—— — — — — * Commentar u ber das Geſetzbuch Napoleons o der gruͤndliche Entwickelung der Disenſſion dieſes Geſetzbuches im Staats⸗Rathe, worin Der Text der Geſetze, Die über jeden Artikel gemachten Bemerkungen und die Entſchei⸗ dungs⸗Gruͤnde des Staats⸗Raths; Die Bezeichnung der Abweichungen vom römiſchen und ehemahligen franzöſiſchen Rechte, Die vom Caſſations⸗Hofe erlaſſenen Urtheile, um den Sinn der Artikel zu beſtimmen; und Die beſondern Bemerkungen des Verfaſſers, um verſchiedene Artikel miteinander zu vereinigen und zu berichtigen und die Auslegung anderer zu erleichtern, enthalten ſind, von Jacob von Maleville, Präſidenten des Caſſations⸗Hofes und einem der Verfaſſer dieſes Geſetzbuches. Aus dem franzöſiſchen überſetzt, mit praetiſchen Erläuterun⸗ gen, den Meinungen berühmter Rechtsgelehrten, ſo wie mit vie⸗ len Urtheilen vermehrt, die uͤber wichtige Rechtsfragen, die nach dem Geſetzbuche Napoleons entſchieden werden mußten, in Frank⸗ reich erlaſſen worden ſind, von Wilhelm Blanchard, Präſidenten des Civil⸗Gerichtes in Cöln. Vierter und letzter Band⸗ — Cölu, bey de Kiliſchen Buchhandlung 1205 Gruͤndliche Entwickelung der des Geſetzbuches Napoleons im Staats⸗Rathe⸗ —— Fortſetzung des dritten Buches⸗ —— Neünter Titet. Von dem Societaͤts⸗Contracte. (Deeret. den 8. Märi 180. Promulg. den 1. des nehml. Monats.) Erſtes Capitel. Allgemeine Verfügungen⸗ (Man muß hier die in den Pandecten und im Coder vor⸗ handenen Titel pro socio nachſehen.) Art. 1932. 5 De Geſellſchaft iſt ein Contract, wo⸗ »durch zwey oder mehrere Perſonen ſich vereinigen, etwas »in eine Gemeinſchaft zu legen, in der Abſicht, den Ge⸗ »winn, der daraus entſpringen mag, unter ſich zu theilen.« Der vorliegende Titel hat, wie Herr Treilhard in ſeinem dem Geſetzgebungs-Corps abgeſtatteten Berichte bemerkte, weder die eheliche Geſellſchaft, noch jene, die unter Perſonen entſteht, welche ſich unwillkührlich, d. h. durch irgend ein Malev. IV. 1 2 m. Buch. IX. Tit. Von dem Sveietäts⸗Contracte. von ihrem Willen unabhängiges Ereigniß in dem Beſitze unzert heilter Guͤter, oder in dem Falle befinden, gemeinſchaftliche Laſten tragen zu muͤſſen, noch Handlungs⸗Geſellſchaften zum Gegenſtande; es gibt indeſſen hier allgemeine Regeln, die auf alle dieſe verſchiedene Gegenſtände angewendet werden können. S⸗ den Art. 1873. Art. 1833.„Jeder Geſellſchaftsvertrag muß einen er⸗ „laubten Zweck haben, und für das gemeinſchaftliche Inte⸗ „reſſe der Parteyen geſchloſſen werden. „Jeder Geſellſchafter muß entweder Geld oder andere „Güter oder ſeine Mühe und Arbeit, ſeinen Kunſifleiß dazu „beytragen⸗« Rinen erlaubten Zweck. Rerum inhonesturum nulla est societas. T. 37„ h. h. Jeder Geſellſchafter 1c. Man kann auch, ſagte man, ſeinen Nähmen dazu hergeben, um der Geſell ſchaft Credit zu verſchaffen: indeſſen ſchien ein iſolirter Nahme, ohne daß uͤbrigens die Perſon, die ihn trägt, irgend eine Handlung dabey verrichter, eine allzu abſtracte Sache, und ſo wurde dieſe Art von Einlage verworfen.*) Höchſtens, ſetzte man 4)„Was jeder der Geſellſchafter zur Geſellſchaft beytraͤgt, muß, wie Pothier, du Contrat de Focleté, n. 10 ſagt, etwas ſeyn, was ſich ſchätzen läßt; wenn alſo Aſſoeiirte zur Errichtung einer Fabrik mit einem mächtigen Maune die Uebereinkunft getroffen hätten, ihm während gewiſſer Jahre einen beſtimmten Antheil von dem Gewinn, den ſie zu machen hofften, zukommen zu Uſſen, wit dem Bedinge, daß er ihnen in den Angelegenheiten dieſer Fabrik mit ſeinem Anſehen behuͤlflich ſeyn ſollte, ſo waͤre dieſer Vertrag kein Geſellſchafts⸗Cyntraet, weil das Anſehen, welches dieſer mächtige Mann in die Geſellſchaft einzubringen verſpricht, nichts iſt, was ſich ſchäuen läßt. Ein ſolcher Ver⸗ trag iſt unguͤltig, weil er der öffentlichen Ehrbarkeit und den guten Sitten zuwider iſt, die mächtigen Perſonen nicht erlau⸗ ben, mit ihrem Anſehen Handel in treiben.«“ Zwar nahmen die Römer an, daß jemand auch bloß gratiam zur Geſellſchaft beytragen könne,(L. 30, ff. pro soe.) Der Geſetzgeber könnte indeſſen, wie Hers Gillet in ſeiner Rede ans Geſetzgebunss⸗ III. Buch. 1x. Tit. Von dem Sveietäts⸗Contracte. 3 hinzu, könnte eine ſolche Einlage bey den Handlungs⸗Geſell⸗ ſchaften zugclaſſen werden, die ihre beſondere Regeln haben⸗ Art. 1834„Alle Geſellſchaftsverträge muͤſſen ſchrift⸗ „lich abgefaßt werden, wenn ihr Gegenſtand den Werth „von hundert und fünfzig Francs überſteigt. „Kein Beweis durch Zeugen wird zugelaſſen, es ſey um „darzuthun, daß etwas gegen den Inhalt des ſchriftlichen »Geſellſcha ftsvertrages, oder nebenher und außer demſelben „abgeredet worden, oder um Reden zu beweiſen, die vor, »waͤhrend oder nach dieſem Acte vorgefallen ſeyn ſollen, ſelbſt „wenn es um eine Summe oder um einen Werth unter hun⸗ „dert und fuͤnfzig Francs ſich handelt. Nach der Vorſchrift des Art. 1, Lit. 4 der Ordonnanz von 1673 mußte uͤber jede(Handlungs⸗) Geſellſchaft ein ſchriftlicher Contract ſelbſt dann errichtet werden, wenn ihr Gegenſtand ſich nicht einmahl auf 100 Liv. belief.*) Corys ſich ausdruckte, ohne Schaam dieſes Wort anberſt nicht niederſchreiben, als in verdorbenen Staaten, wo man mit allem, ſelbſt mit der öffentlichen Gewalt Handel treibt. B. *) Deſſen ungeachtet nahm man doch den Beweis durch Zeugen dann an, wenn ein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vor⸗ handen war. So entſchied auch die Civil⸗Section des Caſſations⸗ Hofes am 16. April 1306 in der Sache Lortdela Sonde wider Michael Simons. Journ. d. aud. ete. 1306 p. 334 uf. und, da a) der Art. 1341 des Geſetzbuches Napoleons aus der Ordonnanz von 1667 hergenommen worden iſt, da b) die Formali⸗ tät der ſchriftlichen Abfaſſung, wie Herr Staats⸗Rath Treilhard bey Vorlegung dieſes Titels im Geſetzgebungs⸗Corps ſagte, zur Subſtanz eines Contractes nicht nothwendig, ſondern bloß des Beweiſes wegen vorgeſchrieben, dieſe Perfügung aber dem Geſell⸗ ſchafts⸗Eontracte allein nicht eigen, ſondern auf jede Gattung von Verträgen anwendbar iſt, ſo iſt es wohl keinem Zweifel un⸗ terworfen, daß auch bey dem Geſellſchafts Contracte in dieſer Hinſicht die nehmlichen Regeln eintreten, die im 2. Abſchn. des Cap. 6 Tit. 3 des Geſetzbuches Napoleyns enthalten ſind. —————————— 3 m. Buch. M. Tit. Von dem Societäts⸗Contraete, Im Entwurfe unſeres Artikels, hatte man hievon eine Autnahme fuͤr ſolche Geſellſchaften gemacht, die auf einer Meſſe geſchloſſen, oder Meſ⸗Geſchäfte zum Gegenſtande ha⸗ ben würden; die Bemerkungen aber, die das Tribunat da⸗ gegen machte, hatten die Verwerfung dieſer Ausnahme zur Folge. Ehemahls kannte man auch ſtillſchweigende Geſellſchaf⸗ ten, Cociétés taisibles) die durch bloßes Beyſammenwohnen der Parteyen contrahirt wurden;*) inzwiſchen hat Herr Bonteville in ſeinem Berichte ans Tribunat die Bemerkung gemacht, daß dergleichen Geſellſchaften, nach unſerem Artikel, nicht mehr Statt haben könnten, und ſogar auf unſere Sit⸗ ten nicht mehr paßten.**) Zweytes Capitel. Von den verſchiedenen Gattungen der Geſellſchaften⸗ Art. 1836.»Die Geſellſchaften ſind entweder univer⸗ „ſelle oder Particular⸗Geſellſchaften⸗« *) Wenn ſie nehmlich a) Jahr und Tas lang im nehmlichen Hauſe beyſammen wohnten, und miteinander ſpeiſten, und b) einer für den andern wechſelſeitig erwarb, und Gewinn und Verluſt mireinander theilten. Sie hießen copersonners. Vor Aiters gab es dergleichen Geſellſchaften in allen Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits Rechte hatten. Seit der Ordonnanz von Moulins aber, welche vorſchrieb, daß die Contraete über⸗ haupt ſchriftlich abgefaßt werden ſollten, nahm man ſie nur noch in denjenigen Provinzen an, worin ſie durch die Gewohn⸗ heirs⸗Rechte ausdrücklich beybehalten worden waren. Repertoire de jurispr. F. Communauts tacite., B. *) Sie würden nehmlich mit dem vorliegenden Artikel nicht ver⸗ einbarlich ſeyn, nach deſſen Vorſchrift die Geſellſchafts⸗Contracte ſchrifttich abgefaßt werden ſollen, wenu ihr Gegenſtand den Werth von 150 Fr. überſteigt. B⸗ III. Buch. IX. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contracte. 4 Erſter Abſchnitt. Von univerſellen Geſellſchaften. Art. 1836.„Man unterſcheidet zwey Arten der unſver⸗ »ſellen Geſellſchaften, die Geſellſchaft, welche auf alle ge⸗ „genwärtige Güter gerichtet iſt, und die unſverſelle Geſell— »ſchaft des Gewinnes« Die allgemeine Geſellſchaft aller Güter hatten wir, in unſerem Entwurfe verworfen, weil ſie gewoͤhnlich nur eine verſteckte Schenkung in ſich enthalten würde. Dagegen machte man den Vorſchlag, ſogar die Geſell— ſchaften künftiger Güter zu erlauben ein ſolcher Vertrag, ſagte man, hat nichts unerlaubtes an ſich; hoͤchſtens ſtellt er einen Gluͤcks⸗Vertrag vor, und, um die damit verknüpf⸗ ten Inconvenienzen aus dem Wege zu räumen, iſt es genug, ihn unter ſolchen Perſonen zu verbiethen, die ſich zu ſchen— ken unfaͤhig ſind. Die römiſchen Geſetze, ſetzte man hinzu, welche Pothier, du Contröt de Societs, n. 40 befolgt hat, erlauben ihn. Durch die Mehrheit der Stimmen wurde indeſſen dieſer Vorſchlag aus folgenden Gründen verworfen. 1) Können un⸗ ter einer Geſellſchaft künftiger Guͤter wirkliche Schenkungen verborgen werden, ſo muß man ſie aus den nehmlichen Be⸗ wegurſachen verbiethen, die das Verboth ſolcher Schenkun⸗ gen bewirkt haben. 2) Bey jeder Geſellſchaft muß weſentlich der Gewinn nach Berhältniß deſſen, was jeder darin eingelegt hat, gleich ſeyn. Wie ſoll man aber das eine Geſellſchaft nennen, wo einer nahe Ausſichten Vermoͤgen zu erhalten haben möchte, waͤhrend der andere nichts zu hoffen hat, und wobey nichts deſtoweniger die Vortheile gemeinſchaftlich ſeyn ſollten? 3) Um eine billige Vertheilung des Gewinns machen zu können, iſt es nothwendig, daß alles, was in die Geſell⸗ ſchaft eingebracht wird, bekannt ſeyn, und ſein Werth be⸗ ſtimmt werden koͤnne. Bey einer Geſellſchaft aber, die kuͤnftige Güter zum Gegenſtande hat, iſt dieſes unmöglich⸗ 6 m. Buch. IX. Lit. Von dem Sveietäts⸗Contracte. Man bemerkte, wegen nachgeborner Kinder würden ſo⸗ gar die auf alle wirklich vorhandene Güter gerichteten Geſell⸗ ſchaften ihre Kraft verlieren. Man gab nach, daß, wenn der andere Geſellſchafter auf irgend eine Art mehr dadurch begünſtigt würde, als das Geſetz erlaubte, dieſer Vortheil auf die disponible Quote herabgeſetzt werden müßte. S. die Art. 853 und 834. Art. 1737.»Eine auf alle gegenwärtige Güter gerich⸗ „tete Geſellſchaft iſt diejenige, wodurch die Partenen alle „bewegliche und unbewegliche Güter, die ſie wirklich be⸗ „ſitzen, und den Nutzen, den ſie davon ziehen können, in „die Gemeinſchaft geben. „Sie können auch jede andere Gattung des Gewinnes „hierunter begreifen; aber die Güter, die ihnen durch Erb⸗ „folge, durch Schenkungen oder Vermaͤchtniſſe, in der Folge „vielleicht anfallen koͤnnten, gehoͤren nur dem Genuſſe nach „in dieſe Geſellſchaft; jede Uebereinkunft, welche dahin zielte, „um auch das Eigenthum dieſer Guͤter darin einzubringen, iſt „verbothen, unter Ehegatten jedoch erlaubt, in Gemäßheit „deſſen, was in Rückſicht auf ſie beſtimmt iſt.« S. die Anmerkungen zum vorhergehenden Artikel. Art. 1838.„Eine univerſelle Geſellſchaft in Anſehung „des Gewinnes umfaßt alles, was die Parteyen, durch ihren „Fleiß, unter welchem Titel es immer ſeyn möge, während „der Dauer der Geſellſchaft erwerben werden. Die Mobilien, „welche ein jeder der Geſellſchafter zur Zeit des geſchloſſenen Con⸗ »tractes beſitzt, ſind gleichfalls hierunter begriffen, aber die „Immobilien, die einem oder dem andern fuͤr ſeine Perſon nzuſtehen, gehören nur dem Genuſſe nach in dieſelbe.« Die Wobilien, welche ein jeder ꝛe.*) In Anſehung der Mobilien, die zum Gebrauche in den Wohnzimmern oder „) Da Actio⸗Schulden zur Elaſſe der Mobilien gehören, ſo ſind dieſe auch unſtreitig von Rechts wegen darunter begriffen. m. Buch. IK. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. zu ihrer Verzierung beſtimmt ſind, war dieſes gar nicht nothwendig, und hatte bey unſern Societäten der Errungen⸗ ſchaft nicht Statt. Art. 1839.„Wird bloß eine univerſelle Geſellſchaft, »und ohne ſich weiter hieruͤber zu erklaͤren, geſchloſſen, ſo „bewirkt dieſer Vertrag nur eine univerſelle Geſellſchaft „des Gewinnes.«*) Art. 1840.» Eine univerſelle Geſellſchaft kann nur un⸗ „ter Perſonen Statt haben, welche gegenſeitig die Fähigkeit „haben, ſich einander zu ſchenken, oder von einander Geſchenke Wie verhält es ſich mit demjenigen, was einer der Geſell⸗ ſchafter für Genugthuung wegen einer ſeiner Perſon zugefügten Beleidigung etwa erhält, faͤllt dieſes auch in die Geſellſchaft aller wirklichen Guͤter, und in die univerſelle Geſell⸗ ſchaft des Gewinns?(S. die T. 52,§. 16, F. pro voc.) Nach den Grundſätzen des Geſetzbuches Napoleons ſcheint es in keine von beyden zu fallen. Nicht in die Erſtere, weil es zur Zeit, wo die Geſellſchaft geſchloſſen wurde, nicht vorhanden war. Nicht in die zweyte, weil es die Entſchädi⸗ gung für das Unrecht iſt, was der Geſellſchafter an ſeiner Per⸗ ſon erlitten hat, und nicht aus dem Gewerbfleiße der Aſſoeiirten oder eines von ihnen, ſondern aus einer ſich ausſchließlich auf einen von ihnen beziehenden urſache herrührt. Schließt man nehmlich die Erbſchaften, Schenkungen und Vermächtniße, die einem der Gefellſchafter anfallen, von dieſer Geſellſchaft deßwe⸗ gen aus, weil ſie ſich einzig auf ſeine Perſon beziehen, ſo muß man auch aus dem nehmlichen Grunde den zufälligen Gewinn oder Vortheil davon ausſchließen, der ſeiner Perſon für die ihr zugefügten Beleidigungen vom Richter zuerkannt wird. Was den Schadens⸗Erfatz betrifft, der einem der Geſellſchafter für das ſeinem Eigenthume zugefügte Unrecht zuerkanut wird, ſo gehoͤrt entweder dieſes Eigenthum der Geſellſchaft, oder nicht. Im erſten Falle gehört ihr auch der Schadens⸗Erſatz zu, nech der Regel, accessorium sequitur principale, nicht aber, und zwar aus dem nehmlichen Grunde im zweyten Falle. B. *) PLoiri voctetatem vmpliditor Iicer; et„ non Fuerit distinctum, viderir coita esse umipervorum, quce eæ qucsiu zenrunt. T. B 3 w. Buch. IX. Lit. Von dem Soeietäts⸗Contracte. „zu empfangen, und denen es nicht verbothen iſt, ſich zum „Nachtheile anderer Perſonen zu begünſtigen.«* Dieſen Artikel veranlaßten die Bemerkungen, die beym Art. 1836 gemacht wurden. Zweyter Ab ſchnitt⸗ Von der Partieular⸗Geſellſchaft. Art. 1841.»Eine Particular-Geſellſchaft iſt diejenige, „die ſich nur auf gewiſſe beſtimmte Sachen oder ihren Ge⸗ „brauch, oder auf die Fruͤchte bezieht, die man hievon zu „erwarten hat.« Art. 1842.»Der Contract, wodurch ſich mehrere Per⸗ „ſonen, für eine beſtimmte Unternehmung oder für die Aus⸗ „bung eines Handwerks oder eines Gewerbes vereinigen, iſt „gleichfalls eine Particular⸗-Geſellſchaft.«*) „ 3 *) In die Particular-Geſellſchaft kann man, wie Pothier ſagt, eben ſo wie in die Univerſal⸗Geſellſchaften, eutweder die Sachen ſelbſt, oder auch bloß den Gebrauch und die aus dieſen Sachen zu ziehenden Früchte einlegen, z. B. wenn zwey Nachbarinnen, deren jede eine Kuh hat, die uebereinkunft treffen, daß die zwey Kühe unter ihnen gemeinſchaftlich ſeyn ſollen, ſo iſt dieſes eine Geſellſchaft der Sachen ſelbſt: jede der Geſellſchafterinnen iſt nun nicht mehr abgeſondert Eigenthuͤmerinn ihrer Kuh, ſondern jede von ihnen iſt gemeinſchaftlich Eigenthümerinn der beyden Kühe. Geht alſo eine dieſer Kuͤhe zu Grunde, ſo iſt der Verluſt gemein⸗ ſchaftlich, und die übrig bleibende Kuh gehoͤrt fortwährend bey⸗ den Aſſociirten gemeinſchaftlich zu, ohne daß diejenige, welche ſie in die Geſellſchaft eingebracht hat, mehr Recht daran behaup⸗ ten könke als die andere Hätten ſie aber bloß die Uebereinkunft getroffen, daß ſie allen Nutzen den ſie hervorbringen würden, gemeinſchaftſich ziehen ſollten, dann ſind die Kühe ſelbſt nicht in der Geſellſchaft; jede Aſſociirte bleibt Eigenthümerinn der ihri⸗ gen, und geht ſie zu Grunde, ſo trifft der Verluſt ſie gans allein. Eben ſo, wenn zwey Perſonen eine Geſellſchaft unter ſich eingehen, um gewiſſe einer jeden von ihnen zugehörige Sa chen gemeinſchaftlich zu verkaufen, und den Kaufpreis zu theilen, muß man wohl unterſuchen, was ihre Abſicht war. Hatten ſie die Abſicht, die Sachen ſeibſt in die Geſellſchaft einzubringen, —— —1 IM. Buch. 1X. Tit. Von dem Soecietäts⸗Contraete. 5 Drittes Capitel. Von den Verpflichtungen der Geſellſchafter gegeneinander und in Beziehung auf dritte Perſonen. Erſter Abſchnitrt. Von den Verpflichtungen der Geſellſchafter gegeneinander. Art. 1843.„ Die Geſellſchaft nimmt in dem Augen⸗ „blicke ſelbſt, da der Contract geſchloſſen wird, in ſo fern »darin kein anderer Zeitpunct beſtimmt iſt, ihren Anfang.« Denn man kann ausbedingen, daß ſie erſt von dieſer oder jener Zeit an ihren Anfaug nehmen ſoll. P. 1 5 Art. 1844.»Iſt die Dauer der Geſellſchaft in dem »Vertrage nicht feſtgeſetzt, ſo nimmt man an, daß ſie, je⸗ »doch unter der im 1869. Artikel enthaltenen Einſchraͤnkung, »fuͤr die gauze Lebenszeit der Geſellſchafter geſchloſſen wor⸗ *den ſey, oder wenn von einem Geſchaͤfte von beſchraͤnk— „ter Bauer die Rede iſt, fuͤr die ganze Zeit, welche dieſes »Geſchäft dauern wird.« ſo iſt es eine Geſellſchaft der Sachen; geht eine der Sachen vor dem Verkaufe zu Grunde, ſo iſt der Verluſt gemeinſchaftlich; war aber bloß ihre Abſicht, den daraus zu löſenden Verkaufpreis in die Geſellſchaft zu legen, ſo fällt der Verluſt ganz allein auf denjenigen, dem die Sache zugehörte. Dieſen unterſchied macht Celſus in folgendem Falle: Juum tres equos ſaberes, et e%0 unem, vocietatemn cormus, ut accepto euo meo quadrigam benderes, et er pretio quartam mih redderer. St ante vendituonem equus meus mortuus„ty, non putare se Celsus ait voctetatem manere, vec ex pretio equorum zuorum partem debert; non enim habendæ yuadrig Sed vendendæ coitam vooietatem. Ceterm id actum dicatur, ut quadriga Foret, enque communicaretur, ique in ec tres partes Va- beres, ego Juartam, non dubé adhuue voci Sumus. J. 58 V. pro e. Die nehmliche Diſtinetion muß dann gemacht werden,“ wenn zwey Kaufleuts ſich aſſociirt hätten, um die Waaren ge— meinſchaftlich zu verkaufen, die jeder von ihnen in ſeinem Laden hat, vor dem Verkaufe aber die Waaren des einen durch Zufall zu Grunde gehen. Da Contrat de Societs, n. 54. B. 10 11 Buch. IX. Tit. Von dem Sveietäts⸗Contraete. Art. 1845.„Jeder Geſellſchafter iſt in Anſehung alles „deſſen, was er in die Geſellſchaft einzubringen verſprochen „hat, ihr Schuldner⸗ „Beſteht dieſes Einbringen in einem gewiſſen beſtimmten „Dbjecte, und es wird der Geſellſchaft evincirt, ſo iſt der „Geſellſchafter auf eben die Weiſe der Societät, wie ein „Verkaͤufer ſeinem Käufer, zur Gewährteiſtung verbun⸗ „den.«**) Art. 1846.» Ein Geſellſchafter, der ein Capital in die „Geſellſchaft einzubringen verpflichtet war, und dieſer Ver⸗ „bindlichkeit kein Genüge geleiſtet hat, iſt von Rechts „wegen und ohne daß eine Klage deßhalb wider ihn angeſtellt „wird, ſchuldig, die Zinſen dieſes Capitals von dem Tage an, da es gezahlt werden mußte, zu vergüten.« „Ein gleiches gilt in Anſehung der Summen, die er aus „der gemeinſchaftlichen Caſſe genommen hat, von dem Tage „an zu rechnen, da er ſie zu ſeinem PrivatVortheile daraus „gehoben hat; „Alles unbeſchadet einer weitern Entſchädigung, in ſo „fern ſie den Umſtänden nach Statt hat.« S. die TI. 60, H h. und 1, S. 1, de usur. Man warf die Frage auf, ob ein Geſellſchafter, welcher ein Immobile in die Geſellſchaft einzubringen verſprochen hat, von der Zeit an, wo es eingebracht werden mußte, von Rechts wegen die Früchte in Rechnung bringen müſſe. Mei⸗ nes Erachtens, muß nach unſerem Artikel, und ex paritate ralionis dieſe Frage mit ja beantwortet werden.*) *) Gtht aber das beſtimmte Object⸗ welches einer der Contrahenten in die Geſellſchaft einzubringen verſprochen hat, zu Grunde, ehe es in die Gemeinſchaft eingebracht wurde, ſo erliſcht der Geſellſchafts⸗Contract. S. den Art. 1367. *) Ueber den Fall, wenn das Capital zu Grunde geht, ſehe mat die L. 55, S. 1,. pro voo. M. Buch. 1X. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contracte. 11 Art. 1847.»Die Geſellſchafter, die ſich anheiſchig ge⸗ „macht haben, ſihren Kunſtifleiß, ihre Mühe und Arbeit in „die Geſellſchaft einzubringen, ſind ſchuldig, ihr jeden Ge⸗ „winn zu berechnen, den ſie mit derjenigen Art von „Induſtrie, welche der Gegenſtand dieſer Geſellſchaft iſt, ge⸗ »macht haben,« In Societate veniunt omnes quæstus, id est, quod eæ operd cujushue descendit. T. 7 und 3, P. h. Art. 1848.„ Hat einer der Geſellſchafter für ſeine be⸗ „ſondere Rechnung eine wirklich fällige Summe an jemand „zu fordern, der zugleich an die Geſellſchaft eine gleichfalls „fällige Summe zu zahlen hat, ſo muß dasjenige, was er „von dieſem Schuldner empfängt, von der Forderung der „Geſellſchaft und der ſeinigen nach Verhältniß der beyden „Forderungen abgerechnet werden, ſelhſt dann, wenn er in ſeiner „Quittung erklaͤrt hätte, daß er das ganze auf ſeine eigene »„perſoͤnliche Forderung annehme. Hat er aber in ſeiner Quit⸗ „tung ausgedruckt, daß die ganze Zahlung von der Forde⸗ „rung der Geſellſchaft abgerechnet werden ſoll, ſo ſoll dieſe „Stipulation vollzogen werden.« Art. 1840.»Hat einer der Geſellſchafter ſeinen ganzen „Antheil an einer gemeinſchaftlichen Forderung erhoben, und »der Schuldner iſt ſeitdem inſolvent geworden, ſo iſt dieſer „Geſellſchafter verbunden, das, was er empfangen hat, zur „gemeinſchaftlichen Maſſe herzugeben, wenn er auch die „Quittung nahmentlich nur fuͤr ſeinen Theil ausgeſtellt ehätte.«*) Die in dieſen beyden Artikeln enthaltenen Entſcheidungen ſind merkwürdig, und gründen ſich, wie Herr Treilhard ſagt, darauf, weil die Redlichkeit nicht zulaͤßt, daß ein Geſellſchaf⸗ ter ſich mit den Angelegenheiten der Geſellſchaft weniger als mit den ſeinigen beſchäſtige. T. 72, 4. 2) Ouasi iniquum sit, wie Ulpian in der FT. 63,§. 5, h ſagt, en eadem Jocietale alium plus, alium minus consequ. ——————— 12 II. Buch. 1X. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contraete. Art. 1850.„Jeder Geſellſchafter iſt verbunden, der »Societät allen Schaden zu erſetzen, den er durch ſein Ver⸗ »ſchulden ihr verurſacht hat, ohne daß er berechtiget ſey, „dieſen Schaden gegen den Gewinn aufzurechnen, den ſeine „Induſtrie ihr in andern Geſchaͤften verſchafft hat.« Durch ſein Verſchulden. Das Wort Werſchulden, ſagte man, iſt zu ſchwankend und unbeſtimmt; es wäre moͤglich, dieſen Ausdruck zu mißbrauchen, um einen Geſell⸗ ſchafter für Ereigniße verantwortlich zu machen, wodurch gut ausgedachte Speculationen rückgängig gemacht wuͤrden. Die Tribunaͤle, antwortete man, wiſſen die Unterſchiede zu machen, welche auf die Umſtaͤnde paſſen, und die ſich unmöglich vorherſehen laſſen. Die römiſchen Geſetze machten zwiſchen dem groben leichten, und äußerſt leichten Verſchulden einen Unterſchied. Ein Geſellſchafter haftete nur fuͤr den Schaden, den er vor⸗ ſetzlicher Weiſe und durch grobes Verſchulden anrichtete, und mußte auf die Angelegenheiten der Geſellſchaft die nehmliche Sorgfalt verwenden, womit er in ſeinen eigenen Geſchäften zu Werke gieng. Nec emactissima diligentia äb eo ewigi- tur. Nam qui purum diligentem socium Sibi adsumit, de se queri, Sibique hoc imputare debet. F. Rin. inst. h. Uebrigens verſteht es ſich von ſelbſt, daß ein Aſſociirter nur denjenigen Gewinn, den er aus der Geſellſchaft erhalten hat, nicht aber jenen, mozu die Geſellſchaft nur gelegentlich die Ver⸗ anlaſſung gegeben hat, zur gemeinſchaftlichen Maſſe herzugeben ſchuidig ſey. Einer der Aſſociirten z. B. machte bey Verrich⸗ tung der Geſchaͤfte der Geſellſchaft, Bekanntſchaft mit jemanden“ den er ohne dieſes nicht gekannt haben wuͤrde, und dieſer ſchenkt ihm etwas, oder ſetzt ihn zum Erben ein. Ein ſolcher Gewinn gehoͤrt nicht zur Geſellſchafts⸗Maſſe: ved nec compendium, Juod pròopter vocletatem et contigisset, veniret in medium; velutt x Vropter vocietatem œres fuiset institutus, aut quid ei donatum B. 1MI. Buch. IX. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. 13 Damna fatulia non præstat. T. 52, F. 3, H. h.*) Art. 1851.„» Beſtehen die Sachen, die nur dem Ge⸗ „nuſſe nach in die Geſellſchaft ejngebracht worden ſind, in »gewiſſen und in jeder Hinſicht beſtimmten Objecten, die »durch den Gebrauch nicht verzehrt werden, ſo ſind ſie auf »Gefahr des Geſellſchafters, der Eigenhümer davon iſt. „Sind dieß verzehrbare Sachen, oder ſolche, die ſich mit „der Zeit verſchlimmern, wenn man ſie aufbewahrt, ſind ſie „zum Verkaufe beſtimmt, oder ſind ſie nach einer vorherge⸗ »gangenen Inventur und hiemit verbundenen Schaͤtzung in „die Societät eingebracht worden, ſo ſind ſie auf Gefahr „der Geſellſchaft. „Iſt die Sache geſchätzt worden, ſo kann der Geſell⸗ »ſchafter mehr nicht zurückfordern, als den Betrag ihrer „Schaͤtzung.« Die in dieſem Artikel enthaltenen Entſcheidungen ſind das Reſultat der allgemeinen Regeln; auch wurde auf die Be— merkung, die einer der Stimmgeber machte, daß es gerecht ſey, die Koſten der Unterhaltung der Immobilien der Geſell— ſchaft zur Laſt zu ſtellen, geantwortet, daß das Geſetz ſchon hiefür geſorgt habe, und dieſer Geundſatz im Titel vom Nießbrauche aufgeſtellt worden ſey⸗ Art. 1852.» Ein Grſellſchafter hat eine Klage wider „die Geſellſchaft, nicht nur in Rückſicht der Summen, „welche er fuͤr ſie ausgelegt, ſondern auch in Rückſicht der „Verbindlichkeiten, welche er in gutem Glanben und auf „eine redliche Weiſe in Angelegenheiten der Societaͤt uͤber⸗ „nommen hat, und in Hinſicht der Gefahren, die von ſeiner „Geſchäftsführung unzertrennlich ſind.« ) Ohne daß er berechtigt B 25 und T. 26. h. Die urſache heſteht darin, weil der Geſellſchafter ſeine Induſtrie der Geſellſchaft ſchuldig iſt, und folglich dadurch, daß er ihr den durch ſeine Induſtrie gemachten Gewinn einbringt, ſich nur ſeiner Verbindlichkeit entledigt; hiefür iſt nun die Geſellſchaft ihm nichts ſchuldig, was er in Aufrechnung ſeiner Schuld zu brin⸗ gen berechtigt ſeyn könnte. B. 14 1I. Buch. IX. Lit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. In der T. 52, F. 4 h. heißt es: Sicuti lucrum, itu damnum commune esse oportet, et casus, veluti si in la- trones incidit, et Suam pecuniam perdidit; et siquid in me- dicos impensum est en ed causd. Verſteht ſich, während er die Geſchäfte der Geſellſchaft beſorgte.*) Art. 1853.»Iſt der Antheil eines jeden Geſellſchafters „am Gewinn und Verluſte in dem Societaͤts⸗Contracte nicht „beſtimmt, ſo richtet er ſich fuͤr einen jeden nach Verhaͤlt⸗ „niß deſſen, was er zum Capital der Geſellſchaft beyge⸗ »gebracht hat.« „Der Antheil am Gewinn und Verluſte, welcher demje⸗ „nigen gebuͤhrt, der nur ſeine Mühe und Arbeit eingebracht „hat, wird ſo berechnet, als waͤre ſeine Einlage dem Capi⸗ „tal desjenigen Geſellſchafters gleich, der am wenigſten ein⸗ „gebracht hat.« Im Entwurfe ſtand bloß der erſte Theil des Artikels⸗ Man erinnerte, er beſtimme nicht, wie es ſich mit einem Geſellſchafter verhalten ſoll, welcher bloß ſeine Muͤhe und Arbeit in die Geſellſchaft bringe. Anfangs ſchien man darin einig zu ſeyn, daß er den nehmlichen Antheil haben müſſe, wie jene, welche Fonds hergegeben hätten; im Tribunate machte man aber die Anmerkung, es ſey möglich, daß die von den uͤbrigen Geſellſchaftern eingeſchoſſenen Summen Geldes ungleich ſeyen, und folglich muͤſſe man ſich noth⸗ wendiger Weiſe entſchließen, ihm entweder den gröſten, oder den geringſten der den uͤbrigen Geſellſchaſtern gebührenden *) Anderſt verhält es ſich, wenn die Beſorguns der geſellſchaftli⸗ chen Angelegenheiten eine bloß zufällige Gelegenheit zu irgend einem Verluſte war, z. B. wenn die Geſellſchaft gegen jemanden einen Prozeß fuͤhrte, welcher ein Freund eines der Geſellſchafter war, und dieſem in ſeinem Teſtamente etwas vermacht, nachher aber dieſes Vermächtniß bloß wegen jenes Prozeſſes widerrufen hatte. 6 propter Societatem quis eum hcredem instituere desiiser, aut᷑ patrimorium vuum neglig enter administrasset. T 66,§. 17 A. B. . Buch IX. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contracte. 15 Antheile zukommen zu laſſen. Man beſchloß nun, ihm den geringſten beyzulegen, theils um ihn hiedurch darauf auf— merkſam zu machen, daß er ſeinen Antheil beſtimmen laſſen möge, theils um ſeine Sorgloſigkeit nicht zu ermuntern. S⸗ den Bericht, den Herr Bouteville dem Tribunate abgeſtat⸗ tet hat⸗ Art. 1854.»Sind die Geſellſchafter darin übereinge⸗ „kommen, daß ſie einem von ihnen oder einer dritten Perſon „die Beſtimmung der Antheile überlaſſen wollen, ſo kann „dieſe Beſtimmung nur dann angefochten werden, wenn ſie „der Billigkeit offenbar zuwider iſt. „Keine Beſchwerde wird in dieſer Hinſicht mehr zugelaſſen, „wenn von dem Zeitpuncte an, da der angeblich verletzte „Theil die erfolgte Beſtimmung gekannt hat, mehr als drey „Monate verſtrichen ſind, oder wenn er ſchon angefangen „hat, dieſe Beſtimmung zu vollziehen.« Wenn ſie der Billigkeit c. Dieß iſt eine Regel, welche das Gewiſſen der Richter leiten muß; d⸗ h⸗ nur in dem Falle einer großen Ungerechtigkeit müſſen ſie ſich ent⸗ ſchließen, von der einmahl gemachten Beſtimmung abzuwei⸗ chen. Ich waͤre der Meinung, daß es nur dann geſchehen dürfe, wenn eine Verletzung über die Haͤlfte vorhanden waͤre. mehr als drey MWMonate. In unſerem Entwurfe hieß es: dreyßig Tage; ein anderer ſchlug ein Jahr vor: alles dieſes war, wie man leicht einſieht, willkührlich.*) Art. 1855.„Ein Vertrag, wodurch einem der Geſell⸗ „ſchafter allein aller Gewinn zuerkannt würde, iſt unguͤltig.« *) Da der vorliegende Artikel keine Beſchwerde mehr zulaͤßt, wenu mehr als drey Monate von der Zeit an verſtrichen ſind, wo der angeblich verletzte Theil von der Beſtimmung der Antheile Kennt⸗ niß erlangt hatte, ſo muß ihm dieſe Beſtimmung vermittelſt einer förmlichen Inſinuation, oder vermittelſt eines andern gleichgelten⸗ den Actes, wodurch er in Verzug geſetzt wird, ſich darüber zu beſchweren, bekannt gemacht werden. B.⸗ 16 UuI. Buch. M. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. „Ein gleiches gilt von derjenigen Uebereinkunft, wo⸗ „durch die von einem oder von mehrern der Aſſociirten zum „Geſellſchafts-Capital eingelegten Summen oder Effecten von „allem Beytrage zum Verluſte freygeſprochen würden.« Man muß hierüber den F. 2, inst. h. nachſehen. Iſt in dem Societäts⸗Acte der Antheil eines jeden Geſell⸗ ſchafters am Gewinn und Verluſt beſtimmt, ſo muß man ſich daran halten, wenn ſchon dieſe Antheile ungleich ſind, und ſo gar darin geſagt worden wäre, daß einer vom Ge⸗ winn zwey Theile, und nur einen vom Verluſte haben ſolle, quia Sape quorundam itä pretiosa est opera, ut eos justum Sit conditione meliore in Societatem admitti. Sind die Antheile nicht darin feſtgeſetzt, ſo erhält jeder einen Antheil, der ſeinem Einſchuͤſſe gleich kommt. S. den vorhergehenden Artikel. Man kann indeſſen nicht ausbedingen, daß einer den ganzen Gewinn allein ziehen, oder keineu Antheil am Ver⸗ luſte haben ſoll. Dieſe letztere Entſcheidung iſt jedoch gegen den angeführten F., worin es heißt, es könne ausbedungen werden, daß einer einen Theil am Gewinn, und keinen An⸗ theil am Verluſt haben ſolle, in dieſem Sinne gleichwohl, ut Si in alid re lucrum, in alid damnum illatum sit, com- pensatione factd, Solum quod superest, intelligatur lu- C7O0 eEsse. Dieſer F., der mit der T. 29, F. 1„ M F. uͤberein⸗ ſtimmt, gründete ſich auf die Wichtigkeit der Muͤhe und Ar⸗ beit, 5 tanki sit opera, quanti damnum est. Ein Menſch, der den uͤbrigen Geſellſchaftern nothwendig iſt, wird nicht in die Geſellſchaft eintreten, wenn ihm der Werth ſeiner Muͤhe und Arbeit nicht durch eine Befreyung von dem Verluſte geſichert wird; in dieſem Falle kann man indeſſen ſagen, daß ein Mieth⸗Contract vorhanden ſey⸗ Art. 1856.»Der Geſellſchafter, dem durch eine beſon⸗ „dere Clauſel des Societaͤtt⸗Contractes die Verwaltung auf⸗ 62 IMl. Buch. IX. Lit. Von dem Soeietaͤts⸗Contracte. 27 „getragen iſt, kann, des Einſpruches der uͤbrigen Aſſociirten „ungehindert, alle Acte vornehmen, die zu ſeiner Verwal⸗ „tung gehoren, vorausgeſetzt, daß dieſes ohne betrügliche „Abſicht geſchehe.⸗ „Sp lange die Geſellſchaft beſteht, kann dieſer Auftrag „ohne rechtmaͤßige Urſache nicht zuruͤckgenommen werden. Iſt „er aber in einem Acte ertheilt worden, der ſpäter iſt, als „der Societäts⸗Contract ſelbſt, ſo kann er, wie jede bloße „Vollmacht, widerrufen werden.« Die Urſache des Unterſchiedes, der in der Entſcheidung der beyden Fälle liegt, iſt, weil im erſten Falle die Geſell⸗ ſchaft unter der Bedingung zu Stande kam, daß der be⸗ zeichnete Geſellſchafter verwalten ſollte.*) *) Des Einſpruches ungehindert. Hieraus folgt, daß, wenn der Verwalter die Beſorgung der Geſchaͤfte einſtellte, um dem Einſpruche Folge zu leiſten, er fuͤr allen aus dieſer Einſtellung entſpringenden Schaden hafte. Inzwiſchen bemerke man, daß der Verwalter im Soeietäts⸗Acte ſelbſt ernannt wor⸗ den ſeyn muß; iſt dieſes nicht, ſo iſt er ein bloßer Mandatar, deſſen Auftrag widerrufen werden kann. Die zu ſe iner Verwaltunz gehören. Die Befug⸗ niß zu verwalten enthält, wenn die Contrahenten nichts darüber beſtimmt haben, in Anſehung der Guͤter und der Geſchäfte der Geſellſchaft alles das, was gewöhnlich eine allgemeine Vollmacht in ſich faßt, die jemand einem andern ertheilt, um ſein Ver⸗ moͤgen zu verwalten; denn der Aſſoeiirte, dem man die Ver⸗ waltung uͤbergeben hat, wird in Hinſicht der Güter und der Geſchaͤfte der Geſellſchaft als der allgemeine Bevollmächtigte ſei⸗ ner Aſſoeiirten angeſehen. Hiehin gehoͤrt alſo die Befugniß, die Schuldpoſten der Geſellſchaft in Empfang zu nehmen, und darüber zu quittiren, die Schuldner gerichtlich zur Zahlung zu belan⸗ gen, die Gläubiger der Geſellſchaft auszuzahlen, mit den Die⸗ nern und den zum Dienſte der Geſellſchaft nothwendigen Arbei⸗ tern Contraete zu ſchließen, die zu den Angelegenheiten der Ge⸗ ſellſchaft erforderlichen Sachen zu kaufen, die der Geſellſchaft zugehörigen Sachen, welche zum Verkaufe beſtimmt ſind, aber keine andere, zu verkaufen, u. 6 w. S. die T. 63, A Procurat. Pothier, n. 66, B. W. Malev⸗ 1 M. Buch. IX. Tit. Von bem Soeietäts⸗Contraete. Art. 1857.»Iſt die Verwaltung mehrern Geſellſchaf⸗ „tern aufgetragen worden, ohne daß man ihre Verrichtun⸗ „gen beſtimmt, oder dabey ausgedruckt hätte, daß einer „ohne den andern nicht handeln ſoll, ſo kann ein jeder von ih⸗ „nen beſonders alle Handlungen dieſer Verwaltung vornehmen.« Art. 1858.„Hat man dabey ausbedungen, daß ein „Verwalter ohne den andern nichts unternehmen ſoll, ſo „kann, ohne neuen Vertrag, einer von ihnen in Abweſen⸗ „heit des andern nichts vornehmen, ſelbſt wenn es dieſem „jetzt unmoglich ſeyn ſollte, bey den zur Verwaltung gehoͤ⸗ „rigen Handlungen mitzuwirken. Dieſe Entſcheidung muß nicht zu ſtrenge genommen wer⸗ den; es kann nehmlich Fälle geben, worin es durchaus nothwendig iſt, irgend eine Handlung vorzunehmen, um ei⸗ nen großen und bevorſtehenden Schaden zu verhüten; zuver⸗ läſſig iſt in einem ſolchen Falle der Mit⸗Verwalter berechtigt, es zu thun, und muß es thun, weil jeder Geſellſchafter, ſelbſt wenn er nicht Verwalter iſt, es zu thun ſchuldig wäre. Dieſer Artikel muß folglich von gewoͤhnlichen Fällen, von neuen Unternehmungen verſtanden werden⸗ Art. 1850.»Iſt über die Art der Verwaltung in dem „Vertrage nichts beſonders feſtgeſtellt worden, ſo befolgt „man folgende Regeln: „1) Man nimmt an, daß die Geſellſchafter ſich gegen⸗ „ſeitig die Gewalt eingeräumt haben, fuͤr einander zu ver⸗ „walten. Was ein jeder von ihnen unternimmt, iſt gültig, y„ſelbſt für den Antheil ſeiner Geſellſchafter, wenn er ſchon „ihre Einwilligung nicht eingehohlt hat, jedoch mit Vorbehalt des „Rechtes, das dieſen letztern, oder auch einem von ihnen zu⸗ „ſteht, ſich dem Unternehmen zu widerſetzen, ehe es abge⸗ ſchloſſen iſt.« „2) Jeder Geſellſchafter darf ſich der Sachen bedienen, „die der Societät zugehören, vorausgeſetzt, daß er ſie zu „dem Zwecke verwendet, der durch den Gebrauch beſtimmt „iſt, und daß er ſich ihrer nicht gegen das Intereſſe der uI. Buch. 1X. Tit. Von dem Societäts⸗Contraete. 19 „Geſellſchaft, oder ſonſt auf eine Weiſe bedient, welche ſeine „Geſellſchafter verhindert, ſich ihrer nach dem Umfange ih⸗ „rer Rechte ebenfalls zu bedienen⸗ „3) Jeder Geſellſchafter hat das Recht, ſeine Geſell⸗ »ſchafter zu zwingen, daß ſie gemeinſchaftlich mit ihm die „Koſten beſtreiren, die erforderlich ſind, um die der Geſell⸗ „ſchaft gehoͤrigen Sachen zu erhalten.*) „4) Kein Geſellſchafter hat fuͤr ſich allein das Recht, an „den Immobilien, welche zur Geſellſchaft gehören, Neuerun⸗ »gen vorzunehmen, ſelbſt wenn er behaupten ſollte, daß ſie »dieſer Geſellſchaft Vortheil bringen, in ſo fern die uͤbrigen »Geſellſchafter hierin nicht einwilligen,« Der in der Ziffer 1 dieſes Artikels aufgeſtellte Grundſatz ſtimmt mit den LF. 13, F. ult. und 14, M de inst. act. uͤberein, nach deren Analogie die Geſellſchafter als Agenten und Factoren untereinander angeſehen werden. Jedoch war ein Geſell⸗ ſchafter nicht befugt, mehr als ſeinen Antheil an der gemein⸗ ſchaftlichen Sache zu veräußern, noch von dem gemeinſchaft⸗ lichen Gelde mehr als ſein Antheil ſich betrug, lehnbar vor⸗ zuſchießen. L. 68. h. T. 16, de reb. Cred. Ein anderer Grundſatz dieſer Geſetze iſt dieſer, quod pro⸗ hibendi potius qudm faciendi jus est in soco. T. 11 si gervit. vind. Wam in re pari potior est conditio prohi- bentis. T. 28 comm. divid.*6*) *) Zuerhalten. Z. B. wenn Gebäude einer Reparatur bedür⸗ fen, wenn die Fäſſer, worin der der Geſellſchaft zugehörige Wein enthalten iſt, eine Ausbeſſerung nöthig haben ze. Zu dieſen Koſten muß jeder nach dem Verhältniße ſeines An⸗ theiles an der Geſellſchaft beytragen. Was uͤbrigens die Koſten betrifft, die ein Geſellſchafter zur Erhaltung der Sache und zum Nutzen der Geſellſchaft verwendet hat, hieruͤber verdienen die T. 52,§. 10, 12, 15. T. 38 F. 1 pro. voc. T. a7, de negot. gest. und 18§. 3 fam⸗ ercie. nochgeſehen zu werden. 6 Vt tamen, wie in der T. 23,. comm qio. hinzugeſetzt wirb⸗ faetum opris tollat, cog non Polest, v quum prolibere poterat, Kat zo M. Buch. IX. Tit. Von dem Syoeietäts⸗Contraete. Dieſe Grundſaͤtze dienen den Ziff 1, 3 und 4 dieſes Are tikels zur Baſis. Was die Ziff. 2 betrifft, ſo hat der Miteigenthämer eines Hauſes, nach der Lehre der Rechtsgelehrten, das Recht, gegen den Willen ſeiner Geſellſchafter darin zu woh⸗ nen, und dieß ſcheint mir richtig zu ſeyn, wenn er nur ſei⸗ nen Antheil daran in Beſitz nehmen will; dieſe Rechtslehrer ſetzen aber noch hinzu, daß er in Anſehung des ganzen Hauſes dritten Perſonen vorgezogen werden müſſe, wenn er den Antheil der übrigen bezahlte, es ſey dann, daß man gewohnt wäre, das Haus zu vermiethen. Seit dem die L⸗ ade, womit dieſe letztere Entſcheidung viele Aehnlichkeit hat, abgeſchafft worden iſt, ſcheint ſie mir einigem Zweifel unter⸗ worfen zu ſeyn. S. Rousseaud, und die v. Societe, Sect. 3, n. 4, von ihm angeführten Schriftſteller. Der unter der Ziff. 1 enthaltenen Entſcheidung iſt ſchon ein von der Civil⸗Section am 25. Pluvioſe 12. J.(I5. Hor⸗ nung 1804) erlaſſenes Urtheil zuvorgekommen. Der Fall war folgender? Lange, Miteigenthuͤmer des noch ungetheilten Landgu⸗ tes von Suscinio, hatte dem Warcou, welcher Pächter da⸗ von war, aufgekundigt. Marsou wendete ein, Lange allein Lönnte ihm nicht aufkuͤndigen. Das Tribunal von Vannes wieß ihn mit dieſer Einrede ab; das Appellations⸗Gericht von Rennes aber entſchied das Gegentheil. Lange nahm ſeinen Recurs zum Caſſations⸗Hofe, und dieſer caſſirte das Urtheil des Appellations⸗Gerichtes von Rennes, weil a) Lange Miteigenthümer des Landgutes von Suscinio war, welches noch in unzertheilter Gemeinſchaft beſeſſen wurde; weil P) ſeine Mitintereſſenten ſeine Hand⸗ prærermiserit? et ideo per communt dinidundo actionem dammnum zarci poterit; in facienti consensit, nso pro damno habet actio- nem. Ouod„t ſuid abvente soeio jad lœlonem ejus ſecit, hoe eriam rollere sogiur. B. UI. Buch. IX. Tit. Von dem Sorietäts⸗Contraete. 21 lung nicht mißbilligt hatten, und c) Marcou dieſe letztere nicht einmahl zur Sache hatte beyladen laſſen. In dieſer Sache hatte zwar Marcou viele That⸗Umſtände gegen ſich; indeſſen bleibt es doch immer richtig, daß der Grundſatz, wovon hier die Rede iſt, angenommen wurde.] Art. 1860.»Ein Geſellſchafter, dem die Verwaltung „nicht aufgetragen iſt, kann ſelbſt bewegliche Sachen, „welche der Geſellſchaft gehoͤren, weder veräußern, noch „verpfaͤnden.« Sie die Anmerkung zum vorhergehenden Artikel. Art. 1861.»Jeder Geſellſchafter kann in Beziehung „auf den Antheil, den er an der Geſellſchaft hat, auch ohne „Bewilligung ſeiner Geſellſchafter mit einer dritten Perſon »in Societät treten; er kann ſie aber, ohne dieſe Bewilli⸗ „gung, in die Hauptgeſellſchaft nicht aufnehmen, ſelbſt »wenn er die Verwaltung davon haben ſollte.« Dieß iſt es, was in der T. 20, F. h. geſagt wird, socii mei Socius meus socius non est.*) Dieſem Artikel hatte man noch einen F. beygefügt, wel⸗ cher die Verfügung enthielt, daß derjenige, welcher ſich ei⸗ nen dritten beygeſellte, für den Schaden zu haften habe, den dieſer dritte der Geſellſchaft etwa verurſachen möchte. Dieſer F. wurde als unnütz ausgeſtrichen; in der That haftet der Geſellſchafter für die Handlungen dieſes dritten, und wenn man ihn auch nur als einen angeordneten Ge⸗ ſchaͤftsträger anſehen wollte. 3 weyter Abſchnitt⸗ Von der Verpflichtung der Geſellſchafter in Beiiehung auß dritte Perſonen. Art. 1862.„Bey Geſellſchaſten, die keine Handlungs⸗ Geſellſchaften ſind, haben die Aſſociirten fuͤr die gemein⸗ »ſchaftlichen Schulden nicht ſolidariſch zu haften, und ein *) Man ſehe übrigens die TL. 211 22 und a3 ℳ 5. B⸗ 3½ II. Buch. 1X. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contraete. „Aſſociirter kann nie die übrigen verbinden, wenn dieſe ihm „hiezu keinen Auftrag gegeben haben.« Die keine ꝛc.; Wirklich ſind nach dem Art. 7, des Tit⸗ von Geſellſchaften, der Ordonnanz von 1673 die Geſell⸗ ſchafter ſolidariſch für die Schulden der Geſellſchaft verbun⸗ den, wenn auch nur einer von ihnen unterzeichnet hat, falls er fuͤr die Geſellſchaft, nicht aber anderſt, unterzeichnet hat⸗*²) 8 Waͤre indeſſen dem Handlungs⸗Geſellſchafter, welcher fur die Geſellſchaft unterzeichnet hat, dieſe Befugniß im So⸗ cietàts⸗Acte benommen, und dieſer Act einregiſtrirt, und nach der Vorſchrift der Ordonnanz verkündet worden, ſo würde er die Geſellſchaft durch ſeine Unterſchrift nicht ver⸗ hinden,*)(Bornier und die übrigen Commentatoren über *) Nach dem Art. 22 des Handlungs⸗Geſetzbuches haften bey ei⸗ ner Geſellſchaft unter gemeinſchaftlichem Nahmen,(en nom col⸗ lecrf) d. h. bey einer ſolchen, welche zwey oder mehrere Perſo⸗ nen unter ſich ſchließen, und die zum Zwecke hat, eine Hand⸗ lung unter einer gemeinſchaftlichen Firma zu führen, alle, welche als Geſellſchafter im Societäts⸗Contracte bezeichnet ſind! ſolida⸗ riſch für alle Verpflichtungen der Geſellſchaft, wenn auch nur einer der Geſellſchafter unterzeichnet hat, vorausgeſetzt, daß die⸗ ſes unter der gemeinſchaftlichen Handlungs⸗Firma geſchehen ſey. Das nehmliche hat nach dem Art. 23 des nehmlichen Geſetzbu⸗ ches auch bey Geſellſchaften en commandite, d. h. bey ſolchen, wobey nicht alle Intereſſenten an der Beſorgung der Handlungs⸗ Geſchaͤfte Theil nehmen, in Hinſicht deren Statt, welche die Handlungs⸗Geſchäfte als Aſſociirte beſorgen; dagegen nach dem Art. as der Geſellſchafter, welcher bloß Commanditär iſt; d. h. welcher bloß Fonds in die Geſellſchaft eingeſchoſſen hat, nur ſo weit als ſein eingeſchoſſenes Eapital reicht, für den Verluſt haftet; es ſey dann, daß er ſich in die Führung der Geſchaͤfte eingemiſcht; oder in den Angelegenheiten der Geſellſchaft habe brauchen laſſen.(Art. a7 und as des n. G.) 4 %) Das Nehmliche würde auch jetzt Statt haben, wenn die im Art 42 43 und 44 des Handlungs⸗Geſetzbuches vorgeſchriebe⸗ nen Formalttäten beobachtet worden ſiud⸗ 3 In. Buch. IX. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. 23 geſagten Artikel,) ſo daß zwiſchen der Ordonnanz und unſe⸗ rem Artikel nur fuͤr den Fall ein wirklicher Unterſchied vor⸗ handen iſt, wenn der Handlungs⸗Geſellſchafter nicht von der Unrerſchrift ausgeſchloſſen iſt, und alle zü unterzeich⸗ nen befngt ſind⸗ Art. 1863.»Die Geſellſchafter haften dem Glaͤubiger, »womit ſie contrahirt haben, jeder fuͤr eine gleiche Summe „und einen gleichen Theil, ſelbſt dann, wenn der Antheil „eines von ihnen an der Geſellſchaft geringer ſeyn ſollte, „der Act habe dann beſonders die Verpflichtung dieſes „Letztern nach Verhältniß ſeines Antheils an der Geſellſchaft „beſtimmt.« — Der Beweggrund des letzten Theiles dieſes Artikels iſt, weil dritten Perſonen die beſondern Verträge der Geſellſchaf— ter unbekannt ſeyn können, und Betruͤgereyen verhindert werden müſſen⸗ Art. 1864.»Das Angeldbniß, daß eine Verpflichtung „für Rechnung der Geſellſchaft übernommen worden ſey, „bindet nur denjenigen Geſellſchafter, der contrahirt hat, und „nicht die uͤbrigen, es ſey dann, daß dieſe ihm Vollmacht „gegeben haben, oder daß die Sache der Societat zum Nu⸗ „tzen gediehen ſey.« In den beyden vorhergehenden Artikeln iſt feſtgeſetzt wor⸗ den, für welche Antheile die Geſellſchafter gegen dritte Per⸗ ſonen verbunden ſind. Im vorliegenden beſtunmt man die Fälle, wo ſie ſo gar ganz für die von einem unter ihnen eingegangene Verbindlichkeit haften. Der Regel nach kann man durch einen Vertrag nur ſich binden, von dieſer Regel macht aber der Artikel zwey ganz gerechte Ausnahmen, im Falle nehmlich, 1) wo die uͤbrigen Geſellſchafter denje⸗ nigen von ihnen, welcher contrahirte, dazu benollmächtigt hatten, und 2) wenn die Societät Vortheil aus dem Em⸗ pfangenen gezogen hat. Vorzuͤglich iſt dieſer letztere Fall bedeutend, und ſtimmt mit den im Titel der Pandecten ds in rem verso feſtgeſetzten Regeln überein. s 1I. Buch. MK. Lit. Pon dem Soeietäts⸗Contraete. Eben dieſe Regeln machten einen Theil der Entſchei⸗ dungs⸗Gründe aus, aus denen die section des requétes das Geſuch des Billaud um Caſſation eines vom Appella⸗ tions⸗Hofe von Limoges erlaſſenen Urtheiles, welches ihn zur Zahlung eines, von Alonele, ſeinem Aſſociirten, ganz allein ausgeſtellten Schuld⸗Scheines von 2,000 Liv., die aber in den Fonds der Geſellſchaft gebraucht worden waren, verz urtheilt hatte, am 28. Germinal 12. J.(18. April 1809) verwarf. Die gelehrte Abhandlung des Herrn Merlin über dieſe Frage muß man im Repert. de jurispr. v. Societẽ, F. 2 nachſehen. Viertes Capitel. Von den verſchiedenen Arten, wie die Geſellſchaft ſich endiget. Art. 1865.»Die Geſellſchaft endiget ſich „1) Durch Umlauf der Zeit, auf welche ſie geſchloſſen „worden iſt; „2) Durch den Untergang der Sache, oder durch die Vol⸗ „lendung des Geſchaͤftes; „3) Durch den natürlicheu Tod eines der Geſellſchafter; „4) Durch den bürgerlichen Tod, durch die Interdiction „oder den gaͤnzlichen Verfall des Vermögens eines von ihnenz „5) Durch die Willenserklärung eines oder mehrerer, daß „ſie nicht mehr in Geſellſchaft ſeyn wollen.* Gder den goͤnzlichen Verfall des Vermoͤgens. Nach der Lehre des Boutaric, ad F. 5 inst. de Societate, endigt ſich der Geſellſchafts⸗Contraet durch das Falliment nicht, wenn der Geſellſchafter, welcher fallirt hat, einen Zahlungs⸗ fähigen Bürgen anbiethet; auch fuͤhrt er einen Fall an, worin dieſes angenommen worden iſt. Meines Erachtens kann nach unſerem Artikel ſeine Meinung nicht mehr befolgt werdenz denn ein Geſellſchafter, welcher fallirt hat, muß nicht bloß deßwegen von der Geſellſchaft ausgeſchloſſen wer⸗ den, weil er kein Geld mehr hat, ſondern auch aus dem 1M. Buch. 1X. Tit. Von dem Sveietäts⸗Contraete. 25 Grunde, weil man in ſeine Redlichkeit oder Klugheit kein Zutrauen mehr ſetzen kann.*) Was in den übrigen Ziffern dieſes Artikels enthalten iſt, wird in den folgenden Artikeln naͤher erläutert, die man hierüber nachſehen muß⸗ Art. 1866.»Daß eine Geſellſchaft auf beſtimmte Zeit „verlängert worden ſey, läßt ſich nicht anderſt erweiſen, „als durch einen ſchriftlichen Act, der mit der nehmlichen „Form, wie der Societäts⸗Contract ſelbſt, verſehen iſt.« Art. 1867.»Hat einer der Geſellſchafter verſprochen, „das Eigenthum einer Sache in die Gemeinſchaft einzulegen, „ſo erliſcht der Geſellſchafts⸗Contract in Beziehung auf alle „Geſellſchafter, wenn die Sache zu Grunde geht, ehe ſie in „die Gemeinſchaft eingelegt worden iſt. „Auf gleiche Weiſe erliſcht die Geſellſchaft durch den „Verluſt oder Untergang der Sache in allen Föllen, wo „nur der Genuß in die Gemeinſchaft eingelegt worden, und „das Eigenthum davon in den Händen des Geſellſchafters „geblieben iſt.« *) Wie, wenn ein Holzhäͤndler, fragt Pothier n. 142, mit ei⸗ nem Faßbinder eine Geſellſchaft geſchloſſen hat, um Fäſſer zu machen und zu verkaufen, wozu Erſterer das Holz liefern, letz⸗ terer aber bloß die Faͤſſer machen ſollte, dieſer Letztere aber nachher ſo gelähmt wird, daß er zu keiner Arbeit mehr tauglich iſt, iſt die Geſellſchaft erloſchen? Nein, antwortet er; dadurch nehmlich, daß der Faßbinder ſich verpflichtete, Fäſſer zu machen, hatte er es nicht beſtimmt übernommen, ſie ſelbſt, ſondern eut⸗ weder ſelbſt oder durch ſeine Arbeitsleute zu machen; letzteres rann er indeſſen noch immer thun laſſen und die Arbeit leiten, wenn er ſchon gelähmt iſt. Anderſt wurde es ſich aber verhulten, wenn der Holzhändler, weil er einzig ſein Zutrauen in die Geſchick⸗ lichkeit des Faßbinders ſetzte, dem Contraete die Clauſel hätte einrücken laſſen, daß er die Fäſſer nicht durch andere machen laſſen könnte. In dieſem Falle wäre die Soeietät erloſchen. B. 26 1. Buch. 1X. Tit. Von dem Sveietäts⸗Contraete. „Dann aber wird die Geſellſchaft durch den Verluſt der „Sache nicht aufgelöſt, wenn das Eigenthum ſchon wirklich „in die Societaͤt eingebracht war.« Das Pigenthum einer Sache. Es muß aber eine Sache von Wichtigkeit und eine ſolche ſeyn, wodurch man zur Schließung des Societäts⸗Contractes bewogen worden iſt; denn im entgegengeſetzten Falle, oder wenn nur eine und zwar die minder wichtige der verſprochenen Sachen zu Grunde gienge, könnte es dem Geſellſchafter nicht verweigert werden, ſie durch eine andere zu erſetzen, oder eine Entſchä⸗ digung zu geben. So heißt es auch in der F. 63, F. ult. F. h., daß der Societaͤts⸗Contract ſich durch den Verluſt der Sache endige,„i nulla relinquantur, vel conditionem mutent. Und in Hinſicht des zweyten Theiles des Artikels, heißt es in der T. 5,. h., si frui non liceat. Was den dritten Theil des Artikels betrifft, entſcheiden die LT. 28 und 82, F h., daß, wenn das vom Geſell⸗ ſchafter verſprochene Geld zu Grunde geht, bevor es in ar-— cam communem gebracht worden iſt, der Verluſt den Gefell⸗ ſchafter treffe; dann aber, wenn es nachher zu Grunde geht, der Societät zur Laſt falle. Art. 1868.„Iſt ausbedungen worden, daß, wenn „einer der Geſellſchafter ſtirbt, die Geſellſchaft mit ſeinem „Erben oder unter den noch lebenden Geſellſchaftern allein „fortwähren ſoll, ſo muß dieſe Uebereinkunft vollzogen wer⸗ „den. Im zweyten Falle hat der Erbe des Verſtorbenen „weiter kein Recht auf Theilung der Societät, als nach „Beſchaffenheit der Lage, worin ſie zur Zeit des Abſterbens „ſich befand, und er nimmt keinen Theil an den weitern „Rechten, als in ſo fern ſie eine nothwendige Folge desje⸗ „nigen ſind, was vor dem Tode des Aſſocirten, deſſen Erbe „er iſt, geſchehen war⸗« Nach den römiſchen Geſetzen durfte zwar ausbedungen werden, daß die Geſellſchaft unter den uͤberlebenden Aſſociir⸗ ten fortwähren ſolle, P. 65, F. 9, JF. h. nicht aber, daß — UI. Buch. M. Tit. Von dem Sveietäts⸗Contraste. 27 ſie mit dem Erben des verſtorbenen Aſſociirten fortgeſetzt werden ſolle. T. 35 und 59 eod. Nisi notus aut nomina- tim admissus sit, aut in societate vectigalium. Der Be⸗ weggrund dieſer Regel war, weil die Wahl der Perſonen bey einer Geſellſchaft das weſentlichſte iſt, und man ſich in ſol⸗ chem Falle nicht mit jemanden verbinden kann, den man nicht kennt. Man glaubte, das Gegentheil annehmen zu müſſen.*) Was die Rechte und Verbindlichkeiten des Erben des verſtorbenen Geſellſchafters betrifft, heißt es a) in der P. 40, eod., inchoata explicare tenetur⸗ D) in der T. 63, F. 8 in eum actio est, cum emolumenti Successor sit; c) in der T. 36, bonam ſidem et culpam præstat, und Cujaz erklaͤrt die Lage, worin er ſich befindet, mit einem Worte, wenn er (X. obs. 35) ſagt: communio necessariu est cum hœrede, non autem Societas voluntaria. Art. 1869.„ Nur Geſellſchaften, deren Dauer nicht „auf gewiſſe Zeit eingeſchränkt iſt, können durch bloße „Willkühr eines der Contrahenten aufgeloͤſt werden. Die „Auflöſung geſchieht durch eine Verzichtleiſtung, welche allen *) Auch hierin iſt man der Meinung Pothier's n. 14 beygetre⸗ ten, welcher den angeführten Beweggrund der römiſchen Geſetze mehr ſpitzfindig, als gründlich ſindet. Die Roͤmer ſelbſt, ſagt Pothier, und nach ihm Herr Bouteville in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps, nahmen eine Ausnahme von ihrer Regel bey Geſellſchaften an, die von den Pächtern der Staats⸗Einkünfte unter ſich geſchloſſen wurden, in societate vectigalium,— ein Beweis, daß ſie ſelbſt anerkannten, daß ein ſolcher Vertrag dem Weſen einer Geſellſchaft nicht zuwider ſey; und da a) die Contrahenten wichtige Gründe gehabt haben können zu wünſchen, daß ihre Aſſociation, ihre Unternehmuns von ihren Erben fort⸗ geſetzt werden möge, da b) dieſe letztere immer die den Geſell⸗ ſchaften, deren Dauer unbeſtimmt iſt, anklebende Befugniß ha⸗ ben, daraus zu ſcheiden, wenn ihr Intereſſe es zu erfordern ſcheint, ſo war auch wohl kein Grund vorhanden, der romiſchen Geſetzgebung in dieſem Punete beyzutreten. 25 1I Buch. IX. Lit. Von dem Soeietäts⸗Contraete⸗ „Geſellſchaftern inſinuirt wird, vorausgeſetzt daß dieſe „Verzichtleiſtung auf eine redliche Weiſe, und nicht zur „Unzeit geſchieht. ⸗ Von dem Falle, wo die Geſellſchaft auf eine beſtimmte Zeit geſchloſſen worden iſt, handelt der Art. 1871.*) Art. 1870.»Die Verzichtleiſtung geſchieht nicht auf „eine redliche Weiſe, wenn der Aſſociirte der Geſellſchaft „entſagt, um ſich einen Gewinn allein zuzueignen, den die „Geſellſchafter für gemeinſchaftliche Rechnung zu ziehen „Willens waren.**) „Sie geſchieht zur Unzeit, wenn die Sachen nicht mehr „im vorigen Stande ſind, und der Geſellſchaft daran gele⸗ »„gen iſt, daß ihre Aufloͤſung verſchoben werde.«**) Fed plane siquis callidè in hoc renuntiaverit Societati, ut obveniens aliquod lucrum Solus habeat cogitur hos communicare. F. 4. inst R. S ocietatis intersit, non dirimi Non id quod privatim interest unius eæ sociis, zervari Solet, sed quod societati expedit. F. 65, F. 5, H. h. *) Dem vorliegenden Artikel zu Folge iſt alſo zur Aufloſung einer auf unbeſtimmte Zeit geſchloſſenen Geſellſchaft nur eine einzige Formalitaͤt erforderlich, nehmlich dieſe, daß die Verzichtleiſtung den Aſſociirten inſinuirt werde, vorausgeſetzt daß ſie ubrigens mit den im Artikel enthaltenen Erforderniſſen verſehen iſt. Soll aber eiue Geſellſchaft, die auf eine beſtimmte Zeit geſchloſſen iſt, durch den Willen eines der Aſſpeiirten aufgehoben werden, ſo muß er ſein Geſuch mittelſt einer Klage bey Gerichte anbringen. S. die TT. 4, F. 1 und 65,§. 6,. h. Sollte indeſſen die Berzichtleiſtung Schwierigkeiten unterworſen ſeyn, ſo möchte es auch bey der erſtern Gattung von Geſellſchaften rathſam ſeyn, bey der Inſinuation der Verzichtleiſtung zugleich die Geſellſchaf⸗ ter abzuladen, um die Auflöſung der Geſellſchaft gerichtlich er⸗ ennen zu laſſen. k zu laſſ Z. *) Beyſpiele hievon findet man in der F. 65,. 3 und 4, 5. B⸗ v) Hievon findet man ein Beyſpiel im§. 1 d. T⸗ 4 L. Buch IX. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. 29 Art. 1871.»Geſellſchaften, welche auf Zeit geſchloſſen „ſind, können auf einſeitiges Verlangen eines der Aſſociirten „vor der vereinbarten Zeit nur in ſo fern aufgehoben werden, „als gerechte Bewegurſachen eintreten, wie z. B. wenn „ein anderer Geſellſchafter ſein Verſprechen nicht erfuͤllt, „oder eine oft wiederkehrende Krankheit ihn zu den Geſchäf⸗ „ten der Geſellſchaft unfaͤhig macht, oder in andern aͤhnli⸗ „chen Fällen, deren Rechtmäßigkeit und Erheblichkeit zu „beurtheilen dem Ermeſſen der Richter überlaſſen bleibt.« Si ità injuriosus, heißt es in der T. 14, h eod., at damnosus sit Socius, ut non expediat eum pati.*) Art. 1872.» Die Regeln, die ſich auf Erbſchaftsthei⸗ „lungen, auf die Form dieſer Theilungen und die unter den „Miterben hieraus entſpringenden Verbindlichkeiten beziehen, „ſind auf die Theilungen unter Aſſociirten ebenfalls an⸗ „wendbar.«*) Man vermißt hier eine im römiſchen Rechte bekannte Regel, nach welcher ein Geſellſchafter, welcher bey der Rech⸗ nungs⸗Ablage und bey der Liquidation der Geſellſchaft Schuldner bleibt, nur, in quantum facere potest, verur⸗ theilt wird, T. 63, h. d. h. deducto ne egeat. P. 173, F. *) Sind rechtmäfige Urſachen vorhanden, vor der Zeit von der Geſellſchaft abzugehen, ſo kann dieß ſelbſt in dem Falle geſchehen, wenn im Geſellſchafts⸗Contracte die Clauſel ent— halten wäre, daß man vor Ablauf der Zeit ſie nicht aufheben könne. T. 14 ℳ 1. Ulpian und Pomponius fuhren übrigens in d. T. 14„ T. 15 und 16 ⸗6d. mehrere Beyſpiele recht mäßiger urſachen an. B. *) Da nach dem Art. s17 des Geſetzbuches Napoleons ein Vor⸗ mund die Klage auf Theilung einer Erbſchaft nur dann anſtel⸗ len kann, wenn er von einem Familien⸗Rathe dazu autoriſirt iſt, ſo iſt dem vorliegenden Artikel zu Folge dieſe Formalität auch dann erforderlich, wenn der Vormund auf Theilung einer Gefellſchaft antragen will. B. 1I. Buch. IX. Tit. Von dem Sveietäts⸗Contraete. de veg. jur. der Grund dieſer Regel war, cum societas jus quodammodò fraternitatis in se habeat. T. 63, edd. Da a) dieſe Regel weggeblieben iſt, und b) andere Ver⸗ fügungen dieſes Titels vorausſetzen, daß die Richter ver⸗ pflichtet ſind, den Geſellſchafter, welcher Schuldner iſt, zur Zahlung desjenigen zu verurtheilen, was er wirklich ſchuldig iſt, ſo dürfen ſie bloß deßwegen dieſe Regel nicht mehr anwenden. Verfuͤgung in Beiichung auf Handlungsgeſellſchaften⸗ Art. 1873.» Die Verfügungen des gegenwärtigen Ti⸗ „tels ſind auf Handlungsgeſellſchaften in denjenigen Puncten vnur anwendbar, die mit den Geſetzen und Gebräuchen des „Hanels in keinem Widerſpruche ſtehen.*) *) Handlungs⸗Geſellſchaften bleiben dieſemnach ihren eigenen Ge⸗ ſetzen und Gebräuchen unterworfen. Beym Appellations⸗Hofe von Brüſſel kam folgender Fall vor: Als die im J. 1782 is Oſtende zn Stande gekommene Aſſe⸗ euranz⸗Geſellſchaft geendigt war; beſchäftigte ſich Herr Van⸗ moorſet, welcher der einzig uͤbrig gebliebeve Directeur war, mit der Liquidation. Im Geſellſchafts⸗Contracte war nichts über die Art beſtimmt, wie zur Liquidation geſchritten werden ſollte. Vanmoorſet glaubte alſo ſich in Betreff der Znſammen⸗ berufung ungefähr nach den nehmlichen Formen richten zu müſſen, die während der Geſellſchaft vorgeſchrieben waren, d. h. er be⸗ rief nur die Aetionnärs zuſammen, welche nach dem Inhalte der beſtandenen Verordnung ſo große Actien hatten, daß ihnen eine berathſchlagende Stimme gebührte, Ueberdieß ergriff Vanmvorſet alle Vorſichts⸗Maßregeln, die der Handels⸗Gebrauch, und das Intereſſe aller erfordern konnten. Die Verſammlung, welche auf dieſe Weiſe zuſammenberufen war, ernannte am 2. Decem⸗ ber 1307 drey Liquidatoren und einen Caſſirer. Dieſe Liquida⸗ toren belangen das Haus Baes⸗de⸗Basl und Comp. zur Zahlung einer Summe von 15000 Florin. Dieſes erklärt ſich zur Zahlung bereit, jedoch gegen Sicherheit, behauptet aber dagegen, daß die Liquidatoren zum Empfang nicht qualifizirt ſeyen, weil ihre Ernennung unregelmaͤßig ſey. Das Commert⸗ Geticht von Oſtende verurtheilte indeſſen das Haus Baesde⸗ I III. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlebens⸗Contraeke. 31 hn el. Von dem Leih⸗ und Darlehns⸗Contracte. (Deeret. den 9. Märi 1804. Promulg. den 19. des nehml. Monats.) (Ueber den Leih⸗Contract, ſehe man den Tit. 6 des B⸗ 13 der Pandecten, und den Tit. 23 des B. 4 des Coder. Ueber das Darlehn, den Tit. 1, des B. 12 der Pandecten, und die Tit 1 und 2 des B. 4 des Coder.) Art⸗. 1874.„ Es gibt zwey Gattungen des Contrac⸗ „tes, wodurch man ſeine Sache einem andern lehnt; »Der Leih⸗Contract über Sachen, die man gebrauchen „kann, ohne ſie zu zerſtören; »Und der Darlehns-Contract über Sachen, die durch den »Gebrauch, den man davon macht, verzehrt werden. 4 Bael zur Zahlung, weil die von ihm gemachte Einrede den Schuldner nicht angehe, ſondern von den Aſſociirten vorgebracht werden müßte. In der Appellations⸗Inſtanz berief ſich der Appellant auf die Grundſätze, nach welchen jede Geſellſchaft mit Ablauf der Zeit, worauf ſie geſchloſſen worden iſt, er— liſcht; nach den 30 Jahren, ſagte er, worauf die Aſſeeuranz⸗Geſellſchaft eingegangen worden iſt, iſt keine Geſell⸗ ſellſchaft mehr vorhanden, und hieraus zog er den Schluß, daß die Liguidation des geſellſchaftlichen Vermögens eine zu machende Theilung ſey, ſo wie jede andere Theilung; da nun von einer Geſellſchafts⸗Operation nicht mehr die Frage ſeyn koͤune, wohl aber von einer Theilung der gemeinſchaftlichen Sache, ſo trete der Fall ein, wo der Art. 1872 des Geſetzbuches Napoleons angewendet werden müſſe. Der Appellations⸗Hof von Brüſſel beſtätigte aber am a2. Junius 180s das vorige Urtheil aus folgenden Gründen: 1) meil die Zuſammenberufung der Gläubiger zu den Verſammlungen vom 1. September und 1. December 1807 gemäß dem bey Handels⸗Geſellſchaften beobach⸗ teten Gebrauche, und gemaͤß der Natur der Operationen, die ju Folge der am 2. Auguſt 1807 aufgelößten Geſellſchaft noch voriunehmen uͤbrig waren; geſchehen ſey; a) weil die im Art⸗ 3a II. Buch. X. Lit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. „Die erſte Gattung heißt pret à usage oder commodat, „Leih⸗Contract; „Die zweyte Gattung heißt prét de consommation oder „ſchlechthin prét, Darlehen.« Bey den Römern hieß die erſte Gattung commodatum, die zweyte mutuum. Dieſem Artikel hatten wir folgenden F. hinzugeſetzt? dieſe zweyte Gattung wird ferner eingetheilt in unent⸗ geldliches Darlehn, und in Darlehn auf Zinſen. Anfangs war dieſer F. angenommen worden, wurde aber nachher ohne Discuſſion ausgeſtrichen. Zweifels ohne war man der Mei⸗ nung, daß es, nach der allgemeinen Erlaubniß, ſich vom Darlehn Zinſen auszubedingen, kein unentgeldliches Darlehn mehr geben werde; Religion und Freundſchaft erhalten in⸗ zwiſchen glucklicher Weiſe dieſen Gebrauch noch⸗ Erſtes Capitel. Von dem Leih⸗Contracte. Erſter Abſſchnitt⸗ Von der Natur des Leih⸗Contractes. Art. 1875.„ Der Leih⸗Contract iſt ein Vertrag, wodurch „einer der contrahirenden Theile dem andern eine Sache „überliefert, um ſie zu gebrauchen, unter der Bedingung, „daß der Empfaͤnger, nachdem er ſich ihrer bedient hot, „ ſie zurtickgeben ſoll.« commodatum, ſagt Eujaz ad Ff. h., est conventio, qud res gratis utenda datur. Gratis, ſagt er; denn der Leih⸗ 1872 aufgeſtellten Regeln nur in denjenigen Fällen ihre Anwen⸗ dung erhalten, welche nach dem Art. 1873 nichts enthalten, was den Handels⸗Geſetzen und Gebräuchen zuwider wäre, und 3) weil der Gegenſtand der Zuſammenberufung durch den Druck öffentlich bekannt gemacht worden ſey, und das Reſultat dem Intereſſe aller Aetionnaͤrs entſpreche. Jurispr. de la Cour de Cass. 15os im Anhange p. 277 u. f. 5 1II. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte 33 Contract iſt ſeiner Weſenheit nach nnentgeldlich; ſonſt würde es ein Mieth⸗Contract ſeyn, F. 2. inst. quib. mod. re. Den Unterſchied zwiſchen dem Leih⸗Contracte und dem Darlehn ſtellt Cnjaz auf folgende Art dar: commodatum est quasi mutuum ad usum; mutuum est quasi commnodatum ad abusum. Art. 1876.» Zum Weſen dieſes Leih⸗Contractes ge⸗ »hört es, daß der Gebrauch der Sache unentgeldlich über⸗ „laſſen wird.« S. die Anmerkung zum vorhergehenden Artikel. Art. 1877.»Der Leiher bleibt Eigenthuͤmer der geliehe⸗ „nen Sache.« Rei commodatæ et proprietatem et possessionem reti- nemus. L. 8 und 9, h h. Aus dieſer Urſache iſt der Ver⸗ luſt fuͤr den Leiher, wenn ſie zu Grunde geht.— Die Fälle ausgenommen, die im folgenden Abſchnitte enthalten ſind. Art. 1878.»Alles, was nicht dem rechtlichen Verkehr „entzogen iſt, und durch den Gebrauch nicht verzehrt wird, „kann ein Gegenſtand dieſes Vertrags ſeyn. Immobilien können eben ſo wie Mobilien geliehen wer⸗ den. T. 1, F. 1 M h. Das Weſentliche beſteht darin, daß man die geliehene Sache gebrauchen könne, ohne ſie aufzuzehren; wird fie durch den Gebrauch verzehrt, wie z⸗ B. Geld, Fruͤchte, ſo kann ſie nicht geliehen werden, und nur ein Gegenſtand eines Darlehns ſeyn. L. 3, F ult h. Dieſe Regel leidet indeſſen eine Ausnahme, wenn je⸗ mand Geld oder Lebens⸗Mittel leiht, nicht um ſie zu ver⸗ zehren, ſondern bloß um damit zu prahlen, und ſie zu zeigen. Misi forte ad pompam vel ostentationem accipiat quis, heißt es in der ſchon angeführten T. Z., denn in die⸗ ſem Falle kann ſich ein Leih⸗Contract bilden. Art. 1879.»Die Verbindlichkeiten, welche aus dem „Leih⸗Contracte entſtehen, gehen auf die Erben des Leihers und auf die Erben des Anlecihers über. Malev. IV. 67 34 U. Buch. K. Tit. Von dem Leih⸗ und Darleheus⸗Contraete. „Hat man indeſſen nur aus Rückſicht für den Entlehner „und ihm bloß für ſeine Perſon geliehen, dann können die „Erben nicht fortfahren, die geliehene Sache zu gebrauchen.« Nach der F. 12, F. 1 N de precario iſt der Erbe des Leihers zwar verbunden, den Leih⸗Contract in Anſehung des Entlehners zu halten; der Leiher iſt aber hiezu gegen die Er⸗ ben des Entlehners nicht verpflichtet: quia ipsi duntawat, non haredi concessa possesio est. Unſer Artikel hat die Aus nahme zur Regel gemacht, und vielleicht mit Recht. 3 weyter Ab ſchnitt⸗ Von den Verpflichtungen des Entlehners. Art. 1880.»Der Eitlehner iſt ſchuldig, als ein guter „Hausvater für die Aufbewahrung und Erhaltung der ge⸗ „liehenen Sache zu ſorgen. Er darf ſich ihrer nur zu dem „Zwecke bedienen, wozu ſie ihrer Natur nach oder durch die „Uebereinkunft beſtimmt iſt; alles bey Strafe, nach Beſchaf— „fenheit der Umſtände, den Schaden und entbehrten Gewinn „zu erſetzen.« Die Römer unterſchieden drey Fälle; entweder wurde nehmlich 1) bey dem Leih⸗Contracte bloß der Vortheil des Entlehners bezweckt, oder er gereichte 2) zum gemeinſchaft⸗ lichen Nutzen des Leihers und des Entlehners, z. B⸗ wenn ich meinem Aſſocirten ein Pferd leihe, um eine Angele⸗ genheit der Geſellſchaft zu beſorgen, vder das Leihen geſchah 3) bloß zum Vortheile oder zum Vergnuͤgen des Leihers, z. B⸗ wenn ich meiner Braut Schmuck leihe. Im erſten Falle forderten ſie vom Entlehner die größte Sorafalt, diltgentiam ewactissimam; ſo gar war es nicht geuug, wenn er auf die geliehene Sache diejenige Sorgfalt verwendete, womit er ſeine eigene Geſchaͤfte zu verſehen pflegte, si alius diligentior eustodire potuerit. Im zweyten Falle war der Entlehner nur zu einem gewöhnlichen Fleiße verbunden, und im dritten war er nur für ſein grobes Ver⸗ ſchulden verantwortlich. S. die T. 1§. 4., J. de oblig. et act. und die LT. 5 und 18 ſe. zm. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Coutraete. 3 Art. 1881.»Gebraucht der Entlehner die Sache zu ci⸗ „nem andern Zwecke, oder für eine längere Zeit, als er es „ſollte, ſo hat er für den Verluſt zu haften, wäre er auch „bloß durch einen Zufall entſtanden.« Derjenige, welcher die Sache zu einem andern Zwecke gebraucht, als wozu ſie geliehen worden iſt, wird in der T. 5, F. 8. h. mit einem Diebe verglichen. ¹) Art. 1882.»Geht die geliehene Sache durch einen „Zufall zu Grunde, vor dem der Entlshner ſie hätte bewah⸗ „ren können, wenn er ſeine eigene Sache gebraucht haͤtte, oder konnte er nur eine von beyden erhalten, und er zog die ſeinige vor, ſo iſt er ſuͤr den Verluſt der andern ver⸗ antwortlich« Stimmt mit der angefuͤhrten F. 5, SF. 4 überein. Art. 1883.»Hat man die Sache, als ſie geliehen wurde, geſchätzt, ſo hat der Entlehner jeden, ſelbſt durch Zufall ſich ereignenden, Verluſt zu tragen, in ſo fern nicht »das Gegentheil ausbedungen worden iſt.« Stimmt mit der L. 2, F cod. eòd. uͤberein⸗ — — — 8 8 8 8 Die in dieſen drey Artikeln ausgedruckten Fälle ſind nicht die einzigen, worin der Entlehner für den durch Zufall ent⸗ ſtandenen Verluſt haftet; es verhölt ſich eben ſo, wenn dem bloßen Zufalle ein Perſchulden von ſeiner Seite vorhergieng, z. B. wenn er einen gefährlichen Weg genommen hat, wenn er des Nachts gereiſt ſſt, da er doch einen ſichern Weg hatte, oder bey Tag ankommen konnte. L. 5, F. 4 und Z. Fer⸗ ner, wenn er die bloßen Zufaͤlle ausdrucklich auf ſich genom— men hat. F. 1, cod. eòd. Uebrigens würde die Entſcheidung des Artzkels auch dann eiatre— ten müſſen, wenn der Entlehner dic zu ſeinem zerſoͤnlichen Ge⸗ brauche geliehene Sache ohne Vorwiſſen des Eigenthümers einen andern liehe, weil man nach dem Art. 113 aus den Verbind⸗ lichkeiten alle Folgen herleiten muß, die der Billigkeit gemaß daraus entſpringen— B 36 UM. Buch. X. Tit. Art. 188g.»Verſchlimmert ſich die Sache bloß durch „eine Folge des Gebrauches, wofür ſie geliehen worden, und „ohne einiges Verſchulden des Entlehners, ſo hat er ſuͤr die „Verſchlimmerung nicht zu haften.« Stimmt mit der T. ult. H. h. überein. Non tenetur, quam vis deterior res reddatur, si in eam rem usus est in quam accepit, veluti equus qui laborem Sustinere non potuit.*) Art. 1885.„ Der Entlehner kann die Sache nicht zurückbe⸗ „halten, um ſie gegen dasjenige aufzurechnen, was ihm der „Leiher ſchuldig iſt.« So wird ausdrücklich in der T. ult. cod. edd. entſchieden, wovon Bousseaud, v. Prét, sect. 2, n. 10 mit Unrecht abgegangen iſt. S. Serres, inst. p. 451. Die T. 16, IM j. entſcheidet, der Entlehner müſſe die Sache ſo gar dem Diebe, der ſie ihm geliehen habe, zu⸗ ruckgeben; in der That würde auch nur der Anſpruch des wahren Eigenthuͤmers ihn hievon befreyen können. Art. 1886.»Hat der Entlehner, um die Sache zu ge⸗ „brauchen, einige Koſten verwendet, ſo kann er dieſelben »„nicht zurückfordern.« Modica impendia, ſo heißt es in der L. 18, F. 2. h., ad commodatarium pertinent. Dieſes wollte unſer Ar⸗ tikel durch die Worte: einige Roſten zu verſtehen geben⸗ S. den Art. 1890. Art. 1887.»Haben mehrere zuſammen eine und die⸗ „ſelbe Sache entlehnt, ſo ſind ſie dem Leiher ſammt und „ſonders, einer fuͤr alle und alle faͤr einen(ſolidariſch) ver⸗ „pflichtet.« Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contrate. *) Auch dann haftet der Entlehner für die Verſchlimmerungen nicht, wenn ſie von dem Faetum einer andern Perſon, wofür er nicht verautwortlich iſt, herrührt, welches er weder vorherſehen noch verhindern konnte. T. 15 ℳ commod. B. 1M. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens Contracte. 35 Wenn ſie ſich auch ſchon nicht ſolidariſch verbunden haben; hierin hat man der Entſcheidung der F. 5, h. vor jener der nov. 99, cap. 1 den Vorzug gegeben. Iſt der Entlehner mit Hinterlaſſung mehrerer Erben ge⸗ ſtorben, und hat einer von ihnen die geliehene Sache in ſei⸗ nem Beſitze, ſo kann dieſer, nach der Entſcheidung der T. 3. §. 3, N l. ſolidariſch angehalten werden, ſie zuruͤckzugeben. Rousscaud, v. Prét, gect. 2, n. 7, und Serres, inst. p. 450 lehren in Gemäßheit der TT. 10, 11 und 12, N h., daß, wenn der Entlehner die geliehene Sache jemanden zuge⸗ ſtellt hat, um ſie dem Leiher wiederzugeben, und ſie in den Händen des Traͤgers verloren gegangen iſt, der Entlehner ſo gar dann dafür verantwortlich ſey, wenn auch dieſer Traͤger mit der falſchen Angabe zu ihm gekommen wäre, daß er von Seiten des Eigenthümers geſchickt worden ſey, um ſie abzuhohlen, weil der Entlehner hieruͤber etwas ſchrift⸗ liches haͤtte verlangen müſſen, es ſey dann, daß dieſer Menſch ein Diener oder Geſchaͤftsträger des Leihers waͤre, dem dieſer gewöhnlich ſeine eigene Sachen anvertraute. Die nehmliche Entſcheidung, ſetzt Rousseaud hinzu, muß dann eintreten, wenn ſogar der Eigenthuͤmer den Menſchen wirklich geſchickt härte, um den Entlehner zur Zuruͤckgabe der Sache anzumahnen; in der That, entſcheidet ſo die T. 12, §, 1 h. An der Richtigkeit dieſer zweyten Entſcheidung möchte ich inzwiſchen ſehr zweiflen, es ſey dann, daß man in Anſehung des Alters oder der Gattung der hingeſchickten Perſon kein Zutrauen in ſie hätte ſetzen dürfen; auch hat meines Erachtens Serres, fuͤr deſſen geſunde Beurtheilungs⸗ kraft ich viele Achtung habe, dieſen Fall nicht ohne Urſache ausgelaſſen. Dritter Abſchnitt. Von den Verpflichtungen des Leihers. 1888.» Der Leiher kann die geliehene Sache erſt nach »„Umlauf der verabredeten Zeit zurücknehmen, oder. 38 111. Buch. X. Tit. Von der Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. „wenn hieruͤber nichts ausbedungen wurde, nicht eher, „als nachdem ſie zu dem Zwecke gedient hat, wofür ſie ent— „lehnt worden iſt.« Art. 1880.» Wenn jedoch während dieſes Zeitraums, „oder bevor das Bedürfniß des Entlehners befriediget iſt, „bey dem Leiher ein dringender und unvorgeſehener Fall ſich „ereignet, wodurch er ſeiner Sache bedarf, ſo kann der „Richter den Umſtänden nach den Entlehner anhalten, daß ver ſie ihm zurückgebe.« Der Art. 1388 ſiellt die allgemeine Regel auf, die mit der. 5 k. libercinſtimmt: voluntatis enim et ahcii commodare, necessitatis verd consummare. Was wlrde in der That, wenn es ſich nicht ſo verhielte, anders daraus folgen, als daß der Lrih⸗Contract, der ſeiner Weſenheit nach eine Wohlthat, und eine unentgeldliche Dienſtleiſtung iſt, nur ein Fallſtrick ſeyn, und zum Nachtheile des Entlehners gereichen würde, wenu es dem Leiher ftey ſtände, ſeine Sache zur Unzeit zuruͤckzunehmen? Adjuvari nos, non decipi be- neßcio oportet. Phd. Inzwiſchen ſtimmt die im Art. 1889 enthaltene Aus⸗ nahme von der Regel ebenfalls mit der Billigkeit uͤberein: eine Ausnahme, deren Grund darin beſteht, weil a) der Lether die Vermuthung für ſich hat, daß er ſeine Sache bloß deßwegen geliehen habe, weil er keinen dringenden Fall vorher ſah, worin er ihrer für ſich ſelbſt bedürfen wuͤrde, und es P), falls übrigens alles gleich iſt, gerecht iſt, daß, wenn einer von beyden, der Leiher oder der Entlehner, durch ihre Entbehrung leiden muß, dieſes eher den letztern als den Ei⸗ gnthümer treffe. An den Richtern iſt es alſo, die Umſtände abzuwiegen. Art. 1800.»War der Entlehner während der Dauer „des Leih⸗Contractes, um die Sache zu erhalten, zu einer „außerordentlichen und nothwendigen Ausgabe gezwungen, „die ſo dringend war, daß er den Lciher nicht zuvor davon „benachrichtigen konute, ſo iſt dieſer verbunden, ſie ihm zu „erſetzen.« —— m. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 39 Dieſen Artikel muß man dem Art. 1886 zur Seite ſiellen. Zwiſchen einigen Koſten, und einer außerordentlichen Aus⸗ gabe iſt allerdings, was denn Sinn der Worte betrifft, ein großer Unterſchied; und wem, könnte man wohl fragen, ſollen die Koſten zur Laſt fallen, die zwiſchen beyden, ſo zu ſagen, das Mittelding ausmachen? Zuerſt heißt es in der P. 18 F. 2, h., daß die Nah⸗ rungs-Koſten eins geliehenen Thieres nicht zurückgefordert werden können, und dieſes iſt ganz einfach; iſt aber, ſetzt ſie hinzu, das Thier in eine Krankheit gefallen, oder davon gelaufen, ſo fallen die Cur- und Aufſuchungs⸗Koſten dem Leiher zur Laſt,— verſteht ſich aber doch, wenn dieſe Koſten betraͤchtlich ſind. Ueberhaupt wäre ich der Meinung, daß jedesmahl, ſo oft die Koſten um ein merkliches das Mieth⸗ geld überſteigen, welches der Leiher aus ſeiner Sache hätte zichen lonnen, dieſer Ueberſchuß ihm zur Laſt fallen muͤſſe⸗ Uebrigens entſcheiden die PT. 15 und 59, H de furt.? daß der Entlehner das Recht habe, die Sache ſo lange zu⸗ rückzubehalten, bis ihm die Ausgaben, die er zurückfordern kann, verguͤtet worden ſind. Art. 1891.»Hat die geliehene Sache ſolche Mängel, „daß ſie demjenigen, der ſich ihrer bedient, ſchaͤdlich werden „kann, ſo iſt der Leiher verantwortlich, in ſo fern er die „Maͤngel kanute, und den Entlehner hievon nicht benachrich— „tiget hat.« Dieſer Artikel ſtimmt mit der T. 18, F. 3, M h. über⸗ ein; man fand ihn inzwiſchen hart, und befürchtete, er werde den Leih⸗Contract verhindern. Wenn ich z. Be, ſagte man, jemanden eine Leiter geliehen habe, die in ſchlechtem Stande iſt, ſoll ich ſuͤr das Ungluͤck verantwortlich ſeyn, welches demjenigen widerfährt, der ſich ihrer bedient hat? Die Verfügung des Artikels, antwortete man, muß auf eine mit der Billigkeit uͤbereinſtimmende Weiſe verſtanden, und bloß auf den Fall angewendet werden, wo für den Entlehner Schade daraus deßwegen eutſtanden iſt, weil der 40 lUl. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. Leiher die Maͤngel der geliehenen Sache nicht erklärt hat'e, z. B. wenn er ihm ein rotziges Pferd lieh, wodurch die ſei⸗ nigen angeſteckt worden, und zu Grunde gegangen ſind. So ſpricht auch a) das angeführte Geſetz von verdorbenen Fäſſern, die den Wein oder das Oel des Anleihers verderben haben, von Thieren, die mit Maͤngeln behaftet ſind u. ſ. w.; dage⸗ gen wird aber nicht leicht, wie P) die F. 61, F. 6, V de urt. hinzuſetzt, Argliſt auf Seiten des Leihers vermuthet, welcher einen unentgeldlichen Dienſt leiſtet; ſo wie daun auch c) die T. penult. H h. dem Leiher nicht einmahl die Pflicht auferlegt, den Entlehner zu benachrichtigen, wenn die⸗ ſer ohnehin⸗die Mängel kannte, und wenn ſie notoriſch wa⸗ ren— eine Entſcheidung, die auf den Fall von der Lei⸗ ter paßt. 3 Von dem Darlehen. Erſter Abſchnitt. Von der Natur des Darlehens. Art. 1892.»Das Darlehen iſt ein Contract, wodurch weiner der Contraheuten dem andern eine gewiſſe Quanti⸗ „tät Sachen, die durch den Gebranch verzehrt werden, „unter der Bedingung überliefert, daß Letzterer ihm eben ſo „viel von derſelben Gattung und Qualitaͤt einſt wiedergeben ſoll.« S. die Anmerkung zum Art. 1875. Mutuum est rerum, quæ pondere, numero et men- surà constant. Es muß eddem bonitate qud datum est, qualitate, zurückgegeben werden. F. 1, 2 und 3, J. de reh. cred. Art. 1893.» Der Empſänger wird durch dieſes Dar⸗ „lehen Eigenthuͤmer der dargeliehenen Sache; er allein trägt „den Verluſt, wenn ſie zu Grunde geht, auf welche Art „ſich auch immer dieſer Verluſt ereignen möge.« M. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 41 Wird„ Eigenthuͤmer. Um jedoch das Eigenthum einer Sache zu übertragen, muß man ſelbſt Eigenthümer davon ſeyn; deßwegen heißt es in der T. 13, edd, daß ein Dieb die geſtohlene Sache, und in der P. 16, edd., daß ein Geſellſchafter nicht allein die gemeinſchaftliche Sache darleihen könne. Iſt aber das Darlehn erlaubt, ſo wird der Lehner Ei⸗ genthuͤmer der gelehnten Sache, wodurch das Darlehn ſich vom Leih⸗Contracte unterſcheidet. T. 2, F. 2, eod. Art. 1894.„Sachen, die in ihren einzelnen Weſen »(in ihren Individuen) verſchieden ſind, obſchon ſie zu ei— „ner Art und Gattung gehören, wie z. B. Thiere, können „kein Gegenſtand des Darlehens werden. In dieſem Falle „iſt das Geſchaͤft ein Leih⸗Contract.⸗ Das Darlehn muß ed lege geſchehen, ut recepturus sim non eandem Speciem, Sed idem genus. T. 2. eòd. Art. 1895.»Die Verpflichtung, die aus einem Dar— „lehen von barem Gelde entſteht, beſchränkt ſich auf den »Erſatz der im Contracte ausgedruckten nummeriſchen(in „Zahlen berechneten) Summe.« »Sind vor dem Zeitpuncte der Zahlung die Geldſorten aerhöht oder verringert worden, ſo muß der Schuldner die „ihm gelehnte nummeriſche Summe, und nur dieſe Summe „in den zur Zeit der Zahlung geltenden Münzſorten „erſetzen.« D. h. wenn ſie mir Thaler gelehnt haben, die zur Zeit des Darlehens ſechs Francs galten, und deren nummeriſcher Werth nachher auf zwölf Francs gebracht wird, ſo bin ich meiner Verbindlichkeit gegen ſie entledigt, wenn ich ihnen die Hälfte der Thaler, die ſie mir gelehnt haben, wieder⸗ gebe; und umgekehrt, galten die Thaler zur Zeit des Dar⸗ lehens zwölf Francs, und ſpäterhin werden ſie auf ſechs herabgeſetzt, ſo muß ich ibnen zweymahl ſo viel Thaler zu— rückgeben, als ich empfangen habe. Alles diefes mag ſtrenge 42 m. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. genommen, nicht allerdings gerecht ſeyn; allein Staats⸗ Gruͤnde wollen es ſo.*) *) Der Fall, den der vorliegende Artikel vorausſetzt, ſagt Herr Albiſſon in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps, hatte zwar zu einigen mehr ſpitzſindigen als gruͤndlichen, wiewohl mit einem Anſchein von Billigkeit verſehenen Diſtinetionen Anlaß gegeben; (S. Puffendorff, de. n. et. lih. 5, eap. 7§. 5 und 7 und Forheyrae in ſeinen Noten zu dieſer Stelle.) Allein ſeine Ver⸗ fuͤgung ſtimmt mit der angenommenen Jurisprudenz, und dem römiſchen Rechte, worauf ſie ſich gruͤndete, uͤbercin. S. die contrah. empt. und 94§. 1 ℳ de volc. Pothier, du Pret de conomption, n. 36. Pothier wirft n. 37 die Frage auf: kann man, nicht eine gewiſſe Summe, ſondern eine gewiſſe Quautität Thaler von ſechs Livres lehnbar vorſchießen, mit dem Beding, daß der Lehner eine ahnliche Anzahl vom nehmlichen Gewichte und Ge⸗ halte ohne unterſchied, ob ſie erhöht oder herabgeſetzt wuͤrden zurückgeben ſolle, und daß, wenn die Stücke die er zutuͤckge⸗ ben würde, von geringerem Gewichte und Gehalte wären, er ſo viel mehr zuſetzen muͤſſe, wogegen man ihm aber eine Vergütung würde angedeihen laſſen, wenn ſie von ſtärkerem Gewichte und von beſſerem Gehalte wären. Es ſcheint, ſagt er, daß dieſer Vertrag gültig ſey; in die⸗ ſem Falle macht nehmlich nicht die Summe den Gegenſtand des Darlehns aus, ſondern die Munzſorten, pa eorpora, werden gelehnt, folglich muß man auch eine aͤhnliche Anzahl Münzſor⸗ ten vom nehmlichen Gewichte und Gehalte zurückgeben. Nichts⸗ deſtoweniger finde ich viel Schwierigkeit, dieſen Vertrag snzu⸗ nehmen. Denn, da der Fürſt ſeine Münze den Privat⸗Perſonen austheilt, um ihnen zum Zeichen des Werthes aller Sachen zu dienen, ſo gchoͤrt ſie ihnen nur unter dieſem Geſichts⸗Punkte zu, und kann folglich nur in dieſer Hinſicht den Gegenſtand der Handels⸗Verträge, worunter das Darlehn gehört, ausmachen. Man kann alſo die Müſze nicht an und für ſich, ſondern bloß als Zeichen der Summe lehnen; die es dem Fürſten gefal⸗ len hat; ſie anzeigen zu laſſen, folglich auch den Lehner nicht verbinden, etwas anderes als dieſe Summe zuruͤckzugeben. Je⸗ der entgegengeſetzte Vertrag muß als dem Staats⸗Rechte und der Beſtimmung zuwider, die der Fürſt der Münze gegeben hat, ver⸗ worfen werden. Bey Wechſelbriefen, ſetzt Pothier hinzu, iſt . „h „B ode dieſ übe vor Sto ein Fal geb wot „N „g „ ſi lI. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete 43 Art. 1896.»Die in dem vorhergehenden Artikel ent— „haltene Regel tritt nicht ein, wenn das Darlehen in „Barren geſchehen iſt.« Nach den Worten: in Barren, hatte man hinzugeſetzt: oder in Wark. Dieſe Worte wurden ausgeſtrichen, weil der Ausdruck: Wark nicht mehr gebraͤuchlich iſt. Mau ſchlug vor, an deſſen Stelle das Wort?: GSewicht zu ſetzen; dieſcs, antwortete man aber, iſt nach dem Worte: Barren überfläſſig. Uebrigens ward aber beſchloſſen, daß die im vorhergehenden Artikel enthaltene Regel dann nicht mehr Statt habe, wenn nicht eine nummeriſche Summe, ſonderu ein ungemünztes Metall gelehnt worden waͤre; in dieſem Falle muß man die nehmliche Eigenſchaft und Güte zurück⸗ geben, wie in folgendem Artikel geſagt wird. Art. 1807.»War es Gold oder Silber in Barren, voder waren es Lebensmittel und Waaren, welche gelehnt »wurden, ſo muß allemahl der Schuldner dieſelbe Quanuti⸗ »tät und Qualität, und nur dieſe zurückgeben, wie viel „auch immer dieſe Sachen im Preiſe erhoͤht oder vermindert „ſeyn mögen.« w e ſch Von den Pflichten des Darleihers. Art. 1898. Bey dem Darlehen hat der Gläubiger(der »Darleiher) eben die Verbindlichkeit, die im 1891. Artikel »für den Leih⸗Contract feſtgeſetzt iſt.« * zwar ein ſolcher Vertrag angenommen, allein der Contraet, der mittelſt eines Wechſelbriefes zu Stande kommt, iſ ein Tauſch— Contract, wodurch derjenige, dem der Wechſelbrief gegeben wird, die Münzſorten, die er dem Traſſanten überzählt, gegen diejenige austauſcht, die ihm am Orte, wohin der Wechſelbrief gezogen iſt, überzählt werden ſellen. Vom Daehen iſt alſo dieſer Contract ganz verſchieden B. 44 Mi. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contrarte. M. D. h. wenn dem Darleiher der Mangel der gelehnten 16 Sachen bekannt war, und er den Lehner, der ihn nicht h kannte, hievon nicht benachrichtigt hat, ſo haftet er für den n Schaden, den letzterer dadurch erlitten hat.*) i Art. 1809.„Der Darleiher kann die Sachen, die er 7 „gelehnt hat, nicht vor der bedungenen Zeit zurückfordern.« Wer erſt an einem beſtimmten Termin zu zahlen hat, 1 iſt nichts ſchuldig. 5 Art. 1000.„Iſt für die Wiedererſtattung des Dar⸗ „lehens keine Zeit beſtimmt worden, ſo kann der Richter, „nach Beſchaffenheit der Umſtände, dem Lehner eine Friſt „zugeſtehen.« Dieß iſt gegen die Regel: in quibus dies non apponi-„ tur, prasenli die debentur. Allein dieſe Regel muß civili„ modo verſtanden werden, denn es lohnte doch wohl der Mühe nicht, ein Anlehn aufzunehmen, wenn man gezwun⸗ gen werden konnte, es auf der Stelle wiederzugeben. Art. 1901.»Hat man bloß ausbedungen, daß der „Lehner zahlen ſollte, wann er es koͤnnte, oder wann er 1. „dazu die Mittel haben würde, ſo beſtimmt ihm der Rich⸗ 5 „ter eine Zahlungsſriſt nach Beſchaffenheit der Umſtände.« Stimmt mit der L. 125, fl. de verb. oblig. überein⸗„ Die Rechtslehrer ſprechen noch von einer ſehr ſonderba⸗„ ren Gattung von Darlehn, von jenem nehmlich, wodurch man zu zahlen verſpricht, wenn man Prieſter, todt, oder e verheirathet ſeyn wird; einige verwarfen es, weil es gewöhn⸗ i lich mit Wucher verbunden iſt; andere hingegen behaupteten⸗ 3e de o *) Hat alſo z. V. jemand einem andern eine Quantitat ſchlechten Hels gelehut, der ſich darauf nicht verſtand, und er hat ihn als guten gelehnt, oder doch den Fehler deſſelben verheimlicht, ſi ſo iſt der Lehner nicht nur nicht ſchuldig, guten Del zurückzugeben,. ſondern, wenn er ihn gebraucht, und dadurch Schaden erlitten hat, noch befugt, deſſen Erſatz zu verlangen Pothier, n. 51. ſch B. 3i do en, ten hu el ten m. Buch X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens Contraete. 45 es ſey gültig, und wirklich gibt es viele Parlaments⸗Ur⸗ theile, die ſo erkannt haben, mit Vorbehalt jedoch der Ver⸗ minderung deſſen, was wucheriſch ſeyn kann. S. Maynard, liv. 6, ch. 67, Laroche, liv. 6, ch. 69, und Serres, p. 479 und 480, welche es billigen. Einige Mitglieder ſtimmten für die Ausßreichung dieſes Abſchnittes, weil der Darleiher keine reelle Verbindlichkeit contrahirt. Wenigſtens contrahirt er aber doch diejenige, die im Art. 1898 enthalten iſt. Dritter Abſchnitt. Von den Pflichten des Lehners. Art. 1902.»Der Lehner muß die gelehnten Sachen vin derſelben Quantität und Qualität und zu der bedunge⸗ »nen Zeit wiedererſtatten.« S. den Art. 1892. Art. 1903.»Befindet er ſich außer Stande, dieſer »Verbindlichkeit Genuge zu leiſten, ſo iſt er verbunden, »den Werth der Sache, mit Rückſicht auf die Zeit und den »„Drt, wo ſie nach dem Inhalt des Vertrags wiedergegeben „werden ſollte, zu zahlen.« »Sind Zeit und Ort nicht beſtimmt worden, ſo geſchieht »die Zahlung in dem Preiſe, wie er zur Zeit und an dem »Drte, wo das Darlehen geſchehen iſt, üblich war.« Der erſte Theil dieſes Artikels ſtimmt mit der T. 22, V de reb. ered. überein. Der zweyte Theil aber iſt gegen die⸗ ſes Geſetz: ſeiner Vorſchrift zu Folge ſoll die Sache, wenn Zeit und Ort nicht beſtimmt iſt, wo ſie wiedergegeben wer⸗ den muß, mit Fuͤckſicht auf den Preis der Zeit und des Drtes, wo die Klage angeſtellt wird, geſchätzt werden. Was den Ort betrifft, iſt, meines Erachtens, die Ver⸗ fügung unſeres Artikels beſſer; denn vom Darleiher muß es doch nicht abhangen, das Los des Lehners dadurch zu er⸗ ſchweren, daß er nach Willkuͤhr den Ort wählt, wo er die Zurückgabe haben will; dagegen wäre ſch aber auch de 46 Ul Buch. X. Lit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. Meinung, daß die T. 22, in Anſehung der Epoche, wor⸗ nach der Werth der Sache zu ſchaͤtzen ſey, mit dem Geiſte ſelbſt unſeres Artikels 1895 mehr uͤbereinſtimme. Iſt nehm⸗ lich von Geld, was ich ihnen gelehnt habe, die Rede, ſo müſſen ſie mir es zuverlsſſig nach dem nummeriſchen Wer⸗ the wiedergeben, den die Münzſorten zur Zeit haben, wo ſie nir es wiedergeben, ſo gar kann ich nichts anders von ihnen verlangen; iſt von Lebensmitteln die Ride, ſo ſchreibt die Billigkeit vor, daß ſie mich in den nehmlichen Zuſtand ver⸗ ſetzen, worin ich mich befinden würde, wenn ich ſie ihnkn nicht gelehnt haͤtte. Indeſſen muß man ſich an unſerem Artikel halten. Art. 1904. 4 ch. 20. Art. 1905. für ein bloßes jährlich nur vier vom die uͤbrigen Bürger, die keine Handelsleute wa⸗ Handelsleute aber nur acht centesimæ, ren, nur ſechs vom hundert; die vom Hundert, ad bessem, nehmen; bey Contracten endlich, ir Bodmerey⸗Contracte nennen, nur zwölf vom Hundert die w „Wenn der Empfänger die ihm gelehnten „Sachen oder ihren Werth zur bedungenen Zeit nicht wieder⸗ „erſtattet, ſo muß er von dem Tage der gerichtlichen Klage „die Zinſen davon vergüten.« Dieß iſt es, was man Verzugs⸗Zinſen(ec mord) nennt. F. 32, F. 1. F. de usur. So lange er nicht bey Gerichte auftritt, vermuthet man nicht, daß er leidet. Polive, Rv. Drittes Capitel. Von dem Darlehen gegen Zinſen. „Es iſt erlaubt, bey dem Darlehen, es „beſtehe in Geld, in Lebensmitteln oder in andern beweg⸗ lichen Sachen, ſich Zinſen auszubedingen.« Nach dem roͤmiſchen Rechte war es auch erlaubt, Zinſen Darlehn ſich auszubedingen, F. 5, cod. de usuz jedoch mit dieſer ſehr merkwuͤrdigen, durch die F. 26. eòd. eingefuͤhrten Modification, daß hohe Standes⸗Perſonen hundert, usque ad tertiam partem N tet ach bel „o „f p e UI. Buch. X. Tit. Von dem Leih- und Darlehens⸗Contracte. 47 genommen werden durſten; et hæc est ultima meta SMVQTM⸗ Die Theologen glaubten in einem Rathe, den das Evan⸗ gelium gibt, ein Verboth zu entdecken, ſich Zinſen von ei⸗ nem bloßen Darlehn auszubedingen, und dieſe Meinung gieng in die Rechtsgelehrtheit über; in ganz Frankreich, die Gerichtsſprengel der Parlamente von Air, Grenoble und Pau ausgenommen, waren dergleichen Zinſen verbothen. Gegen dieſe Auslegung des Evangeliums erhob Herr Rullier, Pfarrer der St. Peters Kirche in Cahors, in ei— nein Werke, das er einige Jahre vor der Revolution durch den Druck bekannt machte, ſeine Stimme; er bezeigte mir die Ehre, es mir mitzutheilen, und ich war ganz ſeiner Meinung; Herr Turgot gieng indeſſen weiter, und behaup— tete, die Größe der Zinſen müiſſe der freyen Beſtimmung der Contrahenten anheimgeſtellt werden; aller ſeiner Logik unge⸗ achtet, ich geſtehe es, überzeugte er mich aber nicht. Hierauf kam die conſtiturende Verſammlung, welche die Meinung des Herrn Rullier formlich beſtaͤtigte, die Quoti⸗ tät der Zinſen aber der Beſtimmung des Geſetzes überließ. Der National⸗Convent nahm endlich, mittelſt ſeines De— cretes vom 6. Floreal 3. J. G5. April 1793) die Meinung des Hrn. Turgot an, und erklärte das Geld für eine bloße Waare; auf der Stelle machte aber der Wucher ſo reißende Fortſchritte, daß der Convent ſich genöthigt ſah, dieſes De⸗ cret mittelſt eines andern vom 2. des darauf folgenden Mo⸗ nates Prairial(21. May) zurückzunehmen. So ſtanden die Sachen, als das Geſetzbuch Napoleons verfertigt wurde. Art. 1906.»Der Anlehner, der Zinſen gezahlt hat, „ohne daß ſie aus bedungen waren, kann ſie weder zurück⸗ »fordern, noch von dem Capital abrechnen.« Dieß iſt der Inhalt der Regel: usuræ indebita non ve— etuntur. T. 5, cod. de usur. Indeſſen verſteht ſich dieſes von geſetzlichen oder vertragsmaͤßigen Zinſen; hätte nehmlich zs m. Buch. x. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contractt. jemand mehr Zinſen bezahlt, als das Geſetz erlaubt, oder als im Vertrage waren ausbedungen worden, ſo könnte die⸗ ſer Ueberſchuß zurückgefordert werden. Serres, p. 439. Art. 1007.»Die Zinſen ſind entweder geſetzlich oder „in einem Vertrage bedungen. Die geſetzlichen Zinſen wer⸗ „den durch das Geſetz beſtimmt. Die vertragsmäßigen Zin⸗ „ſen können in allen Fällen, wo das Geſetz es nicht ver⸗ „biethet, den geſetzlichen Zinsfuß überſteigen.« „Die Ootität der vertragsmaͤßigen Zinſen muß ſchrift⸗ „lich beſtimmt werden.« In der Section war man im Gegentheile, durch Mehr⸗ heit der Stimmen, über einen Artikel einig geworden, wel⸗ cher ſo lautete: „Es ſoll durch beſondere Geſetze beſtimmt werden, wie viele Zinſen genommen werden duͤrfen; ſind hoͤhere „Finſen ausbedungen worden, ſo ſollen ſie dem Geſene „gemäß vermindert werden; ſind mehr Zinſen bezahlt „worden, als das Geſes erlaubt, ſo ſoll der Ueberſchuß „Jahr für Jahr auf das Capital eingerechnet, und die⸗ „ſes um ſo viel kleiner werden.« „Dieſe Verfugungen ſind auf Zandels⸗Geſchaͤfte nicht nanwendbar« Dieſen letztern Satz griff man zuerſt an; den Handels⸗ leuten, ſagte jemand, muß es nicht erlaubt ſeyn, ſich fuͤnf und zwanzig vom Hundert auszubedingen, waͤhrend das Geſetz die Zinſen auf fuͤnf vom Hundert ſetzſetzte; bald nahm indeſſen die Discuſſion eine andere Wendung, und man machte Einwendungen in einem ganz verſchiedenen Sinne. Iſt es ſchicklich, daß das Geſetz beſtimme, wie viel Zin⸗ ſen genommen werden dürfen? Soll es nicht erlaubt ſeyn, ſich mittelſt beſonderer Vertraͤge höhere Zinſen verſprechen zu laſſen? Iſt ſogar gegenwärtig durch irgend ein Geſetz die Hoͤhe der Zinſen beſtimmt, die nicht überſchritten werden darf? Das waren die großen Fragen, die man zur Sprache brachte⸗ iſt m erle zul ode wel die laf ſie en en che M. Buch. X. LTit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Conttaete. 49 Das Geſetz, ſagte man in Hinſicht der erſten Frage, muß nicht beſtimmen, wie viele Zinſen genommen werden dürfen, 1) weil es von den Darleihern leicht vereitelt wird, und kein Geſetz gegeben werden muß, deſſen Voll⸗ ſtreckung nicht geſichert werden kann; 2) weil das Syſtem der Geſetzgebung mit dem Verwaltungs⸗Syſtem nicht in Wi⸗ derſpruch geſetzt, noch den Bürgern verbothen werden muß⸗ mehr als fünf vom hundert zu ſtipuliren, während die Regie⸗ rung zuweilen genöthigt iſt, Geld gegen zehn vom hundert aufzunehmen; 3) weil im Grunde das Geld eine Waare iſt, wie jede andere, deren Werth nothwendig ſteigen oder fallen muß, je nachdem ſie in Menge vorhanden, oder ſelten, und der Gebrauch, den man davon machen will, mehr oder weniger nützlich iſt; ſind ehemahls, ſetzte man 4) hinzu, die Zinſen des Geldes auf fünf vom hundert feſtgeſetzt worden, ſo geſchah dieſes, weil es einzig zu größe⸗ rer Benutzung der Ländercyen verwendet wurde, und folglich der daraus zu ziehende Gewinn eingeſchränkter ſeyn mußte; in unſern jetzigen Zeiten aber, wo der Er werbfleiß ſich ausbreitet, gewinnt man beträchtlich mehr, wenn man Geld gegen ſieben vom hundert aufnimmt, als ehemahls, wenn man gegen fünf vom hundert aufnahm. Hieraus machte man den Schluß, durch ein Geſetz müſſe man nicht beſtim⸗ men, wie viele Zinſen genommen werden dürften, oder wenn man auch beſtimmte, zu welchen Zinſen die Richter jeman⸗ den zu verurtheilen befugt ſeyn ſollten, ſo müſſe man doch erlauben, ſich durch beſondere Vertraͤge hoͤhere Zinſen aus⸗ zubedingen. Die Anhänger des entgegengeſetzten Syſtems antworteten, oder dachten doch wenigſtens, 1) in allen Geſetzbüchern der Welt ſey die Quotität der Zinſen, die nicht überſchritten werden duͤrfe, beſtimmt worben; nie habe die Beſorgniß, dieſe Geſetze vereitelt zu ſehen, die Geſetzgeber bewogen, die Quotität der Zinſen der Habſucht und dem Geitze zu über⸗ laſſen; immer haͤtten dergleichen Geſetze den Vortheil, daß ſie dem rechtſchaffenen Bürger eine Vorſchrift an die Hand IV. Malev. 4 5o IMI. Buch. X. Lit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraetr. gaͤben, wornach er ſich richte; wogegen dann, wenn eine ſolche Vorſchrift nicht exiſtirt, von zwey Dingen eines ſich ereignen würde, entweder würden nehmlich dieſe Bürger ihr Geld nicht ausleihen, und ſo würde es vergraben, und für den Staat verloren bleiben, oder ſie wuͤrden ſich vom Strome fortreißen laſſen, und zuletzt ohne Bedenken den herrſchenden Gebrauch befolgen. Iſt es uͤberdieß wahr, daß dergleichen Geſetze ungeſtraft übertreten werden können? Vor der Revo⸗ lution hatte doch die Jurisprudenz viele Mittel, die Wuche⸗ rer zu beſtrafen, und es kommt nur darauf an, ihr ihre Kraft wiederzugeben- 2) Schlimm iſt es freylich, daß die Regierung ſich im Nothe falle befindet, zu höhern Zinſen, als es den Privat⸗Perſonen erlaubt iſt, Geld aufzunehmen; dieß iſt aber kein Beweg⸗ grund, um alle Buͤrger dieſes Uebel fuͤhlen zu laſſen; ohne⸗ hin weiß man, daß Regierungen nicht immer die nehmlichen Regeln zum Maßſtabe ihrer Handlungen nehmen können, welche von Privat⸗Perſonen befolgt werden müſſen, und daß Staats⸗Gründe allen andern Stillſchweigen gebiethen. 3) Das Geld iſt eine allzu nothwendige Waare, als daß ſein Preis der Willkühr derjenigen, die es beſitzen, überlaſſen werden dürfe. Mit dieſer Frage muß es ſich eben ſo verhal⸗ ten, wie mit jener uͤber die unbegraͤnzte Befugniß, Früchte ins Ausland zu führen, der man, durch ſchreckliche In⸗ convenienzen gezwungen, Schranken geſetzt hat: nicht wahr iſt es überdieß, daß der Preis des Geldes ſich immer nach dem Verhaͤltniße ſeiner Menge oder Seltenheit richtet, und daß der Gewinn, der damit gemacht wird, immer zwiſchen dem Darleiher und dem Lehner auf eine billige Weiſe getheilt wird: nein, viel öfter iſt es die Hab⸗ ſucht, welche das Beduͤrfniß mißbraucht, eingebildete Be⸗ ſorgniße, Gerüchte, die von den Agioteurs ausgeſtreut wer⸗ den, ſträfliche Kunſtgriffe ſind es, die die Zinſen des Gel⸗ des beſtimmen⸗ —,——— — . le hr r e en en 00 te th⸗ ſen ne⸗ en n, daß daß ſen chte HI. Buch. X. Tit. Vork dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte 51 4) Das Snyſtem, nach welchem die Quotität der Zinſen weniger beſchraͤnkt ſeyn muß, ſo wie ſich der Erwerbfleiß nach und nach ausdehnt, iſt weder auf Denkmuaͤhler der Ge⸗ ſchichte, noch auf Erfahrung gebaut; im Gegentheile haben ſich die Zinſen des Geldes, ſo wie unſer Handel ſich nach und nach vergroͤßert hat, verringert, und von zehn vom hundert, worauf ſie zur Zeit des Dumoulin ſtanden, ſind ſie allmählig auf 8 und 6 vom hundert heruntergeſtiegen, und endlich auf fuͤnf feſtgeſetzt worden; um dieſen Handel, und um dieſen Erwerbfleiß, wovon die Rede iſt, zu beguͤn⸗ ſtigen, haben die großen Maͤnner, die an der Svitze unſerer Verwaltung ſtanden, die Zinſen auf dieſe letztere Quotitaͤt eingeſchränkt, und aus dem nehmlichen Grunde wollten an⸗ dere in jüngern Zeiten ſie noch mehr herunterſetzen. Läßt es ſich wohl beweiſen, daß der Fabricant, wenn er Geld nur gegen zehn vom hundert findet, eben ſo viel und eben ſo gut arbeite, und ſeine Waare eben ſo wohlfeil liefern koͤnne, als wenn er deſſen zu fünf vom hundert haben kann? Läßt es ſich wohl beweiſen, daß der Landmann im nehmlichen Falle eben ſo große und eben ſo nuͤtzliche Unternehmungen mit dem Ackerbau vornehmen, und hauptſächlich, daß das Volk ſich mit wenigeru Koſten kleiden und ernähren koͤnne? Entſpringt nicht im Gegentheile aus der uͤbertriebenen Quo⸗ tität der Zinſen des Geldes eine Theurung, die den Verzeh⸗ rer in Verzweiflung ſtürzt, und den Fabricanten und den Kuͤnſtler verhindert, die Concurrenz mit denjenigen Nationen auszuhalten, bey welchen die Zinſen niedriger ſind? Ueber⸗ triebene Zinſen gereichen nur den Capitaliſten zum Vortheile, und dienen zu weiter nichts, als die Zahl der Müßiggänger zu vermehren, wovon die großen Städte voll ſind. Pondus mers, fruges terræ consumere naii. Geht man von dieſen ſpeculativen Ideen auf die Unter— ſuchung der Verheerungen über, die der graßliche Wucher, welcher in allen Theilen Frankreichs ſeinen Sitz aufgeſchla⸗ gen hat, ſeitdem die Geſetze, die ihn beſtraften, in Vergeſ⸗ 5e 1II. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte⸗ ſenheit gerathen ſind; wirft man ſeinen Blick auf die verdor⸗ benen jungen Leute, auf die zu Grunde gerichteten Familien; betrachtet man, wie der größte Theil des Eigenthums aus den Händen der alten Eigenthümer, die die Vermuthung der Rechtſchaffenheit fur ſich haben, in jene der Geld⸗Wucherer, die wenigſtens kein allzu zartes Gewiſſen haben, uͤbergeht, ſo wird man, meines Erachtens, von der Nothwendigkeit durchdrungen ſeyn, ſo ſchleunig als moͤglich Geſetze zu ge⸗ ben, die dieſer Landplage einen Zaum anlegen;*) hiezn müfßte aber anch⸗ wie mich dünkt, die geiſtliche Gewalt mit der weltlichen Macht mitwirken, und erſtere ohne weiteres erklären, daß es erlaubt ſey, ſich Zinſen von einem bloßen Darlehen auszubedingen; die Zahl wahrer Catholiken iſt noch betraͤchtlicher, als man glaubt; man muͤßte alſo ihr Ge⸗ wiſſen beruhigen, und die Geld⸗Maſſe, die ſie in Umlauf ſetzen würden, wuͤrde nothwendig das Fallen ſeines Preiſes zur Folge haben. Freylich ſagt man, die Capitaliſten werden ihr Geld ver⸗ wahren, wenn feſtgeſetzt wird, daß weniger Zinſen genom⸗ men werden dürfen, als jetzt gebraͤuchlich iſt; man gibt aber nicht darauf acht, daß ſie ihrer eigenen Beduͤrfniße wegen gezwungen ſeyn werden, damit herauszuruͤcken; ſie leben ja von dem Gewinn, den ſie daraus ziehen; ſie muͤſſen es alſo in Umlauf ſetzen, und werden es folglich gegen fünf, ſechs und ſieben vom hundert, kurz gegen den Preis, den das Geſetz beſtimmen wird, ausleihen, ſo wie ſie es jetzt um 15, 20, 25 und 50 vom hundert austhun. Es kommt nur dar⸗ auf an, daß man die Vollſtreckung des Geſetzes mit uner⸗ vittlicher Strenge handhabe. Zwar war man der Meinung, der übertriebenen Quoti⸗ tät der vertragsmäßigen Zinſen dadurch Einhalt zu thun, *) Der Herr Verfaſſer ſchrieb dieſes im J. 1305. Seitdem ſind ſeine Wünſche durch das Geſetz vom 3. September 1807 i Erfühung gegangen, welches hier folgt: IM. Buch X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Co ntraete. 33 wenn man den Darleiher verpflichtete, ihren Betrag ſchrift⸗ lich auszudrucken; die Erfahrung hat indeſſen bewieſen, daß dieß ein armſeliges Mittel iſt. Nie werden auf ſolche Art die Zinſen in den Schuldſcheinen ausgedruckt. Dhnehin habe ich wohl nicht nöthig zu ſagen, daß, wenn es zwey Gattungen don Zinſen gibt, geſetzliche nehmlich und vertragsmäßige, und wenn letztere ſtarker ſind, wie die erſtern, der Darleiher ſich allzeit die letztern werde verſprechen laſſen, dagegen die Geſet über die Beſtimmung der Zinſen vom Gelde, vom 3. Sbptember 1807. Art. 1. Die ausbedungenen Ziuſen dürfen im bürgerlichen Geſchäften nicht fünf, und in Handelsgeſchäften nicht ſechs vom Hundert uͤberſteigen, alles vhne Abzug. „. die geſetzlichen Zinſen ſind in buͤrgerlichen Geſchaͤften fünf, und in Handelsgeſchäften ſechs vom Hundert, gleichfalls vhne Abzug. 3. Wird erwieſen, daß hoͤhere Zinſen, als im erſten Artikel beſtimmt iſt, auobedungen worden ſind, ſo ſoll der Darleiher von dem Gerichte, bey welchem der Rechtsſtreit anhängig iſt, verurtheilt werden, den Ueberſchuß, wenn er ihn empfangen hat, zurückzugeben, oder ihn von der Hauptſumme der Schuld⸗ forderung abziehen zu laſſen; er kann ſogar, nach Beſchaffenheit der umſtände, vor das Zuchtgericht verwieſen werden, damit dieſes nach Vorſchrift des folgenden Artikels über ihn ein Ur⸗ theil ſpreche. 4. Jeder, der beſchuldigt wird, daß er ſich gewöhnlich mit dem Wucher abgebe, ſoll vor das Zuchtgericht gebracht, und im k Falle er überwieſen wird, zu einer Geldſtrafe verurtheilt werden, welche nicht die Hälfte der auf Wucher ausgeliehenen Capita⸗ lien uͤberſteigen darf. Ergibt es ſich aus der Unterſuchung, daß von Seiten des Darleihers mit Liſt und Betrug gehandelt worden iſt, ſo ſoll er, außer der obigen Geldſtrafe, zu einer Einſperrung verurtheilt werden, die nicht laͤnger als zwey Jahre dauern darf. 5. Die Stipulativnen der Zinſen, welche durch Contracte oder andere Acte bis zu dem Tage der Kundmachung des gegen⸗ wärtigen Geſetzes geſchloſſen worden ſind, bleiben in ihrer Kraft. s4 1. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contrate. erſtern, wie dieß jetzt der Fall iſt, bloß auf gerichtliche Ver⸗ urtheilungen eingeſchränkt bleiben werden. Bey allem dem wurde der von der Section vorgeſchlagene Artikel verworfen, und an deſſen Stelle derjenige geſetzt, den wir ſo eben unterſucht haben⸗ Was die dritte Frage betrifft, die zur Sprache gekom⸗ men war, ſo muß man als ausgemacht annehmen, daß fünf vom hundert noch wirklich, bis durch ein neues Geſetz ein anderes verordnet wird, die geſetzlichen Zinſen ausmachen. S. die Anmerkungen zu den Art. 1153 und 1155. Art. 1008.»Eine Qnittung, welche über das Capital „ohne Vorbehalt der Zinſen ausgeſtellt iſt, begründet die „PVermuthung, daß auch dieſe gezahlt ſeyen, und bewirkt „die Befreyung von denſelben.« In dieſem Falle verhält es ſich eben ſo, als wenn der Gläubiger ſeinem Schuldner den Schuldſchein eingehändigt hätte. S. den Art. 1282, und Faber, in cod. tit. de probat. Art. 1909.„ Der Darleiher kann ſich Zinſen von einem „Capital ausbedingen, auf deſſen Zurückforderung er Ver⸗ »zicht thut⸗« „Das Darlehen hat in dieſem Falle den Nahmen eines „Rentkaufes(constitution de rente).« „ Art. 1910.»Dieſe Rente kann auf zweyerley Weiſe „ſtipulirt werden, für immer oder auf Lebenszeit(als Erb⸗ „rente oder als Leibrente).« Bey einer frühern Gelegenheit haben wir ſchon erinnert, daß die fuͤr immer conſtituirten Renten faſt außer Gebrauch gekommen ſind, ſeitdem es erlaubt iſt, ſich Zinſen bey einem Darlehen, welches einmahl zurückgegeben werden muß, aus⸗ zubedingen. Art. 1911.« Die Erbrente iſt ihrer weſentlichen Eigen⸗ „ſchaft nach losbar. „Die Parteyen konnen bloß die Uebereinkunft treffen, „daß vor Umlauf einer Friſt, die aber den Zeitraum von za m. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. 55 „zehn Jahren nicht überſchreiten darf, oder nachdem der „Glaäͤubiger in der unter ihnen beſtimmten Zeitfriſt vorher „hievon benachrichtiget worden, die Abloͤſung nicht geſche⸗ „hen ſoll.« Die conſtituirten Renten wurden von den Päpſten(er— trav. I et 2 de empt. et vendit.) ſo wie auch von der weltlichen Macht(Theveneau, liv. 2, p. 333.) nur unter drey Bedingungen erlaubt, 1) daß das Capital für immer veräußert werde, und der Gläubiger es nicht zurückfordern könne; 2) daß der Schuldner immer die Befugniß haben ſolle, es wieder abzulegen; 3) daß die Rente die geſetzlichen Zinſen nicht überſteigen ſolle; und da dieſe dritte Bedingung haͤtte vereitelt werden können, wenn ausbedungen würde, daß die in Geld conſtituirte Rente in Fruͤchten ge⸗ zahlt werden ſollte, fo wurde durch eine Ordonnanz aus dem Monate November 156 erklaͤrt, daß alle in Fruͤchten con⸗ ſtituirte Renten in Geld reducirt, und auf die Zinſen der Haupt⸗Summe herabgeſetzt werden koͤnnten. S. Dumoulin, de usur. quest. 50. Dieſe Renten in Früchten, die urſpruͤnglich gegen eine Summe Geldes conſtituirt wurden, muß man indeſſen nicht mit den Grund⸗Renten verwechſeln, die in traditione fundi vorbehalten wurden; letztere ſind keiner Verminderung unter— worfen, können aber heut zu Tage losgekauft werden S.⸗ den Art. 630, und die Anmerkungen beym Schluſſe des B⸗ 2 des Geſetzbuches. Die Parteyen koͤnnen bloß die Uebereinkunft treffen ꝛe. In der alten Jurisprudenz war es eine Frage, ob es erlaubt ſey, auszubedingen, daß die Ablage anderſt nicht geſchehen könne, als wenn der Glaͤubiger einige Zeit vorher davon be⸗ nachrichtigt worden wäre. Rousseaud verwirft, v. Rentes, sect. J. dieſen Vertrag als wucheriſch, deſſen Zweck da⸗ hin gehe, die Ablage zu erſchweren. Serres hingegen billigt ihn p. 443. 76 UI. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Coutracte. Art. 1912.„Der Schuldner einer auf immer ver⸗ „ſprochenen Rente kann zur Ablöſung gezwungen werden, „1) Wenn er in zwey Jahren ſeine Verpflichtungen nicht „erfuͤllt; „2) Wenn er dem Darleiher die im Contracte verſpro⸗ „chene Sicherheit nicht verſchafft.« Was die Ziff. 1 betrifft, ſagt Catellan, liv. 5, ch. 20 man erlaube dem Schuldner immer, den Rachtheil, der auf dem Verzug haftet, in einer kurzen Friſt, die man ihm ver⸗ leihe, von ſich abzuwendeu. Der Appellations-Hof von Bourges erhob ſich in ſeinen Bemerkungen gegen dieſe Praris, und trug darauf an, es moͤchte dieſem Artikel hinzugeſetzt werden, daß, wenn die Klage auf Ablöſung einmahl angeſtellt wäre, das Anerbierhen, welches der Schuldner etwa machen möchte, die verfallenen Renten zu zahlen, nicht mehr angenommen werden ſollte; auf dieſe Bemerkung wurde in⸗ deſſen keine Ruͤckſicht genommen, und die Sache blieb, wie ſie nach den gewöhnlichen Regeln der Verbindlichkeiten war.*) 3) Iſt die Verfügung dieſes Artikels auch auf Renten anwendbar! die vor der Verkuͤndung des Geſetzbuches Napoleons conſtituirt worden ſind,— wenigſtens dann anwendbar, wenn der Schuld⸗ ner ſeit der Verkuͤndung dieſes Geſetzbuches in zwey Jahren ſeine Verpflichtungen nicht erfüllt hat? Beym Appellations Hofe von Turin kam dieſe Frage in folgendem Falle vor: am 4. May 1800 verkaufte Matteoda dem Bruna ein zu Dronero gelegenes Haus für die Summe vou 9000 Liv.; beym Contracte wurden Fooo bezahlt; anſtatt der uͤbrigen 4000 verband ſich Bruna, für den Verkäufer eine Rente oder einen Zins von 160 Liv. jähr⸗ lich an das Buͤrger⸗Spital von Dronero zu bezahlen. Da Bruna ſeine Verbindlichkeit nicht erfuͤllte, belangte ihn Matteoda beym Civil⸗Gerichte von Coni, wo er ſich auf die Verſügung des vor⸗ liegenden Artikels berief, und darauf antrug, daß Bruna nicht nur zur Zahlung der ſeit dem z0. September 1802 bis zum 31. Ray 1806 verfallenen Renten, ſondern auch zur Ablöſung der Rente mittelſt der Summe von 4000 Liv. verurtheilt werden wöchte. Bruna machte gegen dieſen Antrag keine Einrede, und UMI. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. 37 Art. 1913.» Das Capital einer auf immer errichteten „Rente kann gleichfalls zurückgefordert werden, wenn der ſo wurde er in Gemäßheit deſſelben verurtheilt. Nichts deſto⸗ weniger appellirte er, brachte aber auch keine Beſchwerde gegen das urtheil vor, und ſein Sachwalter überließ die Entſcheidung dem Appellations⸗Hofe. Dieſer erwog indeſſen unter andern, daß a) dic in Frage ſtehende Rente durch einen Act vom 28. September 1762 und 4. May 1806, und folglich vor Verkuͤn⸗ dung des Geſetzbuches Napoleons conſtituirt worden ſey; daß mithin b) die Verfügung des Art. 1912 anderſt nicht angewen⸗ det werden könnte, als wenn man das neue Geſetz zurückwirken ließ; daß c) die Bulle des Papſtes Pius V., unter deren Herr⸗ ſchaft dieſe Rente conſtituirt worden, und welche den Richtern einzig zur Richtſchnur dienen muß, im vorliegenden Falle dem Beſitzer der Rente alle Befugniß uunterſagte, ihre Abloͤſung vom Schuldner zu verlangen, und ſo verurtheilte er den Bruna am 17. December 1806 bloß zur Zahlung der rückſtändigen Renten, ſprach ihn aber von der Ablöſung frey. Jurispr. de la Cour de Cass. 1307 im Anhange y. 41 u. f. Die Herausgeber dieſes Werkes ſind indeſſen der entgegenge⸗ ſetzten Meinung, und da dieſe Frage an ſich wichtig iſt, ſo will ich, um den Leſer in den Stand zu ſetzen, das Für und Wider abwaͤgen zu können, ihre Gründe im Weſentlichen ausheben. Vor allem bemerken ſie, daß die alte Geſetzgebung in Anſe⸗ hung der Grund⸗Renten den Grundſatz aufgeſtellt habe, daß ſie unlösbar ſeyen, deſſen ungeachtet aber dem Geſetze vom 18—29 December 1790, welches im Art. 1 alle immerwähren⸗ den Grund⸗Renten, ſo wohl in Früchten als in Geld, für loͤs— bar und loskäuflich erklaͤrt habe, nie der Vorwurf gemacht wor⸗ den ſey, daß es eine zuruͤckwirkende Kraft in ſich faſſe— ein umſtand, woraus ſich der analogiſche Schluß machen laſſe, daß jede den Loskauf conſtituirter Renten betreffende Verfügung ohne Beſorgniß einer zurückwirkenden Kraft allgemein angewendet werden muͤſſe. Genug haben wir indeſſen, ſagen ſie, mit dem Grundſatze, daß, wenn es ſich von Gegenſtänden des Civil⸗Rechtes han⸗ delt, das neue Geſetz auf alle in den vorigen Geſetzen beſtimmte oder nicht beſtimmte Fälle anwendbar iſt, nur mit Ausnahme eröffneter Erbſchaften und ſolcher Gegenſtaͤnde, die ſchon 53 m. Buch. KX. Tit. Von dem Leih⸗ und Darleheus⸗Contraete „Schuldner fallirt oder in gänzlichen Verfall ſeines Vermö⸗ „gens gerathen iſt.» vorher mittelſt eines ausdruͤcklichen oder ſtilſchweigen den Vertrages ihre Beſtimmung erhalten haben. Die Frage alſo, ob ein Gläubiger befugt ſey, die Ablöſung der Reute zu verlangen, kann ſich darauf einſchraͤnken:„war „in einem vor dem Geſetzbuche Napoleons geſchloſſenen Con⸗ „tracte, wodurch eine Rente conſtituirt wurde, eine ſt i l⸗ „ſchweigende uebereinkunft vorhanden, daß der Schuldner „zur Ablage des Capitals nicht gezwungen werden koͤnnte? Laßt uns zwey Epochen unterſcheiden, die Contraete nehm⸗ lich, welche nach dem Geſetz vom 2—12 Detober 1789, wodurch das Darlehn auf Zinſen erlaubt wurde, und jene, welche unter der vorhergehenden Geſetzgebung geſchloſſen worden ſind, die das Darlehn auf Zinſen verboth,— ein Unterſchied, der zur Ordnung und zur Deutlichkeit der Diseuſſion nothwendig iſt. um zu zeigen, daß eine ſtillſchweigende Uebereinkunft vorhanden war, kann man ſich auf die Regel berufen: in oon- tractibus ea tacits venunt, quc Sunt moris et consuetudins. Nun aber ermächtigten vor der Revolution die franzöſiſchen Geſetze die Gläubiger einer auf immer conſtituirten Rente in keinem Falle, ihre Ablöſung zu verlangen; folglich kamen diejenigen, welche unter dieſen Geſetzen contrahirten, ſtillſchweigend überein, daß die Ablöſung ſolcher Renten vom Glaͤubiger nicht verlangt wer⸗ den könne. unſeres Erachtens war indeſſen in dieſer Hinſicht keine ſt i l⸗ ſchweigende Uebereinkunft vorhanden, weil der Gegenſtand an ſich ſelbſt keine Vertrage für oder wider geſtattete. Wenn man ſagt, daß das Geſetz, unter deſſen Herrſchaft man contrahirt, eine ſtiUſchweigende Uebereinkunft bewirke, ſo ſpricht man von jeuer Gattung von Geſetzen, die den Willen der Contrahenten vermuthen, bloß dann eine Wirkung haben, wenn die Contrahenten ſchweigen, und ſo zu ſagen ihrer Vertü⸗ gung untergeordnet ſind; wogegen die angeführte Regel gar nicht von jener Gattung gebiethender oder verbiethen⸗ der Geſetze verſtanden wird! welche, indem ſie einzig das geſell⸗ ſchaftliche Wohl bezwecken, den individuellen Willen beherrſchen, und von ihm gar nicht abhangen:— Wenh dergleichen Beſetze ſprechen, ſo hat der Menſch nur zu gehorchen und zu ſchweigen: jede Einſchränkung, jeder Vertrag von ſeiner Seite würde ent⸗ „ uI. Buch. X. Tit. Von dem⸗Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 39 Das nehmliche tritt auch in dem Falle ein, wenn die zur Sicherheit der Rente hypotheſirten Güter auf Anſtehen der weder unerlaubt, oder unnütz ſeyn. Kann er nun in dieſer Hin⸗ ſicht keine ausdrückliche Verträge mit einigem Nutzen ſchlie⸗ ßen, ſo kann man auch wahrlich nie ſtillſchweigende Ver⸗ träge dabey wahrnehmen. Waren nun aber die geſetzlichen Verfuͤgungen, die dem Glaͤu⸗ biger nicht erlaubten, ſeinen Schuldner, wenn er die Rente nicht zahlte, ꝛe. zur Ablöſung oder Zahlung des Capitals zu zwingen, ſo geartet, daß ſie nur dann ihre Wirkung hatten, wenn die Contrahenten nichts deßhalb unter ſich feſtgeſetzt hat⸗ ten?— Geniß nicht. Der Gegenſtand ſtand mit den guten Sitten in Verbindung unſere damahlige Geſetzgebung führte einen bedingten Krieg gegen den Wucher, und belegte alle Zinſen wegen eines bloßen Darlehns mit dieſem Nahmen. Zinſen waren bloß erlaubt, um denjenigen zu ent⸗ ſchaͤdigen, der auf einen ſichern Gewinn Verzicht leiſtete, oder ſich der Gefahr eines gewiſſen Verluſtes ausſetzte: ucrum eessans vel damnum emergens. Man brach ſich die Koͤpfe, um erlaubte Combinationen ausfindig zu machen, deren Reſultat demjenigen, welcher Geld auslieh, Zinſen hervorbringen moͤchte. Hiehin ge⸗ hörte der Contractus mohatrs u. ſ. w.— Die Canoniſten ver⸗ tolgten hingegen mit unerbittlicher Strenge alle dieſe Arten von Simulationen, die ein Darlehn auf Zinſen zum Reſultate hatten. Endlich verfiel man auf den Rentkauf, welcher war Anfangs getadelt wurde, weil man das Geld Zinſen darin hervorbringen ſah, den man zuletzt aber deßwegen billigte, weil das Capital veräußert ward. Nun waͤre aber doch das Capital nicht hinlänglich veräußert worden, oder der Rentkauf würds doch ein Merkmahl von ſimulirtem Wucher an ſich gehabt ha⸗ ben, wenn der Glaͤubiger in irgend einem Falle befugt geweſen wäre, ſein Capital zurückzuverlangen. Aus dieſem Grunde er⸗ laubte die damahlige Geſetzgebung in keinem Falle, den Schuld⸗ ner zur Abloͤſung zu zwingen. Leicht iſt es jetzt einzuſehen, daß die Verfügungen, welche ſich auf die Befugniß die Abloͤſung der Rente zu verlangen beziehen, zu einer ganz andern Claſſe gehörten, als jene präſumtive Verfuͤgungen, die bey Contrac⸗ ten einen ſtillſchweigenden Vertrag dann bewirken, wenn die Contrahenten ſtill ſchweigen. Mit einem Worte, es war keine ſtillſchweigende uebereinkunft vorhanden, weil die uUnmöglichkeit 6o Ml. Buch. X. Tit. PVon dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. Gläubiger gerichtlich verſteigert werden: ſo gar entſchied man eben ſo dann, wenn der Schuldner die Güter verkauft hatte, den Schuldner zur Ablöſung anzuhalten, ein Gegenſtand war, der außer der ausdrücklichen ſowohl als ſtillſchweigenden ueber⸗ einkunft der Contrahenten lag. Hieraus folgt, daß das alte Statut nach der Einfuͤhrung eines neuen keine Wirkung mehr haben muß, d. h' daß das Geſetzbuch Napoleons auf die vor dem Geſetze vom 2—12. Oetober 1789 conſtituirten Renten anwend⸗ bar iſt. In Anſchung der nach der Epoche dieſes Geſetzes auf immer conſtituirten Renten iſt die Frage nicht ganz die nehmliche; denn das Geſetz, welches ausdruͤcklich ein Darlehn gegen Zinſen er⸗ laubt, ſcheint ſtillſchweigend alle Verfügungen zurückgenommen zu haben, die ſich einzig auf ein vorheriges Verboth auf Zinſen zu leihen gründeten;— man koͤnnte alſo glauben, daß es ſeit jener Epoche den Rent⸗Käufern erlaubt war, ſich alles beliebise über die Ablöſung der Rente auszubedingen. Dieſe Abſchaffung der vorherigen Verfügungen iſt in Hinſicht der Frage, die uns beſchäftigt, ohne alle. Folge. Denn, wenn es wahr iſt, daß kein Geſetz über den Gegenſtaud vorhanden war; ſo hatte auch kein aus einem Geſetze ſti Uſchweigend hervorgehender Vertrag Statt. Richts hindert alſo, daß das Geſetzbuch Napoleons heut zu Tage ſeine ganze Wirkung habe. Jurispr. de la Gour de Cass. g. a St. p. 39 u. Da indeſſen, wie Herr Sirey in der Jurispr. de la C. de c. 1306 im Anhange y. 276. ſeibſt ſagt; dieſe Theorie nicht ganz außer aller Critik iſt, ſo führt er an dieſer Stelle zur unterſtützung der nehmlichen Behauptung die Meinuug eines Rechtsgelehrten an, deſſen Nahme, wie er ſich ausdrückt, als Autorität gelten würde, wenn er ihn bekannt machen duͤrfte. Die Gründe deſſelben ſind folgende: „Der Rent⸗Kanf war vor dem G. N., ſo wie noch jetzt, ein Tauſch⸗Vertrag, ein Vertrag, wobey man beyderſeits ſeinen Vortheil fand. Ich uͤberzählte Ihnen eine Summe Geldes, mit dem Beding, mir jährlich die erlaubten Zinſen zu eutrichten; dieſe Zinſen verbanden Sie ſich, mir gegen die immerwährende von mir bewilligte Veräußerung des Geldes, welches ſie empfien⸗ gen, pünktlich zu zahlen.— Bedingungen, die gegenſeitig un⸗ theilbar waren. In. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. 61 und ſie nachher mit Bewilligung der Parteyen gerichtlich ge⸗ gen ihn verſteigert wurden, um ſie von den darauf haften⸗ „Treue in Zahlung des jährlichen Zinſes war eine Verbind⸗ lichkeit deſſen, der das Geld erhalten hatte, eine Bedingung der ihm bewilligten Veraͤußerung; erfüllte er dieſe Verbindlichkeir nicht ſo brach er den Contraet; iſt dieſer gebrochen, ſo beſitzt derjenige, der das Geld emvfangen hat, es ohne Beweg⸗Urſache, und wird folglich nothwendig zum Schuldner deſſelben gegen den Ueberzähler. Dieſe Auflöſung des Rent⸗Kaufes gehört ſelbſt zum Weſen des im Vertrage lisgenden Tauſches. „Der Art. 1912 des G. Nap. hat in dieſer Hinſicht bloß die Grundſaͤtze der alten Jurisprudenz proelamirt. In der That berechtigte a) vor dem Geſetzbuche Nap. das Zahlungs⸗Unvermö⸗ gen des Schuldners den Gläubiger zur Zurückforderung des Ca⸗ pitals; das nehmliche Recht hatte er b) wenn das Grundſtück, worauf die Rente hypotheſirt war, veraͤußert wurde; ſo wie auch e) in dem Falle, wenn die Rente mehrere Jahre nacheinander nicht beiahlt worden war. Daß der Gläubiger dieſe Befugniß in den beyden erſtern Fällen hatte, dieß findet man in jedem Buche, welches von dem Rent⸗Kaufe gehandelt hat; in Betreff des dritten Falles aber war dieß bey den Tribunaͤlen der ehe⸗ mahligen Provinzen Marche und Auvergne in der Praxis, wel⸗ cher kein Urtheil des Parlamentes von Paris Einhalt gethan hatte, angenommen— eine Praxis, deren Rechtmaͤßigkeit über⸗ dieß aus der allgemeinen und ausgemachten Lehre in Anſehung der beyden erſtern Fälle hervorgieng. »„Nimmt man alſo nur die einzige Verfügung aus, welcher zu Folge der Schuldner zur Ablöſung der Rente angehalten werden kann, wenn er in zwey Jahren ſeine Verpflich⸗ tungen nicht erfüllt— eine Verfügung, wodurch das Geſetz⸗ buch Napoleons jedem Lribunal, jedem Appellations⸗Hofe ſeine ehemahlige Willkühr in dieſer Hinſicht hat benehmen wollen,— ſo iſt in den Art. 1912 und 1913 kein neues Recht enthalten. „Was aber unwiderſprechlich beweiſt, daß der Art. 1912 auch auf Renten, die vor dem Geſetzbuche Napoleons eonſti⸗ tuirt worden ſind, angewendet werden muͤſſe, iſt die Verfügung des Art. a151.— Hierin heißt es: ein Gläubiger, der für ein Capital eingeſchrieben iſt, welches Zinſen oder Renten hervor⸗ bringt, hat nur für zwey Jahre und fuͤr das laufende Jahr das Recht, in der ſeinem Capital gebührruden hypothecariſchen 62 III. Buch. Xl. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. den Hypotheken zu befreyen, und den Erwerber ſicher zu ſtellen,(Décret volontaire) nicht aber, wenn der Verkauf ganz frey vor ſich gegangen war. Bey Rousseaud, v. de- cret, n. 13 und v. rente, Sect. 4, n. 16 findet man hierü⸗ ber mehrere Parlaments⸗Urtheile. Art. 1014.» Die Regeln, welche die Leibrenten be⸗ „treffen, ſind unter dem Titel von gewagten Geſchaͤften, „Gluͤcks⸗ und Spiel⸗Vertraͤgen beſtimmt.« Nichts kommt in dieſem Titel von dem berühmten Ma⸗ cedonianiſchen Senats⸗Beſchluſſe vor, welcher jede Verbind⸗ lichkeit, die ſich auf ein Darlehn gruͤndet, und die von Kin⸗ dern, welche noch unter vaͤterlicher Gewalt ſtanden, ohne Unterſchied, ob ſie großjährig oder minderjaͤhrig waren, ohne Einwilligung ihres Vaters contrahirt worden war, für nichtig erklaͤrte, und zwar um den Ausſchweifungen, denen ſich dieſe Kinder durch die Leichtigkeit, Geld oder ähnliche Sachen lehnbar zu erhalten uͤberließen, und den Verbrechen vorzubeugen, wozu die Nothwendigkeit das Darlehn wieder⸗ zugeben, ſie ſelbſt gegen ihre Eltern verleiten mochte. Dieſes Senatus⸗Conſultum wurde inzwiſchen in den Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗Rechte hatten, ſo wohl als in je⸗ nen, worin das römiſche Recht galt, beobachtet, und ich weiß wahrlich nicht, ob es wohl je nothwendiger war, als jetzt. Rang⸗Ordnung elaſſifieirt zu werden.„ Iſt der Glaͤubiger einer vor dem Geſetzbuche Napoleons conſtituirten Rente unter dieſer Verfuͤgung begriffen? Ja, folglich muß er auch von dem Mit⸗ tel Gebrauch machen können, welches ihm gegen dieſe Verfuͤgung, die ſonſt ſein Eigenthum kränken würde! jene des Art. 1912 darbiethet.“ B. IM. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterle zungs⸗Contraete ꝛe. 63 Eilfter Zitel. Von dem Hinterlegungs-Contracte und der Sequeſtration. (Decret. den 14. Märi 18e4. Promulg. den a4. des nehml. Monats.) (Man ſehe den Tit. 3 des Buches 16 der Pandecten, und den Tit. 34 des B. 4 im Codex.) Sſtes Capinel. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte im allgemeinen, und deſſen verſchiedenen Gattungen. Art. 1915.„Der Hinterlegungs⸗Contract im allgemei⸗ nen iſt ein Geſchäft, wodurch jemand die Sache eines an⸗ dern unter der Bedingung ſie zu verwahren und in Natur vzurückzugeben uͤbernimmt.» Pepositum est quod custodiendum alicui datum est⸗ Art. 1916.„Es gibt zwey Gattungen des Hinterle⸗ »gungs⸗Contractes; der Hinterlegungs-Contract im eigent⸗ „lichen Sinne des Wertes und die Sequeſtration.« Zweytes Capitel. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte im eigentlichen Sinne⸗ Sſ Von der Natur und dem Weſen des Hinterlegungs⸗Contraetes. Art. 1917.„Der Hinterlegungs-Contract im eigent⸗ *lichen Sinne iſt ſeinem Weſen nach ein wohlthätiges Ge⸗ „ſchäft, das ohne bedungenen Lohn übernommen wird.» Erhält der Depoſitar einen Lohn, um die hinterlegke Sache zu verwahren, ſo iſt es ein Mieth⸗Contract. F enim er eo mercedem accipiat, eæ condueto erit actio. F. 1, F. 8. h. 64 MI. Buch. Rl. Lit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete z0. Eben ſo wäre es ein Darlehn, wenn der Deponent ſich aus bedungen hätte, daß der Depoſitar ihm Zinſen von der hinterlegten Sache bezahlen ſollte. Oui cum usuris deposuit, privilegium amittit, quasi renuntiaverit deposito, T. 7, F. 6 Inzwiſchen führen Henris, tom. 1, liv. 4, quest. 110, und Serres, p. 458. Urtheile der Parlamente von Paris und Toulouſe an, wodurch entſchieden wurde, daß, wenn man einem Handelsmanne Geld in Verwahr gibt, man ſich Zin⸗ ſen ausbedingen könne, ohne daß er deßwegen aufhört, De⸗ poſitar zu ſeyn. In dieſem Falle iſt, wie man ſagt, ein Depositum irregulare vorhanden. Art. 1918.„Er kann keine andere, als bewegliche „Sachen, zum Gegenſtande haben.“ Im Gegenſatze der Sequeſtration, welche auch Immobi⸗ lien zum Gegenſtande haben kann⸗ Art. 1919.„Er wird nur durch die wahre oder unei⸗ „gentliche(fingirte) Uebergabe der hinterlegten Sache voll⸗ abracht.“ „Die uneigentliche Uebergabe iſt hinreichend, wenn dek „Depoſitar ſchon aus einem andern Rechtsgrunde die Sache „in ſeinem Beſitze hat, die man ihm als anvertrautes Gut * laſſen will.» Die roͤmiſchen Geſetze ſtellen den Hinterlegungs⸗Contract in die Zahl der Real⸗Contracte: ausdrücklich ſagt dieſes der F. 3 Insi. quib. mod. re contr. oblig. Art. 1920.„Die Hinterlegung iſt entweder freywillig, „oder durch einen Nothfall abgedrungen.» 3 weyter Ab ſchnitt⸗ Von der freywilligen Hinterlegung. Art. 1921.„Die freywillige Hinterlegung bildet ſich „durch die gegenſeitige Einwilligung der Perſon, welche etwas „in Verwahr gibt, und derjenigen, die es empfängt.⸗ ———„ — e III. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte me. 65 Art. 1922.„Eine freywillige Hinterlegung kann der Regel „nach nur durch den Eigenthümer vmit ſeiner ansdrücklichen oder geſchehen⸗ S. indeſſen den Art. 1938. Art. 7923.„Eine freywillige Hinterlegung kann nur durch Urkunden erwieſen werden. Der Beweis durch Zeu⸗ *gen wird, in ſo fern von einem Werthe von mehr als hun⸗ »dert fünfzig Francs die Rede iſt, nicht zugelaſſen.„ Stimmt mit dem Art. 2, Tit. 20 der Didonnanz von 1667 überein.*) der anvertrauten Sache, oder ſt illſchweigenden Einwilligung Die Verfügung dieſes Artikels hat ſelbſt in Zuchtpolizey⸗Sachen und ſogar daun Statt, wenn keine Civil-Partey auftritt, ſon⸗ dern bloß das öffentliche Miniſterium jemanden als Depoſitar und deßwegen verfolgt, weil er die ihm anverttauten Sachen zu ſeinem Vortbeile verbracht oder auf Seite geſchafft hat. So ent⸗ ſchied die Criminal⸗Section des Caſſations⸗Hofes am 16. Januar 130 in folgendem Falle: Stevens, Geſchaͤftsträger und Bevollmächtigter des Ze⸗ nomont, empfängt gegen ſeine Quittungen und fuͤr Rechnung ſeines Mandanten von Thibaut eine Summe von ungefähr 1000 Francs, die er zu ſeinem Vortheile verbringt, und einige Zeit nachher erklaͤrt er ſich Fallit. Fenomont hierüber aufge⸗ bracht, verbreitet im Publikum eine Druckſchrift, worin er be⸗ hauptet, Thibaut habe die 19,000 Fr. in zwey Zahlungen zu⸗ ruͤckerſtattet; die letzte Zahlung, die ſich auf etwa 12,000 Fr. be⸗ laufen habe, ſey in ſeiner Gegenwart im Hauſe des Stevens geſchehen, welcher ihm dieſe Summe eingehändiget habe; er enomont aber habe ſie, weil er geglaubt hätte, das Gald möchte in ſeinem Zimmer nicht in Sicherheit ſeyn, als ein Depoſitum in den Händen des Stevens gelaſſen. Das öffentliche Miniſte⸗ rium trat hierauf von Amts wegen gegen Stevens auf, und trug gegen ihn auf die Antrendung des Art. 22 des Geſetzes vom 25. Frimaire s. J.(16. December 1799) an, welcher ſo lautet: „Wer uͤberfuͤhrt wird, Effecten, Waaren, Eigenthums⸗Uurkun⸗ den oder andere, welche eine Verbindlichkeit oder Befreyung in ſich enthalten, ober jedes andere bewegliche Sigenthum, welches ihm unentgeldlich, mit dem Beding es wiederzugeben oder in Natur herbeyzuſchaffen, anvertraut worden iſt, zu ſeinem Vortheile derbracht, oder verſchleudert zu haben, ſoll wenigſtens mit einer IV Malev.„ s6 UMI, Buch Kl. Tit. Ven dem Hinterlegungs Comraete ꝛx. Art. 1924.„Wird ein Depoſitum, das mehr als hun⸗ „deit fünfzig Franecs betraͤgt, nicht durch Urtunden erwie— „ſen, ſo glaubt man demjenigen, der als Depoſitar ange⸗ agriffen wird, auf ſein Wert, es mag von der Thatſache «der geſchehenen Hinteriegung ſelbſt, sder von der Sache, kwelche der Gegenſtand davon war, oder endlich von der „Thatſache der erfolgten Zuruͤckgabe die Frage ſeyn.« Oft hinterlegt man eine Summe bey einem Pfarrer, bey einem Freunde, mit dem Auftrage ſie zu demjenigen Zwecke zu verwenden, den man ihm ins Geheim anempfiehlt. Ueberſteigt dieſe Summe 150 Francs, dann können die Erben des Deponenten nichts von dem Depoſitar fordern, einjährigen, und höchſtens mit einer vierjaͤhrigen Gefänguiß⸗ Strafe belegt werden.» Vor dem Zuchtpolizey⸗Gerichte ſtellte indeſſen Stevens die Exiſtenz des Depoſitums in Abrede; und obſchon kein ſchriftlicher Beweis auch kein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes darüber vorhanden war, ſo verurtheilte es ihn doch zu cor⸗ rectionellen Strafen, und dieſes ſrtheil wurde vom peinlichen Juſtit⸗Hofe des Dyle⸗Departementes beſtätigt. Die Criminal⸗ Section des Caſſations⸗Hofes eaſſirte ader dieſes Urtheil, weil es, wie im erſten Entſcheidungs. Grunde geſagt wird, eine offenbade Verletzung des Art. 1923 des Geſ. Nap. enthalte. Jurispr. de la C. de C. 1808. p. 223 u f. Wic läßt ſich nun aber die angefuͤhrte Verſügung des Ge⸗ ſetzes vom 25. Frimaire s J. mit den Art. 1923 und 1924 vereinigen? Nichts iſt leichter als dieſes, ſagt Herr Merlin im Repertoire de Jurispr.„. depòt,§. 1,„. 6.; entweder iſt das Depoſitum, uͤber deſſen Mißbrauch man jemanden beſchul⸗ digt, vollſtaͤndig ſchriftlich bewieſen, oder es iſt nur unvollſtän⸗ dig, oder gar nicht ſchriftlich bewieſen. Im erſten Falle iſt das Zuchtpolizey⸗Gericht unſtreitig befugt, über das dem Depoſitar zur Laſt gelegte Verbrechen zu erkennen⸗ Im zweyten Falle kaun es, wenn es in den ihm vorgelegten Beweisſtücken den Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes findet, Zeugen abhören, um den Beweis vollſtändig zu machen; im dritten Falle aber muß es den klagenden Theil zurückweiſen, um im Civil⸗Wege ſein Recht geltend zu machen, und mit der Erkenntniß über ſeine Corree⸗ rionnell⸗Klage ſo lange einhalten, bis das Depoſitum im Civil⸗ Proeſſe bewieſen worden iſt. die 2— ₰ M. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs Contraetec. 6. und es muß ihm, wie unſer Artikel ſagt, auf ſeine Erklä⸗ rung geglaubt werden. Geſchah inzwiſchen eine ſolche Empft hlung ſchriftlich; ver— machte z. B. Johann dem Peter 1000 Fr., um zu dem die⸗ ſem letztern anempfohlenen Zwecke verwendet zu werden dieſem Falle muß, wie durch mehrere Parlaments-Urtheile entſchieden worden iſt, das Vermächtniß ausbezahlt werden⸗ ohne daß der Legatar verbunden iſt, das Geheimniß und die Verwendung der Summe zu offenbaren. Ausgenommen⸗ —.———— Iſt indeſſen, fährt Herr Merlin a. s. St. fort, das De⸗ poſitum eingeſtanden, und es hat urkunden zum Gegenſtande, die der Depoſitar verändert, hat, um für ſich Vortheil daraus zu ziehen, dann kan die Sache bey dem Zuchtpolizeh⸗Gerichte angebracht werden, wenn ſchon der klagende Theil hauptſaͤchlich die Zurückerſtattung dieſer Urtunden bezweckt. Am 5. Nivoſe 5. J.(. December 1796) zieht Herr Pebesnard, Handelsmann in Bordeanx auf Hrn. Boſſet, Handelsmann in Paris ſechs Wechſelbriefe, die ſich im Ganzen auf die Summe von 150,000 Fr beliefen. Die Gebruͤder Michel, welche Eigenthuͤmer dieſer Wechſel geworden waren, belangten den Hrnu. Boſſet zur Zah⸗ lung, und erhielten urtheile wider ihn, die ſie in die Pyps⸗ theken⸗Regiſter eintragen ließen, um auf ſein Vermögen ein VPypotheken⸗Recht zu erwerben. Am 1. Plüvioſe 12. J.(r. Hornung 1804) vertraut Michel der jüngere die ſechs Wechſel⸗ briefe dem Hrn. Boſſet an, welcher ihm darüber einen Em⸗ pfangs⸗Schein zußellt, mit dem Verſprechen ſie auf die erßte Anforderuns in Natur vorzuzeigen. Boſſet, welcher nachher deßhaib gerichtlich belangt wurde, zeigte ſie zwar vor, allein ſeine Acceptationen waren darauf ausgeſtrichen, und er behaup⸗ tete, ſie bezahlt zu haben. Sogkeich ſtellt Michel eine Corree— tionnell⸗Klage gegen Boſſet an, und verlangt) daß er zur Zu⸗ ruͤckgabe der ſechs Wechfel verurtheilt, und zugleich überzeugt er— klärt werden möge, ſie zu ſeinem Vortheile verbracht zu haben, um ſie in urkunden umzuſchaffen, woraus ſeine Befreyung her⸗ vorgehe. Vor dem Zuchtpolizey⸗Gerichte von Paris behauptet Boſſet, dieſe Wechſelbriefe ſeyen bloßes Blendwerk; er habe ſie, als er von einem ſeiner Glaͤubiger verfolgt worden ſey, bloß deßwegen aeceptirt, um ein Urtheil zu veraulaſſen, Kraft deſſen er durch jemanden, der ſeinen Nahmen dazu hergeben wuͤrde, eine hypothekariſche Inſeription auf ſeine eigene Güter nehmen 63 1. Buch. XI. Tit. Von dem Hinterlegungs Contraete c. wenn Urſache vorhanden wäre zu glauben, daß ſie für Per— b ſonen beſtimmt ſey, die das Geſetz für unfähig erklärt, durch b Schenkung oder Vermaͤchtniß begünſtigt zu werden. S ſ Fouet und Brodeau, lett. T. ch. 5. Vedel und Catellan⸗ i M. I, eh. 25. zu 1 Beläuft ſich die Summe nur auf hundert fünfzig Francs, b oder darunter, da in dieſem Falle der Beweis durch Zeugen S angenommen werden kann, ſo iſt der Depoſitar verbunden,. ſie den Erben zurückzugeben, und es wird ihm auf ſſein roͤnnte, und die Gebräder Y Richel ſeyen gerade Keeen welche 115 (27 Maͤrz n. J.) den Boſſet ſchuldig, ſechs, eine Verbindlichkeit ihre Nahmen u het u hätten. Die Gebrüder Michel bewieſen hin daß Zeit, wo die Wechſelbriefe ihr Daſeyn erhielten, an Boſſet eine Summe von 140/000 Fr. zu fordern hatten. Am 6. Piudioſe 13. J.(26. Januar 1304) ward indeſſen von der Klage deßwegen freygeſprochen, 1 weil nicht ſey, daß, ſeine Aeeeptationen nicht ſchon bzeiaßts e ausgeſtrichen geweſen ſeyen, als ihm Michel der Juͤngere die Wechſel zugeſtellt hatte. Der Crimi: tal⸗Juſtitz⸗Hof von Paris erklärte aber am 6. des folgenden Monates Germinal 1 in ſich nhin„Wechſ ſel die ihm unentgeldlich anvertraut worden ſeyru, mit dem P ing, S jedes mahliges Verlan⸗ gen in Natur vorzuteig en, duſch Ausſtreichung der dar auf ſtehenden Acceptatlonen zu ſeinem Becheile dert zu haben, und ver⸗ urtheilte ihn ſo wohl zu deren 3 abe mit ſeinen Aecepta⸗ tionen, als auch zu den im Art. 12 des Geſepes vom 25. Fri⸗ 1 maire s. J. enthaltenen Strafen.— Boſſet nahm nün ſ 1 Recurs zum Caſſations⸗Hofe. Die gegen mich angeſtellte Klage ſagte er, hatte die Vorzeigung von ſechs Wechſel⸗Briefen ſ 5 ſol elage ört aber nicht zur Erkenntniß der Zuchtpolizey ichte. Das Zuchtpolizey⸗Gericht von Paris o weniger Anſtand finden, ſich wenigſtens einſtweilen mußte um ſo w ineompetent zu erklaͤren, als aus meiner Bertheidigung die Frage hervorgieng; ob die Wechſel Briefe ernſthaft oder erdichtet waren age; die weſentlich präjudiziell und civil iſt; wäre es aber ch competent geweſen, ſo konnte es mich doch nicht überwieſen erklären, die Wechſel⸗ Briefe zu meinem Vortheile verbracht zu haben, da ich ſie im Gegentheile durch die Ausſtreichung meiner Aceept ationen gewi iſfermaßen ver⸗ hatte Selbſt in dieſem Falle alſo hat der peinliche nichtet Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegunss⸗Contraete ꝛc. 69 bloßes Wort nicht geglaubt, es ſey dann, daß er ſeiner Seits beweiſe, daß der Deponent ihm den Auſtrag gegeben habe, ſie zu irgend einem Zwecke zu verwenden. Wenigſtens bin ich dieſer Meynung, obſchon Serres, p. 336 das Gegentheil zu entſcheiden ſcheint; in dem Falle wovon er ſpricht, belief ſich meines Erachtens der Gegenſtand hoͤher als die Summen ſind, die man durch Zeugen beweiſen kann.*) — Juſtitz⸗Hof den angeführten Art. 12 unrichtig angewendet. Sein Caſſations⸗Geſuch wurde jedoch am s. Thermidor 12. Jahres (z. Julius 1805) aus folgenden Gruͤnden verworfen, 1) weil die Klage der Gebruͤder Michel, wenn auch ſchon, in ſo ferne ſie dabey ein Intereſſe hatten, die Vorzeigung der ſechs Wechſel, Kraft des von Boſſet ausgeſtellten Empfangs⸗Scheins ihr Haupt⸗ Gegenſtand war, nichts deſtoweniger andere That⸗Umſtaͤnde ent— hielt, die dazu geeignet waren, die Gerichtbarkeit der zur Be⸗ ſtrafung der Verbrechen angeordneten Tribunäle zu begründen, welches an ſich ſchon genug war, um das Zuchtpolizey⸗Gericht zu Paris zu ermächtigen, darüber zu erkennen. 2) Weil Boſſet in den vorigen Inſtanzen nie ausdrücklich darauf angetragen hatte, daß die Sache zu den Civil⸗Gerichten verwieſen werden möchte, um über die Frage, die doch ſeiner jetzigen Behaup⸗ tung nach präjudiziell ſey, zu erkennen, ob die Wechſel, nach⸗ dem ſie den Zweck, wozu ſie beſtimmt waren, erreicht hatten, noch gültig ſeyen oder nicht, und folglich der peinliche Juſtitz⸗ Hof ſie als eine natuͤrliche Folge des Verbrechens der Ausſtrei⸗ chung der Acceptationen, deſſen er den Boſſet überführt erklaͤrte, habe betrachten, und ſie entſcheiden käesn 3) Weil der pein⸗ liche Juſtitz⸗Hof dadurch, daß er den Boſſet uͤberwieſen erklaͤrte, die Wechſel⸗Briefe mittelſt der darauf ſtehenden Acceptationen zu ſeinem Vdrtheile verbracht zu haben, das an⸗ geführte Geſetz nicht verletzt habe, indem Boſſet ſie durch dieſe Ausſtreichung in Befreyungs⸗Urkunden iu ſeinem Vortheile um— geſch chſel⸗Briefe ſelbſt gber, die ihr materielles Da⸗ ſeyn beybehalten hätten, nicht vernichtet habe. aſſen, die V B. Hat der Depoſitar ein freywilliges nicht ſchriftlich erwieſenes Depoſitum eingeſtanden, zusgleich aber erklaͤrt, daß er es wieder⸗ gegeben habe, ſo kann das Gegentheil, nehmlich daß er es nicht wiedergegeben auch nicht durch Zeu bewieſen werden. So entſchied die Civil⸗Section des Caſſations⸗Hofes am 1. Ju⸗ 2 1. Buch. Xl. Tit. Bon dem Hinkerlegungs⸗Contracte ꝛc Art. 1925.„Eine freywillige Hinterlegung kann nut vunter ſolchen Perſonen Statt haben, die zu contrahiten »fähig ſind. 1 „Nimmt gleichwohl eine Perſon, welche die Fähigkeit zu „contrahiren hat, ein Depoſitum an, das ihr von einer un— „faͤhigen Perſon anvertraut worden iſt, ſo hat ſie alle Pflich⸗ „ten eines wahren Depoſitars zu erfüllen; ſie kann von dem „Vormunde oder dem Verwalter der Perſon, welche ihr das „Gut anvertraut hat, gerichtlich belangt werden.» lius 18o6 in folgendem Falle: Stephan Maſſe einer der Erben Jorre, ließ 494 Franes, die einen Theil einer dieſen Erben abgelegten höhern Summe ausmachte, als freywilliges Depoſitum in den Händen des Notars Panier. Als die Miterben des Stephan Maſſe im Fruetidor 9. J. von ihm ihren Antheil in dieſen 494 Fr. verlangten, ſchickte er ſeinem Bruder Jacob eine Vollmacht, um ſie beym Notar Panier in Empfang zu nehmen. Letzterer antwortete dem Jacob Maſſe, daß er zwar jene Summe in Verwahr erhalten, aber auch dem Stephan Maſſe wieder ge⸗ geben habe; und nun wurde Letzterer von ſeinen Miterben zur Zahlung ihrer Antheile an jener Summe gerichtlich belangt. Der Notar Panier wurde zur Sache mit beygeladen. Er er⸗ klärte nochmahls, daß ihm zwar geſagte Summe freywillig in Verwahr gelaſſen worden ſey, daß er ſie aber auch dem Stephan Maſſe zurückgegeben habe. Dieſer ſtellte es hiugegen in Abrede, und verlangte durch Zeugen zu beweiſen, daß Panier ihm am 29. Vendemiaire 10. J. z(21. Hetober 1301) erklärt habe, daß er nicht ihm dieſe Summe wiedergegeben hätte. Am a3. Nivoſe 2. J.(14. Januar 1803) ließ das Civil⸗Gericht von Louviers ihn deßwegen zu dieſem Beweiſe zu, weil in den von Panier gethanen Geſtändniſſen, und worin er ſich über das Faetum der Zurückgabe des Depoſitums nicht gleich geblieben ſey, ein An⸗ fang eines ſchriftlichen Veweiſes liege; und auf das Reſultat des abgehaltenen Zeugen⸗Verhoͤrs verurtheilte es den Panier zur Zurückgade der 494 Fr. und in einen Schaden⸗Erſatz von 150 Fr. Dieſes urtheil wurde aber dem Art. 3 des it ber Drdonnanz von 1667 zu Folge eaſſirt, weil a) das in dieſem Ar⸗ tikel enthaltene Verboth des Zeugen⸗Beweiſes auf das freywillige Depoſitum, und auf deſſen Zurückgabe in gleichem Maße an⸗ wendbar ſey; weil b) die Kerichtlichen Erklärungen des Panier 1II. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛc. 7t Art. 1926.»bHat eine hiezu faͤhige Perſon bey einer „andern, die es nicht war, etwas hinterlegt, ſo hat der De⸗ ponent in Hinſicht des anvertrauten Gutes nur ſo lange „die Vindicationsklage, als es ſich in den Händen des De⸗ poſitars befindet, oder er hat eine Klage auf Erſatz bis zum Betrage desjenigen, was zum Nutzen des Depoſitars „gediehen iſi.» ganz einſtimmig ſeyen, und e) die angebliche Verſchiedenheit zwiſchen dieſen und den vorherigen Erklärungen, außerdem daß daraus kein Verdacht von Betrug oder Argliſt hervorgehe, kei⸗ nen Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes darbiethe, ſo wie ihn das Ge⸗ ſetz fordert, welches uͤberdieß den Richtern die Macht gelaſſen habe, den Eid aufzutragen. Journ. d. Aud. ete. 1806. y. 466 n. f. Wie man ſieht, iſt zwar dieſer Fall nach dem Art. 2 Tit. zo der Ordonnanz von 1667 entſchieden worden; da indeſſen dieſer Artikel die Quelle iſt, woraus die zwey vorliegenden Arti⸗ kel des G. N. geſchöpft worden ſind, ſo muß dieſe Entſcheidung auch noch jetzt unſtreitig befolgt werden. Wird indeſſen 1) das Factum des Depoſitums nicht beſtrit⸗ ten, und es iſt bloß darum zu thun zu wiſſen, wer eigentlich der Urheber davon ſey, ſo hat der Beweis durch Zeugen Statt⸗ wenn ſchon der deponirte Gegenſtand die Summe von 150 Fr. uͤberſteigt. Gallier forderte den Vieh-Haͤndler Regouly auf, einen Hchſen zurückzunehinen, den er bey ihm in Verwahr getellt haͤtte, und die Koſten zu zahlen, die das Thier veranlaß, hatte. Regouly antwortete, er habe dem Bourras den Och ſen verkauft, dieſer ſey Eigenthümer davonfhabe ihn deponirt, müſſe ihn zuruͤcknehmen, und die Koſten deſſelben bezahlen. Das Civil⸗ Geticht von Cosne wieß den Gallier mit ſeiner Klage deßwegen ab, weil Regouly den Hchſen dem Bourras verkauft und abgelie⸗ fert habe. Gallier richtete nun ſeine Klage gegen Bourras; die⸗ ſer leugnete ihn gekauft, und in Verwahr geſtellt zu haben. Der Fläger both ſich zum Beweiſe des Gegentheiles an, und wulde hiezu zugelaſſen. Aus dem hierauf abgehattenen Zeugen⸗Verhöre ergab ſich, daß Bourras den Ochſen wirklich gekauft, und oͤffent⸗ lich ſechs Franes Handgeld gegeben hatte. Das Tribunal von Cosne verurtheilte ihn nun, dem Gallier s40 Francs für den Unterhalt des Hchſen, und faſt eben ſo viel für Koſten zu zah⸗ len. Während dieſes Prozeſſes war der Ochs beym Gallier ge⸗ ſtorben, der, wie ſein Gegner behauptete, ihn hatte verhüngern ————— 111. Buch Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete ꝛe. Dritt r bſchm it t⸗ Von den Pflichten des Depoſitars. Art. 1927.»Der Depoſitar muß die ihm anvertraute „Sache mit eben der Sorgfalt bewahren, welche er auf die „Bewahrung der ihm zugehörigen Sachen verwendet.» Dieſer Artikel ſtimmt mit den LL. 5, F. 2, F. commod. und 23, T de reg. Jur. uͤberein. Nach dieſen Geſetzen haf⸗ tete der Depoſitar nur für den Schaden, den er vorſetzlicher Weiſe, und durch ſein grobes Verſchulden anrichtet, und nur dann fiel ihm etwas zur Laſt, wenn er auf die Verwahrung der ihm anvertrauten Sache nicht die nehmliche Sorgfalt ver⸗ wendet hatte, die er auf die Verwahrung ſeiner eigenen Sache verwendete. T. 32, F 1. Man tadelte indeſſen dieſe Entſcheidung; ein Depoſitar, ſagte man, muß auf die Verwahrung der bey ihm hinterleg⸗ ten Sache alle Sorgfalt eines guten Hausvaters verwenden; man antwortete aber mit der L. 1, F. 1, h. de obligat. et act.. Pe se queri debet, qui negligenti amico rem custo- diendam committit. laſſen. Bourras nahm ſeinen Reeurs zum Caſſations⸗Hofe, und gruͤndete ſein Geſuch auf eine Verietzung der Art. 1359, 1341 und 1923 des G. N.— Sein Geſuch wurde aber am 9. Julius 1806 von der Seetion des Requétes deßwegen verworfen, weil! wie es im zweyten Entſcheidungs⸗Grunde heißt, das Depoſitum an ſich nicht beſtritten wurde, und folglich die Art. 1341 ud 1923 auf den Fall nicht anwendbar ſſind. Journ. d. Aud. ete. 1306. p. 4644 u. f. Eben ſo wird auch 2) dem Depoſitar auf ſeine Erklärung dann nicht geglaubt, wenn es bloß um die Art zu thun iſt, wie ein freywilliges nicht ſchriftlich conſtatirtes Depoſitum, deſſen Exiſtenz aber eingeſtanden wird, zurückgegeben werden müß. Im J. 1791 gab Herr Arbel zwey Kiſten mit Silberwerk, das dem Hrn. von Rohan, Eribiſchofen von Cambray, deſſen Haus⸗ Hofmeiſter er war, zugehörte, dem Hhrn Pertrand in Ver⸗ wahr Im J. 10.(1800) forderte er dieſes Depoſttum zurück. Pertrand geſtand das Depoſitum ein, erklaͤrte aber; daß er im J. 1793 genoͤthigt geweſen ſey, dieſes Silberwerk in Barren iu — 1II. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛe. 73 Art. 1928.„Die Verfuͤgung des vorhergehenden Arti⸗ kels muß mit mehr Strenge angewendet werden, 1) wenn der Depoſitar ſich ſelbſt angebothen hat, die Aufbewahrung „der Sache auf ſich zu nehmen; 2) wenn er fuͤr die Be⸗ „wahrung des ihm anvertrauten Gutes ſich einen Lohn be⸗ dungen hat; 3) wenn die Hinterlegung einzig zum Vor⸗ 6 e verwandeln, dieſe gegen Aſſignaten, und dieſe letztere gegen Mandaten auszutauſchen, und erboth ſich dieſe dem Arbel zurück⸗ zugeben. Das nehmliche Anerbiethen that er dem Hrn. von Rohan, der als Intervenient inzwiſchen aufgetreten war, und am 7. Fructidor 11. J.(25. Auguſt 18o3) erklaͤrte das Civil⸗ Gericht von Paris dieſes Anerbiethen für guͤltig. Am s. Frue⸗ tidor 12. J.(26. Auguft 1804) reformirte aber der Appellations⸗ Hof von Paris dieſes Urtheil, und verurtheilte den Pertrand zur Zahlung von 8,2 33 Fr. 55 C. in barem Gelde, hauptſäch⸗ lich aus folgenden Günden, weil a) aus den uUmſtänden der Sache eine hinlaͤngliche Vermuthung entſpringe, daß Pertrand die Barren in Aſſignaten verwandelt habe, um damit zur Zeit, wo dr ſie erhielt, ſeinen eigenen Gewinn zu machen; weil b) ſelbſt in der Vorausſetzung, daß er die unwiderſtehliche Wirkung einer höhern Macht damahls zu befürchten hatte, er ein gewiſſes Rittel gehabt habe, ſich von dieſer Beſorgniß zu befreyen, und gegen allen Verdacht von Betrug zu ſchützen, wenn er nehmlich ſeine Erklärung darüber abgegeben, und die Barren oder die Aß— ſignaten bey den competenten Behörden hinterlegt hätte, was er aber nicht gethan habe, weil e) bey dieſer Lage der Sachen ſeine trockene, von Beweis entblößte, und jetzt uber die Identität der von ihm angebothenen Aſſignaten oder Mandaten, und jener die er für die Barren erhalten zu haben eingeſteht, abgegebene Erklärung keinen Einfluß auf die Entſcheidung haben koͤnne.“ Pertrand ſuchte Caſſation dieſes Urtheiles nach, und ſüͤtzte ſich unter andern auf die Verletzung der Art. 1921, 1923, 152 47 1929 1933 und 14444 des G. N.; ſein Geſuch wurde aber am 6. Detober 1806 von der Seclion des Requéles verworfen, weil bloß von der Art der Zurückgabe des Depoſitums die Rede ſey und der Appellati us⸗Hof von Paris den Geſetzen, die den Beweis der Exiſtenz oder des Faetums der Zurückgabe des De⸗ poſitums beſtimmen, durch ſeine Entſcheidung nicht zu nahe ge— treten ſey. Journ, d. Aud. etc. 1806, p. 793 1 f. B. 4 1. Buch. XI. Tit. Von dem Hmerlegungseontracte ic. „theile des Depoſitars geſchehen iſt; 4) wenn ausdruͤcklich „bedungen worden, daß der Depoſitar fuͤr jede Gattung von „VPVerſehen(oder Schuld) haften ſoll.⸗ Die Ziff. 1 ſtimmt mit der T. 1,§F. 35 h.; die Ziff. C mit dem nehmlichen Geſetze,§. 3z die Ziff. 3 mit der T. 4. ) de reb. cred., die Ziff. 4 mit der L. 1, F. 6. h. uͤberein. Im Falle der Ziffer 3 befindet ſich derjenige, dem eiue Sache anvertraut worden iſt, um ſie zu verkaufen, und ihren Preis zu ſeinem Nutzen zu verwenden; quia rei domiuus ct, wie Godofredus ad T. 4, ds reb. cred. ſagt⸗ Art. 1929.„In keinem Falle iſt der Depoſtrar füe „Zufälle verantwortlich, die von einer höhern Gewalt her⸗ „rühren, er ſey dann in Verzug geſetzt worden, das anver⸗ atraute Gut zuruͤckzugeben.» Stimmt mit den TT. 1, F. s8, und 12, F. ult. h. tiber⸗ ein. Geſagte T. 1, F. eod. ſetzt noch einen andern Fall hinzu, worin der Depoſitar für bloße Zufälle haftet, dann nehmlich, wenn er ſich insbeſondere dazu verbunden hat⸗ Art. 1930.„ Er darf die hinterlegte Sache, ohne aus⸗ „druͤckliche oder muthmaßliche Einwilligung des Deponenten, „nicht gebrauchen.“ Die römiſchen Geſetze hielten jihn in dieſem Falle eines Diebſtahls ſchuldig. T. 29, ſ. und T. 3 Cod. eod. Gebraucht er das bey ihm hinterlegte Geld, ſo muß er Zinſen davon bezahlen. LA. bii. Die Sache aber, die er mit dieſem Gelde etwa gekauft hat, gehoͤrt ihm zu. T. 6, Cod. de rei vind. Art. 1931.„Er ſoll nicht unterſuchen, was es fuͤr „Sachen ſeyen, die bey ihm hinterlegt worden ſind, wenn „ſie ihm in einem verſchloſſenen Kaſten oder unter einem „verſiegelten Umſchlage anvertraut wurden.« Dieſes iſt ein Rath, welcher der Rechtſchaffenheit ertheilt wird; wenn aber uͤberdieß die Eröffnung der Kiſte, des Käſt⸗ chens oder des Umſchlages dem Deponenten einigen Schaden verurſachte, ſo waͤre der Depoſitar zu deſſen Erſatz verbunden⸗ III. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete ꝛe. 76 Art. 1932.» Der Depoſitar muß identiſch eben dieſelbe »Sache zuruͤckgeben, die er empfangen hat. „Alſo muß ein Depoſitum, das in klingender Münze „beſtand, in eben den Sorten, worin es geſchehen iſt, zu⸗ „ruͤckgegeben werden, ihr Werth mag erhöhet oder verringert eworden ſeyn.« Die in dieſem Artikel auſgeſtelte Regel gründet ſich auf eine andere, nach welcher ein Depoſitar das Depoſitum nicht angreifen ſoll; iſt ihm jedoch Geld anvertraut worden, ohne daß es verſchloſſen oder in einen Umſchlag eingewickelt war⸗ ſo kann man anders nichts von ihm fordern, als daß er es in ähnlichen Münzſorten wieder gebe. S pecunia deposita numerata Sit, neque clausa, neque obsignata, nihil aliud debetur, nisi ut tantumdem Solwat. F. 31, F. locati. Art. 1933.„Ein Depoſitar iſt die bey ihm hinterlegte „Sache nur in dem Zuſtande wiederzugeben ſchuldig, worin »ſie ſich in dem Augenblicke der Zurückgabe befindet. Ver⸗ „ſchlimmerungen, die nicht von ihm herrühren, fallen dem »Deponenten zur Laſt.» Die Sache geht für den Eigenthuͤmer zu Grunde; der Depoſitar iſt aber nicht Eigenthümer der hinterlegten Sache; er hat nichs einmahl den Beſitz davon⸗ Art. 1934.» Ein Depoſitar, dem die Sache durch hö⸗ vhere Gewalt weggenommen werden iſt, und der hiefür einen „Preis oder ſonſt etwas empfangen hat, muß dasjenige ⸗ »was er zum Erſatze erhalten hat, zuruͤckgeben.« Art. 1935.„Der Erbe eines Depoſitars, der in gutem »Glauben die Sache verkauft hat, wovon er nicht wußte vdaß ſie anvertrautes Gut ſey, iſt zu mehr nichts verbun⸗ „den, als den Preis zu erſetzen, denz er empfangen hat, noder ſeine Klage wider den Käufer zu übertragen, ſo fern ihnt „der Preis noch nicht gezahlt worden iſt.« Stimmt mit der P.1, F. ult. h. uͤberein. Kann der Erbe des Depoſitars, wie die P, 3. eod. hinzuſetzt, die Sache wie“ der kauſen, ſo iſt er hiezu verbunden; dieß gehört indeſſen zur 76 1. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterle sungs⸗Cuntracte ꝛe. Verbindlichkeit, die ihm unſer Artikel auferlegt, ſeine Klage zu übertragen. Wenigſtens tritt der nehmliche Entſcheidungs⸗ Grund ein. Art. 1936.»Hat die in Verwahr gegebene Sache „Fruͤchte hervorgebracht, welche der Depoſitar genoſſen hat, ſo iſt er verbunden, ſie zu erſetzen. Er hat von dem bey ihm hinterlegten Gelde keine Zinſen zu zahlen, außer von dem Tage an, da er in Hinſicht der Zuruͤckerſtattung in Verzug geſetzt worden iſt.« Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit der P. 1, F. 24, F. h. überein, wo es heißt: Fructus et partus et omnis causg in hc actione veniunt. Der zweyte Theil moͤchte wohl demjenigen entgegen zu ſeyn ſcheinen, was wir beym Art. 1930 angemerkt haben. Allein, im vorliegenden Artikel ſetzt man voraus, daß der Depoſitar das bey ihm hinterlegte Geld nicht gebraucht habe, dagegen die beym Art. 1930 angeführten PL. 29 und 3 beſtimmt von dem Falle reden, wo er es gebraucht hat. Ohnehin, warum ſollte der Depoſitar keine Zinſen zahlen, wenn er das Geld gebraucht hat, da man ihm doch die Verbindlichkeit auferlegt, alle Fruͤchte zu erſtatten? Sind denn die Zinſen nicht die Früchte des in Umlauf geſetzten Geldes? Ant. 1937.» Der Depoſitar muß die bey ihm hinter⸗ „legte Sache keinem andern zurückgeben, als dem, der ſie „ihm anvertraut hat, oder in deſſen Nahmen die Hinterle⸗ „gung geſchehen iſt, oder der angewieſen worden iſt, um ſie „zu empfangen.« Art. 1038. b Von dem, der die Sache in Verwahr ge⸗ „geben hat, kann er den Beweis ſeines Eigenthums an der⸗ „ſelben nicht fordern⸗ „Entdeckt er gleichwohl, daß die Sache geſtoh⸗ „len worden, und wer der wahre Eigenthümer davon „iſt, ſo iſt er verbunden, y gung dieſem anzukündigen, und ihn aufzufor 8 85 * „ die bey ihm geſchehene Hinterle⸗ dern, daß er be un V ſich b „ ſ t III. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete.„ »in einer beſtimmten und hinlänglichen Friſt ſie in Anſpruch nehme. Verſaumt derjenige, dem die Ankündigung geſche— hen iſt, das Depoſitum in Anſpruch zu nehmen, ſo wird der Depoſitar ſeiner Verbindlichkeit auf eine gültige Weiſe „dadurch entlediget, daß er es demjenigen übergibt, von „dein er es empfangen hat.« In der T. 31 h h. heißt es nur, daß, wenn der Ei⸗ genthuͤmer die Sache in Anſpruch nimmt, der Depoſitar ſie chm Vorzugsweiſe vor dem Diebe, der ſie hinterlegt hat, zurückgeben muͤſſe. Das nehmliche hat Statt, wenn ein Herr oder ein Vater ſeine Sache in Anſpruch nimmt, die ſein Diener oder ſein Sohn bey jemanden hinterlegt hat. Gegen unſern Artikel wendete man 6. man müſſe es bey der Verfügung des angefuͤhrten Geſetzes bewenden laſſen, und den Depoſitar der Gefahr nicht ausſetzen, daß er als Verläumder, vielleicht gar als Hehler verfolgt werde. Andere behaupteten im Gegentheile, man muͤſſe den De⸗ poſitar ſelbſt dann nicht ermächtigen, die Sache dem Diebe zurückzugeben, wenn ſchon der Eigenthümer nach der ihm gemachten Anzeige ſeine Sache nicht in Anſpruch nehme; und verlangten, der Depoſitar ſey anzuweiſen, ſeine Erklä⸗ rung einem oͤffentlichen Beamten abzugeben. Die Anzeige, antwortete man den erſtern, kann auf eine Art gemacht werden, daß der Depoſitar dabey nicht die min⸗ deſte Gefahr läuft; ohnehin geht dieſe außergerichtliche Hand⸗ lung zwiſchen ihm und dem Eigenthümer ganz allein vor ſich. Den zweyten gab man zur Antwort, es ſey deſto ſchlimmer für den Eigenthuͤmer, wenn er auf die ihm gege⸗ bene Nachricht ſein Recht geltend zu machen vernachläßigte. Art. 1939.»Stirbt Kr Deponent oder zieht er ſich den „bürgerlichen Tod zu, ſo kann das anvertraute Gut nur »ſeinem Erben wieder erſtattet werden. »Hat er mehrere Erben, ſo muß einem jeden ſein An⸗ r* „theil daran zurückgegeben werden. 73 M. Buch. Xl. Lit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete. „Iſt die hinterlegte Sache untheilbar, ſo müſſen die Er⸗ „ben ſich über den Empfang untereinander verſtehen.« In der J. 1 F. 36 und 37, N h hieß es, der Depo⸗ ſitar könne die hinterlegte Sache, wenn ſie untheilbar iſt⸗ demjenigen der Miterben, welcher ſie in Anſpruch naͤhme, gegen Buͤrgſchaft, oder was noch beſſer iſt, mit Erlaubniß des Richters zuruͤckgeben. T. 81 F. 1, P. de solut. Zu⸗ verlaͤßig hat der Depoſitar, wenn die Erben unter ſich nicht einig werden können, das Recht, vom Richter zu verlangen, daß er des Depoſitums entledigt werden moͤge, und es ge⸗ richtlich zu hinterlegen, d. F. 37⸗ Die T. ult. cod. h. enthaͤlt eine merkwürdige Entſchei⸗ dung; ſie ſagt, wenn ein Miterbe ſeinen Antheil am Depr⸗ ſitum empfangen hat, und der Reſt nachher, weil der Depe⸗ ſitar in Zahlungs⸗Unvermögen gerathen iſt, oder auf irgend eine andere Art zu Grunde geht, ſo ſey dieſer Miterbe nicht ſchuldig, von ſeinem Antheile den uͤbrigen etwas zukommen zu laſſen, ne industria panas desidiæ volvat. Art 1940.„Hat der Deponent ſeinen perſönlichen Zu⸗ „ſtand verändert, war z. B⸗ die Frauensperſon in dem Au⸗ „genblicke, wo die Hinterlegung geſchah, ledigen Standes, „hat ſich aber nachher verehelicht, und ſteht nunmehr unter „der Gewalt des Mannes; war der Deponent zwar voll⸗ „jährig, ihm iſt aber nunmehr durch Interdiction die Ver⸗ „waltung ſeines Vermögens benommen: in allen dieſen und „andern gleichartigen Fällen kann das anvertraute Gut nur „demjenigen zurückgegeben werden, der die Verwaltung der „Rechte und Güter des Deponenten hat.« Art. 1941.»Iſt die Hinterlegung von einem Vor⸗ „munde, einem Ehegatten, oder Veiwalter in einer von „dieſen Eigenſchaften geſchehen, ihre Geſchaͤftsführung oder „Verwaltung iſt aber geendiget, ſo kann das anbertraute „Gut nur der Perſon zurückgegeben werden, welche dieſer „Vormund, dieſer Chegatte oder Verwalter vorſtellte.« 9 bl. Buch. A). Eid Von dem Hinterlegungs⸗Contraste. 35 Ganz natuͤrliche Ausnahmen von der im Art. 1037 auf⸗ geſtellten Regel, welche man vermittelſt dieſer beyden Artikel ausdrücken zu müſſen glaubte. Art. 1942.„Iſt in dem Hinterlegungs-Contracte der »Ort beſtimmt, wo die Zuruckgabe geſchehen ſoll, ſo iſt der »Depoſitar gehalten, die bey ihm hinterlegte Sache dahin »zu bringen. Die etwa hiezu enrforderlichen Koſten der Ue⸗ „berbringung fallen dem Deponenten zur Laſt.« Art. 1943.»Iſt in dem Contracte kein Drt für die „Zuruͤckgabe beſtimmt, ſo muß ſie an eben dem Otrte ge⸗ »ſchehen, wo die Hinterlegung geſchehen war.« Nach der F. 12, M muß das Depoſitum an dem Orte, wo es ſich findet, ohne Argliſt des Depoſitars, und ohne Räckſicht auf den Drt, wo die Sache in Verwahr gegeben worden iſt, zurückgegeben werdenz; iſt die Uebereinkunft ge⸗ troffen worden, daß es an emem gewiſſen Orte wiedergege⸗ ben werden ſoll, ſo muß der Deponent die Koſten der Ue⸗ berbringung zahlen. Fallen dieſe Koſten dem Deponenten zur Laſt, ſelbſt dann wenn ausbedungen worden iſt, daß das Depoſitum an einem beſtimmten Orte zurückgegeben werden ſoll, ſo müßte es ſich meines Erachtens, eben ſo verhalten, wenn der Depoſitar ohne böſe Abſicht ſeinen Wohnort ver⸗ ändert hat, denn, da er einen unentgeldlichen Dienſt erzeigt, ſo muß er doch auch nicht, Sine dolo et lata culpd, im Verlufte ſeyn. Art. 1944.» Anvdrtrautes Gut muß dem Deponenten, »ſo bald er es fordert, zurückgegeben werden, ſelbſt dann, „wenn in dem Contracte eine beſtimmte Friſt zur Wieder⸗ „auslieferung feſtgeſtellt ſeyn ſollte, der Depoſitar habe dann »einen Arreſt oder eine Oppoſition wider die Zurückgabe oder „die Verletzung der hinterlegten Sache an einen andern Oit, „in Händen.« Dieſer Artikel ſtimmt mit der T. 1, F. 45 und 46, h. überein. Oui deposuit, quamvis ad tempus, potest mututd voluntate depositum reposcere; quia, wie Faber ſagt, non Shi Sed deposilurio legem dixit. 2o III. Buch. Xl. Lit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte. Kann aber auch der Depoſitar ſich nach Belieben der hinterlegten Sache entledigen? Der Coſſations⸗Hof war in ſeinen Vemerkungen dieſer Meinung; das nehmliche entſchied auch der Artikel 1060 des Geſetzbuches, welches der Prinz Cambaceres entworfen hat. Unſer Artikel ſchweigt indeſſen hievon. Die TT.§, F. 2 und 7, h h. entſcheiden, daß der Depoſitar nicht befugt ſey, ſich des Depoſitums zur Unzeit zu entledigen, nisi e justissimd causd; und dieß nach der bekannten Regel: voluntatis est Suscipere manda- tum, necessitatis consimmare. An dieſen Geſetzen muß man ſich, meiner Meinung nach, halten⸗ Art. 1995.„Ein ungetreuer Depoſitar wird zu der „Rechtswohlthat der Güterabtretung nicht zugelaſſen.« Dieß war auch in der alten Jurisprudenz angenommen⸗ S. die Anmerkungen zum Art. 1270. Art. 1096.»Die Pflichten des Depoſitars hören ohne „Unterſchied auf, wenn er entdeckt und beweiſt, daß die „hinterlegte Sache ihm ſelbſt zugehoͤrt.« Stimmt mit der T. 31, F. 1 M. h überein. Sie ſetzt noch hinzu, er könne das Depoſitum zurückfordern, wenn er es wiedergegeben hätte⸗ Vierter Ab ſchnitt⸗ Von den Pflichten des Deponenten Art. 1947.»Der Deponent iſt ſchuldig, dem Depoſi⸗ „tar die auf die Erhaltung der hinterlegten Sache von ihm ver⸗ „wendeten Koſten zu erſetzen, und ihn für allen Verluſt, „den das Depoſitum ihm verurſacht haben mag, zu ent⸗ » ſchädigen. 6 Art. 1948.» Der Depoſitar iſt berechtiget, bis zu ſei⸗ „ner volligen Befriedigung fuͤr das, was ihm in Hin⸗ „ſicht des Verwahrungs⸗Vertrags gebührt, das anvertraute „Gut zurtckzubehalten.« Dieſe beyden Artikel ſtimmen mit den LL. 5 und 23,„. h. überein⸗ un li. Buch. xI. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Eontraete ꝛc. 11 Fünfter Abſchnitt. Von der abgenöthigten Hinterlegung. Art. 1940.»Eine abgenöthigte Hinterlegung iſt dieje⸗ „nige, wozu man durch irgend einen Zufall, wie z. B. durch *eine Feuersbrunſt, durch Einſturz und Zerſtörung, durch »Plünderung, Schiffbruch oder eine andere unvorgeſehene „Begebenheit gezwungen worden iſt.« Necessitate deponit, hui nullam causam deponendi hahet, quam imminens periculum tunc crescit perſi- diæ crimen utilitate publicd coertendum. T. 1, F. 3 und 4 k. Art. 1950.„Um eine abgenothigte Hinterlegung zu erweiſen, konnen auch Zeugen zugelaſſen werden, ſelbſt dann, »wenn von einem Werthe uͤber hundert fünfzig Franes „die Rede iſt.« S⸗ den Art. 3 Tit. 20 der Ordonnanz von 1667. Bey dieſem Artikel wirft Rodier die Frage auf, wem von beyden, dem Deponenten rder dem Depoſitar, im Falle einer abgenoͤthigten Hinterlegung das Juramentum in htem aufgetragen werden müſſe, um zu wiſſen, worin das Depo⸗ ſitum beſtanden habe. Bey einer Feuers⸗Brunſt, z. B⸗, uͤbergab Peter dem Johann ein Käſichen, und es entſteht die Frage, was darin enthalten war. Entweder, ſagt Rodier, hat Johann eingeſtanden, dieſes Kaͤſtchen empfangen zu haben, oder er hat es geläugnet, uud es iſt durch Zeugen erwieſen worden, daß es ihm einge⸗ haͤndigt worden ſey. Im erſten Falle muß der Eid dem Johann, im zweyten Falle aber dem Peter aufgetragen wer⸗ den, weil Johann ſchon wirklich einer Mnredlichkeit überfuͤhrt iſt. Uebrigens zeigt Rodier ſehr gruͤndlich den Unterſchied⸗ der zwiſchen einem Depoſitar, dem bey einem unvorgeſehenen Ungluͤcks⸗Falle aus Noth etwas in Verwahr gegeben wird, und einem Gaſtwirthe vorhanden iſt, wovon die folgendem Wtikel reden; dieſer treibt ſein Gewerb, um zu gewinnen⸗ W. Mallev⸗ 5 s3 1 Buch. Kl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛe. jener leiſtet bloß den Dienſt eines Freundes, welchen er verweigern kon te. Art. 1031.„Im übrigen wird eine abgenöthigte Hin⸗ „terlegung nach allen den hier oben feſigeſetzten Regeln be⸗ a urtheilt.« Art. 1052.„Wirthe oder Gaſtgeber ſind als Depoſi⸗ tare fuͤr die Effecten verantwortlich, welche ein Reiſender, „pen ſie beherbergen, bey ihnen eingebracht hat. Die Hin⸗ „terlegung ſolcher Effecten iſt als ein abgenöthigtes Depo⸗ „ſitum anzuſehen⸗» S. den Abſchn. 2, Cap. 3 des Titels vom Wieth⸗Con⸗ tracte, und den Art. 4 des Tit. 20 der Ordonnanz von 1667. Da unſer Artikel ſagt, daß die Hinterlegung, die bey den Gaſtgebern geſchieht, als ein abgenöthigtes Depoſitum zan⸗ gſehen werde, ſo gibt er dadurch zu verſtehen, daß der Be⸗ weis durch Zeugen darüber angenommen werden könne; auch in der Ordonnanz hieß es, es ſey ihre Abſicht nicht, in An⸗ ſehung ſolcher Hinterlegungen den Beweis durch Zeugen aus⸗ zuſchli ßen, welcher von dem Richter nach der Beſchaf⸗ fenheit der Perſonen, und den eintretenden That⸗Umſtaͤn⸗ den verordnet werden konnte. Die nehmliche Ausnahme ſetzen alle Schriftſteller der allgemeinen Regel in der Materie vom Beweiſe hinzu. S. Rodier a. a. D. voelche ein Reiſender, den ſie veherbergen, bey ihnen eingebracht hat. Bey einem ähnlichen Ausdrucke, der im ſchon angeführten Art. 4 vorkommt, bemerkt Rodier, daß keinem andern, als Reiſenden, die im Gaſthofe beherbergt erden, der Beweis durch Zeugen erlaubt ſey⸗ Da di Gettung und die Quantität der in den Gaſthof eingebrachten Gegenſtände, hauptſächlich das Geld, welches in einem Felleiſen enthalten war, ſelten durch Zeugen erwie⸗ ſen werden kann, ſo wird in der Praxis dem Reiſenden, bis zum Betrage einer Summe, die der Richter über die Quan⸗ tität des geſtohlenen Geldes, oder ſonſtiger geſtohlenen Effer⸗ ten beſtimmt, das Juramentum in litem aufgetragen. S⸗ — 5 * R te l ———— ———— Iu. Buch Kl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ze. 33 den Art. 1360. Rodier a. a O. Serres, p. 433; Danti in ſeinem Commentar über Boiceau ꝛc. Sogar bemerkt Rodier, daß oft dem Reiſenden auf ſei⸗ nen Eid geglaubt werde, wenn er ſchon keinen Beweis des Diebſtahls beybringt, vorausgeſetzt, daß er a) in ſehr gutem Rufe ſtehe, und b) der Geg— nſtand des Dirbſtahls nicht be⸗ tröchtlich ſey. Das Nehmliche behauptet Rousseau. T*. No. telier n. 6. ²²) Art⸗ 1953.„Sie haſten fuͤr Dieberey oder Beſchädi⸗ „gung an den Effecten der Reiſenden, ſowohl wenn das »Geſinde und diejenigen, welche der Wirthſchaft in dem »Gaſthofe vorgeſetzt ſind, als auch wenn Fremde, die in »dem Gaſthofe aus⸗ und eingehen, den Diebſtahl begangen eoder den Schaden verurſacht haben.» Daß Gaſtwirthe far das Factum ihter Kinder, ihres Hausgeſindes und deren, die ſie der Wirthſchaft vorgeſetzt haben, verantwortlich ſind, iſt keinem Zweifel unterworfen; ausdrücklich verordnet dieſes der F. 3, Inst. de oblig. quæ yuasi er clelicto ob ſie aber auch fuͤr das Factum der uͤbrigen Reiſenden, die im Gaſthofe beherbergt werden, verz antwortlich ſeyen, dieſe Frage war ſchwieriger. Es gibt hier⸗ *) Die Strenge der in dieſem Abſchnitte feſtgeſetzten Regeln iſt uͤbrigens auf die Effecten nicht anwendbar, die Jemand bey ſei, ner Abreiſe aus dem Gaſthofe dem Wirthe zum Aufbewahren zurückläßt. In Anſchung ſolcher Sachen, ſagt Aublet de Mau- huy in ſeinem Praité des depéts p. 206, wird er zu einem frey⸗ willigen Depoſitar, weil dieſes eine bloß freywillege Handlung von Seiten der Parteyen iſt; der Gaſtwirth wird nur Depoſtar, weil er will; das Zutrauen, welches man ihm in dieſem Falle ſchenkt, iſt keine Folge ſeines Gewerbes. Er iſt zu weiter nichts als zu den Verbindlichkeiten eines freywilligen Depo⸗ ſitars gehalten, und wenn über die Zuruͤckgabe des Depe⸗ ſitums Schwierigkeit entſteht, ſo kemmt es einzig auf ſeine Er⸗ klärung an⸗ B⸗ s4 1II. Buch. KXl. Tit. Von dem HinterlegungsContracte ꝛc. über Geſetze, die ſchwer zu vereinigen, und Parlaments⸗Ur⸗ theile, die ſich einander entgegen ſind; unſer Artikel iſt der allgemeinſten Praris beygetreten. S. Rousseau. F. Hötes lier, n. 2. S. ebenfalls den folgenden Artikel. 2) *) Haften Gaſtwirthe auch fuͤr die ung ücks⸗Faͤlle, die den Pferden zuſtoßen, welche ſie in ihre Stalle aufnehmen? Hieruͤber führt Herr Merlin im Repertoire de Jurispr. N. Mommage; folgenden Fall an:„Die Handelsleute Dolle und Favier vertrau⸗ ten während mehrerer Jahre dem Brun ein Pferd an, welcher Pferde und Maul⸗Eſel gegen einen gewiſſen Lohn für jeden Tag, ſowohl für die Bewohner der Stadt als auch für Fremde in ſeinem Stalle beherbergte. In der Nacht vom 6. auf den 7ten May 1776 wurde dieſem Pferde, welches im Stalle an die nehm⸗ liche Raufe hingeſtellt war, woran auch die übrigen Pferde ge⸗ bunden waren, der linke Schenkel durch einen Fußtritt zerbro⸗ chen, den ihm ein nebenſtehendes Pferd gab. Die Kaufleute ließen hierüber durch einen Polizey⸗Commiſſaͤr einen Verbal⸗Pro⸗ zeß abfaſſen, belangten den Brun, und erhielten gegen ihn ein Urtheil, wodurch er angewieſen wurde, ihnen den im Verbal⸗ Prozeſſe beſtimmten Wertb des Pferdes mit 200 Liv. zu erſetzen, falls er es nicht dieulich erachten wuͤrde, das Pferd von neuem durch Sachverſtaͤndige ſchaͤtzen zu laſſen. Brun appellirte von dieſem Urtheile. Ich kaun nicht, ſagte er, für einen unglücks⸗ Fall haften, woran ich nicht Schuld bin. In Grenoble iſt es nicht gebräuchlich, Breiter anzubringen, die die Pferde vonein⸗ ander abſondern; dieſes bezeugen alle Gaſtwirthe. Oft haben ohnehin die Kläger ſelbſt ihr Pferd mitten unter den übrigen in meinem Stalle angebunden, ohne dieſe Vorſichts⸗Maaßregel zu erlangen; die Gefahr des Ausſchlagens haben ſie alſo wohl über⸗ nehmen wollen. Nur in ſo fern köunte das Ereigniß mir zur Laſt gelegt werden, als man mir einige Nachläßigkeit in Betreff der bey Pferden gewohnlichen Sorgfalt vorwerfen könnte; alleiu, ich habe alles gethan, was der Gebrauch mit ſich brachte. Hier tritt alſo die Regel ein: Hes perit domino. So gar geht dieſes aus der T. ult.) ad leg. Auil. hervor, die im Falle eines ge⸗ tiehenen Pferdes entſcheidet, daß der Commodatar für den Fuß⸗ tritt nicht verautwortlich ſey, den das Pferd von einem andern unterweges angetroffenen Pferde bekommen hat; eine Entſchei⸗ dung die auf den Gaſtwirth um ſo mehr anwendbar iſt da er mehr Beguͤnſtigung verdient, als ein Commodatar. In der That, iſt der Leihe⸗Contract gaui zum Vortheile des Commo⸗ M. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete ꝛc. 35 Art. 1954.„Sie haften nicht fuͤr Diebſtaͤhle, die mit »gewaffneter Hand oder ſonſt durch höhere Gewalt veruͤbt „worden ſind.« Stimmt mit der T. 3, F. 1, M nautæ, caup. überein. Es könnte ſcheinen, als wenn aus dieſem Artikel her⸗ vorgienge, daß die Gaſtwirthe für jeden andern Diebſtahl als denjenigen haften, welcher mit bewaffneter Hand oder durch hoͤhere Gewalt verübt worden iſt, ohne daß der Rei⸗ ſende nöthig habe zu beweiſen, wer den Diebſtahl verübt habe; wirklich führen auch Maynard, Z. 8, ch. 83, und Laroche, iv. 6, chap. 57 Parlaments⸗Urtheile an, wo⸗ durch Gaſtwirthe für Diebſtähle verantwortlich erklaͤrt wur⸗ den, welche von fremden Dieben, die des Rachts von außen hereingekommen ſind, waren verübt worden. Freylich tadelt Serres, p. 453 dieſe Entſcheidungen, es ſey dann, daß die Thuͤren oder Mauern des Gaſthofes nicht in gutem Stande datars, wogegen der Contraet, der ſich zwiſchen dem Gaſtwirth und dem Eigenthümer des Pferdes bitdet, für beyde Contrahen⸗ ten in gleichem Maße vortheilhaft iſt: auch erklärt das Geſetz den Commodatar für das leichteſte Verſchulden verantwortlich. Da nun der Commodatar fur das Ausſchlagen des Pferdes nicht verantwortlich iſt, ſo it dieß ein Beweis, daß ein ſolcher Un⸗ glůcksfall nicht einmahl als die Wirkung des leichteſten Verſchul⸗ dens angeſehen wird.— Dolle und Favier ſtützten ſich einzig auf die im Titel der Pandecten und des Coder: Nour, cau- poner, stablard etc. enthaltenen Geſetze, die nur damnum ſnrale iu Gunſten der Gaſtwirthe ausnehmen, welches ſie unmoͤglich vorherſehen und verhindern können, und ſchloſſen hieraus, daß⸗ da das in Frage ſtshende Ereigniß durch ganz einfache Vorſichts⸗ Maßregeln, und die ein kluger Hausvater zu ergreifen ſich zur Pflicht macht, habe verhindert werden koöͤnnen, Brun für ſeine Nachläßigkeit und zwar um ſo mehr haſten müſſe, da er bloß ſeines eigenen Vortheiles wegen, und um deſto mehrere Pferde in ſeinen Stall ſtellen zu können, einen Stand⸗Baum darin an⸗ zubringen unterlaſſen habe. Am 3. December 1776 beſtätigte dieſemnach das Parlament von Grenoble das vorige Urtheil. B. 36 UI. Buch. KI. Lit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte z. wären, oder gar der Wirth einigen Verdacht gegen ſich hätte, daß er Mitſchuldiger ſey. Hier iſt es indeſſen weuiger darum zu thum, was vor Verkundigung des Geſetzbuches entſchieden oder gelehrt wor⸗ den iſt, ſondern es fragt ſich, welches der Sinn der beyden Artikel 1953 und 1954 ſey⸗ Was mich betrifft, ich bin der Meinung, daß der Ausdruck, Fremde, die in dem Gaſthofe aus⸗ und eingehen, ſich auf Diebe, die ſich heimlicher Weiſe in ein Gaſt⸗ haus einſchleichen, nicht auwenden laſſe; daß es aber auch anderer Scite daraus, daß nach dem Inhalte des Art⸗ 1054 die Gaſtwirthe für'die mit bewaffneter Hand verübten Diebſtähle nicht verantwortlich ſind, nicht folge, daß ſie für jeden andern Diebſtahl verantworilich ſeyen. Dieſer Artikel macht nur eine Ausnahme, welche die Regel ſo, wie ſie aufgeſtellt worden iſt, beybehält. Kurz, ich bin der Mei⸗ nung des Serres. * Dvite 6 i Von der Sequeſtration⸗ Erſter Ab ſchnitt.⸗ Von den verſchiedenen Gattungen der Sequeſtration. Art. 1055.„Die Sequeſtration geſchieht entweder zu⸗ vfolge eines Vertrags, oder ſie wird vom Gerichte verordnet⸗ 3 we Ab ſchnitt⸗ Von der Sequeſtration, welche zu Folge eines Vertrags Art. 1956.„Die Segneſtration, welche zu Folge eines „Vertrags geſchieht, iſt die von einer oder von mehrern Per⸗ „ſonen vorgenommene Hinterlegung einer ſtreitigen Sache in «die Hanbe eines Dritten, der ſich verpflichtet, nach geen⸗ „digtem Streite ſie demjenigen wieber auszuliefern, dem ſie geſchieht. zuerkannt wird.« Von einer oder von mehrern perſonen. In der T. 110, F de Ferb. Sgn heißt es im Gegentheile: Sequester dici- tur, dpud quem plures eamdem en ds qud controverstd Es de w 6 wei mng der die Ein hat He ode nic zur III. Buch. Xl. Lit. Von dem Hinterlegungs-Contraete ꝛe. 37 est, deposuerunt. In der That wird auch in dieſem Sinne das Wort in der Praxis verſtanden, und eine Sequeſtration⸗ die bloß von einem der ſtreitenden Theile geſchieht, waͤre wohl anders nichts, als ein bloßes Depoſitum. Art. 1957.»Die Sequeſtration kann gegen oder ohne „Entgeld geſchehen.« Gewöhnlich bekommt der Sequeſter einen Lohn. Art. 1958.„Geſchieht ſie ohne Entgeld, ſo ſteht ſie *unter den Regeln des eigentlich ſogenannten Hinterlegungs⸗ „Contractes, mit Vorbehalt der hier unten ausgedruckten „Abweichungen.« Art. 1959.„Die Sequeſtration kann nicht nur beweg⸗ „liche Sachen, ſondern ſelbſt Immobilien zum Gegenſtande haben. So gar heißt es im eigentlichen Sinne eine Sequeſtration, wenn Immobilien in Verwahr gegeben werden. Art. 1060.„Der Depoſitar, dem die Aufbewahrung «einer ſequeſtrirten Sache anvertraut iſt, kann vor Beendi⸗ *gung des Streits von der übernommenen Verbindlichkeit nur mit Bewilligung aller Intereſſenten oder wegen einer für »rechtmäßig anerkannten Urſache befreyt werden.⸗ Dieſer Artikel'gab zu einer langen Discuſſion Anlaß, weil man ſich nicht recht verſtand. Zwey Perſonen, die auf die nehmliche Sache Anſpruch machen, geben ſie mit beyderſeitiger Einwilligung einem an, dern in Verwahr; ein Dritter kommt daruͤber, und behauptet, die Sache gehöre ihm zu, können die beyden Erſtern ſie ohne Einwilligung dieſes Dritten aus den Haͤnden des Sequeſters zuruͤcknehmen? Zuerſt muß man folgende Fälle unterſcheiden; entweder hat der Dritte beym Sequeſter eine Oppoſition gegen die Herausgabe der Sache, oder einen Arreſt darauf angelegt, oder nicht; im erſten Falle darf Zweifelsohne der Sequeſter nicht ohne Einwilligung des Drirten die Sache den Erſtern zuruͤckgeben; er kann es aber im zweyten Falle. 8 UM. Buch. Kl. Tit. Von dem Hinterlesnugs⸗Contracte ꝛ. Inzwiſchen machte man im zweyten Falle einen fernern Unterſchied, und ſagte: war zur Zeit der Sequeſtration die Streitigkeit über das Eigenthum der Sache ſchon bey Gerichte anhaͤngig gemacht, oder iſt ſie nachher anhän⸗ gig gemacht worden, ſo darf der Sequeſter die Sache nur mit Einwilligung aber Parteyen, oder zu Folge ei⸗ ner Ordonnanz des Richters abliefern. Ein Sequeſter, ſagte man um dieſe Behauptung durchzuſetzen, ein Sequeſter, der mittelſt eines Vertrages angeordnet wird, unterſcheidet ſich von einem gerichtlichen Sequeſter bloß darin, daß der Erſtere von den Parteyen, der Letztere aber vom Richter ernannt wird; wird aber eine ſtreitige Sache in Verwahr gegeben, ſo gehen beyde Sequeſter ebenfalls einen Contract mit der Juſtitz ein, und der Sequeſter, der mittelſt eines Vertrages gngeordnet wurde, wird zu einem gerichtlichen Sequeſter⸗ Man muß alſo in unſerem Artikel auf dieſe zwey Aus⸗ pruͤcke: ſtreitige Sache, und Intereſſenten wohl acht geben; unter dem letztern Ausdrucke hat man nicht nur die Parteyen, die die Sache in Verwahr gegeben haben, ſondern auch die⸗ jenigen verſtanden, denen an ihrer Erhaltung gelegen iſt. Mit der Reinheit der Grundſaͤtze möchte zwar dieſes nicht vollkom⸗ men übereinſtimmen, den Fall ausgenommen, wo eine ge⸗ ſtohlene Sache in Verwahr gegeben worden waͤre; es ſcheint aber, daß man den Artikel auf dieſe Art verſtehen muß. Was übrigens der Artikel ſagt, daß der Sequeſter aus einer rechtmaͤßigen Urſache von ſeiner Verbindlichkeit befreyt werden könne, hierüber ſehe man den Art. 1944. Dritter Ab ſchnitt⸗ Pon der gerichtlich angeordneten Sequeſtration oder Hinterlegung. Art. 1961.» Das Gericht kann befehlen, daß ſeque⸗ ſtrirt werden, 1)„Die bey einem Schuldner gepfändeten Mobilien; 2)„Die unbewegliche oder bewegliche Sache, deren III. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete. 29 „Eigenthum oder Beſitz unter zwey oder mehrern Perſonen „ſtreitig iſt; 3)»b Die Sachen, die ein Schuldner anbiethet, um ſich „von ſeiner Schuld zu befreyen.« Ueber die gerichtlichen Sequeſtrationen ſehe man den Tit⸗ 19 der Ordonnanz von 1667. Beym Art. 1eben dieſes Titels zeigte Bodier noch an⸗ dere Faͤlle an, worin die Richter befugt waren, eine Se⸗ queſtration zu verordnen; dieſe Befugniß, ſagt er, haben ſie z. B. a) in Hinſicht des Brautſchatzes einer Frau, wenn ihr Mann ein Verſchwender iſt, und bis ihre Klage auf Se⸗ paration durch ein Urtheil beendigt wird; b) in Hinſicht einer beweglichen Sache, wenn Verdacht vorhanden iſt, daß der Beſitzer ſie wahrend des Vindications⸗Proze ſſes umſchaffen oder verbergen werde; c) in Hinſicht eines Pferdes oder ei— nes andern verkauften Thieres, waͤhrend des Streites über den Verkauf, oder während der redhibitoriſchen Klage. Mehrere andere Faͤlle, ſetzt Rodier hinzu, gibt es noch, worin den Richtern die nehmliche Befugniß zuſteht, und ich maße mir nicht an, ſie alle aufzuzaͤhlen. Auch heißt es im Art. 2 des angeführten Titels der Drdonnanz, daß die Sequeſtration verordnet werden koͤnne, im Falle die Richter glauben, daß Nothwendigkeit vorhanden ſey, es zu thun. Dieß vorausgeſetzt, bin ich der Meinung nicht, daß die Verfügung unſeres Artikels auf die darin ausgedruckten Fälle durchaus eingeſchränkt werden müſſe. Art. 1962.„Die Anſtellung eines gerichtlichen Ver⸗ wahrers begründet unter demjenigen, der die Pfändung erwirkt „hat, und dem Verwahrer gegenſeitige Pflichten. Der Ver⸗ „wahrer muß für die Erhaltung der gepfändeten Effec⸗ «ten als ein guter Hausvater Sorge tragen. „Er muß ſie zurückliefern, entweder zur Entlaſtung des⸗ jenigen, der die Pfändung bewirkt hat, damit ſie verkauft werden, oder demjenigen Theile, wider den die Execution o II. Buch. Kl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛc. „geſchehen war, wenn die Pfaͤndung wieder aufgehoben wor⸗ den iſt. „Die Verpflichtung deſſen, der die Pfaͤndung bewirkt hat, *beſteht darin, daß er dem Bewahrer den im Geſetze be⸗ „ſtimmten Lohn auszahle.« Ueber die wechſelſeitigen Verbindlichkeiten des Sequeſters, und deſſen, der die Pfändung bewirkt hat, muß man den Tit. 20 der Drdonnanz nachſehen.*) Art. 1963.„Die von Gerichts wegen ſequeſtrirte Sache „wird entweder einer Perſon anvertraut, welche die Intereſ⸗ „ſenten gemeinſchaftlich gewaͤhlt haben, oder einer Per⸗ ſon, welche der Richter von Amts wegen hiezu ernannt hat. „In einem wie im andern Falle hat derienige, dem die „Sache anvertraut worden iſt, alle die Verpflichtungen zu *erfüllen, welche die vertragsmäßige Sequeſtration mit „ſich führt.» Wird der Sequeſter von den Parteyen ernannt, ſo ſteht es ihnen frey, dazu dieſe oder jene Perſon zu wählen, die ſie fuͤr gut finden; ernennt ihn aber der Richter von Amts wegen, ſo darf er, nach dem Art. 5 des angeführten Tit⸗ 20 keinen ſeiner Verwandten oder Verſchwaͤgerten, bis zum Grade der Geſchwiſter-Kinder einſchließlich, dazu ernennen, und zwar unter Strafe der Nichtigkeit, einer Geldbuße von 100 Liv., und, falls der Sequeſter inſolvent ſeyn ſollte, den Parteyen für Schaden und Intereſſe perſönlich zu haften⸗ *) Was die Hüter(Gardiens) betrifft, die über gepfaͤndete Mobi⸗ lien angeſtellt werden, ſehe man die Art. 396 397 598 600, 6037 604 605 und bos des Geſetzbuches dr. V. i. C. S. B. 6 65 fü He pe et LI. Buch. XlI. Tit. Von gewagten Geſchaͤften ꝛc. 91 5 lßten Titel. Von gewagten Geſchaͤften, Gluͤcks- oder Boff⸗ nungs⸗Vettraͤgen. (Decr. den 10. Maͤrz 130. Promulgirt den 26. des nehml. Mon.) (S. den Tit⸗ 5 des B. 11 der Pandecten, und den Tit. 43 des B. 3 im Codex.) Art. 1964.„Ein Glücks⸗oder Hoffnungs-Vertrag iſt eine gegenſeitige Uebereinkunft, deren Wirkungen, in An⸗ „ſehung des Gewinns und Verluſtes, entweder für alle Par⸗ *teyen oder für eine oder mehrere aus ihnen von einer unge⸗ »wiſſen Begebenheit abhangen. „Dergleichen ſind, Der Aſſecuranz⸗Contract; Das Darlehen auf Bodmerey; Das Spiel und die Wette; Der Leibrenten⸗Contract. „Die beyden erſten werden nach den Seegeſetzen beurtheilt.*) S ſtes n itel. Von dem Spiele und der Wette. Art. 1965.„ Das Geſetz geſtattet keine Klage wegen einer Spielſchuld oder wegen Zahlung einer Wette.⸗ Dieſer Artikel ſtimmt mit der alten Jurisprudenz uͤberein. S. Rousscau, V. Gageure und die daſelbſt von ihm ange⸗ führten Schriftſteller. Die römiſchen Geſetze giengen weiter, und verbothen bey Hazard⸗Spielen um Geld zu ſpielen. Fenatus- Consultum vetuit in pecuniam ludere,(T. 2, F. I, M de aleatorib.) er ponsionem facere. T, 3, eod. Nur erlaubten ſie um *) Ueber die Bodmerey⸗ und Aſſceuranz⸗Contracte ſehe man die Tit.§ und 10 des B. 2 des Handlungs⸗Geſetzbuches. B 92 III. Buch. XI). Tit. Von gewagten Geſchäften ꝛe. etwas zu ſpielen, was gegeſſen wird, quod in convivio ves- cendi causd ponitur. T. ult. H eod, Die einzige Ausnahme, die man vom allgemeinen Ver⸗ bothe um Geld zu ſpielen, annahm, iſt diejenige, die man im folgenden Artikel antrifft, und die noch uͤberdieß ſehr be⸗ ſchränkt iſt. Unſere alten Ordonnanzen ſtimmten mit den römiſchen Geſetzen uͤberein; jene von 1629 insbeſondere, erklärte alle Spiel⸗Schulden, ſo wie auch alle Verbindlichkeiten und Schuld⸗Bekenntniſſe, die auf der nehmlichen Urſache beruh⸗ ten, für nichtig, ſie mochten uͤbrigens eingekleidet ſeyn, wie ſie immer wollten. Dieſen letztern Ausdrücken gemaͤß wurde angenommen⸗ man könne durch Zeugen beweiſen, daß ein Schuldſchein, wenn er auch die Summe von 100 Liv. uͤberſtieg, aus einer Spiel⸗Schuld herruͤhre, um ihn dieſem zu Folge für nichtig erklären zu laſſen. Im Journal des audiences findet man hieruͤber ein Urtheil des Parlementes von Paris vom Zo. Julius 1693, und bey Lapeyrère, V. Jeu ein anderes, wo⸗ durch das Parlament von Bordeaur das Nehmliche entſchie⸗ den hat. Herr Portalis ſagt in ſeiner Rede ans Geſetz⸗ gebungs⸗Corps, daß eben dieſes auch noch wirklich Statt haben müſſe. Art. 1966.„Spiele, die dazu geeignet ſind, um im „Gebrauche der Waffen zu üben, Wettrennen zu Fuß oder „zu Pferde, das Wettfahren, das Ballſpiel, und andere „gleichartige Spiele, wobey es auf Gewandtheit und xeibes⸗ „Uebung ankommt, ſind von der vorhergehenden Verfügung nausgenommen. „Das Gericht kann gleichwohl die Klage verwerfen, wenn ihm die Summe uͤbermaͤßig zu ſeyn ſcheint.» Das war auch ehemahls in der Praris angenommen, wie Rousscau, Pespeisses, Mornac, etc. bezeugen. Bey den Roͤmern war indeſſen die Summe, um welche man ſogar bey dieſen Spielen ſpielen durfte, beſtimmt. Modo ſ M. Buch. Xll. Tit. Von gewagten Geſchäften ꝛe. 93 ditiores non ulträ unum numisma ad singulos congresaus aut vices... Cateri minori pecunid. T. 1, Cod. de aleat. Unſer Artikel ſagt übrigens nicht, was man wohl be⸗ merken muß, das Gericht ſey befugt, den Gegenſtand der Klage, wenn er ihm übermäßig zu ſeyn ſcheint, herabzuſe⸗ tzen, ſondern es könne die Klage verwerfen.*) Art. 1067.„In keinem Falle kann der verlierende Theil das, was er freywillig gezahlt hat, zuruͤckfordern, es habe »dann von Seiten des Gewinnenden eine Argliſt, Betrug „oder Gaunerey Statt gefunden.» Dieſes iſt gegen die ſchon angeführte Z. 1, Cod. welche nicht nur erlaubte, das Gezahlte zurückzufordern, ſondern ſogar vorſchrieb, daß, wenn der Verlierende es nicht zuruͤck⸗ forderte, der Viſchof oder der Vorſteher der Stadt es zum Vortheile der Armen thun ſollten. Uebrigens lehrt zwar Lapeyrère, lett. T, n, 1. nach der Meinung Schneidewins, wenn ein Domeſtik das ſeinem Herrn zugehoͤrige Geld im Spiel verliere, ſo ſey der Herr befugt, es von dem, der es gewonnen hat, wiederzufordern; allein dieſe Entſcheidung kann heut zu Tage nicht mehr be⸗ folgt werden⸗ Zweytes Capitel. Von dem Leibrenten-Contracte. Erſter Abſchnitt⸗ Von den Bedingungen, welche zur Gültigkeit des Contractes erforderlich ſind. Dieſer Eontract wurde unter zwey Geſichts⸗Punkten, der Moral nehmlich und der Staats⸗Wirthſchaft, ſtark getadelt; *) Iſt die Summe übermäßig, ſo hatte man weniger die Abſicht, ſeine Geſchicklichkeit in einer nuͤtzlichen Uebung zu zeigen, als ſich auf Koſten derjenigen, gegen die man ſpielte, zu bereichern. Man ſehe übrigens bey dieſer Materie den Traité du Jeu voß Barbeyrae, und jenen des Contrats aleatoires von Pothier 94 m Buch. Xl. Lit. Von gewagten Geſchaͤften ꝛc. in der erſten Hinſicht ſagte man, er beguͤnſtige den Egvismus und die Faulheit; und in der zweyten Hinſicht wurde bemerkt, er biethe einem Menſchen die Mittel dar, zum Voraus dasje⸗ nige aufzuzehren, was zum Unterhalte einer Familie dienen müſſe. Herr portalis rechtfertigte ihn indeſſen, indem er bemerkte, man muͤſſe ihn zuverlaͤßig verwerfen, wenn er nur ähnliche Wirkungen hervorbraͤchte; dagegen ſinde aber auch das dürf⸗ tige Alter, und der in ſeinen Gluͤcks⸗Speculationen betro⸗ gene Ungluͤckliche eine Hülfs⸗Quelle in ihm; uͤberdieß ſey dieſe Contract ein neues Erwerbungsmittel, und jedem müſſe man die Freyheit laſſen, ſein Vermdgen ſo zu gebrauchen, wie es ihm am nützlichſten zu ſeyn ſcheine. Hier iſt, wie man leicht einſieht, der Ort nicht, eine Frage von ſolcher Wichtigkeit gründlich abzuhandeln. Art. 1968.»Eine Leibrente kann unter einem löſtigen „Titel(gegen Entgeld) für eine Summe Geldes, oder für „eine bewegliche Sache, die ſich zu einem Werthe anſchla⸗ „gen laßt, oder für ein liegendes Gut errichtet we'den.« Art. 1969.»Sie kann ebenfalls unter einem durchaus „wohlthätigen Titel, durch eine Schenkung unter Lebenden „pder durch Teſtament beſtellt werden. Alsdann ſind aber „die von dem Geſetze vorgeſchriebenen Formen hiebey zu „beobachten.« 5 D. h. die Urkunde, wodurch die Rente errichtet wird, muß mit den für die Schenkungen unter den Lebenden, oder für die Teſtamente vorgeſchriebenen Formalitäten verſehen werden. „In dem Falle des vorhergehenden Artikels Art. 1970. wenn ſie den „iſt die Leibrenute der Reduction unterworfen, „Theil des Vermögens überſteigt, worüber zu verordnen er⸗ „laubt iſt; ſie iſt ungültig, wenn ſie zum Vortheile einer „Perſon beſtellt wird, die unfähig iſt ein Vermächtniß oder „eine Schenkung zu empfangen⸗“ Art. 1971.» Die Leibrente kann auf die Lebenszeit „desjenigen, der dafür den Preis hergibt, oder auf die Le⸗ M. Buch. Xll. Tit. Von gewagten Geſchäften ꝛc. 65 »benszeit einer dritten Perſon, die zu ihrem Genuſſe kein »Recht hat, errichtet werden.« D. h. ich kann ausbedingen, daß mir eine Rente ſo lange ausbezahlt werden ſoll, als der Peter z. B. leben wird. Art. 1972.„Sie kann auf die Lebenszeit einer oder „mehrerer Perſonen beſtellt werden.« Art. 1973.»Sie kann zum Vortheile eines Dritten „beſtellt werden, obſchon eine andere Perſon den Preis da⸗ „für hergegeben hat.« »In dieſem letztern Falle iſt ſie, obſchon ſie die Merk⸗ »mahle einer Freygebigkeit hat, den Formen nicht unterwor⸗ »fen, welche bey Schenkungen erfodert werden, jedoch mit »„Vorbehalt der im 1970. Artikel ausgedruckten Fälle, wo »eine Reduction öder Nichtigkeit eintritt.« Vom letzten Theile dieſes Artikels läßt ſich keine andere Urſache angeben, als weil man es ſo gewollt hat, sic„o- luere patres;*) in der That ſind alle dieſe Regeln, wie Herr Portalis ſagt, alt, und man hat ſie bloß wieder erneuert. Die urſache des unterſchiedes, warum im Falle des vorliegenden Artikels der Leibrenten⸗Contraet den bey Schenkun⸗ gen erforderlichen Formalitäten nicht nnterworfen iſt, wohl aber im Falle des Art. 1969, entwickelt inzwiſchen Herr Simeon Cehemahliger) Tribun,(jetzt k. k. Staats⸗Rath, und proviſori⸗ ſcher Miniſter der Juſtitz und des Innern im Königreiche Weſt⸗ phalen) in ſeinem dem Lribunate über dieſen Titel abgeſtatteten Berichte auf folgende Art:»Es iſt weſentlich zu bemerken, ſagt er, daß die Verfuͤgung des Art. 1073 mit jener des Art 1969 gar nicht im Widerſpruche ſtehe. Im Art. 1969 iſt die Rede von einer Rente, die jemand ſich ſelbſt, oder ſeine Erben ver⸗ pflichtet, einer Perſon, die ſie nicht kauft, auszuzahlen. Man ſchenkt oder vermacht ihr eine Leibrente; da in dieſem Falle kein anderer Contract als eine Freygebigkeit vorhanden iſt, ſo muß man die Formalitäten der Schenkungen oder der Vermächtniße beobachten. Im Falle des Art. 197 aber iſt die Freyge bigkeit nur das Acreſſorium eines andern Contractes, nehmlich des 96 m. Buch. XI!. Tit. Von gewagten Geſchäften ꝛ6. urt. 1974.„Jeder Leibrenten-Contract, der auf die „Lebenszelt einer Perſon geſchloſſen worden, die am Tage „des Contractes ſchon todt war, iſt ohne alle Wirkung.⸗ Weil in dieſem Falle der Contract keine Urſache hat, worauf er beruht. Art. 1975.»Eben ſo verhält es ſich mit dem Con⸗ „tracte, wodurch eine Leibrente auf die Lebenszeit einer Per⸗ „ſon verſprochen wurde, die von eben der Krankheit befallen „war, woran ſie in zwanzig Tagen nach Abſchließung des „Contractes geſtorben iſt.⸗ Wenn die Eontrahenten gewußt haͤtten, daß die Krank⸗ heit ſo ſchwer ſey, ſo wuͤrde, wie Herr Portalis ganz rich⸗ tig ſagt, die Leibrente nicht verſprochen worden ſeyn, denn eine ſolche Rente, die auf die Lebenszeit eines Sterbenden verſprochen wird, iſt von keinem Werthe; nun iſt aber da, wo Irrthum unterläuft, keine wahre Einwilligung vorhanden⸗ um indeſſen dieſen Artikel in Anwendung bringen zu können, muß die Perſon wirklich mit der Krankheit behaftet ſeyn, woran ſie binnen zwanzig Tagen von jenem des Con⸗ tractes angerechnet geſtorben iſt; denn wenn ſie ſich damahls wohl befand, ſo thut es nichts zur Sache, wenn ſie ſchon binnen dem feſtgeſetzten Zeitraume geſtorben wäre.*) Ankaufes der Rente zum Vortheile eines dritten Zwiſchen dem⸗ jenigen, der den Preis hergibt, und dem, der ſich zur Zahlung der Rente verbindet, geht ein wahrer Verkauf vor ſich. Dieſen Contract beurtheilt man alſo nach den Regeln des Verkaufes nicht nach jenen der Schenkungen.“ B⸗ dann eintrete, wenn der ſie ſelbſt errichtete den iſt, und folglich wenn der Conſtituent em Contraete an der *) Daß die Verfügung dieſes Artikels auch die Rente auf die Lebensjeit desjenigen, oder ſich verſprechen ließ, verſprochen wor der Contraet keine Wirkung hervorbringer der Rente binnen zwanzig Tagen nach d der Krankheit ſtirbt, womit er damahls behaftet war, dieß entſchied der Appellations⸗Hof von Rouen am 5. Jänuer 1603 in der Eachs Le Prevoſt wider Manoury. Jurispr. de la Cour ds m. Buch. An, Tit. Von gewagten Geſchäften 1. 55 Art. 1976.»Die Leibrente kann nach jedem Verhölt⸗ vniße beſtimmt werden, welches die Contrahenten fär gut »finden.« Dieß iſt eine der Grundregeln des Leibrenten⸗Contractes, und wodurch er ſich von andern Cantracten unterſcheidet. Unter dem Vorwande einer Verletzung oder de⸗ Wuchers kann er nicht vernichtet werden: in der That iſt auch die resciſſoriſche Klage gegen Glücks⸗Verträge immer propter incertum even- lum verweigert worden. Im Jourtal du Palais findet man hieruͤber ein Parlaments-Urtheil vom 26 Auguſt 1687. 3 weytet Abſchnitt. Von den Wirkungen des Contractes unter den Contrahenten Art. 1977.»Derjenige, dem gegen Zahlung eines „gewiſſen Preiſes eine Leibrente verſprochen worden iſt, „kann. auf Auflöſung des Contractes antragen, wenn ihm „der verpflichtete Theil diejenige Sicherheit füt deſſen Voll⸗ »zichung nicht verſchafft, die dabey aus bedungen worden iſt⸗ Man hat die Frage aufgewörfen, db der Gläubiger, der den Contract aufheben läßt, die bezogenen Renten zuruͤck⸗ geben müſſe; der Appellatione⸗Hof von Montpellier war der Meinung, der Glaͤubiger müſſe dasjenige zurückgeben, was er über die gewöhnlichen Zinſen empfangen hat; jener von Caen war der entgegengeſetzten Meinung. Ich pflichte der Cass. 18ds im Anhange p. 72 2. f. Dagegen nahm aber auch der Appellations⸗Hof von Grenoble am F. Fructidor 12 F (a3 Auguſt 180) in der Sache der Erben Euphroſina Jeune wider Berlioz an, daß der Leibrenten⸗Contrart dem vorliegen⸗ den Artikel zu Folge bey ſeiner Kraft verbleibe, wenn derjeni⸗ ger der ſich die Leibrente auf ſeine Ledepszeit verſprechen ließ, zwanzig Tage überlebt, falls er auch nachher an der nehm⸗ lichen Krankheit ſterben ſollte, womit er zur Zeit des Contrae⸗ tes behaſtet war. Jurispr. de la Cour de Cass. KlII. im Au⸗ hange p. 49 uf. W. 5½ m. Vuch. Lll. Tit. Von gewagten Geſchäften ꝛc. Meinung des Appellations⸗Hofes von Montpellier bey. Was iſt nehmlich die Leibrente anderſt, als der Preis des veräu⸗ ßerten Capitals? Iſt aber mein Verkäufer deßwegen, weil ich ihm die verſprochene Sicherheit nicht verſchaffen kann, und er dieſem zu Folge den Contract aufloͤſen läßt, berech⸗ tigt, einen Theil des Preiſes zurückzuhalten, den ich ihm ſchon bezahlt habe? Anderſt verhaͤlt es ſich mit dem Scha⸗ den und entbehrten Gewinn, der zum Nachtheile des Glaͤu⸗ bigers der Rente oder des Verkäufers aus der Nicht⸗Erfüllung meines Verſprechens allenfalls entſpringen konnte; dieſen Schaden und entbehrten Gewinn bin ich freylich zu erſetzen ſchuldig, und bloß deßwegen kann der Cläubiger zur Ein⸗ behaltung der gezogenen Renten berechtigt ſeyn⸗ Art. 1078.»Der Umſtand allein, daß man die fälli⸗ „gen Termine der Rente nicht zahlt, gibt demjenigen, dem „ſie verſprochen worden, kein Recht, die Wiedererſtattung „des Capitals zu fordern, oder in den Beſitz des von ihm „veraͤußerten Grundſtuͤckes wieder einzutreten⸗ Er iſt nur „berechtiget die Güter ſeines Schuldners in Beſchlag zu le⸗ „gen und verkaufen zu laſſen, und darauf anzutragen, daß „die Anlegung einer zur Zahlung der Rente hinreichenden „Summe aus dem eingegangenen Kauſpreiſe entweder be⸗ „fohlen oder verwilliget werde.« Dieſen Artikel hat Herr portalis gerechfertigt, indem er ſagte, daß, wenn es ſich anderſt verhielte, keine Feſtigleit bey den Contracten ſeyn würde, und daß man auf ihre Nichtigkeits⸗Erklärung dann nicht antragen müſſe, wenn man nur das Rechr hat, ihre Vollziehung zu verlangen⸗ Uebrigens ſagte man, es müſſe den Parteyen frey ſtehen auszubedingen, daß, wenn die Rente nicht gezahlt würde, der Glaubiger befugt ſeyn ſollte, ſein Capital zurtickzn⸗ nehmen! dieſer Satz wurde nicht widerſprochen, ſogar wurde er zur Section hinverwieſen; nachher iſt er aber nicht mehr zum Verſchein gekommen. Meines Erachtens verbiethet un⸗ — Ul. Buch. Fll. Tit. Von gewagten Seſchaͤften ze. 55 ſer Artikel eine ſolche Stipulation nicht, unbeſchadet jedoch der beym Art. 1977 gemachten Anmerkung. 2) Art. 1979.»Wer die Rente verſprochen hat, kann ſich »von ihrer Zahlung dadurch nicht befreyen, daß er ſich an⸗ »biethet, das Capital zu erſtatten, und auf die Zurückfor⸗ »forderung der ſchon fällig gewordenen und bezahlten Ter⸗ „mine Verzicht zu thun. Bis zum Abſterben der Perſon „oder der Perſonen, auf deren Lebenszeit die Rente trrichtet »war, iſt er verbunden, ſie fernerhin zu zahlen, wie lange „auch dieſe Perſonen leben mögen, und wie laͤſtig auch im⸗ *mer die Zahlung der Rente geworden ſeyn mag.« Dieſer Artikel wurde beſtritten; es iſt keine Urſache vor⸗ handen, ſagte man, warum man den Schuldner verhindern ſoll, ſich mittelſt Zurückgabe des empfangenen Capitals von ſeiner Verbindlichkeitzu befreyen; und— wuͤrde nicht ein ſol⸗ ches Verboth die Glaͤubiger in eine gar zu harte Lage ver⸗ ſetzen, wenn der Schuldner in der Folge fallirte? Wollte man das Gegentheil entſcheiden, gab man in⸗ deſſen zur Antwort, ſo würde man die Natur des Contrac: tes verändern; der Gläubiger hatte ja nur die Abſicht, eine Leibrente zu erwerben, und ſeine Lage muß ſich durch das nachherige Betragen ſeines Schuldners nicht verſchlimmern; moͤglich waͤre es überdieß, daß die hinzugekommenen Verän⸗ derungen im Preiſe des Geldes, oder des Zeichens, welches es repräſentirt, zur Folge hätten, daß der Gläubiger nicht ohne Verluſt befriedigt werden könnte⸗ *) Daß der vorliegende Artikel auf eine vor der Verkündung des Geſetzbuches angeſtellte Klage auf Aufhebuns des Contractes we⸗ gen Nicht⸗Zahlung der Leibrente nicht anwendbar ſey, entſchied der Appellations⸗Hof von Bordeaux am 9. Pluvioſe 13 F.(29. Jänner 1305) in der Sache Gauffreteau wider Derives, und die HSeetion des requétes verwarf au ta. Jänner 1307 das gegen dieſes Urtheil eingelegte Caſſativns⸗Geſuch. Jurispr. de Cour de Cass. 1507. p. 45 u. f. P. 1oo U. Buch. ElI. Tit. Von gewagten Geſchaͤften ꝛe. Art. 1980.»Die Leibrente gebührt dem Eigenthümer „nur im Verhaͤltniß zu der Anzahl der Tage, die er ge⸗ „lebk hat.« „War man aber übereingekommen, daß ſie zum Voraus „gezahlt werden ſollte, ſo bat er ein Recht auf den Ter⸗ „min, der gezahlt werden ſollte, von dem Tage an, da die „Zahlung hätte erfolgen müſſen.* Ehemahls war dieſe Frage ſehr ſtreitig; gewohnlich machte man zwiſchen Leibrenten, die in einem Teſtamente errichtet worden waren, und zwiſchen jenen einen Unterſchied, die mittelſt eines Contractes waren errichtet worden; in Hinſicht der erſten war man der Meinung daß ſie gleich von An⸗ fang des Jahres gebührten, und ganz gefordert werden könn⸗ ten, wenn ſchon der Legatar nur während eines Theils die⸗ ſes Jahres gelebt hätte; was aber die zweyten betrifft, be⸗ hauptete man, daß ſie nur nach Verhältniß der Zeit ge⸗ bührten. Man ſehe über dieſe Frage Serres p. 463. Dieſer Schriſtſteller behauptete, daß die Rente ohne Unterſchied ganz gebuͤhre, ſo bald das Jahr ſeinen Anfang genommen habe. Zwiſchen dieſen verſchiedenen Meinungen hat unſer Artikel einen klugen Mittelweg eingeſchlagen⸗ Art. 1081.»Man kann ſich nur dann ausbedingen, „daß eine Leibrente keinem Arreſte unterworfen ſeyn ſoll, „wenn ſie unter einem wohlthaͤtigen Titel,(ohne Entgeld) „verſprochen worden iſt.“ Die Urſache hievon iſt dieſe, weil derjenige, welcher eine Schenkung macht, ihr jede Bedingung, die er für gut findet, hinzufügen kann; wer ſich aber mit ſeinem Capital eine Rente errichtet, iſt nicht befugt, ſeinen Glaͤubigern zu ſchaden. Art. 1982.»Eiue Leibrente erliſcht nicht durch den buͤrger⸗ „ſichen Tod desjenigen, dem ſie gebührt; ſo lange er wirk⸗ „lich im Leben bleibt, muß mit der Zahlung fortgefahren „werden. 6 Wem muß die Rente während der Doner des bürgerli⸗ chen Todes bezahlt werden? In unſerem Entwurfe hatten III. Buch. XIIl. Tit. Ven dem PVollmachts⸗Contraete. 101 wir geſagt; ſeinen Erben; allemahl verſteht ſich dieß aber unter dem Vorbehalte, daß ſie dem Verurtheilten ſo viel davon zukommen laſſen, als nothwendig iſt, um ihm ſein Schickſal erträglich zu machen, und ſein Elend zu lindern. S. die Anmerkung zum Art. 617. Art. 1983.»Derjenige, dem eine Leibrente gebührt, »kann die fälligen Termine nur dann fordern, wenn er beweiſet, »daß er oder diejenige Perſon noch im Leben iſt, auf deren „Lebenszeit die Rente verſprochen wurde.« Dreyzehnter Titel. Von dem Vollmachts⸗Contracte. (Deeret. den 10. März 1304. Promulg. den 20. des nehml. Mon.) (S⸗ die Tit. 3 des B. 3, und 1 des B. 17 der Pan⸗ decten, und die Tit. 13 des B. 2, 25 des B. 4, und 41 des B. 8 im Coder. Auch in den Inſtitutionen iſt ein eigener Titel de mandato.) Erſtes Capitel. Von der Natur und der Form des Vollmachts⸗Contractes. Art. 1984.»Der Auftrag oder die Vollmacht iſt eine »Handlung, wodurch jemand eine andere Perſon ermächtiget, et⸗ »was für ihn den Machtgeber, und in ſeinem Nahmen zu „thun.* »Der Contract kommt erſt durch die Annahme des Be⸗ „vollmächtigten zu Stande.« In den Inſiltutionen werden fünf Arten von Vrllmach⸗ ten oder Aufträgen, die jemand gibt, voneinander unterſchie⸗ den, nehmlich; die jemand bloß ſeines eigenen Vortheiles wegen gibt, und dieß ſind die gewöhnlichſten, Sud tantuen gratiä; ſeines und des Vortheiles des Bevollmaͤchtigten mes gen, Sud et tud, zum Vortheile eines dritten, aliend tan- tüm, zu ſeinem Vortheile und zu jenem eines deitten, auc et alienä; zum Portheile des Bevollmäͤchtigten und zu 1e I. Buch. XlII. Tit. Bon dem Vollmachts⸗Contraete eines dritten, tuck et alienä; endlich zum Vortheile des Be⸗ vollmaͤchtigten allein, tud tantum. Juſtinian gibt in den vier erſten F§. dieſes Titels Bey⸗ ſpiele von dieſen verſchiedenen Gattungen von Aufträgen an, bemerkt aber dabey, daß ein Auftrag, welcher zum Vor⸗ theile des Bevollmächtigten allein gegeben wird, unnütz ſey, und weder eine Klage noch eine Verbindlichkeit hervorbringe, und daß es nur ein einfacher Rath ſey, wofür niemand ver⸗ antwortlich iſt, es ſey dann, daß er argliſtiger Weiſe dabey zu Werk gegangen ſey⸗ So lautet auch wirklich die q7ſte der Rechts⸗Regeln: consilii non fraudulenti nulla ohligatio est; sed vi dolus et calliditas intercessit, de dolo actio competit. Was Juſtinian vom Rathe ſagt, iſt ebenfalls auf die Empfehlung anwendbar,. 12, F. 12, mandati. Habe ich Ihnen alſo jemanden mündlich oder ſchriftlich anempfoh⸗ len, ſo bin ich doch deßwegen fuͤr das Darlehn nicht verant⸗ wortlich, welches ſie ihm gegeben haben, wenn ich mich übrigens dazu nicht anheiſchig gemacht habe⸗ Serres, Eben ſo hafte ich fuͤr das Darlehn nicht, weil ich Ih⸗ nen etwa geſagt habe, daß dieſer oder jener meiner Meinung nach Zahlungs⸗Mittel beſitze, und weil ich Ihnen rathe, ihm Geld vorzuſchießen. Aber, wenn Sie mir den Auftrag gege⸗ ben hätten, mich zu erkundigen, ob dieſer oder jener Zah⸗ lungs⸗Vermögen beſitze, und ich Ihnen geantwortet hätte, daß er deſſen habe, obſchon ich wußte, daß er keines hatte, ſo würde ich fuͤr das Darlehn haften, und noch um ſo ge⸗ wiſſer dann, wenn ich mit dem Anleiher einverſtanden war, und von der gelehnten Summe Nutzen gehabt habe. P. 10, §. 7 mandati; F. 8, H de dolo malo; Rousseaud, v. Probureur, Sect. Z,. Z⸗ Art. 1085.»Eine Vollmacht kann entweder durch ei⸗ „nen oͤffentlichen Act, oder in einer Urkunde unter Privat⸗ „Unterſchrift, ſelbſt in emem Briefe ertheilt werden. Man UII. Buch. XII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contraete. 1e3 »kann ſie auch mündlich geben; allein ein Beweis durch „Zeugen wird heruͤber bloß nach den Beſtimmungen zuge⸗ „laſſen, die im Titel von Contracten oder von Rechten »und Verbindlichkeiten, die aus Pertroͤgen entſpringen, „im allgemeinen, enthalten ſind.« »„Die Annahme einer Vollmacht kann auch ſtillſchweigend »geſchehen, und aus der rom Bevollmächtigten vorgenom⸗ „menen Vollziehung derſelben entſpringen.« Gemeiniglich wird ſo gar die Vollmacht erſt durch die Vollziehung des Auftrages von Seiten des Bevollmaͤchtigten angenommen. Art. 1986.„ Der Vollmachts⸗Contract gibt kein Recht »auf Belohnung,'wenn nicht das Gegentheil ausbedungen „worden iſt.« Mandatum originem ofcio atyue trahit· T. 4, mand. Sciendum est, mandatum nis gratuium Sit, in aliam Fformum negoti cadere§. 13, inst. h. D. h. in einem Mieth⸗Contract. Der Vollmachts⸗Contract iſt ſeinem Weſen ach ſo ſehr unentgeldlich, daß a) nach der Entſcheidung der F. 56, F. 3 F. nandati ein Be ollmächtigter, der ſich keinen Lohn ausbedungen hat, auch keinen fordern kann, und b) nach der T. 17, cod. eòd ſelbſt dann nicht, wenn der Mandant ihm eine Vergeltung verſprochen hätte, ohne ſie jedoch auf eine gewiſſe Summe feſtzuſetzen, incertd pollicitatione. An dieſer letztern Entſcheidung moͤchte ich jedoch ſehr zweiflen. Art. 1987.» Die Vollmacht iſt entweder eine beſon⸗ dere und auf ein oder auf gewiſſe Geſchäfte allein be⸗ „ſchränkt, oder eine allgemeine und für alle Geſchäfte des „Moachtgebers.« Art. 1988.»Eine Vollmacht, die in gllgemeinen Aus⸗ „drücken abgefaßt iſt, erſtreckt ſich nur. auf Handlungen„ »die zur Verwaltung gehören⸗ ————— — 104 UI. Buch. Xlll. Dit. Von dem Vollmachts⸗Contraete. „Iſt von Veraͤußern, von Verpfaͤnden oder von irgend „einer andern Handlung, die nur aus dem Eigenthum „fließt, die Rede, ſo muß die Vollmacht ausdruͤcklich dahin „ſprechen.« Herr Berlier hat, als er dieſen Titel dem Geſetzgebungs⸗ Corps vorlegte, die zwey allgemeinſten Formen einer Voll⸗ macht angeführt, nehmlich die Befugniß, alles das zu thun, was der Bevollmaͤchtigte dem Intereſſe des Committen⸗ ten angemeſſen erschten wird, oder alle Handlungen vor— zunehmen, die der Commtttent ſelbſi verrichten koͤnnte. Sogar in dieſen beyden Faͤllen, ſagte er, muß ſich die Voll⸗ macht auf bloße Handlungen einſchraͤnken, die zur Vetwal⸗ tung gehdren. So heißt es auch a) in der L. 16, cod. de Procur. und 63, N edd., der Bevollmuaͤchtigte dürfe nicht veräußern, ausgenommen jene Sachen, welche verderben könnten, wie z. B. Fruͤchte, und ſonſtige dem Verderben unterworfene Mobiliar-Gegenſtuͤnde; P) in der FT. 6, h eöd., er ſey nicht befugt, ſich zu vergleichen, noch Schiedsrichter zu wahlen. Ferner kann er e) nach der Lehre der Rechtsgelehrten, keinen Eid deferiren, noch d) ſeinen Committenten ſo zu etwas verbinden, daß er zu deſſen Erfüllung mittelſt perſön⸗ lichen Arreſtes angehalten werden könnte, es ſey dann, daß er hiezu mit einer beſondern Vollmacht verſehen ſey. Des- peisses, und die(tom. 1, p. 166.) von ihm augeführten Schriftſteller. Wer zu verkaufen bevollmaͤchtigt iſt, hat dieſer auch Vollmacht den Kaufpreis in Empfang zu nehmen? Rous- seaud entſcheidet, v. Procureur, sect, 2, n. 10, und zwar nach der Lehre des Fachin, dieſe Frage mit Ja. Meines Cachtens kommt es auf folgenden Unterſchied an; entweder ſollte der Verkauf gegen bare Zahlung geſchehen, oder nicht; im erſten Falle hat der Bevollmächtigte das Recht, den Kauſpreis zu empfangen; nicht aber dann, wenn die „ „ de MI. Buch. XlII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte. 10 Zahlnng des Kaufpreiſes auf einen gewiſſen Termin ge⸗ ſtellt wird. Art. 1989.»Der Bevollmächtigte darf nichts unter— „nehmen, was nicht in ſeiner Vollmacht enthalten iſt. Un⸗ nter der Vollmacht ſich zu vergleichen, iſt der Auftrag ſich »einem ſchiedsrichterlichen Spruche zu unterwerfen nicht „hegriffen.* I qui ewequitur mandatum, non debet eæcedere Rnes mandati. F. 6, inst. h. Dieſes iſt eine ausgemachte Regel. Nichts deſtoweniger lehren Vinnius und Serres, ad d. F., es ſey keine Ueberſchreitung der Vollmacht, wenn der Auf— trag per æquipollens et in ePectu vollzogen werde; ſogar dürfe die Vollmacht überſchritten werden, wenn Zeit und Umſtände es nothwendig ſo forderten, d. h. wenn der Man— dant ſo haͤtte handlen muͤſſen, falls er ſich im öhnlichen Falle befunden hätte. Der ſchon angeführte F. 6 entſcheidet, daß, wenn ich Vollmacht habe, für 100 Francs zu kaufen, und ich theu⸗ rer gekauft habe, ich doch immer eine Klage habe, um die 100 Fr. zurückzufordern; habe ich aber wohlfeiler gekauft, als ich Auftrag hatte, ſo iſt der Auftrag um ſo viel mehr gut vollzogen, und verbindlich. Art. 1990.»Frauensperſonen und emancipirte Minder⸗ „jährige können als Bevollmächtigte auserſehen werden. In⸗ »deſſen hat der Machtgeber bloß nach den allgemeinen Re⸗ „geln, die ſich auf die Verpſtichtungen der Minderjährigen »beziehen, wider den bevollmaͤchtigten Minderjährigen eine »Klage, und wider eine verheirathete Frau, welche die Voll⸗ „macht ohne Autoriſation ihres Mannes angenommen hat, „bloß nach den Regeln, die unter dem Titel von dem Vei⸗ »raths⸗Contracte und von den gegenſeitigen Rechten der »Ehegatten feſtgeſtellt ſind.« Daß verheirathete Frauen und Minderjaͤhrige zu Bevoll⸗ mächtigten ernannt werden dieß lehrt die F. 31, h de neg. gest., und der F. 5, inst. qui et ew quib. caus. MMn. ros 11. Buch. Xlll. Tit. Von dem PVollmachts⸗Contraete. Auch lehrt Lebrun, de la communaute, liv. 2, ch. 1, sect. 3, n. 40, daß die Frau ohne Antoriſation ihres Man⸗ 7. nes eine Vollmacht annehmen koͤnne. Herr Berlier hat indeſſen dieſe Regel erklärt; der Mann, m ſagte er, hat unſtreitig das Recht ſich der Annahme einer j Vollmacht von Seiten ſeiner Frau zu widerſetzen; thut er dieſes aber ncht, ſo wird vermuthet, daß er darin einwillige, ʒ jedoch unter der Bedingung, daß dieſe Geſchaͤftsführung ſei⸗* nen Rechten nicht nachtheilig ſeyn werde.— Eine Erklörung, 3 die ſehr merkwuͤrdig iſt. pit Von den Pflichten des Bevollmächtigten. b Art. 1991.»Der Bevollmächtigte iſt verpflichtet, das 4 „ihm anvertrante Geſchäft, ſo lange er damit beauftragt übe „iſt, zu volziehen, und er hat für allen Verluſt und ent⸗ ne „behrten Gewinn, der aus deſſen Nicht⸗Vollziehung entſtehen im 1„möchte, zu haften.« „Er iſt auf gleiche Weiſe verbunden, das Geſchäft, das„ .„beym Abſterben des Machtgebers angefangen war, zu vol⸗„ſe „lenden, in ſo fern Gefahr auf den Verzug haftet.«„ſu Mandatum cuilibet Suscipere liberum est, Susceptum au- um tem consummandum est. F. 11, inst. K. S. indeſſen den*u Art. 2007. vin Der zweyte Theil des Artikels hat ſeinen Beweggrund. darin, weil der Regel nach, die Vollmacht durch den Tod* 1»tu des Mandanten erliſcht. Art. 1992.» Der Bevollmächtigte haftet nicht nur für „Gefährde und Argliſt, ſondern auch fuͤ Verſehen und Feh⸗ und „ler, die er bey ſeiner Geſchäftsführung begeht.« „Von demſenigen, der ſeinen Auftrag ohne Entgeld voll⸗ „zieht, fordert man indeſſen mit weniger Strenge Rechen⸗ u „ſchaft uͤber bloßes Verſehen, als von dem, der eine Be⸗ „lohnung erhält.« drit ihm IM. Buch. XIII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte. 107 Procurator tàm dolum qudm omnem culpam præstat. P. 11 und 13, cod. mand. Es iſt ganz natuͤrlich, daß derjenige, welcher einen Lohn empfaͤngt, ſtrenger verbunden ſey, als jener, welcher einen unentgeldlichen Dienſt verrichtet. S. den Art. 1374. Art. 1993.»Jeder Bevollmächtigte iſt ſchuldig, von »ſeiner Geſchaftsführung Rechenſchaft zu geben, und alles, „was er kraft ſeiner Vollmacht empfangen hat, dem Macht⸗ „geber in Rechnung zu bringen, ſollte auch das, was er „empfieng, dem Machtgeber nicht gebuͤhrt haben.« Der Bevollmaͤchtigte iſt ſogar dann Rechenſchaft zu ge⸗ ben ſchuldig, wenn in der Vollmacht enthalten wäre, daß er keine abzulegen brauchte. F. 119, F. de leg. 1. Nur darf in dieſem Falle keine gar zu ängſtliche Unterſuchung über ſeine Geſchäftsführung angeſtellt werden. F. 23, H de neg. gest. Mit dieſem letztern Geſetze ſtimmt ebenfalls die im Schluſſe des Artikels enthaltene Verfügung überein⸗ Art. 1994.» Der Bevollmaͤchtigte haftet für denjeni⸗ „gen, den er bey der Geſchäftsführung an ſeine Stelle ge⸗ »ſetzt hat, 1) wenn er die Vollmacht ſich einen andern zu »„ſubſtituirten nicht erhalten hat; 2) wenn ihm dieſe Voll⸗ „macht ohne Beſtimmung einer Perſon ertheilt worden iſt, »und diejenige, die er gewählt hat, offenbar unfähig oder „inſolvent war.« »„In allen Faͤllen kann der Machtgeber unmittelbar wider „die Perſon klagen, welche der Bevollmächtigte ſich ſubſti⸗ „tuirt hat.« Dieſer Artikel ſtimmt mit den TT. 21, H de neg. gest. und 4, cod. edd. überein. Man brachte die Frage zur Sprache, ob ein Bevollmaͤch⸗ tigter die Befugniß haben müſſe, ſich einen andern zu ſub⸗ ſtituiren, wenn die Vollmacht ihm dieſe Gewalt nicht aus⸗ drücklich ertheilte, oder ob bloß daraus, daß dieſe Befugniß ihm in der Vollmacht nicht benommen worden ſey, vermu⸗ thet werde, daß er ſie habe. 103 UI. Buch. XII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte. Dem Bevollmaͤchtigten, ſagte man einer Seits, hat der Mandant ſein Zutrauen geſchenkt, und dieß läßt ſich nicht auf einen andern übertragen. Dagegen ſagte man anderer Seits, ſelbſt das Intereſſe des Mandanten erfordere es, daß der Bevollmaͤchtigte die Macht habe, jemanden zu ſubſtituiren, z. B. wenn er in einem Augenblicke krank wuͤrde, wo es dringend waͤre, irgend ein Geſchaͤft vorzunehmen. Man trat dieſer letztern Meinung, und zwar hanpt⸗ ſcehlich deßwegen bey, weil unſer Artikel ohnehin den Be⸗ vollmächtigten für die Handlungen ſeines Subſtituten ver⸗ antwortlich erklärt. Verrichtet der Subſtitut den Auftrag ſchlecht, ſo haftet der Bevollmächtigte dafür; verrichtet er ihn gut, was iſt dann dem Mandanten daran gelegen, von wem das Gute geſchehe? Art. 1993.„Sind in derſelben Urkunde mehrere Gewalt⸗ „haber oder Bevollmächtigte ernannt worden, ſo hat unter vihnen eine Solidar⸗Verbindlichkeit nur in ſo fern Statt, als ſie ausgedruckt wurde.« Stimmt mit der Mov. 90, cap. 1 überein, iſt aber gegen die T. 60, F. 2, Mandati, und demjenigen zuwider, was im Art. 2002 im Falle mehrerer Mandanten feſtgeſetzt wird⸗ Die Gruͤnde dieſes Unterſchiedes hat Herr Berlier ent⸗ wickelt. Gerecht iſt es, ſagte er, daß ein Bevollmächtigter, welcher gemeiniglich einen unentgeldlichen Dienſt verrichtet, gegen diejenige, welche einen gemeinſchaftlichen Nutzen daraus ziehen, ſolidariſch klagen könne; ungerecht waͤre es aber, ihn mit dem Factum eines andern zu belaſten, wenn er ſich nicht hiezu verbunden hat. Art. 1006.» Der Vevollmaͤchtigte muß die Summen, «die er zu ſeinem Gebrauche verwendet hat, von dem Tage „dieſer Verwendung, und diejenigen, die er aus ſeiner Rech⸗ „nung ſchuldig bleibt, von dem Tage, da er in Verzug ge⸗ ſetzt worden iſt, verzinſen. 4 4 u II. Buch. XM. Tit. Von dem Vollmachts Eontraete. 105 Stimmt mit der T. 19, F. 3 F mand. überein. 2) Art. 1007.„Der Bevollmächtigte, welcher der Partey, mit welcher er in dieſer Eigenſchaft contrahirt, eine hin⸗ „längliche Kenntniß von ſeiner Vollmacht gegeben hat, iſt „in Hinſicht desjenigen, was über die Grenzen des Auſtra⸗ ges geſchehen iſt, zu keiner Gewährleiſtung verbunden, „wenn er ſich ihr nicht perſönlich unterworfen hat⸗« Die Beweggründe dieſes Artikels ſetzt Herr Berlier darin, weil der Fehler gemeinſchaſtlich iſt, und eben dieſer Umſtand alle Gewährleiſtung fuͤr dasjenige, was uͤber die Grenzen des Auſt ags geſchehen iſt, ausſchließt. Von den Verbindlichkeiten des Machtgebers. Art. 1998.„Der Machtgeber iſt ſchuldig, die Ver⸗ epflichtungen zu erfuͤllen, welche der Bevollmächtigte den »„Grenzen der ihm ertheilten Vollmacht gemäß contrahirt hat. „Er haftet für dasjenige, was über dieſe Grenzen hinaus geſchehen ſeyn mag, nur in ſo fern, als es von ihm aus⸗ drücklich oder ſti. ſchweigend genehmigt worden iſt.» Ratihabitio mandato æquiparatur. S. die T, 60, de reg. jur.*) Art. 1000.„Der Machtgeber hat dem Bevollmachtig⸗ „ten ſeine Auslagen und Koſten zu erſetzen, die er um ſei⸗ nen Auftrag zu vollziehen gemacht hat, und ihm ſeine Be⸗ lohnung zu zahlen, wenn ihm eine verſprochen worden iſt. *) Durch ein Gutachten des Staats⸗Rathes vom„. Julius 1808 iſt der vorliegende Artikel auf die Vorgeſetzten der Eiuyegiſtri⸗ rungs⸗ und Domainen⸗Verwaltung ausdrücklich anwendbar er⸗ klärt worden. Jurispr. de la C. de C. 1808. im Anhange p. 217. B. *) Ueber dieſen Artikel ſehe man Pothier, du Contrat de mandat n. 90— 100. B 110 UMI. Buch. KilI. Tit. Von dem PVollmachts Contracke. „Hat kein Verſehen Statt gehabt, das ſich dem Bevoll⸗ „mächtigten zurechnen läßt, ſo kann der Machtgeber dieſe „Verguͤtung und Zahlung nicht von ſich ablehnen, ſelbſt „wenn das Geſchäft den guten Erfolg nicht gehabt haben „ſollte, den man erwartete; er darf eben ſo wenig unter „dem Vorwande, daß die Koſten und Auslagen geringer ſeyn akonnteu, auf ihre Mäßigung antragen⸗* Die im Schluſſe dieſes Artikels enthaltene Verfügung ſtimmt mit der T. 27.§. 4 h. mand. überein. Inzwiſchen muß dieſes doch mit Mäßigung verſtanden werden; denn wenn die Ansgaben offenbar übertrieben waͤren, ſo fielen ſie in die Cathegorie des Verſchuldens, wofür der Bevollmächtigte haf⸗ ten muß.⸗ Art. 2000.„Der Machtgeber muß gleichfalls den Be⸗ „vollmaͤchtigten fuͤr den Verluſt entſchaͤdigen, den er bey Ge⸗ „legenheit ſeiner Geſchäftsführung, ohne daß ihm eine Un⸗ „vorſichtigkeit zur Laſt gelegt werden kamn, erlitten hat.» S. die T. 61, F. 5, de fürt. Serres fuͤhrt ad§F. 11, Inst. de mand. hierüber zwey parlements⸗Urtheile an, deren eines ſich auf einen Syndik eines Collegiums beziebt, welcher ausgegangen war, um ein dieſem Collegium zugehoriges Gut zu verpachten, unterwegs a er in Gefangenſchaft gerieth, und mit einem Löſegeld von 3o0 Liv. daraus befreyt wurde; das andere bezieht ſich auf einen gerichtlichen Bvollmächtigten, welchem zu Toulouſe 1170 Liv. Gerichtskoſten, die er erhalten hatte, geſtohlen wurden. Art. 2001.„Auslagen, welche der Bevollmächtigte ge⸗ „macht hat, muß ihm der Macht eber von dem Tage „verzinſen,2 2 Vorſchuß eee 5 ₰. Stimmit mit der F. 12,§F. 9. mand. überein. Art. 2002.„Iſt der Bevollmächtigte von mehreren nPerſonen für eine gemeinſchaftliche Sache ernannt worden, „ſo haben ſie ihm ſammt und ſonders, für alle rechtliche „Wirkungen des Vollmachtk⸗Contractes zu haften.« Po inte hor gur für ſchi *de UMI. Buch. XlIl. Tit. Von dem Vollmachts Contracte. 111 Stinmt mit der T., lt. quod jussu überein. S. die Anm rkung zum Att. 1993. Viß te e. Von den verſchiedenen Arten, wie eine Vollmacht erliſcht. Art. 2003.»Die Vollmacht erliſcht, Durch Widerruf des Auftrags, Durch Aufkuͤndigung von Seiten des Bevollmächtigten„ Durch den natürlichen oder bürgerlichen Tod, die In⸗ terdiction oder den gänzlichen Vrfall des Vermögens, des Machtgebers oder des Berollmächtigten.« Art. 2004.„Der Machtgeber kann ſeine Vollmacht wi— derrufen, wann es ihm gulduͤnkt, und nach Beſchaffenheit der Umſtände, den Bevollmaͤchtigten zwingen, ihm entwe⸗ »der die Urkunde unter Pri at-Unterſchrift, welche den Auf⸗ „trag enthält, oder die authentiſche Driginal⸗Vollmacht, wenn »die Urſchrift davon an den Bevollmaͤchtigten abgegeben wor⸗ „den iſt, oder die Ausfertigung, wenn die urſchrift,(die „Minute) zurückbehalten worden iſt, zurückzugeben.« Der F. 7, inst. P. ſetzte der Freyheit des Mandanten die Vollmacht zu widerrufen dieſe Bedingung hinzu: S adhuc integra res sit. Mit Recht bemerkt indeſſen Serres ad j g. der Mandant ſey immer, sive res adhuc integra sit, sive non, befugt, die Vollmacht zu widerrufen, mit der Bedin⸗ gung gleichwohl, dasjenige, was bis dahin geſchehen iſt, für gut gelten zu laſſen, und den Bevollmächtigren zu ent⸗ ſchädigen. Art. 2005. Den grſrhenen Siereruf, in ſo fern er »dem Bevollmaͤchtigten allein inſinuirt worden iſt, kann man dritten Perſonen nicht entgegen ſetzeu? dic ohne et⸗ „was von dieſem— zu wiſſen, in einen Verirag „ſich eing laſſen haben. Dem Machtgeber bleibt hiebey ſein „Regreß wider den mächtigten vorbehalten.n Die ohne etws von dieſem Widerrufe zu wiſſen, ſich haben. War ihnen alſe der W derruf bekannt, 112 m. Buch. KlII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contraete. wenn er ihnen auch ſchon nicht inſinuirt worden iſt, ſo iſt der Mandant gegen ſie nicht verbunden: dieß verlangte auch der Appellations-Hof von Toulouſe. Art. 2006.»Die Ernennung eines! neuen Vevollmäch⸗ *tigten für dasſelbe Geſchaͤft gilt als Widerruf in Hinſicht „des erſten von dem Tage an, da ſie dieſem inſinuirt „worden iſt.» Art. 2007.„Der Bevollmaͤchtigte kann die Vollmacht aufkündigen, indem er ſeine Verzichtleiſtung dem Macht⸗ geber inſinuiren laͤßt.. „Iſt jedoch dieſe Aufkundigung dem Machtgeber nach⸗ „theilig, ſo hat der Bevollmächtigte ihn deßhalb zu entſchä⸗ y dann, daß dieſer ſich in einem Falle befinde, uziehung des Auſtrags chtlichen Nachtheil da⸗ „digen; es ſe „wo es ihm unmöglich iſt, mit Vo „fortzufahren, ohne ſelbſt einen beträ „von zu erleiden⸗» Die Verfügungen dieſes Artikels gründen ſich auf die TI. 22, F. 11, 25, 24, a5 und 26, F. 1, H. mandati. «Weiß der Bevollmächtigte nicht, daß der oder daß eine der übrigen Urſachen ch der Auftrag erliſcht, ſo iſt alles „das gültig, was er in dieſer Unwiſſenheit vergenommen hat Stimmt mit dem F. 8 Inst- M. uͤberein.*) Art. 2009.„In den oben erwähnten Fällen erhalten „die ven dem Vevollmächtigten uͤbernommenen Verbindlich⸗ Art. 2008. „Machtgeber geſtorben, „eingetreten ſey, wodur 2) Dem vorliegenden Artikel zufolge erkläͤrte a) der Appellations⸗ Hof von Paris am 23. April 1807 in der Sache der Wittib Soret von Madrid! wider das Handeis⸗Haus Rouſſeau⸗ Baguenau von Paris eine Vorladung ſammt der darauf er⸗ folgten Prozedur für gültis, die der Bevollmächtigte des Herrn Soret kraft ſeiner Vollmacht veranſtaltet hatte, unerachtet Letzterer zur Zeit der Vorladung bereits geſtorben war! wovon aber der Bevollmächtiste keine Wiſſen ſchaft hatte. Jurispr. de 1 C. de C. 1607 im Anhange p. 65 u. f. Eben ſo entſchied p) die Seetion des requétes des Caſſations„Hofes am 17 Por⸗ gung 1508 in der ache des ſpaniſchen Handelsmannes Rigal h Vuch. XlV. Tit. Von der Buͤrgſchaft. 113 1 „keiten in Anſehung dritter Perſonen, die in gutem Glauben ſind, ihre Vollzichung» Art. 2010.»Wenn der Bevollmächtigte ſtirbt, ſo ſind „deſſen Erben verbunden, den Machtgeber hievon zu benach— erichtigen, und inzwiſchen dasjenige zu beſorgen, was die „Umſtaͤnde für das Intereſſe dieſes letztern erheiſchen.« Aus der Verfügung dieſes Artikels folgt nicht, daß die. Erben mit der Vollziehung des Anſtrages fortfahren dürſen; ausdrücklich verbiethet ihnen dieſes die T. E nur müſſen ſie verhindern, daß nichts durch ire Nachläßigkeit zu Grunde gehe. Vierzehnter Titel.“ Von der Buͤrgſchaft. (Deeretirt den 14. Febr. 180 ½. Promulgirt den 24. des nehml. Mon.) (S. den Tit. 2r, des Be 3 der Inſtitutionenz den Tit. 1, des B. 46 der Pandecten; die Tit. 37 des B.. und 41 des B. 8 im Codex, und die Nov. 40 de la Piedera und ſeiner Gläubiger wider Canonge, daß ein ohne Betrus von einem Bevollmähtigten nach dem Falliment des Mandauten, und in der unwiſſenheit dieſes Fallimentes ⸗ unterzeichnetes Compromiß gültig ſey. Im Falle, wovon hier die Rede iſt, hatte Michel der Aeltere, Handelsmann in Mar⸗ ſeille am 26 Junins 1805, Kraft einet von Rigal de la Pie dera am 5. Hornung des n. J. ausgeſtellten Vollmacht mit Ca— nonge ein Compromiß unterzeichnet, da doch gedachter Rigal ſchon am 13. Junius n. J. fallirt hatte, wovon jedoch weder Michel; noch Canonge, noch die Schiecdsrichter etwas wußten Zwat opponirte ſich Rigal, nachdem er in die Verwaltung ſei⸗ ner Geſchaͤfte wieder eingeſetzt war, der Vollſreckung des ſchieds?« richterlichen Spruches, und ſelbſt ſeine Gläubiger legten Oppo⸗ ſition dagegen ein, und beriefen ſich auf den Art 2003; ſimmt⸗ lich wurden ſie aber mit dieſer Behauptung abgewieſen. Jurispr« de la C. de C. 1303„. 196 u. f. IV. Malev. 114 m. Buch. Klv. Tit. Von der Buͤrgſchaft. Erſtes Capitel. Von der Natur und dem Umfange der Buͤrgſchaft. Art. 2011.»Wer ſich als Bürge für eine Verbindlich⸗ «keit darſtellt, verpflichtet ſich dem Gläubiger, dieſe Verbind⸗ lichkeit zu erfüllen, in ſo fern nicht der Schuldner ſelbſt ſie „erfüllt⸗« Art. 2012.» Die Buͤrgſchaft kann nur in Anſehung einer gültigen Verbindlichkeit beſtehen, worauf ſie ſich be⸗ „zieht.« „Man fann ſich gleichwohl als Buͤrge fuͤr eine Verbind⸗ „lichkeit darſtellen, wenn ſchon dieſe durch eine dem Ver⸗ „pflichteten bloß für ſeine Perſon zuſtchende Einrede wieder „aufgehoben werden könnte, 3⸗ B. im Falle der Minderja'⸗ „rigkeit.« Nach der Entſcheidung des F. 1, Inst h. kann man ſich für die Vollziehung jeder Art von Verbindlichkeiten, ſowohl buͤrgerliche als natürliche, verbürgen. S. die Einleitung zum Titel von den Verbindlichkeiten. Als Benſpiel hievon fuͤhrt unſer Artikel die Verbindlich⸗ keit eines Minderjaͤhrigen an. Eben ſo würde es ſich mit jener eines interdicirten Verſchwenders verhalten; und obſchon ſeine Verbindlichkeit in Anſehung ſeiner nichtig wäre, ſo würde doch jene des Bürgen nichts deſtoweniger beſtehen. Inzwiſchen machen Vinnius und Scrres, ad hunc F. Inst., und Cujaz in ſeinen paratitl. ad Cod. tit. de Fide- juss. min einen Untetſchied zwiſchen dem Falle, wo der Bürge ſich fuͤr den Minderjährigen oder Verſchwender ver⸗ pflichtete, da ihm doch ihr Zuſtand bekannt war, und zwi⸗ ſchen jenem, wo er ihnen unbekannt war. Im erſten Falle beſteht die Bürgſchaft, nicht aber im zweyten. Dieſe Un⸗ wiſſenheit müßte indeſſen gut bewieſen werden; wenigſtens iſt es Regel: nemo dehet esse ignarus conditionis ejus, cum 9u0 contrahit⸗ ſn. Puch. XIV. Tit. Von der Bürgſchaft. 115 Uebrigens heißt es in dem F. 5, Inbt. h., die Bürgſchaft könne der Haupt⸗Verbindlichkeit vorhergehen, oder darauf folgen. Art. 2013.» Die Verbürgung kann ſich auf mehr nichts erſtrecken, als wozu der Schuldner ſelbſt verpflichtet iſt, „ſie kann ebenfalls nicht unter laͤſtigern Bedingungen uͤber⸗ anommen werden. „Man kann ſich dabey bloß auf einen Theil der Schuld abeſchränken, oder weniger läſtige Bedingungen übernehmen. „Eine Vrrbürgung, welche das Objert der Hauptſchuld uͤberſchreitet, oder unter laͤſtigern Bedingungen geſchehen «iſt, iſt nicht ganz ungültig; ſie iſt nur nach Maßgabe der „ Hauptſchuld eiuer Reduction unterworfen.« Stimmt mit dem F. 5, Inst. ſ. überein. Die roͤmiſchen Geſetze haben übrigens weitlaͤufig erklaͤrt, was man unter Verbindlichkeit, welche druͤckender als die Haupt⸗Verbindlick⸗ keit iſt; verſtehen müſſe. So kann ſich z. B. a) der Buͤrge nicht verpflichten, vor der Zeit zu zahlen, die dem Schuld⸗ ner zur Zahlung geſtattet worden iſt; ſo kann er ſich P) nicht unbedingt verbinden, wenn die Haupt⸗Verbindlichkeit bedingt iſt; noch c) unter einer Strafe, oder Geldbuße, wenn der Schuldner ſich ihr nicht unterworfen hat. S. den angeführ⸗ ten F., und die TT. 34 und 68, F. h., an allen dieſen Stellen heißt es aber, daß der Buͤrge ſich zu etwas wenſ⸗ ger verbinden konnc, Man warf die Frage auf, ob der Bürge ſich zum per⸗ ſonlichen Arreſte verbinden könne„wenn ſich der Haupt⸗ Schuldner demſelben nicht unterworfen hat 2 Einſtimmig wurde dieſe Frage mit Nein beantwortek. Art. 201g.„Man kann ſich verbürgen, ohne von dem⸗ vjenigen, für den man ſich verpflichtet, einen Auftrag zu haben, und ſelbſt ohne ſein Vorwiſſen. »Man kann ebenfalls nicht nur für den Hauptſchuldner „Bürgſchaft leiſten, ſondern auch für denjenigen, der ſich fuͤr dieſen verbürgt har. 116 U. Buch. XlV. Tit. Von der Buͤrgſchaft. Stimmt mit dem LI. 30 und 3 H. h. uͤberein⸗ Art. 2015.»Eine Verbürgung wird nicht vermuthet; ſie muß ansdrücklich geſchehen, und man darf ſie über die „Grenzen, worin ſie geleiſtet worden iſt, nicht ausdehnen„ Der Grund dieſes Artikels liegt in dem harten Zuſtande eines Bürgen. Art. 2016.„Eine Bürgſchaft, die man unbeſtimmt fuͤr ueine Haupt-Verbindlichkeit übernommen hat, erſtreckt ſich „anfalle Nebenverbindlichkeiten der Schuld, ſelbſt auf die Koſten „der erſten Klage, und auf alle diejenigen, welche auf die dem „Bürgen hievon geſchehene Ankuͤndigung erfolgt ſind.» Nach den TT. 68, H. h. und 10, Cod. eod. iſt ein Bürge, der ſich für die Haupt⸗Summe verbunden hat, ohne von den Zinſen Erwähnung zu thun, zur Zahlung dieſer Zin⸗ ſen nicht verpflichtet; hoͤchſtens, ſetzt Serres hinzu, müßte er die Zinſen zahlen, welche vom Tage der gegen ihn oder den Hauptſchuldner angehobenen Klage angerechnet, verfallen ſind. Dieſe Entſcheidung kann gemaͤß unſerm Artikel nicht mehr befolgt werden, es ſey dann, daß der Buͤrge ſich aus⸗ druͤcklich nur für das Capital verbunden haͤtte. In Hinſicht der Koſten, hat man ſſich nach der Verfü— fung der Ordonnanz von 1667, Pit. des garans, gerichtet.*) —————————— *) Sind die Einregiſtrirungs⸗Gebühren, die vom Aete, woraus die Schuld entſpringt, entrichtet werden müſſen, als ein Aeceſ⸗ ſorium der Schuld zu betrachten? In folgendem Falle kam dieſe Frage beym Caſſations⸗Hofe vor. Die Domainen⸗ und Einregi⸗ ſtrirungs⸗Verwaltung verpachtete dem Hrn. Sabonardiere die Salzwerke von Peequeis; und nachdem ſie in den erſten 13 Artikeln des Pacht⸗Contractes die Verbindlichkeiten des Pächters beſtimmt hatte, legte ſie ihm im Art. 14 die Pflicht auf, einen Bürgen zu ſtellen. Nachher ſtipulirte ſie im Art. 15, daß der Paͤchter die Einregiſtrirungs⸗Gebuͤhren und ſonſtige Koſten zahlen, und alles dieſes ihm perſönlich zur Laſt fallen ſolle. Die Herren Archinard ſtellten ſich als Bürgen fuͤr den Aupächter dar, und letzterer bezahlte die Einregiſtrirungs⸗Gebuͤhren, ſo wie der Empfünger derſelben ſie ihm berechnet hatte. Einige Zeit IM. Buch. XIV. Lit. Von der Buͤrgſchaft. 117 Art. 2017.„Die Verpflichtungen der Bürgen gehen auf ihre Erben über, ausgenommen, daß wider ſie kein „perſoͤnlicher Arreſt Statt hat, wenn die Verpflichtung von *der Art war, daß der Bürge ihm unterworfen geweſen „wäre.„ Stimmt mit der T. 4, F. 1. M J. uͤberein. Art. 2018.»Ein Schuldner, der verbunden iſt, einen „Bürgen zu ſtellen, muß einen ſolchen in Vorſchlag brin⸗ „gen, der fähig iſt zu contrahiren, der ein hinlängliches „Vermögen beſitzt, um für den Gegenſtand der Schuld haf— „ten zu können, und der im Umfange der Gerichtbarkeit „des Appellations:Hofes, in deſſen Bezirke die Bürgſchaft geleiſtet werden ſoll, ſein Domicil hat.» In den Gatwußf dieſes Arlikels hatte man geſetzt, der Bürge koͤnne nur aus dem Departemente genommen werden, worin er geſtellt werden müßte. Hiegegen wurde aber erin⸗ nert, daß dieſes die Befugniß, Buͤrgſchaft zu leiſten', zu ſehr hernach fand die Verwaltung, daß der Empfänger zu wenig ge, nommen hatte, und nun erließ ſie am 3. Prairial 9 J.(28. Mai 1301) zur Zahlnng des Reſtes einen Zwangs⸗Befehl ſowohl gegen Sabonardiere als gegen Archinard. Letztere legten eine Oppoſition dagegen ein, die ſie darauf gründeten, daß ſie ſich für die Einregiſtrirungs⸗Gebühren nicht verbürgt hätten. Das Bezirks⸗Gericht von Nismes verurtheilte ſie indeſſen am 1. Meß⸗ ſidor 12. J.(z20. Junius 1804) zur Zahlung. Da ſie aber ih⸗ ren Rerurs zum Caſſativns⸗Hofe nahmen, ſo wurde dieſes Urtheil am 6. Detober 1801 von der Civil⸗Section aus folgenden Gruͤn⸗ den eaſſirt, weil a) die Verbuͤrgungen ſtrenge erklärt werden müſſen; weil b) die Domainen⸗Verwaltung bloß zur Erfüllung der in den 13 erſten Artikeln des Contraetes enthaltenen Ver⸗ bindlichkeiten Bürgſchaft im Art. 14 verlangt, dieſemnach aber e) im Art. 15 die Einregiſtrirungs⸗Gebühren dem Pächter per⸗ ſönlich zur Laſt geſtellt habe, ſo daß die Zahlung derſelben von den Bürgen weder Kraft einer geſeslichen Verfuͤgung, noch zu Folge einer beſondern Clauſel des Contraetes gefordert werdeu. iönne. Journ. d. aud. ete. 1306 p. 55 B. 11½ ml. VBuch. XlV. Tit. Von der Bürgſchaft. „ beſchruͤnken wuͤrde; man dehnte ſie daher auf den ganzen i der Gerichtbarkeit des Appellations-Hfes aus. In der F. 2 h qui atisd. cog. heißt es: Fideussor „idetur idoneus, non tantum e tih sed etiam ew conveniendi ſacilitate. Art. 2019.„Die Zahlungsmittel eines Vürgen berech⸗ »net man nur nach Maßgabe ſeines Grund-Eigent hums, ausgenommen, wenn von Handelsſachen die Rede iſt, oder «wenn die Schuld gering iſt. „Man nimmt auf ſtreitige Immobilien, oder deren „ gerichtliche Verſteigerung, weil ſie weit entfernt liegen, mit zu vielen Beſchwerniſſen verbunden ſeyn wuͤrde, keine . Rückſicht.. Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit der qui Satisd. cog. überein. Plus cautionis, ſagt die 26ſte der Re chts⸗Marximen„ e quam in persond allein, die Handelsleute beſitzen ſelten Immobilien Der zweyte Theil beſtimmt zwar nicht, wie weit die Ent⸗ fernung ſeyn müſſe, um eine Buͤrgſchaft, die auf Immobi⸗ lien beruhen muß, verweigern zu koͤnnen; da indeſſen hier die nehmliche Bewegurſache und der nehmliche Gegenſtand, wie beym Art. 2018 eintritt, ſo könnte man ſich allerdings nach deſſen Verfügung richten. Art. 2020.»Iſt ein Bürge, welchen der Glaͤnbiger, „freywillig oder bey Gerichte, angenommen hat, un⸗ vermögeud geworden, ſeine Schulden zu zahlen, ſo muß ein anderer Buͤrge geſtellt werden. „Dieſe Regel leidet in dem einzigen Falle eine Ausnahme⸗ «wo der Bürge nur zu Folge eines Vertrags geſtellt wor⸗ den iſt, in welchem der Gläubiger eben dieſe Perſon als „ Buͤrgen verlangt hatte.« „Die Geſetzgebungs⸗Section hatte einen Artikel vorgelegt, welcher ſo lautete: „Vat der Schuldner freywillig einen Buͤrgen geſtellt, daß ihn weder ein Geſetz noch ein Urtheil dszu I. Buch. XIV. Tit. Von der Bürgſchaft. 119 „verpflichtete, ſo iſt der Glaubiger, welcher ſich damit „begnuͤgt hat, ſelbſt dann nicht mehr befugt, einen an— „dern zu verlangen, wenn der geſtellte Buͤrge inſolvent „werden ſollte.“ Dieſem Artikel ſetzte man die Lehre Pothier's entgegen; wirklich macht er in ſeinem Traité des obligations n. 391, zuerſt zwiſchen Bürgen, die nach der Vorſchrift eines Ge⸗ ſetzes, oder Kraft eines Urtheiles geſtellt werden muͤſſen, und jenen einen Unterſchied, die zu Folge eines Vertrages geſtellt werden. Wird, ſagt er, ein geſetzlicher oder gericht⸗ licher Bürge inſolvent, ſo muß ein anderer geſtellt werden; in Hinſicht der Buͤrgen aber, zu deren Stelung man ſich mittelſt eines Vertrages anheiſchig gemacht hat, muß ein fernerer Unterſchied gemacht werden. Habe ich mich auf eine unbeſtimmte Weiſe, einen Buͤrgen zu ſtellen verpflichtet, und dieſer Verbindlichkeit zu Folge einen geſtellt, der nach⸗ her inſolvent geworden iſt, ſo muß ich einen andern ſiellen: habe ich aber anfangs unter der Bürgſchaft einer gewiſſen Perſon contrahirt, oder habe ich mich verbunden, eine gewiſſe Perſon als Bürgen zu ſtellen, und dieſe wird nach⸗ her inſolvent, ſo kann ich nicht angehalten werden, einen neuen zu ſtellen, weil ich bloß verſprochen habe, denjenigen als Bürgen zu ſtellen, den ich wirklich geſtellt habe. In Anſchung der geſetzlichen oder gerichtlichen Bürgen war man einig; was aber diejeuigen betrifft, die zu Folge eines Vertrages auf eine beſtimmte oder unbeſtimmte Weiſe geſtellt worden ſind, hieruͤber wurde ſehr geſtritten. Einer Seits berief man ſich auf das Intereſſe des Glaͤubigers, welcher anderſt nicht, als unter guter Bürgſchaft ſein Geld lehnbar hätte vorſchießen wollen, anderer Seits auf das In⸗ tereſſe des Schuldners, welcher nicht leicht einen neuen Bür⸗ gen würde finden können. Letztere ſagten ſogar, der fernere Unterſchied, welchen Pothier macht, gründe ſich auf nichts; und immer bleibe es wahr, daß der Gläubiger den anfangs unbeſtimmten Buͤrgen eben ſo freywillig angenommen hahe, wie den Beſtimmten. 120 1M. Buch. XlV. Tit. Bon der Bütgſchaſt. Das Anſehen Pothier's erhielt indeſſen das Uebergewicht. Es heißt zwar à) in der T. 8,§ 5, F. qu satisd. cog., es mlſſe ein neuer Buͤrge geſtellt werden, wenn der Erſte Erbe des Hauptſchuldners geworden iſt; b) in der T. 4, ut in possess. das nehmliche müſſe geſchehen, wenn der erſte Bürge geſtorben iſt, ſo wie auch c), wie die P. 10, qui vatisd. cog. worauf ſich Pothier bezicht, und die E. 3 h. de prat. Stipul. ſagen, s mgna inopia accidit, vel cau- rum esse desüt: dagegen entſcheidet aber auch die T. 3, F. 3, F ut in posses. ausdruͤcklich, daß die Stellung eines neuen Buͤrgen deßwegen nicht verlangt werden könne, weil der angenommene Bürge gleich aufangs inſoltent war, in⸗ dem der Gläubiger ſich dieſes zurechnen müſſe. Ueberhaupt ſcheint es nicht, daß der weitere Unterſchied, den Pothier macht, auf irgend ein beſtimmtes Geſetz gegruͤndet, oder gar in der Praxis angenommen geweſen ſey. Im Journal des audiences iſt indeſſen ein Parlaments⸗ Urtheil vom 7. März 1618 vorhanden, welches entſchied, daß, wenn derjenige, welcher ſich fuͤr eine Rente verbürgt hat, inſolvent wird, der Schuldner verbunden ſey, einen neuen zu ſtellen. Bey der Dlscuſſion ſprach man von dieſem Falle nicht, weil man dergleichen Renten ſo anſieht, als wenn ſie außer Gebrauch gekommen ſeyen; man führte aber den Fall an, wo Jemanden ein Hanmerwerk unter Stellung eines Bür⸗ gen verpachtet worden waͤre, welcher ſür die Unterhaltung deſſelben, und fuͤr die Verſchlimmerungen haften müſſe, die ſich der Pächter etwa zu Schulden kommen laſſen möchte. Wird ein ſolcher Buͤrge, ſagte man, inſolvent, und der Pächter wäre nicht ſchuldig, einen neuen zu ſtellen, ſo iſt der Eigenthümer ohne Sicherheit, und der Vertrag vereitelt. Dieſe Einwendung ließe ſich indeſſen auf die, Kraft des Ver⸗ trages zu ſtellenden beſtimmten Bürgen eben ſo gut, als auf die Unbeſtimmten anwenden⸗ Dem ſey äber, wie ihm wolle, man muß ſich an dem angenommenen Artikel halten. III. Buch. XlV. Tit. Von der Bürgſchaft 121 Zweytes Capitel. Von den Wirkungen der Bürgſchaft. Erſter Ab ſchnitt. Von den Wirkungen der Bürgſchaft unter dem Gläubiger und dem Buͤrgen. Art. 2021.» Der Buͤrge iſt, ſo viel ſeine Verhältniſſe „zu dem Gläubiger betrifft, nur dann verbunden, ihn zu »zahlen, wenn es der Schuldner nicht thut. Dieſer muß »vorher in ſeinen Gütern angegriffen und ausgeklagt wer⸗ „den, es ſey dann daß der Bürge auf die Rechtswohlthat der „Vorausklage Verzicht gethan, oder ſich mit dem Schuldner „ſolidariſch verpflichtet habe, in welchem Falle die Wirkun⸗ „gen ſeiner Verpflichtung nach den Regeln ſich richten, »welche fur die Solidar⸗Schulden feſtgeſtellt worden ſind.« Die Wohlthat der Vorausklage wurde durch die nov. 4, cap. 2 eingeführt. Nach den ältern Geſetzen war der Glaͤu⸗ biger befugt, nach ſeinem Belieben gegen den Haupt⸗Schuld⸗ ner oder gegen die Bürgen zu klagen. T. 5 und 19, cod. de ſidejuss. Art. 2022.» Der Gläubiger iſt nur dann verbunden, „den Hauptſchuldner auszuklagen, wenn der Bürge auf „das erſte gegen ihn angeſtelite gerichtliche Verfahren dar⸗ wauf anträgt.« Polive, liv. 4, ch. 22, und Serres, p. 483 ſagten im Gegentheile, die Vorausklage könne, in welchem Zuſtande ſich auch immer der Prozeß befinden möge, verlangt werden. Man hat indeſſen die Meinung Pothier's, n. 410 befolgt, welcher ſich darauf gruͤndet, daß ſie zu den verzögerlichen Einreden gehöre.*) )„Die Einrede der Diseuſſion, ſagt inzwiſchen Herr Staats⸗ Rath Merlin im Repertoire de Jurisprudence, iſt zwar ver⸗ zögerlich in dieſem Sinne, daß ſie auf Verſchiebung des ge⸗ gen den Bürgen gerichteten gerichtlichen Verfahreus abzweckt, bis daß der Haupt⸗Schuldner ausgeklagt worden ſey; ſie iſ aber 122 m. Buch. Xlv. Tit. Von der Buͤrgſchaft. Art. 2023.»Der Bürge, welcher dieſe vorläufige Aus⸗ »klage verlangt, muß dem Gläubiger die Güter des Haupt⸗ „ſchuldners anzeigen, und ihm pinlaͤngliche Gelder vorſtre⸗ „cken, um die Ausklagung zu vollfuͤhren⸗ „Er muß ihm weder ſolche Guͤter des Hauptſchuldners auch in ſo weit peremtoriſch, als ſie die Befreynng des Bürgen herbeyführt, wenn der Haupt⸗Schuldner Vermoͤgen hat, um zahlen zu können. Auch lehren Baldus ad F ult. cod. 5 cert. pet., Paul de Caſtres, ad T. pcnc, F. ult. W de eond. indes. Zanger de erception. p. 2, cap. 16, n. 5„ und Ferriere uͤber Guido⸗Papa 5 947 daß dieſe Einrede entgegengeſetzt wer⸗ den könne, in welchem Zuſtande ſich auch immer die Sache be⸗ ſinden moͤge; und d Olive führt(b. 4, ch. 22) ein Urtheil des Parlamentes von Toulouſe vom 3. Julius 1636 an welches eben ſo, und zwar deßwegen erkaunt hat, weil a) dieſe Einrede irregular iſt; weil es b) von der Discuſſion abhaͤngt, ob ſie als cine dilatoriſche oder als eine peremtoriſche erkannt werde“ und man folglich e) ſie nicht als eine bloß verzögerliche Einrede, ſondern vielmehr als eine Rechtswohlthat betrachten muͤſſe, wozu es erlaubt ſey ſeine Zuſlucht zu nehmen, die Sache möge ſo weit gediehen ſeyn, als ſie wolle; weil endlich 4) die Bürgen ſo viel Begünſtiguug verdienen, daß die Gerechtigkeit, aller Rechts⸗ Spitzfindigkeiten ungeachtet! immer im Stande ſeyn müſſe ſie in Schutz zu nehmen, wenn ſie auf ihre Hülfe Anſpruch macheu. Nach dem Zeugniſſe des Salviat, p. 294 entſchied man das nehmliche beym Parlamente von Bordeaur, und er führt ins⸗ beſondere hieruͤber ein Urtheil aus dem Monate Auguſt 1761 an. Auch Serres, inst. l. 3, kit, 217§. 4 iſt der nehmlichen Meinung. Indeſſen muß man eingeſtehen, daß das G. N. ſie ein wenig medifieirt habe. Der Art. 2022 war anfangs im Staats⸗Rathe ſo beſchloſſen: der Gläubiger iſt nur dann verbunden, den Haupt⸗Schuldner auszuklagen, weun der Bürge daraufanträgt. Die Geſetzgebungs⸗ Sertion des Tribunates machte aber hiezu folgende Anmerkung: „die Section ſchiägt vor! dieſe Worte hinzuzuſetzen: auf das erſte gerichtliche Verfahren, welches gegen ihn gerichtet wird. In der That, wenn verſchiedene Pourſui⸗ ten gegen den Bürgen Statt gehabt haben, ohne daß er auf die Ausklaguug des Schuldners angetragen hat, ſo wird er ſo auge⸗ ſehen, als wenn er auf die Befugniß, die das Geſetz ihm ver⸗ —.„— e— — ——— K. Buch XIV. Tit. Von der Bürgſchaft. 12 „angeben, welche dem Appellations-Hofe des Ortes, »wo die Zahlung geſchehen ſoll, nicht unterworfen, ſondern „außer dem Umfange ſeiner Gerichtbarkeit gelegen ſind, „weder ſtreitige Güter, noch ſolche, die zwar für die Schuld »zur Hypothek geſtellt, aber nicht mehr im Beſitze des »Schuldners ſind.« leiht; Verzicht geleiſtet habe. Der Gläubiger muß nicht das Spielwerk des Eigenſinnes des Bülgen ſeyn; er muß die Bahn endigen können, worin das Stillſchweigen des Bürgen ihn vor⸗ antuͤcken ließ.“ Dieſe Bemerkung ward vom Staats Rathe au⸗ genommen: die Worte: auf das erſte gerichtliche Ver⸗ fahren, welches gegen ihn gerichtet vird, wurden dem Art. 2022 hinzugeſetzt, und mit dieſem Zuſatze hat das Geſetzgebungs⸗Corps den Artikel deeretirt. Aus dieſem Zuſatze geht indeſſen, wie man klar einſicht, nicht hervor, daß das G. N. die Vorausklage dem Buͤrgen ver⸗ weigere, wenn er ſie nicht beym Anfange des Rechtsſtreites (in limine litis) vorgebracht hut; nur muß man daraus ſchließen, daß er ſich dieſer Einrede dann nicht mehr bedienen kann, wenn er Streitigkeiten geweckt hat, die die Vermuthung begründen, daß er auf dieſe Einrede Verzicht geleiſtet habe. In dicſem Siune bat das Tribunat den Zuſatz, wovon die Rede iſt, in Vorſchlag gebracht, und mit den Worten: auf das erſte gerichtliche Verfahren, die offenbar nicht das nehmliche bedeuten, wie jeue: beym Anfange des Rechtsſtreites (in limine litis) läßt ſich keine andere Idee verbinden. So iſt es alſo keinem Zweifel unterworſen, daß ein Buͤrge, nachdem er vergebens die Ungültigkeit ſeiner Verbürgung als Einrede ent⸗ gegengeſetzt hat, und ſeine Bürgſchaft durch ein urtheil ſür guͤltig èrklärt worden iſt, ſich auf die Wohlthat der Voraus— kiage nicht. mehr berufen könne„. Caution,§. 4,„. 1. Ich kann indeſſen hier nicht unbemerkt laſſen, daß a) der Redner der Regierung, Herr Staats⸗ Rath DTreilhard bey Vorlegung dieſes Titels im Geſetgebungs⸗Corps ausdrücklich ſagte, der Bürge müſſe gleich anfangs auf dieſe Wohlthat An⸗ ſpruch machen, indem jede Einrede dadurch gedeckt weide, daß man ſich in die Haupt⸗Sache einläßt, und ſich dagegen verthei⸗ digt; eben ſo ſagt b) Herr Chabot in ſeinem über dieſen, Titel dem Tribunate abgeſtatteten Berichte, der Büege könne mit dieſer Einrede nicht mehr gehört werden, wenn er ſich in 124 m. Buch. XlV. Tit. Von der Buͤrgſchaft. Hier iſt man der Meinung des Herrn von Lamoignen, in ſeinen arretés, tit. des discussions, art. 9. beygetreten, nach welcher der Glaͤubiger nicht verbunden ſeyn ſollte, die in dem Umfange der Gerichtbarkeit eines andern Parlamen⸗ tes gelegenen Güter vorläufig anzugreifeu, und auszuklagen. Art. 2024.» So oft ein Bürge über die Guͤter des „Hauptſchuldners eine Auskunſt, nach Vorſchrift des vor⸗ „hergehenden Artikels gegeben, und einen Vorſchuß gethan „hat, der zur Ausklagung hinreicht, hat der Gläubiger, ſo „piel ſeine Verhaͤltniſſe zum Bürgen betrifft, bis zum Be⸗ die Hauptſache eingelaſſen hätte; denn ſie ſey eine verzögerliche Einrede, die in lmine litis vorgebracht werden müſſe; und eben ſo fragte e) der Redner des Tribunats, Herr Lahary in ſei⸗ ner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps: aber wann muß der Bürge darauf antragen? Kann er es waͤhrend des ganzen Prozeſſest Nein, antwortete er, dieſer Antrag muß auf das erſte gegen ihn gerichtete Verfahren gemacht werden.“ uebrigens eutſchied die Civil-Scetion des Caſſations⸗Hofes am 2. Jauuar 1808, daß der vorliegende, ſo wie auch der fol— gende Artikel kein neues Recht einführen; und der Glaͤubiger auch ehemahls nicht gehalten geweſen ſey den Haupt⸗Schuldner auszuklagen, wenn der Yuͤrge es nicht verlangt habe; der Fall war folgender: Im J..(1801— 130 2) ließen die Erben Taſchereau-Despietieres der Wittib Boulay nach und nach zwey Aufforderungen(Commandemens) inſinuiren, um ſie zur Zahlung einer von ihr und ihrem Manne ams. Auguſt 1772 konſtituirten, und von mehrern Jahren her ruckſtaͤndigen Rente zu zwingen. Da keine Zahlung hierauf erfolgte, ſo richteten die Glaͤubiger ihr Verfahren gegen die Erben Freeine, deren Eltern ſich in dem Coutracte als Bürgen dargeſtellt hatten. Die Erben Frecine legten Pppoſition dagegen ein, und verlang⸗ ten, nicht daß das Verfahren aufgeſchoben werden möchte, bis die Hauptſchuldner ausgeklagt ſeyn wuͤrden, ſondern daß es für nichtig erklart werden möge, weil die Glaͤubiger nicht eher ge⸗ gen ſte verfahren koͤnnten! als nach dieſer vorläuſigen Ausklage.— Die Frage war alſo zu eutſcheiden, ob die Wohl⸗ that der Vorausklage von Rechts wegen Statt habe, eder ob ſie uur eine verzogerliche Einrede ſey die das Geſetz dem Bürgen darbiethe, und die er vorbringen müſſe. Am 3. Nivoſe 14. S. IMl. Buch. XKlV. Tit. Von der Buͤrgſchaft. 125 »trage der ihm angezeigten Güter dafuͤr zu haften, wenn etwa der Hauptſchuldner, indem wider ihn nicht gerichtlich „verfahren wurde, in Unvermoͤgen zu zahlen gerathen ſollte.« Dieſer Artikel iſt gegen die Meinung Pothier's, n. 414, welcher als Grundſatz aufſtellt, daß der Bürge keine ableh⸗ nende Einrede dem Glaͤubiger entgegenzuſetzen habe. Auch veranlaßte er weitläufige Debatten⸗ Zu Gunſten des Glaͤubigers ſagte man, er habe a) die Wahl, entweder gegen den Schuldner, oder gegen den Büt⸗ gen zu klagen; das dem Bürgen verliehene Bencficium ex- cussionis löſche b) ſeine urſpruͤngliche Verbindlichkeit zu zah⸗ len, wenn der Schuldner es nicht thue, nicht aus; ſonſt muͤßte man c) ſagen, doß die Buͤrgſchaft nur in der Ver⸗ bindlichkeit beſtehe, die Güter des Schuldners anzuzeigen, und die Prozeß⸗Koſten vorzuſchießen, was ſich doch unmög⸗ lich annehmen laſſe; und da d) der Bürge gegen den Schuld⸗ ner gerichtlich auftreten könne, um ihn zur Zahlung zu zwin gen, ſo habe er eben ſo gut, wie der Glänbiger, darin ge— fehlt, daß er den Schuldner habe inſolvent werden laſſen. Man muß, ſagte man zu Gunſten des Bürgen, die Aus⸗ druͤcke des Artikels nicht aus dem Geſichte verlieren; (26. December 1805) erklaͤrte das Civil-Gericht von Deurs das Verfahren für nichtig, und der Appellations⸗Hof von Hrleans beſtätigte dieſes Urtheil am a7. Junius 1806, weil die Gläu⸗ biger nicht befugt ſeyen, gegen die Buͤrgen zu verfahren, bis die Hauptſchuldner vorher aus⸗ geklagt worden ſeyen. Die Erben der Bürgen ſuchten Caſſation dieſes urtheiles nach, und ſützten ſich auf eine Ver⸗ letzung der Art. 2022 und z0az des Geſ. Nap.— Mit leichtet Mübe zeigten ſie, daß das angegriffene Urtheil mit dieſen Arti keln im Widerſpruche ſtehe. Ihre Gegner ſtellten dieſes nicht in Abrede, behaupteten aber, daß die Frage, ob die Wohlthat der Vorausklage eine bloße Einrede ſey, in jene andere eingreife ob nehmlich ein Gläubiger berechtigt ſey, ſich an den Bürgen zu wenden, ehe er den Haupt⸗Schuldner ausgeklagt hat, und in dieſer Hinſicht das G. N. das Los einer im J. 1772 einge⸗ gangenen Berbindlichkeit nicht beſtimmen fönue. Man muß 125 U1. Buch. XlV. Tit. Von der Vürgſchaft⸗ er ſpricht ja von dem Falle, wo man dem Glaͤubiger nicht nur die Gliter angezeigt, ſondern auch Geld hergegeben hat, uni den Hauptſchuldner auszuklagen; wenn der Bürge dieß gethan hat, dann darf er auch allerdings darauf rechnen, daß der Glaͤubiger die zur Ausklagung des Schuldners er⸗ forderlichen Schritte vornehme; vernachlaßigt der Glaͤubiger dieß zu thun, deſto ſchlimmet für ihn- Man ſchlug vor, den Glaͤubiger nicht eher 2 als nach Ablauf einer Friſt von drey Monaten vom Aner⸗ biethen des Geldes angerechnet, verantwortlich zu machen, und wirklich würde dieſe Modific atien angenommen; als in⸗ zwiſchen nachher der Artikel, ſo wie er iſt, wieder vorgebracht wurde, nahm man ihn ohne allen Einſpruch an. alſo, ſazten ſie, ſich an den Grundſätzen des alten Rechtes hal⸗ ten. Nun erlaubt aber die Nov. 4 Cap 1 dem Glänbiger nicht eher den Bürgen anzugreifen, als bis der Hauptſchuldner aus⸗ geklagt worden iſt. Sie ſagt nicht, däß ſie eine bloße verzoͤger⸗ liche Einrede zu Gunſten des Bürgen einführe; auch kann nach der Lehre des Domat(Tit. des cautons, Ject. 2, n. 1.) ünd Bourjon(Mroit commun de la France) ein Bürge nur dann erſi belangt werden, wenn der Gläubiger alles gethan hat, um den Hauptſchuldner auszuklagen, und ſeine Befriedigung nicht hat erhalten können; und da das G. N in dieſer Hinſicht ein neues Recht eingeführt hat, ſo kaͤnn man ſich auf deſſen Verfuͤgung mit Grund nicht bernfen. Das obige urtheil wurde indeſſen caſſirt; weil es dem im Gerichtbarkeits⸗Umfange des ehemahli⸗ gen Parlamentes von Paris beſändig beobachteten Rechte, und den Art. 2022 und 2023 des G. N. wodurch es gehandhabt worden ſey, zuwider gehandelt habe.— In der That, hatte die Woo. ₰, cap. 1. die Wohlthat der Vorausklage, die das alte Recht nur in beſondern Fällen verlieh, auf alle Bürgen über⸗ haupt ausgedehnt; bloß deßwegen aber, weil es nur eine Wohl⸗ that war, konnten die Bürgen barauf Perzicht leiſten. Dieſe Wohlthat war alſo nur eine, zu ihren Gunſten eingeſührte, und zwar bloß verzögerliche Einrebe, die die Klage des Gläu⸗ bigers nicht aus dem Wege räumt, ſondern bloß ihre Auvübuns aufſchiebt. Jurispr. de la C. de G. 1603 p. 111 ü. f⸗ B. 4 „ „ «ſ 4 ie l M. Buch. XIV. Lit. Ven der Bürgſchaft. 137 Uebrigens wurde ben der vorliegenden Discuſſion, was wohl zu bemerken iſt, angenommen, daß der Gläubiger nicht befugt ſey, das Anerbſethen der zur Ausklagung hinreichen⸗ den Gelder auszuſchlagen; wirklich ſtimmt dieſes auch mit der ehemahligen Praris überein. S. Pothier, g. a. O. Art 2025.„Haben mehrere Perſonen für eine und dieſelbe Schuld ſich als Bürgen deſſelben Schuldners dar⸗ „geſtellt, ſo iſt eine jede von ihnen für die ganze Schuld verpflichtet.» Stimmt mit dem F. 4, Inst. h. überein. Art. 2026.„Eine jede von ihnen kann gleichwohl, vor⸗ »ausgeſetzt, daß ſie auf die Rechtswohlthat det Theil lung nicht „Verzicht gethan hat, fordern, daß vorläufig der Glanbiger »ſeine Klage theile, und ſie auf den Autheil eines jeden „Bürgen beſchränke. »Wenn in dem Zeitpunkte, wo einer der Burgen bewirkt hat, daß auf Theilung der Klage erkannt wurde, ſich et⸗ liche unter ihnen befanden, die unvermögend waren zu zab „len, ſo bleibt dieſer Bürge nach Verhältniß der Antheile „derjenigen, die nicht zahlen koͤnnen, verpflichtet; man kaun »ihn gleichwohl dafuͤr nicht mehr in Anſpruch nehmen, daß „ſpaͤterhin und nach dieſer Theilung noch mehrere in Unver— «mögen zu zahlen gerathen ſind.» Dieß iſt eine zweyte Cihrede, die der Kaiſer Vadrian zu Gunſten der Bürgen eingefohet hat, wie uns der ſchon ar— geführte F. 4. belehrt, nach welchem ſich unſer Artikel richter Dieſe Einrede bleibt indeſſen, ſo wie jene der Perans⸗ klage ganz gewöhnlich ohne Wirkung, weil es faſt gebräuch— lich iſt, die Bürgen darauf Verzicht leiſten zu laſſen.*) *) Ju dem vorliegenden Artikel heißt es nicht, wie im Art. 20 3421 daß die Einrede der Theilung auf das erſte gerichtliche Verfad— ren, welches gegen den Bürgen gerichtet wird, vorgebracht wer⸗ den müſſe. Auch iſt Pothier in ſeinem Traité des 5 ½ atſonn, 426, der Meinung, daß die Einrede der Theilung; die Sache nöz⸗ ſo weit gebiehen ſeyn; als ſie wolls— ſelbſt in der Appel⸗ 128 mm. Buch. Xlv. Tit. Von der Buͤtgſchaft⸗ Art. 2027.„Hat der Gläubiger ſelbſt und freywillig „ſeine Klage getheilt, ſo kann er von dieſer Theilung nicht abgehen, wenn ſchon ſelbſt vor der Zeit, da er ſie auf ſolche Weiſe bewilliget hat, ein dder anderer Buͤrge unver⸗ «moͤgend geweſen ſeyn ſollte zu zahlen.» Hier trug man darauf an, daß die beym Art. 2024 an⸗ genommene Modification, d. h. die Friſt von drey Monaten⸗ wovon wir bey geſagtem Artikel geſprochen haben, ebenfalls im Falle des vorliegenden Artikels angenommen werden möchte. Die Urſache iſt nicht in beyden Föllen die nehmliche, antwortete man; denn im Falle des Art. 2024 iſt der Gläu⸗ biger zur Ausklage verbunden, wogegen im Falle unſeres Artikels der Gläubiger ſelbſt die Klage getheilt hat. Ohne⸗ hin haben wir aber bereits erinnert, daß geſagte Modifica⸗ tion, ſo gar im Falle des Art. 2024, in ſeiner ſchließlichen Redaction hinweggelaſſen worden iſt. 3 weyter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter dem Schuldner und dem Bürgen. Art. 2023.„Ein Buͤrge, der Zahlung geleiſtet hat, hat ſeinen Regreß wider den Hauptſchuldner, die Bürg⸗ „ſchaft mag mit oder ohne Vorwiſſen des Schuldners üͤber⸗ nommen worden ſeyn. 6 lations⸗Inſtanz noch vorgebracht werden könne. Die Uurſache, die er hievon angibt, iſt dieſe, weil die Einrede der Theilung dahin abzielt, die Klage des Gläubigers gegen denjenigen, der ſie vorſchützt, in ſo ferne gäntlich auszuſchließen, als ſich die Antheile ſeines Mitbürgen betragen, und folglich mehr zerſtörlich, als verzögerlich iſt. Zur Unterſtützung dieſer Behauptung beruft er ſich auf die T. 10, S. 17 Cod.. Uebrigens iſt es keinem Zweifel unterworfen, daß die Einrebe der Borausklage dann, wenn ſich die Bürgen ſolidariſch mit dem Hauptſchuldner ver⸗ bunden habèn, und jene der Theilung dann hinwegfalle, wenn die Bürgen ſich ſolidariſch untereinander verbunden haben. S⸗ die Art. 1261 und 1283 des Geſ. Naß. B. III. Buch. XlV. Tit. Von der Bürgſchaft. 129 „Dieſer Regreß hat nicht allein für das Capital, ſon⸗ »dern auch für die Zinſen und Koſten Statt; in Hinſicht der „Koſten hat der Bürge gleichwohl nur in ſo weit einen Re⸗ greß, als ſie von ihm verwendet worden ſind, nachdem er „das wider ihn gerichtete Verfahren dem Hauptſchuldner an⸗ „gekuͤndiget hatte. „Er hat gleichfalls ſeinen Regreß fuͤr den erlittenen „Schaden und entbehrten Gewinn, in ſo fern dieſer Fall „eintritt.« Stimmt mit dem F. 6. Inst. de ſidej. überein. Der Buͤrge, welcher bezahlt hat, kann nicht nur das Capital und die Zinſen zurückfordern, ſondern auch Zinſen von dieſen Zinſen, welche er bezahlt hat, fordern, weil ſie fuͤr ihn ein Capital ſind. Allgemein war dieſes auch in der Praris angenommen. S. Polive, lib. 4, ch. 32 in ſin., Catellan, liv. 6, ch. 8, Argon, Serres, etc. In Hinſicht der Koſten, hat man ſich nach der Verfü⸗ gung der Ordonnanz von 1667, Tit. des garans, gerichtet. Art. 2029.„Der Bürge, welcher die Schuld gezahlt hat, tritt in alle Rechte ein, welche der Gläubiger wider „den Schuldner hatte.« Von Rechts wegen tritt alſo der Bürge in die Rechte des Gläubigers ein. Das Gegentheil iſt zwar in der Z. 59, h de ſidej. enthalten; allein die Verfügung dieſes Geſetzes ſah man ſelbſt in den Provinzen, worin das römiſche Recht galt, als ungerecht an. S. Maynard, i. 2, ch. 49, und Polive, liv. 4, ch. 31.*) Art. 2030.„Waren es mehrere Hauptſchuldner, welche „ſammt und ſonders fuͤr dieſelbe Schuld zu haften hatten, *) Daß übrigens die Verfüguns dieſes Artikels ſelbſt dann ein⸗ trete, wenn ſchon die Verbürgung vor der Verkündung des Geſetzbuches geſchehen wäre, dieß bedarf keiner Ausführung. S. hierüber die Jurispr. de la C. de C. 1805 p. 45 4 u. f. B. IV. Malles.. 130 m. Vuch. Xlv. Tit. Von der Buͤrgſchaft. „ſo iſt der Bürge, der ſich fuͤr alle verbürgt hat, berechti⸗ get wider einen jeden aus ihnen für das Ganze, was er gezahlt hat, den Regreß zu nehmen.» S. Pothier, n. 441. Art. 203r.„Der Bürge, der zuerſt die Schuld zahlte⸗ „hat keinen Regreß wider den Hauptſchuldner, der ſie aber⸗ mahls gezahlt hat, wenn er ihn über die von ihm geſche⸗ hene Zahlung nicht benachrichtiget hat; ihm bleibt gleich⸗„ „wohl die Klage auf Zurückforderung wider den Gläubiger «vorbehalten. „Hat der Bürge Zahlung geleiſtet, ohne daß ein gericht⸗ „liches Verfahren wider ihn Statt hatte, und ohne daß er „den Hauptſchuldner davon benachrichtigte, ſo hat er wider «ihn keinen Regreß, wenn der Schuldner in dem Augenblicke t der geleiſteten Zahlung Gründe gehabt hätte, wodurch er. „erwirken konnte, daß die Schuld fur erloſchen erklärt wurde, d „ſeine Klage auf Zurückforderung wider den Gläubiger bleibt ihm gleichwohl vorbehalten.« Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit der T. 29, F. 3, F. mand. liberein. Hierin heißt es ebenfalls, daß der Schuld⸗ 1 ner, welcher bezahlt, auch den Bürgen davon benachrichti⸗ ſ gen mliſſe⸗ gimiliter reus volvens ſidejussorem Suum certio- ſ rare debet. 4 Der zweyte Theil ſtimmt mit der L. 10, F. 12, eòd. uͤberein. m Art. 2032.„Der Bürge kann, ſelbſt ehe er Zahlung „geleiſtet hat, wider den Schuldner klagen, um von ihm ſ „entſchädiget zu werden: 3 1)„Wenn er ber Zahlung halber gerichtlich verfolgt «wird; 2)„Wenn der Schuldner fallit geworden, oder ſein ſ „Permögen gänzlich in Verfall gerathen iſt; 3)„Wenn ſich der Schuldner verpflichtet hat, in einer „beſtimmten Friſt ihm die Entlaſſung von ſeiner Verbindlich⸗ „keit beyzubringen; in UM. Buch. XlV. Tit. Von der Buͤrgſchaft. 11 4)» Wenn die Schuld durch Ablauf des Termins, wo⸗ „rauf ſie contrahirt war, faͤllig und klagbar geworden iſt; 5)„Nach Umlauf von zehn Jahren, wenn die Haupt⸗ „Verbindlichkeit keinen beſtimmten Verfalltag hat; es ſey „dann, daß die Hauptverbindlichkeit von der Art nicht iſt, *daß ſie vor einer beſtimmten Zeit getilgt werden kann, wie dieſes bey einer Vormundſchaft der Fall iſt. Stimmt mit der T. 10, cod. andati, und mit der T⸗ 38, eod. überein. Unter dem Worte diu, welches in der T. 38 vorkommt, wo es heißt: J reus diu in Solutione cessavit, verſtand man in der Praris zehn Jahre. Iſt der vorliegende Artikel auch auf die conſtituirten Ren⸗ ten anwendbar? d. h. Wenn der Schuldner die Rente richtig bezahlt, kann der Bürge ihn nach zehn Jahren zwingen, das Capital abzulegen, wenn ſchon hierüber im Acte nichts ausbedungen worden iſt? Veym Parlamente von Toulouſe entſchied man dieſe Frage mit Nein. Catellan, iiv. 5, ch. 21. Serres, p. 482.— Dagegen ſagt Pothier, n. 445, die entgegengeſetzte Meinung ſey in der Praris angenommen, und beruft ſich zur Unter⸗ ſtuͤtzung ſeiner Meinung auf Basnage, part. 2, ch. 5, und auf ein von Rousseaud angeführtes Parlaments⸗Urtheil. Da unſer Artikel keinen Unterſchied macht, ſo muß man meines Erachtens die Meinung Pothier's befolgen. In der That iſt zwiſchen demjenigen, der ſich fuͤr eine Vormund⸗ ſchaft, fuͤr eine auf lange Jahre geſchloſſene Pachtung, für einen Ehemann wegen der Zurückgabe des Brautſchatzes verbürgt hat, und zwiſchen jenem“, der ſich für eine conſti— tuirte Rente als Bürge dargeſtellt hat, ein großer Unter⸗ ſchied: erſterer kann freylich ſeiner Verbindlichkeit ſo lange nicht entledigt werden, als die Vormundſchaft, die Pachtung, oder die Ehe dauert; Renten⸗Capitalien aber kann man ab— legen, und täglich ſieht man wirklich, daß dergleichen Capi⸗ talien abgelegt werden. m. Büch. X1v. Tit. Von der Bürsſchaft. Dritter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter den Mitbürgen. Art. 2033.„Wenn mehrere Perſonen wegen einer „und derſelben Schuld ſich für eben denſelben Schuldner verbürgt haben, ſo hat der Bürge, der die Schuld gezahlt „hat, ſeinen Regreß wider die uͤbrigen Bürgen und zwat „wider einen jeden für ſeinen Antheil⸗ „Dieſer Regreß hat jedoch nur dann Statt, wenn der „Burge in einem der im vorhergehenden Artikel ausgedruck⸗ „ten Fälle gezahlt hat.» Nach dem romiſchen Rechte hatte der Buͤrge, welcher be⸗ zahlt hatte, gegen ſeine Mitbuͤrgen nur dann eine Klage, wenn er ſich die Rechte des Gläubigers hatte übertragen laſſen; in Frankreich trat er aber von Rechts wegen in die Rechte des Gläubigers ein. DArgentré über den Art. a13 des Gewohnheits⸗Rechtes von Bretagne; Pothier, n. 445 Serres, p. 434. In unſerem Artikel heißt es, der Regreß des Bürgen gegen ſeine Mitbürgen habe nur in den im vorhergehenden Artikel ausgedruckten Fällen Statt. In der That, wollte er außer dieſen Fällen ſeine Mitbuͤrgen zwingen, ſich mit ihm zu vereinigen, um ſich ihrer Verbindlichkeit zu entledigen, ſo würde man ihn mit dieſem Geſuche abweiſen; ſo gar wenn er bezahlt hätte, konnte er ſie nicht unmittelbar zwingen, ihm ihren Theil zurückzuerſtatten; nur waͤre er in die Rechte des Gläubigers eingeſetzt, um ſie gegen den Schuldner, und die übrigen Buͤrgen auf die nehmliche Art geltend zu machen, wie der Gläubiger es hätte thun können. S. Pothier, a. a. O⸗ Drittes Capitel⸗ Von Erloſchung der Buͤrgſchaft. Art. 2034.»bDie aus einer Verbürgung entſtehende „Perbindlichkeit erliſcht aus eben den Urſachen, aus welchen „die übrigen Verbindlichkeiten aufhören⸗⸗ ——. -— ———— n MI. Buch. XIV. Tit. Von der Bürgſchaſt. 133 Vorzüglich erliſcht ſie mit der Hauptverbindlichkeit, wo⸗ von die Bürgſchaft nur das Acceſſorium iſt. Pothier, n. 4o6. Art. 2035.„Die Confuſion, die ſich in der Perſon des „Hauptſchuldners und ſeines Bürgen ereignet, indem einer „von ihnen der Erbe des andern wird, hebt die Klage des „Gläubigers wider denjenigen nicht auf, der ſich für den „Bürgen verbürgt hat.⸗ Art. 2036.„Der Bürge iſt berechtiget, dem Glaͤubiger „alle die Einreden entgegenzuſetzen, welche dem Haupt⸗ »ſchuldner zuſtehen, und welche der Schuld ankleben. „Er kann gleichwohl jene Einreden nicht vorſchützen, „welche dem Schuldner bloß für ſeine Perſon zuſtehen.» Cum leæ contractui oecurreręe voluit, ſidejussor ſquoque liberatur. T 46, H. h. D. h., iſt der Contract, ohne alle Rückſicht auf die Perſon des Hauptſchuldners, ungültig, oder kann er wegen irgend eines dem Contracte ſelbſt an⸗ klebenden Fehlers, z. B. wegen Argliſt, Irrthum, Zwang, Gewaltthätigkeit, Verletzung, oder gar wegen der Eigenſchaft der Sache, die der Gegenſtand des Contractes iſt, fuͤr nichtig erklaͤrt werden, ſo kann ſich der Bürge aller dieſer Mittel, ſo wie der Schuldner ſelbſt, bedienen; iſt aber der Contract bloß wegen der Eigenſchaft der Perſon des Schuldners, z. B. weil er ein Minderjähriger, ein interdicirter Verſchwender iſt, nichtig, oder der Resciſſion unterworfen, ſo beſteht die Bürgſchaft, wenn ſchon der Schuldner ſich gegen ſeine Ver⸗ bindlichkeit in den vorigen Stand wiedereinſetzen läßt. S. Rousseaud, V. Caution, Sect. 5 n. 7, wo alle ſich hierauf beziehende Schriftſteller angeführt werden. Der Bürge, ſetzt Rousscaud nach dem F. 4, inst. de re- plicat. hinzu, bleibt verbunden, wenn ſchon der Schuldner zur Rechtswohlthat der Güter-Abtretung zugelaſſen wird, und dieß iſt meines Erachtens gerecht.*) Dem vorliegenden Artikel zu Folge kann alſo a) ein Buͤrge, zugleich mit dem Hauptſchuldner ſich als Belagter vertheidigt 134 m. Buch. Xlv. Lit. Von der Bürgſchaft. Art. 2037.„Der Buͤrge iſt ſeiner Verbindlichkeit ent⸗ „lediget, wenn es durch ein Factum des Gläubigers nicht 1 „mehr möglich iſt, die Einſetzung des Bürgen in die Rechte, „Hypotheken unb Privilegien dieſes Gläubigers zu bewirken. Z. B. Wenn der Schuldner durch Verſchulden des Gläu⸗ vigers freygeſprochen worden iſt, oder wenn der Gläubiger den Schuldner von ſeiner Verbindlichkeit befreyt hat. S⸗ n Pothier, n. 5a0. Art. 2038.„Hat der Gläubiger ein liegendes Gut oder „jede andere Sache für die Hauptſchuld an“ Zahlungsſtatt „freyrillig angenommen, ſo iſt der Bürge hiedurch befreyt, „ſelbſt dann, wenn der Glaͤubiger die ſe Sache durch Eviction „wieder verliert.⸗ 5 Acquisitã vemel erceptione pacti, Rdejussor iterum non„ obligatur invitus. F. ult. de pactis. Ehemahls war„ indeſſen dieſe Frage ſehr ſtreitig, und bey Basset und Bas- nage findet man hlerüber Parlaments⸗Urtheile für und wider⸗ 1 Art. 2039.»Eine bloße Verlaͤngerung der Zahlungs⸗ friſt, welche dem Hauptſchuldner von dem Glaubiger „geſtattet worden iſt, befreyt den Bürgen nicht, der in die⸗ »ſem Falle wider den Schuldner klagen kann, um ihn zur „Zahlung zu zwingen.» ren, oder Caſſation dagegen nachſuchen, wenn ſchon der Haupt⸗ ſchuldner es dabey bewenden läßt; ſo gar kann er b) Gruͤnde geltend machen, die der Hauptſchuldner allein vor dem urtheile geltend gemacht hatte; und aus der nehmlichen urſachs wird auch e) ein zu Gunſten des Hauptſchuldners erlaſſenes urtheil ſo angeſehen, als wenn es zu Gunſten des Bürgen erlaſſen wor⸗ den waͤre; verurtheilte man den Letztern, nachdem man den Erſtern freygeſprochen hat, ſo waͤre dieß dem Anſehen einer rechtskraͤftigen Eutſcheidung zuwidergehandelt.— Verſteht ſich mit Vorbehalt der in der Anmerkung des Herrn Verfaſſers ent⸗ haitenen Diſtinetion. S. Repertoire de Jurispr. V. Caution, 3 d 1 hat, und mit ihm verurtheilt worden iſt, vom urtheil appelli⸗ e d B. u. Buch. XlV. Tit. Von der Bürgſchaft. 135 Hier iſt man der Meinung Pothier's beygetreten, die mit jener des Vinnius übereinſtimmt. Der entgegengeſetzten Mei⸗ nung war inzwiſchen Fachin, Controv. lib. 2, cap. 88, wenn die Verlaͤngerung der Zahlungsfriſt ſehr groß war, und der Schuldner in der Zwiſchenzeit inſolvent wurde. Der Bürge entſchließt ſich ſelten, den Schuldner zu verfolgen, wenn man ihn ſelbſt in Ruhe laͤßt. Viertes Capiteil. Von der geſetzlichen und der gerichtlichen Bürgſchaft. Art. 2090.„ So oft jemand durch eine Verordnung des »Geſetzes oder zu Folge eines Urtheils verpflichtet iſt, Bürg⸗ »ſchaft zu ſtellen, müſſen bey dem Bürgen, den er in Por⸗ »ſchlag bringt, die im 2018. und 2019ten Artikel vorge⸗ „ſchriebenen Bedingungen eintreten⸗ „Iſt von einer gerichtlichen Bürgſchaft die Rede, ſo muß der Bürge noch außer dem unter die Zahl derjenigen ge⸗ «hören, wider welche, wegen ihrer Schulden, ein perſoͤn⸗ „licher Arreſt erkannt werden darf.« Für Verbindlichkeiten, die mit der Juſtitz eingegangen werden, werden, wie Herr Treilhard, als er dieſen Titel dem Geſetzgebungs⸗Corps vorlegte, in Betreff des zweyten Theiles unſeres Artikels ſagte, ſtaͤrkere Bande und groͤßere Sicherheits⸗Maßregeln erfordert; ohnehin wird die Strenge dieſer Verfügung durch den folgenden Artikel gemildert. Art. 20g1.„Wer keinen Bürgen finden kann, dem wird „es erlaubt, an deſſen Stelle ein hinlängliches Umterpfand auszuliefern. a Art. 2042.„Der gerichtliche Bürge kann nicht da⸗ »rauf antragen, daß der Hauptſchuldner vorher ausgeklagt „werde.* Dieß war in der Praris allgemein angenommen⸗ S. Lapeyrère, lett. D, n. 28; Rousseaud, V. Caution, ect⸗ 3, n. 1 Serres, p. 83. 136 MI. Buch. XV. Tit. YVon dem Vergleiche. Die beyden letztern Schriftſteller lehren ſogar, daß die gerichtlichen Bürgen die Rechtswohlthat der Theilung eben⸗ falls nicht als Einrede entgegenſetzen können. Rousseaud ſagt ferner, daß diejenigen, die ſich unter Kaufleuten verbürgt haben, ſich der Wohlthat der Voraus⸗ klage nicht bedienen können, und führt zur Unterſtützung dieſer Meinung viele Rechtslehrer an⸗ Art. 2043.„Wer fuͤr einen gerichtlichen Buͤrgen ſich „unbedingt verbuͤrgt hat, kann nicht fordern, daß der Haupt⸗ ſchuldner und der Buͤrge zuerſt ausgeklagt werden.» Ueber dieſe Frage waren die Meinungen ehemahls ſehr verſchieden, S. Lapeyrére, a. a. D. Sogar führt Rousseaud ein Parlaments⸗Urtheil an, wel⸗ ches der Meinung, die der Artikel angenommen hat, zuwi⸗ der iſt; meines Erachtens iſt er aber derjenigen beygetreten, die mit dem Geiſte des ganzen Geſetzes am meiſten über⸗ einſtimmt⸗ Uebrigens wird man bemerken, daß in dieſem Titel kein Wort von dem berühmten vellejaniſchen Senatus⸗Conſultum vorkommt, welches den Frauensperſonen verboth, ſich fuͤr einen andern zu verbuͤrgen. Dieſes Senatus⸗Conſultum wurde in den Provinzen, worin das römiſche Recht galt, ſtrenge beobachtet, unerachtet der König Henrich IV. es mittelſt ſei⸗ nes Edictes vom J. 160 abgeſchafft hatte. Jetzt kann es indeſſen nirgends mehr vollzogen werden⸗ Fuͤnfzehnter Titel. Von dem Vergleiche. (Decr. den 20. Maͤrz 1804. Promulgirt den 36. des nehml. Mon.) (S. den Tit. 15 des B⸗ 2 der Pandecten, und den Tit⸗ 4 des B. 2 im Codex.) Art. 204.»Der Vergleich iſt ein Contract, wodurch „die Parteyen entweder einen ſchon entſtandenen Rechtsſtreit „beylegen, oder einem bevorſtehenden Rechtsſtreite zuvor⸗ „kommen. III. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. 137 „Dieſer Contract muß ſchriftlich abgefaßt werden. ⸗ Oder zuvorkommen. Nicht nur über einen ange⸗ fangenen Prozeß, ſondern auch dann kann ein Vergleich ge⸗ ſchloſſen werden, wenn ein Rechtsſtreit zu befürchten iſt, propter timorem litis. F. 2, cod. h. Dieſe Beſorgniß muß indeſſen wirklich und gegründet, ſie darf nicht erdichtet ſeyn, um eine andere Handlung mit dem Nahmen ein?s Vergleiches zu belegen, nec litem ſfingere licet, ut transactio fat; denn ſonſt wäre es anderſt nichts als ein ſimulirter Vertrag. Dumoulin, in P. 6. cod. de Sacrosanct. eccl. Dieſer Contract muß ſchriftlich abgefaßt werden. Da man eine faſt aͤhnliche Verfuͤgung in Anſehung des Verkau⸗ fes der Immobilien antrifft, und die Redner der Regierung und des Tribunates doch der Meinung waren, daß der Ver⸗ kauf eines unbeweglichen Gutes, welches den Werth von 150 Fr. nicht uͤberſteigt, durch Zeugen bewieſen werden könne, ſo kann man annehmen, daß es ſich eben ſo mit dem Vergleiche verhalte. S. den Art. 1382. Art. 2045.» Um ſich zu vergleichen muß man die „Fähigkeit haben, über die im Vergleiche begriffenen Gegen⸗ „ſtände zu verfügen.« „Ein Vormund kann ſich im Nahmen des Minderjähri⸗ »gen oder des Interdicirten nur nach Vorſchriſt des 467. »„Artikels unter dem Titel von der Minderzährigkeit, der „Vormundſchaft und der Emancipation vergleichen; mit „dem Minderjährigen, der ſeine Volljöhrigkeit erreicht hat, „kann er ſich über die Vormundſchaftsrechnung gleichfalls »nur nach den Beſtimmungen des 472. Artikels unter dem⸗ „ſelben Titel vergleichen.« „Die Gemeinden und öffentlichen Anſtalten können ſich »nur mit ausdruͤcklicher Ermaͤchtigung des Kaiſers ver⸗ „gleichen.«*) *) Regierungs Beſchluß vom 21. Frimaire 12. J.(13. Derem⸗ ber 1303.) 138 U1. Buch. XV. Lit. Von dem Vergleiche. Man ſehe die Artikel, worauf ſich der vorliegende bezieht. Art. 20 36.»Man kann ſich uͤber das aus einem Ver⸗ „brechen entſtehende Privat⸗Intereſſe vergleichen. „Der Vergleich hindert das gerichtliche Verfahren des „öffentlichen Miniſteriums nicht.« Herr Bigot hat in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps vey Vorlegung dieſes Titels die Gebräuche der Römer in Betreff der Vergleiche uͤber Verbrechen, und die Mängel dieſer Gebraͤuche ſehr gut auseinandergeſetzt. Zuerſt läßt er die Bemerkung einfließen, daß es in Rom keinen Beamten gab, der mit dem Anklagen und der öffentlichen und gericht⸗ lichen Verfolgung der Verbrecher beauftragt war, wie dieß doch bey uns der Fall iſt.— Ich ſetze, nach der Lehre Mon⸗ tesquieus noch hinzu, daß man die erſte Erwähnung ſolcher Beamten, die unſern kaiſerlichen Procuratoren aͤhnlich ſind, in den Geſetzen Jacobs II. Königes von Majorka antrifft.— Vormahls hatte jeder Buͤrger in Anſehung offentlicher Ver⸗ brechen, mit Ausnahme jedoch des Ehebruches, unerachtet er auch als ein offentliches Verbrechen angeſehen wurde, das Recht, anzuklagen; was aber die Privat⸗Verbrechen betraf, worunter der einfache Diebſtahl, furtum, begriffen war, waren nur die Parteyen berechtigt, ſie zu verfolgen. S. die TT. 1 H de publ. jud. und ult. V. de privat. delict. Art. 1. Bey allen ſchon vorhandenen, ſo wie auch bey jenen Prozeſſen, welche künftig zwiſchen Gemeinden und Privat⸗ Perſonen uͤber Eigenthumerechte entſtehen mögen, können die Gemeinden erſt nach einem vorhergegangenen Beſchluſſe des Mu⸗ nieipal⸗Rathes und mit Genehmlgung des Präfeeten des Depar⸗ tements, welcher ſie nach der Meinung des Präfectur⸗Rathes ertheilt, ſich vergleichen; der Beſchluß des Muniripal⸗Rathes wird auf das eingehohlte Gutachten dreyer von demſelben Prä⸗ ſecten bezeichneten Rechtsgelehrten genommen. 2. Dieſer Vergleich, um definitiv gültig zu ſeyn, muß durch einen Beſchluß der Regicrung(ein kaiſerliches Deeret)/ welches in der für die Verordnungen öffentlicher Verwaltung vorgeſchriebenen Ferm erlaſſen iſt; beſtätiget werden. —— 1II. Buch. XV. Tit. Von dem Bergleiche. 139 Aus dieſen Einrichtungen entſprangen die römiſchen Ge⸗ ſetze über die Vergleiche; äber Privat⸗Verbrechen konnte man ſich vergleichen, weil nur die Parteyen dabey ein Intereſſe hatten; auch war es noch, aus einem Grundſatze von Menſch⸗ lichkeit, erlaubt, ſich uͤber Verbrechen zu vergleichen, die mit dem Tode beſtraft wurden, omnis honesta ratio eæpe- diendæ salutis. In Anſehung der übrigen öffentlichen Ver⸗ brechen aber war dieſes verbothen, das Falſum war hievon ausgenommen; wenigſtens bin ich der Meinung, daß den LT. 7 und 12 cod. ad T. Corn. de falsis zu Folge, nach welchen die Anklage wegen eines Falſums nur durch eine Verjährung von zwanzig Jahren, oder durch einen Vergleich, oder durch den vor dem Urtheile erfolgten Tod des Schuldigen ausge⸗ ſchloſſen wird, die in der F. 18, cod. de transact. vorkom⸗ menden Worte: citrä falsi accusationem in dieſem Sinne verſtanden werden muͤſſen.*) In den Faͤllen, worin es nicht erlaubt war, ſich zu vergleichen, wurde der Vergleich als ein Geſtändniß von Seiten des Schuldigen, und als eine Pflicht⸗Verletzung von Seiten des Anklaͤgers, welcher von der Anklage abſtand, angeſehen. Ueber alles dieſes ſehe man die geſagte T. 18. cod.; die F. 5 N de his qui not. inf. und die F. 9, cod. de cont. et comm. stipul. Tacitus belehrt uns, wie viel Unheil diejenigen, welche die Rolle eines Anklägers ſpielten, unter dem Tiberius und den übrigen ſchlechten Fuͤrſten, die ihm nachfolgten, anrich⸗ teten; und wahrſcheinlich hatte dieſe oft wiederhohrte Erfah⸗ rung zur Folge, daß öffentliche Beamten angeſtellt wurden, wovon man mehr Unparteylichkeit, und eine ausgedehntere Wachſamkeit hoffen mußte. Sobald indeſſen ein öffentlicher Beamter mit der Verfol— gung des Verbrechers beauftragt iſt, dann ſteht zwar den *) Man ſehe inzwiſchen Noodt, Cocceji, Vinuius, Glück und mehrere andere über dieſe Materie. B. 140 M. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. Parteyen nichts im Wege, ſich über ihr Privat⸗-Intereſſe zu vergleichen; ein ſolcher Vergleich kann ſogar nicht als ein Geſtändniß, von Seiten des Angeklagten angeſehen werden, denn das bloße Verlangen, ſich einer erniedrigenden und ge⸗ fährlichen Prozedur zu entziehen, kann einen Unſchuldigen ganz gut bewegen, etwas aufzuopfern, um denjenigen zu entwaffnen, der den offentlichen Beamten zur Verfolgung des Verbrechens antreibt; es hindert aber letztern nicht, ſein Verfahren fortzuſetzen, wenn er es dienlich erachtet, und es bedarf wohl keiuer Erinnerung, daß er ſich noch weniger als die ehemahligen Ankläger vergleichen dürfe. 5 Art. 2097.»Einem Vergleiche kann man die Clauſel„ „hinzufügen, daß derjenige, der ihn nicht erfuͤllen wird,* „eine Conventional⸗Strafe erlegen ſoll« Art. 2098.»Vergleiche bleiben auf ihren Gegenſtand „eingeſchraͤnkt; hat man hierin auf alle Rechte, Klagen und „Forderungen Verzicht gethan, ſo verſteht ſich dieſes nur von „denjenigen Anſprüchen, welche ſich auf den Streit beziehen, „der den Vergleich veranlaßte.« Non ultré conventa.... cum iniquum sit perimi pacto id de quo cogitatum non docetur. P. 9, F. Art. 2040.»Vergleiche ſchlichten nur diejenigen Strei⸗ „tigkeiten, welche darin begriffen ſind, die Parteyen mögen „durch ſpecielle oder allgemein⸗ Ausdrücke ihre Geſinnung. „geäußert haben, oder man mag dieſe Geſinnung durch eine „nothwendige Folge deſſen, was hierin ausgedruckt iſt, „erkennen.«„ Dieſer Artikel iſt nicht ganz deutlich; Herr Bigot hat ihn auf folgende Art erklaͤrt: d „Iſt in einem Vergleiche über eine Zwiſtigkeit eine Ver⸗ zichtleiſtung auf alle Rechte, Anſpruͤche und Forderungen vorhanden, ſo muß dieſe Verzichtleiſtung nicht auf dasje⸗ nige au gedehnt werden, was ſich nicht auf die Zwiſtig⸗ keit bezieht⸗«. IM. Buch XV. Tit. Von dem Vergleiche. 141 „Um zu erkennen, ob mehrere Zwiſtigkeiten mittelſt des nehmlichen Vergleiches beendigt worden ſeyen, iſt es noth⸗ wendig, daß entweder die Parteyen ihre Abſicht durch be⸗ ſondere oder allgemeine Ausdrücke an den Tag gelegt haben, oder daß man dieſe Abſicht aus einer nothwendigen Folge deſſen, was ausgedruckt worden iſt, erkenne.⸗ S. Faber, in cod. lib. a, tit. 4, def. 6 und 72. Arr. 2050.»Erwirbt derjenige, der ſich über ein für „ſeine Perſon und in eigenem Nahmen ihm zuſtehendes Recht »verglichen hatte, in der Folge ein gleiches Recht, indem „er in die Stelle einer andern Perſon eintritt, ſo iſt er, ſo „viel das neu erworbene Recht betrifft, an den vorherigen „Vergleich nicht gebunden.⸗ Transactid non porrigitur ad jus posted quæsitum, licet Simile sit. T. 5. Art. 2051.»Ein Vergleich, der von einem der Par⸗ »teyen geſchloſſen worden iſt, bindet die übrigen Intereſſen⸗ »ten nicht; ſie können ſich gleichfalls auf dieſen Vergleich „nicht beziehen.« Dieß iſt eine Folge der Regel: aliis non nocet, quod inter alios actum est. Art. 2052.»Vergleiche haben unter den Parteyen die „Kraft eines in letzter Inſtanz ergangenen rechtskräftigen „Urtheils.⸗ »Sie koͤnnen weder aus dem Grunde eines Rechtsirr⸗ »thums, noch aus dem Grunde einer Verletzung angegriffen „ werden.« Der erſte Theil des Artikels enthaͤlt die Ausdrücke der F. 20, cod. R. Unter dem Vorwande eines Rechtsirrthums kann ein Vergleich nicht angefochten werden, T. 23, cod. h. und Perer, ack hunc tit. n. a6, wohl aber wegen eines error ſacti. Beyſpiele hicvon wird man in den folgenden Arti⸗ keln ſehen, 14 2 m. Buch. Xv. Tit. Von dem Vergleiche. Was die Verletzung betrifft, dieſe kann nie ein Grund zur Einſetzung in den vorigen Stand gegen Vergleiche ſeyn: die Ordonnanz von 1560 hatte dieſes ſchon verordnet. Art. 2033.„Ein Vergleich kann gleichwohl wieder auf⸗ „gehoben werden, wenn man in der Perſon oder in dem „Gegenſtande des Streits geirrt hat. „Er kann in allen Fällen wieder aufgehoben werden, wo „Betrug oder Zwang Statt gefunden hat.« Glaube ich, mich mit dem Johann zu vergleichen, welcher Anſprüche an mir haben mag, und ich vergleiche mich mit dem Peter, der keine vernuͤnftige Klage gegen mich begrün⸗ den kann, ſo iſt zuverläßig der Vergleich ungültig⸗ Eben ſo, wenn ich die Abſicht habe, mich über eine Sache zu vergleichen, und mein Mitcontrahent hat die Ab⸗ ſicht, ſich über eine andere zu vergleichen, ſo iſt kein Ver⸗ gleich vorhanden, weil keine Einwilligung vorhanden iſt. Was die Argliſt und Gewaltthätigkeit betrifft, dieſe ma⸗ chen die Vergleiche, deren Beweggrund ſie ſind, ſo wie je⸗ den andern Contract unguͤltig. T. 9, F. 2e cod. h. Die Ordonnanz von 1560 entſcheidet dieſes ebenfalls⸗ Art. 2054.„Wider einen Vergleich hat ebenfalls die „Reſciſſionsklage Statt, wenn ein nichtiger Rechtstitel da⸗ „bey zum Grunde liegt, und um ihn zu vollziehen, der Ver⸗ „gleich zu Stande gekommen iſt, die Parteyen hätten dann „ausdrücklich ſich über die Nichtigkeit verglichen.« So entſcheidet es die T. penult. cod. h. in Hinſicht ſol⸗ cher Vergleiche, die uüber eine falſche Urkunde geſchloſſen worden ſind, es ſey dann, daß man ſich ſelbſt über die Falſchheit der urkunde verglichen haͤtte. Mehr Schwierigkeit hatte es in Anſehung der nichtigen Teſtamente; nach der Praris des Parlamentes von Bordeaux durfte nicht nur derijenige, der ſich daruͤber verglichen, ſondern auch derienige, der das Teſtament nur im geringſten gut geheißen hatte, es nicht mehr anfechten. Mehrere Urtheile habe ich ierüber aus den Jahren 1743, 1738 und 1759 aufge⸗ UI. Buch. XV. Tit. Ven dem Vergleiche. 143 zeichnet. Unſerem Artikel zu Folge muß indeſſen dieſe Praxis abgeaͤndert werden. Art. 2035.»Ein Vergleich, der auf Urkunden geſchloſ⸗ »ſen worden, die nachher für falſch erkannt worden ſind, „iſt ganz nichtig.« Stimmt mit der F. ℳ2, cod. h. uͤberein. Im Entwurfe dieſes Artikels hieß es bloß: auf falſche Urkunden; die Nichtigkeit des Vergleiches, ſagte man muß nur in dem Falle Statt haben, wenn nach dem Vergleiche die Urkunden für falſch anerkannt werden, und dieſem zu Folge wurde der Artikel abgeaͤndert. Iſt ganz nichtig. D. h. der Vergleich iſt nicht bloß in dem Artikel, welcher auf die falſchen Urkunden gegruͤndet iſt, ſondern in allen ſeinen Punkten nichtig, weil alle Theile eines Vergleiches ſich aufeinander beziehen, wie Hert Bigot es erklärt hat. Art. 2056.»Der Vergleich iſt ungültig, wenn er über »einen Prozeß geſchloſſen worden iſt, der ſchon durch ein „rechtskräftiges Urtheil entſchieden war, von dem die Par⸗ „teyen oder eine von ihnen keine Wiſſenſchaft hatte.« „Ließ ſich wider das urtheil, welches den Parteyen un⸗ »bekannt war, eine Appellation einlegen, ſo iſt der Vergleich „guͤltig.« Anfangs hatte man den Artikel ſo abgefaßt, daß ein Vergleich über einen, ſogar ohne Vorwiſſen der Parteyen abgeurtheilten Rechtsſtreit nur in ſo fern guͤltig ſeyn ſollte, als von dem Urtheile noch appellirt werden könnte; und dieß ſtimmte ziemlich mit der T. 25, F. 1, M de cond. indeb. uͤberein. Dagegen ſtellte man aber vor, daß, wenn der Prozeß in letzter Inſtanz entſchieden t, kein Gegenſtand zu einem Vergleiche mehr vorhanden ſey, und derjenige, der auf dieſe Weiſe ſeinen Prozeß gewonnen habe, ſich gewiß nicht ver⸗ glichen haben würde, wenn er Kenntniß von dem Urtheile gehabt haͤtte. So kam man alſo auf die Meinung des 144 m. Buch. Xv. Cit. Von dem Vergleiche. d'Argon in ſeinen institutions au droit frangais, tit. des Transactions zuruͤck. Uebrigens bemerkt Herr Bigot, man habe von dem Re⸗ curſe zum Caſſations⸗Hofe nicht geſprochen, weil das in letz⸗ ter Inſtanz erlaſſene Urtheil nicht weniger ein erworbenes Recht ertheile, wenn es ſchon noch mittelſt eines ſolchen Recurſes angegriffen werden könne. Ohnehin ſagt er, man könne ſich auch uͤber dieſen Recurs vergleichen. Art. 2037.»bHaben die Parteyen ſich über alle Ange⸗ „legenheiten, die ſie miteinander haben mochten, im Allge⸗ „meinen verglichen, ſo begründen diejenigen Urkunden, die „ihnen damahls unbekannt waren, und die ſpaͤterhin ent⸗ „deckt worden ſind, keine Reſciſſion, es ſey dann, daß dieſe „Urkunden durch das Factum einer der Parteyen zuruͤckge⸗ „halten wurden⸗ „Der Vergleich iſt aber unguͤltig, wenn er nur eine „Sache betraf, auf welche einer der Parteyen nach Ausweis „neu entdeckter Urkunden gar kein Recht hatte.“ In der T. 29, cod. h. heißt es, ein allgemeiner Ver⸗ gleich werde propter instrumenta de novo reperta nicht auf⸗ gehoben; dagegen machen aber die Geſetze drey Ausnahmen von dieſer Regel, nehmlich a) die F. 1„N de reb. cred. S fiat rei certæ ac Specialis; P) die T. 10 cod. h. wenn eine der Parteyen Urkunden bey Seite geſchafft hat, und c) die T. 42, edd., wenn man ſich auf falſche Urkunden ver⸗ glichen hat⸗ Man zog zwar die Regel in Zweifel, indem man zwie ſchen ihr und demjenigen eine Vergleichung anſtellte, was in Anſehung der Urtheile geſchieht, gegen welche man Wieder⸗ einſetzung in den vorigen Stand nachſuchen kann, wenn man neue Urkunden entdeckt; man antwortete aber, nach der Or⸗ donnanz koͤnne wegen ſolcher urkunden nur dann die Wieder⸗ einſetzung in den vorigen Stand nachgeſucht werden, wenn eine der Parteyen ſie zuruͤckbehalten haͤtte. In ſolchem Falle iſt nehmlich Argliſt vorhanden; wegen Argliſt aber kann man auch gegen Vergleiche reſtituirt werden⸗ lel ni „Ur en laſ Be gle an in bei Di wer wo wa St den ent lich nem ſch berg übe —*— — II. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. 145 Art. 2058.» Ein Rechnungsfehler in einem Vergleiche „muß verbeſſert werden.« Im Entwurfe dieſes Artikels hatte man noch einen zwey⸗ ten Theil hinzugeſetzt, welcher ſo lantete: Pin Vergleich uͤber eine ſtreitige Rechnung aber kann nicht angegriffen werden, wenn ſchon Irrthuͤmer oder irgend eine Unrichtigkeit in den Poften der Rechnung entdeckt werden. Dieſer Zuſatz, ſagte Herr Tronchet, verletzt den allge⸗ meinen Grundſatz, nach welchem man in allen Faͤllen zuge⸗ laſſen wird, Rechnungsfehler zu berichtigen; und auf dieſe Bemerkung wurde der Zuſatz ausgeſtrichen. Inzwiſchen ſagt Herr Bigot am Ende ſeiner Rede ans. Geſetzgebungs⸗Corps mit den nehmlichen Worten, ein Per⸗ gleich uͤber eine ſtreitige Rechnung koͤnne deßwegen nicht angegriffen werden weil Irrthuͤmer oder Unrichtigkeiten in den Poſten der Rechnung entdeckt worden ſeyen. Wahrſcheinlich hatte Herr Bigot, als er ſich ſo äußerte, den Verbal⸗Prozeß über die Discuſſion nicht vor Augen.. Dieſen ſcheinbaren Widerſpruch kann man indeſſen heben, wenn man annimmt, daß er von Irrthümern habe ſprechen wollen, welche in den Poſten ſelbſt, wotüber man in Streit war, entdeckt werden; daß aber Herr Tronchet und der'“ Staats⸗Rath von Irrthümern ſprechen wollten, welche in den Poſten, woruͤber nicht insbeſondere geſtritten wurde, entdeckt werden. In der That beſtreitet man auch gemeinig⸗ lich nicht alle Poſten einer Rechnung. Keberdieß iſt es kei⸗ nem Zweifel unterworfen, daß man uͤber Rechnungsfehler ſich eben ſo, wie über Argliſt, uͤber ein Falſum, u. ſ. w. vergleichen könne, wenn nur der Vergleich insbeſhndere hier⸗ uͤber geſchloſſen wird. T. 4, und penult. cod. h. IV. Malev. 10 146 U Buch. XVI. Tit. Von dem perſönlichen Arreſte ꝛc. Sechszehnter Titel. Von dem perſonlichen Arreſte, als einem Execu⸗ tionsmittel in Civiiſachen. (Deeret. den 13. Febr. 1804. Promulgirt den 23. des nehml. Monats.) Ueber den perſonlichen Arreſt ſehe man den Tit. 34 der Ordonnanz von 1667, und das Geſetz vom 15. Germinal 6. J.(g. April 1798), welches ihn wieder einfuͤhrte, nachdem er in den revolutionaren Zeiten durch einen unbeſcheidenen Eifer fuͤr die Freyheit abgeſchafft worden war. Mit wenigen Worten hat Herr Bigot, in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps uͤber dieſen Titel, die kurz abferti⸗ gende und harte Art beſchrieben, wie die Geſetze der zwölf Tafeln die Glaͤubiger ermächtigten, gegen ihre Schuldner zu verfahren; vielleicht haͤtte er aber nicht, ohne wenigſtens ei⸗ nigen Zweifel zu äußern, behaupten ſollen, daß ein Schuld⸗ ner, der ſich in Hinſicht mehrerer Glaͤubiger außer Stand beſand, ſie zu befriedigen, nach vorlaͤufiger Beobachtung“ einiger Formalitäten, ums Leben gebracht werden durfte. Strenge genommen, ich geſtehe es, kann der Buchſtabe des Geſetzes der zwölf Tafeln dieſen Sinn darbiethen; nach⸗ dem nehmlich darin feſtgeſetzt worden iſt, daß der Glaͤubiger befugt ſey, ſeinen Schuldner zu verkaufen, wenn ſich nie⸗ mand in der Zeit, die es beſtimmt, für ihn verbürgen will, heißt es in dem neunten Geſetze der dritten Tafel: Ast, si plures erunt rei, tertiis nundinis partes secanto; si plus minusve secuerunt, sine fraude esto volent, ultrò tiberim peregrè venumdato. Gelehrte Ausleger, und unter andern Didius, Heraldus, Heineccius und Vynkershoek haben indeſſen gezeigt, daß das Geſetz die Glaͤubiger ermaͤchtige, nicht den Körper des Schuld⸗ ners, denn das wäre graͤßlich, ſondern ſein Vermoͤgen unter ſich zu theilen; wie wäre es nehmlich ſonſt a) möglich⸗ die⸗ ſen Worten: si plus minusve secuerunt/ sine fraude esto, einen vernuͤnftigen Sinn beyzulegen? Auch wäre es b) un⸗ IM. Buch. XVl. Tit. Von dem perſönlichen Arreſte ꝛc. 147 begreiflich, warum das Geſetz mehrern Glaͤubigern ein Recht uͤber Leben und Tod des Schuldners verliehen haben ſollte, da es doch einem einzigen Glaͤubiger nur das Recht ertheilt, en Schuldner zu verkaufen; ohnehin muß man c) einem Geſetze, wenn es in einem zweyfachen Sinne verſtanden wer⸗ den kann, nicht gerade denjenigen beylegen, der der grau⸗ ſamſte iſt. Den alten Römern muß man wenigſtens dieſe Gerechtig⸗ keit widerfahren laſſen, daß, wie Aulus Gellius, welcher uns lib. 20, cap. 1 dieſes Geſetz aufbewahrt hat, durch den Cäcilius, eine der in ſeinem Geſpräche als redend ange⸗ führten Perſonen, bezeugt, nie jenes Geſetz, in dem Sinne, welchen man ihm beylegen will, vollſtreckt wurde. Selbſt die Befugniß, den Schuldner zum Sklaven zu machen, wurde bald per lcgem pæteliam papyriam abge⸗ ſchafft. Die Glaͤubiger durften nicht mehr eigenmächtig ſein Vermögen unter ſich theilen, noch ihm auf die im Tit. 13 des B. 3 der Inſtitutionen beſchriebene Weiſe ſuccediren; und das Juliſche Geſetz ſchützte ihn endlich, indem es ihm er⸗ laubte, ſein Vermögen ſeinen Gläubigern abzutreten, gegen die Ehrloſigkeit, die ſein Zahlungs⸗Unvermögen nach ſich zog. S. den angeführten Titel der Inſtitutionen, und die LF. 4, 6 und 7 cod. qui bonis ced. poss. Bis zur Abtretung des Vermögens blieben nichts deſto⸗ weniger die Schuldner dem perſoͤnlichen Arreſte wegen Civil⸗ Schulden unterworfen,— ein Gebrauch, der in Frankreich übergieng, jedoch mit dieſer Einſchrankung, daß ſie demſel⸗ ben nur dann unterworfen waren, wenn er ausbedungen worden war, was aber faſt immer zu geſchehen pflegte. So hart diefes aber auch ſchon an ſich ſelbſt war, ſo verordnete doch ſogar der Art. 58 der Ordonnanz von Moulins, daß ein Schuldner, obſchon nichts im Vertrage darüber feſtgeſetzt worden war, dann perſönlich verhaftet werden könne, wenn er binnen vier Monaten vom Tage der Inſinuation des Ur⸗ theiles angerechnet, nicht bezahlte. 145 W. Buch. XVI. Tit. Von dem perſönlichen Arreſte ꝛc. Hierauf folgte die Ordonnanz von 1667, welche, wie Herr Bigot ſich ausdruckt, die der individuellen Freyheit ge⸗ bührende Achtung mit jener, die man der Treue der Ver⸗ träge ſchuldig iſt, im Gleichgewichte hielt. Art. 2039.» In Civilſachen hat perſönlicher Arreſt im „Falle eines Stellionats Statt; „Der Fall eines Stellionats iſt vorhanden, „Wenn man eine unbewegliche Sache verkauft oder zur „Hypothek ſtellt, und weiß, daß man der Eigenthümer da⸗ „von nicht iſt; „Wenn man Güter, die elnem andern zur Hypothek ge⸗ „ſtellt ſind, fuͤr frey ausgibt, oder weniger Hypotheken an⸗ „gibt, als die, womit dieſe Guͤter wirklich beſchwert ſind.⸗ Im Entwurfe lautete der erſte Theil dieſes Artikels ſo: perſoͤnlicher Arreſt hat in Civilſachen wider die Agenten der Regierung, um ſie zur Zuruͤckerſtattung öffentlicher, der Natien(dem Staate) zugehoͤrigen Gel⸗ der zu zwingen, und gegen alle Perſonen im Falle eines Stellionats Statt, Hiegegen machte man folgende Bemerkungen; die Agen⸗ ten der Regierung, ſagte man 1), ſind nicht die einzigen, gegen welche der perſönliche Arreſt gebraͤuchlich iſt; auch die Empfaͤnger der Gemeinden, und der öffentlichen Anſtalten ſind ihm unterworfen⸗ Die Worte: Agenten der Regierung wür⸗ den überdieß 2) dem bey den Verwaltungen angenommenen Gebrauche, Zwangsbefehle mittelſt körperlichen Arreſtes gegen alle dieje⸗ en, welche dem Staate zugehörige Gelder vorenthalten, z. B. gegen Lieferanten ergehen zu laſſen, die ſich über die Verwendung der ihnen vorgeſchoſſenen Summen nicht gehörig ausweiſen, Hinderniſſe in den Weg legen. In einer andern Hinſicht, und wenn man an die Stelle der Worte: Agenten der Regierung, irgend einen allgemeinen Ausdruck, z. B⸗ Schuldner oder Porbehalter öſfentlicher Gelder ſetzen wollte, wäre nig⸗ m. Buch. XVl. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte e. 147 3) zu befürchten, daß man ihn gegen Paͤchter der Na⸗ tional⸗Güter und gegen Privat⸗Perſonen, die in Zahlung ih⸗ rer Contributivnen ſaumſelig ſind, mißbrauchen möchte, da doch dergleichen Perſonen nie dieſer Strenge ausgeſetzt ge⸗ weſen wären. Auf dieſe Bemerkungen, und nachdem man ſich vergebens Muͤhe gegeben hatte, einen Ausdruck, welcher das, was man ſagen wollte, aber auch nur dieſes bezeichnen würde, ausfindig zu machen, wurde die auf die Agenten der Regie⸗ rung ſich beziehende Verfügung ausgeſtrichen, und man er⸗ ſetzte dieſe Lücke durch den letzten Artikel dieſes Titels, d. h. man ließ es bey den eben angeſuͤhrten Gebraͤuchen bewenden. In Anſehung des zweyten Theiles des Artikels, welcher das Sellivnat betrifft, ſagte man, es könne nicht nur beym Verkaufe unbeweglicher Guͤter, ſondern auch dann begangen werden, wenn eine Geſammtheit von Mobilien verkauft wird. Die Frage, antwortete man indeſſen a), was unter einer Geſammtheit von Mobilien verſtanden werde, kann Prozeſſe veranlaſſen; oft werden b) dergleichen Streitigkeiten Sachen von mittelmäßigem Werthe zum Gegenſtande haben; beym Verkaufe eines beweglichen Gutes geſchieht c) die Ueberlie⸗ ferung von Hand in Hand, und da von dieſem Augenblicke In der Käufer ſich im Beſitze befindet, ſo hat er gegen ſei⸗ nen Verkäufer keine Klage auf Ablieferung geltend zu machen, wie dieß beym Verkaufe unbeweglicher Guͤter der Fall iſt; freylich iſt à) von Seiten des Verkäufers, welcher etwas verkauft, wovon er weiß, daß es ihm nicht zugehoͤrt, ein Verbrechen vorhanden, aber, dieſes iſt eine Beutelſchneide⸗ rey, zu deren Beſtrafung man ſich. des Geſetzes vom 22. Julius 17971 bedienen kann, welches man keineswegs geſon⸗ nen iſt abzuſchaffen: ohnehin iſt e) unſer Artikel auf Hand⸗ lungs⸗Geſchaͤfte nicht anwendbar. Endlich erinnerte man noch, ein unbewegliches Gut könne mit Hypotheken beſchwert ſeyn, wovon der Eigenthümer nichts wiſſe, z. V. wenn es ſehr weit entlegen wäre, und in die⸗ 13 III. Buch. XVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte ꝛe⸗ ſem Falle müſſe doch die auf das Stellionat geſetzte Strafe nicht Statt haben⸗ Wird bewieſen, antwortete man, daß der Eigenthümer* in gutem Glauben war, ſo faͤllt das Verbrechen hinweg; übrigens muß er aber auch nicht erklären, daß ſein Im⸗ mobile frey und ledig von Hypotheken iſt, ohne ſich vorher n verſichert zu haben, daß keine in den Hypotheken⸗Regiſtern darauf eingetragen ſind. Der Gebrauch, ſetzte man hinzu, b wird natürlicher Weiſe eine Clanſel einſuͤhren, wodurch dem Erwerber eine Friſt, um ſeinen Contract tranſcribiren zu laſſen, geſtattet, und bis dahin die Dauer der Verantwort⸗ lichkeit des Verkäufers feſtgeſetzt wird. Art. 2060.»Perſönlicher Arreſt hat ebenfalls Statt, 1)„Wegen einer im Nothfalle geſchehenen unwillkuͤhr⸗ 1 «lichen Hinterlegung; 2)»bIm Falle einer Klage auf Wiedererlangung eines „verlornen Beſitzes, wegen der von dem Gerichte befoh⸗ „lenen Raͤumung eines Grundſtückes, deſſen der Eigenthuͤmer „durch Thätlichkeiten entſetzt worden, wegen Erſtattung der »„Fruͤchte, welche der Beklagte waͤhrend ſeines widerrechtlichen „Beſitzes davon genoſſen hat, und wegen Erſatz des Schadens „und entbehrten Gewinns, welche dem Eigenthuͤmer zuer⸗ „kannt worden ſind; 3)„Wenn Gelder zurckgefordert werden, welche in dis „Haͤnde öffentlicher, hiezu beſtellter Perſonen hinterlegt wor⸗. „den ſind; 4 1i 4)„»Wenn Sachen, die einem Sequeſter, einem Com⸗ „miſſar oder einem andern Bewahrer anvertraut worden ſind, zuruͤckgegeben werden ſollen; 5)„Wider diejenigen, welche gerichtliche Buͤrgſchaft ge⸗ 6 „leiſtet haben, und wider die Blürgen derjenigen, gegen „welche perſoͤnlicher Arreſt Statt hatte, in ſo fern die Buͤr⸗ „gen ſich dieſem Arreſte unterworfen haben; 6)„Wider alle öffentliche Beamten, um ihre Urſchriften „rorzulegen, wenn dieſes befohlen worden iſt; 7)„Wider die Rotarien, die Sachwalter und Huiſſiers, M. Buch. xVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte ꝛe. 151 „um Wiederauslieferung der zu Folge ihrer Amtsverrichtun⸗ «gen ihnèn anvertrauten Urkunden und der für ihre Clienten „auf gleiche Weiſe von ihnen bezogenen Gelder.⸗ S. den Art. 4, Tit. 3g der Ordonnanz, welcher Verfü⸗ gungen enthält, die mit den vorliegenden uͤbereinſtimmen⸗ und Rodier in ſeinem Commentar uͤber geſagten Artikel. Im Entwurfe, hatte man in die Ziff.§ unſeres Artikels bloß die Worte: Wider diejenigen, welche gerichtliche Buͤrgſchaft geleiſtet haben, nicht aber die folgenden geſetzt, und wider die Buͤrgen derjenigen, gegen welche perſoͤn⸗ licher Arreſt Statt hatte, in ſo fern die Buͤrgen ſich dieſem Arreſte unterworfen haben. Man erinnerte hiegegen, wenn man den perſonlichen Arreſt nur gegen die gerichtlichen Buͤrgen annähme, ſo wuͤrde man den bey den Verwaltungen eingefuͤhrten Gebrauch, ſich dieſes Zwangsmittels, in ſo fern es ausbedungen worden iſt, auch gegen die Buͤrgen der Rechnuugspflichtigen zu bedienen, ahaͤndern. Dieſes Zwangsmittel, antwortete man, muß nach den Geſetzen vom 30. März 1793, 24. Ventoſe§. J.(14. März 1797) und 15. Germinal 6. J.(g. April 1798) von Rechts wegen, und ohne daß es ansbedungen worden iſt, beſtehen⸗ Man erwiderte, es muͤſſe zwiſchen den Bürgen der Rech⸗ nungspflichtigen im eigentlichen Sinne, d. h. ſolchen, die ihre Immobilien zur Sicherheit ſtellen, und zwiſchen jenen ein Unterſchied gemacht werden, welche ſich mit den Haupt⸗ ſchuldnern ſolidariſch verbinden, und mit ihnen aſſociirt ſind; gegen Erſtere, ſagte man, muß kein perſönlicher Arreſt Statt haben, wenn ſie ſich ihm nicht unterwerfen, allerdings aber gegen Letztere. Ueber dieſe auf die Bürgen der Rechnungspflichtigen ſich beziehende Frage wechſelte man viele Worte; endlich wurde aber erinnert, je weiter man in dieſer Discuſſion vorrücke, deſto mehr fühle man die Schwierigkeit, die zum Leitfaden der Tribunale beſtimmten Grundſätze mit jenen zu vermiſchen, 162 1M. Vuch. XVI. Tit. Von dem perſönlichen Arreſie ꝛc. wornach ſich die Verwaltungen richten; der Verwaltung muͤſſe man ihre Gebräuche laſſen, und ſich bloß damit be⸗ ſchaͤftigen, was die buͤrgerliche Geſetzgebung angeht. Dieſer Vorſchlag wurde angenommen.*) Art. 2061.„Diejenigen, welche durch ein im petitori⸗ „ſchen Prozeſſe ergangenes und rechtskraͤftig gewordenes Ur⸗ utheil angewieſen worden ſind, ein Grundſtuͤck zu räumen, und ſich weigeru, ihm ein Genüge zu leiſten, können durch „ein zweytes Urtheil füufzehn Tage, nachdem das erſte dem „Beklagten in Perſon oder an ſeinem Wohnorte inſinuirt „worden iſe, mit perſoͤnlichem Arreſte gezwungen werden. „Wenn das Grundſtück oder liegende Gut mehr als fünf „Myriamtter von dem Wohnorte der verurtheilten Partey mentfernt iſt, ſo ſoll zu der Friſt von fünfzehn Tagen, für jede fünf Myriametet ein Tag zugeſetzt werden. Stimmt mit dem Art. 3 des Tit. 27 der Ordonnanz von 1667 überein. Art. 2062.»Wider die Pächter ſkann wegen der Zah⸗ lung der Pachtpreiſe, die ſie von Landguͤtern ſchuldig ſind, „kein perfoͤnlicher Arreſt verhaͤngt werden, wenn dieſes „dem Pacht⸗Contracte nicht foͤrmlich ausbedungen worden iſt. P ſie mögen für einen beſtimmten Preis oder für „eine Quote der Fruͤchte gepachtet haben, können gleichwohl * doich Perſäntichen Arreſt zur Zahlung angehalten werden, wenn ſie am Ende des Pachtes das gepachtete Vieh, das Saatkorn und Ackergeraͤth, welches ihnen anvertraut gewe⸗ ſen, nicht zurückliefern, ſie beweiſen dann, daß der Ab⸗ gang an dieſeu Gegenſtänden nicht von ihrem Factum her⸗ arühre.« e. * 7 2 8 *) Man bemerke übrigens wohl; daß unter der Ziff. 7 dieſes Ar⸗ tikels weder von Advöcaten; hoch von Summen die Rede iſt, welche Sachwalter, Huiſſiers und Notarien von ihren Clienten mehr als ihnen etwa gebührte, zum Voraus empfangen ha⸗ ben. B. UM. Buch. XVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte ꝛc. 153. Der erſte Theil dieſes Artikels ſtimmt mit dem Art. 7 des Tit. 3g der Ordonnanz überein. Unſer Artikel ſpricht nur, was man wohl zu bemerken hat, von den Pächtern der Landgüter; in der That kann man ſich für Miethgelder von Haͤuſern dem perſönlichen Ar⸗ reſte nicht unterwerfen. Rodier tführt hierüber, in ſeinem Commentar uͤber geſagten Artikel, ein Urthril des Parlamen⸗ tes ven Toulonſe aus dem Jahre 1745 an. Was den zweyten Theil des Artikels betrifft, bemerkte jemand, perſoͤnlicher Arreſt müſſe ebenfalls in Anſehung des Duͤngers Statt haben, den der Pächter in gewiſſen Gegen⸗ den im erſten Jahre ſeiner Pachtung bekommt, um eben ſo viel bey ſeinem Abziehen zurückzulaſſen. Dieſer Zuſatz wurde angenommen; inzwiſchen findet er ſich im vorliegenden Arti⸗ kel nicht, und meines Erachtens laͤßt ſich auch nicht anneh⸗ men, daß er unter ſeiner Verfuͤgung begriffen ſey. Art. 2063.»Außer den Fällen, die in den vorherge⸗ *henden Artikeln beſtimmt ſind, oder die in der Folge durch „ein förmliches Geſetz noch ferner beſtinmt werden moͤgen,*) iſt es allen Richtern verbothen auf perſönlichen Arreſt zu erken⸗ „nen, allen Notarien und Gerichtſchreibern Urkunden aufzu⸗ nehmen, worin man das Recht auf perſoͤnlichen Arreſt zu „verfahren ſich ausbedungen hätte, und allen Franzoſen in »ſolche Verträge, ſollten ſie auch im Auslande geſchloſſen wor⸗ »„den ſeyn, einzuwilligen, alles bey Strafe der Nichtigkeit und Verurtheilung in die Koſten, Schäden und entbehrten „Gewinn.⸗ Dieſer Artikel iſt aus dem Art. 6. lder Ordonnanz jabge⸗ ſchrieben; indeſſen muß man bemerken, daß, nebſt den in den verhergehenden Artikeln enthaltenen Faͤllen, die Ordon⸗ *) Siehe die Art. 126, 127, 191, 201, 213 221 50 und 824 d G. ü. d. r. V. i. C. S. u. Art. 209 d Handlungs⸗Ge⸗ ſetzbuches, und das Geſetz uͤber den perſönlichen Arreſt gegen Fremde; die in Frankreich kein Domieil haben, im 1. Bande pieſes Werkes Seite 37. 154 1ll. Buch. XVI. Tit. Von dem perſonlichen Arreſte ꝛ. nanz a) im Art. 2 erlaubte, nach vier Monaten von der d Inſinuatſon des Urtheiles angerechuet, fuͤr Koſten, die 200 9 Liv. und darüber betrugen, und für Schadens⸗Erſatz, der ſich üͤber 200 Liv. belief, ſo wie auch b) nach dem Inhalte des Art. Z, nach Ablauf der nehmlichen Friſt von vier Mo⸗ d naten, zur Zahlung des mittelſt eines Urtheiles liquidirten 1. Rechnungs⸗Rückſtandes perſoͤnlichen Arreſt zu erkennen. Da dieſe zwey Artikel in unſer Geſetzbuch nicht aufge⸗ t nommen worden ſind, ſo ſind ſie bloß deßwegen als abge⸗ . ſchafft anzuſehen. Was inzwiſchen den Vormund betrifft, der ſich etwa, nicht zu zahlen, ſondern ſeine Rechnung ab⸗ zulegen weigern möchte, ſehe man die Anmerkungen zum Art. 469.*) Art. 206.»Selbſt in den oben ausgedruckten Fällen „darf kein perſönlicher Arreſt wider Minderjaͤhrige verhängt 1 „werden.« 1 Ein Minderjaͤhriger, ſagt Herr Bigot, um die Verfuͤgung dieſes Artikels zu rechtfertigen, ein Minderjaͤhriger, den man mittelſt perſönlichen Arreſtes zwingen wollte, wuͤrde ſich ja auf das Geſetz berufen, welches ihn gegen jede Verletzung, *) Der Art. 126 des Geſetzbuches üj. d. r. V. i. C. S. überläßt r es inzwiſchen dem klugen Ermeſſen der Richter, auf perſönlichen r Arreſt a) wegen Schadens-Erſatz in Civil Sachen, in ſo fern er die Summe von z0o Fraues überſteigt, ſo wie auch b) für Rech⸗ nungs⸗Rückſtände wegen geführter Vormundſchaft, Curatel, Verwaltung des einer Corporation, Gemeinde oder öffentlichen t Anſtalten zugehörigen Vermögens, oder wegen jeder andern Ver⸗ waltung zu erkennen, di. jemand von Gerichts wegen aufgetra⸗ gen worden iſt, ſo wie für jeden Erſatz, wozu der Rechnungs⸗ Pflichtige zu Folge dieſer Rechnungen verbunden iſt. Zwiſchen Vormuͤndern und einem Sequeſter, Commiſſar oder ſonſtigem Be⸗ wahrer iſt alſo dieſer Unterſchied, daß gegen Letztere nach dem Art. 2060, No 4, der perſöhliche Arreſt erkaunt werden muß, wogegen der Richter befugt iſt, die Vormünder hievon zu be⸗ freyen. — V. IMI. Buch. XVI. Sit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte ꝛe. 135 die eine Folge ſeiner Verbindlichkeiten iſt, ſicher ſtellt; und— gibt es wohl eine Verletzung, die ſchwerer iſt, als jene, wenn man ſeiner Freyheit beraubt wird? Anfangs ſcheint es zwar, man haͤtte wenigſtens den Fall des Stellionates, welcher doch ein wahres Verbrechen iſt, ausnehmen müſſen; da indeſſen Stellionat nur beym Ver⸗ kaufe, oder bey Hypotheſirung von Immobilien Statt haben kann, ſo ſieht man bald ein, daß ein Minderjaͤhriger, der weder Immobilien zu verkaufen, noch zur Hypothek zu ſtel⸗ len befugt iſt, ſich deſſen nicht ſchuldig machen könne⸗ Inzwiſchen gibt es Parlaments⸗Urtheile, welche entſchie⸗ den haben, daß ein Minderjaͤhriger, welcher ein Handels⸗ mann iſt, für Wechſelbriefe körperlich verhaftet werden könne. Rousseaud, V. Contrainte, n. g. Mehrere Mahle hat man indeſſen erinnert, daß dieſer Titel auf Handlungs-Geſchaͤfte nicht anwendbar ſey⸗ Art. 2065.»Er darf nicht wegen einer Summe, die „unter dreyhundert Francs iſt, erkannt werden.« Dieſer Artikel, der ſich im Entwurfe nicht befand, wurde auf Verlangen einiger Mitglieder des Staats-Rathes einge⸗ rückt. Empörend wäre es, ſagte man, wegen einer ſo ge⸗ ringfuͤgigen Summe einen Menſchen ins Gefängniß ſchlep⸗ pen zu ſehen. Zuerſt antwortete man, die Geringfuͤgigkeit ſey nur rela⸗ tiv, und eine Summe, die in Anſehung dieſes Gläubigers z. B⸗ geringfügig ſey, ſey in Anſehung eines andern groß. In mehrern Fällen, erwiderte man, betrachten doch auch die Geſetze die Geringfügigkeit einer Summe auf eine ganz abſolute Weiſe, z. B. um die Summe zu beſtimmen, worü⸗ ber die Richter zu erkennen befugt ſind. Man verlangte dieſemnach, die Pächte, welche dem Eigen⸗ thümer Unterhalt verſchaffen, möchten von dem vorgeſchla⸗ genen Artikel ausgenommen werden. Warum, ſagte man, 156 1. Buch. XvI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte ze. ſollte es nicht erlaubt ſeyn, fuͤr einen jaͤhrlichen Pacht von 30 Fr. perſönlichen Arreſt auszubedingen? Man kann dieſes, wurde geantwortet, für den Fall, wenn dieſe Pacht ſo lange nicht gezahlt werden ſollte, daß die Rückſtäude 300 Fr. überſteigen würden; nicht aber wenn ſie ſich auf dieſe Summe noch nicht belaufen ſollten. Diejenigen, welche die Ausnahme verlangten, erwiderten, dem Eigenthuͤmer könne doch nicht zugemuthet werden, ſo lange zu warten; wenigſtens muͤſſe man ihn ermaͤchtigen, wegen nicht geſchehener Zahlung des Pachtes von einem Jahre die Auflöſung des Contractes erkennen zu laſſen. Alle dieſe Betrachtungen beſeitigte indeſſen der Staats⸗ Rath, und der Artikel wurde angenommen. Art. 2066.„Wider ſiebenzigijährige Perſonen, wider „Frauen und unverheirathete Frauenzimmer darf er nur ain den Fällen eines begangenen Stellionats erkannt werden. Es iſt genng, aß man das ſiebenzigſte Jahr angetre⸗ „ten hat, um des Vortheils zu genießen, der den ſiebenzig⸗ „jährigen Perſonen zugeſtanden iſt. prrſtulicher Arreſt wegen eines waͤhrend der Ehe be⸗ „gangenen Stellionats hat wider verheirathete Frauen nur dann Statt, wenn ihr Vermoͤgen von jenem des Mannes „völlig ſeparirt iſt, oder wenn ſie Güter beſitzen, deren freye „Verwaltung ſie ſich vorbehalten laben, und nur in Rück⸗ „ſicht der Verpflichtungen, welche dieſe Güter betreffen. „ PBerheirathete Frauen, welche, indem ſie in einer Guͤter⸗ „gemeinſchaft lebten, ſich gemeinſchaftlich oder ſammt und ſonders mit ihrem Manne verpflichtet haben, können in »Hinſicht dieſer Contracte nicht als eines Stellionats ſchul⸗ „dig angeſehen werden.» Eine ähnliche Verſügung iſt zu Gunſten der Frauen, und unverheiratheten Frauenzimmer im Art. 8, und zu Gun⸗ ſten der ſiebenzigjihrigen Perſenen im Art. 9* der Ordonnanz euthaiten. Zwar erklärte ſie ſich nicht uͤber die Frage, ob ha h Au dun an der wi m He ter zim per eig ma Fra ang ud ſa MM. Buch. XVI. Lit. Von den perſoͤnlichen Arreſte c. 167 es nöthig ſey, daß das ſiebenzigſte Jahr ganz vollendet, oder ob es genng ſey, daß es bloß ſeinen Anfang genommen habe; auch war di Praxis, wenigſtens des Parlamentes von Paris, in Hinſicht dieſer Frage nicht ganz ausgemacht, indem ſie bald ſo, bald anderſt entſchieden wurde; beym Parlamente von Toulouſe aber war es genug, daß das ſiebenzigſte Jahr ſeinen Anfang genommen hatte. S. Bornier und Rocer über den Art. 9 der Ordonnanz. Bey der Discuſſion dieſes Artikels warf man folgende Fragen auf. 1) Kann jemand, welcher wirklich wegen Schulden ver⸗ haftet iſt, aber ſein ſiebenzigſtes Jahr noch nicht vollendet hat, auf die Wohlthat dieſes Artikels Anſpruch machen? Auf dieſe Frage wurde geantwortet, Ja,— eine Entſchei— dung, die man bey andern Fällen, worin es auf die Frage ankommt, ob ein neues Geſetz auf der Stelle vollſtreckt wer⸗ den könne, ohne den Grundſatz, daß ein Geſetz keine zurück⸗ wirkende Kraft habe, zu verletzen, zum Maßſtabe genom⸗ men werden kann.*) 2) Bleiben verheirathete Frauen wegen eines vor ihrer Heirath begangenen Stellionats dem perſönlichen Arreſte un⸗ terworfen? Auch dieſe Frage wurde mit Ja beautwortet. Ich bemerke hier, daß Frauen und unverheirathete Frauen⸗ zimmer gemäß der Oidonnanz wegen Stellionat uur dann perſönlich verhaftet werden durften, wenn ſie ſich durch ihr eigenes Factum deſſen ſchuldig gemacht hatten; dieß hat man durch den letzten Theil unſeres Artikels erklaͤren wollen⸗ Frauen werden nehmlich nicht als eines Stellionats ſchuldig angeſehen, wenn ſie in ehelicher Güter-Gemeinſchaft leben, und ſich gemeinſchaftlich mit ihrem Manne verbinden; be⸗ ſtand aber zwiſchen ihnen und ihrem Manne keine Guͤtei⸗Ge⸗ *) S die Note beym Art. 315(1 B S. 499) und jene beym Aft. 905(2. B. S. 349). B. 158 1. Vuch. XVIl. Tit. Von dem perſonlichen Arreſte ꝛe. meinſchaft, waren ſie in Hinſicht ihres Vermögens vom Manne ſeparirt, oder hatten ſie ſich die Verwaltung deſſel⸗ ben vorbehalten, in allen dieſen Faͤllen kdnnen ſie zur Erfül⸗ lung der Verbindlichkeiten, die ſie in Anſehung der geſagten Guͤter eingegangen haben mögen, mittelſt perſönlichen Arre⸗ ſtes angehalten werden, wenn ſie auch ſchon uuter Autoriſa⸗ tion ihrer Männer contrahirt haben. Sehr gut erklaͤrt dieſes Herr Bigot, und ein Edict vom 23. Auguſt 1682, welches zur Erlaͤuterung des⸗Art. 8 der Ordonnanz erlaſſen worden iſt, hatte ſchon das nehmliche verordnet. Art. 2067.»bDer perſönliche Arreſt kann ſelbſt in den „Fällen, wo er von dem Geſetze autoriſirt iſt, nur zu Folge „eines vorhergegangenen Urtheils vollſtreckt werden.⸗ WMan trug darauf an, der perſonliche Arreſt möge Kraft des bloßen Titels, wenn er authentiſch waͤre, vollſtreckt wer⸗ den können. Man muß den Glaͤubiger, ſagte man zur Un⸗ terſtützung dieſes Vorſchlages, nicht nöthigen, Zeit und Ko⸗ ſten zu verlieren, um eine unnütze Formalität zu erfüllen; und da dieſe Frage hauptſächlich die Pächter betraf, indem in den übrigen Fällen der perſönliche Arreſt nur zu Folge und kraft eines Urtheiles vollſtreckt werden konnte, ſo ſetzte man hinzu: dieſe Pächter verdienen keine Begünſtigung, ſie treiben heut zu Tage den Scherz mit ihren Verpflichtungen, und die Formalitäten, welche der Artikel fordert, werden ih⸗ nen zuletzt nur Zeit geſtatten, ihre Effecten und ihre Perſon gegen das executive Verfahren des Cigenthuͤmers ſicher zu ſtellen. Es wäre gefährlich, antwortete man a), dem Eigenthü⸗ mer die Befugniß zu ertheilen, ſeinen Paͤchter ſelbſt am Ver⸗ fall⸗Tage der Pacht verhaften zu laſſen; der Paͤchter, durch die Zwangsmittel, deren man ſich gegen ihn bedienen will, benachrichtigt, wird b) Mittel zur Zahlung ergreifen, und ſo den perſönlichen Arreſt überfiüßig machen; iſt c) die Da⸗ zwiſchenkunft des Richters nothwendig, um den Eigenthii⸗ mer eines unbeweglichen Gutes ans dem Beſitze zu ſetzen, M. Vuch. XVI. Tit. Von dem perſönlichen Rrreſte ꝛe. 159 ſo iſt ſie doch wahrlich um ſo eher nothwendig, um ſich ſelbſt der Perſon eines Bürgers zu bemächtigen; und da man d) anerkennt, daß die Erlaubniß des Richters bey den an⸗ dern Fällen eines perſönlichen Arreſtes nöthig iſt, ſo ſind keine Gründe vorhanden, welche ſtark genug waͤren, um zum Nachtheile des Pächters allein eine Ausnahme zu machen. Kann es ſich überdieß e) nicht zutragen, daß der Paͤchter behaupte, er ſey keine 300 Francs ſchuldig; iſt es ſo gar nicht möglich, daß er wirklich bezahlt habe, und wie will man ihn in dieſem Falle verhaften, ohne daß der Richter vorläufig darüber erkenne? Man ſchlug vor zu ſagen, der Pächter könne nicht eher verhaftet werden, als bis zehn Tage nach der ihm inſinuirten Aufforderung zur Zahlung vepfloſſen ſeyn würden, und hie⸗ mit ſchien der größte Theil des Rathes ziemlich zufrieden zu ſeyn⸗ Ferner warf man die Frage auf, ob der Schuldner eben⸗ falls mittelſt perſönlichen Arreſtes angehalten werden könne, die Prozeß⸗ und Erecutions-Koſten, und die Zinſen zu zah⸗ len. Der Bericht-Erſtatter der Section antwortete, es ſey die Abſicht geweſen, den Schuldner auch bafür im Falle ei⸗ ner Klage auf Wiedererlangung des verlornen Beſitzes dem perſönlichen Arreſte zu unterwerfen, in den übrigen Fällen aber habe man den perſoͤnlichen Arreſt auf die Zahlung der Hauptſumme beſchraͤnken wollen. Dieſen Unterſchied tadelten diejenigen, welche verlangt hatten, der Pächter moͤchte Kraft des bloßen Titels perſön⸗ lich verhaftet werden koͤnnen; ſie ſagten, waͤhrend man den Eigenthuͤmer zu den Koſten eines urtheiles verbinden will, benimmt man ihm das Mittel, welches am beſten dazu geeignet iſt, zur Zuruͤckerſtattung ſeiner Koſten zu gelangen⸗ Endlich ſchlug man vor, alle dieſe Fragen zur Section, um ſie von neuem zu pruͤfen, hinzuverweiſen. Nachdem aber die Section in der Folge den Artikel wieder ſo vorbrachte, wie er zum erſten Mahle war, gieng er ohne einigen Wider, ſpruch durch. 16 11. Buch. Klv. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte ꝛe. Art. 2068.»Die Appellation iſt kein Suspenſiv⸗Mit⸗ „tel wider den perſoͤnlichen Arreſt, wenn er durch ein Ur⸗ „theil erkannt worden iſt, das proviſoriſch gegen Leiſtung „von Bürgſchaft vollſtreckt werden darf.⸗ Nach der Vorſchrift des Art. 12 der Ordonnanz ſollte zwar die Appellation oder Oppoſition gegen das Urtheil, welches den perſönlichen Arreſt erkannte, ein Suspenſiv⸗ Mittel ſeyn; war aber der Schuldner ſchon vor ein⸗ gelegter Appellation oder Oppoſitivn in Verhaft gezogen, ſo ſollte er deßwegen nicht wieder in Freyheit geſetzt werden. Die Verfuͤgung unſeres Artikels ſcheint vernünftiger zu ſeyn. Art. 2060.» Durch Vollſtreckung des perſönlichen Ar⸗ „reſtes wird das gerichtliche Verfahren auf das Vermögen „und die Execution in demſelben weder verhindert noch „eingeſtellt.* Stimmt mit dem Art. 13 der Ordonnanz uͤberein. Art. 2070.»Die beſondern Geſetze, welche den perſon⸗ „lichen Arreſt in Handlungsſachen erlauben, die Geſetze der „Zucht⸗Polizey, ſo wie diejenigen, welche die Verwaltung „öffentlicher Gelder zum Gegenſtande haben, leiden hiedurch „keine Abänderung.*) Verſchiedenen in der Praris beobachteten, und von den römiſchen Geſetzen uͤber die Art, wie bey der perſönlichen Verhaftung verfahren werden muͤſſe, vorgeſchriebenen Regeln hat man in dieſem Titel keinen Platz eingeräumt; Zweifels ohne hatte man die Abſicht, ſie zum Geſetzbuche über das rechtliche Verfahren in Civilſachen hinzuverweiſen. Genug iſt es hier, dieſe Regeln kurz in Erinnerung zu bringen, 1) Man durfte niemanden, ohne beſondere Erlaubniß des Richters, in ſeinem Hauſe verhaften. Bomus Sua tu— *) Gutachten des Staats Rathes, vom 28. Therm. 12. J.(15 Auguſt 1804), genehmiget vom Kaiſer den?. Fruet.(as. Auguſi) Ml. Buch. XVI. Tit. Von dem perſönlichen Arreſte ꝛc. 161 tissimum cuique refügium. T. 18, N de in jus voc., und L. 105,. de Feg. jur. Auch durfte 2) Riemand verhaſtet werden, wenn er in öffentlichen Verrichtungen beſchaͤftigt war. So war es nicht erlaubt Der Staats⸗Rath c. in Erwägung, daß der perſönliche Arreſt durch das Geſetz vom zo. Maͤrz 1693 gegen alle direete Schuldner des öffentlichen Schatzes iſt verhängt worden; daß dieſe Verfügung durch das Geſetz vom z. Germinal 2(. Maͤrz 1794) gegen diejenigen erneuert worden iſt,— Doua⸗ nen⸗Gebuͤhren, Geld⸗ und Conſisrations-Strafen ſchuldig ſind; daß ſie durch das Geſetz vom 15. Germinal 6. J.(4. April 1798) wegen Ablieferung der öffentlichen und National Gelder beybehalten worden; daß der 19. Artikel dieſes letzten Geſetzes, welcher alle dorher über die Anwendung des perſönlichen Arreſtes ergangenen Verordnungen und HOrdonnanzen aufhebt, ſich nur auf jene bezieht; welche in Civil- und Händlungsſachen erlaſſen worden ſind; daß der 2070. Artikel des Geſetzbuches Napoleons die Geſetze nicht aufhebt, welche die der öffentlichen Gelder betreffen; Iſt der Meinung, daß, da e Geſit vom 4. Germinal 2. J. nicht nufgehoben worden iſt, diejeuigen, welche Douanen⸗ Gebühren, Geldund Confiscations⸗Strafen ſchuldig ſind, durch perſönlichem Arreſt zur Bezahlung augehalten werden können. (Siehe über den perſönlichen Arreſt in Handlungsſachen das Geſetz vom 15. Germinal 6. J.) *) Darf alſo auch ſchon nach dem Art. 2066 gegen ſiebenzigjährige Perſonen, außer dem Falle eines Stellionats, nicht auf perſön⸗ lichen Arreſt erkannt we rden, und ſelen auch nach der Vor ſchrift des Art. 200 des Geſetzbuches. d. r. V. i C. S. ge⸗ ſetzlich eingeſpertte Schuldner ihres Arreſtes enrlaſſen wer⸗ den, wenn ſie das ſiebenzigſte Jahr ihres Alters angetreten haben, ſo ſind doch dieſe Verfügungen in Handelsſachen nicht anwendbar. So entſchied die Section des requstes des Caſſations⸗Pofes am 1a Frimaire 14. J. G. Deeember 13070 in der Sache des Tuch Fabricanten Bourdon von Rouèn und am 10. Junius 1807 in der Sache des Hrn. Cangles Aglou. Jouru. d. Aud. eic. 1806 im Anhange p. 36, und Jurispr. de la C. de C. 1807, p. 31 n. f. B. 1W. Maies. 1 162 1II. Puch. xV. Dit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte. ꝛe. einen Richter, einen Advocaten, einen Sachwalter im Au⸗ dienz⸗Saale des Gerichtes, einen Municipal⸗Beamten im Gemeinde⸗Hauſe in Verhaft zu nehmen. Rodier zum Art⸗ 13 der Ordonnanz⸗ Eben ſo konnte man 3) Den Schuldner im Augenblicke nicht verhaften, wo er ſich heirathete, T. 2, N de in jus voc.; oder wo er ei⸗ nem Begraͤbniße beywohnte, T. 3, edd.; oder wo er auf dem Wege war, um ein Zeugniß bey Gericht abzulegen, welches die Idee von dem freyen Geleite, das man ſo oft mißbraucht, gegeben hat. T. 2, F. 3, N. de judiciis. Ferner durfte 4) Ein Schuldner an Sonn⸗ oder Feſtagen nicht ohne Erlaubniß des Richters verhaftet werden,— eine Erlaubniß, die jedoch dann ertheilt wurde, wenn der Schuldner ſich ſorgfältig nur an ſolchen Tagen im Publicum zeigte. Rodier, a. a. St. Endlich durfte 5) Der Gerichtsbothe, welcher den Schuldner in Verhaft nahm, denjenigen, auf deſſen Anſtehen der perſönliche Arreſt vollſtreckt wurde, unter Strafe der Nichtigkeit, nicht bey ſich haben.(Art. 32 der Ordonnanz von Moulins). Hier⸗ uͤber kenne ich ein Urtheil, welches das Parlament von Bor⸗ deaur in einer berähmten Sache, die ſich in der Gegend, wo ich gebürtig bin, zutrug, erlaſſen hat. Siebenzehnter Titel. Von dem Pfand⸗Contracte. (Derretirt den 16. Febr. 1304. Premulgirt den as. des nehml. Mon.; Die Materie vom Pfand⸗Contracte findet man oft in den römiſchen Geſetzen, wie Herr Berlier, als er dieſen Tite *) Das Geſetzbuch ü. d. r. V. i. C. S. hat ſeitdem im erſten Theile Tit. 15 des B Fyalles was ſich auf den perſönlichen Ar⸗ ret und die dabey zu beobachtenden Formalitäten bezieht, genau und ausfuͤhrlich beſtimmt. P. e ß, ch T, 9n den jte ſſn I e MM. Buch. KvM. Tit. Von dem Pfand Contracte 165 dem Geſetzgebungs⸗Corps vorlegte, ſehr richtig bemerkt hat, mit jener von den Hypotheken vermiſcht; üm alſo alles zu erlernen, was ſie über den Pfand⸗Contract enthalten, muß man in den Pandecten und im Coder die zahlreichen Titel nachſehen, die zur nehmlichen Zeit von den Pfändern und von den Hypotheken handlen; inzwiſchen ſcheint doth der Titel de pignoratitid actione auf unſern Gegenſtänd um meiſten zu paſſen. Art. 2071.„Der Pfand⸗Contract iſt ein Vertrag, wo⸗ »durch ein Schuldner ſeinem Gläubiger zur Sicherheit der »Schuld eine Sache überliefert.⸗ Der Pfand⸗Contract iſt eine reelle Bürgſchaft, und unter⸗ ſcheidet ſich hiedurch von der verſönlichen Bürgſchaft, wovon ſchon die Rede war. Zwiſchen dem Pfand und der Hypothek iſt dieſer große Unterſchied, daß das Pfand dem Gläubiger eingehändigt wird, wogegen der Schuldner ſelbſt die zur Hypothek ge⸗ ſtellte Sache verwahrt. F. 9, F. 2, de pign. act. Cujaz ad tit. cod. de pign. et hypot. Art. 2072.»Die Verpfändung einer beweglichen Sache „heißt Fanſtpfand(gage)⸗ »Die Verpfändung einer unbeweglichen ZSache heißt wer⸗ *ſas unter einem antichretiſchen Pertrag(antichrèse).* Stimmt mit der F. 238. F. 2, V. de verb. vign. überein. Die Antichreſis hieß auch engagement. Erſtes Capitel⸗ Von dem Fauſtpfande. Art. 2073.„Pas Fauſtpfand gibt dem Gläubiger das »„Recht, ſich aus der Sache, welche deſſen Gegenſtand *ausmacht, vorzugsweiſe und vör andern Gläubigern »bezahlen zu laſſen.« Man hat hier die Verfügung des Att. 18r des Gewohn⸗ heits⸗Rechtes von Paris beſolgt, worin es heißt, der Gläu“ 164 1MI. Buch. XVII. Lit. Von dem Pfand⸗Contracte. biger ſey nicht ſchuldig, bey der allgemeinen Vertheilung des dem Schuldner zugehoͤrigen Vermögens die Sache, welche ihm zum Pfande gegeben worden iſt, zur Maſſe einzubringen. Anderſt verhielt es ſich im Gerichts⸗Sprengel des Parlamen⸗ tes von Toulouſe, wie Cambolas, liv. 4, ch. 4, und Serres, p. 455 bezeugen Art. 2074.„Dieſes Vorzugsrecht hat mur in ſo fern Statt, „als eine offentliche oder unter Privat-Unterſchrift gefertigte, „gehdrig einregiſtrirte Urkunde vorhanden iſt, welche uͤber „den Betrag der Schuld, ſo wie über die Gattung und die Natur der zum Unterpfande ausgelieferten Sachen eine ge⸗ „naue Beſtimmung enthält, oder der ein Verzeichniß bey⸗ „gefuͤgt iſt, das ihre Beſchaffenheit, ihr Gewicht und Maß „ausdruckt.« „Die ſchriftliche Abfaſſung des Geſchäſtes und deſſen Einregi⸗ „ſtrirung wird jedoch nur bey Gegenſtänden erfordert, welche „den Werth von huudert fünfzig Francs überſteigen.« Im Art. 8, Tit⸗ 6 der Handlungs⸗Ordonnanz hieß es, auf Pfänder duͤrfe kein Darlehn geſchehen, es ſey dann, daß ein Notarial⸗Act darüber errichtet würde, worin der lehnbar vorgeſchoſſenen Summe ſo wohl als der abgelieferten Pfän⸗ der ausdrückliche Erwähnung geſchehe, und zwar unter der Strafe, daß widrigenfalls der Inhaber geſagter Pfaͤnder mittelſt perſönlichen Arreſtes zur Zuruͤckgabe derſelben ange⸗ halten werden ſollte. Dieſer Artikel und der unſrige unterſcheidet ſich darin, daß 1) die Ordonnanz nur eine Notarial-Urkunde, der unſrige aber auch eine Urkunde unter Privat⸗Unterſchrift annimmt, wenn er nur einregiſtrirt iſt; 20 erlaubt unſer Artikel den Beweis durch Zeugen, wenn der Gegenſtand keine 150 Fr. überſteigt⸗ Die Abſicht der Ordonnanz war, dem Wucher Einhalt zu thun, wie alle ihre Commentatoren anmerken.*) X «) In Betreff der Juden enthalten die Art 14 und 15 des kaiſer⸗ lichen Decretes vom 17 März 18os beſondere Beſtimmungen b ve m. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte. 165 Art. 2075.„Das in dem vorhergehenden Artikel aus⸗ „gedruckte Vorzugsrecht wird in Beziehung auf unkörperliche „Mobiliar-Sachen, als Mobiliar-Forderungen, nur durch „eine öffentliche, oder unter Privat-Unterſchrift gefertigte, „gleichfalls einregiſtrirte Urkunde, die uͤber dieß dem Schuld⸗ „ner der zum Unterpfande gegebenen Forderung inſinuirt „ worden iſt, begründet.⸗ D. h. in dieſem Falle hat kein Beweis durch Zeugen Statt, der Gegenſtand mag ſo gering ſeyn, als er will. Art. 2076.»In allen Fällen hat das Vorzugsrecht an „dem Fauſtpfande nur in ſo fern Statt, als dieſes Fauſt⸗ „pfand dem Gläubiger oder einem Dritten, worüber die „Parteyen ſich verſtanden haben, in ſeinen Beſitz überliefert „worden, und darin geblieben iſt.« Die Verpfändung iſt ein Contract, welcher nach den rö⸗ miſchen Geſetzen erſt durch die Einhaͤndigung der Sache vol⸗ lendet wird. Creditor qui pignus accepit, re obligatur. F. 4, inst. quib mod. re contrah. Er wird auf die nehmliche Weiſe aufgelöſt, wie er gebildet wird. Fo modo unumquod- que dissolvitur, quo colligatum est. Im Entwurfe war bloß Sprache von der Ueberlieferung in die Hände des Gläubigers; man bemerkte aber, das Pfand koͤnne ebenfalls einem dritten, welcher es für den Gläubiger aufbewahrt, eingehändigt werden. Art. 2077.» Ein Fauſtpfand kann ein Dritter fuͤr den „Schuldner geben.« Art. 2078.» Dem Glaͤubiger ſteht es im Nichtzahlungs⸗ „falle nicht frey, über das Fauſtpfand zu verfuͤgen; ihm »bleibt es jedoch vorbehalten, bey Gerichte den Befehl zu „erwirken, daß ihm, nach einer von Sachverſtaͤndigen vor⸗ *genommenen Schätzung, dieſes Fauſtpfand, ſo weit deſſen die man hier nachſehen muß. S dieſes Decret im Anhange zu dieſem Werke. Be⸗ 166 I. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contr aete. „Werth mit der Forderung ſich ausgleicht, an Zahlungsſtatt „verbleiben, oder daß es in einem öffentlichen Ausrufe ver⸗ „ſteigert werden ſoll. 6 „Jede Clauſel, welche den Gläubiger ermächtigte, ſich „das Unterpfand zuzueignen, oder ohne Beobachtung der „oben erwähnten Formalitäten darüber zu verfügen, iſt un⸗ „gültig.« Dieſer Artikel ſtimmt mit der allgemeinen Jurisprudenz überein; nie war der Gläubiger, es mochte eine Ueberein⸗ kunft getroffen worden ſeyn, wie ſie immer wollte, befugt⸗ ſich das Unterpfand wegen nicht erfolgter Zahlung der Summe, wofür es gegeben worden war, zuzueignen. NR- cita lex commissoria in pignore, heißt es in der F. ult. cod. de pact pign. S. Serres, p. 195 und 4356; Loyseau, du deguerpissement, Hiu. 5, ch. 7, n. 2 Rousseaud, v. gage, n. 14. S. ebenfalls den Art. 2088. Jemand verlangte indeſſen, der zweyte Theil unſeres Ar⸗ tikels möchte ausgeſtrichen, und dem Gläubiger ſowohl als dem Schuldner die Befugniß gelaſſen werden, ihm zu dero⸗ giren; dieſer Vorſchlag wurde jedoch verworfen: nur war man darin einig, daß die Verbindlichkeit, das Unterpfand bey Gerichte wiederzugeben, dann aufhören köme, wenn der Schuldner ſelbſt ſeinen Rechtstitel verändert, und ſeinem Gläubi⸗ ger die ihm urſprünglich verpfändete Sache verkauft: meines Erachtens muß dieſes aber von einem in einem nachherigen Acte, nicht im Pfand⸗Centracte ſelbſt geſchehenen Verkaufe verſtanden werden. Art. 2o70.»Der Schuldner bleibt bis zum gerichtli⸗ „chen Zuſchlage, in ſo fern es dazu kommt, Eigenthuͤmer „des Unterpfandes, das in den Haͤnden des Glaͤubigers nur „als anvertrautes Gut zu betrachten iſt, welches ihm ſein „PVorzugsrecht ſichert.« Der Gläubiger beſitzt nicht für ſich, ſendern für den Schuldner. F. 13, fl. de usurp. et usucap.— Ein Grund⸗ ſatz, welcher reich an Folgen iſt. li ter ur ein n nd IM. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contraete. 167 Art. 2080.„Der Gläubiger haftet nach den unter dem »Titel von Contracten oder perſoͤnlichen Rechten und »Perbindlichkeiten, die aus WVertraͤgen entſiehen, im „Allgemeinen, feſtgeſetzten Regeln für den Verluſt oder die „Verſchlimmerung des Unterpfandes, die eine Folge ſeiner „Nachlaͤßigkeit iſt. »Auf ſeiner Seite hat dagegen der Schuldner dem Gläu⸗ „biger die nützlichen und nothwendigen Koſten zu erſetzen, »die von dieſem auf die Erhaltung des Unterpfandes ver⸗ „wendet worden ſind.« Der Gläubiger, ſo heißt es a) in der T. 14, H de pign. act., muß auf die Erhaltung des Pfandes alle Sorge eines fleißigen Hausvaters verwenden; ergòd ndn ewactissimam diligentiam, ſetzt Godofredus hinzu. Er haftet aber, wie b) die T. 15, edd. ſagt, für bloße Zufälle nicht; inzwi⸗ ſchen heißt es doch c) in der L. 6, cod. edd., hac omnia prastat, Si convenerit, ut amissio pignorum liberet debitorem. So viel endlich d) die auf die Erhaltung des Pfaudes verwendeten Koſten betrifft, heißt es in der T. 25% de yign. act. Medie igitur hac d judice dispicienda, ut ne⸗ ue delicatus debitor, neque onerosus creditor audiatur. Art⸗ 2081.»Iſt von einer zum Unterpfande geſtellten »Forderung die Rede, und dieſe Forderung bringt Zinſen, „ſo hat der Gläubiger dieſe Zinſen von denjenigen abzurech⸗ „uen, die ihm gebuͤhren mögen. »Bringt die⸗Schuld, wofuͤr die Forderung zum Unter⸗ »pfande gegeben worden iſt, ſelbſt keine Zinſen, ſo werden »„ſie auf das Capital der Schuld abgerechnet.« Art. 2082.„In ſo fern der Inhaber des Unterpfan „des daſſelbe nicht mißbraucht, kann der Schuldner eher „nicht fordern, daß es zurückgegeben werde, als nachdem „er die Schuld, zu deren Sicherheit das Unte pfant „worden iſt, ſo wohl., was das Capital, als was 2 „und Koſten betrifft, ganz getilget hat. 166 UM. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contraete. „Iſt eben derſelbe Schuldner ſpäterhin und nachdem er „das Unterpfand wirklich geſtellt hatte, demſelben Gläubi⸗ „ger etwas anders ſchuldig geworden, und dieſe Schuld „war vor der Zahlung der erſten ſchon fällig, ſo kann man „den Glaͤubiger nicht anhalten, daß er das Unterpfand her⸗ vausgebe, ehe er für die eine ſowohl als die andere Forde⸗ „rung gänzlich befriediget iſt, obgleich man nicht aus bedun⸗ „gen hat, daß das Unterpfand fuͤr die Zahlung der zweyten „Forderung ebenfalls haften ſoll.« Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit den TTE. 6 und 9, cod. de distr. pign. uͤberein. Stat pignus pro parte crediti. Der zweyte Theil mit der Aufſchrift und mit dem ganzen Titel des Coder: eriam ob chyrograph. pecun. Nichts deſtoweniger wurde dieſer zweyte Theil, als den Grundſätzen zuwider, angegriffen. Der Pfand⸗Contract, ſagte man, kommt nur mittelſt einer ſchriftlichen Ueberein⸗ kunft zu Stande; dehnt man nun ſeine Wirkung auf eine andere Forderung aus, als jene, die ſein Gegenſtand war, ſo ſetzt man dem urſprünglichen Contracte etwas hinzu, was nicht darin enthalten war. Die hier aufgeſtellte Regel, antwortete man, iſt zu allen Zeiten beobachtet worden; auch iſt ſie an ſich ſelbſt ganz gerecht. In der That, wie wollte man den Gläubiger, der nach der Zeit, wo ihm das Unterpfand gegeben worden war, dem Schuldner noch einen fernern Vorſchuß gethan hat, zwingen, dieſes Unterpfand wieder heraus zu geben, ohne für das ganze befriedigt zu ſeyn? Da er ſchon zur Sicher⸗ heit ſeiner erſten Forderung dieſes Unterpfand vrlangt hat, ſo iſt doch allerdings zu vermuthen, daß er ſich ohne Unter⸗ pfand zu einem fernern Darlehn nicht entſchloſſen haben wuͤrde. Dieſer letztere Beweggrund iſt aus der Rede des Heern Berlier ans Geſetzgebungs⸗Corps entlehnt. Uebrigens bemerke man, daß unſer Artikel von einer Schuld ſpricht, welche ſpͤter als jene, wofur das Unter⸗ ———— 11. Buch XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte. 165 pfand gegeben worden, contrahirt worden iſt; hieraus folgt, daß die Entſcheidung anders ausfallen müßte, wenn von ei⸗ ner frühern Schuld die Rede wäre; wirklich laͤßt ſich auch hierauf der letzte Beweggrund des Herrn Berlier nicht anwenden. Art. 2083.„ Das Pfandrecht iſt untheilbar, obſchon „die Schuld unter den Erben des Schuldners und die For⸗ „derung unter den Erben des Gläubigers theilbar iſt.« „Der Erbe des Schuldners, der ſeinen Antheil an der „Schuld gezahlt hat, kann, ſo lange die Schuld nicht ganz „getilget iſt, nicht fordern, daß ihm ſein Antheil am Unter⸗ »pfande zurückgegeben werde.« »„Von der andern Seite kann auch der Erbe des Glaͤnbigers, »der ſeinen Antheil an der Forderung erhalten hat, zum »„Nachtheile derjenigen von ſeinen Miterben, die noch nicht »„befriedigt ſind, das Unterpfand nicht ausliefern.« Der Glaͤubiger kaun, wie Herr Berlier ſagt, ſelbſt dann nicht gezwungen werden, ſeine Rechte zu zertheilen, wenn auch das Unterpfand theilbar ſeyn ſollte, weil er es nicht eher zuruͤckzugeben ſchuldig iſt, bis er ſeine vollſtändige Befriedigung erhalten hat. S. die Anmerk. zum Art. 2c82. Eben ſo iſt ein Erbe des Glaͤubigers, welcher ſeinen Antheil an der Forderung erhalten hat, nicht befugt, das Pfand zum Nachtheile ſeiner Miterben wiederzugeben, weil es in ſeinen Händen nur anvertrautes Gut iſt, was er verletzen würde, wenn er es herausgäbe, ohne für ihr Inte⸗ reſſe geſorgt zu haben. Art. 2084.»Die obigen Verfuͤgungen ſind weder auf „Handlungsſachen, noch auf autoriſirte Leih- und Pfand⸗ „häuſer anwendbar. Man befolgt in Rückſicht ihrer die „Geſetze und Verordnungen, die ſie betreffen.« In den römiſchen Geſetzen trifft man noch viele andere intereſſante Entſcheidungen in Betreff des Unterpfandes an, die in dieſem Capitel keine Stelle erhalten haben. Hier ſind einige davon. 7o U. Buch. XVll. Tit. Von dem Pfand⸗Eontracte. 1) Ein Gläubiger welcher eine Sache zum Unterpfand empfangen hat, kann ſie ebenfalls,(verſteht ſich, unter der Bedingung, dafuͤr zu haften) ſeinem Gläubiger verpfuͤnden. Deſes weitere Pfand bleibt ſo lange bey ſeiner Kraft, als das erſte. T. 1, Cod. si pign. pign. dat. sit. 2) Außer dem eben angeſührten Falle, kann man keine fremde Sache zum Unterpfande geben; indeſſen gilt dieſes doch a) wenn der wahre Eigenthümer es wußte, und aus⸗ drücklich oder ſtillſchweigend darin eingewilliget hat; T. 2, cod. si alien. res pign., b) wenn der Schuldner nachher Eigenthümer der Sache geworden iſt, T. 5, eòd. oder c) wenn der Eigenthümer der Sache Erbe' des Schuldners wird. F. 22, MM de pign. et hypoth. 3) Iſt der Gläubiger in Anſehung der Subſtanz oder der Eigenſchaft des Pfandes betrogen worden, ſo kann er den Schuldner zwingen, ihm entweder ein anderes Unterpfand zu geben, oder ihn zu bezahlen. T. I, F. 2, de pign. act. 4) Der Schuldner, welcher das Unterpfand betruͤgeriſcher Weiſe dem Gläubiger entzieht, macht ſich eines Diebſtahls ſchuldig. T. 3, F. de pign. act. §) Wer an dem Schuldner, der das Pfand gegeben hat, zu fordern hat, kann gegen das Anerbiethen denjenigen, welcher es erhalten hat, zu bezahlen auf den Verkauf deſſel⸗ ben antragen. T. 15, F. 2, de re jud. 6) Nie erwirbt der Gläubiger durch Verjaͤhrung das Ei⸗ gentbum des Unterpfandes, ſo wie dann auch der Schuldner mittelſt Verjaͤhrung von ſeiner Schuld nicht be⸗ freyt wird, ſo lange der Gläubiger im Beſitze des Pfandes bleibt. Die erſte Entſcheidung ſtimmt mit der F. 15, de usurpat. überein. Die zweyte ſcheint gegen die L. 6, Juib. mod. pign. vel hypoth. zu ſeyn, worin es heißt, daß das Unterpfand durch die Verjährung der Verbindlichkeit befreyt werde. Ich wuͤrde indeſſen der Meinung des derres, p. 456 beypflichten, welcher ausdrücklich das Gegentheil und zwar deßwegen behauptet, quia orediter Pignori inhæret, M. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte. 171 und weil der Schuldner bloß dadurch, daß er das Pfand in den Händen des Glaͤubigers läßt, immerwaͤhrend die Schuld eingeſteht. 8 weytes Capitel. Von dem Verſatz unter einem antichretiſchen Vertrag. In dieſem Capitel hat man, wie es ſcheint, den anti⸗ chretiſchen Vertrag, wovon ſñ der T. 11, F. 1f de pign. et hypoth. die Rede iſt, mit der bloßen Verpfändung eines unbeweglichen Gutes vermiſcht. Zwiſchen beyden Contracten war inzwiſchen nach den römiſchen Geſetzen, die man auch in den Provmzen, worin dieſes Recht galt, beobachtete, dieſer bedeutende Unterſchied, daß bey der Verpfaͤndung der Gläubiger nur das Recht hatte, die Früchte bis zum Betrage der geſetzlichen Zinſen ſeiner Forderung zu ſich zu nehmen, und den Ueberſchuß von dem Capital abrechnen mußte; wo⸗ gegen bey dem antichretiſchen Vertrage, die Früchte des Grundſtückes mit den Zinſen der Forderung durchaus compen⸗ ſirt, und beyde gegeneinander aufgehoben wurden, ſo daß keine Abrechnung der Fruͤchte vom Capital Statt fand, wenn ſie auch ſchon die geſetzlichen Zinſen uͤberſteigen ſollten. S. Catellan und Vedel, liv. 5, ch. 1. Anderſt verhielt es ſich jedoch zu Paris, wie man beym Art. 208 ſehen wird⸗ Von dieſem Vorzugsrechte, deſſen der amtichretiſche Vertrag genoß, machte man indeſſen dann eine Ausnahme, wenn der Gläubiger, anſtatt ſelbſt das Grundſtück zu genicßen, es einem andern verpachtete, und der PachtPreis die geſetz⸗ lichen Zinſen der Forderung überſtieg. Da in dieſem Falle der Contract ſelbſt den Beweis dieſes Ueberſchuſſes lieferte, und keine Ungewißheit in Hinſicht der Früchte, die doch den Haupt⸗Beweggrund des antichretiſchen Vertrages ausmachte, vorhanden war, ſo war auch der Glaͤubiger verbunden, dieſen Ueberſchuß vom Capital abzurechnen. Serres, p. 458. Auch im Falle einer bloßen Verpfändung, wenn ſie eines Brautſchatzes wegen geſchehen war, hatte keine Abrechnung 172 m. Buch. XVIM. Tit. Von dem Pfand⸗Contraete. vom Capital Statt. So entſchied das Parlament von Bor⸗ deaur iſ einem Falle, den Lapeyrère, p. 540 anführt. Auper dieſen bevden Contracten, gab es noch eine dritte Gattung, die man Contrat pignoratif nannte, ein Contract nehmlich, wodurch ein Gläubiger ſich ein Grundſtuͤck unter der Bedingung des Wiederkaufes, aber zu einem geringen Preiſe verkaufen zu laſſen ſchien, um unter dieſem Vorwande übertriebene Zinſen aus ſeiner Forderung zu ziehen: dieſer Contract war allemahl verbothen, ſo oft man ſeine wahre Beſchaffenheit entdecken oder nur muthmaßen konnte. Ueber die eigentlichen Kennzeichen dieſes Contractes, d. h. über die Frage, ob der Ankäufer wirklich nur die Abſicht gehabt habe, Geld auf Wucher auszuleihen, oder ob er auf⸗ richtig das Eigenthum habe erwerben wollen, waren die Schriftſteller nicht ganz unter ſich einig. Im letztern Falle iſt es freylich keinem Zweifel unterworfen, daß der wahre Erwerber unter der Bedingung des Wiederkaufes Eigenthü⸗ mer aller Früchte werde. Gemeiniglich nahm man indeſſen an, daß ein Contract auf Wucher abziele, wenn a) der Kaufpreis gering war, wenn b) der Erwerber den Verkaͤu⸗ fer des Grundſtückes, als Pächter, im Beſitze ließ, wenn o) die Friſt zur Nusübung des Wiederkanfs⸗Rechtes verlän⸗ gert worden, und d) der Erwerber in der Gewohnheit war, Wucher zu treiben. Nach den Gewohnheits-Rechten von Anjou, Maine und Tours war die Wieder⸗„Verpachtung allein ſchon hinlänglich, den Contract für einen Contrat pignoratif᷑ halten zu laſſen, anderſiwo aber mußten drey der angeführten Umſtände zuſammen treffen. S. hierü⸗ ber Rousscaud, v. antichrèse, Dumoulin, de usuris, quæst⸗ 56.; Ferrières, ad quast.§16 des Guido⸗Papa; Lapeyrère, lett. L. n. 91. Im vorliegenden Capitel hat man es den Parteyen über⸗ laſſen, mittelſt ihrer Verträge, die Antichreſis von der Ver⸗ pfändung zu unterſcheiden. S. den Art. 2089. Vom Con- trat pignoratif hat man aber gar nicht geſprochen, weil es m. Buch. XvII. Tit. Von dem Pfand⸗Contraete. 17 jetzt erlaubt iſt, ſich von einem bloßen Darlehen Zinſen ver⸗ ſprechen zu laſſen, und man ſogar ſich ſo viele Zinſen aus⸗ bedingen kann, als man will. Waͤre aber die Quotität der Zinſen vom Geſetze beſtimmt, dann müßte man allerdings auf die von uns angefuͤhrten Regeln zurückgehen.*) Wäre die Qnotität der Zinſen im Vertrage nicht feſtgeſetzt, oder, waͤre ſie feſtgeſetzt worden, die Früchte uͤberſtiegen aber die ausbedungenen Zinſen, dann müßte man noch jetzt dasjenige, was an Zinſen im erſten Falle fünf vom Hundert, und was im zweyten das Quantum der ausbedungenen Zinſen über⸗ ſteigt, vom Capital abrechnen, die Parteyen waͤren dann übereingekommen, daß alles durchaus gegenein⸗ ander aufgehen ſollte, wie dieß beym antichretiſchen Vertrage im Sinne der roͤmiſchen Geſetze der Fall iſt. S. ebenfalls die Anmerkung zum folgenden Artikel. Art. 2085.» Der antichretiſche Vertrag kann anderſt anicht, als ſchriftlich geſchloſſen werden. „Der Glaͤubiger erhalt durch dieſen Vertrag nur das „Recht, die Früchte eines liegenden Gutes zu genießen, mit „dem Bedinge, daß er ſie jährlich von den Zinſen, wenn eer deren zu fordern hat, und demnach Wvon dem Capital „ abrechne.« Was den erſten Theil des Artikels betrifft, könnte man vielleicht glauben, daß ſeine Verfügung, ſo wie man im Falle des Verkaufes beym Art. 1582 angemerkt hat, nur auf an⸗ tichretiſche Verträge anwendbar ſey, deren Gegenſtand keine 150 Fr. überſteigt. Ausdrücklich hat indeſſen Herr Berlier in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs-Cenps erklärt, daß das Geſetz auch ſogar diejenigen, die fuͤr eine geringere Summe geſchloſſen werden möchten, der Nothwendigkeit, ſchriftlich abgefaßt zu werden, unterwerfe, um den Unordnungen vor⸗ zubengen, die daraus entſtehen wuͤrden, wenn man ſich auf angebliche mündliche Vereinbarungen beriefe. *) Siehe die Note beym Artikel 1507. 174 UI. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contraete. Im zweyten Theile des Artikels hat man den antichreti⸗ ſchen Verttag in dem beym Parlamente von Paris ange⸗ nommenen Sinne betrachtet, wo man wirklich dieſen Ver⸗ trag mit der Verpfändung vermiſchte, und überdieß die Früchte des unbeweglichen Gutes von dem Capital abgerech⸗ net wurden, es ſey dann, daß die Forderung ihrer Natur nach Zinſen hervorbrachte, wie z. B. ein Brautſchatz, ein Pflichttheil ꝛc., oder daß Zinſen ew mord et aßicio jucicis gebührten. S. Rousseaud, V. Antirhrèse, n. 1, Nach der Verfuͤgung unſeres Artikels iſt es klar, daß es ſich ſo im ganzen Reiche verhalten muß, es ſey dann, daß die Parteyen Zinſen in dem Falle ausbedingen, wo nach der Natur der Forderung keine gebühren würden. Art. 2086.»Der Gläubiger iſt, in ſo fern nicht das „Gegentheil ausbedungen worden, verbunden, die Steuern „und jährlichen Laſten des Grundſtückes, das er in antichre⸗ „tiſchem Genuſſe hat, zu zahlen. „Er muß ebenfalls bey Strafe, daß er ſonſt für Scha⸗ „den und Intereſſe zu haften hat, fuͤr die Unterhaltung und „die nützlichen und nothwendigen Ausbeſſerungen des Grund⸗ „ſtlckes ſorgen; ihm bleibt jedoch vorbehalten, alle auf dieſe „verſchiedenen Gegenſtände ſich beziehenden Auslagen aus „den Fruͤchten zum Voraus abzuziehen.⸗ Art. 2087.„Der Schuldner kann, ehe er die Schuld vollig abgetragen hat, die Benutzung des liegenden Gutes, das er in antichretiſchen Genuß gegeben hat, nicht in An⸗ ſpruch nehmen⸗ „Der Glaͤubiger, der ſich der im vorhergehenden Artikel ausgedruckten Verpflichtungen entledigen will, iſt gleich⸗ „wohl, jn ſo fern er auf dieſes Recht nicht Verzicht gethan „hat, jederzeit befugt, den Schuldner zu zwingen, daß er „den Genußi ſeines liegenden Gutes zuruͤcknehme.» Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit demjenigen, was in Anſehung des Unterpfandes im Art. 2052 vorgeſchrieben jſt, und mit der T. 19, J. de pign. act. überein. m. Buch XVll. Tit. Pon dem Pfand⸗Contracte. 177 Der zweyte Theil mit der T. 6, edd., und mit der T. ult. Cod. de oblig. et act. Arit. 2088.» Dadurch allein, daß die Zahlung zur ver⸗ abredeten Zeit nicht erfolgt, wird der Glaͤubiger nicht Ei⸗ »genthümer des liegenden Gutes; jede hiemit im Widerſpruch „ſtehende Clauſel iſt unguͤltig; er kann in dieſem Falle wider „ſeinen Schuldner im geſetzlichen Wege auf gerichtliche Ver⸗ „ſteigerung antragen.⸗ Die allgemeine Jurisprudenz ſtimmte in Gemäßheit der . ult. Cod. de pact. pign. mit dieſem Artikel überein. S insbeſondere Ferriere, ad quaest. 6, des Guido⸗Papa. Die T. 16, F 9, de pign. et hyporl. entſcheidet in⸗ zwiſchen, der Schuldner könne das Unterpfand unter der Clauſel hergeben, daß, wenn er es binnen einer beſtimmten Zeit nicht einlöſet, die Sache dem Gläubiger ſür den recht⸗ mäßigen Werth verkauft ſeyn ſolle. Meines Erachtens wuͤrde es in ſolchem Falle genug ſeyn, wenn die Sache durch Kunſi⸗ verſtändige geſchätzt würde, wie dieß der Art. 207 erlanbt, ohne daß es notbwendig wäre, zu den Formalitäten der ge⸗ richtlichen Vergantung zu ſchreiten. Art. 20890.» Wenn unter den Parteyen ausbedungen worden iſt, daß die Fruͤchte gegen die Zinſen entweder ganz „oder bis zu einem gewiſſen Betrage aufgerechnet werden ſollen, ſo wird dieſer Vertrag, wie jeder andere, der nicht „durch die Geſetze verbothen iſt, vollzogen. S. die Einleitung zu dieſem Titel, und die Anmerkungen zum Art. 2085. Bey vielen Parlamenten war, wie Herr Berlier nachge⸗ geben hat, die Praxis dieſem Artikel zuwider; aber, dieſe Strenge, ſagte er, paßt nicht mehr auf unſere Geſetzgebung; die Verfügung des Artikels iſt dem Schuldner guͤnſtig, wel⸗ cher ſonſt kein Geld gelehnt bekommen würde; und ſperrt man üͤderdieß dem Glaͤubiger dieſen Weg, von ſeinem Gelde Nutzen zu ziehen, ſo wird er leicht andere weit laͤſtigere Mit⸗ tel finden. 176 IMl. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2000.„Die Verfügungen des 2077. und 2083ten „Artikels ſind auf den Verſatz liegender Güter unter einem „antichretiſchen Vertrag eben ſo, wie auf das Fauſtpfand anwendbar.» D. h. der Verſatz unbeweglicher Güter mittelſt eines an⸗ tichretiſchen Vertrages iſt eben ſo untheilbar, wie das Pfand⸗ recht, und ein Dritter kann ihn zur Sicherheit einer fremden Schuld eingehen⸗ Art. 2091.„Alles, was unter dem gegenwärtigen Ca⸗ „pitel feſtgeſetzt iſt, thut den Rechten keinen Abbruch, welche „dritte Perſonen an der Subſtanz des liegenden Gutes, das „zum, antichretiſchen Genuſſe eingeraumt worden iſt, haben „mögen⸗ „Hat der Gläubiger, der mit dieſem Rechts⸗Titel verſe⸗ „hen iſt, außerdem an dem Grundſtücke Privilegien oder „Hypotheken, die auf eine geſetzliche Weiſe begründet und „erhalten ſind, ſo übt er ſie in ſeiner Rangordnung und „wie jeder andere Gläubiger aus.« Achtzehnter Titel. Von Privilegien und Pypotheken. (Decret. den 19. Märt 1304. Promulg. den 49. des nehml Mon Die Materie von den Hypotheken nimmt das B. 20 der Pandecten und einen großen Theil des B. 8 im Codex ein. Unſer jetziges Hypotheken⸗Syſtem iſt indeſſen nicht aus den römiſchen Geſetzen entlehnt, faſt ganz iſt es ihnen fremd, und heut zu Tage kann man zu dieſen Geſetzen aus keiner andern Urſache ſeine Zuflucht nehmen, als um Billigkeits⸗ Regeln daraus zu ſchoͤpfen, deren man ſich mit Vortheil be⸗ dienen kann, um die Details dieſes Syſtems zu erklären und anzuwenden. Die Hypothek iſt ein Acceſſorium der Haupt⸗Verbindlich⸗ keit, und eine zur Erfullung dieſer Letztern gegebene Sicher⸗ heit. Cujss definirt ſie, pignus nudo consenu et vine UII. Buch. XVI I. Tit. Von Privilegien und Hppotheken. 173 traditione contractum, im Gegenſatze zum eigentlich ſoge⸗ nannten Unterpfande, welches zwar den nehmlichen Zweck hat, aber dem Glaͤubiger eingehändiget wird. Cujaz, ad tit. de pign. act. Die Römer vermiſchten oft, wie wir ſchon erinnert haben, das Pfand und die Hypothek, und bedienten ſich der Worte: pignus und hypotheca ohne Unterſchied; wirklich konnten bey ihnen die Mobilien eben ſo wie die Immobilien zur Hypo⸗ thek geſtellt werden, F. 7, inst. de actionib. Die Immo⸗ bilien konnten auch eben ſo wie die Mobilien zum Un⸗ terpfande gegeben werden, und Anfangs konnte die Hy⸗ pothek eben ſo wie der Pfand-Contraet nur durch wi* che Ueberlieferung zu Stande kommen; die Prätoren führten in⸗ deſſen den Gebrauch ein, eine Hypothek mittelſt eines bloßen Vertrages zu ſtellen, und von dieſer Zeit an wurde eine zum Unterpfande gegebene bewegliche Sache insbeſondere mit dem Worte pignus, der Vertrag, wodurch der Schuldner ein unbewegliches Gut zum Unterpfand gab, mit dem Worte antichresis, und die Sicherheit, die er in ſeinen Gütern ftellte, deren Beſitz er für ſich behielt, mit dem Ausdrucke hypo— theca belegt. S. die T. 9, H de pign. act. und Ferrière ad F. 7, inst. de action. In den erſten Zeiten Roms war die Hypothek, wie man geſagt hat, ſpezial; wie konnte es aber auch damahls, wo die Hypothek nur durch Ueberlieferung der Sache zu Stande kam, anders ſeyn? Zuverläßig iſt es indeſſen, daß dieſe Jurisprudenz ſich bald änderte; wenigſtens ſtößt man in keinem Buche des romiſchen Rechtes auf eine Spur von Spe⸗ zialität, noch Publizität, in dem Sinne, den man heutiges Tages dieſen Worten beylegt. Freylich konnte man ſich eine Spezial⸗Hypothek auf die⸗ ſes oder jenes unbewegliche Gut ausbedingen. Ausdruͤcklich ſagen dieſes die PT. 1, M und 2, Cod. de pign. et hypoth.; Eines Theils war man aber hieꝛu nicht gezwungen, und an⸗ derer Seits ertheilte dieſe Spezial⸗Hypothek kein Vorrecht IV. Malev. 12 173 1l. Buch. XVIMI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. (Privilegium) vor der allgemeinen. Nur war derjenige, der mit einer Special-Hypothet verſehen war, verbunden, das ihm verſchriebene unbewegliche Gut gerichtlich verkaufen zu laſſen, ehe er ſich an den übrigen Gütern des Schuldners erholen konnte. S. die LL, 1, und 6, Cod. qui pot. in pign- hab. Die allgemeine Hypothek begriff alle zukünftige Güter in ſich 1 1„ und 15, F. de pign. et hyp. In den römiſchen Geſetzen kommt endlich keine Spur von einem öffentlichen Regiſter vor, worin man die Contracte eintragen ließ, um eine Hypothek zu erwerben. Sie war, wie wir geſagt haben, das Reſultat des bloßen Vertrages. Die Römer unterſchieden drey Arten von Hypotheken, die vertragsmoͤßige, die geſetzliche, und gerichtliche. Die vertragsmäßige Hypothek entſprang aus dem Ver⸗ trage, die geſetzliche aus dem Geſetze, und die gerichtliche, aus Urtheilen. So hatten kraft des bloßen Geſetzes und ohne irgend ei⸗ nen Vertrag die Frauen zur Sicherheit alles deſſen, was im Heiraths-Contracte zu ihren Gunſten ausbedungen worden war, eine Hypothek in dem Vermoͤgen ihrer Männer, die Minderjährigen und Interdicirten in jenem ihrer Tutoren und Curatoren, der Fiscus in den Gltern der Einnehmer der Staats⸗Einkünfte. S. den F. 29 inst. de action. T. 2, und 5, Cod. in quib. caus. pign. Eben ſo erwarb der Gläubiger kraft des richterlichen Spruches, wodurch ſein Schuldner verurtheilt wurde, eine Hypothek an deſſen ſämmtlichen gegenwaͤrtigen und zukünfti⸗ gen Guͤtern. T. 1 25 und 3, Cod. si in causd jud. und 15. de r jud. Was die Rang⸗Ordnung der Hypotheken betrifft, gab es, außer den Privilegien, die gewiſſen Forderungen wovon ſich uns in der Folge Gelegenheit genug zu reden darbiethen wird, keine andere Regel, als die Zeit⸗Ordnung. Out por tior est tempore, potior et jure. TL. 4 Cod. qui pot. in pign. in on M. Buch. XVII CTit. Von Privilegien und Hypotheken. 179 Drey Wirkungen brachte die Hypothek her er, nehmlich 1) die Befugniß, die hypotheſirte Sache verkaufen zu laſſen, um den Kauſpreis zur Befriedigung des Glaubigers zu ver⸗ wenden, 2) das Recht, kraft deſſen der Hypothekar⸗Gläu— biger denjenigen, die mit keiner, oder doch mit einer jüngern Hypothek verſehen waren, vorgezogen wird, und 3) das Recht, gegen den dritten Beſitzer der hypotheſirten Sache zu klagen, um ihn zu zwingen, ſie abzutreten, oder die ſchul⸗ dige Summe zu bezahlen. Aut cede, aut solve, war die allgemeine Regel. S. den§. 3, inst. de action. Die Noo. 4, cop. 4, hatte indeſſen zu Gunſten der drit⸗ ten Beſitzer eine Ausnahme eingeführt, welche darin beſtand, daß ſie den Glaͤubiger anhalten konnten, vor allem, ehe er ſeine Klage gegen ſie geltend machte, den Hauptſchuldner in ſeinem Vermoͤgen, wenn er deſſen noch beſaß, was ſie jedoch anzuzeigen ſchuldig waren, und auf ihre Gefahr auszuklagen. Faſt in ganz Frankreich waren die vömiſchen Geſetze über die Hypotheken angenommen worden, hatten aber drey Haupt⸗ Modificationen erlitten; 1) Konnte die vertragsmaͤßige Hypothek nur aus öffent⸗ lichen Contracten, oder aus Privat⸗Schriften, die vor Notar oder bey Gericht anerkannt worden waren, entſpringen. 2) Findet, gemaͤß dem Art. 170 des Gewohnheits Rech⸗ tes von Pais, bey Mobilien keine hypothekariſche Klage ge⸗ gen einen dritten Beſitzer Statt; und 3) Haben die Frauen ihres Brautſchatzes wegen kein Vot⸗ zugsrecht vor den Glaͤnbigern, deren Forderungrn alter, als ihre Heirath, ſind, unerachtet die P. assiduis, Cod. qui pot. in pign, wovon ſchon im Capitel: Von den VPotal⸗Rechten, die Rede war, ihnen ein ſolches verlieh. Faſt in ganz Frsnkreich, ſagte ich ſo eben, richtete ſich das Hypotheken-Recht nach den römiſchen Geſetzen; im noͤrdlichen Frankreich gab es nehmlich mehrere Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits-Rechte hatten, und die man pays de saisine oder de nantissement nannte, worin, nebſt 180 II. Buch. RVIII. Tit. Don Privilegien und Hypotheken. dem Contracte, eine mit Erlaubniß des Richters vorgenom⸗ mene Einſchreibung in ein öffentliches Regiſter erforderlich war, um eine Hypothek auf ein ausdrücklich bezeichnetes unbewegliches Gut zu erwerben. Man nannte dieſes wuvres de loi, main mise, und was dergleichen Ausdrücke noch mehr waren.*) Ob dieſe Formalitäten eine Folge oder wenigſtens eine Nachahmung der urſprünglichen romiſchen Gebräuche waren, ob öffentliches Intereſſe ihr Zweck geweſen iſt, oder ob ſie *) Saibine, oder nantissement it in dem Sinne, worin dieſer let⸗ tere Ausdruck hier genommen wird, eine gerichtliche Handluns, wo⸗ durch man eiviliter von einem unbeweglichen Gute Beſitz nimmt, um das Eigenthum den Nießbrauch, eine Hypothek, oder ein ſosſtiges dingliches Recht daran zu erwerben. Es iſt der Inbegriff, die Vollſtändigkeit und das Reſultat der Formalitäten, die unter der Venennung: Vest und debest(von vsür und devélir, an⸗ und auskleiden; in der Rechts ſprache, ſich des Eigenthums ei⸗ ner unbeweglichen Sache begeben, und es auf einen andern übertragen) dessaisine und vatsine(Abgebung und Ergreifung des Beſitzes). désheritance und adheritance(Ab⸗ und Anerbung) mise de Vait 5 main- asise wubres de loi, deroirs de loi u. ſ. w. bekannt ſind⸗ Da es Regel war; Taditionihus dominta rerum, rcs tranʒferuntur, ſo waren in den pays de nantissement die dort vorgeſchriebenen Formalitäten die einzige geſetzliche Ueberliefe⸗ rung; wodurch dergleichen Rechte an Immobilien(wenigſtens in Hinſicht drirter Perſonen und um peritoriſch klagen zu können) erworben werden konnten. Dieſe Formalitäten waren äußerſt verſchieden Hier übcrreichte z. B. der Verkäufer dem Richter einen Stock als Sinnbild des unbeweglichen Gutes, und der Richter haͤndigte ihn hinwiederum dem Käufer ein; dort muften die Contrahenten ihren Contraet vor zwey oder mehrern Scheffen anerkennen, worüber dann ein Protokoll abgefaßt wurde; an andern Dertern leste ein Gerichtsdiener Hand an das Gut an, woran eine Hypothek erworben werden ſollte,(main- aise, main-wioe) u. ſ. w. Ausfuͤhrliche Abhandlungen über alles dieſes findet man im Repertoire de Jurisprudenee unter den Worten: devolrs de loi, main- assise. main-mive, nantisvement eto, B. non nudis pac- —„—„** m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 131 bloß zum Privat⸗Vortheile der Lehens⸗ und Gerichts-Herren eingeführt worden ſind, hieruͤber wurde im Staats⸗Rathe und auf der Redner⸗Bühne geſiritten. Reitzt auch vielleicht dieſe Frage mehr die Wißbegierde, als ihre Unterſuchung wirklichen Rutzen ſchafft, ſo kann ich mich doch nicht enthalten zu erklaͤren, daß ich der letztern Meinung beytreten würde.*) Nicht Juſtinian iſt es, der den Gebrauch der allgemeinen Hypotheken, und die Art ſelbſt eine Hypothek mittelſt eines bloßen Vertrags ohne Ueberlie⸗ ferung der Sache zu errichten, eingeführt hat; lange vor ihm beſtand ſchon alles dieſes, und wie es ſcheint, war es durch das Anſehen der Prätoren, ſo gar unter der republi⸗ kaniſchen Verfaſſung, und ſo bald Rom aus der Barbarey des erſten Zeitalters heraustrat, bewirkt worden. Wie läßt ſich aber denken, daß jener Theil Galliens, der zuletzt von den Römern unterſocht wurde, das Belgium nehmlich, ge⸗ rade der einzige ſeyn ſollte, der einen, bevor er ſie kannte, aufgehobenen, und von ſeinen Eroberern ſchon verlaſſenen Gebrauch von ihnen angenommen hätte? *)„Die Beſitz⸗Ergreifung, wovon hier die Rede iſt, ſo heißt es im Repertoire de Jurispr. F. Nantiesement, n. 2., hat ihren Ur⸗ ſprung im Lehen⸗Rechte. Die Lehens⸗Herren waren ehemahls Eigenthümer aller in ihren Territorien gelegenen Grundſtuͤcke; in der Folge gaben ſie einen Theil davon ihren Vaſallen zu Lehen, oder in Erbzins; da aber das Ober⸗Eigenthum dieſer Grundſtücke immer in den Haͤnden der Lehens⸗Herren blieb, ſo konnten ſich die Vaſallen nie Eigenthuͤmer im ganzen umfange des Wortes nennen; folglich kann es auch, ſetzten die Feudiſten hinzu, in ihrer Macht nicht ſtehen, ihre Rechte, ohne Mit⸗ wirkung der Lehens⸗Herren, dritten Perſonen zu uͤbertragen; Schenkungen, Verkäufe, Verſchreibungen, die ſie damit vorneh⸗ men, ſind, ſo zu ſagen, anderſt nichts als Vollmachten ad re- ignandum, gerade ſo wie geiſtliche Pfruͤndner ihre Pfruͤnden nicht unmittelbar auf diejenigen, die ſie für gut erachten, übertragen, ſondern ſie bloß den Collatoren übergeben können, um ſie den Perſonen, die ihnen im Reſignations⸗Acte angezeigt ſind, zu rouferiren„ B. * 132 III. Buch. XVIII. Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. Sobald die Hyporhek allgemein wurde, und die nehm⸗ lichen Güter mehrern Gläubigern verſchrieben wurden, mußte ſich der Gebrauch, Schilder oder ſonſtige Kennzeichen an die hypotheſirten Immobilien anzuheſten, natürlicher Weiſe ver⸗ leren, und ich fürchte, daß man dieſe Immobilien mit jenen verwechſelt, die in Beſchlag genommen wurden, um zur Be⸗ friedigung des Gläubigers gerichtlich verſteigert zu werden; der Gebrauch, an dieſe letztern Schilder anzuheſten, ſchreibt ſich aus dem granen Alterthum her, und hat ſich bis auf unſere Tage fortgepflanzt. Viel wahrſcheinlicher iſt es, daß die Formalität der Beſitz⸗ Ergreifung(nantissement) vor öffentlichen Beamten, um eine Hypothek zu erwerben, eine Erfindung des Lehenswe⸗ ſens iſt, und zwar aus dem Grunde, weil die Lehent⸗ Herten Ruten aus der Veiſchreibung zogen, die ſie als eine Veräußerung betrachteten, oder deßwegen, weil ſie das in Erbzins gegebene Gut, wenn es heimfällig wurde, wieder zu ſich nahmen, und folglich ihr Intereſſe es erforderte, zu verhindern, daß der Eibzismann es nicht ohne ihre Erlaub⸗ niß auf eine unbeſtimmte Weiſe mit Schulden belaſtete. Zwar ſagte man, dieſe Formalität ſtehe mit dem Lehens⸗ weſen ſo wenig in Berührung, daß Ludwig XV, der gewiß die Abſicht nicht hatte, dieſen Nerus aufzuheben, ſie überall durch ſein Edict aus dem Junius 1771 abgeſchafft habe. Zuerſt iſt indeſſen nichts weniger ausgemacht, als die Behauptung, daß unſere Könige die Abſicht nicht hatten, das Joch des Lehensweſens aufzuheben. Viele Männer gibt es, die im Gegentheile der Meinung ſind, daß ſie ſeit Jahr⸗ hunderten hieran arbeitcten; läßt man aber auch dieſe Frage bey Seite, iſt es nicht ganz einfach, daß die Abſicht Lud⸗ wigs XV. ſeyn mochte, an die Stelle eines zu Gunſten der Lehens⸗Herren geſchaffenen Rechtes ein neues zu ſetzen, deſ⸗ ſen ganzer Gewinn ihm allein zufließen würde? Unmoͤzlich iſt es übrigens nicht, daß dieſes ven dem Lehensweſen auserſonnene Mittel elne Quelle der öffentlichen — e ie el⸗ t nz ibt uf tall ie en, ibt hr age ud⸗ der diſ⸗ den hel 1n. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken 183 7 Wohlfahrt wurde— eine Idee, die ſich ebenfalls bey Gele⸗ genheit der Edicte Heinrichs MI., und Ludwigs XIV. dar⸗ biethet, welche auch die Publicität der Hypotheken einführen wollten. Einer Seits behauptet man, das öffentliche Inte— reſſe liege dieſen Edicten zum Grunde, wogegen man ande⸗ rer Seits der Meinung iſt, daß ſie nur den Vortheil des Fiscus bezweckten; was aber auch immer die Abſicht dieſer Färſten geweſen ſeyn mag, immer bleibt zu unterſuchen uͤbrig, ob das Reſultat ihrer Verordnungen den Völkern nuͤtzlich war. Das Edict Ludwigs XIV. verdient inzwiſchen eine beſon⸗ dere Aufmerkſamkeit, weil es zu einem Vergleichungs⸗Punkte mit unſern neuen Geſetzen dient. Es iſt aus dem Monate März 1673, und enthält acht und ſiebenzig Artikel, deren Haupt⸗Verfügungen folgende ſind: Der König errichtete a) in jeder Land⸗Vogtey, und in jedem Ober⸗Amte eine Kanzelley, oder Gerichtsſchreiberey, wo diejenigen, die kraft eines Contractes oder Urtheiles eine Hy⸗ pothek hatten, ihre Oppoſition(Einſpruch)*) auf die im Bezirke gelegenen Immobilien einlegen könnten⸗ Dieſe Oppoſition mußte P) in der Form eines umſtaͤnd⸗ lich ausgeführten ſchriftlichen Geſuches abgefaßt ſeyn, und die Summen oder Anſprüche, wofür ſie eingelegt wurden, die Bezeichnung des unbeweglichen Gutes, worauf ſie gerich⸗ tet wurden, nebſt ausdrücklicher Erwaͤhnung der Nahmeu des Gläubigers und des Schuldners, und der Urkunden, worauf die Forderung gegründet war, und uͤberdieß die Wahl eines, Domicils an dem Orte, wo ſie in die Regiſter eingetragen wurden, enthalten⸗ Im Allgemeinen heißt Oppoſition eine Handlung, welche zum Zwecke hat zu verhindern, daß etwas zum Nachtheile der Parſon, auf deren Anſtehen ſie geſchieht, vorgenommen werde. So hatte die Oppoſition auf Immohilien die Aufrechthaltung der Rechte und Anſprüche eines Gläubigers zum Zwecke, auf den Fall, daß ſie veräußert oder ferner beſchwert werden ſollten. 184 1I. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Gläubiger, deren Oppoſitionen in die Regiſter eingetragen worden waren, wurden c) allen andern, die keine Oppoſition einlegten, vorgezogen, wenn ſchon ihre Forderungen aͤlter und privilegirt waren. Oppoſitionen, die d) binnen vier Monaten, vom Tage der Acte oder Urtheile angerechnet, und zwar in Anſehung deren, die im Konigreiche waren, oder binnen ſechs Monaten, in Anſehung jener, die abweſend waren, in die Regiſter ein⸗ getragen wurden, wirkten zuruͤck bis zum Tage der Acte oder Urtheile; wurde die Oppoſition erſt nach vier oder ſechs Monaten in die Regiſter eingetragen, ſo hatte ſie erſt vom Tage der Eintragung eine Wirkung. Eben ſo verhielt es ſich e) mit Dppoſitionen, die auf Güter eingelegt wurden, wovon die Schuldner erſt nach dem Acte oder Urtheile Eigenthümer geworden waren. Starben die Schulduer, ſo hatten 7) die Gläubiger die nehmlichen Friſten, um mittelſt der Eintragung in die Regi⸗ ſter, das Vorzugs-Recht vor den perſönlichen Glaͤubigern des Erben zu erhalten. Die, welchen g) an einem Gläubiger, der Oppoſition ein⸗ gelegt hatte, eine Forderung zuſtand, konnten auf die nehm⸗ liche Weiſe gegen deſſen Forderung Oppoſition machen. Die Eintragung in die Regiſter brauchte h) nicht erneuert zu werden. Glaͤubiger, deren Hypotheken nicht in die Regiſter einge⸗ tragen waren, wurden i) nach dem Alter ihrer Hypotheken —n denjenigen Guͤtern claſſificirt, worauf keine Oppoſition vorhanden war⸗ Schuldner, welche k) nach der Dppeſition Immobilien erwarben, oder denen Immobtllien, anderſt jedoch als durch Erbfolge, oder mittelſt eines Unjverſal⸗Vermächtniſſes anfie⸗ len, waren verbunden, den Glaͤubigern, deren Hypotheken in die Regiſter eingetragen waren, die darauf ſprechenden Titel zu inſinuiren; thaten ſie dieſes nicht, ſo konnten ſie ſich mit keiner Verjaͤhrung, die geringer als dreyßig Jahre war, ge⸗ gen dieſe Gläubiger ſchutzen⸗ M. Buch. xViII. Tit. Von Privilegien und Hypotdeken. 135 Die geſetzlichen Hypotheken der Franen an den Gütern ihrer Maͤnner, jene der Minderjaͤhrigen und Interdicirten an den Gütern ihrer Vormünder und Curatoren, und des Fis⸗ cus an jenen ſeiner Empfänger und Rechnungspflichtigen wa⸗ ren 1) von oer Formalität der Oppoſition befreyt; Frauen aber, die in Anſehung ihres Vermögens vvn ihren Männern abgeſondert waren, waren verbunden, binnen vier Monaten von dem Acte oder von dem Separations⸗Urtheile angerech⸗ net, ihre Oppoſition einzulegen; Wittwen mußten das Nehm⸗ liche binnen dem Jahre, worin ihre Männer geſtorben wa⸗ ren, thun, zund Minderjaͤhrige, die großjaͤhrig wurden, in dem Jahre ihrer Großjährigkeit; unterließen ſie es, ſo hatte ihre Dppoſition erſt von dem Tage an, wo ſie in die Regiſter eingetragen wurde, ein Vorzugs⸗Recht. Auch war m) das Leibgeding(douaire)**) der Kinder in den Provinzen, wo es dem Gewohnheits⸗Rechte zu Folge ihr Eigenthum war, von der Nothwendigkeit der Oppoſition ausgenommen; die großjährigen Kinder mußten ſie indeſſen binnen vier Monaten nach dem Tode ihres Vaters einlegen: thaten ſie dieſes nicht, ſo hatten ſie in Hinſicht des Leib⸗ gedinzs, erſt vom Tage der Eintragung in die Regiſter, eine Hypothek. *) Douaire(Leibgeding, Witthum) iſt der Genuß, den das Gewohn⸗ heits⸗Recht oder die Ehepaeten der Frau, die ihren Mann über⸗ lebt, an einem gewiſſen Theile der ihm zugehörigen Immobi⸗ lien verliehen. Auch verſteht man unter dieſem Ausdrucke das Eigenthum eben dieſes Theiles, welches einige Gewohnheits⸗Rechte den Kindern nach dem Tode ihres Vaters und ihrer Mutter vorbehalten, wenn ſie ſich nicht als Erben ihres Vaters darſtel⸗ len. Es gibt alſo zwey Arten von Lelbgeding, jenes der Frau nehmlich, und jenes der Kinder; das eine beſteht nur im Rieß— brauche, das andere aber im völligen Eigenthum. Im Grunde machen indeſſen dieſe zwey Gattungen von Leibgeding nur eine aus; denn das Leibgeding, woran die Mutter den Nießbrauch hat, gehört dem Eigenthume nach den Kindern. Der urſprung des Leibgedings rührt daher, weil vor Alters die Frauen, die ſich in jenem Theile des Reiches, den man la France(outumière 136 II. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 8 Endlich war n) der Nießbrauch der Nothwendigkeit der Dppoſition unterworfen, jedoch nur dann, wenn er mittelſt eines Vertrages beſtellt worden war. Dagegen wurden o) Die Formalitaͤten der Beſitz-Ergreifung Gaisines et nantissemens) abgeſchafft, und Die Gerichtsſchreiber waren p) verbunden, Auszüge der Eintragungen in die Regiſter zu geben; in einem und dem nannte, heiratheten, von ihren Eltern keinen Brautſchatz er⸗ hielten. Da ſie, ſo bald ſie aus dem väterlichen Hauſe ausge⸗ treten waren, auf nichts mehr daſelbſt Anſprüche machen konn⸗ ten, und es gerecht war, daß ſie im Wittwen⸗Stande zu leben haben möchten, ſo ward es'natürlicher Weiſe gebräuchlich, daß der Mann ihnen etwas nach ſeinem Tode zuruͤckließ. Was er ihnen ließ, dieß machte ihren Brautſchatz oder ihr Leibgeding aus, denn eine mit einem Brautſchatze oder mit einem Witthum verſehene Frau war das nehmliche. Da es aber, wenn Kinder vorhanden waren, nicht natürlich war, daß das, was der Mann ſeiner Frau zudachte, fuͤr die Kinder verloren ſeyn ſollte, ſo wurde mittelſt einer Ausdehnung des alten Gebrauches feſtge⸗ ſetzt, daß das Eigenthum des Brautſchatzes oder des Witthums der Mutter; nach ihrem Tode ihnen vorbehalten bleiben ſollte; und aus dieſen Verfügungen, wovon man im Saliſchen Ge⸗ ſetze Spuren antrifft, iſt das Leibgeding der Kinder entſtanden. Die Quotität des Leibgedings war anfangs nicht beſtimmt; ei⸗ nige Maͤnner gaben mehr, andere weniger; ſie hieng gaͤnilich von der Uebereinkunft ab. Nachher wurde ſie indeſſen durch Geſetze und Gewohnheits⸗Rechte, jedoch nicht einförmig, beſtimmt. Das Leibgeding oder Witthum letzterer Art, heißt Aouaire cou- umer; was hingegen auf einen Vertrag gegründet iſt, conven- ronnel oder prehw. Uebrigens iſt das douaire contumier der Ninder ſchon durch den Art. 61 des Geſetzes vom 17. Nivoſe 2. J.(6. Januar 1794) abgeſchafft worden; Frauen aber, die nach der Verkündung des Art. 1390 des G. Nap. geheirathet haben haben kein Leibgeding mehr. Zwar kann noch jetzt ein Leibge⸗ ding oder Witthum ſtipulirt werden; es hat aber bloß die Wir⸗ tung einer Schenkung, die der Mann ſeiner Frau im Heiraths⸗ Contraete macht, und der Bedingung untergeordnet iſt, daß ſie ihn überlebt. S. den Art. 1094.— BRepertoire de Jurisprud. Douire. „B. II. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 137 nehmlichen Auszuge mußten ſie uͤberdieß alle auf das unbe⸗ wegliche Gut eingelegte Oppoſitionen zuſammenfaſſen, waren für die Richtigkeit ihrer Auszüge verantwortlich, und du ften nur dreyßig Sous fuͤr jede Eintragung in die Regiſter, und eben ſo viel fuͤr jeden Auszug nehmen. Ohne alle Einſchränkung wurde dieſes Ediet am 23 März 1673, d. h. in dem nehmlichen Monate, worin es erlaſſen worden war, einregiſtrirt,*) im Monate April 1674 aber durch ein anderes Edirt unbedingt widerruſen. Was an dieſem Widerrufe Schuld geweſen ſeyn mag, daruͤber hat man viel geſtritten. Den Beweggrund des Widerrufs drückt der Konig ſo aus: *) D. h. ſeinem ganzen Inhalte nach in die Regiſter des Parla⸗ meutes von Paris eingetragen. Die Einregiſtiirung der Geſetze war ehemahls ein Act, wodurch die höchſten Gerichts-Hoͤfe (die Parlamente), nach vorlaͤufiger Unterſuchung der Geſetze, die ihnen vom Kanzler im Nahmen des Koͤniges zuseſchickt wur⸗ den verordneten, daß ſie in ihre Regiſter eingetragen, und beglaubte Abſchriften davon an die Unteigerichte zhres Bezirkes abgeſchickt werden ſollten, um daſelbſt verkündet, in ihre Regi— ſter eingeſchrieben und vollſtreckt zu nerden. Schickte nehmlich der König ein Geſetz an ſein Parlament, ſo verordnete dieſes nach einer Berathſchlagung, welche Verſatlon hieß, entweder daß es ganz unbedingt, oder mit Einſchränkungen in ſeine Re⸗ giſter eingetragen werden ſollte, oder es beſchleß, daß Gegen⸗ Verſtellungen dagegen gemacht werden ſollten. Ueber den eigent⸗ lichen Urſprung dieſer Befugniß der Parlamente verdient vorzüg⸗ lich Herr Merlin im Bepertoire de Juripr.. Fhreg istre- ment des Lor, nachgeſehen zu werden. War indeſſen auch da⸗ mahls die Eintragung in die Regiſter der Parlamente zur Voll⸗ ſtreckung der Geſetze durchaus erforderlich, ſo hat doch ſchon die conſtituirende Verſammlung durch das Geſetz vvm§. November 1789 dieſes Recht ganz abgeſchafft, und allen Gerichten und Verwaltungs⸗Behörden die unbedingte Eintragung der Geſetze in ihre Regiſter und zwar unter der Strafe anbefohlen, idaß ſie widrigenfalls als Ucbertreter ihrer Amtspflichten verfolgt werden ſollten. 133 M. Vuch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Dbſchon Unſere Unterthanen ſehr beträchtliche Vortheile aus ſeiner Vollziehung erhalten koͤnnten, ſo haben wir nichts deſtoweniger, da es ſich gewöhnlich zuträgt, daß die nütz⸗ lichſten Verordnungen in ihrem Entſtehen Schwierigkeiten darbiethen, und man gerade bey dieſer auf ſolche ſtößt, die in einem Zeitpunkte, wo wir genöthigt ſind, unſere Haupt⸗ Aufmerkſamkeit den Kriegs⸗Angelegenheiten zu widmen, un⸗ uͤberſteiglich find, Uns entſchloſſen, es zu widerrufen.⸗ Im angeblichen politiſchen Teſtamente des Herrn Colbert heißt es, an dem Widerrufe des Edictes von 1673 ſeyen „die Raͤnke des Parlamentes Schuld, welches nicht Willens war zu dulden, daß eine ſo ſchöne Einrichtung der Hyder der Wrozeſſe, die ſeine einzige Nahrungs⸗Quelle ſind, den Kopf abſchlagen ſollte; es ſtellte vor, die Angeſehenſten des Ho⸗ fes wuͤrden hierdurch ihres Gluͤcksſtandes gänzlich beraubt werden, und, da ſie größteatheils mehr Schulden als Ver⸗ mögen haͤtten, keine Huͤlfsquelle mehr finden, ſo bald ihr Finanz⸗Zuſtand entdeckt würde; da es nun unter dieſem Vor⸗ wande viele wichtige Perſonen in ſein Intereſſe zu ziehen wußte, ſo kaballirten ſie ſaͤmmtlich ſo gut zuſammen, daß der Vollziehung des darüber erlaſſenen Edictes Einhalt ge⸗ than wurde« Die Einleitung des Widerrufs⸗Edictes, ſagt man hinge⸗ gen anderer Seits, druckt nur das Gefühl eines Geſetzgebers aus, welcher nicht gerade zu eingeſtehen will, daß er Unrecht gehabt habe; während ſeiner ganzen Regierung dachte Lud⸗ wig XIV. nicht mehr daran, dem Edicte von 1673 wieder Geſetzes⸗Kraft zu geben; auch war er der Fürſt nicht, der ſich durch die Gegenvorſtellungen des Parlamentes härte abhalten laſ⸗ ſen, wenn er von der Rützlichkeit dieſes Edictes überzeugt geweſen waͤre; ohnehin hatte das Parlament es ſo gar auf der Stelle in ſeine Regiſter eingetragen; dagegen verdient das angebliche politiſche Teſtament von Colbert, ein Machwerk, woran dieſer große Miniſter keinen Antheil hat, nicht die mindeſte Rückſicht; eben ſo iſt es im höchſten Grade unge⸗ recht, das Parlament zu beſchuldigen, daß es das öffent⸗ U. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 139 liche Wohl der Chicane habe zum Opfer bringen wollen, da es doch ſo eben, mit ſo vielem Amts⸗Eifer zu jenen be⸗ ruhmten Ordonnanzen mitgewirkt hatte, wodurch man ſie zu Grunde zu richten ſich Mühe gegeben hatte; ſo wie dann auch der Beweggrund, daß man den Hofleuten das Mit⸗ tel, andere zu betriegen habe aufrecht erhalten wollen, abſcheulich und keiner Antwort würdig iſt. Vorzüglich be⸗ ruft man ſich hiebey auf den faſt gleichzeitigen Schriftſteller Basnage, welcher ſagt, das Geſetz von 1673 ſey ſo fiscal und ſo beſchwerlich zu vollziehen geweſen, daß man ſich ge⸗ nöthigt geſehen habe, es zurückzunehmen. So blieben die Sachen, bis Ludwig XV. im Monate Junius 1771 ſein Edict erließ, wodurch er Hypotheken⸗ Bewahrer errichtete, und die freywilligen gerichtlichen Ver⸗ käufe von Immobilien(décrets volontaires)*) abſchaffte. *) Ehemahls gab es in Frankreich zwey Arten gerichtlicher Ver⸗ kaͤufe unbeweglicher Güter(Deerets dimmeubles), die freywilli⸗ gen nehmlich und die erzwungenen,(déeret volontaire, und dé- eret fores). Ein freywilliger gerichtlicher Verkauf war derjenige, den ein Erwerber thun ließ, um die von ihm erworbenen Guͤter von den Hypotheten, dinglichen Rechten oder Dienſtbarkeiten, die man daran haben möchte, zu befreyen. Befürchtete nehmlich ein Erwerber, daß er nicht geſichert ſey, ſo bedung er ſich ge⸗ wöhnlich die Befugniß aus, das Gut freywillig bey Gericht ver⸗ kaufen zu laſſen, und den Preis ſeiner Erwerbung nicht eher zahlen zu muͤſſen, bis das Zuſchlags⸗Urtheil ohne irgend eine Oppoſition beſtegelt worden waͤrc. Um zu ſolch einem freywilli⸗ gen Zuſchlags⸗Urtheile zu gelangen, erklaͤrte der Erwerber vor einem Notar, daß er einem Dritten eine wirklich fällige Summe ſchuldig ſey; die urſchrift der hieruͤber errichteten Schuld-Ver⸗ ſchreibung wurde dieſem Dritten eingehändigt, welcher aber auf der Stelle einen Gegen-Revers daruͤber ausſtellte. Kraft dioſer Schuld⸗Verſchreibung ließ der anſcheinliche Gläubiger das in Frag ſtehende Gut in Beſchläg nehmen, und betrieb dieſemnach den gerichtlichen Verkauf deſſelben. Die Formalitaͤten dieſes Verkaufes waren die nehmlichen, wie beym unfreywilligen gericht⸗ lichen Verkaufe; nur mußte man, wenn das Gut gegen den Er— werber freywillis bey Gericht verſteisert wurde, in der Prozedur 190 1 Buch. XvIII. Tit Von Privilegien und Hypotheken. Der Zweck dieſes Fuͤrſten war, wie er im Eingange zu ſeinem Edicte ſagt, an die Stelle der freywilligen gericht⸗ lichen Verkaͤufe von Immrbilien ein einfacheres und weniger koſtſpieliges Mittel zu ſetzen, das Eigenthum ſicher zu ſtellen, und den Rang und die Dauerhaſtigkeit der Hypotheken auf eine unveraͤnderliche Art zu beſtimmen. Dieſes Edict enthaͤlt acht und dreyßig Artikel, deren we⸗ ſentliche Verfügungen ich jetzt ausheben will. In jedem Amte errichtete er a) die Stelle eines Hypd- theken⸗Bewahrers, und eine Kanzelley, um die Beſtaͤtigungs⸗ anmerken, wer es verkauft habe, damit deſſen Gläubiger benach⸗ richtigt wurden, eine Dppoſition einzulegen. Zwiſchen Käufer und Verkäufer machte übrigens der Zuſchlag mittelſt freywilliger Vergantung einen und den nehmlichen Rechts⸗Titel aus; keiner von beyden erhielt dadurch mehr Recht, als er kraft des Con⸗ traetes ſchon hatte; geſchah alſo der Zuſchlag für einen höhern Preis, als im Contraete beſimmt war, ſo keunte doch der Ver⸗ käufer nur die Zahlung dieſes letztern verlangen; Gläubiger aber⸗ welcho Dppoſition einlegten, konnten die Zahlung der Summe, wofuͤr der Zuſchlag geſchehen war, fordern, weil der Contraet ſür ſie nicht verbindlich war. Hatte der Erwerber Glaͤubiger be⸗ zahlt, die im Contracte angewieſen waren, oder nicht, die aber weder privilegirt noch die aͤlteſten waren, ſo mußte er die nehm⸗ lichen Summen den Gläubigern, welche Oppoſition einlegten, noch einmahl zahlen; und wenn die freywillige Vergantung zu einer unfreywilligen wurde, welches dauu geſchah, wenn Dppo⸗ ſitivnen verhanden waren, die gegen das Zuſch'ags⸗Utheil be⸗ ſtanden, und nicht in Beſchlagnehmungen des Kaufpreiſes ver⸗ wandelt worden waren, ſo mußte der Erwerber ſelbſi Oppoſition einlegen, um für die von ihm bezahlten Summen nach ſeiner Raug⸗Drdnung elaſſifieirt zu werden. Man ſieht hieraus, daß die freywillige Vergantung eine lang⸗ wierige und ſimulirte Formalität war, die man deßwegen einge⸗ führt batte, weil es an einem Geſetze mangelte, welches die Oid⸗ nung und Feſtigkeit der Hypotheken auf eine unveräuderliche Art ſeſtſetzte und ein ſicheres und leichtes Rittel, ſie aufrecht zu erhalten angab. Reperloire de Jurisprud. V Mcret d immeu- 5 40, F. 1. B. m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken 191 Uckunden(Lettres de ratification) zu heſiegeln, welche auf Verkauf- und andere Contracte, wodurch Eigenthum über⸗ tragen wird, ertheilt werden ſollten. Alle Erwerber wirklicher oder fictiver Immobilien, welche dieſelben von den darauf haftenden Hypotheken befreyen woll⸗ ten, waren P) gehalten, bey jedesmahliger Veraͤnderung, in der bey dem Amte, in deſſen Bezirke geſagte Immobilien gelegen waren, errichteten Kanzelley Beſtätigungs-Urkunden zu nehmen. Kraft dieſer Urkunden erloſchen c) die Hypotheken und Privilegien aller Gläubiger der Verkäufer, welche vor der Beſiegelung geſagter Urkunden ihre Oppoſition einzulegen ver⸗ nachlaͤßigt hatten; dagegen konnten ſie aber den Erwerbern, in Hinſicht deß Eigenthums, dinglicher Rechte, Grundgerech⸗ tigkeiten, Dienſtbarkeiren und anderer Gerechtſame, nicht mehr Recht ertheilen, als die Verkäufer daran hatten. Um ſolche Beſtätigungs-Urkunden zu erhalten, legte d) der Erwerber ſeinen Contract auf der Kanzelley nieder; ein Auszug devon wurde einer im Audienz-Saale angebrachten Tabelle eingertickt, und hierin blieb er zwey Mosrate lang, vor deren Ablauf die Urkunde nicht abgeliefert werden durſte. Jedem Gläubiger des Verkäufers ſtand es e) frey, auf der Kanzelley ſein Verſprechen abzugeben, daß er den Kauſ⸗ preis um ein Zehntel erhöhen wolle; jeder Glaͤubiger war dieſemnach befugt, ein Zwanzigſtel mehr zu biethen; der Er⸗ werber aber konnte das unbewegliche Gut behalten, wenn er den hoͤchſten Preis, der dafür gebothen worden war, vollzäh⸗ lig machen wollte. Gläubiger, die auf ein Privilegium oder Hypotheken⸗Recht Anſpruch machten, mußten f), um ihre Hypotheken bey vor⸗ gehenden Veränderungen aufrecht zu erhalten, bey den Be⸗ wahrern ihre Dppoſition einlegen. Dieſe Oppoſitionen dauerten 2) nur drey Jahre lang. Minderjährige, Interdicirte, Frauen, die unter der Ge⸗ walt des Mannes ſtanden, waren h) verbunden, bey Ver⸗ 192 MM. Buch. xvlII. Tit. Ven Privilegien und Hypotbeken. luſt ihres Rechtes ihre Oppoſitien zu machen, mit Vorbehalt jedoch ihres Regreſſes gegen die Vormünder und Maͤnner, ſo wie es den Rechten nach Statt findet; dagegen bedurften aber die Hypotheken der Frauen an den Gütern ihrer Min⸗ ner, ſo lange dieſe Letztern lebten, ſo wie auch die Hypo⸗ theken der Kinder an den Gütern ihrer Väter, wegen noch nicht angefallener Leibgedirge keiner Oppoſition. Unter den Hypothekar- und privilegirten Glaͤubigern, welche Oppoſition eingelegt hatten, wurde ¹) die geſetzliche Rang⸗Ordnung berbachtet; Chyrographar⸗Glaͤubiger aber, welche Oppoſition gemacht hatten, wurden vorzugsweiſe vor den privilegirten und Hypothek r⸗Gläubigern befriedigt, die keine eingelegt hatten⸗ Die Oppoſitionen mußten k) die Nahmei, Gewerbe und Wohnorte des Glaͤubigers und des Schuldners, und die Wahl eines Domicils an dem Orte, wo ſie den Regiſtern eingetra⸗ gen wurden, enthalten, und nach ihrem Datum in ein von dem Bewahrer geführtes Regiſter eingeſchrieben werden, wel⸗ cher verbunden war, denjenigen, die es verlangten, Auszuͤge daraus mitzutheilen, fuͤr deren Glaubwuͤrdigkeit er verant⸗ wortlich war⸗ Ehe er die Beſtaͤtigungs⸗Urkunde überreichte, um mit dem Siegel verſehen zu werden, mußte er 1) auf dem Umſchlage von den Oppoſitionen, wenn deren vorhanden waren, Mel⸗ dung thun, und nun wurde die Urkunde anderſt nicht als mit Vorbehalt der Oppoſitionen beſiegelt⸗ Die Rechte und Formalitäten der Beſitz-Ergreifungen Gaisines et nantissemens) wurden m) abgeſchafft, und die freywilligen Vergantungen aufgehoben. Das Edict enthielt übrigens n) keine andere Ausnahme, als zu Gunſten der Hypotheken des Fiskus an den Gütern der Rechnungspflichtigen; dieſe Befreyung wurde aber kraft beſonderer Geſetze beybehalten⸗ die man im Commentar des Herrn Grenier uͤber den Art. 17 des Edictes nachſehen kann⸗ Verſchieden war die Art, womit dieſes Edict in den li M. Buch. AVliI. Tit. Fon Privilegien und Hypotheken. 103 verſchiedenen Theilen Frankreichs aufgenommen wurde. Die Parlamente von Paris und Dijon trugen es ſogleich ohne Einſchränkung in ihre Regiſter ein; in andern Gerichts ſpren⸗ geln geſchah dieſes nur unter verſchiedenen Modificationen, oder aus ganz ausdrücklichem Befehle des Königs; zu Ren⸗ nes hielt man ſich aber an den im Gewohnheit⸗Rechte von Bretagne beſtimmten Beſitz-Ergreifungen(appropriances); zu Air und Perpignan wurde das Edict, unerachtet es in die Regiſter eingettagen worden war, nie in Vollzug geſetzt, weil man ſich den Formalſtaͤten, die es zum Beſten der Erwerber, aber zum Nachtheile der Gläubiger vorſchrieb, nicht unter⸗ werfen wollte, ünd der Verfügung der römiſchen Geſetze den Vorzug gab; wogegen man zu Douai und zu Arras fand, daß das Edict nicht genug für die Erwerber und Capitaliſten thue, und daß man die Beſitz⸗Ergreifungen mittelſt der cœuvres de loi, main-mise„u. ſ. w., woran man gewohnt war, lieber habe; jn der That gab auch der Koͤnig den Vor⸗ ſtellungen des Parlamentes von Douai nach, und das Edict von 1771 wurde nie daſelbſt vollzogen. Während der Revolution gewannen die Ideen von Pu⸗ bkicität und Speciolität der Hypotheken die Oberhand; wirk⸗ lich hält es auch ſchwer, ſich des Gedankens zu entſchlagen, der ſich gleich Anfangs darbiethet, daß man nehmlich weit mehr Geſchäfte machen wuͤrde, wenn man den Vermögens⸗ Zuſtand derjenigen, mit denen man contrahiren kann, ganz genau kännte; wenn Niemand mehr Credit hätte, als ihm gebuͤhrte, und den Ränkeſüchtigen die Macht aus den Händen geſpielt wuͤrde, andere zu betriegen. Man fand, daß das Edict von 1771 zwar für die Sicherheit der Erwer⸗ der ſorgte, den Darleihern aber kein Mittel an die Hand gab, ihre Capitalien mit Zuverſicht anzulegen, und die Ver⸗ mögens⸗Umſtände derjenigen kennen zu lernen, die ſie lehn⸗ bar aufnehmen. Die conſtituirende Verſammlung hatte keine Zeit, üm äber dieſen großen Gegenſtand ein Geſetz zu erlaſſen; der IV. Malev. 13 194 1n. Buch. XVIMI. Tit. Von Privilegien und Hypothelen. National⸗Convent machte zwar darüber eins am 9. Meſſidor 3. J.(27. Junius 1795), welches aber das Gepräge der damahligen Ueberſpannung an ſich trug; an die Stelle der allzu langwierigen Formen der ehemahligen Beſchlagneh⸗ mungen der Immobilien, um ſie zur Befriedigung der Glaͤu⸗ biger gerichtlich verkaufen zu laſſen((saisies réelles) ſetzte es eine Art von gerichtlicher Vergantung,(expropriation) die dem ungluͤcklichen Schuldner nicht einmahl das Mittel ließ, ſich zu beſinnen, und zu uͤberlegen, was zu thun ſey; was noch mehr iſt, indem es den Bürgers erlaubte, Hypotheken gegen ſich ſelbſt zu nehmen*), mobiliariſirte es die Immo⸗ bilien; es both der Verſchwendung traurige Mittel dar, und ließ eine allgemeine Zerrüttung der Vermögens⸗Umſtände be⸗ fürchten. Auch ſah man ſich genöthigt, die Vollſtreckung desſelben“ einzuſtellen⸗ Unter guͤnſtigern Auspizien erſchien das Geſetz vom 11. Bruͤmaite 7. J.(1. November 1798); mit der größten Feyer⸗ lichkeit wurde es im Rathe der Fünfhunderte und in jenem der Alten discutirt, und man glaubte die Auflöſung jenes ſo beſchwerlichen Poblems: Den ausgedehnteſien Credit 4) Von dieſer Erlaubniß handelt das ganze Cap. 27 Tit. 1 des angeführten Geſetzes. Jedem Eigenthümer von Gütern oder Ge⸗ rechtſamen, woran ein Hypotheken⸗Recht Statt haben konnte, wurde nehmlich die Befugniß ertheilt, auf eine beſtimmte Zeit, die jedoch nicht länger als zehn Jahre ſeyn durſte, mittelſt Hy⸗ potheken⸗Zettel(cedoles hypothécaires) bis zum Betrage dreyer Biertel des Haupt⸗Werthes ſeiner im Zettel verzeichneten Guͤ⸗ rer, mit Inbegriff des Betrags der Hypotheken, womit ſie ſchon belaſtet waren, eine Hypethek gegen ſich ſelbſt zu nehmen. Dieſe Zettel wurden von den Hypotheken⸗Bewahrern ausgefer⸗ rigt, und hierin verband ſich der Eigenthümer aus dem Werthe ſeiner Immobilien demjeuigen, der auf der Rückſeite genannt wurde, die Summe von— auszuzahlen. Durch Endoſſement wurden dieſe Zettel in Umlauf geſetzt, und der Inhaber war traft derſelben mit einer Hppethek an den darin verzeichneten Guͤtern verſchen. V. M. Buch XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothekeu. 19 mit der größten Sicherheit zu verpasren, gefunden za haben. So ſtanden die Sachen, als wir den ehrenvollen Auftrag erhielten, ein Civil-Geſetzbuch für Frankreich zu verfertigen⸗ Zwiſchen drey Syſtemen, nehmlich jenem der römiſchen Ge⸗ ſetze, die vor dem Edicte von 1771 beobachtet wurden, je⸗ nem dieſes Edictes, und jenem des Geſetzes vom 11. Brü⸗ maire hatten wir zu wählen. Nach vielem Rachdenken und mehrern gemeinſchaftlichen Berathſchlagungen gaben wir dem Edicte, jedoch mit Vorbehalt einiger Verbeſſerungen, die unſerer Meinung nach daran vorgenommen werden muͤßten, den Vorzug. Urberfluͤßig wäre es, hier unſere Gründe an⸗ zuführen; ſie werden ſogleich bey der Mittheilung der Dis⸗ cuſſion, die im Staats⸗Rathe hieruͤber Statt hatte, ent⸗ wickelt werden. Da in der Geſetzgebungs⸗Section die Meinungen getheilt waren, ſo wurde beſchloſſen, daß Herr Bigot von Pregme⸗ neu dem Staats⸗Rathe die Gruͤnde derjenigen, die es mit unſerm Entwurfe hielten, und Herr Réal die Gründe derje⸗ nigen vorlegen ſollte, die das Geſetz vom 17, Brümaire vor⸗ zogen; als aber dieſer Letztere nachher durch einen Auftrag daran verhindert wurde, kam Herr Treilhard an deſſen Stelle, welcher dieſem zu Folge das Geſetz, welches das Reſultat der Discuſſion war, dem Geſetzgebungs⸗Corps vorgelegt hat. Ich finde es dienlich, die beyderſeits vorgebrachten Argu⸗ mente hier im Auszuge mitzutheilen: unſere Enkel werden darin einen gründlichen Unterricht finden, wenn die Erfah⸗ rung es je nothwendig machen ſollte, dieſe Frage noch ein Mahl zur Sprache zu bringen. Hier folgen die Gründe des Herrn Bigot: «1) Es iſt ein Haupt⸗Grundſatz, den man an der Spitze aller Geſetz⸗Entwürfe uͤber die Hypotheken antrifft: Jeden, der ſich perſoͤnlich verbunden hat, iſt ſchuldig, mit allen ſeinen beweglichen und unbeweglichen, gegenwärtigen und zukuͤnftigen Guͤtern fuͤr die Erfullung ſeiner Ver⸗ pflichtung zu haften. 16 Im. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Aus dieſem Grundſatze folgt, daß der Credit desjenigen, der eine Verbindlichkeit eingeht, nicht nur aus allen ſeinen gegenwärtigen, ſondern auch noch aus jenen Guͤtern ſich bildet, die er durch ſeine Arbeit und die natürliche Succeſſions⸗Ordnung noch zu erwerben hoffen kann. Es iſt ganz klar, daß derjenige, der nur wenig Immobilien, oder deren gar keine hat, nicht ſo leicht Jemanden finden wird, der ihm Geld leiht, als wenn er nebſt ſeinen wirklichen Gii⸗ tern auch ſeine zukünftige Guͤter zur Hypothek ſtellen könnte; die Verſchreibung zukünftiger Güter iſt indeſſen mit der Spe⸗ cialitat der Hypothek unvertraͤglich; dieſe Specialität iſt folg⸗ lich dem oͤffentlichen Intereſſe und dem Eigenthums⸗Rechte zuwider. „Man wendet zwar a) ein, man könne nicht über ein Eigenthum verfuͤgen, was man noch nicht hat. Sobald man aber verbunden iſt, für die Erfuͤllung ſeiner Verbind⸗ lichkeit mit allen ſeinen, ſogar zukünftigen, Guͤtern zu haf⸗ ten, warum ſollte man ſie dann auch nicht zur Sicherleit dieſer Erfüllung zur Hypothek ſtellen tönnen? Selbſt die Anhänger der Specialität ſind der Meinung nicht, dieſe Gů⸗ ter für Schulden, die vor der Erwerbung gemacht worden ſind, unangreifbar zu erklären; nehmen ſie aber an, daß ſolche für dergleichen Schulden allgemein haſten, ſo iſt kein Grund vorhanden, ihre Hypotheſirung zu verhindern; nur wird in dieſem Falle die Hypothek bedingt, und in der Vor⸗ ausſetzung, daß der Schuldner dergleichen Güter erwerbe, wirkſam ſeyn. „Unſittlich iſt es, ſagt man p), auf die künftigen Erb⸗ ſchaften zu ſpecnliren. Hat man aber wohl ſeit zwanzig Jahr⸗ hunderten, waͤhrend deren es erlaubt iſt, kuͤnftige Guͤter zur Hypothek zu ſtellen⸗ je gehört, daß dieſe Befugniß unſitt⸗ lich ſey? Zukünftige Güter beſtehen ja ohnehin nicht einzig aus Erbſchaften; ein größerer Theil iſt die Frucht der Arbeit und der Induſtrie; und in Hinſicht derjenigen ſogar⸗ wozu man durch Erbfolge gelangen kann, hat das Geſetz den Mißbräuchen daduch hinlaͤnglich vorgebeugt, daß es m. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 197 Vertrage, welche kuͤnftige Erbſchaften zum Gegenſtande ha⸗ ben, verbothen, und den Minderjährigen die Befugniß ver⸗ liehen hat, ſich gegen die Verpflichtungen, die ihnen nach⸗ theilig ſeyn möchten, in den vorigen Stand ſetzen zu laſſen. „Es gibt ſehr viele Hypotheken Rechte, die oft in Nichts zerfallen wuͤrden, wenn ſich ihre Wirkung nicht auf die künf⸗ tigen Güter ausdehnen ließe; dergleichen Hypotheken ſind jene der Franen an den Gütern ihrer Männer, und jene, die kraft eines Urtheiles erworben werden. Gemeiniglich bleibt, wenn die Kinder ſich heirathen, das Erbgut in den Händen der Eltern; ein verurtheilter Schuldner hat oft keine Immobilien, und man iſt gezwungen nachzugeben, daß dieſe beyde Arten von Hypotheken an den künftigen Guͤtern des Mannes und des Schuldners vollzogen werden können. Liegt indeſſen kein Widerſpruch darin, wenn man einer Seits behauptet, eine Hypothek koönne die künftigen Guͤter des Schuldners nicht zum Gegenſtande haben, während man ſich anderer Seits genöthigt ſieht, einzugeſtehen, daß dieß in ſehr zahlreichen Fällen nicht nur gerecht, ſondern ſogar nothwendig ſey? „2) Setzt man die Handlungs⸗ und Induſtrial⸗Vertraͤge bey Seite, wofuͤr man glücklicher Weiſe keine Sicherheit in den Gütern nimmt, ſo iſt der größte Theil der Hypotheken ihrer Natur nach unbeſtimmt. „ Dergleichen ſind a) alle geſetzliche Hypotheken, denen ganze Buͤrger⸗Claſſen, als: Ehemänner, Vormünder, Erben unter der Rechtswohlthat des Inventars, Perſonen, die über Gelder, welche dem Staate zugehören, Rechnung abzulegen ſchuldig ſind, gerichtliche Depoſitarien, unterworfen ſind. „bP) Die Hypotheken, die von Verbindlichkeiten abhan⸗ gen, welche entweder in Anſehung der Quotitaͤt, oder deß⸗ wegen unbeſtimmt ſind, weil ſie von ungewiſſen Ereigniſſen abhangen. Hiehin gehoren die Gewaͤhrleiſtungen im Falle, wo eine Sache ganz oder zum Theile evineirt wird, die be⸗ dingten Verbindlichkeiten, die Freygebigkeiten auf den Ueber⸗ lebungs⸗Fall. Endlich %3 H. Buch. XV. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. ac) Unter den gerichtlichen Hypotheken, diejenigen, welche aus Contumacial- oder der Appellation unterworfenen Ur⸗ theilen entſpringen, ſo wie auch jene, welche aus Urtbeilen herrähren, wodurch Jemand zur Zahlung nicht liquidirter Summen, zur Zurückerſtattung der genoffenen Früchte, zum Erſatz des Schadens und entbehrten Gewinns, zur Rechnungs⸗ Ablage, zur eventuellen Gewährleiſtung ſolcher Gegenſtände, deren Werth ungewiß iſt, verurtheilt wird. „Ganz offenbar iſt es indeſſen, daß dieſe ungeheure Maſſe von Hypotheken ſich nicht ſpecialiſiren läßt, weil ſie das Acceſſorium ſolcher Forderungen ſind, deren Betrag vor dem Eintreten des Ereigniſſes, welches ſie beſtimmen wird, nicht feſtgeſetzt werden kann. „Um ſie inzwiſchen, ſo viel als möglich, in Special⸗ Hypotheken umzuſchaffen, hat man den Vorſchlag gemacht, die Eintragungen unbeſtimmter Hypotheken unter dem Vor⸗ wande, daß ſie für allzu ſtarke Summen erwirkt worden ſeyen, herabzuſetzen und zu vermindern; iſt aber eine ſolche dem Schuldner ertheilte Befugniß nicht der Natur ſeiner Ver⸗ pflichtung zuwider? Iſt ſie nicht überdieß eine Quelle end⸗ loſer Prozeſſe, und die größtentheils unter Perſonen Statt haben würden, die durchaus nicht in Prozeſſe gegeneinander verwickelt werden muͤſſen? „Entweder hat der Schuldner in die Eintragung der Hypothek eingewilligt, oder ſie iſt, wie im Falle der geſetz⸗ lichen oder gerichtlichen Hypothek, ohne ſeine Theilnahme bewerkſtelligt worden. „Hat er in die Eintragung eingewilligt, ſo kann er gegen ſein eigenes Factum nicht mehr angehen; iſt von einer geſetzlichen oder gerichtlichen Hypothek die Rede, ſo muß die Klage auf Verminderung um ſo viel eher verworfen werden; man kann doch einer Verbindlichkeit nicht derogiren, die ihren Grund in der öffentlichen Ordnung hat. „Eine ſolche Verminderung— auf welcher Grundlage ſollte ſie überdieß beruhen? Welcher Gattung von ſchiedsrich⸗ terlichem Erkennniße, oder Schoͤtzung durch Sachverſtandige l. Buch. XVlll. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 199 ſollte man ſich dabey bedienen? Es iſt ganz offenbar, daß nach der Natur der Dinge nichts von allem dieſem Statt haben kann, weil der Betrag der Forderung von ungewiſſen Ereignißen, der guten oder ſchlechten Aufführung des Schuld⸗ ners, von künftigen Erbſchaften, von zu erlaſſenden Urthei⸗ len, von zufaͤlligen Bedingungen abhaͤngt. „Setzt man, um dem Schuldner Credit zu laſſen, die Summe, wofür die Hypothek genommen worden iſt, auf's Gerathe wohl, ohue alle Grundlage herab, ſo läuft man Gefahr, dem Glaͤubiger zu ſchaden; ſchlägt man die möglichen Ereigniße hoch an, ſo ſchwächt man bey den⸗ jenigen, die dem Schuldner Geld hätten leihen koͤnnen, ſei⸗ nen Credit mehr, als dieſe Vorſicht hätte thun koͤnnen. „Auch gibt es wenig Schuldner, denen, um ſich Credit zu verſchaffen, die Luſt anwandlen möchte, die Koſten und die Ungewißheit ſolcher Schätzungen ſich gefallen zu laſſen; waͤren ſie aber durch die wirkliche Nothwendigkeit, Geld auf⸗ zunehmen, dazu gezwungen, ſo wuͤrden ſie keinen Darleiher finden, der den Ausgang einer ſolchen Procedur abwarten wollte. „3) Unter der alten Geſetzgebung ſtand es immer jedem frey, ſich eine Special-Hypothek auszubedingen; warum will man ſie alſo mit Zwang und von Rechts wegen einfuͤh⸗ ren, da doch hauptſaͤchlich die bloße Stipulation dem Gläu⸗ biger den nehmlichen Rang und das nehmliche Vorrecht verlieh, was man ihm durch ein Zwangs-Geſetz zuſi⸗ chern will? »Je mehr man überzeugt iſt, daß die Specialitst ſelbſt zum Porthcile des Gläubigers den Vorzug verdient, deſtoweniger muß man ſich mit einem Geſetze bewaffnen, welches die natürliche Freyheit einſchraͤnkt; vorzüglich bey Gegenſtänden, die ſich auf das Eigenthum beziehen, muß man Jeden daruͤber mittelſt Vertrage, die er fuͤr dienlich er⸗ achtet, disponiren laſſen, und das Geſetz muß nicht dazwi⸗ ſchen treten, um das zu verbiethen, was an ſich nicht uner— laubt iſt. Begnügen ſich die Gläubiger mit einer Sperial⸗ 200 m. Vuch. XvI. Tit. Von Privilegien und Hypothelen. Hypothek, ohne zu verlangen, daß ſie ſich auf das ganze Vermögen des, Schuldners erſtrecken ſolle, ſo werden die Schuldner gerne darin einwilligen; auf dieſe Weiſe wird der natuͤrliche Lauf der Dinge jene Ordnung mit ſich bringen, die man durch Zwang einführen will, und die Freyheit, der ſie ihr Entſtehen zu verdanken hätte, wuͤrde ihre Nuͤtzlichkeit beweiſen. „Da indeſſen das Gegentheil ſich bis hiehin ereignet hat; da jeder Gläubiger, der alle mögliche Sicherheit haben will, immerwährend die doppelte Hypothek, die allgemeine nehm⸗ lich und die beſondere, der bleßen Special⸗Hypothek, vorge⸗ zogen hat; da, ſelbſt unter dem neuen Syſtem, die Gläubi⸗ ger nicht ermanglen, ſich den Vortheil der General⸗Hypothe⸗ ken entweder dadurch, daß ſie ihre geſetzliche, genichtliche oder unbeſtimmte Hypotheken auf alle gegenwärtige und zu⸗ künſtige Guͤter einſchreiben laſſen, oder dadurch zu verſchaf⸗ fen, daß ſie ſich für die vertragsmaͤßigen und beſtimmten Hypotheken, unter dem Nahmen von Specialität, auf alle Güter einſchreiben laſſen, die ihres Wiſſens dem Schuldner zugehoͤren, ſo iſt es in der That beſſer, daß man dieſem letztern die Freyheit läͤßt, unter jener Gattung von Hypothek, die ihm dienlich ſcheint, Geld aufzunehmen: man muß we⸗ nigſtens nicht glauben, daß er ſein Vermoͤgen mehr beſchwert, als ſeine Lage, und der Wille des Gläubigers es nothwendig machen werden. „Bis zum Jahr 7(1799) legten die allgemeinen Hypo⸗ theken dem Schuldner kein Hinderniß in den Weg, neue Anlehn zu finden, denn in Hinſicht der ſpätern Gläubiger, gab ſeine Erklärung, welcher ſeine Moralität, oder die auf dem Stellionate haftende Strafe zur Garantie diente, die Sicher⸗ heit, womit ſie ſich gewöhnlich begnügten; iſt aber einmahl feſtgeſetzt, daß es keine andere ſichere Hypothek gibt, als diejenige, die in einem freyen Gute geſtellt wird, dann wird der Schuldner, welcher ein neues Anlehn ſucht, ſich vergebens Mühe geben zu beweiſen, daß der aͤltere In. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 201 Gläubiger allzu ausgedehnte Special⸗Hypotheken genommen habe; der Darleiher wird in dieſe Unterſuchungen nicht hin⸗ eingehen, und kein Schuldner, der nur Immobilien beſitzt, worauf übertriebene oder gar unnütze Hypotheken genommen worden ſind, wird ſie nicht mehr als Pfand einer neuen Schuld anbiethen können. »Um inzwiſchen den Gebrauch der Special⸗Hypotheken, in dem Falle, wo die Contrahenten ſie freywillig vorziehen würden, zu erleichtern, hat der Entwurf des Geſetzbuches über Fragen, die bis hiehin ſtreitig waren, Regeln feſtgeſetzt. „So zweifelte man a), ob derjenige, der ſich eine Special⸗ Hypothek hatte ſtellen laſſen, von der allgemeinen Hypothek nicht abgegangen ſey, die er Kraft ſeines Contractes gebabt haben würde; ob er nicht wenigſtens, wenn auch die allge⸗ meine Hypothek aufrecht bliebe, gehalten ſey, das ihm be— ſonders verſchriebene Immobile zuerſt anzugreifen, und ver⸗ kaufen zu laſſen: beyde Fragen ſind im Entnurfe des Geſetz⸗ buches mit Nein entſchieden, es ſey dann, daß die Contra⸗ henten im Contracte eine entgegengeſetzte Abſicht an den Tag gelegt haͤtten. „So ſtritt man ferner b) uͤber die Frage, ob bey der Rangordnung unter den Gläubigern die Special⸗Hypothek nicht der allgemeinen vorgezogen werden muͤſſe, wenn ſchon dieſe letztere älter ſeyn ſollte. Auch dieſe Frage entſcheidet der Entwurf mit Nein, weil es offenbar ungerecht ſeyn würde, wenn es in der Macht des Schnldners ſtände, durch Stellung einer Special⸗Hypothek zu Gunſten eines ſpätern Gläubigers, dem ältern ohne ſeine Mitwirkung einen Theil ſeines Unterpfandes zu entreißen; dagegen erlaubte die Ge⸗ rechtigkeit aber, dem ſpätern Gläubiger dann den Vorzug zu geſtatten, wenn er ſich nur in Concurrenz mit einer allgemeinen Hypothek befand, die vom nehmlichen Datum, wie die Special⸗Hypothek war. »Dieſe Vortheile, die ſich die Contrahenten durch bleße Verträge verſchaffen können, wenn ihr Intereſſe ſie dazu 2o2 M. Buch. XVIMI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. einladet, ſind zuverläßig beſſer, als eine gezwungene Speei⸗ alität, die dem Eigenthumsrechte zuwider, in unendlich vie⸗ len Fällen unausführbar, ſo vielen Inconvenienzen ausge⸗ ſetzt iſt, und das Zutrauen einſchraͤnkt, anſtatt ihm Ausdeh⸗ nung zu geben.« Nicht minder dringende Argumente ſtellt Herr Bigot ge⸗ gen die Mittel auf, die man ergriffen hat, um zur Publici⸗ taͤt der Hypotheken zu gelangen. „Die Nation, ſagt er, ſchien den Verfaſſern des Geſetzes vom Brumaire ſo ſehr verdorben zu ſeyn, daß ſie die Red⸗ lichkeit nur dadurch wiederberſtellen zu koͤnnen glaubten, daß man den Schuldnern ſolche Feſſel anlegte, die den Betrug unmöglich machen würden; um hiezu zu gelan⸗ gen, fanden ſie kein anderes Mittel, als allen Verträgen die Form eines Darlehns auf ein öffentliches und ſpeciales Unterpfand zu geben: ſie glaubten, die Publicitaͤt wuͤrde den Gläubigern eine zuverläßige Kenntniß von dem Vermö⸗ gens⸗Zuſtande ihrer Schuldner verſchaffen, und ſie gegen alle Nachforſchung in Anſehung älterer Hypotheken ſchützen⸗ „Iſt es möglich, dieſen Zweck zu erreichen? Wenigſtens ſich ihm zu nähern? Keines von Beyden⸗ „1) Die größte Maſſe von Immobilien iſt, wie wir ge⸗ ſehen haben, gewöhnlich mit unbeſtimmten Hypotheken be⸗ ſchwert,— ein Umſtand, der es unmoͤglich macht, ſich von dem Vermogenk⸗Zuſtande des großten Theiles der Eigenthü⸗ mer Kenntniß zu verſchaffen. Dieſes Hinderniß, welches dem neuen Entwurfe im Wege ſteht, iſt unüberſteiglich. „Freylich hat man, was man im Geſetze vom Brumaire nicht gewagt hat, den PVorſchlag gethan, dergleichen unbe⸗ ſtimmte Hypotheken zu ſchätzen und zu vermindern; allein, die Ungerechtigkeit dieſes Vorſchlages iſt ſchon bewieſen wor— den. Die Schätzung würde ja keine Baſis haben; ohne Noth nuͤrde ſie den Schuldner und den Glaͤubiger der Ge⸗ fahr ausſetzen, betraͤchtlich zu verlieren, und zu koſtſpieligen Prozeſſen, ja ſogar oft zu Streitigkeiten unter ſolchen Perſo⸗ — m. Buch. XVlIl. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 30 nen Anlaß geben, worunter Einigkeit weſentlich ethalten werden muß. „Um dieſe Schätzungen und Verminderungen zu autoriſi⸗ ren, hat man zwar geſagt, die Haupt⸗Schuld brauche nicht ver der Zeit geſchätzt zu werden, ſondern bloß die Hypothek; dieſe ſey weiter nichts als eine Sicherheit, die der Schuld hinzukommt, und ſie unterſtuͤtzt, und nichts hindere, ſie über⸗ haupt(in Banſch und Bogen) zu beſtimmen. „Den Theil der Güter aber in Bauſch und Bogen ſchä⸗ tzen, woran der Glaͤubiger ſein Vorzugsrecht auſrecht erhalten wird, heißt dieſes nicht, den Zuſtand jenes Rechtes auf eine nachtheilige Art verändern, und einen Theil des Gegenſtandes der Schuld unterſchlagen? Heißt es nicht, einen neuen Contract zwi⸗ ſchen ihm und ſeinem Schuldner machen— einen Contract, der überdieß, da von einer Hypothek die Rede iſt, die, vom Geſetze und aus Gluͤnden offentlicher Ordnung eingeführt, nicht von einem Vertrage abhangen muß, unerlaubt ſeyn wuͤrde? »„Die Anhänger des Geſetzes vom Brumaire geben inzwi⸗ ſchen ſelbſt nach, daß ohne Schätzung die Publicität der Hypotheken für dritte Perſonen von keinem Vortheile ſeyn wuͤrde, weil es unnütz waͤre zu wiſſen, ob eine Hypothek vorhanden ſey, wenn ſie nicht zugleich die Summe wuͤßten, zu deren Sicher— heit das Gut beſchwert ſeyn mag: die Baſis dieſes Syſtems iſt ſolglich fehlerhaft. »2) Waͤre es auch möglich, zur Publicität der Hypothe⸗ ken zu gelangen, ſo muͤßte doch eine damit verknüpfte ſehr nachtheilige Folge ganz allein von der Ausführung dieſer Idee zurückhalten; dieſe ſehr nachtheilige Folge beſteht darin, daß den Familien die Beſugniß geraubt wird, ihre Angelegenhei— ten geheim zu halten;— ein Geheimniß, welches immer als eine der vorzüglichſten Rechte der individuellen Freyheit angeſehen worden iſt. „.„*„„ „Es iſt faſt keine Familien⸗Angelegenheit, foſt kein Er⸗ eigniß, was ſich in ihr zuträgt, welches nicht Gelegenheit „o½ 1. Buch. XVUI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. zu einer Hypothek gibt: um von allen Bürgern eine unbe⸗ dingte Verzichtleiſtung auf jedes Geheimniß in Anſehung deſſen, was für ſie den meiſten Werth hat, zu ver⸗ langen, waͤre es doch nicht nur erforderlich, daß die Nuͤtz⸗ lichkeit einer ſolchen Enthuͤllung nicht dem mindeſten Zweifel unterwyrfen waͤre, ſondern auch daß die Nothwendigkeit der⸗ ſelben klar bewieſen wuͤrde. „Wer ſagt, man koͤnne den Wunſch nicht hegen, ſeine Angelegenheiten geheim zu halten, ohne weder Treue noch Glauben zu haben, der widerſpricht dem Geſuͤhle, welches die rechtſchaffenſten Menſchen zu jeder Zeit empfunden haben, und das ihr gewöhnlſches Betragen rechtfertigt. »Gibt es Darl eiher, die dieſes Geheimniß mißbrauchen, ſoll man deßwegen das allgemeine Recht der Beſorgniß auf— opfern, welche unredliche Menſchen einfloſen? Sollte derjc⸗ nige wohl Gehor verdienen, der die Verachtung ſeiner Mit⸗ burger bis zur Vorausſetzung treiben würde, daß alle der Regel nach, als Betruͤger, die ehrlichen Leute aber nur als Ausnahme zu betrachten ſeyen? Laſſen ſich auf eine ſolche Theorie Geſetze machen? „Das Geſetz über die Organiſation des Notariat⸗Weſens verbiethet unter ſchweren Strafen den Notarien, fremden Perſonen ven den Urkunden, die ſie aufnehmen, Kenntniß mit⸗ zutheilen,— eine Verfuͤgung, die allg meinen Beyfall erhalten hat. Mit dem Geiſte dieſes Geſetzes ſteht indeſſen die Idee der Publicitär der Hypotheken ganz offenbar im Widerſpruche, weil aus Notarial⸗Acten immer Verbindlichkeiten entſp. ingenz die ein Hypotheken⸗Recht veranlaſſen.. v2) Anzenph es ſey möglich, dem Glaͤubiger eine vrllſommene Sich rheit dadurch zu verſchaffen, daß man Eitragungen in öffentliche Regiſter fordert, ſo muß man ſich dech eines ſolchen Mittels nicht bedienen, wenn es ſich mit den Grundſätzen der Billigkeit und des Eigenthums⸗ Re chtes nicht vereinigen läßt. Stuͤrzt man aber dieſe Grund⸗ ſatze nicht um, wenn man vorſchlaͤgt, daß ein Privilegium, un u de PV S 2 m. Buch. XVUl. Tit. Von Privilegien und Hpypotheken. 205 eine geſetzliche Hypothek ohne Wirkung ſeyn ſollen, wenn ſie nicht in die Regiſter eingetragen worden ſind? „Was die Privilegien betrifft, dieſe ſind entweder auf die Menſchlichkeit, oder auf offenbare Billigkeirs⸗Urſachen gegruͤndet. So verleiht man aus Meuſchlichkeit ein Privile⸗ gium für die Koſten des Unterhaltes, der letzten Krankheit, und der Beerdigung. „Das Privilegium des Eigenthümers an der Mobiliar⸗ ſchaft des Miethers und Pächters hat in der Menſchlichkeit und Billigkeit zugleich ſeinen Grund. „Auf der öffentlichen Treue beruht das Privilegium in den Guͤtern der oͤffentlichen Beamten. „Dffenbare Billigkeit iſt es, die das Privilegium des Verkäufers, oder deſſen, der das Geld hergeſchoſſen hat, an dem verkauſten Immobile, des Miterben an den erbſchaftlichen Immobilien, des Unternehmers und des Arbeiters an den Gebänden, die ſie auffuͤhren, begründet. „Die Aahänger des neuen Syſtems willigen zwar darin ein, daß man fuͤr einige privilegirte Forderungen wegen ihrer Geringfügigkeit keine Eintragung in die Regiſter vorſchreiben ſolle; dieſe willluͤhrliche Diſtinction wird aber uͤber die allge⸗ meinen Grundſätze ewiger Gerechtigkeit den Vorzug nicht er⸗ halten. Die Exiſtenz eines erworbenen Rechtes mußſ nicht von der Unterlaſſung einer bloßen Formalität abhangen. „Zweifels ohne, wenn dieſe Formalitit einmahl vorge⸗ ſchrieben iſt, wird der privilegirte Gläubiger fehlen, wenn er ſie nicht beobachtet; aber das Geſetz muß nur darjenige vor⸗ ſchreiben, was gerecht iſt: es muß Rechte, die durch die Natur der Dinge erworben ſind, nicht von einer Formalität abhaͤngig machen; vielmehr muß es vermeiden, die Rechte der Menſchlichkeit und Billigkeit auf's Spiel zu ſetzen, als Erleichterungen fuͤr ev ntuelle Anlehn zu verſchaffen. „Was die bloßen Hypotheken betrifft, eriſtirt ein erwor⸗ benes Recht zu Gunſten des Gläubigers, der nach der Zeir⸗ ſolge der erſte iſt: qui prior„st tempore, potior ext jurs⸗ 206 11. Buch. KVIII. Sit. Von Privilegien und Hypotheken. „Wird die Hypothek nicht mittelſt des Contractes, ſon⸗ dern nur durch eine Einſchreibung auf jedes unbewegliche Gut erworben, ſo exiſtirt das Prioritats⸗Recht anderſt nicht mehr, als verunſtaltet, weil es möglich iſt, daß ein Gläu⸗ biger, der alle Guͤter ſeines Schuldners zum Unterpfand zu haben wünſchte, ſie nicht kennt, oder daß ihm ein ſpäterer Glaͤubiger zuvorkommt, welcher ihm den erſten Rang weg⸗ nehmen wird. „Dieſe Bemerkungen paſſen auf alle Hypotheken; es gibt deren aber noch andere, die auf die geſetzlichen und ge⸗ richtlichen Hypotheken insbeſondere auwendbar find⸗ „Nicht bloß des Privat⸗Vortheiles der Contrahenten we⸗ gen, ſondern noch überdieß aus Gründen allgemeiner Ord⸗ nung ſind die geſetzlichen Hypotheken eingeführt worden,— Gründe, die im J. 1673 für ſtark genug angeſehen wurden, um geſagte Hypotheken nicht von einer Eintragung in Re⸗ giſter abhängig zu machen, und im J. 1771, um mehrere derſelben davon auszunehmen. „Das Geſetz würde mit ſich ſelbſt im Widerſpruche ſte⸗ hen, wenn es einer Seits erktärte, die öffentliche Ordnung erfordere, daß das Hypotheken⸗Recht dieſer oder jener For⸗ derung anklebe, während es anderer Seits dieſe Hypothek von einer Einſchreibung abhaͤngig machte, die unwillkührlich oder auch gar freywillig unterlaſſen werden koͤnnte. „Zu Gunſten der Frauen erhebt ſich die allgemeine Stimme; die Erfahrung hat gelehrt, daß ſeit dem neuen Syſteme, dieſe intereſſante und bis dahin in Schutz genom⸗ mene Hälfte der Geſellſchaſt eines großen Theiles ihrer Gi⸗ ter beraubt wordeu iſt. „Die Frauen haben weder an der Bildung noch an der Vollziehung des Geſetzes einigen Antheil; ſie werden in der Zukunft nicht beſſer mit ihm bekannt ſeyn; in jeder Hinſicht ſind ſie von ihren Maͤnnern abhängig, welche oft dabey ein Intereſſe haben, daß die Formalitäten nicht erfüllt werden, und noch öfter ſie als überflußig vernachlaͤßigen tönnen. Sogar he m di oh ſu fül we di ſin ka m El gel Fr de e⸗ te ie⸗ ¹9 ⸗ ch der der cht 1II. Buch. XVE. Tit. Von Privilegien und Hppothekeu. 20. haben die Weiber, ſeitdem die Gütergemeinſchaft zum allge meinen Rechte erhoben worden iſt, nicht einmahl Geld, um die Koſten der Eintragung zu bezahlen. Sollte man wohl ohne Unwillen zuſehen koͤnnen, daß ßie wegen der Unterlaſ⸗ ſung einer Formalität, die ſie nicht kennen, und deren Err fuͤllung nicht in ihrer Macht ſteht, ihres Vermögens beraubt werden? »Will man etwa die Eltern, die ſie ausſteuern, für dieſe Unterlaſſung verantwortlich machen? Man hat indeſſen ſchon die Verfügung getroffen, daß die Eltern nicht verbunden ſind, einen Brautſchatz mitzugeben; um ſo viel weniger kann man ſie alſo auch für den Brautſchatz verantwortlich machen. »Die Immebilien bleiben gewoͤhnlich in den Händen der Eltern, wenn ſie ihre Kinder verheirathen; der Mann hat gemeiniglich um dieſe Zeit noch keine Guͤter, worauf die Frau ſich einſchreiben laſſen kann: ganz ungerecht wäre es doch, wenn Gläubiger ſich auf diejenigen, die dem Manne in der Folge anfallen, noch vor ihr einſchreiben könnten. »Kein Geſetz verpflichtet, einen Heiraths⸗Contract zu errichten; allein das Syſtem der Eintragungen in Regiſter würde die Nothwendigkeit derſelben einfuͤhren. »Die Minderjährigen haben am dfterſten den Uebertebenden ihrer Eltern zum Vormunde; immer muß man zu verhindern ſuchen, daß das Futereſſe der Maͤnner und Frauen, der Kinder und ihrer Eltern ſich nicht durchkreuze: im Frieden der Familien beſteht das allgemeine Gluͤck. Dieſer morali⸗ ſchen und politiſchen Idee iſt man bis jetzt bey Verfertigung des Geſetzbuches gefolgt: man wird von ihr abgehen, wenn mau das Vermögen der Franen und der Minderjaͤhrigen von einer Einſchreibung abhaͤngig macht; anſtatt des Friedens, heißt dieſes Ungerechtigkeit, Betrug und Zwietracht in die Familien einführen. „Was die gerichtlichen Hypotheken betrifft, dieſe ſind darum eingeführt worden, damit das Anſehen der urtheile 203 11. Vuch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. nicht durch Hypotheken gefaͤhrdet werden möge, die derje⸗ nige, welcher wirklich verurtheilt iſt, oder auf dem Punkte ſteht, verurtheilt zu werden, einem dritten zugeſtehen möchte, welcher auf dieſe Art den Vorzug erhalten wuͤrde. Soll aber die Verurtheilung erſt mittelſt einer Eintragung des Urtheiles in die Regiſter eine Hypothek bewirken, ſo wird der Betrug mehr erleichtert werden, als er es je war. „4) Die Eintragung in die Regiſter, als ein Mittel zur Publicit't der Hypotheken betrachtet, iſt unter einigen Ge⸗ ſichtspuncten unnütz, unter allen andern aber gefaͤhrlich. „Sie iſt unnütz in Hinſicht der geſetzlichen Hypotheken; iſt es denn nicht offenkuͤndig genng, daß eine Frau verhei⸗ rathet iſt? Iſt es nicht allgemein bekannt, daß jemand Vor— mund, oder Einnehmer dem Staate zugehoͤriger Gelder iſt? Man will ſolglich das Los der Frauen und der Minderjaͤh⸗ rigen, und die Erhebung der Staats⸗Einkünfte von einer zweckloſen Formalität abhängig machen. „Entweder wird man eine Friſt zur Einſchreibung ge⸗ ſtateen, und in dieſem Falle weiß der Gläubiger, der binnen dieſer Friſt contrahirt, nicht, ob nicht ältere Glaͤubiger vor⸗ handen ſind, die ihm vorgehen wuͤrden; oder die Hypothek ſoll erſt vom Tage der Eintragung ihr Datum erhalten, und nun wird der geſetzliche oder gerichtliche Gläubiger am öfter⸗ ſten der Gefahr ausgeſetzt ſeyn, ſein Recht zu verlieren. In der That, läßt ſich nicht annehmen, daß er auf der Stelle alle Güter ſeines Schuldners ſo genau kenne, und ſich gerade in ihrer Nähe befinde, um die Eintragung darauf ſogleich zu beſorgen; nie muß man das Eigenthumsrecht von einer For⸗ malität abhaͤngig machen, ohne denjenigen, der ſie zu er⸗ füllen ſchuldig iſt, in Verzug zu ſetzen⸗ „Iſt es aber auch ſelbſt um eine Hypothek fuͤr ein Dar⸗ lehn zu thun, ſd kann der Darleiher nicht verſichert ſeyn, daß nicht ein anderer Glaͤubiger ſich geſchwinder als er, auf ein vom Orte, wo der Contraet geſchloſſen wird, entlegenes unbewegliches Gut einſchreiben laſſe: ſo etwas kann ſich erei⸗ we ul. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 265 gnen, ohne daß ſogar Unredlichkeit von Seiten des Schuldners dabey eintrete. Jemand, der eine Vollmacht von ihm in Haͤnden hat, kann auf Ort und Stelle, ohne ſein Wiſſen, ein Anlehn aufgenommen haben, welches zuerſt einge⸗ tragen ſeyn mag; Inhaber noch nicht einregiſtrirter Rechts⸗ Titel, z. B. von Urtheilen, können in der Zwiſchenzeit dieſe Formalitaͤt erfüllt haben. »Inzwiſchen gibt das Geſetz, welches die Eintragung vorſchreibt, dem Glaubiger kein Mittel an die Hand, um ſich gegen die Irrthümer oder den Berrug des Schuldners ſicher zu ſtellen; zwey Acte, wovon einet, welcher nur ein Verſprechen, Geld vorzuſchießen, enthielte, in die Regiſtet mit dem Vorbehalt eingetragen würde, nachher das Dar⸗ zu realiſiren, kann er nicht machen: auf ein ſolches bloßes Verſprechen kann man ja keine Hypothek nehmen; das einzige Hülf mittel iſt alſo, ein Falſum zu begehen, indem man als richtig vorausſetzt, daß die Summe dem Leh⸗ ner wirklich uͤberzählt worden ſey, da ſie doch in den Hän⸗ den des Notars bleibt, um erſt nach der Eintragung verabfolgt zu werden; wirklich bedient man ſich taͤglich dieſes ſtraͤflichen Mittels. „So würde man alſo zur nehmlichen Zeit, wo man die ſchaͤrfſten Strafen verhängt, um die Geſellſchaft von dieſet gefaͤhrlichen Landplage zu befreyen, ein Geſetz annehmen, welches ſie gewiſſermaßen nothwendig maͤcht, und entſchul⸗ digen zu müſſen ſcheint! »Will man behaupten, es laſſe ſich nicht vermuthen, daß der Notar das Depoſitum mißbrauchen, ſo wie auch nicht, daß der Lehner ſich eines Stellionates ſchuldig machen werde⸗ weil beyde ſich der Gefahr ausſetzen würden peinlich ber⸗ folgt zu werden? Allein bey ſolchen Vermuthungen wäre es wohl ganz überflüſſig, Geſetze zu machen, um den Betrü⸗ gereyen vorzubeugen. Die Strafe des Stellionats trifft man in allen Hypotheken-Spſtemen an, und doch witd der betrogene Gläubiger oft das Schlachtopfer Bhnehin V. Mallev. 14 „1* M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. denkt man nicht daran, daß der Darleiher nicht einmahl ge⸗ gen den Depoſitar oder den Lehner eine Klage würde anſtellen Lonnen, ohne ſich ſelbſt als Mitſchuldigen des Falſums zu entdecken. „Nebſt dieſen Gefahren, denen die Nothwendigkeit der Eintragung den Glaͤubiger ausſetzt, gibt es noch andere, die aus der Möglichkeit eines Irrthumes entweder von ſeiner Seite vey Abfaſſung der Eintragung, oder durch unrichtige Be⸗ zeichnung des Schuldners oder der Güter, oder von Seiten des Hypotheken⸗Bewahrers entſpringen können, der ſich in dem Zeugniſſe, das er dauber geſtellt, irren kann; die Forma⸗ litäten des einen ſowohl als des andern ſind vervielfaͤltigt, ſie ſind bey Strafe der Nichtigkeit vorgeſchrieben, und die Erfahrung hat ſchon zahlreiche Beyſpiele ſolcher Irrthümer geliefert.“ Aus allen dieſen Bemerkungen zog Herr Bigot den Schluß, daß a) das neue Publicitäts⸗ und Specialitäts⸗ Syſtem weder dem Darleiher Sicherheit, noch dem Lehner völligen Credit verſchaffe; daß es b) den Langwierigkeiten und den Koſten des gerichtlichen Verkaufes nicht vorbaue; daß c) die geſetzlichen Hypotheken von einer bloßen Formalität nicht abhangen duͤrfen, und daß man dh) in jeder Hinſicht ein Syſtem vorziehen muͤſſe, welches alle Eigenthumsrechte handhabt, und worunter Frankreich ſich zur höchſten Stuſe vou Wohlfahrt emporgeſchwungen hatte. Er ſchließt mit folgender Betrachtung:„was haben faſt alle Darlehn auf Immobilien fuͤr einen Gegenſtand? Die Erfahrung lehrt, daß mehr als ſieben Achtel an Käufer gege⸗ ben werden, die auf das erworbene Immobile eine privilegirte Hypothek geſtatten; dieſes Privilegium verlieh dem Darleiher eine völlige Sicherheit, wollte der Schuldner nachher das nehmliche Gut einem andern zur Hypothek ſtellen, ſo ſah dieſer letztere bey der erſten Einſicht der Eigenthums⸗Urkun⸗ den, fuͤr welche Summe dieſes Gut ſchon beſchwert war. Auf dieſe Art ſchützten ſich die Darleiher, unter dem alten Geſetze, ohne Zwang, und indem ſie jedem die vollige Auss⸗ ſei te it ht hie uſ irle ihe da ſh Un u 16 UM. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. aut uͤbung ſeines Eigenthums ließen, mittelſt Privilegien gegen alle Gefahr. Man muß doch wahrlich die Rechte des Schuldners an ſeinen gegenwärtigen und zukünftigen Gütern, und jene, die aus den geſetzlichen und gerichtlichen Hypotheken entſpringen, nicht der kleinen Anzahl nicht privilegirter Dar⸗ leiher auſopfern.« Allen dieſen Einwendungen gegen das Geſetz vom 11. Brumaire ſetzte Herr Tronchet noch eine andere nicht minder wichtige hinzu:„Das Syſtem dieſes Geſetzes, ſagte er, iſt weiter nichts, als eine oft unter ſcheinbaren Gruͤnden vorge⸗ brachte, aber immer verworfene Fiscal⸗Erfindung. Es fuͤhrt eine ungeheure Abgabe, nehmlich die verhältnißmaͤßige ein, welche nothwendiger Weiſe ungleich iſt, weil ſie nur eine Claſſe von Bürgern trifft. „Freylich müſſen alle Bürger zu den Laſten des Staates beytragen, aber Jeder muß doch dieſes nur nach Maßgabe ſeines Ve moͤgens, und aus ſeinen Einkuͤnſten thun; gerade deßwegen ſind die auf die Conſumptions⸗Gegenſtände geleg⸗ ten Abgaben, und die Grundſteuren gerecht, weil der Grund⸗ Eigenthümer die Urſt ffen verkauft, welche die Conſumtions⸗ Gegenſtände liefern; dagegen wird die Abgabe von einer Hypothek aus den Capitalien zum Vornas genommen, und was ſie noch gehäſſiger macht, der Ungluͤckliche muß ſie entrichten, und ſie verſchlingt die Hülfs⸗Quellen des Erwerbfleißes. Iſt der Vermögens⸗Zuſtand eines Buͤrgers zerrüttet, iſt er ge⸗ zwungen, Geld auſzunehmen, um ſeinen Verpflichtungen Ehre zu machen, ſo findet ſich der Fiscus ein, um ihm ei⸗ nen Theil der Unterſtuͤtzung, die er ſich verſchafft, zu ent⸗ reißen, denn immer muß der Lehner die Koſten des Contrac⸗ tes zahlen. Verkauft ein Bürger ſein Eigenthum, um den Kaufpreis zu nuͤtzlichen Unternehmungen, zu Handlungs⸗ Speculationen zu verwenden, ſo findet ſich ſchon wieder der Fiskus ein, um mit ihm zu theilen. Dieſe ſehr ſchaͤdliche Folge müßte ganz allein die Verwerfung dieſes Spſtems be⸗ wirken.* a12 1M. Buch. XKVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Herr Réal hatte eine Denkſchrift, als Antwort auf jene des Herrn BPigot, zu verfertigen angefangen, an deren Forte ſetzung er aber, wie ich zbereits geſagt habe, durch andere Beſchftigungen verhindert wurde. Um mit den Begriffen bekannt zu werden, nach welchen der Staats⸗Rath ſeine Entſcheidung gefaßt hat, hebe ich aus jener Denkſchrift das⸗ jenige aus, deſſen Kenntniß mir am nützlichſten geſchienen hat⸗ „Die Materie von den Hypotheken iſt die wichtigſte un⸗ ter allen denjenigen, die in einem Geſetzbuche eine Stelle ein⸗ zunehmen haben; ſie intereſſirt das bewegliche und unbeweg⸗ liche Vermoͤgen aller Bürger; nach der Art, wie man ſie behandlen wird, wird ſie dem allgemeinen Credit Leben und Bewegung geben, oder deſſen Grab werden. „Allgemein hat man gegen das im Entwurfe des Geſetz⸗ buches angenommene Syſtem ſeine Stimme erhoben; es iſt als eine gefährliche Neuerung angeſehen worden, und der Caſſations-Hof, die Appellativns⸗Höfe von Paris, Lyon, Brüſſel, Rouen, Caen, Douai, Grenoble und Montpellier haben ſich geeilt es zu bekaͤmpfen. „Frankreich treibt eben ſo viel Ackerbau, als Handel; dem Ackerbau ſind die Capitalien eben ſo nothwendig, wie dem Handel, und die Geſetzgebung muß ſo beſchaffen ſeyn, daß die Capitalien dieſer doppelten Quelle der National⸗ Wohlfahrt leicht zufließen können.. „Findet der Erwerber in der Geſetzgebung Sicherheit und Leichtigkeit bey ſeiner Erwerbung, und bey ſeiner Befreyung; trifft der Verkäufer darin das Mittel an, ſchnell und ohne Koſten den Kauſpreis des unbeſchwerten Gutes, das er ver⸗ kauft hat, in Empfang zu nehmen, und zu ſeiner Befreyung, ſchnell und mit wenigen Koſten die Glaͤubiger befriedigen zu laſſen, denen er es allenfalls verpfaͤndet hat; kann der Ei⸗ genthümer eines unbeſchwerten Gutes den vollen Credit ge⸗ nießen, den ihnk ſein Eigenthum zuſichert; findet der Eigen⸗ thümer eines beſchwerten Gutes in dem Geſetze das Mittel, die ne lü fol pite cur herl Ker daß gen beſ die we 1. blof die wie Rec durc Hy wor gan jed ruh ber (in M. Buch. XvIII. Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. a13“ ſo viel Credit zu genießen, als ſein Eigenthum die barauf haftende Hypothek an Werth überſteigt; trifft der Capitaliſt, welcher Geld ausleihen will, oder jeder andere, der mit ei⸗ nem dritten gerne contrahiren möchte, in der Geſetzgebung ein unfehlbares Mittel, den Vermögens⸗Zuſtand desjenigen zu kennen, womit er ſich in Geſchäfte einlaͤßt; wird allem dieſem zu Folge, ein unredlicher Menſch nie verkaufen kön⸗ nen, was ihm nicht zugehort, noch dem Capitaliſten einen lägenhaften Credit darbiethen, ſo wird nothwendig hieraus folgen, daß das Geſetz, indem es die Eigenthuͤmer und Ca⸗ pitaliſten wenigern Gefahren ausſetzt, eine zahlreichere Con⸗ currenz von Erwerbern zu den Verkäufen von Immobilien herbeyrufen, daß es die Wiederemporſteigung des Preiſes der Territorial⸗Güter zu ihrem wahren Werthe mächtig befördern, daß der Capitaliſt ſich mit einem geringern Gewinn begnüe gen wird, daß die Bedürfniſſe des Ackerbaues leicht werden befriedigt, und die Zinſen des Geldes im Verhältniße, wie die Gefahren des Darleihers ſich verringern, herabſinken werden⸗ »Alle dieſe Vortheile vereinigt indeſſen das Geſetz vom 1I. Brumaire 7. J. in ſich, wie man ſich hievon nach ſeiner bloßen Theorie überzeugen kann. „Seine Grundlage iſt in Anſehung der Veränderungen, die mit dem Eigenthume der Immobilien Statt haben, ſo wie auch in Hinſicht der Aufrechthaltung der Hypothecar— Rechte einförmig, nehmlich Publicität der Contracte, wo⸗ durch Eigenthum übertragen wird, und der Acte, die eine Hypothek begründen. »Jeder Erwerber laͤßt ſeinen Contract auf dem Buͤreau, worunter das verkaufte unbewegliche Gut gelegen iſt, ſeinem, ganzen Inhalte nach in ein Regiſter ſchreiben(transſeribiren)z jeder Gläubiger läßt den Titel, worauf ſeine Forderung be⸗ ruht, auf dem Buͤreau, worunter das für ſeine Forderung verſchriebene Immobile gelegen iK, in ein Regiſter eintragen (inſeribiren). 21 M. Buch. FVIII. Tit. Bon Privilegien und Hypothelen „Der Hypotheken⸗Bewahrer führt, nebſt den Transſcrip⸗ tions⸗ und Inſcriptions⸗Regiſtern, ein Hauptbuch, durch deſſen Beyhülfe er augenblicklich den Nahmen und das Ge⸗ werbe des wirklichen Eigenthuͤmers ausfindig macht; mit einem Blicke ſieht er alle Laſten, die auf dem Eigenthume haften, und die Publicität eütſpringt aus den Zeugnißen, die er darüber unter ſeiner Verantwortlichkeit abliefert. „Die Wirkung der Transſcription beſteht darin, daß der Erwerber vom Augenblicke an, wo ſie geſchehen iſt, unver⸗ anderlicher Eigenthuͤmer wird, ohne daß er je wegen Urſachen, die erſt nach dieſer Transſcription ihr Daſeyn erhalten, noch wegen vorhergegangener Urſachen, die man ihm etwa geheim gehalten haben mag, geſtört werden könne. „Die Inſcription hat die Wirkung, daß ſie dem Glaͤubi⸗ ger den unveränderlichen Rang anweiſt, den er einzunehmen hat, und ihm die Gewißheit ertheilt, daß ihm in dem ihm zur Hypotheck geſtellten Gute kein anderer Gläubiger werde vorgezogen werden, als derijenige, von dem er zum Voraus wußte, daß er vor ihm eingeſchrieben war. „So findet ſich alſo alles, was man von einem guten Geſetze über die Hypotheken verlangen kann, erfüllt.* Herr Real brachte ſeine Arbeit nicht weiter; Herr Treil⸗ hard übernahm es aber in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗ Corps, die Einwendungen lzu beantworten, die man gegen das Syſtem, welchem er beytrat, aufgeworfen hatte. Laßt uns 1) ſehen, was er auf den Vorwurf antwortete, daß die⸗ ſes Syſtem fiscal ſey, und dem Volke außerordentliche Ab⸗ gaben auflege.»Man muß nicht, ſagte er, die vorgeſchla⸗ gene Maßregel mit ihrer Vollziehung vermiſchen; iſt die Maßregel gut, ſo muß man ſie nicht des möglichen Miß⸗ brauches wegen verwerfen, der von ihrer Vollziehung gemacht werden koͤnnte; dieſe Vollziehung iſt in den Händen der Re⸗ gierung willuͤhrlich⸗ denn Auflagen werden nur mit —— ſch nit me n, der et⸗ en, wa ten eil⸗ zi gen it N hlo di N ch F m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hyprtheken. 215 Genehmigung des Geſetzgebung“⸗Corps eingefuͤhrt, welches nicht mehr zugeſteht, als nothwendig iſt⸗ „Und— was verſteht man darunter, wenn man dieſe Maß⸗ regel des Fiscal⸗Geiſtes beſchuldigt? Will man damit ſagen, die Inſcription müſſe unentgeldlich geſchehen? Aber, man muß doch die Angeſtellten beſolden, und hiezu iſt eine Abgabe nothwendig. Will man vielleicht, daß dieſe Abgabe von der geſammten Maſſe der Bürger, nicht aber bloß von den intereſſirten Parteyen genommen werden ſolle? Dieſe Mei⸗ nung möchte aber zuverlaͤßig wenig Anhaͤnger finden. „2) Man greift das Syſtem in ſeiner Grundlage an, und ſagt, die Maßregel der Inſcription ſiy aus mehrern Gründen nicht hinlänglich, den Zweck, den man ſich vor⸗ ſetzt, zu erreichen; 1) weill ein dritter in der Zeit zwiſchen der Schließung und Fertigung des Contractes, und dem Zeitpuncte, wo er in die Regiſter eingetragen wird, ſich ein⸗ ſchreiben laſſen, und ſo dem andern vorgehen koͤnnez 2) weil es Hypotheken gibt, deren Gegenſtand nothwendiger Weiſe unbeſtimmt iſt; 3) weil der Gläubiger allemahl die vollſtändigſte Sicherheit fordern, die Verſchreibung ſämmtli⸗ cher Güter des Schuldners verlangen, und folglich die Spe⸗ cialitäͤt der Hypothek anderſt nichts als eine Chimaͤre ſeyn werde. „Antw. Moͤglich iſt es, daß dritte Perſonen in dem Zwiſchenraume des Actes bis zu ſeiner Eintragung, ſogar in zutem Glauben, Inſcriptionen nehmen, die den Vor⸗ zug verdienen. Soll man indeſſen vermuthen, daß der Schuldner die bereits eingegangenen Verpflichtungen ver⸗ eimlichen, und eine Luͤge begehen werde, die nothwendig u wenigen Tagen entdeckt wird? Nichts iſt überdieß leichter, als ſich gegen die Folgen dieſer unwahrſcheinlichen Lüge ſicher zu ſtellen; man braucht nur die Uebereinkunft zu treffen, daß der Act nicht eher, als in einer zur Erhaltung der Inſcription hinreichenden Zeitfriſt ſeine Wirkung haben, und im Falle, daß ſich ſchon vorher eine Hypothek eings⸗ 316 UI Buch. XVvIII. Fit, Von Privilegien und Hypotheken. tragen finden würde, kraftlos bleiben ſolle. Endſich geht aus der Einwendung nur das einzige hervor, daß Contra⸗ henten einige Tage lang in Unruhe ſeyn könnten, was aber doch immer der ewigen Ungewißheit vorzuziehen iſt, worin man beym Syſteme der heimlichen Hypotheken gelaſſen wird. „Was die bedingten oder upbeſtimmten Hypotheken be⸗ trifft, wird die Inſeription dritte Perſonen immer benachrich⸗ tigen, daß ein Got für äaltere Verpflichtungen haftet; über das Maß(den Um ang) dieſer Verpflichtungen werden ſie ſich erkundigen, und thun ſie dieſes nicht, ſo können ſie den in der Folge für ſie daraus entſpringenden Nachtheil nur ihrer Sorgloſigkeit zuſchreiben. Warum ſollte man aber den Glaͤubiger, der ſich zur Sicherheit einer unbeſtimmten Verbindlichkeit einſchreiben will, nicht zwingen, einen unge⸗ fähren Wertb zu erklären, wornach er die Inſcription einzu⸗ richten bätte? Und wenn ſein Anſchlag zu hoch iſt, warum ſollte man dem Schuldner die Befugniß nicht ertheilen, ſie guf eine billige Art durch die Gerichte vermindern zu laſſen? „Was endlich die allzu ausgedehnte Sicherheit betrifft, die die Gläubiger, wie man vermuthet, verlangen werden, und die die Specialität in die Claſſe der Chimären ſetzen wird, ſo werden ſie doch ſelten Hypotheken von hundert tau⸗ ſend Francs für eine Schuld von zehn tauſend fordern; der größte Theil wird ſich mit demjehigen begnägen, was zu ſeiner Sicherheit hireicht; wäre aber auch dieſe äußerſte Unruhe gewöhnlich, ſo würde doch das vorgeſchlagene Syſtem noch immer vortheilhaft ſeyn, weil dritte Perſonen von der aͤltern Verpfändung benachrichtigt, und der Schuldner doch um ſo gewiſſer nicht mehr wird belaſtet werden, da der Werth der rerſchriebenen Immobilien, welcher die erſte Forderung überſteigt, immer ein Unterpfand darſtellt, das er dritten Perſonen im Nothfalle anbiethen kann. „3) Hier ſind indeſſen Einwendungen von einer andern Art. Die Specialität, ſagt man, iſt mit dem Eigenthums⸗ Rechte unvertraͤglich; ſie kränkt dieſes Recht, in ſo fern der —)„——— — — —— — I, Buch. XVI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 217 Glaͤubiger dabey ein Intereſſe hat, weil derjenige, der ſich per⸗ ſoͤnlich verbindet, ſchuldig iſt, mit ſeinem ganzen gegenwär⸗ tigen und zukünftigen Vermögen für die Eifällung ſeiner Verpflichtungen zu haften; ſie kraͤnkt es, in ſo weit der Schuldner dabey intereſſirt iſt, weil ſein Credit nicht nur aus den Gütern, die er ſchon beſitzt, ſondern auch aus jenen ſich bildet, die er in der Folge noch erwerben kann. Nun iſt aber der Credit oft das intereſſanteſte Eigenthum eines Bürgers. Antw. Dieſe Einwendung beruht nur auf einem Wortſpiele. Die Verbindlichkeit und die Hypothek ſind zwey ganz verſchie⸗ dene Sachen; wer ſich mittelſt einer Urkunde unter Prlvat⸗ Unterſchrift verbindet, iſt allerdings ſchuldig, mit allen ſei⸗ nen gegenwärtigen und zukünftigen Guͤtern für die Erfüllung ſeiner Verpflichtung zu haften, und doch iſt keines ſeiner Guͤter für ſeine Verpflichtung hypotheſirt; die Hypothek iſt eine beſondere Sicherheit, die der Gläubiger in einem unbe⸗ weglichen Gute hat, dagegen die Verbindlichkeit des Schuld⸗ ners mit oder ohne Hypothek beſtehen kann. Man verſetzt folglich dem Eigenthume keinen Stoß, wenn man ſagt, daß eine Hypothek nicht mittelſt einer allgemeinen Clauſel, ſon⸗ dern ganz insbeſondere in einem Gute, welches man be⸗ ſtimmt zu bezeichnen hat, geſtellt werden ſolle; dieß hindert ja den Schuldner nicht, alle ſeine Immobilien mittelſt beſon⸗ derer Verſchreibungen fuͤr eine Forderung zur Sicherheit an⸗ zuweiſen. Nur die Clauſel einer allgemeinen Verſchreibung, ohne beſondere Bezeichnung der Güter, die darunter begriffen ſeyn ſollen, nur dieſe Clanſel verbiethet man, weil ſie eines Theils keine reelle Sicherheit darbiethet, andern Theils aber ſehr oft ein Fallſtrick iſt, welcher der Redlichkeit und dem guten Glanben gelegt wird⸗ »Alles, was ohnehin ein Bürger verlangen kann, iſt die⸗ ſes, daß er, wenn ſein gegenwärtiges Vermoͤgen zu gering iſt, ſeinem Gläubiger die Befugniß ertheilen könne, ſich in der Folge auf das erſte oder zweyte unbewegliche Gut, wel⸗ ches er erwerben wird, einſchreiben zu laſſen: dieß iſt eine 21½ M. Buch. XvlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Special⸗Anweiſung, die ſich mittelſt der Inſcription dann realiſirt, wert das Immobile erworben wird, und das Ge⸗ ſetz wird dem Schuldner dieſe Befugniß zuſichern. „4) Die Publieität verletzt das Geheimniß der Familien. „Antw. Dieß ließe ſich dann ſagen, wenn man die immerwährenden und ſichtbaren Zeichen, die man ehemahls an die verpfändeten Immobilien ſtellte oder anheftete, wieder einfahrte; die Regiſter, worin die Hypotheken aufbewahrt werden, werden nicht offentlich zur Schau ausgeſtellt, wohl aber denjenigen geoffnet, welche ein Intereſſe haben, ſie zu kennen; und ſeit fuͤnf Jahren, während welcher dieſe Einrichtung beſteht, hat man ſich noch nicht über die Miß⸗ bräuche beklagt, welche neugierige Menſchen etwa davon machen könnten: eine ſolche Inconvenienz wäre übrigens faſt für nichts zu rechnen in Vergleichung gegen die Uebel, welche das heimlich Halten der Hypotheken hervorgebracht hat⸗ „3) Die Publicität der Hypotheken ſchmälert den Credit, und ſchadet dem Umlaufe. „Antw. Ja, das vorgeſchlagene Syſtem ſchadet dem Credi des argliſtigen und unfittlichen Menſchen, der nur andere zu betriegen ſucht, und gerade dieſes iſt einer der großen Vortheile, die der Entwurf nach ſich zieht. Eben deßwegen muß aber der Credit der rechtſchaffenen Leute um ein merkliches ſich erhöhen. „Der Credit beſteht aus der Meinung, die man ſich von der Moralität und dem Vermögen eines Buͤrgers macht; wer am wenigſten Zweifel über das eine und das andere ge⸗ gen ſich erregt, mit dem laͤßt man ſich am leichteſten in Geſchäfte ein. „Vom Credit der Handelsleute iſt ohnehin hier die Rede nſcht, denn ihnen leiht man nicht auf ihre Immobilien, ſondern auf den guten Ruf von Einſicht und Rechtſchafftn⸗ heit, worin ſie ſtehen. „6) Man kann nicht in Abrede ſtellen, daß die Eintra⸗ gung der geſetzlichen Hypotheken unnuͤtz iſt; denn das Geſetz . Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hyrotheken. 1 verleiht die Hypothek; ſie kann alſo wegen Abgang einer Formalitaͤt nicht verloreu gehen. »„Antw. Auch dieſes iſt anderſt nichts, als ein Mißbrauch der Kunſt zu raͤſonniren. Alle Klagen beruhen auf dem Geſetze; und doch gehen ſie alle verloren, wenn man ſie nicht binnen einer vorge⸗ ſchriebenen Friſt, oder nicht mit den erforderlichen Formali⸗ täten anſtellt. Das Geſetz ertheilt das Recht zu klagen, von ihm erhaͤlt man die Befugniß dazu; dagegen beſtimmen aber andere Geſetze, die nicht weniger ehrwuͤrdig ſind, als jenes, welches das Recht verliehen hat, die Art, wie es ausgeuͤbt werden ſoll. „Das Geſetz, welches die Hypothek verleiht, ſorgt für die Sicherheit eines Individuums; das Geſetz, welches die Jnſcription zur Bedingung der Wirkung der Hypothek macht, ſorgt fuͤr das allgemeine Beſte. „ 7) Die Hypotheken-Bewahrer konnen Frrthuͤmer bege⸗ hen, etwas vergeſſen, ſogar ſich einer Pflicht⸗Verletzung in ihren Verrichtungen ſchuldig machen; es iſt möglich, daß ſie in ihren Regiſtern, oder in ihren Zeugnißen nicht von allen Inſcriptionen Meldung thun, und ſo wird der Gläubiger ſeines Rechtes verluſtig werden, ohne daß Verſchulden von ſeiner Seite vorhanden iſt, und in dieſem Falle wird ihm nur ein Regreß gegen dieſen Beamten übrig bleiben, der inſolvent ſeyn kann. Antw. Dieſe Inconvenienz beſteht in allen Syſtemen, und in allen Einrichtungen; ein Huiſſier kann einen Inſinua⸗ tions⸗Aet zu unterzeichnen vergeſſen, ein Notar eine Mullität in einem Teſtamente machen, ein Sachwalter die Nothfriſt um eine Dppoſition einzulegen verſtreichen laſſen; ſoll man deßwegen dieſe Aemter abſchaffen? Mit dergleichen Ereig⸗ nißen, die ſich kaum in einem Jahrhunderte zutragen, be⸗ ſchäftiget das Geſetz ſich nicht, und die Buͤrger ſchlafen ruhig, ohne ſich mit ſolchen Möglichkeiten zu qualen. s3e Ul. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Das Geſetz wird überdieß deutliche, genau beſtimmte und ſtrenge Regeln auſſtellen, um eine genaue Führung der Regiſter, und eine große Treue in den Auszuͤgen zu ſichernz das iſt alles, was es thun kann. „3) Die Anhaͤnger der geheimen Hypothek berufen ſich endlich auf das Anſehen der Römer, unſerer Lehrmeiſter in der Geſetzgebung(dieß war ein Aus druck des Herrn Bigot.) „Antw. Man kennt alle Achtung, welche die römiſchen Geſetze verdienen; nicht alle ihre Theile ſind aber in gleichem Maße unſerer Verehrung würdig; ohnehin, wenn es auf Meinungen ankommt, hat das Anſehen nur den Vortheil, daß es eine genauere Pruͤfung fordert. Die großen römiſchen Rechtsgelehrten waren zuweilen unſere Führer, allein, nicht ihr Anſehen, ſondern ihre Gruͤnde waren es, denen wir nachgegeben haben⸗ »Dhne von Verfügungen zu reden, die zu einer Zeit ſchick⸗ lich ſeyn können, zu andern Zeiten aber aufhören es zu ſeyn, gibt es Dinge, die nie gut ſeyn, und die weder die Zeit, noch das Anſehen rechtfertigen können; und zu dieſer Claſſe gehoͤren die geheimen Hypotheken⸗» Herr Portalis äußerte ſich, daß er es weder mit dem Geſetze vom Brümaire, noch mit dem durch den Entwurf des Geſetzbuches verbeſſerten Edicte von 1771 hätte halten mögen; er hatte ein drittes Syſtem, dem er aber gar keine Entwickelung gab, weil er, wie er ſagte, überzeugt ſey, daß der Staats⸗Rath es nicht annehmen wlrde? dieſes Syſtem war unbedingt jenes der roͤmiſchen Geſetze, welches man eben ſo hart mitgenommen hatte. Da er mir ſeine Gründe oft auseinandergeſetzt hat, und ich nichts vernachlaßigen will, was die denkenden Köpfe in den Stand ſetzen kann zu urtheilen, ſo will ich mich bemti⸗ hen, ſein Stillſchweigen zu erſttzen. „ 1) Die Hypothek exiſtirt kraft des Geſetzes, welches ſie mit den Acten verbindet, die nach den ton ihm vorgeſchriebenen Formen errichtet worden ſind, oder kraft der Urtheile. Es m. Buch XvllI. Tit. Von Frivilegien und Hppot heken. 221 iſt alſo ganz einfach, daß ſie ſich nach der Zeitfolge richtet, und dieß iſt der allgemeine Grundſatz. „2) Das Geſetz muß für diejenigen ins Mittel treten, die ſelbſt nicht im Stande ſind, ihr Intereſſe zu beſorgen: dergleichen Perſonen ſind die Frauen, die Minderjährigen, die Interdicirten, die Nation, die nur durch Vorgeſetzte zu handlen vermag, deren geringſte Nachläßigkeit ihr beträchtlichen Verluſt verurſachen kann: daher kommen die geſetzlichen Hypotheken⸗ Was dir Bürger, die maͤnnlichen Geſchlechtes und großjäh⸗ rig ſind, betrifft, dieſen muß das Geſetz es anheimſtellen, ihre Angelegenheiten ſo einzurichten, wie das gemeine Maß von Klugheit, welches die Natur allen Menſchen zugetheilt hat, es mit ſich bringt: wer zu viel regieren will, regiert ſchlecht. Trifft das Geſetz bey den Contracten der Großjaͤh⸗ rigen andere Verfügungen als ſelche, die die Aufhebung der Stipulationen verordnen, welche den guten Sitten, und der allgemeinen Ordnung zuwider ſind, dann nehmen ihre Ange⸗ legenheiten, die doch nur Privatgeſchäfte ſind, gleich den Charakter öffentlicher Angelegenheiten an, und die Formali⸗ täten, denen es ſie unterwirft, werden nothwendiger Weiſe viele Contracte, welche die geſellſchaftlichen Verbindungen vervielfältigt haben würden, verhindern, oder unnuͤtz machen. „Ueberhaupt haben Verträge nur unter Perſonen Statt, die ſich kennen, und über ihr gegenſeitiges Vermögen und ihre gegenſeitige Rechtſchaffenheit alle Erkundigungen, welche die Klugheit gebiethet, eingezogen haben: qui cum alio con- trahit, vel non est, vel non debet esse ignarus conditio- nis ejus. Soll man aber deßwegen, weil es irgend einen Unbeſonnenen geben mag, der dieſe erſte Regel des geſunden Menſchenverſtandes nicht beobachtet, die ganze Geſellſchaft unter Vormundſchaft ſetzen, dem allgemeinen Umlaufe Hinderniße in den Weg legen, das Intereſſe der Frauen und Minder⸗ jährigen auf's Spiel ſetzen, die Familien⸗Geheimniße öffent⸗ lich bekannt machen, und eine verhältnißmaßige Abgabe auf die unermeßliche Menge der Buͤrger legen, die weder dieſe „ 4a2 UM. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken⸗ leere Formalitaͤten, noch euere beſondere Obſorge nöthig ha⸗ ben? Die Gerechtigkeit emport ſich gegen ein ſolches Syſtem. 3) Die Hypothek iſt ein Eigenthum wie jedes andere, welches den Schutz der Geſetze eben ſo, wie jedes andere verdient; nach Recht und Gewiſſen kann ſie anderſt nicht als durch Zahlung getilgt werden; das ganze Reſultat des Ge⸗ ſetzes vom Bruͤmaire beſteht indeſſen darin, daß es ſie aus⸗ löſcht, ohne den Glaͤubiger zu befriedigen. Dieß iſt die noth⸗ wendige Wirkung der Formalitäten, die es zur Errichtung und Aufrechthaltung der Hypotheken einflihrt, und deren ge⸗ ringſte Unterlaſſung ihren Verluſt nach ſich zieht. Zuverläſ⸗ ſig war der kein Freund der Hypotheken, der zuerſt auf den Gedanken ſiel, Bewahrer derſelben anzuſtellen. „Wenn man ſich's ſo ſtark angelegen ſeyn laͤßt, die Im⸗ mobilien ſchleunig von den Hypotheken zu befreyen, ſo gibt es ja, um dieſen Zweck zu erreichen, ein einfacheres und Leine Koſten veranlaſſendes Mittel, nehmlich dieſes, die Dauer der hypothecariſchen Klage abzukürzen, und ſie anſtatt zehn Jahre auf fuͤnf zu beſchränken. „4) Nach den roͤmiſchen Geſetzen, bildete ſich der Credit nach dem Vermdͤgen, noch mehr aber nach der Moralität der Buͤrger; ſeit dem Geſetze vom Brümaire aber iſt er, ſo zu ſagen, in einen Tarif gebracht, und beſteht nur aus dem Werthe der unbeſchwerten Immobilien, die der Schuldner zur Hypothek darbiethen kann. „Vergebens wird man ſagen, das Geſetz habe, indem es die Hypothek auf ein beſonders bezeichnetes Immobile legt, das Zutrauen, welches ein Gläubiger in das gute Betragen des Schuldners ſetzen mag, weder zernichten wollen noch koͤnnen. Zuverläßig war dieß die Abſicht des Geſetzes nicht; dadurch aber, daß es alle Buͤrger mit Zweifel und Miß⸗ trauen umringt, und kund macht, daß nur in einer ſpecial, und nach der geſetzlichen Vorſchrift eingetragenen Hypothek wirkliche Sicherheit vorhanden ſey, hat es nothwendig die Bür⸗ ger von jedem andern Umerpfande abwendig gemacht, und —————. m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 233 alle Blicke auf das Einzige getichtet, dem es eine geſicherte Wirkung verlieh. „Man ſieht inzwiſchen leicht ein, welchen ſchädlichen Ein⸗ fluß dieſe illiberale Art, den Credit zu begruͤnden, auf den Handel, und auf alle andere geſellſchaſtliche Vertröge Faben muß. Handeltleute, Fabrikanten, Hand verker haben keine Special⸗Hypothek, um ſie den Capitaliſten anzubiethen; ent⸗ weder werden ſie alſo kein Geld finden, um ihre Induſtrie geltend zu machen, oder, was faſt eben ſo unglucklich iſt, es viel theurer bezahlen⸗ „Anderer Seits beſchränkt ſich dieſe bösartige Einwirkung nicht auf die eigentlich ſogenannten Handelsgeſchaͤfte; die ge⸗ woͤhnlichen Verhältniße der Geſellſchaft bilden ein andere Gat⸗ tung von Handel, welcher weit um ſich greifender, viel thaͤ⸗ tiger und intereſſanter iſt; iſt indeſſen der Menſch in Anſchung einer wichtigen Gattung von Handelsgeſchäften an die Regeln der arithmetiſchen Rechnung gebunden, ſo gewöhnt er ſich unmerklich daran, ſie bey allen andern Vorfaͤllen in Anwen⸗ dung zu bringen, und nun wird derjenige, der bloß ein geſchick⸗ ter und rechtſchaffener Mann iſt, ſich in Anſehung der Heirathen, der Aemter, der Anlehen und der Erwerbungen demjenigen nachgeſetzt ſehen, welcher durch ſein Vermoͤgen Sicherheit darbiethet. „Keinem denkenden Weſen entgehen die ſchrecklichen Fort⸗ ſchritte des Sitten⸗Verderbnißes und der unerſättlichen Geld⸗ begierde, die ſich aller Bürger-Claſſen bemächtigt haben; zuverlaͤßig liegt dieſen Fortſchritten eine mächtig wirkende Urſache zum Grunde; anſtatt dieſeaufzuſuchen und ihre Quelle zu verſiegen, haben ſich die Verfaſſer des Geſetzes vom Brü⸗ maire einzig damit beſchäftigt, die Bürger vor ihren Wirlun⸗ gen zu bewahren, und die Maßregeln, die ſie ergriffen haben, ziclen unglücklicher Weiſe nur dahin ab, die Ausdehnung der Grund⸗Urſache zu vermehren. *5) Aus der Art, womit dieſe große Frage im Publikum und auf der Redner⸗Buͤhne abgehandelt worden iſt, hat man ſich ſchon von der Uebertreibnng überzeugen können, welche die u Zuc. xm gu. Von priilegien und opothelen. Begierde, ein Lieblings⸗Syſtem durchzuſetzen, gewihnlich be⸗ gleitet. „Hört man die Anhänger des Geſetzes vom Brümaite ſprechen, ſo befand man ſich vormahls in einem erbarmens⸗ würdigen Zuſtande; weder Credit noch Handel ſollte geweſen, das Geld gegen äußerſt übertriebene Zinſen geliehen worden ſeyn, und dieſes wohlthaͤtige Geſetz hat uns die Bewegung und das Leben geben ſollen, deſſen umlauf durch das Syſtem der heimlichen Vypotheken gehemmt war⸗ „Dieſe Sprache mochte ſich höchſtens entſchuldigen laſſen, wenn man von dem Handel der Römer unter dem Könige Numa und der Egeris redete; aber uͤber ſo bekannte That⸗ ſachen an Männer gerichtet, die die eine ſowohl als die an⸗ dere Epoche erlebt haben, iſt ſie wahrhaft unausſtehlich⸗ «In Lille und Dünkirchen befolgte man das Syſtem der Beſit⸗Ergreifung(Namtissement et œuvres de la loi); zu Paris das Edict vom Junius 1771; zu Aix, Marſeille, Per⸗ pignan und Colmar bloß das römiſche Recht. War aber Credit und Handel nicht eben ſo bluͤhend in Marſeille, als zu Paris und Lille? War der Geld⸗Umlauf daſelbſt gehin⸗ dert? Waren die Hypotheken weniger, ſicher, gaben ſie zu größern Streitigkeiten Anlaß? „Wie viel wäre noch zu ſagen⸗ Zinſen des Geldes, und dem Credit, Geſetze vom Brümaire waren, und jenen Zeiten eine Vergleichung anſtellte? „Ob alſo die Hypothek ſpecial und öffentlich, oder all⸗ gemein ſey, dieß wirkt auf den Credit und den umlauf höch⸗ ſtens als Neben⸗Urſache; dagegen gibt es aber wichtigere, mächtiger wirkende Urſachen, womit man ſich hauptſächlich beſchäftigen ſollte, und dieſe Urſachen ſind— die Sitten. „Unter die Zahl der Dinge, die der Syſtemen⸗Geiſt über⸗ trieben hat, möchte man wohl große Luſt haben a) die Be⸗ nennung geheimer Zypotheken zu ſetzen, die man jenen, welche das römiſche Recht angen mmen hat, beylegt; zuvet⸗ wenn man zwiſchen den ſo wie ſie vor dem der nachherigen wi hel ſer un che Tr Pu ter Die len ſieh po hal ſchl ben het erſo chen wae ihe geſ ceg haf Frr der zu IM. Buch. XVIII. Tit. Von Frivilegien und Hypotheken. 225 läßig iſt dieſes Beywort nie unrichtiger angewendet worden, als auf Hypotheken, die durch öffentliche Contracte und durch Urtheile erworben worden ſind. „Ferner kann man b) den Wunſch, das Edict von 1673 wieder hergeſtellt zu ſehen, hiehin rechnen, den, wie man behauptete, alle Rechtsgelehrten der damahligen Zeit geäuſ⸗ ſert haben ſollen, da ſich doch kein anderer als d'Hericourt hieruͤber anführen läßt, deſſen Anſehen nicht ſtark genug iſt, um jenem eines Dagueſſeau entgegengeſtellt zu werden, wel⸗ cher es verwarf. „Endlich gehört e) das Vorgeben Tribnnäle gegen den Eutwurf des Geſe Punkte allgemein ihre Stimme erhoben hä ter zwey und dreyßig nur neun waren, die es mißbilligten. Die Syſtem⸗Sucht macht ſich indeſſen vorzüglich dadurch kenntbar, daß ſie alles, was ihrem Götzenbilde im Wege ſtehen kann„bey Seite ſetzt oder verdreht. v6) Am Syſtem der Publicität und Specialität der Hy⸗ potheken iſt urſprünglich— Paris Schuld. Weil es ſchwer halt, ſich in dieſem Strudel zu kennen, worin ſich die Ge⸗ ſchlechter verlieren; weil es leichter iſt, dort von den verdor— benen Meckſchen, die ſich aus allen Ländern dahin begeben, betrogen zu werden, deßwegen hat man dieſes Syſtem aus⸗ erſonnent, wodurch man die Betrügereyen unmöglich zu ma⸗ chen geglaubt hat. Es lohnt der Muͤhe nicht, dasjenige zu wiederhohlen, was man bereits über die Unzulaͤnglichkeit des Mittels und über die Unmoglichteit, es ohne Ungerechtigkeit auszufuͤhren geſagt hat. „Muß man aber aus dem Grunde, weil dieſes Syſtem wegen des Verderbnißes von Paris, adt ſogar bpetheil⸗ haft ſeyn möchte, allen Provinzen Zwang anlegen? Muß man Frankreich ſeinem fünfzigſten Thelle pfern? An keinem an⸗ dern Drte haben die Buͤrger ndoth hig, die Sicherheit ihrer Verträ zu bezahlen; gerne nehmen ſie die D bſorge uͤber ihr Interef IV. Maley⸗ 15 „ daß die s in dieſein tten, da doch un⸗ e — a26 1I. Buch. XVIII. Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. auf ſich ſelbſt, und wünſchen, ihre Geſchaͤfte frey nach ihren eigenen Einſichten einzurichten.— Ein Wunſch, der mit den Geſetzen und der Gerechtigkeit völlig übereinſtimmt. Das Hypotheken-Weſen muß man folglich auf Paris be⸗ ſchränken, wenn man nicht lieber das ganze Reich davon befreyen will. „7) Nur in ſo ferne könnte dieſes Syſtem, ſelbſt in der Meinung derjenigen, die es vorgeſchlagen haben, nuͤtzlich ſeyn, als es ſich überhaupt auf alle Gattungen von Hypo⸗ theken erſtreckte; bleiben nehmlich deren einige unbekannt oder unbeſtimmt, ſo wird die Kenntniß der andern überflüßig, und ein argwoͤhniſcher Darleiher oder Erwerber um ſo weni⸗ ger beruhigt, weil iem ein Theil der Gegenſtaͤnde, die er zu kennen verlangt, verborgen bleibt. Was liegt mir daran zu wiſſen, ob Peter dem Paul nichts ſchuldig iſt, wenn ich un⸗ möglich erfahren kann, ob und was er dem Johann ſchuldig iſt? „Dieſe letztere Einwendung führt uns wieder auf die Dis⸗ cuſſion zurück, die im Staats⸗Rathe Statt hatte. Der Grund⸗ ſatz der Publicitat und Specialität der vertragsmäßigen Hy⸗ potheken wurde, ohne ſehr lebhafte Widerſprüche zu erleiden, von der Mehrheit angenommen; allein, die Anhänger des Geſetzes vom Brümaire wollten ſie auch auf die geſetzlichen Hypotheken ausdehnen.„Exiſtiren dieſe Hypotheken, ſagte einer aus ihnen, von Rechts wegen, ſo kann das Syſtem ſich nicht mehr halten; die Ehemaͤnner, Vormünder und Einnehmer öffentlicher Gelder machen die Hälfte der Geſell⸗ ſchaſt aus; die Specialität und Publicität ſind nur in ſo fern nutzlich, als man dadurch zur Kenntniß aller Sunmen ge⸗ langen kann, womit die Immobilien beſchwert werden kön⸗ nen; unmoͤglich iſt es aber, ſich dieſer Thatſache zu verſichern, wenn ſie mit geſetzlichen Hypotheken, die unbekannt und un⸗ beſtimmt ſind, belaſtet werden können.« Dieſe zweyte Frage veranlaßte Debatten, die viel laͤnger währten als jene, wo es um die Auswahl unter den verſchie⸗ denen Syſtemen ſich handelte. Da indeſſen die nehmlichen nic Re har um den chet dur z heri Geſ geſe geor mat leßz tig ſe all darg Mir zu wol und hera Hy min ten we ſell eh nd⸗ o en, des hen gi ien un fen ön ern u III. Buch. XVIM. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. a27 Gründe oft beyder Seits wiederhohlt wurden, und eigentlich nichts anders enthalten, als was man aus den entgegengeſetzten Reden der Herten Bigot und Treilhard bereits angeführt hat, ſo kann man ſie auf folgendes beſchraͤnken: „Die Eintragungen, ſagte man einer Seits, ſind unnütz um die Publicität der geſetzlichen Hypotheken zu begruͤnden, denn, da die Ehe, die Vormundſchaft, oder das Amt, wel⸗ ches man bekleidet, offenkuͤndig ſind, ſo iſt auch eben hie⸗ durch dieſe Publicität vorhanden. „Die Specialität iſt unmöglich, weil es um Anſprüche zu thun iſt, die noch nicht beſtimmt ſind, oder erſt aus nach⸗ herigen Ereigniſſen entſpringen können. »Da jede geſetzliche Hypothek durch die bloße Kraft des Geſetzes eintritt, ſo kann ſie, wenn ſie nicht aufhören ſoll⸗ geſetzlich zu ſeyn, nicht mehr einer aͤußern Formalitaͤt unter⸗ geerdnet werden. Dieſes allein iſt das Merkmahl, wodurch man ſie von der vertragsmäßigen Hypothek unterſcheidet; letztere iſt eine zufällige Thatſache, woruͤber man benachrich⸗ tigen muß; die geſetzliche Hypothek aber iſt allgemeines Recht; ſie iſt nicht bloß zu Gunſten der Perſon, ſondern des allgemeinen Beſtens wegen eingeführt; dem Staate liegt daran, daß der Brautſchatz der Frauen, das Vermögen der Minderjaͤhrigen, erhalten werde; um dieſen Zweck unmittelbar zu erreichen, hat folglich das Geſetz Verfügungen getroffen; wollte man ſich nun mit ſeinem höchſten Willen nicht begnügen, und noch ein beſonderes Factum verlangen, ſo würde man es herabwürdigen und ſeine Sorgfalt hintergehen. „ Vergebens ſagt man, dieſes Privilegium der geſetzlichen Hypotheken werde dritten Perſonen, die mit Maͤnnern, Vor⸗ mündern und Einnehmenn öffentlicher Einkünfte zu contrahi⸗ ren haben, zum Nachtheile gereichen; denn Frauen, Minderjäh⸗ rige und der Staat verdienen auf eine andere Weiſe beguͤnſtigt zu werden, als ein Capitaliſt oder ein Erwerber, welche es ſich ſelbſt immer zuſchreiben muͤſſen, daß ſie ſich der Lage des Lehners oder Verkäufers nicht beſſer verſichert haben, 223 1l. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien nud Hypotheken. „Ohnehin, wem ſoll man die Sorge anvertranen, eine Inſcription für diejenigen zu nehmen, denen das Geſetz ſelbſt eine Hypothek verleiht? Dem Manne, dem Vormund, dem Einnehmer der Staats⸗Einkünfte? Das ſind ja aber gerade diejenigen, die ein Intereſſe dabey haben, daß keine genom⸗ men werde⸗ „Das Edict von 1673 hatte die geſetzlichen Hypotheken von aller Formalitat befreyt; jenes von 2771 hatte ebenfalls den Staat in Hinſicht der Einnehmer der öffentlichen Gelder, 4 die Frauen in Anſehung der Guͤter ihrer lebenden Männer (bey der Discuſſion äußerte man ſich über dieſen Punkt nicht ganz deutlich), und die Kinder in Anſehung der Güter Vaters wegen des noch nicht angeſallenen Leibgedings, Zwar hatte es den Frauen, die unter ver ihres davon befreyt. Gewalt des Mannes ſtanden, ſo wie auch den Minderjähri⸗ gen und Interdicirten die Pflicht auferlegt, ihre Oppoſition auf die Guͤter ihrer übrigen Schuldner im Falle des Verkan⸗ fes einzulegen; zwiſchen diſer Dppoſition aber und der vom Geſetze vom Brumaire vorgeſchriebenen Inſcription iſt ein großer Unterſchied. Dem Edicte von 1771 zu Folge erxiſtir⸗ ten die geſetzlichtn Hypotheken von Rechts wegen ohne alle Inſcription; nur giengen ſie in einigen Fallen, wegen Man⸗ gel einer in der beſtimmten Zeitfriſt eingelegten Oppoſition verloren; ſelbſt in dieſem Falle konnten aber diejenigen, denen ſie verliehen waren, ihren Regreß an den nicht ver⸗ kauſten Immobilien erhalten, anſtatt daß ſie im Syſtem des Geſetzes vom Bruͤmaire keine Hypothek anderſt als durch eine Inſcription erwerben, die unterlaſſen werden kann, und welche zu nehmen, nicht von den geſetzlichen Hy⸗ pethekar⸗Gläubigern abhängt. Läßt der Mann z Be, ſagt man zwar, die Hypothek für ſeine Frau nicht eintragen⸗ welches ma pflichten wird, ſo hat ſie deßhalb gegen ihn ihren Regreß; ß fruchtlos ſeyn man denkt aber dabey nicht, daß dieſer Regre wird, ſobald er von keiner Hypothek unterſtützt wird, die N n ihn zu thun ver⸗ ll. von Dat nehl ſreſ ſehn dere das burſ hat, alge tract ale poſit mit lenn den hieb Man man denn wirke den! inig den henz ſin Hüt hſt hſell nI. Buch. XvliI. Tit. Von Frivilegien und Hypotheken. 229 von Rechts wegen an den Gäütern des Mannes eintritt. Das Nehmliche läßt ſich auch vom Vormunde und vom Ein⸗ nehmer der Staats⸗Einkuͤnfte ſagen⸗» Die Anhänger des neuen Syſtems antworteten, das In⸗ tereſſe einer Frau und eines Minderjahrigen möge ſo heilig ſeyn als es immer wolle, ſo müſſe es doch nicht jedes an⸗ dere Intereſſe verſchlingen; in dieſem Geiſte, ſagten ſie, iſt das Edict von 1771 erlaſſen worden, welches man zwar als burſal(eine außerordentliche Auflage einſuͤhrend) bekämpft hat, deſſen weſentliche Verfuͤgungen aber, ſammt ſeinem Zwecke, allgemein angenommen worden ſind⸗ „Was das Edict von 1771 in Anſehung des Kauf⸗ Con⸗ tactes gethan hatte, dieß hat das Geſetz vom Brlimaire auf alle Contracte angewendet; nur hat es an die Stelle der Op⸗ poſitionen die Inſcriptionen geſetzt; letztere ſind indeſſen nicht mit mehrern Schwierigkeiten verknüpft, als die erſtern⸗ «Die Inſcriptionen, ſagt man, ſind unnütz, um zu er⸗ lennen zu geben, daß Hypotheken gegen den Ehemann vorhan⸗ den ſind, indem die bloße Heirath das Publikum hinlänglich hievon benachrichtigt. Iſt es aber nicht möglich, daß der Mann weit von ſeiner Frau entfernt lebt? und— wenn man auch weiß, daß der Mann verheirathet iſt, weiß man denn auch, fuͤr welche Summe ſeine Gäter verhaftet ſind? „Sagte man, man müſſe die Mittel finden, zu be⸗ wirken, daß die Inſcriptionen immer für die Frau und fuͤr den Minderjaͤhrigen genommen würden, dann waͤre man leicht einig; zuerſt könnte man dem Manne, dem Vormund, hierauf dem Notar, der den Heirathe-Contract aufnimmt, dem Frie⸗ dens⸗Richter, der bey der Ernennung des Vormundes den Porſitz füͤhrt, dieſe Pflicht auferlegen; auch koͤnnte die ver⸗ fammelte Familie vom Vormunde verlangen, daß er ſeine Güter anzeigen, und ſelbſt die Hypothek darauf eintragen kaſſen ſolle. „Das Syſtem des Geſetzes vom Brümaire iſt der Frau Lielleicht günſtiger als jenes, welches man dieſem Geſetze eze III. Buch. XVlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. entgegenſtellt; denn, kann ein Erwerber oder Darleiher mit⸗ telſt der Inſcriptionen nicht zur Kenntniß der Forderungen der Frau gelangen, ſo wird er fordern, daß ſie ſich mit ih⸗ 1 rem Manne gemeinſchaftlich verbinden ſoll. „ Was den Fiscus betrifft, dieſer müßte in der gewdhn⸗ lichen Ordnung bleiben, und in Anſehung ſeiner Rechte ſo wie jedes andere Individuum behandelt werden; die Verwal⸗ tung hat ja eine Menge Mittel in Haͤnden, um ſich Sicher⸗ heit zu verſchaffen, und das Syſtem des Geſetzes vom 11. Brlmaire erleichtert ihr dieſes noch mehr dadurch, daß es ſi⸗ in den Stand ſetzt zu unterſuchen, ob d'e Immobilien der Bürgen frey oder mit Hypetheken beſchwert ſind. Iſt man biemit noch nicht zufrieden, ſo kann man die Local-Agenten fur die Unterlaſſung der Inſcriptibn verantwortlich erklaͤren; die⸗ ſer Verantwortlichkeit würden einige Beyſpiele von Strenge wi⸗ der diejenigen, die ſich nachlaßig gezeigt hätten, die beſte Wirkung verſchafſen. Allerdings waͤre dieſes beſſer, als wenn man den Fiscus durch ein Privilegium verhaßt macht, deſſen 1 Auslibung das Verderben der Familien nach ſich zieht. „Kurz, das neue Syſtem kann freylich mit einigen Inconve⸗ nienzen verbunden ſeyn; man mag indeſſen eines annehmen, weſches man immer will, nie wird man es ſo weit bringen, ſie alle zu vermeiden; man muß ſich folglich zu Gunſten 1 desjenigen entſchließen, was deren am wenigſten hat, und doch die größten Vortheile darbiethet. Jenes der Publicität und Specialität der Hypotheken iſt im hoͤchſten Grade nütz⸗ lich; aber es beruht weſentlich auf der Nothwendigkeit der Inſcription, und würde ſehr unvollkommen werden, wenn es Fille und zwar vorzüglich zahlreiche und oͤftere Fälle gäbe, worin man ſich enthalten könnte, den Rechtstitel einzutragen, aus welchem die Hypothek entſpringt.« Es iſt überfluͤßig, hier dasjenige zu wiederhohlen, was . man ſchon über die Möglichkeit oder Unmoglichkeit, Gerech⸗ tigkeit oder Ungerechtigkeit, unbeſtimmte Hypotheken zu ſi ſchätzen, gehört hat III. Buch. KVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 231 Bey dieſen ſo verſchiedenen Meinungen ſtellte der Kaiſer vor, er habe oft wahrgenommen, daß man, wenn man die Geſetze zu ſehr vereinfachen will, dem Eigenthums⸗Rechte zu nahe trete; beſſer iſt es, ſagte er, ſich von der Einheit in einem Syſteme ein wenig zu entfernen, als ſich der Gefahr auszu⸗ ſetzen, Ungerechtigkeiten zu begehen. Er willigte ein, die geſetzliche Hypothek des Fiscus fah⸗ ren zu laſſen; was aber jene der Frauen und Minderjäͤhri⸗ gen betrifft, iſt es allerdings nothwendig, ſagte er, daß, da ſie ſich ſelbſt nicht vertheidigen können, das Geſetz es üͤber ſich nehme, auf ihr Intereſſe zu wachen; ohnehin iſt dieß ja das Syſtem, welches man im ganzen Civil-Geſetz⸗ buche befolgt hat, und ein Geſetz, welches das Gegentheil ſagte, würde mit allen denjenigen, die ſchon decretirt ſind, im Widerſpruche ſtehen. Stößt man inzwiſchen auch auf einige leichte Schwierig⸗ keiten, wenn man den geſetzlichen Hypotheken, durch die bloße Kraft des Geſetzes, ihre Wirkung beylegt, ſo iſt doch dieſe Inconvenienz nichts in Vergleich mit jener, worin man verfällt, wenn man widerſprechende Geſetze erlaͤßt, und der ganzen Geſetzgebung das Siegel der Unbeſtändigkeit aufdruͤckt. Ueberdieß kann man Mittel finden, das Syſtem der ge⸗ ſetzlichen Hypotheken mit der Publieität und Specialität, die der Kaiſer für gut erachtete, in Harmonie zu bringen. Auch der Prinz Cambaceres widerſetzte ſich ſtark der Noth⸗ wendigkeit der Inſcription zur Aufrechthaltung der geſetzlichen Hypotheken; man kann uͤbrigens, ſagte er, Vorſichts⸗Maß⸗ regeln ergreifen, damit ſie eingetragen werden; genug wäre es, wenn dieß am Wohnorte des Schuldners geſchähe, und dieſe Inſcription in Hinſicht der Güter, die er in andern Bezirken beſitzen mag, gaͤlte; die Inſcriptien muß aber keine Bedingung ſeyn, deren Unterlaſſung die Frau oder den Min⸗ derjaͤhrigen der Gefahr ausſetzt, ihre Hypothek zu ver⸗ lieren; denn durch die bloße Kraft des Geſetzes müöſſen ſik geſichert ſeyn. 232 Iil. Buch. XVIII. Eu. Von Privilegien und Hypptheken. 3 „Die Männer, wendet man ein, werden es ſo einleiten⸗ 3 daß ihre Frau verbunden wird. Dieß müßte man verbiethen⸗ 5 denn nur da, wo der Brautſchatz in Sicherheit iſt, haben die Familien Beſtand⸗ „Unter der ältern Geſetzgebung, die ſich mit dem Inte⸗ reſſe der Frauen und der Minderjährigen beſchäftigte, wuß⸗ ſi ten die Erwerber ſelbſt für ihre Sicherheit zu ſorgen: hatten bi 3 ſie Zweifel,'ſo zablten ſie den Kauſpreis nicht, oder ſie bedungen ſich aus, daß er angelegt werden ſollte. Nichts n hindert daran, daß man unter der neuen Geſetzgebung für ihre Sicherheit alle ſchickliche Maßregeln ergreife; aber das. ſchien, vorzüglich dem Prinzen Cambaceres, eine unumgäng⸗ 6 lich nothwendige Formalitat zu ſeyn, daß der Contract eine beſtimmte Zeit lang öffentlich angeheftet werden müßte.» Nach dieſer langen Discuſſion nahm endlich der Staats⸗ Rath als Grundſatz an, 1) daß jede Hypothek öffentlich ſeyn; 2) daß die vertragsmaͤßige Hypothek immer ſpecial ſeyn; 3) daß die Sicherheit der Fran und des Minder⸗ 1 jährigen jener der Erwerber und der Darleiher vorgezogen* 1 werden ſollte. Srſtes Capitel. de 1 Allgemeine Verfügungen. ſ Art. 2002.»Wer immer ſich perſoͤnlich zu etwas ver⸗ ¹„pflichtet hat, muß für die Erfüllung ſeines Verſprechens ⸗mit allen ſeinen gegenwärtigen und zukünftigen, beweglichen und unbeweglichen Gütern, haften.« Das heißt aber nicht, daß deßwegen alle Guͤter des Schuld⸗ 3 ners zur Sicherheit der Zahlung hypotheſirt ſeyen, wenn 1 ſie nicht durch einen förmlichen Act hiezu beſtimmt werden; 6 denn, wie ich bereits in der Einleitung geſagt habe, die Verbindlichkeit und die Hypothek ſind zwey voneinander ganz verſchiedene Dinge. Art. 2093.„Die Goter des Schuldners ſind das ge⸗ vmeinſchaftliche Unterpfaud ſeiner Gläubiger, und der Preis, 1. Fuch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 233 „wofuͤr ſie verkauft werden, wird unter ihnen verhältniß— „mäßig vertheilt, wenn nicht unter den Glaͤubigern recht⸗ „mäßige Urſachen eintreten, warum einer dem andern vor⸗ „gezogen werde.« Zindet ſich, wenn das Vermögen des Schuldners in Ver⸗ fall gerathen iſt, tein privilegerter oder hypothekariſcher Gläu⸗ biger, ſo wird das aus dem Verkaufe ſeiner Güter geloſte Geld unter ſie getheilt, ohne daß Rückſicht darauf genommen wird, weſſen Forderung älter als die andere iſt. Art. 2004.„Die rechtmäßigen Urſachen, die einen Vor⸗ zug begruͤnden, ſind die Mivilegien und Hypotheken.« Zweytes' Capitell. Von den Privilegien. Art. 2095.»Ein Privilegium iſt ein aus der Eigen⸗ „ſchaft der Forderung herrührendes, dem Gläubiger verlie⸗ henes Recht, kraft deſſen er andern, ſelbſt hypothekariſchen „Gläubigern vorgezogen wird.» Privilegia creditorum non eæ tempore astimantur, Sed er causd. P. 17. de priv. cred. Dieſer Titel fehlt in den Florentiniſchen Pandecten, oder beſſer zu ſagen, die Ge⸗ ſetze, die er enthält, machen die Fortſetzung des Titels de reb. auot. jud. poss. aus, und fangen mit der F. 16, an. Art. 2006.„Unter mehrern privilegirten Gläubigern „richtet ſich der Vorzug nach den verſchiedenen Eigenſchaf⸗ „ten ihrer Privilegien.« Dieſe Rang⸗Ordnung wird in den folgenden Artikeln feſt⸗ geſetzt. Art. 2097.„Privilegirte Gläubiger, die im nehm⸗ „lichen Range ſind, werden nach Verhältniß ihrer Forde⸗ „rungen gezahlt.» S ejusdem tituli fuerint, concurrunt, licet dibersitates temporis in his fuerint, d. T 234 M. Buch. XVIII. Eit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2098.„Das Privilegium, in Anſehung der „Rechte des oͤffentlichen Schatzes und die Rang⸗Ordnung, „worin es Statt hat, richten ſich nach den beſondern ſie be⸗ *treffenden Geſetzen. „Der öffentliche Schatz kann inzwiſchen zum Nachtheile ⸗der Rechte, welche dritte Perſonen früher erworben haben, „kein Privilegium erlangen.*) ₰ Geſetz über die Art und Weiſe, wie die Gerichtskoſten in pein⸗ ¹ lichen, Zucht- und Polizey⸗Sachen für den öffentlichen Schatz beyzutreiben ſind, vom 5. September 1807. „ Art. 1. Zufolge des 2093 Artikels des Geſetzbuches Napo⸗ leons iſt das Privilegium des öffentlichen Schatzes in Betreff der in peinlichen, Zucht⸗ und Polizey⸗Sachen zu ſeinen Gunſten er⸗ kannten Zurückzahlung der Koſten auf folgende Weiſe feſtgeſetzt. Art. 2. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes auf die 3 Mobilien und Mobiliar-Effecten der Verurtheilten, ſoll erſt nach den hierunten verzeichneten andern Privilegien und Gerechtſamen geltend gemacht werden; nehmlich; 1) Nach den in den Artikeln a101 und 2102 des Geſetzbuches Napolevus angezeigten Privilegien; 2) Nach den fuͤr die perſönliche Vertheidigung des Verurtheil⸗ 3 ten ſchuldigen Summen, welche, im Falle die Domainen⸗Ver⸗ waltung darüber Streit erhebt, nach der Natur der Sache von dem Gerichte, welches die Verurtheilung erkannt hat, beſtimmt werden ſollen. Art. 3. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes auf die Immobilien des Verurtheilten hat nur unter der Bedingung Statt, daß es in zwey Monaten vom Lege des condemnatori⸗ ſchen urtheils an in die Hypotheken⸗Regiſter eingetragen wird; nach Umlauf dieſer Friſt können die Rechte des öffentlichen Schatzes nur nach den Verfügungen des 2113 Artikels des Geſetzbuches Napoleons ausgeübt werden. Art. 4. Das Privilegium, wovon im vorſtehenden 3. Arti⸗ kel die Rede iſt, darf erſt nach folgenden andern Privilegien und Rechten ausgeuͤbt werden; ¹) Nach den im 2103z. Artikel des Geſetzbuches Napoleons bezeichneten Privilegien, in dem durch den a105. Art. vorgeſe⸗ henen Falle: * 11. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 235 In der lerſten Redaction des Artikels ſprach man nur von dem Privilegium der öffentlichen Contributionen; der 2) Nach den im 2103. Artikel deſſelben Geſetzbuches bezeich⸗ neten Privilegien, unter der Vorausſetzung, daß die zu ihrer Erhaltung vorgeſchriebenen Bedingungen erfüllt worden ſind 3) Nach den geſetzlichen Hypotheken, welchez unabhängig von aller Eintragung exiſtiren, wenn ſie früher ſind, als der Arreſi⸗ Befehl, im Falle einer gegen den Verurtheilten erlaſſen worden iſt, und in den uͤbrigen Fällen fruͤher als das condemnatoriſche urtheil; 4) Nach den uͤbrigen Hypotheken, in ſo fern die Forderungen vor dem Privilegium des öffentlichen Schatzes guf dem Hypo⸗ theken⸗Bürcau eingetragen worden ſind, und von urkunden herrüh⸗ ren, welche ein gewiſſes Datum haben, welches ſrüher iſt als der erwähnte Arreſt⸗Befehl oder das condemnatoriſche Urtheil; 5) Nach den für die perſoͤnliche Vertheidigung des Verurtheil⸗ ten ſchuldigen Summen, mit Vorbehalt ſolche nach der Vor⸗ ſchrift des obigen 2. Artikels beſtimmen in laſſen. Art.§5. Alle Verfügungen, die mit gegenwärtigem Geſetze nicht übereinſtimmen, ſind abgeſchafft. Geſetz uͤber die Rechte des öſſentlichen Schatzes an dem Ver⸗ mögen der Rechnungspflichtigen, vom§. September 1307. Art. 1. Das durch die Artikel zo9s und 2121 des Geſetz⸗ buches Napolevns zu Gunſten des oͤffentlichen Schatzes auf das Mobiliar⸗ und Immobiliar-Vermögen der Rechnungspflichtigen, die mit der Einnahme oder Auszahlung ſeiner Gelder beauftragt ſind, beybehaltene Privilegium und Hypotheken⸗Recht iſt auf folgende Weiſe feſtgeſetzt. z. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes hat auf das galze Mobiliar⸗Vermögen der Rechnungspflichtigen Statt, ſogar in Ruͤckſicht der in Güter Separation lebenden Frauen, ſo viel die Mobilien betrißt, die in den Wohnhäuſern des Maunes kge⸗ funden werden, ſie bewieſen dann auf eine geſetzliche Weiſe, daß gedachte Mobilien ihnen vermöge eines ihnen zuſtehenden Rech⸗ tes angefallen ſind, oder daß die Gelder, welche zur Anſchaffung derſelben verwendet worden, ihnen zugehöͤrten. Dieſes Privilegium wird jedoch erſt nach den allgemeinen und beſondern Privilegien ausgcübt, welche im 2101. und 2102. Ar⸗ tikel des Geſetzbuches Napoleons verzeichnet ſind. e36 II. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Staats⸗Rath fand aber für gut, die Ausnahme auf alle Gattungen von Privilegien, die der öffentliche Schatz haben kann, auszudehnen⸗ z. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes auf die Cau⸗ tionnements⸗Gelder der Rechnungspflichtigen richtet ſich auch künftig nach den beſtehenden Geſetzen. 4. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes hat Statt, ¹) Auf die Immobilien, welche die Rechnungspflichtigen nach ihrer Ernennung unter einem läſtigen Titel erworben haben; 2) Anf jene, welche unter dem nehmlichen Litel, ſeit dieſer Ernennung, von ihren Frauen erworben worden ſind, wenn dieſe auch in Hinſicht der Guͤter von ihren Männern getreunt waren. Ausgenvmmen ſind jedoch die unter einem läſtigen Titel von den Frauen gemachten Erwerbungen, wenn geſetzmäßig erwieſen wird, daß die zum Ankaufe verwendeten Gelder ihnen zugehörten. 5. Das Privilegium des oͤffentlichen Schatzes, wovon ju dem vorſtehenden 4. Artikel die Rede iſt, hat nach der Vorſchrift der Artikel 2106 und 2113 des Geſetzbuches Napoſeons Statt, unter der Bedingung es in zwey Monaten vom Tage der Einregiſtri⸗ rung des Aectes, wodurch das Eigenthum übergegangen iſt, ein⸗ tragen zu laſſen. Das Privilegium kann in keinem Falle nachtheilig ſeyn, ) Den im Artikel a10z des Geſetzbuches Napoleons bezeich⸗ neten privilegirten Gläubigern, wenn ſie die zur Erlangung ei⸗ nes Privilegiums vorgeſchriebenen Bedingungen erfüllt haben; 2) Den in den Artikeln 2101, 2104 und 2165 des Geſetz⸗ buches Napolevus beieichneten Gläubigern, in dem durch den letzten dieſer Artikel vorgeſehenen Falle; 3) Deu Gläubigern des vorigen Eigenthümers, welche auf das gekaufte Gut eine geſetzliche Hopothek, die unabhängig von der Eintragung exiſtirt, oder jede andere auf eine gültige Weiſe eingetragene Hypothek haben. 6. In Betreff der Immobilien der Rechnungspflichtigen, welche ihnen vor ihrer Ernenuung zugehörten, hat der oͤffentliche Schatz eine geſetzliche Hypothek, unter der Bedingung! daß ſie zu Folge der Verfügungen der Artikel 2121 und arz4 des Ge⸗ ſetzbuches Napoleons eingetragen werde. Der öffentliche Schatz hat unter der nehmlichen Bedingung eine gleiche Hypothek auf die Güter, welche der Rechnungs⸗ nI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 23 Der Art. Ix. des Geſetzes vom Brumaire ſetzte in Hin⸗ pflichtige nach ſeiner Ernennung nicht unter einem laͤſtigen Titel erworben hat. 7. Von der Kundmachung des gegenwaͤrtigen Geſetzes an 1u rechnen, ſind alle General⸗Empfänger der Departemeute, alle beſondere Empfänger der Bezirke, alle General- und Diviſtons⸗ Zahlmeiſter, ſo wie die Zahlmeiſter in den Departementen, See⸗ häfen und bey den Armeen, verbundeu, in allen Urkunden, die ſie über Verkaͤufe, Kaͤufe, Theilungen und Tauſche oder über an⸗ dere Handlungen; wodurch das Eigenthum uͤbergeht, errichten, ihre Titel und Eigenſchaften anzugeben; und dieß unter Strafe der Abſetzung: ſind ſie außer Stande, das, was ſie dem öffent⸗ lichen Schatze ſchuldig ſind, zu bezahlen, ſo ſollen ſie als betrü⸗ geriſche Bangueroutirer verfolgt werden. Die Empfänger der Einregiſtrirungs⸗Gebühren und die Hy⸗ vothekenbewahrer ſind gleichfalls unter Strafe der Abſetzung und der Vergütung des erlittenen Schadens verbunden, im Nahmen des öffentlichen Schatzes zur Erhaltung ſeiner Rechte die Eintra⸗ gung erwähnter Urkunden, ſobald ſie ihnen vorgezeigt werden, zu verlangen oder vorzunehmen, und ſowohl dem kaiſerlichen Pro— curator bey dem Gerichte der erſten Inſtanz des Bezirkes, wo die Güter liegen als dem Agenten des offentlichen Schatzes in Paris, das durch die Artikel 2148 und folgende des Geſetzbuchs Napoleons vorgeſchriebene Bordereau einzuſchicken. Ausgenommen ſind jedoch jene Faͤlle, wo, wenn es ſich von einem Verkauſe handelt, der Rechnungspflichtige von dem oͤffent⸗ lichen Schatze ein Zeugniß erhalten hat, worin ausgedruckt iſt, daß dieſe Beraͤußerung von Seiten des oͤffentlichen Schatzes der Einſchreibung nicht unterworfen iſt. Dieſes Zeugniß muß in der Veräußerungs⸗Urkunde angemerkt und datirt werdzn. 3. Wenn ein Rechnungspflichtiger Guͤter veraͤußert, auf wel⸗ che der öffentliche Schatz wegen ſeiner Anſprüche ein Privilegium oder eine Hypothek hat, ſo haben die Agenten der Regierung durch die gewöhnlichen Rechtsmittel die Bezahlung der Summen zu betreiben, welche der Rechnungspflichtige ſchuldig zu ſeyn er⸗ klärt worden iſt. o. Im Falle der Rechnungspflichtige dermahlen nicht als Schuldner erklärt wird, iſt der öffentliche Schatz verbunden uation an zu rechnen, die ihm es Napoleons in drey Moͤnaten von der Int nach Vorſchrift des 2133 Artikels des Geſetzbuch 233 III. Vuch. XVRI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. ſicht des Privilegiums in den zweyten Rang und unmittel— gemacht wird, an die Kanzelley des Bezirksgerichtes, worunter die verkauften Güter liegen, ein Certificat, aus welchem ſich der Fuſtand der Geſchäftsfuͤhrung der Rechnungspflichtigen ergibt, abzuliefern und daſelbſt zu hinterlegen; geſchieht dieſes nicht, ſo iſt nach Verlanf gedachter Zeitfriſt die Eintragung von Rechts wegen auſgehoben, ohne daß es nöthig iſt, ſie durch ein Urtheil zu erkennen. Die Eintragung iſt gleichfalls von Rechts wegen aufgehoben, wenn aus dem Certificat hervorgeht, daß der Rechnungspflichtige dem offentlichen Schatze nichts ſchuldig iſt. 1o. Die durch den 2227. Artikel des Geſetzbuches Napoleons fuͤr die Rechte des öffentlichen Schatzes feſtgeſetzte Verzaͤhrung läuft zu Gunſten der Rechnungspflichtigen von dem Tage, als ihre Geſchaͤftsführung aufhört. 11. Alle mit gegenwaͤrtigem Geſetze im Widerſpruche ſtehen⸗ den Verfuͤgungen ſind aufgehoben. Gutachten des Staats⸗Raths uͤber die Anwendung der Art. 2093 und 2121 des Geſetzbuches Napoleons und des Geſetzes⸗ vom 5. September 1807 auf den Schatz der Krone, vom 13. Februar 18os, genchmiget vom Kaiſer den 25. Februar des nehmlichen Jahres. Der Staats⸗Rath, welcher nach der von Seiner Majeſtaͤt verordneten Zurückweiſung den Vortrag der Geſetzgebungs⸗Sec⸗ tion uͤber jenen des General-Intendanten der Civil⸗Liſte angehört hat, der dahin geht, daß die Artikel 2008 und 2121 des Geſetz⸗ buches Napoleons und das Geſetz vom§5. September 1807, die das Privilegium des öffentlichen Schatzes auf die beweglichen und unbeweglichen Guͤter der Rechnungspflichtigen beſtätigen und näher beſtimmen, auf den Schatz der Krone anwendbar erklärt werben ſollen; Eingeſehen die Artikel a098 und arar des Geſetzbuches Na⸗ polevns, und das Geſetz vom§. Seplember r807; In Erwaͤgung, daß die für die Repräſentation der Souve⸗ vainetaͤt nöthigen Ausgaben immer mittelbar oder unmittelbar durch Anweiſung irgend einer Summe um ſie zu beſtreiten, dem öffentlichen Schatze zur Laſt fallen; daß hieraus ſich ergibt, daß der Schatz der Krone eigentlich nur eine Abtheilung des öffent⸗ lichen Schatzes iſtz III. Buch. XVIII. Tit. Bon Privilegien und Hypotheken 235 bar nach den Verſiegelungs- und Inventariſirungs-Koſten, Daß die Vorzugsrechte, deren der öffentliche Schar genießt, durch eine nothwendige Folge auch für den Schatz der Kryne gelten; daß, weun der Artikel zo9s des Geſetbuches Napoleons dieſes nicht ausdruͤcklich verordnet, die urſache hievon darin liegt, weil zur Zeit ſeiner Abfaſſung die Civil⸗Liſte noch nicht verfertiget war, und der öffentliche Schatz die Ausgaben derſelben unmittelbar bezahlte; Daß aber die ſeitdem eingetretene Abſonderung dem Privile⸗ gium eines Theils dieſes Schatzes, wovon der Geiſt und Gegen⸗ ſtand des Geſetzes vom 5. September 1307 das Ganze umfaßt, keinen Abbruch thun konnte, Iſt der Meisung, daß die Artikel 2098 und zra1 des Geſetbuches Napolevns und alle Verfuͤgungen des Geſetzes vom 5. September 1807 über die Privilegien des öffentlichen Schatzes auf die beweglichen und unbeweglichen Güter der Rechuungs⸗ yflichtigen auf den Schatz der Krone anwendbar ſind, und ihm die nehmlichen Privilegien und Hypotheken auf die Güter ſeiner rechnungspflichtigen Agenten zuſichern müſſen. Dieſem zu Folge gelten die Artikel 7, 8 und„ des erwaͤhn⸗ ten Geſetzes auch fuͤr die Schatzmeiſter, Empfänger und Zahl⸗ meiſter der Krone; und die Einnehmer der Einregiſtrirungs⸗ Gebühren ſo wie die kaiſerlichen Proeuratoren ſind gleichfalls verbunden, ſich, was ſie betrifft, nach den Verfügungen dieſer Artikel, in den darin vorgeſehenen Fällen zu richten. Geſetz über das Privilegium des öffentlichen Schatzes we⸗ gen der Erhebung der direeten Steuern, vom 18. Novem⸗ ber 1g08. Art. 1. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes wegen der Erhebung der unmittelbaren Steuern iſt auf folgende Weiſe feſtgeſetzt, und wird vor jedem andern ausgeübt, 1) Fuͤr die Grundſteuer des verfloſſenen und laufenden Jah⸗ res, auf die Ernten, Früchte, Miethgelder und Einkünfte lie⸗ gender Guͤter, die der Steuer unterworfen ſind; 2) Fuͤr das verfloſſene und laufende Jahr der Mobiliar⸗ Thür⸗ und Fenſter-, Patent und jeder andern unmittelbaren und perſönlichen Steuer, auf alle Mobilien und andere bewegliche Gegenſtände, welche den Steuerpflichtigen angehören, an wol⸗ chem Orte ſie ſich auch beßinden mögen. ½0 M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. das erfallene und das lanfende Jahr der Grundſteuer. Ueber dieſes Privilegium ſowohl als über die übigen des öffent⸗ lichen Schatzes ſehe man die Anmerkungen zum Art. 2104.*) hen Schatz gen 3 4 S 2. Alle Pächter; RMiethsleute, Empfaͤnger, Dekonomen, Rotarien, Schätzungs Commiſſarien und andere Depoſitare uns Schuldner von Geldern der Steuerpflichtigen, auf welchen das Privilegium des öffentlichen Schaues haftet, ſind auf die an ſie ergangene Anforderung geb ate ee Geldern die ſie ſchul⸗ dig ſind, oder in ihren Händen haben, das Ganie oder einen Theil der von den Steuerpflichtigen ſchuldigen Summen für die⸗ „— ſelben zu beiahlen. Die Quittungen der Steuererheber fün die rechtmäßig ſchuldigen Summen werden ihnen in der Rechnung gut geheißen. z. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes wegen der Er⸗ hebung der unmittelbaren Steuern ve rhindert nicht, daß er, wie jeder andere Glaͤnbiger noch ſonſtige Rechte an dem Vermögen der Steuerpflichtigen geltend machen könne. 4. Wenn bey der Beſchlagnehmung von Mobilien und an⸗ dern beweglichen Sachen wegen Zahlung der Steuern das Ganze oder ein Theil gedachter Mobilien und Sachen von einem dritten 1 als Eigenthum in Anſpruch genommen wird; ſo kann die Vin⸗ dications-Klage nur dann bey den gewöhalichen Gerichten ange⸗ pracht werden, wenn ſie zu Folge des Geſetzes vem s November 1760, zuvor vdn einem der Intereſſenten der Verwaliungs⸗ Behörde vorgelegt worden iſt. «) Hieher gehoͤrt folgender Auszus eines Schreibens Sr. Exc. des Groß⸗Richters Juſtitz⸗Miniſters an Se. Exe. den Fnan!⸗Nini⸗ ſter vom 9. Auguſt 1808. 1„Das Geſetz vom 5. September 1807 legt dem öffentlichen Schatze ein Privilegium auf Immobilien der Veru theilten unter dem Bedinge vey, es in zwey Monaten vom Tage der Verurtheilung angerechnet, in die Hypotheken Regiſter eintragen zu laſſen; vor Schulden, die aus urkunden entſpringen, welche nach dem Verhaft⸗Befehle gemacht worden ſind, hat der Fißeus den Vorzug; wenn ſie ſchon vor der ſeinigen eingetragen wor— den ſind Seine Hypothek ſteigt alſo bis zum Verhaft⸗Befehle, wenn einer erlaſſen worden iſt, hinauf, und von dieſem Zeitpunkte an kann der Beſchuldigte nicht mehr zum Nachtyeihe dieſes Rechtes ſeine Güter beſchweren UMI. Buch. FVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. a41 Art. 20990.»Die Privilegien können an Mobllien und nan Immobilien Statt haben.» Erſi e r A b Von Privilegien, die an Mebilien Statt haben. Art. 2100.» Die Privilegien ſind entweder allgemein, „oder ſie beſchraͤnken ſich auf gewiſſe Mobilien⸗⸗ Von allgemeinen Privilegien an den Mobilien. Art. 2101.„Privilegirte Forderungen, deren Vorzugs⸗ »recht ſich auf das geſammte Modiliar⸗Vermoͤgen erſtreckt, „Von den BVeraußerungen ſagt das Geſetz nichts; nur iit der Rang⸗Orduung und dem Vorzugs Rechte uhter den Glaͤubigern bey der Vertheiluns des aus den Gütern des Ver— urtheilten geloͤſten Kaufpreiſes hat es ſich beſchäftigt, und die gewöhnlichen Grundſätze ſcheinen nicht zuzulaſſen; daß das Pri— vilegium oder die Hypothek des Fiseus ſich auf Güter erſtrecken könne, die vor der Verurtheilung veräußert worden ſind. »„In der That behält bis dahin der Verurtheilte die Aus⸗ übung ſeiner bürgerlichen Rechte, und die Fähigkeit über ſein Vermögen zu disponiten, bey; anderer Seits gehen durch Aete, wodurch das Eigenthum übertragen werden kann, und die transſeribirt worden ſind, die Güter auf den Erwerber frey und ledig von allen Hypotheken, mit Ausnahme derjenigen über, die ſich zur Zeit der Transſeription eingetragen befinden, oder binnen den darauf folgenden fuͤnftehn Tagen eingetragen werden; und da der oͤffentliche Schatz erſt durch das condemnatoriſche Urtheil eine Hypothek erwirbt, und ſich folglich nicht früher inſeribiren laſſen kann, ſo folgt hieraus, daß er an den Gütern, die vor⸗ her veräußert worden ſind, kein Privilegium oder Hypo⸗ theken⸗Recht geltend machen kaun. „Nur iſt er, wie jeder andere Gläuübiger, befugt, die Auf— hebung ſimulirter, oder zum Nachtheile ſeiner Rechte geſche— henen Veräußerungen nachzuſuchen In bieſer Hinſicht muß mäu aber zwiſchen Veraͤußerungen mittelſt eines läſtigen Ti⸗ tels, und jenen mittelſt eines wohlthaͤtigen oder ünentgeldlichen Titels einen Unterſchied machen. Letztere werden leichter aufgehoben, als die Et⸗ Malev. 16 4 UI. Buch. zVII. Tit. Pon Privilegien und Hypotheken. „ſind die hier unten ausgedruckten; unter ihnen tritt folgende „ Rangordnung ein: „ 1) Die Gerichtskoſten; „2) Die Leichenkoſten; „3) Alle und jede Koſten der letzten Krankheit: diejeni⸗ „gen, welche deßhalb zu fordern haben, ſtehen gegenſeitig in gleichem Range, und concurriren verhältnißmäßig; „4) Der Lohn der Dienſtbothen für das verfloſſene Jahr, „und was ihnen für das laufende Jahr gebuͤhrt; „5) Was an Lebensbedürfniſſen dem Schuldner und ſei⸗ „ner Familie geliefert worden iſt, nehmlich in den letzten „ſechs Monaten von denen, welche im Kleinen verkaufen, „wie z. B. von Bäckern, Metzgern und andern, und das „letzte Jahr hindurch von Koſtgebern und Großhaͤndlern.« ſtern. Genug iſt es nehmlich, den Betrus von Seiten deſſen, der disponirt hat zu beweiſen, dagegen in Anſehung der mit⸗ telſt eines läſtigen Tirels geſchehenen Veraͤußerungen noch über⸗ dieß bewieſen werden muß, daß der Erwerber an dieſem Betruge An heil genommen habe. „Geht alſo bey Verfügungen mittelſt eines unentgeld⸗ lichen Titels aus den Umſtänden hervor, daß der Beſchuldigte wirklich dadurch ſeine Güter der Verurtheilung zu entziehen ge⸗ ſucht habe, ſo iſt die Einregiſtrirungs-Verwaltung berechtigt, auf die Nichtigkeits⸗Erklaͤrung dieſer Verſügung aniutragen, wenn ſie auch ſchon gehörig transſeribirt wonden wäre. „Zu bemerken iſt hiebey, daß der unterſchied zwiſchen Ver⸗ äußerungen mittelſt eines wohlthätigen, und jenen mittelſt eines läſtigen Litels dann einen neuen Grad von Stärke er⸗ hält, wenn die Schenkung von den Eltern au die Kin⸗ der geſchehen iſt, weil in ſolchem Falle die Geſchenkgeber offen⸗ bar die Ahſicht hatten, die Kinder von der Zahlung der Gerichts⸗ Koſten aus den Gütern ju befreyen, die ſie ohne eine Schenkung unter Lebenden nur als Erben erhalten hätten. Jurispr. de la C. de C. 1606 im Anhange, x. 370.. B. II. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 243 Die Gerichtf-Koſten nehmen den erſten Rang ein, weil ſie zur Erhaltung der Gerechtſame aller Gläubiger ausgelegt worden ſind.*) Hierauf folgen die Leichen⸗Koſten. Die roͤmiſchen Geſetze hatten ſie allen andern Forderungen der Begünſtigung wegen vorgezogen, die ihnen gebührt. T. 45, h de relig. et sumpt. funer.**) *) Gerichts⸗Koſten, ſagt Ferrière in ſeinem Pietionnaire de prati- p * que, v. Fuis de Justice, ſind die Koſten, die die Erhaltung der Sache zum Vortheile des Eigenthümers, des Gläubigers, oder jedes andern, der ein Recht daran, oder ein Intereſſe dabey hat, bewirkt haben: die Keſten der Verſteglung, Inventariſtrung, des Verkaufs, der Exeeution in Mobilien und Immobilien, der Claſſifieation, ſind Gerichts⸗Koſten. Man ſehe hiebey die Art. 657, 662, 715 759 und 76s des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S.— Mit eigentlichen Gerichts⸗Koſten muß mau alſo jene Koſten nicht vermiſchen, die man bey den Gerichten auslegt, um eine Streitigkeit entſcheiden, oder um jemanden verurtheilen zu laſſen; letztere(dépens) machen den Gegenſtand einer beſondern Forderung aus, welche keines Privilegiums genießt. Auch er⸗ klärt ja der Art. 2 des Geſetzes vem 5 September 1807(oben beym Art. 1992) daß die Koſten, wovon er ſpricht, erſt nach den im Art. 2101 erwaͤhnten privilegirten Forderungen, worun⸗ ter die Gerichts⸗Koſten zuerſt vorkommen, claſſificirt wer⸗ den ſollen;— ein offenbarer Beweis, daß die eigentlich ſo ge⸗ nannten Gerichts⸗Koſten, und die zur Erwirkung irgend einer Verurtheilung vorgeſchoſſenen oder ausgelegten Koſten zwey ganz verſchiedene Dinge ſind. Rspertoire de Jurispr. F. Pri⸗rlege de CrCance; vect. 3,§. 1„. 2.— Ein Artikel, der den Herrn Tarrible ehemahls Tribun, und Mitglied der Geſetzgebungs⸗ Sectivn, jetzt Mitglied des Rechnungs⸗Hofes zum Verfaſſer hat. Leichen⸗Koſten ſind jene, die für den Leichen⸗Conduet, für die Ausſtellung des Körpers in den Kirchen, für deſſen Beerdigung ünd für die Trauerkleidung der Frau und des Hausgeſindes ge⸗ macht werden. Perſteht ſich aber, daß ſie dem Stande der Per⸗ ſon angemeſſen ſeyn müſſen. In ſo ferne ſie uͤbertrieben wären, wuͤrde kein Privilegium Statt haben. 44 UMI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Fir die Koſten der etzten Krankheit findet man in eben dieſen Geſetzen kein Privilegium, man müßte ſie donn mit zu den Leichen⸗Koſten ſelbſt rechnen; denn in der F. 37, edd. heißt es: ſuneris sumptus aceipitur, quiduid corporis causd erogatum est antequdm Sepeliatur. Daß in dieſen Geſetzen von dem Lohne der Dienſtbothen keine Rede iſt, dieß iſt nicht auffallend⸗ weil die Römer von Stlaven bedient wurden, die ihnen zugehörten⸗ Die franzö⸗ ſiſche Jurisprudenz aber hat dieſes Privilegium, ſo wie jenes für die Lebensbedürfniße, und fuͤr die Keſten der letzten Krankheit aus Menſchlichkeit angenommen⸗ ueber alles die⸗ ſes ſehe man Henris und Bretonnier, tom. 1, liv. 4, quest. 20, Louet und Brodeau, lett O, n. 20 und Auzanet uͤber das Gewohnheits⸗Recht von Paris, n. 176. Uebrigens muß man auf die Zahlen-Folge der Verſuͤgun⸗ gen unſeres Artikels wohl acht geben, denn die Privilegien ſind nach ihrem Range, und in der Ordnung claſſificirt, die ſie haben ſollen. So gehen die Gerichts⸗Koſten den Leichen⸗ Koſten vor, und eben ſo verhält es ſich mit den übrigen⸗ Von Privilegien auf gewiſſe Mobilien. Art. 2102.„Nur an gewiſſen Mobilien haben ein „Porrecht folgende privilegirte Forderungen: „1) Die Mieth⸗ und Pachtgelder liegender Guͤter an dem „Ertrag der Ernte des letzten Jahres, und an dem Werthe „ von allem, womit das gemiethete Haus oder das Pachtgut „beſetzt iſt, ſo wie von allem, was zur Bewirthſchaftung des „Pachtgutes dient, nehmlich für alles, was ſchon faͤllig iſt, und „noch fällig wird, wenn die Pacht- und Mieth⸗Contracte in „authentiſcher Form ſind, oder zwar unter Privat⸗Unterſchrift „gefertiget worden, gleichwohl ein gewiſſes Datum haben; „Und in dieſen beyden Fällen haben di⸗ uͤbrigen Gläubiger „dar Recht, das Haus oder Pachtgut für die übrigen Jabre „wieder zu vermiethen oder zu verpachten, und den Vortheil aus „dieſem Pacht⸗ eder Mi zh Contracte ſich zuzueignen, mit dem M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 245 „Bedinge gleichwohl, daß ſie den Eigenthümer alles, was „ihm noch gebühren mag; „Und, wenn die Mieth⸗ oder Pacht⸗Cvutracte nicht in „authentiſcher Form ſind, oder zwar unter Privat Unter⸗ „ſchrift gefertiget worden, aber kein gewiſſes Datum haben, »fuͤr ein Jahr von dem Zeitpuncte an zu rechnen, wo das „laufende Jahr ſich endiget; „Daſſelbe Vorrecht hat Statt wegen der dem Mirther „oder Pächter zur Laſt fallenden Ausbeſſerungen und wegen „alles, was die Vollziehung des Mieth⸗ oder Pacht-Con⸗ „tractes betrifft; „Vor dem Eigenthuͤmer werden inzwiſcheu die Summen „gezahlt, welche für die Ausſaat, für die Erntekoſten des „Jahres oder fuͤr angeſchafftes Geraͤth noch rückſtaͤndig ſind, „und zwar die Saat und Erntekoſten aus dem Ertrag der „Ernte, das Geräth aber aus dem Preiſe, wofuͤr es ver⸗ „kauft wird; »Der Eigenthümer kann die Mobilien, womit ſein Haus „oder ſein Pachthof beſetzt iſt, in ſo fern ſie ohne ſeine Be⸗ »willigung hinweggebracht worden ſind, mit Arreſt belegen, »und er behaͤlt in Beziehung auf dieſelben ſein Vorrecht, „vorausgeſetzt daß er ſie vindicirt hat, nehmlich wenn von „Mobilien die Rede iſt, womit ein Pachthof beſetzt war, in „einer Friſt von vierzig Tagen, und wenn es von Mobilien »ſich handelt, womit ein Haus beſetzt war, in Zeit von »fünfzehn Tagen;*) 2) Die Forderung an dem dafuͤr geſtellten Unterpfand, „welches der Glaͤubiger in ſeinen Händen hat; „3) Die auf die Erhaltung der Sache verwendeten Koſten „4) Der Kaufpreis noch unbezahlter Mobiliar⸗Gegenſtände, »in ſo fern der Schuldner ſie noch beſitzt, er mag ſie mit „oder ohne Zahlungsfriſt gekauft haben; »„Iſt bey dem Verkaufe keine Zahlungsfriſt geſtattet wor⸗ »den, ſo kaun der Verkäufer ſo gar dieſe Gegenſtände, ſo lange ———— *) Siehe Art. 319 u. f. d. G. à. d. r. V. i C. S. 46 III. Buch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hppotheken. „der Kaͤufer ſie im Beſitze hat, vindiciren und ihren weitern „Verkauf verhindern, vorausgeſetzt daß die Vindication in „Zeit von acht Tagen nach erfolgter Ueberlieferung geſchieht, „und daß die Sachen ſich in demſelben Zuſtande befinden, „wrin ſie uͤberliefert worden ſind; „Das Vorrecht des Verkaͤufers ſteht gleichwohl demjeni⸗ „gen nach, welches dem Eigenthümer des Hauſes oder des „Pachthofes eingeräumt iſt, wenn anderſt nicht bewieſen „wird, daß es dem Eigenthümer bekannt war, daß die „Immobilien und andere Gegenſtände, womit ſein Haus „oder ſein Pachthof beſetzt war, dem Miether oder Pächter „nicht zugehörten; „Senſt hat es bey demjenigen ſein Bewenden, was „die Hondelsgeſetze und Handelsgebräuche über die Vindica⸗ „tion beſtimmen;*) „50) Die Lieferungen eines Gaſtwirthes an den Effecten „de Reiſenden, die in ſein Gaſthaus gebracht worden; „6) Der Fuhrlohn und die damit verbundenen Nebenko⸗ „ſten, an der Sache, welche von einem Orte zum andern „gebracht worden; 7) Forderungen, welche daher entſtehen, daß öffentliche „Beamte in ihren Amtsverrichtungen ihre Gewalt mißbraucht, „und pflichtwidrig gehandelt haben, an dem Capital der von ihnen geſtellten Sicherheit, und an den Zinſen, die ihnen „hievon gebühren mögen.« Dieſer weitläufige Artikel könnte wohl Stoff genug für zwanzig liefern, und vielleicht wuͤrde das Geſetz dadurch an Deutlichkeit gewinnen. Bey der Ziff. 1. bemerkte man 1), man müſſe, da die Verpachtungen der Landgüter notoriſch ſeyen, dem Eigen⸗ thümer ein Privilegium ſogar dann zugeſtehen, wenn die Pacht⸗Contracte unter Privat-Unterſchrift abgefaßt wor⸗ den wären, und zwar um ſo mehr, da man ohne dieſes ihn *) Siehe Art. 576 u. f. des Handlungs⸗Geſetbuches. m. Buch. Xv1u. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 47 der Gefahr ausſetzte, die rückſtändigen Pächte zu verlieren, oder ihn nöthigte, gegen ſeinen Pächter ſtrenger zu ſeyn. Legt man den Pacht⸗Contracten unter Privat⸗Unterſchrift, antwortete man, für eine längere Zeit, als fuͤr ein Jahr eine Wirkung bey, ſo öffnet man der Colluſion zwiſchen dem Ei⸗ genthuͤmer und ſeinem Paͤchter die Thore, und zwar zum Nachtheile der Forderungen, die ein gewiſſes Datum habenz ohnehin, wenn auch ſchon die Pachtung notoriſch iſt, ſo ſind es doch die Bedingungen nicht. *) Geſetzt alſo, die Sffeeten eines Schuldners ſind in Beſchlag ge nommen, und ſollen verkauft werden, und nyn behauptet ein dritter, dieſer Schuldner ſey ſein Pächter Kraft eines muͤndlichen oder nicht einregiſtrirten ſchriftlichen Vertrages, und er ſey ihm außer fünf Jahren, die noch an der Pachtzeit übrig ſind, von vier bereits verfloſſenen Jahren den Pachtpreis ſchuldig; in dieſem Falle hat der Eigenthuͤmer für den Rückſtand der vier verfloſſenen Jahre kein Privilegium, und in Hinſicht der noch übrigen Pacht⸗ jahre hat er eines nur für ein einziges Jahr, vom Ablauf des laufenden Jahres angerechnet. Nicht einmahl fuͤr das lau⸗ fende Jahr hat folglich der Eigenthümer ein Privilegium; denn das Geſetz erkennt die Eiſtenz eines ſolchen Pacht oder Mieth⸗Contractes bis dahin nicht an. Wird ein nicht einre⸗ ziſtrirter ſchriftlicher Contract vorgebracht, oder geht die Exiſtens des Contraetes aus dem Geſtändniße des Eigenthümers und des Pächters hervor, dann iſt es wenigſtens richtig, daß ein Pacht⸗ Contract von dieſer Zeit an Statt haben werde, und deßwegen verleiht nun das Geſetz ein Privilegium bloß für ein Jahr, vom Ablauf des lauſenden Jahres anzurechnen. Répertoire de! Jurispn. 4 a. D.§. 3 n. 5. Ueber das Fecht der Eigenthümer au den ihren Miethleuten und Pächtern zugehoͤrigen Mobilien, Effecten und Früchten, und den Beſchlag, den ſie darauf legen konnen(saisie-gagerie) ſo wie auch über den Beſchlag, der auf Gegenſtaͤnde gelegt wird, woran man ein Eigenthums⸗ oder Pfaud⸗Recht zu haben behaup⸗ tet, ſehe man die Art. 319 340, 321, 323 und folgende bis tum Art. s3einſchließlich des Seſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S. Iſt aber auch von dem FPrivilesium des Eigenthümers in der Ziff. des vorliegenden Artikels die Rede, ſe iß es doch 48 11Ml. Buch. XVIII. Tit. Von Privtlegien und Hypotheken. Man bemerkte 2), ein Pächter könne Vieh auf Credit kaufen, und der Eigenthuͤmer müſſe dem Verkäufer nicht vorgezogen werden, Es iſt nicht moͤglich, antwortete man, zu vermuthen, daß nach achtzehn Monaten der Kauſpreis des Viehes nicht bezahlt ſeyn ſollte; ſogar könne man nicht mehr erkennen, ob es das nehmliche ſey. Die verkauften Kuͤhe, erwiderte man, laſſen ſich ganz genau bezeichnen, und nach der jetzigen Praxis hat der Ver⸗ käufer den Vorzug vor dem Eigenthuͤmer. Dieſe Praxis wurde indeſſen beſtritten, und zuletzt die Bemerkung darauf eingeſchränkt, daß man den Artikel dahin zu modificiren verlangte, daß an den Handels⸗Geſetzen in Betreff der Vindications-KFlage nichts abgeaͤndert werden ſollte. Deſſen ungeachtet wurde die Verfügung des Artikels beybehalten⸗ was die Ziff. 4 des Artikels betrifft, ſagte man, ſie rönne den Betrug det Miethet oder Pächter erleichtern, welche das Haus oder Pachtgut mit Mobilien, die ihnen nicht zu⸗ gehoͤren, oder die ſie auf Credit gekauft haben, verſehen, und ſo dem Eigenthuͤmer nur ein betrügliches Unterpfand an⸗ biethen würden. Die Richtigkeit dieſer Bemerkung fühlte man, und ent⸗ ſchied, daß dem Artikel, was im Entwurfe nicht ſtand, aus⸗ druͤcklich hinzugeſetzt werden ſollte, daß der Eigenthuͤmer dem Verkäufer der Mobilien vorgezogen werde; unter dieſer Ein⸗ ſchränkung gleichwohl, falls nicht bewieſen würde, daß der Eigenthuͤmer davon unterrichtet war, daß die Mobilien dem Miether oder Pächter nicht zugehoͤrten⸗ Sogar wurde zugegeben, daß die Regel Statt haben ſollte, wenn ſchon der Verkäufer der Mobilien mit einem keinem Zweifel unterworfen, daß ein Pächter oder Riether die nehmlichen Rechte in Anſehung der Afterpächter oder Afler⸗ miether habe. B. „—+ d mn. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 249 authentiſchen Rechtstitel verſehen waͤre, weil es möglich iſt, daß der Eigenthümer von dieſem Acte nichts weiß, und nur die Mobilien ſieht, die ihn beruhigen, ohne zu wiſſen, ob fie auf Credit gekauft, oder gemiethet ſind. Ferner trug man darauf an, eine Ausnahme in Anſehung der Schaaf⸗Heerden zu machen, die ein Pächter von jeman⸗ den empfängt, um bey ihm zu überwintern, und ſie fett zu machen: das Privilegium des Eigenthuͤmers, ſagte man, muß ſich auf eine ſolche Heerde nicht erſtrecken, ſobald bewieſen wird, daß ſie nur auf eine Zeit lang dahin gebracht war. Dieſer Fall, antwortete man, iſt unter der Verfügung des Artikels nicht begriffen. Bey der Fiff. 7 des Artikels, verlangte man ein Pri⸗ vilegium zu Gunſten derjenigen, die die Cautirns-Gelder vorgeſchoſſen haben, Kraft deſſen ſie unmittelbar auf jene folgen ſollten, deren Forderung auf Mißbrauch und Ver⸗ letzung der Amtspflichten der öffentlichen Beamten beruht. Die das Capital vorgeſchoſſen haben, antwortete man, ſind Eigenthuͤmer der geſtellten Caution, und haben kein Privilegium an ihrer eigenen Sache nöthig; in der Ziff. 2 des Artikels liegt ſchon die Entſcheidung der Frage; shuehin waͤre es leicht moͤglich, daß eine ſolche Verfügung, wenn ſie im Cjvil⸗Geſetzbuche eine Stelle erhielte, den im Art. 2098 angekündigten Geſetzen hinderlich ſey. Man ſtritt jedoch daruͤber, was in dieſer Hinſicht jetzt gebraͤuchlich ſey, und ſetzte noch hinzu, der Vorſchlag beziehe ſich nicht auf das Intereſſe des öffentlichen Schatzes, ſon⸗ dern auf jenes eines dritten, der das Capital vorgeſchoſ⸗ ſen habe. Hierauf wurde zwar der Vorſchlag zur Section zurück⸗ verwieſen; indeſſen iſt der Abtikel doch ſo geblieben, wie er vorgelegt worden war⸗ Ich merke zum vorliegenden Artikel an, daß die Ziff. 1 mit den Art. 161 und 171 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris, und ſogar mit der allgemeinen Praxis uͤbereinſtimme; 250 111. Buch. XVIII. Tit. Von FPrivilegien und Hypotheken. wenigſtens befolgte man hierin den Unterſchied nicht, den die roͤmiſchen Geſetze zwiſchen den Mobilien der Haͤuſer, und jenen der Landgüter machten, und welchem zu Folge die F. 4, h de pactis, und die F. 5, cod. de locato dem Eigenthuͤmer bloß in Anſehung der erſtern, nicht aber wegen der letztern ein Privilegium ertheilten. S. Rousseaud, v. Bail, Sect. 3.*) *) uebrigens entſchied zwar der in dieſer Ziffer enthaltenen Ver⸗ fügung zu Folge der Appellations⸗Hof von Paris am 2. Deto⸗ ber 1806 in der Sache des Hru. Leix wider den Hrn. Marquis von Gallo, chemahligen Geſandten des Koͤniges beyder Sieci⸗ lien, daß der Riether eines Hauſes, weun er ſchon fo viet Robilien zurückläßt, als zur Sicherheit aller fälligen und noch fällig werdenden Riethgelder hinreichend iſt, nicht befugt ſey den Reſt ſeiner Mobilien wegzunehmen, und verordnete daher;, daß alle Mobilien, womit das von letzterem gemiethete Haus verſehen war, darin verbleiben, und jene, die wirklich wegge⸗ bracht worden waren, wieder herbeygeſchafft werden ſollten. Jurispr. de la C. de C. 1807 im Anhange p. 30 u. f. Dagegen entſchied die Civil⸗Sectivn des Caſſations-Hofes in der Sache, welche in der Notc beym Art. 1822 angeführt worden iſt, daß der Eigenthümer an dem Preiſe der Gegenſtände, womit ſein Haus oder Pachtgut verſchen war, ein Privilegium nur in ſo fern geltend machen könne, als er entweder faͤllige Mieth- oder Pachtgelder zu fordern hat, oder das Vermögen des Miethers oder Plchters in wirklichen Verfall gerathen iſt. Im Falle nehmlich, wovon hier die Rede iſt, gründete Debar ſein Ge⸗ ſuch um Caſſation des vom Appellations⸗Hofe von Bourges er⸗ laſſeuen Urtheiles ebenfalls auf eine Verletzung des vorliegenden Artikels. Der Eigenthümer ſagte er, hat zur Sicherheit aller im Rieth⸗ vder Pacht⸗Contraete enthaltenen Verbindlichkeiten ein Privilegium an allen Mobilien und Effeeten, womit ſein Haus oder ſein Landgut verſehen iſt. Kraft dieſes Privilegiums hat er das Recht, diejenigen Mobilien, die auf dem Punete ſind ihm entzogen zu werden, in einer beſtimmten Friſt zu vindiciren, und dieß kann er Theilweiſe, ſo wie einer dieſer Gegenſtaͤnde aufhoͤrt, in ſeinem Hauſe zu ſeyn, und gegen alle Gläubiger thun. Iſt⸗ vie im vorliegenden Falle, ein authentiſcher Pacht Contract vorhanden, ſe hat das Privilegium fuͤr alles, was fälliz m Zuch. XvIII. Tit Von Privilegien und Hypotheken. a1 Die Ziff. 2 ſtimmt mit der T. 9, cod. qui potior, iſt, und für alles, was in der Folge fällig wird, Statt, und in dieſer Hinſicht wäre es ungereimt wenn man um dieſes Recht auszuüben, verlangen wollte, daß der Eigen⸗ thümer wirklich fällige Termine zu fordern haben muͤſſe. Da indeſſen in facto angenommen war, daß Debar zur Zeit der angehobenen Klage keine fällige Pacht zu fordern hatte, und ds der Pächter noch im Genuſſe ſeiner Pachtung war, ſo erklaͤrte der Caſſations⸗Hof, daß keine Verletzung des Art. 2102 vorhan⸗ den ſey, und verwarf das eingelegre Caſſations⸗Geſuch. Jurispr. de la C. de C. 1307. p. 52 t. f. Da übrigens der vorliegende Artikel den Ernte⸗Koſten ſelbſt vor dem Eigenthümer den Vorzug einraͤumt, ſo entſchied die Civil⸗Section des Caſſativns⸗Hofes am 24 Junius 1207 daß dieſes Privilegium dem Tag oͤhner, welchet durch ſeine Arbeit die Ernte befördert hat, ſeibſt daun zu Statten komme wenn er ſchon nicht vom Eigenthuͤmer, ſondern vom Pächter angeſtellt worden iſt, und obſchon er die Zahlung ſeines Taglohns nicht nach und nach gefordert hat. Der Fall war folgender. Am z1. Detober 1805 belangte Robert Chauffonet den Paͤchter und den Eigenthümer des Gutes von Saint⸗Didis, worauf er mehrere Tage im Vau der Weinberge zugebracht hatte, und zwar Erſtern zur Zahlung der Summe von 84 Franes als des Laglohns für die Zeit, die er Kraft eines mit ihm aus⸗ druͤcklich geſchloſſenen Vertrages in den Weinbergen gearbeitet hatte, Letztern aber, der die ganze Ernte der Weinberge in Händen hatte, zur Ablieferung eines Theiles dieſer Ernte, wor⸗ an er nach dem Inhalte der Art. 548 und a102 des G. N. ein Privilegium zu haben behauptete. Dhue einige Schwierigkeit wurde der Pächter verurtheilt. Der Eigenthümer aber machte dem Kläger das Privilegium ſtreitig; er behauptete, der Tag⸗ löhner habe dem Pächter geborgt, und überdieß muͤſſe der Tag⸗ loͤhner es ſich ſelbſt zuſchreiben, daß er ſich nicht jeden Tas oder am Ende jeder Woche habe bezahlen laſſen; nebſtdem verſicherte er, ſeinem Pächter beträchtliche Vorſchuſſe Lemacht zu haben, wofür er nicht einmahl dadurch befriedigt würde, daß ihm letz⸗ terer ſeinen Antheil an der Ernte uͤberlaſſen habe. Der Friedensrichter entſchied, daß dem Taglöhner ein Privi⸗ legium an der Ernte zuſtehe. In der Appellations⸗Inſtauz aber erkanute das Bezirks⸗Gericht von Lyon, es ſeh kein Privilczium e2 UI. Buch. XVlIl. Tit. Don Privilegien und Hypotheken. Die Ziff. Z mit eben dieſem Geſetze, und mit der T. 5. N qui pot. in pign. Die Ziff. 4 mit den Art. 176 und 177 des Gewohnheits⸗ Rechtes von Paris(hierüber ſehe man die Commentatoren zu dieſem Gewohnheits-Rechte, und jene zum§. 41. inst. de rer. div.) Die Ziff. 5 mit dem Art. 175 des geſagten Gewohnheits⸗ Rechtes, Die Ziff 6. mit der T. 6, F. 1, H ui pot. in nign., und Die Ziff. 7 mit den arrétés des Herrn von Lamoignon Tit. 21, Art. 94 überein⸗ In unſerm Artikel heißt es inzwiſchen nicht, ſo wie im vorhergehenden, daß unter den Privilegien, die er anzeigt, die nehmliche Rangordnung eintreten ſoll, ſo wie ſie in den Ziffern aufeinander folgen, d. h. daß das Privilegium des Eigenthuͤmers zuerſt, hierauf jenes des mit einem Fauſt⸗ Pfande verſehenen Gläubigers u. ſ. w. eintreten ſoll. Muß vorhanden, weil der Taglöhner ſich ſeinen Taglohn nach und nach hätte bezahlen laſſen müſſen, und da er dieſes nicht ge⸗ than habe, dem Pächter, ohne einigen Regreß gegen den Eigen⸗ thümer oder gegen die Ernte, geborgt haͤtte. Der Taglöhner nahm ſeinen Reeurs zum Caſſations⸗Hofe! und dieſer eaſſirte das Urtheil von Lyon aus folgenden Gruͤn⸗ den, weil es a) in facto ausgemacht war, daß dem Pächter die Haͤlfte der Früchte gebührte; daß er dieſe Haͤlfte dem Eigen⸗ thuͤmer abgetreten hatte, und Chanſſonet vom Pachter zum Bau der Weinberge angenommen worden war; weil folglich b) durch ſeine Arbeit die ganze Ernte während des Iahres her⸗ vorgebracht worden, woraus es e) folge, daß er ein Privile⸗ gium hatte, und für ſeine Arbeit vorzugsweiſe befriedigt werden mußte, und daß das Civil⸗Gericht von Lyon, indem es das Gegentheil entſchied, dem Art. 203 ausdruͤcklich zuwider gehan⸗ delt habe. Jurispr. de 1a C. de C. 1907 p. 289 u. B. Mm. Bnch. XVII. Sit. Von Privilegien und Hypotheken. 252 man es in dieſem Sinne verſtehen, obſchon das Geſetz ſich nicht hierüber erklärt hat? Wie es ſcheint, hat Herr Grenier in ſeinem Berichte aus Tribunat es eben ſo verſtanden, wenn er ſagt, die Rangordnung der Privilegien hange gewöhnlich von der Ordnung ab, worin ſie nacheinander vorgetragen werden, und wenn von dieſer Ordnung abgegangen worden ſey, habe das Geſetz dieſes ansgedruckt. Wirklich hat auch das Geſetz diſes in Betreff des Privilegiums des Eigenthümers an Mobilien, die auf Credit verkauft worden ſind, gethan; da indeſſen dieſes Privileginm des Eigenthümers vor jenem des Verkäufers der beweglichen Sache vorgetragen worden iſt, ſo haͤtte es in der Vorausſetzung, daß der Vorzug ſich ein⸗ zig nach der O'dnung richte, worin die Privilegien vorge— tragen werden, dieſer Eiklörung nicht einmahl bedurſt. Denkt man hieruͤber etwas reiflicher nach, ſo iſt die Schwierigkeit doch ſo groß nicht, als man es ſich vorſtellen mag; zuerſt gibt es zwey dieſer Privilegten, die mit andern ſelten concurriren können: dieſe ſind das Privilegium, wel⸗ ches die Glaͤubiger auf das Fauſtpfand haben, und jenes der Gaſtwirthe auf die Effecten, die zu ihnen gebracht wor⸗ den ſind. Mur könnte ein dritter ſie als ſein Eigenthum vindiciren, und dieß wäre der Fall, wovon der Art. 2279 handelt, oder deßwegen Anſpruͤche darauf wachen, weil ſie ihm ſchon ver⸗ pfändet ſind, und dieß waͤre der Fall, der den Gegenſtand der Ziſſer 1 unſeres Artikels ausmacht. Die Rangordnung zwiſchen dem Eigenthümer und dem Verkäufer iſt unter der Ziff. 4 feſtgeſetzt. Das Privilegium des Handwerkers auf die Mobilien, die er gemacht oder ausgebeſſert hat, wird unter der Ziff. 1 jenem des Eigenthümers ausdruͤcklich vorgezogen, und mei⸗ nes Eracht ns, kann man ihm jenes der auf Erhaltung der Sache verwendeten Koſten gleich ſtellen. Von Privilegien und Hypotheken. 254 UI. Buch. XVlII. Tit. Was das Privilegium des Fuhrlohns betrifft, dieſes hat nach der Lehre Pothier's(Procédure civile, ch. 2, art. 7 §. 2.) nur in ſo fern Statt, als der Fuhrmann noch im Beſitze der Effecten iſt. uebrig iſt endlich noch das Privilegium, welches denjeni⸗ gen verliehen worden iſt, die ſich über Mißbraͤuche der Gewalt und Verletzung der Amts⸗Pflichten zu beſchweren haben; allein dieſes ſchränkt ſich auf das Capital der geſtellten Cau⸗ tion ein: mit andern privilegirten Glaͤnbigern koͤnnen ſie alſo nicht in Streit gerathen, oder ihnen iſt wenigſtens der Vorzug vor jenen geſichert. S. le Répertoire, v. Privilege, n. 10 und 1I. Wie verhält es ſich aber mit den im Art. 2101 enthal⸗ tenen Privilegien, haben ſie den Vorzug vor jenen, die in unſerem Artikel ausgedruckt ſind? Was die Gerichts- und Leichen⸗Koſten betrifft, daran iſt kein Zweifel; in Anſehung der Koſten der letten Krankheit, des Liedlohns des Hausgeſindes, und der Lebens⸗Bedürfniße aber war die Frage zweifelhafter. Der Eigenthuͤmer z. B. ſtritt mit den Aerzten, Wundärzten und Apothekern, und dieſe mit den Beckern u. ſ. w. Der Eigenthümer, welcher jemanden eine Wohnung einräumt, uͤbt doch auch wahrlich eine menſchenfreundliche Handlung aus. S. Louet und Brodeau, lett C, n. 29 Rousscaud,„. Serres, p. b64; Basnage, des ſypothéques; Duplessis über das Gewohnheits⸗Recht von Paris ꝛc. Da inzwiſchen der Art. a1ot die Privilegien, wovon er ſpricht, an die Spitze aller andern geſtellt hat, und der §. 1 die Aufſchrift fuͤhrt: von allgemeinen Privilegien, ſo müſſen ſie meines Erachtens allen vorgehen, und der Art⸗ 2105 ſcheint mir dieſes auch zu entſcheiden⸗ 3 weyter ch irt⸗ Von Privilegien auf Inmobilien. Art. 2103.» An Immobilien haben ein Borrecht fol⸗ „gende privilegirte Gläubiger: ſ m Rl. Buch. XVlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 255 1)„Der Perkäufer an dem unbeweglichen Gute, das er „verkauft hat, wegen Zahlung des Preiſes; „Sind nach und nach mehrere Verkäufe geſchehen, wovon der Preis im Ganzen oder zum Theile noch rückſtändig iſt, „ſo wird der erſte Verkäufer dem zweyten, der zweyte dem „dritten und ſo weiter vorgezogen; 2)„Diejenigen, welche das Geld hergeſchoſſen haben, „um ein unbewegliches Gut zu erwerben, vorausgeſetzt, daß es durch den über das Darlehen errichteten Act authentiſch „erwieſen ſey, daß die Summe zu dieſer Anlegung beſtimmt „war, und durch die Quittung des Verkaͤufers, daß die Zah⸗ lung mit dem entlehnten Gelde geſchehen iſt; 3)„Die Miterben an den zur Erbſchaft gehörigen Im⸗ *mobilien, zur Sicherheit der unter ihnen vollzogenen Thei⸗ *lungen, der Gewährleiſtung fuͤr dieſelben und desjenigen, *was ein Miterbe dem andern auf ſein Los herausgeben muß; 4)„Die Baumeiſter, Bau-Unternehmer, Maurer und andere Arbeiter, welche um Gebaͤnde, Canäle oder andere „Werke jeder Art aufzuführen, wiederaufzubauen oder aus⸗ *zubeſſern gebraucht werden ſind, vorausgeſetzt gleichwohl, »daß ein von dem Gerichte der erſten Inſtanz, in deſſen „Bezirke die Gebaͤude gelegen ſind, von Amts wegen er⸗ „nannter Sachverſtändiger vorher einen Verbal-Prozeß ge⸗ *fertiget, um in Beziehung auf die Arbeiten, welche der „Eigenthuͤmer vornehmen zu wollen erklären wird, den wirk⸗ *lichen Zuſtand der Orte zu conſtatiren, und daß die Arbei⸗ ten, längſtens in ſechs Monaten nach ihrer Pollendung, »durch einen gleichfalls von Amts wegen ernannten Sach⸗ „verſtändigen aufgenommen worden ſind; „Das Vorzugsrecht kann ſich indeſſen auf mehr nichts verſtrecken, als auf den Werth, der durch den zweyten Ber⸗ *bal⸗Prozeß conſtatirt worden iſt, und beſchränkt ſich auf die „Summe, um welche das Grundſtück zur Zeit der Veräuße⸗ «rung durch die daran geſchehene Arbeit höher im Werthe „iſ, als ver der Arbeit; 256 IIl. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypoth eken, §)»Diejenigen, welche Geld geliehen haben, um die „Arbeiter zu zahlen oder ihnen ihre Auslage zu erſtatten, „haben daſſelbe Vorrecht, vorausgeſetzt, daß dieſe Verwen⸗ „dung durch den über das Dorlehen ertichteten Act und „durch die Quittung der Arbeiter authentiſch erwieſen iſt, „ſo wie bier oben in Hinſicht derjenigen beſtimmt worden, »welche Geld zur Erwerbung eines unbeweglichen Gutes ge⸗ „liehen haben.« Die Zrff. 1dieſes Artikels ſtimmt mit dem Geiſte der TT. 19 und 53 de contrah. empt. Die Ziff. 2 mit der T. 7, cod. qui pot. in pign. und mit der T. 2, de cess bon. Die Zliff. Z mit der T. 14, Cod. fam. ercisc. und 66, F.⸗ de evlct. Die Ziff. 4 mit den TT. 5 und 6, F. qui pot. in pign, überein, mit Ansnahme jedoch der Vorſichts-Maßregeln, welche die Praxis ihnen hinzugefuͤgt hat. Die Ziff. 3 iſt nur eine Schlußfolge der vorhergehenden⸗ S. die Arretés des Herrn von Lamoignon, tit. a1. Hier könnte man ebenfalls die Frage aufwerfen, ob die in dieſem Abſchnitte vorgetragenen Pruvilegien nach der Ord⸗ nung ihrer Ziffer aufeinander ſolgen müſſen. In der That iſt es nicht klar, ob die Arbeiter, welche die verkaufte Sache ausgebeſſert haben, nicht mit allen andern concurtiren, ſo gar allen andern vorgezogen werden ſollen; denn ohne ſie wäre ja die verkaufte Sache zu Grunde gegangen, oder doch viel weniger werth, und es iſt nicht gerecht, daß ihre Mühe und ihre Vorſchuͤſſe den übrigen ohne alle Urſache zum Vor⸗ theile gereichen: Nemo en alterius jacturd looupletari debet. Wenn ich nicht glaubte, der DOrdnung der Ziffern, und dem Art. 2105 nachgeben zu müſſen, ſo muͤßten nach meiner Meinung, dergleichen Arbeitsleute allen, jene gleichwohl ausgenommen, deren im Art. 2101 Erwähnung geſchieht, vorgezogen werden. Dieſer Verzug wurde ihnen auch à) durch ein Urtheil des Parlamentes von Paris, welches Cotr⸗ rel alſ rag ber ſo chr gul ein ſchi hier in R U. ar. mi. Buch. FVII. Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. 5 net beym Art. 171 des Gewohnheits⸗Rechtes anfuͤhrt, und durch ein anderes, welches Wornac, part. 2, n. 33 mit⸗ theilt, zuerkannt. Das Nehmliche entſchied b) der Art. 14, S. 2 des Geſetzes vom Brumaire, und ſo heißt es auch c) in der T. 6, H qui pot. in pign. Potior est qui Salvam. ſecit totius pignoris causam. Freylich hätte ich wohl Luſt zu ſagen, daß dem Artikel 2097 zu Folge, die privilegirten Gläubiger, die ſich im nehmlichen Range befinden, nach Verhältniß ihrer Forderun⸗ gen bezahlt werden, und ich möchte noch hinzuſetzen, daß der Prinz Cambaceres bey der Discuſſion über den vorher⸗ gehenden Artikel geſagt habe, es ſey bloß deßwegen, weil nach der Vorſchrift des Art. 2097 die Gläubiger, die im nehmlichen Grade ſind, unter ſich nach Verhältniß ihrer For⸗ derungen claſſificirt werden ſollen, nothwendig zu erklären, daß der Eigenthümer vor dem Verkaͤufer der Mobilien den Vorzug habe; ich fühle indeſſen, daß man antworten kann, der Art. 2101 erlaube nicht, ihn ſo zu verſtehen, weil er aus⸗ drücklich ſagt, daß unter den privilegirten Forderungen, de⸗ ren er Erwähnung thut, die durch die Ziffern beſtimmte Rang⸗Oidnung eintrete; der Ausdruck: Grad, Rang wird alſo nicht von allen Forderungen, die in einem Artikel, Pa⸗ ragraph oder Abſchnitte verzeichnet ſind, ſondern von jenen verſtanden, die unter der nehmlichen Ziffer begriffen ſindz ſo ſollen z. B. die Metzger mit den Baͤckern u. ſ. w. con⸗ currfren. Man muß inzwiſchen eingeſtehen, daß alles dieſes einer guten Erläuterung von Seityn des Geſetzgebers ſelbſt bedarf— eine Erlaͤuterung, die um ſo nothwendiger wäre, da die vet⸗ ſchiedenen Schriftſteller, welche hievon gehandelt haben, hierüber nichts weniger als unter ſich einig ſind, wie man ſich deſſen aus denen, die beym Art. 2101 angefuͤhrt worden ſind, und ferner dadurch überzeugen kann, wenn man das Repertoire, v. Privilege; Artzon, inst. tom. 2, p. 393 u. f.; Pochier. du contrat de Louage, P, art. 2, und proced. cib, ch. 2, art. 7, F. 2 nachließt⸗ IV. Mallev⸗ 17 „3 UI. Buch. XvlI!. Tit. Von Privileßien und Hypotheken. Drittevn Abſchnitt.⸗ Von den Privilesien, die ſich auf die Mobilien und Immobilien zugleich erſtrecken. Art 210.„Die Privilegien, welche ſich auf die Mo⸗ „bilien und Immobilien zugleich erſtrecken, ſind jene, welche vim 2101 Artikel angeführt worden ſind.« Im erſten Entwurfe des gegenwärtigen Artikels hatte man, nachdem die im Art. 2701 enthaltenen Privilegien angeführt worden waren, noch zwey hinzugeſetzt, nehmlich à) das Pri⸗ vilegium zu Gunſten des öffentlichen Schatzes auf die Mobi⸗ lien der Einnehmer der Staats-Einkuͤnfte, und auf die ſeit dem wirklichen Antritte ihrer Amts⸗Verrichtungen erworbe⸗ nen Immobilien, und b) jenes zu Gunſten der Domaͤnen⸗ Verwaltung in Anſehung der von eröffneten Erbſchaſten ge⸗ plihrenden Abgaben; mit dem Edicte aus dem Monate Au⸗ guſt 1669 und mit einer am 21. May 1709 im Staats⸗Ra⸗ the erlaſſenen Reglementar⸗Verfuͤgung ſtimmte dieß auch wirk⸗ lich uͤberein. Inzwiſchen bemerke man, daß das Edict dem Eigenthuͤmer fuͤr eine Haus⸗Miethe von ſechs Monaten, und für den Pacht eines Jahres von Laͤndereyen, ſelbſt vor der Steuer den Vorzug gab. Um ſo mehr zog es die im Art⸗ 2101 enthaltenen Forderungen der Steuer vor, und Potbier räumt eben ſo a a. St⸗ denen, die im Art. 2102 enthalten ſind, den Vorzug ein. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes, ſagte jemand, muß nicht auf die Güter, welche die Einnehmer der Staats⸗ Einkünſte nach dem Antritte ihrer Amts-PVerrichtungen er⸗ werben, eingeſchränkt werden; der öffentliche Schatz ant⸗ wortete man ihm, kann nur eine Hypothek an den vor dem Antritte des Amtes erworbenen Gütern haben, und das Privilegium auf die nachher erworbenen Güter iſt nur auf die Vermuthung gegründet, daß ſie mit dem Gelde, welches die Einnehmer in Händen hatten, gekauft worden ſeyen Der offentliche Schatz, ſetzte man hinzu, mußte bey der Ernen⸗ nung des Einnehmers, ſeine Sicherheits⸗Maaßregeln ergrei⸗ ——— +— —, —— e— en⸗ . Buch XVIII. Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. a59 fen, und Bürgſchaft von ihm verlangen, oder ſich auf die Güter in die Hypotheken-Regiſter einſchreiben laſſen. Nun trug derjenige, welcher die Einwendung gemacht hatte, darauf an, es moͤchte, um den Zuſtand der Sachen un⸗ gekraͤnkt zu laſſen, dem Artikel 2008 hinzugeſetzt werden, daß die Privilegien des öffentlichen Schatzes durch eigene Geſetze beſtimmt werden. Dieſer Vorbehalt, antwortete man aber, wuͤrde das ganze Syſtem des Geſetzbuches in dieſem Theile umſtürzen; frey⸗ lich muß der öffentliche Schatz ſeine Sicherheit haben, aber nicht auf Koſten der Gerechtigkeit; es iſt im Gegentheile, um alle Beſorgniß zu benehmen, nothwenbig zu erklären, daß die Privilegien des öffentlichen Schatzes diejenigen nicht zer⸗ ſtören können, welche vor der Amtsfuͤhrung des Einnehmers vorhanden ſind, und dieſes wurde hierauf dem Art. 2098., als dem Orte, welcher der ſchicklichſte ſchien, um dieſen Satz vorzutragen, hinzugeſetzt. Er ſtimmt übrigens mit mehrern römiſchen Geſetzen überein, die ſchon den Unterſchied zwiſchen den Gütern, die der Einnehmer der Staats-Ein⸗ künfte vor ſeiner Ernennung erworben hatte, und jenen, die er erft nachher erwirbt, gemacht hatten. S. die LT. 17, 37 und 28, H. de jure ſisci, und 4, Cod, de prib. ſisc., Godofredus zu dieſem letztern Geſetze, und Cujaz, X. ob— serv. 22.— Ein Unterſchied, welcher ebenfalls im ſchon an⸗ gefuͤhrten Edicte von 1669 gemacht wird⸗ Art. 2105.„Wenn in Ermangelung des Mobiliat⸗Vermö⸗ „gens die in dem vorhergehenden Artikel erwähnten privile— „girten Glaubiger ſich melden, um aus dem Preiſe eines „unbeweglichen Gutes mit den Gläubigern befriediget zu „werden, welche auf das unbewegliche Gut ein Privilegiunt „haben, ſo geſchehen die Zahlungen in folgender Ordnung: 1)„Die Gerichtskoſten und andere im 2101. Artikel an⸗ «geführte Forderungen; 2)„ Die Forderungen, welche im 2103. Artikel bezeich⸗ 6Bet ſind⸗ z6e 11. Buch. KVII. Cit. Von Privilegien und Hypotheken. „S. die Anmerkungen zu den Art. 2107 und 2103. Man muß übrigens wohl bemerken, daß die im Artikel 2101 erwaͤhnten Gläubiger nur bey Abgang des Mobiliar⸗ Vermoͤgens und ſubſidiariſch ihre Befriedigung aus den Im⸗ 1 3 mobilien verlangen können. Im Art. 11 des Geſetzes vom — Brümaire war dieſes ebenfalls ausdrücklich verordnet⸗ Vierter Abſchnitt⸗ Wie die Privilegien in ihrer Kraft erhalten werden. Art. 2106.„Unter den Glaͤubigern haben die Privile⸗ „gien in Beziehung auf Immobilien nur in ſo fern eine „Wirkung, als ſie durch Eintragung in die Regiſter des 3„Hypotheken⸗Bewahrers, auf die in dem Geſetze beſtimmte „Weiſe, kund gemacht worden ſind, und nur von dem Tage „dieſer Eintragung anzurechnen, unter den einzigen hier fol⸗ „genden Ausnahmen.** *) Zwiſchen der Eintragung der Privilegien und jener der Pypo⸗ theken iſt ſowohl was ihren Zweck, nehmlich die Publieität, als auch was die Art der Eintragung betrifft, kein Unterſchied. In Hinſicht der Wirkungen aber ſind ſie weſentlich unterſchie⸗ den. Die Eintragung beſtimmt, durch ihr Datum, den Rang, den die Hypotheken unter ſich haben ſollen; der Hypothekar⸗Gläu⸗ biger kann alſo ſeine Hypothek immer eintragen laſſen; aber alle Hypothekar⸗Glaͤubiger, ſelbſt diejenigen, deren Rechtstitel z. B. der Contraet jünger iſt, die ſich vor ihm haben inſeribiren laſſen, haben den Vorzug vor ihm. Auch den Privilegien iſt die Ein⸗ tragung ſo nothwendig, daß ſie ohne dieſelbe ihre Wirkung, die in dem Vorzugsrechte vor allen Hypothekar⸗Glaͤubigern befieht, ſogar auf immer verlieren, wenn die Eintragung nicht in der beſtimmten Friſt geſchehen iſt. It ſie aber in dieſer Friſt geſchehen, dann hat das Datum der Juſeription keinen Einfluß auf den Rang, den ſie einnehmen ſollen, welcher einzig durch dis urſache beſtimmt wird, die ſie hervorgebracht hat. So hat z. B ein Miterbe, der am ſechszigſten Tage nach dem Thei⸗ lungs⸗Aete eine Inſeription genommen hat, für das; was einem Loſe zur Gleichmachung mit andern herausgegeben werden muß! ein Privilegium an den getheilten Immobilien, ungeachtet jeder andern fremden und vorherigen Inſcription. Man muß ſich m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 261 Art. 2107.»b Von der Formalität der Eintragung ſind „ausgenommen die im 2101. Artikel ausgedruckten Forde⸗ „rungen“« Dieſen Artikel habe ich in Betreff der Lieferungen für Lebens⸗Bedürfniſſe tadeln gehört. Freylich beſteht der Be⸗ weggrund der Ansnahme, die er macht, zuerſt in der Be⸗ günſtigung, welche die Forderungen, wovon die Frage iſt, verdienen, dann aber darin, daß ihr Betrag gewoͤhnlich ge⸗ ringe iſt; zuweilen ereignet es ſich indeſſen, daß die Liefe⸗ rungen von Lebens⸗Beduͤrfniſſen, die an große Häuſer ge⸗ macht worden ſind, ſich auf betraͤchtliche Summen belaufen, ſo wie ſie z. B. beym Fallimente des Hanſes von Gue⸗ mens 22,000 Liv. betrugen. Manß behauptet, es ſey nicht alſo durch die im vorliegenden Artikel enthaltenen Worte: und von dem Tage dieſer Eintragung anzurechnen, nicht irre führen laſſen. In der That, laͤßt es ſich nicht be⸗ haupten, daß der Geſetzgeber die Abſicht gehabt habe, die Wir⸗ kungen eines Privilegiums guf den Vorzug vor den Hypotheken zu beſchraͤnken, die nach ihm ſelbſt eingetragen würden; wäre dieſes, dann genöſſe ja das Privilegium ſeines ſchoͤnſten Vorrech⸗ tes nicht mehr, welches nach dem Art. 209 darin beſteht, daß es dem privilegirten Gläubiger den Vorzug vor den lübrigen, ſelbſt Hypothekar⸗Glaͤubigern verleiht. Mag immerhin ein Pri⸗ vilegium ſeine ganze Conſiſtenz, und ſelbſt ſeine eigene Beſchaf⸗ fenheit erſt vvm Augenblicke an, wo es eingetragen wird, erhal⸗ ten,— und nur in dieſem Sinne läßt ſich mit Wahrheit ſagen, daß es nur vom Tage der Sintragung angerechnet, eine Wirkung habe,— dagegen muß man aber auch, wenn das Privilegium nicht ſchlechterdings fruchtlos werden ſoll, nachgeben, daß ſeine Wirkung, wenn ſie ſchon nur mit der Eintragung ihren Anfang nimmt, allemahl darin beſtehen werde, dein privilegirten Glaͤubiger den Vorzug vor allen Hypothekar⸗ Gläubigern, ihre Hypotheken mögen ein Datum haben, welches ſie immer wollen, zu ſichern. Eben dieſe Bemerkung gilt auch in Hinſicht der nehmlichen Ausdrücke, die im Art. a110 vorkommen. Répert. de jurisprud. g 6 B. „62 11. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken, gerecht, in einem ſolchen Falle die Nothwendigkeit der In⸗ ſtription nachzulaſſen, und auf dieſe Art einen Hypothekar⸗ Gläuhiger, einen Verkaufer z. B. der Gefahr auszuſetzen, ſeine Sache und den ihm dafür gebührenden Preis zu ver⸗ lieren. Wenigſtens wäße es nothig, ſagte man, die Summe zu beſtimmen, bis zu deren Betrag ein privilegirter Gläubie ger nicht gehalten ſey, eine Inſcription zu nehmen. Art. 2108.„Der Verkäufer, der ein Privilegium hat, behält ſein Vorrecht durch Einſchreibung des Rechtstitels, wo⸗ „durch das Eigenthum auf den Erwerber übergegangen iſt⸗ „und woraus ſich ergibt, daß er den Preis ganz oder zum „Theile noch zu fordern hat. Die von dem Erwerber ver⸗ „anſtaltete Einſchreibung des Contractes gilt zu dieſem Ende als Eintragung für den Verkäufer, ſo wie für den Dar⸗ „leiher, der ihm das gezahlte Geld vorgeſchoſſen hat, und „durch denſelben Contract in die Rechte des Verkaͤufers ein⸗ „geſetzt iſt. Der Hypotheken-Bewahrer iſt gleichwohl bey „Strafe, daß er ſonſt gegen dritte Perſonen fuͤr allen Scha⸗ „den zu haften und ihnen alles Intereſſe zu leiſten hat, „verbunden, diejenigen Fyrderungen, die aus dem Acte ent⸗ „ſtehen, welcher dazu geeignet iſt, das Eigenthum zu uͤbertragen, „zum Vortheile des Verkäufers ſowohl, als der Darleiher ſeinem Regiſter von Amts wegen einzutragen, und dieſe „ſind ebenfalls befugt, den Verkauf⸗Contract, in ſo fern es „nicht wirklich geſchehen iſt, einſchreiben zu laſſen, um die „Eintragung desjenigen zu erwirken, was ihnen aus dem „Kauſpreiſe gebührt.« Im erſten Entwurfe dieſes Artikels war nur vom Ver⸗ käufer, nicht aber vom Darlether, der ihm das Geld vorge⸗ ſchoſſen hat, die Rede; der nehmliche Entſcheidungs⸗Grund bewirkte aber, daß die Verfügung auf den Darleiher aus⸗ gedehnt wurde. Auch hatte man in dieſem Entwurfe die Erhaltung des Privilegiums des Verkäufers gewiſſermaßen von der Pünkt⸗ acht lichkeit des Hypotheken⸗Bewahrers abhängig gemacht, wel⸗ 3 6 m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 263 chem man die Pflicht auferlegte, die Forderung des Verkäu⸗ fers in ſein Regiſter einzutragen. Dieſer Fehler wurde ver⸗ beßert; damit inzwiſchen dritte Perſonen gehörig unterrichtet werden, und das Inſcriptionen⸗Regiſter vollſtändig ſeyn möchte, verpflichtete man den Hypotheken⸗Bewahrer, und zwar unter ſeiner Verantwortlichkeit, die Eintragung von Amts wegen zu thun. PVon allem dieſem war im Geſetze vom Brumaire keine Sprache; in dieſem Punkte iſt alſo der vorliegende Artikel beſſer.*) *) So ſehr auch dem Käufer ſowohl als dem Verkaͤufer daran ge⸗ legen ſeyn mag, die Transſeriptivn des Contractes zu befördern, erſterm, um das angekaufte Gut von den zu Laſten des Verkäu⸗ fers darauf haftenden Hypotheken frey zu machen; letzterm, um ſein Privilegium zu befeſtigen,— ein Grund, warum auch der vorliegende Artikel dem Verkäufer die Befugniß ertheilt, den Contraet transſeribiren zu laſſen, wenn der Erwerher es nicht gethan hat,— ſo wird doch weder dein einen noch dem andern irgendwo dieſe Verbindlichkeit auferlest; im Gegentheile kann der Käufer, nach dem Art. 2167 die Transſeription unterlaſſen und, als dritter Beſitzer, für alle Hypothekar⸗Schulden, die auf dem gekauften Gute haften mogen, verbunden bleiben. Die Transſeription des Contraetes, gleichviel, ob er in au⸗ thentiſcher Form abgefaßt worden iſt, oder nſcht, mag indeſſen vom Käufer, oder vom Verkäufer ſelbſt befördert werden, in beyden Fällen gilt dieſe Transſeriptien als Eintragung zu Gun⸗ ſten des Verkäufers; damit indeſſen das Inſeriptionen-Regiſter vollſtändig ſeyn möge, und man durch dieſes zur Keuntniß aller auf einem Gute haftenden Laſten gelangen koͤnne, ver— pflichtet das Geſetz den Hypotheken⸗Bewahrer, die aus dem Kauf⸗Acte zu Gunſten des Verkzufers ſowohl als des Darlei— hers eutſpringenden Forderungen dem Hypothelen ⸗Regiſter von Amts wegen und unter der Strafe einzutragen, daß er widrigenfalls dritten Perſonen, für allen aus dieſer Un⸗ terlaſſung entſtehenden Schaden verantwortlich ſeyn ſolle. Dem Verkäufer oder Darleiher ſchadet alſo dieſe Unterlaſſung in kei— nem Falle. Da inzwiſchen a) nach dem Art 3106 ie Privilegien nur mittelſt der Eintragung eine Wirkung hervorbzingen; da es b) im a64 II. Vuch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2109.„Ein Miterbe oder Theilhaber erhaͤlt ſein „Privilegium an den einem jeden Loſe angefallenen Gütern aoder an dem verſteigerten Gute, in Rückſicht deſſen, was einem Loſe «zur Gleichſtellung mit andern herausgegeben werden muß, voder in Anſehung desVerſteigerungs⸗Preiſes, wenn es in ſechszig „Tagen, von dem Theilungs⸗Acte oder von dem bey der vorliegendem Artikel heißt daß der Verkaͤufer ſein Privilegium durch die Transſeriptivn des Contractes aufrecht erhalte, und e) im Art. 2113 hinzugeſetzt wird, daß die der Formalität der Ein⸗ tragung unterworfenen Privilegien, in deren Hinſicht die vorge⸗ ſchriebenen Bedingungen nicht erfüllt worden ſind, in bloße Hy⸗ potheken ſich veraͤndern, und in Anſehung dritter Perſonen nur von dem Lage an datiren, wo ſie haben eingetragen werden müſſen; wie hierunten erklaͤrt wird, ſo bleibt immer die Frage uͤbrig, ob es dann wirklich eine Zeitfriſt gebe, binnen welcher die Trans⸗ ſeription des Contruetes unter der Strafe, daß das Privilegium erlöſche oder in eine bloße Hypothek verwandelt werde, geſche⸗ hen muͤſſe. In keinem der angeführten Artikel findet man hiefuͤr eine Friſt beſtinmt. Wollte man hieraus den Schluß herleiten, daß die Transſcription im Augenblicke geſchehen müſſe, wo der Ver⸗ kauf⸗Aet beendigt wird, und das Privilegium des Verkaͤufers, wenn er nicht in dieſem Augenblicke Sorge dafuͤr getragen hätte, der Gefahr ausgeſetzt würde, ſich auf eine bloße Hypothek zu beſchränken, und den Glaͤubigern des Erwerbers, die ihren Litel in der Zwiſchenzeit von der Unterzeichnung des Verkauf⸗Rctes bis zu ſeiner Trausſeription haͤtten eintragen laſſen, nachſtehen müſſe, ſo würde dieſe Schiuffolge das Privilegium fruchtlos machen. In der That wird des Privilegium des Miterben, nach dem Art. 2109, durch die in ſechszig Tagen von der Theilung angerechnet, und jenes des Glaͤubigers einer Nachlaſſenſchaft, der die Abſonderung der Güter des Verſtorbenen von jenen des Erben verlangt, durch eine in ſechs Monaten von der Eroͤffnung der Eybſchaft angerechnet veranſtaltete Eintragung aufrecht er⸗ halten, und zwar ſo, daß dieſe Eintragungen eine zuruͤckwirkende Kraft bis zum Lage der Theilung oder des Abſterbeus haben, und ſogar die Möslichkeit ausſchließen, in der Zwiſchenzeit ſremde Inſeriptionen mit Wirkſamkeit vorzunehmen. Da nun das Ge⸗ ſetz für die Transſcriptiun des Verkauf-Contractes keine Friſt heſtimmt, auch keine zuruͤckwirkende Kraſt dieſer Transſeription . Buch. XVIII. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. 265 „Verſteigerung geſchehenen Zuſchlage anzurechnen, auf ſein „Betreiben eingetragen wird. Waͤhrend dieſer eit kann auf „das Gut, worauf et as herausgegeben werden muß, oder „das bey einer Verſteigerung zugeſchlagen worden, zum Nach⸗ «theile desjenigen, der die Herausgabe oder den Kaufpreis zu „fordern hat, keine Hypothek Statt haben.» buchſtaͤblich heygelegt hat, ſo nürde das Privilegium des Ver⸗ käufers der Gefahr ausgeſetzt bleiben, durch eine zwiſchen dem Verkauſe und der Transſeription geſchehene Eintragung einer frem⸗ den Hypothek ſein Vorrecht zu verlieren, und nie der Priorität der geſetzlichen Hypothek der Frauen und Minderjährigen, die bis zum Tage des Heiraths⸗Contraectes oder der Annahme der Vormundſchaft hinaufſteigt, entgehen können. Unmöglich kann ja doch die Lransſeription im Augenblicke des Verkaufes ge⸗ ſchehen, da der Verkauf⸗Act vorläufig einregiſtrirt, ausgefer⸗ tigt und dem Hypotheken⸗Bewahrer überreicht werden muß, welches notzwendig mehr oder weniger Zeit erfordert. Nein, es läßt ſich nicht denken, daß der Geſetzgeber den Ver⸗ käufer durch ein Verſprechen, was er nicht halten könnte, in ſeiner Srwartung habe täuſchen wollen., Schon die roͤmiſchen Geſetze verliehen a) dem Verkaͤufer, zur Erhaltung des Kaufpreiſes, ein Privilegium, kraft deſſen er den Gläubigern des Käufers und jedem andern, an der verkauf⸗ ten Sache vorgezogen wurde.(T. 13,„. 8„ N de act. empt. er pend. T. 22.„ de hcred. vel act. vend. T. 31,. 8. de dil. Edict.) Der§. 41, int. de rer. dio., welcher mit der T. 19, de cont. empt. übereinſtimmt, erklärt ſogar, daß der Käufer nicht eher Eigenthümer der verkauften Sache werde, als bis er den Kaufpreis bezahlt habe.— Ein Grundſatz, der in Frank⸗ reich angenommen war. Serres, ad d. 9. 41. Nicht weniger günſtig behandelte b) den Verkäufer das Ge⸗ ſetz vem 11. Brumatre 7. J.;»Geht aus dem Litel, wodurch das Eigenthum verändert wird,(hieß es im Art. 29) hervor, daß dem vorhergehenden Eigenthuͤmer, oder denen, die in ſeine Rechte getreten ſind, der Kaufpreis noch ganz oder zum Theile, oder Präſtationen, die deſſen Stelle vertreten, gebühren, ſo erhält ihnen die Transſeription ein Vorzugsrecht an den veräuſ⸗ ſerten Gütern; zu dieſem Ende tragt der Hypotheken⸗Bewah⸗ rer, die noch nicht eingetragenen Forderungen, die daraus her⸗ vorgehen mögen, in ſeine Regißer ein.„ 266 1M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken Man wendete ein, dieſer Artikel lege den Miterben eine allzu harte Pflicht auf, da es ſie untereinander verbinde, ſich, einer gegen den andern, in die Hypotheken⸗Regiſter ein⸗ tragen zu laſſen. Anderer Seits legte der Art. 27 des nehmlichen Geſetzes den Erwerbern ſolcher Güter und Rechte, die der Gegenſtand einer Hypothek ſeyn können, die ſtrenge Pflicht auf, ihren Erwer⸗ bungs⸗Aet transſeribiren zu laſſen; und der Art. as erklärte; daß dieſe Transſeription auf den Erwerber die Rechte übertrage, die der Verkäufer an dem Eigenthum des unbeweglichen Gutes hatte, jedoch mit den darguf haftenden Laſten und Hypothelen. Dieſen Verfügungen zu Folge konnte das Recht des Verkaͤu⸗ fers nicht gefäbrdet werden; freylich war ſſein Privilegium der Eintrggunz unterworfen; allein, die Transſeription, wodurch allein das Eigenthum auf den Erwerber übergieng, galt als Eintragung zu Gunſten des Verkäufers, und ſo konuten in keinem Falle an⸗ dere Giäubiger des Erwerbers dem Verkaͤufer den Vorzug abge⸗ winnen. Das Geſetzbuch Napolevns hat nun zwar den Uebergang des Sigenthums auf den Erwerber nicht bis zur Dransſeription des Contractes verſchoben; dieſen Punkt aber ausgenommen, ſind ſeine Verfügungen die nehmiichen, wie jene des Geſetzes vom Brumaire. Dieſes Geſetz unterwarf das Privilegjum des Ver⸗ faͤufers der Formalität der Eintragung; das G. N. unterwirft es ihr ebenfalls.— Nach dem erſtern galt die Transſeription von Seiten des Erwerbers als Eintragung zum Vortheile des Ver⸗ käufers; das nehmliche entſcheidet das G. R.— Im Syſteme des erſtern war die Transſeription eine Formalität; die dem Er⸗ werber vorgeſchrieben war um das Gut von Hypotheken zu befreyen; das Geſetzbuch Napoleons hat dieſe Formalitaͤt bey⸗ behalten, und ihr die nehmliche Richtung und den nehmlichen Zweck gegeben.— Nach dem erſtern giengen durch die Transſerip⸗ tion auf den Erwerber die Rechte über, die der Verkäufer an dem Eigenthum des Gutes hatte, jedoch mit den dgrauf haften⸗ den Schulden und Hypotheken; der Art. 2183 des G. N. er⸗ klärt, daß die bloße Transſeriptirn der Conirgete, wodurch das Eigenthum auf einen andern übergehen kann, das Gut von den darauf haftenden Hypotheken und Pivilegien nicht befreye; daß der Veräufer auf den Erwerber uur das Eigenthum, und die Rechte übertrage, die er ſeibſt an der verksuften Sache hatte; 1 m. Buch, XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 267 Das Syſtem der Publicitét, antwortete man, welches angenommen worden iſt, wuͤrde unvollkommen ſeyn, wenn eine einzige Hypothek unbekannt bleiben könnte. ———————————— und ſie ihm, mit denfelben Peivilegien und Hypotheken beſchwert, Kbertrage, womit er belaſtet geweſen.— Endlich ließ der Art. ) des erſtern Geſetzes dem Verkäufer die Befugniß, ſeine For— derung ſelbſt eintragen zu laſſen, welches aus den Worten her⸗ vorgeht: zu dieſem Ende trägt der Hypotheken⸗Bewahrer die noch nicht eingetragenen Forderungen.... in ſeine Regiſter ein; der Art. 2188 des G. N. läßt dem Verkäufer die nehmliche Befugniß. Da die Verfügungen beyder Geſetze ſich einander ſo vollkom⸗ men aͤhnlich ſind, ſo läßt es ſich nicht bezweifeln, daß das Ge⸗ ſetzb Nap. mit der nehmlichen Sorgfslt, wie das Geſetz vom Brumaire; für die Erhaltung des Privilegiums des Verkaufers habe wachen und ihm die nehmliche ansgedehnte Befugniß zur Er⸗ füllung der zu dieſer Erhaltung nothwendigen Feormalität habe laſſen wollen. Dieſe Befugniß iſt indeſſen ohne Grenzen; der Beweis hiepon liegt in dem Art. 2113,— und da unſer Artikel keine Friſt vorſchreibt, binnen welcher der Kaͤufer oder der Verkäufer den Contract transſeribiren laſſen müſſe, ſo mag dieſe Trahsſerip⸗ tion geſchehen, wann ſie wolle, immer bleibt es wahr, daß, wenn ſie geſchieht, die vorgeſchriebenen Bedingungen er— füllt ſind, und folglich das Priviiegium aufrecht erhalten iſt. Man wende nicht ein, daß auf dieſe Art das Syſtem der Publieität mangelhaft werde, und daß dritte Perſonen, denen der Erwerber das erworbene Gut zum Unterpfand anbiethen wird⸗ und die keine Hypothek darauf eingetragen finden, nicht mehr die Mittel haben werden, ſich gegen den ihrem guten Glauben gelegten Faüſtrick ſicher zu ſtellen 1) Waͤre dieß nicht das eintige Beyſpiel der Modiſieativn, die die allgemeine Regel der Publicität hat erleiden müſſen. Die geſetzliche Hppothek der Frauen und der Minderjihrigen exiſtirt, nach dem Art. 2135, unabhängig von aller Eintragung. Dritte Perſonen, die mit Ehemännern oder Vormündern contrahiren, und ſich Hypotheken in ihren Immobelien ausbedingen, werden von dem Daſeyn der geſetzlichen Hypotheken durch keine Eintra— gungen benachrichtigt, und doch ſteigen dieſe Hypotheken von a63 I1. Buch. XVIII. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. Uebrigens gründet ſich das Privilegium des Miterben darauf, weil er Recht auf die ganze Sache hatte— ein dem Augenblick ihrer Eintragung au bis zum Tage des Hei⸗ raths ⸗Contraetes oder der angenommenen Vormundſchaft hinauf, und gehen den in der Zwiſchenzeit eingetragenen fremden Hypo⸗ theken vor. Allerdings konnte das Privilegium des Verkäufers unter gewiſſen Geſichtspunkten, eben ſo viel Begünſtigung zu verdienen ſcheinen, als die geſetzlichen Hypotheken der Frauen, und der Minderjährigen. So viel Cewicht aber auch 2) das Geſetz auf die Publicität gelegt hat, ſo konnte es doch nicht alle, um mit Sicherheit zu contrahiren, erforderliche Auskunft in einem einzigen öffentlichen Regiſter zuſammenfaſſen: Etwas mußte es nothwendig der Klugheit der Contrahenten überlaſſen. Will alſo jemand auf ein Gut Geld vorgeſchoſ⸗ ſen haben, und finden ſich auch keine Hypotheken darauf einge⸗ tragen, ſo muß derjenige, der das Geld vorſchießen wiil, ſich die Eigenthums-urkunden worlegen laſſen. Sieht er hieraus, daß der Kauſpreis noch ganz oder zum Theile unbezahlt iſt, ſo ſteht er auch hieraus, ſo klar als er es in den Hypotheken⸗Re⸗ gigern hätte ſehen können, daß noch eine privilegirte Schuld uf dem Gute haftet. Läßt er ſich hintergehen, ſo kann er das Geſetz keines Mangels an PVorſicht beſchuldigen, indem es ihn alles lehrte, was es ihn lehren konnte, und ſeine Sorgfalt erſt da ſtehen blieb, wo der Darleiher allein fuͤr ſeine Sicherheit Sorge tragen konnte. 3) Setzt ja auch der Art. 1654 des G. N. ausdrücklich feſt, daß, wenn der Kaͤufer den Preis nicht jahlt, der Verkaͤufer auf die Aufhebung des Eontractes antragen könne, und der folgende Artikel ſetzt hinzu, die Auflöſung eines Verkaufes unbeweglicher Güter werde ſogleich erkannt, wenn der Verfäufer in Gefahr iſt, die Sache und den Preis zu verlieren; tritt aber dieſe Ge⸗ fahr nicht ein, ſo ſey der Richter befugt, dem Erwerber den umſtaͤnden nach eine mehr oder weniger lange Zeit zu geſtatten; nach fruchtloſem Ablauf dieſer Friſt aber werde die Aufloͤſung des Contractes erkaunt.— Verſügungen, die zuverläſſis aus dem vom Domat Lois civiles, liv. 3, des goges et Aporhéques, rit. 1, vect. 5, n. 4, angeſührten Grundſatze geſchöpft ſind: Der Verkauf ſchließt die Bedingung in ſich, ſdaß der Käufer erſt dann Eigenthuͤmer verde weun er den Kaufpreis bezahlt. 8 — im. Buch. Xvlil. Lit. Von Frivilesien und Hypotheken. 265 Recht, welches wieder auflebt, wenn er des Theiles, oder des Werthes des Theiles beraubt wird, die ihm fuͤr ſein Los angeſallen ſind. Bringt dieſe auflöſende Bedingung die Wirkung hervor, daß der Contract aufgelöſt, und alles, wie ſich der Art. 1133 laus⸗ druckt, in den Zuſtand zurückgeſetzt wird, als wenn der Contract nicht vorhanden geweſen wäre, ſo verſchwinden auch alle Hypo⸗ theken, womit der Käufer die Sache indeſſen beſchwert haben mag. Die unbeſtimmte Befugniß, das Privilegium aufrecht zu erhalten iſt inzwiſchen den Glaͤnbigern weniger nachtheilig, weil dieß dem Verkäufer nur ein bloßes Vorzugsrecht ertheilt, wel⸗ ches ihnen noch die Hoffnung uͤbrig läßt, wenigſtens dasjenige zu bekommen, was nach der Befriedigung des Verkaufers am Preiſe des Gutes übrig bleibt. Repertoire de jurispr, Wie, weun ein Kauf⸗Contract, der keinen beſtimmten Kaufpreis enthält, auf Anſtehen des Erwerbers trans ſeri⸗ birt worden iſt, und der Hypotheken⸗Bewahrer die Eintra⸗ gung von Amts wegen nicht gethan hat, behäͤlt in dieſem Falle der Verkäufer ſein Privilegium am verkauften Gegenſtande bey, und wird der Hypotheken⸗Vewahrer dritten Perſonen foͤr den Schadens⸗Erſatz verantwortlich? Beym Appellations⸗Hoſe von Brüſſel kam dieſe Frage in folgendem Falle vor: Herr Corbeſier verkaufte dem Herrn Demol ein Drittel eines National-Gutes, welches er angeſteigert hatte. Der Kauf⸗ Contraet enthielt keinen beſtimmten Kauſpreis, ſondern nur eins Clauſel, wodurch ſich der Erwerber verband, das ihm übertra— gene Drittel weder zu verkaufen; noch zu veräußern, bevor die Schuld⸗Bekenntniße, die der Verkäufer zu Gunſten des Staates unterzeichnet hatte, gaͤnzlich bezahlt ſeyn wuͤrden. Im MVeſſidor 12. J.(Junins— Julius 1804) ließ Demol den Contraet transſeribiren; der Hypotheken⸗Vewahrer unterließ die Eintragung, die er von Amts wegen haͤtte vornehmen ſollen. Kurze Zeit hernach verkaufte Demol den untertheilten ihm zugehörigen Antheil an dem in Frage ſtehenden Gute, für eine beſtimmte Summe, die ihm auf der Stelle bezahlt wurde, an Herrn Levae, und ſubrogirte dieſen in alle ſeine Rechte. Con⸗ beſter hatte die Schuldſcheine bezahlt, und konnte folglich die Gültigkeit dieſes Verkaufes nicht beſtreiten; er behauptete aber, das Drittel dieſer Schuldſcheine mache den Kaufpreis aus, wel⸗ 70 1M. Brch, XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Freylich kann ein Dritter, der während der ſechszig Ta— ge, die den Miterben geſtattet ſind, um die Inſcription zu befördern, mir den andern Miterben contrahirt, und keine ches Demol ihm nicht zurückerſattet habe, und deßwegen be⸗ langte er Levac zur Zahlung. Das Civil⸗Gericht von Brüſſel verurtheilte den Levae zu dieſer Zahlung, weil er in die Rechte ſeines Verkäufers eingeſetzt worden ſey, und folglich auch alle Verbindlichkeiten deſſelben er⸗ füllen muͤſſe. In der Appellations⸗Inſtan; bezos ſich der Appellat Corbeſter auf die vvu ſeinem Erwerber nachgeſuchte Transſeription, die, wie er behauptete, als Eintragung von Amts wegen zu ſeinen Gunſten gelte; wogegen Levae ausführlich zeigte/ daß, weil in dem zwiſchen Corbeſier und Demol zu Stande ge⸗ tommenen Kauf⸗Contracte kein beſtimmter Kaufpreis bemerkt ſey, auch Cotbeſier keine Inſeription genommen habe, derſelbe mit keinem Privilegium verſehen ſey; oder falls er eines gehabt hätte, ſelbiges durch ſeine Rachläſſigkeit verloren habe. Wirk— lich wieß auch der Appellativns⸗Hof am 17. Maͤrz 1806 den Corbeſier mit ſeiner Klage gegen Levae aus folgenden Gründen ab, 1) weil der Art. 2103 dem Verkäufer ein Privilegium auf das verkaufte unbewegliche Gut wegen der Zahlung des Kaufpreiſes ertheilt; 2) weil deſſen ungeachtet, nach dem Art. a106, die Privilegien auf die Immobilien nur in ſo fern Wirkung haben als ſie durch Eintragung in die Hypothe⸗ ken⸗Regiſter oͤffentlich kund gemacht worden ſind; 3) weil der Art. 2108, indem er feſtſetzt, daß die Transſeription in Hinſicht des Verkaͤufers als Eintragung gelte, zu gleicher Zeit vorſchreibt, daß aus dem transſeribirten Contraete ſich ergeben müſſe, daß der Kaufpreis noch ganz oder zum Theile zu jahlen ſey; weil 4) eben dieſer Artikel ſogar fordere, daß der Hypotheken⸗Bewahrer die aus dem Kauf⸗Contraete zum Vortheile des Verkäufers ent— ſpringenden Forderungen den Regiſtern eintrage, und den Bewahrer, falls er dieſe Eintragung vernachläſſist, gegen dritte Perſonen verantwortlich erkläre; woraus folge, daß im Falle der Nicht-Eintraguns von Amts wegen, ein Dtitter, ſo oft er gegen den Verkäufer verbunden ſeyn kann, ſeinen Regreß gegen den Bewahrer wegen ſeiner Nachläſſigkeit haben müſſe; 5) weil der zwiſchen Corbeſier und Demol geſchloſſene Kauf⸗ Contraet keinen beſtimmten Preis, den letzterer zu zahlen habe, ausdrucke, im Gegentheile den Zweifel übrig laſſe, ob Demot III. Buch. XVIM. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 271 6. Inſcription zum Nachtheile dieſes letztern ſieht, hintergangen werden; allein, dieß iſt eine nothwendige Folge der Modifi— fication, die die Allgemeinheit des Syſtems durch einige be⸗ ſondere Gerechtigkeits-Regeln erleidet.*) Art⸗ 2710.„ Baumeiſter, Bau⸗Unternehmer, Maurer, und andere Werkmeiſter, die gebraucht worden ſind, um „Gebäude, Canäle oder andere Werke zu bauen, wiederauf⸗ gleich zur Zahlung irgend eines Preiſes gegen Corbeſier verpflich⸗ tet ſey, woraus daun 6) hervorgehe, daß, da der Hypotheken⸗ Bewahrer keine Eintragung von Amts wegen habe thun koͤnnen, der Verkäufer es ſich zurechnen müſſe, daß er im Ver— kauf⸗Acte keinen Vorbehalt gemacht habe, und folglich den Kaufpreis vom zweyten Erwerber nicht habe fordern können, auf den das Gut zur Zeit,als er ſeinen Erwerbungs⸗Aet habe trans— ſeribiren laſſen, frey uͤbergegangen ſey, ſo daß Corbeſier gegen Levae keinen Rechtsgrund zu klagen habe. Journ. d. aud. etc. 1606, im Anhange p. 159 u. f. Uebrigens iſt es wohl keinem Zweifel unterworſen, daß die im vorliegenden Artikel verordnete Eintragung von Amts wegen den auf das verkaufte Gut nicht inſcribirten Glaͤubigern des Verkäu⸗ fers ſelbſt dann nicht nütze, wenn er auch im Contrarte den Erwerber angewieſen haͤtte, ſie aus dem Kaufpreiſe für ihre Forderungen zu befriedigen, und daß dieſer Anweiſung ungeach— tet die inſeribirten Gläubiger des Verkäufers vorzugsweiſe vor jenen aus dem Kaufpreiſe bezahlt werden müſſen. So entſchied die Civil⸗Section des Caſſations-Hofes am 22. April 1807 in der Sache Halbout und Hayes wider Bazin⸗Duclos, zwar unter der Herrſchaft des Geſetzes vom r1. Brumaire 2. J., aus Gründen aber, die auch noch jetzt allerdings geltend ſeyn wuͤrden. Jurispr. de la C. de C. 1807, p. 230 u. f. B. *) Die Eintragung, wovon in dieſem Artikel die Rede iſt, hat der Miterbe, dem etwas herausgegeben werden muß, ſelbſt zu befördern; auf ſein Betreiben, heißt es ja im Artikel. Uebrigens haben die Ausdrücke: während dieſer Zeit kann keine Hypothek Statt haben, bloß dieſen Sinn, daß Hypotheken, die ein Miterbe, welcher den andern herausgeben muß, in dem, ſeinem Loſe angefallenen oder ange⸗ ſteigerten Gute, fremden Perfonen binnen den ſechszig Tagen 72 M. Buch. XVIM. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „zubauen oder auszubeſſern, und diejenigen, welche um ſie „zu zahlen, oder ihre Auslagen wieder zu erſtatten, Geld „geliehen haben, deſſen zwirkliche Verwendung gehdvig con⸗ „ſtatirt worden iſt, erhalten durch die doppelte Eintragung „1) des Verbal⸗Prozeſſes, wodurch die Beſchreibung der „Drte aufgenommen wurde, und 2) des Verbal⸗Prozeſſes „über die Aufnehmung der gefertigten Arbeit, ihr Privile. „glum von dem Tage, da der erſte Verbal⸗ Prozeß einge⸗ «tragen worden iſt.« Iſt der erſte Verbal⸗Prozeß eingetragen, ſo ertheilt die⸗ ſer ſchon denjenigen, die mit dem Eigenthuͤmer contrahiren wollen, hinlaͤngliche Nachricht von den Forderungen, welche die Baumeiſter u. ſ. w. haben können. Ueber dieſes Privilegium der Baumeiſter ꝛc. ſehe man das Réperioire de jurisprud. v. Privilége, Rousseaud, v. Sub- rogation, n. 16, und die Art. 12 und 13 des Geſetzes vom Brumaire⸗ Art. a111.„Gläubiger und Legatare, welche in „Gemaͤßheit des 878. Artikels unter dem Titel von der Suc⸗ „ceſſion auf Abſonderung des Vermögens des Verſtorbenen „antragen, erhalten wider die Gläubiger der Erben oder „Repräſentanten des Verſtorbenen ihr Privilegium in Hin⸗ „ſicht der Immobilien der Erbſchaft durch Eintragungen auf „ein jedes dieſer Güter, in ſo fern ſie in den erſten ſechs „Monaten, von dem Anfalle der Succeſſion anzurechnen, „geſchehen ſind⸗ „PVor Ablauf dieſer Zeitfriſt können die Erben oder Re⸗ „präſentanten zum Nachtheile dieſer Gläubiger oder Legatare ſtellt, oder auf dieſes Gut binnen der nehmlichen Friſt von Fremden eingetragen werden, dem Privilegium desjenigen Mit⸗ erben nicht ſchaden, welchem etwas herausgegeben werden muß. Hätte aber dieſer die vorgeſchriebene Friſt verſtreichen laſſen, ohne die Eintragung zu befördern, ſo nürden die binnen der nehm⸗ chen Friſt errichteten und eingetragenen Hypotheken ſelbſt gegen den Riterben ihre ganze Wirkung haben. Ml. Buch. XUH. Tit. Pon Privilezien und Hypotheken. a73 keine Hypothek, die gleich zur Wirkſamkeit komme, auf, „dieſe Guͤter ertheilen.» Dem Art. 380 zu Folge ſind die Gläubiger des Verſtor⸗ benen befugt, wäbrend drey Jahre auf die Abſonderung ſeiner Mobilien von jenen des Erben, und auf jene der Im⸗ mobilien ſo lange anzutragen, als ſie ſich in der Hand des Erben beſinden. Etwas ſchwer hält es, den Beweggrund dieſes Artikels mit dem Unſrigen zu vereinigen: Inzwiſchen kann man ſagen, daß die Hypothek beſtehen könne, wenn ſchon das Eigenthum demjenigen, zu deſſen Nachtheile es beſchwert worden iſt, gewiſſermaßen benommen wird.*) *) Unter dem Ausdrucke: Privilegium der Gläubiger oder Legatarien an den Immobilien der Erb⸗ ſchaft, wird, wie Herr Sarrible im Répert. de jurispr. g. a. St. Jecr. 4, 6. 6,„. 2, ſagt, und kann nichts anderſt verſtanden werden, als das Recht; ſich aus dieſen Immobilien vorzugsweiſe vor den perſönlichen Glaͤubigern des Erben bezahlt iu machep. Wirklich ſteht dieſes Privilegium der Maſſe der Legatarien und Gläubiger eines Nachlaſſes, ohne Unterſchied, ob ſie Hypothekar⸗oder Chyrographar⸗Gläubiger ſind; zu, und wird gegen alle Glänbiger des Erben zuſammengenommen geltend gemacht; inzwiſchen verſteht es ſich von ſelbſt, daß dem Range der Erbſchafts⸗Gläubiger unter ſich hiedurch kein Abbruch ge⸗ ſchieht, ſo wie dann auch die Hypothekar⸗Gläubiger des Nach⸗ laſſes, wenn gleich die im vorliegenden Artikel vorgeſchrie⸗ bene Formalität nicht beobachtet wird, ihre Rechte an den ihnen verſchriebenen Immobilien des Verſtorbenen ungekränkt beybehalten Kann indeſſen das Privilegium, wovon hier die Rede iſt, nur mittelſt Eintragungen auf jedes unbewegliche Gut binnen den ſechs Monaten von der Eröffnung der Epbſchaft angerechnet, erhalten werden, ſo iſt die Folge richtig, daß es wegen Mangel einer Eintragung binnen der vorgeſchriebenen Friſt verloren iſt/ daß die Gläubiger des Nachlaſſes auf keinen Vorzug vor den verſoͤnlichen Gläubigern des Erben mehr Anſpruch machen, und letztere mit den erſtern bey der Vertheilung des Preiſes der Immobilien der Erbſchaft nach der algemeinen Rang⸗Ordnung der Hypotheken coneurriren können; endlich, daß nach Ablauf dieſer Friſt die Glaͤubiger der Erbſchaft nicht mehr auf die Ab⸗ ſonderung des Vermögens mit Nutzen antragen, oder die Wir⸗ IV. Malev. 18 274 lII. Buch. XVlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2112.»Diejenigen, welche durch Uebertragung „zu dieſen verſchiedenen privilegirten Forderungen gelangt „ſind, haben insgeſammt dieſelben Rechte, wie die Ceden⸗ «ten, an ihrer Stelle und nach ihrer Rang⸗Ordnung aus⸗ „zuüiben.» Art. 2113.„Alle privilegirte, der Formalität der Ein⸗ „tragung unterworfene Forderungen, in deren Hinſicht die «hier oben vorgeſchriebenen Bedingungen zur Aufrechthaltung „des Privilegiums nicht beobachtet worden ſind, hören gleich⸗ wohl darum nicht auf, hypothekariſche Forderungen zu ſeyn; „aber die Hypothek datirt ſich in Beziehung auf dritte Per⸗ „ſonen nur von dem Tage an, da man ſie eingetragen ha⸗ „ben wird, wie hierunten erklart werden ſoll.„ kungen, die ſie davon erwarteten, erhalten können, wenn ſchon die Immobilien noch in den Händen des Erben ſind. So be⸗ ſchwerlich es alſo auch iſt ſetzt Herr Tarrible hinzu, die Art. 280 und 2111 zuſammen zu vereinigen, ſo koͤnnen wir doch verſichern, daß, wenn unter beyden keine Antimonie im eigent⸗ lichen Sinne iſt, letzterer wenigſtens den erſtern modifieirt; und es vernünſtiger iſt, die Schwierigkeit dadurch zu umgehen, daß man die vorgeſchriebene Eintragung vornehmen läßt, als Gefahr zu laufen, in Prozeſſe verwickelt zu werden. Dem vorliegenden Artikel zu Folge entſchied zwar der Appel⸗ lations⸗Hof von Nismes am 28. März 1806 in der Sache des Johann Daumas und der Louiſe Bviſſier wider Mareus Anton Daumas, daß die Formalität der Eintragung binnen ſechs Monaten von Eröffnung der Erbſchaft, oder falls ſie vor der Verkündung des Geſetzbuches Napoleons eröffnet worden ſey, binnen ſechs Monaten von der Verkuͤndung dieſes Geſetzbuches angerechnet, auch daiu erforderlich ſeh, um der Frau ihre ge⸗ ſetzliche Hypothek an den Gütern ihres Mannes, und die Be⸗ fugniß auf die Abſonderung des Vermögens des Verſtorbenen von jenem des Erben anzutragen! aufrecht zu erhalten. Journ. g. aud. ete 1506 im Anhange p. 155 u. f. Man ſehe indeſſen die Note beym Art. 213. B. H. Buch. XVllI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 275 Man kann Hypothekar-Gläubiger ſeyn, ohne privilegir⸗ ter Glaͤubiger zu ſeyn.*) *) Privilegten an Immobilien ſind im Grunde anderſt nichts, als privileg rte Hypotheken. Deßwegen heißt es auch im vorliegen, den Artikel: Alle privilegirte.. Forderungen hören deßwegen nicht auf, hypothekariſche Forderungen zu ſeyn ꝛe. Der Unterſchied zwiſchen einem Privilegium und einer Hypothek beſteht bloß darin, daß letztere nur einen Grad von Vorzug, nehmlich vor den Chyrographar-Glaͤubigern hat; dagegen erſteres deren zwey hat, vor den Chyrographar- nehmlich, und ſelbſt vor den Hypothekar⸗Glaͤubigern. Man ſieht hieraus leicht ein, wie eine Forderung aus einer privilegirten zu einer bloßen hypothe⸗ kariſchen werden kann. Da indeſſen dieſe Hypothek weder ver⸗ tragsmaͤßig noch gerichtlich iſt, und ihre Kraft einzig vom Ge⸗ ſetze erhält, ſo gehoͤrt ſie auch unſtreitig zur Claſſe der geſetzli⸗ chen, hat aber auch bloß an jenen Immobilien Statt, woran urſprünglich das Privilegium zuſtand. Man bemerke inzwiſchen wohl, daß unſer Artikel von pri⸗ vilegirten und der Formalität der Eintragung unterworfe⸗ nen Forderungen ſpricht. Beyſpiele hievon ſind in den Art. 2109 und 2110.— Anderſt verhaͤlt es ſich mit dem Rechte der Gläubiger und Legatarien, auf Abſonderung des Vermögens des Ver⸗ ſtorbenen von jenem des Erben anzutragen. Dieſes Recht ertheilt den Gläubigern eines Nachlaſſes keine Hypothel an den zur Nach⸗ laſſenſchaft gehörigen Guͤtern, ſondern bewirkt nur, däß die per⸗ ſönlichen Gläubiger des Erben von der Coneurrenz an jenen Guͤtern ausgeſchloſſen werden. Daß es kein hypothekariſches Recht iſt, geht ſchon daraus hervor, weil es nur ſo lange ars⸗ geuͤbt werden kann, als die Immobilien ſich in den Händen des Erben befinden. Laſſen alſo die Glaͤubiger des Nächlaſſes die ihnen vorbeſtimmte Zeit verſtreichen, ſo behält zwar jeder das ſeiner Forderung urſprünglich an lebende Recht bey; aber die Gläubiger des Erben coneurriren nun mit den Chyrograpbar⸗ Gläubigern des Verſtorbenen in dem Preiſe des zur Nachlaſſen⸗ ſchaft gehörigen Vermoͤgens. F. 76 fM. Vuch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Drottes Capitel. Von den Hypotheken. 1 Art. 2174.»Die Hypothek iſt ein dingliches Recht an „Immobilien, welche beſtimmt ſind, um für die Erfüllung „einer Verbindlſchkeit zu haſten. „Sie iſt ihrer Natur nach untheilbar, und erſtreckt ſich d „ganz auf alle Immobilien, welche damit behaftet ſind, ſo „wie auf jedes einzeln genommen, und auf jeden Theil die⸗ „ſer Immobilien. „Sie ſolgt den Immobilien, in was für Haͤnde ſie immer „übergehen moͤgen⸗« In der Einleitung zu dieſem Titel haben wir die Natur und die Wirkungen der Hypothek hinlänglich auseinander⸗ geſetzt. ſt Der zweyte Theil dieſes Artikels iſt weiter nichts als 3 die Ueberſetzung der bekannten Regel: hypotheca est tota in toto, et tota in quälibet parte. Das Recht des Hypothe⸗ kar⸗Gläubigers, ſeine Hypothek gegen jeden Beſitzer geltend zu machen, wird im§. 7, inst. de action. angezeigt. Art. 2115.„Die Hypothek hat nur in den durch das 1„Geſetz beſtimmten Faͤllen, und nach den hierin vorgeſchrie⸗ „benen Formen Statt.⸗ Art. 2116.»Sie iſt entweder geſetzlich, oder gerichtlich, 1„oder vertragsmaͤßig.« Art. 2117.»Geſetzlich nennt man diejenige Hypothek, „die aus dem Geſetze entſteht. „Eine gerichtliche Hypothek iſt diejenige, welche aus „Urtheilen oder gerichtlichen Acten entſpringt. „Eine vertragsmäßige Hypothek iſt diejenige, welche „von Verträgen und der äußern Form der Acte und Con⸗ „tracte herrührt.« Art. 2118.»Gegenſtaͤnde einer Hypothek können nur „ſeyn, 6 Von Privilegien und Hypotheken. 257 im. Buch. XVill. Tit. „1) Unbewegliche Guter, die im rechtlichen Verkehr ſind, „und ihr Zugehör, das fuͤr unbeweglich geachtet wird; „2) Der Nießbrauch an eben dieſen Gütern und ihrem — Zugehör, ſo lange der Nießbrauch dauert.« um zu wiſſen, was unbeweglich, oder Zugehör einer unbeweglichen Sache ſey, muß man den Tit 1 des B. 2 dieſes Geſetzbuches nachſehen. ²) *) Güter, die nicht im rechtlichen Verkehr ſind, bezeichnet der Art.§38 unter der Benennung von Gätern, die kein Pri⸗ vat⸗Eigenthum ſeyn können, und rechnet hieher die Wege ꝛc. Alle dieſe Güter, ſetzt eben diefer Artikel hinzu werden als Zugehoͤr des Staats⸗Eigenthums betrachtet. Der Art 540 erklaͤrt ebenfalls, daß die Thore, Mauern, Kriegs⸗ Plätze und Feſtungen einen Theil des Staats⸗Eigenthumes aus⸗ machen. Nur ſolches Staats⸗Eigenthum kann kein Gegenſtand einer Hypothek werden, welches kein Privat⸗Eigenthum ſeyn kann⸗ In der That gibt es andere Güter, die dem Staate zugehoͤren, z. B. Landgüter, Gebäude, die zwar, ſo lange ſie in den Hän⸗ den des Staates bleiben, nach eigenen Vorſchriften, wie es im Art. 537 heißt, verwultet werden, und nur unter Veobachtung eigener Formen veräußert werden können, die aber doch Privat⸗ Eigenthum werden, und als ſolches zur Hypothek geſtellt wer⸗ den können. Beſchwerlicher möchte es indeſſen ſeyn, dasjenige richtig zu beſtimmen, was das Geſetz durch unbewegliche Güter, und ihr Zugehör, das fuͤr unbeweglich gehal⸗ ten wird, verſtehe.„Unbeweglich, ſagt der Art. 517, ſind die Güter, entweder ihrer Natur nach, oder zu Folge ihrer Beſtimmung, oder in Hinſicht des Gegenſandes, worauf ſie ſich beziehen« Geht man aber die Gegenſtände durch, die in den Art. 516, 51, 5a0, 521) 523 524 und 526 zu jeder dieſer drey Claſſen gerechnet werden, ſo wird man einſehen, daß die unbeweglichen Güter, wovon unſer Artikel ſpricht, jene ſind, die man ihrer Naturnach unbeweglich nennt, und daß man unter ihr Zugehör, das für unbeneglich ge⸗ halten wird, nichts anderſt als jene Guͤter verſteht, diezuFolge ſhrer Beſtimmung unbeweglich genannt werden. Kann dieſe letztere Gattung von Gütern nun auch der Gegenſtand einer Hypothek ſeyn, ſo muß man doch nicht glauben, daß a73 m. Buch. XvM. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. Die F. 11, F, 2, h de pign. et hypoth. entſcheidet ebenfalls, daß der Nießbrauch ein Gegenſtand einer Hypothek ſeyn kann⸗ eine ſolche Hypothek die nehmliche Kraft, und die nehmlichen Wirkungen wie jene, habe, die in ihrer Natur nach unbeweg⸗ lichen Gütern geſtellt wird. Man kann ſich nicht verhehlen, daß z. B. Vieh, welches der Eigenthuͤmer zum Ackerbau beſtimmt hat, das Geräth, welches er zum Gebranche ſeiner Fabriken beſtimmt hat, kein unbewegliches Gut iſt; wird es für unbeweg⸗ lich gehalten, ſo geſchieht es nur deßwegen, weil es ſo zu ſagen dem Grundſtuͤcke einverleibt iſt, deſſen Erzeugniße nur mit ſeiner Beyhuͤlfe entſtehen können— eine Fietion, die doch nur in ſo fern Statt haben kann, als ſolche Gegenſtände mit dem Grund⸗ ſtücke ſelbſt vereinigt bleiben. Ausdrücklich heißt es ja im Art. 5az, in Anſehung des Viehes, welches der Eigenthuͤmer eines Grundſtückes dem Pächter zum Bau deſſelben überliefert,„es werde nur ſo lange für unbeweglich gehalten, als es zu Foige des Vertrages bey dem Grundſtücke bleibt.“ Das nehmliche gilt nothwendig in Betreff aller andern Gegenſtände, die zum Bau oder zur Benutzung eines Grundſtückes beſtimmt, ſelbſt in Be⸗ treß der Materialien, die einem Gebände einverleibt ſind. Alle dieſe Gegenſtände werden, ſo lange ſie bey dem Grundſtücke bleiben, oder ihm einverleibt ſind, fuͤr unbeweglich gehalten, oder ſind es, wie der Boden, worauf das Gebäude ruht; und die Wirkung hievon iſt, daß ſie während der nehmli⸗ chen Zeit den nehmlichen Regeln, wie die wahren Immobilien, unterworfen ſind, folglich eben ſo wie die unbewegliche Sache, wozu ſie gehören, zur Hypothek geſtellt werden können, daß ihre Vergantung, wenn ſie Statt findet, nach den nehmlichen Formen betrieben werden muß, und die Vertheilung der daraus gelö⸗ ſten Kaufgelder auf die nehmliche Art Statt hat. Nimmt aber der Eigenthuͤmer das Vieh oder das Geräth von ſeinem Grund⸗ ſicke weg, um es zu verkaufen oder auf eine andere Art auf einen dritten zu übertragen; nimmt er Materiglien von ſeinem Gebaͤude ab, und verkauft ſie, ſo iſt die Beſtimmung verändert⸗ der Gegenſtand hört auf, zum Bau oder zur Benutzung des Grundſtückes beſtimmt zu ſeyn, nimmt im nehmlichen Augenblicke ſeine urſprüngliche Eigenſchaft einer beweglichen Sache wieder an, und kann in den Haͤnden eines dritten Erwerbers nicht verfolgt werden. Höchſtens koͤnnte eine ſolche Abſonderung des, Ul. Buch. XVIII. Cit. Von Privilegien und Hypotheken. 279 Der Art. 6 des Geſetzes vom Brumaire ſetzte den Genuß Kraft eines Erbpacht⸗Rechtes hinzu, ſchloß aber die conſti⸗ beweglichen vom unbeweglichen als eine Verſchlimmerung des bypotheſirten Gutes angeſehen werden, die den Umſtaͤnden nach den Gläubiger berechtigte, in Gemaͤßheit des Art. 2131 ſeine Zahlung oder einen Zuſatz zur Hypothek zu verlangen. Denkt man der Sache weiter nach, ſo kann man ſagen, daß dieſe Gattungen von Götern für ſich allein nicht zur Hypothek geſtellt werden können, ſondern nur mit dem Grundſtücke, deſſen Zugehör ſie wirklich ausmachen. Was ſollte in der That eine Hypothek heißen, die ganz allein in Vieh, welches zum Acker⸗ bau beſtimmt iſt, oder ganz allein in Materialien, woraus das Dachwerk eines Gebäudes beſteht, geſtellt würde? Durchaus wäre eine ſolche Hypothek der Natur dieſes Rechtes, und dem Geiſte des Geſetzes zuwider; Vieh, ſelbſt Materialien, die einem Ge⸗ bäude einverleibt ſind, haben weder jene Feſtigkeit noch Unbe⸗ weglichkeit, worauf das hypothekariſche Pfand beruhen muß. Als das Geſetz beſtimmen wollte, welche Güter der Gegenſtand einer Hypothek ſeyn könnten, hat es vorzüglich die wahren Im⸗ mobilien bezeichnet; hat es ſeine Blicke bis auf die zum Grund⸗ ſtuͤcke gehörigen Mobilien geworfen, ſo geſchah es nur darum, weil es ſie als Zugehör des Grundſtückes anſah; es wollte alſo, daß die auf das Grundſtuͤck gelegte Hypothek ſich auf das wirk⸗ lich ſich darauf befindliche Zugehör erſtrecken ſollts, ſeine Abſicht war aber nicht, daß man das Zugehör von der Haupt⸗ ſache ſollte abſondern, und auf dieſes fluͤchtige Zugehoͤr eine Hypothek ſollte legen können, deren Exiſtenz nothwendig an die unbeweglichkeit des Gegenſtandes, worauf ſie beruht, geknüpft iſt. Das Reſultat von allem dieſem iſt, daß das Zugehör, wel⸗ ches für unbeweglich gehalten wird, ein Gegenſtand der Hypo⸗ thek in dieſem Sinne ſeyn kann, daß es in der auf das unbe⸗ wegliche Gut, wozu es gehört, gelegten Hypothek begriffen wird, und dieſer Hypothek unterworfen iſt, ſo lange es mit dem hypotheſirten Grundſtuͤcke vereinigt bleibt; ſobald es aber aus irgend einer urſache vom Grundſtücke abgeſondert wird, um aus den Händen des Eigenthümers in andere über zu gehen, ſo verliert es ſeine fictive Unbeweglichkeit, die Hypothek, womit es beſchwert war, verſchwindet, und in fremden Händen kann es nicht mehr verfolgt werden. “ III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Zypocheken. enirten Renten ſowohl als die Grund⸗Renten und alle an⸗ dere Präſtationen, die das Geſetz lösbar erklärt hat, da⸗ 1 von aus. Wie verhält es ſich aber mit den Gütern, die in Hinſicht des Gegenſtandes, warauf ſie ſich beziehen, unbe⸗ weglich genannt werden— mit Servituten und Klagen? Servituten können für ſich allein genommen, nicht zur Hy⸗ pothek geſtellt werden; das Recht einer Grund⸗Dienſtbarkeit klebt dem dazu berechtigten Gute an, und laͤßt ſich nicht, ohne zu verſchwinden, davon abſondern. Allerdings kann der Eigen⸗ thuͤmer deſſelben das Gut, mit dem Rechte der Dienſtbarkeit, aber dieſes Recht ſür ſich allein nicht Denn ſollte die verſchriebene Dienſtbarkeit, ßz. B. das Recht über das Grundſtück eines andern zu gehen, verkauft werden, ſo könnte es ja niemand kaufen, weil der Eigenthümer des dienſt⸗ baren Gutes nur dem zur Dienſtbarkeit berechtigten Gute die Ausübung derſelben geſtatten muß, und folglich nicht angehalten werden kann, ſie einem andern als dem Eigenthümer dieſes letz⸗ tern zu geſtatten. Was die Klagen betrifft, die eine unbewegliche Sache zum Gegenſtande haben, muß man diejenigen, die auf ein abſolutes Eigenthums⸗Recht gegründet ſind, von jenen unterſcheiden, die nur aus dem Rechte, ein veräußertes Eigenthum wieder zu er⸗ langen heen Der Eigenthümer eines unbeweglichen Gu⸗ tes iſt z. B. ſeit Jahr und Tag gewaltthätiger Weiſe entſetzt worden; ein rechtmäßiger Erbe, deſſen Daſeyn unbekaunt war, kommt zum Vorſchein, und findet die Erbſchafts-Guͤter in den Händen eines entferntern, nicht erbfähigen Verwand— ten; zuverläßig hat ein ſolcher entſetzter Eigenthuͤmer, ein ſolcher anerkannter Erbe, eine auf das bloße Eigenthums⸗Recht gegründete Klage um die ihm zugehoͤrigen Immobilien zu vin⸗ dieiren. Aber die Klage, die einem verletzten Verkäufer zuſteht, um den Kauf aufloͤſen zu laſſen, die Klage, die die Ausübung des Wiederkaufs⸗Rechtes zum Gegenſtande hat, dergleichen Kla⸗ gen ſind nicht von der nehmlichen Natur, wenn ſie auch ſchon die Abtretung eener unbeweglichen Sache zum Zwecke haben. Bey dieſen Klagen iſt das Eigeuthum rechtmäßig veräußert wor⸗ den; nur haben die vorigen Eigenthümer das Recht, den Con⸗ tract aufiöſen zu laſſen, und ſelbſt dieſe Auflöſung iſt gewiſſen Bedingungen untergeordnet, von deren Stfuͤllung ihr Erfolg gbbängt. 111. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. a31 Ich ſehe jedoch nicht ein, warum eine Grund⸗Rente, die einer Uebereinkunft zu Folge, wie dieß der Art. 630 erlaubt, Dieſen unterſchied vorausgeſetzt, nehme man den Art. 2125 zur Hand, und man wird ſich leicht überzeugen, daß eine Klage an ſich ſelbſt kein Gegenſtand einer Hypothek ſeyn könne, daß aber derjenige, dem die Klage juſteht, das unbewepliche Gut, deſſen Gegenſtand ſie iſt, zu hypotheſitren befugt ſey. Die Klage an und für ſich ſelbſt kann kein Gegenſtand einer Hypothek ſeyn; ſie iſt uur ein unkörperliches Recht, das wedet ein unbeweg⸗ liches Gut iſt, noch ſeyn kann. Noch mehr, es gibt Klagen— wie z. B. jene auf Aufhebung eines Veikauſes wegen Verletzung von mehr als ſteben Zwölftel, die, wenn ſich der Erwerber ent⸗ ſchließt, den rechtmäßigen Preis zu ergänzen, am Ende nur Geld⸗Summen hervorbringen, die doch wahrlich nie der Sitz einer Hypothek werden konnen. 4 Das unbewegliche Gut aber, welches den Gegenſtand der Klage ausmacht, iſt die eigentliche Materie, worauf eine Hypothek ange⸗ legt werden kann. Der, dem die Klage zuſteht, kann es, mit Vorbehalt der Modifieationen, die aus der Natur der Klage und aus ihrem Grunde entſpringen können, gerade zu hypotheſiren. Iſt er wirklicher Eigenthuͤmer, ſein Eigenthums⸗Recht unſtreitig, und er hat uur den Beſitz wiederzuerlangen, ſo kann er das zu vindicirende Gut wirklich zur Hypothek ſtellen, und dieſe Hypo⸗ thek wird keiner Bedingung untergeorduet ſeyn; eben ſo kann auch der Verkaͤufer unter der Clauſel des Wiederkaufes, oder er über ſieben Zwölftel des wahren Werthes verletzt iſt, das verkaufte Gut verſchreiben; da aber die Auflöſung des Verkau⸗ fes, und die Rückkehr des Eigenthum in ſeine Hände verſchie⸗ denen Bedingungen z. B. der Anſtellung der Klage binnen den vorgeſchriebenen Friſten, der vorläufigen Zurückerſtattung des empfangenen Kaufpreiſes, der vorhandenen Verletzung, der Zu⸗ ſtimmung des Erwerbers in die Abtretung des Gutes, unterge⸗ ordnet iſt, ſo iſt nothwendig die vom Verkaͤufer in dieſem Gute geſtellte Hypothek den nehmlichen Bedingungen unterworfen. Trüge es ſich zu, daß ebeufalls der Erwerber unter der Clauſel des Wiederkaufes, oder unter dem wahren Werthe, das erworbene Gut in der Zwiſchenzeit ſelbſt verſchrieben haͤtte, die Verletzung bewieſen würde, und der Erwerber ſich entſchloſſe, das Gut abzutreten, ſo würde die von ihm darin geſtellte Hypo⸗ thek verſchwinden, zene aber, die der Verkäufer darin geſtelle as2 1lI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. vor Ablauf von dreyßig Jahren nicht loͤsbar iſt, nicht eben ſo ein Gegenſtand einer Hypothek ſeyn koͤnne, wie ein Nießbrauch, deſſen Dauer auf eine kürzere Zeit feſtgeſetzt werden kann. hätte, vom Tage am wo ſie geſtellt wurde, ihre Wirkung haben, dagegen im entgegengeſetzten Falle, wenn z. B. die Verletzung nicht erwieſen würde jene, die der Erwerber darin geſtellt hat, bey ihrer Kraft verbleiben, jene des Verkäufers aber hinweg⸗ fallen würde. Iſt auch uͤbrigens der, dem die Klage zuſteht, nicht im wirklichen Beſitze des Gutes, welches den Gegenſtand derſelben ausmacht, ſo wird es doch nicht als ein künftiges Gut angeſehen, das nach dem Art. 2129 nicht verſchrieben werden kanm; denn künftige Güter im Sinne dieſes Artikels ſind diejenigen, woran der Schuldner kein wirkliches Recht hat; dieß läßt ſich aber dann nicht ſagen wenn der Schuldner berechtiget iſt, die Abtretung eines Gutes ent⸗ weder Kraft eines Eigenthums⸗Rechtes, oder Kraft der Clauſel des Wiederkaufes, oder wegen Verletzung zu verlangen. Was den Nießbrauch betrifft, dieſer kann zwar zur Hypothek geſtellt, verkauft, und auch in den Händen eines jeden, dem er vom Nießbraucher uͤbertragen worden iſt, angegriffen werden; es verſteht ſich aber, daß die Hypothek ſich mit dem Nießbrauche endigt. S. Répertoire de jurisprud. V. Hypotheque, Jecr. 2, §. 3, art. 3. Dieſer ganze§. 3 hat ebenfalls den Herrn Tarrible zum Verfaſſer. So zuverlaͤſſig es uͤbrigens iſt, daß dem vorliegenden Artikel zu Folge Mobilien kein Gegenſtand einer Hypothek mehr ſeyn können, ſo kann ich doch auch hier nicht unbemerkt laſſen, daß die section des requétes des Caſſations⸗Hofes am 17. März 107 in der Sache der Wittib Joulin wider die Syndiken der Fallit⸗Maſſe des Guichard die in Bretagne und einigen an⸗ dern Gegenden Frankreichs ehemahls geltenden Hypotheken an Mobilien durch das Geſetz vom 11. Brumaire 7. J. für die Zu⸗ kunft ſowohl als für die verfloſſene Zeit für abgeſchafft, und un⸗ wirkſam erklärt habe, weil, wie es in den Enutſcheidungs⸗Grün⸗ den heißt, 1) die Mobilien unter den Gegenſtänden, die geſag⸗ tem Geſetze zu Folge allein der Gegenſtand einer Hypothek ſeyn können, nicht verzeichnet ſind, welches folglich ihre Ausſchließung bewirkt; weil 2) nach dem Art. 3, Tit 1 des nehmlichen Ge⸗ uI Buch. XVIM. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. as3 Art. 2110.» Bey Mobilien findet keine hypothekariſche „Klage wider einen dritten Beſitzer Statt.« Von dieſer aus dem Art. 170 des Gewohnheits-Rechtes von Paris entlehnten Regel habe ich ſchon geſprochen.*) ſetzes eine Hypothek bleß unter dem Bedinge der Eintragung, in Hinſicht aller Forderungen vorhanden iſt, denen das Geſetz eine Hypothek beylegt; weil 3) dieſes Geſetz im Tit. 3, wo es ſich mit der Art beſchaͤftigt, die vorher exiſtirenden Hypotheken⸗ Rechte, ſelbſt an einer Gattung von Gütern, die in gewiſſen Theilen Frankreichs für beweglich gehalten wurden, z. B. an conſtituirten Reuten, aufrecht zu erhalten, von bloßen Hypo⸗ theken an Mobilien, die es ſo eben abgeſchafft hatte, gar nicht ſpricht; und weil es 4) aus der Verbindung dieſer verſchiedenen Verſügungen, und aus dem ganzen Zuſammenhange des Geſetzes hervorgehe, daß die Hypotheken an Mobilien ſowohl für die ver⸗ floſſene Zeit als für die Zukunft nicht mehr Statt haben. Jurispr. de la C. de C. 1307. p. 158 u. f. B⸗ *) Da der vorhergehende Artikel zwar nicht ausdrücklich, jedoch ganz zuverläſſig erklärt, daß in Mobilien keine Hypothek geſtellt werden kann, ſo moͤchte man beynahe glauben, daß die Ausdrücke, worin der vorliegende Artikel abgefaßt iſt, den Ge⸗ dankeu des Geſetzgebers nicht richtig bezeichneten. Wenn keine Hypothek, könnte man in der That ſagen, auf Mobilien gelegt werden kann, wozu bedarf es denn noch der Unterſuchung, ob das Recht, eine hypothekariſche Klage deßhalb gegen einen drit⸗ ten Beſitzer anzuſtellen,(1e droit de suite) auf Mobilien anwend⸗ bar ſey. Laßt uns indeſſen, ſagt Herr Tarrible a. a. D. n. s., die Abſicht des Geſetzes wohl auffaſſen. Nach der allsemei⸗ nen Regel koͤnnen Mobilien kein Gegenſtand einer Hypothek ſeyn, und folglich wird das aus ihrem Verkaufe gelöſte Geld verhaͤltnißmäßig uuter alle Glaͤubiger, ohne Unterſchied, ob ſie hypothekariſche oder chyrographariſche ſind, vertheilt. Nichts⸗ deſtoweniger wiſſen wir a), daß es Privilegien an Mobilien gibt, und daß dieſe Privilegien die Wirkung haben, den Gläubigern, die damit verſehen ſind, einen Vorzus vor den übrigen Gläu⸗ bigern bey der Vertheilung des Kaufpreiſes beyzulegen. Auch haben wir b)(in der Note zum vorhergehenden Artikel) bereits geſehen, daß das Vieh, und das zur Benutzung eines Grund⸗ 4 ½4 III. Such. XVIII. Tit. Pon Privilegien und Hypotheken. Art. 2120.»Durch das gegenwärtige Geſetzbuch wird „an den Verfügungen der Seegeſetze in Beziehung auf See⸗ »ſchiffe und Fahrzeuge nichts geaͤndert.*) Erſter Abſchnitt. Von den geſetzlichen Hypotheken. Art. 2121.»Die Rechte und Forderungen, welchen „eine geſetzliche Hypothek beygelegt iſt, ſind — ßückes gehörige Geräth, obſchon es feiner Natur nach beweglich iſt, doch ſeiner Beſtimmung zu Folge für unbeweglich gehalten werde, ſo lange es bey dem Erundſtuͤcke verbleibt, und als ſol⸗ ches, mit dem Grundſtücke ſelbſt zur Hypothek geſtellt werden tönne. Hat indeſſen der Schuldner die Mobilien, woran je⸗ mand ein Privilegium hat, oder die zu Folge ihrer Beſtimmung für unbeweglich gehalten werden, veräußert, ſo koͤnnen ſie, (wenn man nur jene ausnimmt, womit ein Haus oder Pachthof beſetzt iſt, die der Eigenthuͤmer des Hauſes oder Pachthofes bey dritten Perſonen in Beſchlag legen und von ihnen vindieiren kann, falls ſie ohne ſeine Einwilligung von Drt und Stelle ge⸗ bracht worden ſind,) in der Hand eines dritten nicht verfolgt werden.— Auf dieſe Mobilien alſo, woran jemand ein Privi⸗ legium hat, oder die zu Folge ihrer Beſtimmung für unbeweg⸗ lich gehalten werden, paßt ganz genau die in unſerem Artikel enthaltene Regel. B. *) Nach dem Art. 1, Tit 1 des B. 2 des Handlungs⸗Geſetz⸗ puches ſnd zwar die See⸗Schiffe, und andere auf der See ge⸗ braͤuchliche Fahrienge bewegliches Gut, gleichwohl haften ſie für die Schulden des Verkäufers, und insbeſondere fuͤr jene, die das Geſetz ſür privilegirte Schulden erklärt. Was dieß für Schulden ſind, und wie ſie erwieſen werden möſſen, wird in den Art. 2 und 3 des nzhmlichen Titels beſtimmt. Im Art. 7 heißt es ſo gar:„der freywillige Verkauf eines See⸗Schiffes, das auf einer Reiſe begriffen iſt, gereicht den Gläubigern des Ver⸗ käufers zu feinem Nachtheile. Dem zu Folse bleibt das Schiff oder deſſen Kaufpreis der geſchehenen Veräuſerung ungehinderte den beſagten Gläubigern verhaftet, die ſogar, wenn ſie es füt dienlich erachten, den Verkauf als betrüglich anfechten können⸗ 3. ul. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 287 „Jene der verheiratheten Frauen, an den Gätern ihrer „Maͤnner; „Jene der Minderjährigen und Interdicirten, an den „Gütern ihrer Vormuͤnder; „Jene des Staats, der Gemeinden und öffentlichen An⸗ „ſtalten, an den Gütern der zur Rechnungs⸗Ablage verpflich⸗ „teten Empfaͤnger und Verwalter.* Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit der T. un. cod. de rei uw. act. ²) — *) Der Grund der geſetzlichen Hypotheken überhaupt beſteht in dem beſondern Schutze, den die Glaͤubiger, denen ſie verliehen werden, verdienen; jene, die den Frauen verliehen worden iſt, beruht nebſtdem auf den beſondern Verhältnißen,; worin Ehegat⸗ ten untereinander ſtehen. Einer Seits hat der Geſetzgeber er⸗ klärt, daß die Ehegatten ſich einander Treue, Dienſte, Beyſtand, man kann noch hinzuſetzen, ein unbegraͤnztes Zutrauen ſchuldig ſeyen; anderer Seits hat er die Frau unter den Schutz des Mannes geſetzt, und ihr Gehorſam gegen ihn anbefohlen. Nichts würde indeſſen dieſer Harmonie, dieſem Zutrauen, das unter Eheleuten herrſchen ſoll, mehr zuwider ſeyn, als die ſtrengen Vorſichts⸗Maßregeln, die ein gewöhnlicher Gläubiger gegen ſei⸗ nen Schuldner ergreift; und die ihrer Natur nach einen Cha⸗ rakter von Mißtrauen, und ſogar von Feindſeligkeit an ſich tragen. Dieſer mühſeligen Nothwendigkeit hat alſo der Geſetz⸗ geber die furchtſame und behutſame Frau entheben wollen, hat ihr Intereſſe unter ſeinen Schutz genommen, und ihr eine Hy⸗ pothek verliehen, die ihr weit ſtärkere Sicherheit gibt, als jene, womit ſich der rauheſte und wachſamſte Glaͤubiger verſehen könnte. Die geſetzliche Hypothek der Frauen erſtreckt ſich uͤbrigens auf alle Forderungen, die eine Frau an ihrem Maune zur Zeit der Heirath hat, oder bis zur Auflöſung der Ehe an ihm noch er⸗ werben mag, gleichviel aus welcher Urſache ſie entſpringen, und ohne unterſchied, ob ſie ſich nach Dotal⸗Rechten, oder nach den Grundſaͤtzen der ehelichen Güter⸗Gemeinſchaft geheirathet habe. Répertoire de Jurisprud. F. Fpothsque, vect. 2, 5. 3, are⸗ 4. 3. B. 286 II. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Der zweyte mit der T. 20, cod. de admin. tut.*) Der dritte mit den LL. 28 und 46, h de jure ſisci überein.**) In ganz Frankreich richtets man ſich nach dieſen Ge⸗ ſetzen. Art. 2122.» Ein Gläubiger, der eine geſetzliche Hypo⸗ „thek hat, kann ſein Recht an allen Immobilien, die ſeinem „Schuldner wirklich zugehören, und an denjenigen, die in „der Folge ihm zugehören mögen, geltend machen, unter „den Einſchränkungen, die hierunter' ausgedruckt werden „ſollen.« Dieſes hier macht einen großen Unterſchied zwiſchen der geſetzlichen und vertragsmaͤßigen Hypothek aus, welche von *) Da der Ritvormund, und der Pro⸗Tutor; von welchen in den Art. 396 und 417 des G. N. die Rede iſt, wahre Vormün⸗ der ſind, ſo iſt es ungezweifelt, daß auch ihre Güter der geſetz⸗ lichen Hypothek unterworfen ſind. Inzwiſchen beſchraͤnkt ſich aber auch dieſe Hypothek bloß auf die Guͤter derjenigen, die eine wirkliche Verwaltung führen; ſo iſt zwar a) der Vor⸗ mund eines Interdicirten ihr unterworfen, dagegen erſtreckt ſie ſich aber b) weder auf die Gütrer eines bloßen Curators, wovon in den Art. 480 und 582 die Rede iſt, noch e) auf die Güter eines Rathgebers, der einem Verſchwender! oder den umſtänden nach einem Schwachſinnigen vom Gerichte angeordnet wird. Was den Nebenvormund betrifft, ſehe man die Anmer⸗ kungen zum Art. 2135. B. 4) Zwar gibt es noch mehrere Perſonen die Rechnungspflichtig ſind, z. B. die Segqueſter, die Hüter gepfändeter oder in Be⸗ ſchlag genommener Sachen, Erben unter der Rechts⸗Wohlthat des Inventariums, Euratoren einer varanten Erbſchaft, Syndi⸗ ten einer Fallit⸗Maſſe, ꝛc. Da indeſſen kein Geſetz ihre Güter einer geſetzlichen Hypothek zun Gunſten der Perſonen unterwirft, denen ſie Rechnung abzulegen ſchuldig ſind, ſo könuen dieſe auch darauf keinen Anſpruch machen⸗ Répertoire de Jurisprud. d a. O. u 4. B⸗ Mm. Buch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. a1, Rechts wegen nur ſpecial ſeyn, und folglich auf die zukünf⸗ tigen Güter nicht wirken kann. Beyde Regeln ſind indeſſen ihren Einſchraͤnkungen unterworfen, die man weiter unten antreffen wird. 3 weyter Abſchnitt. Von den gerichtlichen Hypotheken. Aro. 2123.» Die gerichtliche Hypothek entſteht aus „Urtheilen, zum Vortheile desjenigen, der ſie erwirkt hat, »ſie ſeyen auf Anhörung des andern Theils oder wegen „Nicht⸗Erſcheinens ergangen, definitiv entſcheidend oder pro⸗ »viſoriſch. Sie entſteht gleichfalls aus den bey Gerichte ge⸗ „ſchehenen Anerkennungen oder Unterſuchungen der Unterſchrif, »ten, die ſich bey einem unter Privat⸗Unterſchrift ausgefer⸗ „tigten verbindlichen Acte befinden. „Sie kann an den wirklichen Immobilien des Schuld⸗ »ners und an denjenigen, die er ſpäterhin erwerben mag, „geltend gemacht werden, jedoch ebenfalls mit Vorbehalt der „Einſchränkungen, welche hierunten ausgedruckt werden »„ſollen.« »„Schiedsrichterliche Entſcheidungen bewirken nur in ſo »fern eine Hypothek, als ſie mit einem gerichtlichen Be⸗ „fehle verſehen ſind, wodurch erklaͤrt wird, daß ſie vollſtreckt „werden ſollen⸗ „Urtheile, welche im Auslande ergangen ſind, konnen »gleichfalls nur in ſo fern eine Hypothek begründen, als ſie „von einem franzöſiſchen Gerichte executoriſch erklaͤrt find, „unbeſchadet jedoch der entgegengeſetzten Verfuͤgnungen, die »in den Staatsgeſetzen oder in den öffentlichen Vertraͤgen enthalten ſeyn mögen⸗*) Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit dem Art. 33 der Ordonnanz von Moulins, und mit der Declaration über⸗ *) Siehe Art. 334 u. f. des G.. dr. V. i. C. S. a88 1. Vuch. XVIII. Tft. Von Privilegien und Hypotheken. ein, welche Carl IX zur Erläuterung dieſer Ordonnanz er⸗ laſſen hat. Unſer Artikel ſpricht zwar im uugemeinen von den Ur⸗ theilen; indeſſen muß man diejenigen, welche der Appellation unterworfen ſind, von jenen unterſcheiden, welche in letzter Inſtanz erlaſſen werden. Werden die der Appellation unter⸗ worfenen Urtheile reformirt, ſo verſchwindet die Hypothek, die ſie bewirkt hatten, und ſie wird ſo angeſehen, als wenn ſie nie exiſtirt hätte. Sogar verſichert Auzanet, daß es ſich in der Praxis ſo verhalte, wenn ſchon das der Appellation un⸗ terworfene Urtheil nicht im ganzen ſondern bloß zum Theile reformirt wird, und daß in dieſem Falle die Hypothek erſt vom Tage des Appellations⸗Urtheiles angerechnet, ihr Da⸗ tum erhalte. Wie es ſcheint, iſt Rouseaud, v Hpothe- que, sect. 2, der nehmlichen Meinung; mir ſcheint indeſſen dieſes nicht gerecht zu ſeyn, und meines Erachtens müßte die Hypothek, in Anſebung jener Verurtheilungs⸗Puncte, die durch das Appellatio s-Urtheil beſttigt worden ſind, von dem Tage des in erſter Inſtanz gefällten Urtheiles angerech⸗ net, datiren. Uebrigens wurde die. Hypothek, nicht erſt vom Tage der Inſinuatiön der Urtheile, ſondern vom Tage an erworben, wo ſie ausgeſprochen wurden. S. Rodier, p. 572. Was die Anerkennung oder Unterſuchung der Privat⸗ Hand⸗ ſchriften betrifft, wurde die Hypothek nach der Vorſchrift des Art. 9 des Erictes von 1689 von dem Tage des Urtheiles an erworben, wodurch die Aechtheit der Handſchrift fuͤr bewieſen erklärt wurde— eine Verfügung, die mit dem Art. 107 des Gewohnheits-Rechtes von Paris übereinſtimmte: eben dieſer Artikel verieß auch eine Hypothek von dem Tage an, wo eine Partey ihre Unterſchrift bey Gericht abgeläugnet hatte⸗ vorausgeſetzt, daß die Handſchrift nachher anerkannt wurde; und dieß war allerdings gerecht, weil es in der Macht einer Partey nicht ſtehen muß, durch ihre Unredlichkeit die Erwer⸗ vung der Hypothek zu verzögern. Auch war dieſes, wie M. Buch. XVUI Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 210 Rodier, p. 239 ſagt, in der Praris angenommen, dagegen es ſich aber anders verhielt, wenn von der Anerkennung der Handſcheiſt eines Verſtorbenen die Frage war, die der Erbe ohne ſich einer Unredlichkeit ſchuldig zu machen, in Abrede ſtellen konnte.*) — *) Entweder erkennt der Schuldner die unter einer Privat-Urkunde ſtehende unterſchrift fuͤr die Seinige bey Gericht an, oder er läugnet ſie ab, es wird aber nachher bewieſen, daß es die Sei⸗ nige iſt. Im erſten Falle wird nach dem Art. 194 des Geſes⸗ buches ü. d. r. V. i. C. S. dem Klaͤger hierüber im urtheile Aet(Be⸗ ſcheinigung) ertheilt; im zweyten Falle wird die Unterſchrift für die Seinige erklärt. In beyden Faͤllen iſt alſo ein urtheil vorhan— den; wenigſtens vertritt im erſten Falle der Aet, welcher dem Klaͤger über die geſchehene Anerkenuung der unterſchrift ertheilt wird, die Stelle eines Urtheiles. Ein ſolches urtheil ſetzt der vorherbeſtehenden Verbindlichkeit etwas hinzu, weil es dis Exiſten; derſelhen bezeügt, die vorher wegen Mangel der Au⸗ thenticität ungewiß war. Entſpringt indeſſen auch aus derglei— cheu Anerkennungen oder Unterſuchungen der Unterſchriften eine Hypothek, ſo folgt doch daraus noch keine wirkliche Verurtheilung zur Zahlung der ſchuldigen Summe. Daher entſtand die Frage, ob ein Gläubiger, der ein Schulbbekenntniß unter Privat⸗unterſchrift in Händen hat, den Schuldner noch ehe die Schuld fällig iſt, oder ihre Zahlung gefordert werden kann, belangen könne, um die unterſchrift anzuerkennen, und ſobald dieſes geſchehen, oder die unterſchrift für ächt erklaͤrt worden iſt, das daruͤber erhaltene urtheil in die Hypotheken⸗Regiſter eintragen laſſen könne, um ſich von dieſem Tage an, ein Vorzugs⸗Recht vor nachherigen Gläu⸗ bigern zu verſchaffen. Unter dem Geſetze vom 11. Brumaire 7. J. ſowohl als unter dem G. N. kam dieſe Frage ſelbſt beym Caſſations Hofe vor, und wurde immer bejahend entſchieden. So erkannte a) die Civil⸗Sertion am 3. Februar 1806 in der Sache Montbar⸗ bon wider Magnier, P) die Hection des requétes am 15. Jän⸗ ner 1807 in der Sache Deslord wider Brveil, und e) die Civil⸗Seetion am 17. März 1807 in der Sache Hudin wider Lance. S. Journ. d. Aud. ete. 1806 p. 192 1. f. Julispr. de la C. de C. 1807 p. 114 und 174 u. f. IV. Mallev⸗ 19 a90 III, Buch. XVlII. Sit. Von Privilegien und Hypotheken. Der nehmliche Art. 107 des Gewohnheits⸗Rechtes legte ebenfalls einer Privat⸗Handſchrift, die vor Notar anerkanut w wurde, die Wirkung einer Hypothek bey; da indeſſen unſer d 1 Artikel bloß von gerichtlichen Hypotheken ſpricht, ſo hat er auch nur von der bey Gericht geſchehenen Anerkennung Er⸗ 3. eil Dieſe Jurisprudenz hat indeſſen eine Abaͤnderung erlitten durch das hier folgende Geſetz vom 5. Auguſt 1807, welches ſo b lautet: ei Geſetz in Betreff der Eintragungen von Hypotheken, welche 1 zu Folge der Urtheile geſchehen ſind, die auf Klagen um Aner⸗ 3 kennung eines unter Privat⸗Unterſchrift ausgeſtellten Schuld⸗ 4 ſcheines erlaſſen wurden. 1 Art. 1. Wenn auf eine Klage um Anerkennung eines unter Privat⸗uuterſchrift ausgeſtellten Schuldſcheines, welche vor der ſe Verfallzeit der Schuld oder bevor ſie gefordert werden konnte, 3 angehoben wurde, ein Urtheil erlaſſen worden iſt, ſo kann zu⸗ de Folge dieſes Urtheils nur dann die Eintragung des Hypotheken⸗ it Rechts vorgenommen werden, wenn die Schuld zur Zeit, wo ſie verfaͤllt, oder gefordert werden kanu, nicht bezahlt wird, mau pabe dann das Gegentheil ausbedungen.. z. Die Koſten, welche ſich auf dieſes Urtheil beziehen, koͤn⸗„ nen von dem Schuldner nur in dem Falle gefordert werden, de wenn er ſeine Unterſchrift abgelaͤugnet hat. 5H Die Koſten der Einregiſtrirung fallen dem Schuldner zur du Laſt, ſowohl in dem eben erwähnten Falle, als auch wenn er de ſich geweigert hat die Schuld nach der Zeit wo ſie verfallen war oder gefordert werden konnte, abzutragen.» 1 Freylich kann dieſem Geſetze in Folge ein urtheil, das äber eine ver demVerfalltage der Schuld bey Gerichte verlangte Anerkennung oder unterſuchung einer Unterſchrift erlaſſen worden . iſt, eine gerichtliche Hypothek hervorbringen; dagegen ſchiebt es die Wirkung dieſer Hypothek dadurch auf, daß es dem Glaͤubi⸗. * ger verbiethet, das urtheil vor dem Berfalltage eintragen zu laſſen. Hätte dieſem Verbothe zuwider der Gläubiger es nichts deſtoweniger eintragen laſſen, ſo wäre der Schuldner ſelbſt ſo— wohl, als auch andere Glaͤubiger berechtigt, auf Ausſtreichung der Inſeription anzutragen. Béperloire de Jurisprud. a. d. O Art. 5 v. 3. bung — MI. Buch XVIM. Tit. Pon Privilegien und Hypotheken. ayt waͤhnung gethan. Dieß hat nun zwar den Sinn nicht, daß aus einem vor Notar abgelegten Eingeſtändniße keine Hypothek entſpringen koͤnne; nur iſt ſie in dieſem Falle con⸗ ventional, welches im Syſtem unſerer jetzigen Geſetzgebung einen großen Unterſchied ausmacht. S, den Art. 2127. Sum dritten Theile des Artikels. Serres,(p. 436.) behauptete, ein ſchiedsrichterliches Urtheil bringe ebenfalls eine Hypothek von dem Tage an hervor, wo es einem No⸗ tar uͤbergeben würde; Rodier hat ihn aber hierin,(p. 57) zurechtgewieſen, welcher ſagt, daß die Ueberreichung, die an einen Notar geſchieht, weiter nichts als ein Hinterlegungs⸗ Act ſey, der dem Urtheile keine groͤßere Kraft ertheile. Un⸗ ſer Artikel iſt der Meinung des Rodier beygetreten.*) Zum vierten Theile. Dieſer ſtimmt mit dem Art. 127 der Ordonnanz von 1629, und mit der allgemeinen Praris überein. S. die Anmerkungen zum Art. 14. Im Staats⸗Rathe machte man uͤbrigens bey dieſem Ar— tikel eine wichtige Anmerkung, die man dem Verbal⸗ Prozeſſe einzurücken verordnete, nehmlich dieſe, daß die bey den Vergleichs-Büreaur geſchehenen Anerkennungen keine Hypothek nach ſich ziehen. Der Beweggrund dieſer Entſchei⸗ dung war, weil dieß ein Mittel ſeyn würde, der Bezahlung der Einregiſtrirungs⸗Gebühren auszuweichen. Dritter Abſchnitt⸗ Von den vertragsmäßigen Hypotheken. Art. 2124.»Vertragsmaßige Hypotheken koͤnnen nur „von denjenigen verwilliget werden, welche die Fähigkeit *) Nach dem Art. 1020 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S,. wer⸗ den die ſchiedsrichterlichen Urtheile vom Präſidenten des erſten Inſtanz⸗Gerichtes, in deſſen Beiirk ſie erlaſſen worden, und wenn das Erkenntniß einer Sache, worin ſchon ein Urtheil er⸗ gangen iſt, von welchem man aber appellirt hat, Schiedsrichtern überlaſſen worden iſt, vom Präßidenten des Appellations⸗Hofes executoriſch erklärt. B. 492 II. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypoiheken. „haben, die Immobilien zu veräußern, die ſie hiemit be⸗ „ſchweren wollen.« Weil die Stellung einer Hypothek an ſich ſelbſt eine Art von Veräußerung iſt⸗ Art. 2125.»Dicjenigen, welche an der unbeweglichen „Sache nur ein von einer aufſchiebenden Bedingung abhan⸗ „gendes, oder in gewiſſen Fällen wiederauflösliches oder der „Reſciſſion unterworfenes Recht haben, koͤnnen keine andere „Hypothik verwilligen, äls eine ſolche, die denſelben Bedin⸗ „gungen oder derſelben Reſciſſion unterworfen iſt.⸗ Et sub conditione res pignoratur, T. 13.§F. 5, h de pign. et Rypoth. hud ewistente perinde habetur, ac 61 stipulatio Sine conditione esset. P 11, F. 1, H qui pot. in pign- Art. 2126.»Die Guͤter der Minderjährigen, der Inter⸗ „dicirten und jene der Abweſenden, ſo lange deren Beſitz „nur proviſoriſch zuerkannt iſt, konnen nur aus den im „Geſetze gebilligten Urſachen, und in den hierin vorgeſchrie⸗ „benen Formen oder Kraft ergangener Urtheile zur Hypothek „geſtellt werden⸗« Die Worte: ſo lange deren Beſis nur proviſoriſch zuerkannt iſt, beziehen ſich einzig auf die Abweſenden.*) Art. 2727.»Eine vertragsmäßige Hypothek kann nur „durch eine vor zwey Notarien, oder vor einem Notar und *) Der wahre Sinn dieſes Artikels iſt, wie Herr Tarriblea. a St. Art. 6,„. 2 ſagt, diefer: Bormünder der Minderjähri⸗ gen und Interdicirten können die ihrer Verwaltung anver. rauten Immobilien einer EConventional⸗Hypothek unterwerfen, jedoch nur unter Beobachtung der geſetzlichen Formen; die präſumtiven Erben eiues Abweſenden, die in den Beſitz ſeiner Güter einge⸗ ſent ſind, können keine Eonventional⸗Hypothek in den Immobi⸗ lien deſſelben ſtellen; dagegen kann aber eine gerichtliche Hypo⸗ thek an dieſen Immobilien erworben werden. B⸗ Buch. XVIII. Zit. Pon Privilegien und Hypotheken. a53 „zwey Zeugen in authentiſcher Form verfertigte Urkunde ver⸗ „williget werden.« Man trug darauf an, daß der Anerkennung der Unter⸗ ſchrift, wenn ſie vor Notar geſchieht, die nehmliche Kraft beygelegt werden möchte, als wenn ſie bey Gerichte geſchieht⸗ Wird eine Urkunde unter Privat⸗Unterſchrift, antwortete man hierauf, entweder von beyden Contrahenten, oder auch ſogar vom Schuldner allein einem Notar übergeben, mit dem Er⸗ ſuchen über dieſe Uebergabe einen Act zu fertigen, alsdann iſt es ein Notarial-Act, welcher eine Hypothek ertheilt; uͤbergibt ſie aber der Gläubiger allein dem Notar, ſo kang dieſe Ubergabe nicht als eine Anerkennung der Unterſchrift des Schuldners gelten. Uebrigens ſtimmt der Artikel mit der T. ult. Cod. quæ res pign. oblig. und mit der allgemeinen Prarxis überein. Art. 2128.„Contacte, welche im Auslande geſchloſſen worden ſind, können auf Güter, die in Frankreich liegen, „keine Hypothek verſchaffen, wenn die Staats⸗Geſetze oder nöffentliche Verträge keine Verfügungen enthalten, die von „dieſem Grundſatze abweichen.» Stimmt mit dem Artikel 121 der Drdonnanz von 1629 uͤberein, Inzwiſchen waren doch die Rechtslehrer in Anſehung des Heiraths⸗Contractes, als welcher zum Voölker⸗Rechte gehoͤrt, und wegen der Beguͤnſtigung, die er verdient, ſehr verſchie⸗ dener Meinung. S⸗. hieruͤber Rousseaud, und die Schrift⸗ ſteller und Parlaments⸗Urtheile, die er v. Hypothéquas, 4ept. 2 n. H. anführt; Lapey nere lelt. H. in Nin. Da indeſſen unſer Artikel zu Gunſten dieſes Contractes keine Ausnahme gemacht hat, ſo hat er bloß dadurch die Frage entſchieden. Att. 2129.»Eine vertragsmäßige Hypothek iſt nur dann „gültig, wenn entweder in der authentiſchen Urkunde, woraus v die Forderung eutſtanden iſt, oder in einem ſpätern authen⸗ *tiſchen Acte die Eigenſchaft und die Lage eines jeden dem „Schuldner wirklich zugehörigen unbeweglichen Gutes, wg M. Buch. XVIII. Kit. Won Privjlegien und Hypotheken. „van die Hypothek zur Sicherheit der Forderung bewilliget *wird, beſonders ausgedruckt iſt. Von allen dem Schuldner «wirklich zugehörigen Guͤtern kann ein jedes nahmentlich zur „ Hypothek geſtellt werden. „Kuͤnftige Güter kann man nicht zur Hypothek verſchrei⸗ „ben.» Hier fängt das jetzige Hypotheken⸗Syſtem an, ſich zu entwickeln. Bishiehin hatte man die alten Regeln befolgt. Was man wohl zu bemerken hat, iſt dieſes, daß im vor⸗ liegenden Artikel bloß von der vertragsmäßigen Hypothek die Rede iſt.*) Seine Verfügung ſtimmt mit dem Att. 4 des Geſetzrs vom Brumaire überein. Art. 2130.„Sind inzwiſchen die gegenwaͤrtigen und noch „freyen Güter des Schuldners nicht hinreichend, um Sicher⸗ „heit fuͤr die Forderung zu verſchaffen, ſo kann er unter „Anführung dieſer Unzulänglichkeit, darin willigen, daß ein ⸗jedes der Güter, die er in der Folge erwerben wird, wie *er nach und nach es erwirbt, fuͤr die Forderung haften ſoll.⸗ Im Art. 4 des Geſetzes vom Brumaire hieß es bloß, der Gläubiger ſey befugt, mittelſt fernerer Inſeriptivnen, je⸗ *) Unter dem Ausdrucke: Eigen ſchaft des Gutes verſteht man gewöhnlich die Beſchaffenheit der Oberfläche. Daß der Geſetzge⸗ ber ihm dieſen Sinn beygelegt habe, beweiſt der verſchiedene, aber mehr bedeutende Ausdruck, deſſen er ſich im Art. 2148 n. bedient hat, wo es heißt, die Eintragung müſſe die An⸗ zeige der Gattung und die Lage der Guͤter enthal⸗ ten. Immobilien können freylich ſich nur durch ihre Pberfläche voneinander unterſcheiden. So machen alſo Gebäude, Wieſen, Waldungen, Weinberge, Ackerland, unangebautes Land ꝛc. ver⸗ ſchiedene Gattungen von Immobllien aus. Da die nehmliche Bezeichnung für jedes der hypotheſirten Immobilien wiederhohlt werden muß, ſo entſteht die Frage, was man durch ein ſolches einzelnes Immobile verſtehe, welches ins⸗ beſondere bezeichnet werden muß. Verſteht man unter dieſer Be⸗ nennung jedes Stück Wieſe, Weingarten, Waldung ꝛc., oder ver⸗ m. Buch. XVII. Tit. Von Frivilegien und Hypotheken. 296 doch ohne Nachtheil derjenigen, die älter als die ſeinige ſind, ſeine Hypothek auf die nachher erworbenen Güter aus⸗ zudehnen. Scheint auch ſchon unſer Artikel es zur Bedingung zu machen, daß die gegenwaͤrt'gen Guͤter nicht hinreichend ſeyen, ſo wäre doch meines Erachtens dem Schuldner, welcher ſelbſt darin eingewilligt hat, daß eine Inſcription auf die künfti⸗ aen Güter genommen werde, kein Gehoͤr zu geben, wenn er ſagte, die gegenwaͤrtigen Güter, welche er verſchrieben hat, ſeyen hinreichend. S. den Art. 2161, worin es heißt, daß ſeine Verfuͤgung auf die Conventional⸗Hypotheken nicht an⸗ wendbar ſey. ſteht man darunter die Stuͤcke von verſchiedener Natur zuſam⸗ mengenomnmen, die als Theile des ganzen in unverrückter Ord⸗ nung aufeinander folgen, und mit fremdem Eigenthum umgeben 1 ſird? Weder die eine noch die andere Bezeichnung, ſagt Herr Tarrible a. a. St n. 6, iſt bey Stellung einer Conventiv⸗ nal⸗Hypothek durchaus nothwendig. Will man ein Gut verſchrei⸗ ben, was aus Gebäuden, verſchtedenen Stücken von Waldungen, von Weingärten, von Ackerland beſteht, deren einige nebenein⸗ ander, andere hingegen abgeſondert liegen, ſo iſt es genug, das Gut mit ſeinem Nahmen, die verſchiedenen Gattungen von Gütern, woraus es beſteht, und deren Lage zu bezeichnen; we⸗ nigſtens kann man aledann ſagen, daß die Anzeige der Lage der Immobilien und ihrer Eigenſchaft oder Gattung geſchehen, und ſo der Wille des Geſetzes buchſtäblich erfüllt ſey. Inzwiſchen haben wir vorausgeſetzt, daß die verſchiedenen Eigenſchaften der Im⸗ mobilien, woraus das Gut beſteht, genau hergezählt worden ſchen; denn, haͤtte man bey dieſer Herzählung die Waldungen z. B. ausgelaſſen, ſo köunte man daraus den Schluß herleiten, daß die Contrahenten bloß die Abſicht gehabt haͤtten, die Gebäude, Wieſen, Weingärten und das Ackerland zu verſchreiben; und gienge ſogar aus den Ausdruͤcken des Aetes eine entgegengeſetzte n Abſicht hervor, ſo ließ ſich doch noch immer mit Recht behaup⸗ 3 ten, daß die Hypothek ſich nicht auf die Waldungen erßrecke, . weil dieſe Gattung von Gütern nicht bezeichnet worden iſt. B. *56 M. Buch. KVIII. Zit. Von Privilegien und Hypotheten. Art. 2131.„Auf gleiche Weiſe, wenn das zur Hypo⸗ *thek geſtellte gegenwärtige Immobiliar⸗Vermögen des Schuld⸗ »uers, das in einem oder in mehrern Gütern beſteht, zu »Grunde gegangen, oder in Verfall und Abnahme gerathen »ſeyn ſollte, ſo daß es ffür die Sicherheit des Gläubigers „unzureichend geworden, iſt dieſer befugt, entweder ſogleich auf ſeine Befriedigung zu fordern, oder einen Zuſatz zu ſei⸗ *ner Hypothek zu verlangen.«! Dieſer Artikel beruht auf den nehmlichen Beweggründen, wie der Art. 2020. S. die hiezu gemachten Anmerkungen.*) Art. 2132.„Eine vertragsmäßige Hypothek iſt nur in „ſo fern guͤltig, als die Summe, wofür ſie verwilliget wor⸗ »den, gewiß und in der Urkunde beſtimmt iſt. Iſt die For⸗ „derung, welche aus der Schuldverſchreibung entſpringt, ent⸗ weder in Hinſicht auf ihre Exiſtenz bedingt, oder dem „Werthe nach unbeſtimmt, ſo kann der Gläubiger die Ein⸗ *tragung, wovon unten die Rede ſeyn wird, nur bis zum *) Wird der Schuldner verurtbeilt zu zahlen; oder einen Zuſatz zur Hypothek zu ſitellen, und er thut letzteres nicht, ſo bleibt nur das erſtere übrig, und aus dieſer Verurtheilung entſpringt eine gerichtliche Hypothek, die mittelſt Eintragung des Urtheiles in die Hypotheken⸗Regiſter ſich auf alle gegenwärtige und zukuͤnf⸗ tige Guͤter des Schuldners ausdehnt. Dieß entſchied auch die Section des requétes des Caſſations⸗Hofes am 4. April 1308 in folgendem Falle. Ladvoeat war dem Herrn von Montzey kraft einer No⸗ tarjal⸗Phligation vom 27. März 1805 die Summe von 4/100 Franes ſchuldig, und hatte zur Zahlung dieſer Summe ſeine Guͤter zu Vancourt zur Special⸗Hypothek geſtellt. Da er nicht bezahlte, und überdieß geſagte Güter für frey von allen Hypo⸗ theken erklärt hatte, welches ſie doch nicht waren, ſo wurde er als eines Stellionates ſchuldig verfolgt, und verurtheilt. Kurz, Montiey ließ verſchiedene Erkenntniſſe, w durch ſein Schuldner in berrächtliche Koſten veturtheilt worden war, auf deſſen zu Vau⸗ gouleurs gelegene Gter eintragen, ſund betrieb die Vergantung der einen ſowohl als der andern. Dieſem Verfahren ſetzte Lad⸗ vorat entgegen, daß, da eine Speeial⸗Hypothek geſtellt wor⸗ den ſey, ſein Gläubiger ſein Verfahren auf die mit dieſer m. Buch. XVvIn. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 297 „Betrage eines beſtimmten Werthes nachſuchen, worauf ſich „die Forderung anſchlagen laͤßt. Er hat dieſen Werth hiebey „ausdrücklich anzugeben, und der Schuldner ißt berechtiget, „ihn, je nachdem ſich die Sache verhalt, vermindern zu „laſſen.« Dieſer Fall iſt von jenem des Art. 2130 ganz verſchieden, wo der Schuldner ſelbſt die Eintragung bewilligt hat; woge⸗ gen im vorliegenden Artikel der Glaͤubiger ohne Dazwiſchen⸗ kunft des Schuldners die Hypothek eintragen läßt; letzterer bleibt folglich allerdings berechtigt, auf Verminderung anzu⸗ tragen. Art. 2133.„ Eine einmahl erworbene Hypothek erſtreckt „ſich auf alle an dem verſchrebenen Immobiliar-Gute hin⸗ „zugekommene Verbeſſerungen.« Stimmt mit den PT. 13 und 16, H de pign. et hypoth. uͤberein. Man warf hier die Frage auf, ob die Hypothek ſich auf die Alluvion und auf den Anwuchs erſtrecke, den das hppo⸗ Hypothek beſchwerten Güter beſchränken müſſe, und der Art⸗ 2123, welcher eine allgemeine Hypothek ertheilt, ſich nur auf die Fälle beziehe, worin keine vertragsmäßige Hypothek Statt habe. Moutzey behauptete dagegen, dieſe Diſtinetion ſey unge⸗ gründet, und bemerkte überdieß, daß in Anſehung des Stellio⸗ nates, und der zahlreichen von Ladvocat verurſachten Proze⸗ duren, die zur Special-Hypothek geſtellten Güter unzureichend geworden ſeyen. Die Güter von Vanecourt und jene von Van⸗ gouleurs wurden wirklich vergantet und zugeſchlagen und am 25. März 1307 handhabte der Appellativns⸗Hof von Nancy dieſen Zuſchlag aus dem doppelten Grunde, weil zu Folge der Verurtheilung eine all gemeine Hypothek vorhanden, und die zur Special⸗Hypothek geſtellten Güter unzureichend gewor⸗ den ſeyen. Ladvoeat nahm zwar ſeinen Reeurs zum Caſſations⸗ Hoſe; aus den nehmlichen Gründen wurde aber ſein Caſſations⸗ Geſuch verworfen. Jurisprud, de la C. de C. 1605, p. 373. f B. *93 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. theſirte Grundſtuͤck durch die Veränderung des Bettes eines Fluſſes erhalten kann. Die Hypothek, antwortete man, erſtreckt ſich auf alles, was, nach den im Tit. I. des B. IH. des Geſetzbuches feft⸗ geſetzten Regeln als Zugehör der Haupt⸗Sache betrachtet wird. Anderſt würde es ſich aber mit einer durch ein anßerordent⸗ liches Ereigniß hervorgebrachten Vergroßerung verhalten, welche ſo beſchaffen wäre, daß ſie auf einmahl dem verſchrie⸗ benen Grundſtücke einen Umfang hinzufügte, welcher beträcht⸗ lich genug wäre, um es als ein neues, und vom erſten ganz verſchiedenes Grundſtück anſehen zu können. In Hinſicht der Alluvionen iſt die ſchon angeführte T. 16. ganz beſtimmt.*) Vierter Abſchnftt. Von der Rang⸗Ordnung der Hypotheken unter einander. Art. 2134.„Unter den Gläubigern hat eine Hypothek, ſie ſey geſetzlich, gerichtlich oder vertragsmäßig, erſt von „dem Tage an einen Rang, da der Glaͤubiger ihre Eintra⸗ „gung in die Regiſter des Hypotheken⸗Bewahrers nach der „im Geſetze vorgeſchriebenen Form und Weiſe bewirkt hat, jedoch mit Vorbehalt der in dem ſolgenden Artikel bezeich⸗ neten Ausnahmen. n Hier teng man auf eine Ausnahme zu Gunſten der Hy⸗ potheken an, die die Gewährleiſtung eines Verkaufes zum Gegenſtande haben mochten; unmöglich iſt es, ſagte man, ſie auf eine gewiſſe Summe zu beſtimmen, weil die Gewähr⸗ leiſtung nicht von dem Kaufpreiſe, ſondern von dem Preiſe, den die verkaufte Sache zur Zeit der Eoiction werth iſt, und * Uebrigens verſteht es ſich von ſelbſt, daß die Verſügung dieſes Artikels die Rechte ungekränkt laͤßt, die nach den Art. 2roz n. 4 und an7s dem Baumeiſter oder einem dritten Beſttzer zuſte⸗ ben moͤgen. S. m. Buch. XvIll. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 299 von dem Zuwachſe abhaͤngt, den er durch Zeit und Umſtände erhalten haben mag. Eine ſolche Ausnahme, antwortete man aber, wuͤrde a) das Syſtem zu Grunde richten; den Contrahenten ſteht es P) ſrey, die Verbindlichkeit ſo hoch anzuſchlagen, als die Ge⸗ währleiſtung ſich nur immer belaufen kann; ſchlagen ſie aber auch c) die Hypothek ſo hoch an, wie ſie wollen, ſo kann ſich doch in der Folge die Schuld noch höher belaufen; für den Schuldner iſt es alſo d) beſſer, daß man die Hy⸗ pothek auf eine gewiſſe Summe anſchlägt, als daß man ſie unbeſtimmt laͤßt; ohnehin wird e) die Rützlichkeit der Beſtimmung zur Folge haben, daß ſie gewoͤhnlich im Con⸗ tracte ausgedruckt werden wird. Der Appellations⸗Hof von Toulouſe warf folgende Frage auf. Geſetzt, ein Gläubiger nimmt gegen ein Urtheil, wel⸗ ches die Ausſtreichung ſeiner Hypothek verordnete, ſeinen Recurs zum Caſſations⸗Hoſe; dieſes Urtheil wird caſſirt, in der Zwiſchenzeit hat aber ein Dritter ſeine Hypothek gegen den Schuldner eintragen laſſen; behält der erſte Gläubiger ſeine Priorität, oder wird ihm der zweyte vorgezogen?— Ich antworte kühn, der erſte behält ſein Prioritäts⸗Recht.*) *) Dem vorliegenden Artikel zu Folge macht die Eintragung der Hypotheken in die dazu beſtimmten Regiſter einen ergänzenden Theil derſelben aus, und iſt nothwendig, um die Hypothek wirkſam und vollſtaͤndig zu machen. So unnütz auch beym erſten Blicke die uUnterſuchung dieſes Satzes ſcheinen mag, ſo ſehr wird man ſich doch von der Wichtigkeit deſſelben überzeugen, wenn man bedenkt, daß es außer den Fällen, wo eine Inſeription wegen Abgung irgend einer Formalitaͤt ungültig ſeyn kann, noch an⸗ dere gibt, wo Inſeriptionen, wenn ſie ſchon der Form nach regelmäßig ſind, nichts deſtoweniger keine Wirkung hervorbringen⸗ wie z. B. in den Faͤllen, die im Art. 2146 enthalten ſind. Wenigſtens muß man in dieſen Fällen wiſſen, ob dergleichen Hy⸗ porheken, die gegen regelmaͤßig inſeribirte Gläubiger offenbar ohne Kraft ſeyn wuͤrden, nichts deſtoweniger einen Vorzug vor ꝛ0c M. Buch. XVlM. Tit. Von Privilegien unb Hypotheken Art⸗ 2135.» Unabhängig von aller Eintragung tritt das Hypotheken⸗Recht ein, 1)„Zum Vortheile der Minderjährigen und Interdicirten, „an den dem Vormunde zugehörigen unbeweglichen Guͤtern „in Hinſicht der aus ſeiner Verwaltung entſtehenden „Forderungen, von dem Tage an, da er die Vormundſchaſt „angenommen hat; 2)» Zum Vortheile der Frauen, in Hinſicht ihres Braut⸗ „ſchatzes und alles deſſen, was ihnen nach dem Ehe⸗Con⸗ „traßte gebührt, an dem Immobiliar-Vermoͤgen ihrer Män⸗ „ner, und von dem Tage der Heirath anzurechnen, den Chzrographar⸗Glubigern haben, und ob es folglich vier Claſſen von Gläubigern gebe, Privilegirte nehmlich, inſeribirte Hypothekar⸗Glaͤubiger, nicht inſeribirte Hypothekar⸗Gläubiger, und Chyrographapiſche, welche nach eben dieſer Ordnung zu elaſ⸗ ſiſiziren ſeyen. Die Wahrheit des obigen Satzes wird indeſſen aus folgendem klar hervorgehen. Alle Diseuſſionen, die das neue Pypotheken⸗Weſen vorbe⸗ reiteten, hatten 1) hauptſächlich zum Gegenſtande, die Miß⸗ braͤuche der geheimen Hypotheken zu ſchildern, und ihnen Ein⸗ halt zu thun. Das Mitlel gegen die damit verknuͤpften ſehr ſchlimmen Folgen ſuchte man in den Geſetzen derjenigen Pro⸗ vinzen auf, worin die Beſitz-Ergreifung(nantissement) uͤblich war; die Pber⸗Gerichte dieſer Provinzen hatten feyerlich erklärt, daß ſie die Publieitaͤt der Hypotheken als das Meiſterſtück der Weisheit, als das Siegel, die Stütze und die Sicherheit des Eigenthums anſaͤhen. Dieſe Geſetzgebung nahm man zum Mu⸗ ſter, und baute das Hypotheken⸗Syſtem auf die zwey Grundlagen der Specialität und Publieität. Letztere beſtand in der Eintra⸗ gung aller Hypotheken in ein oͤffeutliches Regiſter. Da nun nach den Geſetzen dieſer Provinzen, z. B. nach den Gewohnheits⸗ Rechten von Amiens,(Art. 137); von Vermandois(Art. 119) und pon Artvis(Art. 72), ſeibſt Notariat⸗Contrgete kein Hypo⸗ theken⸗Recht gegen dritte Perſonen hervorbrachten, und ein bloß perſoͤnliches und Mobiliar⸗Recht bewirkten wenn ſie nicht durch die Beamten der Herter, deren Gerichtbarkeit die perſchriebenen Güter untgrworfen waren, realiſtrt worden waren⸗ und die Sintragung in die Regiſter der Hppotheken⸗Bewahrer lu. Buch. XviMI. Tit. Von Privilegien und Hppotheken. 301 „Die Frau hat in Hinſicht der Dotal⸗Gelder, welche „von Erbſchaften oder Schenkungen herrühren, die ihr wäh— „rend der Ehe angefallen oder gemacht worden ſind, erſt „von dem Tage an ein Hypotheken⸗Reckt, da die Erbſchaf⸗ „ten ihr angefallen find, oder die Schenkungen ihre Wirkung „erhalten haben. „Sie hat in Hinſicht der Entſchuͤdigung, welche ihr für die Schulden zukommt, die ſie mit ihrem Manne gemacht *hat, und in Hinſicht der ihr gebuͤhrenden Wiedererſtattung „fuͤr ihre veräußerten eigenen Güter, erſt von dem Tage an ein „Hypotheken⸗Recht, da die Schuld entſtanden, oder der „Verkauf geſchehen iſt. nach eben dieſem Beyſpiele eingeführt worden iſt, ſo iſt ſie eben⸗ falls zur Begründung eines Hypotheken⸗Rechtes nothwendig. Herr Staats⸗Rath Treilhard ſagt 2) in ſeiner Rede ans Geſetzgebunss⸗Corps bey Vorlegung dieſes Titels:„die Con⸗ veutional⸗Hypothek muß nothwendig durch Eintragung kundbar gemacht werden, um ihre Wiekung herverzubringen Auch die gerichtliche Hypothek muß durch die Eintragung Pubiicität er⸗ halten. Sogar bey Gelegenheit der geſetzlichen Hypotheken, wenigſtens jener, die an den Guͤtern der Rechnungspflichtigen zu Gunſten des öffentlichen Schatzes, der Gemeinden und der oͤfentlichen Anſtalten Statt hat, ſagt er:„das Geſetz verleiht ihnen an dem Vermögen ihrer rechnungspflichtigen Agenten eine Hopothek; um ſie aber dritten Perſonen entgegenſetzen zu koͤn⸗ nen, muß ſie durch Eintragung auf die damit beſchwerten Im⸗ mobilien kundbar gemacht werden.„ Selbſt die Privilegien bringen 3) nach dem Art. 2106 nur in ſo fern eine Wirkung hervor, als ſie durch Eintragung in die Regiſter kundbar gemacht worden ſind; um ſo viel mehr ſind alſo die Hypo⸗ theken der Publirität unterworfen, an deren Kenntniß doch ei⸗ nes Theils eben ſo viel gelegen iſt, als an jener der Privilegien, und die anderer Seits auf einer weuiger Begünſtigung verdienen⸗ den Urſache beruhen. Freylich bedient ſich 4) der vorliegende Artikel in Anſehung der Hypotheken ganz verſchiedener Ausdrücke. Indeſſen iſt es ein leichtes zu zeigen, daß eine Hppothek, die keinen Rang hat, duch keine Wirfung bervorbringe. 303 IM. Buch. XVlI. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. „In keinem Falle ſoll die Verfuͤgung des gegenwaͤrtigen „Artikels den Rechten zum Nachtheile gereichen, welche dritte „Perſonen vor der Verkuͤndigung des gegenwärtigen Titels erworben haben mögen.* Hier fragte man 1) warum der Staat, dem doch der Art. 212 eine geſetzliche Hypothek beylegt, verbunden ſey, ſie eintragen zu laſſen. Auf dieſe Frage antwortete man mit den in der Einlei⸗ tung zu dieſem Titel angefuͤhrten Gründen; inzwiſchen hat Der Art. 2 des Geſetzes vom 11. Btumaire„. J. war a) in den nehmlichen Ausdrücken abgefaßt; er lautete ſo:»Erſt durch ihre Eintragung in die oͤffentlichen Regiſter, nehmen die Hypotheken einen Ransg ein, und haben die Privilegien an Im⸗ mobilien eine Wirkung⸗ Dieſer Verfügung zu Folge war es im mer unbezweifelt, daß die Wirkungen jeder Hypothek der Publi⸗ cität untergeordnet ſeyen; da nun das Geſetzbuch Napoleons die nehmlichen Ausdrücke wiederhohlt hat, und auch in dieſem Punkte „ aus den nehmlichen Grundſätzen ausgegangen iſt, ſo hat es kauch dieſen Ausdrücken die nehmliche Bedeutung beylegen müſſen. Die Güter des Schuldners ſind b) nach den Art. 2093 und 2c das gemeinſchaftliche Unterpfand ſeiner Gläubiger, und der Preis, ſür den ſie verkauft worden, wird unter ihnen verhaͤltniß⸗ maͤßig vertheilt, wenn unter ihnen keine rechtmäßige Urſachen eintreten, warum einer dem andern vorgezogen werde. Die recht⸗ mäßigen urſachen, die einen Vorzug begruͤnden, ſind Privile⸗ gien und Hypotheken. Das Geſetz umfaßt hier alle Gläubiger des einen und deſſelben Schuldners. Der Rang, den der Art. 2134 den bloßen eingetragenen Hyrotheken gibt, iſt zu gleicher Zeit ſowohl das Zeichen als auch die Wirkung dieſes Vortuges; ſo oft alſo eine rechtmäßige urſache! eines Vorzuges zu Gunſten einiger unter mehrern Gläubigern vorhanden iſt, tritt unter ihnen ein Rang ein; ſo oft folglich das Geſetz Gläubigern einen Rang verſagt, iſt für ſie keine urſache eines Vorzuges vorhanden, mithin gehoͤren ſie zur Maſſe derjenigen Gläubiger, die den Preis der Güter ihres Schuldners nach Ver⸗ hältniß ihrer Forderungen unter einander theilen. Da nun iur Erhaltung eines Ranges die Hypothek eingetragen werden muß, ſo wird ſie auch nur durch dieſe Eintragnng wirkſam.], H. Vuch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hppothelen z03 man doch die Hypothek des Staates, in Betreff der Form der Inſeription, im Art. 2133 den geſetzlichen Hypotheken wieder gleich geſtellt. 2) Trug man auf die Abänderung des im Artikel vor⸗ kom nenden Wortes: zugehoͤrigen an, weil ſich daraus fol⸗ gern ließe, daß die Hypothek der Frauen und Minder⸗ jaͤhrigen nur die gegenwaͤrtigen Guͤter beſchwere. Dieſe Abänderung wurde angenommen; nichts deſtoweni⸗ ger iſt das Wort: zugehoͤrigen im Artikel ſtehen geblieben. Im Entwurfe des Artikels hatte man 3) die geſetzliche Hypothek der Minderjaͤhrigen auch auf die Güter des Ne⸗ ben⸗Vormundes ausgedehnt; auf Verlangen des Tribunates wurde indeſſen dieſe Verfügung deßwegen ausgeſtrichen, weil der Neben⸗Vormund keine Verwaltung hat. Im Art. a13 heißt es c):„unabhängig von aller Eintra— gung tritt das Hypotheken⸗Recht ein ¹) zu Gunſten der Min⸗ derjaͤhrigen ꝛe.v Allerdinss iſt dieß eine Ausnahme von der im vorhergehenden Artikel auſgeſtellten Regel. Beſteht nun dieſe Ausnahme darin, daß eins geſetzliche Hypothef zu Gunſten der Minderjährigen ꝛe, ohne alle Eintragung exiſtire, ſo muß wohl der allgemeinen Regel nach eine Hypothek nur durch Eintragung exiſtiren; dieſe letztern Ausdrücke, und jene des Art. 2134(worin es heißt, daß unter den Gläu⸗ bigern die Hypothek ert vom Tage der Eintragung) einen Rang habe, müſſen alſo das nehmliche bedenten. Der Art. 3 des Geſetzes vom Brumaire lautet d) gerade ſo: Die Hypothek exiſtirt, aber mit dem Bedinge der Sintragung. Die Präliminar⸗Aete, welche die Hypothek vorbereiten, wie z. B. Contracte, oder Urtheile ſind von dem Eintragungs⸗Acte verſchieden, ſie werden nicht an den nehm, lichen Dertern aufbewahrt, kommen nicht vor den nehmlichen Beamten zu Stande, und koͤnnen ihrer Natur nach nur nach und nach und zu verſchiedenen Zeiten ihr Daſeyn erhal⸗ ten. Um eine Hypothek zu bewerkſtelligen iſt die Vereinigung aller dieſer Formalitäten erforderlich, ſo wie die Theile vereinigt werden müſſen, um ein ganzes zu bilden; ganz richtig druckt der Geſetzgeber dieſen Gedanken durch die Worte aus: Die Hypo⸗ thek exiſtirt, aber mit dem Bedünge der Eintra— sung, d. h., die durch die Praͤliminar⸗Arte angefangene Hy⸗ — zo4 m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Fernet hieß es 4) im Entwurfe des Artikels, die geſetz⸗ liche Hypothek der Frauen trete in Anſehung ihres Braut⸗ ſchatzes, und alles deſſen, was im Heiraths-Contracte für ſie ausbedungen worden, vhne Unterſchied vom Tage ihrer Heirath anzurechnen, ein. Auch dieſes wulde auf Verlangen des Tribunates abge⸗ ändert, und der Unterſchied zwiſchen den verſchiedenen Gegen⸗ ſtänden, die die Frau zurückzufordern befugt iſt, ſo gemacht, wie er ſich im Artikel findet⸗ Das Tribunat ſtellte nehmlich pothek muß durch die Eintragung vollſtändig gemacht werden; geſchicht dieſes nicht ſo verſchwindet ihre preeäre Exiſtenz. Das Geſetzb Nap. iſt in dieſem Punkte vom Geiſte des Geſetzes vom Brumaire nicht abgewichen, indem es; eben ſo wie dieſes will, daß eine Hypothek, in Anſehung dritter Perſonen nur in ſofern Kraſt haben ſoll, als ſie eingetragen worden iſt. tach dem Art. 2166 haben e) nur die inſeribirten Gläubi⸗ ger das Recht, die hypothekariſche Klage gegen jeden Beſitzer des ihnen verſchriebenen Gutes geltend zu machen,— ein Recht“ was der Hypothek weſeatlich anklebt; da nun nicht inſeribirte Gläubiger dieſe Befugniß nicht haben, ſo iſt es klar, daß ihre Hypothek nicht vollſtändig iſt. Freylich war die Frags in etwa ſreitig, ob ein Släubi⸗ ger, ded eine noch nicht eingetragene Hypothek an einem Gute hat, welches ſein Schulduer nachher verkauft, ſeine Hypothek noch nach dem Verkaufe eintragen laſſen könne, ſo lange ber Käufer ſeinen Contract nicht hat transſeribiren laſſen; wirklich wären einige Rechtsgelehrten der Meinung, daß dieß kgeſchehen könne, wogegen aber andere das Gegentheil behaupteten; und iſ auch ſchon der Art. 634 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S. von der Strenge der Grundſaͤtze in etwa abgewichen, da er dem nicht inſeribirten Hypothekar⸗Glänbiger noch erlaubt, ſeine Hypothek binnen vicriehn Tagen nach der vom Erwerber geſche⸗ henen Trausſeription des Contrartes auf das veräußerte Gut eintragen zu laſſen, ſo beſtätigte er doch eben hiedurch die North⸗ wendigkeit der Eintraguns um der Hypothek ihre Wirkſamkeit zu verſchaffen. Das Handlungs⸗Geſetzbuch druckt enblich 7) dieſer Behaup⸗ tung das Siegel auf. Nach dein Art. 33 des B. 3. kaun kein Vertrag zwiſchen den Gläubigern uns dem Falliten anderſt zu im. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hppotheken. 365 vor, man habe ſich zwar im Entwurfe nach der Praxis von Paris gerichtet, dieſe ſey aber nicht allgemein. Nur in An⸗ ſehung des Brautſchatzes, ſagte er, muß die Frau eine Hy⸗ pothek vom Tage der Heirath an haben; wogegen aber a) jene zur Sicherheit der Wiederanlegung und der ihr etwa ge⸗ buͤhrenden Entſchaͤdigung erſt vom Tage des Verkaufes oder der eingegangenen Verbindlichkeit, und b) jene der in Hin⸗ Stande kommen, als durch die Mitwirkung ſo vieler Glaͤubiger; als ihrer der Aniahl nach die Mehrheit ausmachen, und deren Forderungen, ſo wie ſie nach den bengebrachten ſchriftlichen Be⸗ weisſtücken richtig befunden worden ſind, noch überdieß drey Viertheile der ganzen Summe ausmachen; die der Fallit nach dem Verzeichniße der in Gemäßheit des Abſchn. z des Cap. unterſuchten, richtig befundenen und einregiſtritten Forderungen ſchuldig iſt; in dem hierauf folgenden Art. s4 heißt es:„Die in die Hypotheken⸗Regiſter eingeſchriebenen Hypothekar⸗Gläubi⸗ ger, ſo wie auch jene, die mit einem Fauſtpfande verſehen ſind, haben bey den Verathſchlagungen über den mit dem Falliten ab⸗ zuſchließenden Vertrag keine Stimme„ Die Urſache hievon iſt offenbar, weil die inſeribirten Hypothekar⸗Gläubiger, ſo wie jene, die mit einem Fauſtpfande verſehen ſind, in ihren Hypo⸗ theken und in ihrem Fauſtpfande die Sicherheit fuͤr ihre Befrie⸗ digung finden, und folzlich ungeſtraft beträchtliche Nachlaͤſſe an den chyrographariſchen Forderungen bewilligen könnten, dereh Concurrenz ſie mit ihnen nicht zu befürchten haben. Da indeſ⸗ ſen der angefuͤhrte Artikel nur die mit einem Fauſtpfande verſe⸗ henen und inſeribirten Hypothekar⸗Gläubiger ausſchließt, und die zu dieſer Zeit noch nicht inſeribirten Hppothekar⸗Släubi⸗ ger nach dem Art. a146 des G. N. ſich nicht mehr mit Wirk⸗ ſamkeit inſeribiren laſſen können, ſo iſt es klar, daß dieſe letz tere von der Berathſchlagung nicht ausgeſchloſſen ſind, frlglich das Geſetz ihre ohnmächtige Hypothek ſür nichts rechnet; und ſie den bloßen Chyhrographar⸗Glänbigern gleich ſtellt. So iſt es alſo erwieſen, daß die Eintragung eine nothwen⸗ dige Formalität iſt, um det Hypothek im allgemeinen ihre Wirk⸗ ſamkeit zu verſchaffen, und daß Hypothekar⸗Glaͤubiger, die ent⸗ weder nicht inſeribirt ſind, oder ſich in dem Falle befinden, ihte Hypothek nicht mehr mit Wirkſamkeit in die Regiſter eintragen laſſen zu können, keinen Vorzug vor bloßen Chyrographar⸗Gldu⸗ bigern haben. Ropert, de juriepr.. Tnyiotion Ayporhdaaire, 5. 2. IV. Malev. 20 306 Ul. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. ſicht der ihr waͤhrend der Ehe angefallenen Erbſchaften, oder gemachten Schenkungen erſt vom Tage der Eröffnung der Erbſchaften, oder vom Tage der Schenkungen angerechnet, ihr Daſeyn erhalten muß, und zwar um ſo mehr, da man, wenn man dieſen Hypotheken eine zurückwirkende Kraft bey⸗ legte, den Betrug erleichtern, und der Frau das Mittel an die Hand geben wuͤrde, ſich durch verſtellte Ver⸗ Ganz nach dieſen Grundfätzen entſchied der Appellations⸗Hof von Bordeaur am 5 May 1808 in folgendem Falle; am 20. Meſſidor 13. J.(9. Julius 1305) fallirte Ollie. Am 5. Veu⸗ demiaire 14. J.(7. Set. n. J.) wurde ein Nachlaß⸗Vertrag von ſeinen Chyrographar⸗Gläubigern, deren Forderungen drey Viertheile der ganzen Schuld⸗Maſſe ausmachten, unterzeichnet, und am a9. Brumaire n. J.(20. November n. J.) vom Han⸗ delsgerichte zu Bordeaux beſtätigt. Schon am 11. Floreal 13. J.(1. May 1363) war indeſſen Pllié verurtheilt worden, dem Herrn Berger die Summe von 1075 Liv. zu zahlen. Kraft dieſes Urtheiles hatte Berger am 10. Vendemiaire 14. J. E. Hetober 1305) alſo ungefähr fünfzig Tage vor der Beſtätigung des Nachlaß⸗Vertrages die Mobilien des Hllié in Beſchlag neh⸗ men laſſen. Um dieſer Pfändung ihre Wirkung zu benehmen, ließ Hllis den Berger zum Handlungsgerichte abladen, und trug dort darauf an, daß der beſtätigte Nachlaß⸗Vertras auch für ihn verbindlich erklaͤrt werden moͤge. Ein Contumacial⸗Urtheil vom 6. Frimaire 14. J.. September 1805) erkannte dem Ollié dieſen Antrag zu. Von dieſem Urtheile appellirte Berger; er behauptete, er ſey vom 1. May n. J. an, wo Ollis verurtheilt worden iſt, ihm obige Summe zu zahlen, Hypothekar⸗Glaͤubi⸗ ger; dieſes Urtheil ſey zwey Monate vor dem Ausbruche des Fallimentes erlaſſen worden; zwar habe er ſeine Hypothek erſt nach dieſem Ausbruche eintragen laſſen! allein die Hypothek exi⸗ ſtire unabhängig von der Eintragung; könne er alſo auch unter den Hypothekar⸗Glaͤubigern keinen Rang einnehmen, ſo behalte er nichts deſtoweniger das Recht, den Chyrographar⸗Gläubigern vorgezogen zu werden, und hauptſächlich das Recht, keinem Nachlaß⸗Vertrage beytreten zu müſſen. Das Urtheil des Han⸗ delsgerichtes wurde indeſſen beſtätigt. Jurispr. de la C. de C. 1806 im Anhange p. 183 u. f. B. „ MI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 307 bindlichkeiten den Vorzug vor den ältern Gläubigeru zu ver⸗ ſchaffen. So wurde alſo nicht nur die alte Praxis des Parlamentes von Paris, ſondern auch jene aller Parlamente, wobey das römiſche Recht galt, abgeaͤndert, welche der Frau in Hin⸗ ſicht ihres Brautſchatzes, alles deſſen, was zu ihrem Vor⸗ theile im Heiraths⸗Contracte ausbedungen worden, ſo wie in Hinſicht der Gegenſtaͤnde aller Art, die ſie zurückzufordern befuht ſeyn mag, ohne allen Unterſchied eine Hypothek vom Tage der Heirath an, angedeihen ließen. S. Rousseaud, v. Bpothéqhues, Sect. 5, n. 1 Lapeyrère, lett. N, n. 46 und 47 Maynard, liv. 7, ch. 53, Coquille, uͤber das Gewohnheits⸗Recht von Nivernois, ch. 23, art. 18, etc. Zu Toulouſe war es ganz anders; hier wurde nehmlich die Frau, in Gemäßheit der berühmten E. assiduis, ſelbſt denjenigen Gläubigern vorgezogen, deren Forderungen aͤlter als ihre Heirath waren. S. Serres, p. 568 u. f. In Bordeaux machte man hingegen folgenden Unterſchied: hatte die Frau ſich alle gegenwärtige und zukuͤnftige Güter als Heiraths⸗Gut ausgeſetzt, und ihr Mann erkannte wäh⸗ rend der Ehe an, etwas von ihr empfangen zu haben, ſo wirkte deßwegen die Hypothek bis zum Tage der Heirath zurück; hatte ſie aber ihre künftigen Güter ſich nicht als Heiraths⸗Gut ausgeſetzt, ſo erhielt die Hypothek ihr Datum erſt vom Tage des Empfangs. Lapeyrère, lett. H, p. 163.*) * Die geſetzliche Hypothek der Frauen und der Minderjährigen zeichnet ſich durch folgende Vortheile vor allen andern Hypo⸗ theken aus: 1) umfaßt ſie alle Süter, die der Mann oder der Vormund zur Zeit der Heirath oder der Annahme der Vormundſchaft beſitzen, ſo wie auch jene, die ſie noch in der Folge erwerben; die Conventional⸗Hypothek hingegen kann nur die wirklichen Güter, und die der Schuldner ausdrücklich ver⸗ ſchrieben hat, erreichen. 2) Kann nach den Art. 2252 und 2a56 während der Ehe oder der Vormundſchaft keine Verjäh⸗ rung weder zu Gunſten des Mannes oder des Vormundes, noch iu Gunſten dritter Erwerber der mit dieſer Hypothek behafteten 303 1I. Buch. XVIn. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2136.„Die Ehemänner und Vormünder ſind gleich⸗ „wohl verbunden, die Hypotheken, die auf ihren Gütern Göter laufen; dagegen die Verjaͤhrung aller andern Hypotheken zu Gunſten des Schuldners vom LTage der Verbindlichkeit an, und zu Gunſten dritter Erwerber vom Tage der Transſeription ihres Rechtstitels zu laufen anfängt.(Art. 2180.) 3) Können die Güter, worauf dieſe geſetzliche Hypothek haftet, nur auf die beſondere in dem Art. 2193 u. folg. vorgezeichnete Weiſe davon frey gemacht werden; dagegen für die Freymachung der Güter von den übrigen Hypotheken eine andere allgemeine Weiſe ver⸗ geſchrieben iſt; endlich 4) eriſtirt die Hypothek der Frauen und Minderjährigen mit dem Rechte, die hypothekariſche Klage gegen jeden Beſitzer geltend zu machen, unabhaͤngig von aller Eintra⸗ gung, und hat ihren Raͤng vom Tage der geſchloſſenen Ehe oder der Annahme der Vormundſchaft; wogegen die übrigen Hy⸗ potheken keine Exiſtenz oder doch keine Wirkung anderſt als mit⸗ telſt der Eintragung haben, und erſt vom Tage an, wo dieſe Formalitaͤt erfüllt worden iſt, einen Rang einnehmen. Heißt es inzwiſchen im vorliegenden Artikel, die geſetzliche Hypothek der Frauen und der Minderjährigen exiſtire unab⸗ haͤngig von aller Eintragung, ſo hat dieſes doch den Sinn nicht, als wenn ſie durchaus von aller Eintragung frey erklaͤrt ſey; ganz anderer Ausdrücke bedient ſich wenigſtens a) der Art. 2107 in Anſehung gewiſſer Forderungen, die er wirk⸗ lich von aller Eintragung frey erklären wollte; auch bezeichnet ja b) das Geſes in den Art. 2136, 2137 und 2138 die Perſo⸗ nen, die die Eiutragung dieſer Hypotheken befoͤrdern ſollen; ſo wie es dann auch e) im Cap. 9 dieſes Titels, im Falle, wo der Mann oder der Vormund ſeine Güter verkauft, ausbrücklich feſtſetzt daß dieſe Hypotheken in einer gewiſſen Zeitfriſt eingetra⸗ gen werden müſſen, wo widrigenfalls die verkauften Huͤter frey davon auf den Erwerber übergehen. Nein— der Sinn obiger Ausdruͤcke iſt dieſer: Nicht das Datum der Eintragung, ſonderu das Datum der Heirath oder der Annahme der Vormundſchaft beſtimmt den Rang det geſetzlichen Hypothek der Frauen und Minderjährigen: Ferner, das Recht eine hypothekariſche Klage gegen jeden Beſitzer der mit dieſer Hypothek belaſteten Güter an⸗ zuſtellen, welches eine der wichtigſten Eigenſchaften einer Hy⸗ pothek iſt, exiſtirt und iſt wirkſam, ſelbſt vor aller Eintragung. Was dieſes letztere Recht betrifft, dieß beſteht ebenfalls in der Verſicherung, doß das veräußerte Gut von der darauf haftenden Ul. Buch XvllI. Tit. Yon Privilegien und Hypotheken. 309 „haften, kundbar zu machen, und zu dieſem Ende, anf den „Büreaur, die hiezu angeordnet ſind, auf die Immobilien, Hypothek nicht frey gemacht werden könne, ohne daß der Hypo⸗ thekar⸗Glaͤubiger berufen werde, um ihn in den Stand zu ſetzen, dafur zu ſorgen, daß s Gut auf ſeinen wahren Werth gebracht werde. Iſt von jeder andern Hypothek, als von der geſetzlichen Hypothek der Frauen und Minderjährigen die Rede, ſo muͤſſen nach dem Art. a1s3 nur die inſeribirten Gläubiger von der Ver⸗ äußerung benachrichtigt werden; was aber jene geſetzlichen Hypo⸗ theken betrifft, hievon kann das Gut, wenn ſie ſchon nicht dar⸗ auf eingetragen iſt, anderſt nicht befreyt werden, als wenn die im Art. 2194 vorgeſchriebene Inſinuation der Frau oder dem Kebenvormunde perſoͤnlich geſchehen iſt. In eben dieſem Artikel 2194 heift es aber auch, daß die zu Folge ſeiner Vorſchrift bewerkſtelligten Eintragungen die nehmliche Wirkung haben ſollen, als wenn ſie am Lage des Heiraths⸗Contractes oder der An⸗ nahme der Vormundſchaft geſchehen ſeyen. Dieſe Sintragung iſt alſo zwar nothwendig, um die Wirklichkeit des geſetzlichen Hy⸗ potheken⸗Rechtes au Tag zu legen; keineswegs aber beſtimmt ſie, wie bey den uͤbrigen Hypotheken, den Rang, den die Hypothe⸗ ken der Frauen und Minderjährigen einzunehmen haben. Hier eutſteht indeſſen die Frage, ob die geſetzliche Hypothek der Frauen an den Gütern ihrer Männer, und jene der Min⸗ derjährigen an den Gütern ihrer Vormuͤnder, nach aufgelöſter Ehe oder nach geendigter Vormundſchaft, noch mit allen ihnen anklebenden Vortheilen, unabhängig von jeder Eintragung auf die nehmliche Art fortbeſtehe, wie ſte während der Ehe und der Vormundſchaft beſtand; oder ob es nicht im Gegentheile eine beſtimmte Zeitfriſt gebe, nach deren Ablauf die geſetzliche Hypothek wegen Mangel der Eintragung ihre Haupt⸗Eigenſchaft verliere, und jetzt nur denjenigen Rang einnehme, den ihr das Datum ihrer verſpäteten Eintragung beylegt. Dieſe Frage iſt zu wichtig, als daß ich nicht, ſo viel als möglich, dasjenige hier aufuͤhren ſolte, was Herr Tarrible im Répert. de jurispr. g. a. St. F. 3/ n. 2 darüber ſaut. Zuerſt ſtellt er die Gründe derjenigen dar, welche der Meinung ſind: duß nach auſgeloſter Ehe oder nach geendigter Vormundſchaft die Natur der geſetzlichen Hypothek geändert werde, und ſie nun in einer beſtimmten Zeitfriſt in die Regiſter eingetragen werden muͤſſe. Dieſe Gründe ſind folgende; 310 UI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken⸗ „die ihnen wirklich zugehdren und auf diejenigen, die in der „Folge ihnen zugehören moͤgen, die Eintragung ſelbſt nach⸗ „zuſuchen. 1) Bey der geſetzlichen Hypothek der Frauen und Minder⸗ jährigen, muß man das Hypotheken⸗Recht an ſich ſelbſt von der Erhaltung des Rechtes unterſcheiden. um dieſes Recht aufrecht zu erhalten, koͤnnen Formalitäten norhwendig ſeyn, die von der Begründung deſſelben unabhaͤngig ſind, nehmlich die Formalitat der Eintragung. 2) Daß das Gefetz dieſe Hypothek von der Eintragung nicht habe frey erklären wollen, dieß beweiſt insbeſondere der Art. 2194, nach deſſen Vorſchrift im Falle, wovon er handelt, die Eintragung von Seiten der Frau ſelbſt und zwar während der Ehe um ſo norhwendiger iſt, da widrigenfalls ihr Hypotheken⸗ Recht erliſcht; um ſo viel mehr kann alſo die geſetzliche Hypo⸗ thek nach aufgelöſter Ehe oder nach geendigter Vormundſchaft der Eintragung unterworfen werden. 3) Der Art. z2 des Sdictes aus dem Monate Junius 1771 verbreitet über dieſe Frage großes Licht; hier heißt es ſo: wir wyllen in dem gegenwärtigen Edicte die Hyypo⸗ theken der Frauen an den Suͤtern ihrer Männer wahrend der Lebenszeit geſagter Maänner nicht mit einbegreifen. In allen auf den vorliegenden Gegenſtand ſich beziehenden Artikeln ſpricht das Geſetzbuch Napoleons immer⸗ waͤhrend von der Perſon des Mannes, von der Perſon der Frau, von jener des Vormundes, von jener des Minderjährigen ꝛc. und dieß ſetzt allerdings voraus, daß alle Verfügungen ſich auf die Zeit beziehen, wo beyde Perſonen mit ihren gegenſeitigen Cigenſchaften zuſammen exiſtiren, di h. wo die Frau und der Mann noch wirklich verheirathet ſind, wo der Minderſährige noch wirklich unter der Verwaltung ſeines Vormundes ſteht. Da nun das Ediet von 1771 die Frauen während der Ehe von den Oppo⸗ ſitivns⸗Acten, welche conſervatoriſche Maßregeln ſind, befreyte, ſo hat auch das Geſctbuch Napoleons die Frauen und Minder⸗ jährigen von der Eintragung, die ebenfalls nur eine conſerva⸗ toriſche Maßregel iſt, aber nur waͤhrend der Ehe, rder der Rin⸗ derjährigkeit frey erklären wollen. 4) Das Edict von 1771 ſah nur auf das Intereſſe dritter Erwerber. Nur zur Zeit der Veräußerung mußte Oppoſition gemacht werden, und dieſe beſtimmte alsdann den Rang der ————— S——* u. Buch. XVllI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 311 „Ehemänner und Vormünder, welche verſäumt haben, die in dem gegenwärtigen Artikel befohlenen E Eintragungen Opponenten nach ihren gegenſeitigen Rechtstiteln, ohne Rückſicht auf die Orbnung, worin die Oppoſitionen ſelbſt gemacht worden waren. Das G. N. hat fuͤr die Sicherheit dritter Perſonen überhaupt ſorgen wollen, die entweder das Eigenthum eines ſchon hypotheſirten Gutes, oder ein Hypotheken⸗Recht daran zu erwer⸗ deu wünſchen; den Erwerbern des Eigenthums hat es Mittel au die Hand gegeben, das Gut von den Hypotheken frey zu machen, und den BGläubigern Mittel verliehen, ſich zu verſichern, ob das Pfand, welches man ihnen anbiethet, hin⸗ länslich ſey; dieſes Mittel beſteht in der Publicität der Inſeriß⸗ tionen. Man hat indeſſen ſchon geſehen, daß die geſetzlichen Hypotheken der Frauen und Minderjährigen in Anſehung dritter Erwerber nicht von der Eintragung befreyt ſind. Segar iſt in dieſer Hinſicht das G. N. ſtrenger als das Ediet von 1771, weil dieſem Edicte zu Folge ein dritter Erwerber das Gut bey Leb⸗ zeiten des Mannes nicht einmahl mit Wirkſamkeit von der Hy⸗ vothek der Frau frey machen konnte, da doch, nach dem G. N.“ der dritte Erwerber die Frau ſelbſt während der Ehe zwingen kann, ihre Hypothek und zwar bey Strafe des Verluſtes eintra⸗ gen zu laſſen. Dieſe Strenge zeigt ſchon zum Voraus an, das das G. N. ſich ebenfals nicht, was das Intereſſe eines dritten Gläubigers betrifft, übertrieben nachgiebis gegen die Frauen habe bezeigen wollen. Jn der That lest es ja 5) Dem Manne, dem Pormunde, dem Nebenvormunde aus⸗ drücklich die Pflicht auf, waͤhrend der Ehe vder der Minderjaͤh⸗ rigkeit die Hypothek eiutragen ju laſſen. Freylich ſchadet die Unterlaſſung dieſer Formalität der Frau oder dem Minderjähri⸗ gen nicht; dagegen bleibt es doch ſicher, daß das Geſetz ihre Eintragung und zwar während der Ehe oder der Vormundſchaft gewollt habe; denn, nach aufgelöſter Ehen oder geendigter Vor⸗ munpſchaft iſ kein Mann, kein Vormund, kein Nebenvormund, kurz, keine der Perſonen mehr vorhanden, die nahmentlich zur Eiuzragung verbunden ſind; da ſich nun nicht denken läßt, daß eine während der Ehe uud der Minderzährigkeit mit ſo vieler Strenge aufertegte Verbindlichkeit nach aufgelöſter Ehe oder nach erlung⸗ ter Großjährigkeit aufhöre, ſo muß man allerdiugs eingeſtehen, daß eben dieſe Verbindlichkeit auf die Frau und den Großährj⸗ gen, die nun über ihre Rechte frey disponiren koönnen! über⸗ gehe. In dieſem Sinne ſagt 312 UM. Buch XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken „nachzuſuchen und zu veranſtalten, und dann nachher Pri⸗ „pilegien oder Hypotheken auf ihre liegenden Güter entweder „verwilligen oder von andern nehmen laſſen würden, ohne 6) Herr Lreilhard in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps: man muͤſſe die Folgen der Unterlaſſung aufdie Männer und die Vormünder ſchieben während die Frauen und die Pflegbefohlene offenbar von alem Vorwurfe ſrey ſind. Ausdrücke, die ſich offenbar auf die Zeit der beſtehenden Ehe und der Minderjaͤhrigkeit be⸗ ziehen. Kurz, die Eintraguns iſt eine conſervatoriſche Mafßre⸗ gel, wovon das Geſetz die Frau und den Minderjährigen ſo lange befreyen konnte, als ſie daran verhindert waren, wozu aber dann, wenn die Hinderniſſe gehoben ſind, kein Grund mehr vorhanden iſt. Die geſetzliche Hypothek der Frauen und Minder⸗ jährigen wird alſo der Eintragung unterworfen, wenn die Frau Wittwe wird, und der NMinderjaͤhrige ſeine Groſjaͤhrigkeit er, reicht hat. Wann, und binnen welcher Zeitfriſt ſoll nun aber dieſe Sintragung Statt haben? um dieſe Frage aufzulöſen, muß man, ſagen die Anhaͤnger dieſer Meinung, die Eintragung in den Ver⸗ hältnißen unterſcheiden, worin ſie gegen die Glaͤubiger, und gegen dritte Erwerber ſieht. A. Was die Gläubiger betrifft: muß man ijuerſt annehmen, daß das aus der geſetzlichen Hypothek der Frau entſprinsende Recht ihr in dem Augenblicke, der auf die Aufloͤſung der Ehe folgt, ſeinem ganzen Umfange nach, und zwar ohne Ruͤckſicht auf alle Eintragung zuſtehe; denn erlitte es in dem Augen⸗ blicke, wo die Frau die noͤthige Freyheit erwirbt; um Gebrauch davon zu machen, eine Modification, oder hoͤrte es ſogar in die⸗ ſem Augenblicke auf, ſo wuͤrde es offenbar fruchtlos ſeyn. Um ſich alſo mit dem Syſtem des Geſetzes wieder in Harmonie zu ſetzen, muß man hieraus die Folge herleiten, daß in dieſem Au⸗ genblicke eine ſtillſchweigende Eintragung vorhanden ſey, die die nehmliche Kraft hat, wie eine huchſtaͤbliche. Auch muß dieſe ſtillſchweigende Eintragung von der nehmlichen Dauer ſeyn, wie eine ausdruͤckliche; und da die Verfuͤgung des Art. 215 in Betreff der Dauer der Inſeriptionen ganz allgemein iſt, ſo muß auch dieſe ſtillſchweigende Eintragung nur iehn Jahre lang dauern. Freylich bedarf die Frau keiner urſprünglichtn Eintra⸗ gung die bey gewöhnlichen Hypotheken nothwendig iſt, um ih⸗ m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 313 „ausdrücklich zu erklären, daß beſagte Immobilien der den „Frauen und den Minderjaͤhrigen geſtatteten geſetzlichen Hy⸗ nen einen Rang zu ertheilen, weil der Rang ihrer Hypothek auf die Epoche der Heirath feſtgeſetzt iſt; nichts ſpricht ſie aber, wenn ſie frey iſt, von der Aufrechthaltuns dieſes Ranges, und folglich von der Eintragung binnen den zehn Jahren los. Unter⸗ läßt ſie dieſe waͤhrend der zehn Jahre nach aufgelöſter Ehe, ſo wird zwar ihre Hypothek an den Gütern, die urſprünglich damit be⸗ laſtet waren, fortwaͤhren, aber die gewöhnlichen Hypotheken, die vor der Inſeription ſich eingetragen finden, welche ſie nach Ablauf der zehn Jahre genommen hat, werden den Vorzug vor der ihrigen haben. Das nehmliche paßt auch auf die Minderjährige und ihre Erben. B. In Hinſicht dritter Erwerber iſt die Frau zu einer buch⸗ ſtablichen Sintragung verbunden, ſobald der Erwerber das Gut frey machen will. Waͤhrend der Ehe iſt ſie ſchon hiezu verbun⸗ den, wenn ſie ihre Hypothek nicht verlieren will, um ſo viel mehr alſo nach aufgelöſter Ehe. Nur kann in der Art des Verfah⸗ rens welches der Erwerber zu befolgen hat, um die Frau zur Ein⸗ tragung zu zwingen, ein Unterſchied Statt haben. Hat der Er⸗ werber vom Manne oder vom Vormunde während der Ehe oder der Minderjaͤhrigkeit erworben, ſo muß er, um zur Freymachung des Gutes von den geſetzlichen Hypotheken zu gelangen, ſich nach den Verfügungen des Cap. dieſes Titels richten. Hat er aber von den Erben des Mannes, oder von dem ehemahligen Vormund nach der Großjaͤhrigkeit des Minderjaͤhrigen erworben, ſo hat er kein anderes Verfahren zu beobachten, als jenes, welches im Cap. s dieſes Titels vorgeſchrieben iſt. Wenigſtens iſt in den Art. 2193 und a94 von Veräußerungen unbeweglicher, den Männern oder Vormündern zugehörigen Güter, von den Frauen, Maͤnnern, Vormündern, Nebenvormündern, und Minderzähri⸗ gen die Rede, und aus ihrem ganzen Inhaite geht hervor, daß der Geſetzgeber nur den Fall vor Augen gehaht habe, wo die Veräußerung während der Ehe oder der Vormundſchaſt ge⸗ ſchehen iſt; ihre Verfügung kann folglich anf Veräußerungen nicht angewendet werden, die nach aufselsſter Ehe oder nach geendigter Vormundſchaft geſchehen. Herr Tarrible iſt nichts deſtoweniger der entgegengeſetzten Meinung, und ſtützt ſie auf folgende Gründe: 314 M. Buch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „pothek ſchon vorher unterworfen waren, ſollen des Stellio⸗ „nats ſchuldig gehalten, und können als ſolche durch perſün⸗ „lichen Arreſt zur Zahlung gezwungen werden.« Die geſetzliche Hypothek, ſagt er 1), iſt wie die Hauptver⸗ vindlichkeit, deren Acceſſorium ſie iſt, ein immerwährendes Fecht, welches ſich auf die Erben übertragen laͤßt; ſie be⸗ ruht auf dem Geſetze, welches ihr alle Eigenſchaften, woraus ſie veſteht, beygelegt hat; ſo lange ſie exiſtirt, kann ſie keine andere Modification erleiden, als jene, die das Geſetz etwa beſtimmt haben möchte, und ſie kann nur aus den durch das Geſetz be⸗ ſtimmten Urſachen zu exiſtiren aufhören. So verleiht der Art. 1495 der der Frau das Recht, alle ihre Anſpruͤche auf die ihr gebührenden Wicdererſtattungen geltend zu machen ertheilt, das nehmliche Recht ihren Esben, ausgenommen jedoch die Voraus⸗ nahme der Leinwand und der Kleidungsſtücke ſo wie auch die Wohnung und den Unterhalt waͤhrend der zur Errichtung des Inventariums und als Bedenkzeit geſtatteten Friſten, und erklärt, daß dieſe Rechte der Frau nur für ihre Perſon zuſtehen. Hätte der Geſetzgeber die Abſicht gehabt, nur der Frau allein und während der Ehe, oder dem Rinderzährigen allein, und während der Vormundſchaft, die der geſetzlichen Hypothek beygelegten Vortheile zu verleihen, ſo wurde er ſich deßhalb ſo erklärt haben⸗ wie er in Anſehung der im Falle der Verzichtleiſtung auf die Gütergemeinſchaft geltend zu machenden Wiedererſattungen ge⸗ than hat; daraus aber, daß er dieß nicht gethan hat, läßt ſich ſchließen, daß die Veränderung des Zuſtandes der Frau oder des Minderjährigen keine Aenderung an den aus der geſetzlichen Hypothek entſpringenden Rechten hervorbringe, und dieſe Rechte folglich ganz ungekränkt bleiben, bis die Hypothek aus irgend einer der im Art. 2180 angeieigten Urſachen erliſcht. Spricht auch 2) das Geſetz im vorliegenden Titel nur von der Perſon der Frau und des Minderjährigen, und mußte es ſie auch freylich in Schutz nehmen, während ſie ſelbſt zu handlen nnvermögend ſind, ſo folgt doch hieraus nicht, daß das ihnen verlichene Recht bloß zu Gunſten ihrer Perſonen, und nur während der Ehe oder Minderjährigkeit Statt haben muſſe. Dieſes Argument bewieſe in der That zu viel, mithin nichts., indem daraus folgen wuͤrde, daß die geſetzliche Hypothek im Au⸗ genblicke der Auflöſung der Ehe oder der Mendigung der Vor⸗ mundſchaft verſchwinden muͤßte. Selbſt die Vertheidiger der ent⸗ 1M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 715 Man warf die Frage auf, ob Gebühren von dieſer Ein⸗ tragung der geſetzlichen Hypotheken entrichtet werden ſollten, und wer ſie bezahlen ſolle. Der Frau und den Minderjaͤh⸗ gegengeſetzten Meinung geben inzwiſchen nach, daß das geſetz⸗ liche Hypotheken⸗Recht die Auflöſung der Ehe, oder die Errei⸗ chung der Großjaͤhrigkeit ganz ungekränkt überleben müſſe, wenn es nicht fruchtlos ſeyn ſollte; hat es nun aber einen einzigen Augenblick in der Perſon der Frau, nachdem ſie Wittwe gewor⸗ den iſt, oder des Minderjährigen nach erlangter Großjährigkeit ganz und ungekränkt beſtanden, ſo kann es anderſt nicht, als durch eine ausdrückliche Verfügung des Geſetzes aufgehoben oder einge ſchraͤnkt werden; eine ſolche Verfügung wird man aber nirgends antreffen. Was wir von den Frauen und Minderjährigen geſagt haben, die nicht mehr vom Manne abhängig ſind wder vom Vormunde iſt 3) gleichfalls auf ihre Erben anwendbar. Hat das Geſetz auf eine eigene Weiſe für die Erhaltung der Güter der Frauen und der Minderjährigen geſorgt, ſo geſchah es deßwegen, damit ſie, wenn ſie die Verwaltung derſelben zuruͤckerhalten oder angetreten haben, deren genießen, und ſie auf ihre Erben übertragen könuten. Wird alſo die Ehe durch den Tod der Frau aufgelöſt, oder ſirbt der Minderjaͤhrige im Augenblicke, wo er großjähris wird, ſo muß das ganze Hypotheken⸗Recht auf ihre Erben ſo übergehen, wie ſie es ſelbſt geuoſſen haben würden, wenn ſie beym Leben geblieben waͤren. Vergebens ſagt man 4), bey der Aufloͤſung der Ehe, oder bey Beendigung der Vormundſchaft trete eine ſtiillſchweigende Inſcription ein, die ſo wie eine buchſtäbliche binnen zehn Jah⸗ ren erncuert werden müſſe. Dieſe Behauptuns iſt ohne allen Grund, und die Schlußfolge daraus unrichtig. Im Art. 2194, wo pon der Eintragung die Rede iſt, die binnen den zwey Monaten, waͤhrend welcher der Kaufcontract angeheftet bleiben muß⸗ geſchehen ſol, heißt es ja, daß dieſe Eintragung die nehmliche Wirkung haben ſoll als wenn ſie am Tage des Heiraths⸗Con⸗ tractes, oder der Annahme der Vormundſchaft geſchehen waͤre— ein Beweis, daß das Geſetz einer ſtillſchweigenden Eintragung zur Zeit, wo die Ehe aufgelöſt wird, oder die Vormundſchaft gufhört, keine Stelle einräumt. Die geſetzliche Hypothek epiſtirt ohne Veyhülfe irgend einer ausdrücklichen oder ſtillſchweigenden Eintragung, und aus dieſer Wahrheit folgt der richtige Schluß, 316 M. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. rigen, ſagte man, dürfen ſie nicht zu Laſt fallen, weil ſie keine Eintragung nöthig haben, und dieſe bloß deßwegen geſchieht, um dritte Perſonen zu benachrichtigen, daß Hypo⸗ daß dieſe Hypothek, die zu ihrer Erhaltung keiner urſprüngli⸗ chen Eintragung bedarf, ebenfalls keiner erneuerten Eintragung bedürfe. Eben ſo wenig ſchlüſſig iſt 5) das aus dem Ediete von 1771 hergeleitete Argument. Hat dieſes Edict die Dauer des den Frauen verliehenen Rechtes auf die Lebenszeit der Männer be⸗ ſchraͤnkt, ſo hätte das neue Geſetz doch guch beſtimmt erklären müſſen, daß die geſetzliche Hypothek mit allen ihren Attributen nur während der Ehe, oder vielmehr waͤhrend einer beſtimmten Zeit nach aufgeloͤſter She Statt haben ſollte; da es dieß aber nicht gethan hat, ſo kaun man mit Recht ſchließen, daß es die Abſicht nicht hatte, die Dauer der Attribute der geſetzlichen Hypothek auf jene der Ehe oder der Minderjährigkeit zu be⸗ ſchränken. Anderer Seits iſt aber auch der Unterſchied zwiſchen jenem Ediete und dem G. N. zu groß, als daß auch uur einige Analogie zwiſchen der Natur und der Dauer der Rechte, die jedes dieſer beyden Geſetze den Frauen verleiht, Statt habe. Nach dem Sdicte, war a) eine verheirathete Frau nicht ſchuldig, wenn der Mann ſein Gut veraͤußerte, waͤhrend der Ehe eine Oppoſition gegen die PVerſieglung der Beſtätigungs⸗Urkunden einzulegen. Auch kounte während dieſer Zeit, das Gut wegen Mangel der Bppoſition von ihrer Hypothek nicht frey gemacht werden; nach dem G. N. muß die Frau, ſelbſt während der Ehe, in dieſem Falle ihre Hypothek eintragen laſſen, wenn ſie dieſelbe nicht verlieren will; nach dem Edicte beſtimmte b) nicht das Datum der Oppoſitionen, ſondern das Datum der Rechtstitel die Rangordnung unter den Glaͤubigern, dagegen nqch dem G. N. das Datum der Eintrggungen den Rang unter den Gläubigern feſtſetzt: nach dem Ediecte konnte zwar e) das Gut des Mannes nach qufgelöſter Ehe von der Hypothek der Frau befreyt wer⸗ den, wenn ſie keine Oppoſition einlegte; that ſie aber dieſes binnen den zwey Mongten, während welcher der Contraet an⸗ geheftet blieb, ſo erhielt ſie ihr Hypotheken⸗Recht ganz unge⸗ kränkt, und es datirte ſich vom Tage der Heirath an; da nun das G. N. die geſeszliche Hypothek der Frau von aller Eintra⸗ gung unabhängig erklärt, ſo muß ſie auch die nehmliche Wir⸗ fung nach aufgelöſter Ehe hervorbringen, dh. ſie muß bis zum Tage der Heirath hinaufſteigen, zu welcher Zeit auch ihre For⸗ m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothekeu. 317 theken genommen worden ſind. Der Mann und der Vor⸗ mund müſſen ſie aber auch nicht bezahlen, weil für ſie kein derung eingetragen worden ſeyn mag, vorausgeſetzt, daß dieß nur binnen der im Art. 2195 vorgeſchriebenen Friſt geſchehen iſt; und in dieſer Hinſicht beweiſt ſogar das Edict von 1771 mehr für als gegen unſere Meinung. So lange alſo das hypo⸗ theſirte Gut in den Händen des Mannes, des Vormundes oder ihrer Erben bleibt, iſt die Eintragung der Frau oder des Min⸗ derjährigen in Anſehung der Hypotheecar⸗Glaͤubiger nie verſpätet. Daß aber auch dritte Erwerber, die erſt nach aufgelöſter Ehe oder nach geendigter Vormundſchaft erworben haben, wenn ſie das Gut von den geſetzlichen Hypotheken der Frau und des Minderjaͤhrigen frey machen wollen, die im Cap. 9. dieſes Titels vorgeſchriebenen Formalitaͤten erfüllen muͤſſen, daß ferner dieſe Hypotheken fortwaͤhren, wenn ſie ſchon binnen zehn Jahren nach aufgelöſter Ehe oder geendigter Vormundſchaft nicht erneuert worden ſind, dieß wird bey den Art. 2154 und 2194 noch näher gezeigt werden. VBom Tage der Heirath anzurechnen. Im Art. 2194 hingegen heißt es, die Eintragung, die während der Zeit geſchieht, binnen welcher der VeraͤußerungsAet angeheftet bleib, habe die nehmliche Wirkung, als wenn ſie am Dage des Hei⸗ raths⸗Contraectes geſchehen wäre. Wirklich kann die ge— ſetzliche Hypothek der Frau ſich auf beyde bezeichnete Epochen beziehen. Haben die Ehegatten vor ihrer ehelichen Verbindung keinen ſchriftlichen Heiraths⸗Contraet crrichtet, ſo beſtimmt, wie es in dem Art. 1387 und 1393 heißt, das Geſetz die Wirkungen der ehelichen Geſellſchaft; vom Augenblicke an, wo eine Heirath vorhanden iſt, gibt es alſo auch Regeln, welche die gegenſeitigen Rechte der Ehegatten feſtſetzen. Iſt kein ſchriftlicher Contract vorhanden, ſo ſind dieſe Regeln jene, die das Geſetz uumittelbar aufgeſtellt hat. Iſt ein ſchriftlicher Contraet vorhanden, ſo ſind die Regeln die nehmlichen, mit Ausuahme der Modiſicgtionen, welche die Contrahenten daran vornehmen konnten und wollten. Im erſten Falle hat die Hypothek vom Tage der Heirath Statt, weil die Ehegatten an eben dieſem Tage ihre gegenſeitigen Rechte ſtillſchweigend der Beſtimmung des Geſetzes unterwerfen; im zweyten Falle aber datirt die Hypothek vom Tage des Contrae⸗ tes, weil hierin die ausdrückliche und gegenſeitige Uebereinkunft der Contrahenten enthalten iſt. 318 1IM. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Vortheil daraus entſpringt; ſie muͤſſen folglich von allen Fisc al⸗Abgaben hefreyt werden. Die Frau hat in Hinſicht der Dotal⸗Gelder, welche ꝛe. Dieß iſt von dem Falle zu verſtehen, wenn der⸗ gleichen von kuͤnftigen Schenkungen oder Erbſchaften herkommende Gelder in dem Heiraths⸗Contraete zum Brautſchatze geſtellt wor⸗ den ſind; denn auch kuͤnftige Güter koͤnnen ein Gegenſtand des Bräutſchatzes ſeyn. Wenn es übrigens hier heißt, die Frau habe eine Hypothek von dem Tage an, da die Schenkungen ihre Wirkung erhalten haben, ſo heißt dieſes, von dem Tage an, wo das Recht die geſchenkten Summen zu beziehen und in Empfang zu nehmen erworben wird. In der That hat eine Schenkung ihre Wirkung von dem Augenblicke an, wo das daraus entſpringende Recht dem Geſchenknehmer erworben iſt, wenn ſchon die Kraft einer ſolchen Schenkung erworbenen Gelder erſt ſpaͤterhin ausgezahlt werden ſollten, alſo— vom Tage der Annahme der Schenkung. In keinem Falle ſoll ꝛe. Hffenbar bezeichnet hier der Seſetzgeber die Frauen, die zur Zeit, wovon er ſpricht, wirklich verheirathet ſind. Dieſen läßt er ebenfalls die im Artikel ent⸗ baltenen Verfuͤgungen angedeihen, unter der Einſchraͤnkung gleich⸗ wohl, daß die Rechte welche dritte Perſonen vor der Verkun⸗ dung des gegenwärtigen Titels erworben haben moͤgen, dadurch nicht geſchmälert werden ſollen. Daß hier bloß von Hypothekar⸗ Rechten die Rede ſey, bedarf faſt keiner Erinnerung. Haben alſo dritte Perſonen zu dieſer Zeit noch keine Hypotheken⸗Rechte au den Guͤtern des Mannes erworben, ſo tritt die geſetzliche Hypothek der Frauen ganz ſo ein, wie ſie dieſer Artikel feſtſetzt. Répert. de jurisprud. a. g. St.§. 2, n. 8 u. f. Daß die Verfuͤgung dieſes Artikels ſogar zu Gunſten der vor dem Geſetzbuche Napoleons verheiratheten Frauen ſelbſt dann ein⸗ trete, wenn ſie in einem Lande ſich verheirathet hatten, wo die geſetzliche Hypothek der Frauen unbekannt war, dieß entſchied der Appellations⸗Hof von Brüſſel am a4 December 180 in der Sache der Dame Priuli wider die Glaͤubiger ihres Mannes. Jurisprud. de la C. de C. 1807 im Anhange p. 45 u. f. Die wichtigen Modificationen, die übrigens die vorliegenden Verfügungen durch die Handels⸗Geſetze erlitten haben, muß man ——„— nI. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hyvotheken. 315 Immer muß doch, autwortete man, die Gebuͤhr des Hy⸗ potheken⸗Bewahrers bezahlt werden; was den Fiscus angeht, kann die Zahlung bis zum Augenblicke verſchoben werden, wo die geſetzliche Hypothek allenfalls geltend gemacht wird. Uebrigens muß man hierüber ein Geſetz machen. Nach der Vorſchrift des Art. 21 des Geſetzes vom Bru⸗ maire mußten die geſetzlichen Hypotheken eingetragen werden, ohne daß es einmahl noͤthig war, die Gebühr des Bewahrers vorzuſchießen; nur behielt dieſer deßhalb ſeinen Regreß gegen denjenigen, gegen den die Hypothek genommen wurde. S. den Art. 2155, welcher die Frage ſo entſchieden hat, wie das Geſetz vom Brumaire.*) Art. 2137.» Die Nebenvormünder ſind, unter perſün⸗ „licher Verantwortung, und bey Strafe allen Schaden und „entbehrten Gewinn zu erſetzen, verbunden, dafuͤr zu wa⸗ „chen, daß die Eintragungen auf die Güter des Vormun⸗ „des, in Hinſicht deſſen, was er aus ſeiner Verwaltung im B. 3, Abſchn. 3, von den Rechten der Ehefrauen im Handlungs⸗Geſetzbuche nachſehen. B. *) Da weder unmittelbar noch mittelbar aus dem vorliegenden Artikel hervorgeht, wo, wann und wie der Mann oder der Vor⸗ mund die ihnen vorgeſchriebene Erklaͤrung dann zu thun haben, wenn während der Ehe oder der Vormundſchaft Privilegien, oder geſetzliche Hypotheken z. B. zu Gunſten des Fiscus, an id⸗ ren Guͤtern eintreten, oder wenn gerichtliche Hypotheken gegen ſie eintreten; da ferner die Eintragung der Privilegien, der ge⸗ ſetzlichen und gerichtlichen Hypotheken nicht von der Einwilligung des Schuldners abhaͤngt, ſo kann der Maun oder Vormund ſich nur dann eines Stellionats ſchuldig machen, wenn ſie eine Con⸗ ventivnal Hypothek verwilligen oder nehmen laſſen, ohne die vorgeſchriebene Erklärung abzugeben. Répert. de jurisprud, g. 4. St. n. 14. B. 320 M. Buch. XVlII. Cit. Von Privilegien und Hypotheken. „ſchuldig werden mag, ohne Verzug geſchehen; ſogar ſind ſie „verbunden, dieſe Eintragungen zu veranſtalten.«*) Art. 2138.»Wenn die Ehemaͤnner, Vormünder und „Nebenvormuͤnder die in den vorhergehenden Artikeln befoh⸗ „lenen Eintragungen vollziehen zu laſſen verſäumen, ſollen „ſie von dem kaiſerlichen Procurator beym Gerichte der erſten »„Inſtanz des Ortes, wo die Männer und Vormuͤnder ihr „Domicil haben, oder des Ortes, wo die Güter gelegen „ſind, requirirt werden.*) 4) Dieſe Verantwortlichkeit hat gegen dritte Perſonen, nicht gegen den Minderjährigen Statt, weil deſſen Hypothek auch ohne Ein⸗ tragung exiſtirt. V. 1) Das Geſetz macht ihn aber nicht für die Unterlaſſung ver⸗ antwortlich. B. Inſtruction des Groß⸗Richters, Juſtitz⸗Miniſters, welche er den 15. September 1806 an die kaiſer lichen Proeuratoren erlaſ⸗ ſen hat. Einige kaiſerliche Proeuratoren waren der Meinung, daß ſie ohne Unterſchied und ohne vorlaͤuſige Prüfung von Amts wegen zur Sicherſtellung des Brautſchatzes, des eingebrachten Vermögens der Frauen und der ihnen aus dem Ehecontracte zuſtehenden Rechte auf die Immobilien der Maͤnner die Eintragungen der Hypothekenrechte vornehmen laſſen muͤßten. Andere, die ihre Sorgfalt nicht ſo weit trieben, haben es ſich zum Geſetze ge⸗ macht dieſe Eintragungen jedesmahl nachzuſuchen, wenn der Contract über den Verkauf eines Fmmobiliar⸗Stückes, das einem Manne zugehörte, auf der Gerichts⸗Kantell ey durch den Ankäu⸗ fer niedergelegt wird, um es von den geſetzlichen Hypotheken zu befreyen. Beyde Syſteme, die mit den Worten und dem Geiſte des Geſetzes im Widerſpruche ſtehen, verletzten Treue und Glauben der Verträge und hindern die fteye Ausuͤbung des Eigenthums⸗ rechtes; es iſt alſo nothwendig ſie abzuſchaffen, und diejenigen welche durch einen übertriebenen Eifer die Regel uͤberſchritten haben an die genaue Befolgung derſelben zu erinnern. Das Geſetz da es dem öffentlichen Miniſterium guftrug, 1on Amts wegen die Eintraguns der Hypothekenrechte auf die Güts⸗ ———— Von Privilegien und Hypotheken. 341 1l. Buch. FVIII. Tit. Art. 2139.» Auch können die Verwandten des Mannes „oder der Frau, und die Verwandten des Minderjährigen, „oder, in Ermangelung der Verwandten, ſeine Freunde die der Männer, ſowohl zur öffentlichen Garantie als zur Sicherſtel⸗ lung der Rechte der Frauen zu requiriren, hatte nur zum Zwecke, die Nachläßigkeit oder Unthätigkeit derjenigen zu erſetzen, die dieſe Eintragungen vornehmen laſſen ſollen oder können; dieſes ergibt ſich aus den woͤrtlichen Verfuͤgungen der Artikel e138, s139 und 2 94 des Geſetzbuches Napoleons. Die Dazwiſchenkunft des öffentlichen Miniſteriums in den Fällen; von denen es ſich handelt; iſt alſo bloß ſubſidiariſch und der größern oder geringern Sorgfalt der Parteyen unter⸗ geordnet; es iſt aber vorzüglich daran gelegen, daß es nur mit vollkommener Kenntniß der Sache handle, und nachdem es ſich überzeugt hat, daß der Fall vorhanden ſey, wo die Eintragung geſchehen muß, um den Ehegatten keine unnütze Koſten und denjenigen; die mit ihnen auf eine geſetzmäßige Weiſe contra⸗ hirt haben, keine zweckloſe Schwierigkeiten und eine nachtheilige Verläugerung der Geſchäfte zu verurſachen. Man würde z. B⸗ ſehr zwecklos die contrahirenden Parteyen in Verlegenheit ſetzen, wenn man von Amts wegen zu Gunſten der Frau die Eintragung der Hypothekenrechte auf Immobilen requiriren wuͤrde, die zu Folge der Artikel 2140 und 2144 des Geſetzbuches Napoleons“von der geſetzlichen Hypotheck befreyt worden wären. Die Eintragung von Amts wegen wuͤrde in allen jenen Fällen die nehmliche Wirkung hervorbringen, in denen ſich die Frau ſolidariſch mit ihrem Manne nach dem Geſetze verbunden hat; da ſie, wie jeder andere die Verbindlichkeiten erfüllen muß, die ſie auf eine guͤltige Weiſe eingegangen hat, und alſo als ſolidariſche Verkäuferinn gehalten iſt, dem Ankaͤufer Gewähr gegen jede Eviction zu leiſten; auf die dritte Perſonen gegen ihn klagen könnten, waͤre es nicht ein Widerſpruch, daß man in ihrem Nahmen Eintragungen vornehmen koͤnnte, welche zum Zwecke hätten, dieſen Ankaͤufer zu beunruhigen und ſelbſt zu berauben. Der kaiſerliche Proeurator muß alſo nur dann eine Inſerip⸗ tion zum Vortheile der Frau nehmen, wenn er gehörig conſtätirt dat, daß ſie berechtiget iſt, ihre geſetzliche Hypothek gegen den Ankaͤufer geltend zu machen⸗ IV. Malev⸗ 21 322 M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „beſagten Eintragungen nachſuchen; ſie können gleichfalls „von der Frau und von den Minderjährigen verlangt „werden.«*) Art. 2140.»Iſt in einem Heiraths⸗Contracte unter „großjährigen Parteyen die Uebereinkunft getroffen worden, „daß die Eintragung nur auf ein Gut oder auf gewiſſe lie⸗ „gende Güter des Mannes nachgeſucht werden ſoll, ſo bleiben „die Immobilien, die für dieſe Eintragung nicht angewieſen „worden ſind, von aller Hypothek für den Brautſchatz der „Frau, für die ihr gebuͤhrende Wiedererſtattung ihres Ver⸗ „mögens und die in dem Ehe⸗Contracte ihr geſchehenen Zu⸗ „ſagen ledig und frey. Man kann durch keinen Vertrag „ausbedingen, daß gar keine Eiutragung geſchehen ſoll.⸗ Im erſten Entwurfe des vorliegenden Artikels hieß es, die Frau könne im Heiraths⸗Contracte auf ihre geſetzliche Hypothek unbedingt Verzicht leiſten⸗ Dieſer Satz wurde lebhaft angegriffen: bloß deßwegen, ſagte man, hat eine Hypothek den Nahmen einer geſetzlichen, weil ſie bloß auf dem Anſehen des Geſetzes beruht; hat aber Bey dieſer Inſtruetion habe ich beſonders den Fall in Er⸗ wägung geiogen, wenn die Eheleute in Gütergemeinſchaft leben, welche ihnen die Befugniß einraͤumt, ium vorzuͤglichen Nutzen der ehelichen Geſellſchaft ſich zu verbinden und ihre Güter zu veraͤußern. Haben die Eheleute ſich nach Dotal⸗Rechten ge⸗ heirathet, wo die zum Brautſchatze beſtellten Immobilien nur wegen der Uurſachen und in den Fällen, welche das Geſetz be⸗ ſtimmt hat, veräußert werden können, und wo ubrigens das wechſelſeitige Intereſſe der Ehesatten ſich nicht vermiſcht, wie bey der Gütergemeinſchaft, ſo hat die Frau ſeltener Gelegen⸗ heit, mit ihrem Manne ſich zu verpflichten; wenn aber der Fall eintritt, ſo muß der kaiſerliche Proeurator ſich eben ſo wie in Ruͤckſicht der Frauen benehmen, die in der Gütergemein⸗ ſchaft leben. *) Man bemerke hier wohl, daß das Geſetz; da es von Freun⸗ den ſpricht, bloß Freunde des Minderjährigen bezeichnet. mn Re der jc en u. Buch. XVIII. Cit. Von privilegien und Hppotheken. 32 die Frau die Vefugniß, auf dieſe Hypothek Verzicht zu lei⸗ ſten, ſo iſt ſie nicht mehr geſetzlich. Ohnehin hat das Geſetz des allgemeinen Wohls wegen, und um den Kindern und der Familie im Falle eines Ungluͤckes eine Hülfsquelle offen zu halten, dieſe Hypothek eingeführt; auf dasjenige aber, was zur allgemeinen Ordnung gehört, kann man nicht Ver⸗ zicht leiſten. Daraus, ſagte man anderer Seits a), daß das Geſetz der Frau dieſe Hypothek verleiht, folgt nicht, daß ſie darauf nicht Verzicht leiſten könne; daß ſie dieß nach der Heirath nicht thun könne, das gibt man gerne zu; vor der Heirath aber ſteht es ihr b) wenn ſie großjährig iſt, oder falls ſie minderjährig iſt, ihren Verwandten Nahmens ihrer frey, alle ihre gut ſcheinende Bedingungen zu ſtipuliren; oft kann c) eine ſolche Verzichtleiſtung nuͤtzlich ſeyn, und man muß den Contrahenten die Freyheit laſſen, die Bedingungen ihrer Verbindung ihrem Intereſſe gemäß einzurichten; überdieß iſt ja d) die Frau befugt, in ihrem Heiraths⸗Contracte ihr gan⸗ zes Vermögen ihrem Manne zu ſchenken; um ſo viel mehr muß ſie alſo auch die Befugniß haben, ihn von der Hypo⸗ thek zu befreyen; und— wollte man e) das PVerboth zut allgemeinen Regel machen, ſo waͤre dieß eben ſo gut, als wenn man auf ganz Frankreich das Dotal⸗Syſtem ausdeh⸗ nen, und der Verfügung entgegen arbeiten wollte, die, int Falle einer Gütergemeinſchaft, die Veraͤußerung der Güter der Frau erlaubt. Selbſt in den Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗ Rechte hatten, erwiderte man indeſſen hierauf a), war es der Frau nicht erlaubt, auf alle geſetzliche Hypothek Ver⸗ zicht zu leiſten; vom Falle der Schenkung läßt ſich b) auf jenen der Hypothek kein Schluß herleiten, denn die Frau ſcheukt, weil ſie es will; will ſie aber nicht ſchenken, ſo tann man ſie auch nicht, mittelſt einer glimpflichen Verzicht⸗ keiſtung auf alle Hypothek, der Gefahr ausſetzen, ihr Vermoͤgen zu verlieren; anders hierin verfahren heißt e) den Stand 324 MI. Buch. FVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. und die Lage einer Gattinn verunſtalten, ihr den Schutz des Geſetzes rauben, und die geſetzlichen Hypotheken vernichten⸗ Freylich iſt d) kein Brautſchatz vorhanden, ſo lange keine Heirath vor ſich gegangen iſt; aber, der Heiraths⸗Contract, und die Heirath ſind zwey unzertrennliche Dinge, denn der Contract beſtimmt den Zuſtand der Frau, nicht fuͤr den Fall, wo ſie Mädchen bleiben würde, ſondern für jenen, wo ſie die Eigenſchaft einer Gattinn angenommen haben wird. Bieſen und andern ähnlichen Beweggründen zu Folge wurde die Befugniß Verzicht zu leiſten auf gewiſſe Güter beſchränkt; damit man aber aus einigen Verfuͤgungen des Titels vom Heiraths⸗Contracte, die den Ehegatten in An⸗ ſehung ihrer Heiraths⸗Verträge eine unbegranzte Freyheit ge⸗ ſtatten, keine falſche Schlußfolgen herleiten möchte, wurde die allgemeine Verzichtleiſtung auf alle Hypothek ausdrück⸗ lich verbothen⸗ Art. 2141.»Gleiche Bewandtniß hat es mit. dem Im⸗ „mobiliar⸗Vermögen eines Vormundes, wenn die Verwand⸗ „ten in dem Familienrathe der Meinung geweſen ſind, daß „die Eintragung nur auf gewiſſe Immobilien geſchehen ſoll.⸗ Aus dem nehmlichen Grunde hat man dem vorliegenden Artikel die nehmliche, Verfügung eingerückt, die im vorher⸗ gehenden Artikel enthalten iſt. Art. 2142.» In dem Falle, der in den beyden vorher⸗ „gehenden Artikeln ausgedrückt iſt, bleibt der Mann, der „Vormund und Nebenvormund nur verbunden, auf die an⸗ „gewieſenen Immobilien die Eintragung nachzuſuchen.«*) *) Aus den Worten des Artikels, ſo wie ſie da liegen, ſchließe man inzwiſchen nicht, daß z. B. der Nebenvormund noch auf andere als die angewieſenen Güter die Eintragung nach⸗ ſuchen könne. Dieß kann er nicht, denn die nicht angewie⸗ ſenen Güter bleiben von aller Hypothek frey, und in der Macht des Nebenvormundes kann es nicht ſtehen, den Zuſtand des Vor⸗ mundes ſchlimmer zu machen. B. HI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 33 Art. 2143.» Ward in dem Acte, worin der Vormund „ernannt wurde, die Hypothek nicht eingeſchränkt, ſo kann »„dieſer in dem Falle, wo eine allgemeine Hypothek auf ſeine „Immobilien offenbar mehr als hinreichende Sicherheit für „ſeine Verwaltung darbiethen würde, darauf antragen, daß „dieſe Hypothek auf ſo viele Immobilien eingeſchraͤnkt werde, „als hinreichend ſind, um dem Minderjährigen eine vollkom⸗ „mene Sicherheit zu verſchaffen.⸗ „Die Klage muß wider den Nebenvormund gerichtet wer⸗ »den, und ein Gutachten des Familienrathes vorhergehen.«* Sobald die Befugniß auf Verminderung anzutragen ein⸗ mahl als Grundſatz angenommen iſt, konnen alle dieſe Arti⸗ kel, die nur die Art der Pollziehung dieſes be⸗ ſtimmen, keinen Zweifel mehr erleiden⸗ Art. 2144.»Auf gleiche Weiſe iſt der Mann berech⸗ »tiget, mit Bewilligung ſeiner Frau, und nachdem er das „Gutachten von vier ihrer nächſten Verwandten, die ſich in „einem Familienrathe verſammelt haben, eingehohlt hat, »darauf anzutragen, daß die allgemeine Hypothek an allen »ſeinen Immobilien, zur Sicherheit des Brautſchatzes, der „ihr gebührenden Wiedererſtattungen ihrer Güter und der „in dem Ehe⸗Contracte enthaltenen Zuſagen auf ſo Ziele „Immobilien eingeſchraͤnkt werde, als hinlänglich ſind, um „die Rechte der Frau ganz ungekränkt zu erhalten.« Man trug darauf an, es moͤchte bloß im Artikel geſagt werden, daß man das Gutachten der Familie einhohlen ſolle, ohne vorzuſchreiben, daß die Verſammlung aus den nãchſten Verwandten beſtehen ſoll, weil ſie entfernt ſeyn könnten. Wird dieſe Abaͤnderung angenommen, antwortete man, ſo wird die Verfügung des Artikels in eine bloße Formalität ausarten, und der Familienrath aus gleichguͤltigen Perſonen zuſammengeſetzt werden; der Artikel wurde alſo, jedoch mit dieſer Bemerkung angenommen, daß man hier, ſo wie im Titel von den Vormundſchaften, die nächſten Verwandten 3*6 m. Buch. xvI. git. Von Privilegien und Hypotheken. verſtehen muͤſſe, die aus einem gewiſſen Umkreiſe genommen werden.*) Art. 2145.»Die Urtheile, welche auf die Klagen der „Ehegatten und der Vormünder erfolgen, duͤrfen nicht an⸗ „derſt, als auf Anhörung des kaiſerlichen Procurators und „auf contradictoriſches Verfahren zwiſchen ihm und dem Klä⸗ „ger erlaſſen werden.« „Erkennt das Gericht, daß die Hypothek auf gewiſſe „Immobilien beſchraͤnkt werden ſoll, ſo ſind die auf alle „ uͤbrigen Güter geſchehenen Eintragungen auszuſtreichen.⸗ Vite s Capitenl. Von der Art, wie Privilegien und Hypotheken eingetragen werden. Art. 2146.»Die Eintragungen geſchehen auf dem Buͤ⸗ „reau der Hypotheken⸗Bewahrung desjeniges Bezirks, in „dem die Guͤter gelegen ſind, auf welche das Privilegium „oder die Hypothek ſich erſtreckt. Sie bleiben ohne Wirkung, „wenn ſie vor dem Ausbruche eines Falliments in dem „Zeitraume geſchehen ſind, binnen welchem die Handlungen „des Gemeinſchuldners für ungültig erklärt werden.« „Auf gleiche Weiſe verhält es ſich unter mehrern Gläu⸗ „bigern einer Erbſchaft, wenn einer von ihnen erſt nach dem „wirklichen Anfall der Succeſſion die Eintragung bewirkt „hat, und die Erbſchaft nur unter dem Vorbehalte eines „Inventariums angenommen worden iſt.“*2) ) nebrigens verſteht es ſich, daß die Frau im Fale dieſes Artikels großjährig ſeyn muß. S. den Art. 2140. Auch muß das Gut⸗ achten des Familienrathes dem Geſuche des Mannes guͤnſtig ſeyn. B. „¹) Falliment oder Aunahme einer Erbſchaft unter der Rechtswohl⸗ that eines Inventariums ſind Zeichen, welr che andeuten, daß alle Guͤter des Schuldners zum Verkaufe gebracht, und ihr Preis unter die Gläubiger werde vertheilt werden; ſo bald es conſtatitt iſt, daß jemand fallirt oder eine Erbſchaft unter dem Vorbehalte Ge 2— ——— — m. Buch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 327 Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit dem Art. 5 des Geſetzes vom Bruͤmaire überein.*) des Inventariums angenommen habe, wird der Beſitz und die Verwaltung der Güter dem Schuldner benommen, und Syn⸗ diken oder Beneſieiar⸗Erben anvertraut, welche ſtrenge Rechen⸗ ſchaft abzulegen ſchuldig ſind. Dhne Zweifel ſchien es dem Geſetzgeber billig, in dem nehmlichen Augenblicke das Los und die Natur aller Forderungen feſtzuſetzen, und nicht zu leiden, daß ein Gläu⸗ biger, mit Beyhülfe einiger Formalitäten, die der Zufall ihn etwa in den Stand ſetzen moͤchte, ſchleuniger als ein anderer zu erfüllen, ſeinen Zuſtand auf Koſten der übrigen Glaͤubiger ver⸗ beſſern könne: man wollte alſo, daß die Gläubiger, die in die⸗ ſem Augenblicke mit wirkſamen Hypotheken oder Privilegien ver⸗ ſehen ſind, die damit verknuͤpften Vortheile genießen, jene aher, die nur eine unvollkommene und durch Eintragung nicht befeſtigte Hypothek haben wuͤrden, eben ſo wie Chyrographar⸗Glaͤubiger angeſehen werden ſollten. Répertoire de juriaprud. g. d. St. §. 4/ n. J. B „) S. die Art. 443 444, 445 und 446 des Handlungs⸗Geſetz⸗ buches. um ſo viel weniger kann alſo nach dem Ausbruche eines Fallimentes eine Hypothek auf die Immobilien eines Fal⸗ liten mit Wirkſamkeit eingetragen werden. Unter der Herrſchaft des Geſetzes vom Braͤmaire welches in den Art. 37 33 und 39 verordnete, daß alle alte Hypotheken, die noch nicht in Gemaͤß⸗ peit des Geſetzes vom 9. Meſſidor 3. J. in die Regiſter einge⸗ tragen worden wären, binnen einer beſtimmten Zeitfriſt darin eingetragen werden ſollten, um ihren alten Rang aufrecht zu erhalten, und daß diejenigen, die in dieſer Friſt nicht eingetra⸗ gen wuͤrden, nur vom Tage ihrer Eintragung an Wirkung haben ſollten,— konnte nichts deſtoweniger eine alte, ſchon vor deſſen Verkuͤndung erworbene Hypothek auch noch nach ausgebrochene Fallimente mittelſt der Inſeription aufrecht erhalten werden; ei anderes iſt es nehmlich eine Hypothek aufrecht erhalten, ein anderes eine Hypothek erwerben. So entſchied a) die Seetion des requste⸗ des Caſſations⸗Hofes am 18. Februar 1808 in der Sache der Wittwe Peiffer wider die Dllen. Delapy⸗, und p) die Civil⸗Section am 5. April n. J. in der Sache Lau⸗ gier wider die Dame Badaraque. Jurisprud. de la G. de C. 1808 p. 216 u, f. B. M. Buch. XVll. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Was den zweyten Theil betrifft, iſt zu bemerken, daß die zwey Bedingungen, nehmlich a) daß die Inſcription erſt nach der Eroffnung der Erbſchaft genommen, und P) dieſe Erbſchaft nur unter der Rechts⸗Wohlthat des Inventariums angetreten werde, zuſammen eintreffen müſſen, damit die Eintragung zu Gunſten des Gläubigers, der ſich einſchreiben läßt, keine Wirkung hervorbringe; wenigſtens iſt ſonſt keine Urſache vorhanden, ihn ſeines Vorzugs zu berauben.*) *) Außer den zwey im vorliegenden Artikel enthaltenen Fällen rechnet Herr Tarrible noch hieher a) den Fall, weun eine Erbſchaft vacant iſt. Wirklich iſt zwiſchen dieſem, und jenem, wo'eine Erbſchaft unter der Rechtswohlthat des Inventariums angenom⸗ men wird, eine ſehr große Aehnlichkeit,(S. den Art. 814.0 und die nehmlichen Gründe, die bey den obigen zwey Faͤllen eintreten, laſſen ſich auch hierauf anwenden. Freylich folgt daraus, daß eine Erbſchaft vacant iſt, nicht immer; daß ſie zur Befriedigung der Gläubiger des Verſtorbenen nicht hinreicht. Auch Erbſchaften, die unter der Wohlthat des Inveutariums ängenommen werden, ſind nicht immer inſolvent; ſo gar wüſſen ja Erbſchaften, welche Minderzährigen anfallen, nach dem Art⸗ 461 unter dieſer Wohlthat angenommen werden, und doch kön⸗ ien in dieſem Falle von der Eröffnung der Erbſchaft an keine neue Inſeriptionen mehr genommen werden; das Nehmliche kaun alſo auch von der Eröffnung einer vacauten Erbſchaft an nicht mehr Statt haben. In Hinſicht alter vor der Verkündung des Seſetzes vom Brü⸗ mairt erworbenen Hypotheken eutſchied jedoch ebenfalls die See⸗ tion des roqustes des Caſſations⸗Hofes am 17. December 1807 in der Sache des Hoſpitals von Tongern wider den Curator der vacanten Erbſchaft der Wittwe Devans Gurisprud. de la C. de C. 1803 p. 125 u. f.) daß ſie noch nach Eroͤffnung einer ſolchen Erbſchaft durch Eintragung aufrecht erhalten werden können. p) Den Fall, wenn ein Schuldner ſein Vermögen ſeinen Gläubigern abtritt. Auch fuͤr dieſen treten die nehmlichen Gruͤnde ein. Insbeſondere aber ſtreitet hiefür der Art. 3 des Geſetzes vom Brömaire. Hierin heißt es:„eine Eintragung, die binnen den zehn Tagen vor dem Fallimente, Banqueroute, oder öffent⸗ licher Einſtelung der Zahlung eines Schuldners geſchieht, gibt kein Hypotheken⸗Recht.“ In Anſeh ung der iehn m. Buch. XvilI. Tit. Von Privilegien vnd Hypotheken. 329 Art. 2147.»Alle an demſelben Tage eingetragenen Gläu⸗ „biger haben zuſammengenommen eine Hypothek dom nehm⸗ „ lichen Datum, die ſie verhaͤltnißmäßig geltend machen, ohne Tage vor dem Fallimente oder Banguervute wieder⸗ hohlte dieſer Artikel nur die Verfügung der Ordonnanz von 1673, die bloß auf Handelsleute anwendhar war: durch Hinzu⸗ ſetzung der Worte; öffentlicher Einſtellung der Z ah⸗ lung eines Schuldners, dehnte er ßie aber auf alle Ein⸗ tragungen aus, die auf die Guͤter eines jeden Schuldners in den zehn Tagen vor öffentlicher Einſtellung der Zahlungen ge⸗ nommen werden möchten. Warum der vorliegende Artikel an⸗ derſt abgefaßt worden ſey, hievon trifft man nirgendwo die Ur⸗ ſache an; eben deßwegen kann man aber annehmen, daß er im nehmlichen Geiſte wie das Geſetz vom Brümaire abgefaßt worden ſey, und folglich auf die von einem Schuldner abgetretenen Gü⸗ ter keine Hypothek mehr, wenisſtens vom Tage der Abtretung an, eingetragen werden könne. c) Den Fall, wenn ein Gut gerichtlich vergantet wird. Es fragt ſich nehmlich, ob dann, weun ein Gut zur gerichtlichen Vergantung gebracht wird, noch andere Hypotheken darauf ein⸗ getragen werden kounen, und wie lange, ob es bloß bis zum Tage des definitiven Zuſchlages, oder auch noch nachher, wenigſtens bis zum Tage geſchehen könne, wo der Verbal⸗ Prozeß über die Claſſification eröffnet wird? Eine Frage, die die Chyrographar⸗Glaͤubiger intereſſurt, denen daran gelegen ſeyn kann, die Gültigkeit einer verſpäteten Eintragung zu be⸗ ſtreiten. In den neuern Geſetzen findet man dieſe Frage nicht mit Beſtimmheit entſchieden. Im Art. 752 des Geſetzbuches ſ. d. r. V. i. C. S. heißt es:»Wer die Claſſification be⸗ treibt, bringt bey dem committirten Richter eine Ordonnanz aus, wodurch der Verbal-Prozeß über die Claſſifieation eröffnet wird; dieſem Verbal⸗Prozeſſe wird ein vom Hypotheken⸗Bewahrer ausgefertigter Auszug aller eingetragenen Hypotheken beygefuͤgt;⸗ und im Art. 31 des Geſetzes vom 11. Brümaire 7. J. über die unfreywilligen Vergantungen, hieß es:„nach dem Zuſchlage ſoll auf der Gerichts⸗Kanzelley ein Verbal⸗Prozeß eröffnet werden, ſo bald nur einer der Gläubiger darum an⸗ ſteht, und ein vom Hypotheken⸗Bewahrer beglaubigtes Verzeich⸗ niß der auf den veräußerten Götern vorhandenen Hypotheken überreicht.“ 30 Ml. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 5 „Unterſchied unter der Eintragung, welche des Morgens, und „jener, welche am Abend geſchehen iſt, wenn etwa der Hy⸗ Herr Tarrible zeigt indeſſen, daß nur bis zum TDage des deſinitiven Zuſchlages noch Hypotheken auf das unter der Vergantung ſtehende Gut mit Wirkſamkeit eingetra⸗ gen werden können. Seine Fründe ſind im weſentlichen fol⸗ gende: 1) Der endliche Zweck der Hypotheken beſteht in der Erreichung oder Betreibung des Verkaufes der beſchwerten Sache, um aus dem Kaufpreiſe die Zahlung der Hypothekar⸗Forderung zu erhalten. Sobald die Sache vergantet iſt, geht die Auflö⸗ ſung der hypothekariſchen Laſten vor ſich; alle Gläubiger, welche eingetragene Hypotheken haben, müſſen ſich nun bereit halten, um ſich nach ihrem Range elaſſifieiren zu laſſen; jene alſo, die um dieſe Zeit die nothwendige Formalitaͤt der Eintragung noch nicht erfüllt haben, können auf kein Porzugs⸗Recht Anſpruch machen. Eine Wirkung kann 2) nicht ohne urſache ſeyn; das Vor⸗ zugs⸗Recht iſt eine Wirkung, deſſen urſache eine Hypothek oder ein Privilegium iſt. An einem wirklich verganteten Gute laͤßt ſich dieſe urſache nicht mehr realiſiren, weil es dem Schuldner nicht mehr zugehört, und Eigenthum des Anſteigerers geworden iſt. 3) Die Publieität der Hypotheken war ſchon die Baſis des Geſetzes vom 9. Meſſidor 3. J.(27. Junius 1795); im Art. 19 ſetzte es ſchon feſt, daß ein Hypotheken⸗Recht anderſt nicht als mittelſt Eintragung definitiv erworben werde, und im Art. 163, wo es von der Claſſiſieation handelt, ſagt es, der Hypotheken⸗ Bewahrer ſoll aus dem Hauptbuche der Hypotheken einen beglau⸗ bigten Auszus fertigen, worin alle bis zum Tage des de fi⸗ nitiven Zuſchlags vorhandene Hypotheken enthalten ſeyen; da es uun unbezweifelt iſt, daß das Geſetz vom Brümaire ſo wohl als das G. N. ſo wie auch das Ge etzbuch ü. d. r. V.. C. S. in Hinſicht alles deſſen, was die Publicität der gewöhn⸗ lichen Hypotheken betrifft, in dem nehmlichen Geiſte wie das Geſetz vom 9. Meſſidor 3. J. abgefaßt worden ſind, ſo kann die in dieſem Letztern enthaltene ausdrückliche Verfügung in Anſehung der Epoche, zu welcher bey einer Vergantung keine Hypotheken mehr mit Nutzen eingetragen werden können, allerdings in den Erſtern als ſtillſchweigend enthalten angeſehen werden 4) Nach dem wahren Sinne des G. N. macht eine freywillige Veräuße⸗ rung ganz allein, und ohne Beyhülfe der Transſeription, das ver⸗ äußerte Gut von allen zur Zeit der Veräußerung noch nicht „ p I. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 331 „potheken⸗Bewahrer dieſe Verſchiedenheit der Zeit angemerkt „haben ſollte.« eingetragenen Hypotheken frey, und verhindert, daß deren keine mehr gegen den Verkäufer darauf eingetragen werden können; um wie viel mehr muß alſo die nehmliche Wirkung aus einer Vergantung entſpringen, die weit langſamer und ſeyerlicher vor ſich geht, und der Punet iſt, wo alle Hypotheken zuſammentreffen müſſen, um erledigt zu werden. Freylich hat der Art. 834 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S. die Verfügungen des G. N. hierin modiſteirt, wovon gleich unten noch näher Sprache ſeyn wird; hier iſt es indeſſen genug zu bemerken, daß er buchſtäblich nur vom Falle einer freywilligen Veräzußerung eines hypotheſirten Gutes ſpricht, und er folglich um ſo weniger auf den Fall einer unfreywilligen Vergantung ausgedehnt werden koͤnne, da der Zuſchlag nicht transſeribirt zu werden braucht, und folglich kein Punet vorhanden iſt, von welchem angerechnet, die Friſt von fuͤnfzehn Tagen, ihren Anfaug nehmen ſollte. 5) Beym Art. 772 des Geſetzbuches uͤ. d. r. V. i. C. S. hatte das Tri⸗ bunat um allen Zweifel zu heben, vorgeſchlagen, die Worte: zur Zeit des Zuſchlages vorhandenen Hypotheken, hinzu⸗ zuſetzen. Ward auch ſchon dieſer Vorſchlag nicht angenommen, ſo ſah man ihn doch nicht als den Grundſätzen zuwider an, ſon⸗ dern es kam daher, weil dieſer beſondere Zuſatz ſich zwiſchen eiuer langen Reihe von Abänderungen befand, die den Entwurf verunanſtalteten, und eben deßwegen nicht angenommen werden konnten. Wie verhält es ſich aber d) im Falle einer freywilligen Ver⸗ aͤußerung? Kann auch nach dieſer noch eine Hypothek auf das veräußerte Gut gegen den Veräußerer eingetragen werden? Nach der Vorſchrift der Art. 26 und 2s des Geſetzes vom Brümaire mußten die Acte, wodurch das Eigenthum an Götern und Ge⸗ rechtſamen, die der Gegenſtand einer Hypothek ſeyn können, übertragen wurde, im Bezirke, worunter die Güter gelegen ſind, in die Regiſter transſeribirt werden; ſo lange dieß nicht geſchehen war, konnten ſie dritten Perſonen, die mit dem Verkäufe contra⸗ hirten, und ſich nach den Verfuͤgungen dieſes Geſetzes richteten, nicht entgegengeſetzt werden. Mittelſt dieſer Transſeription gien⸗ gen auf den Erwerber die Rechte uͤber, die der Verkaͤufer am Eigenthum der unbeweglichen Sache hatte, jedoch mit den Schul⸗ den und Hypotheken, womit ſie beſchwert war. So lange alſo 33 m. Buch. XVIM. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Dieſer Artikel ſtimmt mit dem Art. 14, Ziff. 4 des ge⸗ ſetzes vom Brümaire übsrein. der Veraͤußerungs⸗Act nicht transſeribirt war; wurde der Ver⸗ äuperer, wenigſtens in Anſehung dritter Perſonen, ſo angeſehen, als wenn er Eigenthümer des veraͤußerten Gutes geblieben wäre, und ſo konnte auch eine ſo wohl vor, als nach der Veräußerung des Gutes erwirkte hypothekariſche Forderung gegen den alten Eigenthuͤmer noch eingetragen werden. Das G. N. hat dieſes Syſtem nicht angenommen; denn nach dem Art. 212 geht durch den Verkauf⸗Aet, nicht durch die Transſeription dieſes Aetes, das Eigenthum auf den Käufer über, und letztere iſt nach dem Art. a1sz nur dann nothwendig, wenn der Erwerber die auf dem veraͤußerten Gute zu Laſten des Ver⸗ käufers vorhandenen Hypotheken davon frey machen will. Aus dieſen Grundſaͤtzen und aus einigen andern im G. N. enthalte⸗ nen Stellen leiteten die Redner der Regierung und des Tribu⸗ nates, als ſie die Beweggruͤnde des Tit. 4/ B. 1, des Th. 2 des Geſetzbuches à. d. r. V. i. E. S. dem Geſetzgebungs⸗Corps vorlegten, die Schlußfolge her, daß Hypotheken, die zur Zeit der Veräußerung nicht eingetragen ſind, nicht inehr mit Nutzen nachher gegen den Veräußerer eingetragen werden können. In dieſem Zuſtande war die Geſetzgebung über dieſen Punet, als im Geſetzbuche à. r. V. i. C. S der Art. 334 vorgebracht wurde, der den Tert zu den Reden der geſagten Redner aus⸗ machte. Er lautet ſo:»Glaͤubiger, die nach dem Inhalt der Art. 2123, 2727 und 2128 des G. N. mit einer Hypothek ver⸗ ſehen ſind, inzwiſchen aber ihre Titel nicht vor den Veräußerun⸗ gen der hypotheſirten Immobilien, die in der Zukunft Statt haben werden, in die Hypotheken⸗Resiſter haben eintragen laſſen, werden nur dann zugelaſſen, die Verſteigerung derſelben zu Folge der Verfügungen des Cap. 8/ Lit. 18 des G. N. zu verlangen, weun ſie nachweiſen, daß ſie ſeit der Epoche des Aetes, wodurch das Eigenthum uͤbertragen wurde, und ſpäreſtens biunen fuͤnfzehn Tagen von der Einſchreibung dieſes Actes angerechnet, ihre Hy⸗ pothek haben eintragen laſſen.— Eben ſo verhaͤlt es ſich in Hin⸗ ſicht der Gläubiger, die ein Privſlegium an Immobilien haben, jedoch unbeſchadet der übrigen Gerechtſamen, die zu Gunſten des Verkäufers und der Erben in den Art. aros und 2109 des G. N. beſtimmt ſind.« Da dieſer Artikel bloß von Gläubigern ſpricht, die ihre den Veräußerungen vorhergehende Titel nicht haben eintragen laſſen! eir ———— — Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 333 Nichts deſtoweniger fragte man, warum ein des Morgens eingeſchriebener Gläubiger nicht vor jenem, der des Abends eingeſchrieben wird, den PVorzug haben ſollte. ſo läßt er den Verkaͤufer in der Unmöglichkeit, worin das G. N. ihn verſetzt hat, das verkaufte Gut nach der Veraͤußerung mit einer neuen Hypothek zu beſchweren. Gläubiger aber, die vor der Veräußerung mit einem Hypothekar⸗Titel verſehen waren, verlieren dagegen durch den Verkauf die Befugniſſe nicht, dieſe Titel nach der Veräußerung noch eintragen zu laſſen, und zwar können ſie dieſes nicht nur in der Zwiſchenzeit vom Verkaufe bis zur Transſeription, ſondern ſo gar noch in fünfzehn Tagen, die auf die Transſeription folgen. Unter einem gewiſſen Geſichtspunete läßt ſich dieſe Verfügung mit dem Syſtem des G. N. vereinigen. Der Art 2167 gibt dem Erwerber die Wahl, das Gut von den Hypotheken frey zu machen, oder nicht: ſo lange er es nicht thun will, bleibt er, als Inhaber, für alle hypothekariſche Schulden verpflichtet, und ge— nießt der Zeitbeſtimmungen und Friſten, die dem urſprünglichen Schuldner geſtattet ſind: in dieſer Hinſicht wird er als ein Nach⸗ folger Kraft eines Univerſal⸗Titels, der ſeinen Vorfahren vor⸗ ſtellt, angeſehen, und gegen welchen man auf die nehmliche Art verfahren kann, wie man es gesen den Vorfahrer perſoͤnlich hätte thun können. Dieſe Gleichheit in dieſem Punete macht es begreiflich, wie ein Glaͤubiger, der vor der Veraͤußerung mit einem noch nicht eingetragenen Hypothekar⸗Citel verſehen iſt, die Befugniß beybehaͤlt, ihn noch nach der Veräußerung eben ſo ein⸗ tragen zu laſſen, als wenn das Gut noch in den Händen des t Verkaͤufers wäre. Erſt dann nimmt der Erwerber ſeinen ent⸗ ſcheidenden Charakter, als Nachfolger mittelſt eines Partieular⸗ Titels, der für die Schulden ſeines Verkäufers nicht haften kann, voͤllig an, wenn er das Gut von den Hypotheken frey machen will; vor allem muß er nun dieſen Willen durch die Transſeription an den Tag legen. Nun erſt gelangt dieſer Wille zur beſtimmten Kenntniß der Gläubiger, und aus dieſen Gruͤnden erklärt ohne Zweifel der Geſetzgeber die bis dahin geſchehenen Eintragungen fuͤr rechtmäßig, und geſtattet uͤberdieß den Gläubi⸗ gern des Verkaͤüfers noch eine moraliſche Friſt von fuͤnfzehn Ta⸗ . gen, von der Transſeription angerechnet, um ihre Titel noch ein⸗ tragen zu laſſen. Daß eine Eintragung, die in der vorgeſchriebenen Zeitfriſt geſchehen iſt, alle Wirkungen hervorbringe, die das Geſetz den — 334 M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Die Urſache hievon, antwortete man, iſt dieſe, damit dem Einverſtändniße des Hypotheken⸗Bewahrers mit irgend einem der Glaͤubiger, die ſich am nehmlichen Tage bey ihm Eintragungen im Allgemeinen beylegt, daran iſt kein Zweifel; verliert aber der Gläubiger, der in dieſer Friſt die Eintragung nicht bewerkſtelligt hat, unwiderruflich die Befugniß, ſeine Hy⸗ pothek noch mit Nutzen eintragen zu läſſen? Der Art. 334 ſagt zwar, daß er nicht berechtigt ſey, die Verſteigerung des Gutes zu verlangen, nicht aber, welches das Los und die Wir⸗ kungen dieſer verſpäteten Eintragung ſeyen. Für die Gultigkeit der Eintragung könnte man folgendes ſagen: Das Verfahren, welches die Freymachung des Gutes von den Hypotheken zum Gegenſtande hat, ſetzt den Titel des Erwerbers in Ungewißheit; erſt dann wird er unwiderruflich, wenn vierzig Tage verfloſſen ſind, ohne daß irgend ein Glaͤubi⸗ ger auf die Verſteigerung angetragen hat, dagegen verliert er ſeine Kraft; und der Zuſchlag tritt an ſeine Stelle, wenn während geſaster Friſt äuf Verſteigerung angetragen wird; da nun erſt zu einer dieſer beyden Epochen das Eigenthum auf den freywilligen Erwerber, oder auf den Anſteigerer unwiderruflich übergeht, ſo ſcheint es gerecht zu ſeyn, auch bis dahin die Eintragung noch zuzulaſſen, und hiedurch die Hypothek zu be⸗ feſtigen. Aus folgendem wird indeſſen das Gegentheil klar her⸗ vorgehen. Eine Hypothek, die dem Gläubiger die Rittel nicht ver⸗ ſchaffen kann, den Preis des hypotheſirten Gutes auf ſeinen wahren Werth zu bringen, eine Hypothek, die gar nicht ver, hindern kann, daß der Preis des veräußerten Gutes dem Ver⸗ käufer guͤltig ausbezahlt werde, kann keine Hypothek ſeyn, weil ſie von allen Rechten entbloͤßt iſt, die eine wahre Hypothek ausmachen. Nun kann aber a) ein ſolcher nachlaͤßiger Glaͤubiger nicht auf die Verſteigerung des Gutes antragen, weil dieſe Befugniß nach dem Art. 2185 des G. N. nur den zur Zeit der Transſeriptivn inſeribirten, und nach dem Art. 834 des Geſetz⸗ buches ü. d. r. V i. C. S. nur denjeuigen Gläubigern zuſteht, die binnen fuͤnfzehn Tagen von der Transſeription angerechnet ihre Hypothek haben eintragen laſſen; und b) wird nach dem Art. 21s6 des G. N. und dem Art. 338 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S., wenn auf die Verſteigerung nicht binnen der geſetzlichen Friſt angetragen worden iſt, der Erwerber von allen Privilegien mi. Buch. XvIII. Cit. Von Privilegien und Hypotheken. 335 einfinden, vorgebeugt, und dem Bewahrer die Befugniß be⸗ nommen werde, einem von ihnen nach ſeinem Belieben das Vorzugsrecht zu ertheilen.*) Art. 2143.» Um die Eintragung zu bewirken, über⸗ „reicht der Gläubiger entweder ſelbſt oder durch einen Drit⸗ „ten dem Hypotheken⸗Bewahrer die Urſchrift, oder eine au⸗ „thentiſche Ausfertigung des Urtheils oder des Aetes, worauf „ſich das Privilegium oder die Hypothek gründet.⸗ und Hypotheken befreyt, wenn er den Preis den Gläubigern aus⸗ zahlt, oder ihn hinterlegt. Er kann alſo, wenn keine Hypo⸗ theken eingetragen ſind, ſchon am ſechszehnten Tage nach der Transſeriptivn den Kaufpreis an den Verkäufer auszahlen, mit⸗ hin kann auch eine zur Zeit der Transſeription nicht eingetragene Forderung nach Ablauf der vierzehn Tage nicht mehr mit Erfolg oder Wirkung eingetragen werden, und wird von dieſem Angen⸗ blicke an zur bloß chyrographariſchen Forderung. Heißt es auch ſchon übrigens in dem vorliegenden Artikel⸗ daß Eintragungen auf die einem Privilegium oder einer Hypothek unterworfenen Güter ohne Wirkung bleiben, wenn ſie ꝛc., ſo läßt ſich doch dieſe Verfuͤgung unmöglich dem Buch⸗ ſtabe nach auf Privilegien anwenden. Dem Verkaͤufer z. B. iſt keine Friſt zur Eintragung ſeines Privilegiums vorbeſtimmt; ein Miterbe, dem etwas herausgegeben werden muß, hat ſechszig Tage, vom Theilungs⸗Acte angerechnet; Gläubiger und Legata⸗ rien, welche die Abſonderung des Vermögens des Verſtorbenen von jenem des Erben verlangen, habzn ſechs Monate von Eröff⸗ nung der Erbſchaft angerechnet, um mittelſt Eintragung ihr Pri⸗ vilegium aufrecht zu erhalten. Zuverläſſig können dieſe Privile⸗ gien noch eingetragen werden, wenn ſchon der Käufer, der Erbe, oder der Miterbe, der dem andern herausgeben muß, binnen be⸗ melten Zeitfriſten fallirt, oder ihre Erbſchaft unter der Rechts⸗ Wohlthat des Inventariums angenommen wird. Répertoire de jurisprud. a. a. St. F. 4. B. *) nebrigens verſteht es ſich, daß die Verfuͤgung dieſes Artikels nur auf gewöhnliche Hypotheken, d. h. ſolche, deren Rang durch die Eistragung feſtgeſetzt wird, folglich nicht auf ſolche anwendbar iſt, deren Rang durch das Geſetz ſelbſt beſtimmt iſt. Be 336 1M. Buch. KVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Er legt ihm zwey auf geſtempeltem Papier geſchriebene „Bordereaur bey, wovon eines auf die Ausfertigung des Ti⸗ „tels ſelbſt geſetzt werden darf; dieſe enthalten:« „1) Den Nahmen, Vornahmen und Wohnort des Glaͤu⸗ „bigers, ſein Gewerbe, wenn er eins treibt, und die Wahl „eines Domicils für ihn, an irgend einem Orte des Bezir⸗ „kes, worauf ſich das Buͤreau des Hypotheken⸗Bewahrers „erſtreckt;“ „2) Den Nahmen, Vornahmen und Wohnort des Schuld⸗ „ners, ſein Gewerbe, wenn er, ſo viel man weiß, eins treibt, „oder eine individuelle und beſtimmte Anzeige der Perſon, die „ſo beſchaffen iſt, daß der Hypotheken⸗Bewahrer das mit einer Hypothek beſchwerte Individuum in allen Fällen er⸗ „kennen und unterſcheiden kann;« „3) Das Datum und die Beſchaffenheit des Titels;⸗ „4) Den Capital⸗Betrag der Forderungen, die entweder „in dem Titel ſelbſt ausgedruckt ſind, oder in ſo fern von „Renten und von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Leiſtungen, „oder von künftigen noch ungewiſſen, bedingten oder unbe⸗ „ſtimmten Rechten die Rede iſt, von demjenigen, der die „Eintragung verlangt, auf einen gewiſſen Werth in den „Fällen, angeſchlagen werden, worin dieſe Beſtimmung des „Werthes vorgeſchrieben iſt, ſo wie ebenfalls den Betrag „der Acceſſorien dieſer Capitalien und die Zeit, wo die Zah⸗ „lung gefordert werden kann;« „3) Die Anzeige der Gattung und der Lage der Güter, „worauf er ſein Privilegium der ſeine Hypothek erhalten „will.« „Bey geſetzlichen oder gerichtlichen Hypotheken iſt dieſes „Letztere nicht nöthig. In Ermangelung eines beſondern Ver⸗ „trags erſtreckt ſich bey dieſen Hypotheken eine einzige Ein⸗ „tragung auf alle Immobilien, welche in dem Bezirke des „Buͤreau gelegen ſind⸗ 5 t. e UM. Buch. XvlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 337 Dieſer Artikel iſt faſt von Wort zu Wort aus dem Art. 17 des Geſetzes vom Bruͤmaire abgeſchreiben. In Betreff des erſten Theiles unſeres Artikels muß man bemerken, daß der Staats⸗Rath durch ein Gutachten vom 3. Floreal 13. F.(23. April 1805)*) feſtgeſetzt hat, daß man einen unter Privat-Unterſchrift zu Stande gekommenen und einregiſtrirten Kauf⸗Contract, wenn ſchon die Aechtheit der Unterſchriften noch nicht bewieſen iſt, in die Eigenthums⸗ Regiſter transſcribiren laſſen könne, wodurch ſich alſo die Transſcription von der Inſcription unterſcheidet, indem Letz⸗ tere nach unſerem Artikel nur Kraft eines authentiſchen Ti⸗ tels, worauf die Forderung beruht, geſchehen kann. Unter der Ziff. 2 des Artikels wird vorausgeſetzt, daß der Schuldner im Beſize iſt; denn hätte er die Sache verkauft, ſo muͤßte die Inſcription gegen den Erwerber, nicht gegen den Schuldner genommen werden. So entſchied die Section des requetes am 13. Thermidor 12. J.(x. Auguſt 1804), indem ſie das von St. Didier gegen ein Urtheil des Appellations⸗Hofes von Beſangon eingelegte Caſſation?⸗Ge⸗ ſuch verwarf.*) * S. dieſes Gutachten beym Art. a11. B. **) Den Fall, deſſen hier Erwähnung geſchieht, findet man im Journ. d. Aud. ete. 1806„. 49 u. fi er nurde nach dem Geſetze vom Brümaire entſchieden. Dagegen entſchied aber auch die Section des requétes am 30. Floreal 13. May 1805) nach eben dieſem Geſetze, in der Sache des Herrn Denonvil, liers, als Curators der vaeanten Nachlaſſenſchaft des Carl Reiner von Maille wider die Släubiger des Johann Ludwig von Maille, daß, weun der Erwerber ſeinen Contract nicht hat transſeribiren laſſen, und die Veränderung des Eigenthums nicht auf eine geſetzliche Weiſe zur Kenntniß des Glaͤubigers ge⸗ langt iſt, die gegen den urſprünglichen Schuldner genommene Inſeription das Hypotheken⸗Recht zum Nachtheile der gegen den neuen Eigenthuͤmer inſeribirter Gläubiger aufrecht Frhalte. Joura, IV. Mallev. 22 — 33 II. Buch. XVIII. Tit. Von Privileglen und Hypotheken. Der letzte Theil des Artikels ertheilt den geſetzlichen und gerichtlichen Hypotheken eine merkwürdige Begünſtigung, welche darin beſteht, daß die Guͤter nicht angezeigt zu wer⸗ den brauchen, worauf ſie ſich erſtrecken ſollen— eine Ver⸗ fuͤgung, die auch der Art. 17 des Geſetzes vom Bruͤmaite enthielt.*) d. Aud. ete. 1806 p. 52 u. f. Uebrigens ſehe man die Note(d) beym Art. 2146. B. *) Wichtig iſt indeſſen die Frage, ob alles, was der vorliegende Artikel vorſchreib!, ſo weſentlich erforderlich ſey, daß jede Unter⸗ laſſung oder Unichtigkeit die Unguͤltigkeit der Eintragung nach ſich ziehe. Daß 1) die Auszüge(Bordereaux) den Nahmen des Gläu⸗ bigers enthalten muͤſſen, iſt keinem Zweifel unterworfen: denn unmöglich wäre es in den meiſen Fällen, und ſehr beſchwer⸗ lich in allen, eine Perſon auf eine kennbare Art zu beieichnen, wenn man ſie nicht mit ihrem Rahmen nennte. Cben ſo zuver⸗ läſſig muß 2) das Vordereau den Nahmen, den Vornahmen! den Wohnort des Schuidners, ſein Gewerbe, wenn er deren eines treibt, was bekaunt iſt, oder eine individuelle und beſon⸗ dere Bezeich nung der Perſon enthalten, wean ihr Gewerbe unbekannt iſt. Der Schuldner wird nehmlich dem Publicum als eine Perſon angekündigt, deren Güter mit Hypotheken beſchwert ſind; er muß ſo bezeichnet werden, daß der Hypothen⸗Bewahrer in keinem Falle ſich zweydentig daruͤber aͤußern könne, wenn ihn jemand darum fragt; er muß ſich folglich ſo bezeichnet finden, wie das Geſetz es vorſchreibt. Nur kann eine andere gleichgeltende Bezeichnung die Stelle des Gewerbes, wenn er kein bekanntes treibt, erſetzen. 3. B. wenn zwey Bruͤder die nehmlichen Nahmen und Vornahmen hätten, ſo könnte man den Schuldner als den Aelteſten oder Jüngſten bezeichnen. Eben ſo muß 3) das Bordereau das Datum und die Natur des Titels enthalten; das Datum, um zu wiſſen, wann die Hypothek oder das Privilegium entſtanden ſey; die Natur des Titels, um zu wiſſen, wie es mit der Hypothek beſchaffen ſey. Gründet ſich z. B. die eingetragene Forderung auf einen Kauf⸗Contraet, oder auf einen Theilungs⸗Act, ſo weiß man, daß die Eintragung das Privile⸗ gium des Verkäufers oder des Miterben zum Gegenſtande habe; gründet ſie ſich auf ein Urtheil, ſo ſieht man; daß die Hypothek — un. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 33 Art. 2149.»Eintragungen, welche auf die Güter einer ſich auf alle gegenwaͤrtige und zukünftige Guͤter des Schuldners erſtrecke; findet man; daß die Forderung auf einem beym Ver— gleichs⸗Buͤrean abgefaßten Verbal⸗Prozeſſe beruht, ſo iſt man zum Voraus öberzeugt, daß hieraus kein Hypotheken⸗Recht ent⸗ ſprungen iſt; und man kann ſich ganz ſicher mit dem Schuldner einlaſſen. Auf die nehmliche Art verhaͤlt es ſich 4) mit dem Betrage der Forderung Wou koͤnnte es nützen, durch die Inſeription zu erfahren: daß das Gut des Schuldners mit einer Hypothek be⸗ ſchwert ſey, wenn man nicht zugleich dadurch erfuͤhre; für welche Summe es beſchwert iſt Eine beſtimmte Summe muß alſo im Bordereau ausgedruckt werden, gleichviel ob ſie im Titel be⸗ ſtimmt iſt oder nicht.(S die Art. 2132 und 21 ½3 n. 3.) Was uͤbrigens hier von künftigen noch ungewiſſen, beding⸗ ten und unbeſtimmten Rechten geſagt wird, baraus muß man nicht ſchließen, daß allemahl deren Werth angeſchla⸗ gen werden müſſe, ſo oft eine Forderung eine dieſer drey Ei⸗ gen ſchaften an ſich hat. Eine künftige noch ungewiſſe, oder be⸗ dingte Forderung kann in der That einen beſtimmten Werth oder irgend einen gewiſſen Gegenſtand haben; eigentlich zu reden muß alſo nur der Werth einer unbeſtimmten Forderung ange⸗ ſchlagen werden. Auch muß 5) die Verfallzeit im Bordereau bemerkt werden. Unter dem Geſetze vom Brümaire war dieſes deßwegen nothwei⸗ dig, weil der Art. 15 dieſes Geſetzes den Erwerbern und Anſtei⸗ gerern eines mit eingetragenen Hypothekar⸗Laſten und Schulden beſchwerten Gytes zu deren Tilgung die nehmlichen Termine und Friſten geſtattete, bie den vorhergehenden Eigenthümern zuge⸗ ſtanden waren. Auch wurden mehrere Mahle unter der Herr⸗ ſchaft dieſes Geſetzes Inſeriptienen für nichtig erklätt, weil die Verfallzeit der Schuld darih nicht ausgedruckt war. So urtheilte z. B. der Appellations⸗Hof von Paris in der Sache der Gläu⸗ biger des Moritz Lemaigre und der Dame Fillemain wider Grelet, und die Seetion des requétes verwarf am z. Frimaire 14 J.(25. November 1805) das gegen dieſes Urtheil eingelegte Caſſations⸗Geſuch. Journ. d. Aud. etc. 1306 p. 154 u. f. Frey⸗ lich tritt der angeführte Veweggrund nicht mehr ünter dem G. N. ein, weil der Erwerber eines Gutes, welcher es von den Hypotheken frey machen will, nach dem Art. 2184, die Hypo⸗ thekar⸗Schulden ohne unterſchied, ob ſie faͤllig ſind oder nicht, ⸗ 340 1i1. Buch. XvllI. Tit. Von Privilegien und Hopotheken. „verſtorbenen Perſon geſchehen ſollen, können unter der bloßen zuhlen muß; dem ſey indeſſen, wie ihm wolle, das Geſetz vom 4. September 1807 hat alle Ungewißheit in dieſem Punete gehoben. Es lautet ſo: Art. 1. In der Zeitfriſt von ſechs Monaten von der Kund⸗ machung des gegenwärtigen Geſetzes angerechnet, iſt jeder Gläu⸗ biger; der ſeit dem Geſetze vom 11. Brümaire 7. J.(as. No⸗ vember 1798) bis zum Tage der erwaͤhnten Kundmachung eine Eintragung erhalten hat, in welcher die Zeit, wann die Schuld grfordert werden kann, nicht angeieigt iſt, dieſe Zeit mag nun an einem beſtimmten Tage, oder nach irgend einem Ereigniſſe eintreten ſollen! berechtiget, an dem Hypotheken⸗Büreau, wo die Eintragung geſchehen iſt, ſeyn rectificirtes Bordereau vorzu⸗ zeigen; der Hypotheken⸗Bewahrer muß, ſobald ihm ſolches vor⸗ gezeigt wird, ſowohl auf ſeinem Regiſter als auf dem Bordereau, welches in ſeinen Händen bleibt, die Zeit anzeigen, wo die Schuld gefordert werden kan«; er hat hiebey ſich nach den Verfuͤzungen des 2200. Artikels des Geſetzbuches Napoleons zu richten, und darf keine neuen Gebuͤhren erheben. z. Mittelſt dieſer Berichtigung wird die urſprüngliche Ein⸗ tragung für vollſtaͤndig und gültig gehalten; wenn man übrigens die andern dabey vorgeſchriebenen Formalitäten beobachtet hat. z. Gegenwärtiges Geſetz iſt auf die Eintragungen nicht an⸗ wendbar, die durch rechtskräftige urtheile für nichtig erklärt worden ſind. Erſtreckt ſich indeſſen die Verbinblichkeit, die Verfallzeit aus⸗ zudrucken, auch auf Forderungen, die aus Urtheilen entſpringen; und— wenn von Renten die Rede iſt“ muß in der Inſeription nicht nur die jaͤhrliche Berfallzeit der Rente, ſondern auch der Zeitpunet angezeigt werden, wo in den im Art. 1912 de G. N. beſtimmten Fällen das Capital der Rente faͤllig werden kann? Veyde Fragen hat S. Exe. der Groß⸗Richter am 21. Junius 1807 auf folgenbe Art entſchieden: „Der Giäubiger, ſagt er, iſt nicht gehalten, in der Inſerip⸗ tion die Verfallzeit, die Kraſt des Art. 1912 des G. N. Statt haben kann, anzuzeigen; bezeichnet er darin die Natur und das Datum des Litels, ſo wie auch den Betrag des Capitals, ſo hat er in Betreff des Capitals den Geiſt und die Abſicht des Oeſetzes vollkommen erſüllt; weil er keine andere Verfallieit zu behimmen braucht, als jene, die aus ſeinem Titel hervorgeht; m. Buch. XvIII. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. 341 „ Bezeichnung des Verſtorbenen, ſo wie unter der Ziffer 2 was aber die jährliche Rente betrifft, muß er nicht nur die Zeit und ihren Betrag, ſondern auch ihre Verfallzeit bezeichnen; dieſe Verbindlichkeit iſt ausdrücklich im Geſetze vom 11. Brü⸗ maire 7. J und im Art. 2148 des G. N. vorgeſchrieben. Was die aus Uurtheilen entſpringende Forderungen betrifft; iſt kein Grund vorhanden, ſie von der allgemeinen Regel auszunehmen. Jede fällige Forderung, auf welchem Litel ſie auch immer beru— hen mag, muß nicht nur mit ihrem Capital und deſſen Aeceſſo⸗ rien, ſondern auch mit ihrer Verfallzeit bezeichnet werden, weil das Geſetz dieſes ausdrücklich verordnet.« Jurisprud. de la C. de C 1308 im Anhange p. 230. Endlich muß 6) die Gattung und Lage der Güter, worauf das Privilegium oder die Hypothek erhalten werden ſoll, an⸗ gezeigt werden. Auch dieſes muß ſtrenge beobachtet werden⸗ Von der Ausnahme, die unſer Artikel hievon macht, wird unten noch Sprache ſeyn. Wie aber, wenn der Vornahme des Gläubigers, wenn nicht alle ſeine Vornahmen, wenn ſein Wohnort oder ſein Gewerbe im Bordereau oder in der Eintragung nicht ausgedruckt, oder wenn kein Wohnort für ihn an irgend einem Drte, der zum Bezirk des Büreau des Hypotheken⸗Bewahrers gehört, gewählt worden iſt;— wie, wenn die Eintragung auf den Geſammt⸗Nahmen der Erben eines verſtorbenen Gläubigers, ohne die Erben nahment⸗ lich zu benennen, geſchehen iſt;— oder, wenn die eingetragene Forderung höher oder geringer iſt; wenn von den Areeſſorien des Capitals, von den zur Zeit der Eintragung verfallenen Zinſen, keine Meldung geſchehen iſt;— oder wenn die Urſchrift, oder authentiſche Ausfertigung des LTitels, worauf ſich das Privile⸗ gium oder die Hypothek gruͤndet, dem Hypotheken⸗Bewahrer nicht vorgezeigt worden iſt,— ſoll in allen dieſen Fällen die Eintra⸗ ung ungültig ſeyn? Daß es a) nicht ganz ſtrenge noͤthig ſey, alle Vornahmen des Gläubigers, wenn er deren mehrere hat, auszudrucken, ſon⸗ dern die Abſicht des Geſetzes hinlaͤnglich erfüllt werde, wenn nur derjenige Vornahme ausgedruckt wird, worunter er am meiſten bekannt iſt, dieß geht ſchon daraus hervor, weil der vor— liegende Artikel vom Vornahmen in der einfachen Zihl ſpricht. Noch mehr— ein Glaͤubiger kann b) ſich in einer In— ſeriptiun hinlänglich kennbar machen, ohne ſo gar einen ſeiner 34* 1M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „des vorhergehenden Artikels geſagt wird, geſchehen⸗* Vornahmen auszudrucken; und welcher Grund ware wohl in die⸗ ſem Falle vorhanden, die Eintragung für nichtig zu erklären? Iſt nicht der Zweck des Geſetzes erreicht, wenn die Eintragung, ohne Ruͤckſicht auf irgend einen Vornahmen des Glaͤubigers, hin⸗ reichende Merkmahle enthält, um den Eigenthümer der darin ausgedruckten Forderung zu erkennen? Eben dieſe Betrachtung erſtreckt ſich e) auf die unterlaſſung oder die Unrichtigkeit der Erwaͤhnung des Gewerbes. Freylich iſt d) die Beieichnung des Wohnortes dazu geeignet, den Glaͤubiger kennbar zu machen; auch hat das Geſetz ſie in dieſer Abſicht vorgeſchrieben, da es ſo gar den Gläubiger verpflichtet, ein Domieil an irgend einem Drte des Bezirkes zu wählen. Hat indeſſen der Gläubiger ſeinen wirklichen Wohnort nicht bezeichnet, ſo möchte es doch wohl ſcheinen, daß dieſer Abgang die Nichtigkeit der Eintragung nicht nothwendig nach ſich ziehen müſſe. „Je mehr ich, ſagt Herr Tarrible, den Art. a1 ½ unter⸗ ſuche, deſtv mehr überzeuge ich mich, daß der Geſetzgeber mehr Gewicht auf die genaue Beieichnung des Schuldners als auf jene des Släubigers hahe legen müſſen und legen wollen. Das Geſetz wollte, daß die Hypotheken mittelſt der Eintragung kundbar gemacht werden ſollten, und zwar um den Gefahren vorzubeugen, welchen diejenigen ausgeſetzt ſeyn möchten, die ſich mit einer mit Hypothekar⸗ Schulden belaſteten Perſon in Geſchäfte einlaſſen würden; es hat den Gläubiger verpfichtet, dieſe Formalität zu erfüllen, wovon die ganze Wirkſamkeit der Hypothek abhängt. Wie muß nun die Eintragung abgefaßt ſeyn, um ihren Zweck zu erreichen? Sie muß hauptſüchlich, und auf eine unzweydeutige Weiſe das hypothe⸗ ſirte Gut, den Betrag der Schuld, und die Perſon des Schuld⸗ ners bezeichnen. Sie ſoll zwar auch die Perſon des Gläubigers bezeichnen, und waͤre es auch nur deßwegen, weil eine Schuld ohne eine Forderung ſich nicht denken läßt; allein dieſe Bezeich⸗ nung intereſſirt das Publikum gar nicht, dem es für ſeine Sicher⸗ heit genug iſt, wenn es meiß, daß ein beſtimmtes einer gewiſſen Perſon zügehöriges Gut für eine Schuld von z. B. 10,000 Fr. haftet. „Man ſage nicht, es ſey einem neuen Darleiher oder Erwer⸗ ber daran gelegen, den Gläubiger gani genau zu kennen, um über die Gültigkeit der Forderung urtheilen zu koͤnnen; denn, weun auch die Inſeription alles, woraus ſie beſteht, noch ſo genau fnthielte, ſo iſt es doch nicht möglich daraus einiuſehen, m. Buch. XVlII. Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. 343 ob eine Forderung wirklich exiſtire oder gültig ſey; ließ es ſich ein dritter beygehen, ſich auf ſo unvollkommene Anteigen zum Richter jber die Guͤltigkeit der Forderung aufzuwerfen, ſo würde er ſich der größten Gefahr ausſetzen, da doch die Klugheit ihm vielmehr gebiethet, die Forderungen, die er eingetragen findet, für wahr und rechtmäßig zu halten. Kennt er die Perſon des Schulduers, den Betrag der Schuld, ihre Verfallzeit und das hypotheſirte Gut, ſo weiß er alles, was er als neuer Hypothe⸗ kar⸗Gläubiger wiſſen ſollte, und in dieſer Eigenſchaft hat er keine gerechte urſache, ſich über die nicht genaue Bezeichnung des Gläubigers zu beklagen. Entdeckt er, als zur Claſſificativn ge⸗ ſchritten werden ſoll, daß der inſeribirte Gläubiger keine recht⸗ maͤßige Forderung, oder weniger zu fordern hat, als in der Ein⸗ tragung enthalten iſt, ſo mag er die Forderung, nicht aber die Eintraguns ſelbſt beſtreiten.“ „Hieraus ſchließe ich! daß, wenn das Geſetz die Beteichnung des Schuldners und des Gläubigers voeſchreibt, es in Anſehung des einen ganz verſchiedene Gruͤnde als in Anſehung des andern gehabt haben müſſe. Laßt uns indeſſen, fährt Herr Tarrible fort, die verſchiedenen Merkmahlg, woraus dieſe Bezeichnungen veſtehen, noch ein Mahl durchgehen. Dieſe Merkmahle ſind gerade jene, deren man ſich immer in Frankreich bedient hat, um die Perſonen zu bezeichnen, d. h. die Nahmen, Vornahmen, Wohn⸗ ort und Gewerbe“ „Der Nahme des Gläubigers muß angezeigt werden, denn er iſt ja derjenige, der die Eintragung bewerkſtelligt, und folg⸗ lich auch weuigſtens ſeigen Nahmen darin ſetzen muß. In Hin⸗ ſicht des Wohnortes kann ich ſo ſtrenge nicht ſeyn. Bloß ſeines eigenen Vortheiles wegen muß der Gläubiger ein Domieil wäh⸗ len; ich ſehe aber keinen Grund ein, warum die Anzeige ſeines wirklichen Wohnortes nothwendig oder nützlich ſeyn ſollte. Was liegt den Gläubigern, die ſich mit dem nehmlichen Schuldner nach einem inſeribirten Gl lubiger in Verträge eingelaſſen haben, daran, wo er wirklich wohne? Hat der Gläubiger kein Domieil in der Inſcription gewählt, ſo brauchen dritte Perſonen ihm nichts iaſmuiren zu laſſen; für ſeine Nachläͤſſigkeit iſt er alſo ſchon genug durch die Gefahren geſtraft, denen er ſich ausſetzt. Finder er ſich indeſſen von freyen Stücken ein, ſo wird man ſeinen Titel unterſuchen; findet er ſich nicht ein, ſo wird er ſeines Rechtes verluſtig, weil er ſeinen Titel nicht aufgelegt hat. Genug, daß dritte Perſonen durch die unterlaſſene Anzeige oder Wahl ſeines Domieils keinen Nachtheil erleiden werden. 344 MI. Buch. FVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Was das Gewerbe betrifft, dieß iſt noch gleichgültiger. Die Ziff„ unſeres Artikels läft an Statt deſſen gleichgeltende Be⸗ zeichnungen in Anſehung des Schuldners zu; warum ſollte nicht das nehmliche in Anſehung des Gläubigers eintreten 26 »Endlich heißt es im Art. 23 des Geſetzes vom 45. Ventoſe 11. J.(14. Februar 1303) üͤber das Notariats⸗Weſen, daß die Notarial⸗Acte die Nahmen, Vornahmen, Gewerbe und Wohnort der Parteyen enthalten ſollen. Dieſer Artikel gehört nicht unter die Zahl derjenigen, deren Vorſchrift nach dem Art. 68 unter Strafe der Nichtigkeit beobachtet werden muß. So wäre alſo ein Aet über ein Darlehn, worin die Vornah⸗ men, der Wohnort oder das Gewerbe des Darleihers nicht ent⸗ halten waͤre, nicht ungültig; ſo gar als Notarial⸗Act wuͤrde er Kraft haben; wie wäre es nun moͤglich, daß eine Inſeription, die doch weiter nichts als ein weſentlicher Auszug alles deſſen iſt, was im Acte ſelbſt ausgedruckt worden iſt, deßwegen ungül⸗ tig ſeyn ſollte weil etwas darin nicht ausgedruckt worden, was im Aete ſelbſt nicht ſteht?“ Schwieriger iſt indeſſen e) die Frage, ob eine Eintragung auf den Geſammt⸗Nahmen der Erben eines verſtorbenen Gläu⸗ bigers, ohne ſie einzeln zu benennen gültig ſey? Beym Caſſa⸗ tions⸗Hofe kam dieſe Frage in der Sache der Erben Guillan⸗ deu wider die Gläubiger Robee vor, und mußte nach dem Geſetze vom Brümaire entſchieden werden. Die Inſeription, wovon in dieſem Falle die Rede war, war genommen worden zum Vortheile der Nachlaſſenſchaft der in Indien verſtorbenen Johanna Cavelier, Wittwe des Wil⸗ helm Guillandeu, auf Anſtehen des Joſeph Simon Lefebure in Paris in der Straſſe Chapon n. 191 wohnhaft, als Bevollmächtigten der Erben oder Repräſentanten der geſagten WittweGuillandeu, die größtentheils in Indien ſind. Nebſt dem war auch das Datum des Litels unrichtig ausgedruckt. In erſter ſo wohl als in der Appellations⸗Inſtanz wurde die Inſeription für nichtig erklaͤrt, und die ECivil⸗Section verwarf am 7. Sep⸗ teinber 1807 das dagegen eingelegte Caſſations⸗Geſuch, und zwar aus folgenden Gründen: 1) weil die Formalitäten, die ſich auf die Subſtan; der Aete bezichen, bey Strafe der NRichtigkeit ſelbſt vann vollſreckt werden muͤſſen, wenn das Geſetz dieſe Strafe nicht ausdruͤcklich verhäugt; 2) weil es offenbar zum Weſen der Hyvothekar⸗Inſcriptionen gehört, daß ſie alles das enthalten müſſen, was die Art. 17 und 40 des Geſetzes vom 11. Bruͤmaire M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 347 7. J. ſo wohl in Beziehung auf die Perſonen, welche die Ein⸗ tragung vornehmen laſſen, als auf das Datum der Titel, deren ſie ſich bedienen, vorſchreiben; im vorliegenden Falle aber 3) dieſes theils unterblieben, theils irrthuͤmlich angezeigt worden, und folglich dieſe Eintragung ungültig iſt. Jurisprud. de la C. de C. 1303 y. 92 u. f. Herr Tarrible iſt nichts deſtoweniger der Meinung, daß es äußerſt ſtrenge ſeyn wuͤrde, eine auf den Geſammt⸗Nahmen der Erben des urſprünglichen Gläubigers genommene Eintragung, wenn übrigens die Perſon dieſes letztern hinlaͤnglich darin ange⸗ zeigt worden iſt, für ungültig zu erklären Zuverlaͤſſig, ſagt er, iſt den Publikum mehr daran gelegen, die Perſon des Schuld⸗ ners genau zu kennen, als jene des Glaͤubigers; mit dem Schuld⸗ ner wollen drirte Perſonen contrahiren, und deßwegen erfordert es ihre Sicherheit, zum Voraus ganz beſtimmt zu wiſſen, wer er iſt, und ob die Güter, die er zum Unterpfand anbiethet, mit Hypotheken beſchwert ſind, oder nicht. Deſſen ungeachtet kön⸗ nen nach dem Art. 2149 Hopotheken auf Güter eines verſtorbe⸗ nen Schuldners unter deſſen Nahmen ganz allein eingetragen werden, obſchon ſeine Erben ſich anderſt nennen können, und ſolglich ein dritter, der ihre Eigenſchaft und den Litel nicht kennt, Kraft deſſen ſie die Güter beſitzen, aber auch keine Hy⸗ potheken gegen ihre Perſon eingetragen findet, leicht irre geführt werden kann, wogegen jeder, der eine Hypothek auf den Nahmen eites verſtorbenenen Glaͤubigers, wenn ſchon ſeine Er⸗ ven nicht genannt ſind, eingetragen findet, nothwendig Mißtrauen in das ihm angebothene Unterpfand ſetzen muß Die angeführte Entſcheidung des Caſſations⸗Hofes, ſetzt er hinzu, muß, wie jede andere, genau auf ihren Fall beſchränkt werden. Das Datum des Titels war unrichtig angegeben, die Wittwe Guillandeu war als in Indien geſtorben bezeichnet worden, was doch frey⸗ lich ihren Wohnort nicht genau anzeigte, und ſie nicht hinlänglich kenubar machte; und dieſe Umſtände zuſammen genommen moͤgen allerdings auf geſagte Entſcheidung Einfluß gehabt haben, die wahr⸗ ſcheinlich außer dem Falle dieſes zweyfachen Umſtandes, anderſt ausgefallen ſeyn möchte. Répert. de jurispr. a. d. St.§. 5, n. 3. Auch hat der Appellations⸗Hof von Paris am 19. Maͤrz 1803 in der Sache des Herrn und der Frau von Montmorency wider die Glaͤubiger des Herrn von Hrſay eine zu Gunſten der Nachlaſſenſchaft des Johann Baptiſt Ludwig Cler⸗ mont von Amboiſe genommene Inſpription für gültig er⸗ Klärt. Jurisprud. de la C. de C. 1803 im Anhange p. 127 u. f. 346 M. Buch. XVIIM. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. So wichtig inzwiſchen die bisherigen Bemerkungen ſind, ſo iſt es doch allerdings rathſam, bey Verfertigung der Inſeriptiv⸗ nen ſich genau nach der Vorſchrift des Geſetzes zu richten. Iſt aber auch k) der Betrag der eingetragenen Forderung hoͤher oder geringer, als ſie wirklich iſt, oder geſchah von den Acceſſorien des Capitals gar keine Erwähnung darin, ſo ſchadet doch keines von beyden der Gültigkeit der Eintragung. Iſt die eingetragene Summe geringer, ſo iſt die Hypothek nur bis zum Betrag der erklärten Summe zu ihrer Vollkommenheit gelangt. Iſt ſie höher, als ſich die Forderung wirklich beläuft, ſo ſteht dem Schuldner ſo wohl als den übrigen Gläubigern vor der Vertheilung des Kaufpreiſes die Befugniß zu, ſie auf ihren wahren Betrag herabſetzen zu laſſen. Sind die zur Zeit der Eintragung bereits verfallenen Zinſen in der für die Haupt⸗ Summe angenommenen Inſeription nicht mit bemerkt worden, ſo erſtreckt ſie ſich auch darauf nicht; nur mittelſt einer neuen Eintragung koͤnnte der Gläubiger hiefuͤr ein Hypotheken⸗Recht haben, deſſen Nang aber erſt durch ihr Datum beſtimmt würde. In keinem Falle wäre jedoch die Eintragung ungültig. Was endlich z) die Vorieigung der urſchrift oder einer au⸗ thentiſchen Ausfertigung eines Titels betrifft: ſo wäre zwar der Hypotheken⸗Vewahrer befugt, die Annahme und die Eintragung der Auszüge in ſeine Regiſter zu verweigern, wenn ſie ihm ganz allein überreicht würden. Nimmt er ſie aber an, und traͤgt ſie mit allen Formen verſehen in ſeine Regiſter ein, ſo läßt ſich die Gültigkeit der Eintragung mit Erfolg nicht beſtreiten. Der Titel wird ja 1) dem Hypotheken⸗Bewahrer nicht vorgezeigt, um ihn zum Richter über die Guͤltigkeit deſſelben zu machen; auch taun er ſich die unterſuchung nicht anmaßen, ob der Litel mit den Auszügen übereinſtimme, und die Eintragung unter dem Vorwande verweigern, daß dieſe Uebcreinſtimmung nicht vorhan⸗ den ſey; dieſe Macht hat das Geſetz ihm nicht beygelegt, ſon⸗ dern ihm im Gegentheile alle Weigerung und Zögerung verbo⸗ then.(Art. 2199) Die Inſeription iſt 2) das einzige, was nach dem Geſetze den Augen des Publikums ausgeſtellt bleiben ſoll; von ihrer Regelmäßigkeit, und von hener des Auszuges, woraus ſie genommen iſt, häugt ihre Wirkſamkeit ab; dagcgen von ih⸗ rer Vorzeigung nirgendwo eine Spur übrig bleiben ſoll. Hat alſo 3) das Geſetz ſelbſt keine Maßregel ergriffen, um die Vor⸗ zeigung des Titels zu conſtatiren, ſo hat es⸗ auch unmoͤglich die Nicht⸗Beobachtung dieſer keine Spur zurücklaſſenden und kalt M. Buch XVIII. Tit. Ven Privilegien und Hypot heken. 347 überflüſſigen Formalitaͤt mit der Strafe der Nichtigkeit der Ein⸗ tragung belegen wollen. Heißt es auch übrigens im Schluſſe des vorliegenden Artikels, vaß bey der Eintragung der gerichtlichen und geſetzlichen Hypo⸗ theken(mit Ausnahme jedoch derjenigen, die das Geſetz dem Par⸗ tieular⸗Legatar einer Summe an den Immobilien der Erbſchaft, die der mit der Auszahlung dieſes Vermächtnißes beauftragten Perſon angefallen ſind, verleiht, ſo wie auch der auf gewiſten Immobilien beſonders haftenden Privilegien) die Gattung und Lage der Güter nicht angezeigt zu werden brauche, ſo bleibt doch noch immer die Frage übrig, ob die einzige Eintragung, die in Ermangelung einer Uebereinkunft geſchieht, ſich auf die Immo⸗ bilien beſchraͤnke, die der Schuldner zur Zeit dieſer Eintragung beſitzt, oder ob ſie ſich auf dieſe ſo wohl, als auf jene zugleich erſtrecke die er in der Folge noch erwerben mag. Nach dem Art. 4 des Geſetzes vom Brümaire beſchränkte ſich die gerichtliche Hypothek bloß auf die Güter, die der Schuldner zur Zeit des erlaſſenen Urtheiles beſaß; nur auf dieſe konnte alſo auch die nachherige Eintragung des Urtheiles wirken. Die Hy⸗ potheken der Frauen an den Gütern ihrer Männer, ſo wie alle andere geſetzliche Hypotheken umfaßten zwar alle ſo wohl gegen⸗ wärtige als zukünftige Guͤter der Männer und anderer Gläubi⸗ ger, nahmen aber erſt vom Tage der Eintragung ihren Rang ein, und erſtreckten ſich dem angeführten Artikel zu Folge bloß auf die dem Schuldner zur Zeit der Eintragung zugehoͤrigen Güter; zwar konuten die nachher erworbenen Guͤter der Schuld⸗ ner mittelſt einer fernern Eintragung der Hypothek ebenfalls un— terworfen werden, jedoch ohne Nachtheil der fremden Hypotheken, die in der Zwiſchenzeit etwa darauf eingetragen worden ſeyn mochten. Ganz verſchieden iſt hierin das Syſtem des G. N. die geſetz⸗ lichen Hypotheken der Frauen und der Minderjaͤhrigen exiſtiren unabhängig von aller Eintragung, und ihr Rang iſt auf die im Art. a13s beſtimmte Weiſe feſtgeſetzt. Die geſetzliche Hypothek des Staates, der Gemeinden und öffentlichen Anſtalten an den Gütern ihrer Empfänger umfaßt zwar, jetzt wie vorhin, die gegen⸗ waͤrtigen und zukünftigen Güter der Einnehmer ihrer Einkünfte, muß aber auch eingetragen werden, und nimmt erſt von dieſer Zeit an ihren Rang ein. Die Lerichtliche Hypothek endlich er— ſtreckt ſich nach dem Art. a123 nicht nur auf die Güter, die der Schuldner zur Zeit des Urtheiles beſitzt, ſondern auch auf jene, 343 III. Buch. XVIII. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. — die er noch in der Folge erwerben mag. Müſſen nun die Ein⸗ tragungen nach und nach, wie der Schuldner neue Güter erwirbt, wiederhohlt wverden? Und ſoll der Rang der Hypotheken an den verſchiedenen Gütern nach dem Datum der nach und nach geſche⸗ henen Eintragungen wenigſtens dann Stufenweiſe beſtimmt wer⸗ den, wenn von Hypotheken an den Gütern der Rech⸗ nungspflichtigen, voder von gerichtlichen Hypotheken die Rede iſt? Beyde Fragen, ſagt Herr Tarrible, müſſen meines Erachtens bejahend entſchieden werden. In der That iſt die Hypothek ein dingliches und beſtimmtes Recht an einer unbeweglichen Sache. Nur in ſo fern kann ſie Beſtand haben, als die Sache, worauf ſie haftet, ſich in der Hand und in dem Eigenthum des Schuldners befindet. Freylich können künftige Güter der Gesenſtand und der Sitz einer Hypo⸗ thek werden; ſo lange ſie aber nicht erworben ſind, ſind es Hirn⸗ geſpinnſte, worauf kein wirkliches Hypotheken⸗Recht gegruͤndet werden kann. Eine einzige Eintragung iſt alſo nicht genug, um die künftigen noch nicht vom Schuldner erworbenen Güter zu erreichen, und ſo können auch die Schlußworte unſeres Artikels nur von ſolchen dem Schuldner von der Entſtehung der Schuld an zugehörigen, oder neuerdings erworbenen Immobilien verſtan⸗ den werden, die ſich zur Zeit der Eintragung in deſſen Haͤnden befinden. Das Geſetz würde man einer Inconſequenz beſchuldigen, wenn man es anderſt auslegte. Zuverlaͤſſig kann ja eine auf dem Büreau von Cöln z. B. geſchehene Eintragung ſich nie, ſelbſt nach den Worten des Artikels, auf die Güter erſtrecken, die der Schuldner nachher im Bezirke von Aachen erwerben mag. Wuͤrde alſo der Schulduer nachher im dieſem letztern Bezirke Güter er⸗ werben, ſo koͤnnte ja der Gläubiger, der eine allgemeine Hypothek an den wirklichen und kuͤnftigen Guͤtern des Schuldners hat, an den im Aachner Beiirke gelegenen Gütern ſein Hypotheken⸗Recht anderſt nicht als mittelſt einer neuen Eintragung befeſtigen, deren Datum den Rang ſeiner Hypothek ebenfalls beſtimmen würde; und, da die Lage der künftigen Güter einer Perſon eben ſo un⸗ gewiß iſt, als ihre Erwerbung, und es ſich nicht denken laͤßt, daß der Geſetzgeber die Ausdehnung oder Einſchränkung der Wir⸗ kungen einer Eintragung dem bloßen Zufalle habe Preis geben wollen, ſo kann auch die in einem B üre geſchehene Eintra—. gung ſich auf die nachher erworbenen und im nehmlichen Be⸗ zirke gelegenen Guͤter eben ſo wenig erſtrecken, als ſie ſich auf die nachher in einem andern Bezirke erworbenen Guͤter erſtreckt. M. Buch. XVIII. Tit. Bon Privilegien und Hypotheken. 349 Stimmt mit dem Art. 17 des Geſetzes vom Brümaire überein.*) Dieſe Gründe, fährt Herr Tarrible fort, treten ſelbſt in Hinſicht der geſetzlichen Hypotheken der Frauen und Minderjäh⸗ rigen ein. Iſt der Zeitpunet gekommen, wo man die geſetzliche Hypothek des Minderjährigen eintragen muß, wenn man ſein Recht an den Gütern aufrecht erhalten will, die der Vormund neuerdings in einem andern Beiirke, als in jenem, wo die erge Eintragung geſchehen iſt, erworben hat, ſo muß nothwendig eine zweyte Eintragung in dem Büreau des Bezirkes geſchehen, wo die neuen Güter gelegen ſind; warum ſollte ſie nicht auch in Hinſicht der neuerdings erworbenen Güter wiederhohlt werden muͤſſen, die im nehmlichen Bezirke gelegen ſind, wo ſchon eine erſte Eintragung geſchehen iſt? Es iſt doch ganz wahr, daß auf die neuerdings erworbenen Güter keine Eintragung exiſtirt, noch exiſtiren kann, weil der Schuldner ſie zur Zeit der erſten Ein⸗ tragung weder beſaß, noch das Eigenthum daran hatte, und es ungewiß war, ob ſie ihm je zugehören wuͤrden. Selbſt nach dem Art.§ des Geſetzes vom§. September 1g07 (S. die Note beym Art. 2098) iſt das Privilegium, welches der Art. 4 dem öffentlichen Schatze an den von den Einnehmern der Staats⸗Einkünfte nach ihrer Ernennung mittelſt eines läſtigen Ti⸗ tels erworbenen Guͤtern verleiht, der Eintragung binnen zwey Monaten vom Datum der Einregiſtrirung des Erwerbungs⸗Actes angerechnet, unterworfen— ein Beweis, daß dieſes Geſetz dem öffentlichen Schatze nicht erlaubt, voreilige Eintragungen auf Guͤter zu nehmen, noch ehe der Rechnungspflichtige ſie erworben hat; und da in Anſehung dieſer Formalität jwiſchen der allge⸗ meinen Hypothek des Staates und dem beſondern ihm verliehe⸗ nen Privilegium Analogie vorhanden iſt, da ferner die gericht⸗ lichen Hypotheken in ihren Wirkungen der geſetzlichen Hypothek des Staates gleich geſtellt ſind, ſo müſſen ſie auch den nehm⸗ lichen Regeln unterworfen ſeyn. Das nehmliche hat auch bey jenen Conventional⸗Hypotheken Statt, wovon im Art. a130 des G. N. die Rede iſt. Répert. de jurisprud. a. a. St. F. 5. B.⸗ *) Nennt ein Erbe ſich anberſt, als ſich der Verſtorbene nannts, und ſind Hypotheken auf Güter des Verſtorbenen unter dem Nahmen dieſes letztern eingetragen worden, ſo koͤnnte leicht ein dritter; der auf ſrlche Erbſchafts⸗Guter Geld vorſchießen wollie, 370 1M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken Art. 2150.»Der Hypotheken⸗Bewahrer bemerkt in „ſeinem Regiſter den Inhalt der Vordereaux, gibt demjenigen, „der die Einrtagung verlangt hatte, nebſt dem Original⸗Titel „oder der Ausfertigung des Titels eines der beyden Bordereaur „zurück, und bezeugt am Schluſſe deſſelben, daß er die Ein⸗ „tragung gemacht habe.« Stimmt mit dem Art. 18 des Geſetzes vom Brümaire überein.*) inzwiſchen aber keine Hypotheken gegen die Nahmen des Erben in den Regiſtern eingetragen findet, hintergangen werden. Um alſo ganz borſichtig zu Werke zu gehen, darf man ſich nicht damit begnügen, wenn man den Nahmen des kuͤnftigen Schuldners nicht in den Hypotheken⸗Regiſtern eingetragen findet, ſondern man muß überdieß unterſuchen, ob er auch wirklich Eigenthümer des Gutes iſt, welches er zum Unterpfand anbiethet, wie er zu die⸗ ſem Gute gekommen ſey, von wem er es erworben habe, und ob überall die erforderlichen Formalitäten beobachtet worden ſeyen. B. *) Da das Regiſter das Original und authentiſche Stück iſt. welches dem Publikum zur Einſicht aufgelegt werden ſoll, und wovon der Hypotheken⸗Bewahrer demjenigen, der es verlangt, Auszüge mittheilen muß; da ferner eine Hypothek von dem Tage ihrer Eintragung einen Rang erhaͤlt, und folglich von der Regelmäßig⸗ xeit der Eintraguns alles abhänst, ſo waͤre die Eintragung nich⸗ tig, wenn der Hypotheken⸗Bewahrer irgend eine der weſentlichen Formalitäten in ſein Regiſter einzurücken unterließe, wenn ſchon dieſe Formalität im Vordereau erfüllt worden waͤre. So ent⸗ ſchied die Civil⸗Section des Caſſations⸗Hofes am 23 April 1307 in der Sache der Dlle. Lahaye wider Conne. In dieſem Falle hatte der Hypotheken⸗Bewahrer das Datum des Titels, oder die Epoche, in welcher die Hypothek entſtan⸗ den war, in ſeine Regiſter nicht eingetragen, unerachtet die⸗ ſes in den Bordereaux enthalten war. Jurisprud. de la C. de c. 1307 p. 234 u. f. Froylich bleibt in cinem ſolchen Falle der Hypotheken⸗Bewahrer für den Schaden verantwortlich, der daraus für den Glaͤnbiger entſpringt, der die Eintragung beför⸗ dert hat, und zu dieſem Ende dient das Bordereau, welches er zurückgibt, als Beweis gegen ihn; aber die Eintragung iſt unb bleibt unguͤltig. B —. ——„— 1M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hppotheken. 351 Art. 2151. Ein Gläubiger, der fuͤr ein Capital einge⸗ „tragen iſt, das Zinſen oder Renten hervorbringt, hat das Recht, „mit ſeiner Hypothek in Hinſicht dieſer Zinſen oder Renten, „jedoch nur für zwey Jahre nebſt dem laufenden, in eben „die Rangordnung einzutreten, welche dem Capital ange⸗ „wieſen iſt, mit Vorbehalt der beſondern Eintragungen, die „er für die uͤbrigen, kraft der erſten Eintragung mit keinem „Vorrechte verſehenen, Räckſtände nebſtdem noch bewirken „kann, und welche alsdann von dem Tage an, da ſie datirt „ſind, eine Hypothek verſchaffen.« Stimmt mit dem Art. 19 des Geſetzes vom Brümaire uͤberein, ausgenommen, daß er das laufende Jahr nicht hin⸗ zuſetzte. Dagegen iſt er aber der faſt allgemeinen Praris zuwider, nach welcher allen verfallenen Zinſen der nehmliche Rang und das nehmliche Hypotheken⸗Recht beygelegt wurde, welche den Capitalien, deren Acceſſorium ſie waren, gebuͤhrten. Wie, wenn waͤhrend des Prozeſſes noch Zinſen von an⸗ dern Jahren faͤllig werden, wie und in welcher Rang⸗Ord⸗ nung ſollen ſie bezahlt werden? Am. Frimaire 14. J.(2. November 1805) kam dieſe Frage bey der Section des requétes vor. Am 15. Pluvioſe 10. J.(4. Februar 1802) verkauſt Te Maigne ſeinen Kindern einige Immobilien; am I18. des n. M. E. Februar) wurde der Contract ſeiuem ganzen Inhalte nach in die Eigenthums⸗Regiſter eingetragen, und den inſecri⸗ birten Gläubigern ſo gleich inſinuirt. Der erſte unter dieſen war die Frau des Verkäufers, die fuͤr den Betrag ihres Brautſchatzes eingetragen war, welchen ſie aus dem Kaufpreiſe, mit den Zinſen von zwey Jahren zurückforderte. Zwiſchen den Erwerbern und den Glaͤubigern entſtand unn ein Rechtsſtreit, welcher zur Folge hatte, daß das Gericht von Joigny erſt am 7. Nivoſe 12. J.(29. De⸗ cember 1803) mittelſt ein es Claſſifications⸗Urtheiles ihre Rang⸗ Drdnung feſiſetzen konnte, und hierin raͤumte es der Frau fuͤr ihren Brautſchatz und für Zinſen von vier Jahren, nehm⸗ 352 1II. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. lich fuͤr zwey, die zur Zeit der Inſinuation des Kauf⸗Con⸗ 1 tractes füllig waren, und für die zwey übrigen, die während des Prozeſſes verfallen waren, den erſten Rang ein. Die Gläubiger appellirten von dieſem Urtheile. Der Appellations⸗Hof von Paris reformirte es darin, daß es die Frau fuͤr vierjährige Zinſen zuerſt claſſificirt hatte, und verordnete dabey, daß der Betrag dieſer Zinſen von zwey Jahren der Geſammtheit der inſcribirten Gläubiger bezahlt werden ſollte⸗ Nun nahm die Frau ihren Recurs zum Caſſations⸗Hofe, und gründete ihr Geſuch darauf, daß der Appellations⸗Hof die Gränzen ſeiner Macht uͤberſchritten habe, indem er dem Art. 19 des Geſetzes vom Bruͤmaire etwas hinzugeſetzt habe, 4 was nicht darin enthalten ſey; dieſer Artikel, ſagte ſie, ver⸗ fügt nichts in Anſehung der während des Prozeſſes fällig ge⸗ wordenen Zinſen; ganz natürlich war es alſo, daß man ihnen, gemäß der alten Jurisprudenz, den nehmlichen Rang wie den übrigen anwieß, und zwar um ſo mehr, da es meine Schuld nicht war, daß die Claſſification nicht eher gemacht worden iſt. Allgemein war man zwar darin einig, daß das Caſſa⸗ tions⸗Geſuch in dieſem Sinne ungegruͤndet ſey; daß der Art. 19 klar ſey, und die Hypothek der Zinſen auf zwey Jahre beſchränke; daß folglich der Appellations⸗Hof durch Refor⸗ mirung des Urtheiles von Joigny, welches bas Geſetz offen⸗ bar verletze, ſich ganz nach deſſen Vorſchrift gerichtet habe. Dagegen war man aber auch der Meinung, daß der Ap⸗ pellations⸗Hof, ſeiner Seits, von dem Geiſte des Geſetzes abgewichen ſey, indem er verordnet hatte, daß der Betrag der in der erſten Inſtanz mehr zuerkannten zweyjahrigen Zin⸗ ſen der Geſammtheit der inſcribirten Gläubiger zuwachſen ſollte. Da das Geſetz, ſagte man, die Wirkung der Inſcrip⸗ tion nur auf zweyjaͤhrige Zinſon ausdehnt, ſo war kein Grund vorhanden, den Betrag der übrigen Jahre der Geſammtheit S i m. Buch. Xwlr. git. Von Privilegien und Hypotheken. 33 der inſcribirten Gläubiger ausſchließlich beyzulegen. Dieſe Gelder, ſetzte man hinzu, mußten, da ſie bewegliches Gut blieben, und ſich keine Hypothek auf ſie erſtreckte, unter ſämmt⸗ lichen inſcribirten oder nicht inſcribirten Gläubigern nach Ver⸗ haͤltniß ihrer Forderungen getheilt werden. Da indeſſen die Klaͤgerinn ſich dieſes Grundes nicht be⸗ dient, auch nie deßhalb einen ſubſidiariſchen Antrag gemacht hatte, ſo begnügte man ſich damit, daß man ſie mit ihrem Caſſativns⸗Geſuche abwieß. Hätte ich bey dieſem Urtheile mitzuſtimmen gehabt, ſo wuͤrde ich der Meinung der Section des requétes deßwegen beygetreten ſeyn, weil das Geſetz wirklich ſo iſt. Inzwiſchen wäre es meines Erachtens nothwendig, daß der Geſetzgeber es in Anſehung des Falles, den ich eben vorgetragen habe, erläuterte.*) Art. 2152.»Von der Willkuͤhr desjenigen, der eine »Eintragung nachgeſucht hat, ſo wie ſeiner Repräſentanten, „oder derjenigen, die mittelſt einer authentiſchen Urkunde als „Ceſſionare in ſeine Rechte getreten ſind, hängt es ab, das „von ihnen gewaͤhlte Domicil im Hypotheken⸗Regiſter zu „ändern, mit dem Bedinge, daß ſie in demſelben Arrondiſſe⸗ »ment ein anderes wählen und anzeigen.« *) Der Art. 767 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S. ſcheint inzwiſchen die hier aufgeworfene Frage zu entſcheiden. Hier heißt es nehmlich:»Fünfzehn Tage, nachdem der Streit über die ge⸗ genſeitige Claſſification entſchieden iſt, und im Falle einer Appel⸗ lation, fuͤnfzehn Tage nach erfolgter Inſinuation des Appella⸗ tions⸗Urtheiles, welches daruͤber erkannt hat, bringt der Com⸗ miſfar die Claſſification der beſtrittenen Forderungen, und derje⸗ gen, die nach ihnen folgen, in Richtigkeit, und zwar nach der im Art. 759 enthaltenen Vorſchrift; den Släubigern,welche nach dem ihnen angewieſenen Range gezahlt werden, laufen weiterhin keine Zinſen und Ren⸗ ten.“ Auch entſchied ſo der Appellations⸗Hof von Paris am 26. December 1307 in der Sache Baſtion wider Potain⸗ Jurisprud. de la C. de C. i203 im Anhange x. 63 u. f. B⸗ W. Malev⸗ 28 * 534 UI. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Stimmt mit dem Art. 20 des Geſetzes vom Brämaire überein: uur hat man den Worten: die als Ceſſionare in ſeine Rechte getreten ſind, jene: mittelſt einer authen⸗ tiſchen Urkunde, und zwar auf die Erinnerung, welche gemacht wurde, hinzugeſetzt, daß, wenn man den Ceſſionarien mittelſt eines Actes unter Privat-Unterſchrift die nehmliche Befugniß ertheilte, man die betrüglichen Veränderungen des Demicils veguͤnſtigen würde, Art. 2153.„Die Rechte einer bloß geſetzlichen Hypo⸗ „thek, welche dem Staate, den Gemeinden und den oͤffent⸗ „lichen Anſtalten an den Guͤtern der Einnehmer ihrer Ge⸗ „fälle verliehen ſind, die Rechte der Minderjährigen oder In⸗ „terdicirten wider ihre Vormünder, der verheitatheten Frauen „wider ihre Ehegatten ſollen auf Ueberreichung zweyer Bor⸗ „dereaux eingetragen werden, welche mehr nicht enthalten, als» „1) Den Nahmen, Vornahmen, das Gewerbe und den „wirklichen Wohnort des Gläubigers, nebſt dem Domicil, „das von ihm oder für ihn in den Arrondiſſement gewaͤhlt „werden muß;“ „2) Den Nahmen, Vornahmen, das Gewerbe, den Wohrs „ort oder eine ganz genaue Bezeichnung des Schuldners;« „3) Die Natur der Rechte, welche durch die Eintragung „erhalſen werden ſollen, und, ſo viel die beſtimmten Gegen⸗ „ſtände betrifft, den Betrag ihres Werthes, ohne daß man „verbunden ſey, in Hinſicht der bedingten, von kuͤnftigen „Begebenheiten abhangenden oder unbeſtimmten Rechte dieſen „Betrag feſtzuſetzen.“ Der Art⸗ 21 des Geſetzes vom Brümaire ſchrieb nur die drey in unſerem Artikel enthaltenen Formalitäten für jedes geſetzliche oder vertragsmoͤßige Hypotheken⸗Recht vor. Unſer Artikel iſt dagegen einzig auf die bloß geſetzliche Hypothe⸗ ken⸗Rechte anwendbar. Die Urſache hievon iſt dieſe, weil die unter der Ziff. 5 des Art⸗ 2138 vorgeſchriebene Bedin⸗ gung, de he die Bezeichnung der beſchwerten Immobilien — ug en an en ſen in. Buch. Lvili. Tii. Von Privilegien und Hypotheken. 35 alletbings dann erfüllt werden muß, wenn die Contrahenten, wie der Art. 2140 ihnen dieſes erlaubt, die geſetzliche Hypo⸗ thek auf beſtimmte Fmmobilien eingeſchrnkt haben⸗ Auch die Ziff. 3 unſeres Artikels verleiht den geſetzlichen Hypotheken eine neue Begünſtigung, da ſie ſie von der Noth⸗ wendigkeit befreyt, den Werth der zu erhaltenden Rechte, welche bedingt oder unbeſtimmt ſind, oder bon kuͤnftigen Er⸗ eignißen abhangen, zu beſtimmen. Art. 2154.»Die Eintragungen halten das Hypothe⸗ „kentecht und das Privilegium zehn Jahre lang, von dem „Tage ihres Datum anzutechnen aufrecht; ihre Wirkung hört »auf, wenn dieſe Eintragungen vot Ablauf dieſei Friſt nicht „ernenert worden ſind.« Stimmt mit dem Art. 23 des Geſetzes vom Brrimaire uͤberein, welches jedoch eine Ausnahme hitizuſetzte, welche ſo lautete? „Nichts deſtoweniger bleiben ſie(die Eintragungen) bey ihrer Wirkung, nehmlich was die im Art. 27 erwähnten Ein⸗ nehmer öffentlichet und Privat⸗Einkünſte, und was die Brrr⸗ gen der Einnehmer der Staats⸗Einkünfte betrifft, bis zur ſchließlichen Juſtificatien und En rladung des Rochnungspflich⸗ tigen von allet fernern Verantwottung, und noch ſechs Mo⸗ nate hernach; und was die Ehegatten bettifft, in Anſehung äller ihrer Rechte, und im Heiraths⸗Contracte fuͤr ſie ausbe⸗ dungenen Vortheile, ſie mögen beſtimmt ſeyn, oder von kuͤnf— tigen Ereignißen ab angen, waͤhrend der ganzen Zeit der Heirath, und noch ein Jahr nach ihrer Auflbſung.« Man fand es nicht dienlich, die Ausnahme in Hinſicht der Rechnungspflichtigen im Geſetzbuche zu ernetern, weil man ſelbſt dem Staate in dieſem Puncte kein Privilegium geſtatten wollte. In Hinſicht der Frau, war es uberfluͤßie, die Dauer der Inſcription zu beſtimmen, da ſie von der No thn endigeit der Eintragüng befreyt iſt. 316 M. Buch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Geſetzt aber, was ſich allerdings ereignen kann, man habe vernachläßigt, eine Inſcription auf die Gliter der Männer und der Vormünder zu nehmen, ſollen die Frauen und Min⸗ derjährigen, Erſtere nehmlich beym Abſterben der Maͤnner, und Letztere bey ihrer Großjährigkeit, keine Friſt haben, um ihre Hypotheken ſelbſt eintragen zu laſſen? Und— ſoll ein Dritter, der ſeine Hypothek vor ihnen hat eintragen laſſen, ihnen ſogleich und ohne weiteres vorgehen? In dieſem Falle müßte man, meines Erachtens, in An⸗ ſehung der Frauen die Verfügung des ſo eben angefuͤhrten Geſetzes vom Brümaire, und in Anſehung der Minderjähri⸗ gen das Edict von 1673 befolgen. Dieſes Edict, welches weit vollſtändiger als das Geſetz vom Brümaire iſt, geſtat⸗ tete den ſeparirten Frauen vier Monate, den Wittwen aber, und den Minderjährigen nach erlangter Großjährigkeit ein Jahr: geſchah die Eintragung in die Regiſter binnen dieſen Zeitfriſten, ſo hatte ſie eine zurückwirkende Kraft; nach Ab⸗ lauf der Friſten aber brachte ſie nur ein Hypotheken⸗Recht von dem Tage an hervor, wo die Eintragung geſchehen war. Nach dieſem Edicte von 1673 brauchte die Eintragung in die Regiſter, wenn ſie einmahl geſchehen war, nicht wieder erneuert zu werden; dagegen die Oppoſitionen, dem Edicte von 1771 zu Folge, nur drey Jahre dauerten. Im Entwurfe unſeres Artikels hatte die Geſetzgebungs⸗Section das Edict von 1673 befolgt, und geſagt, daß die Privilegien und Hy⸗ potheken mittelſt der Inſcriptionen ſo lange aufrecht erhalten würden, als die perſönliche oder hypothekariſche Klage dauere, worauf ſie beruhen⸗ Aus folgenden Gründen wurde indeſſen dieſe Verfuͤgung beſtritten; dauert die Juſeription, ſagte man a), ſo lange, ſo wird es unmäglich, ſie in den ungehenren Bänden der Hy⸗ potheken⸗Regiſter ausfindig zu machen; die Aufſuchungs⸗Koſten werden b) betraͤchtlich, und die Einſchaltungen erleichtert; und da c) eine perſönliche Klage hundert Jahre lang dauern kann, wenn ſie z. B. durch Minderjährigkeiten, oder durch ni ei be wi ict m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 337 conſervatoriſche Maßregeln aufrecht erhalten wird, ſo muß man eine andere Zeitfriſt annehmen. Anderer Seits wendete man ein, man müſſe die Bürger nicht mit oft wiederhohlten Eintragungs⸗Koſien belaſten, und ein Geſetz machen, wodurch ſie von der Zahlung derſelben bey der zweyten und den folgenden Eintragungen befreyt würden. Letzteres, antwortete man aber, gehört nicht in ein Eivil⸗ Geſetzbuch; und ſo wurde die Dauer der Inſcription auf zehn Jahre eingeſchraͤnkt.*) „ Der Ausdruck: halten aufrecht, der in dieſem Artikel vorkommt, möchte wohl, in ſeinem wahren Sinne genommen, beſſer auf die Erneuerung der Eintragung, als auf die urſprüng⸗ liche Eintragung ſeibſt paſſen. Die gewöhnliche Hypothek erhält in der That ihr Leben durch die urſprüngliche Eintragung; da⸗ gegen die in der vorgeſchriebenen Friſte bewerkſielligte Erneuerung der Eintragung dieſer Hypothek die nehmliche Kraſt und die nehmliche Rechte aufrecht erhält, die die urſpruͤngliche Ein⸗ tragung ihr beygelegt hatte. Das nehmliche gilt auch von den Privilegien, die der Eintragung unterworfen ſind. Dem ſey indeſſen, wie ihm wolle, der Sinn des Geſetzes iſt gar nicht zwey⸗ deutig. Die urſprüngliche Eintragung ſetzt den Raug der Pypo⸗ thek und des Privilegiums feſt, welcher unter dem Schutze des Geſetzes ſich zehn Jahre lang erhält; damit aber die Hypothek und das Privilegium dieſen Rang beybehalte, muß die Eintra⸗ gung vor Ablauf der zehn Jahre erneuert werden; geſchieht die⸗ ſes nicht, ſo iſt er unwiederbringlich verloren, und die Hypothek fällt in den Zuſtand zuruͤck, als wenn ſie nie eingetragen gewe⸗ ſen wäre. Freylich kann ſie nachher noch eingetragen werden; allein nun erhält ſie erſt wieder vom Tage der Eintragung einen Rang. Die Frage, ob die von Amts wegen geſchehenen Eintragun, gen ſo wie auch die Eintragungen der Hypotheken der Frauen, der Minderjährigen und des öffentlichen Schatzes an den Gütern der Maͤnner, der Vormünder und der Einnehmer der Staats⸗ Einkuͤnfte vor Ablauf der zehn Jahre erneuert werden müſſen, hat der Staats⸗Rath durch folgendes Gutachten vom 15. Decem, ber 18o7, welches vom Kaiſer am 22. Jaͤnner 1108 genehmiget worden iſt; entſchieden. Es lautet ſo: 358 IM. Buch. XVIMII. Tit. Von Privilegien und Pypotheken. Art⸗ 2155.»Die Koſten der Eintragungen fallen auf „den Schu dner, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen Der Staats⸗Rath; welcher, der von Sr. Majeſtaͤt befohlenen Hinverweiſung zu Folge, den Bericht der Geſetzgebungs Section über jenen des Groß⸗Richters, Juſtitz⸗Miniſters in Betreff der Frage angehoͤrt hat, ob die von Amts wegen geſchehenen Eintragungen ſo wie jene von Seiten der Frauen! der Minder⸗ jährigen und des öffenrlichen Schatzes auf die Guͤrer der Männer, der Vormuͤnder und der Einnehmer der Staats⸗Einkünfte, vor Ablauf der Friſten von zehn Jahren erneuert werden müſſen, Iſt der Meinung, daß dieſe Frage durch den Art. 2134 des G. N entſchſeden ſey. t3 Bey der Diseuſſion des Geſetzbuches wurde dieſer Artikel erß nach einer reiflichen Berathſchlagung angenommen. Die Geſetzgebunss⸗Section hatte vorgeſchlagen, den Eintra⸗ gungen ihre vollige Wirkung ſo lange zu laſſen als die Verbindlichkeit und die perſonliche Klage wider den Schuldner, oder als die hypothekariſche Klage gegen den dritten Beſitzer dauern würde, falls das mit einer Hypothek belaſtete Gut in deſſen Haͤnden väre. Dieſer Vorſchlag wurde verworfen, nicht weil man es nicht vortheilyaft für die Buͤrger fand, wenn ſie nicht verbunden waͤren, die genommenen Inſeriptionen zu erneuern, ſondern weil der vorgeſchlagene Artikel große Schwierigkeiten in ſeiner Voll⸗ ßreckung darboth; allgemein war man ſogar der Meinung, daß die Volltreckung deſſelben unmöglich wäre. In der That wär es mözlich, daß die perſönliche Verbind⸗ lichkeit, deren Dauer, der yorgeſchlagenen Meinung zu Folge⸗ die Dauer der Eintragung beſtmmen ſollte, entweder mittelſt enſepvatoriſcher Aete, vder durch aufeinander folgende Minder⸗ jährigkeiren, ein Jahrhundert hindurch fortwährte; wie koͤnnte nun aber ein Hypotheken⸗Bewahrer ſich in ſolcher Menge von Regiſtern wieder finden, die er taͤglich ſo oft durchblaͤttern müßte, gls man von ihm ein Zengniß über die etwa vorhandenen Ein⸗ tragungen verlangen möchte? Dieſer Einwurf ſchien unauflöslich, und unerachtet man zu⸗ gab; es waͤre zu wuͤnſchen geweſen, daß es möglich ſeyn möchte den Bürgern die Schwierigkeit einer Erneuerung der Eintragungen zu erſparen, ſo war man doch der Meinung, daß es keine elſ del⸗ nte voll ßte⸗ in hie get zin m Buch. XVIII. Tit. Ven Privilegien und Pypotheken. 335 „worden iſt; ſie werden von demjenigen vorgeſchoſſen, der die „Eintragung nachſucht; ausgenommen ſind gleichwohl die Nittel gäbe, hiezu zu gelengen: der Artikel gieng alſo, ſo wie er wirklich iſt, ohne einige Ausnahme durch, d. h. die Eintragungen halten die Hypotheken und Privilegien nur wäh⸗ rend zehn Jahre aufrecht, und werden ſie vor Ablauf dieſer Friſt nicht erneuert, ſo hört ihre Wirkung auf. Das Geſetzbuch macht keine Ausnahme; und hierin liegt der Unterſchied zwiſchen dem neuen Artikel, und dem Geſetze vom 11. Brümaire 7. J. in Berreff der Dauer der Eintragungen. Anfaugs ſtellt der Art. 23 dieſes Geſetzes die nehmliche Ver⸗ füguug dar, wie der Art. 213½ des Geſetzbuches: dann macht er aber von dieſer Regel zwey Ausnahmen; die erſte, zu Gunſten der gegen die Einuehmer der Staors Einkünfte und ihre Bürgen genommenen Inſcriptionen, welche, wie es darin heißt, bis zur deſinitiven Berichtigung der Rech⸗ nungen und noch ſechs Monate hernach ihre Wirkung haben ſollen; die zweyte zu Gunſten der Hypotheken, die auf die Gü⸗ ter der Ehegatten zur Sicherheit ihrer Rechte und deſſen, was im Heiraths Contraete fuͤr ſie ausbedungen worden iſt, eingetra⸗ gen worden ſind, welche ſo lange dauern ſollen, als die Ehe beſteht, und noch ejn Jahr hernach. Sind dieſe Ausnahmen im G. N. nicht wiederhohlt worden, ſo iſt djeſes nicht aus Vergeſſenheit, ſondern mit ueberlegung, und den Grundſqtzen zu Folge geſchehen, die die Grundlage der neuen Verfuͤgungen ſind, welche die Hypo⸗ theken betreffen. Zuerſt ſind die auf die Rechte der Frauen und Minderjähri⸗ gen ſich beziehenden Eintragungen zur Aufrechthaltung ihrer Hy⸗ potheken nicht mehr nothwendig, indem d dieſe, nach dem Art. 2133 des⸗Geſetzbuches, von aller Eintraguns ungbhängig exiſti⸗ ren; es war folglich nicht nothwendig, für die Aufrechthaltung dieſer Hypothek die Ernenerung einer Eintragung zu verordnen, die zu ihrer Errichtung nicht mehr erfordernch war. Was die Eiutragungen auf die Güter der Rechnungspflichti⸗ gen betrifft, iſt es ausgemacht, daß die Forderungen des oͤffent⸗ lichen Schatzes von der Formalität der Eiutragung durch das G. N. nicht befreyt worden ſind. Dieſes Privilegium verleiht der Art. 2135 bloß den Minderzährigen, Interdicirten, und Ehe⸗ frauen: zuverläßig kann hingegen die Verwaltung die übcrall 36 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken.! „geſetzlichen Hypotheken; wegen ihrer Eintragung hält ſich „der Hypotheken⸗Bewahrer an dem Schuldner. Die Koſten . Agenten hat, bey denen man mehr Thätigkeit und Aufklärung als heym gemeinen Manne vorausſetzen muß, die Eintragungen, die ſie hat bewerkſtelligen müſſen, erneuern. Ohnehin ſieht man leicht ein, daß eine Verfügung, welche die gegen die Rechnungspflichtigen genommenen Inſeriptionen von der Nothwendigkeit, ſie vor Ablauf der für alle Eintragun⸗ gen überhaupt feſtgeſetzten Friſt von zehn Jahren zu erneuern, frey erklärte, die zahlloſen Schwierigkeiten alle in ſich faſſen würde, welche verhindert haben, den Eintragungen eine unbegränzte Wirkung beyzulegen. Man hat ſo eben geſagt, daß, da die gefetzliche Hypothek der Frauen und der Minderjährigen unabhaͤngig von aller Eintragung beſtehe, ihrer Seits keine Urſache vorhanden ſey, eine Maßregel tu erneuern, wovon ſie befreyt wären. Hier iſt der Zeitpunet, zu bemerken, daß, unerachtet man die Rechte der Frauen und Minderjährigen von der Nothwendig⸗ keit einer Eintragung zur Exiſtenz ihrer Hypothek befreyte, man nichts deſtoweniger ſtrenge Maßregeln ergriffen hat, damit dieſe Rechte kundbar gemacht, und diejenigen, welche ſich mit den Männern und Vormuͤndern in Geſchaͤfte einſaſſen, nicht das Schlachtopfer eines Geheimhaltens werden möchten, welches das jetzige Hypotheken⸗Syſtem hat verbannen wollen. Dieſem zu Folge verordnet der Art. a136 des Geſetzbuches, daß die Männer und Vormünder gehalten ſeyn ſollen, die Hy⸗ potheken, womit ihre Guͤter wegen der Heirath oder der Vor⸗ mundſchaft belaſtet ſind, kundbar zu machen, und ſelbſt die Ein⸗ tragung derſelben auf ihre eigene Güter nachzuſuchen, unter der Strafe, daß ſie widrigenfalls als eines Stellionats ſchuldig ange⸗ ſehen, und als ſolche, mittelſt perſoͤnlichen Arreſtes zur Zahlung angehalten werden ſollen. Haben aber auch die Maͤnner und Vormünder dieſe Eintra⸗ gung zu bewerkſtelligen vernachlaͤßigt, ſo werden ſie zwar perſön⸗ lich hiefür geſtraft; deſſen ungeachtet exiſtirt die Hypothek. So hat man bey dieſer Gelegenheit das allgemeine Inte eſſe, welches die Publicität der Hypotheken fordert, mit dem beſon⸗ dern Intereſſe der Frauen und der Minderjährigen zu vereinigen geſucht, welche durch die Verſaͤumung einer Eintragung nicht leiden dürfen, deren Bewerkſtelligung ihnen oft unmölich ſeyn würbe. —— —— MI. Buch. XvlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 361 „der Einſchreibung(Transſeription), welche ein Verkäufer „etwa verlangt, fallen auf den Erwerber.« Außer allem Zweifel iſt es aber, daß die Männet und Vormün⸗ der, unter den im Art. a1z6 enthaltenen Strafen, ſchuldig ſind, die Eintragungen der Hypetheken, womit ihre Güter noch be⸗ ſchwert ſeyn moͤgen, vor Ablauf der Friſt von zehn Jahren zu erneuern; der nehmliche Beweggrund, aus dem ihnen die Pflicht auferlegt wurde, die Eintragung zu befördern, ſchreibt ihnen ebenfalls vor, die Eintragung ſo oft und ſo lange zu erneuern, als ihre Güter wegen der Heirath oder Vormundſchaft beſchwert bleiben. Es iſt noch uͤbrig, von der Erneuerung der von Amts wegen geſchehenen Eintragungen zu ſprechen. Der Text des Art. 2154 des G. N., und die ſo eben dargelegten Entwickelungen duͤrfen keinen Zweifel an der Nothwendigkeit dieſer Erneuerung vor Ab⸗ lauf der Friſt von zehn Jahren mehr übrig laſſen: nur daran ließ ſich zweifeln, wer dieſe Erneuerung zu beſorgen habe; bey wenigem Nachdenken bleibt man indeſſen überzeugt, daß auch ſo gar hieruͤber kein ernſter Zweifel aufgeworfen werden kann. Im Art. 2108 heißt es, die Einſchreibung gelte als Eintra⸗ tragung für den Verkäufer; der nehmliche Artikel legt dem Hy⸗ potheken⸗Bewahrer die Pflicht auf, die Eintragung in ſein Re⸗ giſter von Amts wegen zu thun. Die urſache hievon iſt leicht einzuſehen: der Hypotheken⸗Bewahrer findet in dem Verkauf— Acte, den man ihm vorlegt, alle Beſtandtheile des Bordereau, welches ein Gläubiger eingeben muß, um ſeinen Titel eintragen zu laſſen; er hat alſo alles vor Augen, was er verlangen kann, um die Forderung des Verkaͤufers eintragen zu können: das Geſetz verbindet ihn zu dieſer Eintragung, ohne daß es nöthig iſt, ihn hierum beſonders zu erſuchen; die Vorlegung des Aectes um ihn zu transſeribiren vertritt die Stelle dieſes Geſuches. Folgt hieraus, daß die ſo von Amts wegen geſchehene Ein⸗ tragung nicht erneuert werden müſſe? Folgt daraus, daß, wenn die Epoche der Erneuerung herangekommen iſt, der Hypotheken⸗ Bewahrer dafür ſorgen müſſe? Bffenbat, nicht. Beym Ablaufe der zehn Jahre weiß der Bewahrer nicht, ob die Forderung des Verkaͤufers getilgt iſt oder nicht; ohnehin wäre es ihm unmöglich, von allen Verkäufen, die er eingeſchrieben haben mag, Note zu halten, um täglich darauf zu wachen, daß jede Eintragung von Amts wegen, wenn ſie zu Ende gehet, erneuert werde. 36 1Ml. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. S. die Anmerkungen zum Art. 213r. Eine ſolche Laſt mußte und konnte man dem Bewahrer nicht aufbuͤrden: eben ſo wenig konnte man ihn verpflichten, jedes⸗ mahl wenn er um ein Zeugniß uͤber die etwa vorhandenen Ein⸗ tragungen erſucht wird, alle ſeine Regiſter von vierzis und meh⸗ rern Jahren her zu durchſuchen, um ſich zu verſichern, daß keine Eintragung von Amts wegen vorhanden ſey was doch durchaus geſchehen muͤßte, wenn die Eintragungen von Amts wegen nicht erneuert würden. Man kanu alfo mit Wahrheit ſagen, daß die Eintragung von Amts wegen, ſo wie jede andere, zur Aufrechthaltung der Hy⸗ pothek ernenert werden, und daß der Verkäͤufer fuͤr die Erneue⸗ rung ſorgen muß: er muß ſich durch eine Verbindlichkeit nicht verlett ſinden, die ihm mit allen Glaͤubigern ohne Unterſchisd gemein iſt, wenn ſie ihre Rechte aufrecht halten wollen. Die eben aufgeßellten Grundſätze paſſen gleichfalls auf eine audere Gattung von Eintragung von Amts wegen, die der Art. des Geſetzes vem 5. September 1807 vorſchreibt. Die Hypotheken⸗Bewahrer ſind, bey Strafe der Abſetzung und des Schadens⸗Erſatzes, ſchuldig, auf Einſicht der Aeten, wodurch die General Einnehmer und die Zahlsmeiſter das Eigen⸗ genthum ihrer Güter übertragen, von Amts wegen eine Eintrg⸗ gung im Nahmen des öffentlichtn Schatzes zur Erhaltung ſeiner Nechte zu thun, und einen Ausjug davon dem Agenten des öffent⸗ ſchen Schatzes zuzuſenden. Der Verwaltung iſt es leicht, von dieſen zugeſendeten Auszij⸗ gen ein Regiſter zu halten, und dieſe in den vor⸗ geſchriebenen Friſten erneuern zu laſſen; hier iſt kein Grund zu einer Ausnahme von der allgemeinen Regel vorhanden. So muß alſo, um die Sache kuri iu wiederhohlen 1) jede Eintragung vor Umlauf von zehn Jahren erneuert werden; 2) War die Eintragung erforderlich, um ein Hypotheken⸗Recht zu bewirken, ſo iſt die Erneyerung derſelben nothwendig um es aufrecht zu erhalten; 3) Eriſtirt ein Hypotheken⸗Recht unabhängig von aller Ein⸗ tragung, und dieſe iſt unter beſondern Strafen verordnet, ſo müſſen d dieenigen, welche die Eiutraguns zu veranſtalten verbun⸗ den ſind, ſie unter den nehml ſchen Strafen erneuern laſſen; Mm. Buch. XVIII. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. 36; Art. a156.»Klagen, welche die Eintragungen wider die „Gläubiger etwa veranlaſſen moͤgen, ſollen bey der recht⸗ „maͤßigen Gerichts⸗Behörde durch Vorladungs⸗Acte eines „Huiſſier angeſtellt werden, die jhnen in Perſon, oder an »dem zuletzt im Regiſter gewählten Wohnorte zu inſi⸗ vnuiren ſind, wenn ſchon die Gläubiger, oder diejenigen, „bey welchen ſie ihr Domicil gewählt hatten, inzwiſchen ver⸗ »ſtorben ſeyn ſollten.« S. den Art. 2150, worin erklärt wird, welches Gericht über dieſe Klagen zu erkennen heſugt iſt, Fuͤnftes Capitel. Von der Ausſtreichung und Reduection der eingetragenen Privilegien und Hypotheken. Art. 2157.»Eingetragene Pripilegien und Hypotheken „werden mit Einwilligung der Parteyen, die dabey ein Intereſſe „haben, und hiezu fähig ſind, oder kraft eines in letzter Inſtanz „ergangenen oder rechtskräftigen Urtheils ausgeſtrichen.«*) 4) Endlich; wenn die Eintragung durch den Hypotheken⸗Ve⸗ wahrer von Amts wegen geſchehen mußte, ſo iſt der Gläubiger, der ein Intereſſe dabey hat, verbunden, ſie zu erneuere, B. *) Kaiſerliches Deeret öber die Aufhebung der Oppoſitionen, welche zur Aufrechthaltung der Rechte der Armen und Spitäler gemacht worden ſind, vom 11. Thermidor J. 12.(60. Juli 1804.) Art. 1. Die Empfänger der Armenanſtalten können in den Faͤllen, wo die Gerichte es nicht verorduct haben, die Oppoſt⸗ tionen nicht aufheben, welche zur Aufrechthaltung der Rechte der Armen und Spitaͤler gemacht worden ſind, noch eine Aus⸗ ſtreichung, Veränderung pder Einſchränkung der eingetragenen Hypotheken⸗Rechte bewilligen, ſie ſeyen dann durch eine beſondere Entſcheidung des Präſectur⸗Rathes hiezu autoriſtrt, welche auf den förmlichen Vorſchlag der Verwaltung und nach dem Gut⸗ achten des zu Folge des Beſchluſſes vom 7. Meſſidor 9. J. bey jedem Gemeindebezirke errichteten und aus Rechtsgelehrten beſtehenden Bergthſchlagungs⸗Cymite erlaſſen worden iſt. 364 M. Buch. XvIl. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Im Art. 25 des Geſetzes vom Brümaire hieß es: die Inſcriptionen werden entweder mit Einwilligung der Intereſſenten, oder Rraft eines executoriſchen Urtheiles, welches es verordnet, ausgeſtrichen. Im Entwurfe unſeres Artikels hatte die Geſetzgebungs⸗ Section jenen des Geſetzes vom Brümaire wörtlich aufge⸗ nommen; er wurde aber, wie man ſieht, ohne Discuſſion abgeändert. Kann der Hypotheken⸗Bewahrer unſerem Artikel zu Folge, kraft eines in erſter Inſtanz erlaſſenen Contumacial-Urtheiles, wogegen binnen acht Tagen keine Oppoſition eingelegt wor⸗ den iſt, eine Inſcription ausſtreichen? Das Bezirks⸗Gericht von Bordeaur entſchied dieſe Frage mit Nein, ſein Urtheil wurde aber in der Appellations⸗In⸗ ſtanz am 6. Pluvioſe 13. J.(26. Jänner 1803) reformirt. Ein Contumacial⸗Urtheil, ſagte das Bezirks⸗Gericht, geht nicht in die Rechtskraft über, weil man während dreyßig Jahre davon appelliren kann⸗ Der Appellations⸗Hof ſagte hingegen, die Befugniß von einem in erſter Inſtanz erlaſſenen Urtheile zu appelliren, hin⸗ dere nicht daran, es zur Vollſtreckung zu bringen, ſo lange derjenige, gegen den es gefällt worden iſt, ſich dieſer Befug⸗ niß nicht bedient; ſo lange er dieſes nicht thne, werde er ſo angeſehen, als wenn er es dabey bewenden laſſe.*) Dieſe Frage kann inzwiſchen viele Schwierigkeit erleiden. Unter einem rechtskräftigen Urtheile verſteht man gewöhn⸗ lich dasjenige, wovon nicht appellirt werden kann. In der Ordonnanz von 1667, Tit. 27, Art. 5, heißt es indeſſen: rechtskrftige Urcheile ſind dieſenigen, welche in letzter Inſtanz erlaſſen worden ſind, oder wovon nicht appellirt *) Dieſe Entſcheidung ſammt dem dazu gehörigen Falle findet man in der Jurisprud. de la C. de G. KlIl. im Anhange p. 66 u. 6 B. m. YBuch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 36 worden iſt, oder wovon keine Appellation annehmbar iſt, 1c. Nach der Lehre des Rodier zu dem Art. 1 und§ des geſagten Titels, muß ein in erſter Inſtanz erlaſſenes Urtheil, ſo lange davon nicht appellirt wird, zur Vohſtreckung gebracht werden, und dieß, ſagt er, iſt die Abſicht der Dr⸗ donnanz. So bald eine Partey gegen ein wider ſie erlaſſenes Contumacial⸗Urtheil in den beſtimmten Friſten keine Oppo⸗ ſirion eingelegt hat, muß man annehmen, daß ſie es dabey bewenden laſſe, und man kann das Urtheil nicht, unter dem Vorwande, daß eine Appellation davon moͤglich iſt, unvoll⸗ ſtreckt laſſen. Nur muß man im Falle, wenn ſie davon appellirt, die Inſcription wieder herſtellen, bis die Sache in letzter Inſtanz entſchieden ſeyn wird.*) *) Ueber die Vollſtreckung der Contumacial⸗Urtheile ſebe man den Art. 155 bis 159 einſchließlich des Ge etzbuches ü. d. r. V. i. C. S.— Was aber insbeſondere die Urtheile betrifft, wodurch die Ausſtreichung einer Hypothek verordnet wird, heißt es im Art. 348 eben dieſes Geſetzbuches:»Urtheile, welche... die Ausſtreichung einer in die öffentlichen Regiſter eingetragenen Hypothek. oder irgend etwas anderes verordnen, das von einem Dritten oder gegen ihn geſchehen ſoll, ſind für oder wider dieſen Dritten nicht executoriſch, wenn ſchon die Zeitfriſten zur Einlegung der Dppoſition oder der Appellation verſtrichen ſind, es ſey dann, daß ein Zeugniß des Sachwalters der auf Voll⸗ ſtreckung dringenden Partey, worin das Datum der am Wohn⸗ orte der verurtheilten Partey geſchehenen Inſinuation des Urthei⸗ les ausgedruckt iſt, und ein Zeuguiß des Gerichtsſchreibers beyge⸗ bracht werde, welches bewaͤhrt, daß wider dieſes Urtheil weder Oppoſition noch Appellation eingelegt worden ſey.« Da nun a) nach dem vorliegenden Artikel ein in letzter Inſtanz ergangenes oder rechtsfraͤftiges Urtheil erfordert wird, ein Contumacial⸗Ur⸗ theil aber wegen Mangel einer Oppoſitivn oder Appellation, und zwar vorzüglich in Auſehung dritter Perſonen; erſt dann rechts⸗ kräͤftig werden kann, wenn die für die Bppoſition oder Appellation beſtimmten Friſten verſtrichen ſind; da b) nach dem Art. 158 des Geſetzbuches ü d. r. V i. C. S. die Oppoſition gegen ein Con⸗ tumacial⸗Urtheil bis zur Vollſtreckung des urtheiles zuläſſig iſt, wenn es gegen jemanden erlaſſen worden, der keinen Sachwalter beſtellt hatte, das Urtheil aber e) nach dem Art. 159 des nehmr z66 u1 Buch. XVI. Tit. Von Privilegien und Hypotheten. Uebrigens hat unſer Artikel jenem des Geſetzes vom Bruͤ⸗ maſre noch die Worte? und hiezu faͤhig ſind, hinzugeſetzt; ihr Zweck war, wie Herr Grenier ſagt, damit Minderjaͤh⸗ rige odot verheirathete Frauen, die allenfalls ihre Hypothe⸗ ken, wie das Geſetz ihnen dieſes erlaubt, auf die Güter ihrer Vormuͤnder oder Männer haben eintragen laſſen, nicht mehr ohne Beobachtung der zur Veraͤußerung ihrer Güter und Gerechtſame erforderlichen Formalitäten davon abſtehen könnten. Art. 2158.„In einem wie im andern Falle haben die⸗ „jenigen, welche die Ausſtreichung nachſuchen, auf dem Bü⸗ „reau des Hypotheken⸗Bewahres eine Ausfertigung des au⸗ „thentiſchen Actes, der die Einwilligung enthält, oder die „Ausfertigung des Urtheils zu hinterlegen.⸗ Art. 2159.»Iſt die Ausſtreichung nicht verwilliget „worden, ſo wird hierauf bey dem Gerichte geklagt, in „deſſen Bezirke die Eintragüng geſchehen iſt; ausgenommen „bleibt hievon der Fall, wenn die Eintragung zur Sicherheit „eines auf einen künſtigen Fall gerichteten, vder unbeſtimm⸗ „ten condemnatoriſchen Urtheils geſchehen iſt, über deſſen tichen Geſetzbuches als vollſtreckt ängeſehen wird, wenn die in Beſchlag genommenen Mobilien verkauft, oder der Verurtheilte in Verhaft gezogen und zur fernern Haft empfohlen, oder der auf eines oder mehrere ſeiner liegenden Gründe gelegte Beſchlas ihm kundbar gemacht, oder die Koſten gezahlt worden ſind, oder enblich ein Aet erfolgt iſt, woraus ſich nothwendig ergibt, daß die Vollſtreckung des Urtheils der ausbleibenden Partey bekannt geworden, ſo muͤßte ſogar im Falle, went das Contumaeial⸗Urtheil⸗ welches die Ausſtreichung der Hypothek verordnete, gegen jeman⸗ den gefällt worden, der keinen Sachwalter beſtellt hatte, die Vollſtreckung deſſelben, allenfulls mittelſt eréeutiviſchen Verfah⸗ rens zür Zahlung der Koſten, worin der Ausbleibende verürtheilt worden, befördert werden, ehe der Hypotheken⸗Bewahrer zur Aus⸗ ſtreichüng der Hypothek angehalten werden könnte. So entſchied auch der Appellations Hof von Paris ai 14. May 18os in der Sache Ringard wider Fidiere. Jurisprud. de la C. de C⸗ zsos im Anhange o. 227 u. f. im. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 36 „Pollſtreckung oder Liquidation der angebliche Schuldner und „Gläubiger bey einem andern Gerichte entweder noch wirk⸗ „lich gegeneinander verfahren, oder das Urtheil erwarten. „In einem ſolchen Falle muß die Klage auf Ausſtreſchung „der Hypothek entweder bey eben dieſem Gerichte angebracht, „ oder dahin verwieſen werden.« „Eine zwiſchen dem Gläubiger und Schuldner getroffene »Uebereinkunſt, worin ſie ſich anheiſchig machten, daß im »Falle eines unter ihnen entſtandenen Streits die Klage bey „einem andern, ven ihnen beſtimmten Gerichte, angebracht „werden ſoll, iſt gleichwohl unter ihnen in Vollzug zu ſetzen.⸗ Der letzte Theil des Artikels wurde dem Entwurfe auf die Erinnerung, die man machte, hinzugeſetzt, der Fall ſey a) möglich, daß die Contrahenten ein Intereſſe dabey haͤtten, über ein anderes von ihnen beſtimmtes Gericht ſich zu ver⸗ einigen; die Befugniß ſich ein Gericht auszuwählen, könne ihnen b) um ſo weniger verſagt werden, da es in ihrer Macht ſtehe, ihre deßfallſigen Streitigkeiten durch Schieds⸗ Richter entſcheiden zu laſſen; ohnehin geſtatte c) das Geſetz vom 24. Auguſt 1790 den Contrahenten in allen Faͤllen, ſich ein Gericht auszuwählen⸗ So wurde alſo dieſer Zuſatz angenommen, jedoch unter dem Vorbehalte, daß die deßfallſige Uebereinkunft nur unter den Contrahenten von Wirkung ſeyn, keineswegs aber die Ordnung der Gerichtbarkeiten in Hinſicht dritter Perſonen aͤndern ſollte⸗ Art. 2160.»Die Gerichte ſind ſchuldig, die Ausſtreichung nzu befehlen, wenn die Eintragung, ohne auf ein Geſetz „oder auf einen Titel gegründet zu ſeyn, oder zu Folge eines „unregelmäßigen, erlvſchenen oder durch Zahlung wiederauf⸗ „gehobenen Titels geſchehen iſt, oder wenn ſonſt die aus „dem Privilegium oder der Hypothek entſtandenen Prioritäts⸗ »rechte auf eine geſetzliche Weiſe vernichtet ſind.« Art. 2161.» So oft ein Glaͤubiger, der nach dem Ge⸗ »ſetze berechtiget war, ſein Privilegium oder ſeine Hypothek „auf die gegenwärtigen, oder auch auf die künftigen Güter 363 IM. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „eines Schuldners eintragen zu laſſen, ohne daß er in „einem Vertrage in eine Beſchränkung gewilliget hat, auf „verſchiedene Güter, und zwar auf mehrere als zur Sicher⸗ „heit der Forderungen nothwendig war, die Eintragung er⸗ „wirkt hat, hat der Schuldner das Recht, auf Reduction „der Eintragungen oder auf Ausſtreichung eines Theils der⸗ „ſelben, in ſo weit das billige Verhältniß dabey überſchritten „worden iſt, zu klagen. Man befolgt hiebey die in Beziehung „auf die Competenz im 2159. Artikel feſtgeſtellten Regeln.« „Die Verfuͤgung des gegenwärtigen Artikels iſt auf ver⸗ „tragsmaͤßige Hypotheken nicht anwendbar.« Der letzte Theil dieſes Artikels war im Entwurfe nicht enthalten, und wurde durch folgende Frage veranlaßt, ob nehmlich der Richter kraft dieſes Artikels befugt ſey, auf Verminderung, ſelbſt der vertragsmäßigen und Special⸗Hy⸗ potheken zu erkennen. Der Artikel, antwortete man, erſtreckt ſich auf dieſe Gat⸗ tungen von Hypotheken nicht. S. indeſſen den Art. 2163.*) Art. 2162.»Eintragungen, die ſich auf mehrere Guͤter „erſtrecken, werden alsdann fuͤr übermäßig angeſehen, wenn „der Werth eines einzigen oder einiger ans ihnen um mehr „als ein Drittel an freyen ſonſt unbeſchwerten Grundſtücken „den Betrag der Forderungen an Capital und geſetzlichen „Acceſſorien überſteigt.« Geſetzlichen Acceſſorien. Gewöhnlich verſteht man hie⸗ durch Zinſen; es kann aber auch Schadenserſatz nebſt andern *) Daß übrigens die Verfügung des vorliegenden Artikels auf all ge⸗ meine Conventional⸗Hypotheken nicht anwendbar ſey, die vor der Verkuͤndung des G. N. errichtet worden ſind, entſchied a) der Appellations⸗Hof von Agen am 4. Fructidor 13. J.(a2. Auguſt 1805) in der Sacht Chaumel wider Lamourour. Journ. d. Aud. ete. 1506 im Anhange p. 193 u. f; und b) der Appellations⸗Hof von Paris am 18. Julius 1807 in der Sache Bellanger wider Delondre und Lehour. Jurispr. de 1. C. de C. 1307 im Anhange p. 134 u. f⸗ B. m. Buch. XvI. Kit. Von Privilegien und Hppotheken. 365 andern von der Hauptforderung abhangenden Zurückerſtattungs⸗ Gegenſtänden hieher gehoͤren. Art. 2163.»Als das billige Maß überſchreitend, können *gleichfalls die nach einer von dem Gläubiger gemachten »Schätzung geſchehenen Eintragungen ſolcher Forderungen „vermindert werden, welche, ſo viel die zu ihrer Sicherheit „zu ſtellende Hypothek betrifft, durch den Vertrag keine »naͤhere Beſtimmung erhalten haben, und ihrer Natur nach ⸗bedingt, von einer ungewiſſen Begebenheit abhängig oder unbeſtimmt ſind.⸗ Iſt von dem Gläubiger und dem Schuldner die Größe ſolcher Forderungen beſtimmt, und auf eine gewiſſe Summe im urſprünglichen Titel, worauf ſie beruhen, angeſchlagen worden, ſo iſt der Schüldner, nach dem Art. 2167, nicht be⸗ fugt auf Verminderung anzutragen. Art. 2164.„Die Beſtimmung des Uebermaßes wird in »dieſem Falle dem billigen Ermeſſen der Richter überlaſſen, *welche dabey auf die Umſtände, auf das, was bey künf⸗ »tigen ungewiſſen Begebenheiten wahrſcheinlich iſt, und auf „die aus den Thatſachen ſich ergebenden Vermuthungen der⸗ *geſtalt Ruckſicht zu nehmen haben, daß ſie die wahrſchein⸗ *lichen Rechte des Gläubigers mit dem dabey eintretehden »Intereſſe, den Schuldner ſo viel als billig bey Credit zu er⸗ »halten, in Uebereinſtmmung bringen. Dem Gläubiget „bleibt hiebey unbenommen, wenn einſt der Erfolg zeigt, ⸗daß ſeine bis dahin unbeſtimmten Forderungen eine größere *Summe betragen, neue Eintragungen nachzuſuchen, die ihm „alsdann von dem Tage an, von welchem ſie datirt ſind, *eine weitere Hypothek verſchaffen. Dieſes billige Ermeſſen iſt wohl nothwendiger Weiſe ein wenig willkührlich; allein das Spſtem ließ ſich anderſt nicht aufrecht erhalten⸗ Art⸗ 2165.„ Der Werth der Immoöbilien, den man mit »dem Betrage der Forderungen und einem Drittel darüber *zu vergleichen hat, wird ſo beſtimmt, daß man bey liegen⸗ W. Malen. 24 370 1M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hppotheken. „den Guͤtern, die ſich nicht allgemach verſchlimmern, fünf⸗ „zehn Mahl, und bey denjenigen, die mit der Zeit in Ver⸗ „fall und Abnahme gerathen, zehn Mahl den Ertrag der „Einkünfte berechnet, wie ſie entweder in der Hauptrolle „uͤber die Grundſteuer erklärt, oder durch den Contributions⸗ „Anſchlag auf der Rolle, nach dem in den Gemeinden, wo „die Guͤter liegen, unter dieſer Hauptrolle, oder dieſem „Contributions-Anſchlag und den Einkünften beſtehenden „Verhältniſſe angegeben ſind. Die Richter ſind gleichwehl „befugt, über dieß diejenigen Aufklaͤrungen, welche unver⸗ „dächtige Pacht⸗ oder Mieth⸗Contracte, Verbal⸗Prozeſſe „über eine geſchehene Abſchätzung, die etwa vorher, zu einer „noch nicht lange verſtrichenen Zeit, verfaßt worden ſind, und „andere öhnliche Acte darbiethen können, zu Huͤlfe zu neh⸗ „men, und die Einkünfte nach einem Anſchlag, der ſich aus „den Reſultaten dieſer verſchiedenen Rachrichten im Durch⸗ „ſchnitte als Mittelertrag ergibt, zu ſchätzen.⸗ Sechstes Capitel. Von der Wirkung der Privilegien und Hypotheken wider dritte Beſitzer. Art. 2166.»Die Gläubiger, welche ein Privilegium oder „eine Hypothek haben, die auf ein unbewegliches Gut ein⸗ „getragen iſt, halten ſich an dieſem Gute, in welche Hände „es übergehen moͤge, um nach der Rangordnung ihrer For⸗ „derungen oder Eintragungen claſſiſicirt und befriediget zu „werden.« S. die Einleitung zu dieſem Titel S. 179. Art. 2167.»Wenn der dritte Beſitzer diejenigen For⸗ »malitaͤten nicht beobachtet, welche hierunten feſtgeſtellt wer⸗ „den, um ſein Eigenthum frey zu machen, ſo bleibt er, „bloß kraft der den Eintragungen beygelegten Wirkung, als „Inhaber fuͤr alle bypothekariſche Schulden verpflicht«, und „genießt der Zeitbeſtimmungen und Friſten, welche dem ur⸗ „ſprünglichen Schuldner geſtattet waren⸗* III. Such. XVIIl. tit. Von Privilegien und Hypotheken. 371 Der Erwerber, gleichviel ob ſeine Erwerbung auf einem läſtigen oder wohlthätigen Titel beruht, hat die Wahl, ent⸗ weder die Güter mit den Hypotheken, die darauf haften, beſchwert zu laſſen, oder ſie davon frey zu machen, d. h. die Hypotheken in Anſprüche auf den Preis der Guͤter zu verwandeln⸗ Im erſten Falle bleibt das Recht der Gläubiger, ihre Hypotheken⸗Rechte gegen jeden Beſitzer geltend zu machen, in ſeiner ganzen Kraft, und der Erwerber kann zur Zahlung aller Forderungen gezwungen werden, wenn er nicht lieber unter Beobachtung der im Art. 2172 u⸗ folg. dieſes Capitels vorgeſchriebenen Regeln, das unbewegliche Gut den Glaͤubi⸗ gern abtreten will. Im zweyten Falle muß der Erwerber ſeinen Contract dem ganzen Inhalte nach im Hypotheken⸗Büreau einſchreiben laſſen, und ſich nach den im Cap. 8 angezeigten Regeln fügen. Und genießt der Seitbeſtimmungen und Friſten, welche dem urſpruͤnglichen Schuldner geſtattet waren. Dieſe Verfügung iſt aus dem Art. 15 des Geſetzes vom Brümaire abgeſchrieben worden; man muß indeſſen den Fall, wovon der vorliegende Artikel handelt, mit jenem der Art. 2183 und 2184 nicht vermiſchen, wo der Erwerber im Gegentheile das Gut von den Hypotheken frey machen will. Art. 2168.»Im nehmlichen Falle iſt der dritte Beſitzer verbunden, entweder alle fällige Zinſen und Capitalien zu »zahlen, auf welche Summe ſich dieſelben auch belaufen »mögen, oder das zur Hypothek geſtellte Gut, ohne einigen „Vorbehalt, abzutreten. S. die Anmerkung zum vorhergehenden Artikel. Art. a169.»In ſo fern der dritte Beſitzer eine von dieſen „Verpflichtungen nicht ganz erfüllt, iſt ein jeder Gläubiger, »wenn er dreyßig Tage vorher dem urſprünglichen Schuldner „das Zahlungs⸗Geboth(commandement) und dem dritten »Beſitzer die Aufforderung entweder die fällige Schuld zu »zahlen, oder das Gut abzutreten, hat einhändigen laſſen, 7 m. duch. XvIMI. Kit. Von Pririlegien und Hypotheken. „das zur Hypothek geſtellte liegende Gut wider ihn verkau⸗ „fen zu laſſen, berechtiget.⸗ Dieſe Friſt von dreyßig Tagen ſtimmt mit dem Art. 30 des Geſetzes vom Brümaire, und mit dem Art. 1 des Geſetzes vum nehmlichen Tage über die Vergantung überein. Art. 2170.»Der dritte Beſitzer, der zur Zahlung der „Schuld nicht perſönlich verbunden iſt, iſt gleichwohl befugt, „dem Verkaufe des zur Hypothek geſtellten Gutes, welches „auf ihn übergegangen iſt, ſich zu widerſetzen, in ſo fern „dem oder den Hanptverpflichteten noch andere für die nehmliche „Schuld verſchriebene Immobilien uͤbrig geblieben ſind, die »ſie beſitzen. Er kann nach der unter dem Titel von der „Buͤrgſchaft beſtimmten Form darauf antragen, daß ſie „vorläufig angegriffen und zum Verkaufe ausgeſetzt werden, „und während des Verfahrens uͤber dieſe Verſteigerung bleibt „der Verkauf des verſchriebenen Gutes ausgeſetzt.⸗ Hier wird von der durch die Nov. 4, cap. 4, eingeführ⸗ ten, und in der Praxis allgemein beobachteten Wohlthat der Vorausklage(peneficium excussionis) gehandelt. Zwiſchen dieſer Wohlthat, ſo wie ſie Kraſt der Novelle beſtand, und jener, die unſer Artikel verleiht, iſt indeſſen ein großer Un⸗ terſchied; unſerm Artikel zu Folge kann nehmlich der Gläu⸗ viger nur gezwungen werden, die uͤbrigen im Beſitze des Schuldners gebliebenen und fuͤr die nehmliche Schuld verſchriebenen Immobilien vor allem anzugreifen, und ge⸗ richtlich verkaufen zu laſſen; wogegen in Gemäßheit der Novelle alle Immobilien, ſie mochten verſchrieben ſeyn oder nicht, zum Voraus angegriffen, und verkauft werden mußten.*) «) Daß die Verfügung dieſes Artikels dann nicht anwendbar ſey, wenn die hypothekariſche Klose zur Zeit der Verkündung des G. N. gegen den dritten Beſitzer unter einer Geſetzgebung angehoben war, welche ihm die Wohlthat der Vorausklage verſagre, dieß entſchied die Section des requétes des Caſſations⸗Hofes am 16. December 1306 in der Sache der Wittwe Vincent wider Cagnard. Jurispr. de la C. de C. 1307 p. 12 u. f. Uebri⸗ m. Buch. XVIII. Tit. Bon privilegien und Hypotheken. 37 Art. 2171.»Die Einrede der Vorausklage kann einem „Gläubiger, der ein Privilegium oder eine Special⸗Hypothek „an dem unbeweglichen Gute hat, nicht entgegengeſetzt werden.« Dieſer Artikel erlitt Widerſpruch; er vernichtet, ſagte man, die Wohlthat der Vorausklage in Hinſicht der geſet⸗ lichen Hypotheken, weil der Gläubiger ſie nicht geltend machen kann, ſo lange der Fall nicht eingetreten iſt, wo die Ver⸗ bindlichkeit, deren Erfüllung dadurch ſicher geſtellt werden ſoll, wirklich erfuͤllt werden muß; ſo bald aber dieſer Fall eintritt, wird die Hypothek in eine Epecial⸗Hypothek ver⸗ wandelt. So gar, ſetzte man hinzu, iſt er in Anſehung der vertragsmäßigen Hypotheken ungerecht, denn ſo lange ein dritter Erwerber andere Immobilien anzeigt, muß er unge⸗ ſtort gelaſſen werden. Die Veraͤnderung, die mit dem Syſtem vorgegangen iſt, antwortete man, hat die Verfügung des Artikels herbeyge⸗ führt; ſo lange die Hypotheken allgemein waren, war keine Urſache vorhanden, ſich vielmehr an dieſem als an jenem unbeweglichen Gute zu erhohlen; jetzt aber, wo die Specialität angenommen iſt, wird das beſchwerte Gut ein ausſchließliches Unterpfand des Glaͤubigers. Nur dann, erwiderte man hierauf, kann dieſe Frage ent⸗ ſtehen, wenn der Glaͤubiger eine Inſcription auf mehrere Immobilien genommen hat, denn ſonſt iſt ja der Fall nicht möglich, ihm die Einrede der Vorausklage entgegenzuſetzen; was hat aber in dieſem Falle der Glaͤubiger anderſt fuͤr ein Intereſſe, als bezahlt zu werden? Den Bürgen und Solidar⸗ Schuldnern hat man ja doch die Wohlthat der Vorausklage gelaſſen, warum ſoll man ſie dem Erwerber der mit der nehmlichen Hypothek beſchwerten Immobilien benehmen? gens iſt der Beſitzer, der ſich auf die Wohlthat der Vorausklage bezieht, nicht ſchuldia, alle Güter, die er ausklagen zu laſſen behauptet, auf einmahl anzuteigen, ſondern er kann nach und uach andere anzeigen. Répert. de jurispr. F. Dicurrion, n. 2. B. 37½ M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Der Artikel wurde dieſemnach zur Section zurückverwieſen, in der Folge indeſſen ohne Discuſſion angenommen⸗ Art. 2172.» Die Abtretung der Hypothek kann von „jedem dritten Beſttzer geſchehen, der zur Zahlung der Schuld „nicht perſönlich verpflichtet iſt, und die Faͤhigkeit hat, zu „veräußern.« Ueber dieſe Materie hat Toiseau einen beſondern Tractat geſchrieben, den man zu Rath ziehen kann. Iſt der dritte Beßtzer perſönlich fuͤr die Schuld verbun⸗ den, ſo wird er zur Abtretung nicht zugelaſſen, ſondern muß Kraft ſeiner perſönlichen Verbindlichkeit bezahlen⸗*²) *) Dem vorliegenden Artikel zu Folge kann ein dritter Beſitzer, der ſich, ſelbſt ohne Mitwirkung des Gläubigers, gegen den Schuldner zur Zahlung einer Schuld verbunden hat, ſich durch Abtretung des hypotheſirten Gutes von dieſer Zahlung nicht be⸗ freyen. So ward in folgendem Falle entſchieden. Am 20. Prai⸗ rial 5. J.(2. Junius 1798) verkaufte Barbier dem Val⸗ lery ein Grundſtuͤck fur die Summe von 3,300 L.) die in zwey Renten verwandelt wurden. Am 11. Thermidor n. J.(29. Ju⸗ lius n. J.) uͤberträgt Barbier dieſe zwey Renten an Campion; und am 30. Meſſidor 6. J.(is. Julius 1793) verkauft Val⸗ lery das von Barbier angekaufte Grundſtuͤck wieder an Mo⸗ rel. Letzterer verband ſich gegen ihn, die zwey Renten dem Barbier oder diſſen Stellvertretern zu zahlen. Im hierüber abgefaßten Acte kommt indeſſen weder Barbier noch Campion als Theilnehmer vor. Campion, der Rückſände von dieſen Renten zu fordern hatte, ließ, um zur Zahlung zu gelangen, die Mobilien des Morel in Beſchlag legen. Morel widerſetzte ſich hingegen, und trug auf die Aufhebung dieſer Beſchlagnehmung deßwegen an, weil ſein Erwerbungs⸗Contract nicht zär Vollziehung gelangt, und ohnehin dem Campion gani freind ſey. In erſter Inſtauz wurde der Beſchlag gegen Abtretung des hoootheſirten Gutes aufgehoben; der Appellativns⸗Hof von Rouen aber verurtheilte am 14. Julius 306 den Morel jur Zahlung der verfallenen Renten, und er⸗ klärte ihn hiezu auch für die Zukunſt ſchuldig. Morel ſuchte zwar Caſſation dieſes Urtheiles nach, ſtützte ſich auf eine Ver⸗ letzung der Art. a163, 2169 und 2171 des G. R., und be⸗ — 1+— c II. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 37 Art. 2173.»Sie kann ſelbſt alsdann noch geſchehen, „wenn der dritte Beſitzer die Richtigkeit der Schuld wirklich »anerkannt hat, oder einzig in dieſer Eigenſchaft(als »dritter Beſitzer allein) verurtheilt worden iſt; die geſchehene »Abtretung verhindert den dritten Beſitzer nicht, bie zum »wirklichen Zuſchlage das unbewegliche Gut gegen Zahlung „der ganzen Schuld und der Koſten zurückzunehmen.« Man muß wohl auf die Ausdrücke dieſes Artikels acht geben: nachdem der dritte Beſitzer die Schuld anerkannt hat, oder einzig in dieſer Eigenſchaft, d. h. als dritter Beſitzer, verurtheilt worden iſt; denn, wenn er ſich perſönlich zur Zahlung der Schuld verbunden, hätte, alsdann könnte er das verſchriebene Gut nicht mehr abtreten, wie wir beym vorher⸗ gehenden Artikel angemerkt haben. Art. 2174.»Die Abtretung einer Hypothek geſchieht „bey der Kanzelley des Gerichtes, worunter die Güter gelegen „ſind, und eben dieſes Gericht gibt hierüber eine Urkunde.⸗ „Auf Anſuchen desjenigen von den Intereſſenten, der die „Sache zuerſt betreibt, wird ein Curator ernannt, dem die »Dbſorge über das abgetretene unbewegliche Gut anvertraut „wird, und gegen welchen man auf gerichtlichen Verkauf des hauptete, daß er ſich nie perſönlich gegen Campion zur Zah⸗ lung verbunden habe; ſein Geſuch wurde aber am 21. May 1307 von der Section des requétes verworfen, weil er durch die im Contracte vom zo. Meſſidor 6. J. übernommene Verbindlichkeit perſonlicher Schuldner der Renten geworden ſcy. Jurispr. de la C. de C. 1807 p. 278 u. f.(Man ſehe den Art. 1121 des S. N) Dagegen entſchied aber der Appellations⸗Hof von Brüſſel am 9. Floreal 13. J.(29. April 1805) in der Sache Char⸗ lier wider Dereuſer, daß eine Stipulation, wodurch der Verkaͤufer eines unbeweglichen Gutes ſich verpflichtet, dem Er⸗ werber für alle andere dingliche Laſten, welche darauf haften moͤchten, als jene, die im Contracte ausgedruckt ſind, Gewähr zu leiſten, den Erwerber der Befugniß nicht beraube, das Sut abzutreten. Journ. d. Aud. etc. 1306 im Anhange p. 198. B. 37e UM. Buch. XVIII. Tit. Yon Privilegien und Hypotheken. »Gutes, unter Beobachtung der Formen verfährt, welche für »„die Vergantungen vorgeſchrieben ſind.⸗ Dieſer Artikel ſtimmt mit dem Gebrauche überein. Art. 2175.„Verſchlimmerungen, welche aus einer „Handlung oder aus Verſäumniß des dritten Beſitzers entſte⸗ hen, und den hypothekariſchen oder privilegirten Glaͤubigern „zum Nachtheile gereichen, begründen wider ihn eine Klage „auf Entſchädigung; ſeine Verwendungen und Verbefferun⸗ „gen kann er indeſſen nur in ſo weit zurückfordern, als eben „dadurch das Gut mehr werth geworden iſt.⸗ Dieſer Artikel iſt gegen die F. 51, F. 3, de ared. pet. ſo wie auch gegen die Meinung des Loiſeau, du dé- guerpissement, liv. 5, ch. 14, n. 7, nach welchen den⸗ jenige, welcher die Hypothek abtritt, fuͤr die Verſchlimme⸗ rungen nicht eher haftet, als bis er gerichtlich zur Abtretung oder zur Zahlung belangt worden iſt, weil er bisdahin ein redlicher Beſitzer war; die Verfuͤgung des Artikels iſt indeſſen gerecht; vorzuͤglich jetzt, wo ihm die Hypotheken bekannt ſeyn mußten.*) Art. 2176.„Die Fruͤchte des zur Hypothek geſiellten unbe⸗ „weglichen Gutes hat der dritte Beſitzer nur von dem Tage an „zu erſetzen, da er aufgefordert worden iſt, entweder zu zahlen „oder das Gut abzutreten, und, wenn das einmahl ange⸗ *) Oa übrigens der vorliegende Artikel dem dritten Beſitzer die Befugniß ertheilt, ſeine Verwendungen und Verbeſſerungen bis zum Betrag des dadurch erhöheten Werthes des Gutes zurückzu⸗ fordern, ſo iſt es unbezweifelt, daß, wenn der Erwerber eines hypotheſirten Gutes es verbeſſert, und es wiederum an eineu andern verkauft hat, er auf dieſe Befugniß keinen Anſpruch machen könne, es ſey dann, daß er die im Art. 2110 vorge⸗ ſchriebenen Formalitäten erfuͤllt habe. So entſchied der Appella⸗ tions⸗Hof von Montpellier am 17. Märt 1806 in der Sache Albarel wider Cayrol, und das von Letzterem eingelegte Caſſations⸗Geſuch ward am 5. November 1307 von der Section des requétes verworfen. Jurispr. de la C. de C. 1308 y. 97 u. fr B. 1M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 37 „fangene gerichtliche Verfahren drey Jahre hindurch unter⸗ „brochen worden iſt, von dem Tage anzurechnen, da die „neue Aufforderung geſchieht. Nach der F. 16, F. 4, F. de pign. et bypoth. war der dritte Beſitzer nur von der Litis Conteſtation angerechnet, zur Erſtattung der Früchte verbunden; eine bloße Aufforderung ſcheint ihn indeſſen hinlänglich in Verzug zu ſetzen. Art. 2177.» Dienſtbarkeiren und dingliche Rechte, »welche der dritte Inhaber an dem unbeweglichen Gute vor »ſeinem Beſitze gehabt hat, leben nach geſeehener Abtretung „oder nach dem wider ihn erfolgten Zuſchlag wieder auf.« „Seine Gläubiger, welche an ihm fuͤr ſeine Perſon zu »fordern haben, mögen an dem abgetretenen oder gerichtlich »zugeſchlagenen Gute, ihrer Rangordnung nach, ihre Hypo⸗ *thek geltend machen, jedoch erſt nach allen denjenigen, »deren Forderungen wider die vormahligen Eigenthuͤmer ein⸗ „getragen waren.⸗ Stimmt mit der F. penult. F. ult. H de emcept. rei Jjud., und mit der Meinung des Loiſeau, du déguerp. Tiv. 6, ch. 7, n. 7. uͤberein. Art⸗ 2178.»Der dritte Inhaber, der die hypothekariſche »Schuld gezahlt, oder das verſchriebene unbewegliche Gut „abgetreten, oder die Vergantung dieſes liegenden Gutes er⸗ „litten hat, hat wider den Hauptſchuldner ſeine Regreßklage „auf Gewährleiſtung nach den in dieſer Hinſicht geltenden „Rechts⸗Grundſätzen.« S. die T. 1, F. de evict., und Loiſesu, n. 8§. und 9. Art. 2179.»Ein dritter Beſitzer, der durch Zahlung »des Preiſes ſein Eigenthum von den Hypotheken befreyen „will, hat die in dem§. Capitel des gegenwaͤrtigen Titels »vorgeſchriebenen Formalitäten zu beobachten. 3 M. Buch. XVIII. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. ¹ Siebentes Capitel. Von der Erlöſchung der Privilegien und Hypotheken⸗ Art. 2180.„ Die Privilegien und Hypotheken erlöſchen,“ „1) Durch Erloſchung der Hauptſchuld;« „2) Durch Verzichtleiſtung des Glaubigers auf die Hy⸗ 6„pothek;« d 1„3) Durch Beobachtung der Formalitäten und Erfüllung „der Bedingungen, welche dritten Beſitzern vorgeſchrieben ſind, d „um die von ihnen erworbenen Guͤter frey zu machen; „3) Durch Verjahrung.⸗ t 3„Die Verjährung wird zum Vortheile des Schuldners,. „ſo viel die Güter betrifft, die er in ſeiner Gewalt hat, in „dem Zeitraume vollendet, der zur Verjährung der Klagen n „vorgeſchrieben iſt, welche ihm die Hypothek oder das Pri⸗ 4 „legium verſchaffen.* „In Hinſicht der Guͤter, die ſich in den Händen eines 6 „dritten Beſitzers befinden, wird ſie für ihn in der Zeitfriſt „vollendet, welche erforderlich iſt, damit er zu ſeinem Vortheile „das Eigenthum durch Verjährung erlange. Setzt die Verjäh⸗ „rung einen Titel voraus, ſo läuft ſie erſt von dem Tage an, „wo er in die Regiſter des Hypotheken⸗Vewahrers eingetra⸗ „gen worden iſt.⸗ „Die von dem Gläubiger geſchehenen Eintragungen unter⸗ jt „brechen den Lauf der Verjährung nicht, welche das Geſetz zum Portheile des Schuldners oder eines dritten Beſitzers „eingefuͤhrt hat.⸗ 8 Die Ziff. 1 ſtimmt mit der 6 quib. mod. pign. Die Ziff. 2 mit der L. 2, Cod. de remiss. pign. Die Ziff. 4 mit der T. 1, Cod. s adv. cred. und mit( 3 der L. 5, Cod. de prascript. 30 vel 40 ann. überein. t Ueber dieſe verſchiedene Entſcheidungen ſind indeſſen einige Anmerkungen zu machen. 1) Die Privilegien und Hypotheken erlöſchen nicht nur durch die eben angefuͤhrten Urſachen, ſondern auch durch — III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 373 Novation, nisi convenit, ut pignus enefntun, F. 11. 1 F. de pign. act. und durch den gaͤnzlichen Untergang der hypotheſirten Sache. Dagegen dauern ſie aber a) auf dem Grund und Boden fort, wenn ſchon das Haus abgebrannt iſt; und wird das Haus nachher wieder aufgebaut, ſo lebt die Hypothek an dem Hauſe ſelbſt wieder auf. L. 29, F. 1“ F de pign. et hypoth. Eben ſo dauert ſie b) fort, wenn die Geſtalt der hypotheſirten Sache verändert worden iſt, z⸗ B. wenn aus einem Hauſe ein Garten, oder aus einem Gar⸗ ten ein Haus gemacht worden iſt. F. 16,§. 2, F. de pign. et hypoth. Iſt aber ein Wald zur Hypothek geſtellt worden, und man baut aus ſeinen Bäumen Schiffe, ſo geht die Hypothek auf dieſe Schiffe nicht uͤber. Z. 18, F. 5, F de pign. act. Bey dieſer Gelegenheit muß ich einen ſonderbaren Fall anfuͤhren, den die Civil⸗Section des Caſſations⸗Hofes unlängſt entſchieden hat. Johann Schott verkaufte mittelſt eines öffentlichen Actes vom 19. Ventoſe 10. J.(10. März 1802) ſeinem Bruder Michael den Grapp, den er auf drey Stücken Landes hatte⸗ An 17. des folgenden Meſſidor(6. Julius n. J.) läßt Petri, ein angeblicher Glaͤnbiger des Verkäufers den Grapp in Beſchlag legen. Gegen dieſe Beſchlagnehmung legt Michael Schott eine Oppoſition ein: Wolff, Ceffionar des Petri, ſetzt ihm entge⸗ gen, er habe ſeinen Contract im Hypotheken⸗Büreau nicht einſchreiben laſſen. Am 29. Prairial 11. J.(I8. Junius 1803) wird zu Gunſten des Michael Schott geurtheilt. Wolff appellirt von dieſem Urtheile, und der Appella⸗ tions⸗Hof von Colmar reformirt es, weil a) Michael Schott ſeinen Contract nicht habe einſchreiben laſſen; weil b) der verkaufte Grapp einen Theil eines unbeweglichen Gutes ans⸗ gemacht habe, und folglich c) der Verkauf dritten Perſonen nicht entgegengeſetzt werden könne. z1. 1. Buch. XVIM. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Schott nahm ſeinen Recurs zum Caſſations⸗Hoſfe, und dieſer caſſirte am 19. Vendemiaire 14. J.(11. October 1805) nach Einſicht der Art. 6 und 26 des Geſetzes vom Brümaire das Urtheil des Appellations⸗Hofes, weil die Früchte eines Grundſtuͤckes als ein Theil deſſelben bloß in Beziehung auf den Uebertrag des Eigenthumes oder des Nießbrauches dieſes Grundſtuͤckes, oder auf die Beſchlagnehmung des Gutes, wovon ſie einen Theil ausmachen, angeſehen werden, nichts aber daran hindere, daß ſie ganz allein und ohne das Grund⸗ ſtück, verſteht ſich ohne Betrug, verkauft oder auch in Be⸗ ſchlag genommen werden. S. die Anmerkung zum Art. 520. 2) In unſerem Artikel heißt es zwar, man koͤnne auf ſeine Hypothek Verzicht leiſten, und dieß iſt ganz richtig; er ſagt aber nichts von der Art, wie dieſe Verzichtleiſtung ge⸗ ſchehen müſſe; muß ſie ausdrücklich ſeyn, oder läßt ſie ſich aus Umſtänden herleiten? Der Caſſations⸗Hof hatte in ſei⸗ nen Bemerkungen die Frage aufgeſtellt, ob ein Gläubiger, der als Notar oder als Zeuge den Veräußerungs⸗Act eines ihm verſchriebenen Gutes unterzeichnet, bloß deßwegen ſo an⸗ geſehen werde, als wenn er auf ſeine Hypothek Verzicht leiſte, oder ob eine ſolche ſtillſchweigende Verzichtleiſtung nur dann Statt habe, wenn im Veräußerungs⸗Acte erklärt wird, daß das Gut von allen Hypotheken frey ſey⸗ Es iſt freylich keinem Zweifel unterworfen, daß 3) ein Gläubiger, wolcher in den Verkauf, oder eine ſonſtige Ver⸗ äußerung der ihm' verſchriebenen Sache einwilligt, ſeine Hy⸗ pothek verliere. F. 4 und 7, quib. mod. pign. Auch verliert er ſie b), wenn er darin einwilligt, daß die Sache einem andern verſchrieben werde, ohne ſich ſeine eigene Hypothek dabey vorzuhehalten. T. 12, M de pign. et hypoth. Allein, in allen dieſen Fuaͤllen iſt Einwilligung vorhanden; die Schwierigkeit beſieht alſo darin, ob dieſe Einwilligung aus der bloßen Aufnahme oder Unterzeichnung des Actes, worin die Sache verkauft oder einem andern verſchrieben wird, vermuthet werde. — —„——— im. Buch. XVIMII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 361 Meines Erachtens kann dieſe Einwilligung im Falle eines bloßen Verkaufes, ohne daß die Clauſel, daß das Gut von Zypotheken frey und ledig ſey, dem Contracte eingerückt wird, ganz und gar nicht vermuthet werden, und zwar aus der Urſache, welche die T. 8, F. 15. quib. mod. pign. hie⸗ von gibt, quia sciebat creditor ubique pignus Sibi durare. Selbſt dem Notar läßt ſich uͤberdieß der Vorwurf nicht mo chen, daß er unredlich gehandelt habe, well der Erwerber wiſſen mußte, daß deſſen Hypothek eingetragen war. In Hinſicht der Verſchreibung, machte man ehemahls zwi⸗ chen der Special⸗ und der General⸗Hypothek einen Unter⸗ ſchied; die Unterzeichnung eines Contractes, ſagte man, wo⸗ rin eine allgemeine Hypothek geſtellt wird, ſchadet dem Zeugen oder dem Notar nicht, wohl aber dann, wenn eine Special⸗ Hypothek im Contracte geſtellt wird. Eben ſo entſchied man, daß die Unterzeichnung ihnen dann ſchade, und eine Verzichtleiſtung auf ihre Hypothek nach ſich ziehe, wenn der Contract die Clauſel enthielte, daß das Gut von Hypotheken frey und ledig ſey. Meiner Meinung nach muß es bey dieſer Jurisprudenz noch heut zu Tage ſein Verbleiben haben, es ſey dann, daß das verſchriebene Grundſtuck offenkuͤndiger Maßen einen ſolchen Werth hätte, daß es beyden Hypotheken vollſtändige Sicher⸗ heit gewährte. Ueber alle dieſe Fragen ſehe man Lapeyrère, und die Geu. H, n. 44) von ihm angefuͤhrten Schriftſteller, und Ronsscaud, V. Eypotheque, Sect. 6. 3) Waos die Verjährung betrifft, unterſcheidet unſer Ar⸗ tikel den Fall, wo der Schuldner Beſitzer der verſchriebenen Jüter bleibt, von jenem, wo ſie in die Hände eines dritten E werbers übergegangen ſind⸗ Im erſten Falle wird die Hypothek in dem Zeitraume veriöhrt, welcher zur Verjährung der Klagen, die die Hypo⸗ thek oder das Privilegium begruͤnden, erforderlich iſt. Da alſo z. B. nach dem Art. 2271 und 2273 die Klagen der 382 1l. Buch. KvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Gaſtgeber und Speiſe⸗Wirthe in ſechs Monaten, jene der Aerzte, Wundärzte und Apotheker in einem Jahre verjaͤhrt werden, ſo wird auch durch Ablauf eben dieſer Zeit ihr Pri⸗ vilegium verjährt, es ſey dann, daß ſie mittelſt angeſtellten gerichtlichen Verſahrens es auſrecht zu erhalten geſucht hätten⸗ Das nehmliche gilt auch von den übrigen Hypotheken. In den Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗Rechte hatten, entſchied man, daß die hypothekariſche Klage, wenn ſie mit der perſönlichen Klage verbunden war, in Gemäß⸗ heit der P. cum notissimi, Cod. de præscript. 50 vel 4o. vierzia Jahre lang dauerte. In den Provinzen, worin das 3 rüömiſche Recht galt, dauerte ſie aber ſelbſt in dieſem Falle nur dreyßig Jahre. S. hierüber Maynard, lib. 6. ch. 31. Louet und Brodeau, lett. H, n. 5. Henris, tom. 1, liv. 4, quest. 75. Nach unſerem Artikel, in Verbindung mit dem Art. 2262, ſcheint es, daß man der Praxis der Provinzen, worin das römiſche Recht galt, den Vorzug gegeben habe. Im Falle, wo die beſchwerten Guͤter in die Hände eines dritten Beſitzers übergegangen ſind, wird die Hypothek, ſo wie das Eigenthum ſelbſt in zehn Jahren inter præsentes, und in zwanzig Jahren inter absentes verjährt.(Art. 22650) Dieſes war auch, nach der F. un. Cod. de usucap. transf. und der T. 8., Cod. de præscript. 30. vel 40, die der Art. 114 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris aufgenommen hatte, ſo wohl in den Provinzen, worin das romiſche Recht galt, als auch in jenen, die ihre eigenen Gewohnheits⸗Rechte hatten, in der Praxis allgemein angenommen. Inzwiſchen hat unſer Artikel, im Falle die Verjährung einen Titel vorausſetzt, eine Bedingung hinzufügt, nehmlich dieſe, daß er in die Regiſter des Hypotheken⸗Bemahrers ein⸗ 1 geſchrieben werde. Um indeſſen in zehn und zwanzig Jahs ren verjähren zu konnen, muß nach dem Art. 2263 ein rechtmäßiger Titel vorhanden ſeyn. Was den letzten Theil des Artikels betrifft, kann man bemeeken, daß er mit der Praxis von Paris übereinſtimmt, — UMI. Buch. KVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 383 wo die Wiſſenſchaft, die der Erwerber von der Hypokhek gehabt haben mochte, nicht hinreichte, ſondern eine förm⸗ liche Unterbrechung der Perjährung erforderlich war. S. Rousseaud, V. Prescription, Fect. 3, n. 1. In den Pro⸗ vinzen, worin das römiſche Recht galt, war es aber zur Perjährung der Hypethek nöthig, daß der dritte Erwerber in gutem Glauben war, und zur Zeit der Erwerbung von ihr nichts wußte. S. Serres, p. 157., S. ebenfalls die Anmerkungen zum Art. 2265. el. Von der Art ſein Eigenthum von Privilegien und Hypotheken frey zu machen. Art. 2181.„Contracte, welche dazu geeignet find, um „das Eigenthum unbeweglicher Güter oder dinglicher den Im⸗ »mobilien gleich geachteter Rechte auf einen andern zu uͤber⸗ »tragen, ſollen von dem Hypotheken⸗Bewahrer, in deſſen »Bezirke die Guͤter gelegen ſind, ihrem ganzen Inhalte nach eingeſchrieben werden, wenn es die Abſicht der drit— »ten Beſitzer iſt, die Güter von Privilegien und Hypothe⸗ „ken frey zu machen.⸗ „Dieſe Einſchreibung muß in ein hiezu beſtimmtes „Regiſter geſchehen, und der Hypotheken⸗Bewahrer iſt ver⸗ »bunden, demjenigen, der ſie nachſucht, deßhalb eine Be⸗ »ſcheinigung zu geben.»*) *) Gutachten des Staats⸗Raths über die Trans ſeription von Verkauf⸗Acten, die unter Privat⸗Unterſchrift gefertiget und ein⸗ regiſtrirt ſind, vom 3. Floreal 13. J.(3. April 1305), geneh⸗ miget vom Kaiſer den 12. Floreal(z. May.) Der Staats⸗Rath, der zu Folge der Weiſung S. M. des Kaiſers den Vortrag der Seetionen der Geſetzgebung und der Finanzen über den Bericht des Groß⸗Richters, Juſtitz⸗Miniſters, in Betreff der Frage, ob man die durch Aete unter Privat⸗Un⸗ terſchrift geſchloſſenen und gehoͤrig einregiſtrirten Verkäuſe, deren Unterſchriften aber weder vor Notarien noch durch ein urtheil anerkannt ſind, gültiger Weiſe transſeribiren kann, um ſie von Hypotheken zu befreyen, angehoͤrt hat; 544 1. Buch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 1 Hier warf man die Frage auf, ob Verkauf⸗Acte unter 1 Privat⸗Unterſchrift eingeſchrieben werden koͤnnten. Man ant⸗ wortete, die Frage ſey im Titel vom Yerkaufe entſchieden⸗ worin es heiße, daß dergleichen Acte das Eigenthum über⸗ tragen; in der That würde kein Uebertrag des Eigenthums dorhanden ſeyn, wenn ein ſpaͤterer Erwerber dem andern 6 das Eigenthum dadurch entreißen könnte, daß er ſeinen Con⸗ traet einſchreiben ließe. Nach Einſicht des Geſetzes vom 11. Brumaire 7 J. über die Hoperheken⸗Verfaſſung, und des Titels des Geſetzbuches Napo⸗ ieons von Privilegien und Hypotheken; In Erwaͤgung, daß keine beſtimmte Verfügung verbiethet, baß ein unter Privat⸗Unterſchrift gefertigter Verkauf⸗Act, wenn er mit der Formalität der Einregiſtrirung verſehen iſt, in die Regiſter des Hypotheken⸗Bewahrers eingeſchrieben werde; daß dieſe Trans ſeription keine andere Wirkung hat als den In⸗ tereſſenten anzuzeigen, daß das Eigenthum eines Immobilar⸗ Stückes aus einer Hand in die andere übergegangen iſt, und daß es keinen Grund gibt die Ankündigung einer Veränderung, die durch einen Aet unter Privat⸗Unterſchrift bewirkt wurde, zu ver⸗ ⸗ viethen, da es auf dieſe Art zu veräußern erlaubt iſt; Daß man keine entgegen geſetzte Folgerung datdus ziehen kann, daß eine Einträgung, um eine Hypothek zu bewirken, nut auf Vorzeigung einer autheutiſchen Ausfertigung des urtheils oder Actes, der die Hypothek conſtituirt, geſchehen kann, weil eine Hypothek in der That nut durch einen authentiſchen Aet tonſtituirt werden kann; Daß endlich bey der D iseuſſion des itels bes Geſetzbuches Napoleons von den Privilegien und Hypotheken die Frage im Staats⸗Rathe vorgelegt worden iſt, und daß es ſo offenbar zu ſeyn ſchien, daß man einen gehoͤrig einregiſtrirten Verkauf⸗Act unter Privat⸗Unterſchrift transſeribiren koͤnne, daß man es für berflüßig hielt, ſolches durch eine ausdrückliche Verfügung zu erlauben, wie man ſich davon durch Leſung des Berbal⸗Prozeſ⸗ ſes der Sitzung vom 10. Ventos 12 J. überzeugen kann; Iſt der Meinungt daß Verkauf⸗Acte unter Privat⸗Unter⸗ ſchrift, welche einregiſtriet ſind, zur Transſeription vorgelegt werden können⸗ —— m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothekeu. 31 Seitdem iſt dieſe Frage durch den(unter dem vorliegen⸗ den Artikel vollſtändig angeführten) Beſchluß des Staats⸗ Ratbes förmlich entſchieden worden. Art. 2182.» Dadurch allein, daß die Contracte, wo⸗ „durch das Eigenthum auf einel andern übergehen kann, „in das Regiſter des Hypotheken⸗Bewahrers eingeſchrieben „werden, wird das liegende Gut von den darauf haftenden „ Hypotheken und Privilegien nicht befreyt. „Der Verkaͤufer überträgt dem Erwerber nur das Eigen⸗ „thum und die Rechte, welche er ſelbſt an der verkauften „Sache hatte; er uͤberträgt ſie ihm, mit denſelben Privile⸗ „gien und Hypotheken beſchwert, womit er belaſtet war.„ Statt dieſes Artikels waren im Entwurfe zwey andere, welche ſo lauteten: Art. 91. Acte, die dazu geeignet ſind, das Eigen⸗ thum auf einen andern zu uͤbertragen, und die nicht in die Regiſter eingeſchrieben worden ſind, können dritten perſonen, die mit dem Verkaͤufer etwa contrahirt, und ſich nach den Verfogungen des gegenwaͤrtigen Geſetzes gerichtet haben, nicht entgegengeſetzt werden. Art. 92. Die bloße Einſchreibung der Titel, die dazu geeignet ſind, das Eigenthum auf einen andern zu übertragen, beſreyen die unbewegliche Sache von den auf ihr haftenden Zypotheken und Privilegien nicht; ſie geht auf den neuen Bigenthuͤmer anderſt nicht, als mit den Rechten, die dem vorherigen Eigenthuͤmer daran zuſtanden, und mit den nehmlichen Privilegien und potheken beſchwert uber, womit ſie belaſiet war. Der Art. 91 war aus dem Art. 26 des Geſetzes vom Brumaire abgeſchrieben, nach welchem es ungezweifelt war, daß a) ein zweyter Erwerber, der ſeinen Contract hatte einſchreiben laſſen, dem Erſten, der dieß nicht gethan hatte, vorgezogen, und daß b) letzterer mit den Hypotheken be⸗ IV. Malev. 25 — z56 M. Buch. XVIM. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. laſtet wurde, die auf die unbewegliche Sache nach ihrer Er⸗ werbung noch eingetragen wurden. Da es inzwiſchen im Art. 92 hieß, daß der Transſerip⸗ tion ungeachtet, die unbewegliche Sache auf den Erwerber anderſt nicht, als mit den Rechten, die dem Verkäufer da⸗ ran zuſtanden, uͤbergehe, ſo fragte man, ob die Section die Abſicht habe, das Geſetz vom Brumaire zu befolgen⸗ Als ſie ja antwortete, lehnte man ſich heftig gegen dieſe Verfügung auf: Hiedurch, ſagte man a) wird das geheiligte Eigenthums⸗Recht in Ungewißheit verſetzt werden,— ein Recht, welches von der bloßen Transſcription, die ein Erwer⸗ ber, welcher ſich zuerſt darum meldete, thun laͤßt, nicht ab⸗ hangen darf; die Folge, welche b) daraus entſtehen würde, wäre dieſe, daß ein Erwerber, der zehn oder zwanzig Jahre lang die Sache beſeſſen hat, von einem jüngern Erwerber, der ſeinen Contract einſchreiben ließe, oder von einem Gläu⸗ biger, der ſich erſt nach ſeiner Erwerbung einſchreiben läßt, aus ſeinem Beſitze vertrieben würde; es find aber c) keine Gründe vorhanden, um der Transſeription eine ſolche unge⸗ rechte Begünſtigung angedeihen zu laſſen. Wer kauft, hat d) nicht nöthig, daß man auf eine beſondere Weiſe fuͤr ſeine Sicherheit Sorge trage; er hat ja die Erwerbungs⸗Urkunden vor Augen; er kann den Beſitz des Verkäufers unterſuchen; und um ihn dieſer Unterſuchung zu entheben, traͤgt man kein Bedenken, das Eigenthum eines Buͤrgers aufs Spiel zu ſetzen, der ſich ganz ruhig auf einen öffentlichen Contract verläßt! Zu denen, die gegen die Transſcription waren, ſagte man, es ſtehe jedem frey, ſeinen Contract transſcribiren zu laſſen oder nicht;— eine ſchöne Freyheit, der ſich man nur nicht zu bedienen braucht, um ſich der Gefahr auszuſetzen, ſein Gut zu verlieren Man lud dieſemnach die Section ein, ſich über folgende zwey Fragen zu erklären: 1) ob die vor dem Geſetze vom Srümaire geſchehenen Verkäufe der Transſcription unterworfen ſeyen; 2) ob die Transſeription dem Erwerber ſelbſt dann das m. Buch. XvII. Tit. Von Privilegjen und Hypotheken. 387 Eigenthum beylege, wenn er von jemand gekauft hat, der nicht Eigenthümer war⸗ Durch das Organ ihres Bericht⸗Erſtatters antwortete ſie, der Artikel ſey auf die vor dem Geſetze vom Brumaire ge⸗ ſchehenen Verkäufe nicht anwendbar, und die zweyte Schwie⸗ rigkeit loͤſe der Art. 92 auf, indem er ſage, daß die unbe⸗ wegliche Sache auf den neuen Erwerber anderſt nicht als mit den Rechten uͤbergehe, die dem Verkäufer darau zuſtanden⸗ Inzwiſchen wollte ſie den Sinn des Geſetzes vom Bru⸗ maire rechtfertigen, und ſagte a), das Syſtem ſey verfehlt, wenn man nicht ermaͤchtigt wäre, denjenigen als Eigenthü⸗ mer anzuſehen, den man in dieſer Eigenſchaft in die Regi⸗ ſter eingetragen findet; da b) entweder der Erwerber oder der Darleiher der Gefahr ausgeſetzt werden muͤßte, hinter⸗ gangen zu werden, ſo müſſe man durchaus den Darleiher beguͤnſtigen, welcher kein anderes Mittel habe, ſich aufzu⸗ klären, als die Einſicht der Regiſter, und weil der Erwerber ihn dadurch, daß er ſeinen Contract nicht hat transſcribiren laſſen, in Irrthum verſetzt habe; hat indeſſen, ſetzte ſie c) hinzu, der Verkäufer das Eigenthum nicht, ſo überträgt die Transſeription es auch dem Erwerber nicht. Nach dieſer Discuſſion, ſetzte der Staats⸗Rath als Grundſatz feſt, 1) daß die Verfügung des Artikels auf die vor dem Geſetze vom Brumaire geſchehenen Verkäufe nicht anwendbar ſey; 2) Daß die Transſcription des Contractes das Eigenthum auf den Käufer dann nicht übertrage, wenn der Verkäufer nicht Eigenthümer war. Gemaͤß dieſen Grundſätzen wurde ſodann der Art. 2152 abgefaßt, und der Art. 91 des Entwurfes ausgeſtrichen. Uebrigens hat Herr Grenier, der aus Verſehen, in ſei⸗ nem Berichte, eine mit dem Geſetze vom Brumaire überein— ſtimmende Meinung geäußert hatte, ſich geeilt, ſie mittelſt 333 1h, Buch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. eines errata wieder gut zu machen.*) Auch hat der Staats⸗Rath, der ſeitdem über dieſe Frage zu Rath gezogen worden iſt, ein Gutachten des Inhalts abgegeben, daß die Transſcription dem zweyten Erwerber kein Vorzugs⸗Recht ver⸗ leihe, und daß, wenn ſie ſchon nicht geſchehen waͤre, Glaäu⸗ biger doch deßwegen gar nicht ermächtigt ſeyen, ſich gegen den Verkaͤufer einſchreiben zu laſſen. Noch mehr, Se. Exz⸗ der Groß⸗Richter hat mir ſo gar die Ehre erzeigt, mir zu ſagen, daß er ein ganz in dem nehmlichen Sinne abgefaßtes Rundſchreiben an die Tribunäle erlaſſen, und daß er ſelbſt bey einem vor ihm gemachten Ankaufe es nicht fuͤr gut gefunden habe, ſeinen Contract transſeribiren zu laſſen.**) *) In der gedruckten Rede, die Herr Grenier im Geſetzgebungs⸗ „Corps gehalten hatte, hieß es nehmlich:„Die Transſeription habe die Wirkung, daß keine Hypothek mehr eingetragen wer⸗ den könne... und die Hypotheken auf jene beſchraͤnkt werden, welche dem Acte, wodurch das Eigenrhum übertragen worden, vorhergehen, und zur gZeit der Transſeription dieſes Aetes ſich eingetragen finden würden. Dieſe Stelle berichtigte Herr Grenier auf folgende Art:„Die Transſeription iſt nicht mehr, wie nach dem Art. 26 des Geſetzes vom 11. Brumaire 7 J. inm Uebergang der Rechte des Verkäufers auf den Erwerber, in Beiiehung auf dritte Perſonen enrforderlich„ Sie iſt nicht mehr nothwendig, um dem Laufe der Inſeriptionen Einhalt zu thun, welche vorhin noch immer auf das verkaufte Gut⸗ ſelbſt nach dem Verkaufe, genommen werden konnten. M. **) Auch die beyden Redner der Regierung und des Tribunates, der Herr Staats⸗Rath Berlier und Herr Tarrible, er⸗ klärten ganz beſtimmt, als ſie den Art. 834 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S. dem Geſetzgebungs⸗Corps vorlegten, daß die Meinunz derjenisen, welche behauptet hätten, daß die Veräuße⸗ rung eines Gutes den darauf zur Zeit der Veräußerung nicht eingetragenen Hypotheken ihre Kraft benehme, und der neue Erwerber von aller Verautwortlichkeit gegen den Glänbiger befreyt ſey, welcher ſein Recht mittelſt Eintragung an den Tag zu legen vernachlaͤßigt habe, mit dem G. N. am meiſten über⸗ einſtimme. S. übrigens die Note beym Art. a146.(4) B. . Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 316 Bey allem dem gibt es Perſonen, die noch der entgegen⸗ geſetzten Meinung ſind. Der Verfaſſer der Annales du No- tariat iſt ihr beygetreten, und ſelbſt der General-Director der Einregiſtrirungs⸗Verwaltung hat ſie in der Inſtruction- behauptet, die er den Angeſiellten bey dieſer Verwaltung hat zugehen laſſen. Alles, was ich nach der eben gemachten Darſtellung noch ſagen kann, iſt dieſes, daß ich ihrer Meinung nicht bey⸗ pflichte. Hier iſt endlich der Drt, um eine Frage zu entſcheiden, die ich ſchon zweymahl hieher verwieſen habe. Gibt nehm⸗ lich die Transſcription des Contractes demjenigen, der ſie hat vornehmen laſſen, keinen Vorzug vor dem, der ſie unter⸗ laſſen hat, nach welchen Grundſätzen wird man dann zwi⸗ ſchen zwey Perſonen entſcheiden, die die nehmliche Sache erworben haben? Nach der berühmten F. quoties, Cod. de rei vindicat. gebührt der Vorzug demjenigen, der die Sache zu erſt in Beſitz genommen hat, vorausgeſetzt gleichwohl, daß er in gutem Glauben war, und nicht wußte, daß die Sache ſchon einem andern verkauft war⸗ In Anſehung der Mobilien hat der Art. 1147 dieſe Ver⸗ fuͤgung angenommen; und meines Erachtens muß man ſie ebenfallsé in Hinſicht der Immobilien befolgen, obſchon der Art. 1583, da er ſagt, daß in Zinſicht des Verkäufers das Eigenthum von Rechts wegen auf den Raͤufer uͤber⸗ gehe, ſobald ſie über die Sache und den Preis einig gewor⸗ den ſind, dieſes einigem Zweifel auszuſetzen ſcheint. Wirft man indeſſen einen aufmerkſamen Blick darauf, ſo ſieht man, daß dieſer letztere Artikel mit der K. quoties nicht im Wi⸗ derſpruche ſteht; zuverläͤſſig iſt nehmlich der Verkauf zwiſchen dem Käufer und Verkaͤufer bloß dadurch vollkommen, daß ſie uͤber die Sache und den Preis einig ſind; auch iſt der Verkaͤufer dem Käufer zu aller Gewaͤhrleiſtung verbunden, wenn er von einem andern Erwerber, der die Sache zu erſt in Beſitz genommen haben mag, evinsirt wird; aber in 390 1M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken, Hinſicht dieſes Dritten iſt der Verkauf nicht vollkommen, weil er derjenige iſt, welcher Beſitzer bleibt. In einem errata werde ſch Sorge tragen, dasjenige zu erläutern, was ich hierüber bey den beyden Art. 1141 und 1583 geſagt habe, wo ich dieſe Frage nicht hinlänglich unterſucht hatte.*) Unter dem Geſetze vom Brumaire hat man die Frage zur Sprache gebracht, ob der zweyte Erwerber, der ſeinen Con⸗ tract hat einſchreiben laſſen, dem Erſten vorgezogen werden muͤſſe, wenn er ſchon von dem erſten Verkaufe unterrichtet war. Dieſe Frage kam bey der Civil⸗Section in der Sache des Michael Girard und der Gebruͤder Monier in Betreff eines unbeweglichen Gutes vor, welches Peter Girard zwey⸗ mahl, am 8. und 9. Floreal 9. J.(28. und 29. April 1801) verkauft hatte. Die Gebruͤder Monier hatten ihren Contract transſeribiren laſſen. Michael Girard bewieß aber, daß ſie zur Zeit ihrer Erwerbung von dem erſten Verkaufe Wiſſenſchaft hatten⸗ Beym Tribunal von Iſſoire gewann er ſeinen Prozeß, ver⸗ lor ihn aber beym Appellations⸗Hofe von Riom. Nun nahm er ſeinen Recurs zum Caſſations⸗Hofe; dieſer erwog aber a), daß man denjenigen keines Betrugs beſchuldigen könne, der ſich bloß der Wohlthat des Geſetzes bedient; P) daß nach dem Att. 26 des Geſetzes vom Bruͤmaire das Eigenthum anderſt nicht als durch die Transſcription übergehe, und e) der erſte Erwerber es ſich ſelbſt beyzumeſſen habe, daß er ſeinen Contract nicht habe transſeribiren laſſen; und aus die⸗ ſen Gruͤnden verwarf er am 3. Thermidor 13 J.(23. Jul⸗ 1803) das Caſſations⸗Geſuch. Noch eine andere nicht minder wichtige Frage kam beym Caſſations-Hofe vor; Wenn die Erben eines Geſchenkgebers, binnen der Zeit zwiſchen dem Abſterben des Letztern und der Transſeription der Schenkung, die geſchenkten Güter *) Dieſe Berichtigung ßeht ſchon im B. 3 dieſes Werkes S. For. mm. vuch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 351 verkaufen, und der Erwerber ſeinen Contract transſeribi⸗ ren läßt, muß in dieſem Falle der Erwerber dem Geſchenk⸗ nehmer vorgezogen werden? Mittelſt eines Actes vom 21 Thermidor 10. J.(9. Aug⸗ 1802) ſchenkten ſich die Eheleute Pontius Nivois und ſeine Gattinn gegenſeitig alle ihre Güter, die dem zuerſt Abſter⸗ benden unter ihnen zugehdren wuͤrden. Die Dame Rivois ſtarb am 15. des folgenden Monates Fructidor(2. September n. J⸗) Am 1a. Vendemiaire 11. J.(g. Octob. n. J. ließ Nivois die Schenkung inſinuiren, und am 27. des folgenden Mona⸗ tes Nivoſe(17. Jaͤnner 1803) ließ er ſie transſcribiren. In der Zwiſchenzeit aber hatten die Inteſtat⸗Erben der Dame Nivois ihre Güter dem Munaut verkauft, und dieſer hatte den Verkauf tranſcribiren laſſen, ehe Nivois die Trans⸗ ſcription der Schenkung bewirkt hatte⸗ Munaut behauptete, ſeine Erwerbung müſſe die Ober⸗ hand behalten, weil ſie früher wäre transſcribirt worden⸗ Zu Sedan und zu Metz wurde dieſe Behauptung ver⸗ worfen. Run wendete er ſich zwar an den Caſſations⸗Hof; allein am 28. Prairial 13. J.(17. Junius 1305) verwarf die Section des requstes ſein Geſuch aus folgenden Gründen: weil a) die Inteſtat⸗Erben der Dame Rivois nie Eigenthuͤ⸗ mer ihrer Güter geworden ſeyen, folglich b) ſie nicht hätten verkaufen können, und weil c) die Transſcription nach dem Art. as des Geſetzes vom Brumaire auf den Erwerber bloß diejenigen Rechte übertrage, die der Verkäfer ſelbſt hatte. Anf die nehmliche Art würde es ſich meines Erachtens dann verhalten, wenn Inteſtat⸗Erben eines Geſchenkgebers die geſchenkten Güter binnen der Zeitfriſt verkauſten, die das Geſetz dem Geſchenknehmer geſtattet, um die ibm ge⸗ macht⸗ Schenkung transſcribiren zullaſſen; ausdruͤcklich legen wenigſtens die Art. 19 und folg. der Drdonnanz von 1731 der Inſinuation der Schenkungen gegen dritte Erwerber und 302 Ml. Buch. XVIII. Sit. Von Privilegien und Hypotheken. Glaͤubiger, die binnen dieſer Friſt mit dem Geſchenkgeber contrahiren, eine zurückwirkende Kraft bey; an dieſen Verfü⸗ gungen hat aber das Geſetzbuch nichts abgeändert, ſondern bloß die Transſcription an die Stelle der Inſinuation geſetzt. S. die Anmerkungen zum Art. 939.*) Art. 2183.»Will der neue Eigenthumer ſich gegen „die Wirkungen des im 6. Capitel des gegenwaͤrtigen Ti⸗ „tels geſtatteten Verfahrens in Sicherheit ſetzen, ſo iſt er „verbunden, entweder vor dem Verfahren, oder laͤngſtens „in einem Monate von der erſten an ihn gerichteten Auffor⸗ „derung anzurechnen, den Gläubigern, an den Wohnungen, „die ſie in ihren Eintragungen gewaͤhlt haben, folgende „Stücke inſinuiren zu laſſen⸗„ 1)»Einen Auszug ſeines Titels, der mehr nichts als »das Datum und die Eigenſchaft des Actes, den Nahmen „und eine genaue Bezeichnung des Verkaͤufers oder Geſchenk⸗ „gebers, die Beſchaffenheit und die Lage der verkauften oder „geſchenkten Sabhe, und, in ſo fern von einer aus mehrern »Grundſtücken beſtehenden Beſitzung die Rede iſt, nur die „allgemeine Benennung des Gutes und der Bezirke, worin „es gelegen iſt, den Preis und die Laſten, welche einen „Theil des Kaufpreiſes ausmachen, oder die Schaͤtzung der v Sache, wenn ſie geſchenkt worden iſt, enthält;⸗ 2)»Einen Auszug aus der geſchehenen Einſchreibung „des Verkauf⸗Actes; ⸗ 3)»Eine aus drey Colonnen beſtehende Tabelle, wo⸗ *) Uebrigens iſt es keinem Zweifel unterworfin, daß, der Trans⸗ ſeription ungcachtet, die Veraͤußerung von den Glaͤubigern des Veräußerers als berrüglich oder ſimulirt angefochten werden könne So entſchied auch der Appellations Hof von Nimer in der Sache der Gläubiger Hours wider deſſen Sohn Ludwig Hours am a0. Frimaire 14 J.(11. Fber 1805) Journ. d. aud. ete, 1306 im Anhange p. 115. u. f. B. . Buch. XvIII. Zit. Bon Privilegien und Hypotheken. 393 „von die erſte das Datum der Hypotheken, mit Bemerkung „der Zeit, da eine jede von ihnen eingetragen worden iſt; „die zweyte die Nahmen der Glaͤnbiger, und die dritte den „Betrag der eingetragenen Forderungen darſtellt.⸗ Im Entwurfe lautete der Anfang des Artikels ſo: Will der neue Eigenthuͤmer ſich von der vollſtändigen Sahlung ſämmtlicher hypothekariſchen oder privilegirten Schulden vefreyen, und ſich gegen die Wirkungen des im Cap. 6 geſtatteten Verfahrens in Sicherheit ſesen ꝛc. Man wendete ein, auf dirſe Weiſe befolge der Artikel das Syſtem des Geſetzes vom Brumaire, welches den Er⸗ werber für alle Schulden verantwortlich mache; dieß ſey aber gar zu ſtrenge; ſchicklich ſey es im Gegentheile, dem Erwer⸗ ber die Freyheit zu laſſen, entweder die Schulden zu bezah⸗ len, oder das Gut abzutreten. Auf dieſe Bemerkung wurde der Anfang des Artikels ab⸗ geändert, und ſo abgefaßt, wie er wirklich iſt.*) Art. 2184.» Der Erwerber oder der Geſchenknehmer „muß in demſelben Acte erklaͤren, daß er bereit ſey, die hy⸗ „pothekariſchen Schulden und Laſten auf der Stelle, jedoch „nur nach Belauf des Preiſes und ohne Unterſchied unter „faͤlligen und noch nicht fslligen Forderungen, abzutragen.» *) Nach dem Art. s32 des Geſet buches ü. d. r. V. i. C. S müſ⸗ ſen die im vorliegenden Artikel ſo wohl als im Art. 2133 vor⸗ geſchriebenen Inſinuationen und Aufforderungen durch einen Huiſſier geſchehen, der beſonders hiczu auf einen einſachen ſchriſtlichen Antrag vom Praͤſidenten des erſten Inſtanz⸗Gerichtes desjenigen Bezirkes, worin ſie Statt haben ſollen, beauſtragt wor⸗ den iſt. Daß dieſes unter Strafe der Nichtigkeit geſchehen müſſe, entſchied der Appellations⸗Hof von Paris am 21. Maͤrz 1503 in der Sache Guerin, wider Aneelin. Jurispr. de la C. de C. 1803 im Anhange p. 161 u. f.— Ferner müſſen ſie nach eben bemeltem Art. s32. die Beſtellung eines Sachwalters bey demjenigen Tribunal enthalten, wobey die Verfteigerung Kraft eines Uebergebothes vor ſich gehen ſoll, und welches über die Rang⸗Ordnung unter den Gläubigern zu erkennen hat. B. 14 M. Buch. XVlII. Eit. Von Privilegien und Hypotheken. Dieſer Artikel wurde auf die gemachte Erinnerung hinzu⸗ geſetzt, daß nehmlich das Geſetz vom Bruͤmaire dadurch, daß es den Erwerber nicht verbinde, die nicht fälligen Schul⸗ den zu zahlen, viel Verwirrung in den Liquidationen hervor⸗ bringe. Haften z. B. auf einer unbeweglichen Sache drey Forderungen, die erſte von 15,000 Fr., die zweyte von§, 000, und die dritte von 10,000 Fr., und die zweyte iſt noch nicht fuͤlig, ſo wird dieſer zweyte Glaͤubiger allerdings dagegen ſeyn, daß der dritte ausbezahlt werde, weil es, wenn er ausbezahlt wird, möglich iſt, daß fuͤr den zweyten nichts übrig bleibt. Beſſer iſt es alſo, ſagte man, wenn man feſt⸗ fetzt, daß der Erwerber, welcher das Gut frey machen will, gehalten ſeyn ſoll, alle Forderungen, ſie mögen fällig ſeyn oder nicht, zu bezahlen. Dieſe Erinnerung fand Beyfall, und der Artikel wurde ihr gemaß abgefaßt. S. die Anmerkung zum Art. 2167. Art. 21858.„Hat der neue Eigenthümer in der vorge⸗ »„ſchriebenen Friſt dieſe Inſinuation bewerkſtelligt, ſo hat jeder „Gläubiger, deſſen Forderung eingetragen iſt, das Recht, dar⸗ „auf anzutragen, daß das Gut dem Meiſtbiethenden öffent⸗ „lich feil gebothen, und zugeſchlagen werde; mit dem Be⸗ „dinge,» 1)» Daß dieſer Antrag dem neuen Eigenthümer läng⸗ „ſtens in vierzig Tagen, von der auf Anſtehen dieſes letztern „geſchehenen Inſinuation zu rechnen, inſinuirt werde; zu die⸗ „ſer Friſt werden fuͤr jede fünf Myriameter, welche das ge⸗ „wähltc und das wirkliche Domicil eines jeden hierauf an⸗ „tragenden Gläubjgers von einander entfernt ſind, noch „zwey Tage hinzugeſetzt;» 2)»Daß der Requirent ſich darin anheiſchig mache, „ein Zehntel des im Contracte ausbedungenen oder von dem „neuen Eigenthümer erflärten Preiſes mehr eutweder ſelbſt „zu biethen, oder zu bewirken, daß es von andern gebothen „werde;» 3)„Baß eben dieſes in derſelben Zeitſriſt dem vorigen „Eigenthümer, als Hauptſchuldner, inſinuirt werde;» au. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 333 4)»Daß das Original und die Abſchriften dieſer In⸗ „ſinuationen von dem hierauf antragenden Glaͤubiger, oder „von ſeinem, mit einem ausdrücklichen Auftrag deßhalb ver⸗ „ſehenen Bevollmaͤchtigten, der in dieſem Falle verbunden „iſt, von ſeiner Vollmacht eine Abſchrift mitzutheilen, un⸗ „terzeichnet ſeyen/„ §)»Daß er ſich erbiethe, bis zum Betrage des Preiſes „und der Laſten Buͤrgſchaft zu ſtellen.„ „Alles bey Strafe der Nichtigkeit.»*) Die Haupt⸗Verfcgungen dieſes Artikels ſind aus dem Art. Zr des Geſetzes vom Brumaire entlehnt. Jemand fand die dem Glaubiger geſtattete Friſt von vier⸗ zig Tagen zu kurz; ein anderer fand ſie zu lang, und ſagte, eine der größten Inconvenienzen der jetßigen Formalitäten beſtehe darin, daß der Erwerber nicht zu ſeiner Befreyung gelangen könne. Der Art. 31 des Geſetzes vom Brumaire geſtattete nur einen Monat.**) *) Siehe Art. 332 u. 833 des G. ü. d. r. V. i. C. S. **) Laͤßt ein Gläubiger der eine Hypothek hat! die aber zur Zeit der PVeraͤußerung noch nicht eingetragen war, ſie noch binnen fünfzehn Dagen von der Tlänsſeriptivn des Actes angerechnet, eintragen, ſo wird er zwar nach dem Art. 334 des Geſetzbuches ͤ, d. r. V. i. C. S zugelaſſen, auf die Verſteigerung des Gu⸗ tes anzutragen; dieſer Befugniß muß er ſich aber binnen der Zeit bedienen, die noch an den vierzig Tagen von der den in⸗ ſeribirten Gläuhigern geſchehenen Bekauntmachung an uͤbrig ſind. Geſetzt alſo der Erwerber habe am 1. Mai ſeinen Contrart trans⸗ ſeribiren, und am nehmlichen Tase den inſeribirten Glaͤubigern bekaunt machen laſſen, der damahls noch nicht inſeribirte Gläu— biger habe aber erſt am 15. desen. M. ſeine Hypothek eintragen laſſen, ſo kann dieſer Letztere nur bis zum 10. Junius, als dem Tage, an welchem die vierzigtaͤgige Friſt abläuft, auf die Verſteigerung antragen. Répert. de jurispr. N. Inscription Ty- voticaire, S Da ferner nach dem Art. s32 des eben bemelten Geſetzbuches der Act, worin auf die Verſteigerung angetragen wird, unter 306 MM. Buch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2186.»Haben die Glaͤubiger, in der vorgeſchrie⸗ „benen Friſt und Form auf öffentliche Feilbiethung und Ver⸗ »ſteigerung nicht angetragen, ſo bleibt der Werth der unbe⸗ „weglichen Sache auf den in dem Contracte bedungenen oder „von dem neuen Eigenthuͤmer angegebenen Preis unwider⸗ „ruflich beſtimmt. Dieſer(Eigenthümer) wird mithin von alleu „Privilegien und Hypotheken befreyt, wenn er den eben beſagten Preis entweder den Gläubigern auszahlt, welche die DOrdnung „trifft, ihn in Empfang zu nehmen, oder ihn hinterlegt. Strafe der Nichtigkeit des uebergebothes das Anerbiethen eines Buͤrgen nebſt einer Vorladung enthalten muß, um binnen drey Tagen vor dem nehmlichen Tribunal zu erſcheinen, und uͤber die Annahme dieſes Bürgen erkennen zu hoͤren, ſo iſt es unge— zweifelt, daß der Bürge, der in dem Antrage, wovon hier die Rede iſt, angebothen wird, darin nadmentlich benannt ſeyn müſſe Aus dieſem Grunde erklärte a) der Appellations⸗Hof von Brüſſei am 22. Eber 1807, in der Sache Stens wider Vaurchnem einen von Erſterm geſchehenen Verſteigerungs⸗ Antras für nichtig, weil der Bürge nicht darin genanut war; Juripr. de la C. de C 1803. im Anhange p. 48. u. f.; und das nehmliche entſchied p) der Appellakions⸗Hof von Paris am *. Apr. 1sos in der Sache Sommarive wider Beaugrand. Letzterer nahm zwar von dieſem Urtheile ſeinen Recurs zum Caſ⸗ ſations⸗Hofe; ſein Geſuch wurde aber aus dem nehmlichen Grunde von der Seelion des requétes am 4 Jänner 1809 verworfen. Journ. d. aud. eic. 1809 par Menevers, p. 47 u. f. Uebrigens eutſchied noch die Seelion des requstes des Caſſa⸗ tions⸗Hofes am az. April 1807 in der Sache Trebos wider Dabernad, daß, wenn ein Erwerber ſeinen Contraet deu in⸗ ſeribirten Glänbigern bekaunt gemacht und dabey erklärt hat, die auf dem e vrbenen Gute haftenden Schulden nur nach Be— lauf des Erwerbungs⸗Preiſes zahlen zu wollen, und hierauf einer der Gläubiger ein Uebergeboth gethan hat, der Erwerber die Folgen des Uebergebothes nicht von ſich ablehnen könne, weun er ſchon nachher, jedoch unter dem Vorbehalte die Gültigkeit der Forderungen vorlaͤußg unter— ſuchen zu laſſen, ſich erböthe alle eingetragene Forderun⸗ gen zu bezahlen. Jurispr. de Ja C. de C. 1607. p. 293. u f. — nl. Buch. XVIIM. Tit. Von Pripilegien und Hypotheken. 397 Im Entwurfe des Artikels ſtanden die Worte nicht, wo⸗ mit er ſchließt: oder ihn hinterlegt. Sie wurden auf die gemachte Bemerkung, daß, wenn der Erwerber verbun⸗ den wäre, die Claſſification abzuwarten, ſeine Befreyung ſehr verzoͤgert werden könnte, hinzugeſetzt⸗ Art. 2187.» Kommt es zu einem neuen Verkaufe an „den Meiſtbierhenden, ſo geſchieht dieſer, auf Betreiben des „Glaͤubigers, der hierauf angetragen hatte, oder des neuen „Eigenthümers in den Formen, welche für unfreywillige „Vergantungen feſtgeſetzt find.» „Derjenige, der auf die Verſteigerung dringt, muß in „den Anſchlagszetteln den Preis ausdrucken, der in dem „Contracte bedungen, oder erklärt worden iſt, ſo wie die „erhoͤhete Summe, welche der Glänbiger zu biethen »oder von andern biethen zu laſſen ſich anheiſchig ge⸗ „macht hat.„ Dieß iſt der Art. 33 des Geſetzes vom Brumaire.*) *) Man ſehe hiebey die Art. 836, 837 und szs des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S.— Daß die Sreitigkeiten, welche die Folge des Antrages auf Verſteigerung ſind, vor dasjenige Gericht ge⸗ bracht werden muͤſſen, worunter die Güter gelegen ſind, dieß bedarf beynahe keiner Erinnerung So gar dann müßte dieß ge⸗ ſchehen, wenn ein ſtreiriges unbewegliches Gut auf Verordnung eines andern Gerichtes, und vor eben dieſem Gerichte verkauft worden wäre, weil ein ſolcher Verkauf ebenfalls nur als ein freywilliger Verkauf betrachtet werden könnte. So entſchied die Section des requstes des Caſſations⸗Hofes am 13. Auguſt 1907 in der Sache Papillon und Menaſſiey. Jurispr. de 1a C. de ſ nebrigens wird der Inhalt der Anſchlags⸗Zettel bey der Ver⸗ ſteigerung zum Grunde gelegt; und da der Zuſchlag, der zu Folge der Verſteigerng geſchieht, den freywilligen Contrget in allem, was auf den darin enthaltenen Kaufpreis und deſſen Acceſſorien Bezug hat, aufhebt, ſo kann ſich auch der Anßteige⸗ rer auf die deßhalb darin vorkommenden Clauſeln nicht beziehen, in ſo fern hisvyn in den Anſchlags⸗Zetteln und den Verſteige⸗ 31 M. Buch. Xvill. Tit. Von Privilegien und Hypotbeken. Art. 2188.»Der Anſtefgerer iſt ſchuldig, außer dem „Preiſe, wofuͤr die Sache ihm zugeſchlagen wurde, dem „Erwerber oder Geſchenknehmer, der ſeines Beſitzes entſetzt „worden iſt, die Koſten und redlichen Auslagen fuͤr ſeinen „Contract, die Koſten der geſchehenen Einſchreibung in die „Regiſter des Hypotheken⸗Bewahrers, die Koſten der Inſinua⸗ „tivn, und jene, die er verwendet hat, um es zu einem „neuen Verkaufe zu bringen, zuruͤckzugeben.» Dieß iſt der Art. 34 des Geſetzes vom Brumaire. Jemand verlangte, daß derjenige, dem die Sache zuge⸗ ſchlagen wird, ebenfalls gehalten ſeyn moge, dasjenige zu vergüten, was der Erwerber zur Unterhaltung oder Vebeſ⸗ ſerung der Sache etwa verwendet habe. Dieſe Verbindlich⸗ keit, antwortete man ihm, iſt juris communis Art. 2189.„Der Erwerber oder Geſchenknehmer, der das „zur Verſteigerung ausgeſetzte unbewegliche Gut dadurch be⸗ „hält, daß er der Meiſtbiethende blieb, iſt nicht verbunden, rungs⸗Bedingungen keine ausdrückliche Erwaͤhnung geſchehen iſt. So entſchied die Civil⸗Section des Caſſations⸗Hofes am 23. Iber 1806 in der Sache der Gläubiger Besnier wider Leovier — de l'Is le. Im Falle wevon hier die Rede iſt, enthielt der freywillige Contraet die Clauſel, daß der Kaufpreis nach der Transſecription des Contractes, falls die verkaufte Sache mit kei⸗ ner eingetragenen Hypothek beſchwert ſeyn ſollte, oder nach er⸗ folgter Löſchung der Hypotheken! falls deren vorhanden wären, in beyden Fällen jedoch ohne Zinſen zjahlbar ſeyn ſolle— eine Clauſel, die in den Anſchlags⸗Zetteln nicht enthalten war⸗ Da nun ber Claſſifications⸗Prozeß noch nach erfolgtem Zuſchlage Jahr dauerte, ſo behauptete der Anſteigerer, Kraft bis ins vierte Jal der im freywilligen Contracte enthaltenen Clauſel keine Zinſen Hofe von Prleans wurde er zahlen zu müſſen zsvom Appellations⸗ indeſſen hiezu verurtheilt, und ſein Caſſations⸗Gefuch gegen die⸗ ges Urtheil aus dem angeführten Grunde verworfen,— eine Eut⸗ ſcheidung, die zwar unter dem Geſetze von Brumaire erlaſſen wurde, unter dem G. N. aber wohl eben ſo ausfallen müßte⸗ Jurispr. de la C. de C. 1807, p. 65 U⸗ f. B⸗ t u MI. Buch. XVIU. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 335 „das Urtheil, wodurch es ihm zugeſchlagen wurde, einſchrei⸗ „ben zu laſſen. Hieraus folgt, daß jeder andere, als der, dem die Sache zugeſchlagen wird, hiezu verbunden iſt. Art. 2190.„Die Verzichtleiſtung des Glaͤubigers, der „auf Verſteigerung angetragen hatte, kann den öffentlichen „Zuſchlag nicht verhindern, ſollte er auch die Summe erle⸗ „gen, wozu er ſich anheiſchig gemacht hatte, es ſey dann, „daß alle uͤbrigen hypothekariſchen Gläubiger ausdrücklich „einwilligen.„ Aus dieſem Artikel folgt, daß, wenn alle Hypothekar⸗ Eläubiger einwilligen, daß das Gut nicht verſteigert werden ſoll, die Chyrographar⸗Gläubiger nicht berechtigt ſind, zu verlangen, daß es zur Verſteigerung ausgeſetzt werden ſolle, wenn ſie ſchon ein Intereſſe hiebey haben können.*) Art. 2191.„Der Erwerber, welcher das Gut aufs „neue an ſich ſteigert, hat wider den Verkäufer ſeinen „Regreß, ſo wie er von Rechts wegen eintritt, wegen „Wiedererſtattung desjenigen, was den in ſeinem Kauf⸗ „Contracte bedungenen Preis überſteigt, und wegen der *) Der Beweggrund der in dieſem Artikel enthaltenen Verfügung iſt übrigens leicht einzuſehen. Könnte der Gläubiger, der auf die Verſteigerung angetragen hat, durch eine Verzichtleiſtung den öffentlichen Zuſchlag verhindern, ſo wäre das Uebergeborh anderſt nichts als ein zu Mittel einem heimlichen Einver⸗ ſtaͤndniſſe, wodurch ein reicher Gläubiger mit demjenigen, dem daran gelegen wäre, ſeine Erwerbung beyiubehalten, Handel treibenzkönnte, und zwar zum Schaden der übrigen Glaͤubiger, die kein Uebergeboth thun mochten, entweder weil ſie befüpchte⸗ ten, in dem ihnen gebührenden Range keine Befriedigung zu erhalten, oder weil ſie kein Geld hatteng um die mehr zu bie⸗ thende Summe zu jahlen. Schon unter dem Geſetze vom Bru⸗ maire wurde eben ſo von der Section des requétes des Caſſations⸗ Hofes am 22. Prairial 13. J.(11. Junius 1405) in der Sache Viard wider Reynard⸗Duverier entſchieden. Jurispr de la C d⸗ C. KllI. v. as5 u. f. P⸗ 416 M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Zinſen dieſer zu viel bezahlten Summe von dem Tage einer „jeden Zahlung anzurechnen.„ Der Beweggrund dieſes Artikels iſt, weil das, was der Erwerber, um das Gut zu behalten, mehr zu zahlen hat, eine Art von Eviection iſt, die er erleidet. Im Art. 36 des Geſetzes vom Brumaire war noch eine andere, nicht weniger rechtmäßige Verfügung enthalten, nehmlich dieſe, daß den Gläubigern, welche ihre Befriedi⸗ gung nicht erhalten, ihre perſönliche Klage gegen den Ver⸗ käufer, ihren urſprünglichen Schuldner vorbehalten bleibt. Art. 2192.„Sollten in dem Erwerbungs⸗Briefe des neuen „Eigenthümers Immobilien und Mobilien zugleich, oder meh⸗ „rere Immobilien begriffen ſeyn, wovon einige hypotheſirt „ſind, die andern nicht, ſie ſeyen in einem und demſelben „oder in verſchiedenen, für das Hypotheken⸗Weſen angenom⸗ „menen Bezirken begriffen, zuſammen für einen und denſel⸗ „ben Preis, oder abgeſondert fuͤr verſchiedene und beſondere „Preiſe veraͤußert, einer und derſelben landwirthſchaftlichen Be⸗ „nutzung unterworfen oder nicht, ſo ſoll in dem Inſinuations⸗ „Acte, den der neue Eigenthuͤmer zu bewerkſtelligen hat, der „Preis eines jeden Grundſtücks, worauf beſondere Privilegien „oder Hypotbeken eingetragen ſi ſind, allenfalls, und je nachdem „die Umſtände beſchaffen ſind, nach Maßgabe des geſammten, „in der Erwerbungs-Urkunde ausgedruckten Preiſes angege⸗ „ben werden.„ „Der Gläubiger, der ſich zu einem Uebergebothe ent⸗ „ſchließt, kann in keinem Falle angehalten werden, ſein An⸗ „biethen eines hohern Preiſes auf die Mobilien oder auf „andere Immobilien, als welche ſeiner Forderung zur Hypo⸗ „thek dienen und in demſelben Bezirke gelegen ſind, zu er⸗ „ſtrecken; dem neuen Eigenthimer bleibt gleichwohl wegen „der ihm ge bhrenden Erſtattung des Schadens, den er ent⸗ „weder durch die Tremung der Gegenſtände ſeiner Erwer⸗ „bung, nder durch die Trennung der landwirthſchafilichen „Benutzungen erleiden mag, der Regreß wider ſeine Auto⸗ „ren vorbehalten.» M. Buch. XvlII. Tit Von Pririlegien und Hypotheken. 4e1 Der erſte Theil dieſes Artikels iſt für den Erwerber wahr⸗ lich ſehr läſtig; auf dieſe Unannehmlichkeiten mußte er indeſ— ſen gefaßt ſeyn, ſo bald er die Forderungen kannte, oder doch wenigſtens ſo angeſehen wurde, als wenn ſie ihm be⸗ kannt wären; den Gläubigern hat das Geſetz den Vorzug eingeräumt, weil ſie ein aͤlteres Recht haben⸗ Der zweyte Theil des Artikels biethet dem Etwerber für den Schaden, den der erſte Theil ihm verurſachen kann, eine Entſchädigung dar; ſehr oft kann indeſſen dieſe Entſchädi⸗ gung fruchtlos ſeyn⸗ e Von der Art, die Guͤter der Ehemaͤnner und der Vor⸗ münder von den Hypotheken zu befreyen, wenn dieſe gar nicht darauf eingetragen ſind. Art. 2193.» Wer unbewegliche Güter an ſich bringt, die »Ehemaͤnnern oder Vormuͤndern zugehören, kann gleichfalls „die von ihm erworbenen Güter von den Hypotheken be⸗ »freyen, die etwa darauf haften, wenn ſchon auf dieſe Im⸗ „mobilien, fuͤr die aus der vormundſchaftlichen Verwaltung „entſtehenden Forderungen, oder für den Brautſchatz, und „was der Ehegattinn zum Erſatze ihres eigenthuͤmlichen Ver⸗ „moͤgens oder ſonſt zu Folge des Ehe⸗Contractes gebühren »mag, gar keine Eintragungen in die Regiſter der Hypo⸗ „theken geſchehen ſind.„ Man kann es nicht verhehlen, daß die geſetzlichen Hypo⸗ theken im gegenwärtigen Syſtem eine große Verwirrung ver⸗ an'laßen; auch hatte das Geſetz vom Brumaire für gut ge⸗ funden, ſie den übrigen ungefähr gleich zu ſtellen. Daß es wohl hiebey gethan habe, das ſage ich nicht, ſondern bloß, daß mehr Leichtigkeit und Einförmigkeit in ſeinem Plane war⸗ In der Ueberzeugung indeſſen, daß es gerecht ſey, die ge⸗ ſetzlichen Hypotheken beyzubehalten, glaubte der Staats⸗ Rath Mittel ergreifen zu müſſen, um, ſo viel als möglich, das Intereſſe der Frauen und der Minderjaͤhrigen mit jenem IV. Malev. 26 — ———— 402 MI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. der Männer und Vormünder, und ſelbſt dritter Perſonen, die mit dieſen Letztern zu contrahiren haben möchten, zu vereinigen⸗ Wir haben ſchon geſehen, was der Geſetzgeber gethan hat, um die geſetzlichen Hypotheken einzuſchränken, damit ſie keine übertriebene Sicherheit gewähren möchten; jetzt iſt es darum zu thun, Porſichts⸗Maßregeln fuͤr dritte Perſonen zu ergreifen, die etwa durch die Unterlaſſung der Eintragung der geſetzlichen Hypotheken betrogen werden konnten— eine Unterlaſſung, die den Verluſt dieſer Hypotheken nicht nach ſich zieht. Unter dieſem zweyten Geſichts⸗Punkte aber hat das Geſetz nur fuͤr das Intereſſe der Erwerber der den Maͤn⸗ nern und Vormündern zugehörigen Guͤter Sorge tragen kön⸗ nen; dagegen aber jenes der Darleiher immer der Gefahr ausgeſetzt bleibt. Ihnen bleibt kein anderes Mittel übrig, als jenes, welches das römiſche Recht jedermann darboth, nehmlich ſich ihrer eigenen Klugheit zu bedienen, und ſich vor allem genan mit der Lage derer bekannt zu machen, wo⸗ mit ſie ſich in Geſchaͤfte einzulaſſen haben. Art. 2109.» Der Erwerber hinterlegt zu dieſem Ende „bey der Kanzelley des Civil⸗Gerichtes des Ortes, wo die „Guͤter gelegen ſind, eine in gehdriger Form beglaubte Ab⸗ „ſchrift des zu Uebertagung des Eigenthums geeigneten Cors »tractes, und beſcheiniget, durch einen ſowohl der Frau noder dem Nebenvormunde, als dem kaiſerlichen Procu⸗ „rator bey dem Gerichte inſinuirten Act, die von ihm „geſchehene Hinterlegung. Ein Auszug dieſes Contractes, „worin deſſen Datum, die Nahmen, Vornahmen, das Ge⸗ „werbe und die Wohnorte der Contrahenten, die Natur, „und Lage der Güter, der Preis und die übrigen Bedin⸗ „gungen und Laſten des Verkaufes ausgedruckt werden „muͤſſen, ſoll in dem Audienzſale des Gerichtes angeſchlagen „werden, und zwey Monate hindurch dort angeheftet bleiben⸗ „und in dieſer Zwiſchenzeit iſt es den Frauen, den Ehemaͤn⸗ „nern, Vormuͤndern, Nebenvornnündern, Minderjährigen, In⸗ terdicirten, Verwandten oder Freunden und dem kaiſerlichen m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 403 „Procurator geſtattet, bewandten Umſtänden nach die Ein⸗ „tragungen auf das veraͤußerte unbewegliche Gut nachzu⸗ „ſuchen, und auf dem Buͤreau des Hypotheken⸗Bewahrers „bewerkſtelligen zu laſſen, welchen alsdann dieſelbe Wir⸗ „kung beygelegt wird, als wenn ſie an dem Tage des „Heiraths⸗Contractes, oder am Tage, wo der Vormund „die Verwaltung angetreten hat, geſchehen wären, mit Vor⸗ „behalt desjenigen Verfahrens, das, wie hier oben beſtimmt „worden iſt, wider die Ehemänner und die Vormünder „Statt haben könnte, weil ſie Hypotheken zum Vortheile „dritter Perſonen verwilligten, ohne ihnen zu erklaͤren, daß „wegen der Heirath oder der Vormundſchaft die Immobilien «ſchon mit Hypotheken beſchwert ſeyen.„ Zu dem Anfangs vorgelegten Entwurfe enthält dieſer Ar⸗ tikel zwey Zuſaͤtze, nehmlich 1) die dem Erwerber auferlegte Verbindlichkeit, der Frau oder dem Nebenvormunde, ſo wie auch dem kaiſerlichen Procurator die geſchehene Hinterlegung des Contractes bekannt zu machen; 2) die der Frau, dem Minderjährigen und ſo gar dem Interdicirten verliehene Be⸗ ſuguiß, ihre Inſeriptionen ſelbſt zu bewerkſtelligen. Dieſe Zuſaͤtze geſchahen auf die Erinnerungen mehrerer Mitglieder, welche ſagten, man müſſe alle mögliche Mittel ergreifen, damit dieſer Artikel den geſetzlichen Hypotbeken die Wirkung nicht benehme, die man ohne Inſeription ihnen bey⸗ zulegen überein gekommen war. Die Frau, ſagte man, iſt während der Ehe, die Minderjaͤhrigen ſind waͤhrend der Vor⸗ mundſchaft nicht mehr, als zur Zeit des Heiraths⸗Contrac⸗ tes, oder der Ernennung des Vormundes im Stande für ihr Intereſſe zu ſorgen. So gar trug man darauf an, der Erwerber der Gütet des Mannes oder des Vormundes ſollte gehalten ſeyn, auf die Verwendung(Anlegung) des Kauſpreiſes zu wachen, um, ter der Strafe, daß er für ſeine Nachläßigkeit zu haften habe. Dieſer Antrag wurde indeſſen deßwegen verworfen, weil⸗ ſobald die geſetzlichen Inſcriptionen bewerkſtelligt ſind, alles 404 M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken in die gewoͤhnliche Ordnung zuruͤckkehrt, und nach den allge⸗ meinen Grundſaͤtzen beurtheilt werden muß. Ferner fragte man, was aus den Hypotheken werden ſollte, die zur Sicherheit ſolcher Rechte genommen worden ſeyen, welche von kuͤnftigen Ereignißen abhangen. Die Summen, welche hiefür haften, antwortete man, mag der Erwerber in ſeinen Händen behalten und verwahren. Mit dieſer Antwort begnügte man ſich nicht, und ſagte, zuweilen ſeyen im Heiraths⸗Contraete eventuelle Schenkungen, und unter der Bedingung, daß der Geſchenknehmer der Ueber⸗ lebende ſeyn würde, enthalten, die vielleicht nie zur Wirk⸗ lichkeit gelangen. Mit dergleichen Laſten, antwortete man, bleibt das Gut beſchwert; braucht jedoch der Eiwerber die Vorſicht, den Kauſpreis zurückzuhalten, ſo iſt er in Sicherheit.*) Man erinnerte, das Edict von 1771 laſſe alle Hypothe⸗ ken für Schulden, die nicht liquid geſtellt werden könnten, beſtehen; während der Ehe, könne keine Forderung der Frau, ſo gar nicht einmahl ihr Brautſchatz aus dem Kauſpreiſe des verkauften Gutes bezahlt werden, weil die Klage auf Zu⸗ rückerſtattung erſt nach dem Tode des Mannes ihre Eriſtenz erhalte. *) Unter dem Geſetze vom Brumaire erlaubte der Appellations⸗Hof von Paris in der nehmlichen Sache, wovon der Herr Verfaſſer beym Art. 2151 Erwähnung thut, daß diejenigen Gläubiger, deren gewiſſe Forderungen nach jenen der Frau des Verkäufers, die von kuͤnftigen ungewiſſen Ereignißen abhiengen, eingetragen wa⸗ ren, proviſoriſch vor dieſen letztern elaſſiſeirt wurden, unter dem Bedinge gleichwohl, Bürgſchaft dafür zu ſtellen, auf den Fall, daß ſie zur Wirklichkeit kommen ſollten; und unerachtet, ſich die Frau dieſer Beſtimmung als eines Mittels bediente, um die Caſſation des Urtheiles zu bewirken, ſo wurde es doch von der Seetion, des requétes am 4. Frimaire 14. J. Es. Sber 1303) verworfen. Jouro. d. aud. ete. 1806 v. 155 u. f. Meines Erachtens läßt ſich eine ſolche Billigkeits⸗Moßregel noch jetzt ergreifen. . B U Buch XKVilII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 405 Sobald der Erwerber, antwortete man indeſſen, mittelſt der Formen, die den Mann und den Vormund verpflichten, die Hypothek der Frau und des Minderjaͤhrigen eintragen zu kaſſen, von der Lage ſeines Verkaͤufers benachrichtigt iſt, hat man ſich um die fernern Ereigniße nicht mehr zu bekümmern⸗ Inzwiſchen wurde doch der Artikel zur Section zurückver⸗ wieſen, nachher aber mittelſt der zwey Zuſaͤtze, die wir an⸗ geführt haben, angenommen.*) ) Da übrigens die Hypothek der Frauen und Minderjährigen nach aufge öſter Ehe oder geendigter Vormundſchaft, wie beym Art. 2135 gezeigt worden iſt, ihrem ganzen Umfange nach fort⸗ währt, ſo müſſen die hier vorgeſchriebenen Formen auch noch nach dieſen Epochen beobachtet werden. Freylich läßt ſich nicht in Abrede ſtellen, daß der Geſetzgeber im vorliegenden Capitel den Fall vorzuͤglich vor Augen gehabt haben mag, wo die Ehe oder die Vormundſchaft noch wirklich beſteht; hieraus läßt ſich indeſſen nicht folgern, daß er den Fall ausgeſchloſſen habe, wo ein dritter Erwerber ein erworbe⸗ nes Gut von den geſetzlichen Hypotheken der Frauen oder Min⸗ derjährigen nach aufgelöſter Ehe oder nach beendigter Vormund⸗ ſchaft, davon frey machen will. Genug, daß dieſes Hypotheken⸗ Recht mit allen ſeinen Attributen bey Auflöſung der Ehe oder bey Beendigung der Vormundſchaft fortlebt. Eines dieſer At⸗ tribute beſteht aber darin, daß ein Gut nicht anderſt davon he⸗ freyt werden lönne, als wenn der dritte Erwerber ſeine deßfall⸗ ſige Abſicht der Frau oder dem Minderjährigen, oder den mit ihrer Vertheidigung beauftragten Perſonen perſönlich bekannt gemacht hat. luf eine indirecte Art iſt dieſe Frage durch folgendes Gut⸗ achten des Staats⸗Rathes vom 9. Mgi 1807, genehmigt vom Kaiſer am 1. des folgenden M Junius eutſchieden. Es lautet ſo: Der Stasts⸗Rath, welcher nach der Weiſung Seiner Ma⸗ jeſtit den Vortrag der Finanz, und Geſetzgebungs⸗Sectionen über den Bericht des Miniſters des öffentlichen Schatzes in Be⸗ treff der Mittel, den Schwieriakeiten vorzubengen, welche ſich bey geſetzlichen Hypotheken ergeben, die unabhängig von aller Eintragung beſtehen, angehört hat; In Erwägung, daß die Art. 2193 2194 und 2195 des Ge⸗ ſetzbuches Napoleons das Berfahren vorgeſchrieben haben, wel 406 1M. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2195.»Iſt in dem Laufe der zweyen Monate, „hinnen welchen der Contract angeſchlagen war, für die „Frauen, Minderjaͤhrige vder Interdicirte auf die verkauften „Immobilien nichts eingetragen worden, ſo gehen ſie auf den „Erwerber uͤber, ohne daß ſie für den Brautſchatz der Frau, »„für den ihr gebührenden Erſatz ihres Vermögens, und fuͤr „das, was in dem Ehe⸗Contracte ihr zugeſagt iſt, oder fuͤr „dasjenige, was der Vormund aus ſeiner Verwaltung ſchul⸗ „dig ſeyn mag, fernerhin auf einige Weiſe beſchwert ſeyen; „mit Vorbehalt des Regreſſes wider den Ehegatten, oder „den Vormund, in ſo fern er eintreten mag. ches beobachtet werden muß, um Immobilien von den geſetzlichen Hypotheken der Frauen, der Minderjährigen und Interdieirten, welche unabhängig von aller Eintragung beſtehen, iu befreyen. Daß der Artikel 2194 fordert, daß der über die Hinterle⸗ gung des Aetes wodurch das Eigenthum übergegangen iſt, bey der Gerichtsſchreiberey gefertigte Aet ſowohl der Frau und dem Nebenvormunde als auch dem kaiſeriichen Procurator bey dem Gerichte des Bezirkes inſinuirt werden ſoll, worunter die Guͤter liegen, Daß die Vollziehuns dieſer Verſügunß jedes Mahl möglich iſt, wenn der Nebenvormund und die Frau oder ihre Repräſen⸗ tanten bekannt ſind, Daß aber oft der Fall eintritt, daß ſie es nicht ſind, und daß alsdann die Ankäufer genöthiget ſind, die Inſinuation bloß dem kaiſerlichen Proeurator machen zu laſſen, Daß es bey dieſer Lage der Dinge zweckmäßig iſt, bey kuͤnf⸗ tigen Faͤllen die Mittel zu ergreifen, welche das Geſetzbuch Na⸗ poleons und das Geſetzbuch über das rechtliche Verfahren in Ci⸗ vil Sachen vorgeſchrieben haben, wenn Parteyen von etwas be⸗ nachrichtiget werden ſollen, wobey ſie ein Intereſſe haben moͤgen, Iſt der Meinung. 1) Daß, wenn die Frau, oder ihre Stellvertreter, oder der Nebenvormund dem Anäufer unbekaunt ſind, es nöthig und hinreichend iſt, um die Inſinuation zu erſetzen, welche ihnen nach dem erwähnten 2104 Artikel gemacht werden muß, daß erſtens der Ankaͤufer in der dem kai erlichen Proeurator zu ma⸗ chenden Inſinuation erkläre, daß, da diejenigen, in deren Nah⸗ M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 407 „Sind Hypotheken im Nahmen der beſagten Frauen, „Minderjährigen oder Interdicirten wirklich eingetragen wor⸗ „den, es gibt aber zugleich aͤltere Gläubiger, welche den »YPreis ganz oder zum Theile wegnehmen, ſo wird der Er⸗ men wegen geſetzlicher unabhaͤngig von der Eintragung beſtehen⸗ der Hypotheken, noch Eintragungen vorgenommen werden könn⸗ ten, unbekannt ſind, er gedachte Inſinuation in der durch den Artikel 683 des Geſetzbuches über das rechtliche Verfahren in Civil⸗Sachen beſtimmten Form bekannt machen werde; und daß zweytens derſelbe Ankäufer dieſe Bekanntmachung in der durch den 683. Artikel des erwähnten Geſetzbuches vorgeſchriebenen Form bewerkſtellige, oder daß, wenn in dem Departemeute keine Zeitung erſcheint, der Ankäufer ſich von dem kaiſerlichen Proeu rator ein Zeugniß ertheilen laſſe, woraus hervorgeht, daß keine exiſtirt. 2) Daß die Friſt von zwey Monaten, die durch den 219. Artikel des Geſetzbuches Napoleons beſtimmt iſt, um im Nahmen der Frauen, Minderjaͤhrigen und Interdjeirten Hypothekenrechte eintragen zu laſſen, erſt von dem Tage der zu Folge des angefuͤhr⸗ ten 623. Artikels des Geſetzbuches über das rechtliche Verfahren in Civil⸗Sachen geſchehenen Bekanntmachung oder von dem Tage der Ausfertigung des Zeugniſſes des kaiſerlichen Proeurators über den Umſtand, daß in dem Departemente keine Zeitung er⸗ ſcheint, zu laufen anfangen ſoll; und 3) Daß gegenwärtiges Gutachten in das Geſetz⸗Bülletin ein⸗ gerückt werden muß. Ausdrücklich ſagt ja der Staats⸗Rath, daß die Bekanntma⸗ chung der Frau, oder ibren Stellvertreteyn geſche⸗ hen müſſe; dieſe koͤnnen aber keine andere als ihre Erben ſeyn; klar iſt es alſo, daß nach aufgelsſter Ehe, ihren Srben, weun ſie bekannt ſind, die Bekanntmachung nach deg nohmlichen Formen geſchehen müſſe. Zwar geſchieht in dieſem Gutachten keine eben ſo ausdrückliche Erwähnung des Minderjährigen; da aber die geſetzlichen Hypotheken der Frauen und Minderjährigen mittelſt der nehmlichen Verfuͤgung einge⸗ führt worden ſind, und in der nehmlichen Reihe nebeneinander ſtehen, ſo iſt auch allerdings dasjenige, was ſür die eine eut⸗ ſchieden it, auf die andere ebenſalls anwendhur. Répert. de jurispr.. ucription Ahypatdaire 9. 3 n. 5. B. 4os IM. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. »werber für den Preis oder denjenigen Theil des Preiſes, „den er den Gläubigern zahlt, welche nach der unter ihnen⸗ „eintretenden Rangordnung hiezu berechtiget ſind, von aller „weitern Verbindlichkeit befreyt, und die Eintragungen, wel⸗ „che im Nahmen der Frauen, der Minderjährigen oder In⸗ „terdicirten geſchehen ſind, ſollen ganz oder verhältnißmäßig „(nach Belauf des an ältere Glaͤubiger gezahlten Preiſes) „ausgeſtrichen werden» »„Sind die Eintragungen, welche im Nahmen der Frauen, „der Minderjährigen oder Interdicirten geſchehen ſind, die „älteſten, ſo darf der Erwerber zu ihrem Nachtheile durch⸗ „aus keine Zahlung des Preiſes verfügen. Das Datum „dieſer Eintragungen wird allemahl, wie hier oben be⸗ »ſtimmt iſt, von dem Tage des Heiraths⸗Contractes oder „vom Tage an, wo der Vormund die Verwaltung an⸗ „getreten hat, gerechnet, und dieEintragungen der übrigen „Gläubiger, auf welche der Preis nach der unter ihnen ein⸗ „tretenden Rangordnung nicht reichen kann, ſind in dieſem „Falle auszuſtreichen.„ Der zweyte Theil. des Artikels koͤnnte leicht, iſolirt genommen, in Irrthum führen; durch den dritten wird er indeſſen berichtiget, worin es heißt, daß das Datum der für die Frauen und Minderjaͤhrigen geſchehenen Eintra⸗ gung, wenn auch ſchon andere früher geſchehen ſeyn ſollten, doch allemahl vom Heirathe⸗Contracte, oder vom Tage, wo der Vormund die Verwaltung angetreten hat, angerechnet werde. Was dieſe letztern Worte: oder vom Tage an, wo der Vormund die Verwaltung angetreten hat, betrifft, bemerke ich, daß der Art. 2135 ſich der Worte bedient: Von dem Tage an, wo er die Vormundſchaft ange⸗ nommen hat; freylich kaun man ſagen, daß der Vormund von dem Augenblicke an die Verwaltung antritt, wo er die Vormundſchaft annimmt. Die P. pro ohficio, Cod. de admin. tut, verleiht dem Minderjährigen die Hypothek vom Tage an, wo der Vor⸗ im. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 409 mund ernannt wurde— eine Verfügung, welche allerdings gut iſt, wenn der Vormund bey der Verſammlung, die ihn ernohnt, gegenwärtig iſt; iſt er aber abweſend, dann muͤßte die Hypothek von dem Tage an gerechnet werden, wo ſeine Ernennung ihm bekannt gemacht wurde, weil er in der Zwi⸗ ſchenzeit in gutem Glauben mit dritten Perſonen hat contra⸗ hiren können. Meines Erachtens verträgt ſich dieſes mit den Art. 433 und folg. des Abſchn. VII des Tit. Von der Min⸗ derzahrigkeit. Auf die Entſchüldigungs⸗Gruͤnde muß man uͤbrigens hier keine Rückſicht nehmen; denn, werden ſie angenommen, ſo iſt er nicht Vormund; werden ſie aber verworfen, ſo iſt es ſo gut, als wenn ſie nicht vorgebracht worden wären.(Art. 440. tel. Von der Publicität der Regiſter und der Verantwortlichkeit der Hypotheken-Bewahrer. Art. 2106.»Die Hypotheken⸗Bewahrer ſind ſchuldig, „allen denjenigen, die es verlangen, eine Abſchrift der in „ihre Regiſter eingeſchriebenen Acte, ſo wie der noch beſte⸗ „henden Eintragungen, oder ein Zeugniß, daß keine vorhan⸗ „den ſind, abzuliefern.„ Ich ſehe nicht allzu ſehr ein, wie man dieſem Artikel ge⸗ mäß die Neugierigen, ſie moͤgen ein Intereſſe dabey haben oder nicht, verhindern könne, ganz genau die Lage der Fami⸗ lien in Erfahrung zu bringen, die ihren Haß oder ihren Neid rege machen können. Da indeſſen der Hypotheken⸗Bewahrer den Beweggrund nicht unterſcheiden kann, ſo war der Ar⸗ tikel nothwendig. Art. 2197.» Sie ſind für den Schaden verantwortlich, „der daraus entſpringt,» 1)»Daß Acte, wodurch eine Veränderung mit dem Ei⸗ „genthum vorgegangen iſt, oder Eintragungen von Privilegien „und Hypotheken, des auf ihrem Büreau geſchehenen An⸗ »ſuchens ungehindert, in ihre Regiſter nicht eingeſchrieben vwurden.» 41 M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 2)» Daß in ihren Zeugniſſen einer oder mehrerer wirk⸗ »lich beſtehenden Eintragungen nicht gedacht worden iſt, der „Irrthum rühre dann, ſo viel dieſen letztern Fall betrifft, »nur von unzulänglichen Bezeichnungen her, die ihnen nicht „zur Laſt gelegt werden koͤnnten.„**) Art. 2198.» Das unbewegliche Gut, in deſſen Rück⸗ »ſicht der Hypotheken⸗Bewahrer eine oder mehrere darauf ein⸗ „getragene kaſten in ſeinen Zeugniſſen ausgelaſſen haben „möchte, bleibt unter dem Vorbehalt der Verantwortlichkeit „des Hypotheken⸗Bewahrers, in den Händen des neuen Be⸗ »„ſitzers davon befreyt, vorausgeſetzt, daß er das Zeugniß „ſeit der Einſchreibung ſeines Titels nachgeſucht har; vorbe⸗ „haltlich gleichwohl des Rechtes, welches den Glaͤnbigern „noch allemahl zuſteht, ſo lange als der Preis von dem „Erwerber nicht gezahlt, oder die unter den Creditoren ent⸗ „worfene Ordnung nicht homologirt worden iſt, ſich nach „der ihnen gebührenden Rangordnung claſſificiren zu laſſen.» Allerdings war es eine Frage, wer von beyden, der Gläubiger oder der Erwerber, unter der Nachläßigkeit des Hypotheken⸗Bewahrers leiden ſolle. Man glaubte indeſſen, der Erwerber verdiene mehr beguͤnſtigt zu werden, und der Art.§3 des Geſetzes pom Brumaire hatte es auch ſchon eben ſo entſchieden. Art. 2199.„ Die Hypotheken⸗Bewahrer dürfen in keinem „Falle die Einſchreibung der Acte, wodurch eine Veränderung „mit dem Eigenthum vorgeht, die Eintragung der Hypothe⸗ »kenrechte oder die Ablieferung der von ihnen verlangten „Zeugniſſe verweigern oder verzögern, bey Strafe, daß ſie »in widrigem Falle den Parteyen fuͤr Schaden und Inte⸗ »reſſe zu haften haben, zu welchem Ende auf Betreiben der *) unter dem Geſetze vom Brumaire entſchied eben ſo die Section des requstes des Caſſations⸗Hofes am 9. Nivoſe 14 J.(30 Fber 1305) in der Sache Hubert wider Biers. Journ. d. aud. eto. 1806 p. 170. u. f. B. UI. guch. XVl. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 411 „Requirenten gleich auf der Stelle Verbal⸗Prozeſſe über die „PVerweigerungen oder Verzoͤgerungen enmeder von einem „Friedensrichter, oder von einem Huiſſier, der bey dem Ge⸗ „richte in der Audienz die Parteyen aufruft(huissier au⸗ „diencier,) oder von einem andern Huiſſier oder von einem „Notar in Beyſtand zweyer Zengen gefertiget werden ſollen.» Art. 2200.» Die Hypotheken⸗Bewahrer ſind jedoch ver⸗ „bunden, ein Regiſter zu fuͤhren, worauf ſie Tag für Tag⸗ „und unter fortlaufenden Ziffern die zum Einſchreiben ihnen „eingehändigten Acte, wodurch eine Veraͤnderung mit dem „Eigenthum vorgeht, und die Auszüge bemerken, die ihnen „zugeſtellt worden ſind, um eingetragen zu werden. Sie „ſollen dem Requirenten auf geſtempeltem Papier eine Be⸗ „ſcheinigung geben, worin die Nummer des Regiſters an⸗ „geführt wird, in welchem die geſchehene Einhandigung be⸗ „merkt iſt; und ſie duͤrfen die Acte, wodurch eine Verände⸗ „rung mit dem Eigenthum vorgeht, in die dazu beſtimmten „Regiſter nicht anderſt einſchreiben, noch die Auszüge an⸗ „derſt darin eintragen, als unter dem Datum und in der „Ordnung, wie ſie ihnen eingehaͤndiget worden ſind.» Die unmdglichkeit, den aus dem Art. 54 des Geſetzes vom Btruͤmaire entlehnten Art. 2199 in Paris und in den übrigen großen Städten buchſtäblich zu vollziehen, war Schuld daran, daß der vorliegende hinzugeſetzt wurde. Man ſtellte nehmlich vor, die Hypotheken⸗Bewahrer koͤnnten in der That unmöglich auf der Stelle alle Urkunden im Augenblicke, wo ſie ihnen zugeſtellt werden, eintragen; nothwendig iſt es alſo, die Einhändigung derjenigen Acte, die die Parteyen nach dem Art. 2100 vom Hypotheken Bewahrer verlangen, in dem Regiſter anzumerken, wovon der vorliegende Artikel ſpricht. Art. 2201.»Alle Regiſter der Hypotheken⸗Bewahrer »„werden anf geſtempeltem Papier geführt, und von einem „Richter des Gerichtes, unter deſſen Gerichtsbarkeit das Buͤ⸗ „reau angeordnet iſt, auf jeder Seite, unter Bemerkung, »welches die erſte und letzte ſey, mit fortlaufenden Ziffern „verſehen und paraphirt. Die Regiſter ſind eben ſo, wie 412 1. Buch. XIX. Tit. Von der nichtfreyw. gerichtl. Verſteigerungꝛc. „jene, welche uͤber das Einregiſtriren der Acte gefuͤhrt wer⸗ „den, mit jedem Tage abzuſchließen.⸗ Art. 2202. Die Hypotheken⸗Bewahrer ſind ſchuldig, „bey ihren Amtsverrichtungen ſich nach allen Verordnungen „des gegenwärtigen Capitels zu richten, bey Strafe von „zwey hundert bis tauſend Francs fuͤr die erſte, und der „Entſetzung ihres Amtes fuͤr die zweyte Uebertretung, mit „Vorbehalt des Schadenserſatzes und der Leiſtung des Inte⸗ „reſſe an die Parteyen, welche vor der Geldbuße abgetragen „werden ſollen.» Die Billigkeit der Verfuͤgung, die im Schluſſe dieſes Ar⸗ tikels vorkommt, iſt den TL. 17 uud 37, h de jure ſisci nachgeahmt, worin es heißt: Fiscalium panarum petitio creditoribus postponitur. Art. 2203.»„Die Erwähnungen der nach und nach erfolg⸗ »ten Hinterlegungen der Acte, die Eintragungen und Einſchrei⸗ „bungen geſchehen in die Regiſter in einer ununterbroche⸗ „nen Reihe, ohne irgend einen leeren Raum übrig zu laſſen, „oder zwiſchen den Zeilen etwas hineineinzuſchieben. Im „Uebertretungsfalle wird der Hypotheken⸗Bewahrer in eine „Geldſtrafe von tauſend bis zwey tauſend Francs verurtheilt, „und hat den Parteyen den Schaden zu erſetzen und das „Intereſſe zu leiſten. Letztere werden hiebey ebenfalls vor »der Zahlung der Geldbuße befriediget.» Neunzehnter Titel. Von der nichtfreywilligen oͤffentlichen Vergantung unbeweglicher Guͤter und der Rangordnung unter den Glaͤubigern. (Deeret. den 19. März 1804. Promulg. den a9. des nehml. Monats.) Der Gegenſtand dieſes Titels iſt das, was man ehemahls Beſchlagnehmung und gerichtliche Verſteigerung der Immo⸗ bilien(saisie réelle) und Claſſifications-Prozeß(instance d'ordre et de distribution) nannte,— Gegenſtände, wofür Ul. Buch. X1X. Cit. Von der nichtfreyw. gerichtl. Verſteigerung ꝛc. 412 die Praktiker eine beſondere Vorliebe haben, und die ein alter Sachwalter beym Parlamente von Bordeaur, wie ich mich aus ſeinem Munde gehoͤrt zu haben erinnere, ſeine junge Fuͤhner, die mau mit Foͤrnern fuͤttert und fett macht, nannte. War ich ſchon damahls noch ſehr jung, ſo uͤberfiel mich doch bey dieſen Ausdrücken— vielleicht aber auch, weil ich noch ſehr jung war,— ein Grauſen, welches ich noch zu empfinden glaube. Wie iſt es möglich, daß es Seelen gibt, die niedertraͤchtig genug ſind, um auf ſolche Art die Hoff⸗ nung ihrer Wohlfahrt auf das Unglück anderer zu bauen? Und— wie hat die Gerechtigkeit dulden können, daß ihre Diener, ſelbſt in dem Augenblicke, wo ein unglücklicher Schuld⸗ ner aus ſeinem Vermögen vertrieben wird, und wo Gläubi⸗ ger, die bisweilen eben ſo unglücklich ſind, ſich gezwungen ſehen, zu einem ſolchen Extrem ihre Zuflucht zu nehmen, alle ihre Habſucht entwickeln, um ſich das Vermögen der Einen und der Andern durch elende Chikanen zuzueignen? Wie hat ſie zugeben können, daß bey einer Gelegenheit, wo die Gebuhren ihrer Gehulfen gerade am mäßigſten ſeyn ſollten, und wo alles Mitleid anfleht, dieſe Gebühren im Gegentheile mit der größten Strenge geltend gemacht, und faſt willkührlich gefordert werden? Zuverlaͤſſig hat dieſer Gebrauch nur in den Zeiten der Barbarey und im nehm⸗ lichen Jahrhunderte entſtehen können, wo Ungluͤckliche, die einem Schiffbruche entronnen waren, auf unſerer Küſte, ſtatt menſchenfreundlicher Aufnahme, nur ein Geſetz an⸗ trafen, welches dem erſten beſten Beſitznehmer erlaubte, ſich ihre Truͤmmer und ihre letzten Hülfs⸗Quellen zuzu⸗ eignen⸗ OQuod genus hoc hominum, quæve tam parbpara morem permittit patria? Man muß hoffen, daß das ſo lang erwartete Geſetz uͤber das rechtliche Verfahren in Civil⸗Sachen dieſem Aergerniße ein Ende machen wird. In der That, gehört dieſer Gegen⸗ ſtand, wie man leicht einſieht, zum Umfange dieſes Geſetzes. 414 1M. Buch. XIX. Tit. Von der nichtfreyw. gerichtl. Verſteigerung ꝛe. *) und deßwegen hat man auch in dieſem Titel bloß einige Grundſötze aufgeſtellt, die, wie Herr Treilhard ſagte, faſt einzig zum Zwecke haben, einer uͤbertriebenen Strenge don Seiten erbitterter Gläubiger vorzubeugen. Erſtes Capitel. Von der nichtfreywilligen und öffentlichen Vergantung unbeweglicher Güter. Art. 2202.»Der Gläubiger iſt befugt die öffentliche „Vergantung 1) der unbeweglichen Güter, welche ſeinem „Schuldner eigenthümlich zugehören, und ihrer Acceſſorien „welche fuͤr Immobilien gehalten werden, 2) des dem Schuld⸗ „ner zuſtehenden Nießbrauches an Guͤtern derſelben Art, ge⸗ „richtlich zu betreiben.» Hier iſt nicht bloß von hypothekariſchen oder privilegirten Gläubigern, ſondern von allen, welche ſie auch immer ſeyn moͤgen, die Rede, weil jeder, der ſich perſönlich verbunden hat, nach dem Art. 2092 mit ſeinem ganzen Vermögen für die Erfüllung ſeiner Verbindlichkeit haften muß⸗ Unſer Artikel ſpricht übrigens nur von unbeweglichen Din⸗ gen, und vom Nießbrauche an denſelben, der ebenfalls für un⸗ beweglich gehalten wird, weil die Vergantung der Mobilien auf eine verſchiedene und einfachere Art betrieben wird.**) *) Mau ſehe die Titel 12 und 13 des V. 5. Th. 1. des Geſetz⸗ buches ü. der. V. i. C. S. B. *) Kann ein Glaͤubiger auf die Vergantung einer Klage auf Reſ⸗ eiſſion wegen Verletzung, die ſeinem Schuldner zuſteht, antra⸗ gen Beym Appellations⸗Hoſe von Toulouſe kam dieſe Frage in der Sache Blaquiere⸗Limou wider Fabre vor, und wurde mit Nein en ſchieden. Fabre nahm zwar ſeinen Re⸗ curs zum Caſſations Hofe, ſein Geſuch wurde aber am 14. Mai 1306 von der Seetion des requstes verworfen, weil die Klage auf Reſeiſſion wegen Verletzung weſentlich nur zum Zwecke hat, daß dasjenige, was am rechtmaͤßigen Preiſe abgeht, ergänzt wer⸗ de, mit Vorbehalt der dem Erwerber zuſtehenden Befugniß, das Gut zurückzugeben, wenn er den Reſt des Preiſes nicht nach⸗ zahlen will. Journ d aud. ete. 1806 p. 413 u. f. S. übri⸗ gens die Note beym Art. a113. B. i Buch. XIX Eit. Von der nichtfreyn gerichtl. Verſteigerung ꝛc. 41 6 Art. 2205.»Der Antheil, den ein Miterbe an den „Immobilien einer Erbſchaft in unzertheilter Gemeinſchaft beſitzt, kann gleichwohl von ſeinen perſönlichen Gläubigern »nicht zum Verkaufe ausgeſtellt werden, ehe die Theilung „oder Perſteigerung vorgenommen worden iſt, worauf ſie „antragen mögen, wenn ſie es fuͤr dienlich erachten, und „wobey ſie in Gemaͤßheit des 382. Artikels unter dem Titel „von der Succeſſion mit aufzutreten das Recht haben.⸗ Den unzertheilten Antheil, den der Schuldner an einer gemeinſchaftlichen Sache hat, kann man nicht zum Verkauf ausſtellen, weil dieſer Antheil, ſo lange keine Theilung Statt gehabt hat, unbekannt iſt; nur iſt der Gläubiger befugt, auf dieſe Theilung anzutragen. Art. 2206.„Die Immobilien eines Minderjährigen, „ſelbſt wenn er emancipirt iſt, oder eines Interdieirten können »vor dem Verkaufe ſeines Mobiliar⸗Vermögens zur Verſiei⸗ „gerung nicht ausgeſetzt werden.« Dieſer Artikel beruht ſo auf der Billigkeit, daß die Rö⸗ mer ein allgemeines Geſetz aus der Verfuͤgung, die er ent⸗ hält, gemacht hatten, und welches ſo gar auf die Großjäh⸗ rigen anwendbar war. S. die T. 15, F. 2, I de re judic. Ich weiß wahrlich nicht, ob die Ordonnanz von 1539, Art. 74, ſie mit Recht abgeſchafft habe; vermuthlich war aber der damahlige geringe Werth der Mobiliarſchaft an dieſer Abſchaffung Schuld. Art. 2207.„Es iſt nicht erforderlich, daß man das Mo⸗ „biliar⸗Vermögen zuerſt angreift und verkauft, ehe man zur „Vergantung der Immobilien ſchreitet, welche ein Polljaͤhri⸗ „ger und ein Minderjähriger oder ein Interdicirter in unzer⸗ „theilter Gemeinſchaft beſitzen, wenn die Schuld unter ihnen „gemeinſchaftlich iſt, und eben ſo wenig in dem Falle, wo ndas Verfahren wider einen Volljährigen oder vor der In⸗ „terdietivn ſchon angefangen hatte.« Art. 2208.„ Die Vergantung der Immobilien, welche „zur ehelichen Guͤtergemeinſchaft gehören, wird gegen den z16 UMI. Buch. XlX. Lit. Von der nichtfteyw gerichtl. Verſteigerungte. „Mann allein als Schuldner betrieben, obgleich die Frau „zur Zahlung der Schuld verbunden iſt,« „Anf Vergantung der Immobilien, welche der Frau zu⸗ „gehoren, und nicht in die eheliche Guͤtergemeinſchaft ge⸗ „kommen ſind, wird wider den Mann und die Frau verfah⸗ „ren. Dieſe kann von dem Gerichte autoriſirt werden, wenn „der Mann entweder ſich weigert den Prozeß mit ihr gemein⸗ „ſchaftlich zu fuͤhren, oder minderjaͤhrig iſt.« „Sind Mann und Frau zugleich noch minderjährig, oder „iſt es die Frau allein, der Mann, der die Volljährigkeit er⸗ „langt hat, weigert ſich aber gemeinſchaftlich mit ihr den „Prozeß zu fuͤhren, ſo wird der Frau ein Vormund von „dem Gerichte angeordnet, und gegen dieſen wird alsdann „das Verfahren gerichtet.« Die Urſache des erſten Theiles des Artikels liegt in dem Grundſatze, nach welchem der Mann Herr der Gütergemein⸗ ſchaft iſt. Der zweyte Theil hat ſeinen Grund darin, weil der Ver⸗ kauf einer unbeweglichen Sache allemahl gegen den Eigenthü⸗ mer betrieben werden muß: auch mußte in der Prarxis die Frau in den Prozeſſen, die die Veräußerung ihrer Immobilien zum Gegenſtande hatten, mit als Partey auftreten⸗ Le Maitre, PTraité des criees; Loiseau, du déguerpiss. T. 2 ch. 4, n. 12. Lapeyrère fuͤhrt(lett. F, n. 170) ein Parlaments⸗Ur⸗ theil an, wodurch eine Frau gegen die Vergantung ihrer Güter wieder in den vorigen Stand geſetzt wurde, weil ſie bloß auf den Nahmen ihres Mannes vorgenommen worden war. Der dritte Theil beruht auf dem gemeinen Rechte⸗ Art. 22090.„Der Glaäubiger kann auf den Verkauf „der Immobilien, woran er kein Hypothekenrecht hat, nur „in dem Falle antragen, wenn die Güter, woran ihm eine „Hypothek zuſteht, nicht hineichen⸗« Die Urſache hievon beſteht nach dem jetzigen Syſtem der Special⸗Hypotheken darin, weil der Gläubiger, wenn das — e—— x— e 1u. Buch KlX Lit. Von ber nichtfreyn. gerichtl. Verſteigerung ꝛc. 417 verſchriebene Gut zur Tilgung der Schuld nicht hinkeicht, Kraft des gemeinen Rechtes ünd des Art. 2092 auf die übri⸗ gen Güter zurück ritt.*) S. die Rebe, die der(ehemahlige) Tribun, Herr Lahari über dieſen Litel im Geſetzgebungs⸗ Corps gehalten hat⸗ Art. 2210.»Güter, die unter vetſchiedenen Bezirken »liegen, konnen nur nach und nach zur Vetgantung gezogen „werden, es ſey dann, daß ſie einen Dheil von einer und „derſelben Bewirthſchaftung ausmachen.« „Mon betreibt dieſe Vergantung bey dem Gerichte, in „deſſen Bezirke der Hauptſitz der Bewirthſchaftung, oder, in „ Ermangelung eines ſolchen Hauptſitzes, derjenige Theil der „Güter liegt, der näch der Mutter⸗Rolle die meiſten Ein⸗ „künfte abwirft⸗ Der Haupt⸗Inhalt dieſes Artikels iſt aus den Art. 10 und 12 des zwepten Geſetzes vom Brümaire 3. F. übet die ge⸗ richtlichen Vergantüngen hergenommen. Art. 2511.»Wenn Güter, woran der Glaͤubiger ein „Hypothekenrecht hat, und Güter, woran ihm keine Hypo⸗ „thek zuſteht, oder Güter, die in verſchiedenen Bezirken lie⸗ „gen, zu einer und derſelben Bewirthſchaftung gehören, ſo „werden die einen und die andern, in ſo fern der Schuldner „darauf anträgt, zuſammen in Vergantung geſtellt, und man berechnet, in ſo weit es noͤthig iſt, den Preis der „einzelnen Thétle nach Maßgabe des gaͤnzen, wofuͤr der Zu⸗ „ſchlag geſchehen iſt⸗« *) Will inzwiſchen der Schuldner den Verkauf feinet unbeſchwer⸗ ten Immobilien verhindern, ſo muß er; beſonders, wenn aus dem Verzeichniſſe der eingetragenen Hypotheken die Vermuthung hersrgeht; daß die hypotheſirten Gütet nicht hinreichend ſind, die Zulaͤnglichkeit derſelben beweiſen. So eniſchieh die Section des tequétes des Caſſatiens⸗Hofes am 7. sber 180 in der Sache Düeros wider Vauguerin. Jurispr: de la C de 0 1sot p. 31 ü. f⸗ B⸗ IV. Males⸗ 27 z13 M. Buch. XIX. Eit. Von der nichtfreyw. gerichtl. Verſeigerung:. Zuweilen kann der Schuldner Vortheil dabey finden, die⸗ ſes Mittel zu ergreifen, und das Geſetz mußte eine Verfü⸗ gung treffen, damit er ſich deſſen bedienen konnte.*) Art. 2212.„ Beweiſt der Schuldner durch Pachtbriefe „in authentiſcher Form, daß der reine und freye Ertrag ſei⸗ „ner Immobilien in einem Jahre, zur Zahlung der Schuld „an Capital, Zinſen und Koſten hinreicht, und er erbiethet „ſich auf dieſe Einkünfte dem Gläubiger eine Anweiſung zu „geben, ſo kann das Verfahren von den Richtern eingeſtellt „werden, mit dem Vorbehalt es von neuem fortzuſetzen, „wenn wider vie Zahlung ein Einſpruch geſchieht, oder ſonſt „Hinderniß dawider eingelegt wird.⸗ Eine Neuerung, die offenbar in der Billigkeit gegruͤndet iſt. Art. 2213.„Auf öffentliche Vergantung der Immobi⸗ „lien kann man nur Kraft eines authentiſchen und erecuto⸗ „riſchen Titels, und wegen einer gewiſſen und liquiden Schuld „verfahren. Iſt der Gegenſtand der Schuld gewiß, aber noch „nicht liquid geſtellt, ſo iſt das Verfahren zwar gultig, aber „der Zuſchlag kann nicht eher als nach der Liquidation er⸗ „folgen.« Stimmt mit dem Art. ⁊ des Titels des Saisies der Ordon⸗ nanz von 1667 überein. S. Rodier über geſagten Artikel.**) ₰ Da inzwiſchen der vorliegende Artikel nicht ausbrücklich verbie⸗ thet, Güter, die nicht zur nehmlichen Bewirthſchaftung gehören, wenn ſie übrigens im nehmlichen Bezirke gelegen ſind, zuſam⸗ men ju verganten, ſo kann auch eine ſolche Vergantuns nicht als ungültig angefochten werden. Auch dieſes ward in der Sache entſchieden, wovon in der Note zum Art. 216 Erwähnung eſchieht. geſchieh 3 «4) Wird gegen ein Contumacial⸗Urtheil erſt nach Ablauf der ge⸗ ſetzlichen Friſt Oppoſition eingelest, ſo hindert eine ſolche Oppo⸗ ſition die Vergantung nicht, welche Kraſt jenes urtheiles betrie⸗ ben wird. So entſchied die Civil⸗Seetion des Caſſations⸗Hofes am 12. November 1806 in der Sache Lamithois wider Le⸗ harrier. Jurispr. de 1a C. 4e C. 1307 p. 145 ü. f. Auch U. Buch. XIX. Tit. Von der nichtfreyw. gerichtl. Verſteigerung ꝛc. 415 Art. 2214.» Wer durch Uebertrag zu einem executori⸗ »ſchen Titel gelangt iſt, kaun auf Vergantung nicht eher ver⸗ „fahren, als nachdem der Uebertrag dem Schuldner inſinuirt „worden iſt.“ Stimmt mit dem im Art. 1690 des Geſetzbuches aufge⸗ ſtelltem Grundſatze uͤberein. Art. 2215.„ Das Verfahren kann Kraft eines proviſo⸗ „riſchen, oder definitiv entſcheidenden Urtheils, das einſt⸗ vweilen, der Appellation ungehindert, vollſtreckt werden darf, »Stait haben; aber der Zuſchlag kann nur nach einem defi⸗ „nitiv entſcheidenden Urtheile, das in der letzten Inſtanz er⸗ »gangen, oder rechtskräftig geworden iſt, erfolgen.« »Urtheile, welche wegen Nicht⸗Erſcheinens erfolgt ſind, »(Par défaut), gründen kein Verfahren auf Vergantung „während der Oppoſitions friſt. Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit dem Art. 8§ des Tit. 27 der Ordonnanz von 1667 überein. Wird der Ver⸗ kauf des unbeweglichen Gutes, welcher zur Vollſtreckung eines proviſoriſchen Urtheiles Statt haben müßte, verſchoben, bis es beſtätigt wird, ſo iſt zwar hiemit, wie Rodier eingeſteht, dieſe Inconvenienz verknüpft, daß das Urtheil ſo wohl, als dasjenige, was es proviſoriſch zuerkennt, in gleichem Maße ohne Nutzen ſind, dieſe Inconvennz, ſetzt aber Rodier hinzu, iſt nicht ſo groß, wie jene, die aus einem Acte, der ſich nicht wieder gut machen läßt wie z. B. ein Verkauf iſt, dann entſpringen würde, wenn das uUrtheil nachher reformirt werden ſollte: man kann ja, ſagt er, jedes andere Mittel zur Vollſtreckung des Urtheiles ergreifen, wie z. B. die Früch⸗ kann gegen einen dritten Beſitzer des fuͤr die Forderung hypotheſirten Gutes die Vergantung dann betrieben werden, wenn der Litel, worauf die Forderung beruht, gegen ihn exeeu⸗ toriſch erklaͤrt worden iſt. Dieß entſchied die Section de⸗ requẽtes am 24 Februar 1806 in der Sache der Erben Gazzino wider Duclaut. Journ, d. Aud. ete. 1366. B⸗ 420 1U. Buch. XlX. Tit. Von der nichtfreyw. gerichtl. Verſteigerung e. te, ſelbſt die Mobilien verkaufen, denn unſer Artikel iſt nur auf Immobilien anwendbar; ſo gar kann man darauf antra⸗ gen, in den Beſitz der Immobilien eingeſetzt zu werden, nicht aber ſie verkaufen laſſen⸗ Art. 2216.» Das Verfahren kann unter dem Vorwande, „daß der Gläubider es wegen einer größern Summe, als „ihm wirklich gebuͤhrt, angefangen habe, nicht vernichtet „werden.« Der Titel des Codex de plus petitionibus wird in Frank⸗ reich nicht beobachtet. Cujaz S Art. 2217»Jedem Verfahren auf Vergantung unbe⸗ „weglicher Güter muß ein Zahlungsgeboth(commandement „de payer) vorhergehen, welches an den Schuldner in Per⸗ „ſon oder an ſeiner Wohnung, durch einen Huiſſier auf Be⸗ „treiben und Anſuchen des Glaͤubigers gerichtet wird.« „Die Formen des conmandement und des Verfahrens „auf öffentliche Vergantung ſind in den Geſetzen uͤber den „Prozeß beſtimmt.« Dieß war allgemein in der Praxis angenommen. S. Rodier, und die zahlreichen Schriſtſteller, die er in ſeiner Instruction sur les Saisies réelles anführt. Wie lange mußte aber der Zahlungs⸗Befehl der Beſchlag⸗ nehmung vorhergehen? Es gab Schriftſteller, die der Meinung waren, es ſey genng, wenn die Aufforderung zur Zahlung ſelbſt in dem Verbal Prozeſſe geſchehe, der üͤber die Beſchlag⸗ nehmung abgefaßt wird, bevor jedoch mit der Beſchlagneh⸗ mung der Anfang gemacht wird; nach der Praxis konnte jedoch erſt vier und zwanzig Stunden nach der Aufforderung zur Zahlung zur Beſchlagnehmung geſchritten werden. S⸗ Rodier a. a.*) *) Commandement heißt im allgemeinen ein Inſinuations⸗Aet, den ein Huiſſier(Gerichts⸗Diener) Kraft eines Urtheiles oder eines ſonſtigen exeeutoriſchen Titels macht, wodurch er im Nahmen des(Kaiſers) und der Juſtitz beßiehlt, eine Summs iu zahlen UM. Buch. XX. Tit. Von der Verjähruns. 421 Der Art. 1 des Geſetzes vom Brümaire uͤber die erzwun⸗ gene Vergantung ſchrieb einen Zwiſchenraum von dreyßig Tagen vor, welches wirklich viel ſchicklicher iſt. Wir wollen ſehen, was das Geſetz über das rechtliche Verfahren in Civil⸗ Sachen hierüber beſtimmen wird.*²) 38 weytes Capitel. Von der Rangordnung und der Vertheilung des Preiſes unter den Gläubigern⸗ Art. 2218.»Die Ordnung und die Vertheilung des „Preiſes der Immobilien, ſo wie die Art hiebey zu verfahren, »„ſind in den Geſetzen über den Prozeß beſtimmt.«**) w ſ ite Von der Verjaͤhrung. (Decret. den 15. Maͤrz 1804. Promulg. den a5. des nehml. Mon.) (Man ſehe den Tit. 6 des B. 2 der Inſtitutionen; die Tit. 3, B. 41, und 3, B. 44 der Pandecten; die Tit. 26 und 39 des B⸗ 7 im Coder, und die Nov. 119, cap. 7 und S⸗ ein Gut zu räumen, kurz dem Urtheile oder den im Titel ent⸗ haltenen Verpflichtungen Genüge zu leiſten. Bepert. de jurispr. Commandement. Ueber die Form des Commandement ſehe man den Art. 673 u. f. des G. z. d. r. V. i. E. S. B. *) Nach dem Art. 674 des Geſetzbuches ü. d.r. V. i. C. S. kann die Beſchlagsehmung ebenfalls erſt dreyßig Tage nach dem Com- mandement vorgenommen werden. Läßt der Gläubiger mehr als drey Monate zwiſchen dem Commandement und der Beſchlagneh⸗ mung verßreichen, ſo iſt er verbunben, es in der vorgeſchriebe⸗ nen Form und mit Geſtattung der nehmlichen Zeitfriſt zu wie⸗ derhohlen. B. *) S. den LTit. 14 des B 5 TCh. x des Geſetzbuches ü. d. r⸗ V. i- C. S. B⸗ 4 1 m. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. Vorzüglich muß man aber bey dieſer Materie den vortrefflichen Tractat des Herrn Dunod des prescriptions zu Rathe ziehen.) Die Verjährung iſt ein Mittel zu erwerben, oder ſich zu befreyen, welches vom Völker⸗Rechte eingeführt worden iſt, um den Frieden zwiſchen den Menſchen und ſelbſt unter den Nationen zu handhaben, und damit das Eigenthum der Dinge nicht ein endloſer Gegenſtand von Streitigkeiten und Kriegen ſeyn möchte. F. 1, F. de usurp. et usucap. Grotius, de jure belli et pac. tom. 2, ch. 4. Auch heißt ſie mit Recht patrona generis humani. Der Grund der Verjaͤhrung liegt darin, weil a) zu ver⸗ muthen iſt daß derjenige, der ſeine Sache eine lange Zeit hindurch einen andern beſitzen läßt, ibm das Eigenthum davon abgetreten habe, und weil es b) gefährlich ſeyn würde, je⸗ manden eine Sache, die er ſeit vielen Jahren beſitzt, unter dem Vorwande, daß er die Erwerbungs⸗Urkunde nicht vorlegt, wieder abzunehmen, da es doch leicht möglich iſt, daß er ſie binnen dieſer langen Zwiſchenzeit verloren habe, und andern Theils der bloße Beſitz ſchon eine Anzeige des Eigenthums iſt. Nichts deſtoweniger wird die Verjährung oft als ein un⸗ redliches Mittel angeſehen; wirklich ſcheint es Anfangs, daß der bloße Beſitz kein hinlänglicher Rechtsgrund ſey, um dem wahren Eigenthümer ſeine Sache zu benehmen, ſo wie dann Juſtinian ſelbſt ſie in der Noo. 129 impium prasidium nennt. Ja, freylich iſt die Verjaͤhrung ein unredliches Mittel, wenn ſich ihrer Leute bedienen, welche wiſſen, daß ſie die Sache, die ſie beſitzen, oder ihre Befreyung nicht auf eine recht⸗ mäßige Art erworben haben; können indeſſen auch einige Per⸗ ſonen Mißbrauch von der Verjährung machen, ſo iſt dieß doch der Geſichtspanct nicht, worunter ſie betrachtet werden darf; man muß ſie vielmehr in der Hand des G ſetzes, das ſie ausſpricht, betrachten, und unter dieſem Geſichtspunete ver⸗ dient ſie alle Lobſpruͤche, die ihr Juſtinian ſelbſt an andern 1M. Buch. XX. Lit. Ven der Verjährung. 6*3 Drten ertheilt hat. Auch iſt ſie von allen Nationen ange⸗ nommen worden. In den erſten Zeiten Roms, wo das Vermögen der Bür⸗ ger ſehr geringe war, brauchte man zur Verjährung nur we⸗ nige Jahre zu fordern; auch hieß es in dem fuͤnften Geſetze der ſechſten Tafel: Vus auctoritas fundi, biennium; cxterarum rerum an- Runs üses esto. Jemand, der nur ein Grundſtäck von drey Morgen be⸗ ſitzt, braucht nicht viel Zeit, um wahrzunehmen, daß ſich ein anderer deſſen bemächtigt; als aber die Roömer ihr Gebieth über die Grenzen des Landes, welches man damahls Italien nannte, ausgedehnt hatten; als einfache Bürger Reichthuͤmer beſaßen, die jenen der Könige gleich kamen, da konnten ſie nicht mehr mit der nehmlichen Sorgfalt über dieſe entlegenen Beſitzun⸗ gen wachen, und nun wurde ſeſigeſetzt, daß ſie erſt in zehn Jahren durch Verjaͤhrung erworben werden konnten. Wir bedienen uns des generiſchen Wortes: Verjaährung, (prescripuion), um alle Mittel, durch Ablauf der Zeit zu erwerben, dadurch auszudrucken; bey den Römern aber hatten die Worte, usucapio und præscriptio eine ganz verſchiedene Bedeutung. Unter Vsucapio verſtand man das Mittel das Eigenthum einer Sache völlig zu erwerben; hiezu war ein Rechtstitel und guter Glaube erforderlich, und es trat nur bey Mobilien, deren Eigenthum durch bloße Ueberlieferung übergeht, und bey Immobilien ein, die in Italien gele⸗ gen, und wovon die Beſitzer völlige Herren waren. Dieſe in Italien gelegenen Guͤter, und die Mobilien überhaupt hießen res mancipi. Die in den Provinzen gelegenen Guͤter ſah man hingegen nur ſo an, als wenn ſie unter dem Ober⸗ Eigenthume des roͤmiſchen Volkes beſeſſen würden; wer ſie im Genuſſe hatte, wurde bloß dominus bonitarius genannt; die Immobilien ſelbſt hießen res nec mancipi. Hatte man ſie zehn Jahre lang beſeſſen, ſo war dieß genug, um ſich in ihrem Beſitze zu handhaben, ohne daß man verbunden war, eine Erwerbunge⸗Urkunde darüber vorzulegen, und dieſe aus 424 M. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. einem zehnjaͤhrigen Beſitze hergeleitete Einrede hieß bey den Roͤmern prascriptio. Præscriptionis nomine, ſagt Cujaz in ſeinen paratitl. ad tit. Cod. de præscript. long. temp., nihil aliud qudm emceptio significatur. Durch die T. un. Cod. de usucap. transf ſchaffte Juſti⸗ nian den Unterſchied ab, den die alten Geſetze zwiſchen den res mancipt und nec mancipi, zwiſchen den in Italien und anderswo gelegenen Guͤtern aufgeſtellt hatten, und hob folg⸗ lich den Unterſchied zwiſchen der Uſncapion und Praͤſcription auf; er verordnete, daß die Mobilden in drey Jahren, und die Immobilien in zehn Jahren, wenn der Eigenthümer an⸗ weſend iſt, in zwanzig Jahren aber., wenn er abweſend iſt, verjährt werden ſollten, in der Vorausſetzung jedoch, daß der Beſitzer mit einem Rechtstitel verſehen, und in gutem Glauben ſeyn würde. Nach der T. 3, Cod. de præscript. 30 vel 40, war man indeſſen gegen alle Anſpruͤche wegen Mangel eines Rechtstitels oder guten Glaubens gedeckt, wenn man dreyßig Jahre lang in ruhigem Beſitze geweſen war; ein ſo langer Zeitraum ſchien genug zu ſeyn, um jeder Nachforſchung Stillſchweigen aufzulegen, und alle ſo wohl perſönliche als dingliche Klagen anszulöſchen. Inzwiſchen wurde doch durch die Auth. quas actiones, Cod, de Facros. eccles. die Verjahrung gegen Kirchen überhaupt auf vierzig Jahre, und gegen die Kirche von Rom auf hundert Jahre erweitert⸗ Nebſt allen dieſen Verjährungen gab es noch die unvor⸗ denkliche Verjährung, welche hauptſächlich, wie man im Titel von den Servituten geſehen hat, auf nicht ununterbrochen fortdauernde Dienſtbarkeiten angewendet wurde. Es iſt ſonderbar, daß man bloß in den Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗Rechte hatten, die römiſchen Geſetze in Betreff der Verjährung der Immobilien in zehn Jahren, wenn der Eigenthümer anweſend iſt, und in zwanzig Jahren, wenn er abweſend iſt, angenommen,(S. die Art. 113 und 118 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris) ihre Verfuͤgung in X Mm. Buch. XX. Tit. Pon der Verjaͤhrung. 4¹5 pieſer Hinſicht aber in den Provinzen, worin das roͤmiſche Recht galt, verworfen habe; und doch iſt dieſes gans gewiß, wie man bey Lapeyrère, V. Préscription, bey Serres, p. 156 und bey Ferriere, ad quest. 416 des Guido⸗Papa ſehen kann. In dieſen letztern Provinzen war die zehn und zwanzig⸗ jährige Verjaͤhrung auf die hypothekariſche Klage eingeſchränkt, dagegen dreyßig Jahre zur Verjaͤhrung einer unbeweglichen Sache erfordert wurden; in dieſem Falle war aber auch in Gemaͤßheit der T. 3, Cod. de preæscript. 30 vel 40, weder Rechtstitel noch guter Glaube nothwendig, ſo wie es auch darauf nicht ankam, ob derjenige, gegen den man verjährte, anweſend oder abweſend geweſen war⸗ Uebrigens iſt es uͤberflüßig, hier von den übrigen Ver⸗ jährungen zu reden, die in kürzern Zeitrͤumen vollendet wur' den, und durch die Ordonnanzen eingefuͤhrt worden waren; alles, was ſich hierauf bezieht, wird man am gehörigen Orte antreffen, Etſtes Eapitel⸗ Allgemeine Verfügungen. Art. 2219.»Die Verjährung iſt ein Mittel, durch Ab⸗ „lauf einer gewiſſen Zeitfriſt und unter den im Geſetze feſt⸗ „geſetzten Bedingungen, etwas zu erwerben oder ſich zu „befreyen.« Vsucapio est adjectio dominii per continuationem pos- sessionis temporis lege definiti. T. 3, P de usurp. et usucap. Art. 2220.» Man kann nicht zum Voraus auf die »Verjährung Verzicht leiſten; man kann aber auf eine wirk⸗ „lich vollendete Verjährung verzichten,« Die Fragen, welche bey dieſen Artikeln zur Sprache ka⸗ men, ſind in der Rede des Herrn Bigot ans Geſetzge⸗ bungs⸗Corps, und bey Dunod, p. I11 und 112 ſehr gut behandelt. Die Haupt⸗Gründe der Ver ügung ſind, weil nichts daran hindert, auf ein erworbenes Recht Verzicht zu leiſten; dagegen aber eine Verzichtleiſtung, die zum Vor⸗ 426 M. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. aus auf eine noch nicht erworbene Verjährung geſchieht, deß⸗ wegen nicht geduldet werden darf, weil 1) die Verjährung ein vom Staats⸗Rechte eingeführtes Mittel iſt, um die in⸗ nere Ruhe zu handhaben; Beſtimmungen des Staats⸗Rechtes aber durch Privat⸗Vertraͤge nicht abgeändert werden können, F. 38, F de pactis, weil 2), wenn dergleichen Verzicht⸗ leiſtungen erlaubt wären, die Geſetze, welche die Verjährung eingefuͤhrt haben, durch die Gewalt der Glaͤubiger über ihre Schuldner bald unnütz gemacht und außer Gebrauch geſetzt würden. Art. 2221.»Die Verzichtleiſtung auf eine Verjährung „iſt entweder ausdrücklich oder ſtillſchweigend; die ſtillſchwei⸗ „gende Verzichtleiſtung entſpringt aus einer Handlung, welche „vorausſetzt, daß man ſein erworbenes Recht fahren laſſe.« Minimò agnitione debiti tollitur prascriptio, iſt eine allgemeine Regel. Art. 2222.„Wer nicht veräußern kann, kann gleich⸗ „falls auf eine vollendete Verjährung nicht Verzicht leiſten⸗« Alienationis verbum etiam usucapionem continet. P. 28, de Verb. Sign. Art. 2223.» Den Richtern iſt es nicht geſtattet, die „Vertheidigungsgründe, welche die Verjaͤhrung einem ſtrei⸗ „tenden Theile darbiethet, von Amts wegen zu erſetzen.„ Auch dieſe Frage behandelt Dunod, p. 110, und löſt ſie eben ſo wie unſer Artikel, und zwar deßwegen auf, weil derjenige, der die Verjährung nicht entgegenſetzt, vielleicht durch den Druck ſeines Gewiſſens hingeriſſen wird, deſſen Einwirkung der Richter nicht verhindern ſoll. ¹) *) Nicht einmahl dann dürfte der Richter von Amts wegen auf die Verjaͤhrung Rückſicht nehmen, wenn der Schuldner ſich beym Vergleichs⸗Buͤreau darauf berufen haͤtte, auf die nachherige Vor⸗ ladung zum Gerichte aber nicht erſchiene, und ſich Ungehorſams halber verurtheilen ließ: erſcheint nehmlich der Schuldner auf die Vorladung zum Gerichte nicht, ſo läßt ſich hieraus vermu⸗ then, daß er auf die Einrede der Verjähruns Verticht geleiſtet m. Buch. XX. Lit. PVon der Verjährung. 427 Iſt indeſſen, ſetzt Dunod hinzu, die Rede von einer durch eine Ordonnanz eingefuͤhrten ablehnenden Einrede, z. B. von einer Klage auf Reſciſſion eines Verkaufes nach Ablauf der geſetzlichen Nothfriſt, ſo muß der Richter von Amts wegen darauf erkennen. Nach unſerem Artikel möchte ich hieran ſehr zweifeln. Art. 2224.»Die Verjaͤhrung kann man in jeder Lage „des Prozeſſes, ſelbſt vor dem Appellations⸗Hofe, vorſchuͤtzen, „es ſey dann, daß man, den Umſtänden nach, vermuthen „mliſſe, daß der ſtreitende Theil, der ſich auf die Verjährung „nicht bezogen hat, hierauf Verzicht gethan habe.⸗ Auch dieſer Artikel ſtimmt mit der Meinung des Dunod, a. a. St. und des Rodier zum Art. 5 Tit.§ der Ordon⸗ nanz von 1667 uͤberein. Dieſem Grundſatze zu Folge caſſirte die Civil⸗Section am 6. Thermidor 12. J.(25. Julius 1804) in der Sache Fran⸗ gois und Ee Compte ein vom Tribunal von Pontoiſe in letzter Inſtanz erlaſſenes Urtheil, welches die Einrede der Verjährung, worauf ſich Frangois berief, deßwegen verwarf, weil er ſie nicht bey ſeiner erſten Vertheidigung vorgebracht hatte⸗ Art. 2225.»Die Gläubiger oder jede andere Perſon, „die ein Intereſſe dabey hat, daß die Verjährung vollendet „ſey, können ſich hierauf beziehen, wenn ſchon der Schuld⸗ „ner oder Eigenthümer darauf Verzicht leiſtet.“ habe So entſchied auch der Appellations Hof von Aix am 22. Meſſidor 13. J.(11. Julius 1305) in der Sache der Erben Brun wider die Erben Leth. Jurispr. de la C. de C. XIII. im Anhange p. 187 u. ſf. Uebrigens bemerke man, daß die Verfuͤgung dieſes Artikels nur in Civil⸗Sachen Statt habe, in Polizey⸗ Zucht Ppolizey⸗ und Criminal Sachen aber von Amts wegen auf die Verjährung eines Verbrechens geſehen werden müſſe Répert. de jurispr. F. Pre vcription, Sect. 1, F. 3, n. 3. wo mehrere urtheile des Caſſativns⸗Hofes hierüber augeführt ſind. B. 12½ m. Buch. XXK. Tit. Von der Verjährung. Weil man ſich zum Nachtheile ſeiner Gläubiger eines er⸗ worbenen Rechtes nicht begeben kann. Dunod, a. a. St. Unſer Artikel kann oft bey Claſſificationen der Gläubiger zur Anwendung gebracht werden⸗ Art. 2226,»Man kann das Eigenthum an Sachen, „die dem rechtlichen Verkehr entzogen ſind, nicht verjähren.⸗ Den Sinn dieſes Artikels, der, wie man eingeſtehen muß, nicht hinlänglich entwickelt iſt, hat Herr Bigot auf folgende Art erklärt. Man kann, ſagt er, nur die)enigen Sachen durch Perſährung erwerben, die ein Gegenſtand des rechtlichen verkehrs ſind, d. h. die von einzelnen pe ſonen ausſchließlich beſeſſen werden koͤnnen. Requiritur, ſo heißt es in der L. 9, de usurp. et ucap., ut res alienationem recipiat.„„„ nec usucupiuntur res Sacræ, sanctæ, pu blicæ. Die Verfügung dieſes Geſetzes muß, meines Erachtens, noch jetzt ihrem ganzen Inhalte nach beobachtet werden, und ſo kann eine Privat Perſon weder eine Kirche, einen Kirchhof, noch einen öffentlichen Platz, eine Straße, einen Hafen, noch etwas von demjenigen verjähren, was nach dem Inhalte des Art. 538 kein Privat⸗Eigenthum ſeyn kann⸗ Man ſehe übrigens die Anmerkung zum folgenden Artikel. Art. 2227.» Der Staat, die offentlichen Anſtalten und „Gemeinden ſind wie die Privat⸗Perſonen, denſelben Ver⸗ „jährungen unterworfen, und ſie können ſolche gleichfalls „vorſchuͤtzen.« Dieſer Artikel iſt zwar den alten Geſetzen zswider, die das Staats⸗Eigenthum für unveräußerlich, und folglich ſuͤr unverjährbar erklärten; die conſtituirende Verſammlung hatte ſie indeſſen ſchon aus guten Gründen abgeſchafft⸗ Uebrigens muß dieſer Artikel von Privat— Guͤtern, die dem Staate zugehören mögen, nicht aber von jenen verſtanden werden, die ihm Kraft des Sonuverainitaͤts⸗Rechtes zuge— poren oder kein Privat-Eigenthum ſeyn koͤnnen, wie wir beym vorhergehenden Artikel erinnert hahen⸗ —— —— —— ——— l⸗ uͤr n em en n 1l. Buch. XR. Tit. Von der Verjahrung. 425 Zweytes Capitel. Von dem Beſitze. Art. 2228.»Der Beſitz iſt die körperliche Inhabung „oder der Genuß einer Sache oder eines Rechts, die wit „in unſrer Gewalt haben oder das wir ausüben, entweder „ſelbſt und in Perſon oder durch einen andern, der ſie in un⸗ „ſerm Nahmen inne hat oder es ausübt.» Man unterſcheidet zwey Arten von Beſitz, den natür⸗ tichen und den buͤrgerlichen Beſitz, T. 3, F. ult. M ad ea hib. Der natuͤrliche Beſitz iſt die wirkliche Inhabung der Sa⸗ che, mit der Abſicht, ſie als Eigenthuͤmer zu genießen. Ohne dieſe Abſicht gibt es keinen wahren Beſitz. MNon possidet, qui affectionem tenendi non habet, licet corpore suo 7em contingat. T. 1 F. 3, F de acqu, vel amitt. possess. Der buͤrgerliche Beſitz beſteht in der bloßen Abſicht zu beſitzen, wenn man ſchon wirklich die Sache nicht inne hat⸗ So beſitzt z. B. derjenige, der ein Grundſtück bebaut hat, und es nachher ausruhen laͤßt, aber mit der Abſicht, es ferner⸗ hin zu genießen. F. 3. und 25, H edd. Mittelſt bloßer Abſicht tann man den Beſitz nicht erwer⸗ ben, wohl aber ihn mittelſt dieſer bloßen Abſicht beybehalten⸗ T. 8, H eod. L. 195, H de reg. jur. Genießt z. B. jemand ein Jahr lang ein Grundſtück, laßt es nachher einige Jahre unbenutzt, und genießt es wieder, ſo wird er ſo angeſehen, als wenn er es während der ganzen Zwiſchenzeit beſeſſen habe. Wie lange, fragt man, kann der bürgerliche Beſitz, wenn er mit dem natürlichen Beſitze nicht verbunden iſt, als fort⸗ dauernd angeſehen werden? Nach der gemeinen Meinung der Rechts⸗Lehrer dauert er nur zehn Jahre. S⸗ Dunod, und die(p. 17.) von ihm angefuͤhrten Schriftſteller⸗ Hier⸗ aus folgt, daß, wenn man zu einer Epoche, wo noch mehr als zehn Jahre mangelten, um zu verjaͤhren, natürlich zu beßitzen aufgehört hat, die Verjährung nicht fuͤr erfüllt g 430 1W. Buch. XX. Tit. Von det Verjaͤhruns. halten wird. Man ſetzt übrigens voraus, daß ſich in dem Zwiſchenraume der zehn Jahre Niemand in den Beſitz der Sache geſetzt habe, denn ſonſt wäre von dieſem Tage an der buͤrgerliche Beſitz des Erſten geendigt. Soll der Beſitz ſeinen Anfang ſo nehmen, daß er die Verjahrung bewirken kann, ſo muß man die Sache natür⸗ lich, wenigſtens ein Jahr lang, und ſo beſitzen, daß man eine poſſeſſoriſche Klage anſtellen kann, wenn man im Beſitze geſtört würde. S. Dunod, g. a. St., Rodier, und die (zum Art. 1 des Titels des Complaintes, quest. 4) von ihm angeführten Schriftſteller⸗ Beweiſt man, daß man im Anfange und am Ende der zur Verjaͤhrung erforderlichen Zeit beſeſſen hat, ſo hat man die Vermuthung für ſich, daß man in der Zwiſchenzeit im Beſitze geweſen ſey; probatis ertremis præsumitur medium, es ſey dann, daß der Gegner das Gegentheil beweiſe; Dunod, p. 18; auch verfügt dieſes der Art. 2234. Hat man aber auch deßwegen, weil man beweiſt vor Alters beſeſſen zu haben, die Vermuthung für ſich, daß man die ganze Zeit hindurch, die zur Verjährung nothwendig iſt, im Beſitze geweſen ſey? Dunod ſagt, nach der gemeinen Meinung der Rechtslehrer werde dieſe Frage bejahend ent⸗ ſchieden: olim possessor, hodie possessor. Ich, meines Theils, zweifle ſehr hieran; denn, was waͤre dieß anderſt, als das Geſetz zu nichts machen, welches den Beweis des während einer beſtimmten Anzahl von Jahren fortgeſetzr ten Beſitzes erfordert, um hiedurch ein Eigenthum zu erwerben? Leichter würde ich dagegen annehmen, daß der, welcher mit einem Titel verſehen iſt, Kraft deſſen er wirklich beſitzt, die Vermuthung für ſich habe, daß er vom Datum dieſes Titels angerechnet, im Beſitze geweſen ſey, wie dieß Dunod, p. 19 lehrt. Der natürliche Beſitz wird mittelſt ſeiner Merkmahle, der Ruinen eines Gebäudes z. B., einer Waſſerleitung ꝛ. bey⸗ behalten. F. Sigmata, Cod. de ſabric. Punod fuͤhrt p. ———„„—— —„— — IM. Buch. XX. Tit. Von der PVerjaͤhrung. 431 19 ein Parlements⸗Urtheil von 1710 an, welches, dieſem Grundſatze gemäß, den alten Eigenthuͤmer einer Mühle er⸗ maͤchtigte, ſie wieder aufzubauen, unerachtet ſich jemand dagegen ſetzte, der ohne die noch vorhandenen Merkmahle das Recht gehabt haͤtte, ihn daran zu hindern⸗ Iſt die Sache, die man zu beſitzen behauptet, theilbar, ſo zieht der Beſitz eines ihrer Theile den Beſitz der übrigen. nicht nach ſich, tantum præseriptum quantum possessum. In dieſem Falle befindet ſich derjenige, der einen Theil eines unbeweglichen Gutes beſitzt. Iſt aber die Sache untheilbar, ſo zieht der Beſitz eines Theiles den Beſitz des Ganzen nach ſich. T. 8, F. 1, H quemadm. Serv. amitt. S. die An⸗ merkungen zum Art. 710. Oui dolo possidere desiit, pro possessore damnatur. T⸗ 173, F. de reg. jur. Was übrigens unſer Artikel ſagt, daß man durch einen andern, z. B⸗ durch ſeinen Paͤchter beſitzen könne, dieß iſt die beſtimmte Verfuͤgung des F. 5, Inst. de interdict. Art. 2229.»Um verjähren zu können, wird ein fort⸗ *dauernder und ununterbrochener, ungeſtörter, öffentlicher, „nicht zweydeutiger Beſitz und zwar als Eigenthümer erfordert.⸗ Stimmt mit der T. 6, N und mit der T. 7, Cod. de adqu. vel amitt. poss. überein. Die Eigenſchaften eines nuͤtzlichen und reellen Beſitzes druckt man ſo aus: qua nec vi, nec cläm, nec precarid contingit. Von der Gewaltthätigkeit iſt im Art. 2233 die Rede. Was den heimlichen Beſitz betrifft, dieſen konnte unſer Artikel wohl nicht beſtimmter verwerfen, als wenn er ſagt, der Beſitz müſſe ungeſtört, öffentlich und nicht zweydeutig ſeyn. Possessio, ſo heißt es in der F. 10, Cod. de acqu. vel amitt. poss., itò demim legitima est, cum omnium adversuriorum Silentio et taciturnitate ſirmatur. Das precarid ſchließt endlich unſer Artikel dadurch aus, daß er vorſchreibt, man müſſe als Eigenthümer beſitzen. — 432 1I. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. Die erſten Eigenſchaften des Beſitzes, die der Artikel for⸗ dert, daß er nehmlich fortdauernd und ununterbrochen ſeyn wuͤſſe, können einigen Zweifel veranlaſſen. Bedeuten dieſe Ausdruͤcke das nehmliche? Iſt dieſes, wozu dient es dann, ſie zu verdoppeln? Iſt die Bedeutüng des Wortes: fortdauernd von jener des Wortes: ununterbrochen ver⸗ ſchieden? In dieſem Falle wuͤrde das Wort? fortdauernd mit den Regeln, die wir beym vorhergehenden Artikel ent⸗ wickelt haben, und ſelbſt mit dem Art. 2234 im Widerſpruche ſtehen. Man muß annehmen, daß der Ausdruck: fort⸗ dauernd von einem ſo wohl natuͤrlichen als buͤrgerlichen Beſitze, nicht aber ganz ſtrenge von dem natürlichen Beſitze allein verſt inden werde⸗ Art. 2230.» Man hat allemahl die Vermuthung für „ſich, daß man in eigenem Nahmen und als Eigenthümer „beſitze, in ſo fern nicht erwieſen wird, daß man Anfangs „für einen andern beſeſſen habe⸗« Stimmt mit der Meinung des Dunod, p. 22 überein, Art. 2231.»Hat man für einen andern zu beſitzen an⸗ „gefangen, ſo tritt immer die Vermuthung ein, daß man „aus dem nehmlichen Rechtsgrunde beſitze, wenn nicht das „Gegentheil bewieſen wird.“ Die Verfügung dieſes Artikels dar; ſie iſt in der Regel gegruͤndet! ad pr totus refertur eventus. Herr Bigot hat indeſſen, als er ſie vorlegte, eine viek ſchwerere Frage abgehandelt, nehmlich dieſe? kann derjenige, der im Nahmen eines andern beſitzt, den Rechtstitel ſeines Beſitzes verändern, und ihn aus einem zut Verjaͤhrung unfähigen Titel, wie er vorhin war, in einen hiezu fähigen umſchaffen? Nach der allgemeinen Regel: Nemo potest sibi mutare caus am possessionis, F. 3,§. 19 F de acqu. vel amitt. poss. wird dieſe Frage mit Nein beantwortet; dieſe Regel leidet aber dann eine Ausnahme, wenn eine Veränderung des Beſitzes vorhanden iſt⸗ biethet keine Schwierigkeit imordium titul —„„„——„„— n„—— M.. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. 433 Eine ſolche Veränderung kann ſich nun aber auf mehrere Arten ereignen: 1) auf diejenige, die die natürlichſte und gerechteſte iſt, wenn z. B. ein Pächter das Gut, welches er in Pachtung hat, kauft, oder wenn der Eigenthümer es ihm ſchenkt. S colonus d domino emerit, aut d domino institutus füerit. T. 55, F. 1, H de usurp. et usucap. 2) Kann ein Pächter ſeinen Beſitz nicht nur dadurch ver⸗ aͤndern, daß er vom wahren Eigenthümer kauft, denn in dieſem Falle bedarf er nicht einmahl einer Verjaͤhrung, ſon⸗ dern auch dadurch, daß er das Gut von einem andern kauft, oder geſchenkt erhält, denn in dieſem Falle überträgt letzterer auf ihn die Befugniß zu verjähren, die er ſelbſt hatte⸗ 3) Ein Pächter oder jeder andere, der im Nahmen eines dritten beſitzt, kann durch ſein eigenes Factum den Titel ſeines Beſitzes durch den Widerſpruch verändern, den er dem⸗ jenigen, wovon er die Sache hat, entgegenſetzz, wenn er be⸗ hauptet, daß er nicht als Pächter, ſondern als Eigenthuͤmer beſitzt; von dieſem Augenblicke an wird er nehmlich in dieſem Falle zu verjähren fähig, wenn der wahre Eigenthümer ihn im Genuſſe läßt. S. Dunod, chap. 7. 4) Wer Kraft eines Univerſal⸗Titels in die Rechte des Pächters eintritt, kann freylich die Sache anderſt nicht als unter dem nehmlichen Titel inne haben, und ſeinen Beſitz nur auf die nehmliche Art veraͤndern, wie der Pächter es ſelbſt haͤtte thun können; hätte aber der Päͤchter die gepachtete Sache einem andern verkauft, oder mittelſt eines Particular⸗ Titels geſchenkt, ſo könnte dieſer Erwerber verjaͤhren, weil alsdann eine andere Gattung von Veränderung des Beſitzes vorhanden, und dieſer Erwerber mit einem zur Verjährung fähigen Titel verſehen wäre. Sagt man übrigens 5), man könne gegen ſeinen Titel nicht verjähren, ſo verſteht ſich dieſes nur in Anſehung der Erwerbung; denn allerdings kann man ſich durch Verjährung von einem Litel(einem Schuldbekenntniße z. B.) befreyen, den man ſelbſt verwilliget hat. IV. Malev. 28 434 M. Buch. XX. Lit. Von der Verjährung. Art. 2232.»Handlungen, die man ganz nach Willkuͤhr „unternimmt oder unterläßt, ſo wie Handlungen, die bloß ge⸗ „du det werden, können weder einen Beſitz noch eine Verjaͤh⸗ „rung begründen.« Habe ich alſo z. B. hundert Jahre lang mein Pieh auf den Brachfeldern meines Nachbars weiden laſſen, dieß hindert ihn nicht, ſie anzubauen, und ſo gar, ohne ſie anzubauen, mir den Eintritt darauf zu unterſagen: hat mein Nachbar nie ein Gebaͤude auf ſeinem Grund und Boden gehabt, dieß hindert ihn nicht, eines darauf aufzubauen, wenn er mir ſchon dadurch meine Ausſicht benimmt, und eben ſo ſteht es ihm frey einen Brunnen in ſeinem Boden anzulegen, wenn ſchon, als Folge davon, der Meinige das Waſſer verliert oder austrocknet⸗ Jedoch werden ſelbſt die Sachen, die von der bloßen Willkühr abhangen, verjährbar, ſo bald Widerſpruch da⸗ gegen eingelegt wird, wobey man es bewenden läßt. S. Henris, tom. 1, liv. 4, quest. gꝛ. Art. 2233.»Gewaltſame Handlungen begründen eben „ſo wenig einen Beſitz, wodurch eine Verjährung bewitkt „werden könnte⸗« „Der hiezu taugliche Beſitz nimmt nicht eher ſeinen An⸗ „fang, als nachdem die Gewaltthätigkeit anfgehört hat.⸗ Nach dem römiſchen Rechte waren Dinge, deren man ſich gewaltthötiger Weiſe angemaßt hatte, unverjährbar, und wurden nicht eher faͤhig, verjaͤhrt zu werden, als bis ſie dem Eigenthuͤmer wieder zugeſtellt worden waren. T. 4§. 25,%. de usurp. et usucap. F. ult. F V hon. rapt. Man war in⸗ deſſen der Meinung, daß ſich dieſe Jurisprudenz mit dem all⸗ gemeinen Syſtem der Verjährung nicht vereinigen laſſe. Aus dem Umſtande der Gewaltthätigkeit folgt das einzige, daß die Verjährung ſo lange ihren Anfang nicht nehmen kann, als die Gewaltthätigkeit dauert, und daß derjenige, der ſich auf dieſe Weiſe einer Sache bemächtigt hat, nicht in zehn und zwanzig, ſondern nur in dreyßig Jahren verjaͤhren kann. Punod, p. 29. M. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. 435 Art. 2234.» Ein wirklicher Beſitzer, der den Beweis „fuͤhrt, daß er vor Alters im Beſitze geweſen ſey, hat die „Vermuthug für ſich, daß er gleſchfalls in der Zwiſchenzeit „beſeſſen habe, mit Vorbehalt des Gegenbeweiſes. S. die Anmerkungen zum Art. 2228. Art. 2235.„Um die Verjährung zu vollenden, kann „man ſeinen eigenen Beſitz zu jenem ſeines Vorgängers rech⸗ „nen, auf welche Art man auch in ſeine Stelle getreten „ſeyn mag, Kraft eines Unjverſal- oder Particular-Titels, „gegen oder ohne Entgeld(zu Folge eines wohlthaͤtigen oder „laͤſtigen Titels.)« Stimmt mit der T. 14, F. 1, F. de di. temp. præ- Script. uͤberein. Auch war dieß in der Praxis allgemein angenommen. S. Henris und Bretonuier, tom. 1, liv. 4, quest. 19/ Serres, p. 165., Pundd, p. 19 und 20. Von den Urſachen, welche die Verjährung verhindern⸗ Art. 2236.» Wer für einen andern beſitzt, verjährt »niemahls, wie lange er auch beſitzen mag.« »So können die Pächter, der Depoſitar, der Nießbraucher „und alle übrigen, die aus einer bloßen widerruflichen Ver⸗ „guͤnſtigung(nur Zulaſſungsweiſe) die Sache des Eigenthu— „mers inne haben, ſie nicht verjähren.« Stimmt mit der T. 1„Cod. comm. de usucap. und mit den TT. 9 und 25, h de acqu. vel amitt. poss. überein. Die Urſache hievon iſt dieſe, wei! diejenigen, welche auf dieſe Weiſe die Sache inne haben, non sibi, sed domino possident. Art. 2337.» Die Erben derjenigen, welche die Sache vaus einem der im vorhergehenden Artikel angeführten Rechts⸗ „titel beſeſſen hatien, koͤnnen gleichfalls nicht verjähren.« Weil ſie nicht mehr Recht haben koͤnnen, als derjenige, in deſſen Rechte ſie eingetreten ſind. Out en persond aue- 436 kl. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. toris utitur, uti debet cum sud causd, Suisque vitiis. F. 15, F. 1, F. de acqu. vel amitt. poss. Art⸗ 2238.„Die im 2236. und 2237. Artikel erwähn⸗ „ten Perſonen koͤnnen gleichwohl alsdann verjähren, wenn „ſich der Rechtstitel ihres Beſitzes veraͤndert hat, es ſey aus „einer Urſache, die von einer dritten Perſon herrührt, oder „durch den Widerſpruch, den ſie dem Rechte des Eigenthu⸗ »mers entgegengeſetzt haben.« Art. 2239.»Diejenigen, welchen die Pächter, die De⸗ poſitare und andere, die nur Zulaſſungsweiſe beſitzen, die „Sache durch einen Titel uͤberlaſſen haben, der an und für „ſich dazu geeignet iſt, um das Eigenthum auf einen andern „zu übertragen, können ſie verjaͤhren. Art. 2240.„Wider ſeinen Titel kann man nicht ver⸗ „jähren in dem Sinne, daß man ſich ſelbſt die Urſache und „den urſprünglichen Grund ſeines Beſitzes nicht ändern kann.« Art. 2241.»In dem Sinne kann man wider ſeinen „Titel verjähren, daß man die Befreyung von einer über⸗ „nommenen Verbindlichkeit durch Verjährung erlangt.« Ueber dieſe vier letzten Artikel ſehe man die Anmerkungen zum Art. 2231. Von den Urſachen, welche den Lauf der Verjährung unter⸗ brechen oder in Stillſtand bringen⸗ Zwiſchen der Unterbrechung und dem Stillſtande der Ver⸗ jahrung iſt dieſer Unterſchied, daß die vor der Unterbrechung verfloſſenen Beſitzjahre nicht gerechnet werden, und man wieder ganz von neuem zu verjähren anfangen muß; wogegen dann, wenn die Verjährung bloß in Stillſtand verſetzt wird, die vorherigen Jahre mitgezählt werden. Punod, p. 52. die nen el⸗ gen tel⸗ . er⸗ un der n, die IM. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. Erſter Abſchnitt. Von den Urſachen, welche die Verjährung unterbrechen. Art. 2242.„Die Verjährung kann entweder im gemei⸗ »nen und buchſtäblichen oder im Civil⸗Sinne des Wortes „(naturellement ou civilement) unterbrochen werden. Art. 2243.»Eine Unterbrechung im gemeinen und buch⸗ „ſtäblichen Sinne des Wortes iſt vorhanden, wenn der Be⸗ „ſitzer, entweder von dem alten Eigenthümer, oder ſelbſt „durch einen Dritten, des Gennſſes der Sache mehr als ein „Jahr lang beraubt iſt.« Die Verfuͤgung dieſes Artikels hat Herr Bigot aus den römiſchen Geſetzen in der Materie von den poſſeſſoriſchen In⸗ terdicten, und aus der franzoſiſchen Praris gerechtfertigt, welchen beyden zu Folge als neuer Beſitz nur derjenige an⸗ erkannt wurde, welcher wenigſtens ein Jahr lang gedauert hatte; waͤre nehmlich die angenblickliche Beſitznahme eines Grundſtückes genug, um jemand der Wirkungen des Beſitzes zu berauben, ſo wäre dieß eine ewige Quelle von Unord⸗ nung, und jeder Beſitzer müßte ſich alle Augenblicke einen Prozeß gefallen laſſen, um ſein Eigenthum zu beweiſen. Der nehmlichen Meinung iſt auch Dunod, p. 33. Als Urſache einer natürlichen Unterbrechung wird zwar hier nur die Entſetzung aus dem Beſitze angeführt; inzwiſchen entſcheidet Punod, p. 54, nach der Meinung verſchiedener Rechtslehrer, daß auch Unterbrechung vorhanden ſey, wenn das Grundſtuͤck, welches man verjährt, ein Jahr lang über⸗ ſchwemmt iſt. Meines Erachtens iſt dieſe Meinung richtig, wenn es darum zu thun iſt, die Verjaͤhrung anzufangen, und ſich in den Stand zu ſetzen, eine poſſeſſoriſche Klage geltend zu machen, nicht aber dann, wenn es bloß um die Fortſetzung des Beſitzes, um das Eigenthum verjähren zu können, zu thun iſt: in dieſem Falle kann, wie mir ſcheint, eine Ueberſchwemmung, die ſich nach Umlauf einer gewiſſen Anzahl von Beſitzjahren ereignen mag, und wenn ſie auch länger als ein Jahr dauern ſollte, den Beſitz nicht unterr 438 I. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. brechen, und den Beſitzer noͤthigen, die Verjährung wieder von neuem anzufangen; denn, hat er auch ſchon während der Ueberſchwemmung denn atürlichen Beſitz nicht, ſo kann er doch den bürgerlichen Beſitz haben, deſſen Wirkungen wir beym Art. 2228 erklart haben. Art. 224.»Eine Vorladung vor Gericht, ein com- „mandement oder Pfändung oder Beſchlagnehmung, welche „demjenigen inſinuirt worden ſind, den man verhindern will, „die Verjaͤhrung zu vollenden, bewirken eine Unterbrechung „im Civil⸗Sinne des Wortes(Civil⸗Interruption).« Ein Commandement. Die Frage war ſehr zweifelhaft, ob ein bloßes Commandement die Verjähung unterbreche. Immer entſchied man zwar das Gegentheil im Gerichtbar⸗ keits-Umfange des Parlamentes von Bordeaur; S. Lapey- rère, lett. P., n. 54. Auch behaupteten andere, daß ein Commandement, wenn keine Pfändung oder Beſchlagneh⸗ mung darauf erfolgte, eine einfache Aufforderung, ein außer⸗ gerichtlicher Act bleibe, worauf es dem Schuldner zu ant⸗ worten oder nicht zu antworten frey ſtehe, und der in dieſer Eigenſchaft die Verjährung nicht, unterbrechen könne; S⸗ Punod, p. 57, Legrand, über das Gewohnheits⸗Recht von Troyes, art. 25, gl. 1, n. 28. Da es indeſſen in unſerem Artikel heißt: Commandement, oder Pfaͤndung oder Be⸗ ſchlagnehmung, ſo muß man allerdings annehmen, daß ein Commandement, wenn ſchon keine Pfaͤndung oder Beſchlag⸗ nehmung darauf erfolgt iſt, die Verjährung unterbreche. Art. 2245.»bEine Vorladung zum Verſuche eines Ver⸗ „gleichs vor das Friedens⸗Büreau unterbricht die Verlährung „von dem Tage an, da ſie datirt iſt, in ſo fern eine Vorla⸗ „dung vor Gericht in den geſetzlichen Zeitfriſten darauf erfolgt. Im Art. 6, Tit. 10 des Geſetzes vom 24. Auguſt 1700 hieß es ſchon, daß eine Vorladung zum Vergleichs⸗Büreau die Verjährung unterbreche; indeſſen hatte er nicht beſtimmt, in wie viel Zeit der Beklagte, wenn kein Vergleich Statt gefunden hatte, zum Gerihte abgeladen werden müſſe, und — —„— e III. Buch. XX. Tit. PVon der Verjährung. 435 unſer Artikel erklärt ſich ebenfalls hierüber nicht. Man muß folglich hoffen, daß das Geſetzbuch uͤber das rechtliche Ver⸗ fahren in Civil-Sachen die ſehr wichtigen Zweifel heben werde, die dieſe beyden Artikel uͤbrig laſſen. Was mich be⸗ trifft, ich waͤre der Meinung, daß die Vorladung zum Ver⸗ gleichs⸗Buͤreau ohne Wirkung bleiben muͤſſe, wenn der Be⸗ klagte nicht binnen dem Jahre zum Gerichte abgeladen wird.*) Art. 2246.»Eine Vorladung vor Gericht, ſollte ſie „auch vor einen Richter geſchehen ſeyn, der keine Befugniß „hat, über die Sache zu erkennen, unterbricht die Verjaͤhrung⸗ Auch uͤber die durch dieſen Artikel entſchiedene Frage wa⸗ ren die Meinungen ehemahls ſehr verſchieden. S. Dunod, p. §56, und Rousseaud, V. Prescription, Sect. 4, n. 1. Unſer Artikel iſt indeſſen derjenigen beygetreten, die mir die ver⸗ nuͤnftigſte zu ſeyn ſchien⸗ Art. 2247.»Iſt die Vorladung wegen eines Mangels in der Form ungültig,» „Steht der Klaͤger von ſeiner Klage ab,„ „Läßt er die Inſtanz erlöſchen,» „Oder wird ſeine Klage verworfen,» „So wird die Unterbrechung als nicht geſchehen be⸗ „trachtet.» 1) Man hat zuerſt Mühe, den großen Unterſchied anfzu⸗ faſſen, der zwiſchen einer ungültigen und einer vor einen incompetenten Richter geſchehenen Vorladung vorhanden iſt, und welcher die Entſcheidung zur Folge hat, daß die erſtere die Verjaͤhrung nicht unterbreche, wohl aber die letztere. Die Urſache hievon iſt indeſſen dieſe, weil eine Vorladung, die *) Nach dem Art. 57 des Geſetzbuches F. d. r. V. i. C. S. un⸗ terbricht die Vorladung zum Vergleichs⸗Bürecau die Verjahrung nur dann, wenn die Klage binnen dem Monate von dem Tage der Nicht⸗Erſcheinung oder der nicht erfolgten guͤtlichen Ueber⸗ einkunft eingeführt wird. B 440 UI. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. unguͤltig iſt, keine Wirkung hervorbringen, und ihr, da ſie mit den geſetzlichen Formalitäten nicht verſehen iſt, in keinem Stücke Glauben beygelegt werden kann; wogegen eine Vorladung, wenn ſie ſchon vor einen incompetenten Richter geſchehen iſt, deßwegen nicht unguͤltig iſt, und denjenigen, dem ſie inſinuirt wird, uͤber den Gegenſtand der Klage un⸗ rerrichten kann. Dunod erklaͤrt ſich uͤber die Frage nicht ſo, daß man befriedigt wird⸗ 2) Steht der Klaͤger von ſeiner Klage ab, ſo iſt nicht nur keine Unterbrechung des Beſitzes vorhanden, ſondern das Recht des Beſitzers kann ſo gar dadurch anerkannt, und folg⸗ lich dieſer von der Verjährung befreyt werden, wenn der Kläger ſich deßhalb nichts vorbehält, oder dagegen proteſtirt. 3) Läßt er die Inſtanz erlöſchen, ſo iſt ebenfolls keine Unterbrechung vorhanden. Da das Geſetzbuch über das recht⸗ liche Verfahren in Civil⸗Sachen bald zum Vorſchein kommen muß, ſo will ich mich aller Erläuterung über dieſen Artikel enthalten, der jedoch ſonſt erlaͤutert zu werden nöthig haͤtte.*) *) Wie eine Vorladung beſchaffen ſeyn muß, wenn ſie gültig ſeyn ſoll, hierüber muß man den Tit. 1 des B. 1 und den Lit. 2 des B. 2. Th. 1. des Geſetzbuches. dr. V. i. E S. nach⸗ ſehen.— Der Art. 397 desen G. erklaͤrt jede Inſtanz, wenn ſchon kein Sachwalter beſtellt worden iſt, fuͤr erloſchen, wenn der Prozeß während diey Jahre nicht fortgeſetzt worden iſt; dieſe Friſt wird jedoch dann um ſechs Monate verlaͤngert, wenn ent⸗ weder ein Geſuch um Wiedervornehmung der Inſtanz oder Be⸗ ſtellung eines neuen Sachwalters Statt hat.(Von den hieher ge⸗ hörigen Fällen handelt der Tit. 7, B. 2 Th. 1des n. G) Die Peremtion der Inſtanz hebt übrigens nach dem Art. 401 des n. G. die Klage ſelbſt nicht auf; nur zieht ſie die Erlöſchuns des Pro eſſes nach ſich, ohne daß man in irgend einem Falle einen Act des erloſchenen Prozeſſes dem andern Theil entgegenſetzen, oder ſich darauf beziehen koͤnne. Die Klage ſelbſt kann alſo zwar wieder von neuem angeſtellt werden; iſt aber ſchon vor ihrer neuen Anhebung die Verjaͤhrung eingetreten, ſo kann die Slage mittelſt dieſes Einrede entkräftet werden. B. III. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. 441 e Nur will ich hier ein Urtheil der Civil⸗Section anfuͤhren, wodurch ein wichtiger Punkt iu dieſer Materie und zwar in e einem ſehr ſonderbaren Falle entſchieden worden iſt. Ducruejouls behauptete, ſeine Vorfahren hätten vor ſehr alten Zeiten das Recht, in einem dem Hrn von Bourbon— malauze zugehoͤrigen Walde Holz, ſo viel ſie davon zum . Brennen, und für ihre Gebaͤude nöthig haben möchten, zu nehmen, unter einem läſtigen Titel erworben. Im Jahre 1740 klagte Herr von Bourbon beym Forſt⸗ 6 Amte zu Rhodes über Eingriffe, die Ducruejouls in ſei⸗ nen Wald gethan habe. Am 1. Julius n. J. wurde Ducruejouls dieſer Eingriffe wegen verurtheilt. Von dieſem Urtheile appellirte er zum Dberforſt⸗Amt in Toulouſe. Herr von Bourbon verkaufte ſeinen Wald an 1 Curièeres, und Ducruejouls lud dieſen zum Prozeſſe bey⸗ 1 Dieſer Prozeß wurde nicht fortgeſetzt, indeſſen blieb, wie es ſcheint, Ducrucjouls ſortwährend im Genuſſe ſeines Rechtes. Im Jahre 7(1798—99) ließ Curieres, Sohn, den ⸗ Wald urbar machen. Duecruejouls, Sohn, widerſetzte ſich dieſer Unternehmung, in ſo weit der Wald ihm zur Ausü⸗ 1 bung ſeines Rechtes nöthig war, und ließ den Curiéres zum Civil⸗Gerichte von Aveyron vorladen, um ſie ihm unterſagen zu laſſen. Am 3. Fructidor 7. J. Go. Auguſt 1799) wurde gegen Curières ein Contumacial-Urtheil erlaſſen, wodurch dem Ducruejouls auferlegt wurde, durch Urkunden oder durch Zeugen zu beweiſen, daß er und ſeine Vorfahren ſeit dem 1 Urtheile von 1740 in ruhigem Genuſſe des Rechtes H lz zu fällen geweſen ſeyen, und nach Einſicht des hierüber abge⸗ r haltenen Zeugenverhöres wurde er durch ein ferneres Urtheil bey ſeinem Rechte gehandhabt. Curières appellirte von dieſem Urtheile, und der Appel⸗ 442 M. Buch. XX. Tit. Bon der Verjährung. lations⸗Hof von Montpellier reformirte es, und ſprach ihn von der wider ihn angeſtellten Klage deßwegen frey, weil die in Frage ſtehende Befugniß eine nicht ununterbrochen fortwäh⸗ rende Dienſtbarkeit ſey, die anderſt nicht als durch einen unvordenklichen Beſitz erworben werden könne, ein ſolcher Beſitz aber ſeit dem Jahre 1740 unmoͤglich ſey. Ducrueſouls nahm nun ſeinen Recurs zum Caſſations⸗ Hofe, und gründete ſein Caſſations⸗Geſuch auf die Verletzung, ſelbſt der römiſchen Geſetze, die der Appellations-Hof zur Baſis ſeiner Entſcheidung genommen hatte, nehmlich der T. 3, (od. de prascript. 30 vel 40 ann., der F. 10, F. si serv. vind., der FL. 1. und 5, H de Ferv. prad. rust./ 3, F. 4, F de aqud quot. und 3,. 11, N de pecul. In allen dieſen Geſetzen heißt es, das Recht Holz zu fällen, werde durch einen unvordenklichen Beſitz erworben; im untergebenen Falle, ſagte Ducruejouls, war dieſer Beſitz ſo wohl durch das Zeugen⸗Verhör, als ſelbſt durch das Ur⸗ theil von 1740 bewieſen, welches zwar anerkannte, daß ich im Beſitze war, aber bloß mich deſſen entſetzen wollte. Dieſes Urtheil ſetzt man mir inzwiſchen als eine Urſache entgegen, die meinen Beſitz unterbrochen habe, und als wenn ich erſt von dem Tage an, wo es erlaſſen worden iſt, hätte verjähren können; allein, dieß iſt ein ſichtbarer Irrthum⸗ Die Wirkung dieſes Urtheiles iſt ja ſelbſt dadurch, daß es nicht vollſtreckt worden iſt, und daß ich im Gegentheile mein Recht fortwährend ausgeübt habe, zernichtet worden. So entſcheidet ausdrücklich Faber, in Cod. lib. 7, tit. 13, def. 2 und Merlin im Répertoire de jurisprudence, F. Pre⸗ scription 6 Aus dieſen Gründen wurde das Urtheil des Appellations⸗ Hofes von Montpellier am F. Floreal 12. J.(25. April 1804 caſfirt.). 4) Wird die Klage desjenigen, der die Verjährung un⸗ retbrechen will, verworfen, ſo wird die Verjaͤhrung nicht nur nicht unterbrochen, ſondern es iſt ſo gar keine Verijährung 1n. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. 447 mehr nothwendig, weil das Urtheil dem Beſitzer zum Titel dient⸗ Art. 2248.»Die Verjährung wird dadurch unterbrochen⸗ „daß der Schuldner oder Beſitzer das Recht desjenigen an⸗ „erkennt, wider den er verjaͤhrte.» Beſchwerlich wäre es, alle Arten zu erklären, wie ein Schuldner die Schuld oder das Recht eines andern anerken⸗ nen kann; genug iſt es, hier die allgemeine Regel anzumer' ken, die d'Argeniré zum Art. 166 des Gewohnheits⸗Rechtes von Bretagne V. Interruption, auſſtellt: Ouoties actus ta- citam at eapressam, vel præsumptam juris alieni, vel de- biti confessionem implicat, toties ſit interruptio civilis. Art. 22490.»Wird in Gemäßheit der vorhergehenden „Artikel einer der Solidar⸗Schuldner zur Zahlung aufgefor⸗ „dert, oder die Richtigkeit der Schuld von ihm anerkannt, ſo wird die Verjährung auch wider die uͤbrigen und ſelbſt „wider ihre Erben unterbrochen.» „Die Aufforderung, welche an einen der Erben des So⸗ „lidar⸗Schuldners gerichtet worden iſt, oder die von einem „der Erben geſchehene Anerkeunung unterbricht in Hinſicht „der übrigen Miterben die Verjährung nicht, wenn ſchon die „Forderung mit einem Hypotheken⸗Rechte verſehen ſeyn ſollte, „die Verbindlichkeit ſey dann untheilbar.» „Eben dieſe Aufforderung oder dieſe Anerkennung unter⸗ „bricht die Verjaͤhrung in Rückſicht der übrigen Mitſchuldner „nur für die Antheile, wofuͤr dieſer Erbe verpflichtet iſt.⸗ „Um in Hinſicht der übrigen Mitſchuldner die Verjährung „für's Ganze zu unterbrechen, iſt es erforderlich, daß an „alle Erben des verſtorbenen Schuldners eine Anmahnung »ergehe, oder daß alle dieſe Erben die Schuld anerkennen.» Dieſer Artikel iſt nur eine Schlußfolge aus den im Titel von den Verbindlichkeiten feſtgeſtellten Grundſätzen. Ex ratione correlativorum, ſagt Dunod, p. 58, nützt die Anmahnung, die von einem der Eigenthümer eines indi⸗ 444 Ul Buch. XR. Tit. Von der Verjährung. viduellen Rechtes, oder von einem der Solidar⸗Gläubiger ge⸗ ſchieht, den übrigen Eigenthümern und Gläubigern. Art. 2250.»Eine an den Hauptſchuldner gerichtete Auf⸗ »forderung, oder die von ihm geſchehene Anerkennung unter⸗ „bricht die Verjährung in Hinſicht des Bürgen.„ Dieſer Artikel iſt gegen die Meinung des Dunod, des d'Argentré und anderer Rechts⸗Lehrer, nach welcher die dem Haupt⸗Schuldner geſchehene Anmahnung nur den Buͤrgen, die mit dieſem Schuldner ſolidariſch verbunden ſind, wie z. V⸗ alle gerichtliche Buͤrgen ſind, ſchaden ſollte. Herr Bigot ſagt indeſſen, die Verbindlichkeit des Bürgen müſſe ſo lange dauern, als jene des Haupt⸗Schuldners, und folglich könne der Bürge ſich bloß fuͤr ſeine Perſon nicht auf die Verjäh⸗ rung berufen⸗ 3 weyter Abſchnitt. Von den urſachen, wodurch der Lauf der Verjährung in Stillſtand geraͤtht. Art. 2251.„ Die Verjaͤhrung laͤuft wider alle Perſonén, „ſie ſeyen dann in einer durch ein feftgeſetzten Aus⸗ »„nahme begriffen.„ In dieſem Artikel hat man die nint der Art. 113 und 114 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris befolgt. Nach dem reinen römiſchen Rechte konnte die Verjährung nur gegen die Unmündigen nicht laufen. E. Sicut, Cod. de praæscript. 30 vel 40 ann.; Minderjaͤhrige hingegen konnten bloß gegen die zehn- und zwanzig-jährige Verjährung, die gegen ſie während ihrer Minderjaͤhrigkeit etwa gelaufen haben mochte, in den vorigen Stand geſetzt werden. T. ult. Cod. in caus. rest. Nach dieſem letztern Geſetze richteten ſich die von Tonlouſe, Air, Grenoble und Beſancon, und hatten ſo gar die Wiedereinſetzung in den vorigen Stand auf die dreyßigjaͤhrige Verjährung ausgedehnt. S. Catellan, liv. 7, ch. 10 und 20, Boniface, liv. g, tit. 1, ch. a13 Punod, p. 240,; Chorier, liv. 5, Sect. 5, art. 6. Dagegen entſchieden — MMI. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. 445 die Parlamente von Paris, Bordeaux und Dijon, es ſey un⸗ nuͤtz, eine Verjährung laufen zu laſſen, gegen die man immer in den vorigen Stand eingeſetzt werden könnte; nach der Meinung alſo, die bey dieſen Parlamenten angenommen war, lief ſie waͤhrend der Minderjaͤhrigkeit nicht. Henris und Bretonnier, fom. 2, liv. q, quest. a, Lapeyrère, lett. P., n. 68, Taisand, tit. 14, n. 7. Unſer Artikel kündigt indeſſen von der Regel, nach wel⸗ cher die Verjährung während der Minderjäͤhrigkeit und der Interdiction ſtill ſteht, Ausnahmen an; ſo laufen a) die kurzen Verjährungen, wovon im letzten Abſchnitte dieſes Ti⸗ tels die Rede iſt, gegen Minderjährige und Interdicirte; und dieß ſtimmt auch mit der alten Praris überein. Dunod, F. 243.*) So laͤuft ſie auch b) gegen Minderjährige, wenn von ei⸗ ner in einem Vertrage beſtimmten Zeit die Frage iſt, z. B⸗ von der Zeit, binnen welcher das Vorkaufs⸗Recht ausgeuͤbt werden ſoll. S. den Art. 1663. Endlich läuft c) Die Verjaͤhrung, welche man die geſetzlich⸗gerichtliche nennt, ebenfalls gegen die Minderjährigen. Hiehin gehört die Erlöſchung der Inſtanz;**) ferner gehören hiehin die in An⸗ ſehung der Prozeduren, Zeugenverhören, Appellationen,**²*) und der Geſuche um Einſetzung in den vorigen Stand gegen erlaſſene Urtheile feſtgeſetzten Friſten, es ſey dann, daß das Geſetz eine Ausnahme zu ihren Gunſten gemacht habe. S. Dunod, p. 255. Art. 2252.„ Die Verjaͤhrung laͤuft nicht wider Minder⸗ * „jaͤhrige und Interdicirte, mit Vorbehalt deſſen, was im 2278. *) S. ebenfalls die Art. 1676 und 2195 des G. N. B. ) S. den Art. 398 des Geſetzbuches d. d. r. V. i. C. S. 2 *) S. den Art. 44 4 des Geſetzbuches ü d. r. V. i. C. S. B⸗ 446 III. B. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. „Artikel beſtimt iſt, und mit Ausnahme der übrigen im Ge⸗ »„ſetze beſtimmten Faͤlle.» Art. 2253.»Sie läuft nicht unter Ehegatten. Wären ſie auch in Hinſicht der Guͤter von einander getrennt, und wäre gleich von Paraphernal⸗Gütern der Frau die Rede⸗ Art. 2234.» Die Verjahrung laͤuft wider eine verheira⸗ „thete Frau in Hinſicht derjenigen Guͤter, wovon ihr Mann „die Verwaltung hat, wenn ſie gleich in Beziehung auf „ihr Vermögen weder durch einen Heiraths⸗Contract, noch „durch gerichtliches Erkenntniß von ihrem Manne ſeparirt „iſt, mit Vorbehalt ihres Regreſſes wider den Mann.» Die Verfügung dieſes Artikels muß, wenn Güter⸗Gemein⸗ ſchaft Statt hat, von allen Gütern der Frau ohne Unterſchied, und wenn ſich die Ehegatten nach den Grundſätzen der Do⸗ tal⸗Rechte geheirathet haben, von den Paraphernal⸗Guͤtern der Frau verſtanden werden; denn die Dotal⸗Güter ſind wäh⸗ rend der Ehe unveraͤußerlich und unverjährbar, es ſey dann, daß die Verjaͤhrung ſchon vor der Heirath ihren Anfang ge⸗ nommen, oder die Frau eine Güter⸗Separation gegen ihren Mann gerichtlich erwirkt habe. In der That werden in die⸗ ſem letztern Falle die Dotal⸗Immobilien vom Tage an ver⸗ jährbar, wo die Guͤter⸗Separation erkannt worden iſt. S. den Art. 1561. Im Falle unſeres Artikels würde übrigens der Lauf der Verjährung zu Gunſten dritter Perſonen und ihrem Vortheile ſelbſt dann Statt gehabt haben, wenn ſo gar der Regres der Frau gegen ihren Mann durch deſſen Zahlungs⸗Unvermögen fruchtlos würde. So entſchieden ſchon Faber, in Cod. lib. 2, tit. 35, def. 2, Catellan, liv. 4. quest. 35, und Serres, p. 195, welcher zwey Urtheile des Parlamentes von Tou⸗ lonſe hierüber anführt. Art. 2255.»Sie läuft gleichwohl, in Gemäßheit des n 1561. Artikels unter dem Titel von dem Heiraths⸗Con⸗ „tracte und den gegenſeitigen Rechten der Ehegatten, III. B. XX. Tit. Von der Verjährung. 447 *nicht während der Ehe, in Hinſicht eines, nach Dotalrech⸗ „ten, zum Brautſchatze beſtellten und nachher veräußerten „Grundſtuͤckes. S. die Anmerkung zum vorhergehenden Artikel, und zu den Art. 1561 und 1562. Art. 2256.»Während der Ehe ſteht ebenfalls der Lauf „der Verjährung ſtill,» 1)»In dem Falle, wo die Klage der Frau ſich eher „nicht einführen ließ, als nach vorhergegangener Wahl un⸗ »ter der Annahme der Gütergemeinſchaft oder der Verzicht⸗ »„leiſtung auf dieſelbe.„ 2)„In dem Falle, wo der Ehemann, des ein ſeiner „Frau zugehoͤriges Gut ohne ihre Bewilligung veraußert hat, »den Verkauf gewaͤhren muß, und in allen andern Fällen, „wo die Klage der Frau in ihren Folgen auf den Mann „zurückwirken würde.„ Es iſt ganz klar, daß, da die Frau nicht wählen kann, ſo lange die Gütergemeinſchaft dauert, ſie auch, ſo oft ihre Klage von der Wahl abhaͤngt, nicht im Stande iſt, ſie an⸗ zuſtellen. Nun aber, conträ non valentem agere non cur- rit Præscriptio. Dunod, p. 254. Kann die Frau nicht klagen, ohne daß ihre Klage gegen ihren Mann zurückwirkt, in ſolchem Falle erforderte das all⸗ gemeine Wohl und das Intereſſe der Sitten, die Frau eben⸗ falls als Unvermögend zu klagen anzuſehen. S. Lebrun, de la Communaute“, liv. 5„ ch. 2 n 5. 102; Dunod, p. 252. Wie verhält es ſich mit der Zeitfriſt, welche geſtattet iſt, um gegen eine Verbindlichkeit oder gegen eine Verzicht⸗ leiſtung die Wiedereinſetzung in den vorigen Stand nachzu⸗ ſuchen,— Läuft dieſe Friſt gegen die Frau während der Ehe? Mehrere Fälle muß man bey dieſer Frage unterſcheiden. 1) Hat die Frau vor der Heirath eine Verbindlichkeit contrahirt, ſo laͤuft die Veriährung während der Ehe, und — 3 44½ III. B. XX. Tit. Von der Verjährung. zwar aus dem nehmlichen Grunde, aus welchem ſie ſo gar in Anſehung eines unbeweglichen Dotal⸗Gutes ihren Lauf fortſetzt. 2) Hat ſich die Frau während der Ehe, allein und ohne Autoriſation ihres Mannes verbunden, ſo läuft die Friſt um ſich dagegen reſtituiren zu laſſen, nicht eher, als vom Tage an, wo die Ehe aufgelöſt wird⸗(Art. 1304. 3) Hat ſie ſich unter Autoriſation ihres Mannes verbun⸗ den, ſo muß die Reſtitutions-Friſt vom Tage des Contrac⸗ tes an, wenn ſie großjährig iſt, oder vom Tage ihrer Groß⸗ jaͤhrigkeit an, falls ſie Minderjaͤhrig war, laufen, es ſey dann, daß der Mann ſich verbunden hätte, den Contract von ſeiner Frau bey ihrer Großjährigkeit genehmigen zu laſſen, weil in dieſem Falle die Klage gegen den Mann zu⸗ rückwirken wuͤrde. Lapeyrère, lett. P, p. 87 Dunod, p. 256. 4) Hat die Frau ſich ſammt ihrem Manne fuͤr eine An⸗ gelegenheit der Guͤtergemeinſchaft, oder ihres Mannes ver⸗ bunden, ſo läuft, wie Dunod p. a56 ſagt, die Friſt um ſich dagegen in den vorigen Stand einſetzen zu laſſen, während der Ehe nicht, weil es offenbar iſt, daß a) der Mann ſie bloß ſeines Vortheiles wegen an dem Contracte hat Antheil nehmen laſſen, und weil er b) für die Handlung ſeiner Frau Gewaͤhr leiſten muͤßte: er ſuͤhrt aus dem Journal du, Pa- lais zwey Parlaments⸗Urtheile an, die ſo entſchieden haben. Hat ſich der Mann ſammt ſeiner Frau fuͤr die Angele⸗ genheiten und zum Vortheile der Frau verbunden, ſo laͤuft die Reſtitutions-Friſt während der Ehez wenigſtens iſt kein Grund vorhanden, es zu verhindern⸗ daß, wenn von Wieder⸗ 50 Uebrigens muß man bemerken, einſetzung der Frau in den vorigen Stand die Rede iſt, von der Wohlthat des Vellejaniſchen Senatus⸗Conſultum durchaus keine Frage ſeyn kann, welches, wie wir ſchon geſagt haben, ſtillſchweigend durch das Geſetzbuch abgeſchafft iſt, ſondern von wahren Reſtitutions⸗Gruͤnden, wie z. B. Verletzung,(die H. Buch. XK. Tit. Von der Verjaͤhrung. 445 aber aus einer andern Urſache als aus dem Factum der Ver⸗ bürgung ſelbſt entſpringr,) Argliſt, Swang und Irrthum ſind. Art. 2257.»Die Verjährung läuft nicht,» „In Hinſicht einer Forderung; welche von einer Bedin⸗ „gung abhängt, bis die Bedingung erfüllt iſt;» „In Hinſicht einer Klage auf Gewaͤhrleiſtung, bis die „Eviction eingetreten iſt;» „In Hinſicht einer an einem beſtinmten Tage faͤlligen Forderung, bis dieſer Tag erſchienen iſt.» Dieſer Artikel ſtimmt mit der P. 7„ F. 3, Cod. de pra- Script. 30 vel 40 ann. uͤberein. Indeſſen machte man hie⸗ von eine ſehr merkwuͤrdige Ausnahme; ein dritter Erwerber nehmlich verjährte nichts deſtoweniger gegen den Gläubiger, deſſen Forderung bedingt, oder an einem beſtimmten Tage fällig war, ſo wie auch gegen denjenigen, dem die Gewaͤhr geleiſtet werden muß, bevor er in ſeinem Beſitze geſtört wurde, die hypothekariſche Klaͤge vom Tage ſeiner Er⸗ werbung angerechnet. Dieſe praktiſche Rechts⸗Lehre bezeugt eine Menge Schtiftſteller, welche Rousseaud, V. Prescrip⸗ tion, Sect. 2, n. 6, und Serres, p. 158. anführen, die ſelbſt dieſer Meinung ſind, ſo daß die Verjährung bloß in Hinſicht des Haupt⸗Verpflichteten nicht eher zu laufen anfing, bie die Bedingung erfüllt, die Schuld fällig wurde, oder die Eviction eintrat⸗ Muß dieſe Rechts⸗Lehre noch wirklich befolgt werden? Hiekan möchte ich ſehr zweiflen, weil unſer Artikel keine Ausnahme macht. Art. 2258.»Die Verjährung läuft nicht wider einen „Beteficiar⸗Erben in Hinſicht der Forderungen, welche er an „der Erbſchaft hat. „ Sie läuft wider eine vacante Erbſchaft, obſchon ſie „mit keinem Curator verſehen iſt.⸗ Daß die Verjaͤhrung nicht gegen den Beneficiar⸗ Erben IV. Malev. a9 455 m. Buch. xX. Tit. Von der Verjährung laufe, dieß iſt ganz einfach, denn er iſt ja im Beſitze der Gů⸗ ter; eben ſo einfach iſt es aber auch, daß ſie wider eine vacante Erbſchaft laͤuft, weil derienige, welcher verjährt, nicht Schuld daran iſt, daß man ſie nicht in den Stand ſetzt, ihre Anſprüche geltend zu machen⸗ Art. 2250.„Sie läuft ebenfalls während der drey „Monate, die zur Errichtung eines Inventariums, und der „vierzig Tage, die um ſich zu entſchließen, verſtattet ſind⸗ Aus Verſehen hat ſich hier Herr Bigot Mühe gegeben, das Geſetz zu rechtfertigen, als wenn es einen entgegenge⸗ ſetzten Sinn hätte. Da es im erſten Artikel dieſes Abſchnittes heißt, die Ver⸗ jährung laufe wider alle diejenigen, die das Geſetz nicht da⸗ von ausnimmt, ſo folgt hieraus, daß Soldaten, und Ab⸗ weſende im Dienſte des Staates heut zu Tage keines Privile⸗ giums in dieſer Finſicht genießen, unerachtet die LT. 1 und 2, Cod. quib. non o5j. long. temp. praæscr. ſie von der zehn⸗ und zwanzig jährigen Verjaͤhrung ausnahmen. Dieſe Geſetze wurden indeſſen nach dem Zeugniße des Mornac, ad T. 40, e quib. caus. maj- 25 ann., und des Lapeyrère, lett. R, n. 10 in Frankreich nicht beobachtet. Zwar verordnete ein Geſetz vom 6. Brümarie 5. J.(27. Oetober 1796), daß wider die Soldaten keine Verjaͤhrung während des damahligen Krieges, bis zum Ablauf eines Monates nach dem allgemei⸗ nen Frieden laufen ſollte; ich glaube aber nicht, daß dieſes Geſetz ſeitdem wieder erneuert worden ſey⸗ Eben ſo lief auch gegen die Kinder, die unter vaͤterlicher Gewalt ſtanden, keine Verjährung, ſo lange der Vater lebte, in Anſehung der Guͤter, woran er den Nießbrauch hatte, und die er veräußert, oder von andern hatte beſitzen laſſen. Aus⸗ druͤcklich entſcheiden dieſes die TL. 1, Cod. de hon. mat. 1, Cod. de ann. eæc. und die Nov. 22, cap. 24.— Eine Ent⸗ ſcheidung, die auf drey Beweggründen beruhte, 1) weil die Kinder, ſo lange ſie unter der Gewalt ihres Vaters ſtanden⸗ und ihre Urkunden in ſeinen Händen waren, als Unverms⸗ 5 , m. Buch. Xx. Lit. Von ber Perjihrung. 451 gend zu klagen angeſehen wurden; 2) weil ſie im Falle ei⸗ ner Veraͤußerung nicht haͤtten klagen können, ohne daß die Klage gegen ihren Vater zuruͤckwirkte; 3) weil die Kindet natürlicher Weiſe Erben ihres Vaters werden ſollten, in dieſem Falle aber für ſeine Handlungen Gewaͤhr leiſten mußten, und man ihnen folglich in der Zwiſchenzeit nicht er⸗ lauben durfte, dritte Erwerber zu beunruhigen, woraus folgte, daß ebenfalls dieſe gegen die Kinder nicht verjaͤhren mußten. Auch war dieſes in den Provinzen, worin das ro⸗ miſche Recht galt, allgemein in der Praris angenommen, wie Catellan, liv. 7, ch. 15, Serres, p. 195, und Lapey- rère, iett. F, n. 51, und lett. P, n. 73 bezeugen, wo er mehrere Parlaments⸗Urtheile hierüber anführt. Heut zu Tage, wo der geſetzliche Nießbrauch ſich mit der Großiährigkeit endigt, iſt die väterliche Gewalt kein Grund mehr, um de Lauf der Verjaͤhrung gegen die Kinder, die unter ihr ſtehen, zu verhindern; ſo gar beduͤrfen ſie dieſer Verhinderung nicht, da eine ſolche Veriaͤhrung bloß deßwe⸗ gen ſtille ſteht, weil ſie Minderjährig ſind. Warum ſollte die nehmliche Urſache, die den Lauf der Verjährung gegen eine verheirathete Frau dann verhindert, wenn ihre Klage gegen den Mann zuruͤckwirken würde, nicht auch zu Gunſten des Kindes eintreten, wenn die Klage gegen den Vater zu⸗ rückwirkt? Iſt es dann weniger nützlich, weniger ſittlich, Streitigkeiten zwiſchen dem Vater und den Kindern vorzubeu⸗ gen, zwiſchen ihnen die Bande der vaͤterlichen Liebe zu hand⸗ haben, als Eintracht unter den Ehegatten zu erhalten? Ver⸗ dient dieſes Intereſſe nicht eben ſo viel Ruͤckſicht, als jenes eines Erwerbers oder eines Beſitzers, wovon der Eine ſo wohl äls der Andere ſehr gewöhnlich in mald ſide ſind? In⸗ zwiſchen bin ich nach dem erſten Artikel dieſes Abſchnittes der Meinung, daß auch dieſe Rechtelehre abgeſchafft iſt. Je mehr ich daruͤber nachdenke, deſto mehr bin ich uͤberzeugt, daß die Römer erhabenere Ideen, als wir, in der Geſetzge⸗ bung hatten. Die Verfügungen der Gewohnheits⸗Rechte ſind, in Vergleichung mit den romiſchen Geſetzen, trocken 452 1I. Buch. XX. Tit. Von dei Verjährüns. und dürre; es klebt ihnen etwas von dem nördlichen Elini an, woher ſie gekommen ſind⸗ Fuͤnftes Eapitel. Von der zur Verjaͤhrung erforderlichen Zeitfriſt. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfügungen⸗ Art. 2260.„Die Verjährung wird nach Tagen, nicht „nach Stunden, gerechnet⸗« Stimmt in Bekreff deſſen, was von den Stunden geſagt wird, mit der T. 154, de Verb. Sign. überein. Annum civiliter, non ad momenta temporum, Seck ad dies nume- VQMF. Art. 2261.„Sie iſt vollendet, wenn der letzte Tag der werforderlichen Zeitfriſt geendiget iſt.“ Dieſer Artikel macht dem Unterſchied ein Ende, den man ehemahls zwiſchen den ſo genannten Beguͤnſtigung verdienenden Verjährungen, wie z. B⸗ diejenigen waren, wozu ein Titel und guter Glaube erfordert wurden, und zwiſchen jenen annahm, die man gehaͤſſige nannte, zu welcher Claſſe die dreyßigjaͤhrige, und die ſtatutariſchen Verjährungen gerechnet wurden. Erſtere wurden für vollendet gehalten, wenn der letzte Tag der er⸗ forderlichen Zeitfriſt angefangen war, etiamsi minimo mo mento nobissimi diei possessa ves sit, repletur usucapio- T. pen., de dio. temp. praæscript. Dagegen es in Betreff der Letztern hieß: nist nobissimus totus dies compleatur, non ſinit obligationem. JT⸗ 6, H de Oblig. et act. Der Schalttag, ſagt Herr Dunod, p. 176, nach der T. 2, h de dio. temp. præscript. und nach Lehre des Cu⸗ jaÿ, de pyascript. et term. cap- z, wird in der Zeit der Minderjährigkeit, der Verjährungen, und anderer vom Geſetze beſtimmten Zeitfriſten nicht mitgezählt, wohl aber in der Zahl der in einem Vertrage feſtgeſetzten Tage, 3. B⸗ wenn bey einem Verkaufe beſtimmt worden iſt, daß er aufgelöſt ſeyn m. Buch. XX. Tit. Ven der Verjaͤhrung. 4⁸3 ſollte, falls der Kaufpreis binnen dreyßig Tagen, worunter ſich allenfalls ein Schalttag befindet, nicht bezahlt wäre⸗ 3 weyter Abſchnijt⸗ Von der Verjährung in dreyßis Jahren. Art. 2262.»Alle ſowohl dingliche als perſönliche Kla⸗ „gen werden in dreyßig Jahren verjährt, ohne daß derje⸗ „nige, der ſich auf dieſe Verjährung bezieht, nöthig habe, „einen Titel davon vorzulegen, oder daß man ihm die Ein⸗ rede, daß er in boͤſem Glauben geweſen ſey,(die Einrede eines unredlichen Beſitzes) entgegenſetzen könne. S. die Einleitung zu dieſem Titel. Unſer Artikel hat ſich nach der allgemeinen Praris gerich⸗ tet. Einige Gewohnheits⸗Rechte erforderten vierzig Jahre zur Verjährung der Immobilien, und in dem Gerichts⸗Sprengel einiger Parlamente wurde die perſoͤnliche Klage, wenn ſie mit der hypothekariſchen verbunden war, ebenfalls nur in vier⸗ zig Jahren verjährt. Art. 2263.» Nach Ablauf von acht und zwanzig Jah⸗ „ren, von dem Datum des letzten Titels anzurechnen, kann „der Schuldner einer Rente angehalten werden, ſeinem Glau⸗ »biger oder denjenigen, die in deſſen Rechte getreten ſind, „einen neuen Titel,(ein neues Schuldbekenntniß) auf ſeine „Koſten zu verſchaffen.« Wenn man ſich ſtrenge an den Grundſätzen halten wollte, dann mlißte der Schuldner erſt bey Annährung der dreyßig Jahre gezwungen werden, einen neuen Titel zu verſchaffen, weil der Alte erſt mit dreyßia Jahren ſeine Wirkung durch Verjährung verlſert. Indeſſen durfte der Gläubiger nicht auf eine ſo kurze Friſt beſchränkt werden, daß er durch irgend ein Hinderniß, welches der Anſtellung ſeiner Klage in den W⸗g hätte treten mögen, e der Fefahr ausgeſetz worden waͤre, ſeine Forderung zu ſeren ohnehin ſind zwey Jahre nicht zu lang, um ihm Zeit zu laſſen, zu ſeinem Zwecke zu gelang— Anfangs harte man inzwiſchen beſchloſſen, die Klage auf Er— 654 M. Buch. XR. Tit. Von der Verjährung. haltung eines neuen Titels erſt beym Ablauf von neun und zwanzig Jahren zu erlauben. Art. 226g.„ Die Regeln der Verjährung in Beziehung „auf ſolche Gegenſtande, von denen im gegenwärtigen Titel „keine Erwähnung geſchieht, ſind unter den Titeln erklärt, „die ſie betreffen.« Hievon war ſchon die Rede im Titel von den Servitu⸗ ten, ſo wie auch bey Gelegenheit der Reſciſſion der Verbind⸗ lichkeiten, der Friſten um über die Annahme einer Erbſchaft zu berathſchlagen, der hypothekariſchen Klage wider einen dritten Erwerber, u. ſ. w⸗ Dritten Abſchnitt. Von der Verjährung in zehn und zwantig Jahren. Art. 2265.»Wer in gutem Glauben und durch einen „rechtmäßigen Titel ein unbewegliches Gut erwirbt, verjährt das „Eigenthum daran in zehn Jahren, wenn der wahre Eigen⸗ „thuͤmer unter dem Gerichtsbezirke des Appellationt⸗Hofes „wohnt, in deſſen Umfang das unbewegliche Gut liegt, und „in zwanzig Jahren, wenn er anßer dieſem Bezirke wohn⸗ „haft iſt.“ Durch einen rechtmäßigen Titel. Unter dieſem Aus⸗ drucke verſteht man nicht einen vom wahren Eigenthuͤmer herruͤhrenden Titel, denn in dieſem Falle beduürfte der Erwer⸗ ber der Verjährung nicht, ſondern 1) einen Titel, welcher fähig iſt, das Eigenthum zu übertragen, z. Be einen Kauf⸗ Contract, eine Schenkung, nicht aber einen Pacht⸗ oder Pfand⸗Contract; 2) einen nach den geſetzlichen Formen der Contracte errichteten Titel, keineswegs einen Act, der wegen Mangel irgend einer Formalität ungültig iſt. S. hierüber d'Argentré, über das Gewohnheits⸗Recht von Bretagne, Art. 266, und Ferriéres, uͤber jenes von Paris, Art. 113, gl. 3. Findet ein Erbe in dem Nachlaſſe eine Sache, die dem Verſtorbenen nicht zugehörte, glaubt aber, daß ſie einen M. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. 457 Theil davon ausmache, ſo verjährt er ſie in zehn und zwan⸗ zig Jahren, gerade ſo wie derjenige, der ſie d non domino gekauft haben moͤchte, denn auch der Titel eines Erben iſt rechtmäßig, und die Verjahrung zu bewirken fähig. Si hares sim, heißt es in der T. 5, F. pro hared. et putem rem aliquam eæ hareditate esse, quc non sit, passe me usuca- pers. So entſcheidet auch Dunod, p. 12. wenn der wahre Eigenthuͤmer wohnhaft iſt 1c. Nach der T. ult., Cod., de præscript. long. temp. wurde ohne Rück⸗ ſicht, wo die Sache, die verjährt wurde, gelegen war, der⸗ jenige fuͤr anweſend oder abweſend gehalten, der in der nehm⸗ lichen Provinz wehnte, oder nicht wohnte, worin derjenige wohnt, der wider ihn verjaͤhrte; das nehmliche galt in meh⸗ rern Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗Rechte hatten, und, wie es ſcheint, ſind Rousseaud, V. Prescription, Sect. 3, n. 4 und Dunod, p. 175, eben dieſer Meinung. Unſer Artikel hat indeſſen wohl dabey gethan, daß er der Gegen⸗ wart oder der Abweſenheit des Eigenthuͤmers von dem Orte, wo ſeine Sache gelegen iſt, den Vorzug gegeben hat. Faſt in ganz Frankreich hielt man diejenigen fuͤr abwe⸗ ſend, d'e in einem verſchiedenen Amte(Vogtey) wohnten; insbeſondere verfuͤgte dieß ausdruͤcklich der Art. 116 des Ge⸗ wohnheits⸗Rechtes von Paris. Zu Toulouſe wurden aber nur jene für abweſend gehalten, die außerhalb Frankreich ſich befanden, und ſo gar, wenn ſie im Dienſte des Staates wa⸗ ren. S. die von Serres, p. 160 angeführten Zeuoniße. Wer übrigens keinen wirklichen Wohnort hat, muß, wie Dunod, p. 175 ſehr wohl ſagt, in Anſehung der zehn und zwanzigjährigen Verjährung als abweſend angeſehen werden⸗ Art. 2266.„Hat der wahre Eigenthümer zu verſchie⸗ „denen Zeiten bald unter dieſem Gerichtsbezirle, bald außer „demſelben ſeine Wohnung gehabt, ſo muß man, um die „Perjährung zu vollenden, demjenigen, was an zehn Jah⸗ »ren der Gegenwart fehlt, doppelt ſo viel Jahre der Abwe⸗ „ſenheit hinzufuͤgen, als wirklich daran fehlen um die zehn 456 m. Buch. XX. Tit. Von der Verjhhrung. „FJahre der Gegenwart vollzählig zu machen.(Zwey Jahrs „der Abweſenheit werden für ein Jahr der Gegenwart ge⸗ „pechnet.) 6 Stimmt mit der Nob. 119, cap. 8, und mit der allge⸗ meinen Prarxis uͤberein. S. Serres, 1. 6 Duuod, p. 1747 Duplessis, des prescript. lib. 1, ch. Art. 2267.»Ein Titel, der aus inze in der Form „ungültig iſt, kann die Verjaͤhrung von zehn und zwanzig „Jahren nicht begründen.« S. die Anmerkung zum Art, 2265. Art. 2268.„Der gute Glaube wird allemghl vermuthet, „und derjenige muß den Beweis führen, der ſich auf den „böſen Glauben des andern bezieht.« Auch dieß iſt die Meinung des Punod, p. 43. Der Be⸗ weis des böſen Glaubens, ſagt er, muß klar, buchſtablich, und gewiß ſeyn. Auch iſt es in der Materie von Vermu⸗ thungen allgemeine Regel, daß die Kenntniß der Thatſachen nicht vermuthet werde, und der, welcher ſich darauf beruft, beweiſen muͤſſe. Art. 2260.»Es iſt hinreichend, daß im Augenblicke „der Erwerbung ein guter Glaube vorhanden war.« Dieſes iſt zwar a) gegen die Verfügung der Z. un. Cod⸗ de usucap. transfe, wo es heißt: longi temporis præscriptio, his qui bond ſide acceptam possessionem et continuatum, nec interruptam inquietudine litis tenuerunt, solet patrocinari- Auch iſt b) unſer Artikel der Entſcheidung der Cap. 5 und ult, X de præscript., und der Verfügung der Art. 113 und 114 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris zuwider, nach deren Vorſchrift der gute Glaube die ganze zur Verjährung erforderliche Zeit hindurch fortwaͤhren ſollte. Aus dem, was Rousseaud, V. Prescription, gect. 5 n. X, ſagt, ſcheint es indeſſen, daß man ſich, ſelbſt in Pa⸗ ris, in den letzten Zeiten nicht mehr an dieſer Strenge hielt, und es hinreichte, wenn der gute Glaube im Augenblicke der Erwerbung vorhanden war: in den Provinzen, wprin das römiſche Recht galt, wo die zehn⸗ und zwanzigjährige — m. Buch. XX. Lit. Von der Verjaͤhrung. 657 Verjährung bloß gegen die hypothekariſche Klage angenom⸗ men wurde, war es um ſo mehr ausgemacht, daß nachherie ger böſer Glaube der Verjährung nicht im Wege ſtand. S. Serres, n. 137 uebrigens reden wir hier bloß vom bürgerlichen Rechte; denn in ſoro interno iſt es zuderläſſig, daß derjenige, welcher weiß, daß die Sache ihm nicht zugehort, ſie nie verjähren könne. Art. 2270.»Nach zehn Jahren haben Baumeiſter und „Buu⸗Unternehmer für die Hauptbaͤue, die ſie gemacht oder „dirigirt haben, nicht mehr zu haften,⸗ Der Art. 1793 enthält eine ähnliche Verfügung⸗ Vierter Abſchnitt. Von einigen beſondern Arten der Verjährung. Art. 2271.»Die Klage der Meiſter und Lehrer der „Wiſſenſchaften und Künſte auf Zahlung für den Unterricht, „den ſie Monatweiſe geben;« „Jene der Gaſtgeber und Speiſewirthe auf Zahlung der „Wohnung und Nahrung, die ſie liefern;« „Jene der Arbeiter und Taglöhner auf Zahlung ihres „Tagelohns, ihrer Ließerungen und jhres Gehaltes,« „Werden in ſechs Monaten verjährt.« Art. 2272.»Die Klage der Aerzte, Wundärzte und „Apotheker wegen ihrer. Beſuche, Operationen und Arzeneyen;« nJene der Huiſſiers fuͤr die Gebühren der Acte, welche „ſie inſinuiren, und der Aufträge, die ſie vollziehen;« „Jene der Kaufleute wegen der Waaren, die ſie an Pri⸗ „vat-Perſonen, welche keine Handelsleute ſind, verkaufen;« „Die Klage derjenigen, welche einer Penſions⸗Anſtalt „vorſtehen, wegen der Penſion ihrer Zöglinge; und die Klage „anderer Meiſter wegen des Lehrgeldes;« „Jene der Dienſtbothen, die ſich jabrweiſe verdingen, „guf Zahlung ihres Lohnes;» „Werden in Jahresfriſt verjährt.« Dieſe Verjährungen haben ihren Grund darin, weil es 2) gebraͤuchlich iſt, die Dienſte und die Lieferungen, die ſie 455 m. Buch XR. Tit. Bon der Verjähruns. zum Gegenſtande haben, ſchleunig, und ſo gar gewöhnlich ohne ſich eine Quittung daruͤber geben zu laſſen, zu bezah⸗ len, und weil b) vorzüglich die Erben Gefahr laufen wür⸗ den, ſie zweymahl bezahlen zu muͤſſen, wenn das Geſetz ſie nicht für verjährt erklaͤrte.*) Ludwig XII. iſt der Erſte, der dieſe Arten von Verjäh⸗ rungen durch ſeine Ordonnanzen von 1510 und 1512 ein⸗ fuͤhrte. Das Gewohnheits⸗Recht von Paris erklärte, und beſtimmte in ſeinem Art. 125, 126 und 127 die Verfuͤgungen dieſer Ordonnanzen noch umſtändlicher; Ludwig XIV. beſtä⸗ tigte hingegen bloß in den Art. 7, 8 und 9 des Handels⸗ Edictes von 1673 das Gewohnheits⸗Recht in Hinſicht der Ge⸗ genſtände, die ſeine Verfuͤgungen umfaſſen. Von ſehr geringem Nutzen, aber ſehr langweilig würde es ſeyn, die kleinlichen Unterſchiede anzumerken, die zwiſchen dieſen verſchiedenen Geſetzen und unſern beyden Attikeln vor⸗ handen ſind; genug iſt es im Allgemeinen folgendes zu bemerken. ) In der Handels⸗Ordonnanz war keine Sprache von der Klage der Aerzte, Wundärzte und Apotheker, ſo wie auch nicht von jener der Dienſtbothen; was das Geſetzbuch hieruber verordnet, iſt aus den Art. 125 und 127 des Ge⸗ wohnheits⸗Rechtes von Paris entlehnt. 2) Die Handels⸗Ordonnanz machte unter den verſchiede⸗ nen Claſſen der Kaufleute Unterſchiede, deren Beweggrund nicht leicht ausfindig zu machen war; und da ſie nicht alle dieſe Clafſen herzählte, dagegen aber eine Verjaͤhrung von ſechs Monaten in Anſehung der Einen, und von einem Jahre *) Es iſt mehr eine Vermuthung geſchehener Zahlung, als eine eigentlich ſo genannte Verjähruug, die das Geſetz hier hat ein⸗ führen wollen. Daher kommt es daun auch, daß a) demjenigen, der ſich auf ſolche Verjährung beruft, der Eid noch angetragen werden kann, und daß ſie b) zu laufen aufhört, wenn eine Rech⸗ nung abgeſchloſſen, eine Handſchrift oder ein Schuldbekenntniß ausgefertigt, oder eine nicht wieder erloſchene Vorladung inſi⸗ nuirt worden iſt. B. m. Buch. XX. Tit. YVon der Verjahrung. 455 in Anſehung der Andern feſiſetzte, ſo konnte man ſich leicht in der Anwendung, die hievon auf die darin nicht verzeich⸗ neten Claſſen zu machen war, irren. Das Geſetzbuch hat weislich eine einfüörmige Regel fuͤr alle aufgeſiellt. 3) Weder in der Ordonnanz, noch im Gewohnheits⸗Rechte waren ſo ausgedehnte Verfügungen enthalten, als im Geſetz⸗ buche; in beyden war keine Sprache von Vorſtehern einer Penſions⸗Anſtalt, von Lehrern, von Taglöhnern, von Huiſe ſiers; das Geſetzbuch hat indeſſen alles beſtimmen, und allen Streitigkeiten dieſer Art ein Ende machen wollen. 4) In Anſehung der Aerzte wurde die Verfügung des Gewohnleits⸗Rechtes von Paris anderswo nicht bevbachtet; mehrere Mahle habe ich wenigſtens beym Parlamente von Bordeaux entſcheiden geſehen, daß ihre Klage dreyßig Jahre lang dauere; welches wirklich ein großer Mißbrauch wan. §) Dieſe Verjaͤhrungen ſind nur zwiſchen Kaufmann und Bürger eingeführt, dagegen haben ſie von Kaufmann zu Kauf⸗ mann nicht Statt, wie Jousse und die übrigen Commenta⸗ toren über den Artikel, des Handels⸗Edictes lehren, und wie ebenfalls unſer Art. 2272 zu verſtehen gibt. Inzwiſchen müßte man doch meines Erachtens folgende zwey Faͤlle von einander unterſcheiden: entweder liefert ein Kaufmaun dem andern Gegenſtaͤnde, womit ſie beyder Seits Handel treiben, oder ſie liefern ſich Sachen, die kein Gegenſtand ihres bey⸗ derſeitigen Handels ſind. Im erſien Falle iſt, meiner Mei⸗ nung nach, die Verjaͤhrung nicht anwendbar, wohl aber im Letztern. So ſehe ich z. B⸗ nicht ein, warum ein Banguier nicht befugt ſeyn ſollte, die Verjährung von einem Jahre einem Metzger entgegenzuſetzen, der nach Ablauf dieſer Zeit die Zahlung des ihm gelieferten Fleiſches verlangt, u. ſ. w. Ich darf zwar nicht verhehlen, daß Dunod, p 168 das Gegentheil zu behaupten ſcheint, weil die Kauflente, wie er ſagt, zu mehr Redlichkeit verpflichtet ſind, wie die andern, und überdieß ein genaues Regiſter über alle ihre Geſchäfte führen müſſen; auch thut es mir beynahe leid, meine Dis⸗ 46* m. Buch. XR. Tit. Bon der Verjährung. tinction angefuͤhrt zu haben; Jousse ſcheint mir indeffen ſie zu begünſtigen, und jetzt, wo ſich ſo viele Leute mit dem Handel abgeben, würden unſere beyde Artikel faſt ohne Anwendung bleiben, wenn man die Kaufleute ohne allen Unterſchied davon ausnimmt⸗ 6) Der Art⸗ 126 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris verſagte den Schenkwirthen jede Klage wegen Wein und ſonſtiger Sachen, die ſie an Privat⸗Perſonen, welche an ih⸗ rem Aufenthalts⸗Orte wohnhaft waren, verkauft hatten; dieſe Verfuͤgung war aus einer Ordonnanz des Heil. Lndwigs vom Jahre 1254 hergenommen, welche zum Zwecke hatte, n Schwelgereyen, und Zänkereyen vorzubeugen, die an ſolchen ziemlich gewöhnlich ſind. Die Herbergen, ſagte er, ſind dazu beſtimmt, um Reiſende, nicht aber in dem nehm⸗ lichen Orte wohnhafte Perſonen anfzunehmen, welche zu Hans und bey ihrer Familie leben ſollen. Der Unterſchied der Sitten, und die Menge unverheirathrter Menſchen, die in großen Staͤdten zuſammenſtrömen, haben indeſſen zur Folge gehsbt, daß die Ordonnanz und das Gewohnheits⸗ Recht in dieſem Stt außer Gewohnheit gekommen ſind; auch macht der Art. 2271 zwiſchen den Lieferungen der Gaſt⸗ geber und Seit keinen Unterſchied. Art. 2273.„Die Klage der Sachwalter auf Zahlung „ihrer Auslagen und Gebühren wird, von dem Zeitpuncte „anzurechnen, da die Prozeſſe entſchieden, oder unter den „Parteyen verglichen, oder die Vollmacht dieſer Sachwalter „eingezogen worden, in zwey Jahren verjaͤhrt. In Hinſicht „der unbeendigt gebliebenen Sachen können ſie wegen ihrer „Auslagen und Gebühren, die von mehr als fünf Jahren »ſich herſchreiben, keine Klage mehr anſtellen.« Man ſchlug vor, die Klage der Sachwalter ſo wohl in Anſehung der beendigten, als nicht beendigten Prozeſſe, ohne allen Unterſchied auf zwey Jahre einzuſchränken. Der Un⸗ terſchied, ſagte man, der im Artikel aufgeſtellt wird, wird ſie anxeitzen, die Geſchäfte in die Laͤnge zu ziehen⸗ li. Buch. Lx. Cit. Von der Verjaͤhtung. 461 Bieſer Unterſchied, antwortete man, iſt an ſich gerecht, weil es natuͤrlich iſt, daß ein Sachwalter mehr auf ſeine Zah⸗ lung dringt, wenn der Prozeß beendigt iſt. Die Strenge, ſetzte man hinzu, die man gegen den Sachwalter gebraucht, wird auf den Clienten zurückfallen, welchen der Sachwalter zuverläſſig noch während des Prozeſſes zur Zahlung zwingen wuͤrde; ſo gar würde das noch daraus folgen, daß die Armen keinen Sachwalter mehr finden würden, der die Vorſchuͤſſe für ſie thun wollte⸗ Auf dieſe Bemerkungen wurde der Artitel angenommen.“ Was die beendigten Prozeſſe betrifft, ſtimmt er mit der allgeineinen Praris überein. S. Lapeyrere, lett. P, n. 141. Im uͤbrigen ſtimmt er mit einem Reglementar⸗Urtheile des Parlamentes von Paris, vom 28. März 1692 uͤberein, ausgenommen, daß dieſes ihnen in Anſehung der nicht been⸗ digten Prozeſſe ſechs Jahre geſtattete⸗ Art. 2274.»„ Die Verjährung hat in den obenerwähn⸗ „ten Faͤllen Statt, obſchon die Anſchaffungen, Lieferungen, „Dienſte und Arbeiten fortwährend geſchehen ſind. „Ihr Lauf nimmt nicht eher ein Ende, als bis eine „Rechnung abgeſchloſſen, eine Handſchrift oder eine Schuld⸗ „bekenntniß ausgefertigt, oder eine nachher nicht wieder er⸗ „loſchene Vorladung vor Gericht inſinuirt worden iſt⸗“ Stimmt mit dem Art⸗9, Tit⸗ 1 der Handels⸗Ordonnanz uͤberein.*) *) Dem vorliegenden und dem Art. 2242 ju Folge entſchied der Appellations⸗Hof von Paris am a0. Julius 18os in der Sache des Schlöſſers Fournier wider die Erben Fvulon, daß For⸗ derungen weßen verfertigter Arbeit und geſchehener Lieferungen der Verjährung von ſechs Monaten nicht unterworfen ſeyen, wenä ſie anerkannt worden ſind. Am 27. November 179 hatte nehm⸗ lich Foulon die Zahlung in Aſſignaten wirklich augebothen, hatte ſie aber nicht hinterlegt, und erſt im Junius 1807 wurde die Klage auf Zahlung angeſtellt, wo denn die Erben Foulon ſich auf die Verjaͤhrung berieſen. Dieſe Einrede wurde aber deß⸗ wegen verworfen, weil das von Foulon geſchehene Anerbiethen 452 Ul. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. Art. 2275.„Jene, welchen dieſe Verjaͤhrungen entge⸗ „gengeſetzt werden, behalten gleichwohl das Recht, denjeni⸗ „gen, die ſie vorſchützen, uͤber die Frage, ob in der That „die Zahlung erfolgt ſey, den Eid anzutragen. „Der Eid kann den Wittwen und Erben, oder wenn „dieſe letzteren noch minderjährig ſind, ihren Vormuͤndern „angetragen werden, damit ſie erklären, ob ſie nicht wiſſen⸗ „daß die Sache dem Kläger wirklich gebührt.* Stimmt mit dem Art. 10 des nehmlichen Titels der Han⸗ dels⸗Ordonnanz uͤberein⸗ Bey den Verjaͤhrungen, wovon in unſerem Artikel die Rede iſt, erlanbt er, von dem Schuldner zu verlangen, daß er ſchworen ſoll, weil ſie nur auf die Vermuthung gegrün⸗ det ſind, daß die Zahlung geſchehen ſey. Da indeſſen die Antragung des Eides nur in Hinſicht dieſer Verjährungen erlaubt wird, ſo muß man hieraus allein den Schluß herlei⸗ ten, daß in Anſehung der übrigen Verjährungen der Eid nicht angetragen werden dürfe. Dieſer Meinung iſt auch Dunod, p. 170, nach der Lehre des Dumoulin, und Rebuffus. Art. 2276.» Fünf Jahre nach erfolgter Entſcheidung „der Prozeſſe ſind die Richter und Sachwalter für die ihnen „anvertrauten Urkunden nicht mehr verantwortlich „Die Huiſſiers ſind nach zweh Jahren, von der Vollzie⸗ „hung des ihnen ertheilten Auftrages, oder von der Inſi⸗ „nuation der Acte, womit ſie beauftragt waren, anzurechnen, „gleichfalls davon entlaſtet.« eine wahre Anerkennuns ſeiner Schuld ſey, wodurch die Vermu⸗ thung der geſchehenen Zahlung hinwegfalle. Jurispr. de la C⸗ de C. 1308 im Anhange v. 263 1. f. Da uͤbrigens nach dem Inhalte des Artikels die Verjährung eintritt, wenn ſchon die Lieferungen, D enſte und Arbeiten fort⸗ waͤhrend geſchehen ſind, ſo macht jede Lieferung, jeder Dienſt, jede Arbeit eine eigene und beſondere Forderung aus, die der Verjähruns unterworfen iſt⸗* ————— ie ie L. i hi , 9 en ie⸗ ſi nu u t⸗ ſt, u m. Buch. X. Lit. Von der Verjährung. 463 Lapeyrère entſcheidet(lett. P, n. 160) nach der Lehre des Louet und Brodeau, lert. F, n. 21, und des Mornac, ad F. 7, N de edendo, daß die Advokaten und Procura⸗ toren, in Betreff der unentſchiedenen Prozeſſe nach zehn Jah⸗ ren, und in Betreff der abgeurtheilten Prozeſſe nach fünf Jahren, für die ihnen anvertrauten Papiere nicht mehr ver⸗ antwortlich ſeyen. Das nehmliche, ſagt er, gilt auch in Hinſicht der Huiſſiers⸗ In unſerem Artikel hat man in Anſehung der Huiſſiers einen Unterſchied machen zu müſſen geglaubt, weil ihre Amté⸗ verrichtung von kürzerer Dauer iſt. Da er indeſſen in Betreff der nicht abgeurtheilten Prozeſſe nichts entſchieden hat, ſo muß man annehmen, daß die auf den Empfangs⸗Schein des Sachwalters ſich gründende Klage der Parthey dreißig Jahre dauere. Eben ſo muß es ſich mit den uͤbrigen öffentlichen Beamten verhalten, wovon unſer Ar⸗ tikel ſpricht. Da die Gerichtsſchreiber, ſagt Lapeyrère, öffentliche De⸗ poſitarien ſind, ſo konnen ſie nie verjähren; zwey Parlaments⸗ Urtheile fuͤhrt er hieruͤber an, wovon Eines nach dreißig, und das andere nach vierzig Jahren von der Einhaͤndigung der Urkunden angerechnet, ſo entſchieden hat. Inzwiſchen ſagt er, gebe es auch Schriftſteller, die das Gegentheil be⸗ haupten. Gut wäre es, wenn das Geſetz ſich über dieſe verſchiede⸗ ne Fälle erklärt hätte. Art. 2277.»Rückſtände faͤllig gewordener Erb⸗ und „Leibrenten;„ „Rückſtändige Unterhalts⸗Penſionen; ⸗ »Die Miethgelder der Haͤuſer und der Pachtpreis von „Landgütern; „Zinſen von gekiehenem Gelde, und überhanpt alles, was »von Jahr zu Jahr, oder in kuͤrzern periodiſch zurückkehren⸗ „den Friſten zahlbar iſt;⸗ 46 1. Buch. XX. Tit. Von der Verjähruns „ Werden in fuͤf Jahren verjährt⸗„ Durch dieſen Artikel erleidet die alte Jurisprudenz eine große Aenderung; zuerſt wurden nach der Ordonnanz Ludwigs Xlf. vom Jahre 1510 nur die Rückſtände der conſtituirten Renten, und die rückſtuͤndigen Pächte in fünf Jahren ver⸗ jährt⸗ Eben dieſer Verjaͤhrung unterwarf nachher das Geſetz vom 20. Auguſt 1792 die Rückſtande der Grund⸗Zinſen und Grund⸗ Renten. Die Zinſen von gelehntem Gelde, die Penſionen und Leib⸗Renten blieben aber der alleinigen Vetjährung von drey⸗ ſig Jahren unterworfen⸗ Unfer Rrtikel unterwirft endlich der Verjährung von fünf Jahren alles, was von Jahr zu Fahr, oder in kürzern pe⸗ riodiſch zurückkehrenden Friſten zahlbar iſt. Das große Gute, was hiedurch unſer Artitel ſtiftet, iſt nicht zu verkennen; indem er einer Seits den Ruin der Schuldner verhindert, die unter den von ſo vielen Jahren her aufgehäuften Ruͤckſtänden erlagen, beugt er anderer Seits den vielfachen Streitigkeiten vor, die ſelbſt uͤber die Frage, ob und wie die Zahlungen geſchehen ſeyen, entſtanden⸗ Art⸗ 2278.„ Die Verjährungen, wovon in den Artikeln „des gegenwättigen Abſchnittes die Rede iſt, laufen wider „Minderjährige und Interdicirte, mit Vorbehalt ihres Regreſ⸗ „ſes wider ihre Vormünder.» So war es auch in der Praris, wie man bey Dunod, und den p. 244. von ihm angeführten Schriftſtellern ſehen kann⸗ Art. 2279. „eines Titels.» »Derjenige, de „Bey Mobilien vertritt der Beſitz die Stelle r eine Sache verloren hat, oder dein ſie „entwendet worden iſt, kann ſie gleichwohl, drey Jahre hin⸗ „durch, von dem Tage anzurechnen, da er ſie verloren hat, „oder da ſie geſtohlen worden, wider jeden, in deſſen Hän⸗ „den er ſie findet, vindiciren, und dieſem bleibt der Regreß „wider denjenigen, von dem er die Sache hat, vorbehalten⸗ 6 MM. Buch. XR. Tit. Von der Verjährung. 465 Nach der T. un. Cod. de usucap. transf. wurden, wie wir bereits geſehen haben, die Mobilien in drey Jahren verjaͤhrt. Eine Menge Schriftſteller lehrten dagegen, daß man dieſes Geſetz in Frankreich nicht beobachte, und die Mobilien nur in dreyßig Jahren verjährt wuͤrden. S. Lapeyrère, und alle (Iett. P. n. 98.) von ihm angeführte Rechts⸗Lehrer, und Serres, p. 156. Man muß indeſſen denjenigen, ber die Sache geſtohlen hat, von jenem unterſcheiden, welcher ſie gefunden, oder gar in gutem Glauben vom Diebe erworben hat. Wer die Sache geſtohlen hat, kann ſie nur in dreyßig Jahren verjähren; ſo gar hatten noch verſchiedene von La- peyrère a. a. O. angeführte Urtheile des Parlamentes von Paris entſchieden, daß, da das Verbrechen des Diebſtahls in zwanzig Jahren verj ihrt werde, die Zurückerſtattung der geſtohlenen Sache, als Acceſſorium des Verbrechens in dem nehmlichen Zeitraume verjährt werden muͤſſe. Dieſes bezieht ſich aber auf die EriminaleKlage, wovon hier keine Frage iſt. Was denjenigen betrifft, der eine verlorne Sache gefun⸗ den, oder der ſie ſo gar in gutem Glauben vom Diebe er⸗ worben hat, auf dieſen muß die ſchon angefuͤhrte T. un. an⸗ gewendet werden, und er muß in drey Jahren verjähren. Rousseaud, V. Prescription, vect. 2, n. 5. Auch iſt unſer Artikel dieſer Meinung beygetreten. Art. 2280.„Hat der wirkliche Beſitzer der geſtohlenen „oder verlornen Sache ſie auf einem Jahtrmarkte, auf einem »Markte, oder in einem öffentlichen Ausrufe, oder von einem „Handelsmanne gekauft, der mit aͤhnlichen Sachen handelt, „ſo kann der urſprüngliche Eigenthümer ſie nicht anderſt zu⸗ „ruͤckerſtatten laſſen, als wenn er dem Beſitzer den Preis »zurückzahlt, den ſie ihm gekoſtet hat.» Dieſer Artikel iſt aus dem Tit. 21, Art. 96 der Arrétés des Hrn Lamoignon genommen. Der Grund davon liegt in der Begünſtigung, die der Handel IV. Malev. 30 456 U. Zuch. XX. Tit. Von der Verjährung. und der gute Glaube des Erwerbers verdienen, welcher aus den Umſtaͤnden ſeines Kaufes ſelbſt hervorgeht. Hätte aber der Erwerber anderſtwo, als an den im Artikel bezeichneten Oertern gekauft, dann hat er die nehmlichen Gründe nicht mehr für ſich; ſo gar wird er dann verdaͤchtig, und muß die ache dem Eigenthümer wiedergeben, ohne den Kaufpreis zurückfordern zu können. Ganz richtig bemerkt übrigens Herr Bigot, daß in den beyden vorhergehenden Artikeln nur von einzelnen Mobilien, nicht aber von einer Geſammtheit oder Quote von Mobilien, die z. B. einem Erben anfallen, die Rede ſey, denn in letz⸗ terem Falle wird die Klage auf ihre Herausgabe nicht an⸗ derſt, als wie der Titel, wodurch ſie uͤbergegangen ſind, ver⸗ jährt. So entſcheidet auch Dunod, p. 151. Art. 2281.»Verjaͤhrungen, welche in dem Zeitpunkte „der Verkündigung des gegenwärtigen Titels ſchon ihren An⸗ „fang genommen haben, werden nach den alten Geſetzen be⸗ „urtheilt.„ „Die um dieſe Zeit angefangenen Verjährungen, wozu „nach den alten Geſetzen, von demſelben Zeitpunkte anzu⸗ „rechnen, mehr als dreyßig Jahre erforderlich wären, wer⸗ „den gleichwohl durch dieſen Ablauf von dreyßig Jahren „vollendet.» Aus Achtung für den Grundſatz, daß Geſetze keine zu⸗ rückwirkende Kraft haben, iſt dieſer Artikel hinzugeſetzt wor⸗ den. Unter der alten Verfaſſung gab es inzwiſchen ſo lang⸗ wierige Verjährungen, die unvordenklichen z. B⸗ in Anſehung der nicht ununterbrochen fortdauernden Dienſtbarkeiten, daß man nicht fuͤr gut fand, das alte und das neue Recht ſo lange Zeit hindurch nebeneinander beſtehen zu laſſen; mit Grund hat man deßwegen entſchieden, daß jede ſchon ange⸗ fangene Verjährung in dreyßig Jahren von der Verkändung des Geſetzes angerechnet, vollendet werden ſollte. —— het ten cht die vzu z vel⸗ ren Geſſetz uͤber die Vereinigung der buͤrgerlichen Geſetze in eine einzige Sammlung unter dem Titel: Code civil des Frangais(Civil ⸗Geſetzbuch der Franzoſen.) (Deecretirt den zo. Ventos 12. J.(21. März 1804) Promulgirt den 10. des folg. Mon. Germinal(31. März n. J.) E, ſollen in eine und dieſelbe Sammlung „unter dem Titel: Gode civil des Frangais(Civil⸗Geſetzbuch „der Franzoſen)*) vereiniget werden, folgende Geſetze, ꝛc. ꝛ0. Art. 6.»Der Verfügung des erſten Artikels ungehin⸗ „dert, ſoll ein jedes der Geſetze, die hierin angeführt ſind, „von dem Tage an beobachtet werden, da es zu Folge ſei⸗ „ner beſondern Promulgation ſeine Volſtreckung erhalten „mußte. Art. 7.»Von dem Tage anzurechnen, da dieſe Geſetze „executeriſch ſind, haben die römiſchen Geſetze, die Ordon⸗ „nanzen, die allgemeinen und die beſondern Local⸗Gewohn⸗ „heiten, die Statuten und Verordnungen in den Materien, „welche der Gegenſtand der beſagten Geſetze ſind, woraus „das gegenwärtige Geſetzbuch beſteht, keine verbindliche „Kraft mehr, als allgemeine oder als beſondere Geſetze.„ Dieſer Artikel macht eigentlich die Sanction des bürger⸗ lichen Geſetzbuches aus(ertheilt eigentlich dem Geſetzbuche die Kraft eines Geſetzes.) Ueber die Art, wie er abgefaßt werden ſollte, war man wirklich in großer Verlegenheit. In der Sitzung vom 17. Ventoſe 12. J.(3. März 1804) ſtellte man vor, das Geſetzbuch entſcheide bey weitem nicht alle, *) Dieſer Titel wurde durch das Geſetz vom 3. September 1307 in jenen; Geſetzbuch Napolevns veraͤndert. 465 nicht einmahl alle allgemeine Faͤlle, worüber in den rdmiſchen Geſetzen, in den Ordonnanzen und Gewohnheits⸗Rechten Be⸗ ſtimmungen enthalten ſeyen; ſchaffte man alſo alle dieſe Ge⸗ ſere ab, um den Richtern keine andere Vorſchrift als das Geſetzbuch zu geben, ſo würde hieraus ſolgen, daß man bey ciner unendlichen Menge von Streitigkeiten der Willkuͤhr Preis gegeben würde. Ließ man aber auch anderer Seits dieſes Geſetzbuch und jene Geſetze zuſammen beſtehen, und ſchaffte man letztere bloß in ſo weit ab, als ihre Verfuͤgungen jenen des Geſetz⸗ buches zuwider ſind, ſo machte man nur noch einen Zuſat zu jener unermeßlichen Geſetzgebung, womit wir überladen waͤren⸗ Man ſchlug alſo vor, im letzten Artikel des Geſetzbuches zu ſagen, daß man alle ſeinen Verfügungen entgegengeſetzte Geſetze abſchaffe, und diejenigen, welche uͤber Materien ver⸗ fügten, die der Gegenſtand der Titel des Geſetzbuches ſind, aufhören ſollten, Geſetzeskraft zu haben, und anderſt nicht mehr, als wie geſchriebenes Vernunft- und Billigkeits⸗Recht (ratio scripia) angeführt werden dürften. Gegen dieſen Vorſchlag wendete man ein, der erſte Theil ſey uͤberfluͤßig, weil man wehl wiſſe, daß die neuen Geſetze den alten derogiren; der zweyte Theil aber werde traurige Folgen nach ſich ziehen⸗ weil im Geſetzbuche nicht alle Fragen entſchieden werden könnten, und folglich den Richtern der Vortheil nicht benommen werden müſteihre Entſcheidungen aus andern Quellen, die Anſehen haben, zu ſchöpfen⸗ * Der, welcher den Vorſchlag gethan hatte, erwiderte, wenn die alten Geſetze in den im Geſetzbuche nicht ſtehenden Ver⸗ fuͤgungen ihre Kraft beybehielten, ſo würde der Caſſations⸗ Hof genöthigt ſeyn, alle Urtheile zu caſſiren, die dieſen Ge⸗ ſetzen entgegen ſeyn moͤchten; hiedurch wrirde man aber in en Chaos gerathen, aus welchem man ſich nicht heraus⸗ winden könnte⸗ ſe 465 In der Sitzung vom 19. des n. M.(10. März) wurde dieſe Discuſſion wieder vorgenommen. Jemand ſtellte nun vor, es ſey um ſo nothwendiger, die alten Geſetze in Anſe⸗ hung der im Civil⸗Geſetzbuche nicht entſchiedenen Fälle be⸗ ſtehen zu laſſen, als man ja ſchon in den Titeln von den Servituten, vom Mieth⸗Contracte und von den Vertraͤgen im Allgemeinen gezwungen geweſen ſey, auf dieſe Geſetze zur Entwickelung und Anwendung verſchiedener Verfügungen des Geſetzbuches hinzuverweiſen; zwar würden diejenigen, die ſich der Rechts⸗Wiſſenſchaft widmen, viel mehr ſtudieren muſ⸗ ſen; eben hierin liege aber mehr Vortheil als Nachtheil; oh⸗ nehin ſetze das neue Geſetz uͤber die Rechts⸗Schulen dieſes voraus, weil es das Studium des römiſchen Rechtes vor⸗ ſchreibe. Man kann nicht,(antwortete man, wie man bereits ge⸗ than hatte,) dem römiſchen Rechte die Kraft laſſen, die es in den Provinzen, worin es galt, hatte, ohne in den Caſſa⸗ tions⸗Hof eine große Verſchiedenheit von Grundſätzen und Praxis einzuführen. Die in den Propinzen, worin das rö⸗ miſche Recht galt, erlaſſenen Urtheile müßte man Laſſiren, weil die roͤmiſchen Geſetze verletzt werden wären, während man ähnliche Urtheile in andern Provinzen, worin dieſe Ge⸗ ſetze keine verbindliche Kraft hatten, beſtehen laſſen müßte. Immer und uͤberall wird das roͤmiſche Recht als geſchriebe⸗ nes Bernunſt⸗Recht gelten, aber nirgends dürfen ſeine Vor⸗ ſchriften, wenn dagegen geurtheilt wird, als Gruͤnde dienen, um ſolche Urtheile zu caſſiren. Dieſer letztere Pnunkt wurde endlich bewilligt, Vorausge⸗ ſetzt, daß es den Richtern übrigens ſrey bleibe, das römiſche Recht als Leitfaden zu gebrauchen. War bey dieſer Discuſſion such nur von den römiſchen Geſetzen die Rede, ſo muß doch meines Erachtens das nehm⸗ liche von den Gewohnheits-Rechten, Statuten und Local⸗ Verordnungen,(diejenigen ausgenommen, worauf das Ge⸗ ſetzbuch ausdruͤcklich hinverweiſt,) ſelbſt dann gelten, wenn 470 die Gewohnheits⸗Rechte und Statuten von Materien handel⸗ ten, die kein Gegenſtand der im Geſetzbuche enthaltenen Geſetze ſind; denn nur allgemeine und einförmige Geſetze kön⸗ nen fernerhin das Reich beherrſchen, und höchſtens kann man ſich auf dergleichen Gewohnheits⸗Rechte, ſo wie auf das rö⸗ miſche Recht, als wie auf geſchriebenes Vernunft⸗Recht berufen. Was die Ordonnanzen und die neuen von den verſchied e⸗ nen geſetzgebenden Verſammlungen gemachten Geſetze betrifft, dieſe haben noch wirklich Geſetzes⸗Kraft, wenn ſie uͤber Ge⸗ genſtände verfügen, woruͤber das Geſetzbuch Napoleons nichts verfügt; handlen ſie aber von Gegenſtänden dieſes Ge⸗ ſetzbuches, ſo haben ſie keine Geſetzes⸗Kraft mehr. So laͤßt ſich z. B. kein Caſſations⸗Grund gegen ein Ur⸗ theil daraus herleiten, daß es dem Geſetze vom 11. Brü⸗ maire 7. J. uͤber die Hypotheken zuwider Zehandelt hat. weil die Hypotheken⸗Materie im Geſetzbuche Nap. ent⸗ halten iſt. Eben ſo wenig kann man hoffen, daß ein Urtheil deßwegen werde caſſirt werden, weil es die Drdon⸗ nanz von 1733 uͤber die Verordnungen auf den Todes⸗Fall verletzt hat, da die Formalitöten und Wirkungen dieſer Ver⸗ ordnungen im G. N. beſtimmt ſind, u. ſ. w⸗ So gar läßt ſich meines Erachtens nicht behanpten, daß Urtheile deßwegen nichtig ſeyen, weil ſie ſich nicht nach ge⸗ wiſſen Artikeln vorhergehender Geſetze gefügt haben, die das Geſetzbuch nicht gerade zu in den Titeln, wo es vom nehm⸗ lichen Gegenſtande bandelt, widerrufen hat; genug iſt es, daß eine ſolche Materie den Gegenſtand eines der Titel des Geſetzbuches ausmacht, um jedem allgemeinen und beſondern Geſetze über den nehmlichen Gegenſtand ſeine verbindliche Kraft zu benehmen. Unſer Artikel ſagt dieſes ausdrücklich. —.—————————— uß ge a m des ern che . 4 g. 471 Nachtrag. Zu den Art. 213. 236 u. folg. bis zum Art. 245. Muß eine Frau autoriſirt werden, um ihre Klage auf Eheſcheidung wegen einer beſtimmten Urſache anzuſtellen? Dieſe Frage hat die Section des requétes des Caſſations⸗ Hofes am 25. Germinal 13. J.(15. April 1803) mit Nein entſchieden, und zwar aus der Urſache, weil die Formalitä⸗ ten, welche vorgeſchrieben ſind, um zur Klage auf Eheſchei⸗ dung zugelaſſen zu werden, von der Art ſind, daß ſie allen änßern Schein von gerichtlicher Prozedur ausſchließen, und nur dahin zwecken, die Ehegatten wieder auszuſohnen. Zugleich und zwar aus dem nehmlichen Grunde entſchied ſie, daß bey der Einhändigung der Ordonnanz des Richters, wodurch den beklagten Ehegatten befohlen wird, vor ihm zu erſcheinen, die Formalitäten der Vorladungen nicht erfor⸗ derlich ſeyen. Was der Klage auf Trennung von Tiſch und Bette vor⸗ hergehen müſſe, wird in den Art. 875— 879 des Geſetz⸗ buches ü. d. r. V. i. C. S⸗ beſtimmt. Zur Nete beym Art. 487.(1. B. S. 478 u. f.) Der Caſſations⸗Hof hat bey der Frage, ob und in wie fern neue Geſetze über den Stand der Perſonen auf Indivi⸗ duen anwendbar ſeyen, die bis zum Angenblicke ihrer Ver⸗ kündigung ſich in einem verſchiedenen Zuſtande befanden, ſol⸗ genden Unterſchied angenommen: Entweder verbeſſert as neue Geſetz den Stand der Perſonen, die der Gegenſtand d el⸗ ben ſind, oder es verſchlimmert ihn. Verbeſſert es ihn, ohne den erworbenen Rechten dritter Perſonen zu ſchaden, ſo muß 472 N a c5 3 9 es auf der Stelle angewendet werden. PVerſchlimmert es ihn, ſo kann es nur auf Perſonen angewendet werden, die zur Zeit ſeiner Verkündigung ſich noch in dem Zuſtande befinden, deſſen Dauer es beſtimmt. Dieſem Unterſchiede zu Folge entſchied dann auch der Caſſa⸗ tions⸗Hof in folgendem Falle. Die Wittib Garde klagte gegen Hrn. Veyrans auf Reſ⸗ ciſſion eines im Jahre 1761 unter ihnen geſchloſſenen Contrae⸗ tes. Ihre Tochter, und derſelben Ehegatte, Herr Fabre traten als Intervenienten zur Sache auf; am 3. Meſſidor J. 8.(22. Junius 1800) wieß das Civil⸗Gericht des Depar⸗ tementes der Ardeche, ohne Rückſicht auf die Intervention der Eheleute Fabre zu nehmen, die Wittib Garde mit ihrer Klage ab. Die Eheleute Fabre appellirten von dieſem Ur⸗ theile. Nun ſtarb der Appellant, Herr Veyrans. Am 17. Brumaire 10. J.(8. November 1801) luden die Appellan⸗ ten die Wittwe Veyrans und ihre Tochter Fanny Veyrans zur Wiedervornehmung des Prozeſſes vor. Da Letztere min⸗ derjährig, jedoch pubes und folglich nach den roͤmiſchen Ge⸗ ſetzen, die damahls im Ardeche⸗Departement galten, nicht mehr unter der Tutel war, ſo ernannte man ihr einen Curator zum Prozeſſe.— Am 18. Meſſidor 11 J.(7 Julius 1803) reformirte der Appellations⸗Hof von Nismes das in erſter Inſtanz erlaſſene Urtheil, und feſeindirte den Act von 1761.— Die Wittwe weyrans griff nun in der Eigenſchaft als Vor⸗ münderinn ihrer Tochter Fanny dieſes Urtheil als nichtig an⸗ weil Letztere durch das Geſetz vom 26. März 1803(Art⸗ 390 des G. N.) wieder unter ihre Vormundſchaft gekommen ſey, und folglich unter der bloßen Autoriſation eines Cura⸗ tors zum Prozeſſe nicht bey Gericht habe auftreten können. Die Eheleute Fsbre behaupteten dagegen, die minderjöhrige Fanny ſey ver dem Geſetze vom 26. März 1803 aus der Tutel getreten, habe durch die Wirkung dieſes Geſetzes ihr nicht mehr unterworfen werden können, und folglich ſey das mit ihr Statt gehabte gerichtliche Verfahren gaͤltig uns regelmaͤßig⸗ — 472 Der Appellations⸗Hof von Nismes erklärte indeſſen am 3. Fructidor 13 J.(21. Auguſt 1805) das gerichtliche Ver⸗ fahren, welches ſeit der Venrkuͤndigung des Geſetzes vom 26. März 1803 Statt gehabt hatte, für nichtig. Die Gruͤnde dieſer Entſcheidung waren im Allgemeinen die nehmlichen, die in der oben bemerkten Note(S. 478 u. f.) entwickelt wor⸗ den ſind. Die Eheleute Fabre nahmen nun ihren Recurs zum Caſ⸗ ſations⸗Hofe, und dieſer caſſirte am 6. April 1808 das Ur⸗ theil des Appellations⸗Hofes von Niömes aus folgenden Gründen: weil a) aus dem Art. 300 des G. N. hervorgehe, daß die minderjaͤhrigen Kinder unter die Vormundſchaft ihrer Eltern nur dann kommen ſollen, wenn ſie nicht emancipirt ſind; weil b) die Fanny Veyrans zur Zeit der Verkuͤndigung des Geſetzes vom 26. März 1803 pubes geweſen, folglich als emancipirt angeſehen worden, mithin der durch geſagten Ar⸗ tikel eingeführten Vormundſchaft nicht unterworfen geweſen ſey; weil folglich c) der Appellations⸗Hof von Nismes da⸗ durch, daß er entſchieden habe, daß ſie unter die Vormund⸗ ſchaft ihrer Mutter zurückgefallen ſey, den Art. 300 des G. N. unrichtig angewendet habe. Répertoire de jurisprud. Fum Art. 512 und der Note dazu.(1. B⸗ S. 499.) ueber die Frage, ob jemand, der ſich zu ſchwach fühlen wuͤrde, ſein Vermögen zu verwalten, und ſeine Angelegen⸗ heiten ſelbſt zu beſorgen, ſich freywillig einem Curator un⸗ terwerfen, oder wenigſtens darum anſtehen könne, daß ihm ein freywilliger Rathgeber oder Beyſtand angeordnet werden moge, druͤcken ſich die Verfaſſer der Pandectes frangaises ſo aus:„ Die Verfaſſer des Entwurfes des Geſetzbuches, ſa⸗ gen ſie, hatten die Befugniß, ſich einen freywilligen Rath⸗ geber oder Beyſtand vom Gerichte ernennen zu laſſen, bey⸗ behalten. Im Geſetze trifft man dieſen Artikel nicht an⸗ Aus dem Verbal⸗Prozeſſe iſt die Urſache nicht zu erſehen, warum er hinweggeblieben iſt; über dieſen Punkt ſchweigt er durch— aus ſtill. Wir ſind dieſemnach der Meinung, daß es bey 474 ch demjenigen geblieben iſt, was bis jetzt immer deßhalb ge⸗ braͤuchlich war, und daß jeder, der ſich zu ſchwach fühlt, ſeine Geſchäfte gut zu verwalten, ſelbſt begehren kann, daß ihm ein Rathgeber ernannt werde, deſſen Befugniße und Machtkreis alsdann im Urtheile, welches darüber erlaſſen wird, beſtimmt werden. Dieſes Urtheil derf anders nicht als nach Anhörung des öffentlichen Miniſteriums erlaſſen werden; und was deſſen Vollſtreckung und die zu beobach⸗ tenden Formen betrifft, muß man ſich nach den Vorſchriften richten, die im Falle einer Interdicition eintreten.« Tom. 4· p. 661 u. f. Da mehrere Tribunaͤle keinen Anſtand nahmen, der gleichen freywillige Rathgeber oder Curatoren denen, die hierum anſtanden, zu ernennen, ſo hat endlich die Regierung durch das Organ des Kaiſerlichen Herrn General⸗Procurators beym Caſſativns⸗Hofe den Geiſt des G. N. über dieſe Frage erkläͤ⸗ ren und an den Tag legen laſſen. Der Antrag, den er an die Section des requétes des Caſſations⸗Hofes richtete, lautet ſo: „ Der Kaiſerliche General⸗Procurator traͤgt vor, daß er von der Regierung den Auftrag erhalten habe, auf die Ver⸗ nichtung eines vom erſten Inſtanz⸗Gerichte von Parma er⸗ laſſenen Urtheiles anzutragen, welches eine offenbare Macht⸗ Ueberſchreitung in ſich enthält.“ „ In einem Notarial⸗Acte vom 15. October 1807 erklaͤrt Benedict Galli, daß er ſich wegen Mangel an Erfahrung unfähig fühle, ſein Vermögen als ein guter Hausvater zu verwalten, daß er den Betrüͤgereyen und Ueberliſtungen an⸗ derer ausweichen wolle, und weil ſeine Geſchäfte dermahlen durch die Folge ſeiner Unklugheit zerruͤttet wären, den Wunſch hege, ſie auf eine löbliche Art geſtührt, und wieder in Ord⸗ nung gebracht zu ſehen. Er erklart alſo, daß er geſagre Verwaltung freywillig und unwiderruſlich ſeiner Gattinn Thereſia piccinini und zwar ſo libertrage, daß dieſe Ue⸗ vertragung eben ſo gelten ſolle, wie eine wahre und foͤrm⸗ liche gerichtliche Interdiction, und zu dieſem Ende will er, daß, um die im Art. Fo1 des G. N. vorgeſchriebenen Fey⸗ Nachtras. 475 erlichkeiten zu erfüllen, der gegenwärtige Act dem erſten In⸗ ſtanz⸗Gerichte von Parma zur Beſtätigung vorgelegt werden ſolle.« „ Am folgenden Tage wurde eine Bittſchrift um Beſtä⸗ tigung dieſes Actes uͤberreicht, und am 24. des n. M. auf den Antrag des Kaiſerlichen Procurators ein Urtheil erlaſſen, welches nach Einſicht des Inhaltes des Art. 501 des G. N⸗ die von Benedict Galli auf ſeine Gattinn Thereſia Piccinini gemachte Uebertragung der Verwaltung ſeiner Güter beſtätigt, um die rechtliche Wirkung hervorzubringen; dann(wurde hinzugeſetzt) kann gegenwärtiges Urtheil auf Betreiben der Parteyen ausgelöſt, inſinuirt, und den Tabellen eingetra⸗ gen werden, die, in Gemäßheit des Art. 5o1 im Audienz⸗ Saale und in den Schreibſtuben der Notarien des Bezirkes angeſchlagen ſeyn ſollen.« „Hier iſt alſo eine auf Anſtehen und einzig zu Folge der Einwilligung der Perſon, deren Rechte dadurch gelähmt werden, erkannte Interdiction; hier iſt alſo ein Mann, der auf ſein Anſtehen und bloß Kraſt ſeiner Einwilligung unter die Vormundſchaft ſeiner Frau geſetzt wird; hier iſt alſo das Publicum feyerlich benachrichtiget, daß Niemand mit Be⸗ nediet Galli mehr contrahiren kann, weil Benediet Galli es ſo gewollt hat. ⸗ „Haͤngt alſo der Stand der Privat⸗Perſonen von ihrem Willen ab? Steht es in der Macht einer Privat⸗Perſen, die großjährig, und im Genuſſe aller ihrer Rechte iſt, auf ihre Fähigkeit Verzicht zu leiſten, und zu ſagen, ich will un⸗ fähig ſeyn? Nein: Der Stand, die Fähigkeit der Bürger ſind nur dem Geſetze unterworfen; das Geſetz allein kann ſie deren berauben, es allein kann die Urſachen, wodurch ſie derſelben verluſtig werden, beſtimmen, ſo wie es ſie auch wirklich beſtimmt; und dieſe Urſachen will es von den Rich⸗ tern eben ſo genau als feyerlich unterſucht wiſſen, ehe ſie ſich des furchtbaren Rechtes bedienen, welches es ihnen beylegt.⸗ man kann durch keine Privat⸗Vertraͤge,(heißt es im Art. 6 des G. N.) den Geſetzen derogiren, welche die 476 N achtrag⸗ Zandhabung der öffentlichen Ordnung zum Zwecke ba⸗ ven. Welche Geſetze intereſſiren nun aber mehr die öffent⸗ liche Ordnung, als jene, die den Stand der Menſchen be⸗ ſtimmen, die zur nehmlichen Zeſt, wo ſie den Minderjähri⸗ gen in heilſamen Banden gefeſſelt halten, dem Großjährigen die vollige Ausübung ſeiner individuellen Freyheit laſſen 7 und— dem Art. 1338 des G. N. zu Folge kann ja nicht einmahl im Heiraths-Contraete den Rechten derogirt werden, die aus der Gewalt des Mannes über die Perſon der Fran und der Kinder entſpringen, und die ihm als Oberhaupte zuſtehen; wie waͤre es nun möglich, daß der Mann mittelſt eines einfachen waͤhrend der Ehe gemachten Aetes freywillig und unwiderruflich die ganze Macht, womit er bekleidet iſt, in die Hände ſeiner Frau ſollte ablegen kön⸗ nen? Wahrlich wäre dieß, man darf es ungeſcheut ſagen, den Unſinn aufs höchſte getrieben. „Laßt uns indeſſen insbeſondere bey den Art. 400 und 401 des G. N. ſtehen bleiben. Im Art. 490 heißt es: „jeder Verwandte iſt berechtigt auf Interdiction ſeines Ver⸗ wandten anzutragen. Eben ſo kann ein Ehegatte wider den Andern die Interdiction nachſuchen.« Der Art. 491 ſetzt hinzu:» wider Raſende iſt es Pflicht des Kaiſerlichen Pro⸗ cnrators auf die Interdietion anzutragen, wenn weder der Ehegatte noch die Verwandten dieſes thun; er kann ſie eben⸗ falls wider Blödſinnige oder Wahnſinnige nachſuchen, wenn dieſe weder einen Gatten, noch eine Gattinn, noch einen bekannten Blutsfreund haben.« „ Dffenbar geht aus dieſen beyden Artikeln hervor, daß, wenn jemand, der einen Gatten oder eine Gattinn, oder berannte Blutsfreunde hat, einem Gerichte vorſtellt, daß er wahnſinnig oder blödſinnig ſey, und interdieirt zu werden verlange, das öffentliche Miniſterium, wenn es auch deſſen Geſuch als eine ihm gemachte Anzeige anſaͤhe, ſich dech nicht den geringſten Schritt erlauben dürfe, um ihn inter⸗ diciren zu laſſen.— Iſt es nun wohl begreiflich, daß je⸗ —————————— N a ch 46 g. 477 mand ſelbſt, mittelſt eines Notarial⸗Actes dasjenige zu thun vefugt ſeyn ſollte, was doch das dffentliche Miniſterium nicht einmahl zu Folge der von einer ſolchen Perſon gerichtlich abgegebenen Einwilligung thun dürfte? Iſt es begreiflich, wie eine ſolche Perſon allein und Kraft ihres Willens zu ei⸗ ner Interdiction gelangen könnte, die ihr abgeſchlagen wür⸗ de, wenn ſie dieſelbe durch das Organ und mit der Unter⸗ ſtützung des öffentlichen Minſteriums nachſuchte? „Noch ein Wort; es iſt entſcheidend: Im Entwurfe des G. N., der von den zu dieſem Ende im J. 8 ernannten Commiſſarien abgefaßt, und an alle Tribunäle, um ihre Bemerkungen daruͤber zu machen, abgeſchickt worden iſt, war ein Capitel unter der Aufſchrift: vom freywilligen Rathgeber enthalten, deſſen Verfügungen jedem Großjähri⸗ gen, welcher ſich unfähig halten würde, ſeine Güter zu verwalten, erlaubten zu verlangen, daß ihm ein gerichtli⸗ cher Rathgeber angeordnet werden möchte. Dieſes Capitel iſt im G. N nicht wieder vorfindlich; bey der definitiven Redactien dieſes Geſetzbuches iſt es darin ausgeſtrichen wor⸗ den, zuverläßig aus keiner andern Urſache, als weil der Geſetzgeber es ſeinen Abſichten zuwider erachtet hat. „ So kann alſo eine Privat⸗Perſon nicht auf ihr bloßes Anſtehen, und mit ihrer alleinigen Einwilligung in den Zu⸗ ſtand eines Verſchwenders verſetzt werden, dem die Juſtitz einen Rathgeber ernennt. Wie wäre es alſo möglich, daß ſie auf ihr bloßes Anſtehen, und mit ihrer alleinigen Ein⸗ willigung in einen Zuſtand von abſoluter Interdiction ver⸗ ſetzt werden könnte? Wenn es wahr iſt, wie es ausdrücklich in der L. 21. fl. de reg jur. heißt, daß demjenigen, dem etwas erlaubt iſt, was mehr iſt, auch das erlaubt ſey, was weniger iſt,(non debet ei cui plus licet, quod minus est non licere) ſo iſt es eben ſo wahr, daß unter dem Verbothe deſſen, was weniger iſt, auch das Verboth deſſen, was mehr iſt, enthalten ſeyn müſſe⸗ » Benedict Galli hatte alſo dadurch, daß er in dem Acte vom 16 Oetober 1807 in ſeine Interdiction einwilligte, einen 375 Nachtrag⸗ lächerlichen Mißbrauch von der Freyheit gemacht, die ihm die Natur und das Geſetz verlieh. Das Civil⸗Gericht von Parma hat folglich durch die Homologation dieſes Actes ſei⸗ ne Macht uͤberſchritten; denn, Macht⸗Ueberſchreitung iſt ſo oft vorhanden, als ein Gericht einen Act beſtaͤtigt, welcher ſich auf Gegenſtaͤnde bezieht, die der geſetzlichen Beſtimmung zu Folge außer der Sphäre der Verträge liegen. So hat der Caſſations-Hof am 6. Pluvioſe 11 I(26 Jänner 18030 nach unſerem, aus ausdrücktichem Befehl der Regierung ge⸗ machten Antrage, den Vollſtreckungs⸗Befehl, den der Praͤ⸗ ſident des Civil⸗Gerichtes von St. Gandens auf ein angeb⸗ liches ſchiedsrichterliches urtheil erlaſſen hatte, wodurch zu Folge eines von beyden Ehegatten unterzeichneten Compro⸗ miſſes eine Ehe fuͤr nichtig erklärt worden war, als eine ausgemachte Wacht Ueberſchreitung in ſich faſſend, eaſſirt. Läßt ſich nun aber wohl eine ungeheurere Macht⸗Ueberſchrei⸗ tung denken, als jene, die darin beſteht, daß ein Menſch ſeines Standes und ſeiner Freyheit beraubt wird, gegen den kein rechtlicher Beweis vorhanden iſt, daß er ſich deren Verluſt auf eine geſetzliche Weiſe zugezogen habe. Unterzeichnet Merlin⸗ Dieſem Antrage gemaͤß caſſirte die Section des requétes am 7 Sept. 1808 das Homologations⸗Urtheil des Civil⸗Ge⸗ richtes von Parma, wobon die Rede iſt, weil man durch Privat⸗Vertraͤge den Geſetzen nicht derogiren kann, die die öf⸗ fentliche Ordnuna intereſſiren und den Stand der Bürger beſtimmen. Jurispr. de la C. de C. 1808 p. 463 u. f. JZur Anmerkung zum Art. 516.(B. 2. S. 3 u. 2 Dieſes vom Caſſations⸗Hofe erlaſſenen Urtheiles ungeach⸗ tet, wendeten ſich die Verwalter des Hospitals von Chan⸗ tilli an den Praͤfesten des Departements der Gold⸗Küſte, welcher mittelſt eines Beſchluſſes vom 11. Meſſidor 13 J⸗ (3. Julius 1805) die Sache, die der Appellations⸗Hof von Dijon ſchon entſchieden hatte, an ſich zog, und ſich darüber zL¶ erkennen für befugt erklärte. Als indeſſen dieſer Juris⸗ dictivns- Streit beym Staats-Ralhe angebracht wurde, er⸗ * Nachtra. folgte am 30 Junius 1806 ein Kaiſerliches Decret, welches ſo lautet: Napoleon, Kaiſer der Franzoſen und König von Ita⸗ lien, auf den Bericht unſeres Miniſters der innern Angele⸗ genheiten; nach Einſicht eines am 17. Julius 1787 von der Vogtey von Chatillon an der Seine, in der Sache des Hok⸗ pitals von Chantilly und ſeines Pächters des Hrn. Fortier erlaſſenen Urtheiles, nach welchem Fortier für Nicht⸗Genuß von vierhundert ein und neunzig Morgen Land, gemäß einer von Sachverſtändigen vorzunehmenden Schätzung entſchaͤdigt werden ſoll:— Nach Einſicht eines Urtheiles des Appella⸗ tions⸗Hofes von Dijon vom 8. Thermidor 11. J. 27(Julius 1803), welcher, nachdem er ſich den Beſchluß des Präfectur⸗ Rathes des Departements der Diſe, wodurch das Hospital zu Führung des Prozeſſes autvriſirt worden war, hatte vor⸗ legen laſſen, das Urtheil der Vogtey von Chatillon beſtä⸗ tigt, und dem Hrn. Fortier für ſeinen Nicht-Genuß eine Entſchädigung zuerkennt;— Nach Einſicht des Urtheiles des Caſſations⸗Hofet, welches das Geſuch der Verwalter des Hospitals von Chantilly verwirft;— Nach Einſicht des Beſchluſſes des Präfecten der Gold⸗Kuͤſte vom 11. Meſſidor 13 J., wodurch der Jurisdictions⸗Streit erhoben wird:— In Erwägung, daß dermahlen kein noch wirklich beſtehendes Geſetz vorhanden iſt, welches die Schulden der Hospitäler für Staats⸗Schulden erklart;— In Erwägung, daß die Verwalter des Hospitals von Chantilly, als ſie ſich an den Appellations⸗Hof von Dijon wendeten, hiezu von dem Prä⸗ fectur⸗Rathe autoriſirt waren;— In Erwaͤgung gleichwohl, daß diejenigen, welche gegen die Hospitäler Verurtheilungen ausgewirkt haben, ſich an die Verwaltung wenden müſſen, damit dieſe die Art beſtimme, wie ſolche Verurtheilungen zu vollſtrecken ſeyen;— Nach Anhörung unſeres Staats⸗Ra⸗ thes, haben wir deeretirt und decretiren wie folgt:— Art. 1. Der Beſchluß des Präfecten des Departements der Gold⸗ Küſte vom 17. Meſſidor 13 J.(30 Julius 1803) wodurch in der Streit⸗Sache zwiſchen Hrn. Fortier und dem Hospital von 480 Chantilly ein Jurisdietions-Streit erhoben wird, iſt fuͤr nich⸗ tig erklart.— 2. Herr Fortier hat ſich in Betreff der Art, wie die von ihm ausgewirkten Urtheile zu vollſtrecken ſind, an die Verwaltungs⸗Behörde zu wenden.— 3. Unſer Groß⸗ Richter, Juſtitz⸗-Miniſter, und Unſer Miniſter der Innern ſind, und zwar jeder, in ſo weit es ihn betrifft, mit der Vollziehung des gegenwaͤrtigen Decrets beauftragt. Zur Note beym Art. 1038.(2. B. S. 465.) Die Civil⸗Section des Caſſations⸗Hofes entſchied indeſſen am 7. Mai 1808, daß die Veräußerung beſtimmter, dem Teſtirer wirklich zugehörigen Güter den Widerruf eines Ver⸗ maͤchtniſſes unter einem Univerſal-Titel nicht nach ſich zie⸗ he, und caſſirte aus dieſem Grunde das vom Appellations⸗ Hofe von Poitiers erlaſſene Urtheil. Jurisp. de la C. de C. 1803 p. 355 u. f. S. die T. T. 15 und 18 f de adim⸗ vel transf. legat. Jur Note beym Art. 1044.(2 B. S. 477 u. f.) Das hier angeführte Urtheil des Appellations⸗Hofes von Agen wurde auch wirklich am 19. Oct. 1808 von der Civil⸗ Section caſſirt. Jurisp. de la C. de C. par Sirey, 1309 p. 31 u. f. B. — Kaiſerliches Decret uͤber die Titel. Im Pallaſte der Tuilerien, am 1 März 1803 Napoleon, von Gottes Gnaden und durch die Conſtitution, Kaiſer der Franzoſen, Koͤ⸗ nig von Ftalien, und Beſchuͤtzer des Rheiniſchen Bundes, allen Gegenwaͤrtigen und Zukuͤnftigen unſern Gruß. Nach Einſicht des Senatus⸗Conſultums vom 14. Auguſt 1806, Haben wir decretirt und verordnet, decretiren und ver⸗ ordnen wie folgt: Art. 1. Die mit den großen Reichs-Wuͤrden bekleideten Perſonen ſollen den Titel Prinz und Durchlaucht führen. 2. Die älteſten Söhne der Groß⸗Würdner haben von Rechts wegen den Titel Reichs⸗werzog, wenn ihr Vater zu ihren Gunſten ein Majorat errichtet hat, welches zweymahl hun⸗ dert tauſend Francs Einkünfte hervorbringt. Dieſer Titel und dieſes Majorat ſollen auf ihre directe und rechtmäßige, natürliche oder adoptirte Descendenz, von männlichem zu männlichem Geſchlechte, und nach der Ord⸗ nung der Erſtgeburt vererbt werden können. 3. Die Groß⸗Würdner können, fuͤr ihren aͤlteſten oder jüngern Sohn, Majorate errichten, denen die Titel Graf oder Baron, nach den hierunten beſtimmten Bedingungen beygelegt werden. 4. Unſere Miniſter, die Senatoren, unſere auf Lebens⸗ lang ernannten Staats-Raͤthe, die Präſidenten des Geſetz⸗ gebungs⸗Corps, die Erzbiſchöfe ſollen bey ihren Lebzeiten den Titel Graf führen. Zu dieſem Ende ſollen ihnen Diplome, die mit unſerem großen Inſiegel verſehen ſind, verabfolgt werden. 5. Dieſer Titel kann auf die directe und rechtmäßige, natürliche oder adoptirte Descendenz desjenigen, der damit IV. Malev. 31 452 c 6 bekleidet iſt, vom maͤnnlichen zum männlichen Geſchlechte nach der Ordnung der Erſtgeburt, und was die Erzbiſchoͤfe be⸗ trifft, auf jenen ihrer Neffen vererbt werden, den ſie dazu auswählen, wenn ſie ſich an den Prinzen Reichs⸗Erzkanzler wenden, um zu dieſem Ende unſere offenen Briefe zu erhal⸗ ten, und überdieß unter den folgenden Bedingungen⸗ 6. Der, welcher den Titel führt, ſoll nach den Formen, die wir zu beſtimmen Uns vorbehalten, beweiſen, daß er ein reines Einkommeu von dreyßig tauſend Francs in Guͤtern habe, die ſo beſchaffen ſind wie jene, woraus die Majora⸗ te gebildet werden müſſen. Ein Drittel dieſer Guͤter ſoll zur Dotation des im Art. 4. erwähnten Titels gewidmet werden, und mit ihm auf alle Perſonen uͤbergehen, worauf dieſer Titel beruhen wird⸗ 7. Die mit einem Titel bekleideten Perſonen, deren im Art. 4 Erwaͤhnung geſchieht, können zu Gunſten ihres älte⸗ ſten oder jüngern Sohnes ein Majorat errichten, dem der Titel Baron, nach den hierunten beſtimmten Bedingungen, beygelegt wird⸗ 8. Die Praͤſidenten unſerer Departements⸗Wahl⸗Collegien, der erſte Präſident und der General⸗Procurator unſeres Caſ— ſations⸗Hofes, der erſte Präſident und der General⸗Procura⸗ tor unſeres Rechnungs⸗Hofes, die erſten Präſidenten und General-Procuratoren unſerer Appellations⸗Höfe, die Bi⸗ ſchofe, die Maire der ſieben und dreyßig guten Staͤdte, die das Recht haben unſerer Krönung beyzuwohnen, ſollen le— benslänglich den Titel Bgron führen, nehmlich, die Prä⸗ ſidenten der Wahl⸗Collegien, wenn ſie waͤhrend drey Ver⸗ ſammlungen den Vorſitz im Collegium geführt haben; die erſten Praͤſidenten, General⸗Procuratoren und Maire, wenn ſie zehn Jahre lang ihr Amt ausgelbt, und ihre Verrich⸗ tungen zu unſerer Zufriedenheit erfüllt haben⸗ 9. Die Verfügungen der Art. 5 und 6 ſind auf diejenigen anwendbar, die lebenslanglich den Titel Baron fuͤhren; ſie brauchen jedoch nur zu beweiſen, daß ſie fünfzehntauſend Francs te a ih he ge li de ge 2=— Nachtragy 43 Einkünfte haben, wovon ein Drittel zur Dotation ihres Ti⸗ tels beſtimmt werden, und mit ihm auf alle Perſonen, wor⸗ auf dieſer Titel beruhen wird, uͤbergehen ſoll. 10. Die Mitglieder unſerer Departements⸗Wahl⸗Collegien, welche dreyen Verſammlungen der Collegien beygewohnt, und ihre Verrichtungen zu unſerer Zufriedenheit dabey ausgeuͤbt haben, können ſich an den Reichs⸗Erzkanzler wenden, mit dem Begehren, daß es Uns gefallen möge, ihnen den Titel Baron, zu verleihen; dieſer Titel kann aber auf ihre di⸗ recte und rechtmäßige, natürliche oder adoptirte Descendenz nur in ſo fern uͤbergehen, als ſie beweiſen, daß ſie fünf— zehntanſend Francs Einkuͤnfte haben, wovon ein Drittel, wenn ſie unſere offene Briefe erhalten haben werden, zur Dotation ihres Titels beſtimmt bleiben, und mit ihm auf alle Perſonen, wobey er verbleiben wird, übergehen ſoll. 11. Die Mitglieder der Ehren⸗Legion, ſo wie jene, die in der Zukunft dieſe Auszeichnung erhalten werden, ſollen den Titel Ritter fuͤhren⸗ 12. Dieſer Titel kann auf die directe und rechtmäßige, natuͤrliche oder adoptirte Descendenz deſſen, der damit be⸗ kleidet iſt, vom männlichen zum männlichen Geſchlechte, nach der Ordnung der Erſtgeburt vererbt werden, wenn er ſich an den Reichs⸗Erzkanzler wendet, um zu dieſem Ende unſere offene Brieſe zu erhalten, und beweiſet, daß er ein reines Einkommen von wenigſtens drey tauſend Fraucs hat. 13. Wir halten Uns bevor, den Generaͤlen, Präfekten, Civil⸗und Militar⸗Beamten, und ſonſtigen unſerer Untertha⸗ nen, die ſich durch die dem Staate geleiſteten Dienſte aus⸗ gezeichnet haben, die Titel zu verleihen, die wir für ſchick⸗ lich erachten werden. 14. Jene unſerer Unterthanen, denen wit Titel beyge⸗ legt haben, dürſen keine andere Wappen führen, noch an⸗ dere Livree haben, als die, welche in den Diplomen aus⸗ gedruckt ſind. 15. Wir verbiethen allen unſern Unterthanen, ſich Titel 484 ch und Benennungen anzumaßen, die wir ihnen nicht beygelegt haben, und den Beamten des Civil-Standes, Notarien und Andern ſie ihnen zu geben, und ernenern deßhalb in ſo fern es gegen die Zuwiderhandelnden noͤthig ſeyn mögte, die noch dermahlen beſtehenden Geſetze. Kaiſerliches Decret uͤber die Majorate. Im Pallaſte der Tuilerien, am 1. Märi 1808. Napoleon von Gottes Gnaden Kaiſer der Fran⸗ zoſen, Koͤnig von Italien, und Beſchuͤtzer des Rheiniſchen Bundes, allen Gegenwaͤrtigen und Zukuͤnſtigen ſeinen Gruß. Unſere Decrete vom 30. Maͤrz 1806 und das Senatus⸗ Conſultum vom 1g. Auguſt des nehmlichen Jahres haben erbliche Titel mit Vererbung der Guͤter, die fuͤr ſie beſtimmt ſind, eingefuͤhrt. Der Zweck dieſer Einrichtung war, nicht nur unſern Thron mit dem ſeiner Würde gebuͤhrenden Glanze zu umge⸗ ben, ſondern auch im Herzen unſerer Unterthanen eine löb⸗ liche Nacheiferung dadurch zu nähren, daß wir glorreiche Andenken verewigen, und den künftigen Zeiraltern das im⸗ mer gegenwaͤrtige Bild der Belohnungen aufbewahren, die unter einer gerechten Regierung auf große dem Staate ge⸗ leiſteten Dienſte folgen. Da wir den Wunſch hegen, die durch dieſe große Ein⸗ richtung zugeſicherten Vortheile nicht laͤnger zu verſchieben, ſe haben wir beſchloſſen, durch Gegenwaͤrtiges die Vollzieh⸗ ungs⸗Mittel zu beſtimmen, die dazu geeignet ſind, dieſe Ein⸗ richtungen zu gründen, und ihre Dauer ſicher zu ſtellen⸗ Die Notbwendigkeit, die zur Aufrechthaltung der Titel gewidmeten Güter in den Famikien zu erhalten, legt die Verbindlichkeit auf, ſie vom gemeinen Rechte auszunehmen, — 5 — ꝛ n die N ach tra g 435 und ſie beſondern Regeln zu unterwerfen, die zur nehmlichen Zeit, wo ſie die Veräußerung oder Zeiſtückelung derſelben verhindern, den Mißbraͤuchen dadurch vorbeugen werden, daß wir alle unſere Unterthanen mit der Beſchaffenheit bekannt machen, worin dieſe Güter verſetzt ſind. Dieſemnach, und da es im Art. 8 des Senatus⸗Conſul⸗ tum vom 14. Auguſt 1806 heißt, daß mittelſt Regierungs⸗ Verordnungen für die Vollſtreckung des geſagten Actes, und zwar insbeſondere, was den Genuß und die Erhaltung ſo wohl der an die Kron rückfälligen, als der Kraft des oben er⸗ waͤhnten Actes ſubſtitnirten Güter betrifft, geſorgt werden ſoll, ſo haben wir beſchloſſen, die Grundſätze der Bildung der Majorate, ſie mag wegen Titel, die wir ertheilen wer⸗ den, Statt haben, oder Titel zum Gegenſtande haben, die unſere Freygebigkeet, ganz oder zum Theile, dotirt haben mag, zu beſtimmen. Auch haben wir die Ausnahmen, wodurch die Majorate ſich von den, den Verfuͤgungen des Geſetzbuches Napoleons unterworſenen Glitern unterſcheiden, die Bedingungen ihrer Errichtung in den Familien, und die Pflichten feſtſetzen wol⸗ len, welche denjenigen, die ſie genießen, auferlegt ſind. Aus dieſen Genden, und nach Einſicht unſerer Decrete vom 30. März, und des Senatus-Conſultums vom 14. Au⸗ guſt 1806, haben wir, nach Auhorung unſeres Staats⸗Ra⸗ thes decretirt, und verordnet, decretiren und verordnen, wie folgt: ſter Von den Fermen, welche diejenigen zu beobachten haben, die bey Errichtung eines Majorates ihre Titel zu vererben ermaͤchtigt werden. W Bildung, Form und Prüfung des Geſuches um Errichtung der Majorate. Art. 1. Ein Majorat kann nur aus unbeweglichen Gü⸗ tern gebildet werden, die von allen Privilegien und Hypo⸗ 436 Naſchtrag. theken frey, und mit keiner Reſtitution Kraft der Art. 1048 und 1099 des Geſetzbuchs Napoleons beſchwert ſind. 2. Renten auf den Staat, und Actien der Bank von Frankreich koͤnnen jedoch wenn ſie immobiliariſirt worden ſind, zur Bildung eines Majorates dienen; die Actien der Bank nehmlich, wenn ſie auf die im Art. 7 unſeres Decre⸗ tes vom verfloſſenen 6. Jaͤnner vorgeſchriebene Weiſe*), die Renten aber, wenn ſie in der in den folgenden Artikeln be⸗ ſtimmten Form immobiliariſirt worden ſünd. . Die Renten ſollen mittelſt der Erklaärung immobiliariſirt werden„die der Eigenthuͤmer in der nehmlichen für die Ue⸗ bertraͤge der Renten vorgeſchriebenen Form abgibt. g. Die auf ſolche Art immobiliariſirten Renten ſollen auch künftig in das große Buch der Staats⸗Schuld Erin⸗ nerungs⸗Weiſe, ſammt der Erklärung der Immobiliariſirung, und uͤberdieß in ein beſonderes Buch eingetragen werden. §. Die Auszüge der geſchehenen Eintragungen, ſo wie auch der Actien an der Bank von Frankreich ſollen mit ei⸗ nem Stempel bezeichnet werden, welcher anzeigt, daß ſie einem Majorate ankleben. 6. Von dem Theile der Einkuͤnfte eines Majorates, welcher in Renten auf den Staat oder in Bank⸗Actien be⸗ ſteht, ſoll jährlich ein Zehntel abgezogen werden, welches nach und nach alle Jahre wieder in Renten auf den Staat oder in Bank⸗Actien zum Vortheile des wirklichen Beſitzers des Majorates, und derer, die nach ihm dazu berufen ſind, angelegt werden ſoll. Dieſe Renten oder Actien ſollen eben⸗ falls immobiliariſirt werden. 8 weyter Abſchnitt.⸗ Von den Majoraten, die von denjenigen errichtet werden, welche die Befugniß haben ihren Litel zu vererben. 7. Jene unſerer Unterthanen, denen die Titel Herzog, Graf, Baron von Rechts wegen ertheilt werden, und die *) Siehe den 2. B. dieſes Werkes S. 13. 36 437 die Befugniß benutzen wollen, ihren Titel durch Errichtung eines Majorates erblich zu machen, haben ſich zu dieſem Ende mit einer Bittſchrift an unſern Vetter den Prinzen Erz⸗Canzler des Reiches zu wenden. g. Das Geſuch muß mit Gruͤnden begleitet ſeyn⸗ Es ſoll enthalten 1) Die Natur und die Dauer der Amte⸗Verrichtungen, die den Supplicanten zur Errichtung eines Majorates fä⸗ hig machen; 2) Die Gattung von Majorat, welches der Gegenſtand des Geſuches iſt; 3) Die Gaͤter, welche der Supplicant Willens iſt, zur Bildung deſſelben zu beſtimmen; 4) Den Ertrag dieſer Güter; §) Ein Zeugniß des Hypotheken⸗Bewahrers, daß weder eine Hypothek, noch ein Privilegium darauf haftet; 6) Die Anzahl der lebenden Kinder des Supplicanten, und zwar mit Unterſcheidung der Söhne und der Töchter. 9. Der Ertrag der Guͤter ſoll, weun ſie in Immobjlien beſtehen, 1) durch Pacht⸗Briefe, die zuſammen eine Dauer von ſieben und zwanzig Jahren ausmachen, 2) durch einen Auszug aus der Steuer⸗Rolle bewieſen werden⸗ Sind keine Pachtbriefe vorhanden, ſo ſoll der Supplicant einen ungefähren Ueberſchlag der Einkuͤnfte, und einen No⸗ tvrietats⸗Act beybringen, welcher eine von ſieben Notablen des Bezirkes, worin die Güter gelegen ſind, vor dem Frie⸗ dens⸗Richter oder einem Notar abgegebene Erklärung ent⸗ hält, daß dem gemeinen Rufe nach die Einkünfte davon ſich wirklich ſo hoch belaufen⸗ Alle dieſe Beweisſtücke werden der Bittſchrift beygelegt. 10. Der Erz⸗Kanzler ſoll das Geſuch von dem General⸗ Secretar des hierunten benannten Rathes ganz in ein Re⸗ giſter einſchreiben, und dem Supplicanten einen Schein hier⸗ über geben laſſen. 438 1I. Der Erz⸗Kanzler ſchreitet zur Prüfung des Gefuches unter dem Beyſtand eines von Uns ernannten Rathes. Die⸗ ſer Rath beſteht aus Drey Senatoren, Zwey Staats⸗Raͤthen, Einem General⸗Procurator, Einem General⸗Secretar. Dieſer Rath ſoll Rath des Siegels der Titel genannt werden. 1 Der General⸗Secretar ſoll uͤber die Berathſchlagungen ein Regiſter fuͤhren, und es aufbewahren. 11 12. Nachdem dieſer Rath den vom General-Procurator 1 über die Bittſchrift und die beygefuͤgten Belege abgeſtatteten f Bericht angehört hat, beſchließt er nach der Mehrheit der Stimmen. Findet er ſich nicht hinlaͤnglich aufgeklärt, ſo kann un⸗ ſer Vetter der Erz⸗Kanzler verordnen, daß auf Betreiben des General⸗Procurators, der zu dieſem Ende ſich mit den Ob⸗ rigkeiten, Beamten und Privat⸗Peyſonen in Briefwechſel ein⸗ S— läßt, neue Erkundigungen eingezogen werden ſollen. 6 13. Sobald das Geſuch in die Regiſter eingetragen iſt, ſoll unſer geſagter Vetter einen Act abgeben, welcher die Anzeige der zur Bildung des Majorates vorgeſchlagenen Gü⸗ ter enthält. Kraft dieſes Actes, und von vierzehn Tagen anzurechnen, die nach deſſen Einſchreibung auf dem Hypotheken⸗Bureau, worunter die Güter gelegen ſind, verfloſſen ſeyn werden, ſol⸗ len die darin verzeichneten Güter während eines Jahres un⸗ veräußerlich werden, und weder mit einem Privilegium, noch mit einer Hypothek, weder mit den in den Art. 1048 und 1049 des G. N. erwähnten Laſten, noch mit irgend ei⸗ ner Bedingung belegt werden koͤnnen, die das Eigenthum oder den Ertrag derſelben verringern würde. 489 Auf Betreiben des General⸗Procurators des Siegels der Titel ſoll die Einſchreibung in die Regiſter des Hypotheken⸗ Bemahrers Statt haben, und Letzterer gehalten ſeyn, dem General-Procurator von den Eintragungen oder Einſchrei— bungen, die bis zum Ablauf der geſagten vierzehn Tage et— wa hinzugekommen ſeyn moͤchten, Nachricht mitzutheilen. Der GeneraProcurator des Siegels ſoll zur nehmlichen Zeit, wo er die Eiuſchreibung thun läßt, um die Güter ven den gerichtlichen und vertragsmäßigen Hypotheken frey zu machen, ebenfalls die erforderlichen Schritte thun, um die geſetzlichen Hypttheken nach den vom Geſetze vorgeſchrie be⸗ nen Folmen zu tilgen, oder zu ihrer Kenntniß zu gelangén, und dieſes ſoll vor Ablieferung des Gutachtens, wovon im folgenden Artikel die Rede ſeyn wird, beſcheinigt werden. 14. Iſt das Gutachten dem Geſuche guͤnſtig, ſo ſoll un⸗ ſer Verter der Erz⸗Kanzler Uns mit der Bittſchrift, den Be⸗ legen und geſagtem Gutachten den Entwurf eines Decretes vorlegen, wodurch der nachgeſuchte Titel ertheilt und die Er⸗ richtung des Majtrates erlanbt wird, 15. Iſt der Rath der Meinung, daß die in Vorſchlag gebrachten Güter die zur Bildung der Majorate vorgeſchrie— benen Bedingungen nicht erfuͤllen, ſo ſoll die Bittſchrift,, die Belege dazu, und geſagtes Gutachten Uns vorgelegt werden. Genehmigen Wir das Gutachten des Rathes, ſo wird die Birtſchrift ſammt den Belegen vom General-Secretar dem Supplicanten zurückgegeben. Dieſer Zuruͤckgabe ſoll im Regiſter Erwähnung geſchehen, und der General⸗Procurator dem Hypotheken⸗Bewahrer, un⸗ ter deſſen Buͤreau die Güter gelegen ſind, ein Erſuchungs⸗ Schreiben zugehen laſſen, Kraft deſſen jede Einſchreibung ausgeſtrichen werden ſoll. 16. Haben Wir das Decret unterzeichnet, ſo ſoll die Pittſchrift ſammt den Belegen nebſt einer Ausfertigung des Titels in die Archive des Siegels der Litel hinterlegt werden. 450 . Dritter Abſchnitt. Ablieferung, Verkündigung und Eintragung der offenen Briefe (Diplome) in die Regiſter. 17. Auf Verlangen des Impetranten ſoll ihm ein Diplom ausgefertigt werden. 18. Zu dſeſem Ende iſt er gehalten, in die Caſſe der Ehren⸗Legion eine Summe zu bezahlen, die dem Fünftel der Einkünfte des Majorates von einem Jahre gleich iſt. Die Hälfte dieſer Summe ſoll der Ehren⸗Legion zugehö⸗ ren, die andere Haͤlfte aber für die Koſten des Siegels be⸗ ſtimmt ſeyn. 19. Das Diplom ſoll auf Pergament abgefaßt, und mit unſerm großen Siegel verſehen werden⸗ 20. Es ſoll enthalten 1) Die Beweggründe der Auszeichnung, die Wir verlie⸗ hen haben; 2) Den dem Majorate von Uns beygelegten Titel; 3) Die Güter, die deſſen Dotation ausmachen; 4) Die dem Impetranten verliehenen Wappen und Livree. 21. Das Diplom ſoll ſeinem ganzen Inhalte nach in ein zu dieſem Gebrauche beſonders beſtimmtes Regiſter, welches im Archive des Rathes des Siegels der Titel aufbewahrt bleiben ſoll, eingeſchrieben werden. Der General-Secretar des Siegels der Titel muß von allem dem in geſagtem Di⸗ plom Meldung thun. 22. Unſer Vetter, der Reichs-Erz-Kanzler ſoll ſich un⸗ ſern Befehlen zu Folge zum Senat verfügen, um, in Ge⸗ maßheit des Art. 3 des Senatus-Cenſultum vom 16. Aug⸗ 1806, von unſern Diplomen Nachricht mitzutheilen, und ſie in die Regiſter einſchreiben zu laſſen. 23. Das Diplem ſoll auf Betreiben des General⸗Procu⸗ rators ſo wohl als des Imperranten, und auf den Antrag des offentlichen Miniſteriums⸗ beym Appellations⸗Hofe, und beym Gerichte der erſten Inſtanz, worunter der Impetrant N 491 wohnhaft iſt, und die dem Majorate gewidmeten Güter ge⸗ legen ſind, verkuͤndet und in die Regiſter eingetragen werden Der Actuar eines jeden dieſer Hoͤfe und Tribunäle ſoll auf dem Original des Diploms der in der Audienz geſche⸗ henen Verkuͤndigung, und der Einſchreibung in die Re⸗ giſter Erwaͤhnung thun.. Ueberdieß ſoll es ſeinem ganzen Inhalte nach in das Tagbuch der Geſetze eingerückt, und in das Regiſter des Hypotheken-Bewahrers, worunter die Güter gelegen ſind, eingeſchrieben werden. 24. Die Koſten der Verkündigung und Eintragung in die Regiſter fallen dem Impetranten zur Laſt. Von den Formen, die in Betreff der Majorate zu befolgen ſind, welche entweder aus eigenem Antrieb, oder auf Verlangen derjenigen errichtet werden, die das Recht nicht haben, die Vererbung nachzuſuchen. Erſter Ab ſchnitt. Majorate die aus eigenem Antrieb errichtet werden. 25. Wenn Wir den Titel ganz dotirt haben, ſo ſoll un— ſer Decret und das Verzeichniß der dem Majorate angewie⸗ ſenen Guͤter unſerem Vetter dem Erz⸗Kanzler zugeſendet wer⸗ den, welcher auf Betreiben des Impetranten das Diplom ausfertigen läßt. Binnen dem Monate, worin das Diplom ausgefertigt worden iſt, muß es in die Regiſter eingetragen, verkündet und eingeſchrieben werden, ſo wie es in den Art. 21 und 22 verordnet iſt. 26. Hat derjenige, welchem der Titel verliehen wird, die Dotation deſſelben ganz oder zum Theile bewerkſtelligt, ſo kann das Diplom nicht eher ausgefertigt werden, als bis die in dem zweyten Abſchnitte des Tit. 2 des gegenwärtigen De⸗ eretes vorgeſchriebenen Verftigungen unterſucht und erfüllt wor⸗ den ſind. 42* W ch 3 weyter Ab ſchnitt⸗ Majorate, die auf Verlangen errichtet werden. 27. Diejenigen unſerer Unterthanen, die in Gemäßheit der im Art. des Senatus⸗Conſultum vom 14. Auguſt 1806 feſtgeſetzten Befugniß, in ihrer Familie ein Majorat zu er⸗ richten wünſchen, ſollen zu dieſem Ende ſich unmmittelbar an Uns mit einer Bittſchrift wenden. 28. Dieſe Bittſchrift muß mit Beweggründen verſehen teyn. Außer der Anzeige der vom Supplicanten und ſeiner Fa⸗ milie geleiſteten Dienſte, muß ſie die verſchiedenen im Art⸗ 8 vorgeſchriebenen Erklärungen enthalten⸗ 29. Wenn das Geſuch Uns dazu geeignet ſcheint, in Er⸗ wagung gezogen zu werden, ſſo ſoll die Bittſchrift ſammt den Belegen unſerem Vetter dem Erz-Kanzler zugewieſen werden, welcher ſie vom Rathe des Siegels der Titel, nach den in den Art. 10, 11 und 12 vorgeſchriebenen Formen unterſuchen laſſen ſoll. 30. Der Erz⸗Kanzler ſoll Uns den Antrag des General⸗ Procurators, und das Gutachten des Rathes nicht nur über die Mittel zur Bildung des Majorates, londern auch über die Dienſte, Sitten und die ehrenvolle Aufführung des Sup⸗ plicanten und ſeiner Familie vorlegen. 31. Unſern Befehlen zu Folge, ſoll der Erz⸗Kanzler Uns, wenn das Geſuch Statt findet, den Entwurf zu einem De⸗ crete vorlegen, welches die Errichtung des Majorates, unter den Bedingungen, die Wir aufzulegen für gut ſinden, zum Gegenſtande hat⸗ 32. Im Falle, wo das Geſuch verworfen wird, ſoll der Erz⸗Kanzler verordnen, daß dem Supplicanten ſeine Papiere zurückgegeben, und von dieſer Zurlickgabe in den Regiſtern Meldung gethan werden ſoll. 33. Wird dem Geſuche willfahren, ſo laͤßt der Erz⸗Kanz⸗ ler das Diplom ausfertigen. Hat es Uns gefallen, Bedin⸗ 497 gungen anfzulegen, ſo ſoll der Erz⸗Kanzler, vor der Aus⸗ fertigung des Diploms, Uns von deren Erfüllung Bericht abſtatten. 31. Die in Betreff der Ablieferung, Verkündigung und⸗ Eintragung der Diplome in die Regiſter zu beobachtenden Formen ſind die nehmlichen, die im Tit. 8 Abſch. 3 vor⸗ geſchrieben ſind. te Von den Wirkungen der Errichtung der Majorate. Erſter Abſchnitt. Vou den Wirkungen der Errichtung der Majorate, in Anſehung der Perſonen. 35. Der Titel, den es Uns gefallen hat, jedem Majo⸗ jorate beyzulegen, ſoll ausſchließlich demjenigen ankleben, zu deſſen Gunſten die Errichtung Statt gehabt hat, und auf ſeine rechtmäßige, natürliche oder adoptirte Abſtammung, vom maͤnnlichen zum männlichen Geſchlechte, nach der Ord⸗ nung der Erſtgeburt uͤbergehen. 36. Doch kann keiner unſerer Unterthanen, der mit ei⸗ nem Titel bekleidet iſt, ein Kind maͤnnlichen Geſchlechtes, nach den im G. N. beſtimmten Regeln, adoptiren, oder den Titel, der ihm verliehen worden, oder angefallen iſt, auf ein Kind, welches er adoptirt hatte, ehe er mit dieſem Titel bekleidet war, vererben, es ſey dann, daß dieſes mit unſe⸗ rer in unſerem zu dieſem Ende abgegebenen Diplome aus⸗ drücklich enthaltenen Erlaubniß geſchehe. Wer dieſe Erlaubniß erhalten will, ſoll ſich deßhalb an unſern Vetter den Erz⸗Kanzler wenden, welcher unſere Be⸗ fehle hierüber einzuhohlen hat. 37. Jene unſerer Unterthanen, denen die Titel Berzog, Graf, Baron oder Ritter von Rechts wegen ertheilt ſind, ſo wie auch diejenigen, welche zu ihren Gunſten die Errich⸗ tung eines Majorates erlangt haben, ſollen, binnen ei⸗ nem Monate, folgenden Eid leiſten:»Ich ſchwöre dem 634 N achtrag. „Kaiſer und ſeiner Dynaſtie getren zu ſeyn, den Conſtitu⸗ „tionen, Geſetzen und Verordnungen des Reichs zu gehorchen, vſeiner Majeſtaͤt als ein guter, aufrichtiger und getreuer „Unterthan zu dienen, und meine Kinder in den nehmlichen „Geſinnungen von Treue und Gehorſam zu erziehen, und „ſo oft das Gebieth bedroht wird, oder ſeine Majeſtät zur „Armee abgehen ſollte, zur Vertheidigung des Vaterlandes „auszuziehen.« 38. Diejenigen, welche berufen weiden, ein Majorat zu erben, ſollen binnen den drey Monaten den nehmlichen Eid leiſten. 30. Die Herzoge ſollen den Eid in unſere Hände ablegen, und Uns vom Erz⸗Kanzler vorgeſtellt werden. Die Grafen, Baronen und Ritter ſollen ihn in die Haͤn⸗ de deſſen oder derer ablegen, die wir zu dieſem Ende be⸗ zeichnen werden. Zweyter Abſchnitt. Von der Wirkung der Errichtung der Maſorate, in Beiiehung auf die Güter, woraus ſie beſtehen. . 1. Von der Beſchaffenheit der Güter. zo. Die Güter, welche die Majorate ausmachen, ſind unveräußerlich; ſie können weber verpfändet noch in Be⸗ ſchlag genommen werden⸗ Nichts deſtoweniger können die Kinder des Stiſters, die ihren Pflichttheil aus den freyen Gutern ihres Vaters nicht vollſtändig erhalten möchten, verlangen, daß er aus den vom Vater zur Bildung des Majorates hergegebenen Guͤtern ergänzt werde. 41. Jeder Verkauf⸗Act, jede Schenkung oder ſonſtige Veräußerung dieſer Güter von Seiten des wirklichen Beſitzers, jeder Act, der ſie mit einem Privilegium oder mit einer Hy⸗ vothek belegen moͤchte, jedes Urtheil, wodurch ſolche Acte 495 für gultig erklärt werden möchten, mit Aus nahme gleichwohl der hierunten ausgedruckten Fälle, ſind von Rechts wegen nichtig. 42. Die Nichtigkeit der Urtheile ſoll von unſerem Staats⸗ Rathe, in der Form, die durch unſere auf die ſtreitigeu Ver⸗ waltungs⸗Gegenſtände ſich beziehende Decrete vom 11. Junius und 22. Julius 1806 beſtimmt worden iſt, entweder auf Be⸗ treiben des wirklichen Beſitzers des Majorates, oder auf Er⸗ ſuchen des General⸗Procurators beym Siegel der Titel, aus⸗ geſprochen werden. 43. Wir verbiethen den Notarien, die im Art. 41 be⸗ zeichneten Acte aufzunehmen, den Einregiſtrirungs⸗Vorgeſetzten ſie einzuregiſtriren, den Richtern ſie fuͤr gültig zu erklären⸗ 44. Wir verbiethen gleichfalls allen Wechſel⸗Agenten, unter der Strafe der Abſetzung, ſo gar unter noch ſchärfern Strafe, je nachdem die Umſtände beſchaffen ſind, ſo wie auch unter der Strafe, daß ſie den Parteyen allen Schaden zu erſetzen haben ſollen, die Inſcription(von Renten auf den Staat) und Bank⸗Actien, welche mit dem durch den Art. 5 eingeführten Stempel bezeichnet ſind, unmittelbar oder mittelbar zu verhandeln⸗ 45. Die Majorats⸗Güter koͤnnen mit keiner er Hypothek beſchwert werden. 46. Träte aber der Fall ein, daß der Werth der Ma⸗ jorats⸗Guͤter Fraft einer geſetzlichen, vor den Formalitäten, wovon im Art. 13 die Rede iſt, erworbenen, und nach dem Inhalte des G. N. nicht getilgten oder hinlänglich gedeckten Hypothek verringert würde, ſo muß der wirkliche Beſitzer, wenn es von ihm verlangt wird, die für ſeinen Titel be⸗ ſtimmten, durch geſagte Hypothek aber davon abgegangenen Fonds wieder vollſtändig machen oder durch andere erſetzen. 2 Vom Genuſſe der Süter. 47. Alle Perſonen, worauf der Titel nach den Verft⸗ gungen des Art. 35 übergeht, haben nach und nach den Eenuß der ihm anklebenden Guͤter. 4 6 4s. Stirbt der wirkliche Beſitzer, gleich viel ob er eine männliche Nachkommenſchaft zurückläßt, oder ob das Maio⸗ rat ſich wegen Mangel männlicher Nachkommen erloſchen oder aus der männlichen Descendenz heraus verſetzt befinde, ſo iſt ſeine Wittwe zu einer Penſion berechtiat, die aus den Einkünften der Majorats⸗Guͤter genommen werden ſell. 40. Dieſe Penſion ſoll, wenn das Majorat erloſchen oder verl gt iſt, in der Häifte, und wenn es noch beſteht, in einem Dirtel der Einklinftr beſtehen; in dieſem letztern Falle gebührt die Penſion nur in ſo fern, als 1) Die eigenen Güter der Wittwe ſo vil nicht einbrin⸗ gen, als ſie mittelſt der Penſion bekommen haben würde, und 2) Sie Wittwe bleibt, oder ſich nur mit unſerer Erlaub⸗ niß wieder verheirathet. §5o. Der wirkliche Beſitzer des Majorates iſt ſchuldig, 1) Die Auflagen und andere dingliche Laſten zu entrichten; 2) Die Guͤter als ein guter Hausvater zu unterhalten; 33) Die Penſion der Wittwe des vorhergehenden Majorats⸗ Beſitzers auszuzahlen; 4) Die Schulden eben dieſes Beſitzers zu zahlen, wofuͤr nach dem Inhalte des Art. 52 die Einkünfte hätten angewie⸗ ſen werden können, ohne daß jedoch der wirkliche Beſitzer verbunden iſt, waͤhrend der zwey erſten Jahre ſeines Genuſſes mehr als ein Drittel des Ertrags der Guͤter dazu zu v'rwenden; §) Wenn keine andere hinreichende Guͤter vorhanden ſind, die Schulden von der Natur derjenigen zu zahlen, die im Art. 2101 des G. N⸗ angezeigt, und von den verſtorbenen Eltern des wirklichen Beſitzers etwa hinterlaſſen worden ſind⸗ Zu dieſen Zahlungen kann der wirkliche Beſitzer nur bis zum Betrag der Einkuͤnfte eines Jahres gezwungen werden. 51. Die Einkünfte des Majerates können außer dem Falle, und den Verhältniſſen, worin ſie haͤtten angewieſen werden können, nicht mit Arreſt belegt werden. 52. Sie können nur fuͤr privilegirte Schulden, die im Art. 2101, und in den Ziff. 4 und 5 des Art. 2103 des G⸗ 427 N. angezeigt ſind, angewieſen werden; dieſer letztern Urſache wegen iſt gleichwohl die Anweiſung nur in ſo fern erlaubt, als die Ausbeſſerungen jene nicht überſteigen, die den Nieß⸗ brauchern zur Laſt liegen⸗ In dem einen ſo wohl als in dem andern Falle kann die Anweiſung nur bis zum Betrag der Hälfte der Einkünfte Statt haben.. §3. Treten Fälle ein, welche beträchtliche Arbeiten oder Ausbeſſerungen an den zum Majorate gehörigen Gebäuden und ſonſtigen Gütern nothwendig machen, und die Summen uͤberſteigen, worüber hieroben zu disponiren erlaubt worden iſt, ſo ſoll hierüber, wenn es Statt findet, mittelſt eines im Staats⸗Rathe von uns erlaſſenen Decretes, auf Anſtehen des wirklichen Beſitzers und auf das Gutachten des Rathes des Siegels der Titel das Erforderliche beſtimmt werden⸗ Wie vter Ti tel⸗ Von der Erlaubniß, die den Majoraten anklebenden Güter zu veräußern; von den Formalitäten dieſer Veräußerung und von der Wiederanlegung. Sr it⸗ Von der Erlaubniß die einem Majorate anklebenden Güter zu veräußern. §4. Wir behalten uns vor, die Veraͤußerung der außer unſerem Reiche gelegenen, und von uns zur Dotation eines Titels angewieſenen Güter zu erlauben, und ſo gar, wenn die Umſtaͤnde es uns zu erheiſchen ſcheinen, anzubefehlen, um ſie durch Guͤter, die in Frankreich gelegen ſind, zu erſetzen. 55. Perſonen, die mit den Titeln, wovon im vorherge⸗ henden Artikel die Rede iſt, bekleidet ſind, haben ebenfalls die Befugniß, die Veraͤußerung und Wiederanlegung zu be⸗ gehren. 86. Die wirklichen Beſitzer, welche ſelbſt das Majorat dotirt haben, konnen, wenn es nothwendig oder nützlich iſt, die IV. Malev⸗ 32 491 Erlaubniß erhalten, die Güter, woraus die Dotation beſteht, ganz oder zum Theile zu vertauſchen. 57. In einem und im andern Falle, ſollen die wirklichen Beſitzer ſich mit ihrem Geſuche ſammt den im Art. 8 vorge⸗ ſchriebenen Beweisſtuͤcken an den Reichs⸗Erzkanzler wenden, welcher unſere Befehle einzuhohlen hat, um es, den Umſtaͤn⸗ den nach, vom Rathe des Siegels der Titel unterſuchen zu laſſen §8. Der Rath ſoll über das Geſuch nach der im Art. 12 vorgeſchriebenen Form verfahren. Iſt ſein Gutachten günſtig, ſo ſoll der Erzkanzler uns mit gedachtem Gutachten und dem Berichte des General⸗Pro⸗ curators einen Entwurf zu einem Decrete vorlegen, wodurch die Veräußerung oder der Austauſch erlaubt, die Art ſo wohl als die Bedingungen des Verkaufes beſtimmt, und den Um⸗ ſtänden nach verordnet wird, daß der Kaufpreis bis zur Be⸗ werkſtelligung der geſagten Wiederanlegung in die zur Til⸗ gung der Staats⸗Schulden beſtimmte Caſſe hinterlegt wer⸗ den ſoll. 59. Der Verkauf kann aus freyer Hand oder auch mit⸗ telſt Verſteigerung geſchehen⸗ 60. Bis er vollendet iſt, fährt der wirkliche Beſitzer fort, die Einkuͤnfte des Majorates zu beziehen. 61. Der Impetrant ſoll dem Rathe des Siegels der Titel den Entwurf des Verkaufes oder des Tauſches, oder das Verzeichniß der Bedingungen, worauf die Verſteigerung vor⸗ genommen werden ſoll, zur Prüfung vorlegen⸗ 62. Nachdem der Rath die erforderlichen Erkundigungen eingezogen hat, ertheilt er auf den Antrag des General⸗Pro⸗ curators ſein Gutachten, welches der Erzkanzler uns vorle⸗ gen ſoll. 63. Sind wir der Meinung, das Gutachten beſtätigen zu muͤſſen, ſo ſollen offene Briefe ausgefertigt werden, welche, ſo wie im Tit. 1 geſagt iſt, abgeliefert, verkuͤndet und ein⸗ geſchrieben werden ſollen. l. n ſi Nachtras. 655 Von dieſem Augenblicke an treten die Gäter, deren Per⸗ äußerung erlaubt wird, in den rechtlichen Verkehr zurück. 6. Der Kauf⸗ oder der Tauſch⸗Contract, oder der Zu⸗ ſchlag an den Meiſtbiethenden ſoll in Beyſeyn des General⸗ Procurators des Rathes des Siegels der Titel, oder ſeines Abgeordneten Statt haben. 68. Jeder Zuſchlag, Verkauf oder Tanſch, wobeß einige der in den vorhergehenden Artikeln des gegenwärtigen Abſchnittes feſtgeſetzten Formalitäten nicht beobachtet wurden, ſind nichtig und kraftlos. 66. Die Nichtigkeiten ſollen von unſerem Staats⸗Rathe ausgeſprochen werden, welcher nach den in unſerm Decrete vom 11. Innius und 23. Julius 1806 vorgeſchriebenen Formen, auf Betreiben des General⸗Procurators darüber verfügen ſoll⸗ Wir verbiethen unſern Höfen und Tribunälen, darüber zu erkennen⸗ 67. Der Erwerber iſt dem Beſitzer des Majorates die Zinſen des Kaufpreiſes bis zur Zahlung von Rechts wegen ſchuldig, wenn ſchon keine ansbedungen worden ſind, und ohne daß es hiezu eines Urtheiles beduͤrfe⸗ Er wird nur dadurch befreyt, daß er den Kaufpreis in den vereinbarten Terminen in die Tilgungs⸗Caſſe abliefert, welche dem Beſitzer des Majorates die Zinſen davon zahlen muß. 3 weyter Ab ſchnitt.⸗ Von der Wiederanlegung des aus den veräußerten Suͤtern gelöſten Kaufpreiſes. 68. Der aus den veräußerten Guͤtern gelbſte Kaufpreis ſoll binnen ſechs Monaten von der Veraußerung angerechnet, in Gütern wieder angelegt werden, die eben ſo beſchaffen ſind wie jene, woraus nach den Art. 1 und 2 des gegen⸗ wärtigen Decretes die Majorate gebildet werden müſſen⸗ Die Wiederanlegung ſoll in den Formen und auf die Weiſe⸗ wie hier folgt, bewerkſtelligt werden⸗ Nachtraz. 69. Iſt der wirkliche Beſitzer des Majorates Willens den Kauſpreis in wirklichen Immobilien wieder anzulegen, ſo ſoll er dem Rathe des Siegels der Titel 1) Das Verzeichniß der Güter, die er zu erwerben wünſcht. 2) Die Urkunden, die das Eigenthum und den Werth derſelben beweiſen, 3) Die Beweisſtücke, die den Ertrag derſelben darthun, und 4) In ſo fern es Statt findet, die Bedingungen des Ver⸗ kaufes vorlegen. 70. Nachdem der Rath die erforderlichen Erkundigungen eingezogen hat, faßt er ſein Gutachten ab, welches uns vom Erzkanzler vorgelegt werden ſoll, damit dasjenige, was der Sache angemeſſen iſt, von uns ſchließlich daruͤber verfügt werde⸗ 71. Sollten wir nicht fuͤr dienlich finden, die Erwerbung zu erlauben, für dieſen Fall behalten wir Uns vor, die Friſt zu erweitern, die dem Beſitzer des Majorates geſtattet iſt, um eine Wiederanlegung ausfindig zu machen. Im entgegengeſetzten Falle ſoll unſer Genehmigungs⸗De⸗ cret in offene Briefe eingekleidet werden, welche, ſo wie im Tit. 1geſagt iſt, abgeliefert, in die Regiſter eingetragen, verkundet und eingeſchrieben werden ſollen. 72. Die ſtatt der veräußerten Güter angenommenen Guͤ⸗ rer nehmen die Natur und rechtliche Beſchaffenheit an, welche die Gliter hatten, an deren Stelle ñe treten, ehe dieſelbe dem rechtlichen Verkehr zuruͤckgegeben wurden. 73. Iſt nach dem Inhalte des Veraͤußerungs⸗Decretes, oder durch ein nachheriges Decret die Wiederanlegung entwe⸗ der in Renten auf den Staat, oder in Bank⸗Aetien erlsubt worden, ſo ſoll der Miniſter des öffentlichen Schatzes oder der nk dem wirklichen Beſitzer des Majorates, Actien für den Betrag des Verkaufsprei⸗ Erklärung ihrer Immobiliariſirung, s Tit. 1 vorgeſchriebenen Formen, Gouverncur der Ba der die Renten oder ſes erworben hat, eine nach den im Abſchn. 1 de geben⸗ N achtrag 501 Ein Duplicat dieſer Erklaͤrung ſoll in die Archive des Siegels niedergelegt werden, um dem Verzeichniße der Ma⸗ lorats⸗Güter beygefügt zu werden; und auf Vorzeigung des andern Duplicats, ſoll der Director der Tilgungs⸗Caſſe die Zahlung bis zum Betrage des Werthes verfügen, den ge⸗ ſagte Renten oder Actien nach dem zur Zeit der Erwerbung vorhandenen Curſe haben⸗ FnfterTit en⸗ Allgemeine Verfügungen. 74. In Gemaͤßheit des Art. 5 des Senatus⸗Confultum vom 14. Auguſt 1806 ſollen die Guͤter, welche als Majorat beſeſſen werden, in Hinſicht auf unſere uͤbrigen Unterthanen und deren unbewegliche Guͤter, kein Vorrecht haben, und keines denjenigen ertheilen, zu deren Gunſten die Majorate errichtet werden. Dieſem zu Folge bleiben die wirklichen Beſitzer der Ma⸗ jorate den buͤrgerlichen und peinlichen, ſo wie allen Geſetzen, die in unſern Staaten herrſchen, unterworfen, in ſo fern hierin durch Gegenwaͤrtiges nichts geändert wird; die perſoͤn⸗ lichen, Mobiliar-Grund,- mittelbare und unmittelbare Steu⸗ ren tragen ſie im nehmlichen Verhältniße, wie die übrigen Bürger. 75. Wenn die männliche und rechtmäßige Descendenz eines wirklichen Majvrats⸗Beſitzers, welcher die Güter, die die Dotation ausmachen, hergegeben hat, erlöſcht, ſo bleibt der Titel aufgehoben; die dem Mojorate anklebenden Güter werden in der Nachlaſſenſchaft des letzten Beſitzers frey, und fallen ſeinen Erben anheim. Wir halten Uns jedoch bevor, nach den Umſtänden und auf Anſtehen des wirklichen Be⸗ ſitzers, den Titel und das Majorat auf einen ſeiner Schwie⸗ gerſöhne, oder wenn er keine Kinder hat, auf einen ſeiner Erben aus der Seiten⸗Linie zu verlegen, ohne daß gleichwohl die gegenwärtige Verfügung den Rechten des Pflichttheiles ſo Nuchtres zum Nachtheile gereichen könne, der aus den Gutern, die die Dotativn ausmachen, etwa gebühren möchte, 76. Haben wir das Majorat ganz oder zum Theile, dotirt, mit der Bedingung, daß es im Falle der Erloͤſchung der männlichen und rechtmaͤßigen Descendenz wieder zuruck⸗ fallen ſolle, ſo ſoll bey eintretendem Falle, die Bedingung an dieſen Gütern, oder an jenen erfüllt werden, die an ihrer Stelle etwa erworben worden ſind; unſer General⸗ Procuator beym Rathe des Siegels der Titel, unſere Ge⸗ neral⸗Procuratoren bey den Juſtitz⸗Hoͤfen, unſere Procurato⸗ ren bey den Tribunälen, und unſere Domainen⸗Agenten ſollen auf die Vollziehung derſelben wachen⸗ Kaiſerliches Decret über die Einregiſtrirungs⸗ und Transſcriptions⸗ Gebuͤhren der auf die Errichtung der Majorote ſich beziehenden Acte. Baponne, am 24. Junius 1305. Napoleon 1. Auf den Bericht unſeres Finanz⸗Miniſters⸗ Nach Einſicht des Senatus⸗Conſultum vom 14. Auguft 1806, ſo wie auch unſerer Decrete vom 17. März 1803 über die Titel und Majorate; Nach Anhörung unſeres Staats⸗Rathes Haben wir decretirt und decretmren, wie folgt: Art. 1. Der Act, welcher nach Vorſchrift des Art. 13 unſeres Decretes vom 1. März 1808, die Anzeige der Güter enthaͤlt, ſoll auf Stempel⸗Papier geſchrieben und einregiſtrirt werden⸗ Für die Einregiſtrirung ſoll nur die beſtimmte Abgabe von einem Frane, und fuͤr die Einſchreibung in die Hypotheken⸗ Regiſter nur die Gebühr des Bewahrers bezahlt werden⸗ 503 2. Da unſere Diplome, wodurch Majorate errichtet wer⸗ den, bey unſern Höfen und Tribunalen in die Regiſter ein⸗ getragen werden müſſen, ſo ſollen die Ampliationen(Dnpli⸗ cate), die zu dieſem Ende davon gegeben werden, dem Stem⸗ pel und den Einregiſtrirungs⸗Gebuͤhren nicht unterworfen ſeyn. 1) Bey ihrer Eintragung in die Regiſter bey den Appella⸗ tions⸗Hoͤfen ſollen und zwar Fuͤr Majorate, welche Herzogthümer ſind„ 72 Fr. Für Majorate, welche Grafſchaften ſind 48— Für Majvrate, die Baronien ſind 24— eingenommen werden. Zwey Drittel der Abgaben ſind fuͤr die Einregiſtrirung. Das übrige Drittel iſt für die Gerichts⸗Kanzelley. Fuͤr die Eintragung in die Regiſter bey den erſten In⸗ ſtanz⸗Gerichten wird nur die Hälfte der obigen Gebühr ent⸗ richtet. Dann ſoll 2) Bey ihrer Einſchreibung in die Hypotheken⸗Regiſter eben ſo viel bezahlt werden, als der Kanzelley der erſten Inſtanz⸗Tribunäle für die Eintragung in die Regiſter bey⸗ gelegt iſt. 3. Der Act, wodurch Majorate aus eigenem Antrieb⸗ errichtet werden, oder der Verbal⸗Prozeß über die Bezeich⸗ nung der Güter, welche dieſe Majorate, und zwar ſo wohl jene, die wir ganz, als die, welche wir nur zum Theile do⸗ tirt haben, ausmachen, ſoll auf Stempel⸗Papier geſchrieben ſeyn, aber keine Einregiſtrirungs-Gebuͤhr davon entrichtet werden. Von der Einſchreibung in die Hypotheken⸗Regiſter ſoll nur die Gebuͤhr des Bewahrers, und von der Eintragung in di⸗ Regiſter bey den Höfen und Tribunälen bloß die gewöhn⸗ lichen Gerichtskanzelley⸗Gebuͤhren bezahlt werden⸗ Wird ein Verbal⸗Prozeß über die Annahme der Be⸗ dingungen, die es uns beliebt, bey der Errichtung eines Ma⸗ jerates, auf deſſen Stiftung angetragen wird, aufzulegen, abgefaßt, ſo ſoll er auf Stempel⸗Papier geſchrieben, und der 1 50 ½ beſtimmten Einregiſtrirunge⸗Gebühr von einem Franc unter⸗ worfen ſeyn⸗ §. Acte uͤber die Erwerbung unbeweglicher Güter, die unſern Befehlen, oder unſerer Erlaubniß gemäß errichtet werden, um außer dem Reiche gelegene Güter durch andere in Frankreich zu erſetzen, ſo wie auch die Vertauſchungen in Frankreich gelegener Guͤter ſollen den nehmlichen Einregiſtri⸗ rungs- und Hypotheken⸗Gebuͤhren, wie Vertraͤge aͤhnlicher Natur unter Privat⸗Perſonen unterworfen ſeyn⸗ 6. Bey Beſitz-Veraͤnderungen, die ſich mit den Guͤtern, woraus ein Majorat beſteht, durch Todesfaͤlle ereignen, ſoll nur eben ſo viel, als fuͤr die Vererbungen des bloßen Nieß⸗ brauches in gerader Linie, bezahlt werden. Die Entrichtung dieſer Gebühr liegt dem Majorate zur Laſt, und ſie ſoll von dem Nachfolger und der Wittwe verhaͤltnißmaͤßig gezahlt werden, ohne daß die Nachlaſſenſchaft des verſtorbenen Ma⸗ jorats⸗Veſitzers hiefür in Anſpruch genommen werden könne. 7. unſer Finanz⸗Miniſter wird mit der Vollziehung des gegenwaͤrtigen Decretes beauftragt. Kaiſerliches Derret uͤber die Einleitung der auf die Majorate ſich beziehenden Geſuche. Bayonne, am 24. Junius 1808. Napoleon, ꝛc.. Nach Anhörung unſeres Staats-Rathes Haben wir decretirt und verordnet, decretiren und verord⸗ nen, wie folgt: Art. 1. Die Geſuche um Errichtung eines Majorats, welche Kraft des Art. 7 unſeres zweyten Statutes vom 1. Maͤrz 1808 angebracht werden; jene um Veränßerung und Wiederanlegung, und überhaupt alle Geſuche, die ſich auf Majorate beziehen, und dazu greignet ſind, im Rathe des Siegels der Titel entweder unmitrelbar, oder der von uns ge⸗ —.— — W o c 505 ſchehenen Weiſung zu Folge unterſucht zu werden, ſollen mittelſt eines der bey unſerem Staats⸗Rathe angeſtellten Ad⸗ vocaten angebracht, eingeleitet und betrieben werden⸗ Eben ſo ſoll es in Anſelung aller Angelegenheiten ge⸗ halten werden, woruͤber der Rath des Siegels der Titel zu berathſchlagen hat. 2. Ebenfalls ſollen die Aufſchlüſſe, die der General⸗Pro⸗ curator beym Rathe des Siegels der Titel vom Impetran⸗ ten, oder vom Majorats⸗Beſitzer etwa verlangen mag, ſo wie auch die Beweiſe, die der eine und der andere beyzubrin⸗ gen gehalten ißt, mittelſt der Advocaten beym Rathe gelie⸗ fert werden, ohne daß gleichwohl hiedurch an der Verfügung des Art. 12 unſeres zweyten Statutes in Betreff der Corres⸗ pondenz etwas abgeaͤndert wird, die der General⸗Procurator über die nehmlichen Gegenſtände mit den Orts⸗Obrigkeiten fuͤhren kann. z. Wenn wir einen Titel, ganz oder zum Theile, doti⸗ ren, und zum Conſtituirungs-Acte der dem Majorate ange⸗ wieſenen Güter geſchritten werden ſoll, ſo ſoll der, welcher den Titel erhalten hat, einen der bey unſerem Rathe ange⸗ ſtellten Advocaten bey ſich haben, oder ſich ſogar, mit Be⸗ willigung unſeres Vetters des Prinzen Reichs-Erzkanzlers, durch ihn vertreten laſſen. In dieſem letztern Falle muß der, welcher den Titel er— halten hat, eine Special-Vollmacht ausſtellen, worin dem Advvcaten, den er beſtellt haben mag, die Macht ertheilt wird, ſich in ſeinem Nahmen, der Erfuͤllung der Bedingun⸗ gen zu unterwerfen, die wir allenfalls vorſchreiben moͤgen. g. Die Ausfertigung und Ablieferung aller offenen Briefe (kaiſerlichen Diplome) ſoll gleichfalls durch Advocaten heym Rathe betrieben werden, die jedoch in keinem Falle den Ent⸗ wurf derſelben ihrer Bittſchrift beyfuͤgen duͤrfen. 5. Enthalten die Diplome die Errichtung eines Majora⸗ ſo ſoll der General-Secretar eine von unſerem Vetter 41 666 Wchtrag dem Erzkanzler beglaubigte Ausfertigung davon dem beſtell⸗ ten Advocaten abliefern, welcher perſönlich gehalten iſt, im Nahmen der Impetranten alle zur Eintragung geſagter Di⸗ plome in die Regiſter bey den Appellations⸗Hofen nnd erſter Inſtanz⸗Tribunälen, ſo wie auch zu ihrer Einſchreibung in die Regiſter des Hypotheken-Bewahrers erforderliche Vorkeh⸗ rungen zu treffen. 6. Beweiſt der beſtellte Advocat nicht binnen einer Friſt von zwey Monaten die Eintragung in die Regiſter dadurch, daß er unſerm General-Procurator die beglaubigte Abſchrift, des Diplomes mit der Erwähnung, daß es verkündet und in die Regiſter eingetragen worden iſt, vorzeigt, und die Trans⸗ ſeription durch ein Zengniß des Hypotheken-Bewahrers, ſo ſoll auf Betreiben des General-Procurators, zur Erfüllung geſagter Formalitäten auf Koſten des beſtellten Advocaten, mit Vorbehalt ſeines Regreſſes gegen ſeinen Committenten geſchritten werden. 7. Die Verfuͤgungen der beyden vorhergehenden Artikel ſind auf die Acte anwendbar, wodurch die fuͤr ein Majorat beſtimmten Guͤter conſtituirt werden.. g. Die Beſtellung eines Advocaten, und die Hinterle⸗ gung der Bittſchriften, Belegen und Denkſchriften geſchieht auf dem Secretariat des Siegels der Titel, in der Form, welche im Art. 27 der Verordnung vom 11. Junius 1806, und in den Art. 1, 2 und§ der Verordnung vom 22. Jul., liber die vor den Staats⸗Rath gebrachten Streit⸗Sachen vor⸗ geſchrieben iſt. 9. Der General⸗Secretar des Rathes des Siegels der Titel ſoll unſerem Vetter dem Reichs-Erzkanzler die Bitt⸗ ſchriften, die in allen, in unſern beyden kaiſerlichen Statu⸗ ten vom 1. März vorgeſehenen Fällen, an ihn gerichtet werden müſſen, vorlegen, und auf Befehl unſeres geſagten Vetters, gedachte Bittſchriften, ſammt den von den Impe⸗ tranten, oder denen, welche mit einem Titel bekleidet ſind. beygebrachten Belegen und Denkſchriften, an den General⸗ Procurator zurückweiſen, wenn Mittheilung Statt findet⸗ 6 ſi + N achtras. 307 10. Die Advocaten beym Staats⸗Rathe, welche in den im gegenwärtigen Decrete enthaltenen Fällen gebraucht wer⸗ den, ſollen, bis ſchließlich hieruͤber etwas wird verordnet werden, die nehmlichen Gebühren erhalten, die ihnen für Geſchäfte, welche ſie beym Staats⸗Rathe betreiben, zuerkannt ſind, oder noch zuerkannt werden mögen⸗ 1I1. Gegenwärtiges Decret ſoll dem Tage⸗Buch der Ge⸗ ſetze eingeruͤckt werden. ——— Kaiſerliches Decret, die Domanial-Guͤter von Deutſchland betreffend, welche die Dotation von Majoraten ausmachen. Im Pallaſte der Tuilerien, am a8. Detober 1301 Napoleon, ꝛc. ꝛc. Wir haben decretirt und verordnet, decretiren und ver⸗ ordnen, wie folgt: Art. I. Die Domanſal⸗Gtiter von Deutſchland, welche uns durch die verſchiedenen Tractaten abgetreten worden ſind, und worüber es uns gefallen hat, zu Gunſten einiger unſerer Unterthanen zu disponiren, um die Dotation eines Majorats auszumachen, können weder verpfaͤndet, noch in Beſchlag genommen, noch mit Hypotheken beſchwert werden⸗ 2. Beſagte Güter können anderſt nicht veraͤußert oder vertauſcht werden, als nach den im Titel IV. unſeres zwey⸗ ten Statutes vom 1. Maͤrz d. J. beſtimmten Formen und unter den daſelbſt feſtgeſetzten Bedingungen⸗ 3. Unſer Petter der Prinz Reichs⸗Erzkanzler ſoll eine von ihm beglaubigte Abſchriſt des gegenwärtigen Decretes an un⸗ ſere Miniſter bey den Höfen ſenden, in deren Gebiethe die oben erwähnten Güter gelegen ſind; und unſere Miniſter ſind gehalten, die Vollziehung deſſelben durch alle in ihrer Macht ſiehende Mittel zu ſichern⸗ 4* 703 Nachtragz. 4. Gegenwaͤrtiges Decret ſoll überdieß ins Tage⸗Buch der Geſetze eingeruͤckt werden. Kaiſerliches Decret, in Betreff der Befugniß uͤber die Inſcriptionen von conſolidirten fünf vom Hundert,(Renten auf den Staat) und uͤber Banknoten wieder zu disponiren, die zur Errichtung eines Majorates beſtimmt waren, welches verworfen oder zuruͤck⸗ genommen wird. Aus unſerm kaiſerlichen Lager von Madrid, am 21. December 1808. Napoleon, ꝛc. ꝛc. Auf den Bericht unſeres Miniſters des öffentlichen Schatzes, Nach Anhörung unſeres Staats⸗Rathes Haben wird decretirt und decretiren wie folgt: Art. 1. Die Inſcriptionen der conſolidirten fünf vom Hundert, die zu Folge unſeres Deecretes vom 1. März 1808, in der vom Eigenthümer gemachten Erklärung, um immobi⸗ liariſirt, unveräußerlich gemacht, und der Dotation eines Ma⸗ jorates gewidmet zu werden, begriffen worden ſeyn mögen, ſollen ihre urſpruͤngliche Eigenſchaft von Mobiliar⸗Effekten wieder annehmen, wenn das Geſuch um Errichtung eines Mojorates verworfen oder zuruͤckgenommen wird⸗ 2. Die Befugniß über geſagte Inſcriptionen zu disponi⸗ ren ſoll den Eigenthümern wiedergegeben, und die Bemerkung der Immobiliariſirung, die ſo wohl im großen Buche, als auf dem Auszuge der Inſcription gemacht worden iſt, auf ein beygebrachtes, von unſerem General-Procurator beym Rathe des Siegels viſirtes Zengniß des General⸗Secretars des Rathes des Siegels der Titel, nachdem er die Befehle unſeres Vetters des Prinzen Erzkanzlers, wodurch die Ver⸗ — 705 werfung oder die Zurücknahme des Geſuches conſtatirt wird, eingeholt hat, ausgeſtrichen werden. 3. Mittelſt der vorhergehenden Verfügungen iſt der Art. g des Senatus⸗Conſultum, welcher ſich auf den Act, der die Anzeige der Gäter enthält, bezieht, auf die Inſcriptionen der conſolidirten fünf vom Hundert nicht anwendbar. 4. Die Verfügungen der drey obigen Artikel ſind den Actien der Bank von Frankreich gemein, deren Eigenthuͤmer erklärt hat, daß er ſie fuͤr ein Majorat beſtimme; dieſe Ac⸗ tien können bis zur Ausſtreichung der Erklärung weder mit einer Oppoſition noch mit einer Hypothek beſchwert werden. §. Unſer Miniſter des öffentlichen Schatzes iſt mit der PVollziehung unſeres gegenwärtigen Decretes beauftragt. —— Kaiſerliches Deeret, uͤber die Gebuͤhren, die fuͤr die Eintragung der Diplome, wodurch Majorate errichtet werden, in die Regiſter der Juſtitz⸗Höfe und Tribunaͤle zu entrichten ſind. Im Pallaſte der Tuilerien am a. Hornung 1809. Napoleon, ꝛc. ꝛc. Auf den Bericht unſeres Groß⸗Richters, Juſtitz⸗Miniſters; Nach Einſicht unſerer Decrete vom 24. Junius 1808, über die Majorate, Nach Anhörung unſeres Staats-Rathes, haben wir de⸗ cretirt und decretiren, wie folgt: Art. 1. Die im Art. 2 unſeres Decretes vom 24. Junius vorig. J. feſtgeſetzten Gebuͤhren ſollen fuͤr die Eintragung unſe⸗ rer Diplome, wodurch Majorate errichtet werden, in die Regiſter der Juſtitz⸗ Hoͤfe und Tribunäle fortwaͤhrend bezogen werden⸗ 116 h 1 Dieſe Gebühren ſollen auf die Urſchrift des vom Appellä⸗ tions⸗Hofe oder vom erſten Inſtanz⸗Gerichte erlaſſenen Ur⸗ theils, welches die Eintragung in die Regiſter verordnet, be⸗ zogen werden⸗ Fuͤr die Conſtituirungs⸗Acte der Gaͤter, welche die aus unſerem eigenen Antriebe errichteten Majorate ausmachen, ſollen nur diejenigen Gebuͤhren entrichtet werden, die in ge⸗ ſagtem Artikel dem Gerichtsſchreiber beygelegt worden ſind⸗ 2. Die Gerichtsſchreiber unſerer Juſtitz⸗Höfe und Tribunäle ſollen fuͤr Koſten der Einſchreibung der Diplome, und Verbal⸗ Prozeſſe, oder der Conſtituirungs⸗Acte der Guͤter, welche die Majorate ausmachen, und zwar für jedes Blatt der vom General⸗Secretar unſeres Rathes des Siegels der Titel ab⸗ gelieferten und gemäß dem Art.§ unſeres Decretes vom 24 Junius 1808 uͤber die Einleitung der auf Majorate ſich be⸗ ziehenden Geſuche von unſerem Vetter dem Prinzen Reichs⸗ Erzkanzler beglaubigten Ausfertigung, drey Franes beziehen⸗ z. Der General⸗Secretar unſeres Rathes des Siegels der Titel ſoll unter jeder Ausfertigung die Anzahl die Blaͤt⸗ ter bemerken 4. Unſer Groß⸗Richter, Fuſtitzminiſter iſt mit der Voll⸗ ziehung unſeres gegenwaͤrtigen Decretes beauftragt. —— Kaiſerliches Deeret, die Juden betreffend. Im Pallaſte der Tuilerien, am 17. Märi 1303. Napoleon, ꝛc. ꝛc. Nach Anhörung unſeres Staats⸗Rathes Haben wir decretirt, und decretiren wie folgt: Erſter Abſchnitt⸗ Art. 1. Von der Verkündigung des gegenwärtigen De⸗ ctetes anzurechnen, iſt der durch unſer Decret vom 3o0. Mai ——— N 3 5 514 1806 für die Zahlung der Forderungen der Juden derhängte Aufſchub aufgehoben. 2. Geſagte Forderungen ſind jedoch folgenden Verfügun⸗ gen unterworfen. 3. Jede Verpflichtung wegen eines Darlehns, welches Juden an Minderjaͤhrige ohne Bewilligung ihres Vormundes, an Frauen ohne Autoriſation ihres Mannes, an Militär⸗Per⸗ ſonen ohne Erlaubniß ihres Hauptmannes, wenn es ein Sol⸗ dat oder Unteroffizier iſt, oder des Chefs des Corps, wenn es ein Dffizier iſt, iſt von Rechts wegen nichtig, ohne daß die Inhaber oder Ceſſionarien ſich darauf zu ihrem Vortheile beziehen, und unſere Gerichte irgend eine Fläge oder Ver⸗ fahren daraus autoriſiren duͤrfen. 4. Kein Wechſel⸗Brief, kein der auf Ordre lau⸗ tet, keine Schuld⸗Verſchreibung oder Verſprechen, welches. von einem unſerer Unterthanen, der kein Handelsmann iſt, zum Vortheile eines Juden unterzeichnet worden iſt, kann eingefordert werden, ohne daß der Inhaber beweiſt, daß deſſen Werth ganz und ohne Betrug hergegeben worden ſcy. 5. Jede Forderung, deren Capital auf eine offenbare oder verborgene Art, durch Anhaͤufung mehrerer Zinſen als fuͤnf vom Hundert erſchwert worden iſt, ſoll von unſern Tribunä⸗ len herabgeſetzt werden. Ueberſteigen die zum Capital geſchlagenen Zinſen fünf vom Hundert, ſo ſoll die Forderung für wucheriſch erklärt, und als ſolche vernichtet werden. 6. In Anſehung der rechtmaͤßigen und nicht wucheriſchen Forderungen ſind unſere Gerichte ermächtigt, den Schold⸗ nern billige Zahlungs⸗Friſten zu geſtatten⸗ — 3 weyter Ab ſchnitt. 7. In der Zukunft, und vom I. des kuͤnftigen M. Julius un, darf kein Jude irgend einen Handel im Großen oder im Fleinen, noch ſonſt ein Geſchäft, welches in Kaufen, Ver 512 W h t kaufen oder Austauſchen beſteht, treiben, ohne zu dieſem Ende ein Patent vom Präfecten des Departements erhalten zu ha⸗ ben; dieſes Patent ſoll nur auf genau eingezogene Erkundi⸗ gungen, und auf ein Zeugniß 1) des Municipal-Rathes, daß beſagter Jude, weder Wucher noch einen unerlaubten Handel getrieben, 2) des Conſiſtoriums der Synagoge, in deren Bezirke er wohnt, über ſeine gute Aufführung und Red⸗ lichkeit, ertheilt werden. g. Dieſes Patent muß alle Jahre erneuert werden. 9. Unſere General⸗Procuratoren bey unſern Juſtitz Höfen werden insbeſondere beauſtragt, geſagte Patente mittelſt einer eigends dafuͤr erlaſſenen Entſcheidung des Hofes widerrufen zu laſſen, ſo ot es zu ihrer Wiſſenſchaft gelangt, daß ein mit einem Patente verſehener Jude Wucher treibt, oder ſich mit einem betrügeriſchen Handel abgibt. 10. Jedes von einem nicht patentiſirten Juden vorge⸗ nommene Handels-Geſchäft iſt nichtig und kraftlos. 11. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit jeder von einem nicht patentiſirten Juden auf Guͤter genommenen Hypothek, wenn bewieſen wird, daß die Hypothek für eine Forderung, die aus einem Wechſel⸗Briefe entſpringt, oder für irgend ein Han⸗ dels⸗Geſchaͤft im Großen oder Kleinen, genommen worden iſt⸗ 12. Alle Contracte oder Schuld⸗Verſchreibungen, die zu Gunſten eines nicht patentiſirten Juden für urſachen unter⸗ zeichnet worden ſind, die mit dem Handel im Großen oder Kleinen oder ſonſtigen Handels⸗Geſchäften nichts gemein ha⸗ ben, können zu Folge einer gerichtlichen Information von unſern Tribunälen nochmahls unterſucht werden. Der Schuld⸗ ner ſoll zum Beweiſe zugelaſſen werden, daß Wucher oder ein Reſultat eines betrügerſſchen Handels vorhanden ſey; wird der Beweis geliefert, ſo kdnnen die Forderungen entwe⸗ der vom Gerichte nach Gutbefinden heruntergeſetzt, oder wenn der Wucher zehn Prozent uberſteigt, für nichtig erklaͤrt werden⸗ fen einet ufen ein N 3 ch 1 r„ 6. 513 13. Die Verfuͤgungen des Art. 4, Tit⸗ 1 des gegenwär⸗ tigen Decretes, in Betreff der Wechſel-Briefe, der Scheine, die auf Ordre lauten, ꝛc. ſind füt die Zukunft ſo wohl als für die verfloſſene Zeit anwendbar⸗ 14. Kein Jude darf Dienſtbothen oder Leuten, die gegen Lohn dienen, auf Pfänder leihen; ſelbſt andern Perſonen darf er nicht auf Pfänder leihen, als in ſe fern darüber ein No⸗ tarial⸗Act verfertigt wird, worin der Notar bezengt, daß die Geldſorten in ſeinem und der Zeugen Beyſeyn überzaͤhlt wor⸗ den ſind, unter der Strafe, daß er widrigenfalls alles Recht auf das Pfand verliert, deſſen unentgeldliche Zurückgabe in dieſem Falle von unſern Tribunälen und Höfen verordnet werden kann. 15. Unter den nehmlichen Strafen, dürfen die Inden keine Inſtrumente, Geräthſchaften, Werkzeuge und Kleidungs⸗ ſtuͤcke von Arbeitern, Tagloͤhnern und Dienſtbothen als Un⸗ terpfand annehmen⸗ Dritter Abſchnittk⸗ 16. Kein Inde, der nicht wirklich in unſern Departe⸗ menten des Ober⸗ und Nieder⸗-Rheins wohnhaft iſt, ſoll känf⸗ tig zugelaſſen werden, ſich dort niederzulaſſen. Kein Jude, der nicht wirklich anſäßig iſt, darf ſich in andern Departementen unſeres Reiches niederlaſſen, es ſey dann, daß er ein Grund⸗Eigenthum erworben habe, und ſich dem Acker⸗Bau widmen werde, ohne ſich uͤbrigens mit ir⸗ gend einem Handel im Greßen oder im Kleinen abzugeben⸗ Von den Verfügungen des gegenwaͤrtigen Artikels können Rraft einer von Uns herrührenden beſondern Erſaubniß Aus⸗ nahmen gemacht werden. 17. Die Judenſchaft in unſern Departernenten wird nicht zugelaſſen, ſich bey der Conſcription durch andere er— ſetzen zu laſſen; jeder conſcribirte Jude iſt dieſem zu Folg⸗ dem perſönlichen Dienſte unter vorfen. Nachtraß Algemeine Verfuͤgungen. 18. Die im gegenwärtigen Decrete enthaltenen Vesfügun⸗ gen ſollen zehn Jahre lang vollzogen werden, indem Wir hoffen, daß bey Ablauf dieſer Friſt, und mittelſt der ver⸗ ſchiedenen in Hinſicht der Juden ergriffenen Maßregeln, zwi⸗ ſchen ihnen und den übrigen Buͤrgern unſeres Reiches kein Unterſchied mehr ſeyn wird; wobey wir Uns jedoch fuͤr den Fall, wenn wir Uns in unſerer Hoffnung getäuſcht ſehen ſollten, vorbehalten, die Vollſtreckung deſſelben, ſo lange als Uns dienlich ſcheinen wird, zu erweitern. 10. Die in Bordeaux und in den Departementen der Gronde und der Haiden anſäßigen Juden ſind, weil ſie zu keiner Klage Anlaß gegeben haben, und kein unerlaubtes Gewerb treiben, von den Verfügungen des gegenwärtigen Decretes ausgenommen.*) 20. Unſtre Miniſter ſind, und zwar jeder von ihnen in dem, was ihn betrifft, mit der Vollzichung des gegenwärti⸗ gen Decretes beauftragt. Ende des vierten und letzten Bandes. *) Durch ein Decrer vom 16. Inliüs 1303 ſind die zu Livorns anſaͤtigen Juden ebenfalls von den Verſugungen dieſes Decretes ausgenommen worden. B. U Druckfehler und Verbeſſerungen. — I BPand. Seite 106, Art. 85. leſe man:„ In allen Fällen, wo jemand eines gewaltſamen Todes, oder in t einem Gefaͤngniſſe oder Zwangshauſe verſtorben iſt, ꝛc. ꝛc. u Seite 135, Zeile 6, S. 137 Z. 26, S. 8 3 10, 225 S. 140,. 5 6 und 13 S 12 3. 35 leſe man Buͤrgſchaft, ſtatt Sicherheit. Seite 308 N.0 3) leſe man:„ Wenn das Kind für nicht lebensfähig erklaͤrt worden iſt.« II. Band. Seite 5 Art, 520 ſotze man hinzu: „ Sobald die Feldfriſchte abgemäht und die „ Baumfruͤchte abgenommen ſnd, gehdren ſie un— »ter die beweglichen Göter, obgteich ſie noch nicht „ weggebracht worden ſind.„ „ Iſt nur ein Theil der Ernte geſchnitten, ſo „ gehört auch dieſer allcin unter die beweglichen „ Güter.« Seite 37, Art. 558, ſtatt„ wenn es auf die Höhe ge⸗ ſtiegen iſt, wo man den Teich ablaſſen kann, leſe man: Wenn es bis auf die Höhe des Abfluſſes geſtiegen iſt.« Seite 227, Art. 771, ſtreiche man in der dritten Zeile das Wort andere aus, Seite 292, Art. 842, 3. 4 ſtatt Urkunden, die ein ge⸗ theiltes Eigenthum betreffen, leſe man:„ Urkunden die eine getheilte Erbſchaſtsſache betreffen.« Seite 347, Z. 9, leſe man Art. 504. III. Band. Seite 8, Zeile 15 ſtatt Cunins leſe man Cneius. n Seite 13½. Art. 1379, Zeile 12, ſetze man nach den u Worten: in Natur zu erſetzen, hinzu:» Wenn ſie noch vorhanden iſt. 316 Seite 256, Zeile 11 und S. 257, Z. 6 ſetze man nach den Worten: Scheidung von Tiſch und Bette, noch hinzu:„ und in Rückſicht des Vermögens.« Seite 278, Zeile 24, leſe man:»„ ihr geſammtes gegen⸗ wärtiges und künftiges Mobiliar⸗Vermögen.« Seite 231, Zeile 15 leſe man:„ Aber ſie kann es, ohne „ Autoriſation des Mannes, oder wenn dieſer ſie ver⸗ „ weigert, ohne Etlaubniß des Gerichtes weder ver⸗ „äußern, noch in Ruͤckſicht dieſes Vermoͤgens vor Ge⸗ „richt ſtehen.« Seite 378, Zeile§, ſtatt redliche und geſetzliche Koſten, leſe man:„ Koſten und geſetzmäßige Gebühren. ⸗ Seite: 412, Zeile 6, leſe man:» was die Sache mehr werth iſt. Seite 446, Art. 1736, Z. 26, ſtatt Mieth⸗ oder Pacht⸗ Contract, leſe man bloß:„ Mieth⸗Contract* Seite 498 kſte Zeile in der Note, leſe man:» das zum verpachteten Viehſtande.« IV. Band. Seite 110, Art. 2001, Zeile 30, leſe man: wo der Vorſchuß erwieſener Maſſen geſchehen iſt.« 6 117 Summariſcher⸗Inhalt des Vierten Bandes. ———.———————————— Seite IX. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contracte. 1 I. Cap. Allgemeine Verfügungen daſ. II. Cap. Von den verſchiedenen Gettungen der Ge⸗. ſellſchaſten 4 1. Abſchn. Von univerſellen Geſellſchaften. 5 II. Abſchn. Von der Part tieular⸗Geſellſchaft. 8 II. Cap. Von den Verpflichtungen der Geſell⸗ ſchafter untereinander und im zu drit⸗ ten Perſonen„ 9 I. Abſchn. Von den vaſthtee 6. Geſel ſchafter daſ. „Abſch n Bon der Verz chtung der cuſe Peziehung auf dritte Perſonen 21 IV Cap. Von den verſchiedenen Arten, wie be Geſellſchaſts⸗Contract ſich endiget 24 Verſügung in Bgiehung auf Handlungs⸗Geſellſchaften 30 Tit, Von dem Leih⸗und Darkehens⸗Con⸗ tracte I. 3 Von dem Leih⸗Contracte„ 3 Abſchn. Von der Natur des Leih⸗Contractes. daſ. 3 Abſchn. Von den Verpflichtungen des Entlehners 34 iu. Abſchn. Von den Verpflichtungen des Leihers 37 II. Cap. Von dem Darlehn„40 Summariſcher Inhalt. Schke 1. Abſchn. Von der Natur des Darlehns. 2 daſ. II. Abſchn. Von den FPflichten des Darleihers„ 43 III. Abſchn. Von den Pflichten des Lehners 3 45 MI. Cap. Von dem Darlehn gegen Zinſen 46 XI. Tit. Von dem Pinterlegungs⸗Contracte und der Sequeſtlatids„663 I. Cap. Von dem Hinterlegungs-Contracte im All⸗ gemeinen, und deſſen verſchiedenen Gattungen⸗ daſ. II. Cap. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte im ei⸗ gentlichen Sinne des Wortes„daſ. 1. Abſchn. Von der Natur und dem des terlegungs⸗Contraetes 2 k daſ. II. Abſchn. Von der freywilligen. 64 III. Abſchn. Von den Ppflichten des Depoſitars. 72 1v. Abſchn. Von den Fflichten des Deponenten. 30 v: Abſchn Bon der abgenöthigten Hinterleguns. 31 8. Cap. Von der Stqueſtration„„„„ 86 I. Abſchn. Von den⸗ der Se⸗ queſtrgtion daſ. II. Abſchn. Von der Sinice 0. ue ei⸗ nes Vertrags geſchieht daſ. A Abſchn. Von der gerichtlich ugeordneten can ſtration oder Hiuterlegung. 3 38 Tit. Von gewagten Geſchäſten, ouu⸗ und Poßnungs⸗Verträͤgen. 9r I Cap. Von dem Spiel und der Wette„„ daſ. U, Von dem Leibrenten⸗Contracte 29093 1. Abſchn. Von den Bedingungen, welche zur e keit des Contractes erforderlich ſind. daſ. II. Abſchn. Von den Wirkunger des unter den contrahirenden Theilen 97 Tit. Von dem 101 I. Cap. Von der Natur und der Form des Voll⸗ machts⸗Contractes daſ⸗ M Cap. Von den Pflichten des Bevollmächtigten. 106 IMI. Cap. Von den pflichten des Machtgebers„ 109 n —— — Summariſcher Inhalt. 519 Seite IV. Cap. Von den enen Pren wie eine Vollmacht erliſcht„ KIV Tit. Von der Bärgſchaft i3 I. Cap. Von der Natur und dem Umfange der Buͤrg⸗ ſchuft„ 4 11 II. Cap. Von den Wirkungen der Bürgſchaft„ 1271 1. Abſchn. Von den Wirkungen i unter Gläubiger und dem Buͤrgen daſ. l. Abſchn. Von den Wirknngen der Bärgſchaft Sorer Schuldner und dem Buͤrgen. 138 „Abſchn. Von den Wirkungen der Bürgſchaft un⸗ ter den Mitbuͤrgen 132 III. Cap, Von Erlöſchung der Bürgſchaft daſt IV. Cap. Von der geſetzlichen und der gerichtlichen B 3 XV. Tit. Von dem Vergl eiche XVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte, als einem in Eivilſachen„ 146 XVII. Tt. Von dem Pfand⸗Contracte 162 I. 6 Von dem Fauſipfande„ 63 II. Cap. Von dem Verſt unter einem ucrt ſchen Vertrag„„ 171 XVIII. Tit. Von Pri vilegieh und Hypotheken 176 I. Cap. Allgemeine Verfügungen 232 II. Cap. Von den Privilegien 233 I. Abſchn. Von die an Stutt haben 241 F. I. Bon— vnien an den Mo⸗ bilien. daſ. F. 1I. Von ʒei⸗ an gniſenitn 244 II. Abſchn. Von Privilegien an Immobilien 254 11I. Abſchn. Von den Privilegien, die ſich auf die Mo⸗ und Immobilien zugleich erſtrecken. 258 Abſchn. Wie die Fiigien in itter Kraft er⸗ werden... 266 III. Cap. Von den Pynotbſen I. Abſchun Von den geſetzlichen Behietec 284 1. Abſchn. Von den gerichtlichen Hypotheken 2 287 520 Summariſcher Inhalt. Seite 1II. Abſchn. Von den vertragsmaͤßigen Hppotheken a91 Iw. Abſchn. Von der gegenſeitigen Rangordnung der Hypotheken* 3 IV. Cap. Von der Art, wie Privilegien und Hypo⸗ theken eingetragen werden„„ 326 V. Cap. Von der Ausſtreichung und Reduction der eingetragenen Privilegien und Hypotheken 363 VI. Eap. Von der Wirkung der Privilegien und Hypotheken wider dritte Beſitzer 370 vII. Cap. Von der Erloͤſchung der Privilegien und Hypotheken 1.„ 373 VIII. Cap. Von der Art ſein Eigenthum von Pri⸗ vilegien und Hypotheken zu befreyen„„ 383 [X. Cap. Von der Art, die Guͤter der Ehegatten und der Vormünder von den darauf haftenden Hy⸗ potheken zu befreyen, wenn dieſe gar nicht darauf eingetrager ſind 461 X. Cap. Von der Publicität der Regiſter und der Verantwortlichkeit der Hypotheken-Bewahrer 409 XIX. Tit. Von der nichtfreywilligen oͤffentli⸗ chen Verg intung liegender Guter und der Rangordnung unter den Glaͤubigern. ar2 I. Cap. Von der unfreywilligen öffentlichen Vergan⸗ tung liegender Güter 474 II. Cap. Von der Rangordnung und der Verthei⸗ lung des Preiſes unter den Gläubigern„421 XX. Tit. Von der Verjahrung„„ daſ⸗ I. Cap. Allgemeine Verfügungen„** 425 H. Cap. Von dem Beſitze„ 420 II. Cap. Von den Urſachen, welche die Verjäh⸗ rih veiibem 435 IV. Cap. Von den Urſachen, welche die Verjah⸗ rung unterbrechen, oder in Stillſtand bringen. 436 I. Abſchu. Von den Urſachen! welche die Berjährung 298 unterbrechen 437 I. Abſchn. Von den Urſachen, wodurch der Lauf der Verjaͤhrung in Stillſtand gerätht 444 V. Cap. Von der zur Verjährung erforderlichen Zeitftiſt i l QEER — Summariſcher Juhalt. 721 Seite I. Abſchn. Allgemeine Verfügungen. 452 1I. Abſchu. Von der Verjährung in dreyßig Jahren daſ. 11I. Abſchn. Von der Perjähruna in zehn und ih zig Jahren* 454 1V. Abſchn. Von einigen teſwern urten ſ verjih⸗ rung 457 Geſetz uͤber die Pereinigung der buͤrgerl ichen Geſetze in eine einzige Sammlung unter dem Titel: Code civil des Frangais(Civil⸗ HGeſetz⸗ Na Faiſerliches Decret uͤber die Titel 48r Kaiſerliches Decret uͤber die Majorate 484 I. Tit. Von den Formen, welche diejenigen zu beo⸗ bachten haben, die bey Errichtung eines Majora⸗ tes ihre Titel zu vererben ermaͤchtigt werden. 485 1. Abſchn. Bildung, Form und des Geſuches um Errichtung der Majorate. daſ. 1I. Abſchn. Von den Majoraten, die von errichtet werden, welche die F haben ihren Titel zu vererben.. 436 11 Abſchn. Ablieferung, Vertündigunz und Eintra⸗ der offenen Briefe(Diplome) in die Regiſter 490 Tit. Von den Formen, die in Betreff der Ma⸗ 5 zu befolgen ſind, welche entweder aus eige⸗ nem Antrieb, oder auf Verlangen berjenigen errich⸗ tet werden, die das Recht n, die Verer⸗ e nachzuſuchen or Abſchn. Majorate, die aus Antrieb werden* daſ. 1l. Abſchn. Pip die venen nictet wer⸗ deh. 491 IMH. Tit. Von den witungen te encun der Majorate„ z 494 1. Abſchn. Von den Wnnnsen der der Na⸗ jorate, in Anſehung der Perſonen.. daſ. 1I. Abſchn. Von der Wirkung der Errichtung der Na⸗ iorate, in Beziehung auf die Güter, woraus ſie beſtehen.. §. 1. Von der Beſchaffenheit der Güter“. daſe —— 52½ Summariſcher Inhalt. Seite F. U. Vom BGenuſſe der Güter 4 495 IV. Tit. Von der Erlaubniß, die den Majoraten anklebenden Güter zu veräußern; von den Formali⸗ täten dieſer Veräußerung und von der Wiederan⸗ e 1 Abſchn. Von der Erlaubniß die einem Majorate an⸗ klebenden Güter zu veräußern. 11. Abſchn. Von der Wiederanlegung des aus den ver⸗ ußerten Gütern gelößten Kaufpreiſes 499 V. Tit. Allgemeine Verfügungen 5or Kaiſerliches Decret uͤber die Sinregiſtrirungs⸗und Transſcriptions⸗Gebuͤhren der auf die Errich⸗ tung der Majorate ſich beziehenden Acte 302 Kaiſerliches Decret uber die Einleitung der auf die Majorate ſich beziehenden Geſuche„ 5o6 Kaiferliches Dectet, die Domanial-Güter von Deutſchland betreſfend, welche die Dotation eines Majorates ausmachen 509 Kaiſerliches Decret, in Betreff der Befugniß uͤber die Inſcriptionen von conſolidirten fuͤnf vom Hundert,(Renten auf den Staat) und uͤber Banknoten wieder zu disponiren, die zur Errichtung eines Majorates beſtimmt waren, welches verworfen oder zuruͤckgenommen wird 510 Kaiſerliches Decret, uͤber die Gebuͤhren, die fur die Eintragung der Diplome, wodurch Majorate errichtet werden, in die Regiſter der Juſtitz⸗Boͤfe und Tribun““ zu entrichten ſind 5r2 Kaiſerliches Decret, die Juden betreffend 5i3 1. Abſchn. 3 2 daſ. M. Abſchn..... 3. 5¹4 ——— * ⸗ 3 5 w————ꝓ̃ů————————— — — „ 8 . 2 5 4 — 5„ —— * — — H g16 Szeqe —-————————————L—..——L—L.—..—..—.—.—.—