———— — Vollſtaͤndige Unterweiſung der Beamten des Livilſtandes ihren ſämmtlichen Verrichtungen. Preis: 8 Groſchen. Caſſel, gedruckt in der Waiſenhaus⸗Buchdruckerey. 1 3 o. —— — „ T „ — 4 ———— Dourh die Koͤnigliche Verordnung vom 22ten Ja⸗ nuar 1808 war den Predigern nur die Fuͤhrung der Regiſter des Civilſtandes, ohne beſondere Erwähnung der uͤbrigen Geſchaäffte eines Beamten des Civilſtandes uͤber⸗ tragen worden; nur auf jene beſchränkte ſich daher auch IV die im Februar und März d. J. in zwey Auflagen*) er⸗ ſchienene Anweiſung fuͤr Prediger ꝛc.— Durch die nachherige offirielle Inſtruction ward aber jener Auf⸗ trag auf den ganzen Geſchaͤfftskreis eines Be⸗ amten des Civilſtandes ausgedehnt, es ward den Predigern auch die Abſchlieſung der Ehen nach der im Geſetzbuche Napoleons vorgeſchriebenen Formen, es ward ihnen der Ausſpruch der Eheſcheidungen, die Außzeich⸗ nung der Adoptionen, zur Pflicht gemacht, und hierdurch ein neuer vollſtaͤndiger Unterricht, der auch alle dieſe Functionen umfaßt, durchaus nothwendig. 6 Delius in Halberſtadt hat die erſte nachgedruckt, als die zweite, in vielen Stuͤcken verbeſſerte, laͤngſt er⸗ ſchienen war. Einen aͤhnlichen Verſuch in Anſehung dieſer Schrift wuͤrde der Verfaſſer nicht ſo gleichguͤl⸗ tig anſehen! V In Frankreich iſt zu dieſem Zwecke ein Werkchen erſchienen, welches unter dem Titel: Guide de Foſicier de etat eivil, alle Obligenheiten der Beamten des Ci⸗ vilſtandes genau aufzaͤhlt und erläutert; dies durch Ueber⸗ ſeßung auch fuͤr das Koͤnigreich Weſtphalen branchbar zu machen, war Anfangs die Abſicht des Verfaſſers jener Anweiſung; doch bald uͤberzengte er ſich, daß ei⸗ ne ſolche Ueberſeßung wieder ſo viele Erlaͤuterungen und und Zuſätze beduͤrfen werde, daß er ſtatt deren eine eigne Unterweiſung ſchreiben koͤnne. Dieſe nun enthaͤlt die gegenwärtige Schrift, deren einzelne Säße durchgehends mit Quellen, woraus ſie geſchopft wurden, belegt ſind, nicht damit der Leſer dieſe ſelbſt vergleiche, ſon⸗ dern damit keine der aufgeſtellten Regeln als einſeitige und willkärliche Anſicht des Verfaſſers erſcheine. VI Schlieslich glaubt der Verfaſſer ſich verbunden, zur Rechtfertigung ſeines bereits öffentlich mitgetheilten Ur⸗ theils uͤber eine ähnliche Schrift des Herrn Paſtor Witting zu Braunſchweig einiges ſagen zu muͤſſen. Er warf dieſer Schriſt Unvollſtändigkeit und Unrichtig⸗ keiten vor. Zum Beweiſe der erſteren dient, daß von Adoptions⸗ und Eheſcheidungsurkunden gar nichts geſagt iſt, zum Beweiſe der leßteren, daß z. B. nach S. 19 der Bevollmächtigte 21 Jahre alt ſeyn muß, und daß die Documente unterſchrieben werden ſollen, da doch nur ein bloßer Handzug vheethe iſt; daß ferner nach S. 32 die Ehe durch das Miniſterium an⸗ gefochten werden koͤnne(ministère public bezeichnet das officium der königlichen Procuratoren); daß nach S. 34 das Aufgebot an dem Wohnorte der Vormünder und Curatoren geſchehen muſſe; daß nach S. 51 auch Töch⸗ VII ter vom 28ten bis zum Zoten Jahre das ehrerbietige Geſuch dreimal wiederholen ſollen; daß nach S. 54 die Guͤtergemeinſchaft nur durch einen Ehevertrag einge⸗ fuͤhrt werden könne; daß nach S. 58. 59. und 67. bey ehelichen Kindern die Einwilligung der Vormuͤnder, und bey unehelichen die des Familienraths erfordert werde; daß nach S. 63 der Einſprechende erklaͤren muͤſſe, an dem Orte der Abſchlieſung der Ehe wohnen zu wollen,(der Art. 176 redet vom Gerichtsſtande); daß nach S. 69. die chriſtliche Einſegnung der Ehe zu erwaͤhnen ſey; daß nach S. 34 die eidliche Verſiche⸗ rung der 4 Zeugen als hinreichend angenommen wird, da doch auch die der Ehegatten ſelbſt hinzu kommen muß.— Uebrigens hätte auch in der Rachſchrift bemerkt werden ſollen, daß zufolge der officiellen Inſtruction nicht ₰ ſon⸗ dern nur ein Regiſter, außer dem fuͤr die Aufgebote, VIII zu halten iſt, und daß, wenn die Geburt nach drey Ta⸗ gen angezeigt wurde, der Beamte des Civilſtandes ſich zunächſt an den koniglichen Procurator zu wenden hat. Der Verfaſſer. eſp die gel ein ſich R 2 Un diejenigen Vorgaͤnge des menſchlichen Lebens, welche auf die Exiſtenz und die perſoͤnlichen Verhaͤltniſſe der Staatsbuͤr⸗ ger einen unmittelbaren und weſentlichen Bezug haben, auf eine glaubwuͤrdige und ſichere Art zu beurkunden, hat man in Frankreich vorlaͤngſt ſchon die Einrichtung getroffen, daß bey allen ſolchen Vorgaͤngen gewiſſe beſonders dazu beauf— tragte offentliche Beamten zugezogen werden muͤſſen, denen das Geſetz ſehr genaue und buͤndige Vorſchriften ihres Ver⸗ haltens bey jeder ſich darbietenden Veranlaſſung ertheilt hat. Man nennt ſie Beamten des Civil⸗ oder Perſonen⸗ Standes. Auch im Koͤnigreiche Weſiphalen gilt nunmehr dieſe Ein— richtung, nachdem nicht nur das Geſetzbuch Napoleons durch den 45ten Artikel der Conſtitution als buͤrgerliches Geſetzbuch fuͤr dieſes Königreich aufgenommen, ſondern auch durch ver⸗ ſchiedene Koͤnigliche Verordnungen noch naͤhere Beſtimmungen daruͤber gegeben worden ſind. Das Königliche Decret vom 22ten Januar 1go8, welches ſich im Anhange dieſer Schrift unter Nro. I. abgedruckt fin— det, uͤbertragt den Predigern des Konigreichs Weſtphalen die Verrichtung der Beamten des Civilſtandes in Ruͤckſicht faͤmmt— licher Unterthanen katholiſcher, reformirter und lutheriſcher 1 4 ———— — Religion a), und das Koͤnigliche Decret vom zrten Maͤrz g. J. beauftragt damit in Ruͤckſicht der Juden die Maires und deren Adjuncten.— Fuͤr eine ſehr große Claſſe der Staats⸗ dienerſchaft iſt es daher von der aͤußerſten Wichtigkeit, genau davon unterrichtet zu ſeyn, worin die Pbliegenheiten eines Beamten des Civilſtandes beſtehen, und wie ein ſolcher ſich zu verhalten habe, um ſeiner ihm ſo ſtreng und unter An⸗ drohung bedeutender Strafen gebotenen Pflicht ein vollſtaͤn⸗ diges Genuͤge zu leiſten. Dieſem Zwecke durchaus entſprechend iſt nun zwar die von Seiten des Juſtizminiſteriums vor Kurzem bekannt ge⸗ machte Inſtruction; aber deren erſte Vorſchrift iſt, daß die Prediger(an welche dieſelbe zunaͤchſt gerichtet iſt) damit an⸗ fangen ſollen, ſich mit den Verfuͤgungen, welche das Ge⸗ ſetzbuch Napoleons in Beziehung auf ihr neues Amt enthaͤlt, ganz vertraut zu machen, und es bedarf alſo, da man nicht voraus ſetzen kann, daß ein jeder ſolcher Beamter ſich das Geſetzbuch ſelbſt anſchaffen werde, und die officielle ueberſetzung deſſelben ſogar noch nicht einmal zu haben iſt, noch einer Unterweiſung, die ihnen den vollſtaͤndigen Inhalt jener Verfuͤgungen mittheilt, und durch eine zweckmaͤſige An⸗ — a) Nur diejenigen Militairperſonen, welche ſich außerhalb des Staatsgebietes aufhalten, ſind hiervon ausgenommen, in⸗ dem das Geſetzbuch Napoleons fur dieſe und fuͤr alle auf einer See⸗ reiſe begriffenen Perſonen gans eigne Vorſchriften enthält, die un⸗ ter Nro. IV des Anhange, Art.59⸗61 und 36⸗ 93, vollſtändig mitge⸗ theilt werden.— Die im Lande befindlichen Militairperſonen haben ſich durchaus nach den allgemeinen Regeln füͤr alle uͤbrigen Unter⸗ thanen zu richten: Supplément du code Napoléon. p. 159. 3 einanderreihung derſelben eine ſpecielle Ueberſicht des ganzen Umfangs ihres Amts gewaͤhrt. Dies iſt die Beſtimmung der gegenwaͤrtigen Schrift, die daher zunaͤchſt eine ausfuͤhrliche Anleitung zu den ſaͤmmtlichen Verrichtungen der Beamten des Civilſiandes, ſodann aber in einem Anhange nicht nur alle hierauf Beziehung habenden Stellen des Geſetzbuches Napo⸗ leons nach ihrem buchſtaͤblichen Inhalte, ſondern auch die bey der Fuͤhrung der Regiſter des Civilſtandes zu gebrauchenden Formulare, in moͤglichſter Vollſtaͤndigkeit mittheilt. 5 Vorbemerkung. Die Obliegenheiten der Beamten des Civilſtandes zerfal⸗ len, ihrem Gegenſtande nach, in zweh Hauptklaſſen: 1) ſol⸗ che, wodurch er blos das Daſeyn gewiſſer fuͤr die buͤrgerliche Exiſtenz wichtiger Vorgaͤnge des menſchlichen Lebens bezeugt und beurkundet, und 2) ſolche, wodurch er bey der Entſte⸗ hung rechtlicher Vechaͤltniſſe, die ſich auf den perſoͤnlichen Zu⸗ ſtand beziehen, ſelbſt mitwirkt. Denen der erſteren Art ge⸗ nugt er durch die Fuͤhrung des Regiſters des Civilſtandes, wovon im zweiten Capitel die Rede ſeyn wird, die der letzte⸗ ren beziehen ſich nur auf die Abſchließung und Trennung der Ehe, und von dieſen wird hier zunaͤchſt gehandelt werden. Erſtes Capitel. Von den Verrichtungen des Beamten des Civilſtandes bey der Abſchlie⸗ ſung und Trennung der Ehen. Erſter Abſchnitt. Von der Abſchlieſung der Ehe. Ohne Zweifel iſt wohl die Verheirathung eine der wich⸗ tigſten Handlungen des Lebens, und mit Recht hat daher das Geſetz gewiſſe Foͤrmlichkeiten angeordnet, die dabey beobachtet werden muͤſſen. Dieſe Formlichkeiten, welche theils der Ab⸗ ſchlieſung der Ehe voraus gehen, theils unmittelbar mit der⸗ — 5 ſelben verbunden ſind, erfordern die groͤßte Aufmerkſamkeit, da deren gaͤnzliche Hintanſetzung oder nicht gehoͤrige Wahr⸗ nehmung entweder die Ehe ganz unguͤltig, oder wenigſtens den Beamten des Civilſtandes, welcher dieſelbe abgeſchloſſen hat, in hohem Grade verantwortlich und ſtrafbar macht. Die der Abſchlieſung der Ehe vorausgehenden Foͤrmlich⸗ e keiten beſtehen hauptſaͤchlich in den erforderlichen Aufgeboten, 5 bendec⸗ und in der Vorlegung gewiſſer urkunden. Der Zweck dieſer keiten. letzteren iſt, den Beamten des Civilſtandes glaubhafter Weiſe davon zu uͤberzeugen, daß alle Bedingungen wirklich vorhan⸗ den ſind, ohne welche das Geſetz die Abſchlieſung der Ehe nicht geſtattet, und es iſt daher ſehr rathſam, daß ſich der⸗ ſelbe jene Urkunden vorlegen laͤßt, ehe er zu den Aufgeboten ſchreitet, weil es ſonſt leicht dahin kommen koͤnnte, daß eine ſchon verkuͤndigte Ehe wegen Mangels eines noͤthigen Erfor⸗ derniſſes unterbleiben muͤßte b). Die hier folgende genaue Beſchreibung des Verhaltens der Beamten des Civilſtandes, in Anſehung der noch vor Ab⸗ ſchlieſung der Ehe zu berichtigenden Foͤrmlichkeiten, wird dieſen Beamten eine vollſtaͤndige Bel ehrung uͤber ihre desfalſigen Pflichten gewaͤhren. Wenn zwey Perſonen ſich bey dem Beamten des C. St. Si an dem Wohnorte eines derſelben e) melden, und ihm ihre berP Abſicht, einander zu heirathen, mittheilen, ſo muß er ſich zi aufs genaueſte erkundigen, ob bey ihnen beiden alle Erforder⸗ b) Offizielle Inſtruction S⸗ 23. c) Ebendaſ. S. 23. Alter der künftigen Ehegatten. Geburts⸗ ſcheine. t niſſe eintreten, welche die Geſetze bey der Eingehung einer Ehe nothwendig vorausſetzen. Dieſe Erkundigungen betreffen hauptſaͤchlich drey Fragen: 1) wie alt die Brautleute ſind, 2) ob und wie ſie mit ein⸗ ander verwandt ſind, und 30 ob beide oder eins von ihnen vorher ſchon verheirathet war?— Die erſte Frage iſt nothwendig, ſowohl um zu wiſſen, ob die Brautleute nicht noch zu jung ſind, als auch um be⸗ ſtimmen zu koͤnnen, ob ſie zu ihrer Verheirathung der Ein⸗ willigung ihrer Eltern oder anderer Perſonen beduͤrfen. Vor allem Andern alſo muß der Beamte des Civilſtandes ſich die Geburtsſcheine beider vorlegen laſſen d). Dieſe Geburtsſcheine beſtehen vorerſt noch in den bisher uͤblichen Extracten aus den Kirchenbuͤchern, weil in der naͤch⸗ ſten Zeit der Fall noch nicht eintritt, daß die Geburt eines der Brautleute ſchon in die Regiſter des Civilſtandes einge⸗ tragen waͤre. In Zukunft aber hat der erwaͤhnte Beamte darauf zu ſehen, daß beglaubte Auszuͤge aus den Regiſtern in der nachher anzugebenden Form beigebracht werden.— Uebrigens aber iſt es durchaus nothwendig, daß die Geburts⸗ ſcheine wirklich producirt werden, und dem Beamten des Ci⸗ vil⸗Standes nicht geſtattet, ſich, wenn die Regiſter oder Kir⸗ chenbuͤcher, in welchem die Geburt eines der kuͤnftigen Ehe⸗ gatten aufgezeichnet iſt, in ſeinen Haͤnden ſind, durch bloſes Nachſchlagen in demſelben von der Richtigkeit der Angabe zu uͤberzeugen e). d) Napoleons Geſetzbuch Art. 70.(Anh. N. IV. e) Inſtruction S. 29. Guide de officjer de l'état civil p. 72. 7 Sollte es inzwiſchen einem oder dem anderm der kuͤnfti⸗ gen Ehegatten unmoͤglich ſeyn, den Geburtsſchein beizubrin⸗ gen, ſo muß ſich der Beamte des Civilſtandes ein Zeugniß der Kundbarkeit(Notorietaͤtsurkunde) d. h. ein von dem Tribunal des Bezirks, worin daſſelbe aufgenommen wurde, beſtaͤtigtes Zeugniß uͤber die Zeit und den Hrt der Geburt, vorlegen laſſen †). Wie ein ſolches Zeugniß abgefaßt ſeyn muß, hat das Geſetz ſehr beſtimmt vorgeſchrieben 2); der Beamte des Civil⸗Standes aber hat nur allein darauf zu ſe⸗ hen, ob daſſelbe von dem gehoͤrigen Tribunal beſtaͤtigt iſt, in⸗ dem er dorausſetzen muß, daß dieſe Beſtaͤtigung nicht ertheilt waͤre, wenn nicht alle vorgeſchriebenen Erforderniſſe ſich in Richtigkeit befaͤnden h). Sind nun aber von beiden Theilen Geburtsſcheine oder Zeugniſſe der Kundbarkeit beigebracht, ſo hat der Beamte nit moͤglichſter Sorgfalt darauf zu achten, welches Alter hieraus hervorgeht, und was er demzufolge weiter vorzuneh⸗ men und zu verfuͤgen hat. Das zur Verheirathung erforderliche Alter iſt fuͤr Mannsperſonen auf achtzehn, fuͤr Frauensperſonen auf funfzehn volle Jahre geſetzlich beſtimmt. Findet er nun, daß eins von beiden dieſes Alter noch nicht erreicht hat, ſo †) N. Geſetzbuch Art. 70.(Anh. N. W.) 2) N. Geſetzbuch Art. 71.(Anh. N. IV.) h) Guide. p. 73. ) N. Geſetzbuch. Art. 144. 145.(Dieſe und alle uͤbrigen Artikel des Ge⸗ ſetzbuchs, wobey nicht angegeben iſt, unter welcher Nummer des An⸗ hangs ſie ſich befinden, ſtehen unter Nro. VI.) Zeugniſſe der Kund⸗ barkeit. Welches Alter iſt erfor⸗ derlich? Einwil⸗ ligung zur Heirath. Von Sei⸗ ten der El⸗ tern. 8 muß er ihnen erklaͤren, daß die Abſchlieſung der Ehe nicht ſtatt flndet, oder daß ſie vorher Dispenſation beibringen muͤſſen, weshalb ſie bey dem Juſtitzminiſter ein Geſuch einzu⸗ reichen haben, welches von dem Koͤniglichen Procurator bey dem Tribunal des Bezirks, in dem der Nachſuchende wohnt, vorher beſcheinigt wurde.— Erfolgt hierauf die Dispenſa⸗ tion, ſo iſt dieſelbe zuerſt bey dem genannten Tribunal einzu⸗ reichen, und die von dieſem geſchehende Ausfertigung dem Beamten des Civilſtandes vorzulegen H. Iſt dieſer Punct in Richtigkeit, alſo der Braͤutigam zum wenigſten volle achtzehn, die Braut volle funfzehn Jahre lalt, oder haben ſie wegen des fehlenden Alters Dispenſation beige⸗ bracht, ſo hat der Beamte weiter zu pruͤfen, ob irgend Je⸗ mand zu der Verheirathung einwilligen muͤſſe, und wie dieſe Einwilligung auszuwirken ſey, wobey drey verſchiedene Faͤlle in Acht zu nehmen ſind. Findet er nemlich, daß der Braͤutigam zwar 18 D, aber noch nicht 25, die Braut zwar 15, aber noch nicht 21 Jahre alt iſt, ſo muß 1) wenn die Eltern noch leben, deren Einwilligung beygebracht werden. Sind beide nicht gleicher Meinung ſo iſt die des Vaters hinreichend, ſo wie auch, wenn eins von ihnen geſtorben vder unfaͤhig iſt, ſeinen Willen zu erklaͤren, es nur der Einwilligung des an⸗ k) Supplement du Code Napoléon p. 57. 1) In der officiellen Inſtruction, S. 27, ſteht an dieſer Stelle 21 ſtatt 18, welches daher kommt, daß unter dem zunachſt vorhergehenden Satz die Zeit vom asten bis zum axten Jahre begriſſen iſt. In der Sache ſelbſt macht es keinen Unterſchied, und einfacher druͤckt man ſich we⸗ nigſtens, wie hier geſchehen iſt, aus. de me de ert 9 dern bedarf m). 2) Leben beide Eltern nicht mehr, oder ſind ſie beide unfaͤhig, ſo muß die Einwilligung der noch leben— den und faͤhigen Groseltern beigebracht werden. Im Fall der Verſchiedenheit der Meinung geht in derſelben Linie der Grosvater der Grosmutter vor, zwiſchen zwey verſchiedenen Linien gilt die Verſchiedenheit der Meinung als Einwilligung n), 30 wenn weder Eltern noch Groseltern mehr am Leben, oder ihren Willen zu erklaͤren faͤhig ſind, ſo muß die Einwil⸗ ligung eines Familienraths(deſſen Anordnung dem Frie⸗ densrichter obliegt) beigebracht werden; dies iſt jedoch auch in Anſehung des Bräutigams nur bis zum 21ten Jahre er⸗ forderlich o). Die hier vorgeſchriebene Einwilligung der El⸗ tern, Groseltern oder Familie iſt ſo nothwendig p), daß ohne dieſelbe die Verheirathung gar nicht geſchehen kann, und es iſt hierbey weder Dispenſation noch irgend ein ſonſtiges Huͤlfsmittel zulaͤſſig. Findet hingegen der Beamte des Civil⸗Standes, daß der Braͤutigam das 25te, die Braut aber das 21te Jahr zu⸗ ruͤckgelegt hat, ſo braucht er nun auf jener Einwilligung nicht mehr zu beſtehen. Haben ſie die Eltern oder Groseltern(von dem Familienrathe iſt hier gar nicht mehr die Rede) dennoch ertheilt, ſo iſt es deſto beſſer, und alsdann gar nichts wei⸗ m) N. Geſetzbuch Art. 1L48. 149. n) N. Geſetzbuch Art. 150. o) N. Geſetzbuch Art. 160. p) Hierbey iſt noch zu bemerken: 1) daß es der Eiwilligung der Vor⸗ muͤnder gar nicht bedarf, und) daß die perſoͤnliche Gegenwart der Einwilligenden nie erfordert wird, ſondern ganz von deren freiem Willen abhängt. des Fami⸗ lienraths. 10 ter erforderlich; wo nicht, ſo iſt es auch hinreichend, wenn die kuͤnftigen Ehegatten ſich mit einer ehrerbietigen An⸗ frage an dieſelben gewendet haben q). Doch auch fuͤr dieſe Anfrage ſind gewiſſe Formlichkeiten vorgeſchrieben. Sie muß nemlich durch zwey Notarien oder durch einen Notar und zwey Zeugen den erwaͤhnten Perſonen uͤberreicht oder vorge⸗ tragen, auch daruͤber ein Protokoll aufgenommen, und in dieſem die erfolgte Antwort aufgezeichnet werden w. Daß der Anfragende perſoͤnlich dabey erſcheine, iſt nicht erforder⸗ lich 0.— Ertheilen die Eltern oder Groseltern ſchon hier⸗ auf ihre Einwilligung, ſo kann, wenn alle uͤbrigen Erforder⸗ niſſe vorhanden ſind, ſogleich zur Abſchlieſung der Heirath geſchritten werden; beharren ſie aber bey ihrer Weigerung, ſo muß weiter unterſchieden werden, ob der Anfragende, wenn es der Braͤutigam war, ſchon das zote, oder wenn es die Braut war, ſchon das 25te Jahr 0 zuruͤckgelegt hatte; iſt dies, ſo braucht der Beamte des Civil⸗Standes nur noch ei⸗ nen Monat ſeit der geſchehenen Anfrage zu warten, und kann alsdann ohne weiteres zur Abſchlieſung der Ehe ſchreiten. War hingegen der Braͤutigam damals noch zwiſchen 25 und 30, die Braut noch zwiſchen 21 und 25 Jahren, ſo haben q) N. Geſetzbuch Art. 157. r) N. Geſetzbuch Art. 154. 8) Jurisprudence du code civil. Vol. I. p. 247. Vol. VI. p. 464. ) N. Geſetzbuch Art. 153. Dieſe Stelle redet zwar nur vom zoten Jahre, ohne Unterſchied des Geſchlechts; allein der ganze Zuſammen⸗ hang, und inſonderheit der Inhalt des 15aten Art. zeigt, daß jener nur vom Braͤutigam zu verſtehen ſey: Guide p. 41. Code civil suivi de l'exposé des motiſs. Vol. II. p. 306. Jurisprudence VIII 239. wi ſie die ehrerbietige Anfrage noch zweimal, mit jedesmali⸗ ger Zwiſchenzeit eines Monats, zu wiederholen, und ſelbſt nach der dritten muß noch einen Monat gewartet werden, ehe die Ehe abgeſchloſſen wird v).— Sollten der oder diejeni⸗ gen, bey welchen die Anfrage geſchehen muß, todt oder ab⸗ weſend ſeyn; ſo iſt der, welchem die Anfrage obgelegen haͤt⸗ te, von jeder weitern Verbindlichkeit frey. Iſt von unehelichen Kindern die Rede, ſo waren dieſe entweder von ihren Eltern, oder einem derſelben aner— kannt, oder nicht. In jenem Falle ſind ſie, wenn ihre El— tern, oder eins derſelben, noch leben, in Anſehung derſelben (Eicht auch in Anſehung der Groseltern und der Familie) ebenfalls an die obigen Vorſchriften gebunden v); leben aber die Eltern beide nicht⸗ oder war keine Anerkennung er⸗ folgt, ſo bedarf das Kind bis zum 25ten Jahre der Einwil⸗ ligung eines ihm hierzu beſonders beigeordneten Vormun⸗ des w). Dies ſind die ſaͤmmtlichen von dem Beamten des Civil— Standes mit der groͤßten Sorgfalt zu pruͤfenden Vorſchriften wegen der zur Verheirathung erforderlichen Einwilligung. Um ſich ganz ſicher davon zu uͤberzeugen, daß dieſelben gehörig beobachtet wurden, muß er ſich nicht nur glaubhafte Zeugniſſſe uͤber die ertheilte Einwilligung 2)(pofern nicht u) N. Geſetzbuch. Art. 192. v) N. Geſetzbuch. Art. 158. w) N. Geſetzbuch. Art. 159.— Wer dieſen Vormund zu beſtellen hat, iſt nicht beſtimmt; da aber ein uneheliches Kind keine Familie hat, und daher ein Familienrath dabey nicht ſtatt finden kaun, ſo wird es der Friedensrichter thun muͤſſen. *) N. Geſetzbuch. Art. 23.(Anh. N. IV.) Glaubhaf⸗ te Zeugniſ⸗ ſe hier⸗ uͤber. 12 die Einwilligenden ſelbſt zugegen ſind„, oder die geſchehe⸗ nen ehrerbietigen Anfragen 2), nach den verſchiedenen ſo eben mitgetheilten Beſtimmungen, ſondern auch in allen den Faͤl⸗ len, wo ſich von den kuͤnftigen Ehegatten auf den Tod oder die Abweſenheit eines oder mehrerer ihrer Eltern oder Gros⸗ eltern bezogen wird, geſetzlich abgefaßte Todesſcheine Cruͤck⸗ ſichtlich deren die obige Bemerkung uͤber die Geburtsſcheine [S. 6.] ebenfalls anwendbar iſt) oder das in Bezichung auf die Abweſenheit erfolgte Erkenntniß vorlegen laſſen. Sollten die Todesſcheine wegen Unbekanntſchaft mit dem Orte des Todes oder letzten Wohnſitzes nicht zu haben, oder ein Erkenntniß wegen der Abweſenheit noch gar nicht erfolgt ſeyn, ſo kann dieſer Mangel durch ein Zeugniß der Kundbar⸗ keit erſetzt werden*), wobey me der Beamte des Civilſtandes nur darauf zu ſehen hat, daß daſſelbe vom Frie⸗ densrichter am letzten Wohnorte des Verſtorbenen mit Zuzie⸗ hung von 4 Zeugen aufgenommen ſey a). Eidliche Sollte auch, was beſonders bey Perſonen der aͤrmeren Claſſe der Fall ſeyn wird, ein Zeugniß der Kundbarkeit nicht Ehegatten. beygebracht werden koͤnnen, ſo hat der Beamte des Civil⸗ Standes ſich auch mit der Erklaͤrung der noch vorhandenen Ascendenten b), oder, in deren Ermangelung, mit der eidli— 7) Guide p. 74. 2) Dazu dienen die Protocolle der Notarien, durch welche die Anfrage bewirkt wurde. *) Inſtruction. S. 29. Supplement. P. 152. a) N. Geſetzbuch. Art. 155. p) 3. B. eines der Eltern uͤber den Tod des andern, der Gros⸗ und und urgrosoltern uͤber den Tod der Eltern oder Groseltern. — 2)— — ———,—— ———„— c e— — 13 chen Verſicherung des kuͤnftigen Ehegatten ſelbſt und der 4 Zeugen, die bey der Abſchlieſung der Ehe zugegen ſeyn muͤſ⸗ ſen, zu begnuͤgen. Von dieſem letzteren Huͤlfsmittel wird zwar in ber Regel erſt bey der Abſchlieſung der Ehe ſelbſt Gebrauch gemacht werden koͤnnen, weil erſt dann die erwaͤhn⸗ ten Zeugen erſcheinen; um indeſſen nachher den Zuſammen⸗ hang des Vortrags nicht zu unterbrechen, wird gleich hier bemerkt, daß jene Verſicherung von dem kuͤnftigen Ehegatten dahin abgelegt werden muß: daß ihm weder der Ort des Todes noch auch des letzten Aufenthalts der als verſtorben angegebenen Perſon bekannt ſey; von den Zeugen aber da⸗ hin, daß ſie zwar den kuͤnftigen Ehegatten kennen, daß aber auch ihnen der Ort des Todes und letzten Aufenthalts jener Perſon unbekannt ſey. Uebrigens kann der kuͤnftige Ehegat— te zu dieſer Verſicherung nur dann zugelaſſen werden, wenn er bereits volljaͤhrig iſt, indem auſerdem im Falle der Abwe⸗ ſenheit der Ascendenten, ein Familienrath ſeine Einwilligung an deren Stelle giebt ch. Nachdem auf ſolche Weiſe auch der Punct der Einwilli⸗ Verwandt⸗ gung ganz ins Reine gebracht iſt, ſchreitet der Beamte des Civilſtandes zu der zweiten Frage: nach der Verwan d⸗ Ehegatten. ſchaft beider Ehegatten; das Geſetz verbietet naͤmlich wegen dieſer die Verheirathung in folgenden 3 Faͤllen: 1) wenn die kuͤnftigen Ehegatten in auf- und abſteigender Linie, ohne Ruͤckſicht auf cheliche oder uneheliche Geburt, mit einander verwandt oder verſchwaͤgert ſind d), unter welcher letzteren Beſtimmung auch Stiefeltern begriffen werden; 2) zwiſchen c) Inſtruction S. 31. Supplément b. 133. Guide p. 77. 4) N. Geſetzduch. Art. 161. 1 ½ Geſchwiſtern, ebenfalls ohne Unterſchied der ehelichen oder unehelichen Geburt e); das nemliche gilt von Halbgeſchwi⸗ ſtern, nicht aber von zugebrachten; 3) zwiſchen verſchwaͤger⸗ ten Perſonen in dieſem nemlichen Grade; man darf alſo we⸗ der ſeines verſtorbenen Bruders Frau, noch ſeiner verſtorbe⸗ benen Frauen Schweſter heirathen †). Und in dieſen drey Faͤllen findet gar keine Dispenſation ſtatt, welches beſonders in Anſehung der Verſchwaͤgerten, als auffallende Abweichung vom bisherigen Rechte, zu bemerken iſt; ſodann ₰ zwiſchen dem Onkel und der Nichte, der Tante und dem Reffen 80; in dieſem einzigen Falle findet Dispenſation ſtatt b), wegen deren Auswirkung der Beamte die Brautleute anzuweiſen hat, den nemlichen Weg einzuſchlagen, welcher oben in An⸗ ſehung der Altersdiſpenſationen angegeben iſt 0; endlich 3) ſind fuͤr den Fall der Adoption oder Annahme an Kindesſtatt gewiſſe Eheverbote feſtgeſetzt, wegen deren naͤherer Kenntniß wir aber, da der Fall ſelten iſt, auf den vollig klar verfuͤgen⸗ genden Art. 338 des Geſetzbuchs Napoleons(R. IV. des Anh.) verweiſen k). um uͤber die Angabe der kuͤnftigen Ehegatten in Betreff ihrer Verwandſchaft volle Gewißheit zu erhalten, braucht der Veamte des Civilſtandes gewoͤhnlich blos die beigebrachten e) N. Geſetzbuch. Art. 162. 1) N. Geſetzbuch. Art. 162. Guide p. 83. not. 1. 2) Dieſes Verbot iſt in der offüiellen Inſtruction nicht erwähnt, ſteht aber ganz klar in dem 163ten Art. des Geſeßbuchs Napoleons. n) N. Geſetzbuch. Art. 16. 3) Inſtruction S. 35. Supplement p. 57. k) Geſchwiſterkinder, die nach bisherigem Rechte der Diſpenſa⸗ tion bedurften, koͤnnen jetzt ohne dieſe einander heirathen. Gebnrtsſcheine oder ſonſtigen Urkunden einzuſehen; nur die Schwaͤgerſchaft laͤßt ſich hieraus nicht abnehmen, ſo fern alſo der Beamte daruͤber ungewiß iſt, muß er auf andere Weiſe, namentlich durch Einforderung des Heirathsſcheins des ſchon verheirathet geweſenen Ehegatten, ſich Ueberzeugung ver⸗ ſchaffen. Iſt auch dieſes alles gehoͤrig gewahrt, ſo kommt es nun Purrize ... Eh e zur dritten Frage: ob nemlich einer der kuͤnftigen Ehegatten Braut⸗ vorher ſchon verheirathet geweſen iſt? Dieſe Frage leute. hat in mehrfacher Hinſicht ein ſehr großes Intereſſe: Ward nemlich eine vorherige Ehe durch den Dod des DerenAuf⸗ des Mannes aufgeldͤst, ſo darf die Frau nicht eher, als zehn Monate nach dieſem Todesfalle ſich wieder verheirathen Tod. D. Der Beamte des Civil⸗Standes muß ſich alſo in einem ſolchen Falle den Todesſchein vorlegen laſſen, um zu beur⸗ theilen, ob die 10 Monate wirklich ganz verfloſſen ſind, in⸗ dem unter keinem Vorwande ein Nachlaß geſtattet werden darf m). Ward ſie hingegen durch Scheidung aufgehoben, Durch ſo kommt es auf folgende verſchiedenen Ruͤckſichten an: 1. wenn die Ehe wegen einer beſtimmten Urſache, d. h. jeder andern als wechſelſeitiger Einwilligung, getrennt wurde, ſo muß die geſchiedene Ehefrau eben ſo, wie wenn deren Ehe⸗ mann verſtorben iſt, zehn volle Monate warten n); 2 er⸗ folgte die Scheidung wegen gegenſeitiger Einwilligung, ſo 0 N. Geſetzbuch. Art. 228. m) Guide p. 85. not. 1. Jurisprudence. Vol. VI. p. 438. n) N. Geſetzbuch. Art. 296. Inſtruction. S. 33. Urkunden daruͤber. Zeit der Berichti⸗ gung die⸗ ſer Erfor⸗ niſſe. 16 darf ſo wenig der eine als der andere der geſchiedenen Ehe⸗ gatten vor dem Ablauf dreier Jahre ſich wieder verheira⸗ then o); 3) ward ſie inſonderheit wegen Ehebruchs erkannt, ſo iſt es dem ſchuldigen Theile ſchlechterdings unterſagt, ſich mit ſeinem Mitſchuldigen(dem, mit welchem er den Ehebruch begieng) zu verheirathen p); endlich 4) kbnnen die beiden Ehegatten, weiche mit einander verheirathet waren, und aus irgend einer Urſache geſchieden wurden, niemals wieder ein⸗ ander heirathen c. Tritt einer dieſer Faͤlle ein, ſo muß daher der Beamte des Civil-Standes die Abſchlieſung der Ehe gaͤnzlich verwei⸗ gern; um aber ſolches mit Sicherheit beurtheilen zu koͤnnen, hat er ſich eine beglaubte Ausfertigung der von dem Beamten des Civil⸗Standes, welcher die Eheſcheidung ausgeſprochen hat, daruͤber aufgenommenen Urkunde vorlegen zu laſſen. Die Beibringung des Eheſcheidungserkenntniſſes iſt nicht hinrei⸗ chend, weil wie nachher bemerkt werden wird, dieſes ohne Wirkung bleibt, wenn nicht der erwaͤhnte Beamte die wirk⸗ liche Trennung ausgeſprochen hat.— Aus der vorgelegten urkunde ergiebt ſich dann klar, ſowohl aus welcher Urſache die Eheſcheidung erfolgt, als wie lange Zeit ſeitdem verfloſ⸗ ſen, mithin auch, welche der obigen Regeln zur Anwendung zu bringen iſt. Dieſes ſind nun die ſaͤmmtlichen geſetzlichen Erforderniſſe, welche bey den kuͤnftigen Ehegatten vereinigt eintreten muͤſſen, wenn es dem Beamten des Civil⸗Standes erlaubt ſeyn ſoll, o) N. Geſetzbuch. Art. 297. p) N. Geſetzbuch. Art. 298. c) N. Geſetzbuch. Art. 295. 17 die von ihm verlangte Abſchlieſung der Ehe vorzunohmen. Am“ beſten thut derſelbe, wie ſchon geſagt, wenn ert dieſe älle, ſo fern es thumlich iſt, ſchon vor dem erſten Aufgebot in Richtigkeit zu bringen ſucht, damit er /ehe noch dieſes erfolgt, Gewißheit dat⸗ uͤber hat, daß der Abſchlieſung der Ehe demnächſt von dieſer Seite kein Hinderniß im Wege ſtehen werde. Daß er uͤbri⸗ gens hierin uuch nicht allzu ſtrenge Verfahren duͤrfe, verſteht ſich von ſelbſt, indem ſich Faͤlle ereignen koͤnnen, wo den kuͤnftigen Ehegatten daran gelegen ſeyn kann, daß das Auf⸗ gebot geſchehe, noch ehe ſie im Stande ſind, allen jenen Er⸗ forderniſſen ein Genuͤge zu leiſten, in welchen Fäͤllen die Be⸗ amten des Civil⸗Standes ſich auch willfahrig bezeigen muͤſ⸗ ſen, ſo bald ſie nur nicht beſtimmt voraus ſehen, oder ge⸗ grundete Urſache haben, zu glauben, daß die vorgeſchriebenen Erforderniſſe, auch ſelbſt waͤhrend der Zwiſchenzeit, die zwi⸗ ſchen dem Aufgebote und der Abſchlieſung der Ehe zugelaſſen iſt,(gemlich Jahresfriſt r)) nicht eintreten werde. So hat es z. B. kein Bedenken, daß, wenn es beſonders gewuͤnſcht wird, das Aufgebot geſchehe, ehe noch die 10 Monate, wel⸗ che zwiſchen einem Lodesfalle oder einer Eheſcheidung und der neuen Verheirathung in Anſehung der Frau verfloſſen ſeyn muͤſſen, voͤllig abgelaufen ſind⸗ Dahingegen aber kann daſſelbe nicht geſchehen, wenn z. B. an dem geſetzlichen Alter oder au den 3 Jahren, welche nach einer Schetdung auf wech⸗ ſclſeitige Einwilligung verfloſſen ſeyn muͤſſen, noch ſo viel fehlt/ daß das Jahr, binnen welchem die Verheirathung dem Aufgebote folgen muß, noch fruher ablaufen wurde. r) N. Geſetbuch. Art. 65(Anh N. W). 2 Aufgebote. Wo ſie ge⸗ ſchehen muſſen. 18 Hat ſich nun aber, dieſem gemaͤs, der Beamte des Ci⸗ vil⸗Standes vollkommen uͤberzeugt, daß der Abſchlieſung der Ehe entweder jetzt ſchon nichts entgegen ſteht, oder daß we⸗ nigſtens das Mangelnde noch zeitig werde ergaͤnzt werden, und in dieſem letzteren Falle die kuͤnftigen Ehegatten nicht nur damit bekannt gemacht, ſondern auch dieſelben zur Bei⸗ bringung der etwa noch fehlenden Urkunden angewieſen, ſo kann alsdann das Aufgebot ohne weiteren Aufenthalt vorge⸗ nommen werden; dieſes zu thun, verſichert er alſo den dar⸗ um Nachſuchenden, und unterrichtet ſie zugleich, in welchen andern Gemeinden ſie noch dies Aufgebot auszuwirken haben. Dies muß nemlich geſchehen, außer an dem Orte, wo die Ehe abgeſchloſſen wird, noch an dem bisherigen Wohnort desjenigen der kuͤnftigen Ehegatten, an deſſen Wohnorte die Abſchließung der Ehe nicht geſchieht, desgleichen, wenn einer oder beide nicht uͤb er ſechs Monate an ihrem jetzigen Wohn⸗ orte ſich aufhielten, auch an dem vorhergehenden, ſo wie endlich an dem Wohnorte derer, unter deren Gewalt ſie ſich in Ruͤckſicht der Verheirathung befinden sà). Wer dieſe Per⸗ ſonen ſind, iſt in dem Geſetzbuche nicht naͤher angegeben, die gedruckten Verhandlungen der geſetzgebenden Behoͤrden in Frankreich zeigen aber, daß darunter die Eltern oder Gros⸗ eltern, deren Einwilligung zur Ehe erforderlich iſt,(nicht aber auch die Familie c)) verſtanden werden, und es gilt da⸗ her jene Vorſchrift nur von ſolchen kuͤnftigen Ehegatten, wel⸗ noch unter 25 gder 21 Jahren(je nachdem vom Braͤutigam oder der Brauk die Rede iſt) alt ſind v. ) N. Geſetzbuch. Art. 166„ 68. ) Jurisprudence. Vol. VIII. p. 28. u) GCode civil suivi des motifs. Vol. II. p. 296. Will ſodann der Beamte des Civilſtandes zu den Aufge⸗ Si boten ſelbſt ſchreiten, ſo hat er daben folgendes zu beobach⸗ ſelben. ten: Vor der Abſchlieſung einer jeden Ehe muͤſſen zwey Auf⸗ gebote vorhergehen, welche an zwey aufeinander folgenden Sonntagen in der Kirche nach geendigter Predigt oder Meſſe, vorgenommen werden v). Alsbald nachdem eine jede derſelben geſchehen iſt, muß ſie in ein dazu beſtimmtes Regiſter, wovon unten die Rede ſeyn wird, aufgezeichnet, und ein kurzer Auszug davon bis zum Tage der Abſchlieſung der Ehe oͤffentlich angeſchlagen werden, wozu ſich die Veamten des Civilſtandes verſchloſſe⸗ ner und mit einem Drathgitter verſehener Tafeln, die an den Thuͤren der Kirche und des Gemeindshauſes(wo ein ſol⸗ ches ſich befindet) befeſtigt werden, am zweckmaͤſigſten zu be⸗ dienen haben w).— Von der Abfaſſung dieſes Auszugs wird ebenfalls unten das Naͤhere vorkommen. Wuͤnſchen die Partien, daß ihnen das zweite Aufge— bot erlaſſen werde, ſo findet deshalb Diſpenſation ſtatt 2). Sie muͤſſen ſich zu dem Ende an den koͤniglichen Procurator des Tribunals, in deſſen Bezirk die Ehe abgeſchloſſen werden ſoll, wenden, und die von dieſem Ertheilte Erlaubniß bey dem Beamten des Civilſtandes einliefern„). N. Geſetzbuch. Art. 63.(Anh. N. IV. Inſtruction S. 23. w) N. Geſetzbuch. Art. 64.(Anh. N. IV.) Inſtruction S. 23. Guide. p. 54. ) N. Geſetzbuch. Art. 169. Inſtruction. S. 35. 20 Einſpru⸗„5) Bisweilen tritt der Fall ein, daß nach erfolgtem Aufge⸗ chr. bote Eanſpruͤche gegen die Heirath eingelegt werden, und es iſt, wenn ſolches auf eine gultige Weiſe geſchieht, den Beamten des Eivilſtundes unterſagt, die Abſchlieſung der Ehe vorzunehmen ehe ein ſolcher Einſpruch gehorig wieder aufgehoben iſt). Auch hierauf hat daher der Bramte alle Aufmerkſamkeit zu richten. Oha der Einſpruch gegruͤndet iſt, dies geht den Beamten des Civilſtandes nichts an, wenn nur derſelbe von der im allgemeinen dazu berechtigten Perſonen und in der geſetzlichen Form bey ihm eingelegt wird. Jene Perſonen ſind: der mit inem der Verlobten angeblich ſchon Verheirathete 2, die Eltern und Groseltern?) und in deren Ermangelung, der Onkel und die Tante, die Geſchwiſter und rechte Geſchwi⸗ ßerkinder„desgleichen der vom Familienrath dazu gutopiſirte Vormund oder Eurator eines der Verlobten bo. Zur geſetzli⸗ chen Form wird erfordert, daß der Einſpruch in einem ſchrift⸗ lchen von einet nöffentlichen Perſon/ infonderheit einem Ro⸗ tar, gufgenpmmenen Aufſatz peyfaßt, und von dem Einſpre⸗ chenden oder deſſen Bevollmaͤchtigten unterſchrieben ſey 6. 2) N. Geſetzbuch(Art68.(Ah. MWai *) Inſtruction S. 25. a) Nicht aber auch der, welcher ſich auf ein bloſes Eheverſprechen be zieht, da ein ſolches gegenwaͤrtig keine Verbindlichkeit hervorbringt.— Da indeſſem jeves Grſetz auf die Vegangenheit krins Anwendung lei⸗ det, ſpeſcheint eß der Sache angemeſſen, diejenigen Eheverloͤhniſſe, wel⸗ che vor dem rten Jan. 1808 gültig geſchehen ſind, noch ſuͤr verbindlich zu halten. b) N. Geſetzbuch Art. 172⸗7.. 5, c) Inſtruction S. 2. N. Geſetzbuch Art 66.(Anh. R. 1V.) 2* Geſchahe der Einſpruch von einer anders, als der bor⸗ hin genannten Perſonen, öder iſt derſelbe nicht in der eben bemerkten Form, alſo entweder nur muͤndlich oder in einem bloßen Privataufſatz, vorgebracht worden, ſo kann ihn der Beamte des Civil⸗Standes ſogleich verwerfen d), außerdem aber muß er ſein vicit unter den Aufſatz ſetzen, ſodann in dem ſchon erwaͤhnten Aufgebotsregiſter——— Lhtunkede den erfolgten Einſpruch bemerken, und die Verlobten anweiſen, die Aufhebung auszuwirken, bis dahin aber die Abſchlieſung der Ehe ausſetzen. Dieſe Aufhebung aber kann auf zwiefache Art erfol⸗ gen: 1 durch freiwillige Entſagung des Einſprechenden, wel⸗ che entweder in einer oͤffentlichen(von einem Notar verfaß⸗ ten), oder in einer Privat⸗Urkunde, die bey einem Notar oder andern offentlichen Beamten niedergelegt wurde, enthal⸗ ten ſeyn kann. In beiden Faͤllen muß der Beamte des Ei⸗ vilſtandes ſich eine glaubhafte Ausfertigung derſelben zuſtellen laſſen.— 2) Durch ein gerichtliches Erkenntniß, wogegen keine Appellation mehr ſtatt findet, welches alſo entweder in letzter Inſtanz, oder ſo lange ſchon, daß die Appellationsfriſt verſtrichen iſt, gegeben wurde e). Eine dem Beamten des Civilſtandes daruͤber zugeſtellte Beſcheinigung des Tribunals, 4) Inftruction S. 25. Aber auch blos hierauf beſchraͤnkt ſich die Macht des Beamten des Civilſtandes; ob die im 176ten Art. des Ge⸗ ſetzbuchs vorgeſchriede en Erforberniſſe gewahrt ſind, darauf hat er nicht zu ſehen: Guide p. 66, iu dem daſuͤr lediglich der Abfaſſende verantwortlich bleibt. e) Inſtruction S. a6. An dieſer Stelle wird auch das Rechtsmittel der Oppoſitidn genannt, dies bezieht ſich aber auf die franzoſiſche Proeeßhordnung, die bis jetzt in unſerm Königreich noch nicht einge⸗ fuͤhrt iſt. Aufhebung derſelben. Abſchlie⸗ ſung der Ehe. Ort derſel⸗ ben. Zeit der⸗ ſelben. in deſſen Bezirk die Ehe abgeſchloſſen werden ſoll, wird ihm hieruͤber das ſicherſte Zeugniß geben. Sind beide, oder, im Falle der Dispenſation, ein Aufgebot gehorig geſchehen, und dagegen keine Einſpruͤche eingelegt, oder die wirklich eingelegten wieder aufgehoben worden, ſo kann nun, mit Beobachtung der weiter vorgeſchriebenen Foͤrmlich⸗ keiten, die⸗Ab ſchlieſung der Ehe vorgenommen werden. — Pieſe Foͤrmlichkeiten aber betreffen theils den Ort, wo die Heirath abgeſchloſſen werden muß, theils die Zeit, zu welcher es geſchehen kann, theils die Vorlegung der dabey erforderlichen Urkunden, theils endlich die Art und Weiſe, wie die Abſchlieſung ſelbſt bewirkt wird. So viel den Ort betrifft, muß dazu der Wohnort eines der Verlobten gewaͤhlt werden †), welche Wahl von dieſen lediglich abhaͤngt e). Unter dem Wohnorte wird aber hier derjenige Ort verſtanden, an welchem man ſich ſechs Monate lang aufgehalten hat b), iſt dies der gegenwaͤrtige nicht, ſo muß dazu der vorherige gewaͤhlt werden. Die Zeit kommt hier hauptſaͤchlich in Beziehung auf die Aufgebote in Vetracht, indem es nothwendig iſt, daß zur 1) N. Geſetzbuſch. Art. 165. 8) Inſtruction S. 23. Sollte jedoch der Vater eines der Verlobten ſelbſt Beamter des Civilſtendes an dem Orte, den ſie waͤhlen, ſeyn, ſo muß derſelbe durch einen andern ſeine Stelle vertreten laſſen, haupt⸗ ſächlich auch aus dem Grunde, weil, wenn etwa einer der Verlobten von ſeinem Vater zur Heirath gezwungen wäre, er nur in dem Be⸗ amten des Civilſtandes, der alſo nicht ſelbſt dieſer Vater ſeyn darf, Schutz finden kann: Guide p. 80. 82. 86. n) N. Geſetzbuch Art. 74.(Anh. N. IV) Eine beſtimmte haͤusliche Niederlaſſung iſt nicht erforderlich, und daher die obige Vorſchriſt auch auf Dienſtboten anwendbar. 25 Abſchlieſung der Ehe nicht eher, als drey Tage nach dem letzten Aufgebote, den, wo dies geſchahe, nicht mitbegriffen Calſo fruͤheſten den Mitwoch nach dem letzten Aufgebote aber doch nicht ſpaͤter als binnen einem Jahre nach dieſem lesten Aufgebote, geſchritten werde; haben die Verlobten ein ganzes Jahr ſeitdem verſtreichen laſſen, ſo muͤſſen neue Auf⸗ gebote vorgenommen werden h). Die urkunden, welche ſich vor der Abſchlieſung der Vorle⸗ Ehe in den Haͤnden des Beamten des Civilſtandes befinden ebe muͤſſen, ſind oben bereits angegeben worden, wril es zweck⸗ maͤſig, und in gewiſſer Hinſicht ſogar nothwendig iſt, dieſel⸗ ben ſchon vor dem erſten Aufgebote beizubringen. In Bezie⸗ hung auf die obigen Erkaͤuterungen wollen wir ſie hier nur kuͤrzlich nochmals benennen. Es ſind dies nemlich 1) die Ge⸗ burtsſcheine beider Verlobten, oder Zeugniſſe der Kund⸗ barkeit des nemlichen Inhalts; 2) Urkunden uͤber die Ein⸗ willigung derer, welche hierzu berechtigt ſind, oder uͤber die an ſie gerichteten ehrerbietigen Anfragen; 3) die To⸗ desſcheine derjenigen, auf deren Abſterben ſich bezogen wurde, und in deren Ermangelung, Zeugniſſe der Kundbar⸗ keit, oder Beſcheinigungen der Ascendenten deſſelben Inhalts, ſo fern letztere nicht muͤndlich gegeben werden D. ₰ Die 3) N. Geſetzbuch Art. 64.(Anh. N IV.) Guide p. 56. An dieſe Friſt ſind daher auch die Einſpruͤche gebunden. Zwey Tage nach dem letzten Aufgebot können dieſe noch angenommen werden, kommen ſie ſpäter ein, ſo ſind ſie unzulaͤſſig, wenn gleich die Abſchlieſung der Hei⸗ rath noch nicht geſchehen wäre: Guide p. 69. ) N. Geſetzbuch Art. 65.(Anh. N. IV. Fehtt es an nllen dieſen Beweismitteln, ſo muß erſt noch zur Abnah⸗ me der oben(S. 13) erwaͤhnten eidlichen Verſicherung geſchritten werden. 24 — Dispenſationsertheilungen in Anſehung des Alters oder der Verwandſchaft, wenn deren vorgekommen ſind; anch 50) nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde die Heirathsſcheine vorheriger Ehegatten, desgleichen Zeugniſſe uͤber die erfolgte Eheſcheidung, oder uͤber die Abweſenheit gewiſſer Perſonen. Endlich 6) kommen nun noch hiezu die Beſcheini⸗ gungen der an andern Orten geſchehenen Aufgebote, et⸗ waige Dispenſationsurkunden in Anſehung derſelben, wie äuch, wenn Einſßruͤche erfolgten, die Zeugniſſe uber deren „Wiederaufhebung, oder außerdem Beſcheinigungen, daß keine Einfprüche erfolgt ſind. Bey dieſem Puncte liegt dem Be⸗ amten des Civilſtandes ganz beſonders die Pflicht auf, zu unterfuchen, ob dergleichen Aufgebote in allen erforderlichen Gemeinden, zu der beſtimmten Zeit, an den gehörigen Orien und mit den usthigen Zwiſchenraumen geſchehen, auch ob die Beſcheinigungen wegen nicht erfol gten Einſpruchs zu einer »Zeit ausgeſtellt worden ſind, wo kein ſolcher mehr ſtatt fand in). 7 Nach Beobachtung aller dieſer Vorſchriften ſchreitet der Be⸗ amte des Civilſtandes zur der ſelbſt n). m) 39. Guide p.78. n) Nach dem Geſetzbuche Napoleons Art. 78. N. w ſoll die Ehe in dem Gemeindshauſe geſchloſſen werden, und, wo kein ſolches iſt, hat man auch wohl das Haus des Moire, dem in Frank⸗ reich die Verrichtungen des Beamten des Civilſtandes obliegen, zuge⸗ laſſen: Guide. 49. 87— In den Fällen, wo die Prediger die Abſchlieſung der Ehe vornehmen, moͤchte ſolches in der Kinche geſche⸗ hen muͤſſen, da der Art. 16 die öffenrliche Abſchlieſung ganz be⸗ ſtimmt erfordert, und, daß ſolche in der Privatwohnung eines der onkuͤnſtigen Ehegatten geſchehe, bey den Verhandlungen uͤber die Ab⸗ „faſſung des Geſetbuchs ausdruͤcklich misbilligt wurde: Maleville analyse du code civil. T. J. p. 97. — —— 25 An dem von den kuͤnftigen Ehegatten beſtimmten Tage liest der Beamte des Civilſtandes, in Gegenwart von vier voll⸗ jaͤhrigen Zeugen maͤnnlichen Geſchlechts, wozu zwar Ver⸗ wandte o), jedoch keine ſolche, die ſelbſt als Pattie auftré ten, d.h. deren Einwilligung zur Abſchlieſung der Ehe wel ſentlich erfordert wird p), genommen werden koͤnnen, die ſaͤmmtlichen ihm vorgolegten Urkunden) und nachher aus dem Geſetzbuch Napoleons das Capitel von den wechſelſeitigen Rechten und Pflichten der Ehegatten vor). Wenn dies geſchehen iſt, fragt er die beiden Verlobten, eins nach dem andern, ob ſie ſich zum Manne und zur Frau nehmen woh len, und erklaͤrt dieſelben, wenn ſolches von beiden mit lau ter und vernehmlicher Stimme bejaht worden, im Namen des Geſetzes durch die Ehe verbunden, nimmt auch auf der Stelle daruͤber die Heirathsurkunde auf, deren Er⸗ forderniſſe unten naͤher beſtimmt werden n. Nach einem Cirkularſchreiben des Juſtitzminiſters, wovon die hier einſchlagende Stelle ſich im Anhange unter N. 1, abgedruckt findet, ſoll der Veamte des C. St. die Ehegatten fragen, ob es ihre Abſicht ſey, die Guͤtergemeinſchaft mit ihrer Ehe zugleich einzugehen oder nicht?— Dies ge hort alſo nunmehr mit zu den Obliegenheiten dieſer Beam 0) N. Geſetzbuch. Art.. 37(Anh. N. IW.) p Inſtruction S. 33, indem hier die zwiefache Qualität eines Ein⸗ willigenden und Zeugen nicht in einer Perſon vereinigt ſeyn kann! Guide p. 80.— N. Geſetzbuch Art. 75.(Anh. N. IV.) Die Vorleſung dieſes Capitels, welches ſich im Anhange unter N. V wörtlich abgedruckt ſindet, iſt ſchlechterdings nothwendig: Guide p 89. ) N. Geſetzbuch Art. 76. Anfrage wegen der Guͤterge⸗ meinſchaft. Eintritt in dieſelbe. 26 ten. Weil es indeſſen voraus zu ſehen iſt, daß auf eine ſol⸗ che Frage die EChegatten ſich nach den Folgen ihrer Erklaͤrung erkundigen werden, ſo duͤrfte es nicht uͤberfluͤſſig ſeyn, den Beamten hieruͤber noch einige Belehrung zu geben.— Wol⸗ len die Ehegatten etwas beſtimmtes uͤber ihre gegenſeitigen Rechte in Ruͤckſicht ihres Vermoͤgens verabreden, ſo muß dies noch vor Abſchlieſung der Ehe in foͤrmlichen Ehepacten(Ehe⸗ ſtiftung, Heirathscontract), die ein Notar aufzunehmen hat, geſchehen«), und in dieſem Falle braucht der Beamte des C. St. in der Heirathsurkunde nur zu erwaͤhnen, daß die Ehegatten Ehepacten gemacht haͤtten. Iſt dies aber nicht geſchehen, ſo bleiben den Ehegatten nur zwey Wege uͤbrig, entweder zu erklaͤren, daß ſie in die Guͤtergemeinſchaft treten wollen, oder daß dies nicht ihre Abſicht ſey. Die Folge des Eintritts in die Guͤtergemeinſchaft iſt, daß alle beweglichen Sachen, Capitalien, und Forderungen, welche beide Ehegatten vor der Ehe hatten, oder die ihnen waͤhrend der Ehe zufielen, wie auch alle waͤhrend der Ehe faͤllig werdenden Nutzungen und Zinſen, nnd endlich alle waͤhrend der Ehe zu erwerbende Grundſtuͤcke, gemeinſchaftlich werden). Daſſelbe gilt von den Schulden, die entweder ſchon vor der Ehe exiſtirten, oder waͤhrend derſelben vom Manne oder mit deſſen Bewilligung don der Frau gemacht wurden, desgleichen von denen, welche auf Erbſchaften, die ihnen zufielen, haften u). Ausgenommen ſind alſo nur Grund⸗ ſtuͤcke, welche die Ehegatten ſchon vor der Ehe beſaſſen, oder ) N. Geſetzbuch. Art. 1394. t) N. Geſetzbuch. Art. 1401. u) N. Geſetzbuch. Art. 1409. 27 die ihnen waͤhrend derſelben durch Schenkungen oder Erbrecht zufielen v). In jedem Fall behaͤlt jedoch die Frau das Recht, bey Aufloͤſung der Ehe, ſich noch daruͤber zu erklaͤren, ob ſie auf die Haͤlfte des gemeinſchaftlichen Vermoͤgens Anſpruch machen, oder demſelben entſagen will, in welchem letzteren Falle ſie zwar ihr ganzes Eingebrachtes, ſo fern es gemein⸗ ſchaftlich wurde, verliert, aber auch zu den vorhandenen Schulden nicht beizutragen braucht v). Die Folge der Ausſchlieſung der Guͤtergemeinſchaft Ausſchlie⸗ hingegen iſt, daß die Frau das Eigenthum ihres ganzen be⸗ weglichen und unbeweglichen Vermögens, öhne einige Aus⸗ nahme, und mit Inbegriff ihres Brautſchatzes und ihrer Ausſteuer, behaͤlt, auch an den waͤhrend der Ehe von dem Manne gemachten Schulden keinen Theil nimmt, daß aber dieſer ſowohl die Verwaltung, als die Benutzung ihres ge⸗ ſammten Vermoͤgens bekommt, und von den Einkuͤnften deſ⸗ ſelben die Beduͤrfniſſe der Ehe mit zu beſtreiten hat 2).— Dies ſind die weſentlichſten Puncte, welche vor der Beant⸗ wortung der obigen Frage zu wiſſen noͤthig ſind, und wor⸗ uͤber alſo der Beamte des C. St. die Ehegatten nur kurz zu belehren hat. 2 — Endlich bleiben hier noch einige Zweifel zu loͤſen uͤbrig, die, ohne unvollſtaͤndig ſeyn, nicht uͤbergangen werden koͤn⸗ nen, nemlich 1) in welchem Verhaͤltniſſe die bisher uͤbliche v) N. Geſetzbuch. Art. 1404. 1405. w) N. Seſetzbuch. Art. 1453. 1492. 1494. *) N. Geſetzbuch. Art. 1530. ſu ng der G. G 0 0 zirchliche Trauung zu der Abſchlieſung der She durch den Be⸗ aftteit des C. St. ſteht?— Die Löſung dieſes Zweifels iſt in Frankreich durch eine beſtimmte geſetzliche Verfuͤgung ge ſchehen, welche vorſchreibt, daß zwar die kirchlichen Foͤrm⸗ ſichkeiten nicht ganz ausgeſchloſſen ſind, daß ſie aber nicht eher vorgenommen werden duͤrfen, bis die Abſchlieſung der Ehe durch den Beamten des C. St. bewirkt/ und die Heib rathsurkunde in die Rehiſter des C. St. eingetragen iſt J Und dies muß auch in dem Konigreiche Weſtphalen angenommen werden, da das koͤnigliche Decret vom 24ten Maͤrz 1808 Anh. N. II) ſolches in Anſehung der Juden ſogar aus⸗ druͤcklich feſtgeſetzt.— Sodann 2) wer ſoll an der Stelle der Notarien, wo deren keine vorhanden ſind, die nach dem Obigen von ihnen zu bewirkenden Verrichtungen vornehmen?— Etwas entſcheidendes laͤßt ſich daruͤher, in Ermangelung einer geſetzlichen Vorſchrift nicht ſahen, doch moͤchte es allen Umſtaͤnden nach am zweckmäſigſten ſeyn, ſich deshalb an die Friedensrichter zu wenden. In jedem Falle kann dies jedoch nur zur A lushuͤl fe geſchehen, und findet nicht ſatt, wy ein Notar, wenn er auch noch nicht von Neuem angtſtelit waͤre, zu haben iſt. . Keil und Reinhard Handbuch fuͤr Maire. B. I. S. 573. 574.— Das neiliche gilt von der Daufe im Verhältniſſe zur Aufnahme der Geburtsurkunden. Sowohl in dieſen, als in den Heiröthsurkun⸗ „0en, dart jedoch die Beobachtung der kirchlichen Ceremonien nicht ers waͤhnt werden.— ———— ——— =— Zweiter Abſchnitt. Von der Eh e ſcheid ung. So ausfuͤhrlich die Vorſchriften und Beſtimmungen wa⸗ ren, nach denen ſich der Beamte des Civilſtandes bey der Abſchlieſung einer Ehe zu benehmen hat, ſo einfach ſind ſeine Obliegenheiten bey der Trennung einer Ehe, weil hierbey das Mehrſte und Weſentlichſte von den Gerichten geſchehen muß. Bey dieſen nemlich werden, ohne alle vorherige Nit⸗ wirkung jenes Beamten, die Eheſcheidungsſachen bis zu ei⸗ nem endlichen Erkenntniſſe verhandelt, und erſt, wenn ein ſolches erfolgt iſt, und die Scheidung zugelaſſen hat, gelangt der Beamte des Civilſtandes zu einiger Thaͤtigkeit.— Das Geſetz ſchreibt memlich vor, daß jede vom Gericht erkannte Eheſcheidung nicht eher zur Wirkſamkeit kommen kann, bis ſie von dem Beamten des Civilſtandes(an dem Wohnorte der Ehegatten) foͤrmlich ausgeſprochen iſt 2), und ſetzt ſogar eine Zeit feſt, binnen welcher dieſes geſchehen muß, wenn nicht das Eheſcheidungserkenntniß ganz wirkungslos werden ſoll. Dieſe Zeit iſt fuͤr ſolche Eheſcheidungen, die auf gegen⸗ ſeitige Einwilligung erfolgen, auf zwanzig Tage, bey Schei⸗ dungen wegen irgend einer andern Urſache aber auf zwey Mo⸗ nate, ſeit dem Erkenntniſſe, wogegen keine Appellation mehr ſtatt findet, beſtimmt a). Bey denen der erſteren Art iſt es 2) N. Geſetzbuch Art. 26]. 294. *) N. Geſetzbuch. Art. 266. 204. a) N. Geſetzbuch Art. 264. 263. 294. — greae ungser⸗ kenntniſſe. Ausſpruch der Ehe⸗ ſcheidung. Form deſ⸗ ſelben. 30 außerdem erforderlich, daß beide geſchiedene Ehegatten bin⸗ nen jener Friſt um den Ausſpruch der Eheſcheidung nachſuchen. Iſt die vorgeſchriebene Zeit(woruͤber eine gerichtliche Beſcheinigung nach der S. 21 vorkommenden Bemerkung bei⸗ zubringen iſt) gewahrt, ſo beſtimmt der Beamte des Civil⸗ Standes einen Tag, auf den beide Ehegatten gehoͤrig vor⸗ geladen werden. An dieſem Tage, wo jedoch nur im Falle der Eheſcheidung auf wechſelſeitige Einwilligung beide zuſam⸗ men und perſoͤnlich zu erſcheinen brauchen b), in den uͤbri⸗ gen Faͤllen aber eine Beſcheinigung der geſchehenen Vorla⸗ dung des nicht erſcheinenden beigebracht werden muß e) liest er dem oder den erſchienenen das Eheſcheidungserkenntniß vor, und erklaͤrt alsdann im Namen des Geſetzes die zwiſchen den bisherigen Ehegatten beſtandene Ehe fuͤr voöllig aufgeldst, nimmt auch hieruͤber eine Urkunde nach der im Uten Capitel enthaltenen Anweiſung, auf. b) N. Geſetzbuch Art. 294. c) Guide p. 102. 51 Zweites Capitel. Von der Füͤhrung der Regiſter des Civilſtandes. Fuͤr jeden Staatsbuͤrger ohne Unterſchied iſt es von der groͤßten Wichtigkeit, daß er ſich zu jeder Zeit uͤber die, ſo⸗ wohl in ſeiner eigenen als in fremden Familien vorgefallenen, Geburten, Heirathen und Todesfaͤlle ſichere und glaubwuͤrdige Nachrichten verſchaffen kann, da von ihnen oft die bedeu⸗ tendſten Rechte jeder Art abhaͤngen. Dem Staate liegt daher die unerlaßliche Pflicht ob, alle die dazu erforderlichen Anſtalten zu treffen, und es waren zu dem Ende nach der bisherigen Verfaſſung Teutſchlands die Prediger beauftragt, alle dahin gehorigen Faͤlle genau in die Kirchenbuͤcher einzutragen, und auf Verlangen Extraete dar⸗ aus zu ertheilen. — Das Geſetzbuch Napoleons ſetzt an die Stelle der Kir chenbuͤcher die ſogenannten Regiſter des Civil⸗ ode Perſonenſtandes, und uͤbertraͤgt deren Fuͤhrung ebenfalls den Beamten des Civilſtandes, deren Geſchaͤfftskreis hierdurch noch weit ausgedehnter und wichtiger wird, als ihn die bis⸗ her beſchriebenenen Functionen ſchon erblicken lieſſen. — Dies vorausgeſetzt ſoll nun eine genauere Erörterung uͤber die Einrichtung, Fuͤhrung und Benutzung dieſer Regiſter folgen. Die einzelnen Artikel des Geſetzbuchs dabey als Be⸗ leg anzufuͤhren, wird ſelten nothig ſeyn, da ſie alle in Num. 1W. des Anh. enthalten ſind. Solche, bey denen dies der Fall nicht iſt, werden beſonders angegeben werden, und dieſe ſind in Rum. vl des Anh. nachzuleſen. Begriff der Acte des Civilſtan⸗ des⸗ Einrich⸗ tung der Regiſter. Erſte Abtheilung. Allgemeine Regeln über die Regiſter des oder Die drey Hauptepochen des menſchlichen Lebens ſind die Geburt, die Verheirathung und der Tod. um nun immer Gewißheit uͤber dieſe wichtigen Ereigniſſe erhalten zu koͤnnen, verfuͤgt das Geſetz, daß ſie ſchriftlich auf⸗ gezeichnet werden ſollen; und ſchreibt ſolchen Aufzeichnungen eine gewiſſe Form vor. Daraus entſtehen die Acten oder urkunden des Eivil“ öder Perſonen⸗„Standes⸗ Dies ſind demnach ſchriftliche Aufſaͤtze, wodurch der perſon⸗ liche Zuſtand eines Menſchen, namentlich deſſen Geburt, Ver⸗ heirathung, oder Tod, auf eine glaubwuͤrdige Art bezeugt wird, und ſie zerfallen nach jenen Epochen in drey Hanptt gattungen, Geburts⸗ Heiraths⸗ und Todes⸗ Vprkun⸗ den; außer denen es aber noch verſchiedene andere mit die⸗ ſen Hauptgattungen in Beziechung ſtehende, nahmentlich die Anerkennungs, Adoptions⸗, Aufgebots⸗, Ein⸗ ſpruchs⸗ und gheſceipnügs zUrkunden giehi, wovon die beiden erſteren zu den Geburtsurkunden, die drey lezte⸗ ren aber zu den Heirathsurkunden als Rebengattungen gehören. Alle dieſe urkunden duͤrfen, um vollſtändige Glaubwuͤr⸗ digkeit zu ethalten, nicht auf einzelne unzuſamnienhängende Blaͤtter geſchrieben, ſie muͤſſen vie lmehr in ein eigenes/ dazu ausſchließlich beſtimmtes Buch— das Regiſtes des Ci⸗ * i ſe 5 vilſt andes— eingetragen werden, welches am Ende jeden Jahrs mittelſt einer kurzen und einfachen unmittelbar hinter die letzte Urkunde zu ſchreibenden Schlußformel d) abgeſchloſſen wird. Nach dem Geſetzbuche Napoleons wuͤrde es dem Beam⸗ ten des Civil⸗Standes frey ſtehen, fuͤr jede der genannten Arten von Urkunden des Civil⸗Standes ein eignes Regiſter zu fuͤhren, nach der mehrgedachten Inſtruction aber ſollen die Geburts⸗(und Anerkennungs⸗) die Heiraths- und die Todes⸗ urkunden ſaͤmmtlich in ein einziges Regiſter eingetragen werden e); nur fuͤr die Aufgebotsurkunden wird nach der ausdruͤcklichen Vorſchrift jenes Geſetzbuchs ein beſonderes Ne⸗ benregiſter gehalten werden muͤſſen, von dem, weil nicht alle jetzt vorzutragenden Regeln auf daſſelbe anwendbar ſind, nachher noch beſonders die Rede ſeyn wird. Das erwaͤhnte Hauptregiſter, in welches auch die Adoptions? und Eheſcheidungs-Urkunden aufzunehmen ſind, muß doppelt gefuͤhrt, zuvor jedoch dem Praͤſidenten des Tribunals erſter Inſtanz, oder dem deſſen Stelle vertretenden Richter, um daſſelbe mit den erforderlichen Seitenzahlen 1) und ſeinem Handzuge zu verſehen, vorgelegt werden. In ein jedes der beiden Exemplarien werden die einzel⸗ nen Urkunden des Civilſtandes genau nach der Zeitfolge, und ohne den geringſten Zwiſchenraum zu laſſen, hintereinander ——————— d) Inſtruction S. I1. e) Inſtruction S. 5 †) Da der Präſident nur auf das erſte und letzte Blatt die Seitenzahl mit Buchſtaben ſetzt, ſo hat der Beamte des C. St. vorher das Regiſter durchgehends zu paginiren. 3 Eintrag der Urkun⸗ den. 34 eingetragen, ſo daß jede neu einzuſchreibende Urkunde unmit⸗ telbar unter die umterſchriften der zunaͤchſt vorhergehenden geſetzt werden muß. 2).— Ob der Beamte des Civilſtandes die einzelnen urkunden mit fortlaufenden Nummern verſehen will, haͤngt von ſeiner Willkuͤhr ab; geſchieht es mit der er— forderlichen Aufmerkſamkeit, ſo iſt es allerdings ein gutes Mittel jede Einſchiebung zu verhindern. Vey dem Eintrage ſelbſt aber ſind nachſtehende theils den Inhalt, theils aber die uſſere Form jener Urkunden be⸗ treffende Vorſchriften zu beobachten: 1. Soviel den Inhalt betrifft, muͤſſen darin, außer dem zu bezeugenden Ereigniſſe ſelbſt, das Jahr, der Tag und die Stunde, wo die Urkunde aufgenommen wurde h), ſodann die Vor⸗(oder Tauf⸗) und die Geſchlechts⸗Namen, das Alter, das Gewerbe und der Wohnort aller derjenigen, die darin ge⸗ nannt ſind, aufs genaueſte ausgedruͤckt werden. Dahingegen durfen die Veamten des C. St. weder durch An⸗ merkungen noch durch irgend eine Aeuſerung, etwas einruͤcken i), 8) Inſtruction S. 9. n) So wenig die bloße Erwähnung des Vor⸗ oder Nachmittags, als die Anzeige, daß eine urkunde an demſelben Tage und in derſelben Stunde, wie die vorhergehende, aufgenommen worden, iſt hinrei⸗ chend, ſondern beides durchaus unzuläſſig. Ueberhaupt muß eine jede urkunde als für ſich allein beſtehend, und ohne alle Verbindung mit einer andern aufgenommen werden, damit eine davon zu nehmende Avbſchrift den Gegenſtand derſelben vollſtändig enthalte: Inſtruction S. 13. Guide p. 12. 13. i) Sehr nachdruͤcklich aͤußert ſich hieruͤber Herr Siméon in einer, bey der Redaction des fraͤnzöſiſchen Geſetzbuches, an das Tribunat gehal⸗ 36 —— außer demjenigen, was zufolge der bey den einzelnen Gat⸗ tungen unten vorkommenden Regeln, von den erſcheinenden Perſonen erklaͤrt werden muß.— Alles dies aber iſt ohne einige Abkuͤrzung, und kein Datum mit Ziffern, aufzuzeichnen. Vollmachten und ſonſtige urkunden, welche die erſchei⸗ nenden Perſonen beibringen, muͤſſen, nachdem ſie von dieſen und dem Beamten des C. St. miteinem Handzuge verſehen ſind, als Beilagen des Regiſters aufbewahrt werden.— Was ſodann M. die äuſere Form angeht, ſo ſind dazu folgende Er⸗ forderniſſe vorgeſchrieben:) Sobald der Aufſatz abgefaßt iſt, muß er den Intereſſenten, oder im Fall dieſelben in Per⸗ ſon nicht zu erſcheinen brauchen,(welches eigentlich nur bey der Verheirathung nothwendig iſt), deren mit einer beglau⸗ bigten Specialvollmacht verſehenen Stellvertretern vo rgele⸗ tenen Rede: PLes officiers de Petat civil »rédacteurs de ce que les parties leur dsclarent „n'ont qu'un ministére Passif à à remplir. Quelques formalites leur sont imposges pour Ja clarté et la perfection des actes, mais aucune déclaration de leur chef, aucune énonciation, aucune note, ne leur est ils sont greffiers, com- ils ne peuvent scrire due ce, qu'on ent ce, qu'on doit leur dire:“ Code civil des Frangais, suivi des motifs etc. T. Beſonders ſoll die von der Mutter eines unehelichen Kindes geſchehene Anzeige des Vaters nicht aufgezeichnet werden, da ſie, weil die Klage auf Paternität unſtatthaft iſt, doch voͤllig zwecklos ſeyn wuͤrde: Ibid. P. 113. und eben ſo wenig darf, wenn von einem durch Ehebruch erzeugten Kinde, die Rede iſt, etwas erwähnt wer⸗ den, wodurch der Ehebruch in Gewiöheit geſetzt wuͤrde: Inſtru ction S. 13. Permise. Ils ne sont Point juges, missaires enquéteurs; leur dit, et méme uniquem 3 2 ——— ſen, auch, doß ſolches geſchehen ſey, ausdruͤcklich erwaͤhnt werden; es muß 2) die Urkunde hierauf ſogleich k) ſowohl von dem Beamten des C. St./ als von den Intereſſenten und von eini⸗ gen Zeugen, deren Zahl unten naͤher angegeben wird, unter⸗ ſchrieben, oder die urſache bemerkt werden, welche die In⸗ tereſſenten oder Zeugen, ſolches zu thun, verhindert. Endlich 3) iſt zu beobachten, daß als Zeugen nur ſolche Perſonen gebraucht werden koͤnnen, welche maͤnnlichen Geſchlechts, und wenigſtens 21 Jahre alt ſind; unter welcher Voraus⸗ ſetzung jedoch den Intereſſenten deren Wahl, ſowohl uͤber⸗ haupt, als insbeſondere ob ſie Verwandte oder andere Perſo⸗ nen dazu nehmen wollen, lediglich uͤberlaſſen bleibt, indem es dem Beamten des Civilſtandes nicht einmal erlaubt iſt, von ihm ſelbſt gewaͤhlte Zeugen zuzuziehen D. Iſt alles dieſes gewahrt, ſo kommt auf die Einklei⸗ dung des Aufſatzes weſentlich nichts an; denn, wenn gleich in Frankreich den Beamten des Civilſtandes, welche die Re⸗ giſter fuͤhren, beſondere Formulare von Seiten der Regie⸗ rung mitgetheilt worden ſind, ſo hat man ſolche dennoch nur als Leitfaden, nicht als bindende Vorſchrift, ertheilt m). y) Denn wenn einer der Erſchienenen inzwiſchen verſturbe, oder verhin⸗ dert wurde, ſo waͤre die Urkunde ſehlerhaft, und gäbe zu den im Ge⸗ ſetze beſtimmten Strafen Veranlaſſung: Inſtruction. S. 15. ) Inſtruction S.. Guide p. 17—19. m) Zu gleichem Zwecke ſind eben dieſe Formulare ins Ceutſche uͤbertra⸗ gen, und dieſer Unterweiſung als Anhang beigefuͤgt worden, welches auch den katholiſchen Geiſtlichen⸗ obgleich ſie nach der Verordnung vom a2ten Jan. die Regiſter in lateiniſcher Sprache fuͤhren ſol⸗ len, zur Erleichterung dienen wird. 37 Uebrigens aber iſt die genaue Befolgung der ſaͤmmtlichen oben mitgetheilten Vorſchriften ſo durchaus nothwendig, daß die Verabſaͤumung irgend einer derſelben nicht nur eine Klage en auf Entſchaͤdigung gegen den Beamten des C. St. nach ſich zieht, ſondern dieſen auch einer ſtrengen Unterſuchung und Beſtrafung unterwirft. Insbeſondere findet dieſes ſtatt, wenn der Beamte des C. St. ſich einſeitig Abaͤnderungen in den Regiſtern erlauben ſollte, da auch fuͤr dieſen Fall beſtimmte geſetzliche Vorſchrif⸗ ten exiſtiren, die nachher angegeben werden ſollen, und nach welchen derſelbe, wenn er eine Abaͤnderung, welcher Art ſie auch ſey, nothig erachtet, ſich aufs puͤnctlichſte zu richten hat. Sind nun, nach den bisher mitgetheilten Regeln, alle waͤhrend eines Jahres vorgefallene Geburten, Heirathen und Sterbfaͤlle, in beide Exemplarien des Regiſters eingetragen, und dieſe hierauf abgeſchloſſen, auch beide mit einem alpha⸗ betiſchen Namensverzeichniſſe der darin erwaͤhnten Perſonen, worin ſowohl das Datum der urkunde, als die Seitenzahl, wo dieſelbe ſich befindet, anzugeben iſt n), verſehen worden, ſo hat der Beamte des C. St. am Schluſſe des Jahres und noth⸗ wendig binnen einem Monate, das eine der beiden Exem⸗ plare an den Secretair Creffier) des Tribunals erſter Inſtanz, zur Aufbewahrung abzuliefern, auch demſelben die bey der Abfaſſung der einzelnen Acte beigebrachten Vollmachten und ſonſtige Anlagen(S. 35) beizufügen, und ſich von dem Se— cretair des Gerichts einen Empfangsſchein uͤber alle einzelnen Stuͤcke geben zu laſſen o). Das andere Eremplar muͤßte nach n) Inſtruction S. 17. Supplément p 223. o) Inſtruction S. 13. gder ⸗ Aufbewah⸗ rung der Regiſter. Nebenfun⸗ ctionen. 33 der Vorſchrift des Geſetzbuches in das Gemeindsarchiv abge⸗ gegeben werden, da inzwiſchen die in Frankreich den Orts⸗ vorgeſetzten(Maires) allgemein obliegende Fuͤhrung der Re⸗ giſter im Koͤnigreiche Weſtphalen den Predigern in Anſehung des groͤßten Theils der Unterthanen uͤbertragen iſt, ſo konnen dieſe auch das zweite Exemplar derſelben ſelbſt behalten p. Fuͤr deſſen Aufbewahrung aber haben ſie mit groͤßter Vorſicht zu ſorgen, da ſie fuͤr alle von Andern darin gemachten Aen⸗ derungen und Verfaͤlſchungen ſelbſt verantwortlich ſind q. Endlich kann es außer den bisherigen, die unmittelbare Fuͤhrung der Regiſter betreffenden, Functionen, noch zu eini⸗ gen andern kommen, die nur auf beſondere Veranlaſſung ein⸗ treten. Dahin gehoͤrt 1. die oben bereits erwaͤhnte Nothwendigkeit zu machen⸗ der Abaͤnderungen. Haͤlt der Beamte des C. St. ans eigener Bewegung, oder auf Anſuchen der Intereſſenten, ſich verbun⸗ den, irgend eine Abaͤnderung vorzunehmen oder zu veranlaſ⸗ ſen, ſo hat er dabey, nach Verſchiedenheit der Umſtaͤnde, fol⸗ gende beiden Wege einzuſchlagen: 1) wenn es blos auf die Ausloͤſchung eines bereits hingeſchriebenen Ausdrucks oder Satzes ankommt, oder eine Verweiſung auf beizufuͤgende Bemerkungen geſchehen ſoll⸗ ſo kann er dies zwar ſelbſt bewirken, es muß aber die ge⸗ machte Aenderung, wenn ſie Glauben verdienen ſoll, auf die nemliche Weiſe, wie der Hauptinhalt des Aufſatzes, und von allen denen, welche dieſen unterſchrieben haben, genehmigt p) Inſtruction S. 1. q) N. Geſetzbuch. Art. 51.(Anh. N. IV 39 und unterſchrieben r), auch, inſofern Worte ausgeloͤſcht wur⸗ den, ausdruͤcklich erwaͤhnt werden, daß die Intereſſenten da⸗ bey zugegen waren). Ebenſo iſt der Beamte des C. St. zwar berechtigt, in denje⸗ nigen Faͤllen, wo die Erwaͤhnung eines auf den Civilſtand ſich bezieheuden Aufſatzes am Rande eines andern t) vorgeſchrie⸗ ben iſt, dieſelbe, auf Anſuchen der Intereſſenten, ohne alle weitere Foͤrmlichkeit, ſelbſt zu bewirken, und zwar wenn die Regiſter, in denen ſolches geſchehen muß, noch nicht geſchloſ⸗ ſen ſind, in beiden Eremplarien, hingegen, wenn dies be⸗ reits geſchehen iſt, nur in demjenigen, welches ſich in ſeiner Verwahrung befindet; doch muß er in dieſem letzten Falle binnen 3 Tagen dem Koͤniglichen Procurator bey dem Tribu⸗ nal erſter Inſtanz davon Nachricht geben, damit dieſer da⸗ fuͤr ſorge, daß die Aufzeichnung in das bey dem Tribunal niedergelegte Exemplar, gleichfoͤrmig mit jenem, durch den Gerichtsſecretair geſchehe.— Hat dagegen 2) die Abaͤnderung eine wahre Berichtigung zum Zwecke, welches vorausgeſetzt, daß in einer bereits vollſtaͤn⸗ dig eingetragenen Urkunde etwas ausgelaſſen worden, oder irgend ein Irthum eingeſchlichen iſt, ſo darf der Beamte des C. St. durchaus nichts fur ſich vornehmen, ſondern muß die darum Nachſuchenden an das Tribunal der erſten Inſtanz verweiſen, hat jedoch, wenn dieſes ein rechtliches Erkenntniß daruͤber er⸗ r) Ein bloßer Handzug iſt nicht hinreichend: Inſtruction S. 9. s) Inſtruction S. 9. 0 Um dergleichen Anmerkungen beifügen zu koͤnnen, muß in dem Re⸗ giſter durchgehends ein breiter Rand unbeſchrieben gelaſſen werden. Berichti⸗ gungen. Ertracte aus den Regiſtern. 40 laͤßt, ſolches alsbald, nachdem es ihm behaͤndigt worden, in das Regiſter einzutragen, und davon zugleich an dem Rande der dadurch berichtigten Urkunde Erwaͤhnung zu thun. Ein anderer Gegenſtand der zur Fuͤhrung der Regiſter unmittelbar nicht gehdͤrigen Functionen iſt ſodann II. die Ertheilung der verlangt werdenden Ertracte. Dieſe ſollen zwar nach dem Geſetzbuche Napoleons nur von denen gegeben werden, welche die Regiſter aufbewahren, mit⸗ mithin aus den noch nicht abgeſchloſſenen Regiſtern nur von dem Beamten des Civilſtandes, hingegen aus den ſchon ab⸗ geſchloſſenen ſowohl von dieſen aus dem in ihrer Verwahrung befindlichen Exemplar, als von dem Gerichtsſecretair aus dem bey dem Tribunal hinterlegten. In jedem Falle muß gleich⸗ wohl die Beglaubigung des Praͤſidenten bey dem Tribunal erſter Inſtanz hinzukommen u).— Uebrigens werden dieſe Extracte auf Stempelpapier geſchrieben, welches derjenige, welcher darum nachſucht, bezahlen muß. In Frankreich ſind außerdem noch durch ein kaiſerliches Decret vom r2ten Jul. 1807 folgende Gebuͤhren verwilligt: 1) in Paris fuͤr jeden Extract einer Geburts-, Todes- oder Aufgebots⸗Urkunde 75 Cent.(ungefaͤhr 47 Ggr.), und einer Heiraths⸗, Adoptions⸗ oder Eheſcheidungs-Urkunde 1 ½ Francs(9i Ggr.); 2) in den u) Werden Ertracte aus den bisherigen Kirchenbuͤchern verlangt, ſo ſind dieſe ganz nach der ſeicher uͤblichen Art zu ertheilen Auch verſteht es ſich von ſelbſt, daß das S. 29 Not.y erwähnte Verbot der Er⸗ waͤhnung der kirchlichen Ceremonien auf dieſe nicht geht, indem die⸗ ſelben ganz treue Abſchriften ſeyn muͤſſen: Supplément p. 184. „—) li d ſel ge Ue ne A A br 41 Staͤdten von wenigſtens 50,000 Einwohner fuͤr einen Extract der erſteren Art 50 Cent.(32 Ggr.), der letzteren 1 Fr.(6½ Ggr.), endlich 3) an allen uͤbrigen Orten fuͤr erſtere nur 30 Cent. G Ggr.) und fuͤr letztere 60 Cent.(32 Ggr.). Wegen der urkunden des Civilſtandes, welche ent⸗ weder die außer dem Staatsgebiete befindlichen Militair— perſonen betreffen, oder uͤber Geburten und Sterbfaͤlle, die waͤhrend einer Seereiſe vorfallen, aufgenommen wer⸗ den, enthaͤlt das Geſetzbuch genaue Vorſchriften, in Anſehung deren wir jedoch lediglich auf die im Anhange N. 1v. mit abgedruckten Artikel 3061 und 86 98 verweiſen, da die Prediger nur die ihnen zuzuſchickenden Abſchriften ſolcher Ur⸗ kunden in die Regiſter gehorig einzutragen haben. Dieſer Eintrazung iſt jedoch jedesmal ein kurzes, die veranlaſſende Urſache angebendes Protocoll voran zu ſetzen v). Hierbey entſteht jedoch noch eine Frage, deren Veant— wortung vielleicht Manchem nicht unwillkommen iſt; die nem⸗ lich, wie es zu halten ſey, wenn der Beamte des Civilſtan— des wegen Krankheit oder Abweſenheit die urkunden nicht ſelbſt aufnehmen kann?— Daß vorerſt, wenn von Predi⸗ gern die Rede iſt, auch ein anderer Prediger, der auch im Uebrigen die Stelle des Verhinderten verſieht, dieſelben auf— nehmen koͤnne, leidet wohl keinen Zweifel, ſo wie anch in Anſehung eigentlicher Adjuncten das Remliche gelten wuͤrde. Außerdem aber duͤrften wohl nur ſolche Perſonen dazu ge— braucht werden koͤnnen, welche die Faͤhigkeit und Befugniß *) Supplement. p. 221. 222. v) Inſtruction S. 21. 42 haben, den Prediger in allen ſeinen Amtsverrichtungen zu vertreten, da jenes Geſchaͤfft gerade unter diejenigen gehoͤrt, wobey man Meiſten auf das amtliche Anſehn des Predigers Nuͤckſicht genommen hat.— Sobiel ſodann die Maires an⸗ geht, ſo duͤrfen dieſe ſich zwar ihrer Adjuncten ohne Zweifel bedienen, da dieſelben in dem Koͤniglichen Decret vom zrten Maͤrz ſogar namentlich angegeben ſind, den Secretarien der Mairie iſt aber, zum wenigſten in Frankreich, die Be⸗ fugniß durchaus abgeſprochen, eine in das Amt des Maire einſchlagende Handlung mit oͤffentlicher Glaubwuͤrdigkeit vor⸗ zunehmen, und die Ertheilung von Extracten aus den Regi⸗ ſtern des Civilſtandes ihnen ganz unterſagt w). w) Supplément p. 219. 45 ——————SScoSSocSco——— Zweite Abtheilung. Von der Aufzeichnuung der einzelneu Urkunden des Civilſtandes. Erſter Abſchnitt. Von den Geburtsurkunden. Um zur Aufzeichnung einer Geburtsurkunde in die Regi⸗ ſter des Civilſtandes ſchreiten zu koͤnnen, wird nothwendig zweyerley erfordert: Ndaß dem Beamten des C. St. von der Geburt des in Frage ſtehenden Kindes zeitig und auf die gehorige Weiſe Anzeige geſchehen ſey. Zeitig, d. h. binnen drey Tagen ſeit der erfolgten Niederkunft, indem, wenn dieſe Friſt verabſaͤumt worden war, der Beamte des Civilſtandes den koniglichen Procurator bey dem Gerichte der erſten Inſtanz davon zu be⸗ nachrichtigen hat 2), damit dieſer den Umſtaͤnden nach beur⸗ theile, ob der Eintrag dennoch ohne Weiteres geſchehen koͤn⸗ ne, oder ob es noͤthig ſey, daß der Tag der Geburt vorher durch ein gerichtliches Erkenntniß in Gewißheit geſetzt wer⸗ de. Auf die gehdrige Weiſe, d. h. von dem Vater, oder, in deſſen Ermangelung, von den Aerzten, Hebammen, oder andern Perſonen, die bey der Geburt zugegen waren; ſo wie in dem Falle, wo die Mutter außer ihrem Wohnorte 2) Inſtruction S. 19. Conférence du code civil avec la discussion du conseil d'etat. P p Bedingun⸗ gen der Aufzeich⸗ nung. Abfaſſung der Ge⸗ burtsur⸗ kunde. 44 nieder kam, von der Perſon, bey welcher dies geſchahe.— Auch wegen todtgeborner Kinder, und ſolcher, die nur eine kurze Zeit nach der Geburt gelebt haben, muß dieſe Anzeige geſchehen 2). Hiernaͤchſt 2) daß das neugeborne Kind dem Beamten des C. St. in Ge⸗ genwart zweier Zeugen*) vorgezeigt werde, und er ſich von dem Geſchlecht deſſelben uͤberzenge a). Dieſe Vorzeigung iſt unerlaßlich; doch kann ſie, wenn dringende umſtaͤnde das Ueberbringen des Kindes in die Wohnung des Beamten widerra⸗ then, auch in dem Hauſe, wo ſich die Mutter aufhaͤlt, ge⸗ ſchehen b); ein Vorbehalt, der wohl in Anſehung der Predi⸗ ger, da dieſen die Beſorgung des ganzen Kirchſpiels uͤbertra⸗ gen iſt, immer dann eintreten duͤrfte, wenn die Geburt an einem andern, als des Predigers Wohnorte, vorging. Treten dieſe beiden Vorausſetzungen ein, ſo ſchreitet der Beam⸗ ten des C. St. nunmehr alsbald zu der A ufzeichnung der Geburtsurkunde, welche nach den obigen allgemeinen Vor⸗ ſchriften eingerichtet werden, inſonderheit aber nachbemerkte umſtaͤnde enthalten muß: den Tag, die Stunde und den Ort der Geburt, das Geſchlecht des Kindes, die demſelben 2) Ob die hieruber aufzunehmende Urkunde als Geburts- oder Todes⸗ urkunde zu betrachten ſew, koͤnnte zweifelhaft ſeyn; doch kommt dar⸗ auf hier, wo beide Gattungen in das nemliche Regiſter eingetragen werden, nichts an. Die Art der Eintragung wird nachher bey den godesurkunden erwähnt werden. Doch verſteht es ſich, daß, wenn das Kind dem Beamten des Civilſtundes lebendig vorgezeigt wird, und kurz nachher ſtirbt, er ſowohl eine Geburts⸗ als Todesurkunde aufzunehmen hat. *) Guide p. 32. a) Guide p. 29. 30. 32. v) Laſſaulx Jrurnal fuͤr Geſetzgebung, Jahrg. II. Heft 7. S. 13. Code civil suivi des motifs. T. II. p. 99. beigelegten Vornamen, desgleichen die Vor, und Geſchlechts⸗ Kamen, das Gewerbe, und den Wohnort der Eltern c) und Zeugen. Der, welcher die Geburt anzeigte, kann nicht zu— gleich als Zeuge auftreten, und bey ihm kommt es auf die beſonderen Erforderniſſe eines Zeugen auch nicht an.— Uebrigens iſt noch zu bemerken, daß, wenn von einem unehe— lichen Kinde die Rede iſt, aus dem in der Not. i. S. 34. an⸗ gefuͤhrten Grunde, nur die Mutter genannt wird d), wenn nicht etwa der Vater ſelbſt das Kind ſogleich fuͤr das ſeinige anerkennt. Eine ſolche Anerkennung kann indeſſen auch ſpaͤter Anerken⸗ erfolgen, und muß alsdann unter dem Tage, wo ſie geſcha⸗ he, in das Regiſter eingetragen*, zugleich aber der das Kind betreffenden Geburtsurkunde, wenn ſich dieſe ebenfalls in dem Regiſter des Kirchſpiels oder der Gemeinde aufgezeichnet fin⸗ det, eine kurze Erwaͤhnung davon beigefuͤgt werden. Doch iſt hierbey wohl in Acht zu nehmen, daß eine ſolche Aner⸗ kennung von Seiten der Eltern nur in Anſehung derjeni⸗ gen Kinder ſtatt finde, welche nicht durch Ehebruch oder Blutſchande erzeugt ſind c). Verſchiedene Eigenheiten treten endlich noch bey dem Gefundene Falle ein, wenn ein neugebornes Kind, welches von den El⸗ S c) Ob dieſe verheirathet ſind, braucht nicht ausdruͤcklich bemerkt zu werden, wenn ſie ſolches nicht wünſchen, da eine ſolche Angabe ohne⸗ hin nicht beweiſend iſt: Jurisprudence T. I. p. 243. d) Ja es darf in dieſem Falle der Name deſſen, den die Mutter fuͤr den Vater des unehelichen Kindes ausgiebt, nicht einmal als Vorname deſſelben gebraucht werden: Jurisprudence T. I. p. 160. *) Geſchahe die Anerkeunung in der Heirathsurkunde, wovon nachher die Rede ſeyn wird, ſo iſt es nicht nothig, dieſelbe noch beſonders einzutragen. e) N. Geſetzbuch. Art. 335. Adoptions⸗ urkunden. 46 tern angeſetzt wurde, gefunden wird.— Nachdem dies dem Beamten des C. St. nebſt den dabey vorgefundenen Kleidungs⸗ ſtuͤcken und ſonſtigen Gegenſtaͤnden uͤbergeben, und demſelben alle Umſtaͤnde der Zeit und des Orts, wo man es gefunden hat, angegeben worden ſind, hat er hieruͤber ein umſtaͤndli⸗ ches Protocoll aufzunehmen, welches auſſerdem noch das wahrſcheinliche Alter und das Geſchlecht des Kindes, die Na⸗ men, welche man ihm geben, und die Civilbehoͤrde, welcher man es uͤberliefern wird, z. B. das Waiſenhaus, angeben muß. Und dies Protocoll wird, ſtatt einer Geburtsurkunde, in die Regiſter des Civilſtandes eingetragen. Zeugen ſind hierbey eben ſo, wie bey einer Geburtsurkunde, erforderlich, und dazu vorzuͤglich diejenigen zu waͤhlen, welche, als das Kind gefunden wurde, zugegen waren, indem dieſe vielleicht noch einen oder den andern von dem Anzeigenden uͤberſehenen Umſtand anfuͤhren koͤnnen t). Endlich ſind unter dieſem Abſchnitte auch noch die Ado⸗ ptionsurkunden, oder diejenigen, wodurch der Beamte des Civilſtandes bezeugt, daß jemand einen andern an Kin⸗ desſtatt annimmt, naͤher zu beſchreiben.— Die Pbliegenheit dieſes Beamten in Anſehung derſelben ſind jedoch nicht ſehr ausgedehnt und laͤſtig; das Geſetz erfordert zur Guͤltigkeit ei⸗ ner jeden Adoption, daß dieſelbe ſowohl von dem Tribunal der erſten Inſtanz, als von dem Appellationsgerichte, beſtaͤ⸗ tigt ſey, und daß binnen drey Monaten von dem Zeitpuncte an, wo letzteres geſchahe, der Beamte des Civilſtandes an dem Wohnorte deſſen, der an Kindesſtatt annimmt, auf Anſu⸗ 1) Inſtrnction S. 19. an he rie d de de an ni re 47 chen eines der beiden Intereſſenten die Eintragung derſelben in das Regiſter des Civilſtandes bewirke. Sind ohne dieſe die 3 Monate verfloſſen, ſo bleiben die Beſtaͤtigungserkenntniſſe ohne Erfolg 8). Wird daher ein Be⸗ amter des Civilſtandes aufgefordert, jene Eintragung vorzu⸗ nehmen, ſo hat er ſich das Erkenntniß des Appellations-Ge⸗ richts in glaubhafter Form vorlegen zu laſſen, und vor allen Dingen zu pruͤfen, ob noch nicht 3 Monate, von dem Datum deſſelben an gerechnet, verſtrichen ſind. Iſt dieſe Friſt gewahrt, ſo verfaßt er eine urkunde nach der in der erſten Abtheilung dieſes Capitels im allgemeinen angegebenen Form h). Die Zahl der zuziehenden Zeugen iſt nicht beſonders beſtimmt, zwey ſind daher ohne Zweifel hin⸗ reichend. g) N. Geſetzbuch. Art. 389. h) Guide p. 100. 10x. Zweiter Abſchnitt. Von den auf die Ehe ſich beziehenden Urkunden. ——— um hier Wiederholungen zu vermeiden, wird alles das als bekannt vorausgeſetzt, was im erſten Capitel dieſer Un⸗ terweiſung uͤber die Formlichkeiten der Verheirathungen, Auf— gebote und Eheſcheidungen ausfuͤhrlich mitgetheilt worden iſt, und hier nur zur Abfaſſung der Urkunden, wodurch die wirkliche und guͤltige Vornahme jener Handlungen in Gewiß⸗ heit geſetzt werden muß, eine naͤhere Anleitung gegeben. Bey einer jeden Verheirathung kommt weſentlich die Aufnahme zweyer Urkunden vor, nemlich uͤber das geſchehene Aufgebot und uͤber die Schlieſſung der Ehe, dazu kann je⸗ doch noch ein dritter Aufſatz kommen, in dem Falle nemlich, daß gegen die Ehe Einſpruch geſchehen ſeyn ſollte. Die Art der Abfaſſung dieſer 3 Gattungen der Urkunden, ſo wie auch der bey Eheſcheidungsfaͤllen aufzunehmenden, macht den Ge⸗ genſtand dieſes Abſchnitts aus, und es iſt davon im allge⸗ meinen zu bemerken, daß die Heiraths, und Eheſcheidungs⸗ urkunden in das gewoͤhnliche Regiſter des Civilſtandes einge⸗ ſchrieben werden, fuͤr die Aufgebots- und Einſpruchsurkun⸗ den aber ein beſonders Regiſter, welches nur einfach ge⸗ halten wird D, nach den oben angegebenen Erforderniſſen einzurichten iſt.— Bey einer jeden Gattung der genannten Urkunden im Einzelnen iſt aber folgendes zu beobachten. Keil und Reinhard Handbuch für Maire. B. I. S. 372. —— — —„— —.„—— — — — — 1 49 Was zuerſt die Aufgebotsurkunde betrifft, ſo hat o der Prediger dieſelbe, alsbald nachdem er das Aufgebot ge⸗ hoͤrig vorgenommen hat, in das dazu beſtimmte Regiſter ein⸗ zutragen. In dieſer Urkunde, ſo wie in den derſelben vorhergehen⸗ den Aufgeboten, muͤſſen die Vor- und Geſchlechts⸗Namen, das Gewerbe und die Wohnorte ſowohl der kuͤnftigen Ehe⸗ gatten, als ihrer Eltern, bemerkt, auch dabey erwaͤhnt wer⸗ den, ob die erſtern minderjaͤhrig oder ſchon volljaͤhrig, d. h. 21 Jahre(ohne Unterſchied des Geſchlechts) alt ſind h. Zeugen brauchen dabey nicht zugezogen zu werden, auch unterſchreibt der Beamte des Civilſtandes dieſelbe allein. Werden, wie dies die Regel iſt, zwey Aufgebote vorge⸗ nommen, ſo muͤſſen dieſe beide vollig gleichlautend, jedoch, wie ſich von ſelbſt verſteht, mit Veraͤnderung der Zeitangabe, aufgenommen werden D; wird hingegen von dem zweiten dispenſirt, ſo muß dies in der einzigen Urkunde, die alsdann abgefaßt wird, angemerkt werden. Von dieſen Aufgebotsurkunden ſoll nach dem Obigen ein Auszug an den Thuͤren der Kirche und des Gemeindehau⸗ ſes(des Rathhauſes in den Staͤdten), wo ein ſolches exi⸗ ſtirt, angeſchlagen werden. Dieſer Auszug braucht nur das Weſentlichſte zu enthalten; die im Anhange(N. vII. N.) vorkommenden Formulare geben daruͤber die beſte Belehrung. War ein Einſpruch gegen die Ehe erfolgt, ſo muß auch dieſer, wiewohl nur ganz kurz, in das Aufgebotsregiſter ein⸗ k) N. Geſetzbuch Art. 388. 488. Inſtruction. S a3. kunde. 50 getragen werden m). Der Beamte des Civilſtandes nennt nur die Perſonen, welche ſich verheirathen wollen, und die, welche hiergegen Einſpruch gethan hat, bezieht ſich dabey auf den ihm zugeſtellten ſchriftlichen Aufſatz, und macht die⸗ ſen zur Anlage des Regiſters. Noch kuͤrzer iſt, wenn hierauf eine Aufhebung des Einſpruchs erfolgt, davon am Rande dieſer Urkunde Er⸗ waͤhnung zu thun. Eine Beziehung auf den die Aufhebung enthaltenden Aufſatz, den er als Anlage beifuͤgt, iſt, mit Be⸗ merkung des Datums deſſelben, ſchon hinreichend. — Heiraths⸗ Nach dieſem Allem kommt es zur Abfaſſung der Hei⸗ rathsurkunde, welche ſogleich nach der Abſchlieſung der Ehe aufzunehmen iſt, und in welcher nachſtehende Puncte be⸗ ſtimmt ausgedruͤckt werden muͤſſen: 10) die Vor⸗ und Ge⸗ ſchlechts⸗Namen, das Gewerbe, das Alter, die Geburts⸗ und Wohnorte der Ehegatten, mit der beſondern Angabe, ob ſie noch minderjaͤhrig oder bereits volljaͤhrig ſind; 2) die Vor⸗ und Geſchlechts⸗Namen, das Gewerbe und die Wohnorte der Eltern*); 3) die Einwilligung der Eltern und Groseltern, und die der Familie, wo ſelbige erforderlich iſt; außerdem aber die etwa ſtatt gehabten ehrerbietigen Anfragen; ₰ die ——„— ——„—„— m) Die Inſtruction, S. as, ſagt zwar, daß der Einſpruch nur am Rande d der Aufgebotsurkunde zu erwähnen ſey; inzwiſchen iſt dies wohl eine Verwechslung mit der Aufhebung des Einſpruchs, da das Geſetz Art. 67.) klar iſt. *) Auch den umſtäͤnden nach die Erwaͤhnung des Todes der Eltern oder Groseltern, und, wenn daruͤber keine Todes⸗ oder Notorietätsur⸗ kunden beigebracht wurden, die Erwaͤhnung der deshalbigen Verſiche⸗ rung der Ascendenten oder Ehegatten(S. 12. 13). 51 erfolgten Einſpruͤche und deren Aufhebung, oder die Bemer⸗ kung, daß deren keine eingelegt worden ſind; 5) die Erklaͤ⸗ rung der ſich Verbindenden, einander heirathen zu wollen, und der hierauf erfolgte Ausſpruch ihrer Verbindung; endlich 6) die Vor⸗ und Geſchlechts⸗Namen, das Alter, das Ge⸗ werbe und der Wohnort der Zeugen Oeren, wie geſagt, viere zuzuziehen ſind), wie auch die Erklärung dieſer letztern, ob ſie mit den Eheleuten verwandt oder verſchwaͤgert ſind, und zwar von welcher Seite und in welchem Grade.— Am Schluſſe der Urkunde iſt ſodann noch ganz kurz zu bemerken, ob die Ehegatten Guͤtergemeinſchaft eingehen wollen, oder nicht n).— Sollten die Ehegatten etwa bey der Ver⸗ heirathung vorher ſchon mit einander erzeugte Kinder aner⸗ kennen, welches ſogar in Anſehung ſchon Verſtorbener zum Vortheil der von dieſen nachgelaſſenen Kinder, nicht aber in Anſehung der durch Ehebruch oder Blutſchande erzeugten ſtatt findet*), ſo muß auch davon ausdruͤckliche Erwaͤhnung geſchehen*). Iſt die Urkunde ſolchergeſtalt aufgenommen, ſo werden die Unterſchriften beigefuͤgt, wobey nur noch dies in Acht zu nehmen iſt, daß nicht etwa alle gegenwaͤrtigen Perſonen, ſon⸗ dern außer den beiden Ehegatten, den 4 Zeugen und dem Beamten des Civilſtandes, nur noch diejenigen Perſonen, de⸗ ren Einwilligung zur Ehe nothwendig erfordert wird, und die ſolche blos muͤndlich bey der Abſchlieſung der Heirath n) Siehe oben S. 2. N. Geſetbuch. Art. 331. 332. 335. *0) Inſtruction S. 35. Eheſchei⸗ dungsur⸗ kunden. 52 ſelbſt ertheilen, die Heirathsurkunde unterſchreiben o).— Die beigebrachte Documente, welche oben S. 23 und 24 einzeln angegeben wurden, bleiben, wie dies allgemein Regel iſt, (S. 35)) dem Regiſter als Beilagen beigefuͤgt, doch hat der Veamte des C. St. hier beſonders darauf zu achten, weil deren ſo viele ſind, und er dafuͤr verantwortlich iſt H. Endlich iſt noch uͤber die Abfaſſung der Eheſchei⸗ dungsurkunden einiges zu bemerken. Das Geſetzbuch ſagt hieruͤber gar nichts; da inzwiſchen kein Grund da iſt, nicht wenigſtens die allgemeinen Vorſchriften uͤber die Fuͤhrung der Regiſter des Civilſtandes dabey anzuwenden, ſo hat der Be⸗ amte des Civilſtandes in Anſehung derſelben das niliche zu beobachten, was oben uͤber die Adoptionskunden beſtimmt wurde. Ein Formular enthaͤlt der Anhang unter N. VII. 15. p. o) Guide p. 78. 79. †) Inſtruction S. 27. p) Guide p: 179. 141. — 07 Dritter Abſchnitt. Von den Lodesurkunden. Auch hier ſind, ehe die Aufnahme einer ſolchen Urkunde geſchehen kann, verſchiedene Erforderniſſe vorgeſchrieben, die der Beamte des C. St. nicht verſaͤumen darf. Einige in den Polizeyordnungen angegebene Faͤlle namentlich den, wo die laͤngere Aufbewahrhung eines Leichnams ohne augenſcheinliche Gefahr fuͤr die Lebenden nicht geſchehen kann, ausgenommen, darf keine Beerdigung vor dem Ablaufe von 24 Stunden nach erfolgtem Tode, und niemals ohne einen Erlaubnißſchein des Beamten des C. St. geſchehen. Dieſer Erlaubnißſchein darf jedoch nicht eher, als nach jener Friſt, und nur dann abge⸗ geben werden, wenn zuvor der Beamte des C. St. ſich ſelbſt zu dem Todten verfuͤgt, und ſich von deſſen Ableben verſi⸗ chert hat q). Außerdem muß der Beamte des C. St. die Erklaͤrung zweyer Zeugen, zu denen, wo moglich, die näͤchſten Ver⸗ wandten, oder, wenn der Todesfall ſich außer dem Wohn⸗ ) Der Hauptzweck dieſer eignen Anſicht des Todten iſt nicht etwa, um das Lebendigbegraben zu verhuͤten, ſondern um ſich zu überzeugen, daß der Leichnam auch wirklich die Perſon ſey, welche als verſtorben angegeben wurde. Zugleich hat der Beamte des Civilſtandes ſich nach den Umſtaͤnden des Todes zu erkundigen, und ſeine Aufmerkſamkeit vorzüglich mit darauf zu richten, ob ſich keine Spur einer gewaltſa⸗ men Todesart zeigt: Guide p. 93—95, und wenn er dies letztere fände, dem Polizeybeamten davon Anzeige zu thun: N. G eſetzbuch Art. 87. Vorberei⸗ tende Um⸗ ſtande. 64 orte des Verſtorbenen ereignete, nothwendig die Perſon, bey welcher dies geſchahe, und noch eine mit demſelben verwand⸗ te oder allenfalls auch eine andere Perſon, genommen werdin muͤſſen, einfordern, und nach dieſer Erklaͤrung, mit Zuzie⸗ hung der erwaͤhnten Zeugener), die Todesurkunde auf⸗ nehmen. Aufnahme der Todes⸗ urkunde. Außerge⸗ wöhnliche Fälle. In einer ſolchen Urkunde aber ſind folgende Puncte an⸗ zugeben: die Vor⸗ und Geſchlechts-Namen, das Alter, das Gewerbe und der Wohnort des Verſtorbenen, ſeiner Eltern, ſoweit dieſelben bekannt ſind, und der Zeugen, welche jene Erklaͤrung abgegeben haben, auch, wenn dieſe Verwandte ſind, der Grad ihrer Verwandſchaft. War der Verſtorbene verheirathet oder im Wittwenſtande, ſo iſt auch der Vor⸗ und Geſchlechts⸗Name ſeines Ehegat⸗ ten und deſſen etwa bekannter Wohnort auszudruͤcken.— Den Tag und die Stunde des Ablebens zu benennen, iſt zwar nicht ausdrucklich vorgeſchrieben, doch iſt ſolches zum wenigſten ſehr rathſam. Auf die bisher beſchriebene Weile hat der Prediger zu verfahren, wenn ihm ein Todesfall der gewoͤhnlichen Art an⸗ gezeigt wird«). Gewiſſe Eigenheiten treten bey dem Falle r) Zu bemerken iſt hier die Verſchiedenheit der bey der Geburts- und bey Todes⸗Urkunden als Zeugen zu gebrauchenden Perſonen. Bey den letzteren ſind es nemlich dieſelben, welche die Erklaͤrung oder An⸗ zeige des erfolgten Todes abgeben, bey den Gelpirtaurkunden hinge⸗ gen ſind die Zeugen von dem, welcher die Geburt anzeigt, ganz ver⸗ ſchieden. Dieſer letztere kann auch und muß in gewiſſen Fällen(S. 43) eine Frauensperſon ſeyn, zu Zeugen aber können nur volljährige Mannsperſonen(S. 36) genommen werden. s) Wenn ein todtes Kind, deſſen Geburt ſich nicht in dem Regiſter des Civilſtandes eingetragen findet, dem Beamten des Civilſtandes vorge⸗ — 556 ein, wenn jemand in einem offentlichen Hauſe, wohin vorzuͤglich auch Hoſpitaͤler und Gefaͤngniſſe zu rechnen ſind, oder eines nicht natuͤrlichen Todes, verſtirbt. Bey umſtaͤnden dieſer Art ſind die Perſonen, welche, vermoge ihres Amts davon zunaͤchſt Wiſſenſchaft erhalten, verpflichtet, dem Prediger des Kirchſpiels, worin der Sterb⸗ fall geſchahe, hiervon Nachricht zu geben, und dieſer muß dann— den Fall einer Hinrichtung ausgenommen— ſelbſt nach dem Verſtorbenen ſich verfuͤgen, und zufolge der ihm von jenen Perſonen mitgetheilten oder ſelbſt eingezogenen Nachrichten, die Todesurkunde abfaſſen, wovon ſodann in allen Faͤllen ohne Unterſchied eine Ausfertigung dem Predi⸗ ger an dem Wohnorte des Verſtorbenen, um ſie auch in das daſige Regiſter einzutragen, zugeſchickt werden muß.— zeigt wird, ſo ſoll derſelbe, nach einem Deeret des Kaiſers Napoleon vom gten Jul. 1806, daruͤber eine Urkunde abfaſſen, worin nicht ge⸗ ſagt wird, daß das Kind geſtorben, ſondern nur, daß es ihm leblos vorgezeigt ſey. Außerdem ſoll er die Erklärung der Zeugen uͤber die Namen, Eigen chaft und den Wohnort der Eltern, auch die möglichſt genaue Angabe des Alters des Kindes darin aufnehmen. Dieſe Ur⸗ kunde iſt nach ihrem Datum in das Regiſter einzutragen, ohne daß ſedoch daraus ein Schluß auf die Frage, ob das Kind gelebt habe oder nicht, zu machen iſt: Supplément p. 192. S. auch vben S. 44. Not. 2. ) Man kann dies als allgemeine Regel annehmen, zufolge deren alſo, wenn Jemand an einem andern, als ſeinem gewoͤhnlichen Wobnorte, verſtirbt, zwar der Beamte des Civilſtandes an dem Sterborte die Todesurkunde aufzunehmen, und in ſein Regiſter einzutragen, zugleich aber an den Beamten des Civilſtandes an dem Wohnorte des Verſtor⸗ benen eine Ausfertigung zu ſchicken hat, die dann dieſer mit einer kurzen Bemerkung der Veranlaſſung in das daſige Regiſter ebenfalls eintragt: Guide p. 99. merkung. 56 Außerdem ſind aber noch zwey beſondere Vorſchriften wohl in Acht zu nehmen, nemlich 1 daß, wenn der Tod in einem oͤffentlichen Hauſe— mit Ausnahme der Gefaͤngniſſe— ſich ereignete, der Prediger des Sterborts darauf zu ſehen hat, daß alle von den oben gedachten Perſonen ihm mitge⸗ theilten Nachrichten in die, fuͤr dergleichen Haͤuſer beſonders zu haltenden Regiſter, eintragen werden; und 2) daß, im Falle des gewaltſamen Todes, der Hinrichtung oder des Abſterbens im Gefaͤngniſſe, dieſer Umſtaͤnde in den Urkunden durchaus keine Erwaͤhnung geſchehen darf. Alles, was dazu dient, um die verſtorbene Perſon genau zu bezeich⸗ nen, und ihr wirkliches Abſterben in Gewißheit zu ſetzen, muß er nach den obigen Vorſchriften mit Sorgfalt aufneh— men, aber er darf weder die Todesart, noch irgend einen andern den Verſtorbenen und deſſen Familie beſchimpfenden umſtand erwaͤhnen v. Mit Huͤlfe dieſer moͤglichſt gedraͤngten, aber doch jedes weſentliche Erforderniß begreifenden, Unterweiſung wird es den Beamten des C. St. nicht ſchwer werden, die hiernaͤchſt fol⸗ genden Verfuͤgungen des Geſetzbuches Napoleons, worauf die mit abgedruckten Koͤniglichen Verordnungen ſie verweiſen, nicht nur zu verſtehen, ſondern auch richtig anzuwenden. Die weiter beigefuͤgten Formulare werden dieſe Anwendung noch erleichtern, und jeden etwa uͤbrig gebliebenen Zweifel loſen. u) Guide p. 98. — Anhang. F Königliche Verordnung vom 22ten Januar 1808, wodurch die Prediger und Geiſtlichen aller Religionen verpflichtet werden, Regiſter über die Acte des Civil⸗ ſtandes ihrer Pfarrkinder zu halten v). Wir Hieronymus Napoleon, von Gottes Gnaden und durch die Conſtitution Koͤnig von Weſtphalen, franzdſi⸗ ſcher Prinz ꝛc. ꝛc. haben nach Anſicht des roten Artikels der Conſtitution vom 15ten November 1807, in der Abſicht, al⸗ len Unſeren Unterthanen bey ihren Geiſtlichen und Predigern die naͤmlichen Vortheile in Ruͤckſicht der Acte des Civilſtan⸗ des zu gewaͤhren, welche bisher nur einigen derſelben zuge⸗ ſtanden waren, und damit die Ausuͤbung jeder Religion un⸗ abhaͤngig von den Dienern einer fremden bleiben moͤge; auf den Bericht Unſtes Miniſters der Juſtiz und der innern An⸗ gelegenheiten, und nachdem Wir zuvor Unſern Staatsrath dar⸗ uͤber angehort, verordnet und verordnen wie folgt: Art. x. Bis Wir definitiv beſtimmt haben werden, wem die Aufnahme der Acte des Civilſtandes anvertrauet werden ſoll, ſoll von der Bekanntmachuug des gegenwaͤrtigen De⸗ crets an, von den Predigern und Geiſtlichen eines jeden v) Geſetzbuͤlletin des Koͤnigreichs Weſtphalen. S. I2. S. 221. 34 Kirchſpiels, gleichviel zu welcher Religion es ſich bekenne, ein Regiſter gehalten werden, worin ſie die Geburts⸗ Heyraths⸗ und Sterbe⸗Acte ihrer Pfarrkinder aufzuzeichnen haben. Art. 2. Dieſe Regiſter ſollen doppelt gehalten, und von dem Praͤſidententen des zunaͤchſt gelegenen Tribunals auf der erſten und der letzten Seite cotirt w), auch jedes Blatt mit deſſen Paraph 2) verſehen werden. Art. 3. Alle Prediger und Geiſtliche muͤſſen ſich in Ruͤck⸗ ſicht der Fuͤhrung dieſer Regiſter des Civilſtandes nach den Vorſchriften des zweyten Titels des erſten Buchs des Coder Napoleon„) richten. Art. 4. Es ſoll gleichfalls in jedem Kirchſpiele, gleich⸗ viel zu welcher Religion es ſich bekennt, ein doppeltes Regi⸗ ſter uͤber die Bekanntmachung der Heirathsaufgebote in Ge⸗ maͤßheit des 63ten Art. des Coder Napoleon eroffnet und ge⸗ fuͤhrt werden. Art. 5. Die Catholiken, Lutheraner und Reformirten brauchen ſich nicht mehr, in Ruͤckſicht der Acte des Civilſtan⸗ des, vor andern als ihren Predigern zu ſtellen. Art. 6. Die catholiſchen Geiſtlichen ſollen die Acte des Civilſtandes in lateiniſcher Sprache, wie es in Teutſchland w) Coter heißt mit Seitenzahlen verſehen. 2) Paraphe heißt der Handzug, Namenezug. ) Anhang N. IV. 59 in den meiſten catholiſchen Kirchſchielen gebraͤuchlich iſt, auf⸗ nehmen. Die uͤbrigen nicht catholiſchen Prediger ſollen die Acte des Civilſtandes in der Landes⸗ oder teutſchen Sprache aufnehmen. Art. 7. Unſer Miniſter der Juſtiz und des Innern iſt mit der Vollziehung des gegenwaͤrtigen Decrets beauftragt. Gegeben in Unſerm koniglichen Pallaſte zu Caſſel den 22ten Januar 1808, im zweyten Jahre Unſerer Regierung. unterſchrieben: Hieronymus Napoleon. † „. Auszug eines Cirkularſchreibens des Juſtizminiſters an die Praͤſidenten der Tribunale, vom 23ten Januvr 1808*). ———— 3) Iſt von einigen angefragt worden, was in Beziehung auf die Acte des Civilſtandes gemacht werden ſolle? Hiebey ſcheint die Bemerkung nothig zu ſeyn, daß die Anſtoͤße gegen die Form und die Maͤngel in den Civilſtandes⸗ Acten zwar Fehler ſind, fuͤr welche die Beamten des Civil⸗ ſtandes verantwortlich und ſtrafbar bleiben; daß ſie aber an ſich die Acte ruͤckſichtlich der Parteien nicht nichtig ma⸗ chen, in ſo fern der Anſtoß gegen die Form oder der Man⸗ gel nicht von ihnen ſelbſt herruͤhrt. Demnach waͤre ein Hei⸗ raths⸗Act, woraus nicht die Gegenwart oder die Einwilli⸗ gung der Eltern zu erſehen ſtaͤnde, nicht blos wider die Form, ſondern auch nichtig. Dagegen wuͤrde ein Heiraths⸗ Act, worin zwar einige zu ſeiner Vollſtaͤndigkeit erforderliche umſtaͤnde ausgelaſſen ſind, die jedoch nicht weſentlich erfo⸗ dert werden, oder ſonſt durch andere authentiſche zu erweiſen ſtehen, keinesweges nichtig ſeyn. 4) Da die bey Eingehung der Ehe zu verabredenden Be⸗ dingungen der Willkuͤhr eines jeden uͤberlaſſen ſind, ſo kann *) Weſtphaͤliſcher Moniteur, N. 17. 61 man darin ausmachen, was man den umſtaͤnden angemeſſen findet.— Will man keinen Ehevertrag aufſetzen laſſen, und auf der andern Seite auch keine eheliche Guͤtergemeinſchaft eingehen, ſo reicht, um die Koſten des Ehe⸗ Contracts zu vermeiden, die Erklaͤrung vor dem Beamten des Civilſtandes bey Eingehung der Ehe hin, daß man zwar die Heirath ab⸗ ſchlieſſen, aber damit nicht zugleich die Guͤtergemeinſchaft eingehen wolle. Die Beamten, vor denen die Ehen geſchloſſen werden, muͤſſen demnach die Parteien befragen, welches ihre Abſicht ſey, ob ſie die Guͤtergemeinſchaft mit ihrer Ehe zugleich eingehen wollen, oder nicht? und ihrer Antwort Er⸗ waͤhnung thun. Sooo III. Auszug des koͤniglichen Decrets vom 31ten März 1808, wodurch die Maires zu Beamten des Civilſtandes in Ruͤckſicht der Juden beſtellt werden J). Art. r4. Der buͤrgerliche Zuſtand der Juden ſoll in je⸗ der Gemeinde vom xten May d. J. an von dem Maire, und, in deſſen Ermangelung, von dem Adjuncten, feſtgeſtellt werden. Geſetzbuͤlletin. N. 28. S. 525. 529. 69 Das Conſiſtorium und die Rabbiner haben, in Ueberein⸗ ſtimmung mit der buͤrgerlichen Autoritaͤt, daruͤber zu wachen, daß die Juͤdiſchen Familien die Geburts⸗Ehe⸗ und Sterbe⸗ Acte, den Vorſchriften des Coder Napoleon gemaͤs, vor die⸗ ſen Beamten verrichten. Die Mairen und Adjuncten haben ſich in Hinſicht der Haltung der Regiſter und der Aufnahme der Acte nach der Vorſchrift des Coder Napoleon und Unſeres Decrets vom 21ten Januar d. J. zu bemeſſen 2. 6 Art. 6. Das Conſiſtorium ſoll daruͤber wachen: 2 3. Das die Rabbiner die Ehen nicht eher einſegnen, und die Eheſcheidungen nicht eher ausſprechen, als nachdem ihnen die Verichtigung des Civilacts der Ehe oder Ehe⸗ ſcheidung nachgewieſen iſt. 2) Nach dem 15ten Art. des nemlichen Decrets ſollen binnen drey Monaten alle Juden dem Namen, unter dem ſie bekannt ſind, ei⸗ nen Beinamen hinzufuͤgen, welcher fuͤr immer der Unterſcheidungs⸗ name ihrer Familie werden ſoll.— Es haben daher die Maires darauf zu ſehen, daß bey allen Urkunden des Civilſtandes, welche ſie vom xten Jul. d. J. an aufnehmen, eine jede darin erwaͤhnte Perſon einen ſolchen Familiennamen angebe. 63 ——— IV. Napoleons Geſetzbuch. Erſtes Buch. —————————— Zweiter Titel. Von den Urkunden des Civilſtandes. —— Erſtes Capitel. Allgemeine Verfügungen. 34. Die Urkunden des Civilſtandes muͤſſen das Jahr, den Tag und die Stunde, wo ſie aufgenommen werden, die Vornamen, die Geſchlechtsnamen, das Alter, das Gewerbe und den Wohnort aller derjenigen ausdruͤcken, die darinn genannt werden. 35. Die Beamten des Civilſtandes duͤrfen den Urkunden, die ſie abfaſſen, ſey es durch Anmerkungen oder ſonſtige Aeußerungen nichts einruͤcken, als was von den Erſcheinen⸗ den erklaͤrt werden muß. 35. In den Faͤllen, worin die Intereſſenten nicht verbun⸗ den ſind, in Perſon zu erſcheinen, duͤrfen ſie ſich durch ei⸗ nen Andern, der mit einer darauf beſonders gerichteten Voll⸗ macht in glanbhafter Form verſehn iſt, vertreten laſſen. 37. Nur Mannsperſonen, die wenigſtens ein und zwanzig Jahre alt ſind, Verwandte oder nicht, duͤrfen bey Aufnahme der urkunden des Civilſtandes als Zeugen zugezogen werden. Sie werden von den Intereſſenten ſelbſt gewaͤhlt. 38. Der Beamte des Civilſtandes muß den erſcheinenden Theilen oder ihren Bevollmaͤchtigten und den Zeugen die urkunden vorleſen, worin auch der Erfullung dieſer Fromlich⸗ keit Erwaͤhnung zu thun iſt. 39. Dieſe Urkunden muͤſſen von dem Beamten des Civil⸗ ſtandes, von den erſcheinenden Theilen und den Zeugen un⸗ terſchrieben, oder es muß die urſache angefuͤhrt werden, welche die Erſcheinenden und die Zeugen daran verhinderte. 40. Die Urkunden des Civilſtandes ſind ſodann in jeder Gemeinde in ein oder mehrere Regiſter, die doppelt gefuͤhrt werden, einzutragen. 41, Die Regiſter ſollen vom Praͤſidenten des Gerichtes der erſten Inſtanz, oder von dem Richter, der deſſen Stelle vertritt, auf dem erſten und letzten Blatte mit der Seiten⸗ zahl und auf jedem Blatte mit einem Handzuge verſehn werden. 42. Die urkunden ſollen in die Regiſter hintereinander ohne einigen Zwiſchenraum eingetragen werden. Wird etwas aus⸗ geloſcht, oder auf Nebenbemerkungen verwieſen ſo muß dies ebenſo, wie der Hauptinhalt der urkunde, genehmigt und un⸗ terſchrieben werden. Im Schreiben darf man ſich keiner Abkuͤrzungen bedienen, noch irgend ein Datum mit Ziffern ausdruͤcken. 43. Am Ende eines jeden Jahres ſollen die Regiſter von dem Beamten des Civilſtandes formlich abgeſchloſſen und — 65 binnen einem Monate eins der Exemplare in das Archiv der Gemeinde, das andere in die Gerichtsſchreiberey des Tribu⸗ nals der erſten Inſtanz niedergelegt werden. 44. Mit demjenigen Exemplar, das bey der gedachten Gerichtsſchreiberey aufbewahrt werden muß, ſollen auch die Vollmachten und andere Documente, die den Urkunden des Civilſtandes beigefugt bleiben muͤſſen, nachdem ſie vorher mit dem Handzuge deſſen, der ſie beigebracht, und des Beamten des Civilſtandes verſehen ſind, auf der Gerichtsſchreiberey nie⸗ derlegt werden. 45. Jedermann iſt berechtigt, von denjenigen, von wel⸗ chen die Regiſter des Civilſtandes anfbewahrt werden, ſich Auszuͤge aus denſelben geben zu laſſen. Dergleichen mit den Regiſtern uͤbereinſtimmende und von dem Praͤſidenten des Gerichtes der erſten Inſtanz, oder von dem Richter, der ſeine Stelle vertritt, beglaubigte Auszuͤge haben ſo lange volle Be— weiskraft, bis ſie vor Gericht als falſch angegriffen werden. 46. Sind keine Regiſter vorhanden geweſen, oder ſind ſie verloren, ſo iſt ſowohl ſchriftlicher als Zeugenbeweis zuzulaſ⸗ ſen, und in dieſen Faͤllen koͤnnen die Heirathen, Geburten und Sterbfaͤlle eben ſowohl durch Regiſter und Papiere, die von den verſtorbenen Eltern herruͤhren, als durch Zeugen be⸗ wieſen werden. 47. Jede urkunde des Civilſtandes— ſie mag Einlaͤnder oder Auslaͤnder betreffen— die in einem fremden Lande auf⸗ genommen worden, ſoll volle Beweiskraft haben, wenn ſie nach der in einem ſolchen Lande hergebrachten Form abge⸗ faßt iſt. 5 — 66 48. Alle im Auslande verfaßte Urkunden des Civilſtandes der Einlaͤnder ſind guͤltig, wenn ſie von den geſandſchaftli⸗ chen Agenten oder von den Conſuls, den im Koͤnigreiche gel⸗ tenden Geſetzen gemaͤß, aufgenommen worden ſind. 49. So oft es nothig ſeyn wird, am Rande einer ſchon eingetragenen Urkunde, einer andern, die ſich auf den Civil⸗ ſtand bezieht, zu erwaͤhnen, ſoll dieſes auf Anſuchen der Intereſſenten durch den Beamten des Civilſtandes auf den laufenden, oder auf den im Archive der Gemeinde aufbe⸗ wahrten Regiſtern, und durch den Secretair bey dem Tribunal der erſten Inſtanz, auf den bey der Gerichtsſchrei⸗ berey niedergelegten Regiſtern geſchehen. Zu dem Ende ſoll der Beamte des Civilſtandes in den drey naͤchſten Tagen den koniglichen Procurator bey dem erwaͤhnten Gerichte hiervon benachrichtigen und dieſer hat dafuͤr zu ſorgen, daß die Er⸗ waͤhnung in beyden Negiſtern gleichlautend geſchehe. 50. Jede Uebertretung der vorherigen Artickel, welche von dem hierin genannten Beamten geſchieht, wird bey dem Ge⸗ richte der erſten Inſtanz eingeklagt und mit einer Geldbuße veſtraft, die nicht uͤber hundert Francs betragen darf. s1. Jeder Bewahrer der Regiſter iſt fur alle darin vor⸗ kommende Vrrfälſchungen, ſobiel den Schadenserſatz betrifft, verantwortlich, jedoch mit Vorbehalt des ihm etwa noch zu⸗ ſtehenden Regreſſes gegen die Urheber ſolcher Verfaͤlſchungen. 52. Jede Veraͤnderung oder Verfalſchung in den Urkun⸗ den des Civilſtandes, jede Einſchreibung dieſer Urkunden, die auf ein fliegendes Blatt und anders wohin, als in die dazu be⸗ ſtimmten Regiſter geſchehen iſt, giebt den Intereſſenten ein 67 Recht auf volle Entſchaͤdigung, mit Vorbehalt der in den peinlichen Geſetzen beſtimmten Strafen. 53. Der konigliche Procurator bey dem Gerichte der er⸗ ſten Inſtanz iſt verbunden, den Zuſtand der Regiſter zu der Zeit, da ſie bey der Gerichtsſchreiberey niederlegt werden, zu unterſuchen. Ueber dieſe Unterſnchung muß er ein kurz⸗ gefaßtes Protocoll aufnehmen, jede Uebertretung und jedes Vergehen, das von den Beamten des Civilſtandes begangen ſeyn moͤchte, anzeigen, und auf die zu den Geldbußen wirder ſie antragen. 54. In allen Fällen, wo ein Gericht der erſten Inſtanz uͤber Urkunden urtheilt, die auf den Civilſtand Bezug haben, koͤnnen die Intereſſenten wider den Ausſpruch weitere Rechts⸗ mittel ergreifen. Zweites Capitel. Von den Geburtsurkunden 55. Jede Geburt ſoll binnen den erſten drey Tagen nach der Niederkunft dem Beamten des Civilſtandes des Hrtes angezeigt und das Kind ihm vorgezeigt werden. 56. Die Geburt des Kindes muß von dem Vater, oder, in Ermangelung des Vaters von den Doctoren der Arzney— oder Wundarzneykunde und ſonſtigen Aerzten, desgleichen von den Hebammen, oder andern Perſonen, die bey der Ge⸗ burt zugegen geweſen ſind, und, wenn die Mutter außer ih⸗ rem Wohnorte niedergekommen iſt, von der Perſon, bey wel⸗ cher dies geſchahe, angezeigt werden. 5 66 Die Geburtsurkunde ſoll ſogleich in Gegenwart zweier Zeugen aufgenommen werden. 57. Die Geburtsurkunde muß den Tag, die Stunde und den Ort der Geburt, das Geſchlecht des Kindes und die Vornamen, die man ihm gegeben hat, die Vornamen, Ge⸗ ſchlechtsnamen, das Gewerbe und den Wohnort der Eltern und der Zeugen enthalten. 58. Jeder, der ein neugebornes Kind findet, iſt verbun⸗ den, es dem Beamten des Civilſtandes mit den Kleidungen und andern bey dem Kinde vorgefundenen Sachen zu uͤber⸗ liefern, und alle Umſtaͤnde der Zeit und des Drts, wo er es gefunden, anzugeben. Hieruͤber ſoll ein umſtaͤndliches Protocoll aufgenommen werden, welches uͤberdies noch das anſcheinende Alter des Kindes, ſein Geſchlecht, die Namen, die man ihm geben, und die Civil-Behoͤrde, welcher man es uͤbergeben will, ent⸗ halten muß. Dies Protocoll ſoll in die Regiſter eingetragen werden. 50. Wird ein Kind waͤhrend einer Seereiſe geboren, ſo muß in den erſten vier und zwanzig Stunden im Beiſeyn des Vaters, wenn er gegenwaͤrtig iſt, und zweier Zeugen, die man aus den Schifsofficiers, oder in Ermangelung der⸗ ſelben aus den Schiffsleuten zu nehmen hat, die Geburtsur⸗ kunde aufgenommen werden. Dieſe Urkunde ſoll auf Schif⸗ fen, welche dem Koͤnige gehoren, der Verwaltungsbeamte des Seeweſens, und auf Schiffen, die einem Caper oder Handelsmanne gehoͤren, der Schiffscapitain, der Rheder, oder der Schiffspatron aufſetzen. Die Geburtsurkunde muß 69 in das Verzeichniß der Schiffsmannſchaft als Zuſatz einge⸗ tragen werden. 6o. In dem erſten Hafen, wo das Schiff, um auszuru⸗ hen, oder aus einer ſonſtigen Urſache, die der Abtackelung ausgenommen, einlaufen wird, ſind die Verwaltungsbeam⸗ ten des Seeweſens, der Schiffscapitain, der Schiffsherr oder Patron verbunden, zwey glaubhafte Ausfertigungen der Ge⸗ burtsurkunden, die ſie verfaßt haben, niederzulegen, und zwar, wenn es ein einlaͤndiſcher Hafen iſt, auf dem Buͤreau des Vorgeſetzten der Einſchreibung zum Seedienſte, wenn es hingegen ein fremder Hafen iſt, in die Haͤnde des Conſuls. Eine von dieſen Ausfertigungen bleibt anf dem genann⸗ ten Buͤreau oder in der Conſulatskanzley aufbewahrt, die andere muß an den Miniſter des Seeweſens eingeſchickt wer⸗ den, der eine von ihm beglaubigte Abſchrift einer jeden die⸗ ſer Urkunden dem Beamten des Civilſtandes an dem Wohn⸗ orte des Vaters des Kindes, oder, wenn der Vater unbe⸗ kannt iſt, an dem ſeiner Mutter zuzufertigen hat. Dieſe Ab⸗ ſchrift ſoll ſogleich in die Regiſter eingetragen werden. 6r. Sobald das Schiff in den Hafen eingelaufen iſt, wo es abgetrackelt wird, muß das Verzeichniß der Schiffsmann⸗ ſchaft auf dem Buͤreau des Vorgeſetzten der Einſchreibung zum Seedienſte niedergelegt werden. Dieſer hat eine von ihm unterzeichnete Ausfertigung der Geburtsurkunde dem Beamten des Civilſtandes an dem Wohnorte des Vaters des Kindes, oder am Wohnorte ſeiner Mutter, wenn der Vater unbekannt iſt, zuzuſenden, welche den Regiſtern ſogleich ein⸗ geruͤckt werden muß. 70 62. Die urkunden uͤber die Anerkennung eines Kindes ſol⸗ len in die Regiſter, dem Tage nach, wo dieſelbe geſchehn iſt, eingetragen, und hiervon an dem Rande der Geburtsurkunde, wenn eine vorhanden iſt, Meldung gethan werden. Drittes Capitel. Von den Heirathsurkunden. * 63. Vor Abſchlieſſung der Ehe ſoll der Beamte des Civil⸗ ſtandes zwey Aufgebote nach einer Zwiſchenzeit von acht Ta⸗ gen auf einen Sonntag vor der Thuͤre des Gemeindehauſes erlaſſen. In dieſen Aufgeboten, ſo wie in der Urkunde, die hieruͤber aufgenommen wird, muͤſſen die Vornamen, die Ge⸗ ſchlechtsnamen, das Gewerbe und die Wohnorte der kuͤnfti⸗ gen Ehegatten, der Umſtand, ob ſie volljaͤhrig oder minder⸗ jaͤhrig ſind, endlich die Vornamen, die Geſchlechtsnamen, das Gewerbe und die Wohnorte ihrer Eltern ausgedruͤckt ſeyn. Dieſe Urkunde muß außerdem die Tage, Orte und Stunden angeben, wo die Aufgebote geſchehen ſind. Sie ſoll in ein eigenes Regiſter eingetragen werden, welches auf dieſelbe Weiſe, wie ſolches der Art. 41. beſtimmt, mit Sei⸗ tenzahlen und mit dem Handzuge verſehn ſeyn, auch am Ende eines jeden Jahres auf der Gerichtsſchreiberey des Tribunals erſter Inſtanz niedergelegt werden muß. 64. Ein Auszug der Aufgebotsurkunde ſoll an die Thuͤre des Gemeindehauſes angeheftet werden, und daſelbſt waͤhrend — —„— — 1 der achttaͤgigen Zwiſchenzeit von einem Aufgebote bis zum andern bleiben. Vor dem dritten Tage nach dem zweiten Auf⸗ gebote, den Tag dieſes Aufgebots nicht mit inbegriffen, darf die Ehe nicht geſchloſſen werden. 635. Iſt die Ehe nicht in Jahresfriſt nach dem Ablaufe der fuͤr die Aufgebote beſtimmten Friſt abgeſchloſſen worden, ſo, kann ſolches alsdann nicht mehr geſchehn, als nachdem neue Aufgebote nach der hier oben vorgeſchriebenen Form er⸗ gangen ſind. 66. Die uͤber Einſpruͤche gegen eine Ehe aufgenommenen Verhandlungen ſollen auf dem Hriginal und der Abſchrift von denen, welche Einſpruch gethan haben, oder ihren Be⸗ vollmaͤchtigten, die mit einer hierauf gerichteten Vollmacht in glaubhafter Form verſehen ſind, unterſchrieben und als⸗ dann nebſt einer Abſchrift der Vollmacht den Intereſſenten entweder in Perſon oder an ihrem Wohnorte, ſo wie auch dem Beamten des Civilſtandes, der ſein Vidit auf das Ori⸗ ginal zu ſetzen hat, inſinuirt werden. 67. Der Beamte des Civilſtandes muß unverzuͤglich dem Aufgebotsregiſter eine kurze Bemerkung des erfolgten Ein⸗ ſpruches beifuͤgen, auch auf dem Rande des Eintrags dieſer Einſpruͤche, die Urtheile oder ſonſtigen Urkunden, welche eine Aufhebung derſelben enthalten, wenn ihm eine Ausfertigung derſelben zugeſtellt worden iſt, erwaͤhnen. 68. Im Falle eines Einſpruchs darf der Beamte des Ci⸗ vilſtandes, ehe ihm die Aufhebung deſſelben eingehaͤndigt worden iſt, die Abſchlieſſung der Ehe nicht vornehmen, bey 72 einer Strafe von dreihundert Francs, nebſt dem Erſatze des daraus entſtehenden Schadens und des ganzen Intereſſes. 69. Sind keine Einſpruͤche erfolgt, ſo ſoll auch hiervon in der Heirathsurkunde Erwaͤhnung geſchehen, und wenn die Aufgebote in mehreren Gemeinden ergangen ſind, ſo ſollen die Intereſſenten von dem Beamten des Civilſtandes einer jeden Gemeinde ein Zeugniß beibringen, wodurch ſie erwei⸗ ſen, daß kein Einſpruch eingelegt worden iſt. 70. Der Beamte des Civilſtandes ſoll ſich den Geburts⸗ ſchein eines jeden der kuͤnftigen Ehegatten vorzeigen laſſen. Der Ehegatte, dem es etwa unmoͤglich ſeyn moͤchte, ſich ihn zu verſchaffen, kann ihn dadurch erſetzen, daß er eine Noto⸗ rietaͤtsurkunde(Zeugniß der Kundbarkeit) von dem Friedens⸗ richter ſeines Geburts- oder Wohnortes beibringt. 71. Eine ſolche Notorietaͤtsurkunde muß eine von ſieben Zeugen, gleichviel ob ſie maͤnnlichen oder weiblichen Geſchlechts, verwandt oder nicht verwandt ſind, geſchehene Erklaͤrung uͤber die Vornamen, den Geſchlechtsnamen, das Gewerbe und den Wohnort des kuͤnftigen Ehegatten und ſeiner Eltern, wenn ſie bekannt ſind; ſodann den Hrt, und ſoviel moͤglich den Zeitpunct ſeiner Geburt und die Urſachen enthalten, die es verhindern, die Geburtsurkunde ſelbſt beizubringen. Die Zeugen muͤſſen die Notorietaͤtsurkunde mit dem Friedensrichter unterſchreiben, und, wenn ſich unter ihnen ſolche befinden, die zu ſchreiben nicht verſtehen, oder dazu außer Stande ſind, ſo muß auch dieſes angemerkt werden. 73. Die Notorietatsurkunde muß dem Gerichte der erſten Inſtanz des Ortes, wo die Ehe abgeſchloſſen werden ſoll, vor⸗ „— — —, ——— —+————+————, gelegt werden. Das Gericht giebt oder verſagt hierauf nach Vernehmung des koͤniglichen Procurators ſeine Beſtaͤtigung, je nachdem es die Erklaͤrung der Zeugen und die Gruͤnde, wegen welcher man die Geburtsurkunde nicht beibringen kann, zureichend findet oder nicht. 73. Der glaubhafte Aufſatz, welcher die Einwilligung der Eltern oder Groseltern, oder beim Abgange derſelben der Familie, enthaͤlt, muß die Vornamen, die Geſchlechtsnamen, das Gewerbe und den Wohnort des kuͤnftigen Ehegatten, und aller derjenigen, welche bey dem Aufſatze zugezogen wer⸗ den, ſo wie den Grad ihrer Verwandſchaft, ausdruͤcken. 74. Die Ehe ſoll in der Gemeinde geſchloſſen werden, wo einer der beiden Ehegatten ſeinen Wohnſitz hat. In BVezie⸗ hung auf die Heirath hat man ſeinen Wohnſitz in einer Ge⸗ meinde, wenn man ſechs Monate hintereinander daſelbſt ge⸗ wohnt hat. 75. An dem Tage, den nach Ablauf der Aufgebots⸗ friſten die Parteien dazu beſtimmt haben, ſoll der Beamte des Civilſtandes ihnen auf dem Gemeindehauſe, in Beiſeyn von vier Zeugen, wozu Verwandte und Nichtverwandte ge⸗ waͤhlt werden koͤnnen, die oben angefuͤhrten Urkunden, die ſich auf ihren Stand und auf die Foͤrmlichkeiten der Heirath beziehen, ſodann das ſechste Capitel des Titels von der Ehe, welches die wechſelſeitigen Rechte und Pflichten der Ehegat⸗ ten enthaͤlt, vorleſen. Er ſoll ſich von jedem Theile einzeln und nacheinander die Erklaͤrung geben laſſen, daß ſie ſich zum Manne und zur Frau nehmen wollen, und hietauf im Namen des Geſetzes ausſprechen, daß ſie durch das Band 74 —— der Ehe verbunden ſind, auch hieruͤber auf der Stelle eine Urkunde aufſetzen. 76. In der Heirathsurkunde muͤſſen ausgedruckt werden: ſ. ) die Vornamen, die Geſchlechtsnamen, das Gewerbe, das Alter, die Geburts: und Wohnorte der Ehegatten; 2) ob ſie volljaͤhrig oder minderjaͤhrig ſind; 3) die Vornamen, Geſchlechtsnamen) das Gewerbe und die Wohnorte der Eltern; 4) die Einwilligung der Eltern, der Groseltern und der Familie in den Faͤllen, wo ſie erfordert wird; 5) die Aufſͤtze uͤber das ehrerbietige Nachſuchen des elter⸗ lichen Raths, wenn deren vorgekommen ſind; 6) die in den verſchiedenen Wohnorten geſchehenen Aufge⸗ bote; 7) Die Einſpruͤche, wenn deren erfolgt ſind, ihre Aufhe⸗ ₰ bung, oder die Bemerkung, daß kein Einſpruch ge⸗ ſchahe; 8) die Erklärung der Contrahenten, daß ſie einander zu Ehegatten nehmen, und der von dem oͤffentlichen Be⸗ amten geſchehene Ausſpruch ihrer ehelichen Verbindung; 9) die Vornamen, die Geſchlechtsnamen, das Alter, das Ge⸗ werbe und die Wohnorte der Zeugen, und ihre Erklaͤ⸗ rung, ob ſie mit den Parteien verwandt oder verſchwaͤ⸗ gert ſeyen, von welcher Seite her und in welchem Grade. d ſi ch je — Viertes Capitel. Von den Sterburkunden. 77. Keine Beerdigung darf ohne Erlaubniß des Beamten des Civilſtandes geſchehn, der dieſelbe auf nicht geſtempeltem Papier und unentgeltlich, jedoch nicht eher, als nachdem er ſich zu dem Verſtorbenen verfuͤgt hat, um ſich ſeines wirkli⸗ chen Abſterbens zu verſichern, und vier und zwanzig Stunden nach dem Abſterben, ertheilen kann. Ausgenommen bleiben jedoch die in den Policeyverordnungen beſonders beſtimmten Faͤlle. 78. Die Sterburkunde wird von dem Beamten des Ci⸗ vilſtandes auf die Erklaͤrung zweier Zeugen aufgenommen; dieſe Zeugen ſollen, wo moͤglich, die zwey naͤchſten Ver⸗ wandten oder Nachbarn ſeyn, oder, wenn jemand außer ſeinem Wohnorte geſtorben iſt, die Perſon, bey welcher er verſtarb, und ein Verwandter oder ein Anderer. 79. Die Sterburkunde muß die Vornamen, die Geſchlechts⸗ namen, das Alter und den Wohnort des Verſtorbenen ent— halten, ferner die Vornamen und Geſchlechtsnamen des an⸗ dern Ehegatten, wenn die verſtorbene Perſon verheirathet oder im Wittwenſtande war, endlich die Vornamen, die Ge⸗ ſchlechtsnamen, das Alter, das Gewerbe und die Wohnorte derjenigen, welche dieſe Erklaͤrung abgegeben haben, und wenn ſie Verwandte ſind, auch den Grad ihrer Verwandt⸗ ſchaft. Eben dieſe Urkunde muß ferner, inſoweit man davon Nachricht haben kann, die Vornamen, die Geſchlechtsnamen, 76 das Gewerbe und den Wohnort der Eltern des Verſtorbenen und ſeinen Geburtsort enthalten. go. Die Sterbfaͤlle in den Militär- und buͤrgerlichen Hoſpitaͤlern oder andern öffentlichen Haͤuſern ſollen die Obern, Directoren, Verwalter und Hausherrn in den naͤchſten vier und zwanzig Stunden dem Beamten des Civilſtandes anzei⸗ gen. Dieſer muß, um des Abſterbens verſichert zu ſeyn, ſich dahin verfuͤgen, und nach Vorſchrift des vorhergehenden Ar⸗ tikels eine Urkunde uͤber die ihm gegebenen Erklärungen und von ihm eingezogenen Erkundigungen aufnehmen. Ueberdies ſollen in den erwaͤhnten Hoſpitälern und Haͤu⸗ ſern eigene Regiſter gefuͤhrt werden, die zum Eintrage jener Erklaͤrungen und eingezogenen Nachrichten beſtimmt ſind. Der Beamte des Civilſtandes ſoll die Sterburkunde an den Beamten, der an dem letzten Wohnorte des Verſtorbe⸗ nen dieſelbe Stelle verſieht, einſenden, und dieſer ihn gleich⸗ falls in ſeine Regiſter eintragen. 81. Aeußern ſich Zeichen oder Spuren eines gewaltſamen Todes, oder andere umſtaͤnde, welche den Verdacht eines ſolchen erregen, ſo darf die Beerdigung nicht eher geſchehen, als nachdem ein Policeybeamter mit Zuziehung eines Doctors der Arzney: oder Wundarzneykunde uͤber den Zuſtand des Leichnams, und uͤber die Umſtände, welche hierauf Bezug ha⸗ ben, ſo wie uͤber die Erkundigungen, die er wegen der Vor⸗ namen, des Geſchlechtsnamens, Alters, Gewerbes, des Ge⸗ burts? und Wohnortes des Verſtorbenen einziehen konnte, ein Protokoll aufgenommen haben wird. en n ha 37 82. Der Policeybeamte iſt verbunden, an den Beamten des Civilſtandes des Ortes, wo die Perſon verſtorben iſt, ſogleich alle Rachrichten einzuſenden, die in ſeinem Proto⸗ colle enthalten ſind, nach denen ſodann die Sterburkunde zu verfaſſen iſt. Eine Ausfertigung hiervon ſoll der Beamte des Civilſtan⸗ des demjenigen zuſenden, der am Wohnorte des Verſtorbenen dieſe Stelle verſieht, ſofern der Wohnort bekannt iſt; dieſe Ausfertigung wird in die Regiſter eingetragen. 83. Die Criminalgerichtsſchreiber ſind gehalten, in den erſten vier und zwanzig Stunden nach der Vollſtreckung der Todesurtheile dem Beamten des Civilſtandes an dem Orte, wo der Verurtheilte hingerichtet worden iſt, alle in dem Foten Art. ausgedruͤckten Nachrichten zuzuſenden, nach wel⸗ chen alsdann die Sterburkunde aufgenommen wird. 84. Stirbt jemand in einem Gefaͤngniſſe, Zucht⸗ oder Einſperrungshauſe, ſo haben die Aufſichter oder Gefangen⸗ huͤter den Beamten des Civilſtandes auf der Stelle hiervon zu benachrichtigen, der hierauf nach Vorſchrift des Art. 80. ſich dahin verfuͤgen und die Sterburkunde aufnehmen muß. 85. In allen Faͤllen, wo jemand eines gewaltſamen To⸗ des oder in einem Gefaͤngniſſe oder Zuchthauſe verſtorben oder auch hingerichtet worden iſt, ſoll von dieſen Umſtaͤnden in den Regiſtern gar nichts erwaͤhnt und die Sterburkunde einzig nach der im Art. 79. vorgeſchriebenen Form abgefaßt werden. 73 86. Ereignet ſich der Sterbfall auf einer Seereiſe, ſo ſoll daruͤber binnen vier und zwanzig Stunden in Gegenwart zweier Zeugen, die man aus den Schiffsofficiers, oder, in deren Ermangelung, aus der Schiffsmannſchaft zu nehmen hat, eine Urkunde aufgenommen werden. Dieſe Urkunde hat auf Seeſchiffen, welche dem Koͤnige zugehoͤren, der Verwal⸗ tungsbeamte des Seeweſens, und⸗ auf Schiffen die einem Handelsmanne oder Kaper gehoͤren, der Schiffscapitain, der Rehder oder Schiffspatron abzufaſſen. Die Sterburkunde wird in das Verzeichniß der Schiffsmannſchaft als Zuſatz eingetragen. g7. In dem erſten Hafen, wo das Schiff, um auszuru⸗ hen oder aus einer ſonſtigen urſache, die der Abtackelung ausgenommen, einlaufen wird, ſollen die Verwaltungsbeam⸗ ten des Seeweſens, der Schiffscapitain, Schiffsherr oder Patron, welche die Sterburkunde abgefaßt haben, zwey Ausfertigungen, dem Art. 60. gemaͤß, abgeben. Sobald das Schiff in den Hafen eingelaufen iſt, wo es abgetackelt wird, ſoll das Verzeichniß der Schiffsmannſchaft auf dem Buͤreau des Vorgeſetzten der Einſchreibung zum Seedienſte hinterlegt werden. Dieſer hat eine von ihm un— terzeichnete Ausfertigung der Sterburkunde dem Beamten des Civilſtandes, wo der Verſtorbene ſeinen Wohnort hatte, zuzuſenden, welche hierauf ſogleich den Regiſtern eingeruͤckt werden muß. —— . Funftes Capitel. PVon den Urkunden des Civilſtandes, welche Militärperſonen außerhalb des Staatsgebietes betreffen. 88. Die außerhalb des Staatsgebietes aufgenommenen urkunden des Civilſtandes, ſie betreffen Militaͤr- oder andere bey den Armeen angeſtellte Perſonen, ſollen nach den durch die vorherigen Verfuͤgungen vorgeſchriebenen Formen, jedoch mit Vorbehalt der in den folgenden Artikeln enthaltenen Ausnahmen, abgefaßt werden. 89. Der Quartiermeiſter bey einem jeden Corps, welches aus einem oder mehreren Bataillons oder Schwadrons beſteht, und der commandirende Hauptmann bey den andern Corps, ſollen die Verrichtungen des Beamten des Civilſtandes beſorgen. Eben dies ſoll in Betreff der Ofſiciers ohne Truppen und ſonſtigen bey der Armee angeſtellten Perſonen der bey der Armee oder dem Armeecorps befindliche Muſterungsinſpector thun. oo. Fuͤr die Urkunden des Civilſtandes ſoll ein eigenes Regiſter bey jedem Truppencorps gefuͤhrt werden, das ſich auf die Individuen dieſes Corps bezieht und ein anderes bey dem Generalſtabe der Armee oder eines Corps der Armee fuͤr ſolche urkunden, welche die Officiers ohne Truppen und das Nebenperſonal betreffen. Dieſe Regiſter ſollen auf eben die Weiſe wie die andern Regiſter des Corps und ei⸗ nes jeden Stabes aufbewahrt, und bey der Ruͤckkehr des Corps oder der Armeen auf das Staatsgebiet in das Kriegs⸗ archiv niedergelegt werden. 80 91. Die Regiſter ſollen bey jedem Corps von dem Offi⸗ cier, der das Commando fuͤhrt, und bey dem Generalſtabe von dem Chef des Generalſtabes mit Seitenzahlen und dem Handzuge verſehen werden. 92. Die Geburtsanzeigen ſollen bey der Armee in den er⸗ ſten zehn Tagen nach der Niederkunft geſchehen. o3. Der Officier welchem die Fuͤhrung des Regiſters uͤber den Civilſtand aufgetragen iſt, ſoll in den erſten zehn Tagen nach der Eintragung einer Geburtsurkunde in dies Regiſter einen Auszug davon dem Beamten des Civilſtandes an demjenigen Orte zuſenden, wo der Vater, oder wenn dieſer unbekannt iſt, die Mutter des Kindes zuletzt wohnte. o4. Die Aufgebote bey Verheirathung der Militar⸗ und anderer bey der Armee angeſtellten Perſonen ſollen an dem Hrte ihres letzten Wohnſitzes geſchehen; ſie ſollen uͤberdies, ſoviel die Individuen betrifft, die zu einem Corps gehoͤren, bey der Tagesordre des Corps, und in Hinſicht der Pfficiers ohne Truppen und der ſonſt Angeſtellten, bey der Tagesordre der Armee oder des Corps der Armee, wobon ſie einen Theil ausmachen, fuͤnf und zwanzig Tage vor Schließung der Ehe kund gemacht werden. „ o5. Gleich nachdem die Heirathsurkunde in das Regiſter eingetragen iſt, ſoll der Officier, der daſſelbe zu fuͤhren hat, eine Ausfertigung davon dem Beamten des Civilſtandes an dem letzten Wohnorte der Ehegatten zuſenden. o6. Die Sterburkunden ſollen bey jedem Corps von dem Quartiermeiſter, und was die Officiers ohne Truppen und 81 die ſonſt angeſtellten Perſonen betrifft, von dem Muſterungs⸗ inſpector der Armee auf die Verſicherung dreier Zeugen auf— genommen und der Auszug aus dieſen Regiſtern in den naͤch⸗ ſten zehn Tagen dem Beamten des Civilſtandes an dem letz⸗ ten Wohnorte des Verſtorbenen zugeſchickt werden. 97. Iſt jemand in einem Feldlazareth oder in einem ſte⸗ henden Kriegshoſpitale geſtorben, ſo ſoll die Sterburkunde von dem Director einer ſolchen Anſtalt aufgenommen und dem Quartiermeiſter des Corps oder dem Muſterungsinſpector bey der Armee oder dem Corps der Armee, wozu der Ver⸗ ſtorbene gehoͤrte, zugeſchickt werden. Dieſen Pfficiers liegt es ob, eine Ausfertigung der Sterburkunde an den Beamten des Civilſtandes am letzten Wohnorte des Verſtorbenen ge⸗ langen zu laſſen. o3. Der am Wohnorte der Parteien angeſtellte Beamte des Civilſtandes iſt verbunden, jede Urkunde des Civilſtan⸗ des, wovon ihm eine Ausfertigung von der Armee zugeſchickt wird, ſogleich in die Regiſter einzutragen. Sechstes Capitel. Von der Berichtigung der Urkunden des Civilſtandes. oo. Wird auf Berichtigung einer Urkunde des Civilſtan⸗ des angetragen, ſo hat das competente Gericht auf den An⸗ trag des koͤniglichen Procurators mit dem Vorbehalte der Appellation hieruͤber zu erkennen. Sofern es die Umſtaͤnde erfordern, ſollen die Intereſſenten hierzu vorgefordert werden. 6 89 100. Das Berichtigungsurtheil kann den Intereſſenten, wenn ſie weder darum nachgeſucht haben, noch dazu vorge⸗ laden worden ſind, zu keiner Zeit entgegengeſetzt werden. ror. Solche Berichtigungsurtheile muͤſſen von dem Be⸗ amten des Civilſtandes, ſobald ſie ihm zugeſtellt worden, in die Regiſter eingetragen werden; auch ſoll ihrer am Rande der hierdurch verbeſſerten urkunde Erwaͤhnung geſchehn. 2 00 V. Napoleons Geſetzbuch. Sſtes Buch Fuͤnfter Titel. Wun der Ehe Sechstes Capitel. Von den wechſelſeitigen Rechten und Pflichten der Ehegatten. r2. Die Ehegatten ſind einander Treue, Huͤlfe und Bei⸗ 2 ſtand ſchuldig. 213. Der Mann iſt ſeiner Frau Schutz und die Frau dem Manne Gehorſam ſchuldig. 214. Die Frau iſt verbunden, bey dem Manne zu woh⸗ nen, und ihm allenthalben hinzufolgen, wo er ſich aufzuhal⸗ ten fur gut findet; der Mann iſt ſchuldig, ſie aufzunehmen, und ihr Alles, was zum Lebensunterhalte erforderlich iſt, nach ſeinem Stande und Vermoͤgen, zu reichen. 215. Die Frau kann ohne Genehmigung ihres Mannes nicht vor Gericht auftreten, ſelbſt dann nicht, wenn ſie eine oͤffentliche Handelsfrau iſt, wenn ſie mit ihrem Manne in keiner Guͤtergemeinſchaft lebt, oder wenn eine Guͤtertrennung zwiſchen beiden ſtatt findet. 6 2 34 216. Die Genehmigung des Mannes iſt nicht erforderlich, wenn gegen die Frau in Criminal oder Policeyſachen ver⸗ fahren wird. 217. Die Frau, wenn ſie gleich mit ihrem Manne in keiner Guͤtergemeinſchaft oder in einer voͤlligen Guͤtertren⸗ nung lebt, kann, ohne daß ihr Ehemann bey der Handlung ſelbſt hierzu mitwirkt, oder ſchriftlich darein einwilligt, nicht ſchenken, veraͤußern, verpfaͤnden, noch auf irgend eine Weiſe unentgeltlich oder gegen Verguͤtung erwerben. 218. Verweigert der Mann ſeine Genehmigung zum Er⸗ ſcheinen der Frau vor Gericht, ſo kann der Richter ſie dazu ermaͤchtigen. 279. Verſagt der Mann ſeiner Frau zur Eingehung eines Rechtsgeſchaͤfts ſeine Genehmigung, ſo kann ihn die Frau unmittelbar vor das Gericht der erſten Inſtanz in dem Be⸗ zirke ihres gemeinſchaftlichen Wohnſitzes vorladen laſſen, wel⸗ ches alsdann, nachdem der Mann in dem Berathſchlagungs⸗ zimmer vernommen, oder doch gehoͤrig vorgefordert worden iſt, ſeine Genehmigung ertheilen oder verſagen kann. 220. Iſt ſie eine offentliche Handelsfrau, ſo kann ſie, ſo⸗ viel ihren Handel betrifft, ſich ohne Genehmigung ihres Mannes verbinden; ſie verbindet in dieſem Falle auch ihren Mann, wenn unter ihnen eine Guͤtergemeinſchaft beſteht. Als Handelsfrau wird ſie jedoch nicht angeſehn, wenn ſie nur im Kleinen die zur Handlung ihres Mannes gehoͤri⸗ gen Waaren verkauft, ſondern nur dann, wenn ſie einen ab⸗ geſonderten Handel treibt. nn 35 221. Iſt der Mann zu einer Leibes oder entehrenden Strafe verurtheilt, waͤre ſie auch nur durch ein Contuma— cial⸗Erkenntniß wider ihn verhaͤngt, ſo kann die Ehegattin, wenn ſie gleich volljaͤhrig iſt, ſo lange die Strafe dauert, nur dann vor Gericht ſtehen, oder Vertraͤge ſchlieſſen, wenn ſte vorher die Genehmigung des Richters ausgewirkt haben wird, der ſolche in dieſem Falle ertheilen kann, ohne daß der Mann vernommen oder vorgeladen worden iſt. 222. Iſt dem Manne die freie Verwaltung ſeines Ver⸗ mögens unterſagt, oder iſt er abweſend, ſo kann der Richter nach vorhergegangener Unterſuchung der Sache, die Frau er⸗ maͤchtigen, ſowohl vor Gericht zu ſtehen, als auch Vertraͤge zu ſchließen. 223. Jede im Allgemeinen ertheilte Genehmigung, wäre ſie auch in dem Heirathscontracte ausbedungen worden, gilt nur in Beziehung auf die Verwaltung des Vermogens, wel⸗ ches der Frau zugehort. 224. Iſt der Mann noch minderjährig, ſo bedarf die Frau der Genehmigung des Richters, ſowohl um vor Ge⸗ richt zu ſtehen, als um Vertraͤge zu ſchließen. 225. Auf die Unguͤltigkeit, die ſich auf den Abgang der Genehmigung gruͤndet, kann Niemand, als die Frau, der Mann und deren Erben ſich beziehen. 226. Die Frau kann ohne die Genehmigung ihres Man⸗ nes ein Teſtament machen. ——— VI. Einzelne Stellen aus Napoleons Geſehbuch, worauf oben verwieſen worden. —— 2) Die Verheirathung betreffend. 144. Mannsperſonen koͤnnen nicht heirathen, ehe ſie das achtzehnte— Frauensperſonen nicht, ehe ſie das funfzehnte Jahr zuruͤckgelegt haben. r45. Demungeachtet bleibt es dem Koͤnige uͤberlaſſen, aus wichtigen Beweggruͤnden von dieſem Alter zu dispenſiren. r47. Man kann vor Aufloͤſung der erſten Ehe keine zwey⸗ te eingehn. 148. Der Sohn, welcher das faͤnf und zwanzigſte Jahr ſeines Alters, und die Tochter, welche das ein und zwanzig⸗ ſte Jahr ihres Alters zuruͤckgelegt hat, konnen ohne Einwilli⸗ gung ihrer Eltern nicht heirathen. Sind dieſe verſchiedener Meinung; ſo iſt die Einwilligung des Vaters hinreichend. 149. Iſt eins der beyden Eltern todt, oder iſt es ihm nicht möglich, ſeinen Willen zu erklaͤren, ſo iſt die Einwilli⸗ gung des andern hinreichend. 8 150. Wenn beyde Eltern todt, oder ihren Willen zu er⸗ klaͤren auſer Stande ſind; ſo treten die Groseltern an deren Stelle. Sind die Groseltern derſelben Linie nicht gleicher Meinung; ſo iſt die Einwilligung des Grosvaters hinrei⸗ 1* l 37 chend.— Wenn eine Linie mit der andern nicht einerley Mei⸗ nung iſt, ſo ſoll dieſe Verſchiedenheit fuͤr Einwilligung gelten. 151. Kinder, wenn ſie das im 148. Artickel beſtimmte Alter der Volljaͤhrigkeit erreicht haben, ſind verbunden, ehe ſie heirathen, den Rath ihrer Eltern, oder wenn dieſe ver⸗ ſtorben oder unfaͤhig ſind, ihren Willen zu erklaͤren, den Rath ihrer Groseltern, durch eine ehrerbietige und förmliche Handlung ſich auszubitten. 152. Wird auf das im vorhergehenden Artickel vorge⸗ ſchriebene ehrerbietige Nachſuchen die Einwilligung zur Ver⸗ heirathung nicht ertheilt, ſo ſollen Sohne, wenn ſie zu der im 148 Artickel beſtimmten Volljaͤhrigkeit gelangt ſind, bis ſie ihr dreyſigſtes, die Doͤchter aber in eben dieſem Falle bis ſie ihr fuͤnf und zwanzigſtes Jahr zuruͤckgelegt haben, dieſes Nachſuchen noch zweymal von einem Monate zum andern er⸗ neuern, und duͤrfen erſt einen Monat nach dem dritten Ma⸗ le zur Eingehung der Ehe ſchreiten. 153. Nach vollendetem dreyſigſten Jahre kann ſchon nach einem Monate ſeit dem erſten ehrerbietigen Nachſuchen, wor⸗ auf die Einwilligung nicht erfolgt iſt, die Ehe geſchloſſen werden. 154. Das ehrerbietige Nachſuchen ſoll dem oder den As⸗ cendenten, die im 151. Artickel bezeichnet ſind, durch zwey Notarien oder durch einen Notar und zwey Zeugen vorgetra⸗ gen, und in dem hieruͤber aufzunehmenden Protocoll deren Antwort bemerkt werden. 155. Iſt der Ascendent abweſend, an den das ehrerbieti⸗ ge Nachſuchen haͤtte geri 4 werden muͤſſen, ſo kann ohne wei⸗ 88 teres zur Abſchlieſung der Ehe geſchritten werden, in ſo fern entweder das urtheil, welches denſelben ſchon fuͤr abweſend erklaͤrt hat, oder in Ermangelung eines ſolchen Urtheils, das⸗ jenige, worin deshalb ein Zeugenverhor verfuͤgt wurde, oder, falls noch gar kein Urtheil ergangen iſt, eine Notorietaͤtsur⸗ kunde beygebracht wird, die von dem Friedensrichter des Or⸗ tes, wo der Ascendent ſeinen letzten bekannten Wohnſitz hat⸗ te, ausgefertigt iſt, und die Erklaͤrung von vier Zeugen ent⸗ haͤlt, welche eben dieſer Friedensrichter von Amtswegen vor⸗ gefordert hat. 136. Die Beamten des Civil⸗Standes, welche zur Abſchlie⸗ ſung einer von Soͤhnen, ehe ſie das fuͤnf und zwanzigſte, oder von Töchtern, ehe ſie das ein und zwanzigſte Jahr ih⸗ res Alters zuruͤckgelegt haben, eingegangenen Ehe geſchrit⸗ ten ſind, ohne in der Heirathsurkunde die Einwilligung der Eltern, der Groseltern oder der Familie, in den Fällen, worin die eine oder die andere erforderlich iſt, ausdruͤcklich erwaͤhnt zu haben, ſollen auf der Intereſſenten oder des koͤ⸗ niglichen Procurators Betreiben bey dem Gerichte der erſten Inſtanz des Ortes, wo die Ehe geſchloſſen worden, in die Geldſtrafe, welche im 192 Artikel verordnet iſt, und uͤberdies zu einer Gefaͤngnißſtrafe verurtheilt werden, deren Dauer nicht unter ſechs Monaten ſeyn darf. 157. Wenn das ehrerbietige Nachſuchen in den Faͤllen, wo daſſelbe vorgeſchrieben iſt, unterlaſſen wurde, ſoll der Be⸗ amte des Civilſtandes, der die Heirath abgeſchloſſen hat, zu der nemlichen Geldbuſe und zu einer Gefaͤngnißſtrafe, die nicht unter einem Mongte ſeyn darf, verurtheilt werden. 39 158. Die in den Artikeln 148. 149. 131. 152. 1353. 154. und 155. enthaltenen Verfuͤgungen im Betreff des ehrerbieti⸗ gen Nachſuchens, welches in den daſelbſt bemerkten Faͤllen an die Eltern gerichtet werden muß, ſind auch auf natuͤrliche geſetzlich anerkannte Kinder anwendbar. 159. Ein natuͤrliches Kind, das nicht anerkannt iſt, ſo wie dasjenige, welches nach erfolgter Anerkennung ſeine El⸗ tern verlohren hat, oder deſſen Eltern ihren Willen zu aͤußern nicht im Stande ſind, kann, vor Zuruͤcklegung des ein und zwanzigſten Jahrs, nur, wenn es die Einwilligung eines ihm hierzu beigeordneten Vormundes erlangt hat, ſich verhei⸗ rathen. 160. Wenn keins von den Eltern oder Groseltern am Le⸗ ben iſt, oder wenn dieſelben ſaͤmmtlich anßer Stande ſind, ihrem Willen zu aͤußern, ſo konnen Sohne oder Tochter, wel⸗ che noch nicht ein und zwanzig Jahre alt ſind, nur mit der Einwilligung des Familienraths ſich verheirathen. 16r. In gerader Linie iſt die Ehe unter allen Ascendenten, und ihren ehelichen oder unehelichen Descendenten, ſo wie un— ter Verſchwaͤgerten derſelben Linie, verbothen. 162. In der Seitenlinie iſt die Ehe unter Geſchwiſtern ohne unterſchied der ehelichen und unehelichen Geburt, und unter Verſchwaͤgerten in demſelben Grade verbothen. r63. Die Ehe iſt ferner verboten zwiſchen dem Oheim und der Nichte, der Tante und dem Neffen. 164. Doch ſtehet es dem Koͤnige frey, die in dem vorge⸗ hergehen Artikel enthaltenen Eheverbote aus wichtigen Urſa⸗ chen zu erlaſſen. 90 r65. Die Ehe ſoll oͤffentlich vor dem Civilbeamten des Hrtes, wo einer von beiden Theilen ſeinen Wohnſitz hat, geſchloſſen werden. 166. Die beiden Aufgebothe, welche im 63 Artikel unter dem Titel von den Urkunden des Civilſtandes vorgeſchrieben ſind, muͤſſen bey der Municipalitaͤt eines jeden Ortes geſche⸗ hen, wo einer oder der andere der beiden Contrahenten ſeinen Wohnſitz hat. 167. Ueberdies muͤſſen die Aufgebothe bey der Municipa⸗ litaͤt des letzten Wöhnſitzes geſchehen, wenn einer von beiden ſeinen dermaligen Wohnſitz erſt durch einen Aufenhalt von ſechs Monaten erlangt hat. r6g. Sind die Contrahenten, oder einer von ihnen, ruͤck⸗ ſichtlich ihrer Verheirathung, unter der Gewalt eines an⸗ dern, ſo ſollen die Aufgebote auſerdem noch bey der Muni— cipalitaͤt des Wohnorts derjenigen geſchehen, unter deren Ge⸗ walt ſich jene befinden. 169. Dem Konige oder den Beamten, welche er deshalb anſtellen wird, ſtehet es frey, aus wichtigen Gruͤnden das zweyte Aufgebot zu erlaſſen. 172. Das Recht, wider die Abſchlieſung einer Ehe Ein⸗ ſpruch zu thun, hat die Perſon, welche mit einem der bei⸗ den Contrahenten ſchon verheirathet iſt. 173. Der Vater, und, bey dem Abgange des Vaters, die Mutter, und, bey dem Abgange beider Eltern, die Gros⸗ eltern können wider die Heirath ihrer Kinder und Abkömm⸗ 7 „— — — inge Einſpruch thun, obgleich dieſe ſchon das Alter von fuͤnf und zwanzig Jahren zuruͤckgelegt haben. O 174. In Ermangelung aller Ascendenten, koͤnnen der Bruder oder die Schweſter, der Dheim oder die Tante oder auch Geſchwiſterkinder, wenn ſie volljaͤhrig ſind, nur in fol⸗ genden zwey Faͤllen Einſpruch thun ec. ꝛc. 175. In den beiden durch den vorherigen Artickel beſtimm⸗ ten Faͤllen, kann der Vormund oder Curator waͤhrend der Vormundſchaft oder Curatel nur alsdann Einſpruch thun, wenn er dazu die Genehmigung des Familienraths, den er zu diefem Ende verſammlen laſſen darf, erlangt haben wird. 176. Jede Einſpruchsacte muß die Eigenſchaft ausdruͤcken, welche den, welcher den Einſpruch eingelegt hat, hierzu — 5e. rechtigt, ſie muß die Wahl des Wohnſizes an demjenigen Orte, wo die Heirath geſchloſſen werden ſoll, enthalten; auf gleiche Weiſe muͤſſen die Beweggruͤnde des Einſpruchs, wenn derſelbe nicht auf Anſuchen eines Ascendenten erfolgte, darin angegeben ſeyn; alles bey Strafe der Nichtigkeit, und der Unterſagung der Amtsverrichtungen wider denjenigen Beam⸗ ten, der die Einſpruchsacte unterzeichnet hat 192. Wenn vor der Heirath weder die zwey erforderlichen Aufgebote geſchehen, noch deshalb die im Geſetze erlaubten Befreiungen ausgewirkt, oder wenn die vorgeſchriebenen Fri— ſten zwiſchen den Aufgeboten und der Ehe nicht beobachtet worden ſind; ſo ſoll der koͤnigliche Procurator wider den of⸗ fentlichen Beamten auf eine Geldbuße, welche die Summe von dreyhundert Francs nicht uͤberſchreiten darf, und wider die Contrahenten, oder diejenigen, unter deren Gewalt ſie bey — 92 Eingehung der Ehe geſtanden haben, auf eine ihrem Vermoͤ⸗ gen angemeſſene Geldſtrafe erkennen laſſen. 228. Die Frau kann erſt nach zehn Monaten ſeit der Auft loöſung einer vorherigen Ehe ſich von neuem verheirathen. b) Die Eheſcheidung betreffend⸗ 264. Vermoge eines jeden in letzten Inſtanz ergangenen vder rechtskraͤftig gewordenen Urtheils, welches die Eheſchei⸗ dung erlaubt, ſoll der Ehegatte, der es ausgewirkt hat, ver⸗ bunden ſeyn, ſich binnen zwey Monaten zu dem Beamten des Civilſtandes, nachdem auch der andere Theil gehdrig vor⸗ geladen iſt, zn verfuͤgen, um die Eheſcheidung ausſprechen zu laſſen. 265. Dieſe zwey Monate nehmen ihren Anfang bey Ur⸗ theilen der erſten Inſtanz nach dem Ablaufe der Appella⸗ tionsfriſt; bey Urtheilen, die in der Appellationsinſtanz we⸗ gen Nichterſcheinens gegeben wurden, nach dem Ablaufe der Oppoſitionsfriſt, und bey ſolchen, die in letzter Inſtanz auf vorgangige Vernehmung der Parteyen ertheilt wurden, erſt nach dem Ablaufe der Friſt, binnen welcher die Caſſation nachgeſucht werden kamn. 266. Der als Klaͤger aufgetretene Ehegatte ſoll, wenn er die oben beſtimmte Friſt von zwey Monaten ablaufen ließ, ohne den andern Ehegatten vor dem Beamten des Civilſtandes vor⸗ zufordern, der Vortheil des von ihm ausgewirkten Urtheils verluſtig ſeyn, und ſeine Klage auf Eheſcheidung nicht wie⸗ der aufnehmen koͤnnen, es ſey denn aus einem neuen Grun⸗ 9⁵ de, in welchem Falle er gleichwohl die vorigen Urſachen wie⸗ der geltend machen kann. 294. Laͤßt das Urtheil die Eheſcheidung(wegen gegenſeiti⸗ ger Einwilligung) zu; ſo haben vermoͤge deſſelben die Par⸗ teyen ſich in den naͤchſten zwanzig Tagen, von dem des Ur⸗ theils an zu rechnen, zuſammen und in Perſon zu dem Be⸗ amten des Civilſtandes zu verfuͤgen, um die Eheſcheidung ausſprechen zu laſſen. Iſt dieſe Friſt einmal verſtrichen, ſo wird das Urtheil als nicht ergangen betrachtet. 295. Geſchiedene Ehegatten koͤnnen, aus welcher Urſache auch die Eheſcheidung erfolgt iſt, einander nicht wieder hei⸗ rathen.. 296. Im Falle der wegen einer beſtimmten Urſache ausge⸗ ſprochenen Eheſcheidung kann die geſchiedene Frau ſich erſt nach zehn Monaten, ſeitdem die Eheſcheidung erfolgt iſt, wie⸗ t der verheirathen. 297. Iſt die Eheſcheidung wegen gegenſeitiger Einwilligung ( erkannt, ſo darf keiner der beiden Ehegatten fruͤher, als nach er drey Jahren ſeit der ausgeſprochenen Eheſcheidung, heirathen. 298. Iſt die Eheſcheidung wegen begangenen Ehebruchs vom Gerichte zugelaſſen worden, ſo kann der ſchuldige Ehe⸗ gatte ſich nie mit ſeinem Mitſchuldigen verheirathen. ꝛc. e) Die Anerkennung unehelicher Kinder be⸗ er** treffend. ſe, 331. Uneheliche Kinder, mit Ausnahme der aus einer Blutſchande oder aus einem Ehebruche erzeugten, koͤnnen e⸗ n*) Hieher gehört auch der Art. 62.(S. 70). ———— 5 94 durch die nachfolgende Ehe ihrer Eltern legitimirt werden, wenn dieſe ſie entweder vor ihrer Heirath geſetzlich anerkannt haben, oder bey der Abſchlieſſung der Ehe ſelbſt anerkennen. 332. Sogar zum Vortheile ſchon verſtorbener Kinder, wel⸗ che Abkommlinge zuruͤckgelaſſen haben, kann die Legitimation eintreten, und nuͤtzt alsdann dieſen Abkoͤmmlingen. 335. Dieſe Anerkennung kann zum Vortheile der aus ei⸗ ner Blutſchande oder aus einem Ehebruche erzeugten Kinder nicht ſtatt finden. 4) Die Adoption betreffend. 348. Der Adoptirte bleibt in ſeiner leiblichen Familie, und behaͤlt hierin alle ſeine Rechte.— Demohngeachtet iſt die Ehe verboten: 1) zwiſchen dem Adoptanten, dem Adoptirten und ſeinen Abkommlingen; 2) zwiſchen den Adoptivkindern einer und derſelben Perſon; 3) zwiſchen den Adoptirten und den Kindern, welche der Adoptant etwa ſpaͤterhin bekommt; jwiſchen dem Adoptirten und dem Ehegatten des Adoptan⸗ ten, ſo wie auch zwiſchen dem Adoptanten und dem Ehe⸗ gatten des Adoptirten. 350. In den nächſten drey Mpnaten nach Verkuͤndigung des urtheils(wodurch die Adoptiön zugelaſſen iſt) ſoll auf Anſuchen des einen oder des andern Theils die Adoption an dem Orte, wo der Adoptant ſeinen Wohnſitz hat, in die Re⸗ giſter des Civilſtandes eingetragen werden.— Dieſe Eintra⸗ gung geſchieht nur auf Vorzeigung einer foͤrmlichen Ausfer⸗ rigung des von dem Appellationshofe erlaſſenen Urtheils, und die Adoption bleibt ohne Wirkung, wenn ſie nicht binnen dieſer Friſt eingetragen wurde. — — ) — — e) Die Minderjaͤhrigkeit betreffend. g88. Minderjaͤhrig iſt jeder ohne Unterſchied des Ge⸗ ſchlechts, der das Alter von ein und zwanzig Jahren noch nicht zuruͤck gelegt hat. 488. Die Volljaͤhrigkeit tritt mit zuruͤck gelegtem ein und zwanzigſten Jahre ein. Mit dieſem Alter erlangt man die Faͤhigkeit zu allen Handlungen des buͤrgerlichen Lebens, mit Vorbehalt der unter dem Titel von der Ehe beſtimmten Ein⸗ ſchraͤnkung. †) Die Guͤtergemeinſchaft betreffend. 1304. Ueber alle Chevertraͤge muͤſſen vor der Heirath Ur⸗ kunden vor Notarien aufgenommen werden⸗ 1401. Zu dem Activbeſtand der Guͤtergemeinſchaft gehoͤrt: 1) alles bewegliche Vermoͤgen, nicht nur dasjenige, welches die Ehegatten an dem Tage der Abſchlieſſung ihrer Heirath beſaſſen, ſondern auch das, welches ihnen waͤhrend der Ehe durch Erbrecht oder Schenkung zufaͤllt, wenn nicht in die⸗ ſem Falle der Schenker das Gegentheil beſtimmt hat; 2) alle waͤhrend der Ehe fällig gewordenen oder bezogenen Nutzun⸗ gen, Einkuͤnfte, Zinſen und Gefaͤlle jeder Art, welche von dem den Ehegatten entweder ſchon bey Abſchlieſſung der Hei⸗ rath gehoͤrenden, oder waͤhrend der Ehe aus irgend einem Rechtsgrunde angefallenen Vermoͤgen herruͤhren;— 3) alle unbewegliche Sachen, die waͤhrend der Ehe erworben wurden. 1404. Unbewegliche Sachen, welche die Ehegatten an dem Tage der Abſchlieſung ihrer Ehe ſchon beſitzen, oder die ih⸗ nen waͤhrend derſelben durch Erbrecht zufallen, kommen nicht in die Guͤtergemeinſchaft c. ——— 96 1403. Unbewegliche Sachen, die nur einem der beiden Ehegatten waͤhrend der Che geſchenkt wurden, fallen nicht in die Guͤtergemeinſchaft, ſondern gehdren dem Beſchenkten allein, wenn nicht die Schenkung ausdruͤcklich beſtimmt, daß die geſchenkte Sache zur Guͤtergemeinſchaft gehoren ſoll. 1409. Zum Paſſivbeſtande der Guͤtergemeinſchaft gehören: 1) alle eine bewegliche Sache zum Gegenſtande habende Schul⸗ den, womit die Ehegatten am Tage der Abſchlieſung ihrer Ehe beſchwert waren, oder womit die, waͤhrend der Ehe ih⸗ nen anfallenden Erbſchaften belaſtet ſind, jedoch mit Vorbe⸗ halt der Verguͤtung fuͤr diejenigen Schulden, welche auf un⸗ beweglichen dem einen oder dem andern Ehegatten eigen⸗ thuͤmlichen Sachen haften; 2) die waͤhrend der Guͤterge⸗ meinſchaft von dem Manne, oder mit deſſen Bewilligung von der Frau, gemachten Schulden, ſowohl an Capital, als an⸗ fälligen Renten oder Zinſen, mit Vorbehalt der Verguͤtung in den dazu geeigneten Faͤllen; 3) hingegen von ſolchen Renten oder Schulden, welche den beiden Ehegatten perſoͤn⸗ lich obliegen, nur allein die faͤlligen Renten und Zinſen. c. 1453. Nach Aufhebung der Guͤtergemeinſchaft ſteht der Frau oder ihren Erben und Nachfolgern die BVefugniß zu, dieſelbe anzunehmen, oder ihr zu entſagen; und es iſt eine jede entgegenſtehende Uebereinkunft nichtig. 1492. Die Frau verliert, wenn ſie der Guͤtergemeinſchaft entfagt, alle und jede Rechte auf das dazu gehoͤrige Vermdͤ⸗ gen, und ſelbſt auf das von ihr zugebrachte bewegliche Ver⸗ mögen.— Sie nimmt nur ihr Leiblinnen, und die zu ih⸗ rem Gebrauche beſtimmten Kleidungsſtuͤcke zuruͤck. 97 1494. Die entſagende Frau iſt von jedem Beitrage zu den Schulden der Guͤtergemeinſchaft, ſowohl in Anſehung des Nannes als der Glaͤubiger, befreyet. Dieſen letztern bleibt ſie gleichwohl verhaftet, wenn ſie die Verbindlichkeit gemein⸗ ſchaftlich mit ihrem Manne uͤbernahm, oder wenn die in die Guͤtergemeinſchaft gefallene Schuld urſpruͤnglich von ihr her⸗ ruͤhrte; alles jedoch mit Vorbehalt des Entſchaͤdigungsanſpru⸗ ches wider den Mann oder deſſen Erben. 1530. Die Verabredung der Ehegatten, ſich ohne Guͤter⸗ gemeinſchaft verheirathen zu wollen, verleihet der Frau nicht das Recht, ihr Vermoͤgen zu verwalten, oder die Nutzungen deſſelben zu beziehen, denn dieſe Rutzungen werden ſo be⸗ trachtet, als wenn ſie dem Manne zugebracht ſeyn, um die Laſten der Ehe davon zu beſtreiten. ———=ccSc——— VII. Formulare zu den Urkunden des Civilſtandes. Dieſe Formulare ſind zwar ſaͤmmtlich zunaͤchſt zum Ge⸗ brauche der Prediger eingerichtet, ſie beduͤrfen aber nur einer ſehr geringen Aenderung, um vollkommen auch fuͤr die Mai⸗ res zu paſſen. Hierzu wird nemlich nur dies erfordert, daß ſtatt des Worts: Prediger— Maire, ſtatt Kirchſpiel— Stadt oder Gemeinde, und ſtatt: Kirche— Rath⸗ haus oder Gemeindehaus geſetzt wird. In allen uͤbri⸗ gen Stuͤcken konnen ſie unveraͤndert ſtehen bleiben. 7 95 1. Geburtsurkunde eines ehelichen Kindes nach der Erklaͤrung des Vaters. Im Jahre eintanſend achthundert und acht 2) den erſten des Monats Januar um zehn Uhr Vormittags erſchien vor mir Friedrich R., Prediger und Beamten des Civilſtandes des Kirchſpiels N. in dem Kanton N. des Fuldadepartements, der Schumacher Martin R. ans N., dreißig Jahre alt, zeigte ein Kind waͤnnlichen Geſchlechts vor, geboren den dreißigſten Degember eintauſend achthundert und ſieben, Abends um ſechs Uhr, welches von ihm und ſeiner Ehefrau Eliſabeth, gebornen N., erzeugt ſey, und dem er die Namen Philipp Jacob geben wolle. Dieſe Erklaͤrung und Vorzeigung iſt geſchehen in Gegen⸗ wart des Schneiders Johann Jacob N. aus N., vierzig Jahre alt, und des Wagners Heinrich N. aus N., ſechs und vier⸗ zig Jahre alt, und ſowohl der Vater als die Zeugen haben nebſt mir die gegenwaͤrtige Geburtsurkunde, nachdem ſie zu⸗ vor ihnen vorgeleſen worden, unterſchrieben. N. N. Friedrich Johann Ja⸗ Martin Prediger. N. cob N. N. Anmerk. Kann einer oder koͤnnen mehrere der Erſcheinenden nicht ſchreiden, ſo muß dies, wie das folgende Formular zeigt, ausdruͤcklich bemerkt werden. a) Auch dieſe Jahrzahl muß mit Buchſtaben geſchrieben werden, denn obgleich fuͤr jedes Jahr ein beſonderes Regiſter gefuͤhrt wird, und ſchon hieraus die Jahrzahl ſich ergiebt; ſo iſt doch jenes der einzeln abzugebenden Extraete wegen erforderlich. „— ——— t ſn nd 0 99 2⸗ Geburtsurkunde eines ehelichen Kindes nach der Erklrung eines Dritten, bey dem die Mutter niedergekommen iſt. Im Jahre eintauſend achthundert und acht den dritten des Monats Januar um zehn Uhr Vormittags erſchien vor mir[Ramen), Prediger und Beamten des Civilſtandes des Kirchſpiels N., der Ackermann Johannes N. aus N., vierzig Jahre alt, und erklaͤrte, daß den erſten Januar eintauſend achthundert und acht, Nachmittags um vier Uhr, in ſeinem an der Landſtraße gelegenen Hauſe ein Kind maͤnnlichen Ge⸗ ſchlechts geboren ſey, welches er hierdurch vorzeigen und ihm die Namen Friedrich Wilhelm geben wolle; die Mutter des Kindes ſey Katharine, geborne N., aus R., die Wittwe des daſelbſt verſtorbenen Schumachers Philipp R. Dieſe Erklaͤ— rung geſchah in Gegenwart des Ackermanns Gottlieb N. aus K., vier und zwanzig Jahre alt, und des Muͤllers Dietrich N. aus N., dreißig Jahre alt, auch haben der Erſcheinende und der erſte Zeuge, weil der zweite auf Befragen erklaͤrt hat, nicht unterſchreiben zu koͤnnen, nebſt mir die Geburts⸗ urkunde, nachdem dieſelbe zuvor ihnen vorgeleſen worden, unterſchrieben. (Unterſchriften.) Anmerk. Auf gleiche Weiſe wird die Geburteurkunde verfaßt, wenn der Arzt, die Hebamme, oder fonſt Jemand, der bey der Geburt zugegen war, die Erklaͤrung thut. Desgleichen, wenn ſie durch einen Bevollmaͤchtigten des Vaters geſchieht, in welchem Falle, der durch einen Notar beglaubigten Vollmacht mit Bemerkung ihres Datums Erwahnung zu thun iſt. — 2 3.[R Geburtsurkunde ſoi eines unehelichen Kindes, nach der Erklärung des Vaters, der* der daſſelbe anerkennt. de S Im Jahre eintauſend achthundert und acht den dritten dr „ des Monats Januar um drey Uhr Nachmittags erſchien vor ti 6 mir,[Namen] dem Prediger und Beamten des Civilſtandes„ des Kirchſpiels N., in dem Kanton N. des Fuldadeparte⸗ h. 6 ments, der Schneider Joſeph N. aus N., funfzig Jahre alt, ge und erklaͤrte, daß den erſten Januar eintauſend achthundert. v und acht, Abends um zehn Uhr, ein Kind weiblichen Ge⸗ 5 ſchlechts geboren ſey, welches er mir vorzeigen und ihm die n 5 Namen Marie Eliſabeth geben wolle; er erkenne an, der Va⸗ e ter des Kindes zu ſeyn, und es mit Marie N. aus N., zwan⸗ zig Jahre alt, gezeugt zu haben b); geboren ſey daſſelbe in der unterſten Straße Nro. 104. Dieſe Erklaͤrung iſt geſchehn 6 in Gegenwart des Schneiders Johannes N. aus N., vier 1 und vierzig Jahre alt, und des Schmidts Conrad N. aus R., ſechszig Jahre alt, und es haben ſowohl der Vater als die Zeugen nebſt mir die gegenwaͤrtige Geburtsurkunde, nach⸗ dem ihnen dieſelbe vorgeleſen worden, unterſchrieben. (Unterſchriften.) 3 Geburtsurkunde eines unehelichen Kindes, nach der Erklärung eines Dritten.( Im Jahre eintauſend achthundert und acht den zehnten des Monats Februar, Morgens um neun Uhr, erſchien vor ——— b) Es ſteht jedoch ganz in ſeinem freien Willen, ob er die W des Kindes nennen will, oder nicht. e 101 [Ramen] dem Prediger und Beamten des Civilſtandes des Kirch⸗ ſpiels N. in dem Kanton N. des Werradepart., der Schullehrer Heinrich N. aus N., neun und zwanzig Jahre alt, und erklaͤrte: den achten Februar eintauſend achthundert und acht ſey die Frau Sophie N., die geſchiedene Ehefrau des Kaufmanns N. zu N dreißig Jahre alt, in ſeinem, des Erſcheinenden, in der Mo⸗ ritzſtraße gelegenem Hauſe, mit einer Tochter niedergekommen, welche er hierdurch vorzeigen und ihr den Namen Helene ge⸗ ben wolle. Dieſe Vorzeigung und Erklaͤrung geſchahe in Ge— genwart des Chirurgus Friedrich No aus N., funfzig Jahre alt, und des Goldarbeiters Conrad N. daſelbſt, vier und zwanzig Jahre alt; und es haben der Erſcheinende und die Zeugen nebſt mir die Geburtsurkunde, nachdem ihnen dieſelbe vorge⸗ leſen worden, unterſchrieben. Unterſchriften.) 5. Protocoll wegen eines gefundenen Kindes. Im Jahre eintauſend achthundert und acht den dreißig— ſten Januar Morgens um neun Uhr erſchien vor mir[Ramen! dem Prediger und Beamten des Civilſtandes des Kirchſpiels N. in dem Kanton N. des Werradepartements der Ackermann Gottfried N. aus N., und erklaͤrte, daß er den neun und zwanzigſten des genannten Monats, als er allein loder in Ge⸗ ſellſchaft anderer, alsdann zu nennenden, Perſonen) in der Gemeinds⸗ waldung geweſen, unweit den ſogenannten drey Eichen ein Kind gefunden habe, welches, ſo wie er es hier vorzeige, in blauen Kattun gekleidet, und deſſen Leinen mit 1. G. gezeich⸗ 102 net geweſen ſey. Bey genauerer Unterſuchung ergab ſich, daß das Kind maͤnnlichen Geſchlechts ſey und gegen ſechs Wochen alt zu ſeyn ſchiene; von Huͤlfsmitteln zu einer kuͤnftigen An⸗ erkennung aber fand ſich weiter nichts. Ich habe darauf das Kind unter dem Namen Ludwig R. eingetragen, und die Anordnung getroffen, daß daſſelbe in das Waiſenhaus loder einen ſonſtigen Ort) gebracht werde. Hieruͤber habe ich das gegenwaͤrtige Protokoll in Gegen⸗ wart des lerſter Zeuge] und des ſzweiter Zeuge) aufgenom⸗ men, und es haben dieſe nebſt mir, nachdem ihnen deſſen Inhalt vorgeleſen worden, daſſelbe unterſchrieben. (Unterſchriften.) Anmerk. In ſolchen Fällen iſt beſonders darauf zu ſehen, ob nicht das Kind irgend ein auszeichnendes Merkmal an ſeinem Foͤrper habe, und dies genau anzugeben. 6. Anerkennung eines Kindes, welche durch deſſen Vater oder Mutter erſt nach dem Eintrage der Geburtsurkunde geſchieht. Im Jahre eintauſend achthundert und acht den dritten des Monats Januar um vier Uhr Nachmittags erſchien vor mir[Namen) dem Prediger und Beamten des Civilſtandes des Kirchſpiels N. in dem Canton R. des Werradepartements, der Zimmergeſelle Friedrich N. aus N., dreißig Jahre alt, und erklaͤrte, daß er ſich als Vater eines Kindes maͤnnlichen Geſchlechts, welches mir den zehnten Juli des Jahrs eintau⸗ ſend achthundert und ſieben vorgezeigt, und von mir unter der get Wi iſ ger ge en ts, , en et 103 dem Namen Johannes in das Regiſter des Civilſtandes ein⸗ getragen worden ſey, angeben wolle; gezeugt habe er daſſelbe mit der Dienſtmagd Marie N. zu N. c). Dieſe Erklaͤrung iſt geſchehen in Gegenwart des lerſter Zeugel und des Eweiter Zeuge]), und es haben ſowohl der Erſcheinende als die Zeu⸗ gen nebſt mir die gegenwaͤrtige Urkunde, nach deren vorgaͤngi⸗ ger Vorleſung, unterzeichnet. (Unterſchriften.) Anmerk. Bey der Anerkennung eines Kindes durch beide Eltern iſt die obige Formel nr nach dieſem Umſtande abzuaͤn⸗ dern. 7. Adoptionsurkunde. Im Jahr eintauſend achthundert und acht, den zwolften des Monats April, Nachmittags um vier Uhr, erſchien vor mir[Namen] dem Prediger und Beamten des Civilſtandes des Kirchſpiels N. in dem Canton N. des Harzdepartements der Kaufmann George Friedrich N. aus R., zwey und funfzig Jahre alt, und erklaͤrte, in Gegenwart zweyer Zeugen ldieſe genau anzugeben) und unter Vorlegung der beglaubten Ausfer⸗ tigung eines Erkenntniſſes des Appellationshofes vom zweiten dieſes Monats, daß er, zufolge der ihm hierin ertheilten Er⸗ laubniß, ſeinen Handelsgehuͤlfen Chriſtian N. aus N., ein und zwanzig Jahre alt, an Kindesſtatt annehmen wolle. c) Auch hier kann der Erſcheinende nicht genoͤthigt werden, die Perſon zu nennen, mit der er das Kind gezeugt hat. 104 1 Rachdem ich nun das vorgelegte Erkenntniß eingeſehen und gefunden habe, daß die geſetzliche Friſt noch nicht ver⸗ floſſen iſt, habe ich dieſe Urkunde in das Regiſter des Civi ſtandes eingetragen, und ſelbige nebſt den beiden Parteyen ſ. und den Zeugen, nach geſchehener Vorleſung, unterſchrieben. (Unterſchriften.) 8 Aufgebotsurkunde 15 im Fall beide Perſonen volljaͤhrig ſind. —) Im Jahre eintauſend achthundert und acht den erſten Sonntag des Monats Februar habe ich[Ramen) der Prediger N und Beamte des Civilſtandes des Kirchſpiels N. in dem Can⸗ ton N. des Fuldadepartements, in der Kirche zu N. 1 3 3 Vormittags nach geendigter Predigt[Meſſe! zum erſten⸗ . male lzum zweitenmale) bekannt gemacht, daß ſich der Baͤcker Wilhelm N. aus N., vier und zwanzig Jahre alt, und alſo volljaͤhrig, der Sohn des Baͤckers Friedrich N. aus Re., und der Ehefrau deſſelben Eliſabeth, gebohrnen N., mit Jungfer Thereſe R. aus R., ein und zwanzig Jahre alt, und 4 alſo ebenfalls volljahrig, der Tochter des lbeide Eltern) ehelich — e—— verſprochen habe; welches Aufgebot mit lauter und vernehm⸗ 1 licher Stimme vorgeleſen, und nachher an die Thuͤre der Kir⸗ che und des Gemeindehauſes angeheftet, auch daruͤber die 3 gegenwaͤrtige Urkunde aufgenommen worden iſt. (Unterſchrift des Predigers.) Anmerk. War der Vater Wittwer oder geſchieden, ſo muß die vor⸗ hergegangene Che erwähnt werden, und haben die El⸗ ten iger an ien⸗ cker und aus mit und ich hu⸗ it⸗ die vol⸗ 6 106 tern, weil es das Alter der Kinder erforderte, eingewilligt, ſo muß darnach, und zwar je nachdem es perſoͤnlich oder durch einen Bevollmaͤchtigten geſchehn iſt, das Formular abgeändert werden. Auch kann man ſchon in der Auſge⸗ botsurkunde die Beobachtung der verſchiedenen zur Einge⸗ hung einer Ehe nothwendigen Erforderniſſe erwähnen, wie z. B. in dem nachſtehenden Formular geſchehen iſt. 9· Aufgebotsurkunde im Fall beide Perſonen oder eine derſelben minderjährig iſt, und unter dem Beiſtande der Eltern erſcheint. Im Jahr eintauſend achthundert und acht den zweiten Sonntag des Monats Februar Morgens eilf Uhr habe ich, [Namen] Prediger und Beamte des Civilſtandes des Kirchſpiels N. in dem Canton N. des Leinedepartements in der Kirche zu N. Vormittags nach geendigter Predigt[Meſſe) zum erſtenmal bekannt gemacht, daß der Ackermann Jacob N. aus R., neun und zwanzig Jahre alt, und alſo volljaͤhrig, Sohn des lgenaue Bezeichnung deider Eltern) ſich mit Frau Maria N., gebornen R., aus N., zwanzig Jahre alt, und alſo minderjaͤhrig, in Ge⸗ genwart und mit dem Beiſtande ihres Vaters ldeſſen genaue Angabel und ihrer Mutter ldesgleichen) ehelich verſprochen habe, daß dieſe Ehe mehr als zehn Monate nach dem Tode des erſten Mannes der Braut geſchloſſen wird, hat dieſe durch Vorlegung des Todesſcheins deſſelben dargethan. Ein zwei⸗ tes Aufgebot wird wegen der beigebrachten Dispenſation nicht ſtatt haben. Nachdem nun obiges Aufgebot mit lauter und vernehmli⸗ cher Stimme vorgeleſen, und hierauf an die Thuͤre der Kir⸗ 8 106 che und des Gemeindshauſes angeheftet worden iſt, habe ich die gegenwaͤrtige Urkunde daruͤber aufgenommen. Mnterſchrift des Predigers.) Anmerk. Iſt nur der Vater gegenwärtig, oder ſind beide Eltern todt, und es treten die Groseltern oder Vormuͤnder an ihre Stelle, ſo muß dies beſonders erwähnt werden. 10. Anſchlag eines Aufgebots. Zwiſchen lgenaue Angabe des Brautigams]) Sohn des lbeide Eltern] und lgenaue Angabe der Braun) Tochter des lbeide Eltern) iſt ein Eheverſprechen eingegangen, und heute den dritten Sonntag des Monats Maͤrz in der Kirche das erſte lzweite) Aufgebot erfolgt, auch hierauf dieſes an der Thuͤre der Kir⸗⸗ che lund des Gemeindehauſes) angeheftet worden. N. N. Prediger des Kirchſpiels N. Anmerk. Nur dies iſt weſentlich, die vfficielle Inſtruction theilt ein aus fuhrlicheres Formular mit, nach mie d 6n gende abgefaßt iſt. 11. Daſſelbe. Das Publicum wird benachrichtigt, daß ein Eheverloͤbniß eingegangen iſt zwiſchen lgenaue Angabe des Bräutigams] Sohn des lbeide Eltern), und lgenaue Angabe der Braut) Tochter des ſbeide Eltern) daß dies Eheverloͤbniß zum erſten lzweiten) male foͤrmlich bekannt gemacht worden iſt, heute den erſten Sonn⸗ tag der det 1h ſi we ſie T re de M ſp — 6 —— 107 tag des Monats April eintauſend achthundert und acht in der Kirche nach der Predigt Meſſe), und daß die Abſchlieſung der Ehe den fuͤnfzehnten dieſes Monats Vormittags um zehn uhr nach geſetzlicher Vorſchrift geſchehen wird. Damit nun Niemand dies nicht zu wiſſen behaupten könne, iſt gegen⸗ waͤrtiger Anſchlag an der aͤußern Kirchenthuͤre angeheftet worden. (unterſchrift des Predigers.) 12. Aufzeichnung des erfolgten Einſpruchs. Im Jahre eintauſend achthundert und acht, den ſechsten des Monats April iſt gegen das den dritten dieſes Monats zum erſtenmal verkuͤndigte Eheverlobniß zwiſchen dem Foͤr⸗ ſter Johann Henrich N. zu N., und Friederike N., der Tochter des Schullehrers Martin N. zu N., von dieſem ih⸗ rem Vater Einſpruch geſchehen, auch ein denſelben enthalten⸗ der Aufſatz in geſetzlicher Form beigebracht worden. Hieruͤ⸗ uͤber habe ich dieſe Urkunde aufgenommen, und werde die Abſchlieſung der Ehe bis zur Aufhebung des erfolgten Ein⸗ ſpruchs ausſetzen. (unterſchrift des Predigers.) Anmerk. Der erwähnte Aufſatz wird als Anlage dem Regiſter des Ci⸗ vilſtandes beigefügt. 108 13. Heirathsurkunde. Im Jahre eintauſend achthundert und acht den funfzehn⸗ ten des Monats Februar erſchienen vor mir(Namen) dem Pre⸗ diger und Beamten des Civilſtandes des Kirchſpiels N. in dem Canton N. des Fuldadepartements, einerſeits der Uhr⸗ macher Philipp N. aus N., drey und zwanzig Jahre alt, und alſo volljährig, Sohn des lbeide Eltern genau anzugeben) und brachte einen glaubhaften Aufſatz uͤber die Einwilligung die⸗ ſer ſeiner Eltern Loder ſeines Vaters, ſeiner Mutter, ſeiner Grosel⸗ tern, des Familienraths) bey, anderſeits aber die Jungfer Caro⸗ line N., ſiebzehn Jahre alt und alſo noch minderjährig, un⸗ ter dem Beiſtande ihres Vaters lbeide Eltern), und baten mich zu Schließung ihrer vorhabenden Ehe, wozu die beiden Auf⸗ gebote, das erſte den dritten des Monats Januar Eintau⸗ ſend achthundert und acht, und das den zehnten deſ⸗ ſelben Monat, Morgens um zehn Uhr, in der Kirche nach der Predigt[Meſſe] geſchehn waͤren, zu ſchreiten. Da nun kein Einſpruch gegen dieſe Ehe eingelegt lder gegen dieſe Ehe geſchehene Einſpruch durch die beygebrachte Erklärung des Einſpre⸗ chenden(das beygebrachte Urtheil des Tribunals erſter Inſtanz zu N. vom 1oten Februar dieſes Jahrs) wieder aufgehoben) iſt, ſo habe ich das Verlangen der kuͤnftigen Ehegatten erfuͤllt, ihnen die beige⸗ brachten, unter Nro. 1 bis— hier anliegenden, Urkunden und das ſechste Capitel des Titels von der Ehe aus dem Ge⸗ ſetzbuche Napoleons vorgeleſen, und erklaͤre, nachdem beide meine Frage, ob ſie ſich zur Ehe nehmen wollen, jedes fuͤr ſich bejaht haben, im Namen des Geſetzes, daß der Uhrma⸗ Philipp N. und Caroline N. durch die Ehe verbunden ind. Hieruͤber habe ich in Gegenwart des die 4 Zeugen mit der Angabe des Grades ihrer etwaigen Verwandſchaft oder Schwägerſchaft) dieſe Urkunde aufgenommen, und dieſelbe nebſt den Zeugen und den contrahirenden Theilen unterſchrieben. (Unterſchriften.) Anmerk. Sind die Eltern eines der künſtigen Ehegatten unbekannt, und erſcheint dieſer alſo, im Falle der Minderjahrigkeit, unter dem Beiſtande eines gerichtlich beigegebenen Vormun⸗ des, oder kann einer der Ehegatten die Geburtsurkunde nicht vorlegen, und bringt eine Rotorietätsurkunde bey, ſo müſſen dieſe Umſtände ausdruͤcklich bemerkt werden. Ueber⸗ haupt wird es den Predigern nicht ſchwer werden, nach dieſen und den ſolgenden beiden Formularen auch alle übri⸗ 2 noch beſondere Umſtände vorkommen, einzu⸗ ichten. ———. 109 14. Heirathsurkunde wodurch zugleich vorher geborne Kinder anerkannt(legitimirt) werden. Im Jahre eintauſend achthundert und acht den zehnten des Monats Februar erſchienen vor mir[Namen) dem Predi⸗ ger und Beamten des Civilſtandes des Kirchſpiels N. in dem Canton N. des Fuldadepartements, einerſeits der Kaufmann Chriſtian N. aus N., fuͤnf und dreißig Jahre alt, volljaͤh⸗ riger Sohn des lbeide Eltern genau bezeichnet) mit Bewilligung dieſer ſeiner Eltern, und andererſeits Dorothee N. aus N., ein und zwanzig Jahre alt, und alſo ebenfalls volljährig, die Tochter des lbeide Eltern), und baten mich— letztere unter Vorlegung eines glaubhaften Aufſatzes uͤber die an ihre El⸗ tern gerichteten ehrerbietigen Anfragen— zu Schließung der unter ihnen verabredeten Ehe, welcher die noͤthigen Aufge⸗ bote in der Kirche, nemlich das erſte den ein und dreißigſten Januar eintauſend achthundert und acht Morgens um zehn ühr, und das zweite den ſiebenten Februar um zehn Uhr vorhergegangen ſeyen, zu ſchreiten. Da nun gegen dieſe Ehe kein Einſpruch geſchehn iſt, ſo habe ich ihren Wunſch erfullt, habe ihnen die eingegebenen Urkunden(Anlagen N. 1 bis— und das ſechste Capitel des Titels von der Ehe aus den, Geſetzbuche Napoleons vorgele⸗ ſen, und hierauf, nachdem ſik meine Frage, ob ſie ſich ge⸗ genſeitig zur Ehe nehmen wollten, jedes fuͤr ſich bejahend be⸗ antwortet hatten, im Namen des Geſetzes erklaͤrt, daß der Kaufmann Chriſtian N. und Dorothee N. durch die Ehe ver⸗ einigt ſind. Beide Ehegatten haben alsdann erklaͤrt, daß das den zehnten Mai eintauſend achthundert und ſechs unter dem Na⸗ men Sophie in die Regiſter des Civilſtandes des Kirchſpiels N. eingetragene Kind von ihnen erzeugt ſey, und daß ſie daſſelbe hierdurch anerkennen wollten. ueber dieſes Alles habe ich in Gegenwart des ldie a Zengen nebſt der Angabe des Grades ihrer etwaigen Verwandſchaft oder Schwögerſchaſt] die vorliegende Urkunde aufgenommen und dieſelbe, nach ge⸗ ſchehener Vorleſung, nebſt den Zeugen und den contrahiren⸗ den Theilen unterſchrieben. (Unterſchriften). Die Geburtsurkunde der Braut, welche ergiebt, 110 —— Anmerk. Man kann auch, wie dies bei den der officiellen Inſiruction beigefuͤgten Formularen derFall iſt, die von den Ehegatten producirten Urkunden einzeln unter Nummern auffüͤhren,, doch iſt ſolches nicht nothwendig. In dem nachſtehenden Formular iſt jene Methode beobachtet. 1 Heirathsurkunde, im Falle eins der Ehegatten weder die Sterburkunde, noch eine Notorie⸗ tätsurkunde über den Tod ſeiner Eltern oder Groseltern beizubringen vermag.* Im Jahre eintauſend achthundert und acht den achten des Monats April erſchienen vor mir[Namen) dem Prediger und Beamten des Civilſtandes des Kirchſpiels N. in dem Canton N. des Werradepartements in Gegenwart von lgenaue Angabe der 4 Zeugen) d) von der einen Seite der Tiſchler Frie⸗ drich Herrmann N. aus N., vier und fuͤnfzig Jahre alt, voll⸗ jähriger Sohn ſbeide Eltern) und von der andern Seite, deſ⸗ ſen Bruders Tochter Marie R. aus N., zwanzig Jahre alt, minderjaͤhrige Tochter des verſtorbenen lbeide Eltern! mit Ge⸗ nehmigung des Familienraths. Die Erſchienenen haben mich erſucht, die Abſchlieſung ih⸗ rer Ehe vorzunehmen, worauf ich folgende von ihnen beige⸗ brachte Urkunden verleſen haben 1) Die Geburtsurkunde des Braͤutigams, woraus erhellet, daß er in der Gemeinde N. des ECantons N. im Ockerdepartement den zweiten Januar eintauſend ſiebenhundert vier und fuͤnfzig gebohren iſt. 2) daß dieſelbe in der Gemeinde Laenau anzugeben) den dreiſigſten October ein⸗ tauſend ſiebenhundert ſieben und achtzig gebohren iſt. 3) Die urkunde des Aufgebots, welches in dieſer Gemeinde den vier⸗ ten dieſes Monats geſchehen, und wogegen kein Einſpruch erfolgt iſt. 4) Die Bispenſationsurkunde wegen des zweiten Aufgebots. 30 Dispenfationsurkunde wegen der zu nahen Verwandtſchaft. 6) Die Sterburkunden der Eltern der 4) Es iſt gleichgultig, ob die Zeugen beim Eingange der urkunde oder erſt am Schluſſe derſelben, wie in N. 13 und 14, erwähnt werden on n, en 1 1 1 Braut. 7) Den Beſchluß des Familienraths vom zweiten Maͤrz dieſes Jahrs, wodurch derſelben die erforder⸗ liche Einwilligung ertheilt worden iſt. Auch hat uns der Braͤutigam eidlich verſichert, daß er den letzten Wohnort ſeiner Groseltern nicht wiſſe, wodurch er daher verhindert werde, glaubhafte Beweiſe von deren Tode oder Abweſenheit beizubringen. Die vier vorher benannten Zeugen haben daſ⸗ ſelbe eidlich dahin bekraͤftiget, daß, wenn ſie gleich die zukuͤnfti⸗ gen Ehegatten ſehr gut kennten, ſie gleichwohl von dem Abſterben oder von dem letzten Aufenthaltsorte der Eltern oder Groseltern der beſagten kuͤnftigen Ehegatten nichts wuͤßten. Nachdem außer den vorher erwaͤhnten Documenten auch das ſechste Capitel des fuͤnften Tittels des Geſetzbuches Napoleons von den Pflichten und Rechten der Ehegatten, vorgeleſen worden iſt, haben beide kuͤnftigen Ehegatten[(Ramen beider]) jedes beſonders mit lauter und vernehmlicher Stimme erklaͤrt, daß ſie ſich gegenſeitig zu Ehegatten nehmen wollen. In Gemaͤs⸗ heit deſſen habe ich im Namen des Geſetzes den Ausſpruch gethan, daß ſie[Ramen der Ehegatten! durch die Ehe mit ein⸗ ander vereinigt ſeyen. Ueber alles dieſes habe ich die gegen⸗ waͤrtige Urkunde, welche von den beiden Contrahenten von den Zeugen und mir nach deren vorgaͤngiger Vorleſung un⸗ terſchrieben iſt, an dem oben angefuͤhrten Tage und Jahre aufgenommen, und dieſelbe in die doppelten Regiſter einge⸗ tragen. Mnterſchriften.) 16. Eheſcheidungsurkunde. Im Jahre eintauſend achthundert und acht den zweiten April Vormittags zehn Uhr erſchien vor mir[(Namen) dem Prediger und Beamten des Civilſtandes des Kirchſpiel N. im Canton N. des Weſerdepartements, der Baͤcker Gottfried N. aus N., vier und dreiſig Jahre alt, und bat um den Aus⸗ ſpruch der durch ein Erkenntniß des Appellationshofes vom neunzehnten des genannten Monats zugeſtandenen Scheidung von ſeiner Ehefrau Margarethe N. gebornen N. aus N. vier und zwanzig Jahre alt, brachte auch nicht nur dies Erkennt⸗ niß, ſondern auch eine Beſcheinigung der an ſeine bisherige Ehefrau ergangenen Vorladung, bey. Hierauf habe ich, da die geſetzliche Friſt nicht verſaͤumt worden, und der Nachſuchende auf nochmalige Anfrage bey 112 ſeinem Vorſatze geblieben iſt, die zwiſchen Gotifried N. und Margarethe N. ſeither beſtandene Ehe im Namen des Geſe⸗ tzes fuͤr aufgeldst erklaͤrt, auch hieruͤber in Gegenwart des kerſter Zeuge) und des Lzweiter Zeuge) dieſe Urkunde aufgenom⸗ men, in das Regiſter des Civilſtandes eingetragen, und, nebſt dem Nachſuchenden und den Zeugen, unterſchrieben. (Unterſchriften.) Anmerk. ſ der andere Theil mit erſchienen, wie dies bey der Ehe⸗ weidung auf gegenſeitige Einwilligung ſters nothwendig iſt, ſo muß die Urkunde darnach abgeändert werden, und fällt alsdann die Erwähnung der Vorladung weg. 18. Todesurkunde. ———— Im Jahre eintauſend achthundert und acht den ſechsten des Monats Februar erſchienen vor mir[(Ramen) dem Predi⸗ ger und Beamten des Civilſtandes des Kirchſpiels N. in dem Lanton N. des Elbedepartemenes der Metzger Philipp N., funfzig Jahre alt, und der Metzger Johann Friedrich R. fuͤnf und zwanzig Jahre alt, beide ans R. lzu bemeiken, ob ſie Rachbarn oder Verwandte ſind) und erklaͤrten, daß den fuͤnften des Monats Februar Abends um ſechs Uhr der Schumacher Valentin N., ledigen Standes und dreißig Jahre alt, lauch die Eltern, weun es angeht, anzugeben) in ſeinem in der Friedrichs⸗ ſtraße gelegenen Hauſe Num. 1004. geſtorben ſey. Nachdem ich mich nun lmin den Erſcheinenden, wenn dies geſchehen war) ſelbſt in das Haus begeben, und mich von dem wirklichen Ableben uͤberzeugt habe, iſt dieſe urkunde aufgenommen, und ſowohl von den beiden Erſcheinenden als von mir, nach vorherigen Vorleſung derſelben, unterſchrieben worden. (Unterſchriften.) Verbeſſerungen. S. 21. 3.2. ſind die Worte: am Rande der Ge⸗ burtsurkunde“ wegzuſtreichen(S. 50).— S. 48. Z. 21. iſt es, na dem Königl. Decr. v. 22ten Jan.(S. 57.) unrichtig, daß das Aufgebots⸗ regiſter nur einfach gehalten werde, eie der oz1e Art. des Ge⸗ ſehbuchs dieſes ausdruͤcklich ſagt/ und es in rankreich auch ſo üblich iſt. —— * —— A ℳ— ₰ „ e. ..—. — 5 ⸗ 8 —,, ee, ₰ „. „„ 6„ E.—. C — 2— 5 6. ℳ— . — —— —————————————— —— —=— — S1ð ↄece