8. Dabelow Archiv. St. III. S. 243. S. auch LocRE Eſprit. T. I p. 421.— Hat er jedoch ein Teſtament gemacht oder eine Che eingegangen, ſo kann dieſe ngch dem Inhalt des zoſten und 31ſten Artikels, welche auf die ganze Interdietionszeit ruͤckwirkende Kraft haben, guͤltig werden; ob ſie es gleich waͤhrend dieſer nicht ſind⸗ 5) Nicht aber die vor dern Ablauf derſelben erzeugten, nach demſelben aber ge⸗ bohrnen; denn um den ſtatus des Kindes zu beurtheilen, ſieht der Code auf die Zeit der Conception, nicht der Geburt. CRAnor Commentaire fur la loi du 19. Germinal. KI. T. I. p. 232⸗ 5. 127. Fortſetzung⸗ Der Ungehorſame entgebt alſo der Strafe des burgerlichen Todes; Art. 25. I. Wenn er ſich binnen der Gnadenfriſt, die von dem Tage der Voll⸗ ſtreckung des Urtheils ¹) angerechnet wird, freywillig ſtellt, oder ergriffen und in Verhaft genommen wird, denn von dieſem Augenblicke des frey⸗ willigen oder gezwungenen Seinen wird das Contumacialurtheil kraft des Geſetzes vernichtet; er tritt wieder in den Zuſtand zuruͤck, in welchem er ſich vor der Verurtheilung befand; er wird in den Beſitz ſeines Ver⸗ mogens wieder eingeſetzt, und aufs neue gerichtet. Wird er in dieſem Falle zu einer Strafe verurtheilt, welche den buͤrgerlichen Tod nach ſich zieht, ſo finden die Wirkungen deſſelben doch nur von dem Tage an ſtatt, an welchem dieſes zweyte Urtheil vollſtreckt wurde. Wird er dagegen durch das zweyte Erkenntniß losgeſprochen, oder zu einer Strafe verurtheilt, die den buͤrgerlichen Tod nicht nach ſich zieht, ſo tritt er in den vollen Genuß ſeiner buͤrgerlichen Rechte wieder ſo ein, als ſey er gar nicht ungehorſam geweſen. Stellt er ſich aber gezwungen oder freywillig, nach Art. 30. S Ablauf der fuͤnf Gnadeſfahre 2), ſo ſoll er zwar, wenn er abſolvirt, oder nicht mit dem buͤrgerlichen Tode beſtraft wird, fuͤr die Zukunft, und zwar von dem Tage an, an welchem er wieder vor Gericht erſchienen iſt, in den vollen Genuß ſeiner buͤrgerlichen Rechte wieder eintreten; jedoch nicht fuͤr die Zwiſchenzeit, die nach dem Ablauf der fuͤnf Jahre bis zum Tage ſeiner Erſcheinung vor Gerichte verſtrichen iſt 3). Hieraus folgt: r. daß ſein Vermogen, welches dem 25ſten Artikel zu Folge den ſich meldenden Inteſtaterben ausgeliefert iſt, unwiderruflich verloren bleibt; 2, daß ebenfalls die in der Zwiſchenzeit angefallenen Erbſchaften Y 2 alls * ——— 7 erſes Buch. Erſter Tite. falls verloren ſind; 3) daß die in dieſer Zwiſchenzeit erzeugten Kinder unehelich ſind; 4) daß ſeine Ehe aufgeloͤßt iſt. Doch kann er eine neue Ehe mit ſeinem vorigen Ehegatten eingehen, in ſo fern ſich dieſer nicht weiter verheirathet hat, und dadurch ſeine in der Zwiſchenzeit mit ihm erzeugten Kinder legitimiren. Dieſelben Grundſaͤtze treten ein, wenn der buͤrgerlich Todte von dem Kaiſer begnadigt wurde, denn nie wuͤrde Art. 31. dieſe Begnadigung ruͤckwirkende Kraft haben 4). II. Wenn er waͤh⸗ rend der Gnadenzeit ohne ſich freywillig oder gezwungen geſtellt zu haben, ſtirbt, ſo nimmt man an, als ſey er im vollen Genuſſe ſeiner buͤrgerlichen Rechte geſtorben, und das Contumacialurtheil iſt kraft des Geſetzes zer⸗ nichtet. Doch kann der durch die Handlung des Verſtorhenen beſchaͤdigte Theil die Schadloshaltung von den Erben deſſelben im Wege einer Civil⸗ klage verlangen; denn da der peinliche Gerichtshof beylaͤufig uͤber dieſelbe in dem Contumacialurtheil erkennen mußte, dieſes aber in Richts zerfallen iſt, ſo bleibt ihm kein anderer Weg als dieſer uͤbrig 5). 1) Näͤmlich den folgenden Tag nach dem Urtheil. Ler Pandectes frangalſer. T. II. p. 232. ſagen: Obſervez que les cinq annses accordees au contumax pour ſe répréſenter, ne courent qu'à compter du jour de l'exécution du jugement de còntumace excluſivement. C'eſt à dire, qu'elles ne commencent à courir que le lendemain de ce jour, ſuivant la maxime que dies termini non computatur in termino; et que le dernier jour de la cinquiẽme annse, en comptant de cette maniére, eſt encore un jour utile. Ainſi par exemple, ſi un jugement par contumace a été exceuté le premier Frimaire an KII, les cinq anuées de grace ne commencent à courir que le 2 et ſi le con- damné meurt le 2. Frimaire an 17, il meurt integri Katus, car il elt décedé dans les einq ans. 2) Er kann es aber binnen der Verjaͤhrungszeit der Strafe. Tronchet in der Discuſſion.(Conforence. T. I. p. 139.) 3) Vergl. Code dinſtruction criminelle art. 476. 5. 2. 4) Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. comment. Th. 1. S. 149. 3) Cambacéres in der Discuſſion.(Conférenee. T. I. p. 162.) 16 Fortſetzung. Art. 32. In keinem Falle ſetzt⸗die Verjaͤhrung der Strafe ¹) den Verurtheil⸗ ten fuͤr die Zukunft in ſeine buͤrgerlichen Rechte wieder ein. Hieraus folgt; I. wenn auch die Strafe verjaͤhrt iſt, welche den buͤrgerlichen Tod nach Von dem Genuſſe und der Beraubung der buͤrgerl. Rechte. 173 nach ſich zieht, ſo dauert dennoch der buͤrgerliche Tod immer fort. II. Nach der Verjaͤhrung der Strafe wird der buͤrgerlich Todte mit ſeiner Recht⸗ fertigung nicht mehr gehoͤrt, ſollte er auch erſcheinen. 1) Dieſes geſchieht nach 20 Jahren von dem Tage des Urtheils angerechnet. Code dinſtruction criminelle art. 635⸗ F. 1a9. Fortſetzung. Da der buͤrgerlich Todte*) immer noch in gewiſſer Ruͤckſicht waͤh⸗ Art. 33. rend des Zuſtandes des buͤrgerlichen Todes erwerben kann G. 123), ſo kann er bey ſeinem naturlichen Tode Vermoͤgen hinterlaſſen. Alles dieſes fällt aber dem Staate als erbloſes Gut anheim ²). Doch bleibt es dem Kaiſer uͤberlaſſen, zum Vortheile der Witwe, der Kinder oder Verwandten des Verurtheilten, bieruͤber ſolche Verfuͤgungen zu treffen, die ihm die Menſchlichkeit eingiebt 3). 1) LocRü Eſprit. T. I. p. 455. 2) Code Wapoléon art. 113. 3) Dieſe Beſtimmung gehoͤrt eigentlich dem Staatsrathe anheim, da das Ver⸗ mögen durch den Tod des buͤrgerlich Todten Staatseigenthum geworden iſt, und dem Kaiſer nur hier ein allaemeines Diſpoſitionsrecht uͤber dieſe Art deſſelben ertheilt wird. D'Or1vIER Obſervations ſur le Code civil. p. 110. — * 4 ——— Erſtes Buch. Zweyter Titel. Zweyter Titel Von den Urkunden des Civilſtandes. §. 130. Vegriff. ie urkunden des Civilſtandes ¹) enthalten eine Beſcheinigung uͤber die Hauptepochen und Hauptveränderungen im Leben einer phyſiſchen Per⸗ ſon, die ibren Perſonenſtand und die davon abhaͤngenden Rechtsverhaͤlt⸗ niſſe betreffen. Die wichtigſten ſind diejenigen⸗ welche ſich auf die Geburt, Ehe und den Tod beziehen; andere beziehen ſich auf Anerkennung eines nnehlichen Kindes, Adoption, Aufgebot, Einſpruch und Eheſcheidung. Sie werden von eigenen Beamten gefuͤhrt, deren Geſchäft aber in Frank⸗ reich mit dem Amte eines Maire ²), in Weſtphalen proviſoriſch mit dem eines Pfarrers verknuͤpft iſt ²), und die deshalb Beamte des Civil⸗. ſtandes heißen. Nur die Ausmittelung des Perſonenſtandes in Beziehung auf die bürgerlichen Rechtsverhältniſſe iſt ihr Zweck; es iſt den Buͤrgern aber unbenommen 4), eben dieſe Hand⸗ lungen und Epochen durch religiöſe Ceremonien, z. B. der Taufe, der Einſeegnung, letzten Helung, u. ſ. w. bekraͤftigen, und daruͤber ſo genannte Kirchenbuͤcher fuͤhren zu laſſen, nie koͤnnen aber die letztern die buͤrger⸗ lichen Civilſtandsregiſter ergänzen*), eben ſo wenig wie in den Civil⸗ ſtandsregiſtern Erwähnung der religiöſen Ceremonien geſcheben darf, die lediglich fuͤr die Kirchenregiſter geboͤrt 6). 1) ueber den Ausbruck actes de l'etat civil ſ. Jenaiſche A. L. Z. 1808. Nr. 282. S. 484. ueber die Sache ſelbſt ſ. vorzuͤglich FrEuRIGEon Code adminiſtratif. Tom. II. Part. I. p. 105— 194. von Dalwigk Etwas uͤber die actes de l'état civil in Winkopp Rheinbund. Heft 21. Nr. 26. Dabelow Archiv fuͤr den Code Napoleon. St. 4. 5. 2) Loi d 20. Seytembre 1792. Iſt der Maire verhindert, oder die Communi⸗ cation mit dem Wohnort deſſelben unmoͤglich, ſo fuͤhrt der Maire⸗ Adjoint die⸗ ſelben. Lol du 1. Florsal. X. bey Fr.EuRIGEon a. a. O. S. 106. 107.— Ueber ihre Geſchäfte ſ. CRaRVILL.A Guide de l'officier de T'état civil. Paris. 3) Von den Urkunden des Eivilſtandes. 175 pParis. 1806. 12.— Leber die Art der Aufnahme die Urkunden des Perſonen⸗ ſtandes der kaiſerlichen Familie ſ. das Statut de famille. tit. 3. bey SAA1.FELD recueil. T. I. p. 402 ff. Das königliche Decret vom 22. Januar 1808.(Geſetzbuͤlletin 1808. XlI.) uͤberträgt den Predigern des Koͤnigreichs Weſtphalen das Amt eines officier de etat civil, in Ruͤckſicht ſaͤmmtlicher Unterthanen katholiſcher, reformirter und lutheriſcher Religion, und das Decret vom 31. Maͤrz(Daſ. 1808. XXVIII.) beauftragt damit in Hinſicht der Juden die Maires und deren Adjoints.— Ueber ihr Amt ſ. fuͤr Weſtphalen: (Pfeiffer) Vollſtändige Unterweiſung der Beamten des Civilſtandes in ihren ſämmtlichen Verrichtungen. Caſſel. 1808. 8. Ed. III. F. C. Roloff Vollſtändiges Handbuch bey Verhandlung der Civilſtandsacte, und bey Fuͤhrung der Ctvtlſtandsregiſter. Magdeburg. 1809. 8. Th. w. H. Bank Tabellariſche Darſtellung alles deſſen, was die Veamten des Civilſtandes im Königreich Weſtphalen in Anfehung der Acte des Civilſtandes zu beobachten haben. Helmſtäͤdt. 1808. Fol. Minder brauchbar ſind: C. Venturini Verordnungen des Nap. Geſetzb. uͤber die Fuͤhrung der Geburts⸗ Heiraths⸗ und Sterberegiſter. Helmſtaͤdt. 1808. 8. J. C. S. Witting von der Fuͤhrung der Regiſter des Eivilſtandes. Braunſchweig⸗ 1808. 8.„ Sammlung der Geſetze uͤber die Aeten des Civilſtandes der Ehe und Eheſchei⸗ dung, nebſt Anhang. Einbeck. 1809. 3. Vorzuglich wichtig, iſt aber des Herrn Juſtizminiſters S1EoM Inſtruction pour la redaction des actes, et pour la tenue des regiſtres de Petat civil. 4) TLoi du 20. Sept. I792. art. 5. 6. 5) Loi du 19. Germinal XK. art. 55. 6) TLoi du 7. Vendemiaire IV. art. 20. 21. 5. 131. Competenz der Civilſtandsbeamten. In Frankreich kann es durchaus keinem Zweifel unterworfen ſeyn, daß der Maire des Wohnorts ¹) der allein competente Civilſtandsbeamte ſey; fuͤr Weſtphalen iſt jedoch verordnet, daß ſich die Catholiken, Lutheraner und Reformirten nicht mehr in Ruͤckſicht der Acte des Civilſtandes vor andern, als ihren Predigern zu ſtellen haben; wodurch mithin der Grundſatz, daß der Civilſtands⸗ beamte des Wohnorts allein competent ſey, ſehr beſchraͤnkt wird, da ſich oft nur ſo wenige Mitglieder eines Cultus in einem Orte befinden, daß ſie — —— Erſtes Buch. Zweyter Titel. ſie keinen Prediger halten können. Deshalb fand ſich z⸗ B. der Präfect des Elbedepartements bewogen, zu verordnen ²): daß der Religionsver⸗ wandte eines verſchiedenen Cultus, wenn an dem Orte ſich kein Geiſt⸗ licher deſſelben Glaubens befindet, ſich vor den Geiſtlichen des Orts ſtellen muͤſſe, er ſey von welchem Glaubensbekenntniß er wolle, um die Civil⸗ ſtandsurkunden aufnehmen zu laſſen. Da es aber der hauptſaͤchlichſte Zweck des Geſetzes war, die Einwohner unabhaͤngig von den Dienern einer ihr fremden Religion zu machen, ſo muß nach einem Schreiben des Herrn Juſtizminiſters 3) dieſe Verfuͤgung dahin beſchraͤnkt werden; daß ſich die fremden Religionsverwandten nur freywillig vor dieſen Geiſtlichen zu ſtellen haben, keinesweges aber dazu gezwungen werden koͤnnen, denn das Geſetz ertheilt ihnen die Erlaubniß, zur Aufnahme jener Urkunden ihre eigenen Geiſtlichen aufzuſuchen. Eben dieſe Erlaubniß haben ſie, um die von dem Civilſtande unabhängigen Religionsceremonien ausuͤben zu laſſen ²). Nur was die Aufgebote anlangt, welche der Abſchließung der Ehe vorhergehen muͤſſen, ſo konnen ſie nicht anders als in der Ge⸗ meinde ſtatt finden, in welcher die kuͤnftigen Ehegatten wohnen, und wenn der Beamte des Cipilſtandes, welcher den Heirathsact aufnimmt, in einer andern Gemeinde wohnt, ſo muß ihm ſchriftlich doeumentirt werden, daß die Aufgebote in dem Wohnorte gehorig ſtatt gefunden haben. Iſt der competente Eivilſtandsbeamte abweſend oder krank, oder iſt eine Vacanz eingetreten, ſo muß bey den catholiſchen Geiſtlichen der Vicarius ³) die Stelle vertreten, bey den proteſtantiſchen im Fall einer Vacanz der committirte Cireularprediger, im Fall einer Abweſenheit oder Krankheit, oder ſonſtigen Verhinderung ⁵) der benachbarte von dem Bebinderten dazun ſpeciell beauftragte Prediger 7). Gut iſt es in dieſem Falle, daß der wirk⸗ liche Civilſtandsbeamte die Angaben des letztern nachher beſtaͤtigt*). 1) Code Napoldon art. 55. 2) 4rretè vom 5. Jun. 1803. bey Roloff S. 3. 3) Schreiben an den Präſſdenten von Strombeck in Einbeck vom 17. Jun. 1808. S. Sammlung der Geſetze uͤber die Acten des Civilſtandes. S. 59. ₰ 4) Dieſes iſt ſowohl aus dem obengedachten Schreiben des Herrn Juſtizminiſters, als aus den Motifen des Decrets vom 22. Jan. 1808.“ damit die Ausubung jeder Religion unabhaͤngig von den Dienern einer fremden bleiben moͤge,“ ſo wie aus dem 10ten Artikel des Acte conſtitutionel, worin feeye Uebung der Religionen erlanbt wird, zu folgern, obgleich das Decret ſelbſt lediglich auf die von den kirchlichen Ceremonien unabhaͤngigen Actes de l'état civil geht. 5) In- Von den Urkunden des Civüſtandes. 177 5) Inſtruction p. 71. 6) Z. B. wenn ein Geißtlicher die Tochter ſeines Gemeindeglieds heirathen will. Wuͤrde er ſelbſt eine Urkunde hieruͤber aufſetzen, ſo wuͤrde dieſelbe als nichtig auf Anrufen des kaiſerlichen Procureurs, zu caſſiren ſeyn. Ein luſtiges Beyſpiel der Art ſ. bey von STRontsEck Formulare und Anmerkungen zur Proceſs- orduung Weſtphalens. Th. I. S. 93. Ed. II. aus Mn)An Cauſes celébres; oder, wenn der Vater Civilſtandsboamter iſt; denn auch in dieſem Falle parf er die Ehe ſeines Kindes nicht abſchließen, weil er es dann zur Heirath zwingen könnte. CRARvIILLac Guide p. 80. 82. 88. 7) Anderer Meynung iſt in Hinſicht der franzoͤſiſchen Civilſtandsbeamten MarE- vIILILE Analyſe ad art. 74. 3) S. Roloff S. 101. 104 ff. Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 5 32 I. Inhalt der Urkunden. Jede Urkunde des Civilſtandes muß I. das Jahr, den Tag und die Art. 34. Stunde, in welcher ſie aufgenommen wurde; II. die Vornahmen, Ge⸗ ſchlechtsnahmen ¹); III. das Alter; IV. das Gewerbe, V. und den Wohn⸗ ort aller derjenigen ausdruͤcken, welche darin genannt werdeh. VI. Muß Art. 33. ſie nur dasjenige enthalten, was von den Comparenten pflichtmaͤßig an⸗ gezeigt werden muß ²). Hieraus folgt: I. die bloße Erwaͤhnung, daß eine Urkunde Vor- oder Nachmittags, oder an demſelben Tage, an welchem eine andere vorhergehende aufgenommen wurde, verbandelt ſey, wuͤrde voͤllig ordnungswidrig ſeyn. Il. Jede Urkunde muß mithin ein für ſich beſtehendes Ganzes ausmachen, damit eine davon zu nehmende Abſchrift den Gegenſtand derſelben vollſtändig enthalten koͤnne 3). III. Die Beamten des Civilſtandes duͤrfen in die Urkunden, außer der Erklärung der Comparenten, weder Anmerkungen noch ſonſtige Aeußerungen einruͤcken; denn ſie ſind nicht Richter, ſondern bloße committirte Secretaire, und duͤrfen daher nichts niederſchreiben, als das was man ihnen ſagt, und ſogar nur das was man ihnen ſagen ſoll*5. Spangenberg's Commentar Bd. I. 3 1) In —— —— 178 Erſtes Buch. Zweyter Titel. F 1) In Hinſicht derſelben verordnen die Geſetze vom 30. Jun. 16. Oet. 1797. 6. Fructidor II. bey FRuRIGpon S. 111. daß alle die Eigenſchaften, welche auf Feudalrecht beruhten, nicht ausgedruͤckt werden ſollen, und auch, daß es ſey expreſſement dèfendu à tout fonctionnaire publie de deßgner les citoyens dans les actes, autrement que par le nom de famille, et les prénoms portés en l'acte de naiſſauce, ou les ſurnoms qui ont ſervi jusqu'ici à diſtinguer les membres d'une méie famille, faus rapeler des qualifieations féodales ou nobiliaires, ni den exprimer d'autres dans les expeditions et extraits qu'iis delivrent, 4 peine de deſtitutions et d'une amende égale au quart de leur revenu, prononcée par le tribunal correctionei.— Fuͤr Weſtphalen haben wir ähnliche Beſtimmungen. Denn 1. follen alle Juden nach dem I5ten Artikel des Decrets vom 31. März(6. 130. not 3.) binnen drey Monaten dem Nahmen, unter dem ſie bekannt ſind, einen Beynahmen hinzufuͤgen, welcher fuͤr immer ihren Familiennahmen ausmachen ſoll.(Ebenfalls in Frankreich. Kaiferl. Decret vom 20. Jul. 1808. bey Laſſaulx Annalen I. S. 224.)— Es haben daher die Maires darauf zu ſehen, daß bey allen Urkunden des Civilſtandes ein jeder darin erwähnte Jude einen ſolchen Familtennahmen angebe. I. Verordnet die Direetion der hohen Polieey vom 6. Nov. 1808.(Cireufaire Nr. 232.)* Je remarque fre⸗ quemment que dans les ates publics ou autres relations offcielles, des auto- rités ou fondtionnaires publies continuent à donner à des citoyens Weſtpha- Kens des titres et quaſifications qu'ils avoient par leurs fonctions ou par leurs emplois ſous le gouvernement précédent? telles par exemple, que Conſeiller de la Chambre, Conſeiller de Regence, Rsférendaire, Baillif et autres; ces fondtions ou emplois, ainfi que les qualifications qui les dẽſignaient, n'exiftent plus, et Vous reconnaitrés ſans daute, que la rédaction des a6tes publies ne doit pas les préſenter.(S. auch Departementsblaͤtter des Leine⸗ departements 1808. Nr. 39. S. 271.)— Vorzuͤglich foll aber bemerkt werden, ob die Comparenten Mitglteder der Ehrenlegion waren. Inſtrudtion du Miniſtre Grand Juge d. 3. Jun. 1807. 8. Blanchard's leberſetzung Maleville's. Th S. 67 2) Siméon Rapport bey Garnery Th. 1. S. 24t. 3) Prſtruction p. 13. CuakvILTAc Guide p. 12. 13. 4) Siméon a. a. D. LocRE Eſprit T. II. p. 14. So ſoll z. B. die von der Mutter des unehlichen Kindes geſchehene Anzeige des Vaters nicht aufgezeichnet werden, da ſie, weil die Klage auf Paternitaͤt unſtatthaft iſt, doch voͤllig zwecklos ſeyn wuͤrde; eben ſo wenig darf, wenn von einem durch Ehebruch erzeugten Kinde die Rede iſt, etwas erwaͤhnt werden, wodurch der Ehebruch jn Gewißheit geſetzt wuͤrde. Iſtruetion p. 15. Pfeiffer Unterwetſung S. 35.— Irrig iſt es daher, wenn Roloff S. 107. behauptet, daß, wenn N. im Concubinate kebt, und ein von der Concubine gebohrnes Kind, als mit fetner Fran erzeugt vorzeigt, der Civilſtandsbeamte ſchreiben duͤrfe, weder daß die Mutter ſeine Frau noch daß ſie ſeine Concubine ſey; ſondern er muß die Declaration des Vaters ſelbſt gegen ſein beſſeres Wiſſen aufſchreiben⸗ 6 3 §. 133. Von den Urkunden des Civilſtandes. §. 133* II. Aeußere Form. Was die aͤußere Form der Urkunde anlangt, ſo muß ſie I. in Ge⸗ Art. 36. genwart der Intereſſenten und Zeugen abgefaßt werden. In dem Falle, daß dieſelben nicht nothig haben, in Perſon zu erſcheinen, duͤrfen ſie ſich durch einen Specialbevollmaͤchtigten, deſſen Vollmacht aber in glaub⸗ bafter Form ¹)(d. h. von Notarien) abgefaßt ſeyn muß, vertreten laſſen. Die zuzuziehenden Zeugen muͤſſen Mannsperſonen ſeyn, welche wenigſtens Art. 37. 21 Jahre alt ſind; ob ſie Verwandte oder Fremde ſind, darauf koͤmmt nichts an. Sie werden von den Intereſſenten ausgewaͤhlt, und koͤnnen nur dann von dem Civilſtandsbeamten verworfen werden, wenn ihnen die dem Geſetze nach erforderlichen eben erwähnten Eigenſchaften feblen. Nie aber darf ſich der Civilſtandsbeamte ermächtigen, ſelbſtgewaͤhlte Zeugen zuzuziehen ²). II. Der Beamte des Civilſtandes muß den erſcheinenden Art. 33. Theilen oder ihren Bevollmaͤchtigten, ſo wie den Zeugen die abgefaßte Urkunde vorleſen, und in derſelben dieſer geſchebenen Vorleſung Erwaͤh⸗ nung thun. III. Hierauf muß die Urkunde von dem Beamten des Eivil⸗ art. 39. ſtandes, von den erſcheinenden Theilen und den Zeugen unterſchrieben werden. Kann einer nicht unterſchreiben, ſo muß dieſes, und welches die Urſache war, welche denſelben am Unterſchreiben ³) hinderte, z. B. wenn er gelaͤhmt war, des Schreibens unerfahren iſt, u. ſ. w. ebenfalls in der Urkunde bemerkt werden. Dieſe Unterſchrift muß ſogleich nach Vorleſung der Urkunde geſcheben; denn wenn ſie aufgeſchoben wird, und in der Zwiſchenzeit einer der Erſchienenen oder der Civilbeamte ſtarb, ſo iſt die nicht unterſchriebene Urkunde fehlerhaft, und derjenige, der ſie auf— genommen hat, wird mit der geſetzlichen Strafe(Art. 200) belegt 4). IV. Alle dieſe Urkunden muͤſſen waͤhrend der Vornahme der Handlung, Art. 40. um glaubwuͤrdig zu ſeyn, in dazu geeignete Regiſter eingeſchrieben werden, welche gebunden ſeyn muͤſſen, und nicht aus einzelnen unzuſammenhaͤn⸗ genden Blättern beſtehen duͤrfen, und welche am Ende des Jahrs mittelſt einer einfachen unmittelbar hinter die letzte Urkunde zu ſchreibenden Schluß⸗ formel abgeſchloſſen werden. Rach dem Code wuͤrde es den Civilſtands⸗ beamten frey ſtehen, fuͤr jede beſondere Art der Urkunden ein beſonderes Regiſter zu fuͤhren; nach der Inſtruction des Herrn Juſtizminiſters) ſollen aber fuͤr Weſtphalen alle Urkunden, mit Ausnahme der Aufgebots⸗ urkunden, fuͤr welche ein beſonderes Nebenregiſter gehalten werden 8 muß, — Erſtes Buch. Zweyter Titel. muß, genau nach der Zeitfolge, und ohne auf die Gattung der Urkunde Ruͤckſicht zu nehmen, in ein einziges Hauptregiſter eingetragen werden. Beyde, ſowohl das Haupt- als Nebenregiſter(letzteres jedoch nur in 4 Weſtphalen) muͤſſen doppelt gefuͤhrt werden 0). Dieſen Regiſtern wird dann ein alphabetiſches Verzeichniß, welches die Nabmen der Partheyen, das Datum der Urkunden und die Seitenzahl, wo ſich eine jede Urkunde befindet, enthaͤlt, angehaͤngt*). Auch ſollen V. die Urkunden in der Landesſprache abgefaßt ſeyn). 1) Auch muß die Vollmacht einregiſtrirt ſeyn. FrBURIGEon S. II3. Eine bloße Beglaubigung der Unterſchrift reicht nicht hin. MarkvIIILE ad art. 36. Anderer Meynung iſt Pfeiffer Unterweiſung S. 35. 2) Dſtruction p. 17. CHaRviILac Guide p. 17— 19. In ſeltnen Faͤllen, z. B. wenn jemand den Tod eines unbekannten Menſchen anzeigen, oder ein gefundenes Kind vorzeigen ſollte, ohne ſelbſt Zeugen vorfuͤhren zu wollen, kann der Civilſtandsbeamte dieſe Zeugen vorladen. MatPvILILE Analyfe ad art. 37. Irrig behaupten die Pandectes frangaiſes T. II. p. 290. daß die Zeugen Staatsbuͤrger ſeyn muͤßten. Auch Auslander koͤnnen Zeugen ſeyhn. Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. Th. I. S. 186. 3) Ein bloßes Unterkreuzen oder eine hebräiſche Unterſchrift iſt nicht wohl zuläſſig. Arg. der Weſtphaͤliſchen Notariatsordnung. Art. 67.(Geſetzb. 1809. Nr. VIII. S. 303.) 4) INruction p. 15. 5) Inſtruetion p. 5 11. 6) Das doppelte Regiſter muß ein wirklich zugleich gefuͤhrtes Regiſter, es darf nicht bloß eine Abſchrift ſeyn, welche die Ctvilſtandsbeamten zu Hauſe nach ihrer Muße verfertigen und ſelbſt unterſchreiben koͤnnten. Circulaire im Mo- niteur Weſtphalien. 1803. Nr. 77. Auch iſt es der Ordnung gemäß, daß die Duplicate eine gleiche Anzahl Seiten, ja gleiche paginas haben. 7) Inſtruction p 5.— Loi du 20. Sept. 1792 art. 8 15. bey FrBuRI6ponp. 154. 5 3) Man weollte in Frankreich zuerſt, daß ſie alle in franzoͤſiſcher Sprache abgefaßt ſeyn ſollten. Sourcroy und Napoleon in der Discuſſion(Conférence. T. I p. 190 191.) aber es wurde nichts daruͤber beſtimmt. In Weſtpholen ſollen die catholiſchen Geiſtlichen die Urkunden des Ctvilſtandes in lateiniſcher Sprache aufnehmen. Koͤnigl. Decret vom 22. Jan. 1303. Art. 6. 6. 134. Regiſter des Civilſtandes. 1. Einrichtung. Art. 41. I. Bevor die Urkunden in die Regiſter des Civilſtandes geſchrieben werden koͤnnen, muͤſſen dieſelben von dem Praͤſidenten des Tribunals erſter erſter Inſtanz, oder von dem Richter, erſten und letzten Blatte mit der Seitenzahl, einem Hand- oder Nahmenszuge verſehen werden*). nur auf das erſte und letzte Blatt die Seitenzahl ſetzt, ſo ſtandsbeamte vorher das Regiſter durchgehends zu paginiren ²). Regiſter ſelbſt werden auf Koſten der Gemeinden angeſchafft ²). Urkunden muͤſſen in dieſe Regiſter hinter einander ohne einigen Zwiſchen⸗ raum eingetragen werden beamte huͤten, etwas auszulöſchen, oder eine Iſt es geſchehen, ſo muß dieſes eben ſo wie genehmigt und unterzeichnet werden. Abkuͤrzungen bedienen, — Von den Urkunden des Eibilſtandes. 181 der deſſen Stelle vertritt, auf dem und auf jedem Blatte mit Da der Praͤſident hat der Civil⸗ Die II. Die Art. 42. 4), und zwar 1) muß ſich der Eivilſtands⸗ Nebenbemerkung beyzufuͤgen. der Hauptinhalt der Urkunde 2) Im Schreiben darf er ſich keiner noch irgend ein Datum mit Ziffern ausdruͤcken. Die Nichtbeobachtung dieſer Förmlichkeiten machen den Act nicht richtig, ſondern bewirken nur eine Berichtigung deſſelben*). 20 3) Loi du 20. Sept. 1792 bey FLBURIGEON p. 150. 4) die Zahl der Blätter des ganzen Buchs(²) und unterze 5) Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. Th. 1. S. 181. Coté par premiẽre et derniẽre, et paraphé ſur chaque feuille. Die latei⸗ niſche Ueberſetzung hat: a prima usque ad poſtremam paginam numeris ſuc- ceſſivis notabuntur. Laſſauly; Muͤller und die Weſtphalica, wie oben⸗ Spielmann: Blattweiſe paraphirt und foltirt, das erſte und letzte Blatt mit Worten, die uͤbrigen mit Ziffern. Erhard: folirt und paraphirt(mit dem Nahmenszuge verſehen) auch muß auf dem erſten und letzten Blatte die Zahl der geſammten Blätter, die ſolches enthält, angezeigt werden. Note: Auf dem erſten und letzten Blatte bemerkt der Beamte mit Worten, nicht mit Ziffern, chnet nicht mit dem bloßen Handzuge ſondern ſeinen ganzen ausgeſchriebenen Nahmen. Eben ſo Daniels. Blanchard: in ununterbrochen fortlaufender Reihe auf jedem Blatte mit Ziffern verſehen, mit dem Handzuge beglaubigt, und weiches das erſte und letzte Blatt ſey, ſoll noch beſonders bemerkt werden. Denn das Wort coté bezieht ſich niche auf ferille. Coté p p. et d. iſt viel⸗ mehr ein Kunſtausdruck. FPRRIPRE Dictionnaire de pratique. v. parapher. Wollte man es auf feuille beziehen, ſo wuͤrde der Präſident paginiren muͤſſen⸗ S1IEOM Lettre au Pro⸗ cureur- royal de Goettingae. d. d. 31. Decembr. 1808. D. h. die neue einzutragende Urkunde muß unmittelbar unter die Unterſchriften der vorhergehenden geſetzt werden. Abſätze ſind deshalb nicht verboten; da nur kein leerer Zwiſchenraum gelaſſen werden darf, in welchen eine neue Urkunde hineingeſchoben und dadurch das Regiſter verfaͤlſcht werden könnte. Iſtruction p.9. Voͤllig ſo geſchieht es bey Notariatsurkunden, die dem Civilſtandsregiſter an öffentlichen Glauben gleich geſetzt ſind. W. N. O. art. 64.(Geſetzb. 1809. VIII. p. 301.R) 3 3§. 135 — 182 Erſtes Buch. Zweyter Titel. §. 135. 2. Riederlegung derſelben. Art. 43. Am Ende eines jeden Jahres ſollen die Regiſter von den Beaimten des Civilſtandes foͤrmlich abgeſchloſſen, und binnen einem Monate das eine der Exemplare im Gemeindearchive, das andere bey dem Secreta⸗ riate des Tribunals erſter Inſtanz niedergelegt werden; und zwar ſollen Art. 44. bey dieſem letztern Exemplare ſich die Vollmachten und uͤbrigen Documente S befinden, die den Urkunden des Civilſtandes beygefuͤgt werden muſſen. beygebracht hat, als mit dem des Beamten des Civilſtandes, um ihre Identitaͤt zu bezeugen, verſehen ſeyn. Da dieſe Beylagen ſo aͤußerſt wichtig ſind, ſo handeln die Civilſtandsbeamte ſehr klug, wenn ße ſich von dem Serretair einen detaillirten Empfangſchein uͤber alle hinterlegten Stucke geben laſſen*); beſonders da ſie ſich dadurch gegen ihre Verant⸗ wortlichkeit decken können, wenn das deponirte Negiſter verloren gienge, und ſie mit 100 Franken Geldſtrafe ²) belegt werden, wenn ſie die Regiſter nicht deponirt hahen ²), 1) ſtruet ion p. 11. 2) O/iuion du Miuſtre Grand ige bey FrBuRI6RoN S. 15. 3) Alle zehn Jahre ſollen die alphabetiſchen Tabellen in eine einzige von den Se⸗ gretairen der Tribunäle erſter Inſtanz in den erſten ſechs Monaten des LIten Jahrs verſchmolzen werden. Von dieſen Decennaltabellen werden drey Ausfertigungen gemacht; eine bleibt auf dem Secretariat, die zweyte erhaͤlt der Praͤfect des Departements, die dritte bleibt der Mairie der Gemeinde. Kaiſerl. Decret vom 20. Jul. 1807. bey RonpoNRAat Supplement. p. 228.(ed. Voss, bey Blanchard zu Maleville. Th. I. S. 74. Außerdem hat der Präfect das Recht die Citvilſtandsregiſter ſich communictren zu laſſen, wenn er es aus admi⸗ niſtrativen Zwecken fuͤr noͤthig haͤlt. CircWlaire du Miniſtre Graud- Juge 6 du 29. Mars 1806. bey RoNpodNRA s. a. O. S. 173. 5. 136. 3. Auszuͤge aus denſelben. 3 Art. a8. Jedermann ¹) hat das Recht, von denjenigen, bey welchen die Re⸗ giſter des Civitſtandes aufbewahrt werden, ſich Auszuͤge aus denſelben geben zu laſſen. Stimmen dieſe mit den Regiſtern uͤberein, und ſind ſie von dem Praͤſidenten des Tribunals erſter Inſtanz, oder von dem Richter der ſeine Stelle vertritt, beglaubigt, ſo haben ſie ſo lange volle kraft, Alle dieſe Doenmente muͤſſen ſowohl mit dem Handzuge deſſen, der ſie —„——.——.—.„—„„——„— Von den Urkunden des Cibvilſtandes. 183 kraft, als ſie nicht vor Gericht als falſch angegriffen werden ²). Dieſe Auszuͤge können ſowohl von den Civilſtandsbeamten und deren Stellver⸗ treter ²), als auch von dem Greffier des Tribunals, bey welchem die Regiſter des verfloſſenen Jahres niedergelegt ſind, ausgefertigt werden. In beyden Faͤllen muß jedoch die Beglaubigung vom Tribunalpraͤſidenten erfolgen, da das Geſetz keinen Unterſchied macht. Ob nun gleich jeder Aufbewahrer von offentlichen Urkunden bey Strafe der perſoͤnlichen Ver— baftung gezwungen werden kann, bey einer Frage uͤber die Aechtheit oder Unaͤchtheit einer Urkunde das Original auf Verlangen des Gerichts herauszugeben, ſo iſt dennoch in dieſem Fall bey den Regiſtern des lau⸗ fenden Jahrs, da es fuͤr die Einwohner von groͤßter Wichtigkeit ſeyn kann, ſie zu jeder Stunde zu gebrauchen, eine Ausnahme dabin anzunehmen, daß die Civilſtandsbeamten und Greffiers zu nichts weiter verpflichtet ſind, als getreue Abſchriften von den als falſch angegriffenen Urkunden zu nehmen, oder die Regiſter zu communiciren, ohne ſie jedoch von Ort und Stelle zu geben. Die Regiſter der vergangenen Jahre bingegen koͤnnen und ſollen auf erhaltene Aufforderung und gegen Empfangſcheine an die Tribunale ausgeliefert werden 4). 1) Alſo nicht bloß der Intereſſent, denn weder hier noch bey verlangtem In⸗ ſeriptionsſcheine des Pfandrechts braucht das Intereſſe erſt beſcheinigt zu werden. S11Eod Rapport bey Dabelow Archiv. St. 1V. S. 340. 2) Jusqu' 3 Pinſeription de faux, gleichbedeutend mit faux incident; wenn naͤm⸗ tich die Beſchuldigung der Verfaͤlſchung nicht als peinlich behandelt wird(was faux principal heißt), ſondern nur im Wege einer Civilklage gemacht wird. Spieimann Ueberſetzung des C. N. Anmerk. zum Art. 4s. Ueber das deshalb elnzuleitende Verfahren ſ. Gode de procédure Frangois art. 214— 251. Code de procdure MWeſtphalien art. 165— 196.— S. auch Code Wa- voldon art. 1315. MarvtIILE ad art. 45. Dabelow Archiv. St. W. S. 343. 3) Nicht aber von deren Secretalren. Avis du conſeil d'etat du 2. Juillet 1807. bey RovponREAv p. 222 fq.(ed. voss.)— Werden Eptraete aus den bis⸗ herigen Kirchenbuͤchern verkangt, ſo ſind dieſe ganz nach der ſeither uͤblichen Art zu ertheilen, und brauchen dieſelbe nur genaue Abſchriften zu feyn. Cir- eulaire du Miniſtre Graud- Juge d 21. Ayril 1306, bey RoPoNNEAU a. a. O. S. 187. Pfeiffer Unterweiſung. S. 40. not. u. Ueber die fuͤr die Auszuge zu bezahlenden Gebuͤhren ſ. fuͤr Frankreich: das kaiſerl. Decret vom 12. Jul. 1807. bey RoXpoNRaw a. a. O. S. 226 ff. fuͤr Weſtpfialen das königl. Deeret vom 27. December 1808.(Geſetzbülletin 1808. Nr. 74. S. 339.) 4) Code adminiſtratif᷑ par FLEuRrGEox. p. 153.(T. II. P. I.) §. 137. * ——— Erſtes Buch. Zweyter Titel. §. 137. 4. Verluſt derſelben. Art. 46. Sind gar keine ſolche Regiſter vorhanden geweſen, oder ſind ſe verloren gegangen, ſo kann dieß durch Urkunden oder Zeugen bewieſen werden. In dieſen Faͤllen koͤnnen die Heirathen, Geburten und Sterbe⸗ faͤlle nicht nur durch Regiſter und Papiere, die von den verſtorbenen Eltern herruͤhren, ſondern auch durch Zeugen hewieſen werden ¹). Ein gleicher Beweis wuͤrde erforderlich ſeyn, wenn die Wiederberſtellung der untergegangenen Regiſter den Tribunaͤlen anbefohlen wuͤrde; oder wenn eine ausgelaſſene oder zum Theil verlöſchte Urkunde ergaͤnzt werden ſollte. Doch muͤßten die gaͤnzlich wiederhergeſtellten Urkunden in ein eigenes Buch eingetragen werden, da der 49ſte Artikel in den ſchon vorhandenen Regiſtern nur eine auf dem Rande zu geſchehende Erwahnung einer andern, nicht aber die Eintragung einer neuen auf denſelben erlaubt ²).— Dagegen ſind aber alle im Auslande aufgenommenen Urkunden des Civil⸗ Art. a7. ſtandes in Ruͤckſicht der Franzoſen oder der Auslaͤnder guͤltig: I. wenn ſie nach der in einem ſolchen Lande hergebrachten Form abgefaßt ſind 3)½ Art. s. und in Hinſicht der Franzoſen allein Il. wenn ſie von den geſandſchaft⸗ lichen Agenten, oder den daſigen Handelsronſuln den franzöſiſchen Geſetzen gemaͤß, und in der von denſelben vorgeſchriebenen Form abgefaßt ſind. „ 1) Nicht aber durch die vielleicht daneben noch gehaltenen Kirchenbuͤcher, welche weniger Glauben haben als Hauspaplere, d. h. gar keinen.— Bey dieſem Bewets entſtehen zweyerley Fragen: I. Iſt er bey allen Urkunden des Civil⸗ ſtandes zulaͤſſig?— LocRE Eſprit. T. II. p. 60, will ihn nur bey den Geburts⸗ und Sterbeurkunden zulaſſen, nicht aber bey den Heirathsurkunden. Sehr richtig bemerkt aber ſchon Dabelow Archiv. St. IV. S. 348. daß der Artikel eine Vorſchrift fuͤr alle Faͤlle enthält, da er einmal unter die allgemeinen Regeln fuͤr alle Urkunden geſtellt iſt, und der i9aſte Artikel ausdruͤcklich auf ihn ver⸗ weißt. Auch das Projet L. I. tit 2. art. 19. ſagt:—“dans ces cas jer mg riages, naiſſances et décès pourront étre juſtißés tant par les regiſtres on papiers domeſtiques— que par temoius.“— II. Ob man der Zeugen ſich bloß zur Unterſtuͤtzung des Beweiſes durch Urkunden bedienen könne, oder ob man auch durch ſie allein den Beweis fuͤhren kaun? TRIBAupBar Expoſt des motifs(bey Garnery Th. 1. S. 49.) will den Zeugenbeweis nur als Unter⸗ ſtutzung zulaſſen. Anderer Meynung ſind das Tribunat(Conférence! T. I. p. 209, und Dabelow a. a. D. und wohl richtiger, da das Geſetz allgemein redet.— III. Ob man ſich außer der Hauspaptere auch anderer Urkunden 3. B. Briefe, u ſ. w bedienen koͤnne?— dieſes iſt nach einer Aeußerung des Tri⸗ bunats(Conſerenee. T. I. p. 209.) zu bejahen. 2) FIBu- Von den Urkunden des Civllſtandes. 185 2) FrEunI6Rok a. a. O. S. 152. Lockß a. a. O. unterſcheidet: entweder iſt die Auslaſſung der Urkunde abſichtlich geſchehen, oder nicht. Im erſtern Falle findet gegen den Ctvilbeamten ein Criminalverfahren ſtatt, und das gefaͤllte Urtheil ſetzt zugleich den Civilſtand in Gewißheit. Arg art. 108 Im letztern iſt der angefuͤhrte Beweis zuzulaſſen. Doch beſchraͤnten ihn LocRE, Mark- vIIILE, die Pandeeter Frngaſet irrig auf den Fall, wo auf dieſe Art nur Geburts⸗ oder Sterbeurkunden wiederhergeſtellt werden ſollen. S. not I. nr. 1. 3) FrRuRIGEon a. a. O. S. 114. behauptet, daß es im erſtern Falle nöthig ſey, daß die Ausfertigung einer Civilſtandsurkunde von den franzoſiſchen Handels⸗ agenten oder Conſuln beglaubigt ſey, wenn ſie von den franzoͤſiſchen Behoͤrden anerkannt werden ſoll; und zwar ſowohl, wenn ſie uͤber einen Franzoſen, als auch, wenn ſie uͤber einen Auslaͤnder aufgenommen worden iſt. F.. 5. Uebereinſtimmung derſelben. Beyde Regiſter muͤſſen gleichlautend ſeyn; deshalb iſt ein eigenes Art. 49. Verfahren vorgeſchrieben, wenn in dieſelben etwas nachzutragen iſt. So oft es naͤmlich nothig ſeyn wird, am Rande einer ſchon eingetragenen Urkunde einer andern, die ſich auf den Civilſtand bezieht, zu erwähnen ¹), ſo ſoll dieſes auf Anſuchen der intereſſirten Theile in beyden Exemplaren geſchehen. Waren die Regiſter noch nicht geſchloſſen, und an die vor⸗ geſchriebenen Aufbewahrungsorte abgeliefert, ſo kann der Civilſtands⸗ beamte dieſe Erwaͤhnung ohne alle weitere Foͤrmlichkeit ſelbſt eintragen. Waren ſie ſchon geſchloſſen, ſo hat der Civilſtandsbeamte ſie in dem im Gemeindearchiv deponirten Regiſter ſelbſt zu thun, und damit ſie auch in dem auf dem Secretariat liegenden Exemplare geſchehe, binnen den naͤchſten drey Tagen den kaiſerlichen Procurator bey dem Tribunale erſter Inſtanz davon zu benachrichtigen, damit derſelbe dafuͤr ſorge, daß die Er⸗ waͤhnung in dem deponirten Regiſter mit ſeinem gleichfoͤrmig geſchehe. Dieſe Erwaͤhnung traͤgt denn der Greffier ein. 1) Z. B. bey der Geburtsurkunde eines unehlichen Kindes die ſpaͤter erfolgte Anerkennungsurkunde. §. 139. Verantwortlichkeit des Civilſtandsbeamten und Aufbewahrers. Jede Richtbeobachtung der vorgetragenen Vorſchriften, die in den Art. 50. 4ſten bis 49ſten Artikeln enthalten ſind, wird bey dem Tribunale erſter Spangenberg's Commentar Bd. I. Aa In⸗ ———— 186 Erſtes Buch. Zweyter Titel. Inſtanz eingektagt, und mit einer Geldbuße beſtraft, die jedoch nicht uͤber hundert Franken betragen darf. Alſo ſind ſowohl 1 die Civilſtands⸗ beamten verantwortlich, in ſo fern von ihnen etwas bey Verfertigung der Urkunden, der Eintragung derſelben in die Regiſter, der Auszuͤge aus rt. 51. denſelben, und der Riederlegung der Regiſter verſehen iſt. II. Die Auf⸗ bewahrer der Regiſter ſind fuͤr alle darin vorkommenden Verfaͤlſchungen in Betreff des Schadenerſatzes verantwortlich, doch koͤnnen ſie gegen die Att. 52. Urheber der Verfälſchung auf Entſchaͤdigung klagen. III. Jede Ver⸗ aͤnderung oder Verfaͤlſchung in den Urkunden des Civilſtandes, jede Ein⸗ ſchreibung dieſer Urkunden auf fliegende Blätter, oder in andere, als die dazu beſtimmten Regiſter, giebt den Intereſſenten ein Recht auf vollſtaͤn⸗ dige Schadloshaltung. Was die von den genannten Perſonen verwirkten Strafen anlangt, ſo iſt zu bemerken: 1. Jede Uebertretung, welche aus Irrthum oder Rachlaͤſſigkeit entſtand, wird mit einer Geldbuße nach Ver⸗ haltniß derſelben beſtraft. II. Jede Verfaͤlſchung, jede Abaͤnderung, jede Einſchreibung in andere Papiere wird mit einer peinlichen Klage gegen den Urheber beſtraft ¹). 1) Iſt der oͤffentliche Beamte nicht Urheber oder Complize des Verbrechens, ſo kann die peinliche Strafe der Verfaͤlſchung nicht gegen ihn eintreten, ſelbſt wenn der Urheber des Verbrechens unbekannt waͤre. Regnier in der Discuſſion. (Conference. T. I. p. 215.) 5. 140. Verfahren gegen dieſelben. Rrt. 33. Um dieſe etwaigen Uebertretungen zu entdecken, muß der kaiſerliche Procurator bey dem Tribunale der erſten Inſtanz den Zuſtand der Re⸗ giſter, zu der Zeit wo ſie bey dem Secretariate niedergelegt wurden,* . unterſuchen. Ueber dieſe Unterſuchung muß er ein kurzgefaßtes Protoecoll aufnehmen, die Uebertretungen, welche von den Civilſtandsbe amten began⸗ gen ſeyn moͤgen, anzeigen, und auf die Verurtheilung zu Geldbußen wider ſie antragen. Aber auch die Partheyen haben in den obengenannten Fällen das Recht, eine Klage auf Schadloshaltung zu erheben; ſo wie ſie auch in den uͤbrigen Fällen die peinliche Klage einleiten koͤnnen, welche gegen die Verfaͤlſcher u. ſ. w. zuſteht. Hierbey iſt zu bemerken: J. die kaiſerlichen Proeuratoren ſind wegen Unterlaſſung dieſer Verbindlichkeit, die ihnen das Geſetz auferlegt, denſelben Strafen unterworfen ¹). II. Die 5 Klagen Von den Urkunden des Civilſtandes. 187 Klagen gegen die Eivilſtandsbeamten ſind vor dem Tribunale erſter Inſtanz anzubringen; ſollten ſie auch Geldbußen betreffen und in ſo fern vor die Correctionstribunale gehoren ²). Sie werden in der Regel unmtt⸗ telbar von dem kaiſerlichen Procurator erhoben, ohne daß die Klage durch eine hohere Obrigkeit autoriſirt zu ſeyn braucht*). III. Nur wegen Verfaͤlſchungen oder den im Faſten Artikel benannten Ver⸗ brechen können die kaiſerlichen Procuratoren die Klage ſogleich anſtel⸗ len; wegen Unregelmaͤßigkeiten, Rachlaͤßigkeiten oder Uebertretungen des Geſetzes nicht eher, als bis ſie deshalb an den Juſtizminiſter berichtet und voß dieſen Verhaltungsbefehle erhalten baben 4). IV. Die Beſtra⸗ fung der Uebertreter zieht die Berichtigung der Civilſtandsregiſter nicht von Rechtswegen nach ſich, ſondern es ſind deshalb die weitern Antrage der Partheyen zu erwarten*).— V. In allen den Faͤllen jedoch, wo Art. 54. das Tribunal erſter Inſtanz in Bezug auf dieſe Civilſtandsurkunden ein urtheil erläßt, können die Partheyen Rechtsmittel gegen daſſelbe einlegen. 1) MarsvTE Analyſe ad art. 53. aus der Discuſſion. 2) Cireulaire du Miniſtre Grand- Juge du g2. Brumaire XV. bey Ron⸗ ponnau Supplement. p. 187.(ed. Voss). S⸗ auch FrRunt6Ron Code adminiſtratif. T. II. P. I. p. 108 3) Denn da es in der Conſtitution vom J. VIII. art. 75.(SaarpErD recueil. T. I. p. 199.) heißt: Les agens du gouvernement— ne peuvent étre pour- ſuivis pour des faits relatifs à leurs fonctions, qu'en vertu d'une déciſion du conſeil d état:— ſo entſtand der Zweifel, ob die Civilſtandsbeamten als agens du gouvernement betrachtet werden muͤßten, welches die oben erwaͤhnte Inſtruction nach einem Gutachten des Staatsraths verneinte. 4) Circulaire du Miniſtre Grand- Juge d. To. Sept. 1606 bey Blanchard zu MArRvILTLE ad hunc art.— Eben ſo Circulaire du Miniſtre de la Juſtice Mer S1MRon d. 31. Dec. 1808. aux Procureurs- royaux: Vous voudrez done bien vous aſſurer, ſi, dans l'etendue de votre diſtrict les regiſtres ont été tenus reguliérement, clos, arrẽtes, et dépoſẽs conformement à la loi, et men donner la certitude; et ſi quelques paſteurs ou curẽs avoient manqué 2 leur devoir par ignorance, les eclairer, ou me faire counaitre ceux qui ſe feraient rendu coupable avee intention, ou par une nctzligence groſſiére. 5) smßon bey LocRü Eſprit. T. II. p. 76 Fa2 Eerſtes Buch. Zweyter Titel. Zweytes Kapitel. Von den Geburtsurkunden. F. 42* Erforderniſſe, um dieſelbe aufnehmen zu können. Uum zur Außzeichnung einer Geburtsurkunde in die Regiſter des Civil⸗ urt. 55. ſtandes ſchreiten zu koͤnnen, wird erfordert: J. daß dem Civilſtandsbeam⸗ ten von der Geburt des Kindes, uͤber welches ſie aufgenommen werden ſoll, zur rechten Zeit, d. b. binnen den erſten drey Tagen nach der Riederkunft, Anzeige geſchehe, und ihm das Kind vorgezeigt werde. Hier⸗ bey iſt zu bemerken: 1) daß es einerley iſt, ob das Kind lebend oder todt gebohren ſey, oder ob es nur kurze Zeit nach der Geburt gelebt habe ¹). 2) Daß der Civilſtandsbeamte auch noch nach dieſen drey Tagen die Anzeige annehmen und die Geburtsurkunde aufnehmen muß ²). Nur muß er in dieſem Falle dem kaiſerlichen Procurator Nachricht davon geben; dieſer hat dann bey der Pruͤfung der Regiſter zu unterſuchen, in wie weit eine ſolche verzögerte Anzeige ein gerichtliches Verfahren wider diejenigen ſtatthaft mache, welche ſich ſolche erlaubt haben). 3) Auch kann ſich der Civilſtandsbeamte in beſorglichen Faͤllen nach dem Geburtsorte des Kindes hinbegeben, ohne deſſen Vorzeigung zu erwarten). Art. 56. II. Daß die Geburt des Kindes auf die gebörige Weiſe, d. b. vom Vater oder in deſſen Ermangelung*) von den Doctoren der Arzney⸗ und Wnundarzneykunde, oder ſonſtigen Aerzten, desgleichen von den Hebammen oder andern Perſonen, welche bey der Geburt zugegen waren 6), ange⸗ zeigt werde. Iſt die Mutter außer ihrem Wohnorte 7) niedergekommen, „ ſo muß dieſe Anzeige von der Perſon, bey welcher ſie niederkam, ge⸗ ſcheben*). Der Mutter liegt dagegen dieſe Verbindlichkeit der Anzeige nicht ob; eben ſo wenig wie die Anzeige der Schwangerſchaft ²). 1) I/ſtruction S. 19 Iſt das Kind todt gebohren, ſo wird nur die Geburts⸗ urkunde aufgenommen, und in derſelben zugleich bemerkt, daß es todt gebohren ſey; hat es einige Augenblicke gelebt, ſo wird es in das Geburts und Stepbe⸗ regiſter eingetragen. FLEuRIGEoN T. II. P. I p. 180. Pfeiffer Unterweiſ. S. 44. not. 2. Anderer Meinung iſt Laſſaulx Geſetzgeb Napol. comment. Th. 1. S. 190, aber die Eintragung in die Sterberegiſter iſt nach den katſerlichen Decret vom g. Jul. 1806. nur dann allein zulaͤſſig, wenn die Gehurt eines todt vorgezeigten Kindes nicht eingetragen war. 2) An⸗ X7 — x E —— „ Von den Urkunden des Civilſtandes. 189 2) Anderer Meynung ſcheint Pfeiffer Unterweiſung S. 45. 3) Tſtruction S. 17. Dieſes gerichtliche Verfahren beſteht darin, daß die Ge⸗ burt des Kindes durch Zeugen u. ſ. w. ausgemittelt, und daruͤber ein Erkenntniß des Tribunals erlaſſen wird. S. Code Napoldon art. 99 ff⸗ JoUaNNRawW et SoLoON Discuſſions. T. I. p. I48- 4) Der Juſtizminiſter in der Discuſſion⸗(Conforence T. I. p. 219.) TRIRAU- pRAu Expoſe des motifs.(b. Garnery Th. 1. S. 51.) Verlangt kann es nicht von ihm werden, ausgenommen bey ſchwerer Krankheit des Kindes und Schwächlichkeit deſſelben. Laſſaulr Journal. Il. 7. S. 13⸗ 5) D. h. wegen Hinderniſſe, wie Krankheit oder Abweſenheit; oder wenn er das Kind nicht fuͤr das ſeinige anerkennen will. Dieſe Gruͤnde brauchen jedoch nicht in der Urkunde angegeben zu werden, noch viel weniger kann der Vater Gruͤnde ſeines Nichterſcheinens anzugeben oder zum Erſcheinen gezwungen werden, wie Roloff S. 113. glaubt; denn thetls ſchweigt das Geſetz daruͤber, theils wuͤrde es zu unangenehmen Auftritten Veranlaſſung geben, welche moͤglichſt zu verhuͤten ſind. Wenn niemand das Kind praͤſentiren will, ſo finden keine Zwangsmittel gegen die Declaranten ſtatt; die Pflicht der Anzeige iſt zu einem bloßen Rath umgeſchaffen, welcher nicht jzuriſtiſch verbindlich iſt; eben ſo wenig können die, welche die Declaration verſpätet haben, beſtraft werden. Sollte indeſfen dieſe Unterlaſſung in eine wirkliche Verheimlichung der Geburt ausarten, dann wuͤrde allerdings eine Civtl- oder Eriminalklage gegen diejenigen ſtatt finden, welche die Anzeige zu thun unterließen. TRIBApEAU Expoſè a. a. O. LocRE Bſprit. T. II. p. 53. 6) Der Vater braucht nicht zugegen geweſen zu ſeyn, wohl aber die übrigen De⸗ claranten. Dabelow Archiv. St. V. S. 455 7) Hierunter darf man nicht jede auswaͤrts erfolgte Niederkunft verſtehen, ſondern nur eine ſolche, wo ſich die Schwangere zu einer Perſon begab, die Schwangere aufzunehmen, und ihnen bey der Entbindung beyzuſtehen pfiegte. Alſo nicht z. B. der Gaſtwirth iſt Declarant, wenn eine Reiſende niederkömmt, u. ſ. w⸗ Locat T. I. p. 38. Der Declarant braucht nicht anzugeben, ob die Mutter verhetrathet iſt oder nicht. Emmery in der Discuſſion bey LocRE a. a. O. 3) Immer mufi ſich aber der Civilſtandsbeamte verſichern, ob die Declaranten und Zeugen bekannte Perſonen ſind. Kennt er ſie nicht, ſo kann er verlangen, daß ſie, ehe er auf ihre Erklaͤrung den Act auſſetzt, ihre Qualität zuerſt erweiſen⸗ Entſcheidung des Staatsraths in der Diseuſſion bey LocRE T. II. p. 88. 9) Wir finden nicht einmal Policeygeſetze in Frankreich vor, welche dieſes ver⸗ ordnen. S. PrpunI6Ron a. a. O. S. 109. denn das Edit de fevrier 1556, welches dieß verordnete, iſt durch das Geſetz vom 20. Sept. 1792 aufgehoben. Für Weſtphalen bleiben jedoch die hierher gehörigen Geſetze in voller Kroft⸗ Aa 0 Art. 57. Erſtes Buch. Zweyter Titel. 5. 142. Abfaſſung der Urkunde. Sogleich bey der Vorzeigung des Kindes ſoll die Urkunde aufge⸗ nommen werden, und zwar in Gegenwart zweher Zeugen. Sie ſoll ent⸗ halten: I. Tag, Stunde ¹) und Ort ²) der Geburt; 1l. Geſchlecht des Kindes ²); IIl. die Vornahmen*) die dem Kinde gegeben ſind; 1V. den Geſchlechtsnamen deſſelben; V. Vornahmen, Geſchlechtsnahmen, Ge⸗ werbe und Wohnort der Eltern*); VI. Vornahmen, Geſchlechtsnahmen, Gewerbe und Wohnort der Zeugen. Die Geburtsurkunde darf außer dieſen Anfuͤhrungen durchaus keine andere enthalten). 1) Dieſes iſt vorzuglich bey Zwillingen wichtig. MarBvIIt.g Aualyſe ad h. art. Auch uͤber dieſe muͤſſen zwey Urkunden abgefoßt werden, nicht bloß eine ge⸗ meinſchaftliche, wie Roloff S. 118 behauptet, denn das Franzoͤſiſche Recht verwirft die Aufſetzung zweyer rechtlichen Handlungen auf ein Blatt. Arg. Code Wapoloon art. 968. 2) Iſt die Mutter außer ihrem Wohnorte niedergekommen, ſo ſoll der Ort wo das Kind gebohren iſt, das Haus, die Straße und die Nummer des Hauſes angezeigt werden. Iſruction S. 47. 3) Der Civilſtandsbeamte braucht das Geſchlecht des Kindes nicht ſelbſt zu unter⸗ ſuchen; er kann ſich vielmehr mit der Angabe der Decrlaranten begnuͤgen, da dieſe alletn fuͤr die Folgen verantwortlich ſind, welche aus einer falſchen Erklaͤ⸗ rung entſpringen können. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. comment. Th. 1. S. 190. not. 8.— Anderer Meynung iſt Pfeiffer Unterweiſung S. 44. CRAkRvILLAc Guide p. 29. 30. 32⸗ 4) Nur die Vornahmen duͤrfen fuͤr das Kind erwaͤhlt werden, welche das Geſetz erlaubt hat, nämlich Kalendernahmen und die der bekannten Perſonen der alten Geſchichte. Andere darf der Civilſtandsbeamte nicht in die Regiſter eintragen. Geſetz vom 11. Germinal XI. bey RoNponMRAu Supplement. p. 18. ed. Voss. Jeder, der gegenwärtig einen andern Nahmen, oder den Nahmen einer noch wirklich beſtehenden Familie als Vornahmen fuͤhrt, kann ebenfalls deſſen Ab⸗ änderung verlangen. Dieſe geſchieht durch ein Urtheil des Tribunals erſter Inſtanz, welches auf eine Bittſchrift nach Anhörung des kaiſel. Procurators erlaſſen wird, und eine Berichtigung der Civilſtandsregiſter verordnen muß. Wer hingegen ſelnen Familiennahmen veraͤndern will, muß ſein Begehren nebſt den Gruͤnden an die Regierung einſenden. Das Verfahren beſchreibt das genannte Geſetz. Zu bemerken iſt jedoch, daß das Verbot fuͤr den Civilſtandsbeamten, keine andere Vornahmen als die eben angefuͤhrten in die Civilregiſter zuzulaſſen, nur von den kuͤnftig dem Kinde zu erthetlenden, nicht aber von den ſchon be⸗ ſtehenden der Eltern und Zeugen gilt. Anderer Meynung ſind die Pandectes frangaiſer T. II. p. 297. 5) Hier⸗ m—— — —— —— —— Von den Urkunden des Civilſtandes. 191 5) Hierbey iſt zu bemerken, daß wenn die Mutter verheirathet iſt, niemand anders als ihr Ehemann zum Vater des Kindes angegeben werden kann⸗ Art. 319. ſelbſt wenn er berechtigt wäre nach dem Art. 312 ff. das Kind zu verläugnen; nur muß er ſich häten, in Perſon bey der Präſentatlon des Kindes zu erſcheinen⸗ ſondern dieſe Angabe geſchteht durch eine der Perſonen, welche nach Art. 56. in Ermangelung des Vaters die Declaration thun ſoll.— Iſt ſie nicht ver⸗ heirathet, ſo kann die Erklaͤrung der Baterſchaft nur vom Vater ſelbſt angenom⸗ men werden; denn die Erklärung der Mutter, daß dieſer oder jener der Vater ſey, darf nicht angenommen werden. LocRß Eſprit. T. II. p. 89.—(War der Vater des Kindes mit einer andern Perſon verheirathet, ſo darf er ſich nicht als Bater des unehelichen Kindes angeben, da ſich niemand des Ehebruchs öffentlich ſelbſt anklagen darf. Code Napoldon art. 318. Inſtruction p. 15.) Ja es darf in dieſem Falle der Name deſſen, den die Mutter fuͤr den Vater des unehelichen Kindes ausgiebt, nicht einmal als Vornahme deſſelben gebraucht werden. Jurisprudence F. I. p. 160. Pfeiffer Unterweiſung S. 45. not.«. 6) Alſo nicht, ob die Eltern verheirathet waren oder nicht. Caſſationshof bey Jurisprudence. T. II. p. 243.— In wie fern die falſche Angabe des Vaters, daß ein Kind waͤhrend der Ehe erzeugt ſey, eine Klage gegen ihn begruͤnde, davon ſ. zum 326ſten Artikel. Verfahren bey Fuͤndlingen⸗ Jeder, der ein neugebohrnes Kind gefunden hat, iſt verbunden, es Ant. s. dem Civilſtandsbeamten mit den Kleidungen und andern bey dem Kinde gefundenen Sachen zu uͤberliefern, und alle Umſtaͤnde der Zeit und des Orts, wo er es gefunden hat, anzugeben. Ueber alle dieſe Punete ſoll ein genaues Protocoll aufgenommen werden, welches außer den oben genann⸗ ten detaillirten Eröffnungen enthalten ſoll: I. das anſcheinende Alter des Kindes, weshalb dann wohl ein Arzt befragt werden muß; H. den Nahmen, welchen ihm der Civilſtandsbeamte geben wird; IIl. die Civil⸗ behoͤrde, welcher das Kind zur Fuͤrſorge uͤberliefert wird ¹). Dieß Pro⸗ tocoll ſoll dann in die Regiſter eingetragen werden. Hierbey ſind eben⸗ falls Zeugen erforderlich, und derjenige, welcher ein ſolches Kind vorzeigt, muß wo moͤglich die Perſonen mitgehen laſſen, welche in dem Angen⸗ blicke, wo das Kind gefunden wurde, gegenwaͤrtig waren, da dieſen Zeugen noch ein wichtiger Umſtand beyfallen kann, den er vielleicht ſelbſt überſehen hatte ²), Rie darf aber auf irgend eine Weiſe uͤber die Eltern des Kindes irgend eine Nachforſchung angeſtellt werden, da hieraus Kin⸗ dermorde veranlaßt werden koͤnnten 3), 1) 192 Erſtes Buch. Zweyter Titel. 1) Z. B. Findeihaͤuſer u. ſ. w. 2) Tſtruction p. 19. 3) MarpvIILB Aualyſe ad art. 358.— Vielleicht wuͤrbe eine genaue Beſichtigung des Kindes, um an ihm befindliche Muttermaͤhler oder Zeichen zu entdecken, wodurch die Auffindung deſſelben von Seiten der Eitern erleichtert werden koͤnnte, nicht ganz unzweckmahlg ſeyhn, allein das Geſetz ſchweigt daruber. §. 144.. Aufnahme der Geburtsurkunden bey Kindern, die auf der See gebohren ſind. Auch in dieſem Falle bleibt der Inhalt der Urkunde derſelbe, nur Art. 39. in Hinſicht der Aufnahme iſt zu bemerken: I. Sie ſoll binnen vier und zwanzig Stunden im Beyſeyn des Vaters, wenn derfelde vorhanden iſt, und zweyer Zeugen, die man aus den Schiffsoffizieren, oder in deren Ermangelung aus den Schiffsleuten zu nehmen hat, und zwar auf den Schiſſen, die dem Koiſer gehoren, von dem Verwaltungsbeamten des Seeweſens; auf den Schiffen, welche einem Caper oder Handelsmanne zugehören, vom Schiffscapitain, dem Rheder oder Schiffspatron ge⸗ ſchehen ¹). 11. Dieſe Urkunde muß an das Ende der Equipagenrolle Art. 6o.(Schiffsmannſchaftsliſte) eingetragen werden. III. Derjenige, der die Ur⸗ kunde aufgenommen hat, iſt verbunden, in dem erſten Hafen, in welchen das Schiff, ſey es aus welcher Urſache es wolle, ausgenommen der der Abtakelung, einlaufen wird, zwey glaubbafte ²) Ausfertigungen der von ihm verfaßten Geburtsurkunden niederzulegen, und zwar, wenn es ein franzöſiſcher Hafen iſt, bey dem Bureau des Vorgeſetzten der in- ſeription maritime, wenn es bingegen ein fremder iſt, in die Haͤnde des Conſuls. Eine von dieſen Ausfertigungen bleibt auf dem genannten Bureau, oder in der Conſulatscanzeley aufbewahrt; die andere muß aber an den Miniſter des Seeweſens eingeſandt werden. IV. Der Miniſter des Seeweſens muß eine von ihm beglaubigte Abſchrift einer jeden dieſer Urkunden dem Civilſtandsbeamten an dem Wohnorte des Vaters des Kindes, oder an dem ſeiner Mutter, wenn der Vater unbekannt iſt, Jzuſenden. V. Auf gleiche Weiſe muß die Equipagenrolle, ſobald das Schiff in den Haſen eingelaufen iſt, in welchem es abgetakelt wird, in das Bureau des Vorgeſetzten der inſcription maritime niedergelegt werden. Dieſer hat ebenfalls eine von ihm unterzeichnete Ausfertigung der Geburtsurkunde demſelben Beamten des Civilſtandes zuzuſenden. Art. 61. VI. Der Civilſtandsbeamte muß dieſe ſogleich in die Regiſter eintragen. Dieſer Von den Urkunden des Eivilſtandes. 193 Dieſer Eintragung muß ein kurzes Protocoll vorangehen, welches anzeigt, daß dieſe Urkunde ihm von dem Miniſter des Seeweſens zugeſandt, und da ſie ein auf einer Seereiſe gebohrenes Kind betreffe, eine Copie der⸗ 1 ſelben eingetragen ſey 2). ¹) Sollte die Geburt auf einem fremden Fahrzeuge ſtatt ſinden, ſo hat man ſich nach dem Art. q7. zu richten. Iſt es daſelbſt gebraͤuchlich, die Abfaſſung der urkunde zu verſchieben, bis daß das Schiff in einen Hafen eingelaufen iſt, ſo hat man, ſobald das Schiff landete, die Vorſchrift des qsſten oder 55ſten Arti⸗ kels zu beobachten. Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. Th. I. S. 194. 2) Je crois qu'il faut entendre par expedition? authentiques, qu'elles ſeront ſignées par les mẽmes perſonnes qui ont ſigné l'original, ou, à leur défaut⸗ par un nombre égal d'autres perſounes de mème qualitẽ. DEILviNcouRT Inſtitutes. T. I. p. 49. not. I⸗ 3) Inſtruction p. 21⸗ Von den Anerkennungsurkunden⸗ F§. 145. Aufnahme derſelben. Ein uneheliches Kind kann auf eine doppelte Art anerkannt werden; Art. 62. entweder durch eine offentliche Urkunde oder durch eine Erklaͤrung von den Civilſtandsbeamten*¹); denn eine ſchriftliche Anerkennung unter bloßer Privatunterſchrift iſt nicht guͤltig. Dieſe Erklaͤrung ſoll dann in die Regiſter, der Zeitfolge nach, eingetragen, und davon am Rande der Ge⸗ burtsurkunde, wenn eine ſolche vorhanden iſt, Meldung gethan werden. 1) Code Wapoldon art. 334. FLFURIGRON Code adminiſtratif. T. II. P. I. p 118. Auch hier werden gewohnlich zwey Zeugen zugezogen⸗ Drittes Kapitel. d Heirathsurkunden⸗ 5. 146. Im allgemeinen. Die Heirathsurkunden ſind von doppelter Art: I. Proclama⸗ tions- oder Aufgebotsurkunden; II. urkunden uͤber die Ab⸗ ſchließung der Ehe ſelbſt, Heirathsurkunden. Bb I. Spangenberg's Commentar Bd. I. Trt. 63. Erſtes Buch. Zweyter Titel. 1. Von den Aufgebotsurkunden. §5. 147. Sn5 a t. Der Abſchließung der Ehe ſoll ein doppeltes ¹) Aufgebot voraus⸗ geben, welches von acht zu acht Tagen, jedesmal an einem Sonntage vor der Thuͤr des Gemeindehauſes ²) vom Eivilſtandsbeamten vorgenom⸗ men werden ſoll. Ueber dieſe Aufgebote ſoll nachber eine Urkunde auf⸗ genommen werden. Beyde ſollen enthalten: I. Vornahmen, Geſchlechts⸗ nahmen, Gewerbe und Wohnort der kuͤnftigen Ebegatten; II. ihre Eltern, nebſt der Bezeichnung, ob ſie vollaͤhrig oder minderjaͤhrig ſind; III. Vor⸗ nahmen, Geſchlechtsnahmen, Gewerbe und Wohnort der Eltern 3). Außerdem ſoll die Urkunde noch den Tag, Ort und die Stunde der ge⸗ ſchehenen Aufgebote enthalten, und in ein einziges 4) beſonderes Regiſter eingeſchrieben werden, welches aber nach den im 41ſten Artikel beſtimmten Regeln abgeſaßt, und am Ende jedes Jahrs mit dem uͤbrigen bey dem Secretariate des Tribunals erſter Inſtanz niedergelegt werden muß. Ein xrt. 6z. Auszug aus dieſer Aufgebotsurkunde ſoll an die Thuͤre des Gemeinde⸗ hauſes angeheftet werden, und auch daſelbſt waͤhrend der achttaͤgigen Zwiſchenzeit von dem einen Aufgebote zum andern, angeſchlagen bleiben. 1) Von dem zweyten Aufgebot kann diſpenſirt werden. S. Code Napaldon art. 160.— Wo ſie geſchehen follen? S⸗. art. 166— 168. 2) Im Koͤnigreich Weſtphalen geſchieht es in der Kirche oder dem Tempel nach geendigtem Gottesdienſte⸗ Inſtruction S. 23. Ob es gleich an einem Sonn⸗ tage geſchehen ſoll, ſo kann doch hieraus nicht gefolgert werden⸗ daß die Aufgebote einen religioͤſen Zweck haben koͤnuten, da nur Publicitaͤt beabſichtigt wird, und man vorausſetzt, daß ſich dieſe an einem Sonntage, als an welchem ſich die Bürger am meiſten vereinigen, am eheſten erlangen laͤßt.— Ein NAufgebot, um die canoniſchen Hinderniſſe zu erfahren, geht nach der buͤrgerlichen Ab⸗ ſchließung der Ehe der prieſterlichen Einfegnung vorher. Geſetz vom 18. Germ. X. art.§5. bey Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. Th. 1. S. 197. not. 4. aber die Unguͤltigkeit einer Ehe in eanoniſcher Hinſicht, kann die huͤrgerlichen Wirkungen derſelben gar nicht verhindern. e 3) Dieſes inſerirt der Civilſtandsbeamte nach den ihm von den Contrahenten ge⸗ gebenen Notizen, denn er darf nicht das Aufgebot unter dem Vorwande, daß ſie erſt beſcheinigt werden muͤßten, aufſchieben. Gutachten des Staotsraths vom 30. May 1808. 65 4) RBeil und Reinhard Handbuch für Matre. Bd. 1. S. 372. Fuͤr Weſtphalen iſt hingegen verordnet, daß es ebenfalls doppelt gefuͤhrt werden ſolle. Königl. Decret Von den Urkunden des Civilſtandes. 195 Decret vom 22. Jan. 1808. art. 4.— wodurch denn art. 63. daher derogirt wird. Deshalb hat denn auch die Weſtpbalica;„Sie ſoll in ein eigenes (nicht einziges) Regiſter eingeſchrleben werden⸗“ ——— §. 148.. Zweck der Aufgebote. . Da es Zweck der Aufgebote iſt ¹), die allenfalſigen buͤrgerlichen Hinderniſſe der Ehe, und die daraus fließenden Einſpruͤche gegen dieſelben 6 kennen zu lernen, ſo iſt verordnet: I. Die Ehe darf vor dem dritten Tage nach dem zweyten Aufgebote nicht abgeſchloſſen werden. Hierbey wird der Tag dieſes letztern Aufgebots nicht mitgerechnet ²). II. Die Art. 6. Ehe darf uͤberhaupt gar nicht abgeſchloſſen werden, wenn ſie nicht binnen Jahresfriſt nach dem Ablaufe der fuͤr die Aufgebote beſtimmte Zeit ein⸗ gegangen 3) iſt; es waͤre denn daß die Aufgebote nochmals von neuem geſcheben.— Nie kann aber das Aufgebot anders geſcheben, als auf Anſuchen beyder Contrahenten, da der Civilſtandsbeamte nicht berechtigt iſt, eine Einwilligung des andern oſſentlich zu verkuͤndigen, die dieſer nicht zuzugeben geſonnen iſt. Tritt einer der Theile nach dem erſten Aufgebot zuruck, ſo darf er das zweyte nicht mehr erlaſſen ⁴). 1) um dieß öffentliche Aufgebot zu beſtellen, iſt es nicht nothig in Perſon bey dem Civilſtandsbeamten zu erſcheinen, ſondern man braucht nur einen Special⸗ bevollmächtigten, deſſen Vollmacht oͤffentlich beglaubigt iſt, und welche die im ö3ſten Artikel vorgeſchriebenen Angaben enthalten muß, hinzuſenden. FLEURI- 6Eon Code adminiſtratif T. II. P. I. p. 168. Iſt jedoch der Contrahent dem —————— Civilſtundsbeamten unbekannt, ſo kann er deſſen perſonliches Erſcheinen ver⸗ langen. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. comment. Th. 1. S. 200. 2) Die Ehe kann alſo am Mittwoch nach dem zweyten Aufgebot abgeſchloſſen werden. Schreiben des Miniſters Großrichters an die Herausgeber der Deci- ſions notabſes de la cour d'appel de Bruxelles. KIII. p. 43. Laſſaulx a. a. D. S. 204. not. 9. 3) DarvaNcouRT Inſtitutes. T. I. p. III., will das Jahr von dem Tage an ſ rechnen, an welchem der Abſchluß der Ehe nach dem zweyten Aufgebote ge⸗ 4 ſchehen konnte. i 4) Laſſaulx a. a. O. S. 200. not. 8.. §. 149. Einſpruch. a. Er iſt geſchehen. Die Aufgebote haben nun zur Folge: entweder, daß Einſpruch ge⸗ Art. 66. ſchieht oder nicht. Geſchieht ein Einſpruch, ſo kann dieſes nur durch Bb 2 einen 196 Eerſtes Buch. Zweyter Titel. einen ſchriftlichen Aufſatz ¹) geſcheben. Dieſer ſoll, beydes ſowohl Ori⸗ ginal als Abſchrift, von denen, die Einſpruch gethan haben, oder von ihren Bevollmaͤchtigten, die mit einer hierauf gerichteten Vollmacht in glaubhafter(oͤffentlicher) Form verſeben ſind ²), unterzeichnet ſeyn. I. Er ſoll ſodann nebſt einer Abſchrift der Vollmacht den Intereſſen⸗ ten entweder in Perſon oder an ihrem Wohnorte, ſo wie auch dem Beam⸗ ten des Civilſtandes, der ſein Viſa auf das Original zu ſetzen hat, durch Art. 67. einen Huiſſier inſinuirt werden. II. Der Civilſtandsbeamte hat unver⸗ zuͤglich in dem Aufgebotsregiſter eine kurze Bemerkung wegen des erfolg⸗ ten Einſpruchs einzutragen. Sollte ſpaͤterhin der Einſpruch aufgehoben werden ³), ſo hat er auf dem Rande des Eintrags das Urtheil, welches den Einſpruch aufheht, ſo wie die ſonſtigen Urkunden, die ihm in dieſer Art. 6s. Beziehung zugeſtellt ſind, zu erwaͤhnen. Ebe der Einſpruch aufgehoben wird, darf er die Abſchließung der Ehe bey Strafe von dreybundert Franken, und der vollkommnen Schadloshaltung, nicht vornehmen.— Die Einſpruͤche können noch immer zwey Tage nach dem letzten Auf⸗ gebote angenommen werden ²); kommen ſie ſpaͤter ein, ſo ſind ſie un⸗ wenn gleich die Abſchließung der Heirath noch nicht geſche⸗ en waͤre. 1) Was der Einſpruch enthalten ſolle, daruͤber unten. S. Code Wapoleon art. 172— 179.— Er muß vor einem Notar abgefaßt ſeyn. Iuſtruction p. 25. —“par un officier miniſteriel.“ Etnen Privataufſatz kann der Ctvilſtands⸗ beamte gleich verwerfen. Nie aber hat er darauf zu ſehen, ob die im 176ſten Art. des Geſetzbuchs vorgeſchriebenen Erforderniſſe beobachtet ſind, CRARvIILLAC Guide p. 66. da fuͤr dieſe lediglich der Abfaſſende verantwortlich bleibt. 2) D. h. vor Notar und Zengen geſchehen iſt. Wird ſie im Auslande ertheilt, ſo muß die Unterſchrift des Notars von der Localbehoͤrde, die dieſer letzten von der Landesregierung, und die der Regierung von den franzoſiſchen diplomatiſchen Agenten legaliſirt feyn. Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. Th. 1. S. 203. not. 7. 3) Er wird gehoben entweder durch ein vom Tribunal erſter Inſtanz erfolgtes Urtheil, art. 177, wogegen kein Rechtsmittel eingewandt wurde, oder auf das Rechtsmittel Verzicht geleiſtet wurde,(in dieſem Falle muß der acte d'acquieſcement der Zuſtellung des Urtheils angeheftet werden,) oder durch eine von einem Notar abgefaßte Urkunde, oder durch eine Privaturkunde, welche bey einem Notarius, oder bey einem ſolchen oͤffentlichen Beamten, der zur Annahme der Hinterlegung berechtigt iſt, niedergelegt worden iſt. Inſtruction p. 25. 4) CuakRvIILILAc Guide p. 69. F. 150. N Von den Urkunden des Civilſtandes. 5. 150. b. Oder nicht. . Sind keine Einſpruche erfolgt, ſo ſoll auch hiervon in der Heiraths⸗ Art. 69. urkunde Erwaͤbnung geſcheben. II. Von den Heiratbsurkunden. —§. 151. A. Handlungen, die die Heirathsurkunde vorbereiten. Machdem das Aufgebot geſchehen iſt, muͤſſen die Contrahenten noch einige Thatſachen beweiſen, bevor die Ehe wirklich abgeſchloſſen werden kann, naͤmlich: I. daß keine Oppoſition eingelegt ſey, oder daß dieſelbe gehoben iſt; II. ihre Identitaͤt, und die daraus fließende Fähigkeit, die Ehe einzugehen; III. daß diejenigen in die Abſchließung der Ehe einge⸗ willigt haben, deren Einwilligung nothig iſt ¹). ) LocRE Eſprit. T. I p. 121⸗ 4 §. 152. I. Beweiſe 1) daß keine Oppoſition eingelegt iſt. Dieſer Beweis findet natuͤrlich nur dann ſtatt, wenn die Aufgebote in mehreren Gemeinden ergangen ſind, da im Gegentheile der die Ehe ab⸗ ſchließende Civilſtandsbeamte ſelbſt von der Exiſtenz oder Nichteriſtenz des Einſpruchs gewiß iſt. In dieſem Falle ſollen die Intereſſenten von dem Beamten des Civilſtandes einer jeden Gemeinde ein Zeugniß beybringen, wodurch ſie beſcheinigen, daß kein Einſpruch eingelegt worden ſey. v 6. 115. 2 Der Identitaͤt⸗ Der Beamte des Civilſtandes ſoll ſich daher immer die Geburts⸗Art. 70. urkunde eines jeden der kuͤnftigen Ehegatten vorzeigen laſſen ¹). Sollte es dieſem unmöglich ſeyn, einen wirklichen Geburtsſchein beyzubringen, ſo kann derſelbe durch eine Notorietätsurkunde erſetzt werden. Dieſe iſt ein von dem Friedensgerichte ſeines Geburts⸗ oder Wohnorts(gleichviel von welchem) ausgeſtelltes Zeugniß die Geburt desjenigen, uͤber den Bb 3 es 198 Erſtes Buch. Zweyter Titel. es ausgeſtellt iſt ²). Eine ſolche Notorietaͤtsurkunde muß enthalten: art. 71. I. Eine von ſieben männlichen oder weiblichen, verwandten oder nicht verwandten Zeugen geſchehene Erklärung über die Vornabmen, Ge⸗ ſchlechtsnahmen, Gewerbe und Wohnort des kuͤnftigen Ehegatten, ſo wie als möglich zu beſtimmenden Zeitpunet ſeiner Geburt. II. Die Urſachen, welche die Vorlegung der Geburtsurkunde ſelbſt verhindern. Dieſe Ur⸗ Art. 72. kunde muß in Hinſicht ihrer äußern Form: I. von dem Friedensrichter und den Zeugen unterſchrieben ſeyn. Sind dieſe letztern zum Unterſchrei⸗ von dein Tribunale erſter Inſtanz des Orts, wo die Heirath vor ſich geben ſoll, beſtaͤtigt ſeyn 3). Das Tribunal kann nach. Anhoͤrung des kaiſerlichen Procurators die Beſtätigung geben oder verſagen, je nachdem es die Erklaͤrung der Zeugen, und die Gruͤnde, wegen deren man die Ge⸗ burtsurkunde nicht beybringen kann, zureichend finden wird oder nicht*). 1) und zwar iſt es durchaus nothwendig, daß die Geburtsſcheine wirküich produ⸗ cirt werden; denn es iſt dem Civilſtandsbeamten nicht geſtattet, ſich durch bloßes Pachſchlagen in den Civilſtandsregiſtern uͤber die Richtigkeit der Angabe zu uͤberzengen. Pſtruction p. 29. CRakvirAc Guide p. 12. 2) Die hier vorgeſchriebene Form kann natuͤrlich nicht dann ſtatt finden, wenn von einem ausländiſchen Magiſtrat eine ſolche Urkunde zu erbitten iſt. 3) Die Urtheile, welche das Tribunal in dieſem Falle erlaͤßt, ſind immer der Ap⸗ pellation unterworfen(art. 56.); ja es kann jeder interveniren, der ein Intereſſe dabey hat, um ſeine Einwendungen gegen die Beſtaͤtigung des Notariatsabts beyzubringen. Findet keine Intervention ſtatt, ſo iſt der koͤnigl. Prorurator der geſetzliche Contradictor des Beſtätigungsgeſuchs; wird dieſes verworfen, ſo kann die Appellation aber nicht gegen denfelben eingelegt, und er als Appellat vor den Appellationshof gerufen werden, weil er nicht als Parthey, ſondern nur im Nahmen des Geſetzes auftritt, ſondern die Appellation wird durch eine ein⸗ fache Vorſtellung an den Appellationshof eingefuͤhrt, wo weder der General⸗ procurator der Contradictor des Appellanten iſt. Eben ſo wenig hat der kaiſer⸗ liche Procurator das Recht zu appelliren, falls der Act, ſeinem Antrage zuwider, beſtätigt iſt. Laſſaulr Geſetzgeb. Napol. Th. I. S. 209. 4) CRakvILLAC Guide p. 73. §. 154. 3) Der Einwilligung. der die Einwilligung der Eltern oder Großeltern, ſo wie der enthaͤlt, ſeiner Erben, wenn dieſe bekannt ſind. II. Den Ort, und den ſo viel —— ben außer Stande, ſo muß auch dieſes angemerkt werden. II. Sie muß Art. 73. Ebenfalls ſoll ſich der Civilſtandsbeamte den glaubhaften Aufſatz, w 7 — Aufgebot ſolle an dem Orte geſchehen, wo jeder der beyden Contrahenten Von den Urkunden des Civilſtandes. 199 enthaͤlt, wenn ein ſolcher uͤberhaupt erfordert wird ¹), vorlegen kaſſen. Dieſer muß außer derſelben entbalten: J. Vornahmen, Geſchlechts⸗ nahmen, Gewerbe und Wohnort des künftigen Ehegatten; IHI. ebenfalls aller derjenigen, die bey dem Aufſabe zugezogen werden, ſo wie auch den Grad ihrer Verwandſchaft. Sind die Eltern todt, ſo muͤſſen deren Sterbeſcheine beygebracht werden, und dann iſt die Einwilligung der Großeltern erforderlich.(S. zum 1Foſten Artikel). 1) Die Einwilligenden konnen auch perſoͤnlich erſcheinen, um ihre Einwilligung zu geben, ſie brauchen es aber nicht zu thun. Pfeiffer Unterweiſung. S.9. not. p. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. comment. Th. 1. S. 209. not. 5.— Hat der Vater eingewilligt, die Mutter ihre Einwilligung verſagt, ſo muß, obgleich dieſe Weigerung auf die Abſchließung der Ehe keine Wirkung hat, dennoch dieſes in der Urkunde bemerklich gemacht werden. Laſſaulx a. a. D. S. 210. not. 6. 5. 155. 1. Abſchluß der Ehe ſelbſt. Die Ehe ſoll in der Gemeinde abgeſchloſſen werden, wo einer von Art 74. beyden Ebegatten ſechs Monate hinter einander gewohnt hat*); und zwar an dem Tage, welchen die Partheyen nach dem Ablaufe der Auf⸗ gebotsfriſten dazu beſtimmt haben ²). Eine beſtimmte haͤusliche Rieder⸗ laſſung iſt nicht erforderlich, ſo daß dieſe Vorſchriften auch auf Dienſt⸗ boten anwendbar ſind. Der Abſchluß geſchieht durch den Civilſtands⸗Art. 7. beamten im Gemeindehauſe 3), in Beyſeyn von vier Zeugen, wozu Ver⸗ wandte und Richtverwandte gezogen werden können, wenn ſie nur nicht diejenigen ſind, deren Einwilligung zur Abſchließung der Ebe weſentlich erforderlich iſt; nach Vorleſung ⁴) der oben genannten Urkunden, und des Kapitels aus dem Code, welches von den wechſelſeitigen Rechten und Pflichten der Ehegatten handelt, und nachdem er ſich von jedem der Ver⸗ lobten, einem nach dem andern die Erklärung hat geben laſſen, daß ſie ſich zum Manne und zur Frau nehmen wollen. Der Abſchluß geſchiebt durch die laute Erklaͤrung des Civilſtandsbeamten, daß beyde Contrabenten im Rahmen des Geſetzes durch die Ehe verbunden ſehen⸗ 1) S. auch art. 167.— Der Ausbruck domiciſe im 74ſten Artikel erzeugt Dun⸗ kelheit. Einmal bedeutet dieſes Wort den Ort wo jemand ſeine Hauptnieder⸗ laſſung(etabliſſement) hat, und dann, jedoch nur in Hinſicht der Ehe, wo jemand ſich zuletzt ſechs Monate aufgehalten hat. Die Art. 166. 167. ſagen, ſein Art. 76. Erſtes Buch. Zweyter Titel. ſein domicile habe. Jetzt entſteht die Frage, ob in dem domicile im Sinne des 7aſten Artikels, vder in dem des 102ten?— S⸗ unten zum Art. 166. 167.— Die Vorſchrift des 74ſten Artikels findet auch auf Militairperſonen, die ſich auf dem Grund und Boden des Reichs finden, ihre Anwendung. Awi du Conſeil d'etat du 21. Sept. 1805. bey RONPONNEAU Supplement. p. 160. ed. Voss.— Sind ſie nicht auf dem Boden des Reichs, ſo koͤmmt der 9aſte und o5ſte Artikel zur Anwendung⸗ 2) Der Civilſtandsbeamte hat aber die Stunde zu beſtimmen. Laſſaulx Geſetzgeb. Napol. Th. 1. S. 208. not. 3. 3) Iſt kein Gemeindehaus da⸗ ſo geſchieht der Abſchluß der Ehe im Hauſe des Maire. CHakvIILLAC Guide. p. 49. 87. In Weſtphalen geſchieht er bis jetzt in der Kirche. Da der 165ſte Artikel die öffentliche Abſchließung ganz be⸗ ſtimmt erfordert, ſo kann er nie in der Privatwohnung eines der Ehegatten vor ſich gehen. MarRvIIILE T. I. p. 97. aus der Discuſſion. Pfeiffer Un⸗ terweiſung. S. 24. not⸗ n.. 4) Dieſe Vorleſung iſt ſchlechterdings nothwendig. CHARvIILLAc Guide. p. 89. §5. 156. B. Abfaſſung der Heirathsurkunden. Sogleich nach Abſchluß der Ebe hat der Civilſtandsbeamte uͤber denſelben eine Urkunde aufzunehmen. Dieſe muß enthalten: I. Vornah⸗ men, Geſchlechtsnahmen, Alter, Gewerbe, Geburtsort und Wohnort der Ehegatten; II. ob ſie volljaͤhrig oder minderjährig ſind; III. Vornahmen, Geſchlechtsnahmen, Gewerbe und Wohnort der Eltern; IV. die Einwil⸗ ligung der Eltern, Großeltern und der Familie, in den Faͤllen wo ſie erfordert wird; V. das etwa geſchehene ehrerbietige Nachſuchen des elter⸗ lichen Raths; VI. die in den verſchiedenen Wohnorten geſchehenen Auf⸗ gebote; VII. die Einſpruͤche, in ſo fern ſolche erfolgt ſind, ihre Auf⸗ bebung, oder die Bemerkung, daß kein Einſpruch geſcheben ſey; VIII die Erklaͤrung der Contrahenten, daß ſie einander zu Ehegatten nehmen, und der von dem Civilſtandsbeamten geſchebene Ausſpruch ibrer ehelichen Verbindung; endlich IX. Vornahmen, Geſchlechtsnahmen, Alter, Ge⸗ werbe und Wohnort der Zeugen, und ihre Erklaͤrung, ob ſie mit den Partheyen verwandt oder verſchwägert ſind, ferner von welcher Seite her, und in welchem Grade. Fuͤr Weſtphalen noch X. ob die Ehegatten die Gütergemeinſchaft mit der Ebe eingehen wollen oder nicht; weshalb ſie auch ͤber dieſen Punct zuvor von dem Civilſtandsbeamten zu befragen ſeyn werden ¹).— Nur erſt nach der geſetzlichen Abſchließung. 8 un —— „ —. —— Von den Urkunden des Civilſtandes. 201 und die Abfaſſung der Heirathsurkunde, ſind die kirchlichen Foͤrmlichkeiten und religiöſen Ceremonien bey der Ehe zulaͤſſig ²). 2 1) Circulorſchreiben des Hrn. Juſtizminiſters an die Praͤſidenten der Tribunale vom 23. Jan. 1808.(Moniteur Weſtphalien 1808. Nr. 17.) 2) In Hinſicht der Juden iſt dieſes in Weſtphalen ausdruͤcklich verordnet durch das konigliche Decret vom 21. Maͤrz 1808.— Fuͤr Frankreich exiſtirt ein allge⸗ meines Gebot im Geſetz vom 18. Germinal X. art. 54. FLEURI6GBRoN Code adminiſtratif. T. II P. I. p. 180. Viertes Kapitel. Von den Sterbeurkunden⸗ Im allgemeinen. Keine Beerdigung darf geſchehen, bevor nicht der Civilſtandsbeamte Art. 77. dazu ſeine ſchriftliche Erlaubniß, und zwar unentgeldlich, und auf unge⸗ ſtempeltem Papiere gegeben bat ¹). Er kann jedoch dieſelbe eher nicht geben, als I. nachdem er ſich zu dem Verſtorbenen verfuͤgt hat, um fich ſeines wirklichen Abſterbens zu verſichern ²); II. nicht fruͤher als vier und zwanzig Stunden nach dem Abſterben; jedoch mit Ausnahme der in den Policeyverordnungen beſonders beſtimmten Faͤlle. 1) Das Kaiſerl. Decret vom 23. Jul. 1805. beh RoNonRav Supplement p. 155.(ed Voss) dehnt dieſen Erlaubnißſchein auch dahin aus, daß man ſeiner beduͤrfe, um die zu den Leichenbegaͤngniſſen erforderlichen Sachen zu liefern. Gräber zu oͤffnen, u ſ. w.— Ueber die Beerdigung enthaͤlt ein anderes Decret vom 23. Prairial Kll. die policeylichen Beſtimmungen in Bulletin des lois de lemyre frangois, ꝗe Serie. Tom. I. p. 73 30.(Paris XIII. 8.) Fuͤr Weſt⸗ phalen eüthaͤlt ein Schreiben des Hrn. Juſtizminiſters an den Hrn. Procureur des Koͤnigs in Göttingen vom 15. Auguſt 1809, die Beſtimmung, daß in dieſem Falle die Verwandten, oder diejenigen, welche die Beerdigung beſorgten, von dem koͤnigl. Procureur bey dem Tribunale angeklagt, und von letzterm mit einer arbitrairen Strafe belegt werden ſollen. 2) Dſtruction p. 37. Pfeiffer vollſtändige Unterweiſung S. 53. behauptet dage⸗ gen, daß der Hauptzweck der eigenen Anſicht des Todten nicht etwa ſey, um das 2 Lebendigbegraben zu verhuͤten, ſondern um ſich zu uͤberzeugen, daß der Leichnam auch wirklich die Perſon ſey, welche als verſtorben angegeben wurde— aber gegen das klare Geſetz. FrLRURIGRoN Code adminiſtratiſ. F. II. P. I. p. 120. Spangenberg's Commentgr Bd. I. Ce Der Erſtes Buch. Zweyter Citel. Der Todte kann begraben werden: I. in der Regel, auf dem Begraͤbnſßplatze des Orts wo er verſtarb; Il. auf ſeinem Eigenthume, wenn ſich daſſelbe außerhalb, und 35 bis z0 Metern(etwa 120 Fuß) von den Ringmauern der Staͤdte und Flecken befand. Wird in dieſem Falle die Leiche nach einem andern Orte abgefuͤhrt, ſo muß der Civilſtandsbeamte uͤber den Zuſtand des Leichnams, ehe man ihn in den Sarg einſchließt, ein Protocoll aufnehmen. Er ſtellt darauf dem Fuͤhrer des Leichnams einen Paß, der die Gruͤnde der Ablieferung enthaͤlt, aus, und fertigt dann an den Civilſtandsbeamten des Orts der Ablieferung eine Abſchrift der Sterbeurkunde und des oben genannten Protocolls aus. Das Original des⸗ ſelben aber muß dem Sterberegiſter beygefuͤgt werden.— Heber die Begräbniß⸗ koſten S. art. 385. 2101. Der Civilſtandsbeamte kann ſich zu der Leiche ver⸗ fugen wenn er will; er braucht es nicht erſt nach 24 Stunden zu thun, wie ZAcRakRrAn Bd. 1. S. 88. behauptet. Zwar wurde der Antrag, daß den Civilſtandsbeamten ein Arzt begletten ſolle, da man von dem erſtern die Kenntniß der Zeichen des Todes nicht vorausſetzen kann, verworfen; aber nur, weil er nicht in den Code gehoͤre, ſondern Gegenſtaud der Policey ſey⸗ Fourcroy, Boulay in der Discuſſion.(Conference. T. I. p. 248.) Es würde daher immer ſehr gut ſeyn, wenn jeder Ort die Policeyverfügung traͤke, daß der Orts⸗ phyſicus den Civilſtandsbeamten in ſolchen Faͤllen zu begleiten habe., F5. 158. Abfaſſung der Sterbeurkunde I. in gewöhnlichen Fallen. a. Form. Die Sterbeurkunde wird hierauf, nachdem der Civilſtandsbeamte die Leiche geſehen hat, gleichviel ob in ſeinem oder im Sterbehauſe, von demſelben, nach der Erzählung zweyer Zeugen, aufgenommen, die, wo möglich, die nächſten Verwandten, oder in deren Ermangelung die Rach⸗ baren ſeyn muͤſſen. Iſt jemand außer ſeinem Wohnorte geſtorben, ſo muß diejenige Perſon, bey der er ſtarb, und außer ihr noch ein Ver⸗ wandter oder ein anderer Zeuge hinzugerufen, und von demſelben die nöthigen Eroffnungen verlangt werden*). 3 2) Inſtruction diu Miniſtre de la guerre bey RowpoNNEau Supplem. p. 63 ff.(ed. Voss.) Stirbt der Soldat in der Caſerne, oder außerhoio, ſo muß der Compagntechef davon dem Civilſtandsbeamten Anzetge thun, und dafür ſorgen, daß zwey Offictere oder Unterofficiere, oder ein Offieter und Unterofficier und ein Gemeiner ſich bereit halten, um bey der durch den Ctvilſtandsbeamten 4 aufzunehmenden Urkunde als Zeugen zu dienen. 5. 159. b. Inhalt derſelben. Die Sterbeurkunde muß enthalten: I. Vornabmen, Geſchlechts⸗ nahmen, Alter, Gewerbe und Wohnort des Verſtorbenen. M. Vornab⸗ men Von den Urkunden des Civilſtandes. 203 men und Geſchlechtsnabmen des andern Ehegatten, wenn der Verſtorbene verheirathet oder verwittwet war⸗ III. Vornahmen, Geſchlechtsnahmen, Alter, Gewerbe und Wobnort derjenigen, die dieſe Erklaͤrung abgege⸗ ben haben, und wenn ſie Verwandte ſind, den Grad ihrer Verwandſchaft. IV. Vornahmen, Geſchlechtsnahmen, Gewerbe und Wohnort der Eltern des Verſtorbenen, und V. deſſen Geburtsort, in ſo weit man von dieſen beyden letztern Nachricht haben konnte. VI. Tag und Stunde des Todes ¹). 1) Dieſes letztere iſt im Geſetz freylich nicht vorgeſchrieben, muß aber aus der Abſicht deſſelben ergaänzt werden. S. PpEIppER Napoleons Geſetzbuch. T. I. p 3s. Roloff Handbuch⸗ S. zs. Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 214. not. z.— Auch ſchreiben es die der Inſtruction angehaͤngten Formulare S. 73 vor.— Ueber die Aufnahme einer Sterbeurkunde über ein Kind, deſſen Geburt nicht in die Geburtsurkunde getragen iſt, verordnet ein Kaiſerl. Decret vom 4 Jul. 1806. bey RoNPoNNEAh Supplement p. 196.(ed. Voss.) I. Der Civiſtandsbeamte ſolle dabey ausdrüͤcken, daß es ihm leblos vorgezeigt ſey(nicht daß es geſtorben ſey). I Er ſoll ſich von den Zeugen Vor⸗ und Zunahmen⸗ Stand und Wohnort der Eltern des Kindes, ſo wie auch Tag und Stunde, in welchen das Kind zur Welt kam, angeben laſſen. III. Dieſe Urkunde wird nach ihrem Datum in die Sterberegiſter eingetragen, ohne daß aus derſelben ein Wink uͤber die Frage hervorgehe: ob das Kind am Leben geweſen oder nicht? S. F. 141. not. I. 5. 159. II. In beſondern Fällen.„. In Hoſpitaͤlern. Die Sterbefäͤlle in Militär⸗ und burgerlichen Hoſpitaͤlern oder andern Art. 30. öffentlichen Haͤuſern ¹) muͤſſen von den Vorgeſetzten, Auſſehern, Verwal⸗ tern und Vorſtehern in den nächſten vier und zwanzig Stunden dem Beamten des Civilſtandes angezeigt werden. Dieſer ſoll ſich ſodann zu der Leiche begeben, und eine Sterbeurkunde nach obiger Vorſchrift uͤber die ihm gegebenen Erklärungen und von ihm eingegangenen Erkundigun⸗ gen, aufnehmen. Außerdem ſollen in den erwaͤhnten Haͤuſern eigene Re⸗ giſter gehalten werden, die zur Eintragung jener Erklaͤrungen und einge⸗ zogener Nachrichten beſtimmt ſind. Der Beamte des Civilſtandes ²) ſoll die Sterbeurkunde an den Beamten des Civilſtandes des letzten Wohn⸗ orts des Verſtorbenen einſenden, damit dieſer ſie in ſeine Regiſter ein⸗ tragen kann ²). 3. B. Lyzeen, Penſionsanſtalten u. a. In dieſen Fällen kann auch der Ster⸗ beort angegeben werden, weil er nichts ſchimpfliches enthaͤlt, in den im F. 162. 163. erwaͤhnten, nicht unbedingt. pxi vincovRr Inſtitutes. T. I. p. 53. not. 3. Ce 3 2) Die⸗ Erſtes Buch. Zweyter Titel. 2) Dieſer hat naͤmlich die Urkunde in die obengenannten Regiſter einzutragen, nicht aber in die Civilſtandsregiſter ſeiner Gemeinde. Denn dieſe letzte Ein⸗ tragung geſchieht in der Gemeinde, worin der Verſtorbene zuletzt wohnte, und in die Regiſter dieſer Gemeinde von dem daſigen Civilſtandsbeamten. Anderer, Meynung iſt Pfeiffer vollſtaͤndige Unterweiſung S. 53. not. t. aus Cnan⸗ vIILLAc Guide p. 99. 3) Stirbt ein Soldat in einem Civilhoſpitale oder andern Hauſe, ſo muß der Civiiſtandsbeamte noch eine zweyte Abſchrift der Sterbeurkunde durch den Kriegs⸗ rommiſſair an den Krlegsminiſter ſchicken. Dann muß die Nummer, die der Verſtorbene auf der Liſte fuͤhrte, und die ſich aus dem billet d'entrée u. ſ. w. ergeben wird, genau angemerkt werden. Iſructiont du Miniſire de la Guerre bey RoNpoMREAu Supplement p. 85. ed. Voss. 16. b. Vey Spuren eines gewaltſamen Todes. Art. 81. Aeußern ſich Zeichen oder Spuren eines gewaltſamen Todes, ſey er durch Selbſtmord ¹) oder durch andere Gewalt entſtanden, oder andere Umſtände, welche den Verdacht deſſelben erregen, ſo darf die Beerdi— gung nicht eber geſchehen, als nachdem ein Policeybeamter, mit Zuzie⸗ bung eines Doctors der Arzney⸗ oder Wundarzneykunde uͤber den Zuſtand des Leichnams und uͤber die ſich hierauf beziehenden Umſtaͤnde, wie auch uͤber die Erkundigungen, die er wegen der Vornahmen, des Geſchlechts⸗ nahmens, Alters, Gewerbes, des Geburts⸗ und Wohnortes des Ver⸗ ſtorbenen einziehen konnte, ein Protocoll aufgenommen haben wird. Nach Art. 52. dieſem Protocolle, welches der Policeybeamte dem Civilſtandsbeamten des Sterbeorts mittheilen muß, ſoll dieſer die Sterbeurkunde aufnehmen, . und eine Ausfertigung biervon an den Civilſtandsbeamten des Wohnorts des Verſtorbenen, in ſo fern dieſer hekannt iſt, zuſenden. Letzterer hat dieſes ſodann in die Civilſtandsregiſter einzutragen ²). „ 1) Auch durch Duell. 2 War der Verſtorbene ein Soldat, ſo ſoll ein Exemplar der Urkunde an das Corps geſchickt werden, zu welchem der verſtorbene Soldat gehörte, wenn ſich dieſes in den Standquartiren befand. War dieß letztere der Fall nicht, ſo muß der Civilſtandsbeamte die Ausfertigung unmittelbar an den Kriegsminiſter ein⸗ ſenden. Inſtruction du M. de la guerre bey RoNPonNau p. s6. 5. 161. c. Vey oͤffentlichen Hinrichtungen. Irt. 83. Wird jemand oͤffentlich hingerichtet, ſo muß der Secretair des Eri⸗ minalgerichts, in den erſten vier und zwanzig Stunden nach der Voll⸗ ½ ſtreckung —— Von den Urkunden des Eivilſtandes. 205 ſtreckung des Todesurtheils, dem Civilſtandsbeamten des Orts, wo der Verurtheilte hingerichtet iſt, alle die zum 79ſten Artikel genannten Nach⸗ richten zuſenden, denen zu Folge letzterer dann die Sterbeurkunde auf— zunehmen hat ¹). 1) Tſtruction du M. de la guerre I. c. Der Regierungscommiſſiair bey einem Militairtribunal, der auf Vollziehung eines Todesurtheils antrug, muß binnen den nächſten 24 Stunden nach der Executton das daruͤber abgehaltene Protocoll dem Quartiermeiſter des Corps, zu welchem der Hingerichtete gehoͤrte, zuſenden⸗ Der Quartiermeiſter berichtet davon in ſeinen Liſten, ohne die Todesart zu erwähnen. Zugleich ſoll der Commiſſair in den erſten 24 Stunden dem Civil⸗ ſtandsbeamten des Orts der Hinrichtung alle im 79 Artikel erforderte Nach⸗ weiſungen mittheilen, um darnach die Sterbeurkunde aufſetzen zu koͤnnen. — 5. 15 d. In öffentlichen Gefaͤngniſſen. Stirbt jemand in einem Gefaͤngniſſe, Zucht- oder Arbeitshauſe, ſo Art. s4. haben die Aufſeher oder Gefangenwaͤrter den Beamten des Civilſtandes ſogleich davon zu benachrichtigen. Dieſer muß ſich dann dahin verfuͤgen, und die Sterbeurkunde nach der Vorſchrift des goſten Artikels auf⸗ nehmen ¹). 1) Auch in dieſem Falle muß eine Ausfertigung der Sterbeurkunde an den letzten Wohnort des Verſtorbenen, und eine an den Kriegsminiſter eingeſandt werden⸗ Inſtruetion du Miniſtre de la guerre l.. 5. 163. Algemeine Regel fuͤr die unter Nr.. b. c. enthaltenen Faͤlle. In allen Faͤlen, wo jemand eines gewaltſamen Todes, oder in einem Art, 5. Gefängniſſe oder Zuchthauſe verſtarb, oder hingerichtet worden iſt, ſoll von dieſen Umſtaͤnden in den Regiſtern gar nichts erwähnt werden, ſondern die Sterbeurkunde ſoll nur in der Form und dem Inhalte abgefaßt werden, der im F9ſten Artikel vorgeſchrieben iſt 1). 1) um nicht durch die Verweigerung des Andenkens eines infamtrenden Todes das Vorurtheil zu naͤhren, weſches die Familte verfolgt. Anderer Meynung ſind TLer Pandectes frangalſer. T. II. p 390. S. aber Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. comment. Th. 1. S. 215. not. 1.— Auch auf Militatrperſonen an⸗ wendbar. Inſtruetion du Miniſtre de la guerre l. c. Ce 3 5. 164. Erſtes Buch. Zweytet Titel. e. Auf Seereiſen. Art. 86. Wenn ſich dagegen der Sterbefall auf einer Seereiſe ereignet, ſo ſoll uͤber denſelben binnen vier und zwanzig Stunden, in Gegenwart zweyer Zeugen, die aus den Schiffsoffizieren, und in deren Ermangelung aus der Schiffsmannſchaft genommen werden muͤſſen, die Sterbeurkunde aufgenommen werden, und zwar auf den Seeſchiffen, die dem Kaiſer gehören, von dem Verwaltungsbeamten des Seeweſens, und auf denjeni⸗ gen, welche einem Handelsmanne oder Kaper gehoͤren, von dem Schiffs⸗ capitain, Rheder oder Schiffspatrone 1). Die Sterbeurkunde wird ſodann: Att. 37. I. in die Equipagenrolle als Nachtrag eingeſchrieben. II. In dem erſten Hafen, wo das Schiff, um auszuruhen, oder aus einer andern Urſache, die der Abtakelung ausgenommen, einlaufen wird, ſoll derjenige der die Sterbeurkunde abgefaßt haben wird, nach den Vorſchriften des oſten Ar⸗ tikels, welche ebenfalls hier zur Anwendung kommen, zwey Ausfertigungen abgeben. III. Sohald das Schiff in den Hafen, wo es abgetakelt wird, eingelaufen iſt, ſoll das Verzeichniß der Schiffsmannſchaft oder die Equi⸗ pagenrolle in das Bureau des Vorgeſetzten à Pinſcription maritime niedergelegt werden. IV. Dieſer hat eine von ihm unterzeichnete Aus⸗ fertigung der Sterbeurkunde dem Beamten des Eivilſtandes an dem Wohnorte des Verſtorbenen zuzuſenden; V. dieſer hat dieſelbe ſogleich in die Regiſter einzutragen ²). 7) Lorsque le batimene eſt un peu conſiderable, le eommandant a le titre de capit aine; ſi non, il ſe nomme maitre dans l'Océan, et patron dans la Mediterranée. DRIvINcOvRT Inſtitutes. T. I. p. 47. not. I. 6 2) Wie es mit denjenigen gehalten werben ſoll, welche durch einen Ungiucks fall umkamen, daruͤber iſt nichts geſagt. Aber theils gehort dieſer Fall zu denen, wo jemand durch einen gewaltſamen Tod ums Leben kam, theils muß ihr Tod erſt durch eine Unterſuchung beſtätigt werden, die dann nach obigen Regeln(zum göſten Artikel) vorzunehmen iſt. S. MarEvILLR Analyſe zum art. 37. Fünf⸗ Von den Urkunden des Civilſtandes. 207 Fuͤnftes Kapitel. Von den Urkunden des Civilſtandes, welche Militairper⸗ ſonen außerhalb des Staatsgebietes betreffen⸗ Im allgemeinen⸗ Die Militairperſonen innerbalb des Staatsgebiets ſind in der Regel allen und jeden Vorſchriften des Code unterworfen ¹). Da dieſes aber oft unmoglich iſt, wenn ſie ſich außerhalb deſſelben befinden, ſo iſt zwar allgemeine Vorſchrift, daß auch die außerhalb des Staates Art. 38. auſgenommenen Urkunden des Civilſtandes, ſie mögen wirkliche Militair⸗ oder andere bey den Armeen ange⸗ ſtellte Perfonen betrefſen, nach den in den fruͤhern Ka⸗ piteln aufgeſtellten Formen abgefaßt werden ſollen, daß jedoch dabey mebrere Ausnahmen eintreten follen. Dieſe Ansnahmen betreffen entweder die Perſon desjenigen, der die Urkunde aufnimmt, oder die Regiſter, oder endlich die einzelnen urkunden ſelbſt. 1) Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. eomment. Th. 1.§. 152. not. 3⸗ 5. 166. Ausnahmen J. in Hinſicht der Perſön⸗ Der Quartiermeiſter ¹) bey einem jeden Cokps, das aus einem oder Art. 89. mehreren Bataillons oder Esquadrons beſtebt, und der commandirende Hauptmann bey undern Corps ſollen alle Verrichtuhgen des Beamten des Civilſtandes beſorgen⸗ Eben dieſes ſoll der bey Armee, oder dem Armeecorps befindliche Revueninſpector 2) in Betreff der Ofſiziere ohne Truppen und der übrigen bey der Armee angeſtellten Perſonen thun⸗ 1) Solte in den Dienſtgeſchaͤften der Quattiermeiſter eine Veranbetung vorgehen, ſo werden die Offitere mit der Fohrung der Ctvitſtandsregiſter beauftragt, die die Regiſtres matrienles et eomtroles nominatifs führen muͤſſen. NMruction du Miniſtre de la guerre bey RoRpPoNMEAv Supplement p. 89. ed. Voss⸗ Durch einen Regterungsbeſchluß vom 1. Vendem⸗ RM. iß die Fuͤhrung der Civil⸗ ſandsregiſter den Majors uͤbertragen⸗ 2) Die⸗ — 208 Erſtes Buch. Zweyter Titel. 2) Dieſer muß alle Monat einen collationirten Auszug aus den von ihn gefuͤhrten Regiſtern an den Kriegsminiſter einſenden. Luſtruction du Miniſtre de la guerre ebendaſ. §. 167. II. In Hinſicht der Regiſter. Art. 90. I. Bey jedem Truppencorps ¹) ſoll fuͤr die Urkunden des Civilſtandes ein eigenes Regiſter gefuͤhrt werden, das ſich auf die Mitglieder dieſes Corps bezieht, und ein zweytes bey dem Generalſtabe der Armee oder eines Armeecorps fuͤr die Urkunden, welche die Offiziers ohne Truppen und das Nebenperſonal betreffen. Dieſe Regiſter ſollen auf dieſelbe Weiſe, wie die andern Regiſter des Corps und eines jeden Stabes auf⸗ bewahrt, und bey der Ruͤckkehr deſſelben auf das Staatsgebiet, in dem Art. 91. Kriegsarchive, deponirt werden. Il. Die Regiſter ſollen bey jedem Corps von dem commandirenden Offizier, bey dem Generalſtabe aber von dem Chef deſſelben mit Seitenzahlen und dem Handzuge verſehen werden. 1) Sobald daher ein Detachement das Staatsgeblet verlaͤßt, ſo muß ſogleich ein ſolches Regiſter eroͤffnet werden. Dieſes wird vom Corps und vom General⸗ ſtabe angeſchaft, und beym Eintritt in das Staatsgebtet an den Miniſter ab⸗ geliefert. Verlaͤßt das Detachement zum zweytenmale das Staatsgeblet, ſo muͤſſen nene Regiſter angelegt werden. Die Aufſicht uͤber die mit den Civil⸗ ſtandsſachen beauftragten Offiziere hat der Verwaltungsrath und der Revueinſpector. Inſtruction du Miniſtre de la guerre. Ebendaſ. §. 168. II. In Hinſicht der Urkunden, und zwar: 1. der Geburtsurkunden. Art. 92. Binnen zehn Tagen nach der Niederkunft bey der Armee, ſoll die Ari. 3. Geburtsanzeige geſchehen. Der Offizier, dem die Fuͤbrung des Regiſters uͤber den Civilſtand aufgetragen iſt, ſoll in den erſten zehn Tagen nach der Eintragung einer Geburtsurkunde in dieß Regiſter, einen Auszug davon an den Civilſtandsbeamten desjenigen Orts ſenden, wo der Vater, und wenn dieſer unbekannt iſt, die Mutter des Kindes zuletzt wohnte ¹). 1) Um Irrthuͤmer zu vermeiden, welche einzelne Detachements begehen koͤnnten, die keine Matrikelliſte mit ſich fuͤhren, ſoll der Quartiermeiſter den oben erwähnten Auszug zunaͤchſt an das Depot ſeines Corps abſenden, wo er mit dem Signalement des Vaters des Kindes, ſofern derſelbe bekannt iſt, ver⸗ glichen, und ſodann von dem Verwaltungsrathe, an dem Ort ſeines Bern omſn — Von den Urkunden des Civilſtandes. 209 Domicils; oder im Fall der Vater unbekannt wäre, an den der Mutter abge⸗ ſchickt werden muß. Ein zweytes Exemplar dieſer Urkunde wird an den Kriegs⸗ miniſter eingeſandt, und zwar muß die Nummer, dte der Vater in der Matrikel⸗ liſte hat, genau in der Geburtsurkunde angegeben werden. Befinden ſich dage⸗ gen ganze Corps außerhalb dem Staatsgebiete, ſo haben ſich die Offiziere genau nach dem 93ſten Artikel zu richten. Iſtruction du Miuſtre de la guerre. Ebendaſ. S. 169. 2. Der Heirathsurkunden. I. Die Aufgebote der wirklichen Militair⸗ oder anderer bey der Armee Art. 4. angeſtellten Perſonen ſollen ¹) an dem Orte ibres letzten Wohnſitzes ge⸗ ſcheben. II. Sie ſollen uͤberdieß, ſo viel die Mitglieder eines Corps betrifft, bey der Tagesordre deſſelben, und in Hinſicht der Offiziere ohne Truppen und der ſonſt angeſtellten Perſonen bey der Tagesordre der Armee oder des Armeecorps, wovon ſie einen Theil ausmachen, fuͤnf und zwanzig Tage vor Abſchließung der Ehe kund gemacht werden ¹). H. Gleich nach erfolgter Eintragung der Heirathsurkunde in das Regiſter, Art. 93. ſoll der mit deſſen Fuͤhrung beauftragte Offizier eine Ausfertigung davon an den Civilſtandsbeamten des letzten Wohnorts der Ehegatten ſchicken 2). 1) Iſt die Rede von Soldatenkindern, die kein anderes Domicil als die Fahne hatten, ſo braucht das Aufgebot nur an dem Orte zu geſchehen, wo ihr Corps befindlich iſt. Die uͤbrigen Militairperſonen muͤſſen dagegen ihren letzten Wohnſitz anzeigen, wofuͤr auch in Ermangelung deſſelben ihr Geburtsort angenominen werden kann. Tſtruction du Miniſtre de la guerre. Ebendaſ. 2) Hierbey ſoll der Quartiermeiſter verfahren, wie es zum 93ſten Artikel vorge⸗ ſchrieben iſt. I¶ſtruction du Miniſtre de la guerre. Ebendaſ. 170. 3. Der Sterbeurkunden. I. Die Sterbeurkunden ¹) werden ebenfalls von dem Quartiermei⸗ Art. 96. ſter jedes Corps, und in Anſehung der Offiziere ohne Truppen, und der außerdem bey der Armee angeſtellten Perſonen, von dem Revueninſpector, auf die Verſicherung dreyer Zeugen aufgenommen, und der Auszug aus dieſen Regiſtern in den naͤchſten zehn Tagen dem Beamten des Civil⸗ ſtandes ²) an dem letzten Wohnorte des Verſtorbenen zugeſandt. II. Iſt aber jemand in einem Feldlazarethe, oder in einem ſtebenden Art. 97. Spangenberg's Commentar Vd. I. Dd Kriegs⸗ 210 Erſtes Buch. Zweyter Titel. Kriegshoſpitale geſtorben, ſo wird die Sterbeurkunde von dem Aufſeher desſelben aufgenommen, und an den Quartiermeiſter des Corps, oder dem Revueninſpector des Armeecorps, wozu der Verſtorbene gehoͤrte, geſchickt. Dieſe Offiziere ſind hierauf verpflichtet, eine Ausfertigung der Urkunde an den Beamten des Civilſtandes des letzten Wohnorts zu ſenden 3). 1) Der Beweis uͤber den Tod von Militairverſonen kann nicht durch Vermuthun⸗ gen, die ſich aus muͤndlichen Zeugenausſagen oder aus Abweſenheit ergeben, gefuͤhrt werden. Gutachten des Staatsraths vom 17. Germinal XIII.(Laſſaulx Ueberf. des Code. Ausg. II. S. 31.) 2) Und außerdem dem Kriegsminiſter durch den Verwaltungsrath; auch ſoll davon in der Abgangsliſte, welche monathlich eingeſandt werden muß, Erwaͤhnung geſchehen. Was die auf dem Schlachtfelde gebliebenen Soldaten anlangt, ſo muß ſich der Quartiermeiſter nach jeder Action, durch die Sergantmajors uͤber jeden fehlenden Soldaten und deſſen Nahmen Bericht erſtatten laſſen. Hierauf unterſucht er nach Vorſchrift des Geſetzes, auf Ausſage dreyer Zeugen die Ur⸗ ſache der Abweſenheit, und beurkundet auf dieſe Art entweder den Tod oder die Gefangenſchaft der Fehlenden, und nimmt die Sterbeurkunde auf, die er in Gemaͤßheit obiger Vorſchriften einſendet. Inſtruction du Miniſtre de la guerre a. a. O.. 3) Noch außerdem ſoll ein Anszug aus dem Hoſpitalregiſter, jeden Monat doppelt ausgefertigt, und dem Kriegscommiſſair uͤbergeben werden. Dieſer hat denſel⸗ ben an den Kriegsminiſter einzuſenden. Die Quartiermeiſter haben den Hoſpital⸗ directoren puͤnctlich die Sterbeurkunden der Soldaten abzufordern, welche unter ihren Vorwiſſen dahin geliefert wurden. Die Art des Todes ſoll in den Sterbe⸗ urkunden nicht angefuͤhrt werden, ausgenommen I. bey Soldaten die auf dem Schlachtfelde bleiben; II. die an Wunden oder Krankheiten ſtarben. Inſtruction du Miniſtre de la guerre a. a. O. 5. 171. „ Verpflichtung des Civilſtandsbeamten in allen dieſen Faͤllen. ʒrt. 98. Der am Wohnorte derer, uͤber welche die Urkunde aufgenommen wird, angeſtellte Civilſtandsbeamte, muß eine jede Urkunde, deren Aus⸗ fertigung ihm von der Armee zugeſandt wird, ſogleich in ſeine Civilſtands⸗ regiſter eintragen ¹). Sechs⸗ Von den Urkunden des Civilſtandes. Sechstes Kapitel. Von der Berichtigung der urkunden des Civilſtandes. N §. 172. Im allgemeinen. Sind Urkunden entweder gar nicht eingetragen, oder ſind ſie verloren gegangen, ſo treten bey der Wiederberſtellung derſelben die oben(S. 137.) ausgefuͤhrten Grundſaͤtze ein; ſind ſie dagegen nicht gebörig eingetragen, ſo muͤſſen ſie berichtigt werden. Eine ſolche Be⸗ richtigung geſchieht mithin, und zwar entweder auf Antrag des kaiſer⸗ lichen Procurators, der ſich von der Rothwendigkeit derſelben entweder durch die von ihm jaͤhrlich vorzunehmende Durchſicht, oder auf andere Art üͤberzeugt, von dem Tribunale erſter Inſtanz, in folgenden Faͤllen: I. wenn der Civilſtandsbeamte die Urkunde auf ein fliegendes Blatt ein⸗ getragen hatte; Il. wenn er ein Blatt aus dem Regiſter geriſſen, und ein anderes an deſſen Stelle eingefügt hat; MI. wenn er die gehörigen Formalitäten, welche bey Abfaſſung einer Urkunde erforderlich waren, außer Acht ließ; oder der Partheyen*): I. wenn der Civilſtandsbeamte ſich bey Abfaſſung der Urkunden Auslaſſungen oder unrichtige Anfuͤh⸗ rungen zu Schulden kommen ließ; M. wenn er den von den Partheyen gegebenen Erklaͤrungen andere ſubſtituirte, oder unwiſſend oder im Einver⸗ ſtaͤndniß mit denſelben falſche Angaben in die Urkunde aufnahm; III. wenn die Urkunde von einem dritten ausgeriſſen oder verfälſcht war u. dergl. 1) Sie können entweder direct um Berichtigung nachſuchen, oder indirect dadurch, daß ſie eine Urkunde als falſch angreifen. In dieſen Faͤllen muß das urtheil zugleich uͤber die Berichtigung erkennen. 8 123 Verfahren bey derſelben. Nur die Intereſſenten können in den letzten Fäͤllen um Berichti⸗ gung der Urkunde nachſuchen; nie aber der kaiſerliche Procurator von Amtswegen ¹). Ruͤgt der letztere grobe Nachlaͤſſigkeiten oder Verge⸗ pen, die von den Eivilſtandsbeamten begangen ſind, woraus ſchon von ſelbſt die Nothwendigkeit der Berichtigung erbellt, ſo ſteht es den 4 Dd 2 ar⸗ 1 — Art. 99. Art. 100. Erſtes Buch. Zweyter Titel. Partheyen frey, um dieſelbe nachzuſuchen oder nicht ²). Da es ferner möglich iſt, daß die Irrthuͤmer und Unregelmäͤßigkeiten, die ſich in die Ur⸗ kunde eingeſchlichen haben, einem Dritten Rechte ertheilt haben koͤnnen, ſo iſt I. das Tribunal befugt 3) diejenigen vorzuladen, die ein Intereſſe haben koͤnnen, ſich der Berichtigung zu widerſetzen; auch haben dieſe letztern II. das Recht als Intervenienten in dieſen Faͤllen aufzutreten 4). III. Kann das Berichtigungsurtheil, welches auf Antrag des kaiſerlichen Proeurators erlaſſen iſt, keinem der Intereſſenten entgegengeſetzt werden, der entweder gar nicht um Berichtigung nachgeſucht hat, noch zu dem Urtheil vorgeladen iſt, um ſeine allenfalſigen Einwendungen entgegenzu⸗ ſetzen. Derjenige, der die Berichtigung einer Urkunde verordnen laſſen will, muß ſich desbalb mit einer Bittſchrift an den Praͤſidenten des Tri⸗ bunals erſter Inſtanz wenden. Ueber dieſelbe wird dann referirt, und nach Anhörung des kaiſerlichen Procurators die Vorladung der Intereſ⸗ ſenten und eine vorlaͤufige Zuſammenberufung des Familienraths verfuͤgt. Gegen das Berichtigungsurtheil kann von dem Anſuchenden binnen drey Monaten von dem Tage des Urtheils angerechnet die Appellation einge⸗ wandt werden*). 0 Nicht einmal, wenn die Regiſter eines ganzen Departements in unordnung gekommen waͤren. Gutachten des Staatsraths vom 21. Nivoſe X. 2) Daher darf das Urtheil, welches den Civilſtandsbeamten beſtraft, nicht zugleich die Berichtigung der Urkunde verordnen, da dieſe nur auf das Begehren der Intereſſenten verfuͤgt werden kann. Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 225. not. 2. 3) Denn oft wuͤrde die Ladung uͤberfluͤſſig ſeyn, wenn die verlangte Berichtigung von der Art iſt, daß niemand ein Intereſſe haben kann, ſie zu beſtreiten, indem ſie nichts an einem wirklich erworbenen Beſitzſtande ändert. S. Pandectes frangaiſe. T. II. p. 403. 4) Unterlaſſen ſie dieſes, ſo bringt dieſes auch keinen Nachtheil fuͤr ſie hervor, da ihnen immer das Recht bleibt das Urtheil anzuſechten, wenn es gegen ſie ein⸗ gewandt werden ſoll. Art. 100. Nur diejenigen verlteren das Recht das Urtheil zu beſtreiten, welche ihre Rechte entweder von ſolchen Perſonen ableiten, die in der Sache aufgetreten ſind, oder das Urtheil anerkannt haben, in ſo fern es nur nicht eine queſtion d'état betrifft, denn in dieſem Falle ſchadet auch eine ſolche Anerkennung nicht; und es findet noch immer Appellation gegen das⸗ ſelbe ſtatt. Caſſattonshof bey Laſſaulx: Annalen. Bd. 1. St. 1. S. 338. Laſſaulx Geſotzgeb. Nap. Th. 1. S. 228. not. 3. 5) Cod⸗ do proced. art. 85. 356. 358. 5. 174. Von den Urkunden des Civilſtandes. S. 174. Fälle, in welchen es einer ſolchen Verichtigung nicht bedarf⸗ Da dieſes Verfahren mit vielen Koſten verbunden iſt, ſo hat der Staatsrath*) einige Fälle beſtimmt, in welchen es einer ſolchen Berich⸗ tigung nicht beduͤrfen, ſondern nur eine Beſcheinigung hinreichen ſolle; naͤmlich: I. In dem Falle, wo der Nahme eines der kuͤnftigen Ehegatten in der Geburtsurkunde nicht auf dieſelbe Art geſchrieben iſt, wie der ſeines Vaters, oder wenn einer der Vornahmen des Vaters ausgelaſſen ware, iſt das Zeugniß der Eltern oder Großeltern, die der Ehe beywohnen, und die Identität bezeugen, hinlaͤnglich, um ohne Berichtigung der Urkunde zum Abſchluß der Ehe zu ſchreiten. II. Das naͤmtiche tritt ein, wenn ſie ihre Identität durch die in geſetzlicher Form aufgeſetzten Einwilligungs⸗ urkunden bezeugen. III. Sind Eltern und Großeltern todt, ſo kann die Identitaͤt der Minderjaͤhrigen durch den Familienrath oder Vormund, die der Volljäbrigen durch die vier Zeugen, die bey Abſchließung der Ehe zuzuzieben ſind, bezeugt werden. IV. Iſt in der Sterbeurkunde der Eltern und Großeltern ein Buchſtabe oder Vornahme ausgelaſſen, ſo iſt die eidliche Erklaͤrung der Perſon, deren Einwilligung in die Ehe von Minderjaͤhrigen erforderlich iſt, und der Parthey und Zeugen, wenn der zukuͤnftige Ebegatte volljaͤhrig iſt, hinreichend, ohne daß es einer Berich⸗ tigung der Civilſtandsregiſter bedarf. Zu bemerken iſt jedoch: I. daß die obengenannten Verguͤnſtigungen nur fuͤr die Heirathsurkunden, nicht aber fuͤr die Aufgebotsurkunden eintreten, weil die letztern immer in Ge⸗ mäßheit der den Civilſtandsbeamten von den Partheyen uͤbergebenen No⸗ tizen erlaſſen werden. II. Daß in keinem Falle die von den Verwandten und Zeugen gemachten Erklaͤrungen denjenigen Perſonen zum Nachtheil gereichen können, welche weder darauf angetragen noch dazu uͤberhaupt concurrirt haben ²). 1)— des Staatsraths vom 30. May 1808. in Laſſaulx Annalen Bd. 1⸗ 2. S. 151. 3) Arg. art. 100. 5. 175. Eintragung der Berichtigung. In der Urkunde ſelbſt darf keine Berichtigung und keine Abaͤnde⸗Art. 101. rung vorgenommen werden; aber die Berichtigungsurtheile ſollen von E Dd 3 dem 214 Erſies Buch Zweyter Titel. Von d. urkunden d. Civilſtandes. dem Civilſtandsbeamten in die Regiſter eingetragen werden, ſobald ſie ihm zugeſtellt worden ſind. Am Rande der berichtigten Urkunde muß dann dieſes Urtheil erwaͤhnt, und auf dasſelbe zuruͤckgewieſen werden; und ſollte eine Abſchrift derſelben erfordert werden, ſo kann dieſe nicht anders als mit den verordneten Berichtigungen abgeliefert werden. Ver⸗ ſäumt dieſes der Civilſtandsbe amte, ſo iſt er fur allen Schaden verant⸗ wortlich, welcher daraus entſpringt ¹). 1) Code de procodure art. 857. Weſtphaͤliſche Proceßordnung Art. 791. Gut⸗ S Staatsraths vom 4. May 1808. in Laſſaulr Annalen. Bd⸗ 1. H. 2. S. 153.. — 14 Dritter Titel. Vbn dem Wohnſikhke⸗ * 5. 176. Arten deffelben. Un ſeine burgerlichen Rechte, die einem durch die Urkunde des Civil⸗ ſtandes geſichert werden, ausuͤben zu können, muß man einen Wohn⸗ 6 ſitz ¹)(domicile) baben; denn ein bloßer Aufenthalt(rélidence) hat dieſe Wirkung nicht; da dieſen auch Fremde haben koͤnnen. Dieſer Wohnſitz iſt dreyfach: I. In Hinſicht auf das Staatsbuͤrger⸗ recht(politiſcher Wohnſitz), in der Commuͤne, in welcher man ſich ein Jahr lang niedergelaſſen hat, ohne ſich von derſelben ein Jahr entfernt zu haben ²). II. In Hinſicht auf das Privatrecht, wo man Art. 102. ſeine Hauptniederlaſſung(etabliflement) hat. III. In Hinſicht auf die Ehe, wo man ſich die letztern ſechs Monate vor Abſchkuß derſelben aufgehalten hat 3). 1) zacManar Hondbuch F. 12— 15. LocRß Eſprit. T. II. p. 205— 270. MPRLIN Repertoire v. domicile, und déclinateire.. 3) Conſtiturion de Tan FIII. tit. 1. art.6. bey S4arrxtp recueij. T. I. p. 183. Dieſe iſt von dem privatrechtlichen voͤllig unabhängig. S. auch kaiſerl. Decret vom 17. Jan. 1805. tit. T. 3) Code Napolzon art. 74— leber den Wohnſitz als Gerichtsſtand ſ. Gode de procudure frangoit art. 2. 3. 59. Code de vroccdure MWeſtpholien art. 1. S. auch LocRE a. a O. Eaſſaulx Geſetzaeb. Rapol. comment. Th. I. S. 137. vorzuͤalich aber PI6Eau Procedure. T. I. p. 77 ff. RobiER Com⸗ mentaire fux l'Ordonnance de 1667. tit. II. 1 wrivatrechticher Wohnſitz, und zwar I. freywilliser. Wohnſitz, in Beziehung auf das Privatrecht, iſt der Ort an welchem jemand in Bezug ſeiner Privatrechte und Verbindlichkeiten von dem 216 Erſtes Buch. Dritter Titel. dem Geſetze als fortdauernd gegenwärtig*) betrachtet wird.— Dieſer Wohnſitz iſt entweder freywillig, oder nothwendig, oder ver⸗ tragsmäßig. Der erſtere wird durch das wirkliche Wohnen an einem Orte, verbunden mit der Abſicht, ſeine Hauptniederlaſſung daſelbſt zu art. 103. nehmen, begründet ²). Er kann nur verändert werden, wenn man dieſes Wohnen nebſt dieſer Abſicht nach einem andern Orte hinuͤbertraͤgt. Der Art. 10z. Beweis des veraͤnderten Wohnorts ergiebt ſich: 1. aus einer ausdruͤck⸗ lichen Erklaͤrung ²) bey der Municipalitaͤt des Orts, den man verlaͤßt, Art. 105. und desjenigen, wehin man ſeine Wohnung verlegt; II. in Ermangelung einer ausdrücklichen Erklaͤrung, aus den Umſtaͤnden, die dieſe Veraͤnde⸗ rung begleiteten 4). 1) Deshalb erkennt das Franzöſiſche Recht ein domicilium duples im Romiſchen Sinne dieſes Worts nicht an⸗ Tronchet in der Discuſſion.(Conuferene. TLp 273 Reanier daſelbſt. Projer du Dode. L. I. tit. 3. art. I. MA.BvIILLE Analyſe ad art. 102. Hat er mehr Niederlaſſungen, ſo daß man zweteln könnte, wo ſeine Hauptniederlaſſung wäre, ſo kann er gezwungen werden, dieſe anzugeben. Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. comment. Th. 1. S. 150. not. 4. 2) Im Zweifel iſt der Geburtsort dafuͤr anzunehmen. Laſſaulx a. a. O. S. 161. not. I. 3) Sollie die Erklärung betrügeriſch geſchehen, und die Veränderung des Wohn⸗ ſitzes nicht erfolgt ſeyn, ſo bleibt der vorige Wohnſitz fuͤr den rechtlichen zu halten, da das Geſetz alle aus betrügeriſchen Abſichten vorgenommene Handlungen fur nichtig erkläͤrt. Art. 1356. 4) 3 B. wenn man Uurkunden beybringt, in welchen der Beklagte ſeinen Wohnſitz angegeben hatte, ſo kann er in Bezug auf dieſe Urkunde nicht beweiſen, daß er an einem andern Orte ſeinen Wohnſitz habe. Dann bleibt der Beweis ledige lich dem Ermeſſen des Richters unterworfen. Caſſationshof bey JoUANNEaU in SoLon Discuſſions. T. I. p. 194. Laſſaulx a. a. O. S. 163. LockE a a. O aus der Discuſſion. Enolich als raiſon ẽcrite fr. 27. 5. I. L. 1. D. ad mu- nicipalem. c. 7. F. K. 396 6 incolis. S. auch Juriprudence. T. I. p. 371.483“ 5. 178. II. Nothwendiger. Trr Den nothwendigen Wohnort ¹) begruͤndet das Geſeß. Einen ſolchen Art. 107. haben: I. der Staatsburger, der zu einem öffentlichen Amte auf Le⸗ benszeit berufen wird, erbält nach Annahme deſſelben ſeinen Wohnſitz an dem Orte, wo er dieſes Amt ausuben muß. Iſt hingegen das Amt nur auf eine gewiſſe Zeit beſchraͤnkt, oder auf Widerruf verlieben, ſo behält er ſeinen bisherigen Wohnſitz, wenn er nicht eine entgegengeſetzte Abſicht ————— Von dem Wohnſitze. i Abſicht an den Tag gelegt hat. II. Die verheirathete Frau ²) hat den Wohnſitz ihres Mannes. III. Der nichtemancipirte Minderjährige 3) hat ſeinen Wohnſitz bey ſeinen Eltern oder ſeinem Vormunde. IV. Der Voll⸗ jäͤbrige, dem die eigene Verwaltung ſeines Vermogens genommen iſt, bey ſeinem Curator. V. Volljaͤhrige, welche bey andern in Dienſten ſind, oder fortdauernd*) arbeiten, haben den Wohnſitz der Perſon, welcher ſie dienen, oder bey der ſie arbeiten: jedoch nur dann, wenn ſie mit ihr in einem Hauſe*) wohnen. VI. Die Erben und andere Intereſſenten, in Art. 1. Hinſicht der Eröffnung der Erbſchaft, haben ihren Wohnſitz da, wo der Verſtorbene denſelben hatte 6). 2. 1) Irrig ſieht DnrvIncovRT Inſtitutes. T. I. p. 60. den geſetzlichen Wohnſitz als eine geſetzliche Vermuthung an, welche zur Conſtatirung der Abſicht, ſein Domicil zu ſixiren, angeſehen werden koͤnne; denn es iſt ja rechtlich unmoͤglich, daß z. B. die Frau einen andern Wohnſitz haben könnte, als den des Mannes, und daß eine andre Abſicht in Hinſicht auf denſelben eintreten könnte, u. ſ. w. S. auch Jurisprudence du Code civil. T. IV. p. 235. DaGAR nouveau Ferriére. v. Divorce. Sect. I. 2) S. Art. 241. Sie verliert ihn durch Scheidung und Trennung von Tiſch und Bette, nicht aber dutch Trennung der Guͤter. DREIvINCOURT Inſtitutes. T. I. p. 62. not. 2.— Sie verliert dieſen Wohnſitz auch nicht, wenn ſie oͤffent⸗ liche Kauffrau iſt, ebgleich ſie in dieſem Falle auch noch ein anderes Domicil in Hinſicht der Handelsgeſchaͤfte waͤhlen kann. 3) Emancipirte Minderjährige haben daher das Recht ihr Domicil zu veraͤndern, ebenfalls Witwen und unverhetrathete großjaͤhrtge Maͤdchen.— Iſt die Mutter des Minderjährigen Vormuͤnderin, ohne daß ſie die Vormundſchaft fuͤhrt, ſo verhaͤlt ſich jedoch der tutor gerens wie ein Mandatar der Mutter, und das Domlcil des Minderjährigen iſt bey der Mutter. Appellhof zu Paris in Juritprudencs. T II. p. 416. 4) Habituellement“ Die Weſtphalica: gewoͤhnlicher Weiſe. Spielmann: ge⸗ wöhnlich. Laſſaulx: beſtändig. Erhard und Zacharia: fortdauernd. Die latetniſche Ueberſetzung: qui alicui operas, famulatum et ſervitia praeſtare conſueſcunt. 5) Dieſes braucht gerade nicht das Wohnhaus des Dienſtherrn zu ſeyn, wie 2acHARLAE Handbuch. 5. 13. not. Z. richtig bemerkt. 6) S. auch art. 822. Naͤmlich: I. Klagen der Erben gegen einander werden bis zur Theilung incluſive; II. die der Gläubiger des Verſtorbenen vor der Thei⸗ lung; III. Klagen auf Vollſtreckung des letzten Willens bis zum Endurtheil im Wohnorte des Verſtorbenen angeſiellt. Code de procedure frang. art. 59. VWeſtphalien. art. I. Spangenberg's Commentar Bd. 1. Se§. 179. 218 Erſtes Buch. Dritter Titel. Von dem Wohnſitze. Vertragsmäßiger. Der vertragsmäßige Wohnſitz wird durch Uebereinkunft der Par⸗ theyen beſtimmt. Dieſe iſt theils ausdruͤcklich, theils ſtillſchwei⸗ gend, je nachdem ſie ſich ausdruͤcklich uͤber die Wahl eines ſolchen in Betreff ihrer von ihnen eontrahirten Verbindlichkeiten vereinigten ¹), oder das Geſetz eine ſolche Wahl als unmittelbare Folge dieſer Verbind⸗ — m. lichkeiten anordnete. In beyden Faäaͤllen ſollen die Inſinuationen, die Klagen und das weitere Verfahren, das ſich auf die eingegangenen Ver⸗ bindlichkeiten bezieht, an dem vertragsmaͤßigen Wohnſitze und vor dem Richter deſſelben ſtatt haben 2). Ein vertragsmaͤßiger Wohnſitz unter⸗ wirft die Contrahenten immer dem Richter deſſelben 3). 1) Z. B. ſich efnen in Hinſicht ihrer Perſon incompetenten Richter unterwerfen. In dieſem Falle ſoll jedoch die Wahl des Domicils in derfelben Urkunde geſchehen, . welche die Verbindlichkeit enthaͤlt. EMMERv Expoſé des motifs.(Garnery T. I. p. 59.) Andrer Meynung iſt jedoch BousQR Enplication du Code civil. art. III. Nr. 4. Vorſchrift des Geſetzes iſt es aber keinesweges, wie ZacHARLAE Handbuch. Th. I. S. 32. behauptet, obwohl eine gute Ke⸗ ſichtsregel. 2) S. art. 2148. 5. 1. Code de procod. Fr. art. 84. 609. vſ. Phalien. art. 528. 337. 617.&e. Hierbey iſt zu bemerken: I. Die in einer Urkunde, wodurch von einem Urtheile appellirt wird, geſchehene Wahl eines Domicits legt demjenigen, bey dem es gewählt iſt, die Macht bey, die Vorladung anzunehmen, die der Appellat inſinuiren laͤßt, um die Sache— in der Appellationsinſtanz fortzuſetzen. II. Ein in erſter Inſtanz und zur Voll⸗ ſtreckung des darin erlaſſenen Urtheils gewaͤhltes Domieil erſtreckt ſich jedoch nicht auf die Appellationsinſtanz, ſo daß folglich keine auf die Appellation ſich bezie⸗ hende Inſinuation guͤltig daſelbſt vorgenommen werden kann. III. Die bloße Anzeige des Orts, an welchem z. B. ein Wechſel zahlbar erklaͤrt worden iſt, kann nicht als eigentliche Wahl eines Domicils angeſehen werden. Caſſattonshof * bey Blanchard zu Maleville zum Art. 111. Appellhof zu Turin in Jurin- . prudence. T. IX. p. 386 ff. 3) Sogar wenn Fremde einen ſolchen Wohnſitz in Frankreich Sſn Apypellhof zu Paris in Jurisprudence. T. II. p. 437. ——— Vierter Ziter. 5 Erſtes Kapitel. Von der Vermuthung der Abweſenheit. 5. 180. Im allgemeinen. H ſich jemand ſeit geraumer Zeir von ſeinem Wohnſiße entfernt, ohne ſeinen Angebörigen Rachricht von ſich zu geben ¹), ſo muͤſſen gßer⸗ ordentliche Urſachen zum Grunde liegen, von denen die natuͤrlichſte der Tod ſcheint. Da dieſer aber nicht erwieſen iſt, ſo tritt ein Zuſtand der Ungewißheit ein, der je länger er dauert, dieſe Wahrſcheinlichkeit je mehr zur Gewißheit erhebt. Immer muß man jedoch die factiſche Abweſen⸗ heit von der rechtlichen unterſcheiden. Die erſtere entſtoht durch die Thatſache des Verſchwindens ohne Nachricht zu binterlaſſen, die letztere durch eine gerichtlich ausgeſprochene Abweſenbeitserklaͤrung. Jede Nih„ gegenwart(non préſence) begruͤndet aber eine Vermuthung der factiſchen Abweſenbeit. Tritt nun die Nothwendigkeit ein, fur die Verwaltung 2) Art. 1 des zurückgelaſſenen Vermögens einer als abweſend vermutheten Perſon zu ſorgen, welche auch keinen Bevollmächtigten hinterlaſſen hat, ſo ſoll das Tribunal erſter Inſtanz ²), auf Anſuchen der Intereſſenten 4), hier⸗ über verfuͤgen. Auf das Geſuch derſelben, und zwar deſſen, bir ſich e, zuerſt deshalb meldet, ohne Ruckſicht auf den Verwandſchaftsgrad, ertheilt 12. mithin das Tribunal einem Rotar den Auftrag, diejenigen, welche man abweſend vermuthet, bey Inventuren*), Theilungen, Rechnungsabnah⸗ men und deren Berichtigungen zu vertreten*). Auch haben die kaiſer⸗ lichen Procuratoren den beſondern Auftrag, fuͤr das Intereſſe der als ab⸗ Ee2 weſend Art. 1T. Erſtes Buch. Vierter Titel. weſend vermutheten Perſonen zu wachen: weshalb ſie bey allen, dieſelben betreffenden Klagen gehört werden muͤſſen 7). 1 Dieſes iſt der juriſtiſche Begriff des Worts abweſend. MAr. EvIILB Ana- yſe ad art. 112. E 7 2) Ob das Tribunal dem Präſumtivabweſenden einen Curator ernennen wolle, bleibt lediglich ſeinem Ermeſſen uͤberlaſſen. MarEvIILIE a. a. O. LoonE T. H. p. 321. Welche Maaßregeln es zu nehmen habe, ebenfalls. — 3) Aber welches? Das Tribunal des Domicils, oder das, unter welchem die Güter des Präſumtivabweſenden liegen? Vey der Discuſſion wurde auf Regniers Antrag, unter Napoleons und Tronchets Beyſummung, die Frage dahin entſchieden, daß das Tribunal des Domicils zuerſt die Präſumtivabweſen⸗ hett(noch nicht die Abweſenheitserklärung) ausſprechen muͤſſe, und daß hierauf die uͤbrigen Tribunale dieſem Urtheile gemaͤh fuͤr die Verwaltung der unter ihnen gelegenen Guͤter des Präſumtivabweſenden ſorgen muͤßten. Dem⸗ nach wurde der 112te Artikel in der Sitzung vom 12. Frimatre K. dahin ab⸗ geaͤndert:*§'il y a neceſſité de pourvoir ⁊ ſadminiſtration de tout ou partie des biens laiſſes par une perſonne prẽſumée abſente, en vertu d'un jugement du Tribunal de premiére inſtance de ſon domicile, et qui n'a point de procureur fondẽ, il y ſera ſtatue par ſe Tribunal de premiére inſtance de a ſituation des bient“ Dieſe Veränderung wurde dem gedruckten Projet von dem Redner des Staatsraths beygeſchrieben,— da aber die weitere Dis⸗ cuſſion des Code in dieſem Augenblicke ſuſpendirt, und erſt nach 10 Monaten wieder vorgenommen wurde, ſo wurde ſie aus Verſehen bey der Redaction des Code einzutragen vergeſſen. Sie kann mithin zwar nicht als geſetzliche Vorſchrift, aber doch immer als authentiſche Interpretation betrachtet werden. LocRE Eſprit. T. H. p 304 ff. Blanchard zu Maleville Th. 1. S. 130. 4) LocRß a. a. H. und Laſſaulx Journ. II. 9. S. 250. iſt der Meynung, daß nur der, welcher ein Klagrecht gegen den Abweſenden hat, und zwar ein wirkliches und gegruͤndetes, nicht ein eventuelles, einen ſolchen Antrag machen koͤnne, und 4 ſchließt daher die Teſtamentserben von dieſer Befugniß aus, ſo daß dieſe nur den „ kaiſerl. Procurator veranlaſſen könnten, bey dem Gerichte die erforderlichen An⸗ traͤge zu machen, allein irrig, denn auch die Teſtamentserben, und welche eventuelle Rechte haben, koͤnnen dieſe Anträge thun, da ſich größtentheils ihr Intereſſe mit dem des Abweſenden vereinigt. ZAcRaRAE Handbuch. Th. 1.§. 18. not. 4.⸗ Richtig bemerkt DrrvincovR Inſtitutes. T. I. p. 66. not. 2. doß man zu den Intereſſenten alle, die ein allgemetnes oder heſonderes Intereſſe häͤtten, rechnen muͤſſe, z. B. Ehegatten, Glaͤubiger, die Eigenthuͤmer und Vermether des Hauſes, in welchem der Abweſende wohnte, u. ſ. w⸗ S. auch PPEIPFER Napoleons Geſetabuch. Th. 1. p. 53. not. BousQUE Explication ad art. 112. Wie die Intereſſenten zu verfahren haben, ſ. Code de procedure Franc. art. 8590. Veſiphalien art. 793. 5) Natuͤrlich muͤſſen die Erbſchaften dem Abweſenden vor ſeiner Abweſenheit, oder vor der letzten Nachricht von ihm angefallen ſeyn; im Gegentheil kann ſie. er ——— — Von den Abweſenden. 221 der in Anſpruch nehmen, der die Exiſtenz des Abweſenden beweißt. Art. 135. 136. tur darf der Abweſende nicht fuͤr todt praͤſumirt werden, denn das Geſetz haͤlt ihn weder fuͤr todt, noch fuͤr lebend, ſondern ſeine Exiſtenz nur fuͤr ungewiß. Erſt nachdem er ſein 100ſtes Geburtsjahr erreicht haben wuͤrde, wird er fuͤr todt präſumlrt. S. zum Art. 136. 6) Dieſer Artikel wird auch auf ſolche Abweſende angewandt, die zwar von ihrem Wohnorte entfernt ſind, und von deren Daſeyn man Nachricht hat, die ſich aber in der Unmöglichkeit befinden, einen Bevollmaͤchtigten zu ſtellen. Blan⸗ chard a. a. O.— Der vertretende Notar ſtellt nun die Perſon des Abweſenden vor, kann daher nicht die Handlungen, bey denen er zugegen ſeyn muß, ſelbſt aufnehmen, z. B. Inventarien⸗ Theilungen. Defermon und Thibaudeau in der Discuſſion. Bey LocRt T. II. p. 328. 7) Immer findet aber gegen das Erkenntniß uͤber die Abminiſtration des Ver⸗ moͤgens, und uͤber die Praͤſumtivabweſenbeit, die Appellation ſtatt. Thibau⸗ deau in der Diseuſſion bey LocRk T. II. p. 307. Zweytes Kapitel. Von der Abweſenheitserklaͤrung. — 5. 181. 1. Erforderniſſe derſelben. Das Recht der Intereſſenten ¹), auf die Abweſenheitserklärung dringen zu können, wird begründet: 1. Wenn der Abweſende keine Voll⸗ macht zur Verwaltung ſeines Vermögens hinterlaſſen hatte, durch eine vierjährige factiſche Abweſenheit von dem wirklichen Wohnſitze, oder dem gewöhnlichen Aufenthaltsorte, und in Ermangelung aller und jeder ge⸗ wiſſen Nachrichten ²) von dem Abweſenden waͤhrend diefer Zeit. II. Wenn Art. 121. er eine Vollmacht, ſie mag ſchon erloſchen ſeyn, oder noch beſtehen 3), Art. 122. hinterlaſſen hatte, durch den Ablauf von zehn Jahren. Hat er keine Rachrichten von ſich binterlaſſen, ſo laufen dieſelben von ſeinem Ver⸗ ſchwinden an; ſind deren eingelaufen, von dem Tage der letzten Nachricht ⁴). Iſt die Vollmacht erloſchen, ſo ſoll von Seiten des Tribunals ein Ver⸗ walter, nach den in dem erſten Kapitel vorgetragenen Regeln, ernannt werden. 1) Aber nlcht in dem weiten Sinne, worin es Nrt. 112. nothwendig nehmen muß. Hier ſind Intereſſenten nur die, welche ein notoriſches Recht haben, welches aber erſt durch den Tod des Abweſenden wird, wie die Erben oder e 3 2 he⸗ „ Erſtes Buch. Vierter Titel. Ehegatte. Art. 120. 121. Obgleich es aus dem Geſetze zu erhellen ſcheint, daß bloß die Inteſtaterben, regelmaͤßtge und unregelmäßige(denn nur dieſe ſind héritiers) die Abweſenheitserklaͤrung nachſuchen könnten, wie auch Lockt bet hauptet(Fſprit. T. II. p. 341.), ſo rechnet Zackakat Handbuch, Th. 1. §. 19. not. 1. und DEL.vINCouRT Inſtitutes. T. I. p. 70. not. I. auch die praͤ⸗ ſumtiven Teſtamentserben dazü; ſo wie den Schenknehmer der zukuͤnftigen, und den der gegenwaͤrtigen Gäͤter unter Vorbehalt des Nießbrauchs. Ich ſtimme jedech Locré'n bey, da der razſte Artikel ausdrücklich einen Uinterſchted zwiſchen den héritiers preſomtifs, und den parties intéreſſees macht, und den Teſtaments⸗ erben u. ſ. w. nur das Recht giebt, die Heffnung, des Teſtaments zu verlangen. Man muß aber wohl den Ausdruck parties intéreſſées in ſeinen Bedeutungen unterſcheiden. Im Art. 112. bedeutet er alle mögliche Intereſſenten, im Art. 115. bloß die geſetzlichen Erben, im Art. 123. die Teſtamentserben. Dieſes erhellt auch aus einer Entſcheidung des Appellhoſs zu Colmar in Juris- prudeuce. T II p. 225. Nie aber kann ein Praͤſumtiverbe den andern zwin⸗ gen, mit thm zugleich dieß Geſuch anzuſtellen. Appellhof zu Btuͤſſel in Juris- Prudence. T. I. p. 220. 2) Kommen Nachrichten ein, ſo iſt es einerley, ob ſie durch den Abweſender ſelbſt, oder durch andere Perſonen einfaufen. MarRvIIILE Analyfe ad art. 115. Ob die Zeit vor der Publication des Code angefangen hat oder nicht, darauf köͤmmt nichts an. Appelthof zu Bruͤſſel in der Juriprudence. T I. p. 220. 3) S. Art. 12r. 122. Der letztere, der etwas undeutlich iſt, iſt obiger Maaßen zu erklären. S. BIGoT DR PRfAMRNEU Expoſé des motifs:(Garnery Th. 1. S. 72.) On a auſt provn le ca on la procuration ceſſeroit par la mort on par in autre emnpechtement(Z. B. durch Auftuͤndigung u. ſ. w.) Ces cireonſtances ne chacent point ler inductions, qui naiſeyt du ſait mome, mil a dlc loiſſé une procuration, et on a du titer de ce Fait u. ſ. w. MarRVIITE ad art. 122. richten, nicht dem des Empfangs. ZAcHaRIA a. g. O. not. 3. §. 182. II. Verfahren bey derſelben. „ ernennt hierauf einen Richter, um an einem beſtimmten Tage daruͤber zu referiren, und nachdem der kaiſerliche Procurator gehoͤrt worden iſt, wird a deu conſohuence la prémiere, que les Kériliers præſomptif ne ſeroient envoyds en poheſion qu d Texpiration du mème ddlai d⸗ dir an 4) Nach dem Principe, worauf die Lehre beruht, wohl von dem Datum der Nach⸗ Die Intereſſenten muͤſſen ſich an das Tribunal erſter Inſtanz des Wohnſitzes ¹) wenden, um eine Abweſenheitserklärung auszuwirken. Sie haben deshalb I. dem Praͤſidenten deſſelben eine Bittſchrift zu uͤberreichen, und die Beweisſtuͤcke und Urkunden derſelben beyzufuͤgen; der Praͤſident Von den 2bweſenden. 223 1 das Urtheil geſprochen ²). Immer muß daher die Abweſenheit zuerſt Art. u6. ſchriftlich beſcheinigt werden. Hierauf ſoll das Tribunal verfuͤgen, daß ſowohl im Bezirke des Wohnſites, als in dem des gewohnlichen Aufent— halts ²), wenn beyde von einander verſchieden ſind, eine Zengenabhoͤ⸗ rung ²), um die Abweſenheit außer Zweifel zu ſetzen, vorgenommen werde, bey welcher der kaiſerliche Procurator 3) fuͤr den Praͤſumtivabweſenden ſpricht*). Denn das Tribunal ſoll bey der Entſcheidung uͤber das Geſuch um Abweſenbeitserklaͤrung auf die Beweggruͤnde der Abweſenheit und auf die Urſachen Ruͤckſicht nehmen, welche verhindert haben koͤnnen, daß man von dem Praͤſumtivabweſenden keine Nachricht erhielt. So wuͤrde ein Franzoſe, von dem die letzten Rachrichten aus Indien datirt waren, nicht einmal nach zehn Jahren fuͤr abweſend erklärt werden koͤnnen. II. Der kaiſerliche Procurator ſoll hierauf die Vorbeſcheide ſowohl(das Art. 118. Erkenntniß auf Abhorung der Zeugen) als die Definitiverkenntniſſe, ſobald ſie erlaſſen ſind, an den Juſtizminiſter einſenden, der ſie bekannt zu machen hat 7). 1III. Die Reſultate dieſer Bekanntmachung muͤſſen Art. 119. nun ein Jahr lang abgewartet werden, denn die Abweſenheitserklärung ſoll nicht eher, als nach Ablauf eines Jahrs von dem Tage des Urtheils, welches die Zeugenabhoͤrung verfuͤgte, ausgeſprochen werden. 1) DervInconT a. a. O. not. 2. Defermon, Bonlay, Thibaudeau in der Discuſſion.(Conference. T. I. p. 301.) 2) Gode de procedure Fraugoit art. 839. 860. ef et 83. Veſlphalien art. 793. 794. cf. et 44. Auch findet die Appellation dage ſtatt. LocRE T. II. p. 345. aus der Discuſſion. 3) Auch dieſe Verfuͤgung geſchieht durch ein Requitotialſchrelben an das Lribünat des Aufenthalts. Der Juſtizminiſter in der Discuſſion.(Conference T. I, p. 301.) Hat er ſich an mehreren Orten aufgehalten, ſo muß an allen dieſen ein ſolches Zengenverhoͤr veranſtaltet werden. Tronchet in der Distuſſion. (Conferenee. T I. p. 301.)— Ein zufaͤlliger bewirkt indeſſen dieſes nicht, z. B. der Aufenthalt eines Soldaten in einer Feſtung in Kriegszeiten. Appellhof zu Reims in Jurisprudence. T. I. p 137. 4) Die Zeugen find von den Intereſſenten in der Bittſchrift oder von dem kaiſer⸗ lichen Procurator vorzuſchlagen. Br6oT pp PREAMENR Expoſe des motifs a. a. O. Auch die naͤchſten Verwandten find als Zeugen zuzulafſen. Thibau⸗ deau a. a. O. 5) Dieſer iſt im allgemeinen vor jedem urtheil zu hören, daß in Sachen eines Abweſenden erkaſſen wird. Locnÿ F. p. 35 6) So haben Spielmann und Prhard deutlicher, ols die Weſphaliea: daß, nach Anhoͤrung des königlichen Procureurs— die Zeugenabhörung vorgenommen werde.“ Erſtes Buch. Vierter Titel. werde.“ Denn es heißt im Texte: qu'une euquéte ſoit faite cont radiet oi- . rement avec le procurenr impérial.— Die lateiniſche Ueberſetzung hat: adſtante regio procuratore— Iſt der Abweſende eine Militairperſon, ſo muß ihn von den Kriegs⸗ und Marine-Miniſterien einziehen. Daß dieſes geſchehen ſey, muß ſowohl in den pravaratoriſchen als Endurtheilen bey Strafe der Nullitét angefuͤhrt werden. Circulaire du Miniſtre Grandjuge aux Pro- cureurs- Impriauw. d. d. 16. Dec 1806. in RoPoNNEau Supplem. p. 210. ed. voss. Blanchard zu Maleville Th. 1. S. 133. 7) Dieſes geſchieht ſowohl in Frankrelch als in Weſtphalen durch den Mouiteur. Drittes Kapitel. Von den Wirkungen der Abweſenheit. 18 Im allgemeinen. Die Wirkungen der Abweſenheit aͤußern ſich I. in Hinſicht auf das Vermögen; II. in Hinſicht auf die eventuellen Rechte; III. und in Hin⸗ ſicht auf die Ehe des Abweſenden. Erſter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Veziehung auf das Vermogen, welches der Abweſende am Tage ſeines Verſchwindens beſaß. Welche ſie ſind? Die Wirkungen der rechtlichen Abweſenheit ſind: I. Einweiſung in den vorläufigen Beſitz. Die Iutereſſenten), welche um Abweſenheitserklärung nachgeſucht haben, können ſich nun, nach ergan⸗ gener Ausſprechung derſelben in den vorläufigen Beſitz des Vermoͤgens, welches dem Abweſenden am Tage ſeiner Abreiſe, oder der letzten Nach⸗ richt von ihm zugehörte, einweiſen laſſen 2). Doch muͤſſen ſie ſi die reue Art. 120. der kaiſerliche Procurator vorlaͤufig durch ein Ausſchreiben Erkundigungen uͤbet — T Von den Abweſenden. 225 Treue ihrer Verwaltung Buͤrgſchaft ſtellen 3). II. Eine zweyte Wirkung(Art. 121. der Abweſenheitserklaͤrung iſt die Eroͤffnung des Teſtaments des2 Abweſenden. Sobald naͤmlich die vermuthlichen Erben die Einwei⸗ Art. 123. ſung in den vorlaͤufigen Beſitz erlangt haben, ſo ſoll auf Antrag der Intereſſenten 4), oder des kaiſerlichen Procurators*) bey dem Gerichte, das Teſtament, wenn ein ſolches vorhanden iſt, eroͤffnet, und den Lega⸗ tarien, Donatarien, ſo wie allen, die auf das Vermoͤgen des Abweſenden einen von ſeinem Tode abhaͤngenden Anſpruch hatten, die vorlaͤufige Aus⸗ uͤbung ibrer Rechte gegen Buͤrgſchaftsleiſtung zugeſtanden werden. 1) D. h. nur die praͤſumtiven Inteſtaterben, denn die Teſtamentserben koͤnnen nicht um Einweiſung in den Beſitz bitten, ob ſie gleich um Abweſenheitserklaͤrung nachſuchen koͤnnen. Appellhof von Aix in Juriprudence. T. IX. p. 234. Auch erhellt dieſes aus Art. 140. Nur der dem Verwandſchaftsgrade nach naͤchſte Intereſſent hat das Recht dieſes Geſuch vorzubringen; vernachlaßigt er es, ſo kann es auch der tiefere. LocRß Eſprit. T. II. p 331. Bey der Berechnung deſſelben ſieht man auf den Tag des Verſchwindens, oder der letzten Nachrichten. Art. 120. Hatte mithin der Abweſende keine erbfaͤhigen Verwandte, ſo koͤnnen die unehelichen Kinder deſſelben, oder der Ehegatte, oder endlich der Staat die Einweiſung in den Beſitz verlangen. 2) Durch ein neues Geſuch, und darauf erfolgtes Erkenntniß. DELvINcouRr Inſtitutes. T. I. p. 72. not. I. 3) Ob ſie hinlaͤnglich ſey? daruͤber muß der kaiſerliche Procurator gehoͤrt werden. DELvINcCouRT J. c. p. 7I. not. g. aus arg. art. 174. 4) Dieſe ſind keine andern, als die, welche aus dem Teſtamente etwas zu hoffen haben, denn der eingewieſenen Praͤſumtiv-Inteſtaterben Intereſſe iſt es eher, die Vermogensmaſſe zuſammen zu halten. LooRt Fſprit T. II. p. 419. hält irriger Weiſe die Praͤſumtiv-Inteſtaterben fuͤr die Intereſſenten.— Sie muͤſſen aber immer ihre Eigenſchaft als Legatarien, Donatarten u. ſ. w. beweiſen, ehe ſie zu dieſem Antrage gelaſſen werden. LocRE Eſprit. T. II p. 413. 5) Z. B. wenn die Intereſſenten das Daſeyn eines Teſtawents nicht wußten. Wuͤr⸗ den ſich die Praͤſumtiverben weigern das Teſtament zu eroͤffnen, ſo konnten die eingeſetzten Erben auch aus Art. 1011. gegen ſie klagen. §. 184. Wie dieſe Wirkungen verhindert werden. 7 Dieſe beyden Wirkungen kann jedoch der Ebegatte, der mit dem Art. 124. Abweſenden in der Guͤtergemeinſchaft lebte, verhindern, wenn er dieſelbe fortzuſetzen verlangt. Dann erbaͤlt, oder bebaͤlt ¹) er vorzugsweiſe die Verwaltung des Vermögens ²) des Abweſenden. Erklaͤrt ſich die Ehe⸗ gattin fuͤr die Fortſetzung der Guͤtergemeinſchaft, ſo behaͤlt ſie doch das Spangenberg's Commentar Bd. I. f Recht Erſtes Buch. Vierter Titel. Necht in der Folge auf dieſelbe Verzicht zu leiſten ³); nicht aber der 66 Mann.— Wuͤnſcht jedoch im Gegentheil der Ehegatte die vorlaͤufige Aufhebung der Guͤtergemeinſchaft, ſo kann er das ihm zum voraus gebuͤhrende zuruͤcknehmen, und alle ſeine geſetzlichen und vertragsmäßigen erſtatten muß ²), Buͤrgſchaft leiſten*). 1) Erhaͤlt; naͤmlich die Ehegattin, die die Verwaltung der Gütergemeinſchaft noch nicht hatte;— behaͤlt; der Ehegatte, der ſie nur fortſetzt. S. auch Art. 140. 2) Und zwar des faͤmmtlichen Vermoͤgens; ſogar deſſen, welches nicht Gegenſtand der Guͤtergemeinſchaft ſeyn kann. Bovrax in der Discuſſion bey LocRE Fſprit. F. I. p. 436.— il fallait“ que l'epoux prẽſeut adminiſträt la totalité des biens de l'abfent, ou qu'ils les cedät en entier aux héritiers, qu'il n'y avoit point de milieu.“ 3) Dieſer Artikel widerſpricht dem 145ſten Artikel nicht, denn dieſer redet von einer Aufloſung der Gemeinſchaft; im obigem Falle aber iſt dieſelbe nicht aufgeloͤßt. 4) Wos ſind dieſes fuͤr welche? War die Frau der zuruͤckgebliebene Ehegatte, ſo muß ſie dem Manne alle die Sachen die auf ſeinen Antheil fallen, und die Vor⸗ ausnahmen, die ſie empfieng, reſtituiren, und deshalb Cautton machen. War es der Mann, ſo könnte er nur zur Reſtitution der Summen, die er zur Bezahlung perſoͤnlicher Schulden u. ſ. w. aus der Gemeinſchaft erhoben hatte, und der Entſchäͤdigungen, die er der Frau ſchuldigziſt, gezwungen werden, und in dieſem Falle zur Cautiensleiſtung gehalten ſeyn. Letzteres leugnet DELvINcouRT In- ſitutes. T. I. p. 285. 286. gegen den Buchſtaben des Geſetzes⸗ 3) Muß der Ehegatte auch in dem Falle Buͤrgſchaft leiſten, wenn er die Gemein⸗ ſchaft annimmt?— Der 129ſte Artikel ſagt:„Hat die Abweſenheit— ſeitdem der in Gutergemeinſchaft geſtandene Chegatte die Verwaltung des Vermoͤgens des Anweſenden übernommen hatte(aura pnis) dreyßig Jahre gedauert— ſo wird die geleiſtete Buͤrgſchaft aufgehoben.“— Da der Mann die Guͤtergemein⸗ ſchaft in dieſem Falle nicht ubernimmt(prendh), ſondern fortſetzt(con⸗ ferve), da auch der Mann ſonſt nicht Caution bey der Gütergemeinſchaft zu „ ſtellen braucht, ſo folgt daraus, daß zwar die Frau in dteſem Falle, nicht aber der Mann dieſer Verbinollchkeit unterworfen iſt. Sowohl DELvINCOURT Inſtitutes. T. I. p. 285, welcher die Buͤrgſchaftsleiſtung in dieſem Falle gegen den klaren 129ſten Artikel leugnet, als MakEvIIIE Analyſe ad art. 124, welchey ſie auch bey dem Manne verkangt, haben Unrecht.— Um die Rechte des Che⸗ gatten, der in der Gemeinſchaft bleibt, zu beſtimmen, muß man ebenfalls unter⸗ ſcheiden: I. War es der Mann, der ſie fortſetzt, ſo behaͤlt er dieſelben Rechte die er vorher hatte. II. War es die Frau, ſo hatte dieſe nur eine bloße Ver⸗ waltung, da eigentlich die Guͤtergemeinſchaft dem Manne gehoͤrt.— MarEvIIILE Analyſe ad art. 124. glaubt, daß die Praͤſumtiverben des abweſenden Ehegatten, wenn der Elngeſetzte verſchwinde, der geſtellten Buͤrgſchaft ohnerachtet, befugt ſind, auf die Auflöſung der Gemeinſchaft anzutragen⸗ §. 185. Befugniſſe ausuͤben. Doch muß er wegen der Sachen, die er wieder⸗ — Von den Abweſenden. Vorlaͤufiger Beſitz: I. Begriff. Der vorläufige Beſitz verhaͤlt ſich nur wie ein Depoſitum des Ver⸗ Art. 122. moͤgens des Abweſenden, welches dem Eingewieſenen die Verwaltung deſſelben einraͤumt, und ihn für den Fall, daß der Abweſende wiedek erſcheint, oder daß man Nachricht von ihm erbaͤlt, zur Rechnungsablage verbindet. Doch unterſcheidet er ſich von dem wahren Depoſitum darin, daß I. der Eingewieſene oder Depoſitar die Guͤter zu ſeinem Gebrauche (aber nur zum bloßen Gebrauche) anwenden kann; II. daß er nach Ver⸗ baͤltniß des Wiedererſcheinens ein beſtimmtes Quantum der Fruͤchte be⸗ halten kann. §. 186. II. Pflichten des Eingewieſenen⸗ Die Pflichten des Eingewieſenen, auch des Ehegatten, der ſich Art. ra6. fuͤr die Fortſetzung der Guͤtergemeinſchaft ¹) erklaͤrt hat, ſind: I. Er muß in Gegenwart des kaiſerlichen Procurators des Tribunals erſter Inſtanz oder eines von dieſem Procurator requirirten Friedensrichters ²) ein In⸗ ventarium uͤber das Mobiliarvermoͤgen und die Papiere des Abweſenden aufnehmen laſſen. II. Er kann nach dem Ermeſſen des Tribunals ange⸗ halten werden, entweder das ganze Mobiliarvermogen oder einen Theil deſſelben zu veraͤußern. In dieſem Falle muß das daraus geloͤßte Kauf⸗ geld, ſo wie die faͤllig gewordenen 3) Rubungen angelegt werden 2). III. Er muß uͤber die Verwaltung Rechnung ablegen 3). Es iſt ihm daher erlaubt, zu ſeiner Sicherheit darauf bey Gerichte anzutragen, daß die unbeweglichen Sachen durch einen von dem Gerichte ernannten Sach— verſtaͤndigen in Augenſchein genommen werden, um deren dermaligen Zuſtand in Gewißheit zu ſetzen*). Der Bericht dieſes Kunſtverſtaͤndigen ſoll in Gegenwart des kaiſerlichen Procurators gerichtlich beſtaͤtigt; die Koſten dieſes ganzen Verfahrens aber aus dem Vermogen des Abweſenden beſtritten werden. IV. Er muß dem Abweſenden, wenn er wieder er? At. 127. ſcheint*), oder deſſen Erben, wenn ſein Tod erwieſen iſt, das Vermoͤgen wieder herausgeben; doch bat er das Recht einen Theil der Fruͤchte ³) als Belohnung zu behalten. Nämlich 1) der Abweſende erſcheint, oder ſein Tod wurde erwieſen, ehe von dem Tage ſeines Verſchwindens*) an zu rechnen, funfzehn Jahre verfloſſen ſind, denn behaͤlt er 4 der Fruͤchte, und giebt nur heraus. 2) Der erſchien, oder ſein Tod wurde 2 erwie⸗ Erſtes Buch. Vierter Titel. erwieſen, nach funfzehn Jahren, oder vor dreyßig Jahren von dem Tage des Verſchwindens angerechnet, ſo behaͤlt er der Fruͤchte, und giebt nur„6 heraus. 3) Nach einer Abweſenbeit von dreyßig Jahren ſollen Art. 128. ihm aber die Fruͤchte ganz gehören. V. Er kann die unbeweglichen Sachen des Abweſenden weder veraͤußern noch mit einer Hypothek be⸗ ſchweren; ausgenommen aus geſetzlichen Gruͤnden. So wuͤrde ein Glaͤu⸗ biger des Abweſenden immer eine gerichtliche Hypothek gegen dieſe Guͤter erwirken koͤnnen 10). 1) Pour la continuation.“ Doch wird auch die Frau hierher zu zählen ſeyn, ob ſie gleich die Gemeinſchaft nicht fortſetzen, ſondern nur annehmen kann. S. 5 184. not. 1. Uebrigens ſind die Pſlichten der Legatarlen und Teſtaments⸗ erben, welche vorlaͤufig in den Beſitz der Erbſchaft geſetzt ſind, die nämlichen. Ebendaf. p. 446. Coférence. T. I. p. 334. 2) Er braucht nicht gerade den Friedensrichter des Domicils zu requirfren; er kann jeden andern beauftragen, in den er das meiſte Zutrauen ſetzt. Thibaudeau in der Discuſſion bey LockE a. a. O⸗ 3) Naͤmlich vor der Abweſenheitserklaͤrung; denn die nach derſelben faͤllig gewor⸗ denen erhalten die Eingewieſenen. DrvIXcobRT Inſtitutes. T. I. p. 78. 4) D. h. die Gelder ſind entweder auf Zinſen auszulethen, oder zur Verbeſſerung der Grundſtuͤcke anzuwenden. ZacRaRIaß Handbuch. Th. I. p. 4I. not. 6. 5) Und zwar 1. dem Abweſenden, wenn er ruͤckkehrt oder Nachrichten von ſich giebt; 2. ſeinen Deſcendenten, die ſich melden, und die im Augenblick der Ab⸗ weſenheitserklärung unbekannt weren; 3. ſeinen Erben, wenn ſein Tod erwieſen wurde. War hingegen der zuruͤckgebliebene Ehegatte in die Guͤter eingewieſen, ſo muß dieſer Rechnung ablegen 1. dem ruͤckkehrenden Abweſenden; 2. wenn die Gutergemeinſchaft aufgeloͤßt war, deſſen Erben. DREvINcooR Inſtitutes. 6) Hat er es nicht gethan, ſo muß präſimirt werden, daß er die Guͤter im guten Stande gefunden habe. Arg, art. 1731. Sehr richtig bemerkt dieſes auch der . Appellhof von Angers. Obſervations de la cour daypyel d'Angerv. p. 1. CRusSAlRE Analyſe des obfervations des tribunaux d appei ſur le Projet p. 33. Lock a. a. O. S. 451. iſt anderer Meynung, aber irrig. DEIvINcouRT a. a. D. S. 78. hat die richtigere. 7) Oder wenn Nachrichten von ihm eingehen. MarRvILIE dnalyſe ad art. T27. 8) Die naͤmlich nach der Abweſenheitserklärung faͤllig geworden ſind. S. not. 3. S. auch Projet du Code civil. K I. tit. 4. art. I2.. 9) ½ compter de la diſparition.“ Alſo nicht von dem Tage der Abweſenheits⸗ erklaͤruna, wie man aus BrGoT DE PRRAMEE Expoſe des motifs.(Gar⸗ nery Th. 1. S. 77.)“avant quinze ans révolus d'abſence ſchließen koͤnnte. 10) DRIvIncouRT Inſtitutes. T. I. p. 78. not. 2. 3. Art. I30. 131. LocR“ Eſprit. T. H. p. 442. Obſervation du Tribunat. 4 3 Von den Abweſenden. 5. 187. Definitive Theilung des Vermoͤgens des Abweſenden. Der vorlaͤufige Beſitz kann aufgeboben werden durch definitive Ver⸗ theilung des Vermoögens: I. wenn ſeit der vorlaͤufigen Einweiſung, oder ſeit der Uebernahme der Verwaltung, die von dem Ehegatten, der in Gütergemeinſchaft ſtand, geſchab, dreyßig Jahre ¹); II. oder wenn ſeit der Geburt des Abweſenden hundert Jahre verfloſſen ſind ²). In dieſen Fällen naͤmlich wird die geleiſtete Buͤrgſchaft aufgehoben; jeder Art. 129. Mitberechtigte kann um die Vertheilung des Vermoͤgens des Abweſenden nachſuchen, und von dem Tribunale erſter Inſtanz ²) ein Erkenntniß um die definitive Einweiſung auswirken. 1) Dieſer Grundſatz beruht nicht auf der Vermuchung des Todes des Abweſenden, ſondern darauf, daß er ſein Vermoͤgen verlaſſen habe, und eine Verjaͤhrung gegen ihn Kraft des Geſetzes eintritt⸗ Ohſervation d⸗ la cour d'appel de Pari. p. 20— 22. CRussAIRR Analyſe des obſervations ſur le Projet. p. 91 ff. 2) Alſo der centenarius abſens iſt fuͤr verſchollen zu halten, nicht, wie nach ae⸗ meinem Rechte der feptuagenarius, dem fr. 8. d. XXXIII. 2. de uſu et UF. fr. 56. d. VI. I. de UF. gemaß.— In dieſem Falle bedarf man der vorlaufi⸗ gen Einweiſung nicht, wohl aber der definittven, denn in keinem Falle ſuc⸗ cediren hier die geſetzlichen Erben ipſo jure.— lebrigens bemerkt MalEvIIIE Analyſe zum Art. 129. daß nach Ablauf dieſer Epochen die Guͤtergemetnſchaft ebenfalls aufgeloßt, und zur Liquidation derſelben geſchritten werden muͤſſe. 3) Nämlich des Domicils des Abweſenden.— Das Tribunat muß in diefem Falle von neuem eine Zeugenabhörung veranſtalten, um zu erfahren, ob man ſeit dieſen dreyßig Jahren keine Nachrichten vom Abweſenden erhalten hat. DPr- vrNcoonr Inſtitutes T. I. p. 8I. not. I. aus BI6oT pPE PREAMENEU Expoſe des motifs.(Garnery Th. 1. S. 77.) 5. 188. Aufhorung der Folgen der Abweſenheik. Die Folgen der Abweſenheitserklaͤrung werden aufgehoben: I. In Betreff der Einweiſung in den vorlaͤufigen Beſitz: 1) Wenn es erwieſen wird, daß der Abweſende geſtorben iſt. In dieſem Falle wird, von deſſen Todestage an, ſeinen zu dieſer Zeit 1) naͤchſten Erben die Erbfolge eröffnet, und die vorlaͤufig in den Beſitz gewieſenen ſind ver⸗ Art. 130. bunden, denſelben das Vermögen des Abweſenden herauszugeben. Doch baben ſie das Recht, den in dem 127ſten Artikel beſtimmten Antheil der Ff 3 Frůchte Art. 132. lichen Einweiſung und 1) Naͤmlich dem Todestage⸗ ad art. I32⸗ Art, 133. tium fuccedunt in locum rei). 2) MarEvIIIE Analyſe ad art. 132. — 230 Erſtes Buch. Vierter Titel. Früchte zu behalten, je nachdem der Abweſende vor funfzehn, oder von Art. 131 dreyßig, oder nach dreyßig Jahren geſtorben iſt. 2) Wenn er wieder eerſcheint, oder wenn es wahrend der vorlaͤufigen Einweiſung dargethan wird, daß er noch lebt. In dieſem Falle hören die Wirkungen des Er⸗ kenntniſſes, das ihn fuͤr abweſend erklaͤrte, auf; doch ſollen ²) dann die Vorſchriften des erſten Kapitels eintreten, daß ihm ein Notarius als Verwalter des Vermoͤgens geſetzt werde. definitiven wird in dieſem Falle erwieſen 3), daß er noch lebt*), ſo ſoll er ſein Vermoͤgen in dem Zuſtande, in welchen es ſich alsdann noch befinden wird, zuruͤck erhalten. Sind Stuͤcke aus dem Vermögen veraͤußert, ſo kann er den Kaufpreis derſelben*), oder diejenigen Gegenſtaͤnde, welche 3 von dem Kaufgelde angeſchafft worden ſind, verlangen 6)(res et pre- 2) Daſſelbe Recht haben die Kinder und die Beſcendenten des Abweſenden, welche bey der definitiven Ver⸗ theilung des Vermogens ihres Vaters unbekannt geblieben waren, die z. B. der Abweſende waͤhrend ſeiner Abweſenheit im Auslande erzeugt hatte; jedoch nur binnen dreyßig Jahren von der endlichen Einweiſung an zu rechnen, denn nachber iſt dieſes Necht verhährt*). eint der Abweſende ſelbſt nach der endlichen Einweifung wieder, oder 9„ 2) Natürlich in dem Falle, wenn ſeine Exiſtenz dargethan wird, ob er gleich niche ſelbſt erſcheint. MArEVILLE Analyſe ad art. 130. 3) Nach der endlichen Einweiſung wird der Beweis, daß der Abweſende geſtorben ſey, nicht mehr zugelaſſen. ZcHaRAE Handbuch. Th. I. F. 22. hot. 2. 4) Dann tritt wieder die Verwaltung durch einen Notar ein. 5) DRrLvIACOURT Inſtitutes. T. I. p. 83, not. 2. will dieſes nur unter der Be⸗ ſchräͤnkung verſtehen, in quantum locupletiores fadti ſunt. 6) Vindiciren kann er die verkauften Vermoͤgensſtuͤcke keinesweges. Die von dem Eingewieſenen nach der definitiven Einweiſung darauf gelegten Hypotheken muß er zedoch anerkennen; doch hat er deshalb ſeinen Regreß gegen die Eingewie⸗ ſenen. DBrvINcook Inſtitutes. T. I. p. 83. not. I⸗ MaLEvILILE Analyſe II. In Betreff der end⸗ nimmt aus dieſem Grunde an, daß dieſe dreybig Jahre von dem Tage an laufen, daß das Kind volljaͤhrig geworden iſt. Vertheilung: 1) Er⸗ §. 189. — — 2 Von den Abweſenden. 5. 189. Rechte der Glaͤubiger des Abweſenden. So lange der Abweſende nicht fuͤr abweſend erklaͤrt war, muͤſſen Art. 134. ſeine Glaͤubiger ihre Rechte gegen den zur Berwaltung des Vermoͤgens deſſelben beauftragten Notar ¹) ausuͤben; nach Erlaſſung des Erkennt—⸗ niſſes aber, welches die Abweſenheitserklaͤrung enthaͤlt, koͤnnen ſie die Rechte gegen diejenigen geltend machen, welche ihn vertreten; alſo I. gegen die in den vorlaͤufigen Beſitz eingewieſenen, oder II. gegen den Ehegatten, dem das Geſetz die Verwaltung derſelben, wie oben geſagt iſt, uͤber— tragen hat. 1) Oder gegen den Eurator, wenn das Tribunal die Ernennung eines folchen fuͤr nothig hielt. S. zum Art. 112. Not. 2. PIGEau Procedure devant hes tri- bunaux de France. T. I. p. 73. 74. Lock Fſprit. T. II. p. 492. Solte jemand gegen einen Abweſenden klagen wollen, dem noch kein Verwalter geſetzt iſt, ſo muß man ihm zuerſt einen ſolchen ernennen laſſen. PI6EaU a. a. O. S. 9o.— Man huͤte ſich ja den art. 69. F. 8. des Gode de procodure Fran- gois(art. 19. F. 9. des Code Meſtphalien) anwenden zu wollen, denn dieſer ſpricht nicht von Abweſenden, ſondern nur von ſolchen, die im Lande ſich auf⸗ halten, ohne daß man weiß wo? DRrvINcovRT Inſtitutes. T. I. p. 77. not. I. thut dieſes. S. aber MarBvILILE ad art. 134.— Obſervations du Tribunal(Conférence. T. I. p. 339). Das Projet verlangte, daß man in ſolchen Fallen in contumaeciam gegen den Abweſenden erkennen ſollte. L. J. tit. 4. art. 22. Zweyter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit, in Beziehung auf dis dem Abweſenden etwa zuſtehenden eventuellen Rechte*) 6. 190. *. Grundſatz. Der Abweſende wird vom Geſetze weder fuͤr lebend noch fuͤr tod gehalten, wie oben bemerkt iſt; hieraus folgt: I. wer ein Recht in An⸗ ſpruch nebmen will, welches nur im Todesfalle des Abweſenden wirklich ward, muß dieſen Tod beweiſen; II. wer dagegen ein Recht in Anſpruch nimmt, das ihn als lebend vorausſetzt, muß ſein Leben beweiſen. Nimmt Exiſtenz 1) daher jemand ein Recht in Anſpruch, weiches einer Perſon, deren Art. 135, 232 Erſtes Buch. Vierter Titel. fuhren, daß dieſelbe in dem Zeitpuncte, wo das Recht anfiel, noch am teben war. So lange er dieſen Beweis nicht fuͤhrt, ſoll ſeine Klage xrt. 136. fuͤr unzulaͤſſig erklaͤrt werden. 2) Wird eine Erbſchaft eröffnet, zu welcher jemand, deſſen Exiſtenz nicht anerkannt wird, berufen wird, ſo fallt ſie ausſchließlich durch das jus accreſcendi auf diejenigen, mit welchen der Abweſende Theil genommen haͤtte, oder auf die, welche in deſſen Ermangelung dazu gelangt waͤren 3), naͤmlich die geſetzlichen Erben des PVerſtorbenen ⁴). 1) Die in dieſem Abſchnitte aufgeſtellten Grundſätze betreffen nicht allein die Ab⸗ . weſenden, ſondern ſind auf alle Faͤlle auszudehnen, wenn die Rede von Perſonen tſt, deren Exiſtenz aus irgend einem Grunde zweifelhaft iſt. LocRE Eſprit. T. U. p 405. S. unten Not. 3. 2) Daher findet dieſe Regel nicht ſtatt, wenn die Intereſſeuten ſeine Exiſtenz aner⸗ tannt haben, ob ſie gleich noch ſo ungewiß iſt, und in ſo fern auf dieſe Ein⸗ rede gegen die Zulaͤſſigkeit deſſen, der das eventuelle Recht in Anſpruch nimmt, renunctiren. LocaE Bſprit. T. II. p. 496⸗ Auch in dieſem Falle tritt dann Art. 113. ein, in Hinſicht der Verwaltung dieſer zugelaſſenen Erbportion. 3) Ob dieſer und der vorhergehende Artikel nur auf den fuͤr Abweſend Er⸗ glärten, oder auch auf jeden Abweſenden vor der Abweſenheitserklaͤ⸗ rung(den Praſumtivabweſenden) anzuwenden ſeyen, daruͤber ſind die Schrift⸗ ſteter und Gerichtshofe nicht einig.— Auf Abweſenderklaͤrte beſchraͤnken ſie MarEvIIILE Analyſe. T. I. ad art. 136. die Appellhoͤfe von Colmar(Juris⸗ Caſſationshof(Daſ. T. IWV. p. 443.),— auf Präſumtivabweſende dehnen ſie aus: LocRp Eſprit. T. II. p. 469 ff. DnLvINcouRT Inſtitutes. T. I. p-288. Z4cHARIAE Handbuch. Th I. F. 22. not. I. und die Appellhoͤfe von Douay(Juriaprudence T. I. p. 247. d. II.), von Brüſſel(Daſ. T. IV. p247.), von Luͤttich(Daſ. T. V. p 51.), von Agen(Daſ. T. IX. p. 203.) und von Lille(Laſſaulx Journal. I. 3. S. 237). Dieſe letztere Meynung „ iſt die richtigere, denn 1) macht der Art. 126. keinen Unterſchied zwiſchen Prä⸗ ſumtiv- und Declarirt⸗ Abweſenden, und ubi lex non diſtinguit, nec nos diſtinguere debemus. 2) Muß man unterſcheiden zwiſchen einem Abweſenden, deſſen Exiſtenz anerkannt iſt, und dem, wo dieſes nicht der Fall iſt. Die Stelle des erſtern vertritt der kaiſerliche Procurator(Art. 112), die des letztern nicht. Alſo kann in dieſem Falle der kaiſerliche Procurator nicht verlangen, daß der Abweſende durch einen Notar vertreten werde. 3) Kann die Chicane der In⸗ tereſſenten, die eines vielleicht eben Abgereißten Epiſtenz nicht anerkennen wollen, dadurch im Zaume gehalten werden, daß das Tribunal das Recht hat, dieſe Einrede aus den Umſtaͤnden, welche die Abretſe begleiteten, als ungegruͤndet zu verwerfen. 4) Erhellt dieſe Meynung auch aus der Discuſſion. S. außer Dpr⸗ vncovRr a. a. O. Blanchard zu Maleville Th. 1. S. 133 ff⸗ 4) Nicht des Abweſeaben. 5. 191. Eriſtenz nicht anerkannt iſt 2), angefallen ſeyn ſoll, ſo muß er den Beweis prudence. T. III. p. 225), von Poitiers(Daſ. T. IV. p. 313.), und der Von den Abweſenden. 5. 191.— Ausnahmen. Wird aber nachher die Exiſtenz des Abweſenden zur Zeit des An⸗ Art. 137. falls erwieſen, oder erſcheint er ſelbſt, ſo kann er oder ſeine Stellvertreter, oder ſonſtige Nachfolger, alle die Erbſchafts- und andere Klagen deſſen ohngeachtet erheben, falls dieſelben nur nicht durch Verjaͤhrung erloſchen ſeyn ſollten. So lange jedoch der Abweſende ſich nicht einfindet, oder Art. 138. keine Klagen in ſeinem Nahmen angeſtellt werden, ſollen diejenigen, welche— die Erbſchaft in Empfang genommen haben, die in gutem Glauben ge⸗ zogenen Nutzungen erwerben ¹). 1) S. Art. 150. Dritter Abſchnitt. Pon den Wirkungen der Abweſenheit in Hinſicht auf die Ehe. 6. 192. 1. In Hinſicht auf die Ehe ſelbſt. Da vor Aufloͤſung der erſten Ehe an keine zweyte zu denken iſt ¹); da aber ein ſo heiliger Vertrag, als die Ehe iſt, nur aus höchſt wichtigen Gruͤnden, und nur von denen, die ein wabres Intereſſe haben, angefochten werden darf, ſo iſt es nur allein dem Abweſenden geſtattet, eine Ehe, die Art. 139. ſein zuruͤckgebliebener Gatte mit einem andern eingegangen iſt, anzufech⸗ ten 2). Kann er dieſes nicht in Perſon thun, ſo kann er die Klage durch einen Bevollmaͤchtigten erheben laſſen, der aber mit dem Beweiſe der Exiſtenz des Abweſenden verſehen ſeyn muß 2). 1) Die Frage, ob der zuruͤckbleibende Ehegatte eine neue Ehe geſetzlich ein⸗ gehen konne, iſt, wie man aus den Discuſſionen ſieht, umaangen, und wirklich findet ſich ein heimlicher Widerſpruch zwiſchen dieſem Artikel und den allgemeinen Grundſätzen uͤber die Ehe. In dem Projet du Code civil L. I. tit. ꝗ art. 27. fand ſich in dem 139ſten Artikel ein ausdruͤckliches Verbot einer ſolchen Ehe. L'abſence de un des epoux, heißt es darin, ſans que l'on ait regu de ſes nouvelles, ne ſuffit point pour autoriſer l'autre à contracter un 6 nouveau mariage; il ny peut ẽtre admis, que ſur la preuve poſitive du décès de l'autre époux, aber auf Berengers Bemerkung in der Discuſſion unter⸗ drückte man denſelben. En conſequence, ſagt LocRE Eſprit T. II. p. 512, on a évité dans le texte de larticle 130 d'énoncer la prohibition, qui eſt 16„ de droit commun; et on seſt reduit à dire, que le mariage qui aura pu 5 etre contracté par lEpoux prẽſent, ne pourra ẽtre attaquẽ, que par lépoux Spangenberg's Commentar Bd. I. abſent. Trt. 40. Art. 141. Erſtes Buch. Vierter Titel.„ abfent.— Bedenkt man jedoch, daß der Code, ohnerachtet des im 137ſten Ar⸗ tikel enthaltenen ausdruͤcklichen Verbots der Bigamie, bey der zweyten Ehe nie N die Beybringung des Todtenſcheins des abweſenden oder verſtorbenen Ehegattens vertangt(die Iuſtruction S. 33. verlangt es fuͤr Weſtphalen, und in Frankreich ſchelnt es wenigſtens Vorſichtigkeitsmaaßregel zu ſeyn), ſo laͤßt ſich wenigſtens eine Moͤglichkeit ſolcher Ehen, die der 159ſte Artikel vorausſetzt, denken; den Fall, daß eine Sterbeurkunde verfaͤlſcht war, nicht zu gedenken.— Die aus einer ſolchen, nachher zernichteten Ehe erzeugten Kinder ſind nach dem Art. 201. 202. zu beurtheilen. Obſervstions de la Cour d'appel de Rennes, p. 18. CRusSafR Analyfe des obfervations p. 105. BI6oT pPE PRERAMENEU Expoſé des motifs.(Garnery Th. 1. S. 79.) 2) Iim Falle einer wahren Bigamie, auch dem kaiſerlichen Procurator. Art. 184. 3) Das iſt er aber durch die Vollmacht immer, da kein Todter eine ſolche ausſtellen kann. Vielleicht will aber der Artikel hierdurch anzeigen, daß die Vollmacht oͤffentlich beglanbigt ſeyn muß⸗ S. 193. I. In Hinſicht auf die Erbrechte⸗ Hat der abweſende Ehegatte keine Verwandten zuruͤckgelaſſen, welche die Erbſchaft anzunehmen faͤbig ¹) wären, ſo kann der Ehegatte die Ein⸗ weiſung in den vorlaͤufigen Beſitz des Vermögens verlangen 2). 1) Habiles d lu ſuccoder iſt eigentlich von ſucceſibler, welches Wort an andern Orten des Eode vorkoͤmmt, verſchteden. Das letztere bedeutet erbfähige Verwandten in Ruͤckſicht des Verwandſchaftsgrads, d. h. Verwandten bis zum I2ten Grad. Art. 753. Dos erſtere bezieht ſich auf die Eigenſchaft des Erben, daß er, obwohl erbfähig, dennoch aus andern Gruͤnden, nicht tuͤchtig iſt, eine Erbſchaft anzunehmen. Art. 7231 727. Di lateiniſche Ueberſetzung hat deshalb auch in unſerer Stelle: nullos ſucceſſionis capacen reliquerit conſanguineos; waͤhrend die Teutſchen alle erbfähtg“ uͤberſetzen, und durchaus keinen Unterſchied machen. Allein Laſſaulx in ſeiner Ueberſetzung ſcheint die Verſchiedenheit geahndet zu haben, da er neben Kerbfähig“ habiles in Klammern geſetzt hat. 2) S. Art. 767. Viertes Kapitel. Von der Aufſicht uͤber minderjaͤhrige Kinder, deren Vater verſchwunden iſt. 5. 194. . Wenn die Mutter noch lebt. Die Mutter hat, wenn der Vater bey ſeinem Verſchwinden minder⸗ jährige Kinder aus einer gemeinſchaftlichen Ehe zuruckließ, uͤber dieſelben . die ——— —,— muͤnderin werden kann ¹). ſechs Monaten), ſeit dem Verſchwinden des Vaters, die Aufſicht uͤber Von den Abweſenden. 235 die Aufſicht, und uͤbt alle Rechte des Mannes, ſowohl in Ruͤckſicht der Erziehung, als der Verwaltung des Vermögens derſelben aus. Von einer wahren Vormundſchaft kann naͤmlich die Rede nicht ſeyn, da nur in dem Falle, wenn der Tod des Vaters erwieſen iſt, die Mutter Vor⸗ 1) Art. 350. 5. 195. II. Wenn die Mutter todt iſt. War die Mutter zu der Zeit, als der Vater verſchwand, ſchon todt, Art. 142. oder iſt ſie noch vor der Abweſenheitserklärung verſtorben, ſo wird nach die Kinder den nächſten Verwandten in aufſteigender Linie, oder in deren Ermangelung, einem einſtweiligen Vormunde, von dem demnachſt zuſam⸗* menzuziehenden Familienrathe uͤbertragen.. 1) Während dieſer Zeit vermuthet man, daß die Nachbaren ſich der Kinder an⸗ nehmen wuͤrden. Thun dieſe es micht, ſo muft der kaiſerliche Procurator fuͤr ſie ſorgen, und die nöthigen Maaßregeln treffen. MarEVILLE Analyſe àd art. 142. Von der Aufſicht uber die Kinder deren Vater oder Mutter verſchwunden iſt. 5. 171. Allgemeiner Grundſatz. Hat einer der verſchwundenen Ehegatten Kinder aus einer fruͤhern Art. 143. Ebe hinterlaſſen, ſo hat der zuruͤckgebliebene uͤber dieſelben gar keine Rechte, ſondern es muß nach ſechs Monaten nach dem Verſchwinden, nach dem Art. 142. verfahren werden ¹). 1) So erkläͤren dieſen Artikel MarEvIIIE Analyſe, und LocRE Eſprit. T. IH. P 518.*. — N 236 Erſtes Buch. Fünfter Titel. E Fuͤnfter Titel. §. 197. I. Weſen derſelben. Ve der Revolution ſtand das Inſtitut der Ehe mit den kirchlichen Dogmen in der genaueſten Verbindung; ſie war ein Sacrament der katho⸗ liſchen Kirche, daher der geiſtlichen Gewalt unterworfen, und unaufloͤßlich. Dieſe Vermiſchung buͤrgerlicher und geiſtlicher Grundſaͤtze, die verwirrten Begriffe, die man mit dem Weſen und dem Character der ehelichen Verbindung verband, veranlaßten die haͤufigſten Unordnungen in der Geſetzgebung und der Anwendung der Geſetze; denn jedesmal kam es zu Streitigkeiten zwiſchen dem Prieſterthume und der Regierung, wenn man uͤber dieſe wichtige Lehre Geſetze geben, oder Urtheile erlaſſen wollte. Die Franzöſiſchen Geſetzgeber uͤberzeugten ſich aber, daß die Ehe, ſo wie ſie vor Einfuͤhrung des Chriſtenthums beſtand, da ſie fruͤher als jedes poſitive Geſetz iſt, weder eine buͤrgerliche, noch eine kirchliche, ſondern eine natuͤrliche Handlung iſt, welche ihrer Wichtigkeit wegen durch den Geſetzgeber mit poſitiven Formen bekleidet, und von der Religion geheiligt werden mußte 1). Die Ehe iſt daher durch ſie ſäculariſirt, d. b. der geiſtlichen Macht durchaus entzogen; ſie hat aufgehört ein Sacrament zu ſeyn, und wird nur als ein natuͤrlicher Contract, den der Staat garantirt, betrachtet. Aus dieſem Grundſatze folgt: I. Die Ehe iſt auflößlich. II. Die weltliche Macht ertheilt die Diſpenſationen. III. Die Verſchiedenheit der Religionen iſt kein Ehehinderniß mehr; ſo daß ſogar der Jude oder Mahomedaner u. ſ. w. ſich mit dem Chriſten ehelich verbinden darf. IV. Die aus der Taufe und Confirmation ent⸗ ſpringende geiſtliche Verwandſchaft hoͤrt auf ein ſolches zu ſeyn. V. Die Kloſtergelubde der euſchheit, ſo wie die Prieſterweihe, iſt nicht unbedingt als ein ſolches zu betrachten. Geht naͤmlich ein Geiſtlicher eine Ebe ein, ſo kann dieſelbe zwar nicht fuͤr unguͤltig erklaͤrt werden, aber da er e dur Von der Ehe. 237 durch nach den Regeln der katholiſchen Kirche die Eigenſchaft eines Prieſters verliert, ſo hört dieſes ſein geiſtliches Amt auf ²).— Das Geſetz kennt daber keine andere Ehe, als die, welche nach der von ihm vorgeſchriebenen Form eingegangen iſt; eine bloß nach kirchlichen Ge⸗ braͤuchen, obgleich guͤltig, abgeſchloſſene Ehe iſt ihm eine unerlaubte Ver⸗ bindung 2). Es beſchaͤftigt ſich aber auch nicht mit den geiſtlichen For⸗ men und Bedingungen der Ehe, und erlaubt daher den Partheyen, ihre Verbindungen durch einen Prieſter ihrer Religion einſeegnen zu laſſen, ohne daß dieſe Einſeegnung zur beſtehenden Guͤltigkeit der Ehe noch irgend etwas beytragen koͤnnte. Auf der andern Seite kann ſich aber auch der Religionsdiener weigern, eine dem Civilgeſetz nach guͤltige Ehe einzuſeeg⸗ nen, wenn er ein religiöſes Hinderniß bey derſelben findet*); und es kann daher wohl kommen, daß eine buͤrgerlichguͤltige Ebe, kirchlich unguͤltig ſeyn kann, obgleich dieſe kirchliche Unguͤltigkeit durchaus keine rechtliche Wirkungen hat; ſelbſt nicht einmal mit geiſt⸗ ücchen Strafen belegt werden kann. 1) S. Du Mariage, dant ſet rapports avee la religion, et avec les Jois vouveller de France. Paris. IX. 2 Voll. 8. Sur la lot du mariage, la loi du divorce, ek, le Vſteme d'adoption. An II. Paris. Z. Fn. yx TonGv Vrais principes ſur le mariage. Paris. 1793. 8. Vor⸗ zuͤglich aber: NovGankpß Riſtoire der lois ſur le mariage et ſur le divorce. II. Voll. 8. Deſſelben de la légirlation ſur le divoree. 2) Der Prieſter kann daher nach Entſagung auf daſſelbe, eine Ehe abſchließen, ob es gleich der Reglerung erlaubt iſt, dieſes zu verbieten, wenn ein bedeuten⸗ des Aergerniß daraus entſpringen wuͤrde, z. B. wenn er als Beichtvater ſeine Beichttochter verfuͤhrt hatte. S. PoRTalIs Lettre au Archtvéque de Bour- deaux an. XIV.«§a Majeſté vient d'ordonner, qu'il ſeroit défendu à tous les officiers de létat civil, de regevoir acte de mariage du prétre B. Sa Majeſté conſidére le projet formé par cet eccleſiaſtique comme un delit contre la religion et la morale.“— In DENEvERs Journal des audiences de la cour de caſſation. An. XIV. Supplem. p. 61. S. uberhaupt: PoRTAL1 Discours prononcé dans la Séance du Corps législatif du 15. Germinal X. (Goncordat entre le Gouvernement frangain, et le Pape Pie V. Paris et Hambourg. 1802. 8. p. 41.) 3) Daher können auch die Religlonsdiener nicht eher die Einſeegnung ertheilen, als bis die Partheyen den Abſchluß der Civilehe bewteſen haben. Geſetz vom 18. Germinal X. art. 54. Decret vom J. Prairial X. Und fuͤr Weſiphalen: 88 Geſetzbulletin. 1808. Nr. XXVIII. art 5.§. 3. S. 525. G9 3 4) — 2 ½5 Erſtes Buch. Fünfter Titel. 4) 3. B. bey einer Che zwiſchen Juden und Chriſten; cap. 6. C. I. 9. de Jndaei. cap. 14. V. 2 de haeret. in VIto, wegen geiſtlicher Verwandſbaft, cap. 1. 6 7. X. IV. 1I. de cognat. ſpiritual. u. ſ. w. aber der Staatsrath hat in dieſem Falle über die Gruͤnde der Weigerung zu erkenneu⸗ §. 198. I. Beariff. Ehe*) iſt daher ein natuͤrlicher, von der buͤrgerlichen Geſetzgebung regulirter, zwiſchen zwey Perſonen verſchiedenen Geſchlechts in der Regel auf Lebenslang, abgeſchloſſener Vertrag, um einen ausſchließlichen Umgang mit einander geſetzlich zu erwirken. ) J. F BpRNaRDI Commentaire fur la loi du 26. Ventoſe XI.— M F. B. Fraité nouveau du mariage. PH. A. GorBERv Diff. ſur le chap. T. 2. 3. 4. du titre du mariage, ou queſtions qui peuvent ſe prẽſenter ſur ces chapitres. Coblenz. 1807. 4. Erſtes Kapitel. Von den zur Eingehung der Ehe erforderlichen Eigen⸗ ſchaften und Bedingungen⸗ 1. §. 199. I. Erforderniſſe zur Gültigkeit einer Ehe. Die Erforderniſſe zur buͤrgerlichen Guͤltigkeit einer einzugebenden Art. 144. Ehe ſind: I. geſetzmaͤßige Pubertaͤt. Das Geſetz nimmt naͤmlich an, daß Mannsperſonen nach zuruͤckgelegtem achtzehnten, Frauenzimmer nach zuruckgelegtem funfzehnten Jahre die Faͤbigkeit, ihr Geſchlecht fort⸗ zupflanzen, erreicht haben. Da ſich die Erlangung dieſer Faͤbigkeit jedoch nach dem Clima richtet, und es ein allgemeiner Erfahrungsſatz iſt, daß die Mannbarkeit in den ſuͤdlichern Gegenden fruͤher erſcheint, als in den nördlichen ¹), auch andere Urſachen hierzu mehr oder weniger beytragen ²), Art. 143 ſo bleibt es den Kaiſer uͤberlaſſen, aus wichtigen Bewegungsgruͤnden von Lrt. 146. dieſem Alter zu diſpenſiren 3). 1. Einwilligung der Contrahen⸗ Art. 147. ten, und zwar freywillige 4). III. Ledigkeit, denn vor Anfloͤſung der erſten Ehe kann man keine zweyte eingehen*). IV. Buͤrgerliches Art. 18. Leben à). V. Einwilligung der Aſcendenten, oder deren Stellvertreter, und VI. nicht zu nahe Verwandſchaft. Be⸗ ſonders „* fonders dieſe beyden letztern Erforderniſſe beduͤrſen einer nähern Er⸗ örterung. i 1) MrrzGRR gerichtliche Araneywiſſenſchaft F. 439. Spittler und Meiners Goͤttinges hiſtoriſches Magazin. B. III. St. 4. S. 764 ff⸗ 2) S. Liebſch Anthropologie. Th. 1. F. 82. not. b. 3) Das Diſpenſationsgeſuch wird durch den kaiſerlichen Procurator an den Juſtiz⸗ mintſter gerichtet, und zwar muß erſterer die wichtigen Gruͤnde, welche es enthaͤlt, beſcheinigen. Arrete du Gouvernement du 20. Prairial XI. Bey RoMpoNNRau Fupplement p. 57. ed. Voss. Fuͤr Weſtphalen ſind die nam⸗ lichen Grundſätze durch ein handſchriftliches Circulaire des Herrn Juſtizminiſters an die königlichen Procuratoren vom g. April 1809 adoptirt. 4) Wer daher nicht einwilligen kann, wie Wahnſinnige, kann keine Ehe eingehen. Taubſtumme konnen in ſo fern ſich verheirathen, als ſie ihre Einwilligung deut⸗ lich machen konnen. LocRE Eſprit. T. III. p. 51 ff. MarEvILLE zum Art. 145.— lleber unfreywillige Einwilligung ſ. zum Art. 180. 5) Geſchiedene Eheleute können ebenfalls nicht eine Ehe nachher wieder mit ein⸗ ander eingehen. Art. 295. 6) Lockß Eſprit. III. P 85 ff⸗ §. 200. Einwilligung der Aſcendenten. a. Wenn die ſelben vorhanden ſind. aa. Bey ehelichen Kindern. In dieſem Falle ſind entweder Aſcendenten vorhanden, und die Kinder ſind ehelich; oder beydes iſt nicht der Fall. Im erſtern Falle haben die Kinder entweder, und zwar der Sohn das fuͤnf und zwanzigſte Jahe ſeines Alters, die Tochter das ein und zwanzigſte zuruck⸗ gelegt, oder nicht. Haben ſie dieſes Jahr nicht zuruͤckgelegt, ſo iſt die verſagte Einwilligung der Ektern ¹) unbedingtes Ehehinderniß. Hierben iſt zu bemerken: 1. Sind die Eltern verſchiedener Meynung, ſo zernichtet die Einwilligung des Vaters den Widerſpruch der Mutter. II. Iſt einer Art. 149. der beyden Eltern todt, oder iſt es ihm entweder wegen Unfaͤhigkeit, oder wegen Abweſenheit ²) unmöglich, ſeinen Willen zu erklaͤren, ſo iſt die Einwilligung des andern hinreichend. III. Sind beyde Eltern todt, oder Art. 130. außer Stande ihren Willen zu erklaͤren, ſo treten die Großeltern ²) an ihre Stelle. Sind die Großeltern derſelben Linie nicht gleicher Mehnung, ſo iſt die Einwilligung des Großvaters hinreichend; iſt eine Linie mit der andern nicht derſelben Meynung, ſo ſoll angenommen werden, als haͤtten ſie beyde in die Ehe eingewilligt⸗ Von der Ehe. 239 — 240 Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. „) Die Sheſcheidung der Eltern befreyt die Kinder keinesweges von der Verbind⸗ lichkeit dieſe Einwilligung beyzubringen, da die Paternität und Maternitaͤt durch dieſelbe nicht aufhoͤrt. Art. 303. Das Projet verlangte in dieſem Falle, dafi der Familienrath zuſammenberufen wuͤrde, um uͤber die Einwilligung zu berathſchla⸗ gen.— Dieſer Artikel des Projet wurde deshalb bis zur Discuſſion des Titels uber die Eheſcheidung ausgeſetzt, wo er aber nicht wieder vorgenommen wurde.— Ebenfalls bleibt dem Ehegatten, der zur zweyten Ehe ſchreitet, dieſes Recht uͤber ſeine Kinder erſter Ehe. Projet L. L. tit. 5. cap. L. art. 11. Daß dieſe Ein⸗ willigung ſchriftlich ertheilt werden koͤnne, wenn ſie nur eine beſtimmte Ehe betrifft, und es, daß die Eltern die Schrift wirklich geſchrieben haben, gewiß iſt, iſt unbedenklich. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 250. 2) Nur muͤſſen ſie nicht naturalifirt ſeyn im fremden Lande. Einer Entſcheidung des Miniſters Großrichters zufolge muß der Minorenne, der ſich verehelichen will, und deſſen Vater im Auslande naturoliſirt iſt, oder von einer fremden Regierung ohne Ermaͤchtigung der franzöſiſchen eine Stelle oder Penſion angenommen hat, die Einwilligung der Mutter beybringen. Iſt dieſe todt oder im Auslande natura⸗ liſirt, die ſeine Großeltern, und wenn auch dieſe verſtorben, oder im Auslande naturaliſirt ſind, die des Familtenraths. Jedoch iſt die letztere nur bis zu dem Alter von 21 Jahren ſtatt 23(Art. 154.) erforderlich. Laſſaulx Journal. I. 1. 35. Unfaͤhig ſind ſie, wenn ſie interdicirt, zu einer peinlichen Strafe ver⸗ urtheilt oder buͤrgerlich todt ſind.(Ferner wenn ſie unmuͤndig geſprochen ſind. Entſcheidung des Großrichters in Laſſaulx Journal. I. 1. S. 34.) S. auch MarEvIII.B Analyſe ad art. 149. 3) Ebenfalls urgroßeltern. DrrvINcovRT Inſtitutes. T. I. p. 91. not. T. Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. comment. Th. I. S. 251. Andrer Meynung iſt Zacnastar Th. II. S. I11. not. I. Da es oft den Deſcendenten unmoͤglich iſt, die Sterbeurkunde ihrer Eltern oder Großeltern beyzubringen, ſo hat ein S. 44. Ed. 2.) entſchieden: daß 1. das Zeugniß der Großeltern die Sterbe⸗ urkunde der Eltern erſetzen konne; 2. daß wenn Eltern und Großeltern verſtor⸗ ben ſind, man ſich in Ermangelung der Sterbeſcheine mit der eidlichen Ausſage der volljahrigen Ehegatten und der vier Zeugen des Heirathsactes begnuͤgen ſolle. Doch kann dieſe Erlaubniß fuͤr den Fall einer Eheſcheidung(Art. 233.) nicht ſtatt finden. S. auch Laſſaulx Journal. II. 4. S. 186. Jurisprudencs. 6 T. IV p. 64. FrRuRIGRoN Code adminiſtratif. T II. P. II p. 159. Fuͤr Weſtphalen ſtellt die näͤmlichen Grundſätze auf die Inſtruction p. 29. 5. 201. Fortſetzung⸗ ſo ſind ſie zwar ihren Eltern nicht mehr unbedingt Gehorſam, aber doch Achtung ſchuldig, und deshalb verbunden, vor ibrer Verheirathung, um den Rath ihret Eltern, oder wenn dieſe verſtorben, oder außer Stande ſind, Gutachten des Staatsraths vom 4. Thermidor KlII.(in Laſſaulx Ueberſetzung Art. 151. Haben jedoch die Kinder das oben genannte Jahr ſchon zuruckgelegt, —— Von der Ehe. 241 ſind, um den Rath ihrer Großeltern auf eine ehrerbietige Weiſe, und unter beſtimmten Förmlichkeiten nachzuſuchen ¹). Ertheilen die Eltern oder Großeltern ſchon auf dieſe ehrerbietige Anfrage und Bitte ihre Ein⸗ willigung, ſo kann, wenn alle uͤbrigen Erforderniſſe vorhanden ſind, ſogleich zur Abſchließung der Ehe geſchritten werden, verweigern ſie Art. 152. dieſelbe, ſo muß man unterſcheiden, ob der Anfragende, wenn er der Braͤutigam war, ſchon das dreyßigſte, oder wenn es die Braut war, ſchon das fuͤnf und zwanzigſte Jahr zuruͤckgelegt hatte. War dieſes nicht der Fall, ſo muͤſſen ſie dieſe Anfrage noch zweymal, mit jedesmaliger Zwiſchenzeit eines Monats wiederhohlen, und erſt einen Monat nach dem drittenmale, dürfen ſie zur Eingehung der Ehe ſchreiten. Haben ſie hin⸗ Art. 133. gegen dieſe Jahre zuruͤckgelegt ²), ſo bedarf es einer ſolchen ehrerbietigen Anfrage nur einmal, und wenn auch gleich die Einwilligung abgeſchlagen iſt, ſo kann dennoch einen Monat darauf die Ehe abgeſchloſſen werden. 1) Der Abgang dieſer Anfrage kann jedoch nie einen Enterbungsgrund abgeben, wie nach dem alten franzoſiſchen Rechte. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. r. S. 151 ff.— Dieſe Anfrage iſt nicht noͤthig, wenn die genannten Perſonen ausdruͤcklich ihre Eintheilung ertheilen; ſie findet nur ſtatt, wenn ſie dieſelbe verweigern. ZacHARLAß Handbuch. Th. II. F. 263. not. 6. Roloff voll⸗ ſtändige Unterwetſung S. 124. a) Der Art. 153. ſagt zwar:„Haben ſie das dreyßigſte Jahr zuruͤckgelegt“ allein der ganze Zuſammenhang, ſo wie auch der Expoſé des motifs zeigt an. daß dieſes allein von dem Bräutiaam zu verſtehen ſey. S. CnasvIILLac Guide. p. 41. Jurisprudence. T. VIII. p. 239. X. p. 479. Appelhöfe von Bour⸗ deaux, Grenoble und Beſancon bey Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. comment. Th. 1 S. 253. Colledtion d'arréts et des jugemens 1807. p. 334 DBtvIN. counr Inſtitutes. T. I. p. 93. not. 2. FrEuRI6Ron Code adminiſtratif. T. II. P. I. p. 160. RoNpoNNEau Supplement. p. 123. ed. voss. 5. 202. Fortſetzung. Das ebhrerbietige Anſuchen ſoll den Aſcendenten, die es verlangen grt. 154. können, durch zwey Rotarien, oder durch einen Rotar und zwey Zeugen vorgetragen werden ¹). Dieſe haben dann die Antwort zu Protocoll 3 zu nehmen ²).— Nur dann fällt das ehrerbietige Anſuchen weg, wenn Art. 135. der Aſcendent rechtlich abweſend*) war. Dieſe Abweſenheit muß be⸗ wieſen werden, und zwar entweder: 1. durch Beybringung des Erkennt⸗ niſſes, durch welches er fuͤr abweſend erklaͤrt war, oder II. in Erman⸗ Spangenberg's Commentar Bd. I. Hb gelung 242 Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. gelung deſſelben, des Erkenntniſſes, durch welches die Zeugenabhörung uͤber die Abweſenheit verfuͤgt wurde, oder III. falls noch gar kein Er⸗ kenntniß erfolgt war, durch eine Notorietaͤtsurkunde. Dieſe Urkunde muß von dem Friedensrichter des Orts, wo der Abweſende ſeinen letten bekannten Wohnſitz hatte, ausgefertigt werden, und die Ausſage von vier Zeugen uͤber die Abweſenheit enthalten*). Dieſe vier Zeugen muß der Friedensrichter von Amtswegen vorladen. 1) teber den 15aſten Artikel entſtanden mehrere Schwierigkeiten: 1. Muß das Kind gegenwaͤrtig ſeyn, wenn der acie reſpectueux durch die Notarien den Eltern uͤberreicht wird? Man wollte dieſes ſchlleßen aus den Worten des Rapport au corps legis- latif:— quelle a pour but, de rapprocher pluſieurs fois les enfans. Ferner aus art. 15. dit. Les enfan de famille ce qui exclut la poſſi- bilité que des étrangers puiſſent ẽtre admis à faire cette demande pour eux; ont tenes de demanderꝰ ce qui ne ſignifie pas de fairs demander, enfin le loi fe fert du mot conſeil, qui indique bien que ce n'eſt point une ſimple declaration qui eſt exigée. Man ſagte: der Vater koͤnnte dem Kinde perſoͤnlich Vorſtellungen thun; es blieben die Geheimniſſe der Familie verdeckt, dieſes ſey Ratio letzis. Dagegen ſagt man:. wäͤre es nothig, ſo wuͤrde das Geſeß es ausdrucklich anzeigen. 2. Die alte Jurtsprudenz erfordere in aͤhnlichen Zuſtellungen nicht die perſoͤnliche Gegenwart.(PEdit 1691. art. 6. permet aux peres et aux méres d'exhéreder leurs filles veuves, meme majeures, de 25 ans, les- quelles ſe marieront ſaus avoir requis par&crit leurs avis et conſeils.)— 3. Sey es erſt ſo weit gekommen, ſo wuͤrde ein ſo kurzes rapprochement auch nicht mehr helfen, ſondern eher wieder Zank und Scandal entſtehen. Daher theilt ſich die Praxis. Die Appellhoͤfe zu Bourdeaur, Toulon ſe, Caen(Jurisprud. T. IV. p. 368.) verlangen die perſoͤnliche Gegenwart; die zu Amiens(Juritprud. T. I. p. 245.), Poltiers, Lon, Rouen, Grenoble in Jurisprudence. T. X. p. 483, Bruͤſſel in Jurisprudence. „ T. III. p. 320. halten ſie fuͤr unnoͤthig. Dieſes hat auch der Caſſationshof beſtaͤtigt. DRNEvERs Journal des audiences de la cour de caffation. An XIV. Suppl. 132. 2. Kann die ehrfurchtsvolle Anfrage an dem Wohnſitze der Aſcendenten zu⸗ geſtellt, oder muß ſie dieſen in Perſon uͤhergeben werden? Der Art. 154. ſcheint das letztere zu beweiſen, da von ihrer Antwort in dem Protocolle Meldung geſchehen muß. Da ſich aber denn die Eltern weigern koͤnnten, die . Notarien vor ſich zu laſſen, ſo haben einige Appellhoͤfe die Zuſtellung an den . Wohnſitz fur guͤltig erklaͤrt. Deciſionr notables de la cour d'appel d⸗ Brumelles an. XIII. I. 370. Doch bemerkt Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 230. ſehr richtig, daß dieſes nur im aͤußerſten Rothfalle zu thun ſey, daß man lieber den gunſtigen Augenblick abwarten muſſe, da* den ltern Von der Ehe. 243 Eltern doch auf die Länge zu ſchwer fallen waͤrde, ſich immer zu entziehen, oder daß, wenn man dazu gezwungen wuͤrde, die Rotarien in dem Protocolle der wiederhohlten Weigerung ſie vorzulaſſen Meldung thun muͤßten. 3. Wenn beyde Eltern noch leben, und die ehrerbietige Anfrage geſchieht nur an einen derſelben, hat ſie fuͤr beyde gleiche Wirkung?— Nein. Appellhof zu Bruͤſſel bey SRBv Journal général des lois et arrèts. 1809. P. II. p. 85. 4. Kann der Aſcendent verlangen, daß ſich das Kind, um ſeine Antwort auf die ehrerbietige Anfrage zu erhalten, in einem Hauſe einfaͤnde, das er hierzu beſtimmt hat? Nein. Appellhof zu Bruͤſſel. Ebendaſ. 2) Dieſes Protocoll muß den Aſtendenten in Abſchrift mitgetheilt werden, und, daß dieſes geſchehen ſey, in demſelben bemerkt werden. Sollte dieſes nicht bemerkt ſeyn, ſo iſt die Anfrage noch immer guͤltig, wenn nur' wirklich Covie ertheilt iſt. Appellhof zu Bruͤſſel in S1REv Journal général 1809. P. II. p. 83. ſogar wenn dieſe unvollſtaͤndig iſt. Appellhof zu Peſagon in Juris⸗ prudence. T K. p. 487. Die Antwort braucht keine Bewegeatunde zu ents halten. LocRE Eſprit. T. III. p. 121. aus dem Expoſé des motifs. 3) Das Geſetz ſchreibt nicht die Ausdruͤcke vor, in welchen die ehrerbietige An⸗ frage geſchehen muß. Sie muͤſſen ehrerbierig und beſcheiden ſeyn, und die Tribunale haben das Recht, unbeſcheidne Anfragen zu annulliren.(Doch darf man hierbey nicht zu weit gehen, und wegen einem oder dem andern unſchick⸗ lichen Ausdruck, an dem vielleicht nicht einmal die Partheyen, ſondern der Notar ſchuld war, die erſtern in die Nothwendigkeit verſetzen, die Anfragen nochmals zu wiederhohlen.) Daher ſoll ſie nie gerichtliche Ausdruͤcke enthalten, wie ſommation, requis, obgletch auch hieraus keine Nicht'gkeit entſprinat. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 255. Ob man ſich den Rath(conſeil) wie es im Art. 151 heißt, oder die Einwiltigung(conſentement) ausbtttet, das iſt einerley; man kann ſich beyder Worte gleichmäßig bedtenen. Appellhof zu Riom in Jurisprudence. T. VII. p. 68. D. h. nicht aegenwärtia, ohne daß man Nachricht von ihm erhalten konnte⸗ DEuvIncouRT Inſtitutes. T. I. p. 289. LocRE Eſprit. T. III. p. 122. 5) Wir haben oben zum Art. 150. geſehen, daß man ſich in Ermangelung eines Notartetatsſcheins, mit einer eidlichen Erklärung des Volljaͤhrigen, daß der Ort wo ihre Aſcendenten geſtorben, ihnen unbekannt ſey, und mit der eidlichen Ausſage der vier Zeugen des Heirathsacts, welche daſſelbe erklären, begnuͤgen koͤnne. Da es nun aber der Fall iſt, daß jede Parthie zwey Zeugen zu dem Hetrathsacte mitbringt, und mithin die Zeugen des einen Theils die Familie des andern ſelten kennen, da ferner zwey Zeugen einen vollen Beweis aus⸗ machen, ſo folat daraus, daß dieſes dahin zu erklären ſey, daß man ſich mit der eiolichen Erklaͤrung der zwey Zeugen einer Parthey begnuͤgen muͤſſe, wenn nur die Aſcendenten dieſer Parthey unbekannt ſind; und daß ſowohl die In⸗ truction S. 31. als das Gutcchten des Staatsraths vom 4. Thermidor KII, welche die eidliche Ecklärung von vier Zeugen verlangen, auf den Fall gedeutet werden muͤſſen, wenn die Aſcendenten 25 beyden Seiten unbekannt 2. Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. S. FrEunIcEon Code adminiſtratif. T. II. P. I. p. 159. Roloff vnfinie Unterweiſung S. 129. F. Strafe der Civilſtandsbeamten, wenn ſie eine Ehe ohne Einwilligung der Aſcendenten abſchließen. Die Civilſtandsbeamten, welche zu der Abſchließung einer Ehe ſchritten, ohne dieſer Einwilligung gewiß zu ſeyn, ſind ſtrafbar. Naͤm⸗ Art. 156. lich: I. erwaͤhnten ſie bey den Sohnen unter fuͤnf und zwanzig, bey Toͤch⸗ tern unter ein und zwanzig Jahren, in der Heirathsurkunde die Einwil⸗ ligung der Eltern, Großeltern, oder der Familie, in dem Falle, wo eine oder die andere erforderlich iſt, nicht; ſo ſollen ſie auf den Antrag der Intereſſenten ¹), oder des koͤniglichen Procurators bey dem Tribunale erſter Inſtanz des Orts, wo die Ehe abgeſchloſſen iſt, zu einer Geldbuße, welche uͤber dreyhundert Franken, und einer Gefaͤngnißſtrafe, welche unter Art. 137. ſechs Monate nicht betragen darf, verurtheilt werden. II. War dagegen das ehrerbietige Anſuchen in den Faͤllen, wo es vorgeſchrieben iſt, unter⸗ laſſen, ſo ſoll der Civilſtandsbeamte, der die Ehe abgeſchloſſen hat, zu der naͤmlichen Geldbuße, und zu einer Gefaͤngnißſtrafe, die nicht unter einem Monate ſeyn darf, verurtheilt werden. „) D. h. weſche Einſpruch thun konnten.— 5. 204. bb. Bey unehelichen Kindern. Sind Aſcendenten vorhanden; ſind aber die Kinder unehelich, ſo ſind Art. 138. dieſelben entweder geſetzlich anerkannt oder nicht. Im erſtern Falle be⸗ duͤrfen ſie der Einwilligung, oder der ehrerbietigen Anfrage von Seiten ihrer Eltern; nicht aber ihrer Großeltern ¹), da ein uneheliches Kind nur von ſeinem Vater und ſeiner Mutter anerkannt werden kann, und dieſe Anerkennungen nur in Hinſicht dieſer Rechte erzengt, nicht in Hinſicht Art. 139. der uͤbrigen Familienglieder. Im letztern Falle hingegen kann ſich das nicht anerkannte Kind, ſo lange es noch nicht ein und zwanzig Jahr alt iſt, nur mit der Einwilligung eines ihm hierzu zugeordneten Vormunds ²) verheirathen. Daſſelbe tritt auch bey dem anerkannten Kinde ein, welches entweder nach erfolgten Anerkennung ſeine Eltern verloren hat, oder deſſen Eltern ihren Willen zu erkläͤren nicht im Stande ſind. Nach dem ein Von der Ehe. 245 ein und zwanzigſten Jahre bedurfen beyde der Einwilligung nieman⸗ des mehr*). 1) Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 237. not. 16. DBvIXcovRT Inſti- tutes. T. I. p. 94. not. I. MalFEvILLE Analyſe ad art. 158. 2) Wer ſoll aber dieſen ernennen? Sowohl das anerkannte, als nicht anerkannte uneheliche Kind, hat keine Familte. Im erſtern Falle muß der Familienrath aus den Freunden der Eltern, im letztern Falle nach Gutduͤnken des Friedens⸗ richters gebildet werden. DRrvINcouRT Inſtitutes. T. I. p. 94. not. 2. So entſchied auch der Caſſationshof in Jurisprudence. T. VII. p. 457. DENEvERS Journal des audiences. An. XIV. p. 633. Da der Vormund gerade zu dieſem Zweck ernannt ſeyn muß, ſo muß ein zweyter ernannt werden, wenn gleich das Kind ſchon einen Vormund hat. DRILvINcouRT a. a. O. ZAcHAR1AE Handbuch. Th. II. F. 263. not. Io. 3) Legitimirte Kinder ſind den ehelichen voͤllig gleich zu ſetzen. Art. 33. Adoptirte beduͤrfen nur der Einwilligung der Eltern, von denen ſie erzeugt ſind. Ars⸗ art. 345. * b. In Ermangelung der Aſcendenten. Iſt keiner der Eltern oder Großeltern mehr am Leben, oder ſind ſie Art. 16. ſamtlich außer Stande ihren Willen zu erklaͤren, ſo können die Kinder ohne Unterſchied des Geſchlechts bis zur Volljaͤhrigkeit(dem ein und zwanzigſten Jahre) ſich nicht anders als unter Einwilligung des Familien⸗ raths verheirathen ¹). 1) Dieſe Einwilligung iſt jedoch nur zum Abſchluß der Ehe, nicht aber zur Er⸗ laſſung des Aufgebots nöthig. Appellhof zu Agen Jurisprudence. T. VIII. p. 13. 5. 206. II. Nicht zu nahe Verwandſchaft. Die Verwandſchaft iſt doppelt, entweder natuͤrlich oder buͤr⸗ gerlich, die erſtere entſpringt aus dem Factum der Zeugung und Geburt, die letztere aus der Adoption. Jede Verwandſchaft wird nach kinien und Graden berechnet. Linie bezeichnet eine Reihe Verwandter, die gegenſeitig von einander oder von einem dritten gleichmäßig Verwandten † abbaͤngen. Sie iſt theils eine gerade, theils eine Seitenlinies erſtere, wenn ſie durch eine Reihe Erzeuger und Erzeugten gebildet wird, letztere, wenn das Verhaͤltniß der von einem dritten abhaͤngenden Erzeugten unter⸗ Hh 3 einan⸗ Art. 161. Art. 162. Art. 163. Art. 164. Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. einander betrachtet wird. Die gerade kinie iſt theils aufſteigend, wenn man von dem Erzeugten zum Erzeuger hinauſſteigt, theils abſtei⸗ gend, wenn man vom Erzeuger zum Erzeugten hinabſteigt. Grad iſt der Platz, den jeder der Verwandten in ſeiner Reihe ausfullt. Außer⸗ dem entſteht noch eine Art Verwandſchaft durch die Schwaͤgerſchaft. Schwaͤgerſchaft iſt naͤmlich diejenige Verwandſchaft, welche durch Ehe oder außerehliche Verbindung zwiſchen dem einen Ehegatten und zwiſchen den Blutsverwandten des andern Ehegatten entſteht. Die Ehe iſt nämlich verboten: A. In Hinſicht der natuͤrlichen Verwandſchaft: I. In der geraden Linie, unter allen Aſcendenten, und ihren ehelichen oder unehelichen ¹) Deſcendenten. II. In der Seitenlinie, 1) unter Geſchwi⸗ ſtern, ohne Unterſchied der ehelichen und unehelichen Geburt; 2) zwiſchen dem Oheim und der Richte, der Tante und dem Neffen ²). Doch bleibt es in dieſem letztern Falle dem Kaiſer uͤberlaſſen, aus wichtigen Gruͤnden von dem Eheverbot zu diſpenſiren. B. In Hinſicht der buͤrger⸗ lichen Verwandſchaft ³) iſt die Ebe verboten: l. zwiſchen dem Adoptanten 4) und dem Adoptivkinde und deſſen Abkömmlingen; II. zwi⸗ ſchen den Adoptivkindern einer und derſelben Perſon; III. zwiſchen dem Adoptiokinde und den nach der Adoption erzeugten leiblichen Kindern des Adoptanten ³); MW. zwiſchen dem Adoptivkinde und den Ehegatten des Adoptanten; V. zwiſchen dem Adoptanten und dem Ehegatten des Adoptiv⸗ kindes. C. In Hinſicht der Schwägerſchaft: I. In der gera⸗ den Linie durchaus. II. In der Seitenlinie bis zu dem Grade der Ge⸗ ſchwiſter einſchließlich*). Nach dem Code Napoleon findet mithin von dem Verbot der Ehe zwiſchen Schwager und Schwiegerin, durchaus keine Diſpenſation ſtatt, und ſo iſt es alſo in Frankreich. Für Weſt⸗ phalen iſt dieſe Ehe fuͤr diſpenſabel erklaͤrt, jedoch nur in dem Falle, wo die vorhergehende Ehe durch Tod aufgelößt iſt; nicht aber, wenn ſie durch Scheidung aufgeloßt war, da man in dieſem Falle befuͤrchten mußte, daß die Hoffnung, die Schwaͤgerin auch noch bey Lebzeiten ibrer Schweſter heirathen zu koͤnnen, dergleichen Scheidungen in zu großem Maaße, Ber⸗ fuͤhrungen und Aergerniß veranlaſſen mochte 7). 1) In Hinſicht der Verwandſchaft durch uneheliche Geburt koͤnnen folgende Fragen entſtehen. Muß in dieſem Falle die natuͤrliche Verwandſchaft ourch eine authen⸗ tiſche Anerkennung, ſo wie ſie fuͤr die Erbfolge erfordert ward, conſtatirt ſeyn, oder iſt die Thatſache der Vaterſchaft hinlaͤnglich um die rechtliche Unver⸗ mögenheit zur Ehe hervorzubringen?— du bejahen! * Von der Ehe. 247 Iſt kein Uuterſchted 1) zwiſchen den geſetzlich anerkannten und den nicht an⸗ erkannten, oder 2) zwiſchen den geſetzlich anerkannten, oder den bloß durch eine unter Privatſchrift anerkannten Kinder zu machen? Bringt jede dieſer Aner⸗ kennung ein gleiches Hinderniß der Ehe hervor? Zu bejahen! Kann auch der Beſitzſtand ein ſolches Hinderniß hervorbringen? Darf z. B. der welcher ein Maͤdchen zwar nie fuͤr ſeine natuͤrliche Tochter weder oͤffent⸗ lich, noch durch eine Privatſchrift anerkannt hat, der ſie aber doch oͤffentlich als ſolche erzogen und ernaͤhrt hat, und öffentlich fuͤr ihren Vater gehaiten wird, ſie heirathen? Dieſe Frage ſcheint zu verneinen zu ſeyn, da der Beſitzſtand doch immer nur ſehr precair iſt. 2) Dieſes Verbot iſt einer Entſcheidung des Kaiſers vom 7. May 1808. gemaͤß, auch auf die Ehe zwiſchen Nichte und dem Großoheim, dem Neffen und der Großtante ausgedehnt. S. Laſſaulx Annalen. B. I. S. 256.— Zu bemer⸗ ken iſt dagegen, daß es ſich nicht auf natuͤrliche Oheime und Tanten bezieht, weil die natuͤrliche Verwandſchaft in der Seitenlinie mit den Geſchwiſtern endet. S. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. comment. Th. I. S. 260. not. I19). MarEvILEILR Analyſe ad art. 161. Dieſes bezweifelt PPEIPFER Napolcons Geſetzbuch. Th. 1. S. 74. allein gegen den Art. 756. 3) Art. 348. 4) Alſo, der Vater, der nicht adoptirt hat, kann die Aboptivtochter ſeines Sohns heirathen. DsLvIRcovR Inſtitute. T. I. p. 106. not. I. 3 Der Code beſchraͤnkt dieſe Ehen mehr als das Roͤmiſche Recht, welches ſie nach erfolgter Aufloſung der Adoption zuließ. 6) Zu bemerken iſt, daß nur die ſo genannte affinitas primi generis Schwaͤger⸗ ſchaft im rechtlichen Sinne iſt, d. h. die oben definirte Schwägerſchaft, welche denn theils Stiefverwandſchaft, theils wahre Schwägerſchaft iſt. So kann der Stiefvater ſeine Stieftochter, der Schwiegetvater ſeine Schwiegertochter, der Stiefbruder ſeine Stiefſchweſter, der Schwager ſeine Schwirgerin, und viee verſa nicht heurathen. Dagegen iſt die affinitas ſecundi generis, d. h. Schwa⸗ gerſchaft mit den Verſchwägerten des Concumbenten kein Eheverbot. So darf ich die Schwiegerin meiner Frau, oder meiner Frauen Bruders Frau heirathen, zwey Bruͤder können zwey Schweſtern von einer und derſelben Familie heirathen, der Vater kann die Schwiegerin des Sohns heirathen, u. ſ. w. S. cap. 5. 8. X.(IV. 14.) de conſanguinitate et affinitate.— Zu der affinitas fſecundi generis gehoͤrt aber keinesweges das Verhältniß der Stiefgeſchwiſter gegen ein⸗ ander, wie ZackaRaß Handbuch. Th. I. S. Io. not. irrig behauptet, fondern zu der verbotenen affinitas primi gradus.— Ob die Schwägerſchaft aus ehe⸗ licher oder unehelicher Geburt entſtand, darauf kommt nichts an. Caſſations⸗ hof bey S1REx Journal geuéral. 1809. P. I. p. 136. 7) Geſeß vom 17. Auguſt 1808 im Geſetzbuͤlletin 1808. Nr. 50. S. 315. S. des Staatsraths Hrn. Grafen von Meerveldt Expoſt des motifs im Moniteur Weſtphalien. 1808. Nr. 97.— Hiernach iſt die Inſtruction p. 35. zu be⸗ richtigen. 1 5. 207. ——— N Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. §. 207. Ehehinderniſſe. Der Mangel der oben genannten Erforderniſſe begruͤndet zwar eben ſo viele Ehehinderniſſe; indeſſen giebt es außerdem noch einige andere, ₰ von denen einige aus dem Civilrechte herfließen, andere Frankreich eigen⸗ thuͤmlich ſind: I. Aus dem Civilrechte entſpringen noch: 1) Das Hinderniß, welches aus einer fruhern aufgeloͤßten Ehe entſpringt ¹). 2) Die Unfähigkeit, die aus der peinlichen Verurtheilung zum buͤrgerlichen Tede entſpringt ²). 3) Die Unfaͤhigkeit zur Ehe mit dem Mitſchuldigen eines Ehebruchs, der der Grund zur Scheidung der erſten Ehe war 3). H. Aus dem Staatsrechte: 1) Eine durch geiſtliche Geſetze ausge⸗ ſprochene Unfaͤhigkeit zur Ebe, in ſo fern die Staatsgewalt aus politi⸗. ſchen Grunden ſie als Hinderniß gelten läßt, z. B. das Gebot des Cölibats. 2) Das Verbot der Ehe zwiſchen Regern und Weißen ⁴). 3) Das 3 Verbot, welches Perſonen von gewiſſen Ständen, z. B. Militairperſonen 8 trifft, ſich ohne Erlaubniß ihrer Vorgeſetzten nicht zu verheirathen*). So duͤrfen ebenfalls die kaiſerlichen Familienglieder ohne Erlaubniß des Kaiſers keine Ehe eingehen*); die Witwe eines Titularen eines Maſora s 3 darf ſich nicht ohne Erlaubniß des Kaiſers verheirathen*); die Provi⸗ ſoren und Cenſoren der Lyceen, die Vorſteber und Regenten der Collegien, und die dabey angeſtellten Lehrer ſind ebenfalls zum Cölibat verpflichtet*). 8 EA 1) S. Art. 228. 295— 297. 2) Art. 25. 3) Art. 298. 4) Circulatre du Miniſtre grand juge d. 18. Nivoſe KI. bey RoNPoNNEAU . Supplement. p. 59. ed. Voss. 5 5) Kaiſerl. Decrete vom 16. Jun. 3. und 28. Auguſt 1808. Circulaire des Kriegs⸗ miniſters vom 7. Sept. 1807.— Ausgedehnt ſogar auf Kriegscommiſſatre, Feld⸗ arzte u. ſ. w. S. Laſſaulx Annalen⸗ I. 3. S. 247— 250. Fuͤr Weſtphalen iſt durch einen Beſchluß des Krtegsminiſters beſtimmt, daß den Conſens des Gouvernements bedürfen: 1. Alle Perſonen, welche ein koͤnigliches Patent in den Haͤnden haben, nach welchem ſie in wirklichen Militairdienſte ſtehen. 2. Alle diejenigen, welche wirklich in der königlichen Armee in Reihe und Glied ſtehen. 3. Alle die, welche die Conſeription zum activen Dienſte beſtimmt hat;— nicht ⸗ aber Verabſchiedete, vormalige nicht wieder zu den Fahnen berufene Sol⸗ daten und die Reſerve.(Departementsblaͤtter des Leinedepartements 1805. S. 106.) 6) Statut de famille art. ꝗ. in SAArFErp Recueil. T. K p. 399. 3 27) Hai⸗ Von der Ehe. 249 7) Kaiſerl. Statut vom 1. Maͤrz 1803. Art. 49. in Laſſaulx Annalen. I. 18. SaarPBLD a. a. O. S. 437. 8) Kaiſerl. Decret vom 17. May 1808. in Laſſauly Annalen. I. S. 313.. 5 208. Wegfallende Ehehinderniſſe. Der Code ſchweigt uͤber mehrere Ebebinderniſſe, welche das gemeine Recht als ſolche anerkannte, weil dieſelben jetzt aufgehort haben, ſolche zu ſeyn; naͤmlich: I. das Verloͤbniß, oder die Verſprechung der Ehe mit einer andern Perſon. Dieſes kann auf keine Weiſe einen Einſpruch begruͤnden, ſollte ſogar wirklich eine ſo genannte Eheſtiftung ſchon auf⸗ geſetzt ſeyn; nie entſpringt aus ihm ein Klagrecht auf Erfuͤllung der Ehe; wohl aber eine Klage auf Entſchaͤdigung; jedoch nur in Hinſicht des gebabten Verluſtes, nicht aber in Hinſicht des entbehrten Gewinnſtes ¹). Auf keinen Fall kann aber eine Conventionalſtrafe ausbedungen werden 2). II. Das geiſtliche Geluͤbde der Keuſchheit, mit Vorbehalt des oben ge⸗ ſagten(S. 197). UI. Das Verbot der kirchlichen Obern aus einem gerechten Grunde. IV. Die geſchloſſene Zeit des Advents, der Faſten und Feyertage. V. Die auferlegte oͤffentliche Buße. VI. Das Verbot der Ehe zwiſchen dem Vormund und ſeinem Pupillen vor der Rechnungs— ablage. VII. Religionsverſchiedenbeit. VIII. Standesverſchiedenheit. 1X. Geiſtliche Verwandſchaft, welche aus der Taufe und Confirmation entſpringt. X. Quaſiaffinitaͤt die aus einem Verlobniſſe entſpringt. XI. Verwandſchaft in entfernten Graden, als die ſind, die der Code ver⸗ bietet. Xll. Entfuͤhrung, ausgenommen, wenn mit derſelben ein wirk⸗ licher Zwang gegen die entfuͤhrten Perſonen verbunden iſt 3). 1) Schon die ältere Jurisprudenz war dieſer Meynung. Per Salica cap. 7. de eo qui flliam alienam quaeſtwit et ſe retrawerit. Dagegen verweiger⸗ ten die Eeabliſſoments de St. Touis p. I. chap. 134. jede Entſchädtaung. S. e. 2. 3.. S. V. I. De ſponſalib. Lxos Novell. XVIII. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 270.— Arg. art. 1142. 1152. des Code Napoléon. Sommer Syſtem des Franzoͤſiſchen Civiltechts. B. I. H. 2. S. 3z. MarR- viILE Analyſe ad art. 172. 2) Schon nach e. 2. C. VIII. 39. De inutil. ipulat. und dem altern Franzoſiſchen Rechte. S. BacQuRT des droits de juſtice. chap. 21. Nr. 332. 3) Ueber dieſe Ehehinderniſſe ſ. Wieſe Grundſätze des Kirchenrechts F. 27 ff. Laſſaulx a. a. O. S. 263. ZAcRARLAt Handbuch. Th. II. S 21— In wie fern Unvermogen die Ehe aufheben kann, davon unten zum Art. 180. Spangenberg's Commentar Bd. I. Zwey⸗ ——— 250 Erſtes Buch. Fünfter Titel. Zweytes Kapitel. Von den auf die Abſchließung der Ehe ſich beziebenden Förmlichkeiten. F. 209. Im allgemeinen. Im allgemeinen haben wir die Förmlichkeiten, welche bey Ab⸗ ſchließung einer Ebe zu beobachten ſind, ſchon oben kennen gelernt G. 147— 156.); nur einige wenige Punecte bleiben uns dieſerhalb zu erortern uͤbrig, naͤmlich: I. in Hinſicht des Abſchluſſes der Ehe; H. in Hinſicht der Aufgebote, und III. in Hinſicht der im Auslande eingegangenen Ehe. F. 270. I. In Hinſicht des Abſchluſſes der Ehe. Art. 165. Hauptgrundſatz iſt: Publicität der Ehe; deshalb ſoll ſie oͤffent⸗ lich*) vor dem Beamten des Civilſtandes an dem Orte, wo einer von beyden Theilen ſeinen Wohnſißz ²) hat, oder wo er ſich wenigſtens ſechs Monate ²) nach einander aufgehalten hat(§. 1550, abgeſchloſſen werden⸗ 2) Ob die Ehe auf dem Gemeindehauſe abgeſchloſſen worden iſt oder nicht, iſt vollig gleichguͤltig, wenn ſie nur mit der gehörigen Publicitaͤt abgeſchloſſen iſt. In po fern iſt daher auch eine Trauung auf dem Sterbebette erlaubt. Cf. Bulle- tin de juriuprud. T II. p. 197 ff.— wenn nur nicht etn Concubinat vorher⸗ gegangen iſt. MarvIILLB ad art. 165. Roloff vollſtaͤndiges Handbuch⸗ S. 101 ff. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 293. 2) Eine Perſon kann in ihrem wahren Domicile die Ehe abſchließen, wenn ſie ſich auch anderswo ſechs Monate aufhielt; denn die Erlaubniß, die Ehe an dem Orte, wo man ſechs Monate reſidirt hat, abzuſchließen, iſt nur eine Ausnahme von der Regel. Lockß Eſprit. F. III. p. 187. aus der Discuſſion. MAE- vIIILE ad art. 168. und DRLvINcovRT Inſtitutes. T. I. p. 108. 115. not. 2. ſind irriger Weiſe andrer Meynung, und behaupten, daß immer nur durch ſechs Monat keſidence das Domicil des Abſchluſſes der Ehe erworben werde. 3) Auch in Hinſicht der Soldaten im Innern des Reichs findet dieſe Regel ſtatt⸗ Gutachten des Staatsraths vom 2. Jan. complement. KIII⸗ bey LocRE a. a. O. S. 194. Von der Che. II. In Hinſicht der Aufgebote. Aus dem Grundſatze der Publicitaͤt der Ebe fließt ebenfalls: I. Die Art. 16. Aufgebote muſſen bey der Municipalität des Orts geſchehen, wo ein jeder der beyden Contrabenten ſeinen Wohnſitz ¹) hat. II. Sie muͤſſen auch Art. 167. bey der Municipalitaͤt des letzten Wohnſitzes geſchehen, wenn einer von beyden ſeinen gegenwaͤrtigen Wohnſitz erſt durch einen Aufenthalt von ſechs Monaten erlangt bat. Ill. Sind die Contrahenten in Hinſicht ihrer Art. 165. Verheirathung unter der Gewalt eines andern ²), ſo ſollen ſie auch noch bey der Municipalität des Wohnorts der Perſonen geſchehen, unter deren - Gewalt ſich jene befinden. IV. Sie ſollen doppelt geſcheben; doch ſteht Art. 169. es dem Kaiſer, oder dem von ihm beauftragten Beamten 3) frey, aus wichtigen Gruͤnden vom zweyten Aufgebote zu befreyen. 1) Domicile hat elne doppelte Bedeutung. Einmal bedeutet es den Ort wo jemand ſein etabliſſement hat, und dann, jedoch nur in Hinſicht der Ehe, den Ort wo ſich jemand ſechs Monate aufgehalten hat. Jetzt ſagt Art. 166. 167: das Aufaebot ſoll an dem Orte geſchehen, wo jeder der beiden Contrahenten ſein domiecile (nämlich etabliſſement, Hauptniedertäſſung) habe. Iſt jedoch dieß domicile nur durch ſechs Monate reſidence begruͤndet, ſo ſoll das Aufaebot außerdem vey der Municipalitaͤt des letzten domſcile(es mag durch reſidence oder etabliſſement begruͤndet ſeyn) geſchehen. Der wirkliche Abſchluß der Ehe hingegen kann aus⸗ ſchlteßlich im domicile, das durch etabliſſement, oder durch ſix mois de reſidence begründet iſt, geſchehen.— Hiernach iſt Bank tabellariſche Darſtellung der Geſchaͤfte des Civilſtandsbeamten Taf. II. zu berichtigen, welcher ſagt: Ueber⸗ haupt ſey an den Hertern aufzubleten, wo jeder der Verlobten zulktzt ſechs Monat gewohnt, und wenn ſich jemand ſechs Monate oder daruͤber an einem Orte bloß aufgehalten habe, denn auch an ſeinem letzten Wohnorte, d. h⸗ an dem, wo er ſein etabliſſement habe. S. PoRTaI1s Expoſe des motifs. (Garnery Th. 1. S. 101.) 2) D. h. derer, deren Einwilligung zur Ehe es bedarf, nicht alſo der Vormuͤnder u. ſ. w. wie Witting von der Fuͤhrung der Regiſter des Code Napoleons S. 34. und 63. will. In Hinſicht eines Minderjährigen, der ſich in dem Falle des Art. 151. befindet, braucht die Ehe nicht in dem Wohnorte jedes der Glieder des Familienraths, ſondern nur bey dem Präſidenten deſſelben, d. h. dem Wohnſitze des Friedensrichters, der ihn zuſammenberuft, verkuͤndet zu werden. Caſſationshof in Jurisprudence. T. IX. p. 84. DRILvINcouRT Inſtitutes. T. I. p. 109. not. I.— Mar RvILILE zum Art. 168. glaubt, daß es der Proclamatton au dem Wohnort der Eltern u. ſ. w. nicht beduͤrfe, wenn eine ehrerbietige Anfrage noͤthig ſey, weil dieſe an deren Stelle trete. 3) Den kaiſerl. und königl. Procurator. Pſtruction p. 35. Daß die Grunde der Bitte um Diſpenſation angegeben ſeyn muͤſſen, ſcheint denn doch aus den Ji 2 Worten 3 Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. man ſie ertheilt, zu erhellen. Andrer Meynung iſt Laſſaulx a. a. O. Th. 1. S. 198. 6. 212. II. In Hinſicht der im Auslande eingegangenen Ehe. Art. 170. Eine Ehe, welche im Auslande zwiſchen Franzoſen und Franzoſen, oder zwiſchen Franzoſen und Fremden eingegangen wird, iſt gultig, vor⸗ ausgeſetzt I. daß die in dieſem Lande uͤbliche Form bey Abſchließung der⸗ ſelben beobachtet iſt; II. und daß den im vorigen Kapitel enthaltenen Verfuͤgungen nicht zuwider gehandelt iſt; vorzüglich aber, daß die vor⸗ Att. 171. geſchriebenen Aufgebote geſchehen ſind. Immer ſoll jedoch die uͤber die⸗ ſelbe aufgeſetzte Urkunde in das Civilſtandsregiſter des Orts, wo der Franzoſe ſeinen Wohnſitz hat, und zwar in den erſten drey Monaten nach ſeiner Ruͤckkehr in das Gebiet des Reichs, eingetragen werden, um die rechtlichen Wirkungen derſelben zu ſichern. Drittes Kapitel. Von den Einſpruͤchen wider die Heirath⸗ 5 3 Im allgemeinen. Einſpruch gegen die Ehe darf nur im Falle eines wirklich vorhan⸗ grt. 172. denen Ehehinderniſſes eingelegt werden, und zwar: I. von der Perſon, . welche mit einem der beyden Verkobten ſchon wirklich verheirathet iſt, Art. 173. da das bloße Verloͤbniß an ſich kein Ehehinderniß ſeyn kann ¹). I. Von dem Vater, und in deſſen Ermangelung von der Mutter, und in Erman⸗ gelung der Eltern von den Großeltern ²); ſollten ſogar die Kinder ſchon art. 174. das fünf und zwanzigſte Jahr zuruͤckgelegt haben. HI. Von den Ge⸗ ſchwiſtern ³), volljaͤhrigen Geſchwiſterkindern, Oheimen und Tanten, jedoch nur in Ermangelung aller Aſcendenten, und in folgenden beyden Faͤllen: 1) wenn die im 16oſten Artikel vorgeſchriebene Einwilligung des Familienraths nicht ausgewirkt worden iſt; 2) wenn der kuͤnftige Ehegatte wahnſinnig iſt. In dieſem letztern Falle muß jedoch der S zuglei Worten des Art. 169.“cauſes graves“ die man doch kennen lernen muß, ehe di Von der Ehe, 253 zugleich auf Interdiction antragen 4), und uͤber dieſelbe binnen der in dem zu erfolgenden Urtheile zu beſtimmenden Friſt entſcheiden laſſen, doch kann das Tribunal dieſen Einſpruch unbedingt aufheben, nachdem es den angeblichen Wahnſinnigen unterſucht uud ihn geſund befunden hat. 1V. Von den Vormuͤndern und Curatoren in den eben gedachten beyden Art. 175. Fällen, jedoch nur dann, wenn ſie dazu die Genehmigung des Familien⸗ raths, den ſie zu dieſem Ende verſammeln laſſen duͤrfen, erlangt haben werden. 2. 1) MarnvIIII Analyſe ad art. 171. nimmt an, daß in dieſem Falle der 170ſte Artlkel nicht anwendbar ſey. 2) Hat der Vater auf den Einſpruch Verzicht gethan, ſo kann die Mutter ihn nicht erheben, u. ſ. w. weit ausdruͤcklicher Verzicht der fruͤhern die Rechte des ſpätern vernichtet. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 272. In dieſem Falle muß der Verzicht oder die Wiederaufhebung der Oppoſition vor Notarten ge⸗ ſchehen, und eine Copie dem Citvilſtandsbegmten zugeſandt werden. PErVIX. covzT Inſt. T. I. p. 98. Der Ausdruck“in Ermangelung“ bezieht ſich nur auf Umſtände, die die Einlegung unmöglich machen, wie Abweſenheit, Inker⸗ diction, buͤrgerlicher Todt u. ſ. w. Se iſt die von JovANNEAb und SorLON Piscuſſons. T. I. p. 273. aufgeworfene Frage, ob wenn, der Vater todt, die Mutter interdicirt ſey, der Oheim Einſpruch thun koͤnne? bejahrnd zu beant⸗ worten. LockE Eſprit. T. III. p. 235. 3) Auf eheliche Collateralen ſchränkt dieſes Recht ZacRAR1Aaß Handbuch. Th. II. §. 267. not. 4. mit Recht ein, da uneheliche Geſchwiſter im rechtlichen Sinne nicht Verwandte ſind⸗ 4) ZcRakraß a. a. O. behauptet, daß nur die Anverwandten des Ehegatten, der ohne Einwilligung des Familienraths heirathet, oder Gemuͤthskrank iſt, nicht aber die Anverwandten des andern Theils, zu dem Einſpruche berechtigt ſind. Andrer Meynung iſt BousauT Explication du Code civil ad art. 174. Nr. 5.— S. auch Laſſaulx Journal. I. 2. 187. 5. 214 Form des Einſpruchs. Der Einſpruch geſchieht in einem, den Partheyen, und dem Civil⸗ ſtandsbeamten durch einen Huiſſier zu inſinuirenden, von einem Notarius verfaßten Aufſatze ¹), welcher enthaͤlt: I. Die Wahl eines Wohnſitzes ²) Art. 176, (domicilium pactitium J. r79.) an dem Hrte, wo die Heirath abge⸗ ſchloſſen werden ſoll. II. Die Bewegsgrunde des Einſpruchs) aus⸗ genommen, wenn er von Aſcendenten geſchieht, die dieſelben nicht anzu⸗ geben brauchen 4); und zwar bey Strafe der Richtigkeit, und der Ji 3 Suſpen⸗ 3 Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. Art. 177. Suſpenſion des Rotarius, der den Aufſatz unterzeichnet hat. Wird auf Aufhebung des Einſpruchs eine Klage bey dem Tribunal erſter Inſtanz angeſtellt, ſo ſoll dieſes binnen zehn Tagen daruͤber erkennen. Wird Art. 178. gegen das Erkenntniß Appellation eingelegt, ſo ſoll auch bieruber binnen Art. 179. zehn Tagen nach der Vorladung erkannt werden*). Wird der Einſpruch verworfen, ſo koͤnnen die, von welchen derſelbe herruͤhrt, zur vollſtaͤndigen Schadloshaltung verurtheilt werden, ausgenommen, wenn es Aſcendenten ſind, welche immer das Beſte der Kinder vertreten zu wollen, vermuthet werden. 1) S. Att. 66. 67. 2) Und die Eigenſchaft, in welcher der Opponent Einſpruch thut.— Waͤhlte der Opponent kein Domicil, wo ihm die Zuſtellungen geſchehen konnen, ſo koͤnnte er die Verlobten lange hinhalten, wenn dieſelben an ſeinem wirklichen vielleicht ſehr entferntem Wohnſitze geſchehen muͤßten. 3) Aber nicht den Beweis derſelben. Z. B. nicht die Handlungen die den Wahnſinn verrathen. S. JOUANEAU und Sozon Picufions. S 4) Ausgenommen, wenn ſie vor die competente Behoͤrde vorgeladen werden, damit bi Aufhebung des Einſpruchs bewirkt werde. Denn darf das Tribunal die Aufhebung nicht verwetgern, wenn der Einſpruch ſich nicht auf ein geſetz⸗ liches Ehehinderniß gruͤndet. Als geſetzliches Ehehinderniß iſt aber immer zu betrachten, wenn ſie ihre Einwilligung verſagen, denn in dieſem Falle kann die Ehe ſchlechterdings nicht vollzogen werden. Auch haben ſie das Recht ihre Ein⸗ willigung bey minderjaͤhrigen Kindern unbedingt zuruͤckzunehmen; bey volljaͤhrigen nur dann, wenn ein beſonders anderes geſetzliches Ehehinderniß eintritt. Laſſaulx Geſetzgeb Nap. Th. 1. S. 272. Appellhofe von Amiens Juris- prudence T. I p. 194. Ed. 1. Rouen T. II. p. 62. Bourdeaux in Collection des arréts et des jugements. 1807. Nr. 342.— Die Klage auf Aufhebung bedarf des Vergleichsverſuches vor dem Friedensrichter nicht. Oode de procòdure art. 49. In Weſtphalen findet uͤberhaupt ein ſolcher Vergleichs⸗ verſuch gar nicht ſtatt. S. Herrn Miniſters des Innern von Wolffradt Rede uͤber die buͤrgerliche P. O. S. 27. 3) Doch ſind dieſe Zeitfriſten nicht ſo peremtoriſch, daß ſie die Nullität des Ver⸗ fahrens nach ſich zögen. Caſſatlonshof in Jurisprudence. T. I. p. 14. Ed. II. 6) Auch der Vormund nicht, da dieſer nur im Nahmen des Famillienraths handelt. Iſt der Einſpruch von mehrern eingelegt, ſo haften ſie ſolidariſch fuͤr den Schaden. Laſſaulx Journal. I. 2. 187. Vier⸗ Von der Ehe. Viertes Kapitel. Von den Klagen auf Unguͤltigkeit der Ehe⸗ 5. 417. Im allgemeinen. Hauptgrundſaßz iſt es immer, die Wiederaufhebung einer einmal ab⸗ geſchloſſenen Ehe ſo ſelten als moͤglich zuzulaſſen, weshalb auch den folgenden Vorſchriften des Code im Zweifel ein ſolcher Sinn unterzu⸗ legen iſt, der die Guͤltigkeit der Ehen moglichſt beguͤnſtigt. Deshalb findet die Richtigkeitsklage nur in beſtimmten geſetzlichen Faͤllen ſtatt, während in andern nur auf eine Geldſtrafe angetragen werden kann, die Ebe aber guͤltig bleibt ¹). 1) S. ZcRaRIan Handbuch. Th. II. S. 28.— Die Nichtigkeitsklage hieß ſonſt appel comme d'abus⸗ F. 216. I. Nichtigkeitsklage- Fälle, welche die Nichtigkeitsklage begruͤnden, ſind folgende: I. Fehlende oder gezwungene Einwilligung der Contra⸗ Art. 180. benten ¹). Dieſe kann nur von den Ehegatten, und zwar von dem⸗ jenigen vorgeſchuͤtzt werden, deſſen Einwilligung nicht frey war. Als Ent⸗ gegenſetzungen naͤmlich der Willensfreyheit kommen vor, Betrug, Zwang, Irrthum in der Perſon ²); mithin kann. B. nur derjenige Ebegatte die Ehe angreifen, der zu dieſem Irrthume verleitet war. Die Richtig⸗ At. 18r. keitsklage findet jedoch dann nicht ſtatt, wenn von dem Zeitpunete an, wo die Willensfreyheit wieder eintrat, eine waͤhrend ſechs Monaten fort⸗ geſetzte Beywohnung ſtatt gefunden hat. II. Fehlende ³) Einwil⸗ Art. 182. ligung derer, welche außerdem in den Abſchluß der Ehe willigen muͤſſen, alſo der Eltern, Großeltern und des Familienraths. Aus dieſem Grunde koͤnnen die Richtigkeitsklage anſtellen: 1) Die Ehe⸗ Art. 183. gatten ſelbſt; ausgenommen, wenn ſie von der Zeit an, daß ſie das ge⸗ hoörige Alter erreicht haben, um fuͤr ſich ſelbſt in die Ehe einwilligen zu können, ein Jahr haben verſtreichen laſſen, ohne ihre Rechte geltend zu machen ¹). 2) Die Verwandten; ausgenommen wenn ſie die Heirath aus⸗ Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. nehmigung wird ebenfalls angeſehen, wenn, ſeitdem ihnen die Ebhe be⸗ kannt wurde, ein Jahr ohne gerichtlichen Widerſpruch von ihrer Seite Art. 184. verfloſſen iſt. I 3 nahe Verwandſchaft. Die Ehe wird in dieſem Falle angefochten: 1) von den Ehegatten ſelbſt; 2) von jedem der „ ein Intereſſe daben hat; 3) von dem kaiſerlichen Proeurator. Wollen die Intereſſenten die Ehe anfechten, und ſind dieſelben Seitenverwandte, oder Kinder aus einer andern Ehe, ſo koͤnnen dieſelben bey Lebzeiten der 3 beyden Ehegatten nicht klagen, ſondern nur dann, wenn ſie nach deren Art. 183. Tode ein wirkliches ſchon erworbenes Intereſſe dabey haben. WV. Im⸗ pubertät beyder oder eines der Chegatten. Die Ehe wird in dieſen Fällen angefochten: 1) von dem Ehegatten ſelbſt; 2) von den Intereſſen⸗ ten; 3) von dem kaiſerlichen Procurator. lusgenommen 1) wenn von dem Zeitpunete an, da der unmuͤndige Ehegatte das geſetzliche Alter er⸗ Art. 186. reicht hat, ſechs Monate verfloſſen ſind; 2) wenn die unmundige Ehe⸗ gattin vor dem Ablaufe dieſer ſechs Monate ſich ſchwanger befindet*), und wenn diejenigen, welche in die Ehe einwilligen mußten, eingewilligt haben. Sind vie Seitenverwandte, oder Kinder aus einer art. 187. andern Eh tritt das unter Nr. UI. geſagte in Hinſicht ihrer, wenn ſie die Klage anſtellen wollen, ein. 1) Der Zwang kann ſowohl von Seiten des andern Ehegatten, als von Setten dritter Perſonen ſtatt gefunden haben. Nur gewalt ſame Entfuͤhrung(rape de violence) nicht aber Entfuͤhrung aus Ueberredung(rapt de ſeduction) iſt fuͤr Zwang zu halten. 2) Der Irrthum wegen der Perſon iſt Nullitaͤtsgrund; nicht der unter den Rang, die Eigenſchaften, das Vermoͤgen, die Jungfrauſchaft u. ſ. w. derſelben. Wohl aber wenn man eine bürgerlich Todte fuͤr baͤrgerlich lebend— hielt, weil dann gar keine Ehe, ſondern nur eine unerlaubte Beywohnung war. Art. 25. Zu dem . Irrthum über die Perſon rechnet Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. T. S. 241. theilen geheirathet hatte, und in ſo fern laͤßt ſich dieſes annehmen, da nur natuͤrliches Unvermoͤgen kein Ehehinderniß iſt. So hat auch ein Appell⸗ hof in Laſſaulx Annalen. Bd. 1. S. 316. entſchleden.— Betraf der Irrthum nicht die Identitaͤt der Perſon, ſondern ihre Abſtammung, z⸗ B. A. heirathet die B. weil er ſie fuͤr Tochter des C. hält, da ſie es nicht iſt, ſo will Por⸗ wiſſen. Bouteville Discours(Daſ. Th. 1. S 274.) behauptet aber, daß dieſer Fall der Entſcheiduna den Tribunaͤlen anheim gegeben ſey, die nach den Umſtän⸗ den, z. B. ob dolus da war, u. ſ. w urtheilen muͤſſen. Irrig iſt das Re⸗ gezo⸗ ansdruͤcklich oder ſtillſchweigend genehmigten. Als ſtillſchweigende Ge⸗ auch, wenn jemand einen Caſtraten, oder eine Perſon mit monſtroͤſen Geſchlechts⸗ talis Eupoſe des motifs(Garnery Th. 1. S. 109.) ihn nicht beruͤckſicht ſultat, welches JovANNEAU et SoLoN Discuſſions. T. I. p. 245. 28T. Von der Ehe. 257 gezogen haben, und PpprPFEs Napoleons Geſetzbuch. Th. I. p. 94. not. gefolgt iſt. S. Laſſaulx Geſetzaeb. Map. a. a. D. ZacHakRIAB Handbuch. Th. II. p. 15 ff. MarEvILILR Analyſe ad art. 181. 3) Oder erpreßte Einwilligung. Art. 1111— 1113. Der Mangel der ehrfurchts⸗ vollen Anfrage begruͤndet die Nullitaͤtsklage nicht. 4) Ausgenommen, wenn ihre Verwandten die Ehe genehmigt haben. Auch ſteht dem Minderjaͤhrigen das Recht zu, ſich nach erlangter Volhaͤhrigkeit mit der⸗ jenigen Perſon zu verhetrathen, die ſeine Verwandten ihn zwingen zu verlaſſen, ſo wie dieſes immer der Fall iſt, wenn eine Ehe als nichtig aufgehoben, der Nichtigkeitsgrund aber nachher gehoben iſt. MatBvIILLE ad art. 183. DRI- vINcouRT Inſtitutes. T. I. p. 138. not. 2. 5) Das iſt nicht erforderlich, daß die Frau vor der Klage empfangen habe, ſondern eine ſeit derſelben eingetretene Empfaͤngniß thut der Fortſetzung einer ſchon erhobenen Klage Einhalt. In dieſem Falle ſcheint es, daß das Tribunal die einſtweilige Trennung der Ehegatten verordnen, und der Frau einen Zufluchtsort anweiſen muͤſſe, wo ſie ſo lange zu verbleiben hoffe, bis die Zeit ihre Einrede beweiſen, oder als ungegruͤndet dargeſtellt habe. Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 280. Not. 2.— Wenn aber die Ehegattin, welche muͤndig iſt, von dem noch unmuͤndigen Ehemanne innerhalb der erſten ſechs Monate ſchwanger iſt, ſo kann die Ehe dennoch fuͤr nichtig erklaͤrt werden. Appellhof zu Orleans bey Laſſaulr a. a. O. S 279.— Dieſe Klage hoͤrt auf: I. wenn das geſetzt liche Alter nachher erreicht wurde; II. wenn Diſpenſation erlangt iſt. S. auch Pandocter frangajſer. T. III. p. 287. 5. 217. Fortſetzung. V. Bigamie. Wegen ſolcher konnen die Richtigkeitsklage erheben: Art. 134. 1) Der Ehegatte, zu deſſen Rachtheil eine zweyte Heirath geſchloſſen war, und zwar ſogar noch bey Lebzeiten deſſen, der mit ihm verbunden war, und dieſe Heirath eingieng ¹). 2) Diejenigen, die ein Intereſſe dabey haben(d. h. wirkliche Erben). 3) Der kaiſerliche Procurator. Schuͤtzen Art. 189. jedoch die neuen Ehegatten die Nichtigkeit der erſten Heirath vor, ſo muß vorlaͤufig uͤber deren Guͤltigkeit oder Ungültigkeit erkannt werden, da im letztern Falle die zweyte Heirath aufrecht erhalten werden kann 23. VI. Feblende Publicitaͤt. Jede Ehe, die nicht öffentlich, und nicht Art. 191. vor den gehoͤrigen öffentlichen Beamten abgeſchloſſen wurde, kann ange⸗ fochten werden: 1) von den Ehegatten ſelbſt; 2) von den Aſcendenten, und den uͤbrigen die ein wirkliches und ſchon vorhandenes Intereſſe haben; 3) von dem kaiſerlichen Procurator. 1) Die Intereſſenten koͤnnen es jedoch erſt nach dem Tode des Ehegatten. Da der Abweſende weder fuͤr tebend noch fuͤr todt gehalten wird, ſo iſt er auch nur Spangenberg's Commentar Bd. I. Kk allein —— S* Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. allein zur Anfechtung einer Ehe faͤhig, die ſein Mitgatte waͤhrend ſeiner Ab⸗ weſenheit eingegangen iſt, nicht aber der kaiſerliche Procurator u. ſ. w. weil hier der Fall einer Bigamie zweifelhaft iſt, indem der Abweſende ſchon todt ſeyn kann. S. Art. 139. Bigamie zieht eine peinliche und entehrende Strafe nach den Franzoſiſchen Criminalgeſetzen nach ſich,(Code pénal. P. II. tit. II. Sect. I. art. 35.) Blutſchande nur die Nichtigkeit der Ehe. In Weſtphalen wird ſie jedoch nach den alten Geſetzen beſtraft, da dieſe noch proviſoriſch ihre Guͤltig⸗ keit haben. 2) Nie muß man jedoch hieraus ſchlleßen, daß man geſetzmaͤßig eine zweyte Ehe abſchließen könne, wenn die erſte nichtig iſt, ohne dieſelbe gerichtlich fuͤr nichtig erklaͤren zu laſſen. Immer muß der Civilſtandsbeamte den Abſchluß derſeiben verweigern, ſo lange ihm nicht ein Urtheil vorgelegt iſt, welches die erſte fuͤr nichtig erklaͤrt. DLLvINcouRr Inſtitutes. T. I. p. 126. not. I.— Auch kann die Einrede der Nichtigkeit nicht in einer bloßen Behauptung, daß der Heirathsact verfaͤlſcht ſey, beſtehen, da in dieſem Falle die wirkliche Faͤlſchungsklage(in⸗ ſcription en faux) angeſtellt werden muß. Caſſationshof in S1RBx Juris- prudence de la cour de caſſation. 1807. Suppl. p. 109. F. 218. Pflicht des kaiſerlichen Procurators. Art. 190. Dieſe Pflicht des kaiſerlichen Procurators iſt nur dann eine abſo⸗ lute, wenn die Ebe wegen Impubertat, Bigamie ¹), und wegen zu naher Verwandſchaft fuͤr nichtig erklaͤrt werden muß, ſo daß er in dieſem Falle die Ehe bey Lebzeiten der Ehegatten, trengen laſſen muß. Relativ iſt ſie, wenn die Ehe nicht öffentlich abgeſchloſſen iſt, da es in dieſem Falle ſeinem Ermeſſen uͤberlaſſen bleibt, ob er ſie anfechten zu muͤſſen glaubt oder nicht. 1) Aus den Worten des Artikels pert er doit, kann und muß, erhellt immer, daß auch im Falle einer Impubertät u. ſ. w. vieles dem Ermeſſen des kaiſerlichen Procurators uͤbrig bleibe; daß er z. B. eine ſolche beſtehende Ehe nicht anzufechten praucht, wenn die Trennung derſelöen ein noch grokeres Aergerniß geben wuͤrde, als die Ehe ſelbſt, z. B. wenn ſich ſowohl der eine Ehegatte, der ſich der Bigamie ſchuldig gemacht hat, als auch der Unſchuidige ſich anderweit, und zwar ſo emſernt verhetrathet hat, daß ſich gar kein Aergerniß denken laͤßt; Laſſauly Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 227. 299. Dagegen behauptet DBLvIMCounr juſtitutes. T. I. p. 126, daß doie immer ſtreng verſtanden werden muͤſſe, und anzufechten, mit ſich fuͤhre, da ſich peree nur auf die im I55ſten Artikel befind⸗ liche Ausnahme, auf die ſich auch der Art. 190. bezieht, gedeutet werden muͤſſe. F Der Klage auf Nichtigkeit iſt keine Zeit beſtimmt, waͤhrend ſie angeſtellt werden müßte, den Fall des 185ſten Art. ausgenommen; nuk muß ſie immer bey Leb⸗ zeiten des Ehegatten angeſtellt werden, da nach dem Tode das Aergerniß er N nur abſolute Verpflichtung des kaiſerlichen Procurators, die Che in dieſen Faͤllen Von der Ehe. 259 Der Generalprocurator bey einem Appellhofe iſt befugt, im Nahmen des Ge⸗ ſetzes von einem Urtheil, welches eine Ehe nichtig erklaͤrt hat, und in Gefolge deſſen eine zweyte Ehe abgeſchloſſen werden ſoll, unter dem Vorwande Appel⸗ lation einzulegen, daß dieſes erſte Urtheil verabredet geweſen, um die zweyte Ehe der Verfuͤgung des Art. 162. zuwider abſchließen zu koͤnnen. Appellhof zu Bruͤſſel in Laſſaulx Annalen. I. 3. S. 293. S. 219. II. Geldſtrafe. Wegen anderer nicht erfuͤllter Bedingungen, welche bey Abſchluß Art. 192. der Ehe erforderlich ſind, kann zwar die Ehe nicht fuͤr nichtig erklaͤrt werden, aber die Contravenienten koͤnnen doch auf Antrag des kaiſer⸗Art. 193. lichen Procurators auf andere Art beſtraft werden. Naͤmlich: I. wenn die beyden Aufgebote nicht vorhergegangen; JIl. wenn die vorgeſchriebene Friſt zwiſchen den Aufgeboten und der Ehe nicht beobachtet worden iſt; III. wenn die Ehe nicht oͤffentlich abgeſchloſſen; der kaiſerliche Procurator aber nach ſeinem Ermeſſen dafuͤr haͤlt, daß die Nichtigkeitsklage nicht ſtatt finde. In dieſen Faͤllen kann der Civilſtandsbeamte mit einer Geld⸗ ſtrafe, die 300 Franken nicht uͤberſteigen darf, und die Contravenienten, oder die, unter deren Gewalt ſie ſtanden, mit einer ihrem Vermoͤgen an⸗ gemeſſenen Geldſtrafe belegt werden. Von dem Beweiſe einer guͤltigen She. . Wie wird derſelbe geführt? 1. In Hinſicht der Eltern. Kur allein derjenige kann den Nahmen eines Ehegatten, und die Art. 104. buͤrgerlichen Wirkungen der Ehe in Anſpruch nehmen, der ſeine Verbin⸗ dung durch eine in die Regiſter des Civilſtandes eingetragene Heiraths⸗ urkunde beyzubringen im Stande iſt, ausgenommen I. wenn keine Civil⸗ ſtandsregiſter vorhanden, oder II. wenn ſie verloren waren; denn in dieſen Faͤllen kann er die wirkliche Ehe durch Hauspapiere ſeiner Eltern, und durch Zeugen beweiſen.(Art. 46.)*) Der Beſitzſtand allein, d. h. daß xrt. 193. ſie eine bedeutende Anzahl Jahre als. Eheleute gelebt haben, und von dem Publicum fuͤr ſolche gehalten ſind, kann die angeblichen Eheleute, welche ſich gegenſeitig auf denſelben beziehen, nicht befreyen, dieſe Hei⸗ rathsurkunde vorzulegen ²). Indeſſen bewirkt der Beſitzſtand dennoch Art. 156. * ſo Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. ſo viel, daß wenn er durch dieſe Heirathsurkunde unterſtuͤtzt wird, die Ehegatten nicht mehr gehört werden ſollen, wenn ſie dieſe Heirathsurkunde fuͤr nichtig erklaͤren wollten. 1) Nie hat jedoch der kaiſerliche Procurator das Recht, zwey Perſonen, die als Ehegatten mit einander leben, zur Vorlegung ihrer Heirathsurkunde anzuhalten, und im Falle ihnen dieſes unmoͤglich waͤre, ſie zu trennen. Nur dann, wenn dieſe Perſonen Gerechtſame in Anſpruch nehmen, welche mit der Ehe verbunden ſind, kann der Beweis der Ehe von thnen verlangt werden⸗ Laſſaulx Geſetzgeb. Rap. Th. 1. S. 298. 3) Der Art. 195. wurde in der Discuſſion verworfen; iſt aber dennoch aufgenom⸗ men. MarBvIEIE ad art. 195. Wenigſtens paßt er recht gut in den Sinn des Geſetzbuchs. 5 5. 2. In Hinſicht der Kinder. Prt. 197. Haben jedoch die Eltern als Ehegatten oͤffentlich gelebt, ſo kann nach ihrem Tode die eheliche Geburt ihrer Kinder nicht deshalb beſtritten werden, weil ſie die Heirathsurkunde ihrer Eltern nicht aufweiſen koͤnnen. Sie können vielmehr die Rechtmaͤßigkeit ibrer Geburt durch einen Beſitz⸗ ſtand, der mit ihrer Geburtsurkunde nicht im Widerſpruche ſteht, er⸗ weiſen ¹). 1) D. h. ſie ſind zwar nicht verbunden, ihren Geburtsſchein beyzubringen, da der Beſitzſtand, d. h. die notoriſche Gewißheit, weſche aus einer Reihe von Hand⸗ lungen entſpringt, woraus geſchloſſen werden muß, daß ſie immer von den Eitern fuͤr Kinder gehalten ſind, denſelben ergaͤnzt. Ferner braucht der Beſitz * ſtand der Geburtsurkunde gerade nicht conform zu ſeyn; ſondern er darf der⸗ ſeiben nur nicht widerſprechen, z. B. wenn das Kind den Beſitzſtand eines „ ehelichen Kindes hat, da es doch als uneheliches in der Geburtsurkunde genannt genannt iſt. DBIvINcouRT Inſtitutes. T. I. p. 121. not. 4.— S. auch: Uurtheil des Appellattonsgerichtshofs zu Paris in Jurisprudence. T. X. p. 26. 5. 222. Beweis durch eine peinliche Klage. Bisweilen iſt es möglich, daß die Heirathsurkunde durch Betru des Civilſtandsbeamten oder eines andern Depoſitarius verfaͤlſcht oder zernichtet iſt, ſo daß eine peinliche Klage gegen dieſelben erhoben werden Art. 196. kann(§. 172). Geht in dieſem Falle der Beweis, daß die Ehe geſetzlich abgeſchloſſen wurde, aus dem Erfolge dieſes peinlichen Verfabrens, o Von der Ehe⸗ 261 ſo ſichert die Eintragung des Urtheils in die Regiſter des Civilſtandes der Ebe, alle ihre buͤrgerlichen Wirkungen ¹) von dem Tage ibrer Ab⸗ ſchließung an, und dieſes ſowohl in Hinſicht der Ehegatten ſelbſt, als der aus dieſer Ehe abſtammenden Kinder. Dieſe peinliche Klage kann an⸗ geſtellt werden: I. von den Ehegatten ſelbſt; II. wenn beyde, oder einer Art. 199. von ihnen geſtorben iſt, von denen, welche dey der Guͤltigkeitserklaͤrung der Ehe ein Intereſſe haben; Ill. von dem kaiſerlichen Procurator.— Außerdem kann dann der oͤffentliche Beamte, der den Betrug veranlaßte, in den Erſatz alles aus demſelben herruͤhrenden Schadens verurtheilt werden. Iſt der öffentliche Beamte vor der Entdeckung des Betruges Art. 200. geſtorben, ſo muß der kaiſerliche Procurator, auf Denunciation und in Gegenwart der Intereſſenten, die Entſchaͤdigungsklage wider deſſen Erben richten ²). 1) Dieſer Artikel enthaͤlt eine Ausnahme von dem im Art. 326. 327. aufgeſtelkten Principe, daß die Civiltribunaͤle allein competent ſind, uͤber die Reclamationen die den Status betreffen, zu erkennen, und daß die peinliche Klage wegen Suppreſſion deſſelben nicht eher angeſtellt werden kann, bevor nicht das Civil⸗ trihunal definitiv uͤber die quéſtion ꝙetat erkannt hat. DRLvVINcoURT Inſtitutes. T. I. p. 119. not. 2 2) Denn durch den Tod des Schuldigen fällt die peinliche Klage weg; es bleibt nur die Civilklage, welche von dem katſerlichen Procurator auf Denuneciation der Intereſſenten auf Entſchädigung derſelben anzuſtellen iſt. Nie aber koͤnnen die Intereſſenten ſie ſelbſt erheben. Das Urtheil des Eiviltribunals, aus dem die Exiſtenz der Ehe gefolgert werden muß, oder die Nichtexiſtenz derſelben, hat dann in Hinſicht derſelben dieſelbe Wirkung wie das peinliche Urtheil. DELvIMN- cooRT Inſtitutes. T. I. p. I20. MarEviIILIE Analyſe ad art. 200. 5. 223 Wirkungen der Nichtigkeitserklärung. Die Wirkungen der NRichtigkeitserklaͤrung koͤnnen dreyfach ſeyn: 1. Waren die Ehegatten in böſem Glauben, d. b. hatten ſie eine ver⸗ botene Ehe wiſſentlich eingegangen, ſo wird angenommen, als habe gar keine Ehe beſtanden, ſondern nur eine unerlaubte Verbindung; die Kinder werden alſo fuͤr uneheliche, und die Ehegatten fuͤr keine, ongeſeheñ. II. Waren ſie in gutem Glauben, d. b. hatten ſie bey Abſchluß ihrer Art. 201. Verbindung nicht gewußt, daß dieſelbe unerlaubt oder nicht geſetzlich eingegangen war ¹), ſo bringt dieſelbe, ſowohl in Hinſicht der Kinder als der Ehegatten, die buͤrgerlichen Wirkungen einer wabren Ebe hervor. Kk 3 1II. Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. Art. 202. III. War nur einer von beyden Ehegatten in gutem Glauben, ſo hat die It ac3. Ehe auch nur zum Vortheile deſſelben, aber auch zum Vortheile der aus der Ehe abſtammenden Kinder, die buͤrgerlichen Wirkungen ²). 1) Eigentlich kann der gute Glauben nur aus einer Unwiſſenheit factiſcher Umſtaͤnde, z. B. einer fruͤhern Ehe des andern Ehegatten, nicht aber aus der Unbekaunt⸗ ſchaft mit geſetzlichen Vorſchriften entſtehen. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. I. S. 3o6. Die Kinder, welche nach dem Urtheile, was die Ehe fuͤr nichtig erklärt, empfangen ſind, können daher die Wohlthat dieſer Verfuͤgung nicht in Anſpruch nehmen, weil der gute Glaube durch dieſes Urtheil aufgehoͤrt hat. 2) Die andern Fragen, welche bey der putativen Ehe vorkommen koͤnnen, z. B. uͤber Erbrechte des Ehegatten u.ſ. w. ſind nach de Analogte dieſer Rechtsſaͤtze zu entſcheiden. S. auch ZackaktAß Handbuch. Th H. F. 274. Von den Rechten und Verbindlichkeiten welche aus der Ehe entſpringen. 5. 224.. Im allgemeinen. Dieſe ſind doppelt; theils betreffen ſie naͤmlich I. das Verbhaͤltniß zwiſchen Eltern und Kindern, und die an deren Stelle treten; II. theils das Verhältniß zwiſchen den Ebegatten ſelbſt. Das erſtere wird im fuͤnften, das letztere im ſechsten Kapitel abgebandelt. Fuͤnftes Kapitel. on den Verbindlichkeiten die aus der Ehe(in Hinſicht des elterlichen und kindlichen Verhaͤltniſſes) entſpringen. Auf das Verhaͤltniß zwiſchen Kindern und Eltern bezieht ſich vor⸗ zäglich die gegenſeitige Verbindlichkeit zu alimentiren ¹), welche nach dem Code Napoleon ausgedehnter, als nach Roͤmiſchem Rechte iſt. I. Von Seiten der Eltern findet dieſe Verbindlichkeit ſtatt: 1) gegen ihre ehelichen Deſcendenten 2); 2) gegen ihre unehelichen anerkannten Kinder; nicht aber gegen die nicht anerkannten ³); 3) gegen ihre Schwie⸗ gerſohne Von der Ehe. 263 gerſöhne und Schwiegertoͤchter 4); 4) gegen ihre aus Blutſchande oder Ehebruch erzeugten Kinder*). Nur auf Alimente koͤnnen die Kinder gegen Art. 203. die Eltern klagen, nicht aber auf eine Mitgift zur Heirath oder ſonſtige Ausſtattung à). Die Alimentationsverbindlichkeit der Eltern in Hinſicht ihrer ebelichen Kinder iſt auch auf die uͤbrigen Aſcendenten ausgedehnt*); nicht aber in Hinſicht der anerkannten unehelichen, da dieſe weiter keine Verwandten als die Anerkennenden haben, auch nicht in Hinſicht der aus Blutſchande oder Ehebruch erzeugten, weil die Folgen eines Verbrechens den Unſchuldigen nicht treffen duͤrfen. II. Von Seiten der Kinder: 1) gegen ibre duͤrftigen Eltern und ſonſtigen Aſcendenten; 2) gegen ihre Schwiegereltern*). Nur dann hoͤrt in Hinſicht der letztern die Ver⸗ bindlichkeit auf: a) wenn die Schwiegermutter zur zweyten Ehe geſchritten iſt; b) wenn derjenige von beyden Ehegatten, von welchem die Schwäger⸗ ſchaft herruͤhrt, und die aus ſeiner ehelichen Verbindung mit dem andern Ebegatten abſtammenden Kinder, verſtorben ſind. Stirbt alſo z. B. meine Frau, ohne daß ſie mir Kinder gebohren hätte, ſo brauche ich ihre Eltern(oder meine Schwiegereltern) nicht mehr zu alimentiren*). Den Geſchwiſtern giebt der Code aber keine wechſelſeitigen Alimente, eben ſo wenig wie den uͤbrigen Collateralen. 1) S. MRRIN Repertoire univerſel. v. Aiment. 2) Alſo auch Enkel. Caſſatlonshof in Jurisprudence. T. IX. p. 438. 3) 1. Ob auch recognoſcirte Kinder Allmente verlangen konnen? Der Code ſchweigt daruͤber; viele leugnen es, und wollen aus 736. 757. folgern, daß ſie nur ein Succeſſionsrecht haben. Indeſſen iſt zu behaupten: r. Weil ein blutſchaͤnderiſches und ehebrechertſches Kind Alimente erlangen kaun. Art. 762. 763. Warum ſollten ſie, die geſetzlich noch mehr beguͤn⸗ ſtigt werden, es nicht koͤnnen? 2. Durch die Recognition haben die Eltern ſchon die Verbindlichkeit uͤbernom⸗ men, die Alimente zu reichen.* 3. Es entſteht aus der Recognition ja eine Art vaͤterlicher Gewalt. Das recognoſcirte Kind darf ſich ohne Einwilligung ſeiner Eltern nicht verhei⸗ rathen, die Eltern haben dieſelben Zuchtigungsmittel, und doch ſollten ſie ihm keine Alimente zu geben brauchen? Dieſes laͤßt ſich nicht denken. (S. als raiſon Cerite: Fr. ʒ. F. q. D. NXV. 3. de agnoſe. et alend. liberin, und DENEvRRs Journal des audiences de la eour de caffation. An. XIV. Suppl. p. 169. Jurisprudence. T. VI. p. 265 ff.) 1I. Der Vater braucht dem Kinde nicht mehr Alimente zu geben, wenn dieſes das vaäterliche Haus verlaſſen hat, und ſich weigert dort zu wohnen. Das Kind kann in dieſem Falle, um die Nothwendigkeit davon darzuſtellen, nicht zu Art. 208. Art. 206. Erſtes Buch. Fünfter Titel. zu dem Beweiſe zugelaſſen werden, daß es in dem väterlichen Hauſe mißhau⸗ delt ſey, welche Mißhandlung es der Verbindlichkeit entheben müſſe, zuruͤck⸗ zukehren; weil ein ſolcher Veweis gegen die Ehrfurcht ſtreitet, die es dem Vater ſchuldig iſt. Appellhof zu Nismes in Laſſaulr Journal. II. 1. 27. DpuBvpRs Journal des audiences. An. KIV. p. 169. Doch bleibt dem Ermeſſen der Tribunale zu beurtheilen uͤberlaſſen, ob ſich nicht das Kind in der phyſiſchen Unmöglichkeit befinde ſich nähren zu koͤnnen, als in welchem Falle der Vater zur Alimentation angehalten werden kann. Urtheil des Caſ⸗ ſationshofes bey DRNBvEns Journal des audiences. An KIII. Suppl. p. 120. M. Der Vater muß ſeiner Tochter auch dann Alimente geben, wenn ſie ſich gegen ſeinen Willen verhetrathet. 1v. Auch fehlt das Gericht nicht gegen Art. 109, wenn es beſiehlt, daß der Vater ſeiner Tochter, ſo lange ſie lebt, Alimente reichen ſoll, da ein ſolcher Befehl immer nur unter der in dieſem Artikel enthaltenen Einſchraͤnkung ver⸗ ſtanden werden muß. Urtheil des Caſſationshofes in SIkBx Journal genẽral des cour et des arrsts. 1809. P. I. Pe 33⸗ 4) Arg. Art. 206. 207. §) Art. 762. 763. 6) Es epiſtirt mithin keine do„eeelaria mehr.(S. Dakp Code Napoléon 42. Nr. 9.) z oteſem Artikel.(Auch in Prhards Ueberſetzung ebendoſelbſt, und in der Conſerence du Code Napoldon avec les lois anciennes. Eæt rait de houvrage de Mr. Danp. p. 11.) 7) Arg. 205. 207.— Sie muͤſſen ſogar bey Lebzeiten der Eltern die Enkel alimen⸗ tiren, wenn deren Eltern nicht im Stande ſind, dieſes ſelbſt zu thun. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 339. not. 3. 8) Dieſe Verbindlichkeit zu Altmentiren findet jedoch bey den Stiefeltern und Stiefkindern nicht ſtatt. Laſſaulx Geſetzgeb. Nav. Th. 1 S. 389. not. 4.— PrrvINcouRT Inſtitutes. T. I. p. 145. Lockk Eſprit. T. III. p. 4652. MalEvIILLE ad art. 206. prrvIXcouRT a. a. O. will als dritte Ausnahme annehmen: wenn die Schwie⸗ gerkinder alimentationsbeduͤrftige eigene Eltern hätten. 5§. 225. Art und Weiſe der Alimentation. Bey der Alimentationsverbindlichkeit treten folgende Grundſaͤtze ein: Art. 207. I. Sie iſt wechſelſeitig; d. b. der, dem die Verbindlichkeit aufliegt, Ali⸗ mente zu reichen, hat auch das Recht unter gleichen Umſtänden von dem⸗ jenigen, dem er ſie reichen muß, ſolche zu fordern. II. Sie ſetzt ein wahres Bedürfniß bey dem, dem Alimente gereicht werden ſollen, voraus; faͤllt mithin z. B. weg, wenn die Kinder oder Eltern Vermoͤgen haben, woraus ſie ſich ſelbſt alimentiren können; oder wenn das Beduͤrfniß ſpaͤter wegfaͤllt. Wird u2 Von der Eher 15 265 Wird daber eine Klage auf Alimente erhoben, ſo muß der Richter, um Art. 203. den Betrag derſelben zu beſtimmen, auf das Beduͤrfniß deſſen, der darauf Anſpruch macht, aber auch zugleich auf das Vermögen deſſen, der die Alimente zu geben hat, Ruckſicht nehmen. Man kann niemänden zwingen, Alimente in der Maaße zu reichen, daß er ſelbſt dadurch der Alimente bedſßen). i2 ü uz öns n 0 1) Hieraus flleßt die Beantwortung folgender controverſer Sätze: 1. Iſt der Sohn verbunden, ſeine Guͤter zu verkaufen, um ſeinen Vater aus dem Gefaͤngniſſe zu befreyen?— In ſo fern ſein Vermoͤgen nicht ſo dadurch erſchoͤpft wird, daß er ſelbſt der Alimente beduͤrfte. 2. Iſt die Verbindlichkeit der Kinder, die Eltern zu alimentiren, ſolidariſch?— Die Praxis iſt daruͤber getheilt, und muß es auch ſevn, da hier gar zu viel auf die Umſtände ankoömmt. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 391. unterſcheidet: a Sind einige der Kinder inſolvent, oder weniger bemittelt, als die andern; ſo kann der Richter die letztern verurtheilen, die Alimente ausſchließlich oder zum groͤßten Theile zu leiſten, ohne daß der Klaͤger gezwungen werden könnte, ſeine Klage zu theilen, und gegen jedes Kind pro rata zu klagen. (Caſſaulx Journal I. 3.233.) 8 b. Sind alle wohlhabend, ſo kann der Richter die Theilung der Klage ver⸗ ordnen, doch muß das Kind welches darauf anträgt, zur Anſtellung ber Klagen gegen die uͤbrigen, die Proceßkoſten vorſchießen. c. Sind Kinder und Enkel da, ſo muͤſſen letztere nur dann alimentiren, wenn die Verpflichtung den erſtern unmoͤgtich oder allzudruͤckend ſeyn wuͤrde. S. auch MarvIIILE Analyſe ad art. 2rI.— Der Vater kann immer die Klage gegen eines ſeiner Kinder richten, und braucht nicht jedes pro rata zu belangen. n 5. 226. 6 Befreyung von dieſer Verbindlichkeit. Diejenigen, welche Alimente zu geben ſchuldig ſind, kömnen von dieſer Verbindlichkeit befreyet, oder der von ihnen zu leiſtende Betrag kann vermindert werden; und zwar: I. koͤmmt derjenige, welcher die Alimente Art giebt, in einen ſolchen Zuſtand, daß er dieſelben gar nicht, oder nicht in der Maaße mehr geben kann, ſo kann er auf vollige Befreyung von der Alimentationsverbindlichkeit, oder auf Verminderung des Betrags der Alimente ¹) antragen. Daſſelbe tritt ein, wenn der zu Alimentirende derſelben entweder gat nicht mebr, oder doch nicht mehr in derſelben Maaße bedarf. II. Beweiſt der, welcher Alimente in Gelde geben mß, Art, 2% Spangenberg's Commentar Bd. I. 209. 266 erſtes Buch. Fünfter Titel. daß er dieſes Geldquantum nicht zu zahlen im Stande iſt, ſo kann das Gericht nach vorgaͤngiger Unterſuchung der Sache verfuͤgen, daß er den zu Alimentirenden in ſein Haus aufnehme, ihn daſelbſt ernaͤhre und unter⸗ Art. 211. halte. III. Das Gericht muß ebenfalls entſcheiden ²), ob die Eltern, welche das Kind, dem ſie Alimente ſchuldig ſind, in ihr Haus aufzu⸗ nehmen, es dort zu ernähren und zu unterhalten ſich erbieten, in dieſem Falle von der Verbindlichkeit der Bezablung des Alimentengeldes frey zu ſprechen ſind. 1) Doch iſt durch die Praris ebenfalls angenommen, daß auf Erhohung der Alimente ebenfalls gedrungen werden kann, wenn die Vermoͤgensumſtände deſſen, der ſie zu leiſten hat, oder die Beduͤrfniſſe, deſſen der ſie erhält, erhoͤht werden⸗ Laſſaulx Geſetzgeb⸗ Nap. Th. 1. S⸗292. 2) Gegen dieſe Urtheile findet kein Caſſationsgeſuch ſtatt, da ſowohl die Quan⸗ tität der Altmente, als die Art, wie ſie zu reichen ſind, dem Ermeſſen des Richters anheimgeſtellt iſt. Caſſationshof in S1REx Jurispr. de la cour de caſſation. An. XIII. p. 233. . Sechstes Kapitel. Von den wechſelſeitigen Rechten und Pflichten der Ehegatten. 1. In Hinſicht beyder Ehegatten. Art. 12. Die Ehegatten ſind einander Treue, Huͤlfe und Beyſtand ſchuldig*). 1) PrSRAu notions slementaires du droit civil. T. I. p. 133. Laſſaulr Ge ſetzgeb. Nap. Th.. S. 308.— Den Art. 2r2. erklärt man auch dahin, daß rs den Ehegatten unerlaubt iſt, infamirende Klagen gegen einander zu erheben.. 5 338. II. In Hinſicht des Maͤnnes. Der Mann iſt ſeiner Frau Schutz ſchuldig. Hierber rechnet man Wohnung, Lebensunterhalt ¹) und gerichtliche Vertheidigung. 1) Und zwar ſandesmaßigen. Appellhof zu Bruͤffel im Journal du Palair. Art. a13. 55§. 229 Von der Ehe. 5. 229. III. In Hinſicht der Fraͤu.„ ön Die Frau iſt ihrem Manne Gehorſam ſchuldig. Hietaus folgt⸗ I. ſie iſt verbunden bey dem Manne zu wohnen, und ihm allenthalben hin Art. arg.— zu folgen, wo er ſich aufzuhalten fuͤr gut findet 1). II. Sie kann ohne Art. a13. Genehmigung ibres Mannes nicht vor Gericht auftreten; ſelbſt nicht einmal dann, wenn ſie eine oͤffentliche Handelsfrau iſt, oder wenn ſie mit dem Manne in keiner Guͤtergemeinſchaft oder ſogar in der Guͤtertren⸗ nung lebt. Nur dann iſt die Genehmigung des Mannes nicht erfor⸗Art. 216. derlich, wenn gegen die Frau in peinlichen oder Policeyſachen ²) verfahren wird. MI. Sie kann ohne Mitwirkung oder ſchriftliche Einwilligung des Art. ar7. Mannes weder ſchenken, veraͤußern, verbhypotheciren noch erwerben, es geſchebe unentgeldlich, oder gegen Verguͤtung 3). 1) Alſo I. der Mann kann ſeine Frau zwingen, ihm ins Ausland zu folgen. Das Projet du Code. L. I. tit. 5. chap. 4. Sect. I. art. 64. verbot es in dieſem Falle, aber dieſes Verbot wurde in der Discuſſion ausdruͤcklich unterdruͤckt. LocRE Eſprit. T III. p 484. II. Wenn die Frau dem Manne nicht folgen will, ſo braucht er ihr keine Alimente zu geben. Real in der Discuſſion.(Conförence. T. II. p. Io6.) Iſt ſie reich, ſo daß dieſes Zwangsmittel nicht angewandt werden kann, ſo hat er das Recht, durch eine Klage ihre Revenuen in Sequeſter zu nehmen. Appellhoͤfe zu Paris und Nismes in DRNEvBRs Journal des audiences de la cour de caſſation. An. XIV p 298. An einen perſoͤnlichen Zwang iſt dagegen nicht zu denken. Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 310. III. Ausnahmen von dieſer Verbindlichkeit der Frau finden ſtatt: a. wenn der Mann wegen Civilverurtheilungen unter Perſonalarreſt, fluͤchtig war. Appelhof zu Bruͤſſel.— b. Wenn die von dem Manne der Frau angewieſene Wohnung weder anſtändig noch ſtandesmäßig iſt. Appellhof zu Amiens bey Caſſaulꝝ a. a. O. 2) Police municipale et correctionelle.— Ueber die Vollſtreckung der Urtheile gegen ſie ſ. Art. 1424. 1425. 3) S. jedoch den Titel uͤber den Ehecontract.(B. III. Tit. 5.)— Art. 1449. wodurch erhellt, daß das in dem Artikel enthaltene Verbot ſich nur auf Immo⸗ bilien beziehe.— MArBvILIE Aualyſe ad art. 216. Auch eine Verzichtleiſtung auf Gerechtſame iſt als Veraußerung zu betrachten. Caſſationshof in SiREv Jurisprudence de la cour de caſſation. 1807. Suppl. p 128 Auch kann die Einwilligung genehmigend ſeyn. DELvIcookT Iuſtitutes. T. I. p. 137. not. 4. Erſtes Buch. Fünfter Titel. 5. 230. Weigerung oder unfühis eit des Mannes zu autoriſiren. Der Mann kann ſich aber oft weigern, dieſe Autoriſation der Fen zu ertheilen, oder er iſt s ſh 8. 231. 2 2in . Der Mann weigert ſich, die Autoriſation zu geben. 2 Wenn jedoch der Mann es verweigert, dieſe Autoriſation zu geben, Art. a1s. ſo treten folgende Regeln ein: I. Verweigert der Mann ſeiner Frau die Genehmigung, vor Gericht aufzutreten, ſo kann der Richter ſie dazu auto⸗ Art. a19. xiſiren ¹). II. Verweigert er hingegen ſeiner Frau die Genehmigung zur Eingehung eines Nechtsgeſchäfts(Art. 217), ſo kann ihn dieſelbe ummit⸗ telbar vor das Tribunal erſter Inſtanz in dem Bezirke ihres gemeinſchaft⸗ lichen Wohnhauſes vorladen laſſen. Der Mann wird ſodann in dem Berathſchlagungszimmer vernommen, und hierauf ebenfalls, wenn er ausbleibt, eine Unterſuchung der Sache vorgenommen. Von dem Re⸗ ſultate derſelben haͤngt es ab, ob das Tribunal ſeine Genebmigung, ſtatt der des Mannes, ertheilt oder verſagt. 1) Das Verfahren hierbey entwickelt GCode de Frangois art. 861 ff. VMeſtphalien art. 795— 708. PIGRau Procédure devant les tribunaux. T. I. p. 70 ſqq. Geſterley und mein Commentar uͤber die Franzöſiſche und Weſt⸗ phaliſche Proceßordnung. Th. 1. S. 65 f. 5. 232 . b. Der Mann iſt unfaͤhig die Autoriſation zu geben. Art. 221. I. Iſt der Mann zu einer entehrenden oder einer Leibesſtrafe ¹) verurtheilt; es mag wegen Ungehorſam, oder nachdem er vorher geboͤrt iſt, geſchehen ſeyn, ſo kann ſeine Frau, ſie mag minderjaͤhrig oder voll⸗ jaͤhrig ſeyn, ſo lange die Strafe ihres Mannes dauert, nur alsdann vor Gericht auftreten, oder Vertraͤge eingehen, wenn ſie zuvor die Genek⸗ migung des Richters ausgewirkt haben wird. Der Richter kann dieſelbe Art. 22. ertheilen, ohne den Mann vorgeladen oder vernommen zu haben. II. Iſt dem Manne die freye Verwaltung des Vermoͤgens unterſagt, oder iſt er abweſend ²), ſo kann der Richter, nach vorhergegangener Unterſuchung der Sache, die Frau berechtigen, ſowohl vor Gericht aufzutreten, als Ver⸗ Vertraͤge zu ſchließen. Von der Ehe. 269 ebenfalls die Frau die Genehmigung des Richters, um vor Gericht auf⸗ zutreten, und um Vertraͤge abzuſchließen. 1) Nach Art. 604. des Gode des dèlitt et der peiner iſt jede Leibesſtrafe zugleich infamirend. 2) D. h. nicht gerade abweſend erklaͤrt, da die naͤhere Beſtimmung dem Richter uͤberlaſſen iſt. S. JovANNRAu et So1oN Discuſſions. T. I. p. 312. 5. 233. Anmerkungen. Zu bemerken iſt: I. daß die Autoriſation des Mannes auf das Ge⸗ ſchaͤft ſpeciell gerichtet ſeyn muß, bey dem es derſelben bedarf. Jede im Art. 223. Allgemeinen ertheilte Genebmigung, waͤre ſie ſogar im Heirathscontracte ausbedungen, gilt nur in Beziebung auf die Verwaltung des der Frau zugehoͤrigen Vermögens. das eingegangene Geſchaͤſt unguͤltig. Die Unguͤltigkeit deſſelben koͤnnen ſedoch nur die Frau, der Mann und die Erben ²) beyder entgegenſetzen ²). 2) Kann auch der Buͤrge der Frau, welche ohne Autoriſation eontrahirt hat, dieſe Nullität einwenden? Ja, denn I. der Art. 225. hat nur die Abſicht, denjenigen Perſonen, welche mit der Frau contrahirt haben, dieſes Recht zu nehmen, nicht aber den Stellvertretern der Frau. II. War es zwar Grundſatz der alten Jurispru— denz, daß man ſich fuͤr eine natuͤrliche Verbindlichkeit, wie die, welche von der Frau ohne Autoriſation des Mannes eingegangen iſt, betrachtet werden muß, guͤlttg ver⸗ buͤrgen koͤnne. Der Code hat aber durchaus den natuͤrlichen Verbindlichkeiten alle Kraft genommen, außer der, daß das nicht zuruͤckgefordert werden kann, was vermöge derſelben gezahlt iſt. S. BIGoT pE PRBAMENEU Expoſe des motiks. Tit. I. Liv. III.(Garnery B. III. Th. II. S. 76.)—„L'obliga- tion naturelle ne peut avoir d'autre effet, que celui d'empecher la repéti- tion de ce, qui a été payé. Mais elle ne peut faire la matière d'une com- penſation, xi avoir ler autres ehers, que leur donnoit la loi Romaine.“ III. Auch ſcheinen Art. 2012 und 2036 dieſe Einrede den Buͤrgern vorzubehalten. 3) Sogar nach Auflsſung der Ehe. Der Mann, des⸗ ſeine Ehe heimlich gehalten hat([ecret pour la focieté, mais pas clandeſtin) kann die Handlungen ſeiner Frau nicht anfechten, die er nicht autoriſirt hatte. 5 11 3 III. Iſt der Mann noch minderjaͤhrig, ſo bedarf Art. 224. II. Durch den Mangel der Genehmigung wird Art. 223. Erſtes Buch. Fuͤnfter Titel. 5. 234. In welchen Faͤllen es der Autoriſation des Mannes nicht bedarf. 5 Der Autoriſation des Mannes, jedoch nur in Hinſicht der einzuge⸗ Art. 220. henden Verbindlichkeiten, nicht aber in Hinſicht vor Gericht aufzutreten, bedarf es nicht I. bey der öffentlichen Handelsfrau, d. h. einer ſolchen, die einen von dem Handel des Mannes abgeſonderten Handel treibt ¹). Art. 226. er mit ihr in Guͤtergemeinſchaft lebt. II. Wenn die Frau ein Teſtament machen will. III. Bey unverheiratheten Frauenzimmern und Witwen ²); die erſtern beduͤrfen jedoch, ſo lange ſie minderjährig ſind, der Autori⸗ ſation ihres Vormunds. IV. Dem Gerichtsgebrauche nach, bey Haus⸗ baltungsgeſchaͤften, und den in Hinſicht dieſer contrahirten Verbindlichkei⸗ ten 2). V. Um eine Eheſcheidungsklage zu erbeben ²). Gebt die Klage auf Scheidung von Tiſch und Bette, ſo bedarf es der Autoriſation des Richters. VI. Um ſich in peinlichen und polizeylichen Klagen zu ver⸗ theidigen*). VII. In einigen Faͤllen, wenn ſie in Guͤtertrennung lebt ²). 1) Code de commerce art. 4. 7. cf. art. 1410. 2) Verheirathen ſie ſich während des Proceſſes, ſo muͤſſen ſie im Laufe deſſelben die Autoriſation ihres Mannes beybringen. Caſſationshof bey Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 325. not. 15. litt. a. 3) Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1. S. 319 ff. 4) Caſſationshof bey Laſſaulx Journal. II. 8. S. 160 ff. 5) S. Art. 216. 6) Art. 1449. 1536. 1576. 1533. Siebentes Kapitel. Von der Aufloſung der Ehe. 6. 235 Im allgemeinen. Art. 227. Die Ehe wird aufgeloͤßt: I. durch den Tod eines der beyden Ebe⸗ gatten; II. durch eine geſetzlich ausgeſprochene Eheſcheidung; MI. durch die rechtskraͤftig gewordene Verurtheilung eines der Ehegatten zu einer Strafe, die den buͤrgerlichen Tod nach ſich zieht ¹). 1) S. zum Art. 25. Achtes Dieſe verbindet durch die eingegangene Vertraͤge ſogar ihren Mann, wenn ——„—— e———„————„—. e—ern „„en— — Von der Ehe. Achtes Kapitel. B en 5. 236. Im allgemeinen. Ueber dieſelbe iſt nur in Hinſicht der Frau etwas beſtimmt. Sie Art. a23. kann ſich naͤmlich erſt nach zebn Monaten ſeit der Aufloͤſung der vori— gen Ehe von neuem verheirathen. Grund des Geſetzes, wie man aus Art. 315. ſieht ¹), iſt die Beſorgniß, daß die Vaterſchaft in Hinſicht des nachher gebohrenen Kindes ungewiß werden moͤchte(turbatio fan- guinis), nicht aber, daß die Frau eine Trauerzeit, wie nach Roͤmiſchen Rechte, dem Andenken des verſtorbenen Mannes ſchuldig ſey; beſon⸗ ders da ſich der Artikel auf alle und jede Aufloͤſung der Ehe bezieht (Art. 296.) ²), die wegen Eheſcheidung aus gegenſeitiger Einwilligung ausgenommen, da in dieſem Falle keiner der beyden Ehegatten fruͤher, als nach drey Jahren, nachdem dieſelbe ausgeſprochen iſt, zu einer neuen Ehe ſchreiten darf(Art. 291). Da in Hinſicht des Mannes eine ſolche Beſorgniß aus pbyſiſchen Gruͤnden wegfallen muß, ſo wurde der Zuſatz des Projects, daß ſich der Mann nicht eher, als nach dem Ablaufe von drey Monaten vom Tode ſeiner Frau angerechnet, weiter verheirathen ſolle, unterdruͤckt, und dabey nur bemerkt, daß man ſich in Hinſicht der Trauerzeit des Mannes, da nur dieſe allein Grund der Verzögerung der Ehe ſeyn kann, nach den Ortsgewohnheiten und Sitten zu richten habe 2).— Die zweyte Ehe iſt von dem Haſſe hefreyt, welcher nach Roͤmiſchen und andern Rechten auf ihr ruhte; ſie bringt dieſelben Wir⸗ kungen hervor, und begruͤndet dieſelben Rechte, wie die erſte*); einige Nachtheile treffen ſie jedoch der Natur der Sache nach, z. B. Verluſt des Rießbrauchs an dem Vermogen der Kinder erſter Ehe(386), oft Verluſt der Vormundſchaft(395), und beſchraͤnktes Erbrecht des zweyten Ehbegatten(1098)*). 1) Der Code ſetzt naͤmlich den laͤngſten Termin der Schwangerſchaft auf zehn Monate. 2) Der Art. 228. iſt ſogar nicht einmal auf die im Art. 227. angefuͤhrten Auf⸗ löſungsarten der Ehe zu beſchraͤnken, ſondern auch auf den Fall anwendbar, wenn 273— Erſies Buch. Fuͤnfter Titel. Von der Ehe. wenn eine Ehe z. B. wegen Mangel einer freyen Einwilligung fuͤr nichtig erklart iſt. Wenn in dieſem letztern Falle nach Art. 146. gleich keine Heirath vorhanden iſt, und uͤberhaupt nichts aufgeloßt werden kann, was rechtlich nicht beſteht, ſo tritt doch dieſelbe metus turbationis fanguinis, wie in den uͤbrigen Faͤllen ein.— Nie kaun aber die Frau, um ſich fruͤher verheirathen zu können, ſich zum Beweiſe anbieten, daß kein Beyſchlaf geſchehen ſey, oder ſich der Unterſuchung unterwerfen, daß ſie nicht ſchwanger ſey; weil die von demn Geſetze verordneten Vorſichtigkeitsmaaßregeln dennoch eintreten muͤſſen, wenn auch nur die Möglichkeit eines Beyſchlafs erhellt. Apvellhof zu Trier in DnnEvRRS Journal des audiences de la cour de caſſation 1806, Suppl. p. 149.— In dieſem Falle laufen die zehn Monate von dem Tage des Anuul⸗ lationsurtheils. S. auch Laſſaulx Journal. III. 5. deciſions de Tréves⸗ p. 136 ff. Juriaprudence. T. VI. p. 433. 3) Napoleon in der Discuſſion.(Conſorence. P. II. p. 117.) 4) Defermon in der Discuſſion.(Conférence ebendaſ.) 5) Ueberaus wichtig bleibt die durch den Code unentſchiedene Frage, welche Per⸗ ſonen die Nichtigkeit einer Ehe anfechten können, welche die Frau vor Ablauf der zehn Monate ſchliefit? LocRß Pſprit. T. III. p. 537. will, daß die während dieſer Zeit eingegangene Ehe gar nicht als nichtig angefochten werden koͤnne, weil das Geſetz ſie nicht fuͤr nichtig erklaͤre, ſondern ſie bloß verbiete, und man ſich auf die Amtstreue des Civilftandsbeamten verlaſſen muͤſſe, daß er ſolche Ehen nicht ſtatt finden ließe. Ihm folgt Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. I. S. 281. Dagegen behaupten DRLvINcCovRT Inſtitutes. T. I. p. 101, und BAvovx und LolsBav Jurisprudence du Code Napoleon. T. IX. p. 9 ff. daß eine wahre Nichtigkeit vorhanden ſey, da der Art. 228, 1) großen Unord⸗ nungen vorzubeugen die Abſicht habe; 2) daß verba negativa nullitatem indu- cunt, nach einer allgemeinen Maxime; 3) daß, wenn der Geſetzgeber nur den Civilſtandsbeamten hatte verpflichten wollen, ſolche Ehen zu verhuͤten, er ſich gerade zu wie im Art. s0. 68. 156. an ihn gewandt haben wurde.— Die Praxis der franzöſiſchen Obergerichte ſcheint ſich jedoch auf Locrés Seite zu neigen. Appellhof zu Dijon Ebendaſ. Sechster nmee Sechster Titel. Von der S 5. 237. Im allgemeinen⸗ Ei Folge der Säculariſation der Ehbe war die in Frankreich bis dabin unerbörte, den Dogmen der katholiſchen Kirche voͤllig zuwider⸗ laufende Eheſcheidung, d. h. gerichtliche Aufloͤſung der Ehe in allen ihren Wirkungen. Es war jedoch, wie Locré ¹) behauptet, die Abſicht des Geſetzgebers bey der Annahme der Eheſcheidung nicht, der Religions⸗ lebre uͤber die Unauflöslichkeit des Bandes der Ehe in den Weg zu treten, oder einen Gewiſſenspunct zu entſcheiden; ſondern nur die Eheſcheidung zu reguliren, und dem Mißbrauche derſelben vorzubeugen, ohne jedoch dieſelbe zu autoriſiren. Denn da es Religionen giebt, welche ſie erlau⸗ ben, ſo mußte auch das Geſetz ſie zulaſſen, damit jeder ſich der Freyheit bedienen konnte, die ihm ſein Glaube geſtattet. Deshalb iſt dann auch zum Beſten derjenigen, welche ſich aus Gewiſſensſerupel der Eheſcheidung nicht bedienen wollen, das unpolitiſche, und ſo manche Unmoralitaͤt befoͤrdernde Rechtsinſtitut der Trennung von Tiſch und Bette ſtehen geblieben, welches gewiß unterdruͤckt worden waͤre, wenn das Geſetz die Eheſcheidung nicht ſowohl toleriren, als in gewiſſen Faͤllen hätte gebieten wollen. Das be⸗ ruͤhmte Geſetz vom 20. December 1792 war es, welches die durch fran⸗ zöſiſche Sitten und Geſetze völlig verbotene, ja nach dem katholiſchen Glauben unmogliche, Eheſcheidung einfuͤhrte, und hierdurch tauſend Un⸗ ordnungen und empörende Auftritte bewirkte ²); aber der vielen Stimmen, die dagegen waren, ohnerachtet, ſchien den Redactoren des Code Rapoleon die Aufrechthaltung dieſes Inſtituts nothwendig, und ſie begnuͤgten ſich nur damit, Einſchraͤnkungen beyzufuͤgen, wodurch ſie dem zuͤgelloſen Ge⸗ brauche derſelben Einhalt thun koͤnnten 3). Sehr richtig bemerkt daher Laſſaulr, daß denjenigen, der von ihr Gebrauch macht, keine Verach⸗ Spangenberg's Commentar Bd. I. Mm tung Erſtes Buch. Sechster Titel. tung treffen duͤrfe, daß ihn aber die öſſentliche Meynung als einen Men⸗ ſchen betrachten muͤſſe, dem ein großes Ungluͤck zugeſtoßen ſey 4). 1) Eſprit. T. W. p. a9 ff. 2) MarRvILIE ſur le divoree, und außer den S. 237. not. I. an efuͤhrten Schriftſtellern:. MB)An Code du divoree et de Tétat civil. Paris. 1792. 12. GakRNIER Code du divorce. Paris. 1792. 12. vERMEII. Code de l'état civil, et du divorce, anterieurement au Code civil. consTaNT Conférences des lois relatives au divorce, avec la procédure et des formules. à Paris. XII. 8S. cuEvA1LiER Objedtions aux articles du Projet, relatifs au divorce. 180I. L 3) Aeußerſt wichtig, beſonders der treffenden Aeußerungen des Kaiſer Napoleons wegen, ſind die Discuſſionen im Staatsrath, uͤber die Beybehaltung und Ein⸗ ſchraͤnkung der Eheſcheidung. S. LocRk Eſprit. T. IV. vom Anfange. MA⸗ LRvIILLE Analyſe zu dieſem Titel. Laſſaulx uͤber das Civilgeſetzbuch der Fran zoſen in ſ. Journal. Jahrg. 11I. 1307. S. 84 ff. 4) Verboten iſt die Eheſcheidung durchaus den Gliedern der kaiſerlichen Familie von jedem Geſchlechte und jedem Alter; ſie können nur auf Trennung von Tiſch und Bette antragen. Dieſe wird durch die bloße Autoriſation des Katſers, ohne Proceßverfahren oder andere Formalität, bewerkſtelligt, und hat bloß in Hinſicht der gemeinſchaftlichen Wohnung ihre Wirkung, ändert aber nichts an den Ehe⸗ yacten. Starut de famille art.7.. bey SAA.FE1.P Recueil. T. I. p. 400. 401. Erſtes Kapitel. Von den Urſachen der Eheſcheidung⸗ — Im allgemeinen. Die Eheſcheidung kann entweder aus beſtimmten geſetzlichen Gruͤnden, oder aus gegenſeitiger Einwilligung nachgeſucht wer⸗ den. In beyden Fällen tritt ein verſchiedenes Verfahren ein. 5. 239 Von der Eheſcheidung. . 239. I. Eheſcheidung wegen beſtimmter geſetzlichen Gruͤnde. Die geſetzlichen Gruͤnde ¹), aus welchen auf Scheidung geklagt werden kann, ſind: I. Ehebruch. Hierbey iſt zu bemerken: 1) der Art. 229. Mann kann unbedingt die Eheſcheidung wegen eines von ſeiner Frau be⸗ gangenen Ebebruchs verlangen. 2) Die Frau kann wegen des Ehebruchs Art. 230. ibres Mannes nur dann die Eheſcheidung verlangen, wenn derſelbe ſeine Beyſchlaͤferin in dem gemeinſchaftlichen Hauſe gehalten hat; mithin a wenn er eine Beyſchlaͤferin, die er ſich bisber außer dem gemeinſchaft⸗ lichen Hauſe hielt, zu ſich in daſſelbe nahm, und bier den Umgang mit ihr fortſetzte; b. wenn er eine ſchon im gemeinſchaftlichen Hauſe befind⸗ liche Frauensperſon ordentlich als ſeine Beyſchlaͤferin gebraucht?2. Das gemeinſchaftliche Haus iſt hier bloß der regelmaͤßige gemeinſchaftliche Aufenthaltsort der Ehegatten, nicht jedes ihrer Gebaͤude, worin ſie ſich bisweilen ab und zu aufhalten; denn im letztern Falle kann der dadurch gegebene Scandal nicht ſo groß ſeyn, ja oft ganz wegfallen ²). Ob die Frau das gemeinſchaftliche Haus aus beſondern Gründen verlaſſen hat, oder ob ſie noch darin wohnt, darauf kömmt nichts an, da daſſelbe, ſo lange die Ehe nicht gerichtlich getrennt iſt, nie aufgehoͤrt hat gemeinſchaft⸗ liches Haus im rechtlichen Sinne zu ſeyn 4). Der allgemeinen Meynung der Rechtsgelehrten zufolge kann der Beweis der Handlung, welche den Chebruch conſtituirt, nicht allein durch Augenzeugen, ſondern auch wegen der Schwierigkeit, deren zu finden, durch wichtige und nothwendige Vermuthungen beygebracht werden, welche aus ſolchen Thatſachen abgeleitet werden konnen, die dem Vollzuge des Ehe⸗ bruchs vorhergehen, in ſo fern dieſe Thatſachen ſelbſt auf eine unwider⸗ ſprechliche Weiſe erwieſen ſind. Dieſe Grundſätze ſind durch die Geſetz⸗ geber, welche den Code Napoleon decretirt baben, adoptirt, wie aus Maleville erhellt, daß anfangs die Klage auf Scheidung wegen Ehe⸗ bruch der Frau nur in dem Falle geſtattet ſeyn ſollte, wenn derſelbe von öffentlichem Aergerniſſe begleitet, oder durch die eigene Schuld der Frau erwieſen waͤre. Dieſe Beſchraͤnkung iſt jedoch weggelaſſen, da Tronchet bemerkte, daß dieſes dem Ermeſſen des Richters uͤberlaſſen bleiben muſſe, und deshalb der 229ſte Artikel in allgemeinen Ausdrucken decretirt. Zu dieſen Vermuthungen gehort vorzuͤglich in Hinſicht der Frau heimliche Mm 2 Cor⸗ 276 Erſtes Buch. Sechster Titel⸗ Corteſpondenz, Verlaſſen der ehelichen Wohnung, unanſtaͤndige obſcoene Vertraulichkeiten mit einer Mannsperſon, u. ſ. w.*) Att. 231. II. Exceſſe(excés). Was jedoch unter dieſem Ausdrucke zu verſtehen ſey, iſt aͤußerſt ſchwierig zu beſtimmen. Von Maleville verweißt auf die Discuſſion; Loeré hingegen verſteht unter Exceſſen jedes Verfahren, welches die perſoͤnliche Sicherbeit des Ehegatten in Gefahr ſetzt, ohne die Abſicht deſſelben zu unterſuchen, z. B. heftige und gefaͤhrliche Ausbruͤche von Zorn, At⸗ tentate gegen das Leben des andern Ehegatten, Verwundungen, hinterli⸗ ſtiges Auflauern, um korperlich zu beſchaͤdigen. Anfaͤnglich naͤmlich ſollten, nach den Worten des Projects, die Attentate des einen Ehegatten gegen das Leben des andern zu wirklichen Scheidungsurſachen erboben werden⸗ aber auf die Bemerkung des Tribunats, daß auf dieſe Art die Ehegatten in die granſame Nothwendigkeit geſetzt werden wuͤrden, als Denuncianten gegen einander aufzutreten, unterdruͤckte man dieſe Scheidungsurſache, und bezeichnete ſie mit dem mildern Worte Exceſſe 6. III. Sävitien, d. b. grauſame Mißhandlungen. IV. Grobe Injurien. Dieſe bezieben ſich größtentheils auf Verbalinjurien, obgleich Realinjurien ebenfalls dahin gerechnet werden rönnen. Das Geſetz verlangt aber grobe Injurien, als Scheidungs⸗ urſachen, und redet nicht von harten Worten, die vielleicht in der Hite des Zorns, oder aus Mißvergnuͤgen ausgeſtoßen ſind. Sie muͤſſen daher ſehr empfindlich betruͤben, vielleicht dem guten Rahmen ſchaden, u. dergl. Dem Richter iſt die Beurtheilung, ob ſie binreichend ſind, einen Schei⸗ dungsgrund auszumachen, uͤberlaſſen; und dieſer hat dabey auf den Stand . der Perſonen, u. ſ. w. Ruͤckſicht zu nehmen*. Art. 232. v. Die Verurtheilung eines der Ehegatten zu einer entehrenden Strafe. Hierbey iſt zu bemerken, daß es gar nicht darauf ankömmt, ob die entehrende Strafe vor Einfuͤhrung des Code ausgeſprochen iſt, oder nach der Einfuͤhrung deſſelben; immer iſt ſie Scheidungsgrund ⁵). 1) S. L*** in Dabelow Archiv für den C. N. St.5. S. 439 ff. 2) Zu bemerken iſt jedoch, daß der Artikel nicht auf den Fall angewandt werden kann, wenn zwar der Beyſchlaf im gemeinſchaftlichen Hauſe vollzogen wird, die Frauensperſon aber nicht im Hauſe wohnt, alſo 1. wenn der Ehemann ein fremdes Von der Eheſcheidung. 277 fremdes Frauenzimmer, das nicht im gemeinſchaftlichen Hauſe wohnt, in dem⸗ ſelben ſchwaͤngert; 2. wenn der Ehemann eine Maitreſſe, die er außer dem Hauſe unterhielt, ab und zu ſich ins Haus kommen laͤßt. Die Tendenz des Art. 229. iſt nur, daß der Mann keine Beyſchlaͤferin im Hauſe haben ſoll, welche die Ruhe, und das Gluͤck der Familie ſtöhrt. Es iſt daher nicht wohl zu begreifen, wenn in Dabelow Archiv fuͤr den C. N. St. 4. S. 395. be⸗ hauptet wird, daß der Artikel nicht auf den Fall angewandt werden koͤnne, wo ein Ehemann ſein Dienſtmaͤdchen, oder ſeine Hausjungfer ſchwaͤngert, beſonders da mehrere Urtheils ſpruͤche der franzoſiſchen Appellhoͤfe den Artikel ausdruͤcklich auf dieſen Fall anwenden. 3) Anderer Meynung iſt Dabelow Archiv. St. 4. S. 396. 4) Kann die Frau die Klage auf Eheſcheidung wegen Haltung der Coneubine im ge⸗ meinſchaftlichen Hauſe klagen, wenn ſie das Haus ihres Mannes verlaſſen hat? Um dieſe Frage zu entſcheiden iſt auf die ratio legis zuruͤckzugehen, die aus der Discuſion particulière(Napoleons Worten) zu ſchoͤpfen iſt. Dieſe iſt, daß es fuͤr ein Weib unertraͤglich iſt, ihren Mann im eignen Hauſe in den Armen ſeiner Concubine zu ſehen. Hat ſie das Haus verlaſſen, ſo iſt zu unterſcheiden: 1. Sie hat es vor Einfuͤhrung der Concubine verlaſſen, ſo iſt es nicht mehr ge⸗ meinſchaftlich, mithin findet 230 keine Anwendung,— ausgenommen wenn ſie durch die Schuld des Mannes gezwungen wurde es zu verlaſſen; Appellhof zu Paris. 2. Sie hat es nach Einfuͤhrung verlaſſen, ſo kann ſie die Klage anſtellen. Appell⸗ hof zu Poitiers in Laſſaulx Journal. II. I. 31. und in S/REv Jurispru⸗ dence du tribunal de caſſation. An. XII. Supplem. p. 180.— Hat die Frau ſelbſt die Concubine im Hauſe aufgenommen, ſo muß man daraus ſchließen, daß ſie auf die Eheſcheidungsklage Verzicht gethan hat. K*** bey Dabelow Archiv. St. 5. S. 439. ZAcHARLAE Haudbuch. Th. II. p. 42. not. 2 behauptet wohl nicht ganz richtig, daß dieſes nicht der Fall ſey, weil das offentliche Aergerniß Grund des Geſetzes ſey, da der Richter nicht ex officio eine Eheſcheidung veranlaſſen kaun. S. Bullerin de jurisprudence. T. II. p. 23 ſqq.— Hoͤchſt irrig iſt nun aber die Idee, als habe der Code durch den Arrikel 230. den Ehemaͤnnern die Erlaubniß gegeben im Concubinate zu leben, wenn ſie nur nicht die Concubine in dem gemeinſchaftlichen Hauſe hielten. Denn wenn auch gleich der Concubinat von Seiten des Mannes weniger ge⸗ faͤhrlich fuͤr die Integritat der Familie, und nur dann Scheidungsurſache iſt, wenn er die Ruhe derſelben aufs Spiel ſetzt, ſo laͤßt ſich keinesweges daraus ſchließen, daß eine ſolche Verbindung erlaubt ſey, da ſie vielmehr einer polizeylichen Ahndung unterworfen ſeyn kann. In dieſem Sinne finden wir eine authentiſche Interpretation dieſes Artikels in dem Statut de fa- mille art.§. wo in Hinſicht der mariages dits de la main gauche geſagt wird: *lesquels mariages ue font autorifés ni par le Code civil, ni par les conſtitutious de l'empire.“(SaArFELD Recueil. T. I. p. 400.) 5) Appellhofe zu Paris und Bourdeaux in Laſſaulx Annalen. B. II. H. I. S. 00. in Amitens in Jurisprudence. T. II. p. 13. LockE Eſprit. T. IV. p. 133 ff.— Jurisprudence. T. XK. P. 50. Dabelow Archiv. St. V. S. 483. Mm 3 6) Lo- * 278 Erſtes Buch. Sechster Titel. 6) Loct Eſprie. T. IV. p. 154 ff. ZAcMaRAh Handbuch. Th. II. p. 42. Laſſaulx uͤber das Civilgeſetzbuch der Franzoſen, im Journal. 1807. S. 164. L** dagegen in Dabelow's Archiv. St V. S. 441. will unter Ewcés alle diejenigen Scheidungsurſachen zuſamwenwerfen, welche in Boulay's Redaction des Artikels 231. zwar namentlich angefuͤhrt, aber untergeſteckt ſeyen. Boulay wollte nämlich als Ebeſcheidunusurſachen angefuͤhrt wiſſen: l'adultère, l'attentat de l'un des epoux A la vie de l'autre, la cohdamuation 3 uue peine afflictive, les ſẽvices et les mauvais traitemens, la diffamation publique, et toute autre cauſe dont l'effet continué rendroit impoſſible la vie commune eutre le⸗ epoux. Hieraus zieht K*** die Folge, daß unter Excés zu verſtehen ſeyen: 1. alle Vergehungen gegen die Geſetze, welche keine infamtrende Strafe zur Folge haben; 2. alle Liederlichkeiten und Unordnungen, ſie mögen Nahmen haben welchen ſie wollen, die ſich der eine Ehegatte fortdauernd zu Schulden kommen laͤßt, z. B. beſtändiges Toben im Hauſe, Saufen, Huren; wenn ſich der Ehegatte immer lächerlich macht; Sodomie, veneriſche Krankheit⸗ Dabelow Archiv. St. V. S. 401. Aber man ſieht leicht, daß man mittelſt dieſer Inter⸗ pretation aus dem Worte Excés, alles mögliche herausdeuteln koͤnne.— Da nun alſo Exoces nur einen hohen Grad von ſévices bezeichnet, ſo hat die Weſt- phalica dieſen Eheſcheidungsgrund mit dem letztern zuſammengeworfen, und uͤber⸗ ſetzt nur:„Wechſelſeitig koͤnnen die Ehegatten um die Cheſcheidung wegen harter und grauſamer Mißhandlungen, oder grober Beleidigungen— nachſuchen. S. auch Art. 250. Prhard, Laſſaulx, Spielmann, Blan⸗ chard, und die lateiniſche Ueberſetzung behalten das Wort Exceſſe bey.— S. auch Jurisprudence T. I.(1807.) p. 273 ff. T. III. p. 337. 7) S. LocRß Eſprit. T. IV. p. 138 ff. aus der Discuſſion.— Jurisprudence du code civil T. II. p. 342 ſqq. T. IV. p. 65. 60.— So kann alſo immer der Klaͤger abgewieſen werden, wenn er Schuld an der uͤblen Begegnung von Seiten des Gatten war, oder wenn er ſelbſt uͤbel begegnete. Appellhof in Metz in Jurisprudence. T VIII. p. 467. Venertſche Krankhett iſt keine injure grave. Ueberhaupt muß man ſich huͤten nicht andere Eheſcheidungsurſachen hierunter zu faſſen, da man dieſelben vielmehr reſtrietiv erk'aͤren muß. Appellhöf in Paris in DENEvERS Journal des audiences. An. XIV Suppl. p. 103. 5 Appellhof in Pau in Laſſaulx Annal. 1I. 2. S 189. Laſſaul ſcheint zu ſcheiden: I. Die bloß zufallige Mitthetlung einer veralteten Luſtſeuche kann eben ſo wenig als die zufällige Mittheilung einer andern anſteckenden Krankheit zur Scheidung berechtigen. I1. Wohl aber eine zweyte Mitthetlung durch neuere Ausſchweifungen des Mannes. Durch die Praris, und aus Aeußerungen des Staatsraths in der Discuſſion ergeben ſich folgende Beyſpiele von groben Injurien: 1. Eine ſchwere Beleidigung iſt, wenn der Mann ein Kind, das er im Ehebruch erzeugt hat, für das ſeinige im Civilſtandsacte anerkennt, und die Mutter fuͤr ſeine Frau angiebt.— Tribunal in Paris in Laſſaulx Annalen. B. 2. H. 1. S. 79.(1808.) 2. Ebenfalls Brlefe, die der Mann an ſeine Frau ſchreibt, und welche den Vor⸗ wutf des Ehebruchs und Inceſts enthalten, ſelbſt wenn ſie ohne Pullicttät waren. — Von der Eheſcheidung. 279 waren.— Appellhof in Poitiers in DENRvRRs Journal des audiences. XIV. Suppl. p 237.— Appellhof in Dijon in Laſſaulx Annalen. B. 2. H. 2. S. 171. Juritprudence. T. V. p. 173. 3. Wenn der Mann ſich weigert, ſeine Frau, die von einem durchs Geſetz, z. B. Emigratlonsgeſetz hervorgebrachten gezwungenen Aufenthalt im fremden Lande ruͤckkehrt, im gemeinſchaftlichen Hauſe aufzunehmen.— Appellhof in Bruͤſſel in Laſſaulr Ebendaſ. S. 173. Juriprudence. T. V. p. 167. 4. Wenn der Mann ſich bey andern Perſonen beklagt, daß die Frau liederlich ſey; ob ſie es gleich wirklich iſt.— Appellhof in Poitiers in Laſſaulr Ebendaſ. S. 184. Anderer Meynung war jedoch, und vielleicht richtiger, der Generalprocureur. Wenigſtens erkannte das Appellationsgericht in Metz in einem äͤhnlichen Falle, daß dieſe Injurien Publicität haben muͤßten, und daß es nicht hinreichend ſey, wenn ſie aus confidentiellen Briefen des Ehemanns an andere Perſonen(nicht an die Frau, denn hier wuͤrde es Injurie ſeyn) geſchoͤpft wären. S. Laſſaulx Journal. I. 3. S. 240. 3) Appellhof zu Turin in S1REv Journal genéral des lois et des arrèts. 1809. P. II. p. 44. Jurisprudence. T. III. p. 353. 5. 240. Ob dieſe Eheſcheidungsurſachen ausdehnend erklaͤrt werden konnen? Die eben angefuͤhrten Eheſcheidungsurſachen ſind nun aber die ein⸗ zigen, aus welchen die Ehe aus beſtimmtem Grunde aufgehoben werden kann, ſo daß ſich keine ausdehnende Erklaͤrung derſelben auf andere denken laͤßt ²). Namentlich haben vorzuͤglich aufgehoͤrt Eheſcheidungs⸗ urſachen zu ſeyn, da ſie in dem Geſetze vom 20. September 1792 als ſolche aufgefuͤhrt waren: I. Wahnſinn, Bloͤdſinn oder Wuth des Ebegatten, weil es hart ſchien, ein unverſchuldetes Uebel mit einer Strafe zu belegen, und dem Wahnſinnigen durch Trennung der Ehe gerade dann ſeiner Pflege zu berauben, als er ſie am meiſten bedurfte. II. Abwe⸗ ſenheit waͤhrend fuͤnf Jahren, weil es Geiſt der Geſetzgebung iſt, den Abweſenden zu ſchuͤtzen, und nicht, ihn ſeiner Guͤter, ſeines Weibes zu berauben. III. Bösliche Verlaſſung(malitioſa deſertio), weil es hiebey auf die Abſicht anköͤmmt, welche faſt nie zu beweiſen iſt, und dieſe ein Mittel ſeyn wuͤrde, die Ehe durch den einſeitigen Willen eines der Contrahenten aufzulöſen ²). Nur dann wuͤrde wegen Abweſenheit die Scheidung ſtatt finden, wenn in derſelben zugleich die Praͤſumtion des Ehebruchs liegt, z. B. wenn es hochſt wahrſcheinlich iſt, die rau Erſis Buch. Sechster Litel Frau mit ihrem Verfuͤhrer weggegangen iſt 3). MV. Natuͤrliches Unvermögen, weil der Beweis meiſtens unmöglich, immer aber ſchaͤnd⸗ lich iſt à). Doch kann in dieſem Falle die Ehe durch wechſelſeitige Ein⸗ willigung aufgehoben werden. V. Die Emigration. ) Anderer Meynung iſt L*** in Dabelow Archiv. St. V. S. 449 ff. aßer ganz gegen den Geiſt des Geſetzes. S ZAckakrAE Handbuch. Th Ii. S. 44. 2) Hugo Naturrecht. Ausg. III.§. 229.. 3) So erkannte z. B. das Tribunal in Gottingen in der Eheſcheidungsklage des Gaͤrtners Winter gegen ſeine Frau. 4) Hugo Naturrecht. F. 208. not. 1. weicher aber wehl nicht ganz richtig an⸗ nimmt, als ſey natuͤrliches Unvermoͤgen als Jrrthun in der Perſo! zu be⸗ trachten, da man hoͤchſtens nur wahre Monſtroſitaͤt hierher rechnen kann⸗ S. oben§. 216. not 2.— Lockt Eſprit. T. IV. P 13t⸗ „ §5. 241. II. Eheſcheidung aus gegenſeitiger einwilligung. Die beyderſeitige und beharrliche, auf die geſebliche Weiſe, unter den geſetzlichen Bedingungen, und nach vorgängigen geſetzlichen Vereinigungs⸗ verſuchen, ausgedruͤckte Einwilligung beyder Chegatten, ſoll als ein hin⸗ länglicher Beweis angenommen werden, daß ihnen das Zuſammenleben unertraͤglich iſt, und daß in Anſehung ihrer eine vollgultige Urſache zur Trennung der Ehe vorhanden ſey 1. Dieſe Eheſcheidung aus gegenſei⸗ tiger Einwilligung vereint alle Vortheile der obigen mit der aus unbe⸗ ſtimmten Gruͤnden; ſie beſchraͤnkt die Scheidungsgruͤnde nicht auf eine geringe Anzahl, deren Beweis oft unmoglich iſt, ſondern ſie macht die Trennung immer moͤglich, wenn das gemeinſchaftliche Leben den beyden 5 Ehegatten unertraglich geworden iſt. Hat einer der Ehegatten einen ge⸗ ſetzlichen Scheidungsgrund, ſo bleibt ihm noch immer die Wahl, ob er denſelben zur Deckung der Schande des andern, oder um einen ſcanda⸗ löſen juriſtiſchen Beweis zu vermeiden, verſchweigen, und den andern zur Einwilligung in die Trennung ſtimmen will; und es liegt dann, wenn letzterer ſich weigert, in ſeiner Macht, zu dem aͤußerſten zu ſchreiten, aus beſtimmten Gruͤnden zu klagen, und jenen mit einer Schande zu uͤber⸗ haͤufen, die er verdient.— Aber weil dieſe Art der Eheſcheidung am leichteſten zu Mißbraͤuchen aller Art Veranlaſſung geben koͤnnte, ſo iſt pas Verfahren bey derſelben von vielen Schwierigkeiten und Vorſichtig⸗ keits⸗ Art. 233. Von der Eheſcheidung. 281 keitsmaaßregeln abhaͤngig gemacht, die wir weiter unten kennen lernen werden. 1) Die wichtige Discuſſion uber dieſe Art der Eheſcheidung ſ. in LocRt Eſprie. T. Iv. p. 169— a43.— Sehr richtig bemerkt Blanchard zu Maleville Th. l. S. 252.„Wechſelſeltige Einwilligung iſt alſo keine beſtimmte Urſache der Eheſcheidung, ſondern ein Zeichen, daß beſtimmte Urſachen vorhanden ſind.“ Zweytes Kapitel. Von der Eheſcheidung wegen einer beſtimmten Urſache. Erſter Abſchnitt⸗ Von der Form der Eheſcheidung wegen einer beſtimmten Urſache. 5§. 242* Im allgemeinen. Im allgemeinen verdient hierbey eine Bemerkung die Stelle, daß alle bey dem Eheſcheidungsproceſſe vorgeſchriebenen Formalitaͤten ſtreng zu beobachten ſind, da ſie dazu dienen ſollen, die Scheidung zu erſchweren, die Klage in die Länge zu ziehen, und Zeit zum Rachdenken zu geben. Die Vernachlaͤſſigung einer einzigen dieſer Formalitaͤten muß alſo NRich⸗ tigkeit des ganzen Verfahrens nach ſich ziehen ¹). 1) Les Pandectes frangaiſer. T. IV. P. 47. LocRß Eſprit. T. IV. p. 269. Im erſten oder Inſtructionsverfabren. §. 243· 1. Klage. a. Competenz des Gerichts. Die Eheſcheidungsklage ſoll immer nur bey dem Diſtrietstribunale Art. a34. angebracht werden, unter welchem die Ehegatten ihren Wohnſit haben; nie nimmt man Ruckſicht auf die Thatſachen und Vergehungen, welche ſie herbeygefuͤhrt haben, um die Competenz des Tribunals zu beſtimmen, nicht z. B. den Gerichtsſtand des begangenen Verbrechens u. ſ. w. Sind jedoch einige von dem Kläger angefuͤhrte Thatſachen von der Art, daß ſie Art. 233. Spangenberg's Commentar Vd. I. NRn ein 282 Erſtes Buch. Sechster Titel. 3 8 ein peinliches Verfahren begruͤnden muͤſſen, ſo muß der kaiſerliche Pro⸗ curator dieſes ein leiten. In dieſem Falle bleibt dann die Eheſcheidungs⸗ klage bis nach erfolgter Entſcheidung des peinlichen Gerichts ausgeſetzt. Zu bemerken iſt jedoch, daß wenn ſich aus dem peinlichen Urtheil ein Einwand gegen die Zuläſſigkeit der Klage, oder eine Einrede gegen den Klaͤger hernehmen ließe, dieſer als nicht vorhanden betrachtet werden ſoll ¹). 1) Alle vor der Promulgation des Code in Frankreich ausgeſprochenen Eheſchei⸗ dungen ſind guͤltig, wenn dieſe Ausſprechung nur uͤbrigens mit den äußern und innern, von den vorigen Geſetzen vorgeſchriebenen Formalitaͤten verſehen iſt. Tranſitoriſches Geſetz vom 26. Germinal XKl. in RoMDoNNEau Supplement. p 41. ed. Voss. Es koͤmmt hierbey nicht darauf an, ob beyde Eheleute Fran⸗„ zoſen, oder einer von ihnen ein Fremder iſt. DRNyvERs Journal des audiences. 1806. S. 275 ff. Caſſationshof in SREv Jurisprud. de la cour de caſſa- tion. 1807. p. 82 ff. Ein gleiches enthaͤlt vorüglich in Hinſicht auf die Emt⸗ granten ein Gutachten des Staatsraths vom 18. Prairial KlI. bey Ma.EvILILE Analyſe ad art. 234. 5. 244. b. Form und Ueberreichung der Klage. Nt. 236. Jede Klage auf Eheſcheidung muß die Thatſachen, weshalb auf dieſelbe angetragen wird, umſtaͤndlich auseinanderſetzen ¹). Sie muß. mit den etwa vorhandenen Beweisſtuͤcken ²) dem Praͤſidenten des Tribu⸗ nals, oder dem Richter, der an ſeine Stelle tritt, und zwar von dem Klaͤger in Perſon 3) uͤberreicht werden. Letztere Bedingung iſt nur in dem einzigen Falle erlaſſen, wenn der Klaͤger krank iſt. Dann hat er den Praͤſidenten zu ſich einzuladen, und ſeine Krankheit zugleich durch das Zeugniß zweyer Doetoren der Arzney⸗ oder Wundarzneykunde, oder zweyer ſonſtigen Aerzte(officiers de fanté ſind hier im Gegenſatze der promo⸗ virten Aerzte, von nicht promovirten, denen die Praxis erlaubt iſt, zu verſtehen) zu beſcheinigen. Der Praͤſident begiebt ſich hierauf in die Wohnung des Klaͤgers, um die Klage in Empfang zu nehmen; er Art. 237. vernimmt denſelben hierauf, und theilt ihm die Bemerkungen mit, welche er der Sache angemeſſen haͤlt, verſieht hierauf die Beweisſtuͤcke und die Klage mit ſeinem Handzuge, und nimmt 4) uͤber die ihm geſchehene Ein⸗ baͤndigung derſelben ein Protocoll auf. Dieſes ſoll ſowohl von ihm als dem Klaͤger unterſchrieben werden; ſollte jedoch letzterer nicht unterſchrei⸗ ben koͤnnen, oder dazu außer Stande ſeyn, ſo muß hiervon Erwaͤhnung Art. 238. geſcheben. Am Schluſſe des Protocolls verfuͤgt der Praͤſident, oder der ſeine Von der Eheſcheidung. 253 ſeine Stelle vertretende Richter, daß die Partheyen an einem beſtimmten Tage, und zu beſtimmter Stunde vor ihm*) in Perſon erſcheinen ſollen, und daß zu dem Ende eine Abſchrift dieſer Verfuͤgung derjenigen Parthey, wider welche die Scheidung nachgeſucht wird, zugefertigt werden ſolle 6). f 1) Ihre Form ſ. in Engelhard und Wohler Darſtellung des Weſtphaliſchen Civilproceſſes. Th. 1. S. 218. 2) Das Geſetz ſagt nicht, daß alle Beweisſtuͤcke ſogleich mit der Klage uͤber⸗— geben werden muͤſſen. Er kann daher auch noch nachher ſchriftliche Beweis⸗ ſtuͤcke oder Thatſachen, die nach eingereichter Klage vorgefallen ſind, zur Be⸗ gruͤndung derſelben, vorbrinaen. Appellhof zu Bruͤſſel in DRMRvRBRs Journal des audiences. 1805 Fuppl. p. 81. Caſſationshof in S1RBx Jurispru⸗ . de la cour de raſſation. 1807. p. 484.— Dieſes geht auch aus Art. 242. ervor.— 3) Nichts befreyt von dieſer perſoͤnlichen Ueberreichung, außer Krankheit, nicht einmal Abweſenheit im Dienſte des Staats. LocRE Eſprit. T. IV. p 273. aus der Discuſſion— Stirbt der Klaͤger vor Anſtellung der Klage, ſo geht dieſelbe nicht auf die Erben uͤber. Arg. art. 272. LocREa. a O. ZacAkAE Haudbuch. Th. II. S. 44. not. 9. will jedoch die Erben auch dann zulaſſen, wenn ſie anders ein rechtliches Intereſſe dabey haben. Arg art. 230. 4) Der Präſident, nicht der Greffier. Zweck der Verfuͤgung iſt, daß die Klage noch ſo wenig Pubſſcität erhalten moͤge, wie moͤglich. DRLvINcouRT Inſtitutes. F. E p. 157 noß. 3. 1— 5) In ſeiner Wohnung. Pandectes Frangaiſer. T. IV. p. 48. Eine Formel des Protocolls ſ. bey Engelhard und Woͤhler a. a. O. S. 221. 6) Durch den Praͤſidenten, nicht durch einen Huiſſier. S. oben Not.. 8. 245. 2. Verſuch zur Guͤte. An dem beſtimmten Tage macht nun der Präſident den beyden Ehe⸗Art. a9. gatten, wenn ſie ſich einfinden, oder dem Klaͤger, wenn dieſer allein er⸗ ſcheint, die Vorſtellungen, welche ihm dienlich ſcheinen, eine Wiederan⸗ naͤherung zu bewirken). Bleibt dieſer Verſuch fruchtlos, ſo nimmt er hieruͤber ein Protocoll auf, und verfuͤgt, daß die Klage mit den Beweis⸗ ſtuͤcken dem kaiſerlichen Procurator mitgetheilt, und uͤber die ganze Sache an das Tribunal referirt werde. 1) Gelingt die Verſohnung, ſo hat er auch dieſes zu Protocoll zu nehmen, da vielleicht nachher eine darauf cebaute Einrede dadurch erwieſen werden muß. Pandecter ſrangafſer T. W. p. 49. Eine Formel des Protocolls ſ. bey Engelhard und Wohler S. 223. 223. Erſcheint der Beklagte, ſo darf er Nn2 keinen Art. 240. Art. 241. Art. 242. Art. 233. Art. 244. Erſtes Buch. Sechster Titel. keinen Anwalt oder Rath mitbringen. arg. art. 877. des Gode de proeedure ciuile frangois art. 81f. des C. d. p. c. Meſlphalien. DRrVINcovRx In- ſtitutes. T. I. p. 152. uot. 2. 5. 246. 3. Vorladung und geheime Verhandlungen. In den nächſten drey Tagen ¹) muß von dem Tribunale, auf den Vortrag ²) des Praͤſidenten oder ſeines Stellvertreters, und auf den Rn⸗ trag des kaiſerlichen Procurators, der denſelben am Ende des letzten Aetenſtuͤcks kurz aber beſtimmt angiebt, die Erlaubniß, den Beklagten vorzuladen, dem Flaͤger entweder ertheilt, oder dieſelbe noch ausgeſetzt werden. Dieſer Aufſchub darf jedoch nicht uͤber zwanzig Tage dauern ²). Abgeſchlagen kann dieſe Erlaubniß nie werden 4), denn es wuͤrde in dieſer Verweigerung eine wahre Niederſchlagung der Klage liegen.— Wird von dem Tribunale dieſe Erlaubniß ertheilt*), ſo läßt der Klaͤger den Beklagten auf die gewoͤhnliche Weiſe vorladen ⁵), um binnen der geſeß⸗ lichen Friſt von acht Tagen*) perſoͤnlich ³) in der Gerichtsſitzung, welche bey verſchloſſenen Thuͤren gehalten werden muß, zu erſcheinen; zugleich muß er eine Abſchrift der Eheſcheidungsklage, und der beygebrachten Be⸗ weisſiuͤcke der Vorladung voranſetzen laſſen. Binnen der Vorladungs⸗ friſten wird wie gewöhnlich ein Anwalt beſtellt, und die Sache, nach deren Ablauf durch eine Anzeige von Anwalt zu Anwalt(Avenir) und ein Placat, oder wenn der Beklagte keinen Anwalt beſtellt hat, an den Beklagten ſelbſt, zur Audienz gebracht. In dieſer Audienz erſcheint der Klaͤger, der Beklagte mag erſchienen ſeyn oder nicht, in eigener Perſon, und wenn es ihm gut duͤnkt, von einem Ratbgeher begleitet, und trägt in derſelben die Gruͤnde ſelbſt an, oder laͤßt ſie von ſeinem Rathgeber, wozu er einen Anwalt nehmen kann*), vortragen; er legt zugleich die Beweisſtuͤcke wieder vor, und benennt die Zeugen, die er ab⸗ horen laſſen will. Der Beklagte bringt bierauf ſelbſt, wenn er in Perſon erſchienen iſt, oder durch einen Bevollmäͤchtigten ſeine Einreden gegen die Zulaͤſſigkeit der Klage vor 10), laͤßt ſich auf die Klage punctweiſe, ein⸗ geſtehend oder ableugend, ein, macht uͤber die Gruͤnde der Klage, die Beweisſtuͤcke, und die von dem Klaͤger vorgeſchlagenen Zeugen ſeine Be⸗ merkungen, und benennt ſodann von ſeiner Seite die Zeugen, die er abhoren laſſen will, und uͤber welche der Klaͤger gegenſeitig ſeine Bemer⸗ kungen macht 11).— Ueber das Erſcheinen, die Aeußerungen und Be⸗ merkun⸗ Von der Eheſcheidung. 285 merkungen der Partheyen, ſo wie uͤber die, von dem einen oder dem andern Theile erfolgenden Eingeſtaͤndniſſe*2), wird ein Protocoll auf⸗ genommen. Dieſes muß den Partheyen vorgeleſen werden; auch muͤſſen ſie aufgefordert werden, daſſelbe zu unterſchreiben, oder wenn ſie nicht ſchreiben konnen, oder es zu thun außer Stande ſind, ſo muß hiervon im Protocolle ausdruͤckliche Erwaͤhnung geſchehen. Am Ende deſſelben Art. 245. giebt das Tribunal eine Verfuͤgung ab 13), mittelſt deren die Partheyen in die oͤffentliche Gerichtsſitzung verwieſen werden, wozu es Tag und Stunde beſtimmt, ingleichen die Aeten dem kaiſerlichen Procurator mit⸗ getheilt werden, auch ein Richter, der in dieſer öſſentlichen Audienz uͤber die Sache referiren ſoll, ernannt wird. 1) Dieſe laufen nicht von dem Tage der Inſinuation des im Art. 239. benannten Protocolls, ſondern von dem Tage an, daß der katſerliche Procurator ſeinen Pntrag, nach gehaltener Relation, machte. Caſſattonshof in Jurisprudenee. T. IV. p. 422. Appellhof in Nismes in Jurisprud. F. VII. p 309. 2) Dieſer Vortrag geſchieht ebenfalls bey verſchloſſenen Thuͤren, da das offentliche Verfahren nur mit den in dem 245ſten und 2qöſten Artikel erwaͤhnten Hand⸗ lungen den Anfang nimmt, und nur von dieſer Regel das Zeugenverhoͤr nach Art. 233. eine Ausnahme macht. Roſenthal buͤrgerliche Proceßordnung des Koͤnigreichs Weſtphalen. B. 1. S. 440— 445. 3) Die hierher gehorigen Formeln ſ. bey Engelhard und Wöhler a. a. O. Th. I. S. 224. 225. 4) LocRE Eſprit. T. IV. p. 277. aus der Diseuſſſon. Irrig behaupten es die Pandectes frangaiſes. F. IV. p. 50. Sollte ſich das Tribunal eine ſolche Verweigerung erlauben, ſo muß der Klaͤger mittelſt einer bloßen Beſchwerde gegen daſſelbe de adminiſtranda juſtitia beym Appellhofe einkommen. Laſſaulx Journal. 1807. S. 206. 3) Dieſes geſchteht nicht in Form eines oͤffentlichen Erkenntniſſes, ſondern einer bloßen Verfuͤgung. Roſenthal a. a. O. B. 1. S 446. 447. 6) Die Vorladung entwirft in Frankreich der Huiſſier, in Weſtphalen der Klaͤger, da dem erſtern nach der Weſtphaͤliſchen Proceßordnung die Verfertigung dieſes wichtigen Aktenſtuͤcks genommen iſt. 7) Cade de procedure frangait art. 72.— In Weſtphalen binnen 14 Tagen⸗ Code de proccdure WWeſthlalien art. 22. 8) Der Beklagte kann jedoch auch durch einen Bevollmaͤchtigten erſcheinen. Art. 243. Pandectes frangaiſes. T. IV. p. 52. Erſcheint er gar nicht, ſo wird in con⸗ tumaciam gegen ihn erkannt, doch bleiht der kaiſerliche Procurator der geſetz⸗ liche Contradietor, und hat alle Gruͤnde der Unzulaͤſſigkett der Klage geltend zu machen. Wird in dieſem Falle der Klaͤger mit der Klage abgewieſen, ſo kann er nur gegen den wahren Beklagten einwenden; nie gegen den kaiſer⸗ n3 lichen 286 Erſtes Buch. Sechster Titel. lichen Procurator, da dieſer nie in ſeinem eigenen Nahmen in einem Proceſſe auftreten kann. Laſſaulx uͤber das Civilgeſetzbuch der Franzoſen im Journal. 1807. S. 206. 9) Nie wird derſelbe aber zugelaſſen, wenn nicht der Klaͤger ſelbſt in Perſon erſcheint. Art. 248. 10) Welche dieſelben ſind?— Daruber ſ. unten zum Art. 272. 11) Kann das Geſtaͤndniß des Beklagten zur Conſtattrung der vom Klaͤger ange⸗ fuͤhrten Cheſcheidungsurſachen beytragen, ſo tſt es nicht nöthig, daß dieſe Ur⸗ ſachen durch die uͤbrigen Beweismittei vollſtaͤndig erwieſen ſind. Coſſatiens⸗ hof in DRNRvRRs Journal des audiences. 180b. p. 76. Jurisprudence. T. V. p. 391. Nie aber reicht das bloße Eingeſtaͤndniß des Beklagten zum Beweiſe der angefuͤhrten Thatſachen hin, da dieſes ſo gut wäre, als erlaube man die Eheſcheidung auf wechſelſeitige Einwilligung, ohne einige Formalttaͤten. Blanchard zu Maleville. Th. 1. S. 263 Not.. 12) Er kann aber auch noch ſpäter welche vorſchlagen. S. Art. 20. 13) Dieſe Verfuͤgung verhaͤlt ſich, wenn der Beklagte nicht erſchienen iſt, wie ein wahres Contumacialurtheil, gegen welches derſelbe die Oppoſitton einwenden kann, in welchem Falle die geheime Inſtruction, die durch den Art. 242— 245. vorge⸗ ſchrieben iſt, in ſeiner Gegenwart noch einmal vorgenommen werden muß. Laſſaulx a. a. O. S. 207.— Die hierher gehoͤrenden Formulare ſ. bey Engel⸗ hard und Woͤhler Th. 1. S. 228. 229.— Wenn gleich bis hierher alles geheim verhandelt wird, ſo ſteht es den Partheyen dennoch frey, die gegenſei⸗ tigen Verhandlungen drucken zu taſſen. LockE Eſprit. T. IV. p. 282 ff. aus der Discuſſion. §. 34 4. Heffentliche Verhandlungen in der Andienz. iſt, ehe aber der kaiſerliche Procurator ſeinen Antrag gemacht hat, ſo * wie bey jeder Relation in dieſem Proceſſe(à chaque acte de la vauſe) ſich ihre gegenſeitigen Gruͤnde nochmals vorzutragen, oder durch ihre An⸗ waͤlte in ihrer Gegenwart vortragen zu laſſen, zuerſt uͤber die der Zulaͤſſig⸗ keit der Klage entgegengeſetzten Einreden, und dann uͤber die Hauptſache ¹). (In keinem Falle ſoll jedoch der Anwalt des Klaͤgers zugelaſſen werden, Art. 246. wenn nicht der Klaͤger zugleich in Perſon erſcheint.) Hierauf geſchieht der Antrag von Seiten des kaiſerlichen Procurators, und dann erfolgt das Erkenntniß. In demſelben werden die etwa gegen die Zuläſſigkeit der Klage zuerſt vorgebrachten Einreden entſchieden. Werden dieſelben ge⸗ gruͤndet gefunden, ſo wird die Klage auf Eheſcheidung verworfen; werden ſie Art. 243. In dieſem öffentlichen Audienztermin wird nun uͤber die Sache re⸗ ferirt. Die Partheyen haben das Recht, nachdem die Relation geendet 1 Von der Cheſcheidung. 287 ſie bingegen unbegruͤndet gefunden, oder ſind keine ſolche Einreden vor— gebracht, ſo wird die Eheſcheidungsklage zugelaſſen 2). ſ 1) Nie darf dieſes jedoch in ein ordentliches Plaidiren ausarten, wie DELApoRTE Formulaire du Code de procedure civile p. To8. irrig behauptet. Dieſe Bes merkungen können jedoch auch bey verſchloſſenen Thuͤren gemacht werden, ohne daß das Verfahren nichtig iſt. Caſſationshof in S1REx Journal genéral. 1809. P. I. p. 123. 2) Engelhard und Woͤhler a. a. O. S. 230. 237.— Entweder es ſind Gruͤnde der Unzulaͤſſigkeit der Klage angefuͤhrt oder nicht. Z. B. *) wenn eine reconciliation der Ehekeute nachher geſchah; b) wenn aus nicht geſetzlichen(inpertinenten) Gruͤnden um Scheidung pour cauſes determinẽs geklagt wird. Man kann nicht behaupten, daß das Erkenntniß, welches dieſe Einrede verwirft, nicht ſowohl uͤber eine Einrede, ſondern vielmehr uͤber die Hauptſache ſelbſt ſey. Denn nur dann laͤßt ſich uͤber die Hauptſache eine Erkenntniß denken, wenn wirklich pertinente Gruͤnde angefuͤhrt find, dieſe aber nicht bewieſen werden konnen u. ſ. w.(S. Art. 272.) S. auch Ma1k⸗ VIILIE Analyſe ad art. 246. Das Erkenntniß uͤber pertinente Gruͤnde ge⸗ hoͤrt zum jugement au fond. Im erſten Fall ſind ſie angenommen oder verworfen. Sind ſie angenommen, ſo wird die Klage verworfen. Sind ſie verworfen, wie das Tribunal ausdrück⸗ lich erkennen muß, ehe es zur Entſcheidung der Hauptklage ſchreitet, ſo wird in demſelben Urtheil, welches ſie verwirft, uͤber die Zuläſſigkett der Klage erkannt. „ Es ſind keine Gruͤnde angefuͤhrt. Muß ebenfalls ein erſtes Urtheil vorausgehen, welches die Klage fuͤr zulaͤſſig erklaͤrt, bevor uͤber die Hauptſache erkannt werden kann? Ja.— Fehlt dieſes Erkenntniß uͤber die Zuläſſigkeit der Klage, ſo iſt das weitere Verfahren vollig nichtig. Caſſa⸗ tionshof in DENEvRBRs Journal des Audiences. 1806. p. 173.— Von dieſem Erkenntniſſe uͤber die Zuläſſigkeit der Klage kann man appelliren, und dann muß der Obetrichter nur die Regelmäßigkeit oder Unregelmäßigkeit dieſes jugement d'admiſſion beurtheilen, ohne uͤber die Hauptſache ſelbſt erkennen zu koͤnnen. Caſſationshof in Jurisprudence. T. VIII. p. 39. 5. 248. 5 — 5. Erkenntniß in der Hauptſache. Das vorige Erkenntniß bezog ſich bloß auf die Zulaͤſſigkeit oder Un⸗ zulaͤſſigkeit der Klage; nicht auf die Hauptſache ſelbſt. Sind nun aber die Einreden gegen die Zulaͤſſigkeit der Klage verworfen, und die in der Klage angefuͤhrten Tharſachen an ſich fur hinreichend(pertinent) erklärt, eine Schei⸗ dungsklage zu begruͤnden, ſo muß nochmals ein Erkenntniß erfolgen, ob dieſe hinreichenden Thatſachen auch hinreichend erwieſen oder wahr ſind ¹). Hier⸗ 288 Erſtes Buch. Sechster Titel. Art. 247. Hieruber muß ein in dem vorigen Erkenntniß ernannter Richter nochmals an einem von dem Tribunale beſtimmten Tage reſeriren; der kaiſerliche Procurator thut wieder einen Antrag, der auf Zuläſſigkeit oder Unzuläſ⸗ ſigkeit der Scheidung gerichtet ſeyn muß, und es erſolgt dann, ohne daß die Partheyen weiter, als gleich nach der Relation mit kurzen Bemer⸗ kungen gegen dieſelbe, geboͤrt ſind, entweder ein Eydurtheil ²), oder ein Erkenntniß über den Beweis, wobey immer dem Bektagten der Gegen⸗ beweis zugeſtanden werden muß. 1) Pandecter fraugaiſet. T. IV p 62⸗ 2) Dos Tribunal weſches die Cheſcheidung zuläßt, hat auch über die Streitfragen als acceſſoriſche Puncte zu erkennen, die ſich uͤber die Wirkungen derſelben in Hinſicht der Dos u. ſ. w. nachher ergeben, ſollte auch der Mann nachher ſeinen Wohnort verändert haben. Laſſaulx Annalen. B. 2. H. L. S. 75. (183) In dem Beweisverfahren. §. 249 Im allgemeinen. Der Beweis kann ſowohl durch Zeugen als durch urkunden gefuͤbrt werden; auch ſind die uͤbrigen Beweismittel durch Geſtändniß und Eid zuläſſig ¹). 1) Auch ein Eid, welcher darauf hinzielt, um die Ehe zu trennen, der auch der richtigern Meynung nach, nach gemeinen Rechte zuläſſig iſt,(Meiſter's practiſche Bemerkungen Th. r. Nr. I.) wird zuläſſig ſeyn, da im Code der Eid nicht ſowohl als Beweismittel, ſondern vietmehr als ein allgemeines, merforſchen, betrachtet uͤberall zu gebrauchendes Mittel, die Wahrheit z1 wird, und deshalb kein Unterſchied gemacht wird. Das Bewetsverfahren iſt in der Proceßordnung vorgeſchrieben, nur der Zeugenbeweis weicht in verſchiedench Puncten ab⸗ §. 250. Vom Zeugenbeweiſe. a. Einleitung deſſelben⸗ Gleich, nachdem das Urtheil auf Zeugenbeweis, und deren Abhörung, ausgeſprochen iſt, ließt der Greffier den Theil des Protocolls vor, der die ſchon geſchehene Benennung der Zengen, welche die Partheyen abhoren laſſen wollen, enthaͤlt⸗ Der Präſident macht ihnen bekannt, daß es ihnen . noch Art. 249. , ie n eh . S Von der Eheſcheidung. 289 noch frey ſtehe, andere Zeugen zu benennen, daß ſie aber von dieſem Augenblicke an, wenn ſie dergleichen nicht angeben, nicht weiter damit gehoͤrt werden. Hieruͤber wird ebenfalls ein Protocoll aufgenommen. Art. 250. Dann werden die Partheyen aufgefordert ihre gegenſeitigen Einwendungen gegen die Zeungen vorzubringen ¹); das Tribnnal erkennt uͤber dieſe Ein⸗ wendungen nach Anhorung des kaiſerlichen Procurators 2). Die Verwandten Art. 251. der Partheyen, ausgenommen deren Kinder und Deſcendenten ³), koͤnnen nicht wegen ihrer Verwandſchaft verworfen werden; eben ſo wenig das Hausgeſinde der Ehegatten wegen dieſer Verhaͤltniſſe. Doch ſoll das Tribunal auf die Ausſagen dieſer Perſonen nur ſo viel Ruͤckſicht nehmen, als ihm billig ſcheint. 1 1) Weshalb Zeugen verworfen werden können?— daruͤber ſ. im allgemeinen Code de procedure Frangair art. 282. Code de procòdure MWeſtphalien art. 210 ſq 224. 2) Es braucht jedoch nicht auf der Stelle, ſo wie die Einwendungen vorgebracht ſind, zu erkennen, ſondern kann dieſelben zuerſt abhoͤren, und dann erkennen⸗ Auch bedarf es bey dieſem Erkenntniß keiner andern, als der gewöhnlichen Form. Appellhof zu Nismes. Jurisprudence. T. VII. p. 369. 3) Dieſe koͤnnen gar nicht einmat zugelaſſen werden, wie DELvINCoURT Iuſtitutes. T. I. p. 157. not. 2. richtig bemerkt. b. Vernehmung der Zeugen. Jedes Urtheil, welches den Zeugenbeweis zulaͤßt, muß die zu ver⸗Art. 22. nehmenden Zeugen benennen, und Tag und Stunde beſtimmen, wo die Partheyen ſie vorzuladen haben. Die Vorladung ſelbſt iſt den Partheyen uberlaſſen, und haben dieſelben dabey die gewohnliche Form zu beobach⸗ ten ¹). Die Ausſagen der Zeugen ſelbſt, geſchehen bey verſchloſſenen Art. 233. Thuren, in Gegenwart des kaiſerlichen Procurators, der Partheyen und ihrer Beyſtände, oder Freunde, bis zur Zahl von dreyen auf jeder Seite, in der Gerichtsſitzung, und werden vom Greffier ſchriftlich aufgenommen. Sowohl die Partheyen als ihre Beyſtände haben das Recht, zweckdien⸗ Art. 253. liche Fragen und Bemerkungen den Zeugen vorzulegen, welche zur Er⸗ taͤuterung dienen können; nur duͤrfen ſie dieſelben in dem Laufe ihrer Aus⸗ 3 ſagen nicht unterbrechen. Jede Ausſage, ſo wie jede dieſer Bemerkungen Art. 233. wird aufgezeichnet; das Protocoll uͤber die Zeugenabhoͤrung ſowohl den Zeugen als den Partheyen vorgeleſen, und beyde werden aufgefordert, daſſelbe zu unterſchreiben. Ihrer Unterſchrift, oder ihrer Erklaͤrung, nicht t. Spangenberg's Commentar Bd. I. Oo unter⸗ 290 Eerſtes Buch. Sechster Titel. unterſchreiben zu können oder zu wollen, muß Erwaͤhnung in dein Pro⸗ Art. 236. tocolle geſcheben. Nachdem die Zeugenabhörung beyder Partheyen, oder, wenn der Beklagte keine Zeugen in Vorſchlag gebracht hat, der von zur oͤffentlichen Audienz, wozu es Tag und Stunde beſtimmt; verfugt die Mittheilung der Verbandlungen an den kaiſerlichen Procurator, und be⸗ ſtellt einen Referenten. Dieſe Verfuͤgung wird dem Beklagten, auf Anſuchen des Klaͤgers, binnen der darin beſtimmten Friſt mitgetheilt ²). 1) Die Art. 252. 263. ſind weder durch den Code de procédure Frangais art. 1II. noch durch den Code de procodure MWſiphalien art. 203. 345. ab⸗ geändert, da der Code Napoleon hier lex ſpeeialis iſt, wie die Franzöſiſche Proceßordnung Art. 881. anerkennt. Zu bemerken iſt jedoch, daß die Vor⸗ ſchriften der Proceßordnungen, wenn ſie ergänzen, angewandt werden koͤnnen, in einem Scheidungsproceſſe vorgenommen iſt, und welches fuͤr nichtig erklaͤrt iſt, nach Art. 292. 293. der Franzoͤſiſchen Proceßordnung, Art. 228. der Weſt⸗ phaͤliſchen, nochmals vorgenommen werden. Caſſationshof bey Laſſaulp Annalen. I. 1. S. 03. 2) Engelhard und Wohler S. 236— 24r. 6. 252.„ Endurtheil. rt. 237. An dem zur Ertheilung des Endurtheils feſtgeſetzten Tage haͤlt nun der Referent einen Vortrag. Die Partheyen konnen hierauf entweder . Eheſcheidung zu, ſo erhaͤlt der Klaͤger die Befugniß ſich zu dem Civil⸗ ſtandsbeamten zu verfuͤgen, um dieſelbe von dieſem ausſprechen zu laſſen. Art, 259. Hierbey iſt zu bemerken: I. Ward wegen Exeeſſe, harter und grauſamer Mißhandlungen oder grober Beleidigungen die Eheſcheidung nachgeſucht, ſo bleibt es den Richtern unbenommen, die Eheſcheidung noch nicht ſogleich zuzulaſſen, wenn auch gleich die Klage gehoͤrig begruͤndet iſt. Sie be⸗ rechtigen in dieſem Falle vor der Entſcheidung der Klage die Frau ¹), ſich der Geſellſchaft ihres Mannes zu entziehen, ohne ihn, wenn ſie es nicht fuͤr gut findet, bey ſich aufnebmen zu muͤſſen, und verurtheilen den Mann, wenn die Frau ſelbſt keine zur Beſtreitung ihrer Beduͤrfniſſe z reichen⸗ Seiten des Klaͤgers geſchloſſen iſt, ſo verweißt das Gericht die Partheyen wie ſolches aus Art. 241. erhellt. So kann alſo ein Zeugenverhoͤr, welches ſelbſt, oder durch ihre rechtlichen Beyſtaͤnde, alle ihnen zweckdienlich ſchei⸗ nenden Bemerkungen machen; worauf ſodann der kaiſerliche Procurator Art. 25. ſeinen Antrag thut. Das Endurtheil wird offentlich ertbeilt. Laͤßt es die E —„—.—.————.—„—— ——— Von der Eheſcheidung. 291 reichenden Einkuͤnfte hat, ihr eine jaͤhrliche ſeinem Vermoͤgen angemeſſene Alimentation zu bezaßlen. Nach dem Ablaufe eines Probejahrs kann, Art. 260. wenn die Partheyen ſich inzwiſchen nicht wieder vereinigt haben, der klagende Ebegatte den andern vorladen laſſen, um binnen der geſetzlichen Friſt(binnen acht, und in Weſtphalen vierzehn, Tagen) vor Gericht zu erſcheinen, und das daſelbſt auszuſprechende Endurtheil, welches die Ehe⸗ ſcheidung zulaͤßt ²), anzuhoͤren. II. Wird die Eheſcheidung aus dem Art. 26r. Grunde nachgeſucht, weil einer der Ehegatten zu einer entehrenden Strafe verurtheilt iſt, ſo muß der Klaͤger bey dem Tribunal erſter Inſtanz eine in gehoͤriger Form geſchehene Ausfertigung des condemnatoriſchen Urtheils, nebſt einem Zengniſſe des peinlichen Gerichts, daß dieſes Urtheil auf keine geſetliche Weiſe wieder abgeaͤndert werden koͤnne, uͤbergeben. 1) Merkwuͤrdig iſt es, daß der Art. 259. nur von der Frau ſpricht, und den Rich⸗ tern das Recht nicht einzuräumen ſcheint, den Mann zu erlauben das Haus der Frau zu verlaſſen, wenn die Frau ihn grauſam behandelt. Aber wie LocRE Eſprit. T W. p. 312. ſehr richtig bemerkt, darf dieſer Artikel dem Richter dieſe Erlaubniß nicht nehmen, da er aus einem Fehler der Redaction ſo ſtehen geblie⸗ ben iſt. Anfangs wollte man nämlich nur der Frau die Scheidungsklage wegen Mißhandlungen erlauben, da ſie offenbar das ſchwächere Geſchoͤpf iſt, und in dieſem Sinne waren Art. 231. und 259. redigirt. Den erſten hat man abge⸗ aͤndert, ohne des zweyten zu gedenken.— Ja der Richter kann ſogar in dieſem Falle den Mann ermachtigen, die Frau in das Haus eines Dritten zu bringen, und in dem ſeinigen zu bleiben. 2) Da aus den Worten des Artikels erhellt, daß dieß eine imperative Verfuͤgung iſt, ſo folgt daraus, daß es dem Tribunale nicht mehr frey ſtehe, die Ehe⸗ ſcheidung nicht anzunehmen. MalRvIILILE Analyſe ad art. 260. Denn hat das Tribunal gefunden, daß die Eheſcheidung nicht gegruͤndet war, ſo muß es auch nicht einmal das Probejahr zulaſſen. In dem Verfahren uͤber Rechtsmittel. 5 253. Im allgemeinen. Die Rechtsmittel, welche gegen die Erkenntniſſe in Ebeſcheidungs⸗ ſachen ſtatt finden, ſind entweder ordentliche oder außerordent⸗ liche. Zu den erſtern gehört die Oppoſition, welche der Theil ein⸗ wenden kann, gegen den in contumaciam erkannt worden iſt, und die He 2 Appel⸗ 292 Eerſtes Buch. Sechster Titet. Appellation; zu den letztern die Caſſation. Die Appellation findet ſtatt, wenn unbillig, die Caſſation, wenn gegen klare Geſetze geſprochen iſt, oder Richtigkeiten in der Form des Verfahrens begangen ſind. 5. 4. 4. Ordentliche Rechtsmittel. I. Appellation. ſcheidungsſache erlaſſenen Urtheile, es mag das erſte uͤber die Zulaͤſſigkeit der Klage, oder ein definitives ſeyn, appellirt wird, ſo hat das Appella⸗ tionsgericht den Rechtsſtreit als eilige Sache zu behandeln und zu ent⸗ Art. 263. ſcheiden; mithin ſummariſch). Die Appellation muß binnen drey Mo⸗ naten von dem Tage der Inſinuation des Urtheils angerechnet; es mag daſſelbe contradictoriſch, d. h. nach Anhörung beyder Partheyen, oder in contumaciam ²) gegen den Richterſchienenen Theil erfolgt ſeyn. 1) Code de procodure Frangais art. 404. Meſtphalien art. 337. Mar F- vixIE behauptet ad art. 262. I. daß auch gegen Interlocute, welche den Beweis der angefuͤhrten Thatſachen zulaſſen, und uͤber Einwendungen gegen die Zeugen erkennen, die Appellation zulaͤſſig ſey. Dieſes iſt wenigſtens gegen die Praxis, indem der Appellhof von Trier, ein jugement, qui ordonne k'annee de preuve, den Art. 262. ſtrenge erklärend, fuͤr non ſuſceptible drappel betrachtete. Juri- prudence. T. VII. p. 374.— Ob in der Appellattonsinſtanz, wenn ein Probe⸗ jahr von den Richtern der erſten Inſtanz nicht verfuͤgt war, daſſelbe verfuͤgt werden koͤnne, dieß ſcheint die Praxis zu verneinen; Appellhof zu Beſangon. Juriprudence. T. W. p. 223; doch iſt dieſes Urtheil von den Verfaſſern der Jurisprudence als unrichtig angegriffen. II. Daß die Appellation ſuſpenſive Kraft habe; was mir aber ſehr zweifethaft ſcheint, da dte Caſſation dieſelbe aus⸗ nahmsweiſe in dieſem Falle hat. Eine gleiche Behauptung findet ſich jedoch * in einem Urtheil des Appellhofs zu Agen in Jurisprudence. T. X. p. 307. 2) Dieſes iſt eine Ausnahme von der im Code de procèdure Frangais art. 443. Meſtphhalien art. 345. enthalteuen Regel⸗ S 25 In Hinſicht der Oppoſition treten die in der Proceßordnung angege⸗ benen allgemeinen Regeln ein. F* Art. 262. So wie von einem, von dem Tribunale erſter Inſtanz in einer Ehe⸗ X Von der Eheſcheidung. F. 256. B. Außerordentliche: Caſſation. Die Friſt, binnen welcher man ſich wider ein in letzter Inſtanz er⸗ gangenes Urtheil an das Caſſationsgericht zu wenden hat, beſteht ebenfalls in drey Monaten von dem Tage der Inſinuation des Urtheils anzurechnen⸗ Auch hat dieſes Rechtsmittel aufſchiebende Wirkung*). 1) Dieſes iſt eine Ausnahme von der Regel, daß das Caſſationsgeſuch nicht Suſpenſivkraft hat. Ausſprechung der Eheſcheidung⸗ §. 257. 3 Verfahren bey derſelben⸗ Wir haben oben geſehen, daß das Tribunal ſelbſt die Ebe durch ein Erkenntniß nicht aufloͤſen, ſondern nur die Auflöſung, derſelben durch die competente Behoͤrde zulaſſen kann. Dieſe competente Behoͤrde iſt die⸗ ſelbe, welche das Band der Ehe geknuͤpft hat; der Civilſtandsbeamte. Art. 264. Vermoͤge eines jeden rechtskraͤftig gewordenen Endurtheils, ſoll der Ehe⸗ gatte, der es ausgewirkt hat, verbunden ſeyn, den Gegentheil vor den Civilſtandsbeamten binnen zwey Monaten durch den Huiſſier gehorig vor⸗ laden zu laſſen; um die Eheſcheidung von demſelben ausſprechen zu laſſen, und ebenfalls vor demſelben zu gleicher Zeit zu erſcheinen. Dieſe zwey Monate nehmen ihren Anfang: I. bey Urtheilen der erſten Inſtanz, Art. 265. nach dem Ablaufe der Appellationsfriſt; II. bey Urtheilen, die in der Appellationsinſtanz und zwar 1) wegen ungehorſamen Ausbleibens erfolgt ſind, nach dem Ablaufe der Oppoſitionsfriſt. 2) Waren ſie dagegen con⸗ tradictoriſch erlaſſen, nach dem Ablaufe der Friſt, binnen welcher um Caſſation nachgeſucht werden kann ¹).— Wenn der als Klaͤger auf⸗ Art. 266. getretene Ehegatte dieſe oben beſtimmte Friſt von zwey Monaten ablaufen . ließ, ohne den andern Ehegatten vor den Eivilſtandsbeamten vorzuladen ²), ſo ſoll er der Vortheile des von ihm ausgewirkten Urtheils veriuſtig ſeyn; und ſeine angefangene Klage auf Ebeſcheidung nicht wieder aufnehmen können, ausgenommen, wenn er ſie aus einem neuen Grunde wieder an⸗ ſtellen will, in welchem Falle er jedoch die vorigen Urſachen auch wieder geltend machen kann ²),(d. h. nicht: er muß dieſelbe Klage aus dem⸗ 294 Erſtes Buch. Sechster itel. dienen konnen)*). dieſem Rejet de caſſation erhielt. MAIBVII.I.E Analyſe ad art. 266. aufgezaͤhlten Formalitäten. 4) MarBvI.LE Analyſe ad art. 266. Zweyter Abſchnitt. urſache gegruͤndete Eheſcheidung veranlaſſen kann. 8. 258. Im allgemeinen. Vermoͤgen der Ehegatten. 5. 259. I. In Hinſicht der Kindet. vorzuglichen Beſten derſelben etwas anders beſtimmt werden. ſelben Grunde ganz von neuem wieder anfangen, ſondern es muß ein neuer Grund vorhanden ſeyn, dem jedoch die aͤlteren ſtatt Ergaͤnzung 1) Wie aber, wenn um Caſſation nachgeſucht iſt, dieſelbe aber abgeſchlagen iſt?— dann laufen die zwey Monate, nach DRILvINcouRT Inftitutes T. I. p 161. not. 2. richtiger Meynung, von dem Tage, da der Kläger Wiſſenſchaft von 2) Und ſich zu gleicher Zeit zu ſtellen, denn die bloße Vorladung iſt nicht genug. 3) Iſt einer der beyden Ehegakten ein Handelsmann, ſo bedarf es nach Art. 66. des Code de Commerce, bey der Auflöſung der Ehe noch der bey der Guͤter⸗ trennung im Code de procodure Franguis art. 872, WMWeſtphalien art 806. Von den vorlaͤufigen Maaßregeln, welche die auf eine beſtimmte Zu bemerken iſt, daß dieſe vorlaͤufigen Maaßregeln nicht abſolut genommen werden muͤſſen, ſondern daß es hier ſowohl den Partheyen als dem Richter uͤberlaſſen bleiben muß, ſie zu veranlaſſen, wenn ſie noth⸗ „ wendig ſind. Sie betreffen entweder die Kinder, oder die Frau, oder das Att. 267. Dem Manne, er mag Klaͤger oder Beklagter bey der Ehrſcheidungs⸗ klage ſeyn, bleibt die einſtweilige Sorge fuͤr die Kinder; doch kann auf Anſuchen der Mutter, der Familie oder des kaiſerlichen Procurators, zum 2 60. die ken ant wo otl Von der Eheſcheidung. §. 260. II. In Hinſicht der Frau. Die Frau, als Klaͤgerin oder Beklagte, kann waͤhrend des Pro⸗ Art. 263. eeſſes die Wohnung ihres Mannes verlaſſen*), und eine dem Vermoͤgen deſſelben angemeſſene jaͤhrliche Unterhaltsſumme fordern ²). Das Tri⸗ bunal beſtimmt 3) das Haus, worin ſie ſich aufhalten ſoll, und ſetzt auch erforderlichen Falls die Unterhaltsſumme feſt, die der Mann ihr zu zahlen verbunden iſt. Die Frau iſt dann ſchuldig, ſo oft ſie dazu aufgefordert Art. 269. wird, darzuthun, daß ſie in dem ihr angewieſenen Hauſe wirklich wohne; vermag ſie dieſes nicht, ſo kann, wenn ſie Beklagte iſt, der Mann ihr die jaͤhrliche Unterhaltsſumme verſagen, und wenn ſie die Klaͤgerin iſt, ſie zur Fortſetzung des Proeeſſes fuͤr nicht befugt erklaͤren laſſen. 1) Ob auch der Mann ſich aus dem Hauſe entfernen könne, wenn die Frau es nicht thut, daruͤber ſ. zum Art. 261. 2) Der Mann bedarf dieſer Unterhaltsſumme nicht, da er in jedem Eheverhaͤlt⸗ niſſe Lebensunterhalt findet. I. In der Guͤtergemeinſchaft hebt er die aus den Sachen der Frau mit aufkommenden Revenuͤen und Fruͤchte. II. In der Dolal⸗ verfaſſung die Revenuͤen der Dos. 1lI. Sind alle Guͤter der Frau paraphernal, ſo muß ſie 4 zur Beſtreitung der Eheſtandslaſten contribuiren; und die Ehe hört vor der wirklich ausgeſprochenen Scheidung niht auf. Er iſt alſo in allen Faͤllen gedeckt. LocRE Eſprit. T. IV. p. 841. Art. 212. 140. 1427. 1549. 1575. 3) Findet gegen dieſes Erkenntniß die Appellation ſtatt? Ja. Portalis in der Discuſſien.(Conference. T. II. p 220.)— Selbſt in der Appellattonsinſtanz uͤberhaupt kann dieſer proviſoriſche Unterhalt verlangt und zuerkannt werden. Caſſationshof in DENEvRRs Journal des audiences 1806. p. 474. F. 261. III. In Hinſicht der Güter. I. Wenn Guͤtergemeinſchaft unter den Ehegatten beſteht, ſo kann Art, 270. die Fran, ſie mag Klägerin oder Beklagte ſeyn, von dem Tage der im 238ſten Artikel erwaͤhnten Verfuͤgung des Erſcheinens vor dem Praͤſiden⸗ ren an, in jeder Lage des Proceſſes, zur Erhaltung ihrer Rechte darauf antragen, daß das bewegliche Vermoͤgen der Guͤtergemeinſchaft ¹) unter Siegel gelegt werde. Rur dann ſollen die Siegel wieder abgenommen werden, wenn ein Inventarium errichtet, und in demſelben die Sachen ordnungsmäßig taxirt werden; und der Mann die Verpflichtung uͤber⸗ nimmt, 296 Erſtes Buch. Sechster itel. nimmt, die aufgezeichneten Gegenſtaͤnde dereinſt wieder heraus zu geben, Art. 271. oder als gerichtlicher Verwahrer fuͤr deren Werth zu haften ²). II. Jede * nach dem Tage der eben erwaͤhnten Verfuͤgung von dem Manne zur Be⸗ laͤſtigung der Gütergemeinſchaft üͤbernommene Verbindlichkeit, oder Ver⸗ äußerung der zu derſelben gehörigen Grundſtuͤcke, ſoll fuͤr unguͤltig erklaͤrt werden, ſobald erwieſen wird, daß ſie zum Rachtheil der Rechte der Frau uͤbernommen oder geſchehen ſeh. 1) Hierher wird in gubio das ganze Mobiliarvermögen zu rechnen ſeyn, ben dem der Mann nicht das Gegentheil beweiſen kann. Da es lediglich in der Gewolt des Mannes ſteht, die Siegel abnehmen zu laſſen, ſo risktrt er dabey nichts. LockE Pſprit. T. IV p. 355.— Die Verfägung des Artikels will DBI.vIN- couRr Inſtitutes. T. I. p 164. not. 1. auch auf den Fail ausdehnen, wenn ſie in einer Societé d'acquẽts leben. Der Vortheil den die Guͤtergemeinſchaft durch Zuwachs u. ſ. w. nach angehobener Cheſcheidungsklage erhält, gereicht zum Nutzen beyder Ehegatten. MArFVILTLE Analyſe ad art. 271. 1 2) Doch braucht er keine Caution zu ſtellen. Bemerkung des Tribunats bey LocR a. a. O. S. 337. denn die Verfuͤgung des Art. 2060 trifft ihn ja. Wei⸗ gert ſich der Mann dieſe Function als gerichtlicher Verwalter zu uͤbernehmen, ſo werden die Siegel nicht abgenommen. DrvIXCouRT Inſtitutes. T. I. p. 164. not. 3z.— Als gerichtlicher Verwalter kann er ohne gerichtlich conſtatirte Be⸗ wegsgrände, und ohne Einwilligung der Frau, die Sachen nicht verkaufen. Appellhof zu Bruͤſſel. S. Extrait des déciſions notables de la cour de Pruxelles. p. 267. SIREv Journal général. 1809. P. II. p. 50. X Dritter Abſchnitt. Von den Einreden gegen die Zulaͤſſigkeit einer Eheſcheidungs⸗ klage aus beſtimmter Urſache⸗ Die Einreden gegen die Zulaͤſſigkeit der Scheidungsklage ſind man⸗ cherley. Vorzuͤglich gehören hierher: I. wenn ſie bey dem incompetenten Richter angebracht iſt ¹); II. wenn aus den derſelben zum Grunde lie⸗ genden Urſachen ein peinliches Verfahren entſtebt ²); III. wenn die Ur⸗ ſachen nicht vor der erhobenen Klage begruͤndet waren ²); IV. wenn der Klaͤger nicht in Perſon zum Praͤſidenten gieng, um die Klage anzu⸗ bringen; V. wenn die Klägerin das ihr angewieſene Haus verließ ²); VI. wenn die Klage aus einem Grunde angeſtellt war, der keiner der geſetzlichen Urſachen der Eheſcheidung iſt*); VII. wenn gar keine Gruͤnde ange⸗ —„——— —————— Von der Eheſcheidung. 297 angefuͤhrt ſind, und endlich VIII wenn die Ehegatten ſich wieder aus⸗ grt. 272. geſoͤhnt haben; die Wiederausſohnung mag ſeit den Thatſachen, die zu jener Klage berechtigen konnten, oder nach bereits angeſtellter Klage ge⸗ ſcheben ſeyn. In beyden Fällen ſoll der Klaͤger mit ſeiner Klage nicht Art. a73. weiter gebört werden, ob er gleich wegen einer ſeit der Wiederausſohnung eingetretenen Urſache eine neue Klage anſtellen, und alsdann zu deren Un⸗ terſtuͤtzung auch von den vorigen Urſachen Gebrauch machen kann. Leugnet dagegen aber der Klaͤger die Einrede der Wiederausſoͤhnung ab, Art. 274. ſo bat der Beklagte den Beweis derſelben durch Urkunden oder Zeugen, nach der im erſten Abſchnitte des gegenwaͤrtigen Kapitels beſtimmten Form, zu fuͤbren. Man hat in der Discuſſion eine doppelte Art von Verſoͤh⸗ nung angenommen, eine ausdruͤckliche und ſtillſchweigende. Die letztere wird dadurch begruͤndet, daß die Ehegatten die Ehe friedlich fort⸗ geſetzt, und beſonders einander ehelich beygewohnt haben; daß ſie gegen⸗ ſeitig einander Geſchenke gemacht, und dieſelben angenommen haben u. ſ.w. Nur muͤſſen die Handlungen vollig coneludent ſeyn, um auf Verſöhnung ſchließen zu koͤnnen; ſo wie bier uͤberhaupt alles dem vernuͤnftigen Er⸗ meſſen des Richters uͤberlaſſen bleibt*).— Nie aber iſt die Einrede der Compenſation als Einrede gegen die Zulaͤſſigkeit der Scheidungsklage zu betrachten 7). 1) Art. 234. 2) Art. 235. 3) Appellhof zu Riom in Jurioprudence. T. I. p. 357. 4) Att. 268. 5) S. 5. 248. not. 2. 6) Jurisprudence. T. I. p. 347. T. III. p. 23. T. V. p. 431. T. X. p. 538. *** in Dabelow Archiv fuͤr den Code Napoleon. St. V. S. 491 ff. welcher jedoch Bedenken trägt, den Beyſchlaf, nach in Erfahrung gebrachtem Ehebruch, als eine Reconciliation und Vergebung zu betrachten,“denn da unter den Ehegatten mehrentheils alles hoͤchſt mechaniſch zugeht, ſo kann ſchon des⸗ wegen nicht, und noch mehr darum nicht dem Beyſchlafe die Kraft der ſtill⸗ ſchweigenden Reconciliation beygelegt werden, weil ihn das phyſiſche Bedürfniß herbeyfuͤhrte.— Aus dem bloßen Zuſammemohnen allein, ohne Beyſchlaf und äußere Zeichen der Harmonie, laͤßt ſich keine Ausſoͤhnung ſchließen. S1REr Jurisprudence de la Cour de Caſſation. An. KII. Suppl. p. 189 ff. 2) LocRE Eſprit. T. IV. p. 367— 369. Spangenberg's Commentar Bd. 1. Pp Drit⸗ Erſtes Buch. Sechster Titel. Drittes Kapitel. Von der Eheſcheidung wegen wechſelſeitiger Einwilligung. I. Bedingungen derſelben. 5 262 Welche ſie ſind. Art. 273. Durch gegenſeitige Einwilligung kann die Ehe nur unter folgenden Bedingungen aufgeloͤßt werden: J. wenn der Mann wenigſtens fuͤnf und Art. 276. zwanzig, die Frau wenigſtens ein und zwanzig Jahr alt iſt; II. wenn die Ehe wenigſtens zwey Jahre beſtanden bat; damit ſie Zeit hatten ſich Irt. 277. vertragen zu lernen; 1II. wenn die Ehe noch nicht zwanzig Jahre beſtan⸗ den hat; weil man annimmt, daß, wenn ſich die Eheleute ſchon zwanzig Jahre vertragen hatten, ſie es auch fernerbin koͤnnten; IV. wenn die Frau At. a7s. unter funf und vierzig Jahre alt iſt ¹); V. wenn die Scheidung von den Perſonen genehmigt iſt, welche in den Abſchluß der Ehe einwilligen mußten; in ſo fern ſie naͤmlich Eltern oder noch kebende Aſcendenten waren 5 2) Grund der Verordnung iſt, daß nach 45 Jahren die Frau zu huͤlflos iſt, um ſich ſelbſt gehoͤrig ernaͤhren zu koͤnnen. 2) Sehr richtig bemerkt ZacRakap Handbuch. Tb. II. S. 45. daß die Ord⸗ nung, wie die Aſcendenten einzuwilligen haben, nach dem Art. 159. beſtimmt werden muß, daß jedoch hier kein Unterſchied zwiſchen minderjaͤhrigen und voll⸗ zährigen Kindern zu machen ſey. Sind keine Aſcenbenten vorhanden, ſo haben die Eheleute deren Tod zu erweiſen. Art. 233. Rie iſt die Einwilligung des Familtenraths nöthig; auch kömmt es nicht darauf an, ob Kinder aus dieſer . Ehe erzeugt ſind oder nicht. S. DpELvIXNCOURT Inſtitutes. T. I. p. 170. not. 4. 5. 263. Vorlaͤufige Maaßregeln. 3 Bevor die Ehegatten die Klage auf Eheſcheidung wegen wechſelſei⸗ tiger Einwilligung erheben, muͤſſen ſie zuvor ihr ganzes bewegliches und unbewegliches Vermögen aufzeichnen und ſchätzen laſſen; und ebenfalis ͤber ihre gegenſeitigen Befugniſſe eine Beſtimmung machen, ob es ihnen gleich unbenommen bleibt, ſich Iber dieſelbe zu vergleichen 1), Außer⸗ Frt, 279. dem Von der Eheſcheidung. 299 dem muͤſſen ſie uͤber folgende drey Punete eine ſchriftliche Uebereinkunft Art. a0. treffen: I. Wem ²) die aus ihrer Ehe erzeugten Kinder, ſowohl waͤhrend der Probezeit(Art. 286.) als nach ausgeſprochener Eheſcheidung, anver⸗ traut werden ſollen. II. In welches Haus ſich die Ehefrau begeben ſoll, um ſich darin waͤhrend der Probezeit aufzuhalten. III. Welche Summe der Mann waͤhrend dieſer Zeit ſeiner Frau als Alimentation geben ſoll, wenn ihre Einkuͤnfte zur Beſtreitung ihrer Beduͤrfniſſe nicht hinreichen 3). 1) Und zwar bedarf es hier nur der allgemeinen Autoriſation des Mannes in Hinſicht der Frau, nicht etwa der richterlichen Autoriſation, oder gar der Zu⸗ ſammenrufung eines Familienraths. LocRE Fſprit. T. IV. p. 393 ff. aus der Diseuſſion. Ebenfalls ſteht es den Ehegatten frey die Regulirung ihrer gegen⸗ ſeitigen Anſpruͤche Schiedsrichtern zu uͤberlaſſen; MarRvIILILB ad art. 279. (irrig leugnen es die Pandectes frangaiſes. T. IV. p. 107.) nur hat dieſes Schiedsrichterliche Urtheil keine executoriſche Kraft, weil der Succumbent ſeine Wirkungen dadurch hemmen kann, daß er ſeine Einwilligung zuruͤckzieht. Laſ⸗ ſaulx Journal 1807. Th. T. S. 270 ff. 2) Sowohl den Eltern als fremden Perſonen. 3) Alles muß hierbey freywillige Uebereinkunft ſeyn. Erheben ſich Schwierig⸗ keiten, ſo kann ſie kein Richter aus dem Wege raͤumen; einer der Ehegatten muß nachgeben, oder die Scheidung unterbleibt. Laſſaulx a. a. O. . Gerichtliches Verfahren. a. Im erſten Verfahren. 6. 26. Einleitung deſſelben. Die Ehegatten muͤſſen, um die Scheidungsklage einzuleiten, zuſam⸗ Art, s1. men vor dem Praͤſidenten des Civiltribunals ihres Diſtriets, oder vor dem Richter, der ſeine Stelle vertritt, perſoͤnlich erſcheinen, und zwey Notarien mitbringen, in deren Gegenwart ſie ihm ihren Willen, ſich trennen zu wollen, erklaͤren. Der Praͤſident ſoll immer, in Gegenwart der Notarien, Art. 282. zuerſt beyden Ehegatten zuſammen, und dann jedem insbeſondere die ihm paſſend ſcheinenden Vorſtellungen machen, und Ermahnungen geben; er ſoll ihnen das vierte Kapitel dieſes Titels, uͤber die Wirkungen der Ebeſcheidung, um ſie abzuſchrecken, vorleſen, und ihnen alle Folgen ihres Vorhabens auseinander ſetzen. Beſtehen die Ehegatten auf ihrer grt. 283. Entſchließung, ſo ſoll ihnen von dem Praͤſidenten ein Zeugniß daruͤber Pp 2 ertheilt — Erſtes Buch. Sechster Titel. ertheilt werden, daß ſie die Eheſcheidung nachſuchen, und darin wechſel⸗ ſeitig einwilligen; ſie ſelbſt aber ſind verbunden, folgende Aufſätze bey⸗ zubringen, und ſogleich den Rotarien einzuhaͤndigen: I. das vorhrrerwähnte Inventarium uͤber ihr Vermogen; II. die ſchriftliche Uebereinkunft uͤber Wohnhaus und Alimentation der Frau, und uͤber die Erziehung der Kinder; III. ihre Geburtsurkunden, und ihre Heirathsurkunden; IV. die Geburts- und Sterbeurkunden aller aus ihrer Ehe erzeugten Kinder; V. die in authentiſcher Form abgefaßte Erklaͤrung ihrer Eltern, oder anderer noch lebender Aſcendenten ¹), daß ſie aus ihnen bekannten Ur⸗ ſachen ihren Sohn oder Enkel, ibre Tochter oder Enkelin(deren Nahmen und die Perſon, mit welcher ſie verheirathet ſind, genau angegeben werden mnß,) ermaͤchtigen, um die Eheſcheidung nachzuſuchen, und in ſelbige ein⸗ zuwilligen. Daß die Eltern und Großeltern der Ehegatten noch leben, wird aber ſo lange vermuthet, bis die Urkunden vorgelegt werden, die Art. 284. deren Ableben erweiſen.— Die Notarien nehmen uͤber alles, was geſagt oder gethan iſt, ein genaues Protocoll auf; das Originalconcept(die , Minute) deſſelben nebſt den vorgelegten, demſelben beyzufuͤgenden Be⸗ k weisſtucken, behaͤlt der den Jahren nach aͤlteſte der beyden Notarien. In dieſem Protocolle iſt beſonders zu erwaͤhnen, daß der Frau die Weiſung ertheilt ſey, ſich binnen vier und zwanzig Stunden in das mit ihrem Mann verabredete Haus zu begeben, und bis nach ausgeſprochener Ehe⸗ rt. as. ſcheidung ſich daſelbſt aufzuhalten.— Dieſe auf ſolche Art geſchehene Erklaͤrung der Ehegatten ſoll in den erſten vierzebn Tagen des darauf folgenden vierten, ſiebenten und zehnten Monats, unter Beobachtung der vorigen Formalitaͤten, erneuert werden. Jedesmal ſollen die Partheyen durch oͤffentliche Urkunden den Beweis beybringen, daß ihre Eltern oder ubrige noch lebenden Aſcendenten auf ihrem erſten Entſchluſfe die Schei⸗ 3 dung zuzulaſſen beharren; doch brauchen ſie die Vorlegung der uͤbrigen Aufſaͤtze nicht zu wiederhohlen. 1) Und zwar in der vom Art. 150. vorgeſchriebenen Ordnung, ſo daß die in dem Gutachten des Staatsraths vom 1. Thermidor XIII. enthaltenen Grundſätze keine Anwendung finden. S. oben zu dieſem Art. 180. Die Etnwilligung der Ur⸗ großeltern iſt nicht erforderlich, wie ſich aus der Discuſſion ergiebt. An die Stelle der authentiſchen Urkunde uͤber diefe Einwilligung kann dte perſoͤnliche Erſcheinung und ihre muͤndliche Einwilligung nicht treten. Stirbt einer der Aſcendenten während des Proceſſes, ſo macht z. B. der Tod des Vaters bey der nachſten Erſcheinung der Partheyen die Einwilligung der Mutter u ſ. w. er⸗ forderlich. Laſſauly Journal a. a. O. S. 274 ff. DrrvIcovR Inſtitutes. . F. I Von der Eheſcheidung. 301 T. I. p. 173. not. I. 2. Immer wollte nämlich das Geſetz die Eingehung der Che beguͤnſtigen, die Aufioͤſung derſelben erſchweren. F. 265. Gerichtliches Verfahren. Erſt nach Ablauf eines Probejahrs, welches von dem Tage der Art. 286. erſten Erklaͤrung laͤuft, können die Ehegatten die Klage fortſetzen*). Hierzu iſt erforderlich: I. daß ſie in den naͤchſten vierzehn Tagen nach Ablauf des genannten Jahrs, jeder in Begleitung zweyer Freunde ²), welche angeſehene Einwohner des Bezirks 3), und wenigſtens funfzig Jahre alt ſeyn muͤſſen, zuſammen und in Perſon vor dem Tribunalspraͤſidenten, oder den ihn vertretenden Richter erſcheinen; II. daß ſie demſelben die Ausfertigungen der vier Protocolle, welche ihre wechſelſeitige Einwilligung enthalten, ſo wie aller dieſen Protocollen beygefuͤgten Belege, in beglaubter Form uͤberreichen; III. daß ein jeder der Ehegatten fuͤr ſich beſonders, jedoch in Gegenwart des andern Ehegatten, und der vier Freunde, das Gericht erſuchen, die Eheſcheidung zuzulaſſen. Hierauf muͤſſen ſowohl Art. 287. der Praͤſident, als die Freunde der Parthey, die nothigen Gegenvorſtel⸗ lungen thun; beharren dieſelben jedoch auf ihrem Vorhaben, ſo ſoll ihnen vom Greffier uͤber ihr Geſuch, und die von ihnen geſchehene Ueberlie⸗ ferung der dazu gehoͤrigen Beweisſtuͤcke, eine Beſcheinigung zugeſtellt werden. Der Greffier nimmt ebenfalls hieruͤber ein Protocoll auf, welches ſowohl die Partheyen, als die vier Freunde, der Praͤſident und der Greffier unterzeichnen. Sollten die Partheyen nicht ſchreiben koͤnnen, oder dazu außer Stande ſeyn, ſo muß dieſes im Protocolle bemerkt werden.— Unter das Protocoll ſetzt der Praͤſident eine Verfuͤgung, daß Att. 288. dem kaiſerlichen Procurator die Actenſtuͤcke durch den Greffier mitgetheilt werden ſollen, und daß er auf den ſchriftlichen Antrag deſſelben an das Tribunal im Berathſchlagungszimmer referiren wolle.— Findet der kai⸗Art. 289. ſerliche Procurator, daß alle Bedingungen, welche eine Scheidung auf gegenſeitige Einwilligung autoriſtren, und alle Formalitaͤten, die ſonſt noch zu beobachten waren, erfuͤllt ſind, ſo macht er ſeinen Antrag mit den Worten: das Geſetz erlaubt; im entgegengeſetzten Falle ſoll ſein Antrag lauten: das Geſet ſteht entgegen. Das Tribunal unter⸗Art. 290. ſucht nach gebaltenem Vortrage des Praͤſidenten, und nach Anhoͤrung des kaiſerlichen Procurators nochmals, ob alle Bedingungen und Formali⸗ täͤten, die das Geſetz erforderte, erfuͤllt ſind. Iſt dieſes, ſo läßt es die Pp3 Ehe⸗ Erſtes Buch. Sechster Titel. Ehbeſcheidung zu, und verweißt die Partheyen an den Beamten des Civil⸗ ſtandes, um dieſelbe ausſprechen zu laſſen. Im entgegengeſetzten Falle erklärt das Tribunal, daß die Eheſcheidung nicht ſtatt habe, und fuͤhrt die Gruͤnde derſelben aus. 1) Die Formeln zu dieſem Verfahren glebt Engelhard und Woͤhler Darſtellung des Weſtphaͤliſchen Civilproreſſes S. 24 1 ff.— Einer Vorladung bedarf es nicht, denn bleibt eine aus, ſo fehlt es an gegenſeitiger Einwilligung und die Schei⸗ dung ſindet nicht ſtatt. 2) Dieſe duͤrfen jedoch keine wahren Anwaͤlte ſehn. 3) Als das Geſetz verfaßt wurde gab es noch conſtilut onsmaͤßige Notabeln, und von dieſen mußte es damals verſtanden werden. Jetzt muß es, wie oben ge⸗ ſchehen iſt, erklart werden. S. MarkvtrLR Analyſe ad art. 386. b. Im Verfahren uͤber Rechtsmittel. 5. 266. N Warum ſich kein Beweisverfahren denken laſſe. Das Urtheil des Tribunals kann nur definitiv ſeyn; ſollten die ge⸗ horigen Scheine und Urkunden nicht herbeygebracht ſeyn, ſo laͤßt ſich kein anderer Beweis der dadurch klar zu machenden Thatſachen denken; eben ſo wenig wie ſich die Einwilligung des einen Ehegatten in die Scheidung beweiſen laͤßt, da er, wenn er ſie auch ſchon gab, jeden Augenblick zuruͤck⸗ ziehen kann; das Tribunal muß vielmehr die Klage ſogleich verwerfen. 5. 267. Appellation. Gegen dieſes Urtheil kann Appellation eingewandt werden; nur muß ſie von beyden Theilen ¹), jedoch von jedem in einer heſondern Schrift, fruͤheſtens in zehn Tagen, ſpäteſtens in zwanzig Tagen von dem Art. 292. Tage des Urtheils an, eingelegt werden. Dieſe Schriften ſollen wechſel⸗ ſeitig dem andern Ehegatten ſowohl, als dem kaiſerlichen Procurator mit⸗ Art. 293. getheilt werden. Dieſer letztere muß binnen zehn Tagen von der an ihm geſchehenen Inſinuation des Appellationslibells anzurechnen, eine Aus⸗ fertigung des Urtheils nebſt den Beweisſtuͤcken, worauf es erfolgt iſt, an den Generalproeurator des Appellhofes ſenden; und dieſer macht ſeinen Antrag in den nächſten zehn Tagen nach Empfang derſelben ſiuſti er Art. 291. Der Appellationshofspräͤſident referirt ſodann in dem Berathſchlagungs⸗ zimmer ans Collegium, worauf binnen zehn Tagen ſeit dem Antrag des Generalprocurators angerechnet, das Endurtheil erfolgen muß. Laͤßt das Urtheil die Scheidung zu, ſo haben ſich die Partheyen in den naͤchſten Art. 294. zwanzig Tagen, von dem Tage des Urtheils an zu rechnen, zuſammen und in Perſon zu den Civilſtandsbeamten zu verfuͤgen, um die Scheidung ausſprechen zu laſſen. Laſſen ſie dieſe Friſt verſtreichen, ſo wird das Urtheil als nicht ergangen betrachtet.— Zu bemerken iſt noch: I. daß wenn die Ehegatten nach der Scheidung noch zuſammen lebten, dieſe Verbindung als Conecubinat betrachtet werden muß, ob gleich dritte Perſonen, welche hierdurch hintergangen werden, gegen ſie die Einrede der verſtellten Eheſcheidung einwenden koͤnnen. II. Daß eine erſte Ehe⸗ ſcheidung nicht eine zweyte verbindert ²). 1) Wuͤrde nur eine appelliren, ſo fehlt es an der gegenſeitigen Einwilligung, und die Scheidung findet nicht ſtatt. 2) S. MarRvIILI.E Analyſe ad art. 294. Von den Wirkungen der Eheſcheidung.⸗ Die Wirkungen und rechtlichen Folgen der Eheſcheidung ſind drey⸗ fach; naͤmlich I. in Hinſicht der Ehegatten ſelbſt; U. in Hin⸗ ſicht ihres Vermögens; III. in Hinſicht der Kinder. I. Geſchiedene Ehegatten koͤnnen ſich nie wieder mit einander ver⸗ Art. 293. heiratben; die Scheidung mag aus jeder Urſache entſtanden ſeyn, woraus ſie wolle ¹). ſprochenen Eheſcheidung kann die geſchiedene Frau ſich erſt nach zehn Monaten, ſeitdem die Eheſcheidung erfolgt iſt, wieder verheirathen. Dieſes Von der Eheſcheidung. Viertes Kapitel. 5. 268. Im allgemeinen. 1. In Hinſicht der Ehegatten ſelbſt. II. Im Fall der wegen einer beſtimmten Urſache ausge⸗Art. 296, iſt Erſtes Buch. Sechster Citel. iſt jedoch nicht als Strafe, ſondern ob metum turbationis fangninis Art. 297. verordnet 2). UI. Iſt dagegen die Eheſcheidung wegen gegenſeitiger Ein⸗ drey Jahren ſeit der ausgeſprochenen Eheſcheidung, zu einer neuen Ehe At. a9s ſchreiten. IV. Iſt aber die Eheſcheidung wegen begangenen Ehebruchs zugelaſſen worden, ſo kann der ſchuldige Ehegatte ſich nie mit ſeinem Mit⸗ ſchuldigen verheirathen. V. Die ehebrecheriſche Frau ſoll in demſelben Urtheile, und auf Antrag des kaiſerlichen Procurators, auf eine beſtimmte Jahre ſeyn darf, zur Einſperrung in ein Zuchthaus ²) verurtheilt werden*). 1) Der Art. 29. iſt aus MonTRsaußu Eſprit des Loix. XVI. I3. genommen. 2) S. Art. 228. 3) Die peinliche Strafe des Ehebruchs fallt mithin ganz weg, ſo wie auch die correctionelle in Hinſicht des Mannes. In der Regel kann der kaiſerliche Pro⸗ curator nicht wegen Ehebruch gegen die Frau klagen, ausgenommen wenn der⸗ ſelbe mit einem öffentlichen Aergerniſſe verbunden iſt, oder der Mann ſelbſt Mitſchuldiger iſt. Dte Erben des Mannes ſind nur dann berechtigt, die Ein⸗ rede des Ehebruchs geltend zu machen, wenn der Mann nach angeſtellter Klage geſtorben iſt, um ſie der von ihm erhaltenen Vortheile verluſtig zu erklaͤren. S. Roussau v. adultére. Nr. 3. MarEvrLTE ad art. 293.— Stirbt der Mann nach erfolgtem Erkenntniß uͤber die Zuläſſigkeit der Scheidung, vhne daß jedoch dieſelbe vom Ctvilſtandsbeamten ausgeſprochen war⸗ binnen der Zeit, da zu Bruͤſſel in DEuvERs Journal des audiences 1806. Suppl. p. 135. 4) Andere rechnen auch noch als Wirkung der Scheidung, daß die geſchiedene Ehe⸗ frau den Nahmen ihres Mannes verltert. Aber es iſt uͤberhaupt ſchon franzoͤſi⸗ ſcher Gerichtsſtyl, daß in öffentlichen und gerichtlichen Urkunden die Frau nicht mit dem Nahmen des Mannes, ſondern mit ihrem Familiennahmen bezeichnet wird, z. B. Dame P. femme de S5. S. ZAcRAkraß in Dabelow Archiv. „ St. V. S. 460. F. 270. 3 II. In Hinſicht des Vermoͤgens. In einem jedem Falle der erfolgten Eheſcheidung, den der wechſel⸗ ſeitigen Einwilligung allein ausgenommen, verliert der Ehegatte, welcher 3 fur ſchuldig erklärt iſt, alle Vortheile, die ihm von dem andern Ehegatten entweder durch den Heirathscontract, oder nach Eingebung der Ehe zuge⸗ Art. 300. wandt waren. Der Ehegatte hingegen, welcher die Scheidung ausgewirkt vat, behaͤlt die von dem andern Ehegatten ihm zugewandten Vortheile, ſelbſt Art. à99. willigung erkannt, ſo darf keiner der beyden Ehegatten fruͤher, als nach Zeit, die jedoch nicht kuͤrzer als drey Monate, und nicht laͤnger als zwey „ dieſes geſchehen mußte, ſo treten dieſelben Strafen fuͤr die Frau ein. Appellhof ——½⁄— — ſelbſt wenn ſie gegenſeitig ausbedungen waren, dieſe Gegenſeitigkeit aber Von der Eheſcheidung. 305 nicht mehr ſtatt findet ¹). Soollten die Ehegatten keine Vortheile ein⸗Art. 301. ander zugewandt haben, oder die wirklich ausbedungenen nicht hinreichend ſcheinen, um den Ehegatten, welcher die Eheſcheidung auswirkte, ſeinen Unterhalt zu verſichern 2), ſo kann ihm das Tribunal aus dem Vermögen des andern Ehegatten eine jaͤhrliche Unterhaltsſumme zuerkennen, die jedoch das Drittel der Einkuͤnfte dieſes letztern nicht uͤberſchreiten darf. Dieſe Unterhaltsſumme kann gleichwohl, wenn ſie nicht mehr noͤthig iſt, wieder aufgehoben werden ³). 1) Der Art. 300. bezieht ſich nur auf Schenkungen z. B. auf den Todesfall, die ein Ehegatte dem andern gemacht hat. S. Art. 1441. 1455. MarRvILILE Analyſe ad art. 299. Auch bezieht er ſich nicht auf Schenkungen, die den Ehe⸗ leuten von dritten Perſonen z. B. den Aſcendenten gemacht ſind. ZacRaRiaß Handbuch. Th. II. S. 49. 2) Dem Artikel zufolge kann alſo die Penſion erſt nach erkannter Eheſcheidung beſtimmt werden. Appellhof zu Rouen in DRNEvRRs Journal des audiences. 1806. Suppl. p. 173.— Nur der Ehegatte, der die Scheidung bewirkte, kann die Penſion verlangen. 3) Kann dieſe penſion alimentaire auf Anſuchen des Alimentanden vermehrt werden? Man ſagt, da ſie revocabel ſey, ſo ſey ſie auch reductibel; da ſie reductibel ſey, auch vermehrbar. Revocabel iſt ſie, ſo wie fie nicht mehr noͤthig iſt; reductibel, wenn der Zahlende unvermoͤgend wird, wie jede Alimente: aber nicht vermehrbar. Appellhof zu Beſangon in DBNEvRRs Journal des audiences. XIV. Suppl. pag. 60. 5. 271. III. In Hinſicht der Kinder. I. Die Kinder ſollen dem Ehegatten, der die Ehbeſcheidung ausge⸗ Art. wirkt hat, uͤberlaſſen werden, wenn nicht das Tribunal zu ihrem Beſten, auf den Antrag der Familie oder des kaiſerlichen Procurators verfuͤgt, daß alle oder einige von ihnen der Fuͤrſorge des andern Ehegatten(was vorzuͤglich bey Saͤuglingen der Fall ſeyn muß), oder einet dritten Perſon (auch wohl einer Penſionsanſtalt) anvertraut werden ſollen. Die Eltern Art. behalten jedoch, ohne daß man darauf Ruͤckſicht nimmt, wem die Kinder anvertraut werden, gegenſeitig das Recht, uͤber den Unterhalt und die Erziebung derſelben die Aufſicht zu fuͤhren, und muͤſſen nach dem Ver⸗ hältniſſe ibres Vermögens bierzu beytragen. II. Die Kinder ſollen aus Lrt. der Eheſcheidung weder Nachtbeile noch Vortheile erlangen. Es ſollen Spangenberg's Commentar Bd. I. Qq. ihnen 2 02. 03. 6 62 O + ² Art. 305. 306 Erſtes Buch. Sechster Titel. ihnen daher ſo wenig die Vortheile durch die Eheſcheidung entzogen werden koͤnnen, die ihnen durch die Geſetze oder den Heirathscontract ihrer Eltern zugeſichert ſind; als ſie den Genuß derſelben eben ſo wenig fruͤher und auf andere Weiſe erlangen koͤnnen, als ihnen dieſelben Rechte zugefallen ſeyn wuͤrden, wenn die Eheſcheidung nicht ſtatt gefunden haͤtte; alſo z. B. wenn die Eltern geſtorben waͤren. III. Nur in Hinſicht der Eheſcheidung wegen gegenſeitiger Einwilligung finden wir in Betreff der letztern Regel eine Ausnahme. In dieſem Falle naͤmlich ſoll das Eigen⸗ thum der Haͤlfte des Vermoͤgens eines jeden Ehegatten von dem Tage ihrer erſten Erklärung an, den aus dieſer Ehe erzeugten Kindern kraft des Geſetzes zufallen ²). Die Eltern behalten gleichwohl die Be⸗ nutzung*) dieſer Hälfte bis zur Volljaͤhrigkeit ihrer Kinder, unter der Verbindlichkeit fuͤr deren Nahrung, Unterhalt und Erziehung, nach ihrem Stande und Vermoͤgen zu ſorgen. Obgleich nun die Kinder die Haͤlfte des Vermoͤgens eines jeden ihrer Eltern zum Voraus bekommen ²), ſo verlieren ſie dennoch außerdem nicht die uͤbrigen Vortheile, welche ihnen durch die Eheſtiftung ihrer Eltern etwa zugeſichert ſind.— Der Code hat die Frage nicht beraͤhrt, die bey uns ſehr haͤufig in dieſen Faͤllen erhoben werden wird: in welcher Religion naͤmlich die Kinder erzogen werden ſollen, wenn die Eltern verſchiedener Religion ſind? Am beſten waͤre es, wenn die Eltern hieruͤber in ihrer Eheſtiftung eine Uebereinkunft traͤfen; in deren Ermangelung wuͤrde nach den alten Geſetzen zu ſprechen ſeyn, in ſo fern ſie nicht dem von dem Code aufgeſtellten Grundſatze der voͤlligen Religionsfreyheit widerſprechen. 1) D. h. jedoch nicht unwiederbringlich; denn wenn ſie die Eheſcheidungsklage nachher fallen laſſen, ſo erhalten ſie ihre vorigen Rechte uͤber dieſe Hälfte wieder. MarEVILILE Analyſe ad art. 303.. †) Jouiſſance iſt hier wohl gleichbedeutend mit uſusfruit. 6c%) Wie aber wenn der eine oder der andere Chegatte Kinder aus einer fruͤhern Ehe hat? LocRE T. IV. p. 463. behauptet, daß in dieſem Falle der Art. 745. eintrete, und daß alſo die Kinder der zweyten Ehe nur die Haͤlfte des Antheils in Anſpruch nehmen koͤnnten, welchen ſie als Erben gehabt haben wuͤrden; da jeder Deſcendent ſeinen eigenthuͤmlichen Aſcendenten beerbt. Deshalb habe auch das Geſetz verordnet, daß die Ehegatten vor dieſer Scheidungsklage ein Inventarium machen muͤßten. ZactakIAß Handbuch. Th. II. S. 5T. will vielmehr in dieſem Falle den o13ten Artikel anwenden. DRILvINCOoURT Iuſtitutes. T. I. p. 177. iſt Locré's Meynung. Fuͤnf⸗ — —,—, Von der Eheſcheidung. 307 Fuͤnftes Kapitel. Von der perſönlichen Trennung(Scheidung von Tiſch und Bettey). Die Scheidung von Tiſch und Bette findet in den nämlichen Fällen Art. 306. ſtatt, in welchen die Klage auf Scheidung wegen einer beſtimmten Urſache ſtatt findet; nie aber kann ſie durch gegenſeitige Einwilligung der Ehe⸗ gatten begruͤndet werden ¹). 1) Ob die Klage auf perſoͤnliche Trennung die Entſagung der Eheſcheidungsklage in ſich enthalte? hat der Appellhof zu Paris negativ entſchieden. JovAn⸗ vEA et Sor.oN Discufions. T. I. p. 397. not. 1. 5. 272. Verfahren bey dieſer Scheidung. Der Ebegatte nämlich, der von dem andern perſonlich getrennt zu werden verlangt, iſt ſchuldig, dem Präſidenten des Tribünals eine Bitt⸗ ſchrift zu uͤberreichen, welche eine kurzgefaßte Angabe der dieß Geſuch be⸗ gruͤndeten Thatſachen enthalten muß, und die Beweisſtuͤcke derſelben beyzu⸗ fuͤgen. Die Frau bedarf zur Ueberreichung derſelben keiner Genebmigung. Auf dieſe Bittſchrift erfolgt ſodann eine Verfuͤgung, wodurch den Par⸗ tbeyen aufgegeben wird, ſich an einem darin beſtimmten Tage bey dem Praͤſidenten einzufinden. An dieſem Tage muͤſſen ſie in Perſon erſcheinen, ohne ſich des Beyſtandes von Anwaͤlten oder Rathgebern bedienen zu duͤrfen. Der Praͤſident ſtellt hierauf beyden, oder wenn nur einer er— ſcheint, dieſem Ehegatten, alles vor, was er dienlich glaubt, um die Wie⸗ derausſohnung zu bewirken; gelingt ihm dieſes nicht, ſo verweißt er e Partheyen vor das Tribunal, und nimmt uͤber alles dieſes ein Protocoll auf. Am Schluſſe deſſelben ertheilt er der Frau die Genehmigung ſich auf die Klage einzulaſſen*), und verfugt, daß ſich dieſelbe vorlaͤufig in ein von den Partbeyen verabredetes, oder von ihm von Amtswegen be⸗ ſtimmtes Haus begeben ſolle, und ihr die zum täglichen Gebrauche dienen⸗ den Sachen zu verabfolgen ſeyen. Ebenfalls kann ſie einen Unterhalt verlangen, wenn ſie denſelben ſich nicht ſelbſt verſchaffen kann. Das Geſuch um Beſtimmung deſſelben durch eine Vorladung des 10 2 Man⸗ % 30 6 Erſtes Buch. Sechster Eitet. . Mannes, binnen einer kurzen Friſt in der Andienz zu erſcheinen, und ſich Art. 307. uͤher die Alimentation zu erklaͤren, angebracht werden. Hierauf wird die Sache in der fuͤr jede andere Civilklage vorgeſchriebenen Form eingeleitet, und nach Anhoͤrung des kaiſerlichen Procurators entſchieden ²). War Art. 308. die Frau an der Scheidungsklage ſchuld, ſo ſoll ſie in demſelben Urtheile zur Einſperrung in ein Zuchthaus auf eine beſtimmte Zeit, die nicht kuͤrzer als drey Monate, und nicht laͤnger als zwey Jahre ſeyn darf, Art. 309 verurtheilt werden; doch kann der Mann ſie von dieſer Strafe dadurch befreyen ²), daß er ſich entſchließt ſie wieder zu ſich zu nehmen. 1) Man bemerke: 1. Die Frau welche um ſeparation de corps nachſucht, braucht ſich nicht gleich im Anfang vom Gericht autoriſiren zu laſſen, dieſe Klage vorbringen zu duͤrfen⸗ ſondern kann es auch im Laufe der Inſtanz thun. Sie braucht kein Haus anzuzeigen, wo ſie ſich hinbegeben ſoll, wie die Frau welche auf Scheidung klagt, nach Art. 263.— Caſſationshof bey DBNEvERs Journal des audiences. An XIV. p. 70. 2. Eine minorenne Frau bedarf bey der Anſtellung der[eparation de corps, wenn ſie vom Gerichte autoriſirt iſt, nicht uberdieß eines Curators um zu klagen. Appellhof zu Bourdeaux. DBnEvbRS NIV. Suppl. p. 238. 2) Code de procadure rangais art: 875 ff⸗ VMſtphalien art. 809— 813. Die proviſoriſchen Maaßtegeln die der Code hey dem divorce determins vorſchreibt, ſind anwendbar bey der Klage auf Separation von Tiſch und Bette. Appellhof in Angers bey Sins Journal géneral. 1809. P II. p. 113. Wenm ſollen die Kinder bey der ſeparation du corps anvertraut werden?— Proviſoriſch dem Manne, Art. 267, 373, weil die Ehe quoad vinelum nicht getrennt wird. Fuͤhrt freylich nachher die[eparatio zur Scheidung⸗ dann tritt Art. 308. 267. ein. t Ueberhaupt ſollen ſowohl legitime, als anerkannte natuͤrliche Kinder dem Vater anvertraut werden, ausgenommen wenn das Tribunal etwas anders fuͤr gut findet; den letztern ſtehen die erſtern vollig gleich. Appellhof zu Agen in DRNEvRRs Journal des audiences. An. KIV. Suppl. B. 67 3) Und dann tritt alles in Hatu quo zürück, ausgenommen die Gütergemeinſchaft. Art. 1451. 2 e Folgen derſelben. Art. 310. I. Hat die perſonliche Trennung drey Jabre gedauert, ſo kann der Beklagte um die wahre Eheſcheidung nachſuchen, und das Tribunal muß dieſelbe geſtatten, wenn der Kläger, der vom Beklagten gebörig. „ 1 Von der Eheſcheidung. 309 laden war, mag er erſchienen ſeyn oder nicht, nicht unverzuͤglich bewilligt, daß die perſonliche Trennung aufhoͤre. Nur dann verliert die beklagte Frau dieſes Recht, wenn die perſoͤnliche Trennung wegen eines von ihr begangenen Ehebruchs ausgeſprochen war. II. Die perſönliche Trennung Lrt. 3t1. zieht allemal eine Abſonderung des Vermögens nach ſich*), deshalb muß auch ein Auszug des Urtheils, auf die in der Proceßordnung Art. 872. (Weſtphaͤliſche Proceßordnung Art. So6.) beſtimmte Weiſe ſowohl in die in den Audienzzimmern der Tribunaͤle, als in der Rotariatskammer be⸗ findlichen Verzeichniſſe, eingeruͤckt werden ²). 1) Der Artikel iſt nicht bloß von der Trennung der Guͤtergemeinſchaft, ſondern uͤberhaupt von der Verbinblichkeit des Mannes, die Guͤter der Frau heraus⸗ zugeben, zu verſtehen. Bovcqun Explication du C. c. ad h. art. LocRß Pſprit. T. IV. p. 497. Ueber die Folgen der Ehe, die ungeachtet dieſer Schei⸗ dung ſtehen bleiben, ſ. Art. 203. 272 215. 217.— Eine Ausnahme macht in Hinſicht des zrrten Artikels das Familienſtatut vom 30. März 1806. Art. 8. in Hinſicht der Mitglieder der kaiſerlichen Famille.— Auch die einander gemachten Schenkungen fallen zuruͤck. Arg. art. 955. S. DELvINCopRT Inſtitutes. T I. p. 180. not. 2. 2) Code de procodure frangais art. 380. Meſtphalien art. 814. Sieben⸗ — Erſtes Buch. Siebenter Titel. Siebenter Titel. Von der Vaterſchaft und der Kindſchaft. §. 274. Im allgemeinen. Spwohl bey ehelichen als bey unehelichen Kindern laͤßt ſich Vater⸗ 1 ſchaft und Kindſchaft, d. h. das gegenſeitige Verhaͤltniß, worin ein NW Erzeuger zu ſeinem Erzeugten rechtlich ſteht, denken; obgleich dieſelbe 5 in dem letztern Falle nur unter gewiſſen Bedingungen als vorhanden an⸗ geſehen wird. Von dieſem ſowohl als den erſtern handeln die folgenden Kapitel.. Erſtes Kapitel. Von der Kindſchaft ehelicher oder in der Ehe empfan⸗ gener ¹) Kinder. 5. 1 „ Grundſatß. Der Code ſtellt die geſetzliche Vermuthung auf, daß der Ehemann Vater der von ſeiner Frau waͤhrend der Ehe empfangenen Kin⸗ der ſey ²). 1) Inconſequent iſt die Rubrik des Originals,“nén en mariage“ denn die Franzoſen ſehen nicht auf den Zeitpunet der Geburt, ſondern auf den der Empfaͤngniß. 2) S. Laſſaulr uͤber den Code Napoleon ruͤckſichtlich auf deſſen Abweichungen von dem gemeinen Rechte, im Journal 1807. S. 359 ff. Art. 312. 5. 276. Von der Vaterſchaft und der Kindſchaft. 311 Ausnahmen. a. Phyſiſche Unmöglichkeit der Vaterſchaft. Jede Vermuthung muß indeſſen der entſchiedenen Gewißheit weichen, d. h. der erwieſenen Unmoͤglichkeit. Dieſe kann theils phyſiſch, theils moraliſch ſeyn. Eine phyſiſche Unmöglichkeit iſt vorhanden, wenn ſich im Augenblick der Empfaͤngniß der Mann in einem Zuſtande befand, welcher den Beyſchlaf unmöglich machte. Das Geſetz rechnet hierher nur zwey, nicht extenſiv zu erklaͤrende Faͤlle: I. Entfernung. H. Zufaͤlliges Unvermoͤgen des Mannes. Beweiſt alſo der Mann, daß er von dem dreyhundertſten bis zum hundert und achtzigſten Tage vor der Geburt des Kindes, wegen Abweſenbeit oder eines ſonſtigen Zufalls ¹) nicht im Stande geweſen iſt, ſeiner Gattin ehelich beyzuwohnen, ſo braucht er das während der Ehe gebohrene Kind nicht anzuerkennen; aus dem Grunde, weil das Geſetz die längſte Dauer der Schwangerſchaft auf dreyhundert Tage, den fruͤhſten Termin der tebensfaͤhigkeit der Geburt des Kindes auf 180 Tage von dem Tage der Empfaͤngniß geſetzt hat, und mithin, wenn der Ehemann binnen dieſem Zwiſchenraum ſich in der pbyſiſchen Unmoͤglichkeit befand das Kind zu erzeugen, nothwendig ein Anderer Vater ſeyn muß ²).— In Hinſicht des erſtern Falls iſt zu Art. 313. bemerken, daß auf die Größe der Entfernung gar nichts ankömmt, da z. B. ein Ehegatte neben der Wobnung des andern in einem oͤffentlichen Gefaͤngniſſe ſitzen kann, wodurch, ob er gleich vielleicht nur durch eine mehrzollige Wand von ihm getrennt iſt, eine pbyſiſche Unmoͤglichkeit des Beywohnens entſtanden iſt.— In Hinſicht des zweyten Falls iſt zu beachten, daß der Ehemann nicht berechtigt iſt, das Kind unter dem Vorgeben eines natuͤrlichen Unvermoͤgens zu verlaͤugnen;? aus dem⸗ ſelben Grunde, weshalb die Scheidung wegen Impotenz verboten iſt. 2) Par T'effet de quelque accident. Was unter dieſen Worten verſtanden werde⸗ iſt aͤußerſt zweifelhaft. Doch ſcheint ſo viel daraus hervorzugehen, daß darunter eine körperliche Verſtuͤmmelung, welche durch Zufall im Gefechte ſich ergab⸗ nicht aber von einer Krankheit oder den Folgen derſelben verſtanden werden koͤnne. MarsvIIIB und TRoncukr in der Discuſſion. Conference. T. II. p. 280. Laſſaulx a. a. O S 371. halt jedoch ein Tribunal fuͤr befugt, die Verlaͤugnung eines Kindes auch in dem Falle zuzulaſſen, wenn die Unmoglichkeit der Bey⸗ wohnung in einer Krankheit ihren Grund hat. Derſelben Mennung ſind DuvRvRiER Rapport.(Garnier Th. I. S. 340.) Les Pandectes frangaiſen. T. IV. p. 183 2) Ueber % z1 Erſtes Buch. Siebenter Titel.. 2) Ueber die Geſetze der Natur in bieſem Falle ſ. FouRcRov Rapport bey LocRE Eſprit. T. V. p. 57— 80. MRTzGER gerichtliche Arzneywiſſenſchaft. p. 294 ff. b. Morgliſche Unmoͤglichkeit der Vaterſchaft. Die moraliſche Unmöglichkeit der Paternitaͤt kann A. aus dem Ehe⸗ bruche der Frau entſtehen. In der Regel hindert zwar letzterer den ehelichen Umgang nicht; er kann daher nur die Paternität zweifelhaft, aber nicht unmoͤglich machen; auch hebt er die geſetzliche Vermuthung des während der Ebe erzeugten Kindes nicht auf; ausgenommen wenn die Ehebrecherin dem Manne ibre Riederkunft verheblt bat. — 3 Iſt dieſes geſchehen, ſo ſteht es dem Manne frey zu beweiſen, daß er nicht Vater des Kindes ſey; vorausgeſetzt daß die Frau durch ein förmliches Urtheil des Ehebruchs uͤberfuͤhrt iſt); zweyerley * Bedingungen muͤſſen alſo vorhanden ſeyn, um den Beweis, daß man nicht Vater ſey, zuzulaſſen: I. Verbeimlichte Niederkunft. II. Ein Urtheil, welches die Frau des Ehebruchs ſchuldig erklaͤrt. B. Wenn das Kind allzufruͤh nach dem Ab⸗ ſchluſſe der Ehe, oder allzuſpaͤt nach der Auflöſung der⸗ Art. 314. ſelben zur Welt kömmt ²). Mithin kann L. das Kind verleugnet werden, welches vor dem hundert und achtzigſten Tage der beſtehen⸗ den Ehe lebensfähig, d. b⸗ faͤhig ſein Leben außer der Mutter fortſetzen zu koͤnnen, gebohren wird; ausgenommen: 1) wenn dem Manne die Schwan⸗ gerſchaft vor der Ehe bekannt war 3); 2) wenn er beym Aufnehmen der Geburtsur⸗unde gegenwaͤrtig war, und dieſelbe entweder von ihm unter⸗ zeichnet iſt, oder die Erklaͤrung enthält, daß er im Schreiben unerfahren . ſey 4); 3) wenn das Kind nicht fur lebensfaͤhig, ſondern fuͤr einen un⸗ 3 Art. 313. reifen Embryo erklaͤrt iſt?). Ebenfalls kann II. die ebeliche Geburt eines Kindes, welches dreyhundert Tage nach Aufloͤſung der Ebe gebohren wurde, angefochten werden; weil das Geſetz die längſte Daher der Schwangerſchaft auf dieſe Zeit geſetzt bat. 1) Dieſe letzte Bedingung muß nothwendig vorhanden ſeyn, weil oft furchtſame Weiber ihre Schwangerſchaft, um einem ungegruͤndeten Verdachte zu entgehen, „ ihrem eiferſuͤchtigen Ehemanne verhehlen. 2) Der Bater kann in dieſem Falle das Kind auch vor der Geburt verleugnen. Appellhof von Luͤttich in DENEvERs Journal des audiences. 1806. Suppl. p 77. Jurisprudence. T. V. P. 314. 3) Den Von der Vaterſchaft und der Kindſchaft. 313 3) Den Bewels hiervon kann die Frau auf alle ihr moͤgliche Arten durch Zeugen u. ſ. w. fuͤhren. Irrig leugnet es der Appellhof zu Beſangon in Jurit- prudence. T. IV. p. 436 ff. 4) Man hat zwiſchen dieſem und dem Art. 55. 35. und 316. einen Widerſpruch finden wollen, weil der erſte dem Manne die Verbindlichkeit auftege die Geburt zu erklären, der zweyte die Eintragung einer Proteſtation in die Geburts⸗ urkunde verbiete, und der dritte ihm doch eine monatliche Friſt geſtatte, um ſeine Klage auf Verleugnung anhaͤngig zu machen. Lock Eſprit. T. V. p. 86. glaubt deshalb, daß der Mann vor der Errichtung der Geburtsurkunde ſeine Proteſtation vor einem oͤffentlichen Beamten zu machen habe. Aber Laſſaylz Journal. 1807. S. 377. behauptet mit Recht, daß der Art. 3r4. den Mann in dieſem Falle berechtige, die Erklaͤrung der Geburt des Kindes den andern im Föſten Artikel genannten Perſonen zu uͤberlaſſen. S. oben S. 191. not. 5. 5) So ſind die Worte: ſi Penfant w'eſt pas declaré viable— züu erklaͤren: nicht aber: wenn eine ſolche Declaration gar nicht vorhanden iſt. S. PyEIFERR Napoleons Geſetabuch. Th. I. S. 139.— Ueber die Lebens⸗ fähigkeit haben Kunſtverſtändige zu urtheilen. §. 278. Verfahren bey der Ableugnung. In allen den Fäͤllen, wo der Ehemann das Kind ableugnen will, Art. 316. kann dieſes nur vermittelſt einer foͤrmlichen Klage geſcheben,(welche ihm nur perſoͤnlich zuſtebt(actio d⸗ paternitate negaliva) und nur in dem einzigen Falle auf die Erben uͤbergebt, wenn der Tod ihn verhinderte, von derſelben Gebrauch zu machen. Den Widerſpruch, worauf er die Klage bauet, muß er binnen einer beſtimmten Friſt geltend machen, wenn er ſich derſelben bedienen will, da er nachbeß mit derſelben nicht mehr gehoͤrt wird; naͤmlich binnen einem Monate, wenn er ſich an dem Geburts⸗ orte des Kindes befindet; binnen zwey Monaten nach ſeiner Zuruͤck⸗ kunft, wenn er zur Zeit der Geburt abweſend war ¹), oder nach ent⸗ decktem Betruge, wenn ihm die Geburt des Kindes verheimlicht war 2). Stirbt der Mann binnen dieſen Friſten 3), ohne daß er den Widerſpruch Art. 317. einlegte, ſo koͤnnen ſeine Erben*) binnen zwey Monaten von dem Zeit⸗ punete, wo das Kind das Vermoͤgen des Mannes in Beſitz genommen oder die Erben in dieſem Beſitze geſtöhrt hat, an zu rechnen, die eheliche Geburt dieſes Kindes beſtreiten.— Jede außergerichtliche Handlung Art. 31s. aber, die eine Ableugnung des Kindes von Seiten des Mannes oder ſeiner Erben enthaͤlt, wird als nicht geſchehen betrachtet, wenn nicht darauf Spangenberg's Commentar Vd. I. Rr binnen % 314 Erſtes Buch. Siebenter Titel. binnen einem Monate die genannte Klage erfolgt iſt. Dieſe wird aber wider einen dem Kinde beſonders hierzu beygeordneten Vormunde*) und in Gegenwart der Mutter vor Gericht eingefuͤhrt. 1) D. h. factiſch abweſend, nicht rechtlich. Mar EvIILILE Analyſe ad art. 316. behauptet, daß im Falle des Wahnſinns, oder einer ſchweren Krank⸗ helt dem Manne die Zeitfriſten, welche ihm im Falle eines Betrugs von Seiten der Frau verwilligt ſind, nach ſeiner Herſtellung zu ſtatten kommen muͤßten⸗ Laſſaulx leugnet dieß zwar a. a. O. S. 380, weil die Frau einwenden könnte, daß ſie keinen Betrug ſich zu ſchulden kommen laſſen, und die Geburt nicht verheimlicht habe;— aber als Abweſenheit koͤnnte man doch eine ſchwere Krank⸗ heit betrachten, da ſie beyde die Unmoglichkeit zur Folge haben, von der Nie⸗ derkunft Wiſſenſchaft zu erhalten. 2) Nicht die Vermuthung deſſelben. Appellhof in Anger Jurisprud. T. IN. p. 205. 3) Sehr richtig bemerkt Zackanran(Th. II. S. o7.) aus Lockß, daß Art. 316. 317. von der Zeit handeln, in welcher der Widerſpruch wenigſtens durch eine außergerichtliche Urkunde geſchehen muß, der 318te Artikel aber von der Zeit, in weicher nach erhobenem Widerſpruche die Klage anzuſtellen iſt. Mithin iſt die Klage, wenn die im Art. 318. beſtimmte Friſt nicht beobachtet iſt, deshalb noch nicht verjährt, in ſo fern die erſtere Friſt des Art. 316. 317. noch nicht abgelaufen iſt.. 4) Der Caſſationshof hat verordnet, daß die Erben die getion désaveu in eigenen Namen anſtellen können, und zwar ſeit dem Augenblicke der Geburt des Kindes⸗ Doch moͤchte in dieſem Falle die angeſtellte Klage wohl zu fruͤh ſeyn, da der Art. 317. ſagt, ſie muͤßten warten bis das Kind ſich in den Beſitz der Guͤter des Vaters geſetzt hatte, oder diejenigen, die den Beſit erlangt haben, darin beunruhigte. S. DRNRvERs Journal des audiences. An. XIV. p. 632. Sie können die Klage ſelbſt dann anſtellen, wenn der Mann todt iſt, und das Kind von der Witwe gebohren wurde. Caſſationshof in Jurisprudence. T. vIII. p. 33. * 5) Dieſer kann auch durch einen Familienrath ernannt werden, der nur aus muͤtter⸗ lichen Verwandten beſteht. Caſſationshof in Jurisprud. T. VIII. P. 33. Zwey⸗ .— Von der Vaterſchaft und der Kindſchaft. 315 3weytes Kapitel. Von dem Beweiſe der Kindſchaft ehelicher Kinder. 5. Beweismittel derſelben. Wird einem Kinde die Eigenſchaft eines Deſecendenten des Vaters ſtreitig gemacht, und nimmt daſſelbe dieſe in Anſpruch, ohne ſich im factiſchen Beſitze derſelben zu befinden(actio de Fliatione afirmativa), ſo kann es dieſelbe, um ihn zu erlangen, auf dreyerley Art beweiſen: I. durch Production ſeiner Geburtsurkunde, dem ſein beſtrittener Vater beygewohnt hat; II. durch den Beſitzſtand, den es rechtlich, obgleich nicht faetiſch, genoſſen hat; III. durch den Anfang eines ſchriftlichen, oder aus Thatumſtaͤnden gezogenen Beweiſes, der durch Zeugenbeweis ergaͤnzt wird. Zu bemerken iſt es, daß aber immer das folgende Beweismittel nur in Ermangelung des erſtern gebraucht werden kann. §. 280 I. Vom Beweiſe durch Production der Geburtsurkunde. Die Kindſchaft ehelicher Kinder,(denn, wie wir gleich ſeben Art. 319. werden, die unebhelichen Kinder duͤrfen zum Beweiſe derſelben in Hinſicht des Vaters nicht zugelaſſen werden) wird durch die in die Regiſter des Civilſtandes eingetragenen Geburtsurkunden erwieſen ¹). 1) Nie braucht ein Kind, welches in ſeiner Geburtsurkunde als ehelich bezeichnet iſt, und uͤberdteß den Beſitzſtand fuͤr ſich hat(S. 282. not. I.), nach dem Tode der Eltern deren Heirathsurkunde beyzubringen, oder zu beweiſen, daß ſie oͤffentlich als Eheleute anerkannt ſind. Caſſationshof in DENRvERs Journal des audiences. 1806. p. 145. Appellhof zu Grenoble in S1REx Jurisprudence de la cour de eaſſation. 1807. Suppl. p. 84. Es ließen ſich nämlich Fälle denken, wo es der zum Art. 313. aufgetoͤhrten Umſtaͤnde wegen verlangt werden konnte.— Ebenfalls ſchadet es dem Kinde nichts, wenn ein Vater, der die Geburts⸗ urkunde ſeines Kindes, in welcher daſſelbe als ehelich angegeben wird, unters ſchrieben hat, daſſelbe in ſeinem Teſtamente als uneheliches Kind anfuͤhrt. Ebendaſeldſt. Rr2 5 „ ſi 36 Erſtes Buch. Siebenter Titel. II. Vom Beweiſe durch Beſitzſtand. Art. 320. In Ermangelung dieſes Beweismittels iſt der beſtaͤndige Beſitz Art. 321. des Zuſtandes eines ehelichen Kindes hinreichend. Dieſer wird durch „½ eine genugſame Vereinigung von Thatſachen begruͤndet, die das Ver⸗ haͤltniß der Kindſchaft und der Vormundſchaft zwiſchen jedem Kinde und der Familie, dem es anzugehören behauptet, anzeigen. Als vorzuͤglichſte dieſer Thatſachen werden betrachtet: L. wenn es immer den Rahmen des Vaters gefuͤhrt hat, dem es anzugehoͤren behauptet; Il. wenn es der Vater immer als ſein Kind behandelt, und in dieſer Eigenſchaft für ſeine Erziehung, ſeinen Unterhalt und ſeine häusliche Einrichtung oder Etabliſſement geſorgt hat; III. wenn es im Publicum immer fuͤr das Kind des beſtrittenen Vaters anerkannt iſt; IV. wenn es die Familie als urt. 322. ſolches anerkannt hat ¹).— Niemand kann jedoch einen Zuſtand in Anſpruch nehmen, der demjenigen zuwider iſt, den ſeine Geburtsurkunde, und ein hiemit uͤbereinſtimmender Beſitz ihm beylegen ²); und umgekehrt kann niemand den Zuſtand desjenigen beſtreiten, der einen mit ſeiner Geburtsurkunde uͤbereinſtimmenden Beſitz fuͤr ſich hat. 1) Ob dieſe vier Bedingungen zuſammen vorhanden ſeyn muͤſſen, oder ob auch ein⸗ zelne den Beſitzſtand erweiſen? fraͤgt JovaMNRau et Soox Diſeuſſions. T. I. p. 423. not. 1. Der Appellhof zu Paris behauptet das letztere. S. Ob- fervations. P. II. Paris. p ö3. 1 2) Dieſe Regel iſt jedoch nach Art. 323. zu modificiren, weil ſonſt ein Kind⸗ welches unter fremdem Nahmen eingeſchrieben, und von dieſen fremden Eltern als Kind behandelt waͤre, nicht im Stande ware zu ſeinen Eltern zuruͤckzukehren. Laſſaulx Journal. 1807. S. 407. „ 3 6. 282. III. Vom Beweiſe durch Zeugen. xrt. 3a3. Behlt es an der Geburtsurkunde und einem beſtändigen Beſitze, oder iſt das Kind entweder unter einem falſchen Nahmen ¹), oder als von unbekannten Eltern gebohren, in die Regiſter aufgezeichnet werden; ſo kann der Beweis durch Kindſchaft nur durch Zeugen gefuͤhrt werden. Dieſer Beweis iſt gleichwohl nur dann zulaͤſſig, wenn der Anfang eines Urkundenbeweiſes vorhanden iſt, oder wenn die Vermuthungen und An⸗ „ gaben, die ſich aus liquiden, oder ſofort erweislichen Thatſachen ergeben, ſtark genug ſind, die Znloſſigkeit des Zeugenbeweiſes zu begruͤnden. 1) Wenn Von der Vaterſchaft und der Kindſchaft. 317 1) Wenn zwey verehlichte oder unverehlichte Perſonen verſchiedenen Ge⸗ ſchlechts die von ihnen erzeugten Kinder als aus wirklicher Ehe entſproſſen, angeben z. B.: 1. wenn zwey unverehlichte Perſonen ſich fuͤr Chelente angeben, und die Kinder als aus dieſer Ehe erzeugt; 2. wenn jemand ſeine Coneubine fuͤr ſeine Frau ausgiebt, und das ihrige Kind als ſein legitimes in die Civilſtandsregiſter elntragen laſſen, ſo iſt dieſes zwar eine tadelswuͤrdige falſche Angabe, aber doch kein Fälſchungsverbrechen, welches criminell beſtraft werden kann. Caſſationshof bey S1nBv Journal gen. 1809. T. I. p. 83. Vielleicht ſind Kinder dadurch recognoſcirt, aber nicht ehelich. Hat hingegen ein Ehemann die mit ſeiner Concubine erzeugten Kinder in die Civilſtandsregiſter als Kinder die er mit ſeiner wahren Ehegattin erzeugt hat angegeben, ſo kann dieſes peinlich beſtraft werden, weil dieſes den Kindern eheliche Geburt verſchaffen wuͤrde, die ſie nicht haben. Ebenfalls wenn eine andere, als die wirkliche Mutter, als Mutter des Kindes angegeben wird, well dadurch dem Kinde der Beweis ſeiner Filiation, den es aus der Acte ſchoͤpfen ſoll, entzogen wird. Caſſationshof bey Laſſaulx II. 5. 431. Fälſchlich glauben die Verfaſſer der Jurisprudence du Code civil, daß dieſe Arréts einander widerſpraͤchen, da die Faͤlle durchaus verſchieden ſind. S. DR⸗ NEvERS Journal des audiences. XIII. I. Supplem. p. 12. S. Laſſaulx II. 3. 270 ff. Nie iſt die ſimple Qualität die dem Kinde blos durch die Aetes de l'état civil gegeben iſt, ohne daß es z. B. den Beſitzſtand fuͤr ſich hat, ein voller Beweis der Legitimität des Kindes, ſondern nur, daß das Kind den benannten Per⸗ ſonen zugehoͤrt; wird bie Legitimität der Ehe beſtritten, ſo faͤllt auch die Le⸗ gitimität des Kindes weg(MBRLIN Queſtions). Legitim ſind ja nur die Kin⸗ der durch wirkliche Ehe oder Legitimation; das Kind, welches ſeine Legitt⸗ mität beweiſen will, muß beweiſen, daß es in der Ehe gebohren iſt, d. h. daß ſeine Eltern ſeit ſeiner Geburt geſetzmaͤßig verhetrathet waren, oder daß es legitimirt iſt. Andrer Meynung iſt die Jurisprudence; aber irrig. S. 5. 280. not. I. 5. 383. Fortſetzung. Der Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes iſt dann vorhanden, wenn Att. 324. Papiere vorhanden ſind, welche zwar nicht völlige Beweiskraft haben, die jedoch durch ihren Inbalt dringende Vermuthungen begruͤnden, daß derjenige, welcher ſie producirt, den Familienſtand beſitze, den er ſich an⸗ „maaßt. Solche Papiere konnen ſeyn: I. Familienurkunden; II. Haus⸗ regiſter und Hauspapiere der Eltern 1); II. Heffentliche oder Privat⸗ urkunden, die entweder von einer an dem Streite uͤber dieſen Familien⸗ Rr 3 zuſtand 6 318 Erſtes Buch. Siebenter Litl.£ zuſtand theilnehmenden Parthey, oder von ſonſt einem herruͤhren, der, 65 wenn er noch lebte, dabey intereſſirt ſeyn wuͤrde. 1) S. Art. 1331.— Die Papiere muͤſſen folgende Eigenſchaften haben: I. Sie müſſen von den Intereſſenten geſchrieben ſeyn; II. ſie muͤſſen ſich auf die That⸗ ſache beziehen, von der die Rede iſt; III. es darf nichts darin enthalten ſeyn, was der Abſicht des Producenten entgegen iſt; IV. ihr Juhalt muß mit den offenbaren Umſtaͤnden der Thatſache übereinſtimmen. MarkvIILTE Analyſe ad h. art. Der Appellationshof zu Paris ſah eine Geburtsurkunde, in der geſagt wurde, N. ſey von der N. und einem abweſenden Vater erzeugt, fuͤr den Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes an, der durch Zeugenbeweis erzeugt werden konne. S. Jurisprudence. T. I.(ed. 2.) p. 492.— Aber ob dieſes nicht ſo viel iſt, als den Grundſatz des Art. 340. umgehen? Denn worauf konnte der Beweis anders gerichtet ſeyn, als auf die Legitimität des Kindes, und mithin die Vater⸗ ſchaft des abweſenden Mannes? F. 284 Gegenbeweis. Art. 323. Die allgemeine Rechtsregel, daß ſo oft eine Parthey zum Beweiſe gelaſſen wird, die Gegenparthey ſchon kraft des Geſetzes, und ohne daß es deshalb eines Urtheils beduͤrfte, zum Gegenbeweiſe zugelaſſen iſt 1), tritt auch in dieſem Falle ein. Der Gegenbeweis nämlich kann durch jedes Mittel gefuͤhrt werden, welches dienlich iſt, um darzuthun, daß der Kläger kein Kind der angehlichen Mutter ſey; oder falls dieſes unbe⸗ ſtreitbar wäre, daß er wenigſtens kein Kind des Ebemannes dieſer Mutter ſey 1) Code de procedure Frangais art. 256. V eſtnhalien art. 400. f.§. 285. Verfahren in dieſen Fällen. Ein eigenes Verfabren ſindet bey dieſen Klagen nicht ſtatt; es iſt Art. 346. vielmehr das gewohnliche. Nur iſt zu bemerken; I. daß allein die Civil⸗ tribunale befugt ſind uͤber die Anſpruͤche auf einen gewiſſen Stand Art. 327.(queftion d'état) zu erkennen ¹); 1I. daß mithin die peinliche Klage, 6 welche vielleicht deshalb gegen die Eltern oder andere Perſonen, wegen Verheimlichung und Entziehung dieſes Standes erhoben werden kann, erſt * nach Beendigung der Civilklage, und nach der definitiven Entſcheidung * des 5. Von der Vaterſchaft und der Kindſchaft. 319 des Streites uͤber den Stand der Perſon angeſtellt werden kann ²); III. daß die Klage, wodurch ein ſolcher Stand in Anſpruch genommen Art. 328. wird, in Hinſicht des Kindes unverjaͤhrbar iſt, da ſie, wie wir oben C. 278.) geſehen haben, in Hinſicht des Vaters an gewiſſe Friſten ge⸗ bunden iſt. Auch auf die Erben des Kindes geht die Klage uͤber, jedoch nur unter folgenden Bedingungen; I. wenn das Kind, ohne ſeine An⸗ Art. 329. ſpruͤche geltend gemacht zu haben, noch in der Minderjaͤhrigkeit, oder binnen fuͤnf Jahren nach erreichter Volljaͤhrigkeit geſtorben iſt; II. war Art. 330. dagegen die Klage von dem Kinde ſchon anhaͤngig gemacht, ſo können die Erben dieſelbe immer fortſetzen; vorausgeſetzt, daß ſich erſteres der— ſelben nicht ausdrucklich oder ſtillſchweigend begeben hat. Letzteres wird präſumirt, wenn es dieſelbe binnen drey Jahren von der letzten Prozeß⸗ bandlung anzurechnen, liegen gelaſſen hat. 1) Eine queſtion d'état, oder die Frage, ob jemand einen beſtimmten Etat habe oder nicht(F. 100.) z. B. Ehefrau, Kind, geſchieden ſey, gehoͤrt immer ins Staatsrecht, daher kann man keine Schiedsrichter dabey zulaſſen. Code de proc&dure Nrangais art. 1004. Meſtphalien art. 930. Man kann keinen Vergleich daruͤber abſchlteßen; immer noch die Appellatton gegen ein jugement rendu ſur l'état einwenden, wenn man gleich auf dieſelbe verzichtet hat. S. oben F. 174. not. 4. Caſfationshof in Laſſaulx Annalen. B. I. H. T. S. 38. 2) Selbſt der oͤffentliche Procurator kann die peinliche Klage nicht fruͤher erheben, bis er ſich ans Civilgericht gewandt hat. Caſſattonshof bey Laſſaulx Journal. 1807. S. 413.— Der Grund der Verordnung des Art. 327. iſt, zu verhuͤten, daß nicht durch die Einleitung des peinlichen Verfahrens einem von keinem andern Beweiſe unterſtuͤtzten Zeugenbeweiſe Gehoͤr verſchafft werden moͤchte. Nie iſt jedoch der Art. 327. auf den Fall auszudehnen, wo durch die Ausſetzung etnes Kindes ſein Eivilſtand unterdruͤckt wird; weil die Ausfetzung ſchon an und fuͤr ſich ein Verbrechen iſt. LocRE Eſprit. F. V. p. 179. aus der Discuſſion. Doch kann ein Civiltribunal ebenfalls ſich auf ein peinliches urtheil, welches vor dem Code erlaſſen iſt, gruͤnden, um eine queſtion d'état zu entſcheiden. Caſſationshof in Jurisprudence. T. IX. p. 167.— Ueber die peinliche Klage wegen ſuppreſſion d'état ſ. oben§. 283. not. 1. Erſtes Buch. Siebenter Titel. Drittes Kapitel. Von den unebelichen Kindern. §. 286. Im allgemeinen⸗ Den Grundſaͤtzen zufolge, die der Code außſtellt, werden uneheliche Kinder in Bezug auf ihren Vater fuͤr rechtlich nicht exiſtirend gehalten; alle Verhaͤltniſſe ſind zwiſchen beyden nur natuͤrlich, und dem Gewiſſen des Vaters bleibt allein nur uͤberlaſſen, ob er ſich ihrer annehmen will oder nicht. Nur dann, wenn eine Handlung hinzukoͤmmt, wodurch er ſich rechtlich fuͤr' den Vater eines Kindes erklaͤrt, kann dieſes auch gerichtlich die Wirkungen in Anſpruch nehmen, welche dieſe Handlung pat. Dieſe Handlung beſteht naͤmlich in einer Legitimation oder in einer Anerkennung ¹), Ungleich vortheilhafter war die Lage der unehelichen Kinder zu den Zeiten der Revolution; uͤber ſie erſchienen vorzuglich folgende Geſetze: 3 1) Das Geſetz vom 24. Junius 1793, welches ihnen ganz gleiche Rechte mit den ehelichen einräumte, und mit ruͤckwirkender Kraft ver⸗ ſehen war. 2) Das Geſetz vom 15. Thermidor V., welches ibnen zwar dieſe Rechte ließ, aber die den fruͤbern Geſetzen beygeiegte ruͤckwirkende Kraft wieder aufhob. 1) Code des enfans naturels, antérieurement au Code civil, par VERNMprr. Code des enfans naturels ou réeueil complet des lois, qui fixent leur état. et leurs droits, précédé d'un traitè aualytique des mémes lois et fuivi de formules d'actes de recounoiſſanee par P. A. GaRRB?. Paris. 1804. T2. C. PR. HAssrAcRER diſf. de la legitimation et de la réconnoiſſance des enfans naturel;. Coblence. 1806. Erſter Von der Vaterſchaft und der Kindſchaft. Erſter Abſchnitt. Von der Legitimation unehelicher Kinder. S 287. Begri ſf. Legitimation iſt die Handlung, wodurch unebeliche Kinder durch Art. 331. die nachfolgende Ehe ¹) ihrer Eltern, die Rechte ehelicher Geburt er⸗ balten. Erforderniſſe dabey ſind: I. die Kinder duͤrfen nicht aus Blut— ſchande oder Ehebruch erzeugt ſeyn; in beyden Faͤllen iſt die nachfolgende Ebe unmoglich, da Verwandte der verbotenen Grade eben ſo wenig als der Ehebrecher mit ſeinem Mitſchuldigen, eine Ehe eingehen können. 1I. Sie muͤſſen entweder vor der Heirath geſetzlich ²) anerkannt ſeyn, oder bey Abſchließung der Ehe, im Ehevertrage u. dergl. anerkannt werden 3). Auf eben dieſe Art können auch verſtorbene Kinder, welche Art. 332. Abkömmlinge zuruͤckgelaſſen baben, legitimirt werden, und dann nuͤtzt dieſe Legitimation auch dieſen Abköͤmmlingen. 1) Eine andere Legitimation z. B. per reſeriptum prineipis kennt das franzöſiſche Recht nicht. 2) Fuͤr IHgalement haben jedoch einige Ausgaben Lgalement; ſogat officielle, aber irrig, da ſich légalement in der definitiven Redaction des Staatsraths, welche von der geſetzgebenden Verſammlung decretirt iſt, findet. 3) Eine Anerkennung nach der Heirath iſt ungultig. Um jedoch ein gewiſſes Schaamgefuͤhl bey den Eltern nicht zu verletzen, bleibt es ihnen erlaubt, daß ſie z. B. vor ihrer Heirath ſich zu einem Notar verfuͤgen, und dort ihre Er⸗ klärung machen. Da derſelbe keinem Andern Kenntniß von den Urkunden geben darf, die er aufnimmt, ſo koͤnnen die Eltern dieſe Erklaͤrung ſo lange verheim⸗. lichen, als ſie es fuͤr gut finden.— Auch bleibt ihnen nach der Heirath noch immer das Recht die Kinder zu adoptiren. Blanchard zu Maleville Th. 1. S. 324. Not. S. 288. Wi rk un g 2 Die Legitimation iſt bedeutend wirkſamer als die bloße Anerkennung; Art. 333. denn die durch eine nachfolgende Ehe legitimirten Kinder haben dieſelben Rechte, als waͤren ſie aus derſelben gebohren; waͤhrend die bloß anerkannten nur ein beſchraͤnktes Erbrecht, und vielleicht ein Recht auf Alimente haben, denn in Hinſicht dieſer letztern ſind die Meynungen der Franzoſiſchen Rechtsgelehrten noch getheilt. Spangenberg's Commentar Vd. I. Ss Zwey⸗ — 322 Erſtes Buch. Siebenter Titel. Zweyter Abſchnitt. ² Von der Anerkennung der unehelichen Kinder⸗ Art. 334. Die Anerkennung eines unehelichen Kindes iſt die Handlung, wodurch ſich jemand fuͤr den Vater deſſelben erklaͤrt. Sie kann auf doppelte Art ſtatt finden: I. bey der Aufnahme der Geburtsurkunde ¹) uͤber dieſes Kind; wenn naͤmlich der Vater daſſelbe als von ihm erzeugt praͤſentirt; II. durch eine oͤfſentliche ²) Urkunde 3). 1) Sie mag vor der neuen Geſetzgebung ausgeſtellt ſeyn, oder nach derſelben. Appellhof zu Amiens bey Laſſaulx Journal. 1807. S. 413. 2) Dieſe kann von dem Civilſtandsbeamten, Friedensrichter oder Notaire, die das Recht in ihrem Sprengel zu inſtrumentiren haben, in demſelben anfgenommen — werden. Appellhof zu Grenoble in Juriprudence. T. I.(Ed. 2.) P. 321. 3) Alſo nicht durch Briefe, ſollten ſie auch durch Kunſtverſtändige verificirt ſeyn. Appellhof zu Amiens Jurisprud. T. I. p. 476 nicht durch ein eigenhändiges Teſtament, oder eine einregiſtrirte Privaturkunde, weil das Enregiſtrement zwar ein gewiſſes Datum, aber keine Authenticitaͤt geben kann. 5. 290. Erforderniſſe deſſelben. Jede Anerkennung muß geſchehen: I. freywillig*), da niemand gezwungen werden kann ſich fuͤr den Vater eines Kindes zu erklaͤren ²); Zrt, 333. II. in Hinſicht ſolcher unehelicher Kinder, welche weder durch Blut⸗ ſchande ²) noch durch Ebebruch erzengt ſind. Rie aber bedarf es der . Einwilligung des anzuerkennenden Kindes, weil, wie Laſſaulx*) ſebr richtig bemerkt, die Anerkennung in der Erklaͤrung einer Thatſache beſteht, die man wohl beſtreiten, aber durch die Verweigerung der Einwilligung eben ſo wenig unwahr, als durch die Einwilligung wahr machen kann 5). 1) Eine Ausnahme ſ. im Art. 340. 3) Alſo nicht: ⸗ . 1. Durch Vergleich, wodurch der Angoſchuldigte der Mutter eine Entſchaͤdigung, und dem Kinde Alimente bewilligt, Appellhof zu Agen und Caſſationshof; oder wodurch die von der Geſchwaͤngerten erhobene Klage beſeitigt wird; Appellhof zu Poitiers⸗ 3. Durch Von der Vaterſchaft und der Kindſchaft. 323 2. Durch ein contradictoriſches Urtheil, wodurch der Angeſchuldigte zur Eutſchä⸗ digung verurtheilt iſt; Appellhof zu Amiens.— S. Laſſaulx a. a. O. 1807. S. 412. 413. Gutig iſt dagegen: 1. Die Anerkennung eines natuͤrlichen Kindes, welches Lon einen Geiſtlichen waͤh⸗ rend der Dauer ſeiner Geluͤbde erzeugt worden iſt; Appellhof in Grenoble. Denn geiſtliche Geluͤbde, deren Bruch Ehebruch war, erkennt der Code civil nicht mehr an. Laſſaulx I. 5. 135. 2. Die Anerkennung durch einen Vertrag, dem keln gerichtliches Verfahren vorhergegangen iſt. Caſſationshof bey Laſſaulx a. a. D. 1807. S. 413. 3. Die Anerkennung eines empfangenen, obwohl noch nicht gebohrenen Kindes⸗ Appellhof zu Paris bey Laſſaulx Ebendaſelbſt. CHaßo Commentaire ſur les ſucceſſions ad art. 756.— ZacRaRIaß Handbuch. Th. II. S. 100. not. 2. bezweifelt es jedoch, und hält es fuͤr rathſam, die Anerkennung bey der Geburt zu wiederhohlen, aber dieß iſt unnothig. 4. Die Anerkennung durch eine Privaturkunde, welche von dem Ausſteller ge⸗ richtlich anerkannt iſt; Appellhof zu Paris in SIREv Journal géuéral. 809. P. I. p. 124, doch nur in Bezug auf die Alimentation des Kindes, nicht in Betracht des Erbrechts. Das Appellationsgericht zu Aurillae erkannte ſogar Alimente auf eine Privaturkunde, deren Ausſteller geſtorben war, und die nicht gerichtlich anerkannt war. Jurinprudence. T. I.(Ed. 2.) p. 427. Aber ſehr richtig iſt Jurisprudence. T. IV. p. 300. dagegen. Es leidet jedoch keinen Zweifel, daß, wenn in einer ſolchen Privaturkunde die Alimente zugleich verſprochen ſind, dann aus derſelben auf dieſe geklagt werden kann. Mit einem nicht ganz richtigen Nahmen wird eine ſolche unguͤltige Anerkennung, welche eine Privaturkunde enthält, unvollkom⸗ mene Anerkennung von einigen Tentſchen Schriftſtellern genannt. 3) War die Verwandſchaft zwar verboten, jedoch diſpenſabel, ſo muß zum Behuf der Anerkennung zuerſt Diſpenſation ausgewirkt werden. Z2acARIAE Hand- buch. Th. II. S. 10I. not. 2. 4) Journal. 1807. S. zo9. Irrig behauptet ScRöMANN Geſetzgebung Napo- Icons und Inſtiniaus. Th. I. S. 77. daß die Einwilligung der Kinder erforder⸗ uch ſey. Die Stelle der Discuſſion, worauf er ſich bezieht, begreift einen ganz andern Gegenſtand. 5) ueber die Guͤltigkeit der Anerkennungen vor dem Code, ſ. Laſſaulx a. a. O. S. 411. Not⸗ 5 b Wirkungen derſelben. Soll die Anerkennung in Hinſicht beyder Eltern Wirkungen gt. 336. haben, ſo muß ſie auch von beyden geſcheben; mithin: I. die Anerken⸗ Ss 2 nung — % 324 Erſtes Buch. Siebenter Titel. nung von Seiten des Vaters, ohne die Anzeige und das Geſtaͤndniß der Mutter, hat nur in Hinſicht des erſtern ihre Wirkung 1). Der Wider⸗ ſpruch der Mutter braucht alſo gar nicht beachtet zu werden, da ſie gar Art. 337. kein Intereſſe dabey haben kann. II. Die Anerkennung, welche waͤhrend der Ebe von einem der Ehegatten zum Vortheile eines unehelichen Kindes geſchiebt, das er vor der Ebhe mit einem andern, als ſeinem Ebegatten erzeugt hat, hat keine Wirkung, d. h. ſoll weder dieſem letztern Ehegatten, noch den aus dieſer Ehe erzeugten Kindern zum NRachtheile gereichen. Sie ſoll vielmehr nach aufgeloͤßter Ehe, wenn aus derſelben keine Kinder Art. 338. mehr am Leben ſind, ihre Wirkung hervorbringen. III. Ein uneheliches anerkanntes Kind kann auf die Rechte eines ebelich gebohrnen keinen Anſpruch machen; es hat vielmehr nur folgende Rechte: 1) ein beſchränk⸗ tes Erbrecht ²) im Vermögen deſſen, welcher es anerkannt hat; 2) Ali⸗ mente von dem Anerkennenden zu verlangen 3). 1) Die Frau bedarf der Einwilligung ihres Mannes nicht, um ein Kind anzuer⸗ — kennen, das ſie vor der Ehe mit einem andern gehabt hat. 3 2 S. Art. 253 w. 3), Appellhof zu Paris bey S1npv Journal général. 1809. P. I. p. 124. Die Alimente ſcheinen denn doch nur bey Lebzeiten der Eltern in natuͤrlichen und 3 gewoͤhnlichen zu beſtehen, da Artikel 760 ff. die Erbportion der unehelichen Kinder nur als eine Ergaͤnzung der ihnen zuſtehenden Alimente zu betrachten ſcheint. Juritprudence. T. X. p. 177. S. in Dabelow Archiv fuͤr den Code Napoleon. St. v. S. 409. Andre Meynung iſt dagegen Woltaer eben⸗ daſelbſt St. II. S. 182, der ihnen auch buͤrgerliche(Erziehung z. B.) geben will. 5. 292. Beſtreitung der Anerkennung. * Art. 339. Jede Anerkennung von Seiten des Vaters oder der Mutter, ſo wie jeder Anſpruch von Seiten des Kindes, den es auf Anerkennung macht, kann von allen denjenigen die ein Intereſſe dabey haben(d. b. doch wohl nur von den Inteſtaterben, da Glaͤubiger unmoͤglich zugelaſſen werden koͤnnen,) beſtritten werden. S 292. „ PVon der gerichtlichen Anerkennung. 321 Eine gerichtliche Anerkennung kann I. in Hinſicht des Vaters in * der Regel nicht erzwungen werden ¹), wohl aber II. in Hinſicht der Mutter. S 1) Einen Von der Vaterſchaft und der Kindſchaft. 325 1) Elnen Auszug aus den Discuſſionen, nebſt einzelnen politiſchen Bemerkungen uͤber den Art. 340. ſ. in Dr. Wolters: Ueber eine Verfuͤgung des Code Na⸗ poleon in Betreff der unehelichen Kinder(non ereditur virgini) in Nordit⸗ ſchen Miſzellen. Jul. 1809. Nr. 30. S. 61— 73. 5. 294. I. In Hinſicht des Vaters. In Hinſicht des Vaters iſt die allgemeine Regel: die Nachfor⸗ ſchung, wer Vater eines Kindes ſey, iſt verboten; d. b. der Code hat jede Klage in der Regel verboten, welche, unter welchen Nabmen es auch ſeyn mag, auf eine außereheliche Schwaͤngerung begruͤndet iſt, welche mithin auf Alimentation des erzeugten Kindes, oder Abfindung der Geſchwängerten geht ¹). A. Eine Klage auf Alimentation des Kindes findet ausnahmsweiſe ſtatt: I. Wenn es der Vater auf die geſetzliche Weiſe anerkannt hat. II. Wenn es derſelbe nicht auf die gehörige Weiſe, z. B. in einer Privaturkunde anerkannt und in derſelben zugleich es zu alimentiren verſprochen bat. In dieſem Falle kann den Umſtaͤnden nach eine Klage auf Erfuͤllung dieſer Verbindlichkeit ſtatt finden, wenn auch gleich die Urkunde als Anerkennungsurkunde unguͤltig ſeyn ſollte ²). MI. Im Falle der Entfuͤhrung. Der Enffuͤhrer kann ³) naͤmlich auf Anſuchen der Intereſſenten fuͤr den Vater des Kindes erklärt werden, wenn der Zeitpunct der Entfuͤhrung mit dem der Empfaͤngniß überein⸗ ſtimmt. Da das Geſetz den Grund ſeiner Verordnung darin ſetzt, daß den ſchaͤndlichen Hurenproceſſen ein Ende gemacht werden ſolle, welche die Ruhe ſo mancher Familie zernichteten, ſo erklaͤrt es nur den frey⸗ willigen außerehelichen Beyſchlaf fuͤr rechtlich nichtig, ſo daß durchaus keine Klage darauf gegruͤndet werden kann; nicht aber den erzwun⸗ genen. Hieraus folgte die Ausnahme in Hinſicht der Entfuͤhrung; aber ebenfalls auch, daß dieſelbe nicht unbedingt Grund einer ſolchen Nach— forſchung ſeyn kann. Vielmehr iſt die Dispoſition des Geſetzes ihrem Geiſte nach 1) zu beſchraͤnken auf die Entfuͤhrung gegen den Willen der Entfuhrten 4); 2) mithin das Klagrecht nur der Euffuͤhrten, oder dem Kinde, das durch dieſelbe erzeugt iſt, zu geben, nicht aber den uͤbrigen Intereſſenten; auszudehnen dagegen auf den gleichen Fall einer Noth⸗ zucht; nie aber auf andere*).— B. In keinem Falle aber kann die Geſchwängerte eine Abfindung verlangen; es muͤßte denn ſeyn, daß der Schwaͤngerung ein wirkliches Verlöbniß vorausgegangen war, als in Ss 3 welchem Art. 340. 326 Erſtes Buch. Siebenter Titel. welchem Falle, wie oben§. 208. bemerkt iſt, eine Entſchaͤdigungsklage aus demſelben ſtatt findet*), Eine Frage, welche in Hinſicht der Laͤnder von practiſchem Intereſſe iſt, in welchen der Code erſt vor kurzem einge⸗ fuͤhrt iſt, d. b. wie es mit den Schwaͤngerungen gehalten werden muͤſſe, welche vor Einfuͤhrung des Code geſchehen ſeyen, iſt nach den richtigen Grundſaͤtzen dabin zu beantworten, daß der Art. 340. immer eintrete, wenn das Kind zwar vor der Einfuͤhrungsperiode empfangen und ge⸗ bohren iſt, die Klage auf Abfindung aber erſt nach dieſer Periode an⸗ geſtellt iſt*). 1) Offenbar unrichtig iſt es, wenn in Dabelow's Archiv, St. r. S. 85. ein Unterſchied zwiſchen Antraͤgen auf Alimentation und denen auf Abſindung ge⸗ macht wird, und die erſten zugelaſſen werden, wo die zweyten nicht ſtatt finden. 2) Der Richter muß ſich alſo in dieſen Fallen ja vor der Recherche de paternitẽ huͤten, da er nur die Thatſachen ausmitteln darf, welche die Alimentations⸗ verbindlichkeit ins Licht ſetzen. 3) Alſo muß dieſes nicht geſchehen, ſondern es kann(pourra) nach den Umſtaͤn⸗ den vom Tribunale erkannt werden. MarßvILLE ad h. art. aus der Discuſſion. 4) Deshalb ſagt auch Laſſaulx Journal. 1807. S. 447. daß die Entfuͤhrung gewaltſam geweſen ſeyn muͤſſe(rapt, nicht Verfuͤhrung rapt de ſedaction); und daß ein peinliches Urtheil vorhergegangen ſeyn muͤſſe, daß eine ſolche gewalt⸗ ſame Verfuͤhrung ſtatt gefunden hat. 5) Fälſchlich wird daher in Dabelow Archiv a. a. O. behauptet, daß die Aus⸗ nahme des Art. 340. in jedem Falle zur Anwendung komme, wenn zu der un⸗ ſtreitigen oder erwieſenen Thatſache eins außerehelichen Beyſchlafs, noch eine unſtreitige oder erwieſene Thatſache concurrirt, die es wahrſcheinlich macht, daß der die Anerkennung verweigernde der phyſiſche Vater eines unehelichen Kindes ſey. 6) Laſſaulx Journal. 1807. S. 446 ff. 7) So iſt Dabelow's Archiv für den Code Napoleon. St. I. S. 87 ff. St. II. S. 190. zu berichtigen. S. Laſſaulr uͤber die Anwendung des Art. 340. des Code Napoleon in den Staaten, wo das Geſetz vom 12. Brumaire ll., noch nicht recipirt war; in ſ. Annalen. B. 1. H.3. S. 266 ff. Journal. I. 3. 33. Und fuͤr Weſtphalen, deſſen Appellationsgerichtshof ſchon mehreremale das auf⸗ geſtellte Princip geltend gemacht hat, das Circulaire du Miniſtre de la j ſtice, auæ Prèſidentꝰ des tribunaum du 23. Jan. 1808. S. 4. Tous les droits, que les lois précedentes donnaient, qui ne ſont point exercés, ou dont l'exer- cice weſt pas ouvert et pourſuivi(deren Ausübung verſaͤumt worden iſt, oder die noch nicht angeſtellt, oder gerichtlich geltend gemacht ſind)[ont éteints, „ils ſont contraires aux diſpoſitions du Code.“ Mithin iſt jede Schwaͤnge⸗ rungsklage abzuweiſen, wo das Kind zwar vor dem 1. Januar 1808. gebohren, die Klage aber erſt nach dem 1. Januar erhoben war.— S. F. 84. Nr. II. und not. 4. 295 Von der Vaterſchaft und der Kindſchaft. 5. 295. II. In Hinſicht der Mutter. Die gerichtliche Nachforſchung, wer die Mutter eines Kindes ſey 1), Art. 341. iſt dagegen verſtattet, da dieſe immer gewiß iſt, und ſich keine ſolche Klagen denken laſſen, welche bey der Nachforſchung der Paternitat noth⸗ . wendig ſind. Das Kind, welches Jemanden als ſeine Mutter in Anſpruch ⸗ nimmt, muß jedoch den Beweis fuͤhren, daß es eben dasjenige ſey, mit dem dieſelbe niedergekommen iſt. Dieſen kann es durch Urkunden, Zeugen, und durch factiſche Umſtaͤnde z. B. Muttermaͤhler, die es an ſeinem Koͤrper hat, u. d. gl. fuͤhren; nur iſt zu bemerken, daß es zum Zeugen⸗ beweiſe nicht anders zugelaſſen wird, wenn nicht ſchon der Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes 2) da iſt. e 1) Ob dieſe Klage auch von dem unehelichen Kinde erhoben werden konne, deſſen ⸗ Mutter ſich anderweits verhetrathet hat? Dieſes kann gar nicht bezweifelt werden, inſofern nur das Kind nicht waͤhrend dieſer Ehe empfangen iſt, weil n dann die Regel des Art. 342. eintreten wuͤrde.(Auch in dem Falle, wenn es waͤhrend der Ehe empfangen iſt, bey ſeiner Geburt aber dieſe Ehe getrennt war, wuͤrde es adulterin ſeyn; vermoͤge des Grundſatzes, daß auf den Zeitpunct der Empfaͤngniß geſehen wird. Doch nehmen die Franzoͤſiſchen Rechtslehrer aus Billigkeit das Gegentheil an. CRABoT Commentaire ſur les ſucceſſions. l T. I. p. 232.) Laſſaulx Journal. 1807. S. 449. Andrer Meynung iſt Ma- . 1EvIILLE Analyſe ad h. art. S. jedoch LocRE T. V. p. 296 ff. 2) Als einen ſolchen kann man jedoch nie die auf den Regiſtern des Eivilſtandes ⸗ befindliche Geburtsurkunde eines Kindes betrachten, deſſen Tod nicht erwieſen iſt; da die Identität deſſelben auf dieſe Art gar nicht ausgemacht werden kann. Kaſſaulx a. a. O. aus der Discuſſion. S. Art. 324. 5. 296. Ausnahme. In den Faͤllen, wo keine Anerkennung rechtlich denkbar iſt, der Art. 342. Blutſchande und des Ehebruchs nämlich, ſoll das Kind ſo wenig zur gerichtlichen Ausforſchung der Mutter als des Vaters zugelaſſen werden, 328 Erſtes Buch. Achter Titel. ——— e Von der Adopticn und der pftegſchaft. Erſtes Kapitel. Von der Adoption. Erſter Abſchnitt. Von der Adoption und ihren Wirkungen⸗ §. 297. VBegriff. Adoption ¹) iſt ein perſonlicher Contract, wodurch ein Volljaͤhriger auf eine gewiſſe Art unter des Adoptirenden, welcher maͤnnlichen oder weiblichen Geſchlechts ſeyn kann, vaͤterliche Gewalt köͤmmt, und gewiſſe Rechte eines Kindes in deſſen Vermoͤgen erbaͤlt. In Frankreich war die Adoption ſonſt nicht gebräuchlich; wenige ſchwache Spuren derſel⸗ ben finden ſich in den Capitularien, und einigen Coutumen ²); erſt in der Revolution befahl die Allemblée législative durch ein eignes Decret vom 18. Januar 1792, daß bey der Entwerfung eines Civilgeſetzbuches auch auf dieſes Rechtsinſtitut Ruckſicht genommen werden ſolle. Bald darauf wurde wirklich die Tochter des ermordeten Conventsmitglieds Michel Lepeletier am 25. Jan, 1793, ſo wie das Kind des in Rom ermordeten Legationsſecretair Baſſeville von der Nationalverſammlung im MNahmen des Franzöſiſchen Volks adoptirt, und hierdurch ein Beyſpiel einer ſtaatsrechtlichen Adoption gegeben, welche jedoch nachher in Ver⸗ geſſenheit kam ²), und nur in den neueſten Zeiten durch die Adoption von Seiten des Staatsoberhaupts, z. B. die des Kaiſers Napoleon der durch die Schlacht von Auſterliß gewordenen Waiſen, einigermaaßen wiederhergeſtellt zu ſeyn ſcheint. Ueber die privatrechtliche Adoption er⸗ ſchienen darauf: . 4) Das „ „ N Von der Adoption und der Pflesſchaft. 329 1 1) Das Geſetz vom 16. Frimaire III. 2) Das tranſitoriſche Geſetz vom 25. Germinal XI. welches die der Römiſchen Adoption aͤhnlichen Adoptionen, die bis auf Er⸗ ſcheinung des Code geſchahen, regulirt. Der Code nämlich hat der Adoption einen andern Character gegeben, der von dem der Roͤmiſchen völlig abweicht, obgleich letztere noch in manchen Stuͤcken vorwaltet. Sie verhält ſich naͤmlich jetzt wie ein unter Voll⸗ jäbrigen abgeſchloſſener Contract, der dem Adoptivkinde gewiſſe Erb⸗ und andere Rechte giebt, der aber nur zwiſchen ibm und dem Adoptiv⸗ vater ein wechſelſeitiges Rechtsverhältniß auſſtellt, waͤhrend die Familien⸗ verhaͤltniſſe beyder faſt gar keine Aenderung erleiden. 1) GRENIER Eflai Tur l'adoption. N. Traitè de ladoption, avec le recueil complet des Lois et des grrétés qui ont organiſé cette inſtitution: et celle de la tutelle ofcieuſe; ſuivi de Formules d'actes d'adoption, par l'Auteur du nouveau Code des Enfans naturels(GARREz). Paris chez Garnery. An. XII.— 1804. 8. MPRILIN Repertoire univerſel. v. Adoption. 2) Coutume de NKainter. art. 1. Andere verboten ſie durchaus, z. B. Coutume de la chatellenie de Lille, tit. 16. art. 4. Coutume dAudenarde. rub. 20. art. 3. 3) GanR?z S. 1— 36. Discuſons du Code civil par JovAnRRAw et SoroN. T. I. p. 445 ff· 15 §. 298. Arten der Adoption. Die Adoption iſt doppelt. Sie geſchieht entweder zum Beſten des⸗ jenigen, den man ſechs Jahre lang waͤhrend ſeiner Minder— jährigkeit gepflegt hat, oder deſſen der den Adoptirenden das Leben rettete; d. h. in einem Gefechte, oder indem er ihn den Flammen oder Fluthen entriß. §. 299. I. Adoption zum Veſten deſſen den man ſechs Jahre lang pflegte. Die Erforderniſſe zu dieſer Adoption ſind: A. In H inſicht des xurt. 343. Adoprirenden. I. Sie iſt nur ſolchen Perſonen beyderley Ge⸗ ſchlechts geſtattet, welche das funfzigſte Jahr zuruͤckgelegt haben II. Der Adoptirende darf zur Zeit der Adoption keine ehelichen Kinder Spangenberg's Commentar Vd. I. Tt oder — % 3 330 Erſtes Buch. Achter Titel. oder Deſcendenten haben. III. Der Adoptirende muß wenigſtens funfzehn Art. 344. Jahre aͤlter ſeyn, als der zu Adoptirende. B. In Hinſicht des Adoptirten: I. Er darf nicht ſchon von mehrern adoptirt ſeyn; denn niemand kann von mehrern zugleich an Kindesſtatt angenommen werden; es waͤre denn von zwey Ebegatten; denn dieſes letztere iſt erlaubt. Zu bemerken iſt jedoch, daß kein Ehegatte ohne Bewilligung des andern adoptiren kann ²), ausgenommen wenn er der Pfleger eines Minder⸗ jaͤbrigen iſt, und in der Beſorgniß, vor des Pfleglings Volljaͤhrigkeit zu verſterben, denſelben durch ein Teſtament adoptirt, vorausgeſetzt, daß dieſes geſchebe a) nach dem Ablaufe von fuͤnf Jahren ſeit der uͤbernom⸗ menen Pſlege, und b) daß der Pfleger keine ehelichen Kinder hinterlaͤßt 3). Art. 345. II. Der zu Adoptirende muß in ſeiner Minderjaͤhrigkeit wenigſtens ſechs Jahre lang unterſtuͤtzt à) und ununterbrochen gepfiegt ſeyn. III. Der zu Art. 336. Adoptirende muß volljährig ſeyn. IV. Seine Eltern oder der Ueberlebende verſelben muͤſſen einwilligen, wenn er ſein fuͤnf und zwanzigſtes Jahr noch nicht erreicht hat; iſt er aͤlter als fuͤnf und zwanzig Jahre, ſo muß er um. ihren Rath bitten. Dieſer Satz iſt nicht ausdehnend zu erklaͤren*). 1) Es iſt nicht noͤthig, daß die Adoptirenden vorher verheirathet waren. Berlier in der Discuſſion bey JovaNNBAv und So.oN Discuflions. T. I. p. 454. 2) Hat ein Ehegatte aus einer fruͤhern Ehe Kinder, ſo kann er nicht einwilligen, mithin kann der andere die Adoption nicht vornehmen. 3) Art. 366. 4) Hier iſt nicht die Rede von einer wirklichen Pflegſchaft, ſondern jede Unter⸗ ſtuͤtzung, mag der Pflegling ſie genoſſen haben wo er will. GaRRBz S. 44. BERLIER EFxpoſe des motifs(bey Garnery Th. I. S. 179). 5) Wichtig ſind noch folgende Fragen: . a. Kann ein anerkanntes uneheliches Kind adoptirt werden? Der Appellhof * zu Nismes verneint die Frage, weil durch eine ſolche Adoption die Erbfolge der geſetzlichen Verwandten verletzt,(Laſſaulx Journal. I. 6. 218.) und mit⸗ hin der Art. 908. umgangen wuͤrde. Aber richtiger bejaht es der Appellhof zu Bruͤſſel. Ebendaſ. S. 234. und H. 7. S. 48. Der Art. 908. bezieht ſich auf den Fall, wo das natuͤrliche Kind weder legitimirt noch adoptirt iſt. Da der Vater die Erbfolge der geſetzlichen Verwandſchaft durch legitimat. per ſubſeq. matrim. verletzen darf, warum nicht auch durch Adoption? Keine Dispoſition des Code verbietet dieſe Adoption, und ſogar iſt das Verbot der⸗ ſelben deshalb, wie aus der Diseuſſion erhellt, weggelaſſen. Der Caſſations⸗ hof hat dieſe Meynung, obgleich noch nicht in einer Entſcheidung vorgebracht. DRnEvERs Journal des auciences. An. XIV. p. 672. MERr.IN Repertoire. * T. I. p. I18 131. v. Adoption. b. Kann Von der Adoption und der Pflegſchaft. 331 b. Kann ein nichtanerkanntes uneheliches Kind adoptirt werden? Ja, es verhält ſich dann vollig, wie jeder andere Fremde.§. 287. not. 3. Es fallen mithin alle Zweifel weg, welche CLaſſaulx a. a. H. erhebt. S. Appellhof zu Paris bey JovandBar et Sor oONM Discuſſions. T. I. p. 4356. not. T. Dleſe entſchied: 1) daß ein uneheliches nicht anerkanntes Kind adoptirt werden koͤnne; 2) daß die Anerkennung eines bereits adoptirten unehelichen Kindes unwirkſam ſey; 3) daß die Mutter ein Kind, welches ſie unter ihrem Nahmen in die Regiſter des Civilſtandes hat eintragen laſſen, nachher nicht adoptiren koͤnne. S. LocRE Eſprit. T. V. p. 429 ff. MarRvIILILB Analyſe ad h. art. iſt andrer Meynung. c. Kann der, welcher ein Kind adoptirt hat, noch mehrere adoptlren? Ja. Appellhof zu Bourges bey Laſſaulx Journal. I. 2. 132. Es laͤßt ſich auch aus dem Art. 3118. folgern, welcher die Ehe verbietet“entre les enfans adoptiſs du mẽmne individu.“ S. GaRRBz p. 43. Nr. 7. Z acka- RIAE Handbuch. Th. II. S. II. Nicht aber daraus, daß der Kaiſer dieſe Handlung ſelbſt vorgenommen, da a jure publico ad jus privatum haud valet conſequentia. * 6. 300. U. Adoption zum Beſten desjenigen, der dem Adoptirenden das Leben rettete. Dieſe iſt denſelben Erforderniſſen unterworfen wie die vorige, aus⸗ Art. 346. genommen: I. es bedarf der ſechsjaͤhrigen Verpflegung nicht; I. es bedarf des funfzigjaͤhrigen Alters von Seiten des Adoptirenden nicht, eben ſo wenig wie des funfzehn Jahre hoͤhern Alters; nur iſt es noͤthig, daß der Adoptirende volljaͤhrig, und aͤlter als der zu Adoptirende iſt, daß er keine ehelichen Kinder und Deſcendenten hat, daß wenn er verhei⸗ rathet iſt, ſein Ehegatte in die Adoption einwilligt, und, in Hinſicht des zu Adoptirenden, daß die Vorſchrift des 346ſten Artikels befolgt werde ¹). 1) GakREz p. 46— 49. §5. 3b. Wirkungen der Adoption. a) In Hinſicht der Perſonen. Die Wirkungen der Adoption betreffen entweder die Perſon der beyden Contrahenten oder deren Vermoͤgen. In Hinſicht der erſtern iſt zu bemerken: I. Die Adoption verleiht dem Adoptirten den Nahmen des Art. 247. Adoptirenden, und dieſe wird ſeinem Nahmen beygefuͤgt. II. Der Art. 343. Adoptirte bleibt in ſeiner leiblichen Familie, und behält in derſelben alle Rechte. III. Die Adoption zieht ein Eheverbot in beſtimmten Graden der Familie des Adoptirenden nach ſich.(S.§. 206. B.) IV. Es ent⸗ Art. 349. Tt 2 ſteht 332 Erſtes Buch. Achter Titel. ſtebt eine wechſelſeitige Alimentationspflicht zwiſchen den Adoptirenden und Adoptirten ¹). 1) Der Artikel 349 bedient ſich hier des Ausdrucks obligation naturelle.“ Man huͤte ſich ja, denſelben durch“natuͤrliche Verbindlichkeit“ zu uͤberſetzen, und viel⸗ leicht zu wähnen, daß kein Klagrecht auf Alimentation ſtatt faͤnde. Obligation naturelle iſt hier nur“die durch das Naturgeſetz ſchon gebotene Verpflichtung.“ 302 Wirkungen. art. 330. Da die Adoption nur ein perſonlicher Contract zwiſchen zwey Per⸗ ſonen iſt, ſo hat er uͤber dieſe hinaus keine Wirkungen, mithin erwirbt der Adoptirte durchaus kein Erbrecht auf das Vermogen der Verwandten des Adoptirenden, wie ebenfalls nicht letzterer auf das Vermoͤgen der Verwandten des erſtern; dieſes iſt vielmehr lediglich auf den Adoptiren⸗ den und Adoptirten in der Regel allein eingeſchraͤnkt; und zwar unter folgenden Beſtimmungen: I. Der Adoptirte oder deſſen Deſcendenten erhalten auf das Vermogen des Adoptirenden dieſelben Rechte die ein ebelich erzeugtes Kind hat ²), ſelbſt dann wenn er mit ehelichen nach Art. 351. der Adoption gebohrnen Kindern concurrirt 3). II. Eingeſchraͤnkter noch iſt das Erbrecht des Adoptirenden; denn er oder ſeine Deſeendenten erben nur das, was er dem Adoptirten geſchenkt oder als Erbtheil hinterlaſſen hat, inſofern 1) der Aboptirte ohne ebeliche Rachkommen ſtarh; 2) und dieſe Sachen bey dem Abſterben des Adoptirten noch in Natur vorhanden ſind à). Auch muß er oder ſeine Deſcendenten in dieſem Falle zu den Schulden mit beytragen 3); und kann den Rechten dritter Perſonen auf dieſe Sachen, z. B. Nießbrauch, Pſfandrecht, keinen Eintrag thun. Das uͤbrige Vermogen des Adoptirten fällt dagegen auf ſeine eigenen Verwandten, aus deren Familie er, wie wir oben geſehen haben, nicht heraustritt. Dieſe ſchließen ſogar in Hinſicht der eben genannten von den Adoptirenden herſtammenden Sachen, alle Erben, die nicht zu deſſen Deſcendenten geboͤren, aus, da ſich das Erbrecht des Adoptirenden nicht Art. 352. uͤber ihn und ſeine Deſcendenten hinaus erſtreckt. Das Erbrecht des Adoptirenden in den von ihm geſchenkten Sachen findet auch dann ſtatt, wenn nach dem Tode des Adoptirten anch deſſen Deſcendenten ohne Nach⸗ kommenſchaft ſtarben; doch beſchraͤnkt ſich dieſes Recht in dieſem Falle nur auf ſeine Perſon, und geht nicht auf ſeine Erben, nicht einmal ſeine Deſcendenten uͤber. 1) Gak⸗ ————„—— Von der Adoption und der Pflegſchaft. 333 1) GaRREz p. 59. VII. 2) So iſt der Art. 350 zu erklaͤren. Die Weſtphaͤliſche Ueberſetzung: aber auf den Nachlaß des Adoptanten hat er mit den in der Ehe erzeugten Kindern durchaus gleiche Rechte, ſelbſt wenn ſolche vorhanden waren, die erſt nach der Adoption gebohren wurden“ koͤnnte einen in den Wahn ſtuͤrzen, als laͤge in dieſem Artikel ein Widerſpruch mit Art. 343. Bey weitem deutlicher fagt Rrhard: auf den Nachlaß des Adoptanten ſelbſt hat er mit einem ehelich gezeugten Kinde durchaus gleiche Rechte, wenn auch der Adoptant eheliche erſt nach der Adoption gebohrene Kinder hinterließe.“ Laſſaulx:“er hat dieſel⸗ ben Rechte auf die Succeſſion des Adoptanten, welche ein in der Ehe gezeugtes Kind darauf gehabt haben wuͤrde, ſelbſt wenn andere feit der Adoption gebohrne Kinder dieſer Art vorhanden waͤren.“ Spielmann:*er ſoll auf die Erbſchaft des Adoptirenden die naͤmlichen Rechte haben, welche das aus der Ehe ent⸗ ſproſſene Kind haͤtte, und zwar auch dann ſogar, wenn ſeit der Adoption noch andere dergleichen ehelich erzeugte Kinder gebohren worden und vorhanden wären.“ Faſt eben ſo hat Blanchard zu Maleville Th. 1. S. 355. und die lateiniſche Ueberſetzung:“ad hujus ſucceflionem vero iisdem, ac filius ex matrimonio natus, juribus fruetur, licet liberi exiſtant ex matrimonio poſt adoptionem ſuſcepti.“ 3) Dieſes findet ebenfalls in Hinſicht der durch nachfolgende Ehe legittmirten Kinder ſtatt. GakRpz p. 37. V. Zu bemerken iſt jedoch, daß das Recht des Adoptirten ſich nur auf die Verlafſenſchaft bezieht, ſo daß er alſo eine Schenkung nicht revoctren kann, welche ein nach derſelben gebohrnes Kind revociren könnte. MarRvILILE Analyſe ad art. 350. DEI.vINcoURT Inſti- tutes. T. I. p. 195 s 4) Doch tritt auch dann die Regel des Art. 747. ein⸗ 5) Er kann deshalb auch auf die Erbſchaft renuncitren. GARRR? p. 62. IX. * Zweyter Abſchnitt. Von der Form der Adoption. 5. 303. Antrag auf Adoption. Die Adoption kann theils durch ein Teſtament ¹) geſchehen, Art. 383. theils gerichtlich. Die erſte Art findet nur zum Vortheile von wahren Pfleglingen ausnahmsweiſe ſtatt, die zweyte bildet die Regel. Um eine Adoption vornehmen zu koͤnnen, iſt erforderlich, daß beyde Theile, ſowohl derjenige, welcher adoptiren, als der welche ſich adoptiren laſſen will, ſich vor dem Friedensrichter des Wohnſitzes des Adoptirenden ſtellen ühng Tr 3 muͤſſen Art. 354. Inſtanz, unter deſſen Gerichtsſprengel der Adoptirende ſeinen Wohnſitz Art. 355. Art. 357. Art. 358. 334 Erſtes Buch. Achter Titel. muͤſſen ²), um von demſelben ihre wechſelſeitige Einwilligung ſchriftlich aufnehmen zu laſſen. 1) Art. 366. 2) und zwar kann der zu Aboptirende auch durch einen Bevollmäͤchtigten ſich vertreten laſſen. Appellhof zu Bruͤſſel in Jurisprudence. T. VIII p. 319. §. 304 5 Fortſetzung. 2 1 B 3 Der Theil, dem am meiſten daran gelegen iſt, muß in den naͤchſten zehn Tagen ¹) dem kaiſerlichen Proeurator bey dem Tribunale der erſten hat, eine Ausfertigung der von dem Friedensrichter aufgenommenen Ur⸗ kunde zur gerichtlichen Beſtaͤtigung uͤberreichen. Dieſer macht dann in dem Tribunale ſelbſt dahin ſeinen Antrag. Das Tribunal verſammelt ſich hierauf in dem Berathſchlagungszimmer, nachdem es ſich die erfor⸗ derlichen Aufſchluͤſſe uͤber die Lage der Sache verſchaſſt hat: I. ob alle geſetzliche Bedingungen, die zur Eingebung der Adoption noͤthig ſind, erfullt ſind; Il. und ob die Perſon, welche adoptiren will, einen guten Ruf hat ²). Die Reſultate dieſer Unterſuchung muͤſſen dem kaiſerlichen Procurator mitgetheilt werden, der dann wieder einen Antrag auf Ab⸗ ſchlagung oder Zulaſſung der Adoption macht. Hierauf erkennt ³) das Gericht, ohne eine ſonſtige Foͤrmlichkeit zu beobachten, und ohne die Ent⸗ ſcheidungsgruͤnde auszudruͤcken, in folgenden Worten: die Adoption hat ſtatt, oder hat nicht ſtatt. Dieſe Entſcheidung des Tribunals muß nun binnen einem Monate, auf Betreiben derjenigen Parthey, welche darum zuerſt nachſucht, dem Appellationshofe vorgelegt werden. Dieſer hat bey ſeinem Verfahren eben die Form, wie das Tribunal zu beobachten, und erkennt, ohne die Entſcheidungsgruͤnde auszudruͤcken: das Urtheil iſt beſtäͤtigt, und hat folglich die Adoption ſtatt; oder: das Urtheil iſt aufgehoben, und hat folglich die Adoption nicht ſtatt. Dieſes Erkenntniß ſoll, wenn es die Appellation zulaͤßt, an denjenigen Orten, und in einer ſolchen Anzahl von Exemplaren, wie das Gericht fuͤr gut haͤlt, angeſchlagen werden*). 1) MarBvIIILE Analyſe ad h. art. behauptet, daß dieſe Friſt nicht peremtoriſch geſetzt ſey, ſo daß ihm Nichtbeachtung einer Nullität des Verfahrens nach ſich zoge, raͤth jedoch das Protocoll des Friedensrichters in dieſem Falle lieber er⸗ neuetn — niſ des au bo we Von der Adoption und der Pflegſchaft. 335 neuern zu laſſen. S. ZacRAkAB Handbuch. Th. II. S. 117. not. I. DRr. vINcoupT Inſtitutes. T. I. p. 290. 2) Ob in dieſem Falle wie MarvrLILE Analyſe ad art. 353. die Verwandten daſſelbe Recht haben, wie nach Art. 360. die Erben, daß ſie naͤmlich, da ſie der Erbfolge beraubt werden, Vorſtellungen machen koͤnnten, läbt ſich ſehr bezweifeln. ZacRAktaß a. a. O. iſt jedoch Maleville's Meynung. 3) Und zwar nicht offentlich, da das Urtheil durch den Appellationshof refor⸗ mirt werden koͤnnte, und nur allein das unbeſtreitbare Erkenntniß uͤber die Zu⸗ läſſigkeit Publicitat haben ſoll; DELvINCouRT Inſtitutes. T. I. P 201. not. I. und zwar durch den kaiſerlichen Procurator, dem der Tribunalsgreffier zu dieſem Ende die Acten zuzuſtellen hat. 4) GankEz p. 63—75.„ 5. 305. Abſchluß der Adoption. 1 In den naͤchſten drey Monaten nach Verkuͤndigung des Erkennt⸗Art. 39. niſſes ſoll auf Anſuchen des einen oder des andern Theils die Adoption an dem Orte, wo der Adoptirende ſeinen Wohnſitz hat, in die Regiſter des Civilſtandes eingetragen werden ¹). Dieſe Eintragung geſchieht nur auf Vorzeigung einer förmlichen Ausfertigung des von dem Appellations⸗ hofe erlaſſenen Erkenntniſſes, und die Adoption bleibt obne Wirkung, wenn ſie nicht binnen dieſer Friſt eingetragen worden iſt. 1) LocRß Eſprit. T. V. P. 519. 5. 306. Anmerkung. 1 Stirbt der Adoptirende, nachdem die Urkunde, woraus ſich ſein Art. 360. Entſchluß, den Adoptionsvertrag einzugeben ergiebt, zwar von dem Frie⸗ densrichter aufgenommen, und den Gerichten vorgelegt worden iſt, bevor dieſelben jedoch daruͤber entſchieden haben; ſo ſoll das Verfahren fort— geſetzt, und wenn die Gerichte die Adoption zulaſſen, dieſelbe abgeſchloſſen werden. Halten jedoch die Erben des Adoptirenden die Adoption fuͤr unzulaͤſſig, ſo bleibt es ihnen unbenommen, dem kaiſerlichen Procurator ihre Vorſtellungen und Bemerkungen daruͤber zuzuſtellen 1) DErvIcouRT a. a. O. behauptet ſogar, daß ſie eine beh Lebzeiten des Adoptirenden eingegangene Adoptlon, welche gegen die Geſetze iſt, annulliren laſſen koͤnnen. 5. 307. 336 erſtes Buch. Achter Titel. 5. 3dy⸗ Ende der Adoption. Ueber das Ende der Adoption enthaͤlt der Code keine Beſtimmungen. Nehmen wir aber auf das Weſen derſelben Ruͤckſicht, ſo muß ſie auf⸗ hoͤren: I. durch natuͤrlichen und buͤrgerlichen Tod, obgleich denn doch immer ihre rechtlichen Wirkungen, welche durch denſelben ſtatt finden, eintreten; II. durch gegenſeitige Einwilligung, in ſo fern ſie nur den Rechten dritter Perſonen keinen Eintrag thut. Richt aber durch Emancipation, da dieſe, als von der Emancipation des ältern Rechts durchaus verſchieden, wie wir unten ſehen werden, bey dieſem Rechtsinſtitute gar nicht ſtatt finden kann; auch nicht durch Ablauf einer beſtimmten Zeit, weil dieſes dem Geiſte dieſes Rechtsinſtituts widerſprechen wuͤrde*). 5 1) SckönranN Prläuterung der Geſetzgebung Napoleons und Juſtinians. T. I. S. 95. Meine Inſtitutiones jur. civil. Napoleonei. F. 76. not. I. Zweytes Kapitel. PVon de r Pf1 e9 ſ a f. §. 308. Begri ff⸗ Die Pflegſchaft des Franzöſiſchen Rechts iſt ein in ein rechtliches Zwangsverbältniß verwandeltes Alumnitaͤtsverhältniß des gemeinen Rechts; vermoge deſſen jemand die Verpflegung eines unmuͤndigen Kindes unent⸗ geldlich uͤbernimmt; und ſehr haͤufig eine Vorlaͤuferin der Adoption, wenn man ſie nicht etwa gar mit der Adoption eines Minderjäͤhrigen des fruhern Rechts vergleichen will*. 1) ZAcHaRaß Landbuch. Th. II. S. T20. betrachtet die Pſlegſchaft als eine freywillige Vormundſchaft, mit der ſie denn doch wenig Aehnlichkeit hat. Vergl. Art. 365 und 442. S. Laſſaulx Handbuch fuͤr Vormünder S. 14. 172. der ſie eben ſo unpaſſend wohlchätige Vormundſchaft nennt. 3 §. Zo9. Von der Adoption und der Pflegſchaft. 6. 309. Erforderniſſe. Die Erforderniſſe dieſes Rechtsinſtituts ſind A. von Seiten des Art. 361. . Pflegers: I. Funfzigjähriges Alter. II. Mangel an ehelichen Kindern n oder Abkömmlingen ¹). Ob der Pfleger verheirathet oder unverheirathet iſt, darauf koͤmmt nichts an; im erſtern Falle bedarf es jedoch der Ein⸗ Art. 362. n willigung ſeines Mitgatten, wenn er die Pflegſchaft uͤbernehmen will. Art. 363. r UI. Daß er ſich deshalb mit einem Geſuche an den Friedensrichter des 6 ½ Orts, wo der Pflegling ſeinen Wohnſitz hat, wende. Dieſer muß daruͤber, ſo wie uͤber die gleich zu erwähnenden Einwilligungen ein Protocoll auf⸗ nebmen 2). B. Von Seiten des Pfleglings: I. Noch nicht Art. 364. 5 funfzehnjaͤhriges Alter. 1I. Einwilligung beyder Eltern ³), oder des Art. 361. Ueberlebenden von ihnen, oder in deren Ermangelung des Familienraths, oder endlich, wenn das Kind keine bekannten Verwandten hat, Zuſtim⸗ . mung der Verwalter des Waiſenhauſes, worin daſſelbe aufgenommen iſt; oder wenn es ſich nicht in einem ſolchen befindet, Zuſtimmung der Mu⸗ nicipalität ſeines Aufenthaltsorts. 1) Naͤmlich zur Zeit der uͤbernommenen Pflegſchaft. Von nachgebohrenen ehelichen Kindern redet der Art. 366. GaRREz S. 112. Ob der Pfleger maͤnnlichen oder weiblichen Geſchlechts iſt, darauf kömmt nichts an. Auch kann man mehrere Pfleglinge annehmen. Gakkpz a. a. D. S. I13. Pflegling kann ein Collateralverwandter oder uneheliches Kind des Pflegers ſeyn, nicht aber ſein eheliches Kind, weil man ein ſolches nicht adoptiren kann, die Pflegſchaft aber zur Adoption fuͤhrt. 2) In Hinſicht der Glieder der kaiſerlichen Familie bebarf es noch der Einwilligung des Kaiſers, um die Pflegſchaf: zu ubernehmen. Statue de ſamille art. 16.. bey SarPEILD Recueil. T. I. p. 403. 6 3) Nicht aber der Großeltern. MarEvIIIE Analyſe ad art. 368. Audrer Mey⸗ 6 nung iſt DErvINcouRT Iuſtitutes. T. I. p. 20. not. 3. t n,§. 3To. 6 Wirkungen. Die Wirkungen der Pflegſchaft ſind: I. Es entſtebt aus ihr eine gyt. 364. Verpflichtung, den Pflegling zu ernaͤhren, zu erziehen und in den Stand n zu ſeßen, ſich ſeinen Lebensunterhalt zu erwerben; doch kann auch hieruͤber * eine beſondere Uebereinkunft getroffen werden. II. Hat der Pflegling Art, 36. einiges Vermoͤgen, und ſtand er vorber unter Vormundſchaft, ſo hoͤrt Spangenberg's Commentar Bd. I. Un die⸗ — 338 Erſtes Buch. Achter Titel. Adoption; in ſo fern nämlich der Pfleger keine ebelichen Kinder zuruͤck Art. 366. dieſelbe auf, und ſowohl die Verwaltung ſeines Vermoͤgens als die Auf⸗ ſicht uͤber ſeine Perſon geht auf den Pfleger uͤber). Dieſer letztere darf jedoch auf keine Weiſe die Erziebungskoſten von den Einkuͤnften des Pfleglings abziehen. MI. Sie gewährt ein Recht des Pfleglings auf laßt. Hierbey muß man unterſcheiden: Entweder war der Pflegling noch minderjaͤhrig, oder er war volljaͤhrig. r) Im erſten Falle iſt jedoch die Adoption nicht zulaͤſſig, außer nach dem Ablaufe von fuͤnf Jahren, nach uͤbernominener Pflege. In dieſem Falle kann ſie durch einen letzten Willen geſchehen, weil man immer annimmt, daß ſie vom Art. 367. Pfleger aus der Beſorgniß geſchebe, vor des Pfleglings Volljaͤhrigkeit zu verſterben ²). Stirbt der Pfleger entweder vor Ablauf dieſer fuͤnf Jahre, oder nachher, jedoch noch vor der Volljaͤhrigkeit des Pfleglings, ohne denſelben adoptirt zu baben, ſo ſoll dieſem, ſo lange er minderjäͤhrig iſt, der Lebensunterhalt gereicht werden. Der Betrag und die Beſchaf⸗ fenheit deſſelben muß, in Ermangelung einer vielleicht vorher daruͤber de⸗ Art. 368. Art. 369. troffenen foͤrmlichen Uebereinkunft, entweder freundſchaftlich unter den beider⸗ ſeitigen Stellvertretern des Pflegers(ſeinen Erben naͤmlich) und des Pfleg⸗ lings(ſeinen Eltern oder ſeines Vormunds); oder im Falle eines bieruͤber entſtandenen Streites, gerichtlich beſtimmt werden. 2) Im letztern Falle, wenn naͤmlich der Pfleger ſeinen Pflegling, nachdem derſelbe volljaͤhrig geworden iſt, adoptiren will, ſo muß dieſes unter Beobachtung der For⸗ malitäten geſchehen, welche bey der Adoption uͤberhaupt weſentlich ſind, und im vorigen Kapitel abgehandelt ſind. Auch bedarf es dann immer der Zuſtimmung des Pfleglings. Sind waͤhrend der erſten drey Monate nach der Volljahrigkeit des Pfleglings ſeine Bitten an den Pfleger um Adoption ohne Erfolg geblieben*), und iſt der Pflegling nicht im Stande ſich ſeinen Lebensunterbalt zu erwerben*), ſo kann*) der Pfleger auf deſſen Rachſuchen verurtheilt werden, ihn wegen dieſer Unfaͤhigkeit zum eigenen Erwerbe ſeines Unterhalts zu entſchaͤdigen. Dieſe Entſchaͤdigung braucht jedoch nur in einer Unterſtuͤtzung zu heſtehen, die zum Zweck hat, den Pflegling zu einem Gewerbe zu verhelfen. Doch ſoll durch dieſe Verfuͤgungen den auf dieſen Fall vielleicht zum voraus getroffenen Ver⸗ abredungen nicht derogirt werden;. B. wenn ihm darin ein fuͤr allemal ein beſtimmtes Geld u. ſ. w. fur dieſen Fall verſprochen iſt 6). 1) Der Pfleger hat alſo dem Vormunde nur das von dem Friedensrichter uͤber die Pflegſchaft aufgenommene Protocoll zuzuſtellen, wodurch dieſer vhe wird, er 5 ig d, ut te um de un uf 1 Von der Adoption und der Pflegſchaft. 339 wird, die Vormundſchaft niederzulegen, Rechnung abzulegen u. ſ. w. GaRRRz S 5 2) Zu bemerken iſt daher: I. Nur durch ein Teſtament kann der minderjaͤhrige Pflegling adoptirt werden; nicht aber auf andere Art. I. Hierbey bedarf es der Einwilligung des Pfleglings nicht; Arg. ex art. 368; auch nicht der ſeiner Verwandten; da es genug iſt, daß ſie in die Annahme zur Pflege eingewilligt haben, und ſich deren rechtliche Folgen gefallen laſſen muͤſſen. 3) Mag der Pfleger nicht wollen oder nicht könnem, z. B. wenn er eheliche Kinder bekam. DRILvINcouRT Iuſtitutes. T. I. p. 206. not. 3. 4) Die Diſpoſition des Art 369. kann nicht eintreten, wo der großjaͤhrige Pflegling in die Adoption nicht einwilligen will. MarEvIILLE Analyſe ad art. 364. Ebem falls nicht, wenn der Pflegling eigene Mittel hat, um ſich den Lebensunterhalt zu erwerben. MarEvIITE ad art. 369. §) Es blelbt dem richterlichen Ermeſſen anheim geſtellt. 6) So iſt dieſer Artikel zu erklaͤren; nicht aber dahin, daß die Entſchädigung noch außer dem gefordert werden koͤnne, was in der Uebereinkunft beſtimmt iſt. Mithin faͤllt der Uebereinkunft wegen die Entſchädigung weg⸗ ausgenommen⸗ wenn darin nichts in Betreff der Entſchaͤdigung feſtgeſetzt waͤre. MALEVILLE Analyſe ad h. art. DELvINcouRT Inſtitutes. T. I. p. 206. 5. Die Pflegſchaft endet: I. durch natürlichen und buͤrgerlichen Tod; I. durch Adoption; III. durch erlangte Volljährigkeit des Pfleglings, jedoch unter den eben erwähnten Beſchraͤnkungen 1); IV. durch Ablauf der Zeit, auf welche man zu pflegen verſprach.— Iſt ſie beendet, ſo Art. 370. iſt der Pfleger, wenn er einiges Vermögen des Pfleglings verwaltet hat, daruͤber Rechenſchaft abzulegen ſchuldig. 1) Projet du C. c. in JovanNRau et Sor on Discuſſiom. T. I. p. 470. S. duch PyEIprEn Nopol. Geſetzbuch. Th. I. S. 165. % 340 Erſtes Buch. Neunter Titel. Meunter Zitel. VBon der elterlichen 1) Gewalt. 1 6. J Begriff. De elterliche Gewalt iſt die Gewalt, welche dem Vater, und nach deſſen Tode, der Mutter uͤber ebeliche oder ebelich gemachte minderjaͤhrige Kinder zuſteht ²). Sie fließt hauptſaͤchlich aus dem Grundſatze, daß — Art. 371, das Kind zwar in jedem Alter ſeinen Eltern Ehrerbietung und Achtung, daß es aber vorzuͤglich in ſeiner Minderjaͤhrigkeit denſelben Gehorſam und unbedingte Folgſamkeit ſchuldig iſt, und bey jeder wichtigen Handlung die 6 Erlaubniß, dieſelbe vorzunehmen, von ihnen ſich zu erbitten hat; daß mithin * die Eltern die Gewalt haben ihm Handlungen zu unterſagen, wenn ſie 3 dieſelben fuͤr ſchaͤdlich oder unvortheilhaft halten 3). Deshalb hört auch dieſe elterliche Gewalt nur auf: I. durch natuͤrlichen und buͤrgerlichen Tod, Prt. 372. weil hierdurch dieſe Verpflichtungen zernichtet werden; II. durch Volljaͤhrig⸗ keit des Kindes, weil es dann zwar noch des Raths ſeiner Eltern, aber nicht ihrer Einwilligung bedarf, und es fuͤr pfychiſch reif gebalten wird, die Schaͤdlichkeit oder Vortheilhaftigkeit ſeiner Handlungen ſelbſt einzuſeben; III. durch Emancipation, oder Entlaſſung aus der Gewalt, von der wir unten reden werden; nicht aber durch Adoption, da dieſe keine eigentliche elterliche Gewalt des Adoptirenden gewährt, und dem leiblichen Vater keine Rechte uͤber den adoptirten Sohn nimmt; auch nicht durch Heirath 4). 57 1) Zwar hat das Hriginal“de la puifſance paternelle“ aber mit Unrecht, da dieſe Gewalt auch der Mutter zuſteht. S. NovGAkEnR Fſſai ſur I' hiftoire . de la puiſſauce paternelle. 12. P. L. BLoEcRE. Difſ. ſur la puiſſance paterneſle. Strasbourg. 1806. 4. ZAcRaRIAB Handbuch. Th. II. S. 93. Aufgehoben wurde die vaͤterliche Gewalt, ſo wie ſie nach Roͤmiſchen und con⸗ ſusthdinariſchen Landrechten zuſtand, durch ein Deeret vom 38. Maͤrz 1792. 2) RRAt. „ —„„—„ ——— — e—— Von der elterlichen Gewalt. 341 2) Rbar Expoſe des motifs(bey Garnery Th. I. S. 190).— Auch die Groß⸗ eltern und der Famitienrath haben gewiſſermaaßen einige Rechte der elterlichen Gewait, jedoch nur in ſo fern dieſelben aus der Vormundſchaft fließen. Hiernach wird das zu modiſiciren ſeyn, was ich in meinen Inſtitutiones juris civilis Napoleonei F. 68. geſagt habe. 3) Die väterliche Gewalt hat nur einen negativen Character; ſie beſchraͤnkt ſich mehr auf das Verbieten, als daß ſie gebietet. 4) MArRvIIILR Analyſe ad art. 372. aus der Discuſſion. 5. 3. Wirkungen. 1. In Hinſicht der Perſon des Kinbes. Während der Ehe uͤbt der Vater allein dieſe Gewalt aus 1); nach Art. 373 derſelben geht ſie, wiewohl etwas beſchränkter auf die Mutter uͤber. Die Wirkungen derſelben betreffen entweder die Perſon oder das Vermoͤgen des Kindes. In Hinſicht der Perſon deſſelben iſt zu bemerken: I. Die Eltern haben das Recht ihre Einwilligung zu gewiſſen Handlungen der Kinder zu geben, wenn dieſe guͤltig ſeyn ſollen, z. B. in die Ehe, Abſchließung von Contracten u. ſ. w. II. Das Kind darf das vaͤter⸗Art. 374. liche Haus ohne Erlaubniß des Vaters nicht verlaſſen, ausgenommen, wenn es freywillig Kriegsdienſte nehmen will, nur muß es in dieſem Falle das achtzehnte Jahr ſeines Alters erreicht haben. III. Haben die Art. 373. Ettern beſonders wichtige Urſachen mit dem Betragen des Kirdes unwillig zu ſeyn, ſo können ſie es gerichtlich einſperren laſſen à). Zwar iſt dieſes Recht in Hinſicht der Mutter beſchraͤnkter als beym Vate; Alein dieſer hat denn doch auch folgende Bedingungen zu beobachten; 2) Stt der Vater abweſend ſo tritt Art. 147. ein⸗ 2) Höchſt ſelten iſt es, daß die Kinder in Frankreich geſchlagen werden. Man beſtraft ſie vielmehr durch Entziehung von Vergnügungen und Genuͤſſen, und durch Beraubung ihrer Freyheit. 5. 314 Fortſetzung⸗ — 1. Wenn das Kind das ſechszehnte Jahl ſeines Alters noch nicht Lrt. 376, angetreten hat, ſo kann es der Vater zwar auf einige Zeit, jedoch hicht länger als einen Monat einſperren laſſen ¹). Er wendet ſich deshalb an den Präſidenten des Diſtrictstribnnals, ohne weitere Unterſuchung 9 3 den 342 Erſtes Buch. Neunter Titel. t. 377. den Verhaftsbefehl erlaſſen muß. II. Von dem Eintritte des Kindes jedoch ins ſechszehnte Jahr, bis zur Volljährigkeit oder Emancipation, kann der Vater um Einſperrung auf hoͤchſtens ſechs Monate antragen. Er wendet ſich deshalb ebenfalls an den Präſidenten. Dieſer nimmt hierauf Ruͤckſprache mit dem kaiſerlichen Procurator, und ertheilt dann, oder verweigert den Verhaftsbefebl. Ebenfalls hat er das Recht die vom Vater verlangte Zeit der Einſperrung abzukuͤrzen. In Hinſicht dieſer beyden Faͤlle iſt noch zu bemerken: 1) Es darf hierbey weder ein ſchriftlicher Aufſatz, noch ſonſt eine gerichtliche Foͤrmlichkeit ſtatt finden, den Verhaftsbefehl ſelbſt ausgenommen. 2) In dem Verhaftsbefehle duͤrfen die Beweggruͤnde nicht ausgedruͤckt werden. 3) Der Vater iſt verbunden eine Verſicherung zu unterſchreiben, daß er alle Koſten bezahlen und fuͤr den gebuͤhrenden Unterhalt des Kindes ſorgen wolle. 4) Von dem Vater haͤngt es jederzeit ab die Dauer der Einſperrung zu verkuͤrzen. Verfaͤllt das Kind nach ſeiner Loslaſſung in neue Verirrungen, ſo kann eine neue Einſperrung erlangt werden, jedoch auf die eben genannte Weiſe. III. Hat ſich der Vater wieder verheirathet, ſo muß er, um ſein Kind erſter Ehe einſperren zu laſſen, die unter Nr. II. vorgeſchriebene Form beobachten, ſelbſt wenn es noch nicht ſechszehn Jahre alt iſt. IV. Die Mutter hat dieſes Recht nur nach des Vaters Tode, und wenn ſie ſich nicht wieder verheirathet hat; jedoch nur unter folgenden Beſchraͤnkungen: 1) ſie muß die zwey naͤchſten Verwandten von väterlicher Seite zuziehen, und mit ihnen gemeinſchaftlich die Einſperrung betreiben ²); 2) ſie muß, das Kind mag unter ſechszehn Jahren oder daruͤber ſeyn, die unter Nr. II. erwaͤhnte Form beobachten. V. Hat das Kind eigenes ihm perſoͤnlich zuſtehendes Vermogen, oder treibt es ein Gewerbe, ſo kann ſeine Ein⸗ ſperrung, ſelbſt wenn es noch nicht ſechszehn Jahre alt iſt, ebenfalls nur auf die unter Nr. II. erwaͤhnte Art erwirkt werden. VI. Dem einge⸗ ſperrten Kinde bleibt es immer unbenommen, ſeine Beſchwerde durch einen ſchriftlichen Aufſatz an den Generalprocurator des Appellationshofes zu fuͤhren. Dieſer hat desbalb von dem kaiſerlichen Procurator des erwähnten Diſtrietstribunals Bericht zu fordern, und hierauf an den Praä⸗ ſidenten des Appellationsgerichts zu referiren. Letzterer muß den Vater davon benachrichtigen 3) und unterſuchen, in wiefern die Beſchwerden gegründet ſind; und hat dann das Recht nach Maaßgabe derſelben den vom Praͤſidenten des Diſtrietstribunals erlaſſenen Verbaftsbefehl auf⸗ zubeben oder zu maͤßigen. Die WVon der elterlichen Gewalt. 343 Die eben vorgetragenen Regeln ſind auf die Eltern der unehelichen Art. 383. geſebmaßig anerkannten Kinder anwendbar, und ſtehen daher denſelben dieſelben Rechte zu 4). 1) Aber wo?— Zuchthaͤuſer wurden ausdruͤcklich verworfen, und die Anwendung des Artikels auf den Zeitpunct ausgeſetzt, wo man wahre Maiſons de cor- rection organiſiren wuͤrde. S. Conférence. T. III. p. 17. Le Conſul LEBRUN dit:— mais que du moins les enfauts ne ſoient pas envoyẽs dans une maiſon de correction; cs ſerait les envoyer au crime. Le C. BIGOT PRFAMENEU dit, que la ſection ne s'eſt pas diſfimulé que les Heux actuels de détention ne pourraient qu auginenter la dépravation dans les enfans qui y ſeraient renfermẽs; mãis elle a ſuppoſé qu'on organiſerait enfin de véritables maiſons de correction. Le conſul CantAcEREs propoſe de ſupprimer de Particle les mots dans une maiſon de correction. Larticle eſt adopté avee cet amendement. MarRVIILLE Analyſe ad h. art. ſchlägt Lyceen und Prytansen oder Feſtungen zu dieſem Behufe vor. 2) So iſt der Artikel zu erklären. Hat das Kind keine Verwandten von vaͤter⸗ licher Seite, ſo iſt die vom Geſetze anbefohlene Mitwirkung, und mithin auch die Ausuͤbung des Rechts der Einſperrung unmoͤglich. LocR Eſprit. ſ⸗ 3) Der Vater wird dann aufgefordert die Urſachen zu articuliren, weshalb das Kind zu dieſer Einſperrung Gelegenheit gegeben hat. Jurisprudence. T. I. p. 268.(Ed. 2.) 4) Aus den Worten des 383ſten Artikels, welcher in dieſem Falle nur die Artikel 376— 379. zur Anwendung bringen will, darf man nicht ſchließen, als wenn die Artikel 381 und 332 nicht auch zur Anwendung kommen duͤrften; denn in Hinſicht des Art. 381. giebt der Art. 383. der Mutter des von ihr anerkannten Kindes daſſelbe Recht, was der Art. 381. der Mutter des ehelichen giebt, da er ausdruͤcklich von“den Eltern“ und nicht vom Vater allein ſpricht; und in Hinſicht des 382ſten Artikets moͤchte wohl derſelbe Grund auch bey den aner⸗ kannten Kindern eintreten, als bey den eyelichen; naͤmlich, daß die Einſperrung nicht ein Vorwand werde, damit die Eltern die Kinder des Genuſſes und der Verwaltung ihres perſoͤnlichen Vermogens berauben koͤnnten. 5. 315. 2. In Hinſicht des Vermogens. Das Vermögen der Kinder laͤßt ſich als aus einer dreyfachen Quelle gefloſſen denken ¹). Theils ruͤhrt es von den Eltern her(peculium profectitium, ausgedehnt jedoch auf die Mutter); theils von andern Perſonen(peculium adventitium), theils iſt es durch die eigene Arbeit und den eigenen Fleiß der Kinder erworben(peeulium caſtrenſe und quaſicaſtrenſe in der allgemeinern Bedeutung). Rur an den * % 344 e Buch. Neunter Titel. 336 Art. 383. den beyden erſtern Claſſen dieſes Vermogens 6 der Vater ²*) waͤhrend der Ehe, und nach deren Aufloöͤſung, der Ueberlebende von beyden Eltern Art. 383. die Benutzung des Vermogens der Kinder. Die Eltern muͤſſen jedoch ſ. dagegen folgende Laſten uͤbernehmen: I. alle diejenigen, welche uberbaupt dem Rießbraucher obliegen ³); II. die Ernaͤhrung, den Unterhalt und die Erziebung der Kinder nach dem Verhaͤltniſſe des Vermogens derſelben; IHI. die Bezahlung der faͤlligen Renten und Capitalzinſen; 1V. die Be⸗ richtigung der Koſten der Beerdigung und der letzten Krankheit 4).— Dieſes Benutzungsrecht hoͤrt jedoch auf: I. wenn die Kinder das acht⸗ art. 386, zehnte Jahr ihres Alters erreicht haben; II. durch die Emancipation des Kindes; III. durch Eheſcheidung in Hinſicht deſſen, wider den ſie erkannt iſt; IV. durch zweyte Ehe, in Hinſicht der Mutter, die zu derſelben . ſchreitet; V. durch den Tod des Kindes vor dem achtzehnten Jahre*). „ 1) Sehr beſtritten iſt es⸗ ob die Eltern dieſes Benutzungsrecht auch an dem Ver⸗ moͤgen der anerkannten unehelichen Kinder haben. Es ſcheint jedoch zu ver⸗ neinen, da der Art. 383. nur ſagt⸗ daß ſie dieſelben Zuͤchtigungsrechte haben; und in Hinſicht der Benutzungsrechte die Dispoſition deſſelben nicht wiederhole iſt. S. auch Jurisprudence T. VI. p. 267. 6 2) Art. b08. 3) Hierunter ſind die Koſten für das Begrabniß u. ſ. w. deſſen, den das Kind beerbt hat(nicht die Koſten fuͤr das Begräbniß des Kindes ſelbſt, die ohnehin von den Eltern zu tragen ſind,) zu verſtehen. MarEvIIILE Analyſe ad art. 385. Der Artikel ſeßt noch die Erziehungskoſten hinzu, allein dieſe Verbindlichkeit liegt den Eltern ob, ſie mögen einen ſolchen Nießbrauch haben oder nicht. Art. 203. Der Grund warum dieſer Verbindlichkeit auch hier Erwaͤhnung geſchieht⸗ iſt der, daß ſie nicht das Recht haben dieſe Koſten von dem Vermögen der Kinder abzuziehen, in ſofern ſie anders im Stande ſind dieſe Koſten ſelbſt zu beſtreiten(daher die Worte: felon leur fortune). ZAcHARAB Handbuch. „ Th. II. S. 163. not. 3.. 5) Appellhof zu Turin in Jurisynrudence T. VIII. p. 237. Der Vater kann mithin, wenn er mit andern Erben des Kindes concurrirt, nicht erlangen, daß er ſo lange den Nießbrauch an dem Geſammtvermoͤgen deſſelben behalte, bis zu der Zeit, daß es das achtzehnte Jahr erreicht haben wuͤrde. 316. 6. Ausnahme. Att. 387. Schon oben iſt bemerkt worden, daß dieſes Recht den Eltern nur den⸗ an dem Vermögen der Kinder zuſteht, welches ſie oder andere Perſonen 4b Von der elterlichen Gewalt. 345 denſelben geſchenkt baben; nicht aber in Hinſicht deſſen, was die Kinder durch eigenen Fleiß erwarhen ¹). Außerdem iſt auch noch die Ausnahme zu beruͤckſichtigen, daß die Eltern auch von der Benutzung des Ver— mögens der Kinder ausgeſchloſſen werden, was denſelben zwar von andern Perſonen, jedoch unter der ausdruͤcklichen Bedingung geſchenkt oder ver— 4 macht iſt, daß den Eltern die Benutzung daran nicht zuſtehen ſolle 2). 1) Nie aber darf der Sohn zum Beweiſe gelaſſen werden, daß er Guͤter, die ſein Vater erworben hat, durch ſeinen Fleiß und Arbeit erworben habe, daß 6 ½ ſie mithin ſein Eigenthum ſeyen, und der Vater kein Benutzungsrecht an den⸗ ſt ſelben verlangen könne. Appelhof zu Turin in Jurinprudence T. VIII. n p. 131. Ebenfalls iſt hier nicht die Rede von dem, was die Kinder den Eltern in ihrem Gewerbe oder der Wirthſchaft verdienen. BousQuBr Explication du C. c. ad h. art. 2) Und zwar iſt dieſes Verbot unbedingt, ſo daß die durch Novell CRvII. cap. 1. gemachte Diſtinction keine Anwendbarkeit erleidet. MarEviIILLE Ana- 1 lyle ad h. art. M n bis Spangenberg's Commentar Bd. I. 346 Erſtes Buch. Zehnter Titel. Zehnter Titel. Von der Minderjährigkeit, der Vormundſchaft und der Emancipation. Erſtes Kapitel. Von der Minderjäbrigkeit*). §. 317. Begriff. Art.. Minderbeig iſt jeder, ohne Unterſchied des Geſchlechts, der das ein und zwanzigſte Jahr ſeines Alters noch nicht zuruͤckgelegt hat. Eine Venia aetatis findet nicht ſtatt, ausgenommen in den Faͤllen, in welchen die Emancipation in die Stelle derſelben tritt. 1) S.(Harſcher von Almendingen) vollſtaͤndige dogmatiſche Darſtellung der Lehre des Franzoͤſiſchen Rechts von Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft und Eman⸗ cipation nach und zuweilen gegen Locré, in Allgemeine Bibliothek firr Staatskunſt, Rechtswiſſenſchaft und Critik. Drittes und viertes Heft. Gießen und Wetzſar. 1808. 8. BroßcRr. Analyſe des prineipales queſtions, qui peuvent„eleyer ſur le titre de la minorité, de la tutelle&c. Strasbourg. 1808. Zweytes Kapitel. Von der Vormund ſchaft.⸗ § 318. Begriff. Vormundſchaft beſteht in dem Rechte fuͤr ein minderjaͤhriges Kind und deſſen Vermögen zu ſorgen ²). Das Franzoſiſche Recht nimmt keinen Unterſchied an zwiſchen Vormundſchaft und Curatel uͤber jaͤhrige, in ne ber al tes ge mt det⸗ ie Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 347 jaͤbrige, uͤbertraͤgt die Obervormundſchaft dem Familienrathe, ſetzt dem Vormunde einen controlirenden Gegenvormund zur Seite, befreyt den Vormund von der Pflicht Caution zu ſtellen, und entbindet die Ober⸗ vormundſchaft von der ſubſidiariſchen Actio tutelae. Die Vormund⸗ ſchaft kann nach demſelben Rechte vierfach ſeyn, und zwar ſo daß die ſpaͤtere immer in Ermangelung der fruͤhern eintritt; naͤmlich: I. natuͤr⸗ liche Vormundſchaft, II. teſtamentariſche, III. geſetzliche, IV. dative 2). 1) Vergl. VRRMErI traité de la tutelle et euratelle, antérieurement au Code civil. L. A. LEBRUN Code de la tutelle et de la euratelle, ou recueil des lois ſur les mineurs et interdits, avec foixante formules d'actes à dreſſer par les juges de paix. 12. Handbuch fuͤr Vormuͤnder in der Franzoͤſiſchen Republik. Augsburg. 1798. 8. F. Laſſaulx Handbuch fuͤr Vormuͤnder, oder Unterricht uͤber die Verrichtun⸗ gen welche Vormuͤnder und Curatoren nach dem Codex Napoleon zu verſehen haben. Coblenz. 1806. 8. Auch in ſeinem Journale fur Rechtsgelehrſamkeit. Jahrg. I. St. 3. 4. 7. 8. 9. 1r. 12. vom Zten Stuͤck an, und unter dem Titel: Syſtematiſche Darſtellung der neuern Franzoͤſiſchen Geſetzgebung uͤber Vormundſchaften. und fuͤr Weſtphalen: J. H. 3. Willigerod Inſtruction fuͤr Vormuͤnder und Nebenvormuͤnder im Koͤnigreiche Weſtphalen. Göttingen. 1809. Z. 2) Außer dieſen giebt es noch eine Vormundſchaft uͤber die Waiſen, welche in Waiſenhaͤuſern aufgenommen ſind, die den Adminiſtratoren derſelben zuſteht. Hieruͤber iſt ein eigenes Geſetz vom 5. Pluvioſe KIII. erſchienen. S. RoN- voMREau Supplement. p. 136. ed. Voss. Uund Eſſai ſur la tutelle et cura- telle publiques; par un Employs au bureau des hoſpices civiles. Paris. IX. (S. MiILLIN Magazin encyclopedique. An. VI. T. IV. P. 561. 562.) Erſter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Eltern⸗ 5. 379. Im allgemeinen. Die natuͤrliche Vormundſchaft ſteht den Eltern zu. Der Code laͤßt nämlich die vaͤterliche Gewalt mit der Vormundſchaft, die nach gemeinem F Rechte — N 348 Erſtes Buch. Zehnter Titel. n Rechte erſt da beginnt, wo erſtere aufhoͤrt, in einander laufen. Die erſtere umfaßt naͤmlich groͤßere Rechte als die letztere; letztere iſt daber in der erſtern enthalten. Die Gewalt uͤber die Perſon des Kindes, die Leitung ſeiner Erziehung, die Sorge fuͤr deſſen Unterhalt und Sittenrein⸗ heit bildet eigentlich das Weſen der väterlichen Gewalt. Unweſent⸗ lich iſt die Befugniß des Vaters, die Guͤter des Kindes zu adminiſtriren⸗ Der Vater iſt als Vater dem Kinde keine Rechenſchaft von ſeinen Hand⸗ Franzöſiſche Recht betrachtet daber die väterliche Gewalt als ein Recht, Art. 389. welches von der Adminiſtration der Guͤter verſchieden iſt. So lange die Ehe dauert iſt der Vater Verwalter der Guͤter des Kindes. Et iſt in Hinſicht desjenigen Vermögens, deſſen Benutzung ibm nicht jüſteht, (S.§. 316.) ſowohl uͤber das Eigenthum, als über die erhobenen Rutzungen, und in Anſehung deſſen, woran ihm das Geſetz den Rießbrauch verſtattet, uͤber das Eigenthum allein, Rechnung abzulegen*) verpflichtet. Art. 390. Nach Auflöſung der Ehe durch den natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tod eines der Ehegatten ²) verwandelt ſich die Guͤteradminiſtration des uͤberlebenden Ehegatten in eine Vormundſchaft, welche neben der uͤber die Perſon des ehelichen Kindes ³) auszuubenden elterlichen Gewalt beſteht, und dem Familienkathe und der Controle des Gegenvormunds unterworfen iſt. Dieſe natuͤrliche Vormundſchaft kann mithin ſeyn, entweder: Vormundſchaft des uͤberlebenden Vaters, oder Vormundſchaft der uͤberlebenden Mutter. 1) So iſt die Franzoöſiſche Anſicht nach LoonE T. VI. p. 1ff. durch von Almen⸗ dingen a. a. O. S. 189— 192 entwickelt. 2) Wird die Ehe durch Scheidung getrennt, ſo dauert die elterliche Gewalt fort. * Da indeſſen der Richter beſtimmt, wem die Kinder anvertraut werden ſollen (Art. 302. 303.), ſo entſteht hieraus eine Art Dativtutel, welche von der oben vorgetragenen natuͤrlichen verſchieden iſt. LocRE Eſprit T. VI. p. 26. Man darf alſo in dieſem Fall den Kindern keinen wahren Vormund ernennen. Appellhof zu Paris in Juriprudence. T. X. p. 337. Anderer Meynung iſt Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 300. 3) ueber uneheliche Kinder findet keine natuͤrliche Vormundſchaft ſtatt, ſie muͤßten dann legitimirt ſeyn. Ueber geſetzlich anerkannte kann ſie auch nicht gehen, da der Art. 390. ſie nur den uͤberlebenden Ehegatten zuſchreibt. S. auch Art. 399. 400. Laſſaulx a. a. O. iſt jedoch anberer Meynung⸗ d 5. 320. lungen ſchuldig, wohl aber als Verwalter ſeines Vermögens. Das Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 349 6 I. Vormundſchaft des uͤberlebenden Vaters. Dieſe beſteht immer nehen der vaͤterlichen Gewalt deſſelben, indem die vaͤterliche Adminiſtration ¹) der Guͤter des Kindes zu einer bloßen unter der Aufſicht des Familienraths und des Gegenvormunds ſtehenden Guͤterverwaltung berabſinkt, da er vorher uneingeſchraͤnkter, alleiniger, jedoch nach den obigen Grundſaͤtzen, rechnungspflichtiger, Verwalter der⸗ ſelben war 2). 1) Das Vermoͤgen der minderjaͤhrigen verwaißten Glieder der kaiſerlichen Familie wird durch den Kaiſer verwaltet. Statut de famills art. 9. bey SAAlPRLP Recueil. T. I. p. do6. 2) Der Vater der im Auslande wohnt kann nicht Vormund eines in Frankreich befint hen Kindes werden. Entſcheidung des Juſtizminiſters in Laſaulx Journal. Jahrg. I. I. S. 35. 1 6 ⁰ II. Vormundſchaft der uͤberlebenden Mutter. Iſt die Mutter der uͤberlebende Ehegatte, ſo erhaͤlt ſie die Vor⸗ mundſchaft ¹). Ueber dieſe treten folgende Regeln ein: I. Die Vor⸗ Art. 391. mundſchaft der Mutter kann derſelben zwar vom Vater nicht entzogen, aber doch beſchrankt werden. Dieſes geſchieht, wenn er derſelben nicht Eeinſicht genug zutrauet, dieſelbe gehörig fuͤhren zu koͤnnen. In dieſem Falle kann er ihr einen beſondern Rathgeber beyordnen, ohne deſſen Gutachten ſie keine auf die Vormundſchaft ſich beziebende Handlung ²) v vornehmen darf. Ebenfalls bleibt es ihm unbenommen, beſtimmte ein⸗ zelne Handlungen zu ſpecificiren, welche die Mutter nicht ohne Zuziehung dieſes Rathgebers vornehmen darf. In dieſem Falle kann ſie jedoch die nicht ſpecificirten ohne denſelben vornehmen. Die Ernennung dieſes Rath⸗ gebers muß geſcheben, entweder durch eine letzte Willensordnung, oder Art. 392. durch eine Erklaͤrung vor dem Friedensrichter des Wohnorts des Vaters und deſſen Greffier, oder vor zwey Notarien, oder einem Notar und zwey Zeugen; jede andere Form wuͤrde unguͤltig ſeyn. II. Iſt die Frau Art. 393. bey Abſterben des Mannes ſchwanger, ſo muß ihrer Leibesfrucht ein Curator(curator ventris) beſtellt werden. Bey der Geburt des Kindes wird dann die Mutter Vormuͤnderin, und der Curator iplo jure Gegen⸗ vormund. Dieſer Curator hat naͤmlich vor der Geburt des Kindes eine dreyfache Function; 1) er iſt kein Verwalter, ſondern hat nur fuͤr die . 15 Erhal⸗ — Art. 394. Art. 395. Art. 396. — 350 Erſtes Buch. Zehnter Titel. Erhaltung des Vermoͤgens zu ſorgen; 2) er muß darauf ſeben, daß keine Unterſchiebung des Kindes geſchehe; 3) koͤmmt das Kind todt zur Welt, ſo ſorgt er fuͤr Erhaltung der Erbſchaft, damit die vermuthlichen Erben nicht hintergangen werden ²). II. Obgleich die Vormundſchaft als öffentliche vom Geſetz auferlegte Laſt eigentlich nur aus den beſtimm⸗ ten geſetzlichen Gruͤnden ausgeſchlagen werden kann, ſo iſt dennoch der Mutter das Recht gegeben, wenn ſie glaubt, daß ſie nicht Kraͤfte genug habe um dieſelbe fuͤhren zu konnen, dieſelbe zu verbitten, und zwar ohne Gruͤnde anzugeben. Eine Friſt, binnen welcher ſie die Vormundſchaft ablehnen mußte, iſt nicht vorgeſchrieben; nur muß ſie in dieſem Falle einen Vormund ernennen laſſen, und bis zu dieſer Zeit alle Pflichten einer Vormuͤnderin erfuͤllen 4). W. Will die Mutter, welche die Vormund⸗ ſchaft fuͤhrt, ſich wieder verheirathen, denn bey dem zur zweyten Ehe ſchreitenden Vater tritt dieſe Beſchraͤnkung nicht ein, ſo muß ſie noch vor Abſchließung deſſelben den Familienrath zuſammen berufen. Dieſer bat denn nach vorgängiger Berathſchlagung zu entſcheiden, ob ihr die Vormundſchaft anvertraut bleiben ſoll. Hierbey iſt zu bemerken: 1 zeigt die Mutter dem Familienrathe ihre bevorſtebende Ehe nicht an, ſo ver⸗ liert ſie die Vormundſchaft iplo jure ³); 2) bleibt ſie ſogar widerrecht⸗ lich im Beſitze derſelben, ſo haftet ihr neuer Ehemann wegen allen daraus entſtehenden Schaden ſolidariſch; 3) äberläßt der geboͤrig zuſam⸗ menberufene Familienrath die Vormundſchaft der Mutter, ſo muß er ihr nothwendig den neuen Ehemann als Mitvormund 6) beyordnen, und dieſer wird dann für die nach der Heirath gefuͤhrte Verwaltung ſolidariſch mit ſeiner Ehefrau verantwortlich*). 1) Die Mutter die vor dem Code nicht Vormuͤnderin war⸗ kann nach Eilnfuͤhrung deſſelben die Vormundſchaft verlangen, ſelbſt wenn ſchon ein teſtamentariſcher Vormund angeſetzt war. Man kann nicht ſagen, daß ſie auf dieſe Klage renunclirt habe, ſelbſt wenn ſie ſie nicht unmittelbar nach der Einfuͤhrung des Code angeſtellt hat. Appellhof zu Turin. Jurisprudence. T. VI. p. 309. T. V. p. 53 et 458. Alle Klagen mithin, welche gegen das minderjaͤhrige Kind zuſtanden, muͤſſen nur gegen die Mutter angeſtellt werden. Andrer Meynung iſt jedoch der Appellhof zu Beſanson bey JovaNEAU und So1.ON Dis- cuſſions. T. I. p. 493. not. 2. Ebenfalls kann die Mutter, wenn die Vormund⸗ ſchaft ihrer Kinder beym Sterbefall ihres Mannes, wegen ihrer Minder⸗ jährigkeit dem Großvater uͤbertragen iſt, ſie nach erlangter Großjährig⸗ keit zurüͤckfordern. Appellhof zu Bourdraux in Laſſaulx Journal I. 7. 34. Sogar die geſchtedene Mutter kaun nach dem Tode des geſchiedenen Ehe⸗ manns die natuͤrliche Vormundſchaft verlangen. Kaſſaulx ——, Von d. Minderjahrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 351 Th. II. S. 301. vorgusgeſetzt, daß ihr dieſeibe nicht, als einer Unfähigen, ent⸗ zogen iſt. 2) Der Artikel iſt, ob er gleich allgemein ſpricht, doch nur auf die Handlungen der Vormundſchaft zu beſchraͤnken, welche ſich auf die Verwaltung des Ver⸗ mögens bezlehen: nie kann die elterliche Gewalt, welche ihr uber die Perſon des Kindes zuſteht, durch den Rathgeber beſchraͤnkt werden. Almendingen S. 195. 3 3) LocRß Eſprit. T. VI. p. 45. S. Fr. 48. D. XXVI. 7. de admiuiſtr. et periculo tutorum. DrvICounx Inſtitutes. T. I. p. 213. Man muß in dieſem Fall der Angabe der Mutter glauben, daß ſie ſchwanger ſey; nie iſt eine Unterſuchung der Schwangerſchaft oder ein Beweis derſelben zulaͤſſig⸗ Die bloße Erklaͤrung der Witwe, daß ſie ſchwanger ſey, hat dann zur Folge, daß die Verwandten des verſtorbenen Mannes noch zur Zeit nicht in den Beſitz der Verlaſſenſchaft geſetzt werden konnen. Appellhof zu Aiy in S1REv Jurispru- dence de la Cour de Caſſation. 1307. Supplem. p. 167. 4) Aus dieſen Worten des Artikels ergiebt ſich, daß LocRE Fſprit. T. VI. p. 49. Unrecht hat, wenn er behauptet, daß ſie das Recht, die Vormundſchaft abzulehnen, verliere, wenn ſie vormundſchaftliche Handlungen vornehme, ohne zu erklären, daß ſie ſie nur proviſoriſch vornehme; denn der Artikel macht ihr ja zur Pflicht, dieſe ad interim vorzunehmen.— Andrer Meynung als Locré auch Almendingen S. 197. not. 2. Laſſauly Geſetzgeb. Nap. Th. II. 5) Und zwar ſind dann alle von ihr vorgenommenen Vormundſchaftshandlungen nichtig, ſollten dieſelben ſogar vom Familienrathe beſtätigt ſeyn, da letztere offenbare Nullitäten nicht heilen kann. Appellhof zu Nismes in Juripri- dence. T. V. p. 75. Der Familienrath kann der Mutter, der er die Vormund⸗ ſchaft entzogen hat, dieſelbe wieder geben, wenn er findet, daß die Beſorgniſſe deshalb erledigt ſind. Laſſaulr a. a. H. S. 301. Anderer Meynung iſt BroßcREr 5. 9. 6) Dieſes iſt der einzige Fall, wo die Rede von einem Mitvormunde iſt. In der Regel laſſen ſich alfo nicht mehrere Vormuͤnder ernennen. Der Appellations⸗ gerichtshof zu Paris entſchied jedoch, daß ein Vater zwey Vormuͤnder, einen fuͤr die Perſon, den andern fuͤr das Vermoͤgen des Kindes ernennen konne. Arg. art. 391. S. Laſſaulx Journal. I. 6. S. 221 ff. Er muß daher mit ihr gemeinſchaftlich die Vormundſchaftshandlungen uͤbernehmen; ſtirbt ſie, ſo hoͤrt er auf Vormund zu ſeyn, wenn der Familien⸗ rath ihn nicht wieder ernennt. Arg. art. 400. DELvINcouRT Inſtitutes. T. I. p. 213. not.. —————˖—— — 352. Erſtes Buch. gehuter Titel. Zweyter Abſchnitt. Von der durch die Eltern uͤbertragenen Vormundſchaft. S 322 Vegriff und Erforderniß. Art. 397. Teſtamentariſche Vormundſchaft iſt die durch die Eltern einem Verwandten oder Fremden uͤbertragene Vormundſchaft. Das Recht Art. 398. den Vormund zu ernennen ſteht nur dem zuletzt ſterbenden der Eltern zu⸗ Die Ernennung ſelbſt geſchieht: I. durch ein Teſtament; oder II. durch eine vor dem Friedensrichter mit Zuziehung ſeines Greffiers, oder vor Notarien geſchehene Erklaͤrung. §5 3285 Ausnahmen. Von dieſer Regel finden ſich folgende Ausnabinen und Beſchraͤn⸗ Art. 30. kungen: I. Die Mutter die ſich weiter verbeirathet hat, und welcher die Vormundſchaft uber ihre Kinder erſter Ehe nicht gelaſſen wurde(. 321), Art. aco. hat dieſes Recht, ibnen einen Vormund zu ernennen, nicht ¹). II. Wurde ihr jedoch die Vormundſchaft gelaſſen, ſo kann ſie wohl ihren Kindern erſter Ehe einen Vormund ernennen; doch bedarf derſelbe zur Guͤltigkeit ſeiner Ernennung der Beſtaätigung des Familienratbs.— Ueber ihre Kinder zweyter Ehe kann ſie es in beyden Faͤllen unbedingt, voraus⸗ geſett, daß ihr zweyter Ehemann fruͤher ſtarb als ſie. 1) Eine andere Ausnahme die ſich bey LocRk Bſprit. F. VI. p. 70. findet, daß nämlich, wenn die Eltern, ohne Ruͤckſicht auf eine weitere Ehe, wegen ſchlechter Haushaltung, oder wegen Verurtheilung zu einer entehrenden Strafe, der Vormundſchaft fuͤr verluſtig erklaͤrt worden ſind, ſie dadurch unfähig wurden, einen Vormund zu beſtellen, iſt ungegruͤndet. Almendingen S. 202. bemerkt dagegen ſehr richtig, daß das Recht der Anordnung einer Tutel ein Ausfluß der vaͤterlichen Gewalt ſey; dieſe aber durch ſchlechte Haushaltung oder infamirende Strafe nicht verloren gehe. 8. 324. Wirkungen. J. Die teſtamentariſche Vormundſchaft iſt, ſo lange ſie noch nicht angetreten, wiederruflich, da ſie durch einen einſeitigen ſeiner Ratur nach ———„— Von d. Minderjährigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 333 nach wiederruflichen Aet uͤbertragen wird. II. Die Wahl der Eltern iſt unguͤltig, wenn ſie ein ſolches Individuum trifft, welches nicht Vormund den Geſetzen nach ſeyn kann. III. Der Gewaͤhlte iſt nicht ſchuldig die Art. z01. Vormundſchaft anzunehmen, außer, wenn er zu ſolchen Perſonen gehört, denen, in Ermangelung der teſtamentariſchen Vormundſchaft, der Fami⸗ lienrath ſie vorzugsweiſe ätte uͤbertragen koͤnnen Ud. b. die Mitglieder des Familienraths ſind) ¹. 1) LocRE Eſprit. T. VI. p. 71 ff. Bitte Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Aſcendenten. — F. 25. Vegri ff. Geſetzliche Vormundſchaft iſt die, welche den männlichen 2) Aſcendenten in Ermangelung der natuͤrlichen und teſtamentariſchen das Geſetz uͤbertraͤgt. Rur maͤnnliche Aſcendenten werden durch das Geſetz Art. ac2. berufen, und zwar ſchließt der dem Grade nach naͤhere männliche Aſcen⸗ dent den entferntern aus, z. B. der mütterliche Großvater den väter⸗ lichen Urgroßvater. Concurriren mehrere Aſcendenten, ſo kann dieſes auf dreyfache Art geſchehen: I. wenn in beyden, ſowobl der väterlichen als muͤtterlichen Linie, dem Grade nach gleich nahe Aſcendenten vorhanden ſind ²). In dieſem Falle geht der vaͤterliche Aſtendent dem muͤtterlichen deſſelben Grades vor; II. wenn in der vaͤterlichen Linie Aſcendenten deſſel⸗Art. 303. ben Grades vorhanden ſind, z. B. zwey Urgroßväter, ſo wird der vaͤter⸗ liche Großvater des Vaters des Minderjaͤhrigen berufen; IMI. wenn in Art. z04. der muͤtterlichen Linie Aſceudenten deſſelben Grades vorhanden ſind, z. B. zwey Urgroßväter. In dieſem Falle muß der Familienrath einen von ihnen waͤhlen.— Sollte der vom Geſetz berufene Vormund unfaͤhig ſeyn, ſo tritt die Dativvormundſchaft ein. RNie tritt dann der, welcher in ſeiner Ermangelung berufen ſeyn wuͤrde, an deſſen Stelle. 1) Die weiblichen Aſcendenten, z. B. die Großmätter, koͤnnen wohl vom Fami⸗ lienrath zum Vormunde ernannt werden; ſie werden aber nicht durchs Geſetz gerufen. MarRvIITLE Rnalyſe ad h. art.— S. Art. 442. Spangenberg's Commentar Vd. 1. Yy 2) Da nrt. 03. Erſtes Buch. Zehnter Titel. 2) Da der Artikel den Großvater vaͤterlicher Seite, und in deſſen den Großvater von muͤtterlicher Seite von Rechtswegen zum Vormunde erklärt, wenn der laͤngſtlebende keinen Vormund ernannt hat, ſo iſt in dem Falle, wo einer wiederverheiratheten Mutter die Vormundſchaſt uͤber ihre Kinder aus ihrer vorigen Ehe genommen wird, der Großvater nicht befugt, zu behaupten, daß ihm nun die Vormundſchaft uͤber jene Kinder von Rechtswegen gebuͤhre: vielmehr muß in dieſem Falle der Familienrath einen Vormund ernennen. Caſ⸗ fationshof in S1RRx Jurisprudence de ka cour de caſſation 1807. p. 156.— Daſſelbe tritt ein, wenn der Vater abweſend iſt, und die Mutter ſtirbt. Art. 142. 143 Vierter Abſchnitt. Von der durch den Familienrath uͤbertragenen Vormundſchaft. 6. 326. ⸗ Begri ff. Die Dativtutel iſt rein ſubſidiariſch, und wird vom Familien⸗ rathe uͤbertragen. Dieſer ernennt naͤmlich dem Minderjährigen einen Vormund, I. wenn derſelbe weder unter eine natuͤrliche, noch in eine teſta⸗ mentariſche, noch in eine geſetzliche Vormundſchaft treten kann; II. wenn der zu einer der eben erwaͤhnten Claſſen gehoͤrige Vormund ſich entweder in einem, der weiter unten zu beſtimmenden, Ausſchließungsfaͤlle befindet, oder geſetzlich entſchuldigt iſt. Von dem Familienrathe. 1. Im allgemeinen. Der Familienrath iſt ein Rechtsinſtitut, welches ſich ſeinem erſten Keime nach aus den Landrechten(coutumes) 1) ſchr das aber zur Zeit der Revolution in ein wahres Familientribunal, fuͤr die Fami⸗ lienſtreitigkeiten, beſtehend aus Schiedsrichtern, von weichen jeder Theil zwey zu waͤhlen hatte, und von deren Ausſpruch an die Diſtrietsgerichte appellirt wurde, verwandelt ward 2). Dieſen Charucter hat es durch den Code einigermaaßen beybehalten, ob man gleich es als eine Art richterlicher Magiſtratur betrachten kann 3). 2) Danp ad art. 4o5 6— Eine Art eines ſolchen Familienraths finden wir auch in der Preußiſchen Gerichtsordnung. Th. 1. Tit. 38⸗ 6 3 UI- „ 2) Gurcuanp Code des fa Titel: Das Famlliengericht, barkeit und den Verrichtungen ken angeordneten Aus dem Franzoͤſi 3) Eine Abhan B. 1. H. L⸗ F. 70. 71. Der Frieden dieſes: I. entwede wandten des Minderjaͤhrigen, ten ¹), oder II. von Amtswegen; welcher eine Zuſammenberufun Jeder naͤmlich iſt berechtigt, Beſtellung eines Vormundes er rung bringt, fordern ſcheint. Vorfall, welcher die Zu bemerken iſt, daß nur der Frie ompetent iſt, der a Minderjährige ſeinen Wohnſitz hat. 1) 3. B. ein Schuldner, der an den Vormund zahlen der die Pacht erneuern moͤchte. Familienraths e richtet, wo der Guͤter des Pupillen, Tribunals; ſchen des Guichard. Strasburg. 1792. 8⸗ dlung uͤber den Familienrath ſ. in Gönner Archiv Nr. 13.— S. auch Laſſaulx Handbuch fö 2. Zuſammenberufung deſſelben. srichter beruft den Familienrath zuſammen. Er thut r auf Anſuchen und Betreiben(Requiſition) der Ver⸗ 391. 421. 424. 446. 1056. 2) Die Requiſition iſt vo Intereſſe oder ſeiner ſich auf die Anzeige, ohne ſi ein weiterer Unterſchied. s Friedensrichters. chter eine cédule de convocation, Der Reguirent laͤßt ſie durch den Huiſſier ſigni keine cödule, und bewirkt keine Inſinuation. Ladung de Friedensri 3. Zuſammenſetzung deſſelben. egt zwar die eigentliche Bildung des Fami⸗ Dem Friedensrichter li lienraths ob, doch kann er verfahren, ſondern muß die vom Geſe Der Familienrath ſoll noͤmlich außer Von d Mindenhrigkeit, Vornunſchift u Gunncpatton. 355 milles. Par. 1797. 3 Voll. 12. Teutſch unter dem oder velſſtändiger Unterricht von der Gerichts⸗ dieſes durch die neue Conſtitutien der Weſtfran⸗ ein Handbuch fuͤr Familtenvaͤter in Frankreich. §. 328. fir Geſetzgeb. r Vormuͤnder. 5. 21— 26. ſeiner Glaͤubiger oder anderer Intereſſen⸗ wenn er einen Thatumſtand in Erfah⸗ Der R g des Familienraths zu er⸗ dem Friedensrichter den fordert, anzuzeigen ²). densrichter zur Zuſammenberufung des nder Anzeige verſchieden. Pflicht wegen das Geſuch⸗ h um den Erfolg zu bekuͤmmern. equirent ſorgt ſelbſt fuͤr die n dem Orte ſeine Dienſtgeſchäfte ver⸗ muß, ein Paͤchter der S. Art. 160. 169. 193. Der Requirent verfolgt ſeines Der Denunciant beſchraͤnkt Hieraus folgt Inſinuatlon der Nach dem Franzoͤſiſchen Gerichtsſtyle erlaͤßt der §. 329. d. h. eine Erlaubniß zur Ladung. ficiren. Der Denunciant erwirbt Almendingen S. 211. u bey deſſen Zuſammenſetzung nicht willkuͤhrlich tze beſtimmten Perſonen erwählen⸗ dem Friedensrichter beſtehen, Yy 2 ſechs Art. 406. aus Art. 407. Erſtes Buch. Zehnter Titel. ſechs Berwandten oder Verſchwaͤgerten. Dieſe ſollen ausgewaͤhlt werden: I. unter denen, welche in dem Umkreiſe von zwey Myriametern(vier Stunden) wohnen, und zwar II. halb aus der vaͤterlichen und halb aus der muͤtterlichen Lkinie. Der dem Grade nach naͤchſte muß in jeder kinie erwaͤhlt werden; im Falle der Gleichheit des Grades wird der Verwandte dem Verſchwaͤgerten, und unter Verwandten deſſelben Grades der aͤltere dem juͤngern vorgezogen. 5. 330. Fortſetzung. Art. s. Bey der Zuſammenſeßung des Familienraths iſt zu bemerken: I. Obgleich er eigentlich nur aus dem Friedensrichter und ſechs Ver⸗ wandten beſtehen ſoll, ſo tritt dennoch in ſo fern eine Ausnahme ein, als mehrere vollbuͤrtige Brüder des Minderjährigen, oder Ehegatten vollbuͤrtiger Schweſtern deſſelben vorhanden ſind; denn wenn deren ſechs oder mehrere vorhanden ſind, ſo ſind ſie alle Mitglieder des Familien⸗ raths, und bilden denſelben dann allein mit den verwittweten Aſcendentin⸗ nen ¹) und den Aſcendenten, welche von der Vormundſchaft guͤltig ent⸗ ſchuldigt ſind ²). Sind ihrer weniger als ſechs, ſo werden die öbrigen Verwandten nur berufen, um die Zahl der Mitglieder voll zu machen. Rlle Bruͤder, Schwaͤger und Aſcendenten oder deren Witwen gehoͤren naͤmlich in die Verſammlung des Familienraths, ohne Ruͤckſicht auf ihre Anzahl, oder ob ſie von vaͤterlicher oder muͤtterlicher Seite verwandt ſind. Art. 4o9. II. Finden ſich an dem Orte ſelbſt, oder in den Umkreiſe von zwey My⸗ riametern keine Verwandten oder Verſchwaͤgerten der einen oder der andern Linie in hinlaͤnglicher Anzahl, um den Familienrath bilden zu konnen, „ ſo beruft der Friedensrichter entweder Verwandte oder Verſchwaͤgerte, die in einer weitern Entfernung wohnen, oder auch Staatsbuͤrger aus derſelben Gemeinde, die mit dem Vater oder der Mutter in einem dauern⸗ den Freundſchaftsverhältniſſe geſtanden haben 3). Das naͤmliche wuͤrde der Fall ſeyn, wenn z. B. nur ſechs Verwandten muͤtterlicher Linie vor⸗ handen waͤren. In dieſem Falle wuͤrde man nur drey von ihnen, und grt. 10. drey Freunde des Vaters berufen koͤnnen, und ſo umgekehrt ¹). III. Auch wenn an dem Orte ſelbſt eine hinlängliche Anzahl von Verwandten oder Verſchwaͤgerten vorhanden iſt, ſo kann dennoch der Friedensrichter er⸗ lauben, daß andere, auch noch ſo entfernt wohnende Verwandte— er⸗ Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipatiom 357 Verſchwaͤgerte hinzuberufen werden; nur muͤſſen dieſelben naͤhern, oder doch wenigſtens deſſelben Grades ſeyn, als die anweſenden. Von dieſem letztern müſſen dann in dieſem Falle einige ansfallen, damit die oben . genannte Zabl, vorausgeſetzt, daß die unter Nr. I. enthaltene Ausnahme nicht eintritt, nicht uberſchritten werde 3). 1)„Les veuves gaſtendans.“ Sehr richtig bemerkt dagegen DErvIMCOURT Inſtitutes. T. I. p. 217. daß dieſes erklärt werden muͤſſe? les aſcendantes veuves, die verwitweten Aſcendentinnen, da es nicht die Intention des Geſetzgebers geweſen ſeyn koͤnne, auch die zweyten Frauen der Aſeendenten in Hinſicht der Kinder erſter Ehe zu Mitgliedern des Familienraths zu berufen.— ueber die Zuſammenſetzung des Familienraths der kaiſerlichen Familie ſ. Statut de famille. tit.ʒ. und tit. I. art. IF⸗ 13. bey SaarpErD Recueil. T. I. p. 40I. 2) Man kann naͤmlich nicht zugleich Vormund und Mitglied des Familienraths . oder Obervormunds ſeyn. Wohl aber kann der Gegenvormund Mitglied des Familtenraths ſeyn⸗ Caſſattonshof bey DENEVRRS Journal des audiences de la eour de caſſation. Am XIV. P. 635 F 3) Der Friedensrichter muß in, dieſem Falle die Freunde ih Ermangelung der Ver⸗ wandten vorſchlagen; nicht aber die Perſon, welche die Zuſammenberufung eines Familienraths verlangt, da in dieſem letztern Falle eine Colluſion entſtehen könnte. Appellhof zu Beſangon in SIRPx Journal général. 1809. P. IE. p. 158. 2 4) Ebenfalls können, wenmin einer Linie Verwandte fehlen, zu deren. Ergaͤnzung nicht Verwandte der andern Linte berufen werden, ſondern nur Freunde des 4 Verſtorbenen. BropcRRr F. 21. Laſſaulx Geſetzgeb. Nav. Th. Il. S. 325. 5 DrLvINcouRT Inſtitutes. T. I. p. 218 not 3. Andrer Meynung ſind die Pandeet es ſrangaiſex. TMW. p 496— Nichtig iſt dagegen ein Familien⸗ rath, der aus ſechs Verwandten und einem Freunde, alſo, zuſammen aus ſieben Perſonen, dlie nicht alle Verwandte ſind, zuſammengeſett iſt. Appellhof zu Amiens in Jurisprudence. F.V. P 216.. 5) Zu bemerken iſt, daß uͤberhaupt die Regeln uͤber Zuſammenſetzung des Fami⸗ lienraths ſich nur auf eheliche und legitimirte Kinder beziehen. Das unehellche Kind hat, wenn es anerkannt iſt, nur ſeine Eittern als Verwandten zu be⸗ trachten, und muß daher der Familienrath aus Freunden beſtehen; eben ſo iſt es bey dem nicht anerkannten Kinde zu beobachten⸗ Caſſationshof in Juriprudence. T. VII. p. 457. * S. J3 z. Zuſammenkunft des Familienraths. Die Zeit des Erſcheinens muß vom Friedensrichter auf einen he⸗ Art. a1r. ſtimmten Tag feſtgeſetzt werden. Dieſer muß jedoch ſo beſtimmt werden, F 5 daß — F— — X — 358 Eerſtes Buch. Zehnter Titel. zwey Myriametern ſich aufhalten, zwiſchen der Inſinuation der Vor⸗ ladung ¹), und dem Tage des Erſcheinens, eine Zwiſchenzeit von wenig⸗ ſtens drey freyen Tagen, bey denen weder der Inſinuationstag noch der Tag des Erſcheinens mitgezaͤhlt wird, uͤbrig bleibt. So oft ſich hingegen unter den Vorgeladenen einige befinden, welche uͤber dieſen Umkreis hinaus ihren Wohnſitz haben, ſo muß fuͤr jede drey Myriameter der Entfernung ein Tag der Friſt zugeſetzt werden; und zwar wird dieſes ſo berechnet, daß, wenn z. B. jemand vier Myriameter entfernt iſt, er dennoch einen Tag Friſt erhält, da er eigentlich füͤnfe hätte entfernt ſeyn muͤſſen; oder wer ſechs Myriameter entfernt iſt, drey Tage, u. ſ. w. Att. 412. Hierbey iſt zu bemerken: I. Die auf dieſe Art berufenen Verwandten, Verſchwaͤgerten oder Freunde ſind ſchuldig, entweder in Perſon zu er— ſcheinen, oder durch einen hierzu beſonders Bevollmaͤchtigten ²) ſich ver⸗ treten zu laſſen; doch darf der Bevollmaͤchtigte nicht mehr als Eine Perſon vertreten, weil ſonſt dieſe Erlaubniß, welche das Geſetz giebt, Art. 413. Anlaß zu deſſen Umgehung geben koͤnnte. II. Erſcheint einer der Beru⸗ fenen nicht, ohne daß er eine geſetzliche Entſchuldigungsurſache hat, ſo verfaͤllt er in eine Geldſtrafe, die nicht über funfzig Franken betragen . darf, und die der Friedensrichter, ohne daß gegen ſeine Verfuͤgung Appel— lation eingewandt werden kann, anſetzt. Die Oppoſition iſt jedoch gegen dieſelbe wie gegen jedes andere Contumacialerkenntniß zuläſſig. In dem⸗ ſelben Erkenntniſſe muß der Friedensrichter das ausbleibende Mitglied zum zweytenmal auf einen beſtimmten Tag laden, und die Verſammlung des Familienraths auf Koſten des Ausgebliebenen auf denſelben anſetzen; und zwar unter Androhung derſelben Strafe 3). kaͤßt der Nichterſchei⸗ nende durch einen Andern Entſchuldigungsgruͤnde vortragen, ohne jedoch . einen Specialbevollmaͤchtigten zu beſtellen, ſo haͤngt die Wuͤrdigung der⸗ ſelben von dem Ermeſſen des Friedensrichters ab; und zwar hat er ſich bey deren Beurtheilung analogiſch nach dem zu richten, was das Geſetz uͤber die Entſchuldigungsgruͤnde von der Vormundſchaft beſtimmt hat. Art. 414. Haͤlt der Friedensrichter den Nichterſchienenen fuͤr binlaͤnglich entſchul— digt ⁴), ſo faͤllt natüͤrlich die Strafe weg. In dieſem letztern Falle hat er zu uͤberlegen, ob die Familienverſammlung gebalten werden, oder ob man das abweſende Mitglied noch abwarten(d. be erwarten ſolle, bis deſſen Verhinderung anfgehort habe) oder ob man es durch zi andern erſetzen ſolle?). In beyden Faͤllen kann der Friedensrichter entwe⸗ daß wenn die Vorgeladenen in der Gemeinde oder in dem Umkreiſe von Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 359 entweder die Zuſammenkunft ausſetzen, oder einen andern Zeitpunet be⸗ ſtimmen. Dieſes Recht hat er ebenfalls, wenn das Intereſſe des Min⸗ derjährigen es zu heiſchen ſcheint. IIHI. Der Ort, wo der Familienrath Art. 41. zuſammen kömmt, iſt geſetzlich bey dem Friedensrichter; doch kann der⸗ ſelbe auch einen andern Ort beſtimmen, wo die Zuſammnenkunft ge⸗ ſchehen ſoll. 1) Die Ladung muß mithin durch einen Huiſſier, und kann nicht durch ein Cir⸗ culatre geſchehen. Anderer Meynung ſind jedoch einige Franzöſiſche Gerichtshofe. 2) D. h. die Specialvollmacht braucht z. B. nur zu enthalten:“ daß N. die Vollmacht habe, bey der auf den 6. Aug. 1809. feſtgeſetzten Verſammlung ihn zu vertreten, und in ſeinem Namen uͤber die daſelbſt vorkommenden Gegenſtaͤnde abzuſtim⸗ men*— Nie bedarf es aber bey jedem einzelnen Gegenſtande einer neuen Voll⸗ macht. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 333. 3) Caſſaulx Geſetzgeb Nap. comment. Th. I. S. 332. 4) Wer unfähig iſt, Mitglied des Familienraths zu werden? darüber ſ. Art. 442. 5) So ſind die Worte des Art. 414:„'il y a excuſe fuffiſaute, et qu'il con- vienne, foit d'attendre le membre abſent,[oit de le remplacer— zu er⸗ klaͤren, denn aus Art 415. erhellt, daß die Abweſenheit einiger oder mehrerer Mitalieder die Berathſchlagung nicht verhindere. Richtig uͤberſetzt daher Erhard? „Iſt eine hinlaͤngliche Entſchuldigung vorhanden, und iſt es rathſam, das abweſende Mitglied zu erwarten, oder es zu erſetzen, ſo kann“— LCaſſaulx: und iſt es ſachdienlich, entweder— oder—“ Blanchard:«und iſt es rathſam, entweder— oder“ Etwas undeutlicher die Weſtphalica:“und man es doch rathſam findet, das abweſende Mitalied entweder— oder—“ Die lateiniſche Ueberſetzung: Si abſentiae cauſſa ſatis idomea ſit, et vel abſentem erſpectare, vel alium eidem ſubſtituere expedist— Spielmann dagegen: und iſt es entweder rathſam, das abweſende Mitglied zu erwarten, oder aber es zu erſetzen“ ſo daß er den oben angefuͤhrten Fall auszuſchließen ſcheint. S. aber Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 331 ff. 5. 332. 5. Berathſchlagungsart des Familienraths. I. Von den Zuſammenberufenen muͤſſen wenigſtens drey Viertel Friedensrichter iſt Präſident des Familienraths. Seine Stimme wird mitgezählt, und giebt bey Stimmengleichheit den Ausſchlag 2).— Ueber die Berathſchlagung wird ein Protocoll abgehalten, welches der densrichter und deſſen Greffier unterſchreibt. Hierbey iſt zu bemer⸗ ke 1) In allen Faͤllen, wo die Beſchluſſe des Familienraths nicht 8 ein⸗ erſcheinen, wenn ein guͤltiger Beſchluß ſoll gefaßt werden ¹). 11. Der urt. 416. 360 4— Erſtes Buch. Zehnter Titel.„ einſtimmig gefaßt werden, muß die Meynung eines jeden Mitglieds deſ⸗ ſelben in dem Protocolle angegeben werden. Sowohl der Vormund, Gegenvormund oder Curator, als auch die Mitglieder des Familien⸗ raths ſelbſt, konnen ſich gegen den gefaßten Schluß an das Tribunal wenden, und haben alsdann gegen diejenigen Mitglieder, nach deren Meynung der Schluß gefaßt wurde, ihre Klage zu richten. Die Sache wird ſodann ſummariſch([ommairement) entſchieden. 2) In allen den Fällen, wo der Beſchluß des Familienraths einer gerichtlichen Beſtaͤtigung bedarf 3), iſt eine Ausfertigung deſſelben dem Praͤſidenten des Diſtriets⸗ gerichts, unter dem der, uͤber welchen der Familienrath zuſammenberufen wurde, ſeinen Wohnſitz hat, vorzulegen; der Praͤſident verordnet ſodann, mittelſt einer unter den erwaͤhnten Beſchluß geſetzten Verfuͤgung, deſſen Mittheilung an den kaiſerlichen Procurator, und ernennt einen Richter zum Vortrage der Sache an einem beſtimmten Tage. Der kaiſerliche Procurator ſetzt ſeinen Anträg unter die naͤmliche Verfuͤgung, und unter dieſen Antrag wird auf dieſelbe Art das Beſtätigungsurtheil im Original eingetragen. Wuͤrkt in dieſem Falle der Vormund, oder der welcher beauftragt iſt die Beſtätigung auszuwirken, dieſes Urtheil waͤhrend der durch den Beſchluß vielleicht beſtimmten Friſt, oder in Ermangelung einer ſolchen Beſtimmung, waͤhrend vierzehn Tagen, nicht aus, ſo kann eines der Mitglieder des Familienraths die Beſtaätigung gegen den Vormund, und auf deſſen Koſten, ohne daß derſelbe ſie erſetzt bekömmt, auswirken⸗ Glauben einige Mitglieder des Familienraths der gerichtlichen Beſtaͤtigung widerſprechen zu muͤſſen, ſo muͤſſen ſie davon durch eine Anzeige dem⸗ jenigen Rachricht davon geben, der dieſelbe auswirken ſoll. Dieſe ge⸗ ſchieht mittelſt einer Inſinuationsurkunde eines Huiſſiers. Daſſelbe können Mitglieder thun, welche nicht zur Beratbſchlagung mit vorgeladen waren, jedoch mittelſt des Rechtsmittels der Oppoſition. 3) Die Erkenntniſſe uͤber einen Beſchluß des Familienraths ſind der Appellation unterworfen, ohne Ruͤckſicht auf das Vorhandenſeyn einer appellabeln Summe 4). 2) Aus 6 iſt 4 jedoch keine ganze Zahl. Allein wenn der zu Bevormundende mehr als 6 Brüder und Schwäger hat, auch allenfalls Witthen ſeiner Aſcendenten vor⸗ handen ſind, ſo gehoͤren alle dieſe Perſonen in den Familienrath In dieſem Falle muͤſſen doch immer 2 der zuſammengerufenen Individuen ſich wirklich verſammelt haben. Gönner a. a. O. S 2) So iſt Art. 416 zu erklären. Sehr richtig uberſetzt Daniels:“ſeine Stim⸗ me wird mitgetaͤhlt und giebt den Ausſchlag.“ Laſſaulr, Spielmann, Erhard ſtimmen mit der obigen Erklaͤrung öberein. v⸗ Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 361 S 217. ſagt dagegen minder richtig, der Friedensrichter habe in der Regel nur eine herathende, keine zaͤhlende Stimme; denn das Wort delibérative iſt dem Worte conſultative entgegengeſetzt. S. Dictionnaire de lacademie h. v. und bedeutet avoir droit de fuffrage dans une ſociété. Die Weſtphalica hat dagegen mit Recht Daniel's Ueberſetzung adoplirt; mithin muß in Weſtphalen die Stimme des Friedensrichters immer mitgezählt werden, ob ſie gleich erſt dann entſcheidend wird, wenn Stimmengleichheit eintritt. S. auch Laſſaulx Ge⸗ ſetzgeb. Nap. Th. II. S. 339. Goͤnner a. a. O. 3) Dieſe Fälle zählt Art. 454 ff. auf. 4) Code de procedure fraugois art. 882— 889. Meſlhhalien art 816— 822. pI6Rau Procédure devant les tribunaux. T. III. OEsTERLEv practiſche Erlauterung der Weſtphäliſchen Proceſsordnunt Th. III. Ernennung des Vormunds. In einer ſolchen Zuſammenkunft des Familienraths wird dann auch, wie oben geſagt iſt, der Vormund ernannt. Sollte derſelbe bey der Wahl nicht gegenwaͤrtig geweſen ſeyn, ſo muß ſie ihm durch das Mitglied des Familienraths, welches der letztere dazu beauftragt, bekannt gemacht werden, und dieſes zwar binnen drey Tagen, nachdem der Beſchluß ge⸗ faßt iſt, mit Hinzurechnung eines Tages fuͤr jede drey Myriameter der Entfernung zwiſchen dem Orte, wo ſich der Familienrath verſammelt bat, und dem Wohnſttze des Vormunds 1). 1 Cod⸗ de procedure frangois art. 887. WMeſtphalien art. 319. S. 334 Specialvormund. Außer dem wahren Vormund ernennt der Familienrath zugleich einen controllirenden Gegenvormund, von dem in dem fuͤnften Ab⸗ ſchnitte die Rede ſeyn wird, und einen Specialvormund(Protu- teur) ¹). Dieſer letztere wird jedoch nur in dem Falle erwaͤhlt, wenn Art. 417. der Minderjährige zwar im Lande ſeinen Wohnſitz hat, aber in den Colonien Vermögen beſitzt; oder umgekehrt, wenn er in den Colonien wohnt, und im Mutterlande Vermögen hat. Sollte ein ſolcher Fall eintreten, ſo haͤngt der Specialvormund nicht von dem wahren oder Haupt⸗ vormunde ab; beyde ſind vielmehr vollig unabhaͤngig, und fuͤr ihre Verwaltung gegenſeitig nicht verantwortlich. Spangenbergs Commentar Bd.l. 33 1) Die⸗ — 362 Erſtes Buch. Zehnter Titel. 1) Dieſer iſt nur Protuteur in Rückſicht des Vermögens; nicht in Hinſicht der Perſon des Pupillen. DEILvINCopRT Inſtitutes. T. I. p. 26. 3815 §. 33. Wirkungen der Ernennung. Da der Familienrath, ſowohl eine Perſon aus ſeiner eigenen Mitte heraus ¹), als auch einen Abweſenden zum Vormunde erwählen kann, Art. a1s. ſo handelt und verwaltet der Vormund von dem Tage ſeiner Ernennung an, wenn dieſelbe in ſeiner Gegenwart geſchehen war, oder aber, wenn er abweſend geweſen war, von dem Tage an, wo ihm die Ernennung Art. 419. bekannt gemacht worden iſt. Die Vormundſchaft iſt zwar ein perſoͤn⸗ liches Amt, und geht mithin auf die Erben des Vormundes nicht uͤber, doch ſind ſie fuͤr die Verwaltung deſſelben verantwortlich, und zum Scha⸗ denserſaß verpflichtet. Sind ſie volhlährig, ſo muͤſſen ſie die Vormund⸗ ſchaft bis zur Ernennung eines neuen Vormunds 3) fortfuͤhren. 1) In dieſem Falle bedarf es keiner neuen Ernennung eines Mitglteds des Famk⸗ lienraths an die durch die Ernennung des Vormunds erledigte Stelle. Vielmehr beſteht dann der Familiemrath nur aus fuͤnf Perſonen, welches erlaubt iſt, da nach Art. 415. eine ſolche geringere Zahl der Glieder. berathſchlagen kann. BrorcREr. a. a. O. Anderer Meynung iſt Caſſaulr Geſetzgeb. Nap. comment. Th. 1I. S. 344. not. 5. 2) Im erſtern Falle hort jedoch derſelbe auf, Mitglied des Familienraths zu ſeyn. S. 5. 330 not. 2. 2½3 3) Sie koͤnnen um dieſes zu erlangen die Zuſammenberufung eines Famillenraths nachſuchen, und gehören in ſo fern unter die parties intereſſes, deren im Art. 406. Erwaͤhnung geſchieht. Fuͤnfter Abſchnitt. Von dem Gegenvormunbde. §. 336. Be gri ff. Gegenvormund(Nebenvormund, Streitvogt, tuteur ſubrogè) iſt diejenige Perſon, welche theils die Aufſicht uͤber die Verwaltung des Bormundes hat, theils das Intereſſe des Minderjährigen in den Faͤllen be⸗ wahrt, wo es mit dem Privatintereſſe des Vormunds in Colliſion koͤmmt. Ein — — 77 — Von d. Minderjaͤhrigkeit⸗ Vormundſchaft u. Emancipation. 363 Ein Gegenvormund oder controllirender Vormund muß bey jeder ¹) Art. z20. Vormundſchaft ernannt werden, ſelbſt bey der natuͤrlichen 2). 1) Sogar kann dem Vater noch bey Lebzeiten der Mutter ein Gegenvormund geſetzt werden⸗ Vermé beßtzt ſolches; an dem der Vater den Nießbrauch hat. Man unterſcheide naͤmlich: 1. Das Kind beſitzt kein eigenes gen, ſo iſt die Ernennung eines Gegenvormundes nicht nöthig. 11 Es In dieſem Falle uͤbt er entweder Verwaltungshandlungen aus;— dann bedarf es der Ernennung eines Gegenvormundes nur in dem im Art. 4S33. beruͤhrten Falle; oder er will uͤber das Capital des Vermögens diſponiren, ſo bedarf es hiezu einer Autoriſation des Familienroths, und mithin der Ernennung eines Gegenvormunds. MI. Es beſitzt eigenes Vermoͤgen, an dem der Vater keinen Nießbrauch hat, ſo muß immer ein Gegenvormund ernannt werden. Th. II. S. 88 ff. MarvIrIE Analyſe ad art. 420. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. comment. DRIvINCOURT luſti- tutes. T. I. p. 236. 2) Auch dem Sprcialvormund oder Protuteur muß ein Gegenvormund geſetzt werden; ingleichen der Mutter, ob ſie gleich nach Art. 39T. einen Beyſtand erhielt. Laſſaulr Handbuch fuͤr Vormuͤnder§.. Adminiſtratoren der einzelnen Guͤter, zweifelt ZacRARAß Nie aber den elnzelnen da dieſe keine Vormuͤnder ſind. Dennoch Haudbuch. Th. I. S. 59. not. 2. 5. 337. Ernennuug. Seine Ernennung geſchiebt entweder auf Anſuchen des ernann⸗ ten Vormundes, oder von Amts wegen gleichzeitig mit der des Vor⸗ mundes. und geſetzmaͤßigen Vormundſchaft. dieſem Falle, noch vor Antretung Ernennung des Gegenvormundes dieſe Förmlichkeit beobachtet zu haben, koͤnnen ebenfalls der Friedensrichter von menberufen, und durch denſelben ſetzen laſſen. nicht ſelbſt auf die Beſtellung eines ſucht. 1— Aaſſen, unterlaſſen, z. ſeine eigenen Forderungen zur Strafe genommen, un I. Das erſtere tritt ein bey der natuͤrlichen, teſtamentariſchen Art. aar. Der berufene Vormund muß in ſeines Amtes, einen Familienrath zur zuſammenrufen laſſen. Hat er, ohne die Verwaltung uͤbernommen, ſo Gläubiger oder andere Intereſſenten, ſo wie Amtswegen einen Familienrath zuſam⸗ dem Vormunde einen Gegenvormund Zu gleicher Zeit werden die Bewegsgruͤnde, warum er Gegenvormunds gedrungen hat, unter⸗ Hat er dieſes aus Unkunde oder Mangel an Erfabrung unter⸗ ſo wird ihm nachgeſeben; hat er es dagegen aus boͤſer Abſicht B. um Vermögensſtuͤcke des Pupillen zu unterſchlagen, einzutreiben, ſo wird ihm die Vormundſchaft d ein anderer Dativvormund in ſeine Stelle 3 2 ernannt. die Verwandten, — t 3 Art. 423. 6 Art. 424. Art. 425. Art, 426. Erſtes Vuch. Zehnter Titel. ernannt. Auch muß er dem Minderjaͤhrigen allen demſelben zugeſugten Schaden erſetzen. II. Gleichzeitig wird der Vormund beſteilt bey der Dativvormundſchaft, jedoch ſo, daß der Hauptvormund zuerſt, und der controllirende Vormund unmittelbar nach ſeiner Ernennung gewählt wird.— Wuͤrde der Hauptvormund aus den Mitgliedern des Familien⸗ raths erwaͤhlt, ſo darf er zur Ernennung des Gegenvormunds, um Col⸗ luſionen mit demſelben zu vermeiden, nicht coneurriren. Iſt der Vor⸗ mund ein Verwandter des Pupillen von der vaͤterlichen Seite, ſo muß wo möglich ein Verwandter der muͤtterlichen Seite zum Gegenvormunde ernannt werden, da es nie zuläſſig iſt, beyde aus einer Linie zu etwaͤhlen. Findet ſich unter den Verwandten der andern kinie kein taugliches Subject, ſo muß ein Freund der Aeltern des Minderjährigen, zum Gegenvormunde ernannt werden*). In Anſehung des vollbuͤrtigen Bruders macht das Geſetz eine Ausnahme. Ihm kann in jedem Falle die Gegenvormund⸗ ſchaft uͤbertragen werden. 1) LocRß Eſprit. T. vI. p. 143. Laſſanlx Geſotzgeb. Nop. comment. Th. HI. S. 343. not. g. Der Gegenvormund kann bey allen Gelegenheiten, wo das Intereſſe des Minderjaͤhrigen nicht mit dem des Vormunds eollidirt, Mitglied des Familienraths ſeyn. Caſſattonshof ebendaſelbſt. Andrer Meynung iſt BroEcRR. a. a. O. wenigſtens haͤlt er es für nicht rathſam. §. 338 Wirkungen. Der Gegenvormund hat ſich zwar nicht in die Adminiſtration des Hauptvormundes einzulaſſen; aber er hat deſſen offenbare Unfaͤhigkeit oder Untreue beſtaͤndig anzuklagen, und auf deſſen Entſetzung anzutragen ¹). Nie aber kann dieſes der Hauptvormund thun oder dazu ſtimmen. Wird die Vormundſchaft erledigt oder durch Abweſenheit des Vormunds auf⸗ gegeben, ſo muß der Gegenvormund auf Ernennung eines neuen Vor⸗ munds, und zwar bey Strafe alles Schadenserſatzes, antragen. Rie kann er in dieſem Falle kraft des Geſetzes in die Stelle des alten treten, ob ihn gleich der Familienrath zum Vormunde, und einen andern zum Gegenvormunde ernennen kann. Uebrigens ſind die im ſechsten und ſiebenten Abſchnitte enthaltenen Verfuͤgungen auch auf den Gegenvormund anwendbar. 2) Iſt der Gegenvormund fuͤr die Veruntrenungen des Vormundes verantwort⸗ lich? Freylich, inſofern er ſich bey der Controle uͤber denſelben hat Nachlaͤſſig⸗ keiten ———————— —— S Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 365 P keiten zu ſchulden kommen laſſen. Man kann jedoch nicht behaupten, wie Bloöchel a. a. O. thut, daß deshalb ſein Vermoͤgen mit einer geſetzlichen Hy⸗ pothek belaſtet ſeye, da etne ſolche nur kraft einer ausdruͤcklichen Verordnung des Geſetzes ſtatt findet, und dirſe hier fehlt. Sechster Ab ſchnitt. Von den uUrſachen die von der Vormundſchaft befreyen. §. 339. Im allgemeinen. Die urſachen welche von der Uebernahme der Vormundſchaft be⸗ freyen, haben eine dreyfache Quelle. Einige naͤmlich entſpringen aus dem Intereſſe des Staats oder des oͤffentlichen Dienſtes, andere beruben auf natürlicher vom Geſetze anerkannter Billigkeit; noch andere ſind aus dem Intereſſe des Pupillen ſelbſt hergenommen. Einige von ihnen be⸗ freyen von der Uebernahme der Vormundſchaft, ohne zur Niederlegung der bereits üͤbernommenen zu berechtigen, andere befreyen zu jeder Zeit, ſelbſt von der Laſt der uͤbernommenen, wie wir bey Aufzaͤblung der ein⸗ zelnen Urſachen erſehen werden. Uebrigens ſind alle in dieſem Abſchnitte abgehandelten Entſchuldigungsgründe freywillige(excuſfationes volun- tariae), ſo daß ſie der Berechtigte nicht vorzuſchuͤtzen braucht, wenn er die Vormundſchaft uͤbernehmen will, und hierdurch unterſcheiden ſich einige derſelben von aͤhnlichen des Roͤmiſchen Rechts, welche nothwendige waren, ſo daß der berufene Vormund die Vormundſchaft nicht einmal annehmen durfte, ſelbſt wenn er es wollte ¹). 1) Ob die Verfuͤgungen des ſechsten und ſtebenten Abſchnitts auch auf den Bey⸗ ſtand, den der Vater der uͤberlebenden Mutter geben kann, zu ziehen ſind? daruͤber ſtreitet man. BrocRRI a. a. O.§. 30. bejaht es, weil er ſich wie ein wahrer Vormund verhalte, obgleich der Mutter, um ſie nicht zu beleidigen, der Nahmen einer Vormuͤnderin gelaſſen ſey. Laſſaulx dagegen: Geſetzgeb⸗ Nap. comment. Th. II. S. 345. leugnet es, da die Entſchulbigung des angeord⸗ neten Beyſtandes die beabſichtigte Vorſicht des Vaters vereiteln wuͤrde⸗ I. Von den Entſchntbigungsgründen im allgemeinen. 7. Aus dem oͤffentlichen Dienſte entſpringende. Befreyt ſind von der Vormundſchaft, kraft der oͤffentlichen Aemter, Art. a7. die ſie bekleiden; I. Die im zten, Ften, 6ten, Sten, 9ten, 1oten und 33 1ten 366 Erſtes Buch. Zehnter Titel. xxten Titel der Conſtitutionsacte vom 18. May 1804 bezeichneten Per⸗ ſonen ¹). Dieſe ſind 1) die Glieder der kaiſerlichen Familie; 2) die Großdignitaire des Reichs(Großwähler, Erzkanzler des Reichs, Erz⸗ kanzler des Staats, Erzſchatzmeiſter, Connetable, Großadmiral) 2); 3) die Großoffiziere des Reichs(Reichsmarſchaͤlle, acht Inſpecteurs und Colonelsgeneraux der Artillerie, Ingenieure, Reiterey und Marinetruppen, die Civilgroßoffiziere der Krone ³)); 4) die Glieder des Senats; 5) die Staatsraͤthe; 6) die Glieder der geſetzgebenden Verſammlung, und ehemals 7) die Glieder des jetzt eingegangenen Tribunats. II. Die Richter bey dem Caſſationsbofe, der kaiſerliche Generalprocurator bey demſelben und deſſen Subſtituten. 1II. Die Commiſſaire des kaiſerlichen Rechnungsweſens 4). IV. Die Praͤfecten. V. Alle Staatsbuͤrger, welche in einem andern Departement, als worin die Vormundſchaft angeordnet Art. a2s. wird, ein öffentliches Amt*) bekleiden. VI. Die Militairperſonen im wwrirklichen Dienſte), und alle andere Staatsbuͤrger, welche außer dem Art. 429. Staatsgebiete 7) einen Auftrag des Kaiſers vollziehen. Iſt der Auftrag nicht öſſentlich, und wird er in Zweifel gezogen, ſo ſoll auf die Be⸗ freyung erſt alsdann erkannt werden, wenn der, welcher ſie vorſchuͤtzt, ein Zeugniß des Miniſters uͤber die Sendung beybringt, zu deſſen Ge⸗ ſchaͤftskreiſe der als Befreyungsurſache vorgeſchuͤtzte Auftrag gehoͤrt. 1) S. SaarPnID Recueil. T. I. p 344 ff.— Der Art. 428. mußte natuͤrlich fuͤr Weſtphalen geaͤndert werden. Er heißt daher folgendermaaßen:»befreyt von der Vormundſchaft ſind: die im zten, Ften, 6ten und 7ten Tltel der Lon⸗ ſtitution des Koͤnigreichs Weſtphalen vom 15. November 1807 genannten Per⸗ ſonen.“ Dieſe ſind: 1) die koͤnigliche Familie; 2) die Miniſter; 3) die Staats⸗ raͤthe; 4) die Reichsſtaͤnde. Auffallend iſt es, die Richter des Caſſationshofes nochmals aufgezaͤhlt zu finden, da doch der Staatsrath die Functionen deſſelben verſieht. Aber vielleicht wird beydes einmal getrennt. 2) Dieſen ſind noch hinzugeſetzt: der Generalgobverneur der Departements ſenſelts der Alpen, der Generalgouverneur Großherzog von Toscana, der ViceGroß⸗ waäͤhler und Vice⸗Connetable. Senatusconſulte vom 2. Febr. und Marz 1808. 3) Dieſe ſind: der Großalmoſenier, der Grohkammerherr, der Großmarſchall des Pallaſtes, der Großſtallmeiſter, der Großjaͤgermeiſter, der Großceremonien⸗ meiſter, der Großcanzler und der Groß ſchatzmeiſter der Ehrenlegion. 4) De la comptabilité impériale“ Jetzt heißt ſie: la cour de comptes. SEIDENsTIcRER Einleitung in den Code Napoléon S. 21I. not. 8. Das Geſetz vom 16. September 1807 hat dieſe Cour eingeſetzt. Sie beſteht aus einem erſten Praͤſidenten, dreyen Praͤſidenten der drey Senate, in welche ſie zerfällt, aus maitres de comptes, Referendarien, einem Generalprocurator und . 5 Von d. Minderjshrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation, 367 und einem Greffier. Ob olle dieſe Glieder dieſe Befteyung von der Vormund⸗ ſchaft genleßen, loßt ſich ehnr authentiſche Ititerpreiation nicht beſtimmen. 3) Ein öffentliches Amt iſt jedoch nur ein ſolches, welches dem, welcher es be⸗ kleidet, einen oöffentlichen Character ertheilt, in welchem er von der Staats⸗ aewalt anerkannt, und fuͤr welches er vereidet iſt. Mithin find weder die Employés in den Bureaux der Admintſtration, noch die Secretaire der Mairien offenrliche Beamte. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. Il. S. 350. Wohl aber die Religionsdiener, welche Pfarreyen und Filialen vorſtehen, oder überhaupt mit religisſen Verrichtungen beauftragt ſind, welche ſie zum Aufenthalte an . einem beſtimmten Orte verpffichten, in welchen ſie vom Kaiſer anerkannt, und fur welche ſie vereidet ſind. Avis du conſeil dEtat du 2o. Nov. 1606. in Jurisprudence. T. VII. p. a32. Die bloße Emtfernung des Wohnorts des Vormunds, ohne daß er in offentlichen Dlenſten ſteht, giebt keine guͤltige Ent⸗ ſchuldigung ab, ob man gleich zur Wahl eines entfernten Vormundes nur im ͤußerſten Nothfalle ſchreiten darf, da ſowohl er, als der Minderjaͤhrige die Koſten der Reiſen zu tragen haben. 6) LocRf Ffprit. T. VI. p. 165. behauptet daher, daß als unfaͤhig reformirte Militairperſonen, und ſolche, welche ihrer Retraite erhalten haͤtten, nicht mehr berechtlat ſeyen dieſes Recht in Anſpruch zu nehmen. Laſſaulr Geſetzgeb⸗ Map. Th. II. S. 351. behauptet jedoch das Gegentheil, weil reformirte Soldaten„ auf den erſten Ruf zu ihren Fahnen zurückkehren muͤſſen, wenn ſie nicht ihren 4 endlichen Abſchied bekommen haben. ZacKARIAB Handbuch. Th. I. S. 68. will unter militaires auch andere bey der Armee angeſtellte Perſonen verſtehen. 7) Doch wird der Artikel auch dann anwendbar ſeyn, wenn jemand nach den Colonien geſandt wird. DRtvINcovnr Inſtitutes. T. I. p. 231. .—— 5. 341. Umfang der vorgenannten Befreyungsurſachen. Die in dem vorigen Paragraphen aufgezählten Befreyungsurſachen befreyen ſowohl von der zu uͤbernehmenden, als von der uͤbernommenen Tutel. Nur iſt hierbey zu bemerken: J. Sie befreyen dann nicht von Art. a30. der uͤbernommenen Vormundſchaft, wenn diejenigen, die eine ſolche Ur⸗— ſache vorſchuͤten konnten, die Tutel ſpaͤter, als die davon befreyenden Amtsverrichtungen, Dienſte oder Auftrage uͤbernahmen, ſondern nur dann wenn ſie gleich anfangs, wie man zur Vormundſchaft berufen wurde, vorgeſchuͤtzt wurden. II. Diejenigen hingegen, welchen die erwaͤhnten Art. 431. Amtsverrichtungen, Dienſte oder Aufträge erſt nach der Uebernahme und Fuͤhrung der Vormundſchaft anvertraut wurden, koͤnnen dieſelbe nie⸗ derlegen. Sie müſſen in dieſem Falle binnen Monatsfriſt einen Fami⸗ lienrath zuſammenberufen laſſen, damit in demſelben ein andrer Vor⸗ 3. mund * —— 368 Erſtes Buch. Zehnter Titel. mund ernannt werde. UI. Nach Beendigung dieſer Amtsyerrichtungen, Dienſte oder Auftraͤge, tritt zwar der vorige Vokmund nicht von Rechts⸗ wegen in die Vormundſchaft zuruͤck. Aber ſowohl der neue oder Inte⸗ rimsvormund kann um ſeine Entlaſſung bitten, als auch der vorige die Vormundſchaft zuruͤckverlangen; in dieſem Falle kann ſie demſel⸗ ben durch den Familienrath von neuem den Umſtaͤnden nach übertragen werden ¹). u vin En 1) Und zwar kann der erſte gezwungen werden hie Vormundſchaft wieder zu äber⸗ nehmen, wenn der neue Vormund um Entlaſſung bittet. Dann iſt es ganz gleichgültig, ob der erſte dieſelbe reclamtrt hat, oder nicht. BroßcRRt. a. a. O. MA.EvILILE Analyſe ad art. 431. ————————— 5——.— 2. Aus der natürlichen Billigkeit hervorgehende. Da es billig iſt, daß ein Familienmitglied oder ein Verwandter eber Art. 432. die Laſt der Vormundſchaft trage, als ein Fremder, ſo kann ein Staats⸗ buͤrger, der mit dem Minderjahrigen weder verwandt noch verſchwägert iſt, nur dann gezwungen werden, eine Vormundſchaft uͤber denſelben an⸗ zunehmen, wenn in dem Umfange von vier Myriametern(acht Stunden) ſich keine Verwandten oder Verſchwaͤgerten des Minderjaͤhrigen befinden, welche im Stande waͤren die Vormundſchaft zu fuͤhren ¹). 1) Dieſe Entſchuldigung kömmt nur dem Fremden zu ſtatten⸗ Der naͤher wohnende Verwandte eines tiefern Grades kann ſie nicht, in Hinſicht des ent⸗ fernten wohnenden eines naͤhern Grades gebrauchen, um dem letztern die Laſt der Vormundſchaft zuzuwaͤlzen. LocR Eſprit. T. VI p. 176. aus der Dis⸗ chſſien. §. 343. z. Aus dem Intereſſe des Pupillen hergenommene. Dem Intereſſe des Pupillen kann es nicht gleichguͤltig ſeyn, ob fuͤr daſſelbe ein thaͤtiger, und durch ſeine andere verwickelten Geſchaͤfte oder pbyſiſche Schwaͤchen verhinderter Mann wacht oder nicht; obgleich es der Beurtheilung des zur Vormundſchaft Berufenen anheim geſtellt wird, ob und wie fern die oben erwaͤhnten Umſtaͤnde ihn zur Fuͤhrung der Vor⸗ mundſchaft unfäbig machen. Mitbin kann: I. wer das fünf und ſechzigſte Jahr zuruͤckgelegt hat, die Vormundſchaft ausſchlagen. War er vor Zuruͤcklegung deſſelben mit der Vormundſchaft . Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 369 ſo kann er ſich in ſeinem ſiebenzigſten Jahre ¹) von der Vormundſchaft Art. a33. befreyen laſſen. Hat jemand dagegen nach Zuruͤcklegung des 6ßſten Jahres eine angetragene Vormundſchaft uͤbernommen, ſo wuͤrde er nach den Worten des Geſetzes dieſelbe im Foſten Jahre nicht niederlegen koͤnnen: eben ſo wenig, als wenn er ſie nach dem Foſten Jahre angetreten baͤtte. Da jedoch das Intereſſe des Pupillen bedeutend gefährdet werden koͤnnte, wenn er durch Altersſchwaͤche außer Stand geſetzt wuͤrde, die Vormundſchaft gehoͤrig zu fuͤhren, ſo kann er als unfaͤhig revocirt werden 2). II. Jeder der hinlaͤnglich beſcheinigen kann, daß er ſich in Art. 434. einem Zuſtande einer bedeutenden Kränklichkeit befindet, bleibt von der Uebernahme der Vormundſchaft befreyt. Er kann ſogar die Befreyung von derſelben verlangen, wenn dieſer Zuſtand ſeines Koͤrpers erſt nach ſeiner Ernennung eintrat. III. Zwey Vormundſchaften ſind fuͤr jeden, Art. a32. ohne Unterſchied, eine gerechte Urſache, eine dritte auszuſchlagen. Iſt er obendrein Vater(verehlicht oder unverehlicht, darauf kömmt nichts an) ³) oder Ehegatte(gleichviel ob er Kinder hat oder nicht), ſo kann er nur zur Uebernahme einer einzigen Vormundſchaft gezwungen werden. Er braucht dann keine zweyte anzunehmen, ausgenommen uͤber ſeine Kinder. IV. Wer fuͤnf ebeliche Kinder hat, iſt außer der Vormundſchaft uͤber Art. a36. ſeine eigenen Kinder von jeder andern befreyet*). Hierbey iſt zu bemerken: ) Rur ehliche, nicht aber unebliche oder adoptirte Kinder befreyen. 2) Auf das Geſchlecht der Kinder und ihr Alter koͤmmt nichts an. 3) Die Kinder muͤſſen ſchon gebohren, nicht bloß empfangen ſeyn, und noch leben. Nur in Hinſicht derer, welche im wirklichen Dienſte bey den Armeen des Kaiſers geſtorben ſind*), findet eine Ausnahme ſtatt; denn dieſe werden als lebend mitgezählt. Eine gleiche Ausnahme findet in Hinſicht der verſtorbenen Kinder ſtatt, welche noch lebende Nachkommen hinterlaſſen baben, denn auch dieſe Verſtorbenen werden unter die Zahl der Lebenden eingerechnet. 4) Die befreyende Zahl der Kinder muß ſchon bey dem Art. 437. Antrage der Vormundſchaft vollzaͤhlig ſeyn; werden dem Vormunde erſt waͤhrend der Vormundſchaft Kinder gebohren, ſo berechtigt ihn dieſes nicht dieſelbe niederzulegen. 1) So ſind die Worte des Art. 433. 3 ſoixante dix ans“ zu erklären, ſo daß das 7oſte Jahr nur angefangen zu ſeyn braucht. LocR Eſprit. T. VI. p. 184. Laſſaulr überſetzt daher:“mit ſiebenzig Jahren.“ Spielmann: in ſeinem ſiebenzigſten Jahre.“ S. auch Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 360. Almendingen a. a. O. S. 233. Anderer Meynung ſind Erhard, welcher Spangenberg's Commentar Bd. I. Vaa über⸗ uͤberſett:« wenn er ſiebenzig Jahre ale geworden iſt.“ Eben ſo die Weſtpha⸗ ica, nach der alſo in Weſtphalen dieſe Befreyung nicht eher eintreten wird, als nach zuruͤckgelegtem ſiebenzigſten Jahre. Ihr ſtimmt auch die lateint⸗ ſche Ueberſetzung, welche ausdruͤcklich ſagt: anno feptuageſimo exacto, beh. Kann Alter demjenigen zur Entſchuldigung dienen, welcher im Augenblicke ſeiner Ernennung zum Vormunde ſein 65ſtes Jahr zwar noch nicht vollendet hatte, aber wohl, ſeitdem ihm ſeine Ernennung ratifieirt worden iſt?— Aus den Worten des Art. 433. ſieht man, daß die Entſchuldigung wegen Alters, anders wie im Roͤmiſchen Rechte, zu Gunſten des Vormundes erklärt werden muß, daß mithin die obige Frage zu bejahen iſt. Man koͤnnte ſogar„ gehen, und be⸗ haupten, daß die Friſt weiche ihm im Art. 439. gegeben iſt, um ſeine Ent⸗ ſchuldigung beyzubringen, ihm vortheilhaft ſeyn muͤſſe, wenn er erſt waͤhrend derſelben das 63 Jahr erreichte. 2) Art. 444... 3) So erhellt aus der Redaction des Artikels, da die Worte des Projects; L I. tit. 9. art. 50. Sporæ et pere, in epon on pere verwandelt worden ſind. Mithin geht der Artikel ſowohl auf Witwer, als auf Vaͤter unehelicher Kinder, vorausgeſetzt, daß ihre Vaterſchaft klar, d. h. die Kinder recognoſeirt ſind, oder im Falle der Entfuͤhrung als ſolche angenommen ſind. Der Witwer ohne Kinder hat dieſes Recht nicht, parce qu'il weſt ni pére, ni époux. Lock Eſprit. T. I. p. 189. 3) Haben die mehreren Pupillen verſchiebene Gater und verſchledenes Intereſſe, ſo — nimmt man an, daß ſo viel verſchtedene Vormundſchaften da ſind, als verſchiednes Intereſſe der verſchiednen Pupillen vorltegt. Haben ſie nur ein Intereſſe, ſo gilt die Vormundſchaft uͤber mehrere doch nur fuͤr etne. BroncRE. a. a. O. 3) Geht auf alle Soldaten und ſonſtige Employés, welche ſich bey der Armee be⸗ finden und bey derſelben ſterben. Ob durch Feindeshand oder an Krankheiten— darauf köͤmmt nichts an. MarEvIILE ad h. art. aus der Discuſſion. §. 344. II. Verfahren bey der Vorbringung der Entſchulbigungsgründe. In Hinſicht der Vorbringung der Entſchuldigungsgruͤnde unterſchei⸗ det man, ob der ernannte Vormund bey dem Beſchluſſe, der ihm die Art. 438. Pormundſchaft uͤbertraͤgt, zugegen war; oder nicht. Im erſtern Falle muß er auf der Stelle, und ohne daß es ihm ſpaͤter geſtattet wird die⸗ ſelben vorzubringen, ſeine Entſchuldigungsgruͤnde vorbringen. Ueber die⸗ Art. 439. ſelben faßt ſodann der Familienrath einen Beſchluß ab. Im letztern Falle kann er den Familienrath zuſammenberufen laſſen, um ſie vorzu⸗ bringen, und daruͤber entſcheiden zu laſſen. Die bhierzu noͤthigen Schritte muͤſſen binnen drey Tagen, von dem Tage der ihm geſchebenen Bekannt⸗ machung ſeiner Ernennung angerechnet, geſchehen; jedoch wird für jede drey * . — — Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u Emancipation. 371 drey Myriameter(ſechs Stunden), welche der Ort ſeines Wohnſites von dem der erledigten Vormundſchaft entfernt iſt, dieſe Friſt um einen Tag vermebrt. Hat er dieſelbe jedoch ungenutzt verſtreichen laſſen, ſo ſoll er nach ihrem Ablaufe nicht weiter gehört werden.— Macht er nun ſeine Entſchuldigungsgruͤnde geltend, ſo enrſcheidet uͤber ihre Zulaͤſſigkeit der Familienrath mittelſt eines Beſchluſſes. Werden ſie verworfen, ſo hat Art. 440. der Vormund das Recht, ſich an das Tribunal, unter deſſen Sprengel die Vormundſchaft eroffnet iſt, zu wenden), um ſie daſelbſt geltend zu machen; jedoch iſt er verbunden, während des Rechtsſtreites die Verwal⸗ tung vorlaͤufig zu fuͤhren. Erkennt das Tribunal, daß ſeine Gruͤnde ihm urt. axr. von der Vormundſchaft befreyen muͤſſen, ſo koͤnnen die Glieder des Fami⸗ lienraths, welche ſie verworfen haben, in die Koſten des Verfahrens ver⸗ urtheilt werden; unterliegt er dagegen, ſo wird er ſelbſt dazu verurtheilt 2). 1) Verhält ſich das Tribunal hier wie Appellationsgericht oder wie Tribunal erſter Inſtanz?— Nur wie letzteres, da der Familienrath aufgehoͤrt hat ein Fami⸗ entribunal zu bilden. Arg. art. 448. Der Vormund welcher ſich alſo uͤber die Verwerfung ſeinerz Entſchuldigungsgruͤnde beſchweren will, hat dazu nicht die Appellationsfriſt zu beobachten, ſondern vielmehr drey Tage von der Ver⸗ werfung angerechnet; arg art 430, denn das Intereſſe des Minderjährigen heiſcht Abkuͤrzung der Friſten. LocRE Eſprit. T. VI. p. 131 ff. Aus demſel⸗ ben Grunde caſſirte der Caſſationshof ein vom Civiltribunal in Coblenz ge⸗ ſprochenes Urtheil, wodurch daſſelbe eine vom Friedensrichter zu Andernach * erlaſſene Ordonnanz, und die Ernennung eines Vormunds, die vor demſelben geſchehen war, in letzter Inſtanz fuͤr nichtig erklärt hatte, da es doch bloß in erſter Inſtanz und mit Vorbehalt der Appellation zu erkennen befugt war. MarEvILLE Analyſe ad h. art. 2) Waͤhrend dieſes Proceſſes muß der Vormund adminiſtriren, und zwar kann deshalb die proviſoriſche Cxecution des Familienrathsſchluſſes verfuͤgt werden⸗ S. Code de procedure Frangois art. 135. Vſiphalien art. 91. Dsr- vINcovRT Inſtitutes. T. I. p. 237. Siebenter Abſchnitt. Von der Unfähigkeit zur Vormundſchaft, und von der Aus⸗ ſchließung und Abſetzung der Vormuͤnder. — §. 345. i Einige Umſtaͤnde, welche ſich in der Perſon des zur Vormundſchaft berufenen Individuums, oder in dem Verhaͤltniſſe, worin es mit dem Aaa 2 Pupil⸗ 372 Erſtes Buch. Zehnter Titel. Pupillen ſteht, ereignen, ſchließen daſſelbe gaͤnzlich von der Vormundſchaft aus, ſo daß es nicht Vormund ſeyn kann, wenn es auch wollte(Excu- fationes neceſſariae). Dieſe Umſtaͤnde enthalten entweder Unfaͤhig⸗ keitsurſachen oder Unwuͤrdigkeitsurſachen. Beyde unterſchei⸗ den ſich dadurch: I. der unfaͤhige, gegen das Geſetz ernannte Vormund wird revocirt, der unwuͤrdige abgeſetzt; II. die r nichts beſchimpfendes, wohl aber die Unwuͤrdigkeit 1). 1) v. S. 243 f. LocRÿ Eſprit. T. VI. n 185— 1§. 346. 1. unfähigkeitsurſachen. Art. 492. Unfaͤbig, Vormuͤnder und Mitglieder eines Familienraths zu 3 ſind: I. Mindetjaͤhrige, mit Ausnahme der Eltern ¹). II. Interdieirte 2). III. Frauenzimmer, ausgenommen die Mutter, und ſonſtige weibliche Aſcendentinnen. IV. Alle diejenigen, welche entweder ſelbſt oder deren Eltern mit dem Minderjaͤhrigen in einen Rechtsſtreit verwickelt ſind ²), welcher den perſoͤnlichen Zuſtand deſſelben, ſein ſämtliches Vermögen oder einen anſehnlichen Theil deſſelben betrifſt. Weggefallen ſind dagegen die Unfähigkeitsurſachen des alten Rechts, wie Todtfeindſchaft mit dem Vater des Pupillen, eine Kapitalanklage, Armutb, daß ein Jude nicht zber einen Chriſten Vormund ſeyn konnte 4) u. ſ. w. V. Fremde—2 1) Daß alſo ein minderjähriger Großvater, wenn ſich dieſes denken ließe, unſiblo ſeyn wuͤrde, behaupten mit Recht die Pandectes fraugaiſo. T. IV. p. 556. 23) Hierher gehoͤrt nicht der gerichtlich anerkannte Vorſchwender. Dieſer kann vielmehr nur nach Art. 444. abgeſetzt werden. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 367. Sollte die Ernennung des Interdicirten zur Vormundſchaft im obigen Fulle vor Zuſtellung des Interdictionsurtheils geſchehen ſeyn, ſo iſt ſie nichtig: jedoch konnen die Verwandten, welche dieſe Ernennung vorgenommen hatten, von dem Familienrathe, der zu einer neuen Ernenkung ſchreiten ſoll, nicht ausgeſchloſſen werden. Appellhof zu Bordea ux in Annalen. MI. 3. S. 270. 3) Hat dagegen die Frau des Vormundes mit dem Pupilen Proceß, ſo be⸗ gruͤndet dieſes keine Entſchuldigung. BrorcREt a. a. O. Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. a. a. O.— Auch ein beendigter Proceß iſt kein rltet, S. MA1LEvIILILB Analyſe ad h. art. 4) Appellhof zu Bordeauꝝ bey Laſſaulr Journal. I. 7. S. 34. 5) So§. 105. 5. 347. ſchaftliche, theils beſondere Wirkungen ⸗ Die gemeinſchaftlichen G 300 I. Si Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vortmundſchaft u. Emancipation. 373 5. 347. . Unwürdigkeitsurſachen. Unwuͤrdig, eine Vormundſchaft anzunehmen, ſind: I. die zu einer Art. 443. entehrenden oder einer Leibesſtrafe Verurtheilten ¹); II. Leute von noto⸗ Art. aa4. riſch 2) ſchlechter Auffuͤhrung ²) III. diejenigen deren Verwaltung Be⸗ weiſe ihrer Unfaͤhigkeit 4)(z. B. Verſchwender) oder Untreue enthält. Hierbey iſt zu bemerken: I. Alle drey Gattungen von Perſonen ſind von der Vormundſchaft ausgeſchloſſen; ſollten ſie jedoch aus Unwiſſenheit, u. ſ. w. einmal ernannt ſeyn, ſo koͤnnen ſie nachher, wenn die böſe Eigen⸗ ſchaft, mit der ſie behaftet ſind, ſich zeigt, abgeſetzt werden. In Hinſicht der zur entehrenden oder Leibesſtrafe Verurtheilten tritt jedoch dieſe Aus⸗ ſchließung und Abſetzung kraft des Geſetzes ein; in Hinſicht der uͤbrigen iſt ſie dem Familienrathe uͤberlaſſen. 1) Die Ernennung eines Vormundes oder Beyſtandes im Teſtament wird nichtig, wenn der Vater nachher mit dem buͤrgerlichen Tode behaftet wird. Ars. art. 23. 2) Das Geſetz wollte mithin keine gehaͤſſige und diffamatoriſche Inquiſition erlau⸗ en Laſſaulx a. a. O. S. 365. 6 3) Hierher gehoͤrt auch le pere qui a ete en faillite. Tribunal zu Dijon bey JouANNEAv et So.ON Discuſſions. T. I. p. 523. not⸗J. Jurisprudenee. T. II. p. 317. Broncukr F. 46. will jedoch zwiſchen betruͤgeriſchem Banquerout, und einem ſolchen, der durch einen Ungluͤcksfall entſtanden iſt, unterſcheiden. Im letztern Falle will er dem Vater die Vormnndſchaft gegen Cautionsleiſtung ſaſſen. Anderer Meynung war aber das Tribunal zu Dijon. 4) Wohl nicht wegen Verſtandesſchwäche, wie v. Almendingen a. a. O. behauptet, denn alsdann wuͤrde Art. 442. eintreten; ſondern wegen ſchlechtet Sitten oder Unkunbe. Der Vater der im Auslande wohnt, oder ohne Ermächtigung der Regierung eine Stelle oder eine Penſion von einer fremden Regierung angenommen hat, kann nicht Vokmund ſeiner in Frankreich lebenden minorennen Kinder ſeyn: 4) well der Vormund ſich an dem Orte aufhalten muß, wo die Vormundſchaft ausgeuͤbt werden ſoll; 2) weil er ſeine Eigenſchaft als Franzoſe verloren hat, und ſolglich nicht Vormund in Frankreich ſeyn kann. Entſcheidung des Sroß⸗ richters. Laſſaulx Journal. I. 1. 36. 6. 348. Wirkungen dieſer Gruͤnde. Die Unfähigkeits⸗ und Unwurdigkeitsurſachen baben theils gemein⸗ Ag6 3 e 371 r Erſtes Buch. Zehnter Titel. I. Sie entfernen jeden Vormund, mag er durch die Natur, das Geſetz, das Teſtament der Eltern oder den Familienrath berufen ſeyn, von der Art. 445. Vormundſchaft ¹). II. Sie entfernen auf eine gleiche Weiſe von der Theilnehmung an dem Familienrathe ²). III. Beyde haben die Nichtig⸗ keit der bey ſchon vorhandener Unwurdigkeit oder Unfaͤhigkeit, uͤbernsm⸗ menen Vormundſchaft zur Folge; doch bleiben die indeſſen mit einem Dritten bona fide abgeſchloſſenen Geſchaͤfte guͤltig 2). 1V. Beyde be⸗ wirken die Pflicht fuͤr den Familienrath, wenn ſie erſt nach der gültig geſchehenen Uebernahme der Vormundſchaft eintreten, dieſelbe dem Un⸗ wuͤrdigen oder Unfähigen wieder abzunehmen. Bey dem erſtern geſchieht dieß durch Abſetzung, bey dem letztern durch Revotation, wie wir oben 3 geſehen haben ²). t 1) LocRE Eſprit. T. VI. p. 225... 2) D. h. jedoch nur, der entſetzte Vormund kann nicht Mitglied des Familjen⸗ raths ſeyn. Die in dem Art. 444. genannten Perſonen koͤnnen jedoch Mitglieder des Familienraths ſeyn: nie aber die im 442ſten Artikel erwaͤhnten. Caſſa⸗ tionshof in S1RxX Jurisprudence. 1807. p. 443. 3) LocRt Eſprit T. VI. p. 229. Dieſer Satz iſt jedoch nur auf den Fall des Art. 444. einzuſchränken, weil dann die Ernennung des Vormunds dennoch guͤltig war, nicht aber auf den im Art. qa3. erwaͤhnten Fall auszudehnen, wo die Rullität ipſo jure eintritt. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 36 2 ff. 4) v. Almendingen S. 250 ff. i m §. 349. Verfahren bey der Abſetzung oder Revoration. In dieſem Falle muß der Familienrath zuſammenberufen werden, , um uͤber die Unfahigkeit oder Unwuͤrdigkeit des Vormunds zu berath⸗ * ſchlagen. Dieſe Zuſammenberufung geſchieht A. vor der Uebernahme der Vormundſchaft, um den Unfähigen zu entfernen; I. wenn die Rede von einer geſetzlichen oder teſtamentariſchen Vormundſchaft iſt, von dem Vormunde ſelbſt, um den Gegenvormund ernennen zu laſſen, wobey dann zugleich die Pruͤfung der Fähigkeit oder Würdigkeit des Haupt⸗ vormundes von ſelbſt veranlaßt wird; II. wenn die Rede von einer Dativ⸗ tutel iſt, durch den Friedensrichter, oder die andern Intereſſenten. B. Nach Uebernahme der Vormundſchaft, um dem Vormund dieſes Amt wieder Art. 446. zu nehmen, geſchieht ſie 1) durch den Gegenvormund; 2) von Amts⸗ wegen durch den Friedensrichter, welcher Kunde von der Untauglichkeit oder 8— Von d. Minderjährigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 375 odet Schlechtheit des Vormunds erhalten bat; 3) durch jeden Ver⸗ ſchwigerten oder Verwandten ¹). Iſt dieſes geſchehen von den genann⸗ ten Perſonen, bis zum Grade der Geſchwiſterkinder, ſo darf der Friedens⸗ richter dieſe Zuſammenberufung nicht ablehnen ²).— Von dieſem Fami⸗ Art. 447. lienrathe wird ſodann der Vormund vernommen oder doch vorgeladen jedoch nur in dem unter B. aufgefuͤhrten Falle, denn im erſtern wird derſelbe ſtillſchweigend uͤbergangen 4), und darauf ein Beſchluß gefaßt, welcher die Ausſchließung oder Abſetzung des Vormunds ausſprechen, und die Bewegsgrunde derſelben enthalten muß. Beruhigt ſich der entſetzte Wrt. zus. Vormund bey dieſem Beſchluſſe, ſo ſoll in demſelben als Rachſchrift biervon Erwaͤhnung geſchehen, und der neue Vormund ſogleich ſein Amt antreten. Widerſpricht er hingegen, ſo hat der Gegenvormund auf Be⸗ ſtätigung des gefaßten Beſchluſſes bey dem Tribunale erſter Inſtanz an⸗ zutragen, und dieſes erkennt daruͤber mit Vorbehalt der Appellation. Ebenfalls hat der ausgeſchloſſene oder entſetzte Vormund das Recht*), den Gegenvormund vor Gericht zu fordern, um ſich durch einen gericht⸗ lichen Ansſpruch in dem Beſitze der Vormundſchaft ſchuͤtzen zu laſſen. Auch können die Verwandten und Verſchwaͤgerten, auf deren Anſuchen Art. 449. der Familienrath berufen wurde, in dem Rechtsſtreite mit auftreten. Der Rechtsſtreit ſelbſt wird als eilige Sache eingeleitet und entſchieden 6). 1) Ob ſie Mitalieder des Familienraths ſind oder nicht, darauf koͤmmt nichts an. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 373. 2) Vielleicht auch durch den Procureur impsrial. S. MarEvIITE Amalyſe ad art. 446. Die actio popularis fällt hingegen weg. 3) Erſcheint er nicht, wenn er vorgeladen iſt, ſo wird in contumaciam gegen ihn verfahren werden muͤſſen⸗ 0) v Almendingen S. 284. not. Laſſanlr Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 173. 5) Daſſelbe Recht haben die Mitglleder des Familienraths, welche die Beybehal⸗ tung des Vormunds wuͤnſchen. Das dabey zu beobachtende Verfahren ſ. oben S. 332. Ob auch der kaiſerliche Procurator dteſes Recht habe? LocRE Eſprit. T. VI p a83. leugnet es, weil der Familienrath in die Eigenſchaft eines Ge⸗ ſchwornengerlchts, die Unfähiakeit oder Unwärbigkeit des Vormunds beurtheilt habe. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 373. ebenfalls; aber aus dem Grunde, weil der oͤffentliche Procurator in der Regel nur in anhängigen Rechtsſachen auftrete, und hier keine ausdruͤckliche Ausnahme gemacht ſey. So entſchied auch der Caſſattonshof in Caſſaulr Annalen. I. 1. 97. Andrer Meynung iſt jedoch v. Almendingen S. 237. not. 1. e 2S. 6) Der — „ Sßes Buch. Zehnter Litl. 446 6) Der Artikel iſt auch auf die Eltern anwendbar; ſie verlleren zwar die Admi⸗ niſtration, aber nicht den Nießbrauch des Vermoͤgens ihrer Kinder, well ſie den letzten kraft der vaͤterlichen Gewalt haben. Hat der Vater, der wegen Inconduite deſtituirt iſt, ſich gebeſſert, ſo kann zwar der Familienrath nicht den neuen Vormund abſetzen, um den Vater auf ſeine Bitte wieder zum Vor⸗ munde zu ernennen, er kann ihn jedoch wieder ernennen, wenn der neue Vor⸗ mund aus irgend einer Urſache aufhört, ſolches zu ſeyn. Der Vater muß ſich mit ſeiner Bitte an den Familienrath wenden, nicht an das Tribunal. Brök⸗ cugt. a. a. O. F. 5. S. Appellhof zu Beſanßon in Jurisprudence. T. VIII. p. 91. Wendet ſich der deſtituirte Vormund an das Tribunal, ſo muß daſſelbe dennoch die Entſcheidung des Famtlienraths proviſoriſch fuͤr vollſtreckbar erklä⸗ ren; denn ſonſt wuͤrde dem Vormunde die Adminiſtration der Tutel bis zur endlichen Entſcheidung bletben, und das Intereſſe des Minderjaͤhrigen verletzt werden. BroßcRgr a. a. O. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. lI. S. 375. will dagegen dem Vormunde proviſoriſch die Verwaltung laſſen⸗ Achter Abſchnitt. Bon der Verwaltung des Vormundes. 5. 3o. Im allgemeinen. Der Vormund hat ſowohl fuͤr die Perſon des Pupillen als fuͤr deſſen Guͤter zu ſorgen ¹). 1) S. HENRI61 DoERRIEN D. ſiſtens Praeceptorum Codicis Napoleonei de adminiſtratione tutolae, cum jure Romano et Germanico collatio. Lipſiae. 1809. 4. §. 351. * 1. Sorge fuͤr die Perſon des Pupillen. Die Sorge fuͤr die Perſon des Pupillen enthält folgende Pflchten: I. Aufſicht uͤber deſſen Pflege und Erzichung; M. Zuͤchtigungsrecht ¹); At. zso. III. Vertretung deſſelben bey allen buͤrgerlichen Handlungen, und zwar handelt dann immer der Vormund fuͤr ihn; nie aber kann er unter Auto⸗ riſation des Vormunds handeln 2). 1) Art. 46s. S. überhaupt Laſſaulx Handbuch fuͤr Vormuͤnder. S. F1 ff. 2) Heſterley und mein Commentar uͤber die Franzöſiſche und Weſtphäliſche Proceßordnung. Th. 1. S. 58 ff. Laſſquix Handbuch fuͤr Vormuͤnder. S. 107. 5. 352. — — Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 377 §. 352. II. Sorge fuͤr das Vermoͤgen deſſelben. a. Im allgemeinen. Der Vormund muß das Vermoͤgen des Pupillen als ein guter Haus⸗ vater verwalten, und fuͤr den aus einer ſchlechten Verwaltung entſtehen⸗ den Schaden und das ganze Intereſſe haften; mithin darf er auch keine Handlungen vornehmen, bey welchen ſein Intereſſe mit dem des Pupillen collidiren koͤnnte, z. B. die Guͤter des Pupillen weder kaufen noch pachten, inſofern nicht der Familienrath den Gegenvormund zur Abſchließung eines Pachteontracts mit demſelben ermaͤchtigt. Eben ſo wenig kann er irgend⸗ ein Recht oder eine Forderung, die jemand an ſeinen Muͤndel hat, auf ſich uͤbertragen laſſen. §. 353. b. Specielle Regeln die der Vormund zu beobachten hat. Die ſpeciellen Regeln, welche die Verwaltung des Vormunds be⸗ treffen, fließen alle aus den ihm gegebenen Character eines guten Haus⸗ vaters, und beziehen ſich vorzuͤglich auf die Erhaltung und Vermehrung des Vermögens ſeines Muͤndels. Einige ſeiner Handlungen kann er daher ohne Mitwirkung des Familienraths vornehmen, bey andern bedarf er der Genehmigung deſſelben. §. 354 1. Handlungen des Vormunds ohne Mitwirkung des Familienraths. I. Jeder Vormund, natuͤrlicher, teſtamentariſcher ¹), geſetzlicher und dativer muß ein Inventarium errichten. War daher das Vermoͤgen des Art. as1. Erblaſſers verſiegelt, ſo ſoll er binnen zehn Tagen, von der ihm gehoͤrig ge⸗ ſchehenen Anzeige ſeiner Ernennung angerechnet, um die Abnahme der Siegel nachſuchen, und unmittelbar darauf, in Beyſeyn des Gegenvormunds, zur Aufnahme dieſes Inventars ſchreiten laſſen. Das Inventarium ſelbſt nimmt ein Rotar auf ²). Iſt ihm der Minderjaͤhrige etwas ſchuldig, ſo muß er dieſes, bey Strafe des Verluſts ſeines Rechts, bey der Er⸗ richtung des Inventars erklaͤren, und dieſe Erklaͤrung in daſſelbe ein⸗ ruͤcken laſſen. Damit er jedoch nicht ungewarnt in Schaden komme, ſo legt das Geſetz dem Rotar die Pflicht auf, ihn daran zu erinnern 3); und zwar muß, daß ſolches geſcheben ſey, im Protocolle erwaͤhnt werden. Spangenberg's Commentar Bd. F. Bb Vor⸗ II. Binnen einem Monate nach der Vollendung des Inventars ſoll der Art. as. b 378 Erſtes Buch. Zehnter Titel. Vormund, in Beyſeyn des Gegenvormundes, nach vorhergegangenen öffentlichen Anſchlägen und Ankuͤndigungen, deren in dem Verkaufspro⸗ tocolle Erwaͤhnung geſcheben muß, alle bewegliche Sachen, diejenigen ausgenommen, welche in Natur aufzubewahren der Familienrath ibm geſtattet hat*), in einer von einem oͤffentlichen Beamten(Notar oder Huiſſier) zu haltenden Verſteigerung verkaufen laſſen. Eine Ausnahme findet ſich von dieſer Pflicht jedoch in Hinſicht der Eltern. Dieſe ſind namlich nicht verbunden, ſo lange ihnen der geſetzliche Nießbrauch an dem Vermögen des Pupillen ³) zuſteht, die beweglichen Sachen zu ver⸗ kaufen; wenn ſie dieſelben naͤmlich lieber aufbewahren wollen, um ſie in Ratur zuruͤckzugeben*). In dieſem Falle ſollen dieſe Sachen auf ihre Koſten von einem Sachverſtaͤndigen, den der Gegenvormund ernannt, und der Familienrath beeidigt hat, nach ihrem wabren Werthe geſchaͤtzt werden. Werden einige derſelben dann nicht in Natur zuruͤckgeliefert, ſo muͤſſen die Eltern deren Werth nach der Schaͤtzung verguͤten. IM. Der Vormund muß alle Maaßregeln zur Erhaltung des Vermoͤgens nehmen*). Hierher gehoren auch Verpachtungen. Die Verpachtung braucht zwar nicht öffentlich und an die Meiſtbietenden zu geſcheben*), dagegen ſind aber dieſelben Regeln von dem Vormunde zu beobachten*), die der Ehemann bey Verpachtung der Guͤter der Eheftau befolgen muß 10). 1) Selbſt wenn es von dem Vater verboten ſeyn ſollte. Laſſaulx Handbuch fuͤr Vormuͤnder. S. 61. Mal BvIILI.E Analyſe ad h. art. 2) S. Code de procodure frartgoit art. 94l. Vſphalien art. 870. 3)*Et ee ſur la requiſition de Poffieier public.“ Hat alſo der Notar den Vormund an dieſe ſeine Pflicht nicht erianert, ſo kann er ſeiner Forderung nicht verluſtig erklärt werden. S. BroßcRr a. a. D. und DErvIRcouRT Inſtitutes. T. I. p. 245. Ich mochte lieber glauben, daß zwar die Strenge des Geſetzes gegen ihn eintritt, daß er aber einen Regreß gegen den Notar habe, deſſen Schuldigkeit es war, ihn an die Angabe ſeiner Forderung zu erinnern. 4) Die Eltern konnen es mithin nicht geſtatten. ZAcHAkIAE Handbuch. Th. II. S. 68. not. 2. 5) Iſt derſelbe daher uͤber achtzehn Jahr alt, ſo haben der Eltern dieſes Recht nicht mehr. MaLEvILILE analyſe ad h. art. zwar brauchen ſie wegen Reſtitution der Sachen keine Kaution zu machen. rt. 601. 7) Hier ließe ſich die Analogie des Art. 431, in Anwendung bringen. 3) Lockk Eſprit. T. VI. p. 363. aus der Discuſſion⸗ 3) Lo⸗ Von d. Minderjährigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 379 9) Art. 1718. 10) S. Art. r429. 1430. willigerod Inſtruction. S. 8. DEtvINCoURT Inſtitutes. T. I. p. 245. 6 5. 355. Handlungen unter Concurrenz des Familienraths. 3 I. Sobald mittelſt des Inventars der Vermogenszuſtand des Pupil⸗Art. 454. len ins Reine gebracht iſt, muß ihn der Vormund dem Familienrathe vorlegen, damit dieſer nach einem ungefaͤhren Ueberſchlage, und mit Ruͤckſicht auf den Betrag des zu verwaltenden Vermogens, beſtimmen könne, wieviel die jährliche Ausgabe fuͤr die Perſon des Minderjaͤhrigen ſowohl, als fuͤr die Verwaltung ſeines Vermögens betragen ſolle. Nur die naturlichen Vormuͤnder ſind von dieſer Verbindlichkeit, ſolchergeſtalt die Ausgaben fuͤr den Pupillen beſtimmen zu laſſen, befreyet. Zeigt es ſich bey dieſer Regulirung, daß der Vormund einen oder mehrere zu beſol⸗ dende, beſondere Verwalter, fuͤr deren Verwaltung er immer verant⸗ wortlich iſt, annehmen muß, ſo wird auch dieſes zugleich beſtimmt. Zu gleicher Zeit muß der Familienrath die Summe genau beſtimmen ¹), bey Art. 455. welcher die Verbindlichkeit des Vormunds anfangen ſoll, ſie, nach Abzug der Ausgaben, anzulegen. Dieſe Anlegung muß dann binnen ſechs Monaten wirklich geſchehen; widrigenfalls iſt der Vormund nach Ablauf dieſer Zeit ſelbſt Zinſen davon zu zahlen ſchuldig ²). Hat der Vormund Art. 436. dieſe gedachte Summe von dem Familienrathe gar nicht beſtimmen laſſen, ſo iſt er nach dem Ablaufe der genannten ſechs Monate von allem nicht angelegten Gelde, deſſen Verwendung er nicht nachweiſen kann, ſo gering auch immer die Summe ſeyn mag, die Zinſen zu bezahlen ſchuldig ²). 1) Die Beſtimmung der anzulegenden Summe kann auch ſo geſchehen, daß der Vormund alles, außer den zu den Ausgaben beſtimmten Summen, anlegen muß. Deshalb ſagt der Artikel“l'obligation d'employer l'eæxcédent des revenus ſur la depenſe“ v. Almendingen. S. 269. 2) Hatte der Vormund alles angewandt, um das Capital auszuleihen, ohne daß eer dieß bewirken fonnte, ſo braucht er keine Zinſen zu geben. Nur iſt es ſchwer zu beſtimmen, in welchem Falle der Vormund alles angewandt zu haben erachtet werden muß. Bloͤchel ſchlägt vor, daß er durch die oͤffentlichen Blätter ankuͤndigen muͤſſe, daß er ein Capital auszuleihen habe, und daß er, wenn kein Borger kommt, das Geld ſo lange bey einer offentlichen Perſon deponi⸗ ren muͤſſe, bis ſich Gelegenheit findet es auszuthun. v. Almendingen S. 368. ſgt:„Findet ſich binnen den ſechs Monaten keine Gelegenheit zur ſichern Anlegung des Geldes, ſo befteyt ſich der Vormund dadurch von aller Verant⸗ Bbb 2 wort⸗ * Art, 457. 380 Erſtes Buch. Zehnter Titel. wortlichkeit, daß er den Umſtand dem Familienrathe anzeigt, und deſſen Ver⸗ fuͤgung etwartet.“ Fuͤr Weſtphalen wird ein ſolcher Fall nicht eintreten; denn hier ſind die Vormuͤnder verpflichtet, in der Regel alle anzulegenden Pupillen⸗ gelder an die Amortiſationscaſſe zu ſchicken, welche ſie mit 3 Procent“ verzinſt. Jedoch ſollen dieſelben, in ſo fern ſie Gelegenheit finden, mit Zuſtimmung des Familienraths, innerhalb drey Monaten die ihren Muͤndeln gehoͤrigen Capita⸗ lien mit gleicher Sicherheit, und gegen hoͤhere Zinſen anzulegen, zu deren Ablleferung an die Amortiſationscaſſe nicht verpflichtet ſeyn. Geſetz vom 14. Jul. 1808. Art. 13.(Geſetzbuͤlletin des Koͤnigreichs Weſtpha⸗ len 1808. Nr. 48. S. 261 ff.) 3) Zu bemerken iſt noch: I. Die ſechs Monate, binnen welchen die von dem Familienrathe feſtgeſetzte Summe anzulegen iſt, fangen von dem Zeitpuncte an, wo ſich die ganze Summe in der Caſſe des Vormundes befindet. BovsQR Erplication ad art. 438. II. Die ſechs Monate, binnen welchen der Ueber⸗ ſchuß anzulegen iſt, muͤſſen von der Zeit angerechnet werden, wo ſich uͤber⸗ ſehen laͤßt, daß wirklich ein Ueberſchuß da iſt. ZacRaRrAx Handbuch. Th. I. S. 69. 1II. Der Art. 435— 456. iſt auch auf eingehende Capitalien anwendbar. MaAPvIILILE Analyſe ad h. l. IV. Eine Summe anlegen, heißt entweder die Schulden des Muͤndels bezahlen, oder das Geld zinsbar auslethen. MarB- vILILE ebendaſ. V. Auf die Eltern ſind dieſe Artikel nicht anwendbar, in ſo fern erſtere den Nießbrauch an dem Vermoͤgen der Kinder haben. Fortſetzung. II. Jeder Vormund, ſogar der natuͤrliche, kann ohne Genehmigung des Familienrathes weder fuͤr den Minderjaͤhrigen ein Anlehn aufnehmen, noch deſſen unbewegliches Vermoͤgen veraͤnßern ¹), oder mit einer Hy⸗ pothek beſchweren. Dieſe Genehmigung kann nur geſchehen: 1) wenn eine abſolute Nothwendigkeit vorhanden iſt, z. B. Alimente des Pupillen zu beſtreiten; 2) wenn der Rutzen davon evident iſt. Sollte eine abſo⸗ lute Nothwendigkeit vorhanden ſeyn, ſo kann der Familienrath erſt dann ſeine Genehmigung ertheilen, wenn zuvor der Vormund eine kurzgefaßte Ueberſicht der Verhaͤltniſſe, aus welcher die Unzulaͤnglichkeit der Baar⸗ ſchaft, des beweglichen Vermoͤgens und der Einkuͤnfte des Minderjaͤhri⸗ gen erhellt, eingereicht bat*). In Hinſicht des Verkaufs unbeweglicher Guͤter des Pupillen, denn die Beweglichen muß der Vormund in der Regel bey Antritt der Vormundſchaft veraäußern, iſt zu bemerken; 1) Der Familienrath muß die unbeweglichen Sachen, welche zuerſt verkauft werden ſollen, nahmhaft machen, und die zweckdienlichen Bedingungen, Art, 458. unter denen der Verkanf geſchehen ſoll, angeben. 2) Der Familienraths⸗ ſchluß —— — . Von d. Minderjährigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 381 ſchluß uͤber den vorzunehmenden Verkauf muß hierauf durch den Vor⸗ mund dem Tribunale erſter Inſtanz 3) zur Beſtaͤtigung vorgelegt werden ²). Dieſes ertheilt oder verweigert ſie, nach vorgaͤngiger Anhörung des kaiſer⸗ lichen Procurators, mittelſt eines im Berathſchlagungszimmer abgegebe⸗ nen Erkenntniſſes. Gegen daſſelbe kann der Vormund Appellation ein⸗ legen*).— Daſſelbe Erkenntniß muß ſodann einen oder drey Sach— verſtaͤndige, nach Maaßgabe der Erbeblichkeit der zu verkaufenden Sachen, ernennen, und derfuͤgen, daß dieſelben dieſe taxiren, und hierauf in Ge⸗ Art. 439. genwart eines Tribunalrichters oder eines benannten Notars der Verkauf geſchehen ſolle à). Derſelbe muß durch oͤffentliche Anſchlaͤge bekannt gemacht werden, die an den gewöhßlichen Orten des Cantons drey Sonn⸗ tage nacheinander angeheftet, und daß dieſes geſchehen ſey, gehoͤrig beſcheinigt worden iſt; und zwar mittelſt einer öffentlichen Verſteige⸗ rung. Rur dann iſt die Beſtimmung des Familienraths, welche Guͤter Art. 460. vorzugsweiſe verkauft werden ſollen, und deſſen Beſtaͤtigung nicht nöthig; wenn ein Miteigenthuͤmer der Grundſtuͤcke des Pupillen die Veraͤußerung*) oder Theilung derſelben verlangt. Die Verſteigerung muß jedoch immer in der vorgenannten Form geſchehen; auch muͤſſen Fremde dabey zugezogen werden, ſo daß das Grundſtuͤck nicht unter den Miteigenthuͤmern allein licitirt werden darf. Zu bemerken iſt: a. daß es zwar keiner Beſtaͤtigung von Seiten des Tribunals in dieſem Falle bedarf, daß aber der Verkauf oder die Theilung ſelbſt durch ein Erkenntniß autoriſirt ſeyn muß; b. daß es der vorgaͤngigen Schaͤtzung durch Kunſtverſtändige in dieſem Falle nicht bedarf ³): dieſelbe Ausnahme, die wir eben bey dem Miteigenthuͤmer kennen gelernt haben, wuͤrde eintreten, wenn ein Glaͤubiger die Veraͤuße⸗ rung des ihm verhypotbeecirten Grundſtuckes verlangt*). 1) Dieſem ſind die Renten des Minderjaͤhrigen, die auf den Staat ausgeſtellt ſind, und uͤber 50 Franken betragen, gleichgeſtellt. Geſetz vom 24. Maͤrz 1806. Art.3. 2) Daß es auch bey der Aufnahme eines Anlehens, oder der Verhypothecirung eines Grundſtuͤckes des Pupillen der Beſtätigung des Familienrathsſchluſſes beduͤrſe, leugnet LocRt Eſprit. T. III. p. 300. v. Almendingen S. 278. und Laſ⸗ ſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 450. ſind jedoch andrer Meynung, und beziehen die Worte des q58ſten Arltikels cet objet auf alle im Art. 437. genannten Gegenſtaͤnde. Das Projet du Gode civil L I. tit. IX ſpricht fuͤr LocRk, der Geiſt des Code gegen ihn. Denn nach Art. 483. bedarf die Aufnahme eines Anlehns fuͤr den emancipirten Minderjaͤhrigen einer ſolchen Beſtaͤtigung; warum nicht mit mehrerem Rechte das Anlehn fuͤr den Schwächern, und dem Schutze der Geſetze um deſto wuͤrdigern nicht emancipirten Minderjaͤhrigen? Bbb 3 3) In — Erſtes Buch. Zehnter Litel. Th. II. S. 69.— nicht des belegenen Vermoͤgens, wie in Laſſaulx Handbuch fuͤr Vormuͤnder§. 17. behauptet wird. S. BousUBT Explieation ad art. 353. 4) Nie darf aber das Tribunal den Familienrathsſchluß beſtaͤtigen, wenn er elne Veraͤußerung in anderer Form als der Verſteigerung(z. B. als Tauſch) autori⸗ ſirt; ſelbſt wenn es des Minderjaͤhrigen groͤßerer Vortheil ſeyn ſollte, da es beſſer iſt, einem Minderjaͤhrigen einen Vortheil, worauf er nicht rechnen konnte, zu entziehen, als das Intereſſe aller durch Abweichung von den geſetz⸗ Formalitaͤten zu gefaͤhrden. Caſſationshof in Laſſaulx Annalen. 1. 96. 5) Code de procodure frangoit art. 880. Meſtphalien art. S22. Ob auch gen S. 151. behaupten es; richtiger verneint es Laſſaulx Annalen der Ge⸗ ſetzgeb. Nap. Bd. II. H. 2. S. 157. weil derſelbe nur in einem anhaͤngigem Proceſſe im Requiſitionswege, nicht aber als Parthey auftreten könne. Laſi ſaulx Meynung wird durch den Caſſattonshof beſtaͤtigt. S. deſſen Annalen. I. 1. 96. Jurisprudence. T. IX. p. 409.— Nie aber kann von dem Familien⸗ rathsſchluß ſelbſt appellirt werden, wie in Winkopps Rheinbund. H. XX. S. 297. Ueber die Einfuͤhrung des Code Napoleon not. c. be⸗ hauptet wird, da der Familtenrath keine Gerichtsſtelle iſt. 6) Die Formalitaͤten die dabey zu beobachten ſind, eroͤrtert weitlaͤuftig Code de procedure frangois art. 955. 966. Meſiphalien art. 882— 893 7) Der Miteigenthuͤmer kann jedoch nicht in jedem Falle die Licitation verlangen. Klagt derſelbe darauf, ſo muß der Vormund, gegen den die Klage angeſtellt iſt, einen Familienrath berufen, um entſcheiden zu laſſen, ob er der Klage auf Licitation nicht eine Klage auf Theilung entgegenſetzen ſoll, falls dieſe vortheilhaf⸗ ter waͤre. S. Art. 827. 1626. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 446. Ein Dritter, der mit einem Minderjaͤhrigen ein Grundſtuͤck gemeinſchaftlich beſitzt, kann ſich nicht der durch den Familienrath beſchloſſenen, von dem Tribunal beſtaͤtigten Verſteigerung derſelben widerſeßen, da nach Art. S15. niemand ge⸗ zwungen werden kann in Gemeinſchaft zu bleiben. BroßcREr. a. a. O. 8) MarBvIILILR Analyſe ad h. art. LockRß Eſprit. T. VI. p. 298. aus der Dis⸗ „ cuſſion. S. auch Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 447. 9) LocRE Eſprit. T. VI. a. a. O. Andrer Meynung iſt v. Almendingen S. 274, weil es ſich der Glaͤubiger gefallen laſſen muͤſſe, wenn er aus dem Mobi⸗ liarvermoͤgen des Pupillen, oder andern nicht verhypothecirten Grund⸗ ſtuͤcken befriedigt wuͤrde; aber das letztere geht nach Art. 2206. ja nicht an. S. Laſſauly Annalen a. a. O. Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 448. §. 357. Fortſetzung. At. 461. III. Eine dem Minderjährigen zugefallene Erbſchaft kann dieſer nicht, ſondern nur der Vorwund, Ramens ſeiner, entweder annehmen * oder 3) In deſſen Sprengel die Vormundſchaft beſteht. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. der Procureur impérial? LocRE Eſprit. T. VI. p. 298. und v. Almendin⸗ —— Von d. Minderjahrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 383 oder ausſchlagen. Nur muß dieſes geſcheben: 1) mit vorhergehender Genehmigung des Familienraths ¹); 2) die Annahme insbeſondere nur unter der Rechtswoblthat des Inventars*). Iſt die im Namen des Min⸗ Art. 462. derjaͤhrigen ausgeſchlagene Erbſchaft nicht von einem andern, z. B. den tiefern Verwandten oder Glaͤubigern des Erblaſſers 3) angenommen worden, ſo kann ſie ſowohl von dem durch einen neuen Familienrathſchluß autoriſirten Vormunde, als von dem Minderjaͤhrigen ſelbſt, nach er⸗ langter Bolljaͤhrigkeit angetreten werden 4à). In beyden Faͤllen wird jedoch die Erbſchaft in dem Zuſtande angenommen, in welchem ſie ſich befindet, und koͤnnen die in der Zwiſchenzeit von dem Adminiſtrator der Erbſchaft etwa vorgenommenen Verkaͤufe, und ſonſtigen geſetzlich geſchehe⸗ nen Handlungen nicht angefochten werden. Sollte dieß nicht mehr moglich ſeyn, ſo ſind der Vormund und die Mitglieder des Familienraths den Pupillen zu entſchaͤdigen ſchuldig; jedoch nur in dem Falle, wenn ſie erweislich betrieglich gehandelt haben; denn wegen ihrer in gutem Glau⸗ ben geaͤußerten Meynung ſind ſie nicht verantwortlich. Das Inventar kann er jedoch fruͤh machen laſſen, und ohne Genehmigung des Familien⸗ raths, denn erſt nach Einſicht deſſelben kann der Familienrath nur die Genehmigung geben. 2) Finden ſi unter den Mitgliedern deſſelben Leute, welche bey der Annahme oder Ausſchlagung der Erbſchaft intereſſirt ſind, z. B. Legatare, Inteſtaterben des Pupillen, ſo muͤſſen ſie vom Famillenrathe ausgeſchloſſen werden. Arg. art. 442. LocRß Bſprit. T. VI. p. 303. Andrer Meynung iſt jedoch Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. 1i. S. 436. und v. Almendingen S. 280. 2) Nimmt der Vormund die Erbſchaft unbedingt an, ſo hat der Pupille dennoch das beneficium inventarii. BroßcRRI. a. a. O. Nimmt er ſie ſogar ohne Genehmigung des Familienraths an, ſo ſind alle Handlungen, die er als Erbe vornimmt, nichtig. Laſſaulx a. a. O. S. 437. 3) Art. 790. 4) Dieſes Recht iſt uͤberhaupt dem ausſchlagenden Erben zuſtaͤndig. Art. 798. §. 358. 5o rtſetzung. W. In Hinſicht der fuͤr den Minderjaͤhrigen(denn dieſer kann es Art. 63. nicht) zu thuenden Annahme einer Schenkung, muß der Vormund ¹) ebenfalls hierzu die Genehmigung des Familienraths erwirken, ausgenom⸗ men wenn er natuͤrlicher Vormund oder Aſcendent des Pupillen iſt 3 384 Erſtes Buch. Zehnter Titel. Die auf geſetzliche Art angenommene Schenkung hat dann in Hinſicht des Minderjaͤhrigen eben die Wirkungen, die ſie bey einem Volährigen baben wuͤrde, ſo daß der Beſchenkte alle damit verknuͤpften Bedingungen erfuͤllen muß, und keine Wiedereinſetung in den vorigen Stand hat. 1) Macht der Vater oder Vormund ſelbſt dem Pupillen eine Schenkung, ſo muß dieſelbe, da niemand Schenkgeber und Schenknehmer zugleich ſeyn kann, durch den Gegenvormund angenommen werden; auch koͤnnte in Ermangelung deſſen der Famllienrath einen Curator ad hoe ernennen. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap⸗ Th. II. S. 439. 2) Art. 935. §. 359. Fortſetzung. Art. 464. V. Da der Vormund das unbewegliche Vermoͤgen des Pupillen ohne Einwilligung des Familienraths nicht veraͤußern kann, ſo kann er auch nicht ſolche Klagen ohne dieſelbe anſtellen), welche dieſes Vermoͤgen betreffen, da ihm hierdurch die Macht einer ſolche Veraͤußerung indireet gegeben wuͤrde, indem er durch eine ſchlechte Fuͤhrung der Klage ihren Gegenſtand verlieren koͤnnte. Roch weniger kann er eine gegen den Pu⸗ pillen erhobene Immobilienforderung, mag ſie gerichtlich eingefuͤhrt ſeyn oder nicht— eigenmaͤchtig nachgeben ²). Zu bemerken iſt: 1) Als Be⸗ klagter bedarf er der Genehmigung zur Fuͤhrung des Proceſſes nicht ²); eben ſo wenig, wenn er eine ſchon fruͤher erbobene Immobiliarklage fort⸗ ſetzt, weil das Geſetz die Fortſetzung eines Rechtsſtreits als einel abge⸗ drungene Vertheidigung betrachtet 4). 2) Ebenfalls nicht*), wenn die Klage beweglich iſt, obgleich es in dieſem Fall oft rathſam ſeyn kann ⁵), entweder wenn die Klage Schwierigkeiten darbietet, um ſich gehoͤrig inſtruiren zu laſſen, oder wenn der Ausgang des Proceſſes zwei⸗ felhaft ſeyn koͤnnte, und der Vormund zu viel zu wagen glaubt, wenn er ſeiner eigenen Ueberzeugung folgen wuͤrde*). 1) Iſt der Vormund, z. B. der Vater, noch minderjaͤhrig, ſo bedarf er außerdem eines eigenen Curators zur Anſtellung der Klagen ſeines Sohnes. Arg. art. 2208. E S. Oeſterley und mein Commentar uͤber die Proceßordnung. Th. 1. 2) Findet er jedoch, daß der Anſpruch gegruͤndet iſt, ſo kann er die Sache dem Familienrathe vorlegen, um zur Anerkennung der Forderung, oder zur Ab⸗ ſchließung eines Vergleichs autoriſirt zu werden, und dem Pupillen die Proceß⸗ koſten zu erſparen. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 441. 2 3) Vers Von d. Minderjäͤhrigkeit, Vormundſchaft n. Emancipation. 385 3) Vertheidigt ſich der Vormund ſchlecht, ſo kann er nur dann verurtheilt werden, die Koſten aus ſeinem eigenen Vermoͤgen zu erſtatten, wenn er es doloſe that. BocREx. a. a O. 4) v. Almendingen S. 281. Laſſaulr Geſetzgeb. Rap. Th. II. S. 440. Das Gegenthell behauptet Mat.RvIILLE Analyſe ad h. art. aber gegen den Buch⸗ ſtaben des Geſetzes. 5) Unbegreiflich iſt es, wie die Pandectes Fraugaiſer das Gegentheil aus dem weithergehohlten Grunde behaupten koͤunen, weil jede Verurtheilung des Pu⸗ pillen eine Hypothek auf ſeine Grundſtüͤcke nach ſich ziehe. 6) Deſterley und mein Commentar über die Proceßerdnung. Th. I. S. 63⸗ 7) Zu bemerken iſt: I. Der Vormund kann in einem Concursproceſſe gegen den Hypothecarſchuldner des Puptllen ohne Autoriſation auftreten, weil dieſer Proceß nur die Eintreibung einer perſönlichen Forderung zum Gegenſtande hat. Appell⸗ hof zu Bruͤſſel in Jurisprudence. T. II. p. 485. HI. Der Vormund, der in einer einfachen unbeweglichen Sache, wo er als Beklagter aufttat, Appellation einwandte, kann von derſelben ohne Autoriſation nicht aktreten, weil die Ver⸗ zichtleiſtung auf die Appellation die Anerkennung der Klage nach ſich ziehe. 5. 360. Fortſetzung. vI. Eben dieſer Genehmigung bedarf der Vormund, um auf eine Art. 46s. Theilung anzutragen, betreffe dieſelbe uͤbrigens bewegliche oder unbeweg⸗ liche Sachen ¹); ob er gleich ebenfalls in dieſem Falle als Beklagter, ohne eine ſolche Genehmigung, auftreten kann. Die Theilung geſchieht entweder gerichtlich oder außergerichtlich. Soll eine Theilung in Art. 466. Ruͤckſicht des Minderjährigen ²) alle die Wirkungen haben, die ſie unter Volljährigen hervorbringt, ſo muß ſie gerichtlich geſchehen. Der Vor⸗ mund muß ſich deshalb an das Tribunal erſter Inſtanz, worin dieſelbe eroffnet iſt 3), mittelſt eines Geſuchs wenden. Dieſes hat ſodann Sach⸗ verſtaͤndige zu ernennen, welche von dem Präſidenten des Tribunals, oder einem andern von ihm beauftragten Richter zur redlichen und treuen Erfullung ihres Auftrags beeidigt werden, und ſodann zur Abſchätzung der zu theilenden Sachen, zur Theilung derſelben, und zur Beſtimmung der Antheile eines jeden ſchreiten. Dieſe Antheile werden ſodann in Ge⸗ genwart eines Mitglieds des Gerichts, oder eines von demſelben ernann⸗ ten Rotars veranlaßt, und von dieſen Beamten ausgeliefert 4).— Die außergerichtliche Theilung iſt hingegen nur als proviſoriſch zu betrachten, ſo daß der Vormund ſelbſt, oder der volljaͤhrig gewordene Pupill eine 3 Rectification derſelben oder eine neue Theilung verlangen kann*). Spangenberg's Commentar Bd.. Cer 1) Dens 386 Erſtes Buch. Zehnter Titel. 1) Denn der Artikel ſpricht ganz allgemein. S. Oeſterley und mein Com⸗ mentar a. a. O0. Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. Il. S. 443. So entſchied auch das Tribunal zu Paris in Jurisprudence. T. I. p. 255. 2) Haben mehrere Pupillen deſſelben Vormunds bey einer Theilung ein entgegen⸗ geſetztes Intereſſe, ſo muß jedem durch den Familienrath ein Curator ad hoe ernannt werden. Art. 838. 3) Oode de procedure frangois art. 59. Veſtyhalien art.. — ₰ gieng, daß wenn der Pupilk auf Theilung antruͤge, er auch die Koſten tragen muſſe, wurde er aber von andern dazu aufgefordert, ſo ſollten die Koſten allen Mittheilenden zur Laſt fallen. Dieſer Arttkel wurde aus dem Grunde nicht angenommen, weil in dem Falle einer nothwendigen und gerechten Theilung die Koſten aus der zu theilenden Sache ſelbſt genommen werden muͤßten. Sehr richtig bemerkt jedoch MaLEVIELE Analyſe ad h. art. daß dieſer Grund nicht entſcheidend ſey, da die Theilungskoſten durch die Eigenſchaft der Minderjaͤhrtg⸗ keit vergröͤßert wuͤrden, und die, die mit ihm theiten, dieſen Ueberſchuß wenig⸗ ſtens dann nicht zu tragen haben müßten, wenn er ſelbſt auf Theilung antrage. 3) und zwar muf in dteſem Falle die Reciſſion der alten Theilung nur ex capite minorennitatis, nicht ex capite laeſionis verſtattet werden. Appellhof zu Aix in Jurisprudeme. T. VII. P. 88. 3 ortſebng. rt. 67. VII. Der Vormund kann im Nahmen des Minderjäbrigen nicht anders einen Vergleich ſchließen, als nach vorgaͤngiger Genehmigung des Familienraths, und auf ein Gutachten dreyer von dem kaiſerlichen Pro⸗ curator bey dem Tribunale erſter Inſtanz ernannten Rechtsgelehrten). Auch iſt der Vergleich nur dann gultig, wenn er nach vorgaͤngiger Ver⸗ nehmung des kaiſerlichen Procurators von dem Tribunale beſtätigt iſt ²). * 2) Der Art. g67. iſt nach BL.ORCREL g. a. O. auch auf das Compromiß anwend⸗ bar. Aber diefes letztere iſt ja nach Art. 1004. und 33. des Code de proce⸗ dure frangais art. 929. des Code de procddure Heflhhalien ausdruͤcklich verboten. 2) Vergl. DökRrEu S. 47 ff⸗ 5. 362. Beſchluß⸗ Pupillen unzufrieden zu ſeyn, ſö kann er bey dem Familienrathe e⸗ 4) Das Projet du Code civil enthielt noch einen Artikel, deſſen Inhalt dahin art 68 VIII. Hat der Vormund wichtige urſachen mit der Auffuͤhrung des Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 387 Beſchwerden anbringen, und wenn er von dieſem hiezu autoriſirt wird, jedoch nach Vorſchrift des Art. 377, um die Einſperrung des Minder⸗ jaͤhrigen nachſuchen⸗ Neunter Abſchnitt. Von den Vormundſchaftsrechnungen⸗ S. 339. 1. Rechnungspflichtigkeit des Vormunds.. Jeder 1) Vormund, er ſey naturlicher, teſtamentariſcher, geſetzlicher Art. 469. oder dativer, muß uͤber ſeine Verwaltung Rechnung ablegen. In der Negel geſchieht dieſe Rechnungsablegung erſt nach beendigter Vormund⸗ ſchaft, und zwar dem Bevormundeten ſelbſt oder deſſen Erben; aus⸗„ genommen: J. Der Vormund, jedoch mit Ausnahme des natuͤrlichen, Art. 470. kann auch während der Vormundſchaft angehalten werden, zu gewiſſen Zeiten, die von dem Gutduͤnken des Familienraths abhaͤngen, dem Gegenvormunde eine Ueberſicht des Zuſtandes ſeiner Verwaltung ²) vor⸗ zulegen; doch kann dieſes nie mehreremale in einem Jahre geſchehen. Dieſe Ueberſicht ſoll ſodann unentgeldlich, auf nicht geſtempeltem Papier, und ohne irgend eine gerichtliche Formlichkeit verfertigt und mitgetheilt werden. II. Dritten Perſonen, naͤmlich dem Gegenvormunde und dem neuen Vormunde 3) wird die Rechnung abgelegt, wenn zwar der alte Vormund austritt, die Vormundſchaft aber fortdauert.— Ueber die Form der Rechnungsablage ⁴) iſt, da ſie nur ein Privatgeſchaͤft zwiſchen dem Vormunde und dem Pupillen iſt, nichts beſonders beſtimmt; aus⸗Art. 471. genommen daß ſie, wenn ſie definitiv iſt, auf Koſten des Bevormundeten abgelegt werden ſoll, der Vormund aber die Koſten vorzuſchießen hat; und daß alle in der Rechnung vorkommenden Ausgaben, die einen nuͤtzlichen Zweck hatten und hinreichend erwieſen*) ſind, dem Vormunde gutge⸗ heißen werden. 1) Dieſe Pflicht kann z. B. dem teſtamentariſchen Vormunde nie erlaſſen werden. 2) Dieſe Ueberſicht verhaͤlt ſich jedoch keinesweges wie eine wirkliche Abrechnung, ſondern dient nur zur Controle, und um die Verwaltung des Vormunds kennen zu lernen, und demnächſt das Intereſſe des Pupillen ſicher zu ſtellen⸗ Ccc 2 3) Lo⸗ — Prt. 473. Ark. 374. Erſtes Buch. Zehnter Titel. 3) LocRE Eſprit. T. vI. p. 332. v. Almendingen S. zox. Dat vicoukR Inſtitutes T. l. p. 256. wilt ſie nur dem neuen Vormunde ablegen laſſen. S. Laſſaulx Geſetzgeb⸗ Nap. Th. II. S. 458. Dlie Abrechnung braucht in dieſem Falle nicht gerichtlich zu geſchehen, wie man vor dem Code aus der Ordonnanee von 1667 folgerte. Denn der 473ſte Artikel verweißt nur diejenigen Punete einer abgelegten Vormundſchaftsrechnung an die Tribunale, uͤber welche die In⸗ tereſſen nicht haben einig werden können. LocRk und v. Almendingen a. a. O. Andrer Meynung iſt jedoch Laſſaulr Geſetzgeb. Nap. Th. ll. S. 459. 4) Eine Form ſ. bey Wilkigerod Inſtruction; am Ende. 3) Dieſes kann ſowohl durch ſchriftliche Belege als durch eidliche Erharzung des Vermunbes geſchehen. Kaſſauly a. a. O. 5. 364. . M. Wirkungen derſelben. I. Jeder Vertrag*), der zwiſchen dem Vormunde und dem eße⸗ maligen Muͤndel etwa eingegangen iſt, iſt unguͤltig, wenn nicht zuvor eine umſtändliche Rechnungsablage, und die Einhaͤndigung ſämmtlicher Belege erfolgt; dieſes anch wenigſtens zehn Tage vor dem Vertrage durch einen Empfangſchein des Rechnungsabnehmers beſcheinigt iſt. M. Jeder Vergleich, der zwiſchen den beiden Perſonen in Hinſicht auf die ganze Rechnung, oder auf einzelne Poſten derſelben, nach Anſicht derſelben, ohne Autoriſation des Familienraths und ohne Beobachtung der im 467ſten Artikel aufgezaͤhlten Dispoſitionen abgeſchloſſen iſt, iſt ebenfalls unguͤltig. III. Giebt die Rechnung Anlaß zu Streitigkeiten, fo ſollen dieſe, wie alle andere Civilproeeſſe entſchieden und beurtheilt werden 2). IV. Die Summe, welche der Vormund aus der Vormundſchaftsrechnung ruͤck⸗ ſtaͤndig bleibt, iſt von dem Zeitpuncte des Abſchluſſes derſelben angerechnet, kraft des Geſetzes und ohne vorgaͤngige Mahnung, von dem Vormunde zu verzinſin 3). Von dem hingegen, was der Minderjaͤhrige dem Vormunde ſchuldig bleibt, kaufen die Zinſen erſi von dem Tage an, wo nach dem Rechnungsabſchluſſe eine Anmahnung oder Zahlung erfolgt iſt. 1) Die Rede iſt hier von ſolchen Vertraͤgen, welche uͤber die Rechnungspflichtigkeit vor Anſicht der Rechnung, in folle, non vifſs, nec diſpunctis rationibus ab⸗ geſchloſſen werden. MarEuIILIE ad R. art. 2) S. Code de procddure frangois art. 327 ff. Vſtphalien art. 472. 3) Und zwar konnen die Ruͤckſtaͤnde von dem Vormunde bey Strufe des perſöm lichen Arreſts eingetrieben werden, Art. 534. des Code de procedure frangois, art. 479. des Code de procedure Meſtphalien, da dieſer nach Art. 473. hier mit den uͤbrigen Vorſchriften der Proceßordnung angewandt ſoll. ALE. — 3—.— 7 Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 339 MarEvrIIE anahyſe ad h. art. und Pr. ohcREt a. a. O. leugnen es. S. aber Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. ll. a. a. O. 5. 365. Ir. Dauer ber Verantwortlichkeit, welche aus der Rechnungspflichtigkeit folgt. — Hat der Vormund Fehler in der Verwaltung begangen, oder ſiehe Art. 475. ſich der Pupill ſonſt genoͤtbigt, wider denſelben, in Ruͤckſicht vormund⸗ ſchaftlicher Handlungen, aufzutreten, ſo muß er die Klage binnen zehn Jahren nach erlangter Volljährigkeit anſtellen, denn nach dieſen iſt ſie verjährt 1). Auch findet ſie ſubſidiariſch gegen keine weitere Perſon ſtatt 2²) 1) Seine Erben muͤſſen ſie binnen 1o Jahren nach dem Tode des Pupillen anßellon⸗ 3) BEarER Fxpoſe des motifs.(Garnery Th. 1. S. 212.0 Ende der VBormundſchaft⸗ 5. 366. 5 Endigungsarten. Die Vormundſchaft endet: I. durch natürkichen oder buͤrger⸗ tichen Tod des Vormunds, oder des Pupillen; Kl. durch Entſetzung oder Entlafſung des Vormunds; MM. durch Volljaͤhrigkeit; W. durch Pflegſchaft ¹); V. durch Emancipation des Minder⸗ jährigen; VI. bisweilen auch durch die zweyte Ehe der Mutter ²) 12) Art. 36. 3) Art. 396. ZacMARrAx Handbueh. Th. I. S⸗70 ff Drittes Kapitel. Von der Emancipation oder Entlaſſung aus der elter⸗ lichen oder vormundſchaftlichen Gewalt⸗ 5. 367. Begriff. Die Emancipation des Franzöſiſchen Rechts iſt bey weitem enger, wie die des Römiſchen Rechts; ſie verhaͤlt ſich nur wie eine von den Eltern oder dem Familienratbe dem Pupillen ertheilte, jedoch beſchränkte Venia aetatis. Cec 3§. 368. Erſtes Buch. Zehnter ite. 6. 366 Arten derſelben⸗ urt. a76. Die Emancipation geſchieht: I. durch Heirath des Minderjährigen Art. a77. und zwar ipſo jure; II. durch eine vor dem Friedensrichter und deſſen Greffier geſchehene Erklaͤrung des Baters, und in deſſen Erman⸗ gelung, der Mutter ¹). In dieſem Falle muß jedoch der Minder⸗ Art. s. jaͤhrige das funfzehnte Jahr ſeines Alters zuruͤckgelegt haben; III. durch einen Beſchluß des Familienraths, und die in demſelben durch den Friedensrichter als Praͤſidenten deſſelben gegebene Erklärung, daß der Minderjährige emancipirt ſey. Hierbey iſt zu bemerken: 1) dieſe Art der Emancipation findet nur in Ermangelung der Eltern ſtatt; att. 479. 2) ſaͤumet der Vormund*) dieſelbe zu erwirken, und halten einer oder mehrere Verwandte oder Verſchwaͤgerte, die ſich mit dem Minderjaͤhrigen in dem Grade der Geſchwiſterkinder, oder in naͤhern Graben befinden, den Min⸗ derjährigen fuͤr fähig; ſo koͤnnen ſie bey dem Friedensrichter die Zuſam⸗ menberufung des Familienraths, um hieruͤber einen Schluß zu faſſen, nachſuchen, und der Friedensrichter darf dieſes Geſuch nicht abſchlagen; 3) der Minderjaͤhrige muß das achtzehnte Jahr zuruͤckgelegt haben. 1) Auch die Mutter, ob ſie ſich gleich weiter verheirathete, und nach Art. 395. die Vormundſchaft verlor, kann ihren funfzehnjaͤhrigen in fremder Vormund⸗ ſchaft ſtehenden Sohn emanciptren; da der, welcher die elterliche Gewalt hat, auch dieſelbe niederlegen kann. Appellhof zu Bruͤſſel. S. Extrait des divi- ſions notables de Cour d'appel de Bruxelles. p. 129. S1RBv Journal général 1809. P. II. p. 39. Appellhof zu Luttich Journa! de Palais. 1809. I. 256. Den unehlichen Eltern ſteht das Recht der Emancipation nicht zu, wenn ſie keine elterliche Gewalt haben. Eine Emancipation fuͤr einzelne Geſchäfte findet nicht ſtatt. Br.oßcRpr. a. a. O. Ob die Emancipation auch durch einen Bevoll⸗ maͤchtigten geſchehen könne? BLoßcRR a. a. O. bejaht es, ſo wie er auch behauptet, daß ſie durch ein Teſtament der Eltern moͤglich ſey. Eben dieß behaupten die Pandeoter fraugaiſen T. W. p.614. Laſſauhr Grſetzgeb. Nap. Th. 1I. S. 4oo. verneint es richtiger. 2) Er mag geſetzlicher, oder teſtamentariſcher, oder Datlvvormund ſeyn. Laſſaulr a. a. O. S. go1. In Hinſicht des erſtern leugnen es die Pandectes fraugaiſes §. 369. Wirkungen. 1. Allgemeine. Die Wirkungen der Emancipation ſind im allgemeinen, daß die Art. 480, elterliche und die vormundſchaftliche Gewalt aufhoͤren, daß, die Vor⸗ Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 391 Vormundſchaftsrechnung dem emancipirten Minderjährigen, jedoch nur mit Zuziehung eines von dem Familienrathe zu ernennenden Curators, abgelegt wird. In Hinſicht der einzelnen Wirkungen der Emancipation muß man den Minderjaͤhrigen, welcher Handelsverhaͤltniſſe uͤbernommen hat, von dem, welcher nicht Handel treibt, unterſcheiden. 5. 370. 2. Veſondere. a. Ohne Ruͤckſicht auf Handelsverhaͤltniſſe⸗ Die Emancipation bewirkt nun: I. Daß der Minderjaͤbrige einige Handlungen allein vornehmen kann, ohne einen Curator zuzuziehen. Dieſe ſind: 1) alle conſervatoriſchen Hand⸗ Art. 481. lungen. Mithin ſchließt er Pachtvertraͤge, deren Dauer jedoch nicht uͤber neun Jahr gehen darf, ſorgt fuͤr die Eintreibung ſeiner ausſtehenden Forderungen der Pachtgelder, und ſtellt die dahin gehörigen Klagen an 1). 2) Dispoſitionen uͤber ſeine Einkuͤnfte ²). Er erhebt mithin dieſelben, ſtellt daruͤber Quittungen aus, beſtreitet ſeine Ausgaben mit ihnen, u. ſ. w.— In Hinſicht dieſer Handlungen hat er keine Wiedereinſetzung in den vorigen Stand, ausgenommen, wenn dieſelbe auch ein Volljaͤhri⸗ ger haben wuͤrde. II. Daß er einige Handlungen nur unter Zuziehung eines Curators vornehmen darf, den ihm der Famtlienrath bey der Emancipation ernannte 2); und der nur ſein Rath⸗ geber iſt, obgleich der Minderjaͤhrige in eigenem Namen, jedoch nie ohne Concurrenz deſſelben, handeln darf. Dieſe Handlungen ſind: 1) An⸗ Prt. 482. ſtellung von Immobiliarklagen, oder Vertheidigung gegen dieſelben 4); 2) Eincaſſirung eines Capitals, welches zur Subſtanz ſeines Vermögens gehort, Quittirung darüber, und Wiederanlegung deſſelben?). HM. Daß er einige Handlungen nur unter Genehmigung des Fami⸗ lienraths vornehmen darf. Hierher gehoͤrt: 1) Aufnahme eines Art. 483. Anlehns, denn dieſes kann er unter keinem Vorwande thun, wenn nicht ein von dem Tribunale erſter Inſtanz, auf Anbörung des kaiſerlichen Procurators, beſtätigter Beſchluß des Familienraths vorausgegangen iſt⸗ 2) Beraͤußerung ſeines unbeweglichen Vermoͤgens, ſo wie uͤberhaupt jede Art. 484. Handlung, die nicht zur bloßen Verwaltung gehört, z. B⸗ Verhypothe⸗ eirung, Vergleich, Annahme einer Erbſchaft, Theilung u. In allen dieſen Fäͤllen muͤſſen die Förmlichkeiten beobachtet werden, welche den nichtemancipirten Minderjährigen vorgeſchrieben ſind.— he n⸗ Erſtes Buch. Zehnter Titel. Minderjäͤhrige unter Beobachtung der vorgeſchriebenen Formalitäten ge⸗ Handelt, ſo wird ſeine Handlung als die eines Volljährigen betrachtet. Hat er ohne Beobachtung derſelben, in Faͤllen, wo er nicht eigenmaͤchtig contrahiren durfte, gehandelt, ſo hat er wegen kaͤſton die Wiedereinſeßung in den vorigen Stand 6). Ueberhaupt ſollen die Verbindlichkeiten, welche er durch Kauf, oder auf andere Weiſe uͤbernommen hat, im Fall einer Laͤſion gemindert werden koͤnnen 7); zu dem Ende ſollen die Gerichte auf das Vermoͤgen des Minderjaͤhrigen, auf die bona oder mala fides der Contrahenten, und auf die Nuͤhlichkeit, oder Unnatzlichkeit der Ausgaben Art. 485. ſelbſt Ruͤckſicht nehmen. Hat der Minderjährige bey der Uebernahme dieſer Verbindlichkeiten ſo unbeſonnen gehandelt, daß man ihm die ge⸗ hoͤrigen Fähigkeiten, die Wohlthaten der Emancipation zu genießen, ab⸗ ſorechen muß, ſo kann er derſelben fuͤr verluftig erklaͤrt werden). Jedoch ſind bey deren Entziebung die naͤmlichen Formen zu beobachten, Art. 86. unter welchen ſie ertheilt wurde*). Von dem Tage der Zurſicknahme der Emancipation an, tritt dann der Minderjaͤhrige wieder unter die Vormundſchaft, und bleibt unter derſelben bis zur erlangten Voll⸗ jaͤhrigkeit 10). Curators, anlegen, Va er hierdurch über die Subſtanz ſeines Vermögens dispo⸗ niren wuͤrde; wohl aber die Erſparniſſe, die er aus ſeinen Revenüen zu Ca⸗ pital gemacht hat. LocRE Eſprit. T. VI. p. 373. 2) Oh er auch verſchenken duͤrfe? Art. 903. und gog. ſcheinen es ihm zu ver⸗ bieten, doch erklaͤrt Lockß a. a. O. dieſe Artikel dahin, daß dieſes Verbot nur auf das ererbte väterliche Vermogen gehe. 3) PropcRRt a. a. O. und Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 384. behaupten, daß uͤber den emancipirten Minderjaͤhrigen der Vater ipſo jure Curator werde. Anderer Meynung ſind die Pandecten frangaiſes. T. IV. p. 611. * 4) Dieſes wuͤrde aͤberhaupt bey allen beweglichen Klagen der Fall ſeyn, welche die Subſtanz des Vermögens des Minderfährigen, nicht deſſen Revenüen be⸗ treffen. S. Oeſterley und mein Commentar uͤber die Proceßordnung. Th. r. S. 60. MarBvIILLR Analyſe ad h. art. Andrer Meynung iſt ZAchAkIAz Handbuch. Th. 1. S. 77. 8) S. Panudeetes frangaſes. T. VI. p. 618.— DELvINCouRT Iuſtitutes. T. I. p. 362, ſetzt noch hinzu: 2l peut aſſi tranferer adec la ſoule hM tance de ſon curateur, et ſan autre aut oriſation, leg inſeriptions d⸗ cinq pour cent conſolidès. de 50 Fr. de rente, et au- deſoꝛu. Loi du 2 Mar 1606. 6) Art. 1305. Doch kann nur er, nicht aber ſein Mitcontrahent die Handlung aufechtes. Art, 1125⸗ 70 Auf 1) Die eingehenden Ezvitale kann er aber uicht wieder, ohne Zuziehung des Von d. Minderjaͤhrigkeit, Vormundſchaft u. Emancipation. 393 7) Auf dleſe Reduction kann ſowohl ſein Curator, als jedes Mitglied des Fami⸗ lienraths antragen. Kaſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 473. 8) Findet ſich der Minderjährige hiedurch beſchwert, ſo kann er gegen die Ent⸗ ziehung der Emancipation beh den Gerichten einkommen. 8 9) Alſo findet dieſe Verfuͤgung des Art. 485. bey der Emancipation durch Heirath nicht ſtatt. LocnE Eſprit. T. VI. p. 394. aus der Diſcuſſion. Andrer Mev⸗ nung jſt jedoch DprvINcouR Inſtitutes. T. I. p. 263, und verlangt in dieſem Falle ebenfalls die Convocation eines Familienraths, u. ſ. w. Ebenfalls nicht bey dem Handelfuͤhrenden Emancipirten, da in deſſen Hinſicht keine ſolche Re⸗ duction denkbar iſt. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. a73. 10) Der Art. ſagt:*le mineur rentrera en tutelle“ nicht aber:*rentrera ſous j'autorité de fon tuteur.“ Hieraus ſchließt BLoßcRRr. a. a. O. daß er nicht unter die alte Tutel zuruͤckfalle, ſondern daß ein neuer Vormund beſtellt werden muͤſſe, wozu freylich der alte wieder gewaͤhlt werden koͤnne. Anderer Meynung iſt ZackARAß Handbuch. Th. II. S. 78. not. 1. 5. 371. b. Mit Ruͤckſicht auf Handelsverhältniſſe. I. Der nicht emancipirte Minderjaͤhrige kann kein Handelsetabliſſe⸗ ment fuͤhren. II. Bey dem emancipirten Minderjährigen, welcher ein ſolches fuͤhrt, iſt zu unterſcheiden: 1) entweder bezieht ſich das Geſchaͤft nicht auf das Handelsetabliſſement ¹); dann treten die im vorigen Para⸗ graphen aufgeſtellten Regeln ein; oder 2) das Geſchaͤft bezieht ſich auf das Handelsetabliſſement 2); dann ſoll der emancipirte Minderjaͤhrige in Art. as7. Hinſicht deſſelben fuͤr volhjährig gebalten werden 3). 1) Was ein emancipirter Minderjähriger zu beobachten habe, um ſich in Handels⸗ etabliſſements einzulaſſen, verfuͤgt Code de commerce art. 2. 2) Minderjährige Kaufleute duͤrfen in Hinſicht des Handels ihre unbeweglichen Guter verpfaͤnden und zur Hypothek einſetzen. Sie duͤrfen ſie ſogar ver⸗ aͤußern; doch ſind dabey die im Art. 437 u. folg. vorgeſchriebenen Foͤrmlichkei⸗ ten zu beobachten. Code de commerece art. 6. LockE Eſprit du Code de commerce. T. I. p. 41. 3) Der Art. 487. iſt durch den Art. 1308. auf alle Verblndlichkeiten ausgedehnt, welche ein minderjähriger Kuͤnſtler oder Handwerker in Hinſicht auf ſeine Kunſt⸗ oder ſein Handwerk eingegangen iſt. Ddd Eilfter Spangenberg's Commentar Vd. I. * — Erſies Buch. Eilfter Litel. tfte. Von der Volljährigkeit, der Interdiction und dem gerichtlich beſtellten Vormunde. Erſtes Kapitel. Von der Volljäbrigkeit. Begriff und Folgen berſelben. D Art. ass. ie Volljährigkeit tritt mit zuruͤckgelegtem ein und zwanzigſten Jahre ein). Mit dieſem Alter erlangt man die Faͤhigkeit, alle Handlungen des buͤrgerlichen Lebens nach eigener Willkuͤhr, und ohne die Erlaubniß einer Perſon, unter der man in Hinſicht ſeiner perſonlichen Rechtsfähigkeit ſtehen könnte, vorzunehmen. Ausgenommen: I. in Hinſicht der Ehe, bey welcher man des Raths ſeiner Eltern bedarf(§. 202.); II. wenn man ſich in dem Zuſtande der Interdiection befindet; III. wenn man fuͤr einen Ver⸗ ſchwender von Seiten des Gerichts erklaͤrt iſt. Zu bemerken iſt: 1) dem zu Interdieirenden wird ein Vormund geſetzt, der allein fuͤr ihn handelt; 2) der Verſchwender erhaͤlt nur einen Beyſtand, oder Rathgeber, der nicht fuͤr ihn handelt, ſondern unter deſſen Aſſiſtenz er, wiewohl in eigenem Rahmen, handelt. 3 1) S. Goͤnner uͤber die Erlangung der Volljährigkeit nach gemeinem und Franz. Recht in ſ. Archiv fuͤr Geſetzgebung. B. 1. H. 1, Nr. 7. Zweytes Kapitel. Pon der Interdiction. . B egriff. 1 Interdiection*¹) iſt die Unterſagung der eigenen Verwaltung des Permögens. Sie wird in der Regel nur uͤber Volljaͤhrige ²) verfuͤgt, 143 5 — Von d. Volhjaͤhrigkeit u. dem gerichtlich beſtellten Vormunde. 396 wenn dieſelben ſich in dem Zuſtande befinden: I. Des Bloͤdſinns Art. 429. (lnbecilité) Bloͤdſinn iſt der Zuſtand eines Volljaͤhrigen, wenn ſich ſeine Geiſteskraͤfte entweder gar nicht entwickelt, oder zwar entwickelt, nachher aber ſo abgenommen haben, daß derſelbe ſein Vermoͤgen zu ver⸗ walten nicht faͤhig iſt. Il. Des Wahnſinns. Wahnſinn iſt der Zuſtand, wenn ſich zwar die Geiſteskraͤfte entwickelt, aber eine falſche Richtung genommen haben. Dieſer kann doppelt ſeyn: 1) ſtiller Wahnſinn(Pemence); 2) Raſerey(Fureur) 2). Allen den Per⸗ ſonen, die ſich in einem dieſer Zuſtaͤnde fortwaͤhrend ⁴) befinden, ſoll die eigene Verwaltung ihres Vermoͤgens genommen werden, und zwar ohne ſ Ruͤckſicht darauf, ob ſie lichte Zwiſchenraͤume haben oder nicht). Es wird ihnen vielmehr ein Vormund ernannt, der an ihrer Statt handelt. 1) Vergl. VERMErT und LEBRuN im§. 318. not. 1.— Ueber die Curatel über Taubſtumme und beſtaͤndig Kranke(qui morbo fontico laboraut) iſt im Code nichts geſagt. Laſſaulr Geſetzgeb. Nap Th. II. S. 279. behauptet jedoch, daß bey ihnen die Interdiction ebenfalls eintrete. 2) Doch iſt der Artikel auch auf Minderjahrige auszudehnen, welchen nach been⸗ digter Vormundſchaft ein Curator geſetzt wird. LockE Eſprit T. VI p. 435 3) S. Hoffbauer die Pſychologie in ihren Hauptanwendungen auf die Rechts⸗ pflege Halle. 1809 8.— in welchem Werke auch auf die Dispoſitionen des Code Ruͤckſicht genommen iſt..* 4) Denn auch in Krankheiten, Schwaugerſchaften u. ſ. w. tritt oft ein voruͤber⸗ gehender Wahnſinn eln, der aber nicht fortwährend iſt, ſondern nach ge⸗ hobener Krankheit, erfolzter Entbindung u. ſ. w. von ſelbſt aufhoͤrt. 5) Mithin kann der Wahnſinnige auch nicht in ſeinen lichten Zwiſchenräumen teſtiren u. ſ. w. MalEviILI.B Analyſe ad h. art⸗ S. 374 . Erforderniſſe, um auf dieſelbe antragen zu koͤnnen. Interdietion antragen, kann: I. Jeder Verwandte ¹). II. Der Art. 490. Ehegatte. III. Der kaiſerliche Procurator ²), jedoch nur unter folgenden Art. 491. Beſtimmungen: 1) Im Falle der Raſerey, wenn der Raſende zwar Ver⸗ wandte oder einen Gatten hat, kann er es thun, und zwar wenn dieſe nicht auf Interdietion deſſelben antragen. 2) Im Falle des Blödſinns oder Wahnſinns, nur wenn gar kein Ehegatte oder bekannter Babbe⸗ vorbanden iſt; und dann muß er es ſogar thun. Ddd Wird Erſtes Buch. Eilfter Titel. 1) Wird gegen eine Ehe, die ein Wahnſinniger ſchließen will, Oppoſition ein⸗ gelegt, ſo muß nach Art. 175.(Fe 213.) auf Interdiction angetragen werden. Hierbey iſt zu bemerken: I. Wenn gegen die Ehe unter dem Vorwande des Bloͤdſinns Oppoſition eingelegt worden iſt, ſo muß, ehe die Interdietion vor⸗ genommen wird, ein Urtheil vorausgehen, wodurch der Opponent fuͤr fähig anerkannt wird, die Oppoſition einzulegen. Denn obgleich jeder Verwandte nach Art. 490. berechtigt iſt, auf Interdiction anzutragen, ſo koͤnnen doch nur die im Art. 174. genannten, aus dem Grunde Oppoſition gegen die Ehe einlegen. Hat jemand, ohne qualificirt zu ſeyn, gegen die Ehe Oppoſition eingelegt, nachher doch in der Appellationsinſtanz, welche Folge der Procedur war, mitgeladen, und ſolidariſch mit den uͤbrigen zur Schadloshaltung verurtheilt werden. Der Huiſſier, welcher die Oppoſition auf Begehren der nicht qualificirten Verwandten eeingelegt hat, wird ſuſpendirt. Appellhof zu Bruͤſſel in Laſſaulr Journal. I. 2. 137. II. Von dem Urtheile, das den proviſoriſchen Curator dem Inter⸗ dicirten ernennt, kann appellirt werden. In dieſem Falle kann der Appellrichter auch uͤber die Guͤltigkeit der Oppoſition in die Ehe ſprechen, welche ſich aufs Interdictionsgeſuch ſtuͤtzt, ob connexitatem cauſſae, weil dieſe Gelegenheit zum Interdictionsverfahren gab. Der Curator kann aber nicht durch perſoͤnlichen Zwang(contrainte de corps) zur Ruͤckerſtattung der ihm vielleicht anvertrauten Weigern ſich die Verwandten, um Interdiction nachſuchen, ſo behaupten die Pandeot es frangaiſes, daß ſie als nicht vorhanden betrachtet werden muͤßten, und der kaiſerliche Procurator dieſes Geſuch vorzubringen habe. Anderer Mey⸗ nung iſt jedoch Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 379. Der Vormund kann als folcher, die Interdiction eines Verwandten ſeines Puplllen nachſuchen. Appell⸗ hof zu Bruͤſſel in Journal de harreau. 1809. P. II. p. 192. . 2) Ob auch der zu Interdicirende ſelbſt um Interdiction nachſuchen koͤnne, fragt JouannAu et So1oN Discuſßons. T. I. p. 552. nöt. I. Dieſes bejaht PrRIPPER Napoleons Geſetabuch. Th. 1. S. 233. Not.*). 5. 375. . Verfahren. 1. Erſtes Verfahren. Art. 392. Jedes Geſuch um Interdiction ¹) muß bey dem Praͤſidenten des Tribunals erſter Inſtanz des Wohnorts des zu Interdicirenden angebracht Art. 493. werden, und zwar mittelſt einer Schrift, in welcher die Thatſachen, aus denen man auf Bloͤdſinn, Wahnſinn oder Raſerey ſchließt, punctweiſe aufgezeichnet, auch die zum Beweiſe dienenden Urkunden beygelegt, und die etwa uͤber dieſe Thatſachen abzuhörenden Zeugen benannt ſind. Der Praͤſident des Tribunals verfuͤgt hierauf die Mittheilung dieſes Geſuchs an den kaiſerlichen Procurator, und ernennt in derſelben Verfuͤgung einen Richter, derſ an einem beſtimmten Tage einen Vortrag uͤber die Sache zu * aber an der Procedur uͤber die Interdiction keinen Theil genommen, ſo kann er Paptere gezwungen werden. Appellhof zu Bruͤſſel in Laſſaulx I. 2. 138. Von d. Volljaͤhrigkeit u. dem gerichtlich beſtellten Vormunde. 397. zu thun bat. Auf den Vortrag dieſes Richters, und nach Anhörung des kaiſerlichen Procurators, verfuͤgt ſodann das Tribunal, daß der auf die bekannte Art zuſammenberufene Familienrath uͤber den Zuſtand des zu Interdicirenden ſein Gutachten erſtatte. Diejenigen die auf Interdiction Art. a94. angetragen haben, koͤnnen nicht Mitglieder deſſelben ſeyn; doch duͤrfen die Art. 495. Ehegatten und die Kinder des zu Interdicirenden bey der Berathſchla⸗ gung des Familienraths zugelaſſen, und um ihre Meynung befragt werden, ohne daß jedoch ibre Stimme mitgezaͤhlt werden kann. Die Bittſchrift und das Gutachten des Familienraths werden ſodann gerichtsſeitig dem zu Interdicirenden inſinnirt*), und hierauf derſelbe vorgeladen, um in dem Berathſchlagungszimmer des Tribunals vernommen zu werden 3 Kann ſich derſelbe daſelbſt nicht perſoͤnlich einfinden, ſo ſoll die Verneh⸗Art. 496. mung durch einen hiezu beauftragten Richter mit Zuziehung des Greffiers in des zu Interdicirenden Wohnung geſcheben, und zwar muß ſie in beyden Fällen in Gegenwart des kaiſerlichen Procurators geſchehen.— Nach dieſer Vernehmung ernennt das Tribunal einen Verwalter, der Art. 497. fuͤr die Perſon und das Vermoͤgen des zu Interdicirenden proviſoriſch Sorge zu tragen hat*). 1) S. Code de procèd. frangois art. 891- 397. Iſiphalien art. 823 830. 2) Ausgenommen wenn das Gutachten gegen die Interdietion ausfällt, denn dann muß das Interdictionsgeſuch gleich verworfen werden. DRLvINCouRT Inſtitutes. T. I. p. 270. 3) DervINcouR Inſtitutes. T. I. p. 271. behauptet, daß dieſe Vernehmung mehreremale vorgenommen werden koͤnne, wenn das Tribungl es fuͤr nöthig hält. Die Vernehmung geſchieht vom ganzen Tribunale, nicht von einem com⸗ mittirten Mitgliede deſſelben. 4) Die Interdiction der Mitglieder der kaiſerlichen Familie wird durch den Fami⸗ lienrath ausgeſprochen, und dieſer Ausſpruch vom Kaiſer beſtaͤtigt. Statut de famille art. 13. bey SAArpprD Recueil. T. I. p. 402. S. 376. 2. Beweisverfahren. Wenn dieſe Vernebmung und die beygebrachten Beweisſtuͤcke unzu⸗ reichend ſind, die Thatſachen aber durch Zeugen bewieſen werden können, ſo verfuͤgt das Tribunal das Verhoͤr dieſer Zeugen. Bey demſelben kann der zu Interdicirende zugegen ſeyn; haͤlt es jedoch das Tribunal nicht fuͤr gut, ſo kann es verfuͤgen, daß er nicht gegenwaͤrtig ſeyn duͤrfe; doch kann er ſich in dieſem Falle durch einen Beyſtand(conſeil) vertreten Ddd 3 laſſen. — 4 Erſtes Buch. Eilfter Titel. Art. 493. laſſen. Hierauf wird ein Erkenntniß, nach nochmaliger Vernehmung, oder wenigſtens nach geſchebener Vorladung det Partheyen, in oͤfſentlicher Art. 399. Andienz erlaſſen. Wird die Interdietion verworfen, zeigt aber der zu Inter⸗ dieirende eine große Dummheit, oder Unfaͤhigkeit, ſeine Güter zu verwalten, ſo kann ihm das Tribunal einen Beyſtand ernennen, ohne den er fuͤr die Zukunft nicht vor Gericht auftreten, keinen Vergleich ſchließen, kein An⸗ lehen aufnehmen, kein eingehendes Capital heben, noch daruͤber quit⸗ tiren, nichts veraͤußern, noch verhypotheciren darf. §. 377. 3. Verfahren uͤber Rechtsmittel. Art. 500. Gegen dieſes Erkenntniß kann die Appellation eingewandt werden, und zwar: I. Von dem zu Interdicirenden. Dieſer hat ſie ſodann gegen diejenigen zu richten, welche auf Interdietion gegen ihn antrugen. Das⸗ ſelbe iſt der Fall, wenn ihm nur ein Beyſtand angeordnet wurde. II. Von dem Nachſuchenden, oder uͤberhaupt jedem Mitgliede des Fami⸗ lienraths. Dann wird ſie gegen den zu Interdiecirenden gerichtet ¹). Der Appellationshof kann, wenn er es fuͤr noͤthig hält, den zu Inter⸗ dicirenden von neuem vernehmen, oder durch einen hiezu Beauftragten ²) vernehmen laſſen. 1) Code de procodure frangoit art. 894. HMeſtphalien art. 327. 2) Dieſer Auftrag kann gegeben werden: I. Einem Friedensrichter. Obſerva- tions de la cour de Liege. S 6. JI. Oder einem Tribunalrichter des Tri⸗ bunals erſter Inſtanz, der bey Abfaſſung der fententia a qua nicht zugegen war. Ohſer vations de la cour de Montpellier. S. 21. III. Oder einem Appella⸗ tionsrichter. Chſervaticn de la vour d'Orlsani. S. 20. 21. CRuSSaRB Analyſe des obſervations. S. 315 ff. Dieß war auch die Meynung des Staats⸗ * raths in der Discuſſion. LocRß Eſprit. T. VI. p. 467. 5. 378. Wirkungen der Interdiction⸗ Art. ot. Jedes Urtheil erſter oder letzter Inſtanz, welches die Interdiction oder die Anordnung eines Beyſtandes beſtimmt, ſoll auf Betreiben des Nachſuchenden ausgelößt, dem Interdicirten inſinuirt, und binnen zehn Tagen in die, in dem Saale der oͤffentlichen Sitzung, und in den Bureaux der Notarien des Diſtricts*), anzuſchlagenden ²) Regiſter 3) eingetragen werden. Daſſelbe tritt in Hinſicht des Erkenntniſſes ein, was zu nter⸗ Von d. Volljährigkeit u. dem gerichtlich beſtellten Vormunde. 399 Interdicirenden einen beſtaͤndigen Beyſtand ſetzt.— Ueber die Wirkung der Interdiction iſt folgendes beſtimmt: I. Sie faͤngt von dem Tage Art. 502. des erlaſſenen Erkenntniſſes, welches ſie ausſpricht, oder einen Beyſtand anordnet, an. Mithin ſind alle von dem Interdicirten ohne Mitwirkung des angeordneten Beyſtandes vorgenommenen Handlungen iplo jure nichtig. Was hingegen die Handlungen anlangt, welche vor der Inter⸗Art. 303. dietion vorgenommen ſind, ſo lebt entweder der Interdicirte noch, oder er iſt ſchon verſtorben. Im erſtern Falle konnen dieſe Handlungen fuͤr nichtig erklärt werden, wenn die Urſache der Interdiction zur Zeit der Vornahme derſelben notoriſch ſchon vorhanden war ²). Im letztern konnen dieſe Art. 503. Handlungen nur dann angefochten werden, wenn 1) vor ihrem Abſterben entweder die Interdietion ſchon nachgeſucht war, oder 2) wenn ſich der Beweis des Wahnſinns aus der angefochtenen Handlung ſelbſt ergiebt. II. Iſt das Erkenntniß auf Interdiction rechtskraͤftig geworden, ſo muß Art. 503. der Familienrath nach den im vorigen Titel angegebenen Regeln einen Vormund und Gegenvormund ernennen 3). Iſt dieſes geſchehen, ſo ſtellt der vorlaͤufige Verwalter ſeine Verrichtungen ein, und hat dem Vormund, außer wenn er ſelbſt zum Vormunde beſtellt iſt, Rechnung abzulegen. Uebrigens treten die im vorigen Titel ausgefuͤhrten Regeln uͤber die Ernennung der Vormuͤnder ein. Mithin wird zuerſt der natuͤrliche Vormund kraft des Geſetzes Vormund des Interdicirten, z. B. Vater und Mutter ⁵); dann der teſtamentariſche, den die Eltern uͤber das Kind ernannt haben; bierauf der geſetzliche. Jedem geſetzlichen, ſo boie auch Art⸗So6. dem natuͤrlichen und teſtamentariſchen Vormunde wird jedoch der Mann vorgezogen, denn dieſer wird kraft des Geſetzes Vormund uͤber ſeine interdicirte Frau. Auch bleibt es dem Familienrathe uͤberlaſſen, dieſen genannten Vormuͤndern die Frau des Interdicirten vorzuzieben, und die⸗Art. 507. ſelbe zur Vormuͤnderin zu ernennen. Der Familienrath ſetzt in dieſem Falle die Form und Bedingung der Verwaltung feſt*); doch bleibt es der Frau, wenn ſie ſich durch dieſen Beſchluß des Familienraths verletzt fuhlt, unbenommen, ſich an das Tribunal zu wenden. Auch von dem Erkenntniſſe deſſelben ſteht ihr die Appellation frey. In Ermangelung der natuͤrlichen, teſtamentariſchen und geſetzlichen Vormundſchaft, und wenn es der Fami⸗ lienrath nicht fuͤr gut haͤlt, die Frau zur Vormuͤnderin zu beſtellen, tritt eine Dativtutel ein, d. h. es kann jeder zum Vormund ernannt werden, die Deſcendenten des Interdicirten*), der vorlänfige Verwalter?), der die Interdiction Rachſuchende 10), u. ſ. w. 1) No- — —„ 3 40o0 Erſtes Buch Eiffter Titt. 4 16 1)“Notaires de larondiſſement? alſo alle, ſowohl Diſtriets⸗ als Cantons⸗ notarien des Bezirks. Um dieß zu bewirken wird in Frankreich dem Secretaire der Notariatskammer ein Auszug des Erkenntniſſes zugeſtellt, welcher deshalb ein Recepiſſe giebt, und die Mittheilung an ſeine Collegen beſorgt. Loi ſur horga⸗ 4 niſation du notariat art. 18. beh RonponNRav Supplement. p. 5. ed. 2 Voss. Tarif des frais et depens du 16. Fevrier. 1807. I. II. tit. II. cap. 2. F. s. In Weſtphalen muß es dem Präſidenten der Notariatskammer inſinuirt werden. Code de procedure Meſtphalien art. 380. 2) Code de procòdure frangois art 897. Meſtphalien art. 830. 3) Die Form dieſes Regiſters ſchreibt das Projet de Code civil. I. I. tit. K. art. 20. S. 79. vor: Le tableau ſera diviſe en quatre colonnes; la prs- miére contiendra le nom de la perſonne, contre laquelle fera intervenu le 6 jugement; la ſeconde ſon domicile; la troiſieme, la mention du jugement de prẽmiẽre inſtanse; la quatriéme, la mention du jugement qui, fur lappel⸗ aura confirmé ou infirmé le prémier.“ 1 4) Dieſes zu beurthetlen, bleibt dem Ermeſſen des Richters uͤberlaſſen; doch kann die Notorietät durch die gewoͤhnlichen Beweismittel erwieſen werden. LocRt Eſprit. T. VI. p. 479. 5) Code de procodure frangois art. 895. Meſiphalien art. 828. 6) Appellhof zu Bordeau in Juriprudence. T. II. p. 189. 12 7) Die Frau repräſentirt nämlich eine doppelte Perſon, ſie adminiſtrirt das Verms⸗ gen des Mannes als deſſen Vormund, und das ihrige als ihr Ehemann. Waren einige ihrer Vermoͤgensſtuͤcke ihrer Adminiſtration uͤberblieben, ſo adminiſtrirt ſie dieſelben fortwaͤhrend als Frau. Der Familtenrath muß daher beſtimmen: I. Welche Rechte der Frau durch den Ehevertrag gegeben, und welche dem Manne gegeben ſind. II. In welchen Maaße die Frau die Rechte ausuͤben ſolle, welch⸗ * dem Manne uͤber ſein und ihr Vermoͤgen zuſtehen. S. LockRE Eſprit. T. VI. p. 400. Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 388. 8) Arg art. 508. 3 9) So ſcheinen die Art. 506. und 307. zu erklaͤren zu ſeyn, da der Art. 505. auf den ganzen Titel von den Vormundſchaften, nicht auf den vierten Abſchnitt des zweyten Kapitels verweißt. DEILvINcouRT Inſtitutes. T. I. p. 273. *— behauptet dagegen, die Tutel uͤber den Interdicirten ſey immer dativ, mit Ausnahme der Vormundſchaft des Mannes, welche allein geſetzlich ſey. S. jedoch Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. II. S. 390. 10) Appellhof zu Metz in Juriprudence. T. I. p. 374. Ed. I. S. 379. Fortſetzung.- Art. 508. MI. Der Vormund des Interdicirten, ausgenommen der Ehegatte, Aſcendent oder Deſcendent, iſt die Vormundſchaft uͤber denſelben nie länger Von d. Volljaͤhrigkeit u. dem gerichtlich beſtellten Vormunde. 401 länger zu behalten ſchuldig als zehn Jahre, und kann nach Ablauf dieſer Zeit immer verlangen, daß ein anderer an ſeine Stelle trete. Dieſes Verlangen darf ihm nicht abgeſchlagen werden. IV. Der Interdieirte Art. 509. wird ſowohl in Hinſicht auf ſeine Perſon, als auf ſein Vermögen, einem Minderjährigen gleich geachtet; und es treten daher dieſelben Regeln bey ihm ein, die bey dem letztern beobachtet werden muſſen. Ausgenommen: 1) Die Einkuͤnfte des Interdicirten muͤſſen notbwendig dazu verwandt Art. 51o. werden, um deſſen Schickſal zu erleichtern, und ſeine Wiederberſtellung zu beſchleunigen. Der Familienrath hat deshalb mit Ruͤckſicht auf die Beſchaffenheit ſeiner Krankheit, und auf den Zuſtand ſeines Vermoͤgens zu beſtimmen, ob er in ſeiner Wohnung verpflegt, oder in ein Kranken⸗ baus, oder in ein Irrenhaus ¹) gebracht werden ſolle. 2) Will ein Art. 51. Kind des Interdieirten ſich verheirathen, ſo ſoll der Brautſchatz, oder in Ermangelung deſſelben, der Vorſchuß auf den kuͤnftigen Erbtheil*), nebſt den uͤbrigen Bedingungen der Eheſtiftung, durch ein auf Antrag des kaiſer⸗ lichen Procurators von dem Tribunale, beſtaͤtigtes, Gutachten des Fami⸗ lienraths beſtimmt werden. N 1) So mochten wohl die Worte: ou qu'il ſera place dans une maiſbn de ſantẽ, et möme dans un hoſpice“ zu erklaͤren ſeyn. Der Vormund kann jedoch nicht gezwungen werden, ſeinen Pflegbefohlenen in ſeinem eigenen Hauſe zu ernaͤhren und zu erziehen. Appellhof zu Amiens bey Laſſaulx Geſetzgeb. Nap. Th. I1. S. 417. 2) hoirie“ eſt un vieuæ mot qui ſieniſte ſucceſſion. Avancement d heirie“ ſt done ce qu un pore ou ume mére donmnent d leurs enfans par antici- Vation ſur leur ſucceſion Future. DsLvINcovRT luſtitutes. T. I. p. 276. §. 380. Ende der Interdiction. Die Interdietion bört auf, wenn die Urſachen aufbören, die ſie ver⸗Art. 31. anlaßt haben; nie jedoch ipſo facto, ſondern nur unter Beobachtung der zur Auswirkung derſelben vorgeſchriebenen Förmlichkeiten. Der In⸗ terdicirte tritt mithin nicht eber in die Ausuͤbung ſeiner Rechte wieder ein, als bis ein Erkenntniß erfolgt iſt, welches die Aufbebung beſtimmt ¹). ¹) Code de proeadure frangoit art. 896. Meſtphalien art. 829. Spangenberg's Commentar Vd. I. Eee Drit⸗ „ 402 Erſtes Buch. Eilfter Titel. Von der Volhͤhrigkeit c.. Drittes Kapitel. Von dem gerichtlich beſtellten Beyſtande. Begri ff. Ein Beyſtand und Rathgeber, ohne den der, welcher ihn erhaͤlt, nicht eigenmaͤchtig handeln darf, wird gegeben: J. Denſenigen, deren Un⸗ faͤbigkeit Rechtsgeſchaͤfte einzugehen zwar nicht von der Art iſt, daß ſie vollig interdicirt werden muͤſſen, die jedoch einer ſpeciellen Fuͤrſorge des Art. 513. Geſetzgebers beduͤrfen ¹). II. Den Verſchwendern. Von den erſtern iſt oben(§. 377.) geredet; wir bleiben daher bey den letztern ſtehen. Den Verſchwendern kann es alſo unterſagt werden, ohne Mitwirkung eines vom Gerichte beſtellten Beyſtandes, vor Gericht aufzutreten, ein Anlehn aufzunehmen, ein aufkuͤndbares Capital zu erbeben, und daruͤber zu quittiren, ihr Vermoͤgen zu veraͤußern oder zu verhypotheciren. 1) Art. 400. S. Oeſterley und mein Commentar über die Proceßordnung. Th. 1. S. 65.— Da der Verſchwender vor dem Code einen Curator erhielt, ſo glaubte man, das dieſer durch die Anordnung des Beyſtandes aufgeho⸗ ben, und der Verſchwender frey wuͤrde. Dieſes verneint jedoch der Appellhof von Turin in Juritprudencs. T I. p 231. S. auch JovAMNPEAb et SoLoN Discuſſions. T. I. p. 556. not. I. 5. 382. Verfahre n. Art. 31. Um ein ſolches Verbot koͤnnen alle diejenigen nachſuchen, die auf Interdiction antragen koͤnnen; ihr Geſuch wird auf dieſelbe Art ¹) ver⸗ handelt und entſchieden. Iſt der Verſchwender gebeſſert, ſo kann das . Verbot wieder aufgehoben werden, jedoch nur unter Beobachtung der⸗ 3 Art. 313. ſelben Foͤrmlichkeiten. Auch gilt hier dieſelbe Regel, welche bey der In⸗ terdietion in ihrer unbeſchraͤnkteſten Allgemeinbeit eintritt; daß nämlich ohne vorhergebenden Antrag des öffentlichen Procurators weder in der erſten noch in der Appellations⸗Inſtanz, erkannt werden kann. 1) Irrig behaupten die Pandectes Frunguiſen. T. IV. p. 661. daß die Verneh⸗ mung des Verſchwenders nicht nothig ſey. S. Caſſaul Geſetzgeb. Nap. Th II. S. goʒ.— Nur wird in Hinſicht der Dispoſition des Art. 514. der Fozte Ar⸗. tikel nicht anzuwenden ſeyn. ZacRaRIaß Handbuch. Th. I. S. 35. Ende des erſten Buchs. . Zuſatze und Verbeſſerungen. X 6. 3. S. Prof. Arnold in Cöln: Anſichten äber die neue Franzöſiſche Ge⸗ ſetzgebung, und deren Verbreitung: in Laſſaulx Annalen. II. 2. S. 127 ff. 6 5. Dem Baierſchen Civilgeſetzbuche, deſſen Verfaſſer der Geheimerath Feuerbach iſt, liegt uͤberall der Code Napoleon zum Grunde. In den Fuͤrſi⸗ primatiſchen Staaten iſt durch ein Decret yom 15. Sept. 1809. die Einfuͤhrung des Code verordnet, und beſtimmt, daß derſelbe vom 1. May 1810. an Geſetzeskraſt haben ſolle. Die Erhardſche Ueberſetzung ſoll proviſoriſch in den Gerichten ge⸗ braucht werden. S. Winkopp Rheinbund. H. 36. S. 439.— In den Bergi⸗ ſchen Staaten iſt der Code durch ein kaiſerliches Decret vom 12. Nov. 1809. eingefuͤhrt. Die Weſtphäliſche Ueberſetzung“pourra daſelbſt étre ſeule citée— avec le rexle frangais.“— S. Moniteur MWeſtyhalien. 1809. Nr. 145. Ueber die Reception des Code fuͤr Teutſchland ſ. noch: Ueber die Art der Promulgation des Code Napoleon in den Staaten des Rheinbunds in Jaup und Crome Germanien. Bd II H. 2. Nr. XVIII. §. 39. Code de Tinſtit ution eriminelle, ließ Code inſtruetion erimi- nelle. §. 44. Not. g.— Dictionnaire des lois, décrets impẽriaux avis de Conſeil, chetat, déciſions miniſtérielles, et arréts des cours de Juſtice d'Empire rendus ſur les C. N. et d p. c. depuis le promulgation de ces Codes. 5g. Not. 6. Eine ähnliche Beſtimmung finden wir fuͤr Weſtphalen im Ge⸗ ſetzbulletin 1809 Nr XXVII. art. 17. S. 317.“Wenn nach erfolgter Caſſation eines Urtheiles das neue Urtheil das erſte wieder beſtätigt, und aus denſelben Rechts⸗ gründen abermals angefochten wird, ſo iſt der Fall zur Interpretatton(naͤmlich der authentiſchen) des Geſetzes geeigenſchaftet.“ §. 39. FnIEpn BpRGnAM, Prof. in Göttingen, Lehrbuch des Privatrechts des C. N. Gäöttingen 1810. 8. F. 91. Ueber die verbindliche Kraft der auswärtigen Urtheile iſt durch ein Gut⸗ achten des Staatsraths vom 4. Nov. 1809. fuͤr Weſtphalen folgendes beſtimmt: I. daß die Weſtphaͤliſchen Tribunale alle von ausländiſchen Gerichten in perſoͤnlichen Sachen wider Ausländer ertheilten Erkenntniſſe, ohne Pruͤfung ihrer Gruͤnde, und ohne neue Verhandlungen uͤber die ſchon entſchiedenen Fragen fuͤr executoriſch im Koͤnigreiche erkläͤren muͤſſen; II. daß ſie gleichfalls die von auslaͤndiſchen Gerichten befugterweiſe wider Weſtphaͤliſche Unterthanen gefallten Urtheile alsdann fuͤr„xecu⸗ toriſch Zuſaͤtze und Verbeſſerungen. toriſch erklaͤren muͤſſen, wenn die Verfuͤgungen dieſer Urtheile weber den conſtitis⸗ nellen, noch denjenigen Geſetzen des Koͤnigreichs, welche das unbewegliche Eigen⸗ thum, oder den Stand(état) und die Fähigkeit der Perſonen betreffen, zuwider ſind; 1I. daß dieſe Erkläͤrung ſowohl auf ſchriftliches Erſuchen derjenigen Gerichte, welche die Urtheile ausgeſprochen haben, als auch dann ertheilt werden kann, wenn Partheyen zu dem Ende Erkenntniſſe uͤberreichen, vorausgeſetzt, daß in dieſem letzteren Falle das Tribunal ſich davon uͤberzeugt hat, daß dasjenige, um deſſen Voll⸗ ſtreckung gebeten wird, wirklich ein richterliches Urtheil, und in letzter Inſtanz ergangen, oder der eingelegten Appellation ungeachtet, fuͤr executoriſch erklaͤrt worden, oder in Rechtskraft uͤbergangen iſt; IV. daß indeſſen dieſe Vorſchriften nur in An⸗ ſehung derjenigen Erkenntniſſe zu befolgen ſind, wo in gleichen Fallen die Urtheile der Weſtphäliſchen Tribunale wechſelſeitig auf dieſelbe Weiſe in Vollzug geſetzt werden. Geſetzbulletin 1809. Nr. XLIXK. S. 564 ff. F. 100. S. Deecret impérial du 17. Mars 1809. Art. I. Lorsqu'un 6trau- ger, en ſe conformant aux diſpoſitious de l'acte des conſtitutions de lEmpirs du 22. Frim. 8. aura rempli les conditions exigées pour devenir eitoyen frangais, ſes naturaliſations ſeront prononces par Nous. Art. 2. La demande en naturali- Iation et les piéces à l'appui ſeront transmiſes par le maire du domicile du petitionnaire au préẽfet, qui les addreſſe, avec ſon avis, à notre grandjuge Mi⸗ niſtre de la juſtice. S1REx Journal général 1809. P. II p. 184. §. 117. Zur Erläuterung des Art. 21. dient das kaiſerliche Decret vom 6. April 1809. uͤber die Devoirs des Frangais qui ſont en pays étranger domici- Ries, naturaliſés, ou employés. Art. 2. Seront conſiderées comme ayaut portẽ les armes contre nous tous ceux qui auront ſervi dans les armées d'une nation qui Etait en guerre contre la France; ceux qui ſeront pris ſur les frontiéres ou en pays ennemi, porteurs de congès de commandans militaires ennemis. Ceux qui ſe trouvant au ſervice inilitaire d'une puiſſance etrangère, ne l'ont pas quitté ou ne quitteront pas pour reutrer en France aux premieres hoſtilités ſurvenues entre la France et la puiſſance qu' ils ont fervis ou qu'ils ſervent. Ceux enfin ui, ayaut pris du fervice militaire à l'étranger, rappellés en France par un er publié dans les formes preſcrites paur ſa publication des lois, ne rentre- ront pas, conformement audit deeret, dans les cas toutefois od, depuis la publi- *. ention, la guerre a Celaté entre les deux puiſſances. S1REx Journal général. P. II. p 196. §. 207. Not. 5. S. vorzuͤglich Geſetzbuͤlletin. 1809. Nr. XXK. S. 407- 412.