Commentar uͤ ber das Geſetzbuch Napoleons o der gruͤndliche Entwickelung der Discuſſion dieſes Geſetzbuches im Staats⸗Rathe, worin Der Text der Geſetze Die über jeden Artikel gemachten Bemerkungen und die Entſchei⸗ dungs⸗Gruͤnde des Staats⸗Raths Die Bezeichnung der Abweichungen vom römiſchen und ehemahligen franzöſiſchen Rechte! Die vom Caſſations⸗Hofe erlaſſenen Urtheile, um den Sinn der Artikel zu beſtimmen; und Die beſondern Bemerkungen des Verfaſſers, um verſchiedene Artikel miteinander zu vereinigen und zu berichtigen und die Ausleguns anderer zu erleichtern, enthalten ſind, von Jacob von Maleville, Präſidenten des Caſſations⸗Hofes und einem der Verfaſſer dieſes Geſetzbuches. Aus dem franzöſiſchen überſetzt, mit practiſchen Erläuterun⸗ gen, den Meinungen berühmter Rechtsgelehrten, ſo wie mit vie⸗ len urtheilen vermehrt, die uͤber wichtige Rechtsfragen, die nach dem Geſetzbuche Napoleons entſchieden werden mußten, in Frank⸗ reich erlaſſen worden ſind, von Wilhelm Blanchard, Präſidenten des Civil⸗Gerichtes in Cöln. Vierter und letzter Band⸗ — Cöln, bey der Keiliſchen Buchhandlung 1205. Gruͤndliche Entwickelung der ſ. on des Geſetzbuches Napoleons im Staats⸗Rathe, —,— Fortſetzung des dritten Buches⸗ —— Neunter Titel. Von dem Societats⸗Contracte. (Deeret. den s. Märi 1804. Promulg. den 18. des nehml. Monats.) Erſtes Capitel. Allgemeine Verfügungen. (Man muß hier die in den Pandecten und im Coder vor⸗ handenen Titel pro socio nachſehen⸗) Art. 1832.„D Geſellſchaft iſt ein Contract, wo⸗ „durch zwey oder mehrere Perſonen ſich vereinigen, etwas „in eine Gemeinſchaft zu legen, in der Abſicht, den Ge⸗ „winn, der daraus entſpringen mag, unter ſich zu theilen.« Der vorliegende Titel hat, wie Herr Treilhard in ſeinem dem Geſetzgebungs⸗Corps abgeſtatteten Berichte bemerkte, weder die eheliche Geſellſchaft, noch jene, die unter Perſonen entſteht, welche ſich unwillkührlich, d. h⸗ durch irgend ein Malev. IV. 1 2 1M. Buch. 1X. Tit. Von dem Soeietäts Contracte. von ihrem Willen unabhängiges Ereigniß in dem Beſitze unzertheilter Guͤter, oder in dem Falle befinden, gemeinſchaftliche Laſten tragen zu muͤſſen, noch Handlungs⸗Geſellſchaften zum Gegenſtande; es gibt indeſſen hier allgemeine Regeln, die auf alle dieſe verſchiedene Gegenſtände angewendet werden können. S. den Art. 1873. Art. 1833.„Jeder Geſellſchaftsvertrag muß einen er⸗ „laubten Zweck haben, und füt das gemeinſchaftliche Inte⸗ „reſſe der Parteyen geſchloſſen werden. „Jeder Geſellſchafter muß entweder Geld oder andere „Güter oder ſeine Mühe und Arbeit, ſeinen Kunſtfleiß dazu „beytragen⸗« Einen erlaubten Fweck. Rerum inhonestarum nulla Jeder Geſellſchafter àc. Man kann auch, ſagte man, ſeinen Nahmen dazu hergeben, um der Geſellſchaft Credit zu verſchaffen: indeſſen ſchien ein iſolirter Nahme, ohne daß uͤbrigens die Perſon, die ihn trägt, irgend eine Handlung dabey verrichtet, eine allzu abſtracte Sache, und ſo wurde dieſe Art von Einlage verworfen.*) Höchſtens, ſetzte man *)»Was jeder der Geſellſchafter zur Geſellſchaft beytraͤgt, muß, wie Pochier, du Contrat de Focieté, n. 10 ſagt, etwas ſeyn, was ſich ſchätzen läßt; wenn alſo Aſſpeiirte zur Errichtung einer Fabrik mit einem mächtigen Maune die Uebereinkunft getroffen hätten, ihm während gewiſſer Jahre einen beſtimmten Antheil von dem Gewinn, den ſie zu machen hofften, zukommen zu laſſen, mit dem Bedinge, daß er ihnen in den Angelegenheiten dieſer Fabrik mit ſeinem Anſehen behuͤlflich ſeyn ſollte, ſo waͤre dieſer Vertrag kein Geſellſchafts⸗Contraet, weil das Anſehen, welches dieſer mächtige Mann in die Geſellſchaft einzubringen verſpricht, nichts iſt, was ſich ſchätzen läßt. Ein ſolcher Ver⸗ trag iſt unguͤltig, weil er der öffentlichen Ehrbarkeit und den guten Sitten zuwider iſt, die mächtigen Perſonen nicht erlau⸗ ben, mit ihrem Anſehen Handel zn treiben« Zwar nahmen die Römer an, daß jemand auch bloß gratiam zur Geſellſchaft beytragen könne,(L. 30, fl. pro soc.) Der Geſetzgeber könnte indeſſen, wie Herr Gillet in ſeiner Rede ans Geſetzsebungs⸗ III. Buch. 1X. Tit. Von dem Svoeietäts⸗Eontracte. 3 hinzu, könnte eine ſolche Einlage bey den Handlungs⸗Geſell⸗ ſchaften zugclaſſen werden, die ihre beſondere Regeln haben⸗ Art. 1834.» Alle Geſellſchaftsverträge muͤſſen ſchrift⸗ „lich abgefaßt werden, wenn ihr Gegenſtand den Weith „von hundert und fünfzig Francs uͤberſteigt. „Kein Beweis durch Zeugen wird zugelaſſen, es ſey um „darzuthun, daß etwas gegen den Inhalt des ſchriftlichen „Geſellſchaftsvertrages, oder nebenher und außer demſelben „abgeredet worden, oder um Reden zu beweiſen, die vor, „waͤhrend oder nach dieſem Acte vorgefallen ſeyn ſollen, ſelbſt „wenn es um eine Summe oder um einen Werth unter hun⸗ „dert und fuͤnfzig Francs ſich handelt. Nach der Vorſchrift des Art. 1, Tit. 4 der Ordonnanz von 1673 mußte uͤbex jede(Handlungs⸗) Geſellſchaft ein ſchriftlicher Contraet' ſelbſt dann errichtet werden, wenn ihr Gegenſtand ſich nicht einmahl auf 100 Liv. belief⸗*) Corps ſich ausdruckte, ohne Schaam dieſes Wort anderſt nicht niederſchreiben, als in verdorbenen Staaten, wo man mit allem, ſelbſt mit det öffentlichen Gewalt Handel treibt. B. *) Deſſen ungeachtet nahm man doch den Beweis durch Zeugen dann an, wenn ein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vor⸗ handen war. So entſchied auch die Civil⸗Section des Caſſations⸗ Hofes am 16. April 1306 in det Sache Lortde la Sonde wider Michael Simons Journ. d aud. ete. 1806 p. 334 u f. X und, da a) der Art. 1341 des Geſetzbuches Napoleons aus der Ordonnanz von 1667 hergenonimen worden iſt, da b) die Formali⸗ tät der ſchriftlichen Abfaſſung, wie Herr Staats⸗Rath Treilhard bey Vorlesung dieſes Titels im Geſetzgebungs⸗Corps ſagte; zur Subſtanz eines Contraetes nicht nothwendig, ſondern bloß des Beweiſes wegen vorgeſchrieben, dieſe Verfügung aber dem Geſell⸗ ſchafts⸗Eontracte allein nicht eigen, ſondern auf jede Gattung von Verträgen anwendbar iſt, ſo iſt es wohl keinem Zweifel un⸗ terworfen, daß auch bey dem Geſellſchafts Contracte in dieſer Hinſicht die nehmſichen Regeln eintreten, die im 2. Abſchn. des Cap. 6 Cit. 3 des Geſetzbuches Napoleons enthalten ſind. 4 m. Buch. IX. Lit. Von dem Societäts⸗Contraecte. Im Entwurfe unſeres Artikels, hatte man hievon eine Aus nahme fuͤr ſolche Geſellſchaften gemacht, die auf einer Meſſe geſchloſſen, oder Meß⸗Geſchäfte zum Gegenſtande ha⸗ ben würden; die Bemerkungen aber, die das Tribunat da⸗ gegen machte, hatten die Verwerfung dieſer Ausnahme zur Folge. Ehemahls kannte man auch ſtillſchweigende Geſellſchaf⸗ ten, Gociétés taisibles) die durch bloßes Beyſammenwohnen der Parteyen contrahirt wurden;*) inzwiſchen hat Herr Bouteville in ſeinem Berichte ans Tribunat die Bemerkung gemacht, daß dergleichen Geſellſchaften, nach unſerem Artikel, nicht mehr Statt haben könnten, und ſogar auf unſere Site ten nicht mehr paßten.**) 8weytes Capitel. Von den verſchiedenen Gattungen der Geſellſchaften⸗ Art⸗ 1836.„Die Geſellſchaften ſind entweder uniber⸗ „ ſelle oder Particular⸗Geſellſchaften.« *) Wenn ſie nehmlich a) Jahr und Tag lang im nehmlichen Hauſe beyſammen wohnten, und miteinander ſpeiſten, und b) einer für den andern wechſelſeitig erwarb, und Gewinn und Verluſt miteinander theilten. Sie hießen copersonniers. Vor Alters gab es dergleichen Geſellſchaften in allen Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗Rechte hatten. Seit der Ordonnanz von Muulins aber, welche vorſchrieb, daß die Contraete über⸗ haupt ſchriftlich abgefaßt werden ſollten; nahm man ſie nur noch in denjenigen Provinzen an, worin ſie durch die Gewohn⸗ heits⸗Rechte ausdrücklich beybehalten worden waren. Repertoire de jurispr. V. Comminauts tacite. B⸗ ) Sie würden nehmlich mit dem vorliegenden Artikel nicht ver⸗ einbarlich ſeyn, nach deſſen Vorſchrift die Geſellſchafts⸗Contraete ſchriftlich abgefaßt werden ſollen; wenn ihr Gegenſtand den Werth von 150 Fr. überſteigt⸗ B⸗ m. Buch. Ix. Tit. Von dem Speietäts⸗Contracte. 5 Erſter Abſchnitt⸗ Von univerſellen Geſellſchaften. Art. 1836.»Man unterſcheidet zwey Arten der univer⸗ ſellen Geſellſchaften, die Geſellſchaft, welche auf alle ge⸗ „genwärtige Güter gerichtet iſt, und die unſverſelle Geſell⸗ „ſchaft des Gewinnes.« Die allgemeine Geſellſchaft aller Güter hatten wir, in unſerem Entwurfe verworfen, weil ſie gewoͤhnlich nur eine verſteckte Schenkung in ſich enthalten würde. Dagegen machte man den Vorſchlag, ſogar die Geſell⸗ ſchaften künftiger Güter zu erlauben: ein ſolcher Vertrag, ſagte man, hat nichts unerlaubtes an ſich; hoͤchſtens ſtellt er einen Gluͤcks⸗Vertrag vor, und, um die damit verknüpf⸗ ten Inconvenienzen aus dem Wege zu räumen, iſt es genug, ihn unter ſolchen Perſonen zu verbiethen, die ſich zu ſchen⸗ ken unfaͤhig ſind. Die römiſchen Geſetze, ſetzte man hinzu, welche Pothier, du Conträt de Societe, n. 40 befolgt hat, erlauben ihn. Durch die Mehrheit der Stimmen wurde indeſſen dieſer Vorſchlag aus folgenden Gründen verworfen. 1) Können une ter einer Geſellſchaft künftiger Guͤter wirkliche Schenkungen verborgen werden, ſo muß man ſie aus den nehmlichen Be⸗ wegurſaͤchen verbiethen, die das Verboth ſolcher Schenkun⸗ gen bewirkt haben. 2) Bey jeder Geſellſchaft muß weſentlich der Gewinn nach Verhältniß deſſen, was jeder darin eingelegt hat, gleich ſeyn. Wie ſoll man aber das eine Geſellſchaft nennen, wo einer nahe Ausſichten Vermoͤgen zu erhalten haben möchte, waͤhrend der andere nichts zu hoffen hat, und wobey nichts deſtoweniger die Vortheile gemeinſchaftlich ſeyn ſollten? 5) Um eine billige Vertheilung des Gewinns machen zu können, iſt es nothwendig, daß alles, was in die Geſell⸗ ſchaft eingebracht wird, bekannt ſeyn, und ſein Werth be⸗ ſtimmt werden koͤnne. Bey einer Geſellſchaft aber, die kuͤnftige Güter zum Gegenſtande hat, iſt dieſes unmöglich⸗ 6 U. Buch. MX. Tit. Von dem Soeietaͤts⸗Contracte. Man bemerkte, wegen nachgeborner Kinder würden ſo⸗ gar die auf alle wirklich vorhandene Güter gerichteten Geſell⸗ ſchaften ihre Kraft verlieren. Man gab nach, daß, wenn der andere Geſellſchafter auf irgend eine Art mehr dadurch begünſtigt würde, als das Geſetz erlaubte, dieſer Vortheil auf die disponible Quote herabgeſetzt werden müßte. S⸗ die Art. 853 und 854. Art. 1737.»Eine auf alle gegenwärtige Güter gerich⸗ „tete Geſellſchaft iſt diejenige, wodurch die Parteyen alle „bewegliche und unbewegliche Güter, die ſie wirklich be⸗ „ſitzen, und den Nutzen, den ſie davon ziehen können, in „die Gemeinſchaft geben. „Sie können auch jede andere Gattung des Gewinnes „hierunter begreifen; aber die Güter, die ihnen durch Erb⸗ „folge, durch Schenkungen oder Vermächtniſſe, in der Folge „vjielleicht anfallen könnten, gehoͤren nur dem Genuſſe nach „in dieſe Geſellſchaft; jede Uebereinkunft, welche dahin zielte, „um auch das Eigenthum dieſer Guͤter darin einzubringen, iſt „verbothen, unter Ehegatten jedoch erlaubt, in Gemäßheit „deſſen, was in Rückſicht auf ſie beſtimmt iſt.« S. die Anmerkungen zum vorhergehenden Artikel. Art. 1838.„Eine univerſelle Geſellſchaft in Anſehung „des Gewinnes umfaßt alles, was die Parteyen, durch ihren „Fleiß, unter welchem Titel es immer ſeyn möge, während „der Dauer der Geſellſchaft erwerben werden. Die Mobilien, „welche ein jeder der Geſellſchafter zur Zeit des geſchloſſenen Con⸗ „tractes beſitzt, find gleichfalls hierunter begriffen, aber die „Immobilien, die einem oder dem andern fuͤr ſeine Perſon „zuſtehen, gehören nur dem Genufſe nach in dieſelbe.« Die Mobilien, welche ein jeder ꝛe.*) In Anſehung der Mobilien, die zum Gebrauche in den Wohnzimmern oder *) Da Activ⸗Schulden zur Claſſe der Mobilien gehören, ſo ſinh dieſe auch unftreitig von Rechts wegen darunter begriffen, m. Buch. IXK. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contracte. 7 zu ihrer Verzierung beſtimmt ſind, war dieſes gar nicht nethwendig, und'hatte bey unſern Societäten der Errungen⸗ ſchaft nicht Statt. 5 Art. 1830.»Wird bloß eine univerſelle Geſellſchaft, „und ohne ſich weiter hieruͤber zu erklaren, geſchloſſen, ſo „bewirkt dieſer Vertrag nur eine univerſelle Geſellſchaft „des Gewinnes.«*) Art. 1840.» Eine univerſelle Geſellſchaft kann nur un⸗ „ter Perſonen Statt haben, welche gegenſeitig die Fähigkeit „haben, ſich einander zu ſchenken, oder von einander Geſchenke Wie verhält es ſich mit demjenigen, was einer der Geſell⸗ ſchafter für Genugthuung wegen einer ſeiner Perſon zugefügten Beleidigung etwa erhält, faͤllt dieſes auch in die Geſellſchaft aller wirklichen Guͤter, und in die univerſelle Geſell⸗ ſchaft des Gewinns?(S. die T. 52,§. 16,. pro voc.) Nach den Grundſätzen des Geſetzbuches Napoleons ſcheint es in keine von beyden zu fallen. Nicht in die Erſtere, weil es zur Zeit, wo die Geſellſchaft geſchloſſen wurde, nicht vorhanden war. Nicht in die jweyte, weil es die Entſchädi⸗ gung für das Unrecht iſt, was der Geſellſchafter an ſeiner Per⸗ ſon erlitten hat, und nicht aus dem Gewerbfleiße der Aſſoeiirten oder eines von ihnen, ſondern aus einer ſich ausſchließlich auf einen von ihnen beziehenden urſache herrührt. Schließt man nehmlich die Erbſchaften, Schenkungen und Vermächtniße, die einem der Beſellſchafter anfallen, von dieſer Geſellſchaft deßwe⸗ gen aus, weil ſie ſich einzig auf ſeine Perſon beziehen, ſo muß man auch aus dem nehmlichen Grunde den zufälligen Gewinn oder Vortheil davon ausſchließen, der ſeiner Perſon für die ihr zugefügten Belridigungen vom Richter zuerkannt wird. Was den Schadeus⸗Erſatz betrifft, der einem der Geſellſchafter für das ſeinem Eigenthume zugefügte Unrecht zuerkannt wird, ſo gehoͤrt entweder dieſes Eigenthum der Geſellſchaft, oder nicht. Im erſten Falle gehört ihr auch der Schadens-Erſatz zu, nach der Regel, accessorium sequitur principale, nicht aber, und zwar aus dem nehmlichen Grunde im zweyten Falle. B. *) Coiri Societatem mpliciter licet; et„ non fuerit distinctum, oidetur coita esse umibervorum, quc eæ qutu veniunt. T. 7, N. h. B. 3 I. Buch. 1X. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. „zu empfangen, und denen es nicht verbothen iſt, ſich zum „Nachtheile anderer Perſonen zu begünſtigen.« Dieſen Artikel veranlaßten die Bemerkungen, die beym Art. 1836 gemacht wurden. Zweyter Abſchnitt. Ven der Partieular⸗Geſellſſchaft. Art. 1847.»Eine Particular⸗Geſellſchaft iſt diejenige, „die ſich nur auf gewiſſe beſtimmte Sachen oder ihren Ge⸗ „brauch, oder auf die Fruͤchte bezieht, die man hievon zu „erwarten hat.« Art. 1842.»Der Contract, wodurch ſich mehrere Per⸗ „ſonen, für eine beſtimmte Unternehmung oder für die Aus⸗ „libung eines Handwerks oder eines Gewerbes vereinigen, iſt „gleichfalls Kne Particular⸗Geſellſchaft.«*) — *) In die Particular⸗Geſellſchaft kann man, wie Pothier ſagt, eben ſo wie in die Univerſal-Geſellſchaften, eutweder die Sachen ſelbſt, oder auch bloß den Gebrauch und die aus dieſen Sachen zu ziehenden Früchte einlegen, z. B. wenn zwey Nachbarinnen, deren jede eine Kuh hat, die uebereinkunft treffen, daß die zwey Kühe unter ihnen gemeinſchaftlich ſeyn ſollen, ſo iſt dieſes eine Geſellſchaft der Sachen ſelbſt: jede der Beſellſchafterinnen iſt nun nicht mehr abgeſondert Eigenthuͤmerinn ihrer Kuh, ſondern jede von ihnen iſt gemeinſchaftlich Eigenthümerinn der beyden Kühe. Geht alſo eine dieſer Kühe zu Grunde⸗ ſo iſt der Verluſt gemein⸗ ſchaftlich, und die übrig bleibende Kuh gehoͤrt fortwährend bey⸗ den Aſſpeiirten gemeinſchaſtlich zu, ohne daß diejenige, welche ſie in die Geſellſchaft eingebracht hat, mehr Recht daran behaup⸗ ten könne als die ander⸗ Hätten ſie aber bloß die Uebereinkunft getroffen, daß ſie allen Nutzen, den ſie hervorbringen würden, gemeinſchaftiich ziehen ſollten, dann ſind die Kühe ſelbſt nicht in der Geſellſchaft; jede Aſſociirte bleibt Eigenthümerinn der ihri⸗ gen, und geht ſie zu Grunde, ſo trifft der Verluſt ſie ganz allein. Eben ſo, wenn zwey Perſonen eine Geſellſchaft unter ſich eingehen, um gewiſſe einer jeden von ihnen zugehörige Sa chen gemeinſchaftlich zu verkaufen, und den Kaufpreis zu theilen⸗ muß man wohl unterſuchen, was ihre Abſicht war. Hatten ſie die Abſicht, die Sachen ſelbſt in die Geſellſchaft einzubringen, 6 ————— m. Buch. 1X. Tit. Von dem Societäts⸗Contracte. 7 Drittes Capitel. Von den Verpflichtungen der Geſellſchafter gegeneinandes und in Beziehung auf dritte Perſonen⸗ Erſter Ab ſchnitt. Von den Verpflichtungen der Geſellſchafter gegeneinander. Art. 1843.»Die Geſellſchaft nimmt in dem Augen⸗ „blicke ſelbſt, da der Contract geſchloſſen wird, in ſo fern darin kein anderer Zeitpunct beſtimmt iſt, ihren Anfang.« Denn man kann ausbedingen, daß ſie erſt von dieſer oder jener Zeit an ihren Anfang nehmen ſoll. T. 1,. F. Art. 1844.»Iſt die Dauer der Geſellſchaft in dem „Vertrage nicht feſigeſetzt, ſo nimmt man an, daß ſie, je⸗ „doch unter der im 1869. Artikel enthaltenen Einſchraͤnkung, „fuͤr die ganze Lebenszeit der Geſellſchafter geſchloſſen wor⸗ „den ſey, oder wenn von einem Geſchaͤfte von beſchraͤnk⸗ „ter Dauer die Rede iſt, fuͤr die ganze Zeit, welche dieſes »Geſchäft dauern wird.« ſo iſt es eine Geſellſchaft der Sachen; geht eine der Sachen vor dem Verkaufe zu Grunde, ſo iſt der Verluſt gemeinſchaftlich; war aber bloß ihre Abſicht, den daraus zu löſenden Verkaufpreis in die Geſellſchaft zu legen, ſo fällt der Verluſt ganz allein auf denjenigen, dem die Sache zugehörte. Dieſen Unterſchied macht Celſus in folgendem Falle: quum tres eguos haberes, et ego unum, vocietatem coimus, ut accepto equo meo quadrigam henderes, et en pretio quartam milhi redderes. S ante venditionem equus meus mortuus Jit, non putare se Celsus ait Societatem manere, nec er pretio equorum tuorum partem deberi; non enim habendæ quadrig æ ved vendendæ coitam Societatem. Ceterin s id actum dicatur, ut quadriga ſoret, enque commumicaretur, utique in o& tres partes Pa- beres, ego quartam, non dubiè adhue Socit Sumus. P. 58„N yro „oc. Die nehmliche Diſtinction muß dann gemacht werden“ wenn zwey Kaufleute ſich aſſoriirt hätten, um die Waaren ge⸗ meinſchaftlich zu verkaufen, die jeder von ihnen in ſeinem Laden hat, vor dem Verkaufe aber die Waaren des einen durch Zuſall zu Grunde gehen. Du Contrat de Focieté, n. 54. 15 UI Buch. IX. Tit. Von dem Sveietäts⸗Contracte. Art. 18g5.„Jeder Geſellſchafter iſt in Anſehung alles „deſſen, was er in die Geſellſchaft einzubringen verſprochen „hat, ihr Schuldner⸗ »Beſteht dieſes Einbringen in einem gewiſſen beſtimmten „Objecte, und es wird der Geſellſchaft evincirt, ſo iſt der „Geſellſchafter auf eben die Weiſe der Societät, wis ein „Verkaͤufer ſeinem Kaͤufer, zur Gewährleiſtung verbun⸗ Art. 1896.»Ein Geſellſchafter, der ein Capital in die „Geſellſchaft einzubringen verpflichtet war, und dieſer Ver⸗ „bindlichkeit kein Genüge geleiſtet hat, iſt von Rechts „wegen und ohne daß eine Klage deßhalb wider ihn angeſtellt „wird, ſchuldig, die Zinſen dieſes Capitals von dem Tage „an, da es gezahlt werden mußte, zu vergüten.« »„Ein gleiches gilt in Anſehung der Summen, die er aus „der gemeinſchaftlichen Caſſe genommen hat, von dem Tage »„an zu rechnen, da er ſie zu ſeinem PrivatVortheile daraus „gehoben hat; „Alles unbeſchadet einer weitern Entſchädigung, in ſo „fern ſie den Umſtänden nach Statt hat⸗« S. die FR. 60, h P. und 1 F. 1„N de usur. Man warf die Frage auf, ob ein Geſellſchafter, welcher ein Immobile in die Geſellſchaft einzubringen verſprochen hat, von der Zeit an, wo es eingebracht werden mußte, von Rechts wegen die Früchte in Rechnung bringen müſſe. Mei— nes Erachtens, muß nach unſerem Artikel, und es paritate rationis dieſe Frage mit ja beantwortet werden.*) *) Geht aber das beſtimmte Pbjeet, welches einer der Contrahenten n die Geſellſchaft einzubringen verſprochen hat, zu Grunde, ehe es in die Gemeinſchaft eingebracht wurde, ſo erliſcht der Geſellſchafts⸗Contract. S. den Art. 1367. B. *) Ueber den Fall, wenn das Capital zu Grunde geht, ſehe man die L. 55,§. 1. pro voo. B⸗ m. Buch. 1X. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contracte. 11 Art. 1847.»Die Geſellſchafter, die ſich anheiſchig ge— „macht haben, lihren Kunſifleiß, ihre Mühe und Arbeit in „die Geſellſchaft einzubringen, ſind ſchuldig, ihr jeden Ge⸗ „winn zu berechnen, den ſie mit derjenigen Art von „Induſtrie, welche der Gegenſtand dieſer Geſellſchaft iſt, ge⸗ „macht haben,« In ocietate veniunt omnes quæstus, id est, quod e operd cujusque descendit. T. 7 und 85 Art. 1848.» Hat einer der Geſellſchafter für ſeine be⸗ „ſondere Rechnung eine wirklich fällige Summe an jemand „zu fordern, der zugleich an die Geſellſchaft eine gleichfalls „fällige Summe zu zahlen hat, ſo muß dasjenige, was er „von dieſem Schuldner empfängt, von der Forderung der „Geſellſchaft und der ſeinigen nach Verhältniß der beyden „Forderungen abgerechnet werden, ſelbſt dann, wenn er in ſeiner „Quittung erklaͤrt hätte, daß er das ganze auf ſeine eigene „perſoͤnliche Forderung annehme. Hat er aber in ſeiner Quit⸗ „tung ausgedruckt, daß die ganze Zahlung von der Forde⸗ „rung der Geſellſchaft abgerechnet werden ſoll, ſo ſoll dieſe „Stipulation vollzogen werden.« Art. 1840.»Hat einer der Geſellſchafter ſeinen ganzen „Antheil an einer gemeinſchaftlichen Forderung erhoben, und „der Schuldner iſt ſeitdem inſolvent geworden, ſo iſt dieſer „Geſellſchafter verbunden, das, was er empfangen hat, zur „gemeinſchaftlichen Maſſe herzugeben, wenn er auch die „Quittung nahmentlich nur fuͤr ſeinen Theil ausgeſtellt a hätte.«*) Die in dieſen beyden Artikeln enthaltenen Entſcheidungen ſind merkwürdig, und gründen ſich, wie Herr Treilhard ſagt, darauf, weil die Redlichkeit nicht zulaͤßt, daß ein Geſellſchaf⸗ ter ſich mit den Angelegenheiten der Geſellſchaft weniger als mit den ſeinigen beſchäftige. T. 72, N 4. 2) Ouas inihuum vit, wie Ulpian in der T. 63,§. 5,. ſagt, er eädem Societale alium plus, altum minus consequi. 3 1. Buch. 1X. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. Art. 1850.»Jeder Geſellſchafter iſt verbunden, der „Societät allen Schaden zu erſetzen, den er durch ſein Ver⸗ „ſchulden ihr verurſacht hat, ohne daß er berechtiget ſey, „dieſen Schaden gegen den Gewinn aufzurechnen, den ſeine „Induſtrie ihr in andern Geſchaͤften verſchafft hat.« Durch ſein Verſchulden. Das Wort: Verſchulden, ſagte man, iſt zu ſchwankend und unbeſtimmt; es wäre moͤglich, dieſen Ausdruck zu mißbrauchen, um einen Geſell⸗ ſchafter für Ereigniße verantwortlich zu machen, wodurch gut ausgedachte Speculationen rückgängig gemacht wuͤrden⸗ Die Tribunaͤle, antwortete man, wiſſen die Unterſchiede zu machen, welche auf die Umſtaͤnde paſſen, und die ſich unmöglich vorherſehen laſſen. Die römiſchen Geſetze machten zwiſchen dem groben leichten, und äußerſt leichten Verſchulden einen Unterſchied⸗ Ein Geſellſchafter haftete nur fuͤr den Schaden, den er vor⸗ ſetzlicher Weiſe und durch grobes Verſchulden anrichtete, und mußte auf die Angelegenheiten der Geſellſchaft die nehmliche Sorgfalt verwenden, womit er in ſeinen eigenen Geſchäften zu Werke gieng. Mec ewactissima diligentia db eo ewigi- tur. Nam qui parum diligentem socium Sibi adsumit, de se queri, sibique hoc imputare debet. F. Rn. inst. h. Uebrigens verſteht es ſich von ſelbſt, daß ein Aſſpeiirter nur denjenigen Gewinn, den er aus der Geſellſchaft erhalten hat, nicht gber jenen, wozu die Geſellſchaft nur gelegentlich die Ver⸗ anlaſſung gegeben hat, zur gemeinſchaftlichen Maſſe herzugeben ſchuldig ſey. Einer der Aſſoeiirten z. B. machte bey Verrich⸗ tung der Geſchaͤfte der Geſellſchaft, Bekanntſchaft mit jemanden“ den er ohne dieſes nicht gekannt haben wuͤrde, und dieſer ſchenkt ihm etwas, oder ſetzt ihn zum Erben ein. Ein ſolcher Gewinn gehoͤrt nicht zur Geſellſchafts⸗Maſſe: ved nec compendium, guad propter vooietatem ei contigisset, veniret in medium; veluti si proyter vocietatem hrer fuset institutus, aut quid ei donatum eser. E. 60,§. 1. 5 Pothier. n. 133. B. —— m. Buch. IX. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contracte. 17 Damna fatalia non præstat. T. 52, F 3 N h.* Art. 1851.»Beſtehen die Sachen, die nur dem Ge⸗ „nuſſe nach in die Geſellſchaft eingebracht worden ſind, in „gewiſſen und in jeder Hinſicht beſtimmten Objecten, die „durch den Gebrauch nicht verzehrt werden, ſo ſind ſie auf „Gefahr des Geſellſchafters, der Eigenhümer davon iſt. „Sind dieß verzehrbare Sachen, oder ſolche, die ſich mit „der Zeit verſchlimmern, wenn man ſie aufbewahrt, ſind ſie „zum Verkaufe beſtimmt, oder ſind ſie nach einer vorherge⸗ „gangenen Inventur und hiemit verbundenen Schaͤtzung in „die Societät eingebracht worden, ſo ſind ſſie auf Gefahr „der Geſellſchaft. „Iſt die Sache geſchätzt worden, ſo kann der Geſell⸗ »ſchafter mehr nicht zurückfordern, als den Betrag ihrer „Schaͤtzung.« Die in dieſem Artikel enthaltenen Enſ cheidungen ſind das Reſultat der allgemeinen Regeln; auch wurde auf die Be⸗ merkung, die einer der Stimmgeber machte, daß es gerecht ſey, die Koſten der Unterhaltung der Immobilien der Geſell⸗ ſchaft zur Laſt zu ſtellen, geantwortet, daß das Geſetz ſchon hiefür geſorgt habe, und dieſer Grundſatz im Titel vom Nießbrauche aufgeſtellt worden ſey⸗ Art. 1832.„Ein Geſellſchafter hat eine Klage wider „die Geſellſchaft, nicht nur in Rückſicht der Summen, „welche er fuͤr ſie ausgelegt, ſondern auch in Rückſicht der „Verbindlichkeiten, welche er in gutem Glauben und auf „eine redliche Weiſe in Angelegenheiten der Societät uͤber⸗ „nommen hat, und in Hinſicht der Gefahren, die von ſeiner »Geſchäftsführung unzertrennlich ſind.« *) Ohne daß er berechtigt ſc. T. a5 und T. 26.. Die urſache heſteht darin, weil der Geſellſchafter ſeine Induſtrie der Geſellſchaft ſchuldig iſt, und folglich dadurch, daß er ihr den durch ſeine Induſtrie gemachten Gewinn einbringt, ſich nur ſeiner Verbindlichkeit entledigt: hiefür iſt nun die Geſellſchaft ihm nichts ſchuldig, was er in Aufrechnung ſeiner Schurd zu brin⸗ gen berechtigt ſeyn könnte. 14 1II. Buch. 1X. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraere. In der T. 52, F. 4 M h. heißt es: sicuti lucrum, ite damnum commnne esse oportet, et casus, veluti gi in la- trones incidit, et Suum pecuniam perdidit/ et siquid in me- dicos impensum est er ed causé. Verſteht ſich, während er die Geſchäfte der Geſellſchaft beſorgte.*) Art. 1853.»Iſt der Antheil eines jeden Geſellſchafters „am Gewinn und Verluſte in dem Societaͤts⸗Contracte nicht „beſtimmt, ſo richtet er ſich fuͤr einen jeden nach Verhaͤlt⸗ „niß deſſen, was er zum Capital der Geſellſchaft beyge⸗ „gebracht hat.« „Der Antheil am Gewinn und Verluſte, welcher demje⸗ „nigen gebuͤhrt, der nur ſeine Mühe und Arbeit eingebracht „hat, wird ſo berechnet, als waͤre ſeine Einlage dem Capi⸗ „tal desjenigen Geſellſchafters gleich, der am wenigſten ein⸗ „gebracht hat.« Im Entwurfe ſtand bloß der erſte Theil des Artikels⸗ Man erinnerte, er beſtimme nicht, wie es ſich mit einem Geſellſchafter verhalten ſoll, welcher bloß ſeine Muͤhe und Arbeit in die Geſellſchaft bringe. Anfangs ſchien man darin einig zu ſeyn, daß er den nehmlichen Antheil haben müſſe, wie jene, welche Fonds hergegeben hätten; im Tribunate machte man aber die Anmerkung, es ſey möglich, daß die von den uͤbrigen Geſellſchaftern eingeſchoſſenen Summen Geldes ungleich ſeyen, und folglich muͤſſe man ſich noth⸗ wendiger Weiſe entſchließen, ihm entweder den gröſten, oder den geringſten der den uͤbrigen Geſellſchaſtern gebührenden ²) Anderſt verhält es ſich, wenn die Beſorgung der geſellſchaftli⸗ chen Angelegenheiten eine bloß zufällige Gelegenheit zu irgend einem Verluſte war, z. B. wenn die Geſellſchaft gegen jemanden einen Prozeß fuͤhrte, welcher ein Freund eines der Geſellſchafter war, und dieſem in ſeinem Teſtamente etwas vermacht, nachher aber dieſes Vermächtniß bloß wegen jenes Prozeſſes widerrufen hatte. S propter vocietatem quis eum hwredem instituere desisser, aut patrimorium suum negligenter administraset. T. 60§. 1 5. B⸗ III. Buch 1X. Tit. Von dem Soeietats Contraete. 15 Antheile zukommen zu laſſen. Man beſchloß nun, ihm den geringſten beyzulegen, theils um ihn hiedurch darauf auf⸗ merkſam zu machen, daß er ſeinen Antheil beſtimmen laſſen möge, theils um ſeine Sorgloſigkeit nicht zu ermuntern. S. den Bericht, den Herr Bouteville dem Tribunate abgeſtat⸗ tet hat⸗ Art. 1854.»Sind die Geſellſchafter darin übereinge⸗ „kommen, daß ſie einem von ihnen oder einer dritten Perſon „die Beſtimmung der Antheile überlaſſen wollen, ſo kann „dieſe Beſtimmung nur dann angefochten werden, wenn ſie „der Billigkeit offenbar zuwider iſt. „Keine Beſchwerde wird in dieſer Hinſicht mehr zugelaſſen, „wenn von dem Zeitpuncte an, da der angeblich verletzte »„Theil die erfolgte Beſtimmung gekannt hat, mehr als drey „Monnte verſtrichen ſind, oder wenn er ſchon angefangen „hat, dieſe Beſtimmung zu vollziehen.« Wenn ſie der Billigkeit ꝛc. Dieß iſt eine Regel, welche das Gewiſſen der Richter leiten muß; d. h. nur in dem Falle einer großen Ungerechtigkeit müſſen ſie ſich ent⸗ ſchließen, von der einmahl gemachten Beſtimmung abzuwei⸗ chen. Ich waͤre der Meinung, daß es nur dann geſchehen dürfe, wenn eine Verletzung über die Haͤlfte vorhanden waͤre. Mehr als drey Monate. In unſerem Entwurfe hieß es: dreyßig Tage; ein anderer ſchlug ein Jahr vor: alles dieſes war, wie man leicht einſieht, willkührlich.*) Art. 1855.»Ein Vertrag, wodurch einem der Geſell⸗ „ſchafter allein aller Gewinn zuerkannt würde, iſt unguͤltig.⸗ *) Da der vorliegende Artikel keine Beſchwerde mehr zulaͤßt, wenn mehr als drey Monate von der Zeit an verſtrichen ſind, wo der angeblich verletzte Theil von der Beſtimmung der Antheile Kennt⸗ niß erlangt hattè, ſo muß ihm dieſe Beſtimmung vermittelſt einer förmlichen Inſinuation, oder vermittelſt eines andern gleichgelten⸗ den Actes, wodurch er in Verzug geſetzt wird, ſich darüber zu beſchwerenbekannt gemacht werden. 16 u1. Buch. IK. Tit. Von dem Societäts⸗Contraete. „Ein gleiches gilt von derjenigen Uebereinkunft, wo⸗ die von einem oder von mehrern der Aſſocjirten zum ſchafts⸗Capital eingelegten Summen oder Effecten von Beytrage zum Verluſte freygeſprochen würden.« an muß hierüber den F. 2, inst. h. nachſehen⸗ Iſt in dem Societäts⸗Acte der Antheil eines jeden Geſell⸗ ſchafters am Gewinn und Verluſt beſtimmt, ſo muß man ſich daran halten, wenn ſchon dieſe Antheile ungleich ſind, und ſo gar darin geſagt worden wäre, daß einer vom Ge⸗ winn zwey Theile, und nur einen vom Verluſte haben ſolle, rundam itò pretiosa est opera, ut eos justum „durch quia saps quo zit conditione me Sind die Antheile nicht darin feſtgeſetzt, ſo erhält jeder einen Antheil, der ſeinem Einſchuſſe gleich kommt⸗ S. den vorhergehenden Artikel. Man kann indeſſen nicht ausbedingen, daß einer den ganzen Gewinn allein ziehen, oder keinen Antheil am Ver⸗ luſte haben ſoll. Dieſe letztere Entſcheidung iſt jedoch gegen den angeführten F.⸗ worin es heißt, es könne ausbedungen werden, daß einer einen Theil am Gewinn, und keinen An⸗ theil am Verluſt haben ſolle, in dieſem Sinne gleichwohl, in alid damnum illatum Sit, com- d superest, intelligatur lu- ore in societatem admitti. ut si in alid re lucrum, pensatione factd, Solum quo cro esse⸗ Dieſer F., der mit der T. 29, F 1., F h. uͤberein⸗ ſtimmt, gründete ſich auf die Wichtigkeit der Muͤhe und Ar⸗ beit, si tanti sit opera, quanti damnum est. Ein Menſch, der den uͤbrigen Geſellſchaftern nothwendig iſt, wird nicht in die Geſellſchaft eintreten, wenn ihm der Werth ſeiner Muͤhe und Arbeit nicht durch eine Befreyung von dem Verluſte geſichert wird; in dieſem Falle kann man indeſſen ſagen, daß ein Mieth⸗Contract vorhanden ſey⸗ Art. 1856.»Der Geſellſchafter, dem durch eine beſon⸗ „dere Clauſel des Societàtẽ⸗Contractes die Verwaltung auf⸗ 11l. Buch. 1X. Tit. Von dem Soeietaͤts⸗Contracte. 17 „getragen iſt, kann, des Einſpruches der uͤbrigen Aſſociirten „ungehindert, alle Acte vornehmen, die zu ſeiner Verwal⸗ „tung gehoͤren, vorausgeſetzt, daß dieſes ohne betrügliche „Abſicht geſchehe.« „So lange die Geſellſchaft beſteht, kann dieſer Auftrag „ohne rechtmaͤßige Urſache nicht zuruͤckgenommen werden. Iſt „er aber in einem Acte ertheilt worden, der ſpäter iſt, als „der Societärs⸗Contract ſelbſt, ſo kann er, wie jede bloße „Vollmacht, widerrufen werden.« Die Urſache des Unterſchiedes, der in der Entſcheidung der beyden Fälle liegt, iſt, weil im erſten Falle die Geſell⸗ ſchaft unter der Bedingung zu Stande kam, daß der be⸗ zeichnete Geſellſchafter verwalten ſollte.*) *) Des Einſpruches ungehindert. Hieraus folgt, daß, wenn der Verwalter die Beſorgung der Geſchaͤfte einſtellte, um dem Einſpruche Folge zu leiſten, er fuͤr allen aus dieſer Einſtellung entſpringenden Schaden hafte. Inzwiſchen bemerke man, daß der Verwalter im Soeietäts⸗Acte ſelbſt ernannt wor⸗ den ſeyn muß; iſt disſes nicht, ſo iſt er ein bloßer Mandatar, deſſen Auftrag widerrufen werden kann. Die zu ſe iner Verwaltung gehören. Die Befug⸗ niß zu verwalten enthält, wenn die Contrahenten nichts darüber beſtimmt haben, in Anſehung der Guͤter und der Geſchäfte der Geſellſchaft alles das, was gewöhnlich eine allgemeine Vollmacht in ſich faßt, die jemand einem andern ertheilt, um ſein Ver⸗ moͤgen zu verwalten; denn der Aſſociirte, dem man die Ver⸗ waltung uͤbergeben hat, wird in Hinſicht der Güter und der Geſchaͤfte der Geſellſchaft als der allgemeine Bevollmächtigte ſei⸗ ner Aſſoeiirten angeſehen. Hiehin gehoͤrt alſo die Befugniß, bie Schuldpoſten der Geſellſchaft in Empfang zu nehmen, und darüber zu quittiren, die Schuldner gerichtlich zur Zahlung zu belan⸗ gen, die Gläubiger der Geſellſchaft auszuzahlen, mit den Die⸗ nern und den zum Dienſte der Geſellſchaft nothwendigen Arbei⸗ tern Contraete zu ſchließen, die zu den Angelegenheiten der Ge⸗ ſellſchaft erforderlichen Sachen zu kaufen, die der Geſellſchaft zugehörigen Sachen, welche zum Verkaufe beſtimmt ſind, aber keine andere, zu verkaufen, u. ſ. w. S. die T. 63, ℳ. d⸗ Procurat. Pothier, u. 66, B. IW Malev⸗ 2 1 UM. Buch. IX. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. Art. 1857.„Iſt die Verwaltung mehrern Geſellſchaf⸗ „tern aufgetragen worden, ohne daß man ihre Verrichtun⸗ „gen beſtimmt, oder dabey ausgedruckt hätte, daß einer „ohne den andern nicht handeln ſoll, ſo kann ein jeder von ih⸗ „nen beſonders alle Handlungen dieſer Verwaltung vornehmen.« Art. 1858.» Hat man dabey ausbedungen, daß ein „Perwalter ohne den andern nichts unternehmen ſoll, ſo „kann, ohne neuen Vertrag, einer von ihnen in Abweſen⸗ „heit des andern nichts vorneßmen, ſelbſt wenn ès dieſem „jetzt unmoglich ſeyn ſollte, bey den zur Verwaltung geho⸗ »rigen Handlungen mitzuwirken. Dieſe Entſcheidung muß nicht zu ſtrenge genommen wer⸗ den; es kann nehmlich Fälle geben, worin es durchaus nothwendig iſt, irgend eine Handlung vorzunehmen, um ei⸗ nen großen und bevorſtehenden Schaden zu verhüten; zuver⸗ läſſig iſt in einem ſolchen Falle der Mit⸗Verwalter berechtigt, es zu thun, und muß es thun, weil jeder Geſellſchafter, ſelbſt wenn er nicht Verwalter iſt, es zu thun ſchuldig wäre. Dieſer Artikel muß folglich von gewohnlichen Fällen, von neuen Unternehmungen verſtanden werden⸗ Art. 1850.»Iſt über die Art der Verwaltung in dem »„Vertrage nichts beſonders feſtgeſtellt worden, ſo befolgt „man folgende Regeln: „1) Man nimmt an, daß die Geſellſchafter ſich gegen⸗ »ſeitig die Gewalt eingeräumt haben, fuͤr einander zu ver⸗ „walten. Was ein jeder von ihnen unternimmt, iſt gültig, »ſelbſt für den Antheil ſeiner Geſellſchafter, wenn er ſchon „ihre Einwilligung nicht eingehohlt hat, jedoch mit Vorbehalt des „Rechtes, das dieſen letztern, oder auch einem von ihnen zu⸗ „ſteht, ſich dem Unternehmen zu widerſetzen, ehe es abge⸗ „ ſchloſſen iſt.« „2) Jeder Geſellſchafter darf ſich der Sachen bedienen, „die der Societät zugehören, vorausgeſetzt, daß er ſie zu „dem Zwecke verwendet, der durch den Gebrauch beſtimmt „iſt, und daß er ſich ihrer nicht gegen das Intereſſe der VW UI. Buch. 1X. Tit. Pon dem Societäts⸗Contracte. 17 „Geſellſchaft, oder ſonſt auf eine Weiſe bedient, welche ſeine „Geſellſchafter verhindert, ſich ihrer nach dem Umfange ih⸗ „rer Rechte ebenfalls zu bedienen. „3) Jeder Geſellſchafter hat das Recht, ſeine Geſell⸗ „ſchafter zu zwingen, daß ſie gemeinſchaftlich mit ihm die „Koſten beſtreiten, die erforderlich ſind, um die der Geſell⸗ „ſchaft gehoͤrigen Sachen zu erhalten.*) „4) Kein Geſellſchafter hat fuͤr ſich allein das Recht, an „den Immobilien, welche zur Geſellſchaft gehören, Neuerun⸗ „gen vorzunehmen, ſelbſt wenn er behaupten ſollte, daß ſie »dieſer Geſellſchaft Vortheil bringen, in ſo fern die uͤbrigen „Geſellſchafter hierin nicht einwilligen,« Der in der Ziffer 1 dieſes Artikels aufgeſtellte Grundſatz ſtimmt mit den LI. 13 F. ult. und 14, H de inse act. uͤberein, nach deren Analogie die Geſellſchafter als Agenten und Factoren untereinander angeſehen werden. Jedoch war ein Geſell— ſchafter nicht befugt, mehr als ſeinen Antheil an der gemein⸗ ſchaftlichen Sache zu veräußern, noch von dem gemeinſchaf⸗ lichen Gelde mehr als ſein Antheil ſich betrug, lehnbar vor⸗— zuſchießen. F. 68. h. T. 16, de veb. cred. Ein anderer Grundſatz dieſer Geſetze iſt dieſet, quod pro- hbendi potius qudm faciendi jus est in Ssocio. T. 11, h si Servit. vind. Num in re pari potior est conditib proli⸗ bentis. F. 28, H romm. dibid.*²²) *) Zu erhälten. 3. B. wenn Gebäude einer Reparatur bebür⸗ fen, wenn die Fäſſer; worin der der Geſellſchaft zugehörige Wein enthalten iſt, eine Ausbeſſerung nöthig haben„e. Zu dieſen Koſten muß jeder nach dem Verhältniße ſeines An⸗ theiles an der Geſellſchaft beptragen. Was übrigens die Roſten betrifft, die ein Geſellſchafter zut Erhaltung der Sache und zum Nutzen der Geſellſchaft verwendet hat, hieruͤber verdienen die T. 52§. 10, 12, 15. F. 33 5. 1) pro. voc. T. 27,. de negot. gest. und 15, JF. 3 ₰ eroc. nochgeſehen zu werden. 4 *) Dr ramen, wie in der T. 23, comm. div. hinzugeſetzt wird, Vatkum opus tollat, cogr non potost, v quum prolibars Raterat, A65 „— nI. Buch. IX. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contracte.! Dieſe Grundſatze dienen den Ziff. 1, 3 und 4 dieſes Ar⸗ tikels zur Baſis. Was die Ziff. 2 betrifft, ſo hat der Miteigenthuͤmer eines Hauſes, nach der Lehre der Rechtsgelehrten, das Recht, gegen den Willen ſeiner Geſellſchafter darin zu woh⸗ nen, und dieß ſcheint mir richtig zu ſeyn, wenn er nur ſei⸗ nen Antheil daran in Beſitz nehmen will; dieſe Rechtslehrer ſetzen aber noch hinzu, daß er in Anſehung des ganzen Hauſes dritten Perſonen vorgezogen werden müſſe, wenn er den Antheil der übrigen bezahlte, es ſey dann, daß man gewohnt wäre, das Haus zu vermiethen. Seit dem die T. ade, womit dieſe letztere Entſcheidung viele Aehnlichkeit hat, abgeſchafft worden iſt, ſcheint ſie mir einigem Zweifel unter⸗ worfen zu ſeyn. S. Rousseaud, und die v. societs, Sect. 3, n. 4, von ihm angeführten Schriftſteller. Der unter der Ziff. 1 enthaltenen Entſcheidung iſt ſchon ein von der Civil⸗Section am 23. Pluvioſe 12. J⸗ Gs. Hor⸗ nung 1809) erlaſſenes Urtheil zuvorgekommen⸗ Der Fall war folgender? Lange, Miteigenthuͤmer des noch ungetheilten Landgu⸗ tes von Suscinio, hatte dem Warcou, welcher Pächter da⸗ von war, aufgekuͤndigt. Marsou wendete ein, Lange allein könnte ihm nicht aufkuͤndigen. Das Tribunal von Vannes wieß ihn mit dieſer Einrede ab; das Appellations⸗Gericht von Rennes aber entſchied das Gegentheil. Lange nahm ſeinen Recurs zum Caſſations⸗Hofe, und dieſer caſſirte das urtheil des Appellations⸗Gerichtes von Rennes, weil a) Lange Miteigenthümer des Landgutes von Suscinio war, welches noch in unzertheilter Gemeinſchaft beſeſſen wurde; weil b) ſeine Mitintereſſenten ſeine Hand⸗ prætermiserit et ides per communt dinidundo acrionem damnum vureirt poterit; vin facienti consensit, nec pro damno habet actio- nem. Ouod„ quid absente ocio lad asionem ejus ſecit, Jos etiam tollers cogitur. uI. Buch. IX. Tit. Von dem Sveietäts⸗Contraete. 81 lung nicht mißbilligt hatten, und c) Marcou dieſe letztere nicht einmahl zur Sache hatte beyladen laſſen. In dieſer Sache hatte zwar Marcou viele That⸗Umſtände gegen ſich; indeſſen bleibt es doch immer richtig, daß der Grundſatz, wovon hier die Rede iſt, angenommen wurde.! Art. 1860.»Ein Geſellſchafter, dem die Verwaltung „nicht aufgetragen iſt, kann ſelbſt bewegliche Sachen, „welche der Geſellſchaft gehoͤren, weder veräußern, noch „verpfaͤnden.« Sie die Anmerkung zum vorhergehenden Artikel. Art. 1861.„Jeder Geſellſchafter kann in Beziehung „auf den Antheil, den er an der Geſellſchaft hat, auch ohne „Bewilligung ſeiner Geſellſchafter mit einer dritten Perſon „in Societät treten; er kann ſie aber, ohne dieſe Bewilli⸗ „gung, in die Hauptgeſellſchaft nicht aufnehmen, ſelbſt „wenn er die Verwaltung davon haben ſollte.« Dieß iſt es, was in der T. 20, F. h. geſagt wird, Socii mei Socius meus Socius non est.*) Dieſem Artikel hatte man noch einen F. beygefügt, wel⸗ cher die Verfügung enthielt, daß derjenige, welcher ſich ei⸗ nen dritten beygeſellte, für den Schaden zu haften habe, den dieſer dritte der Geſellſchaft etwa verurſachen möchte⸗ Dieſer F. wurde als unnütz ausgeſtrichen; in der That haftet der Geſellſchafter für die Handlungen dieſes dritten, und wenn man ihn auch nur als einen angeordneten Ge⸗ ſchaͤftsträger anſehen wollte. 3 weyter Abſchnitt. Von der Verpflichtung der Geſellſchafter in Beziehung auf dritte Perſonen. Art. 1862.„Bey Geſellſchaften, die keine Handlungs⸗ „Geſellſchaften ſind, haben die Aſſociirten fuͤr die gemein⸗ ſchaftlichen Schulden nicht ſolidariſch zu haften, und ein *) Man ſehe übrigens die PL. 21, 22 und 23 4. B. az 117. Buch. 1X. Tit. Pon dem Societats⸗Contraete. „Aſſociirter kann nie die übrigen verbinden, wenn diefe ihm „hiezu keinen Auftrag gegeben haben.« Die keine ꝛc.; Wirklich ſind nach dem Art. 7, des Tit⸗ von Geſellſchaften, der Drdonnanz von 1673 die Geſell⸗ ſchafter ſolidariſch für die Schulden der Geſellſchaft verbun⸗ den, wenn auch nur einer von ihnen unterzeichnet hat, falls er für die Geſeilſchaft, nicht aber anderſt, unterzeichnet a Waͤre indeſſen dem Handlungs⸗Geſellſchafter, welcher fur die Seſellſchaft unterzeichnet hat, dieſe Befugniß im So⸗ cietats⸗Acte benommen, und dieſer Act einregiſtrirt, und nach der Vorſchrift der Ordonnanz verkündet worden, ſo würde er die Geſellſchaft durch ſeine Unterſchrift nicht ver⸗ binden,**)(Bornier und die übrigen Commentatoren über *) Nach dem Art 22 des Handlungs⸗Geſetzbuches haften bey ei⸗ ner Geſellſchaft unter gemeinſchaftlichem Nahmen,(en nom col— teerf) d. h. bey einer ſolchen, welche zwey oder mehrere Perſo⸗ nen unter ſich ſchließen, und die zum Zwecke hat, eine Hand⸗ lung unter einer gemeinſchaftlichen Firma zu führen, alle, welche nls Geſellſchafter im Soecietäts⸗Contracte bezeichnet ſind, ſolida⸗ riſch für alle Verpflichtungen der Geſellſchaft, wenn auch nur einer der Geſellſchafter unterzeichnet hat, vorausgeſetzt, daß die⸗ ſes unter der gemeinſchaſtlichen Handlungs⸗Firma geſchehen ſey. Das nehmliche hat nach dem Art. 23 des nehmlichen Geſetbu⸗ ches auch bey Geſellſchaften en commandite, d. h. bey ſolchen, wobey nicht alle Intereſſenten an der Beſorgung der Handlungs⸗ Eeſchäfte Theil nehmen; in Hinſicht deren Statt, welche die Handlungs⸗Geſchäfte als Aſſpeiirte beſorgen; dagegen nach dem Art. as der Geſellſchafter, welcher bloß Commanditär iſt, d. h. welcher bloß Fonds in die Geſellſchaft eingeſchoſſen hat; nur ſo weit als ſein eingeſchoſſenes Capital reicht; für den Verluſt haftet; es ſey dann, daß er ſich in die Führung der Geſchaͤfte eingemiſcht, oder in den Angelegenheiten der Geſellſchaft habe brauchen laſſen.(Art. 27 und as des n. G.) 2 *c) Das Nehmliche würde auch jetzt Statt haben, wenn die im Art 41, 43 uud 4 des Handlungs Geſetzbuches vorgeſchriebe⸗ nen Formalitäten beobachtet worden ſind. 3 m. Buch. IX. Tit. Von dem Spoeietäts⸗Contracte. 23 geſagten Artikel,) ſo daß zwiſchen der Ordonnanz und unſe⸗ rem Artikel nur fuͤr den Fall ein wirklicher Unterſchied vor⸗ handen iſt, wenn der Handlungs⸗Geſellſchafter nicht von der Unrerſchrift ausgeſchloſſen iſt, und alle zu unterzeich⸗ nen befugt ſind⸗ Art. 1863.»Die Geſellſchafter haften dem Glaͤubiger, „womit ſie contrahirt haben, jeder fuͤr eine gleiche Summe „und einen gleichen Theil, ſelbſt dann, wenn der Antheil „eines von ihnen an der Geſellſchaft geringer ſeyn ſollte, „der Act habe dann beſonders die Verpflichtung dieſes „Letztern nach Verhältniß ſeines Antheils an der Geſellſchaft „beſtimmt.« Der Beweggrund des letzten Theiles dieſes Artikels iſt, weil dritten Perſonen die beſondern Verträge der Geſellſchaf⸗ ter unbekannt ſeyn können, und Betruͤgereyen verhindert werden müſſen⸗ Art. 1869.»Das Angeldbniß, daß eine Verpflichtung „für Rechnung der Geſellſchaft übernommen worden ſey, „bindet nur denjenigen Geſellſchafter, der contrahirt hat, und „nicht die uͤbrigen, es ſey dann, daß dieſe ihm Vollmacht „gegeben haben, oder daß die Sache der Societät zum Nu⸗ „tzen gediehen ſey.« In den beyden vorhergehenden Artikeln iſt feſtgeſetzt wor⸗ den, für welche Antheile die Geſellſchafter gegen dritte Per⸗ ſonen verbunden ſind. Im vorliegenden beſtimmt man die Fälle, wo ſie ſo gar ganz für die von einem unter ihnen eingegangene Verbindlichkeit haften. Der Regel nach kann man durch einen Vertrag nur ſich binden, von dieſer Regel macht aber der Artikel zwey ganz gerechte Ausnahmen, im Falle nehmlich, 1) wo die uͤbrigen Geſellſchafter denje⸗ nigen von ihnen, welcher contrahirte, dazu bevollmächtigt hatten, und 2) wenn die Societät Vortheil aus dem Em⸗ pfangenen gezogen hat. Vorzuͤglich iſt dieſer letztere Fall bedeutend, und ſtimmt mit den im Titel der Pandecten de in rem verso feſtgeſetzten Regeln überein. a II. Buch. IX. Tit. Von dem Svoeietäts⸗Eontraete. Eben dieſe Regeln machten einen Theil der Entſchei— dungs⸗Gründe aus, aus denen die section des requétes das Geſuch des Billsud um Caſſation eines vom Appella⸗ tions⸗Hofe von Limoges erlaſſenen Urtheiles, welches ihn zur Zahlung eines, von Alonele, ſeinem Aſſociirten, ganz allein ausgeſtellten Schuld⸗Scheines von 2,000 Liv., die aber in den Fonds der Geſellſchaft gebraucht worden waren, ver⸗ urtheilt hatte, am 28. Germinal 12. J.(18. April 1809) verwarf. Die gelehrte Abhandlung des Herrn MWerlin über dieſe Frage muß man im Repert. de jurispr. v. Societs, F. 2 nachſehen⸗ Viertes Capitel. Von den verſchiedenen Arten, wie die Geſellſchaft ſich endiget. Art. 1865.»Die Geſellſchaft endiget ſich „1) Durch Umlauf der Zeit, auf welche ſie geſchloſſen »worden iſt; „2) Durch den Untergang der Sache, oder durch die Vol⸗ „lendung des Geſchaͤftes; „3) Durch den natürlicheu Tod eines der Geſellſchafter; „4) Durch den bürgerlichen Tod, durch die Interdiction „oder den gaͤnzlichen Verfall des Vermögens eines von ihnen; „5) Durch die Willenserklärung eines oder mehrerer, daß „ſie nicht mehr in Geſellſchaft ſeyn wollen.« Gder den gaͤnzlichen Verfall des Vermoͤgens. Nach der Lehre des Boutaric, ad F. 5, inst. de societate, endigt ſich der Geſellſchafts-Contract durch das Falliment nicht, wenn der Geſellſchafter, welcher fallirt hat, einen Zahlungs⸗ fähigen Bürgen anbiethet; auch fuͤhrt er einen Fall an, worin dieſes angenommen worden iſt. Meines Erachtens kann nach unſerem Artikel ſeine Meinung nicht mehr befolgt werden; denn ein Geſellſchafter, welcher fallirt hat, muß nicht bloß deßwegen von der Geſellſchaft ausgeſchloſſen wer⸗ den, weil er kein Geld mehr hat, ſondern auch aus dem M. Buch. 1IX. Tit. Von dem Societäts⸗Contracte. 25 Grunde, weil man in ſeine Redlichkeit oder Klugheit kein Zutrauen mehr ſetzen kann.*) Was in den übrigen Ziffern dieſes Artikels enthalten ſ wird in den folgenden Artikeln naͤher erläutert, die man hierüber nachſehen muß⸗ Art. 1866.»Daß eine Geſellſchaft auf beſtimmte Zeit „verlängert worden ſey, läßt ſich nicht anderſt erweiſen, „als durch einen ſchriftlichen Act, der mit der nehmlichen „Form, wie der Societäts⸗Contract ſelbſt, verſehen iſt.« Art. 1867.»Hat einer der Geſellſchafter verſprochen, „das Eigenthum einer Sache in die Gemeinſchaft einzulegen, „ſo erliſcht der Geſellſchafts⸗Contract in Beziehung auf alle „Geſellſchafter, wenn die Sache zu Grunde geht, ehe ſie in „die Gemeinſchaft eingelegt worden iſt. „Auf gleiche Weiſe erliſcht die Geſellſchaft durch den „Verluſt oder Untergang der Sache in allen Fällen, wo „nur der Genuß in die Gemeinſchaft eingelegt worden, und „das Eigenthum davon in den Händen des Geſellſchafters „geblieben iſt.« *) Wie, wenn ein Holzhäͤndler, fragt Pochier n. 142, mit ei⸗ nem Faßbinder eine Geſellſchaft geſchloſſen hat, um Fäſſer zu machen und zu verkaufen, wozu Erſterer das Holz liefern, letz⸗ terer aber bloß die Faͤſſer machen ſollte, dieſer Letztere aber nachher ſo gelähmt wird, daß er zu keiner Arbeit mehr tauglich iſt, iſt die Geſellſchaft erloſchen? Nein, antwortet er; dadurch nehmlich, daß der Faßbinder ſich verpflichtete, Fäſſer zu machen, hatte er es nicht beſtimmt übernommen, ſie ſelbſt, ſondern ent⸗ weder ſelbſt oder durch ſeine Arbeitsleute zu machen; letzteres kann er indeſſen noch immer thun laſſen, und die Arbeit leiten, wenn er ſchon gelähmt iſt. Anderſt wuͤrde es ſich aber verhalten, wenn der Holzhändler, weil er eintig ſein Zutrauen in die Geſchick⸗ lichkeit des Faßbinders ſetzte, dem Contraete die Clauſel hätte einruͤcken laſſen, daß er die Fäſſer nicht durch andere machen laſſen könnte. In dieſem Falle wäre die Soeietät erloſchen. B⸗ 26 1II. Buch. IX. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. »Dann aber wird die Geſellſchaft durch den Verluſt der „Sache nicht aufgelöſt, wenn das Eigenthum ſchon wirklich „in die Societaͤt eingebracht war.« Dgs Eigenthum einer Ssche. Es muß aber eine Sache von Wichtigkeit und eine ſolche ſeyn, wodurch man zur Schließung des Societäts⸗Contractes bewogen worden iſt; denn im entgegengeſetzten Falle, oder wenn nur eine und zwar die minder wichtige der verſprochenen Sachen zu Grunde gienge, könnte es dem Geſellſchafter nicht verweigert werden, ſie durch eine andere zu erſetzen, oder eine Entſchä⸗ digung zu geben. So heißt es auch in der T. 63, F. ult. J. h., daß der Societaͤts⸗Contract ſich durch den Verluſt der Sache endige, si nullæ relinquantur, vel conditionem mutent. Und in Hinſicht des zweyten Theiles des Artikels, heißt es in der T. 5, H. h.,„i frui non liceat. Was den dritten Theil des Artikels betrifft, entſcheiden die PZ. 28 und 82, H bh., daß, wenn das vom Geſell⸗ ſchafter verſprochene Geld zu Grunde geht, bevor es in ar- cam communem gebracht worden iſt, der Verluſt den Geſell⸗ ſchafter treffe; dann aber, wenn es nachher zu Grunde geht, der Societät zur Laſt falle. Art. 1868.»Iſt ausbedungen worden, daß, wenn „einer der Geſellſchafter ſtirbt, die Geſellſchaft mit ſeinem „Erben oder unter den noch lebenden Geſellſchaftern allein „ſortwähren ſoll, ſo muß dieſe Uebereinkunft vollzogen wer⸗ „den. Im zweyten Falle hat der Erbe des Verſtorbenen „weiter kein Recht auf Theilung der Societät, als nach „Beſchaffenheit der Lage, worin ſie zur Zeit des Abſterbens „ſich befand, und er nimmt keinen Theil an den weitern „Rechten, als in ſo fern ſie eine nothwendige Folge desje⸗ „nigen ſind, was vor dem Tode des Aſſociirten, deſſen Erbe „er iſt, geſchehen war.« Nach den römiſchen Geſetzen durfte zwar ausbedungen werden, daß die Geſellſchaft unter den uͤberlebenden Aſſociir⸗ ten fortwähren ſolle, L. 65, F. 9, h. h., uicht aber, daß — uI. Buch. K. Tit. Bon dem Gocietäts⸗Contraete. 27 ſie mit dem Erben des verſtorbenen Aſſociirten fortgeſetzt werden ſolle. T. 35 und 59 eod. Nisi notus aut nomina- eim admissus sit, aut in societate vectigalium. Der Be⸗ weggrund dieſer Regel war, weil die Wahl der Perſonen bey einer Geſellſchaft das weſentlichſte iſt, und man ſich in ſol⸗ chem Falle nicht mit jemanden verbinden kann, den man nicht kennt. Man glaubte, das Gegentheil annehmen zu müſſen.*) Was die Rechte und Verbindlichkeiten des Erben des verſtorbenen Geſellſchafters betrifft, heißt es a) in der T. 40, eod., inchoata emplicare tenetur; P) in der T. 63, F. 8 in eum actio est, cum emolumenti successor sit; c) in der F. 36, bonam ſidem et culpam preæstat, und Cujaz erklaͤrt die Lage, worin er ſich befindet, mit einem Worte, wenn er (X. obs. 35) ſagt? communio necessuria est cum harede, non autem societas voluntaria. Art. 1869.„Nur Geſellſchaften, deren Dauer nicht „auf gewiſſe Zeit eingeſchränkt iſt, können durch bloße „Willkühr eines der Contrahenten aufgeloͤſt werden. Die „Auflöſung geſchieht durch eine Verzichtleiſtung, welche allen . *) Auch hierin iſt man der Meinung Pothier's n. 14 beygetre⸗ ten, welcher den angeführten Beweggrund der römiſchen Geſetze mehr ſpitzſindig, als gründlich ſindet. Die Roͤmer ſelbſt, ſagt Pothier, und nach ihm Herr Bouteville in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps, nahmen eine Ausnahme von ihrer Regel bey Geſellſchaften an, die von den Pächtern der Staats⸗Einkünfte unter ſich geſchloſſen wurden, in societate vectigalium,— ein Beweis, daß ſie ſelbſt anerkannten, daß ein ſolcher Vertrag dem Weſen einer Geſellſchaft uicht zuwider ſey; und da a) die Contrahenten wichtige Gründe gehabt haben können zu wünſchen, daß ihre Aſſoeiation, ihre Unternehmung von ihren Erben fort⸗ geſetzt werden möge, da b) dieſe letztere immer die den Geſell⸗ ſchaften, deren Dauer unbeſtimmt iſt, anklebende Befugniß ha⸗ ben, daraus zu ſcheiden, wenn ihr Intereſſe es zu erfordern ſcheint, ſo war auch wohl kein Grund vorhanden, der romiſchen Geſetzgebung in dieſem Punete beyzutreten. 23 II Buch. IX. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. „Geſellſchaftern inſinuirt wird, vorausgeſetzt daß dieſe „Verzichtleiſtung auf eine redliche Weiſe, und nicht zur „Unzeit geſchieht. Von dem Falle, wo die Geſellſchaft auf eine beſtimmte Zeit geſchloſſen worden iſt, handelt der Art. 1871.*) 16 Art. 1870.»Die Verzichtleiſtung geſchieht nicht auf „eine redliche Weiſe, wenn der Aſſociirte der Geſellſchaft „entſagt, um ſich einen Gewinn allein zuzueignen, den die „Geſellſchafter für gemeinſchaftliche Rechnung zu ziehen „Willens waren.**) „Sie geſchieht zur Unzeit, wenn die Sachen nicht mehr »im vorigen Stande ſind, und der Geſellſchaft daran gele⸗ »gen iſt, daß ihre Aufloͤſung verſchoben werde.«*6) Sed plane siquis callide in hoc renuntiaverit societati, ut obveniens aliquod lucrum solus habeat. cogitur hoc communicare. F. 4. inst. h. Si ocietatis intersit, non dirimi Non id quod privatim interest unius eæ sociis, Servari Solet, sed quod societati expedit. T. 65, F. 5, H. * Dem vorliegenden Artikel zu Folge iſt alſo zur Aufloͤſung einer auf unbeſtimmte Zeit geſchloſſenen Geſellſchaft nur eine einzige Formalitaͤt erforderlich, nehmlich dieſe, daß die Verzichtleiſtung den Aſſociirten inſinuirt werde, vorausgeſetzt daß ſie uͤbrigens mit den im Artikel enthaltenen Erforderniſſen verſehen iſt. Soll aber eine Geſellſchaft, die auf eine beſtimmte Zeit geſchloſſen iſt, durch den Willen eines der Aſſoeiirten aufgehoben werden, ſo muß er ſein Geſuch mittelſt einer Klage bey Gerichte anbringen. S. die TT. 4, F. 1, und 65,§. 6,. h. Sollte indeſſen die Verzichtleiſtung Schwierigkeiten unterworſen ſeyn, ſo möchte es auch bey der erſtern Gattung von Geſellſchaften rathſam ſeyn, bey der Inſinuation der Verzichtleiſtung zugleich die Geſellſchaf⸗ ter abzuladen, um die Auflöſung der Geſellſchaft gerichtlich er⸗ kennen zu laſſen. B. *) Beyſpiele hievon findet man in der T. 65,§. 3 und 4,. B. **) Hievon findet man ein Beyſpiel im§. 5„ d. T.. — — 1u. Vuch 1X. Tit. Von dem Soeietaͤts⸗Contraete. 25 Art. 1871.»Geſellſchaften, welche auf Zeit geſchloſſen „ſind, können auf einſeitiges Verlangen eines der Aſſociirten „vor der vereinbarten Zeit nur in ſo fern aufgehoben werden, „als gerechte Bewegurſachen eintreten, wie z. B. wenn „ein anderer Geſellſchafter ſein Verſprechen nicht erfuͤllt, „oder eine oft wiederkehrende Krankheit ihn zu den Geſchäf⸗ „ten der Geſellſchaft unfaͤhig macht, oder in andern aͤhnlie „chen Fällen, deren Rechtmäßigkeit und Erheblichkeit zu „beurtheilen dem Ermeſſen der Richter überlaſſen bleibt.« Si it injuriosus, heißt es in der T. 14, h eod., et damnosus sit Socius, ut non eapediat eum pati.*) Art. 1872.»Die Regeln, die ſich auf Erbſchaftsthei⸗ „lungen, auf die Form dieſer Theilungen und die unter den »Miterben hieraus entſpringenden Verbindlichkeiten beziehen, „ſind auf die Theilungen unter Aſſociirten ebenfalls an⸗ „wendbar.«*) Man vermißt hier eine im römiſchen Rechte bekannte Regel, nach welcher ein Geſellſchafter, welcher bey der Rech⸗ nungs⸗Ablage und bey der Liquidation der Geſellſchaft Schuldner bleibt, nur, in huantum facere potest, verur⸗ theilt wird, P. 65, h. d. h. deducto ne egeat. T.. *) Sind rechtmäßige urſachen vorhanden, vor der Zeit von der Geſellſchaft abzugehen, ſo kann dieß ſelbſt in dem Falle geſchehen, wenn im Geſellſchafts⸗Contraete die Clauſel ent— halten wäre, daß man vor Ablauf der Zeit ſie nicht aufheben könne. T. 14,. 1. ulpian und Pomponius fuͤhren übrigens in d. T. 14, T. 15 und 16 esd. mehrere Bepſpiele rechtmäßiger Urſachen an. B. **) Da nach dem Art. 317 des Geſetzbuches Napoleons ein Vor⸗ mund die Klage auf Theilung einer Erbſchaft nur dann anſtel⸗ len kann, wenn er von einem Familien⸗Rathe dazu autoriſirt iſt, ſo iſt dem vorliegenden Artikel zu Folge dieſe Formalitat auch daun erforderlich, wenn der Vormund auf Theilung einer Geſellſchaft antragen will. B. 30 1II. Buch. IX. Tit. Von dem Soeietäts⸗Contraete. de ꝛeg. jur. der Grund dieſer Regel war, cum societas jus quodammodd fraternitatis in se habeat. T. 63 edd. Da a) dieſe Regel weggeblieben iſt, und P) andere Ver⸗ fügungen dieſes Titels vorausſetzen, daß die Richter ver⸗ pflichtet ſind, den Geſellſchafter, welcher Schuldner iſt, zur Zahlung desjenigen zu verurtheilen, was er wirklich ſchuldig iſt, ſo dürfen ſie bloß deßwegen dieſe Regel nicht mehr anwenden. Verfuͤgung in Beziehung auf Handlungsgeſellſchaften. Art. 1873.»Die Verfügungen des gegenwaͤrtigen Ti⸗ „tels ſind auf Handlungsgeſellſchaften in denjenigen Puncten „nur anwendbar, die mit den Geſetzen und Gebräuchen des „Hrrels in keinem Widerſpruche ſtehen.*) *) Handlungs⸗Geſellſchaften bleiben dieſemnach ihren eigenen Ge⸗ ſetzen und Gebräuchen unterworfen. Beym Appellations⸗Hofe von Brüſſel kam folgender Fall vor: Als die im J. 1782 in Oſtende zn Stande gekommene Aſſe⸗ euranz⸗Geſellſchaft geendigt war, beſchäftigte ſich Herr Van⸗ moorſet, welcher der einzig uͤbrig gebliebepe Directeur war, mit der Liquidation. Im Geſellſchafts⸗-Contracte war nichts über die Art beſtimmt, wie zur Liquidation geſchritten werden ſollte. Vanmoorſet glaubte alſo ſich in Betreff der Zuſammen⸗ berufung ungefähr nach den nehmlichen Formen richten zu müſſen, die während der Geſellſchaft vorgeſchrieben waren, d. h. er be⸗ rief nur die Aetionnärs zuſammen, welche nach dem Inhalte der beſtandenen Verordnung ſo große Actien hatten, daß ihnen eine berathſchlagende Stimme gebührte. Ueberdieß ergriff Vanmvorſet alle Vorſichts⸗Maßregeln, die der Handels⸗Gebrauch, und das Intereſſe aller erfordern konnten. Die Verſammlung, welche auf dieſe Weiſe zuſammenberufen war, ernannte am 2. Decem⸗ ber 1807 drey Liquidatoren und einen Caſſirer. Dieſe Liquida⸗ toren belangen das Haus Baes⸗de⸗Basl und Comp. zur Zahlung einet Summe von 15,600 Florin. Dieſes erklärt ſich zur Zahlung bereit, jedoch gegen Sicherheit, behauptet aber dagegen, daß die Liquidatoren zum Empfang nicht qualifizirt ſeyen, weil ihre Ernennung unregelmäßig ſey. Das Commeri⸗ Geticht von Oſtende verurtheilte indeſſen das Haus Baes⸗de⸗ Im. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 31 3 er Titel⸗ Von dem Leih- und Darlehns⸗Contracte. (Deeret. den 9. Märi 1804. Promulg. den 19. des nehml. Monats.) (Ueber den Leih⸗Contract, ſehe man den Tit. 6 des B. 13 der Pandecten, und den Tit. 23 des B. 4 des Codex. Ueber das Darlehn, den Tit. 1, des B. 12 der Pandecten, und die Tit 1 und 2 des B. 4 des Codex.) Art. 1874.» Es gibt zwey Gattungen des Contrac⸗ „tes, wodurch man ſeine Sache einem andern lehnt; »„Der Leih⸗Contract über Sachen, die man gebrauchen „kann, ohne ſie zu zerſtören; »Und der Darlehns⸗Contract über Sachen, die durch den »Gehrauch, den man davon macht, verzehrt werden. Bael zur Zahlung, weil die von ihm gemachte Einrede den Schuldner nicht angehe, ſondern von den Aſſociirten vorgebracht werden müßte In der Appellations⸗Inſtanz berief ſich der Appellant auf die Grundſätze, nach welchen jede Geſellſchaft mit Ablauf der Zeit, worauf ſie geſchloſſen worden iſt, er⸗ liſcht; nach den 20 Jahren, ſaste er, worauf die Aſſecuranz⸗Geſellſchaft eingegangen worden iſt, iſt keine Geſell⸗ ſellſchaft mehr vorhanden, und hieraus zog er den Schlnß, daß die Liquidation des geſellſchaftlichen Vermögens eine zu machende Theilung ſey, ſo wie jede andere Theilung; da nun von einer Geſellſchafts⸗Operation nicht mehr die Frage ſeyn koͤnne, wohl aber von einer Theilung der gemeinſchaftlichen Sache, ſo trete der Fall ein, wo der Art. 1872 des Geſetzbuches Napoleons angewendet werden müſſe. Der Appellations⸗Hof von Brüſſel beſtaͤtigte aber am a2. Junius 1868 das vorige Urtheil aus folgenden Gründen: 1) weil die Zuſammenberufung der Gläubiger zu den Verſammlungen vom 1. September und 1. December 1807 gemäß dem bey Handels⸗Geſellſchaften beobach⸗ teten Gebrauche, und gemaß der Natur der Operationen, die zu Folge der am 2. Auguſt 1307 aufgelößten Geſellſchaft noch vorzunehmen uͤbrig waren, geſchehen ſey; 2) weil die im Art. 32 II. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. „Die erſte Gattung heißt pret à usage oder commodat, „Leih⸗Contract; „Die zweyte Gattung heißt prét de consommation oder „ſchlechthin prét, Darlehen.« Bey den Römern hieß die erſte Gattung commodatum, die zweyte mutuum⸗ Dieſem Artikel hatten wir folgenden F. hinzugeſetzt“ dieſe zweyte Gattung wird ferner eingetheilt in unent⸗ geldliches Darlehn, und in Darlehn auf Finſen. Anfangs war dieſer F. angenommen worden, wurde aber nachher ohne Discuſſion ausgeſtrichen. Zweifels ohne war man der Mei⸗ nung, daß es, nach der allgemeinen Erlaubniß, ſich vom Darlehn Zinſen auszubedingen, kein unentgeldliches Darlehn mehr geben werde; Religion und Freundſchaft erhalten in⸗ zwiſchen glucklicher Weiſe dieſen Gebrauch noch⸗ Erſtes Capitel. Von dem Leih⸗Contracte. Erſter Abſchnitt⸗ Von der Natur des Leih⸗Contractes. Art. 1875.„b Der Leih⸗Contract iſt ein Vertrag, wodurch „einer der contrahirenden Theile dem andern eine Sache „überliefert, um ſie zu gebrauchen, unter der Bedingung⸗ „daß der Empfaͤnger, nachdem er ſich ihrer bedient hat, „ſie zurückgeben ſoll.« commodatum, ſagt Cujaz ad F. k., est conventio, qud res gratis utenda datur. Gratis, ſagt er; denn der Leih⸗ 1372 aufgeſtellten Regeln nur in denjenigen Fällen ihre Anwen⸗ dung erhalten, welche nach dem Art. 1373 nichts enthalten, was den Handels⸗Geſetzen und Gebräuchen zuwider wäre, und 3) weil der Gegenſtand der Zuſammenberuſung durch den Druck öffentlich bekannt gemacht worden ſey, und das Reſultat dem Intereſſe aller Aetionnärs entſpreche. Jurispr. de la Cour de Cass. 1808 im Anhange p. 277 u. f.„ —„— ni. Buch. x. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. 33 Contract iſt ſeiner Weſenheit nach unentgelblich; ſonſt würde es ein Mieth⸗Contract ſeyn, F. 2. inst. quib. mod. ve. Den Unterſchied zwiſchen dem Leih⸗Contracte und dem Darlehn ſtellt Cujaz auf folgende Art dar: commodatum est quasi mutuum ad usum, mutuum est quasi commodatum ac abusum. Art. 1876.» Zum Weſen dieſes Leih-Contractes ge⸗ „hört es, daß der Gebrauch der Sache unentgeldlich über⸗ „laſſen wird.« S. die Anmetkung zum vorhergehenden Artikel. Art. 1877.»Der Leiher bleibt Eigenthuͤmer der geliehe⸗ „nen Sache.* Rei commodatæ et proprietatem et possessionem reti- nemus. T. 8 und 9, h. Aus dieſer Urſache iſt der Ver⸗ luſt fuͤr den Leiher, wenn ſie zu Grunde geht.— Die Fallé ausgenommen, die im folgenden Abſchnitte enthalten ſind. Art. 1878.»Alles, was nicht dem rechtlichen Verkehr „entzogen iſt, und durch den Gebrauch nicht verzehrt wird, „kann ein Gegenſtand dieſes Vertrags ſeyn.« Immöbilien können eben ſo wie Mobilien geliehen wer⸗ den. F. 1, F. 1, h. Das Weſentliche beſteht darin, daß man die geliehene Sache gebrauchen könne, ohne ſie aufzuzehren; wird ſie durch den Gebrauch verzehrt, wie B. Geld, Fruͤchte, ſo kann ſie nicht geliehen werden, und nut ein Gegenſtand eines Darlehns ſeyn. L. 5, F. ult. H h. Dieſe Regel leidet indeſſen eine Ausnahme, wenn je⸗ mand Geld oder Lebens⸗Mittel leiht, nicht um ſie zu ver⸗ zehren, ſondern bloß um damit zu prahlen, und ſie zu zeigen. Wisi forts ad pompam vel ostentationem accipiæt quis, heißt es in der ſchon angeführten T. Z., denn in die⸗ ſeim Falle kann ſich ein Leih⸗Contract bilden. Art. 1879.»Die Verbindlichkeiten, welche aus detm »Leih⸗Contracte entſtehen, gehen auf die Erben des Leiheis „und auf die Erben des Anleihers über. Malev. IV. 3 34 U. Buch. K. Tit. Von dem Leih⸗ und Darleheus Contracte. „Hat man indeſſen nur aus Rückſicht für den Entlehner „und ihm bloß für ſeine Perſon geliehen, dann können die „Erben nicht fortfahren, die geliehene Sache zu gebrauchen.« Nach der F. 12, F. 1, de precario iſt der Erbe des Leihers zwar verbunden, den Leih⸗Contract in Anſehung des Entlehners zu halten; der Leiher iſt aber hiezu gegen die Er⸗ ben des Entlehners nicht verpflichtet: quia ipsi duntawat, non haredi concessa possessio est. Unſer Artikel hat die Ausnahme zur Regel gemacht, und vielleicht mit Recht⸗ Zweyter Ab ſchnitt. Von den Berpflichtungen des Eutlehners. Art. 1880.»Der Entlehner iſt ſchuldig, als ein guter „Hausvater für die Aufbewahrung und Erhältung der ge⸗ „liehenen Sache zu ſorgen. Er darf ſich ihrer nur zu dem „ Zwecke bedienen, wozu ſie ihrer Natur nach oder durch die „Uebereinkunft beſtimmt iſt; alles bey Strafe, nach Beſchaf⸗ „fenheit der Umſtände, den Schaden und entbehrten Gewinn „zu erſetzen.⸗ Die Römer unterſchieden drey Fälle; entweder wurde nehmlich 1) bey dem Leih⸗Contracte bloß der Vortheil des Entlehners bezweckt, oder er gereichte 2) zum gemeinſchaft⸗ lichen Nutzen des Leihers und des Entlehners, z. B. wenn ich meinem Aſſociirten ein Pferd leihe, um eine Angele⸗ genheit der Geſellſchaft zu beſorgen, oder das Leihen geſchah 3) bloß zum Vortheile oder zum Vergnuͤgen des Leihers, z. B. wenn ich meiner Braut Schmuck leihe. Im erſten Falle forderten ſie vom Entlehner die größte Sorgfalt, diligentiam eractissimam; ſo gar war es nicht genug, wenn er auf die geliehene Sache diejenige Sorgfalt verwendete, womit er ſeine eigene Geſchaͤfte zu verſehen pflegte, si alius diligentior custodire potuerit. Im zweyten Falle war der Entlehner nur zu einem gewöhnlichen Fleiße verbunden, und im dritten war er nur für ſein grobes Ver⸗ ſchulden verautwortlich. S. die T. 1,§F. 4.. de oblig. et act. und die TT. 5 und 18 F. U. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 35 Art. 1881.»Gebraucht der Entlehner die Sache zu ei⸗ „nem andern Zwecke, oder für eine längere Zeit, als er es „ſollte, ſo hat er für den Verluſt zu haften, wäre er auch „bloß durch einen Zufall entſtanden.« Derjenige, welcher die Sache zu einem andern Zwecke gebraucht, als wozu ſie geliehen worden iſt, wird in der T. 5, F. 8. N h. mit einem Diebe verglichen.*) Art. 1882.»bGeht die geliehene Sache durch einen „Zufall zu Grunde, vor dem der Entlehner ſie hätte bewah⸗ »ren können, wenn er ſeine eigene Sache gebraucht haͤtte, „oder konnte er nur eine von beyden erhalten, und er zog »die ſeinige vor, ſo iſt er fuͤr den Verluſt der andern ver⸗ „antwortlich.« Stimmt mit der angefuͤhrten F. 5. F. 4 überein. Art. 1883.»Hat man die Sache, als ſie geliehen »wurde, geſchätzt, ſo hat der Entlehner jeden, ſelbſt durch »Zufall ſich ereignenden, Verluſt zu tragen, in ſo fern nicht »das Gegentheil ausbedungen worden iſt.« Stimmt mit der T. 2, F. 3, cod. eòd. uͤberein. Die in dieſen drey Artikeln ausgedruckten Fälle ſind nicht die einzigen, worin der Entlehner für den durch Zufall ent⸗ ſtandenen Verluſt haftet; es verhält ſich eben ſo, wenn dem bloßen Zufalle ein Verſchulden von ſeiner Seite vorhergieng, z. B. wenn er einen gefährlichen Weg genommen hat, wenn er des Nachts gereiſt iſt, da er doch einen ſichern Weg hatte, oder bey Tag ankommen konnte. L., F. 4 und 7. Fer⸗ ner, wenn er die bloßen Zufaͤlle ausdruͤcklich auf ſich genom— men hat. T. 1, cod. edd. Uebrigens würde die Entſcheidung des Artikels auch dann eintre⸗ ten müſſen, wenn der Entlehner die zu ſeinem perſoͤnlichen Ge⸗ brauche geliehene Sache ohne Vorwiſſen des Eigenthümers einem andern liehe, weil man nach dem Art. 1135 aus den Verbind⸗ lichkeiten alle Folgen herleiten muß, die der Billigkeit gemß daraus entſprinsen BV 36 IM. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contrate. Art. 1889.„Verſchlimmert ſich die Sache bloß durch „eine Folge des Gebrauches, wofür ſie geliehen worden, und „ohne einiges Verſchulden des Entlehners, ſo hat er fuͤr die „Verſchlimmerung nicht zu haften⸗« Stimmt mit der P. ult. H. h. überein. Non tenetur, quamvis deterior res reddatur, Si in eum rem usus est in quam accepit, veluti equus qui laborem Sustinere non potuit.*) Art. 1885.»Der Entlehner kann die Sache nicht zurückbe⸗ „halten, um ſie gegen dasjenige aufzurechnen, was ihm der „Leiher ſchuldig iſt.« So wird ausdrücklich in der F. ult. cod. edd. entſchieden, wovon Rousseaud, v. Pret, Sect. 2, n. 10 mit Unrecht abgegangen iſt. S. Serres, inst. p. 451. Die T. 16, H h. entſcheidet, der Entlehner muͤſſe die Sache ſo gar dem Diebe, der ſie ihm geliehen habe, zu⸗ rückgeben; in der That würde auch nur der Anſpruch des wahren Eigenthuͤmers ihn hievon befreyen können. Art. 1886.„Hat der Entlehner, um die Sache zu ge⸗ „brauchen, einige Koſten verwendet, ſo kann er dieſelben „nicht zurückfordern.« Modica impendia, ſo heißt es in der L. 18, F. 2, H. h., ad commodatarium pertinent. Dieſes wollte unſer Ar⸗ tikel durch die Worte: einige Roſten zu verſtehen geben. S. den Art. 1890. Art. 1887.» Haben mehrere zuſammen eine und die⸗ „ſelbe Sache entlehnt, ſo ſind ſie dem Leiher ſammt und »ſonders, einer fuͤr alle und alle fuͤr einen(ſolidariſch) ver⸗ „pflichtet.« *) Auch dann haftet der Entlehner für die Verſchlimmerungen nicht, wenn ſie von dem Factum einer andern Perſon, wofür er nicht verantwortlich iſt, herrührt, welches er weder vorherſehen noch verhindern konnte. T. 19 evmmod⸗ P. „ M. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 37 Wenn ſie ſich auch ſchon nicht ſolidariſch verbunden haben; hierin hat man der Entſcheidung der F. 5,% i vor jener der nov. 99, cap. 1 den Vorzug gegeben. Iſt der Entlehner mit Hinterlaſſung mehrerer Erben ge⸗ ſtorben, und hat einer von ihnen die geliehene Sache in ſei⸗ nem Beſitze, ſo kann dieſer, nach der Entſcheidung der T. 3Z. F. 3,. ſolidariſch angehalten werden, ſie zuruͤckzugeben. Rousseaud, v. Prst, Sect. 2, n. 7, und Seyres, inst. p. 450 lehren in Gemäßheit der TT. 10, 11 und 72. daß, wenn der Entlehner die geliehene Sache jemanden zuge⸗ ſtellt hat, um ſie dem Leiher wiederzugeben, und ſie in den Händen des Traͤgers verloren gegangen iſt, der Entlehner ſo gar dann dafür verantwortlich ſey, wenn auch dieſer Träger mit der falſchen Angabe zu ihm gekommen wäre* daß er von Seiten des Eigenthümers geſchickt worden ſey, um ſie abzuhohlen, weil der Entlehner hieruͤber etwas ſchrift⸗ liches haͤtte verlangen müſſen, es ſey dann, daß dieſer Menſch ein Diener oder Geſchaͤftsträger des Leihers waͤre, dem dieſer gewöhnlich ſeine eigene Sachen anvertraute. Die nehmliche Entſcheidung, ſetzt Rousseaud hinzu, muß dann eintreten, wenn ſogar der Eigenthuͤmer den Menſchen wirklich geſchickt hätte, um den Entlehner zur Zuxuͤckgabe der Sache anzumahnen; in der That, entſcheidet ſo die T. 12, S, 1, k. An der Richtigkeit dieſer zweyten Entſcheidung möchte ich inzwiſchen ſehr zweiflen, es ſey dann, daß man in Anſehung des Alters oder der Gattung der hingeſchickten Perſon kein Zutrauen in ſie hätte ſetzen dürfen; auch hat meines Erachtens Serres, fuͤr deſſen geſunde Beurtheilungs⸗ kraft ich viele Achtung habe, dieſen Fall nicht ohne Urſache ausgelaſſen. Dritter Abſchnitt. Von den Verpflichtungen des Leibers. 1888.»Der Leiher kann die geliehene Sache erſt nach, „Umlauf der verabredeten Zeit Prücknehmen. oder, 38 IIl. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Coutraete. „wenn hieruͤber nichts ausbedungen wurde, nicht eher, „als nachdem ſie zu dem Zwecke gedient hat, wofür ſie ent⸗ „lehnt worden iſt.« Art. 1889.„Wenn jedoch während dieſes Zeitraums, „oder bevor das Bedürfniß des Entlehners befriediget iſt, „bey dem Leiher ein dringender und unvorgeſehener Fall ſich „ereignet, wodurch er ſeiner Sache bedarf, ſo kann der „Richter den Umſtaͤnden nach den Entlehner anhalten, daß „er ſie ihm zurückgebe.« Der Art. 1888 ſtellt die allgemeine Regel auf, die mit der T. 17,§. 5,. h. übereinſtimmt: voluntatis enim et ohicii commodare, necessitatis verd consummare. Was würde in der That, wenn es ſich nicht ſo verhielte, anders daraus folgen, als daß der Leih⸗Contract, der ſeiner Weſenheit nach eine Wohlthat, und eine unentgeldliche Dienſtleiſtung iſt, nur ein Fallſtrick ſeyn, und zum Nachtheile des Entlehners gereichen würde, wenn es dem Leiher frey ſtände, ſeine Sache zur Unzeit zuruͤckzunehmen? Adjuvari nos, non decipi be- neficio oportet. Eod. Inzwiſchen ſtimmt die im Art. 1889 enthaktene Aus⸗ nahme von der Regel ebenfalls mit der Billigkeit uͤberein? eine Ausnahme, deren Grund darin beſteht, weil a) der Leiher die Vermuthung für ſich hat, daß er ſeine Sache bloß deßwegen geliehen habe, weil er keinen dringenden Fall vorher ſah, worin er ihrer für ſich ſelbſt bedürfen wuͤrde, und es P), falls übrigens alles gleich iſt, gerecht iſt, daß, wenn einer von beyden, der Leiher oder der Entlehner, durch ihre Entbehrung leiden muß, dieſes eher den letztern als den Ei⸗ geythümer treffe. An den Richtern iſt es alſo, die Umſtände abzuwiegen. Art. 1890.»War der Entlehner während der Dauer „des Leih⸗Contractes, um die Sache zu erhalten, zu einer „außerordentlichen und nothwendigen Ausgabe gezwungen, „die ſo dringend war, daß er den Leiher nicht zuvor davon „benachrichtigen konnte, ſo iſt dieſer verbunden, ſie ihm zu „erſetzen.« . Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. 39 Dieſen Artikel muß man dem Art. 1886 zur Seite ſtellen. Zwiſchen einigen Koſten, und einer außerordentlichen Aus⸗ gabe iſt allerdings, was denn Sinn der Worte betrifft, ein großer Unterſchied; und wem, könnte man wohl fragen, ſollen die Koſten zur Laſt fallen, die zwiſchen beyden, ſo zu ſagen, das Mittelding ausmachen? Zuerſt heißt es in der F. 18, S. 2, h., daß die Nah⸗ rungs⸗Koſten eines geliehenen Thieres nicht zurückgefordert werden können, und dieſes iſt ganz einfach; iſt aber, ſetzt ſie hinzu, das Thier in eine Krahkheit gefallen, oder davon gelaufen, ſo fallen die Cur- und Aufſuchungs⸗Koſten dem Leiher zur Laſt,— verſteht ſich aber doch, wenn dieſe Koſten betraͤchtlich ſind. Ueberhaupt wäre ich der Meinung, daß jedesmahl, ſo oft die Koſten um ein merkliches das Mieth⸗ geld überſteigen, welches der Leiher aus ſeiner Sache hätte ziehen koͤnnen, dieſer Ueberſchuß ihm zur Laſt fallen muͤſſe. Uebrigens entſcheiden die PL. 15 und 59, F. de furt.* daß der Entlehner das Recht habe, die Sache ſo lange zu⸗ rückzubehalten, bis ihm die Ausgaben, die er zurückfordern kann, verguͤtet worden ſind. Art. 1891.»Hat die geliehene Sache ſolche Mängel, „daß ſie demjenigen, der ſich ihrer bedient, ſchaͤdlich werden „kann, ſo iſt der Leiher verantwortlich, in ſo fern er die „Maͤngel kannte, und den Entlehner hievon nicht benachrich⸗ „tiget hat.« Dieſer Artikel ſtimmt mit der F. 18,§. 5, N h. über⸗ ein; man fand ihn inzwiſchen hart, und befürchtete, er werde den Leih⸗Contract verhindern. Wenn ich z. Be, ſagte man, jemanden eine Leiter geliehen habe, die in ſchlechtem Stande iſt, ſoll ich fuͤr das Ungluͤck verantwortlich ſeyn, welches demjenigen widerfährt, der ſich ihrer bedient hat? Die Verfügung des Artikels, antwortete man, muß auf eine mit der Billigkeit übereinſtimmende Weiſe verſtanden, und bloß auf den Fall angewendet werden, wo für den Entlehner Schade daraus deßwegen entſtanden iſt, weil der 40 ll. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. Leiher die Maͤngel der geliehenen Sache nicht erklärt hatte, z. B. wenn er ihm ein rotziges Pferd lieh, wodurch die ſei⸗ nigen angeſteckt worden, und zu Grunde gegangen ſind. So ſpricht auch a) das angeführte Geſetz von verdorbenen Fäſſern, die den Wein oder das Hel des Anleihers perdorben haben, von Thieren, die mit Maͤngeln behaftet ſind u⸗ ſ. w.; dage⸗ gen wird aber nicht leicht, wie b) die F. 61, F. 6. F de Furt. hinzuſetzt, Argliſt auf Seiten des Leihers vermuthet, welcher einen unentgeldlichen Dienſt leiſtet; ſo wie dann auch c) die F. penult. N h. dem Leiher nicht einmahl die Pflicht auferlegt, den Entlehner zu benachrichtigen, wenn die⸗ ſer ohnehin die Mängel kannte, und wenn ſie notoriſch wa⸗ ren— eine Entſcheidung, die auf den Fall von der Lei⸗ ter paßt. Zweytes Capitell. Von dem Darlehen⸗ Erſter Ab ſchnitt. Von der Natur des Darlehens. Art. 1802.„ Das Darlehen iſt ein Contract, wodurch „einer der Contrahenten dem andern eine gewiſſe Quanti⸗ „tät Sachen, die durch den Gebrauch verzehrt werden, „unter der Bedingung überliefert, daß Letzterer ihm eben ſo“ „viel von derſelben Gattung und Qualitaͤt einſt wiedergeben ſoll.« S. die Anmerkung zum Art. 1875. Mutuum est rerum, quæ pondere, numero et men- surà constant. Es muß eädem bonitate qud datum est. et qualitate, zurückgegeben werden. F. 1, 2 und 3, N de röh. cred. Art. 1893.» Der Empſänger wird durch dieſes Dar⸗ „lehen Eigenthuͤmer der dargeliehenen Sache; er allein trägt „den Verluſt, wenn ſie zu Grunde geht, auf welche Art »ſich auch immer dieſer Verluſt ereignen möge.* M. Buch. N. Lit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. 41 wird„„ Pigenthuͤmer. Um jedoch das Eigenthum einer Sache zu übertragen, muß man ſelbſt Eigenthümer davon ſeyn; deßwegen heißt es in der T. 13, edd, daß ein Dieb die geſtohlene Sache, und in der L. 16, edd., daß ein Geſellſchafter nicht allein die gemeinſchaftliche Sache darleihen könne⸗ Iſt aber das Darlehn erlaubt, ſo wird der Lehner Ei⸗ genthuͤmer der gelehnten Sache, wodurch das Darlehn ſich vom Leih⸗Contracte unterſcheidet. T. 2, F. 2, eòd. Art. 1894.»Sachen, die in ihren einzelnen Weſen „(in ihren Individuen) verſchieden ſind, obſchon ſie zu ei⸗ „ner Art und Gattung gehören, wie z. B. Thiere, können „kein Gegenſtand des Darlehens werden. In dieſem Falle „iſt das Geſchaͤft ein Leih⸗Contract.« Das Darlehn muß ed lege geſchehen, ut recepturus vim non eandem Speciem, sed idem genus. F. 2. edd. Art. 1895.„Die Verpflichtung, die aus einem Dar⸗ „lehen von barem Gelde entſteht, beſchränkt ſich auf den »Erſatz der im Contraete ausgedruckten nummeriſchen(in „Zahlen berechneten) Summe.« „Sind vor dem Zeitpuncte der Zahlung die Geldſorten „erhöht oder verringert worden, ſo muß der Schuldner die ihm gelehnte nummeriſche Summe, und nur dieſe Summe »in den zur Zeit der Zahlung geltenden Münzſorten „erſetzen.« D. h. wenn ſie mir Thaler gelehnt haben, die zur Zeit des Darlehens ſechs Francs galten, und deren nummeriſcher Werth nachher auf zwölf Francs gebracht wird, ſo bin ich meiner Verbindlichkeit gegen ſie entledigt, wenn ich ihnen die Hälfte der Thaler, die ſie mir gelehnt haben, wieder⸗ gebe; und umgekehrt, galten die Thaler zur Zeit des Dar⸗ lehens zwölf Francs, und ſpäterhin werden ſie auf ſechs herabgeſetzt, ſo muß ich ihnen zweymahl ſo viel Thaler zu⸗ rückgeben, als ich empfangen habe. Alles dieſes mag ſtrenge 42 II. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darleheus⸗Contraete. genommen, nicht allerdings gerecht ſeyn; allein Staats⸗ Gruͤnde wollen es ſo,) *) Der Fall, den der vorliegende Artikel vorausſetzt, ſagt Herr Albiſſon in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps, hatte zwar zu einigen mehr ſpitzfindigen als gruͤndlichen, wiewohl mit einem Anſchein von Billigkeit verſehenen Diſtinetionen Anlaß gegebenz; (S. Puffendorff, de Jj. n. et g. lh. 5, cap. 7, F. 5 und 7, und Barbeyrae in ſeinen Noten zu dieſer Stelle.) Allein ſeine Ver⸗ fuͤgung ſtimmt mit der angenommenen Jurisprudenz, und dem römiſchen Rechte, worauf ſie ſich gruͤndete, üͤberein. S. die TT. 1,. de contrah. empt. und 94) F. 1/ ℳ de volut. Pothier, du Prét de convomption, n. 36. Pothier wirft n. 37 die Frage auf: kann man, nicht eine gewiſſe Summe, ſondern eine gewiſſe Quantität Thaler von ſechs Livores lehnbar vorſchießen, mit dem Beding, daß der Lehner eine aͤhnliche Anzahl vom nehmlichen Gewichte und Ge⸗ halte ohne Unterſchied, ob ſie erhöht oder herabgeſetzt wuͤrden, zurückgeben ſolle, und daß, wenn die Stücke, die er zuruͤckge⸗ ben würde, von geringerem Gewichte und Gehalte wären, er ſo viel mehr zuſetzen muͤſſe, wogegen man ihm aber eine Vergütung würde angedeihen laſſen, wenn ſie von ſtärkerem Gewichte und von beſſerem Gehalte wären. Es ſcheint, ſagt er, daß dieſer Vertrag gültig ſey; in die⸗ ſem Falle macht nehmlich nicht die Summe den Gegenſtand des Darlehns aus, ſondern die Muͤnzſorten, ipva corpora, werden gelehnt, folglich muß man auch eine ahnliche Anzahl Munzſor⸗ ten vom nehmlichen Gewichte und Gehalte zurückgeben. Nichts⸗ deſtoweniger finde ich viel Schwierigkeit, dieſen Vertrag anzu⸗ nehmen. Denn, da der Fürſt ſeine Münze den Privat⸗Perſonen austheilt, um ihnen zum Zeichen des Werthes aller Sachen zu dienen, ſo gehoͤrt ſie ihnen nur unter dieſem Geſichts⸗Punkte zu, und kann folglich nur in dieſer Hinſicht den Gegenſtand der Handels⸗Verträge, worunter das Darlehn gehört, ausmachen. Man kann alſo die Münze nicht an und für ſich, ſondern bloß als Zeichen der Summe lehnen, die es dem Fürſten gefal⸗ ken hat; ſie auzeigen zu laſſen, folglich auch den Lehner nicht verbinden, etwas anderes als dieſe Summe zuruͤckzugeben. Je⸗ der entgegengeſetzte Vertrag muß als dem Staats⸗Rechte und der Beſtimmung zuwider, die der Fürſt der Münze gegeben hat, ver⸗ worfen werden. Bey Wechſelbriefen, ſetzt Pothier hinzu, iſt — UI. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 43 Art. 1896.»Die in dem vorhergehenden Artikel ent⸗ „haltene Regel tritt nicht ein, wenn das Darlehen in „Barren geſchehen iſt.« Nach den Worten: in Barren, hatte man hinzugeſetzt: oder in Wark. Dieſe Worte wurden ausgeſtrichen, weil der Ausdruck: Wark nicht mehr gebraͤuchlich iſt. Man ſchlug vor, an deſſen Stelle das Wort: Gewicht zu ſetzen; dieſes, antwortete man aber, iſt nach dem Worte: Barren überflüſſig. Uebrigens ward aber beſchloſſen, daß die im vorhergehenden Artikel enthaltene Regel dann nicht mehr Statt habe, wenn nicht eine nummeriſche Summe, ſondern ein ungemünztes Metall gelehnt worden waͤre; in dieſem Falle muß man die nehmliche Eigenſchaft und Güte zurück⸗ geben, wie in folgendem Artikel geſagt wird. Art. 1897.»War es Gold oder Silber in Barren, „oder waren es Lebensmittel und Waaren, welche gelehnt „wurden, ſo muß allemahl der Schuldner dieſelbe Quanti⸗ „tät und Qualität, und nur dieſe zurückgeben, wie viel „auch immer dieſe Sachen im Preiſe erhoͤht oder vermindert „ſeyn mögen.« 3 ſc t Von den Pſflichten des Darleihers. Art. 1808. Bey dem Darlehen hat der Gläubiger(der „Darleiher) eben die Verbindlichkeit, die im 1891. Artikel „für den Leih⸗Contract feſtgeſetzt iſt. ⸗ zwar ein ſolcher Vertrag angenommen, allein der Contraet, der mittelſt eines Wechſelbriefes zu Stande kommt, iſt ein Tauſch— Contract, wodurch derjenige, dem der Wechſelbrief gegeben wird, die Münzſorten, die er dem Traſſanten uͤberzählt, gegen diejenige austauſcht, die ihm am Drte, wohin der Wechſelbrief geiogen iſt, überzählt werden ſollen. Pom Darlehen iſt alſo diefer Contract ganz verſchieden. B. 6* UI. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. D. h. wenn dem Darleiher der Mangel der gelehnten Sachen bekannt war, und er den Lehner, der ihn nicht kannte, hievon nicht benachrichtigt hat, ſo haftet er für den Schaden, den letzterer dadurch erlitten hat.*) Art. 1890.„ Der Darleiher kann die Sachen, die er „gelehnt hat, nicht vor der bedungenen Zeit zurückfordern.« Wer erſt an einem beſtimmten Termin zu zahlen hat, iſt nichts ſchuldig. Art. 1900.»Iſt für die Wiedererſtattung des Dar⸗ „lehens keine Zeit beſtimmt worden, ſo kann der Richter, nnach Beſchaffenheit der Umſtände, dem Lehner eine Friſt „zugeſtehen.« Dieß iſt gegen die Regel: in quibus dies non apponi- tur, præsenti die debentur. Allein dieſe Regel muß civili modo verſtanden werden, denn es lohnte doch wohl der Mühe nicht, ein Anlehn aufzunehmen, wenn man gezwun⸗ gen werden konnte, es auf der Stelle wiederzugeben. Art. 1901.„Hat man bloß ausbedungen, daß der »„Lehner zahlen ſollte, wann er es konnte, oder wann er. »dazu die Mittel haben würde, ſo beſtimmt ihm der Rich⸗ *ter eine Zahlungsfriſt nach Beſchaffenheit der Umſtände.« Stimmt mit der L. 125, fl. de verb. oblig. überein. Die Rechtslehrer ſprechen noch von einer ſehr ſonderba⸗ ren Gattung von Darlehn, von jenem nehmlich, wodurch man zu zahlen verſpricht, wenn man Prieſter, todt, oder verheirathet ſeyn wird; einige verwarfen es, weil es gewöhn⸗ lich mit Wucher verbunden iſt; andere hingegen behaupteten, *) Hat alſo z. V. jemand einem andern eine Quantität ſchlechten Dels gelehnt, der ſich darauf nicht verſtand, und er hat ihn als guten gelehnt, oder doch den Fehler deſſelben verheimlicht, ſo iſt der Lehner nicht nur nicht ſchuldig, guten Del zurürkzugeben, ſondern, wenn er ihn gebraucht, und dadurch Schaden erlitten, hat, noch befugt, deſſen Erſatz zu verlangen, Pothier, n. 5a. B IM. Buch X. Lit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 45 es ſey gültig, und wirklich gibt es viele Parlaments⸗Un⸗ theile, die ſo erkannt haben, mit Vorbehalt jedoch der Ver⸗ minderung deſſen, was wucheriſch ſeyn kann. S. Maynard, lio. 6, ch. 67, Laroche, liv. 6, ch. 69, und Serres, p. 479 und 480, welche es billigen. Einige Mitglieder ſtimmten flr die Ausſtreichung dieſes Abſchnittes, weil der Darleiher keine reelle Verbindlichkeit contrahirt. Wenigſtens contrahirt er aber doch diejenige, die im Art. 1898 enthalten iſt, ritter Lbſchnitt⸗ Von den Pflichten des Lehners. Art. 1902.» Der Lehner muß die gelehnten Sachen „in derſelben Quantitaͤt und Qualität und zu der bedunges „nen Zeit wiedererſtatten.« S. den Art. 1892. Art. 1903.»Befindet er ſich außer Stande, dieſer »Verbindlichkeit Genuͤge zu leiſten, ſo iſt er verbunden, „den Werth der Sache, mit Rückſicht auf die Zeit und den „Drt, wo ſie nach dem Inhalt des Vertrags wiedergegeben »werden ſollte, zu zahlen.« »Sind Zeit und Ort nicht beſtimmt worden, ſo geſchieht »die Zahlung in dem Preiſe, wie er zur Zeit und an dem » Drte, wo das Darlehen geſchehen iſt, üblich war.« Der erſte Theil dieſes Artikels ſtimmt mit der T. 22, H de reb. cred. überein. Der zweyte Theil aber iſt gegen die⸗ ſes Geſetz: ſeiner Vorſchrift zu Folge ſoll die Sache, wenn Zeit und Drt micht beſtimmt iſt, wo ſie wiedergegeben werz den muß, mit Ruͤckſicht auf den Preis der Zeit und des Drtes, wo die Klage angeſtellt wird, geſchätzt werden. Was den Ort betrifft, iſt, meines Erachtens, die Ver⸗ fügung unſeres Artikels beſſer; denn vom Darleiher muß es doch nicht abhangen, das Los des Lehners dadurch zu ere ſchweren, daß er nach Willkuͤhr den Drt wählt, wo er die Zurückgabe haben willz dagegen wäre ich aber auch der 46 Uul Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. Meinung, daß die F. 22, in Anſehung der Epoche, wor⸗ nach der Werth der Sache zu ſchaͤtzen ſey, mit dem Geiſte ſelbſt unſeres Artikels 1895 mehr uͤbereinſtimme. Iſt nehm⸗ lich von Geld, was ich ihnen gelehnt habe, die Rede, ſo müſſen ſie mir es zuverläſſig nach dem nummeriſchen Wer⸗ the wiedergeben, den die Münzſorten zur Zeit haben, wo ſie mir es wiedergeben, ſo gar kann ich nichts anders von ihnen verlangen; iſt von Lebensmitteln die Rede, ſo ſchreibt die Billigkeit vor, daß ſie mich in den nehmlichen Zuſtand ver⸗ ſetzen, worin ich mich befinden würde, wenn ich ſie ihnen nicht gelehnt haͤtte. Indeſſen muß man ſich an unſerem Artikel halten. Art. 1904.» Wenn der Empfänger die ihm gelebnten „Sachen oder ihren Werth zur bedungenen Zeit nicht wieder⸗ „erſtattet, ſo muß er von dem Tage der gerichtlichen Klage „die Zinſen davon vergüten.« Dieß iſt es, was man Verzugs⸗Zinſen(eæ mord) nennt⸗ T. 32, F. 1. P. de usur. So lange er nicht bey Gerichte auftritt, vermuthet man nicht, daß er leidet. Polive, lio. 4, ch. 20. Drittes Capitel. Von dem Darlehen gegen Zinſen. Art. 1903.„Es iſt erlaubt, bey dem Darlehen, es „beſtehe in Geld, in Lebensmitteln oder in andern beweg⸗ „lichen Sachen, ſich Zinſen auszubedingen.« Nach dem roͤmiſchen Rechte war es auch erlaubt, Zinſen für ein bloßes Darlehn ſich auszubedingen, T. 3, cod. de usun; jedoch mit dieſer ſehr merkwuͤrdigen, durch die T. 26. edd. eingefuͤhrten Modification, daß hohe Standes⸗Perſonen jährlich nur vier vom hundert, usque ad tertiam partem centesimæ, die uͤbrigen Bürger, die keine Handelsleute wa⸗ ren, nur ſechs vom hundert; die Handelsleute aber nur acht vom Hundert, ad bessem, nehmen; bey Contracten endlich, die wir Bodmerey⸗Contractt nennen, nur zwoͤlf rom Hundert b M. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 47 genommen werden durften; et he est ultima meta MSEUQTEm. Die Theologen glaubten in einem Rathe, den das Evan⸗ gelium gibt, ein Verboth zu entdecken, ſich Zinſen von ei— nem bloßen Darlehn auszubedingen, und dieſe Meinung gieng in die Rechtsgelehrtheit über; in ganz Frankreich, die Gerichtsſprengel der Parlamente von Alix, Grenoble und Pau ausgenommen, waren dergleichen Zinſen verbothen. Gegen dieſe Auslegung des Evangeliums erhob Herr Rullier, Pfarrer der St. Peters Kirche in Cahors, in ei⸗ nem Werke, das er einige Jahre vor der Revol lution durch den Druck bekannt machte, ſeine Stimme; er bezeigte mir die Ehre, es mir mitzutheilen, und ich war ganz ſeiner Meinung; Herr Turgot gieng indeſſen weiter, und behaup⸗ tete, die Größe der Zinſen müſſe der freyen Beſtimmung der Contrahenten anheimgeſtellt werden; aller ſeiner Logik unge⸗ achtet, ich geſtehe es, überzeugte er mich aber nicht. Hierauf kam die conſtituwende Verſammlung, welche die Meinung des Herrn Rullier foͤrmlich beſtaͤtigre, die Quoti⸗ tät der Zinſen aber der Beſtimmung des Geſetzes überließ. Der National⸗Convent nahm endlich, mittelſt ſeines De— cretes vom 6. Floreal 3. J.(25. April 17935) die Meinung des Hrn. Turgot an, und erklärte das Geid für eine bloße Waare; auf der Stelle machte aber der Wucher ſo reißende Fortſchritte, daß der Convent ſich genöthigt ſah, dieſes De⸗ cret mittelſt eines andern vom 2. des darauf folgenden Mv— nates Prairial(a1. May) zurückzunehmen. So ſtanden die Sahen⸗ als das Geſetzbuch Napoleons verfertigt wurde. Art. 1906.»Der Anlehner, der Zinſen gezahlt hat, vohne daß ſie ausbedungen waren, kann ſie weder zuriſck⸗ »fordern, noch von dem Capital abrechnen.« Dieß iſt der Inhalt der Regel: usura indebita non re- petuntur. T. 5, cod. de usur. Indeſſen verſteht ſich dieſes von geſetzlichen oder vertragsmaßigen Zinſen; hätte nehmlich z1 1. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. jemand mehr Zinſen bezahlt, als das Geſetz erlaubt, oder als im Vertrage waren ausbedungen worden, ſo könnte die⸗ ſer Ueberſchuß zurückgefordert werden. Serres, p. 439. Art. 1907.»Die Zinſen ſind entweder geſetzlich oder „in einem Vertrage bedungen. Die geſetzlichen Zinſen wer⸗ „den durch das Geſetz beſtimmt. Die vertragsmäßigen Zin⸗ „ſen können in allen Fällen, ws das Geſetz es nicht ver⸗ „biethet, den geſetzlichen Zinsfuß überſteigen.« „Die Quotität der vertragsmaͤßigen Zinſen muß ſchrift⸗ „lich beſtimmt werden⸗« In der Section war man im Gegentheile, durch Mehr⸗ heit der Stimmen, über einen Artikel einig geworden, wel⸗ cher ſo lautete: „Es ſoll durch beſondere Geſetze beſtimmt werden, „wie viele Sinſen genommen werden duͤrfen; ſind hoͤhere „Finſen ausbedungen worden, ſo ſollen ſie dem Geſene „gemaͤß vermindert werden; ſind mehr Zinſen bezahlt „worden, als das Geſes erlaubt, ſo ſoll der Ueberſchuß „Jahr fur Jahr auf das Capital eingerechnet, und die⸗ „ſes um ſo viel kleiner werden.« „Dieſe Verfuͤgungen ſind auf andels⸗Geſchoͤfte nicht „anwendbar. Dieſen letztern Satz griff man zuerſt an; den Handels⸗ leuten, ſagte jemand, muß es nicht erlaubt ſeyn, ſich fuͤnf und zwanzig vom Hundert auszubedingen, waͤhrend das Geſetz die Zinſen auf fuͤnf vom Hundert ſetzſetzte; bald nahm indeſſen die Discuſſion eine andere Wendung, und man machte Einwendungen in einem ganz verſchiedenen Sinne. Iſt es ſchicklich, daß das Geſetz beſtimme, wie viel Zin⸗ ſen genommen werden dürfen? Soll es nicht erlaubt ſeyn, ſich mittelſt beſonderer Vertraͤge höhere Zinſen verſprechen zu laſſen? Iſt ſogar gegenwärtig durch irgend ein Geſetz die Hoͤhe der Zinſen beſtimmt, die nicht überſchritten werden darf? Das waren die großen Fragen, die man zur Sprachs brachte⸗ ul. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. 45 Das Geſetz, ſagte man in Hinſicht der erſten Frage, muß nicht beſtimmen, wie viele Zinſen genommen werden dürfen, 1) weil es von den Darleihern leicht vereitelt wird, und kein Geſetz gegeben werden muß, deſſen Voll⸗ ſtreckung nicht geſichert werden kann; 2) weil das Syſtem der Geſetzgebung mit dem Verwaltungs⸗Syſtem nicht in Wi⸗ derſpruch geſetzt, noch den Bürgern verbothen werden muß⸗ mehr als fünf vom hundert zu ſtipuliren, während die Regie⸗ rung zuweilen genöthigt iſt, Geld gegen zehn vom hundert aufzunehmen; 3) weil im Grunde das Geld eine Waare iſt, wie jede andere, deren Werth nothwendig ſteigen oder fallen muß, je nachdem ſie in Menge vorhanden, oder ſelten, und der Gebrauch, den man davon machen will, mehr oder weniger nützlich iſt; ſind ehemahls, ſetzte man 4) hinzu, die Zinſen des Geldes auf fünf vom hundert feſtgeſetzt worden, ſo geſchah dieſes, weil es einzig zu größe⸗ rer Benutzung der Ländereyen verwendet wurde, und folglich der daraus zu ziehende Gewinn eingeſchränkter ſeyn mußtez in unſern jetzigen Zeiten aber, wo der Er werbfleiß ſich ausbreitet, gewinnt man beträchtlich mehr, wenn man Geld gegen ſieben vom hundert aufnimmt, als ehemahls, wenn man gegen fünf vom hundert aufnahm. Hieraus machte man den Schluß, durch ein Grſetz müſſe man nicht beſtim⸗ men, wie viele Zinſen genommen werden dürften, oder wenn man auch beſtimmte, zu welchen Zinſen die Richter jeman⸗ den zu verurtheilen befugt ſeyn ſollten, ſo müſſe man doch erlauben, ſich durch beſondere Vertrage hoͤhere Zinſen aus⸗ zubedingen⸗ Die Anhänger des entgegengeſetzten Syſtems antworteten, oder dachten doch wenigſtens, 1) in allen Geſetzbüchern der Welt ſey die Quotität der Zinſen, die nicht überſchritten werden duͤrfe, beſtimmt worben; nie habe die Beſorgniß, dieſe Geſetze vereitelt zu ſehen, die Geſetzgeber bewogen, die Quotität der Zinſen der Habſucht und dem Geitze zu über⸗ laſſen; immer haͤtten dergleichen Geſetze den Vortheil, daß ſie dem rechtſchaffenen Bürger eine-Vorſchrift an die Hand IV. Malev. 4 5o 1I. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. gaͤben, wornach er ſich richte; wogegen dann, wenn eine ſolche Vorſchrift nicht exiſtirt, von zwey Dingen eines ſich ereignen würde, entweder würden nehmlich dieſe Bürger ihr Geld nicht ausleihen, und ſo würde es vergraben, und für den Staat verloren bleiben, oder ſie wuͤrden ſich vom Strome fortreißen laſſen, und zuletzt ohne Bedenken den herrſchenden Gebrauch befolgen. Iſt es uͤberdieß wabr, daß dergleichen Geſetze ungeſtraft übertreten werden können? Vor der Revo⸗ lution hatte doch die Jurisprudenz viele Mittel, die Wuche⸗ rer zu beſtrafen, und es kommt nur darauf an, ihr ihre Kraft wiederzugeben. 2) Schlimm iſt es freylich, daß die Regierung ſich im Noth⸗ falle befindet, zu höhern Zinſen, als es den Pribat⸗Perſonen erlaubt iſt, Geld aufzunehmen; dieß iſt aber kein Beweg⸗ grund, um alle Buͤrger dieſes Uebel fuͤhlen zu laſſen; ohne⸗ hin weiß man, daß Regierungen nicht immer die nehmlichen Regeln zum Maßſtabe ihrer Handlungen nehmen können, welche von Privat⸗Perſonen befolgt werden müſſen, und daß Staats⸗Gründe allen andern Stillſchweigen gebiethen. 3) Das Geld iſt eine allzu nothwendige Waare, als daß ſein Preis der Willkühr derjenigen, die es beſitzen, überlaſſen werden dürfe. Mit dieſer Frage muß es ſich eben ſo verhal⸗ ten, wie mit jenet uͤber die unbegraͤnzte Befugniß, Früchte ins Ausland zu führen, der man, durch ſchreckliche In⸗ convenienzen gezwungen, Schranken geſetzt hat: nicht wahr iſt es überdieß, daß der Preis des Geldes ſich immer nach dem Verhaͤltniße ſeiner Menge oder Seltenheit richtet, und daß der Gewinn, der damit gemacht wird, immer zwiſchen dem Darleiher und dem Lehner auf eine billige Weiſe getheilt wird: nein, viel öfter iſt es die Hab⸗ ſucht, welche das Beduͤrfniß mißbraucht, eingebildete Be⸗ ſorgniße, Gerüchte, die von den Agioteurs ausgeſtreut wer⸗ den, ſträfliche Kunſtgriffe ſind es, die die Zinſen des Geh⸗ des beſtimmen. iMM. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. 51 4) Das Syſtem, nach welchem die Quotität der Zinſen weniger beſchraͤnkt ſeyn muß, ſo wie ſich der Erwerbfleiß nach und nach ausdehnt, iſt weder auf Denkmaͤhler der Ge⸗ ſchichte, noch auf Erfahrung gebaut; im Gegentheile haben ſich die Zinſen des Geldes, ſo wie unſer Handel ſich nach und nach vergroͤßert hat, verringert, und von zehn vom hundert, worauf ſie zur Zeit des Dumoulin ſtanden, ſind ſie allmählig auf 8 und 6 vom hundert heruntergeſtiegen, und endlich auf fuͤnf feſtgeſetzt worden; um dieſen Handel, und um dieſen Erwerbfleiß, wovon die Rede iſt, zu begün⸗ ſtigen, haben die großen Maͤnner; die an der Spitze unſerer Verwaltung ſtanden, die Zinſen auf dieſe letztere Quotität eingeſchränkt, und aus dem nehmlichen Grunde wollten an?— dere in jüngern Zeiten ſie noch mehr herunterſetzen. Laßt es ſich wohl beweiſen, daß der Fabricant, wenn er Geld nur gegen zehn vom hundert findet, eben ſo viel und eben ſo gut arbeite, und ſeine Waare eben ſo wohlfeil liefern könne, als wenn ei deſſen zu fünf vom hundert haben kann? Läßt es ſich wohl beweiſen, daß der Landmann im nehmlichen Falle eben ſo große und eben ſo nuͤtzliche Unternehmungen mit dem Ackerbau vornehmen, und hauptſächlich, daß das Volk ſich mit wenigern Koſten kleiden und ernähren koͤnne? Entſpringt nicht im Gegentheile aus der ͤbertriebenen Quo⸗ titat der Zinſen des Geldes eine Theutung, die den Verzeh⸗ rer in Verzweiflüng ſtürzt, und den Fabricanten und den Kuͤnſtler verhindert, die Concurrenz mit denjenigen Nationen auszuhalten, bey welchen die Zinſen niedriger ſind? Ueber⸗ triebene Zinſen gereichen nur den Capitaliſten zum Vortheile, und dienen zu weiter nichts, als die Zahl der Müßiggänger zu vermehren, wovon die großen Städte voll ſind. Bondus iners, fruges terræ conbumere nati. Geht man von dieſen ſpeculativen Ideen auf die Unter⸗ ſuchung der Verheerungen über, die der graͤßliche Wucher, welcher in allen Theilen Frankreichs ſeinen Sitz aufgeſchlas gen hat, ſeitdem die Geſetze, die ihn beſtraften, in Veigeß— gr III. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. ſenheit gerathen ſind; wirft man ſeinen Blick auf die verdor⸗ benen jungen Leute, auf die zu Grunde gerichteten Familien; betrachtet man, wie der groͤßte Theil des Eigenthums aus den Händen der alten Eigenthümer, die die Vermuthung der Rechtſchaffenheit fuͤr ſich haben, in jene der Geld⸗Wucherer, die wenigſtens kein allzu zartes Gewiſſen haben, uͤbergeht, ſo wird man, meines Erachtens, von der Nothweudigkeit durchdrungen ſeyn, ſo ſchleunig als moͤglich Geſetze zu ge⸗ ben, die dieſer Landplage einen Zaum anlegen;*) hiezu müßte aber auch, wie mich dünkt, die geiſtliche Gewalt mit der weltlichen Macht mitwirken, und erſtere ohne weiteres erklären, daß es crlaubt ſey, ſich Zinſen von einem bloßen Darlehen auszubedingen; die Zahl wahrer Catholiken iſt noch betraͤchtlicher, als man glaubt; man muͤßte alſo ihr Ge⸗ wiſſen beruhigen, und die Geld⸗Maſſe, die ſie in Umlauf ſetzen würden, wuͤrde nothwendig das Fallen ſeines Preiſes zur Folge haben. Freylich ſagt man, die Capitaliſten werden ihr Geld ver⸗ wahren, wenn feſigeſetzt wird, daß weniger Zinſen genom⸗ men werden dürfen, als jetzt gebrauchlich iſt; man gibt aber nicht darauf acht, daß ſie ihrer eigenen Beduͤrfniße wegen gezwungen ſeyn werden, damit herauszuruͤcken; ſie leben ja von dem Gewinn, den ſie daraus zichen; ſie muͤſſen es alſo in Umlauf ſetzen, und werden es folglich gegen fünf, ſechs und ſieben vom hundert, kurz gegen den Preis, den das Geſetz beſtimmen wird, ausleihen, ſo wie ſie es jetzt um 15, 20, 25 und 30 vom hundert austhun. Es kommt nur dar⸗ auf an, daß man die PVollſtreckung des Geſetzes mit uner⸗ bittlicher Strenge handhabe⸗ Zwar war man der Meinung, der übertriebenen Quoti⸗ tät der vertragsmäßigen Zinſen dadurch Einhalt zu thun, . . *) Der Herr Verfaſſer ſchrieb dieſes im J. 1305. Seitdem ſind ſeine Wünſche durch das Geſetz vom z. September 1867 in Erfülung gegangen, welches hier folgt: 8 —— IM. Buch X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 63 wenn man den Darleiher verpflichtete, ihren Betrag ſchrift⸗ lich auszudrucken; die Erfahrung hat indeſſen bewieſen, daß dieß ein armſeliges Mittel iſt. Nie werden auf ſolche Art die Zinſen in den Schuldſcheinen ausgedruckt. Dhnehin habe ich wohl nicht noͤthig zu ſagen, daß, wenn es zwey Gattungen von Zinſen gibt, geſetzliche nehmlich und vertragsmäßige, und wenn letztere ſtärker ſind, wie die erſtern, der Darleiher ſich allzeit die letztern werde verſprechen laſſen, dagegen die Geſetz über die Beſtimmung der Zinſen vom Gelde, vom 3. Seytember 180y. Art. 1. Die ausbedungenen Zinſen dürfen im bürgerlichen Geſchäften nicht fünf, und in Handelsgeſchäften nicht ſechs vom Hundert uͤberſteigen, alles ohne Abzug. 2 die geſetzlichen Zinſen ſind in buͤrgerlichen Geſchaͤften ſünf, und in Handelsgeſchäften ſechs vom Hundert, gleichfalls ohne Abzug. s. Wird erwieſen, daß hoͤhere Zinſen, als im erſten Artikel beſtimmt iſt, ausbedungen worden ſind, ſo ſoll der Darleiher von dem Gerichte, bey welchem der Rechtsſtreit anhängig iſt, verurtheilt werden, den Ueberſchuß, wenn er ihn empfangen hat, zurückzugeben, oder ihn von der Hauptſumme der Schuld⸗ forderung abziehen zu laſſen; er kann ſogar, nach Beſchaffenheit der Umſtände, vor das Zuchtgericht verwieſen werden, damit dieſes nach Vorſchrift des folgenden Artikels über ihn ein ur⸗ theil ſpreche. 4. Jeder, der beſchuldigt wird, daß er ſich gewöhnlich mit dem Wucher abgebe, ſoll vor das Zuchtgericht gebracht, und im Falle er überwieſen wird, zu einer Geldſtrafe verurtheilt werden, welche nicht die Hälfte der auf Wucher ausgeliehenen Capita⸗ lien uͤberſteigen darf. Ergibt es ſich aus der Unterſuchuns, daß von Seiten des Darleihers mit Liſt und Betrug gehandelt worden iſt, ſo ſoll er, aufer der obigen Geldſtrafe, zu einer Einſperrung verurtheilt werden, die nicht laͤnger als zwey Jahre dauern darf. 3. Die Stipulationen der Zinſen, welche durch Contracte oder andere Aete bis zu dem Tage der Kundmachung des gegen⸗ wärtigen Geſetzes geſchloſſen worden ſind, bleiben in ihrer Kraft. 54 m. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contrate. erſtern, wie dieß jetzt der Fall iſt, bloß auf gerichtliche Ver⸗ urtheilungen eingeſchränkt bleiben werden. Bey allem dem wurde der von der Section vorgeſchlagene Artikel verworfen, und an deſſen Stelle derjenige geſetzt, den wir ſo eben unterſucht haben⸗ Was die dritte Frage betrifft, die zur Sprache gekom⸗ men war, ſo muß man als ausgemacht annehmen, daß fünf vom hundert noch wirklich, bis durch ein neues Geſetz ein anderes verordnet wird, die geſetzlichen Zinſen ausmachen. S. die Anmerkungen zu den Art. 1153 und 1155. Art. 1008.»Eine Quittung, welche über das Capital wohne Vorbehalt der Zinſen ausgeſtellt iſt, begründet die „Vermuthung, daß auch dieſe gezahlt ſeyen, und bewirkt „die Befreyung von denſelben.« In dieſem Falle verhält es ſich eben ſo, als wenn der Gläubiger ſeinem Schuldner den Schuldſchein eingehändigt hätte. S den Art. 1282, und Faber, in cod. tit. de probat. Art. 1909.»Der Darleiher kann ſich Zinſen von einem „Capital ausbedingen, auf deſſen Zurückferderung er Ver⸗ »zicht thut⸗« „Das Darlehen hat in dieſem Falle den Nahmen eines „Rentkaufes(constitution de rente)« Art. 1910.»Dieſe Rente kann auf zweyerley Weiſe „ſtipulirt werden, für immer oder auf Lebenszeit(als Erb⸗ „rente oder als Leibrente).« Bey einer frühern Gelegenheit haben wir ſchon erinnert, daß die fuͤr immer conſtituirten Renten faſt außer Gebrauch gekommen ſind, ſeitdem es erlaubt iſt, ſich Zinſen bey einem Darlehen, welches einmahl zurückgegeben werden muß, aus⸗ zubedingen. Art. 1911.« Die Erbrente iſt ihrer weſentlichen Eigen⸗ »ſchaft nach losbar. „Die Parteyen koͤnnen bloß die Uebereinkunft treffen, „daß vor Umlauf einer Friſt, die aber den Zeitraum von m. Buch. X. Ti.. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 55 „zehn Jahren nicht überſchreiten darf, oder nachdem der „Glaͤubiger in der unter ihnen beſtimmten Zeitfriſt vorher „hievon benachrichtiget worden, die Abloͤſung nicht geſche⸗ „hen ſoll⸗« Die conſtituirten Renten wurden von den Päpſten(eæ— trav. I et 2 de empt. et vendit.) ſo wie auch von der weltlichen Macht(Theveneau, liv. 2, P. 333.) nur unter drey Bedingungen erlaubt, 1) daß das Capital für immer veräußert werde, und der Gläubiger es nicht zurückfordern könne; 2) daß der Schuldner immer die Befugniß haben ſolle, es wieder abzulegen; 3) daß die Rente die geſetzlichen Zinſen nicht überſteigen ſolle; und da dieſe dritte Bedingung haͤtte vereitelt werden können, wenn ausbedungen würde, daß die in Geld conſtituirte Rente in Fruͤchten ge⸗ zahlt werden ſollte, ſo wurde durch eine Ordonnanz aus dem Monate November 136 erklaͤrt, daß alle in Fruͤchten con⸗ ſtituirte Renten in Geld reducirt, und auf die Zinſen der Haupt⸗Summe herabgeſetzt werden könnten. S. Dumoulin, de usur. quest. Fo. Dieſe Renten in Früchten, die urſpruͤnglich gegen eine Summe Geldes conſtituirt wurden, muß man indeſſen nicht mit den Grund⸗Renten verwechſeln, die in traditione fundi vorbehalten wurden; letztere ſind keiner Verminderung unter⸗ worfen, können aber heut zu Tage losgekauft werden. S⸗ den Art. 630, und die Anmerkungen beym Schluſſe des B. 2 des Geſetzbuches. Die parteyen koͤnnen bloß die Uebereinkunft treffen ꝛe. In der alten Jurisprudenz war es eine Frage, ob es erlaubt ſey, auszubedingen, daß die Ablage anderſt nicht geſchehen könne, als wenn der Glaͤubiger einige Zeit vorher davon be⸗ nachrichtigt worden wäre. Rousseaud verwirft,„. Rentes, sect. 4. dieſen Vertrag als wucheriſch, deſſen Zweck da⸗ hin gehe, die Ablage zu erſchweren. Serres hingegen bilſigt ihn p. 443· 8 — 56 II. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Cortraete. Art. 1912.»Der Schuldner einer auf immer ver⸗ „ſprochenen Rente kann zur Ablöſung gezwungen werden, „1) Wenn er in zwey Jahren ſeine Verpflichtungen nicht „erfuͤllt; „2) Wenn er dem Darleiher die im Contracte verſpro⸗ „chene Sicherheit nicht verſchafft.« Was die Ziff. 1 betrifft, ſagt Catellan, liv. 5, ch. 20, man erlaube dem Schuldner immer, den Rachtheil, der auf dem Verzug haftet, in einer kurzen Friſt, die man ihm ver⸗ leihe, von ſich abzuwendeu. Der Appellations-Hof von Bourges erhob ſich in ſeinen Bemerkungen gegen dieſe Praxis, und trug darauf an, es moͤchte dieſem Artikel hinzugeſetzt werden, daß, wenn die Klage auf Ablöſung einmahl angeſtellt wäre, das Anerbiethen, welches der Schuldner etwa machen möchte, die verfallenen Renten zu zahlen, nicht mehr angenommen werden ſollte; auf dieſe Bemerkung wurde in⸗ deſſen keine Ruͤckſicht genommen, und die Sache blieb, wie ſie nach den gewöhnlichen Regeln der Verbindlichkeiten war. *) Iſt die Verfügung dieſes Artikels auch auf Renten anwendbar, die vor der Verkuͤndung des Geſetzbuches Napoleons conſtituirt worden ſind,— wenigſtens dann anwendbar, wenn der Schuld⸗ ner ſeit der Verkuͤndung dieſes Geſetzbuches in zwyy Jahren ſeine Verpflichtungen nicht erfüllt hat? Beym Appellations⸗Hofe von Turin kam dieſe Frage in folgendem Falle vor; am 4. May 1300 verkaufte Matteoda dem Bruna ein zu Dronero gelegenes Haus für die Summe von 9000 Liv.; beym Contracte wurden 5ooo bezahlt; anſtatt der uͤbrigen 4000 verband ſich Bruna, für den Verkäufer eine Rente oder einen Zins von 160 Liv. jähr⸗ lich an das Buͤrger⸗Spital von Dronero zu bezahlen. Da Bruna ſeine Verbindlichkeit nicht erfullte, belangte ihn Matteoda beym Civil⸗Gerichte von Coni, wo er ſich auf die Verfügung des vor⸗ liegenden Artikels berief, und darauf antrug, daß Bruna nicht nur zur Zahlung der ſeit dem 30. September 1302 bijs zum 31. May 1806 verfallenen Renten, ſondern auch zur Ablöſung der Rente mittelſt der Summe von 4000 Liv. verurtheilt werden michte. Bruna machte gegen dieſen Antrag keine Einrede, und UI. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracte. 57 Art. 1913.» Das Capital einer auf immer errichteten „Rente kann gleichfalls zurückgefordert werden, wenn der ſo wurde er in Gemäßheit deſſelben verurtheilt. Nichts deſto⸗ weniger appellirte er, brachte aber auch keine Beſchwerde gegen das urtheil vor, und ſein Sachwalter überließ die Entſcheidung dem Appellations⸗Hofe. Dieſer erwog indeſſen unter andern, daß a) die in Frage ſtehende Rente durch einen Act vom a3. September 1362 und 4. May 1800, und folglich vor Verkün⸗ dung des Geſetzbuches Napoleons conſtituirt worden ſey; daß mithin b) die Verfügung des Art. 1912 anderſt nicht angewen⸗ det werden könnte, als wenn man das neue Geſetz zurückwirken ließ; daß o) die Bulle des Papſtes Pius V., unter deren Herr⸗ ſchaft dieſe Rente conſtituirt worden, und welche den Richtern einzig zur Richtſchnur dienen muß, im vorliegenden Falle dem Beſitzer der Rente alle Befugniß unterſagte, ihre Abloͤſung vom Schuldner zu verlangen, und ſo verurtheilte er den Bruna am 17. Derember 1806 bloß zur Zahlung der rückſtändigen Renten, ſprach ihn aber von der Ablöſung frey. Jurispr. de la Cour de Cass. 1307 im Anhange p. 41 u. f. Die Herausgeber dieſes Werkes ſind indeſſen der entgegenge⸗ ſetzten Meinung, und da dieſe Frage an ſich wichtig iſt, ſo will ich, um deu Leſer in den Stand zu ſetzen, das Für und Wider abwaͤgen zu können, ihre Gründe im Weſentlichen ausheben. Vor allem bemerken ſie, daß die alte Geſetzgebung in Anſe⸗ hung der Grund⸗Renten den Grundſatz aufgeſtellt habe, daß ſie unlösbar ſeyen, deſſen ungeachtet aber dem Geſetze vom 18—29 December 1790, welches im Art. 1alle immerwähren⸗ den Grund⸗Renten, ſo wohl in Früchten als in Geld, für loͤs⸗ bar und loskäuflich erklaͤrt habe, nie der Vorwurf gemacht wor⸗ den ſey, daß es eine zuruͤckwirkende Kraft in ſich faſſe— ein umſtand, woraus ſich der analogiſche Schluß machen laſſe, daß jede den Loskauf conſtituirter Renten betreffende Verfügung ohne Beſorgniß einer zuröckwirkenden Kraft allgemein angewendet werden muͤſſe. Genug haben wir indeſſen, ſagen ſie, mit dem Grundſatze, daß, wenn es ſich von Gegenſtänden des Civil⸗Rechtes han⸗ delt, das neue Geſetz auf alle in den vorigen Geſetzen beſtimmte oder nicht beſtimmte Fälle anwendbar iſt, nur mit Ausnahme etöffneter Eybſchaften, und ſolcher Gegenſtaͤnde, die ſchon z3 M. Buch. X. Tit. Von dem Leih und Darleheus⸗Contracte. „Schuldner fallirt oder in gänzlichen Verfall ſeines Vermö⸗ „gens gerathen iſt.» vorher mittelſt eines aus druͤcklichen oder ſtilſchweigen den Vertrages ihre Beſtimmung erhalten haben. Die Frage alſo, ob ein Gläubiger befugt ſey, die Ablöſung der Rente zu verlangen, kann ſich darauf einſchraͤnken:»war „in einem vor dem Geſetzbuche Napoleons geſchloſſenen Con⸗ „tracte, wodurch eine Rente conſtituirt wurde, eine ſtill⸗ — nde uebereinkunft vorhanden, daß der Schuldner „zur Ablage des Capitals nicht gezwungen werden koͤnnte? Laßt uns jwey Epochen unterſcheiden, die Contracte nehm⸗ lich, welche nach dem Geſetz vom 2—12 Detober 17897 wodurch das Darlehn auf Zinſen erlaubt wurde, und jene, welche unter der vorhergehenden Geſetzgebung geſchloſſen worden ſind, die das Darlehn auf Zinſen verboth,— ein Unterſchied, der zur Ordnung und zur Deutlichkeit der Discuſſion nothwendig iſt. um zu zeigen, daß eine ſtilſchweigende uebereinkuuft vorhanden war, kann man ſich auf die Regel berufen: in con- zractihus ea racite veniunt, quc sunt moris et consuetudinis. Nun aber ermächtigten vor der Revolution die franzöſiſchen Geſetze die Gläubiger einer auf immer conſtituirten Rente in keinem Falle, ihre Ablöſung zu verkangen; folglich kamen diejenigen, welche unter dieſen Geſetzen contrahirten, ſtillſchweigend überein, daß die Ablöſung ſolcher Renten vom Glaͤubiger nicht verlangt wer⸗ den könne. Unſeres Erachtens war indeſſen in dieſer Hinſicht keine ſtiU⸗ ſchweigende nebereinkunft vorhanden, weil der Gegenſtand un ſich ſelbſt keine Verträge für oder wider geſtattete. Wenn man ſagt, daß das Geſetz, unter deſſen Herrſchaft man contrahirt, eine ſtilſchweigende Uebereinkunft bewirke, ſo ſpricht man von jener Gattung von Geſetzen, die den Willen der Contrahenten vermuthen, bloß dann eine Wirkung haben⸗ wenn die Contrahenten ſchweigen, und ſo zu ſagen ihrer Verfü⸗ gung untergeordnet ſind; wogegen die angeführte Regel gar nicht von jener Gattung gebiethender oder verbiethen⸗ der Geſetze verſtanden wird, welche, indem ſie einzig das geſell⸗ ſchaftliche Wohl bezwecken, den individuellen Willen beherrſchen, und von ihm gar nicht abhangen:— Wenn dergleichen Geſetze ſprechen, ſo hat der Menſch nur zu gehorchen und zu ſchweigen: jede Einſchränkung, jeder Vertrag von ſeiner Seite würde ent⸗ I. Buch. X. Tit. Von dem Leih“ und Darlehens⸗Contraste. 53 Das nehmliche tritt auch in dem Falle ein, wenn die zur Sicherheit der Rente hypotheſirten Güter auf Anſtehen der weder unerlaubt, oder unnütz ſeyn. Kann er nun in dieſer Hin⸗ ſicht keine ausdrückliche Verträge mit einigem Nutzen ſchlie⸗ ßen, ſo kann man auch wahrlich nie ſtiliſchweigende Ver⸗ träge dabey wahrnehmen. Waren nun aber die geſetzlichen Verfuͤgungen, die dem Glaͤu⸗ biger nicht erlaubten, ſeinen Schulduer, wenn er die Rente nicht zahlte, ꝛe. zur Ablöſung oder Zahlung des Capitals zu zwingen, ſo geartet, daß ſie nur dann ihre Wirkung hatten, wenn die Contrahenten nichts deßhalb unter ſich feſtgeſetzt hat⸗ ten?— Gewiß nicht. Der Gegenſtand ſtand mit den guten Sitten in Verbindung unſere damahlige Geſetzggebung führte einen bedingten Krieg gegen den Wucher, und belegte alle Zinſen wegen eines bloßen Darlehns mit dieſem Nahmen. Zinſen waren bloß erlaubt, um denjenigen zu ent⸗ ſchaͤdigen, der auf einen ſichern Gewinn Verzicht leiſtete oder ſich der Gefahr eines gewiſſen Verluſtes ausſetzte: lucrum vessant vel damnum emergens. Man brach ſich die Koͤpfe, um erlaubte Combinationen ausfindig zu machen, deren Reſultat demjenigen, welcher Geld auslieh, Zinſen hervorbringen moͤchte. Hiehin ge⸗ hörte der Contractus mohatræ u. ſ. w.— Die Canoniſten ver⸗ ſolgten hingegen mit unerbittlicher Strenge alle dieſe Arten von Simulationen, die ein Darlehn auf Zinſen zum Reſultate hatten. Endlich verfiel man auf den Rentkauf, welcher zwar Anfangs getadelt wurde, weil man das Geld Zinſen darin hervorbringen ſah, den man zuletzt aber deßwegen billigte, weil das Capital veräußert ward. Nun waͤre aber doch das Capital nicht hinlänglich veräußert worden, oder der Rentkauf würde doch ein Merkmahl von ſimulirtem Wucher an ſich gehabt ha⸗ ben, wenn der Glaͤubiger in irgend einem Falle befugt geweſen wäre, ſein Capital zurückzuverlangen. Aus dieſem Grunde er⸗ laubte die damahlige Geſetzgebung in keinem Falle, den Schuld⸗ ner zur Abloͤſung zu zwingen. Leicht iſt es jetzt einzuſehen, daß die Verfügungen, welche ſich auf die Befugniß die Abloͤſung der Rente zu verlangen beziehen, zu einer ganz andern Claſſe gehörten, als jene präſumtive Verfuͤgungen, die bey Contrae⸗ ten einen ſtill ſchweigenden Vertrag dann bewirken, wenn die Contrahenten ſtill ſchweigen. Rit einem Worte, es war keine ſtillſchweigende Uebereinkunft vorhanden, weil die Unmöglichkeit ** MI. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. Gläubiger gerichtlich verſteigert werden: ſo gar entſchied man eben ſo dann, wenn der Schuldner die Güter verkauft hatte, den Schuldner zur Ablöſung anzubalten, ein Gegenſtand war, der außer der ausdrücklichen ſowohl als ſtillſchweigenden ueber⸗ einkunft der Contrahenten lag. Hieraus folgt, daß das alte Statut nach der Einfuͤhrung eines neuen keine Wirkung mehr haben muß, d. h. daß das Geſetzbuch Napoleons auf die vor dem Geſetze vom 2— 12. Hetober 1789 conſtituirten Renten anwend⸗ bar iſt. In Anſehung der nach der Epoche dieſes Geſetzes auf immer eonſtituirten Renten iſt die Frage nicht ganz die nehmliche; denn das Geſetz, welches ausdruͤcklich ein Darlehn gegen Zinſen er⸗ laubt, ſcheint ſtillſchweigend alle Verkügungen zurückgenommen zu haben, die ſich einzig auf ein vorheriges Verboth auf Zinſen zu leihen gründeten;— man koͤnute alſo glauben, daß es ſeit jener Epoche den Rent⸗Käufern erlaubt war, ſich alles beliebige über die Ablöſung der Rente auszubedingen. Dieſe Abſchaffung der vorherigen Verfügungen iſt in Hinſicht der Frage, die uns beſchäftigt, ohne alle Folge. Denn, wenn es wahr iſt, daß kein Geſetz über den Gegenſtand vorhanden war, ſo hatte auch kein aus einem Geſetze ſtilſchweigend hervorgehender Vertrag Statt. Nichts hindert alſo, daß das Geſetzbuch Napoleons heut zu Tage ſeine ganze Wirkung habe. Jurispr. de la Cour de Cass. g. g. St. p. 39 u. f. Da indeſſen, wie Herr Sirey in der Jurispr. de la C. de C. 1803 im Anhange p. 276. ſelbſt ſagt, dieſe Theorie nicht ganz außer aller Critik iſt, ſo führt er an dieſer Stelle zur Unterſtützung der nehmlichen Behauptung die Meinuug eines Rechtsgelehrten an, deſſen Nahme, wie er ſich ausdrückt, als Autorität gelten würde, wenn er ihn bekannt machen duͤrfte. Die Gründe deſſelben ſind folgende: „Der Rent⸗Kanf par vor dem G. N., ſo wie noch jetzt, ein Tauſch⸗Vertrag, ein Vertrag, wobey man beyderſeits ſeinen Vortheil fand. Ich uͤberzählte Ihnen eine Summe Geldes, mit dem Beding, mir jährlich die erlaubten Zinſen zu entrichten; dieſe Zinſen verbanden Sie ſich, mir gegen die immerwährende von mir bewilligte Veräußerung des Geldes, welches ſie empfien⸗ gen pünktlich zu zahlen.— Bedingungen, die gegenſeitig un⸗ theilbar waren. u ge ———— —— IMl. Buch. X. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contraete. 61 und ſie nachher mit Bewilligung der Parteyen gerichtlich ge⸗ gen ihn verſteigert wurden, um ſie von den darauf haften⸗ „Treue in Zahlung des jährlichen Zinſes war eine Verbind⸗ lichkeit deſſen, der das Geld erhalten hatte, eine Bedingung der ihm bewilligten Veraͤußerung; erfüllte er dieſe Verbindlichkeiz nicht, ſo brach er den Contract; iſt dieſer gebrochen, ſo beſitzt derjenige, der das Geld empfangen hat, es ohne Beweg⸗Urſache, und wird folglich nothwendig zum Schuldner deſſelben gegen den Ueberzähler. Dieſe Auflöſung des Rent⸗Kaufes gehört ſelbſt zum Weſen des im Vertrage liegenden Tauſches. „Der Art. 1912 des G. Nap. hat in dieſer Hinſicht bloß die Grundſaͤtze der alten Jurisprudenz proclamirt. In der That berechtigte a) vor dem. Geſetzbuche Nap. das Zahlungs⸗Unvermö⸗ gen des Schuldners den Gläubiger zur Zurückforderung des Co⸗ pitals; das nehmliche Recht hatte er p) wenn das Grundſtück, worauf die Rente hypotheſirt war; veraͤußert wurde, ſo wie auch e) in dem Falle, wenn die Rente mehrere Jahre nacheinander nicht bezahlt worden war. Daß der Gläubiger dieſe Befugniß in den beyden erſtern Fällen hatte, dieß findet man in jedem Buche, welches von dem Rent⸗Kaufe gehandelt hat; in Betreff des dritten Falles aber war dieß bey den Tribunaͤlen der ehe⸗ mahligen Provinzen Marche und Auvergne in der Praxis, wel⸗ cher kein Urtheil des Parlamentes von Paris Einhalt gethan hatte, angenommen— eine Praxis, deren Rechtmaͤßigkeit über⸗ dieß aus der allgemeinen und ausgemachten Lehre in Anſehung der beyden erſtern Fälle hervorgieng. „Nimmt man alſo nur die einzige Verfügung aus, welcher iu Folge der Schuldner zur Ablöſung der Rente angehalten werden kann, wenn er in zwey Jahren ſeine Verpflich⸗ rungen nicht erfüllt— eine Verfügung, wodurch das Geſetz⸗ buch Napoleons jedem Tribunal, jedem Appellations⸗Hoſe ſeine ehemahlige Willkühr in dieſer Hinſicht hat benehmen wollen,— ſo iſt in den Att. 1912 und r9rz kein neues Recht enthalten. „Was aber unwiderſprechlich beweiſt, daß der Art. 1912 auch auf Renten, die vor dem Geſetbuche Napoleons conſti⸗ tuirt worden ſind, angewendet werden muͤſſe, iſt die Verfügung des Art. a151.— Hierin heißt es: ein Gläubiger, der für ein Capital eingeſchrieben iſt, welches Zinſen oder Renten hervor⸗ bringt, hat nuf für zwey Jahre und fuͤr das laufende Jähr das Recht, in der ſeinem Capital gebührenden hypotheeariſchen 62 III. Buch. Xl. Tit. Von dem Leih⸗ und Darlehens⸗Contracke. den Hypotheken zu befreyen, und den Erwerber ſicher zu ſtellen,(Décret volontaire) nicht aber, wenn der Verkauf ganz frey vor ſich gegangen war. Bey Rousseaud,„. de- cret, n. 13 und v. rente, Sect. 4, n. 16 findet man hierü⸗ ber mehrere Parlaments⸗Urtheile. Art. 1014.»Die Regeln, welche die Leibrenten be⸗ „treffen, ſind unter dem Titel von gewagten Geſchaͤften, „Gluͤcks⸗ und Spiel⸗Vertraͤgen beſtimmt.« Nichts kommt in dieſem Titel von dem berühmten Ma⸗ cedonianiſchen Senats⸗Beſchluſſe vor, welcher jede Verbind⸗ lichkeit, die ſich auf ein Darlehn gruͤndet, und die von Kin⸗ dern, welche noch unter vaterlicher Gewalt ſtanden, ohne Unterſchied, ob ſie großjährig oder minderjaͤhrig waren, ohne Einwilligung ihres Vaters contrahirt worden war, für nichtig erklaͤrte, und zwar um den Ausſchweifungen, denen ſich dieſe Kinder durch die Leichtigkeit, Geld oder ähnliche Sachen lehnbar zu erhalten uͤberließen, und den Verbrechen vorzubeugen, wozu die Nothwendigkeit das Darlehn wieder⸗ zugeben, ſie ſelbſt gegen ihre Eltern verleiten mochte. Dieſes Senatus⸗Conſultum wurde inzwiſchen in den Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗Rechte hatten, ſo wohl als in je⸗ nen, worin das römiſche Recht galt, beobachtet, und ich weiß wahrlich nicht, ob es wohl je nothwendiger war, als jetzt Rang⸗Ordnung elaſſifieirt zu werden.„ Iſt der Glaͤubiger einer vor dem Geſetzbuche Napoleons conſtituirten Rente unter dieſer Verfuͤgung begriffen? Ja, folglich muß er auch von dem Mit⸗ tel Gebrauch machen können, welches ihm gegen dieſe Verfuͤgung, die ſonſt ſein Eigenthum kränken würde, jene des Art. 1912 darbiethet.⸗ B. hl. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterle zungs⸗Conttaete ꝛc. 63 Etrfer Titel. Von dem Pinterlegungs⸗Contracte und der Sequeſtration. (Deeret. den 14. Märi 180. Promulg. den a4. des nehml. Monats.) (Man ſehe den Tit. 3 des Buches 16 der Pandecten, und den Tit. 34 des B. 4 im Codex.) Erſtes Capitell. Von dem Hinterlegunge⸗Contracte im allgemeinen, und deſſen verſchiedenen Gattungen⸗ Art. 1915.„Der Hinterlegungs⸗Contract im allgemei⸗ anen iſt ein Geſchäft, wodurch jemand die Sache eines an⸗ „dern unter der Bedingung ſie zu verwahren und in Natur vzurückzugeben uͤbernimmt.» Pepositum est quod custodiendum alicui datum est. Art. 1916.„Es gibt zwey Gattungen des Hinterls⸗ »gungs⸗Contractes; der Hinterlegungs-Contract im eigent⸗ »lichen Sinne des Wertes und die Sequeſtration.« 3 weytes Capitel. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte im eigentlichen Sinne. Erſter Abſchnitt. Von der Natur unb dem Weſen des Hinterlegungs⸗Contractes. Art. 1917.„Der Hinterlegungs-Contract im eigent⸗ lichen Sinne iſt ſeinem Weſen nach ein wohlthätiges Ge⸗ „ſchäft, das ohne bedungenen Lohn übernommen wird.» Erhält der Depoſitar einen Lohn, um die hinterlegte Sache zu verwahren, ſo iſt es ein Mieth⸗Contract. S enim er eo mercedem accipiat, eæ conducto erit cetio. T. 8. J. 1. 64 II. Buch. Kl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete«. Eben ſo wäre es ein Darlehn, wenn der Deponent ſich ausbedungen hätte, daß der Depoſitar ihm Zinſen von der hinterlegten Sache bezahlen ſollte. Oui cum usuris deposuit, privilegium amittit, quasi renuntiaverit deposito, T. V, F. 2, h. Inzwiſchen führen Henris, tom. 1, liv. 4, quest. 110, und Serres, p. 458. Urtheile der Parlamente von Paris und Toulouſe an, wodurch entſchieden wurde, daß, wenn man einem Handelsmanne Geld in Verwahr gibt, man ſich Zin⸗ ſen ausbedingen könne, ohne daß er deßwegen aufhört, De⸗ poſitar zu ſeyn. In dieſem Falle iſt, wie man ſagt, ein Depositum irregulare vorhanden. Art. 1918.„Er kann keine andere, als bewegliche „Sachen, zum Gegenſtande haben.*. Im Gegenſatze der Sequeſtration, welche auch Immobi⸗ lien zum Gegenſtande haben kann⸗ Art. 1919.„Er wird nur durch die wahre oder unei⸗ „gentliche(fingirte) uebergabe der hinterlegten Sache voll⸗ abracht.« „Die uneigentliche uebergabe iſt hinreichend, wenn der „Depoſitar ſchon aus einem andern Rechtsgrunde die Sache „in ſeinem Beſitze hat, die man ihm als anvertrautes Gut „ laſſen will.„ Die romiſchen Geſetze ſtellen den Hinterlegungs⸗ Contract in die Zahl der Real⸗Contracte: ausdrücklich ſagt dieſes der §. 3„ Insi. quib. mod. re contr. oblig. Art. 1920.„Die Hinterlegung iſt entweder freywillig, „oder durch einen Nothfall abgedrungen.» 3 weyter Ab ſchnitt⸗ Von der freywilligen Hinterlegung. Art. 1921.„Die freywillige Hinterlegung bildet ſich „durch die gegenſeitige Einwilligung der Perſon, welche etwas „in Verwahr gibt, und derjenigen, die es empfängt⸗* III. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte re. 65 Art. 1922.„Eine freywillige Hinterlegung kann der Regel „nach nur durch den Eigenthümer der anvertrauten Sache, oder „mit ſeiner ansdrücklichen oder ſtillſchweigenden Einwilligung geſchehen⸗ S. indeſſen den Art. 1038. Art. 7923.„Eine freywillige Hinterlegung kann nur „durch Urkunden erwieſen werden. Der Beweis durch Zeu⸗ *gen wird, in ſo fern von einem Werthe von mehr als hun⸗ ⸗dert fünfzig Francs die Rede iſt, nicht zugelaſſen.“ Stimmt mit dem Art. 2, Tit. 20 der Ordonnanz von 1667 überein.*) * Die Verfügung dieſes Artikels hat ſelbſt in Zuchtpolizey⸗Sachen und ſogar dann Statt, wenn keine Civil⸗Partey auftritt, ſon— dern bloß das öffentliche Miniſterium jemanden als Depoſitar und deßwegen verfolgt, weil er die ihm anvertrauten Sachen zu ſeinem Vortbeile verbracht oder auf Seite geſchafft hat. So ent⸗ ſchied die Criminal⸗Section des Caſſations⸗Hofes am 16. Januar 10s in folgendem Falle: Stevens, Geſchaͤftsträger und Bevollmächtigter des Pe⸗ nomont, empfängt gegen ſeine Quittungen und fuͤr Rechnung ſeines Mandanten von Chibaut eine Summe von ungefähr 1/000 Francs, die er zu ſeinem Votrtheile verbringt, und einige Zeit nachher erkläͤrt er ſich Fallit. Tenomont hierüber aufge⸗ bracht, verbreitet im Publikum eine Druckſchrift; worin er be⸗ hauptet, Thibaut habe die 19,000 Fr. in zwey Zahlungen zu⸗ ruͤckerſtattet; die letzte Zahlung, die ſich auf etwa 12,000 Fr. be⸗ laufen habe, ſey in ſeiner Gegenwart im Hauſe des Stevens geſchehen, welcher ihm dieſe Summe eiugehändiget habe; er Fenomont aber habe ſie, weil er geglaubt hätte, das Geld möchte in ſeinem Zimmer nicht in Sicherheit ſeyn, als ein Depoſitum in den Händen des Stevens gelaſſen. Das öffentliche Miniſte⸗ rium trat hierauf von Amts wegen gegen Stevens auf, und trug gegen ihn auf die Anwendung des Art. 12 des Geſetzes vom 2. Frimaire s. J.(16. December 1799) an welcher ſo lautet: „Wer uͤberfuͤhrt wird, Effeeten, Waaren, Eigenthums urkun⸗ den oder andere, welche eine Verbindlichkeit öder Befreyung in ſich enthalten, oder jedes andere bewegliche Eigenthum, welches ihm unentgeldlich, mit dem Beding es wiederzugeben oder in Natur herbeyzuſchaffen, anvertraut worden iſt zu ſeinem Vortheile verbtacht, oder verſchleudert zu haben, ſoll wenigſtens mit einer 1V. Malev⸗ 5 66 M. Buch. Kl. Tit. Von dem Hiuterlegungs⸗Contraete. Art. 1024.„Wird ein Depoſitum, das mehr als hun⸗ „dert fünfzig Francs betraͤgt, nicht durch Urkunden erwie⸗ „ſen, ſo glaubt man demjenigen, der als Depoſitar ange⸗ „griffen wird, auf ſein Wort, es mag von der Thatſache „der geſchehenen Hinterlegung ſelbſt, oder von der Sache, welche der Gegenſtand davon war, oder endlich von der „Thatſache der erfolgten Zuruͤckgabe die Frage ſeyn.« Oft hinterlegt man eine Summe bey einem Pfarrer, bey einem Freunde, mit dem Auftrage ſie zu demjenigen Zwecke zu verwenden, den man ihm ins Geheim anempfieblt⸗ Ueberſteigt dieſe Summe 150 Francs, dann können die Erben des Deponenten nichts von dem Dexofitar fordern, — einjährigen, und höchſtens mit einer vierjährigen Geſänguiß⸗ Strafe belegt werden.v Vor dem Zuchtpolizey⸗Gerichte ſtellte indeſſen Stevens die Exiſtenz des Depoſitums in Abrede; und ob ſchon kein ſchriftlicher Beweis, auch kein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes darüber vorhanden war, ſo verurtheilte es ihn doch zu eor⸗ rectionellen Strafen, und dieſes Urtheil wurde vom peinlichen Juſtitz⸗Hofe des Dyle⸗Departementes beſtätigt. Die Criminal⸗ Section des Caſſations⸗Hofes eaſſirte aber dieſes Urtheil, weil es, wie im erſten Entſcheidungs. Grunde geſagt wird, eine offenbare Verletzung des Art. 1923 des Geſ. Nap. enthalte. Jurispr. de la C. de C. 1508. p. 223 u. f. Wie läßt ſich nun aber die angefuͤhrte Verfügung des Ge⸗ ſetzes vom 25. Frimaire 8 J. mit den Art 123 und 1524 vereinigen? Nichts iſt leichter als dieſes, ſagt Herr Merlin im Repertoire de Jurispr. v. depét,§. 1,„. 6.; entweder iſt das Depoſitum, uͤber deſſen Mißbrauch man jemanden beſchul⸗ digt, vollſtaͤndig ſchriftlich bewieſen, oder es iſt nur unvollſtän⸗ dig, oder gar nicht ſchriftlich bewieſen. Im erſten Falle iſt das Zuchtpolizey⸗Gericht unſtreitig befugt über das dem Depoſitar zur Laſt gelegte Verbrechen zu erkennen Im zweyten Falle kann es, wenn es in den ihm vorgelegten Beweisſtücken den Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes findet, Zengen abhören, um den Beweis vollſtändig zu machen; im dritten Falle aber muß es den lagenden Theil zurückweiſen, um im Civil Wege ſein Recht geltend zu machen, und mit der Erkenneniß über ſeine Corree⸗ tionnell⸗Klage ſo lange einhalten, bis das Depoſitum im Civil⸗ Prozeſſe bewieſen worden iſt. —— KI. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs Contraete ꝛec. 69 und es muß ihm, wie unſer Artikel ſagt, auf ſeine Erklä⸗ rung geglaubt werden. Geſchah inzwiſchen eine ſolche Empfehlung ſchriftlich; ver⸗ machte z. B⸗ Johann dem Peter 1000 Fr., um zu dem die⸗ ſem letztern anempfohlenen Zwecke verwendet zu werden„ in dieſem Falle muß, wie durch mehrere Parlaments⸗Urtheile entſchieden worden iſt, das Vermächtniß ausbezahlt werden, ohne daß der Legatar verbunden iſt, das Geheimniß und die Verwendung der Summe zu offenbaren. Ausgenommen⸗ Iſt indeſſen, fährt Herr Merlin a. a. St. fort, das De⸗ poſitum eingeſtanden, und es hat urkunden zum Gegenſtande, die der Depoſitar verändert hat, um für ſich Vortheil daraus zu ziehen, dann kann die Sache bey dem Zuchtpolizey⸗Gerichte angebracht werden, wenn ſchon der klagende Theil hauptſaͤchlich die Zuruͤckerſtattung dieſer urkunden bezweckt. Am 5. Nivoſe 5. J.(a7. December 1796) zieht Herr Pebesnard, Handelsmaun in Bordeaux auf Hrn. Boſſet, Handelsmann in Paris ſechs Wechſelbriefe, die ſich im Ganzen auf die Summe von 150,000 Fr. beliefen. Die Gebruͤder Michel, welche Eigenthuͤmer dieſer Wechſel geworden waren, belangten den Hrn. Boſſet zur Zahe lung, und erhielten Urtheile wider ihn, die ſie in die Hypo⸗ theken⸗Regiſter eintragen ließen, um auf ſein Vermögen ein Hypotheken⸗Recht zu erwerben. Am. Pluvioſe 12. J.(1. Hornung 1804) vertraut Michel der jüngere die ſechs Wechſel⸗ briefe dem Hru. Boſſet an, welcher ihm darüber einen Em⸗ pfangs⸗Schein juſtellt, mit dem Verſprechen ſie auf die erſte Anforderung in Natur vorzuzeigen. Boſſet, welcher nachher deßhalb gerichtlich belangt nurde, zeigte ſie zwar vor, allein ſeine Acceptationen waren darauf ausgeſtrichen, und er behaup⸗ tete, ſie bezahlt zu haben. Sogleich ſtellt Michel eine Corree⸗ tionnell⸗Klage gegen Boſſet an, und verlangt, daß er zur Zu⸗ ruͤckgabe der ſechs Wechfel verurtheilt, und zugleich überzeugt er⸗ klärt werden möge, ſie zu ſeinem Vortheile verbracht zu haben, um ſie in urkunden umzuſchaffen, woraus ſeine Befreyung her— vorgehe. Vor dem Zuchtpolizey⸗Gerichte von Paris behauptet Boſſet, dieſe Wechſelbriefe ſeyen bloßes Blendwerk; er habe ſie, als er von einem ſeiner Glaͤubiger verfolgt worden ſey, bloß deßwegen acecptirt, um ein urtheil zu veranlaſſen, Kraft deſſen er durch jemanden, der ſeinen Nahmen dazu hergeben wuͤrde, eine hypothekariſche Inſeription auf ſeine eigene Güter nehmen 63 M, Buch. XI. Tit. Von dem Hinterlegungs Contracte ꝛc. wenn Urſache vorhanden wäre zu glauben, daß ſie für Per⸗ ſonen beſtimmt ſey, die das Geſetz für unfähig erklaͤrt, durch Schenkung oder Vermaͤchtniß begünſtigt zu werden. S. Louet und Brodeau, lett. T. ch. 5. Vedel und Catellan⸗ Beläuft ſich die Summe nur auf hundert fünfzig Franck, oder darunter, da in dieſem Falle der Beweis durch Zeugen angenommen werden kann, ſo iſt der Depoſitar verbunden, ſie den Erben zurückzugeben, und es wird ihm auf ſein —————————— koͤnnte, und die Gebrüder Michel ſeyen gerade diejenigen, welche ihre Nahmen hiezu hergegeben hätten. Die Gebrüder Nichel bewieſen hingegen daß ſie zur Zeit, wo die Wechſelbriefe ihr Daſeyn erhielten! an Boſſet eine Summe von 140000 Fr. zu fordern hatten. Am 6. Pluvioſe 13. J.(a6. Januar 1804) ward indeſſen Boſſet von der Klage deßwegen freygeſprochen, weil nicht bewieſen ſey, daß ſeine Aceeptationen nicht ſchon damahls ausgeſtrichen geweſen ſeyent als ihm Michel der Juͤngere die Wechſel zugeſtellt hatte. Der Criminal⸗Juſtitz⸗Hof von Paris erklärte aber am 6. des folgenden Monates Germinak (7 Maͤrz n. J.) den Boſſet ſchuldig, ſechs, eine Verbindlichkeit in ſich enthaltende, Wechſel, die ihm unentgeldlich anvertraut worden ſeyen, mit dem Beding, ſie auf jedesmahliges Verlan⸗ gen in Natur vorzuzeigen, durch Ausſtreichung der darauf ſtehenden Acceptationen zu ſeinem Vortheile verbracht zu haben, und ver⸗ urtheilte ihn ſo wohl zu deren Zurückgabe mit ſeinen Accepta⸗ rionen, als auch zu den im Art. 12 des Geſetzes vom 25. Fri⸗ maire 8. J. enthaltenen Strafen.— Boſſet nahm nun ſeinen Recurs zum Caſſations⸗Hofe. Die gegen mich angeſtellte Klage, ſagte er, hatte die Vorzeigung von ſechs Wechſel⸗Briefen zum Gegenſtande; eine ſolche Klage gehört aber nicht zur Erkenntniß der Zuchtpolizey⸗Gerichte. Das Zuchtpolizey⸗Gericht von Paris mußte um ſo weniger Anſtand finden, ſich wenigſtens einſtweilen incompetent zu erklaͤren, als aus meiner Vertheidigung die Frage hervorgieng, ob die Wechſel⸗Briefe ernſthaft oder erdichtet waren— eine Frage, die weſentlich präjudiziell und civil iſt; wäre es aber auch competent geweſen, ſo konnte es mich doch nicht überwieſen erklären, die Wechſel⸗Briefe zu meinem Vortheile verbracht zu haben, da ich ſie im Gegentheile durch die Ausſtreichung meiner Aceeptationen gewiſſermaßen ver— nichtet hatte Selbſt in dieſem Falle alſo hat der peinliche Ul. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛe. 69 bloßes Wort nicht geglaubt, es ſey dann, daß er ſeiner Seits beweiſe, daß der Deponent ihm den Auftrag gegeben habe, ſie zu irgend einem Zwecke zu verwenden. Wenigſtens bin ich dieſer Meynung, obſchon Serres, p. 336 das Gegentheil zu entſcheiden ſcheint; in dem Falle indeſſen, wovon er ſpricht, belief ſich meines Erachtens der Gegenſtand hoͤher als die Summen ſind, die man durch Zeugen beweiſen kann.*) Inſtitz⸗Hof den angeführten Art. 12 unrichtig angewendet. Sein Caſſativns⸗Geſuch wurde jedoch am s. Thermidor 12. Jahres (z4. Julius 1805) aus folgenden Gruͤnden verworfen, 1) weil die Klage der Gebruͤder Michel, wenn auch ſchon, in ſo ferne ſie dabey ein Intereſſe hatten, die Vorzeigung der ſechs Wechſel, Kraft des von Boſſet ausgeſtellten Empfangs⸗Scheins ihr Haupt⸗ Gegenſtand war, nichts deſtoweniger andere That⸗Umſtaͤnde ent⸗ hielt, die dazu geeignet waren, die Gerichtbarkeit der zur Be⸗ ſtrafung der Verbrechen angeordneten Tribunaͤle zu begründen, welches an ſich ſchon genug war, um das Zuchtpolizey-Gericht zu Paris zu ermächtigen, darüber zu erkennen. 2) Weil Boſſet in den vorigen Inſtanzen nie ausdrücklich darauf angetragen hatte, daß die Sache zu den Civil-Gerichten verwieſen werden möchte, um über die Frage, die doch ſeiner jetzigen Behaup⸗ tung nach präjudiziell ſey, zu erkennen, ob die Wechſel, nach⸗ dem ſie den Zweck, wozu ſie beſtimmt waren, erreicht hatten, noch gültig ſeyen oder nicht, und folglich der peinliche Juſtitz⸗ Hof ſie als eine natuͤrliche Folge des Verbrechens der Ausſtrei⸗ chung der Acceptationen, deſſen er den Boſſet überführt erklaͤrte, habe betrachten, und ſie entſcheiden können. 3) Weil der pein⸗ liche Juſtitz⸗Hof dadurch, daß er den Boſſet uͤberwieſen erklaͤrte, die Wechſel⸗Briefe mittelſt Ausſtreichung der darauf ſtehenden Acceptationen zu ſeinem Vdrtheile verbracht zu haben, das an⸗ geführte Geſetz nicht verletzt habe, indem Boſſet ſie durch dieſe Ausſtreichung in Befreyungs-Urkunden zu ſeinem Vortheile um⸗ geſchaffen, die Wechſel⸗Briefe ſelbſt aber, die ihr materielles Da⸗ ſeyn beybehalten hätten, nicht vernichtet habe. R B. *) Hat der Depoſitar ein freywilliges nicht ſchriftlich erwieſenes Depoſitum eingeſtanden, zugleich aber erklaͤrt, daß er es wieder⸗ gegeben habe, ſo kann das Gegentheil, nehmlich daß er es nicht wiedergegeben habe, auch nicht durch Zeugen bewieſen werden, So eutſchied die Civil⸗Section des Caſſations⸗Hofes am 1. Jn⸗ 6 M. Buch. Kl. Tik. Von den Hinterteguugs⸗Conttaete x Art. 1925.„Eine freywillige Hinterlegung kann nun „unter ſolchen Perſonen Statt haben, die zu contrahiren fähig ſind. „Nimmt gleichwohl eine Perſon, welche die Fähigkeit zu „contrahiren hat, ein Depoſitum an, das ihr von einer un⸗ „ fuͤhigen Perſon anvertraut worden iſt, ſo hat ſie alle Pflich⸗ „ten eines wahren Dopoſitars zu erfüllen; ſie kann von dem „Vormunde oder dem Verwalter der Perſon, welche ihr das „Gut anvertraut hat, gerichtlich belangt werden.» lius 1806 in folgendem Falle: Stephan Maſſe einer der Erben Jor re, ließ 494 Franes, die einen Theil einer dieſen Erben abgelegten höhern Summe ausmachte, als freywilliges Depoſitum in den Händen des Notars Panie r. Als die Miterben des Stephan Maſſe im Fructidor 9. J. von ihm ihren Antheil in dieſen 494 Fr. verlangten, ſchickte er ſeinem Bruder Jacob eine Vollmacht, um ſie beym Notar Panier in Empfang zu nehmen. Letzterer antwortete dem Jacob Maſſe, daß er zwar jene Summe in Verwahr erhalten, aber auch dem Stephan Maſſe wieder ge⸗ geben habe; und nun wurde Letzterer von ſeinen Miterben zur Zahlung ihrer Antheile an jener Summe gerichtlich belangt. Der Notar Panier wurde zur Sache mit beygeladen. Er er⸗ plärte nochmahls, daß ihm zwar geſagte Summe freywillig in Verwahr gelaſſen worden ſey, daß er ſie aber auch dem Stephau Maſſe zurückgegeben habe. Dieſer ſtellte es hingegen in Abrede, und verlangte durch Zeugen zu beweiſen, daß Panier ihm am 29. Vendemjaire 10. J.(21. Oetober 1801) erklärt habe, daß er nicht ihm dieſe Summe wiedergegeben hätte. Am a3. Nivoſe 12. J.(14. Jangar 1803) ließ das Civil⸗Gericht von Louviers ihn deßwegen zu dieſem Beweiſe zu, weil in den von Panier gethanen Geſtändniſſen, und worin er ſich über das Faetum der Zurückgabe des Depoſitums nicht gleich geblieben ſey, ein An⸗ fang eines ſchriftlichen Beweiſes liege; und auf das Reſultat des abgehaltenen Zeugen⸗Verhoͤrs verurtheilte es den Panier zur Zurückgabe der 494 Fr. und in einen Schaden⸗Erſatz von 150 Fr. Dieſes urtheil wurde aber dem Art. 2 des i en Drdonnanz von 1667 zu Folge eaſſirt, weil a) das in dieſem Ar⸗ tikel enthaltene Verboth des Zeugen⸗Beweiſes auf das freywillige Depoſſtum, und auf deſſen Zurückgabe in gleichem Maße an⸗ wendbar ſey; weil b) die kgerichtlichen Erklärungen des Paniet — M. Buch. Xl. Tit. Bon dem Hinterlegungs⸗Contraete ꝛe. 71 Art. 1926.»Hat eine hiezu faͤhige Perſon bey einer „andern, die es nicht war, etwas hinterlegt, ſo hat der De⸗ „ponent in Hinſicht des anvertrauten Gutes nur ſo lange „die Vinbicationsklage, als es ſich in den Haͤnden des De⸗ poſitars befindet, oder er hat eine Klage auf Erſatz bis „zum Betrage desjenigen, was zum Nutzen des Depoſitars „gediehen iſt.» ganz einſtimmig ſzyen, und e) die angebliche Verſchiedenheit zwiſchen dieſen und den vorherigen Erklärungen, außerdem daß daraus kein Verdacht von Betrug oder Argliſt hervorgehe, kei⸗ nen Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes darbiethe, ſo wie ihn das Ge⸗ ſetz fordert, welches uͤberdieß den Richtern die Macht gelaſſen habe, den Eid aufzutragen. Journ. d. Apd. ete. 1806.„. 466 u. f. Wie man ſieht, iſt zwar dieſer Fall nach dem Art. 2 Lit. 20 der Hrdonnanz von 1667 entſchieden worden; da indeſſen dieſer Artikel die Quelle iſt, woraus die zwey vorliegenden Arti⸗ kel des G. N. geſchöpft worden ſind, ſo muß dieſe Entſcheidung auſch noch jetzt unſtreitig befolgt werden. Wird indeſſen 1) das Factum des Depoſitums nicht beſtrit⸗ ten, und es iſt bloß darum zu thun zu wiſſen, wer eigentlich det Urheber davon ſey, ſo hat der Beweis durch Zeugen Statt⸗ wenn ſchon der deponirte Gegenſtand die Summe von 150 Fr. uͤberſteigt. Gallier forderte den Vieh-Haͤndler Regouly auf, einen Hchſen zurückzunehmen, den er bey ihm in Verwahr geellt haͤtte, und die Koſten zu zahlen, die das Thier veranlaß, hatte. Regouly gutwortete, er habe dem Bourras den Och ſen verkauft, dieſer ſey Eigenthümer davon, habe ihn deponirt, müſſe ihu zuruͤcknehmen, und die Koſten deſſelben bezahlen. Das Civil⸗ Gericht von Coßne wieß den Gallier mit ſeiner Klage deßwegen ab, weil Regouly den Ochſen dem Bourras verkauft und abgelie⸗ fert habe. Gallier richtete nun ſeine Klage gegen Bourras; die⸗ ſer leugnete ihn gekauft, und in Verwahr geſtellt zu haben. Der Kläger both ſich zum Beweiſe des Gegentheiles an, und nurde hiezu zugelaſſen. Aus dem hierauf abgehaltenen Zeugen⸗Verhöre ergab ſich, daß Bourras den Ochſen wirklich gekauft, und oͤffent⸗ lich ſechs Fraues Handgeld gegeben hatte. Das Fribunal von Cosne verurtheilte ihn nun, dem Gallier s40 Francs für den Unterhalt des Hchſen, und faſt eben ſo viel für Koſten zu zah⸗ len. Während dieſes Prozeſſes war der Ochs beym Gallier ge— torben, der nie ſein Gegner behauptete, ihn hatte verhüngern 72 111. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete zc. Dritter Abſchnitt. Von den Pflichten des Depoſitars. Art. 1927.„Der Depoſitar muß die ihm anvertraute „Sache mit eben der Sorgfalt bewahren, welche er auf die „Bewahrung der ihm zugehörigen Sachen verwendet.» Dieſer Artikel ſtimmt mit den TT. 5, F. 2, J. commod. und 23, F de reg. jur. uͤberein. Nach dieſen Geſetzen haf⸗ tete der Depoſitar nur für den Schaden, den er vorſetzlicher Weiſe, und durch ſein grobes Verſchulden anrichtet, und nur dann fiel ihm etwas zur Laſt, wenn er auf die Verwahrung der ihm anvertrauten Sache nicht die nehmliche Sorgfalt ver⸗ wendet hatte, die er auf die Verwahrung ſeiner eigenen Sache verwendete. T. 32, F. F. Man tadelte indeſſen dieſe Entſcheidung; ein Depoſitar, ſagte man, muß auf die Verwahrung der bey ihm hinterleg⸗ ten Sache alle Sorgfalt eines guten Hausvaters verwenden; man antwortete aber mit der T. 1, F. 1, F. de obligat. et act.. De ve queri debet, qui negligenti amico rem custo- diendam committit. laſſen. Bourras nahm ſeinen Recurs zum Caſſativns⸗Hofe, und gruͤndete ſein Geſuch auf eine Verletzung der Art. 1359, 1341 und 1923 des G. N.— Sein Geſuch wurde aber am 9. Julius o6 von der Seetion des Requstes deßwegen verworfen, weil! wie es im zweyten Entſcheidungs⸗Grunde heißt, das Depoſitum an ſich nicht beſtritten wurde, und folglich die Art. 1341 und 1923 auf den Fall nicht anwendbar ſſind. Journ. d. Aud. ete. 1806. p. 464 u. f. Eben ſo wird auch 2) dem Depoſitar auf ſeine Erklärung dann nicht geglaubt, wenn es bloß um die Art zu thun iſt, wie ein freywilliges nicht ſchriftlich eonſtatirtes Depoſitum, deſſen Exiſten; aber eingeſtanden wird, zurückgegeben werden müß. Im J. 1791 gab Herr Arbel zwey Kiſten mit Silberwerk, das dem Hrn. von Rohan; Erzbiſchofen von Cambray, deſſen Haus⸗ Hofmeiſter er war, zugehörte, dem Hrn Pertrand in Ver⸗ wahr. Im J. 10.(1800) forderte er dieſes Depoſitum zurück. Pertrand geſtand das Depoſitum ein, erklaͤrte aber, daß er im F. 1793 genoͤthigt geweſen ſey dieſes Silberwerk in Barren zu * 8 8 * 1II. Buch. Xl. Tit. Bon dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛc. 73 Art. 1928.„Die Verfuͤgung des vorhergehenden Arti⸗ kels muß mit mehr Strenge angewendet werden, 1) wenn der Depoſitar ſich ſelbſt angebothen hat, die Aufbewahrung der Sache auf ſich zu nehmen; 2) wenn er fuͤr die Be⸗ wahrung des ihm anvertrauten Gutes ſich einen Lohn be⸗ dungen hat; 3) wenn die Hinterlegung einzig zum Vor⸗ verwandeln, dieſe gegen Aſſignaten, und dieſe letztere gegen Mandaten auszutauſchen, und erboth ſich dieſe dem Arbel zurück⸗ zugeben. Das nehmliche Anerbiethen that er dem Hrn. von Rohan, der als Intervenient inzwiſchen aufgetreten war, und am 7. Fructidor 11. J.(2s. Auguſt 1803) erklaͤrte das Civil— Gericht von Paris dieſes Anerbiethen für guͤltig. Am s. Frue⸗ tidor 12. J.(26. Auguſt 1804) reformirte aber der Appellations⸗ Hof von Paris dieſes Urtheil, und verurtheilte den Pertrand zur Zahlung von 3233 Fr. 55 C. in barem Gelde, hauptſäch⸗ lich aus folgenden Gründen, weil a) aus den uUmſtänden der Sache eine hinlaͤngliche Vermuthung entſpringe, daß Pertrand die Barren in Aſſignaten verwandelt habe, um damit zur Zeit, wo er ſie erhielt, ſeinen eigenen Gewinn zu machen; weil b) ſelbſt in der Vorausſetzung, daß er die unwiderſtehliche Wirkung einer höhern Macht damahls zu Pefürchten hatte, er ein gewiſſes Mittel gehabt habe, ſich von dieſer Beſorgniß zu befreyen, und gegen allen Verdacht von Betrug zu ſchützen, wenn er nehmlich ſeine Erklaͤrung darüber abgegeben, und die Barren oder die Aſ⸗ ſignaten bey den competenten Behörden hinterlegt hätte, was er aber nicht gethan habe, weil e) bey dieſer Lage der Sachen ſeine trockene, von Beweis entblößte, und jetzt über die Identität der von ihm angebothenen Aſſignaten oder Mandaten, und jener die er für die Barren erhalten zu haben eingeſteht, abgegebene Erklärung keinen Einfluß auf die Entſcheidung haben koͤnne.“ Pertrand ſuchte Caſſation dieſes urtheiles nach, und ſtuͤtzte ſich unter andern auf die Verletzung der Art. 1921, 1523, 1924 1929 1933 und 1444 des G. N.s ſein Geſuch wurde aber am 6. Detober 1806 von der Seetion des Requétes verworfen, weil bloß von der Art der Zurückgabe des Depoſitums die Rede ſey, und der Appellati⸗ns⸗Hof von Paris den Geſetzen, die den Beweis der Epiſtenz oder des Factums der Zurückgabe des De⸗ poſitums beſtimmen, durch ſeine Entſcheidung nicht zu nahe ge⸗ treten ſey. Journ. d. Aud. etc, 1806. p. 593 u.f. B. m Buch. xI. it. Von dem Hinterlesungs⸗Cönkraete. „theile des Depoſitars geſchehen iſt; 4) wenn ausdruͤcklich «bedungen worden, daß der Depoſitar fuͤr jede Gattung von „Verſehen(oder Schuld) haften ſoll.« Die Ziff. 1 ſtimmt mit der T. 1, F. 35, k.; die Ziff. a mit dem nehmlichen Geſetze, F. 8; die Ziff. 3 mit der L. 4. P. de reb. cred., die Ziff. 4 mit der L. 1, F. 6. In üͤberein. Im Falle der Ziffer 3 befindet ſich derjenige, dem eine Sache anvertraut worden iſt, um ſie zu verkaufen, und ihren Preis zu ſeinem Nutzen zu verwenden; quia rei dominus est, wie Godofredus ad T. 4. de reb. cred. ſagt. Art. 1929.„In keinem Falle iſt der Depoſitar für „Zufälle verantwortlich, die von einer höhern Gewalt her⸗ „rühren, er ſey dann in Verzug geſetzt worden, das anver⸗ atraute Gut zuruͤckzugeben.» Stimmt mit den TFT. 1, F. 55, und 12, F. ult. h. über⸗ ein. Geſagte T.1,§. eod. ſetzt noch einen andern Fall hinzu, worin der Depoſitar für bloße Zufälle haftet, dann nehmlich, wenn er ſich insbeſondere dazu verbunden hat. Art. 1930.„Er darf die hinterlegte Sache, ohne aus⸗ „druͤckliche oder muthmaßliche Einwilligung des Deponenten, „nicht gebrauchen.« Die römiſchen Geſetze hielten jihn in dieſem Falle eines Diebſtahls ſchuldig. T. 29, h h. und T. 3, Cod. eod. Gebraucht er das bey ihm hinterlegte Geld, ſo muß er Zinſen davon bezahlen. PL. cit. Die Sache aber, die es mit dieſem Gelde etwa gekauft hat, gehoͤrt ihm zu. L. 6, Cod. de vei vind. Art. 1931.„Er ſoll nicht unterſuchen, was es fuͤr „Sachen ſeyen, die bey ihm hinterlegt worden ſind, wenn „ſie ihm in einem verſchloſſenen Kaſten oder unter einem „verſiegelten Umſchlage anvertraut wurden.« Dieſes iſt ein Rath, welcher der Rechtſchaffenheit ertheilt wird; wenn aber uͤberdieß die Eröffnung der Kiſte, des Käſt⸗ chens oder des Umſchlages dem Deponenten einigen Schaden verurſachte, ſo waͤre der Depoſitar zu deſſen Erſatz verbunden⸗ II. Buch. Xl. Tit. Ven dem Hinterlegungs⸗Contraete ꝛe. 75 Art. 1932.»Der Depoſitar muß identiſch eben dieſelbe „Sache zuruͤckgeben, die er empfangen hat. „Alſo muß ein Depoſitum, das in klingender Münze „beſtand, in eben den Sorten, worin es geſchehen iſt, zu⸗ „ruͤckgegeben werden, ihr Werth mag erhöhet oder verringert «worden ſeyn⸗« Die in dieſem Artikel aufgeſtellte Regel gründet ſich auf eine andere, nach welcher ein Depoſitar das Depoſitum nicht angreifen ſoll; iſt ihm jedoch Geld anvertraut worden, ohne daß es verſchloſſen oder in einen Umſchlag eingewickelt war⸗ ſo kann man anders nichts von ihm fordern, als daß er es in ähnlichen Münzſorten wieder gebe. S pecunia deposita numerata sit, neque clausa, neque obsignata, nihil aliud debhetur, nisi ut tantumdem solvat. T. 31, P. locati. Art. 1933.„Ein Depoſitar iſt die bey ihm hinterlegte „Sache nur in dem Zuſtande wiederzugeben ſchuldig, worin »ſie ſich in dem Augenblicke der Zurückgabe befindet. Ver⸗ ſchlimmerungen, die nicht von ihm herrühren, fallen dem „Deponenten zur Laſt.» Die Sache geht für den Eigenthuͤmer zu Grunde; der Depoſitar iſt aber nicht Eigenthumer der hinterlegten Sache; er hat nichs einmahl den Beſitz davon⸗ Art. 1934.»Ein Depoſitar, dem die Sache durch hö⸗ „here Gewalt weggenommen werden iſt, und der hiefür einen »Preis oder ſonſt etwas empfangen hat, muß dasjenige ⸗ »was er zum Erſatze erhalten hat, zuruͤckgeben.« Art. 1935„Der Erbe eines Depoſitars, der in gutem „Glauben die Sache verkauft hat, wovon er nicht wußte „daß ſie anvertrautes Gut ſey, iſt zu mehr nichts verbun⸗ „den, als den Preis zu erſetzen, denz er empfangen hat, „oder ſeine Klage wider den Käufer zu übertragen, ſo fern ihm „der Preis noch nicht gezahlt worden iſt.« Stimmt mit der L. 1, F. ult. h. uͤberein. Kann der Erbe des Depoſitars, wie die T, 3. eod. hinzuſetzt, die Sache wie“ der kaufen, ſo iſt er hiezu verbunden; dieß gehört indeſſen zur 6 MM. Buch. XI. Tit⸗ Von dem Hinterle zungs⸗Contraete ꝛe. Verbindlichkeit, die ihm unſer Artikel auferlegt, ſeine Klage zu übertragen. Wenigſtens tritt der nehmliche Entſcheidungs⸗ Grund ein. Art. 1936.»Hat die in Verwahr gegebene Sache „Fruͤchte hervorgebracht, welche der Depoſitar genoſſen hat, „ſo iſt er verbunden, ſie zu erſetzen. Er hat von dem bey „ihm hinterlegten Gelde keine Zinſen zu zahlen, außer von „dem Tage an, da er in Hinſicht der Zuruͤckerſtattung in „PVerzug geſetzt worden iſt.« Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit der F. 1, F. 24⸗ F h. überein, wo es heißt: fructus et partus et omnis causa in hdc actione veniunt. Der zweyte Theil moͤchte wohl demjenigen entgegen zu ſeyn ſcheinen, was wir beym Art. 1930 angemerkt haben. Allein, im vorliegenden Artikel ſetzt man voraus, daß der Depoſitar das bey ihm hinterlegte Geld nicht gebraucht habe, dagegen die beym Art. 1930 angeführten LL. 29 und 3 beſtimmt von dem Falle reden, wo er es gebraucht hat. Ohnehin, warum ſollte der Depoſitar keine Zinſen zahlen, wenn er das Geld gebraucht hat, da man ihm doch die Verbindlichkeit auferlegt, alle Fruͤchte zu erſtatten? Sind denn die Zinſen nicht die Früchte des in Umlauf geſetzten Geldes? Art. 1937.»b Der Depoſitar muß die bey ihm hinter⸗ „legte Sache keinem andern zurückgeben, als dem, der ſie „ihm anvertraut hat, oder in deſſen Nahmen die Hinterle⸗ „gung geſchehen iſt, oder der angewieſen worden iſt, um ſie „zu empfangen.« Art. 1938.» Von dem, der die Sache in Verwahr ge⸗ „geben hat, kann er den Beweis ſeines Eigenthums an der⸗ »ſelben nicht fordern. „Entdeckt er gleichwohl, daß die Sache geſtoh⸗ „len worden, und wer der wahre Eigenthümer davon „iſt, ſo iſt er verbunden, die bey ihm geſchehene Hinterle⸗ „gung dieſem anzukündigen, und ihn aufzufordern, daß er III. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete.„7 „in einer beſtimmten und hinlänglichen Friſt ſie in Anſpruch „nehme. Verſaͤumt derjenige, dem die Ankündigung geſche⸗ „hen iſt, das Depoſitum in Anſpruch zu nehmen, ſo wird „der Depoſitar ſeiner Verbindlichkeit auf eine gültige Weiſe „dadurch entlediget, daß er es demjenigen übergibt, von „dem er es empfangen hat.“ In der T. 31, H h. heißt es nur, daß, wenn der Ei⸗ genthuͤmer die Sache in Anſpruch nimmt, der Depoſitar ſie ihm Vorzugsweiſe vor dem Diebe, der ſie hinterlegt hat, zurückgeben muͤſſe. Das nehmliche hat Statt, wenn ein Herr oder ein Vater ſeine Sache in Anſpruch nimmt, die ſein Diener oder ſein Sohn bey jemanden hinterlegt hat. Gegen unſern Artikel wendete man ein, man müſſe es bey der Verfügung des angefuͤhrten Geſetzes bewenden laſſen, und den Depoſitar der Gefahr nicht ausſetzen, daß er als Verläumder, vielleicht gar als Hehler verfolgt werde. Andere behaupteten im Gegentheile, man muͤſſe den De⸗ poſitar ſelbft dann nicht etmächtigen, die Sache dem Diebe zurückzugeben, wenn ſchon der Eigenthümer nach der ihm gemachten Anzeige ſeine Sache nicht in Anſpruch nehme; und verlangten, der Depoſitar ſey anzuweiſen, ſeine Erklä⸗ rung einem oͤffentlichen Beamten abzugeben. Die Anzeige, antwortete man den erſtern, kann auf eine Art gemacht werden, daß der Depoſitar dabey nicht die min⸗ deſte Gefahr läuft; ohnehin geht dieſe außergerichtliche Hand⸗ lung zwiſchen ihm und dem Eigenthümer ganz allein vor ſich. Den zweyten gab man zur Antwort, es ſey deſto ſchlimmer für den Eigenthuͤmer, wenn er auf die ihm gege⸗ bene Nachricht ſein Recht geltend zu machen vernachläßigte. Art⸗ 1939.»Stirbt der Deponent oder zieht er ſich den „bürgerlichen Tod zu, ſo kann das anvertraute Gut nur „ſeinem Erben wieder erſtattet werden— »Hat er mehrere Erben, ſo muß einem jeden ſein An⸗ „theil daran zurückgegeben werden. 7 U. Buch. Kl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete. »„Iſt die hiuterlegte Sache untheilbar, ſo müſſen die Er⸗ „ben ſich über den Empfang untereinander verſtehen.« In der T. 1, F. 36 und 37, M h. hieß, der Depo⸗ ſitar konne die hinterlegte Sache, wenn ſie untheilbar iſt, demjenigen der Miterben, welcher ſie in Anſpruch naͤhme, gegen Buͤrgſchaft, oder was noch beſſer iſt, mit Erlaubniß des Richters zuruͤckgeben. T. 81, F. 1, H de Solut. Zu⸗ verlaͤßig hat der Depoſitar, wenn die Erben unter ſich nicht einig werden können, das Recht, vom Richter zu verlangen, daß er des Depoſitums entledigt werden moͤge, und es ge⸗ richtlich zu hinterlegen, d.§. 37. Die T. ult. cod. h. enthaͤlt eine merkwürdige Entſchei⸗ dung; ſie ſagt, wenn ein Miterbe ſeinen Antheil am Depo⸗ ſitum empfangen hat, und der Reſt nachher, weil der Depr⸗ ſitar in Zahlungs⸗Unvermögen gerathen iſt, oder auf irgend eine andere Art zu Grunde geht, ſo ſey dieſer Miterbe nicht ſchuldig, von ſeinem Antheile den uͤbrigen etwas zukommen zu laſſen, ne industria pænas desidiæ Solvat. Art 1940.„Hat der Deponent ſeinen perſönlichen Zu⸗ „ſtand verändert, war z. B⸗ die Frauensperſon in dem Au⸗ „genblicke, wo die Hinterlegung geſchah, ledigen Standes, „hat ſich aber nachher verehelicht, und ſteht nunmehr unter „der Gewalt des Mannes; war der Deponent zwar voll⸗ „jährig, ihm iſt aber nunmehr durch Interdiction die Ver⸗ „waltung ſeines Vermögens benommen: in allen dieſen und „andern gleichartigen Fällen kann das anvertraute Gut nur „demjenigen zurückgegeben werden, der die Verwaltung der „Rechte und Güter des Deponenten hat⸗« Art. 10g1.»Iſt die Hinterlegung von einem Vor⸗ „munde, einem Ehegatten, oder Verwalter in einer von „dieſen Eigenſchaften geſchehen, ihre Geſchaͤftsführung oder „Verwaltung iſt aber geendiget, ſo kann das anvertraute „Gut nur der Perſon zurückgegeben werden, welche dieſer „Vormund, dieſer Ehegatte oder Verwalter vorſtellte⸗« iM. Buch. XI. Ci Von dem Hinterleguugs⸗Contracte. ₰ Ganz natuͤrliche Ausnahmen von der im Art. 1937 auf⸗ geſtellten Regel, welche man vermittelſt dieſer beyden Artikel ausdrücken zu müſſen glanbte. Art. 1042.„Iſt in dem Hinterlegungs⸗Contracte der »Drt beſtimmt, wo die Zuruͤckgabe geſchehen ſoll, ſo iſt der „Depoſitar gehalten, die bey ihm hüterlegte Sache dahin »zu bringen. Die etwa hiezu erforderlichen Koſten der Ue⸗ „berbringung fallen dem Deponenten zur Laſt.« Art. 1943.»Iſt in dem Contracte kein Ort für die „Zuruͤckgabe beſtimmt, ſo muß ſie an eben dem Orte ge⸗ »ſchehen, wo die Hinterlegung geſchehen war.« Nach der F. 12, H muß das Depoſitum an dem Orte, wo es ſich findet, ohne Argliſt des Depoſitars, und ohne Rückſicht auf den Drt, wo die Sache in Verwahr gegeben worden iſt, zurückgegeben werden; iſt die Uebereinkunft ge⸗ troffen worden, daß es an einem gewiſſen Orte wiedergege⸗ ben werden ſoll, ſo muß der Deponent die Koſten der Ue⸗ berbringung zahlen. Fallen dieſe Koſten dem Deponenten zur Laſt, ſelbſt dann wenn ausbedungen worden iſt, daß das Depoſitum an einem beſtimmten Orte zusuckgegeben werden ſoll, ſo müßte es ſich meines Erachtens, eben ſo verhalten, wenn der Depoſitar ohne böſe Abſicht ſeinen Wohnort ver⸗ ändert hat, denn, da er einen uuentgeldlichen Dienſt erzeigt, ſo muß er doch auch nicht, sine dolo et lata culpã, im Verluſte ſeyn. Art. 1944.» Anvertrautes Gut muß dem Deponenten, »ſo bald er es fordert, zurtckgegeben werden, ſelbſt dann, „wenn in dem Contracte eine beſtimmte Friſt zur Weder⸗ „auslieferung feſtgeſtellt ſeyn ſollte, der Depoſitar habe dann „einen Arreſt oder eine Dppoſition vider die 3urüctgabe oder „die Verſetzung der hinterlegten Sache an einen andern Ozt, „in Händen.« Dieſer Artikel ſtimmt mit der T. 7, F. 45 und 46, H 1. überein. Oui depouit, quamvis ad tempus, potest mutatd voluntate depositum reposcere; quia, wie Faber ſagt, non vibi sed deposit ario legem diæit. 20 1II. Buch. Xl. Lit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete. Kann aber auch der Depoſitar ſich nach Belieben der hinterlegten Sache entledigen? Der Caſſations⸗Hof war in ſeinen Bemerkungen dieſer Meinung; das nehmliche entſchied auch der Artikel 1060 des Geſetzbuches, welches der Prinz Cambaceres entworfen hat. Unſer Artikel ſchweigt indeſſen hievon. Die PT. 5,§. 2 und 7, F. h. entſcheiden, daß der Depoſitar nicht befugt ſey, ſich des Depoſitums zur Unzeit zu entledigen, nisi e Justissimd causd; und dieß nach der bekannten Regel: voluntatis est uscipere manda- tum, necessitatis consummare. An dieſen Geſetzen muß man ſich, meiner Meinung nach, halten⸗ Art. 1045.»Ein ungetreuer Depoſitar wird zu der „Rechtswohlthat der Gliterabtretung nicht zugelaſſen.« Dieß war auch in der alten Jurisprudenz angenommen⸗ S. die Anmerkungen zum Art. 1270. Art. 1046.»Die Pflichten des Depoſitars hören ohne „Unterſchied auf, wenn er entdeckt und beweiſt, daß die „hinterlegte Sache ihm ſelbſt zugehoͤrt.« Stimmt mit der T. 31, F. 1 h. h⸗ überein. Sie ſetzt noch hinzu, er könne das Depoſitum zurückfordern, wenn er es wiedergegeben haͤtte⸗ Vierter Ab ſchnitt⸗ Von den Pflichten des Deponenten Art. 1947.»Der Deponent iſt ſchuldig, dem Depoſi⸗ „tar die auf die Erhaltung der hinterlegten Sacht von ihm ver⸗ „wendeten Koſten zu erſetzen, und ihn für allen Verluſt, „den das Depoſitum ihm verurſacht haben mag, zu ent⸗ „ſchädigen.« Art. 1048.»b Der Depoſitar iſt berechtiget, bis zu ſei⸗ „ner volligen Befriedigung fuͤr das, was ihm in Hin⸗ „ſicht des Verwahrungé⸗Vertrags gebührt, das anvertraute „Gut zurückzubehalten.« Dieſe beyden Artikel ſtimmen mit den TT. 5 und 23, ₰ R. überein⸗ Ii. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛe. 21 .. Fünfter Abſchnitt. Von der abgenöthigten Hinterlegung. Art⸗. 1940.„Eine abgenöthigte Hinterlegung iſt dieje⸗ „nige, wozu man durch irgend einen Zufall, wie z. B⸗ durch „eine Feuersbrunſt, durch Eimſturz und Zerſtörung, durch „Plünderung, Schiffbruch oder eine andere unvorgeſehene „Begebenheit gezwungen worden iſt.« Necessitate deponit, qui nullam causam deponendi habet, huam imminens periculum. tunc crescit perfi- diæ crimen utilitate publicd coercendum. P. 1, F. 3 und Art. 19350.„Um eine abgendoͤthigte Hinterlegung zu „erweiſen, koͤnnen auch Zeugen zugelaſſen werden, ſelbſt dann, „wenn von einem Werthe uͤber hundert fünfzig Francs „die Rede iſt.« S. den Art. 3 Tit. 20 der Ordonnanz von 1667. Bey dieſem Artikel wirft Rodier die Frage auf, wem von beyden, dem Deponenten eder dem Depoſitar, im Falle einer abgenoͤthigten Hinterlegung das Juramentum in litem aufgetragen werden müſſe, um zu wiſſen, worin das Depo⸗ ſitum beſtanden habe. Bey einer Feuers⸗Brunſt, z. B⸗, uͤbergab Peter dem Johann ein Käſichen, und es entſteht die Frage was darin enthalten war. Entweder, ſagt Rodier, hat Johann eingeſtanden, dieſes Kaͤſtchen empfangen zu haben, oder er hat es geläugnet, uud es iſt durch Zeugen erwieſen worden, daß es ihm einge⸗ haͤndigt worden ſey. Im erſten Falle muß der Eid dem Johann, im zweyten Falle aber dem Peter aufgettagen wer⸗ den, weil Johann ſchon wirklich einer Unredlichkeit überfuͤhrt iſt. Uebrigens zeigt Rodier ſehr gruͤndlich den Unterſchied, der zwiſchen einem Depoſitar, dem bey einem unvorgeſehenen Ungluͤcks⸗Falle aus Noth etwas in Verwahr gegeben wird, und einem Gaſtwirthe vorhanden iſt, wovon die folgenden Artikel reden; dieſer treibt ſein Gewerb, um zu gewinnen⸗ IV. Mallev⸗ 6 32 1MI. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛe. jener leiſtet bloß den Dienſt eines Freundes, welchen er verweigern konnte⸗ Art. 1051.„Im übrigen wird eine abgenöthigte Hin⸗ „terlegung nach allen den hier oben feſigeſetzten Regeln be⸗ „prtheilt.« Art. 1032.„Wirthe oder Gaſigeber ſind als Depoſi⸗ tare fuͤr die Effecten verantwortlich, welche ein Reiſender, „den ſie beherbergen, bey ihnen eingebracht hat. Die Hin⸗ „terlegung ſolcher Effecten iſt als ein abgenöthigtes Depo⸗ „ſitum anzuſehen.» S. den Abſchn. 2, Cap. 3 des Titels vom Mieth⸗Con⸗ tracte, und den Art. 4 des Tit. 20 der Ordonnanz von 1667. Da unſer Artikel ſagt, daß die Hinterlegung, die bey den Gaſtgebern geſchieht, als ein abgenöthigtes Depoſitum jan⸗ geſehen werde, ſo gibt er dadurch zu verſtehen, daß der Be⸗ weis duſch Zeugen darüber angenommen werden könne; auch in der Ordonnanz hieß es, es ſey ihre Abſicht nicht, in An⸗ ſehung ſolcher Hinterlegungen den Beweis durch Zeugen aus⸗ zyſchließen, welcher von dem Richter nach der Beſchaf⸗ fenheit der Perſonen, und den eintretenden That⸗Umſtan⸗ den verordnet werden koͤnnte. Die nehmliche Ausnahme ſetzen alle Schriftſteller der allgemeinen Regel in der Materie vom Beweiſe hinzu. S. Rodier a. a. O. welche ein Reiſender, den ſie beherbergen, bey ihnen eingebracht hat. Bey einem ähnlichen Ausdrucke, der im ſchon angeführten Art. 4 vorkommt, bemerkt Rodier, daß keinem andern, als Reiſenden, die im Gaſthofe beherbergt werden, der Beweis durch Zeugen erlaubt ſey. Da die Gottung und die Quantität der in den Gaſthof eingebrachten Gegenſtaͤnde, hauptſächlich das Geld, welches in einem Felleiſen enthalten war, ſelten durch Zeugen erwie⸗ ſen werden kann, ſo wird in der Praxis dem Reiſenden, bis zum Betrage einer Summe, die der Richter über die Quan⸗ tität des geſtohlenen Geldes, oder ſonſtiger geſtohlenen Effec⸗ ten beſtimmt, das Juramentum jin litem aufgetragen. S⸗ m. Buch Kl. Lit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete ꝛc. 33 den Art. 1360. Rodier a. a. O. Serres, p. 433; Panti in ſeinem Commentar über Boiceau ꝛc. Sogar bemerkt Rodier, daß oft dem Reiſenden auf ſei⸗ nen Eid gealaubt werde, wenn er ſchon keinen Beweis des Diebſtahls beyhringt, vorausgeſetzt, daß er à) in ſehr gutem Rufe ſtehe, und b) der Gegenſtand des Diebſtahls nicht be⸗ trächtlich ſeyn. Das Nehmliche behauptet Rousseau. Fr. Hö- telier n. 6.*) Art. 1053.„Sie haſten fuͤr Diebercy oder Beſcho di⸗ „gung an den Effecten der Reiſenden, ſowohl wenn das „Geſinde und diejenigen, welche der Wirthſchaft in dem „Gaſthofe vorgeſetzt ſind, als auch wenn Fremde, die in ddem Gaſthofe aus⸗ und eingehen, den Diebſtahl begangen soder den Schaden verurſacht haben.» Daß Gaſtwirthe fur das Factum ihrer Kinder, ihres Hausgeſindes und deren, die ſie der Wirthſchaft vorgeſetzt haben, verantwortlich ſind, iſt keinem Zweifel unterwo'fen; ausdrücklich verordnet dieſes der F. 3, Inst. de oblig. quæ quast eæ delicto; ob ſie aber auch fuͤr das Factum der uͤbrigen Reiſenden, die im Gaſthofe beherbergt werden, verz antwortlich ſeyen, dieſe Frage war ſchwieriger. Es gibt hier⸗ *) Die Strenge der in dieſem Abſchnitte feſtgeſetzten Regeln iſt übrigens auf die Effecten nicht auwendbar, die Jemand bey ſei⸗ ner Abreiſe aus dem Gaſthofe dem Wirthe zum Aufbewahren zurückläßt. In Anſehung ſolcher Sachen; ſagt Anblet de Mau- puy in ſeinem Traité des depét p. 206, wird er zu einem frep⸗ willigen Depoſitar, weil dieſes eine bloß freywillige Handlung von Seiten der Parteyen iſt; der Gaſtwirth wird nur Depoſitar, weil er will; das Zutrauen, welches man ihm in dieſei Falle ſchenkt, iſt keine Folge ſeines Gewerbes. Sr iſt zu weiter nichts als zu den Verbindlichkeiten eines freywilligen Depo⸗ ſitars gehalten, und wenn über die Zuruͤckgabe des Depo⸗ ſitums Schwierigkeit entſteht, ſo kommt es einzig auf ſeine Ey⸗ klärung an⸗ B. 16 UI. Buch. Kl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete ꝛe. über Geſetze, die ſchwer zu vereinigen, und Parlaments⸗Ur⸗ theile, die ſich einander entgegen ſind; unſer Artikel iſt der allgemeinſten Praxis beygetreten. S. Ronsseau. V. Höte- lier, n. 2. S. ebenfalls den folgenden Artikel.*) *) Haften Gaſtwirthe auch fuͤr die Unglücks⸗Fälle, die den Pferden zuſtoßen, welche ſie in ihre Staͤlle aufnehmen? Hieruͤber führt Herr Merlin im Repertoire de Jurispr. N. Pommage; folgenden Fall an:„Die Handelsleute Dolle und Favier vertrau⸗ ten während mehrerer Jahre dem Brun ein Pferd an, welcher Pferde und Maul⸗Eſel gegen einen gewiſſen Lohn ſür jeden Tag, ſowohl für die Bewohner der Stadt als auch für Fremde in ſeinem Stalle beherbergte. In der Nacht vom 6. auf den„ten May 1776 wurde dieſem Pferde, welches im Stalle an die nehm⸗ liche Raufe hingeſtellt war, woran auch die übrigen Pferde ge⸗ bunden wären, der linke Schenkel durch einen Fußtritt zerbro⸗ chen, den ihm ein nebenſtehendes Pferd gab. Die Kaufleute ließen hierüber durch einen Polizey⸗Commiſſaͤr einen Verbal⸗Pro⸗ zeß abfaſſet, belangten den Brun, und erhielten gegen ihn ein Urtheil, wodurch er angewieſen wurde, ihnen den jm Verbal⸗ Prozeſſe beſtimmten Werth des Pferdes mit 0o Liv. zu erſetzen, falls er es nicht dienlich erachten wuͤrde, das Pferd von neuem durch Sachverſtaͤndige ſchätzen zu laſſen. Brun appellirte von dieſem Urtheile. Ich kann nicht, ſagte er, für einen unglücks⸗ Fall haften, woran ich nicht Schuld bin. In Grenoble iſt es nicht gebräuchlich, Bretter anzubringen, die die Pferde vonein⸗ ander abſondern; dieſes bezeugen alle Gaſtwirthe. Oft haben ohnehin die Kläger ſelbſt ihr Pferd mitten unter den übrigen in meinem Stalle angebunden, ohne dieſe Vorſichts⸗Maaßregel zu verlangen; die Gefahr des Ausſchlagens haben ſie alſo wohl über⸗ nehmen wollen. Nur in ſo fern koͤnnte das Ereigniß mir zur Laſt gelegt werden, als man mir einige Nachläßigkeit in Betreff der bey Pferden gewoöhnlichen Sorgfalt vorwerfen könnte; allein, ich habe alles gethan, was der Gebrauch mit ſich brachte. Hier tritt alſo die Regel ein: Res perit domino. So gar lgeht dieſes aus der T. ult. V) ad leg. Aqul. hervor, die im Falle eines ge⸗ liehenen Pferdes entſcheidet, daß der Commodatar fuͤr den Fuß⸗ tritt nicht verantwortlich ſey, den das Pferd von einem andern unterweges angetroffenen Pferde bekommen hat; eine Entſchei⸗ dung die auf den Gaſtwirth um ſo mehr anwendbar iſt, da er mehr Beguͤnſtigung verdient, als ein Commodatar. In der That, iſt der Leihe⸗Contraet ganz zum Vortheile des Commo⸗ — III. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete ꝛe. s Art. 1954.„Sie haften nicht fuͤr Diebſtaͤhle, die mit „gewaffneter Hand oder ſonſt durch höhere Gewalt veruͤbt worden ſind.⸗ Stimmt mit der F. 3, F. 1, nautæ, caup. überein. Es könnte ſcheinen, als wenn aus dieſem Artikel her⸗ vorgienge, daß die Gaſtwirthe für jeden andern Diebſtahl als denjenigen haften, welcher mit bewaffneter Hand oder durch hoͤhere Gewalt verübt worden iſt, ohne daß der Rei⸗ ſende nöthig habe zu beweiſen, wer den Diebſtahl verübt habe; wirklich führen auch Maynard, T. 8, ch. 83, und Laroche, liv. 6, chap.§7, Parlaments⸗Urtheile an, wo⸗ durch Gaſtwirthe für Diebſtähle verantwortlich erklaͤrt wur⸗ den, welche von fremden Dieben, die des Rachts von außen hereingekommen ſind, waren verübt worden. Freylich tadelt Serres, p. 453 dieſe Entſcheidungen, es ſey dann, daß die Thuͤren oder Mauern des Gaſthofes nicht in gutem Stande datars, wogegen der Contraet, der ſich zwiſchen dem Gaſtwirth und dem Eigenthümer des Pferdes bildet, für beyde Contrahen⸗ ten in gleichem Maße vortheilhaft iſt: auch erklaͤrt das Geſetz den Commodatar für das leichteſte Verſchulden verantwortlich. Da nun der Commodatar für das Ausſchlagen des Pferdes nicht verantwortlich iſt, ſo iſt dieß ein Beweis, daß ein ſolcher Un⸗ glucksfall nicht einmahl als die Wirkung des leichteſten Verſchul⸗ dens angeſehen wird.— Dolle und Favier ſtützten ſich einzig auf die im Litel der Pandecten und des Codex: Mautæ, cau- pones, Stahularti erc. enthaltenen Geſetze, die nur damnem ſaral⸗ zu Gunſten der Gaſtwirthe ausnehmen, welches ſie unmoͤglich vorherſehen und verhindern können, und ſchloſſen hieraus, daß, da das in Frage ſtehende Ereianiß durch ganz einfache Vorſichts⸗ Maßregeln, und die ein kluger Hausvater zu ergreifen ſich zur Pflicht macht, habe verhindert werden koͤnnen, Brun für ſeine Nachläßigkeit und zwar um ſo mehr haften müſſe, da er bloß ſeines eigenen Vortheiles wegen, und um deſto mehrere Pferde in ſeinen Stall ſtellen zu können, einen Stand⸗Baum darin an⸗ zubringen unterlaſſen habe. Am 3. December 1776 beſtätigte dieſemnach das Parlament von Grenoble das vorige Urtheil. B. 36 UI. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contraete ꝛr. wären, oder gar der Wirth einigen Verdacht gegen ſich hätte, daß er Mitſchuldiger ſey. Hier iſt es indeſſen weniger darum zu thun, was vor Verkündigung des Geſetzbuches entſchieden oder gelehrt wor⸗ den iſt, ſondern es fragt ſich, welches der Sinn der beyden Artikel 1933 und 1954 ſey⸗ Was mich betrifft, ich bin der Meinung, daß der Ausdruck, Fremde, die in dem Gaſthofe aus- und eingehen, ſich auf Diebe, die ſich heimlicher Weiſe in ein Gaſi⸗ haus einſchleichen, nicht anwenden laſſe; daß es aber auch anderer Seits daraus, daß nach dem Inhalte des Art⸗ 1934 die Gaſtwirthe für die mit bewaffneter Hand verübten Diebſtähle nicht verantwortlich ſind, nicht folge, daß ſie für jeden andern Diebſtahl verantwortlich ſeyen. Dieſer Artikel macht nur eine Ausnahme, welche die Regel ſo, wie ſie gufgeſtellt worden iſt, beybehält. Kurz, ich bin der Meir nung des Serres. D Von der Sequeſtration⸗ Erſter Ab ſchnitt. Von den verſchiedenen Gattungen der Sequeſtration. Art. 1955.„Die Segueſtration geſchieht entweder zu⸗ „folge eines Vertrags, oder ſie wird vom Gerichte verordnet⸗ Zweyter Abſchnitt⸗ Von der Sequeſtration, welche zu Folge eines Vertrags geſchieht. Art. 1956.„ Die Sequeſtration, welche zu Folge eines „Vertrags geſchieht, iſt die von einer oder von mehrern Per⸗ ſonen vorgenommene Hinterlegung einer ſtreitigen Sache in die Haͤnde eines Dritten, der ſich verpflichtet, nach geen⸗ „digtem Streite ſie demjenigen wieder auszuliefern, dem ſie „zuerkannt wird.« Von einer oder von mehrern Pperſonen. In der L. 110, F de Verb. Sign heißt es im Gegentheile: Sehuester dici- tur, apud quem plures eamdem rem de qud controversic — MI. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte ꝛe. 37 est, deposuerunt. In der That wird auch in dieſem Sinne das Wort in der Praxis verſtanden, und eine Sequeſtratton⸗ die bloß von einem der ſtreitenden Theile geſchieht, wäre wohl anders nichts, als ein bloßes Depoſitum. Art. 1957.»Die Sequeſtration kann gegen oder ohne „Entgeld geſchehen.« Gewöhnlich bekommt der Sequeſter einen Lohn. Art. 1938.„Geſchieht ſie ohne Entgeld, ſo ſteht ſie „unter den Regeln des eigentlich ſogenannten Hinterlegungs⸗ „Contractes, mit Vorbehalt der hier unten ausgedruckten «Abweichungen.« Art. 1959.„Die Sequeſtration kann nicht nur beweg⸗ „liche Sachen, ſondern ſelbſt Immobilien zum Gegenſtande „haben. So gar heißt es im eigentlichen Sinne eine Sequeſtration, wenn Immobilien in Verwahr gegeben werden. Art. 1060.»Der Depoſitar, dem die Aufbewahrung einer ſequeſtrirten Sache anvertraut iſt, kann vor Beendi⸗ „gung des Streits von der übernommenen Verbindlichkeit «nur mit Bewilligung aller Intereſſenten oder wegen einer fur „rechtmäßig anerkannten Urſache befreyt werden.« Dieſer Artikel'gab zu einer langen Discuſſion Anlaß⸗ weil man ſich nicht recht verſtand. Zwey Perſonen, die auf die nehmliche Sache Anſpruch machen, geben ſie mit beyderſeitiger Einwilligung einem an⸗ dern in Verwahr; ein Dritter kommt daruͤber, und behauptet, die Sache gehöre ihm zu, können die beyden Erſtern ſie ohne Einwilligung dieſes Dritten aus den Haͤnden des Segueſters zuruͤcknehmen?2 Zuerſt muß man folgende Fälle unterſcheiden; entweder hat der Dritte beym Sequeſter eine Dppoſition gegen die Herausgabe der Sache, oder einen Arreſt darauf angelegt, oder nicht; im erſten Falle darf Zweifelsohne der Sequeſter nicht ohne Einwilligung des Dritten die Sache den Erſtern zuruͤckgeben; er kann es aber im zweyten Falle. ss8 IM, Buch. Fl. Tit. Von dem Hinterle sungs⸗Contraete ze. Inzwiſchen machte man im zweyten Falle einen fernern Unterſchied, und ſagte: war zur Zeit der Sequeſtration die Streitigkeit über das Eigenthum der Sache ſchon bey Gerichte anhaͤngig gemacht, oder iſt ſie nachher anhän⸗ gig gemacht worden, ſo darf der Sequeſter die Sache nur mit Einwilligung aler Parteyen, oder zu Folge ei⸗ ner Ordonnanz des Richters abliefern. Ein Sequeſter, ſagte man um dieſe Behauptung durchzuſetzen, ein Sequeſter, der mittelſt eines Vertrages angeordnet wird, unterſcheidet ſich von einem gerichtlichen Sequeſter bloß darin, daß der Erſtere von den Parteyen, der Letztere aber vom Richter ernannt wird; wird aber eine ſtreitige Sache in Verwahr gegeben, ſo gehen beyde Sequeſter ebenfalls einen Contract mit der Juſtitz ein, und der Sequeſter, der mittelſt eines Vertrages angeordnet wurde, wird zu einem gerichtlichen Sequeſter. Man muß alſo in unſerem Artikel auf dieſe zwey Aus⸗ druͤcke; ſtreitige Sache, und Intereſſenten wohl acht geben; unter dem letztern Ausdrucke hat man nicht nur die Parteyen, die die Sache in Verwahr gegeben haben, ſondern auch die⸗ jenigen verſtanden, denen an ihrer Erhaltung gelegen iſt. Mit der Reinheit der Grundſaͤtze möchte zwar dieſes nicht vollkom, men übereinſtimmen, den Fall ausgenommen, wo eine ge⸗ ſtohlene Sache in Verwahr gegeben worden waͤre; es ſcheint aber, daß man den Artikel auf dieſe Art verſtehen muß.⸗ Was übrigens der Artikel ſagt, daß der Sequeſter aus einer rechtmaͤßigen Urſache von ſeiner Verbindlichkeit befreyt werden könne, hierüber ſehe man den Art. 1944. W Pon der gerichtlich angeordneten Sequeſtration oder Hinterlegung. Art. 1961.„ Das Gericht kann befehlen, daß ſeque⸗ *ſtrirt werden, 1)„Die bey einem Schuldner gepfändeten Mobilien; 2)„Die unbewegliche oder bewegliche Sache, deren c III. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte. 39 „Eigenthum oder Beſitz unter zwey oder mehrern Perſonen „ſtreitig iſt; 3)»b Die Sachen, die ein Schuldner anbiethet, um ſich »von ſeiner Schuld zu befreyen.« Ueber die gerichtlichen Sequeſtrationen ſehe man den Tit⸗ 19 der Ordonnanz von 1667. Beym Art. 1 eben dieſes Titels zeigte Rodier noch an⸗ dere Faͤlle an, worin die Richter befugt waren, eine Se⸗ queſtration zu verordnen; dieſe Befugniß, ſagt er, haben ſie z. B. a) in Hinſicht des Brautſchatzes einer Frau, wenn ihr Mann ein Verſchwender iſt, und bis ihre Klage auf Se⸗ paration durch ein Urtheil beendigt wird; b) in Hinſicht einer beweglichen Sache, wenn Verdacht vorhanden iſt, daß der Beſitzer ſie waͤhrend des Vindications⸗Proze ſſes umſchaffen oder verbergen werde; c) in Hinſicht eines Pferdes oder ei— nes andern verkauften Thieres, waͤhrend des Streites über den Verkauf, oder während der redhibitoriſchen Klage. Mehrere andere Faͤlle, ſetzt Rodier hinzu, gibt es noch, worin den Richtern die nehmliche Befugniß zuſteht, und ich maße mir nicht an, ſie alle aufzuzaͤhlen. Auch heißt es im Art. 2 des angeführten Titels der Ordonnanz, daß die Sequeſtration verordnet werden koͤnne, im Falle die Richter glauben, daß Nothwendigkeit vorhanden ſey, es zu thun. Dieß vorausgeſetzt, bin ich der Meinung nicht, daß die Verfügung unſeres Artikels auf die darin ausgedruckten Fälle durchaus eingeſchränkt werden müſſe. Art. 1962.„Die Anſtellung eines gerichtlichen Ver⸗ wahrers begründet unter demjenigen, der die Pfändung erwirkt „hat, und dem Verwahrer gegenſeitige Pflichten. Der Ver⸗ wahrer muß für die Erhaltung der gepfändeten Effec⸗ *ten als ein guter Hausvater Sorge tragen⸗ „Er muß ſie zurückliefern, entweder zur Entlaſtung des⸗ «jenigen, der die Pfändung bewirkt hat, damit ſie verkauft werden, oder demjenigen Theile, wider den die Execution — 9 MI. Buch. Xl. Tit. Von dem Hinterlegunss⸗Contracte. „geſchehen war, wenn die Pfandung wieder aufgehoben wor⸗ „Die Verpflichtung deſſen, der die Pfandung bewirkt hat, „beſteht darin, daß er dem Bewahrer den im Geſetze be⸗ „ſtimmten Lohn auszahle. Ueber die wechſelſeitigen Verbindlichkeiten des Sequeſters, und deſſen, der die Pfändung bewirkt hat, muß man den LTit. 20 der Ordonnanz nachſehen.*) Art. 1963.„Die von Gerichts wegen ſequeſtrirte Sache „wird entweder einer Perſon anvertraut, welche die Intereſ⸗ „ſenten gemeinſchaftlich gewaͤhlt haben, oder einer Per⸗ ſon, welche der Richter von Amts wegen hiezu ernannt hat. „In einem wie im andern Falle hat derjenige, dem die „Sache anvertraut worden iſt, alle die Verpflichtungen zu „erfüllen, welche die vertragsmäßige Sequeſtration mit „ſich führt.» Wird der Sequeſter von den Parteyen ernannt, ſo ſteht es ihnen frey, dazu dieſe oder jene Perſon zu wählen, die ſie fuͤr gut finden; ernennt ihn aber der Richter von Amts wegen, ſo darf er, nach dem Art.§ des angeführten Tit⸗ 20 keinen ſeiner Verwandten oder Verſchwägerten, bis zum Grade der Geſchwiſter-Kinder einſchließlich, dazn ernennen, und zwar unter Strafe der Nichtigkeit, einer Geldbuße von 100 Liv., und, falls der Sequeſter inſolvent ſeyn ſollte, den Parteyen für Schaden und Intereſſe perſönlich zu haften. *) Was die Hüter(Gardiens) betrifft, die über gepfaͤndete Mobi⸗ lien angeſtellt werden, ſehe man die Art. 396/ 397 598 600, 603, 604 60 und 6os des Geſetzbuches ü. d. r. V⸗ j. C. S. B. IM. Buch. Fll. Tit. Von gewagten Geſchäften ꝛe.§1 e Von gewagten Geſchaͤften, Gluͤcks- oder Hoff⸗ nungs⸗Vertraͤgen. (Decr. den 10. Maͤrz 160 ½ Promulgirt den zo des nehml. Mon.) (S. den Tt. 5 des B. 11 der Pandecten, und den Tit. 43 des B. 3 im Codey.) Art. 1064.»Ein Glucks⸗oder Hoffnungs-Vertrag iſt „eine gegenſeitige Uebereinkunft, deren Wirkungen, in An⸗ „ſehung des Gewinns und Verluſtes, entweder für alle Par⸗ *teyen oder für eine oder mehrere aus ihnen von einer unge⸗ „wiſſen Begebenheit abhangen. „Dergleichen ſind, Der Aſſecuranz⸗Contract; Das Darlehen auf Bodmerey; Das Spiel und die Wette; Der Leibrenten⸗Contract. „Die beyden erſten werden nach den Seegeſetzen beurtheilt.*) Erſtes Capitel. Von dem Spiele und jder Wette. Art. 1965.„Das Geſetz geſtattet keine Klage wegen einer Spielſchuld oder wegen Zahlung einer Wette.⸗ Dieſer Artikel ſtimmt mit der alten Jurisprudenz uͤberein. S. Rousseau, V. Gagenre und die daſelbſt von ihm ange⸗ führten Schriftſteller. Die römiſchen Geſetze giengen weiter, und verbothen bey Hazard⸗Spielen um Geld zu ſpielen. Fenatus- Consultum vetuit in pecuniam ludere,(T. 2, F. 1„N de aleatorib.) et Sponsionem facere. E 3, eod. Nur erlaubten ſie um *) Ueber die Bodmerey⸗ und Aſſccuranz⸗Contraete lſehe man die Lit. 9 und 10 des B. 2 des Handlungs⸗Geſetzbuches. B. 92 M. Buch. XlI. Tit. Von gewagten Geſchäften ꝛe. etwas zu ſpielen, was gegeſſen wird, quod in convinio ves- cendi causd ponitur. T. ult. H eod, Die einzige Ausnahme, die man vom allgemeinen Ver⸗ bothe um Geld zu ſpielen, annahm, iſt diejenige, die man im folgenden Artikel antrifft, und die noch uberdieß ſehr be⸗ ſchränkt iſt. Unſere alten Drdonnanzen ſtimmten mit den römiſchen Geſetzen uͤberein; jene von 1629 insbeſondere, erklärte alle Spiel⸗Schulden, ſo wie auch alle Verbindlichkeiten und Schuld-Bekenntniſſe, die auf der nehmlichen Urſache beruh⸗ ten, für nichtig, ſie mochten uͤbrigens eingekleidet ſeyn, wie ſie immer wollten. Dieſen letztern Ausdrücken gemaͤß wurde angenommen⸗ man könne durch Zeugen beweiſen, daß ein Schuldſchein, wenn er auch die Summe von 100 Liv. uͤberſtieg, aus einer Spiel⸗Schuld herruͤhre, um ihn dieſem zu Folge für nichtig erklären zu laſſen. Im Journal des audiences findet man hieruͤber ein Urtheil des Parlementes von Paris vom Zo⸗ Julius 1693, und bey Lapeyrère, V. Jeu ein anderes, wo⸗ durch das Parlament von Bordeaur das Nehmliche entſchie⸗ den hat. Herr Portalis ſagt in ſeiner Rede ans Geſetz⸗ gebungs⸗Corps, daß eben dieſes auch noch wirklich Statt haben müſſe. Art. 1066.„Spiele, die dazu geeignet ſind, um im „Gebrauche der Waffen zu üben, Wettrennen zu Fuß oder „zu Pferde, das Wettfahren, das Ballſpiel, und andere „gleichartige Spiele, wobey es auf Gewandtheit und Leibes⸗ „Uebung ankommt, ſind von der vorhergehenden Verfügung „ausgenommen⸗ Das Gericht kann gleichwohl die Klage verwerfen, wenn „ihm die Summe uͤbermaͤßig zu ſeyn ſcheint⸗» Das war auch ehemahls in der Praxis angenommen, wie Rousseau, Despeisses, Mornac, etc. bezeugen Bey den Roͤmern war indeſſen die Summe, um welche man ſogar bey dieſen Spielen ſpielen durfte, beſtimmt⸗ Modo IM. Buch. XII. Tit. Von gewagten Geſchäften ꝛe. 92 ditiores non ultrò unum numisma ad singulos congressus aut vices.. Cateri minori pecunid. T. 1, Cod. de alect. Unſer Artikel ſagt übrigens nicht, was man wohl be⸗ merken muß, das Gericht ſey befugt, den Gegenſtand der Klage, wenn er ihm übermäßig zu ſeyn ſcheint, herabzuſe⸗ tzen, ſondern es könne die Klage verwerfen. ²) Art. 1967.„In keinem Falle kann der verlierende Theil das, was er freywillig gezahlt hat, zuruͤckfordern, es habe »dann von Seiten des Gewinnenden eine Argliſt, Betrug „oder Gaunerey Statt gefunden.» Dieſes iſt gegen die ſchon angeführte T. 1, Cod. welche nicht nur erlaubte, das Gezahlte zurückzufordern, ſondern ſogar vorſchrieb, daß, wenn der Verlierende es nicht zuruͤck⸗ forderte, der Biſchof oder der Vorſteher der Stadt es zum Vortheile der Armen thun ſollten. Uebrigens lehrt zwar Lapeyrère, lett. J, n, 1. nach der Meinung Schneidewins, wenn ein Domeſtik das ſeinem Herrn zugehoͤrige Geld im Spiel verliere, ſo ſey der Herr befugt, es von dem, der es gewonnen hat, wiederzufordern; allein dieſe Entſcheidung kann heut zu Tage nicht mehr he⸗ folgt werden. Zweytes Capitel. Von dem Leibrenten⸗Contracte. Erſter Abſchnitt⸗ Von den Bedingungen, welche zur Gültigkeit des Contraetes erforderlich ſind. Dieſer Eontract wurde unter zwey Geſichts⸗Punkten, der Moral nehmlich und der Staats⸗Wirthſchaft, ſtark getadelt; * Iſt die Summe übermäßig, ſo hatte man weniger die Abſicht, ſeine Geſchicklichkeit in einer nuͤtzlichen Uebung zu zeigen, als ſich auf Koſten derjenigen, gegen die man ſpielte, zu bereichern. Man ſehe übrigens bey dieſer Materie den Traité du Jeu von Barbeyrac, und jenen des Contrats aleatoires von Pothier. B. 94 m. Buch. Rl. LTit. Von gewagten Geſchaͤften ꝛe. in der erſten Hinſicht ſagte man, er beguͤnſtige den Egoismus und die Faulheit; und in der zweyten Hinſicht wurde bemerkt, er biethe einem Menſchen die Mittel dar, zum Voraus dasje⸗ nige aufzuzehren, was zum Unterhalte einer Familie dienen Herr Portalis rechtfertigte ihn indeſſen, indem er bemerkte, man muͤſſe ihn zuoerlaͤßig verwerfen, wenn er nur ähnliche Wirkungen hervorbraͤchte; dagegen finde aber auch das durf⸗ tige Alter, und der in ſeinen Gluͤcks⸗Speculationen betro⸗ gene Ungluͤckliche eine Hülfs⸗Quelle in ihm; uͤberdieß ſey dieſerContract ein neues Erwerbungsmittel, und jedem müſſe man die Freyheit laſſen⸗ ſein Vermdgen ſo zu gebrauchen, wie es ihm am nützlichſten zu ſeyn ſcheine⸗ Hier iſt, wie man leicht einſieht, der Ort nicht, eine Frage von ſolcher Wichtigkeit gründlich abzuhandeln. Art. 1068.»Eine Leibrente kann unter einem läſtigen „Titel(gegen Entgeld) für eine Summe Geldes, oder für „eine bewegliche Sache, die ſich zu einem Werthe anſchla⸗ „gen laßt, oder für ein liegendes Gut errichtet werden⸗« Art. 1969.„ Sie kann ebenfalls unter einem durchaus „wohlthätigen Titel, durch eine Schenkung unter Lebenden „oder durch Teſtament beſtellt werden⸗ Alsdann ſind aber „die von dem Geſetze vorgeſchriebenen Formen hiebey zu „beobachten⸗“ D. h. die Urkunde, wodurch die Rente errichtet wird, muß mit den für die Schenkungen unter den Lebenden, oder für die Teſtamente vorgeſchriebenen Formalitäten verſehen werden⸗ Art. 1970.»In dem Falle des vorhergehenden Artikels „iſt die Leibrente der Reductivn unterworfen, wenn ſie den „Theil des Vermögens überſteigt, worüber zu verordnen er⸗ „laubt iſt; ſie iſt ungültig, wenn ſie zum PVortheile einer „Perſon beſtellt wird, die unfähig iſt ein Vermächtniß oder „eine Schenkung zu empfangen.“ Art. 1971.„Die Leibrente kann au „desjenigen, der dafür den Preis hergibt, o f die Lebenszeit der auf die Le⸗ 1u. Buch. Kll. Tit. Von gewagten Geſchäften ꝛc. 55 „benszeit einer dritten Perſon, die zu ihrem Genuſſe kein „Recht hat, errichtet werden.« D. h. ich kann ausbedingen, daß mir eine Rente ſo lange ausbezahlt werden ſoll, als der Peter z. B. leben wird. Art. 1972.»Sie kann auf die Lebenszeit einer oder »mehrerer Perſonen beſtellt werden.« Art. 1973.»b Sie kann zum Vortheile eines Dritten »beſtellt werden, obſchon eine andere Perſon den Preis da⸗ „für hergegeben hat.« »In dieſem letztern Falle iſt ſie, obſchon ſie die Merk⸗ „mahle einer Freygebigkeit hat, den Formen nicht unterwor⸗ „fen, welche bey Schenkungen erfordert werden, jedoch mit „Vorbehalt der im 1970. Artikel ausgedruckten Fälle, wo „eine Reduction oder Nichtigkeit eintritt.« Vom letzten Theile dieſes Artikels läßt ſich keine andere Urſache angeben, als weil man es ſo gewollt hat, sic„o— Auere patres;*) in der That ſind alle dieſe Regeln, wie Herr Portalis ſagt, alt, und man hat ſie bloß wieder erneuert. ) Die urſache des Unterſchiedes, warum im Falle ded vorliegenden Artikels der Leibrenten⸗Contract den bey Schenkun⸗ gen erforderlichen Formalitäten nicht nnterworfen iſt, wohl aber im Falle des Art. 1969, entwickelt inzwiſchen Herr Simeon (ehemahliger) Tribun,(jetzt k. k. Staats⸗Rath, und proviſori⸗ ſcher Miniſter der Juſtitz und des Innern im Königreiche Weſt⸗ phalen) in ſeinem dem Tribunate über dieſen Titel abgeſtatteten Berichte auf folgende Art;„Es iſt weſentlich zu bemerken, ſagt er, daß die Verfuͤgung des Art. 1973 mit jener des Art 1969 gar nicht im Widerſpruche ſtehe. Im Art. 1969 iſt die Rede von einer Rente, die jemand ſich ſelbſt, oder ſeine Erben ver⸗ yflichtet, einer Perſon, die ſie nicht kauft, auszuzahlen. Man ſchenkt oder vermacht ihr eine Leibrente; da in dieſem Falle kein anderer Contraet als eine Freygebigkeit vorhanden iſt, ſo muß man die Formalitaͤten der Schenfungen oder der Vermächtniße beobachten. Im Falle des Art. 1973 aber iſt die Freygebigkeit nur das Aeteſſorium eines andern Contrartes, nehmlich des „ 96 1I. Vuch. Xl!. Tit. Von gewagten Geſchäften ꝛe. Art. 1974.»Jeder Leibrenten-Contract, der auf die „Lebenszeit einer Perſon geſchloſſen worden, die am Tage „des Contractes ſchon todt war, iſt ohne alle Wirkung.« Weil in dieſem Falle der Contract keine Urſache hat, worauf er beruht. 4 Art. 1975.»Eben ſo verhält es ſich mit dem Con⸗ „tracte, wodurch eine Leibrente auf die Lebenszeit einer Per⸗ »ſon verſprochen wurde, die von eben der Krankheit befallen „war, woran ſie in zwanzig Tagen nach Abſchließung des „Contractes geſtorben iſt.« Wenn die Contrahenten gewußt haͤtten, daß die Krank⸗ heit ſo ſchwer ſey, ſo wuͤrde, wie Herr Portalis ganz rich⸗ tig ſagt, die Leibrente nicht verſprochen worden ſeyn, denn eine ſolche Rente, die auf die Lebenszeit eines Sterbenden verſprochen wird, iſt von keinem Werthe; nun iſt aber da, wo Irrthum unterläuft, keine wahre Einwilligung vorhanden⸗ Um indeſſen dieſen Artikel in Anwendung bringen zu können, muß die Perſon wirklich mit der Krankheit behaftet ſeyn, woran ſie binnen zwanzig Tagen von jenem des Con⸗ tractes angerechnet geſtorben iſt; denn wenn ſie ſich damahls wohl befand, ſo thut es nichts zur Sache, wenn ſie ſchon binnen dem feſtgeſetzten Zeitraume geſtorben wäre.*) Ankaufes der Rente zum Vortheile eines dritten. Zwiſchen dem⸗ jenigen, der den Preis hergibt/ und dem, der ſich zur Zahlung der Rente verbindet, geht ein wahrer Verkauf vor ſich. Dieſen Contraet beurtheilt man alſo nach den Regeln des Verkaufes, nicht nach jenen der Schenkungen.⸗ „) Daß die Verfuͤgung dieſes Artikels auch dann eintrete, wenn die Rente auf die Lebenszeit desjenigen, der ſie ſelbſt errichtete oder ſich verſprechen ließ verſprochen worden iſt, und folglich der Contract keine Wirkung hervorbringe, wenn der Conſtituent der Rente binnen zwanzig Tagen nach dem Contracte an der Krankheit ſtirbt, womit er damahls behaftet war, dieß entſchied der Appellations⸗Hof von Rouen am 2. Jänner 180s in der Sache Le Prevoſt wider Manoury⸗ Jurispr. de la Cour d⸗ 1. Vuch. Rll. Tit. Von gewagten Geſchäften ze. 97 Art. 1976.»Die Leibrente kann nach jedem Verhältz bniße beſtimmt werden, welches die Contraheuten für gut „finden. u Dieß iſt eine der Grundregeln des Leibrenten⸗Contractes, und wodurch er ſich von andern Camtracten unterſcheidet. Unter dem Vorwande ei er Verletzung oder des Wuchers kann er nicht vernichtet werden: in der That iſt auch die resciſſoriſché Klage gegen Glücks⸗Verträge immer propter incertum even- tum vermeigert woiden. Im Journal du Palais findet man hieruͤber ein Parlamentt-Urtheil vom 26 Auguſt 1687. S W e Von den Witkungen des Contractes unter den Contrahenten Art. 1977.»Derjenige, dem gegen Zahlung eines »gewiſſen Preiſes eine Leibrente verſprochen worden iſt »kann auf Auflöſung des Contractes antragen, wenn ihm »der verpflichtete Theil diejenige Sichetheit für deſſen Voll⸗ ziehung nicht verſchafft, die dabey ausbedungen worden iſt. Man hat die Frage aufgeworfen, ob der Gläubiger, der den Contract aufheben läͤßt, die bezogenen Renten zuruͤck⸗ geben müſſe; der Appellations-Hof von Montpellier war der Meinung, det Gläubiger mrſſſe dasjenige zurückgeben, was er über die gewöhnlichen Zinſen empfangen hat; jener von Caen war der entgegengeſetzten Meinung. Ich pflichte der Cass. 1858 im Anhange„. 72 u. f. Dagegen nahm aber auch der Appellations-Hof von Grenoble am 5. Fructidor 12. B (23 Auguſt 1364) in der Sache der Erben Euphroſina Jeune wider Berlioz an, daß der Leibrenten⸗Contract dem vorliegen⸗ den Artikel zu Folge bey ſeiner Kraft verbleibe, wenn derjeni⸗ ge der ſich die Leibrente auf ſeine Lebenszeit verſprechen ließ, zwanzig Tage überlebt, falls er auch nachher an der nehm⸗ lichen Krankheit ſterben ſollcc, womit er zur Zeit des Contrae⸗ tes behaftet war. Jurispr. de la Cour de Cass. XIII. im A; hange p. 49 un f. IV. Malev⸗ 7 5 m. Buch. Xll. Tit. Von gewagten Geſchäften ꝛc. Meinung des Appellations⸗Hofes von Montpellier bey. Was iſt nehmlich die Leibrente anderſt, als der Preis des beräu⸗ ßerten Capitals? Iſt aber mein Verkäuſer deßwegen, weil ich ihm die verſprochene Sicherheit nicht verſchaffen kann, und er dieſem zu Folge den Contract aufloſen läßt, berech⸗ tigt, einen Theil des Preiſes zurückzuhalten, den ich ihm ſchon bezahlt habe? Anderſt verhaͤlt es ſich mit dem Scha⸗ den und entbehrten Gewinn, der zum Nachtheile des Glaͤu⸗ bigers der Rente oder des Verkaͤufers aus der Nicht⸗Erfüllung meines Verſprechens allenfalls entſpringen konnte; dieſen Schaden und entbehrten Gewinn bin ich freylich zu erſetzen ſchuldig, und bloß deßwegen kann der Gläubiger zur Ein⸗ behaltung der gezogenen Renten berechtigt ſeyn⸗ Art. 1978.»Der Umſtand allein, daß man die fälli⸗ „gen Termine der Rente nicht zahlt, gibt demienigen, dem „ſie verſprochen worden, kein Recht, die Wiedererſtattung „des Capitals zu fordern, oder in den Beſitz des von ihm „veraußerten Grundſtuͤckes wieder einzutreten. Er iſt nur „berechtiget die Güter ſeines Schuldners in Beſchlag zu le⸗ „gen und verkaufen zu laſſen, und darauf anzutragen, daß „die Anlegung einer zur Zahlung der Rente hinreichenden „Summe aus dem eingegangenen Kaufpreiſe entweder be⸗ „fohlen oder verwilliget werde.« Dieſen Artikel hat Herr Portalis gerechfertigt, indem er ſagte, daß, wenn es ſich anderſt verhielte, keine Feſtigkeit bey den Contracten ſeyn würde, und daß man auf ihre Richtigkeits⸗Erkläͤrung dann nicht antragen müſſe, wenn man nur das Rechr hat, ihre Vollziehung zu verlangen⸗ uebrigens ſagte man, es müſſe den Parteyen frey ſtehen auszubedingen, daß, wenn die Rente nicht gezahlt würde, der Gläubiger befugt ſeyn ſollte, ſein Capital zurückzu⸗ nehmen: die ſer Satz wurde nicht widerſprochen, ſogar wurde er zur Section hinverwieſen; nachher iſt er aber nicht mehr zum Vorſchein gekommen. Meines Erachtens verbiethet un⸗ ſ uI. Buch. Kll. Tit. Von gewagten Geſchaͤften ꝛe. 55 ſer Artikel eine ſolche Stipulation nicht, unbeſchadet jedoch der beym Art. 1977 gemachten Anmerkung.*) Art. 1979.»Wer die Rente verſprochen hat, kann ſich „von ihrer Zahlung dadurch nicht befreyen, daß er ſich an⸗ „biethet, das Capital zu erſtatten, und auf die Zurückfor⸗ „forderung der ſchon fällig gewordenen und bezahlten Ter⸗ „mine Verzicht zu thun. Bis zum Abſterben der Perſon „oder der Perſonen, auf deren Lebenszeit die Rente errichtet „war, iſt er verbunden, ſie fernerhin zu zahlen, wie lange „auch dieſe Perſonen leben mögen, und wie laͤſtig auch im⸗ „mer die Zahlung der Rente geworden ſeyn mag.« Dieſer Artikel wuͤrde beſtritten; es iſt keine Urſache vor⸗ handen, ſagte man, warum man den Schuldner verhindern ſoll, ſich mittelſt Zurückgabe des empfangenen Capitals von ſeiner Verbindlichkeit zu befreyen; und— wuͤrde nicht ein ſol⸗ ches Verboth die Glaͤubiger in eine gar zu harte Lage ver⸗ ſetzen, wenn der Schuldner in der Folge fallirte? Wollte man das Gegentheil entſcheiden, gab man in⸗ deſſen zur Antwort, ſo würde man die Natur des Contrac⸗ tes verändern; der Gläubiger hatte ja nur die Abſicht, eine Leibrente zu erwerben, und ſeine Lage muß ſich durch das nachherige Betragen ſeines Schuldners nicht verſchlimmern; moͤglich waͤre es überdieß, daß die hinzugekommenen Verän⸗ derungen im Preiſe des Geldes, oder des Zeichens, welches es repräſentirt, zur Folge hätten, daß der Gläubiger nicht ohne Verluſt befriedigt werden könnte⸗ *) Daß der vorliegende Artikel auf eine vor der Verkündung des Geſetzbuches angeſtellte Klage auf Aufhebuns des Contraetes we⸗ gen Nicht⸗Zahlung der Leibrente nicht anwendbar ſey, entſchied der Appellations⸗Hof von Bordeaux am 9. Pluvioſe 13 J.(a9. Jänner 1305) in der Sache Gauffretean wider Derives, und die Pection des requstes verwarf au 12. Jänner 1307 das gegen dieſes Urtheil eingelegte Caſſations⸗Geſuch. Jurispr. de Ja Cour de Cass. 1507. p. 45 u. f. B. 10o0 UI. Buch. FlI. Tit. Von gewagten Geſchäften zc. Art. 1080.»Die Leibrente gebührt dem Eigenthümer „nur im Verhaͤltniß zu der Anzahl der Tage, die er ge⸗ „lebt hat.« „War man aber übereingekommen, daß ſie zum Voraus „gezahlt werden ſollte, ſo hat er ein Recht anf den Ter⸗ „min, der gezahlt werden ſollte, von dem Tage an, da die „Zahlung hätte erfolgen müſſen.« Ehemahls war dieſe Frage ſehr ſtreitig; gewöhnlich machte man zwiſchen Leibrenten, die in einem Teſtamente errichtet worden waren, und zwiſchen jenen einen Unterſchied, die mittelſt eines Contractes waren errichtet worden; in Hinſicht der erſten war man der Meinung, daß ſie gleich von An⸗ fang des Jahres gebührten, und ganz gefordert werden könne ten, wenn ſchon der Legatar nur während eines Theils die⸗ ſes Jahres gelebt hätte; was aber die zweyten betrifft, be⸗ hauptete man, daß ſie nur nach Verhaͤltniß der Zeit ge⸗ bührten. Man ſehe über dieſe Frage Serres p. 463. Dieſer Schriftſteller behauptete, daß die Rente ohne Unterſchied ganz gebuͤhre, ſo bald das Jahr ſeinen Anfang genommen habe. Zwiſchen dieſen verſchiedenen Meinungen hat unſer Artikel einen klugen Mittelweg eingeſchlagen. Art. 1981.» Man kann ſich nur dann ausbedingen, „daß eine Leibrente keinem Arreſte unterworfen ſeyn ſoll, „wenn ſie unter einem wohlthaͤtigen Titel,(ohne Entgeld) „verſprochen worden iſt.« Die urſache hievon iſt dieſe, weil derjenige, welcher eine Schenkung macht, ihr jede Bedingung, die er für gnt findet, hinzufügen kann; wer ſich aber mit ſeinem Capital eine Rente errichtet, iſt nicht befugt, ſeinen Gloͤubigern zu ſchaden. Art. 1982.»Eiue Leibrente erliſcht nicht durch den buͤrger⸗ „lichen Tod desjenigen, dem ſie gebührt; ſo lange er wirk⸗ „lich im Leben bleibt, muß mit der Zahlung fortgefahren „werden-« Wem muß die Rente während der Dauer des bürgerkt chen Todes bezahlt werden? In unſerem Entwurfe hatten III. Buch. Xlll. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte. 101 wir geſagt: ſeinen Erben; allemahl verſteht ſich dieß aber unter dem Vorbehalte, daß ſie dem Verurtheilten ſo viel davon zukommen laſſen, als nothwendig iſt, um ihm ſein Schickſal erträglich zu machen, und fein Elend zu lindern. S⸗ die Anmerkung zum Art. 617. Art. 1983.»Derjenige, dem eine Leibrente gebührt, n kann die fälligen Termine nur dann fordern, wenn er beweiſet, „daß er oder diejenige Perſon noch im Leben iſt, auf deren »Lebenszeit die Rente verſprochen wurde.« Dreyzehnter Titel. Von dem Vollmachts⸗Contracte. (Derret. den 10. Maͤri 1304. Promulg. den 0. des nehml. Mon.)“ (S. die Tit. 3 des B. 3, und 1 des B. 17 der Pan⸗ decten, und die Tit. 13 des B. 2, 25 des B., und 41 des B. 8 im Coder. Auch in den Inſtitutionen iſt ein eigener Titel de mandato.) Sſe Cpiet. Von der Natur und der Form des Vollmachts⸗Contractes. Art. 1984.»Der Auftrag oder die Vollmacht iſt eine »Handlung, wodurch jemand eine andere Perſon ermächtiget, et⸗ »was für ihn den Machtgeber, und in ſeinem Nahmen zu „thun.* »Der Contract kommt erſt durch die Annahme des Be⸗ „vollmächtigten zu Stande.« In den Inſtitutionen werden fünf Arten von Vollmach⸗ ten oder Aufträgen, die jemand gibt, voneinander unterſchie⸗ den, nehmlich: die jemand bloß ſeines eigenen Vortheiles wegen gibt, und dieß ſind die gewöhnlichſten, sud tantum gratiẽ; ſeines und des Vortheiles des Bevollmaͤchtigten we⸗ gen, Sud et tus, zum Vortheile eines dritten, aliend kan- tum, zu ſeinem Vortheile und zu jenem eines dritten, sud et aliend; zum PVortheile des Bevollmächtigten und zu jenem res 11l. Buch. XllI. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte eines dritten, tud et alienä; endlich zum Vortheile des Be⸗ vollmaͤchtigten allein, tud tantum. Juſtinian gibt in den vier erſten FF. dieſes Titels Bey⸗ ſpiele von dieſen verſchiedenen Gattungen von Aufträgen an, bemerkt aber dabey, daß ein Auftrag, welcher zum Vor⸗ theile des Bevollmaͤchtigten allein gegeben wird, unnütz ſey, und weder eine Klage noch eine Berbindlichkeit hervorbringe, und daß es nur ein einfacher Rath ſey, wofür niemand ver⸗ antwortlich iſt, es ſey dann, daß er argliſtiger Weiſe dabey zu Werk gegangen ſey⸗ So lautet auch wirklich die 47ſte der Rechts⸗Regeln consilii non fraudulenti nulla obligatio est; Sed si dolus et calliditas intercessit, de dolo actio competit. Was Juſtinian vom Rathe ſagt, iſt ebenfalls auf die Empfehlung anwendbar, T. 12, F. 12, F mandati. Habe ich Ihnen alſo jemanden mündlich oder ſchriftlich anempfoh⸗ len, ſo bin ich doch deßwegen fuͤr das Darlehn nicht verant⸗ wortlich, welches ſie ihm gegeben haben, wenn ich mich übrigens dazu nicht anheiſchig gemacht habe. Serres, p. 520. Eben ſo hafte ich fur das Darlehn nicht, weil ich Ih⸗ nen etwa geſagt habe, daß bieſer oder jener meiner Meinung nach Zahlungs⸗Mittel beſitze, und weil ich Ihnen rathe, ihm Geld vorzuſchießen. Aber, wenn Sie mir den Auftrag gege⸗ ben hätten, mich zu erkundigen, ob dieſer oder jener Zah⸗ lungs⸗Vermögen beſitze, und ich Ihnen geantwortet hätte, daß er deſſen habe, obſchon ich wußte, daß er keines hatte, ſo würde ich fuͤr das Darlehn haften, und noch um ſo ge⸗ wiſſer dann, wenn ich mit dem Anleiher einverſtanden war, und von der gelehnten Summe Nutzen gehabt habe. L. 10, 5. 7 V. mandati; T. 8, H de dolo malo; Rousseaud, v. Procureur, Sect. Z, n. Z- Art. 1985.»Eine Vollmacht kann entweder durch ei⸗ „nen dffentlichen Act, oder in einer Urkunde unter Privat⸗ „Unterſchrift, ſelbſt in einem Briefe ertheilt werden. Man IMI. Buch. XllI. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contraete. 103 „kann ſie auch mündlich geben; allein ein Beweis durch „Zeugen wird hieruͤber bloß naͤch den Beſtimmungen zuge⸗ „laſſen, die im Titel von Contracten oder von Rechten »und Verbindlichkeiten, die aus Yerträgen entſpringen, „im allgemeinen, enthalten ſind.« „Die Annahme einer Vollmacht kann auch ſtillſchweigend „geſchehen, und aus der vom Bevollmächtigten vorgenom⸗ „menen Vollziehung derſelben entſpringen.« Gemeiniglich wird ſo gar die Vollmacht erſt durch die Vollziehung des Auftrages von Seiten des Bevollmaͤchtigten angenommen. Art. 1986.„Der Vollmachts⸗Contract gibt kein Recht „auf Belohnung, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen „worden iſt. Mandatum originem ex ohRcio atque amicitid trahil T. 4, mand. Sciendum est, mandatum nisi gratuitum git, in aliam ſormam negotii cadere.§. 15, inst. h. D. h. in einem Mieth⸗Contract. Der Vollmachts⸗Contract iſt ſeinem Weſen nach ſo ſehr unentgeldlich, daß a) nach der Entſcheidung der T. 56, F. 3, F. mandati ein Bevollmächtigter, der ſich keinen Lohn ausbedungen hat, auch keinen fordern kann, und b) nach der T. 17, cod. edd. ſelbſt dann nicht, wenn der Mandant ihm eine Vergeltung verſprochen haͤtte, ohne ſie jedoch auf eine gewiſſe Summe feſtzuſetzen, incertd pollicitatione. An dieſer letztern Entſcheidung moͤchte ich jedoch ſehr zweiflen. Art. 1987.» Die Vollmacht iſt entweder eine beſon⸗ »dere und auf ein oder auf gewiſſe Geſchäfte allein be⸗ „ſchränkt, oder eine allgemeine und für alle Geſchäfte des »Machtgebers.« Art. 1988.„Eine Vollmacht, die in allgemeinen Aus⸗ drücken abgefaßt iſt, kerſtreckt ſich nur auf Handlungen, „die zur Verwaltung gehören⸗ 104 II. Buch. XlIl. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracti. »Iſt von Veraͤußern, von Verpfaͤnden oder von irgend „einer andern Handlung, die nur aus dem Eigenthum „fließt, die Rede, ſo muß die Vollmacht ausdruͤcklich dahin „ſprechen.« Herr Berlier hat, als er dieſen Titel dem Geſetzgebungs⸗ Corps vorlegte, die zwey allgemeinſten Formen einer Voll⸗ macht angeführt, nehmlich die Befugniß, alles das zu thun, was der Bevollmaͤchtigte dem Intereſſe des Committen⸗ ten angemeſſen erachten wird, oder ale Zandlungen vor⸗ zunehmen, die der Committent ſelbſt verrichten koͤnnte. Sogar in dieſen beyden Faͤllen, ſagte er, muß ſich die Voll⸗ macht auf bloße Handlungen einſchränken, die zur Verwal⸗ tung gehdren. So heißt es auch a) in der L. 16, cod. de Procur. und 63, N edd., der Bevollmuͤchtigte dürfe nicht veräußern, aut genommen jene Sachen, welche verderben könnten, wie 3. B. Fruͤchte, und ſonſtige dem Verderben unterworfene Mobiliar-Gegenſtaͤnde; P) in der F. 6, M eòd., er ſey nicht befugt, ſich zu vergleichen, noch Schiedsrichter zu waͤhlen. Ferner kann er c) nach der Lehre der Rechtsgelehrten, keinen Eid deferiren, noch d) ſeinen Committenten ſo zu etwas verbinden, daß er zu deſſen Erfüllung mittelſt perſön⸗ lichen Arreſtes angehalten werden könnte, es ſey dann, daß er hiezu mit einer beſondern Vollmacht verſehen ſey. Des- peisses, und die(tom. 4, p. 166.) von ihm angeführten Schriftſteller. Wer zu verkaufen bevollmaͤchtigt iſt, hat dieſer auch Vollmacht den Kaufpreis in Empfang zu nehmen? Rous- seaud entſcheidet, v. Procureur, Sect, 2, n. 10, und zwar nach der Lehre des Fachin, dieſe Frage mit Ja. Meines Erachtens kommt es auf folgenden Unterſchied an; entweder ſollte der Verkauf gegen bare Zahlung geſchehen, oder nicht; im erſten Falle hat der Vevollmächtigte das Recht, den Kaufpreis zu empfangen; nicht aber dann, wenn die III. Vuch. Xill. Tit. Von dem Pollmachts⸗Cuntracte. 165 Zahlnng des Kaufpreiſes auf einen gewiſſen Termin ge⸗ ſtellt wird. Art. 1989.» Der Bevollmächtigte darf nichts unter⸗ „nehmen, was nicht in ſeiner Vollmacht enthalten iſt. Un⸗ „ter der Vollmacht ſich zu vergleichen, iſt der Auftrag ſich „einem ſchiedsrichterlichen Spruche zu unterwerfen nicht „begriffen.« qui eæequitur mandatum, non debet eæcedere ſine⸗ mandati. F. Bh inst. h. Dieſes iſt eine ausgemachte Regel. Nichts deſtoweniger lehren Vinnius und Serres, ad d. F., es ſey keine Ueberſchreitung der Vollmacht, wenn der Auf⸗ trag per aquipollens et in chectu vollzogen werde; ſogar dürfe die Vollmacht überſchritten werden, wenn Zeit und Umſtände es nothwendig ſo forderten, d. h. wenn der Man⸗ dant ſo haͤtte handlen muͤſſen, falls er ſich im ähnlichen Falle befunden hätte. Der ſchon angeführte F. 6 entſcheidet, daß, wenn ſch Vollmacht habe, für 100 Francs zu kaufen, und ich theu— rer gekauft habe, ich doch immer eine Klage habe, um die 100 Fr. zurückzufordern; habe ich aber wohlfeiler gekauft, als ich Auſtrag hatte, ſo iſt der Auftrag um ſo viel mehr⸗ gut vollzogen, und verbindlich. Art. 1990.»Frauensperſonen und emancipirte Minder⸗ „jährige können als Bevollmächtigte auserſehen werden. In⸗ „deſſen hat der Machtgeber bloß nach den allgemeinen Re⸗ »geln, die ſich auf die Verpflichtungen der Minderjährigen „beziehen, wider den bevollmächtigten Minderjährigen eine »Klage, und wider eine verheirathete Frau, welche die Voll⸗ „macht ohne Autoriſation ihres Mannes angenommen hat, »bloß nach den Regeln, die unter dem Titel von dem Zei⸗ vraths⸗Contracte und von den gegenſcitigen Rechten der „Ehegatten feſtgeſtellt ſind.« Daß verheirathete Frauen und Minderjaͤhrige zu Bevoll⸗ möächtigten ernannt werden können, dieß lehrt die T. 31,% de neg. gest., und der F. 5, inst. qui et ec quib. caus manum. ——— ————— 106 1M. Vuch. XIII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contraete. Auch lehrt Lebrun, de la communaute, liv. 2, ch. 1, sect. 3, n. 40, daß die Frau ohne Autoriſation ihres Man⸗ nes eine Vollmacht annehmen konne. Herr Berlier hat indeſſen dieſe Regel erklärt; der Mann, ſagte er, hat unſtreitig das Recht ſich der Annahme einer Vollmacht von Seiten ſeiner Frau zu widerſetzen; thut er dieſes aber ucht, ſo wird vermuthet, daß er darin einwillige, jedoch unter der Bedingung, daß dieſe Geſchaͤftsführung ſei⸗ nen Rechten nicht nachtheilig ſeyn werde.— Eine Erklärung, die ſehr merkwuͤrdig iſt. e Gapi Von den Pflichten des Bevollmaͤchtigten. Art. 1001.»Der Bevollmächtigte iſt verpflichtet, das „ihm anvertraute Geſchäft, ſo lange er damit beauftragt „iſt, zu vollziehen, und er hat für allen Verluſt und ent⸗ „behrten Gewinn, der aus deſſen Nicht⸗Vollziehung entſtehen „möchte, zu haften.« „Er iſt auf gleiche Weiſe verbunden, das Geſchäft, das „beym Abſterben des Machtgebers angefangen war, zu vol⸗ lenden, in ſo fern Gefahr auf den Verzug haftet.« Mandatum cuilibet suseipere liberum est, Susceptum au- tem consummandum est. F. 11, inst. h. S. indeſſen den Art. 2007. Der zweyte Theil des Artikels hat ſeinen Beweggrund darin, weil der Regel nach, die Vollmacht durch den Tod des Mandanten erliſcht⸗ Art. 1992.» Der Bevollmächtigte haftet nicht nur für „Gefährde undArgliſt, ſondern auch fuͤr Verſehen und Feh⸗ „ler, die er bey ſeiner Geſchäftsführung begeht.« „Von demjenigen, der ſeinen Auftrag ohne Entgeld voll⸗ »zieht, fordert man indeſſen mit weniger Strenge Rechen⸗ „ſchaft uͤber bloßes Verſehen, als von dem, der eine Be⸗ „lohnung erhält. m. Buch. XII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte. 107 Procurator tòm dolum quàm omnem culpam prastat. T. I1 und 15, cod. mand. Es iſt ganz naturlich, daß derjenige, welcher einen Lohn empfaͤngt, ſtrenger verbunden ſey, als jener, welcher einen unentgeldlichen Dienſt verrichtet. S. den Art. 1374. Art. 1093.»Jeder Bevollmächtigte iſt ſchuldig, von »ſeiner Geſchäftsführung Rechenſchaft zu geben, und alles, „was er kraft ſeiner Vollmacht empfangen hat, dem Macht⸗ „geber in Rechnung zu bringen, ſollte auch das, was er „empfieng, dem Machtgeber nicht gebuͤhrt haben.« Der Bevollmaͤchtigte iſt ſogar dann Rechenſchaft zu ge⸗ ben ſchuldig, wenn in der Vollmacht enthalten wäre, daß er keine abzulegen brauchte. F. 119, F. de leg. 1. Nur darf in dieſem Falle keine gar zu ängſtliche Unterſuchung über ſeine Geſchäftsführung angeſtellt werden. F. 23, P d⸗ neg. gest. Mit dieſem letztern Geſetze ſtimmt ebenfalls die im Schluſſe des Artikels enthaltene Verfügung überein⸗ Art. 1004.»Der Bevollmaͤchtigte haftet für denjeni⸗ „gen, den er bey der Geſchäftsführung an ſeine Stelle ge⸗ „ſetzt hat, 1) wenn er die Vollmacht ſich einen andern zu „ſubſtituirten nicht erhalten hat; 2) wenn ihm dieſe Voll⸗ „macht ohne Beſtimmung einer Perſon ertheilt worden iſt, „und diejenige, die er gewählt hat, offenbar unfähig oder „inſolvent war⸗« „In allen Faͤllen kann der Machtgeber unmittelbar wider „die Perſon klagen, welche der Bevollmächtigte ſich ſubſti⸗ „tuirt hat.« Dieſer Artikel ſtimmt mit den TL. 21,. de neg. gest. und 4, cod. eòd. überein⸗ Man brachte die Frage zur Sprache, ob ein Bevollmaͤch⸗ tigter die Befugniß haben müſſe, ſich einen andern zu ſub⸗ ſtituiren, wenn die Vollmacht ihm dieſe Gewalt nicht aus⸗ drücklich ertheilte, oder ob bloß daraus, daß dieſe Befugniß ihm in der Vollmacht nicht benommen worden ſey, vermu⸗ thet werde, daß er ſie habe⸗ 103 UI. Buch. Klll. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contraete. Dem Bevollmaͤchtigten, ſagte man einer Seits, hat der Mandant ſein Zutrauen geſchenkt, und dieß läßt ſich nicht auf einen andern übertragen. Dagegen ſagte man anderer Seits, ſeibſt das Intereſſe des Mandanten erfordere es, daß der Bevollmaͤchtigte die Macht habe, jemanden zu ſubſtituiren, z. B. wenn er in einem Augenblicke krank wuͤrde, wo es dringend waͤre, irgend ein Geſchaͤft vorzunehmen. Man trat dieſer letztern Meinung, zwar haupt⸗ ſaͤchlich deßwegen bey, weil unſer Artikel vhnehin den Be⸗ vollmächtigten für die Handlungen ſeines Subſtituten ver⸗ antwortlich erklärt. Verrichtet der Subſtitut den Auftrag ſchlecht, ſo haftet der B vollmächtigte dafür; verrichtet er ihn gut, was iſt dann dem Mandanten daran gelegen, von wem das Gute geſchehe? Art. 1995.» Sind in derſelben Urkunde mehrere Gewalt⸗ „haber oder Bevollmächtigte ernannt worden, ſo hat unter „ihnen eine Solidar-Verbindlichkeit nur in ſo fern Statt, als ſie ausgedruckt wurde.« Stimmt mit der Nov. 90, cap. 1 überein, iſt aber gegen die L. 60,§. 2, Mandati, und demjenigen zuwider, was im Art. 2002 im Falle mehrerer Mandanten feſtgeſetzt wird. Die Gruͤnde dieſes Unterſchiedes hat Herr Berlier ent⸗ wickelt. Gerecht iſt es, ſagte er, daß ein Bevollmächtigter, welcher gemeiniglich einen unentgeldlichen Dienſt verrichtet, gegen diejenige, welche einen gemeinſchaftlichen Nutzen daraus ziehen, ſolidariſch klagen könne; ungerecht waͤre es aber, ihn mit dem Factum eines andern zu belaſten, wenn er ſich nicht hiezu verbunden hat. Art. 1906.» Der Bevollmaͤchtigte muß die Summen, die er zu ſeinem Gebrauche verwendet hat, von dem Tage „dieſer Verwendung, und diejenigen, die er aus ſeiner Rech⸗ „nung ſchuldig bleibt, von dem Tage, da er in Verzug ge⸗ ſetzt worden iſt, verzinſen. MI. Buch. KlIl. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contracte. 16 Stimmt mit der T. 19. F. 3 mand. qͤberein..) Art. 1907.„Der Bevollmächtigte, welcher der Partey, mit welcher er in dieſer Eigenſchaft contrahirt, eine hin⸗ „längliche Keuntniß von ſeiner Vollmacht gegeben hat, iſt »in Hinſicht desjenigen, was über die Grenzen des Auftra⸗ ges geſchehen iſt, zu keiner Gewährleiſtung verhunden, „wenn er ſich ihr nicht perſönlich unterwotfen hat.« Die Beweggründe dieſes Artikels ſetzt Herr Berlier darin, weil der Fehler gemeinſchaftlich iſt, und eben dieſer Umſtand alle Gewährleiſtung fuͤr dasjenige, was uͤber die Grenzen des Auftzags geſchehen iſt, ausſchließt. S Von den Verbindlichkeiten des Machtgebers. Art. 1908.„Der Machtgeber iſt ſchuldig, die Ber⸗ apflichtungen zu erfuͤllen, welche der Bevollmächtigte den „Grenzen der ihm ertheilten Vollmacht gemäß cont ahirt hat⸗ „Er haftet für dasjenige, was über dieſe Grenzen hinaus „geſchehen ſeyn mag, nur in ſo fern, als es von ihm aus⸗ drücklich oder ſtillſchweigend genehmigt worden iſt. Ratihabitio mandato æquiparatur. S. die L, 60, d⸗ reg. jur.*) Art. 1999.„Der Machtgeber hat dem Bevollmaͤchtig⸗ »ten ſeine Auslagen und Koſten zu erſetzen, die er um ſei— nen Auftrag zu vollziehen gemacht hat, und ihm ſeine Be⸗ lohnung zu zahlen, wenn ihm eine verſprochen worden iſt⸗ *) Durch ein Gutachten des Staats⸗Rathes vom„. Julius 1808 iſt der vorliegende Artifel auf die Vorgeſetzten der Einregiſtri⸗ rungs- und Domainen⸗Verwaltung ausdrücklich anwendbar er⸗ klärt worden. Jurispr. de la C. de C. 1808. im Anhange p. a57. B. ueber dieſen Artikel ſehe man Pothier, du Contrat d⸗ nandar. N. 90— 100. B. 0 IM. Buch. XII. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contraete. „Hat kein Verſehen Statt gehabt, das ſich dem Bevoll⸗ „mächtigten zurechnen läßt, ſo kann der Machtgeber dieſe „Verguͤtung und Zahlung nicht von ſich ablehnen, ſelbſt „wenn das Geſchäft den guten Erfolg nicht gehabt haben „ſollte, den man erwartete; er darf eben'ſo wenig unter „dem Vorwande, daß die Koſten und Auslagen geringer ſeyn «konnten, auf ihre Mäßigung antragen⸗« Die im Schluſſe dieſes Artikels enthaltene Verfügung ſtimmt mit der T. 27§. 4, h mand. überein. Inzwiſchen muß dieſes doch mit Mäßigung verſtanden werden; denn wenn die Ausgaben offenbar übertrieben waͤren, ſo fielen ſie in die Cathegorie des Verſchuldens, wofür der Bevollmächtigte hafe ten muß ⸗ Art. 2000.„Der Machtgeber muß gleichfalls den Be⸗ „vollmaͤchtigten fuͤr den Verluſt entſchaͤdigen, den er bey Ge⸗ alegenheit ſeiner Geſchäftsführung, ohne daß ihm eine Un⸗ * vorſichtigkeit zur Laſt gelegt werden kann, erlitten hat.» S. die T. 61, F. 5, de furt. Serres fuͤhrt ad F. 11, Inst. de mand. hierüber zwey Parlements⸗Urtheile an, deren eines ſich auf einen Shyndik eines Collegiums bezieht, welcher ausgegangen war, um ein dieſem Collegium zugehdriges Gut zu verpachten, junterwegs aber in Gefangenſchaft gerieth, und mit einem Löſegeld von 300 Liv. daraus befreyt wurde; das andere bezieht ſich auf inen gerichtlichen Bvollmächtigten, welchem zu Toulouſe e Gerichtskoſten, die er erhalten hatte, geſtohlen 1170 Liv. wurden⸗ Art. 2001.„Auslagen, welche der Bevollmächtigte ge⸗ „macht hat, muß ihm der Machtgeber von dem Tage an „verzinſen, da der Vorſchuß conſtatirt worden.« Stimmt mit der T. 12,§. 9 h. mand. überein · Art. 2002.„Iſt der Bevollmächtigte von mehreren nPerſonen für eine gemeinſchaftliche Sache ernannt worden, „ſo haben ſie ihm ſammt und ſonders, für alle rechtliche „Wirkungen des Vollmachtt⸗Contractes zu haften.* UI. Buch. KXll. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contraete. 11 Stimmt mit der P., lult. F. quod jussu überein. S. die Anmerkung zum Att. 1993. Viertes el. Von den verſchiedenen Arten, wie eine Vollmacht erliſcht⸗ Art. 2003.»Die Vollmacht erliſcht, Durch Widerruf des Auftrags, Durch Aufkuͤndigung von Seiten des Bevollmaͤchtigten, Durch den natürlichen oder bürgerlichen Tod, die In⸗ terdiction oder den gänzlichen Verfall des Vermögens, des Machtgebers oder des Bevollmächtigten.« Art. 200.»Der Machtgeber kann ſeine Vollmacht wi⸗ „derrufen, wann es ihm gutduͤnkt, und nach Beſchaffenheit «der Umſtände, den Bevollmaͤchtigten zwingen, ihm entwe⸗ »der die Urkunde unter Pri at-Unterſchrift, welche den Auf⸗ „trag enthaͤlt, oder die authentiſche Original— Vollmacht, wenn »die Urſchrift davon an den Bevollmaͤchtigten abgegeben wor⸗ „den iſt, oder ſdie Ausfertigung, wenn die Urſchrift,(die „Minute) zurückbehalten worden iſt, zurückzugeben.« Der§. 7, inst. h. ſetzte der Freyheit des Mandanten die Vollmacht zu widerrufen dieſe Bedingung hinzu: S adhuc integra res sit. Mit Recht bemerkt indeſſen Serres ad h F., der Mandant ſey immer, sive res adhuc integra sit, sive non, befugt, die Vollmacht zu widerrufen, mit der Bedin⸗ gung gleichwohl, dasjenige, was bis dahin geſchehen iſt, für gut gelten zu laſſen, und den Bevollmächtigten zu ent⸗ ſchädigen. Art. 2005. Den geſchehenen Widerruf, in ſo fern er »dem Bevollmaͤchtigten allein inſinuirt worden iſt, kann man dritten Perſonen nicht entgegen ſetzen, die ohne et— »was von dieſem Widerrufe zu wiſſen, in einen Vertrag „ſich eingelaſſen haben. Dem Machtgeber bleibt hiebey ſein „Regreß wider den Bevollmächtigten vorbehalten. Die ohne etwas von dieſem Widerrufe zu wiſſen, ſich, haben. War ihnen alſo der Widerruf bekannt, 112 1M. Buch. KllI. Tit. Von dem Vollmachts⸗Contraete. wenn er ihnen auch ſchon nicht inſinuirt worden iſt, ſo iſt der Mandant gegen ſie nicht verbunden: dieß verlangte auch der Appellations-Hof von Toulouſe. Art. 2006.»Die Ernennung eines! neuen Vevollmäch⸗ „tigten für dasſelbe Geſchaͤſt gilt als Widerruf in Hinſicht „des erſten von dem Tage an, da ſie dieſem inſinuirt worden iſt.» Art. 2007.„Der Bebollmächtigte kann die Vollmacht auſkündigen, indem er ſeine Verzichtleiſtung dem Macht⸗ geber inſinuiren läßt. „Iſt jedoch dieſe Aufkuͤndigung dem Machtgeber nach⸗ „thellig, ſo hat der Bevollmächtigte ihn deßhalb zu entſchä⸗ «digen; es ſey dann, daß dieſer ſich in einem Falle befinde, „wo es ihm unmöglich iſt, mit Vollziehung des Auftrags „fortzufahren, ohne ſelbſt einen beträchtlichen Nachtheil da⸗ «von zu erleiden.» Die Verfügungen dieſes Artikels gründen ſich auf die 23, 24, 25 und 26, F. 1h mandali. Art. 2009.„ Weiß der Bevollmächtiste nicht, daß der „Machtgeber geſtorben, oder daß eine der übrigen Urſachen veingetreten ſey, wodurch der Auftrag erliſcht, ſo iſt alles „das gültig, was er in dieſer Unwiſſenheit vorgenommen haten Stimmt mit dem§. 8 Insk. h. uͤberein.*) Art. 20090.„In den oben erwähnten Fällen erhalten „die ven dem Bevollmächtigten uͤbernommenen Verbindlich⸗ *) Dem vorliegenden Artitel zufolge erkläͤrte 2) der Appellations⸗ Hof von Paris am a3. April 1807 in der Sache der Wittib Soret von Madrid wider das Handels⸗Haus Rouſſeau⸗ Baguenau von Paris eine Vorladung ſammt der darauf er⸗ folgten Prozedur für gültig die der Bevollmächtigte des Herrn Soret rraft ſeiner Vollmacht veranſtaltet hatte, unerachtet Letzterer zur Zeit der Vorladung bereits geſtorben war, wovon aber der Bevollmächtiate keine Wiſſenſchaft hatte. Jurispr. de ja C. de C. 1807 im Anhange p. 63 u. f. Eben ſo entſchieb p) die Section des requétes des Caſſations⸗Hofes am 15 Hor⸗ zung 1603 in der Sache des ſpaniſchen Handelsmannes Rigal U. Buch XIV. Tit. Von der Buͤrgſchaft. 113 „keiten in Anſehung dritter Perſonen, die in gutem Glauben „ſind, ihre Vollziehung» Art. 2015.»Wenn der Bevollmächtigte ſtirbt, ſö ſind deſſen Erben verbunden, den Machtgeber hievon zu benach⸗ erichtigen, und inzwiſchen dasjenige zu beſorgen, was die „Umſtaͤnde für das Intereſſe dieſes letztern erheiſchen.« Aus der Verfügung dieſes Artikels folgt nicht, daß die Erben mit der Vollziehung des Auftrages fortfahren dürfen; ausdrücklich verbiethet ihnen dieſes die T. 57,% z nur müſſen ſie verhindern, daß nichts durch ihre Nachläßigkeit zu Grunde gehe⸗ Vierzehnter Titel. Von der Buͤrgſchaft. (Deeretirt den 14. Febr. 1804. Promulgirt den 4. des nehml. Mon.) (S. den Tit. 27, des B. 3 der Inſtitutionen; den Tit. 1, des B. 46 der Pandecten; die Tit. 37 des V.§ und 41 des B. 8 im Coder, und die Nov. 4.) de la Fiedera und ſeiner Glöubiger wiber Canonge; daß ein ohne Betrug von einem Bevollmächtigten nach dem Falliment des Mandanten, und in der Unwiſſenheit dieſes Fahimentes unterzeichnetes Compromiß gültig ſey. Im Falle, wovon hier die Rede iſt, hatte Michel der Aeltere, Handelsmann in Mar— ſeile am 26. Junins 1805, Kraft einer von Rigal de la Pie⸗ dera am 5. Hornung des n. J. ausgeſtellten Vollmacht mit Cas nonge ein Compromiß unterzeichnet, da doch gedachter Rigab ſchon am 13. Junius n. J. ſallirt hatte, wovon jedoch weder Wichel, noch Canonge, noch die Schiedsrichter etwas wußten. Zwar vpponirte ſich Rigal, nachdem er in die Vetwaltüng ſei⸗ uer Geſchäſte wieder eingeſetzt war, der Vollſtreckung des ſchieds⸗ richterlichen Spruches, und ſelbſt ſeine Gläubiger legten Oppo⸗ ſition dagegen ein, und beriefen ſich auf den⸗Art. soo3; ſämmte lich wurden ſie aber mit dieſer Behauptung gbgewieſen. Jurispr« de la C. de C. 1205 7, 196 u f, B 114 m. Buch. XlV. Tit. Von der Buͤrgſchaft. Erſtes Capitel. Von der Natur und dem umfange der Buͤrgſchaft. Art. 2011.„Wer ſich als Bürge für eine Verbindlich⸗ «keit darſtellt, verpflichtet ſich dem Gläubiger, dieſe Verbind⸗ «lichkeit zu erfüllen, in ſo fern nicht der Schuldner ſelbſt ſie «erfüllt.« Art. 2012.„ Die Buͤrgſchaft kann nur in Anſehung «einer gültigen Verbindlichkeit beſtehen, worauf ſie ſich be „zieht.« „Man kann ſich gleichwohl als Buͤrge fuͤr eine Verbind⸗ alichkeit darſtellen, wenn ſchon dieſe durch eine dem Ver⸗ „pflichteten bloß für ſeine Perſon zuſtchende Einrede wieder aufgehoben werden könnte, z. B⸗ im Falle der Minderjaͤl⸗ „rigkeit.« Nach der Entſcheidung des F. 1, Inst h. kann man ſich für die Vollziehung jeder Art von Verbindlichkeiten, ſowohl buͤrgerliche als natürliche, verbürgen S. die Einleitung zum Titel von den verbindlichkeiten · Als Beyſpiel hievon fuͤhrt unſer Artikel die Verbindlich⸗ keit eines Minderjaͤhrigen an⸗ Eben ſo würde es ſich mit jener eines interdicirten Verſchwenders verhalten; und obſchon ſeine Verbindlichkeit in Anſehung ſeiner nichtig wäre, ſo würde doch jene des Bürgen nichts deſtoweniger beſtehen⸗ Inzwiſchen machen Vinnius und Scrres, ad hunc Fe Inst., und Cujaz in ſeinen paratitl. ad Cod. tit. de Fide- uss. min einen Unterſchied zwiſchen dem Falle, wo der Bürge ſich fuͤr den Minderjährigen oder Verſchwender ver⸗ pflichtete, da ihm doch ihr Zuſtand bekannt war, und zwi⸗ ſchen jenem, wo er ihnen unbekannt war. Im erſten Falle beſteht die Bürgſchaft, nicht aber im zweyten. Dieſe Un⸗ wiſſenheit müßte indeſſen gut bewieſen werden; wenigſtens iſt es Regel: nemo debet esse ignarus conditionis ejus cum quo contrehit⸗ l. Puch. XlV. Tit. Von der Bürsſchaft. 15 Uebrigeus heißt es in dem F. 5, Inst. h., die Bürgſchaft könne der Hanpt⸗Verbindlichkeit vorhergehen, oder darauf folgen. Art. 2013.„ Die Verbärgung kann ſich auf mehr nichts „erſtrecken, als wozu der Schulner ſelbſt verpflichtet iſt, ſie kann ebenfalls nicht unter laͤſtigern Bedingungen über⸗ anommen werden. „Man kann ſich dabey bloß auf einen Theil der Schuld beſchränken, oder weniger läſtige Bedingungen übernehmen. „Eine Verbürgung, welche das Object der Hauptſchuld uͤberſchreitet, oder unter läſtigern Bedingungen geſchehen (iſt, iſt nicht ganz, ungültig; ſie iſt nur nach Maßgabe der Hauptſchuld einer Reduction unterworfen.« Stimmt mit dem F. 5, Inst. h. überein. Die roͤmiſchen Geſetze haben übrigens weitlaͤufig erklaͤrt, was man unter Verbindlichkeit, welche druͤckender als die Wre Verbindlich⸗ keit iſt, verſtehen müſſe. So kann ſich der Buͤrge nicht verpflichten, vor der Zeit zu zahlen, die dem Schuld⸗ ner zur Zahlung geſtattet worden iſt; ſo kann er ſich b) nicht unbedingt verbinden, wenn die Haupt⸗Verbindlichkeit bedingt iſt; noch c) unter einer Strafe, oder Geldbuße, wenn der Schuldner ſich ihr nicht unterworfen hat. S. den angeführ⸗ ten F., und die LZ. 3 und 68, F. h., an allen dieſen Stellen heißt es aber, daß der Buͤrge ſich zu etwas weni⸗ ger verbinden koͤnne⸗ Man warf die Frage auf, ob der Bürge ſich! zum per⸗ ſoͤnlichen Arreſte verbinden känne, wenn ſich der Haupt⸗ Schuldner demſelben nicht unterworfen hat 2 Einſtimmig wurde dieſe Frage mit Nein beantwortet. Art. 2014.„Man kann ſich verbürgen, ohne von dem⸗ jenigen, füt den man ſich verpflichtet, einen Anftrag zu „haben, und ſelbſt ohne ſein Vorwiſſen⸗ »„Man kann ebenfalls nicht nur für den Hauptſchuldner Bürgſchaft leiſten, ſondern auch ſüt denjenigen, der ſich fuͤr dieſen verbuͤrgt haten 116 m. Buch. XlV. Lit. Von der Buͤrsſchaft. Stimmt mit dem TT. 30 und 8 ff. h. uͤberein⸗ Art. 2015.„ Eine Verbürgung wird nicht vermuthet; ſie muß ansdrücklich geſchehen, und man darf ſie über die „Grenzen, worin ſie geleiſtet worden iſt, nicht ausdehnen.« Der Grund dieſes Artikels liegt in dem harten Zuſtande eines Bürgen. Art. 2016.»Eine Bürgſchaft, die man unbeſtimmt fuͤr aeine Haupt⸗Verbindlichkeit übernommen hat, erſtreckt ſich „aufalle Nebenverbindlichkeiten der Schuld, ſelbſt auf die Koſten „der erſten Klage, und auf alle diejenigen, welche auf die dem „Bürgen hievon geſchehene Ankuͤndigung erfolgt ſind.» Nach den LT. 68, h. ſ und 10, Cod. eod. iſt ein Bürge, der ſich für die Haupt⸗Summe verbunden hat, ohne von den Zinſen Erwähnung zu thun, zur Zahlung dieſer Zin⸗ ſen nicht verpflichtet; hochſtens, ſetzt Serres hinzu, müßte er die Zinſen zahlen, welche vom Tage der gegen ihn oder den Hauptſchuldner angehobenen Klage angerechnet, verfallen ſind. Dieſe Entſcheidung kann gemaͤß unſerm Artikel nicht mehr befolgt werden, es ſey dann, daß der Buͤrge ſich aus⸗ drucklich nur für das Capital verbunden haͤtte. In Hinſicht der Koſten, hat man iſich nach der Verfü⸗ fung der Ordonnanz von 1667, Tit. des garans, gerichtet.*) *) Sind die Einregiſtriruugs⸗Gebühren, die vom Acte, woraus die Schuld entſpringt, entrichtet werden müſſen, als ein Aeceſ⸗ ſorium der Schuld zu betrachten? In folgendem Falle kam dieſe Frage beym Caſſations⸗Hofe vor. Die Domainen⸗ und Einregi⸗ ſtrirungs⸗Verwaltung verpachtete dem Hrn. Sabonardiere die Salzwerke von Pecqueis; und nachdem ſie in den erſten 13 Artikeln des Pacht⸗Coſtractes die Verbindlichkeiten des Pächters beſtimmt hatte, legte ſie ihm im Art. 14 die Pflicht auf, einen Bürgen zu ſtellen. Nachher ſtipulirte ſie im Art. 15, daß der Pächter die Einregiſtrirungs⸗Gebuͤhren und ſonſtige Koſten zahlen, und alles dieſes ihm perſönlich zur Laſt fallen ſolle. Die Herren Archinard ſtellten ſich als Bürgen fuͤr den Anpaͤchter dar, und letzterer bezahlte die Einregiſtrirungs⸗Gebuͤhren, ſo wie der Empfänger derſelben ſis ihm berechnet hatte. Einige Zeit M. Buch. XlV. Tit. Von der Buͤrgſchaft. 117 Art. 2017.„Die Verpflichtungen der Bürgen gehen auf ihre Erben über, ausgenommen, daß wider ſie kein perſoͤnlicher Arreſt Statt hat, wenn die Verpflichtung von der Art war, daß der Bürge ihm unterworfen geweſen „wäre.» Stimmt mit der T. 4, F. 1. H z. überein. Art. 2018.»Ein Schuldner, der werbunden iſt, einen „Bürgen zu ſtellen, muß einen ſolchen in Vorſchlag brin⸗ »gen, der fähig iſt zu contrahiren, der ein hinlängliches „Vermögen beſitzt, um für den Gegenſtand der Schuld haf⸗ „ten zu können, und der im Umfange der Gerichtbarkeit „des Appellations⸗Hofes, in deſſen Bezirke die Bürgſchaft „geleiſtet werden ſoll, ſein Domicil hat.» In den Entwupf dieſes Artikels hatte man geſetzt, der Burge koͤnne nur aus dem Departemente genommen werden, worin er geſtellt werden müßte. Hiegegen wurde aber erin⸗ nert, daß dieſes die Befugniß, Buͤrgſchaft zu leiſten', zu ſehr hernach fand die Verwaltung, daß ber Empfänger zu wenig ge, nommen hatte, und nun erließ ſie am z. Prairial 9 J.(22. Mai 1801) zur Zahlnng des Reſtes einen Zwangs⸗Befehl ſowoh] gegen Sabonardiere als gegen Archinard Letztere legten eine Oppoſition dagegen ein, die ſie darauf gründeten, daß ſe ſſich für die Einregiſtrirungs⸗Gebühren nicht verbürgt hätten. Das Bezirks⸗Gericht von Nismes verurtheilte ſie jndeſſen am 1. Meſ⸗ ſidor 12. J.(zo. Junius 1304) zur Zahlung. Da ſie aber ih⸗ ren Recurs zum Caſſations⸗Hofe nahmen, ſo wurde dieſes urtheil am 6. Detober 1801 von der Civil⸗Sectivn aus folgenden Gruͤn⸗ den caſſirt, weil a) die Verbuͤrgungen ſtrenge erklärt werden müſſen; weil P) die Domainen⸗Verwaltung bloß zur Erfüllung der in den 13 erſten Artikeln des Contractes enthaltenen Ver⸗ bindlichkeiten Bürgſchaft im Art. 14 verlangt, dieſemnach aber e) im Art. 1 die Einregiſtrirungs⸗Gebühren dem Pächter yer, ſönlich zur Laſt geſtellt habe; ſo daß die Zahlung derſelben von den Bürgen weder Kraft einer geſeslichen Verfuͤgung, noch zu Folge einer beſondern Clauſol des Contraetes gefordert werden fönne. Journ. d. aud. ete. 1606 p. 591 u. f. B. 118 m. Büch Xlv. Tit. Von der Bürgſchaft. beſchraͤnken wuͤrde; man dehnte ſie daher auf den ganzen Umfang der Gerichtbarkeit des Appellations-Hfes aus. In der T. 2 I. qui satisd. cog. heißt es: Fidejussor „idetur idoneus, non tantum er ſacultatibus, Sed etiam er conveniendi facilitate. Art. 2019„Die Zahlungsmittel eines Bürgen berech⸗ „net man nur nach Maßgabe ſeines(hrund⸗Eigenthums, ausgenommen, wenu von Handelsſachen die Rede iſt, oder „wenn die Schuld gering iſt. „Man nimmt auf ſtreitige Immobilien, oder deren „gerichtliche Verſteigerung, weil ſie weit entfernt liegen, mit zu vielen Beſchweruiſſen verbunden ſeyn wuͤrde, keine „Rückſicht.« Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit der F. 5. qui satisd. cog bein. Plus cautionis, ſagt die 25ſte der Rechts-Marimen, est in re quäm in persönd, allein, die Handelsleute beſitzen ſelten Immobilien Der zweyte Theil beſtimmt zwar nicht, wie weit die Ent⸗ fernung ſeyn müſſe, um eine Buͤrgſchaft, die auf Immobi⸗ lien beruhen muß, verweigern zu koͤnnen; da indeſſen hier die nehmliche Bewegurſache und der nehmliche Gegenſtand, wie beym Art. 2018 eintritt, ſo könnte man ſich allerdings nach deſſen Verfügung richten. Art. 2020.»Iſt ein Bürge, welchen der Glaͤubiger, „freywillig oder bey Gerichte, angenommen hat, un⸗ „vermögeud geworden, ſeine Schulden zu zahlen, ſo muß ein anderer Buͤrge geſtellt werden. „Dieſe Regel leidet in dem einzigen Falle eine Ausnahme, wo der Bürge nur zu Folge eines Vertrags geſtellt wor⸗ aden iſt, in welchem der Gläubiger eben dieſe Perſon als „Buͤrgen verlangt hatte.«* Die Geſetzgebungs-Section hatte einen Artikel vorgelegt, welcher ſo lautete: „„Vat der Schuldner freywillig einen Buͤrgen geſtellt, „ohne dsß ihn weder ein Geſetz noch ein Urtheil dazu 2 M. Buch. XIV. Tit. Von der Bürgſchaft. 119 „verpflichtete, ſo iſt der Glaäubiger, welcher ſich damit „begnuͤgt hat, ſelbſt dann nicht mehr befugt, einen an⸗ „dern zu verlangen, wenn der geſtellte Buͤrge inſolvent „werden ſollte.“ Dieſem Artikel ſetzte man die Lehre Pothier's entgegen; wirklich macht er in ſeinem Traité des obligations n. 391, zuerſt zwiſchen Bürgen, die nach der Vorſchrift eines Ge⸗ ſetzes, oder Kraft eines Urtheiles geſtellt werden muͤſſen, und jenen einen Unterſchied, die zu Folge eines Vertrages geſtellt werden. Wird, ſagt er, ein geſetzlicher oder gericht⸗ licher Bürge inſolvent, ſo muß ein anderer geſtellt werden; in Hinſicht der Buͤrgen aber, zu deren Stellung man ſich mittelſt eines Vertrages anheiſchig gemacht hat, muß ein fernerer Unterſchied gemacht werden. Habe ich mich auf eine unbeſtimmte Weiſe, einen Buͤrgen zu ſtellen verpflichtet, und dieſer Verbindlichkeit zu Folge einen geſtellt, der nach⸗ her inſolvent geworden iſt, ſo muß ich einen andern ſtellen: habe ich aber anfangs unter der Bürgſchaft einer gewiſſen Perſon contrahirt, oder habe ich mich verbunden, eine gewiſſe Perſon als Bürgen zu ſtellen, und dieſe wird nach⸗ her inſolvent, ſo kann ich nicht angehalten werden, einen neuen zu ſtellen, weil ich bloß verſprochen habe, denjenigen als Bürgen zu ſtellen, den ich wirklich geſtellt habe. In Anſehung der geſetzlichen oder gerichtlichen Bürgen war man einig; was aber diejenigen betrifft, die zu Folge eines Vertrages auf eine beſtimmte oder unbeſtimmte Weiſe geſtellt worden ſind, hieroͤber wurde ſehr geſtritten. Einer Seits berief man ſich auf das Intereſſe des Glaͤubigers, welcher anderſt nicht, als unter guter Bürgſchaft ſein Geld lehnbar hätte vorſchießen wollen, anderer Seits auf das In⸗ tereſſe des Schuldners, welcher nicht leicht einen neuen Bür⸗ gen würde finden können. Letztere ſagten ſogar, der fernere Unterſchied, welchen Pothier macht, gründe ſich auf nichts; und immer bleibe es wahr, daß der Gläubiger den anfangs unbeſtimmten Buͤrgen eben ſo freywillig angenommen habe, wie den Beſtimmten. 125 UMI. Buch. Xlw. Tit. Von der Büigſchaft. Das Anſehen Pothier's erhielt indeſſen das Uebergewicht. Es heißt zwar a) in der T. 8, F. 5, qui Satisd. cog., es miliſſe ein neuer Buͤrge geſtellt werden, wenn der Erſte Erbe des Hauptſchuldners geworden iſt; b) in der F. 4, ut in possets. das nehmliche müſſe geſchehen, wenn der erſte Bürge geſtorben iſt, ſo wie auch c), wie die F. 10, N qut satisd. cog. worauf ſich Pothier bezicht, und die T. 4% de preæt. Stipul. ſagen, si magna inopia aocidit, vel cau- rum esse desüt: dagegen entſcheidet aber auch die F. 3, F. 3, P ut in possss. ausdruͤcklich, daß die Stellung eines neuen Buͤrgen deßwegen nicht verlangt werden könne, weil der angenommene Bürge gleich anfangs inſolsent war, in⸗ dem der Gläubiger ſich dieſes zurechnen müſſe. Ueberhaupt ſcheint es nicht⸗ daß der weitere Unterſchied, den Pochier macht, auf irgend ein beſtimmtes Geſetz gegruͤndet, oder gar in der Praris angenommen geweſen ſey. Im Journal des audiences iſt indeſſen ein Parlaments⸗ Urtheil vom 7. März 1618 vorhanden, welches entſchied, daß, wenn derjenige, welcher ſich fuͤr eine Rente verbürgt hat, inſolvent wird, der Schuldner verbunden ſey, einen neuen zu ſtellen. Bey der Discuſſion ſprach man von dieſem Falle nicht, weil man dergleichen Renten ſo anſieht, als wenn ſie außer Gebrauch gekommen ſeyen; man führte aber den Fall an, wo Jemanden ein Hammerwerk unter Stellung eines Bür⸗ gen verpachtet worden waͤre, welcher für die Unterhaltung deſſelben, und fuͤr die Verſchlimmerungen haften müſſe, die ſich der Pächter etwa zu Schulden kommen laſſen möchte. Wird ein ſolcher Buͤrge, ſagte man, inſolvent, und der Pächter wäre nicht ſchuldig, einen neuen zu ſtellen, ſo iſt der Eigenthümer ohne Sicherheit, und der Vertrag vereitelt⸗ Dieſe Einwendung ließe ſich indeſſen auf die, Kraft des Ver⸗ trages zu ſtellenden beſtimmten Bürgen eben ſo gut, als auf die Unbeſtimmten anwenden. 1 Dem ſey aber, wie ihm wolle, man muß ſich an dem angenommenen Artikel halten⸗* I. Buch. Xlv. Tit. Von der Bürgſchaft. 1e1 Zweytes Capitel. Von den Wirkungen der Bürgſchaft. Erſter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Bürgſchaft unter dem Gläubiger und dem Buͤrgen. Abt. 2021.»Der Buͤrge iſt, ſo viel ſeine Verhältniſſe „zu dem Gläubiger betrifft, nur dann verbunden, ihn zu „zahlen, wenn es der Schuldner nicht thut. Dieſer muß „vorher in ſeinen Gütern angegriffen und ausgeklagt wer⸗ „den, es ſey dann daß der Bürge auf die Rechtswohlthat der „Porausklage Verzicht gethan, oder ſich mit dem Schuldner »„ſolidariſch verpflichtet habe, in welchem Falle die Wirkun⸗ „gen ſeiner Verpflichtung nach den Regeln ſich richten, „welche fuͤr die Solidar⸗Schulden feſtgeſtellt worden ſind.« Die Wohlthat der Vorausklage wurde durch die nov. 4, cap. 2 eingeführt. Nach den ältern Geſetzen war der Glaͤu⸗ biger befugt, nach ſeinem Belieben gegen den Haupt⸗Schuld⸗ ner oder gegen die Bürgen zu klagen. T. 5 und 19, cod. de ſidejuss. 2 Art. 2022.„Der Gläubiger iſt nur dann verbunden, „den Hauptſchuldner auszuklagen, wenn der Bürge auf „das erſte gegen ihn angeſtellte gerichtliche Verfahren dar⸗ „auf anträgt.« Dolire, lib. 4, ch. 23, und Serres, p. 483 ſihnn⸗ im Gegentheile, die Vorausklage könne, in welchem Zuſtande ſich auch immer der Prozeß befinden möge, verlangt werden. Man hat indeſſen die Meinung Pothier's, n. 410 befolgt, welcher ſich darauf gruͤndet, daß ſie zu den verzögerlichen Einreden gehöre.*) % Die Einrede der Diseuſſion, ſagt inzwiſchen Herr Staats⸗ Rath Merlin im Bepertoire de Jurisprudenee, iſt zwar ver⸗ zögerlich in dieſem Sinne, daß ſie auf Verſchiebung des ge⸗ gen den Bürgen gerichteten gerichtlichen Verſahrens abzweckt, bis daß der Haupt⸗Schuldner ausgeklagt worden ſeys ſie iſt aber 122 m. Buch. Xlv. Tit. Von der Burgſchaft. Art. 20232.„Der Bürge, welcher dieſe vorlaͤufige Aus⸗ „klage verlangt, muß dem Gläubiger die Güter des Haupt⸗ „ſchuldners anzeigen, und ihm hinlaͤngliche Gelder vorſtre⸗ „cken, um die Ausklagung zu vollfuͤhren⸗ „Er muß ihm weder ſolche Guͤter des Hauptſchuldners auch in ſo weit peremtoriſch, als ſie die Befreyung des Bürgen herbeyführt, wenn der Haupt⸗Schuldner Vermoͤgen hat, um zaplen zu können. Auch lehren Baldus ad T. ult. cod. v cert. pet., Paul de Caſtres, ad T. pœn, F. ult.. de cond. indeb. Zanger d⸗ erception. p. 2, cap. 16, n. 5 und Ferriere über Guide⸗Papa§. 94 daß dieſe Einrede entgegengeſetzt wer⸗ den könne, in welchem Zuſtande ſich auch immer die Sache be⸗ ſinden moͤge; und gOlire führt(Io. 4, ch. 22) ein urtheil des Parlamentes von Toulouſe vom 3. Julius 1636 an, welches eben ſo, und zwar deßwegen erkaunt hat, weil a) dieſe Einrede irregular iſt; weil es b) von der Diseuſſion abhaͤngt, ob ſie als eine dilatoriſche oder als eine peremtoriſche erkannt werde, und man folglich e) ſie nicht als eine bloß verzögerliche Einrede, ſondern vielmehr als eine Rechtswohlthat betrachten muͤſſe, woiu es erlaubt ſey ſeine Zuflucht zu nehmen, die Sache möge ſo weit gediehen ſeyn, als ſie wolle; weil endlich d) die Bürgen ſo viel Begünſtigung verdienen, daß die Gerechtigkeit, aller Rechts⸗ Spitzſindigkeiten ungeachtet, immer im Stande ſeyn müſſe ſie in Schutz zu nehmen, wenn ſie auf ihre Hülfe Anſpruch machen. Nach dem Zeuguiſſe des Salviat, p. 294 entſchied man das nehmliche beym Parlamente von Bordeaux, und er führt ins⸗ veſondere hieruͤber ein Urtheil aus dem Monate Auguſt 761 an. Auch Serres, inst. liv. 3 t, 21,§. 4 iſt der nehmlichen Meinung. Indtſſen muß man eingeſtehen, daß das G. N. ſie ein wenig wodiſicirt habe. Der Art. 2022 war anfangs im Staats⸗Rathe ſo beſchloſſen: der Gläubiger iſt nur dann verbunden den Haupt⸗Schuldner auszuklagen, wenn der Bürge dar aufanträgt. Die Geſetzgebungs⸗ Section des Tribunates machte aber hiezu folgende Anmerkung: „die Sertion ſchlägt vor, dieſe Worte hinzuzuſetzen: auf das erſte gerichtliche Verfahren, welches gegen ihn gerichtet wird. In der That, wenn verſchiedene Pourſui⸗ ten gegen den Bürgen Statt gehabt haben, ohne daß er auf die Ausklagung des Schuldners angetragen hat, ſo wird er ſo ange⸗ ſehen, als wenn er auf die Befugniß/ die das Geſetz ihm ver⸗ m. Buch XIV. Tit. Von der Bürgſchaft. 12 „angeben, welche dem Appellations⸗Hofe des Ortes, „wo die Zahlung geſchehen ſoll, nicht unterworfen, ſondern „außer dem Umfange ſeiner Gerichtbarkeit gelegen ſind, „weder ſtreitige Güter, noch ſolche, die zwar für die Schuld „zur Hypothek geſtellt, aber nicht mehr im Beſitze des „Schuldners ſind.* leiht, Verzicht geleiſtet habe. Der Gläubiger muß nicht das Spielwerk des Eigenſinnes des Bürgen ſeyn; er muß die Bahn endigen können, worin das Stillſchweigen des Bürgen ihn vor⸗ anruͤcken ließ.“ Dieſe Bemerkung ward vom Staats Rathe an⸗ genommen: die Worte: auf das erſte gerichtliche Ver⸗ fahren, welches gegen ihn gerichtet wird, wurden dem Art. 2022 hinzugeſetzt, und mit dieſem Zuſatze hat das Geſetzgebungs⸗Corps den Artikel decretirt. Aus dieſem Zuſatze geht indeſſen, wie man klar einſicht, nicht hervor, daß das G. N. die Vorausklage dem Buͤrgen ver⸗ weigere, wenn er ſie nicht beym Anſange des Rechtsſtreites (in limine lilis) vorgebracht hat; nur muß man daraus ſchließen, daß er ſich dieſer Einrede dann nicht mehr bedienen kann, wenn er Streitigkeiten geweckt hat, die die Vermuthung begründen, daß er auf dieſe Einrede Verzicht geleiſtet habe. In dieſem Sinne hat das Tribunat den Zuſatz, wovon die Rede iſt, in Vorſchlag gebracht, und mit den Worten: auf das erſte gerichtliche Verfahren, die offenbar nicht das nehmliche bedeuten, wie jene: beym Anfange des Rechtsſtreites Gn limine litis) läßt ſich keine andere Idee verbinden. So iſt es alſo keinem Zweifel unterworfen, daß ein Buͤrge, nachdem er vergebens die uUngültigkeit ſeiner Verbürgung als Eiurede ent⸗ gegengeſetzt hat, und ſeine Bürgſchaft durch ein Urtheil für guͤltig erklärt worden iſt, ſich auf die Wohlthat der Voraus⸗ klage nicht mehr berufen könne,„. Caution,§. 4. 1. Ich kann indeſſen hier nicht unbemerkt laſſen, daß a) der Redner der Regierung, Herr Staats⸗Rath Treilhard bey Vorlegung dieſes Titels im Geſetzgebungs⸗Corps ausdrücklich ſagte, der Bürge müſſe gleich anfangs auf dieſe Wohlthat An⸗ ſpruch machen, indem jede Einrede dadurch gedeckt werde, baß man ſich in die Haupt⸗Sache einläßt, und ſich dagegen verthei⸗ digt; eben ſo ſagt b) Herr Chabot in ſeinem über dieſen Titel dem TDribunate abgeſtatteten Berichte, der Bürge könne mit dieſer Einrede nicht mehr gehört werden, wenn er ſich in 124 m. Buch. XIV. Tit. Von der Burgſchaft. Hier iſt man der Meinung des Herrn von Lamoignon, in ſeinen arretes, tit. des discussions, art. g. beygetreten, nach welcher der Glaͤubiger nicht verbunden ſeyn ſollte, die in dem Umfange der Gerichtbarkeit eines andern Parlamen⸗ tes gelegenen Güter vorläufig anzugreifeu, und anszuklagen. Art. 2024.» So oft ein Bürge über die Guͤter des⸗ „Hauptſchuldners eine Auskunft, nach Vorſchrift des vor⸗ „hergehenden Artikels gegeben, und einen Vorſchuß gethan „hat, der zur Ausklagung hinreicht, hat der Gläubiger, ſo viel ſeine Verhaͤltniſſe zum Bürgen betrifft, bis zum Be⸗ die Hauptſache eingelaſſen hätte; denn ſie ſey eine verzögerliche Einrede, die in lmine litis vorgebracht werden müſſe; und eben ſo fragte c) der Redner des Tribunats, Herr Lahary in ſei⸗ ner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps: aber wann muß der Bürge darauf antragen? Kann er es waͤhrend des ganien Prozeſſes 7 Nein, antwortete er, vieſer Antrag muß auf das erſie gegen ihn gerichtete Verfahren gemacht werden.“ uebrigens entſchied die Civil⸗Scetion des Caſſations⸗Hofes am z. Jauuar 1808, daß der vorliegende, ſo wie auch der fol⸗ gende Artikel kein neues Recht einſühren, und der Gläubiger auch ehemahls nicht gehalten geweſen ſey, den Haupt⸗Schuldner auszuklägen, wenn der Buͤrge es nicht verlangt habe; der Fall war folgender: Im J. 12.(1801—1802) ließen ldie Erben Taſchereau⸗Despietieres der Wittib Boulay nach und nach zwey Aufforderungen(Commandemens) inſinuiren, um ſie zur Zahlung einer von ihr und ihrem Manne um 8. Auguſt 1772 konſtituirten) und von mehrern Jahren her röͤckſtändigen Reute zu zwingeu. Da keine Zahlung hierauf erfolgte, ſo richteten die Glaͤubiger ihr Verfahren gegen die Erben Freeine, deren Eltern ſich in dem Contracte als Bürgen dargeſtellt hatten. Die Erben Frecine legten Oppoſition dagegen ein, und verlang⸗ ten, nicht daß das Verfahren aufgeſchoben werden möchte, bis die Hauptſchuldner ausgeklagt ſeyn wuͤrden, ſondern daß es für nichtig erklaͤrt werden möge, weil die Gläubiger nicht eher ge⸗ gen ſie verfahren koͤnnten, als nach dieſer vorläufigen Ausklage.— Die Frage war alſo zu entſcheiden, ob die Wohl⸗ that der Vorausklage von Rechts wegen Statt habe, oder ob ſie nur eine verzogerliche Einrede ſey, die das Geſetz dem Bürgen darbiethe, und die er vorbringen müſſe. Am 5. Nivoſe 14 J. m. Buch. XV. Tit. Von der Buͤrgſchaft, 125 »trage der ihm angezeigten Güter dafuͤr zu haften, wenn etwa der Hauptſchuldner, indem wider ihn nicht gerichtlich verfahren wurde, in Unvermoͤgen zu zahlen gerathen ſollte.« Dieſer Artikel iſt gegen die Meinung Pothier's, n. 414, welcher als Grundſatz aufſtellt, daß der Bürge keine ablehe⸗ nende Einrede dem Gläͤubiger entgegenzuſetzen habe. Auch veranlaßte er weitläufige Debatten. Zu Gunſten des Glaͤubigers ſagte man, er habe a) die Wahl, entweder gegen den Schuldner, oder gegen den Bür⸗ gen zu klagen; das dem Bürgen verliehene Bencficium ex— cussionis löſche b) ſeine urſpruͤngliche Verbindlichkeit zu zah⸗ len, wenn der Schuldner es nicht thue, nicht aus; ſonſt muͤßte man e) ſagen, daß die Bürgſchaft nur in der Ver⸗ bindlichkeit beſtehe, die Güter des Schuldners anzuzeigen, und die Prozeß⸗Koſten vorzuſchießen, was ſich doch uumög⸗ lich annehmen lgſſe; und da d) der Bütge gegen den Schuld⸗ ner gerichtlich auftreten könne, um ihn zur Zahlung zu zwin⸗ gen, ſo habe er eben ſo gut, wie der Gläubiger, darin ge⸗ fehlt, daß er den Schuldner habe inſolvent werden laſſen. Man muß, ſagte man zu Gunſten des Bürgen, die Aus⸗ druͤcke des Artikels nicht aus dem Geſichte verlieren; (26. December 1805) erklaͤrte das Civil⸗Gericht von Tours das Verfahren für nichtig, und der Appellations⸗Hof von Hrleaus beſtätigte dieſes Urtheil am 27. Junius 1806, weil die Gläu⸗ biger nicht befugt ſeyen, segen die Bürgen zu verfahren, bis die Hauptſchuldner vorher aus⸗ geklagt worden ſeyen. Die Erben der Bürgen ſuchten Caſſation dieſes Urtheiles hach, und ſtützten ſich auf eine Ver⸗ letzung der Art. 20a2 und 2033 des Geſ. Nap.— Mit leichter Mübe zeigten ſie, daß das angegriſſene Urtheil mit dieſen Arti⸗ keln im Widerſpruche ſtehe. Ihre Gegner ſtellten dieſes nicht in Abrede, behaupteten aber, daß die Frage, ob die Wohlthat der Vorausklage eine bloße Einrede ſey, in jene andere eingreife ob nehmlich ein Gläubiger berechtigt ſey, ſich an den Bürgen zu wenden, ehe er den Haupt⸗Schuldner ausgeklagt hat, und in dieſer Hinſicht das G. N. das Los einer im J. 177½ einge⸗ gangenen Verbindlichkeit nicht beſtimmen könne. Man muß 126 ni. Buch. XW. Tit. Von der. Bürgſchaft. er ſpricht ja von dem Falle, wo man dem Glaͤubiger nicht nur die Güter angezeigt, ſondern auch Geld hergegeben hat, um den Hauptſchuldner auszuklagen; wenn der Bürge dieß gethan hat, dann darf er auch allerdings darauf rechnen, daß der Glaͤubiger die zur Ausklagung des Schuldners er⸗ forderlichen Schritte vornehme; vernachläßigt der Glaͤubiger dieß zu thun, deſto ſchlimmer für ihn. Man ſchlug vor, den Glaͤubiger nicht eher als nach Ablauf einer Friſt von drey Monaten vom Aner⸗ biethen des Geldes angerechnet, verantwortlich zu machen, und wirklich wurde dieſe Modification angenommen; als in⸗ zwiſchen nachher der Artikel, ſo wie er iſt, wieder vorgebracht wurde, nahm man ihn ohne allen Einſpruch an⸗ alſo ſagten ſie! ſich an den Grundſätzen des alten Rechtes hal⸗ ren. Nun erlaubt aber die Nov. 4 Cap 1 dem Gläubiger nicht eher den Bürgen anzugreifen, als bis der Hauptſchuldner aus⸗ geklagt worden iſt. Sie ſagt nicht, daß ſie eine bloße verzoͤger⸗ liche Eiurede zu Gunſten des Bürgen einführe; auch kann nach der Lehre des Domat(Tit. des cautlons, Lect. 2, n. 1.) und Bourjon(Droit commun de la France) ein Bürge nur dann erſt belangt werden, wenn der Gläubiger alles gethan hat, um den Hauptſchuldner auszuklagen, und ſeine Befriedigung nicht hat erhalten können; und da das G. N in dieſer Hinſicht ein neues Recht eingeführt hat, ſo kanun man ſich auf deſſen Verfuͤgung mit Grund nicht berufen. Das obige urtheil wurde indeſſen caſſirt, weil es dem im Gerichtbarkeits⸗Umfange des ehemahli⸗ gen Parlamentes von Paris beſtändig beobachteten Rechte, und den Art. 20 22 und 2023 des G. N., wodurch es gehandhabt worden ſey, zuwider gehandelt habe.— In der That, hatte die Nov. 4, esp. 1. die Wohlthat der Vorausklage, die das alte Recht nur in beſondern Fällen verlieh, auf alle Bürgen über⸗ haupt ausgedehnt; bloß deßwegen aber? weil es nur eine Wohl⸗ that war, konnten die Buͤrgen darauf Verzich: leiſten. Dieſe Wohlthat war alſo nur eine, zu ihren Gunſten eingeführte, und zwar bloß verzögerli che Eindede, die die Klage des Gläu⸗ bigers nicht aus dem Wege räumt, ſondern bloß ihre Ausübung auſſchiebt. Jurispr. ae 12 0. de C. 1308 p 111 u⸗ f. u9 ſen li⸗ ind bt dit Ute er h ieſe und in⸗ n M. Buch XIV. Tit. Von der Bürgſchaft. ra Uebrigens wurde bey der vorliegenden Discuſſion, was wohl zu bemerken iſt, angenommen, daß der Gläubiger nicht befugt ſey, das Anerbiethen der zur Ausklagung hinreichen⸗ den Gelder auszuſchlagen; wirklich ſtimmt dieſes auch mit der ehemahligen Praxis überein. S. Pothier, a. a. D. Art. 2025.„Haben mehrere Perſonen ſür eine und „dieſelbe Schuld ſich als Bürgen deſſelben Schuldners dar⸗ „geſtellt, ſo iſt eine jede von ihnen für die ganze Schuld verpflichtet.» Stimmt mit dem F. 4, Inst. h. überein. Art. 2026.»Eine jede von ihnen kann gleichwohl, vor⸗ »ausgeſetzt, daß ſie auf die Rechtswohlthat der Theilung nicht „ Verzicht gethan hat, fordern, daß vorläufig der Glaͤubiger »ſeine Klage theile, und ſie auf den Antheil eines jeden „Bürgen beſchränke. „Wenn in dem Zeitpunkte, wo einer der Burgen bewirkt hat, daß auf Theilung der Klage erkannt wurde, ſich et⸗ liche unter ihnen befanden, die unvermögend waren zu zah⸗ «len, ſo bleibt dieſer Bürge nach Verhältniß der Antheile „derjenigen, die nicht zahlen können, venpflichtet; man kann *ihn gleichwohl dafuͤr nicht mehr in Anſpruch nehmen, daß „ſpaͤterhin und nach dieſer Theilung noch mehrere in Unver— emögen zu zahlen gerathen ſind.» Dieß iſt eine zweyte Einrede, die der Kaiſer Zadrian zu Gunſten der Bürgen eingefühet hat, wie uns der ſchon ar⸗ geführte F. z. belehrt, nach welchem ſich unſer Artikel richter, Dieſe Einrede bleibt indeſſen, ſo wie jene der Voraus⸗ klage ganz gewöhnlich ohne Wirkung, weil es faſt gebräuch⸗ lich iſt, die Bürgen darauf Verzicht leiſten zu laſſen.*) * In dem vorliegenden Artikel heißt es nicht, wie im Art. 20 22, daß die Einrede der Theilung auf das erſte gerichtliche Verfah⸗ ren, welches gegen den Bürgen gerichtet wird, vergebracht wer⸗ den müſſe. Auch iſt Pothier in ſeinem Traits des o57 arion n. 426, der Meinung, daß die Einrede der Theilung die Sach⸗ moͤge ſo weit gediehen ſeyn als ſie wrlle; ſe'ſ in der Appel⸗ 125 m. Buch. XlV. Tit. Von der Buͤrgſchaft⸗ Art. 2027.„Hat der Gläubiger ſelbſt und freywillig „ſeine Klage getheilt, ſo kann er von dieſer Theilung nicht abgehen, wenn ſchon ſelbſt vor der Zeit, da er ſie auf „ſolche Weiſe bewilliget hat, ein oder anderer Buͤrge unver⸗ a moͤgend geweſen ſeyn ſollte zu zahlen.» Hier trug man darauf an, daß die beym Art. 2024 an⸗ genommene Modification, d. h. die Friſt von drey Monaten, wovon wir bey geſagtem Artikel geſprochen haben, ebenfalls im Falle des vorliegenden Artikels angenommen werden möchte. Die Urſache iſt nicht in beyden Fällen die nehmliche, antwortete man; denn im Falle des Art. 2024 iſt der Gläu⸗ biger zur Ausklage verbunden, wogegen im Falle unſeres Artikels der Gläubiger ſelbſt die Klage getheilt hat. Ohne⸗ hin haben wir aber bereits erinnert, daß geſagte Modifica⸗ tion, ſo gar im Falle des Art. 2024, in ſeiner ſchließlichen Redaction hinweggelaſſen worden iſt. 3 weyter Ab ſchnitt.⸗ Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter dem Schuldner und dem VBürgen. Art. 2028.„Ein Buͤrge, der Zahlung geleiſtet has, „hat ſeinen Regreß wider den Hauptſchuldner, die Bürg⸗ „ſchaft mag mit oder ohne Vorwiſſen des Schuldners über⸗ nommen worden ſeyn. lations⸗Inſtam noch vorgebracht werden konne. Die urſache, die er hievon angibt, iſt dieſe, weil die Einrede der Theilung dahin abzielt, die Klage des Gläubigers gegen denjenigen; der 3 ſie vorſchützt, in ſo ſerue gänzlich auszuſchließen, als ſich die Antheile ſeines Mitbürgen betragen, und folglich mehr zerſtörlich⸗ als verzögerlich iſt. Zur unterſtützung dieſer Vehauptung beruft er ſich auf bie T. 10, 5. 1,(Cod. J. uebrigens iſt es keinem Zweifel unterworfen, daß die Einrede der Borausklage dann, wenn ſich die Bürgen ſolidariſch mit dem Hauptſchuldner ver⸗ bunden haben, und jene der Theilung dann hinwegfalle, wenn die Bürgen ſich ſolidariſch untereinander verbunden haben. S. die Art. 1201 und 1203 des Geſ. Nap. III. Buch. XIV. Tit. Von der Bürgſchaft, 129 »Dieſer Regreß hat nicht allein für das Capital, ſon⸗ »dern auch für die Zinſen und Koſten Statt; in Hinſicht der „Koſten hat der Bürge gleichwohl nur in ſo weit einen Re⸗ greß, als ſie von ihm verwendet worden ſind, nachdem er das wider ihn gerichtete Verfahren dem Hauptſchuldner an⸗ „gekuͤndiget hatte. „Er hat kgleichfalls ſeinen Regreß fuͤr den erlittenen Schaden und entbehrten Gewinn, in ſo fern dieſer Fall aeintritt.« Stimmt mit dem F. 6. Inst. de ſide. überein. Der Buͤrge, welcher bezahlt hat, kann nicht nur das Capital und die Zinſen zurückfordern, ſondern auch Zinſen von dieſen Zinſen, welche er bezahlt hat, zfordern, weil ſie fuͤr ihn ein Capital ſind. Allgemein war dieſes auch in der Praris angenommen. S. Polive, liv. 4, ch. 32 in Rn., Catellan, liv. 6, ch. 8, Argon, Serres, ete. In Hinſicht der Koſten, hat man ſich nach der Verfü⸗ gung der Ordonnanz von 1667, Tit. des garans, gerichtet. Art. 2029.„Der Bürge, welcher die Schuld gezahlt hat, tritt in alle Rechte ein, welche der Gläubiger wider „den Schuldner hatte.« Von Rechts wegen tritt alſo der Bürge in die Rechte des Gläubigers ein. Das Gegentheil iſt zwar in der T. 39, de ſidej. enthalten; allein die Verfügung dieſes Geſetzes ſah man ſelbſt in den Provinzen, ſworin das roͤmiſche Recht galt, als ungerecht an. S. Maynard, lio. a, ch. 9, und Polive, liv. 4, ch. 31.*) Art. 2030.„ Waren es mehrere Hauptſchuldner, welche ſammt und ſonders fuͤr dieſelbe Schuld zu haften hatten, *) Daß übrigens die Verfüguns dieſes Artikels ſelbſt dann ein⸗ trete, wenn ſchon die Verbürgung vor der Verkündung des Geſetzbuches geſchehen wäre, dieß bedarf keiner Ausführung. S. hierüber die Jurispr. de la C. de C. 1565 p. 451 1. f. B. IV. Mallev. 9 130 m. Vuch. Xlv. git. Von der Bürzſchaft. „ſo iſt der Bürge, der ſich fuͤr alle verbürgt hat, berechti⸗ «get⸗ wider einen jeden aus ihnen für das Ganze, was er „gezahlt hat, den Regreß zu nehmen.» S. Pocthier, n. 441. Art. 2031.„Der Bürge, der zuerſt die Schuld zablte⸗ „hat keinen Regreß wider den Hauptſchuldner, der ſie aber⸗ „mahls gezahlt hat, wenn er ihn über die von ihm geſche⸗ „hene Zahlung nicht benachrichtiget hat; ihm bleibt gleich⸗ „wohl die Klage auf Zurückforderung wider den Gläubiger «vorbehalten. „Hat der Bürge Zahlung geleiſtet, ohne daß ein gericht⸗ „liches Verfahren wider ihn Statt hatte, und ohne daß er „den Hauptſchuldner davon benachrichtigte, ſo hat er wider aihn keinen Regreß, wenn der Schuldner in dem Augenblicke „der geleiſteten Zahlung Gründe gehabt hätte, wodurch er „erwirken konnte, daß die Schnld für erloſchen erklärt wurde, „ſeine Klage auf Zurückforderung wider den Gläubiger bleibt „ihm gleichwohl vorbehalten-« Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit der F. 29, F. 3, mand. überein. Hierin heißt es ebenfalls, daß der Schuld⸗ ner, welcher bezahlt⸗ auch den Bürgen davon benachrichti⸗ gen müſſe. Fimiliter reus volvens ſidejussorem vuum certio- rare debet. Der zweyte Theil ſtimmt mit der T. 10,§. 13, eòd. uͤberein. Art. 2032.»Der Bürge kann, ſelbſt ehe er Zahlung „geleiſtet hat, wider den Schuldner klagen, um von ihm „entſchädiget zu werden: 1)„Wenn er der Zahlung halber gerichtlich verfolgt wird; 2)„Wenn der Schuldner fallit geworden, oder ſein „PVermögen gänzlich in Verfall gerathen iſt; 3)„Wenn ſich der Schuldner verpflichtet hat, in einet „beſtimmten Friſt ihm die Entlaſſung von ſeinet Verbindlich⸗ „keit beyzubringen; UM Buch. Xw. Lit. Von der Buͤrgſchaft. 131 4)„ Wenn die Schuld durch Ablauf des Termins, wo⸗ „rauf ſie contrahirt war, faͤllig und klagbar geworden iſt; 50)»Nach Umlauf von zehn Jahren, wenn die Haupt⸗ „Verbindlichkeit keinen beſtimmten Verfalltag hat; es ſey »dann, daß die Hauptverbindlichkeit von der Art nicht iſt, *daß ſie vor einer beſtimmten Zeit getilgt werden kann, wie *dieſes bey einer Vormundſchaft der Fall iſt.— Stimmt mit der T. 10, cod. mandati, und mit der T. 33, H eod. überein. e Unter dem Worte diu, welches in der T. 38 vorkommt, wo es heißt: Si reus diu in solutione cesavit, verſtand man in der Praxis zehn Jahre. Iſt der vorliegende Artikel auch auf die conſtituirten Ren⸗ ten anwendbar? d. b. Wenn der Schuldner die Rente richtig bezahlt, kann der Bürge ihn nach zehn Jahren zwingen, das Capital abzulegen, wenn ſchon hierüber im Acte nichts ausbebungen worden iſt? Beym Parlamente von Toulouſe entſchied man diefe Frage mit Nein. Catellan, I. Serres, p. 482.— Dagegen ſagt Pothier, n. 445, die entgegengeſetzte Meinung ſey in der Praris angenommen, und beruft ſich zur Unter⸗ ſtͤtzing ſeiner Meinung auf Basnage, part. 2, ch. 5, und auf ein von Rousseaud angeführtes Parlaments⸗Urtheil. Da unſer Artikel keinen unterſchied macht, ſo muß man meines Erachtens die Meinung Pothier's befolgen. In der That iſt zwiſchen demjenigen, der ſich fuͤr eine Vormund⸗ ſchaft, fuͤr eine auf lange Jahre geſchloſſene Pachtung, für einen Ehemann wegen der Zurückgabe des Brautſchatzes verbürgt hat, und zwiſchen jenem“ der ſich für eine conſti⸗ tuirte Rente als Bürge dargeſtellt hat, ein großer Unter⸗ ſchied: erſterer kann freylich ſeiner Verbindlichkeit ſo lange nicht entledigt werden, als die Vormundſchaft, die Pachtung, oder die Ehe dauert; Renten⸗Capitalien aber kann man ab⸗ legen, und täglich ſieht man wirklich, daß dergleichen Caßt talien abgelegt werden⸗ 132 m. Buch. XIV. Tit. Von der Bürgſchaft⸗ Dritter Ab ſchnitt⸗ Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter den Mitbürgen. Art. 2033.„Wenn mehrere Perſonen wegen einer 4„und derſelben Schuld ſich für eben denſelben Schuldner „verbürgt haben, ſo hat der Bürge, der die Schuld gezahlt „hat, ſeinen Regreß wider die uͤbrigen Bürgen und zwar „wider einen jeden für ſeinen Antheil⸗ „Dieſer Regreß hat jedoch nur dann Statt, wenn der „Btlirge in einem der im vorhergehenden Artikel ausgedruck⸗ „ten Fälle gezahlt hat.» Nach dem roͤmiſchen Rechte hatte der Buͤrge, welcher be⸗ zahlt hatte, gegen ſeine Mitbuͤrgen nur dann eine Klage, wenn er ſich die Rechte des Gläubigers hatte übertragen Rechte des Gläubigers ein. D'Argentré über den Art. 213 des Gewohnheits⸗Rechtes von Bretagne; Pothier, n. 445 Serres, p. 484. In unſerem Artikel heißt es, der Regreß des Bürgen gegen ſeine Mitbürgen habe nur in den im vorhergehenden Artikel ausgedruckten Fällen Statt. In der That, wollte er außer dieſen Fällen ſeine Mitbuͤrgen zwingen, ſich mit ihm zu vereinigen, um ſich ihrer Verbindlichkeit zu entledigen, ſo würde man ihn mit dieſem Geſuche abweiſen; ſo gar wenn er bezahlt hätte, könnte er ſie nicht unmittelbar zwingen, ihm ihren Theil zurückzuerſtatten; nur waͤre er in die Rechte des Gläubigers eingeſetzt, um ſie gegen den Schuldner, und die übrigen Buͤrgen auf die nehmliche Art geltend zumachen, wie der Gläubiger es hätte thun können⸗ S. Pothier, a. a, O⸗ Drittes Capitel. Von Erloſchung der Buͤrgſchaft⸗ 4 Art. 2033.» Die aus einer Verbürgung entſtehende „Verbindlichkeit erliſcht aus eben den urſachen, aus welcheu die übrigen Verbindlichkeiten aufhören⸗« laſſen; in Frankreich trat er aber von Rechts wegen in die MI. Buch. XIV. Tit. Von der Bürgſchaft. 133 Porzüglich erliſcht ſie mit der Hauptverbindlichkeit, wo⸗ von die Bürgſchaft nur das Acceſſorium iſt. Pothier, n. 406. Art. 2035.„ Die Confuſion, die ſich in der Perſon des „Hauptſchuldners und ſeines Bürgen ereignet, indem einer »von ihnen der Erbe des andern wird, hebt die Klage des „Gläubigers wider denjenigen nicht auf, der ſich für den »Bürgen verbürgt hat.« Art. 2036.„Der Bürge iſt berechtiget, dem Glaͤubiger »alle die Einreden entgegenzuſetzen, welche dem Haupt⸗ »ſchuldner zuſtehen, und welche der Schuld ankleben. „Er kann gleichwohl jene Einreden nicht vorſchützen, welche dem Schuldner bloß für ſeine Perſon zuſtehen.„ Cum leæ contractui oecurrere voluit, ſidejussor lquoque liberatur. T, 46, T h. D. h., iſt der Contract, ohne alle Rückſicht auf die Perſon des Hauptſchuldners, ungültig, oder kann er wegen irgend eines dem Contracte ſelbſt an⸗ klebenden Fehlers, z. B. wegen Argliſt, Irrthum, Zwang, Gewaltthätigkeit, Verletzung, oder gar wegen der Eigenſchaft der Sache, die der Gegenſtand des Contractes iſt, fuͤr nichtig erklaͤrt werden, ſo kann ſich der Bürge aller dieſer Mittel, ſo wie der Schuldner ſelbſt, bedienen; iſt aber der Contract bloß wegen der Eigenſchaft der Perſon des Schuldners, z. B⸗ weil er ein Minderjähriger, ein interdicirter Verſchwender iſt, nichtig, oder der Resciſſion unterworfen, ſo beſteht die Bürgſchaft, wenn ſchon der Schuldner ſich gegen ſeine Ver⸗ bindlichkeit in den vorigen Stand wiedereinſetzen läßt. S. Rousseaud, V. Caution, Sect. 5 n. 7, wo alle ſich hierauf beziehende Schriftſteller angeführt werden. Der Bürge, ſetzt Rousseand nach dem F. 4 inst. de re- plicat. hinzu, bleibt verbunden, wenn ſchon der Schuldner zur Rechtswohlthat der Güter-Abtretung zugelaſſen wird, und dieß iſt meines Erachtens gerecht.*) *) Dem vorliegenden Artikel zu Folge kann alſo a) ein Buͤrge, der zugleich mit dem Hauptſchuldner ſich als Beklagter vertheidigt 134 mm. Buch. XW. Tit. Von der Bürgſchaft. Art. 2037.„Der Buͤrge iſt ſeiner Verbindlichkeit ent⸗ «lediget, wenn es durch ein Factum des Gläubigers nicht „mehr möglich iſt, die Einſetzung des Bürgen in die Rechte, „Hypotheken und Privilegien dieſes Gläubigers zu bewirken. Z. B. Wenn der Schuldner durch Verſchulden des Gläu⸗ bigers freygeſprochen worden iſt, oder wenn der Gläubiger den Schuldner von ſeiner Verbindlichkeit befreyt hat. S. Pothier, n. 520. Art. 2038.„Hat der Gläubiger ein liegendes Gut oder jede andere Sache für die Hauptſchuld an Zahlungsſtatt „freywillig angenommen, ſo iſt der Bürge hiedurch befreyt, „ſelbſt dann, wenn der Glaͤubiger die ſe Sache durch Eviction „wieder verliert.* Acquisitd semel eæceptione paoti, ſdejussor iterim non obligatur invitus. T. ult. h de pactis. Ehemahls war indeſſen dieſe Frage ſehr ſtreitig, und bey Basset und Bas- nage findet man hlerüber Parlaments⸗Urtheile für und wider. Art. 2039.„ Eine bloße Verlaͤngerung der Zahlungs⸗ friſt, welche dem Hauptſchuldner von dem Glaͤubiger ageſtattet worden iſt, befreyt den Bürgen nicht, der in die⸗ „ſem Falle wider den Schuldner klagen kann, um ihn zur „Zahlung zu zwingen.» hat, und mit ihm verurtheilt worden iſt, vom urtheil appelli⸗ ren, oder Caſſation dagegen nachſuchen, wenn ſchon der Haupt⸗ ſchuldner es dabey bewenden läßt; ſo gar kann er P) Gruͤnde geltend machen, die der Hauptſchuldner allein vor dem urtheile geltend gemacht hatte; und aus der nehmlichen urſachs wird auch e) ein zu Gunſten des Pauptſchuldners erlaſſenes urtheil ſo angeſehen, als wenn es zu Gunſten des Bürgen erlaſſen wor⸗ den wäre; verurtheilte man den Letztern, nachdem man den Erſtern freygeſprochen hat, ſo waͤre dieß dem Anſehen einer rechtskraͤftigen Entſcheidung zuwidergehandelt.— Verſteht ſich mit Vorbehalt der in der Anmerkung des Herrn Verfaſſers ent⸗ haltenen Diſtinetion. S. Repertoire de Jurispr.. Cuution, 5. 45 3 B⸗ * — ln. Buch. Xlw. Tit. Von der Bürgſchaft. 135 Hier iſt man der Meinung Pothier's beygetreten, die mit jener des Vinnius übereinſtimmt. Der entgegengeſetzten Mei⸗ nung war inzwiſchen Fachin, Controv. lib. 2, cap. 88, wenn die Verlaͤngerung der Zahlungsfriſt ſehr groß war, und der Schuldner in der Zwiſchenzeit inſolvent wurde. Der Bürge entſchließt ſich ſelten, den Schuldner zu verfolgen, wenn man ihn ſelbſt in Ruhe laͤßt. Viertes Capitel. Von der geſetzichen und der Kgerichtlichen Bürgſchaſt. Art. 2040.„ So oft jemand durch eine Verordnung des „Geſetzes oder zu Folge eines urtheils verpflichtet iſt, Bürg⸗ »ſchaft zu ſtellen, müſſen bey dem Bürgen, den er in Vor⸗ »ſchlag bringt, die im 2018. und 2019ten Artikel vorge⸗ „ſchriebenen Bedingungen eintreten. Iſt von einer gerichtlichen Blrgſchaft die Rede, ſo muß ⸗der Bürge noch außer dem unter die Zahl derienigen ge⸗ *hören, wider welche, wegen ihrer Schulden, ein perſon⸗ „licher Arreſt erkannt werden darf.⸗ Für Verbindlichkeiten, die mit der Juſtitz eingegangen werden, werden, wie Herr Treilhard, als er dieſen Titel dem Geſetzgebungs⸗Corps vorlegte, in Betreff des zweyten Theiles unſeres Artikels ſagte, ſtarkere Bande und groͤßere Sicherheits⸗Maßregeln erfordert; ohnehin wird die Strenge dieſer Verfügung durch den folgenden Artikel gemildert. Art. 2041.»Wer keinen Bürgen finden kann, dem wird »es erlaubt, an deſſen Stelle ein hinlängliches Unterpfand „auszuliefern.« Art. 2042.„Der gerichtliche Bürge kann nicht da⸗ „rauf antragen, daß der Hauptſchuldner vorher ausgeklagt „werde.« Dieß war in der Praris allgemein angenommen. S. Lapeyrère, lett. D, n. 38; Rousseaud, V. Caution, Sect. 3, n. 1/ Serres, p. 83. 136 U. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. Die beyden letztern Schriftſteller lehren ſogar, daß die gerichtlichen Bürgen die Rechtswohlthat der Theilung eben⸗ falls nicht als Einrede entgegenſetzen können. Rousseaud ſagt ferner, daß diejenigen, die ſich unter Kaufleuten verbürgt haben, ſich der Wohlthat der Voraus⸗ klage nicht bedienen können, und führt zur Unterſtützung dieſer Meinung viele Rechtslehrer an⸗ Art. 2043.„Wer fuͤr einen gerichtlichen Buͤrgen ſich „unbedingt verbuͤrgt hat, kann nicht fordern, daß der Haupt⸗ ſchuldner und der Buͤrge zuerſt ausgeklagt werden.» Ueber dieſe Frage waren die Meinungen ehemahls ſehr verſchieden. S. Lapeyrère, a⸗ a. D. Sogar führt Rousseaud ein Parlaments⸗Urtheil an, wel⸗ ches der Meinung, die der Artikel angenommen hat, zuwi⸗ der iſt; meines Erachtens iſt er aber derjenigen beygetreten, die mit dem Geiſte des ganzen Geſetzes am meiſten über⸗ einſtimmt. Uebrigens wird man bemerken, daß in dieſem Titel kein Wort von dem berühmten vellejaniſchen Senatus⸗Conſultum vorkommt, welches den Frauensperſonen verboth, ſich fuͤr einen andern zu verbuͤrgen. Dieſes Senatus⸗Conſultum wurde in den Provinzen, worin das römiſche Recht galt, ſtrenge beobachtet, unerachtet der König Henrich IV. es mittelſt ſei⸗ nes Edictes vom J. 1604 abgeſchafft hatte. Jetzt kann es indeſſen nirgends'mehr vollzogen werden. Füͤnfzehnter Titel. Von dem Vergleiche. (Deer. den 20. Rurz 180 4. Promulgirt den 30. des nehml. Mon.) (S. den Tit. 13 des B. 2 der Pandecten, und den LTit⸗ 4 des B⸗ 2 im Coder.) 5 Art. 2044.»Der Vergleich iſt ein Contract, wodurch „dieParteyen entweder einen ſchon entſtandenen Rechtsſtreit „beylegen, oder einem bevorſtehenden Rechtsſtreite zuvor⸗ „kommen.« e III. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. 137 „Dieſer Contract muß ſchriftlich abgefaßt werden.⸗ hder zuvorkommen. Nicht nur über einen ange⸗ fangenen Prozeß, ſondern auch dann kann ein Vergleich ge⸗ ſchloſſen werden, wenn ein Rechtsſtreit zu befürchten iſt, propter timorem litis. T. 2, cod. h. Dieſe Beſorgniß muß indeſſen wirklich und gegründet, ſie darf nicht erdichtet ſeyn, um eine andere Handlung mit dem Nahmen eines Vergleiches zu belegen, nec litem ſingere licet, ut transactio fiat; denn ſonſt wäre es anderſt nichts als ein ſimulirter Vertrag. Dumoulin, in T. 6. cod. de Sacrosanct. eoccl. Dieſer Contract muß ſchriftlich abgefaßt werden. Da' man eine faſt aͤhnliche Verfuͤgung in Anſehung des Verkau⸗ fes der Immobilien antrifft, und die Redner der Regierung und des Tribunates doch der Meinung waren, daß der Ver⸗ kauf eines unbeweglichen Gutes, welches den Werth von 150 Fr. nicht uͤberſteigt, durch Zeugen bewieſen werden könne, ſo kann man annehmen, daß es ſich eben ſo mit dem Vergleiche verhalte. S. den Art. 1582. Art. 2045.„Um ſich zu vergleichen muß man die „Faͤhigkeit haben, über die im Vergleiche begriffenen Gegen⸗ »„ſtände zu verfügen.« „Ein Vormund kann ſich im Nahmen des Minderjähri⸗ »gen oder des Interdicirten nur nach Vorſchrift des 367. „Artikels unter dem Titel von der Minderjohrigkeit, der »Pormundſchaft und der Emancipation vergleichen; mit „dem Minderjährigen, der ſeine Volljährigkeit erreicht hat, „kann er ſich über die Vormundſchaftsrechnung gleichfalls „nur nach den Beſtimmungen des 472⸗ Artikels unter dem⸗ „ſelben Titel vergleichen.« »Die Gemeinden und öffentlichen Anſtalten können ſich „nur mit ausdruͤcklicher Ermaͤchtigung des Kaiſers ver⸗ „gleichen.«*) *) Regierungs⸗Beſchluß vom 21. Frimaire 12. J.(13. Decem⸗ ber 1803.) 133 1II. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. Man ſehe die Artikel, worauf ſich der vorliegende bezieht. Art. 20 46.»Man kann ſich uͤber das aus einem Ver⸗ „brechen entſtehende Privat⸗Intereſſe vergleichen. „Der Vergleich hindert das gerichtliche Verfahren des „öffentlichen Miniſteriums nicht.« Herr Bigot hat in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps bey Vorlegung dieſes Titels die Gebräuche der Roͤmer in Vetreff der Vergleiche uͤber Verbrechen, und die Mängel dieſer Gebraͤuche ſehr gut auseinandergeſetzt. Zuerſt läßt er die Bemerkung einfließen, daß es in Rem keinen Beamten gab, der mit dem Anklagen und der öffentlichen und gericht⸗ lichen Verfolgung der Verbrecher beauftragt war, wie dieß doch bey uns der Fall iſt.— Ich ſetze, nach der Lehre Mon⸗ tesquieus noch hinzu, daß man die erſte Erwähnung ſolcher Beamten, die unſern kaiſerlichen Proeuratoren aͤhnlich ſind, in den Geſetzen Jacobs M. Königes von Majorka antrifft.— Vormahls hatte jeder Buͤrger in Anſehung oͤffentlicher Ver⸗ Prechen, mit Ausnahme jedoch des Ehebruches, unerachtet er auch als ein oͤffentliches Verbrechen angeſehen wurde, das Recht, anzuklagen; was aber die Privat⸗Verbrechen betraf, worunter der einfache Diebſtahl, furtum, begriffen war, waren nur die Parteyen berechtigt, ſie zu verfolgen. S. die TT. 1, h de publ. jud, und ult. F. de privat. delict. Art. 1. Bey allen ſchon vorhandenen, ſo wie auch bey jenen Proieſſen, welche künftig zwiſchen Gemeinden und Privat⸗ Perſonen uͤber Eigenthumsrechte entſtehen mögen, können die Gemeinden erſt nach einem vorhergegaugenen Beſchluſſe des Mu⸗ nicipal⸗Rathes und mit Genehmigung des Präfecten des Depar⸗ tements, welcher ſie nach der Meinung des Präfeetur⸗Rathes ertheilt, ſich vergleichen; der Beſchluß des Muniripal⸗Rathes wird auf das eiugehohlte Gutachten dreyer von demſelben Prä⸗ ſeeten bezeichneten Rechtsgelehrten genommen. z. Dieſer Vergleich, um definitiv gültig zu ſeyn, muß durch einen Beſchluß der Regierung(ein kaiſerliches Deeret)“ welches in der ſür die Verordnungen öffentlicher Verwaltung votgeſchriebenen Form erlaſſen iſt, beſtaͤtiget werden. —— UM. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. 139 Aus dieſen Einrichtungen entſprangen die römiſchen Ge⸗ ſetze über die Vergleiche; üͤber Privat⸗Verbrechen konnte man ſich vergleichen, weil nur die Parteyen dabey ein Intereſſe hatten; auch war es noch, aus einem Grundſatze von Menſch⸗ lichkeit, erlaubt, ſich uͤber Verbrechen zu vergleichen, die mit dem Tode beſtraft wurden, omnis honesta ratio empe- diendæ valutis. In Anſehung der übrigen öffentlichen Ver⸗ brechen aber war dieſes vervothen, das Falſum war hievon ausgenommen; wenigſtens bin ich der Meinung, daß den TL. 7 und 12 cod. ad T. Corn. de falsis zu Folge, nach welchen die Anklage wegen eines Falſums nur durch eine Verjährung von zwanzig Jahren, oder durch einen Vergleich, oder durch den vor dem Urtheile erfolgten Tod des Schuldigen ausge⸗ ſchloſſen wird, die in der Z. 18, cod. de transact. vorkom⸗ menden Worte: citrà falsi accusationem in dieſem Sinne verſtanden werden muͤſſen.*) In den Fällen, worin es nicht erlaubt war, ſich zu vergleichen, wurde der Vergleich als ein Geſtändniß von Seiten des Schuldigen, und als eine Pflicht⸗Verletzung von Seiten des Anklagers, welcher von der Anklage abſtand, angeſehen. Ueber alles dieſes ſehe man die geſagte T. 18. cod.; die T. 5, H de his qui not. inf. und die P. 9, cod. de cont. et comm. stipul. Tacitus belehrt uns, wie viel Unheil diejenigen, welche die Rolle eines Anklägers ſpielten, unter dem Tiberius und den übrigen ſchlechten Fuͤrſten, die ihm nachfolgten, anrich⸗ teten; und wahrſcheinlich hatte dieſe oft wiederhohlte Erfah⸗ rung zur Folge, daß öffentliche Beamten angeſtellt wurden, wovon man mehr Unparteylichkeit, und eine ausgedehntere Wachſamkeit hoffen mußte. Sobald indeſſen ein öffentlicher Beamter mit der Verfol⸗ gung des Verbrechers beauftragt iſt, dann ſteht zwar den *) Man ſehe inniſchen Noodt, g Vinuius, Glück und mehrere andere über dieſe Materie. B. — 140 UM. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. Parteyen nichts im Wege, ſich über ihr Privat⸗Intereſſe zu vergleichen; ein ſolcher Vergleich kann ſogar nicht als ein Geſtaͤndniß, von Seiten des Angeklagten angeſehen werden, denn das bloße Verlangen, ſich einer erniedrigenden und ge⸗ fährlichen Prozedur zu entziehen, kann einen Unſchuldigen ganz gut bewegen, etwas aufzuopfern, um denjenigen zu entwaffnen, der den oͤffentlichen Beamten zur Verfolgung des Verbrechens antreibt; es hindert aber letztern nicht, ſein Verfahren fortzuſetzen, wenn er es dienlich erachtet, und es bedarf wohl keiuer Erinnerung, daß er ſich noch weniger als die ehemahligen Ankläger vergleichen dürfe. Art. 2047.»Einem Vergleiche kann man die Clauſel „hinzufügen, daß derjenige, der ihn nicht erfuͤllen wird, „eine Conventional⸗Strafe erlegen ſoll.« Art. 20g8.»Vergleiche bleiben auf ihren Gegenſtand »eingeſchraͤnkt; hat man hierin auf alle Rechte, Klagen und „Forderungen Verzicht gethan, ſo verſteht ſich dieſes nur von „denjenigen Anſprüchen, welche ſich auf den Streit beziehen, „der den Vergleich veranlaßte.« Non ultré conventa. cum iniquum sit perimi pacto id de quo cogitatum non docetur. T. 9, F. 1, h h. Art. 2099.»Vergleiche ſchlichten nur diejenigen Strei⸗ „tigkeiten, welche darin begriffen ſind, die Parteyen mögen „durch ſpecielle oder allgemeine Ausdrücke ihre Geſinnung »geäußert haben, oder man mag dieſe Geſinnung durch eine „nothwendige Folge deſſen, was hierin ausgedruckt iſt, »erkennen.« Dieſer Artikel iſt nicht ganz deutlich; Herr Bigot hat ihn auf folgende Art erklaͤrt: „Iſt in einem Vergleiche über eine Zwiſtigkeit eine Ver⸗ zichtleiſtung auf alle Rechte, Anſpruͤche und Forderungen vorhanden, ſo muß dieſe Verzichtleiſtung nicht auf dasje⸗ nige ausgedehnt werden, was ſich nicht auf die Zwiſtig⸗ keit bezieht.« neh we ſon bde deſ ſe *bl „er Nhl lice „t vie „ni inte De den ter en ſe⸗ III. Buch KV. Tit. Von dem Vergleiche. 141 »„Um zu erkennen, ob mehrere Zwiſtigkeiten mittelſt des nehmlichen Vergleiches beendigt worden ſeyen, iſt es noth⸗ wendig, daß entweder die Parteyen ihre Abſicht durch be⸗ ſondere oder allgemeine Ausdrücke an den Tag gelegt haben, bder daß man dieſe Abſicht aus einer nothwendigen Folge deſſen, was ausgedruckt worden iſt, erkenne.⸗ S. Faber, in cod. lib., tit. 4, def. 6 und 12. Arr. 2050.„ Erwirbt derienige, der ſich über ein für „ſeine Perſon und in eigenem Nahmen ihm zuſtehendes Recht ⸗verglichen hatte, in der Folge ein gleiches Recht, indem »er in die Stelle einer andern Perſon eintritt, ſo iſt er, ſo »viel das neu erworbene Recht betrifft, an den vorherigen „Vergleich nicht gebunden.⸗ Transactio non porrigitur ad jus posted quæsitum, licet simile sit. T. 9. Art. 2051.»Ein Vergleich, der von einem der Par⸗ »teyen geſchloſſen worden iſt, bindet die übrigen Intereſſen⸗ »ten nicht; ſie können ſich gleichfalls auf dieſen Vergleich »nicht beziehen.« Dieß iſt eine Folge der Regel: alis non nocet, quod inter alios actum est. Art. 2052.„Vergleiche haben unter den Parteyen die »Kraft eines in letzter Inſtanz ergangenen rechtskräftigen „Urtheils.* »Sie koͤnnen weder aus dem Grunde eines Rechtsirr⸗ „thums, noch aus dem Grunde einer Verletzung angegriffen »werden. 4 Der erſte Theil des Artikels enthaͤlt die Ausdrücke der T. 20, cod. h. Unter dem Vorwande eines Rechtsirrthums kann ein Vergleich nicht angefochten werden, T. 23, cod. j. und Perez, ad hunc tit. n. 26, wohl aber wegen eines error kcti. Beyſpiele hievon wird man in den folgenden Arti⸗ keln ſehen. 14 2 1. Buch. Xv. Tu. Von dem Vergleiche. 3 Was die Verletzung betrifft, dieſe kann nie ein Grund 4 11 zur Einſetzung in den vorigen Stand gegen Vergleiche ſeyn? al Art. 2033.„Ein Vergleich kann gleichwohl wieder auf⸗ „gehoben werden, wenn man in der Perſon oder in dem „Gegenſtande des Streits geirrt hat. „Er kann in allen Fällen wieder aufgehoben werden⸗ wo 1 die Ordonnanz von 1560 hatte dieſes ſchon verordnet. „Betrug oder Zwang Statt gefunden hat.« u Glaube ich, mich mit dem Johann zu vergleichen, welchet n Anſprüche an mir haben mag, und ich vergleiche mich mit di dem Petet, der keine vernuͤnftige Klage gegen mich begrün⸗ Fo den kann, ſo iſt zuverläßig der Vergleich ungültig. Eben ſo, wenn ich die Abſicht habe, mich über eine in Sache zu vergleichen, und mein Mitcontrahent hat die Ab⸗ ſſt ſicht, ſich über eine andere zu vergleichen, ſo iſt kein Ver⸗ T gleich vorhanden, weil keine Einwilligung vorhanden iſt. Vi Was die Argliſt und Gewaltthätigkeit betrifft, dieſe ma⸗ chen die Vergleiche, deren Beweggrund ſie ſind, ſo wie je⸗ ve den andern Contract unguͤltig. T. 9 F. 2, H. h. T. 13„re cod. h. Die Ordonnanz von 1560 entſcheidet dieſes ebenfalls.*te Art. 203.» Wider einen Vergleich hat ebenfalls die „Reſciſſionsklage Statt, wenu ein nichtiger Rechtstitel da⸗ ſ „bey zum Grunde liegt, und um ihn zu vollziehen, der Ver⸗*3 „gleich zu Stande gokommen iſt, die Parteyen hätten dann „ausdrücklich ſich über die Nichtigkeit verglichen.« Ve So emtſcheidet es die T. penult. cod. h. in Hinſicht ſol⸗ abg cher Vergleiche, die uiber eine falſche Urkunde geſchloſſen ls worden ſind, es ſey dann, daß man ſich ſelbſt über die die Falſchheit der Urkunde verglichen haͤtte. 65 ind Mehr Schwierigkeit hatte es in Anſehung der nichtigen Teſtamente; nach der Praxis des Parlamentes von Bordeaux eze 1 durfte nicht nut derjenige, der ſich daruͤber verglichen, ſondern de auch derienige, der das Teſtament nur im geringſten gut geheißen be hatte, es nſcht mehr anfechten. Mehrere urtheile habe ich ich hieräber aus den Jahren 1743, 1748 und 1755 aufge⸗ ſeha UI. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. 135 zeichnet. Unſerem Artikel zu Folge muß indeſſen dieſe Praris abgeaͤndent werden. Art. 2055.»Ein Vergleich, der auf Urkunden geſchloſ⸗ „ſen worden, die nachher für falſch erkannt worden ſind, »iſt ganz nichtig.« Stimmt mit der T. 42, cod. j. uͤberein. Im Entwurfe dieſes Artikels hieß es bloß: auf falſche Urkunden; die Nichtigkeit des Vergleiches, ſagte man, muß nur in dem Falle Statt haben, wenn mnch dem Vergleiche die Urkunden für falſch anerkanut werden, und dieſem zu Folge wurde der Artikel abgeaͤndert. Iſt ganz nichtig. D. h. der Vergleich iſt nicht bloß in dem Artikel, welcher auf die falſchen Urkunden gegruͤndet iſt, ſondern in allen ſeinen Punkten nichtig, weil alle Theile eines Vergleiches ſich aufeinander beziehen, wie Herr Vigot es erklärt hat. Art. 2056.»Der Vergleich iſt ungültig, wenn er über „einen Prozeß geſchloſſen worden iſt, der ſchon durch ein „rechtskräftiges Urtheil entſchieden war, von dem die Par⸗ »teyen oder eine von ihnen keine Wiſſenſchaſt hatte.« »Ließ ſich wider das Urtheil, welches den Parteyen un⸗ „bekannt war, eine Appellation einlegen, ſo iſt der Vergleſch „guͤltig.« Anfangs hatte man den Artikel ſo abgefaßt, daß ein Vergleich über einen, ſogar ohne Vorwiſſen der Parteyen abgeurtheilten Rechtsſtreit nur in ſo fern guͤltig ſeyn ſollte, als von dem Urtheile noch appellirt werden könnte; und dieß ſtimmte ziemlich mit der Z, 25, F„ de cond, indeb. uͤberein. Dagegen ſtellte man aber vor, daß, wenn der Prozeß in letzter Inſtanz entſchieden iſt, kein Gegenſtand zu einem Vergleiche mehr vorhanden ſey, und derjenige, der auf dieſe Veiſe ſeinen Prozeß gewonnen habe, ſich gewiß nicht tir⸗ glichen haben würde, wenn er Kenntniß von dem Urtheile gehabt haͤtte. So kam man alſo auf öie Meinung des 144 II. Buch. XV. Tit. Von dem Vergleiche. d'Argon in ſeinen institutions au droit francais, tit. des Trans actions zuruͤck. Uebrigens bemerkt Herr Bigot, man habe von dem Re⸗ curſe zum Caſſations⸗Hofe nicht geſprochen, weil das in letz⸗ ter Inſtanz erlaſſene Urtheil nicht weniger ein erworbenes Recht'ertheile, wenn es ſchon noch mittelſt eines ſolchen Recurſes angegriffen werden könne. Dhnehin ſagt er, man könne ſich auch uͤber dieſen Recurs vergleichen. Art. 2057.»Haben die Parteyen ſich über alle Ange⸗ „legenheiten, die ſie miteinander haben mochten, im Allge⸗ „meinen verglichen, ſo begründen diejenigen Urkunden, die „ihnen damahls unbekannt waren, und die ſpaͤterhin ent⸗ „deckt worden ſind, keine Reſciſſion, es ſey dann, daß dieſe „urkunden durch das Factum einer der Parteyen zuruͤckge⸗ „halten wurden. „Der Vergleich iſt aber unguͤltig, wenn er nur eine „Sache betraf, auf welche einer der Parteyen nach Ausweis „neu entdeckter Urkunden gar kein Recht hatte.« In der T. 29, cod. h. heißt es, ein allgemeiner Ver⸗ gleich werde propter instrumenta de novo reperta nicht auf⸗ gehoben; dagegen machen aber die Geſetze drey Ausnahmen von dieſer Regel, nehmlich 3) die T. 1, h de reb. cred. Si ſiat rei certæ ac Specialis; b) die T. 10, cod. h. wenn eine der Parteyen Urkunden bey Seite geſchafft hat, und c) die T. 42, eòd., wenn man ſich auf falſche Urkunden ver⸗ glichen hat. Man zog zwar die Regel in Zweifel, indem man zwi⸗ ſchen ihr und demjenigen eine Vergleichung anſtellte, was in Anſehung der Urtheile geſchieht, gegen welche man Wieder⸗ einſetzung in den vorigen Stand nachſuchen kann, wenn man neue Urkunden entdeckt; man antwortete aber, nach der Or⸗ donnanz koͤnne wegen ſolcher Urkunden nur dann die Wieder⸗ einſetzung in den vorigen Stand nachgeſucht werden, wenn eine der Parteyen ſie zuruͤckbehalten haͤtte. In ſolchem Falle iſt nehmlich Argliſt vorhanden; wegen Argliſt aber kann man auch gegen Vergleiche reſtituirt werden⸗ ib II. Buch. Xv. Tit. Von dem PVergleiche. 145 Art. 2058.»Ein Rechnungsfehler in einem Vergleiche „muß verbeſſert werden.« Im Entwurfe dieſes Artikels hatte man noch einen zwey⸗ ten Theil hinzugeſetzt, welcher ſo lautete: Ein Vergleich uͤber eine ſtreitige Rechnung aber kann nicht angegriffen werden, wenn ſchon Irrthuͤmer oder irgend eine Unrichtigkeit in den Poſten der Rechnung entdeckt werden. Dieſer Zuſatz, ſagte Herr Tronchet, verletzt den allge⸗ meinen Grundſatz, nach welchem man in allen Fäaͤllen zuge⸗ laſſen wird, Rechnungsfehler zu berichtigen; und auf dieſe Bemerkung wurde der Zuſatz ausgeſtrichen. Inzwiſchen ſagt Herr Bigot am Ende ſeiner Rede ans Geſetzgebungs-Corps mit den nehmlichen Worten, ein Ver⸗ gleich uͤber eine ſtreitige Rechnung koͤnne deßwegen nicht angegriffen werden, weil Irrthuͤmer oder Unrichtigkeiten in den Poſten der Rechnung entdeckt worden ſeyen. Wahrſcheinlich hatte Herr Bigot, als er ſich ſo äußerte, den Verbal⸗Prozeß über die Discuſſion nicht vor Augen- Dieſen ſcheinbaren Widerſpruch kann man indeſſen heben, wenn man annimmt, daß er von Irrihümern habe ſprechen wollen, welche in den Poſten ſelbſt, wortiber man in Streit war, entdeckt werden; daß aber Herr Tronchet und der Staats⸗Rath von Irrthümern ſprechen wollten, welche in den Poſten, woruͤber nicht insbeſöndere geſtritten wurde, entdeckt werden. In der That beſtreitet man auch gemeinig⸗ lich nicht alle Poſten einer Rechnung. Ueberdieß iſt es kei⸗ nem Zweifel unterworfen, daß man uͤber Rechnungsfehler ſich eben ſo, wie über Argliſt, uͤber ein Falſum, u. ſ. w. vergleichen könne, wenn nur der Vergleich ins beſondere hier⸗ über geſchloſſen wird.. 4, und penult. cod. I. IV. Malev. 10 146 11 Buch. XVI. Tit. Von dem perſönlichen Arreſte ꝛe. Sechszehnter Titel. Von dem perſönlichen Arxeſte, als einem Execu⸗ tionsmittel in Civitſachen. (Decret. den 13. Febr. 1304. Promulgirt den a3. des nehml. Monats.) Ueber den perſoͤnlichen Arreſt ſehe man den Tit. 34 der Ordonnanz von 1667, und das Geſetz vom 15. Germinal 6. J.(g. April 1798), welches ihn wieder einfuͤhrte, nachdem er in den revolutionaͤren Zeiten durch einen unbeſcheidenen Eifer fuͤr die Freyheit abgeſchafft worden war. Mit wenigen Worten hat Herr Bigot, in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps uͤber dieſen Titel, die kurz abferti⸗ gende und harte Art beſchrieben, wie die Geſetze der zwölf Tafeln die Glaͤubiger ermächtigten, gegen ihre Schuldner zu verfahren; vielleicht haͤtte er aber nicht, ohne wenigſiens ei⸗ nigen Zweifel zu äußern, behaupten ſollen, daß ein Schuld⸗ ner, der ſich in Hinſicht mehrerer Glaͤnbiger außer Stand befand, ſie zu befriedigen, nach vorlaͤufiger Beobachtung einiger Formalitäten, ums Leben gebracht werden durfte⸗ Strenge genommen, ich geſtehe es, kann der Buchſtabe des Geſetzes der zwölf Tafeln dieſen Sinn darbiethen; nach⸗ dem nehmlich darin feſtgeſetzt worden iſt, daß der Glaͤubiger befugt ſey, ſeinen Schuldner zu verkaufen, wenn ſich nie⸗ mand in der Zeit, die es beſiimmt, für ihn verbürgen will, heißt es in dem neunten Geſetze der dritten Tafel: Ast, si plures erunt rei, tertiis nundinis partes secanto; si plus minusve secuerunt, Sine Fraude esto; S1 volent, ultraà tiberim peregre venumdato. Gelehrte Ausleger, und unter andern Didius, IIeraldus, Heineccius und Bynkershoek haben indeſſen gezeigt, daß das Geſetz die Glaͤubiger ermaͤchtige, nicht den Körper des Schuld⸗ ners, denn das wäre graͤßlich, ſondern ſein Vermoͤgen unter ſich zu theilen; wie wäre es nehmlich ſonſt a) möglich, die⸗ ſen Worten: si plus minusve secuerunt, sine fraude esto, einen vernuͤnftigen Sinn beyzulegen? Auch wäre es P) un⸗ IM, Buch. Xvl. Lit. Von dem perſönlichen Arreſte e. 147 begreiflich, warum das Geſetz mehrern Glaͤubigern ein Recht uͤber Leben und Tod des Schuldners verliehen haben ſollte, da es doch einem einzigen Glaͤubiger nur das Recht ertheilt, den Schuldner zu verkaufen; ohnehin muß man c) einem Geſetze, wenn es in einem zweyfachen Sinne verſtanden wer⸗ den kann, nicht gerade denjenigen beylegen, der der grau⸗ ſamſte iſt. Den alten Römern muß man wenigſtens dieſe Gerechtig⸗ keit widerfahren laſſen, daß, wie Aulus Gellius, welcher uns lib. 20, cap. 1 dieſes Geſetz aufbewahrt hat, durch den Cäcilius, eiue der in ſeinem Geſpräche als redend ange⸗ führten Perſonen, bezeugt, nie jenes Geſetz, in dem Sinne, welchen man ihm beylegen will, vollſtreckt wurde. Selbſt die Befugniß, den Schuldner zum Sklaven zu machen, wurde bald per legem pæteliam papyriam abge⸗ ſchafft. Die Glaͤubiger durften nicht mehr eigenmächtig ſein Vermögen unter ſich theilen, noch ihm auf die im Tit. 13 des B. 3 der Inſtitutionen beſchtiebene Weiſe ſuccediren; und das Juliſche Geſetz ſchützte ihn endlich, indem es ihm er⸗ laubte, ſein Vermögen ſeinen Gläubigern abzutreten, gegen die Ehrloſigkeit, die ſein Zahlungs⸗Unvermögen nach ſich zog. S. den angeflihrten Titel der Inſtitutionen; und die TE. 45 6 und 7 cod. Jui bonis ced. poss. Bis zur Abtretung des Vermögens blieben nichts deſto⸗ weniger die Schuldner dem perſoͤnlichen Arreſte wegen Civil⸗ Schulden unterworfen,— ein Gebrauch, der in Frankreich übergieng, jedoch mit dieſer Einſchraͤnkung, daß ſie demſel⸗ ben nur dann unterworfen waren, wenn er ausbedungen worden war, was aber faſt immer zu geſchehen pflegte. So hart dieſes aber auch ſchon an ſich ſelbſt war, ſo verordnete doch ſogar der Art. Fs8 der Drdonnanz von Moulins, daß ein Schuldner, obſchon nichts im Vertrage darüber feſtgeſetzt worden war, dann perſönlich verhaftet werden käönne, wenn er binnen vier Monaten vom Tase der Inſinhation des Ur⸗ theiles angerechnet, nicht bezahlte⸗ 1 m. Buch. XvI. Tit. Von dem perſönlichen Arreſte ꝛe. Hierauf folgte die Ordonnanz von 1667, welche, wie Heir Pigot ſich ausdruckt, die der individuellen Freyheit ge⸗ bührende Achtung mit jener, die man der Treue der Ver⸗ traͤge ſchuldig iſt, im Gleichgewichte hielt. Art. 2059» In Civilſachen hat perſönlicher Arreſt im „Falle eines Stellionats Statt; „Der Fall eines Stellionats iſt vorhanden, „Wenn man eine unbewegliche Sache verkauft oder zur „Hypothek ſtellt, und weiß, daß man der Eigenthümer da⸗ „von nicht iſt; „Wenn man Güter, die einem andern zur Hypothek ge⸗ „ſtellt ſind, fuͤr frey ausgibt, oder weniger Hypotheken an⸗ „gibt, als die, womit dieſe Güter wirklich beſchwert ſind⸗⸗ Im Entwurfe lautete der erſte Theil dieſes Artikels ſo: perſoͤnlicher Arreſt hat in Civilſachen wider die Agenten der Regierung, um ſie zur Furuͤckerſtattung sffentlicher, der Nation(dem Staste) zugeboͤrigen Gel⸗ der zu zwingen, und gegen alle Perſonen im Falle eines Stellionats Statt, Hiegegen machte man folgende Bemerkungen; die Agen⸗ ten der Regierung, ſagte man 1), ſind nicht die einzigen, gegen welche der perſönliche Arreſt gebräuchlich iſt; auch die Empfaͤnger der Gemeinden, und der öffentlichen Anſtalten ſind ihm unterworfen ⸗ Die Worte: Agenten der Regierung wür⸗ den überdieß 2) dem bey den Perwaltungen angenommenen Gebrauche, Zwangsbefehle mittelſt körperlichen Arreſtes gegen alle dieje⸗ nigen, welche dem Staate zugehörige Gelder vorenthalten, z. B. gegen Lieferanten ergehen zu laſſen, die ſich über die Verwendung der ihnen vorgeſchoſſenen Summen nicht gehörig ausweiſen, Hinderniſſe in den Weg legen. In einer andern Hinſicht, und wenn man an die Stelle der Worte: Agenten der Regierung, irgend einen allgemeinen Ausdruck, z. B. Schuldner oder Vorbebalter ffentlicher Gelder ſetzen wollte, wäre m. Buch. Xvl. Tit. Von dem perſonlichen Arreſte re. 145 3) zu befürchten, daß man ihn gegen Päͤchter der Na⸗ tional⸗Güter und gegen Privat⸗Perſonen, die in Zahlung ih⸗ rer Contributionen ſaumſelig ſind, mißbrauchen möchte, da doch dergleichen Perſonen nie dieſer Strenge ausgeſetzt ge⸗ weſen wären. Auf dieſe Bemerkungen, und nachdem man ſich vergebens Muͤhe gegeben hatte, einen Ansdruck, welcher das, was man ſagen wollte, aber auch nur dieſes bezeichnen würde, ausfindig zu machen, wurde die auf die Agenten der Regie⸗ rung ſich beziehende Verfügung ausgeſtrichen, und man er⸗ ſetzte dieſe Lücke durch den letzten Artikel dieſes Titels, d. h. man ließ es bey den eben angefuͤhrten Gebraͤuchen bewenden. In Anſehung des zweyten Theiles des Artikels, welcher das Sellionat betrifft, ſagte man, es könne nicht nur beym Verkaufe unbeweglicher Guͤter, ſondern auch dann begangen werden, wenn eine Geſammtheit von Mobilien verkauft wird. Die Frage, antwortete man indeſſen a), was unter einer Geſammtheit von Mobilien verſtanden werde, kann Prozeſſe veranlaſſen; oft werden b) dergleichen Streitigkeiten Sachen von mittelmäßigem Werthe zum Gegenſtande haben; beym Verkaufe eines beweglichen Gutes geſchieht c) die Ueberlie⸗ ferung von Hand in Hand, und da von dieſem Augenblicke an der Käufer ſich im Veſitze befindet, ſo hat er gegen ſei⸗ nen Verkäufer keine Klage auf Ablieferung geltend zu machen, wie dieß beym Verkaufe unbeweglicher Guͤter der Fall iſt; freylich iſt d) von Seiten des Verkäufers, welcher etwas verkauft, wovon er weiß, daß es ihm nicht zugehört, ein Verbrechen vorhanden, aber, dieſes iſt eine Beutelſchneide⸗ rey, zu deren Beſtrafung man ſich des Geſetzes vom 22. Julius 1791 bedienen kann, welches man keineswegs geſon⸗ nen iſt abzuſchaffen: ohnehin iſt e) unſer Artikel auf Hand⸗ lungs⸗Geſchäfte nicht anwendbar. Endlich erinnerte man nach, ein unbewegliches Gut könne mit Hypotheken beſchwert ſeyn, wovon der Eigenthümer nichts wiſſe, z. B. wenn es ſehr weit entlegen wäre, und in die⸗ 11 MI. Buch. XVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte ꝛ⸗ ſem Falle müſſe doch die auf das Stellionat geſetzte Strafe nicht Statt haben⸗ 65 Wird bewieſen, antwortete man, daß der Eigenthümer in gutem Glauben war, ſo faͤllt das Verbrechen hinweg; ubrigens muß er aber auch nicht erklären, daß ſein Im⸗ mobile frey und ledig von Hypotheken iſt, ohne ſich vorher verſichert zu hahen, daß keine in den Hypotheken⸗Regiſtern darauf eingetragen ſind. Der Gebrauch, ſetzte man hinzu, wird natürlicher Weiſe eine Clanſel einfuͤhren, wodurch dem Erwerber eine Friſt, um ſeinen Contract tranſcribiren zu laſſen, geſtattet, und bis dahin die Dauer der Verantwort⸗ lichkeit des Verkäufers feſtgeſetzt wird. Art. 2060.»Perſönlicher Arreſt hat ebenfalls Statt, Wegen einer im Nothfalle geſchehenen unwillkuͤhr⸗ „Uchen Hinterlegung; 2)„Im Falle einer Klage auf Wiedererlangung eines „verlornen Beſitzes, wegen der von dem Gerichte befoh⸗ „lenen Räumung eines Grundſtückes, deſſen der Eigenthüͤmer „durch Thätlichkeiten entſetzt worden, wegen Erſtattung der „Fruͤchte, welche der Beklagte während ſeines widerrechtlichen „Beſitzes davon genoſſen hat, und wegen Erſatz des Schadens „und entbehrten Gewinns, welche dem Eigenthuͤmer zuer⸗ „kannt worden ſind; 3)„Wenn Gelder zurückgefordert werden, welche in die „Haͤnde öffentlicher, hiezu beſtellter Perſonen hinterlegt wor⸗ „den ſind; 4)„Wenn Sächen, die einem Sequeſter, einem Com⸗ „miſſar oder einem andern Bewahrer anvertraut worden ſind, „zuruͤckgegeben werden ſollen; §)„Wider diejenigen, welche gerichtliche Buͤrgſchaft ge⸗ „leiſtet haben, und wider die Bürgen Dderjenigen, gegen „welche perſönlicher Arreſt Statt hatte, in ſo fern die Bur⸗ „gen ſich dieſem Arreſte unterworfen haben; 6)„Wider alle öffentliche Beamten, um ihre Urſchriften „vorzulegen, wenn dieſes befohlen worden iſt; „Wider die Rotarien, die Sachwalter und Huiſſiers, MI. Buch. xVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreßte ꝛc. 151 »um Wiederauslieferung der zu Folge ihrer Amtsverrichtun⸗ *gen ihnen anvertrauten Urkunden und der für ihre Clienten „auf gleiche Weiſe von ihnen bezogenen Gelder.⸗ S. den Art. 4, Tit. 34 der Ordonnanz, welcher Verfü⸗ gungen enthält, die mit den vorliegenden uͤbereinſtimmen⸗ und Rodier in ſeinem Commentar uͤber geſagten Artikel. Im Entwurfe, hatte man in die Ziff. 5 unſeres Artikels bloß die Worte: Wider diejenigen, welche gerichtliche Buͤrgſchaft geleiſtet haben, nicht aber die folgenden geſrtzt, und wider die Buͤrgen derſenigen, gegen welche perſoͤn⸗ licher Arreſt Statt hatte, in ſo fern die Buͤrgen ſich dieſem Arreſte unterworfen haben. Man erinnerte hiegegen, wenn man den perſönlichen Arreſt nur gegen die gerichtlichen Buͤrgen annähme, ſo wuͤrde man den bey den Verwaltungen eingefuͤhrten Gebrauch, ſich dieſes Zwangsmittels, in ſo fern es ausbedungen worden iſt, auch gegen die Buͤrgen der Rechnungspflichtigen zu bedienen, ahaͤndern. Dieſes Zwangsmittel, antwortete man, muß nach den Geſetzen vom 30. März 1793, 24. Ventoſe. J.(Tg. März 1797) und 15. Germinal 6. J.(g. April 1708) von Rechts wegen, und ohne daß es ausbedungen worden iſt, beſtehen. Man erwiderte, es muͤſſe zwiſchen den Bürgen der Rech⸗ nungspflichtigen im eigentlichen Sinne, d. h. ſolchen, die ihre Immobilien zur Sicherheit ſtellen, und zwiſchen jenen ein Unterſchied gemacht werden, welche ſich mit den Haupt⸗ ſchuldnern ſolidariſch verbinden, und mit ihnen aſſociirt ſind; gegen Erſtere, ſagte man, muß kein perſönlicher Arreſt Statt haben, wenn ſie ſich ihm nicht unterwerfen, allerdings aber gegen Letztere. Ueber dieſe auf die Bürgen der Rechnungspflichtigen ſich beziehende Frage wechſelte man viele Worte; endlich wurde aber erinnert, je weiter man in dieſer Discuſſion vorrücke, deſto mehr fühle man die Schwierigkeit, die zum Leitfaden der Tribunaͤle beſtimmten Grundſätze mit jenen zu vermiſchen, 15* M. Buch. XVl. Tit. Von dem perſönlichen Arreſte ꝛc. wornach ſich die Verwaltungen richten; der Verwaltung muͤſſe man ihre Gebräuche laſſen⸗ und ſich bloß damit be⸗ ſchaftigen, was die buͤrgerliche Geſetzgebung angeht. Deeſer Vorſchlag wurde angenommem.*) Art. 2061.„Diejenigen, welche durch ein im petitori⸗ ſchen Prozeſſe ergangenes und rechtskräftig gewordenes Ur⸗ „theil angewieſen worden ſind, ein Grundſtuͤck zu räumen, und ſich weigern, ihm ein Genüge zu leiſten, können durch „ein zweytes Urtheil fünfzehn Tage, nachdem das erſte dem „Beklagten in Perſon oder an ſeinem Wohnorte inſinuirt „worden iſt, mit perſoͤnlichem Arreſte gezwungen werden. „Wenn das Grundſtück oder liegende Gut mehr als fünf „Myriamrter von dem Wohnorte der verurtheilten Partey „entfernt iſt, ſo ſoll zu der Friſt von fünfzehn Tagen, für jede fünf Myriameter ein Tag zugeſetzt werden.⸗ Stimmt mit dem Art. des Tit. 27 der Ordonnanz von 1667 überein. Art. 2062.»Wider die Pächter ſkann wegen der Zah⸗ „lung der Pachtpreiſe, die ſie von Landguͤtern ſchuldig ſind, kein perſonlicher Arreſt verhaͤngt werden, wenn dieſes in „dem Pacht⸗Contracte nicht ſormlich ausbedungen worden iſt. „Paͤchter, ſie mögen für einen beſtimmten Preis oder für „eine Quote der Fruͤchte gepachtet haben, können gleichwohl „durch perſönlichen Arreſt zur Zahlung angehalten werden, „wenn ſie am Ende des Pachtes das gepachtete Vieh, das „Saatkorn und Ackergeraͤth, welches ihnen anvertraut gewe⸗ „ſen, nicht zurückliefern, ſie beweiſen dann, daß der Ab⸗ „gang an dieſen Gegenſtänden nicht von ihrem Factum her⸗ «rühre.« *) Man bemerke übrigens wohl, daß unter der Ziff. 7 dieſes Ar⸗ titels weder von Advocaten, noch von Summen die Rede iſt, welche Sachwalter, Huiſſiers und Notarien von ihren Clienten mehr als ihnen etwa gebührte, zum Voraus empfangen ha⸗ ben. P.⸗ 1I. Buch. XVI. Cit. Pon dem perſoͤnlichen Arteſte ꝛe. 133 Der erſte Theil dieſes Artikels ſtimmt mit dem Art. 7 des Tit. 34 der Ordonnanz überein. Unſer Artikel ſpricht nur, was man wohl zu bemerken hat, von den Paͤchtern der Landgüter; in der That kann man ſich für Miethgelder von Haͤuſern dem perſönlichen Ar⸗ reſte nicht unterwerfen. Rodier jführt hierüber, in ſeinem Commentar uͤber geſagten Artikel, ein Urtheil des Parlamen⸗ tes von Toulouſe aus dem Jahre 1745 an. Was den zweyten Theil des Artikels betrifft, bemerkte jemand, perſoͤnlicher Arreſt müſſe ebenfalls in Anſehung des Duͤngers Statt haben, den der Pächter in gewiſſen Gegen⸗ den im erſten Jahre ſeiner Pachtung bekommt, um eben ſo viel bey ſeinem Abziehen zurückzulaſſen. Dieſer Zuſatz wurde angenommen; inzwiſchen findet er ſich im vorliegenden Arti⸗ kel nicht, und meines Erachtens laͤßt ſich auch nicht anneh⸗ men, daß er unter ſeiner Verfuͤgung begriffen ſey. Art. 2063.» Außer den Fällen, die in den vorherge⸗ henden Artikeln beſtimmt ſind, oder die in der Folge durch „ein förmliches Geſetz noch ferner beſtimmt werden moͤgen,*) iſt es allen Richtern verbothen auf perſönlichen Arreſt zu erken⸗ »nen allen Notarien und Gerichtſchreibern Urkunden aufzu⸗ nehmen, worin man das Recht auf perſoͤnlichen Arreſt zu »verfahren ſich ausbedungen hätte, und allen Franzoſen in »ſolche Verträge, ſollten ſie auch im Auslande geſchloſſen wor⸗ „den ſeyn, einzuwilligen, alles bey Strafe der Nichtigkeit „und Verurtheilung in die Koſten, Schäden und entbehrten „Gewinn.⸗ Dieſer Artikel iſt aus dem Art. 6. ider Ordonnanz jabg“⸗ ſchrieben; indeſſen muß man bemerken, daß, nebſt den in den vorhergehenden Artikeln enthaltenen Faͤllen, die Ordon⸗ *) Siehe die Art. 126 127 191, a01, 213 221 50 und s24 d. G. ü. d. r. V. i. C. S. u. Art. 209 d. Handlungs⸗Ge⸗ ſetzbuches, und das Geſetz uͤber den perſönlichen Arreſt gegen Fremde, die in Frankreich kein Domieil haben, im 1. Bande dieſes Werkes Seite 37. 154 UI. Buch. XVI. Lit. Von dem perſönlichen Arreſte ꝛc. nanz a) im Art. 2 erlaubte, nach vier Monaten von der Inſinuation des Urtheiles angerechnet, fuͤr Koſten, die 200 Liv. und darüber betrugen, und für Schadens⸗Erſatz, der 6 ſich über 200 Liv. belief, ſo wie auch b) nach dem Inhalte des Art. 3Z, nach Ablauf der nehmlichen Friſt von vier Mo⸗ naten, zur Zahlung des mittelſt eines Urtheiles liquidirten 13 Rechnungs⸗Rückſtandes perſoͤnlichen Arreſt zu erkennen. Da dieſe zwey Artikel in unſer Geſetzbuch nicht aufge⸗ nommen worden ſind, ſo ſind ſie bloß deßwegen als abge⸗ der ſich etwa, nicht zu zahlen, ſondern ſeine Rechnung ab⸗ zulegen weigern möchte, ſehe man die Anmerkungen zum Art. 469.*) Art. 2069.»Selbſt in den oben ausgedruckten Fällen „darf kein perſönlicher Arreſt wider Minderjaͤhrige verhängt „werden.« Ein Minderiaͤhriger, ſagt Herr Bigot, um die Verfuͤgung dieſes Artikels zu rechtfertigen, ein Minderjaͤhriger, den man mittelſt perſönlichen Arreſtes zwingen wollte, wuͤrde ſich ja auf das Geſetz berufen, welches ihn gegen jede Verletzung, *) Der Art. 126 des Geſetzbuches ü. der. V. i. C. S. überläßt es inzwiſchen dem klugen Ermeſſen der Richter, auf perſänlichen Arreſt a) wegen Schadens⸗Erſatz in Civil⸗Sachen, in ſo fern er die Summe von z00 Franes überſteigt, ſo wie auch b) für Rech⸗ nungs⸗Rückſtände wegen geführter Vormundſchaft, Curatel, Verwaltuns des einer Corporgtion, Gemeinde oder öffentlichen waltung zu erkennen, die jemand von Gerichts wegen aufgetra⸗ gen worden iſt, ſo wie für jeden Erſatz, wozu der Rechnungs⸗ Pflichtige zu Folge dieſer Rechnungen verbunden iſt. Zwiſchen Vormuͤndern und einem Segueſter, Commiſſak oder ſonſtigem Be⸗ wahrer iſt alſo dieſer Unterſchied, daß gegen Letztere nach dem Art. 2060, No 4, der perſönliche Arteſt erkanut werden muß, wogegen der Richter befugt iſt, die Vormünder hievon zu be⸗ freyen. ſchafft anzuſehen. Was inzwiſchen den Vormund betrifft, Anſtalten zugehörigen Vermögens, oder wegen jeder audern Ver⸗ IM. Puch. XVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte ꝛe. 135 die eine Folge ſeiner Verbindlichkeiten iſt, ſicher ſtellt; und— gibt es wohl eine Verletzung, die ſchwerer iſt, als jene, wenn man ſeiner Freyheit beraubt wird? Anfangs ſcheint es zwar, man haͤtte wenigſtens den Fall des Stellionates, welcher doch ein wahres Verbrechen iſt, ausnehmen müſſen; da indeſſen Stellionat nur beym Ver⸗ kaufe, oder bey Hypotheſirung von Immobilien Statt haben kann, ſo ſieht man bald ein, daß ein Minderjaͤhriger, der weder Immobilien zu verkaufen, noch zur Hypothek zu ſtel⸗ len befugt iſt, ſich deſſen nicht ſchuldig machen könne. Inzwiſchen gibt es Parlaments⸗Urtheile, welche entſchie⸗ den haben, daß ein Minderjaͤhriger, welcher ein Handels⸗ mann iſt, für Wechſelbriefe körperlich verhaftet werden könne. Rousseaud, V. Contrainte, n. 9. Mehrere Mahle hat man indeſſen erinnert, daß dieſer Titel auf Handlungs-Geſchaͤfte nicht anwendbar ſey⸗ Art. 2065.„Er darf nicht wegen einer Summe, die „unter dreyhundert Francs iſt, erkannt werden.« Dieſer Artikel, der ſich im Entwurfe nicht befand, wurde auf Verlangen einiger Mitglieder des Staats⸗Rathes einge⸗ rückt. Empörend wäre es, ſagte man, wegen einer ſo ge⸗ ringfuͤgigen Summe einen Menſchen ins Gefängniß ſchlep⸗ pen zu ſehen. Zuerſt antwortete man, die Geringfuͤgigkeit ſey nur rela— tib, und eine Summe, die in Anſehung dieſes Gläubigers z. B. geringfügig ſey, ſey in Anſehung eines andern groß. In mehrern Fällen, erwiderte man, betrachten doch auch die Geſetze die Geringfügigkeit einer Summe auf eine ganz abſolute Weiſe, z. B. um die Summe zu beſtimmen, worti⸗ ber die Richter zu erkennen befugt ſind. Man verlangte dieſemnach, die Pächte, welche dem Eigen⸗ thümer Unterhalt verſchaffen, möchten von dem vorgeſchla⸗ genen Artikel ausgenommen werden. Warum, ſagte man, —————— 16 M. Buch. XvI. git. Von dem perſoͤnlichen Arreſte ꝛe. ſollte es nicht erlaubt ſeyn, fuͤr einen jaͤhrlichen Pacht von 50 Fr. perſönlichen Arreſt auszubedingen? Man kann dieſes, wurde geantwortet, für den Fall, wenn dieſe Pacht ſo lange nicht gezahlt werden ſollte, daß die Rückſtände 300 Fr. überſteigen würden; nicht aber wenn ſie ſich auf dieſe Summe noch nicht belaufen ſollten⸗ Diejenigen, welche die Ausnahme verlangten, erwiderten, dem Eigenthuͤmer könne doch nicht zugemuthet werden, ſo lange zu warten; wenigſtens muͤſſe man ihn ermuͤchtigen, wegen nicht geſchehener Zahlung des Pachtes von einem Jahre die Aufliſung des Contractes erkennen zu laſſen. Alle dieſe Betrachtungen beſeitigte indeſſen der Staats⸗ Rath, und der Artikel wurde augenommen. Art. 2066.„Wider ſiebenzigjährige Perſonen, wider „Frauen und unverheirathete Frauenzimmer darf er nur „in den Fällen eines begangenen Stellionats erkaunt werden. „Es iſt genug, daß man das ſiebenzigſte Jahr angetre⸗ „ten hat, um des Vortheils zu genießen, der den ſiebenzig⸗ „ährigen Perſonen zugeſtanden iſt. „perſünlicher Arreſt wegen eines waͤhrend der Ehe be⸗ „gangenen Stellionats hat wider verheirathete Frauen nut „dann Statt, wenn ihr Vermoͤgen von jenem des Mannes „völlig ſeparirt iſt, oder wenn ſie Güter beſitzen, deren freye „Verwaltung ſie ſich vorbehalten haben, und nur in Rück⸗ ſicht der Verpflichtungen, welche dieſe Güter betreffen. „Verheirathete Frauen, welche, indem ſie in einer Guͤter⸗ „gemeinſchaft lebten, ſich gemeinſchaftlich oder ſammt und „ſonders mit ihrem Manne verpflichtet haben, können in „Hinſicht dieſer Contracte nicht als eines Stellionats ſchul⸗ „dig angeſehen werden⸗» Eine ähnliche Verfügung iſt zu Gunſten der Frauen, und unverheiratheten Frauenzimmer im Art. 8, und zu Gun⸗ ſten der ſiebenzigjaͤhrigen Perſonen im Art. 9 der Ordonnanz enthalten. Zwar erklärte ſie ſich nicht über die Frage, ob m. Buch. XVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte e. 137 es nöthig ſey, daß das ſiebenzigſte Jahr ganz vollendet, oder ob es genug ſey, daß es bloß ſeinen Anfang genommen habe; auch war diePraxis, wenigſtens des Parlamentes von Paris, in Hinſicht dieſer Frage nicht ganz ausgemacht, indem ſie bald ſo, bald anderſt entſchieden wurde; beym Parlamente von Toulouſe aber war es genug, daß das ſiebenzigſte Jahr ſeinen Aafang genommen hatte. S. Boruier und Rodier über den Art. 9 der Ordonnanz. Bey der Discuſſion dieſes Artikels warf man folgende Fragen auf. 1) Kann jemand, welcher wirklich wegen Schulden ver⸗ haftet iſt, aber ſein ſiebenzigſtes Jahr noch nicht vollendet hat, auf die Wohlthat dieſes Artikels Anſpruch machen? Auf dieſe Frage wurde geantwortet, Ja,— eine Entſchei⸗ dung, die man bey andern Fällen, worin es auf die Frage ankommt, ob ein neues Geſetz auf der Stelle vollſtreckt wer⸗ den könne, ohne den Grundſatz, daß ein Geſetz keine zurück⸗ wirkende Kraft habe, zu verletzen, zum Maßſtabe genom⸗ men werden kann.*) 2) Bleiben verheirathete Frauen wegen eines vor ihrer Heirath begangenen Stellionats dem perſönlichen Arreſte un⸗ terworfen? Auch dieſe Frage wurde mit Ja beantwortet. Ich bemerke hier, daß Frauen und unverheirathete Frauen⸗ zimmer gemäß der Ordonnanz wegen Stellionat nur dann perſönlich verhaftet werden durften, wenn ſie ſich durch ihr eigenes Factum deſſen ſchuldig gemacht hatten; dieß hat man durch den letzten Theil unſeres Artikels erklaͤren wollen. Frauen werden nehmlich nicht als eines Stellionats ſchuldig angeſehen, wenn ſie in ehelicher Güter-Gemeinſchaft leben, und ſich gemeinſchaftlich mit ihrem Manne verbinden; be⸗ ſtand aber zwiſchen ihnen und ihrem Manne keine Guͤter-Ge⸗ *) S. die Note beyw Art. 315(1 B. S. 493) und jene beym Art. 505,(2. B. S. 349). 6 158 1M, Buch. Xvl. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte ꝛe. meinſchaft, waren ſie in Hinſicht ihres Vermögens vom Manne ſeparirt, oder hatten ſie ſich die Verwaltung deſſel⸗ ben vorbehalten, in allen dieſen Faͤllen koͤnnen ſie zur Erfül⸗ lung der Verbindlichkeiten, die ſie in Anſehung der geſagten Guͤter eingegangen haben mögen, mittelſt perſönlichen Arre⸗ ſtes angehalten werden, wenn ſie auch ſchon uuter Autoriſa⸗ tion ihrer Maͤnner contrahirt haben. Sehr gut erklaͤrt dieſes Herr Bigot, und ein Edict vom a3. Auguſt 1682, welches zur Erlaͤuterung des Art. 8 der Ordonnanz erlaſſen worden iſt, hatte ſchon das nehmliche verordnet. Art. 2067.»b Der perſönliche Arreſt kann ſelbſt in den „Fällen, wo er von dem Geſetze autoriſirt iſt, nur zu Folge „eines vorhergegangenen Urtheils vollſtreckt werden.« Man trug darauf an, der perſoͤnliche Arreſt möge Kraft des bloßen Titels, wenn er authentiſch waͤre, vollſtreckt wer⸗ den können. Man muß den Glaͤubiger, ſagte man zur Un⸗ terſtützung dieſes Vorſchlages, nicht nöthigen, Zeit und Ko⸗ ſten zu verlieren, um eine unnütze Formalitaͤt zu erfüllen; und da dieſe Frage hauptſächlich die Pächter betraf, indem in den übrigen Fällen der perſönliche Arreſt nur zu Folge und kraft eines Urtheiles vollſtreckt werden konnte, ſo ſetzte man hinzu: dieſe Pächter verdienen keine Begunſtigung, ſie treiben heut zu Tage den Scherz mit ihren Verpflichtungen, und die Formalitäten, welche der Artikel fordert, werden ih⸗ nen zuletzt nur Zeit geſtatten, ihre Effecten und ihre Perſon gegen das executive Verfahren des Eigenthuͤmers ſicher zu ſtellen. Es wäre gefährlich, antwortete man a), dem Eigenthü⸗ mer die Befugniß zu ertheilen, ſeinen Paͤchter ſelbſt am Ver⸗ fall⸗Tage der Pacht verbaften zu laſſen; der Paͤchter, durch die Zwangsmittel, deren man ſich gegen ihn bedienen will, benachrichtigt, wird b) Mittel zur Zahlung ergreifen, und ſo den perſönlichen Arreſt überflüßig machen; iſt e) die Da⸗ zwiſchenkunft des Richters nothwendig, um den Eigenthü⸗ mer eines unbeweglichen Gutes aus dem Beſitze zu ſetzen, IM. Buch. XVI. Tit. Von dem perſönlichen Arreſte ꝛe. 15 ſo iſt ſie doch wahrlich um ſo eher nothwendig, um ſich ſelbſt der Perſon eines Bürgers zu bemächtigen; und da man d) anerkennt, daß die Erlaubniß des Richters bey den an⸗ dern Fällen eines perſönlichen Arreſtes nöthig iſt, ſo ſind keine Gründe vorhanden, welche ſtark genug waͤren, um zum Nachtheile des Pächters allein eine Ausnahme zu machen. Kann es ſich überdieß e) nicht zutragen, daß der Paͤchter behaupte, er ſey keine 300 Francs ſchuldig; iſt es ſo gar nicht möglich, daß er wirklich bezahlt habe, und wie will man ihn in dieſem Falle verhaften, ohne daß der Richter vorläufig darüber erkenne? Man ſchlug vor zu ſagen, der Pächter könne nicht eher verhaftet werden, als bis zehn Tage nach der ihm inſinuirten Aufforderung zur Zahlung verfloſſen ſeyn würden, und hie⸗ mit ſchien der größte Theil des Rathes ziemlich zufrieden zu ſeyn⸗ Ferner warf man die Frage auf, ob der Schuldner eben⸗ falls mittelſt perſönlichen Arreſtes angehalten werden koͤnne, die Prozeß⸗ und Executions⸗Koſten, und die Zinſen zu zah⸗ len. Der Bericht⸗Erſtatter der Section antwortete, es ſey die Abſicht geweſen, den Schuldner auch dafür im Falle ei⸗ ner Klage auf Wiedererlangung des verlornen Beſitzes dem perſoͤnlichen Arreſte zu unterwerfen, in den üͤbrigen Faͤllen aber habe man den perſoͤnlichen Arreſt auf die Zahlung der Hauptſumme beſchraͤnken wollen. Dieſen Unterſchied tadelten diejenigen, welche verlangt hatten, der Pächter moͤchte Kraft des bloßen Titels perſön⸗ lich verhaftet werden koͤnnen; ſie ſagten, waͤhrend man den Eigenthuͤmer zu den Koſten eines Urtheiles verbinden will, benimmt man ihm das Mittel, welches am beſten dazu geeignet iſt, zur Zuruͤckerſtattung ſeiner Koſten zu gelangen. Endlich ſchlug man vor, alle dieſe Fragen zur Section, um ſie von neuem zu pruͤfen, hinzuverweiſen. Nachdem aber die Section in der Folge den Artikel wieder ſo vorbrachte, wie er zum erſten Mahle war, gieng er ohne einigen Wider ſpruch durch, 160 1ll. Buch. XV. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte ꝛc. Art. 2068.»Die Appellation iſt kein Suspenſiv⸗Mit⸗ „tel wider den perſoͤnlichen Arreſt, wenn er durch ein Ur⸗ „theil erkannt worden iſt, das proviſoriſch gegen Leiſtung „von Bürgſchaft vollſtreckt werden darf.⸗ Nach der Vorſchrift des Art. 12 der Ordonnanz ſollte zwar die Appellation vder Oppoſition gegen das Urtheil, welches den perſönlichen Arreſt erkannte, ein Suspenſiv⸗ Mittel ſeyn; wat aber der Schuldner ſchon vor ein⸗ gelegter Apvellation oder Oppoſition in Verhaft gezogen, ſo ſollte er deßwegen nicht wieder in Freyheit geſetzt werden. Die Verfuͤgung unſeres Artikels ſcheint vernünftiger zu ſeyn. Art. 2069.»Durch Vollſtreckung des perſönlichen Ar⸗ „reſtes wird das gerichtliche Verfahren auf das Vermögen „und die Execution in demſelben weder verhindert noch „eingeſtellt.* Stimmt mit dem Art. 13 der Ordonnanz uͤberein. Art. 2070.»Die beſondern Geſetze, welche den perſon⸗ „lichen Arreſt in Handlungsſachen erlauben, die Geſetze der „Zucht⸗Polizey⸗ ſo wie diejenigen, welche die Verwaltung „öffentlicher Gelder zum Gegenſtande haben, leiden hiedurch „keine Abänderung.*) Verſchiedenen in der Praris beobachteten, und von den römiſchen Geſetzen uͤber die Art, wie bey der perſönlichen Verhaftung verfahren werden muͤſſe, vorgeſchriebenen Regeln hat man in dieſem Titel keinen Platz eingeräumt; Zweifels ohne hatte man die Abſicht, ſie zum Geſetzbuche üͤber das rechtliche Verfahren in Civilſachen hinzuverweiſen. Genug iſt es hier, dieſe Regeln kurz in Erinnerung zu bringen, 1) Man durfte niemanden, ohne beſondere Erlaubniß des Richters, in ſeinem Hauſe verhaften. Pomus sua tun *) Gutachten des Staats Rathes, vom 28. Therm. 14. J. G6 Auguſt 1804), denehmiget vom Kaiſer den 7. Fruct.(5. Auguſt). ⸗ MI. Buch. XVI. Tit. Von dem perſönlichen Arreſte ꝛc. 161 ſisimum cuique refugium. T. 18, de in Jjus voc., und T. 105, V. de reg. jur. Auch durfte 2) Niemand verhaftet werden, weun er in öffentlichen Verrichtungen beſchaͤftigt war. Sd war es nicht erlaubt, Der Staats⸗Rath ꝛe. in Erwägung, däß der perſonliche Arreſt durch das Geſetz vom zo. Maͤrj 1693 gegen alle dirtete Schuldner des öſſentlichen Schatzes iſt verhäugt worden; daß dieſe Verfügung durch das Geſetz vom 4. Germinal 2(24: März 1794) gegen diejenigen erneuert werden iſt; welche Doua⸗ nen⸗Gebuͤhren, Geld- und Conßiscations⸗Strafen ſchuldig ſend; daß ſie durch das Geſetz vom 15. Germinal 6. J.(. April 1798) wegen Ablieferung der öffentlichen und National Gelder beybehalten worden; daß der 19. Artilel dieſes letzten Ge etzes, welcher alle dorher über die Anwendung des perſönlichen Arreſtes ergangenen Verordnungen und Ordonnauzen aufhebt, ſich nur auf jene bezieht, welche in Cvil- und Handlungsſachen erlaſſen worden ſind; daß der ao7o. Artikel des Geſetzbuches Napoleous die Geſetze nicht aufhebt, welche die Vetwaltung der öffentlichen Gelder betteffen; Iſt der Meinung, daß, da das Geſetz vom 4. Germinal . J. tiicht äufgehoben worden iſt, diejenigen, welche Deuanen⸗ Gebühren, Geld⸗und Confiscations⸗Strafen ſchuldig ſind, durch perſönlichem Arreſt zur Bezahlung angehalten werden können. (Siehe über den perſönlichen Arreſt in Handlungsſachen das Geſetz vom i5. Germinal 6. J.) *) Darf alſo auch ſchon nach dem Art zo6s gegen ſiebenzigjährige Perſonen, aüßer dem Falle eines Stellionats, nicht af perſön⸗ lichen Arreſt erkannt werden, und ſohlen auch nach der Vor⸗ ſchrift des Art. so0 des Geſetzbuches u. d. r. V. i C. S ge⸗ ſetzlich eingeſperrte Schuldner ihres Arreſtes entlaſſen wer⸗ den, wenn ſie das ſiebenzigſte Jahr ihres Alters angetreten haben, ſo ſind doch dieſe Verfügungen in Händelsſachen nicht anwendbar. So entſchied die Section des requétes des Caſſations⸗Hofes am 12 Frimaire i4. J.(3. December 130) in der Sache des Tuch⸗Fabricanten Sourdon von Rouen, und am 10. Junius 1307 in der Sache des Hrn. Canzles Aglou. Jouru. d. Aud. ete. 1806 im Auhange p. 46, uns Jurispr. de lei C. de C. 1807, p. 315 1. f. V. — r V Malev 162 nI. Vuch. Xvl. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſie. ꝛe. einen Richter, einen Advocaten, einen Sachwalter im Au⸗ dienz⸗Saale des Gerichtes, einen Municipal⸗Beamten im Gemeinde⸗Hauſe in Verhaft zu nehmen⸗ Rodier zum Art⸗ 13 der Ordonnanz⸗ Eben ſo konnte man 3) Den Schuldner im Augenblicke nicht verhaften, wo er ſich heirathete, T. 2, N. de in jus voc.; oder wo er ei⸗ nem Begräbniße beywohnte, T. 5, edd.; oder wo er auf dem Wege war, um ein Zergniß bey Gericht abzulegen, welches die Idee von dem freyen Geleite, das man ſo oft mißbraucht, gegeben hat. T. 2, F. 5, ℳ. de judiciis. Ferner durfte 4) Ein Schuldner an Sonn⸗ oder Feſtagen nicht ohne Erlanbniß des Richters verhaftet werden,— eine Erlaubniß, die jedoch dann ertheilt wurde, wenn der Schuldner ſich ſorgfältig nur an ſelchen Tagen im Publicum zeigte. Rodier, a. a. St. Endlich durfte §) Der Gerichtsbothe, welcher den Schuldner in Verhaft nahm, denjenigen, auf deſſen Anſtehen der perſönliche Arteſt vollſtreckt wurde, unter Strafe der Nichtigkeit, nicht bey ſich haben.(Art. 32 der Drdonnanz von Moulins). Hier⸗ uͤber kenne ich ein Urtheil, welches das Parlament von Bor⸗ deaur in einer berühmten Sache, die ſich in der Gegend, wo ich gebuͤrtig bin, zutrug, erlaſſen hat. ²) Siebenzehnter Titel. Von dem Pfand⸗Contracte. (Deeretitt den 16. Febr. 1804. Promulgirt den 26. des nehml. Mon.) Die Materie vom Pfand-Contracte findet man oft in den römiſchen Geſetzen, wie Herr Berlier, als er dieſen Titel 6) Das Geſeßbuch ü, d. r. V. i. C. S. hat ſeitdem im erßen Theile Sit. i5 des B. 5, alles was ſich auf den perſonlichen Ar⸗ reſt und die dabey zu bepbachtenden Formglitaͤten bezieht, genat und ausfuͤhrlich beſtimmt. lI. Buch. KVI. Lit. Von dem pfand Contracte 6 dem Geſetzgebungs⸗Corps vorlegte, ſehr richtig bemerkt hat, mit jener von den Hypbtheken vermiſcht; um alſo alles zü erlernen, was ſie über den Pfand⸗Contract enthalten, muß man in den Pandecten und im Coder die zahlreichen Titel nachſehen, die zur nehmlichen Zeit von den Pfändern und von den Hypotheken handlen; inzwiſchen ſcheint doch der Titel do pignoratitid actione auf unſern Gegenſtan? am meiſten zu paſſen. Art. 207.„ Der Pfand⸗Contract iſt ein Vertrag, wo⸗ »durch ein Schuldner ſeinem Gläubiger zur Sicherheit der „Schuld eine Sache überliefert.⸗ Der Pfand⸗Contract iſt eine reeclle Bärgſchaft, und unters ſcheidet ſich hiedurch von der perſönlichen Bürgſchaft, woven ſchon die Rede war. Zwiſchen dem Pfand und der Hypothek iſt dieſer große Unterſchied, daß das Pfand dem Gläubiger eingehändigt wird, wogegen der Schuldner ſelbſt die zur Hypothek ge⸗ ſtellte Sache verwahrt. T. 9, F. 2, N de pign. act. Cujaz ad tit. cod. de pign. et hypbt. Art. 2072.»Die Verpfändung einer beweglichen Sache »heißt Fanſtpfand(gage). »Die Verpfändung einer unbeweglichen Sache heißt ver— „ſatz unter einem antichreriſchen Vertrag(antichrése).« Stimmt mit der T. 238, F. 2, de verb. sign: liberein. Die Antichreſis hieß auch engagement. Srſtes gpirr Von dem Fauſtpfande. Art. 2073.»Das Fauſtpfand gibt dem Gläubiger das »Recht, ſich aus der Sache, welche deſſen Gegenſtand »ausmacht, vorzugsweiſe und vor andern Gläubigern „bezahlen zu laſſen.« Man hat hier die Verfügung des Art. 1gr des Gewohn⸗ beits⸗Rechtes von Paris befolgt, worin es heißt, der Glän— =——— 164 U. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte. biger ſey nicht ſchuldig, bey der allgemeinen Vertheilung des dem Schuldnet zugehörigen Vermögens die Sache, welche ihm zum Pfande gegeben worden iſt, zur Maſſe einzubringen. Anderſt verhielt es ſich im Gerichts⸗Sprengel des Parlamen⸗ tes von Toulouſe, wie Cambolas, liv. 4, ch. 4, und Herres, p. 55 bezeugen· Art. 2074.»Dieſes Vorzugsrecht hat nur in ſo fern Statt, „als eine öffentliche vder unter Privat⸗Unterſchrift gefertige, „gehdrig einregjſtrirte Urkunde vorhanden iſt, welche uͤber „den Betrag der Schuld, ſo wie über die Gattung und die „Natur der zum Unterpfande ausgelieferten Sachen eine ge⸗ „naue Beſtimmung enthalt, oder der ein Verzeichniß bey⸗ „gefuͤgt iſt, das ihre Beſchaffenheit, ihr Gewicht und Maß „ausdruckt« „Die ſchriftliche Abfaſſung des Geſchäftes und deſſen Einregi⸗ „ſtrirung wird jedoch nur bey Gegenſtänden erfordert, welche „den Werth von hundert funfzig Francs überſteigen.“ Im Art. 8 Tit⸗ 6 der Handlungs⸗Ordonnanz hieß es, auf Pfänder durfe kein Darlehn geſchehen, es ſey dann, daß ein Notarial⸗Act darüber errichtet würde, worin der lehnbar vorgeſchoſſenen Summe ſo wohl als der abgeliefetten Pfän⸗ der ausdrückliche Erwähnung geſchehe, und zwar untet der Sträfe, daß widrigenfalls der Inhaber geſagter Pfänder mittelſt perſönlichen Arreſtes zur Zuruͤckgabe derſelben ange⸗ halten werden ſollte. Dieſer Artikel und der unſrige unterſcheidet ſich därin, daß 1) die Ordonnanz nur eine Notarial⸗Urkunde, der unſrige aber auch eine Urkunde unter Privat⸗Unterſchrift annimmt, wenn er nur einregiſtrirt erlanbt unſer Attikel den Beweis durch Zeugen, wenn der Gegenſtand keine 150 Fr. überſteigt Die Abſicht der Ordonnanz war, dem Wucher Einhalt zu thun, wie alle ihre Commentatoren anmerken.*) *) In Betreff der Juden enthalten die Art 14 und 15 des kaiſer⸗ lichen Decretes vem 17 März 180s beſondere Beſtimmungen m. Buch. XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte. 165 Art. 2075.»Das in dem vorhergehenden Artikel aus⸗ „gedruckte Vorzugsrecht wird in Beziehung auf unkörperliche „Mobiliar-Sachen, als Mobiliar⸗Forderungen, nur durch „eine öffentliche, oder unter Privat-Unterſchriſt gefertigte, „gleichfalls einregiſtrirte Urkunde, die uͤber dieß dem Schuld⸗ „ner der zum Unterpfande gegebenen Forderung inſinuirt „ worden iſt, begründet.⸗ D. h. in dieſem Falle hat kein Beweis durch Zeugen Statt, der Gegenſtand mag ſo gering ſeyn, als er will. Art. 2076.»In allen Fällen hat das Vorzugsrecht an „dem Fauſtpfande nur in ſo fern Statt, als dieſes Fauſi⸗ „pfand dem Gläubiger oder einem Dritten, worüber die „Parteyen ſich verſtanden haben, in ſeinen Beſitz überliefert „worden, und darin geblieben iſt.⸗ Die Verpfändung iſt ein Coutract, welcher nach den rö⸗ miſchen Geſetzen erſt durch die Einhaͤndigung der Sache vol⸗ lendet wird. Creditor qui pigkus accepit, re obligatur. F. 4, inst. quib mod. re contrah. Er wird auf die nehmliche Weiſe aufgelöſt, wie er gebildet wird. Eo modo unumquod- que dissolvitur, quo colligatum est. Im Entwurfe war bloß Sprache von der Ueberlieferung in die Hände des Gläubigers; man bemerkte aber, das Pfand koͤnne ebenfalls einem dritten, welcher es für den Gläubiger aufbewahrt, eingehändigt werden. Art. 2077.»Ein Fauſtpfand kann ein Dritter fuͤr den „Schuldner geben.« Art. 2078.» Dem Glaͤubiger ſteht es im Nichtzahlungs⸗ „falle nicht frey, über das Fauſtpfand zu verfuͤgen; ihm „bleibt es jedoch vorbehalten, bey Gerichte den Befehl zu »erwirken, daß ihm, nach einer von Sachverſtaͤndigen vor⸗ genommenen Schätzung, dieſes Fauſtpfand, ſo weit deſſen die man hier nachſehen muß. S. dieſes Decret im Anhange zu dieſem Werke.. B⸗ —— „ 166 1. Vuch. Rvn. Tit. Von bem Pfand⸗Coutr acte. „Werth mit der Forderung ſich ausgleicht, an Zahlungsſtatt „verbleiben, oder daß es in einem öffentlichen Ausrufe ver⸗ „ſteigert werden ſoll.« „Jede Clauſel, welche den Glöubiger ermächtigte, ſich „das Unterpfand zuzueignen, oder ohne Beobachtung dor „phen erwähuten Formalitäten darüber zu verfügen, iſt un⸗ „ gültig* Dieſer Artikel ſtimmt mit der allgemeinen Jurisprudenz überein; nie war der Gläubiger, es mochte eine Ueberein⸗ kunft getroſſen worden ſeyn, wie ſie immer wollte, befugt⸗ ſich das Unterpfand wegen nicht erfolgter Zahlung der Summe, woſür es gegeben worden war, zuzueignen. Illi- citu ler commissoria in pignore, heißt es in der T. ult⸗ cod. de pact pign. S. Serres, p. 195 und 456; Loyseau, du deguerpissement, lousseaud, v. gage, n. 14. S⸗ ebenfalls den Art. 2088. Jemand verlangte indeſſen, der zweyte Theil unſeres Ar⸗ tikels möchte ausgeſtrichen, und dem Gläubiger ſowohl als dem Schuldner die Befugniß gelaſſen werden, ihm zu dero⸗ giren; dieſer Vorſchlag wurde jedoch verworfen: nur war man darin einig, daß die Verbindlichkeit, das Unterpfand bey Gerichte wiederzugeben, dann aufhören koͤnne, wenn der Schuldner ſelbſt ſeinen Rechtstitel veraͤndert, und ſeinem Gläubi⸗ ger die ihm urſprünglich verpfändete Sache verkauft: meines Erachtens muß dieſes aber ven einem in einem nachherigen Acte, nicht im Pfand-Contracte ſelbſt geſchehenen Verkaufe verſtanden werden. Art. 2070.»Der Schuldner bleibt bis zum gerichtli⸗ chen Zuſchlage, in ſo ſern es dazu kommt, Eigenthuͤmer „des Unterpfandes, das in den Handen des Gläubigers nur „als anvertrautes Gut zu betrachten iſt, welches ihm ſein „Vorzugsrecht ſicherk.« Der Glänbiger beſitzt nicht für ſich, ſondern für den Schuldner. F. 13, I. de usurp. et usucop.— Ein Grund⸗ ſatz, welcher reich an Folgen iſt. N IMI. Buch. XVI. Sit. Von dem Pfand⸗Contracte⸗ 167 Art. 2080.»Der Gläubiger haftet nach den unter dem »„Titel von Contracten oder perſoͤnlichen Rechten und »Perbindlichkeiten, die aus Verträgen entſtehen, im „Allgemeinen, feſtgeſetzten Regeln ſür den Verluſt oder die »Verſchlimmerung des Unterpfandes, die eine Folge ſeiner e Nachlaͤßigkeit iſt. „Auf ſeiner Seite hat dagegen der Schuldner dem Gläu⸗ »biger die nätzlichen und nothwendigen Koſten zu erſetzen, »die von dieſem auf die Erhaltung des Unterpfandes ver⸗ »wendet worden ſind.« Der Gläubiger, ſo heißt es a) in der T. 14, F. de pign. act., muß auf die Erhaltung des Pfandes alle Sorge eines fleißigen Hansvaters verwenden; ergò non ewactissimam diligentiam, ſetzt Godoſredus hinzu. Er haftet aber, wie bP) die T. 13, M eòd. ſagt, für bloße Zufälle nicht; inzwi⸗ ſchen heißt es doch c) in der F. 6, cod. edd., hac omnia Pyæstat, si conbenerit, ut amissio pignorum liberet debitorem. So viel endlich d) die auf die Erhaltung des Pfandes verwendeten Koſten betrifft, heißt es in der F. 25 de pign. act. Medie igitur hac 3 judice dispicienda, ut ne⸗ Jue delicatus debitor, neque onerosus credtor audiatur. Art. 2031.„Iſt von einer zum Unterpfande geſtellten vForderung die Rede, und dieſe Forderung bringt Zinſen, »ſo hat der Gläubiger dieſe Zinſen von denjenigen abzurech⸗ »nen, die ihm gebuͤhren mögen. »Bringt die Schuld, wofuͤr die Forderung zum Unter⸗ »pfande gegeben worden iſt, ſelbſt keine Zinſen, ſo werden »ſie auf das Capital det Schuld abgerechnet.« Art. 2082.»In ſo fern der Inhaber des Unterpfan⸗ „des daſſelbe nicht mißbraucht, kann der Schuldner eher „nicht fordern, daß es zurückgegeben werde, als nachdem „er die Schuld, zu deren Sicherheit das Unterpfand gegeben »worden iſt, ſo wohl, was das Capital, als was Zinſen and Koſfen betrifft, ganz getilget hat. 16. Buch. Xvll. Tit. Von dem Pfand⸗Contraete. „Iſt eben derſelbe Schuldner ſpäterhin und nachdem er „das Unterpfand wuklich geſtellt hatte, demſelben Gläubi⸗ „ger etwas anders ſchuldig geworden, und dieſe Schuld „war vor der Zahlung der erſten ſchon fällig, ſo kann man „den Glaubiger nicht anhalten, daß er das Unterpfand her⸗ „ausgebe, ehe er für die eine ſowohl als die andere Fyrde⸗ „rung gänzlich befriediget iſt, obgleich man nicht ausbedun⸗ „gen hat, daß das Unterpfand fuͤr die Zahlung der zweyten „Forderung ebenfalls haften ſoll.« Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit den TT. 6 und 9, cod. de distr. pign. uͤberein. Stot pignus pro partę crediti. Der zweyte Theil mit der Aufſchrift und mit dem ganzen Titel des Coder: etiam ob chyrograph. pecun. Nichts deſtoweniger wurde dieſer zweyte Theil, als den Grundſätzen zuwider, angegriffen. Der Pfand⸗Contract⸗ ſagte man, kommt nur mittelſt einer ſchriftlichen Ueberein⸗ kunft zu Stande; dehnt man nun ſeine Wirkung auf eine andere Forderung aus, als jene, die ſein Gegenſtand war, ſo ſetzt man dem urſprünglichen Contracte etwas hinzu, was nicht darin enthalten war. Die hier aufgeſtellte Regel, antwortete man, iſt zu allen Zeiten beobachtet worden; auch iſt ſie an ſich ſelbſt ganz gerecht. In der That, wie wollte man den Gläubiger, der nach der Zeit, wo ihm das Unterpfand gegeben worden war⸗ dem Schuldner noch einen fernern Vorſchuß gethan hat, zwingen, dieſes Unterpfand wieder heraus zu gehen, ohne für das ganze befriedigt zu ſeyn? Da er ſchon zur Sicher⸗ heit ſeiner erſten Forderung dieſes Unterpfand verlangt hat, ſo iſt doch allerdings zu vermuthen, daß er ſich ohne Unter⸗ pfand zu einem fernern Darlehn nicht entſchloſſen haben wuͤrde. Dieſer letztere Beweggrund iſt aus der Rede des Herrn Perlier ans Geſetzgebungs⸗Corps entlehnt. uebrigens bemerke man, daß unſer Artikel von einer Schuld ſpricht, welche ſpaͤter als jene, wofür das Unters m. Buch XVII. Tit. Von dem Pfand⸗Contracte. 169 pfand gegeben worden, contrahirt worden iſt; hieraus folgt, daß die Entſcheidung anders ausfallen müßte, wenn von ei⸗ ner frühern Schuld die Rede wäre; wirklich laͤßt ſich auch hierauf der letzte Beweggrund des Herrn Berlier nicht anwenden, Art. 2083.»Das Pfandrecht iſt untheilbar, obſchon „die Schuld unter den Erben des Schuldners und die For⸗ „derung unter den Erben des Gläubigers theilbar iſt.“ „Der Erbe des Schuldners, der ſeinen Antheil an der „Schuld gezahlt hat, kann, ſo lange die Schuld nicht ganz »getilget iſt, nicht fordern, daß ihm ſein Antheil am Uuter⸗ »pfande zurückgegeben werde.« „PVon der andern Seite kann auch der Erbe des Gläubigers, „der ſeinen Antheil an der Forderung erhalten hat, zum „Nachtheile derjenigen von ſeinen Miterben, die noch nicht „befriedigt ſind, das Unterpfand nicht ausliefern.« Der Glaͤubiger kaun, wie Herr Berlier ſagt, ſelbſt dann nicht gezwungen werden, ſeine Rechte zu zertheilen, wenn auch das Unterpfand theilbar ſeyn ſollte, weil er es nicht eher zuruͤckzugeben ſchuldig iſt, bis er ſeine volſtändige Befriedigung erhalten hat. S. die Anmerk. zum Art. 3 82. Eben ſo iſt ein Erbe des Glaͤubigers, welcher feinen Antheil an der Forderung erhalten hat, nicht befugt, das Pfand zum Nachtheile ſeiner Miterben wiederzugeben weil es jn ſeinen Händen nur anvertrautes Gut iſt, was er verletzen würde, wenn er es herausgäbe, ohne für ihr Inte⸗ reſſe geſorgt zu haben. Art. 2084.»Die obigen Verfuͤgungen ſind weder auf „Handlungsſachen, noch auf autoriſirte Leih- und Pfand⸗ „häuſer anwendbar. Man befolgt in Rückſicht ihrer die „Geſetze und Verordnungen, die ſie betreffen.« In den römiſchen Geſetzen trifft man noch viele andere intereſſante Entſcheidungen in Betreff des Unterpfandes an, die in dieſem Capitel keine Stelle erhalten haben⸗ Hier ſind einige davon. 1. Vuch. XVII. Tft. Von dem Pfand⸗Contracte. ¹0 Ein Gläubiger, welcher eine Sache zum Unterpfand empfangen hat, kann ſie ebenfalls,(verſteht ſich, unter der Bebingung, dafuͤr zu haften) ſeinem Glänbiger verpfaͤnden. Dieſes weitere Pfand bleibt ſo lange bey ſeiner Kraft, als das erſte. J. I, Cod. si pign. pign. dat. Sit. 2) Anßer dem eben angeführten Falle, kann man keine fremde Sache zum Unterpfande geben; indeſſen gilt dieſes doch a) wenn der wahre Eigenthümer es wußte, und aus⸗ drücklich oder ſtillſchweigend darin eingewilliget hat; T. 2, eod. si alien. res pign., P) wenn der Schuldner nachher Eigenthämer der Sache geworden iſt, T. 5, eòd. oder c) wenn der Eigenthümer der Sache Erbr des Schuldners wird. F. 2a, M. de pign. et h)potA. 3) Iſt der Gläubiger in Anſehung der Subſtanz oder der Eigenſchaft des Pfandes betrogen worden, ſo kann er den Schuldner zwingen, ihm entweder ein anderes Unterpfand zu geben, oder ihn zu bezahlen. T. 1, F. 2, H de pign. act. 4) Der Schuldner, welcher das Unterpfand betruͤgeriſcher Weiſe dem Glänbiger entzieht, macht ſich eines Diebſtahls ſchuldig. T. 3, N. de pign. act. 5) Wer an dem Schuldner, der das Pfand gegeben hat, zu fordern hat, kann gegen das Anerbiethen denjenigen, welcher es erhalten hat, zu bezahlen auf den Berkauf deſſel⸗ ben antragen. J. 15, F. 2, M de re jud. 6) Nie erwirbt der Gläubiger durch Verjaͤhrung das Ei⸗ gentbum des Unterpfandes, ſo wie dann auch der Schuldner mittelſt Verjaͤhrung von ſeiner Schuld nicht bes ſreyt wird, ſo lange der Glaͤnbiger im Beſitze des Pfandes bleibt. Die erſte Entſcheidung ſtimmt mit der T. 15, de usurpat. überein. Die zweyte ſcheint gegen die T. 6, quib. mod. pign. vel h)poth. zu ſeyn, worin es heißt, daß das Unterpfand durch die Verjäbrung der Verbindlichkeit befreyt werde. Ich wuͤrde indeſſen der Meinung des Serres, p. 456 beypflichten, welcher ausdrücklich das Gegentbeil und zwar deßwegen behauptet, qula creditor piguori inluret 1 Im. Buch. XVvn. Tit. Ven dem Pfand⸗Contraete. 171 und weil der Schuldner bloß dadurch, daß er das Pfand in den Händen des Glaͤubigers laͤßt, immerwaͤhrend die Schuld eingeſteht. Zweytes Capitell. Von dem Verſatz unter einem antichretiſchen Vertrag. In dieſem Capitel hat man, wie es ſcheint, den anti⸗ chretiſchen Vertrag, wovon in der T. 11, F. 1 de pign. et hypolh. die Rede iſt, mit der bloßen Verpfändung eies unbeweglichen Gutes vermiſcht. Zwiſchen beyden Contracten war inzwiſchen nach den römiſchen Geſetzen, die man auch in den Provinzen, worin dieſes Recht galt, beobachtete, dieſer bedeutende Unterſchied, daß vey der Verpfaͤndung der Glaͤubiger nur das Recht hatte, die Fruͤchte bis zum Betrage der geſetzlichen Zinſen ſeiner Forderung zu ſich zu nehmen, und den Ueberſchuß von dem Capital abrechnen mußte; wo⸗ gegen bey dem antichretiſchen Vertrage, die Früchte des Grundſtückes mit den Zinſen der Forderung durchaus compen⸗ ſirt, und beyde gegeneinander aufgehoben wurden, ſo daß keine Abrechnung der Fruͤchte vom Capital Statt fand, wenn ſie auch ſchon die geſetzlichen Zinſen uͤberſteigen ſollren⸗ S. Catellan und Vedel, li 5, ch. I1. Anderſt verhielt es ſich jedoch zu Paris, wie man beym Art. 2085 ſehen wird⸗ Von dieſem Vorzugsrechte, deſſen der antichretiſche Vertrag genoß, machte man indeſſem dann eine Ausnahme, wenn der Gläubiger, anſtatt ſelbſt das Grundſtück zu genießen, es einem andern verpachtete, und der Pacht-Preis die geſetz⸗ lichen Zinſen der Forderung überſtieg. Da in dieſem Falle der Contract ſelbſt den Beweis dieſes Ueberſchuſſes lieferte, und keine Ungewißheit in Hinſicht der Früchte, die doch drn Haupt⸗Beweggrund des antichretiſchen Vertrages ausmachte, vorhanden war, ſo war auch der Gläubiger verbunden, dſeſen Ueberſchuß vom Capital abzurechnen. Serres, p. 458. Auch im Falle einer bloßen Verpfändung, wenn ſie eines Brautſchatzes wegen geſchehen war, hatte keine Ahrechuung 17 im. Buch. xvn. Lit. Von dem Pfand⸗Contraete. vom Capital Statt. So entſchied das Parlament von Bor⸗ deaur in einem Falle, den Lapeyrère, p. 540 anführt. Anßer dieſen beyden Contracten, gab es noch eine dritte Gattung, die man Contrat pignoratif nannte, ein Contract nehmlich, wodurch ein Gläubiger ſich ein Grundſtuͤck unter der Bedingung des Wiederkaufes, aber zu einem geringen Preiſe verkaufen zu laſſen ſchien, um unter dieſem Vorwande übertriebene Zinſen aus ſeiner Forderung zu ziehen: dieſer Contract war allemahl verbothen, ſo oft man ſeine wahre Beſchaffenheit entdecken oder nur muthmaßen konnte. Ueber die eigentlichen Kennzeichen dieſes Contractes, d. h. uber die Frage, ob der Ankäufer wirklich nur die Abſicht gehabt habe, Geld auf Wucher auszuleihen, oder ob er auf⸗ richtig das Eigenthum habe erwerben wollen, waren die Schriftſteller nicht ganz unter ſich einig. Im letztern Falle iſt es freylich keinem Zweifel unterworfen, daß der wahre Erwerber unter der Bedingung des Wiederkaufes Eigenthü⸗ mer aller Früchte werde. Gemeiniglich nahm man indeſſen an, daß ein Contract auf Wucher abziele, wenn a) der Kauſpreis gering war, wenn P) der Erwerber den Verkaͤu⸗ fer des Grundſtückes, als Pächter, im Beſitze ließ, wenn c) die Friſt zur Ansubung des Wiederkaufs⸗Rechtes verlän⸗ gert worden, und d) der Erwerber in der Gewohnheit war, Wucher zu treiben. Nach den Gewohnheits-Rechten von Anjou, Maind und Tours war die Wieder⸗Verpachtung allein ſchon hinlänglich, den Contract für einen Contrat pignoratif hairen zu laſſen, anderſtwo aber mußten drey der angeflhrten Umſtände zuſammen treffen. S. hierü⸗ ber Roussenud, v. anfichrese, Dumoulin, de usuris, qucst⸗ 5643 Ferrieres, ad quast. 5 des Guido⸗Papa; Lapeyrère, lett. v. n 91. Im verliegenden Capitel hat man es den Parteyen über⸗ laſſen, mittelſt ibrer Verträge, die Antichreſis von der Ver⸗ pfändung zu unterſcheiden. S den Art. 2089. Vom Con- nat pignoralif hat man aber gar nicht geſprochen, weil es m. Buch. Xvi. Tit. Von dem Pfand⸗Contraete. 17 jetzt erlaubt iſt, ſich von einein bloßen Darlehen Zinſen ver⸗ ſprechen zu laſſen, und man ſogat ſich ſo viele Zinſen aus⸗ bedingen kann, als man will. Waͤre aber die Quotität der Zinſen vom Geſetze beſtimmt, dani müßte man allerdings auf die von uns angeſuͤhrten Regeln zurückgehen.*à) Wäre die Quotität der Zinſen im Vertrage nicht feſtgeſetzt, oder, waͤre ſie feſtgeſetzt worden, die Früchte uͤberſtiegen aber die ausbedungenen Zinſen, dann müßte man noch jetzt dasjenige, was an Zinſen im erſten Falle fünf vom Hundert, und was im zweyten das Quantum der ausbedungenen Zinſen über⸗ ſteigt, vom Capital abrechnen, die Parteyen waͤren dann übeteingekommen, daß alles durchaus gegenein⸗ ander aufgehen ſollte, wie dieß beym antichretiſchen Vertrage im Sinne der roͤmiſchen Geſetze der Fall iſt. S⸗ ebenfalts die Anmerkung zum folgenden Artikel⸗ Art. 2083.» Der antichtetiſche Vertrag kann anderſt nicht, als ſchriftlich geſchloſſen werden. „ Der Glaͤubiger ethaͤlt durch dieſen Vertrag nur das „Recht, die Früchte eines liegenden Gutes zu genießen, mit „dem Bedinge, daß er ſie jährlich von den Zinſen, wenn er deren zu fordern hat, und demnach von dem Capital „äbrechne.« Was den etſten Theil des Artikels betrifft, könnte man vielleicht glauben, daß ſeine Verfügung, ſo wie man im Falle des Verkaufes beym Art. 1582 angemertt hat, nur auf an⸗ tichretiſche Verträge anwendbar ſey, deren Gegenſtand keine 130 Fr. überſteigt. Auedrücklich hat indeſſen Herr Berlier in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs-Corps erklärt, daß das Geſetz auch ſogar dicjenigen, die fuͤr eine geriugere Summe geſchloſſen werden möchten, der Nrthwendigkeit, ſchtiſtlich abgefaßt zu werden, unterwerfe, um den Unordnungen vor⸗ zubengen, die daraus entſtehen wuͤrden, wenn man ſich auf angebliche mündliche Ver inbarungen beriefe- *) Siehe die Note beym Artikel 1907 4 UI. Buch. XvIl. Tit. Von dem Pſand⸗Contraete. Im zweyten Theile des Artikels hat man den antichreti⸗ ſchen Vertrag in dem beym Parlamente von Paris ange⸗ nommenen Sinne betrachtet, wo man wirklich dieſen Ver⸗ rrag mit der Verpfändung vermiſchte, und überdieß die Früchte des unbeweglichen Gutcs von dem Capital abger⸗ch⸗ net wurden, es ſey dann, daß die Forderung ihrer Natur nach Zinſen hervorbrachte, wie z. B. ein Brautſchatz, ein pflichttheil ꝛc., oder daß Zinſen ew mord et ahMcio judicis gebuͤhrten. S. Rousscaud, V. Anlichrèse, n. 1, Nach der Verfuͤgung unſeres Artikels iſt es klar, daß es ſich ſo im ganzen Reiche verhalten muß, es ſey dann, daß die Parteyen Zinſen in dem Falle ausbedingen, wo nach der Natur der Forderung keine gebühren würden. Art. 2086.»Der Gläubiger iſt, in ſo fern nicht das „Gegentheil ausbedungen worden, verbunden, die Steuern „und jährlichen Laſten des Grundſtückes, das er in aulichre⸗ tiſchem Genuſſe hat, zu zahlen. „Er muß ebenfalls bey Strafe, daß er ſonſt für Scha⸗ „den und Intereſſe zu haften hat, fuͤr die Unterhaltung und „die nützlichen und nothwendigen Ausbeſſerungen des Grund⸗ „ſtückes ſörgen; ihm bleibt jedoch vorbehalten, alle auf dieſe „verſchiedenen Gegenſtände ſich beziehenden Auslagen aus „den Fruͤchten zum Voraus abzuziehen⸗« Art. 2087.„Der Schuldner kann, ehe er die Schnld vbllig abgetragen hat, die Benutzung des liegenden Gutes, das er in antichretiſchen Genuß gegeben hat, nicht in An⸗ aſpruch nehmen. „Der Glaͤubiger, der ſich der im vorhergehenden Artikel ausgedruckten Verpflichtungen entledigen will, iſt gleich⸗ „wohl, in ſo fern er auf dieſes Recht nicht Verzicht gethan what, jederzeit befugt, den Schuldner zö zwingen, daß er den Genuß ſeines liegenden Gutes zuruͤcknehme.» Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit demjenigen, was — in Anſehung des Unterpfandes im Art. 2052 vorgeſchrieben ſ und mit der T. 19, F. de pign. ack. überein. R. Buch XVII. Tit. Pon dem Pfand⸗Contrsete. 3 Der zweyte Theil mit der T. 6, edd., und mit der T. ult. Cod. de oblig. et act. Art. 2088.»Dadurch allein, daß die Zahlung zur ver⸗ abredeten Zeit nicht erſolgt, wüd der Glaͤubiger nicht Ei⸗ „genthümer des liegenden Gutes; jede hiemit im Widerſpruch „ſtehende Clauſel iſt unguͤltig; er kann in dieſem Falle wider »ſeinen Schuldner im geſetzlichen Wege auf gerichtliche Ver⸗ „ſteigerung antragen.« Die allgemeine Jurisprudenz ſtimmte in Gemäßheit der T. ult. Cod. de pact. pign. mit dieſem Artikel uͤberein. S. insbeſondere Ferriere, ad quaest. 6, des Guido⸗Papa⸗ Die L. 16, F. 9, de pign. et hypoth. entſcheidet in⸗ zwiſchen, der Schuldner könne das Unterpfand unter der Clauſel hergeben, daß, wenn er es binnen einer beſtimmten Zeit nicht einlöſet, die Sache dem Glaubiger füt den recht⸗ mäßigen Werth verkauft ſeyn ſolle. Meines Erachtens würde es in ſolchem Falle genug ſeyn, wenn die Sache durch Kunſi⸗ verſtändige geſchätzt würde, wie dieß der Art. 208 erlaubt, o ne daß es nothwendig wäre, zu den Formalitäten der ge⸗ richtlichen Vergantung zu ſchreiten. Art. 2o89.»Wenn unter den Parteyen ausbedungen »wurden iſt, daß die Fruͤchte gegen die Zinſen entweder ganz „oder bis zu einem gewiſſen Betrage aufgerechnet weiden „ſollen, ſo wird dieſer Vertrag, wie jeder andere, der nicht „durch die Geſetze verbothen iſt, vollzogen.» Se die Einleitung zu dieſem Titel, und die Anmerkungen zum Art. 2085. Bey vielen Parlamenten war, wie Herr Berlier nachge⸗ geben hat, die Praxis dieſem Artikel zuri der; aber, dieſe Strenge, ſagte er, paßt nicht mehr auf unſere Geſegetung; die Verfügung des Artikels iſt dem Schuldner guͤnſtig, we⸗ cher ſonſt kein Geld gelehnt bekommen wurde; und ſperft man üderdieß dem Glaͤubiger dieſen Weg, von ſeinem Gelde Nutzen zu zichen, ſo wird er leicht andere weit läſtigere Wit tel finden. 176 1n. Buch. XVIHI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2000.„Die Verfügungen des 2077. und 2083ten „Artikels ſind auf den Verſatz liegender Güter unter einem „antichretiſchen Vertrag eben ſo, wie auf das Fauſtpfand aanwendbar.» Dh. der Verſatz unbeweglicher Glter mittelſt eines an⸗ tſchretiſchen Vertrages iſt eben ſo untheilbar, wie das Pfand⸗ recht, uüd ein Dritter kann ihn zur Sicherheit einer fremden Schuld eingehen⸗ Art. 2091. 4 Alles, was unter dem gegenwärtigen Ca⸗ „pitel feſtgeſetzt iſt, thut den Rechten keinen Abbruch, welche edritte Perſonen an der Subſtanz des liegenden Gutes; das „zuni antichretiſchen Genuſſe eingeraͤumt worden iſt, häben „mögen. „Hat der Gläubiger, der mit dieſem Rechts⸗Titel verſe⸗ „hen iſt, außerdem an dem Grundſtücke Privilegien oder „Hypotheken, die auf. eine geſetzliche Weiſe begründet ünd „erhalten ſind, ſo übt er ſie in ſeiner Rangordnung und „wie jeder andere Glaubiger aus.« Achtzehnter Titel. Von Privilegien und Bypotheken. (Deeret. den 19. Maͤrz 1304. Promulg. den 29. des nehmi. Mon) Die Materie von den Hypotheken nimmt das B. 20 der Pandecten und einen großen Theil des B. 8 im Coder ein⸗ Unſer jetziges Hnpotheken⸗Syſtem iſt indeſſen nicht aus den römiſchen Geſetzen cütlehnt, faſt ganz iſt es ihnen fremd, und heut zu Tage kann man zu dieſen Geſetzen aus keiner andern Urſache ſeine Zuflucht nehmen, als, um Billigkeits⸗ Regeln daraus zu ſchoͤpfen, deren man ſich mit Vortheil be⸗ dienen kann, um die Detaiis dieſes Syſtems zu erklären und anzuwenden. Die Hypothek iſt ein Acceſſorium der Haupt⸗Verbindlichh keit, und eine zur Erſuͤllung dieſer Letztern gegebene Sicher⸗ heit⸗ Cujaz definirt ſie, pignus nudò donserisu et sine UII. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hppotheken. 177 traditione contractum, im Gegenſatze zum eigentlich ſoge⸗ nannten Unterpfande, welches zwar den nehmlichen Zweck hat, aber dem Glaͤubiger eingehändiget wird. Cujaz, ad tit. N de pign. act. Die Römer vermiſchten oft, wie wir ſchon erinnert haben, das Pfand und die Hypothek, und bedienten ſich der Worte: pignus und hypotheca ohne Unterſchied; wirklich konnten bey ihnen die Mobilien eben ſo wie die Immobilien zur Hypo⸗ thek geſtellt werden, F. 7, inst. de actionib. Die Immo⸗ bilien konnten auch eben ſo wie die Mobilien zum Un— terpfande gegeben werden, und Anfangs konnte die Hy⸗ pothek eben ſo wie der Pfand-Contract nur durch wirkliche Ueberlieferung zu Stande kommen; die Prätoren führten in⸗ deſſen den Gebrauch ein, eine Hyvothek mittelſt eines bloßen Vertrages zu ſtellen, und von dieſer Zeit an wurde eine zum Unterpfande gegebene bewegliche Sache insbeſondere mit dem Worte pignus, der Vertrag, wodurch der Schuldner ein unbewegliches Gut zum Unterpfand gab, mit dem Worte antichresis, und die Sicherheit, die er in ſeinen Gütern fiellte, deren Beſitz er für ſich behielt, mit dem Ausdrucke ypo- theca belegt. S. die L. 9, h de pign act. und Ferriere ad F. 7, inst. de action. In den erſten Zeiten Roms war die Hypothek, wie man geſagt hat, ſpezial; wie konnte es aber auch damahls, wo die Hypothek nur durch Ueberlieferung der Sache zu Stande kam, anders ſehn? Zuverläßig iſt es indeſſen, daß dieſe Jurisprudenz ſich bald änderte; wenigſtens ſtößt man in keinem Buche des romiſchen Rechtes auf eine Spur von Spe⸗ zialität, noch Publizität, in dem Sinne, den man heutiges Tages dieſen Worten beylegt. Freylich konnte man ſich eine Spezial-Hypothek auf die⸗ ſes oder jenes unbewegliche Gut ausbedingen. Ausdruͤcklich ſagen dieſes die TL. 1 h und 2, Cod. de pign. et hypoth⸗; Eines Theils war man aber hiezu nicht gezwungen, und an⸗ derer Seits ertheilte diefe Spezial-Hypothek kein Vorrecht IV. Maler. 12 173 1. Buch. XVvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. (Privilegium) vor der allgemeinen. Nur war derjenige, der mit einer Special-Hypothek verſehen war, verbunden, das ihm verſchriebene unbewegliche Gut gerichtlich verkaufen zu laſſen, ehe er ſich an den übrigen Gütern des Schuldners erholen konnte. S. die LL I, und 6, Cod. qui pot. in pign. hab. Die allgemeine Hypothek begriff alle zukünftige Güter in ſich. T. 1, und 15, J. de pign. et hyp- In den römiſchen Geſetzen kommt endlich keine Spur von einem öffent'ichen Regiſter vor, worin man die Contracte eintragen ließ, um eine Fypothek zu erwerben. Sie war, wie wir geſagt haben, das Reſultat des bloßen Vertrages. Die Romer unterſchieden drey Arten von Hypotheken, die vertragsmaͤßige, die geſetzliche, und gerichtliche. Die vertragsmaͤßige Hypothek entſprang aus dem Ver⸗ trage, die geſetzliche aus dem Geſetze, und die gerichtliche, aus Urtheilen. So hatten kraft des bloßen Geſetzes und ohne irgend ei⸗ nen Vertrag die Frauen zur Sicherheit alles deſſen, was im Heiraths-Contracte zu ihren Gunſten ausbedungen worden war, eine Hypothek in dem Vermogen ihrer Männer, die Minderjährigen und Interdicirten in jenem ihrer Tutoren und Curatoren, der Fiscus in den Gütern der Einnehmer der Staats⸗Einkünfte. S. den F. 29, inst. de action. TL. 2 und 5, Cod. in quib. caus. pign. Eben ſo erwarb der Gläubiger kraft des richterlichen Spruches, wodurch ſein Schuldner verurtheilt wurde, eine Hypothek an deſſen ſämmtlichen gegenwaͤrtigen und zukünfti⸗ gen Guͤtern. T. 1, 2, und 3, Cod. si in causd jud. und 15, P de re jud. Was die Rang⸗Ordnung der Hypotheken betrifft, gab es, außer den Privilegien, die gewiſſen Forderungen, wobon ſich uns in der Folge Gelegenheit genug zu reden darbiethen wird, keine andere Regel, als die Zeit⸗Oidnung. Out pon tior est tempore, potior est jure. T. 4⸗ Cod. qui pot. in pign · U. Buch. XVIMI Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. 175 Drey Wirkungen brachte die Hypothek hervor, nehmlich 1) die Befugniß, die hypotheſirte Sache verkaufen zu laſſen, um den Kauſpreis zur Befriedigung des Glaͤubigers zu ver⸗ wenden, 2) das Recht, kraft deſſen der Hypothekar⸗Gläu⸗ biger denjenigen, die mit keiner, oder doch mit einer jüngern Hypothek verſehen waren, vorgezogen wird, und 3) das Recht, gegen den dritten Beſitzer der hypotheſirten Sache zu klagen, um ihn zu zwingen, ſie abzutreten, ober die ſchul⸗ dige Summe zu bezahlen. Aut cede, aut solve, war die allgemeine Regel. S. den F. 3, inst. de action. Die Nov. 4, cop. 4, hatte indeſſen zu Gunſten der drit⸗ ten Beſitzer eine Ausnahme eingeführt, welche darin beſtand, daß ſie den Glaͤubiger anhalten konnten, vor'allem, ehe er ſeine Klage gegen ſie geltend mochte, den Hauptſchuldner in ſeinem Vermdgen, wenn er deſſen noch beſaß, was ſie jedoch anzuzeigen ſchuldig waren, und auf ihre Gefahr auszuklagen. Faſt in ganz Frankreich waren die römiſchen Geſetze ber die Hypotheken angenommen werden, hatten aber drey Haupt⸗ Modificationen erlitten; 1) Konnte die vertragsmaͤßige Hypothek nur aus öffent⸗ lichen Contracten, oder aus Privat⸗Schriften, die vor Notar oder bey Gericht anerkannt worden waren, entſpringen. a) Findet, gemäß dem Art. 170 des Gewohnheits⸗Rech⸗ tes von Paris, bey Mobilien keine hypothekariſche Klage ge⸗ gen einen dritten Beſitzer Statt; und 3) Haben die Frauen ihres Brautſchatzes wegen kein Vor⸗ zugsrecht vor den Glaͤubigern, deren Forderungen aͤlter, als ihre Heirath, ſind, unerachtet die T. assiduis, Cod. qui pot. in pign, wovon ſchon im Capitel: Von den Dotal⸗Rechten, die Nede war, ihnen ein ſolches verlieh⸗ Faſt in ganz Frankreich, ſagte ich ſo eben, richtete ſich das Hypotheken⸗Recht nach den römiſchen Geſetzen; im noͤrdlichen Frankreich gab es nehmlich mehrere Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗Rechte hatten, und die man bays de saisine oder de nantissement nannte, worin, nebſt 180 1M. Buch. RVIII. Tit. Don Privilegien und Hypotheken. dem Contracte, eine mit Erlaubniß des Richters vorgenom⸗ mene Einſchreibung in ein öffentliches Regiſter erforderlich war, um eine Hypothek auf ein ausdrücklich bezeichnetes unbewegliches Gut zu erwerben. Man nannte dieſes wuvres de loi, main mise, und was dergleichen Ausdrücke noch mehr waren.*) Ob dieſe Formalitäten eine Folge oder wenigſtens eine Nachahmung der urſprünglichen roͤmiſchen Gebräuche waren, ob öffentliches Intereſſe ihr Zweck geweſen iſt, oder ob ſie ———— *) Saisine, oder nautissement iſt in dem Sinne, worin dieſer letz⸗ tere Ausdruck hier genommen wird, eine gerichtliche Handlung, wo⸗ durch man eiviliter von einem unbeweglichen Gute Beſitz nimmt, um das Eigentbum den Nießbrauch, eine Hypothek, oder ein ſonſtiges dingliches Recht daran zu erwerben. Es iſt der Inbegriff, die Vollſtändigkeit und das Reſultat der Formalitäten! die unter der Benennung: Vet und debest(von vétr Ube densut t⸗ und auskleiden, in der Rechts ſprache, ſich des Eigenthums ei⸗ ner unbeweglichen Sache begeben, und es auf einen andern übertragen, dessaisine und vaisine(Abgebung und Ergreifung des Beſißes). qherſtance und adhéritance(Ab⸗ und Anerbung)? mie de fuit, main- assise. ubrcs de 1oi, depoirs de loi u. ſ. w. bekannt ſind⸗ Da es Regel war! Tadit onibus domina rerum, non nudis pac- 1is tranferuntun, ſo waren in den pays de nantissement die dort vorgeſchriebenen Formalitäten die einzige geſetzliche ueberliefe⸗ rung, wodurch dergleichen Rechte an Immobilien(wenigſtens in Hinſicht dritter Perſonen und um petitoriſch klagen zu können) erworben werden konnten. Dieſe Formalitäten waren äußerſt verſchieden Hier überreichte z. B. der Verkäufer dem Richter einen Stock als Sinnbild des unbeweglichen Gutes, und der Richter haͤndigte ihn hinwiederum dem Käufer ein; dort mußten ihren Contract vor zwey oder, mehrern Scheffen anerkennen, worüber dann ein Protokoll abgefaßt wurde; an andern Dertern leste ein Gerichisdiener Hand an das Gut an, woran eine Hypothek erworben werden ſollte,(main- aie, w Ausfuͤhrliche Abhandlungen über alles dieſes findet man im Repertoire de Jurisprudence unter den Worten: devois de 1oi, main- asie. main-mise, die Contrahenten nantfissement eta. B. UI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 181 bloß zum Privat⸗Vortheile der Lehens⸗ und Gerichts-Herren eingeführt worden ſind, hieräber wurde im Staats⸗Rathe und auf der Redner-Bühne geſtritten. k Reitzt auch vielleicht dieſe Frage mehr die Wißbegierde, als ihre Unterſuchung wirklichen Nutzen ſchafft, ſo kann ich mich doch nicht enthalten zu erklaͤren, daß ich der letztern Meinung beytreten würde.*) Nicht Juſtinian iſt es, der den Gebrauch der allgemeinen Hypotheken, und die Art ſelbſt eine Hypothek mittelſt eines bloßen Vertrags ohne Ueberlie⸗ ferung der Sache zu errichten, eingeführt hat; lange vor ihm beſtand ſchon alles dieſes, und wie es ſcheint, war es durch das Anſehen der Prätoren, ſo gar unter der republi⸗ kaniſchen Verfaſſung, und ſo bald Rom aus der Barbarey des erſten Zeitalters heraustrat, bewirkt worden. Wie läßt ſich aber denken, daß jener Theil Galliens, der zuletzt von den Römern unterjocht wurde, das P gium nehmlich, ge⸗ rade der einzige ſeyn ſollte, der einen, bevor er ſie kannte, aufgehobenen, und von ſeinen Eroberern ſchon verlaſſenen Gebrauch von ihnen angenommen hätte? »Die Beſitz⸗Ergreifung, wovon hier die Rede iſt, ſo heißt es im Repertoire de Jurispr. V. Nantitsement, n. 2., hat ihren Ur⸗ ſprung im Lehen⸗Rechte. Die Lehens⸗Herren waren ehemahls Eigenthümer aller in ihren Territorien gelegenen Grundſtuͤcke; in der Folge gaben ſie einen Theil davon ihren Vaſallen zu Lehen, oder in Erbzins; da aber das Ober⸗Eigenthum dieſer Grundſtücke immer in den Haͤnden der Lehens⸗Herren blieb„ſo konnten ſich die Vaſallen nie Eigenthuͤmer im ganzen Umfange des Wortes nenuen; folglich kann es auch, ſetzten die Feudiſten hinzu, in ihrer Macht nicht ſtehen, ihre Rechte„ohne Mit⸗ wirkung der Lehens⸗Herren, dritten Perſonen zu uͤbertragen; Schenkungen, Verkäufe, Verſchreibungen, die ſie damit vorneh⸗ men, ſind, ſo zu ſagen, anderſt nichts als Vollmachten ad re- visnandum, gerade ſo wie geiſtliche Pfruͤndner ihre Pruͤnden nicht unmittelbar auf diejenigen, die ſie für gut erachten, übertragen, ſondern ſie bloß den Collatoren übergeben können, um ſie den Perſonen, die ihnen im Reſignarions⸗Acte angeieigt ſind, zu conferiren.* B. — 5 122 Ul. Buch. FVm. Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. Sobald die Hypothek allgemein wurde, und die nehm⸗ lichen Güter mehrern Gläubigern verſchrieben wurden, mußte ſich der Gebrauch, Schilder oder ſonſtige Kennzeichen an die hypotheſirten Immobilien anzuheften, natürlicher Weiſe ver⸗ lieren, und ich fürchte, daß man dieſe Immobilien mit jenen verwechſelt, die in Beſchlag genommen wurden, um zur Be⸗ friedigung des Gläubigers gerichtlich verſteigert zu werden; der Gebrauch, an dieſe letztern Schilder anzuheften, ſchreibt ſich aus dem grauen Alterthum her, und hat ſich bis auf unſere Tage fortgepflanzt. Viel wahrſcheinlicher iſt es, daß die Formalität der Veſitz⸗ Ergreifung(nantissement) vor öffentlichen Beamten, um eine Hypothek zu erwerben, eine Erfindung des Lehenswe⸗ ſens iſt, und zwar aus dem Grunde, weil die Lehent⸗ Herren Nutzen aus der Verſchreibung zogen, die ſie als eine Veräußerung betrachteten, oder deßwegen, weil ſie das in Erbzins gegebene Gut, wenn es heimfällig wurde, wieder zu ſich nahmen, und folglich ihr Intereſſe es erforderte, zu verhindern, daß der Erbzinsmann es nicht ohne ihre Erlaub⸗ niß auf eine unbeſtimmte Weiſe mit Schulden belaſtete. Zwar ſagte man, dieſe Formalität ſtehe mit dem Lehens⸗ weſen ſo wenig in Berührung, daß Ludwig XV, der gewiß die Abſicht nicht hatte, dieſen Nexus aufzuheben, ſie überall durch ſein Edict aus dem Junius 1771 abgeſchafft habe. Zuerſt iſt indeſſen nichts weniger ausgemacht, als die Behauptung, daß unſere Könige die Abſicht nicht hatten, das Joch des Lehensweſens aufzuheben. Viele Männer gibt es, dir im Gegentheile der Meinung ſind, daß ſie ſeit Jahr⸗ hunderten hieran arbeiteten; läßt man aber auch dieſe Frage bey Stite, iſt es nicht ganz einfach, daß die Abſicht Lud⸗ wigs XV. ſeyn mochte, an die Stelle eines zu Gunſten der Lehens⸗Herren geſchaffenen Rechtes ein neues zu ſetzen, deſ⸗ ſen ganzer Gewinn ihm allein zufließen würde? Unmdglich iſt es übrigens nicht, daß dieſes ven dem Lehensweſen auserſonnene Mittel elne Quelle der öffentlichen — 1n. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken 183 Wohlfahrt wurde— eine Idee, die ſich ebenfalls bey Gele⸗ genheit der Edicte Heinrichs IIl., und Ludwigs KIV. dar⸗ biethet, welche auch die Publicität der Hypotheken einführen wollten. Einer Seits behauptet man, das öffentliche Inte⸗ reſſe liege dieſen Edicten zum Grunde, wogegen man ande⸗ rer Seits der Meinung iſt, daß ſie nur den Vortheil des Fiscus bezweckten; was aber auch immer die Abſicht dieſer Fürſten geweſen ſeyn mag, immer bleibt zu unterſuchen uͤbrig, ob das Reſultat ihrer Verordnungen den Völkern nuͤtzlich war. Das Edict Ludwigs XIV. verdient inzwiſchen eine beſon⸗ dere Aufmerkſamkeit, weil es zu einem Vergleichungs⸗Punkte mit unſern neuen Geſetzen dient. Es iſt aus dem Monate März 1673, und enthält acht und ſiebenzig Artikel, deren Haupt⸗Verfügungen folgende ſind: Der König errichtete a) in jeder Land⸗Vogtey, und in jedem Dber⸗Amte eine Kanzelley, oder Gerichtsſchreiberey, wo diejenigen, die kraft eines Contractes oder Urtheiles eine Hy⸗ pothek hatten, ihre Oppoſition(Einſpruch)*) auf die im Bezirke gelegenen Immobilien einlegen könnten. Dieſe Oppoſition mußte b) in der Form eines umſtaͤnd⸗ lich ausgeführten ſchriftlichen Geſuches abgefaßt ſeyn, und die Summen oder Anſprüche, wofür ſie eingelegt wurden, die Bezeichnung des unbeweglichen Gutes, worauf ſie gerich⸗ tet wurden, nebſt ausdrücklicher Erwaͤhnung der Nahmeu des Gläubigers und des Schuldners, und der Urkunden, worauf die Forderung gegründet war, und uͤberdieß die Wahl eines Domicils an dem Orte, wo ſie in die Regiſter eingetragen wurden, enthalten. *) Im Allgemeinen heißt Oppoſition eine Handlung, welche zum Zwecke hat zu verhindern, daß etwas zum Nachtheile der Perſon, auf deren Anſtehen ſie geſchieht, vorgenommen werde. So hatte die Oppoſition auf Immohilien die Aufrechthaltung der Rechte unb Anſprüche eines Gläubigers zum Zwecke, auf den Fall, daß ſie veräußert oder ferner beſchwert werden ſollten. B. 184 1I. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Gläubiger, deren Oppoſitionen in die Regiſter eingetragen worden waren, wurden c) allen andern, die keine Dppoſition, einlegten, vorgezogen, wenn ſchon ihre Fordernngen aͤlter und privilegirt waren. Oppoſitionen, die d) binnen vier Monaten, vom Tage der Acte oder Urtheile angerechnet, und zwar in Anſehung deren, die im Koͤnigreiche waren, oder binnen ſechs Monaten, in Anſehung jener, die abweſend waren, in die Regiſter ein⸗ getragen wurden, wirkten zuruͤck bis zum Tage der Acte oder Urtheile; wurde die Dppoſition erſt nach vier oder ſechs Monaten in die Regiſter eingetragen, ſo hatte ſie erſt vom Tage der Eintragung eine Wirkung. Eben ſo verhielt es ſich e) mit Oppoſitionen, die auf Güter eingelegt wurden, wovon die Schuldner erſt nach dem Acte oder Urtheile Eigenthümer geworden waren. Starben die Schuldner, ſo hatten †) die Gläubiger die nehmlichen Friſten, um mittelſt der Eintragung in die Regi⸗ ſter, das Verzugs-Recht vor den perſönlichen Glaͤubigern des Erben zu erhalten. Die, welchen g) an einem Gläubiger, der Dppoſition ein⸗ gelegt hatte, eine Forderung zuſtand, konnten auf die nehm⸗ liche Weiſe gegen deſſen Forderung Oppoſition machen. Die Eintragung in die Regiſter brauchte h) nicht erneuert zu werden. Glaͤubiger, deren Hypotheken nicht in die Regiſter einge⸗ tragen waren, wurden i) nach dem Alter ihrer Hypotheken in denjenigen Guͤtern claſſificirt, worauf keine Oppoſition vorhanden war⸗ Schuldner, welche k) nach der Oppoſition Immobilien erwarben, oder denen Immobilien, anderſt jedoch als durch Erbfolge, oder mittelſt eines Univerſal⸗ Vermächtniſſes anfie⸗ len, waren verbunden, den Glaͤubigern, deren Hypotheken in die Regiſter eingetragen waren, die darauf ſprechenden Titel zu inſinuiren; thaten ſie dieſes nicht, ſo konnten ſie ſich mit keiner Verjaͤhrung, die geringer als dreyßig Jahre war, ge⸗ gen dieſe Glaͤubiger ſchuͤtzen. UI. Buch. xviII. Tit. Von Privilegien und Hypetheken. 13 Die geſetzlichen Hypotheken der Franen an den Gütern ihrer Maͤnner, jene der Minderjaͤhrigen und Interdicirten an den Glitern ihrer Vormünder und Curatoren, und des Fis⸗ cus an jenen ſeiner Empfänger und Rechnungspflichtigen wa⸗ ren 1) von der Formalität der Oppoſition befreyt; Frauen aber, die in Anſehung ihres Vermögens von ihren Männern abgeſondert waren, waren verbunden, binnen vier Monaten von dem Acte oder von dem Separations⸗Urtheile angerech⸗ net, ihre Oppoſition einzulegen; Wittwen mußten das Nehm⸗ liche binnen dem Jahre, worin ihre Männer geſtorben wa⸗ ren, thun, und Minderjaͤhrige, die großjährig wurden, in dem Jahre ihrer Großjährigkeit; unterließen ſie es, ſo hatte ihre Oppoſition erſt von dem Tage an, wo ſie in die Regiſter eingetragen wurde, ein Vorzugs⸗Recht. Auch war m) das Leibgeding(douaire)*) der Kinder in den Provinzen, wo es dem Gewohnheits⸗Rechte zu Folge ihr Eigenthum war, von der Nothwendigkeit der Oppoſitivn ausgenommen; die großjährigen Kinder mußten ſie indoſſen binnen vier Monaten nach dem Tode ihres Vaters einlegen: thaten ſie dieſes nicht, ſo hatten ſie in Hinſicht des Leib⸗ gedings, erſt vom Tage der Eintragung in die Regiſter, eine Hypothek. *) Douaire(Leibgeding, Witthum) iſt der Genuß, den das Gewohn⸗ heits⸗Recht oder die Ehepacten der Frau, die ihren Mann über⸗ tebt, an einem gewiſſen Theile der ihm zugehörigen Immobi⸗ lien verliehen. Auch verſteht man unter dieſem Ausdrucke das Eigenthum eben dieſes Theiles, welches einige Gewohnheits⸗Rechte den Kindern nach dem Tode ihres Vaters und ihrer Mutter vorbehalten, wenn ſie ſich nicht als Erben ihres Vaters darſtel⸗ len. Es gibt alſo zwey Arten von Leibgeding, jenes der Frau nehmlich, und jenes der Kinder; das eine beſteht nur im Nieß⸗ brauche, das andere aber im völligen Eigenthum. Im Grunde machen indeſſen dieſe zwey Gattungen von Leibgeding nur eine aus; denn das Leibgeding, woran die Mutter den Nießbrauch hat, gehört dem Eigenthume nach den Kindern. Der Urſpruns des Leibgedings rührt daher, weil vor Alters die Frauen, die ſich in jenem Theile des Reiches, den man la France(outumière 186 111. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Endlich war n) der Nießbrauch der Nothwendigkeit der Dppoſition unterworfen, jedoch nur dann, wenn er mittelſt eines Vertrages beſtellt worden war. Dagegen wurden 0) Die Formalitaͤten der Beſitz⸗Ergreifung(aisines et nantissemens) abgeſchafft, und Die Gerichtsſchreiber waren p) verbunden, Auszüge der Eintragungen in die Regiſter zu geben; in einem und dem nannte, heiratheten, von ihren Eltern keinen Brautſchatz er⸗ dielten. Da ſie, ſo bald ſie aus dem väterlichen Hauſe ausge⸗ treten waren, auf nichts mehr daſelbſt Anſprüche machen konn⸗ ten, und es gerecht war, daß ſie im Wittwen⸗Stande zu leben haben möchten, ſo ward es'natürlicher Weiſe gebräuchlich, daß der Mann ihnen etwas nach ſeinem Tode zuruͤckließ. Was er ihnen ließ, dieß machte ihren Brautſchatz oder ihr Leibgeding aus, denn eine mit einem Brautſchatze oder mit einem Witthum verſehene Frau war das nehmliche. Da es aber, wenn Kinder vorhanden waren, nicht natürlich war, daß das, was der Mann ſeiner Frau zudachte, fuͤr die Kinder verloren ſeyn ſollte, ſo wurde mittelſt einer Ansdehnung des alten Gebrauches feſige⸗ ſetzt, daß das Eigenthum des Brautſchatzes oder des Witthums der Mutter, nach ihrem Tode ihnen vorbehalten bleiben ſollte; und aus dieſen Verfügungen, wovon man im Saliſchen Ge⸗ ſetze Spuren antrifft, iſt das Leibgeding der Kinder entſtanden. Die Quotität des Leibgedings war anfangs nicht beſtimmt; ei⸗ uige Maͤnner gaben mehr; andere weniger; ſie hieng gaͤnzlich von der Uebereinkunft ab. Nachher wurde ſie indeſſen durch Geſetze und Gewohnheits⸗Rechte, jedoch nicht einförmig, beſtimmt. Das Leibgeding oder Witthum letzterer Art, heißt Houaire cou- eumier; was hingegen auf einen Vertrag gegründet iſt, conben- rionnel oder præßz. Uuebrigens iſt das douaire contumier der Kinder ſchon durch den Art. 61 des Geſetzes vom 17. Nivoſe 2. J.(6. Januar 1794) abgeſchafft worden; Frausn aber, die nach der Verkündung des Art. 1390 des G. Nap. geheirathet haben paben kein Leibgeding mehr. Zwar kann noch jetzt ein Leibge⸗ ding oder Witthum ſtipulirt werden; es hat aber bloß die Wir⸗ tung einer Schenkung, die der Mann ſeiner Frau im Heiraths⸗ Contracte macht, und der Bedingung untergeordnet iſt, daß ſie ihn überlebi. S. den Art. 1094.— Repertoire de Jurisprud, , Douatre. B. MI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 137 nehmlichen Auszuge mußten ſie uͤberdieß alle auf das unbe⸗ wegliche Gut eingelegte Oppoſitionen zuſammenfaſſen, waren für die Richtigkeit ihrer Auszüge verantwortlich, und duften nur dreyßig Sous für jede Eintragung in die Regiſter, und eben ſo viel fuͤr jeden Auszug nehmen. Ohne alle Einſchränkung wurde dieſes Ediet am 23 März 1673, d. h. in dem nehmlichen Monate, worin es erlaſſen worden war, einregiſtrirt,*) im Monate April 1679 aber durch ein anderes Editt unbedingt widerrufen. Was an dieſem Widerrufe Schuld geweſen ſeyn mag, daruͤber hat man viel geſiritten. Den Beweggrund des Widerrufs druͤckt der Koͤnig ſo aus: *) D. h. ſeinem ganzen Juhalte nach in dir Regiſter des Parla⸗ mentes von Paris eingetragen. Die Einregiſttirung der Geſetze war ehemahls ein Act, wodurch die höchſten Gerichts⸗Hoͤft (die Parlamente) vorläufiger Unterſuchung der Geſetze, die ihnen vom Kanilek im Nahmen des Koͤnitzes zugeſchickt wur⸗ den, verordneten, daß ſie in ihre Regiſter eingetragen und beglaubte Abſchriften davon an die Untergerichte ihres Bezirkes abgeſchickt werden ſollten, um daſeibſt verkündet, in ihre Regi⸗ ſter eingeſchrieben und vollſtreckt zu werden. Schickte nehmlich der König ein Geſetz an ſein Parlament, ſo verordnete dieſes nach einer Berathſchlagung, welche Veriſicardon hieß, entweder daß es ganz unbedingt, oder mit Einſchränkungen in ſeine Re⸗ giſter eingetragen werden ſollte, oder es beſchloß, daß Gegen⸗ Vorſtellungen dagegen gemacht werden ſollten. ueber den eigent⸗ lichen Urſprung dieſer Beſugniß der Parlamente verdient vorzüg⸗ lich Herr Merlin im Reßertoire de Juripr. F. Enregtre- ment des Lois, nachgeſehen zu werden. War indeſſen auch da⸗ mahls die Eintragung in die Regiſter der Parlamente zur Voll⸗ ſtreckung der Geſetze durchaus erforderlich, ſo hat doch ſchon die conſtituirende Verſammlung durch das Geſetz vom. November 1789 dieſes Recht ganz abgeſchafft, und allen Gerichten und Verwaltungs⸗Behörden die unkedingte Eintragung der Geſetze in ihre Regiſter und zwar unter der Strafe anbefohlen, ſdaß ſie widrigeufalls als Uebertreter ihrer Amtspflichten verfolgt werden ſellten. 5 133 UMI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Dbſchon Unſere Unterthanen ſehr beträchtliche Vortheile aus ſeiner Vollziehung erhalten könnten, ſo haben wir nichts deſtoweniger, da es ſich gewöhnlich zuträgt, daß die nütz⸗ lichſten Verordnungen in ihrem Entſtehen Schwierigkeiten darbiethen, und man gerade bey dieſer auf ſolche ſtößt, die in einem Zeitpunkte, wo wir genöthigt ſind, unſere Haupt⸗ Aufmerkſamkeit den Kriegs⸗Angelegenheiten zu widmen, un⸗ uͤberſteiglich ſind, Uns entſchloſſen, es zu widerrufen.« Im angeblichen politiſchen Teſtamente des Herrn Colbert heißt es, an dem Widerrufe des Edictes von 1673 ſeyen »die Raͤnke des Parlamentes Schuld, welches nicht Willens war zu dulden, daß eine ſo ſchöne Einrichtung der Hyder der Prozeſſe, die ſeine einzige Nahrungs⸗Quelle ſind, den Kopf abſchlagen ſollte; es ſtellte vor, die Angeſehenſten des Ho⸗ fes wuͤrden hierdurch ihres Gluͤcksſtandes gänzlich beraubt werden, und, da ſie größteatheils mehr Schulden als Ver⸗ mögen haͤtten, keine Huͤlfsquelle mehr finden, ſo bald ihr Finanz⸗Zuſtand entdeckt würde; da es nun unter dieſem Vor⸗ wande viele wichtige Perſonen in ſein Intereſſe zu ziehen wußte, ſo kaballirten ſie ſuͤmmtlich ſo gut zuſammen, daß der Vollziehung des darüber erlaſſenen Edictes Einhalt ge⸗ than wurde.« Die Einleitung des Widerrufs⸗Edictes, ſagt man hinge⸗ gen anderer Seits, druckt nur das Gefühl eines Geſetzgebers aus, welcher nicht gerade zu eingeſtehen will, daß er Unrecht gehabt habe; während ſeiner ganzen Regierung dachte Lud⸗ wig XIV. nicht mehr daran, dem Edicte von 1673 wieder Geſetzes⸗Kraft zu geben; auch war er der Fürſt nicht, der ſich durch die Gegenvorſtellungen des Parlamentes hätte abhalten laſ⸗ ſen, wenn er von der Nätzlichkeit dieſes Edictes überzeugt geweſen waͤre; ohnehin hatte das Parlament es ſo gar auf der Stelle in ſeine Regiſter eingetragen; dagegen verdient das angebliche politiſche Teſtament von Colbert, ein Machwerk, woran dieſer große Miniſter keinen Antheil hat, nicht die mindeſte Rückſicht; eben ſo iſt es im höchſten Grade unge⸗ recht, das Parlament zu beſchuldigen, daß es das öffent⸗ — m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken 139 liche Wohl der Chicane habe zum Opfer bringen wollen, da es doch ſo eben, mit ſo vielem Amts⸗Eifer zu jenen be⸗ ruͤhmten Ordonnanzen mitgewirkt hatte, wodurch man ſie zu Grunde zu richten ſich Mühe gegeben hatte; ſo wie dann auch der Beweggrund, daß man den Hofleuten das Mit⸗ tel, andere zu betriegen habe aufrecht erhalten wollen, abſcheulich und keiner Antwort würdig iſt. Vorzüglich be⸗ ruft man ſich hiebey auf den faſt gleichzeitigen Schriftſteller Basnage, welcher ſagt, das Geſetz von 1673 ſey ſo fiscal und ſo beſchwerlich zu vollziehen geweſen, daß man ſich ge⸗ nöthigt geſehen habe, es zurückzunehmen. So blieben die Sachen, bis Ludwig XV. im Menate Junius 1771 ſein Edict erließ, wodurch er Hypotheken⸗ Bewahrer errichtete, und die freywilligen gerichtlichen Ver⸗ käufe von Immobilien(décrets volontaires)) abſchaffte. *) Ehemahls gab es in Frankreich zwey Arten gerichtlicher Ver⸗ kaͤufe unbeweglicher Güter(Deerets dimmeubles), die freywilli⸗ gen nehmlich und die erzwungenen,(déeret volontaire, und de- eret fores). Ein freywilliger gerichteicher Verkauf war derjenige, den ein Erwerber thun ließ, um die von ihm erworbenen Guͤter von den Hypotheken, dinglichen Rechten oder Dienſtbarkeiten, die man daran haben möchte, zu befreyen. Befürchtete nehmlich ein Erwerber, daß er nicht geſichert ſey, ſo bedung er ſich ge⸗ wöhnlich die Befugniß aus, das Gur freywillig bey Gericht ver⸗ kaufen zu laſſen, und den Preis ſeiner Erwerbung nicht eher zahlen zu muͤſſen, bis das Zuſchlags⸗Urtheil ohne irgend eine Oppoſition beſtegelt worden waͤrc. Um zu ſolch einem freywilli⸗ gen Zuſchlags⸗brtheile zu gelangen, erklaͤrte der Erwerber vor einem Notar, daß er einem Dritten eine wirklich fällige Summe ſchuldig ſey; die Urſchrift der hieruͤber errichteten Schuld⸗Ver⸗ ſchreibung wurde dieſem Dritten eingehändigt, welcher aber auf der Stelle einen Gegen⸗Revers daruͤber ausftellte Kraft dieſer Schuld⸗Verſchreibung ließ der anſcheinliche Gläubiger das in Frag ſtehende Gut in Beſchlag nehmen, und betrieb dieſemnach den gerichtlichen Verkauf deſſelben. Die Formalitaten dieſes Verkaufes waren die nehmlichen, wie beym unfreywilligen gericht⸗ lichen Verkaufe; nur mußte man, wenn das Gut gegen den Er⸗ werber freywillis bey Gericht verſteigert wurde, in der Prozedur 190 1l Buch. XVIII. Tit Von Privilegien und Hypotheken. Der Zweck dieſes Fuͤrſten war, wie et im Eingange zu ſeinem Edicte ſagt, an die Stelle der freywilligen gericht⸗ lichen Verkäufe von Immobilien ein einfacheres und weniger koſtſpieliges Mittel zu ſetzen, das Eigenthum ſicher zu ſtellen, und den Rang und die Dauerhaftigkeit der Hypotheken auf eine unveraͤnderliche Art zu beſtimmen. Dieſes Edict enthaͤlt acht und dreyßig Artikel, deren we⸗ ſentliche Verfügungen ich jetzt ausheben will⸗ In jedem Amte errichtete er a) die Stelle eines Hypo⸗ theken⸗Bewahrers, und eine Kanzelley, um die Beſtaͤtigungs⸗ anmerken, wer es verkauft habe, damit deſſen Gläubiger benach⸗ richtigt wurden, eine Oppoſition einzulegen. Zwiſchen Käufer und Verkäufer machte übrigens der Zuſchlag mittelſt freywilliger Vergantung einen und den nehmlichen Rechts⸗Titel aus; keiner von beyden erhielt dadurch mehr Recht, als er kraft des Con⸗ tractes ſchon hatte; geſchah alſo der Zuſchlag für einen höhern Preis, als im Contraete beſtimmt war, ſo konnte doch der Ver⸗ fäufer nur die Zahlung dieſes letztern verlangen; Gläubiger aber⸗ welcho Oppoſition einlegten, konnten die Zablung der Summe, wofuͤr der Zuſchlag geſchehen war, fordern, weil der Contraet für ſie nicht verbindlich war. Hatte der Erwerber Glaͤubiger be⸗ zuhlt, die im Contracte angewieſen waren, oder nicht, die aber weder privilegirt noch die aͤlteſten waren, ſo mußte er die nehm⸗ lichen Summen den Glänbigern, welche Dppoſition einlegten, noch einmahl zahlen; und wenn die freywillige Vergantung zu einer unfreywilligen wurde, welches dann geſchah, wenn Oppo⸗ ſitionen vorhanden waren, die gegen das Zuſchlags⸗Urtheil be⸗ ſtanden, und nicht in Beſchlagnehmungen des Kaufpreiſes ver⸗ wandelt worden waren, ſo mußte der Erwerber ſelbſt Oppoſition einlegen, um für die von ihm bezahlten Summen nach ſeiner Rang⸗Drdnung elaſſifieirt zu werden⸗ Man ſieht hieraus, daß die freywillige Bergantung eine lang⸗ wierige und ſimulirte Formalität war, die man deßwegen einge⸗ führt batte, weil es an einem Geſetze mangelte, welches die Ord⸗ nung und Feſtigkeit der Hypotheken auf eine unveräuderliche Art feſtſetzte; und ein ſicheres und leichtes Nittel, ſie aufrecht zu erhalten angab. Reperloire de Jurisprud. F. Doeret d immeu- 3le, F. 1. — m. Buch. XvlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 191 Urkunden(Lettres de ratification) zu beſiegeln, welche auf Verkauf⸗ und andere Contracte, wodurch Eigenthum über⸗ tragen wird, ertheilt werden ſollten. Alle Erwerber wirklicher oder fietiver Immobilien, welche dieſelben von den darauf haftenden Hypotheken befreyen woll⸗ ten, waren b) gehalten, bey jedesmahliger Veraͤnderung, in der bey dem Amte, in deſſen Bezirke geſagte Immobilien gelegen waren, errichteten Kanzelley Beſtätigungs-Urkunden zu nehmen⸗ Kraft dieſer Urkunden erloſchen c) die Hypotheken und Privilegien aller Gläubiger der Verkäufer, welche vor der Beſiegelung geſagter Urkunden ihre Oppoſition einzulegen ver⸗ nachlaͤßigt hatten; dagegen konnten ſie aber den Erwerbern, in Hinſicht des Eigenthums, dinglicher Rechte, Grundgerech⸗ tigkeiten, Dienſtbarkeiten und anderer Gerechtſame, nicht mehr Recht ertheilen, als die Verkäufer daran hatten. Um ſolche Beſtätigungs-Urkunden zu erhalten, legte d) der Erwerber ſeinen Contract auf der Kanzelley nieder; ein. Auszug davon wurde einer im Audienz-Saale angebrachten Tabelle eingerückt, und hierin blieb er zwey Monate lang, vor deren Ablauf die Urkunde nicht abgeliefert werden durſte. Jedem Gläubiger des Verkäufers ſtand'es e) frey, auf der Kanzelley ſein Verſprechen abzugeben, daß er den Kauß⸗ preis um ein Zehntel erhöhen wolle; jeder Glaͤubiger war dieſemnach befugt, ein Zwanzigſtel mehr zu biethen; der Er⸗ werber aber konnte das unbewegliche Gut behalten, wenn er den hoͤchſten Preis, der dafür gebothen worden war, vollzäh⸗ lig machen wollte. Gläubiger, die auf ein Privilegium oder Hypotheken⸗Recht Anſpruch machten, mußten †), um ihre Hypotheken bey vor⸗ gehenden Veränderungen aufrecht zu ethalten, bey den Be⸗ wahrern ihre Oppoſition einlegen. Dieſe Oppoſitionen dauerten 8) nur drey Jahre lang. Minderjährige, Interdicirte, Frauen, die unter der Ge⸗ walt des Mannes ſtanden, waren h) verbunden, bey Ver⸗ 192 1M. Buch. XvlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. luſt ihres Rechtes ihre Oppoſition zu machen, mit Vorbehalt jedoch ihres Regreſſes gegen die Vormünder und Maͤnner, ſo wie es den Rechten nach Statt findet; dagegen bedurften aber die Hypotheken der Frauen an den Gütern ihrer Maͤn⸗ ner, ſo lange dieſe Letztern lebten, ſo wie auch die Hypo⸗ theken der Kinder an den Gütern ihrer Väter, wegen noch nicht angefallener Leibgedinge keiner Oppoſition. Unter den Hypothekar- und privilegirten Glaͤubigern, welche Oppoſition eingelegt hatten, wurde ¹) die geſetzliche Rang⸗Ordnung beobachtet; Chyrographar⸗Glaͤubiger aber, welche Oppoſition gemacht hatten, wurden vorzugsweiſe vor den privilegirten und Hypothekar⸗Gläubigern befriedigt, die keine eingelegt hatten. Die Oppoſitionen mußten k) die Nahmen, Gewerbe und Wohnorte des Glaͤubigers und des Schuldners, und die Wahl eines Domicils an dem Orte, wo ſie den Regiſtern eingetra⸗ gen wurden, enthalten, und nach ihrem Datum in ein von dem Bewahrer geführtes Regiſter eingeſchrieben werden, wel⸗ cher verbunden war, denjenigen, die es verlangten, Auszuͤge daraus mitzutheilen, fuͤr deren Glaubwuͤrdigkeit er verant⸗ wortlich war. Ehe er die Beſtaͤtigungs⸗Urkunde überreichte, um mit dem Siegel verſehen zu werden, mußte er 1) auf dem Umſchlage von den Oppoſitionen, wenn deren vorhanden waren, Mel⸗ dung thun, und nun wurde die Urkunde anderſt nicht als mit Vorbehalt der Oppoſitionen beſiegelt⸗ Die Rechte und Formalitäten der Veſitz⸗Ergreifungen Gaisines et nantissemens) wurden m) abgeſchafft, und die freywilligen Vergantungen aufgehoben. Das Edict enthielt übrigens n) keine andere Ausnahme, als zu Gunſten der Hypotheken des Fiskus an den Gütern der Rechnungspflichtigen; dieſe Befreyung wurde aber kraft beſonderer Geſetze beybehalten, die man im Commentar des Herrn Grenier uͤber den Art. 17 des Edictes nachſehen kann⸗ Verſchieden war die Art, womit dieſes Edict in den U. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 103 verſchiedenen Theilen Frankreichs aufgenommen wide. Die Parlamente von Paris und Dijon trugen es ſogleich ohne Einſchränkung in ihre Regiſter ein; in andern Gerichtsſpren— geln geſchah dieſes nur unter verſchiedenen Modificationen, oder aus ganz ausdrücklichem Befehle des Königs; zu Ren⸗ nes hielt man ſich aber an den im Gewoh nheits⸗Rechte von Vretagne beſtimmten Beſitz-Ergreifungen(appropriances); zu Air und Perpignan wurde das Edict, unerachtet es in die Regiſter eingetragen worden war, nie in Vollzug geſetzt, weil man ſich den Formalitaten, die es zum Beſten der Erwerber, aber zum Nachtheile der Gläubiger vorſchrieb, nicht unter— werfen wollte, und der Verfügung der römiſchen Geſetze den Vorzug gab; wogegen man zu Douai und zu Arras fand, daß das Edict nicht genug fuͤr die Erwerber und Capitaliſten thue, und daß man die Beſitz-Eigreifungen mittelſt der uvres de loi, main-mise, u. ſ. w., woran man gewohnt war, lieber habe; in der That gab auch der Koͤnig den Vore ſtellungen des Parlamentes von Douai nach, und das Edict von 1771 wurde nie daſelbſt vollzogen. Während der Revolution gewannen die Ideen von Pu— blicitaͤt und Specialitaͤt der Hypotheken die Oberhand; wirk⸗ lich hält es auch ſchwer, ſich des Gedankens zu entſchlagen, der ſich gleich Anfangs darbiethet, daß man nehmlich weit mehr Geſchäfte machen wuͤrde, wenn man den Vermögens⸗ Zuſtand derjenigen, mit denen man contrahi ren kann, ganz genau kännte; wenn Niemand mehr Credit hätte, als ihm gebuͤhrte, und den Raͤnkeſüchtigen die Macht aus den Händen geſpielt wuͤrde, andere zu betriegen. Man fand, daß das Edict von 1771 zwar ſür die Sicherheit der Erwer⸗ ber ſorgte, den Darleihern aber kein Mittel an die Hand gab, ihre Capitalien mit Zuverſicht anzulegen, und die Ver⸗ mögens⸗Umſtände derjenigen kennen zu lernen, die ſie lehn⸗ bar aufnehmen. Die conſtituirende Verſammlung hatte keine Zeit, um über dieſen großen Gegenſtand ein Geſetz zu erlaſſen; der IV. Malev 13 . 194 IM. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypothelen. National⸗Convent mochte zwar darüber eins am 9. Meffidor 3. J.(27. Junius 1793), welches aber das Gepräge der damahligen Ueberſpannung an ſch trug; an die Stelle der allzu lanawierigen Fortnen der ehemahligen Beſchlaaneh⸗ mungen der Immobilien, um ſie zur Befriedigung der Glaͤu⸗ biger gerichtlich verkaufen zu lafſen((aisies réelles) ſetzte es eine Art von gerichtlicher Vergantüng,(expropriation) die dem ungluͤcklichen Schuldner nicht einmahl das Mittel ließ, ſich zu beſinnen, und zu uͤberlegen, was zu thun ſey; was noch mehr iſt, indem es den Bürgern erlaubte, Hypotheken gegen ſich ſelbſt zu nehmen*), mobiliariſirte es die Immo⸗ bilien; es both der Verſchwendung traurige Mittel dar, und ließ eine allgemeine Zerrüttung der Vermögens-Umſtände be⸗ ſürchten. Auch ſah man ſich genöthigt, die Vollſtreckung desſelben einzuſtellen⸗ Unter guͤnſtigern Auspizien erſchien das Geſetz vom II. Bruͤmaire 7. J.(1. November 1798); mit der größten Feyer⸗ lichkeit wurde es im Rathe der Fünfhunderte und in jenem der Alten discutirt, und man glaubte die Auflöſung jenes ſo beſchwerlichen Problems: Den ausgedehnteſten Credit *) Von dieſer Erlaubniß handelt das gänze Cap. 2, Tit. 1/ des augeführten Geſetzes. Jedem Eigenthümer von Gütern odet Ge⸗ rechtſamen, woran ein Hypotheken- Recht Statt haben konnte, wurde nehmlich die Befngniß ertheilt; auf eine beſtimmte Zeit, die jedoch nicht länger als zehn Jahre ſeyn durfte, mittelſt Hy⸗ potheken⸗Zettel(cédules hypothéeaires) bis zum Betrage breyer Biertel des Haupt-Werthes ſeiner im Zettel verzeichneten Guͤ⸗ ter, mit Inbegriff des Betrags der Hypotheken, womit ſie ſchon belaſtet waren, eine Hypothek gegen ſich ſelbſt zu nehmen⸗ Dieſe Zettel wurden von den Hypotheken-Bewahrern ausgefer⸗ tigt, und hierin verband ſich der Eigenthümer aus dem Werthe ſeiner Immobilien demjenigen, der auf der Rickſeite genannt wurde, die Summe von. auszuzahlen Durch Endoſſement wurden dieſe Zettel in Umlauf geſetzt, und der Inhaber war kraft derſeiben mit einer Hypethek an den darin verzeichneten Guͤtern Lerſehen. B. m. Buch XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 15 mit der groͤßten Sicherheit zu verpaaren, gefunden zu haben. So ſtanden die Sachen, als wir den ehrenvollen Auftrag erhielten, ein Civil⸗Geſetzbuch für Frankreich zu verfertigen⸗ Zwiſchen drey Syſtemen, nehmlich jenem der römiſchen Ge⸗ ſetze, die vor dem Edicte von 1777 beobachtet wurden, je⸗ nem dieſes Edictes, und jenem des Geſetzes vom 17. Brü⸗ maire hatten wir zu wählen. Nach vielem Nachdenken und mehrern gemeinſchaftlichen Berathſchlagungen gaben wir dem Edicte, jedoch mit Vorbehalt einiger Verbeſſerungen, die unſerer Meinung nach daran vorgenommen werden muͤßten, den Vorzug. Ueberfluͤßig wäre es, hiet unſere Gründe an⸗ zuführen; ſie werden ſogleich bey der Mittheilung der Dis⸗ cuſſion, die im Staats-Rathe hierüber Statt hatte, ent⸗ wickelt werden. Da in der Geſetzgebungs⸗Section die Meinungen getheilt waren ſo wurde beſchloſſen, daß Herr Bigot von preame— neu dem Staats⸗Rathe die Gruͤnde derjenigen, die es mit unſerm Entwurfe hielten, und Herr Réal die Gründe derje⸗ nigen vorlegen ſollte, die das Geſetz vom 11. Brimaire vor⸗ zogen; als aber dieſer Letztere nachher durch einen Auſtrag daran verhindert wurde, kam Herr Treilhard an deſſen Stelle, welcher dieſem zu Folge das Geſetz, welches das Reſultat der Discuſſion war, dem Geſetzgebungs⸗Corps vorgelegt hat. Ich finde es dienlich, die beyderſeits vorgebrachten Argu⸗ mente hier im Auszuge mitzutheilen: unſere Enkel werden darin einen gründlichen Unterricht finden, wenn die Erfah⸗ rung es je nothwendig machen ſollte, dieſe Frage noch ein Mahl zur Sprache zu bringen. Hier folgen die Gründe des Herrn Bigot: *1) Es iſt ein Haupt⸗Grundſatz, den man an der Spitze aller Geſetz⸗Entwürfe uͤber die Hrpotheken antrifft: Jeder, der ſich perſoͤnlich verbunden hat, ift ſchuldig, mit allen ſeinen beweglichen und unbeweglichen, gegenwaͤrtigen und zukuͤnftigen Gktern fuͤr die Erfuͤllung ſeiner Her⸗ phichtung zu haften⸗ 196 1Ml. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Aus dieſem Grundſatze folgt, daß der Credit desjenigen, der eine Verbindlichkeit eingeht, nicht nur aus allen ſeinen gegenwärtigen, ſondern auch noch aus jenen Guͤtern ſich bildet, die er durch ſeine Arbeit und die natürliche Succeſſions⸗Odnung noch zu erwerben hoffen kann. Es iſt ganz klar, daß derjenige, der nur wenig Immobilien, oder deren gar keine hat, nicht ſo leicht Jemanden finden wird, der ihm Geld leiht, als wenn er nebſt ſeinen wirklichen Gii⸗ tern auch ſeine zukünftige Guͤter zur Hypothek ſtellen könnte; die Verſchreibung zukünftiger Güter iſt indeſſen mit der Spe⸗ cialitt der Hypothek unvertraͤglich; dieſe Specialität iſt folg⸗ lich dem öffentlichen Intereſſe und dem Eigenthums⸗Rechte zuwider. „Man wendet zwar a) ein, man könne nicht über ein Eigenthum verfuͤgen, was man noch nicht hat. Sobald man aber verbunden iſt, für die Erfuͤllung ſeiner Verbind⸗ lichkeit mit allen ſeinen, ſogar zukünftigen, Guͤtern zu haf⸗ ten, warum ſollte man ſie dann auch nicht zur Sicherheit dieſer Erfüllung zur Hypothek ſtellen können 2 Selbſt die Anhänger der Specialitat ſind der Meinung nicht, dieſe Guͤ⸗ ter für Schulden, die vor der Erwerbung gemacht worden ſind, unangreifbar zu erklären; nehmen ſie aber an, daß ſolche für dergleichen Schulden allgemein haften, ſo iſt kein Grund vorhanden, ihre Hypotheſirung zu verhindern; nur wird in dieſem Falle die Hypothek bedingt, und in der Vor⸗ ausſetzung, daß der Schuldner dergleichen Güter erwerbe, wirkſam ſeyn⸗ „Unſittlich iſt es, ſagt man p), auf die künftigen Erb⸗ ſchaften zu ſpeculiren. Hat man aber wohl ſeit zwanzig Jahr⸗ hunderten, waͤhrend deren es erlaubt iſt, kuͤnftige Guͤter zur Hypothek zu ſtellen, je gehört, daß dieſe Befugniß unſitt⸗ lich ſey? Zukünftige Güter beſtehen ja ohnehin nicht einzig aus Erbſchaften; ein größerer Theil iſt die Frucht der Arbeit und der Induſtrie; und in Hinſicht derienigen ſogar, wozu man durch Erbfolge gelangen kann, hat das Geſetz den Mißbräuchen dadurch hinlaͤnglich vorgebeugt, daß es 11. Buch. XVIIl. Tit. Pon Privilegien und Hypotheken. 197 Vertraͤge, welche kuͤnftige Erbſchaften zum Gegenſtande ha⸗ ben, verbothen, und den Minderjährigen die Befugniß ver⸗ liehen hat, ſich gegen die Verpflichtungen, die ihnen nach⸗ theilig ſeyn möchten, in den vorigen Stand ſetzen zu laſſen. Es gibt ſehr viele Hypotheken⸗Rechte, die oft in Nichts zerfallen wuͤrden, wenn ſich ihre Wirkung nicht auf die künf⸗ tigen Güter ausdehnen ließe; dergleichen Hypotheken ſind jene der Frauen an den Gütern ihrer Männer, und jene, die kraft eines Urtheiles erworben werden. Gemeiniglich bleibt, wenn die Kinder ſich heirathen, das Erbgut in den Händen der Eltern; ein verurtheilter Schuldner hat oft keine Immobilien, und man iſt gezwungen nachzugeben, daß dieſe beyde Arten von Hypotheken an den künſtigen Guͤtern des Mannes und des Schuldners vollzogen werden können. Liegt indeſſen kein Widerſpruch darin, wenn man einer Seits behauptet, eine Hypothek koͤnne die künftigen Guͤter des Schuldners nicht zum Gegenſtande haben, während man ſich anderer Seits genöthigt ſieht, einzugeſtehen, daß dieß in ſehr zahlreichen Fällen nicht nur gerecht, ſondern ſogar nothwendig ſey? „ 2) Setzt man die Handlungs⸗ und Induſtrial-Vertraͤge bey Seite, wofuͤr man glücklicher Weiſe keine Sicherheit in den Gütern nimmt, ſo iſt der größte Theil der Hypotheken ihrer Natur nach unbeſtimmt⸗ „Dergleichen ſind a) alle geſetzliche Hypotheken, denen ganze Buͤrger⸗Claſſen, als: Ehemänner, Vormünder, Erben unter der Rechtswohlthat des Inventars, Perſonen, die über Gelder, welche dem Staate zugehören, Rechnung abzulegen ſchuldig ſind, gerichtliche Depoſitarien, unterworfen ſind. „bP) Die Hypotheken, die von Verbindlichkeiten abhan⸗ gen, welche entweder in Anſehung der Quotitaͤt, oder deß⸗ wegen unbeſtimmt ſind, weil ſie von ungewiſſen Ereigniſſen abhangen. Hiehin gehdren die Gewaͤhrleiſtungen im Falle, wo eine Sache ganz oder zum Theile evineirt wird, die be⸗ dingten Verbindlichkeiten, die Freygebigkeiten auf den Ueber⸗ lebungs-Fall. Endlich ryn 1. Fuch. XVIM. Tit. Von Privilegien und Hypothekea⸗ c) Unter den gerichtlichen Hypotheken, diejenigen, welche aus Contumacial- oder der Appellation unterworfenen Ur⸗ theilen entſpringen, ſo wie auch jene, welche aus Urtheilen herruͤhren, wodurch Jemand zur Zahlung nicht liquidirter Summen, zur Zurückerſtattung der genoſſenen Früchte, zum Erſatz des Schadens und entbehrten Gewinns, zur Rechnungs⸗ Ablage, zur eventuellen Gewährleiſtung ſolcher Gegenſtände, deren Werth ungewiß iſt, verurtheilt wird. „Ganz offenbar iſt es indeſſen, daß dieſe ungeheure Maſſe von Hypotheken ſich nicht ſpecialiſiren läßt, weil ſie das Acceſſorium ſolcher Forderungen ſind, deren Betrag vor dem Eintreten des Ereigniſſes, welches ſie beſtimmen wird, nicht feſtgeſetzt werden kann. „Um ſie inzwiſchen, ſo viel als möglich, in Special⸗ Hypotheken umzuſchaffen, hat man den Vorſchlag gemacht, die Eintragungen unbeſtimmter Hypotheken unter dem Vor⸗ wande, daß ſie für allzu ſtarke Summen erwirkt worden ſeyen, herabzuſetzen und zu vermindern; iſt aber eine ſolche dem Schuldner ertheilte Befugniß nicht der Natur ſeiner Ver⸗ pflichtung zuwider? Iſt ſie nicht überdieß eine Quelle end⸗ loſer Prozeſſe, und die größtentheils unter Perſonen Statt haben würden, die durchaus nicht in Prozeſſe gegeneinander verwickelt werden muͤſſen? „Entweder hat der Schuldner in die Eintragung der Hypothek eingewilligt, oder ſie iſt, wie im Falle der geſetz⸗ lichen oder gerichtlichen Hypothek, ohne ſeine Theilnahme bewerkſtelligt worden. „Hat er in die Eintragung eingewilligt, ſo kann er gegen ſein eigenes Factum nicht mehr angehen; iſt von einer geſetzlichen oder gerichtlichen Hypothek die Rede, ſo muß die Klage auf Verminderung um ſo viel eher verworfen werden; man kann doch einer Verbindlichkeit nicht derogiren, die ihren Grund in der öffentlichen Ordnung hat. „Eine ſolche Verminderung— auf welcher Grundlage ſollte ſie überdieß beruhen? Welcher Gattung von ſchiedsrich⸗ terlichem Erkenmniße, oder Schätzung durch Sachverſtändige 6 MI. Buch. XVIl. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 195 ſollte man ſich dabey bedienen? Es iſt ganz offenbar, daß nach der Natur der Dinge nichts von allem dieſem Statt haben kann, weil der Betrag der Forderung von ungewiſſen Ereignißen, der guten oder ſchlechten Aufführung des Schuld— ners, von künftigen Erbſchaften, von zu eylaſſenden Urthei⸗ len, von zufaͤlligen Bedingungen abhaͤngt. »Setzt man, um dem Schuldner Credit zu laſſen, die Summe, wofür die Hypothek genommen worden iſt, auf's Gerathe wohl, ohne alle Grundlage herab, ſo läuft man Gofahr, dem Glaͤubiger zu ſchaden; ſchlägt man die möglichen Ereigniße hoch an, ſo ſchwächt man bey den— jenigen, die dem Schuldner Geld hätten leihen koͤnnen, ſei⸗ nen Credit mehr, als dieſe Vorſicht hätte thun konnen. „Auch gibt es wenig Schuldner, denen, um ſich Credit zu verſchaffen, die Luſt anwandlen möchte, die Koſten und die Ungewißheit ſolcher Schätzungen ſich gefallen zu laſſen; waͤren ſie aber durch die wirkliche Nothwendigkeit, Geld auf⸗ zunehmen, dazu gezwungen, ſo wuͤrden ſie keinen Darleiher finden, der den Ausgang eines ſolchen Procedur abwarten wollte. „3) Unter der alten Geſetzgebung ſtand es immer jedem frey, ſich eine Special-Hypothek auszubedingen; warum will man ſie alſo mit Zwang und pon Rechts wegen einfuͤh⸗ ren, da doch hauptſaͤchlich die bloße Stipulation dem Gläu⸗ biger den nehmlichen Rang und das nehmliche Vyrrecht verlieh, was man ihm durch ein Zwangs-Geſetz zuſi⸗ chern will? „e mehr man überzeugt iſt, daß die Specialität ſelbſt zum Vertheile des Glänbigers den Vorzug verdient, deſtoweniger muß man ſich mit einem Geſetze bewaffnen, welches die natürliche Freyheit einſchränkt; vorzüglich bey Gegenſtaͤnden, die ſich auf das Eigenthum beziehen, muß man Jeden daruͤber mittelſt Vertraͤge, die er fuͤr dienlich er⸗ achtet, disponiren laſſen, und das Geſetz muß nicht dazwi— ſchen treten, um das zu verbiethen, was an ſich nicht uner⸗ laubt iſt. Begnügen ſich die Gläubiger mit einer Spetial⸗ 200 1l. Vuch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Hypothek, ohne zu verlangen, daß ſie ſich auf das ganze Vermögen des Schuldners erſtrecken ſolle, ſo werden die Schuldner gerne darin einwilligen; auf dieſe Weiſe wird der natuͤrliche Lauf der Dinge jene Ordnung mit ſich bringen, die man durch Zwang einführen will, und die Freyheit, der ſie ihr Entſtehen zu verdanken hätte, wuͤrde ihre Nuͤtzlichkeit beweiſen. „Da indeſſen das Gegentheil ſich bis hiehin ereignet hat; da jeder Gläubiger, der alle mögliche Sicherheit haben will, immerwährend die doppelte Hypothek, die allgemeine neym⸗ lich und die beſondere, der bloßen Special⸗Hypothek, vorge⸗ zogen hat; da, ſelbſt unter dem neuen Syſtem, die Gläubi⸗ ger nicht ermanglen, ſich den Vortheil der General⸗Hypothe⸗ ken entweder dadurch, daß ſie ihre geſetzliche, genichtliche oder unbeſtimmte Hypotheken auf alle gegenwärtige und zu⸗ künſtige Guͤter einſchreiben laſſen, oder dadurch zu verſchaf⸗ fen, daß ſie ſich für die vertragsmaͤßigen und beſtimmten Hypotheken, unter dem Nahmen von Specialitaͤt, auf alle Gulter einſchreiben laſſen, die ihres Wiſſens dem Schuldner zugehdren, ſo iſt es in der That beſſer, daß man dieſem letztern die Freyheit laͤßt, unter jener Gattung von Hypothek, die ihm dienlich ſcheint, Geld aufzunehmen: man muß we⸗ nigſtens nicht glauben, daß er ſein Vermdoͤgen mehr beſchwert, als ſeine Lage, und der Wille des Gläubigers es nothwendig machen werden. „Bis zum Jahr 7(17909) legten die allgemeinen Hypo⸗ theken dem Schuldner kein Hinderniß in den Weg, neue Anlehn zu finden, denn in Hinſicht der ſpätern Glänbiger, gab ſeine Erklärung, welcher ſeine Moralität, oder die auf dem Stellionate haftende Strafe zur Garantie diente, die Sicher⸗ heit, womit ſie ſich gewöhnlich begnügten; iſt aber einmahl feſtgeſetzt, daß es keine andere ſichere Hypothek gibt, als diejenige, die in einem freyen Gute geſtellt wird, dann wird der Schuldner, welcher ein neues Anlehn ſucht, ſich vergebens Mühe geben zu beweiſen, daß der aͤltere In. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 201 Gläubiger allzu ausgedehnte Special⸗Hypotheken genommen habe; der Darleiher wird in dieſe Unterſuchungen nicht hin⸗ eingehen, und kein Schuldner, der nur Immobilien beſitzt, worauf übertriebene oder gar unnütze Hypotheken genommen worden ſind, wird ſie nicht mehr als Pfand einer neuen Schuld anbiethen können. „Um inzwiſchen den Gebrauch der Special⸗Hypotheken, in dem Falle, wo die Contrahenten ſie freywillig vorziehen würden, zu erleichtern, hat der Entwurf des Geſetzbuches über Fragen, die bis hiehin ſtreitig waren, Regeln feſtgeſetzt. „So zweifelte man a), ob derjenige, der ſich eine Special⸗ Hypothek hatte ſtellen laſſen, von der allgemeinen Hypothek nicht abgegangen ſey, die er Kraft ſeines Conttactes gehabt haben würde; ob er nicht wenigſtens, wenn auch die allge— meine Hypothek aufrecht bliebe, gehalten ſey, das ihm be⸗ ſonders verſchriebene Immobile zuerſt anzugreifen, und ver⸗ kaufen zu laſſen: beyde Fragen ſind im Entwurfe des Geſetz⸗ buches mit Nein entſchieden, es ſey dann, daß die Contra— henten im Contracte eine entgegengeſeszte Abſicht an den Tag gelegt haͤtten. „So ſtritt“man ferner b) uͤber die Frage, ob bey der Rangordnung unter den Gläubigern die Special-Hypothek nicht der allgemeinen vorgezogen werden muͤſſe, wenn ſchon dieſe letztere älter ſeyn ſollte. Auch dieſe Frage entſcheidet der Entwurf mit Nein, weil es offenbar ungerecht ſeyn würde, wenn es in der Macht des Schuldners ſtände, durch Stellung einer Special⸗Hypothek zu Gunſten eines ſpätern Gläubigers, dem älrern ohne ſeine Mitwirkung einen Theil ſeines Unterpfandes zu entreißen; dagegen erlaubte die Ge⸗ rechtigkeit aber, dem ſpätern Gläubiger dann den Vorzug zu geſtatten, wenn er ſich nur in Concurrenz mit einer allgemeinen Hypothek befand, die vom nehmlichen Datum, wie die Special⸗Hypothek war. „Dieſe Vortheile, die ſich die Contrahenten durch bleße Verträge verſchaffen können, wenn ihr Jutereſſe ſie dazu z03 U. Buch. XVlIM. Tit. Von Privilegien und Hppotheken. einladet, ſind zuverläßig beſſer, als eine gezwungene Spec⸗ alität, die dem Eigenthumsrechte zuwider, in unendlich vie⸗ len Fällen unausführbar, ſo vielen Inconvenienzen ausge⸗ ſetzt iſt, und das Zutrauen einſchraͤnkt, anſtatt ihm Ausdeh⸗ nung zu geben.« Nicht minder dringende Argumente ſtellt Herr Bigot ge⸗ gen die Mittel auf, die man ergriffen hat, um zuͤr Publiche raͤt der Hypotheken zu gelangen. „Die Nation, ſagt er, ſchien den Verfaſſern des Geſetzes vom Brumaire ſo ſehr verdorben zu ſeyn, daß ſie die Red⸗ lichkeit nur dadurch wiederherſtellen zu koͤnnen glaubten, daß man den Schuldnern ſolche Feſſel anlegte, die den Betrug unmöglich machen würden; um hiezu zu gelan⸗ gen, fanden ſie kein anderes Mittel, als allen Verträgen die Form eines Darlehns auf ein öffentliches und ſpeciales Unterpfand zu geben; ſie glaubten, die Publicitaͤt wuͤrde den Gläubigern eine zuverläßige Kenntniß von dem Vermö⸗ gens⸗Zuſtande ihrer Schuldner verſchaffen, und ſie gegen alle Nachforſchung in Anſehung älterer Hypotheken ſchützen⸗ »„Iſt es möglich, dieſen Zweck zu erreichen? Wenigſtens ſich ihm zu nähern? Keines von Beyden. „1) Die größte Maſſe von Immobilien jſt, wie wir ge⸗ ſehen hahen, gewöhnlich mit unbeſtimmten Hypotheken be⸗ ſchwert,— ein Umſtand, der es unmöglich macht, ſich von dem Vermoͤgens-Zuſtande des groͤßten Theiles der Eigenthü⸗ mer Keuntniß zu verſchaffen. Dieſes Hinderniß, welches dem neuen Entwurfe im Wge ſteht, iſt unüberſteiglich. „Freylich hat man, was man im Geſetze vom Brumaire nicht gewagt hat, den Vorſchlag gethan, dergleſchen unbe⸗ ſtmmte Hypotheten zu ſchätzen und zu vermindern; allein, die Ungerechtigkeit dieſes Vorſchlages iſt ſchon bewieſen wor— den. Die Schätzung würde ja keine Baſis haben; ohne Noth nuͤrde ſie den Schuldner und den Glaͤubiger der Ge⸗ fahr ausſetzen, betraͤchtlich zu verlieren, und zu koſtſpieligen Prozeſſen, ja ſogar oft zu Streitigkeiten unter ſolchen Perſo⸗ ne w . Buch. XVIIl. Tit. Von Privilegien und Hypotheken, 203 nen Anlaß geben, worunter Einigkeit weſentlich erhalten werden muß. „Um dieſe Schätzungen und Verminderungen zu autoriſi⸗ ren, hat man zwar geſagt, die Haupt⸗Schuld brauche nicht vr der Zeit geſchätzt zu werden, ſondern bloß die Hypothek; dieſe ſey weiter nichts als eine Sicherheit, die der Schuld hinzukommt, und ſie unterſtutzt, und nichts hindere, ſie über⸗ haupt(in Bauſch und Vogen) zu beſtimmen. „Den Theil der Güter aber in Banſch und Bogen ſchä⸗ tzen, woran der Glaͤubiger ſein Vorzugsrecht aufrecht erhalten wird, heißt dieſes nicht, den Zuſtand jenes Rechtes auf eine nachtheilige Art verändern, und einen Theil des Geg— nſtandes der Schuld unterſchlagen? Heißt es nicht, einen neuen Centract zwi⸗ ſchen ihm und ſeinem Schuldner machen— einen Contract, der überdieß, da von einer Hypothek die Rede iſt, die, vom Geſetze und aus Glruͤnden offentlicher Ordnung eingeführt, nicht von einem Vertrage abhangen muß, unerlaubt ſeyn wuͤrde? „Die Anhänger des Geſetzes vom Brumgire geben inzwi⸗ ſchen ſelbſt nach, daß ohne Schätzung die Publicität der Hypotheken für dritte Perſonen von keinem Vortheile ſ yn muͤrde, weil es unnütz waͤre zu wiſſen, ob eine Hypothek vorhanden ſey, wenn ſie nicht zugleich die Summe wuͤßten, zu deren Sicher— heit das Gut beſchwert ſeyn mag; die Baſis dieſes Syſtems iſt folglich ſehlerhaft. „2) Waͤre es auch möglich, zur Publicität der Hypothe⸗ ken zu gelangen, ſo muͤßte doch eine damit verknüpfte ſehr nachthejlige Folge ganz allein ron der Ausſührung dieſer Idee zurückhalten; dieſe ſehr nachtheilige Folge beſteht darin, daß den Familien die Beſugniß geraubt wird, ihre Angelegenhei⸗ ten geheim zu halten;— ein Geheimniß, welches immer als eine der vorzüglichſten Rechte der individuellen Freyheit angeſehen worden iſt. „Es iſt faſt keine Familien-Angelegenheit, feſt kein Er⸗ eigniß, was ſich in ihr zuträgt, welches nicht Gelegenheit 204 1. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. zu einer Hypothek gibt: um von allen Bürgern eine unbe⸗ dingte Verzichtleiſtung auf jedes Geheimniß in Auſehung deſſen, was für ſie den meiſten Werth hat, Zu ver⸗ langen, waͤre es doch nicht nur erforderlich, daß die Ruͤtz⸗ lichkeit einer ſolchen Enthuͤllung nicht dem mindeſten Zweifel unterworfen waͤre, ſondern auch daß die Nothwendigkeit der⸗ ſelben klar bewieſen wuͤrde. „Wer ſagt, man ioͤnne den Wunſch nicht hegen, ſeine Angelegenheiten geheim zu halten, ohne weder Treue noch Glauben zu haben, der widerſpricht dem Gefuͤhle, welches die rechtſchaffenſten Menſchen zu jeder Zeit empfunden haben, und das ihr gewöhnliches Betragen rechtfertigt. „Gibt es Darleiher, die dieſes Geheimniß mißbrauchen, ſoll man deßwegen das allgemeine Necht der Beſorgniß auf⸗ opfern, welche unredliche Menſchen einflöſen? Sollte derje⸗ nige wohl Gehor verdienen, der die Verachtung ſeiner Mit⸗ bürger bis zur Vorausſetzung treiben würde, daß alle der Regel nach, als Betruͤger, die ehrlichen Leute aber nur als Ausnahme zu betrachten ſeyen? Laſſen ſich auf eine ſolche Theorie Geſetze machen? „Das Geſetz über die Organiſation des Notariat⸗Weſeus verbiethet unter ſchweren Strafen den Notarien, fremden Perſonen von den Urkunden, die ſie aufnehmen, Kenntniß mit⸗ zutheilen,— eine Verfuͤgung, die allgemeinen Beyfall erhalten hat. Mit dem Geiſte dieſes Geſetzes ſteht indeſſen die Idee der Publicität der Hypotheken ganz offenbar im Widerſpruche, weil aus Notarial⸗Acten immer Verbindlichkeiten entſpringen, die ein Hypotheken⸗Recht veranlaſſen. »2) Angenommen, es ſey möglich, dem Glaͤubiger eine vollkommene Sicherheit dadurch zu verſchaffen, daß man Eintragungen in öffentliche Regiſter fordert, ſo muß man ſich doch eines ſolchen Mittels nicht bedienen, wenn es ſich mit den Grundſaͤtzen der Billigkeit und des Eigenthums⸗ Rechtes nicht vereinigen laͤßt. Stuͤrzt man aber dieſe Grund⸗ ſätze nicht um, wenn man vorſchlägt, daß ein Privilegium, I. Buch. XVUII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 207 eine geſetzliche Hypothek ohne Wirkung ſeyn ſollen, wenn ſie nicht in die Regiſter eingetragen worden ſind? „Was die Privilegien betrifft, dieſe ſind entweder auf die Menſchlichkeit, oder auf offenbare Billigkeits⸗Urſachen gegruͤndet. So verleiht man aus Meuſchlichkeit ein Privile⸗ gium für die Koſten des Unterhaltes, der letzten Krankheit, und der Beerdigung. „Das Prſpilegium des Eigenthümers an der Mobiliar⸗ ſchaft des Miethers und Pächters hat in der Menſchlichkeit und Billigkeit zugleich ſeinen Grund. „Auf der öffentlichen Treue beruht das Privilegium in den Guͤtern der oͤffentlichen Beamten. „Dffenbare Billigkeit iſt es, die das Privilegium des Verkäufers, oder deſſen, der das Geld hergeſchoſſen hat, an dem verkauften Immobile, des Miterben an den erbſchaftlichen Immobilien, des Unternehmers und des Arbeiters an den Gebäuden, die ſie auffuͤhren, begründet. „Die Anhänger des neuen Syſtems willigen zwar darin ein, daß man fuͤr einige privilegirte Forderungen wegen ihrer Geringfügigkeit keine Eintragung in die Regiſter vorſchreiben ſolle; dieſe willluͤhrliche Diſtinction wird aber uͤber die allge⸗ meinen Grundſaͤtze ewiger Gerechtigkeit den Vorzug nicht er— halten. Die Exiſtenz eines erworbenen Rechtes muß nicht von der Unterlaſſung einer bloßen Formalität abhangen. „Zweifels ohne, wenn dieſe Formalität einmahl vorge⸗ ſchriben iſt, wird der privilegirte Gläubiger ſehlen, wenn er ſie nicht beobachtet; aber das Geſetz muß nur daejenige vor— ſchreiben, was gerecht iſt: es muß Rechte, die durch die Natur der Dinge erworben ſind, nicht von einer Formalität abhaͤngig machen; vielmehr muß es vermeiden, die Rechte der Menſchlichkeit und Billigkeit auf's Spiel zu ſetzen, al— Erleichterungen fuͤr eventuelle Anlehn zu verſchaffen. „Was die bloßen Hypotheken betrifft, eriſtirt ein erwor⸗ benes Recht zu Gunſten des Gläubigers, der nach der Zeir— folge der erſte iſt: qui prior est Lampore, potic est ſure. 206 111. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. »„Wird die Hypothek nicht mittelſt des Contractes, ſon— dern nur durch eine Einſchreibung auf jedes unbewegliche Gut erworben, ſo eriſtirt das Prioritäte-Recht anderſt nicht mehr, als verunſtaltet, weil es möglich iſt, daß ein Gläu⸗ biger, der alle Guͤter ſeines Schuldners zum Unterpfand zu paben wünſchte, ſie nicht kennt, oder daß ihm ein ſpäterer Gläubiger zuvorkommt, welcher ihm den erſten Rang weg⸗ nehmen wird⸗ „Dieſe Bemerkungen paſſen auf alle Hypotheken; es gibt deren aber noch andere, die auf die geſetzlichen und ge⸗ richtlichen Hypotheken insbeſondere anwendbar ſind. „Nicht bloß des Privat⸗Vortheiles der Contrahenten we⸗ gen; ſondern noch überdieß aus Gründen aͤllgemeiner Ord⸗ nung ſind die geſetzlichen Hypotheken eingeführt worden,— Gründe, die im J. 1673 für ſtark genug angeſehen wurden, um geſagte Hypotheken nicht von einer Eintragung in Re⸗ giſter abhngig zu machen, und im J. 1771, um mehrere derſelben davon auszunehmen. „Das Geſetz würde mit ſich ſelbſt im Widerſpruche ſte⸗ hen, wenn es einer Stits erklärte, die öffentliche Ordnung erfordere, daß das Hyp theken⸗Recht dieſer oder jener For⸗ derung anllebe, während es anderer Seits dieſe Hypotvek von einer Einſchreibung abhaͤngig machte, die unwillkührlich oder auch gar freywillig unterlaſſen werden konnte⸗ „Zu Gunſten der Frauen erhebt ſich die allgemeine Stimme; die Erfahrung hat gelehrt, daß ſeit dem neuen Syſteme, dieſe intereſſante und bis dahin in Schutz genom⸗ mene Hälfte der Geſellſchaſt eines großen Theiles ihrer Gl— ter beraubt worden iſt. „Die Frauen haben weder an der Bildung noch an der Vollziehung des Geſetzes einigen Antheil; ſie werden in der Zukunft nicht beſſer mit ihm bekaunt ſeyn; in jeder Hinſicht ſind ſie von ihren Maͤnnern abhaͤngig, welche oſt dabey ein Intereſſe haben, daß die Formalitäten nicht erfüllt werden, und noch öfter ſie a.s überſtuͤßig vernachlaͤßigen tönnen. Svgar d III. Buch. XVM. Tu. Von Privilegien und Hyvotheken. 20 haben die Weiber, ſeitdem die Gütergemeinſchaft zum allge⸗ meinen Rechte erhoben worden iſt, nicht einmahl Geld, um die Koſten der Eintragung zu bezahlen. Sollte man wohl ohne Unwillen zuſehen konnen, daß ſie wegen der Unterlaſ⸗ ſung einer Formalität, die ſie nicht kennen, und deren Cr⸗ fuͤllung nicht in ihrer Macht ßteht, ihres Vermögens beraubt werden? »Will man etwa die Eltern, die ſie ausſteuern, für die ſe Unterlaſſung verantwortlich machen? Man hat indeſſen ſchon die Verfügung getroffen, daß die Eltern nicht verbunden ſind, einen Brautſchatz mitzugeben; um ſo viel weniger kann man ſie alſo auch für den Brautſchatz verantwortlich machen. „Die Immrbilien bleiben gewoͤhnlich in den Händen der Eltern, wenn ſie ihre Kinder verheirathen; der Mann hat gemeiniglich um dieſe Zeit noch keine Guͤter, worauf die Frau ſich einſchreiben laſſen kann: ganz ungerecht wäre es doch, wenn Glaubiger ſich auf diejenigen, die dem Manne in der Folge anfallen, noch vor ihr einſchreiben könnten. »Kein Geſetz verpflichet, einen Heiraths⸗Contract zu errichten; allein das Syſtem der Eintragungen in Regiſter würde die Nothwendigkeit derſelben einfuͤhren. „Die Minderjaͤhrigen haben am dfterſten den Ueberlebenden ihrer Eltern zum Vormunde; imtner muß man zu verhindern ſuchen, daß das Intereſſe der Maͤnner und Frauen, der Kinder und ihrer Eltern ſich nicht durchkreunze: im Frieden der Familien beſteht das allgemeine Gluͤck. Dieſer morali— ſchen und politiſchen Idee iſt man bis jetzt bey Verfertigung des Geſetzbuches gefolgt: man witd von ihr abgehen, wenn mau das Vermögen der Frauen und der Mindeijaͤhrigen von einer Einſchreibung abhaͤngig macht; anſtatt des Friedens, heißt dieſes Ungerechtigkeit, Betrug und Zwietracht in die Familien einführen⸗ »Was die gerichtlichen Hypotheken betrifft, dieſe ſind darum eingeführt worden, damit das Anſchen der Urtheile zog I. Vuch. XvII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. nicht durch Hypotheken gefaͤhrdet werden möge, die derje⸗ nige, welcher wirklich verurtheilt iſt, oder auf dem Punkte ſteht, verurtheilt zu werden, einem dritten zugeſtehen möchte, welcher auf dieſe Art den Vorzug erhalten wuͤrde. Soll aber die Verurtheilung erſt mittelſt einer Eintragung des Urtheiles in die Regiſter eine Hypothek bewirken, ſo wird der Betrug mehr erleichtert werden, als er es je war. „4) Die Eintragung in die Regiſter, als ein Mittel zur Publicität der Hypotheken betrachtet, iſt unter einigen Ge⸗ ſichtspuncten unnütz, unter allen andern aber gefährlich. „Sie iſt unnlitz in Hinſicht der geſetzlichen Hypotheken; iſt es denn nicht offenkuͤndig genug, daß eine Frau verhei— rathet iſt? Iſt es nicht allgemein bekannt, daß jemand Vor⸗ mund, oder Einnehmer dem Staate zugehoriger Gelder iſt? Man will ſolglich das Los der Frauen und der Minderjah⸗ rigen, und die Erhebung der Staats⸗Einkünfte von einer zweckloſen Formalität abhängig machen. „Entweder wird man eine Friſt zur Einſchreibung ge⸗ ſtatten, und in dieſem Falle weiß der Gläubiger, der binnen dieſer Friſt contrahirt, nicht, ob nicht aͤltere Glaͤubiger vor⸗ handen ſind, die ihm vorgehen wuͤrden; oder die Hypothek ſoll erſt vom Tage der Eintragung ihr Datum erhalten, und nun wird der geſetzliche oder gerichtliche Gläubiger am öfter⸗ ſten der Gefahr ausgeſetzt ſeyn, ſein Recht zu verlieren. In der That, läßt ſich nicht annehmen, daß er auf der Stelle alle Güter ſeines Schuldners ſo genau kenne, und ſich gerade in ihrer Nähe befinde, um die Eintragung darauf ſogleich zu beſorgen; nie muß man das Eigenthumsrecht von einer For⸗ malität abhängig machen, ohne denjenigen, der ſie zu er⸗ füllen ſchuldig iſt, in Verzug zu ſetzen. „Iſt es aber auch ſelbſt um eine Hypothek fuͤr ein Dar— lehn zu thun, ſo kann der Darleiher nicht verſichert ſeyn, daß nicht ein anderer Glaͤubiger ſich geſchwinder als er, auf ein vom Drte, wo der Contract geſchloſſen wird, entlegenes anbewegliches Gut einſchreiben laſſe: ſo etwas kann ſich erei— — M. Buch. XVIII, Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 209 gnen, ohne daß ſogar Unredlichkeit von Seiten des Schuldners dabey eintrete. Jemand, der eine Vollmacht von ihm in Haͤnden hat, kann auf Ort und Stelle, ohne ſein Wiſſen, ein Anlehn aufgenommen haben, welches zuerſt einge⸗ tragen ſehn mag; Inhaber noch nicht einregiſtrirter Rechts⸗ Titel, z. B. von Urtheilen, können in der Zwiſchenzeit dieſe Formglitaͤt erfüllt haben. „Inzwiſchen gibt das Geſetz, welches die ui vorſchreibt, dem Glaͤubiger kein Mittel an die Hand, um ſich gegen die Irrthömer oder den Betrug des Schuldners ſicher zu ſtellen; zwey Acte, wovon einer, welcher nur ein Verſprechen, Geld vorzuſchießen, enthielte, in die Regiſter mit dem Porbehalt eingetragen wurde, nachher das Dar⸗ lehn zu realiſiren, kann er nicht machen: auf ein ſolches bloßes Verſprechen kann man ja keine Hypothek nehmenz das einzige Hölfsmittel iſt alſo, ein Falſum zu be indem man als richtig vorausſetzt, daß die Summe dem Leh⸗ ner wirklich uͤberzählt worden ſey, da ſie doch in den Hin⸗ den des Notats bleibt, um erſt nach der Eintragung verabfolgt zu werden; wirklich bedient man ſich taͤglich dieſes ſtraͤflichen Mittels. „So würde man alſo zur nehmlichen Zeit, wo man die ſchaͤrfſten Strafen verhängt, um die Geſellſchaft von dieſer gefaͤhrlichen Landplage zu befreyen, ein Geſetz anuehmen, welches ſie gewiſſermaßen nothwendig macht, und entſchul⸗ digen zu müſſen ſcheint! „Will man behanpten, es laſſe ſich nicht vermuthen, daß der Notar tas Depoſitum mißbrauchen, ſo wie such nicht, daß der Lehner ſich eines Stellionates ſchuldig machen werde, weil beyde ſich der Gefahr ausſetzen würden, peinlich ver⸗ folgt zu werden? Allein bey ſolchen Vermuthu ingen wäre es wohl ganz überflüſſig, Geſetze zu machen, um den Betrü⸗ gereyen vorz zubengen. Die Strafe des Stellionats trifft man in allen Hypotheken-Snyſtemen an, und doch wild der betrogene Gläubiger eſt das Schlachtopfer. Ohnehiſt V. Mallev. 74 2 z1e II. Buch. XvlI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. denkt man nicht daran, daß der Darleiher nicht einmahl ge⸗ gen den Depoſitar oder den Lehner eine Klage würde anſtellen konnen, ohne ſich ſelbſt als Mitſchuldigen des Falſums zu entdecken. „Nebſt dieſen Gefahren, denen die Nothwendigkeit der Eintragung den Glaͤubiger ausſetzt, gibt es noch andere, die aus der Möglichkeit eines Irrthumes entweder von ſeiner Seite bey Abfaſſung der Eintragung, oder durch unrichtige Be⸗ zeichnung des Schuldners oder der Güter, oder von Seiten des Hypotheken⸗Bewahrers entſpringen können, der ſich in dem Zeugniſſe, das er daüber geſtellt, irren kann“ die Forma⸗ litäten des einen ſowohl als des andern ſind vervielfaͤltigt, ſie ſind bey Strafe der Nichtigkeit vorgeſchrieben, und die Erfahrung hat ſchon zahlreiche Beyſpiele ſolcher Irrthümer geliefert.⸗ Aus allen dieſen Bemerkungen zog Herr Bigot den Schluß, daß a) das neue Publicitats⸗ und Specialitäts⸗ Syſtem weder dem Darleiher Sicherheit, noch dem Lehner völligen Credit verſchaffe; doß es b) den Langwierigkeiten und den Koſten des gerichtlichen Verkaufes nicht vorbaue; daß c) die geſetzlichen Hypotheken von einer bloßen Formalität nicht abhangen duͤrfen, und daß man d) in jeder Hinſicht ein Syſtem vorziehen muͤſſe, welches alle Eigenthumsrechte handhabt, und worunter Frankreich ſich zur höchſten Stufe vvu Wohlfahrt emporgeſchwungen hatte⸗ Er ſchließt mit folgender Betrachtung:»was haben faſt alle Darlehn auf Immobilien fuͤr einen Gegenſtand? Die Erfahrung lehrt, daß mehr als ſieben Achtel an Käufer gege⸗ ben werden, die auf das erworbene Immobile eine privilegirte Hypothek geſtatten; dieſes Privilegium verlieh dem Darleiher eine völlige Sicherheit, wollte der Schuldner nachher das nehmliche Gut einem andern zur Hypothek ſiellen, ſo ſah dieſer letztere bey der erſten Einſicht der Eigenthums⸗Urkun⸗ den, fuͤr welche Summe dieſes Gut ſchon beſchwert war. Auf dieſe Art ſchützten ſich die Darleiher, unter dem alten Geſetze, ohne Zwang, und indem ſie jedem die vollige Aut⸗ M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hppotheken. a12 uͤbung ſeines Eigenthums ließen, mittelſt Privilegien gegen alle Gefahr. Man muß doch wahrlich die Rechte des Schuldners an ſeinen gegenwärtigen und zukünftigen Gütern, und jene, die aus den geſetzlichen und gerichtlichen Hypotheken entſpringen, nicht der kleinen Anzahl nicht privilegirter Dar⸗ leiher aufopfern.« Allen dieſen Einwendungen gegen das Geſetz vom 11. Brumaire ſetzte Herr Tronchet noch eine andere nicht minder wichtige hinzu:„Das Syſtem dieſes Geſetzes, ſagte er, iſt weiter nichts, als eine oft unter ſcheinbaren Gruͤnden vorge⸗ brachte, aber immer verworfene Fiscal⸗Erfindung. Es fuͤhrt eine ungeheure Abgabe, nehmlich die verhältnißmaͤßige ein, welche nothwendiger Weiſe ungleich iſt, weil ſie nur eine Claſſe von Bürgern trifft. »Freylich müſſen alle Bürger zu den Laſten des Staates beytragen, aber Jeder muß doch dieſes nur nach Maßgabe ſeines Vermoͤgens, und aus ſeinen Einkuͤnften thun; gerade deßwegen ſind die auf die Conſumptions⸗Gegenſtände geleg⸗ ten Abgaben, und die Grundſteuren gerecht, weil der Grund⸗ Eigenthümer die Urſteffen verkauft, welche die Conſumtions⸗ Gegenſtände liefern; dagegen wird die Abgabe von einer Hypothek aus den Capitalien zum Vornas genommen, und was ſie noch gehäſſiger macht, der Ungluͤckliche muß ſie entrichten, und ſie verſchlingt die Hülfs⸗Quellen des Erwerbfleißes. Iſt der Vermögens⸗Zuſtand eines Buͤrgers zerrüttet, iſt er ge⸗ zwungen, Geld aufzunehmen, um ſeinen Verpflichtungen Ehre zu machen, ſo findet ſich der Fiscus ein, um ihm ei⸗ nen Theil der Unterſtuͤtzung, die er ſich verſchafft, zu ent⸗ reißen, denn immer muß der Lehner die Koſten des Contrac⸗ tes zahlen. Verkauft ein Bürger ſein Eigenthum, um den Kaufpreis zu nuͤtzlichen Unternehmungen, zu Handlungse Speculationen zu verwenden, ſo findet ſich ſchon wieder der Fiskus ein, um mit ihm zu theilen. Dieſe ſehr ſchaͤdliche Folge müßte ganz allein die Verwerfung dieſes Syſtems be⸗ wirken.* 212 U. Buch, XVI. Tiz. Von Privilegien und Hypotheken. Herr Réal hatte eine Denkſchrift, als Antwort auf jene des Herrn Bigot, zu verfertigen angefangen, an deren Fort⸗ ſetzung er aber, wie ich bbereits geſagt habe, durch andere Beſchäftigungen verhindert wurde. Um mit den Begriffen bekannt zu werden, nach welchen der Staats⸗Rath ſeine Entſcheidung gefaßt hat, hebe ich aus jener Denkſchrift das⸗ jenige aus, deſſen Kenntuiß mir am nützlichſten geſchienen hat. „Die Materie von den Hypotbheken iſt die wichtigſte un⸗ ter allen denjenigen, die in einem Geſetzbuche eine Stelle ein⸗ zunehmen haben; ſie intereſſirt das bewegliche und unbeweg⸗ liche Vermoͤgen aller Bürger; nach der Art, wie man ſie behandlen wird, wird ſie dem allgemeinen Credit Leben und Bewegung geben, oder deſſen Grab werden. „Allgemein bat man gegen das im Entwurfe des Geſetz⸗ buches angenommene Syſtem ſeine Stimme erhoben; es iſt als eine gefährliche Neuerung angeſehen worden, und der Caſſations⸗Hof, die Appellations⸗Höfe von Paris, Lyon, Brüſſel, Rouen, Caen, Douai, Grenoble und Montpellier haben ſich geeilt es zu bekaͤmpfen. „Frankreich treibt eben ſo viel Ackerbau, als Handel; dem Ackerban ſind die Capitalien eben ſo nothwendig, wie dem Handel, und die Geſetzgebung muß ſo beſchaffen ſeyn, daß die Capitalien dieſer doppelten Quelle der Nationale Wohlfahrt leicht zufließen können. „Findet der Erwerber in der Geſetzgebung Sicherheit und Leichtigkeit bey ſeiner Erwerbung, und bey ſeiner Befreyung; trifft der Verkäufer darin das Mittel an, ſchnell und ohne Koſten den Kauſpreis des unbeſchwerten Gutes, das er ver⸗ kauft hat, in Empfang zu nehmen, und zu ſeiner Befreyung, ſchnell und mit wenigen Koſten die Glaͤubiger befriedigen zu laſſen, denen er es allenfalls verpfaͤndet hat; kann der Ei⸗ genthümer eines unbeſchwerten Gutes den vollen Credit ge⸗ nießen, den ihm ſein Eigenthum zuſichert; findet der Eigen⸗ thümer eines beſchwerten Gutes in dem Geſetze das Mittel, m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypothekek. 213 ſo viel Credit zu genießen, als ſein Eigenthum die darauf haftende Hypothek an Werth überſteigt; trifft der Capitaliſt, welcher Geld ausleihen will, oder jeder andere, der mit ei⸗ nein dritten gerne contrahiren möchte, in der Geſetzgebung ein unſehlbares Mittel, den Vermögens⸗Zuſtand desjenigen zu kennen, womit er ſich in Geſchäfte einlaͤßt; wird allem dieſem zu Folge, ein unredlicher Menſch nie verkaufen kön⸗ nen, was ihm nicht zugehoͤrt, noch dem Capitaliſten einen lügenhaften Credit darbiethen, ſo wird nothwendig hieraus folgen, daß das Geſetz, indem es die Eigenthuͤmer und Ca⸗ pitaliſten wenigern Gefahren ausſetzt, eine zahlreichere Con⸗ currenz von Erwerbern zu den Verkäufen von Immobjlien herbeyrufen, daß es die Wiederemporſteigung des Preiſes der Territorial⸗Güter zu ihrem wahren Werthe mächtig befördern, daß der Capitaliſt ſich mit einem geringern Gewinn begnü⸗ gen wird, daß die Bedürfniſſe des Adervaues leicht werden befriedigt, und die Zinſen des Geldes im Verhältniße, wie die Gefahren des Darleihers ſich verringern, herabſinken werden. „Alle dieſe Vortheile vereinigt indeſſen das Geſetz vom 11. Brumaire 7. J in fich, wie man ſich hievon nach ſeiner bloßen Theorie üͤberzeugen kann. „Seine Grundlage iſt in Anſehung der Veränderungen, die mit dem Eigenthume der Immobilien Statt haben, ſo wie auch in Hinſicht der Aufrechthaltung der Hypothecar⸗ Rechte einförmig, nehmlich Publieität der Contracte, wor durch Eigenthum übertragen wird, und der Aete, die eine Hypothek begründen. „Jeder Erwerber läßt ſeinen Contract auf dem Buͤreau, worunter das verkaufte unbewegliche Gut gelegen iſt, ſeinem ganzen Inhalte nach in ein Regiſter ſchreiben(transſcribiren)z jeder Gläubiger läßt den Titel, worauf ſeine Forderung be⸗ ruht, auf dem Buͤreau, worunter das für ſeine Forderüng verſchriebene Immobile gelegen iſt, in ein Regiſter eintragen Gnſcribiren). 14 M. Buch. XVIII. Tit. Bon Privilegien und Hypotheken. „Der Hypotheken⸗Bewahrer führt, nebſt den Transſcrip⸗ tions⸗ und Inſcriptions⸗Regiſtern, ein Hauptbuch, durch deſſen Beyhülfe er angenblicklich den Nahmen und das Ge⸗ werbe des wirklichen Eigenthuͤmers ausfindig macht; mit einem Blicke ſieht er alle Laſten, die auf dem Eigenthume haften, und die Publicität entſpringt aus den Zeugnißen, die er darüber unter ſeiner Verantwortlichkeit abliefert⸗ „Die Wirkung der Transſcription beſteht darin, daß der Crwerbet vom Augenblicke an, wo ſi geſchehen iſt, unver⸗ änderlicher Eigenthuͤmer wird, ohne daß er je wegen Urſachen, die erſt nach dieſer Transſcription ihr Daſeyn erhalten, noch wegen vorhergegangener Urſachen, die man ihm etwa geheim gehalten haben mag, geſtört werden könne. „Die Inſcription hat die Wirkung, daß ſie dem Glaͤubi⸗ ger den unveränderlichen Rang anweiſt, den er einzunehmen hat, und ihm die Gewißheit ertheilt, daß ihm in dem ihm zur Hypotheck geſtellten Gute kein anderer Gläubiger werde vorgezogen werden, als derjenige, von dem er zum Voraus wußte, daß er vor ihm eingeſchrieben war⸗ „So findet ſich alſo alles, was man von einem guten Geſetze über die Hypotheken verlangen kann, erfüllt.⸗ Herr Réal brachte ſeine Arbeit nicht weiter; Herr Preil⸗ bard übernahm es aber in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗ Corps, die Einwendungen izu beantworten, die man gegen das Syſtem, welchem er beytrat, aufgeworfen hatte. Laßt uns 1) ſehen, was er auf den Vorwurf antwortete, daß die⸗ ſes Syſtem fiscal ſey, und dem Polke außeroroentliche Ab⸗ gaben auflege.»Man muß nicht, ſagte er, die vorgeſchla⸗ gene Maßregel mit ihrer Vollzichung vermiſchen; iſt die Maßregel gut, ſo muß man ſie nicht des möglichen Miß⸗ brauches wegen verwerfen, der von ihrer Vollziebung gemacht werden konute; dieſe Vollziehung iſt in den Handen der Re⸗ gierung nicht willkuͤhrlich, denn Auflagen werden nur mit m. Buch. XvlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 35 Genehmigung des Geſetzgebungs⸗Corps eingefuͤhrt, welches nicht mehr zugeſteht, als nothwendig iſt. „Und— was verſteht man darunter, wenn man dieſe Maß⸗ regel des Fiscal⸗Geiſtes beſchuldigt? Will man damit ſagen, die Inſcription müſſe unentgeldlich geſchehen? Aber, man muß doch die Angeſtellten beſolden, und hiezu iſt eine Abgab⸗ nothwendig. Will man vielleicht, daß dieſe Abgabe von der geſammten Maſſe der Bürger, nicht aber bloß von den intereſſirten Parteyen genommen werden ſolle? Dieſe Mei⸗ nung möchte aber zuverlaͤßig wenig Anhaͤnger finden. „ 2) Man greift das Syſtem in ſeiner Grundlage an, und ſagt, die Maßregel der Inſcription ſey aus mehrern Gründen nicht hinlänglich, den Zweck, den man ſich vor⸗ ſetzt, zu erreichen; 1) weil ein dritter in der Zeit zwiſchen der Schließung und Fertigung des Contractes, und dem Zeitpuncte, wo er in die Regiſter eingetragen wird, ſich ein⸗ ſchreiben laſſen, und ſo dem andern vorgehen konne; 2) weil es Hypotheken gibt, deren Gegenſtand nothwendiger Weiſe unbeſtimmt iſt; 3) weil der Gläubiger allemahl die vollſtändigſte Sicherheit fordern, die Verſchreibung ſämmtli⸗ cher Güter des Schuldners verlangen, und folglich die Spe⸗ cialituͤt der Hypothek anderſt nichts als eine Chimaͤre ſeyn werde. „Antw. Moͤglich iſt es, daß dritte Perſonen in dem Zwiſchenraume des Actes bis zu ſeiner Eintragung, ſogar in gutem Glauben, Inſcriptionen nehmen, die den Vor⸗ zug verdienen. Soll man indeſſen vermuthen, daß der Schuldner die bereits eingegangenen Verpflichtungen ver⸗ heimlichen, und eine Luͤge begehen werde, die nothwendig in wenigen Tagen entdeckt wird? Nichts iſt überdieß leichter, als ſich gegen die Folgen dieſer unwahrſcheinlichen Lüge ſicher zu ſtellen; man braucht nur die Uebereinkunft zu treffen, daß der Act nicht eher, jals in einer zur Erhaltung der Inſeription hinreichenden Zeitfriſt ſeine Wirkung haben, und im Falle, daß ſich ſchon vorher eine Hypothek einge⸗ 216 MI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. tragen finden würde, kraftlos bleiben ſolle. Endſich geht aus der Einwendung nur das einzige hervor, daß Contra⸗ henten einige Tage lang in Unruhe ſeyn könnten, was aber doch immer der ewigen Ungewißheit vorzuziehen iſt, worin nan beym Syſteme der heimlichen Hypotheken gelaſſen wird. „Was die bedingten oder unbeſtimmten Hypotheken be⸗ trifft, wird die Inſeription dritte Perſonen immer benachrich⸗ tigen, daß ein Gut für aͤltere Verpflichtungen haftet; über das Maß(den Um ang) dieſer Verpflichtungen werden ſie ſich erkundigen, und thun ſie dieſes nicht, ſo können ſie den in der Folge für ſie daraus entſpringenden Nachtheil nur ihrer Sorgloſigkeit zuſchreiben. Warum ſollte man aber den Glaͤubiger, der ſich zur Sicherheit einer unbeſtimmten Verbindlichkeit einſchreiben will, nicht zwingen, einen unge⸗ fähren Werth zu erklären, wornach er die Inſcription einzu⸗ richten hätte? Und wenn ſein Anſchlag zu hoch iſt, warum ſollte man dem Schuldner die Beſugniß nicht ertheilen, ſie auf eine billige Art durch die Gerichte vermindern zu laſſen?, „Was endlich die allzu ausgedehnte Sicherheit betrifft, die die Gläubiger, wie man vermuthet, verlangen werden, und die die Specſalität in die Claſſe der Chimären ſetzen wird, ſo werden ſie doch ſelten Hypotheken von hundert tau⸗ ſend Francs für eine Schuld von zehn tauſend fordern; der größte Theil wird ſich mit demjenigen begnügen, was zu ſeiner Sicherheit hinreicht; wäre aber auch dieſe äußerſte Unruhe gewöhnlich, ſo wurde doch das vorgeſchlagene Syſtem noch immer vortheilhaft ſeyn, weil dritte Perſonen von der ältern Verpfändung benachrichtigt, und der Schuldner doch um ſo gewiſſer nicht mehr wird belaſtet werden, da der Werth der verſchriebenen Immobilien, welcher die erſte Forderung überſteigt, immer ein Unterpfand darſtellt, das er. dritten Perſonen im Nothfalle anbiethen kann. 2) Hier ſind indeſſen Einwendungen von einer andern Art. Die Speciolirit, ſagt man⸗ iſt mit dem Eigenthums⸗ Rechte unverträglich; ſie kränkt dieſes Recht, in ſo ſern der mI. Buch. XVIn. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 217 Glaͤnbiger dabey ein Intereſſe hat, weil derjenige, der ſich per⸗ ſonlich verbindet, ſchuldig iſt, mit ſeinem ganzen gegenwär⸗ tigen und zukünftigen Vermögen für die Erfüllung ſeiner Verpflichtungen zu haſten; ſie kraͤnkt es, in ſo weit der Schuldner dabty intereſſirt iſt, weil ſein Credit nicht nur aus den Gütern, die er ſchon beſitzt, ſondern auch aus jenen ſich bildet, die er in der Folge noch erwerben kann. Nun iſt aber der Credit oft das intereſſanteſte Eigenthum eines Bürgers. Anrw. Dieſe Einwendung beruht nur auf einem Wortſpiele. Die Verbindlichken und die Hypothek ſind zwey ganz verſchie⸗ dene Sachen; wer ſich mittelſt einer Urkunde unter Privat⸗ Unterſchrift verbindet, iſt allerdings ſchuldig, mit allen ſei⸗ nen gegenwärtigen und zukünftigen Guͤtern für die Erfüllung ſeiner Verpflichtung zu haften, und doch iſt keines ſeiner Guͤter für ſeine Verpflichtung hypotheſirt; die Hypothek iſt eine beſondere Sicherheit, die der Gläubiger in einem unbe⸗ weglichen Gute hat, dagegen die Verbindlichkeit des Schuld⸗ ners mit oder ohne Hyptthek beſtehen kann. Man verſetzt folglich dem Eigenthume keinen Stoß, wenn man ſagt, daß eine Hypothek nicht mittelſt einer allgemeinen Clauſel, ſon⸗ dern ganz insbeſondere in einem Gute, welches man be⸗ ſtimmt zu bezeichnen hat, geſtellt werden ſolle; dieß hindert ja den Schuldner nicht, alle ſeine Immobilien mittelſt beſon⸗ derer Verſchreibungen fuͤr eine Forderung zur Sicherheit an⸗ zuweiſen. Nur die Clauſel einer allgemeinen Verſchreibung, ohne beſondere Vezeichnung der Güter, die darunter begriffen ſeyn ſollen, nur dieſe Clauſel verbiethet man, weil ſie eines Theils keine reelle Sicherheit darbiethet, andern Theils aber ſehr oft ein Fallſtrick iſt, welcher der Redlichkeit und dem guten Glauben gelegt wird. „»Alles, was ohnehin ein Bürger verlangen kann, iſt die⸗ ſes, daß er, wenn ſein gegenwärtiges Vermoͤgen zu gerinn iſt, ſeinem Gläubiger die Befugniß ertheilen könne, ſich in der Folge auf das erſte oder zweyte unbewegliche Gut, wel⸗ ches er erwerben wird, einſchreiben zu laſſen: dieß iſt eine —— a1 M. Buch. LviII. Lit. Von Frivilegien und Hypotheken. Special⸗Anweiſung, die ſich mittelſt der Inſcription dann realiſirt, wenn das Immobile erworben wird, und das Ge⸗ ſetz wird dem Schuldner dieſe Befugniß zuſichern. „4) Die Publieität verletzt das Geheimniß der Familien. „Antw. Dieß ließe ſich dann ſagen, wenn man die immerwährenden und ſichtbaren Zeichen, die man ehemahls an die verpfändeten Immobilien ſtellte oder anheftete, wieder einfährte; die Regiſter, worin die Hypotheken aufbewahrt werden, werden nicht oͤffentlich zur Schau ausgeſtellt, wohl aber denjenigen geöffnet, welche ein Intereſſe haben, ſie zu kennen; und ſeit fuͤnf Jahren, während welcher dieſe Einrichtung beſteht, hat man ſich noch nicht über die Miß⸗ bräuche beklagt, welche neugierige Menſchen etwa davon machen könnten: eine ſolche Inconvenienz wäre übrigens faſt für nichts zu rechnen in Vergleichung gegen die Uebel, welche das heimlich Halten der Hypotheken hervorgebracht hat⸗ „5) Die Publicität der Hypotheken ſchmälert den Credit, und ſchadet dem Umlaufe. „Antw. Ja, das vorgeſchlagene Syſtem ſchadet dem Credi des argliſtigen und unſittlichen Menſchen, der nur andere zu betriegen ſucht, und gerade dieſes iſt einer der großen Vortheile, die der Entwurf nach ſich zieht. Eben deßwegen muß aber der Credit der rechtſchaffenen Leute um ein merkliches ſich erhöhen. „Der Credit beſteht aus der Meinung, die man ſich von der Moralität und dem Vermägen eines Buͤrgers macht; wer am wenigſten Zweifel über das eine und das andere ge⸗ gen ſich erregt, mit dem läßt man ſich am leichteſten in Geſchäfte ein. „Vom Credit der Handelsleute iſt ohnehin hier die Rede nicht, denn ihnen leiht man nicht auf ihre Immobilien, ſondern auf den guten Ruf von Einſicht und Rechtſchaffen⸗ heit, worin ſie ſtehen. „6) Man kann nicht in Abrede ſtellen, daß die Eintra⸗ gung der geſetzlichen Hypotheken unnuͤtz iſt; denn das Geſetz m Buch. XvIII. Tit. Bon Privilegien und Hypotheken. 215 verleiht die Hypothek; ſie kann'alſo wegen Abgang einer Formalitaͤt nicht verloren gehen. »„Antw. Auch dieſes iſt anderſt nichts, als ein Mißbrauch der Kunſt zu raͤſonniren. Alle Klagen beruhen auf dem Geſetze; und doch gehen ſie alle verloren, wenn man ſie nicht binnen einer vorge⸗ ſchriebenen Friſt, oder nicht mit den erforderlichen Formali⸗ taͤten anſtellt. Das Geſetz ertheilt das Recht zu klagen, von ihm erhaͤlt man die Befugniß dazu; dagegen beſtimmen aber andere Geſetze, die nicht weniger ehrwuͤrdig ſind, als jenes, welches das Recht verliehen hat, die Art, wie es ausgeuͤbt werden ſoll. „Das Geſetz, welches die Hypothek verleiht, ſorgt für die Sicherheit eines Individuums; das Geſetz, welches die Inſcription zur Bedingung der Wirkung der Hypothek macht, ſorgt fuͤr das allgemeine Beſte. „7) Die Hypotheken-Bewahrer koͤnnen Irrthuͤmer bege⸗ hen, etwas vergeſſen, ſogar ſich einer Pflicht⸗Verletzung in ihren Verrichtungen ſchuldig machen; es iſt möglich, daß ſie in ihren Regiſtern, oder in ihren Zeugnißen nicht von allen Inſcriptionen Meldung thun, und ſo wird der Gläubiger ſeines Rechtes verluſtig werden, ohne daß Verſchulden von ſeiner Seite vorhanden iſt, und in dieſem Falle wird ihm nur ein Regreß gegen dieſen Beamten übrig bleiben, der inſolvent ſeyn kann.. Antw. Dieſe Inconvenienz beſteht in allen Syſtemen, und in allen Einrichtungen; ein Huiſſier kann einen Inſinua⸗ tions⸗Act zu unterzeichnen vergeſſen, ein Notar eine Nullität in einem Teſtamente machen, ein Sachwalter die Nothfriſt um eine Dppoſition einzulegen verſtreichen laſſen; ſoll man deßwegen dieſe Aemter abſchaffen? Mit dergleichen Ereig⸗ nißen, die ſich kaum in einem Jahrhunderte zutragen, be⸗ ſchaͤftiget das Geſetz ſich nicht, und die Buͤrger ſchlafen ruhig, ohne ſich mit ſolchen Möglichkeiten zu quälen⸗ N 32* lI. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Das Geſetz wird überdieß deutliche, genau beſtimmte und ſtrenge Regeln auſſtellen, um eine genaue Führung der Regiſter, und eine große Treue in den Auszuͤgen zu ſichern; das iſt alles, was es thun kann. „8) Die Anhaͤnger der geheimen Hypothek berufen ſich endlich auf das Anſehen der Römer, unſerer Lehrmeiſter in der Geſetzgebung(dieß war ein Ausdruck des Herrn Bigot.) »„Antw. Man kennt alle Achtung, welche die römiſchen Geſetze verdienen; nicht alle ihre Theile ſind aber in gleichem Maße unſerer Verehrung würdig; ohnehin, wenn es auf Minungen ankommt, hat das Anſehen nur den Vortheil, daß es eine genauere Pruͤfung fordert. Die großen römiſchen Rechtsgelehrten waren zuweilen unſere Führer, allein, nicht ihr Anſehen, ſondern ihre Gruͤnde waren es, denen wir nachgegeben haben. „Ohne von Verfügungen zu reden, die zu einer Zeit ſchick⸗ lich ſeyn können, zu andern Zeiten aber aufhören es zu ſeyn, gibt es Dinge, die nie gut ſeyn, und die weder die Zeit, noch das Anſehen rechtfertigen können; und zu dieſer Claſſe gehoͤren die geheimen Hypotheken.» Herr Portalis äußerte ſich, daß er es weder mit dem Geſetze vom Brümaire, noch mit dem durch den Entwurf des Geſetzbuches verbeſſerten Edicte von 1777 haͤtte halten mögen; er hatte ein drittes Syſtem, dem er aber gar keine Entwickelung gab, weil er, wie er ſagte, überzeugt ſey, daß der Staats⸗Rath es nicht annehmen würde: dieſes Syſtem war unbedingt jenes der roͤmiſchen Geſetze, welches man eben ſo hart mitgenommen hatte. Da er mir ſeine Gründe oft auseinandergeſetzt hat, und ich nichts vernachläͤßigen will, was die denkenden Köpfe in den Stand ſetzen kann zu urtheilen, ſo will ich mich bemi⸗ hen, ſein Stillſchweigen zu erſetzen. «1) Die Hypothek exiſtirt kraft des Geſetzes, welches ſie mit den Acten verbindet, die nach den ron ihm vorgeſchriebenen Formen errichtet worden ſind, oder kraft der Urtheile. Es M. Buch XVIII. Tit. Von Privilegien und Hppot heken. 2ar iſt alſo ganz einfach, daß ſie ſich nach der Zeitfolge richtet, und dieß iſt der allgemeine Grundſatz. 2) Das Geſetz muß für diejenigen ins Mittel treten, die ſelbſt nicht im Stande ſind, ihr Intereſſe zu beſorgen: dergleicheu Perſonen ſind die Frauen, die Minderjährigen, die Interdicirten, die Nation, die nur durch Vorgeſetzte zu handlen vermag, deren geringſte Nachläßigkeit ihr beträchtlichen Verluſt verurſachen kann: daher kommen die geſetzlichen Hypothelen. Was die Bürger, die maͤnnlichen Geſchlechtes und großjäh⸗ rig ſind, betrifft, dieſen muß das Geſetz es anheimſtellen, ihre Angelegenheiten ſo einzurichten, wie das gemeine Maß von Klughrit, welches die Natur allen Menſchen zugetheilt hat, es mit ſich dringt: wer zu viel regieren will, regiert ſchlecht. Trifft das Geſetz bey den Contracten der Großjaͤh⸗ rigen andere Verfügungen als ſelche, die die Aufhebung der Stipulationen verordnen, welche den guten Sitten, und der allgemeinen Ordnung zuwider ſind, dann nehmen ihre Ange⸗ legenheiten, die doch nur Privatgeſchäfte ſind, gleich den Charakter öffentlicher Angelegenheiten an, und die Formali⸗ täten, denen es ſie unterwirft, werden nothwendiger Weiſe viele Contracte, welche die geſellſchaftlichen Verbinbungen vervielfältigt haben würden, verhindern, oder unnuͤtz machen. „Ueberhaupt haben Verträge nur unter Perſonen Statt, die ſich kennen, und über ihr gegenſeitiges Vermögen und ihre gegenſeitige Rechtſchaffenheit alle Erkandigungen, welche die Klugheit gebiethet, eingezogen haben: qui gum alio con- trahit, vel non est, vel non debet esse igndrus conditio- nis ejus. Soll man aber deßwegen, weil es irgend einen Unbeſonnenen geben mag, der dieſe erſte Regel des geſunden Menſchenverſtandes nicht beohachtet, die ganze Geſellſchaft umer Vormundſchaft ſetzen, dem allgemeinen Umlaufe Hinderniße in den Weg legen, das Intereſſe der Fraucn und Minder⸗ jährigen auf's Spiel ſetzen, die Familien⸗Geheimniße öffent⸗ lich bekannt machen, und eine verhältnißmaͤßige Abgabe anf die unermeßliche Menge der Buͤrger legen, die weder dieſe a UM. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. leere Formalitaten, noch euere beſondere Obſorge nöthig ha⸗ ben? Die Gerechtigkeit empoͤrt ſich gegen ein ſolches Syſtem. „3) Die Hypothek iſt ein Eigenthum wie jedes andere, welches den Schutz der Geſetze eben ſo, wie jedes andere verdient; nach Recht und Gewiſſen kann ſie anderſt nicht als durch Zahlung getilgt werden; das ganze Reſultat des Ge⸗ ſetzes vom Bruͤmaire beſteht indeſſen darin, daß es ſie aus⸗ löſcht, ohne den Glaͤubiger zu befriedigen. Dieß iſt die noth⸗ wendige Wirkung der Formalitäten, die es zur Errichtung und Aufrechthaltung der Hypotheken einführt, und deren ge⸗ ringſte Unterlaſſung ihren Verluſt nach ſich zieht. Zuverläſ⸗ ſig war der kein Freund der Hypotheken, der zuerſt auf den Gedanken ſiel, Bewahrer derſelben anzuſtellen. „Wenn man ſich's ſo ſtark angelegen ſeyn laͤßt, die Im⸗ mobilien ſchleunig von den Hypotheken zu befreyen, ſo gibt es ja, um dieſen Zweck zu erreichen, ein einfacheres und keine Koſten veranlaſſendes Mittel, nehmlich dieſes, die Dauer der hypothecariſchen Klage abzukürzen, und ſie anſtatt zehn Jahre auf fuͤnf zu beſchränken. „4) Nach den roͤmiſchen Geſetzen, bildete ſich der Credit nach dem Vermoͤgen, noch mehr aber nach der Moralität der Buͤrger; ſeit dem Geſetze vom Biümaire aber iſt er, ſo zu ſagen, in einen Tarif gebracht, und beſteht nur aus dem Werthe der unbeſchwerten Immobilien, die der Schuldner zur Hypothek darbiethen kann. „Vergebens wird man ſagen, das Geſetz habe, indem es die Hypothek auf ein beſonders bezeichnetes Immobile legt, das Zutrauen, welches ein Gläubiger in das gute Betragen des Schuldners ſetzen mag, weder zernichten wollen noch konnen. Zuverläßig war dieß die Abſicht des Geſetzes nicht; dadurch aber, daß es alle Buͤrger mit Zweifel und Miß⸗ trauen umringt, und kund macht, daß nur in einer ſpecial, und nach der geſetzlichen Vorſchrift eingetragenen Hypothek wirkliche Sicherheit vorhanden ſey, hat es nothwendig die Blr⸗ ger von jedem andern Unterpfande abwendig gemacht, und m. Buch. XV. Tit. Pon Prioilegien und Hypotheken. 223 alle Blicke auf das Einzige gerichtet, dem es eine geſicherte Wirkung verlieh. „Man ſieht inzwiſchen leicht ein, welchen ſchädlichen Ein⸗ fluß dieſe illiberale Art, den Credit zu begruͤnden, auf den Handel, und auf alle andere geſellſchaftliche Verträge haben muß. Handelsleute, Fabrikanten, Handwerker haben keine Special⸗Hypothek, um ſie den Capitaliſten anzubiethen; ent⸗ weder werden ſie alſo kein Geld finden, um ihre Induſtrie geltend zu machen, oder, was faſt eben ſo unglücklich iſt, eß viel theurer bezahlen⸗ »Anderer Seits beſchraͤnkt ſich dieſe bösartige Einwirkung nicht auf die eigentlich ſogenannten Handelsgeſchaͤfte; die ge⸗ woͤhnlichen Verhältniße der Geſellſchaft bilden eine andere Gat⸗ tung von Handel, welcher weit um ſich greifender, viel thaͤ⸗ tiger und intereſſanter' iſt; iſt indeſſen der Menſch in Anſehung einer wichtigen Gattung von Handelsgeſchäften an die Regeln der arithmetiſchen Rechnung gebunden, ſo gewöhnt er ſich unmerklich daran, ſie bey allen andern Vorfaͤllen in Anwen⸗ dung zu bringen, und nun wird derjenige, der bloß ein geſchick⸗ ter und rechtſchaffener Mann iſt, ſich in Anſehung der Heirathen, der Aemter, der Anlehen und der Erwerbungen demjenigen nachgeſetzt ſehen, welcher durch ſein. Sicherheit darbiethet. „Keinem denkenden Weſen entgehen die ſchrecklichen Fort⸗ ſchritte des Sitten-Verderbnißes und der unerſättlichen Geld⸗ begierde, die ſich aller Bürger-Claſſen bemächtigt haben; zuverläßig liegt dieſen Fortſchritten eine mächtig wirlende Urſache zum Grunde; anſtatt dieſe aufzuſuchen und ihre Quelle zu verſiegen, haben ſich die Verfaſſer des Geſetzes vom Brü⸗ maire einzig damit beſchäftigt, die Bürger vor ihren Wirkun⸗ gen zu bewahren, und die Maßregeln, die ſte ergriffen haben, z'elen unglücklicher Weiſe nur dahin ab, die Ausdehnung der Grund⸗-Urſache zu vermehren. 5) Aus der Art, womit dieſe große Frage im Publikum und auf der Redner⸗Buͤhne abgehandelt worden iſt, hat man ſich ſchon von der Uebertreibung überzeugen können, welche die U. Buch. XVlt. Tit. Von Privilezien und Hypothelen. Begierde, ein Lieblings⸗Syſtem durchzuſetzen, gewöhnlich be⸗ gleitet. „Hört man die Anhänger des Geſetzes vom Briimaire ſprechen, ſo befand man ſich vormahls in einem erbarmens⸗ würdigen Zuſtande; weder Credit noch Handel ſollte geweſen, das Geld gegen äußerſt übertriebene Zinſen geliehen worden ſeyn, und dieſes wohlthäͤtige Geſetz hat uns die Bewegung und das Leben geben ſollen, deſſen Umlauf durch das Syſtem der heim'ichen vypotheken gehemmt war. „Dieſe Sprache moͤchte ſich höchſtens entſchuldigen laſſen, wenn man von dem Handel der Römer unter dem Könige ruma und der Egeria redete; aber uͤber ſo bekannte That⸗ ſachen an Männer gerichtet, die die eine ſowohl als die an⸗ dere Epoche erlebt haben, iſt ſie wahrhaft unausſtehlich. „In Lille und Dünkirchen befölgte man das Syſtem der Beſitz⸗Ergreiſung(Nantissement et œuvres de la loi); zu Paris das Edict vom Junius 1771; zu Air, Marſeille, Per⸗ pignän und Colmar bloß das römiſche Recht. War aber Credit und Handel nicht eben ſo bluͤhend in Marſeille, als zu Paris und Lille? War der Geld⸗Umlauf daſelbſt gehin⸗ dert? Waren die Hypotheken weniger ſicher, gaben ſie zu größern Streitigkeiten Anlaß? „Wie viel waͤre noch zu ſagen, wenn man zwiſchen den Zinſen des Geldes, und dem Ctedit, ſo wie ſie vor dem Geſetze vom Brümaire waren, und jenen der nachherigen Zeiten eine Vergleichung anſtellte? „Ob alſo die Hypothek ſpecial und öffentlich, oder all⸗ gemein ſey, dieß wirkt auf den Credit und den umlauf höch⸗ ſtens üls Neben⸗Urſache; dagegen gibt es aber wichtigere, maͤchtiger wirkende urſachen, womit man ſich hauptſächlich beſchäftigen ſollte, und dieſe Urſachen ſind— die Sitten⸗ „Unter die Zahl der Dinge, die der Syſtemen⸗Geiſt über⸗ trieben hat, moͤchte man wohl große Luſt haben a) die Be⸗ nennung geheimer Zypotheken zu ſetzen, die man jenen, welche das römiſche Recht angen mmen hat, bepleg; zuver⸗ IM. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 225 läßig iſt dieſes Beywort nie unrichtiger angewendet worden, als auf Hypotheten, die durch öffentliche Contracte und durch Urtheile erworben worden ſind, . „Ferner kann man P) den das Edict von hiehin rechnen, den, wie wieder hergeſtellt zu ſehen, behauptete, alle Rechtsgelehrten der damahligen Zeit geänſ⸗ ſert haben ſollen, da ſich doch kein anderer als d'Horicourt hieruͤber anführen läßt, deſſen Anſehen nicht ſtark genng iſt, um jenem eines Dagueſſesu eutgegengeſtellt zu werden, wel⸗ cher es verwarf. 2 „Endlich gehört e) das Vorgeben hieher, daß die Tribunäle gegen den Entwurf des Geſetzbuches in dieſem Punkte allgemein ihre Stimme erhoben hätten, da doch un⸗ ter zwey und dreyßig nur neun waren, die es mißbilligten⸗ Die Syſtem⸗Sucht macht ſich indeſſen vorzüglich dadurch kenntbar, daß ſie alles, was ihrem Götzenbilde im Wege ſtehen kann, bey Seite ſetzt oder verdreht. „6) Am Syſtem der Publicität und Specialität der Hy— potheken iſt urſprünglich— Paris Schuld. Weil es ſchwer hält, ſich in dieſem Strudel zu kennen, worin ſich die Ge— ſchlechter verlieren; weil es leichter iſt, dort von den verdor⸗ benen Menſchen, die ſich aus allen Laͤndern dahin begeden, betrogen zu werden, deßwegen hat man dieſes Syſtem aus⸗ erſonnen, wodurch man die Betrügereyen unmöglich zu ma⸗ chen geglaubt hat. Es lohnt der Muhe nicht, dasjenige zu wiederhohlen, was man bereits über die Unzulaͤnglichkeit des Mittels und über die Unmoͤgllchkeit, es ohne Ungerechtigkeit auszufuͤhren geſagt hat⸗ * man aber aus dem Grunde, weil dieſis Syſtem, wegen des Verderbnißes von Paris, dieſer Stadt ſogar vortheit haft möchte, allen Provinzen Zwaug anlegen? Muß man Frankreich ſeinem fünfzigſten Theile aufopfern? An keinem an⸗ dern Drte haben die Buͤrger noͤthig, die Si chrcheit ihrer Verträge zu bezahlen; gerne nehmen ſie die Obſorge über ihr Intertſſe IV. Malen⸗ 15 az6 lll. Buch. XVIII. Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. auf ſich ſelbſt, und wünſchen, ihre Geſchaͤfte frey nach ihren eigenen Einſichten einzurichten.— Ein Wunſch, der mit den Geſetzen und der Gerechtigkeit völlig übereinſtimmt. Das Hypotheken⸗Weſen muß man folglich auf Paris be⸗ ſchruͤnken, wenn man nicht lieber das ganze Reich davon befreyen will. 7) Nur in ſo ferne könnte dieſes Syſtem, ſelbſt in der Meinung derjenigen, die es vorgeſchlagen haben, nuͤtzlich ſeyn, als es ſich überhaupt auf alle Gattungen von Hypo⸗ theken erſtreckte; bleiben nehmlich deren einige unbekannt oder unbeſtimmt, ſo wird die Kenntuiß der andern überflüßig, und ein argwoͤhniſcher Darleiher oder Erwerber um ſo weni⸗ ger beruhigt, weil ihm ein Theil der Gegenſtaͤnde, die er zu kennen verlangt, verborgen bleibt. Was liegt mir daran zu wiſſen, ob Peter dem Paul nichts ſchuldig iſt, wenn ich un⸗ möglich erfahren kann, ob und was er dem Johann ſchuldig iſt? „Dieſe letztere Einwendung führt uns wieder auf die Dis⸗ cuſſion zurück, die im Staats⸗Rathe Statt hatte. Der Grund⸗ ſatz der Publicität und Specialität der vertragsmäßigen Hy⸗ potheken wurde, ohne ſehr lebhafte Widerſprüche zu erleiden, von der Mehrheit angenommen; allein, die Anhänger des Geſetzes vom Brümaire wollten ſie auch auf die geſetzlichen Hypotheken ausdehnen.„Exiſtiren dieſe Hypotheken, ſagte einer aus ihnen, von Rechts wegen, ſo kann das Syſtem ſich nicht mehr halten; die Ehemaͤnner, Vormünder und Einnehmer öffentlicher Gelder machen die Hälfte der Geſell⸗ ſchaft aus; die Specialität und Publicität ſind nur in ſo fern nutzlich, als man dadurch zur Kenntniß aller Summen ge⸗ langen kann, womit die Immobilien beſchwert werden kön⸗ nen; unmoͤglich iſt es aber, ſich dieſer Thatſache zu verſichern, wenn ſie mit geſetzlichen Hypotheken, die unbekannt und un⸗ beſtimmt ſind, belaſtet werden können.« Dieſe zweyte Frage veranlaßte Debatten, die viel laͤnger währten als jene, wo es um die Auswahl unter den verſchie⸗ denen Syſtemen ſich handelte. Da indeſſen die nehmlichen III. Buch. Xvlll. Tit. Von Privilegien und Hyntheken. 227 Gründe oſt beyder Seits wiederhohlt wurden, und eigentlich nichts anders enthalten, als was man aus den entgegengeſetzten Reden der Herren Bigot und Treilhard bereits angeführt hat, ſo kann man ſie auf folgendes beſchraͤnken: Die Eintragungen, ſagte man einer Seits, ſind unnütz um die Publicität der geſetzlichen Hyptheken zu begruͤnden, denn, da die Ehe, die Vormundſchaft, oder das Amt, wel⸗ ches man bekleidet, offenkuͤndig ſind, ſo iſt auch eben hie⸗ durch dieſe Publicität vorhanden. »Die Specialität iſt unmöglich, weil es um Anſprüche zu thun iſt, die noch nicht beſtimmt ſind, oder erſt aus nach⸗ herigen Ereigniſſen entſpringen können. „Da jede geſetzliche Hypothek durch die bloße Kraft des Geſetzes eintritt, ſo kann ſie, wenn ſie nicht aufhören ſoll⸗ geſetzlich zu ſeyn, nicht mehr einer äußern Formalität unter⸗ geordnet werden. Dieſes allein iſt das Merkmahl, wodurch man ſie von der vertragsmäßigen Hypothek unterſcheidet; letztere iſt eine zufsllige Thatſache, woruͤber man benachrich⸗ tigen muß; die geſetzliche Hypothek aber iſt allgemeines Recht; ſie iſt nicht bloß zu Gunſten der Perſon, ſondern des allgemeinen Beſtens wegen eingeführr; dem Staate liegt daran, daß der Brautſchatz der Frauen, das Vermögen der Minderjaͤhrigen, erhalten werde; um dieſen Zweck unmittelbar zu erreichen, hat folglich das Geſetz Verfüzungen getroffen; wollte man ſich nun mit ſeinem höchſten Willen nicht begnügen, und noch ein beſonderes Factum verlangen, ſo würde man es herabwürdigen und ſeine Sorgfalt hintergehen. „Vergebens ſagt man, dieſes Privilegium der geſetzlichen Hypotheken werde dritten Perſonen, die mit Mänuern, Vor⸗ mündern und Einnehmern öffentlicher Einkünfte zu contra his rea haben, zum Nachtheile gereichen; denn Frauen, Minderjäh⸗ tige und der Staat verdienen auf eine andere Weiſe beguͤnſtigt zu werden, als ein Capitaliſt oder ein Erwetber, welche es ſich ſelbſt immer zuſchreiben muͤſſen, daß ſie ſich der Lage des Lehners oder Berkäufers nicht beſſer verſichert haben⸗ 428 1M. Buch. XVIll. Tit. Von Privilegien und Hypothelen. „Ohnehin, wem ſoll man die Sorge anvertrauen, eine Inſcription für diejenigen zu nehmen, denen das Geſetz ſelbſt eine Hypothek verleiht 2 Dem Manne, dem Vormund, dem Einnehmer der Staats⸗Einktnfte? Das ſind ja aber gerade dicjenigen, die ein Intereſſe dabey haben, daß keine genom⸗ men werde⸗ „Das Edict von 1673 hatte die geſetzlichen Hypotheken von aller Formalitaͤt befreyt; jenes von 771 hatte ebenfalls den Staat in Hinſicht der Einnehmer der öffentlichen Gelder, die Frauen in Anſehung der Guͤter ihrer lebenden Männer (bey der Discuſſion äußerte man ſich über dieſen Punkt nicht ganz deutlich), und die Kinder in Anſehung der Güter ihres Vaters wegen des noch nicht angefallenen Leibgedings, davon befreyt. Zwar hatte es den Frauen, die unter der Gewalt des Mannes ſtanden, ſo wie auch den Minderjaͤhri⸗ gen und Interdicirten die Pflicht auferlegt, ihre Oppoſition auf die Guͤter ihrer übrigen Schuldner im Falle des Verkau⸗ fes einzulegen; zwiſchen dieſer Oppoſition aber und der vom Geſetze vom Brumaire vorgeſchriebenen Inſcription iſt ein großer Unterſchied. Dein Edicte von 1771 zu Folge erxiſtir⸗ ten die geſetzlichtn Hypotheken von Rechts wegen ohne alle Inſcription; nur giengen ſie in einigen Fällen, wegen Man⸗ gel einer in der beſtimmten Zeitfriſt eingelegten Oppoſition verloren; ſelbſt in dieſem Falle konnten aber diejenigen, denen ſie verliehen waren, ihren Regreß an den nicht ver⸗ kauften Immobilien erhalten, anſtatt daß ſie im Syſtem des Geſetzes vom Bruͤmaire keine Hypothek anderſt als durch eine Inſcription erwerben, die unterlaſſen werden kann, und welche zu nehmen, nicht von den geſetzlichen Hy⸗ pcthekar-Gläubigern abhängt⸗ „Läßt der Mann z. B., ſagt man zwar, die Hypothek für ſeine Frau nicht eintragen, welches man ihn zu thun ver⸗ pflichten wird, ſo hat ſie deßhalb gegen ihn ihren Regreß; t aber dabey nicht, daß dieſer Regreß fruchtlos ſeyn wird, ſobald er von keiner Hypothek unterſtützt wird, die UI. Buch XVul. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 229 von Rechts wegen an den Gütern des Mannes eintritt⸗ Das Nehmliche läßt ſich auch dom Vormunde und vom Ein⸗ nehmer der Staats⸗Einkuͤnfte ſagen⸗». Die Anhänger des neuen Syſtems antwo'teten, das In⸗ tereſſe einer Frau und eines Minderjöhrigen möge ſo heilig ſeyn als es immer wolle, ſo müſſe es doch nicht jedes an⸗ dere Intereſſe verſchlingen; in dieſem Geiſte, ſagten ſie, iſt das Edict von 1771 erlaſſen worden, welches man zwar als vurſal(eine außerordentliche Auflage einfuͤhrend) bekämpft hat, deſſen weſentliche Verfügungen aber, ſammt ſeinem Zwecke, allgemein angenvmmen worden ſind. „Was das Edict von 1771 in Anſehung des Kauf⸗ Con⸗ tractes gethan hatte, dieß hat das Geſetz vom Brümaire auf alle Contracte angewendet; nur hat es an die Stelle der Dp⸗ poſitivnen die Inſcriptionen geſetzt; letztere ſind indeſſen nicht mit mehrern Schwierigkeiten verknüpft, als die erſtern. „Die Inſcriptionen, ſagt man, ſind unnütz, um zu er⸗ kennen zu geben, daß Hypotheken gegen den Ehemann vorhan⸗ den ſind, indem die bloße Heirath das Publikum hinlänglich hievon benachrichtigt. Iſt es aber nicht möglich, daß der Mann weit von ſeiner Frau entfernt lebt? und— wenn man auch weiß, daß der Mann verheirathet iſt, weiß man denn auch, fuͤr welche Summe ſeine Gäter verhaftet ſind? „Sagte man, man müſſe die Mittel finden, zu be⸗ wirken, daß die Inſcriptionen immer für die Frau und fuͤr den Minderjaͤhrigen genommen würden, dann waͤre man leicht einig; zuerſt könnte man dem Manne, dem Vormund, hierauf dem Notar, der den Heirathe⸗Contract aufnimmt, dem Frie⸗ dens⸗Richtzr, der bey der Ernennung des Vormundes den PVorſitz führt, dieſe Pflicht auferlegen; auch konnte die ver⸗ ſammelte Familie vom Vormunde verlangen, daß er ſeine Güter anzeigen, und ſelbſt die Hypothek darauf eintragen laſſen ſolle. „Das Syſtem des Geſetzes vom Brümaire iſt der Frau vielleicht günſtiger als jenes, welches man dieſem Geſetze 230 IMl. Buch. XVnl. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. entgegenſtellt; denn, kann ein Erwerber oder Darleiher mit⸗ 1 der Inſcriptionen nicht zur Kenntniß der Forderungen Frau gelangen, ſo wird er fordern, daß ſie ſich mit ih⸗ Manne gemeinſchaftlich verbinden ſoll. „ Was den Fiscus betrifft, dieſer müßte in der gew dhn⸗ lichen Ordnung bleiben, und in Anſehung ſeiner Rechte ſo wie jrdes andere Individuum behandelt werden; die Verwal⸗ tung hat ja eine Menge Mittel in Haͤnden, um ſich Sicher⸗ heit zu verſchaffen, und das Syſtem des Geſetzes vom 11. Brümaire erleichtert ihr dieſes noch mehr dadurch, daß es ß in den Stand ſttzt zu unterſuchen, ob de Immobilien der Bürgen frey oder mit Hypotheken beſchwert ſind. Iſt man hiemit noch nicht zufrieden, ſo kann man die Local-Agenten fuͤr die Unterlaſſung der Inſcription verantwortlich erklaren; die⸗ ſer Verautwortlichkeit wuͤrden einige Beyſpirle von Strenge wi⸗ der diejenigen, die ſich nachlaͤßig gezeigt hätten, die beſte W ung verſchaffen. Allerdings waͤre dieſes beſſer, als wenn man den Fiscus durch ein Privilegium verhaßt macht, deſſen Ausübung das Verderben der Familien nach ſich zieht. „Kurz, das neue Syſtem kann freylich mit einigen Inconbe⸗ nienzen verbunden ſeyn; man mag indeſſen eines annehmen, welches man immer will, nie wird man es ſo weit bringen, ſie alle zu vermeiden; man muß ſich folglich zu Gunſten desjenigen entſchließen, was deren am wenigſten hat, und doch die großten Vortheile darbiethet. Jenes der Publicitaͤt und Specialität der Hypotheken iſt im hoͤchſten Grade nütz⸗ lich; aber es beruht weſentlich auf der Nothwendigkeit der Inſcription„und würde ſehr unvollkommen werden, wenn es Fälle und zwar vorzüglich zahlreiche und oftere Fälle gäbe, worin man ſich enthalten könnte, den Rechtöstitel einzutragen, aus welchem die Hypo the entſpringt.« Es iſt überfluͤßig, hier dasjenige zu wiederhohlen, was man ſchon über die Möglichkeit oder Unmoͤglichkeit, Gerech⸗ tigkeit oder Ungerechtigkeit, unbeſtimmte Hypotheken zu ſchätzen, gehört hat. IMI. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 231 Bey dieſen ſo verſchiedenen Meinungen ſtellte der Kaiſer vor, er habe oft wahrgenommen, daß man, wenn man vie Geſetze zu ſehr vereinfachen will, dem Eigenthums⸗Rechte zu nahe trete; beſſer iſt es, ſagte er, ſich von der Einheit in einem Syſteme ein wenig zu entfernen, als ſich der Gefahr auszu⸗ ſetzen, Ungerechtigkeiten zu begehen⸗ Er willigte ein, die geſetzliche Hypothek des Fiscus fah⸗ ren zu laſſen; was aber jene der Frauen und Minderjaͤhri⸗ gen betrifft, iſt es allerdings nothwendig, ſagte er, daß, da ſie ſich ſelbſt nicht vertheidigen können, das Geſetz es über ſich nehme, auf ihr Intereſſe zu wachen; ohnehin iſt dieß ja das Syſtem, welches man im ganzen Civil⸗Geſetz⸗ buche befolgt hat, und ein Geſetz, welches das Gegentheil ſagte, würde mit allen denjenigen, die ſchon decretirt ſind, im Widerſpruche ſtehen. Stößt man inzwiſchen auch auf einige leichte Schwierig⸗ keiten, wenn man den geſetzlichen Hypotheken, durch die bloße Kraft des Geſetzes, ihre Wirkung beylegt, ſo iſt doch dieſe Inconvenienz nichts in Vergleich mit jener, worin man verfällt, wenn man widerſprechende Geſetze erlaͤßt, und der ganzen Geſetzgebung das Siegel der Unbeſtaͤndigkeit aufdruͤckt. Ueberdieß kann man Mittel finden, das Syſtem der ge⸗ ſetzlichen Hypotheken mit der Publieität und Specialitaͤt, die der Kaiſer für gut erachtete, in Harmonie zu bringen. Auch der Prinz Cambaceres widerſetzte ſich ſtark der Noth⸗ wendigkeit der Inſcription zur Aufrechthaltung der geſetzlichen Hypotheken; man kann uͤbrigens, ſagte er, Vorſichts⸗Maß⸗ regeln ergreifen, damit ſie eingetragen werden; genug wäre es, wenn dieß am Wohnorte des Schuldners geſchähe, und dieſe Inſcription in Hinſicht der Güter, die er in andern⸗ Bezirken beſitzen mag, gaͤlte; die Inſeription muß aber keine Bedingung ſeyn, deren Unterlaſſung die Frau oder den Min⸗ derjaͤhrigen der Gefahr ausſetzt, ihre Hypothek zu ver⸗ lieren; denn durch die bloße Kraft des Geſetzes müſſen ſie geſichert ſeyn⸗ 22 11. Buch. XVII. Tu. Von Privilegien und Bypotheken. „Die Männer, wendet man ein, werden es ſo einleiten, daß ihre Frau verbunden wird. Dieß müßte man verbiethen⸗ denn nur da, wo der Brautſchatz in Sicherheit iſt, haben die Familien Beſtand. „Unter der ältern Geſetzgebung, die ſich mit dem Inte⸗ reſſe der Frauen und der Minderjährigen beſchäftigte, wuß⸗ ten die Erwerber ſelbſt für ihre Sicherheit zu ſorgen: hatten ſie Zweifel, ſo zahlten ſie den Kauſpreis nicht, oder ſie bedungen ſich aus, daß er angelegt werden ſollte. Nichts hindert daran, daß man unter der neuen Geſetzgebung für ihre Sicherheit alle ſchickliche Maßregeln ergreife; aber das ſchien, vorzüglich dem Prinzen Cambaceres, eine unumgäng⸗ lich nothwendige Formalität zu ſeyn, daß der Contrart eine beſtimmte Zeit lang öffentlich angeheftet werden müßte. n Nach dieſer langen Discuſſion nahm endlich der Staats⸗ Rath als Grundſatz an, 1) daß jede Hypothek öffentlich ſeyn; 2) daß die vertragsmaͤßige Hypothek immer ſpecial ſeyn; 3) daß die Sicherheit der Frau und des Minder⸗ jährigen jener der Erwerber und der Darleiher vorgezogen werden ſollte. St ſte 6 e Allgemeine Verfügungen. Art. 2092.»Wer immer ſich perſoͤnlich zu etwas ver⸗ »pflichtet hat, muß für die Erfüllung ſeines Verſprechens ⸗mit allen ſeinen gegenwärtigen und zukünftigen, beweglichen. aund unbeweglichen Gütern, haften.« Das heißt aber nicht, daß deßwegen alle Guͤter des Schuld⸗ ners zur Sicherheit der Zahlung hypotheſirt ſeyen, wenn ſie nicht durch einen förmlichen Act hiezu beſtimmt werden; deun, wie ich bereits in der Einleitung geſagt habe, die Verbindlichkeit und die Hypothek ſind zwey voneinander ganz verſchiedene Dinge. Art. 2093.„Die Guͤter des Schuldners ſind das ge⸗ vmeinſchaſtliche Unterpfand ſeiner Glaͤubiger, und der Preis, 1. Euch. XVM. Tit. Von FPrivilegien und Hypotheken. 233 „wofuͤr ſie verkauft werden, wird unter ihnen verhältniß— nmäßig vertheilt, wenn nicht unter den Glaͤubigern recht⸗ »mäßige Urſachen eintteten, warum einer dem andern vor⸗ „gezogen werde.⸗ Findet ſich, wenn das Vermögen des Schuldners in Ver⸗ fall gerathen iſt, kein privilegirter oder hypothekariſcher Gläu⸗ biger, ſo wird das aus dem Verkaufe ſeiner Güter geldſte Geld unter ſie getheilt, ohne daß Rückſicht darauf genommen wird, weſſen Forderung älter als die andere iſt. Art. 2094.„Die rechtmäßigen Urſachen, die einen Vor⸗ zug begruͤnden, ſind die Privilegien und Hypotheken.« Zwewtes Ggpitel. Von den Privilegien. Art. 2095.»Ein Privilegium iſt ein aus der Eigen⸗ ſchaft der Forderung herrührendes, dem Gläubiger verlie⸗ «henes Recht, kraft deſſen er andern, ſelbſt hypothekariſchen „Gläubigern vorgezogen wird.» Privilegiu creditorum non em tempore æstimantur, sed eæ causd. T. 17. h de priv. ored. Dieſer Titel fehlt in den Florentiniſchen Pandecten, oder beſſer zu ſagen, die Ge⸗ ſetze, die er enthält, machen die Fortſetzung des Titels de reb. auct. jud. poss. aus, und fangen mit der L. 16, an. Art. 2096.„Unter mehrern privilegirten Gläubigern «richtet ſich der Vorzug nach den verſchiedenen Eigenſchaf⸗ „ten ihrer Privilegien.« Dieſe Rang⸗Ordnung wird in den folgenden Artikeln feſt⸗ geſetzt. Art. 2097.„Privilegirte Gläubiger, die im nehm⸗ „lichen Range ſind, werden nach Verhältniß ihrer Forde⸗ wrungen gezahlt.„ S ejusdem tituli fuerint, concurrunt, licet diversitates temporis in his fuerint, d. L. *34 IM. Buch. XVlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 20)8.„Das Privilegium, in Anſehung der „Rechte des öffentlichen Schatzes und die Rang⸗Ordnung, „worin es Statt hat, richten ſich nach den beſondern ſie be⸗ treffenden Geſetzen. „Der öffentliche Schatz kann inzwiſchen zum Nachtheile *der Rechte, welche dritte Perſonen früher erworben haben, „kein Privilegium erlangen.*) *) Geſetz über die Art und Weiſe, wie die Gerichtskoſten in pein⸗ lichen, Zucht- und Polizey⸗Sachen für den öffentlichen Schatz beyzutreiben ſind, vom 5. Sepdember 1807. Art. 1. Zufolge des 2093 Artikels des Geſetzbuches Napv⸗ leons iſt das Privilegium des öffentlichen Schatzes in Betreff der in peinlichen, Zucht- und Polizey⸗Sachen zu ſeinen Gunſten er⸗ kannten Zurückzahlung der Koſten auf folgende Weiſe feſtgeſetzt. Art. 2. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes auf die Mobilien und Mobiliar-Effecten der Verurtheilten, ſoll erſt nach den hierunten verzeichneten andern Privilegien und Gerechtſamen geltend gemacht werden; nehmlich: 1) Nach den in den Artikeln 2101 und 2102 des Geſetzbuches Napoleons angezeigten Privilegien; 2) Nach den fuͤr die perſonliche Vertheidigung des Verurtheil⸗ ten ſchuldigen Summen, welche, im Falle die Domainen⸗Ver⸗ waltung darüber Streit erhebt, nach der Natur der Sache von dem Gerichte, welches die Verurtheilung erkannt hat, beſtimmt werden ſollen. Art. 3. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes auf die Immobilien des Verurtheilten hat nur unter der Bedingung Statt, daß es in zwey Monaten vom Tege des condemnatori⸗ ſchen Urtheils an in die Hypotheken⸗Regiſter eingetragen wird; nach Umlauf dieſer Friſt können die Rechte des öffentlichen Schatzes nur nach den Verfuͤgungen des 2113 Artikels des Geſetzbuches Napoleons ausgeübt werden. Art. 4. Das Privilegium, wovon im vorſtehenden 3. Arti⸗ kel die Rede iſt; darf erſt nach folgenden andern Privilegien und Rechten ausgeubt werden; 1) Nach den im 2103. Artikel des Geſetzbuches Napoleons bezeichneten Mivilegien, in dem durch den 2105. Art. vorgeſe⸗ henen Falle: 11. Buch. XVIII. Tit. Von Frivilegien und Hypotheken. 237 In der lerſten Redaction des Artikels ſprach man nur von dem Privilegium der öffentlichen Contributionen; der 2) Nach den im 2103. Artikel deſſelben Gelſetzbuches bezeich⸗ neten Privilegien, unter der Vorausſetzung, daß die zu ibrer Erhaltung vorgeſchriebenen Bedingungen erfüllt worden ſindzz 3) Nach den geſetzlichen Hypotheken, welche unabhängig von aller Eintragung exiſtiren, wenn ſie früher ſind, als der Arreſt⸗ Beſehl, im Falle einer gegen den Verurtheilten erlaſſen worden iſt, und in den uͤbrigen Fällen fruͤher als das condemnatoriſche 4) Nach den uͤbrigen Hypotheken, in ſo fern die Forderungen vor dem Privilegium des öffentlichen Schatzes auf dem Hypo⸗ theken⸗Bürcau eingetragen worden ſind, und von urkunden herrüh— ren, welche ein gewiſſes Datum haben, welches ſrüher iſt als der erwähnte Arreſt⸗Befehl oder das condemnatoriſche urtheil; 5) Nach den für die perſoͤnliche Vertheidigung des Verurtheil⸗ ten ſchuldigen Summen, mit Vorbehalt ſolche nach der Vor⸗ ſchrift des ohigen 2. Artikels beſtimmen zu laſſen. Art. 5. Alle Verfügungen, die mit gegenwärtigem Geſetze nicht übereinſtimmen, ſind abgeſchafft. Geſetz uͤber die Rechte des öffentlichen Schatzes an dem Ver⸗ mögen der Rechnungspflichtigen, vom§. September 1807. Art. 1. Das durch die Artikel 2098 und 2121 des Geſetz⸗ buches Napoleons zu Gunſten des oͤffentlichen Schatzes auf das Mobiliar⸗ und Immobiliar-Vermögen der Rechnungspflichtigen, die mit der Einnahme oder Auszahlung ſeiner Gelder beauftragt ſind, beybehaltene Privilegium und Hypotheken⸗Recht iſt auf folgende Weiſe feſtgeſetzt. z. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes hat auf das gahze Mohiliar⸗Vermögen der Rechnungspflichtigen Statt, ſogar in Nuͤckſicht der in Güter Separation lebenden Frauen, ſo viel die Mobilien betrifft, die in den Wohnhäuſern des Mannes jge⸗ funden werden, ſie bewieſen dann auf eine geſetzliche Weiſe, daß gedachte Mobllien thneu vermäge eines ihnen zuſtehenden Rech⸗ tes angefallen ſtnd, oder daß die Gelder, welche zur Anſchaffung — derſelben verwendet worden, ihnen zugehoͤrten. Dieſes Privilegium, wird jedoch erſt nach den allgemeinen und beſondern Privilegien ausgeübt, welche im 2101. und 2102. Ar⸗ tikel des Geſetzbuches Napoleons verzeichnet ſind. a36 W. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Staats⸗Rath fand aber für gut, die Ausnahme auf glle Gattuugen von Privilegien, die der öffentliche Schatz haben kann, auszudehnen⸗ z. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes auf die Cau— tionnements⸗Gelder der Rechnungspflichtigen richtet ſich auch künftig nach den beſtehenden Geſetzen, 4. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes hat Statt, ¹) Auf die Immobilien, welche die Rechnungspflichtigen nach ihrer Ernennung unter einem läſtigen Titel erworben haben; 2) Anf jene, welche unter dem nehmlichen Titel! ſeit diefer Ernennung, von ihren Frauen erworben worden ſind, wenn dieſe guch in Hinſicht der Guͤter von ihren Männern getrennt waren. Ausgenommen ſind jedoch die unter einem läſtigen Titel von den Frauen gemachten Erwerbungen, wenn geſetzmäßig erwieſen wird, daß die zum Ankauſe verwendeten Gelder ihnen zugehörten. 5. Das Privileginm des oͤffentlichen Schatzes, wovon in dem vorſtehenden 3. Artikel die Rede iſt, hat nach der Vorſchrift der Artikel 2106 und z113 des Geſetzbuches Napoſevns Statt, unter der Bedingung es in zwey Monaten vom Tage der Einregiſtri⸗ rung des Aetes, wodurch das Eigenthum übergegangen iſt, ein⸗ tragen zu laſſen. Das Privilegium kann in keinem Falle nachtheilig ſeyn, 1) Den im Artikel 2103 des Geſetzbuches Napolcons bezzeich⸗ neten privilegirten Gläubigern, wenn ſie die zur Erlangung ei⸗ nes Privilegiums vorgeſchriebenen Bedingungen erfüllt haben; 2) Den in den Artikeln 2101, 2104 und 216 des Geſetz⸗ buches Napolcons beteichneten Gläubigern in dem durch den letzten dieſer Artikel vorgeſehenen Falles 3) Den Gläubigern des vorigen Eigenthümers, welche auf das gekaufte Gut eine geſetzliche Hypothek! die unabhängig von der Eintragung exiſtirt, oder jede andere auf eine gültige Weiſe eingetragene Hypothek haben. 6o. In Betreff der Immobilien der Rechnungspſflichtigen, welche ihnen vor ihrer Ernennung zugehörten, hat der oͤffentliche Schatz eine geſetzliche Hypothek, unter der Bedingung, daß ſie zu Folge der Verfügungen der Artikel 2121 und 2134 des Ge⸗ ſetzbuches Napoleons eingetragen werde. Der öffentliche Schatz hat unter der nehmlicher Bedingung eine gleiche Hypotdek auf die Güter, welche der Rechnungs⸗ Buch. XVIII. Tit. Von Privikegien und Hypotheken. 237 Der Art. 11. des Geſetzes vom Brumaire ſetzte in Hin⸗ pflichtige nach ſeiner Ernehnung nicht unter einem läͤſtigen Titel erworben hat. 7. Von der Kundmachung des gegenwartigen Geſetzes an zu rechnen, ſind alle General⸗Empfänger der Departemeute, alle beſondere Empfänger der Bezirke alle General- und Diviſtons⸗ Zahlmeiſter, ſo wie die Zahlmeiſter in den Departementen, See⸗ häfen und bey den Armeen verbunden, in alleu Urkunden, die ſie über Verkaͤufe, KFaͤufe, Theilungen und Tauſche oder über an— dere Handlungen, wodurch das Eigenthum uͤbergeht, errichten, ihre Titel und Eigenſchaften anzugeben; und dieß unter Strafe der Abſetzung: ſind ſie außer Stande, das, was ſie dem öffent⸗ lichen Schatze ſ„zu bezahlen, ſo ſollen ſie als bet geriſche Banqueroutirer verfolgt werden. e iregiſtrirnsGebühren und die Hy dig ſi ei 4 r Die Empſänger 8 pothekeubewahrer ſind gleichfalls unter Strafe der Abſe der Vergürung des erlittenen Schadens verbunden, im des öffentlichen Schatzes zur Echaltung ſeiner Rechte die Eintra⸗ gung erwähnter Urkunden, ſobald ſie ihnen vorgezeigt werden, zu verlangen oder vorzunehmen, und ſowohl dem kaiſerlichen Pre⸗ curator bey dem Gerichte der erſten Inſtanz des Bezirtes, wo die Güter liegen als dem Agenten des oͤffentlichen Schatzes in Paris, das durch die Artikel a143 und folgende des Geſetzbuchs Napolecons vorgeſchriebene Bordereau einzuſchicken⸗ Ausgenommen ſind jedoch jene Fälle, wo, wenn es ſich von einem Verkaufe handelt⸗ der Rechuungspflichtige von dem oͤffent⸗ lichen Schatze ein Zeugniß erhalten hat, worin ausgedruckt 2 daß dieſe Veraußerung von Seiten des offentlichen Schatzes d Einſchreibung nicht uuterworfen iſt. Dieſes Zeugniß muß in der Veräußerungs⸗urkunde angemerkt und datirt werden. z. Wenn ein Rechnungspflichtiger Guͤter veraͤußert, auf wel⸗ che der öffentliche Schatz wegen ſeiner Auſprüche ein Privilegium oder eine Hypothek hat, ſo haben die Ageuten der Regierung durch die gewöhulichen Rechtsmittel die Vezahlung der Summen zu betreiben, welche der Rechnungspflichtige ſchuldig zu ſeyn er klärt worden iſt. 2 3. Im Falle der Rechunngspflichtige dermahlen uicht als Schuldner erklärt wird, is der öſfentliche Schatz verbunden in drey Monaten von der Inſint ution au zu rechnen, die ihm nach Vorſchrift des 2187 Ariit kels des Geſetzbuches Napolkons — a3 UIL. Buch. XvII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. ſicht des Privilegiums in den zweyten Rang und unmittel⸗ gemacht wird; an die Kanzelley des Bezirksgerichtes, worunter die verkauften Güter liegen; ein Certiſicat, aus welchem ſich der Zuſtand der Geſchäftsfuͤhrung der Rechnungspflichtigen ergibt, abzuliefern und daſelbſt zu hinterlegen; geſcheht dieſes nicht, it ſo iſt nach Verlauf gedachter Zeitfriſt die Einttagung von Rechts wegen aufgehoben, ohne daß es nöthig iſt, ſie durch ein urtheil zu erkennen. Die Eintragung iſt gleichfalls von Rechts wegen aufgehoben, wenn aus dem Certifieat hervorgeht, daß der Rechnungspflichtige dem öffentlichen Schatze nichts ſchuldig iſt. 1o. Die durch den 2227. Artikel des Geſetzbuches Napolerns fuͤr die Rechte des öffentlichen Schatzes feſtgeſetzte Verjaͤhrung lzuft zu Gunſten der Rechnungspflichtigen von dem Tage, als ihre Geſchäſtsführung aüfhört. 11. Alle mit gegenwaͤrtigem Geſetze im Widerſpruche ſtehen⸗ den Verfuͤgungen ſind aufgehoben. Gutachten des Staats⸗Raths uͤber die Anwendung der Art. 098 und 2121 des Geſetzbuches Napoleons unid des Geſetzes vom 5. September 1807 auf den Schatz der Krone, vom 1. Februar 1808, genehmiget vom Kaiſer den z. Februar des nehmlichen Jahres. Der Stäats⸗Rath, welcher näch der von Seiner Majeſtaͤt veredueten Zurückweiſung den Vortrag der Geſetzgebungs⸗Sec⸗ tion uͤber jenen des General⸗Intendanten der Civil⸗Liſte angehört hat, der dahin geht, daß die Artikel goos und 2121 des Geſetz⸗ buches Napoleons und das Geſetz vom 5. September 1807, die das Privilegium des öffentlichen Schatzes auf die beweglichen und unbeweglichen Guͤter der Rechnungspflichtigen beſtätigen und näher beſtimmen, auf den Schatz der Krone anwendbar erklärt werden ſollen; Eingeſehen die Artikel z099 und arzn des Geſetzbuches Na⸗ poleons, und das Geſetz vom 5. September 1307; In Erwaͤgung, daß die für die Repräſentation der Souve⸗ ratnetät nöthigen Ausgaben immer mittelbar oder unmirtelbar durch Anweiſung irgend einer Summe um ſir zu beſtreiten, dem öffentlichen Schatze zur Laſt fallen; daß hieraus ſich ergibt, daß der Schatz der Krone eigentlich nur eine Abtheilung des öffent⸗ hchen Schates iſt; . Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken 235 bar nach den Verſiegelungs- und Inventariſiungs-Koſten, Daß die Vorzugsrechte, deren der bffentlieche Schatz genießt, durch eine natbwendige Folge auch für den Schatz der Krone gelten; daß, wenn der Artikel z098 des Geſetzbuches Napoleons dieſes nicht ausdruͤcklich verordnet, die Urſache hicvon darin liegt, weil zur Zeit ſeiner Abfaſſung die Civil⸗Liſte noch nicht verfertiget war, und der öffentliche Schatz die Ausgaben derſelben unmittelbar bezahlte; Daß aber die ſeitdem eingetretene Abſonderung dem Privile⸗ gium eines Theils dieſes Schatzes, wovon der Geiſt und Gegen⸗ ſtand des Geſetzes vem 5. September 1807 das Ganze umfaßt, keinen Abbruch thun konnte, Iſt der Meinung, daß die Artikel 2098 und 2121 des Geſetzbuches Napolevns und alle Verfuͤgungen des Geſetzes vem 5. September 1807 über die Privilegien des öffentlichen Schatzes auf die beweglichen und unbeweglichen Güter der Rechuunas⸗ pflichtigen auf den Schatz der Krone anwendbar ſind, und ihm die nehmlichen Privilegien und Hypotheken auf die Güter ſeiner rechnungspflichtigen Agenten zuſichern müſſen. Dieſem zu Folge gelten die Artikel 7, 8 und„ des erwähn⸗ ten Geſetzes auch fuͤr die Schatzmeiſter, Empfänger und Zahle meiſter der Krone; und die Einnehmer der Einregiſtrirungs? Gebühren ſo wie die kaiſerlichen Procuratoren ſind gleichfalls verbunden, ſich, was ſie betrifft, nach den Verfügungen dieſer Artikel, in den darin vorgeſehenen Fällen zu richten. Geſetz über das Privilegium des öffentlichen Schatzes we⸗ gen der Erhebung der directen Steuern, vom 18. Novem⸗ ber 1g08. Art 1. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes wegen der Erhebung der unmittelbaren Steuern iſt auf folgende Weiſe feſigeſetzt, und wird vor jedem andern ausgeßbt, 1) Fuͤr die Grundſteuer des verfloſſenen und laufenden Jah⸗ res, au⸗ die Ernten, Früchte, Miethgelder und Einkünfte lie⸗ gender Guͤter, die der Steuer unterworfen ſind; *) Fur das verfloſſene und laufende Jahr der Mobiliar⸗ Thür und Fenſter⸗, Patent und jeder andern unmittelbaren und perſönlichen Steuer, auf alle Mobilien und andere bewegliche Gegenſtände, welche den Steuerpflichtigen angehören, an wel⸗ chem Otte ſie ſch auch befinden mögen. „40 111. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. das erfallene und das laufende Fahr der Grundſteuer. Ueber dieſes Privilegmm ſowohl als über die übꝛigen des öffent⸗ lichen Schatzes ſehe man die Anmerkungen zum Art. 2109.*) 2. Alle Pächter, Miethsleute, Empfaͤnget Dekonomen, totarien, Schätzungs Commiſſarien und andere Depoſitare und Schuldner von Geldern der Steuerpſiichtigen, auf welchen das Privilegium des öſfentlichen Schatzes haftet, ſind anf die an ſie ergangene Anforderung gehalten, von den Geldern die ſie ſchul⸗ dig ſind, uder in ihren Händen haben, das Ganze oder einen Theil der von den Steuerpflichtigen ſchuldigen Summen für die⸗ ſelben zu bezahlen. Die Quittungen der Steuererheber für die rechtmäßig ſchuldigen Summen werden ihnen in der Rechnung gut geheißen. z. Das Privilegium des öffentlichen Schatzes wegen der Er⸗ hebung der unmittelbaren Steuern verhindert nicht, daß er wie jeder andere Glaͤubiger noch ſonſtige Rechte an dem Vermögen der Steuerpflichtigen geltend machen könne. 4. Wenn bey der Beſchlagnehmung von Mobilien und an⸗ dern beweglichen Sachen wegen Zahlung der Steuern das Ganze oder ein Theil gedachter Mobilien und Sachen von einem dritten als Eigenthum in Anſpruch genommen wird; ſo kann die Vin⸗ dications⸗Klage nur dann bey den gewöhnlichen Gerichten ange⸗ bracht werden, wenn ſie zu Folge des Geſetzes vom 5. November 150, zuvor von einem der Intereſſenten der Verwaliungs⸗ Behörde vorgelegt worden iſt. *) Hieher gehoͤrt folgender Auszug eines Schreibens Sr. Exe. des Groß⸗Richters Juſtitz⸗Miniſters an Se. Exe. den Finanz⸗Mini⸗ ſter vom 9. Auguſt 1808. „Das Geſetz vom§. September 1807 legt dem öſſentlichen Schatze ein Privilegium auf Immobilien der Verurtheilten unter dem Bedinge bey, es in zwey Monaten vom Tage der Verurtheilung angerechnet, in die Hypotheken Regiſter eintragen zu laſſen; vor Schulden, die aus Urkunden entſpringen, welche nach dem Verhaft⸗Befehle gemacht worden ſind, har der Fiseus den Vorzug; wenn ſie ſchon vor der ſeinigen eingetragen wor⸗ den ſind. Seine Hypothet ſteigt alſo bis zum Verhaft⸗Befehle wenn einer erlaſſen worden iſt, hinauf, und von dieſem Zeirpunkte an kann der Beſchuldigte nicht mehr zum Nachtheile dieſes Rechtes ſeine Güter beſchweren. m. Buch. Lvlll. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 2¼1 Art. 2099» Die Privilegien können an Mobilien und „an Immobilien Statt haben.„ Erſter A5 Von Privilegien, die an Mobilien Statt haben. Art. 2100.»Die Privilegien ſind entweder allgemeis, „oder ſie beſchrnken ſich auf gewiſſe Mobilien⸗⸗ 1 Von allgemeinen Privilegien an den Mobilien. Urt. 2101.„Privilegirte Forderungen, deren Vorzugs⸗ *recht ſich auf das geſammte Mobiliar⸗Vermoͤgen erſtreckt, „Von den Veraͤußerungen ſagt das Geſetz nichts; nur mit der Rang⸗Ordnung und dem Vorzugs⸗Rechte unter den Glaͤubigern bey der Vertheilung des aus den Gätern des Ver⸗ urtheilten geloͤſten Kauſpreiſes hat es ſich beſchäftigt, und die gewoͤhnlichen Grundſätze ſcheinen nicht zuzulaſſen, daß das Pri⸗ vilegium oder die Hypothek des Fiseus ſich auf Gäter erſtrecken könne, die vor der Verurtheilung veräußert worden ſind. „In der That behält bis dahin der Verurtheilte die Aus⸗ übung ſeiner bürgerlichen Rechte, und die Fähigkeit über ſein Vermögen zu disponiren, bey; anderer Seits gehen durch Acte, wodurch das Eigenthum übertragen werden kann, und die transſeribirt worden ſind, die Güter auf den Erwerber frey und ledig von allen Hypotheken, mit Ausnahme derjenigen über, die ſich zur Zeit der Transſeription eingetragen befinden, oder binnen den darauf folgenden funfzehn Tagen eingetragen werden; und da der oͤffentliche Schatz erſt durch das condemnatoriſche urtheil eine Hypothek erwirbt, und ſich folglich nicht früher inſeribiren laſſen kann, ſo folgt hieraus, daß er an den Gütern, die vor⸗ her veräußert worden ſind, kein Privilegium oder Hypo⸗ theken⸗Recht geltend machen kann. „Nur iſt er, wie jeder andere Gläubiger) befugt, die Auf⸗ hebung ſimulirter, oder zum Nachtheile ſeiner Rechte geſche— henen Veräußerungen nachzuſuchen. In dieſer Hinſicht muß man aber zwiſchen Veraͤußerungen mittelſt eines läſtigen Di⸗ tels, und jenen mittelſt eines wohlthaͤtigen oder unentgeldlichen Titels einen Unterſchied machen. Letztere werden leichter aufgehoben, als die Er⸗ IV. Malev⸗ 15 Von Privilegien und Hypetheken. a42 MI. Buch. xVIII. Tit. „ſind die hier unten ausgedruckten; unter ihnen tritt folgende „ Rangordnung ein: „1) Die Gerichtskoſten; „2) Die Leichenkoſten; „3) Alle und jede Koſten der letzten Krankheit: diejeni⸗ „gen, welche deßhalb zu fordern haben, ſtehen gegenſeitig „in gleichem Range, und concurriren verhältnißmäßig; „4) Der Lohn der Dienſtbothen für das verfloſſene Jahr, „und was ihnen für das laufende Jahr gebuͤhrt; „3) Was an Lebensbedürfniſſen dem Schuldner und ſei⸗ „ner Familie geliefert worden iſt, nehmlich in den letzten „ſechs Monaten von denen, welche im Kleinen verkaufen, „wie z. B⸗ von Baͤckern, Metzgern und andern, und das „letzte Jahr hindurch von Koſtgebern und Großhaͤndlern.« ſtern. Genug iſt es nehmlich, den Betrug von Seiten deſſen, der disponirt hat zu beweiſen, dagegen in Anſehung der mit⸗ telſt eines läſtigen Titels geſchehenen Veraͤußerungen noch über⸗ dieß bewieſen werden muß daß der Erwerber an dieſem Betruge Antheil genommen habe. „Geht alſo bey Verfügungen mittelſt eines unentgeld⸗ lichen Litels aus den Umſtänden hervor, daß der Beſchuldigte wirklich dadurch ſeine Güter der Verurtheilung zu entziehen ge⸗ ſucht habe, ſo iſt die Einregiſtrirungs⸗Verwaltung berechtigt, auf die Nichtigkeits⸗Erklaͤrung dieſer Verfügung anzutragen, wenn ſie auch ſchon gehörig transſeribirt worden wäre. „Zu bemerken iſt hiebey, daß der unterſchied zwiſchen Ver⸗ zußerungen mittelſt eines wohlthätigen, und jenen mittelſt eines läſtigen Titels dann einen neuen Grad von Stärke er⸗ hält, wenn die Schenkung von den Eltern au die Kin⸗ der geſchehen iſt, weil in ſolchem Falle die Geſchenkgeber offen⸗ bar die Ahſicht hatten, die Kinder von der Zahlung der Gerichts⸗ Koſten aus den Gütern zu befreyen, die ſie ohne eine Schenkung unter Lebenden nur als Erben erhalten hätten. Jurispr. de 1a C. de G, 1868 im Anhange, p. a70 u. f. B. —— —— uI. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. a43 Die Gerichts⸗Koſten nehmen den erſten Rang ein, weil ſie zur Erhaltung der Gerechtſame aller Gläubiger ausgelegt worden ſind.*) Hierauf folgen die Leichen⸗Koſten. Die roͤmiſchen Geſetze hatten ſie allen andern Forderungen der Begünſtigung wegen vorgezogen, die ihnen gebührt. T. 45, H de relig. et sumpt. funer.*¹) *) Gerichts⸗Koſten, ſagt Ferriére in ſeinem Pictionnaire de prati- que, b. Frais de justice, ſind die Koſten, die die Erhaltung der Sache zum Vortheile des Eigenthümers, des Gläubigers, oder jedes andern, der ein Recht daran, oder ein Intereſſe dabey hat, bewirkt haben: die Koſten der Verſieglung, Inventariſirung, des Verkaufs, der Execution in Mobilien und Immobilien; der Claſſiſeation, ſind Gerichts⸗Koſten. Man ſehe hiebey die Art. 657, 662, 716 79 und 76s des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S.— Mit eigentlichen Gerichts⸗Koſten muß man alſo jene Koſten nicht vermiſchen, die man bey den Gerichten auslegt, um eine Streitigkeit entſcheiden, oder um jemanden verurtheilen zu laſſen; letztere(dépens) machen den Gegenſtand einer beſondern Forderuns aus, welche keines Privilegiums genießt. Auch er⸗ klärt ja der Art. 2 des Geſetzes vom 5. September 1807(oben beym Art. 1993), daß die Koſten, wovon er ſpricht, erſt nach den im Art. 2101 erwaͤhnten privilegirten Forderungen, worun⸗ ter die Gerichts⸗Koſten zuerſt vorkommen, elaffificirt wer⸗ den ſollen;— ein offenbarer Beweis, daß die eigentlich ſo ge⸗ nannten Gerichts⸗Koſten, und die zur Erwirkung irgend einer Verurtheilung vorgefchoſſenen oder ausgelegten Koſten zwey ganz verſchiedene Dinge ſind. Répertoire de Jurispr. F. Pri g6 de Créance, vect. 3, F. 1, n. 2.— Ein Artikel, der den Herrn Tarrible ehemahls Tribun, und Mitglied der Geſetzgebungs⸗ Section; jetzt Mitglied des Rechnüngs⸗Hofes zum Verfaſſer hat. B. **) Leichen⸗Koſten ſind jene, die für den Leichen⸗Conduct; für die Ausſtellung des Körpers in den Kirchen, für deſſen Beerdigung und fuͤr die Trauerkleidung der Frau und des Hausgeſindes ge⸗ macht werden. PVerſteht ſich aber, daß ſie dem Stande der Per⸗ ſon angemeſſen ſeyn müſſen. In ſo ferne ſie uͤberttieben wären; wuͤrde kein Privilegium Statt haben⸗ B. 44 UMI. Buch. XvII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Für die Koſten der etzten Krankheit findet man in eben dieſen Geſetzen kein Privilegium, man muͤßte ſie dann mit zu den Leichen⸗Koſten ſelbſt rechnen; denn in der S. 37, edd. heißt es: funeris sumnptus accipitur, quidquicd corporis causd erogatum est antequam sepeliutur. Daß in dieſen Geſetzen von dem Lohne der Dienſtbothen keine Rede iſt, dieß iſt nicht auffallend, weil die Römer von Sklaven bedient wurden, die ihnen zugehörten. Die franzö⸗ ſiſche Jurisprudenz aber hat dieſes Privilegium, ſo wie jenes für die Lebensbedürfniße, und fuͤr die Koſten der letzten Krankheit aus Menſchlichkeit angenommen. Ueber alles die⸗ ſes ſehe man Henris und Bretonnier, tom. 1, lio. 4, quest. 20; Louet und Brodeau, lett. C, n. a9“ und Auzanet uͤber das Gewohnheits⸗Recht von Paris, n. 176. Uebrigens muß man auf die Zahlen⸗Folge der Verfuͤgun⸗ gen unſeres Artikels wohl acht geben, denn die Privilegien ſind nach ihrem Range, und in der Ordnung claſſifieirt, die ſie haben ſollen. So gehen die Gerichts⸗Koſten den Leichen⸗ KFoſten vor, und eben ſo verhält es ſich mit den übrigen. 5 Von Privilegien auf gewiſſe Mobilien. Art. 2102.»Nur an gewiſſen Mobilien haben ein „Vorrecht folgende privilegirte Forderungen: „1) Die Mieth⸗ und Pachtgelder liegender Guͤter an dem „Ertrag der Ernte des letzten Jahres, und an dem Werthe „von allem, womit das gemiethete Haus oder das Pachtgut „beſetzt iſt, ſo wie von allem, was zur Bewirthſchaftung des „Pachtgutes dient, nehmlich für alles, was ſchon faͤllig iſt, und „noch fällig wird, wenn die Pacht- und Mieth⸗Contracte in „authentiſcher Form ſind, oder zwar unter Privat⸗Unterſchrift „gefertiget worden, gleichwohl ein gewiſſes Datum haben; „und in dieſen beyden Fällen haben die uͤbrigen Gläubiger „das Recht, das Haus oder Pachtgut für die übrigen Jahre „wieder zu vermiethen oder zu verpachten, und den Vortheil aus „dieſem Pacht⸗ oder Mirth. Contracte ſich zuzueignen, mit dem m. Buch. XvVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 245 „Bedinge gleichwohl, daß ſie den Eigenthümer alles, was nihm noch gebühren mag; „Und, wenn die Mieth- oder Pacht⸗Contracte nicht in „authentiſcher Form ſind, oder zwar unter Privat⸗Unter⸗ »ſchrift gefertiget worden, aber kein gewiſſes Datum haben, „fuͤr ein Jahr von dem Zeitpuncte an zu rechnen, wo das »laufende Jahr ſich endiget; „Daſſelbe Vorrecht hat Statt wegen der dem Mitther „oder Pächter zur Laſt fallenden Ausbeſſerungen und wegen „alles, was die Vollziehung des Mieth⸗ oder Pacht⸗Con⸗ „tractes betrifft; „Vor dem Eigenthuͤmer werden inzwiſchen die Summen „gezahlt, welche für die Ausſaat, für die Erntekoſten des „Jahres oder fuͤr angeſchafftes Geraͤth noch rückſtaͤndig ſind, „und zwar die Saat und Erntekoſten aus dem Ertrag der „Ernte, das Geräth aber aus dem Preiſe, wofuͤr es ver⸗ „kauft wird; „Der Eigenthümer kann die Mobilien, womit ſein Haus „oder ſein Pachthof beſetzt iſt, in ſo fern ſie ohne ſeine Be⸗ »willigung hinweggebracht worden ſind, mit Arreſt belegen, „und er behaͤlt in Beziehung auf dieſelben ſein Vorrecht, „vorausgeſetzt daß er ſie vindicirt hat, nehmlich wenn von »„Mobilien die Rede iſt, womit ein Pachthof beſetzt war, in „einer Friſt von dierzig Tagen, und wenn es von Mobilien »ſich handelt, womit ein Haus beſetzt war, in Zeit von „fünfzehn Tagen;*) 2) Die Forderung an dem dafuͤr geſtellten Unterpfand, »welches der Glaͤubiger in ſeinen Händen hat; »3) Die auf die Erhaltung der Sache verwendeten Koſten. »„4) Der Kaufpreis noch unbezahlter Mobiliar⸗Gegenſtünde „in ſo fern der Schuldner ſie noch beſitzt, er mag ſie mit „oder ohne Zahlungsfriſt gekauft haben; »Iſt bey dem Verkaufe keine Zahlungsfriſt geſtattet wor⸗ „den, ſo kann der Verkäufer ſo gar dieſe Gegenſtände, ſo langs *) Siehe Art. 319 u. f. d. G. uͤ. d. r. V. j. C. S. *46 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „der Kaͤufer ſie im Beſitze hat, vindiciren und ihren weitern »„Verkauf verhindern, vorausgeſetzt daß die Vindication in „Zeit von acht Tagen nach erfolgter Ueberlieferung geſchieht, „und daß die Sachen ſich in demſelben Zuſtande befinden, „worin ſie uͤberliefert worden ſind; „Das Vorrecht des Verkaͤufers ſteht gleichwohl demjeni⸗ „gen nach, welches dem Eigenthümer des Hauſes oder des „Pachthofes eingerͤumt iſt, wenn anderſt nicht bewieſen „wird, daß es dem Eigenthümer bekannt war, daß die „Immobilien und andere Gegenſtände, womit ſein Haus „oder ſein Pachthof beſetzt war, dem Miether oder Pächter »nicht zugehörten; „Sonſt hat es bey demjenigen ſein Bewenden, was „die Handelsgeſetze und Handelsgebräuche über die Vindica⸗ „tion beſtimmen;*) „5) Die Lieferungen eines Gaſtwirthes an den Effecten „des Reiſenden, die in ſein Gaſthaus gebracht worden; „6) Der Fuhrlohn und die damit verbundenen Nebenko⸗ »ſten, an der Sache, welche von einem Orte zum andern „gebracht worden; n 7) Forderungen, welche daher entſtehen, daß öffentliche „Beamte in ihren Antsverrichtungen ihre Gewalt mißbraucht, „und pflichtwidrig gehandelt haben, an dem Capital der von „ihnen geſtellten Sicherheit, und an den Zinſen, die ihnen „hievon gebühren mögen.« Dieſer weitläufige Artikel könnte wohl Stoff genug für zwanzig liefern, und vielleicht wuͤrde das Geſetz dadurch an Deutlichkeit gewinnen. Bey der piff. 1. bemerkte man 1), man müſſe, da die Verpachtungen der Landgüter notoriſch ſeyen, dem Eigen⸗ thümer ein Privilegium ſogar dann zugeſtehen, wenn die Pacht⸗Contracte unter Privat-Unterſchrift abgefaßt wor⸗ den wären, und zwar um ſo mehr, da man ohne dieſes ihn *) Siehe Art.§76 u. f. des Handlungs⸗Geſetzbuches. m. Buch. XWVI. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. 247 der Gefahr ausſetzte, die rückſtändigen Pächte zu verlieren, oder ihn nöthigte, gegen ſeinen Pächter ſtrenger zu ſeyn⸗ Legt man den Pacht⸗Contracten unter Privat⸗Unterſchrift, antwortete man, für eine längere Zeit, als fuͤr ein Jahr eine Wirkung bey, ſo oͤffnet man der Colluſion zwiſchen dem Ei⸗ genthuͤmer und ſeinem Paͤchter die Thore, und zwar zum Nachtheile der Forderungen, die ein gewiſſes Datum haben; ohnehin, wenn auch ſchon die Pachtung notoriſch iſt, ſo ſind es doch die Bedingungen nicht.*) *) Geſetzt alſo, die Effecten eines Schuldners ſind in Beſchlag ge⸗ nommen, und ſollen verkauft werden, und nun behauptet ein dritter, dieſer Schuldner ſey ſein Pächter Kraft eines muͤndlichen oder nicht einregiſtrirten ſchriftlichen Vertrages, und er ſey ihm außer fünf Jahren, die noch an der Pachtzeit übrig ſind, von vier bereits verfloſſenen Jahren den Pachtpreis ſchuldig; in dieſem Falle hat der Eigenthuͤmer für den Rückſtand der vier verfloſſenen Jahre kein Privilegium, und in Hinſicht der noch übrigen Pacht⸗ jahre hat er eines nur für ein einziges Jahr, vom Ablauf des laufenden Jahres angerechnet. Nicht einmahl fuͤr das lau⸗ fende Jahr hat folglich der Eigenthümer ein Privilegium; denn das Geſetz erkennt die Egxiſtenz eines ſolchen Pacht oder Mieth⸗Contractes bis dahin nicht an. Wird ein nicht einre⸗ giſtrirter ſchriftlicher Contract vsrgebracht, oder geht die Epiſtenz des Contractes aus dem Geſtändniße des Eigenthümers und des Pächters hervor, dann iſt es wenigſtens richtig, daß ein Pacht⸗ Contract von dieſer Zeit an Statt haben werde, und deßwegen verleiht nun das Geſetz ein Privilegium bloß für ein Jahr, vom Ablauf des laufenden Jahres anzurechnen. Repertoire de! Jurispr. a 4 D. S n. 5. ueber das Recht der Eigenthümer an den ihren Miethleuten und Paͤchtern zugehoͤrigen Mobilien: Sffeeten und Früchten, und den Beſchlag, den ſie darauf legen koͤnnen(Saisie-gagerie) ſo wie auch über den Beſchlag, der auf Gegenſtaͤnde gelegt wird, woran man ein Eigenthums- oder Pfand⸗Recht zu haben behaup⸗ tet, ſehe man die Art. 319, 320, s21, 3a3 und folgende bis zum Art. s3 einſchließlich des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S. Iſt aber auch von dem Privilegium des Eigenthümers in der Ziff. 1 des vorliegenden Artikels die Rede, ſo iſt es doch 41 M. Buch. XVII. Sit. Von Privilegien und Hypotheken. Man bemerkte 2), ein Pächter könne Vieh auf Credit kaufen, und der Eigenthuͤmer müſſe dem Verkäufer nicht vorgezogen werden. Es iſt nicht möglich, antwortete man, zu vermuthen, daß nach achtzehn Monaten der Kaufpreis des Viehes nicht bezahlt ſeyn ſollte; ſogar koͤnne man nicht mehr erkennen, ob es das nehmliche ſey. Die verkauften Kuͤhe, erwiderte man, laſſen ſich ganz genau bezeichnen, und nach der jetzigen Praris hat der Ver⸗ käufer den Vorzug vor dem Eigenthuͤmer. Dieſe Praris wurde indeſſen beſtritten, und zuletzt die Bemerkung darauf eingeſchränkt, daß man den Artikel dahin zu modificiren verlaugte, daß an den Handels⸗Geſetzen in Betreff der Vindications-Klage nichts abgeaͤndert werden ſollte. Deſſen ungeachtet wurde die Verfügung des Artikels beybehalten⸗ Was die Ziff. 4 des Artikels betrifft, ſagte man, ſie könne den Betrug der Miether oder Pächter erleichtern, welche das Haus oder Pachtgut mit Mobilien, die ihnen nicht zu⸗ gehoͤren, oder die ſie auf Credit gekauft haben, verſehen, und ſo dem Eigenthuͤmer nur ein betrügliches Unterpfand an⸗ biethen würden. Die Richtigkeit dieſer Bemerkung fühlte man, und ent⸗ ſchied, daß dem Artikel, was im Entwurfe nicht ſtand, aus⸗ druͤcklich hinzugeſetzt werden ſollte, daß der Eigenthuͤmer dem Verkäufer der Mobilien vorgezogen werde; unter dieſer Ein⸗ ſchränkung gleichwohl, falls nicht bewieſen würde, daß der Eigenthuͤmer davon unterrichtet war, daß die Mobilien dem Miether oder Pächter nicht zugehorten. Sogar wurde zugegeben, daß die Regel Statt haben ſollte, wenn ſchon der Verkaͤufer der Mobilien mit einem keinem Zweifel unterworfen, daß ein Pichter oder Miether die nehmlichen Rechte in Anſehung der Afterpächter oder After⸗ miether habe. B. ul. Buch. XvlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 249 authentiſchen Rechtstitel verſehen waͤre, weil es möglich iſt, daß der Eigenthümer von dieſem Acte nichts weiß, und nur die Mobilien ſieht, die ihn beruhigen, ohne zu wiſſen, ob ſie auf Credit gekauft, oder gemiethet ſind. Ferner trug man darauf an, eine Ausnahme in Anſehung der Schaaf⸗Heerden zu machen, die ein Pächter von jeman⸗ den empfängt, um bey ihm zu überwintern, und ſie fett zu machen: das Peivilegium des Eigenthuͤmers, ſagte man, muß ſich auf eine ſolche Heerde nicht erſtrecken, ſobald bewieſen wird, daß ſie nur auf eine Zeit lang dahin gebracht war. Dieſer Fall, antwortete man, iſt unter der Verfügung des Artikels nicht begriffen. Bey der Siff. 7 des Artikels, verlangte man ein Pri⸗ vilegium zu Gunſten derjenigen, die die Cautiens-Gelder vorgeſchoſſen haben, Kraft deſſen ſie unmittelbar auf jene folgen ſollten, deren Forderung auf Mißbrauch und Ver⸗ letzung der Amtspflichten der öffentlichen Beamten beruht. Die das Capital vorgeſchoſſen haben, antwortete man, ſind Eigenthuͤmer der geſtellten Caution, und haben kein Privilegium an ihrer eigenen Sache nöthig; in der Ziff. 2 des Artikels liegt ſchon die Entſcheidung der Frage; ohnehin waͤre es leicht moͤglich, daß eine ſolche Verfügung, wenn ſie im Civil-Geſetzbuche eine Stelle erhielte, den im Art⸗ 2098 angekündigten Geſetzen hinderlich ſey. Man ſtritt jedoch daruͤber, was in dieſer Hinſicht jetzt gebräͤuchlich ſey, und ſetzte noch hinzu, der Vorſchlag beziehe ſich nicht auf das Intereſſe des öffentlichen Schatzes, ſon⸗ dern auf jenes eines dritten, der das Capital vorgeſchoſ⸗ ſen habe. Hierauf wurde zwar der Vorſchlag zur Section zurück⸗ verwieſen; indeſſen iſt der Artikel doch ſo geblieben, wie er vorgelegt worden war. Ich merke zum vorliegenden Artikel an, daß die Ziff. 1 mit den Art. 161 und 171 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris, und ſogar mit der allgemeinen Praris uͤbereinſtimme; 250 IM. Buch. XvIII. Tit. Bon Privilegien und Hypotheken. wenigſtens befolgte man hierin den Unterſchied nicht, den die roͤmiſchen Geſetze zwiſchen den Mobilien der Haͤuſer, und jenen der Landgüter machten, und welchem zu Folge die T. 4, H de pactis, und die T. 5, cod. de locato dem Eigenthuͤmer bloß in Anſehung der erſtern, nicht aber wegen der letztern ein Privilegium ertheilten. S. Rousseaud,„. Bail, Sect. 3.*) *) Uebrigens entſchied zwar der in dieſer Ziffer enthaltenen Ver⸗ ſügung zu Folge der Appellations⸗Hof von Paris am 2. Deto⸗ ber 1806 in der Sache des Hru. Leix wider den Hrn. Marquis von Gallo, ehemahligen Geſandten des Königes beyder Siei⸗ lien, daß der Miether eines Hauſes, wenn er ſchon ſo viel Mobilien zurückläßt, als zur Sicherheit a Uer fälligen und noch fällig werdenden Miethgelder hinreichend iſt, nicht befugt ſey, den Reſt ſeiner Mobilien wegzunehmen, und verordnete daher, daß alle Mobilien, womit das von letzterem gemiethete Haus verſehen war, darin verbleiben, und jene, die wirklich wegge⸗ bracht worden waren, wieder herbeygeſchafft werden ſollten. Jurispr. de la C. de C. 1307 im Anhange p. 36 u. f. Dagegen entſchied die Civil⸗Seetion des Caſſations⸗Hofes in der Sache, welche in der Note beym Art. 1822 angeführt worden iſt, daß der Eigenthümer an dem Preiſe der Gegenftände, womit ſein Haus oder Pachtgut verſehen war, ein Privilegium nur in ſo fern geltend machen konne, als er entweder faͤllige Mieth⸗ oder Pachtgelder zu ferdern hat, oder das Vermögen des Miethers oder Pächters in wirklichen Verfall gerathen iſt. Im Falle nehmlich, wovon hier die Rede iſt, gründete Debar ſein Ge⸗ ſuch um Caſſation des vom Appellations⸗Hofe von Bourges er⸗ laſſenen Urtheiles ebenfalls auf eine Verletzung des vorliegenden Artikels. Der Eigenthümer ſagte er, hat zur Sicherheit aller im Mieth⸗ oder Pacht⸗Contraete enchaltenen Verbindlichkeiten ein Privilegium an allen Mobilien und Effeeten, womit ſein Haus oder ſein Landgut verſehen iſt. Kraft dieſes Privilegiums hat er das Recht, diejenigen Mobilien, die auf dem Punete ſind ihm entzogen zu werden, in einer beſtimmten Friſt zu vindieiren, und dieß kann er Theilweiſe, ſo wie einer dieſer Gegenſtande aufhoͤrt, in ſeinem Hauſe zu ſeyn, und gegen alle Gläubiger thun. Iſt, wie im vorliegenden Falle, ein authentiſcher Pacht⸗Contraet vorhanden, ſo hat das Privilegium fuͤr alles, was fällis m Buch. XvIII. Tit Von Privilegien und Hypotheken. a61 Die Ziff. 2 ſtimmt mit der T. 9, cod. qui potior, iſt, und für alles, was in der Folge fallig wird, Statt, und in dieſer Hinſicht wäre es ungereimt wenn man um dieſes Recht auszuüben, verlangen wollte, daß der Eigen⸗ thümer wirklich fällige Termine zu fosdern haben muͤſſe. Da indeſſen in facto angenommen war, daß Debar zur Zeit der angehobenen Klage keine fällige Pacht zu fordern hatte, und da der Pächter noch im Genuſſe ſeiuer Pachtung war, ſo erklaͤrte der Caſſations⸗Hof, daß keine Verletzung des Art. 2102 vorhan⸗ den ſey, und verwarf das eingelegte Caſſations⸗Geſuch. Jurispr. Da übrigens der vorliegende Artikel den Ernte⸗Koſten ſelbſt vor dem Eigenthümer den Vorzug einraͤumt, ſo entſchied die Civil⸗Section des Caſſativns⸗Hofes am 24 Junius 1807, daß dieſes Privilegium dem Tagloͤhner, welcher durch ſeine Arbeit die Ernte befördert hat, ſelbſt dann zu Statten komme, wenn er ſchon nicht vom Eigenthuͤmer, ſondern vom Pächter angeſtellt worden iſt, und obſchon er die Zahlung ſeines Taglohns nicht nach und nach gefordert hat. Der Fall war folgender. Am z1. Detober 180 belangte Robert Chauffonet den Pächter und den Eigenthümer des Gutes von Saint⸗Didie, worauf er mehrere Tage im Vau der Weinberge zugebracht hatte, und zwar Erſtern zur Zahlung der Summe von 34 Fraues als des Taglohns für die Zeit, die er Kraft eines mit ihm aus⸗ druͤcklich geſchloſſenen Vertrages in den Weinbergen gearbeitet hatte, Letztern aber, der die ganze Ernte der Weinberge in Händen hatte, zur Ablieſerung eines Theiles dieſer Ernte, wor⸗ an er nach dem Inhalte der Art. 548 und 2102 des G. N. ein Privilegium zu haben behauptete. Phue einige Schwierigkeit wurde der Pächter verurtheilt. Der Eigenthümer aber machte dem Kläger das Privilegium ſtreitig; er behauptete, der Tas⸗ löhner habe dem Pächter geborgt, und überdieß muͤſſe der Tag⸗ loͤhner es ſich ſelbſt zuſchreiben, daß er ſich nicht jeden Tas oder am Ende jeder Woche habe bezahlen laſſen; nebſidem verſicherte er, ſeinem Pächter beträchtliche Vorſchuͤſſe gemacht zu haben, wofür er nicht einmahl dadurch beſriedigt würde, daß ihm letz⸗ terer ſeinen Antheil an der Ernte uͤberlaſſen habe. Der Friedensrichter entſchied, daß dem Taglöhner ein Privi⸗ legium an der Ernte zuſtehe. In der Appellations⸗Inſtanz aber erkanute das Bezirks⸗Gericht von Lyon, es ſey kein Privilegium a52 UI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken Die Ziff. Z mit eben dieſem Geſetze, und mit der T. 5. N qui pot. in pign. Die Ziff. 4 mit den Art. 176 und 177 des Gewohnheits⸗ Rechtes von Paris(hierüber ſehe man die Commentatoren zu dieſem Gewohnheits⸗Rechte, und jene zum§. 41. inst. de rer. div.) Die Ziff. 5 mit dem Art. 175 des geſagten Gewohnheits⸗ Rechtes, Die Ziff 6. mit der T. 6, F. 1, F. qui pot. in pign., und Die Ziff. 7 mit den arrétés des Herrn von Kamoignon Tit. 21, Art. 94 überein. In unſerm Artikel heißt es inzwiſchen nicht, ſo wie im vorhergehenden, daß unter den Pripilegien, die er anzeigt, die nehmliche Rangordnung eintreten ſoll, ſo wie ſie in den Ziffern aufeinander folgen, d. h. baß das Privilegium des Cigenthuͤmers zuerſt, hierauf jenes des mit einem Fauſt⸗ Pfande verſehenen Gläubigers u⸗ ſ. w⸗ eintreten ſoll. Muß vorhanden, weil der Taglöhner ſich ſeinen Taglohn nach und nach hätte bezahlen laſſen müſſen, und da er dieſes nicht ge⸗ than habe, dem Pächter, ohne einigen Regreß gegen den Eigen⸗ thümer oder gegen die Ernte, geborgt haͤtte. Der Taglöhner nahm ſeinen Recurs zum Caſſations⸗Hofe und dieſer eaſſirte das Urtheil von Lyon aus folgenden Gruͤn⸗ den, weil es a) in facto gusgemacht war, daß dem Pächter die Häͤlſte der Früchte gebührte; daß er dieſe Hälfte dem Eigen⸗ thuͤmer abgetreten hatte, und Chauſſonet vom Paͤchter zum Bau der Weinberge angenommen worden war; weil folglich b) durch ſeine Arbeit die ganze Ernte während des Jahres her⸗ vorgebracht worden, woraus es ec) folge, daß er ein Privile⸗ gium hatte, und für ſeine Arbeit vorzugsweiſe befriedigt werden mußte, und daß das Civil⸗Gericht von Lyon, indem es das Gegentheil entſchied, dem Art. 210 ausbruͤcklich zuwider gehan⸗ deit habe. Jurispr. de la C. de C. 1307 p. 289 u. f. B. m. Such. XVIII. Tit. Von Pyivilsgien und Hypotheken. 253 man es in dieſem Sinne verſtehen, obſchon das Geſetz ſich nicht hierüber erklärt hat? Wie es ſcheint, hat Herr Grenier in ſeinem Berichte ans Tribunat es eben ſo verſtanden, wenn er ſagt, die Rangordnung der Privilegien hange gewöhnlich von der Ordnung ab, worin ſie nacheinander vorgetragen werden, und wenn von dieſer Ordnung abgegangen worden ſey, habe das Geſetz dieſes ausgedruckt. Wirklich hat auch das Geſetz dieſes in Betreff des Privilegiums des Eigenthümers an Mobilien, die auf Credit verkanft worden ſind, gethan; da indeſſen dieſes Privilegium des Eigenthümers vor jenem des Verkäufers der beweglichen Sache vorgetragen worden iſt, ſo haͤtte es in der Vorausſetzung, daß der Vorzug ſich ein⸗ zig nach der Ordnung richte, worin die Privilegien vorge⸗ tragen werden, dieſer Erklärung nicht einmahl bedurft. Denkt man hierüber etwas reiflicher nach, ſo iſt die Schwierigkeit doch ſo groß nicht, als man es ſich vorſtellen mag; zuerſt gibt es zwey dieſer Privileglen, die mit andern ſelten concurriren können: dieſe ſind das Privilegium, wel⸗ ches die Glaͤubiger auf das Fauſtpfand haben, und jenes der Gaſtwirthe auf die Effecten, die zu ihnen gebracht wor⸗ den ſind. Nur könnte ein dritter ſie als ſein Eigenthum vindiciren, und dieß wäre der Fall, wovon der Art. 2279 handelt, oder deßwegen Anſpruͤche darauf machen, weil ſie ihm ſchon ver⸗ pfändet ſind, und dieß wäre der Fall, der den Gegenſtand der Ziffer 1 unſeres Artikels ausmacht. Die Rangordnung zwiſchen dem Eigenthümer und dem Perkäufer iſt unter der Ziff. 4 feſtgeſetzt. Das Privilegium des Handwerkers auf die Mobilien, die er gemacht oder ausgebeſſert hat, wird unter der Ziff. 1 jenem des Eigenthümers ausdruͤcklich vorgezogen, und mei⸗ nes Erachteus, kann mau jhm jenes der auf Erhaltung der Sache verwendeten Koſten gleich ſtellen. 254 UMI. Buch. XVlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Was das Privilegium des Fuhrlohns betrifft, dieſes hat nach der Lehre Pothier's(procédure civile, ch. 2, art. 7 F. 2.) nur in ſo fern Statt, als der Fuhrmann noch im Beſitze der Effecten iſt. uebrig iſt endlich noch das Privilegium, welches denjeni⸗ gen verliehen worden iſt, die ſich über Mißbraͤuche der Gewalt und Verletzung der Amts⸗Pflichten zu beſchweren haben; allein dieſes ſchränkt ſich auf das Capital der geſtellten Cau⸗ tion ein: mit andern privilegirten Glaͤubigern konnen ſie alſo nicht in Streit gerathen, oder ihnen iſt wenigſtens der Vorzug vor jenen geſichert. S. le Répertoire, v. Privilege, n. 10 und II⸗ Wie verhält es ſich aber mit den im Art. 2101 enthal⸗ tenen Privilegien, haben ſie den Vorzug vor jenen, die in unſerem Artikel ausgedruckt ſind? Was die Gerichts⸗ und Leichen⸗Koſten betrifft, daran iſt kein Zweifel; in Anſehung der Koſten der letzten Krankheit, des Liedlohns des Hausgeſindes, und der Lebens⸗Bedürfniße aber war die Frage zweifelhafter. Der Eigenthuͤmer z. B⸗ ſtritt mit den Aerzten, Wundärzten und Apothekern, und dieſe mit den Beckern u. ſ. w. Der Eigenthümer, welcher jemanden eine Wohnung einräumt, uͤbt doch auch wahrlich eine menſchenfreundliche Handlung aus. S. Louet und Brodeau, 29 Rousseaud, v. Bail, Sect. 35, Serres, p. 564, Bäsnage, des iy potheques; Duplessis über das Gewohnheits⸗Recht von Paris ꝛc. Da inzwiſchen der Art. 2101 die Privilegien, wovon er ſpricht, an die Spitze aller andern“ geſtellt hat, und der bie Aufſchrift fuͤhrt: von allgemein en Privilegien⸗ ſo müſſen ſie meines Erachtens allen vorgehen, und der Art. 2105 ſcheint mir dieſes auch zu entſcheiden Zweyter Abſchnitt. Von Privilegien auf Immobilien. Art. 2103.„ An Immobilien haben ein Borrecht fol⸗ „gende privilegirte Gläubiger: * im. Buch. XVIIM. Tüt. Von Privilegien und Hypotheken. 235 1)„ Der Verkäufer an dem unbeweglichen Gute, das er »verkauſt hat, wegen Zahlung des Preiſes; „Sind nach und nach mehrere Verkäufe geſchehen, wovon ⸗der Preis im Ganzen oder zum Theile noch rückſtändig iſt, „ſo wird der erſte Verkäufer dem zweyten, der zweyte dem »dritten und ſo weiter vorgezogen; 2)„Diejenigen, welche das Geld hergeſchoſſen haben, „um ein unbewegliches Gut zu erwerben, vorausgeſetzt, daß *es durch den über das Darlehen errichteten Act authentiſch erwieſen ſey, daß die Summe zu dieſer Anlegung beſtimmt »war, und durch die Quittung des Verkäufers, daß die Zah⸗ lung mit dem eutlehnten Gelde geſchehen iſt; 3)»Die Miterben an den zur Erbſchaft gehörigen Im⸗ mobilien, zur Sicherheit der unter ihnen vollzogenen Thei⸗ lungen, der Gewährleiſtung fuͤr dieſelben und desjenigen, *was ein Miterbe dem andern auf ſein Los herausgeben muß; 4)„Die Baumeiſter, Bau⸗Unternehmer, Maurer und andere Arbeiter, welche um Gebaͤude, Canäle oder andere „Werke jeder Art aufzuführen, wiederaufzubauen oder aus⸗ „zubeſſern gebraucht worden ſind, vorausgeſetzt gleich wohl, »daß ein von dem Gerichte der erſten Inſtanz, in deſſen „ Bezirke die Gebäude gelegen ſind, von Amts wegen er⸗ »nannter Sachverſtändiger vorher einen Verbal⸗Prozeß ge⸗ *fertiget, um in Beziehung auf die Arbeiten, welche der „Eigenthuͤmer vornehmen zu wollen erklären wird, den wirk⸗ lichen Zuſtand der Orte zu conſtatiren, und daß die Arbei⸗ ten, längſtens in ſechs Monaten nach ihrer Vollendung, „durch einen gleichfalls von Amts wegen ernannten Sach⸗ »verſtaͤndigen aufgenommen worden ſind; Das Vorzugsrecht kann ſich indeſſen auf mehr nſichts „erſtrecken, als auf den Werth, der durch den zweyten Ver⸗ bal⸗Prozeß conſtatirt worden iſt, und beſchränkt fich auf die „Summe, um welche das Grundſtück zur Zeit der Versuße⸗ „rung durch die daran geſchehene Arbeit böher im Wrrthe „iſt, als vor der Arbeit; 256 1ll. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. §)„Diejenigen, welche Geld geliehen haben, um die „Arbeiter zu zahlen oder ihnen ihre Auslage zu erſtatten, „haben daſſelbe Vorrecht, vorausgeſetzt, daß dieſe Verwen⸗ „dung durch den über das Derlehen errichteten Act und „durch die Quittung der Arbeiter authentiſch erwieſen iſt, „ſo wie hier oben in Hinſicht derzenigen beſtimmt worden⸗ „welche Geld zur Erwerbung eines unbeweglichen Gutes ge⸗ „liehen haben.« Die Ziff. 1 bieſes Artikels ſtimmt mit dem Geiſte der TT. 19 und 33, h. de contrah. empt. Die Ziff. 2 mit der T. 7, cod. qui pot. in pign. und mit der T. 2, N de cess. bon. Die Ziff. 3 mit der T. 14, Cod. fam. ercisc. und 66, J⸗ de evict. Die Ziff. 4 mit den TT. 5 und 6, F. qui pot. in pign, überein, mit Ausnahme jedoch der Vorſichts-Maßregeln, welche die Praxis ihnen hinzugefuͤgt hat. Die Ziff. 5 iſt nur eine Schlußfolge der vorhergehenden⸗ S. die Arrétés des Herrn von Lamoignon, tit. 21. Hier könnte man ebenfalls die Frage aufwerfen, ob die in dieſem Abſchnitte vorgetragenen Provilegien nach der Ord⸗ nung ihrer Ziffer aufeinander folgen müſſen. In der That iſt es nicht klar, ob die Arbeiter, welche die verkaufte Sache ausgebeſſert haben, nicht mit allen andern concurriren, ſo gar allen andern vorgezogen werden ſollen; denn ohne ſie wäre ja die verkaufte Sache zu Grunde gegangen, oder doch viel weniger werth, und es iſt nicht gerecht, daß ihre Mühe und ihre Vorſchuͤſſe den übrigen ohne alle Urſache zum Vor⸗ theile gereichen: Nemo eæ alterius jacturd locupletari debet. Wenn ich nicht glaubte, der Ordnung der Ziffern, und dem Art. 2105 nachgeben zu müſſen, ſo muͤßten nach meiner Meinung, dergleichen Arbeitsleute allen, jene gleichwohl ausgenommen, deren im Art. 2101 Erwähnung geſchieht, vorgezogen werden. Dieſer Vorzug wurde ihnen auch a) durch ein Urtheil des Parlamentes von Paris, welches Tours m. Buch. xVm. Lit. Den Privilegien und Hopotheken. 7 net beym Art. 171 des Gewohnheits⸗Rechtes anfuͤhrt, und durch ein anderes, welches Mornae, part. a, n. 33 mit⸗ theilt, zuerkannt. Das Nehmliche entſchied b) der Art. 14. F. 2 des Geſetzes vom Brumaire, und ſo heißt es auch c) in der F. 6, H. qui pot. in pign. Potior est qui salvam ecit totius pignoris causam. Freylich hätte ich wohl Luſt zu ſagen, daß dem Artikel 2097 zu Folge, die privilegirten Gläubiger, die ſich im nehmlichen Range befinden, nach Verhältniß ihrer Forderun⸗ gen bezahlt werden, und ich möchte noch hinzuſetzen, daß der Prinz Cambaceres bey der Discuſſion über den vorher⸗ gehenden Artikel geſagt habe, es ſey bloß deßwegen, weil nach der Vorſchrift des Art. 2097 die Gläubiger, die im nehmlichen Grade ſind, unter ſich nach Verhältniß ihrer For⸗ derungen claſſificirt werden ſollen, nothwendig zu erklären, daß der Eigenthümer vor dem Verkaͤufer der Mobilien den Vorzug habe; ich fühle indeſſen, daß man antworten kann, der Art. 2101 erlaube nicht, ihn ſo zu verſtehen, weil er aus⸗ drücklich ſagt, daß unter den privilegirten Forderungen, de⸗ ren er Erwähnung thut, die durch die Ziffern beſtimmte Rang⸗Ordnung eintrete; der Ausdruck: Grad, Rang wird alſo nicht von allen Forderungen, die in einem Artikek, Po⸗ ragraph oder Abſchnitte verzeichnet ſind, ſondern von jenen verſtanden, die unter der nehmlichen Ziffer begriffen ſind; ſo ſollen z. B. die Metzger mit den Baͤckern u. ſ. w. con⸗ curriren. Man muß inzwiſchen eingeſtehen, daß alles dieſes einer guten Erlaͤuterung von Seiten des Geſetzgebers ſelbſt bedarf— eine Erlaͤuterung, die um ſo nothwendiger wäre, da die ver⸗ ſchledenen Schriftſteller, welche hievon gehandelt haben, bierüber nichts weniger als unter ſich einig ſind, wie man ſich deſſen aus denen, die beym Art. 2101 angefuͤhrt worden ſind, und ferner dadurch überzeugen kann, wenn man das Répertoire, v. Pribilege; Argon, inst. tom. 2, p. 393 u. f.; Pothier. du contrat de Touage, part. 4, ch. 1, art. 2, und proced. cib. ch. 2, art. 7, F. 2 nachließt. IV. Mallev. 17 „3 1I. Buch. XvlII. Tit. Ven Wrivilegien und Hypotheken. Von den Privilegien, die ſich auf die Mobilien und Immobilien zugleich erſtrecken. Art. 210.„Die Privilrgien, welche ſich auf die Mo⸗ „bilien und Immobilien zugleich erſtrecken, ſind jene, welche jin 2101 Artibet angeführt worden ſind.« Im erſten Eütwürfe des gegenwärtigen Artikels hatte man, nachdem die im Att. 2107 enthaltenen Privilegien angeführt worden waren, noch zwey hinzugeſetzt, nehmlich a) das Pri⸗ vilegium zu Gunſten des öffentlichen Schatzes auf die Mobi⸗ lien der Einnehmer der Staats⸗Einkuͤnſte, und auf die ſeit dem wirklichen Antritte ihrer Amts⸗Verrichtungen erworbe⸗ nen Immobilien, und b) jenes zu Gunſten der Domaͤnen⸗ Verwaltung in Anſehung der von eroffneten Erbſchaften ge⸗ bührenden Abgaben; mit dem Edicte aus dem Monate Au⸗ guſt 1660 und mit einer am 21. May 1709 im Staats⸗Ra⸗ the erlaſſenen Reglementar-Vetfuͤgung ſtimmte dieß auch wirk⸗ lich uͤberein. Inzwiſchen bemerke man, daß das Edict dem Eigenthuͤmer ſuͤr eine Haus⸗Miethe von ſechs Monaten, und für den Pacht eines Jahres von Landereyen, ſelbſt vor der Steuer den Vorzug gab. Um ſo mehr zog es die im Art. 2101enthaltenen Forderungen der Steuer vor, und Pothier räumt eben ſo a. a. St. denen, die im Art. 2102 enthalten ſind, den Vorzug ein⸗ Das Privilegium des öffentlichen Schatzes, ſagte jemand, muß nicht auf die Güter, welche die Einnehmer der Staats⸗ Einkünfte nach dem Antritte ihrer Amts⸗Verrichtungen er⸗ werben, eingeſchränkt werden; der öffentliche Schatz ant⸗ wortete man ihm, kann nur eine Hypothek an den vor dem Antritte des Amtes erworbenen Gütern haben, und das Privilegium auf die nachher erworbenen Güter iſt nur auf die Vermuthung gegründet, daß ſie mit dei Gelde, welches die Einnehmer in Händen hatten, gekauft worden ſeyen. Der offentliche Schatz, ſetzte man hinzu, mußte bey der Ernen⸗ nung des Einnehmers, ſeine Sicherheits-Maaßregeln ergrei⸗ l. Buch XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 259 fen, und Bürgſchaft von ihm verlangen, pder ſich auf die Güter in die Hypotheken-Regiſter einſchreiben laſſen. Nun trug derjenige, welcher die Einwendung gemacht hatte, darauf an, es moͤchte, um den Zuſtand der Sachen un⸗ gekraͤnkt zu laſſen, dem Artikel 2098 hinzugeſetzt werden, daß die Privilegien des öffentlichen Schatzes durch eigene Geſetze beſtimmt werden. Dieſer Vorbehalt, antwortete man aber, wuͤrde das ganze Syſtem des Geſetzbuches in dieſem Theile umſtürzen; frey⸗ lich muß der öffentliche Schatz ſeine Sicherheit haben, aber nicht auf Keſten der Gerechtigkeit; es iſt im Gegentheile, um alle Beſorgniß zu benehmen, nothwendig zu erklären, daß die Privilegien des öffentlichen Schatzes diejenigen nicht zer⸗ ſtoͤren können, welche vor der Amtsfuͤhrung des Einnehmers vorhanden ſind, und dieſes wurde hierauf dem Art. 2098, als dem Drte, welcher der ſchicklichſte ſchien, um dieſen Satz vorzutragen, hinzugeſetzt. Er ſtimmt übrigens mit mehrern römiſchen Geſetzen überein, die ſchon den Unterſchied zwiſchen den Gütern, die der Einnehmer der Staats⸗Ein⸗ künfte vor ſeiner Ernennung erworben hatte, und jenen, die er erſt nachher erwirbt, gemacht hatten. S. die PE. 7, 57 und 28,. de jure Rsti, und 4, Cod, de priv. ſisc./ Godofredus zu dieſem letztern Geſetze, und Cujaz, ob— Serv. 22.— Ein Unterſchied, welcher ebenfalls im ſchon an⸗ geſuͤhrten Edicte von 1669 gemacht wird⸗ Art. a103.„Wenn in Ermangelung des Mobiliar⸗Vermö⸗ »gens die in dem vorhergehenden Artikel erwähnten privile— „girten Glaͤubiger ſich melden, um aus dem Preiſe eines »unbeweglichen Gutes mit den Gläubigern befriediget zu »werden, welche auf das unbewegliche Gut ein Privilegium „haben, ſo geſchehen die Zahlungen in folgender Oidnung: 1)„Die Gerichtskoſten und andere im 2101. Artikel an⸗ „geführte Forderungen; 2)»b Die Forderungen, welche im 2103. Artikel bezeich⸗ net ſind⸗n a6o 11I. Auch. KVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. S. die Anmerkungen zu den Art. 2107 und 2103. Man muß übrigens wohl bemerken, daß die im Artikel 210r erwaͤhnten Gläubiger nur bey Abgang des Mobiliar⸗ Vermdgens und ſubſidiariſch ihre Befriedlgung aus den Im⸗ mobilien verlangen können. Im Art. 11 des Geſetzes vom PBrümaire war dieſes ebenfalls ausdrücklich verordnet⸗ Vierter Abſchnitt⸗ Wie die Privilegien in ihrer Kraft erhalten werden. Art. 2106.„Unter den Glaͤubigern haben die Privile⸗ agien in Beziehung auf Immobilien nur in ſo fern eine „Wirkung, als ſie durch Eintragung in die Regiſter des „Hypotheken⸗Bewahrers, auf die in dem Geſetze beſtimmte „Weiſe, kund gemacht worden ſind, und nur von dem Tage „dieſer Eintragung anzurechnen, unter den einzigen hier fol⸗ «genden Ausnahmen.*) *) Zwiſchen der Eintragung der Privilegien und jener der Hypo⸗ theken iſt ſowohl was ihren Zweck, nehmlich die Publicität, als auch was die Art der Eintragung betrifft, kein unterſchied. In Hinſicht der Wirkungen aber ſind ſie weſentlich unterſchie⸗ den. Die Eintragung beſtimmt, durch ihr Datum, den Rang, den die Hypotheken unter ſich haben ſollen; der Hypothekar⸗Gläu⸗ viger kann alſo ſeine Hypothek immer eintragen laſſen; aber alle Hypothekar⸗Glaͤubiger/ ſelbſt diejenigen, deren Rechtstitel z. B. der Contraet jünger iſt, die ſich vor ihm haben inſeribiren laſſen, haben den Vorzug vor ihm. Auch den Privilegien iſt die Ein⸗ tragung ſo nothwendig, daß ſie ohne dieſelbe ihre Wirkung, die in dem Vorzugsrechte vor allen Hypothekar⸗Glaͤubigern beſteht, ſogar auf immer verlieren, wenn die Eintragung nicht in der beſtimmten Friſt geſchehen iſt. Iſt ſie aber in dieſer Friſt geſchehen, dann hat das Datum der Inſeription keinen Eitnfluß auf den Rang, den ſie einnehmen ſollen, welcher einzig durch dis Urſache beſtimmt wird, die ſie hervorgebracht hat. So hat z. B ein Miterbe, der am ſechszigſten Tage nach dem Thei⸗ lungs⸗Aete eine Inſeription genommen hat, für das, was einem Loſe zur Gleichmachung mit andern herausgegeben werden muß, ein Privilegium an den getheilten Imwobilien, ungeachtet jeder andern fremden und vorherigen Inſcription. Man muß ſich m. Buch. Xvm. Lit. Von privilegien und Hypotheken. 261 Art. 2107.»Von der Formalitaͤt der Eintragung ſind „ausgenommen die im 2101. Artikel ausgedruckten Forde⸗ „rungem« Dieſen Artikel habe ich in Betreff der Lieferungen füp Lebens⸗Bedürfniſſe tadeln gehört. Freylich beſteht der Be⸗ weggrund der Ausnahme, die er macht, zuerſt in der Be⸗ günſtigung, welche die Forderungen, wovon die Frage iſt, verdienen, dann aber darin, daß ihr Betrag gewohnlich ge⸗ ringe iſt; zuweilen ereignet es ſich indeſſen, daß die Liefe⸗ rungen von Lebens⸗Beduͤrfniſſen, die an große Häuſer ge⸗ macht worden find, ſich auf betraͤchtliche Summen belaufen, ſo wie ſie z. B⸗ beym Fallimente des Hanſes von Gue⸗ mens 22,000 Liv. betrugen. Man behauptet, es ſey nicht alſo durch die im vorliegenden Artikel enthaltenen Worte: und von dem TDage dieſer Eintragung anzurechnen, nicht irre führen laſſen. In der That, laͤßt es ſich nicht be⸗ haupten, daß der Geſetzgeber die Abſicht gehabt habe, die Wir⸗ kungen eines Privilegiums auf den Vorzug vor den Hypotheken zu beſchränken, die nach ihm ſelbſt eingetragen würden; wäre dieſes, dann genöſſe ja das Privilegium ſeines ſchoͤnſten Vorrech⸗ tes nicht mehr, welches nach dem Art. 2095 darin beſteht, daß es dem privilegirten Gläubiger den Vorzug vor den hübrigen, ſelbſt Hypothekar⸗Glaͤubigern verleiht. Mag immerhin ein Pri⸗ vilegium ſeine ganze Conſiſtenz, und ſelbſt ſeine eigene Beſchaſ⸗ fenheit erſt vom Augenblicke an, wo es eingetragen wird, erhal⸗ ten,— und nur in dieſem Sinne läßt ſich mit Wahrheit ſagen, daß es nur vom Tage der Sintragungangerechnet, eine Wirkung habe,— dagegen muß man aber auch, wenn das Privilegium nicht ſchlechterdings fruchtlos werden ſoll, nachgeben, daß ſeine Wirkung, wenn ſie ſchon nur mit der Eintragung ihren Anfang nimmt, allemahl darin beſtehen werde, dem privilegirten Glaͤubiger den Voriug vor allen Hypothekar⸗ Gläubigern, ihre Hypotheken mögen ein Datum haben, welches ſie immer wollen, zu ſichern. Eben dieſe Bemerkung gilt auch in Hinſicht der nehmlichen Ausdrücke, die im Art. 2110 vorkommen. Répert. de jurisprud. g. a. D. vect. 5. n. 1. B. 262 1l. Buch. XVll. Tit. Bon Privilegien und Hypotheken. gerecht, in einem ſolchen Falle die Noröwendigkeit der In⸗ ſeription nachzulaſſen, und auf dieſe Art einen Hypothekar⸗ Glaͤubiger, einen Verkaͤufer z. B. der Gefahr auszuſetzen, ſeine Sache und den ihm dafür gebührenden Preis zu ver⸗ heren. Wenigſtens wäre es udthig, ſagte man, die Summe zu beſtimmen, bis zu deren Betrag ein privilegirter Gläubi⸗ ger nicht gehalten ſey, eine Inſcription zu nehmen⸗ Art. 2108.„Der Verkäufer, der ein Privilegium hat, behält ſein Vorrecht durch Einſchreibung des Rechtstitels, wo⸗ „durch das Eigenthum auf den Erwerber zibergegangen iſt⸗ „und woraus ſich ergibt, daß er den Preis ganz oder zum „Theile noch zu fordern hat. Die von dem Erwerber ver⸗ „anſtaltete Einſchreibung des Contractes gilt zu dieſem Ende als Eintragung für den Verkäufer, ſo wie für den Dar⸗ „leiher, der ihm das gezahlte Geld vorgeſchoſſen hat, und „durch denſelben Contract in die Rechte des Verkaͤufers ein⸗ *geſetzt iſt. Der Hypotheken⸗Bewahrer iſt gleichwohl bey „Strafe, daß er ſonſt gegen dritte Perſonen fuͤr allen Scha⸗ „den zu haften und ihnen alles Intereſſe zu leiſten hat, „verbunden, dieienigen Forderungen, die aus dem Acte ent⸗ „ſiehen, welcher dazu geeigner iſt, das Eigeuthum zu uͤbertragen, „zum Vortheile des Verkäufers ſowohl, als der Darleiher „ſeinem Regiſter von Anits wegen einzutragen, und dieſe „ſind ebenfalls befugt, den Verkauf⸗Contract, in ſo fern es „nicht wirklich geſchehen iſt, einſchreiben zu laſſen, um die „Eintragung desjenigen zu erwirken, was ihnen aus dem „Kauſpreiſe gebührt.« Im erſten Entwurfe dieſes Artikels war nur vom Ver⸗ kaufer, nicht aber vom Dorleiher, der ihm das Geld vorge— ſchoſſen har, die Rede; der nehmliche Entſcheidungs-Grund vewirkte aber, daß die Verfügung auf den Darleiher aus⸗ gedehnt wurde. Auch hatte man in dieſem Entwurfe die Erhaltung des Privilegiums des Verkäufers gewiſſermaßen von der Pünkt⸗ lichkeit des Hypotheken⸗Bewahrers abhängig gemacht, wel⸗ m. Buch. RVin. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 26 chem man die Pflicht auferlegte, die Forderung des Verkäu⸗ fers in ſein Regiſter einzutragen. Dieſer Fehler wurde ver⸗ beßert; damit inzwiſchen dritte Perſonen gehörig unterrichtet werden, und das Inſcriptionen-Regiſter vollſtändig ſeyn möchte, verpflichtete man den Hypotheken⸗Bewahrer, und zwar unter ſeiner Verantwortlichkeit, die Eintragung pon Amts wegen zu thun. Bon allem dieſem war im Geſetze vom Brumaire keine Sprache; in dieſem Punkte iſi alſo der vorliegende Artikel beſſer.*) *) So ſehr auch dem Käufer ſowohl als dem Verkaͤufer daran ge⸗ legen ſeyn mag, die Transſeription des Contractes zu befördern, erſterm, um das angekaufte Gut von den zu Laſten des PVerkän⸗ fers darauf haftenden Hypotheken irey zu machen; letzterm, um ſein Privilegium zu befeſtigen,— ein Grund, warum auch der vorliegende Artikel dem Verkäufer die Befgniß ertheilt, den Contract transſcribiren zu laſſen, wenn der Erwerber es nicht gethan hat,— ſo wird doch weder dem einen nych dem andern irgendwo dieſe Verbindlichkeit auferlegt; im Gegentheile kann der Käufer, nach dem Art. 2167, die Transſeription unterlaſſen und, als dritter Beſitzer, für alle Hypothekar⸗Schulden, die auf dem gekauften Gute haften moͤgen, verbunden bleiben. Die Transſeription des Contrgetes, gleichviel ob er in au⸗ thentiſcher Form abgefaßt worden iſt, hoder nicht; mag indeſſen vom Käufer, oder vom PVerkäufer ſelbſt befördert werden, in beyden Fällen gilt dieſe Transſeription als Eintragung zu Gun⸗ ſten des Verkäufers; damit indeſſen das Inſcriptionen⸗Regiſter vollſtändig ſeyn möge und man durch dieſes zur Kenntniß aller auf einem Gute haftenden Laſten gelangen koͤnne, ver⸗ pflichtet das Geſetz den Hypotheken⸗Bewahrer die gus dem Kauf⸗Acte zu Gunſten des Verkqufers ſowohl als des Daxlei⸗ hers entſpringenden Forderungen, dem Hypotheken ⸗Regiſter von Amts wegen und unter der Strafe einzutragen, daß er widrigenfalls dritten Perſonen, für allen aus dieſer Un⸗ terlaſſung eutſtehenden Schaden verantwortlich ſeyn ſolle. Dem Verkaͤufer oder Darleiher ſchadet alſo dieſe Unterlaſſung in kei⸗ nem Falle. Da inzwiſchen a) nach dem Art auas die Privilegien nur mittelſt der Eintragung eine Wirkung hervorbringen, da es b) im 6½ UI. Buch. xvin. Tft. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2109.„Ein Miterbe oder Theilhaber erhaͤlt ſein „Privilegium an den einem jeden Loſe angefallenen Gütern aoder an dem verſteigerten Gute, in Rückſicht deſſen, was einem Loſe „zur Gleichſtellung mit andern herausgegeben werden muß, voder in Anſehung des Verſteigerungs⸗Preiſes, wenn es in ſechszig Tagen, von dem Theilungs⸗Acte oder von dem bey der vorliegendem Artikel heißt, daß der Verkaͤufer ſein Privilegium durch die Transſeription des Contractes aufrecht erhalte, und e) im Art. 2113 hinzugeſetzt wird, daß die der Formalität der Ein⸗ tragung unterworfenen Privilegien, in deren Hinſicht die vorge⸗ ſchriebenen Bedingungen nicht erfüllt worden ſind, in bloße Hy⸗ yotheken ſich verändern, und in Anſehung dritter Perſonen nur von dem Tage an datiren, wo ſie haben eingetragen werden müſſen, wie hierunten erklaͤrt wird, ſo bleibt immer die Frage uͤbrig, ob es dann wirklich eine Zeitfriſt gebe, binnen welcher die Trans⸗ ſeriptivn des Contractes unter der Strafe, daß das Privilegium erlöſche oder in eine bloße Hypothek verwandelt werde, geſche⸗ hen muſſe. In keinem der angeführten Artikel findet man hiefuͤr eine Friſt beſtimmt. Wollte man hieraus den Schluß herleiten, daß die Transſcription im Augenblicke geſchehen müſſe, wo der Ber⸗ xauf⸗Act beendigt wird, und das Privilegium des Verkaͤufers, wenn er nicht in dieſem Augenblicke Sorge dafuͤr getragen hätte, der Geſahr ausgeſetzt würde, ſich auf eine bloße Hypothek zu veſchräuken, und den Glaͤubigern des Erwerbers, die ihren Titel in der Zwiſchenzeit von der Unterzeichnung des Verkauf⸗Aetes his zu ſeiner Trausſcription haͤtten eintragen laſſen, nachſtehen wüſſe, ſo würde dieſe Schiußſolge das Privilegium fruchtlos machen. In der That wird das Privilegium des Miterben nach dem Art. 2109, durch die in ſechszig Tagen von der Theilung angerechnet, und jenes des Glaͤubigers einer Nachlaſſenſchaft, der die Abſonderung der Güter des Verſtorbenen von jenen des Erben verlangt, durch eine in ſechs Monaten von der Eroͤffnung der Erbſchaft angerechnet! veranſtaltete Eintragung aufrecht er⸗ halten, und zwar ſo, daß dieſe Eintragungen eine zuruͤckwirkende Kraft bis zum Tage der Theilung oder des Abſterbeus haben, und ſogar die Möglichkeit aus ſchließen, in der Zwiſchenteit fremde Inſeriptionen mit Wirkſamkeit vorzunehmen. Da nun das Ge⸗ ſetz für die Transſcriztion des Verkauf⸗Contraetes keine Friſt betimmt, auch keine zurockwirkende Kraft dieſer Transſeription UI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 265 „Verſteigerung geſchehenen Zuſchlage anzurechnen, auf ſein „ Betreiben engetragen wird. Waͤhrend dieſer eit kann auf „das Gut, worauf et vas herausgegeben werden muß, oder „das bey einer Verſteigerung zugeſchlagen worden, zum Nach⸗ *theile desjenigen, der die Herausgabe oder den Kaufpreis zu „fordern hat, keine Hypothek Statt haben.» buchſtablich heygelegt hat, ſo würde das Privilegium des Ver⸗ käufers der Gefahr ausgeſetzt bleiben, durch eine zwiſchen dem Verkaufe und der Transſeription geſchehene Eintragung einer frem⸗ den Hypothek ſein Vorrecht zu verlieren, und nie der Priorität der geſetzlichen Hypothek der Frauen und Minderjährigen, die bis zum Tage des Heiraths⸗Contraetes oder der Annahme der Vormundſchaft hinaufſteigt, enrgehen können. Unmöglich kaun ja doch die Transſeription im Augenblicke des Verkaufes ge⸗ ſchehen, da der Verkauf⸗Act vorläufig einregiſtrirt, ausgefer⸗ tigt und dem Hypotheken⸗Bewahrer überreicht werden muß, welches nothwendig mehr oder weniger Zeit erfordert. Nein, es läßt ſich nicht denken, daß der Geſetzgeber den Ver⸗ käufer durch ein Verſprechen, was er nicht halten könnte, in ſeiner Erwartung habe täuſchen wollen. Schon die roͤmiſchen Geſetze verliehen a) dem Verkaͤufer, zur Erhaltung des Kaufpreiſes, ein Pridilegium, kraft deſſen er den Gläubigern des Käufers und jedem andern, an der verkauf⸗ ten Sache vorgezogen wurde.(T. 13,§. 8, de act. empt. er vend. T. 22., M. de wred. vel act. bend. T. 31, S. 2, de dil. Ediee.) Der F. 1, inst. de rer. dio., welcher mit der T. 19, M de cont. empt. übereinſtimmt, erklärt ſogar, daß der Käufer nicht eher Eigenthümer der verkauften Sache werde, als bis er den Kaufpreis bezahlt habe.— Ein Grundſatz, der in Frank⸗ reich angenommen war. Serres, ad d. 9. 41. Nicht weniger günſtig behandelte b) den Verkäufer das Ge⸗ ſetz vom 11. Brumatre 7. J.?»Geht aus dem Litel, wodurch das Eigenthum verändert wird,(hieß es im Art. 29) hervor, daß dem vorhergehenden Eigenthuͤmer, oder denen, die in ſeine Rechte getreten ſind, der Kaufpreis noch ganz oder zum Theile, oder Präſtationen, die deſſen Stelle vertreten, gebühren, ſo erhält ihnen die Transſeription ein Vorzugsrecht an den veräuſ⸗ ſerten Gütern; zu dieſem Ende traͤgt der Hypotheken⸗Bewah⸗ rer, die noch nicht eingetragenen Forderungen, die daraus her⸗ vorgehen mögen, in ſeine Retziſter ein.„ 266 UI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken Man wendete ein, dieſer Artikel lege den Miterben eine allzu harte Pflicht auf, da es ſie untereinander verbinde, ſich, einer gegen den andern, in die Hypotheken⸗Regiſter ein⸗ tragen zu laſſen⸗ Anderer Seits legte der Art. a7 des nehmlichen Geſetzes den Erwerbern ſolcher Güter und Rechte, die der Gegenſtand einer Hypothek ſeyn können, die ſtrenge Pflicht auf, ihren Erwer⸗ dungs⸗Aet transſeribiren zu laſſen; und der Art. 2s erklärte, daß dieſe Transſeriptivn auf den Erwerber die Rechte übertrage, die der Verkäufer an dem Eigenthum des unbeweglichen Gutes hatte, jedoch mit den darauf haftenden Laſten und Hypotheken. Dieſen Verfügungen zn Folge konnte das Recht des Verkaͤu⸗ fers nicht geſährdet werden; freylich war ſein Privilegium der Eintragung unterworfen; allein, die Transſeription wodurch allein das Eigenthum auf den Erwerber übergieng, galt als Eintragung zu Gunſten des Verkäufers, und ſo konnten in keinem Falle an⸗ dere Gläubiger des Erwerbers dem Verkaͤufer den Voriug abge⸗ winnen⸗ Das Geſetzbuch Napoleons hat nun zwar den nebergang des Eigenthums auf den Erwerber nicht bis zur Transſcription des Contractes verſchoben; dieſen Punkt aber ausgenommen, ſind ſeine Verfügungen die nehmlichen, wie jene des Geſetzes vom Vrumaire. Dieſes Geſetz unterwarf das Privilegium des Ver⸗ kaͤufers der Formalität der Eintragung; das G. N. unterwirft es ihr ebenfalls.— Nach dem erſtern galt die Transſeription von Seiten des Erwerbers als Eintragung zum Vortheile des Ver⸗ fäufers; das nehmliche entſcheidet das G. R.— Im Syſteme des erſtern war die Transſeription eine Formalität die d.m Er⸗ werber vorgeſchrieben war; um das Gut von Hypotheken zu befreyen; das Geſetzbuch Napoleons hut dieſe Formalität bey⸗ behalten, und ihr die nehmliche Richtung und den nehmlichen Zweck gegeben.— Nach dem erſtern giengen durch die Transſerip⸗ tion auf den Erwerber die Rechte über, die der Verkäufer an dem Eigenthum des Gutes hatter jedoch mit den darauf haften⸗ den Schulden und Hypotheken; der Art. 2182 des G. N. er⸗ klärt, daß die bloße Transſeription der Contraete, wodurch das Eigenthum auf einen andern übergehen kann, das Gut von den darauf haftenden Hypotheken und Peivilegien nicht befreye daß der Verläufer auf den Erwerber nur das Sigenthum, und die Rechte übertrage die er ſelbſ an der verkguften Sache hatte; m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 26 Das Syſtem der Publicität, antwortete man, welches angenommen worden iſt, wuͤrde unvollkommen ſeyn, wenn eine einzige Hypothek unbekannt bleiben könute. und ſie ihm, mit denſelben Privilegien und Hypotheken beſchwert, ſbertrage, womit er belaſtet geweſen— Eudlich ließ der Art. 29 des erſtern Geſetzes dem Verkäufer die Befugniß, ſeine For⸗ derung ſelbſt eintragen zu laſſen, welches aus den Worten her⸗ vorgeht: zu dieſem Ende trägt der Hypotheken⸗Bewahrer die noch nicht eingetragenen Forderungen.... in ſeine Regiſter ein; der Art. a10s des G. N. läßt dem Verkäufer die nehmliche Befugniß⸗ Da die Verfügungen beyder Geſetze ſich einander ſo vollkom⸗ men aͤhnlich ſind, ſo läßt es ſich nicht bezweifeln, daß das Ge⸗ ſetzb. Nap. mit der nehmlichen Sorgſalt,“ wie das Geſetz vom Brumaire, für die Erhaltung des Privilegiums des Verkaͤufers habe wachen und ihm die nehmliche ansgedehnte Befugniß zur Er⸗ füllung der zu dieſer Erhaltung nothwendigen Formalitaͤt habe laſſen wollen. Dieſe Befugniß iſt indeſſen ohne Grenzen; der Beweis hievon liegt in dem Art. 2113,— und da unſer Artikel keine Friſt vorſchreibt, binnen welcher der Kaͤufer oder der Verkäufer den Contract transſeribiren laſſen müſſe ſo mag dieſe Transſcrip⸗ tion geſchchen, wann ſie woe, immer bleibt es wahr, daß, wenn ſie geſchieht, die vorgeſchriebenen Bedingungen er⸗ füllt ſind, und folglich das Privilegium aufrecht erhaiten iſt. Man wende iicht ein, daß auf dieſe Art das Syſtem der Publieität mangelhaft werde, und daß dritte Perſonen, denen der Erwerber das etworbehe Gut zum Unterpfand anbiethen wird, und die keine Pyppthek darauf eingetragen fiden, nicht mehr die Mittel haben werden, ſich gegen den ihrem guten Glauben gelegten Fallſtrick ſicher zu ſtellen. 5 1) Waͤre dieß nicht das einzige Beyſpiel, der Modificgtion, die die allgemeine Regel der Pubticität hat erleiden müſſen. Die geſetzliche Hypothek der Frauen und der Minderjährigen epiſtirt, nach dem Art 2135 unsbhängig von aller Eintragung. Dritte Perſonen, die mit Ehemännern oder Vormünderu eontrahiren, und ſich Hypotheken in ihren Immobilien ausbediugen, werden von dem Daſeyn der getetzlichen Hypotheken durch keine Eintra— gungen benachrichtigt, und doch ſteigen dieſe Hypotheken, von 263 M. Buch. XvIII. it. Von Privilegien und Hypotheken. Uebrigens gründet ſich das Privilegium des Miterben darauf, well er Recht auf die ganze Sache hatte— ein dem Augenblick ihrer Eintragung an bis zum Tage des Hei⸗ raths⸗Contractes oder der angenommenen Vormundſchaft hinauf, und gehen den in der Zwiſchenzeit eingetragenen fremden Hypo⸗ theken vor. Allerdings konnte das Privilegium des Verkäufers unter gewiſſen Geſichtspunkten, eben ſo viel Begünſtigung zu verdienen ſcheinen, als die geſetzlichen Hypotheken der Frauen, und der Minderjährigen. So viel Gewicht aber auch 2) das Geſetz auf die Publicität gelegt hat, ſo konnte es doch nicht alls, um mit Sicherheit zu contrahiren, erforderliche Auskunft in einem einzigen öffentlichen Regiſter zuſammenfaſſen: 1 Etwas mußte es nothwendig der Klugheit der Contrahenten überlaſſen. Will alſo jemand auf ein Gut Geld vorgeſchoſ⸗ ſen haben, und finden ſich auch keine Hypotheken darauf einge⸗ tragen, ſo muß derjenige, der das Geld vorſchießen will, ſich die Eigenthums⸗urkunden vorlegen laſſen. Sieht er hieraus, daß der Kaufpreis noch ganz oder zum Theile unbezahlt iſt ſo ſteht er auch hieraus, ſo klar als er es in den Hypotheken⸗Re⸗ giſtern hätte ſehen können, daß noch eine privilegirte Schuld auf dem Gute haftet. Läßt er ſich hintergehen, ſo kann er das Geſetz keines Mangels an Vorſicht beſchuldigen, indem es ihn alles lehrte, was es ihn lehren konnte, und ſeine Sorgfalt erſt da ſtehen blieb, wo der Darleiher allein fuͤr ſeine Sicherheit Sorge tragen konnte. 3) Setzt ja auch der Art. 1634 des. N. ausdrücklich feſt daß, wenn der Käufer den Preis nicht zahlt der Verkaͤufer auf die Aufhebung des Eontractes antragen könne, und der folgende Artikel ſetzt hinzu, die Auflöſung eines Verkaufes unbeweglicher Güter werde ſogleich erkannt, wenn der Verkäufer in Gefahr iſt, die Sache und den Preis zu verlieren; tritt aber dieſe Ge⸗ fahr nicht ein, ſo ſey der Richter beſugt, dem Erwerber den umſtaͤnden nach eine mehr oder weniger lange Zeit zu geſtatten; nach fruchtloſem Ablauf dieſer Friſt aber werde die Aufloͤſung des Contractes erkannt.— Verfügungen, die zuverlaͤſſig aus dem vom Domat Lois eiviles, lio. 3, des gages et ypolheues, nit. 1, vect. 5, n. 4, angeführten Grundſatze geſchöpft ſind: Der Verkauf ſchließt die Bedingung in ſich, ſdaß der Käufereerſ dann Eigenthümer werde wenn erden Kaufpreis bezahlt. U. Buch. XviII. Lit. Pon Privilegien und Hypotheken, ac Recht, welches wieder auflebt, wenn er des Theiles, oder des Werthes des Theiles beraubt wird, die ihm fuͤr ſein Los angefallen ſind. Bringt bieſe auflöſende Bedingung die Wirkung hervor, daß der Contract aufgelöſt, und alles, wie ſich der Art. 1183 aus⸗ druckt, in den Zuſtand zurückgeſetzt wird, als wenn der Contract nicht vorhanden geweſen wäre, ſo verſchwinden auch alle Hypo⸗ theken, womit der Käufer die Sache indeſſen beſchwert haben mag. Die unbeſtimmte Befugniß, das Privilegium aufrecht zu erhalten iſt inzwiſchen den Glaͤubigern weniger nachtheilig, weil dieß dem Verkäufer nur ein bloßes Vorzugsrecht ertheilt, wel⸗ ches ihnen noch die Hoffnung uͤbrig läßt, wenigſtens das jenige zu bekommen, was nach der Befriedigung des Verkaͤufers am Preiſe des Gutes übrig bleibt. Repertoire de jurispr. a. g. St. vect. 5„ n. F. Wie wenn ein Kauf⸗Contraet, der keinen beſtimmten Kaufpreis enthält, auf Anſtehen des Erwerbers transſeri⸗ birt worden iſt, und der Hypotheken⸗Bewahrer die Eintra⸗ gung von Amts wegen nicht gethan hat, behaͤlt in dieſem Falle der Verkäufer ſein Privilegium am verkauften Gegenſtande bey, und wird der Hypotheken⸗Bewahrer dritten Perſonen fuͤr den Schadens⸗Erſatz verantwortlich? Beym Appellations⸗Hofe von Brüſſel kam dieſe Frage in folgendem Falle vor: Herr Corbeſier verkaufte dem Herrn Demol ein Drittel eines National⸗Gutes, welches er angeſteigert hatte. Der Kauf⸗ Contraet enthielt keinen beſtimmten Kauſpreis, ſondern nur eine Clauſel, wodurch ſich der Erwerber verband, das ihm übertra⸗ gene Drittel weder zu verkaufen, noch zu veräußern, bevor die Schuld⸗Bekenntniße, die der Verkäufer zu Gunſten des. Staates unterzeichnet hatte, gaͤnzlich bezahlt ſeyn wuͤrden. Im Meſſidor 12. J.(Junins— Julius 1804) ließ Demol den Contraet transſeribiren; der Hypotheken⸗Bewahrer unterließ die Eintragnng, die er von Amts wegen haͤtte vornehmen ſollen. Kurze Zeit hernach verkaufte Demol den unzertheilten ihm zugehörigen Antheil an dem in Frage ſtehenden Gute, für eine beſtimmte Summe, die ihm auf der Stelle bezahlt wurde, an Herrn Levaec, und ſubrogirte dieſen in alle ſeine Rechte. Tor⸗ beſier hatte die Schuldſcheine bezahlt, und konnte folglich die Gültigkeit dieſes Verkaufes nicht beſtreiten; er behauptete aber, das Hrittel dieſer Schuldſcheine mache den Kaufpreis aus, wel⸗ — z70 M. Buch XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Freylich kann ein Dritter, der während der ſechtzig Ta⸗ ge, die den Miterben geſtattet ſind, um die Inſcription zu befördern, mit den andern Miterben contrahirt, und keine ———— ches Demol ihm nicht zurückerſtattet habe, und deßwegen be⸗ langte er Levac zur Zahlung. Das Civil⸗Gericht von Brüſel verurtheilte den Levae zu vieſer Zahlung; weil er in die Rechte ſeines Verkäufers eingeſetzt worden ſey, und folglich auch alle Verbindlichkeiten deſſelben er⸗ füllen muͤſſe. In der Appellativns⸗Inſtanz bezog ſich der Appellat Corbeſier auf die vou ſeinem Erwerber nachgeſuchte Transſeription, die, wie er behauptete, als Sintragung von Amrs wegen zu ſeinen Gunſten gelte; wogegen Levne ausführlich zeigre, daß weil in dem zwiſchen Corbeſier und Demol zu Stande ge⸗ kommenen Kauf-Contraete kein beſtimmter Kaufpreis bemerkt ſey, auch Corbeſier keine Inſeription genommen habe, derſelbe mit keinem Privilegium verſehen ſey; oder falls er eines gehabt hätte, ſelbiges durch ſeine Nachläſſigkeit verloren habe. Wirk⸗ lich wieß auch der Appellations⸗Hof am 17. Maͤrz 1806 den Corbeſier mit ſeiner Klage gegen Levae aus folgenden Gründen ab, 1) weil der Art 2103 dem Verkäufer ein Privilegium auf das verfaufte unbewegliche Gut wegen der Zahlung des Kaufpreiſes ertheilt; 2) weil deſſen ungeachtet, nach dem Art. 2106, die Privilegien auf die Immobilien nur in ſo fern Wirkung haben als ſie durch Eintragung in die Hypothe⸗ ken ⸗Regiſter oͤffentlich kund gemacht worden ſind; 3) weil der Art. 21os, indem er feſtſetzt, daß die Transſeriptivn in Hinſicht des Verkaͤufers als Eintragung gelte, zu gleicher Zeit vorſchreibt, daß aus dem trausſeribirten Contraete ſich ergeben müſſe, daß der Kaufpreis noch ganz oder zum Theile zu zahlen ſey; weil 4) eben dieſer Artikel ſogar fordere, daß der Hypotheken⸗Bewahrer die aus dem Kauf⸗Coutraete zum Vortheile des Verkäufers eut⸗ ſpringenden Forderungen den Regiſtern eintrage„ und den Bewahrer, falls er dieſe Eintragung vernachläſügt, gegen dritte Perſonen verantwortlich erkläre; woraus folge, daß im Falle der Nicht⸗Eintraguns von Amts wegen, ein Drirter, ſo oft er gegen den Verkaͤufer verbunden ſeyn kann, ſeinen Regreß gegen den Bewahrer wegen ſeiner Nachläſſigkeit haben müſſe; §) weil der zwiſchen Corbeſter und Demol geſchloſſene Kauf⸗ Contraet keinen beſtimmten Preis, des letzterer zu zahlen habe, ausdrucke im Gegentheile den 3weifel übrig laſſe, ob Demel UI. Buch. Xvm. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. a: Inſcription zum Nachtheile dieſes letztern ſieht, hintergangen werden; allein, dieß iſt eine nothwendige Folge der Modifi— ficatien, die die Allgemeinheit des Syſtems durch einige be⸗ ſondere Gerechtigkeits-Regeln erleidet.*). Art. 2110.„Baumeiſter, Bau⸗Unternehmer, Maurer, und andere Werkmeiſter, die gebraucht worden ſind, um „Gebäude, Canäle oder andere Werke zu bauen, wiederauf⸗ gleich zur Zahlung irgend eines Preiſes gegen Corbeſier verpflich⸗ tet ſey, woraus dann 6) hervorgehe, daß, da der Hypotheken⸗ Bewahrer keine Eintragung von Amtsw egen habe thun konnen, der Verkäufer es ſich zurechnen müſſe, daß er im Vet— kauf⸗Aete keinen Vorbehalt gemacht hube, und folglich den Kaufpreis vom zweyten Erwerber nicht habe fordern können, auf den das Gut zur Seit als er ſeinen Erwerbungs⸗Aet habe trans⸗ ſeribiren laſſen, frey uͤbergegangen ſey, ſo daß Corbeſier gegen Levac keinen Rechtsgrund zu klagen habe. Journ. d. aud. etc. 1306, im Auhange p. 159 u. f. Uebrigens iſt es wohl keinem Zweifel unterworfen, daß die im vorliegenden Artikel verordnete Etntragung von Amts wegen den auf das verkaufte Gut nicht inſeribirten Gläubigern des Verkäu⸗ fers ſelbſt dann nicht nütze, wenn er auch im Contracte den Erwerber angtwieſen haͤtte, ſie aus dem Kauſpreiſe für ihre Forderungen zu befriedigen, und daß dieſer Anweiſung ungeach tet die inſeribirten Gläubiger des Verkäufers vorzugsweiſe vor lenen aus dem Kaufpreiſe bezahlt werden müſſen. So entſchied die Civil-Section des Caſſations⸗Hofes am 22. April 1807 in der Sache Halbvut und Hayes wider Bazin⸗Hucl os, iwar unter der Herrſchaft des Geſetzes vom 11. Brumaire 5 J., aus Gründen aber, die auch noch jetzt allerdings geltend ſeyn wuͤrden. Jurispr. de la C. de C, 1807, p. 230 u. f. V. * Die Eintragung, wovon in dieſem Artikel die Rede iſt, hat der Miterbe, dem etwas herausgegeben werden muß, ſelbſt zu befördern; auf ſein Betreiben, heißt es ja im Artikel Uebrigens haben die Ausbrücke: während dieſer Zeit kann keine Hypothek Statt haben, bloß dieſen Sinn, daß Hypotheken, die ein Miterbe, welcher den andern herausgeben muß, in dem, ſeinem Loſe angefallenen oder ange⸗ ſteigerten Gute, fremden Perſonen binnen den ſechszig Tagen 72 Ul. Buch. XvIM. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. zubauen oder auszubeſſern, und diejenigen, welche um ſie „zu zahlen, oder ihre Auslage wieder zu erſtatten, Geld „geliehen haben, deſſen wirkliche Verwendung gehoͤrig con⸗ „ſtatirt worden iſt, erhalten durch die doppelte Eintragung 1) des Verbal⸗Prozeſſes, wodurch die Beſchreibung der „Orte aufgenommen wurde, und 2) des Verbal⸗Prozeſſes „liber die Aufnebmung der gefertigten Arbeit, ihr Privile. „gium von dem Tage, da der erſte Verhal⸗Prozeß einge⸗ „tragen worden iſt.* Iſt der erſte Verbal⸗Prozeß eingetragen, ſo ertheilt die⸗ ſet ſchon denjenigen, die mit dem Eigenthuͤmer contrahiren wollen, hinlaͤngliche Nachricht von den Forderungen, welche die Baumeiſter u. ſ. w. haben können⸗ Ueber dieſes Privilegium der Baumeiſter ꝛc. ſehe man das Répertoire de jurisprud. v. Privilege, Rousseaud, v. Fub- rogation, n. 16, und die Art. 12 und 13 des Geſetzes vom Brumaire⸗ Art. 2117.„ Glaͤubiger und Legatare, welche in „Gemäßheit des 878. Artikels unter dem Titel von der Suc⸗ „ceſſion auf Abſonderung des Vermögens des Verſtorbenen „antragen, erhalten wider die Gläubiger der Erben oder „Repräſentanten des Verſtorbenen ihr Privilegium in Hin⸗ „ſicht der Immobilien der Erbſchaft durch Eintragungen auf „ein jedes dieſer Güter, in ſo fern ſie in den erſten ſechs „Monaten, von dem Anfalle der Succeſſion anzurechnen, geſchehen ſind⸗ „Por Ablauf dieſer Zeitfriſt können die Erben oder Re⸗ „präſentanten zum Nachtheile dieſer Gläubiger oder Legatare ſtellt, oder auf dieſes Gut binnen der nehmlichen Friſt von Fremden eingetragen werden; dem Privilegium desjenigen Mit⸗ erben nicht ſchaden, welchem etwas herausgegeben werden muß. Hätte aber dieſer die vorgeſchriebene Friſt verſtreichen iaſſen, ohne die Eintragung zu befördern! ſo würden die binnen der nehm⸗ chen Friſt errichteten und eingetragenen Hypotheken ſelbſt gegen den Niterben ihre ganie Wirkung haben. III. Buch. XVl. Süt. Von Privilegien und Hypotheken. 373 „keine Hypothek, die gleich zur Wirkſamkeit komme, auf „dieſe Guͤter ertheilen.» Dem Art. 880 zu Folge ſind die Gläubiger des Verſtor⸗ benen befugt, während drey Jahre auf die Abſonderung ſeiner Mobilien von jenen des Erben, und auf jene der Im⸗ mobilien ſo lange anzutragen, als ſie ſich in der Hand des Erben befinden. Etwas ſchwer hält es, den Beweggrund dieſes Artikels mit dem Unſrigen zu vereinigen. Inzwiſchen kann man ſagen, daß die Hypothek beſtehen könne, weun ſchon das Eigenthum demjenigen, zu deſſen Nachtheile es beſchwert worden iſt, gewiſſermaßen benommen wird.*) * Unter dem Ausdrucke: Privilegium der Gläubiger oder Legatarien an den Immobilien der Erb⸗ ſchaft, wird, wie Herr Tarrible im Répert. de jurispr. a. a. St. Ject., 9. 6, n. 2, ſagt, und kann nichts anderſt verſtanden werden, als das Recht, ſich aus dieſen Immobilien vorzugsweiſe vor den perſonlichen Glaͤubigern des Erben bezahlt zu machen. Wirklich ſteht dieſes Privilegium der Maſſe der Legatarien und Gläubiger eines Nachlaſſes, ohne Unterſchied, ob ſie Hypothekar⸗oder Chyrographar-Gläubiger ſind, zu, und wird gegen alle Gläubiger des Erben zuſammengenommen geltend gemacht; inzwiſchen verſteht es ſich von ſelbſt, daß dem Range der Erbſchafts⸗Gläubiger unter ſich hiedurch kein Abbruch ge⸗ ſchieht, ſo wie dann auch die Hypothekar⸗Gläubiger des Nach⸗ laſſes; wenn gleich die im vorliegenden Artikel vorgeſchrie⸗ bene Formalität nicht beobachtet wird, ihre Rechte an den ihnen verſchriebenen Immobilien des Verſtorbenen ungekränkt beybehalten. Kann indeſſen das Privilegium, wovon hier die Rede iſt, nur mittelſt Eintragungen auf jebes unbewegliche Gut binnen den ſechs Monaten von der Eröffnung der Erbſchaft angerechnet, erhalten werden, fo iſt die Folge richtig, daß es wegen Mangel einer Eintragung binnen der vorgeſchriebenen Friſt verloren iſt, daß die Gläubiger des Nachlaſſes auf keinen Vorzug vor den perſoͤnlichen Gläubigern des Erben mehr Anſpruch machen, und letztere mit den erſtern bey der Vertheilung des Preiſes der Immobilien der Erbſchaft nach der allgemeinen Rang⸗Ordnung der Hypotheken coneurriren können; endlich, daß nach Ablauf dieſer Friſt die Glaͤubiger der Stbſchaft nicht mehr auf die Ab⸗ ſonderung des Vermögens mit Nutzen antragen, oder die Wir IV. Malev. 18 a½ IM. Buch. XVlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken⸗ Art. 2112.»Diejenigen, welche durch Uebertragung „zu dieſen verſchiedenen privilegirten Forderungen gelangt „ſind, haben insgeſammt dieſelben Rechte, wie die Ceden⸗ „ten, an ihrer Stelle und nach ihrer Rang⸗Ordnung aus⸗ „zuüben.» Art. 2113.„Alle privilegirte, der Formalität der Ein⸗ „tragung unterworfene Forderungen, in deren Hinſicht die „hier oben vorgeſchriebenen Bedingungen zur Aufrechthaltung „des Privilegiums nicht beobachtet worden ſind, hören gleich⸗ *wohl darum nicht auf, hypothekariſche Forderungen zu ſeyn; „aber die Hypothek datirt ſich in Beziehung auf dritte Per⸗ „ſonen nur von dem Tage an, da man ſie eingetragen ha⸗ „ben wird, wie hierunten erklaͤrt werden ſoll. v tungen, die ſie davon erwarteten, erhalten können, wenn ſchon die Immobilien noch in den Händen des Erben ſind. So be⸗ ſchwerlich es alſo auch iſt, ſetzt Herr TDarrible hinzu, die Art. 880 und a111 zuſammen zu vereinigen, ſo koͤnnen wir doch verſichern, daß, wenn unter beyden keine Antimonie im eigent⸗ lichen Sinne iſt letzterer wenigſtens den erſtern modifieirt; und es vernünftiger iſt, die Schwierigkeit dadurch zu umgehen, daß man die vorgeſchriebene Eintragung vornehmen läßt! als Gefahr aufen, in Prozeſſe verwickelt zu werden. Dem vorliegenden Artikel zu Folge entſchied zwar der Appel⸗ lations⸗Hof von Nismes am 28. März 1806 in der Sache des Johann Daumas und der Louiſe Bviſſier wider Mareus Anton Daumas, daß die Formalität der Eintragung binnen ſechs Monaten von Eröffnung der Erbſchaft, oder falls ſie vor der Verkündung des Geſetzbuches Napoleons eröffnet worden ſey, vinnen ſechs Monaten von der Verkuͤndung dieſes Geſetzbuches angerechnet, auch dazu erforderlich ſey, um der Frau ihre ge⸗ ſetzliche Hypothek an den Gütern ihres Mannes! und die Be⸗ fugniß auf die Abſonderung des Vermögens des Verſtorbenen von jenem des Erben anzutragen, aufrecht zu erhalten. Journ. g. aud. ete. 1806 im Anhange„. 155 u. f. Man ſehe indeſſen die Note beym Art. 2135 zu 1 B m. Buch. XvlII. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. ays Man kann Hypothekar⸗Gläubiger ſeyn, ohne privilegir⸗ ter Glaͤubiger zu ſeyn.*) *) Privilegten an Immobilien ſind im Grunde anderſt nichts, als privilegirte Hypotheken. Deßwegen heißt es auch im vorliegen⸗ den Artikel: Alle privilegirte„Forderungen„hören deßwegen nicht auf, hypothekariſche Forderungen zu ſeyn ꝛe⸗ Der unterſchied zwiſchen einem Privilegium und einer Hypothek beſteht bloß darin, daß letztere nur einen Grad von Vorzug, nehmlich vor den Chyrographar⸗Glaͤubigern hat, dagegen erſteres deren zwey hat, vor den Chyrographar⸗nehmlich, und ſelbſt vor den Hypothekar⸗Glaͤubigern. Man ſieht hieraus leicht ein, wie eine Forderung aus einer privilegirten zu einer bloßen hypothe⸗ kariſchen werden kann. Da indeſſen dieſe Hypothek weder ver⸗ tragsmaßig noch gerichtlich iſt, und ihre Kraft einzig vom Ge⸗ ſetze erhält, ſo gehoͤrt ſie auch unſtreitig zur Claſſe der geſetzli⸗ chen, hat aber auch bloß an jenen Immobilien Statt, woran urſprünglich das Privilegium zuſtand. Man bemerke inzwiſchen wohl, daß unſer Artikel von pri⸗ vilegirten und der Formalität der Eintragung unterworfe⸗ nen Forderungen ſpricht. Veyſpiele hievon ſind in den Art⸗ 2109 und 2110.— Anderſt verhaͤlt es ſich mit dem Rechte der Gläubiger und Legatarien, auf Abſonderung des Vermögens des Ver⸗ ſtorbenen von jenem des Erben anzutragen. Dieſes Recht ertheilt den Gläubigern eines Nachlaſſes keine Hypotheb an den zur Nach⸗ laſſen ſchaft gehörigen Guͤtern, ſondern bewirkt nur, daß die per⸗ ſönlichen Gläubiger des Erben von der Coneurrenz an jenen Guͤtern ausgeſchloſſen werden. Daß es kein hypothekariſches Recht iſt, geht ſchon daraus hervor, weil es nur ſo lange aus⸗ geuͤbt werden kann, als die Immobilien ſich in den Händen des Erben befinden. Laſſen alſo die Glaͤubiger des Nachlaſſes die ihnen vorbeſtimmte Zeit verſtreichen, ſo behält zwar jeder das ſeiner Forderung urſprünglich anklebende Recht bey; aber die Gläubiger des Erben coneutriren nun mit den Chyrographar⸗ Gläubigern des Verſtorbenen in dem Preiſe des zur Nachlaſſen⸗ ſchaft gehörigen Vermoͤgens. B. a6 M. Vuch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Drittes Capitel. Von den Hypotheken. Art. 2114.» Die Hypothek iſt ein dingliches Recht an „Immobilien, welche beſtimmt ſind, um für die Erfüllung „einer Verbindlichkeit zu haften⸗ „Sie iſt ihrer Natur nach untheilbar, und erſtreckt ſich „ganz auf alle Immobilien, welche damit behaftet ſind, ſo „wie auf jedes einzeln genommen, und auf jeden Theil die⸗ „ſer Immobilien. „Sie folgt den Immobilien, in was für Haͤnde ſie immer „übergehen mögen.« In der Einleitung zu dieſem Titel haben wir die Natur und die Wirkungen der Hypothek hinlänglich auseinander⸗ geſetzt. Der zweyte Theil dieſes Artikels iſt weiter nichts als die Ueberſetzung der bekannten Regel: hpotheca est tota in toto, et tota in qudlibet parte. Das Recht des Hypothe⸗ kar⸗Glänbigers, ſeine Hypothek gegen jeden BVeſitzer geltend zu machen, wird im§. 7. inst. de action. angezeigt. Art. 2115.»Die Hypothek hat nur in den durch das „Geſetz beſtimmten Faͤllen, und nach den hierin vorgeſchrie⸗ „benen Formen Statt⸗⸗ Art. 2116.„Sie iſt entweder geſetzlich, oder gerichtlich, „oder vertragsmaͤßig.« Art. 2117.»Geſetzlich nennt man diejenige Hypothek, „die aus dem Geſetze entſteht. „Eine gerichtliche Hypothek iſt diejenige, welche aus „Urtheilen oder gerichtlichen Acten entſpringt., „Eine vertragsmaͤßige Hypothek iſt dieienige, welche „von Verträgen und der aͤußern Form der Acte und Con⸗ „tracte herrührt.« Art. 2118.»Gegenſtände einer Hypothek können nur * ſeyn, 4 ——— IM. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 277 »1) Unbewegliche Guͤter, die im rechtlichen Verkehr ſind, *und ihr Zugehör, das für unbeweglich geachtet wird; 2) Der Nießbrauch an eben dieſes Gütern und ihrem „Zugehör, ſo lange der Nießbrauch dauert. ⸗ Um zu wiſſen, was unbeweglich, oder Zugehoͤr einer unbeweglichen Sache ſey, muß man den Tit 1 des B. 2 dieſes Geſetzbuches nachſehen.*) *) Güter, die nicht im rechtlichen Verkehr ſind, bezeichnet der Art. 538 unter der Benennung von Gütern, die kein Pri⸗ vat⸗Eigenthum ſeyn können, und rechnet hieher die Wege ꝛc. Alle dieſe Güter, ſetzt eben dieſer Artikel hinzu werden als Zugehoͤr des Staats⸗Eigenthums betrachtet. Der Art 540 erklaͤrt ebenfalls, daß die Thore, Mauern, Kriegs⸗ Plätze und Feſtungen einen Theil des Staats⸗Eigenthumes aus⸗ machen. Nur ſolches Staats⸗Eigenthum kann kein Gegenſtand einer Hypothek werden, welches kein Privat⸗Eigenthum ſeyn kann. In der That gibt es andere Güter, die dem Staate zugehoͤren, z. B. Landgüter, Gebäude, die zwar, ſo lange ſie in den Hän⸗ den des Staates bleiben, nach eigenen Vorſchriften, wie es im Art. 537 heißt, verwaltet werden, und nur unter Veobachtung eigener Formen veräußert werden können, die aber doch Privat⸗ Eigenthum werden, und als ſolches zur Hypothek geſtellt wer⸗ den können. Beſchwerlicher möchte es indeſſen ſeyn, dasjenige richtig zu beſtimmen, was das Geſetz durch unbewegliche Güter, und ihr Zugehör, das fuͤr unbeweglich gehal⸗ ten wird, verſtehe.„uUnbeweglich, ſagt der Art. 517, ſind die Güter, entweder ihrer Natur nach, oder zu Folge ihrer Beſtimmung, oder in Hinſicht des Gegenſtandes, worauf ſie ſich beziehen« Geht man aber die Gegenſtände durch, die in den Art. S1½, 519, 520, 521, 523, 524 und„s zu jeder dieſer drey Claſſen gerechnet werden, ſo wird man einſehen, daß die unbeweglichen Guͤter, wovon unſer Artikel ſpricht, jene ſind, die man ihrer Naturnach unbeweglich nennt, und daß man unter ihr Zugehör, das für unbeweglich ge⸗ halten wird nichts anderſt als jene Guͤter verſteht, diezuFol 8e ihrer Beſtimmung un beweglich genannt werden. Kann dieſe letztere Gattung von Gütern nun auch der Gegenſtand einer Hypothek ſeyn, ſo muß man doch nicht glauben, daß 7 M. Buch. FVIMI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Die T. 11, 5, 2„ H d⸗ pign. et hypoth. entſcheidet ebenfalls, daß der Nießbrauch ein Gegenſtand einer Hypothek ſeyn kann⸗ eine ſolche Hypothek die nehmliche Kraft“ und die nehmlichen Wirkungen wie jene: habe, die in ihrer Natur nach unbeweg⸗ lichen Gütern geßtellt wird. Man kann ſich nicht verhehlen, daß z. B. Vieh welches der Eigenthuͤmer zum Ackerbau beſtimmt hat, das Geräth, welches er zum Gebrauche ſeiner Fabriken beſtimmt hat, kein unbewegliches Gut iſt; wird es für unbeweg⸗ lich gehalten, ſo geſchieht es nur deßwegen, weil es ſo zu ſagen dem Grundſtucke einverleibt iſt, deſſen Erzeugniße nur mit ſeiner Beyhuͤlfe entſtehen können— eine Fietion, die doch uur in ſo ſern Statt haben kann, als ſolche Gegenſtände mit dem Grund⸗ ßücke ſeldſt vereinigt bleiben. Ausdrücklich heißt es ja im Art. Faa, in Anſehung des Viehes, welches der Eigenthuͤmer eines Grundſtückes dem Pächter zum Bau deſſelben überliefert,„ es werde nur ſo lange für unbeweglich gehalten, als es zu Folge des Vertrages bey dem Grundſtücke bleibt.“ Das nehmliche gilt nothwendig in Betreff aller andern Gegenſtaͤnde, die zum Bau oder zur Benutzung eines Grundſtückes beſtimmt, ſelbſt in Be⸗ treff der Materialien, die einem Gebäude einverleibt ſind. Alle dieſe Gegenſtände werden, ſo lange ſie bey dem Grundſtücke bleiben, oder ihm einverleibt ſind, fuͤr unbeweglich gehalten⸗ oder ſind es, wie der Boden, worauf das Gebäude ruht; und die Wirkung hievon iſt daß ſie während der nehmli⸗ chen Zeit den nehmlichen Regeln, wie die wahren Immobilien unterworfen ſind, folglich eben ſo wie die unbewegliche Sache, wozu ſie gehören, zur Hypothek geſtellt werden können, daß ihre Vergantung, wenn ſie Statt findet, nach den nehmlichen Formen betrieben werden muß und die Vertheilnng der daraus gelö⸗ ſen Kaufgelder auf die nehmliche Art Statt hat. Nimmt aber der Eigenthuͤmer das Vieh oder das Geräth von ſeinem Grund⸗ ſtücke weg, um es zu verkaufen oder auf eine andere Art auf einen dritten zu übertragen; nimmt er Materialien von ſeinem Gebaͤude ab, und verkauft ſie, ſo iſt die Beſtimmung veraͤndert⸗ der Gegenſtund hört auf, zum Bau oder zur Benutzung des Grundſtückes beſtimmt zu ſeyn, nimmt im nehmlichen Augenblicke ſeine urſprüngliche Eigenſchaft einer beweglichen Sache wieder on, und kann in den Haͤnden eines dritten Erwerbers nicht vzriolut werden. Höchſtens konnte eine ſolche Abſonderuns des UM. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 275 Der Art. 6 des Geſetzes vom Brumaire ſetzte den Genuß Kraft eines Erbpacht⸗Rechtes hinzu, ſchloß aber die conſti⸗ beweglichen vom unbeweglichen als eine Verſchlimmerung des hypotheſirten Gutes angeſehen werden, die den umſtaͤnden nach den Gläubiger berechtigte, in Gemäßheit des Art. arzr ſeine Zahlung oder einen Zuſatz zur Hypothek zu verlangen. Denkt man der Sache weiter nach, ſo kann man ſagen, daß dieſe Gattungen von Gütern für ſich allein nicht zur Hypothek geſtellt werden können, ſondern nur mit dem Grundſtücke, deſſen Zugehoͤr ſie wirklich ausmachen. Was ſollte in der That eine Hypothek heißen, die ganz allein in Vieh, welches zum Acker⸗ bau beſtimmt iſt, oder ganz allein in Materialien, woraus das Dachwerk eines Gebäudes beſteht, geſtellt würde? Durchaus wäre eine ſolche Hypothek der Natur dieſes Rechtes, und dem Geiſte des Geſetzes zuwider; Vieh, ſelbſt Materialien, die einem Ge⸗ bäude einverleibt ſind, haben weder jene Feſtigkeit noch Unbe⸗ weglichkeit, worauf das hypothekariſche Pfand beruhen muß. Als das Geſetz beſtimmen wollte, welche Güter der Gegenſtand einer Hypothek ſeyn könnten, hat es vorzüglich die wahren Im⸗ mobilien bezeichnet; hat es ſeine Blicke bis auf die zum Grund⸗ ſtuͤcke gehörigen Mobilien geworfen, ſo geſchah es nur darum, weil es ſie als Zugehör des Grundſtuͤckes anſah; es wollte alſo, daß die auf das Grundſtuͤck gelegte Hypothek ſich auf das wirk⸗ lich ſich darauf befindliche Zugehör erſtrecken ſollte, ſeine Abſicht war aber nicht, daß man das Zugehör von der Haupt⸗ ſache ſollte abſondern, und auf dieſes fluͤchtige Zugehoͤr eine Hypothek ſollte legen können, deren Exiſtenz nothwendig an die Unbeweglichkeit des Gegenſtandes, worauf ſie beruht, geknüpft iſt. Das Reſultat von allem dieſem iſt, daß das Zugehör, wel⸗ ches für unbeweglich gehalten wird, ein Gegenſtand der Hypo⸗ thek in dieſem Sinne ſeyn kann, daß es in der auf das unbe⸗ wegliche Gut, wozu es gehört, gelegten Hypothek begriffen wird, und dieſer Hypothek unterworfen iſt, ſo lange es mit dem hypotheſirten Grundſtuͤcke vereinigt bleibt; ſobald es aber aus irgend einer Urſache vom Grundſtücke abgeſondert wird, um aus den Händen des Eigenthümers in andere über zu gehen, ſo verliert es ſeine fietive Unbeweglichkeit, die Hypothek, womit es beſchwert war, verſchwindet, und in fremden Händen kann es nicht mehr veyfolgt werden, e III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 4 tuirten Renten ſowohl als die Grund⸗Renten und alle an⸗ 3 dere Präſtationen, die das Geſetz lösbar erklärt hat, da⸗ 1 von aus. Wie verhält es ſich aber mit den Gütern, die in Hinſicht des Gegenſtandes, warauf ſie ſich beziehen, unbe⸗ 3 weglich genannt werden— mit Servituten und Klagen? f Servituten können für ſich allein genommen, nicht zur Hy⸗ vothek geſtellt werden; das Recht einer Grund⸗Dienſtbarkeit klebt dem dazu berechtigten Gute an, und laͤßt ſich nicht, ohne zu verſchwinden, davon abſondern Allerdings kann der Eigen⸗ thuͤmer deſſelben das Gut, mit dem Rechte der Dienſtbarkeit, aber dieſes Recht ſür ſich allein nicht verſchreiben. Denn ſollte die verſchriebene Dienſtbarkeit, kz. B. das Recht über das Grundſtück eines andern zu gehen, verkauft werden, ſo könnte es ja niemand kaufen, weil der Eigenthümer des dienſt⸗ baren Gutes nur dem zur Dienſtbarkeit berechtigten Gute die Ausübung derſelben geſtatten muß, und folglich nicht angehalten werden kann, ſie einem andern als dem Eigenthümer dieſes letz⸗ tern zu geſtatten. Was die Klagen betrifft, die eine unbewegliche Sache zum Gegenſtande haben, muß man diejenigen, die auf ein abſolutes Eigenthums⸗Recht gesründet ſind, von jenen unterſcheiden, die nur aus dem Rechte, ein veräußertes Eigenthum wieder zu er⸗ langen entſpringen. Der Eigenthümer eines unbeweglichen Gu⸗ tes iſt z. B. ſeit Jahr und Tag gewaltthaͤtiger Weiſe entſetzt worden; ein rechtmäßiger Erbe, deſſen Daſeyn unbekannt war, kommt zum Vorſchein, und findet die Erbſchafts⸗Guͤter in den Händen eines entferntern, nicht erbfähigen Verwand⸗ ten; zuverläßig hat ein ſolcher entſetzter Eigenthuͤmer, ein ſolcher anerkannter Erbe, eine auf das bloße Eigenthums⸗Recht gegründete Klage, um die ihm zugehoͤrigen Immobilien zu vin⸗ dieiren. Aber die Klage, die einem verletzten Verkäufer zuſteht, um den Kauf aufloͤſen zu laſſen, die Klage, die die Auvübung des Wiederkaufs⸗Rechtes zum Gegenſtande hat, dergleichen Kla⸗ gen ſind nicht von der nehmlichen Natur, wenn ſie auch ſchon die Abtretung ener unbeweglichen Sache zum Zwecke haben. Bey dieſen Klagen iſt das Eigenthum rechtmaͤßig veräußert wor⸗ den; nur haben die vorigen Eigenthümer das Recht, den Con⸗ traet auflöſen zu laſſen, und ſelbſt dieſe Auflöſung iſt gewiſſen Bedingungen untergeordnet, von deren Erfuͤllung ihr Erfolg abhängt. — IM. Buch. FVIII. Tit. Pon Privilegien und Hypotheken. 231 Ich ſehe jedoch nicht ein, warum eine Grund⸗Rente, die einer Uebereinkunft zu Folge, wie dieß der Art. 630 erlaubt, Dieſen Unterſchied vorausgeſetzt, nehme man den Art. 2125 zur Hand, und man wird ſich leicht überzeugen, daß eine Klage an ſich ſelbſt kein Gegenſtand einer Hypothek ſeyn könne, daß aber derjenige, dem die Klage zuſteht, das unbewegliche Gut, deſſen Gegenſtand ſie iſt, zu hypotheſiren befugt ſey. Die Klage an und für ſich ſelbſt kann kein Gegenſtand einer Hypothek ſeyn; ſie iſt nur ein unkörperliches Recht, das weder ein u nbeweg⸗ liches Gut iſt, noch ſeyn kann. Noch mehr, es gibt Klagen, wie z. B. jene auf Aufhebung eines Verkaufes wegen Verletzung von mehr als ſieben Zwölftel, die, wenn ſich der Erwerber ent⸗ ſchließt, den rechtmäßigen Preis zu ergänzen, am Ende nur Geld⸗Summen hervorbringen, die doch wahrlich nie der Sitz einer Hypothek werden können. Das unbewegliche Gut aber, welches den Gegenſtand der Klage ausmacht, iſt die eigentliche Materie, worauf eine Hypothek ange⸗ legt werden kann. Der, dem die Klage zuſteht, kann es, mit Vorbehalt der Modificationen, die aus der Natur der Klage und aus ihrem Grunde entſpringen können, gerade zu hypotheſiren. Iſt er wirklicher Eigenthuͤmer, ſein Eigenthums⸗Recht unſtreitig, und er hat nur den Beſitz wiederzuerlangen, ſo kann er das zu vindicirende Gut wirklich zur Hypothek ſtellen, und dieſe Hypo⸗ thek wird keiner Bedingung untergeordnet ſeyn; eben ſo kann auch der Verkaͤufer unter der Clauſel des Wiederkaufes, oder der über ſieben Zwölftel des wahren Werthes verletzt iſt, das verkaufte Gut verſchreiben; da aber die Auflöſung des Verkau⸗ fes, und die Rückkehr des Eigenthums im ſeine Hände verſchie⸗ denen Bedingungen z. B. der Anſtellung der Klage binnen den vorgeſchriebenen Friſten, der vorläufigen Zurückerſtattung des empfangenen Kaufpreiſes, der vorhandenen Verletzung, der Zu⸗ ſtimmung des Erwerbers in die Abtretung des Gutes, unterge⸗ ordnet iſt, ſo iſt nothwendig die vom Verkaͤufer in dieſem Gute geſtellte Hypothek den nehmlichen Bedingungen unterworfen. Trüge es ſich zu, daß ebenfalls der Erwerber unter der Clauſel des Wiederkaufes, oder unter dem wahren Werthe, das erworbene Gut in der Zwiſchenzeit ſelbſt verſchrieben haͤtte, die Verletzung bewieſen würde, und der Erwerber ſich entſchlöſſe, das Gut abzutreten, ſo würde die von ihm darin geſtellte Hypo⸗ thek verſchwinden, jene aber, die der Verkäufer darin geſtellt 232 IMM. Buch. XvllI. Tit. Von privilegien und Hypotheken. vor Ablauf von dreyßig Jahren nicht loͤsbar iſt, nicht eben ſo ein Gegenſtand einer Hypothek ſeyn koͤnne, wie ein Nießbrauch, deſſen Dauer auf eine kürzere Zeit feſtgeſetzt werden kann⸗ hätte, vom Tage an, wo ſie geſtellt wurde, ihre Wirkung haben, dagegen im entgegengeſetzten Falle, wenn z. B. die Verletzung nicht erwieſen würde, jene, die der Erwerber darin geſtellt hat⸗ bey ihrer Kraft verbleiben, jene des Verkäufers aber hinweg⸗ fallen würde. Iſt auch uͤbrigens der, dem die Klage zuſteht! nicht im wirklichen Beſitze des Gutes, welches den Gegenſtand derſelben ausmacht, ſo wird⸗ es doch nicht als ein künftiges Gut angeſehen, das nach dem Art. 2129 nicht verſchrieben werden kannz denn, künftige Güter im Sinne dieſes Artikels ſind diejenigen, woran der Schuldner kein wirkliches Recht hat; dieß läßt ſich aber dann nicht ſagen wenn der Schuldner berechtiget iſt, die Abtretung eines Gutes ent⸗ weder Kraſt eines Eigenthums⸗Rechtes, oder Kraft der Clauſel des Wiederkaufes, oder wegen Verletzung zu verlangen. Was den Nießbrauch betrifft, dieſer kann zwar zur Hypothek geſtellt, verkauft und auch in den Händen eines jeden, dem er vom Nießbraucher uͤbertragen worden iſt, angegriffen werden; es verſteht ſich aber, daß die Hypothek ſich mit dem Nießbrauche endigt. S. Répertoire de jurisprud. N. Hypotlequs, Ject. 3, §. 3, art. 3. Dieſer ganze§. 3 hat ebenfalls den Herrn Tarrible zum Verfaſſer. So zuverläſſig es uͤbrigens iſt, daß dem vorliegenden Artikel zu Folge Mobilien kein Gegenſtand einer Hypothek mehr ſeyn können, ſo kann ich doch auch hier nicht unbemerkt laſſen, daß die seetion des requétes des Caſſations⸗Hofes am 17. Märs 1go7 in der Sache der Wittib Joulin wider die Syndiken der Fallit⸗Maſſe des Guichard die in Bretagne und einigen an⸗ dern Gegenden Frankreichs ehemahls geltenden Hypotheken an Vobilien durch das Geſetz vom 11. Brumaire 7. J. für die Zu⸗ kuuft ſowohl als für die verfloſſene Zeit für abgeſchafft, und un⸗ wirkſam ertlärt habe, weil, wie es in den Entſcheidungs⸗Grün⸗ den heißt, 1) die Mobilien unter den Gegenſtänden, die geſag⸗ tem Geſetze zu Folge allein der Gegenſtand einer Hypothek ſeyn können, nicht verzeichnet ſind, welches folglich ihre Ausſchließung bewirkt; weil 2) nach dem Art. 3, Lit 1 des nehmlichen Ge⸗ —— — m. Buch. XVIMI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. a3 Art. 2119.„ Bey Mobilien findet keine hypothekariſche „Klage wider einen dritten Beſitzer Statt.⸗ Von dieſer aus dem Art. 170 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris entlehnten Regel habe ich ſchon geſprochen.*) ſetzes eine Hypothek bloß unter dem Bedinge der Eintragung, in Hinſicht aller Forderungen vorhanden iſt, denen das Geſetz eine Hypothek beylegt; weil 3) dieſes Geſetz im Lit. 3, wo es ſich mit der Art beſchaͤftigt, die vorher exiſtirenden Hypotheken⸗ Rechte, ſelbſt an einer Gattung von Gütern, die in gewiſſen Theilen Frankreichs für beweglich gehalten wurden, z. B. an conſtituirten Renten, aufrecht zu erhalten, von bloßen Hypo⸗ theken an Mobilien, die es ſo eben abgeſchafft hatte, gar nicht ſpricht, und weil es 4) aus der Verbindung dieſer verſchiedenen Verfügungen, und aus dem ganzen Zuſammenhange des Geſetzes hervorgehe, daß die Hypotheken an Mobilien ſowohl für die ver⸗ floſſene Zeit als für die Zukunft nicht mehr Statt haben. Jurispr. de la C. de C. 1307. p. 158 u f. B⸗ *) Da der vorhergehende Artikel zwar nicht ausdrücklich, jedoch ganz zuverläſſig erklärt, daß in Mobilien keine Hypothek geſtellt werden kann, ſo moͤchte man beynahe glauben, daß die Ausdrücke, worin der vorliegende Artikel abgefaßt iſt, den Ge⸗ danken des Geſetzgebers nicht richtig bezeichneten. Wenn keine Hypothek, könnte man in der That ſagen: auf Mobilien gelegt werden kann, wozu bedarf es denn noch der unterſuchung, ob das Recht, eine hopothekariſche Klage deßhalb gegen einen drit⸗ ten Beſitzer anzuſtellen,(le droit de suite) auf Mobilien anwend⸗ bar ſey. Laßt uns indeſſen, ſagt Herr Tarrible a. a. D. n. s., die Abſicht des Geſetzes wohl auffaſſen. Nach der allsemei⸗ nen Regel koͤnnen Mobilien kein Gegenſtand einer Hypothek ſeyn, und folglich wird das aus ihrem Verkaufe gelöſte Geld verhaͤltnißmäßig unter alle Glaͤubiger, ohne Unterſchied, ob ſie hypothekariſche oder chyrographariſche ſind, vertheilt. Nichts⸗ deſtoweniger wiſſen wir a), daß es Privilegien an Mobilien gibt, und daß dieſe Privilegien die Wirkung haben, den Gläubigern, die damit verſehen ſind, einen Vorzug vor den übrigen Gläu⸗ bigern bey der Vertheilung des Kaufpreiſes beyzulegen. Auch haben wir b)(in der Note zum vorhergehenden Artikel) bereits geſeben, daß das Vieh, und das zur Benutzung eines Grund es4 UI. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2120.»Durch das gegenwärtige Geſetzbuch wird „an den Verfügungen der Seegeſetze in Beziehung auf See⸗ „ſchiffe und Fahrzeuge nichts geaͤndert.*) Erſter Abſchnitt. Von den geſetzlichen Hypotheken. Art. 2121.»Die Rechte und Forderungen, welchen „eine geſetzliche Hypothek beygelegt iſt, ſind ſtückes gehörige Geräth, obſchon es ſeiner Natur nach beweglich iſt, doch ſeiner Beſtimmung zu Folge für unbeweglich gehalten werde, ſo lange es bey dem Grundſtuͤcke verbleibt, und als ſol⸗ ches, mit dem Grundſtücke ſelbſt zur Hypothek geſtellt werden tönne. Hat indeſſen der Schuldner die Mobilien, woran je⸗ mand ein Privilegium hat, oder die zu Folge ihrer Beſtimmung für unbeweglich gehalten werden, veräußert; ſo koͤnnen ſie, (wenn man nur jene ausnimmt, womit ein Haus oder Pachthof beſetzt iſt, die der Eigenthuͤmer des Hauſes oder Pachthofes bey 33 dritten Perſonen in Beſchlag legen und von ihnen vindieiren kann, falls ſie ohne ſeine Einwilligung von Drt und Stelle ge⸗ bracht worden ſind,) in der Hand eines dritten nicht verfolgt werden.— Auf dieſe Mobilien alſo, woran jemand ein Privi⸗ legium hat, oder die zu Folge ihrer Beſtimmung für unbeweg⸗ lich gehalten werden, paßt ganz genau die in unſerem Artikel enthaltene Regel. B. *) Nach dem Art. 1, Lit 1 des B. 2 des Handlungs Geſetz⸗ buches ſind zwar die See⸗Schiffe, und andere auf der See ge⸗ braͤuchliche Fahrzeuge bewegliches Gut, gleichwohl haften ſie für die Schulden ves Verkäufers, und insbeſondere fuͤr jene, die das Geſetz für privilegirte Schulden erklärt. Was dieß für Schulden ſind, und wie ſie erwieſen werden müſſen, wird in den Art. 2 und 3 des nehmlichen Litels beſtimmt. Im Art. 7 heißt es ſo gar:„der freywillige Verkauf eines See⸗Schiffes, das auf einer Reiſe begrifftn iſt, gereicht den Gläubigern des Ver⸗ käufers zu keinem Nachtheile. Dem zu Folge bleibt das Schiff oder deſſen Kaufpreis der geſchehenen Veräuſterung ungchindert, den beſagten Gläubigern verhaftet, die ſogar, wenn ſie es für dienlich erachten, den Verkauf als betrüglich können. — im. Buch. XVIII. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. as5 „Jene der verheiratheten Frauen, an den Gütern ihrer „Maͤnner; »Jene der Minderjährigen und Interdicirten, an den „Glitern ihrer Vormuͤnder; „Jene des Staats, der Gemeinden und öffentlichen An⸗ „ſtalten, an den Gütern der zur Rechnungs⸗Ablage verpflich⸗ „teten Empfaͤnger und Verwalter.⸗ Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit der T. un. cod. de rei uw. act.—) * Der Grund der geſetzlichen Hypotheken überhaupt beſteht in dem beſondern Schutze, den die Glaͤnbiger, denen ſie verliehen werden, verdienen; jene, die den Frauen verliehen worden iſt, beruht nebſtdem auf den beſondern Verhältnißen, worin Ehegat⸗ ten untereinander ſtehen. Einer Seits hat der Geſetzgeber er⸗ kläͤrt, daß die Ehegatten ſich einander Treue, Oienſte, Beyſtand, man kann noch hinzuſetzen, ein unbegraͤnztes Zutrauen ſchuldig ſeyen; anderer Seits hat er die Frau unter den Schutz des Mannes geſetzt, und ihr Gehorſam gegen ihn anbefohlen. Nichts würde indeſſen dieſer Harmonie, dieſem Zutrauen, das unter Eheleuten herrſchen ſoll, mehr zuwider ſeyn, als die ſtrengen Vorſichts⸗Maßregeln, die ein gewöhnlicher Släubiger gegen ſei⸗ nen Schuldner ergreift, und die ihrer Natur nach einen Cha⸗ rakter von Mißtrauen, und ſogar von Feinbſeligkeit an ſich tragen. Dieſer mühſeligen Nothwendigkeit hat alſo der Geſetz⸗ geber die furchtſame und behutſame Frau entheben wollen, hat ihr Intereſſe unter ſeinen Schutz genommen, und ihr eine Hy⸗ pothek verliehen, die ihr weit ſtärkere Sicherheit gibt, als jene, womit ſich der rauheſte und wachſamſte Glaͤubiger verſehen könnte. Die geſetzliche Hypothek der Frauen erſtreckt ſich ubrigens auf alle Forderungen, die eine Frau an ihrem Manne zur Zeit der Heirath hat, oder bis zur Auflöſung der Ehe an ihm noch er⸗ werbeu mag, gleichviel aus welcher urſache ſie entſpringen, und ohne Unterſchied, ob ſie ſich nach Dotal⸗Rechten, oder nach den Grundſaͤtzen der ehelichen Süter⸗Gemeinſchaft geheirathet habe. Répertoire de Jurisprud. F. Myorheque, set. 2, 8. 3, ant. 4, 2. B. „86 II. Buch. XVI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Der zweyte mit der T. 20, cod. de admin. tut.*) Der dritte mit den TT. 28 und 46, F. de jure ſisci überein.**) In ganz Frankreich richtete man ſich nach dieſen Ge⸗ ſetzen. Art. 2122.„Ein Gläubiger, der eine geſetzliche Hypo⸗ „thek hat, kann ſein Recht an allen Immobilien, die ſeinem „Schuldner wirklich zugehören, und an denjenigen, die in „der Folge ihm zugehören mögen, geltend machen, unter „den Einſchränkungen, die hierunter ausgedruckt werden „ſollen.« Dieſes hier macht einen großen Unterſchied zwiſchen der geſetzlichen und vertragsmaͤßigen Hypothek aus, welche von *) Da der Mitvormund, und der Pro⸗Tutor, von welchen in den Art. 396 und 417 des G. N. die Rede iſt, wahre Vormün⸗ der ſind, ſo iſt es ungezweifelt, daß auch ihre Güter der geſetz⸗ lichen Hypothek unterworfen ſind. Intwiſchen veſchraͤnkt ſich aber auch dieſe Hypothek bloß auf die Guter derjenigen, die eine wirkliche Verwaltung führen; ſo iſt zwar a) der Vor⸗ mund eines Interdicirten ihr unterworfen, dagegen erſtreckt ſie ſich aber p) weder auf die Güter eines bloßen Curators⸗ wovon in den Art. 430 und 532 die Rede iß, noch e) auf die Güter eines Rathgebers, der einem Verſchwender, oder den umſtänden nach einem Schwachſinnigen vom Gerichte angeordnet wird. Was den Nebenvormund betrifft, ſehe man die Anmer⸗ kungen zum Art. 2135. B⸗ e Perſonen, die Rechnungspflichtig die Hüter gepfändeter oder in Be⸗ ſchlag genommener Sachen, Erben unter der Rechts⸗Wohlthat des Inventariums, Curatoren einer vacanten Erbſchaft! Syndi⸗ ren einer Fallit⸗Maſſe ꝛe. Da indeſſen kein Geſetz ihre Güter einer geſetzlichen Hypothek zu Gunſten der Perſonen unterwirft/ denen ſie Rechnung abzulegen ſchuldig ſind, ſo könuen dieſe auch darauf keinen Anſpruch machen. Répartoire de Jurisyrud. a a. O⸗ n. 4 B. *) Zwar gibt es noch mehrer ſind, z. B. die Segueſter m. Buch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 237 Rechts wegen nur ſpecial ſeyn, und folglich auf die zuktinf⸗ tigen Güter nicht wirken kann. Beyde Regeln ſind indeſſen ihren Einſchraͤnkungen unterworfen, die man weiter unten antreffen wird⸗ 3 weyter Abſchnitt. Von den gerichtlichen Hypotheken. Aro⸗ 2123.»Die gerichtliche Hypothek entſteht aus „Urtheilen, zum Vortheile desjenigen, der ſie erwirkt hat, »„ſie ſeyen auf Anhörung des andern Theils oder wegen »Nicht⸗Erſcheinens ergangen, definitiv entſcheidend oder pro⸗ »viſoriſch. Sie entſteht gleichfalls ans den bey Gerichte ge⸗ »ſchehenen Anerkennungen oder Unterſuchungen der Unterſchrif, »ten, die ſich bey einem unter Privat⸗Unterſchrift ausgefer⸗ „tigten verbindlichen Acte befinden. »Sie kann an den wirklichen Immobilien des Schuld⸗ »ners und an denjenigen, die er ſpäterhin erwerben mag, »geltend gemacht werden, jedoch ebenfalls mit Vorbehalt der »Einſchränkungen, welche hierunten ausgedruckt werden „ſollen.« »Schiedsrichterliche Entſcheidungen bewirken nur in ſo »fern eine Hypothek, als ſie mit einem gerichtlichen Be⸗ „fehle verſehen ſind, wodurch erklaͤrt wird, daß ſie vollſtreckt „werden ſollen⸗ „Urtheile, welche im Auslande ergangen ſind, können »gleichfalls nur in ſo fern eine Hypothek begründen, als ſis »von einem franzöſiſchen Gerichte erecutoriſch erklaͤrt ſind, »unbeſchadet jedoch der entgegengeſetzten Verfuͤgnungen, die »in den Staatsgeſetzen oder in den öffentlichen Vertraͤgen „enthalten ſeyn mögen.*) Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit dem Art.§3 der Ordonnanz von Moulins, und mit der Declaration über⸗ *) Siehe Art. 334 u. f. des G. i. d. r. V. i. C S. — — . . 223 1l. Vuch. XVlII. Tſt. Von Privilegien und Hypotheken. ein, welche Carl IX zur Erläuterung dieſer Ordonnanz er⸗ laſſen hat. Unſer Artikel ſpricht zwar im Allgemeinen von den Ur⸗ theilen; indeſſen muß man diejenigen, welche der Appellation unterworfen ſind, von jenen unterſcheiden, welche in letzter Inſtanz erlaſſen werden. Werden die der Appellation unter⸗ worfenen Urtheile reformirt, ſo verſchwindet die Hypothek, die ſie bewirkt hatten, und ſie wird ſo angeſehen, als wenn ſie nie exiſtirt hätte. Sogar verſichert Auzanet, daß es ſich in der Praxis ſo verhalte, wenn ſchon das der Appellation un⸗ terworfene Urtheil nicht im ganzen ſondern bloß zum Theile reformirt wird, und daß in dieſem Falle die Hypothek erſt vom Tage des Appellations⸗Urtheiles angerechnet, ihr Da⸗ tum erhalte. Wie es ſcheint, iſt Rouseaud, v. Hypothe- que, sect. 2, der nehmlichen Meinung; mir ſcheint indeſſen dieſes nicht gerecht zu ſeyn, und meines Erachtens müßte die Hypothek, in Anſehung jener Verurtheilungs⸗Puncte, die durch das Appellations-Urtheil beſtätigt worden ſind, von dem Tage des in erſter Inſtanz gefällten Urtheiles angerech⸗ net, datiren. Uebrigens wurde die Hypothek, nicht erſt vom Tage der Inſinuation der Urtheile, ſondern vom Tage an erworben, wo ſie ausgeſprochen wurden. S. Rodier, p. 572⸗ Was die Anerkennung oder Unterſuchung der Privat⸗Hand⸗ ſchriften betrifft, wurde die Hypothek nach der Vorſchrift des Art. 9 des Edictes von 1689 von dem Tage des Urtheiles an erworben, wodurch die Aechtheit der Handſchrift fuͤr bewieſen erklärt wurde— eine Verfügung, die mit dem Art. 107 des Gewohnheits-Rechtes von Paris übereinſtimmte: eben dieſer Artikel verlieh auch eine Hypothek von dem Tage an, wo eine Parten ihre Unterſchriſt bey Gericht abgeläugnet hatte⸗ vorausgeſetzt, daß die Handſchrift nachher anerkannt wurde; und dieß war allerdings gerecht, weil es in der Macht einer Partey nicht ſtehen muß, durch ihre Unredlichkeit die Erwer⸗ bung der Hypothek zu verzögern. Auch war dieſes, wie m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 236 Rodier, p. 239 ſagt, in der Praris angenommen, dagegen es ſich aber anders verhielt, wenn von der Anerkennung der Handſchrift eines Verſtorbenen die Frage war, die der Erbe ohne ſich einer Unredlichkeit ſchuldig zu machen, in Abrede ſtellen konnte*) *) Entweder erkennt der Schuldüer die unter einer Privat-Urkunde ſtehende Unterſchrift fuͤr die Seinige bey Gericht an, oder er läugnet ſie ab, es wird aber nachher bewieſen; daß es die Sei— nige iſt. Im erſten Falle wird nach dem Art. 194 des Geſetz⸗ buches ij. d. r. V. i C. S. dem Klaͤger hierüber im urtheile Aet(Be⸗ ſcheinigung) ertheilt; im zweyten Falle wird die Unterſchrift für die Seinige erklärt. In beyden Fällen iſt alſo ein Urtheil vorhan⸗ ben; wenigſtens vertritt im erſten Falle der Act, welcher dem Kläger über die geſchehene Anerkennung der Unterſchrift ertheilt wird, die Stelle eines Urtheiles. Ein ſolches urtheil ſetzt der vorherbeſtehenden Verbindlichkeit etwas hinzu, weil es die Syiſtenz derſelhen bezeugt, die vorher wegen Maͤngel der Au⸗ thenticität ungewiß war. Entſpringt indeſfen auch aus derglei⸗ chen Anerkennungen oder unterſuchungen der unterſchriften eine Hypothek, ſo folgt doch daraus noch keine wirkliche Verurtheilung zur Zahlung der ſchuldigen Summe. Daher entſtand die Frage, ob ein Gläubiger der ein Schuldbekenntniß unter Pribat⸗Unterſchrift in Händen hat, den Schuldner noch ehe die Schuld fällig iſt, oder ihre Zahlung gefordert werden kann, belangen könne, um die Unterſchrift anzuerkennen, und ſobald dieſes geſchehen, oder die Unterſchrift für ächt erklaͤrt worden iſt, das daruͤber erhaltene urtheil in die Hypotheken⸗Regiſter eintragen laſſen könne, um ſich von dieſem Tage an, ein Vorzugs⸗Recht vor nachherigen Gläu⸗ bigern zu verſchaffen. Unter dem Geſetze vom 11. Brümaire 7. J. ſowohl als unter dem G. N. kam dieſe Frage ſelbſt beym Cafſations Hofe vor, und wurde immer bejahend entſchieden. So erkannte a) bie Civil⸗Section am 3. Februar 1806 in der Sache Montbär⸗ bon wider Magnier, b) die section des requstes am 1. Jän⸗ ner 1807 in der Sache Deslord wider Broeil, und e) die Civil⸗Section am 17. März 1807 in der Sache Hudin wides Lance. S. Journ. d. Aud. etc. 1206 p. 192 u. f. Jurispr. de la C. de C. 1807 p. 114, und i ſ IV. Mallev⸗ 15 —— — ——— a90 II. Buch. XVII. Tit. Von Privregten und Hypotheten. Der nehmliche Art. 107 des Gewohnheits⸗Rechtes legte ebenfalls einer Privat-Handſchrift, die vor Notar anerkannt wurde, die Wirkung einer Hypothek bey; da indeſſen unſer Artikel bloß von gerichtlichen Hypotheken ſpricht, ſo hat er auch nur von der bey Gericht geſchehenen Anerkeunung Er⸗ Dieſe Jurisprudenz hat indeſſen eine Abaͤnderung erlitten durch das hier folgende Geſetz vom 5. Auguſt 1807 welches ſo lautet: „Geſetz in Betreff der Eintragungen von Hypotheken, welche zu Folge der Urtheile geſchehen ſind die auf Klagen um Aner⸗ fennung eines unter Privat-Unterſchrift ausgeſtellten Schuld⸗ ſcheines erlaſſen wurden. Art. 1. Wenn auf eine Klage um Anerkennung eines unter Privat⸗ unterſchrift ausgeſtellten Schuldſcheines, welche vor der Verfallzeit der Schuld oder bevor ſie gefordert werden konnte, angehoben wurde, ein urtheil erlaſſen worden iſt, ſo kann zu⸗ Folge dieſes Urtheils nur dann die Eintragung des Hypotheken⸗ Rechts vorgenommen werden, wenn die Schuld zur Zeit, wo ſie verfällt, oder gefordert werden kann, nicht bezahlt wird, man habe dann das Gegentheil ausbedungen. „ Die Koſten, welche ſich auf dieſes Urtheil beiiehen, köͤn⸗ nen von dem Schuldner nur in dem Falle gefordert werden, wenn er ſeine Unterſchrift abgeläugnet hat. Die Koſten der Einregiſtrirung fallen dem Schuldner zur Laſt, ſowohl in dem eben erwähnten Falle, als auch wenn er ſich geweigert hat die Schuld nach der Zeit, wo ſie verfallen war oder gefordert werden konnte abzutragen.» Freylich kann dieſem Geſetze zu Folge ein urtheil, das äber eine vor denVerfalltage der Schuld bey Gerichte verlangte Anerkennung oder unterſuchung einer Unterſchriſt erlaſſen worden iſt, eine gerichtliche Hypothek hervorbringen; dagegen ſchiebt es die Wirkung dieſer Hypothek dadurch auf, daß es dem Glaͤubi⸗ ger verbiethet, das Urtheil vor dem Berfalltage eintragen zu laſſen. Hätte dieſem Verbothe zuwider der Gläubiger es nichts deſtoweniger eintragen laſſen, ſo wäre der Schuldner ſelbſt ſo⸗ wohl, als auch andere Glaͤubiger berechtigt, auf Ausſtreichung der Inſeriptivn anzutragen. Répertoire de Jurisprud. g. a. D. Art. 5/ n. 3. B⸗ ——— II. Buch. XVII. Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. a9t waͤhnung gethan. Dieß hat nun zwar den Sinn nicht, daß aus einem vor Notar abgelegten Eingeſtändniße keine Hypothek entſpringen koͤnne; nur iſt ſie in dieſem Falle con⸗ ventional, welches im Syſtem unſerer jetzigen Geſetzgebung einen großen Unterſchied ausmacht. S. den Art. 2127. Zum dritten Theile des Artikels. Serres,(p. 436.) behauptete, ein ſchiedsrichterliches Urtheil bringe ebenfalls eine Hypothek von dem Tage an hervor, wo es einem No⸗ tar uͤbergeben würde; Rodier hat ihn aber hierin,(p. 372) zurechtgewieſen, welcher ſagt, daß die Ueberreichung, die an einen Notar geſchieht, weiter nichts als ein Hinterlegungs⸗ Act ſey, der dem Urtheile keine groͤßere Kraft ertheile. Un⸗ ſer Artikel iſt der Meinung des Bodier beygetreten.*) Zum vierten Theile. Dieſer ſtimmt mit dem Art. 121 der Ordonnanz von 1629, und mit der allgemeinen Praxis überein. S. die Anmerkungen zum Art. 14. Im Staats⸗Rathe machte man uͤbrigens bey dieſem Ar⸗ tikel eine wichtige Anmerkung, die man dem Verbal⸗ Prozeſſe einzurücken verordnete, nehmlich dieſe, daß die bey den Vergleichs-Büreaur geſchehenen Anerkennungen keine Hypothek nach ſich ziehen. Der Beweggrund dieſer Entſchei⸗ dung war, weil dieß ein Mittel ſeyn würde, der Bezahlung der Einregiſtrirungs⸗Gebühren auszuweichen. Dritter Abſchnſtt. Von den vertragsmäßigen Hypotheken. Art. 2724.»Vertragsmaͤßine Hypotheken können nur *von denjenigen verwilliget werden, welche die Fäͤhigkeit *) Nach dem Art. 1020 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S, wer⸗ den die ſchiedsrichterlichen Urtheile vom Praͤſidenten des erſten Inſtanz⸗Gerichtes, in deſſen Bezirk ſie erlaſſen worden, und wenn das Erkenntniß einer Sache, worin ſchon ein Urtheil er⸗ gangen iſt, von welchem man aber appellirt hat, Schiedsrichtern überlaſſen worden iſt, vom Präſidenten des Appellations⸗Hofes executoriſch erkläst. V⸗ a93 1IMI. Buch. KVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „haben, die Immobilien zu deräußern, die ſie hiemit be⸗ „ſchweren wollen.* Weil die Stellung einer Hypothek an ſich ſelbſt eine Art von Veräußerung iſt⸗ Art. 2raz.»Diejenigen, welche an der unbeweglichen „Sache nur ein von einer aufſchiebenden Bedingung abhan⸗ „gendes, oder in gewiſſen Fällen wiederauflösliches oder der „Reſciſſion unterworfenes Recht haben, koͤnnen keine andere „Hypothek verwilligen, als eine ſolche, die denſelben Bedin⸗ „gungen oder derſelben Reſciſſion unterworfen iſt.⸗ Et sub conditione ves pignoratur, T. 13,. 5% de pign. et hpoth. qud ewistente perinde habetur, ac 8 Stipulatio Sine conditione esset. T 11, Se1, F qui pot. in pign- Prt. 2126.»Die Guͤter der Minderjährigen, der Inter⸗ „dicirten und jene der Abweſenden, ſo lange deren Beſitz „nur proviſoriſch zuerkannt iſt, können nur aus den im „Geſetze gebilligten Urſachen, und in den hierin vorgeſchrie⸗ „benen Formen oder Kraft ergängener urtheile zur Hypothek „geſtellt werden.« Die Worte? ſo iange deren Beſis nur proviſoriſch zuerkannt iſt, beziehen ſich einzig auf die Abweſenden.*) Art. 2727.»„Eine vertragsmäßige Hypothek kann nur „durch eine vor zwey Notarien, oder vor einem Notar und *) Der wahre Sinn dieſes Artikels iſt, wie Herr Tarriblea. a St. Art. 6,„. 2 ſagt, dieſer: Vormünder der Minderfähri⸗ gen und Interdieirten können die ibrer Verwaltung anvertrauten Immobilien einer Conventional⸗Hypothek unterwerfen, jedoch nur unter Beobachtung der geſetzlichen Formens die präſumtiven Erben eines Abweſenden; die in den Beſitz ſeiner Güter einge⸗ ſetzt ſind, können keine Conventional⸗Hypothek in den Immobi⸗ tien deſſelben ſtellen; dagegen kann aber eine gerichtliche Hypo⸗ thet an dieſen Immobilien erworben werden. B. mu. Buch. XvlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 253 „zwey Zeugen in authentiſcher Form verfertigte Urkunde ver⸗ „williget werden.« Man trug darauf an, daß der Anerkennung der Unter⸗ ſchrift, wenn ſie vor Notar geſchieht, die nehmliche Kraft beygelegt werden möchte, als wenn ſie bey Gerichte geſchieht. Wird eine Urkunde unter Privat⸗Unterſchrift, antwortete man hierauf, entweder von beyden Contrahenten, oder auch ſogar vom Schuldner allein einem Notar übergeben, mit dem Er⸗ ſuchen über dieſe Uebergabe einen Act zu fertigen, alsdann iſt es ein Rotarial-Act, welcher eine Hypothek ertheilt; übergibt ſie aber der Gläubiger allein dem Notar, ſo kann dieſe Uebergabe nicht als eine Anerkennung der Unterſchrift des Schuldners gelten. Uebrigens ſtinmt der Artikel mit der P. ult. Cod. quæ res pign. oblig. und mit der allgemeinen Praris überein⸗ Art. 2128.„Contracte, welche im Auslande geſchloſſen „worden ſind, können auf Güter, die in Frankreich liegen, „keine Hypothek verſchaffen, wenn die Staats⸗ Geſetze oder „öffentliche Verträge keine Verfügungen enthalten, die von „dieſem Grundſatze abweichen.» Stimmt mit dem Artikel 121 der Ordonnanz von 1629 uͤberein⸗ Inzwiſchen waren doch die Rechtslehret in Anſehung des Heiraths⸗Contractes, als welcher zum Wilker⸗Rechte gehoͤrt, und wegen der Begünſtigung, die er verdient, ſehr verſchie⸗ dener Meinung. S. hieruber Rousseaud, und die Schrift⸗ ſteller und Parlaments⸗Urtheile, die er v. behue Sect. 5. anführt; Lapeyrère, lett. H. in ſin. Da indeſſen unſer Artikel zu Gunſten dieſes Contractes keine Ausnahme gemacht hat, ſo hat er bloß dadurch die Frage entſchieden. Art. 2129. Eine vertragsmüßig⸗ Hypothek iſt nur dann „gültig, wenn entweder in der authenriſchen urkunde, woraus vdie Forderung entſtunden jſt, oder in einem ſpaͤtern authen⸗ *tiſchen Aete die Eigenſchaft und die Lage eines jeden dem „Schuldner wirklich zugehbrigen unbeweglichen Gutes, wor a M. Buch XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „ran die Hypothek zur Sicherheit der Forderung bewilliget „wird, beſonders ausgedruckt iſt. Von allen dem Schuldner „wirklich zugehörigen Guͤtern kann ein jedes nahmentlich zur „Hypothek geſtellt werden⸗ „Kuͤnftige Güter kann man nicht zur Hypothek verſchrei⸗ ben.„ Hier fängt das jetzige Hypothelen⸗Syſtem an, ſich zu entwickeln. Bishiehin hatte man die alten Regeln befolgt. Was man wohl zu bemerken hat, iſt dieſes, daß im vor⸗ ſiegenden Artikel bloß don der vertragsmäßigen Hypothek die Rode iſt.*) Seine Verfügung ſtimmt mit dem Art. 4 des Geſetzrs vem Brumaire überein⸗ Art. 2130.„Sind inzwiſchen die gegenwärtigen und noch „freyen Güter des Schuldners nicht hinreichend, um Sicher⸗ „heit fuͤr die Forderung zu verſchaffen, ſo kann er unter „Anführung dieſer Unzulänglichkeit, darin willigen, daß ein „jedes der Güter, die er in der Folge erwerben wird, wie „er nach und nach es erwirbt, fuͤr die Forderung haften ſoll.⸗ Im Art. 4 des Geſetzes vom Brumaire hieß es bloß, der Gläubiger ſey befugt, mittelſt fernerer Inſcriptionen, je⸗ *) unter dem Ausdrucke: Eigenſchaft des Gutes verſteht man gewöhnlich die Beſchaffenheit der Oberſläche. Daß der Geſetzge⸗ ber ihm dieſen Sinn beygelegt habe, beweiſt der verſchiedene, aber mehr bedeutende Ausdruck, deſſen er ſich im Art. 2148 n. bedient hat, wo es heißt, die Eintragung müſſe die An⸗ zeige der Gattung und die Lage der Guͤter enthal⸗ ten. Immobilien können freylich ſich nur durch ihre Oberfläche voneinander usterſcheiden. So machen alſo Gebäude, Wieſen, Waldungen, Weinberge, Ackerland, unangebautes Land ꝛc. ver⸗ ſchiedene Gattungen von Immobiien aus. Da die nehmliche Bezeichnung für jedes der hypotheſirten Immobilien wiederhohlt werden muß, ſo entſteht die Frage, was man durch ein ſolches einzelnes Immobile verſtehe, welches ins⸗ beſondere bezeichnet werden muß. Verſteht man unter dieſer Be⸗ nennung jedes Stück Wieſe, Weingarten Waldung ꝛc. oder ver⸗ uI. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 296 doch ohne Nachtheil derjenigen, die älter als die ſeinige ſind, ſeine Hypothek auf die nachher erworbenen Güter aus⸗ zudehnen. Scheint auch ſchon unſer Artikel es zur Bedingung zu machen, daß die gegenwaͤrtigen Guͤter nicht hinreichend ſeyen, ſo wäre doch meines Erachtens dem Schuldner, welcher ſelbſt darin eingewilligt hat, daß eine Inſcription auf die künfti⸗ gen Güter genommen werde, kein Gehoͤr zu geben, wenn er ſagte, die gegenwaͤrtigen Güter, welche er verſchrieben hat, ſeyen hinreichend. S. den Art. 2167, worin es heißt, daß ſeine Verfuͤgung auf die Conventional⸗Hypotheken nicht au⸗ wendbar ſey. ſteht man darunter die Stuͤcke von verſchiedener Natur zuſam⸗ mengenommen, die als Theile des ganzen in unverrückter Ord⸗ nung aufeinander folgen, und mit fremdem Eigenthum umgeben ſird? Weder die eine noch die andere Bezeichnung, ſagt Herr Tarrible a. a. St. n. 6, iſt bey Stellung einer Conventiv⸗ nal⸗Hypothek durchaus nothwendig. Will man ein Gut verſchrei⸗ ben, was aus Gebäuden, verſchiedenen Stücken von Waldungen, von Weingärten, von Ackerland beſteht, deren einige nebenein⸗ ander, andere hingegen abgeſondert liegen, ſo iſt es genug, das Gut mit ſeinem Nahmen, die verſchiedenen Gattungen von Gütern, woraus es beſteht, und deren Lage zu bezeichnen; we⸗ nigſtens kann man alsdann ſagen, daß die Anzeige der Lage der Immobilien und ihrer Eigenſchaft oder Gattung geſchehen, und ſo der Wille des Geſetzes buchſtäblich erfüllt ſey. Inzwiſchen haben wir vorausgeſetzt, daß die verſchiedenen Eigenſchaften der Im⸗ mohilien, woraus das Gut beſteht, genau hergezählt worden ſeyen; denn, haͤtte man bey dieſer Herzählung die Waldungen z. B. ausgelaſſen, ſo könnte man daraus den Schluß herleiten, daß die Contrahenten bloß die Abſicht gehabt haͤtten, die Gebäude, Wieſen, Weingärten und das Ackerland zu verſchreiben; und gienge ſogar aus den Ausdruͤcken des Aetes eine entgegengeſetzte Abſicht hervor, ſo ließ ſich doch noch immer mit Recht behanp⸗ ten, daß die Hypothek ſich nicht auf die Waldungen erſtrecke, weil dieſe Gattung von Guͤtern nicht bezeichnet worden iſt. B. Von Privilegien und Hypotheken. „96 Ml. Buch. XVIII. Ltt. Art. 2131.»Auf gleiche Weiſe, wenn das zur Hypo⸗ *thek geſtellte gegenwärtige Immobiliar⸗Vermögen des Schuld⸗ „ners, das in einem oder in mehrern Gütern beſteht, zu „Grunde gegangen, oder in Verfall und Abnahme gerathen » ſeyn ſollte, ſo daß es für die Sicherheit des Gläubigers „unzureichend geworden, iſt dieſer befugt, entweder ſogleich „auf ſeine Befriedigung zu fordern, oder einen Zuſatz zu ſei⸗ ⸗ner Hypothek zu verlangen.* Dieſer Artikel beruht auf den nehmlichen Beweggründen, wie der Art. 2020. S. die hiezu gemachten Anmerkungen.*) Art. 2132.„Eine pertragsmäßige Hypothek iſt nur in » ſo fern guͤltig, als die Summe, wofür ſie verwilliget wor⸗ *den, gewiß und in der Urkunde beſtimmt iſt. Iſt die For⸗ „ derung, welche aus der Schuldverſchreibung entſpringt, ent⸗ weder in Hinſicht auf ihre Exiſtenz bedingt, oder dem „Werthe nach unbeſtimmt, ſo kann der Gläubiger die Ein⸗ *tragung, wovon unten die Rede ſeyn wird, nur bis zum * Wird der Schuldner verurtheilt zu zahlen, oder einen Zuſatz zur Hypothek zu ſtellen, und er thut letzteres nicht, ſo bleibt nur das erſtere übrig, und aus dieſer Verurtheilung entſpringt 6 eine gerichtliche Pypothek, die mittelſt Eintragung des urtheiles in die Hypotheken⸗Regiſter ſich auf alle gegenwärtige und zukuͤnf⸗ tige Guͤter des Schuldners ausdehnt. Dieß entſchied auch die Section des requétes des Caſſations⸗ Hofes am 4. April 13os in folgendem Falle. Ladvoegat war dem Herrn von Pontien kraft einer No⸗ tarial⸗Phligativn vom 27. März 1o5 die Summe von 4,100 Franes ſchuldig, und hatte zur Zahlung dieſer Summe ſeine Guͤter zu Vancourt zur Special⸗ Pypothef geſtellt. Da er nicht bezahlte, und überdieß geſagte Güter für frey von allen Pypo⸗ theken erklärt hatte, welches ſie doch nicht waren, ſo wurde er als eines Stellionates ſchuldig verfolgt, und verurtheilt. Kurz, 3 Montzey ließ verſchiedene Erkenntniſſe⸗ widurch ſein Schuldner in peträchtliche K Koſten verurtheilt worden war, auf deſſen zu Vau⸗ 3 couleurs gelegene Guͤter eintragen„jund betrieb die Vergantung der einen ſowohl als der andern. Dieſem Verfahren ſetzte Lad⸗ pocat entgegen, daß, da eine Speeial⸗Hypothek geſtellt wor⸗ den ſey, ſein Släubige, ſein Verfahren guf die mit dieſer m. Buch. XVIII. Tit. Vou Privilegien und Hypotheken. 297 »Betrage eines beſtimmten Werthes nachſuchen, worauf ſich „die Forderung anſchlagen laͤßt. Er hat dieſen Werth hiebey *ausdrücklich anzugeben, und der Schuldner iſt berechtiget, ihn, je nachdem ſich die Sache verhalt, vermindern zu „laſſen.« Dieſer Fall iſt von jenem des Art. 2130 ganz verſchieden, wo der Schuldner ſelbſt die Eintragung bewilligt hat; woge⸗ gen im vorliegenden Artikel der Glänbiger ohne Dazwiſchen⸗ kunft des Schuldners die Hypothek eintragen läßt; letzterer bleibt folglich allerdings berechtigt, auf Verminderung anzu⸗ tragen⸗ Art. 2133.» Eine einmahl erworbene Hypothek erſtreckt „ſich auf alle an dem verſchriebenen Immobiliar-Gute hin⸗ „zugekommene Verbeſſerungen⸗« Stimmt mit den PL. 13 und 16, N de pign. et hypoth. uͤberein. Man warf hier die Frage auf, ob die Hypothek ſich auf die Alluvion und auf den Anwuchs erſtrecke, den das hppo⸗ Hypothek beſchwerten Güter beſchränken müſſe, und der Art. z123, welcher eine allgemeine Hypothek ertheilt, ſich nur auf die Fälle beziehe, worin keine vertragsmaͤßige Hypothek Statt habe. Montzey behauptete dagegen, dieſe Diſtinetion ſey unge⸗ gründet, und bemerkte überdieß, daß in Anſehung des Stellio⸗ nates, und der zahlreichen von Ladvocat verurſachten Proze⸗ duren, die zur Speeial⸗Hypothek geſtellten Güter unzureichend geworden ſeyen. Die Güter von Vancourt und jene von Van⸗ couleurs wurden wirklich vergantet und zugeſchlagen, und am a5. März 1807 handhabte der Appellativns⸗Hof von Naney dieſen Zuſchlag aus dem doppelten Grunde, weil zu Folge der Verurtheilung eine algemeine Hypothek vorhanden, und die zur Speeial⸗Pypothek geſtellten Güter unzureichend gewor⸗ den ſeyen. Ladvvegt nahm zwar ſeinen Recurs zum Caſſations⸗ Hofe; aus den nehmlichen Gründen nurde aber ſein Caſſativns⸗ Geſuch verworfen. Jurisprud, de la C. de C 1308, y. 372 n. f. B. „3 1. Buch. XvII. Tit. Von Privilegien und Hppotheken. theſirte Grundſtuͤck durch die Veränderung des Bettes eines Fluſſes erhalten kann. Die Hypothek, antwortete man, erſtreckt ſich auf alles, was, nach den im Tit. J. des B. II. des Geſetzbuches feſt⸗ geſetzten Regeln als Zugehör der Haupt⸗Sache betrachtet wird. Anderſt würde es ſich aber mit einer durch ein anßerordent⸗ liches Ereigniß hervorgebrachten Vergrößerung berhalten, welche ſo beſchaffen wäre, daß ſie auf einmahl dem verſchrie⸗ benen Grundſtücke einen Umfang hinzufügte, welcher beträcht⸗ lich genug wäre, um es als ein neues, und vom erſten ganz verſchiedenes Grundſtück anſehen zu können. In Hinſicht der Alluvionen iſt die ſchon angeführte T. 16. ganz beſtimmt.*) Vierter Abſſchnitt. Von der Rang⸗Ordnung der Hypotheken unter einander. Art. 2134.„Unter den Gläubigern hat eine Hypotbek, ſie ſey geſetzlich, gerichtlich oder vertragsmäßig, erſt von „dem Tage an einen Rang, da der Glaͤubiger ihre Eintra⸗ gung in die Regiſter des Hypotheken⸗Bewahrers nach der „im Geſetze vorgeſchriebenen Form und Weiſe bewirkt hat, „jedoch mit Vorbehalt der in dem folgenden Artikel bezeich⸗ „neten Ausnahmen⸗» Hier trug man auf eine Ansnahme zu Gunſten der Hy⸗ potheken an, die die Gewährleiſtung eines Verkaufes zum Gegenſtande haben möchten; unmöglich iſt es, ſagte man, ſie auf eine gewiſſe Summe zu beſtimmen, weil die Gewähr⸗ leiſtung nicht von dem Kaufpreiſe, ſondern von dem Preiſe, den die verkaufte Sache zur Zeit der Eviction werth iſt, und *) uebrigens verſteht es ſich von ſelbſt, daß die Verſögung dieſes Artikels die Rechte ungekränkt laͤßt, die uach den Art. 2103 n. 4 und 2173 dem Baumeiſter oder einem dritten Beſtzer zuſte⸗ hen moͤgen. S. m. Buch. XvIM. Cit. Von Privilegien und Hypotheken. 299 von dem Zuwachſe abhaͤngt, den er durch Zeit und Umſtände erhalten haben mag. Eine ſolche Ausnahme, antwortete man aber, wuͤrde a) das Syſtem zu Grunde richten; den Contrahenten ſteht es b) frey, die Verbindlichkeit ſo hoch anzuſchlagen, als die Ge⸗ währleiſtung ſich nur immer belaufen kann; ſchlagen ſie aber auch c) die Hypochek ſo hoch an, wie ſie wollen, ſo kann ſich doch in der Folge die Schuld noch höher belaufen; für den Schuldner iſt es alſo d) beſſer, daß man die Hy⸗ pothek auf eine gewiſſe Summe anſchlägt, als daß man ſie unbeſtimmt laͤßt; ohnehin wird e) die Nützlichkeit der Beſtimmung zur Folge haben, daß ſie gewoͤhnlich im Con⸗ tracte ausgedruckt werden wird⸗ Der Appellations-Pof von Toulouſe warf folgende Frage auf. Geſetzt, ein Gläubiger nimmt gegen ein Urtheil, wel⸗ ches die Ausſtreichung ſeiner Hypothek verordnete, ſeinen Recurs zum Caſſations⸗Hofe; dieſes Urtheil wird caſſirt, in der Zwiſchenzeit hat aber ein Dritter ſeine Hypothek gegen den Schuldner eintragen laſſen; behaͤlt der erſte Gläubiger ſeine Priorität, oder wird ihm der zweyte vorgezogen?— Ich antworte kühn, der erſte behält ſein Prioritäts⸗Recht.*) *) Dem vorliegenden Artikel zu Folge macht die Eintragung der Hypotheken in die dazu beſtimmten Regiſter einen ergänienden Theil derſelben aus, und iſt nothwendig, um die Hypothek wirkſam und vollſtändig zu machen. So unnütz auch beym erſten Blicke die Unterſuchung dieſes Satzes ſcheinen mag, ſo ſehr wird man ſich doch von der Wichtiskeit deſſelben überzeugen, wenn man bedenkt, daß es außer den Fällen, wo eine Inſeription wegen Abgang irgend einer Formalitaͤt ungültig ſeyn kann, noch an— dere gibt, wo Inſeriptionen, wenn ſie ſchon der Ferm nach regelmäßig ſind, nichts deſtoweniger keine Wirkung hervorbringen, wie z. B. in den Faͤllen, die im Art. 2v46 enthalten ſind. Wenigſtens muß man in dieſen Fällen wiſſen, ob dergleichen Hy⸗ potheken, die gegen regelmaͤßig inſeribirte Gläubiger offenbar ohne Kraft ſeyn wuͤrden, nichts deſtoweniger einen Vorzug vor — ———— ——— 360 1M. Buch. LVM. Tit. Von Privitegien und Hypotheken. Art. 2135.»Unabhängig von aller Eintragung tritt das Pypotheken⸗ Recht ein, 1)» Zum Vortheile der Minderjährigen und Interdicirten, „an den dem Vormunde zugehörigen unbeweglichen Gtern ⸗in Hinſicht der aus ſeiner Verwaltung entſtehenden „Forderungen, von dem Tage an, da er die Bormundſchaft *angenommen hat; 2)*Zum Vortheile der Frauen, in Hinſicht ihres Braut⸗ „ ſchatzes und alles deſſen, was ihnen nach dem Ehe⸗Con⸗ „tracte gebührt, an dem Immobiliar-Vermoͤgen ihrer Män⸗ ener, und von dem T Tage der Heirath anzurechnen⸗ 5 . den Chyrographar⸗Gl'ubigern haben, und ob es folglich vier Claſſen von Gläubigern gebe, Priottegirte nehmlich, inſeribirte Pypothekar-Glaͤubiger, nicht inſeribirte Hypothekar⸗Gläubiger; und Chyrographariſche, welche nach eben dieſer Ordnung zu claſ⸗ jfiziren ſeyeu. Die Wahrheit des obigen Satzes wird indeſſen aus folgendem klar hervorgehen. Alle Diseuſſionen, die das neue Hypotheken⸗Weſen vorbe⸗ reiteten, hatten 1) heuptſächlich zum Gegeuſtande, die Miß⸗ braͤuche der geheimen Hypotheken zu ſchildern, und ihnen Ein— halt zu thun. Das Rittel gegen die damit verknuͤpften ſehr ſchlimmen Folgen ſuchte man in den Geſetzen derjenigen Pro⸗ vinz en auf, worin die Beſitz⸗Ergreifung(nantissement) äbtich war: die Ober⸗Gerichte dieſer Proviuzen hatten feyerlich erklärt, daß ſie die Publicität der Hypotheken als das Meiſterſtück der' Weisheit, als das Siegel, die Stütze und Ddie Sicherheit des Eigenthums anſaͤhen. Dieſe Geſetzgebung nahm man zum Mu⸗ ſter, und baute das Hypotheken⸗Syſtem auf die zwey Grundlagen der Specialität und Publieität. Letztere beſtand in der Eintra⸗ gung aller Hypotheken in ein öͤffentliches Regiſter. Da nun nach den Geſetzen dieſer Provinzen, z. B. nach den Gewohnheits⸗ Rechten von Amiens,(Art. 137)3 von Bermandois(Art. 119) und von Artvis(Art. 72), ſelbſt Notarial⸗Contraete kein Pypo⸗ theken⸗Recht gegen dritte Perſonen hervorbrachten, und ein bloß perſoͤnliches und Mobiljar⸗Recht bewirkten⸗ wenn ſie nicht durch die Beamten der Herter, deren Gerichtbarkeit die verſchriebenen Güter unterworfen waren, realiſirt worden waren, und die Eintragung in die Regiſter der Hypotheken⸗ Bewahrer . Buch. xvMI. Tit. Ven Privilegien und Hppothelen. 301 *Die Frau hat in Hinſicht der Dotal⸗Gelder, welche „von Erbſchaften oder Schenkungen herrühren, die ihr wäh⸗ „tend der Ehe angefallen oder gemacht worden ſind, erſt von dem Tage an ein Hypotheken⸗Reckt, da die Erbſchaf⸗ »ten ihr angefallen ſind, oder die Schenkungen ihre Wirkung nerhalten haben. „Sie hat in Hinſicht der Eniſchädigung, welche ihr für *die Schulden zukommt, die ſie mit ihrem Manne gemacht hat, und in Hinſicht der ihr gebuͤhrenden Wiedererſtattung fuͤr ihre veräußerten eigenen Güter, erſt von dem Tage an ein „Hypotheken⸗Recht, da die Schuld entſtanden, oder der »Verkauf geſchehen iſt. v nach eben dieſem Beyſpiele eingeführt worden iſt, ſo iſt ſie eben⸗ falls zur Begründunß eines Hypotheken⸗Rechtes nothwendig. Herr Staats⸗Rath Treilhard ſagt 2) in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps bey Vorlegung dieſes Titels;„die Con⸗ ventional⸗Pypothek muß nothwendig durch Eintraßung kundbat gemacht werden, um ihre Wiekung hervorzubringen Auch die gerichtliche Hypothek muß durch die Eintragung Publicität er⸗ halten. Sogar bey Gelegenheit der geſetzlichen Hypotheken, wenigſtens jener, die an den Guͤtern der Rechnungspſftichtigen zu Gunſten des öſſentlichen Schatzes, der Gemeinden und der oͤffentlichen Anſtalten Statt hat, ſagt er:„das Geſetz verleiht' ihnen an dem Vermögen ihrer rechnungspflichtigen Agenten eine Hypothek; um ſie aber dritten Perſonen entgegenſetzen zu koͤn⸗ nen, muß ſie durch Eintragung auf die damit beſchwerten Im⸗ mobilien kundbar gemacht werden.„ Slelbſt die Privilegien bringen 3) nach dem Art. 2ro6 nur in ſo fern eine Witkung hervor, als ſie durch Eintragung in die Regiſter kundbar gemacht worden ſind; um ſo viel mehr ſind alſo die Hypo⸗ theken der Publicität unterworfen, an deren Kenntniß doch ei⸗ nes Theils eben ſo viel gelegen iſt, als an jener der Privilegien, und die anderer Seits auf einer weniger Begönſtigung verdienen⸗ den Urſache beruhen. Freylich bedient ſich 4) der vorliegende Artikel in Anſehung der Hypotheken ganz verſchtedener Ausdrücke Indeſſeu iſt es ein leichtes zu teigen, daß eine Hppothek, die keinen Rang hat, ruch keine Wirkung hervorbringe, — z02 1I. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „In keinem Falle ſoll die Verfuͤgung des gegenwäͤrtigen „ Artikels den Rechten zum Nachtheile gereichen, welche dritte „Perſonen vor der Verkuͤndigung des gegenwaͤrtigen Titels erworben haben mögen.⸗ Hier fragte man 1) warum der Staat, dem doch der Art. 2121 eine geſetzliche Hypothek beylegt, verbunden ſey, ſie eintragen zu laſſen. Auf dieſe Frage antwortete man mit den in der Einlei⸗ tung zu dieſem Titel angefuͤhrten Gründen; inzwiſchen hat Der Art. 2 des Geſetzes vom 11. Brumaire 7. J. war a) in den nehmlichen Ausdrücken abgefaßt; er lautete ſo:„Erſt durch ihre Eintragung in die oͤffentlichen Regiſter, nehmen die Hypotheken einen Rang ein, und haben die Privilegien an Im⸗ mobilien eine Wirkung« Dieſer Verfügung zu Folge war es im mer unbezweifelt, daß die Wirkungen jeder Hypothek der Publi⸗ cität untergeordnet ſeyen; da nun das Geſetzbuch Napoleons die nehmlichen Ausdrücke wiederhohlt hat, undtzch in dieſem Punkte aus den nehmlichen Grundſätzen ausgegangel iſt, ſo hat es auch dieſen Ausdrücken die nehmliche Bedeutung beylegen müſſen. Die Güter des Schuldners ſind b) nach den Art. 2093 und 2094 das gemeinſchaftliche Unterpfand ſeiner Gläubiger, und der Preis, für den ſie verkauft worden, wird unter ihnen verhaͤltniß⸗ maͤßig vertheilt, wenn unter ihnen keine rechtmäßige urſachen eintreten, warum einer dem andern vorgezogen werde. Die recht⸗ mäßigen Urſachen, die einen Vorzug begruͤnden, ſind Privile⸗ gien und Hypotheken. Das Geſetz umfaßt hier alle Gläubiger des einen und deſſelben Schuldners. Der Rang, den der Art. a14 den bloßen eingetragenen Hypotheken gibt, iſt zu gleicher Zeit ſowohl das Zeichen als auch die Wirkung dieſes Vorzuges; ſo oft alſo eine rechtmäßige urſache! eines Voriuges zu Gunſten einiger unter mehrern Gläubigern vorhanden iſt, tritt unter ihnen ein Rang ein; ſo oft folglich das Geſetz Släubigern einen Rang verſagt, iſt für ſie keine urſache eines Vorzuges vorhanden, mithin gehoͤren ſie zur Maſſe derjenigen Gläubiger, die den Preis der Güter ihres Schuldners nach Ver⸗ hältniß ihrer Forderungen unter einander theilen. Da nun jur Erhaltung eines Ranges die Hypothek eingetragen werden muß, ſo wird ſie auch nur durch dieſe Eintragung wirkſam. m. Buch. XVIII. Tit. Von Prtivilegien und Hypothalen 303 man doch die Hypothek des Staates, in Betreff der Form der Inſcription, im Art. 2133 den geſetzlichen Hypotheken wieder gleich geſtellt. 2) Trug man auf die Abänderung des im Artikel vor⸗ kommenden Wortes: zugehoͤrigen an, weil ſich daraus fol⸗ gern ließe, daß die Hypothek der Frauen und Minder⸗ jaͤhrigen nur die gegenwärtigen Guͤter beſchwere. Dieſe Abänderung wurde angenommen; nichts deſtoweni⸗ ger iſt das Wort: zugehoͤrigen im Artikel ſtehen geblieben. Im Entwurfe des Artikels hatte man 3) die geſetzliche Hypothek der Minderjaͤhrigen auch auf die Güter des Ne⸗ ben⸗Vormundes ausgedehnt; auf Verlangen des Tribunates wurde indeſſen dieſe Verfügung deßwegen ausgeſtrichen, weil der Neben⸗Vormund keine Verwaltung hat. Im Art. 2135 heißt es e):„unabhängig von aller Eintra⸗ gung tritt das Hypotheken⸗Recht ein 1) zu Gunſten der Min⸗ derjaͤhrigen ꝛc.„ Allerdings iſt dieß eine Aus nahme von der im vorhergehenden Artikel aufgeſtellten Regel. Beſteht nun dieſe Ausnahme darin, daß eine geſetzliche Hypothek zu Gunſten der Minderjaͤhrigen ꝛe, ohne alle Eintragung exiſtire, ſo muß wohl der allgemeinen Regel nach eine Hypothek nur dunch Sintragung epiſtiren; dieſe letztern Ausdrücke, und jene des Art. 2134,(worin es heißt, daß unter den Gläu⸗ bigern die Hypothek erſt vom Tage der Eintragung) einen Rang habe, müſſen alſo das nehmliche bedeuten. Der Art. 3 des Geſetzes vom Brumaire lautet d) gerade ſo: Die Hypothek eriſtirt, aber mit dem Bedinge der Sintragung. Die Präliminar⸗Aete, welche die Hypothek vorbereiten, wie z. B. Contracte, oder Urtheile ſind von dem Eintragungs⸗Aete verſchieden, ſie werden nicht an den nehm⸗ lichen Dextern aufbewahrt, kommen nicht vor den nehmlichen Beamten zu Stande, und koͤnnen ihrer Natur nach nuyr nach und nach und zu veyſchiedenen Zeiten ihr Daſeyn erhal⸗ ten. Um eine Hypothek zu bewerkſtelligen iſt die Vereinigung aller dieſer Formalitäten erforderlich, ſo wie die Theile vereinigt werden müſſen, um ein ganzes zu bilden; ganz richtig druckt der Geſetzgeber dieſen Gedanken durch die Worte aus: Die Hypor thek eyiſtirt, aber mit dem Bedinge der Sintra⸗ gung d. h., die durch die Praͤliminar⸗Aete angefangene Hy⸗ ———— — ———— z04 1M. Buch. XVIIM. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Ferner hieß es 4) im Entwurfe des Artikels, die geſetz⸗ liche Hypothek der Frauen trete in Anſehung ihres Braut⸗ ſchatzes, und alles deſſen, was im Heiraths⸗Contracte für ſie ausbedungen worden, ohne Unterſchied vom Tage ihrer Heirath anzurechnen, ein.. Auch dieſes wurde auf Verlangen des Tribunates abge⸗ ändert, und der Unterſchied zwiſchen den verſchiedenen Gegen⸗ ſtänden, die die Frau zurückzufordern befugt iſt, ſo gemacht, wie er ſich im Artikel findet. Das Tribunat ſtellte nehmlich pothek muß burch die Eintragung vollſändig gemacht werden; geſchieht dieſes nicht, ſo verſchwindet ihre precäre Exiſten:. Das Geſetzb Nap. iſt in dieſem Punkte vom eiſte des Geſetzes vom Brumaire nicht abgewichen, indem es, eben ſo wie dieſes will, daß eine Hypothek, in Anſehung dritter Perſonen nur in ſofern Kraft haben ſoll, als ſie eingetragen worden iſt. Rach dem Art. a166 haben e) nur die inſeribirten Gläubi⸗ ger das Recht⸗ die hypothekariſche Klage gegen jeden Beſitzer des ihnen verſchriebenen Gutes geltend zu machen,— ein Recht, was der Hypothek weſentlich anklebt; da nun nicht inſeribirte Gläubiger dieſe Befugniß nicht haben, ſo iſt es klar; daß ihre Hypothek nicht vollſtändig ißt. Freylich war die Frags in etwa ſtreitig, ob ein Gläubi⸗ ger, der eine noch nicht eingetragene Hypothek an einem Gute hat; welches ſein Schuldner nachher verkauft, ſeine Hypothek noch nach dem Verkaufe eintragen laſſen koͤnne, ſo lange der Käufer ſeinen Contract nicht hat transſcribiren laſſen; wirklich waren einige Rechtsgelehrten der Meinung, daß dieß kgeſchehen könne, wogegen aber andere das Gegentheil behaupteten; und iſt auch ſchon der Art. 334 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. E. S. von der Strenge der Grundſätze in etwa abgewichen, da er dem nicht inſeribirten Hypothekar⸗Gläubiger noch erlaubt, ſeine Hypothek binnen vierizehn Tagen nach der vom Erwerber geſche⸗ henen Transſeription des Contractes auf das veräußerte Gut einträgen zu laſſen, ſo beſtätigte er doch eben hiedurch die Noth⸗ wendigleit der Eintragung, um der Hypothek ihre Wirkſamkeit zu verſchäffen. Das Handlungs⸗Geſetzbuch druckt endlich 7) dieſer Behaup⸗ tung das Siegel auf. Nach dem Art. 83 des V. 3. kann kein Vertrag zwiſchen den Gläubigern und dem Falliten anderſt zu M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 30 vor, man habe ſich zwar im Entwurfe nach der Praxis von Paris gerichtet, dieſe ſey aber nicht allgemein. Nur in An⸗ ſehung des Vrautſchatzes, ſagte er, muß die Frau eine Hy⸗ pothek vom Tage der Heirath an haben; wogegen aber a) jene zur Sicherheit der Wiederanlegung und der ihr etwa ge⸗ buͤhrenden Entſchaͤdigung erſt vom Tage des Verkaufes oder der eingegangemen Verbindlichkeit, und P) jene der in Hin⸗ Stande kommen; als durch die Mitwirkung ſo vieler Glaͤubiger, als ihrer der Aniahl nach die Mehrheit ausmachen, und deren Forderungen, ſo wie ſie nach den beygebrachten ſchriftlichen Be⸗ weisſtücken richtig befunden worden ſind, noch überdieß drey Viertheile der ganzen Summe ausmachen, die der Fallit nach dem Verteichniße der in Gemäßheit des Abſchn. 4 des Cap. 7 unterſuchten, richtig befundenen und einregiſtrirten Forderungen ſchuldig iſt; in dem hierauf folgenden Art. 34 heißt es:„Die in die Hypotheken⸗Regiſter eingeſchriebenen Hypothekar⸗Gläubi⸗ ger, ſo wie auch jene, die mit einem Fauſtpfande verſehen ſind, haben bey den Berathſchlagungen über den mit dem Falliten ab⸗ zuſchließenden Vertrag keine Stimme. Die Urſache hievon iſt offenbar, weil die inſeribirten Hypothekar⸗Gläubiger, ſo wie jene, die mit einem Fauſtpfande verſehen ſind, in ihren Hypo⸗ theken und in ihrem Fauſtpfande die Sicherheit fuͤr ihre Befrie⸗ digung finden, und folslich ungeſtraft beträchtliche Nachlaͤſſe an den chyrographariſchen Forderungen bewilligen könnten, deren Conecurrenz ſie mit ihnen nicht zu befürchten haben. Da indeſ⸗ ſen der angefuͤhrte Artikel nur die mit einem Fauſtpfande verſe⸗ henen und in ſeribirten Pypothekar⸗Gläubiger ausſchließt, und die zu dieſer Zeit noch nicht inſcribirten Hypothekar⸗Gläubi⸗ ger nach dem Art. 2146 des G. N. ſich nicht mehr mit Wirk⸗ ſamkeit inſeribiren laſſen können, ſo iſt es klar, daß dieſe letz⸗ tere von der Berathſchlagung nicht ausgeſchloſſen ſind, folglich das Geſetz ihre ohnmächtige Hypothek für nichts rechnet, und ſie den bloßen Chyrographar⸗Gläubigern gleich ſtellt. So iſt es alſo erwieſen, daß die Eintragung eine nothwen⸗ dige Formalität iſt, um der Hypothek im allgemeinen ihre Wirk⸗ ſamkeit zu verſchaffen, und daß Hypothekar⸗Glaͤubiger, die ent⸗ weder nicht inſeribirt ſind, oder ſich in dem Falle befinden, ihre Bypothek nicht mehr mit Wirkſamkeit in die Regiſter eintragen laſſen zu können, keinen Vorzug vor bloßen Chyrographar⸗Gläu⸗ bigern haben. Répert. de jurispr. 7, In ription Ayporscaire, F. 2. IV. Malev⸗ 20 ——— 306 UI. Buch. XVIII Tit. Von Privilegien und Hypotheken. ſicht der ihr waͤhrend der Ehe angefallenen Erbſchaften, oder gemachten Schenkungen erſt vom Tage der Eröffnung der Erbſchaften, oder vom Tage der Schenkungen angerechnet, ihr Daſeyn erhalten muß, und zwar um ſo mehr, da man, wenn man dieſen Hypotheken eine zurückwirkende Kraft bey⸗ legte, den Vetrug erleichtern, und der Frau das Mittel an die Hand geben wuͤrde, ſich durch verſtellte Ver⸗ Ganz nach dieſen Grundſaͤtzen entſchied der Appellations⸗Hof von Bordeaux am 5 May 180s in folgendem Falle; am 20. Meſſidor 13. J.(9. Julius 1803) fallirte Olliéc. Am 5. Ven⸗ demiaire 14. J.(27. Sept. n. J.) wurde ein Nachlaß⸗Vertrag von ſeinen Chyrographar⸗Gläubigern, deren Forderungen drey Viertheile der ganzen Schuld⸗Maſſe ausmachten, unterzeichnet: und am 29. Brumaire n. J.(zo. November n. J.) vom Han⸗ delsgerichte zu Bordeaux beſtätigt. Schon am 11. Floreal 3. J.(1. May 1365) war indeſſen Ollié verurtheilt worden, dem Herrn Berger die Summe von 1073 Liv. zu zahlen. Kraft dieſes Urtheiles hatte Berger am 10. Vendemiaire 14. J.(2. October 1305) alſo ungefaͤhr fünfzig Tage vor der Beſtätigung des Nachlaß⸗Vertrages die Mobilien des Ollis in Beſchlag neh⸗ men laſſen. Um dieſer Pfändung ihre Wirkung zu benehmen, ließ Ollie den Berger zum Handlungsgerichte abladen, und trug dort darauf an, daß der beſtätigte Nachlaß⸗Vertras auch für ihn verbindlich erklaͤrt werden moͤge. Ein Contumacial⸗Urtheil vom 6. Frimaire 14. J. G. September 1805) erkannte dem Ollié dieſen Antrag zu. Von dieſem Urtheile appellirte Berger; er behauptete, er ſey vom 1. May n. J. an, wo Ollis verurtheilt worden iſt, ihm obige Summe zu zahlen, Hypothekar⸗Glaͤubi⸗ ger; dieſes Urtheil ſey zwey Monate vor dem Ausbruche des Fallimentes erlaſſen worden; zwar habe er ſeine Hypothek erſt nach dieſem Ausbruche eintragen laſſen, allein die Hypothek eri⸗ ſtire unabhängig von der Eintragung; könue er alſo auch unter den Hypothekar⸗Glaͤubigern keinen Rang einnehmen, ſo behalte er nichts deſtoweniger das Recht, den Chyrographar⸗Gläubigern vorgezogen zu werden, und hauptſächlich das Recht, keinem Nachlaß⸗Vertrage beptreten zu müſſen. Das Urtheil des Han⸗ delsgerichtes wurde indeſſen beſtätigt. Jurispr de la C. de C. 1803 im Anhange p. 183 u. f⸗ * MM. Buch. LVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken z0 bindlichkeiten den Vorzug vor den ältern Gläubigern zu ver⸗ ſchaffen. So wurde alſo nicht nur die alte Praris des Parlamentes von Paris, ſondern auch jene aller Parlamente, wobey das römiſche Recht galt, abgeaͤndert, welche der Frau in Hin⸗ ſicht ihres Brautſchatzes, alles deſſen, was zu ihrem Vor⸗ theile im Heiraths⸗Contracte ausbedungen worden, ſo wie in Hinſicht der Gegenſtände aller Art, die ſie zurückzufordern befugt ſeyn mag, ohne allen Unterſchied eine Hypothek vom Tage der Heirath an, angedeihen ließen. S. Rousseaud, v. EHypotheques, Sect. 8, n. 1 Lapeyrèere, lert. N,„ 46 und 47, Maynard, liv. 7, ch. 53, Coquille, uͤber das Gewohnheits⸗Recht von Nivernois, ch. 23, art. 18, etc. Zu Toulouſe war es ganz anders; hier wurde nehmlich die Frau, in Gemäßheit der berühmten T. assiduls, ſelbſt denjenigen Gläubigern vorgezogen, deren Forderungen aͤlter als ihre Heirath waren. S. Serres, p. 568 n. f. In Bordeaur machte man hingegen folgenden Unterſchied; hatte die Frau ſich alle gegenwärtige und zukuͤnftige Güter als Heiraths⸗Gut ausgeſetzt, und ihr Mann erkannte wäh⸗ rend der Ehe an, etwas von ihr empfangen zu haben, ſo wirkte deßwegen die Hypothek bis zum Tage der Heivath zurück; hatte ſie aber ihre künftigen Güter ſich nicht als Heiraths ⸗Gut ausgeſetzt, ſo erhielt die Hypothek ihr Datum erſt vom Tage des Empfangs. Lapeyrère, lert. H, p. 165.*) *) Die geſetzliche Hypothek der Frauen und der Minderjährigen zeichnet ſich durch folgende Vortheile vor allen andern Hypo⸗ theken aus: 1) umfaßt ſie alle Süter, die der Mann ober der Vormund zur gZeit der Heirath oder der Annahme der Vormundſchaft beſitzen, ſo wie auch jene, die ſie noch in der Folge erwerben; die Conventional⸗Hypothek hingegen kann nur die wirklichen Güter, und die zder Schuldner ausdrücklich ver⸗ ſchrieben hat, erreichen. 2) Kann nach den Art. 2a53 ÿnd 226 während der Ehe oder der Vormundſchaft keine Verjäh⸗ rung weder zu Gunſten des Mannes oder des Vormundes, noch zu Gunſten dritter Erwerbet der mit dieſer Hypothek behaftereu 303 UM. Buch. XUIu. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2136.„Die Ehemänner und Vormünder ſind gleich⸗ „wohl verbunden, die Hypotheken, die auf ihren Gütern Güter laufen; dagegen die Verjährung aller andern Hypotheken zu Gunſten des Schuldnerz vom Tage der Verbindlichkeit an, und zu Gunſten dritter Erwerber vom Tage der Transſcription ihtes Rechtstirels zu laufen anfängt.(Art. 2130.) 3)— die Güter, worauf dieſe geſeßliche Hypothek haftet, nur auf die veſundere in dem Art 2193 u. folg. vorgezeichnete Weiſe davon frey gemacht werden; dagegen für die Freymachung der Güter von den übrigen Hypotheken eine andere allgemeine Weiſe ver⸗ geſchrieben iſtz end ich 4) eriſtirt die Hyporhek der Frauen und Minderzährigen mit dem Rechte, die hypothekariſche Klage gegen ſeden Beſitzer geltend zu machen, unabhaͤngig von aller Eintra⸗ zung; und hat ihren Rang vom Tage der geſchloſſenen Ehe oder der Annahme der Vormundſchaft; wogegen die übrigen Hy⸗ potheken keiae Exiſtenz oder doch keine Wirkung anderſt als mit⸗ telſt der Eiutragung haben, und erſt vom Tage an, wo dieſe Formalität erſüllt wörden iſt, einen Rang einnehmen. Heißt es inzwiſchen im verliegenden Artikel, die geſetzliche Pypethek der Frauen und der Minderjährigen exiſtire unab⸗ hängig von aler Eintragung, ſo hat dirſes doch den 3 Sinn nicht, als wenn ſie durchaus von gller Eintragung frey erklärt ſey; gan; anderer Ausdrücke bedient ſich wenisſtens a) der Art. 2107 in Auſehnsg gewiſſer Forderungen, die er wirk⸗ ich von aller Eintrahung frey erklären wollte; auch bezeichnet ja b) das Geſetzin den Art. 2136 2137 und 2138 die Perſo⸗ nuen, die die Eintragung dieſer Hypotheken befoͤrdern ſollen; ſo wie es dann auch e) im Cap. 9 dieſes Titels, im Falle, wo der Maun oder der Vormund ſeine Güter verkauft, ausdrückiich feſtſetzt Ddaß dieſe Hypotheken in einer gewiſſen Zeitfriſt eingetra⸗ gen werden möſſen, wo widrigenfalls die vérkkauften Güter frey davon aut den Erwerber übergehen. Nein— der Siun obiger Ausdruckes iſt dieſer: Richt das Datum der Eintrazung, ſondern dns Datum der Heiruth oder der Annahme der Vormundſchaft brſtimmt den Raug der geſetzlichen Hypothek der Frauen und Minderjährigen: Ferner, das Recht eine hypothekariſche Klage gegen jeden Beſitzer der mit dieſer Hypothek belaßteten Güter an⸗ zuſtellen, weſches eiae der wichtigſten Eigenſchaſten einer Hy⸗ pothek iſt erißirt und iſt wirkſam; ſelbſt vor aller Eintragung Was dieſes letztere Recht berrifft, dieß beſteht ebenfalls in des Verſicheraug/ daß das veräußerte Gut von der darauf haftenden — ————— 3 — „— v — — n. Buch Xvt. Wit. Von Privilegien und Hppothelen. 205 * haften, kundbar zu machen, und zu dieſem Ende, au? den „ Büreaur, die hiezu angeordnet find, auf die Immobilien, Hypothek nicht frey gemacht werden fönne, ohne daß der Hypo⸗ thekar⸗Glaͤubiger berufen werde, um ihn in den Stand zu ſesen, dafuͤr zu ſorgen, daß das Ent auf ſeinen wahren Werth gedracht werde. Iſt ron jeder andern Hypothek, als von der geſetzlichen Hopothek der Frauen und Minderjaͤhrigen die Rede, ſo muſſen nach dem Art 2183 nur die inſeribirten Gläubiger von der Ver⸗ önßeruig benachrichtigt werden; was aber zene geſetzlichen Hypo⸗ theken betrifft, hievon fann das Gut, wenn ſie ſchon nicht dar⸗ auf eingetragen ißt, anderſt nicht befreyt werden, als weun die im Art. 2194 vorgeſchriebene Inſinuation der Fran oder dem Rebenvormunde perſoͤnlich geſchehen iſt. In eben dieſem Artikel 2*94 beift es aber auch, daß die zu Folge ſeiner Vorſchrift bewerkſtelligten Eintragungen die nehmlicht Wirkung haben ſollen, als wenn ſie am Tage des Heiraths⸗Contractes oder der An⸗ nahme der Vormundſchaft geſchehen ſeyen. Dieſe Sintragung iſt alſo zwar nothwendig, um die Wirklichteit des geſetzlichen Hy⸗ votheken⸗Rechtes an Tas zu legen; keinesmegs aber beſtimmt ſie, wie bey den uͤbrigen Hypotheken, den Rang, den die Hypothe⸗ ken der Frauen und Minderjährigen einzunehmen haben. 1 Hier entſteht indeſſen die Frage, ob die geſetzliche Hypothet der Frauen an den Gütern ihrer Männer, und jene der Min⸗ derjährigen an den Gütern ihrer Vormuͤnder, nach aufgelöſter Ehe oder nach geendigter Bormundſchaft, noch mit allen ihnei anklebenden Vortheilen, unabhängig von jeder Eintraguig auf die nehmliche Art fortbeſtehe, wie ſie waͤhrend der Ehe und der Vormundſchaft beſtand; oder ob es nicht im Gegentheile eine beſtimmte Zeitfriſt gebe, nach deren Ablauf die geſetzliche Hypothet wegen Mangel der Eintragung ihre Hanpt⸗Eigenſchaft verliere, und jetzt nur denjenigen Rang einnehme, den ihr das Datum ihrer verſpäteten Eintragung beylegt. Dieſe Frage iſt zu wichtig, als daß ich nicht, ſo viel als möglich, dasjenige hier anfuͤhren ſollte, was Herr Tarrible im Répert. de jurispr. a. a. St. F. 3/ n. 2 darüber ſast. Zuerſt ſtellt er dis Gründe derjenigen dar, welche der Meinung ſind, daß nach aufgeloͤſter Ehe oder nach geendigter Vormundſchaft die Natur der geſetzlichen Hypothek geändert werde, und ſie nun in einer beſtimmten Zeitfriſt in die Regiſter eingetragen werden muͤſſe. Dieſe Gründe ſind ſolgende: z10 UMI. Buch. XvIII. Tit. Von Frivilegien und Hypotheken. „die ihnen wirklich zugehoren und auf diejenigen, die in der „Folge ihnen zugehören moͤgen, die Eintragung ſelbſt nach⸗ „zuſuchen. 1) Bey der geſetzlichen Hyrothek der Frauen und Minder⸗ ſährigen, muß man das Hypotheken⸗Recht an ſich ſelbſt von der Erhaltung des Rechtes unterſcheiden. um dieſes Recht aufrecht zu erhalten, koͤnnen Formalitäten nothwendig ſeyn, die von der Begründung deſſelben unabhaͤngig ſind, nehmlich die Formalität der Eintragung. 2) Daß das Gefetz dieſe Hypothek von der Eintragung nicht habe frey erklären wollen, dieß beweiſt insbeſondere der Art. 2194, nach deſſen Vorſchrift im Falle, wovon er handelt, die Eintragung von Seiten der Frau ſelbſt und zwar während der Ehe um ſo nothwendiger iſt, da widrigenfalls ihr Hypotheken⸗ Recht erliſcht; um ſo viel mehr kann alſo die geſetzliche Hypo⸗ thek nach aufgelöſter Ehe oder nach geendigter Vormundſchaft der Eintragung unterworfen werden⸗ 3) Der Art. 32 des Edietes aus dem Monate Junius 1771 verbreitet über dieſe Frage großes Licht; hier heißt es ſo: wir vollen in dem gegenwärtigen Edicte die Hypo⸗ theken der Frauen an den Guͤtern ihrer Maͤnner während der Lebenszeit geſagter Männer nicht mit einbegreifen. In allen auf den vorliegenden Gegenſtand ſich beziehenden Artikeln ſpricht das Geſetzbuch Napoleons immer⸗ während von der Perſon des Mannes, von der Perſon der Frau, von jener des Vormundes, von jener des Minderjährigen ꝛe. und dieß ſetzt allerdings voraus, daß alle Verfügungen ſich auf die Zeit beziehen, wo beyde Perſonen mit ihren gegenſeitigen Eigenſchaften zuſammen epiſtiren, d. h. wo die Frau und der Mann noch wirklich verheirathet ſind, wo der Minderjährige noch wirklich unter der Verwaltung ſeines Vormundes ſteht. Da nun das Edict von 1771 die Frauen während der Ehe von den Oppo⸗ ſitions⸗Aeten, welche conſervatoriſche Maßregeln ſind⸗ befreyte ſo hat auch das Geſetzbuch Napoleons die Frauen und Minder⸗ jährigen von der Eintragung, die ebeufalls nur eine conſervs⸗ tvriſche Maßregel iſt, gber nur während der Ehe, oder der Rin⸗ derjährigkeit frey erklären wollen. 4) Das Edict von 1721 ſah nur auf das Intereſſe dritter Erwerber. Nur zur Zeit der Veräußerung mußte Oppoſition gemacht weyden; und dieſe beſimmte alsdann den Rung der i. Buch. KVlII. Tit. Von Privilegien und Bypotheken. 311 „Ehemaͤnner und Vormunder, welche verſäumt haben, „die in dem gegenwärtigen Artikel befohlenen Eintragungen Opponenten nach ihren gegenſeitigen Rechtstiteln, ohne Rückſicht auf die Ordnung, worin die Dppoſitionen ſelbſt gemacht worden waren. Das G. N. hat fuͤr die Sicherheit dritter Perſonen üiberhaupt ſorgen wollen, die entweder das Eigenthum eines ſchon hypotheſirten Gutes, oder ein Hypotheken⸗Recht daran zu erwer⸗ ben wünſchen; den Erwerbern des Eigenthums hat es Mittel au die Hand gegeben, das Gut von den Hypotheken frey zu machen, und den Gläubigern Mittel verliehen, ſich zu verſichern, ob das Pfand, welches man ihnen anbiethet, hin⸗ läuglich ſey; dieſes Mittel beſteht in der Publicitaͤt der Inſerip⸗ tionen. Man hat indeſſen ſchon geſehen, daß die geſetzlichen Hypotheken der Frauen und Minderjährigen in Anſehung dritter Erwerber nicht von der Eintraguns befreyt ſind. Sogar iſt in dieſer Hinſicht das G. N. ſtrenger als das Ediet von 1774, weil dieſem Edicte zu Folge ein dritter Erwerber das Gut bey Leb⸗ zeiten des Mannes nicht einmahl mit Wirkſamkeit von der Hy⸗ vothek der Frau frey machen konnte, da doch, nach dem G. N. der dritte Erwerber die Frau ſelbſt während der Ehe zwingen kann, ihre Hypothek und zwar bey Strafe des Verluſtes eintra⸗ gen zu laſſen. Dieſe Strenge zeigt ſchon zum Voraus an, daß das G. N. ſich ebenfals nicht, was das Intereſſe eines dritten Gläubigers betrifft, übertrieben nachgiebis gegen die Frauen habe bezeigen wollen. In der That lest es ja 5) Dem Manne, dem Vormunde, dem Nebenvormunde aus⸗ drücklich die Pflicht auf, waͤhrend der Ehe oder der Minderjaͤh⸗ rigkeit die Hypothek eintragen zu laſſen. Freylich ſchadet die Unterlaſſung dieſer Formalität der Frau oder dem Minderjähri⸗ gen nicht; dagegen bleibt es doch ſicher, daß dgs Geſetz ihre Eintragung und zwar während der Ehe oder der Vormundſchaft gewollt habe; denn, nach aufgelöſter Ehe, oder geendigter Vor⸗ mundſchaft iſt kein Mann, kein Vormund, kein Nebenvormund, kurz, keine der Perſonen mehr vorhanden, die nahmentlich zur Eintragung verbunden ſind; da ſich nun nicht denken läßt daß eine während der Ehe und der Minderzährigkeit mit ſo vieler Strenge auferiegte Verbindlichkeit nach aufgeloſter Ehe oder nach erlang⸗ ter Großjährigkeit aufhöre, ſo muß man allerdings eingeſtehen, daß eben dieſe Verbindlichkeit auf die Frau und den Großjähri⸗ gen! die nnn über ihre Rechte frey disponiren können, über⸗ ehe. In dieſem Einne ſagt 312 M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken „nachzuſuchen und zu veranſtalten, und dann nachher Pri⸗ „vilegien oder Hypotheken auf ihre liegenden Güter entweder „verwilligen oder von andern nehmen laſſen würden, ohne 6) Herr Treilhard in ſeiner Rede ans Geſetzgebungs⸗Corps: man muͤſſe die Folgen der Unterlaſſung auf die Männer und die Vormünder ſchieben.. während die Frauen und die Pflegbefohlene offenbar von alem Vorwurfe frey ſind. Ausdrücke, die ſich offenbar auf die Zeit der beſtehenden Ehe und der Minderjaͤhrigkeit be⸗ zieben. Kurz, die Eintraguns iſt eine conſervatoriſche Maßre⸗ gel, wovou das Geſetz die Frau und den Minderjährigen ſo lange befreyen konnte, als ſie daran verhindert waren, woin aber dann, wenn die Hinderniſſe gehoben ſind kein Grund mehr vorhanden iſt. Die geſetzliche Hypothek der Frauen und Minder⸗ jährigen wird alſo der Eintragung unterworfen, wenn die Frau Wittwe wird, und der Minderjaͤhrige ſeine Grojjaͤhrigkeit er⸗ reicht hat. Wann, und binnen welcher Zeitfriſt ſoll nun aber dieſe Sinträzung Statt haben? Um dieſe Frage aufzulöſen, muß man, ſagen die Anhaͤnger dieſer Meinung, die Eintragung in den Ver⸗ hältuißen unterſcheiden, worin ſie gegen die Glaͤubiger, und gegen dritte Erwerber ſteht. A. Was die Gläubiger betrifft, muß man zuerſt annehmen, daß das aus der geſetzlichen Hypothek der Frau entſpringende Recht ihr in dem Augenblicke, der auf die Aufloͤſung der Ehe folgt, ſeinem ganzen Umfange nach, und zwar ohne Ruͤckſicht guf alle Eintragung zuſtehe; denn erlitte es in dem Augen⸗ blicke, wo die Frau die noͤthige Freyheit erwitbt, um Gebrauch davon zu machen, eine Modiſication, oder hoͤrte es ſogar in die⸗ ſem Augenblicke auf, ſo wuͤrde es offenbar fruchtlos ſeyn. um ſich alſo mit dem Syſtem des Geſetzes wieder in Harmonie zu ſetzen, muß man hieraus die Folge herleiten, daß in dieſem Au⸗ genblicke eine ſtillſchweigende Eintragung vorhanden ſey, die die nehmliche Kraft hat, wie eine buchſtaͤbliche. Auch muß dieſe ſtillſchweigende Eintragung von der nehmlichen Dauer ſeyn, wie eine ausdruͤckliche; und da die Verfuͤgung des Art. 2154 in Betreff der Dauer der Inſcriptionen ganz allgemein iſt, ſo muß auch dieſe ſtillſchweigende Einttagung nur zehn Jahre lang dauern. Freylich bedarf die Frau keiner urſprünglichen Eintra⸗ gang, die bey gewöhnlichen Hypotheken nothwendig iſt, um ih⸗ IMI. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 313 „ausdrücklich zu erklären, daß beſagte Immobilien der den „Frauen und den Minderjaͤhrigen geſtatteten geſetzlichen Hy⸗ —= nen einen Rang zu ertheilen, weil der Rang ihrer Hypothek auf die Epoche der Heirath feſtgeſetzt iſt; nichts ſpricht ſie aber, wenn ſie frey iſt, von der Aufrechthaltunz dieſes Ranges, und folglich von der Eintragung binnen den zehn Jahren los. Unter⸗ läßt ſie dieſe waͤhrend der zehn Jahre nach aufgelöſter Ehe, ſo wird zwar ihre Hypothek an den Gütern, die urſprünglich damit be⸗ laſtet waren, fortwaͤhren, aber die gewöhnlichen Hypotheken, die vor der Inſeriptivn ſich eingetragen finden, welche ſie nach Ablauf der zehn Jahre genommen hat, werden den Vorzug vor der ihrigen haben. Das nehmliche paßt auch auf die Minderjährige und ihre Erben. B. In Hinſicht dritter Erwerber iſt die Frau zu einer buch⸗ ſtäblichen Eintragung verbunden, ſobald der Erwerber das Gut ſrey machen will. Waͤhrend der Ehe iſt ſie ſchon hiezu verbun⸗ den, wenn ſie ihre Hypothek nicht verlieren will, um ſo viel mehr alſo nach aufgelöſter Ehe. Nur kann in der Art des Verfah⸗ rens, welches der Erwerber zu befolgen hat, um die Frau zur Ein⸗ tragung ju zwingen, ein Unterſchied Statt haben. Hat der Er⸗ werber vom Manne oder vom Vormunde während der Ehe oder der Minderjaͤhr igkeit erworben, ſo muß er, um jur Freymachung des Gutes von den geſetzlichen Hypotheken zu gelangen, ſich nach den Verfügungen des Cap.„ dieſes Titels richten. Hat er aber von den Erben des Mannes, oder von dem ehemahligen Vormund nach der Großjaͤhrigkeit des Minderjaͤhrigen erworben, ſo hat er kein anderes Verfahren zu beohachten, als jenes, welches im Cap. s dieſes Titels vorgeſchrieben iſt. Wenigſtens iſt in den Art. 2193 und 294 von Veraͤußerungen unbeweglicher, den Männern oder Vormündern zugehörigen Güter, von den Frauen, Männern, Vormündern, Nebenvormündern, und Minderjaͤhri⸗ gen die Rede, und aus ihrem ganzen Inhalte geht hervor, daß der Geſetzgeber nur den Fall vor Angen gehabt habe, wo die Veräußeruns während der Ehe oder der Vormundſchaft ge⸗ ſchehen iſt; ihre Verfügung kann folglich anf Veräußerungen nicht angewendet werden, die nach aufselöſter Ehe oder nach geendigter Vormundſchaft geſchehen. Herr Darrible iſt nichts deſtoweniger der entgegengeſetzten Meinung, und ſtützt ſie auf folgende Gründe: 314 M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „pothek ſchon vorher unterworfen waren, ſollen des Stellio⸗ „nats ſchuldig gehalten, und können als ſolche dunch perſön⸗ »lichen Arreſt zur Zahlung gezwungen werden.« Die geſetzliche Hypothek, ſagt er 1), iſt, wie die Hauptver⸗ dindlichkeit, deren Acceſſorium ſie iſt, ein immerwährendes Recht, welches ſich auf die Erben übertragen laͤßt; ſie be⸗ ruht auf dem Geſetze, welches ihr alle Eigenſchaften, woraus ße beſteht, beygelegt hat; ſo lange ſie exiſtirt, kann ſie keine andere Modiſication erleiden, als jene, die das Geſetz etwa beſtimmt haben möchte, und ſie kann nur aus den durch das Geſetz be⸗ ſtimmten Urſachen ju epiſtiren aufhören. So verleiht der Art. 1425 der der Frau das Recht, alle ihre Anſpruͤche auf die ihr gebührenden Wiedererſtattungen geltend zu machen ertheilt, das nehmliche Recht ihren Esben, ausgenommen jedoch die Voraus⸗ nahme der Leinwand und der Kleidungsſtücke ſo wie auch die Wohnnng und den uuterhalt waͤhrend der zur Errichtung des Inventariums und als Bedonkzeit geſtatteten Friſten, und erklärt, daß dieſe Rechte der Frau nur fuͤr ihre Perſon zuſtehen. Hätte der Geſetzgeber die Abſicht gehabt, nur der Frau allein und während der Ehe, oder dem Rinderjährigen allein, und während der Vormundſchaft, die der geſetzlichen Hypothek beygelegten Vortheile zu verleihen, ſo wuͤrde er ſich deßhalb ſo erklärt haben, wie er in Anſehung der im Falle der Verzichtleiſtung auf die Gütergemeinſchaft geltend zu machenden Wiedererſtattungen ge⸗ than hat; daraus aber, daß er dieß nicht gethan hat, läßt ſich ſchließen, daß die Veraͤnderung des Zuſtandes der Frau oder des Minderjährigen keine Aenderuns an den aus der geſetzlichen Hypothek entſpringenden Rechten hervorbringe, und dieſe Rechte folglich ganz ungekränkt bleiben, bis die Hypothek aus irgend einer der im Art. 2180 angezeigten urſachen erliſcht. Spricht auch 2) das Geſetz im vorliegenden Titel nur von der Perſon der Frau und des⸗Minderjährigen, und mußte es ſie auch freylich in Schutz nehmen, waͤhrend ſie ſelbſt zu handlen unpermögend ſind, ſo folgt doch hieraus nicht, daß das ihnen verliechene Recht bloß zu Gunſten ihrer Perſonen, und nur während der Ehe oder Minderjährigkeit Statt haben muͤſſe. Dieſes Argument bewieſe in der That zu viel, mithin nichtse indem daraus folgen muͤrde, daß die geſetzliche Hypothek im Au⸗ genblicke der Außöſung der Ehe oder der Beendigung der Vor⸗ mundſchaft verſchwinden muͤßte. Selbſt die Vertheidiger der ent⸗ Il. Buch. XVIIH. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. 315 Man warf die Frage auf, ob Gebühren von dieſer Ein⸗ tragung der geſetzlichen Hypotheken entrichtet werden ſollten, und wer ſie bezahlen ſolle. Der Frau und den Minderjäh⸗ gegengeſetzten Meinung geben iniwiſchen nach, daß das geſetz⸗ liche Hypotheken⸗Recht die Auflöſung der Ehe, oder die Errei⸗ chung der Großjaͤhriskeit gauz ungekraͤnkt überleben müſſe, wenn es nicht fruchtlos ſeyn ſollte; hat es nun aber einen einzigen Augenblick in der Perſon der Frau, nachdem ſie Wittwe gewor⸗ den iſt, oder des Minderjährigen nach erlangter Großjährigkeit ganz und ungekränkt beſtanden, ſo kann es anderſt nicht, als durch eine ausdrückliche Verfügung des Geſetzes aufgehoben oder einge ſchränkt werden; eine ſolche Verfügung wird man aber nirgends antreffen. Was wir von den Frauen und Minderjährigen geſagt haben, die nicht mehr vom Manne abhängig ſind,od er vom Vormunde iſt 3) gleichfalls auf ihre Erben anwendbar. Hat das Geſetz auf eine eigene Weiſe für die Erhaltung der Güter der Frauen und der Minderjährigen geſorgt, ſo geſchah es deßwegen, damit ſie, wenn ſie die Verwaltung derſelben zuruͤckerhalten oder angetreten haben, deren genießen, und ſie auf ihre Erben übertragen könnten. Wird alſo die Ehe durch den Tod der Frau aufgelöſt, oder ſirbt der Minderjaͤhrige im Augenblicke, wo er großjähris wird, ſo muß das ganie Hypotheken⸗Recht auf ihre Erben ſo übergehen, wie ſie es ſelbn genoſſen haben würden, wenn ſie beym Leben geblieben waͤren. Vergebens fagt man 4) bey der Aufloͤſung der Ehe, oder bey Beendigung der Vormundſchaft trete eine ſtillſchweigende Inſcription ein, die ſo wie eine buchſtäbliche binnen zehn Jah⸗ ren erneuert werden müſſe. Dieſe Behauptuns iſt ohne allen Grund, und die Schlußfolge daraus unrichtig. Im Art. 21947 wo von der Eintragung die Rede iſt, die binnen den zwey Monaten, waͤhrend welcher der Kaufcontraet angeheftet bleiben muß, geſchehen ſoll, heißt es ja, daß dieſe Eintragung die nehmliche Wirkung haben ſoll als wenn ſie am Tage des Heiraths⸗Con⸗ tractes, oder der Annahme der Vormundſchaft geſchehen waͤre— ein Beweis, daß das Geſetz einer ſtillſchweigenden Eintragung zur Zeit, wo die Ehe aufgelöſt wird, oden die Vormundſchaft aufhört, keine Stelle einräumt. Die geſetzliche Hypothek exißtirt ohne Beyhülfe irgend einer ausdrücklichen oder ſtillſchweigenden Eiatragung, und aus dieſer Wahrheit folgt der richtige Schluß⸗ 316 II. Vuch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. rigen, ſagte man, dürfen ſie nicht zu Laſt fallen, weil ſie keine Eintragung nöthig haben, und dieſe bloß deßwegen geſchieht, um dritte Perſonen zu benachrichtigen, daß Hypo⸗ daß dieſe Hypothek, die zu ihrer Erhaltung keiner urſprüngli⸗ chen Eintragung bedarf, ebenfalls keiner erneuerten Eintragung bedürfe. Eben ſo wenig ſchlüſſig iſt§) das aus dem Ediete von 1771 hergeleitete Argument. Hat dieſes Edict die Dauer des den Frauen verliehenen Rechtes auf die Lebenszeit der Männer be⸗ ſchränkt, ſo hätte das neue Geſetz doch auch beſtinmt erklären müſſen, daß die geſetzliche Hypothek mit allen ihren Attributen ¹ nur während der Ehe, oder vielmehr waͤhrend einer beſtimmten 1 Zeit nach aufgeloͤſter Ehe Statt haben ſollte; da es dieß aber 1 nicht gethan hat, ſo kann man mit Recht ſchließen, daß es die Abſicht nicht hatte, die Dauer der Attribute der geſetzlichen Hypothek auf jene der Ehe oder der Minderzährigkeit zu be⸗ ſchränken. Anderer Seits iſt aber auch der Unterſchied zwiſchen jenem Edicte und dem G. N. zu groß, als daß auch nur einige Analogie zwiſchen der Natur und der Dauer der Rechte, die jedes dieſer beyden Geſetze den Frauen verleiht, Statt habe. Nach dem Edicte, war a) eine verheirathete Frau nicht ſchuldig, wenn der Mann ſein Gut veräußerte, waͤhrend der Ehe eine Oppoſition gegen die Verſteglung der Beſtätigungs⸗Urkunben einzulegen Auch konnte während dieſer Zeit, das Gut wegen Mangel der Oppoſition von ihrer Hypothek nicht frey gemacht werden; nach dem G N. muß die Frau, ſelbſt während der Ehe, in dieſem Falle ihre Hypothek eintragen laſſen, menn ſie dieſelbe nicht verlieren will; nach dem Sdicte beſtimmte b) nicht das Datum der Oppoſitionen, ſondern das Datum der Rechtstitel die Rangordnung unter den Glaͤubigern, dagegen nach dem G. N. das Datum der Eintragungen den Rang unter den Gläubigern feſtſetzt: nach dem Ediere konnte zwar e) das Gut des Mannes nach auſgelöſter Ehe von der Hypothek der Frau befreyt wer⸗ den, wenn ſie keine Oppoſition einlegtes that ſie aber dieſes binnen den zwey Monaten, während welcher der Contrart an, geheftet blieb, ſo erhielt ſie ihr Hypotheken⸗Recht gani unge⸗ kränkt, und es datirte ſich vom Tage der Heirath anz da nun das 6. N die geſetzliche Hyp thek der Frau von aller Eintra⸗ gung unabhängig erklärt, ſo mus ſie auch die nehmliche Wir⸗ kung na) aufgelöſter Ehe hervorbringen, dh ſie muß bis ium Tage der Heiraih hinaufſteigen, zu welcher Zeit auch ihre For⸗ Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 317 theken genommen worden ſind. Der Mann und der Vor⸗ mund müſſen ſie aber auch nicht bezahlen, weil für ſie kein derung eingetragen worden ſeyn mag, vorausgeſetzt, daß dieß nut binnen der im Art. 2195 vorgeſchriebenen Friſt geſchehen it; und in dieſer Hinſicht beweiſt ſogar das Edict von 1771 mehr für als gegen unſere Meinung. So lange alſo das hypo⸗ theſirte Gut in den Händen des Mannes, des Vormundes oder ihrer Erben bleibt, iſt die Eintragung der Frau oder des Min⸗ derjährigen in Anſehung der Hypothecar⸗Glaͤubiger nie verſpätet. Daß aber auch dritte Erwerber, die erſt nach aufgelöſter Ehe oder nach geendigter Vormundſchaft erworben haben, wenn ſie das Gut von den geſetzlichen Hypotheken der Frau und des Minderjaͤhrigen frey machen wollen, die im Cap. 9 dieſes Titels vorgeſchriebenen Formalitäten erfüllen muͤſſen, daß ferner die e Hypotheken fortwaͤhren, wenn ſie ſchon binnen zehn Jahren nach aufgelöſter Ebe oder geendigter Vormundſchaft nicht erneuert worden ſind, dieß wird bey den Art. 2134 und 2194 noch näher geieigt werden. Vom Tage der Heirath anzurechnen. Im Art. 2194 hingegen heißt es, die Eintragung, die während der Zeit geſchieht, binnen welcher der Veraͤußerungs⸗Act angeheftet bleib, habe die nehmliche Wirkung, als wenn ſie am Dage des H i. raths⸗Contractes geſchehen wäre. Wirklich kann die ge⸗ ſesliche Hypothek der Frau ſich auf beyde bezeichnete Epochen beziehen. Haben die Ehegatten vor ibrer ehelichen Verbindung keinen ſchriftlichen Heiraths⸗Contraet errichter, ſo beſtimmt, wie es in dem Art. 1387 und 1393 heißt, das Geſetz die Wirkungen der ehelichen⸗Geſellſchaft; vom Augenblicke an, wo eine Heirath vorhanden iſt, gibt es alſo auch Regeln, welche die gegenſeitigen Rechte der Ehegatten feſtſetzen. Iſt kein ſchriftlicher Contract vorhanden, ſo ſind dieſe Regeln jene, die das Geſetz unmittelbar aufgeſtellt hat. Iſt ein ſchriftlicher Contraet vorhanden, ſo ſind die Regeln die nehmlichen, mit Ausnahme der Modiſicationen, welche die Contrahenten daran vornehmen konnten und wollten. Im erſten Falle hat die Hypothek vom Tage der Heirath Statt, weil die Ehegatten an eben dieſem Tage ihre gegenſeitigen Rechte ſtillſchweigend der Beſtimmung des Geſetes unterwerfen; im zweyten Falle aber datirt die Hypothek vom Tage des Contrae⸗ tes, weil hierin die ausdrückliche und gegenſeitige Uebereinkunſt der Contrahenten enthalten iſt. 318 1h. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Vortheil daraus entſpringt; ſie muͤſſen folglich von allen Fisc al⸗Abgaben befreyt werden. Die Frau hat in Hinſicht der Dotal⸗Gelder, welche ꝛe. Dieß iſt von dem Falle zu verſtehen, wenn der⸗ gleichen von kuͤnftigen Schenkungen oder Erbſchaften herkommende Gelder in dem Heiraths⸗Contracte zum Brautſchatze geſtellt wor⸗ den ſind; denn auch kuͤnftige Güter können ein Gegenſtand des Brautſchatzes ſeyn. Wenn es übrigens hier heißt, die Frau habe eine Hypothek von dem Tage an, da die Schenkungen ihre Wirkung erhalten haben, ſo heißt dieſes, von dem Tage an, wo das Recht die geſchenkten Summen zu beziehen und in Empfang zu nehmen erworben wird. In der That hat eine Schenkung ihre Wirkung von dem Augenblicke an, wo das daraus entſpringende Recht dem Geſchenknehmer erworben iſt, wenn ſchon die Kraft einer ſolchen Schenkung erworbenen Gelder erſt ſpaͤterhin ausgezahlt werden ſollten, alſo— vom Tage der Annahme der Schenkung. In keinem Falle ſoll ꝛe. Pffenbar bezeichnet hier der Geſetzgeber die Frauen, die zur Zeit, wovon er ſpricht, wirklich verheirathet ſind. Dieſen läßt er ebenfalls die im Artikel ent⸗ haltenen Verfuͤgungen angedeihen, unter der Einſchränkung gleich⸗ wohl, daß die Rechte⸗ welche dritte Perſonen vor der Verkuͤn⸗ dung des gegenwärtigen Titels erworben haben moͤgen, dadurch nicht geſchmälert werden ſollen. Daß hier bloß von Hypothekar⸗ Rechten die Rede ſey, bedarf faſt keiner Erinnerung. Haben alſo dritte Perſonen zu dieſer Zeit noch keine Hypotheken⸗Rechte an den Guͤtern des Mannes erworben, ſo tritt die geſetzliche Hppothek der Frauen gani ſo ein, wie ſie dieſer Artikel feſtſetzt. Rspert. de jurisprud. a. a. St. F. 3, n. 8 u. f. Daß die Verfuͤgung dieſes Artikels ſogar zu Gunſten der vor dem Geſetzbuche Napoleons verheirarheten Frauen ſelbſt dann ein⸗ trete, wenn ſie in einem Lande ſich verheirathet hatten; wo die geſetzliche Hypothek der Frauen unbekannt war, dieß entſchied der Appellations⸗Hof von Brüſſel am 24 December 1806 in der Sache der Dame Prinli wider die Glaͤubiger ihres Mannes. Jurisprud. de la C. de C. 1607 im Anhange p. 45 u. f. Die wichtigen Modißeationen, die übrigens die vorliegenden Verfügungen durch die Handels⸗Geſetze erlitten haben, muß man III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. z10 Immer muß doch, antwortete man, die Gebuͤhr des Hy⸗ potheken⸗Bewahrers bezahlt werden; was den Fiscus angeht, kann die Zahlung bis zum Augenblicke verſchoben werden, wo die geſetzliche Hypothek allenfalls geltend gemacht wird. Uebrigens muß man hierüber ein Geſetz machen. Nach der Vorſchrift des Art. 21 des Geſetzes vom Bru⸗ maire mußten die geſetzlichen Hypotheken eingetragen werden, ohne daß es einmahl noͤthig war, die Gebühr des Bewahrers vorzuſchießen; nur behielt dieſer deßhalb ſeinen Regreß gegen denjenigen, gegen den die Hypothek genommen wurde. S. den Art. 2155, welcher die Frage ſo entſchieden hat, wie das Geſetz vom Brumaire.*) Art. 2137.» Die Nebenvormünder ſind, unter perſön⸗ „licher Verantwortung, und bey Strafe allen Schaden und „entbehrten Gewinn zu erſetzen, verbunden, dafuͤr zu wa⸗ „chen, daß die Eintragungen auf die Güter des Vormun⸗ „des, in Hinſicht deſſen, was er aus ſeiner Verwaltung im B. 3, Abſchn. 3, von den Rechten der Ehefrauen im Handlungs⸗Geſetzbuche nachſehen. B. *) Da weder unmittelbar noch mittelbar aus dem vorliegenden Artikel hervorgeht, wo, wann und wie der Mann oder der Vor⸗ mund die ihnen vorgeſchriebene Erklaͤrung dann zu thun haben, wenn während der Ehe oder der Vormundſchaft Privilegien, oder geſetzliche Hypotheken z. V. zu Gunſten des Fiscus, an ih⸗ ren Guͤtern eintreten, oder wenn gerichtliche Hypotheken gegen ſie eintreten; da ferner die Eintragung der Frivilegien, der ge⸗ ſetzlichen und gerichtlichen Hypotheken nicht don der Einwilligung des Schuldners abhaͤngt, ſo kann der Mann oder Vormund ſich nur dann eines Stellionats ſchuldig machen, wenn ſis eine Con⸗ ventional Hypothek verwilligen oder nehmen laſſen, ohne die vorgeſchriebens Erklärung abzugeben. Repert. de jurisprud. a. a. St. n. 14. F. 330 M. Vuch. xvIII. Cit. Bon Privilegien und Hypothelen. „ſchuldig werden mag, ohne Verzug geſchehen; ſogar ſind ſie „verbunden, dieſe Eintragungen zu veranſtalten.«*) Art. 2138.»Wenn die Ehemänner, Vormünder und „Mebenvormuͤnder die in den vorhergehenden Artikeln befoh⸗ „lenen Eintraguugen vollziehen zu laſſen verſäumen, ſollen „ſie von dem kaiſerlichen Procurator beym Gericht der erſten „Inſtanz des Ortes, wo die Männer und Vormuͤnder ihr „Domicil haben, oder des Ortes, wo die Güter gelegen „ſind, requirirt werden.**) *) Dieſe Verantwortlichkeit hat gegen dritte Perſonen, nicht gegen den NRinderjährigen Statt, weil deſſen Hypothek auch ohne Ein⸗ tragung epiſtirt. B. ) Das Geſetz macht ihn aber nicht für die Unterlaſſung ver⸗ antwortlich. B. Inſtruction des Groß⸗Richters, Juſtitz⸗Miniſters, welche er den 15. September 1306 an die kaiſer lichen Proeuratoren erlaſ⸗ ſen hat. Einige kaiſerliche Procuratoren waren der Meinung daß ſie ohne Unterſchied und ohne vorlaͤufige Prüfung von Amts wegen zur Sicherſtellung des Brautſchatzes des eingebrachten Vermögens der Frauen und der ihnen aus dem Ehecontraete zuſtehenden Rechte auf die Immobilien der Maͤnner die Eintragungen der Hypothekenrechte vornehmen laſſen muͤßten. Audere, die ihre Sorgfalt nicht ſo weit trieben, haben es ſich zum Geſeße ge⸗ macht dieſe Eintragungen jedesmahl nachzuſuchen, wenn der Contract über den Verkauf eines Immobiliar⸗Stückes, das einem Manne iugehörte auf der Gerichts⸗Kanielley durch den Ankäu⸗ ſer niederselegt wird, um es von den geſetzlichen Hypotheken zu befreyen. Beyde Syſteme die mit den Werten und dem Geiſte des Geſetzes im Widerſpruche ſtehen, verletzten Treue und Glauben der Verträge und hindern die freye Ausuͤbung des Eigenthums⸗ rechtes; es iſt alſo nothwendig ſie abzuſchaffen, und diejenigen, welche durch einen übertriebenen Eifer die Regel uͤberſchritten haben au dis genaue Befolgung derſelben zu erinnern. Das Geſetz da es dem öſfentlichen Miniſterinm auftrug, 1on Amts negen die Eintraguns der Hypothekenrechte auf die Güte⸗ . Buch. XLVIIMI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 321 Art. 2139.»Auch können die Verwandten des Mannes oder der Frau, und bie Verwandten des Minderjährigen, oder, in Ermangelung der Verwandten, ſeine Freunde die der Männer, ſowohl zur öffentlichen Garautie als zur Sicherſtel⸗ lung der Rechte der Frauen zu requiriren, hatte nur zum Zwecke, die Nachläßigkeit oder nnthärigkeit derjenigen zu erſetzen, die dieſe Eintragungen vornehmen laſſen ſollen oder können; dieſes ergibt ſich aus den woͤrtlichen Berfügungen der Artikel e18, „139 und 2194 des Geſetzbuches Napoleons. Die Dazwiſchenkunft des öffentlichen Niniſteriums in den Fällen, von denen es ſich handelt, iſt alſo bloß ſubſidiariſch und der größern oder geringern Sorsfalt der Parteyen unter⸗ geordnet; es iſt aber vorzüglich daran gelegen, daß es nur mit vollkommener Kenntniß der Sache handle, und nachdem es ſich überzeugt hat, daß der Fall vorhanden ſey! wo die Eintragung geſchehen muß um den Ehegatten keine unnütze Koſten und denjenigen, die mit ihnen auf eine geſetzmäßige Weiſe contra⸗ hirt haben, keine zweckloſe Schwierigkeiten und eine nachtheilige Verlängerung der Geſchäfte zu verurſachen. Man würde z. B. ſehr zwecklos die eontrahirenden Parteyen in Verlegenheit ſetzen, wenn man von Amts wegen zu Gunſten der Fräu die Eintragung der Hypothekenrechte auf Immobil en requirirei wurde, die zu Folge der Attikel 2140 und a144 des Geſetzbuches Napoleons von der geſetzlichen Hypotheck befreyt worden wäten. Die Eintragung von Amts wegen wuͤrde in allen jenen Fällen die nehmliche Wirkung hervorbringen, in denen ſich die Frau ſolidariſch mit ihrem Manne nach dem Geſetze verbunden hat; da ſie, wie jeder andere die Verbindlichkeiten erfüllen muß, die ſie auf eine gültige Weiſe eingegangen hat, und alſo als ſolidariſche Verkäuferinn gehalten iſt, dem Ankaͤufer Gewähr gegen jede Eviction zu leiſten, auf die dritte Perſonen gegen ihn klagen könnten; wäre es nicht ein Widerſpruch, daß man in ihrem Nahmen Eintragungen vornehmen koͤnnte, welche zum Zwecke hätten; dieſen Ankaͤufer zu beunruhigen und ſelbſt zu berauben. Der kaiſerliche Procurator muß alſo nur dann eine Inſerip⸗ tion zum Vortheile der Frau nehmen, wenn er gehörig conſtätirt hat, daß ſie berechtiget iſt, ihre geſetliche Hypothek gegen den Inkaͤufer geltend zu machen. 17 Males⸗ 21 z22 1M. Buch. XVIII. Tit. Von Pprivilegien und Hypotheken. „beſagten Eintragungen nachſuchen; ſie können gleichfalls „von der Frau und von den Minderjährigen verlangt „werden.«*) Art. 2140.„Iſt in einem Heiraths⸗Contracte unter „großjährigen Parteyen die Uebereinkunft getroffen worden, „daß die Eintragung nur auf ein Gut oder auf gewiſſe lie⸗ „gende Güter des Mannes nachgeſucht werden ſoll, ſo bleiben „die Immobilien, die für dieſe Eintragung nicht angewieſen „worden ſind, von aller Hypothek für den Brautſchatz der „Frau, für die ihr gebuͤhrende Wiedererſtattung ihres Ver⸗ „mögens und die in dem Ehe⸗Contracte ihr geſchehenen Zu⸗ „ſagen ledig und frey. Man kann durch keinen Vertrag „ausbedingen, daß gar keine Eintragung geſchehen ſoll.⸗ Im erſten Entwurfe des vorliegenden Artikels hieß es, die Frau könne im Heiraths⸗Contracte auf ihre geſetzliche Hypothek unbedingt Verzicht leiſten. Dieſer Satz wurde lebhaft angegrifſen: bloß deßwegen, ſagte man, hat eine Hypothek den Nahmen einer geſetzlichen, weil ſie bloß auf dem Anſehen des Geſetzes beruht; hat aber Bey dieſer Inſtruetion habe ich beſonders den Fall in Er⸗ wägung gezogen, wenn die Eheleute in Gütergemeinſchaft leben, welche ihnen die Vefuguiß einraͤumt, zum vorzuͤglichen Nutzen der ehelichen Geſellſchaft ſich zu verbinden und ihre Güter zu veräͤußern. Haben die Eheleute ſich nach Dotal⸗Rechten ge⸗ heirathet, wo die zum Brautſchatze beſtellten Immobilien nur wegen der urſachen und in den Fällen, welche das Geſetz be⸗ ſtimmt hat, veräußert werden können, und wo übrigens das wechſelſeitige Intereſſe der Ehesatten ſich nicht vermiſcht, wie bey der Gütergemeinſchaft, ſo hat die Frau ſeltener Gelegen⸗ heit, mit ihrem Manne ſich zu verpflichten; wenn aber der Fall eintritt, ſo muß der kaiſerliche Proeurator ſich eben ſo wie in Ruͤckſicht der Frauen benehmen, die in der Götergemein⸗ ſchaft leben. *) Man bemerke hier wohl, daß das Geſetz; da es von Freun⸗ den ſpricht, bloß Freunde des Ninderjährigen bezeichnet. B. U. Buch. XVIII. Cit. Von Privilegien und Hypotheken. 323 die Frau die Befugniß, auf dieſe Hypothek Verzicht zu lei⸗ ſten, ſo iſt ſie nicht mehr geſetzlich. Dhnehin hat das Geſetz des allgemeinen Wohls wegen, und um den Kindern und der Familie im Falle eines Ungluͤckes eine Hülfsquelle offen zu halten, dieſe Hypothek eingeführt; auf dasjenige aber, was zur allgemeinen Ordnung gehört, kann man nicht Ver⸗ zicht leiſten. Daraus, ſagte man anderer Seits a), daß das Geſetz der Frau dieſe Hypothek verleiht, folgt nicht, daß ſie darauf nicht Verzicht leiſten könne; daß ſie dieß nach der Heirath nicht thun könne, das gibt man gerne zu; vor der Heirath aber ſteht es ihr b) wenn ſie großjährig iſt, oder falls ſie minderjährig iſt, ihren Verwandten Nahmens ihrer frey, alle ihre gut ſcheinende Bedingungen zu ſtipuliren; oft kann c) eine ſolche Verzichtleiſtung nuͤtzlich ſeyn, und man muß den Contrahenten die Freyheit laſſen, die Bedingungen ihrer Verbindung ihrem Intereſſe gemäß einzurichten; überdieß iſt ja d) die Frau befugt, in ihrem Heiraths⸗Contracte ihr gan⸗ zes Vermögen ihrem Manne zu ſchenken; um ſo viel mehr muß ſie alſo auch die Befugniß haben, ihn von der Hypo⸗ thek zu befreyen; und— wollte man e) das Verboth zur allgemeinen Regel machen, ſo waͤre dieß eben ſo gut, als wenn man auf ganz Frankreich das Dotal⸗Syſtem ausdeh⸗ nen, und der Verfügung entgegen arbeiten wollte, die, im Falle einer Gütergemeinſchaft, die Veraͤußerung der Güter der Frau erlaubt. Selbſt in den Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗ Rechte hatten, erwiderte man indeſſen hierauf a), war es der Frau nicht erlaubt, auf alle geſetzliche Hypothek Ver⸗ zicht zu leiſten; vom Falle der Schenkung läßt ſich b) auf jenen der Hypothek kein Schluß herleiten, denn die Frau ſchenkt, weil ſie es will; will ſie aber nicht ſchenken, ſo kann man ſie auch nicht, mittelſt einer glimpflichen Verzicht⸗ leiſtung auf alle Hypothek, der Gefahr ausſetzen, ihr Vermoͤgen zu verlieren; anders hierin verfahren heißt c) den Stand 3½ M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken und die Lage einer Gattinn verunſtalten, ihr den Schutz des Geſetzes rauben, und die geſetzlichen Hypotheken vernichten⸗ Freylich iſt d) kein Brautſchatz vorhanden, ſo lange keine Heirath vor ſich gegangen iſt; aber, der Heiraths⸗Contract, und die Heirath ſind zwey unzertrennliche Dinge, denn der Contract beſtimmt den Zuſtand der Frau, nicht fuͤr den Fall, wo ſie Mädchen bleiben würde, ſondern für jenen, wo ſie die Eigenſchaft einer Gattinn angenommen haben wird. Dieſen und andern ähnlichen Beweggründen zu Folge wurde die Befugniß Verzicht zu leiſten auf gewiſſe Güter beſchränkt; damit man aber aus einigen Verfügungen des Titels vom Heirathe⸗Contracte, die den Ehegatten in An⸗ ſehung ihrer Heiraths⸗Verträge eine unbegränzte Freyheit ge⸗ ſtatten, keine falſche Schlußfolgen herleiten möchte, wurde die allgemeine Verzichtleiſtung auf alle Hypothek ausdrück⸗ lich verbothen⸗ Art. 2141.»Gleiche Bewandtniß hat es mit dem Im⸗ „mobikiar⸗Vermögen eines Vormundes, wenn die Verwand⸗ „ten in dem Familienrathe der Meinung geweſen ſind, daß „die Eintragung nur auf gewiſſe Immobilien geſchehen ſoll.⸗ Aus dem nehmlichen Grunde hat man dem vorliegenden Artikel die nehmliche Verfügung eingerückt, die im vorher⸗ gehenden Artikel enthalten iſt⸗ Art. 2142.„In dem Falle, der in den beyden vorher⸗ „gehenden Artikeln ausgedrückt iſt, bleibt der Mann, der „PVormund und Nebenvormund nur verbunden, auf die an⸗ „gewieſenen Immobilien die Eintragung nachzuſuchen.«*) *) Aus den Worten des Artikels, ſo wie ſie da liegen, ſchließe man inzwiſchen nicht, daß z. B. der Nebenvormund noch auf andere als die angewieſenen Güter die Eintragung nach⸗ ſuchen könne. Dieß kann er nicht, denn die nicht angewie⸗ ſenen Güter bleiben von aller Hypothek frey, und in der Macht des Nebenvormundes kann es nicht ſtehen, den Zuſtand des Vor⸗ mundes ſchlimmer zu machen. B. —— MI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 335 Art. 2143.» Ward in dem Acte, worin der Vormund „ernannt wurde, die Hypothek nicht eingeſchränkt, ſo kann »dieſer in dem Falle, wo eine allgemeine Hypothek auf ſeine »„Immobilien pffenbar mehr als hinreichende Sicherheit für »ſeine Verwaltung darbiethen würde, darauf antragen, daß „dieſe Hypothek auf ſo viele Immobilien eingeſchraͤnkt werde, „als hinreichend ſind, um dem Minderjährigen eine vollkom⸗ „mene Sicherheit zu verſchaffen.« »Die Klage muß wider den Nebenvormund gerichtet wer⸗ „den, und ein Gutachten des Familienrathes vorhergehen.* Sobald die Befugniß auf Verminderung anzutragen ein⸗ mahl als Grundſatz angenommen iſt, koͤnnen alle dieſe Arti⸗ kel, die nur die Art der Vollziehung dieſes Grundſatzes be⸗ ſtimmen, keinen Zweifel mehr erlziden, Art. 2144.»Auf gleiche Weiſe iſt der Mann berech⸗ »tiget, mit Bewilligung ſeiner Frau, und nachdem er das »Gutachten von vier ihrer nächſten Verwandten, die ſich in »einem Familienrathe verſammelt haben, eingehohlt hat, „arauf anzutragen, daß die allgemeine Hypothek an allen »„ſeinen Immobilien, zur Sicherheit des Brautſchatzes, der „ihr gebührenden Wiedererſtattungen ihrer Güter und der »in dem Ehe⸗Contracte enthaltenen Zuſagen auf ſo viele „Immobilien eingeſchraͤnkt werde, als hinlänglich ſind, um »die Rechte der Frau ganz ungekränkt zu erhalten. 4 Man trug darauf an, es mochte bloß im Artikel geſagt werden, daß man das Gutachten der Familie einhohlen ſolle, ohne vorzuſchreiben, daß die Verſammlung aus den nächſten Verwandten beſiehen ſoll, weil ſie eutfernt ſeyn könnten. Wird dieſe Abaͤnderung angenommen, antwortete man, ſo wird die Verfügyng des Artikels in eine bloße Formalität ausarten, und der Familienrath aus gleichguͤltigen Perſonen zuſammengeſetzt werden; der Artikel murde alſo, jedoch mit dieſer Bemerkung angenommen, daß man hier, ſo wie im Titel von den Vormundſchaften, die nächſten Verwandten 326 II. Buch. XvII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. verſtehen muͤſſe, die aus einem gewiſſen Umkreiſe genommen werden.*) Art. 21g5.»bDie Urtheile, welche auf die Klagen der „Ehegatten und der Vormünder erfolgen, duͤrfen nicht an⸗ „derſt, als auf Anhörung des kaiſerlichen Procurators und „auf contradictoriſches Verfahren zwiſchen ihm und dem Klä⸗ „ger erlaſſen werden.« „Erkennt das Gericht, daß die Hypothek auf gewiſſe „Immobilien beſchraͤnkt werden ſoll, ſo ſind die auf alle „uͤbrigen Güter geſchehenen Eintragungen auszuſtreichen.⸗ Vi r Von der Art, wie Privilegien und Hypotheken eingetragen werden. Art. 2146.„Die Eintragungen geſchehen auf dem Buͤ⸗ „reau der Hypotheken⸗Bewahrung desjeniges Bezirks, in „dem die Guͤter gelegen ſind, auf welche das Privilegium „oder die Hypothek ſich erſtreckt. Sie bleiben ohne Wirkung, „wenn ſie vor dem Ausbruche eines Falliments in dem „Zeitraume geſchehen ſind, binnen welchem die Handlungen „des Gemeinſchuldners für ungültig erklärt werden.« „Auf gleiche Weiſe verhält es ſich unter mehrern Gläu⸗ „bigern einer Erbſchaft, wenn einer von ihnen erſt nach dem „wirklichen Anfall der Succeſſion die Eintragung bewirkt „hat, und die Erbſchaft nur unter dem Vorbehalte eines „Inventariums angenommen worden iſt.«*²) ) nebrigens verſteht es ſich, daß die Frau im Falle dieſes Artikels großjährig ſeyn muß. S. den Art. a140. Auch muß das Gut⸗ achten des Familienrathes dem Geſuche des Mannes guͤnſtig ſeyn. B. „) Falliment oder Aunahme einer Erbſchaft unter der Rechtswohl⸗ that eines Inventariums ſind Zeichen welche andeuten, daß alle Guͤter des Schuldners zum Verkaufe gebracht, und ihr Preis unter die Gläubiger werde vertheilt werden; ſo bald es conſtatirt iß, daß jemand fallirt oder eine Erbſchaft unter dem Vorbehalte m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 327 Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit dem Art.§ des Geſetzes vom Bruͤmaire überein.*) des Inventariums angenommen habe, wird der Beſitz und die Verwaltung der Güter dem Schuldner benommen, und Syn⸗ diken oder Beneſiciar⸗Erben anvertraut, welche ſtrenge Rechen⸗ ſchaft abzulegen ſchuldig ſind. Phne Zweifel ſchien es dem Geſetzgeber villig, in dem nehmlichen Augenblicke das Los und die Natur aller Forderungen feſtzuſetzen, und nicht zu leiden, daß ein Gläu⸗ biger, mit Beyhülſfe einiger Formalitäten, die der Zufall ihn etwa in den Stand ſetzen moͤchte, ſchleuniger als ein anderer zu erfüllen, ſeinen Zuſtand auf Koſten der übrigen Glaͤubiger ver⸗ beſſern könne: man wollte alſo, daß die Gläubiger, die in die⸗ ſem Augenblicke mit wirkſamen Hypotheken oder Privilegien ver⸗ ſehen ſind, die damit verknuͤpften Vortheile genießen, jene aber, die nur eine unvollkommene und durch Eintragung nicht befeſtigte Hypothek haben wuͤrden, eben ſo wie Chyrographar⸗Glaͤubiger angeſehen werden ſollten. Repertoire de jurisprud, g. g. St. 5. 5 B. *) S. die Art, 443, 444, 445 und 446 des Handlungs⸗Geſetz⸗ buches. um ſo viel weniger kann alſo nach dem Ausbruche eines Fallimentes eine Hypothek auf die Immwobilien eines Fal⸗ liten mit Wirkſamkeit eingetragen werden. Unter der Herrſchaft des Geſetzes vom Bruͤmaire, welches in den Art. 37 38 und 39 verordnete, daß alle alte Hypotheken, die noch nicht in Gemaͤß⸗ heit des Geſetzes vom 9. Meſſidor 3. J. in die Regiſter einge⸗ tragen worden waͤren, binnen einer beſtimmten Zeitfriſt darin eingetragen werden ſollten, um ihren alten Rang aufrecht zu erhalten, und daß diejenigen, die in dieſer Friſt nicht eingetra⸗ gen wuͤrden, nur vom Tage ihrer Eintragung an Wirkung haben ſollten,— konnte nichts deſtoweniger eine alte, ſchon vor deſſen Verkuͤndung erworbene Hypothek auch noch nach ausgebrochenem Fallimente mittelſt der Inſeription aufrecht erhalten werden; ein anderes iſt es nehmlich eine Hypothek aufrecht erhalten, ein anderes eine Hypothek erwerben. So entſchied a) die Seotion des requéte des Caſſations⸗Hofes am 18. Februar 1802 in der Sache der Wittwe Peiffer wider die Dllen. Delapp, und b) die Civil⸗Section am§. April n. J. in der Sache Lau⸗ gier wider die Dame Badaraque. Jurisprud. de la C. de C. 1808 p. 216 u. f. B 5as Ul. Buch. KVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Was den zweyten Theil betrifft, iſt zu bemerken, daß die zwey Bedingungen, nehmlich a) daß die Inſcription erſt nach der Eroffnung der Erbſchaft genommen, und b) dieſe Erbſchaft nur unter der Rechts⸗Wohlthat des Inventariums angetreten werde, zuſammen eintreffen müſſen, damit die Eintragung zu Gunſten des Glaͤubigers, der ſich einſchreiben läßt, keine Wirkung hervorbringe; wenigſtens iſt ſonſt keine urſache vorhanden, ihn ſeines Vorzugs zu berauben.*) ₰ Außer den zwey im vorliegenden Artikel enthaltenen Fällen rechnet Herr Tarrible noch hieher a) den Fall, weun eine Erbſchaft vacant iſt. Wirklich iſt zwiſchen dieſem, und jenem, wo eine Etbſchaft unter der Rechtswohlthat des Inventariums angenom⸗ men wird, eine ſehr große Aehnlichkeit,(S. den Art. 814.0 und die nehmlichen Gründe, die bey den obigen zwey Fäͤllen eintreten, laſſen ſich auch hierauf anwenden. Freylich folgt daraus, daß eine Erbſchäft vacant iſt, nicht immer, daß ſie zur Befriedigung der Gläubiger des Verſtorbenen nicht hinreicht. Auch Erbſchaſten, die unter der Wohlthat des Inventariums angenommen werden ſind nicht immer inſolvent; ſo gar müſſen ja Erbſchaften, welche Minderjährigen anfallen, nach dem Art. 461 unter dieſer Wohlthat angenommen werden, und doch kön⸗ nen in dieſem Falle von der Eröffnung der Erbſchaft an keine neue Inſeriptivnen mehr genymmen werden; das Nehmliche kann alſo auch von der Eröffnung einer yacauten Erbſchaft an nicht mehr Statt haben. In Hinſicht alter vor der Verkündung des Geſetes vom Brü⸗ maire erworbenen Hypotheken entſchied jedoch ebenfalls die Soc— tion des roqustes des Caſſations⸗Hofes am 17. Derember 1807 in 6 4 der Sache des Hoſpitals von Tongern wider den Curator der bacanten Erbſchaft der Wittwe Devans! Gurisprud. de la C. de C. 1308 13 1. f.) daß ſie noch nach Eroͤffnung einer ſolchen Erbſchaft durch Eintragung aufrecht erhalten werden können. p) Den Fall, wenn ein Schuldner ſein Vermögen ſeinen Gläubigern abtritt. Auch fuͤr dieſen treten die nehmlichen Gruͤnde tin. Insbeſoudere aber ſtreitet hiefür der Art. 3 des Geſetzes vom Brömaire. Hierin heißt es:„eine Eintragung⸗ die binnen den ꝛehn Tagen vor dem Fallimente, Bangueroute, oder öffent⸗ kicher Einſtellung der Zahlung eines Schuldners geſchieht, gibt kein Hypotheken⸗Recht.« In Anſeh ung der zehn — — * m. Buch. XPill. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 329 Art. 2147.»Alle an demſelben Tage eingetragenen Gläu⸗ biger haben zuſammengenommen eine Hypothek vom nehm⸗ lichen Datum, die ſie verhaͤltnißmäßig geltend machen, ohne Tage vor dem Fallimente oder Bangueroute wieder⸗ hohlte dieſer Artikel nur die Verfügung der Ordonnanz von 1673, die bloß auf Handelsleute anwendbar war: durch Hinzu⸗ ſetzung der Worte: öſſentlicher Einſtellung der Zah⸗ lung eines Schuldners, dehnte er ſie aber auf alle Ein⸗ tragungen aus, die auf die Guͤter eines jeden Schuldners in den zehn Tagen vor öffentlicher Einſtellung der Zahlungen ge⸗ nommen werden möchten. Warum der vorliegende Artikel an⸗ derſt abgefaßt worden ſey, hievon trifft man nirgendwo die Ur⸗ ſache an; eben deßwegen kann man aber annehmen, daß er im nehmlichen Geiſte wie das Geſetz vom Brümaire abgefaßt worden ſey, und folglich auf die von einem Schuldner abgetretenen Gü⸗ ter keine Hypothek mehr, wenigſtens vom Tage der Abtretung an, eingetragen werden könne. e) Den Fall, wenn ein Gut gerichtlich vergantet wird. Es fragt ſich nehmlich, ob dann, weun ein Gut zur gerichtlichen Vergantung gebracht wird, noch andere Hypotheken darauf ein⸗ getragen werden können, und wie lange, ob es bloß bis zum Tage des definitiven Zuſchlages, oder auch noch nachher, wenigſtens bis zum Tage geſchehen könne, wo der Verbal⸗ Prozeß über die Claſſification eröffnet wird? Eine Frage, die die Chyrographar⸗Glaͤubiger intereſſirt, denen daran gelegen ſeyn kann, die Gültigkeit einer verſpäteten Eintragung zu be⸗ ſtreiten. In den neuern Geſetzen findet man dieſe Frage nicht mit Beſtimmheit eutſchieden. Im Art. 752 des Geſetzbuches ſ. d. r. V. i. C. S. heißt es:»Wer die Claſſificativn be⸗ treibt, bringt bey dem committirten Richter eine Ordonnanz aus! wodurch der Verbal⸗Prozeß über die Claſſifieation eröffnet wird; dieſein Verbal⸗Prozeſſe wird ein vom Hypotheken⸗Bewahrer ausgefertigter Auszug aller eingetragenen Hypotheken beygefuͤgt;⸗ und im Art. 31 des Geſetzes vom 11. Brümaire 7. J. über die unfreywilligen Vergantungen, hieß es:»nach dem Zuſchlage ſoll auf der Gerichts⸗Kanzelley ein Verbal⸗Prozeß eröffnet werden, ſo bald nur einer der Gläubiger darum an⸗ ſteht, und ein vom Hypotheken⸗Bewahrer beglaubigtes Verzeich⸗ niß der auf den veräußerten Gütern vorhandenen Hypotheken überreicht.“ 330 MI. Buch. XVII. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. „Unterſchied unter der Eintragung, welche des Morgens, und „jener, welche am Abend geſchehen iſt, wenn etwa der Hy⸗ Herr Tarrible zeigt indeſſen, daß nur bis zum Tage des deſinitiven Zuſchlages noch Hypotheken auf das unter der Vergantung ſtehende Gut mit Wirkſamkeit eingetra⸗ gen werden können. Seine Gründe ſind im weſentlichen fol⸗ gende: ¹) Der endliche Zweck der Pypotheken beſteht in der Erreichung oder Betteibung des Verkaufes der beſchwerten Sache, um aus dem Kaufpreiſe die Zahlung der Hypothekar⸗Forderung zu erhalten. Sobald die Sache vergantet iſt, geht die Auflö⸗ ſung der hypothekariſchen Laſten vor ſich; alle Gläubiger, welche eingetragene Hypotheken haben, müſſen ſich nun bereit halten, um ſich nach ihrem Range eclaſſifieiren zu laſſen; jene alſo, die um dieſe Zeit die nothwendige Formalitaͤt der Eintragung noch uicht erfüllt haben, können auf kein Vorzugs⸗Recht Anſpruch machen. Eine Wirkung kann 2) nicht ohne Urſache ſeyn; das Vor⸗ zugs⸗Recht iſt eine Wirkung, deſſen Urſache eine Hypothek oder ein Privilegium iſt. An einem wirklich verganteten Gute laͤßt ſich dieſe Urſache nicht mehr realiſiren, weil es dem Schuldner nicht mehr zugehört, und Eigenthum des Anſteigerers geworden iſt. 3) Die Publicität der Hypotheken war ſchon die Baſis des Geſetzes vom 9. Meſſidor 3. J.(a7. Junius 1795); im Art. 19 ſetzte es ſchon feſt, daß ein Hypotheken⸗Recht anderſt nicht als mittelſt Eintragung definitiv erworben werde, und im Art. 163, wo es von der Claſſification handelt, ſagt es, der Hypotheken⸗ Bewahrer ſoll aus dem Hauptbuche der Hypotheken einen beglau⸗ bigten Auszus fertigen, worin alle bis zum Tage des deſi⸗ nitiven Zuſchlags vorhandene Hypotheken enthalten ſeyen; da es nun unbezweifelt iſt, daß das Geſetz vom Brümaire ſo wohl als das G. N. ſo wie auch das Se etzbuch ü. d. r. V. i. C. S. in Hinſicht alles deſſen, was die Publieicät der gewöhn⸗ lichen Hypotheken betrifft, in dem nehmlichen Geiſte, wie das Geſetz vom 9. Meſſidor 3. J. abgefaßt worden ſind, ſo kann die in dieſem Letztern enthaltene ausdrückliche Verfügung in Anſehung der Epoche, zu welcher bey einer Versantung keine Hypotheken mehr mit Nutzen eingetragen werden können, allerdings in den Erſtern als ſtillſchweigend enthalten angeſchen werden 4) Nach dem wahren Sinne des G. N. macht eine freywillige Veräuße⸗ rung ganz allein, und ohne Beyhülfe der Transſeription, das ver⸗ zußerte Gut von allen zur Zeit der Veräußerung noch nicht —— III. Buch. XVI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 331 „potheken⸗Bewahrer dieſe Verſchiedenheit der Zeit angemerkt „haben ſollte.« eingetragenen Hypotheken frey, und verhindert, daß deren keine mehr gegen den Verkäufer darauf eingetragen werden können; um wie viel mehr muß alſo die nehmliche Wirkung aus einer Vergantung entſpringen, die weit langſamer und feyerlicher vor ſich geht, und der Punet iſt, wo alle Hypotheken zuſammentreffen müſſen, um erledigt zu werden. Freylich hat der Art. 834 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S. die Verfügungen des G. N. hierin modifieirt, wovon gleich unten noch näher Sprache ſeyn wird; hier iſt es indeſſen genug zu bemerken, daß er buchſtäblich nur vom Falle einer freywilligen Veräußerung eines hypotheſirten Gutes ſpricht, und er folglich um ſo weniger auf den Fall einer unfreywilligen Vergantung ausgedehnt werden koͤnne, da der Zuſchlag nicht transſeribirt zu werden braucht, und folglich kein Punet vorhanden iſt, von welchem angerechnet, die Friſt von fuͤnfzehn Tagen, ihren Anfang nehmen ſollte. 3) Beym Art. 752 des Geſetzbuches u. d. r. V. i. C. S. hatte das Tri⸗ bunat um allen Zweifel zu heben, vorgeſchlagen, die Worte: zur Zeit des Zuſchlages vorhandenen Hypotheken, hinzu⸗ zuſetzen. Ward auch ſchon dieſer Vorſchlag nicht angenommen, ſo ſah man ihn doch nicht als den Grundſätzen zuwider an, ſon⸗ dern es kam daher, weil dieſer beſondere Zuſatz ſich zwiſchen eiuer langen Reihe von Abänderungen befand, die den Entwurf verunanſtalteten, und eben deßwegen nicht angenommen werden konnten. Wie verhält es ſich aber d) im Falle einer freywilligen Ver⸗ aͤußerung? Kann auch nach dieſer noch eine Hypothek auf das veräußerte Gut gegen den Veräußerer eingetragen werden? Nach der Vorſchrift der Art. 26 und 28 des Geſetzes vom Brümaire mußten die Acte, wodurch das Eigenthum an Gütern und Ge⸗ rechtſamen, die der Gegenſtand einer Hypothek ſeyn können, übertragen wurde, im Beiirke, worunter die Süter gelegen ſind, in die Regiſter transſeribirt werden; ſo lange dieß nicht geſchehen war, konnten ſie dritten Perſonen, die mit dem Verkäufer contra⸗ hirten, und ſich nach den Verfuͤgungen dieſes Geſetzes richteten, nicht entgegengeſetzt werden. Mittelſt dieſer Transſertption gien⸗ gen auf den Erwerber die Rechte uͤber, die der Verkaͤufer am Eigenthum der unbeweglichen Sache hatte, jedoch mit den Schul⸗ den und Hypotheken, womit ſie beſchwert war. So lange alſo 33* UM. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hppotheken. Dieſer Artikel ſtimmt mit dem Art. 14, Ziff. des Ge⸗ ſetzes vom Brümaire überein. 1 der Veraͤnßeryngs⸗Act nicht transſeribirt war, wurde der Ver⸗ aͤnperer, wenjgſtens in Anſehung dritter Perſonen, ſo angeſehen, als wenn er Eigenthümer des peraͤußerten Gutes geblieben wäre, und ſo konnte auch eine ſo wohl vor, ais nach der Veräußerung des Gutes erwirkte hypothekariſche Forderung gegen den alten Eigenthümer noch eingetragen werden. Das G. N. hat dieſes Syſtem nicht angenommen; denn nach dem Art. 2132 geht durch den Verkauf⸗Aet, nicht durch die Transſeription dieſes Aetes, das Eigenthum auf den Käufer über, und letztere iſt nach dem Art. 2183 nur dann nothwendig, wenn der Erwerber die auf dem veraͤußerten Gute zu Laſten des Ver⸗ käuſers vorhaudenen Hypotheken davon frey mochen will. Aus dieſe s Grundſaͤtzen und aus einigen andern im G. N. enthatte⸗ ura Stellen leiteten die Reduer der Regierung und des Tribu⸗ nates, als ſie die Beweggruͤnde des git. 4 V. 1, des g Th. 2 des Geſetzbuches uͤ. d. r. V. i. C. S Geſeßgebuags⸗ Coty vorlegten, die Schlußfolge her, daß Hypotheken, die zur Zeit 3 der Veräußerung nicht eingetragen ſind, nicht wehr mit Nutzen uöher gesen den Veräußerer eingetragen werden könuen. In dieſem Zuſtande war die Geſetzgebung über dieſen Punet, als jm Beſetzbuche u. r. V. i. C S der Art. 334 vorgebracht wurde, der den Lext zu den Reden der geſagten Redner aus— Art. 2123 2127 und 2128 des G. N. mit einer Hypothek ver⸗ ſehen ſind, inzwiſchen aber ihre Titel nicht vor den Vefaͤnßerun⸗ der bypotheſirten Imwobilien, die in der Zukunft Statt haben werden, in die Hypotheken⸗Regiſter haben eintragen laſſen, werden nur dann zugelaſſen, die Verſteigerung derſelben zu Folge der Verſſgungen des Cap. 3 Tit. 18 des G. N. zu verlangen, wenn ſie nachweiſen, daß ſie ſeit der Epoche des Aetes, wodurch das Eigenthum uͤbertragen wurde, und ſpäreſtens binnen fuͤnft ehn Tage ü vei der Einſchreibung dieſes Aetes angerechnet, ihre Hy⸗ pothek eintragen laſſen.— Ebeu ſo verhslt es ſich in Hin⸗ ſcht der Gäubiger, die ein Privilegium au Immobllien haben, jed⸗ ch neſchadet er übrigen Gerechtſamen, die zu Gunſten G N. beſtimmt ſind.« X— 3 ⸗—„—. 5— Da dieſer Artikel bloß von Gläubigern ſpricht, die ihre den Veräußerungen vorhergehende Litel nicht haben rintragen laſſen, machte. Er lautet ſo:„Glaͤubiger, die nach dem Juhalt der des Verkäufers und der Erben in den Art 2ros und 2109 des 6 i Buch. XVIII. Tit. PVon Frivilegien und Hypotheken. 333 Nichts deſtoweniger fragte man, warum ein des Morgens eingeſchriebener Glaͤubiger nicht vor lenem, der des Abends eingeſchrieben wird, den Vorzug haben ſollte. ſo läßt er den Verkaͤufer in der Unmöglichkeit, worin das G. 2. ihn verſetzt hat, das verkaufte Gut nach der Veraͤußerung wit einer neuen Hypothek zu beſchweren. Gläubiger aber, die vor der Veräußerung mit einem Hypothekar-Citel verſehen wareu, verlieren dagegen durch den Verkauf die Befugniſſe nicht, dieſe Titel nach der Veräußerhus noch eintragen zu laſſen, und zwar können ſie dieſes nicht nur in der Zwiſchenzeit vom Verkaufe bis jur Trausſeription, ſondern ſo gar noch in fünfzehn Tagen, die auf die Transſeriztion folgen. Unter einem gewiſſen Geſichtspunete läßt ſich dieſe Verfügung mit dem Syſtem des G. N. vereinigen. Der Art 2167 gibt dem Erwerber die Wahl, das Gut von den Hypotheken frey zu machen, oder nicht: ſo lange er es nicht thun will, bleibt er, als Juhaber, für alle hypothekariſche Schulden berpflichtet, und ge⸗ nießt der Zeitbeſtimmungen und Friſten; die dem urſpritnglichen Schuldner geſtattet ſind: in dieſer Hinſicht wird er als ein Nach⸗ folger Kraft eines Univerſal⸗Titels, der ſeinen Vorfahren vor⸗ ſtellt, angeſehen, und gegen welchen man auf die nehmliche Art verfahren kann, wie mau es gesen den Vorfahrer perſonlich hätte thun können. Dieſe Gleichheit in dieſem Punete macht es begreiflich, wie ein Glaͤubiger, der vor der Veraͤußerung mit einem noch nicht eingetragenen Hypothekar⸗Litel verſehen iſt, die Befugniß beybehaͤlt, ihn noch nach der Veräußerung eben ſo ein⸗ tragen zu laſſen, als wenn das Gut noch in den Händen des Verkaͤufers wäre. Srſt dann nimmt der Erwerber ſeinen ent⸗ ſcheidenden Charakter, als Nachfolger mittelſt eines Partieular⸗ Titels, der für die Schulden ſeines Verkäufers nicht haften kann, voͤllig an, wenn er das Güt von den Hypotheken frey machen will: vor allem muß er nun dieſen Willen durch die Transſctiption an den Tag legen. Nun erſt gelangt dieſer Wille zur beſtimmten Kentitniß der Gläubiger, und aus dieſen Gruͤnden erklärt ohne Zweifel der Geſctzgeber die bis dahin geſchehenen Eintragungen fuͤr rechtmäßig, und geſtattet uͤberdieß den Gläubi⸗ sern des Verkaͤüfers noch eine moraliſche Friſt von fuͤnfzehn Ta⸗ den von der Transſeription angerechnet, um ihre Titel noch ein⸗ tragen zu laſſen. Daß eine Eintragung, die in der vorgeſchriebenen Zeitfriſt soſchehen iſt, alle Wirkungen hervorbringe, die das Geſez den 234 1. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Die Urſache hievon, autwortete man, iſt dieſe, damit dem Einverſtändniße des Hypotheken⸗Bewahrers mit irgend einem der Glaͤubiger, die ſich am nehmlichen Tage bey ihm Eintragungen im Allgemeinen beylegt, daran iſt kein Zweifel; verliert aber der Gläubiger, der in dieſer Friſt die Eintragung nicht bewerkſtelligt hat, unwiderruflich die Befugniß, ſeine Hy⸗ pothek noch mit Nutzen eintragen zu laſſen? Der Art. 834 ſagt zwar, daß er nicht berechtigt ſey, die Verſteigerung des Gutes zu verlangen, nicht aber, welches das Los und die Wir⸗ kungen dieſer verſpäteten Eintrasung ſeyen. Für die Guͤltigkeit der Eintragung könnte man folgendes ſagen: Das Verfahren, welches die Freymachung des Gutes von den Hypotheken zum Gegenſtande hat, ſetzt den Titel des Erwerbers in Ungewißheit; erſt dann wird er unwiderruflich, wenn vierzig Tage verſloſſen ſind, ohne daß irgend ein Glänbi⸗ ger auf die Verſteigerung angetragen hat, dagegen verliert er ſeine Kraft, und der Zuſchlag tritt an ſeine Stelle, weun während geſaster Friſt auf Verſteigerung angetragen wird; da nun erſt zu einer dieſer beyden Epochen das Eigenthum auf den freywilligen Erwerber oder auf den Anſteigerer unwiderruflich übergeht, ſo ſcheint es gerecht zu ſeyn, auch bis dahin die Eintragung noch zuzulaſſen, und hiedurch die Hypothek zu be⸗ feſtigen. Aus folgendem wird indeſſen das Gegentheil klar her⸗ vorgehen. Eine Hypothek, die dem Gläubiger die Mittel nicht ver⸗ ſchaffen kann, den Preis des hypotheſirten Gutes auf ſeinen wahren Werth zu bringen eine Hypothek, die gar nicht ver, yindern kann, daß der Preis des veräußerten Gutes dem Ver⸗ käufer guͤltig ausbezahlt werde, kann keine Hypothek ſeyn, weil ſie von allen Rechten entbioͤßt iſt, die eine wahre Hypothek ausmachen. Nun kann aber a) ein ſolcher nachlaͤßiger Glaͤubiger nicht auf die Verſteigerung des Gutes antragen, weil dieſe Befugniß nach dem Art. 218 des cz. N. nur den zur Zeit der Transſeription inſeribirten, und nach dem Art. s34 des Geſetz⸗ buches ü. d. r. Vi. C. S. nur denjenigen Gläubigern zuſteht, die binnen fuͤnfzehn Tagen von der Transſcription angerechnet ihte Hypothek haben eintragen laſſen; und b) wird nach dem Art⸗ 2136 des G. N. und dem Art. s35 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S., wenn auf die Verſteigerung uicht binnen der geſetzlichen Friſt angetragen worden iß, der Eywerber von allen Privilegien MI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 335 einfinden, vorgebeugt, und dem Bewahrer die Befugniß be⸗ nommen werde, einem von ihnen nach ſeinem Belieben das Vorzugsrecht zu ertheilen.*) Art. 2148.» Um die Eintragung zu bewirken, über⸗ „reicht der Gläubiger entweder ſelbſt oder durch einen Drit⸗ „ten dem Hypotheken⸗Bewahrer die Urſchrift, oder eine au⸗ „thentiſche Ausfertigung des Urtheils oder des Actes, worauf »ſich das Privilegium oder die Hypothek gründet.⸗ und Hypotheken befreyt, wenn er den Preis den Gläubigern aus⸗ zahlt, oder ihn hinterlegt. Er kann alſo, wenn keine Hypo⸗ cheken eingetragen ſind, ſchon am ſechszehnten Tage nach der Transſeriptivn den Kaufpreis an den Verkäufer auszahlen, mit⸗ hin kann auch eine zur Zeit der Transſeription nicht eingetragene Forderung nach Ablauf der vierzehn Tage nicht mehr mit Erfolg oder Wirkung eingetragen werden, und wird von dieſem Augen⸗ blicke an zur bloß chyrographariſchen Forderung. Heißt es auch ſchon übrigens in dem vorliegenden Artikel, daß Eintragungen auf die einem Privilegium oder einer Hypothek unterworfenen Güter ohne Wirkung bleiben, wenn ſie ꝛc., ſo läßt ſich doch dieſe Verfuͤgung unmöglich dem Buch⸗ ſtabe nach auf Privilegien anwenden. Dem Verkäufer z. B. iſt keine Friſt zur Eintragung ſeines Privilegiums vorbeſtimmt; ein Miterbe, dem etwas herausgegeben werden muß, hat ſechszig Tage, vom Theilungs⸗Acte angerechnet; Gläubiger und Legata⸗ rien, welche die Abſonderung des Vermögens des Verſtorbenen von jenem des Erben verlangen, haben ſechs Monate von Eröff⸗ nung der Erbſchaft angerechnet, um mittelſt Eintragung ihr Pri⸗ vilegium aufrecht zu erhalten. Zuverläſſig können dieſe Privile⸗ gien noch eingetragen werden, wenn ſchon der Käufer, der Erbe, oder der Miterbe, der dem andern herausgeben muß, binnen be⸗ melten Zeitfriſten fallirt, oder ihre Erbſchaft unter der Rechts⸗ Wohlthat des Inventariums angenommen wird. Répertoire de jurisprud. a. g. St. F. 4. B. uebrigens verſteht es ſich, daß die Verfuͤgung dieſes Artikels nur auf gewöhnliche Hypotheken, d. h. ſolche, deren Rang durch die Eistragung feſtgeſetzt wird, folglich nicht auf ſolche anwendbar iſt, deren Rang durch das Geſetz ſelbſt beſtimmt iſt. Bꝛ 336 M. Buch. XviII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Er legt ihm zwey auf geſtempeltem Papier geſchriebene „Bordereaux bey, wovon eines auf vie Ausfertigung des Ti⸗ „tels ſelbſt geſetzt werden darf; dieſe enthalten:« „1) Den Nahmen, Vornahmen und Wohnort des Gläu⸗ „bigers, ſein Gewerbe, wenn er eins treibt, und die Wahl „eines Domieils für ihn, an irgend einem Orte des Bezir⸗ „kes, worauf ſich das Buͤreau des Hypotheken⸗Bewahrers nerſtreckt;« „2) Den Nahmen, Vornahmen und Wohnort des Schuld⸗ „ners, ſein Gewerbe, wenn er, ſo viel man weiß, eins treibt, „oder eine individuelle und beſtimmte Anzeige der Perſon, die „ſo beſchaffen iſt, daß der Hypotheken⸗Bewahrer das mit „einer Hypethek beſchwerte Individuum in allen Fällen er⸗ „kennen und unterſcheiden kann;« „3) Das Datum und die Beſchaffenheit des Titels;* „4) Den Capital⸗Betrag der Forderungen, die entweder „in dem Titel ſelbſt ausgedruckt ſind, oder in ſo fern von „Renten und bon Zeit zu Zeit wiederkehrenden Leiſtungen⸗ „oder von, küuftigen noch ungewiſſen, bedingten oder unbe⸗ „ſtinunten Rechten die Rede iſt, von demjeuigen, der die „Einträgung verlangt, auf einen gewiſſen Werth in den „ Fällen, angeſchlägen werden, worin dieſe Beſtimmung des „Werthes vorgeſchrieben iſt, ſo wie ebenfalls den Betrag „der Aeceſſorien dieſer Capitalien und die Zeit, wo die Zah⸗ „lung gefordert werden kann;* „8) Die Anzeiße der Gattung und der Lage der Güter, „wörauf er ſein Pribilegium„der ſeine Hypothek erhalten „will.« „Bey geſetzlichen oder gerichtlichen Hypotheken iſt dieſes „Letztere nicht udthig⸗ In Ermangelung eines beſondern Ver⸗ „trags erſtreckt ſich bey dieſen Hypotheken eine einzige Ein⸗ „tragung auf alle Immobilien, welche in dem Bezirke bes „Buͤreau gelegen ſind⸗ * es le UM. Buch. XVIIl. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 337 Dieſer Artikel iſt faſt von Wort zu Wort aus dem Art⸗ 17 des Geſetzes vom Bruͤmaire abgeſchreiben. In Betreff des erſten Theiles unſeres Artikels muß man bemerken, daß der Staats⸗Rath durch ein Gutachten vom 3. Floreal 13. J.(23. April 1805)*) feſtgeſetzt hat, daß man einen unter Privat⸗Unterſchrift zu Stande gekommenen und einregiſtrirten Kauf⸗Contract, wenn ſchon die Aechtheit der Unterſchriften noch nicht bewieſen iſt, in die Eigenthums⸗ Regiſter transſeribiren laſſen könne, wodurch ſich alſo die Trans ſcription von der Inſcription unterſcheidet, indem Letz⸗ tere nach unſerem Artikel nur Kraft eines authentiſchen Ti⸗ tels, worauf die Forderung beruht, geſchehen kann. Unter der Ziff. 2 des Artikels wird vorausgeſetzt, daß der Schuldner im Beſitze iſt; denn hätte er die Sache verkauft, ſo muͤßte die Inſcription gegen den Erwerber, nicht gegen den Schuldner genommen werden. So entſchied die Section des requétes am 13. Thermidor 12. J.(1. Auguſt 1804), indem ſie das von St. Didier gegen ein Urtheil des Appellations⸗Hofes von Beſancon eingelegte Caſſations⸗Ge⸗ ſuch verwarf.**) S. dieſes Gutachten beym Art. a131. B. ** Den Fall, deſſen hier Erwähnung geſchieht, findet man im Journ. d. Aud. ete. 1306 p. 49 u. f er wurde nach dem Geſetze vom Brümaire entſchieden. Dagegen entſchied aber auch die Section des requstes am z0. Floreal 13. J(ao. May 1303) nach eben dieſem Geſetze, in der Sache des Herrn Denonvil⸗ liers, als Curators der vaeanten Nachlaſſenſchaft des Carl Reiner von Maills wider die Släubiger des Johann Ludwig von Maille, daß, wenn der Erwerber ſeinen Contract nicht hat transſeribiren laſſen, und die Veränderung des Eigenthums nicht auf eine geſetzliche Weiſe zur Kenntniß des Glaͤubigers ge⸗ langt iſt, die gegen den urſprünglichen Schuldner genommens Inſeription das Hypotheken⸗Recht zum Nachtheile der gegen den neuen Eigenthuͤmer inſeribirter Släubiger aufrecht erhalte. Joura, IV. Mallev. 22 338 III. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Der letzte Theil des Artikels ertheilt den geſetzlichen und gerſchtlichen Hypotheken eine merkwürdige Begünſtigung, welche darin beſteht, daß die Guͤter nicht angezeigt zu wer⸗ den brauchen, worauf ſie ſich erſtrecken ſollen— eine Ver⸗ fuͤgung, die auch der Art. 17 des Geſetzes vom Bruͤmaite enthielt.*) a Aud ele. 1806 p. 52 u. f. Uebrigens ſehe man die Note(4) beym Art. 2146. B. ) Wichtig iſt indeſſen die Frage, ob alles, was der vorliegende Artikel vorſchreibt, ſo weſentlich erforderlich ſey, daß jede Unter⸗ laſſung oder Unrichtigkeit die Unguͤitigkeit der Eintragung nach ſich ziehe. Daß 1) die Auszüge(Bordereaux) den Nahmen des Gläu⸗ bigers enthalten muͤſſen, iſt keinem Zweifel unterworfen: denn unmöglich wäre es in den meiſten Fällen, und ſehr beſchwer⸗ lich in allen, eine Perſon auf eine kennbare Art zu hezeichnen, wenn man ſie nicht mit ihrem Nahmen neunte. Eben ſo zuver⸗ läſſig muß 2) das Bordereau den Nahmen, den Vornahmen den Wohnort des Schuldners, ſein Gewerbe, weun er deren eines treibt, was bekannt iſt oder eine individuelle und beſon⸗ dere Bezeichnung der Perſon enthalten, wenn ihr Gewerbe unbekannt iſt. Der Schuldner wird nehmlich dem Publieum als eine Perſon angekündigt, deren Göter mit Hypotheken beſchwert ſind; er muß ſo bezeichnet werden, daß der Hypothen⸗Bewahrer in keinem Falle ſich zweydeutig daruͤber aͤußern könne, wenn ihn jemand darum fragt; er muß ſich folglich ſo bezeichnet finden, wie das Geſetz es vorſchreibt Nur kaun eine andere gleichgeltende Bezeichnung die Stelle des Gewerbes, wenn er kein bekanntes treibt, erſetzen. 3. B. wenn zwey Bruͤder die nehmlichen Nahinen und Vornahmen hätten, ſo könnte man den Schuldner ats den Aelteſten oder Jüngſten bezeichnen. Eben ſo muß 30 das Bordereau das Datum und die Natur des Litels enthalten; da Datum, um zu wiſſen; wann die Hypothek oder das Privilegium entſtanden ſey; die Natur des Titels, um zu wiſſen, wie es mit der Hypothek beſchaffen ſey. Gründet ſich z. B. die eingetragene Forderung auf einen Kauf⸗Contraet, oder auf einen Theilungs⸗Art, ſo weiß man, daß die Eintragung das Privile⸗ gium des Verkäufers oder des Riterben zum Gegenſtande habe; gründet ſie ſich auf ein urtheil, ſo ſieht man, daß die Hypothe MI. Buch. XVI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 353 Art⸗ 2149.»Eintragungen, welche auf die Güter einer ſich auf alle gegenwaͤrtige und zukizuftige Guͤter des Schuldners erſtrecke; findet man, daß die Forderung auf einem beym Ver⸗ gleichs⸗Vuͤreau abgefaßten Verbal⸗Prozeſſe beruht, ſo iſt man zum Voraus überzeugt, daß hieraus kein Hypotheken⸗Recht ent⸗ ſprungen iſt, und man kaun ſich ganz ſicher mit dem Schuldner einlaſſen. Auf die nehmliche Art verhält es ſich 4) mit dem Betrage der Forderung. Woau koͤnnte es nützen, durch die Inſeription zu erfahren, daß das Gut des Schuldners mit einer Hypothek be⸗ ſchwert ſey, wenn man nicht zugleich dadunch erfuͤhre, für welche Summe es beſchwert iſt Eine beſtimmte Summe muß alſo im Bordereau ausgedruckt werden, gleichviel ob ſie im Citel be⸗ ſtimmt iſt oder nicht.(S. die Art. a132 und a153 n⸗ 3.) Was uͤbrigens hier von künftigen noch ungewiſſen, beding⸗ ten und unbeſtimmten Rechten geſagt wird, daraus muß man nicht ſchließen, daß allemahl deren Werth angeſchla⸗ gen werden müſſe, ſo oft eine Forderung eine dieſer drey Ei— genſchaften an ſich hat. Eine künftige noch ungewiſſe, oder be⸗ dingte Forderung kann in der That einen beſtimmten Werth oder irgend einen gewiſſen Gegenſtand haben; eigen lich zu reden muß alſo nur der Werth einer unbeſtimmten Forderung ange⸗ ſchlagen werden. Auch muß 5) die Verfallzeit im Bordereau bemerkt werben. Unter dem Geſetze vom Brümaire war dieſes deßwegen nothwen⸗ dig, weil der Art. 15 dieſes Geſetzes den Erwerbern und Anſtei⸗ gerern eines mit eingetragenen Hypothekar⸗Laſten und Schulden beſchwerten Gures zu deren Silgung die nehmlichen Termine ünd Friſten geſtattete, die den vothergehenden Eigenthümern zuge⸗ ſtanden waren Auch wurden mehrere Mahle unter der Herr⸗ ſchaft dieſes Geſetzes Inſeriptionen für nichtig erklält, weil die Verfallieit der Schüld darin nicht ausgedruckt war. So uttheilte z. B. der Appellations⸗Hof von Paris in der Sache der Gläu⸗ viger des Moritz Lemaigre und der Dame Fillemain wider Grelet, und die Seetion des requétes verwarf am 4. Frimaire 14. J.(25. November 1305) das gegen dieſes Urtheil eingelegte Caſſations⸗Geſuch Journ. d. Aud. ete. 1806 p. 154 t. f. Frey⸗ lich tritt der angeführte Vewegarund nicht mehr unter dem G. N. ein, weil der Erwerber eines Gutes, welcher es von den Hypotheken frey niachen will, nach dem Art: 2124) die Hhpo⸗ thekar⸗Schulden ohne Unterſchied, ob ſis foͤllig ſind oder nicht, 34* Ml. Buch. xVI. xit. Von privilesien und Hppotbeken. „verſtorbenen Perſon geſchehen ſollen, können unter der bloßen zahlen muß; dem ſey indeſſen wie ihm wolle, das Geſetz vom„. September 1307 hat alle Ungewißheit in dieſem Punete gehoben. Es lautet ſo: Art. 1. In der Zeitfriſt von ſechs Monaten von der Kund⸗ machung des gegenwärtigen Geſetzes angerechnet, iſt jeder Gläu⸗ viger, der ſeit dem Geſetze vom 11. Brümaire 7. J.(as. No⸗ vember 1792) bis zum Tage der erwaͤhnten Kundmachung eine Eintragung erhalten hat, in welcher die Zeit, wann die Schuld gefordert werden kann, nicht angezeigt iſt, dieſe Zeit mag nun an einem beſtimmten Tage, oder nach irgend einem Ereigniſſe eintreten ſollen, berechtiget, an dem Hypotheken⸗Büreau, wo die Eintragung geſchehen iſt, ſeyn rectificirtes Bordereau vorzu⸗ zeigen; der Hypotheken⸗Bewahrer muß, ſobald ihm ſolches vor⸗ geleigt wird, ſowohl auf ſeinem Regiſter als auf dem Bordereau, welches in ſeinen Händen bleibt die Zeit anzeigen, wo die Schuld gefordert werden kann; er hat hiebey ſich nach den Verfuͤzungen des s200. Artikels des Geſetzbuches Napoleons zu richten, und darf keine neuen Gebuͤhren erheben. „. Mittelſt dieſer Berichtigung wird die urſprüngliche Ein⸗ tragung für vollſtändig und gültig gehalten, wenn man übrigens die andern dabey vorgeſchriebenen Formalitäten beobachtet hat. z. Gegenwärtiges Geſes iſt auf die Eintragungen nicht an⸗ wendbar, die durch rechtskräftige Urtheile für nichtig erklärt worden ſind. Erſtreckt ſich indeſſen die Verbindlichkeit, die Verfallzeit aus⸗ zudrucken, auch auf Forderunges, die aus Urtheilen entſpringen; und— wenn von Renten die Rede iſt, muß in der Inſeription nicht nur die jaͤhrliche Verfallzeit der Rente, ſondern auch der Zeitpunet angezeigt werden, wo in den im Art. 1912 de G. R. beſtimmten Fällen das Capital der Rente faͤllig werden kann? Veyde Fragen hat S. Exe. der Groſ⸗Richter am 21. Junius 1807 auf folgende Art entſchieden: „Der Gläubiger, ſagt er, iſt nicht gehalten, in der Inſerip⸗ tion die Verfallzeit, die Kraft des Art. 1912 des G. N. Statt haben kann, anzuzeigen; bezeichnet er darin die Natur und das Datum des Titels, ſo wie auch den Betrag des Capitals, ſo hat er in Betreff des Capitals den Geiſt und die Abſicht des Geſetzes vollkommen erfüllt, weil er keine andere Verfallseit iu veſimmen braucht; als jene, die aus ſeinem Titel hervorgeht⸗ M. Buch. TvrII. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. 341 „Bezeichnung des Perſtorbenen, ſo wie unter der Ziffer 2 was aber die jährliche Rente betrifft, muß er nicht nur die Zeit und ihren Betrag, ſondern auch ihre Verfallzeit bezeichnen; dieſe Verbindlichkeit iſt ausdröcklich im Geſetze vom 11. Brü⸗ maire 5. J und im Art. 2148 des G. N. vorgeſchrieben. Was die aus Uurtheilen entſpringende Forderungen betrifft, iſt kein Grund vorhanden, ſie von der allgemeinen Regel auszunehmen. Jede fällige Forderung, auf welchem Titel ſie auch immer beru⸗ hen mag, muß nicht nur mit ihrem Capital und deſſen Aceeſſo⸗ rien, ſondern auch mit ihrer Verfallzeit bezeichnet werpen, weil das Geſetz dieſes ausbrücklich verordnet.« Jurisprud. d⸗ la C. de C 1808 im Anhange„. 230. Endlich muß 6) die Gattung und Lage der Güter, worauf das Privilegium oder die Hypothet erhalten werden ſoll, an⸗ gezeigt werden. Auch dieſes muß ſtrenge beobachtet werden. Von der Ausnahme, die unſer Artikel hievon macht, wird unten noch Sprache ſeyn. Wie aber, wenn der Vornahme des Gläubigers, wenn nicht alle ſeine Voruahmen, wenn ſein Wohnort oder ſein Gewerbe im Bordereau oder in der Eintragung nicht ausgedruckt, oder wenn kein Wohnort für ihn an irgend einem Drte, der zum Bezirk des Böreau des Hypotheken⸗Bewahrers gehört, gewählt worden iſt;— wie, wenn die Eintragung auf den Geſammt⸗Nahmen der Erben eines verſtorbenen Gläubigers, ohne die Erben nahment⸗ lich zu benennen, geſchehen iſt;— oder, wenn die eingetragene Forderung höher oder geringer iſts wenn von den Acceſſorien des Capitals, von den zur Zeit der Eintragung verfallenen Zinſen, keine Meldung geſchehen iſt;— oder wenn die urſchrift, oder authentiſche Ausſertigung des Titels, worauf ſich das Privile⸗ gium oder die Hypothek gruͤndet, dem Hypotheken⸗Bewahrer nicht vorgezeigt worden iſt,— ſoll in allen dieſen Fallen die Eintra⸗ gung ungültig ſeyn? Daß es e) nicht ganz ſtrenge noͤthig ſey, alle Bornahmen des Gläubigers, wenn er deren mehrere hat, auszudrucken, ſon⸗ dern die Abſicht des Geſetzes hinlaͤnglich erfüllt werde, wenn nur derjenige Voruahme ausgedruckt wird, worunter er am meiſten bekannt iſt, dieß geht ſchon daraus hervor, weil der vör⸗ liegende Artikel vom Vornahmen in der einfachen Zahl ſpricht. Noch mehr— ein Glaͤubiger kann b) ſich in einer In⸗ ſeription hinlänglich kennbar machen, ohne ſo par einen ſeiner 34* M. Buch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „des porhergehenden Artikels geſagt wird, geſchehen.« Vornahmen auszudrucken; und welcher Grund waͤre wohl in die⸗ ſem Falle vorhanden, die Eintragung für nichtig zu erklären? 1 Iſt nicht der Zweck des Geſetzes erreicht, wenn die Eintragung, ohne Kuͤckſicht auf irgend einen Vornahmen des Gläubigers, hin⸗ reichende Merkmahle euthaͤlt; um den Eigenthümer der darin ausgedruckten Forderung zu erkennen? Eben dieſe Betrachtung erſtreckt ſich e) auf die Uunterlaſſung oder die Unrichtigkeit der Erwaͤhnung des Gewerbes. Freylich iſt d) die Bezeichnung des Wohnortes dazu geeignet, den Glaͤubiger kennbar zu machen; guch hat das Geſetz ſie in dieſer Abſicht vorgeſchrieben, da es ſo gar den Gläubiger verpflichtet, ein Domieil an irgend einem Orte des Bezirkes zu wählen. Hat indeſſen der Gläubiger ſeinen wirklichen Wohnort nicht bezeichnet, ſo möchte es doch wohl ſcheinen, daß dieſer Abgang die Nichtigkeit der Eintragung nicht nothwendig nach ſich ziehen müſſe. „Je mehr ich, ſagt Herr Tarrible, den Art. a148 unter⸗ ſuche, deſto mehr überzeuge ich mich, daß der Geſetzgeber mehr zi Gewicht auf die genaue Beteichnung des Schuldners als auf jele des Gläubigers habe legen müſſen und legen wollen. Das Geſetz wollte daß die Hypotheken mittelſt der Eintragung kundbar gemacht werden ſollten, und zwar um den Gefahren vorzubeugen, welchen diejenigen ausgeſetzt ſeyn möchten, die ſich mit einer mit Hypothekar⸗ Schulden belaſteten Perſon ia Geſchäfte einlaſſen würden: es hat den Gläubiger verpflichket, dieſe Formalität zu erfüllen, wovon die ganze Wirkſamkeir der Hypothek abhängt. Wie muß nun die Eintragung abgefaßt ſeyn, um ihren Zweck iu erreichen? Sie muß hauptſüchlich, und auf eine unzweydeutige Weiſe das hypothe⸗ ſirte Gut, den Betrag der Schuld, und die Perſon des Schuld⸗ ners bezeichnen Sie ſoll zwar auch die Perſon des Gläubigers pezeichnen, und waͤre es auch nur deßwegen, weil eine Schuld vhne eine Forderung ſich nicht denken läßt; allein dieſe Bezeich⸗ nung intereſſirt das Publikum gar nicht, dem es für ſeine Sicher⸗ heit genug iſt, wenn es weiß, daß ein beſtimmtes einer gewiſſen Perſon ingehöriges Gut für eine Schuld von z. B. 10,000 ö. haftet.„ „Man ſage nicht, es ſey einem neuen Darleiher oder Erwer⸗ 3 her daran gelegen, den Gläubiger ganz geßau zu kennen, um 1 über die Gültigkett der Forderung urtheilen zu koͤnnen; denn, wenn auch die Inſeription alles, woraus ſie beſteht, noch ſo 3 Leuau enthiehs. ſo iſt es doch nicht moglich, daraus einzuſehen, im. Buch. XVlll. Tit. Ven Privilegien und Hopotheken. 343 eb eine Forderung wirklich exiſtire oder göltig ſey; ließ es ſich ein dritter beygehen, ſich auf ſo unvollkommene Anzeigen zum Richter über die Guͤltigkeit der Forderung aufzuwerfen, ſo würde er ſich der größten Gefahr ausſetzen, da doch die Klugheit ihm vielmehr gebiethet, die Forderungen, die er eingetragen ſindet, für wahr und rechtmäßig zu halten. Keunt er die Perſon des Schulduers, den Betrag der Schuld, ihre Verfallzeit und das hypotheſirte Gut, ſo weiß er alles, was er als neuer Hypothe⸗ kar⸗Gläubiger wiſſen ſollte, und in dieſer Eigenſchaft hat er keine gerechte Urſache, ſich über die nicht genaue Bezeichnung des Gläubigers zu beklagen. Entdeckt er, als zur Claſſifieation ge⸗ ſchritten werden ſoll, daß ds inſertbirte Gläubiger keine recht⸗ maͤßige Forderung, oder weuiger zu fordern hat, als in der Ein⸗ tragung enchalten iſt, ſo msg er die Forderung, nicht aber die Eintragung ſelbſt beſtreiten.⸗ »Hieraus ſchließe ich, daß, wenn das Geſetz die Bezeichnung des Schuldners und des Gläubigers vo ſchreibt, es in Anſehung des einen ganz verſchiedene Gruͤnde als in Anſehung des andern gehabt haben müſſe. Laßt uns indeſſen, fährt Herr Larrible fort, die verſchiedenen Merkmahle, woraus dieſe Bezeichnungen beſtehen, noch ein Mahl durchgehen. Dieſe Merkmahle ſind gerade jene, deren man ſich immer in Frankreich bedient hat, um die Perſonen zu bezeichnen, d. h. die Nahmen, Vornahmen, Wohn⸗ ort und Gewerbe« „Der Nahme des Gläubigers muß angezeigt werden, denn er iſt ja derjenige, der die Sikti bewerkſelligt, und folg⸗ lich auch benln⸗ ſeinen Nahmen darin ſetzen muß. In Hiu⸗ ſicht des Wohnortes kann ich ſo ſrenge nicht ſeyn. Bloß ſeines eigenen Vortheiles wegen muß der Gläubiger ein Domieil wäh⸗ len; ich ſehe aber keinen Grund ein, warum die Anzeige ſeines wirklichen Wohnortes uorhwendig oder nützlich ſeyn ſollte. Was liegt den Gläubigern, die ſich mit dem nehmlichen Schuldner nach einem inſeribirten Gläubiger in Verträge eingelaſſeu haben, daran, we er wirklich wohne? Hat dir Gläubiger kein Domicil in der Inſcription gewählt, ſo brauchen dritte Pe rſonen ihm nichts inſinuiren zu laſſen; für ſeine Nachlaͤffigkeit iſt er alſo ſchon genug durch die Gefahren geſtraft, denen er ſich ausſetzt. Findet er ſich indeſſen von ein, ſo wird man ſeinen Titel unterſuchen; findet er ſich nicht ein, ſo wird er ſeines Rechtes verluſtig, weil er ſehin Titel nicht aufgelegt hat. Genug, daß dritte Perſonen durch die unterlaſſene Auzeige oder Wahl ſeines Domieils keinen Nachtheil erleiden wetden. ⸗ c — — ——— S 344 M. Buch. XVIl. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Was bas Gewerbe betrifft, dieß iſt noch gleichgöltiger. Die Ziff 2 unſeres Artikels läßt an Statt deſſen gleichgeltende Be⸗ zeichnungen in Anſehung des Schuldners zu; warum ſollte nicht das nehmliche in Anſehung des Gläubigers eintreten?« „Endlich heißt es im Art. 1 des Geſetzes vom 25. Pentoſe 11. J.(14. Februar 1803) uͤber das Notariats⸗Weſen, daß die Notarial⸗Acte die Nahmen, Vornahmen, Gewerbe und Wohnort der Parteyen enthalten ſollen. Dieſer Artikel gehört nicht unter die Zahl derjenigen, deren Vorſchrift nach dem Art. 63 unter Strafe der Nichtigkeit beobachtet werden muß. So wäre alſo ein Aet über ein Darlehn, worin die Vornah⸗ men, der Wohnort oder das Gewerbe des Darleihers nicht ent⸗ halten waͤre, nicht ungültig; ſo gar als Notarial⸗Act wuͤrde er Kraft haben; wie wäre es nun moͤglich, daß eine Inſeription, die doch weiter nichts als ein weſentlicher Auszug alles deſſen iſt, was im Aecte ſelbſt ausgedruckt worden iſt, deßwegen ungül⸗ tig ſeyn ſollte, weil etwas darin nicht ausgedruckt worden, was im Aete ſelbſt nicht ſteht?“ Schwieriger iſt indeſſen e) die Frage, ob eine Eintragung auf den Geſammt⸗Nahmen der Erben eines verſtorbenen Gläu⸗ bigers, ohne ſie einzeln zu benennen gültig ſey? Beym Caſſa⸗ tions⸗Hofe kam dieſe Frage in der Sache der Erben Guillan⸗ deu wider die Gläubiger Robee vor; und mußte nach dem Geſetze vom Brümaire entſchieden werden. Die Inſeription, wovon in dieſem Falle die Rede war, war genommen worden zum Vortheile der Nachlaſſenſchaft der in Indien verſtorbenen Johanna Cavelier, Wittwe des Wil⸗ helm Guillandeu, auf Anſtehen des Joſeph Simon Lefebure in Paris in der Straſſe Chapon n. 191 wohnhaft, als Bevollmächtigten der Erbenoder Repräſentanten der geſagten WittweGuillandeu, die größtentheils in Indien ſind. Nebſt dem war auch das Datum des Litels unrichtig ausgedruckt. In erſter ſo wohl als in der Appellations⸗Inſtanz wurde die Inſeription ſür nichtig erklaͤrt, und die Civil⸗Section verwarf am 7. Sep⸗ tember 1307 das dagegen eingelegte Caſſations Geſuch, und zwar aus folgenden Gründen: 1) weil die Formalitäten die ſich auf die Subſtanz der Aete beziehen, bey Strafe der Nichtigkeit ſelbſt dann vollſtreckt werden muͤſſen, wenn das Geſetz dieſe Strafe nicht ausdrucklich verhängt; 2) weil es offenbar zum Weſen der Hypothekar⸗Inſeriptionen gehört, daß ſie alles das enthalten müſſen, was die Art. 17 und z0 des Geſetzes vom 11. Bruͤmaire M. Buch. XVIII. Sit. Von Privilegien und Hypotheken. 345 . J ſo wohl in Beziehung auf die Perſonen, welche die Ein⸗ tragung vornehmen laſſen, als auf das Datum der Titel, deren ſie ſich bedienen, vorſchreiben; im vorliegenden Falle aber 3) dieſes theils unterblieben, theils irrthuͤmlich angeſeigt worden, und folglich dieſe Eintragung ungültig iſt. Jurisprud. de la C. de C. 1308 p. 92 u. f. Herr Tarrible iſt nichts deſtoweniger der Meinung, daß es äußerſt ſtrenge ſeyn wuͤrde, eine auf den Geſammt⸗Nahmen der Erben des urſprünglichen Gläubigers genommene Eintragung, wenn übrigens die Perſon dieſes letztern hinlaͤnglich darin ange⸗ zeigt worden iſt, für ungültig zu erkläten. Zuverläͤſſig, ſagt er, iſt den Publikum mehr daran gelegen, die Perſon des Schuld⸗ ners genau zu kennen, als jene des Glaͤubigers; mit dem Schuld⸗ ner wollen dritte Perſonen contrahiren, und deßwegen erfordert es ihre Sicherheit, zum Voraus ganz beſtimmt zu wiſſen, wer er iſt, und ob die Güter, die er zum Unterpfand anbiethet, mit Hypotheken beſchwert ſind, oder nicht. Deſſen ungeachtet kön⸗ nen nach dem Art. 2149 Hypotheken auf Güter eines verßorbe⸗ nen Schuldners unter deſſen Nahmen ganz allein eingetragen werden, obſchon ſeine Erben ſich anderſt nennen können, und folglich ein dritter, der ihre Eigenſchaft und den Litel nicht kennt, Kraft deſſen ſie die Güter beſitzen, aber auch keine Hy⸗ potheken gegen ihre Perſon eingetragen ſindet, leicht irre geführt werden kann, wogegen jeder, der eine Hypothek auf den Nahmen eines verſtorbenenen Glaͤubigers, wenn ſchon ſeine Er⸗ ben nicht genannt ſind, eingetragen ſindet, nothwendig Mißtrauen in das ihm angebothene unterpfand ſetzen muß Die angeführte Entſcheidung des Caſſations⸗Hofes, ſetzt er hinzu, muß, wie jede andere, genau auf ihren Fall beſchränkt werden. Das Datum des Titels war unrichtig angegeben, die Wittwe Guillandeu war als in Indien geſtorben bezeichnet worden, was doch frey⸗ lich ihren Wohnort nicht genau anieigte, und ſie nicht hinlänglich kennbar machte; und dieſe Umſtaͤnde zuſammen genommen moͤgen allerdings auf geſagte Entſcheidung Einfluß gehabt haben, die wahr⸗ ſcheinlich außer dem Falle dieſes zweyfachen Umſtandes, anderſt ausgefallen ſeyn möchte. Repert. de jurispr. a. a. St. F. 5, n. 8. Auch hat der Appellations⸗Hof von Paris am 19. Maͤrz 186t in der Sache des Herrn und der Frau von Montmoreney wider die Glaͤubiger des Herrn von Hrſay eine zu Gunſten der Nachlaſſenſchaft des Johann Baptiſt Ludwig Eler⸗ mont von Amboiſe genommene Inſpription für gültig er, klärt. Jurisprud. de la C. de C. 1303 im Anhange p. 127 u.f. — 346 UI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. So wichtig inzwiſchen die bisherigen Bemerkungen ſind, ſo iſt es doch allerdings rathſam, bey Verfertigung der Inſeriptio⸗ nen ſich genau nach der Vorſchrift des Geſetzes zu richten. Iſt aber auch k) der Betrag der eingetragenen Forderung hoͤher oder geriuger, als ſie wirklich iſt, oder geſchah von den Acceſſorien des Capitals gar keine Erwähnung darin, ſo ſchadet doch keines von beyden der Gültigkeit der Eintragung. Iſt die eingetragene Summe geringer, ſo iſt die Hypothek nur bis zum Betrag der erklärten Summe zu ihrer Vollkommenheit gelangt. Iſt ſie hoͤher, als ſich die Forderung wirklich beläuft, ſo ſteht dem Schuldner ſo wohl als den übrigen Gläubigern vor der Vertheilung des Kaufpreiſes die Befugniß zu, ſie auf ihren wahren Betrag herabſetzen zu laſſen. Sind die zur Zeit der Eintragung bereits verfallenen Zinſen in der für die Haupt⸗ Summe angenemmenen Inſeription nicht mit bemerkt worden, ſo erſtreckt ſie ſich auch darauf nicht; nur mittelſt einer neuen Eintragung koͤnnte der Gläubiger hiefuͤr ein Hypotheken⸗Recht haben, deſſen Rang aber erſt durch ihr Datum beſtimmt würde. In keinem Falle wäre jedoch die Eintragung ungültig. Was endlich g) die Vorzeigung der Urſchrift oder einer au⸗ thentiſchen Ausfertigung eines Litels betrifft, ſo wäre zwar der Hypotheken⸗Bewahrer befugt, die Annahme und die Eintragung der Auszüge in ſeine Regiſter zu verweigern, weun ſie ihm ganz allein überreicht würden. Nimmt er ſie aber an, und traͤgt ſie mit allen Formen verſehen in ſeine Regiſter ein ſo läßt ſich die Gültigkeit der Eintragung mit Erfolg nicht beſtreiten. Der Litel wird ja 1) dem Hypotheken⸗Bewahrer nicht vorgezeigt; um ihn zum Richter über die Guͤltigkeit deſſelben zu machen; auch kann er ſich die Unterſuchung nicht anmaßen, ob der Titel mit den Auszügen übereinſtimme, und die Eintragung unter dem Vorwande verweigern, daß dieſe Uebereiaſtimmun) nicht vorhan⸗ den ſey; dieſe Macht hat das Geſetz ihm nicht beygelegt, ſon— dern ihm im Gegentheile alle Weigerung und Zögerung verbo⸗ then.(Art. 2199) Die Inſeription iſt 2) das einzge was nach dem Geſetze den Augen des Publikums ausgeſtellt bleiben ſoll; von ihrer Regelmäßigkeit, und von jener des Auszuges, woraus ſie genommen iſt, hängt ihre Wirkſamkeit sb; dagegen von ih⸗ rer Vorzeigung nirgendwo eine Spur äbrig bleiben ſoll. Hat alſo 3) das Geſetz ſelbſt keine Maßregel ergriffen, um die Vor⸗ zeigung des Litels zu conſtatiren, ſo hat es auch unmöglich die Richt⸗Beobachtung dieſer keine Spur zurücklaſſenden und faſt m. Buch XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 347 überflüſſigen Formalitat mit der Strafe der Nichtigkeit der Ein⸗ tragung belegen wollen. Heißt es auch übrigens im Schluſſe des vorliegenden Artikels, daß bey der Eintragung der gerichtlichen und geſetzlichen Hypo⸗ theken(mit Ausnahme jedoch derjenigen, die das Geſetz dem Par⸗ tieular⸗Legatar einer Summe an den Immobilien der Erbſchaft, die der mit der Auszahlung dieſes Vermächtnißes beauftragten Perſon angefallen ſind, verleiht, ſo wie auch der auf gewiſſen Immobilien beſonders haftenden Privilegien) die Gattung und Lage der Güter nicht angezeigt zu werden brauche, ſo bleibt doch noch immer die Frage übrig, ob die einzige Eiatragung, die in Ermangelung einer Uebereinkunft geſchieht, ſich auf die Immo⸗ bilien beſchraͤnke, die der Schuldner zur Zeit dieſer Eintragung beſitzt, oder ob ſie ſich auf dieſe ſo wohl, als auf jene zugleich erſtrecke die er in der Folge noch erwerben mag. Nach dem Art. 4 des Geſetzes vom Brümaire beſchränkte ſich die gerichtliche Hypothek bloß auf die Güter, die der Schuldner zur Zeit des erlaſſenen Urtheiles beſaß; nur auf dieſe konnte alſo auch die nachherige Eintragung des Urtheiles wirken. Die Hy⸗ potheken der Frauen an den Gütern ihrer Männer, ſo wie alle andere geſetzliche Hypotheken umfaßten zwar alle ſo wohl gegen⸗ wärtige als zukünftige Guͤter der Männer und anderer Gläubi— ger, nahmen aber erſt vom Tage der Eintragung ihren Rang ein, und erſtreckten ſich dem angeführten Artikel zu Folge bloß auf die dem Schuldner zur Zeit der Eintragung zugehoͤrigen Güter; zwar konnten die nachher erworbenen Guͤter der Schuld⸗ ner mirtetſt einer fernern Eintragung der Hypothek ebenfalls un⸗ terworfen werden, jedoch ohne Nachtheil der fremden Hypotheken, die in der Zwiſchenzeit etwa daraut eingetragen worden ſeyn mochten. Ganz verſchieden iſt hierin das Syſtem des G. N.; die geſetz⸗ lichen Hypotheken der Frauen und der Minderjaͤhrigen exiſtiren unabhängig von aller Eintragung, und ihr Rang iſt auf die im Art. 21½s beſtimmte Weiſe feſtgeſetzt. Die geſetzliche Hypothek des Staates, der Gemeinden und öffentlichen Anſtalten an den Gütern ihrer Empfänger umfaßt zwar, jetzt wie vorhin, die gegen⸗ waͤrtigen und zukünftigen Güter der Einnehmer ihrer Einkünfte, muß aber auch eingetragen werden, und nimmt erſt von dieſer Zeit an ihren Rang ein. Die gerichrliche Hypothek endlich er⸗ ſtreckt ſich nach dem Art. 2r23 nicht nur auf die Göter, die der Schuldner zur Zeit des Urtheiles heſitzt, ſondern auch auf jene, 34 UI. Buch. XVlll. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. die er noch in der Folge erwerben mag. Müſſen nun die Ein⸗ tragungen nach und nach, wie der Schuldner neue Güter erwirbt, wiederhohlt werden? Und ſoll der Rang der Hypotheken an den verſchiedenen Gütern nach dem Datum der nach und nach geſche⸗ benen Eintragungen wenigſtens daun Stufenweiſe beſtimmt wer⸗ den, wenn von Hypotheken an den Gätern der Rech⸗ nungspflichtigen, oder von gerichtlichen Hypotheken die Rede iſt? Beyde Fragen, fagt Herr Tarrible, müſſen meines Erachtens bejahend entſchieden werden. In der That iſt die Hypothek ein dingliches und beſtimmtes Recht an einer unbeweglichen Sache. Nur in ſo fern kann ſie Beſtand haben, als die Sache, worauf ſie haftet, ſich in der Hand und in dem Eigenthum des Schuldners beſindet. Freylich können künftige Güter der Gegenſtand und der Sitz einer Hypo⸗ thek werden; ſo lange ſie aber nicht erworben ſind, ſind es Hirn⸗ geſpinnſte, worauf kein wirkliches Hypotheken⸗Recht gegruͤndet werden kann. Eine einzige Eintragung iſt alſo nicht genug, um die künftigen noch nicht vom Schuldner erworbenen Güter zu erreichen, und ſo können auch die Schlußworte unſeres Artikels nur von ſolchen dem Schuldner von der Eutſtehung der Schuld an zugehörigen, oder neuerdings erworbenen Immobilien verſtan⸗ den werden, die ſich zur Zeit der Sintragung in deſfen Haͤnden befinden. Das Geſetz würde man einer Ineconſequenz beſchuldigen, wenn man es anderſt auslegte. Zuverlaͤſſig kann ja eine auf dem Büöreau von Cöln z. B. geſchehene Eintragung ſich nie, ſelbü nach den Worten des Artikels, auf die Güter erſtrecken, die de⸗ Schuldner nachher im Bezirke von Aachen erwerben mag. Wuͤrde alſo der Schuldner nachher in dieſem letztern Bezirke Güter er⸗ werben, ſo koͤnnte ja der Glaͤubigert der eine allgemeine Hypothek an den wirklichen und kuͤnftigen Guͤtern des Schuldners hat, an den im Aachner Bezirke gelegenen Guͤtern ſein Hypotheken⸗Recht anderſt nicht als mittelſt einer neuen Eintragung befeſtigen, deren Datum den Rang ſeiner Hypothek ebenfalls beſtimmen würde; und, da die Lage der künftigen Güter einer Perſon eben ſo un⸗ gewiß iſt, als ihre Erwerbung, und es ſich nicht denken läßt daß der Geſetzgeber die Ausdehnung oder Einſchränkung der Wir⸗ tungen einer Eintragung dem bloßen Zufalle habe Preis geben wollen, ſo kann auch die in einem Büreau geſchehene Eintra⸗ zung ſich auf die nachher erworbenen und im nehmlichen Be⸗ zirke gelegenen Guͤter eben ſo wenig erſtrecken, als ſie ſich auf die nachher in einem andern Bezirke erworbenen Guͤrer erſtreckt. M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 349 Stimmt mit dem Art. 17 des Geſetzes vom Brümaire überein.*) Dieſe Gründe, fährt Herr Tarrible fort, treten ſelbſt in Hinſicht der geſetzlichen Hypotheken der Frauen und Minderjäh⸗ rigen ein. Iſt der Zeitpunet gekommen, wo man die geſetzliche Hypothek des Minderjährigen eintragen muß, wenn mas ſein Recht an den Gütern aufrecht erhalten will, die der Vormund neuerdings in einem andern Beitrke, als in jenem, wo die erſte Eintragung geſchehen iſt, erworben hat, ſo muß nothwendig eine zweyte Eintragung in dem Büreau des Bezirkes geſchehen, wo die neuen Güter gelegen ſind; warum ſollte ſie nicht auch in Hinſicht der neuerdings erworbenen Güter wiederhohlt werden muͤſſen die im nehmlichen Beiirke gelegen ſind, wo ſchon eine erſte Eintragung geſchehen iſt? Es iſt doch ganz wahr, daß auf die neuerdings erworbenen Güter keine Eintragung exiſtirt, noch exiſtiren kann, weil der Schuldner ſie zur Zeit der erſten Ein⸗ tragung weder beſaß, noch das Eigenthum daran hatte, und es ungewiß war, ob ſie ihm je zugehören wuͤrden. Selbſt nach dem Art. 5 des Geſetzes vom 5. September 1307 (S. die Note beym Art. 2098) iſt das Privilegium, welches der Art. 4 dem öffentlichen Schatze an den von den Einnehmern der Staats⸗Einkünfte nach ihrer Ernennung mittelſt eines läſtigen Ti⸗ tels erworbenen Guͤtern verleiht, der Eintragung binnen zwey Monaten vom Datum der Einregiſtrirung des Erwerbungs⸗Aetes angerechnet, unterworfen— ein Beweis, daß dieſes Geſetz dem öffentlichen Schatze nicht erlaubt, voreilige Eintragungen auf Guͤter zu nehmen, noch ehe der Rechnungöpflichtige ſie erworben hat; und da in Anſehung dieſer Formalität iwiſchen der allge⸗ meinen Hypothek des Staates und dem beſondern ihm verliehe⸗ nen Privilegium Analogie vorhanden iſt, da ferner die gericht⸗ lichen Hypotheken in ihren Wirkungen der geſetzlichen Hypothek des Staates gleich geſtellt ſind, ſo müſſen ſie auch den nehm⸗ lichen Regeln unterworfen ſeyn. Das nehmliche hat auch bey jenen Conventional⸗Hypotheken Statt, wovon im Art. 2130 des G. N. die Rede iſt. Répert. de jurisprud. g. a. St.§. 5. B. *) Nennt ein Erbe ſich anderſt, als ſich der Verſtorbene nannts⸗ und ſind Hypotheken auf Güter des Verſtorbenen unter dem Nabmen dieſes letztern eingetragen worden, ſo koͤnnte leicht ein dritter, der auf ſolche Erbſchafts⸗Güter Geld vorſchießen wollte⸗ 350 111. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken Art. 2150.»Der Hypotheken⸗Bewahrer bemerkt in „ſeinem Regiſter den Inhalt der Vordereaur, gibt demjenigen, „der die Eintragung verlangt hatte, nebſt dem Original⸗Titel „oder der Ausfertigung des Titels eines der beyden Bordereaur „zurück, und bezeugt am Schluſſe deſſelben, daß er die Ein⸗ „tragung gemacht habe.“ 3 Stimmt mit dem Art. 18 des Geſetzes vom Brümaire Uberein.*) inzwiſchen aber keine Hypotheken gegen die Nahmen des Erben in den Regiſtern eingetragen findet, hintergangen werden. um alſo ganz vorſichtig zu Werke zu gehen, darf man ſich nicht damit begnügen, weun man den Nahmen des kuͤnftigen Schuldners nicht in den Hypotheken⸗Regiſtern eingetragen findet, ſondern man muß überdieß unterſuchen, ob er auch wirklich Eigenthümer des Gutes iſt, welches er zum unterpfand aubiethet, wie er zu die⸗ ſem Gute gekommen ſey, von wem er es erworben habe und ob überall die erforderlichen Formalitaͤten beobaltet worden ſeyen. *) Da das Regiſter das Hrisinal und authentiſche Stück iſt, welches dem Publikum zur Einſicht aufselegt werden ſoll, und wovon der Hypotheken⸗Bewahrer demjenigen, der es verlangt, Auszüge mittheilen muß; da ferner eine Hypothek von dem Täge ihrer Eintragung einen Rang erhaͤlt, und folglich von der Regelmäßig⸗ keit der Eintraguns alles abhängt, ſo waͤre die Eintragung nich⸗ tig, wenn der Hypotheken⸗Bewahrer irgend eine der weſentlichen Formalitäten in ſein Regiſer einzurücken unterließe, wenn ſchon dieſe Formalität im Bordzreau erfüllt worden waͤre. So ent⸗ ſchied die Civil⸗Section des Caſſations⸗Hofes am 23 April 1307 in der Sache der Dlle. Lahaye wider Conne. In dieſem Falle hatte der Hypotheken⸗Bewahrer das Datum des Titels, oder die Epoche, in welcher die Hypothek entſtan⸗ den war; in ſeine Regiſter nicht eingetragen, unerachtet die⸗ ſes in den Bordereaux euthalten war. Jurisprud. de la C. de C. 1807 p. 234 u. f. Freylich bleibt in einem ſolchen Falle der Hypotheken⸗Bewahrer für den Schaden verantwortlich) der daraus für den Glaͤubiger entſpringt, der die Eintragung beför⸗ dert hat, und zu dieſem Ende dient das Vordeſeau, welches er zurückgibt, als Beweis gegen ihn; aber die Eintragung iſt und bleibt unguͤltig. 8. — IM. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 354 Art. 2151. Ein Gläubiger, der fuͤr ein Capital einge⸗ »tragen iſt, das Zinſen oder Renten hervorbringt, hat das Recht, »mit ſeiner Hypothek in Hinſicht dieſer Zinſen oder Renten, „jedoch nur für zwey Jahre nebſt dem laufenden, in eben »die Rangordnung einzutreten, welche dem Capital ange⸗ »wieſen iſt, mit Vorbehalt der beſondern Eintragungen, die „er für die uͤbrigen, kraft der erſten Eintragung mit keinem »Vorrechte verſehenen, Rückſtände nebſtdem noch bewirken „kann, und welche alsdann von dem Tage an, da ſie datirt „ſind, eine Hypothek verſchaffen.« Stimmt mit dem Art. 19 des Geſetzes dom Brömaſre uͤberein, ausgenommen, daß er das laufende Jahr nicht hin⸗ zuſetzte. Dagegen iſt er aber der faſt allgemeinen Praxis zuwider, nach welcher allen verfallenen Zinſen der nehmliche Rang und das nehmliche Hypotheken⸗Recht beygelegt wurde, welche den Capitalien, deren Acteſſorium ſie waren, gebuͤhrten. Wie, wenn waͤhrend des Prozeſſes noch Zinſen von an⸗ dern Jahren faͤllig werden, wie und in welcher Rang⸗Ord⸗ nung ſollen ſie bezahlt werden? Am g. Frimaire 14. J.(25. November 1808) kam dieſe Frage bey der Section des requétes vor. Am 15. Pluvioſe 10. J.(4. Februar 1802) verkauft Te Maigne ſeinen Kindern einige Immobilien; am 18. des n. M.(7. Februar) wurde der Contract ſeiuem ganzen Inhalte nach in die Eigenthums⸗Regiſter eingetragen, und den inſeri⸗ birten Gläubigern ſo gleich inſinuirt. Der erſte unter dieſen war die Frau des Verkäufers, die fuͤr den Betrag ihres Brautſchatzes eingetragen war, welchen ſie aus dem Kaufpreiſe, mit den Zinſen von zwey Jahren zurückforderte. Zwiſchen den Erwerbern und den Elaͤubigern entſtand uun ein Rechtsſtreit, welcher zur Folge hatte, daß das Gericht von Joigny erſt am 7. Nivoſe 12. J.(29. De⸗ cember 1803) mittelſt ein es Claſſificatiens⸗-Urtheiles ihre Rang⸗ Ordnung feſtſetzen konnte, und hierin raumte es der Frau fuͤr ihren Brautſchatz und für Zinſen von vier Jahren, nehm⸗ 352 1Ml. Buch. XvllI. Tit. Bon Privilegien und Hypotheken. lich fuͤr zwey, die zur Zeit der Inſinuation des Kauf⸗Con⸗ traetes fällig waren, und für die zwey übrigen, die während des Prozeſſes verfallen waren, den erſten Rang ein. Die Gläubiger appellirten von dieſem Urtheile. Der Appellations⸗Hof von Paris reformirte es darin, daß es die Frau fuͤr vierjährige Zinſen zuerſt claſſificirt hatte, und verordnete dabey, daß der Betrag dieſer Zinſen von zwey Jahren der Geſammtheit der inſcribirten Gläubiger bezahlt werden ſollte⸗ Nun nahm die Frau ihren Recurs zum Caſſations⸗Hofe/ und gründete ihr Geſuch darauf, daß der Appellations⸗Hof die Gränzen ſeiner Macht uͤberſchritten habe, indem er dem Art. 19 des Geſetzes vom Bruͤmaire etwas hinzugeſetzt habe, was nicht darin enthalten ſey; dieſer Artikel, ſagte ſie, ver⸗ fügt nichts in Anſehung der waͤhrend des Prozeſſes fällig ge⸗ wordenen Zinſen; ganz natürlich war es alſo, daß man ihnen, gemäß der alten Jnrisprudenz, den nehmlichen Rang wie den übrigen anwieß, und zwar um ſo mehr, da es meine Schuld nicht war, daß die Claſſification nicht eher gemacht worden iſt⸗ Allgemein war man zwar darin einig, daß das Caſſa⸗ tions⸗Geſuch in dieſem Sinne ungegruͤndet ſey; daß der Art⸗ 19 klar ſey, und die Hypothek der Zinſen auf zwey Jahre beſchränke; daß folglich der Appellations⸗Hof durch Refor⸗ mirung des Urtheiles von Joigny, welches das Geſetz offen⸗ bar verletze, ſich ganz nach deſſen Vorſchrift gerichtet habe. Dagegen war man aber auch der Meinung, daß der Ap⸗ pellations⸗Hof, ſeiner Seits, von dem Geiſte des Geſetzes abgewichen ſey, indem er verordnet hatte, daß der Betrag der in der erſten Inſtanz mehr zuerkannten zweyjaͤhrigen Zin⸗ ſen der Geſammtheit der inſeribirten Gläubiger zuwachſen ſollte. Da das Geſetz, ſagte man, die Wirkung der Inſcrip⸗ tion nur auf zweyjaͤhrige Zinſen ausdehnt, ſo war kein Grund vorhanden/ den Betrag der übrigen Jahre der Geſammtheit m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 353 der inſcribirten Gläubiger ausſchließlich beyzulegen. Dieſe Gelder, ſetzte man hinzu, mußten, da ſie bewegliches Gut blieben, und ſich keine Hypothek auf ſie erſtreckte, unter ſämmt⸗ lichen inſcribirten oder nicht inſeribirten Gläubigern nach Ver⸗ haͤltniß ihrer Forderungen getheilt werden. Da indeſſen die Klägerinn ſich dieſes Grundes nicht be⸗ dient, auch nie deßhalb einen ſubſidiariſchen Antrag gemacht hatte, ſo begnügte man ſich damit, daß man ſie mit ihrem Caſſation«⸗Geſuche abwieß. Hätte ich bey dieſem Urtheile mitzuſtimmen gehabt, ſo wuͤrde ich der Meinung der Section des requétes deßwegen beygetreten ſeyn, weil das Geſetz wirklich ſo iſt. Inzwiſchen wäre es meines Erachtens nothwendig, daß der Geſetzgeber es in Anſehung des Falles, den ich eben vorgetragen habe, erläuterte.*) Art. 2152.»Von der Willkuͤhr desjenigen, der eine »Eintragung nachgeſucht hat, ſo wie ſeiner Repräſentanten, „oder derjenigen, die mittelſt einer authentiſchen Urkunde als „Ceſſionare in ſeine Rechte getreten ſind, hängt es ab, das „von ihnen gewaͤhlte Domicil im Hypotheken⸗Regiſter zu „ändern, mit dem Bedinge, daß ſie in demſelben Arrondiſſe⸗ ⸗ment ein anderes wählen und anzeigen.« *) Der Art. 767 des Geſetzbuches ü. d. t. V. i. C. S. ſcheint inzwiſchen die hier aufgeworfene Frage zu entſcheiden. Hier heißt es nehmlich:„Fünfzehn Tage, nachdem der Streit über die ge⸗ genſeitige Claſſifieativn entſchieden iſt, und im Falle einer Appel⸗ lation, fuͤnfzehn Tage nach erfolgter Inſinuation des Appella⸗ tions⸗urtheiles, welches daruͤber erkanut hat, bringt der Com⸗ miſſar die Claſſification der beſtrittenen Forderungen, und derje⸗ sen, die nach ihnen folgen, in Richtigkeit, und zwar nach der im Art. 759 enthaltenen Vorſchrift; den Gläubigern, w elche nach dem ihnen angewieſenen Range 8gezahlt werden, laufen weiterhin keine Zinſen und Ren⸗ ten.“ Auch entſchied ſo der Appellations⸗Hof von Paris am 26. December 1307 in der Sache Baſtion wider Potain. Jurisprud. de la C. de C. 1303 im Anhange p. 6 u. ſ. B⸗ W. Malev. 23 54 l. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Stimmt mit dem Art. 20 des Geſetzes vom Brümaire uͤberein: nur hat man den Worten: die als Ceſſiongre in ſeine Rechte getreten ſind, jene: mittelſt einer authen⸗ tiſchen Urkunde, und zwar auf die Erinnerung, welche gemacht wurde, hinzugeſetzt, daß, wenn man den Eeſſionarien mittelſt eines Actes unter Privat⸗Unterſchrift die nehmliche Befugniß ertheilte, man die betrüglichen Veränderungen des Domicils beguͤnſtigen würde. Art. 2153.„Die Rechte einer bloß geſetzlichen Hypo⸗ „thek, welche dem Staate, den Gemeinden und den oͤffent⸗ „lichen Anſtalten an den Guͤtern der Einnehmer ihrer Ge⸗ „fälle verliehen ſind, die Rechte der Minderjährigen oder In⸗ „terdicirten wider ihre Vormünder, der verheiratheten Frauen „wider ihre Ehegatten ſollen auf Ueberreichung zweyer Bor⸗ „dereaux eingetragen werden, welche mehr nicht enthalten, als⸗ „1) Den Nahmen, Vornahmen, das Gewerbe und den „wirklichen Wohnort des Gläubigers, nebſt dem Domicil, „das von ihm oder für ihn in den Arrondiſfement gewählt „werden muß;« „2) Den Nahmen, PVornahmen, das Gewerbe, den Wohn⸗ „ort oder eine ganz genaue Bezeichnung des Schuldners;« „3) Die Natur der Rechte, welche durch die Eintragung „erhalten werden ſollen, und, ſo viel die beſtimmten Gegen⸗ „ſtände betrifft, den Betrag ihres Werthes, ohne daß man „verbunden ſey, in Hinſicht der bedingten, von kuͤnftigen „Begebeuheiten abhangenden oder unbeſtimmten Rechte dieſen „Betrag feſtzuſetzen.* Der Art. 21 des Geſetzes vom Brümaire ſchtieb nur die drey in unſerem Artikel enthaltenen Formalitäten für jedes geſetzliche oder vertragsmoͤßige Hypotheken⸗Recht vor⸗ Unſer Artikel iſt dagegen einzig auf die bloß geſetzliche Hypothe⸗ Len⸗Rechte anwendbar. Die Urſache hievon iſt dieſe, weil die unter der Ziff. 5 des Art. 2148 vorgeſchriebene Bedin⸗ gung, d⸗ h. die Bezeichnung der beſchwerten Immobilien 3 n n n m. Buch. Xvill. Lit. Ven Privilegien unb Hypotheken 375 allerdings dann erfüllt werden muß, wenn die Contrahenten, wie der Art⸗ 2140 ihnen dieſes erlaubt, die geſetzliche Hypo⸗ thek auf beſtimmte Immobilien eingeſchränkt haben⸗ Auch die Ziff. 3 unſeres Artikels verleiht den geſetzlichen Hypotheken eine neue Begünſtigung, da ſie ſie von der Noth⸗ wenbigkeit befreyt, den Werth der zu erhaltenden Rechte, welche bedingt ober unbeſtimmt ſind, oder von kuͤnftigen Er⸗ eignißen abhangen, zu beſtimmen⸗ Art. 2154.„Die Eintragungen halten das Hypothe⸗ „kenrecht und das Privilegium zehn Jahre lang, von dem „Tage ihres Datum anzurechnen aufrecht; ihre Wirkung hört „auf, wenn dieſe Eintragungen vor Pblauf dieſer Friſt nicht „ernenert worden ſind.* Stimmt mit dem Art. 23 des Geſetzes vom Brumaire uͤberein, welches jedoch eine Ausnahme hinzuſetzte, welche ſo lautete? »Nichts deſtoweniger bleiben ſie(die Eintragungen) bey ihrer Wirkung, nehmlich was die im Art. a erwähnten Ein⸗ nehmer öffentlicher und Privat⸗Einkünfte, und was die Bür⸗ gen der Einnehmer der Staats⸗Einkünfte betrifft, bis zur ſchließlichen Juſtification und Entladung des Rechnungspflich⸗ tigen von aller fernern Verantwortung, und noch ſechs Mo⸗ nate hernach; und was die Ehegatten betrifft, in Anſehung aller ihrer Rechte, und im Heiraths⸗Conttacte für ſie ausbe⸗ dungenen Vortheile, ſie mögen beſtimmt ſeyn, oder von kuͤnf⸗ tigen Ereignißen abhangen, waͤhrend der ganzen Zeit der Heirath, und noch ein Jahr nach ihrer Aufloͤſung.⸗ Man fand es nicht dienlich, die Ausnahme in Hinſicht der Rechnungspflichtigen im Geſetzbuche zu erneuern, weil man ſelbſt dem Staate in dieſem Punete kein Privilegium geſtatten wollte. In Hinſicht her Frau, war es ͤberfluͤßig, die Dauer der Inſeription zu beſtimmen, da ſie von der Nothgendigkeit der Eintragung befreyt ift⸗ a6 M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Geſetzt aber, was ſich allerdings ereignen kann, man habe vernachläßigt, eine Inſcription auf die Güter der Männer und der Vormünder zu nehmen, ſollen die Frauen und Min⸗ derjäͤhrigen, Erſtere nehmlich beym Abſterben der Männer, und Letztere bey ihrer Großjährigkeit, keine Friſt haben, um ihre Hypotheken ſelbſt eintragen zu laſſen? Und— ſoll ein Dritter, der ſeine Hypothek vor ihnen hat eintragen laſſen, ihnen ſogleich und ohne weiteres vorgehen? In dieſem Falle müßte man, meines Erachtens, in An⸗ ſehung der Frauen die Verfügung des ſo eben angefuͤhrten Geſetzes vom Brümaire, und in Anſehung der Minderjähri⸗ gen das Edict von 1673 befolgen. Dieſes Edict, welches weit vollſtändiger als das Geſetz vom Brümaire iſt, geſtat⸗ tete den ſeparirten Frauen vier Monate, den Wittwen aber, und den Minderjährigen nach erlangter Großjährigkeit ein Jahr: geſchah die Eintragung in die Regiſter binnen dieſen Zeitfriſten, ſo hatte ſie eine zurückwirkende Kraft; nach Ab⸗ lauf der Friſten aber brachte ſie nur ein Hypotheken⸗Recht von dem Tage an hervor, wo die Eintragung geſchehen war. Nach dieſem Edicte von 1673 brauchte die Eintragung in die Regiſter, wenn ſie einmahl geſchehen war, nicht wieder erneuert zu werden; dagegen die Oppoſitionen, dem Edicte von 1771 zu Folge, nur drey Jahre dauerten. Im Entwurfe unſeres Artikels hatte die Geſetzgebungs⸗Section das Edict von 1673 befolgt, und geſagt, daß die Privilegien und Hy⸗ potheken mittelſt der Inſcriptionen ſo lange aufrecht erhalten würden, als die perſönliche oder hypothekariſche Klage dauere, worauf ſie beruhen · Aus folgenden Gründen wurde indeſſen dieſe Verfuͤgung beſtritten; dauert die Inſcription, ſagte man a), ſo lange, ſo wird es unmöglich, ſie in den ungeheuren Bänden der Hy⸗ potheken⸗Regiſter ausfindig zu machen; die Aufſuchungs⸗Koſten werden b) betraͤchtlich, und die Einſchaltungen erleichtert; und da c) eine perſönliche Klage hundert Jahre lang dauern kann, wenn ſle z. B. durch Minderjährigkeiten oder durch m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 357 eonſervatoriſche Maßregeln anfrecht erhalten wird, ſo muß man eine andere Zeitfriſt annehmen. Anderer Seits wendete man ein, man müſſe die Bürger nicht mit oft wiederhohlten Eintragungs⸗Koſten belaſten, und ein Geſetz machen, wodurch ſie von der Zahlung derſelben bey der zweyten und den folgenden Eintragungen befreyt würden. Letzteres, antwortete man aber, gehört nicht in ein Eivil⸗ Geſetzbuch; und ſo wurde die Dauer der Inſeription auf zehn Jahre eingeſchraͤnkt. ²) *) Der Ausdruck: halten aufrecht, der in dieſem Artikel vorkommt, möchte wohl, in ſeinem wahren Sinne genommen, beſſer auf die Erneuerung der Eintragung, als auf die urſprüng⸗ liche Eintragung ſelbſt paſſen. Die gewöhnliche Hypothek erhält in der That ihr Loben durch die urſprüngliche Eintragung; da⸗ gegen die in der vorgeſchriebenen Friſte bewerkſtelligte Erneuerung der Eintragung dieſer Hypothek die nehmliche Kraſt und die nehmliche Rechte aufrecht erhält, die die urſpruͤngliche Ein⸗ tragung ihr beygelegt hatte. Das nehmliche gilt auch von den Privilegien, die der Eintragung unterworfen ſind. Dem ſey indeſſen, wie ihm wolle, der Sinn des Geſetzes iſt gar nicht zwey⸗ deutig. Die urſprüngliche Eintragung ſetzt den Rang der Hypo⸗ thek und des Privilegiums feſt, welcher unter dem Schutze des Geſetzes ſich zehn Jahre lang erhält; damit aber die Hypothek und das Privilegium dieſen Rang beybehalte, muß die Eintra⸗ gung vor Ablauf der zehu Jahre erneuert werden; geſchieht die⸗ ſes nicht, ſo iſt er unwiederbringlich verloren, und die Hypothek ſällt in den Zuſtand zuruͤck, als wenn ſie nie eingetragen gewe⸗ ſen wäre. Freylich kann ſie nachher noch eingetragen werden; allein nun erhaͤlt ſie erſt wieder vom Tage der Eintragung einen Rang. Die Frage ob die von Amts wegen geſchehenen Eintragun, gen ſe wie auch die Eintragungen der Hypotheken der Frauen, der Minderjährigen und des öffentlichen Schatzes an den Götern der Maͤnner, der Vormünder und der Einnehmer der Staats⸗ Einkuͤnfte vor Ablauf der zehn Jahre erneuert werden müſſen, hat der Staats⸗Rath durch folgendes Gutachten vom 15. Decem⸗ ber 1807, welches vom Kaiſer am 22. Jaͤnner 130s genehmiget worden iſt, entſchieden. Es lautet ſo: 363 1. Buch. XVII. Tit Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2155.„ Die Koſten der Eintragungen fallen auf „den Schuldner, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen Der Staats⸗Rath, welcher, der von Sr. Majeſtat befohlenen Hinvepweiſung zu Folge, den Bericht der Geſetgebungs Seetion über jenen des Groß⸗Richters, Juſtitz⸗Miniſters in Betreff der Frage angehoͤrt hat ob die von Amis wegen geſchehenen Eintragungen ſo wie jene von Seiten der Frauen, der Minder⸗ jährigen und des öffentlichen Schatzes auf die Güter der Männert der Vormunder und der Einnehmer der Staats⸗Einkünfte, vor Ablauf der Friſten von zehn Jahren erneuert werden imöſſen Iſt der Meinung, daß dieſe Frage durch den Art. 2154 des G. N. entſchjeden ſey. Bey der Disecuſſion des Geſetzbuches wurde dieſer Artikel erſt nach einer peiflichen Berathſchiagung angenommen. Die Geſetzgebunss⸗Seetion hatte vorgeſchlagen den Eintra⸗ gungen ihre völlige Wirkung ſo la üge zu laſſen als die Verbindlichkeit und die perſönliche Klage wider den Schuldner, pder als die hypothekgriſche Klage gegen den dritten Beſitzer dauern wörde, falls das mit einer Hypothek belaſtete Gut in deſſen Handen wäre. Dieſer Vorſchlag wurde perworfen, nicht weil man eß nicht vortheilhaft für die Buͤrger fand, wenn ſie nicht verbunden waͤren, die genommenen Inſeriptionen zu erneuern, ſondern weil der vorgeſchlagene Artikel große Schwierigkeiren in ſeiner Voll⸗ ßreckung darhoth; allgemein war man ſogar der Meinung, daß die Vollſtreckung deſſelben unmöglich wäre. In der That wär es möglich, daß die perſönliche Verbind⸗ lichkeit, deren Dauer, der vorgeſchlagenen Meinung zu Foige⸗ die Dauer der Eintragung beſtimmen ſollte, entweder mittelſt eonſervatbriſcher Acte oder durch aufeinander folgende Minder? iährigkeiren, ein Jahrhuͤndert hindurch fortwährte: wie fonnte nun aber ein Hypotheken⸗ Vewahrer ſich in ſolcher Menge von Regiſtern wieder finden, die er täslich ſo oft durchblaͤttern miüßte gls man von ihm ein Zeugniß über die etwa vorhandenen Eint tragunßen verlangen möchte? Dieſer Einiurf ſchien unauföslich, und unerachtet man ig⸗ gab; es wäre zu wuͤnſchen geweſen, daß es möglich ſeyn möchte; den Bürgern die Schwierigkeit einer Erneuerung der Eintragungén zu rſparon ſo war man doch der Veunß daß es keinf u Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 355 „worden iſt; ſie werden von demjenigen vorgeſchoſſen, der die „Eintragung nachſucht; ausgenommen ſind gleichwohl die Rittel gäbe, hiezu zu gelangen: der Artikel gieng alſo, ſo wie er wirklich it, ohne einige Ausnahme durch, d. h. die Eintragungen halten die Hypotheken und Privilegien nur wäh⸗ rend zehn Jahre aufrecht, und werden ſie vor Ablauf dieſer Friſt nicht erneuert, ſo hört ihre Wirkung auf. Das Grſetzbuch macht keine Ausnahme; und hierin liegt der Unterſchied zwiſchen dem neuen Artikel, und dem Geſetze vom 11. Brümaire 7. J. in Betreff der Dauer der Eintragungen. Anfangs ſtellt der Art. 23 dieſes Geſetzes die nehmliche Ver⸗ fügung dar, wie der Art. 2154 des Geſetzbuches: dann macht er aber von dieſer Regel zwey Ausnahmen; die erſte, zu Gunſten der gegen die Einnehmer der Staats⸗Einkünfte und ihre Buͤrgen genommenen Inſeriptionen, welche, wie es darin heißt, bis zur deſinitiven Berichtigung der Rech⸗ nungen und noch ſechs Monate hernach ihre Wirkung haben ſollen; die zweyte, zu Gunſten der Hypotheken, die auf die Gu⸗ ter der Ehegatten zur Sicherheit ihrer Rechte und deſſen, was im Heiraths⸗Coutracte fuͤr ſie ausbedungen worden iſt, eingetra⸗ gen worden ſind, welche ſo lauge dauern ſollen, als die Ehe beſteht, und noch ein Jahr rhernach. Sind dieſe Ausnahmen im G. N. nicht wiederhohlt worden, ſo iſt dieſes nicht aus Vergeſſenheit, ſondern mit neberlegung, und den Grundſätzen zu Folge geſchehen, die die Grundlage der neuen Verfügungen ſind, welche die Hypo⸗ theken betreffen. Zuerſt ſind die auf die Rechte der Frguen und Minderjähri⸗ gen ſich beziehenden Eintragungen zur ufrechthaltung ihrer Hp⸗ potheken nicht mehr nothwendig, indem dieſe, nach dem Art. 2135 des Geſetzbuches, von aller Eintraguns unabhängig xiſti⸗ ren; es war folglich nicht nothwendig, für die Aufrechthaitung dieſer Hypothek die Erneuerung einer Eintragung iu verordnen, die iu ihrer Errichtung nicht mehr erforderlich war. Was die Eintragungen auf die Güter der Rechnungspflichti⸗ gen betrifft, iſt es ausgemacht, daß die Forberungen des offent⸗ lichen Schatzes von der Forwalität der Eintragung durch das G. N. nicht befreyt worden ſind. Dieſes Privilegium verleiht der Art. 2135 bloß den Ninderjährigen, Juterdicirten und Ehe⸗ frauen: zuverlähig kann hingegen die Verwaltung die überal 36 In. Buch. XvlM. Tit. Von Privilegien und Hypotheken.! „geſetzlichen Hypotheken; wegen ihrer Eintragung hält ſich „der Hypotheken⸗Bewahrer an dem Schuldner. Die Koſten Agenten hat, bey denen man mehr TDhätigkeit und Aufklaͤrung als beym gemeinen Manne vorausſetzen muß, die Eintragungen, die ſie hat bewerkſtelligen müſſen, erneuern. Ohnehin ſieht man leicht ein, daß eine Verfügung, welche die gegen die Rechnungspflichtigen genommenen Inſeriptivnen von der Nothwendigkeit, ſie vor Ablauf der für alle Eintragun⸗ gen überhaupt feſtgeſetzten Friſt von zehn Jahren zu erneuern, frey erklärte, die zahlloſen Schwierigkeiten alle in ſich faſſen würde, welche verhindert haben, den Eintragungen eine unbegränzte Wirkung beyzulegen. Man hat ſo eben geſagt, daß, da die gefetzliche Hypothek der Frauen und der Minderjährigen unabhängig von aller Eintragung beſtehe, ihrer Seits keine Urſache vorhanden ſey eine Maßregel u erneuern, wovon ſie befreyt wären. Hier iſt der Zeitpunet, zu bemerken, daß, unerachtet man die Rechte der Frauen und Minderjährigen von der Nothwendig⸗ keit einer Eintragung zur Exiſtenz ihrer Hypothek befreyte, man nichts deſtoweniger ſtrenge Maßregeln ergriffen hat, damit dieſe Rechte kundbar gemacht, und diejenigen, welche ſich mit den Maͤunern und Vormuͤndern in Geſchaͤfte einlaſſen, nicht das Schlachtopfer eines Geheimhaltens werden möchten, welches das jetzige Hypotheken⸗Syſtem hat verbannen wollen. Dieſem zu Folge verordnet der Art. 2136 des Geſetzbuches, daß die Männer und Vormünder gehalten ſeyn ſollen, die Hy⸗ potheken, womit ihre Guͤter wegen der Heirath oder der Vor⸗ mundſchaft belaſtet ſind, kundbar zu machen, und ſelbſt die Ein⸗ tragung derſelben auf ihre eigene Güter nachzuſuchen, unter der Strafe, daß ſie widrigenfalls als eines Stellionats ſchuldig ange⸗ ſehen, und als ſolche, mittelſt perſoͤnlichen Arreſtes zur Zahlung angehalten werden ſollen. Haben aber auch die Maͤnner und Vormünder dieſe Eintra⸗ gung zu bewerkſtelligen vernachlaͤßigt, ſo werden ſie zwar perſön⸗ lich hiefür geſtrafts deſſen ungeachtet exiſtirt die Hypothek. So hat man bey dieſer Gelegenheit das allgemeine Inte eſſe, welches die Publicität der Hypotheken fordert, mit dem beſon⸗ dern Intereſſe der Frauen und der Minderjährigen zu vereinigen geſucht, welche durch die Verſaͤumung einer Eintragung nicht leiden dürfen, deren Bewerkſtelligung ihnen oft unmöglich ſeyn würde. Ul. W ch. XVl. Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. 361 „der Einſchreibung(Transſtription), welche ein Verkäufer „etwa verlangt, fallen auf den Erwerber.« — Außer allem Zweifel iſt es aber, daß die Männer und Vormün⸗ der, unter den im Art. 2136 enthaltenen Strafen, ſchuldig ſind, die Eintragungen der Hypotheken, womit ihre Güter noch be⸗ ſchwert ſeyn moͤgen, vor Ablauf der Friſt von zehn Jahren zu erneuern; der nehmliche Beweggrund, aus dem ihnen die Pflicht auferlegt wurde, die Eintragung zu befördern, ſchreibt ihnen ebenfalls vor, die Eintragung ſo oft und ſo lange zu erneuern, als ihre Güter wegen der Heirath oder Vormundſchaft beſchwert bleiben. Es iſt noch uͤbrig, von der Erneuerung der von Amts wegen geſchehenen Eintragungen zu ſprechen. Der Lext des Art. 2134 des G. N., und die ſo eben dargelegten Entwickelungen duͤrfen keiuen Zweifel an der Nothwendigkeit dieſer Erneuerung vor Ab⸗ lauf der Friſt von zehn Jahren mehr übrig laſſen: nur daran ließ ſich zweifeln, wer dieſe Erneuerung zu beſorgen habe; bey wenigem Nachdenken bleibt man indeſſen überzeugt, daß auch ſo gar hieruͤber kein ernſter Zweifel aufgeworfen werden kann. Im Art. 21os heißt es, die Einſchreibung gelte als Eintra⸗ tragung für den Verkäufer; der nehmliche Artikel legt dem Hy⸗ potheken⸗Bewahrer die Pflicht auf, die Eintragung in ſein Re⸗ giſter von Amts wegen zu thun. Die Urſache hievon iſt leicht einzuſehen: der Hypotheken⸗Bewahrer findet in dem Verkauf⸗ Acte, den man ihm vorlegt, alle Beſtandtheile des Bordereau, welches ein Gläubiger eingeben muß, um ſeinen Titel eintragen zu laſſen; er hat alſo alles vor Augen, was er verlangen kann, um die Forderung des Verkaͤufers eintragen zu können: das Geſetz verbindet ihn zu dieſer Eintrasung, ohne daß es nöthig iſt, ihn hierum beſonders zu erſuchen; die Borlegung des Aectes um ihn zu transſeribiren vertritt die Stelle dieſes Geſuches. Folgt hieraus, daß die ſo von Amts wegen geſchehene Ein⸗ tragung nicht erneuert werden müſſe? Folgt daraus, daß, wenn die Epoche der Erneuerung herangekommen iſt, der Hypotheken⸗ Bewahrer dafür ſorgen müſſe? Hffenbar nicht. Beym Ablaufe der zehu Jahre weiß der Bewahrer nicht, ob die Forderuns des Verkäufers getilgt iſt oder nicht; ohnehin wäre es ihm unmöglich, von allen Verkäufen, die er eingeſchrieben haben mag, Note zu halten, um täglich darauf zu wachen, daß jede Eintragung von Amts wegen, wenn ſie zu Ende gehet, erneuert werde. 362 1M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 3 S. die Anmerkungen zum Art. 2131. 1 Eine ſolche Laſt mußte und konnte man dem Bewahrer nicht aufbürden: eben ſo wenig konnte man ihn verpfiüſchten, jedes⸗ 1 mahl wenn er um ein Zeugniß uber die etwa vorhandenen Ein⸗ tragungen erſucht wird, alle ſeine Regiſter von vierzis und meh⸗ rern Jahren her zu durchſuchen, um ſich zu perſichern, daß keine Eintragung von Amts wegen vorhanden ſey was doch durchaus geſchehen muͤßte, wenn die Eintragungen von Amts wegen nicht erneuert würden. Man kann alſo mit Wahrheit ſagen, daß die Eintragung von Anns wegen, ſo wie jede andere, zur Aufrechthaltung der Hy⸗ pothek erneuert werden, und daß der Verkaͤufer fuͤr die Erneue⸗ rung ſorgen muß: er muß ſich durch eine Verbindlichkeit nicht verletzt finden, die ihm mit allen Gläubigern ohne Uunterſchied zemein iſt, wenn ſie ihre Rechte aufrecht halten wollen. Die eben aufgeſtellten Grundſätze paſſen gleichfalls auf eine andere Gattung von Eintragung von Amts wegen die der Art. 7 des Geſetzes vom 5. September 1807 vorſchreibt. Die Hypotheken⸗Bewahrer ſind, bey Strafe der Abſetzung und des Schadens⸗Erſatzes, ſchuldig, auf Einſicht der Acten! wodurch die General⸗Einnehmer und die Zahlsmeiſter das Eigen⸗ genthum ihrer Güter übertragen, von Amts wegen eine Eintra⸗ gung im Nahmen des öffentlichen Schatzes zur Erhaltung ſeiner Rechte zu thun, und einen Auszug davon dem Agenten lichen Schatzes zuzuſenden. Der Verwaltung iſt es leicht, von dieſen zugeſendeten Auszü⸗ Ben ein Regiſter zu halten, und dieſe Eintragungen in den vor⸗ einer Ausnahme von der allgemeinen Regel vorhanden. So muß alſo, um die Sache kurz zu wiederhohlen 1) jede Sint ragung vor Umlauf von zehn Jahren erteuert werden; 2) War die Eintragung erforderlich, um ein Hypotheken⸗ Recht zu bewirfen, ſo iß die Erneuerung derſelben nothweudig um es aufrecht zu erhalten; 3) Exiſtirt ein Hypothekeu⸗ Recht unabhängig von gller Sin⸗ rragung, und dieſe iſt unter beſoßdern Strafen verordnet, ſo müſſen diejenigen, welche die Eintragung zu veranſtalten verbun⸗ den ſind, ſie unter den nehmlichen Strafen erneuern laſſen; geſchriebet ien Friſten erneuern zu laſſen; hier iſt kein Grund zu — m. Buch. XvIII. Tit. Pon Privilegien und Hypotheken. 363 Art. 2156.„Klagen, welche die Eintragungen wider die „Gläubiger etwa veranlaſſen mogen, ſollen bey der recht⸗ „maͤßigen Gerichts⸗Behörde durch Vorladungs⸗Acte eines „Huſſſier angeſtellt werden, die ihnen in Perſon, oder an „dem zuletzt im Regiſter gewählten Wohnorte zu inſi⸗ „nuiren ſind, wenn ſchon die Gläubiger, oder diejenigen, „bey welchen ſie ihr Domicil gewählt hatten, inzwiſchen ver⸗ »„ſtorben ſeyn ſollten. ⸗ S. den Art. 2150, worin erklaͤrt wird, welches Gericht über dieſe Klagen zu erkennen befugt iſt. Fünftes Capitel. Von der Ausſtreichung und Reduction der eingetragenen Privilegien und Hypotheken. Art. 2157.»Eingetragene Pripilegien und Hypotheken „werden mit Einwilligung der Parteyen, die dabey ein Intereſſe „haben, und hiezu fähig ſind, oder kraft eines in letzter Inſtanz vergangenen oder rechtskräftigen Urtheils ausgeſtrichen.« ²) 4) Endlich, wenn die Eintragung durch den Hypotheken⸗Be⸗ wahrer von Amts wegen geſchehen mußte, ſo iſt der Gläubiger, der ein Intereſſe dabey hat, verbunden, ſie zu erneuern. B. ²) Kaiſerliches Deeret äber die Aufhebung der Oppoſitionen, welche zur Aufrechthaltung der Rechte der Armen und Spitäler gemacht worden ſind, vom 11. Thermidor J. 12.(30. Juli 1204.) Art. 1. Die Empfänger der Armenanſtalten können in den Faͤllen, wo die Gerjchte es nicht verordnet haben, die Oppoſt⸗ tionen nicht aufheben, welche zur Aufrechthaltung der Rechte der Armen und Spitaͤler gemacht worden ſind, noch eine Aus⸗ ſtreichung, Veränderung oder Einſchränkung der eingetragenen Hypotheken⸗Nechte bewjlligen, ſie ſeyen dann durch eine beſondere Entſcheidung des Präfectur⸗Rathes hiezu autoriſirt, welche auf den förmlichen Vorſchlag der Verwaltung und nach dem Gut⸗ achten des zu Folge des Beſchluſſes vom. Meſſidor. J. bey jedem Gemeindebezirke errichteten und aus Rechtsgelehrten beſtehenden Berathſchlagungs⸗Comite erlaſſen worden iſt. 364 M. Buch. Xwll. Tit. Vou Privilegien und Hyyotheken⸗ Im Art. 25 des Geſetzes vom Brümaire hieß es: die Inſeriptionen werden entweder mit Einwilligung der Intereſſenten, oder Rraft eines executoriſchen Urtheiles, welches es vererdnet, ausgeſtrichen. Im Entwurfe unſeres Artikels hatte die Geſetzgebungs⸗ Section jenen des Geſetzes vom Brümaire wörtlich aufge⸗ nommen; er wurde aber, wie man ſieht, ohne Discuſſion abgeändert. Kann der Hypotheken⸗Bewahrer unſerem Artikel zu Folge, kraft eines in erſter Inſtanz erlaſſenen Contumacial⸗Urtheiles, wogegen binnen acht Tagen keine Oppoſition eingelegt wor⸗ den iſt, eine Inſcription ausſtreichen? Das Bezirks⸗Gericht von Bordeaur entſchied dieſe Frage mit Nein, ſein Urtheil wurde aber in der Appellations⸗In⸗ ſtanz am 6. Pluvioſe 13. J.(6. Jänner 1803) reformirt. Ein Contumacial⸗Urtheil, ſagte das Bezirks⸗Gericht, geht nicht in die Rechtskraft über, weil man während dreyßig Jahre davon appelliren kann. Der Appellations⸗Hof ſagte hingegen, die Befugniß von einem in erſter Inſtanz erlaſſenen Urtheile zu appelliren, hin⸗ dere nicht daran, es zur Vollſtreckung zu bringen, ſo lange derjenige, gegen den es gefällt worden iſt, ſich dieſer Befug⸗ niß nicht bedient; ſo lange er dieſes nicht thue, werde er ſo angeſehen, als wenn er es dabey bewenden laſſe.*) Dieſe Frage kann inzwiſchen viele Schwierigkeit erleiden⸗ Unter einem rechtskräftigen Urtheile verſteht man gewöhm lich dasjenige, wovon nicht appellirt werden kann. In der Ordonnanz von 1667, Tit. 27, Art. 5, heißt es indeſſen: rechtskraftige Urtheile ſind diejenigen, welche in letzter Inſians erlaſſen worden ſind, oder wovon nicht appe llirt *) Dieſe Entſcheidung ſammt dem dazu gehörigen Falle findet man in der Jurisprud. de la C. de C. Xlll. im Anhange p. 66 1. f. B —.——„——— — In. Buch. XvIII. Cit. Von FPrivilegien und Hypotheken. 36½ wordeh iſt, oder wovon keine Appellation annehmbar iſt, 1c. Nach der Lehre des Rodier zu dem Art. 1 und 5 des geſagten Titels, muß ein in erſter Inſtanz erlaſſenes Urtheil, ſo lange davon nicht appellirt wird, zur Vollſtreckung gebracht werden, und dieß, ſagt er, iſt die Abſicht der Or⸗ donnanz. So bald eine Partey gegen ein wider ſie erlaſſenes Contumacial⸗Urtheil in den beſtimmten Friſten keine Oppo⸗ ſition eingelegt hat, muß man annehmen, daß ſie es dabey bewenden laſſe, und man kann das Urtheil nicht, unter dem Vorwande, daß eine Appellation davon moͤglich iſt, unvoll⸗ ſtreckt laſſen. Nur muß man im Falle, wenn ſie davon appellirt, die Inſcription wieder herſtellen, bis die Sache in letzter Inſtanz entſchieden ſeyn wird,*) 2) ueber die Vollſtreckung der Contumaciab⸗Urtheile ſehe man den Art. 155 bis 159 einſchließlich des Seſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S.— Was aber insbeſondere die Urtheile betrifft, wodurch die Ausſtreichung einer Hypothek verordnet wird, heißt es im Art. 34 eben dieſes Geſetzbuches:„uUrtheile, welche„ die Ausſtreichung einer in die öffentlichen Regiſter eingetragenen Hypothek. oder irgend etwas anderes verordnen, das von einem Heitten oder gegen ihn geſchehen ſoll, ſind für oder wider dieſen Dritten nicht exeeutoriſch, wenn ſchon die Zeitfriſten zur Einlegung der Dppoſition oder der Appellation verſtrichen ſind, es ſey dann, daß sin Zeugniß des Sachwalters der auf Voll⸗ ſreckung dringenden Partey, worin das Datum der am Wohn⸗ orte der verurtheilten Partey geſchehenen Inſinuation des Urthei⸗ les ausgedruckt iſt, und ein Zeugniß des Gerichtsſchreibers beyge⸗ bracht werde, welches bewaͤhrt, daß wider dieſes Urtheil weder Opypoſition noch Appellation eingelegt worden ſey.« Da nun e) nach dem vovliegenden Artikel ein in letzter Inſtanz ergangenes oder rechtskraͤftiges Urtheil erfordert wird, ein Contumacial⸗Ur⸗ theil aber wegen Mangel einer Oppoſition oder Appellation, und zwar vorzüglich in Anſehung dritter Perſonen; erſt dann rechts⸗ kraͤftig werden kann, wenn die für die Oppoſition oder Appellation beſtimmten Friſten verſtrichen ſind; da b) nach dem Art. 158 des Geſetzbuches ü. d. r. V i. C. S. die Oppoſition gegen ein Con⸗ tumaeial⸗Urtheil bis zur Vollſtreckung des urtheiles zuläſſig iß, wenn es gegen jemanden erlaſſen worden, der keinen Sachwalter boſtelt hatte, das Urtheil aher) nach dem Art. 179 des nehm⸗ —— 566 UI. Buch. KVIII. Cit. Von Privilegien und Hypotheken. Uebrigens hat unſer Artikel jenem des Geſetzes vom Bruͤ⸗ maire noch die Worte: und hiezu faͤhig ſind, hinzugeſetzt; ihr Zweck war, wie Herr Grenier ſagt, damit Minderjaͤh⸗ rige oder verheirathete Frauen, die allenfalls ihre Pypothe⸗ ken, wie das Geſetz ihnen dieſes erlaubt, auf die Güter ihrer Pormuͤnder oder Männer haben einttagen laſſen, nicht mehr ohne Beobachtung der zur Veraͤußerung ihrer Güter und Gerechtſame erforderlichen Formalitaͤten davon abſtehen könnten⸗ Art⸗ 2158.„In einem wie im andern Falle haben die⸗ „jenigen, welche die Ausſtreichung nachſuchen, auf dem Bü⸗ „reau des Hypotheken⸗Bewahres eine Ausfertigung des au⸗ „thentiſchen Actes, der die Einwilligung enthält, oder die „Ausfertigung des Urtheils zu hinterlegen⸗⸗ Art. 2150.»Iſt die Ausſtreichung nicht verwilliget „worden, ſo wird hierauf bey dem Gerichte geklagt, in »„deſſen Bezirke die Eintragung geſchehen iſt; ausgenommen „bleibt hievon der Fall, wenn die Eintragung zut Sicherheit „eines auf einen künſtigen Fall gerichteten, oder unbeſtimm⸗ „ten condemnatvriſchen Urtheils geſchehen iſt, über deſſen lichen Geſetzbuches als vollſtreckt angeſehen wird; wenn die in Beſchlag genommenen Mobilien verkauft, oder der Verurtheilte in Verhaft gezogen und zur fernern Haft empfohlen, oder der auf eines oder mehrere ſeiner liegenden Gründe gelegte Beſchlag ihm kundbar gemacht, odet die Koſten gezahlt worden ſind, oder endlich ein Aet erfolgt iſt, woraus ſich nothwendig ergibt, daß die Bollſtreckung des uUrtheils der ausbleibenden Parteh bekannt geworden, ſo muͤßte ſogar im Falle, wenn das Contumaeial⸗urtheil⸗ welches die Aüsſtreichung der Hypothek verordnete, gegen jeman⸗ den gefällt worden, der keinen Sachwalter beſtellt hatte, die Vollſtreckung deſſelben, allenfalls mittelſt ereeutiviſchen Verfah⸗ rens zur Zahlung der Koſten, worin der Ausbleibende verurtheilt worden, befördert werden, ehe der Hypotheken⸗Bewahrer zur Aus⸗ ſreichung der Hypothek angehalten werden könnte. So entſchied auch der Appellations⸗Hof von Paris am 14. May 1sos in ber Sache Ringard wider Fidisre. Aurisprud. de* C. de C⸗ 1883 im Anhange v. 3 1. f. v— m. Buch. XVlIi. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. z67 „Pollſtreckung oder Liquidation der angebliche Schuldner und „Gläubiger bey einem andern Gerichte entweder noch wirk⸗ „lich gegeneinander verfahren, oder das Urtheil erwarten. „In einem ſolchen Falle muß die Klage auf Ausſtreichung „der Hypothek entweder bey eben dieſem Gerichte angebracht, „ oder dahin verwieſen werden.« „Eine zwiſchen dem Gläubiger und Schuldner getroffene „Uebereinkunſt, worin ſie ſich anheiſchig machten, daß im „Falle eines unter ihnen entſtandenen Streits die Klage bey „einem andern, von ihnen beſtimmten Gerichte, angebracht „werden ſoll, iſt gleichwohl unter ihnen in Vollzug zu ſetzen.⸗ Der letzte Theil des Artikels wurde dem Entwurfe auf die Erinnerung, die man machte, hinzugeſetzt, der Fall ſey a) möglich, daß die Contrahenten ein Intereſſe dabey haͤtten, über ein anderes von ihnen beſtimmtes Gericht ſich zu ver⸗ einigen; die Befugniß ſich ein Gericht auszuwählen, könne ihnen b) um ſo weniger verſagt werden, da es in ihrer Macht ſtehe, ihre deßfallſigen Streitigkeiten durch Schieds⸗ Richter entſcheiden zu laſſen; ohnehin geſtatte c) das Geſetz vom 24. Auguſt 1790 den Contrahenten in allen Faͤllen, ſich ein Gericht auszuwählen⸗ So wurde alſo dieſer Zuſatz angenommen, jedoch unter vem Vorbehalte, daß die deßfallſige Uebereinkunft nur unter den Contrahenten von Wirkung ſeyn, keineswegs aber die Drdnung der Gerichtbarkeiten in Hinſicht dritter Perſonen aͤndern ſollte⸗ Art. 2160.»Die Gerichte ſind ſchuldig, die Ausſtreichung „zu befehlen, wenn die Eintragung, ohne auf ein Geſetz „oder auf einen Titel gegründet zu ſeyn, oder zu Folge eines „unregelmäßigen, erloſchenen oder durch Zahlung wiederauf⸗ „gehobenen Titels geſchehen iſt, oder wenn ſonſt die aus „dem Privilegium oder der Hypothek entſtandenen Prioritaͤts⸗ „rechte auf eine geſetzliche Weiſe vernichtet ſind.« Art. 2161.» So oft ein Glaͤubiger, der nach dem Ge⸗ „ſete berechtiget war, ſein Privilegium oder ſeine Hypothek „auf die gegenwärtigen, oder auch auf die künftigen Güter 363 M. Buch. XvIII. Tit. Ven Privilegien und Hypotheken. „eines Schuldners eintragen zu laſſen, ohne daß er in einem Vertrage in eine Beſchränkung gewilliget hat, auf „verſchiedene Güter, und zwar auf mehrere als zur Sicher⸗ „heit der Forderungen nothwendig war, die Eintragung er⸗ „wirkt hat, hat der Schuldner das Recht, auf Reduction „der Eintragungen oder auf Ausſtreichung eines Theils der⸗ „ſelben, in ſo weit das billige Verhältniß dabey überſchritten „worden iſt, zu klagen. Man befolgt hiebey die in Beziehung „auf die Competenz im 2159. Artikel feſtgeſtellten Regeln.⸗ „Die Verfuͤgung des gegenwärtigen Artikels iſt auf ver⸗ ntragsmaͤßige Hypotheken nicht anwendbar.« Der letzte Theil dieſes Artikels war im Entwurfe nicht enthalten, und wurde durch folgende Frage veranlaßt, ob nehmlich der Richter kraft dieſes Artikels befugt ſey, auf Verminderung, ſelbſt der vertragsmäßigen und Special⸗Hy⸗ potheken zu erkennen⸗ Der Artikel, antwortete man, erſtreckt ſich auf dieſe Gat⸗ tungen von Hypotheken nicht. S. indeſſen den Art. 2163.*) Art. 2162.»Eintragungen, die ſich auf mehrere Guͤter „erſtrecken, werden alsdann fuͤr übermäßig angeſehen, wenn „der Werth eines einzigen oder einiger aus ihnen um mehr „als ein Drittel an freyen ſonſt unbeſchwerten Grundſtücken „den Betrag der Forderungen an Capital und geſetzlichen „Acceſſorien überſteigt.⸗ Geſetzlichen Acceſſorien. Gewöhnlich verſteht man hie⸗ durch Zinſen; es kann aber auch Schadenserſatz nebſt andern .) Dat übrigens die Verfügung des vorliegenden Artikels auf allg e⸗ meine Conventional⸗Hypotheken nicht anwendbar ſey, die vor der Verkuͤndung des G. N. errichtet worden ſind, entſchied „) der Appellations⸗Hof von Agen am 4. Fructidot 13. J.(22. Auguſt 1303) in der Sache Chaumel wider Lamourour. Journ. d. Aud. etc. 1506 im Anhange p. 198 u. fi und b) der Appellations⸗Hof von Paris am 13. Julius 1307 in der Sache Bellanger wider Delondre und Lehoux. Jurispr. de lu C. de C. 1307 im Anhange p. 184 u. f. B. m. Buch. xVvM. Tit. Ven Privilegien uno Hypotheken. 365 andern von der Hauptforderung abhangenden Zurückerſtattungs⸗ Gegenſtänden hieher gehoren. Art. 2163.»Als das billige Maß überſchreitend, können „gleichfalls die nach einer von dem Gläubiger gemachten „Schätzung geſchehenen Eintragungen ſolcher Forderungen „vermindert werden, welche, ſo viel die zu ihrer Sicherheit „zu ſtellende Hypothek betrifft, durch den Vertrag keine „nuͤhere Beſtimmung erhalten haben, und ihrer Natur nach „bedingt, von einer ungewiſſen Begebenheit abhängig oder „unbeſtimmt ſind.« Iſt von dem Gläubiger und dem Schuldner die Größe ſolcher Forderungen beſtimmt, und auf eine gewiſſe Summe im urſprünglichen Titel, worauf ſie beruhen, angeſchlagen worden, ſo iſt der Schuldner, nach dem Art. 2167, nicht be⸗ fugt auf Verminderung anzutragen. Art. 216.»Die Beſtimmung des Uebermaßes wird in „dieſem Falle dem billigen Ermeſſen der Richter überlaſſen, „welche dabey auf die Umſtände, auf das, was bey künf⸗ „tigen ungewiſſen Vegebenheiten wahrſcheinlich iſt, und auf „die aus den Thatſachen ſich ergebenden Vermuthungen der⸗ „geſtalt Rückſicht zu nehmen haben, daß ſie die wahrſchein⸗ „lichen Rechte des Gläubigers mit dem dabey eintretenden „Intereſſe, den Schuldner ſo viel als billig bey Credit zu er⸗ „halten, in Uebereinſtimmung bringen. Dem Gläubiger „bleibt hiebey unbenommen, wenn einſt der Erfolg zeigt, „daß ſeine bis dahin unbeſtimmten Forderungen eine größere „Summe betragen, neue Eintragungen nachzuſuchen, die ihm „alsdann von dem Tage an, von welchem ſie datirt ſind, „eine weitere Hypothek verſchaffen⸗ Dieſes billige Ermeſſen iſt wohl nothwendiger Weiſe ein wenig willkährlich; allein das Syſtem ließ ſich anderſt nicht aufrecht erhalten. Art⸗ 2165„ Der Werth der Immobilien, den man mit „dem Betrage der Forderungen und einem Dirittel darüber „zu vergleichen hat, wird ſo beſtimmt, daß man bey liegen⸗ W. Malev⸗ 43 — 1* 370 1n. Buch. FvlI. it. Von Privilegien und Hopotheken. „den Guͤtern, die ſich nicht allgemach verſchlimmern, fünf' „zehn Mahl, und bey denjenigen, die mit der Zeit in Ver⸗ „fall und Abnahme gerathen, zehn Mahl den Ertrag der „Einkünfte berechnet, wie ſie entweder in der Hauptrolle „uͤber die Grundſteuer erklärt, oder durch den Contributions⸗ »Anſchlag auf der Rolle, nach dem in den Gemeinden, wo „die Guͤter liegen, unter dieſer Hauptrolle, oder dieſem „Contributions-Anſchlag und den Einkünften beſtehenden „Verhältniſſe angegeben ſind. Die Richter ſind gleichwehl »befugt, über dieß diejenigen Aufklärungen, welche unver⸗ „dächtige Pacht⸗ oder Mieth⸗Contracte, Verbal⸗Prozeſſe „liber eine geſchehene Abſchaͤtzung, die etwa vorher, zu einer „noch nicht lange verſtrichenen Zeit, verfaßt worden ſind, und „andere ähnliche Acte darbiethen können, zu Huͤlfe zu neh⸗ „men, und die Einkünfte nach einem Anſchlag, der ſich aus „den Reſultaten dieſer verſchiedenen Nachrichten im Durch⸗ „ſchnitte als Mittelertrag ergibt, zu ſchätzen⸗« Sechstes Capitet⸗ Von der Wirkung der Peivilegien und Hypotheken ß dritte Beſitzer⸗ Art. 2166.»bDie Gläubiger, welche ein Privilegium odet „eine Hypothek haben, die auf ein unbewegliches Gut ein⸗ „getragen iſt, halten ſich an dieſem Gute, in welche Hände „es übergehen moͤge, um nach der Rangordnung ihrer Fors „delungen oder Eintragungen claſſificirt und befriediget zu „ werden.« S. die Einleitung zu dieſem Titel S. 179. Art. 2167.»Wenn der dritte Beſitzer diejenigen Fot⸗ „malitsten nicht beobachtet, welche hierunten feſtgeſtellt wer⸗ „den, um ſein Eigenthum frey zu machen, ſo bleibt er, „bloß kraft der den Eintragungen beygelegten Wirkung, als n Inhaber fuͤr hypothekariſche Schulden verpflichtet, und „genießt der Zeitbeſtimmungen und welche dem ur⸗ „ſprünglichen Sehhn geſtattet waren. ₰ *,— ini. Such. Xvu. gſt. Von Priollegien unb Hypotheken, 371 Der Erwerber, gleichviel ob ſeine Erwerbung auf einem kaſtigen oder wohlthätigen Titel beruht, hat die Wahl, ent⸗ weder die Güter mit den Hypotheken, die darauf haften, beſchwert zu laſſen, oder ſie davon frey zu machen, d. h⸗ die Hypotheken in Anſprüche auf den Preis der Guͤter zu verwandeln⸗ Im erſten Falle bleibt das Recht der Gläubiger, ihre Hypotheken⸗Rechte gegen jeden Beſitzer geltend zu machen, in ſeiner ganzen Kraft, und der Erwerber kann zur Zahlung aller Forderungen gezwungen werden, wenn er nicht lieber unter Beobaͤchtung der im Art. 2172 u. folg. dieſes Capitels vorgeſchriebenen Regeln, das unbewegliche Gut den Glaͤubi⸗ gern abtreten will. Im zweyten Falle muß der Erwerber ſeinen Contract dem ganzen Inhalte nach im Hypotheken⸗Büreau einſchreiben laſſen, und ſich nach den im Cap. 8§ angezeigten Regeln fügen. und genießt der veitbeſtimmungen und Friſten, welche dem urſpruͤnglichen Schuldner geſtattet waren. Dieſe Verfügung iſt aus dem Alt. I5 des Geſetzes vom Brümaire abgeſchrieben worden; man muß indeſſen den Fall, wovon der vorliegende Artikel handelt, mit jenein der Art. 2183 und 2184 nicht vermiſchen, wo der Erwerber im Gegehtheile das Gut von den Hypotheken frey machen will. Art. 2168.„Im nehmlichen Falle iſt der britte Veſitzet „verbunden, entweber alle fällige Zinſen und Capitalien zu „zahlen, auf welche Summe ſich dleſelben auch belaufen „mögen, oder das zur Hypothek geſtellte Gut, ohne einigen „ Vorbehalt, abzutreten. S. die Anmerkung zum vorhergehenden Artikel⸗ Art. 2169.„In ſo fern der dritte Be ſitzer eine von dieſen „PVerpflichtungen nicht ganz erfüllt, iſt ein jeder Gläubiger, „wenn er dreyßig Tage vorher dem urſprünglichen Schuldner „das Zahlungs⸗Geboth(commandemerit) und dem dritten „Beſitzer die Aufforderung entweder die fällige Schuld zu „zahlen, oder das Gut abzutreten, hat einhändigen laſſen, 7 UMI. Buch. XVII. it. Von Privilegien und Hypotheken. „das zur Hypothek geſtellte liegende Gut wider ihn verkau⸗ „fen zu laſſen, berechtiget.* Dieſe Friſt von dreyßig Tagen ſtimmt mit dem Art. 30 des Geſetzes vom Brümaite, und mit dem Art. 1 des Geſetzes vom nehmlichen Tage über die Vergantung überein. Art. 2170.»Der dritte Beſitzer, der zur Zahlung der „Schuld nicht perſönlich verbunden iſt, iſt gleichwohl befugt, „dem Verkaufe des zur Hypothek geſtellten Gutes, welches „auf ihn übergegangen iſt, ſich zu widerſetzen, in ſo fern „dem oder den Hauptverpflichteten noch andere für die nehmliche „Schuld verſchriebene Immobilien uͤbrig geblieben ſind, die »ſie beſitzen. Er kann nach der unter dem Titel von der „Buͤrgſchaft beſtimmten Form darauf antragen, daß ſie „vorläufig angegriffen und zum Verkaufe ausgeſetzt werden, „und waͤhrend des Verfahrens uͤber dieſe Verſteigerung bleibt „der Verkauf des verſchriebenen Gutes ausgeſetzt.« Hier wird von der durch die Nov. 4, cap. 4 eingeführ⸗ ten, und in der Praxis allgemein beobachteten Wohlthat der Vorausklage(beneſicium excussionis) gehandelt. Zwiſchen dieſer Wohlthat, ſo wie ſie Kraft der Novelle beſtand, und jener, die unſer Artikel verleiht, iſt indeſſen ein großer Un⸗ terſchied; unſerm Artikel zu Folge kann nehmlich der Gläu⸗ biger nur gezwungen werden, die uͤbrigen im Beſitze des Schuldners gebliebenen und fuͤr die nehmliche Schuld verſchriebenen Immobilien vor allem anzugreifen, und ge⸗ richtlich verkaufen zu laſſen; wogegen in Gemäßheit der Novelle alle Immobilien, ſie mochten verſchrieben ſeyn oder nicht, zum Voraus angegriffen, und verkauft werden mußten.*) ²) Daß die Verfügung dieſes Artikels dann nicht anwendbar ſey, wenu die hypothekariſche Klage zur Zeit der Verkündung des G. N. gegen den dritten Beſitzer unter einer Geſetzgebung angehoben war, welche ihm die Wohlthat der Vorausklage verſagte, dieß entſchied die Seeuion des requétes des Caſſations⸗Hofes am 16. December 1306 in der Sache der Wittve Vincent wider Cagnard. Jurispr. de la C. de C. 1307 P. 12 u. f. Uebri⸗ M. Buch. XvlII. Lit. Bon Privilegien und Hypotheken. 37 Art. 2171.„Die Einrede der Vorausklage kann einem „Gläubiger, der ein Privilegium oder eine Special⸗Hypothek „an dem unbeweglichen Gute hat, nicht entgegengeſetzt werden.« Dieſer Artikel erlitt Widerſpruch; er vernichtet, ſagte man, die Wohlthat der Vorausklage in Hinſicht der geſetze lichen Hypotheken, weil der Gläubiger ſie nicht geltend machen kann, ſo lange der Fall nicht eingetreten iſt, wo die Ver⸗ bindlichkeit, deren Erfüllung dadurch ſicher geſtellt werden ſoll, wirklich erfuͤllt werden muß; ſo bald aber dieſer Fall eintritt, wird die Hypothek in eine Special⸗Hypothek ver⸗ wandelt. So gar, ſetzte man hinzu, iſt er in Anſehung der vertragsmäßigen. Hypotheken ungerecht, denn ſo lange ein dritter Erwerber andere Immobilien anzeigt, muß er unge⸗ ſtort gelaſſen werden⸗ Die Veraͤnderung, die mit dem Syſtem vorgegangen iſt, antwortete man, hat die Verfügung des Artikels herbeyge⸗ führt; ſo lange die Hypotheken allgemein waren, war keine Urſache vorhanden, ſich vielmehr an dieſem als an jenem unbeweglichen Gute zu erhohlen; jetzt aber, wo die Specialität angenommen iſt, wird das beſchwerte Gut ein ausſchließliches Unterpfand des Glaͤubigers. Nur dann, erwiderte man hierauf, kann dieſe Frage ent⸗ ſtehen, wenn der Glaͤubiger eine Inſcription auf mehrere Immobilien genommen hat, denn ſonſt iſt ja der Fall nicht möglich, ihm die Einrede der Vorausklage entgegenzuſetzen; was hat aber in dieſem Falle der Glaͤubiger anderſt für ein Intereſſe, als bezahlt zu werden? Den Bürgen und Solidar⸗ Schuldnern hat man ja doch die Wohlthat der Vorausklage gelaſſen, warum ſoll man ſie dem Erwerber der mit der nehmlichen Hypothek beſchwerten Immobilien benehmen? gens iſt der Beſitzer, der ſich auf die Wohlthat der Vorausklage bezieht, nicht ſchuldig, alle Güter, die er ausklagen zu laſſen behauptet, auf einmahl anzuzeigen, ſondern er kann nach und nach andere anzeigen. Répert. de jurispr. V. Picusvion, n. 2. 374 M. Buch. XVIII. Fſt. Von Privilesten und Hypotheken. Der Artikel wurde dieſemnach zur Section zurückverwieſen⸗ in der Folge indeſſen ohne Discuſſion angenommen Art. 2172.» Die Abtretung der Hypothek kann von „jedem dritten Beſitzer geſchehen, der zur Zahlung der Schuld *nicht perſönlich verpfüchtet iſt, und die Fähigkeit hat, zu „ veräußern⸗« Ueber dieſe Materie hat Toiseau einen beſondern Tractat geſchrieben, den man zu Rath ziehen kann. Iſt der dritte Beſitzer perſönlich fuͤr die Schuld verbun⸗ den, ſo wird er zur Abtretung nicht zugelaſſen, ſondern muß Fraft ſeiner perſtnlichen Verbindlichkeit bezahlen. ²) Dem vorliegenden Artikel zu Folge kann ein dritter Beſitzer, der ſich, ſelbſt ohne Mitwirkung des Gläubigers, gegen den Schuldner zur Zahlung einer Schuld verbunden hat, ſich durch Abtretung des hypotheſirten Gutes von dieſer Zahlung nicht be⸗ freyen So ward in folgendem Falle entſchieden. Am 20. Prai⸗ rial 5. J.(s. Jun us 1793. verkaufte Barbier dem Val⸗ lery ein Grundſtuͤck fuͤt die Summe don 5,500 2. die in zwey Renten verwandelt wurden Am 11. Thermidor n. J.(a9. Ju⸗ lius n. J) uͤberträgt Barbier dieſe zwey Rehten an Campion; und am z0. Meſſidor 6. J.(18 Julius 1796) verkauft Val⸗ lery das von Barbier angekaufte Srundſtuͤck wieder an Mo⸗ rel. Letzterer verband ſich gegen ihn, die zwey Renten dem Barbier oder deſſen Stellvertretern zu zahlen. Im hierüber abgefaßten Acte kommt indeſſen weder Barbier noch Campion als Theilnehmer vor. Campion, der Rückſtände von dieſen Renten zu fordern hatte, ließ; um zur Zahlung zu gelangen, die Mobilien des Morel in Beſchlag legen. Morel widerſetzte ſich hingegen, und trug auf die Aufhebung dieſer Beſchlagnehmung deßwegen an, weil ſein Erwerbungs⸗Cyntract nicht zur Vollzehung gelangt, und ohnehin dem Campion ganz fremd ſey. In etſter Inſtanz wurde der Beſchlag gegen Abtretung des hypptheſirten Gutes aufgehoben; der Appellativns⸗Hof von Rouen aber verurtheilte am 14. Julius 1306 den Morel zur gahlung der verfallenen Renten, und er⸗ klärte ihn hiezu auch für die Zukunſt ſchuldig. Morel ſuchte⸗ zwar Caſſation dieſes Urtheiles nach, ßützte ſich auf eine Ver⸗ ſeeuns t der Art. 2163, 2169 und 2171 der. N. und tt — I. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 375 Art. 2173.„Sie kann ſelbſt alsdann noch geſchehen, „wenn der dritte Beſitzer die Richtigkeit der Schuld wirklich e anerkannt hat, oder einzig in dieſer Eigenſchaft(als „dritter Beſitzer allein) verurtheilt worden iſt; die geſchehene „Abtretung verhindert den dritten Beſitzer nicht, bis zum „wirklichen Zuſchlage das unbewegliche Gut gegen Zahlung „der ganzen Schuld und der Koſten zurückzunehmen.« Man muß wohl auf die Ausdrücke dieſes Artikels acht geben: nachdem der dritte Beſitzer die Schuld anerkannt hat, oder einzig in dieſer Eigenſchaft, d. h. als dritter Beſitzer, verurtheilt worden iſt; denn, wenn er ſich perſönlich zur Zahlung der Schuld verbunden hätte, alsdann könnte er das verſchriebene Gut nicht mehr abtreten, wie wir beym vorher⸗ gehenden Artikel angemerkt haben. Art. 2174.»Die Abtretung einer Hypothek geſchieht „bey der Kanzelley des Gerichtes, worunter die Güter gelegen „ſind, und eben dieſes Gericht gibt hierüber eine Urkunde.« „Auf Anſuchen desjenigen von den Intereſſenten, der die „Sache zuerſt betreibt, wird ein Curator ernannt, dem die „Dbſorge über das abgetretene unbewegliche Gut anvertraut „wird, und gegen welchen man auf gerichtlichen Verkauf des hauptete, daß er ſich nie perfönlich gegen Campion zur Zah⸗ lung verbunden habe; ſein Geſuch wurde aber am 21. May 1807 von der Section des requstes verworfen, weil er durch die im Contracte vom zo. Meſſidor 6. J. übernommene Verbindlichkeit perſönlicher Schuldner der Renten geworden ſey. Jurispr. de la C. de G. 1807 p. 278 u. f.(Man ſehe den Art. 1121 des G. N.) Dagegen entſchied aber der Appellations⸗Hof von Brüſſel am 9. Floreal 13. J.(e9. April 1805), in der Sache Char⸗ lier wider Dereuſer, daß eine Stipulation, wodurch der Verkaͤufer eines unbeweglichen Gutes ſich verpflichtet, dem Er⸗ werber für alle andere dingliche Laſten, welche darauf haften moͤchten, als jene, die im Contracte ausgedruckt ſind, Gewähr zu leiſten, den Erwerber der Befugniß nicht beraube, das Gut abzutreten. Journ. d. Aud. ete. 1806 im Anhange p. 193. M B. 376 iMI. Buch. LvlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Gutes, unter Beobachtung der Formen verfährt, welche für „die Vergantungen vorgeſchrieben ſind.⸗ Dieſer Artikel ſtimmt mit dem Gebrauche überein. Art. 2175.»Verſchlimmerungen, welche aus einer „Handlung oder aus Verſänmniß des dritten Beſitzers entſte⸗ „hen, und den hypothekariſchen oder privilegirten Glaͤubigern „zum Nachtheile gereichen, begründen wider ihn eine Klage „auf Entſchädigung; ſeine Verwendungen und Verbeſſerun⸗ »gen kann er indeſſen nur in ſo weit zurückfordern, als eben „dadurch das Gut mehr werth geworden iſt.⸗ Dieſer Artikel iſt gegen die F. 51, F. 3, N de hered. pet. ſo wie auch gegen die Meinung des Loiſeau, du dé- guerpissement, iv. 5, ch. 14, n. 7, nach welchen der⸗ jenige, welcher die Hypothek abtritt, fuͤr die Verſchlimme⸗ rungen nicht eher haftet, als bis er gerichtlich zur Abtretung oder zur Zahlung belangt worden iſt, weil er bisdahin ein redlicher Beſitzer war; die Verfuͤgung des Artikels iſt indeſſen gerecht; vorzuͤglich jetzt, wo ihm die Hypotheken bekannt ſeyn mußten.*) Art. 2176.„Die Fruchte des zur Hypothek geſtellten unbe⸗ „weglichen Gutes hat der dritte Beſitzer nur von dem Tage an „zu erſetzen, da er aufgefordert worden iſt, entweder zu zahlen „oder das Gut abzutreten, und, wenn das einmahl ange⸗ *) Da übrigens der vorliegende Artikel dem dritten Beſitzer die Befugniß ertheilt, ſeine Verwendungen und Verbeſſerungen bis zum Betrag des dadurch erhöheten Werthes des Gutes zurückzu⸗ ſordern, ſo iſt es unbezweifelt, daß, wenn der Erwerber eines hypotheſirten Gutes es verbeſſert, und es wiederum an einen andern verkauft hat, er auf dieſe Befugniß keinen Anſpruch machen könne, es ſey dann, daß er die im Art. 2110 vorge⸗ ſchriebenen Formalitäten erfuͤllt habe. So entſchied der Appella⸗ tions⸗Hof von Montpellier am 17. März 1806 in der Sache Albarel wider Cayrol, und das von Letzterem eingelegte Caſſations⸗Geſuch ward am 5. November 1807 von der Seetion des requetes verworfen. Jurispr. de la C. d⸗ C. 1308 p. 97 u. f⸗ B. Im. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 377 „fangene gerichtliche Verfahren drey Jahre hindurch unter⸗ „brochen worden iſt, von dem Tage anzurechnen, da die „neue Aufforderung geſchieht.« Nach der F. 16, F. 4, ſ de pign. et hypoth. war der dritte Beſitzer nur von der Litis Conteſtation angerechnet, zur Erſtattung der Früchte verbunden; eine bloße Aufforderung ſcheint ihn indeſſen hinlänglich in Verzug zu ſetzen Art. 2177.»Dienſtbarkeiten und dingliche Rechte, „welche der dritte Inhaber an dem unbeweglichen Gute vor „ſeinem Beſitze gehabt hat, leben nach geſchehener Abtretung oder nach dem wider ihn erfolgten Zuſchlag wieder auf.« „Seine Gläubiger, welche an ihm fuͤr ſeine Perſon zu „fordern haben, mögen an dem abgetretenen oder gerichtlich „zugeſchlagenen Gute, ihrer Rangordnung nach, ihre Hypo⸗ „thek geltend machen, jedoch erſt nach allen denjenigen, „deren Forderungen wider die vormahligen Eigenthuͤmer ein⸗ „getragen waren.« Stimmt mit der F. penult. F. ult. h. de ercept. rei jud., und mit der Meinung des Loiſeau, du déguerp. Tiv. 6, ch. 7, n. 7. uͤberein. Art. 2178.»Der dritte Inhaber, der die hypothekariſche „Schuld gezahlt, oder das verſchriebene unbewegliche Gut „abgetreten, oder die Vergantung dieſes liegenden Gutes er⸗ „litten hat, hat wider den Hauptſchuldner ſeine Regreßklage „auf Gewährleiſtung nach den in dieſer Hinſicht geltenden „Rechts⸗Grundſätzen.« S. die T. 1, F de evict., und Loiſeau, n. Z. und 9. Art. 2179.»Ein dritter Beſitzer, der durch Zahlung „des Preiſes ſein Eigenthum von den Hypotheken befreyen „will, hat die in dem g. Capitel des gegenwaͤrtigen Titels „vyrgeſchriebenen Formalitäten zu beobachten. 175 U. Buch⸗ XVII. Tit. Von Pivilegien und Hypotheken. Siebentes Capitel. Von der Erlöſchung der privilegien und Hypotheken. Art. 2180.„ Die Privilegien und Hypotheken erlöſchen,“ „1) Durch Erloͤſchung der Hauptſchuld;« „2) Durch Verzſchtleiſtung des Gläutiger⸗ auf die Hy „pothek; „3) Durch Beobachtung der ynmſtien und Erfüllung »der Bedingungen, welche dritten Beſitzern vorgeſchrieben ſind, vum die von ihnen erworbenen Guter frey zu 4) Durch Verjährung.“ 3 „Die Verjährung wird zum PVortheile des Schuldners, „ſo viel die Güter betrifft, die er in ſeiner Gewalt hat, in „dem Zeitraume vollendet, der zur Verjährung der Klagen „vorgeſchrieben iſt, welche ihm die Hypothek oder das Pri „legium verſchaffen.. „In Hinſicht der Guͤter, die ſich in den Hůnden eines „dritten Beſitzers befinden, wird ſie für ihn in der Zeitfriſt „ vollendet, welche erforderlich iſt, damit er zu ſeinem Vortheile „das Eigenthum durch Verjaͤhrung erlange· Setzt die Verjäh⸗ „rung einen Titel voraus, ſo laͤuft ſie erſt von dem Tage an, „wo er in die Regiſter des Hypotheken⸗Bewahrers ingetri »gen worden iſt. „Die von dem Gläubiger geſchehenen Eintragungen unter⸗ „brechen den Lauf der Verjährung nicht, welche das Geſetz „zum Portheile des Schuldners oder eines dritten „eingefuͤhrt hat. Die Ziff. 1 ſimmt mit der T. 6, F quib. mod. pin· Die Ziff. 2 mit der T. 2, Cod. de remiss. pign. Die Ziff. 4 mit der ad. cred. und mit der L. 3, Cod. de preæscript. 30 vel 40 ann. überein. Ueber dieſe verſchiedene Eurſcheihntten ßind indeſſen einige Anmerkungen zu machen. 1) Die Privilegien und Hypotheken erloͤſchen nicht nur durch die eben angefuͤhrten Urſachen, ſondern auch durch MI. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 375 Novation, nisi convenit, ut pignus repetatur, T. 11, F. 1, V. de pign. act. und durch den gaͤnzlichen Untergang der hypotheſirten Sache. Dagegen dauern ſie aber a) auf dem Grund und Boden fort, wenn ſchon das Haus abgebrannt iſt; und wird das Haus nachher wieder aufgebaut, ſo lebt die Hypothek an dem Hauſe ſelbſt wieder auf. T. 29, F. 1 N de pign. et hypoth. Eben ſo dauert ſie b) fort, wenn die Geſtalt der hypotheſirten Sache verändert worden iſt, z⸗ B. wenn aus einem Hauſe ein Garten, oder aus einem Gar⸗ ten ein Haus gemacht worden iſt. T. 16, F. 2₰ de pign. et kypotü. Iſt aber ein Wald zur Hypothek geſtellt worden, und man baut aus ſeinen Bäumen Schiffe, ſo geht die Hypothek auf dieſe Schiffe nicht uͤber. T. 18, F. 3, F de pign. act. Bey dieſer Gelegenheit muß ich einen ſonderbaren Fall anfuͤhren, den die Civil⸗Section des Caſſations⸗ Hofes unlängſt entſchieden hat. Fohann Schott verkaufte mittelſt eines öffentlichen Actes vom 19. Ventoſe 10. J.(10. März 1802) ſeinem Bruder Michael den Grapp, den er auf drey Stücken Landes hatte⸗ Am 17. des folgenden Meſſidor(6. Julius n. J.) läßt Petri, ein angeblicher Glaͤubiger des Verkaͤufers den Grapp in Beſchlag legen. Gegen dieſe Beſchlagnehmung legt Michael Schott eine Dppoſition ein: Wolff, Ceſſionar des Petri, ſetzt ihm entge⸗ gen, er habe ſeinen Contratt im Hypotheken⸗Büreau nicht einſchreiben laſſen. Am 29. Prairial 11. J.(18. Junius 1803) wird zu Gunſten des Michael Schott geurtheilt. Wolff appellirt von dieſem Urtheile, und der Appella⸗ tions⸗Hof von Colmar reformirt es, weil a) Michael Schott ſeinen Contract nicht habe einſchreiben laſſen; weil P) der verkaufte Grapp einen Theil eines unbeweglichen Gutes aus⸗ gemacht habe, und folglich c) der Verkauf dritten Perſonen Richt entgegengeſetzt werden könne⸗ 33 1I. Buch. XvIIMI. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Schott nahm ſeinen Recurs zum Caſſations⸗Hofe, und dieſer caſſirte am 19. Vendemiaire 14. J.(11. October 1805) nach Einſicht der Art. 6 und 26 des Geſetzes vom Brümaire das Urtheil des Appellations⸗Hofes, weil die Früchte eines Grundſtuͤckes als ein Theil deſſelben bloß in Beziehung auf den Uebertrag des Eigenthumes oder des Nießbrauches dieſes Grundſtuͤckes, oder auf die Beſchlagnehmung des Gutes, wovon ſie einen Theil ausmachen, angeſehen werden, nichts aber daran hindere, daß ſie ganz allein und ohne das Grund⸗ ſtück, verſteht ſich ohne Betrug, verkauft oder auch in Be⸗ ſchlag genommen werden. S. die Anmerkung zum Art. 5a0 · 2) In unſerem Artikel heißt es zwar, man koͤnne auf ſeine Hypothek Verzicht leiſten, und dieß iſt ganz richtig; er ſagt aber nichts von der Art, wie dieſe Verzichtleiſtung ge⸗ ſchehen müſſe; muß ſie ausdrücklich ſeyn, oder laͤßt ſie ſich aus Umſtänden herleiten? Der Caſſations⸗Hof hatte in ſei⸗ nen Bemerkungen die Frage aufgeſtellt, ob ein Gläubiger, der als Notar oder als Zeuge den Veraͤußerungs⸗Aet eines ihm verſchriebenen Gutes unterzeichnet, bloß deßwegen ſo an⸗ geſehen werde, als wenn er auf ſeine Hypothek Verzicht leiſte, oder ob eine ſolche ſtillſchweigende Verzichtleiſtung nur dann Statt habe, wenn im Veräußerungs⸗Acte erklärt wird, daß das Gut von allen Hypotheken frey ſey⸗ Es iſt freylich keinem Zweifel unterworfen, daß a) ein Gläubiger, welcher in den Berkauf, oder eine ſonſtige Ver⸗ äußerung der ihm verſchriebenen Sache einwilligt, ſeine Hy⸗ pothek verliere. T. 4 und 7, quib. mod. pign. Auch verliert er ſie b), wenn er darin einwilligt, daß die Sache einem andern verſchrieben werde, ohne ſich ſeine eigene Hypothek dabey vorzuhehalten. P. 12, F de pign. et hypoth. Allein, in allen dieſen Faͤllen iſt Einwilligung vorhanden; die Schwierigkeit beſteht alſo darin, ob dieſe Einwilligung aus der bloßin Aufnahme oder Unterzeichnung des Actes, worin die Sache verkauft oder einem andern verſchrieben wird⸗ vermuthet werde. z. Buch. XVIMI. Lit. Von Privilegien und Hypotheken. 321 Meines Erachtens kann dieſe Einwilligung im Falle eines bloßen Verkaufes, ohne daß die Clauſel, daß das Gut von vypotheken frey und ledig ſey, dem Contracte eingerückt wird, ganz und gar nicht vermuthet werden, und zwar aus der Urſache, welche die T. 8, F. 15. H quib. mod. pign. hie⸗ von gibt. quin Sciebat creditor ubique pignus sibi durare. Selbſt dem Notar läßt ſich uͤberdieß der Vorwurf nicht ma⸗ chen, daß er unredlich gehandelt habe, weil der Erwerber wiſſen mußte, daß deſſen Hypothek eingetragen war. In Hinſicht der Verſchreibung, machte man ehemahls zwi⸗ chen der Special⸗ und der General-Hypothek einen Unter⸗ ſchied; die Unterzeichnung eines Contractes, ſagte man, wo⸗“ rin eine allgemeine Hypothek geſtellt wird, ſchadet dem Zeugen oder dem Notar nicht, wohl aber dann, wenn eine Special⸗ Hypothek im Contracte geſtellt wird⸗ Eben ſo entſchſed man, daß die Unterzeichnung ihnen dann ſchade, und eine Verzichtleiſtung auf ihre Hypothek nach ſich ziehe, wenn der Contract die Clauſel enthielte, daß das Gut von Hypotheken frey und ledig ſey. Meiner Meinung nach muß es bey dieſer Jurisprudenz noch heut zu Tage ſein Verbleiben haben, es ſey dann, daß das verſchriebene Grundſtuck offenkuͤndiger Maßen einen ſolchen Werth hätte, daß es beyden Hypotheken vollſtändige Sicher⸗ heit gewährte. Ueber alle dieſe Fragen ſehe man Lapeyrère, und die Uett. H, n. 44) von ihm angefuͤhrten Schriftſteller, und Rousseaud,. EHypotheque, Sect. 6. 3) Was die Verjährung betrifft, unterſcheidet unſer Ar⸗ rikel den Fall, wo der Schuldner Beſitzer der verſchriebenen Güter bleibt, von jenem, wo ſie in die Hände eines dritten Erwerbers übergegangen ſind⸗ Im erſten Falle wird die Hypothek in dem Zeitraume verjährt, welcher zur Verjährung der Klagen, die die Hypo⸗ thek oder das Privilegium begruͤnden, erforderlich iſt. Da alſo z. B⸗ nach dem Art. 2271 und 2272 die Klagen der 36 1l. Buch. XvlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Gaſtgeber und Speiſe⸗Wirthe in ſechs Monaten, jene der Aerzte, Wundärzte und Apotheker in einem Jahre verjährt werden, ſo wird auch durch Ablauf eben dieſer Zeit ihr Pri⸗ vilegium verjährt, es ſey dann, daß ſie mittelſt angeſtellten gerichtlichen Verfahrens es aufrecht zu erhalten geſucht haͤtten⸗ Das nehmliche gilt auch von den übrigen Hypotheken· In den Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗ Rechte— hatten, entſchied man, daß die hypothekariſche Klage, wenn ſie mit der perſönlichen Klage verbunden war, in Gemäß⸗ heit der T. cum notissimi, Cod. de præscript. 30 vel 40. vierzig Jahre tang dauerte. In den Provinzen, worin das römiſche Recht galt, dauerte ſie aber ſelbſt in dieſem Falle nur dreyßig Jahre. S⸗. hierüber Mnrih lib. 6. ch. 31. Louet und Brodeau, lett. H, n. 2. Henris, koin. 1, liv. 4, quest. 75. Nach unſerem Artikel, in Verbindung mit dem Art. 2262, ſcheint es, daß man der Praris der Provinzen, worin das römiſche Recht galt, den Vorzug gegeben habe. 1 Im Falle, wo die beſchwerten Gäter in die Hände eines dritten Beſitzers übergegangen ſind, wird die Hypothek, ſo wie das Eigenthum ſelbſt in zehn Jahren inter præsentes, und in zwanzig Jahren inter absentes verjaͤhrt.(Art. 2265.) Dieſes war duch, nach der F. un. Cod. de usucap. transf.„ und der T. 8., Cod. de prascript. Zo. vel 0, die der Art. N) 114 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris aufgenommen hatte, ſo wohl in den Provinzen; worin das rdiniſche Recht galt, als auch in jenen, die ihre eigenen Gewohnheits⸗Rechte hatten, in der Praris allgemein angenommen⸗ IFnzwiſchen hat unſer Artikel, im Falle die Verjährung einen Litel vorausſetzt, eine Bedingung hinzufügt, nehmlich dieſe, daß er in die Regiſter des Hypotheken⸗ Bewahrers ein⸗ geſchtieben werde. Um indeſſen in zehn und zwanzig Jah⸗ ren verjaͤhren zu können, muß nach dem Art. 2265 ein rechtmäßiger Titel vorhanden ſeyn. Was den letzten Theil des Artikels betrifft, kaun man bemerken, daß er mit der Praxis von Paris übereinſtimmt⸗ u. Buch. xvn. git. Von Pribilegien und Hypotheken. 333 wo die Wiſſenſchaft, die der Erwerber von der Hypokhek gehabt haben mochte, nicht hinreichte, ſondern eine förm⸗ liche Unterbrechung der Verjährung erforderlich war. S. Rousseaud, V. Prescription, Fect. 3, h. 1. In den Pro⸗ vinzen, worin das römiſche Recht galt, war es aber zur Verjährung der Hypothet nöthig, daß der dritte Erwerber in gutem Elauben wat, und zur Zeit der Erwerbung von ihr nichts wußte. S. Serres, p. 157. S. ebenfalls die Anmerkungen zum Art. 2265. Achtes Capitel. Von der Att ſein Eigenthum von Privilegien und 3 Hypotheken frey zu machen. Art. 2151.„Contracte, welche dazu geeignet ſins, um vdas Eigenthum unbeweglicher Güter oder dinglicher den Im⸗ „mobilien gleich geachteter Rechte auf einen andern zu uͤber⸗ „tragen, ſollen von dem Hypotheken⸗Bewahter, in deſſen „Bezirke die Guͤter gelegen ſind, ihrem ganzen Inhalte nach eingeſchrieben werden, wenn es die Abſicht der drit⸗ *ten Beſitzer iſt, die Güter von Privilegien und Hypothe⸗ „ken frey zu machen⸗⸗ »Dieſe Einſchreibung muß in ein hiezu beſtimmtes „Regiſter geſchehen, und der Hypotheken⸗Bewahrer iſt ver⸗ „bunden, demjenigen, der ſie nachſucht, deßhalb eine Be⸗ „ſcheinigung zu geben.» 3*) *) Gutachten des Staats⸗Raths über die Transſeription von Verkauf⸗Acten, die unter Privat⸗Unterſchrift gefertiget und ein⸗ regiſtrirt ſind, vom z. Floreal 13. J.(a3. April 1303)) geneh⸗ miget vom Kaiſer den 12. Floreal(4. May.) Der Staats⸗Rath, der zu Folge der Wetſung S. M. des Kaiſers den Vortrag der Sertionen der Geſetzgebung und der Finanzen über den Bericht des Groß⸗Richters, Juſtitz⸗Miniſters, in Betreff der Frage, ob man die durch Aete unter Privat⸗Un⸗ terſchrift geſchloſſenen und gehoͤrig einregiſtrirten Verkäufe, deren Unterſchriften aber weder vor Rotarien noch durch ein Urtheil änerkannt ſind, gültiger Weiſe transſeribiren kann, um ſie von Pypotheken zn befreyen, angehoͤrt hat; 354 m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotyrtkn. Hier warf man die Frage auf, ob Verkauf⸗Acte unter Privat⸗Unterſchrift eingeſchrieben werden foͤnnten. Man ant⸗ wortete, die Frage ſey im Titel vom Verkaufe entſchieden⸗ worin es heiße, daß dergleichen Acte das Eigenthum übem tragen; in der That würde kein Uebertrag des Eigenthums vorhanden ſeyn, wenn ein ſpaͤterer Erwerber dem andern das Eigenthum dadurch entreißen könnte, daß er ſeinen Con⸗ tract einſchreiben ließe. — Nach Einſicht des Geſetzes vom 11. Brumaire 7 J. über die Hopotbeken⸗Verfaſſung! und des Citels des Geſetzbuches Napo⸗ leons von Privilegien und Hypotheken; In Erwägung, daß keine beſtimmte Verfügung verbiethet, baß ein unter Privat⸗Unterſchrift gefertigter Verkauf⸗Act, wenn er mit der Formalität der Einregiſtrirung verſehen iſt in die Regiſter des Hypotheken⸗Bewahrers eingeſchrieben werde; daß dieſe Transſeription keine andere Wirkung hat als den In⸗ tereſſenten anzuzeigen, daß das Eigenthum eines Immobilar⸗ Stückes aus einer Hand in die andere übergegangen iſt, und daß es keinen Grund gibt die Ankündigung einer Veränderung, die durch einen Act unter Privat⸗Unterſchrift bewirkt wurde, zu vei⸗ viethen, da es auf dieſe Art zu veräußern erlaubt iſt; Daß man keine entgegen geſetzte Folgerung daraus ziehen kann daß eine Eintragung, um eine Hypothek zu bewirken, nur auf Vorzeigung einer autheutiſchen Ausfertigung des Urtheils oder Actes, der die Hypothek conſtituirt, geſchehen kann, weil eine Hypothek in der That nur durch einen authentiſchen Aet eonſtituirt werden kann; Daß endlich bey der Diseu Napoleons von den Privilegier Staats⸗Rathe vorgelegt worden iſt, und daß es ſo offenbar zu ſeyn ſchien, daß man einen gehoͤrig einregiſtrirten Verkauf⸗Act unter Privat⸗Unterſchrift transſeribiren koͤnne, daß man es für überflüßig hieit, ſolches durch eine ausdrückliche Verfügung zu erlauben, wie man ſich davon durch Leſung des Verbal⸗Prozeſ⸗ ſes der Sitzung vom 10. Ventos 12 J. überzeugen kann; Iſt der Meinung daſt Verkauf⸗Acte unter Privat⸗Unter⸗ ſchrift, welche einregiſtrirt ſind, zur Transſeription vorgelegt werden können. ſſion des Titels des Geſetzbuches und Hypotheken die Frage im Mm. Vuch. XVIII. Tit. Von Frivilegien und Hypothekeu. 335 Seitdem iſt dieſe Frage durch den(unter dem vorliegen⸗ den Artikel vollſtändig angeführten) Beſchluß des Staats⸗ Rathes förmlich entſchieden worden⸗ Art. 2182.» Dadurch allein, daß die Contracte, wo⸗ „durch das Eigenthum auf einen andern übergehen kann, „in das Regiſter des Hypotheken⸗Bewahrers eingeſchrieben „werden, wird das liegende Gut von den darauf haftenden „Hypotheken und Privilegien nicht befreyt. „Der Verkaͤufer überträgt dem Erwerber nur das Eigen⸗ „thum und die Rechte, welche er ſelbſt an der verkauften „Sache hatte; er uͤberträgt ſie ihm, mit denſelben Privile⸗ „gien und Hypotheken beſchwert, womit er belaſtet war.„ Statt dieſes Artikels waren im Entwurfe zwey andere, welche ſo lauteten: Art. 91. Acte, die dazu geeignet ſind, das Bigen⸗ thum auf einen andern zu uͤbertragen, und die nicht in die Regiſter eingeſchrieben worden ſind, koͤnnen dritten Perſonen, die mit dem Verkaͤufer etwa contrahirt, und ſich nach den Verfuͤgungen des gegenwaͤrtigen Geſetzes gerichtet haben, nicht entgegengeſest werden. Art. 92. Die bloße Einſchreibung der Titel, die dazu geeignet ſind, das Eigenthum auf einen andern zu ubertragen, befreyen die unbewegliche Sache von den auf ihr haftenden ypotheken und Privilegien nicht; ſie geht auf den neuen Eigenthümer anderſt nicht, als mit den Rechten, die dem vorherigen Eigenthuͤmer daran zuſtanden, und mit den nehmlichen Privilegien und Vy⸗ potheken beſchwert uͤder, womit ſie belaſtet war. Der Art. 91 war aus dem Art. 26 des Geſetzes vom Brumaire abgeſchrieben, nach welchem es ungezweifelt war, daß a) ein zweyter Erwerber, der ſeinen Contract hatte einſchreiben laſſen, dem Erſten, der dieß nicht gethan hatte, vorgezogen, und daß P) letzterer mit den Hypotheken be⸗ IV. Malev.. 25 z26 m. Buch. xVIn. Tit. Von Privitegien und Hypotheken. laſtet wurde, die auf die unbewegliche Sache nach ihrer Er⸗ werbung noch eingetragen wurden. Da es inzwiſchen im Art. 92 hieß, daß der Transſcrip⸗ tion ungeachtet, die unbewegliche Sache auf den Erwerber anderſt nicht, als mit den Rechten, die dem Verkäufer da⸗ ran zuſtanden, uͤbergehe, ſo fragte man⸗ ob die Section die Abſicht habe, das Geſetz vom Brumaire zu befolgen. Als ſie ja antwortete, lehnte man ſich heftig gegen dieſe Verfügung auf: Hiedurch, ſagte man a) wird das geheiligte Eigenthums⸗Recht in Ungewißbeit verſetzt werden,— ein Recht, welches von der bloßen Transſcription, die ein Erwer⸗ ber, welcher ſich zuerſt darum meldete, thun laͤßt, nicht ab⸗ hangen darf; die Folge, welche b) daraus entſtehen würde, wäre dieſe, daß ein Erwerber, der zehn oder zwanzig Jahre lang die Sache beſeſſen hat, von einem jüngern Erwerber, der ſeinen Contract einſchreiben ließe, oder von einem Gläu⸗ biger, der ſich erſt nach ſeiner Erwerbung einſchreiben lãßt. aus ſeinem Beſitze vertrieben würde; es ſind aber c) keine Gründe vorbanden, um der Transſcription eine ſolche unge⸗ rechte Begünſtigung angedeihen zu laſſen⸗ Wer kauft, hat d) nicht nöthia, daß man auf eine beſondere Weiſe fuͤr ſeine Sicherheit Sorge trage; er hat ja die Erwerbungs⸗Urkunden vor Augen; er kann den Beſitz des Verkäufers unterſuchen; und um ihn dieſer Unterſuchung zu entheben, traͤgt man kein Bedenken, das Eigenthum eines Buͤrgers aufs Spiel zu ſetzen, der ſich ganz ruhig auf einen öffentlichen Contract verläßt! Zu denen, die gegen die Transſcription waren, ſagte man, es ſtehe jedem frey, ſeinen Contract transſcribiren zu laſſen oder nicht;— eine ſchöne Freyheit, der ſich man nur nicht zu bedienen braucht, um ſich der Gefahr auszuſetzen, ſein Gut zu verlieren! Man lud dieſemnach die Section ein, ſich über folgende zw v Frogen zu erklären: 1) ob die vor dem Geſetze vom Brtimaire geſchehenen Verkäufe der Transſcription unterworfen ſcyen; 2) ob die Traneſcription dem Erwerber ſeibſt dann das in. Buch. xvn. Tit. Von Privilegien und Hypothefen. Eigenthum beylege, wenn er von jemand gekauſt hat, der nicht Eigenthümer war. Durch das Organ ihres Bericht⸗Erſtatters antmortete fie. der Artikel ſen auf die vor dem Geſetze vom Brumaire ge⸗ ſchehenen Verkäufe nicht anwendbar, und die zweyte Schwie⸗ rigkeit loͤſe der Art. 92 auf, indem er ſage, daß die unbe⸗ wegliche Sache auf den neuen Erwerber anderſt nicht als mit den Rechten uͤbergehe, die dem Verkäufer daran zuſtanden · Inzwiſchen wollte ſie den Sinn des Geſetzes vom Bru⸗ maire rechtfertigen, und ſagte a), das Syſtem ſey verfehlt, wenn man nicht ermaͤchtigt wäre, denjenigen als Eigenthü⸗ mer anzuſehen, den man in dieſer Eigenſchaft in die Regie ſter eingetragen findet; da P) entweder der Erwerbet oder der Darleiher der Gefahr ausgeſetzt werden muͤßte, hinter⸗ gangen zu werden, ſo müſſe man durchaus den Darleiher beguͤnſtigen, welcher kein anderes Mittel habe, ſich aufzu⸗ klären, als die Einſicht der Regiſter, und weil der Erwerber ihn dadurch, daß er ſeinen Contract nicht hat transſcribiren laſſen, in Irrthum verſetzt habe; hat indeſſen, ſetzte ſie c) hinzu, der Verkäufer das Eigenthum nicht, ſo überträgt die Transſcription es auch dem Erwerber nicht. 3 Nach dieſer Discuſſion, ſetzte der Staats⸗ Rath als Grundſatz feſt, 1) daß die Verfügung des Artikels auf die vor dem Geſetze vom Brumaire geſchehenen Berkäufe nicht anwendbar ſey; 2) Daß die Tiansſcription des Coutractes das Eigenthum auf den Käufer dann nicht übertrage, wenn der Verkäufer nicht Eigenthümer war. Gemaß dieſen Grundſützen wurde ſodann der Art. 2182 abgefaßt, und der Art. 91 des Entwurfes ausgeſtrichen. Uebrigens hat Herr Grenier, der aus Verſehen, in ſei⸗ uem Berichte, eine mit dem Geſetze vom Brumaire überein⸗ ſtimmende Meinung geäußert hatte, ſich geeilt, ſie mittelſt zs M, Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. eines errara wieder gut zu machen.*) Auch hat der Staats⸗Rath, der ſeitdem über dieſe Frage zu Rath gezogen worden iſt, ein Gutachten des Inhalts abgegeben, daß die Transſcription dem zweyten Erwerber kein Vorzugs⸗Recht ver⸗ leihe, und daß, wenn ſie ſchon nicht geſchehen waͤre, Glau⸗ biger doch deßwegen gar nicht ermächtigt ſeyen, ſich gegen den Verkaufer einſchreiben zu laſſen. Noch mehr, Se. Exz⸗ der Groß⸗Richter hat mir ſo gar die Ehre erzeigt, mir zu ſagen, daß er ein ganz in dem nehmlichen Sinne abgefaßtes Rundſchreiben an die Tribunäle erlaſſen, und daß er ſelbſt bey einem vor ihm gemachten Ankaufe es nicht fuͤr gut gefunden habe, ſeinen Contract transſcribiren zu laſſen.**) *) In der gedruckten Rede, die Herr Grenier im Geſetzgebungs⸗ Corps gehalten hatte, hieß es nehmlich:„Die Transſeription habe die Wirkung, daß keine Hypothek mehr eingetragen wer⸗ den könne... und die Hypotheken auf jene beſchraͤnkt werden, welche dem Acte, wodurch das Eigenrhum übertragen worden⸗ vorhergehen, und zur Zeit der Transſeription dieſes Aetes ſich eingetragen finden würden. Dieſe Stelle berichtigte Herr Grenier auf folgende Art:»Die Transſetiption iſt nicht mehrt wie nach dem Art. 26 des Geſetzes vom 11. Brumaire 7 J. zum Uebergang der Rechte des Verkäufers auf den Erwerber, in Beziehung auf dritte Perſonen erforderlich. Sie iſt nicht mehr nothwendig, um dem Laufe der Inſeriptionen Einhalt zu thun, welche vorhin noch immer auf das verkaufte Gut, ſelbſt nach dem Verkaufe, genommen werden konnten.» P. ) Auch die beyden Redner der Regierung und des Tribunates⸗ der Herr Staats⸗Rath Berlier und Herr Tarrible, er⸗ klärten ganz beſtimmt, als ſie den Art. 834 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. E. S. dem Geſetzgebungs⸗Corps vorlegten, daß die Meinung derjenisen, welche behauptet hätten, daß die Veräuße⸗ rung eines Gutes den darauf zur Zeit der Veräußerung nicht eingetragenen Hypotheken ihre Kraft benehme, und der neue Erwerber von aller Verantwortlichkeit gegen den Gläubiger befreyt ſey, welcher ſein Recht mittelſt Eintragung an den Tag zu legen vernachlaͤßigt habe, mit dem G. N. am meiſten über⸗ eisſtimme. S. übrigens die Note beym Art. 2146.(4) B. M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 32. Bey allem dem gibt es Perſonen, die noch der entgegen⸗ geſetzten Meinung ſind. Der Verfaſſer der Annales du No- tariat iſt ihr beygetreten, und ſelbſt der General⸗Director der Einregiſtrirungs⸗Verwaltung hat ſie in der Inſtruction behauptet, die er den Angeſtellten bey dieſer Verwaltung hat zugehen laſſen. Alles, was ich nach der eben gemachten Darſtellung noch ſagen kann, iſt dieſes, daß ich ihrer Meinung nicht bey⸗ pflichte. Hier iſt endlich der Ort, um eine Frage zu entſcheiden, die ich ſchon zweymahl hieher verwieſen habe. Gibt nehm⸗ lich die Transſcription des Contractes demjenigen, der ſie hat vornehmen laſſen, keinen Vorzug vor dem, der ſie unter⸗ laſſen hat, nach welchen Grundſätzen wird man dann zwi⸗ ſchen zwey Perſonen entſcheiden, die die nehmliche Sache erworben haben? Nach der berühmten T. quoties, Cod. de rei vindicat. gebührt der Vorzug demjenigen, der die Sache zu erſt in Beſitz genommen hat, vorausgeſetzt gleichwohl, daß er in gutem Glauben war, und nicht wußte, daß die Sache ſchon einem andern verkauft war. In Anſehung der Mobilien hat der Art. I141 dieſe Ver⸗ fuͤgung angenommen; und meines Erachtens muß man ſie ebenfalls in Hinſicht der Immobilien befolgen, obſchon der Art. 1583, da er ſagt, daß in Hinſicht des Verkaufers das Eigenthum von Rechts wegen auf den Raͤufer uͤber⸗ gehe, ſobald ſie über die Sache und den Preis einig gewor⸗ den ſind, dieſes einigem Zweifel auszuſetzen ſcheint. Wirft man indeſſen einen aufmerkſamen Blick darauf, ſo ſieht man, daß dieſer letztere Artikel mit der T. quoties nicht im Wi⸗ derſpruche ſteht; zuverlaͤſſig iſt nehmlich der Verkauf zwiſchen dem Käufer und Verkaͤufer bloß dadurch vollkommen, daß ſie uͤber die Sache und den Preis einig ſind; auch iſt der Verkäufer dem Käufer zu aller Gewaͤhrleiſtung verbunden, wenn er von einem andern Erwerber, der die Sache zu erſt in Beſitz genommen haben mag, evinzirt wird; aber in — — 370 M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken, Hinſicht dieſes Dritten iſt der Verkauf nicht vollkommen, weil er derjenige iſt, welcher Beſitzer bleibt. In einem errata werde ich Sorge tragen, dasjenige zu erläutern, was ſch hierüber bey den beyden Art. 1141 und 1383 geſagt habe, wo ich dieſe Frage nicht hinlänglich unterſucht hatte.*) Unter dem Geſetze vom Brumaire hat man die Frage zur Sprache gebracht, ob der zweyte Erwerber, der ſeinen Con⸗ tract hat einſchreiben laſſen, dem Erſten vorgezogen werden muͤſſe, wenn er ſchon von dem erſten Verkaufe unterrichtet war. Dieſe Frage kam bey der Civil⸗Sectivn in der Sache des Michael Girard und der Gebruͤder Monier in Brtreff eines unbeweglichen Gutes vor, welches Peter Girard zwey⸗ mahl, am 8. und 9. Floreal 9. J.(a8. und 29. April 1801) Lerkauft hatte. Die Gebruͤder Monier hatten ihren Contract transſeribiren laſſen. Michael Girard bewieß aber, daß ſie zur Zeit ihrer Erwerbung ven dem erſten Verkaufe Wiſſenſchaft hatten. Beym Tribunal von Iſſoire gewann er ſeinen Prozeß, ver⸗ lor ihn aber beym Appellations⸗Hofe von Riom. Nun nahm er ſeinen Recurs zum Caſſations⸗Hofe; dieſer erwog aber a), daß man denjenigen keines Betrugs beſchuldigen könne, der ſich bloß der Wohlthat des Geſetzes bedient; b) daß nach dem At. 26 des Geſetzes vom Bruͤmaire das Eigenthum anderſt nicht als durch die Transſeription übergehe, und c) der erſte Erwerber es ſich ſelbſt beyzumeſſen habe, daß er ſeinen Contract nicht habe transſcribiren laſſen; und aus die⸗ ſen Gruͤnden verwarf er am 3. Thermidor 13 F. Ga. Jul⸗ 18050 das Caſſations⸗Geſuch. Noch eine audere nicht minder wichtige Frage kam beym Caſſations⸗Hofe vor: Wenn die Erben eines Geſchenkgebers, binnen der Zeit zwiſchen dem Abſterben des Letztern und der Trans ſcription der Schenkung, die geſchenlten Güter — *) Dieſe Berichtigung ſteht ſchon im B. 3 dieſes Werkes S Fo1. *. — U. Buch. XViII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 391 verkaufen, und der Erwerber ſeinen Contract transſeribi⸗ ren laͤßt, muß in dieſem Falle der Erwerber dem Geſchenk⸗ nehmer vorgezogen werden? Mittelſt eines Actes vom 27. Thermidor 10. J.(9. Ang. 1802) ſchenkten ſich die Ehleute Pontius Nivois und ſeine Gattinn gegenſeitig alle ihre Güter, die dem zuerſt Abſter⸗ benden unter ihnen zugehdren wuͤrden. Die Dame Nivois ſtarb am 15. des folgenden Monates Fructidor(2. September n. F.) Am 12. Vendemiaire 11. J.(g. Oetob. n. J. ließ Nivvis die Schenkung inſinuiren, und am 27. des folgenden Mona⸗ res Nivoſe(17. Jänner 1803) ließ er ſie transſcribiren. In der Zwiſchenzeit aber hatten die Inteſtat⸗Erben ker Dame Nivois ihre Güter dem Munaut verkauft, und dieſer hatte den Perkauf tranſcribiren laſſen, ehe Niovis die Trans⸗ ſeription der Schenkung bewirkt hatte⸗ Munaut behauptete, ſeine Erwerbung müſſe die Dber⸗ hand behalten, weil ſie früher wäre transſeribirt worden ⸗ Zu Sedan und zu Metz wurde dieſe Behauptung ver⸗ worſfen · Run wendete er ſich zwar an den Caſſations⸗Hof; allein am 28. Prairial 13. J.(17. Junius 1805) verwarf die Section des requstes ſein Geſuch aus folgenden Gründen: weil a) die Inteſtat⸗Erben der Dame Nivois nie Eigenthuͤ⸗ mer ihrer Güter geworden ſeyen, folglich b) ſie nicht haͤtten verkaufen können, und weil c) die Transſcriprion nach dem Urt. 28 des Geſetzes vom Brumaire auf den Erwerber bleß diejenigen Rechte übertrage, die der Verkäufer ſelbſt hatte. Auf die nehmliche Art würde es ſich meines Erachtens dann verhalten, wenn Inteſtat⸗Erben eines Geſchenkaebers die geſchenkten Güter binnen der Zeitfriſt verkaulten, die das Geſetz dem Geſchenknehmer geſtattet, um die ihm ge⸗ machte Schenkung transſeribiren zuklaſſen; ausdruͤcklich legen wenigſtens die Art. 19 und folg. der Ordonnanz von 1731 der Inſinuation der Schenkungen gegen dritte Erwerber und 792 m. Buch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Glaubiger, die binnen dieſer Friſt mit dem Geſchenkgeber contrahiren, eine zurückwirkende Kraft bey; an dieſen Verfü⸗ gungen hat aber das Geſetzbuch nichts abgeändert, ſondern bloß die Transſcription an die Stelle der Inſinuation geſetzt. S. die Anmerkungen zum Art. 939.*) Art. 2183.„Will der neue Eigenthümer ſich gegen „die Wirkungen des im 6. Capitel des gegenwaͤrtigen Ti⸗ „tels geſtatteten Verfahrens in Sicherheit ſetzen, ſo iſt er „verbunden, entweder vor dem Verfahren, oder laͤngſtens „in einem Monate von der erſten an ihn gtrichteten Auffor⸗ „derung anzurechnen, den Gläubigern, an den Wohnungen, „die ſie in ihren Eintragungen gewaͤhlt haben, folgende Stücke inſinuiten zu laſſen.“ 1)»Einen Aus szug ſeines Titels, der mehr nichts als „das Datum und die Eigenſchaft des Actes, den Nahmen „und eine genaue Bezeſchnung des Verkaͤufers oder Geſchenk⸗ gebers, die Beſchaffenheit und die Lage der verkauften oder „geſchenkten Sache, und, in ſo fern von einer aus mehrern „ Grundſtücken beſtehenden Beſitzung die Rede iſt, nur die „allgemeine Benennung des Gutes und der Bezirke, worin „es gelegen iſt, den Preis und die Laſten, welche einen „Theil des Kaufpreiſes ausmachen, oder die Schaͤtzung der „Sache, wenn ſie geſchenkt worden iſt, enthält;» inen Auszug aus der geſchehenen Einſchreibung „des Perkauf⸗Actesz» 3)»Eine aus⸗drey Colonnen beſtehende Tabelle, wo⸗ * Uebrigens iſt es keinem Zweifel unterworfen, daß, der Trans⸗ ſeription ungeächtet, die Veraͤußerung von den Glaͤubigern des Veräußerers als betrüglich oder ſimulirt angefochten werden könne So entſchied auch der Appellations⸗Hof von Nimes in der Sache der Gläubiger Hours wider deſſen Sohn Ludwig Hours am 20. Frimaire 4 J.(11. Fber 1805) Journ. d. aud⸗ etc. 1306 im Anhange p. 117. u. f. V m. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 333 „von die erſte das Datum der Hypotheken, mit Bemerkung „der Zeit, da eine jede von ihnen eingetragen worden iſt; „die zweyte die Nahmen der Glaͤubiger, und die dritte den „Betrag der eingetragenen Forderungen darſtellt.⸗ Im Entwurfe lautete der Anfang des Artikels ſo: Will der neue Eigenthuͤmer ſich von der vollſtändigen öshlung ſämmtlicher hypothekariſchen oder privilegirten Schulden vefreyen, und ſich gegen die Wirkungen des im Cap. 6 geſtatteten verfahrens in Sicherheit ſetzen ꝛc. Man wendete ein, auf dieſe Weiſe befolge der Artikel das Syſtem des Geſetzes vom Brumaire, welches den Er⸗ werber für alle Schulden verantwortiich mache; dieß ſey aber gar zu ſtrenge; ſchicklich ſey es im Gegentheile, dem Erwer⸗ ber die Freyheit zu laſſen, entweder die Schulden zu bezah⸗ len, oder das Gut abzutreten. Auf dieſe Bemerkung wurde der Anfang des Artikels ab⸗ geändert, und ſo abgefaßt, wie er wirllich iſt.*) Art. 2184.» Der Erwerber oder der Geſchenknehmer „muß in demſelben Acte erkléren, daß er bereit ſey, die hy⸗ „pothekariſchen Schulden und Laſten auf der Stelle, jedoch „nur nach Belauf des Preiſes und ohne Unterſchied unter „fälligen und noch nicht fälligen Forderungen, abzutragen. *) Nach dem Art. 832 des Geſet buches ü. d. r. Vi C. S müſ⸗ ſen die im vorliegenden Artikel ſo wohl als im Art 2135 vor⸗ geſchriebenen Inſinnationen und Aufforderungen durch einen Huiſſier geſchehen, der beſonders hiczu auf einen einfachen ſchriftlichen Antrag vom Präſidenten des erſten Inſtanz⸗Gerichtes desjenigen Bezirkes, worin ſie Statt haben ſollen, beauftragt wor⸗ den iſt Daß dieſes unter Strafe der Nichtigkeit geſchehen müſſe, entſchied der Appellations⸗Hof von Paris am 21 Maͤrz 180s in— der Sache Guerin, wider Ancelin. Jurispr. de la C. de C. 180s im Anhange p. 161 u. f.— Ferner wüſſen ſie nach eben bemeltem Art. s32. die Beſtellung eines Sachwalters bey demjenigen Tribunal enthalten, wobey die Verſteigerung Praft eines Uebergebothes vor ſich gehen ſoll, und welches uͤber die Rang⸗Ordnung unter den Gläubigern zu erkennen hat. 14 M. Buch. XvlII. Tit. Pon Privilesien und Hypotheken. Dieſer Artikel wurde auf die gemachte Erinnerung hinzu⸗ geſetzt, daß nehmlich das Geſetz vom Bruͤmaire dadurch, daß es den Erwerber nicht verbinde, die nicht fälligen Schul⸗ den zu zahlen, viel Verwirrung in den Fiquidationen hervor⸗ bringe. Haften z. B. auf einer unbeweglichen Sache drey Forderungen, die erſte von 15,000 Fr., die zweyte von 5,o0o, und die dritte von 10,000 Fr., und die zweyte iſt noch nicht fällig, ſo wird dieſer zweyte Gläubiger allerdings dagegen ſeyn, daß der dritte ausbezahlt werde, weil es, wenn er ausbezahlt wird, möglich iſt, daß fuͤr den zweyten nichts übrig dleibt. Beſſer iſt es alſo, ſagte man, wenn man feſt⸗ ſetzt, daß der Erwerber, welcher das Gut frey machen will, achalten ſeyn ſoll, alle Forderungen, ſie mögen fällig ſeyn oder nicht, zu bezahlen. Dieſe Erinnerung fand Beyfall, und der Artikel wurde ihr gemäß abgefaßt. S. die Anmerkung zum Art. 2167. Art. 2188.» Hat der neue Eigenthümer in der vorge⸗ „ſchriebenen Friſt dieſe Inſinuation bewerkſteüligt, ſo hat jeder „Glaubiger, deſſen Forderung eingetragen iſt, das Recht, dar⸗ „auf anzutragen, daß das Gut dem Meiſtbiethenden offent⸗ „lich feil gebothen, und zugeſchlagen werde; mit dem Be⸗ „dinge» )»Daß dieſer Antrag dem neuen Eigenthümer läng⸗ „ſtens in vierzig Tagen, von der auf Anſtehen dieſes letztern „geſchehenen Inſinuation zu rechnen, inſinuirt werde; zu die⸗ „ſer Friſt werden faͤr jede fünf Myriameter, welche dat ge⸗ „wählte und das wirkliche Domicil eines jeden hierauf an⸗ „tragenden Glöubigers von einander entfernt ſind, noch „zwey Tage hinzugeſetzt;* 2)„»Daß der Regquirent ſich darin anbeiſchig mache, ein Zehntel des im Contracte ausbedungenen oder ron dem „Meuen Eigenthümer erklärten Preiſes mehr entweder ſelbſt „zu biethen, oder zu bewirken, daß es von andern gebothen „werde;* 3)„ Yaß eben dieſes in derſelben Zeitſriſt dem vorigen. „Eigenthümer, als Hauptſchelduer, inſinuirt weidej» . Buch. XvII. Tit. Von Peivilegien und Hypotheken. 395 4)»Daß das Driginal und die Abſchriften dieſer In⸗ „ſinuationen von dem hierauf antragenden Glaͤubiger, oder „von ſeinem, mit einem auedrücklichen Auftrag deßhalb ver⸗ „ſehenen Bevollmaͤchtigten, der in dieſem Falle verbunden „iſt, von ſeiner Vollmacht eine Abſchrift mitzutheilen, un⸗ »terzeichnet ſeyen,» 5)„Daß er ſich erbiethe, bis zum Betrage des Preiſes „und der Laſten Buͤrgſchaft zu ſtellen.» „Alles bey Strafe der Nichtigkeit.»*) Die Haup Verfügungen dieſes Artikels ſind aus dem Ait⸗ 31 des Geſetzes vom Brumaire entlehnt. Jemand fand die dem Glaͤubiger geſtattete Friſt ron vier⸗ zig Tagen zu kurz; ein anderer ſand ſie zu lang, und ſagte, eine der größten Inconvenienzen der jehigen Formalitäten beſtehe darin, daß der Erwerber nicht zu ſeiner Befreyung gelangen könne. Der Art. 31 des Geſetzes vom Brumaire geſtattete nur einen Monat.**) *) Siehe Art. 332 u. 333 des G. ö. d. r. V. i⸗C. S. **) Laͤßt ein Gläubiger, der eine Hypothek hat, die aber zur Zeit der Veraͤußerung noch nicht eingzetragen war, ſie noch binnen fünſzehn Tagen von der Tranoſeription des Actes angerechnet, eintragen, ſo wird er zwar nach dem Art. 334 des Geſetzbuches u. d. r. V. i. C. S zugelaſſen, auf die Verſieigerung des Gu⸗ tes anzutragen; dieſer Befugniß muß er ſich aber binnen der Zeit bedienen, die noch an den vierzis Tagen von der den in⸗ ſeribirten Gläubigern geſcheheuen Belanntmachung an uͤbrig ſind. Geſetzt alſo der Erwerber habe am 1. Mai ſeinen Contraet trans⸗ ſeribiren, und am nehmlichen Tage den inſcribirten Glaͤubigern bekaunt machen laſſen, der damahls noch nicht inſeribirte Gläu⸗ biger habe aber erſt am 1). des n. M. ſeine Hypothek eintragen laſſen, ſo kann dieſer Letztere nur bis zum 10. Juntus, als dem Tage, an welchem die vierzigtagige Friſt abläuft; auf die Verſteigerung antragen. Bepert de jurispr. N. Incyiption Ty- pothcæire, F. 4. n. 8. Da ferner nach dem Art. 832 des eben bemelten Geſetzbuches der Act, worin auf die Verſteigerung angetragen wird, unter 356 1. Buch. XvlII. it. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2186.»Haben die Glaͤubiger, in der vorgeſchrie⸗ „benen Friſt und Form auf öffentliche Feilbiethung und Ver⸗ »ſteigerung nicht angetragen, ſo bleibt der Werth der unbe⸗ „weglichen Sache auf den in dem Contracte bedungenen oder „von dem neuen Eigenthuͤmer angegebenen Preis unwider⸗ „ruflich beſtimmt. Dieſer(Eigenthumer) wird mithin von allen »Privilegien und Hypotheken befreyt, wenn er den eben beſagten „Preis entweder den Gläubigern auszahlt, welche die Ordnung »trifft, ihn in Empfang zu nehmen, oder ihn hinterlegt.„ Strafe der Nichtigkeit des Uebergebothes das Anerbiethen eines Buͤrgen nebſt einer Vorladung enthalten muß, um binnen drey Tagen vor dem nehmlichen Tribunal zu erſcheinen, und uͤber die Annahme dieſes Bürgen erkennen zu hoͤren, ſo iſt es unge⸗ zweifelt, daß der Bütge, der in dem Antrage, wovon hier die Rede iſt, angebothen wird, darin nahmentlich benannt ſeyn müſſe Aus dieſem Grunde erklärte a) der Appellations⸗Hof von Brüſſel am z2. Zber 1307, in der Sache Stens wider Vaurchnem einen von Erſterm geſcheheuen Verſteigerungs⸗ Antrag für nichtig, weil der Bürge nicht darin genannt war; Jurispr. de la U. de C. aso3. im Anhange p. 48. u. f.; und das nehmliche entſchied b) der Appellations⸗Hof von Paris am 2. Apr. 18os in der Sache Sommarive wider Beaugrand. Letzterer nahm zwar von dieſem Urtheile ſeinen Reeurs zum Caſ⸗ ſations⸗Hofe; ſein Geſuch wurde aber aus dem nehmlichen Grunde von der Seelion des requstes am 4 Jänner 1809 verworfen. Journ. d. aud. eic. 1809 par lenevers, p. 47 u. f. Uebrigens eutſchied noch die Seetion des requstes des Caſſa⸗ tions⸗Hofes am 23. April 1807 in der Sache Trebos wider Dabernad, daß, wenn ein Erwerber ſeinen Contraet den in⸗ ſeribirten Gläubigern bekannt gemacht und dabey erklärt hat, die auf dem erworbenen Gute haftenden Schulden nur nach Be⸗ lauf des Erwerbungs⸗Preiſes zahlen zu wollen, und hierauf einer der Gläubiger ein Uebergeboth gethan hat, der Erwerber die Folgen des uebergebothes nicht von ſich ablehnen könne, wenn er ſchon nachher, jedoch unter dem Vorbehalte die Gültigkeit der Forderungen vorlauftg unter⸗ ſuchen zu laſſen, ſich erböthe alle eingerragene Forderun⸗ gen ju bezahlen. Jurispr. de la C. de C. 1807.„. 258. u ſ. B. m. Buch. XVUI. Tit. Von Prinilegien und Hypotheken. 397 Im Entwurfe des Artikels ſtanden die Worte nicht, wo⸗ mit er ſchließt: oder ihn hinterlegt. Sie wurden auf die gemachte Bemerkung, daß, wenn der Erwerber verbun⸗ den wäre, die Claſſification abzuwarten, ſeine Befreyung ſehr verzoͤgert werden könnte, hinzugeſetzt. Art. 2187.» Kommt es zu einem neuen Verkaufe an ⸗den Meiſtbiethenden, ſo geſchieht dieſer, auf Betreiben des »Glaͤublgers, der hierauf angetragen hatte, oder des neuen „Eigenthümers in den Formen, welche für unfreywillige „Vergantungen feſtgeſetzt ſind.» „Derjenige, der auf die Verſteigerung dringt, muß in „den Anſchlagszetteln den Preis ausdrucken, der in dem „Contracte bedungen, oder ertſeirt worden iſt, ſo wie die »erhoͤhete Summe, welche d Gläubiger zu biethen »oder von andern biethen zu laſſen ſich anheiſchig ge⸗ „macht hat⸗„ Dieß iſt der Art. 33 des Geſetzes vom Brumaire.*) *) Man ſehe hiebey die Art. 336, 837 und szs des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S.— Daß die Sreitigkeiten, welche die Folge des Antrages auf Verſteigerung ſind, vor dasjenige Gericht ge⸗ bracht werden muͤſſen, worunter die Güter gelegen ſind, dieß bedarf beynahe keiner Erinnexrung. So gar dann müßte dieß ge⸗ ſchehen, wenn ein ſtreitiges unbewegliches Gut auf Verordnung eines andern Gerichtes, und vor eben dieſem Gerichte verkauft worden wäre, weil ein ſolcher Verkauf ebenfalls nur als ein freywilliger Verkauf betrachtet werden könnte. So entſchied die Section des requétes des Caſſations⸗Hofes am 13. Auguſt 1307 in der Sache Papillon und Menaſſier. Jurispr. de la C de C. 1807 p. 430 u. f. nebrigens wird der Inhalt der Anſchlags⸗Zettel bey der Ver⸗ ſieigerung zum Grunde gelegt; und da der Zuſchlag, der zu Folge der Verſteigerung geſchieht, den freywilligen Contraet in allem, was auf den darin enthaltenen Kaufpreis und deſſen Acceſſorien Bezug hat, aufhebt, ſo kann ſich auch der Anſteige⸗ rer auf die deßhalb darin vorkommenden Clauſeln nicht beziehen, in ſo fern higupn in den Anſchlags⸗Zetteln und den Verſteige⸗ 3 1. Buch. XVill. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2138.„Der Anſte'gerer iſt ſchuldig, anßer dem „Preiſe, wofuͤr die Sache ihm zugeſchlagen wurde, dem „Grwerber vder Geſchenknehmer, der ſeines Beſitzes entſetzt „worden iſt, die Koſten und redlichen Auslagen fuͤr ſeinen „Contract, die Koſten der geſchehenen Einſchreibung in die „Regiſter des Hypotheken⸗Bewahrers, die Koſten der Inſinua⸗ „tion, und jene, die er verwendet hat, um es zu einem „nenen Verkaufe zu bringen, zuruͤckzugeben.» Dieß iſt der Art. 34 des Geſetzes vom Brumaire. Femand verlangte, daſßt derjenige, dem die Sache zuge⸗ ſchlagen wird, ebenfalls gehalten ſeyn moͤge, dasjenige zu vergüten, was der Etwerber zur Unterhaltung oder Verbeſ⸗ ſerung der Sache eiwa derwendet habe. Dieſe Verbindlich⸗ keit, antwortete man ihm, t juris communis Art. 2189.„Der Erwerber odet Geſchenknehmer, der das „zur Verſteigerung ausgeſetzte unbewegliche Gut dadurch be⸗ „hält, daß er der Meiſtbiethende blieb, iſt nicht verbunden, rungs⸗Bedingungen keine ausbrückliche Erwähnung geſchehen iſt. So entſu ied die Civil Section des Caſſations⸗Hofes am 23 ber 1zo6 in der Sache der Glänbiger Besnier wider Levvier — de l'Isle. Ini Falle, wevon hier die Rede iſt, enthielt der freywillige Contraet die Clauſel, daß der Kauſpreis nach der Transſeription des Contractes, falls die verkaufte Sache mit kei⸗ ner eingetragenen Hypothek beſchwert ſeyn ſollte, oder nach er⸗ felgter Löſchung der Hypotheken, falls deren vorhanden wären, in beyden Fällen jedoch ohne Zinſen zahlbar ſeyn ſolle— eine Elauſel, die in den Anſchlags⸗Zetteln nicht enthalten war. Da nun der Claſſifieations⸗Prozeß noch nach erfolgtem Zuſchlage bis ins vierte Jahr dauerte, ſo behauptete der Aüſteigerer, Kraft der im freywilligen Contraete enthaltenen Clauſel keine Zinſen zahlen zu wüſſen; vom Appellations⸗Hofe von Orleaus wurde er indeſſen hiezu verurtheilt, und ſein Caſſations⸗Geſuch gegen die⸗ ſes Urtheit aus dem angeführten Grunde verworfen,— eine Ent⸗ ſcheidung, die zwar umer dem Geſetze vom Brumaire erlaſſen vnrde, unter dem G. N aber wohl eben ſo ausfallen müßte⸗ Jurispr de la C. de C. 1307. p. 65 uf. — m. Buch. RvIM. git. Von Privilegien und Hypotheken. 397 „das Urtheil, wodurch es ihm zugeſchlagen wurde, einſchrei⸗ „ben zu laſſen. Hieraus folgt, daß jeder andere, als der, dem die Sache zugeſchlagen wird, hiezu verbunden iſt. Art. 2190.„Die Perzichtleiſtung des Glaͤubigers, der „ auf Verſteigerung angetragen hatte, kann den öffentlichen „Zuſchlag nicht verhindern, ſollte er auch die Summe erle⸗ „gen, wozu er ſich anheiſchig gemacht hatte, es ſey dann, „daß alle uͤbrigen hypothekariſchen Gläubiger ausdrücklich „einwilligen., Aus dieſem Artikel folat, daß, wenn alle Hypothekar⸗ Eläubiger einwilligen, daß das Gut nicht verſteigert werden ſoll, die Chyrographar⸗Glaubiger nicht berechtigt ſind, zu verlannen, daß es zur Verſtigerung ausgeſetze werden ſolle, wenn ſie ſchon ein Intereſſe hiebey haben können. ²) Art. 2191.„Der Erwerber, welcher das Gut aufs „nene an ſich ſteigert, hat wider den Verkäufer ſeinen „Regreß, ſo wie er von Rechts wegen eintritt, wegen „Wiedererſtattung desjenigen, was den in ſeinem Kauf⸗ „Contracte bedungenen Preis überſteigt, und wegen der *) Der Beweggrund der in dieſem Artikel enthaltenen Verfügung iſt übrigens leicht einzuſehen. Könnte der Gläubiger, der auf die Verſteigerung angetragen hat, durch eine Verzichtleiſtung den öffentlichen Zuſchlag verhindern, ſo wäre das Uebergebotb anderſt nichts als ein zu Mittel einem heimlichen Einver⸗ ſtaͤndniſſe, wodurch ein reicher Gläubiger mit demjenigen, dem daran gelegen wäre, ſeine Erwerbung beyzubehalten, Handel treiben könnte, und zwar zum Schaden der übrigen Glaͤubiger, die kein Uebergeboth thun mochten, entweder weil ſie befürchte⸗ ten, in dem ihnen gebührenden Range keine Befriedigung zn erhalten, oder weil ſie kein Geld hatten, um die mehr zu bie⸗ thende Summe zu jahlen. Schon unter dem Geſetze vom Bru⸗ maire wurde eben ſo von der Seetion des requétes des Caſſations⸗ Hofes am 22. Prairial 13. J.(11. Junius 1305) in der Each⸗ Viard wider Reynard⸗Duverier entſchieden. Jurispr. 4. la C. d⸗ C. Kltl. v. as5 u. f. F. —— — K* 416 M. Buch. XvII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. „Zinſen dieſer zu viel bezahlten Summe von dem Tage einer „jeden Zahlung anzurechnen„ Der Beweggrund dieſes Artikels iſt, weil das, was der Erwerber, um das Gut zu behalten, mehr zu zahlen hat, eine Art von Eviction iſt, die er erleidet. Im Art. 36 des Geſetzes vom Brumaire war noch eine andere, nicht weniger rechtmäßige Verfügung enthalten, nehmlich dieſe, daß den Gläubigern, welche ihre Befriedie gung nicht erhalten, ihre perſönliche Klage gegen den Ver⸗ käufer, ihren urſprünglichen Schuldner vorbehalten bleibt. Art. 2192.„Sollten in dem Erwerbungs⸗Briefe des neuen „Eigenthümers Immobilien und Mobilien zugleich, oder meh⸗ „rere Immobilien begriffen ſeyn, wovon einige hypotheſirt „ſind, die andern nicht, ſie ſeyen in einem und demſelben „oder in verſchiedenen, für das Hypotheken⸗Weſen angenom⸗ „menen Bezirken begriffen, zuſammen für einen und denſel⸗ „ben Preis, oder abgeſondert fuͤr verſchiedene und beſondere „Preiſe veraͤußert, einer und derſelben landwirthſchaftlichen Be⸗ „nutzung unterworfen oder nicht, ſo ſoll in dem Inſinuations⸗ „Acte, den der neue Eigenthuͤmer zu bewerkſtelligen hat, der „Preis eines jeden Grundſtücks, worauf beſondere Privilegien „oder Hypotbeken eingetragen ſind, allenfalls, und je nachdem „die Umſtände beſchaffen ſind, nach Maßgabe des geſammten, „in der Erwerbungs-Urkunde ausgedruckten Preiſes angege⸗ „ben werden.„ „Der Gläubiger, der ſich zu einem Uebergebothe ent⸗ „ſchließt, kann in keinem Falle angehalten werden, ſein An⸗ „biethen eines hoͤhern Preiſes auf die Mobilien oder auf „andere Immobilien, als welche ſeiner Forderung zur Hypo⸗ „thek dienen und in demſelben Bezirke gelegen ſind, zu er⸗ „ſtrecken; dem neuen Eigenthtimer bleibt gleichwohl wegen „der ihm gebuͤhrenden Erſtattung des Schadens, den er ent⸗ „weder durch die Trennung der Gegenſtände ſeiner Erwer⸗ „bung, oder durch die Trennung der landwirthſchaftlichen „Brnutzungen erleiden mag, der Regreß wider ſeine Auto⸗ „ren vorbehalten.„ MI. Buch. XVIII. Tit. Von Privilkgien und Höpotheken. 401 Der erſte Theil dieſes Artikels iſt für den Erwerber wahr⸗ lich ſehr läſtig; auf dieſe Unannehmlichkeiten mußte er indeſ⸗ ſen gefaßt ſeyn, ſo bald er die Forderungen kannte, oder doch wenigſtens ſo angeſehen wurde, als wenn ſie ihm be⸗ kannt wären; den Gläubigern hat das Geſetz den Vorzuz eingeräumt, weil ſie ein aͤlteres Recht haben. Der zweyte Theil des Artikels biethet dem Erwerber für den Schaden, den der erſte Theil ihm verurſachen kann, eine Entſchädigung dar; ſehr oft kann indeſſen dieſe Entſchädi⸗ guug fruchtlos ſeyn. Neuntes Capitel. Von der Art, die Guͤter der Ehemänner und der Vot⸗ münder von den Hypotheken zu befreyen, wenn dieſe gar nicht darauf eingetragen ſind. Art. 2193.»Wer unbewegliche Güter an ſich bringt, die „Ehemaͤnnern oder Vormuͤndern zugehören, kann gleichfalls „die von ihm erworbenen Güter von den Hypotheken be⸗ »freyen, die etwa darauf haften, wenn ſchon auf dieſe Im⸗ „mobilien, fuͤr die aus der vormundſchaftlichen Verwaltung „entſtehenden Forderungen, oder für den Brautſchatz, und „was der Ehegattinn zum Erſatze ihres eigenthuͤmlichen Ver⸗ „mogens oder ſonſt zu Folge des Ehe⸗Contractes gebühren »mag, gar keine Eintragungen in die Regiſter der Hypo⸗ „theken geſchehen find.„ Man kann es nicht verhehlen, daß die geſetzlichen Hypo⸗ theken im gegenwärtigen Syſtem eine große Verwirrung ver⸗ anlaßen; auch hatte das Geſetz vom Brumaire für gut ge⸗ funden, ſie den übrigen ungefähr gleich zu ſtellen. Daß es wohl hiebey gethan habe, das ſage ich nicht, ſondern bloß, daß mehr Leichtigkeit und Einförmigkeit in ſeinem Plane war⸗ In der Ueberzeugung indeſſen, daß es gerecht ſey, die ge⸗ ſetzlichen Hypotheken beyzubehalten, glaubte der Staats⸗ Rath Mittel ergteifen zu müſſen, um, ſo viel als möglich, das Intereſſe der Frauen und der Minderjährigen mit jenem V. Malev⸗ 26 403 III. Buch. XVlII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. der Männer und Vormünder, und ſelbſt dritter Perſonen, die mit dieſen Letztern zu contrahiren haben möchten, zu vereinigen⸗ Wir haben ſchon geſehen, was der Geſetzgeber gethan hat, um die geſetzlichen Hypotheken einzuſchränken, damit ſie keine übertriebene Sicherheit gewähren möchten; jetzt iſt es darum zu thun, Vorſichts⸗Maßregeln ſuͤr dritte Perſonen zu ergreifen, die etwa durch die Unterlaſſung der Eintragung der geſetzlichen Hypotheken betrogen werden koͤnnten— eine Unterlaſſung, die den Verluſt dieſer Hypotheken nicht nach ſich zieht. Unter dieſem zweyten Geſichts⸗Punkte aber hat das Geſetz nur fuͤr das Intereſſe der Erwerber der den Maͤn⸗ nern und Vormündern zugehörigen Guͤter Sorge tragen kön⸗ nen; dagegen aber jenes der Darleiher immer der Gefahr ausgeſetzt bleibt. Ihnen bleibt kein anderes Mittel übrig, a's jenes, welches das römiſche Recht jedermann darboth, nehmlich ſich ihrer eigenen Klugheit zu bedienen, und ſich vor allem genau mit der Lage derer bekannt zu machen, wo⸗ mit ſie ſich in Geſchaͤfte einzulaſſen haben. Art. 2199.»Der Erwerber hinterlegt zu dieſem Ende „bey der Kanzelley des Civil⸗Gerichtes des Ortes, wo die „Guͤter gelegen ſind, eine in gehdriger Form beglaubte Ab⸗ „ſchrift des zur Uebertragung des Eigenthums geeigneten Cor⸗ „tractes, und beſcheiniget, durch einen ſowohl der Frau „oder dem Nebenvormunde, als dem kaiſerlichen Procu⸗ „rator bey dem Gerichte inſinuirten Act, die von ihm „geſchehene Hinterlegung. Ein Auszug dieſes Contractes, „worin deſſen Datum, die Nahmen, Vornahmen, das Ge⸗ nwerbe und die Wohnorte der Contrahenten, die Natur, „und Lage der Güter, der Preis und die übrigen Bedin⸗ „gungen und Laſten des Verkaufes ausgedruckt werden „muͤſſen, ſoll in dem Andienzſale des Gerichtes angeſchlagen „werden, und zwey Monate hindurch dort angeheftet bleiben⸗ „und in dieſer Zwiſchenzeit iſt es den Frauen, den Ehemaͤn⸗ „nern, Vormuͤndern, Nebenvormündern, Minderjährigen, In⸗ „terdicirten, Verwandten oder Freunden und dem kaiſerlichen * M. Buch. XVII. Tit. Von Privilegien und Hopotheken. 403 „Procurator geſtattet, bewandten Umſtänden nach die Ein⸗ „tragungen auf das veraͤußerte unbewegliche Gut nachzu⸗ „ſuchen, und auf dem Buͤrean des Hypotheken⸗Bewahrers „bewerkſtelligen zu laſſen, welchen alsdann dieſelbe Wir⸗ „kung beygelegt wird, als wenn ſie an dem Tage des „Heiraths⸗Contractes, oder am Tage, wo der Vormund „die Verwaltung angetreten hat, geſchehen wären, mit Vor⸗ behalt desjenigen Verfahrens, das, wie hier oben beſtimmt „worden iſt, wider die Ehemänner und die Vormünder „Statt haben konnte, weil ſie Hypotheken zum Vortheile „dritter Perſonen verwilligten, ohne ihnen zu erklaͤren, daß „wegen der Heirath oder der Vormundſchaft die Immobilien ſchon mit Hypotheken beſchwert ſeyen.„ Zu dem Anfangs vorgelegten Entwurfe enthaͤlt dieſer Ar⸗ tikel zwey Zuſaͤtze, nehmlich 1) die dem Erwerber auferlegte Verbindlichkeit, der Frau oder dem Nebenvormunde, ſo wie auch dem kaiſerlichen Procurator die geſchehene Hinterlegung des Contractes bekannt zu machen; 2) die der Frau, dem Minderjährigen und ſo gar dem Interdicirten verliehene Be⸗ fugniß, ihre Inſeriptionen ſelbſt zu bewerkſtelligen. Dieſe Zuſaͤtze geſchahen auf die Erinnerungen mehrerer Mitglieder, welche ſagten, man mliſſe alle mögliche Mittel ergreifen, damit dieſer Artikel den geſetzlichen Hypotheken die Wirkung nicht benehme, die man ohne Inſcription ihnen bey⸗ zulegen überein gekommen war. Die Frau, ſagte man, iſt während der Ehe, die Minderjaͤhrigen ſind waͤhrend der Vor⸗ mundſchaft nicht mehr, als zur Zeit des Heiraths⸗Contrac⸗ tes, oder der Ernennung des Vormundes im Stande für ihr Intereſſe zu ſorgen.. So gar trug man darauf an, der Erwerber der Güter des Mannes oder des Vormundes ſollte gehalten ſeyn, auf die Verwendung(Anlegung) des Kaufpreiſes zu wachen, un⸗ ter der Strafe, daß er für ſeine Nachläßigkeit zu haften habe⸗ Dieſer Antrag wurde indeſſen deßwegen verworfen, weil⸗ ſobald die geſetzlichen Inſcriptionen bewerkſtelligt ſind, alles 40½ M. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hopotheken in die gewohnliche Ordnung zuruͤckkehrt, und nach den allge⸗ meinen Grundſätzen beurtheilt werden muß⸗ Ferner fragte man, was aus den Hypotheken werden ſollte, die zur Sicherheit ſolcher Rechte genommen worden ſeyen, welche von kuͤnftigen Ereignißen abhangen. Die Summen, welche hiefür haften, antwortete man, mag der Erwerber in ſeinen Händen behalten und verwahren. Mit dieſer Antwort begnligte man ſich nicht, und ſagte, zuweilen ſecyen im Heiraths⸗Contracte eventuelle Schenkungen⸗ und unter der Bedingung, deß der Geſchenknehmer der Ueber⸗ lebende ſeyn würde, enthalten, die vielleicht nie zur Wirk⸗ lichkeit gelangen. Mit dergleichen Laſten, antwortete man, bleibt das Gut beſchwert; braucht jedoch der Erwerber die Vorſicht, den Kauſpreis zurückzuhalten, ſo iſt er in Sicherheit.*) Man erinnerte, das Edict von 1771 laſſe alle Hypothe⸗ ken für Schulden, die nicht liquid geſtellt werden könnten, beſtehen; während der Ehe, könne keine Forderung der Frau, ſo gar nicht einmahl ihr Brautſchatz aus dem Kaufpreiſe des verkauften Gutes bezahlt werden, weil die Klage auf Zu⸗ rückerſtattung erſt nach dem Tode des Mannes ihre Exiſtenz erhalte. *) Unter dem Geſetze vom Brumaire erlaubte der Appellations⸗Hof von Paris in der nehmlichen Sache, wovon der Herr Verfaſſer beym Art. 2131 Erwähnung thut, daß diejenigen Gläubiger, deren gewiſſe Forderungen nach jenen der Frau des Verkäufers, die von kuͤnftigen ungewiſſen Ereignißen abhiengen, eingetragen wa⸗ ren, proviſoriſch vor dieſen letztern elaſſifeirt wurden, unter dem Bedinge gleichwohl, Vürgſchaft dafür zu ſtellen, auf den Fall, daß ſie zur Wirklichkeit kommen ſollten; und unerachtet, ſich die Frau dieſer Beſtimmung als eines Rittels bediente, um die Caſſation des Urtheiles zu bewirken, ſo wurde es doch von der Seetion des requétes am 4. Frimaire 14. J. Es. ober 1805) verworfen. Journ. d. aud. eic. 1806 p. 155 u⸗ f. Meines Erachtens läßt ſich eine ſolche Villigkeits⸗Maßregel noch jetzt ergreifen. 8. Ml. Buch XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypot heken. 405 Sobald der Erwerber, antwortete man indeſſen, mittelſt der Formen, die den Mann und den Vormund verpflichten, die Hypothek der Frau und des Minderjaͤhrigen eintragen zu laſſen, von der Lage ſeines Verkaͤufers benachrichtigt iſt, hat man ſich um die fernern Ereigniße nicht mehr zu bekümmern. Inzwiſchen wurde doch der Artikel zur Seetion zurückver⸗ wieſen, nachher aber mittelſt der zwey Zuſatze, die wir an⸗ geführt haben, angenommen.*) Da übrigens die Hypothek der Frauen und Minderjaͤhrigen nach aufgelöſter Ehe, oder geendigter Vormundſchaft, wie beym Art. a15 gezeigt worden iſt, ihrem ganzen Umfange nach fort⸗ währt, ſo müſſen die hier vorgeſchriebenen Formen auch noch nach dieſen Epochen beobachtet werden. Freylich läßt ſich nicht in Abrede ſtellen, daß der Geſetzgeber im vorliegenden Capitel den Fal vorzuͤglich vor Augen gehabt haben mag, wo die Ehe oder die Vormundſchaft noch wirklich beſteht; hieraus läßt ſich indeſſen nicht folgern, daß er den Fall ausgeſchloſſen habe, wo ein dritter Erwerber ein erworbe⸗ nes Gut von den geſetzlichen Hypotheken der Frauen oder Min⸗ derjährigen nach aufgelöſter Ehe oder nach beendigter Vormund⸗ ſchaft, davon frey machen will. Genug, daß dieſes Hypotheken⸗ Recht mit allen ſeinen Attributen bey Auflöſung der Ehe oder bey Beendigung der Vormundſchaft fortleht. Eines dieſer At⸗ tribute beſteht aber darin, daß ein Gut nicht anderſt davon be⸗ freyt werden fönne, gls wenn der dritte Erwerber ſeine deßfall⸗ ſige Abſicht der Frau oder dem Minderhährigen, oder den mit ihrer Vertheidigung beauftragten Perſonen perſönlich bekannt gemacht hat. Auf eine indirerte Art iſt dieſe Frage durch folgendes Gut⸗ achten des Staats⸗Rathes vom 9 Mai 1307, genehmigt vom Kaiſer am r. des folgenden M. Junius entſchieden. Es lautet ſo: Der Staats⸗Rath, welcher nach der Weiſung Seiner Ma⸗ jeſtit den Vortrag der Finenz- und Geſetzgebungs⸗ Sectionen über den Bericht des Riniſters des öffentlichen Schatzes in Be⸗ treff der Rittel, den Schwierigkeiten vorzubeugen, welche ſich bey geſetzlichen Hypotheken ergeben, die unabhängig von aller Eintragung beſtehen, angehört hat; In Erwägung, daß die Art. 2193, 2194 und 219 des Ge⸗ ſetzbuches Napoleons das Berfahren vorgeſchrieben hahen, wel zes M. Buch XVII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2195.»Iſt in dem Laufe der zweyen Monate, „hinnen welchen der Contract angeſchlagen war, für die „Frauen, Minderjaͤhrige oder Interdicirte auf die verkauften „Immobilien nichts eingetragen worden, ſo gehen ſie auf den „Erwerber uͤber, ohne daß ſie für den Brautſchatz der Fran, „für den ihr gebührenden Erſatz ihres Vermögens, und fuͤr „das, was in dem Ehe⸗Contracte ihr zugeſagt iſt, oder fuͤr „dasjenige, was der Vormund aus ſeiner Verwaltung ſchul⸗ „dig ſeyn mag, fernerhin auf einige Weiſe beſchwert ſeyen; „ mit Vorbehalt des Regreſſes wider den Ehegatten, oder „den Vormund, in ſo fern er eintreten mag⸗ ches beobachtet werden muß, um Immobilien von den geſetzlichen Hypotheken der Frauen! der Minderjährigen und Interdieirten, welche unabhängig von aller Eintragung beſtehen, iu befreyen. Daß der Artikel 2194 fordert, daß der über die Hinterle⸗ gung des Actes, wodurch das Eigenthum übergegangen iſt, bey der Gerichts ſchreiberey gefertigte Aet ſowohl der Frau und dem Nebenvormunde als auch dem kaiſerlichen Proeurator bey dem Gerichte des Beiirkes inſinuirt werden ſoll, worunter die Guͤter liegen, Daß die Vollziehung dieſer Verfügung jedes Mahl möglich iſt, wenn der Nebenvormund und die Frau oder ihre Repräſen⸗ tanteu bekannt ſind, Daß aber oft der Fall eintritt, daß ſie es nicht ſind und daß alsdann die Ankäuſer geuöthiget ſind, die Inſinuation bloß dem kaiſerlichen Procurator machen zu laſſen! Daß es bey dieſer Lage der Dinge zweckmäßig iſt, bey kuͤnf⸗ tigen Faͤllen die Mittel zu ergreifen welche das Geſetbuch Na⸗ voleons und das Geſetzbuch über das rechtliche Verfahren in Ci⸗ vil Sachen vorgeſchrieben haben, wenn Parteyen von etwas he⸗ nachrichtiget werden ſollen! wobey ſie ein Intereſſe hahen moͤgen, Iſt der Meinung. 1) Daß, wenn die Frau oder ihre Stellvertreter oder der Nebenvormund dem Antäufer unbekannt ſind: es nöthig und pinreichend iſt, um die Inſinuation ju erſetzen, welche ihnen nach dem erwähnten 2104 Artikel gemacht werden muß, daß erſtens der Ankaͤufer in der dem kai erlichen Proeurator zu ma⸗ chenden Juſihuation erkiäre, daß, da diejenigen, in deren Nah⸗ M.IBuch. XVIII. Rit. Von Privilegien und Hypotheken. 407 »„Sind Hypotheken im Nahmen der beſagten Frauen, »Minderjährigen oder Interdicirten wirklich eingetragen wor⸗ „den, es gibt aber zugleich aͤltere Gläubiger, welche den »Preis ganz oder zum Theile wegnehmen, ſo wird der Er⸗ men wegen geſetzlicher unabhaͤngig von der Eintragung beſtehen⸗ der Hypotheken, noch Eintragungen vorgenommen werden könn⸗ ten, unbekannt ſind, er gedachte Inſinuation in der durch den Artikel 633 des Geſetzbuches über das rechtliche Verfahren in Civil⸗Sachen beſtimmten Form bekannt machen werde; und daß zweytens derſelbe Ankäufer dieſe Bekanntmachung in der durch den 633. Artikel des erwähnten Geſetzbuches vorgeſchriebenen Form bewerkſtellige, oder daß, wenn in dem Departemente keine Zeitung erſcheint, der Ankaͤufer ſich von dem kaiſerlichen Proeu rator ein Zeugniß ertheilen laſſe, woraus hervorgeht, daß keine exiſtirt. 2) Daß die Friſt von zwey Monaten, die durch den 2194. Artikel des Geſetzbuches Napoleons beſtimmt iſt, um im Nahmen der Frauen, Minderjährigen und Interdicirten Hypothekenrechte eintragen zu laſſen, erſt von dem Tage der zu Folge des angefuͤhr⸗ ten 633. Artikels des Geſetzbuches über das rechtliche Verfahren in Civi:⸗Sachen geſchehenen Bekanntmachung oder von dem Tage der Ausfertigung des Zeugniſſes des kaiſerlichen Procurators über den umſtand, daß in dem Departemente keine Zeitung er⸗ ſcheint, zu laufen anfangen ſoll; und 3) Daß gegenwaͤrtiges Gutachten in das Geſetz⸗Bülletin ein⸗ gerückt werden muß. Ausdrücklich ſagt ja der Staats⸗Rath, daß die Bekanntma⸗ chuns der Frau, oder ihren Stellvertretenn geſche⸗ ben müſſe; dieſe koͤnnen aber keine andere als ihre Erben ſeyn; klar iſt es alſo, daß nach aufgelöſter Ehe, ihren Erben, wenn ſie beiannt ſind, die Bekanntmachung nach den nehmlichen Formen geſchehen möſſe. Zwar geſchieht in dieſem Gutachten keine eben ſo ausdrückliche Erwähnung des Minderjährigen; da aber die geſetzlichen Hypotheken der Frauen und Minderjährigen mittelſt der nehmlichen Verfuͤgung einge⸗ führt worden ſind, und in der nehmlichen Reihe nebeneinander ſtehen, ſo iſt auch allerdings dasjenige, was für die eine ent⸗ ſchieden it, auf die andere ebenfalls gnwenbbar. Répert. de jurispr. Leription Aypotecair⸗§. 3 n. 3 B. zot IU. Buch. XVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken⸗ „werber für den Preis oder denjenigen Theil des Preiſes, „den er den Gläuhigern zahlt, welche nach der unter ihnen „eintretenden Rangordnung hiezu berechtiget ſind, von aller „weitern Verbindlichkeit befreyt, und die Eintragungen, wel⸗ „che im Nahmen der Frauen, der Minderjährigen oder In⸗ „terdicirten geſchehen ſind, ſollen ganz oder verhältnißmäßig „(nach Belauf des an ältere Glaͤubiger gezahlten Preiſes) „ausgeſtrichen werden.„ „Sind die Eintragungen, welche im Nahmen der Frauen, „der Minderjährigen oder Interdicirten geſchehen ſind, die „älteſten, ſo darf der Erwerber zu ihrem Rachtheile durch⸗ „aus keine Zahlung des Preiſes verfügen. Das Datum „dieſer Eintragungen wird allemahl, wie hier oben be⸗ „ſtimmt iſt, von dem Tage des Heiraths⸗Contractes oder „vom Tage an, wo der Vormund die Verwaltung an⸗ „getreten hat, gerechnet, und dieEintragungen der übrigen „Gläubiger, auf welche der Preis nach der unter ihnen ein⸗ „tretenden Rangordnung nicht reichen kann, ſind in dieſem „Falle auszuſtreichen.„ Der zweyte Theil des Artikels koͤnnte leicht, iſolirt genommen, in Irrthum führen; durch den dritten wird er indeſſen berichtiget, worin es heißt, daß das Datum der für die Frauen und Minderjahrigen geſchehenen Eintra⸗ gung, wenn auch ſchon andere früher geſchehen ſeyn ſollten, doch allemahl vom Heiraths⸗Contracte, oder vom Tage, wo der Vormund die Verwaltung angetreten hat, angerechnet werde. Was dieſe letztern Worte; oder vom Tage an, wo der Vormund die Verwaltung gngetreten hat, betrifft, bemerke ich, daß der Art. 2135 ſich der Worte bedient: Von dem Tage an, wo er die Vormundſchaft ange⸗ nommen hat; freylich kann man ſagen, daß der Vormund von dem Augenblicke an die Verwaltung antritt, wo er die Pormundſchaft annimmt. Die T. pro officio, Cod. ds admin. tut. verleiht dem Minderiährigen die Hypothek vom Tage an, wo der Por⸗ UM. Buch. KVIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 409 mund ernannt wurde— eine Verfügung, welche allerdings gut iſt, wenn der Vormund bey der Verſammlung, die ihn ernennt, gegenwärtig iſt; iſt er aber abweſend, dann muͤßte die Hypothek von dem Tage an gerechnet werden, wo ſeine Ernennung ihm bekannt gemacht wurde, weil er in der Zwi⸗ ſchenzeit in gutem Glauben mit dritten Perſonen hat contra⸗ hiren können. Meines Erachtens verträgt ſich dieſes mit den Art. 433 und folg. des Abſchn. VII des Tit. Von der Min⸗ derſaͤhrigkeit. Auf die Entſchuldigungs⸗Gruͤnde muß man uͤbrigens hier keine Rückſicht nehmen; denn, werden ſie angenommen, ſo iſt er nicht Vormund; werden ſie aber verworfen, ſo iſt es ſo gut, als wenn ſie nicht vorgebracht worden wären.(Art. 440.) Zehntes Capitel. Von der Publicität der Regiſter und der Verantwortlichkeit der Hypotheken⸗Bewahrer. Art. 2196.» Die Hypotheken⸗Bewahrer ſind ſchuldig, „allen denjenigen, die es verlangen, eine Abſchrift der in „ihre Regiſter eingeſchriebenen Acte, ſo wie der noch beſte⸗ „henden Eintragungen, oder ein Zeugniß, daß keine vorhan⸗ „den ſind, abzuliefern.» Ich ſehe nicht allzu ſehr ein, wie man dieſem Artikel ge⸗ mäß die Neugierigen, ſie moͤgen ein Intereſſe dabey haben oder nicht, verhindern könne, ganz genau die Lage der Fami⸗ lien in Erfahrung zu bringen, die ihren Haß oder ihren Reid rege machen können. Da indeſſen der Hypotheken⸗Bewahrer den Beweggrund nicht unterſcheiden kann, ſo war der Ar— tikel nothwendig. Art. 2197.„ Sie ſind für den Schaden verantwortlich, „der daraus entſpringt,„ 1)» Daß Acte, wodurch eine Veränderung mit dem Ei⸗ „genthum vorgegangen iſt, oder Eintragungen von Privilegien „und Hypotheken, des auf ihrem Büreau geſchehenen An⸗ „ſuchens ungehindert, in ihre Regiſter nicht eingeſchrieben * wurden.„ 3e M. Zuch. XvIII. Tit. Von Privilegien und Hypotheken. 2)» Daß in ihren Zeugniſſen einer oder mehrerer wirk⸗ „lich beſtehenden Eintragungen nicht gedacht worden iſt, der „Irrthum rühre dann, ſo viel dieſen letztern Fall betrifft, „nur von unzulänglichen Bezeichnungen her, die ihnen nicht „zur Laſt gelegt werden koͤnnten.**) Art. 2198.»Das unbewegliche Gut, in deſſen Rück⸗ „ſicht der Hypotheken⸗Bewahrer eine oder mehrere darauf ein⸗ „getragene Laſten in ſeinen Zeugniſſen“ ausgelaſſen haben „möchte, bleibt unter dem Vorbehalt der Verantwortlichkeit „des Hypotheken⸗Bewahrers, in den Händen des neuen Be⸗ »ſitzers davon befreyt, vorausgeſetzt, daß er das Zeugniß „ſeit der Einſchreibung ſeines Titels nachgeſucht hat; vorbe⸗ „haltlich gleichwohl des Rechtes, welches den Glaͤubigern „noch allemahl zuſteht, ſo lange als der Preis von dem „Erwerber nicht gezahlt, oder die unter den Creditoren ent⸗ *worfene Ordnung nicht homologirt worden iſt, ſich nach „der ihnen gebührenden Rangordnung claſſificiren zu laſſen.„ Allerdings war es eine Frage, wer von beyden, der Gläubiger oder der Erwerber, unter der Nachläßigkeit des Hypotheken⸗Bewahrers leiden ſolle. Man glaubte indeſſen, der Erwerber verdiene mehr beguͤnſtigt zu werden, und der Art. 33 des Geſetzes vom Brumaire hatte es auch ſchon eben ſo entſchieden. Art. 2109.» Die Hypotheken⸗Pewahrer dürfen in keinem „Falle die Einſchreibung der Acte, wodurch eine Veraͤnderung „mit dem Eigenthum vorgeht, die Eintragung der Hypothe⸗ „kenrechte oder die Ablieferung der von ihnen verlangten „Zeugniſſe verweigern oder verzögern, bey Strafe, daß ſie „in widrigem Falle den Parteyen fuͤr Schaden und Inte⸗ „reſſe zu haften haben, zu welchem Ende auf Betreiben der — *) Unter dem Geſetze vom Brumaire entſchied eben ſo die Section des requétes des Caſſations⸗Hofes am 9. Nivoſe 14 J.(30 ber 1305) in der Sache Hubert wider Biers. Jaurn, 4., aud, ec, 1806 p. 110, U. f. m. Buch. FvllI. Tit Von Privilegien und Hopotheken. 311 „Requirenten gleich auf der Stelle Verbal⸗Prozeſſe über die „Verweigerungen oder Verzogerungen entweder von einem „Friedensrichter, oder von einem Huiſſier, der bey dem Ge⸗ „richte in der Audienz die Parteyen aufruft(huissier au- ndiencier,) oder von einem andern Huiſſier oder von einem „MNotar in Beyſtand zweyer Zengen gefertiget werden ſollen.„ Art. 2200.»Die Hypotheken⸗Bewahrer ſind jedoch ver⸗ „bunden, ein Regiſter zu fuͤhren, worauf ſie Tag für Tag⸗ „und unter fortlaufenden Ziffern die zum Einſchreiben ihnen „eingehaͤndigten Acte, wodurch eine Veranderung mit dem „Eigenthum vorgeht, und die Auszüge bemerken, die ihnen „zugeſtellt worden ſind, um eingetragen zu werden⸗ Sie „ſollen dem Requirenten auf geſtempeltem Papier eine Be⸗ „ſcheinigung geben, worin die Nummer des Regiſters an⸗ „geführt wird, in welchem die geſchehene Einhändigung be⸗ „merkt iſt; und ſie duͤrfen die Acte, wodurch eine Verände⸗ „rung mit dem Eigenthum vorgeht, in die dazu beſtimmten „Regiſter nicht anderſt einſchreiben, noch die Auszüge an⸗ „derſt darin eintragen, als unter dem Datum und in der „Ordnung, wie ſie ihnen eingehaͤndiget worden ſind.» Die Unmoglichkeit, den aus dem Art. 54 des Geſetzes vom Braͤmaire entlehnten Art. 2199 in Paris und in den übrigen großen Städten buchſtäblich zu vollziehen, war Schuld daran, daß der vorliegende hinzugeſetzt wurde. Man ſtellte nehmlich vor, die Hypotheken⸗Bewahrer koͤnnten in der That unmöglich auf der Stelle alle Urkunden im Angenblicke, wo ſie ihnen zugeſtellt werden, eintragen; nothwendig iſt es alſo, die Einhändigung derjenigen Acte, die die Parteyen nach dem Art. 2199 vom Hypotheken⸗Bewahrer verlangen, in dem Regiſter anzumerken, wovon der vorliegende Artikel ſpricht. Art. 2201.»Alle Regiſter der Hypotheken-Bewahrer „werden auf geſtempeltem Papier geführt, und von einem „Richter des Gerichtes, unter deſſen Gerichtsbarkeit das Baͤ⸗ „reau angeordnet iſt, auf jeder Seite, unter Bemerkung, „welches die erſte und letzte ſey, mit fortlaufenden Ziffern „verſehen und paraphirt. Die Regiſter ſind eben ſo, wie — — — 312 U. Buch. XIA. Tit. Von ber nichtfreyw. zerichtl. Verſteigerungꝛe⸗ „jene, welche uͤber das Einregiſtriren der Acte geführt wer⸗ „den, mit jedem Tage abzuſchließen.» Art. 2202. Die Hypotheken⸗Bewahrer ſind ſchuldig, „bey ihren Amtsverrichtungen ſich nach allen Verordnungen „des gegenwärtigen Capitels zu richten, bey Strafe von „zwey hundert bis tauſend Francs fuͤr die erſte, und der „Entſetzung ihres Amtes fuͤr die zweyte Uebertretung, mit „ Vorbehalt des Schadenserſatzes und der Leiſtung des Inte⸗ „reſſe an die Parteyen, welche por der Geldbuße abgetragen „werden ſollen.„ Die Billigkeit der Verfuͤgung, die im Schluſſe dieſes Ar⸗ tikel; vorkommt, iſt den TT. 17 und 37, de jure fisei nachgeahmt, worin es heißt: Fiscalium panarum petitio creditoribus postponituf. Art. 2203.„Die Erwähnungen der nach und nach erfolg⸗ „en Hinterlegungen der Acte, die Eintragungen und Einſchrei⸗ »bungen geſchehen in die Regiſter in einer ununterbroche⸗ „nen Reihe, ohne irgend einen leeren Raum übrig zu laſſen, „oder zwiſchen den Zeilen etwas hineineinzuſchieben. Im „Uebertretungsfalle wird der Hypotheken⸗Bewahrer in eine »Geldſtrafe von tauſend bis zwey tauſend Franes vefurtheilt, „und hat den Parteyen den Schaden zu erſetzen und dqs „Intereſſe zu leiſten. Letztere werden hiebey ebenfalls ver „der Zahlung der Geldbuße befriediget.„ Neunzehnter Titel. Von der nichtfreywilligen oͤffentlichen Vergantung unbeweglicher Guͤter und der Rangordnung unter den Glaͤubigern. (Deeret. den 19. Märi 1304. Promulg. den a9. des nehml. Monatg.) Der Gegenſtand dieſes Titels iſt das, was man ehemahls Beſchlagnehmung und gerichtliche Verſteigerung der Immo⸗ bilien Gaisie réelle) und Claſſifications-Prozeß(instance d'ordre et de distribution) nanute,— Gegenſtände, wofür ————— W. Buch. XlX. Tit. Von der nichtfreyw gerichtl. Verſteigerung ꝛ. 41 die Praktiker eine beſondere Vorliebe haben, und die ein alter Sachwalter beym Parlamente von Bordeaur, wie ich mich aus ſeinem Munde gehoͤrt zu haben erinnere, ſeine junge Zuhner, die man mit Roͤrnern fuͤttert und fett macht, nanute. War ich ſchon damahls noch ſehr jung, ſo uͤberfiel mich doch bey dieſen Ausdrücken— vielleicht aber auch, weil ich noch ſehr jung war,— ein Grauſen, welches ich noch zu empfinden glaube. Wie iſt es möglich, daß es Seelen gibt, die niedertraͤchtig genug ſind, um auf ſolche Art die Hoff⸗ nung ihrer Wohlfahrt auf das Ungluͤck anderer zu bauen? und— wie hat die Gerechtigkeit dulden können, daß ihre Diener, ſelbſt in dem Augenblicke, wo ein unglücklicher Schuld⸗ ner aus ſeinem Vermögen vertrieben wird, und wo Gläubi⸗ ger, die bisweilen eben ſo unglücklich ſind, ſich gezwungen ſehen, zu einem ſolchen Extrem ihre Zuflucht zu nehmen, alle ihre Habſucht entwickeln, um ſich das Vermögen der Einen und der Andern durch elende Chikanen zuzueignen? Wie hat ſie zugeben können, daß bey einer Gelegenheit, wo die Gebühren ihrer Gehülfen gerade am mäßigſten ſeyn ſollten, und wo alles Mitleid anfleht, dieſe Gebühren im Gegentheile mit der größten Strenge geltend gemacht, und faſt willkuͤhrlich gefordert werden? Zuverlaͤſſig hat dieſer Gebrauch nur in den Zeiten der Barbarey und im nehm⸗ lichen Jahrhunderte entſtehen können, wo Ungluͤckliche, die einem Schiffbruche entronnen waren, auf unſerer Küſte, ſtatt menſchenfreundlicher Aufnahme, nur ein Geſetz an⸗ trafen, welches dem erſten beſten Beſitznehmer erlaubte, ſich ihre Truͤmmer und ihre letzten Hülfs⸗Quellen zuzu⸗ eig nen. Quod genus hoc hominum, quæve tam barbara morem permittit patriaꝰ Man muß hoffen, daß das ſo lang erwartete Geſetz uͤber das rechtliche Verfahren in Civil⸗Sachen dieſem Aergerniße ein Ende machen wird. In der That, gehört dieſer Gegen⸗ ſtand, wie man leicht einſieht, zum Umfange dieſes Geſetzes⸗ 41 ½ 1M. Buch. XIX. Tit. Von der nchtfreyw. gerichtl. Verſteigerung ꝛe. *) und deßwegen hat man auch in dieſem Titel bloß einige Grundſätze aufgeſtellt, die, wie Herr Treilhard ſagte, faſt einzig zum Zwecke haben, einer uͤbertriebenen Strenge von Seiten erbitterter Gläubiger vorzubeugen. Erſtes Capitel. Von der nichtfteywilligen und öffentlichen Vergantung unbeweglicher Güter. Art. 2202.»Der Glönbiger iſt befugt die öffentliche „PVergantung 1) der unbeweglichen Güter, welche ſeinem „Schuldner eigentkmlich zugehbren, und ihrer Acceſſerien „welche fuͤr Immobilien gehalten werden, 2) des dem Schuld⸗ „ner zuſtehenden Nießbrauches an Guͤtern derſelben Art, ge⸗ „richtlich zu betreiben.„ Hier iſt nicht bloß von hypothekariſchen oder privilegirten Gläubigern, ſondern von allen, welche ſie auch immer ſeyn mögen, die Rede, weil jeder, der ſich perſönlich verbunden hat, nach dem Art. 2092 mit ſeinem ganzen Vermögen für die Erfüllung ſeiner Verbindlichkeit haften muß⸗ Unſer Artikel ſpricht übrigens nur von unbeweglichen Din⸗ gen, und vom Nießbrauche an denſelben, der ebenfalls für un⸗ beweglich gehalten wird, weil die Vergantung der Mobilien auf eine verſchiedene und einfachere Art betrieben wird⸗**) *) Man ſehe die Titel 12 und 1 des V. 5. Th. 1. des Geſetz⸗ buches ü. dr. V. i. C. S. B. —) Kann ein Glaͤubiger auf die Vergantung einer Klage auf Ref⸗ ciſſion wegen Verletzung, die ſeinem Schuldner zuſteht, antra⸗ gen? Beym Appellations⸗Hofe von Toulouſe kam dieſe Frage in der Sache Blaquiere⸗Limoux wider Fabre bor, und wurde mit Nein entſchieden. Fabre nahm zwar ſeinen Re⸗ eurs zum Caſſations Hofe, ſein Geſuch wurde aber am 14. Mai 1206 von der Seection des requstes verworfen, weil die Klage auf Reſeciſſion wegen Verletzung weſentlich nur zum Zwecke hat, daß dasjenige, was am rechtmaͤßigen Preiſe abgeht, ergänzt wer⸗ de, mit Vorbehalt der dem Erwerber zuſtehenden Befugniß, das Gut zurückugeben, wenn er den Reſt des Preiſes nicht nach⸗ zahlen will. Journ d aud. ete. 1806 p. 419 u. f. S. übri⸗ gens die Note beym Art. 2113. F. A1 Such. XIx. it. Von der nichtſreyn gerichtl. Verſteigerung ꝛe. 415 Art. 2205.„Der Untheil, den ein Miterbe an den »Immobilien einer Erbſchaft in unzertheilter Gemeinſchaft *beſitzt, kann gleichwohl von ſeinen perſönlichen Gläubigern *nicht zum Verkaufe ausgeſtellt werden, ehe die Theilung *oder Verſteigerung vorgenommen worden iſt, worauf ſie *antragen mögen, wenn ſie es fuͤr dienlich erachten, und vwobey ſie in Gemͤßheit des 882. Artikels unter dem Litel nvon der Succeſſion mit aufzutreten das Recht haben.⸗ Den unzertheilten Antheil, den der Schuldner an einer gemeinſchaftlichen Sache hat, kann man nicht zum Verkauf ansſtellen, weil dieſer Antheil, ſo lange keine Theilung Statt gehabt hat, unbekannt iſt; nur iſt der Gläubiger befugt, auf dieſe Theilung anzutragen. Art. 2206.„Die Immobilien eines Minderjährigen, „ſelbſt wenn er emancipirt iſt, oder eines Interdſeirten können »vor dem Verkaufe ſeines Mobiliar⸗Vermögens zur Verſtei⸗ »gerung nicht ausgeſetzt werden.« Dieſer Artikel beruht ſo auf der Billigkeit, daß die Rö⸗ mer ein allgemeines Geſetz aus der Verfuͤgung, die er ent⸗ hält, gemacht hatten, und welches ſo gar auf die Großjäh⸗ rigen anwendbar war. S. die T. 15, F. 2, H de re judic. Ich weiß wahrlich nicht, ob die Ordonnanz von 1539, Art. 74, ſie mit Recht abgeſchafft habe; vermuthlich war aber der damahlige geringe Werth der Mobiliarſchaft an dieſer Abſchaffung Schuld. Art. a207.„Es iſt nicht erforderlich, daß man das Mo⸗ vbiliar⸗Vermögen zuerſt angreift und verkauft, ehe man zur „Vergantung der Immobilien ſchreitet, welche ein Volljaͤhri⸗ »ger und ein Minderjähriger oder ein Interdicirter in unzer⸗ „theilter Gemeinſchaft beſitzen, wenn die Schuld unter ihnen »gemeinſchaftlich iſt, und eben ſo wenig in dem Falle, wo „das Verfahren wider einen Volljährigen oder vor der In⸗ „terdietion ſchon angefangen hatte.« Art. 2208.»bDie Vergantung der Immobilien, welche zur ehelichen Guͤtergemeinſchaft gehören, wird gegen den 16 M. Buch. XlX. Tit. Von der nichtfreyw gerichtl. Verſteigerungꝛe. „Mann allein als Schuldner betrieben, obgleich die Frau „zur Zahlung der Schuld verbunden iſt,« „Anf Vergantung der Immobilien, welche der Frau zu⸗ „gehoͤren, und nicht in die eheliche Guͤtergemeinſchaft ge⸗ „kommen ſind, wird wider den Mann und die Frau verfah⸗ „ren. Dieſe kann von dem Gerichte autoriſirt werden, wenn „der Mann entweder ſich weigert den Prozeß mit ihr gemein⸗ „ſchaftlich zu fuͤhren, oder minderjaͤhrig iſt.« „Sind Mann und Frau zugleich noch minderjährig, oder „iſt es die Frau allein, der Mann, der die Volljährigkeit er⸗ „langt hat, weigert ſich aber gemeinſchaftlich mit ihr den „Prozeß zu fuͤhren, ſo wird der Frau ein Vormund von „dem Gerichte angrordnet, und gegen dieſen wird alsdann „das Verfahren gerichtet.« Die Urſache des erſten Theiles des Artikels liegt in dem Grundſatze, nach welchem der Mann Hert der Gütergemein⸗ ſchaft iſt. Der zweyte Theil hat ſeinen Grund darin, weil der Ver⸗ kauf einer unbeweglichen Sache allemahl gegen den Eigenthü⸗ mer betrieben werden muß: auch mußte in der Praris die Frau in den Prozeſſen, die die Veraußerung ihrer Immobilien zum Gegenſtande hatten, mit als Partey auftreten. Le Maitre, PTraité des criees; Loiseau, du deguerpiss. T. 2, ch. 4 n. 12. Lapeyrère fuͤhrt(ett. F, n. 17.) ein Parlaments⸗Ur⸗ theil an, wodurch eine Frau gegen die Vergantung ihrer Güter wieder in den vorigen Stand geſetzt wurde, weil ſie bloß auf den Nahmen ihres Mannes vorgenommen worden war. Der dritte Theil beruht auf dem gemeinen Rechte. Art. 2200.»Der Glaͤubiger kann auf den Verkauf „der Immobilien, woran er kein Hypothekenrecht hat, nur „in dem Falle antragen, wenn die Güter, woran ihm eine „Hypothek zuſteht, nicht hinreichen.« Die Uurſache hievon beſteht nach dem jetzigen Syſtem der Specigl⸗Hypotheken darin, weil der Gläubiger, wenn das 1 Buch. XIX Tit. Von der nichtfreyw gerichtl. Verſteigerunge. 417 verſchriebene Gut zur Tilgung der Schuld nicht hinreicht, Kraft des gemeinen Rechtes und des Art. 2092 auf die übri⸗ gen Güter zurücktritt.*) S. die Rede, die der(ehemahlige) Tribun, Herr Lahari über dieſen Titel im Geſetzgebungs⸗ Corps gehalten hat. Art. 2210.»Güter, die unter verſchiedenen Bezirken »liegen, koͤnnen nur nach und nach zur Vergantung gezogen „werden, es ſey dann, daß ſie einen Theil von einer und „derſelben Bewirthſchaftung ausmachen.« »„Man betreibt dieſe Vergantung bey dem Gerichte, in „deſſen Bezirke der Hauptſitz der Bewirthſchaftung, oder, in „ Ermangelung eines ſolchen Hauptſitzes, derjenige Theil der „Güter liegt, der nach der Mutter⸗Rolle die meiſten Ein⸗ „künfte abwirft. Der Haupt⸗Inhalt dieſes Artikels iſt aus den Art. 10 und 12 des zweyten Geſetzes vom Brmaire 7. F. über die ge⸗ richtlichen Vergantungen hergenommen. Art. 2211.»Wenn Güter, woran der Glaͤubiger ein „Hypothekenrecht hat, und Güter, woran ihm keine Hypo⸗ »thek zuſteht, oder Güter, die in verſchiedenen Bezirken lie⸗ „gen, zu einer und derſelben Bewirthſchaftung gehoͤren, ſo „werden die einen und die andern, in ſo fern der Schuldner „darauf anträgt, zuſammen in Vergantung geſtellt, und „man berechnet, in ſo weit es noͤthig iſt, den Preis der „einzelnen Theile nach Maßgabe des ganzen, wofuͤr der Zu⸗ »ſchlag geſchehen iſt.⸗ *) Will inzwiſchen der Schuldner den Verkauf ſeiner unbeſchwer⸗ ten Immobilien verhindern, ſo muß er, beſonders, wenn aus dem Verzeichniſſe der eingetragenen Hypotheken die Vermuthung hervorgeht, daß die hypotheſirten Guͤter nicht hinreichend ſind, die Zulaͤnglichkeit derſelben beweiſen. So entſchied die Seetion des requétes des Caſſativns⸗Hofes am 7. sber 1807 in der Sache Ducros wider Vausuerin. Jurispr. de 1a C. de C r03 P. 81 u. ſt B⸗ IV. Mallev. 27 318 MI. Buch. XlX. Tit. Von der nichtfreyw. gerichtl. Verßeigerungꝛe. Zuweilen kann der Schuldner Vortheil dabey finden, die⸗ ſes Mittel zu ergreifen, und das Geſetz mußte eine Verfü⸗ gung treffen, damit er ſich deſſen bedienen konnte.*) Art. 2212.„ Beweiſt der Schuldner durch Pachtbriefe „in authentiſcher Form, daß der reine und freye Ertrag ſei⸗ „ner Immobjlien in einem Jahre, zur Zahlung der Schuld „an Capital, Zinſen und Koſten hinreicht, und er erbiethet „ſich auf dieſe Einkünfte dem Gläubiger eine Anweiſung zu „geben, ſo kann das Verfahren von den Richtern eingeſtellt „werden, mit dem Vorbehalt es von neuem fortzuſetzen, „wenn wider die Zahlung ein Einſpruch geſchieht, oder ſonſt „Hinderniß dawider eingelegt wird.⸗ Eine Neuerung, die offenbar in der Billigkeit gegruͤndet iſt. Art. 2213.„Auf öffentliche Vergantung der Immobi⸗ „lien kann man nur Kraft eines authentiſchen und erecuto⸗ „riſchen Titels, und wegen einer gewiſſen und liquiden Schuld „verfahren. Iſt der Gegenſtand der Schuld gewiß, aber noch „nicht liquid geſtellt, ſo iſt das Verfahren zwar guͤltig, aber „der Zuſchlag kann nicht eher als nach der Liquidation er⸗ „folgen.« Stimmt mit dem Art. 2 des Titels des Saisies der Ordon⸗ nanz von 1667 überein· S. Rodier uͤber geſagten Artikel.**) *) Da inzwiſchen der vorliegende Artikel nicht ausdrücklich verbie⸗ thet, Güter, die nicht zur nehmlichen Bewirthſchaftung gehbren, wenn ſie übrigens im nehmlichen Bezirke gelegen ſind, zuſam⸗ men zu verganten, ſo kann auch eine ſolche Vergantung nicht als ungültig angefochten werden. Auch dieſes ward in der Sache entſchieden, wovon in der Note zum Art. 2103 Erwähnung geſchieht. B 4) Wird gegen ein Contumacial⸗Urtheil erſt nach Ablauf ber ge⸗ ſetzlichen Friſt Oppoſition eingelest, ſo hindert eine ſolche Oppo⸗ ſition die Vergantung nicht, welche Kraft jenes urtbeiles betrie⸗ den wird. So entſchied die Civil⸗Section des Caſſations⸗Hofes am 12. November 1806 in der Sache Lamithois wider Le⸗ barrisr. Jurispr. de 1 C. de C. 1307 p. 145. f. Auch Rl. Buch. XIX. Tit. Von der nichtfreyw. gerichtl. Verſteigerung ꝛc. 419 Art. 2214.»Wer durch Uebertrag zu einem executori⸗ „ſchen Titel gelangt iſt, kann auf Vergantung nicht eher ver⸗ »fahren, als nachdem der Uebertrag dem Schuldner inſinuirt „worden iſt.« Stimmt mit dem im Art. 1690 des Geſetzbuches aufge⸗ ſtelltem Grundſatze uͤberein. Art. 2215.„ Das Verfahren kann Kraft eines proviſo⸗ „riſchen, oder definitiv entſcheidenden Urtheils, das einſt⸗ »weilen, der Appellation ungehindert, vollſtreckt werden darf »Statt haben; aber der Zuſchlag kann nur nach einem defi⸗ „nitiv entſcheidenden Urtheile, das in der letzten Inſtanz er⸗ „gangen, oder rechtskräftig geworden iſt, erfolgen.« »Urtheile, welche wegen Nicht⸗Erſcheinens erfolgt ſind, »(Par défaut), gründen kein Verfahren auf Vergantung »während der Oppoſitionsfriſt. Der erſte Theil des Artikels ſtimmt mit dem Art.§ des Tit. a7 der Ordonnanz von 1667 überein. Wird der Ver⸗ kauf des unbeweglichen Gutes, welcher zur Vollſtreckung eines proviſoriſchen Urtheiles Statt haben müßte, verſchoben, bis es beſtätigt wird, ſo iſt zwar hiemit, wie Rodier eingeſteht, dieſe Inconvenienz verknüpft, daß das Urtheil ſo wohl, als dasjenige, was es proviſoriſch zuerkennt, in gleichem Maße ohne Nutzen ſind, dieſe Inconvennz, ſetzt aber Rodier hinzu, iſt nicht ſo groß, wie jene, die aus einem Acte, der ſich nicht wieder gut machen läßt wie 3. B. ein Verkauf iſt, dann entſpringen würde, wenn das Urtheil nachher reformirt werden ſollte: man kann ja, ſagt er, jedes andere Mittel zur Vollſtreckung des Urtheiles ergreifen, wie 3. B. die Früch⸗ kann gegen einen dritten Beſitzer des fuͤr die Forderung hypotheſirten Gutes die Vergantung dann betrieben werden, wenn der Litel, worauf die Forderung beruht, gegen ihn exeeu⸗ toriſch erklaͤrt worden iſt. Dieß entſchieb die Section des requétes am 24. Februar 1806 in der Sache der Erben Gazzino wider Duclaut. Journ. d. Aud. ete. 1806 p. 331 u. f. B⸗ „ . . —— — 10 1. Buch. XX. Tit. Von der nichtſreyw. gerichtl. Verſteigetung. te, ſelbſt die Mobilien verkaufen, denn unſer Artikel iſt nur auf Immobilien anwendbar; ſo gar kann man darauf antra⸗ gen, in den Beſitz der Immobilien eingeſetzt zu werden, nicht aber ſie verkaufen laſſen⸗ Art. 2216.» Das Verfahren kann unter dem Vorwande, „daß der Gläubiger es wegen einer größern Summe, als „ihm wirklich gebuͤhrt, angefangen habe, nicht vernichtet „werden.« Der Titel des Codex de plus petitionibus wird in Frank⸗ reich nicht beobachtet. Cujaz ad h. tit. Art. 2217„Jedem Verfahren auf Vergantung unbe⸗ „weglicher Glter muß ein Zahlungsgeboth(commandement „dé payer) porhergehen, welches an den Schuldner in Per⸗ „ſon oder an ſeiner Wohnung, durch einen Huiſſier auf Be⸗ „treiben und Anſuchen des Gläubigers gerichtet wird.« „Die Formen des commandement und des Verfahrens „auf öffentliche Vergantung ſind in den Geſetzen uͤber den „Prozeß beſtimmt.« Dieß war allgemein in der Praris angenommen. S. Rodier, und die zahlreichen Schriftſteller, die er in ſeiner Instruction sür les Saisies reelles anführt. Wie lange mußte aber der Zahlungs⸗Befehl der Beſchlag⸗ nehmung vorhergehen? Es gab Schriftſteller, die der Meinuns waren, es ſey genug, wenn die Aufforderung zur Zahlung ſelbſt in dem Verbal Prozeſſe geſchehe, der über die Beſchlag⸗ nehmung abgefaßt wird, bevor jedoch mit der Beſchlagneh⸗ mung der Anfang gernacht wird; nach der Praxis konnte jedoch erſt vier und zwanzig Stunden nach der Aufforderung zur Zahlung zur Beſchlagnehmung geſchritten werden- S. Rodier g. a.*) ⸗ *) Cmmondement heißt im allgemeinen ein Inſinuations⸗Aet! den ein Huiſſier(Gerichts⸗Diener) Kraft eines Uriheiles oder eines ſonſtigen exeeutoriſchen LTitels macht, wodurch er im Nahien des(Kaiſers) und der Juſtitz beßehlt; eine Summe zu zahlen⸗ MMI. Buch. XX. Tit. Yon der Verjährung. 421 Der Art. 1 des Geſetzes vom Brümaire uber die erzwtrn⸗ gene Vergantung ſchrieb einen Zwiſchenraum von dreyßig Tagen vor, welches wirklich viel ſchicklicher iſt. Wir wollen ſehen, was das Geſetz über das rechtliche Verfahren in Cipil⸗ Sachen hierüber beſtimmen wird.*) 3 e pi Von der Rangordnung und der Vertheilung des Preiſes unter den Gläubigern⸗ Art. 2218.»Die Ordnung und die Vertheilung des »Preiſes der Immobilien, ſo wie die Art hiebey zu verfahren, »ſind in den Geſetzen über den Prozeß beſtimmt⸗« 3**¹) Von der Verjaͤhrung. (Deoret. den 15. Märi 1804. Promulg. den a. des nehml. Mon.) (Man ſehe den Tit. 6 des B. 2 der Inſtitutionen; die Tit. 3, B. 41, und 3, B. 44 der Pandecten; die Tit. 26 und 30 des B. 7 im Coder, und die Nov. 116, cap. 7 und 8. ein Sut zu raͤumen, kurz dem urtheile oder den im Litel ent⸗ haltenen Verpflichtungen Geuuͤge zu leiſten. Bépert. de jurispr. V. ueber die Form des Commandement ſehe man den Art. 67 u. f. des G. ü. d. r. V. i. C. S. B. *) Rach dem Art. 674 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S. kann die Beſchlagnehmung ebenfalls erſt dreyßig Tage nach dem Com- mandement vorgenommen werden. Läßt der Gläubiger mehr als drey Monate zwiſchen dem Cowmandement und der Beſchlagneh— mung verſtreichen, ſo iß er verbunden, es in der vorgeſchriebe⸗ nen Form und mit Seſtattung der nehmlichen Zeitfriſt zu wie⸗ derhohlen. B. **) S. den Tit. 14 des B. 5, Ch. des Geſetbuches à. d. 6 V. j. C. S. B. 422 m. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. Vorzüglich muß man aber bey dieſer Materie den vortrefflichen Tractat des Herrn Dunod des prescriptions zu Rathe ziehen.) Die Verjährung iſt ein Mittel zu erwerben, oder ſich zu befreyen, welches vom Völker⸗Rechte eingeführt worden iſt, um den Frieden zwiſchen den Menſchen und ſelbſt unter den Rationen zu handhaben, und damit das Eigenthum der Dinge nicht ein endloſer Gegenſtand von Streitigkeiten und Kriegen ſeyn möchte. P. 1, F. de usurp. et usucap. Grotius, de jure belli et pac. tom. 2, ch. 4. Auch heißt ſie mit Recht patrona generis humani. Der Grund der Verjahrung liegt darin, weil a) zu ver⸗ muthen iſt, daß derjenige, der ſeine Sache eine lange Zeit hindurch einen andern beſitzen laͤßt, ihm das Eigenthum davon abgetreten habe, und weil es p) gefährlich ſeyn würde, je⸗ manden eine Sache, die er ſeit dielen Jahren beſitzt, unter dem Vorwande, daß er die Erwerbungs⸗Urkunde nicht vorlegt, wieder abzunehmen, da es doch leicht möglich iſt, daß er ſie binnen dieſer langen Zwiſchenzeit verloren habe, und andern Theils der bloße Beſitz ſchon eine Anzeige des Eigenthums iſi. Nichts deſtoweniger wird die Verjährung oft als ein un⸗ redliches Mittel angeſehen; wirklich ſcheint es Anfangs, daß der bloße Beſitz kein hinlänglicher Rechtsgrund ſey, um dem wahren Eigenthümer ſeine Sache zu benehmen, ſo wie dann Juſtinian ſelbſt ſie in der No⸗. 129 impium præsidium nennt. Ja, freylich iſt die Verjäͤhrung ein unredliches Mittel, wenn ſich ihrer Leute bedienen, welche wiſſen, daß ſie die Sache, die ſie beſitzen, oder ihre Befreyung nicht auf eine recht⸗ mäßige Art erworben haben; können indeſſen anch einige Per⸗ ſonen Mißbrauch von der Verjaͤhrung machen, ſo iſt dieß doch der Geſichtspunct nicht, worunter ſie betrachtet werden darf; man muß ſie vielmehr in der Hand des Geſetzes, das ſie ausſpricht, betrachten, und unter dieſem Geſichtspuncte ver⸗ dient ſie alle Lobſpruͤche, die ihr Inſtinian ſelbſt an andern — 1M. Buch. XX. Tit. Von der Berjährung. 425 Drten ertheilt hat. Auch iſt ſie von allen Nationen ange⸗ nommen worden. In den erſten Zeiten Roms, wo das Vermögen der Bür⸗ ger ſehr geringe war, brauchte man zur Verjährung nur we⸗ nige Jahre zu fordern; auch hieß es in dem fuͤnften Geſetze der ſechſten Tafel: Vus auctoritas fundi, biennium, cæterarum rerum an- NL ss esto. Jemand, der nur ein Grundſtück von drey Morgen be⸗ ſitzt, braucht nicht viel Zeit, um wahrzunehmen, daß ſich ein anderer deſſen bemächtigt; als aber die Romer ihr Gebieth über die Grenzen des Landes, welches man damahls Italien nannte, ansgedehnt hatten; als einfache Bürger Reichthuͤmer beſaßen, die jenen der Könige gleich kamen, da konnten ſie nicht mehr mit der nehmlichen Sorgfalt über dieſe entlegenen Beſitzun⸗ gen wachen, und nun wurde feſtgeſetzt, daß ſie erſt in zehn Jahren durch Verjaͤhrung erworben werden koͤnnten. Wir bedienen uns des generiſchen Wortes: Verjaͤhrung, (prescription), um alle Mittel, durch Ablauf der Zeit zu erwerben, dadurch auszudrucken; bey den Römern aber hatten die Worte, usucapio und præscriptio eine ganz verſchiedene Bedeutung. Unter Usucapio verſtand man das Mittel das Eigenthum einer Sache völlig zu erwerben; hiezu war ein Rechtstitel und guter Glaube erforderlich, und es trat nur bey Mobilien, deren Eigenthum durch bloße Ueberlieferung übergeht, und bey Immobilien ein, die in Italien gele⸗ gen, und wovon die Beſitzer völlige Herren waren. Dieſe in Italien gelegenen Guͤter, und die Mobilien überhaupt hießen res mancipi. Die in den Provinzen gelegenen Guͤter ſah man hingegen nur ſo an, als wenn ſie unter dem Ober⸗ Eigenthume des roͤmiſchen Volkes beſeſſen würden; wer ſie im Genuſſe hatte, wurde bloß dominus bonitarius genannt; die Immobilien ſelbſt hießen res nec mancipi. Hatte man ſie zehn Jahre kang beſeſſen, ſo war dieß genug, um ſich in ihrem Beſitze zu handhaben, ohne daß man verbunden war, eine Erwerbungs⸗Urkunde darüber vorzulegen, und dieſe aus 424 M. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung⸗ einem zehnjaͤheigen Beſitze hergeleitete Einrede hieß bey den Rodmern præscriptio. Prascriptionis nomine, ſagt Cujaz in ſeinen paratitl. ad tit. Cod. de præscript. long. temp., nihil aliud qudm eæceptio significatur. Durch die F. un. Cod. de usucap. transf. ſchaffte Juſti⸗ nian den Unterſchied ab, den die alten Geſetze zwiſchen den res mancipi und nec mancipi, zwiſchen den in Italien und anderswo gelegenen Guͤtern aufgeſtellt hatten, und hob folg⸗ lich den Unterſchied zwiſchen der Uſucapion und Praͤſcription auf; er verordnete, daß die Mobilien in drey Jahren, und die Immobilien in zehn Jahren, wenn der Eigenthümer an⸗ weſend iſt, in zwanzig Jahren aber, wenn er abweſend iſt, verjahrt werden ſollten, in der Vorausſetzung jedoch, daß der Beſitzer mit einem Rechtstitel verſehen, und in gutem Glauben ſeyn würde. Nach der T. 3, Cod. de præcript. 30 vel 40, war man indeſſen gegen alle Anſpruͤche wegen Mangel eines Rechtstitels oder guten Glaubens gedeckt, wenn man dreyßig Jahre lang in ruhigem Beſitze geweſen war; ein ſo langer Zeitraum ſchien genug zu ſeyn, um jeder Nachforſchung Stillſchweigen aufzulegen, und alle ſo wohl perſönliche als dingliche Klagen auszulöſchen. Inzwiſchen wurde doch durch die Auth. quas actiones, Cod. de SFacros. eccles. die Verjaͤhrung gegen Kirchen überhaupt auf vierzig Jahre, und gegen die Kirche von Rom auf hundert Jahre erweitert. Nebſt allen dieſen Verjährungen gab es noch die unvor⸗ denkliche Verjährung, welche hauptſächlich, wie man im Titel von den Servituten geſehen hat, auf nicht ununterbrochen fortdauernde Dienſtbarkeiten angewendet wurde⸗ Es iſt ſonderbar, daß man bloß in den Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗Rechte hatten, die römiſchen Geſetze in Betreff der Verjährung der Immobilien in zehn Jahren, wenn der Eigenthümer anweſend iſt, und in zwanzig Jahren, wenn er abweſend iſt, angenommen,(S. die Art. 113 und I3 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris) ihre Verfuͤgung in m. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhruns. 425 dieſer Hinſicht aber in den Provinzen, worin das roͤmiſche Recht galt, verworfen habe; und doch iſt dieſes ganz gewiß, wie man bey Lapeyrère, FV. Presrription, bey Serres, p. 156 und bey Terriére, ad quest. 416 des Guido⸗Papckſehen kann. In dieſen letztern Provinzen war die zehn und zwanzig⸗ jährige Verjaͤhrung auf die hypothekariſche Klage eingeſchränkt, dagegen dreyßig Jahre zur Perjaͤhrung einer unbeweglichen Sache erfordert wurden; in dieſem Falle war aber auch in Gemäßheit der T. 3, Cod. de præscript. 30 vel 40, weder Rechtstitel noch guter Glaube nothwendig, ſo wie es auch darauf nicht ankam, ob derjenige, gegen den man verjäͤhrte, anweſend oder abweſend geweſen war. Uebrigens iſt es uͤberflüßig, hier von den übrigen Ver⸗ jährungen zu reden, die in kürzern Zeitraͤumen vollendet wur⸗ den, und durch die Ordonnanzen eingefuͤhrt worden waren; alles, was ſich hierauf bezieht, wird man am gehörigen Orte antreffen⸗ F ⸗ Allgemeine Verfügungen. Art. 2210.» Die Verjährung iſt ein Mittel, durch Ab⸗ „lauf einer gewiſſen Zeitfriſt und unter den im Geſetze feſi⸗ „geſetzten Bedingungen, etwas zu erwerben oder ſich zu „befreyen.« ucapio est adjectio dominii per continuationem pos- Sessionis temporis loge deſiniti. T. 3, M de usurp. et usuecp. Art. 2220.„ Man kann nicht zum Voraus auf die „Verjährung Verzicht leiſten; man kann aber auf eine wirk⸗ „lich vollendete Verjährung verzichten.⸗ Die Fragen, welche bey dieſen Artikeln zur Sprache ka⸗ men, ſind in der Nede des Herrn Bigot ans Geſetzge⸗ bungs⸗Corps, und bey Dunod, p. I17 und 112 ſehr gut behandelt. Die Haupt⸗Grlinde der Verſügung ſind, weil nichts daran hindert, auf ein erworbenes Recht Verzicht zu leiſten; dagegen aber eine Verzichtleiſtung, die zum Vor⸗ 426 IM. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. aus auf eine noch nicht erworbene Verjährung geſchieht, deß⸗ wegen nicht geduldet werden darf, weil 1) die Verjährung ein vom Staats⸗Rechte eingeführtes Mittel iſt, um die in⸗ nere Ruhe zu handhaben; Beſtimmungen des Staats⸗Rechtes aber durch Privat⸗Vertraͤge nicht abgeändert werden können, F 58, h de pactis, weil 2), wenn dergleichen Verzicht⸗ leiſtungen erlaubt wären, die Geſetze, welche die Verjährung eingefuͤhrt haben, durch die Gewalt der Glaͤubiger über ihre Schuldner bald unnütz gemacht und außer Gebrauch geſetzt würden. Art. 2221.»Die Verzichtleiſtung auf eine Verjährung »iſt entweder ausdrücklich oder ſtillſchweigend; die ſtillſchwei⸗ „gende Verzichtleiſtung entſpringt aus einer Handlung, welche „vorausſetzt, daß man ſein erworbenes Recht fahren laſſe.« Minimd agnitione debiti tollitur præscriptio, iſt eine allgemeine Regel. Art. 2222.„Wer nicht veräußern kann, kann gleich⸗ „falls auf eine vollendete Veriährung nicht Verzicht leiſten.« Alienationis verbum etiam usucapionem continet.. a8, de Verb. Fign. Art. 2223.„ Den Richtern iſt es nicht geſtattet, die „Vertheidigungsgründe, welche die Verjäͤhrung einem ſtrei⸗ »tenden Theile darbiethet, von Amts wegen zu erſetzen.„ Auch dieſe Frage behandelt Dunod, p. 110, und löſt ſie eben ſo wie unſer Artikel, und zwar deßwegen auf, weil derjenige, der die Verjährung nicht entgegenſetzt, vielleicht durch den Druck ſeines Gewiſſens hingeriſſen wird, deſſen Einwirkung der Richter nicht verhindern ſoll.*) *) Nicht einmahl dann dürfte der Richter von Amts wegen auf die Verjaͤhrung Rückſicht nehmen, wenn der Schuldner ſich beym Vergleichs⸗Buͤreau darauf beruſen haͤtte, auf die nachherige Vor⸗ ladung zum Gerichte aber nicht erſchiene, und ſich Ungehorſams halber verurtheilen ließ: erſcheint nehmlich der Schuldner auf die Vorkadung zum Gerichte nicht, ſo läßt ſich hieraus vermu⸗ then, daß er auf die Einrede der Verjährung Verzicht geleiſtet m. Buch. Xx. Lit. Von der Verjährung. 427 Iſt indeſſen, ſetzt Punod hinzu, die Rede von einer durch eine Ordonnanz eingefuͤhrten ablehnenden Einrede, z. B. von einer Klage auf Reſtiſſion eines Verkaufes nach Ablauf der geſetzlichen Notbfriſt, ſo muß der Richter von Amts wegen darauf erkennen. Nach unſerem Artikel möchte ich hieran ſehr zweifeln. Art. 2224.„Die Verjaͤhrung kann man in jeder Lage „des Prozeſſes, ſelbſt vor dem Appellations⸗Hofe, vorſchuͤtzen, „es ſey dann, daß man, den Umſtänden nach, vermuthen „müſſe, daß der ſtreitende Theil, der ſich auf die Verjährung „nicht bezogen hat, hierauf Verzicht gethan habe.⸗ Auch dieſer Artikel ſtimmt mit der Meinung des Dunod, g. a. St. und des Rodier zum Art. 5 Tit⸗ 5 der Ordon⸗ nanz von 1667 uͤberein. Dieſem Grundſatze zu Folge caſſirte die Civil⸗Section am 6. Thermidor 12. J.(25. Julius 1804) in der Sache Fran⸗ gois und Le Compte ein vom Tribunal von Pontviſe in letzter Inſtanz erlaſſenes Urtheil, welches die Einrede der Verjährung, worauf ſich Frangois berief, deßwegen verwarf, weil er ſie nicht bey ſeiner erſten Vertheidigung vorgebracht hatte. Art. 2225.„Die Gläubiger oder jede andere Perſon, „die ein Intereſſe dabey hat, daß die Verjährung vollendet „ſey, können ſich hierauf beziehen, wenn ſchon der Schuld⸗ „ner oder Eigenthümer darauf Verzicht leiſtet.« habe. So entſchied auch der Appellations⸗Hof von Air am 2. Meſſidor 13. J.(11. Julius 1305) in der Sache der Erben Brun wider die Erben Leth. Jurispr. de la C. de G. XIIl. im Anhange p. 187 u. f. nebrigens bemerke man, daß die Verfuͤgung dieſes Artikels nur in Eivil⸗Sachen Statt habe, in Polizey⸗ Zucht⸗Polizey⸗ und Criminal⸗Sachen aber von Amts wegen auf die Verjährung eines Verbrechens geſehen werden müſſe. Bépert. de jurispr. V. Precription, Sect. 1, S. 3 wo mehrere urtheile des Caſſations⸗Hofes hierüber angeführt ſiud. B. 42⁸ M. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. Weil man ſich zum Nachtheile ſeiner Gläubiger eines er⸗ worbenen Rechtes nicht begeben kann. Dunod, a. g. St. Unſer Artikel kann oft bey Claſſificativnen der Gläubiger zur Anwendung gebracht werden. Art. 2226.„Man kann das Eigenthum an Sachen, „die dem rechtlichen Verkehr entzogen ſind, nicht verjähren.⸗ Den Sinn dieſes Artikels, der, wie man eingeſtehen muß, nicht hinlänglich entwickelt iſt, hat Herr Bigot auf folgende Art erklärt. Man kann, ſagt er, nur dieſenigen Sachen durch Perjohrung erwerben, die ein Segenſtand des rechtlichen Verkehrs ſind, d. h. die von einzelnen Pe ſonen ausſchließlich beſeſſen werden koͤnnen. Requiritur, ſo heißt es in der T. 9, H. de usurp. et usucap., ut res alienationem recipiat. nec usucapiuntur res vacræ, Sanctæ, publicæ. Die Verfügung dieſes Geſetzes muß, meines Erachtens, noch jetzt ihrem ganzen Inhalte nach beobachtet werden, und ſo kann eine Privat Perſon weder eine Kirche, einen Kirchhof, noch einen öffentlichen Platz, eine Straße, einen Hafen, noch etwas von demjenigen verjähren, was nach dem Inhalte des Art. 538 kein Privat⸗Eigenthum ſeyn kann. Man ſehe übrigens die Anmerkung zum folgenden Artikel. Art. 2227.„Der Staat, die oͤffentlichen Anſtalten und „Gemeinden ſind wie die Privat⸗Perſonen, denſelben Ver⸗ „jhrungen unterworfen, und ſie können ſolche gleichfalls »„vorſchuͤtzen.« Dieſer Artikel iſt zwar den alten Geſetzen zuwider, die das Staats⸗Eigenthum für unveräußerlich, und folglich fuͤr unverjaͤhrbar erklaͤrten; die conſtituirende Verſammlung hatte ſie indeſſen ſchon aus guten Gründen abgeſchafft. Uebrigens muß dieſer Artikel von Privat⸗Guͤtern, die dem Staate zugehören mögen, nicht aber von jenen verſtanden werden, die ihm Kraft des Souverainitaͤts⸗Rechtes zuge⸗ horen oder kein Privat⸗Eigenthum ſeyn können, wie wir beym vorhergehenden Artikel erinnert haben. m. Puch. XR. Dit. Von der Verjähruns. 425 Zweytes Capitel. Von dem Beſitze⸗ Art. 2228.»Der Befitz iſt die körperliche Inhabung „oder der Genuß einer Sache oder eines Rechts, die wir „in unſrer Gewalt haben oder das wir ausüben, entweder „ſelbſt und in Perſon oder durch einen andern, der ſie in un⸗ „ſerm Nahmen inne hat oder es ausübt. Man unterſcheidet zwey Arten von Beſitz, den natür⸗ uchen und den bhuͤrgerlichen Beſitz, T. 3, F. ult. N ad erhib. Der natuͤrliche Beſitz iſt die wirkliche Inhabung der Sa⸗ che, mit der Abſicht, ſie als Eigenthuͤmer zu genießen. Ohne dieſe Abſicht gibt es keinen wahren Beſitz. Non possidet, qui affectionem tenendi non habet, licet corpore suo rem contingat. T. I, F. 3, de acqu. vel amitt. possess. Der buͤrgerliche Beſitz beſteht in der bloßen Ubſicht zu beſitzen, wenn man ſchon wirklich die Sache nicht inne hat. So beſitzt z. B. derjenige, der ein Grundſtück bebaut hat, und es nachher ausruhen läßt, aber mit der Abſicht, es ferner⸗ hin zu genießen. T. 3. und 25, M eòd. Mirtelſt bloßer Abſicht kann man den Beſitz nicht erwer⸗ ben, wohl aber ihn mittelſt dieſer bloßen Abſicht beybehalten⸗ LT. 8, F edd. T. 195, F. de reg. jur. Genießt z. B. jemand ein Jahr lang ein Grundſtück, laͤßt es nachher einige Jahre unbenutzt, und genießt es wieder, ſo wird er ſo angeſehen, als wenn er es während der ganzen Zwiſchenzeit beſeſſen habe. Wie lange, fragt man, kann der bürgerliche Beſitz, wenn er mit dem natürlichen Beſitze nicht verbunden iſt, als fort⸗ dauernd angeſehen werden? Nach der gemeinen Meinung der Rechts⸗Lehrer dauert er nur zehn Jahre. S. Punod, und die(P. 17.) von ihm angefuͤhrten Schriftſteller. Hier⸗ aus folgt, daß, wenn man zu einer Epoche, wo noch mehr als zehn Jahre mangelten, um zu verjaͤhren, natürlich zu beſitzen aufgehört hat, die Verjährung nicht fuͤr erfüllt ge⸗ 43e IM. Buch. XX. Tit. Von det Verjährung. halten wird. Man ſetzt übrigens voraus, daß ſich in dem Zwiſchenraume der zehn Jahre Niemand in den Beſitz der Sache geſetzt habe, denn ſonſt wäre von dieſem Tage an der buͤrgerliche Beſitz des Erſten geendigt. Soll der Beſitz ſeinen Anfang ſo nehmen, daß er die Verjaͤhrung bewirken kann, ſo muß man die Sache natür⸗ lich, wenigſtens ein Jahr lang, und ſo beſitzen, daß man eine poſſeſſoriſche Klage anſtellen kann, wenn man im Beſitze geſtört würde. S. Dunod, a. a. St., Rodier, und die (zum Art. 1 des Litels des Complaintes, quest. 4) von ihm angeführten Schriftſteller. Beweiſt man, daß man im Anfange und am Ende der zur Verjaͤhrung erforderlichen Zeit beſeſſen hat, ſo hat man die Vermuthung für ſich, daß man in der Zwiſchenzeit im Beſitze geweſen ſey; probatis eætremis præsumitur medium, es ſey dann, daß der Gegner das Gegentheil beweiſe; Dunod, p. 18; auch verfügt dieſes der Art. 2234. Hat man aber auch deßwegen, weil man beweiſt vor Alters beſeſſen zu haben, die Vermuthung für ſich, daß man die ganze Zeit hindurch, die zur Verjährung nothwendig iſt, im Beſitze geweſen ſey? Dunod ſagt, nach der gemeinen Meinung der Rechtslehrer werde dieſe Frage bejahend ent⸗ ſchieden: olim possessor, hodie possessor. Ich, meines Theils, zweifle ſehr hieran; denn, was waͤre dieß anderſt, als das Geſetz zu nichts machen, welches den Beweis des während einer beſtimmten Anzahl von Jahren fortgeſetz⸗ ten Beſitzes erfordert, um hiedurch ein Eigenthum zu erwerben? Leichter würde ich dagegen annehmen, daß der, welcher mit einem Titel verſehen iſt, Kraft deſſen er wirklich beſitzt, die Vermuthung für ſich habe, daß er vom Datum dieſes Titels angerechnet, im Beſitze geweſen ſey, wie dieß Dunod, p. 19 lehrt. Der natürliche Beſitz wird mittelſt ſeiner Merkmahle, der Ruinen eines Gebäudes z. B., einer Waſſerleitung ꝛc. bey⸗ behalten. F. Stigmata, Cod. de ſabric. Punod fuͤhrt p. Se e V. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. 431 19 ein Parlements⸗Urtheil von 1710 an, welches, dieſem Grundſatze gemäß, den alten Eigenthuͤmer einer Mühle er⸗ maͤchtigte, ſie wieder aufzubanen, unerachtet ſich jemand dagegen ſetzte, der ohne die noch vorhandenen Merkmahle das Recht gehabt haͤtte, ihn daran zu hindern⸗ Iſt die Sache, die man zu beſitzen behauptet, theilbar, ſo zieht der Beſitz eines ihrer Theile den Beſitz der übrigen nicht nach ſich, tantum prascriptum quantum possessum. In dieſem Falle befindet ſich derjenige, der einen Theil eines unbeweglichen Gutes beſitzt. Iſt aber die Sache untheilbar, ſo zieht der Beſitz eines Theiles den Beſitz des Ganzen nach ſich. T. 8, F. 1, quemadm. Serv. amitt. S. die An⸗ merkungen zum Art. 710. Oui dolo possidere desiit, pro possessore damnatur. T. 173, H de reg· Jur. Was übrigens unſer Artikel ſagt, daß man durch einen andern, z. B. durch ſeinen Paͤchter beſitzen konne, dieß iſt die beſtimmte Verfuͤgung des§. 5, Inst. de interdiet. Art. 2229.„Um verjähren zu können, wird ein fort⸗ *dauernder und ununterbrochener, ungeſtörter, öffentlicher, „nicht zweydeutiger Beſitz und zwar als Eigenthümer erfordert.« Stimmt mit der T. 6, N und mit der T. 7, Cod. de adqu. vel amitt. poss. überein. Die Eigenſchaften eines nutzlichen und reellen Beſitzes druckt man ſo aus: quc nec vi, nec cldm, nec precarid contingit. Von der Gewaltthätigkeit iſt im Art. 2233 die Rede. Was den heimlichen Beſitz betrifft, dieſen konnte unſer Artikel wohl nicht beſtimmter verwerfen, als wenn er ſagt, der Beſitz müſſe ungeſtört, öffentlich und nicht zweydeutig ſeyn. Possessio, ſo heißt es in der T. 10, Cod. de acqu. vel amitt. poss., itd demim legitima est, cum omnium adversariorum Silentio et taciturnitate Nrmatur. Das precarid ſchließt endlich unſer Artikel dadurch aus, daß er vorſchreibt, man müſſe als Eigenthümer beſitzen⸗ 432 1m. Buch. XX. Tit. Von der Verjähruns. Die erſten Eigenſchaften des Beſitzes, die der Artikel fo dert, daß er nehmlich fortdauernd und ununterbrochen ſeyn muͤſſe, können einigen Zweifel veranlaſſen. Bedeuten dieſe Ausdrücke das nehmliche? Iſt dieſes, wozu dient es dann, ſie zu verdoppeln? Iſt die Bedeutung des Wortes: fortdauernd von jener des Wortes: ununterbrochen ver⸗ ſchieden? In dieſem Falle wuͤrde das Wort: fortdauernd mit den Regeln, die wir beym vorhergehenden Artikel ent⸗ wickelt haben, und ſelbſt mit dem Art. 2234 im Widerſpruche ſtehen. Man muß annehmen, daß der Ausdruck: fort⸗ dauernd von einem ſo wohl natutlichen als buͤrgerlichen Beſitze, nicht aber ganz ſtrenge von dem natürlichen Beſitze allein verſtanden werde. Art. 2230.* Man hat allemahl die Vermuthung für „ſich, daß man in eigenem Nahmen und als Eigenthümer „beſitze, in ſo fern nicht erwieſen wird, daß man Anfangs „für einen andern beſeſſen habe.⸗ Stimmt mit der Meinung des Dunod, p. 22 überein⸗ Art. 2231.»Hat man für einen andern zu beſitzen an⸗ „gefangen, ſo tritt immer die Vermuthung ein, daß man „aus dem nehmlichen Rechtsgrunde beſitze, wenn nicht das „Gegentheil bewieſen wird.« Die Verfügung dieſes Artikels biethet keine Schwierigkeit dar; ſie iſt in der Regel gegruͤndet: ad primordium tituli totus refertur euentus. Herr Bigot hat indeſſen, als er ſie vorlegte, eine viel ſchwerere Frage abgehandelt, nehmlich dieſe: kann derjenige, der im Nahmen eines andern beſitzt, den Rechtstitel ſeines Beſitzes verändern, und ihn aus einem zur Verjaͤhrung unfähigen Titel, wie er vorhin war, in einen hiezu faͤhigen umſchaffen? Nach der allgemeinen Regel: Nemo potest Sibi mutare causam possessionis, F. 3,§. 19, de acqu. vel amitt. poss. wird dieſe Frage mit Nein beantwortet; dieſe Regel leidet aber dann eine Ausnahme, wenn eine Veränderung des Beſitzes vorhanden iſt. Von der Verjährung. 437 UL. Such. XX. Tit. Eine ſolche Veränderung kann ſich nun aber auf mehrere Arten ereignen: 1) auf diejenige, die die natürlichſte und gerechteſte iſt, wenn z. B ein Pächter das Gut, welches er in Pachtung hat, kauft, oder wenn der Eigenthümer es ihm ſchenkt. S colonus d domino emerit, aut d domino institutus fuerit. T. 35, F. 1, F de usurp. et usucap. 2) Kann ein Pächter ſeinen Beſitz nicht nur dadurch ver⸗ aͤndern, daß er vom wahren Eigenthümer kauft, denn in dieſem Falle bedarf er nicht einmahl einer Verjaͤhrung, ſon⸗ dern auch dadurch, daß er das Gut von einem andern kauft, oder geſchenkt erhält, denn in dieſem Falle übertraͤgt letzterer auf ihn die Befugniß zu verjähren, die er ſelbſt hatte. 3) Ein Pächter oder jeder andere, der im Nahmen eines dritten beſitzt, kann durch ſein eigenes Factum den Titel ſeines Beſitzes durch den Widerſpruch verändern, den er dem⸗ 3 jenigen, wovon er die Sache hat, entgegenſetzt, wenn er be⸗ hauptet, daß er nicht als Pächter, ſondern als Eigenthuͤmer beſitzt; von dieſem Augenblicke an wird er nehmlich in dieſem Falle zu verjähren fähig, wenn der wahre Eigenthümer ihn im Genuſſe läßt. S. Dunod, chap. 7. 4) Wer Kraft eines Univerſal⸗Titels in die Rechte des Pächters eintritt, kann freylich die Sache anderſt nicht als unter dem nehmlichen Titel inne haben, und ſeinen Beſitz nur auf die nehmliche Art verändern, wie der Pächter es ſelbſt haͤtte thun können; hätte aber der Paͤchter die gepachtete Sache einem andern verkauft, oder mittelſt eines Particular⸗ Titels geſchenkt, ſo könnte dieſer Erwerber verjaͤhren, weil alsdann eine andere Gattung von Veränderung des Beſitzes vorhanden, und dieſer Erwerber mit einem zur Verjährung fähigen Titel verſehen wäre. Sagt man übrigens 5), man könne gegen ſeinen Titel nicht verjähren, ſo verſteht ſich dieſes nur in Anſehung der Erwerbung; denn allerdings kann man ſich durch Verjährung von einem Titel(einem Schuldbekenntniße z. B. befreyen, den man ſelbſt verwilliget hat⸗ IV. Maled. 28 — —————————— 434 UMI. Buch. XX. Lit. Von der Verſhrung Art. 2232.„Handlungen, die man ganz nach Willkuͤhr »unternimmt oder unterläßt, ſo wie Handlungen, die bloß ge⸗ »duldet werden, können weder einen Beſitz noch eine Verjäh⸗ „rung begründen.« Habe ich alſo z. B. hundert Jahre lang mein Pieh auf den Brachfeldern meines Nachbars weiden laſſen, dieß hindert ihn nicht, ſie anzubauen, und ſo gar, ohne ſie anzubauen, mir den Eintritt darauf zu unterſagen: hat mein Nachbar nie ein Gebaͤude auf ſeinem Grund und Boden gehabt, dieß hindert ihn nicht, eines darauf aufzubauen, wenn er mir ſchon dadurch meine Ausſicht benimmt, und eben ſo ſteht es ihm frey einen Brunnen in ſeinem Boden anzulegen, wenn ſchon, als Folge davon, der Meinige das Waſſer verliert oder austrocknet. Jedoch werden ſelbſt die Sachen, die von der bloßen Willkühr abhangen, verjährbar, ſo bald Widerſpruch da⸗ gegen eingelegt wird, wobey man es bewenden läßt. S⸗ Henris, tom. 1, Rv. 4, quest. 91. Art. 2233.» Gewaltſame Handlungen begründen eben »ſo wenig einen Beſitz, wodurch eine Verjährung bewirkt »werden könnte.« „Der hiezu taugliche Beſitz nimmt nicht eher ſeinen An⸗ „fang, als nachdem die Gewaltthätigkeit anfgehört hat.« Nach dem römiſchen Rechte waren Dinge, deren man ſich gewaltthötiger Weiſe angemaßt harte, unverjährbar, und wurden nicht eher faͤhig, verjaͤhrt zu werden, als bis ſie dem Eigenthuͤmer wieder zugeſtellt worden waren. T. 4§. 25 P. de usurp. et usupap. T. ult H V hon. rapt. Man war in⸗ deſſen der Meinung, daß ſich dieſe Jurisprudenz mit dem all⸗ gemeinen Syſtem der Verjährung nicht vereinigen laſſe. Aus dem Umſtande der Gewaltthätigkeit folgt das einzige, daß die Verjaͤhrung ſo lange ihren Anfang nicht nehmen kann, als die Gewaltthätigkeit dauert, und daß derjenige, der ſich auf dieſe Weiſe einer Sache bemächtigt hat, nicht in zehn und zwanzig, ſondern nur in dreyßig Jahren verjaͤhren kann. Dunod, P. 29 Ui. Buch. XX Tit. Von der Perjährgus. 437 Art. 2234.»Ein wirklicher Beſitzer, der den Beweis „fuͤhrt, daß er vor Alters im Beſitze geweſen ſey, hat die „Vermuthug für ſich, daß er gleichfalls in der Zwiſchenzeit „beſeſſen habe, mit Vorbehalt des Gegenbeweiſes. S. die Anmerkungen zum Art. 2228. Art. 2235.»Um die Verjährung zu vollenden, kann »man ſeinen eigenen Beſitz zu jenem ſeines Vorgängers rech⸗ enen, auf welche Art man auch in ſeine Stelle getreten »ſeyn mag, Kraft eines Univerſal- oder Particular⸗Titels, »gegen oder ohne Entgeld(zu Folge eines wohlthaͤtigen oder »„laͤſtigen Titels.)« Stimmt mit der T. 14, F. 1, F. de dio. temp. præ Script. uͤberein. Auch war dieß in der Praxis allgemein angenommen. S. Henris und Bretonnier, rom. 1, Iiv. 4, quest. 19, Serres, p. 165., Dunod, p. 19 und 20. Drittes Capitel. Von den Urſachen, welche die Verjährung verhindern⸗ Art. 2236.»b Wer für einen andern beſitzt, verjährt »niemahls, wie lange er auch beſitzen mag.« »So können die Pächter, der Depoſitar, der Nießbraucher „und alle übrigen, die aus einer bloßen widerruflichen Ver⸗ »guͤnſtigung(nur Zulaſſungsweiſe) die Sache des Eigenthü⸗ „mers inne haben, ſie nicht verjähren.« Stimmt mit der T. 1, Cod. comm. de usucap. und mit den LL. 9 und 25, de acqu. vel amitt. poss. überein. Die Urſache hievon iſt dieſe, wei! diejenigen, welche auf dieſe Weiſe die Sache inne haben, non sibi, sed domino possident. Art. 2237.»b Die Erben derjenigen, welche die Sache »aus einem der im vorhergehenden Artikel angeführten Rechts⸗ „titel beſeſſen hatten, konnen gleichfalls nicht verjähren.« Weil ſie nicht mehr Recht haben koͤnnen, als derjenige, in deſſen Rechte ſie eingetreten ſind⸗ Oui en persond auc- 436 M. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. toris utitur, uti debet cum sud causd, Suisque vitiis. T. 13, F. 1, F. de acqu. vel amitt. poss. Art. 2238.„Die im 2236. und 2237. Artikel erwähn⸗ „ten Perſonen können gleichwohl alsdann verjähren, wenn „ſich der Rechtstitel ihres Beſitzes veraͤndert hat, es ſey aus „einer Urſache, die von einer dritten Perſon herrührt, oder „durch den Widerſpruch, den ſie dem Rechte des Eigenthü⸗ „mers entgegengeſetzt haben.* Art. 2239.»Diejenigen, welchen die Pächter, die De⸗ „poſitare und andere, die nur Zulaſſungsweiſe beſitzen, die „Sache durch einen Titel uͤberlaſſen haben, der an und für „ſich dazu geeignet iſt, um das Eigenthum auf einen andern „zu übertragen, können ſie verjaͤhren⸗ Art. 2240.»Wider ſeinen Titel kann man nicht ver⸗ „jähren in dem Sinne, daß man ſich ſelbſt die Urſache und „den urſprünglichen Grund ſeines Beſitzes nicht ändern kann.“ Art. 2241.»In dem Sinne kann man wider ſeinen „Titel verjähren, daß man die Befreyung von einer über⸗ „nommenen Verbindlichkeit durch Verjährung erlangt.« ueber dieſe vier letzten Artikel ſehe man die Anmerkungen zum Art. 2231. e Von den Urſachen, welche den Lauf der Verjaͤhrung unter⸗ brechen oder in Stillſtand bringen⸗ Zwiſchen der Unterbrechung und dem Stillſtande der Ver⸗ jährung iſt dieſer Unterſchied, daß die vor der Unterbrechung verfloſſenen Beſitzjahre nicht gerechnet werden, und man wieder ganz von neuem zu verjahren anfangen muß; wogegen dann, wenn die Verjährung bloß in Stillſtand verſetzt wird, die vorherigen Jahre mitgezählt werden. Dunod, p. 52. IM. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. Erſter Abſchnitt. Von den Urſachen, welche die Verjährung unterbrechen. Art. 2242.„Die Verjährung kann entweder im gemei⸗ enen und buchſtäblichen oder im Cioil⸗Sinne des Wortes „(naturellement ou civilement) unterbrochen werden. Art. 2243.»Eine Unterbrechung im gemeinen und buch⸗ „ſtäblichen Sinne des Wortes iſt vorhanden, wenn der Be⸗ »„ſitzer, entweder von dem alten Eigenthümer, oder ſelbſt „durch einen Dritten, des Genuſſes der Sache mehr als ein „Jahr lang beraubt iſt.« Die Verfuͤgung dieſes Artikels hat Herr Bigot aus den römiſchen Geſetzen in der Materie von den poſſeſſoriſchen In⸗ terdicten, und aus der franzdſiſchen Praxis gerechtfertigt, welchen beyden zu Folge als neuer Beſitz nur derjenige an⸗ erkannt wurde, welcher wenigſtens ein Jahr lang gedauert hatte; waͤre nehmlich die augenblickliche Beſitznahme eines Grundſtückes genug, um jemand der Wirkungen des Beſitzes zu berauben, ſo wäre dieß eine ewige Quelle von Unord⸗ nung, und jeder Beſitzer müßte ſich alle Augenblicke einen Prozeß gefallen laſſen, um ſein Eigenthum zu beweiſen. Der nehmlichen Meinung iſt auch Dunod, p. 33. Als Urſache einer natürlichen Unterbrechung wird zwar hier nur die Entſetzung aus dem Beſitze angeführt; inzwiſchen entſcheidet Dunod, p. 54, nach der Meinung verſchiedener Rechtslehrer, daß auch Unterbrechung vorhanden ſey, wenn das Grundſtuͤck, welches man verjährt, ein Jahr lang über⸗ ſchwemmt iſt. Meines Erachtens iſt dieſe Meinung richtig, wenn es darum zu thun iſt, die Verjaͤhrung anzufangen, und ſich in den Stand zu ſetzen, eine poſſeſſoriſche Klage geltend zu machen, nicht aber dann, wenn es bloß um die Fortſetzung des Beſitzes, um das Eigenthum verjähren zu können, zu thun iſt: in dieſem Falle kann, wie mir ſcheint, eine Ueberſchwemmung, die ſich nach Umlauf einer gewiſſen Anzahl von Beſitzjahren ereignen mag, und wenn ſie auch länger als ein Jahr dauern ſollte, den Beſitz nicht unter⸗ I. Buch. XX. Tit. Pon der Verjaͤhruns. brechen, und den Beſitzer noͤthigen, die Verjährung wieder von neuem anzufangen; denn, hat er auch ſchon während der Ueberſchwemmung dennatürlichen Beſitz nicht, ſo kann er doch den bürgerlichen Beſitz haben, deſſen Wirkungen wir beym Art. 2228 erklärt haben. Azt. 224g.»Eine Vorladung vor Gericht, ein com- „mandement oder Pfändung oder Beſchlagnehmung, welche „demjenigen inſinuirt worden ſind, den man verhindern will, „die Verjaͤhrung zn vollenden, bewirken eine Unterbrechung „im Civil⸗Sinne des Wortes(Civil⸗Interruption).« Ein Commandement. Die Frage war ſehr zweifelhaft, ob ein bloßes Commandement die Verjährung unterbreche. Immer entſchied man zwar das Gegentheil im Gerichtbar⸗ keits⸗Umfange des Parlamentes von Bordeaur; S. Lapey- rère, lett. P. n. 54. Auch behaupteten andere, daß ein Commandement, wenn keine Pfändung oder Beſchlagneh⸗ mung darauf erfolgte, eine einfache Aufforderung, ein außer⸗ gerichtlicher Act bleibe, worauf es dem Schuldner zu ant⸗ worten oder nicht zu autworten frey ſtehe, und der in dieſer Eigenſchaft die Verjährung nicht unterbrechen könne; S⸗ Dunod, p. 57, Legrand, über das Gewohnheits⸗Recht von Troyes, art. 25, gl. 1, n. 28. Da es indeſſen in unſerem Artikel heißt: Commandement, oder Pfaoͤndung oder Be⸗ ſchlagnehmung, ſo muß man allerdings annehmen, daß ein Commandement, wenn ſchon keine Pfaͤndung oder Beſchlag⸗ nehmung darauf erfolgt iſt, die Verjährung unterbreche. Art. 2245.»Eine Vorladung zum Verſuche eines Ver⸗ »gleichs vor das Friedens⸗Büreau unterbricht die Verlährung „von dem Tage an, da ſie datirt iſt, in ſo fern eine Vorla⸗ „dung vor Gericht in den geſetzlichen Zeitfriſten darauf erfolgt. Im Art. 6, Tit. 10 des Geſetzes vom 24. Auguſt 1790 hieß es ſchon, daß eine Porladung zum Vergleichs⸗Büreau die Verjährung unterbreche; indeſſen hatte er nicht beſtimmt, in wie viel Zeit der Beklagte, wenn kein Vergleich Statt gefunden hatte, zum Gerichte abgeladen werden müſſe, und II. Buch. XX. Tit. Bon der Verjährung. 435 unſer Artikel erklaͤrt ſich ebenfalls hierüber nicht. Man muß folglich hoffen, daß das Geſetzbuch uͤber das rechtliche Ver⸗ fahren in Civil⸗Sachen die ſehr wichtigen Zweifel heben werde, die dieſe beyden Artikel uͤbrig laſſen. Was mich be⸗ trifft, ich waͤre der Meinung, daß die Vorladung zum Ver⸗ gleichs⸗Buͤreau ohne Wirkung bleiben muͤſſe, wenn der Be⸗ klagte nicht binnen dem Jahre zum Gerichte abgeladen wird. ²) Art. 2246.»Eine Vorladung vor Gericht, ſollte ſie auch vor einen Richter geſchehen ſeyn, der keine Befugniß „hat, über die Sache zu erkennen, unterbricht die Verjaͤhrung. Auch uͤber die durch dieſen Artikel entſchiedene Frage war ren die Meinungen ehemahls ſehr verſchieden. S. Dunod, p. 56, und Rousseaud, V. Prescription, Sect. 4, n. 1. Unſtr Artikel iſt indeſſen derjenigen beygetreten, die mir die ver⸗ nuͤnftigſte zu ſeyn ſchien. Art. 2247.„Iſt die Vorladung wegen eines Mangels in der Form ungültig,». „Steht der Kloͤger von ſeiner Klage ab,„ »„Läßt er die Inſtanz erlöſchen,» „Dder wird ſeine Klage verworfen,» „So wird die Unterbrechung ais nicht geſchehen be⸗ „trachtet.» 1) Man hat zuerſt Mühe, den großen Unterſchied aufzu⸗ faſſen, der zwiſchen einer ungültigen und einer vor einen incompetenten Richter geſchehenen Vorladung vorhanden iſt, und welcher die Entſcheidung zur Folge hat, daß die erſtere die Verjährung nicht unterbreche, wohl aber die letztere. Die urſache hievon iſt indeſſen dieſe, weil eine Vorladung, die *) Nach dem Art. 57 des Geſetzbuches ü. d. r. V. i. C. S. un⸗ terbricht die Vorladung zum Vergleichs⸗Büreau die Verjaͤhrung nur dann, wenn die Klage binnen dem Monate von dem Tage der Nicht⸗Erſcheinung oder der nicht erfolgten guͤtlichen ueber⸗ einkunft eingeführt wird⸗ B. 440 IMMI. Buch. XX. güt. Von der Verjährung. unguͤltig iſt, keine Wirkung hervorbringen, und ihr, da ſie mit den geſetzlichen Formalitäten nicht verſehen iſt, in keinem Stücke Glauben beygelegt werden kann; wogegen eine Vorladung, wenn ſie ſchon vor einen incompetenten Richter geſchehen iſt, deßwegen nicht unguͤltig iſt, und denjenigen, dem ſie inſinuirt wird, uͤber den Gegenſtand der Klage un⸗ terrichten kann. Dunod erklaͤrt ſich uͤber die Frage nicht ſo, daß man befriedigt wird⸗ 2) Steht der Klaͤger von ſeiner Klage ab, ſo iſt nicht nur keine Unterbrechung des Beſitzes vorhanden, ſondern das Recht des Beſitzers kann ſo gar dadurch anerkannt, und folg⸗ lich dieſer von der Verjährung befreyt werden, wenn der Kläger ſich deßhalb nichts vorbehält, oder dagegen proteſtirt. 3) Läßt er die Inſtanz erlöſchen, ſo iſt ebenfalls keine Unterbrechung vorhanden. Da das Geſetzbuch über das recht⸗ liche Verfahren in Civil⸗Sachen bald zum Vorſchein kommen muß, ſo will ich mich aller Erläuterung über dieſen Artikel enthalten, der jedoch ſonſt erlaͤutert zu werden nöthig haͤtte.*) *) Wie eine Vorladung beſchaffen ſeyn muß, wenn ſie gültig ſeyn ſoll, hierüber muß man den Lit. 1 des B. 1. und den Tit. 2 des B. 2. Th. 1. des Geſetzbuches. d. r. V. i. C. S. nach⸗ ſehen.— Der Art. 397 des n. G. erklaͤrt jede Inſtanz, wenn ſchon kein Sachwalter beſtellt worden iſt, fuͤr erloſchen, wenn der Prozeß während drey Jahre nicht fortgeſetzt worden iſt; dieſe Friſt wird jedoch dann um ſechs Monate verlaͤngert, wenn ent⸗ weder ein Geſuch um Wiedervornehmung der Inſtanz oder Be⸗ ſtellung eines neuen Sachwalters Statt hat.(Von den hieher ge⸗ pörigen Fällen handelt der Lit. 177 B. 27 Th. 1 des n. 6) Die Peremtivn der Inſtanz hebt übrigens nach dem Art. 401 des n. G. die Klage ſelbſt nicht auf; nur zieht ſie die Erlöſchung des Projeſſes nach ſich, ohne daß man in irgend einem Falle einen Act des erloſchenen Prozeſſes dem andern Theit entgegenſetzen, oder ſich darauf beziehen koͤnne. Die Klage ſelbſt kann alſo zwar wieder von neuem angeſtellt werden; iſt aber ſchon vor ihrer neuen Anhebung die Verjaͤhrung eingetreten, ſo kann die Klage mittelſt dieſer Sinrede entkräftet werden. B. MI. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. 441 Nur will ich hier ein Urtheil der Civil⸗Section anfuͤhren, wodurch ein wichtiger Punkt iu dieſer Materie und zwar in einem ſehr ſonderbaren Falle entſchieden worden iſt. Ducruejouls behauptete, ſeine Vorfahren hätten vor ſehr alten Zeiten das Recht, in einem dem Hrn von Bourbon⸗ Walauze zugehörigen Walde Holz, ſo viel ſie davon zum Brennen, und für ihre Gebaͤude nöthig haben möchten, zu nehmen, unter einem läſtigen Titel erworben. Im Jahre 1740 klagte Herr von Bourbon beym Forſt⸗ Amte zu Rhodés über Eingriffe, die Ducruejouls in ſei⸗ nen Wald gethan habe. Am 1. Julius n. J. wurde Ducruejouls dieſer Eingriffe wegen verurtheilt. Von dieſem Urtheile appellirte er zum Oberforſt⸗Amt in Toulouſe. Herr von Bourbon verkauſte ſeinen Wald an Curières, und Ducruejouls lud dieſen zum Prozeſſe bey⸗ Dieſer Prozeß wurde nicht fortgeſetzt, indeſſen blieb, wie es ſcheint, Ducruejouls fortwährend im Genuſſe ſeines Rechtes. Im Jahre 7(1798—99) ließ Curières, Sohn, den Wald urbar machen. Ducrueiouls, Sohn, widerſetzte ſich dieſer Unternehmung, in ſo weit der Wald ihm zur Aust⸗ bung ſeines Rechtes nöthig war, und ließ den Curières zum Civil⸗Gerichte von Aveyron vorladen, um ſie ihm unterſagen zu laſſen⸗ Am Z. Fructidor 7. J.(20. Auguſt 1799) wurde gegen Curidres ein Contumacial⸗Urtheil erlaſſen, wodurch dem Ducruejouls auferlegt wurde, durch Urkunden oder durch Zeugen zu beweiſen, daß er und ſeine Vorfahren ſeit dem Urtheile von 1740 in ruhigem Genuſſe des Rechtes Holz zu fällen geweſen ſeyen, und nach Einſicht des hierüber abge⸗ haltenen Zeugenverhöres wurde er durch ein ferneres Urtheil bey ſeinem Rechte gehandhabt. Curières appellirte von dieſem Urtheile, und der Appel⸗ * 442 III. Buch. X. Tit BVon der Verjährunz. lations⸗Hof von Montpellier reformirte es, und ſprach ihn von der wider ihn angeſtellten Klage deßwegen frey, weil die in Frage ſtehende Befugniß eine nicht ununterbrochen fortwähr rende Dienſtbarkeit ſey, die anderſt nicht als durch einen unvordenklichen Beſitz erworben werden könne, ein ſolcher Beſitz aber ſeit dem Jahre 1740 unmoͤglich ſey. Ducruejouls nahm nun ſeinen Recurs zum Caſſations⸗ Hofe, und gründete ſein Caſſations⸗Geſuch auf die Verletzung, ſelbſt der römiſchen Geſetze, die der Appellations⸗Hof zur Vaſis ſeiner Entſcheidung genommen hatte, nehmlich der T. 3, Cod. de prascript. 30 vel 40 ann., der T. 10, F. si serv. vind./ der PT. 1. und 3, H de Ferb. prad. rust.; 3,§. 4, N de ayud quot. und 3, F. 11, H de pecul. In allen dieſen Geſetzen heißt es, das Recht Holz zu fällen, werde durch einen unvordenklichen Beſitz erworben; im untergebenen Falle, ſagte Ducruejouls, war dieſer Beſitz ſo wohl durch das Zeugen⸗Verhör, als ſelbſt durch das Ur⸗ theil von 1740 bewieſen, welches zwar anerkannte, daß ich im Beſitze war, aber bloß mich deſſen entſetzen wollte⸗ Dieſes Urtheil ſetzt man mir inzwiſchen als eine Urſache entgegen, die meinen Beſitz unterbrochen habe, und als wenn ſch erſt von dem Tage an, wo es erlaſſen worden iſt, hätte verjähren können; allein, dieß iſt ein ſichtbarer Irrthum⸗ Die Wirkung dieſes Urtheiles iſt ja ſelbſt dadurch, daß es nicht vollſtreckt worden iſt, und daß ich im Gegentheile mein Recht fortwährend ausgeübt habe, zernichtet worden. So entſcheidet ausdrücklich Faber, in Cod. lib. 7, tit. 13 def⸗ 6 12, und Merlin im BRépertoire de jurisprudence, F. Pre- scription, F. g. Aus dieſen Gründen wurde das Urtheil des Appellations⸗ Hofes von Montpellier am§. Floreal 12. J.(25. April 1804 caſſirt.) 4) Wird die Klage desjenigen, der die Verjährung un⸗ terbrechen will, verworfen, ſo wird die Verjaͤhrung nicht nur vicht unterbrochen, ſondern es iſt ſo gar keine Verjährung 6 1m. Vuch. XX. Lit. Von der Verjährung. 4 ½3 mehr nothwendig, weil das Urtheil dem Beſitzer zum Titel dient⸗ Art. 2248.»Die Verjährung wird dadurch unterbrochen⸗ „daß der Schuldner oder Beſitzer das Recht desjenigen an⸗ „erkennt, wider den er verjaͤhrte.» Veſchwerlich wäre es, alle Arten zu erklären, wie ein Schuldner die Schuld»der das Recht eines andern anerken⸗ nen kann; genng iſt es, hier die allgemeine Regel anzumer? ken, die d'Argentré zum Art. 166 des Gewohnheits⸗Rechtes von Bretagne V. Interruption, außſtellt: Ouoties actus ta- citum aut eupressam, vel prasumptam juris alieni, vel de- biti conſessionem implicat, toties ſit interruptio civilis. Art. 2240.»Wird in Gemäßheit der vorhergehenden „Artikel einer der Solidar⸗Schuldner zur Zahlung aufgefor⸗ „dert, oder die Richtigkeit der Schuld von ihm anerkannt, „ſo wird die Verjährung auch wider die uͤbrigen und ſelbſt „wider ihre Erben unterbrochen⸗» „Die Aufforderung, welche an einen der Erben des So⸗ „lidar⸗Schuldners gerichtet worden iſt, oder die von einem „der Erben geſchehene Anerkennung unterbricht in Hinſicht „der übrigen Miterben die Verjährung nicht, wenn ſchon die „Forderung mit einem Hypotheten⸗Rechte verſehen ſeyn ſollte, „die Verbindlichkeit ſey dann untheilbar.» „Eben dieſe Aufforderung oder dieſe Anerkennung unter⸗ „bricht die Verjaͤhrung in Rückſicht der übrigen Mitſchuldner „nur für die Antheile, wofuͤr dieſer Erbe verpflichtet iſt.» »„Um in Hinſicht der übrigen Mitſchuldner die Verjaͤhrung „für's Ganze zu unterbrechen, iſt es erforderlich, daß an „alle Erben des verſtorbenen Schuldners eine Anmahnung „ergehe, oder daß alle dieſe Erben die Schuld anerkennen.» Dieſer Artikel iſt nur eine Schlußfolge aus den im Titel von den Verbindlichkeiten feſtgeſtellten Grundſaͤtzen. Ex ratione correlativorum, ſagt Dunod, p. 58, nützt die Anmahnung, die von einem der Eigenthümer eines indi⸗ 444 U Buch. FX. Tit. Von der Verjährung. viduellen Rechtes, oder von einem der Solidar⸗Gläubiger ge⸗ ſchieht, den übrigen Eigenthümern und Gläubigern. Art. 2250.»Eine an den Hauptſchuldner gerichtete Auf⸗ „ forderung, oder die von ihm geſchehene Anerkennung unter⸗ „bricht die Verjährung in Hinſicht des Bürgen.» Dieſer Artikel iſt gegen die Meinung des Dunod, des d'Argentré und anderer Rechts⸗Lehrer, nach welcher die dem Haupt⸗Schuldner geſchehene Anmahnung nur den Buͤrgen, die mit dieſem Schuldner ſolidariſch verbunden ſind, wie z. B⸗ alle gerichtliche Buͤrgen ſind, ſchaden ſollte. Herr Bigot ſagt indeſſen, die Verbindlichkeit des Bürgen müſſe ſo lange dauern, als jene des Haupt⸗Schuldners, und folglich könne der Bürge ſich bloß fuͤr ſeine Perſon nicht auf die Verjäh⸗ rung berufen. 3 weyter Abſchnitt. Von den urſachen, wodurch der Lauf der Verjährung in Stillſtand geraͤtht. Art. 2251.„ Die Verjaͤhrung laͤuft wider alle Perſonen, „ſie ſeyen dann in einer durch ein Geſetz feſtgeſetzten Aus⸗ „nahme begriffen⸗„ In dieſem Artikel hat man die Verfügung der Art. 113 und 114 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris befolgt. Nach dem reinen römiſchen Rechte konnte die Verjährung nur gegen die Unmündigen nicht laufen. P. Sicut, Cod. de præscript. 30 vel 40 ann. Minderjaͤhrige hingegen konnten bloß gegen die zehn⸗ und zwanzig⸗jährige Verjährung, die gegen ſie waͤhrend ihrer Minderjaͤhrigkeit etwa gelaufen haben mochte, in den vorigen Stand geſetzt werden. F. ult. Cod. in quib. caus. rest. Nach dieſem letztern Geſetze richteten ſich die Parlamente von Tonlouſe, Air, Grenoble und Beſangon, und hatten ſo gar die Wiedereinſetzung in den vorigen Staud auf die dreyßigjährige Verjährung ausgedehnt. S. Catellan, liv. 7, ch. 10 und 20, Boniface, liv. 9, tit. 1, ch. a1; Dunod, p. 240, Chorier, lio. 5, vect. 5, art. b. Dagegen entſchieden I. Guch. XX. Cit. Von der Verjährung. 445 die Parlamente von Paris, Bordeaur und Dijon, es ſey un⸗ nuͤtz, eine Verjährung laufen zu laſſen, gegen die man immer in den vorigen Stand eingeſetzt werden könnte; nach der Meinung alſo, die bey dieſen Parlamenten angenommen war, lief ſie waͤhrend der Minderjaͤhrigkeit nicht. Henris und Bretonnier, tom. 2, liv. 4, quest. a1, Lapeyrère, lett. P., n. 68, Taisand, tit. 14, n. 7. Unſer Artikel kündigt indeſſen von der Regel, nach wel⸗ cher die Verjährung während der Minderjaͤhrigkeit und der Interdiction ſtill ſteht, Ausnahmen an; ſo laufen a) die kurzen Verjährungen, wovon im letzten Abſchnitte dieſes Ti⸗ tels die Rede iſt, gegen Minderjährige und Interdicirte; und dieß ſtimmt auch mit der alten Maris überein. Dunod, p. 243.*) So laͤuft ſie auch b) gegen Minderjährige, wenn von ei⸗ ner in einem Vertrage beſtimmten Zeit die Frage iſt, z. B⸗ von der Zeit, binnen welcher das PVorkaufs⸗Recht ausgeuͤbt werden ſoll. S. den Art. 1663. Endlich läuft c) Die Verjaͤhrung, welche man die geſetzlich⸗gerichtliche nennt, ebenfalls gegen die Minderjährigen. Hiehin gehört die Erlöſchung der Inſtanz;**) ferner gehören hiehin die in An⸗ ſehung der Prozeduren, Zeugenverhören, Appellationen,**) und der Geſuche um Einſetzung in den vorigen Stand gegen erlaſſene Urtheile feſtgeſetzten Friſten, es ſey dann, daß das Geſetz eine Ausnahme zu ihren Gunſten gemacht habe. S. Dunod, p. 255. Art. 2252.„ Die Verjaͤhrung laͤuft nicht wider Minder⸗ »jährige und Interdicirte, mit Vorbehalt deſſen, was im 2a78. *) S. ebenfalls die Art. 1676 und 2195 des G. N. B. *) S. den Art. 398 des Geſetzbuches uͤ. d. r. V. i. C. S. B. *) S. den Art. 444 des Geſetbuches i. d. r. V. i. C. S. B. 446 III. B. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. „Artikel beſtimmt iſt, und mit Ausnahme der übrigen im Ge⸗ „ſetze beſtimmten Faͤlle.» Art. 2253.»Sie läuft nicht unter Ehegatten.„ Wären ſie auch in Hinſicht der Guͤter von einander getrennt, und wäre gleich von Paraphernal⸗Gütern der Frau die Rede⸗ Art. 2254.» Die Verjaͤhrung laͤuft wider eine verheira⸗ „thete Frau in Hinſicht derjenigen Guͤter, wovon ihr Mann „die Verwaltung hat, wenn ſie aleich in Beziehung auf 1„ihr Vermögen weder durch einen Heiraths⸗Contract, noch »durch gerichtliches Erkenntniß von ihrem Manne ſeparirt „iſt, mit Vorbehalt ihres Regreſſes wider den Mann.» Die Verfügung dieſes Artikels muß, wenn Güter⸗Gemein⸗ ſchaft Statt hat, von allen Gütern der Frau ohne Unterſchied, und wenn ſich die Ehegatten nach den Grundſätzen der Do⸗ 1 tal⸗Rechte geheirathet haben, von den Paraphernal⸗Guͤtern der Frau verſtanden werden; denn die Dotal⸗Güter ſind wäh⸗ rend der Ehe unveraͤußerlich und unverjährbar, es ſey dann, daß die Verjaͤhrung ſchon vor der Heirath ihren Anfang ge⸗ nommen, oder die Frau eine Güter⸗Separativn gegen ihren Mann gerichtlich erwirkt habe. In der That werden in die⸗ ſem letztern Falle vie Dotal⸗Immobilien vom Tage an ver⸗ jährbar, wo die Guͤter⸗Separation erkannt worden iſt. S⸗ den Art. 1561. Im Falle unſeres Artikels würde übrigens der Lauf der Verjährung zu Gunſten dritter Perſonen und ihrem Vonrtheile Frau gegen ihren Mann durch deſſen Zahlungs⸗Unvermögen fruchtlos würde. So entſchieden ſchon Faber, in Cod. lib. i 2 tit. 35 de 3 Catellan, liv. 4. quest. 35, und Serres, p. 193, welcher zwey Urtheile des Parlamentes von Tou⸗ 3 louſe hieruͤber anführt. Art. 2239.„Sie länſt gleichwohl, in Gemäßheit des 1 1561. Artikels unter dem Titel von dem Heiraths⸗Con⸗ „tracte und den gegenſeitigen Rechten der Ehegatten, 1 ſelbſt dann Statt gehabt haben, wenn ſo gar der Regres der U. B. XX. Tit. Von der Berjaͤhruns. 447 *nicht während der Ehe, in Hinſicht eines, nach Dotalrech⸗ *ten, zum Brautſchatze beſtellten und nachher veräußerten „Grundſtuͤckes.» S die Anmerkung zum vorhergehenden Areikel, und zu den Art. 1561 und 1562. Art. 2256.»Während der Ehe ſteht ebenfalls der Lauf „der Verjährung ſtill,„ 10»In dem Falle, we die Klage der Frau ſich eher »nicht einführen ließ, als nach vorhergegangener Wahl un⸗ „ter der Anuahme der Gütergemeinſchaft oder der Verzicht⸗ „leiſtung auf dieſelbe.„ 2)„In dem Falle, wo der Ehemann, den ein ſeiner „ Frau zugehöriges Gut ohne ihre Bewilligung veraͤußert hat, »den Verkauf gewaͤhren muß, und in allen andern Fällen, vwo die Klage der Frau in ihren Folgen auf den Mann „zurückwirken würde.„ Es iſt ganz klar, daß, da die Frau nicht wählen kann, ſo lange die Gütergemeinſchaft dauert, ſie auch, ſo oft ihre Klage von der Wahl abhaͤngt, nicht im Stande iſt, ſie an⸗ zuſtellen. Nun aber, conträ non valentem agere non cur- rit præscriptio. Dunod, p. 254. Kann die Fran nicht klagen, ohne daß ihre Klage gegen ihren Mann zurückwirkt, in ſolchem Falle erforderte das all⸗ gemeine Wohl und das Intereſſe der Sitten, die Frau eben⸗ falls als Unvermögend zu klagen anzuſehen. S. Lebrun, de 1a Communaute, liv. 3, ch. 2, distinct. 5, n. 102, Dunod, p. 252. Wie verhält es ſich mit der Zeitfriſt, welche geſtattet iſt, um gegen eine Verbindlichkeit oder gegen eine Verzicht⸗ leiſtung die Wiedereinſetzung in den vorigen Stand nachzu⸗ ſuchen,— Läuft dieſe Friſt gegen die Frau waͤhrend der Ehe? Mehrere Fälle muß man bey dieſer Frage unterſcheiden. 1) Hat die Frau vor der Heirath eine Verbindlichkeit coutrahirt, ſo laͤuft die Verjährung während der Ehe, und 44½ III. B. XX. Tit. Von der Verjährung. zwar aus dem nehmlichen Grunde, aus welchem ſie ſo gar in Anſehung eines unbeweglichen Dotal⸗Gutes ihren Lauf fortſetzt. 2) Hat ſich die Frau während der Ehe, allein und ohne Autoriſation ihres Mannes verbunden, ſo läuft die Friſt um ſich dagegen reſtituiren zu laſſen, nicht eher, als vom Tage an, wo die Ehe aufgelöſt wird.(Art⸗ 1304.) 3) Hat ſie ſich unter Autoriſation ihres Mannes verbun⸗ den, ſo muß die Reſtitutivns⸗Friſt vom Tage des Contrac⸗ tes an, wenn ſie großjährig iſt, oder vom Tage ihrer Groß⸗ jährigkeit an, falls ſſie Minderjaͤhrig war, laufen, es ſey dann, daß der Mann ſich verbunden hätte, den Contract von ſeiner Frau bey ihrer Großiährigkeit genehmigen zu laſſen, weil in dieſem Falle die Klage gegen den Mann zu⸗ rückwirken wuͤrde. Lapeyrère, lett. P, p. 97 Dunod, p. 256. 4) Hat die Frau ſich ſammt ihrem Manne fuͤr eine An⸗ gelegenheit der Gutergemeinſchaft, oder ihres Mannes ver⸗ bunden, ſo läuft, wie Dunod p. 56 ſagt, die Friſt um ſich dagegen in den vorigen Stand einſetzen zu laſſen, während der Ehe nicht, weil es offenbar iſt, daß a) der Mann ſie bloß ſeines Vortheiles wegen an dem Contracte hat Antheik nehmen laſſen, und weil er P) für die Handlung ſeiner Frau Gewahr leiſten muͤßte: er fuͤhrt aus dem Journal du Pa- lais zwey Parlaments⸗Urtheile an, die ſo entſchieden haben. 5) Hat ſich der Mann ſammt ſeiner Frau fur die Angele⸗ genheiten und zum Vortheile der Frau verbunden, ſo laͤuft die Reſtitutions⸗Friſt während der Ehe; wenigſtens iſt kein Grund vorhanden⸗ es zu verhindern⸗ Uebrigens muß man bemerken, daß, wenn von Wieder⸗ einſetzung der Frau in den vorigen Stand die Rede iſt, von der Wohlthat des Velleianiſchen Senatus⸗Conſultum durchaus keine Frage ſeyn kann, welches, wie wir ſchon geſagt haben, ſtillſchweigend durch das Geſetzbuch abgeſchafft iſt, ſondern von wahren Reſtitutions⸗Gruͤnden, wie z. B. Verletzung,(die U. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrung. 445 aber aus einer andern Urſache als aus dem Factum der Ver⸗ bürgung ſelbſt entſpringt,) Argliſt, Zwang und Irrthum ſind. Art. 2257.»Die Verjöhrung läuft nicht,„» „In Hinſicht einer Forderung, welche von einer Bedin⸗ „gung abhängt, bis die Bedingung erfüllt iſt;» „In Hinſicht einer Klage auf Gewaͤhrleiſtung, bis die „Eviction eingetreten iſt;» „In Hinſicht einer an einem beſtimmten Tage faͤlligen Forderung, bis dieſer Tag erſchienen iſt.» Dieſer Artikel ſtimmt mit der T. 7, S 3, Cod. de præ- Script. 30 vel 40 ann. uͤberein. Indeſſen machte man hie⸗ von eine ſehr merkwuͤrdige Ausnahme; ein dritter Erwerber nehmlich verjährte nichts deſtoweniger gegen den Gläubiger, deſſen Forderung bedingt, oder an einem beſtimmten Tage fällig war, ſo wie auch gegen denjenigen, dem die Gewaͤhr geleiſtet werden muß, bevor er in ſeinem Beſitze geſtört wurde, die hypothekariſche Klage vom Tage ſeiner Er⸗ werbung angerechnet. Dieſe praktiſche Rechts⸗Lehre bezeugt eine Menge Schriftſteller, welche Rousseaud, F. Prescrip- tion, Sect. 2, n. 6, und Serres, p. 158. anführen, die ſelbſt dieſer Meinung ſind, ſo daß die Verjährung bloß in Hinſicht des Haupt⸗Verpflichteten nicht eher zu laufen anfing, bis die Bedingung erfüllt, die Schuld fällig wurde, oder die Eviction eintrat⸗ Muß dieſe Rechts⸗Lehre noch wirklich befolgt werden? Hieran möchte ich ſehr zweiflen, weil unſer Artikel keine Ausnahme macht⸗ Art. 2235.„Die Verjährung läuft nicht wider einen „Ben ficiar⸗Erben in Hinſicht der Forderungen, welche er an „der Erbſchaft hat.» „Sie läuft wider eine vacante Erbſchaft, obſchon ſie „mit keinem Curator verſehen iſt.⸗ Daß die Verjaͤhrung nicht gegen den Beneficiar⸗Erben IV. Malev⸗ 29 456 M. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. laufe, dieß iſt ganz einfach, denn er iſt ja im Beſitze der Gü⸗ ter; eben ſo einfach iſt es aber auch, daß ſie wider eine vacante Erbſchaft laͤuft, weil derjenige, welcher verjährt, nicht Schuld daran iſt, daß man ſie nicht in den Stand ſetzt, ihre Anſprüche geltend zu machen. Art. 2259.»Sie läuft ebenfalls während der drey „Monate, die zur Errichtung eines Inventgriums, und der „vierzig Tage, die um ſich zu entſchließen, verſtattet ſind» Aus Verſehen hat ſich hier Herr Bigot Mühe gegeben, das Geſetz zu rechtfertigen, als wenn es einen entgegenge⸗ ſetzten Sinn hätte. Da es im erſten Artikel dieſes Abſchnittes heißt, die Ver⸗ jaͤhrung laufe wider alle diejenigen, die das Geſetz nicht da⸗ von ausnimmt, ſo folgt hieraus, daß Soldaten, und Ab⸗ weſende in Dienſte des Staates heut zu Tage keines Privile⸗ giums in dieſer Finſicht genießen, unerachtet die PTL. 1 und 2, Cod. quib. non obj. long. temp. praæscr. ſie von der zehn⸗ und zwanzig jährigen Verjaͤhrung ausnahmen. Dieſe Geſetze wurden indeſſen nach dem Zeugniße des Mornac, ad T. 40, F er quib. caus. maj. 25 ann., und des Lapeyrère, lett. R, n. 105 in Frankreich nicht beobachtet. Zwar verordnete ein Geſetz vom 6. Brümarie 5. J.(27. October 1796), daß wider die Soldaten keine Verjaͤhrung während des damahligen Krieges, bis zum Ablauf eines Monates nach dem allgemei⸗ nen Frieden laufen ſollte; ich glaube aber nicht, daß dieſes Geſetz ſeitdem wieder erneuert worden ſey. Eben ſo lief auch gegen die Kinder, die unter vaͤterlicher Gewalt ſtanden, keine Verjährung, ſo lange der Vater lebte, in Anſehung der Guͤter, woran er den Nießbrauch hatte, und die er veräußert, oder von andern hatte beſitzen laſſen. Aus⸗ druͤcklich entſcheiden dieſes die TT. 1, Cod. de bon. mat. 1, Cod. de ann. eæc. und die Nov. 22, cap. 24.— Eine Ent⸗ ſcheidung, die auf drey Beweggründen beruhte, 1) weil die Kinder, ſo lange ſie unter der Gewalt ihres Vaters ſtanden, und ihre Urkunden in ſeinen Händen waren, als Unvermd⸗ m. Buch. Xx. Tit. Von der Perjährung. 451 gend zu klagen angeſehen wurden; 2) weil ſie im Falle ei⸗ ner Veräußerung nicht haͤtten klagen können, ohne daß die Flage gegen ihren Vater zuruͤckwirkte; 3) weil die Kinder natürlicher Weiſe Erben ihres Vaters werden ſollten, in dieſem Falle aber für ſeine Handlungen Gewaͤhr leiſten mußten, und man ihnen folglich in der Zwiſchenzeit nicht er⸗ lauben durfte, dritte Erwerber zu beunruhigen, woraus folgte, daß ebenfalls dieſe gegen die Kinder nicht verjaͤhren mußten. Auch war dieſes in den Provinzen, worin das ro⸗ miſche Recht galt, allgemein in der Praxis angenommen, wie Catellan, liv. 7, ch. 15 Serres, p. 195, und Lapey- rère, lett. F, n. 51, und lett. Py n. 73 bezeugen, wo er mehrere Parlaments-Urtheile hierüber anführt. Heut zu Tage, wo der geſetzliche Nießbrauch ſich mit der Großjährigkeit endigt, iſt die väterliche Gewalt kein Grund mehr, um den Lauf der Verjaͤhrung gegen die Kinder, die unter ihr ſtehen, zu verhindern; ſo gar beduͤrfen ſie dieſer Verhinderung nicht, da eine ſolche Veriaͤhrung bloß deßwe⸗ gen ſtille ſteht, weil ſie Minderjährig ſind. Warum ſollte die nehmliche Urſache, die den Lauf der Verjährung gegen eine verheirathete Frau dann verhindert, wenn ihre Klage gegen den Mann zuruͤckwirken würde, uicht auch zu Gunſten des Kindes eintreten, wenn die Klage gegen den Vater zu⸗ rückwirkt? Iſt es dann weniger nützlich, weniger ſittlich, Streitigkeiten zwiſchen dem Vater und den Kindern vorzubeu⸗ gen, zwiſchen ihnen die Bande der vaͤterlichen Liebe zu hank⸗ haben, als Eintracht unter den Ehegatten zu erhalten? Ven⸗ dient dieſes Intereſſe nicht eben ſo viel Ruͤckſicht, als jenes eines Erwerbers oder eines Beſitzers, wovon der Eine ſo wohl als der Andere ſehr gewöhnlich in mald Rde ſind? In⸗ zwiſchen bin ich naͤch dem erſten Artikel dieſes Abſchnittes der Meinung, daß auch dieſe Rechtelehre abgeſchafft iſt. Je mehr ich daruͤber nachdenke, deſto mehr bin ich uͤberzeugt, daß die Römer erhabenere Ideen; als wir, in der Geſetzge⸗ bung hatten. Die Verfügungen der Gewohnheits⸗Rechte ſind, in Vergleichung mit den romiſchen Geſetzen, trocken 452 In. Vuch. XX. Tit. Von ber Verjähruns⸗ und dütre; es klebt ihnen etwas von dem nördlichen Elima an, woher ſie gekommen ſind⸗ Fuͤnftes Capitel. Von der zur Verjaͤhrung erforderlichen Zeitſr ſt. ſie Allgemeine Verfügungen. Art. 2260.»Die Verjährung wird nach Tagen, nicht „nach Stunden, gerechnet⸗« Stimmt in Betreff deſſen, was von den Stunden geſagt wird, mit der T. 134, de Verb. Sign überein. Annum civiliter, non ad momenta temporum, Sed ad dies nume- vdms. Ark. 226r.»Sie iſt vollendet, wenn der letzte Tag der «erforderlichen Zeitfriſt geendiget iſt.“ Dieſer Artikel macht dem Unterſchied ein Ende, den man ehemahls zwiſchen den ſo genannten Beguͤnſtigung verdienenden Verjährungen, wie z. B⸗diejenigen waren, wozu ein Titel und guter Glanbe erfordert wurden, und zwiſchen jenen annahm, die man gehaͤſſige nannte, zu welcher Claſſe die dreyßigjaͤhrige, und die ſtatutariſchen Verjährungen gerechnet wurden, Erſtere wulden für vollendet gehalten, wenn der letzte Tag der er⸗ forderlichen Zeitfriſt angefangen war; etiamsi minimo mo— mento novissimt diei possessa res sit, repletur usucapio. L. pen., d temp. praæscript. Dagegen es in Betreff er Letztern hieß: nis novissimus totus dies compleatur, non ſinit obligationem. T. 6, h de oblig. et act. Der Schalttag, ſagt Herr Dunod, p. 116, nach der de div. temp. heet und nach Lehre des Cu⸗ jas, de prascript. et term cap. 3, wird in der Zeit der Minderjéhrigkeit, der Verjährungen, und anderer vom Baebe beſtimmten Zeitfriſten nicht mitgezählt, wohl aber in der Zahl der in einem Vertrage feſigeſetzten Tage, 3. V. wenn bey einem Verkaufe beſiimnt werden iſt, daß er aufgeloſi ſeyn in. Buch. XX. Tit. Ven der Verjährung. 437 ſollte, falls der Kaufpreis binnen dreyßig Tagen, worunter ſich allenfalls ein Schalttag befindet, nicht bezahlt wäre⸗ 3 weyter Abſſchnitt⸗ Von der Verjährung in dreyßig Jahren Art. 2262.»Alle ſowohl dingliche als perſönliche Kla⸗ »gen weiden in dreyßig Jahren verjährt, ohne daß derje⸗ „nige, der ſich auf dieſe Verjährung bezieht, nöthig habe, „einen Titel dapon vorzulegen, oder daß man ihm die Ein⸗ »rede, daß er in boͤſem Glauben geweſen ſey,(die Einrede »eines unredlichen Beſitzes) entgegenſetzen könne. ⸗ S. die Einleitung zu dieſem Titel. Unſer Artikel hat ſich nach der allgemeinen Praris gerich⸗ tet. Einige Gewohnheits Rechte erforderten vierzig Jahre zur Verjährung der Immobilien, und in dem Gerichts⸗Sprengel einiger Parlamente wurde die perſoͤnliche Klage, wenn ſie mit der hypothekariſchen verbunden war, ebenfalls nur in vier⸗ zig Jahren verjährt. Art. 2263.„Nach Ablauf von acht und zwanzig Jah⸗ „ren, von dem Datum des letzten Titels anzurechnen, kann „der Schuldner einer Rente angeholten werden, ſeinem Gläu⸗ „biger oder denjenigen, die in deſſen Rechte getreten ſind, „einen neuen Titel,(ein neues Schuldbekenntniß) auf ſeine „Koſten zu verſchaffen.. Wenn man ſich ſtrenge an den Grundſätzen halten wollte, dann müßte der Schuldner erſt bey Annährung der dreyßig Jahre gezwungen werden, einen neuen Titel zu verſchaffen, weil der Alte erſt mit dreyßig Jahren ſeine Wirkung durch Verjäbrung verltert. Indeſſen durfte der Glasbiger nicht auf eine ſo kurze Friſt beſchränkt werden daß er durch irgend ein Hinderniß, welches der Anſtellung ſeiner Klage in den Wg hötte treten mögen, der Gefahr ausgeſetzt worden waͤre, ſeine Forderung zu verlieren; ohnehin ſind zwey Jahre nicht zu lang, um ihm Zeit zu laſſen, zu ſeinem Zwecke zu gelangen. Anſangs hatte man inzwiſchen beſchloſſen, die Klage auf Er— 174 m. Buch. XX. Tit. Von der Verzährung. haltung eines neuen Titels erſt beym Ablauf von neun und zwanzig Jahren zu erlauben. Art. 2264.„ Die Regeln der Verjährung in Beziehung „ auf ſolche Gegenſtaͤnde, von denen im gegenwärtigen Titel „keine Erwähnung geſchieht, ſind unter den Titeln erklärt, „die ſie betreffen.« Hievon war ſchon die Rede im Titel von den Servitu⸗ ten, ſo wie auch bey Gelegenheit der Reſciſſion der Verbind⸗ lichkeiten, der Friſten um über die Annahme einer Erbſchaft zu berathſchlagen, der hypothekariſchen Klage wider einen dritten Erwerber, u. ſ. w. Dritten Abſchnitt. Von der Verjährung in zehn und zwanzig Jahren. Art. 2265.„Wer in gutem Glauben und durch einen „rechtmäßigen Titel ein unbewegliches Gut erwirbt, verjährt das „Eigenthum daran in zehn Jahren, wenn der wahre Eigen⸗ „thuͤmer unter dem Gerichtsbezirke des Appellations⸗Hofes „wohnt, in deſſen Umfang das unbewegliche Gut liegt, und „in zwanzig Jahren, wenn er außer dieſem Bezirke wohn⸗ „haft iſt.« Durch einen rechtmaͤßigen Titel. Unter dieſem Aus⸗ drucke verſteht man nicht einen vom wahren Eigenthuͤmer herruͤhrenden Titel, denn in dieſem Falle bedürfte der Erwer⸗ ber der Verjährung nicht, ſondern 10 einen Titel, welcher fähig iſt, das Eigenthum zu übertragen, z. B⸗ einen Kauf⸗ Contract, eine Schenkung, nicht aber einen Pacht- oder Pfand⸗Contract; 2) einen nach den geſetzlichen Formen der Contracte errichteten Titel, keineswegs einen Act, der wegen Mangel irgend einer Formalität ungültig iſt. S. hierüber d'Argentré, über das Gewohnheits-Recht von Bretagne, Art. 266, und Ferrieres, uͤber jenes von Paris, Art. 1713, gl. S Findet ein Erbe in dem Nachlaſſe eine Sache, die dem Verſtorbenen nicht zugehörte, glaubt aber, daß ſie einen M. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. 455 Theil davon ausmache, ſo verjährt er ſie in zehn und zwan⸗ zig Jahren, gerade ſo wie derjenige, der ſie d non domino gekauft haben moͤchte, denn auch der Titel eines Erben iſt rechtmäßig, und die Verjahrung zu bewirken fähig. St heres sim, heißt es in der T. 3, F. pro hored. et putem rem aliquam eæx hœreditate esse, quæ non sit, posse me usuea- pers. So entſcheidet auch Dunod, p. 12. Wenn der wahre Eigenthuͤmer wohnhaft iſt 1c. Nach der T. ult., Cod., de præscript. long. temp. wurde ohne Rück⸗ ſicht, wo die Sache, die verjährt wurde, gelegen war, der⸗ jenige fuͤr anweſend oder abweſend gehalten, der in der nehm⸗ lichen Provinz wehnte, oder nicht wohnte, worin derjenige wohnt, der wider ihn verjaͤhrte; das nehmliche galt in meh⸗ rern Provinzen, die ihre eigene Gewohnheits⸗Rechte hatten, und, wie es ſcheint, ſind Rousseaud, V. Prescription, sect. 5, n. 4, und Dunod, p. 175, eben dieſer Meinung. Unſer Artikel hat indeſſen wohl dabey gethan, daß er der Gegen⸗ wart oder der Abweſenheit des Eigenthuͤmers von dem Orte, wo ſeine Sache gelegen iſt, den Vorzug gegeben hat. Faſt in ganz Frankreich hielt man diejenigen fuͤr abwe⸗ ſend, die in einem verſchiedenen Amte(Vogtey) wohnten; insbeſondere verfügte dieß ausdruͤcklich der Art. 116 des Ge⸗ wohnheits⸗Rechtes von Paris. Zu Toulouſe wurden aber nur jene für abweſend gehalten, die außerhalb Frankreich ſich befanden, und ſo gar, wenn ſie im Dienſte des Staates wa⸗ ren. S. die von Serres, p. 160 angeführten Zeu niße⸗ Wer übrigens keinen wirklichen Wohnort hat, muß, wie Dunod, p. 175 ſehr wohl ſagt, in Anſehung der zehn und zwanzigjährigen Verjährung als abweſend angeſehen werden. Art. 2266.»Hat der wahre Eigenthümer zu verſchie⸗ »denen Zeiten bald unter dieſem Gerichtsbezirke, bald außer „demſelben ſeine Wohnung gehabt, ſo muß man, um die „Verjährung zu vollenden, demjenigen, was an zehn Jah⸗ „ren der Gegenwart fehlt, doppelt ſo viel Jahre der Abwe⸗ „ſenheit hinzufuͤgen, als wirklich daran fehlen um die zehn ————— 456 m. Buch. XR. Tit. Von der Verjährung. „ Jahre der Gegenwart vollzählig zu machen.(Zwey Jahre „der Abweſenheit werden für ein Jahr der Gegenwart ge⸗ „rechnet.)« Stimmt mit der Nov. 119, cap. 8, und mit der allge⸗ meinen Praris überein. S. Serres, p. 160, Dunod, p. 1745 Duplessis, des proscript. liv. 1, ch 2 Art. 2267.»Ein Titel, der aus Mangel in der Form „ungültig iſt, kann die Verjährung von zehn und zwanzig „Jahren nicht begründen.« S. die Anmerkung zum Art. 2265. Art. 2268.» Der gute Glaube wird allemahl vermuthet, „und derjenige muß den Beweis führen, der ſich auf den „böſen Glauben des andern bezieht.« Auch dieß iſt die Meinung des Dunod, p. 43. Der Be⸗ weis des böſen Glaubens, ſagt er, muß klar, buchſtablich, und gewiß ſeyn. Auch iſt es in der Materie von Vermu⸗ thungen allgemeine Regel, daß die Kenntniß der Thatſachen nicht vermuthet werde, und der, welcher ſich darauf beruft, beweiſen muͤſſe. Art. 2269.»Es iſt hinreichend, daß im Augenblicke „der Erwerbung ein guter Glaube vorhanden war.« Dieſes iſt zwar a) gegen die Verfügung der F. un. Cod⸗ de usucap. transf., wo es heißt: longi temporis præscriptio, his qui bond hide acceptam possessionem et continuatam, nec inlerrupt am inquietudine lilis tenuerunt, solet patrocinari. Auch iſt b) unſer Artikel der Entſchedung der Cap. 5 und ult. N de præscript., uno der Verfügung der Art. 113 und 114 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris zuwider, nach deren Vorſchrift der gute Glaube die ganze zur Verjährung erforderliche Zeit hindurch fortwaͤhren ſollte. Aus dem, was Roussaud, V. Prescription, sect. 3, n. 1 ſagt, ſcheint es indeſſen, daß man ſich, ſelbſt in Pa⸗ ris, in den letzten Zeiten nicht mehr an dieſer Strenge hielt, und es hinreichte, wenn der gute Glaube im Augeublicke der Erwerbung vorhanden war: in den Provinzen, worin das römiſche Recht galt, wo die zehn- und zwanzigjährige m. Buch. KK. Tit. Ven der Verjaͤhrung⸗ 457 Verjährung bloß gegen die hypothekariſche Klage angenom⸗ men wurde, war es um ſo mehr ausgemacht, daß nachherie ger böſer Glaube der Verjährung nicht im Wege ſtand. S. Serres, p. 137. Uebrigens reden wir hier bloß vom bürgerlichen Rechte; denn in foro interno iſt es zuverläſſig, daß derjenige, welcher weiß, daß die Sache ihm nicht zugehort, ſie nie verjaͤhren könne. Art. 2270.» Nach zehn Jahren haben Baumeiſter und „BawUnternehmer für die Hauptbaͤue, die ſie gemacht oder „dirigirt haben, nicht mehr zu haften.« Der At. 1793 enthalt eine ähnliche Verfügung⸗ Vierter Abſſchnitt. Von einigen beſondern Arten der Verjährung. Art. 2271.»Die Flage der Meiſter und Lehrer der „Wiſſenſchaften und Künſte auf Zahlung für den Unterricht, „den ſie Monatweiſe geben;“ „Jene der Gaſtgeber und Speiſewirthe auf Zahlung der „Wohnung und Nahrung, die ſie liefern;« „Jene der Arbeiter und Taglöhner auf Zahlung ihres „Tagelohns, ihrer Lieferungen und ihres Gehaltes,« „Werden in ſechs Monaten verjährt.⸗ Art. 2272.»Die Klage der Aerzte, Wundärzte und „Apotheker wegen ihrer Beſuche, Operarionen und Arzeneyen;« „Jeue der Huiſſiers fuͤr die Gebühren der Acte, welche „ſie inſinuiren, und der Aufträge, die ſie vollziehen;« „Jene der Kaufleute wegen der Waaren, die ſie an Pri⸗ „vat⸗Perſonen, welche keine Handelsleute ſind, verkaufen;« „Die Klage derjenigen, welche einer Penſions⸗Anſtalt „vorſtehen, wegen der Penſion ihrer Zöglinge; und die Klage „anderer Meiſter wegen des Lehrgeldes; u „Jene der Dienſtbothen, die ſich jahrweiſe verdingen, „auf Zahlung ihres Lohnes;» „Werden in Jahresftiſt verjährt.« Dieſe Verjährungen haben ihren Grund darin, weil es a) gebraͤuchlich iſt, die Dienſte und die Lieferungen, die ſie 436 lu. Buch. XX. Tit. Yen der Verjährunz. zum Gegenſtande haben, ſchleunig, und ſo gar gewöhnlich ohne ſich eine Quittung daruͤber geben zu laſſen, zu bezah⸗ len, und weil b) vorzüglich die Erben Gefahr laufen wür⸗ den, ſie zweymahl bezahlen zu muͤſſen, wenn das Geſetz ſie nicht für verjährt erklaͤrte.*) Ludwig XII. iſt der Erſte, der dieſe Arten von Verjäh⸗ rungen durch ſeine Ordonnanzen von 1510 und 1512 ein⸗ fuͤhrte. Das Gewohnheits⸗Recht von Paris erklärte, und beſtimmte in ſeinem Art. 125, 126 und 127 die Verfuͤgungen dieſer Ordonnanzen noch umſtändlicher; Ludwig XIV. beſtä⸗ tigte hingegen bloß in den Art. 7, 8 und 9 des Handels⸗ Edictes von 1673 das Gewohnheits⸗Recht in Hinſicht der Ge⸗ genſtände, die ſeine Verfuͤgungen umfaſſen. Von ſehr geringem Nutzen, aber ſehr langweilig würde es ſeyn, die kleinlichen Unterſchiede anzumerken, die zwiſchen dieſen verſchiedenen Geſetzen und unſern beyden Antikeln vor⸗ handen ſind; genug iſt es im Allgemeinen folgendes zu bemerken⸗ 1) In der Handels⸗Ordonnanz war keine Sprache von der Klage der Aerzte, Wundärzte und Apotheker, ſo wie auch nicht von jener der Dienſtbothen; was das Geſetzbuch hierüber verordnet, iſt aus den Art. 125 und 127 des Ge⸗ wohnheits⸗Rechtes von Paris entlehnt. 2) Die Handels⸗Ordonnanz machte unter den verſchiede⸗ nen Claſſen der Kaufleute Unterſchiede, deren Beweggrund nicht leicht ausfindig zu machen war; und da ſie nicht alle dieſe Claſſen herzaͤhlte, dagegen aber eine Verjährung von ſechs Monaten in Anſehung der Einen, und von einem Jahre *) Es iſt mehr eine Vermuthung geſchehener Zahlung, als eine eigentlich ſo genannte Verjähruug, die das Geſetz hier hat ein⸗ führen wollen. Daher kommt es dann auch, daß a) demjenigen, der ſich auf ſolche Verjährung beruft, der Eid noch angetragen werden kann, und daß ſie b) zu laufen aufhört, wenn eine Rech⸗ nung abgeſchloſſen, eine Haudſchrift oder ein Schuldbekenntniß ausgefertigt, oder eine nicht wieder erloſchene Vorladung inſi⸗ nuirt worden iſt. B. n. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. 452 in Anſehung der Andern feſtſetzte, ſo konnte man ſich leicht in der Anwendung, die hievon auf die darin nicht verzeich⸗ neten Claſſen zu machen war, irren. Das Geſetzbuch hat weislich eine einförmige Regel fuͤr alle aufgeſiellt. 3) Weder in der Ordonnanz, noch im Gewohnheits⸗Rechte waren ſo ausgedehnte Verfügungen enthalten, als im Geſetz⸗ buche; in beyden war keine Sprache von Vorſtehern einer Penſions⸗Anſtalt, von Lehrern, von Taglöhnern, von Huiſ⸗ ſiers; das Geſetzbuch hat indeſſen alles beſtimmen, und allen Streitigkeiten dieſer Art ein Ende machen wollen⸗ 4) In Anſehung der Aerzte wurde die Verfügung des Gewohnleits⸗Rechtes von Paris anderswo nicht beobachtet; mehrere Mahle habe ich wenigſtens beym Parlamente von Bordeaux entſcheiden geſehen, daß ihre Klage dreyßig Jahre lang dauere; welches wirklich ein großer Mißbrauch war. §) Dieſe Verjährungen ſind nur zwiſchen Kaufmann und Bürger eingeführt, dagegen haben ſie von Kaufmann zu Kauf⸗ mann nicht Statt, wie Jousse und die übrigen Commenta⸗ toren über den Artikel 7 des Handels⸗Edictes lehren, und wie ebenfalls unſer Art. 2272 zu verſtehen gibt. Inzwiſchen müßte man doch meines Erachtens folgende zwey Faͤlle von einander unterſcheiden: entweder liefert ein Kaufmann dem andern Gegenſtande, womit ſie beyder Seits Handel treiben, oder ſie liefern ſich Sachen, die kein Gegenſtand ihres bey⸗ derſeitigen Handels ſind. Im erſten Falle iſt, meiner Mei⸗ nung nach, die Verjaͤhrung nicht auwendbar', wohl aber im Letztern. So ſehe ich z. B. nicht ein, warum ein Banquier nicht befugt ſeyn ſollte, die Verjährung von einem Jahre einem Metzger entgegenzuſetzen, der nach Ablauf dieſer Zeit die Zahlung des ihm gelieferten Fleiſches verlangt, u. ſ. w⸗ Ich darf zwar nicht verhehlen, daß Dunod, p. 168 das Gegentheil zu behaupten ſcheint, weil die Kaufleute, wie er ſagt, zu mehr Redlichkeit verpflichtet ſind, wie die andern, und überdieß ein genaues Regiſter über alle ihre Geſchäfte führen müſſen; auch thut es mir beynahe leid, meine Dis⸗ 466 M. Buch. XX. Tit. PVon der Verjähruns. tinction angefuͤhrt zu haben; Jousse ſcheint mir indeſſen ſie zu begünſtigen, und jetzt, wo ſich ſo viele Leute mit dem Handel abgeben, würden unſere beyde Artikel faſt ohne Anwendung bleiben, wenn man die Kaufleute ohne allen Unterſchied davon ausmmmt⸗ 6) Der Art. 126 des Gewohnheits⸗Rechtes von Paris verſagte den Schenkwithen jede Klage wegen Wein und ſonſtiger Sachen, die ſie an Privat⸗Perſonen, welche an ih⸗ rem Aufenthalts⸗Drte wohnhaft waren, verkauft hatten; dieſe Verfuͤgung war aus einer Hrdonnanz des Heil. Ludwigs vom Jahre 1254 hergenommen, welche zum Zwecke hatte, den Schwelgerepen, und Zänkereyen vorzubeugen, die an ſolchen — Dertern ziemlich gewöhnlich ſind. Die Herbergen, ſagte er, ſind dazu beſtimmt, um Reiſende, nicht aber in dem nehm⸗ lichen Drte wohnhafte Perſonen aufzunehmen, welche zu Haus und bey ihrer Familie leben ſollen. Der Unterſchied der Sitten, und die Menge unverheiratheter Menſchen, die in großen Staͤdten zuſammenſtrömen, haben indeſſen zur Folge gehabt, daß die Ordonnanz und das Gewohnheits⸗ Recht in dieſem Stücke außer Gewohnheit gekommen ſind; auch macht der Art. 2271 zwiſchen den Lieferungen der Gaſt⸗ geber und Speiſewirthe keinen Unterſchied, Art. 2273.»Die Klage der Sachwalter auf Zahlung „ihrer Auslagen und Gebühren wird, von dem Zeitpuncte „anzurechnen, da die Prozeſſe entſchieden, oder unter den „Parteyen verglichen, oder die Vollmacht dieſer Sachwalter „eingezogen worden, in zwey Jahren verjaͤhrt. In Hinſicht „der unbeendigt gebliebenen Sachen können ſie wegen ihrer „Aurlagen und Gebühren, die von mehr als fünf Jahren „ſich herſchreiben, keine Klage mehr anſtellen.«⸗ Man ſchlug vor, die Klage der Sachwalter ſo wohl in Anſehung der beendigten, als nicht beendigten Prozeſſe, ohne allen Unterſchied auf zwey Jahre einzuſchränken. Der Un⸗ te ſchied, ſagte man, der im Artikel aufgeſtellt wird, wird ſie anreitzen, die Geſchäfte in die Laͤnge zu ziehen⸗ m. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhkung. 461 Dieſer Unterſchied, antwortete man, iſt an ſich gerecht, weil es natuͤrlich iſt, daß ein Sachwalter mehr auf ſeine Zah⸗ lung dringt, wenn der Prozeß beendigt iſt. Die Strenge, ſetzte man hinzu, die man gegen den Sachwalter gebraucht, wird auf den Clienten zurückfallen, welchen der Sachwalter zuverläſſig noch während des Prozeſſes zur Zahlung zwingen wuͤrde; ſo gar würde das noch daraus folgen, daß die Armen keinen Sachwalter mehr finden würden, der die Vorſchuͤſſe für ſie thun wollte⸗ Auf dieſe Bemerkungen wurde der Artikel angenommen ⸗ Was die beendigten Prozeſſe betrifft, ſtimmt er mit der allgemeinen Praxis überein. S. Lapeyrère, lett. P, n. 1g1. Im uͤbrigen ſtimmt er mit einem Reglementar⸗Urtheile des Parlamentes von Paris, vom 28. März 1692 uͤberein, ausgenommen, daß dieſes ihnen in Anſehung der nicht been⸗ digten Prozeſſe ſechs Jahre geſtattete⸗ Art. 2274.» Die Verjährung hat in den obenerwähn⸗ „ten Faͤllen Statt, obſchon die Anſchaffungen, Lieferungen, „Dienſte und Arbeiten fortwährend geſchehen ſind. „Ihr Lauf nimmt nicht eher ein Ende, als bis eine „Rechnung abgeſchloſſen, eine Handſchrift oder eine Schuld⸗ „bekenntniß ausgefertigt, oder eine nachher nicht wieder er⸗ „loſchene Vorladung vor Gericht inſinuirt worden iſt.« Stimmt mit dem Art⸗ 9, Tit⸗ 1 der Handels⸗Ordonnanz uͤberein.*) *) Dem vorliegenden und dem Art. 224 zu Folge entſchied der Appellations⸗Hof von Paris am 20. Julius 1808 in der Sache des Schlöſſers Fournier wider die Erben Foulon, daß For⸗ derungen wegen verfertigter Arbeit und geſchehener Lieferungen der Verjährung von ſechs Monaten nicht unterworfen ſeyen, wenn ſie anerkannt worden ſind. Am 27. November 1795 hatte nehm⸗ lich Foulon die Zahlung in Aſſignaten wirklich angebothen, hatte ſie aber nicht hinterlegt, und erſt im Junius 1807 wurde die Klage auf Zahlung angeſtellt, wo deun die Erben Foulon ſich auf die Verjaͤhrung beriefen. Dieſe Einrede wurde aber deß⸗ wegen verworfen, weil das von Foulon geſchehene Anerbiethen 462 M. Buch. XX. Tit. Von der Verjährung. Art. 2273.»Jene, welchen dieſe Verjährungen entge⸗ „gengeſetzt werden, behalten gleichwohl das Recht, denjeni⸗ „gen, die ſie vorſchützen, uͤber die Frage, ob in der That „die Zahlung erfolgt ſey, den Eid anzutragen. „Der Eid kann' den Wittwen und Erben, oder wenn „dieſe letzteren noch minderjaͤhrig ſind, ihren Vormuͤndern „angetragen werden, damit ſie erklären, ob ſie nicht wiſſen, „daß die Sache dem Klaͤger wirklich gebührt.« Stimmt mit dem Art. 10 des nehmlichen Titels der Han⸗ dels⸗Ordonnanz uͤberein. Bey den Verjaͤhrungen, wovon in unſerem Artikel die Rede iſt, erlaubt er, von dem Schuldner zu verlangen, daß er ſchwoͤren ſoll, weil ſie nur auf die Vermuthung gegrän⸗ det ſind, daß die Zahlung geſchehen ſey. Da indeſſen die Antragung des Eides nur in Hinſicht dieſer Verjaͤhrungen erlaubt wird, ſo muß man hieraus allein den Schluß herlei⸗ ten, daß in Anſehung der übrigen Verjaͤhrungen der Eid nicht angetragen werden dürfe. Dieſer Meinung iſt auch Dunod, p. 170, nach der Lehre des Dumoulin, und Rebuffus. Art. 2276.»Fünf Jahre nach erfolgter Entſcheidung „der Prozeſſe ſind die Richter und Sachwalter für die ihnen „anvertrauten Urkunden nicht mehr verantwortlich. „Die Huiſſiers ſind nach zwey Jahren, von der Vollzie⸗ „hung des ihnen ertheilten Auftrages, oder von der Inſi⸗ „nuation der Acte, womit ſie beauftragt waren, anzurechnen, „gleichfalls davon entlaſtet.« eine wahre Anerkennuns ſeiner Schuld ſey, wodurch die Vermu⸗ thung der geſchehenen Zahlung hinwegfalle. Jurispr. de la C. de C. 1308 im Anhange p. a63 u. f. Da uͤbrigens nach dem Inhalte des Artikels die Verjährung eintritt, wenn ſchon die Lieferungen, D enſte und Arbeiten fort⸗ waͤhrend geſchehen ſind, ſo macht jede Lieferung, jeder Dienſt⸗ jede Arbeit eine eigene und beſondere Forderung aus, die der Verjähruns unterworfen iſt. B. u. Guch. XX. Lit. Ven der PVerjährung. 45 3 Lapeyrère entſcheidet(Iett. P, n. 160) nach der Lehre des Louet und Brodeau, lett. S, n. 21, und des Mornac, ad T. 7, N de edendo, daß die Advokaten und Procura⸗ toren, in Betreff der unentſchiedenen Prozeſſe nach zehn Jah⸗ ren, und in Betreff der abgeurtheilten Prozeſſe nach fünf Jahren, für die ihnen anvertrauten Papiere nicht mehr ver⸗ antwortlich ſeyen. Das nehmliche, ſagt er, gilt auch in Hinſicht der Huiſſiers. In unſerem Artikel hat man in Anſehung der Huiſſiers einen Unterſchied machen zu müſſen geglaubt, weil ihre Amts⸗ derrichtung von kürzerer Dauer iſt. Da er indeſſen in Betreff der nicht abgeurtheilten Prozeſſe nichts entſchieden hat, ſo muß man annehmen, daß die auf den Empfangs⸗Schein des Sachwalters ſich gründende Klage der Parthey dreißig Jahre dauere. Eben ſo muß es ſich mit den uͤbrigen öffentlichen Beamten verhalten, wovon unſer Ar⸗ tikel ſpricht. Da die Gerichtsſchreiber, ſagt Lapeyrère, öffentliche De⸗ poſitarien ſind, ſo können ſie nie verjähren; zwey Parlaments⸗ Urtheile fuͤhrt er hieruͤber an, wovon Eines nach dreißig, und das andere nach vierzig Jahren von der Einhaͤndigung der Urkunden angerechnet, ſo entſchieden hat. Inzwiſchen ſagt er, gebe es auch Schriftſteller, die das Gegentheil be⸗ haupten. Gut wäre es, wenn das Geſetz ſich über dieſe verſchiede⸗ ne Fälle erklärt hätte. Art. 2277.»Rückſtände fällig gewordener Erb⸗ und „Leibrenten; „Rückſtändige Unterhalts⸗Penſionen; ⸗ »Die Miethgelder der Haͤuſer und der Pachtpreis von „Landgütern; „Zinſen von geliehenem Gelde, und überhaupt alles, was »von Jahr zu Jahr, oder in kuͤrzern periodiſch zurückkehren⸗ »den Friſten zahlbar iſt;⸗ 464 U1. Buch. XR. Tit. Von der Verjaͤhrung. „Werden in fuͤnf Jahren verjährt.» Durch dieſen Artikel erleidet die alte Jurisprudenz eine große Aenderung; zuerſt wurden nach der Ordonnanz Ludwigs XII. vom Jahre 1310 nur die Rückſtände der conſtituirten Renten, und die rüͤckſtäͤndigen Pächte in fünf Jahren ver⸗ jährt. Eben dieſer Verjaͤhrung unterwarf nachher das Eeſetz vom 20. Auguſt 1797 die Rückſtaͤnde der Grund⸗Zinſen und Grund⸗ Renten. Die Zinſen von gelehntem Gelde, die Penſionen und Leib⸗Renten blieben aber der alleinigen Vetjährung von drey⸗ ſig Jahren unterworfen⸗ Unſer Artikel unterwirft endlich der Verjährung von fünf Jahren alles, was von Jahr zu Jahr, oder in kürzern pe⸗ riodiſch zurückkehrenden Ftiſten zahlbar iſt⸗ Das große Gute, was hiedurch unſer Artikel ſtiſtet, iſt nicht zu verkennen; indem er einer Seits den Ruin der Schuldner verhindert, die unter den von ſo vielen Jahren her aufgehäuften Ruͤckſtänden erlagen, beugt er anderer Seits den vielfachen Streitigkeiten vor, die ſelbſt uͤber die Frage, ob und wie die Zahlungen geſchehen ſeyen⸗ entſtanden. Art. 2278.»b Die Verjährungen, wovon in den Artikeln „des gegenwärtigen Abſchnittes die Rede iſt, laufen wider „Minderjährige und Interdicirte, mit Vorbehalt ihres Regreſ⸗ „ſes wider ihre Vormünder.» So war es auch in der Praxis, wie män bey Dunod, und den p. 244. von ihm angeführten Schriftſtellern ſehen kann⸗ Art. 2279. „eines Titels.„ „Derjenige, „Bey Mobilien vertritt der Beſitz die Stelle der eine Sache verloren hat, oder dem ſie „entwendet worden iſt, kann ſie gleichwohl, drey Jahre hin⸗ „durch, von dem Tage anzurechnen, da et ſie verloren hat, „oder da ſie geſtohlen worden, wider jeden, in deſſen Hän⸗ „den er ſie findet, vindiciren, und dieſem bleibt der Regreß „wider denjenigen, von dem er die Sache hat, vorbehalten.* M. Buch. XX. Tik. Von der Verjährung 465 Nach der T. un, Uod. de usucap. transf. wurden, wie wir bereits geſehen haben, die Mobilien in drey Jahren verjaͤhrt⸗ Eine Menge Schriftſteller lehrten dagegen, daß man dieſes Geſetz in Frankreich nicht beobachte, und die Mobilien nur in dreyßig Jahren verjährt wuͤrden. S. Lapeyrère, und alle (ett. P. n. 98.) von ihm angeführte Rechts⸗Lehrer, und Serres, p. 156. Man muß indeſſen denjenigen, der die Sache geſtohlen hat, von jenem unterſcheiden, welcher ſie gefunden, oder gar in gutem Glauben vom Diebe erworben hat. Wer die Sache geſtohlen hat, kann ſie nur in dreyßig Jahren verjähren; ſo gar hatten noch verſchiedene von La— Peyrère a. s. O. angeführte Urtheile des Parlamentes von Paris entſchieden, daß, da das Verbrechen des Diebſtahls in zwanzig Jahren verjährt werde, die Zurückerſtattung der geſtohlenen Sache, als Acceſſorium des Verbrechens in dem nehmlichen Zeitraume verjährt werden muͤſſe. Dieſes bezieht ſich aber auf die Criminal⸗Klage, wovon hier keine Frage iſt. Was denjenigen betrifft, der eine verlorne Sache gefun⸗ den, oder der ſie ſo gar in gutem Glauben vom Diebe er⸗ worben hat, auf dieſen muß die ſchon angefuͤhrte T. un. an⸗ gewendet werden, und er muß in drey Jahren verjähren. Rousseaud, V. Prescription, Sect. 2, n. 5. Auch iſt unſer Artikel dieſer Meinung beygetreten⸗ Art. 2280.„ Hat der wirkliche Beſitzer der geſtohlenen „pder verlornen Sache ſie auf einem Jahrmarkte, auf einem „Markte, oder in einem öffentlichen Ausrufe, oder von einem »Handelsmanne gekauft, der mit aͤhnlichen Sachen handelt, „ſo kann der urſprüngliche Eigenthümer ſie nicht anderſt zu⸗ „ruͤckerſtatten laſſen, als wenn er dem Beſitzer den Preis „zurückzahlt, den ſie ihm gekoſtet hat.„ Dieſer Artikel iſt aus dem Tit. 21, Art. 96 der Arréten des Hrn Lamoignon genommen. Der Grund davon liegt in der Begünſtigung, die der Handel IV. Malev. 30 466 m. Buch. XX. Tit. Von der Verjaͤhrunt. und der gute Glaube des Erwerbers verdienen, welcher aus den Umſtaͤnden ſeines Kaufes ſelbſt hervorgeht. Haͤtte aber der Erwerber anderſtwo, als an den im Artikel bezeichneten Oertern gekauft, dann hat er die nehmlichen Gründe nicht mehr für ſich; ſo gar wird er dann verdaͤchtig, und muß die Sache dem Eigenthümer wiedergeben, ohne den Kaufpreis zurückfordern zu können. Ganz richtig bemerkt übrigens Herr Bigot, daß in den beyden vorhergehenden Artikeln nur von einzelnen Mobilien, nicht aber von einer Geſammtheit oder Quote von Mobilien, die z. B. einem Erben anfallen, die Rede ſey, denn in letz⸗ terem Falle wird die Klage auf ihre Herausgabe nicht an⸗ derſt, als wie der Titel, wodurch ſie uͤbergegangen ſind, ver⸗ jährt. So entſcheidet auch Dunod, p. 151. Art. 2281.»Verjährungen, welche in dem Zeitpunkte „der Verkündigung des gegenwärtigen Titels ſchon ihren An« „fang genommen haben, werden nach den alten Eeſetzen be⸗ „urtheilt.„ „Die um dieſe Zeit angefangenen Verjaͤhrungen, wozu „nach den alten Geſetzen, von demſelben Zeitpunkte anzu⸗ „rechnen, mehr als dreyßig Jahre erforderlich wären, wer⸗ „den gleichwohl durch dieſen Ablauf von dreyßig Jahren „vollendet.„ Aus Achtung für den Grundſatz, daß Geſetze keine zu⸗ rückwitkende Kraft haben, iſt dieſer Artikel hinzugeſetzt wor⸗ den. Unter der alten Verfaſſung gab es inzwiſchen ſo lang⸗ wierige Verjährungen, die unvordenklichen z. B. in Anſehung der nicht ununterbrochen fortdauernden Dienſtbarkeiten, daß man nicht fuͤr gut fand, das alte und das neue Recht ſo lange Zeit hindurch nebeneinander beſtehen zu laſſen; mit Grund hat man deßwegen entſchieden, daß jede ſchon ange⸗ fangene Veriährung in dreyßig Jahren von der Verkündung des Geſetzes angerechnet, vollendet werden ſollte. —— Ge ſetz über die Vereinigung der buͤrgerlichen Geſetze in eine einzige Sammlung unter dem Titel: Code. civil des Frangais(Civil⸗ Geſetzbuch der Franzoſen.) (Deeretirt den 30. Ventos 12. J.(a1. März 1304) Promulgirt den 10. des folg. Mon. Germinal(31: März n. J.) Art. 1.„ E, ſollen in eine und dieſelbe Sammlung „unter dem Titel: Code civil des Frangais(Civil⸗Geſetzbuch »der Franzoſen)*) vereiniget werden, folgende Geſetze, 1c. ꝛc. Art. 6.»Der Verfügung des erſten Artikels ungehin⸗ »dert, ſoll ein jedes der Geſetze, die hierin angeführt ſind, »von dem Tage an beobachtet werden, da es zu Folge ſei⸗ „ner beſondern Promulgation ſeine Vollſtreckung erhalten „mußte.» Art. 7.»Von dem Tage anzurechnen, da dieſe Geſetze „erecutoriſch ſind, haben die römiſchen Geſetze, die Ordon⸗ „nanzen, die allgemeinen und die beſondern Local⸗Gewohn⸗ „heiten, die Statuten und Verordnungen in den Materien, „welche der Gegenſtand der beſagten Geſetze ſind, woraus „das gegenwärtige Geſetzbuch beſteht, keine verbindliche „Kraft mehr, als allgemeine oder als beſondere Geſetze. Dieſer Artikel macht eigentlich die Sanction des bürger⸗ lichen Geſetzbuches aus(ertheilt eigentlich dem Geſetzbuche die Kraft eines Geſetzes.) ueber die Art, wie er abgefaßt werden ſollte, war man wirklich in großer Verlegenheit. In der Sitzung vom 17. Ventoſe 12. J.(8. März 1804) ſtellte man vor, das Geſetzbuch entſcheide bey weitem nicht alle, * Dieſer Litel wurde durch das Geſetz vom z. September 1367 in jenen: Geſetzbuch Napolsons veraͤndert. ſetze ab, um den Richtern keine 46½ nicht einmahl alle allgemeine Faͤlle, worüber in den römiſchen Geſetzen, in den Ordonnanzen und Gewohnheits⸗Rechten Ve⸗ ſtimmungen enthalten ſehen; ſchaffte man alſo alle dieſe Ge⸗ andere Vorſchrift als das o willde hieraus folgen, daß man bey Geſetzbuch zu geben⸗ ſ Streitigkeiten der Willkuͤhr Preis einer unend'ichen Menge von gegeben würde. anderer Seits dieſes Geſetzduch und Ließ man aber auch und ſchaffte man letztere jene Geſetze zuſammen beſtehen, bloß in ſo weit ab, als ihre Verfuͤgungen jenen des Geſetz⸗ buches zuwider ſind, ſo machte man nur noch einen Zuſatz zu jener unermeßlichen Geſctzgebung, womit wis überladen waren⸗ Man ſchlug alſo vor, im letzten Artikel des Geſetzbuches zu ſagen, daß man alle ſeinen Verfügungen entgegengeſetzte Geſetze abſchaffe, und diejenigen, welche uͤber Materien ver⸗ fügten, die der Gegenſtand der Titel des Geſetzbuches ſind, aufhören ſollten, Geſetzeskraft zu haben, und anderſt nicht mehr, als wie geſchriebenes Vernunft- und Billigkeits⸗Recht (ratio scripia) angeführt werden dürften. Gegen dieſen Vorſchlag wendete man ein, der erſte Theil ſey uberfluͤßig, weil man wohl wiſſe, daß die neuen Geſetze den alten derogiren; der zweyte Theil aber werde traurige Folgen nach ſich ziehen, weil im Geſetzbuche nicht alle Fragen entſchieden werden könnten, und folglich den Richtern der Vortheil nicht benommen werden müſte, ihre Entſcheidungen aus andern Quellen, die Anſehen haben, zu ſchöpfen⸗ Der, welcher den Vorſchlag gethan hatte, erwiderte, wenn die alten Geſetze in den im Geſetzbuche nicht ſtehenden Ver⸗ fuͤgungen ihre Kraft beybehielten, ſo würde der Caſſations⸗ Hof genöthigt ſeyn, alle Urtheile zu caſſiren, die dieſen Ge⸗ ſeten entgegen ſeyn moͤchten; hiedurch würde man aber in ein Chaos gerathen, aus welchem man ſich nicht heraus⸗ winden könnute⸗ ——— 465 In der Sitzung vom 19. des n. M.(10. März) wurde vieſe Discuſſion wieder vorgenommen. Jemand ſtellte nun vor, es ſey um ſo nothwendiger, die alten Geſetze in Anſe⸗ hung der im Civil⸗Geſetzbuche nicht entſchiedenen Fälle be⸗ ſtehen zu laſſen, als man ja ſchon in den Titeln von den Servituten, vom Mieth⸗Contracte und von den vertraͤgen im Allgemeinen gezwungen geweſen ſey, auf dieſe Geſetze zur Entwickelung und Anwendung verſchiedener Verfügungen des Geſetzbuches hinzuverweiſen; zwar würden diejenigen, die ſich der Rechts⸗Wiſſenſchaft widmen, viel mehr ſtudieren müſ⸗ ſen; eben hierin liege aber mehr Vortheil als Nachtheil; oh⸗ nehin ſetze das neue Geſetz uͤber die Rechts⸗Schulen dieſes voraus, weiſ es das Studium des römiſchen Rechtes por⸗ ſchreibe. Man kann nicht,(antwortete man, wie man bereits ge⸗ than hatte,) dem römiſchen Rechte die Kraft laſſen, die es jn den Provinzen, worin es galt, hatte, ohne in den Caſſa⸗ tiont⸗Hof eine große Verſchiedenheit von Grundſätzen und Praxis einzuführen. Die in den Propinzen, worin das rö⸗ miſche Recht galt, erlaſſenen Urtheile müßte man caſſiren, weil die romiſchen Geſetze verletzt werden wären, waͤhrend man ähnliche Urtheile in andern Propinzen, worin dieſe Ge⸗ ſetze keine verbindliche Kraft hatten, beſtehen laßen müßte⸗ Immer und uͤberall wird das roͤmiſche Recht als geſchriebe⸗ nes Vernunſt⸗Recht gelten, aber nirgends duͤrfen ſeipe Vor⸗ ſchriften, wenn dagegen geurtheilt wird, als Gruͤnde dienen, um ſolche Urtheile zu caſſiren. Dieſer letztere Punkt wurde endlich bewilligt, Vorausgt⸗ ſetzt, daß es den Richtern übrigens ſreg bleibe, das roͤmiſch⸗ Recht als Leisfaden zu gebrauchen⸗ War bey dieſer Discuſſien auch hur von den römiſchen Geſetzen die Rede, ſo muß doch meises Erachtens das nehim⸗ liche von den Gewohuheits-Rechten, Statuten und Locai⸗ Verordnungen,(diejenigen ausgenommen, worakf das Ge⸗ ſetzbuch ausdruͤcklich hinverweiſt,) ſelbſt dann gelten, wenn 470 die Gewohnheits⸗Rechte und Statuten von Materien handel⸗ ten, die kein Gegenſtand der im Geſetzbuche enthaltenen Geſetze ſind; denn nur allgemeine und einförmige Geſetze kän⸗ nen fernerhin das Reich beherrſchen, und höchſtens kann man ſich auf dergleichen Gewohnheits⸗Rechte, ſo wie auf das rö⸗ miſche Recht, als wie auf geſchriebenes Vernunft⸗Recht berufen⸗ Was die Ordonnanzen und die neuen von den verſchiede⸗ nen geſetzgebenden Verſammlungen gemachten Geſetze betrifft, dieſe haben noch wirklich Geſetzes⸗Kraft, wenn ſie uͤber Ge⸗ genſtände verfügen, woruͤber das Geſetzbuch Napoleons nichts verfügt; handlen ſie aber von Gegenſtänden dieſes Ge⸗ ſetzbuches, ſo haben ſie keine Geſetzes⸗Kraft mehr. So laͤßt ſich z. B. kein Caſſations⸗Grund gegen ein Ur⸗ theil daraus herleiten, daß es dem Geſetze vom 11. Brü⸗ maire 7. J. uͤber die Hypotheken zuwider gehandelt hat, weil die Hypotheken⸗Materie im Geſetzbuche Nap. ent⸗ halten iſt. Eben ſo wenig kann man boffen, daß ein urtheil deßwegen werde caſſirt werden, weil es die Ordon⸗ nanz von 1735 uͤber die Verordnungen auf den Todes⸗Fall verletzt hat, da die Formalitäten und Wirkungen dieſer Ver⸗ ordnungen im G. N. beſtimmt ſind, u. ſ. w⸗ So gar läßt ſich meines Erachtens nicht behaupten, daß urtheile deßwegen nichtig ſeyen, weil ſie ſich nicht nach ge⸗ wiſſen Artikeln vorhergehender Geſetze gefügt haben, die das Geſetzbuch nicht gerade zu in den Titeln, wo es vom nehm⸗ lichen Gegenſtande handelt, widerrufen hat; genug iſt es, daß eine ſolche Materie den Gegenſtand eines der Titel des Geſetzbuches ausmacht, um jedem allgemeinen und beſondern Geſetze über den nehmlichen Gegenſtand ſeine verbindliche Kraft zu benehmen. Unſer Artikel ſagt dieſes ausdrücklich. N a ch 471 Nachtrag. Zu den Art. 215. 236 u. folg. bis zum Art. 24. Muß eine Frau autoriſirt werden, um ihre Klage auf Eheſcheidung wegen einer beſtimmten Urſache anzuſtellen? Dieſe Frage hat die Section des requétes des Caſſations⸗ Hofes am 25. Germinal 13. J.(13. April 1803) mit Nein entſchieden, und zwar aus der Urſache, weil die Formolitä⸗ ten, welche vorgeſchrieben ſind, um zur Klage auf Eheſchei⸗ dung zugelaſſen zu werden, von der Art ſind, daß ſie allen äußern Schein von gerichtlicher Prozedur ausſchließen, und nur dahin zwecken, die Ehegatten wieder auszuſohnen⸗ Zugleich und zwar aus dem nehmlichen Grunde entſchied ſie, daß bey der Einhändigung der Ordonnanz des Richters, wodurch den beklagten Ehegatten befohlen wird, vor ihm zu erſcheinen, die Formalitäten der Vorladungen nicht erfor⸗ derlich ſeyen. Was der Klage auf Trennung von Tiſch und Bette vor⸗ hergehen müſſe, wird in den Art. 875—879 des Geſetz⸗ buches ü. d. r. V. i. C. S. beſtimmt. Zur Note beym Art. 487.(1. B. S. 478 u. f.) Der Caſſations⸗Hof hat bey der Frage, ob und in zwie fern neue Geſetze über den Stand der Perſonen auf Indivi⸗ duen anwendbar ſeyen, die bis zum Augenblicke ihrer Ver⸗ kündigung ſich in einem verſchiedenen Zuſtande befanden, fol⸗ genden Unterſchied angenommen: Entweder verbeſſert das neue Geſetz den Stand der Perſonen, die der Gegenſtand deſſel⸗ ben ſind, oder es verſchlimmert ihn. Verbeſſert es ihn, ohne den erworbenen Rechten dritter Perſonen zu ſchaden, ſo muß 472 N n es auf der Stelle angewendet werden. Verſchlimmert es ihn, ſo kann es nur auf Perſonen angewendet werden, die zur Zeit ſeiner Verkündigung ſich noch in dem Zuſtande befinden, deſſen Dauer es beſtimmt. Dieſem Unterſchiede zu Folge entſchied dann auch der Caſſa⸗ iions⸗Hof in folgondem Falle⸗ Die Wittib Garde klagte gegen Hrn. Veyrans auf Reſ⸗ ciſſivn eines im Jahre 1761 unter ihnen geſchloſſenen Contrae⸗ tes. Ihre Tochter, und derſelben Ehegatte, Herr Zabre traten als Intervenienten zur Sache auf; am 3. Meſſidor F. 8.(22. Junins 1800) wieß das Civil⸗Gericht des Depar⸗ tementes der Ardeche, ohne Rückſicht auf die Intervention der Eheleute Fabre zu nehmen, die Wittib Garde mit ihrer Klage ab. Die Eheleute Fabre appellirten von dieſem Ur⸗ theile. Nun ſtarb der Appellant, Herr Veyrans⸗ Am 17 Brumaire 10. J.(8. November 1801) luden die Appellan⸗ ten die Wittwe Veyrans uud ihre Tochter Fanny Veyrans zur Wiedervornehmung des Prozeſſes vor. Da Letztere min⸗ derjährig, jedoch pubes und folglich nach den roͤmiſchen Ge⸗ ſetzen, die damahls im Ardeche⸗Departement galten, nicht mehr unter der Tutel war, ſo ernannte man ihr einen Curator zum Prozeſſe.— Am 18. Meſſidor 11 J. U Julius 1803) reformirte der Appellationt⸗Hof von Nismes das in erſter Inſtanz erlaſſene Urtheil, und reſeindirte den Act von 1761.— Die Wittwe veyrans griff nun in der Eigenſchaft als Vor⸗ münderinn ihrer Tochter Fanny dieſes Urtheil als nichtig an, weil Letztere durch das Geſetz vom 26. März 1803(Art. 390 des G. N wieder unter ihre Vormundſchaft gekommen ſey, und folglich unter der bleßen Autoriſation eines Cura⸗ tors zum Prozeſſe nicht bey Gericht habe auftreten können⸗ Die Eheleute Fabre behaupteten dagegen, die minderjährige Fanny ſey ver dem Geſetze vom 25. März 1803 aus det Tutel getreten, habe durch die Wirkung dieſes Geſetzes ihr nicht mehr unterworfen werden können, und folglich ſey das mit ihr Statt gehabte gerichtliche Verfahren guͤltig unb regelmaͤßig. 477 Der Appellations⸗Hof von Nismes erklärte indeſſen am Z. Fructidor 13 J.(21. Auguſt 1805) das gerichtliche Ver⸗ fahren, welches ſeit der Verkuͤndigung des Geſetzes vom 26. März 1803 Statt gehabt hatte, für nichtig. Die Gruͤnde dieſer Entſcheidung waren im Allgemeinen die nehmlichen, die in der oben bemerkten Note(S. 478 u⸗ f.) entwickelt wor⸗ den ſind. Die Ehelente Fabre nahmen nun ihren Recurs zum Caſ⸗ ſations⸗Hofe, und dieſer caſſirte am 6. April 1808 das Ur⸗ theil des Appellations-Hofes von Niemes aus folgenden Gründen: weil à) aus dem Aft. 300 des G. N. hervorgehe⸗ daß die minderjährigen Kinder unter die Vormundſchaft ihrer Eltern nur dann kommen ſollen, wenn ſie nicht emancipirt ſind; weil b) die Fanny Veyrans zur Zeit der Verkuͤndigung des Geſetzes vom 26. März 1803 pubes geweſen, ſolglich als emancipirt angeſehen worden, mithin der durch geſagten Ar⸗ tikel eingeführten Vormundſchaft nicht unterworfen geweſen ſey; weil folglich c) der Appellations⸗Hof von Nismes da⸗ durch, daß er entſchieden habe, daß ſie unter die Vormund? ſchaft ihrer Mutter zurückgefallen ſey, den Art. 300 des G. N. unrichtig angewendet hab.. Répertoire de jurisprud, . Toi, F. 9 n 5⸗ Fum Art. 512 und der Wote dszu.(1. B. S 0 Ueber die Frage, ob jemand, der ſich zu ſchwach fühlen wuͤrde, ſein Vermögen zu verwalten, unb ſeine Angelegen⸗ heiten ſelbſt zu beſorgen, ſich freywillig einem Curator un⸗ terwerfen, oder wenigſtens darum anſtehen könne, daß ihm ein freywilliger Rathgeber oder Benyſtand angeo dnet werden moͤge, druͤcken ſich die Verfaſſer der Pandectes frangaises ſo ans;„ Die Verfaſſer des Entwurfes des Geſetzbuches⸗ ſa⸗ gen ſie, hatten die Befugniß, ſich einen frey villigen Rath⸗ geber oder Beyſtand vom Gerichte ernennen zu laſſen, bey⸗ behalten. Im Geſetze trifft man dieſen Artikel nicht an— Aus dem Verbal⸗Prozeſſe iſt die Urſache nicht zu erſehen, warum er hinweggeblieben iſt; über dieſen Punkt ſchweigt er durch⸗ auz Fill. Wir ſind dieſemnach der Meinung, baß es bey 474 demjenigen geblieben iſt, was bis jetzt immer deßhalb ge⸗ braͤuchlich war, und daß jeder, der ſich zu ſchwach fuͤhlt, ſeine Geſchäfte gut zu verwalten, ſelbſt begehren kann, daß ihm ein Rathgeber ernannt werde, deſſen Befugniße und Machtkreis alsdann im Urtheile, welches darüber erlaſſen wird, beſtimmt werden. Dieſes Urtheil darf anders nicht als nach Anhörung des öffentlichen Miniſteriums erlaſſen werden; und was deſſen Vollſtreckung und die zu beobach⸗ tenden Formen betrifft, muß man ſich nach den Vorſchriften richten, die im Falle einer Interdicition eintreten.« Tom. 4· p. 661 u. f. Da mehrere Tribunaͤle keinen Anſtand nahmen, der gleichen freywillige Rathgeber oder Curatoren denen, die hierum anſtanden, zu ernennen, ſo hat endlich die Regierung durch das Organ des Kaiſerlichen Herrn General⸗Procurators beym Caſſations⸗Hofe den Geiſt des G. N. über dieſe Frage erklaͤ⸗ ren und an den Tag legen laſſen. Der Antrag, den er an die Section des requétes des Caſſations⸗Hofes richtete, lautet ſo: „ Der Kaiſerliche General⸗Procurator traͤgt vor, daß er von der Regierung den Auftrag erhalten habe, auf die Ver⸗ nichtung eines vom erſten Inſtanz⸗Gerichte von Parma er⸗ laſſenen Urtheiles anzutragen, welches eine offenbare Macht⸗ Ueberſchreitung in ſich enthält.« „ In einem Notarial⸗Acte vom 15. Hetober 1807 erklaͤrt Benedict Galli, daß er ſich wegen Mangel an Erfahrung unfähig fühle, ſein Vermögen als ein guter Hausvater zu verwalten, daß er den Betruͤgereyen und Ueberliſtungen an⸗ derer ausweichen wolle, und weill ſeine Geſchäfte dermahlen durch die Folge ſeiner Unklugheit zerruͤttet wären, den Wunſch hege, ſie auf eine lobliche Art geführt, und wieder in Ord⸗ nung gebracht zu ſchen. Er erklaͤrt alſo, daß er geſagte Verwaltung freywillig und unwiderruſlich ſeiner Gattinn Thereſia piccinini und zwar ſo übertrage, daß dieſe Ue⸗ vertragung eben ſo gelten ſolle, wie eine wahre und foͤrm⸗ liche gerichtliche Interdiction, und zu dieſem Ende will er, daß, um die im Art. Jo1 des G. N. vorgeſchriebenen Fey⸗ N a ch t o„ 477 erlichkeiten zu erfüllen, der gegenwärtige Act dem erſten In⸗ ſtanz⸗Gerichte von Parma zur Beſtätigung vorgelegt werden ſolle.« „Am folgenden Tage wurde eine Bittſchrift um Beſtä⸗ tigung dieſes Actes uͤberreicht, und am 24. des n. M. auf den Antrag des Kaiſerlichen Procurators ein Urtheil erlaſſen, welches nach Einſicht des Inhaltes des Art. 5o1 des G. N⸗ die von Benedict Galli auf ſeine Gattinn Thereſia Piccinini gemachte Uebertragung der Verwaltung ſeiner Güter beſtätigt, um die rechtliche Wirkung hervorzubringen; dann(wurde hinzugeſetzt) kann gegenwärtiges Urtheil auf Betreiben der Parteyen ausgelöſt, inſinuirt, und den Tabellen eingetra⸗ gen werden, die, in Gemäßheit des Art. 50o1 im Audienz⸗ Saale und in den Schreibſtuben der Notarien des Bezirkes angeſchlagen ſeyn ſollen.« „Hier iſt alſo eine auf Anſtehen und einzig zu Folge der Einwilligung der Perſon, deren Rechte dadurch gelähmt werden, erkannte Interdiction; hier iſt alſo ein Mann, der auf ſein Anſtehen und bloß Kraſt ſeiner Einwilligung unter die Vormundſchaft ſeiner Frau geſetzt wird; hier iſt alſo das Publicum feyerlich benachrichtiget, daß Niemand mit Be⸗ nedict Galli mehr contrahiren kann, weil Benedict Galli es ſo gewollt hat.« „ Haͤngt alſo der Stand der Privat⸗Perſonen von ihrem Willen ab? Steht es in der Macht einer Privat-Perſen, die großjährig, und im Genuſſe aller ihrer Rechte iſt, auf ihre Fähigkeit Verzicht zu leiſten, und zu ſagen, ich will un⸗ fahig ſeyn? Nein: Der Stand, die Faͤhigkeit der Bürger ſind nur dem Geſetze unterworfen; das Geſetz allein kann ſie deren berauben, es allein kann die Urſachen, wodurch ſie derſelben verluſtig werden, beſtimmen, ſo wie es ſie auch wirklich beſtimmt; und dieſe Urſachen will es von den Rich⸗ tern eben ſo genau als feyerlich unterſucht wiſſen, ehe ſie ſich des furchtbaren Rechtes bedienen, welches es ihnen beylegt.⸗ Wan kann durch keine Privat⸗Vertraͤge,(heißt es im Art. 6 des G. N.) den Geſesen derogiren, welche die — —— 476 ch Handhabung der oͤffentlichen Ordnung zum Fwecke ba⸗ ven. Welche Geſetze intereſſiren nun aber mehr die öffent⸗ liche Ordnung, als jene, die den Stand der Menſchen be⸗ ſtimmen, die zur nehmlichen Zeit, wo ſie den Minderjähri⸗ gen in heilſamen Banden gefeſſelt halten, dem Großjährigen die vollige Ausübung ſeiner individnellen Freyheit laſſen 7 Und— dem Art. 1338 des G. N. zu Folge kann ja nicht einmahl im Heiraths⸗Contracte den Rechten derogirt werden, die aus der Gewalt des Mannes über die Perſon der Frau und der Kinder entſpringen, und die ihm als Oberhaupte zuſtehen; wie waͤre es nun möglich, daß der Mann mittelſt eines einfachen waͤhrend der Ehe gemachten Actes freywillig und unwidertuflich die ganze Macht, womit er bekleidet iſt, in die Hände ſeiner Frau ſollte ablegen kün⸗ nen? Wayrlich wäre dieß, man darf es ungeſcheut ſagen, den Unſinn aufs höchſte getrieben. „Laßt uns indeſſen insbeſondere bey den Art. 490 und 491 des G. N. ſtehen bleiben. Im Art. 490 heißt es: „jeder Verwandte iſt berechtigt auf Interdiction ſeines Ver⸗ wandten anzutragen. Eben ſo kann ein Ehegatte wider den Andern die Interdiction nachſuchen.« Der Art. 491 ſetzt hinzu:» wider Raſende iſt es Pflicht des Kaiſerlichen Pro⸗ curgtors auf die Interdietion anzutragen, wenn weder der Ehegatte noch die Verwandten dieſes thun; er kann ſie eben⸗ falls wider Bloͤdſinnige oder Wahnſinnige nachſuchen, wenn dieſe weder einen Gatten, noch eine Gattinn, noch einen bekannten Blutsfreund haben.« „ Offenbar geht aus dieſen beyden Artikeln herzor, daß, wenn jemand, der einen Gatten oder eine Gattinn, oder bekannte Blutsfreunde hat, einem Gerichte vorſtellt, daß er wahnſinnig oder blödſinnig ſey, uns interdicirt zu werden verlange, das öffentliche Miniſterium, wenn es auch deffen Geſuch als eine ihm gemachte Anzeige anſaͤhe, ſich doch uicht den geringſten Schritt erlauben berfe, um ihn intes⸗ diciren zu laſſen.— Iſt es nun wohl begreiflich, daß je⸗ Nachtrab. mand ſelbſt, mittelſt eines Notarial⸗Actes dasjenige zu thun was doch das offentliche Miniſterium nicht einmahl zu Folg? der von einer ſolchen Perſon gerichtlich abgegebenen Einwilligung thun dürſte? Iſt es begreiflich, wie eine ſolche Perſon allein und Kraft ihres Willens zu ei⸗ ner Interdiction gelangen tönnte, die ihr abgeſchlagen wür⸗ de, wenn ſie dieſelbe durch das Organ und mit der Unter⸗ ſtützung des öffentlichen Miniſteriums nachſuchte? „Moch ein Wort; es iſt entſcheidend: Im Entwurfe des G. N., der von den zu dieſem Ende im J⸗ 3 ernannten Commiſſarien abgefaßt, und an alle Tribunäle, um ihre Bemerkungen dauͤber zu machen, abgeſchickt worden iſt, war ein Capitel unter der Aufſchrift: vom freywilligen Rathgeber enthalten, deſſen Verfügungen jedem Großjähri⸗ gen, welcher ſich unfähig halten würde, ſeine Güter zu verwalten, erlaubten zu verlangen, daß ihm ein gerichtli— cher Rsthgeber angeordnet werden möchte. Dieſes Capitel iſt im G. N. nicht wieder vorfindlich; bey der definitiven Redactirn dieſes Geſetzbuches iſt es darin ausgeſtrichen wor⸗ den, zuverlaͤßig aus keiner andern Urſache, als weil der Geſetzgeber es ſeinen Abſichten zuwider erachtet hat⸗ „ So kann alſo eine Privat-Perſon nicht auf ihr bloßes Anſtehen, und mit ihrer alleinigen Einwilligung in den Zu⸗ ſtand eines Verſchwenders verſetzt werden, dem die Juſtitz einen Rathgeber ernennt. Wie wäre es alſo möglich, daß ſie auf ihr bloßes Anſtehen, und mit ihrer alleinigen Ein⸗ willigung in einen Zuſtand von abſoluter Interdiction ver⸗ ſetzt werden könnte? Wenn es wahr iſt, wie es ausdrücklich in der L. 21. ff. de reg. jur. heißt, daß demjenigen, dem etwas erlaubt iſt, was meht iſt, auch das erlaubt ſey, was weniger iſt, Cnon debet ei cui plus licet, quod minus est non licere) ſo iſt es eben ſo wahr, daß unter dem Verbothe deſſen, was weniger iſt, auch das Verboth deſſen, was mehr iſt, enthalten ſeyn müſſe „ Benedict Galli hatte alſo dadurch, daß er in dem Acte vom 16 October 1807 in ſeine Interdiction einwilligte, einen befugt ſeyn ſollte, 478 c lächerlichen Mißbrauch von der Freyheit gemacht, die ihm die Natur und das Geſetz verlieh. Das Civil⸗Gericht von Parma hat folglich durch die Homologation dieſes Actes ſei⸗ ne Macht uͤberſchritten; denn, Macht⸗Ueberſchreitung iſt ſo oft vorhanden, als ein Gericht einen Act beſtaͤtigt, welcher ſich auf Gegenſtaͤnde bezieht, die der geſetzlichen Beſtimmung zu Folge außer der Sphäre der Verträge liegen. So hat der Caſſations-Hof am 6. Pluvioſe 11 J.(26 Jänner 1803) nach unſerem, aus ausdrücklichem Befehl der Regierung ge⸗ machten Antrage, den Vollſtreckungs⸗Befehl, den der Praͤ⸗ ſident des Civil⸗Gerichtes von St. Gaudens auf ein angeb⸗ liches ſchiedsrichterliches Urtheil erlaſſen hatte, wodurch zu Folge eines von beyden Ehegatten unterzeichneten Compro⸗ miſſes eine Ehe fuͤr nichtig erklärt worden war, als eine ausgemachte Macht Ueberſchreitung in ſich faſſend, eaſſirt. Läßt ſich nun aber wohl eine ungeheurere Macht⸗Ueberſchrei⸗ tung denken, als jene, die darin beſteht, daß ein Menſch ſeines Standes und ſeiner Freyheit beraubt wird, gegen den kein rechtlicher Beweis vorhanden iſt, daß er ſich deren Verluſt auf eine geſetzliche Weiſe zugezogen habe. Unterzeichnet Merlin. Dieſem Antrage gemaͤß caſſirte die Section des requétes am 7 Sept. 1808 das Homologations⸗Urtheil des Civil⸗Ge⸗ richtes von Parma, wovon die Rede iſt, weil man durch Privat⸗Vertrage den Geſetzen nicht derogiren kann, die die öf⸗ fentliche Ordnuna intereſſiren und den Stand der Bärger beſtimmen. Jurispr. de 14 C. de C. 1803 p. 463 u. f. Jur Anmerkung zum Art. 516.(B. 2. S. 3 u. f. Dieſes vom Caſſations⸗Hofe erlaſſenen Urtheiles ungeach⸗ tet, wendeten ſich die Verwalter des Hospitals von Chan⸗ tilli an den Praͤfesten des Departements der Gold⸗Küiſte, welcher mittelſt eines Beſchluſſes vom 11. Meſſidor 13 J⸗ (3. Julius 1805) die Sache, die der Appellations⸗Hof von Dijon ſchon entſchieden harte, an ſich zog, und ſich darüber zu erkennen für befugt erklärte. Als indeſſen dieſer Juris⸗ dictions-Streit beym Staats-Rathe angebracht wurde, er⸗ 475 folgte am 30 Junius 1806 ein Kaiſerliches Decret, welches ſo lautet: Napoleon, JFaiſer der Franzoſen und König von Ita⸗ lien, auf den Bericht unſeres Miniſters der innern Angele⸗ genheiten; nach Einſicht eines am 17. Julius 1787 von der Vogtey von Chatillon an der Seine, in der Sache des Hotks pitals von Chantilly und ſeines Pächters des Hrn. Fortier erlaſſenen Urtheiles, nach welchem Fortier für Nicht⸗Genuß von vierhundert ein und neunzig Morgen Land, gemäß einer von Sachverſtändigen vorzunehmenden Schätzung entſchaͤdigt werden ſoll:— Nach Einſicht eines Urtheiles des Appella⸗ tions⸗Hofes von Dijon vom 8. Thermidor 11. J. 27(Julius 1803), welcher, nachdem er ſich den Beſchluß des Präfectur⸗ Rathes des Departements der Diſe, wodurch das Hospital zu Führung des Prozeſſes autoriſirt worden war, hatte vor⸗ legen laſſen, das Urtheil der Vogtey von Chatillon beſtä⸗ tigt, und dem Hrn. Fortier für ſeinen Nicht-Genuß eine Entſchädigung zuerkennt;— Nach Einſicht des Urtheiles des Caſſations⸗Hofes, welches das Geſuch der Verwalter des Hospitals von Chantilly verwirft;— Nach Einſicht des Beſchluſſes des Präfecten der Gold⸗Kuͤſte vom 11. Meſſidor 13 J., wodurch der Jurisdictions⸗Streit erhoben wird:— In Erwägung, daß dermahlen kein noch wirklich beſtehendes Geſetz vorhanden iſt, welches die Schulden der Hospitäler für Staats⸗Schulden erklärt;— In Erwägung, daß die Verwalter des Hospitals von Chantilly, als ſie ſich an den Appellations⸗Hof von Dijon wendeten, hiezu von dem Prä⸗ fectur⸗Rathe autoriſirt waren;— In Erwaͤgung gleichwohl, daß diejenigen, welche gegen die Hospitäler Verurtheilungen ausgewirkt haben, ſich an die Verwaltung wenden müiſſen, damit dieſe die Art beſtimme, wie ſolche Verurtheilungen zu vollſtrecken ſeyen;— Nach Anhörung unſeres Staats⸗Ra⸗ thes, haben wir decretirt und decretiren wie folgt:— Art. 1. Der Beſchluß des Präfecten des Departements der Gold⸗ Kuſte vom 11. Meſſidor 13 J.(30 Julius 1808) wodurch in der Streit⸗Sache zwiſchen Hrn. Fortier und dem Hospetal von 480 Chantilly ein Jurisdietions-Streit erhoben wirb, iſt fuͤr nich⸗ tig erklärt.— 2. Herr Fortier hat ſich in Betreff der Art, wie die von ihm ausgewirkten Urtheile zu vollſtrecken ſind, an die Verwaltungs⸗Behörde zu wenden.— 3. Unſer Groß⸗ Richter, Juſtitz-Miniſter, und Unſer Miniſter der Innern ſind, und zwar jeder, in ſo weit es ihn betrifft, mit der Pollziehung des gegenwaͤrtigen Decrets beauftragt. Zur Note beym Art. 1038.(2. B. S. 465.) Die Civil⸗Section des Caſſation ⸗Hofes entſchied indeſſen am 7. Mai 1808, daß die Veräußerung beſtimmter, dem Teſtirer wirklich zugehörigen Güter den Widertuf eines Ver⸗ maͤchtniſſes unter einem Univerſal-Titel nicht nach ſich zie⸗ he, und caſſirte aus dieſem Grunde das vom Appellations⸗ Hofe von Poitiers erlaſſene Urtheil. Jurisp. de la C. de C. 1808 p. 355 u. f. S. die L. T. 15 und 18 H de adim⸗ vel transf. legat. Zur Wote beym Art. 1044.(2 B. S. 477 u. f.) Das hier angeführte Urtbeil des Appellations-Hofes von Agen wurde auch wirklich am 19. Oct. 1808 von der Civil⸗ Section caſſirt. Jurisp. de la C. de C. par Sirey, 1609 p. 31 u. f. B. 411 Kaiſerliches Decret uͤber die Titel. Im Pallaſte der Tuilerien, am 1 März 1805 Napoleon, von Gottes Gnaden und durch die Conſtitution, Kaiſer der Franzoſen, Koͤ⸗ nig von Ftalien, und Beſchuͤtzer des Rheiniſchen Bundes, allen Gegenwaͤrtigen und Zukuͤnftigen unſern Gruß. Nach Einſicht des Senatus⸗Conſultums vom 14. Auguſt 1806, Haben wir decretirt und verordnet, decretiren und ver⸗ ordnen wie folgt: Art. 1. Die mit den großen Reichs-Wuͤrden bekleideten Perſonen ſollen den Titel Prinz und Durchlaucht führen. 2. Die älteſten Söhne der Groß⸗Würdner haben von Rechts wegen den Titel Reichs⸗erzog, wenn ihr Vater zu ihren Gunſten ein Majorat errichtet hat, welches zweymahl hun⸗ dert tauſend Francs Emkünfte hervorbringt. Dieſer Titel und dieſes Majorat ſollen auf ihre directe und rechtmäßige, natürliche oder adoptirte Descendenz, von männlichem zu männlichem Geſchlechte, und nach der Ord⸗ nung der Erſtgeburt vererbt werden können⸗ 3. Die Groß⸗Würdner können, fuͤr ihren aͤlteſten oder jüngern Sohn, Majorate errichten, denen die Titel Graf oder Baron, nach den hierunten beſtimmten Bedingungen beygelegt werden. 4. Unſere Miniſter, die Senatoren, unſere auf Lebens⸗ lang ernannten Staats⸗Raͤthe, die Präſidenten des Geſetz⸗ gebungs⸗Corps, die Erzbiſchöfe ſollen bey ihren Lebzeiten den Titel Graf führen. Zu dieſem Ende ſollen ihnen Diplome, die mit unſerem großen Inſiegel verſehen ſind, verabfolgt werden. 5. Dieſer Titel kann auf die directe und rechtmäßige, natürliche oder adoptirte Descendenz desjenigen, der damit IV. Malev. 31 432 bekleidet iſt, vom maͤnnlichen zum männlichen Geſchlechte nach der Ordnung der Erſtgeburt, und was die Erzbiſchoͤfe be⸗ trifft, auf jenen ihrer Reffen vererbt werden, den ſie dazu auswählen, wenn ſie ſich an den Prinzen Reiche⸗Erzkanzler wenden, um zu dieſem Ende unſere offenen Briefe zu erhal⸗ ten, und überdieß unter den folgenden Bedingungen. 6. Der, welcher den Titel führt, ſoll nach den Formen, die wir zu beſtimmen Uns vorbehalten, beweiſen, daß er ein reines Einkommeu von dreyßig tauſend Francs in Guͤtern habe, die ſo beſchaffen ſind wie jene, woraus die Majora⸗ te gebildet werden müiſſen. Ein Drittel dieſer Guͤter ſoll zur Dotation des im Art. 4. erwähnten Titels gewidmet werden, und mit ihm auf alle Perſonen uͤbergehen, worauf dieſer Titel beruhen wird⸗ 7. Die mit einem Titel bekleideten Perſonen, deren im Art. 4 Erwaͤhnung geſchieht, können zu Gunſten ihres älte⸗ ſten oder jüngern Sohnes ein Majorat errichten, dem der Titel Baron, nach den hierunten beſtimmten Bedingungen, beygelegt wird⸗ g. Die Praͤſidenten unſerer Departements⸗Wahl⸗Collegien, der erſte Präſident und der General⸗Procurator unſeres Caſ⸗ ſations⸗Hofes, der erſte Präſident und der General-Procura⸗ tor unſeres Rechnungs⸗Hofes, die erſten Präſidenten und General⸗Procuratoren unſerer Appellations-Höfe, die Bi⸗ ſchof⸗, die Maire der ſieben und dreyßig guten Staͤdte, die das Recht haben unſerer Krönung beyzuwohnen, ſollen le⸗ benslaͤnglich den Titel Baron führen, nehmlich, die Prä⸗ ſidenten der Wahl⸗Collegien, wenn ſie waͤhrend drey Ver⸗ ſammlungen den Vorſitz im Collegium geführt haben; die erſten Praͤſidenten, General⸗Procuratoren und Maire, wenn ſie zehn Jahre lang ihr Amt ausgeuübt, und ihre Verrich⸗ tungen zu unſerer Zufriedenheit erfüllt haben. 9. Die Verfügungen der Art. 5 und 6 ſind auf diejenigen anwendbar, die lebenslaͤnglich den Titel Baron führen; ſie brauchen jedoch nur zu beweiſen, daß ſie fünfzehntauſend Franes RNicht 3 4²3 Einkünfte haben, wovon ein Drittel zur Dotation ihres Ti⸗ tels beſtimmt werden, und mit ihm auf alle Perſonen, wor⸗ auf dieſer Titel beruhen wird, uͤbergehen ſoll. 10. Die Mitglieder unſerer Departements⸗Wahl⸗Collegien, welche dreyen Verſammlungen der Collegien beygewohnt, und ihre Verrichtungen zu unſerer Zufriedenheit dabey ausgeuͤbt haben, können ſich an den Reichs⸗Erzkanzler wenden, mit dem Begehren, daß es Uns gefallen möge, ihnen den Titel Baron, zu verleihen; dieſer Titel kann aber auf ihre di⸗ recte und rechtmäßige, natürliche oder adoptirte Descendenz nur in ſo fern uͤbergehen, als ſie beweiſen, daß ſie fünf⸗ zehntauſend Francs Einkuͤnfte haben, wovon ein Drittel, wenn ſie unſere offene Briefe erhalten haben werden, zur Dotation ihres Titels beſtimmt bleiben, und mit ihm auf alle Perſonen, wobey er verbleiben wird, übergehen ſoll. 11. Die Mitglieder der Ehren⸗Legion, ſo wie jene, die in der Zukunft dieſe Auszeichnung erhalten werden, ſollen den Titel Ritter fuͤhren⸗ 12. Dieſer Titel kann auf die directe und rechtmaͤßige, natuͤrliche oder adoptirte Descendenz deſſen, der damit be⸗ kleidet iſt, vom männlichen zum männlichen Geſchlechte, nach der Ordnung der Erſtgeburt vererbt werden, wenn er ſich an den Reichs⸗Erzkanzler wendet, um zu dieſem Ende unſere offene Brieſe zu erhalten, und beweiſet, daß er ein reines Einkommen von wenigſtens drey tauſend Franes hat. 13. Wir halten Uns bevor, den Generaͤlen, Präfekten, Civil⸗und Militaͤr⸗Beamten, und ſonſtigen unſerer Untertha⸗ nen, die ſich durch die dem Staate geleiſteten Dienſte aus⸗ gezeichnet haben, die Titel zu verleihen, die wir für ſchick⸗ lich erachten werden. 14. Jene unſerer Unterthanen, denen wir Titel beyge⸗ legt haben, dürfen keine andere Wappen führen, noch an⸗ dere Livree haben, als die, welche in den Diplomen aus⸗ gedruckt ſind. 5. Wir verbiethen allen unſern Unterthanen, ſich Titel —— — —————— 44 5 ch und Benennungen anzumaßen, die wir ihnen nicht beygelegt haben, und den Beamten des Civil⸗Standes, Notarien und Andern ſie ihnen zu geben, und erneuern deßhalb in ſo fern es gegen die Zuwiderhandelnden noͤthig ſeyn mögte, die noch dermahlen beſtehenden Geſetze.* Kaiſerliches Decret uͤber die Majorate. Im Pallaſte der Tuilerien, am 1. März 1808. Napoleon von Gottes Gnaden Kaiſer der Fran⸗ zoſen, Koͤnig von Italien, und Beſchuͤtzer des Rheiniſchen Bundes, allen Begenwättigen und Zukuͤnftigen ſeinen Gruß. Unſere Decrete vom 30. Maͤrz 1806 und das Senatus⸗ Conſultum vom 14. Auguſt des nehmlichen Jahres haben erbliche Titel mit Vererbung der Guͤter, die fuͤr ſie beſtimmt ſind, eingefuͤhrt. Der Zweck dieſer Einrichtung war, nicht nur unſern Thron mit dem ſeiner Würde gebuͤhrenden Glanze zu umge⸗ ben, ſondern auch im Hetzen unſerer Unterthanen eine löb⸗ liche Nacheiferung dadurch zu nähren, daß wir glorreiche Andenken verewigen, und den künftigen Zeitaltern das im⸗ mer gegenwaͤrtige Bild der Belohnungen aufbewahren, die unter einer gerechten Regierung auf große dem Staate ge⸗ leiſteten Dienſte folgen⸗ Da wir den Wunſch hegen, die durch dieſe große Ein⸗ richtung zugeſicherten Vortheile nicht laͤnger zu verſchieben, ſo haben wir beſchloſſen, durch Gegenwaͤrtiges die Vollzieh⸗ ungs⸗Mittel zu beſtimmen, die dazu geeignet ſind, dieſe Ein⸗ richtungen zu gründen, und ihre Dauer ſicher zu ſtellen. Die Nothwendigkeit, die zur Aufrechthsitung der Titel gewidweten Güter in den Familien zu erhalten, legt die Verbinblichkeit auf, ſie vom gemeinen Rechte auszunehmen, Nch r 8 4³5 und ſie beſondern Regeln zu unterwerfen, die zur nehmlichen Zeit, wo ſie die Veräußerung oder Zeiſtückelung derſelben verhindern, den Mißbraͤuchen dadurch vorbeugen werden, daß wir alle unſere Unterthanen mit der Beſchaffenheit bekannt machen, worin dieſe Güter verſetzt ſind. Di'ſemnach, und da es im Art. 8 des Senatus⸗Conſul⸗ tum vom 14. Auguſt 1806 heißt, daß mittelſt Regierungs⸗ Verordnungen für die Vollſtreckung des geſagten Actes, und zwar insbeſondere, was den Genuß und die Erhaltung ſo wohl der an die Kron rückfälligen, als der Kraft des oben er⸗ waͤhnten Actes ſubſtituirten Güter betrifft, geſorgt werden ſoll, ſo haben wir beſchloſſen, die Grundſätze der Bildung der Majorate, ſie mag wegen Titel, die wir ertheilen wer⸗ den, Statt haben, oder Titel zum Gegenſtande haben, die unſere Freygebigkeet, ganz oder zum Theile, dotirt haben mag, zu beſtimmen. Auch haben wir die Ausnahmen, wodurch die Majorate ſich von den, den Verfuͤgungen des Geſetzbuches Napoleons unterworfenen Gütern unterſcheiden, die Bedingungen ihrer Errichtung in den Familien, und die Pflichten feſtſetzen wol⸗ len, welche denjenigen, die ſie genießen, auferlegt ſind. Aus dieſen Gründen, und nach Einſicht unſerer Decrete vom 30. März, und des Senatus-Conſultums vom 14. Au⸗ guſt 1806, haben wir, nach Anhoͤrung unſeres Staats⸗Rd⸗ thes decretirt, und verordnet, decretiren und verordnen, wie folgt: S ſt Von den Formen, welche diejenigen zu beobachten haben, die bey Errichtung eines Majorates ihre Titel zu vererben ermaͤchtigt werden. Erſter Abſchnitt. Bildung, Form und Prüfung des Geſuches um Errichtung der Majorate. Art. r. Ein Majorat kann nur aus unbeweglichen Gü⸗ tern gebildet werden, die von allen Privilegien und Hypo⸗ 466 Nachtrag. theken frey, und mit keiner Reſtitution Kraft der Art. 1048 und 1049 des Geſetzbuchs Napoleons beſchwert ſind. 2. Renten auf den Staat, und Actien der Bank von Frankreich konnen jedoch wenn ſie immobiliariſirt worden ſind, zur Bildung eines Majorates dienen; die Actien der Bank nehmlich, wenn ſie auf die im Art. 7 unſeres Decre⸗ tes vom verfloſſenen 6. Jaͤnner vorgeſchriebene Weiſe*), die Renten aber, wenn ſie in der in den folgenden Artikeln be⸗ ſtimmten Form immobiliariſirt worden ſind. Z. Die Renten ſollen mittelſt der Erklaͤrung immobiliariſirt werden, die der Eigenthuͤmer in der nehmlichen für die Ue⸗ bertraͤge der Renten vorgeſchriebenen Form abgibt. g Die auf ſolche Art immobiliariſirten Renten ſollen auch künftig in das große Buch der Staats⸗Schuld Erin⸗ nerunge⸗Weiſe, ſammt der Erklärung der Immobiliariſirung, und uͤberdieß in ein beſonderes Buch eingetragen werden. 5. Die Auszüge der geſchehenen Eintragungen, ſo wie auch der Actien an der Bank von Frankreich ſollen mit ei⸗ nem Stempel bezeichnet werden, welcher anzeigt, daß ſie einem Majorate ankleben. 6. Von dem Theile der Einkuͤnfte eines Majorates, welcher in Renten auf den Staat oder in Bank⸗Actien be⸗ ſteht, ſoll jährlich ein Zehntel abgezogen werden, welches nach und nach alle Jahre wieder in Renten auf den Staat oder in Bank⸗Actien zum Vortheile des wirklichen Beſitzers des Majorates, und derer, die nach ihm dazu berufen ſind, angelegt werden ſoll. Dieſe Renten oder Actien ſollen eben⸗ falls immobiliariſirt werden. 3 weyter Abſchnitt. Von den Majoraten, die von denjenigen errichtet werden, welche die Befugniß haben ihren Titel zu vererben. 7. Jene unſerer Unterthanen, denen die Titel Herzog, Graf, Baron von Rechts wegen ertheilt werden, und die ) Siehe den 2. B. dieſes Werkes S. 13. W 3 6 6 9 437 die Befugniß benutzen wollen, ihren Titel durch Errichtung eines Majorates erblich zu machen, haben ſich zu dieſem Ende mit einer Bittſchrift an unſern Vetter den Prinzen Erz⸗Canzler des Reiches zu wenden⸗ g. Das Geſuch muß mit Gruͤnden begleitet ſeyn⸗ Es ſoll enthalten 1) Die Natur und die Dauer der Amts⸗Verrichtungen, dje den Supplicanten zur Errichtung eines Majorates fä⸗ hig machen; 2) Die Gattung von Majorat, welches der Gegenſtand des Geſuches iſt; 3) Die Guͤter, welche der Supplicant Willens iſt, zur Bildung deſſelben zu beſtimmen; 4) Den Ertrag dieſer Güter; §) Ein Zeugniß des Hypotheken⸗Bewahrers, daß weder eine Hypothek, noch ein Privilegium darauf haftet; 6) Die Anzahl der„ebenden Kinder des Supplicanten, und zwar mit Unterſcheidung der Söhne und der Töchter. 9. Der Ertrag der Guͤter ſoll, wenn ſie in Immobilien beſtehen, 1) durch Pacht⸗Briefe, die zuſammen eine Dauer von ſieben und zwanzig Jahren ausmachen, 2) durch einen Auszug aus der Steuer⸗Rolle bewieſen werden⸗ Sind keine Pachtbriefe vorhanden, ſo ſoll der Supplicant einen ungefähren Ueberſchlag der Einluͤnfte, und einen No⸗ torietäts⸗Act beybringen, welcher eine von ſieben Notablen des Bezirkes, worin die Güter gelegen ſind, vor dem Frie⸗ dens⸗Richter oder einem Notar abgegebene Erklärung ent⸗ hält, daß dem gemeinen Rufe nach die Einkünfte davon ſich wirklich ſo hoch belaufen. Alle dieſe Beweisſtücke werden der Bittſchrift beygelegt. 10. Der Erz⸗Kanzler ſoll das Geſuch von dem General⸗ Secretar des hierunten benannten Rathes ganz in ein Re⸗ giſter einſchreiben, und dem Supplicanten einen Schein hier⸗ über geben laſſen. ————— 458 N 8 ch 6 a. 11. Der Erz⸗Kanzler ſchreitet zur Prüfung des Gefuches unter dem Beyſtand eines von Uns ernannten Rathes. Die⸗ ſer Rath beſteht aus Drey Senatoren, Zwey Staats⸗Raͤthen, Einem General⸗Procurator, Einem General⸗Secretar. Dieſer Rath ſoll Rath des Siegels der Titel genannt werden. Der General⸗Secretar ſoll uͤber die Berathſchlagungen ein Regiſter fuͤhren, und es aufbewahren. 12. Nachdem dieſer Rath den vom General⸗Procurator über die Bittſchrift und die beygefuͤgten Belege abgeſtatteten Bericht angehört hat, beſchließt er nach der Mehrheit der Stimmen. Findet er ſich nicht hinlaͤnglich aufgeklärt, ſo kann un⸗ ſer Vetter der Erz⸗Kanzler verordnen, daß auf Betreiben des General⸗Procurators, der zu dieſem Ende ſich mit den Ob⸗ rigkeiten, Beamten und Privat⸗Perſonen in Briefwechſel ein— läßt, neue Erkundigungen eingezogen werden ſollen. 13. Sobald das Geſuch in die Regiſter eingetragen iſt, ſoll unſer geſagter Vetter einen Act abgeben, welcher die Anzeige der zur Bildung des Majorates vorgeſchlagenen Gü⸗ ter enthält. Kraft dieſes Aetes, und von vierzehn Tagen anzurechnen, die nach deſſen Einſchreibung auf dem Hypotheken-Bureau, worunter die Güter gelegen ſind, verfloſſen ſeyn werden, ſol— len die darin verzeichneten Güter während eines Jahres un⸗ veräußerlich werden, und weder mit einem Privilegium, noch mit einer Hypothek, weder mit den in den Art. 1038 und 1049 des G. N. erwähnten Laſten, noch mit irgend ei— ner Bedingung belegt werden koͤnnen, die das Eigenthum oder den Ertrag derſelben verringern würde. 489 Auf Betreiben des General⸗Procurators des Siegels der Titel ſoll die Einſchreibung in die Regiſter des Hypotheken⸗ Bewahrers Statt haben, und Letzterer gehalten ſeyn, dem General-Procurator von den Eintragungen oder Einſchrei⸗ bungen, die bis zum Ablauf der geſagten vierzehn Tage et⸗ wa hinzugekommen ſeyn moͤchten, Nachricht mitzutheilen. Der General⸗Procurator des Siegels ſoll zur nehmlichen Zeit, wo er die Einſchreibung thun läßt, um die Güter von den gerichtlichen und vertragsmäßigen Hypotheken frey zu machen, ebenfalls die erforderlichen Schritte thun, um die geſetzlichen Hypotheken nach den vom Geſetze vorgeſchrie be⸗ nen Formen zu tilgen, oder zu ihrer Kennrniß zu gelangen, und dieſes ſoll vor Ablieferung des Gutachtens, wovon im folgenden Artikel die Rede ſeyn wird, beſcheinigt werden. 14. Iſt das Gutachten dem Geſuche guͤnſtig, ſo ſoll un⸗ ſer Vetter der Erz⸗Kanzler Uns mit der Bittſchrift, den Be⸗ legen und geſagtem Gutachten den Entwurf eines Decretes vorlegen, wodurch der nachgeſuchte Titel ertheilt und die Er⸗ richtung des Majerates erlaubt wird. 15. Iſt der Rath der Meinung, daß die in PVorſchlag gebrachten Güter die zur Bildung der Majorate vorgeſchrie⸗ benen Bedingungen nicht erfuͤllen, ſo ſoll die Bittſchrift, die Belege dazu, und geſagtes Gutachten Uns vorgelegt werden. Genehmigen Wir das Gutachten des Rathes, ſo wird die Birtſchrift ſammt den Belegen vom General-Secretar dem Supplicanten zurückgegeben. Dieſer Zuruͤckgabe ſoll im Regiſter Erwähnung geſchehen, und der General-Procurator dem Hypotheken⸗Bewahrer, un⸗ ter deſſen Buͤreau die Güter gelegen ſind, ein Erſuchungs⸗ Schreiben zugehen laſſen, Kraft deſſen jede Einſchreibung ausgeſtrichen werden ſoll. 16. Haben Wir das Decret unterzeichnet, ſo ſoll die Bitſchrift ſammt den Belegen nebſt einer Ausfertigung des Titels in die Archive des Siegels der Titel hinterlegt werden⸗ 490 Dritter Abſchnitt. Ablieferung, Verkündigung und Eintragung der offenen Briefe (Diplome) in die Regiſter. 17. Auf Verlangen des Impetranten ſoll ihm ein Diplom ausgefertigt werden. 18. Zu dieſem Ende iſt er gehalten, in die Caſſe der Ehren⸗Legion eine Summe zu bezahlen, die dem Fünftel der Einkünfte des Majorates von einem Jahre gleich iſt. Die Hälfte dieſer Summe ſoll der Ehren⸗Legion zugeht⸗ ren, die andere Haͤlfte aber für die Koſten des Siegels be⸗ ſtimmt ſeyn. 19. Das Diplom ſoll auf Pergament abgefaßt, und mit unſerm großen Siegel verſehen werden. 20. Es ſoll enthalten 1) Die Beweggründe der Auszeichnung, die Wir verlie⸗ hen haben; 2) Den dem Majorate von Uns beygelegten Titel; 3) Die Güter, die deſſen Dotation außmachen; 4) Die dem Impetranten verliehenen Wappen und Livree. 21. Das Diplom ſoll ſeinem ganzen Inhalte nach in ein zu dieſem Gebrauche beſonders beſtimmtes Regiſter, welches im Archive des Rathes des Siegels der Titel aufbewahrt bleiben ſoll, eingeſchrieben werden. Der General⸗Secretar des Siegels der Titel muß von allem dem in geſagtem Di⸗ plom Meldung thun. 22. Unſer Vetter, der Reichs-Erz-Kanzler ſoll ſich un⸗ ſern Beſehlen zu Folge zum Senat verfügen, um, in Ge⸗ maͤßheit des Art. Z des Senatus⸗Conſultum vom 16. Aug. 1806, von unſern Diplomen Nachricht mitzutheilen, und ſie in die Regiſter einſchreiben zu laſſen. 23. Das Diplem ſoll auf Betreiben des General⸗Procu⸗ rators ſo wohl als des Impetranten, und auf den Antrag des offentlichen Miniſteriums, beym Appellations⸗Hofe, und beym Gerichte der erſten Inſtanz, worunter der Impetrant N ach„ 8. 491 wohnhaft iſt, und die dem Majorate gewidmeten Güter ge⸗ legen ſind, verkuͤndet und in die Regiſter eingetragen werden ⸗ Der Actuar eines jeden dieſer Hoͤfe und Tribunäle ſoll auf dem Driginal des Diploms der in der Audienz geſche⸗ henen Verkuͤndigung, und der Einſchreibung in die Re⸗ giſter Erwaͤhnung thun. Ueberdieß ſoll es ſeinem ganzen Inhalte nach in das Tagbuch der Geſetze eingerückt, und in das Regiſter des Hypotheken⸗Bewahrers, worunter die Güter gelegen ſind, eingeſchrieben werden. 24. Die Koſten der Verkündigung und Eintragung in die Regiſter fallen dem Impetranten zur Laſt. Von den Formen, die in Betreff der Majorate zu befolgen ſind, welche entweder aus eigenem Antrieb, oder auf Verlangen derjenigen errichtet werden, die das Recht nicht haben, die Vererbung nachzuſuchen. Erſter Abſchnitt. Majorate die aus eigenem Antrieb errichtet werden. 25. Wenn Wir den Titel ganz dotirt haben, ſo ſoll un⸗ ſer Decret und das Verzeichniß der dem Majorate angewie⸗ ſenen Guͤter unſerem Vetter dem Erz⸗Kanzler zugeſendet wer⸗ den, welcher auf Betreiben des Impetranten das Diplom ausfertigen läßt. Binnen dem Monate, worin das Diplom ausgefertigt worden iſt, muß es in die Regiſter eingetragen, verkündet und eingeſchrieben werden, ſo wie es in den Art⸗ 21 und 22 verordnet iſt. 26. Hat derjenige, welchem der Titel verliehen wird, die Dotation deſſelben ganz oder zum Theile bewerkſtelligt, ſo kann das Diplom nicht eher ausgefertigt werden, als bis die in dem zweyten Abſchnitte des Tit. 2 des gegenwaͤrtigen De⸗ cretes vorgeſchriebenen Verftigungen unterſucht und erfüllt wor⸗ den ſind. 455 W ch 3 weyter Abſchnitt. Majorate, die auf Verlangen errichtet werden. 27. Diejenigen unſerer Unterthanen, die in Gemäßheit der im Art.§ des Senatus⸗Conſultum vom 14. Auguſt 1806 feſtgeſetzten Befugniß, in ihrer Familie ein Majorat zu er⸗ richten wünſchen, ſollen zu dieſem Ende ſich unmmittelbar an Uns mit einer Bittſchrift wenden⸗ 28. Dieſe Bittſchrift muß mit Beweggründen verſehen ſeyn. Außer der Anzeige der vom Supplicanten und ſeiner Fa⸗ milie geleiſteten Dienſte, muß ſie die verſchiedenen im Art. 8 vorgeſchriebenen Erklärungen enthalten. 29. Wenn das Geſuch Uns dazu geeignet ſcheint, in Er⸗ waͤgung gezogen zu werden, ſſo ſoll die Bittſchrift ſammt den Belegen unſerem Vetter dem Erz⸗Kanzler zugewieſen werden, welcher ſie vom Rathe des Siegels der Titel, nach den in den Art. 10, 11 und 12 vorgeſchriébenen Formen unterſuchen laſſen ſoll. 30. Der Erz⸗Kanzler ſoll Uns den Antrag des General⸗ Procurators, und das Gutachten des Rathes nicht nur über die Mittel zur Bildung des Majorates, ſondern auch über die Dienſte, Sitten und die ehrenvolle Aufführung des Sup⸗ plicanten und ſeiner Famjlie vorlegen⸗ 31. Unſern Befehlen zu Folge, ſoll der Erz⸗Kanzler Uns, wenn das Geſuch Statt findet, den Entwurf zu einem De⸗ crete vorlegen, welches die Errichtung des Majorates, unter den Bedingungen, die Wir aufzulegen für gur finden, zum Gegenſtande hat. 32. Im Falle, wo das Geſuch verworfen wird, ſoll der Erz⸗Kanzler verordnen, daß dem Supplicanten ſeine Papiere zurlckgegeben, und von dieſer Zurückgabe in den Regiſtern Meldung gethan werden ſoll. 33. Wird dem Geſuche willfahren, ſo laͤßt der Erz⸗Kanz⸗ ler das Diplom ausfertigen. Hat es Uns gefallen, Bedin⸗ Nach r 497 gungen aufzulegen, ſo ſoll der Erz⸗Kanzler, vor der Aus⸗ fertigung des Diploms, Uns von deren Erfüllung Bericht abſtatten, 34. Die in Betreff der Ablieferung, Verkündigung und Eintragung der Diplome in die Regiſter zu beobachtenden Formen ſind die nehmlichen, die im Tit. 8 Abſch. 3 vor⸗ geſchrieben ſind. Von den Wirkungen der Errichtung der Majorate⸗ Erſter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Errichtung der Majorate, in Anſehung der Perſonen. 35. Der Titel, den es Uns gefallen hat, jedem Majo⸗ jorate beyzulegen, ſoll ausſchließlich demjenigen ankleben, zu deſſen Gunſten die Errichtung Statt gehabt hat, und auf ſeine rechtmäßige, natürliche oder adoptirte Abſtammung, vom maͤnnlichen zum männlichen Geſchlechte, nach der Ord⸗ nung der Erſtgeburt uͤbergehen. 36. Doch kann keiner unſerer Unterthanen, der mit ei⸗ nem Titel bekleidet iſt, ein Kind maͤnnlichen Geſchlechtes, nach den im G. N. beſtimmten Regeln, adoptiren, oder den Titel, der ihm verliehen worden, oder angefallen iſt, auf ein Kind, welches er adoptirt hatte, ehe er mit dieſem Titel bekleidet war, vererben, es ſey dann, daß dieſes mit unſe⸗ rer in unſerem zu dieſem Ende abgegebenen Diplome aus⸗ drücklich enthaltenen Erlaubniß geſchehe. Wer dieſe Erlaubniß erhalten will, ſoll ſich deßhalb an unſern Vetter den Erz⸗Kanzler wenden, welcher unſere Be⸗ fehle hierüber einzuhohlen hat. 37. Jene unſerer Unterthanen, denen die Titel Herzog, Graf, Baron oder Ritter von Rechts wegen ertheilt ſind, ſo wie auch diejenigen, welche zu ihren Gunſten die Errich⸗ tung eines Majorates erlangt haben, ſollen, binnen ei⸗ nem Monate, folgenden Eid leiſten:»Ich ſchwöre dem 42½ Rachtrag. „Kaiſer und ſeiner Dynaſtie getreu zu ſeyn, den Conſtitu⸗ „tionen, Geſetzen und Verordnungen des Reichs zu gehorchen, „ſeiner Majeſtat als ein guter, aufrichtiger und getreuer „Unterthan zu dienen, und meine Kinder in den nehmlichen „Geſinnungen von Treue und Gehorſam zu erziehen, und „ſo oft das Gebieth bedroht wird, oder ſeine Majeſtät zur „ Armee abgehen ſollte, zur Vertheidigung des PVoterlandes „auszuziehen. 38. Diejenigen, welche berufen werden, ein Majorat zu erben, ſollen binnen den drey Monaten den nehmlichen Eid leiſten. 39. Die Herzoge ſollen den Eid in unſere Hände ablegen, und Uns vom Erz⸗Kanzler vorgeſtellt werden. Die Grafen, Baronen und Ritter ſollen ihn in die Haͤn⸗ de deſſen oder derer ablegen, die wir zu dieſem Ende be⸗ zeichnen werden⸗ 3 weyter Abſchnitt. Von der Wirkung der Errichtung der Majorate, in Veziehung auf die Güter, woraus ſie beſtehen. 8. 1. Von der Beſchaffenheit der Güter. go. Die Güter, welche die Majorate ausmachen, ſind unveräußerlich; ſie können weder verpfändet noch in Be⸗ ſchlag genommen werden⸗ Nichts deſtoweniger können die Kinder des Stifters, die ihren Pflichttheil aus den freyen Gutern ihres Vaters nicht vollſtändig erhalten möchten, verlangen, daß er aus den vom Vater zur Bildung des Majorates hergegebenen Gutern ergänzt werde. g1. Jeder Verkauf⸗Aect, jede Schenkung oder zſonſtige Veraͤußerung dieſer Güter von Seiten des wirklichen Beſitzers, jeder Act, der ſie mit einem Privilegium oder mit einer Hy⸗ vothek belegen moͤchte, jedes Urtheil, wodurch ſolche Acte Nachtraz. 495 für gültig erklärt werden möchten, mit Ausnahme gleichwohl der hierunten ausgedruckten Fälle, ſind von Rechts wegen nichtig. 42. Die Nichtigkeit der Urtheile ſoll von unſerem Staats⸗ Rathe, in der Form, die durch unſere auf die ſtreitigen Ver⸗ waltungs⸗Gegenſtände ſich beziehende Decrete vom 11. Junius und 22. Julius 1806 beſtimmt worden iſt, entweder auf Be⸗ treiben des wirklichen Beſitzers des Majorates, oder auf Er⸗ ſuchen des General⸗Procurators beym Siegel der Titel, aus⸗ geſprochen werden. 43. Wir verbiethen den Notarien, die im Art. q1 be⸗ zeichneten Acte aufzunehmen, den Einregiſtrirungs⸗Vorgeſetzten ſie einzuregiſtriren, den Richtern ſie fuͤr gültig zu erklaͤren. 44. Wir verbiethen gleichfalls allen Wechſel⸗Agenten, unter der Strafe der Abſetzung, ſo gar unter noch ſchärfern Strafe, je nachdem die Umſtände beſchaffen ſind, ſo wie auch unter der Strafe, daß ſie den Parteyen allen Schaden zu erſetzen haben ſollen, die Inſcription(von Renten auf den Staat) und Bank⸗Actien, welche mit dem durch den Art. 5 eingeführten Stempel bezeichnet ſind, unmittelbar oder mittelbar zu verhandeln. 45. Die Majorats⸗Güter koͤnnen mit keiner geſetzlichen Hypotbek beſchwert werden⸗ a6. Träte aber der Fall ein, daß der Werth der Ma⸗ jorats⸗Guͤter Kraft einer geſetzlichen, vor den Formalitaͤten, wovon im Art. 13 die Rede iſt, erworbenen, und nach dem Inhalte des G. N. nicht getilgten oder hinlänglich gedeckten Hypothek verringert würde, ſo muß der wirkliche Beſitzer, wenn es von ihm verlangt wird, die für ſeinen Titel be⸗ ſtimmten, durch geſagte Hypothek aber davon abgegangenen Fonds wieder vollſtändig machen oder durch andere erſetzen. F. 2. Vom Genuſſe der Süter. 47. Alle Perſonen, worauf der Titel nach den Verfü⸗ gungen des Art. 35 lbergeht, haben nach und nach den „Eenuß der ihm anklebenden Guͤter. 455 M bs ch tr va 48. Stirbt der wirkliche Beſitzer, gleich viel ob er eine männliche Nachkommenſchaft zurückläßt, oder ob das Majo⸗ rat ſich wegen Mangel männlicher Nachkommen erloſchen oder aus der männlichen Descendenz heraus verſetzt befinde, ſo iſt ſeine Wittwe zu einer Penſion berechtigt, die aus den Einkünften der Majorats⸗Gäter genommen werden ſoll. 49. Dieſe Penſion ſoll, wenn das Majorat erloſchen oder verlegt iſt, in der Hälfte, und wenn es noch beſteht, in einem Deittel der Einkünfte beſtehen; in dieſem letztern Falle gebührt die Penſion nur in ſo fern, als 1) Die eigenen Güter der Wittwe ſo viel nicht einbrin⸗ gen, als ſie mittelſt der Penſion bekommen haben würde, und 2) Sie Wittwe bleibt, oder ſich nur mit unſerer Erlaub⸗ niß wieder verheirathet. §o. Der wirkliche Beſitzet des Majorates iſt ſchuldig, 1) Die Auflagen und andere dingliche Laſten zu entrichten; 2) Die Guͤter als ein guter Hausvater zu unterhalten; 3) Die Penſion der Wittwe des vorhergehenden Majorats⸗ Beſitzers auszuzahlen; 4) Die Schulden eben dieſes Beſitzers zu zahlen, wofuͤr nach dem Inhalte des Art. 52 die Einkünfte hätten angewie⸗ ſen werden können, ohne daß jedoch der wirkliche Beſitzer verbunden iſt, waͤhrend der zwey erſten Jahre ſeines Genuſſes mehr als ein Drittel des Ertrags der Guͤter dazu zu verwenden; §) Wenn keine andere hinreichende Guͤter vorhanden ſind, die Schulden von der Natur derjenigen zu zahlen, die im Art. 2101 des G. N angezeigt, und von den verſtorbenen Eltern des wirklichen Beſitzers etwa hinterlaſſen worden ſind⸗ Zu dieſen Zahlungen tann der wirkliche Beſitzer nur bis zum Betrag der Einkuͤnfte eines Jahres gezwungen werden⸗ 51. Die Einklinfte des Majorates können außer dem Falle, und den Verhältniſſen, worin ſie haͤtten angewieſen werden können, nicht mit Arreſt belegt werden. Fa. Sie können nur fuͤr privilegirte Schulden, die im Art. 2101, und in den Ziff. 4 und 5 des Att. 2103 des G⸗ 47 N. angezeigt ſind, angewieſen werden; dieſer letztern Urſache wegen iſt gleichwohl die Anweiſung nur in ſo fern erlaubt, als die Ausbeſſerungen jene nicht überſteigen, die den Nieß⸗ brauchern zur Laſt liegen⸗ In dem einen ſo wohl als in dem andern Falle kann die Anweiſung nur bis zum Bettag der Hälfte der Einkünfte Statt haben. §3. Treten Fälle ein, welche beträchtliche Arbeiten oder Ausbeſſerungen an den zum Majorate gehörigen Gebänden und ſonſtigen Gütern nothwendig machen, und die Summen uͤberſteigen, worüber hieroben zu disponiren erlaubt worden iſt, ſo ſoll hierüber, wenn es Statt findet, mittelſt eines im Staats⸗Rathe von uns erlaſſenen Decretes, auf Anſtehen des wirklichen Beſitzers und auf das Gutachten des Rathes des Siegels der Titel das Erforderliche beſtimmt werden⸗ ieriur. ie Von der Erlaubniß, die den Majoraten anklebenden Güter zu veräußern; von den Formalitaͤten dieſer Veräußerung und von der Wiederanlegung⸗ Erſter Ab ſchnitt⸗ Von der Erlaubniß die einem Majorate anklebenden Güter zu veräußern, 54. Wir behalten uns vor, die Veraͤußerung der außer unſerem Reiche gelegenen, und von uns zur Dotation eines Titels angewieſenen Güter zu erlauben, und ſo gar, wenn die Umſtaͤnde es uns zu erheiſchen ſcheinen, anzubefehlen, um ſie durch Guͤter, die in Frankreich gelegen ſind, zu erſetzen. 55. Perſonen, die mit den Titeln, wovon im vorherge⸗ henden Artikel die Rede iſt, bekleidet ſind, haben ebenfalls die Befugniß, die Veraͤußerung und Wiederanlegung zu be⸗ gehren. §56. Die wirklichen Beſitzer, welche ſelbſt das Majorat potirt haben, konnen, wenn es nothwendig oder nützlich iſt, die IV. Malep⸗ 32 453 ch Erlaubniß erhalten, die Güter, woraus die Dotation beſteht, ganz oder zum Theile zu vertauſchen. §7. In einem und im andern Falle, ſollen die wirklichen Beſitzer ſich mit ihrem Geſuche ſammt den im Art. 8 vorgee ſchriebenen Beweisſtuͤcken an den Reichs⸗Erzkanzler wenden, welcher unſere Befehle einzuhohlen hat, um es, den Umſtan⸗ den nach, vom Rathe des Siegels der Titel unterſuchen zu laſſen⸗ 58. Der Rath ſoll über das Geſuch nach der im Art. 12 vorgeſchriebenen Form verfahren. Iſt ſein Gutachten günſtig, ſo ſoll der Erzkanzler uns mit gedachtem Gutachten und dem Berichte des General⸗Pro⸗ curators einen Entwurf zu einem Decrete vorlegen, wodurch die Veräußerung oder der Austauſch erlaubt, die Art ſo wohl als die Bedingungen des Verkaufes beſtimmt, und den Um⸗ ſtänden nach verordnet wird, daß der Kaufpreis bis zur Be⸗ werkſtelligung der geſagten Wiederanlegung in die zur Til⸗ gung der Staats⸗Schulden beſtimmte Caſſe hinterlegt wer⸗ den ſoll. 50. Der Verkauf kann aus freyer Hand oder auch mit⸗ telſt Verſteigerung geſchehen⸗ 60. Bis er vollendet iſt, fährt der wirkliche Beſitzer fort, die Einkuͤnfte des Maijorates zu beziehen. 61. Der Impetrant ſoll dem Rathe des Siegels der Titel den Entwurf des Verkaufes oder des Tauſches, oder das Verzeſchniß der Bedingungen, worauf die Verſteigerung vor⸗ genommen werden ſoll, zur Prüfung vorlegen. 62. Nachdem der Rath die erforderlichen Erkundigungen eingezogen hat, ertheilt er auf den Antrag des General⸗Pro⸗ curators ſein Gutachten, welches denr Erzkanzler uns vorle⸗ gen ſoll. 63. Sind wir der Meinung, das Gutachten beſtätigen zu muͤſſen, ſo ſollen offene Briefe ausgefertigt werden, welche, ſo wie im Tit. 1 geſagt iſt, abgeliefert, verkuͤndet und ein⸗ geſchrieben werden ſollen. Nachtraz. 499 Von dieſem Augenblicke an treten die Güter, deren Ver⸗ äußerung erlaubt wird, in den rechtlichen Verkehr zurück. 64. Der Kauf⸗ oder der Tauſch⸗Contract, oder der Zu⸗ ſchlag an den Meiſtbiethenden ſoll in Beyſeyn des General⸗ Procurators des Rathes des Siegels der Titel, oder ſeines Abgeordneten Statt haben. 65. Jeder Zuſchlag, Verkauf oder Tauſch, wobey einige der in den vorhergehenden Artikeln des gegenwärtigen Abſchnittes feſtgeſetzten Formalitäten nicht beobachtet wurden, ſind nichtig und kraftlos. 66. Die Nichtigkeiten ſollen von unſetem Staats⸗Rathe ausgeſprochen werden, welcher nach den in unſerm Decrete vom 11. Junius und 22. Julius 1806 vorgeſchriebenen Formen, auf Betreiben des General⸗Procurators darüber verfügen ſoll. Wir verbiethen unſern Höfen und Tribunälen, darüber zu erkennen⸗ 67. Der Erwerber iſt dem Beſitzer des Majorates die Zinſen des Kaufpreiſes bis zur Zahlung von Rechts wegen ſchuldig, wenn ſchon keine ausbedungen worden ſind, und ohne daß es hiezu eines Urtheiles beduͤrfe. Er wird nur dadurch befreyt, daß er den Kaufpreis in den vereinbarten Terminen in die Tilgungs⸗Caſſe abliefert, welche dem Beſitzer des Majorates die Zinſen davon zahlen muß. 3 weyter Abſchnitt⸗ Von der Wiederanlegung des aus den veräußerten Gätern gelöſton Kauſpreiſes. 68. Der aus den veräußerten Gutern geldſte Kaufpreis ſoll binnen ſechs Monaten von der Veraußerung angerechnet, in Gütern wieder angelegt werden, die eben ſo beſchaffen find wie jene, woraus nach den Art. 1und 2 des gegem wärtigen Decretes die Majorate gebildet werden müſſen. Die Wiederanlegung ſoll in den Formen und auf die Beiſe⸗ wie hier folgt, bewerkſtelligt werden⸗ 15⁰ P 3 t 6 69. Iſt der wirkliche Beſitzer des Majorates Willens den Kaufpreis in wirklichen Immobilien wieder anzulegen, ſo ſoll er dem Rathe des Siegels der Titel 1) Das Verzeichniß der Gülter, die er zu erwerben wünſcht, 2) Die Urkunden, die das Eigenthum und den Werth derſelben beweiſen, 3) Die Beweisſtücke, die den Ertrag derſelben darthun, und 4) In ſo fern es Statt findet, die Bedingungen des Ver⸗ kaufes vorlegen⸗ 70. Nachdem der Rath die erforderlichen Erkundigungen eingezogen hat, faßt er ſein Eutachten ab, welches uns vom Erzkanzler vorgelegt werden ſoll, damit dasjenige, was der Sache angemeſſen iſt, von uns ſchleßlich daruber verfügt werde⸗ 71. Sollten wir nicht fuͤr dienlich ſinden, die Erwerbung zu erlauben, für dieſen Fall behalten wir Uns vor, die Friſt zu erweitern, die dem Beſitzer des Majorates geſtattet iſ, um eine Wiederanlegung ausfindig zu machen⸗ entgegengeſetzten Falle ſoll unſer Genehmigungs⸗De⸗ cret in offene Briefe eingekleidet werden, welche, ſo wie im Tit. 1 geſagt iſt, abgeliefert, in die Regiſter eingetragen, verkündet und eingeſchrieben werden ſollen. 72. Die ſtatt der veräußerten Güter angenommenen Guͤ⸗ ter nehmen die Natur und rechtliche Beſchaffenheit an, welche die Güter hatten, an deren Stelle ſie treten, ehe dieſelbe dem rechtlichen Verkehr zuruͤckgegeben wurden. 73. Iſt nach dem Iuhalte des Veräußerungs⸗Decretes⸗ oder durch ein nachheriges Decret die Wiederanlegung entwe⸗ der in Renten auf den Staat, oder in Bank⸗Actien erlaubt worden, ſo ſoll der Miniſter des öffentlichen Schatzes oder der Gouverneur der Bank dem wirklichen Beſitzer des Majorates, der die Renten oder Actien für den Betrag des Verkaufsprei⸗ ſes erworben hat, eine Erklärung ihrer Immobiliariſirung⸗ nach den im Abſchn⸗ 1 des Tit. 1 vorgeſchriebenen Formen, geben —— Nachtrag. 5e1 Ein Duplicat dieſer Erklärung ſoll in die Archive des Siegels niedergelegt werden, um dem Verzeichniße der Ma⸗ jorats⸗Güter beygefügt zu werden; und auf Vorzeigung des andern Duplicats, ſoll der Director der Tilgungs⸗Caſſe die Zahlung bis zum Betrage des Wertbes verfügen, den ge⸗ ſagte Renten oder Actien nach dem zur Zeit der Erwerbung vorhandenen Curſe haben⸗ - Fünfter Titel. Allgemeine Verfügungen. 74. In Gemaͤßheit des Art. 6 des Senatus⸗Confultum vom 14. Auguſt 1806 ſollen die Guͤter, welche als Majorat beſeſſen werden, in Hinſicht auf unſere uͤbrigen Unterthanen und deren unbewegliche Guͤter, kein Vorrecht haben, und keines denjenigen ertheilen, zu deren Gunſten die Majorate errichtet werden. Dieſem zu Folge bleiben die wirklichen Beſitzer der Ma⸗ jorate den buͤrgerlichen und peinlichen, ſo wie allen Geſetzen, die in unſern Staaten herrſchen, unterworfen, in ſo fern hierin durch Gegenwaͤrtiges nichts geändert wird; die perſon⸗ lichen, Mobiliar- Grund⸗ mittelbare und unmittelbare Steu⸗ ren tragen ſie im nehmlichen Verhältniße, wie die übrigen Bürger. 75. Wenn die männliche und rechtmäßige Descendenz eines wirklichen Majvrats⸗Beſitzers, welcher die Güter, die die Dotation ausmachen, hergegeben hat, erlöſcht, ſo bleibt der Titel aufgehoben; die dem Maozjorate anklebenden Güter werden in der Nachlaſſenſchaft des letzten Beſitzers frey, und fallen ſeinen Erben anheim. Wir halten Uns jedoch bevor, nach den Umſtänden und auf Anſtehen des wirklichen Be⸗ ſitzers, den Titel und das Majorat auf einen ſeiner Schwie⸗ gerſöhne, oder wenn er keine Kinder hat, auf einen ſeiner Erben aus der Seiten⸗Linie zu verlegen, ohne daß gleichwohl die gegenwärtige Verfügung den Rechten des Pflichttheiles 50% RN uchtrab⸗ zum Nachtheile gereichen könne, der aus den Guͤtern, die dir Dotation ausmachen, etwa gebühren möchte.. 76. Haben wir das Maiorat ganz oder zum Theile, dotirt, mit der Bedingung, daß es im Falle der Erloͤſchung der männlichen und rechtmäßigen Descendenz wieder zuruͤck⸗ fallen ſolle, ſo ſoll bey eintretendem Falle, die Bedingung an dieſen Gütern, oder an jenen erfüllt werden, die an ihrer Stelle etwa erworben worden ſind; unſer General⸗ Procurator beym Rathe des Siegels der Titel, unſere Ge⸗ neral⸗Procuratoren bey den Juſtitz⸗Hoͤfen, unſere Procurato⸗ ren bey den Tribunälen, und unſere Domainen⸗Agenten ſollen auf die Vollziehung derſelben wachen. Kaiſerliches Decret uber die Einregiſtrirungs⸗ und Transſcriptions⸗ Gebuͤhren der auf die Errichtung der Majorate ſich beziehenden Acte. Baponne, am 24. Junius 1808. Napoleon ꝛc Auf den Bericht unſeres Finanz⸗Miniſters⸗ Nach Einſicht des Senatus⸗Conſultum vom 14. Auguſt 1806, ſo wie auch unſerer Decrete vom 17. März 1808 über die Titel und Majorate; Nach Anhörung unſeres Staats⸗Rathes Haben wir decretirt und decretren, wie folgt: Art. 1. Der Act, welcher nach Vorſchrift des Art. 13 unſeres Decretes vom 1. März 1808, die Anzeige der Güter enthaͤlt, ſoll auf Stempel⸗Papier geſchrieben und einregiſtrirt werden. Für die Einregiſtrirung ſoll nur die beſtimmte Abgabe von einem Frane, und fuͤr die Einſchreibung in die Hypotheken⸗ Regiſter nur die Gebühr des Bewahrers bezahlt werden⸗ W 3 503 2. Da unſere Diplome, wodurch Majorate errichtet wer⸗ den, bey unſern Höfen und Tribunaͤlen in die Regiſter ein⸗ getragen werden müſſen, ſo ſollen die Ampliationen(Dnpli⸗ cate), die zu dieſem Ende davon gegeben werden, dem Stem⸗ pel und den Einregiſtrirungs⸗Gebuͤhren nicht unterworfen ſeyn. 1) Bey ihrer Eintragung in die Regiſter bey den Appella⸗ tions⸗Hoͤfen ſollen und zwar Fuͤr Majorate, welche Herzogthümer ſind„ 72 Fr. Für Majorate, welche Grafſchaften ſind„48— Für Majorate, die Baronien ſind 24— erhoben werden. Zwey Drittel der Abgaben find fuͤr die Einregiſtrirung. Das übrige Drittel iſt für die Gerichts⸗Kanzelley⸗ Fuͤr die Eintragung in die Regiſter bey den erſten In⸗ ſtanz⸗Gerichten wird nur die Hälfte der obigen Gebühr ent⸗ richtet. Dann ſoll 2) Bey ihrer Einſchreibung in die Hypotheken⸗Regiſter eben ſo viel bezahlt werden, als der Kanzelley der erſten Inſtanz⸗Tribunäle für die Eintragung in die Regiſter bey⸗ gelegt iſt. S 3. Der Act, wodurch Majorate aus eigenem Antriebe errichtet werden, oder der Verbal⸗Prozeß über die Bezeich⸗ nung der Güter, welche dieſe Majorate, und zwar ſo wohl jene, die wir ganz, als die, welche wir nur zum Theile do⸗ tirt haben, ausmachen, ſoll auf Stempel⸗Papier geſchrieben ſeyn, aber keine Einregiſtrirungs⸗Gebuͤhr davon entrichtet werden. Von der Einſchreibung in die Hypotheken⸗Regiſter ſoll nur die Gebuͤhr des Bewahrers, und von der Eintragung in die Regiſter bey den Höfen und Tribunaͤlen bloß die gewöhn⸗ lichen Gerichtskanzelley⸗Gebuͤhren bezahlt werden. z. Wird ein Verbal⸗Prozeß über die Annahme der Be⸗ dingungen, die es uns beliebt, bey der Errichtung eines Ma⸗ jorates, auf deſſen Stiftung angetragen wird, aufzulegen, abgefaßt, ſo ſoll er auf Stempel⸗Papier geſchrieben, und der 504½ beſtimmten Einregiſtrirungs⸗Gebühr von einem Franc unter⸗ worfen ſeyn⸗ §. Acte uͤber die Erwerbung unbeweglicher Güter, die nnſern Befehlen, oder unſerer Erlaubniß gemäß errichtet werden, um außer dem Reiche gelegene Güter durch andere in Frankreich zu erſetzen, ſo wie auch die Vertauſchungen in Frankreich gelegener Guͤter ſollen den nehmlichen Einregiſtri⸗ rungs⸗ und Hypotheken⸗Gebuͤhren, wie Verträge ähnlicher Natur unter Priat⸗Perſonen unterworfen ſeyn⸗ 6. Bey Beſitz⸗Veraͤnderungen, die ſich mit den Guͤtern, woraus ein Majorat beſteht, durch Todesfäͤlle ereignen, ſoll nur eben ſo viel, als fuͤr die Vererbungen des bloßen Nieß⸗ brauches in gerader Linie, bezahlt werden. Die Entrichtung dieſer Gebühr liegt dem Mojorate zur Laſt, und ſie ſoll von dem Nachfolger und der Wittwe verhaͤltnißmaͤßig gezahlt werden, ohne daſt die Nachlaſſenſchaft des verſtorbenen Ma⸗ jorats⸗Beſitzers hiefür in Anſpruch genommen werden könne. 7. Unſer Finanz⸗Miniſter wird mit der Vollziehung des gegenwaͤrtigen Decretes beauftragt. —,,— Kaiſerliches Deeret uͤber die Einleitung der auf die Majorate ſich beziehenden Geſuche. Bayonne, am 24. Junius 1303. Napoleon, ꝛc. ꝛe. Nach Anhörung unſeres Staats⸗Rathes Haben wir decretirt und verordnet, decretiren und verord⸗ hen, wie folgt: Art. 1. Die Geſuche um Errichtung eines Maiorats, welche Kraft des Art. 7 unſeres zweyten Statutes vom 1. Maͤrz 1808 angebracht werdenj jene um Veräußerung und Wiederanlegung, und überhaupt alle Geſuche, die ſich auf Majorate beziehen, und dazu geeignet ſind, im Rathe des Siegels der Titel entweder unmittelbar, oder der von uns ge⸗ W c. 5o6 ſchehenen Weiſung zu Folge unterſucht zu werden, ſollen mittelſt eines der bey unſerem Staats⸗Rathe angeſtellten Ad⸗ vocaten angebracht, eingeleitet und betrieben werden⸗ Eben ſo ſoll es in Anſehung aller Angelegenheiten ge⸗ halten werden, woruͤber der Rath des Siegels der Titel zu berathſchlagen hat⸗ 2. Ebenfalls ſollen die Aufſchlüſſe, die der General⸗Pro⸗ eurator beym Rathe des Siegels der Titel vom Impetran⸗ ten, oder vom Majorats⸗Beſitzer etwa verlangen mag, ſo wie auch die Beweiſe, die der eine und der andere beyzubrin⸗ gen gehalten iſt, mittelſt der Advocaten beym Rathe gelie⸗ fert werden, ohne daß gleichwohl hiedurch an der Verfügung des Art. 12 unſeres zweyten Statutes in Betreff der Corres⸗ pondenz etwas abgeaͤndert wird, die der General⸗Procurator über die nehmlichen Gegenſtände mit den Orts⸗Obrigkeiten fuͤhren kann. z. Wenn wir einen Titel, ganz oder zum Theile, doti⸗ ren, und zum Conſtituirungs⸗Acte der dem Majorate ange⸗ wieſenen Güter geſchritten werden ſoll, ſo ſoll der, welcher den Titel erhalten hat, einen der bey unſerem Rathe ange⸗ ſtellten Advocaten bey ſich haben, oder ſich ſogar, mit Be⸗ willigung unſeres Vetters des Prinzen Reichs⸗Erzkanzlers, durch ihn vertreten laſſen. In dieſem letztern Falle muß der, welcher den Titel er⸗ halten hat, eine Special-Vollmacht ausſtellen, worin dem Advocaten, den er beſtellt haben mag, die Macht ertheilt wird, ſich in ſeinem Nahmen, der Erfuͤllung der Bedingun⸗ gen zu unterwerfen, die wir allenfalls vorſchreiben moͤgen. g. Die Ausfertigung und Ablieferung aller offenen Briefe (kaiſerlichen Diplome) ſoll gleichfalls durch Advocaten bevm Rathe betrieben werden, die jedoch in keinem Falle den Ent⸗ wurf derſelben ihrer Bittſchrift beyfuͤgen duͤrfen. 8. Enthalten die Diplome die Errichtung eines Majora⸗ tes, ſo ſoll der General-Secretar eine von unſerem Vetter 766 N achteag. dem Erzkanzler beglaubigte Ausfertigung davon dem beſtell⸗ ten Advocaten abliefern, welcher perſönlich gehalten iſt, im Nahmen der Impetranten alle zur Eintragung geſagter Di⸗ plome in die Regiſter bey den Appellations⸗Hoͤfen und erſter Inſtanz⸗Tribunälen, ſo wie auch zu ihrer Einſchreibung in die Regiſter des Hypotheken⸗Bewahrers erforderliche Vorkeh⸗ rungen zu treffen. 6. Beweiſt der beſtellte Advocat nicht binnen einer Friſt von zwey Monaten die Eintragung in die Regiſter dadurch, daß er unſerm General⸗Procurator die beglaubigte Abſchrift des Diplomes mit der Erwähnung, daß es verkündet und in die Regiſter eingetragen worden iſt, vorzeigt, und die Trans⸗ ſcription durch ein Zeugniß des Hypotheken⸗Bewahrers, ſo ſoll auf Betreiben des General⸗Procurators, zur Erfüllung geſagter Formalitäten auf Koſten des beſtellten Advocaten, mit Vorbehalt ſeines Regreſſes gegen ſeinen Committenten geſchritten werden. 7. Die Verfuͤgungen der beyden vorhergehenden Artikel ſind auf die Aete anwendbar, wodurch die fuͤr ein Majorat beſtimmten Guͤter conſtituirt werden. 8. Die Beſtellung eines Advocaten, und die Hinterle⸗ gung der Bittſchriften, Belege und Denkſchriften geſchieht auf dem Secretariat des Siegels der Titel, in der Form, welche im Art. 27 der Verordnung vom 11. Junius 1306, und in den Art. 1, 2 und§ der Verordnung vom 22. Jul⸗, über die vor den Staats⸗Rath gebrachten Streit⸗Sachen vor⸗ geſchrieben iſt. 9. Der General⸗Seeretar des Rathes des Siegels der Titel ſoll unſerem Vetter dem Reichs⸗Erzkanzler die Bitt⸗ ſchriften, die in allen, in unſern beyden kaiſerlichen Statu⸗ ten vom 1. März vorgeſehenen Fällen, an ihn gerichtet werden müſſen, vorlegen, und auf Befehl unſeres geſagten Vetters, gedachte Bittſchriften, ſammt den von den Impe⸗ tranten, oder denen, welche mit einem Titel bekleidet ſind, beygebrachten Belegen und Denkſchriften, an den General⸗ Procurator zurückweiſen, wenn Mittheilung Statt findet⸗ Nachtras. 407 10. Die Advocaten beym Staats⸗Rathe, welche in den im gegenwärtigen Dectete enthaltenen Fällen gebraucht wer⸗ den, ſollen, bis ſchließlich hieruͤber etwas wird verordnet werden, die nehmlichen Gebühren erhalten, die ihnen für Geſchäfte, welche ſie beym Staats⸗Rathe betreiben, zuerkannt ſind, oder noch zuerkannt werden mogen. 11. Gegenwärtiges Decret ſoll dem Tage⸗Buch der Ge⸗ ſetze eingeruͤckt werden⸗ Kaiſerliches Decret, die Domanial⸗Guͤter von Deutſchland betreffend, welche die Dotation eines Majorats ausmachen. Im Pallaſte der Tuilerien, am 23. Detober 130. Napoleon, ꝛc. 7c. Wir haben decretirt und verordnet, deeretiren und ver⸗ ordnen, wie folgt: Art. 1. Die Domanial⸗Gliter von Deutſchland, welche uns durch die verſchiedenen Tractaten abgetreten worden find, und worüber es uns gefallen hat, zu Gunſten einiger unſerer Unterthanen zu disponiren, um die Dotation eines Majorats auszumachen, können weder verpfaͤndet, noch in Beſchlag genommen, noch mit Hypotheken beſchwert werden. 2. Beſagte Güter können anderſt nicht veraͤußert oder vertauſcht werden, als nach den im Titel IV. unſeres zwey⸗ ten Statutes vom 1. Maͤrz d. J. beſtimmten Formen und unter den daſelbſt feſtgeſetzten Bedingungen⸗ 3. Unſer Vetter der Prinz Reichs⸗Erzkanzler ſoll eine von ihm beglaubigte Abſchrift des gegenwärtigen Decretes an un⸗ ſere Miniſter bey den Höfen ſenden, in deren Gebiethe die oben erwähnten Güter gelegen ſind; und unſere Miniſter ſind gehalten, die Vollziehung deffelben durch alle in ihrer Macht ſtehende Mittel zu ſichern⸗ zo N 6 tt% 4. Gegenwaͤrtiges Decret ſoll überdieß ins Tage Buch der Geſetze eingeruͤckt werden. — Kaiſerliches Decret, in Betreff der Befugniß uͤber die Inſcriptionen von conſolidirten fuͤnf vom Hundert,(Renten auf den Staat) und uͤber Banknoten wieder zu disponiren, die zur Errichtung eines Majorates beſtimmt waren, welches verworfen oder zuruͤck⸗ genommen wird. Aus unſerm kaiſerlichen Lager von Madrid, am 21. December 1308. Napoleon, ꝛc. ꝛc. Auf den Bericht unſeres Miniſters des öffentlichen Schatzes, Nach Anhörung unſeres Staats⸗Rathes Haben wird decretirt und decretiren wie folgt: Art. 1. Die Inſcriptionen der conſolidirten fünf vom Hundert, die zu Folge unſeres Deerretes vom 1. März 1808, in der vem Eigenthümer gemachten Erklärung, um immobi⸗ liariſirt, unveräußerlich gemacht, und der Dotation eines Ma⸗ jorates gewidmet zu werden, begriffen worden ſeyn mögen, ſollen ihre urſpruͤngliche Eigenſchaft von Mobiliar⸗Effekten wieder annehmen, wenn das Geſuch um Errichtung eines Majorates verworfen oder zuruͤckgenommen wird. 2. Die Befugniß über geſagte Inſcriptionen zu disponi⸗ ren ſoll den Eigenthümern wiedergegeben, und die Bemerkung der Immobiliariſirung, die ſo wohl im großen Buche, als auf dem Auszuge der Inſcription gemacht worden iſt, auf ein beygebrachtes, von unſerem General-Procurator beym Rathe des Siegels viſirtes Zeugniß des General⸗Secretars des Rathes des Siegels der Titel, nachdem er die Befehle unſeres Vetters des Prinzen Erzkanzlers, wodurch die Ver⸗ 505 werfung oder die Zurücknahme des Geſuches conſtatirt wird, eingeholt hat, ausgeſtrichen werden⸗ 3. Mittelſt der vorhergehenden Verfügungen iſt der Art. 8 des Senatus⸗Conſultum, welcher ſich auf den Act, der die Anzeige der Güter enthält, bezieht, auf die Inſcriptionen der conſolidirten fünf vom Hundert nicht anwendbar. 4. Die Verfügungen der drey obigen Artikel ſind den Actien der Vank von Frankreich gemein, deren Eigenthuͤmer erklärt hat, daß er ſie fuͤr ein Majorat beſtimme; dieſe Ar⸗ tien können bis zur Ausſtreichung der Erklärung weder mit einer Oppoſition noch mit einer Hypothek beſchwert werden. §. Unſer Miniſter des öffentiſchen Schatzes iſt mit der Vollziehung unſeres gegenwärtigen Decretes beauftragt. —— Kaiſerliches Decret, uͤber die Gebuͤhren, die fuͤr die Eintragung der Diplome, wodurch Majorate errichtet werden, in die Regiſter der Juſtitz⸗Hoͤfe und Tribunaͤle zu entrichten ſind⸗ Im Pallaſte der Tuilerien am 2. Hornung 1209. Napoleon, ꝛc. 2c. Aufden Bericht unſeres Groß⸗Richters, Juſtitz⸗Miniſters; Nach Einſicht unſerer Decrete vom 24. Junius 1808, über die Majorate, Nach Anhörung unſeres Staats-Rathes, haben wir de⸗ cretirt und decretiren, wie folgt: Art. 1. Die im Art. 2 unſeres Decretes vom 24. Junius vorig. J. feſtgeſetzten Gebuͤhren ſollen fuͤr die Eintragung unſes zer Diplome, wodurch Majorate errichtet werden, in die Regiſter der Juſtitz⸗Hoͤfe und Tribunäle fortwaͤhrend bezogen werden⸗ 115 Rachteiÿß. Dieſe Gebühren ſollen auf die Urſchrift des vom Appella⸗ tions⸗Hofe oder vom erſten Inſtanz⸗Gerichte erlaſſenen Ur⸗ theils, welches die Eintragung in die Regiſter verordnet, be⸗ zogen werden⸗ Fuͤr die Conſtituirungs⸗Acte der Guͤter, welche die aus unſerem eigenen Antriebe errichteten Majorate ausmachen, ſollen nur diejenigen Gebuͤhren entrichtet werden, die in ge⸗ ſagtem Artikel dem Gerichtsſchreiber beygelegt worden find. 2. Die Gerichtsſchreiber unſerer Juſtitz Höfe und Tribunäle follen fuͤr Koſten der Einſchreibung der Diplome, und Verbal⸗ Prozeſſe, oder der Conſtituirungs⸗Acte der Guͤter, welche die Majorate ausmachen, und zwar für jedes Blatt der vom General⸗Secretar unſeres Rathes des Siegels der Titel ab⸗ gelieferten und gemäß dem Art. 5 unſeres Decretes vom 24. Junius 1808 uͤber die Einleitung der auf Majorate ſich be⸗ ziehenden Geſuche von unſerem Vetter dem Prinzen Reichs⸗ Erzkanzler beglaubigten Ausfertigung, drey Franes beziehen⸗ 3. Der General⸗Secretar unſeres Rathes des Siegels der Titel ſoll unter jeder Ausfertigung die Anzahl die Blaͤt⸗ ter bemerken⸗ g. Unſer Groß⸗Richter, Juſtitzminiſter iſt mit der Voll⸗ ziehung unſeres gegenwaͤrtigen Decretes beauftragt. Kaiſerliches Decret, die Juden betrefſend. Im Pallaſte der Tuilerien, am 17. Märt u0 Napoleon, ꝛc. 2.. Nach Anhörung unſeres Staats⸗Rathes Haben wir decretirt, und decretiren wie folgt? Erſter Abſchnitt⸗ Art. 1. Von der Verkündigung des gegenwärtigen De⸗ gretes anzurechnen, iſt der durch unſer Deeret vom 3o. Mai Rachtraz. 31½ 1806 für die Zahlung der Forderungen der Juden verhängte Aufſchub aufgehoben. 2. Geſagte Forderungen ſind jedoch folgenden Verfügun⸗ gen unterworfen. 3. Jede Verpflichtung wegen eines Darlehns, welches Juden an Minderjährige ohne Bewilligung ihres Vormundes, an Frauen ohne Autoriſation ihres Mannes, an Militar⸗Per⸗ ſonen ohne Erlaubniß ihres Hauptmannes, wenn es ein Sol⸗ dat oder Unteroffizier iſt, oder des Chefs des Corps, wenn es ein Offizier iſt, iſt von Rechts wegen nichtig, ohne daß die Inhaber oder Ceſſionarien ſich darauf zu ihrem Vortheile beziehen, und unſere Gerichte irgend eine Klage oder Ver⸗ fahren daraus autvriſiren duͤrfen. 4. Kein Wechſel⸗Brief, kein Schein, der auf Ordre lau⸗ tet, keine Schuld⸗Verſchreibung oder Verſprechen, welches. von einem unſerer Unterthanen, der kein Handelsmann iſt, zum Vortheile eines Juden unterzeichnet worden iſt, kann eingefordert werden, ohne daß der Inhaber beweiſt, daß deſſen Werth ganz und ohne Betrug hergegeben worden ſey⸗ 5. Jede Forderung, deren Capital auf eine offenbare oder verborgene Art, durch Anhaͤufung mehrerer Zinſen als fuͤnf vom Hundert erſchwert worden iſt, ſoll von unſern Tribund⸗ len herabgeſetzt werden. Ueberſteigen die zum Capital geſchlagenen Zinſen fünf vom Hundert, ſo ſoll die Forderung für wucheriſch erklärt, und als ſolche vernichtet werden. 6. In Anſehung der rechtmaͤßigen und nicht wucheriſchen Forderungen ſind unſere Gerichte ermächtigt, den Schuld⸗ nern billige Zahlungs⸗Friſten zu geſtatten⸗ 8 weyter Abſchnitt⸗ 7. In der Zukunft, und vom x. des kuͤnftigen M. Julius an, darf kein Jude irgend einen Handel im Großen oder im Fleinen, noch ſonſt ein Geſchäft, welches in Kaufen, Ver⸗ 512 9 kaufen oder Austauſchen beſteht, treiben, ohne zu dieſem Ende ein Patent vom Präfecten des Departements erhalten zu ha⸗ ben; dieſes Patent ſoll nur auf genau eingezogene Erkundi⸗ gungen, und auf ein Zeugniß 1) des Municipal-Rathes, daß beſagter Jude, weder Wucher noch einen unerlaubten Handel getrieben, 2) des Conſiſtoriums der Synagoge, in deren Bezirke er wohnt, über ſeine gute Aufflhrung und Red⸗ lichkeit, ertheilt werden⸗ 8. Dieſes Patent muß alle Jahre erneuert werden⸗ o. Unſere General⸗Procuratoren bey unſern Juſtitz-Höfen werden insbeſondere beauftragt, geſagte Patente mittelſt einer eigends da fuͤr erlaſſenen Entſcheidung des Hofes widerrufen zu laſſen, ſo oſt es zu ihrer Wiſſenſchaft gelangt, daß ein mit einem Patente verſehener Jude Wucher treibt, oder ſich mit einem betrügeriſchen Handel abgibt⸗ 10. Jedes von einem nicht patentiſirten Juden vorge⸗ nommene Handels⸗Geſchäft iſt nichtig und kraftlos⸗ II. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit jeder von einem nicht patentiſirten Juden auf Guͤter genommenen Hypothek, wenn bewieſen wird, daß die Hypothek für eine Forderung, die aus einem Wechſel⸗Briefe entſpringt, oder für irgend ein Han⸗ dels⸗Geſchäft im Großen oder Kleinen, genommen worden iſt 12. Alle Contraete oder Schuld⸗Verſchreibungen, die zu Gunſten eines nicht patentiſirten Juden für Urſachen unter⸗ zeichnet worden ſind, die mit dem Handel im Großen oder Kleinen oder ſonſtigen Handels⸗Geſchäften nichts gemein ha⸗ ben, können zu Folge einer gerichtlichen Information von unſern Tribunälen nochmahls unterſucht werden⸗ Der Schuld⸗ ner ſoll zum Beweiſe zugelaſſen werden, daß Wucher oder ein Reſultat eines betrügeriſchen Handels vorhanden ſey; wird der Beweis geliefert, ſo kdnnen die Forderungen entwe⸗ der vom Gerichte nach Gutbefinden heruntergeſetzt, oder wenn der Wucher zehn Prozent uͤberſteigt, für nichtig erklaͤrt werden⸗ P a 1„ 9 513 13. Die Verfuͤgungen des Art. 4, Tit. 1 bes gegenwär⸗ tigen Decretes, in Betreff der Wechſel-Briefe, der Scheine, die auf Ordre lauten, ꝛc. ſind für die Zukunft ſo wohl als für die verfloſſene Zeit anwenbbar. 14. Kein Jude darf Dienſtbothen oder Leuten, die gegen Lohn dienen, auf Pfänder leihen; ſelbſt andern Perſonen darf er nicht auf Pfänder leihen, als in ſo fern darüber ein No⸗ tarial⸗Act verfertigt wird, worin der Notar bezengt, daß die Geldſorten in ſeinem und der Zengen Beyſeyn überzaͤhlt wor— den ſind, unter der Strafe, daß er widrigenfalls alles Recht auf das Pfand verliert, deſſen unentgeldliche Zurückgabe in dieſem Falle von unſern Tribunälen und Hoͤfen verordnet werden kann. 15. Unter den nehmlichen Strafen, dürfen die Juden keine Inſtrumente, Geräthſchaften, Werkzeuge und Kleidungs⸗ ſtuͤcke von Arbeitern, Tagloͤhnern und Stſthethen als Un⸗ terpfand annehmen⸗ Dritter Abſchnitt. 16. Kein Jude, der nicht wirklich in unſern Departe⸗ menten des Ober- und Nieder⸗Rheins wohnhaft iſt, ſoll künf⸗ tig zugelaſſen werden, ſich dort niederzulaſſen. Kein Jude, der nicht wirklich anſäßig iſt, darf ſich in andern Departementen unſeres Reiches niederlaſſen, es ſey dann, daß er ein Grund⸗Eigenthum erworben habe, und ſich dem Acker⸗Bau widmen werde, ohne ſich uͤbrigens mit ir⸗ gend einem Handel im Großen oder im Kleinen abzugeben. Von den Verfügungen des gegenwaͤrtigen Artikels können Kraft einer von Uns herrührenden beſondern Erlaubniß Aus⸗ nahmen gemacht werden⸗ 17. Die Judenſchaft in unſern Departementen wird nicht zugelaſſen, ſich bey der Conſeription durch andere er— ſetzen zu laſſen; jeder conſeribirte Jude iſt dieſem zu Folge dem perſönlichen Dienſie unter worfen⸗ ——————— —— 514 N c 5 Allgemeine Verfuͤgungen. 18. Die im gegenwärtigen Decrete enthaltenen Verfügune gen ſollen zehn Jahre lang vollzogen werden, indem Wir hoffen, daß bey Ablauf dieſer Friſt, und mittelſt der ver⸗ ſchiedenen in Hinſicht der Juden ergriffenen Maßregeln, zwi⸗ ſchen ihnen und den übrigen Buͤrgern unſeres Reiches kein Unterſchied mehr ſeyn wird; wobey wir Uns jedoch fuͤr den Fall, wenn wir Uns in unſerer Hoffnung getäuſcht ſehen ſollten, vorbehalten, die Vollſtreckung deſſelben, ſo lange als Uns dienlich ſcheinen wird, zu erweitern. 10. Die in Bordeaur und in den Departementen der Gironde und der Haiden anſäßigen Juden ſind, weil ſie zu keiner Klage Anlaß gegeben haben, und kein unerlaubtes Gewerb treiben, von den Verfügungen des gegenwärtigen Decretes ausgenommen.*) 20. Unſere Miniſter ſind, und zwar jeder von ihnen in dem, was ihn betrifft, mit der Vollziehung des gegenwärti⸗ gen Decretes beauftragt. Ende des vierten und letzten Bandes. ) Durch ein Decret vom 16. Julius 1803 ſind die zu Livorns anſaͤßigen Juden ebenfalls von den Verfuͤgungen dieſes Deeretes ausgenommen worden. B⸗ 113 Druckfehler und Verbeſſerungen. I. Pand. Seite 106, Art. S§. leſe man:» In allen Fällen, wo jemand eines gewaltſamen Todes, oder in einem Gefaͤngniſſe oder Zwangshauſe verſtorben iſt, ꝛc. ꝛc. Seite 135, Zeile 6, S. 137 3. 26, S. 130, 3. 1, 19, 22; S. 140, Z. 4, 5, 6 und 18, S. 142, 3. 35, leſe man Buͤrgſchaft, ſtatt Sicherheit. Seite 3o8 N.o 3) leſe man:„ Wenn das Kind für nicht lebensfähig erklaͤrt worden iſt. ⸗ II. Band. Seite§, Art. 520 ſetze man hinzu: „ Sobald die Feldfrüchte abgemäht und die „ Baumfruͤchte abgenommen ſind, gehoͤren ſie un⸗ „ter die beweglichen Güter, obgleich ſie noch nicht „ weggebracht worden ſind.« „ Iſt nur ein Theil der Ernte geſchnitten, ſo „gehört auch dieſer allein unter die beweglichen „ Güter,« Seite 37, Art. 358, ſtatt„ wenn es auf die Höhe ge⸗ ſtiegen iſt, wo man den Teich ablaſſen kann, leſe man: Wenn es bis auf die Höhe des Abfluſſes geſtiegen iſt.„ Seite 227, Art. 777, ſtreiche man in der dritten Zeile das Wort andere aus. Seite 292, Art. 342, Z. 4 ſtatt Urkunden, die ein ge⸗ theiltes Eigenthum betreffen, leſe man:» Urkunden die eine getheilte Erbſchaftsſache betreffen.« Seite 347, 3. 9, leſe man Art.§04. III. Band. Seite 8, Zeile 15 ſtatt Cunius leſe man Cneius. Seite 18g4, Art. 1379, Zeile 12, ſetze man nach den Worten: in Natur zu erſetzen, hinzu:» Wenn ſie noch vorhanden iſtr 516 g Seite 236, Zeile 11 und S. 257, Z. 6 fetze man nach den Worten: Scheidung von Tiſch und Bette, noch hinzu:» und in Rückſicht des Vermögens.« Seite 278, Zeile 24, leſe man:» ihr geſammtes gegen⸗ wärtiges und künftiges Mobiliar-Vermögen.« Seite 231, Zeile 15 leſe man;» Aber ſie kann es, ohne „ Autvriſativn des Mannes, oder wenn dieſer ſie ver⸗ »weigert, ohne Erlaubniß des Gerichtes weder ver⸗ »äußern, noch in Ruͤckſicht dieſes Vermoͤgens vor Ge⸗ „richt ſtehen.« Seite 378, Zeile§, ſtatt redlſche und geſetzliche Koſten, lefe man;„ Koſten und geſetzmäßige Gebuͤhren.« Seite: 412, Zeile 6, leſe man:» wgs die Sache mehr werth iſt.« Seite 446, Art. 1736, Z. 26, ſtatt Mieth⸗ vder Pacht⸗ Contract, leſe man bloß:» Mieth⸗Contract« Seite 498 rſte Zeile in der Note, leſe man:»das zum verpachteten Viehſtande.« IV. Band. Seite 110, Art. 2001, Zeile 30, leſe man: wo der Vorſchuß erwieſener Maſſen geſchehen iſt.« 517 Summariſcher⸗Inhalt des Vierten Bandes. Seite IX. Tit. Von dem Societaͤts⸗Contracte 1 Cap. Allgemeine Verfügungen„ daſ⸗ Cap. Von den verſchiedenen S der Ge⸗ e„ 4 1. Abſchn. Von univerſellen Geſellſ ſte.. 5 l. Abſchn. Von der Partieular⸗Geſellſchaft. 8 UI. Cap. Von den Verpflichtungen der Geſell⸗ ſchafter untereinander und im Verhältniß zu drit⸗ 6 Perſonen„„ 9 Abſchn. Von den der Geſellſchafter untereinander 2 daſ. U. Abſchn. Von der Verpſlichtunz dor otuhten in Beziehung auf dritte Perſonen. 5 21 IV. Cap. Von den verſchiedenen Arten, wie der Geſellſchafts⸗Contract ſich endiget 24 Verfügung in Beziehung auf Hanblungs⸗Geſellſchaften 30 X. Tit, Von dem Leih-und Darlehens⸗Con⸗ trackt 3 I. Cap. Von dem Leih⸗Contracte„„ 2 1. Abſchn. Von der Natur des Leih⸗Contractes. daſ. 1I. Abſchn. Von den Verpflichtungen des Entlehners 34 111. Abſchn. Von den Verpflichtungen des Leihers 37 318 Summariſcher Inhalt. Seite IHI. Cap. Von dem Darlehn„0 1. Abſchn. Von der Natur des Darlehns„ daſ. 1I. Abſchn. Von den Fflichten des Darleihers„ 43 UI. Abſchn. Von den FPflichten des Lehners 45 III. Cap. Von dem Darlehn gegen Zinſen„ 46 XI. Tit. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte und der Sequeſtratido„466 I. Cap. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte im All⸗ gemeinen, und deſſen verſchiedenen Gattungen, daſ. II. Cap. Von dem Hinterlegungs⸗Contracte im ei⸗ gentlichen Sinne des Wortes„„daſ. 1. Abſchn. Von der Natur und dem Weſen des terlegungs⸗Contraetes 4 daſ. M. Abſchn. PVon der freywilligen ee 64 III. Abſchn. Von den Fflichten des Depoſitars„ 72 1W. Abſchn. Von den Fflichten des Deponenten. 30 v: Abſchn. Von der abgenöthigten Hinterlegung. 81 II. Cap. Von der Sequeſtration„386 1. Abſchn. Von den verſchiedenen Gattungen der Se⸗ queſtration. 3 daſ. II. Abſchn. Von der Sequeſtration, 5 wioe ei⸗ nes Vertrags geſchieht. daſ. III. Abſchn. Von der gerichtlich izetuzetii en ſtration oder Hinterlegung.. 38 XII. Tit. Von gewagten Geſchaͤften, ouu⸗ und Hoffnungs⸗Vertragen. or I. Cap. Von dem Spiel und der Wette„„ daſ. II Cap. Von dem Leibrenten⸗Contracte 93 I. Abſchn. Von den Bedingungen, welche Wr keit des Contractes erforderlich ſind. daſ. 1I. Abſchn. Von den Wirkungen des cnn unter den contrahirenden Theilen 97 XIII. Tit. Bon dem Vollmachts⸗Contracte 0 I. Cap. Von der Natur und der. des Voll⸗ machts⸗Contractes„ aſ II. Cap. Von den Pflichten des Bevollmächtigten. 106 III. Cap. Von den Pflichten des Machtgebers„ 109 Summariſcher Inhalt 519 Seite IV. Cap. Von den e wie eine Vollmacht erliſcht„„ XIV. Tit. Von der Bärgſchaſt 3 I. Cap. Von der Natur dem Umfange der Buͤrg⸗ ſchaſt rrr II. Cap. Von den Wirkungen der Bürgſchaft 121 I. Abſchn. PVon den Wirkungen der Lürgſcaß unter dem Gläubiger und dem Buͤrgen daſ. II. Abſchn. Von den Wirknngen der Lůrgſchaft Schuldner und dem Buͤrgen S 128 „Abſchn. Von den Wirkungen der Bürgſchaft un⸗ ter den Ritbuͤrgen 132 III. Cap, Von Erlöſchung der Zürgſchaft daſe IV. Cap. Von der geſetzlichen und der gerichtlichen Bürgſchaft„ XV. Tit. Von dem Vergleiche XVI. Tit. Von dem perſoͤnlichen Arreſte, als einem Executionsmittel in Civilſachen 146 XVII. Tit. Von dem Pfand-Contracte 162 I. Cap. Von dem Fauſtpfande 163 II. Cap. Von dem S unter einem antichreti⸗ ſchen Vertrag„ XVII. Tit. Von Privilegien und- Hypotheken 176 I. Cap. Allgemeine Verfügungen 232 II. Cap. Von den Privilegien„233 I. Abſchn. Von i die an Statt haben 241 F. I. Von incu⸗ vun an den Mo— bilien daſ. F. 1I. Von privilegien an gepiſie Nobilien 244 II. Abſchn. Von Privilegien an Immobilien 254 III. Abſchn. Von den Privilegien, die ſich auf die Mo⸗ bilien und Immobilien zugleich erſtrecken. 278 IV. Abſchn. Wie die in St Kraft er⸗ halten werden. 260 IM. Cap. Von den Hypotheken 276 1. Abſchn. Von den geſetzlichen Sie 264 II. Abſchn. Von den gerichtlichen Hypotheken 287 Summariſcher Inhalt. 6 Seite 1II. Abſchn. Von den vertragsmaͤßigen Hppotheken 291 IW. Abſchn. Von der ai der Hypotheken. 6 298 IV. Cap. Von der Art, wie privilegien dphe⸗ theken eingetragen werden 36 V. Cap. Von der Ausſtreichung und Reduction der eingetragenen Privilegien und Hypotheken„363 VI. Cap. Von der Wirkung der Privilegien und Hypotheken wider dritte Beſitzer 370 VI. Cap. Bon der Erldoſchung der Privilegien und Hypotheten 3 VIIi. Cap. Von der Art ſein Eigenthum von Pri⸗ und Hypotheken zu befreyen„„353 Cap. Von der Art, die Guͤter der Ehegatten der Vormünder von den darauf haftenden Hy⸗ petheken zu befreyen, wenn dieſe gar nicht darauf kingetragen ſind X. Cap. Von der Publicität der Regiſter und der Verantwortlichkeit der Hypotheken-Bewahrer 409 KIM Tit. Von der nichtfreywilligen oͤffentli— chen Verg mntung liegender Guͤter und der Rongordnung unter den Glaͤubigern„412 I. Cap. Von der unfreywilligen öffentlichen Vergan⸗ tung liegender Güter 414 H. Cap. Von der Rangordnung und der Verthei⸗ lung des Preiſes unter den Gläubigern„421 XX Tit. Von der Verährung aſ⸗ Cap⸗ Allgemeine Verfügungen 425 II. Cap. Von dem Beſitze„ 429 III. Cap. Von den Urſachen, welche die Verjäh⸗ S Sernde Cap. Von den Urſachen, welche die Verjaͤh⸗ unterbrechen, oder in Stillſtand bringen 436 I. Abſchn. Von den Phhen welche die Verjährung unterbrechen. 437 II. Abſchn. Von den 66 u der Verjaͤhrung in Stillſtand gerätht 444 V. Cap. Von der zur Verjährung erfordellichen geitnß Summariſcher Inhalt 541 Seite I. Abſchn. Allgemeine Verfügungen. 452 1I. Abſchn. Von der Verjährung in dreyßig Jahren daſ. III. Abſchn Von der Perjährung in zehn und zwan⸗ zig Jahren*. IV. Abſchn. Von einigen beſondern Arten der Verjaͤh⸗ rung 454 2.. 457 Geſetz uͤber die Vereinigung der buͤrgerlichen Geſetze in eine einzige Sammlung unter dem Titel: Code civil des Frangais(Civil⸗Geſetz⸗ buch der Frntoſeh)% Nachira Kaiſerliches Decret uͤber die Titel„ 481 Kaiſerliches Decret uͤber die Majotate.. 484 I. Tit. Von den Formen, welche diejenigen zu beo⸗ bachten haben, die bey Errichtung eines Majora⸗ tes ihre Titel zu vererben ermaͤchtigt werden„ 485 1. Abſchn. Bildung, Form und Prüfung des Geſuches um Errichtung der Majorate 3 2 1I. Abſchn. Von den Majokaten, die von penjenigen errichtet werden, welche die Befugniß haben ihren Titel zu vererben. 436 Ul Abſchn. Ablieferung, Verkuͤndigung, und Eintra⸗ gung der offenen Briefe(Diplome) in die Regiſter II. Tit. Von den Formen, die in Vetreff der Ma⸗ jorate zu befolgen ſind, welche entweder aus eige⸗ nem Antrieb, oder auf Verlangen derjenigen errich⸗ tet werden, die das Recht nicht haben, die Verer⸗ bung nachhüſichen I. Abſchn. Majorate, die aus eigenem Antrieb errichtet daſ. 490 werden.. daſ⸗ l. Abſchn. Majorate, die auf Verlangen errichtet wer⸗ .. 2 ⸗ 491 III. Tit. Von den Wirkungen der Errichtung der Majorate 1. Abſchn. Von den Wirkungen der Errichtung der Ma⸗ jorate, in Anſehung der Perſonen. daſ. 1I. Abſchn. Von der Wirkung der Errichtung der Ma— jorate, in Betiehung auf die Güter, woraus ſie beſtehen 494 5. 1. Von der Beſchaffenheit der Güter„ daſ⸗ Summariſcher Inhalt. Seite F. 11. Vom Genuſſe der Süter„ e 5 495 IV. Tit. Von der Erlaubniß, die den Majoraten anklebenden Güter zu veräußern; von den Formali⸗ täten dieſer Veräußerung und von der Wiederan⸗ legung 0 1. Abſchn. Von der Erlaubniß die einem Majorate an⸗ tlebenden Güter zu veräußern. 11 1U. Abſchn. Von der Wiederanlegung des aus den ver⸗ äußerten Gütern gelößten Kaufpreiſes 495 V. Tit. Allgemeine Verfügungen„ 5o Faiſerliches Decret uber die Einregiſtrirungs⸗und Transſcriptions⸗Gebuͤhren der auf die Errich— tung der Majorate ſich beziehenden Acte„ 5o2 Kaiſerliches Decret uber die Einleitung der auf die Majorate ſich beziehenden Geſuche„ 506 Kaiſerliches Decret, die Domanial⸗Güter von Deutſchland betreffend, welche die Dotation eines Majorates ausmachen 509 Kaiſerliches Decret, in Betreff der Befugniß uber die Inſcriptionen von conſolidirten fuͤnf vom Pundert,(Renten auf den Staat) und uͤber Banknoten wieder zu disponiren, die zur Errichtung eines Majorates beſtimmt waren, e. welches verworfen oder zuruͤckgenommen wird 310 Kaiſerliches Decret, uͤber die Gebuͤhren, die fuͤr die Eintragung der Diplome, wodurch Majorate errichtet werden, in die Regiſter der Juſtitz⸗Boͤfe und Tribunäle zu entrichtenſind 512 Kaiſerliches Dectet, die Juden betreffend. 5i3 daſ. n. Abſchn.„ M 1