E S N „. ↄ S 3 ** 1 „5 , ⸗ —— ——————— Geſetzbuch Napoleons 5 der das in den Koͤnigl. Preußiſchen Rhein⸗Provinzen en d buͤrgerliche Recht. e von dem Justizrath P. J. Cremer, 5 Advacat⸗Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düſſeldorf. 3heite, nach dem neueſten loffiziellen Texte verbeſſerte, und mit einem Inhalts⸗Verzeichniſſe und einem vollſtaͤndigen alphabetiſchen Regiſter vermehrte Auflage. ——— ed Druck und Verlag von C. M. Schuͤller. 1 8 34. „ * 7 4 ⸗ e De neuere und neueſte Zeit hat den Bewoh⸗ nern der preußiſchen Rhein-Provinzen die vollſtaͤndig— ſte Gewißheit verſchafft, daß das jetzt ſchon ſeit einem Menſchenalter hier geltende franzoͤſiſche Recht keinem andern werde weichen muͤſſen; aber die Allgemeinheit, mit welcher die Volksſtimme bei jeder Gelegenheit fuͤr die Beibehaltung dieſes Rechtes ſich laut ausgeſprochen hat, beurkundet auch auf eine eben ſo erfreuliche als unzweideutige Weiſe, daß die Geſammtheit der rhein— preußiſchen Unterthanen nicht nur das groͤßte Intereſſe fuͤr daſſelbe hegt, ſondern auch von der Wichtigkeit und Nothwendigkeit längſt uͤberzeugt iſt, eine möglichſt genaue Kenntniß davon zu erlangen. Dieſes letztere liegt indeſſen auch in der Ratur der Sache: das Ge⸗ ſetz greift ſo tief und ſo vielfaͤltig in das bürgerliche Leben ein, daß es unmoͤglich einen Menſchen geben kann, den es nicht beruͤhrt, und der nicht in hundert 1* N r Verhaͤltniſſe kommt, wodurch er Rechte erwirbt, deren Umfang er kennen muß, und wodurch er Verpflichtungen uͤbernimmt, uͤber welche er um ſo weniger in Ungewißheit bleiben kann, als er ſie ohne Nachtheil, und oft auch ohne ſich der Strafe auszuſetzen, nicht unerfuͤllt laſſen darf. Die Verlagshandlung glaubt daher den Bewoh⸗ nern der preußiſchen Rheinlande und Allen denjenigen, die ein gleiches Intereſſe mit ihnen haben, einen nicht unwichtigen Dienſt zu erzeigen, wenn ſie eine zweite Auflage der von dem Advokat⸗Anwalte Herrn Juſtiz⸗ rath Cremer beſorgten Ueberſetzung des buͤrgerlichen Geſetzbuches der Franzoſen veranſtalte, und ſie meint den rechten Zeitpunkt nicht zu verfehlen, wenn ſie mit dieſem Unternehmen eben jetzt hervortritt, weil in die⸗ ſem Augenblick die beſſern Ueberſetzungen dieſes hoͤchſt wichtigen Buches theils gaͤnzlich, theils bis auf wenige Exemplare aus dem Buchhandel verſchwunden ſind.— Ueber den Werth der Cremer'ſchen Ueberſetzung etwas zu ſagen, erſcheint ſehr uberfluͤſſig; das Publi⸗ kum hat längſt daruber geurtheilt; ſie hat ſich bewaͤhrt gefunden, denn ſie iſt richtig im weiteſten Sinne des Worts, ſie iſt in einer allgemein verſtaͤndlichen Spra⸗ che geſchrieben, und es unterliegt keinem Zweifel, daß ſie eine Vergleichung mit den beſten andern Ueber⸗ ſetzungen nicht zu fuͤrchten braucht, zumal gegenwaͤrtig, wo ſie nach dem neueſten offiziellen Texte ſorgfaͤltig verbeſſert und mit einem Inhaltsverzeichniſſe und einem moöͤglichſt vollſtäͤndigen alphabe⸗ tiſchen Regiſter vermehrt worden iſt.— —˙—— 5 3 des buͤrgerlichen Geſetzbuchs. Einleitung. Von der Bekanntmachung, den Wir⸗ kungen und der Anwendung der Geſetze Art. 1 bis 6. Erſtes Buch. Von den Perſonen. Art. 7 bis 515 I. Titel. Von dem Genuſſe und dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte. Art. 7 bis 33. I. Capitel. Von dem Genuſſe der buͤrgerlichen Rech⸗ te Art bis 16 1I. Capitel. Von dem Verluſte der buͤrgerlichen Rech⸗ te Art 17 bis 33. I. Abſchnitt. Von dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte, als Folge von dem Verluſte der Eigenſchaft eines Franzoſen. Art. 17 bis 21. II. Abſchnitt. Von dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte durch gerichtliche Verurtheilung. Art. 22 bis 33. II. Titel. Von den Acten des Civilſtandes. Art. 34 bis 101. 1. Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 34 bis 54. II. Capitel. Von den Geburtsacten. Art. 55 bis 62. II. Capitel. Von den Heirathsacten. Art. 63 bis 76. IV. Capitel. Von den Sterbeacten. Art. 77 bis 87. V. Capitel. Von den Acten des Eivilſtandes, Mili⸗ tairperſonen betreffend, die ſich außer dem Gebie⸗ te des Staates befinden. Art. 88 bis 98. X VI. Eapitel. Von Berichtigung der Eivilſtandsacten. Art. 99 bis 1014. III. Titel. Von dem Wohnorte. Art. 102 bis 111. IV. Titel. Von Abweſenden. Art. 112 bis 143. l. Capitel. Von vermutheter Abweſenheit. Art. 112 bis 114. Il. Capitel. Von Erklärung der Abweſenheit. Art. 115 bis 119. iMl. Capitel. Von den Wirkungen der Abweſenheit⸗ Art. 120 bis 140. I. Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit, in Hin⸗ ſicht auf die Guͤter, welche der Abweſende am Tage ſeines Verſchwindens beſaß. Art. 120 bis 134. II.»bſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit, in Ruͤck⸗ auf jene Rechte des Abweſenden, die von irgend ei⸗ nem Ereigniſſe abhängen. Art. 135 bis 138. II. Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit, in Ruͤckſicht auf die Ehe. Art. 129 bis 140. 1V. Capitel. Von der Aufſicht uͤber die minderjaͤhri— gen Kinder eines vermißten Vaters. Art. 141 bis. 143. V. Titel. Von der Ehe. Art. 144 bis 228. 1. Capitel. Von den zur Schließung einer Ehe er— forderlichen Eigenſchaften und Bedingungen. Art. 144 bis 164. U. Capitel. Von den Feierlichkeiten bei Schließung den E 1II. Capitel. Vom Einſpruch gegen die Heirath. Art. 172 bis 179. IV. Capitel. Von Klagen auf Unguͤltigkeit der Ehe. Art. 180 bis 202. V. Capitel. Von den Verbindlichkeiten, welche aus der Ehe entſpringen. Art. 203 bis 211. VI. Capitel. Von den gegenſeitigen Rechten und Pflich⸗ ten der Eheleute. Art. 242 bis 226. VII. Capitel. Von Auſloͤſung der Ehe. Art. 227 VMI Capitel. Von zweiten Ehen. Art. 228. VI. Titel. Von der Eheſcheidung. Art. 229 bis 311. 1. Capitel. Von den Urſachen zur Eheſcheidung. Art. 229 bis 233. ————— 2 — 7— u. Eapitel. Von Eheſcheidung aus beſtimmter Ur⸗ ſache. Art. 234 bis 274. I. Abſchnitt. Von der Form der Eheſcheidung aus beſtimm⸗ ter urſache. Art. 234 bis. 266. 1I. Abſchnitt. Von einſtweiligen Vorſichtsmaßregeln, welche bei der Klage auf Eheſcheidung aus beſtimmter urſache eintreten koͤnnen. Art. 257 bis 271. 1II. Abſchnitt. Von den Einreden, die dahin zielen, den Ein⸗ gang der Klage auf Eheſcheidung aus beſtimmter urſache zu hindern. Art⸗ 272 bis 274. Capitel. Von der Eheſcheidung durch beiderſeiti⸗ ge Einwilligung. Art. 275 bis 294. IV. Capitel. Von den Wirkungen der Eheſcheidung. Art. 295 bis 305. V. Capitel. Von der Scheidung von Tiſch und Bett. Art. 306 bis 314. V1l. Titel. Von der Vaterſchaft und Kindſchaft. Art. 312 bis 342. 1. Capitel. Von der Kindſchaft rechtmäßiger oder in der Ehe geborner Kinder. Art. 312 bis 318. n. Capitel. Vom Beweiſe rechtmaͤßiger oder eheli⸗ cher Kindſchaft. Art. 319 bis 330. M. Capitel. Von unehelichen Kindern. Art. 331 bis 342. I. Abſchnitt. Von der Legitimation unehelicher Kinder. Art. 331 bis 333. H. Abſchnitt. Von Anerkennung unehelicher Kinder. Art. 334 bis 342. VMl. Titel. Von der Annahme an Kindesſtatt und der freiwilligen Vormundſchaft. Art. 343 bis 370. I. Capitel. Von der Annahme an Kindesſtatt. Art. 343 bis 360. 63 I. Abſchnitt. Von der Annahme an Kindesſtatt und ihren Wirkungen. Art. 343 bis 352. II. Abſchnitt. Von den Formen der Annahme an Kindesſtatt. Art. 353 bis 360. U. Eapitel. Von der freiwilligen Vormundſchaft. Art. 361 bis 370. IX. Titel. Von der väterkichen Gewalt. Art. 371 bi 352 X. Titel. Von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormund⸗ ſchaft und der Emancipation. Art. 388 bis 487. M. — 1. Capitel. Von der Minderjaͤhrigkeit. Art. 388. 1UI. Capitel. Von der Vormundſchaft. Art. 389 bis 475. I. Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Eltern. Art. 389 bis 396. II. Abſchnitt. Von der vom Vater oder von der Mutter uͤbertragenen Vormundſchaft. Art. 397 bis 401. III. Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der aufſteigenden Verwandten. Art. 402 bis 404. IV. Abſchnitt. Von der durch den Familienrath uͤbertrage⸗ nen Vormundſchaft. Art 405 bis 419. V. Abſchnitt. Vom beigeordneten Vormund. Art. 420 bis 426. VI. Abſchnitt. Von den urſachen, welche von Uebernehmung der Vormundſchaft entſchuldigen. Art. 427 bis 441. VII. Abſchnitt. Von der Unfaͤhigkeit zur Vormundſchaft, von Ausſchließung und Abſetzung von derſelben. Art. 442 bis 449. VIII. Abſchnitt. Von der Verwaltung des Vormundes. Art. 450 bis 468. IN. Abſchnitt. Von den Vormundſchaftsrechnungen. Art. 469 bis 475. III Capitel. Von der Emancipation. Art. 476 bis 487. IX. Titel. Von der Großjährigkeit, der gerichtlichen Unterſagung und dem gerichtlichen Beiſtande. Art. 488 bis 515. 1. Capitel. Von der Großjährigkeit. Art. 488. II. Capitel. Von der gerichtlichen Unterſagung. Art. 489 bis 512. III. Capitel. Vom gerichtlichen Beiſtande. Art. 513 bis 515. Zweites Buch. Von Sachen oder Guͤtern, und den verſchiede⸗ nen Modificationen des Eigenthums. Art 56 bis 74 0. l. Titel. Eintheilung der Sachen oder Guͤter. Art. 516 bis 543. l. Capitel. Von unbeweglichen Guͤtern. Art. 517 bis 526. Capitel. Von beweglichen Guͤtern. Art. 527 bis 536. „*—.3 ₰ 5 ℳE—.—— M. Capitel. Von den Sachen oder Guͤtern, in Be⸗ ziehung auf ihre Beſitzer. Art. 537 bis 543. II. Titel. Vom Eigenthum. Art. 544 bis 577. 1. Capitel. Von dem Rechte der An⸗ und Zuwuͤchſe auf das, was die Sache hervorbringt. Art. 547 bis 550. II. Capitel. Von dem Rechte der An⸗ und Zuwuͤch⸗ ſe auf das, was ſich mit einer Sache verbindet, oder ſich ihr einverleibt. Art. 551 bis 577. I. Abſchnitt. Von dem Rechte der An- und Zuwuͤchſe in Ruͤckſicht auf unbewegliche Sachen. Art. 552 bis 564. II. Abſchnitt. Von dem Rechte der An- und Zuwuͤchſe in Ruͤckſicht auf bewegliche Dinge. Art. 565 bis 577. III. Titel. Von dem Nießbrauch, dem Gebrauch und der Wohnung. Art. 578 bis 636. I. Capitel. Von dem Nießbrauch. Art. 578 bis 624. I. Abſchnitt. Von dem Rechte des Nießbrauchers. Art. 582 bis 599. II. Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Nutznießers. Art. 600 bis 616. III. Abſchnitt. Von Erloͤſchung des Nießbrauchs. Art. 617 bis 624. IM. Capitel. Von dem Gebrauch und der Wohnung. Art. 625 bis 636. IV. Titel. Von Dienſtbarkeiten oder Grundgerechtig— keiten. Art. 637 bis 710. I. Capitel. Von Grundgerechtigkeiten, welche die La⸗ ge veranlaßt. Art. 640 bis 648. II. Capitel. Von geſetzlichen Grundgerechtigkeiten. Art. 649 bis 685. I. Abſchnitt. Von der Scheidemauer und dem Scheidegra⸗ ben. Art. 653 bis 673. II. Abſchnitt. Von der Entfernung und den Zwiſchenwerken, die fuͤr gewiſſe Anlagen erforderlich ſind. Art. 674. III. Abſchnitt. Von der Ausſicht auf des Nachbars Eigen⸗ thum. Art. 675 bis 680. IV. Abſchnitt. Von der Dachrinne. Art. 681. V. Abſchnitt. Vom über- und Durchgangsrechte. Art. 682 bis 685. II1. Capitel. Von Grundgerechtigkeiten, die im Wil⸗ len des Menſchen ihren Grund haben. Art. 686 bis 710. — 10— 1. Abſchnitt. Von den verſchiedenen Arten der Grundgerech⸗ tigkeiten die auf Grundſtuͤcke gelegt werden konnen. Art. 686 bis 689. II. Abſchnitt. Wie Grundgerechtigkeiten beſtellt werden. Art⸗ 690 bis 696. III. Abſchnitt. Von den Rechten des Eigenthuͤmers des be⸗ rechtigten Grundſtuͤcks. Art. 007 bis 702. IV. Abſchnitt. Von Erloͤſchung der Grundgerechtigkeiten, Art. 703 bis 710. Drittes Buch. Von Erwerbung des Eigenthums und den verſchiedenen Arten dieſer Erwerbung. Art. 711 bis 228*. Allgemeine Verfügungen. Art. 711 bis 717. I. Titel. Von der Erbfolge. Art. 718 bis 892 . II. iM. W. V. Eapitel. Von Eroͤffnung der Erbfolge und dem Anfall der Verlaſſenſchaft an die Erben. Art. 718 bis 724. Capitel. Von der Erbfaͤhigkeit. Art. 725 bis 780. Capitel. Von den verſchiedenen Ordnungen der Erbfolge. Axt. 731 bis 755 I. Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgung. Art. 731 bis 738. II. Abſchnitt. Von der Vertretung. Art. 739 bis 744. III. Abſchnitt, Von der Erbfolge der abſteigenden Verwand⸗ ten. Art. 745. IV. Abſchnitt. Von der Erbſolge der aufſteigenden Ver— wandten. Art. 746 bis 749. V. Abſchnitt. Von der Erbfolge der Seitenverwandten. Art, 750 bis 755. Capitel. Von unregel vaͤßigen Erbfolgen. Art. 756 bis 773. I. Abſchnitt. Von den Rechten natuͤrlicher Kinder auf das Vermoͤgen ihrer Eltern, und der Art, wie natuͤrliche Kin⸗ der beerbt werden, wenn ſie ohne Nachkommen ſterben. Art. 756 bis 766. 1I. Abſchnitt. Von den Rechten des letzlebenden Ehegatten und des Staates. Art. 767 bis 773. Capitel. Von der Annahme und Entſagung der Erbſchaften. Art. 774 bis 814. 1. Abſchnitt. Von der Annahme. Art. 774 bis 783. II Abſchnitt. Von Entſagung der Erbſchaften. Ark⸗ 784 bis 792. II. Abſchnitt. Von der Rechtswohlthat des Inventariums, ihren Wirkungen, und den Verbindlichkeiten des Erben mit Vorhehalt. Art. 793 bis 810. V. Abſchnitt. Vom erbloſen Nachlaſſe. Art. 811 bis 814. VI. Capitel. Von der Theilung und dem Einwerfen. Art. 815 bis 892. 1. Abſchnitt. Von der Klage auf Theilung und ihrer Form. Art. 815 bis 842. 1I. Abſchnitt. Vom Einwerfen. Art. 843 bis 869. UMI. Abſchnitt. Von Bezahlung der Schulden. Art. 870, bis 882. IV. Abſchnitt. Von den Wirkungen der Theilung und der Verbuͤrgung der Loofe. Art. 883 bis 886. V. Abſchnitt. Von Wiederaufhebung der Theilung. Art. 887 bis 892. kl. Titel. Von Schenkungen unter Lehenden und Te⸗ ſtamenten. Art. 893 bis 1100. l. Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 893 bis. 900. IK. Capitel. Von der Fähigkeit, durch Teſtament oder Schenkung unter Lebenden zu verfuͤgen oder be⸗ guͤnſtigt zu werden. Art. 901 bis 912. Iü. Capitel. Vom verfuͤglichen Theil der Guͤter, und von der Herabſetzung. Art. 913 bis 930. l. Abſchnitt. Von dem verfuglichen Theil der Guter. Art. 913 bis 919. II. Abſchnitt. Von Herabſetzung der Schenkungen und Ver⸗ maͤchtniſſe. Art. 920 bis 930. WV. Capitel. Von Schenkungen unter Lebenden. Art. 931 bis 966. 1. Abſchnitt. Von der Form der Schenkungen unter Leben⸗ den. Art. 931 bis 952. M. Abſchnitt. Ausnahmen von der Regel, daß die Schenkun— gen unter Lebenden unwiderruflich ſind. Art⸗ 953 bis 966. V. Capitel. Von letztwilligen Verfuͤgungen. Art. 967 bis 1047. I. Abſchnitt. Allgemeine Regeln uͤber die Form der Teſta⸗ mente oder letztwilligen Verfuͤgungen. Art. 967 bis 980. H. Abſchnitt. Beſondere Regeln uͤber die Form gewiſſer Te⸗ ſtamente. Art. 981 bis 1001. II1 Abſchnitt. Von der Erbeseinſetzung und den Vexmächt niſſen uͤberhaupt. Art. 1002. IV. Abſchnitt. Von dem gllgemeinen Vermächtniſſe. Art, 1003 bis 1009. —— v. Abſchnitt. Von Vermaͤchtniſſen unter allgemeinem Na⸗ men. Art. 1010 bis 1013. VI. Abſchnitt. Von beſondern Vermaͤchtniſſen. Art. 1014 bis 1024. VII. Abſchnitt. Von Teſtaments-Erecutoren. Art. 1025 bis 1034. VIII. Abſchnitt. Von Widerrufung der Teſtamente und den urſachen, wodurch ſie zerfallen. Art. 1035 bis 1047. VI. Capitel. Von jenen Verfuͤgungen, welche dem Geſchenkgeber oder Teſtator zu Gunſten ſeiner En⸗ kel, oder der Geſchwiſter ſeiner Kinder erlaubt ſind. Art. 1048 bis 1074. VII. Capitel. Von Theilungen, die von Vater, Mut⸗ ter, oder andern aufſteigenden Verwandten unter ihren Abkoͤmmlingen vorgenommen werden. Art. 1075 bis 1080. vIII. Capitel. Von Schenkungen durch Ehevertraͤge zu Gunſten der Eheleute und der aus der Ehe zu hoffenden Kinder. Art. 1081 bis 1090. IN. Capitel. Von den Verfuͤgungen unter Eheleuten durch Ehevertraͤge oder während der Ehe. Art. 1091 bis 1100. III. Titel. Von den Contracten oder Verbindlichkei⸗ ten, welche aus Vertraͤgen uͤberhaupt entſpringen. Art. 1101 bis 1369. 1. Capitel. Vorlaͤufige Verfuͤgungen. Art. 1101 bis 10 II. Capitel. Von den weſentlichen Bedingungen zur Guͤltigkeit aller Verabredungen. Art. 1108 bis 1133 I. Abſchnitt. Von der Einwilligung. Art. 1108 bis 1122. II. Abſchnitt. Von der Fähigkeit der contrahirenden Theile. Art 1123 bis 1125.. III. Abſchnitt. Von dem Gegenſtande und der Materie der Vertrage. Art. 1126 bis 1130. IV. Abſchnitt. Von der Urſache. Art. 1131 bis 1133 Capitel. Von der Wirkung der Verbindlichkei⸗ ten. Art. 1134 bis 1167. I. Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. Art 1134 bis 1135. li. Abſchnitt. Von der Verbindlichkeit zu geben. Art. 1136 bis 1141. III. Abſchnitt. Von der Verbindlichkeit zu thun, oder nicht zu thun. Art. 1142 bis 1145. III. A.— ⸗—— IV. P. IV. Abſchnitt. Von der Schadloshaltung, als Folge der nicht erfuͤllten Verbindlichkeit. Art. 1146 bis 1155. V. Abſchnitt. Von Auslegung der Vertraͤge und Verabre⸗ dungen. Art. 1156 bis 1164. VI. Abſchnitt. Von der Wirkung der Abreden in Ruͤckſicht auf jeden Dritten. Art. 1165 bis 1167. Capitel. Von den verſchiedenen Arten der Ver⸗ bindlichkeiten. Art. 1168 bis 1233. I. Abſchnitt. Von bedingten Verbindlichkeiten. Art. 1168 bis 1184. §. 1. Von der Bedingung überhaupt und ihren verſchiedenen Arten Art. 1168 bis 1180. 2. Von der aufſchiebenden Bedingung. Art. 1181 bis 1182 3. Von der auflöſenden Bedingung. Art. 1183 bis 1184. II. Abſchnitt. Von terminlichen Verbindlichkeiten. Art. 1185 bis 1188. 5 6 III Abſchnitt. Von alternativen Verbindlichkeiten. Art. 1189 bis 1196. IV. Abſchnitt. Von Verbindlichkeiten ohne Theilung. Art. 1197 bis 1216. 5. 1. Von der ungetheiltheit zwiſchen mehreren Gläubigern. Art. 1197 bis 1199. 2. Ven der ungetheiltheit zwiſchen mehreren Verpflichteten. Art. 1200 bis 1216. V. Abſchnitt. Von theilbaren und untheilbaren Verbindlich⸗ keiten. Art 1217 bie 1225. d 1. Bon den Wirkungen der theilbaren Verbindlichkeit. Art. 1220 bis 1221 2. Von den Wirkungen der untheilbaren Verbindlichkeit. Art. 1222 bis 1225. VI. Abſchnitt. Von Verbindlichkeiten mit einer Strafclauſel. Art. 1226 bis 1233. Capitel. Von Erloͤſchung der Verbindlichkeiten. Art. 1234 bis 1313. I. Abſchnitt. Von der Zahlung. Art. 1235 bis 1270. S. 1. Von der Zahlung überhaupt. Art. 1235 bis 1248. Von der Zahlung mit Subragation. Art. 1249 bis 1252. Von der Aufrechnung der Zahlungen. Art. 1253 bis 1256. Vom Anbieten der Zahlung und der Hinterlegung. Art. 1237 bis 1264. 5. Von der Güterabtretum. Art. 1265 bis 1270. II. Abſchnitt. Von der umſchaffung. Art. 1271 bis 1281. III. Abſchnitt. Von Erlaſſung der Schuld. Art. 1282 bis 1288. IV. Abſchnitt. Von der Gegeneinanderaufrechnung. Art. 1289 bis 1299. V. Abſchnitt. Von der Vereinigung. Art. 1300 bis 1301. VI Abſchnitt. Vom verluſt der ſchuldigen Sache. Art. 1302 bis 1303. *„ ——ꝛ—5 — 414 VI. Abſchnitt. Von der Klage auf Richtigkeit, oder Umſto⸗ ßung der Verabredungen oder Verträge. Art. 1304 bis 1314. VI. Capitel. Vom Beweiſe der Verbindlichkeiten und der geſchehenen Zahlung. Art. 1315 bis 1369. 1. Abſchnitt. Vom ſchriftlichen Beweiſe. Art. 1317 bis 1340. d. 1. Von öffentlichen oder authentiſchen Urkunden. Art. 1317 bis 1321. Von Privaturkunden. Art. 1322 bis 1332. Von Kerbhoͤlzern. Art. 1333. Von urkunden in Abſchrift. Art. 1334 bis 1336 Von Anerkennungs⸗ und Beſtätigungsacten. Art. 1337 bis 1340. II. Abſchnitt. Vom Zeugenbeweis. Art. 1341 bis 1348. HI. Abſchnitt. Von den Vermuthungen. Art. 1349 bis 1353. d. 1. Von geſetzlichen Vermuthungen. Art. 1350 bis 1352. 2. Von nicht geſetzlichen Vermuthungen. Art. 1353 IV. Abſchnitt. Vom Geſtandniſſe der Parthei. Art. 1354 bis 1356. V. Abſchnitt. Vom Eide. Art. 1357 bis 1369. 3c „. 1. Von dem Entſcheidungseide. Art. 1358 bis 1365 2. Von dem von Amtswegen zügeſchobenen Eide. Art. 1366 bis 1369. IV. Titel. Von den Verbindlichkeiten, die ohne Ver⸗ abredung entſtehen. Art. 1370 his 1386. 1. Capitel. Von vertragaͤhnlichen Handlungen. Art. 1371 bis 1381. II. Capitel. Von den Vergehen und den verbrechen⸗ aͤhnlichen Handlungen. Art. 1382 bis 1386. V. Titel. Von dem Ehecontrate und den gegenſeiti⸗ gen Rechten der Eheleute. Art. 1387 bis 1581. i. Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 1387 bis 1398. Capitel. Vom Verhaͤltniſſe der Guͤtergemeinſchaft. Art. 1399 bis 1539. 1. Abtheilung. Von der geſetzlichen Guͤtergemein⸗ ſchaft. Art. 1400 bis 1496. 1 Abſchnitt. Von dem activen und paſſiven Beſtande der ehelichen Gutergemeinſchaft. Art. 1401 bis 1420. s. 1 Ven dem activen Beſtande der Gütergemeinſchaft. Art. 1401 bis 1408. 2. Von dem paſſiven Beſtande der Gütergemeinſchaft, und den Kla⸗ gen, die daraus gegen dieſelbe entſpringen. Art 1409 bis 1421 M. Abſchnitt. Von Verwaltung der Guͤtergemeinſchaft, und den Wirkungen der Handlungen eines oder des andern Ehegenoſſen, ruckſichttich der ehelichen Geſellſchaft. Art. 1421 bis 1440. Ii. Abſchnitt. Von Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft und einigen ihrer Folgen. Art. 1441 bis 1452. IV. Abſchnitt. Von der Annahme der Guͤtergemeinſchaft, der Verzichtleiſtung darauf, mit den dahin einſchlägigen Be⸗ dingungen. Art. 1453 bis 1466. V. Abſchnitt. Von Theilung der Gemeinſchaft nach der An⸗ nahme. Art. 1467 bis 1491. S 1. Von Theilung des wirklichen Vermögens. Art. 1468 bis 1481. 2. Von Schulden und Laſten der Gemeinſchaft, und dem beiderſeiti⸗ gen Beitrag zu denſelben. Art. 1482 bis 1491 VI. Abſchnitt. Von Verzichtleiſtung auf die Gemeinſchaft und ihren Wirkungen. Art. 1492 bis 1495. Verfuͤgung, die geſetzliche Guͤtergemeinſchaft betreffend in dem Falle, wo ein Ehegenoſſe, oder beide, aus einer vorhergehenden Ehe Kinder haben. Art. 1496. Abtheilung. Von der vertragmaͤßigen Guͤterge⸗ meinſchaft, und den Verabredungen, welche die ge⸗ ſetzliche Götergemeinſchaft modifiziren und ſogar ausſchließen koͤnnen. Art. 1497 bis 1539. 1. Abſchnitt. Von der Gemeinſchaft, die ſich bloß auf das Errungene beſchränkt. Art. 1498 bis 1499. II. Abſchnitt. Von der Clauſel, welche das bewegliche Ver⸗ moͤgen, ganz oder zum Theil, von der Gemeinſchaft aus⸗ ſchließt. Art. 1500 bis 1504. IMi. Abſchnitt. Von der Clauſel der Beweglichmachung. Art. 1505 bis 1509. IV. Abſchnitt. Von der veräbredeten Schuldenabſonderung. Art. 1510 bis 1513. V. Abſchnitt. Von der, der Frau zugeſtandenen Befugniß, ihr Eingebrachtes frei und ledig wieder zu nehmen. Art⸗ 1514. VI. Abſchnitt. Von dem vertragmäßigen Voraus. Art. 1515 bis 1519. VII. Abſchnitt. Von den Verabredungen, die den Eheleuten ungleiche Theile in der Gemeinſchaft anweiſen. Art. 1520 bis 1525. VIII. Abſchnitt. Von der Gemeinſchaft unter allgemeinen Namen. Art. 1526. Verfuͤgungen, die den acht vorhergehenden Abſchnitten ge⸗ mein ſind. Art. 1527 bis 1528. IX. Abſchnitt. Von Verabredungen, welche die Gemeinſchaft ausſchließen. Art. 1529 bis 1539. . 1. Von der Verabredung, daß ſich die Eheleute ohne Gütergemein⸗ ſchaft heirathen. Art 1530 bis 1535 2 Von der Flauſel der Gütertrennung. Art. 1536 bis 1539. VI. —— 1— III. Capitel. Vom Verhaͤltniſſe des Brautſchatzes. Art. 1540 bis 1581. I. Abſchnitt. Von Beſtellung des Brautſchatzes. Art. 1542 bis 1548. II. Abſchnitt. Von den Rechten des Mannes auf die Braut⸗ ſchatzguͤter, und der unveraußerlichkeit des Brautſchatzgrun⸗ des. Art. 1549 bis 1563. III. Abſchnitt. Von Obruͤckerſtattung des Brautſchatzes. Art. 1564 bis 1573. IV. Abſchnitt. Von den Paraphernalguͤtern. Art. 1574 bis 1580. Beſondere Verfuͤgung. Art. 1581. Titel. Vom Kauf und Verkauf. Art. 1582 bis 1701. 1. Capitel. Von der Natur und der Form des Ver⸗ kaufs. Art. 1582 bis 1593. II. Capitel. Wer kaufen und verkaufen kann. Art. 1594 bis 1597. MI. Capitel. Von Sachen die verkauft werden koͤn⸗ nen. Art. 1598 bis 1601. IV. Capitel. Von den Verbindlichkeiten des Verkau⸗ fers. Art. 1602 bis 1649. I. Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 1602 bis 1603. II. Abſchnitt. Von der Lieferung. Art. 1604 bis 1624. MII. Abſchnitt. Von der Gewaͤhrleiſtung. Art. 1625 bis 1649. 1. Von der Gewährleiſtung im Falle der Eviction. Art. 1626 bis 1640. 2. Von der Gewähr der Mängel der verkauften Sache. Art. 1641 bis 1649 v. Capitel. Von den Verbindlichkeiten des Käufers. Art. 1650 bis 1657. VI. Capitel. Von der Nichtigkeit und der Aufloͤſung des Verkaufs. Art. 1658 bis 1685. I. Abſchnitt. Vom vorbehaltenen Wiederverkauf. Art. 1659 bis 1673. II. Abſchnitt. Von Aufhebung der Verkäufe wegen Ver⸗ letzung. Art. 1674 bis 1685. vI. Capitel. Von der Verſteigerung. Art. 1686 bis 1688. VIII. Capitel. Von Ubertragung der Forderungen und anderer unkorperlichen Rechte. Art. 1689 bis 1701. VII. Titel. Vom Tauſchvertrage. Art. 1702 bis 1707. VIII. Titel. Von dem Miethvertrage. Art. 1708 bis 1831. 1. Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 1708 bis 1712. II. Capitel. Von Vermiethung der Sachen. Art. 1713 bis 1778. I. Abſchnitt. Von den Regeln, die den Mieth⸗ ünd Pacht⸗ vertragen der Haͤuſer und Landguͤter gemein ſind. Art. 1714 ßis 1751. II. Abſchnitt. Von den Regeln, welche den Miethcontract beſonders betreffen. Art. 1752 bis 1762. III. Abſchnitt. Von den beſondern Regeln der Pachtcontrac⸗ te. Art. 1763 bis 1778. III. Capitel. Vom Miethvertrage einer Dienſtleiſtung. Art. 1779 bis 1799. I. Abſchnitt. Von der Miethe der Hausbedienten uud gedun⸗ genen Arbeiter. Art. 1780 bis 1781. II. Abſchnitt. Von Fuhrleuten zu Waſſer und zu Lande. Art. 1782 bis 1786. 6 6 III. Abſchnitt. Von verabredeten Uberſchlägen. Art. 1787 bis 1799. IV. Capitel. Von der Viehpacht. Art. 1800 bis 1831. I. Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 1800 bis 1803 II. Abſchnitt. Von der ſimpeln Viehpacht. Art. 1804 bis 1817. III. Abſchnitt. Von der Viehpacht zur Haͤlfte. Art. 1818 bis 1820. IV. Abſchnitt. Von der vom Eigenthuͤmer auf ſeinen Pach⸗ ter oder Halbbauer beſtellten Viehpacht. Art. 1821 bis 1830. 5 S. 1. Von der dem Pachter oder Meier beſtellten Viehpacht. Art. 1821 bis 1826 2. Von der den Halbbauer beſtellten Viehpacht. Art. 1827 bis 1830 V. Abſchnitt. Von der uneigentlich alſo genannten Viehpacht. Art. 1831. [X. Titel. Von dem Geſellſchäftsvertrage. Art. 1832 bis 1873. I. Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 1832 bis 1834. Il. Capitel. Von den verſchiedenen Arten der Geſell⸗ ſchaften. Art. 1835 bis 1842. 2 I. Abſchnitt. Von allgemeinen Geſellſchaften. Art. 1836 bis 1840. II. Abſchnitt. Von der beſondern Geſellſchaft. Art. 1841 bis 1842. II. Capitel. Von den Verbindlichkeiten der Geſell⸗ ſchaftsglieder unter ſich, und in Ruͤckſicht auf je⸗ den Dritten. Art. 1843 bis 1864. 1. Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten der Geſellſchaftsglie⸗ der unter ſich. Art. 1843 bis 1861. II. Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten der Geſellſchaftsglie⸗ der in Ruͤckſicht auf jeden Dritten. Art. 1862 bis 1864. IV. Capitel. Von den verſchiedenen Arten, wie die Geſellſchaft endet. Art. 1865 bis 1872. Verfuͤgung, die Handelsgeſellſchaften betreffend. Art. 1873. N. Titel. Vom Darlehnsvertrage. Art. 1874 bis 1914. I. Capitel. Von dem Darlehn zum Gebrauch oder dem Leihvertrage. Art. 1875 bis 1891. I. Abſchnitt. Von der Natur des Darlehns zum Gebrauch. Art. 1875 bis 1879. II. Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Leihers. Art. 1880 bis 1887. III. Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Verleihers. Art. 1888 bis 1891. II. Capitel. Von dem Darlehn zum Verbrauch oder dem bloßen Darlehn. Art. 1892 bis 1904. I. Abſchnitt. Von der Natur des Darlehns zum Verbrauch. Art. 1892 bis 1897. II. Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Darleihers. Art. 1898 bis 1901. III. Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Anlehners. Art. 1902 bis 1904. III. Capitel. Vom Darlehn auf Zinſen. Art. 1905 bis 1914. I. Titel. Vom Verwahrungsvertrage und vom Se⸗ queſter. Art. 1915 bis 1963. I. Capitel. Vom dem Verwahrungsvertrage uͤberhaupt und von ſeinen verſchiedenen Gattungen. Art. 1915 bis 1916. 11. Capitel. Von dem eigentlichen Verwahrungsver⸗ trage. Art. 1917 bis 1954. 6 —* t —— I. Abſchnitt. Von der Natur und dem Weſen des Verwah⸗ rungscontracts. Art. 1917 bis 1920. lI. Abſchnitt. Von der freiwilligen Verwahrung. Art. 1921 bis 1926. III. Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Verwahrers. Art. 1927 bis 1946. 1V. Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Niederlegers. Art. 1947 bis 1948. V. Abſchnitt. Von der nothwendigen Verwahrung. Art. 1949 bis 1954. III. Capitel. Vom Sequeſter. Art. 1955 bis 1963. I. Abſchnitt. Von den verſchiedenen Arten des Sequeſters. Art. 1955. II. Abſchnitt. Vom vertragsmäßigen Sequeſter. Art. 1956 bis 1960. UII. Abſchnitt. Von dem gerichtlichen Sequeſter oder der ge⸗ richtlichen Hinterlegung. Art. 1961 bis 1963. XII. Titel. Von gewagten Vertraͤgen. Art. 1964 bis 1983. I. Capitel. Von dem Spiel und der Wette. Art. 1965 bis 1967. I. Capitel. Von dem Leibrentenvertrage. Art. 1968 bis 1983. 1. Abſchnitt. Von den zur Guͤltigkeit des Vertrags erforber⸗ lichen Bedingungen. Art. 1968 bis 1976. II. Abſchnitt. Von den Wirkungen des Vertrags unter den contrahirenden Theilen. Art. 1977 bis 1983. XIII. Titel. Vom Vollmachtsvertrage. Art. 1984 bis 2010. I. Capitel. Von der Natur und Form des Voll⸗ machtsvertrages. Art. 1984 bis 1990. II. Capitel. Von den Verbindlichkeiten des Bevoll⸗ maͤchtigten. Art. 1991 bis 1997. 1II. Capitel. Von den Verbindlichkeiten des Macht⸗ gebers oder Bevollmaͤchtigers. Art. 1998 bis 2002. IV. Capitel. Von den verſchiedenen Arten, wie der Vollmachtscontract aufhort. Art. 2003 bis 2010. XIV. Titel. Von Buͤrgſchaften. Art. 2011 bis 2043. l. Capitel. Von der Natur und Ausdehnung der Buͤrgſchaft. Art. 2011 bis 2020. II. Capitel. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft. Art. 2021 bis 2033. 0* — —— ₰— 8—— I. Abſchnitt. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter dem Glaubiger und dem Buͤrgen. Art. 2021 bis 2027. II. Abſchnitt. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unte dem Schuldner und dem Buͤrgen. Art. 2028 bis 2032. III. Abſchnitt. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter den Mitbuͤrgern. Art. 2033. III. Capitel. Von Erloͤſchung der Buͤrgſchaft. Art. 2034 bis 2039. IV. Capitel. Von der geſetzlichen und der gerichtli⸗ chen Buͤrgſchaft. Art. 2040 bis 2043. XV. Titel. Von Vergleichen. Art. 2044 bis 2058. XVI. Titel. Von dem koͤrperlichen Zwange in buͤr⸗ gerlichen Sachen. Art. 2059 bis 2070. XVII. Titel. Vom Pfandvertrage. Art. 2071 bis 2091. I. Capitel. Vom Pfande. Art. 2073 bis 2084. HI. Capitel. Von der Antichreſis. Art. 2085 bis 2091. XVIII. Titel. Von Privilegien und Hypotheken. Art. 2092 bis 2203. I. Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 2092 bis 2094. II. Capitel. Von den Privilegien. Art. 2095 bis W 1. Abſchnitt. Von Privilegien auf bewegliche Guͤter. Art. 2100 bis 2102. §. 1. Von allgemeinen Privilegien auf bewegliche Güter. Art. 2101. 2. Von Privilegien auf gewiſſe bewegliche Güter. Art. 2102 II. Abſchnitt. Von Privilegien auf unbewegliche Guͤter. Art. 2103. III. Abſchnitt. Von Privilegien, die ſich ſowohl auf beweg⸗ liche als unbewegliche Guͤter erſtrecken. Art. 2104 bis 2105. IV. Abſchnitt. Wie Privilegien erhalten werden muͤſſen⸗ Art. 2106 bis 2113. U. Capitel. Von den Hypotheken. Art. 2114 bis bis 2145. I. Abſchnitt. Von geſetzlichen Hypotheken. Art. 2121 bis 2122. II. Abſchnitt. Von gerichtlichen Hypotheken. Art. 2123. III. Abſchnitt. Von vertragmaͤßigen Hypotheken. Art. 2124 bis 2133. IV. Abſchnitt. Vom Range der Hypotheken unter ſich. Art. 2¹34 bis 2145. IV. Capitel. Von der Art, wie Privilegien und Hy⸗ potheken einzuſchreiben ſind. Art. 2146 bis 2156. V. Capitel. Von Ausſtreichung und Herabſetzung der Einſchreibungen. Art. 2157 bis 2165. VI. Capitel. Von den Wirkungen der Privilegien und Hypotheken gegen dritte Beſitzer. Art. 2166 bis 2179. VII. Capitel. Von Erloͤſchung der Hypotheken und Privilegien. Art. 2180. VIII. Capitel. Von der Art, das Eigenthum von Privilegien und Hypotheken frei zu machen. Art. 2181 bis 2192. IX. Capitel. Von der Art, die Hypotheken zu til⸗ gen, wenn auf Guͤter der Vormuͤnder und Ehe⸗ maͤnner keine Einſchreibungen vorhanden ſind. Art. 2193 bis 2195. X. Capitel. Von der Oeffentlichkeit der Hypotheken— buͤcher und der Verantwortlichkeit ihrer Verwah⸗ rer. Art. 2196 bis 2203. XIX. Titel. Von der gezwungenen Ausweiſung und der Ordnung, worin die Glaͤubiger zur Zahlung gelangen. Art. 2204 bis 2218. 1. Capitel. Von der gezwungenen Ausweiſung. Art. 2204 bis 2217. 1I. Capitel. Von der Ordnung und der Austheilung des Preiſes unter die Glaͤubiger. Art. 2218. XX. Titel. Von der Verjaͤhrung. Art. 2219 bis 2281. I. Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 2219 bis 2227 II. Capitel. Vom Beſitze. Art. 2228 bis 2235. II. Capitel. Von den Urſachen, welche die Verjaͤh⸗ rung hindern. Art. 2236 bis 2241. IV. Capitel. Von den Urſachen, welche den Lauf der Verjaͤhrung unterbrechen oder aufſchieben. Art. 2242 bis 2259. I. Abſchnitt. Von den urſachen, welche die Verjährung un— terbrechen. Art. 2242 bis 2250. II. Abſchnitt. Von den urſachen, welche den Lauf der Ver⸗ jaͤhrung aufſchieben. Art. 2251 bis 2259. V. — Capitel. Von der zur Verjaͤhrung erforderlichen Zeit. Art. 2260 bis 2281. I. Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 2260 bis 2261. II. Abſchnitt. Von der dreißigjahrigen Verjährung. Art. 2962 bis 2264. II. Abſchnitt. Von der zehn- und zwanzigjährigen Verjäh⸗ rung. Art. 2265 bis 2270. IV. Abſchnitt. Von einigen beſondern Verjahrungen. Art. 2271 bis 2281. Einleitung. Von der Bekanntmachung, den Wirkungen und der Anwendung der Geſetze uͤberhaupt*. Art. 1. Du Geſetze werden vom Kaiſer feierlich ausgerufen, und dieſe feierliche Ausrufung**) gibt ihnen die Faͤhigkeit auf dem ganzen franzöſiſchen Gebiete vollzo⸗ gen zu werden. Die Verbindlichkeit, die Geſetze zu vollziehen und zu befolgen, tritt in jedem Theile des Staates in dem Au⸗ genblicke ein, wo die feierliche Ausrufung daſelbſt bekannt ſeyn kann. In dem Departement, wo die kaiſerliche Reſidenz iſt, wird die durch den Kaiſer geſchehene feierliche Ausrufung einen Tag nach dem Tage der feierlichen Ausrufung fuͤr bekannt gehalten. In allen andern Departementen wird ſie ebenfalls nach Verlauf dieſer Zeitfriſt fuͤr bekannt gehalten, jedoch vermehrt man die letztere um ſo viel Tage, als Tagerei⸗ ſen von zehn Myriametern***) die Stadt, wo die feier⸗ liche Ausrufung geſchehen iſt, von dem Hauptorte jedes Departements entfernt liegt****). *) Geſetz vom 14. Ventoſe 11.(5. März 1803). Premulgirt den 24.(15. März 1803.) **) Promulgation. „**) Zehn Myriameter ſind ungefaͤhr ſo viel als 20 Stunden. „***) Die feierliche Ausrufung geſchieht der Conſtitution gemäß den zehnten Tag nach dem Tage des Geſetzes; ſie iſt nach unſrer neuen Geſetzgebung etwas ganz anderes, als die Verkuͤndigung oder Publication, womit man ſie wohl verwechſelt. — 24— 2. Die Geſetze reguliren nur die Zukunft; ihre Wir⸗ kung erſtreckt ſich nicht auf die Vergangenheit. 3. Polizei⸗ und Sicherheitsgeſetze ſind verbindlich fuͤr alle, die ſich auf dem Gebiet aufhalten. Unbewegliche Guͤter ſind den Verfuͤgungen der fran— zoͤſiſchen Geſetze unterworfen, ſelbſt dann, wenn ein Aus⸗ laͤnder ſie beſitzt. Geſetze, welche den Stand und die Faͤhigkeit der Per⸗ ſonen betreffen, reguliren den Stand und die Fäaͤhigkeit des Franzoſen ſelbſt im Auslande. 4. Kein Richter darf ſich weigern zu richten, unter dem Vorwand, daß die Geſetze ſchwiegen, dunkel oder un⸗ zulaͤnglich waͤren. Thaͤte er es dennoch, ſo ſoll er als ſchuldig des Verbrechens der Rechtsweigerung verfolgt werden koͤnnen. 5. Die Richter haben uͤber die ihnen zugewieſenen Rechtsſachen zu ſprechen, aber nicht in allgemeinen geſetz⸗ aͤhnlichen Verfuͤgungen. 6. Durch Privatvertraͤge kann man die Geſetze nicht unkraͤftig machen, welche die oͤffentliche Ordnung und die guten Sitte uͤbetreffen⸗ Erſtes Buch. Von den Perſonen. —— Von dem Genuſſe und dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte*. ſ e 6 Von dem Genuſſe der buͤrgerlichen Rechte. Ausuͤbung der buͤrgerlichen Rechte iſt unabhangig von der Eigenſchaft eines Staatsbuͤrgers. Letztere erwirbt und erhaͤlt man nur gemaͤß dem Conſti⸗ tutionsgeſetze. 8. Jeder Franzoſe genießt die buͤrgerlichen Rechte: 9. Jeder Menſch, der in Frankreich von einem Aus— laͤnder geboren iſt, kann auf die Eigenſchaft eines Fran⸗ zoſen Anſpruch machen. Dies muß jedoch in einem Jahr nach erlangter Großjährigkeit geſchehen; und wenn er ſich in Frankreich aufhaͤlt, ſo muß er noch dazu ſeinen Willen erklären, ſich daſelbſt haͤuslich niederzuſetzen; wenn er ſich *) 6 vom 17. Ventoſe 11.(. März 1803). Promulgirt den (18 Marz 1803). —— aber im Auslande aufhaͤlt, ſo muß er ſich ebenfalls durch eine Erklaͤrung verbinden, ſich in Frankreich haͤuslich nie⸗ derzulaſſen, und in einem Jahre nach dieſer Erklärung wirklich dahin verziehen. 10. Jedes von einem Franzoſen im Auslande gebor⸗ ne Kind iſt ein Franzoſe. Ein Kind, welches im Auslande von einem Franzoſen ge⸗ boren iſt, der die Eigenſchaft eines Franzoſen verloren hat, kann dieſe Eigenſchaft allezeit wieder erlangen, wenn es die im 9. Artikel vorgeſchriebenen Bedingungen erfuͤllt. 11. Der Ausländer genießt in Frankreich die nam⸗ lichen buͤrgerlichen Rechte, welche den Franzoſen durch die Vertraͤge der Nation, zu welcher dieſer Auslaͤnder gehoͤrt, zugeſtanden ſind oder werden. 12. Die Auslaͤnderinn, die einen Franzoſen heira⸗ thet, tritt ganz in den Stand und die Eigenſchaft ihres Mannes. 13. Wenn die Regierung einem Auslaͤnder erlaubt hat, ſich in Frankreich haͤuslich niederzulaſſen, ſo genießt er daſelbſt die buͤrgerlichen Rechte, ſo lange er darin wohn⸗ haft bleibt. 14. Ein Auslaͤnder, wenn er ſich auch nicht in Frank⸗ reich aufhaͤlt, kann vor die franzoſiſchen Gerichtshöfe ge⸗ laden werden, ſo oft es auf die Erfüllung von Verbind⸗ lichkeiten ankommt, die er in Frankreich mit einem Fran— zoſen eingegangen hat. Eben ſo kann er vor die franzoͤ⸗ ſiſchen Gerichtshöfe gezogen werden, in Hinſicht auf jene Verbindlichkeiten, die er im Auslande gegen Franzoſen uͤbernommen hat. 15. Ein Franzoſe kann vor franzoͤſiſche Gerichtshoͤfe gezogen werden, wenn es auf Verbindlichkeiten ankommt, die er im Auslande ſelbſt mit einem Auslaͤnder eingegan⸗ gen hat. S 5 16. Wenn ein Ausländer als Klaͤger auftritt, ſo iſt er gehalten, fur die Zahlung der Koſten und Schadloshal— tung, die allenfalls der Rechtshandel verurſachen koͤnnte, Buͤrgſchaft zu leiſten. Dieſe Regel leidet nur zwei Aus⸗ nahmen, wenn naͤmlich die Frage uͤber ein Handelsgeſchäft iſt, und wenn der Auslaͤnder in Frankreich unbewegliche Guͤter genng beſitzt, um dieſe Zahlung zu ſichern. —.—— R. Zweites Capitel⸗ Von dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte. Von dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte, als Folge von dem Verluſte der Eigenſchaft eines Franzoſen. Art. 17. Man verliert die Eigenſchaft eines Fran⸗ zoſen 1 ſtens durch die Naturaliſation im Auslande, 2tens durch die Annahme von öoͤffentlichen Aemtern, welche eine auslaͤndiſche Regierung ertheilt, wenn die franzoͤſiſche Re⸗ gierung dieſe Annahme nicht erlaubt hat, 3tens durch die Aufnahme in jede auslaͤndiſche Corporation, welche Un⸗ terſchiede der Geburt vorausſetzt, 4tens endlich dadurch, daß ſich jemand im Auslande niederlaͤßt, ohne Abſicht der Ruͤcktehr. Ausgenommen iſt der Fall, wenn ſich jemand des Handels wegen im Auslande niederläßt: es kann naͤmlich nie vermuthet werden, daß eine ſolche Niederlaſſung ohne Abſicht der Ruͤckkehr geſchehe. 18. Der Franzoſe, der ſeine Eigenſchaft eines Fran⸗ zoſen verloren hat, kann ſie allezeit wieder erlangen, wenn er mit Bewilligung der Regierung nach Frankreich zuruͤck⸗ kehrt, und dabei erklaͤrt, daß er ſich daſelbſt fuͤr immer niederlaſſen wolle, und daß er Verzicht leiſte auf jede Un⸗ terſcheidung, welche mit dem franzoͤſiſchen Geſetze unver⸗ traͤglich iſt. 19. Heirathet eine Franzoͤſinn einen Auslaͤnder, ſo tritt ſie in den Stand und die Eigenſchaft ihres Mannes. Wird ſie Wittwe, ſo erkangt ſie ihre vorige Eigenſchaft einer Franzoͤſinn wieder, wenn ſie in Frankreich ſich auf⸗ hält, oder mit Bewilligung der Regierung dahin zuruͤck⸗ kehrt, und dabei erklaͤrt, daß ſie ſich daſelbſt fuͤr immer niederlaſſen wolle. 20. Wer die Eigenſchaft eines Franzoſen wieder er⸗ langt in Gefolg der Artikel 10, 18 und 19, kann dieſe Eigenſchaft nur dann geltend machen, wenn er die Beding⸗ niſſe erfuͤllt hat, welche ihm eben dieſe Artikel auflegen; auch kann ſie ihm nur zu Statten kommen in Hinſicht auf ———— ²—— die Ausuͤbung derjenigen Rechte, die fuͤr ihn ſeit dieſer Epoche faͤllig geworden ſind. 21. Wenn ein Franzoſe ohne Genehmigung der Re⸗ gierung im Auslande in Militairdienſte tritt, oder ſich in eine auslaͤndiſche militairiſche Corporation aufnehmen laͤßt: ſo verliert er ſeine Eigenſchaft eines Franzoſen. Er kann nicht nach Frankreich zuruͤckkehren ohne Er⸗ laubniß der Regierung, noch die Eigenſchaft eines Fran⸗ zoſen wieder erlangen, als in ſo weit er die Bedingniſſe erfuͤllt, welche jeder Ausländer zu erfuͤllen hat, der Buͤr⸗ ger werden will. Jedoch iſt hierdurch nichts in Ruͤckſicht auf die Strafen geaͤndert, welche das peinliche Geſetz ge⸗ gen Franzoſen verhaͤngt, die die Waffen gegen ihr Vater⸗ land getragen haben, oder noch tragen werden. Zweiter Abſchnitt. Von dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte durch gericht⸗ liche Verurtheilung. Art. 22. Es gibt Strafen, deren Wirkung es iſt, den Verurtheilten aller Theilnahme an den hierunten auf⸗ gezählten buͤrgerlichen Rechten zu berauben; jede Verur⸗ theilung zu einer dieſer Strafen hat den buͤrgerlichen Tod zur Folge. 23. Die Verurtheilung zum natuͤrlichen Tode zieht den buͤrgerlichen Tod nach ſich. 24. Die uͤbrigen lebenslaͤnglichen Leibesſtrafen haben nur dann den buͤrgerlichen Tod zur Folge, wenn das Ge⸗ ſetz dieſe Wirkung mit ihnen verknuͤpft hat. 25. Vermoͤge des buͤrgerlichen Todes verliert der Verurtheilte das Eigenthum aller Guͤter, die er beſaß. Seine ganze Hinterlaſſenſchaft iſt fuͤr ſeine Erben eroͤffnet, denen das Geſetz ſeine Guͤter zuweiſt, eben ſo, als wenn er eines natuͤrlichen Todes und ohne Teſtament geſtorben waͤre. Er iſt unfaͤhig, irgend eine Erbſchaft mehr anzutre⸗ ten, oder durch Erbſchaft an jemand die Guter zu uͤber⸗ bringen, welche er in der Folge erworben haͤtte. — R. .—— Er kann weder ganz, noch theilweiſe, uͤber ſeine Gä⸗ ter verfuͤgen, weder durch Schenkung unter Lebenden, noch durch Teſtament; eben ſo wenig kann er auf jene Art etwas empfangen, mit Ausnahme deſſen, was ihm als Nahrung gegeben wird. Er kann nicht Vormund werden, noch auf irgend ei⸗ ne Art Theil an den Verrichtungen nehmen, welche auf die Vormundſchaft Bezug haben. Er kann nicht als Zeuge auftreten, weder bei einem feierlichen oder authentiſchen Acte, noch vor Gericht. Er kann nicht als Klaͤger und nicht als Beklagter vor Gericht erſcheinen, ſondern nur unter dem Namen ei⸗ nes beſondern Curators, der ihn vertritt, und den ihm der Gerichtshof, vor den die Klage gehoͤrt, ernennt. Er iſt unfaͤhig eine eheliche Verbindung einzugehen, und die, welche er einginge, wäre ohne alle burgerliche Wirkung. Die Ehe, die er vorher eingegangen hat, iſt aufge⸗ in Ruͤckſicht auf alle ihre buͤrgerlichen Wirkungen. Sein Ehegenoſſe und ſeine Erben koͤnnen, jeder ſo viel ihn betrifft, jene Rechte ausuͤben, und jene Klagen anſtel⸗ len, die ſein natuͤrlicher Tod ſonſt zur Folge haͤtte. 26. Auf contradictoriſche*) Verurtheilungen tritt der buͤrgerliche Tod an dem Tage ein, wo ſie, wirklich oder in Abbildung, vollzogen werden. 27. Auf Verurtheilungen wegen Contumaz oder Nicht⸗ erſcheinung tritt der buͤrgerliche Tod erſt nach den fuͤnf Jahren ein, welche auf die Vollziehung des Urtheils in Abbildung folgen, und während welcher der Verurtheilte ſich noch einſtellen kann. 28. Waͤhrend gedachter fuͤnf Jahre, oder bis er ſich in dieſem Zeitraum einſtellt oder eingezogen wird, iſt der wegen Contumaz Verurtheilte der Ausuͤbung aller buͤrger⸗ lichen Rechte beraubt. Seine Guͤter werden verwaltet und ſeine Rechte ausgeuͤbt, wie jene der Abweſenden. loͤſ *) Contradictoriſch heißt hier eine Verurtheilung, wobei der An⸗ geklagte ſelbſt erſchienen und gehoͤrt worden iſt. 29. Wenn derjenige, der wegen Contumaz oder Nicht⸗ erſcheinung verurtheilt worden, ſich in den fünf Jahren, von dem Tage der Vollziehung des Urtheils an gerechnet, freiwillig einſtellt, oder wenn er waͤhrend dieſes Zeitraums ergriffen und verhaftet wird, ſo iſt das Urtheil ohne wei⸗ teres von Rechtswegen vernichtet, und der Angeklagte wird wieder in den Beſitz ſeiner Guͤter geſetzt. Er wird von neuem gerichtet, und ſpricht das neue Urtheil gegen ihn die naͤmliche Strafe aus, oder auch eine verſchiedene Strafe, die aber ebenfalls den buͤrgerlichen Tod nach ſich zieht, ſo tritt alsdann dieſer buͤrgerliche Tod nicht eher ein, als am Tage der Vollziehung des zweiten Urtheils. 30. Der wegen Nichterſcheinung Verurtheilte, kann auch, wenn er ſich erſt nach Verlauf der fuͤnf Jahre ein— geſtellt, oder wenn er erſt nach dieſer Zeitfriſt verhaftet worden, durch das neue Urtheil entweder freigeſprochen, oder zu einer Strafe verurtheilt werden, welche den buͤr⸗ gerlichen Tod nicht nach ſich zieht. In dieſen beiden Faͤl⸗ len tritt derſelbe ohne Einſchraͤnkung in ſeine buͤrgerlichen Rechte ein, jedoch nur fuͤr die Zukunft, und von dem Ta⸗ ge an gerechnet, wo er wieder in den Haͤnden der Gerech⸗ tigkeit war. Aber in Hinſicht auf die Vergangenheit be⸗ haͤlt das erſte Urtheil alle Wirkungen, welche der buͤrger⸗ liche Tod gehabt hatte in dem Zeitraum zwiſchen dem Au⸗ genblick, wo die fuͤnf Jahre verſtrichen waren, bis auf den Tag, wo er ſich wieder in richterlicher Gewalt befand. 31. Wenn der wegen Nichterſcheinung Verurtheilte in der Gnadenfriſt von fuͤnf Jahren ſtirbt, ohne daß er ſich eingeſtellt, oder ohne daß er ergriffen oder verhaftet worden wäre, ſo wird er gehalten wie derjenige, der im vslligen Beſitz ſeiner Rechte geſtorben iſt. Das Contumaz⸗ urtheil iſt ohne weiteres von Rechtswegen vernichtet, un⸗ beſchadet der Klage um Entſchaͤdigung, welche jedoch nur auf dem Civilwege*) gegen die Erben des Verurtheilten angeſtellt werden kann. 32. In keinem Falle hat die Verjaͤhrung der Strafe die Wirkung, den Verurtheilten fuͤr die Zukunft in ſeine buͤrgerlichen Rechte wieder einzuſetzen. ²) D. h. vor den buͤrgerlichen, und nicht vor den peinlichen Ge⸗ richten. 2 —— 33. Dasjenige, was der Verurtheilte ſeit dem Augen⸗ blicke ſeines buͤrgerlichen Todes erworben, und am Tage ſeines natuͤrlichen Todes im Beſitz hat, gehoͤrt dem Staa⸗ te kraft ſeines Rechtes auf erbloſen Nachlaß. Jedoch iſt es dem Kaiſer unbenommen, zum Vortheil der Wittwe, Kinder oder ſonſtigen Verwandten des Ver⸗ urtheilten, uͤber dieſe Guͤter ſolche Verfügungen zu treffen, die ihm die Menſchlichkeit eingibt. Von den Acten des Civilſtandes*. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 34. Die Acten des Civilſtandes**) ſollen das Jahr, den Tag und die Stunde ausdruͤcken, wo man ſie aufſetzt; die Namen, Vornamen, das Alter, Gewerb und den Wohnort aller derer, die varin benannt werden. 35. Die Beamten des Civilſtandes haben in die Ac⸗ ten, die ſie aufſetzen, nur dasjenige einzuruͤcken, was die vor ihnen erſcheinenden Perſonen erklaͤren muͤſſen; jedes andere Einſchiebſel iſt ihnen unterſagt, es werde nun durch eine Anmerkung oder auf jede andere Art ausgedruͤckt. 36. In den Faͤllen, wo die intereſſirten Theile nicht gehalten ſind, perſoͤnlich zu erſcheinen, ſteht es ihnen frei, ſich eines Bevollmaͤchtigten zu bedienen, der dann eine be— ſondere authentiſche Vollmacht haben muß. 37. Alle bei den Acten des Civilſtandes aufgefuͤhrte Zeugen muͤſſen männlichen Geſchlechts, wenigſtens einund⸗ zwanzig Jahre alt, Verwandte oder auch nicht Verwandte ſeyn; ſie werden von den betheiligten Perſonen gewählt. *) Geſetz vom 20. Ventoſe 11. J.(11. Mäͤrz 1803). Promulg. den 30.(21. März 1803). **) Man nennt Acten des Civilſtandes diejenigen ſchriftlichen Auf⸗ ſätze, die dazu beſtimmt ſind, die Geburten, Heirathen, Ehe⸗ ſcheidungen und Sterbfälle zu beweiſen. ————— Tep— ⸗ 1 — 38. Der Beamte des Civilſtandes lieſt den erſchei⸗ nenden Theilen oder ihren Bevollmaͤchtigten und den Zeu⸗ gen die Acten vor. Es geſchieht darin von der Erfuͤllung dieſer Feierlichkeit Meldung. 39. Dieſe Acten werden unterzeichnet von dem Be⸗ amten des Civilſtandes, von den gegenwärtigen Theilen und den Zeugen; und geſchieht dies nicht, ſo ſoll die Ur⸗ ſache bemerkt werden, warum die beiden letztern nicht un⸗ terzeichnet haben. 40. In jeder Gemeinde werden die Acten des Ci⸗ vilſtandes in ein oder mehrere Regiſter oder Verzeichniſſe eingeſchrieben. Die Regiſter werden doppelt gehalten. 41. Die Regiſter werden auf dem erſten und letzten Blatte von dem Praͤſidenten des Gerichts erſter Inſtanz, oder von dem Richter, der ſeine Stelle vertritt, numerirt. Ebenderſelbe ſetzt auf jedes Blatt ſeinen Handzug. 42. Die Acten werden nach einander und ohne Zwi⸗ ſchenraum in die Regiſter eingeſchrieben. Wird etwas aus⸗ geſtrichen und zur Seite geſetzt, ſo muß dies auf die naͤm⸗ liche Art genehmigt und untetzeichnet werden, wie die gan⸗ ze Acte⸗ Abkuͤrzungsweiſe ſoll darin nichts geſchrieben, und jedes Datum in Buchſtaben, und nicht in Zahlen aus⸗ gedruͤckt werden. 43. Am Ende eines jeden Jahres werden die Regi⸗ ſter von dem Beamten des Civilſtandes geſchloſſen, und in dem erſten Monat darauf legt er ein Exemplar davon in die Archive der Gemeinde nieder, das andere in die Kanzlei des Gerichts erſter Inſtanz. 44. Vollmachten und andere Papiere werden, nach⸗ dem ſowohl die Perſon, die ſie auflegt, als der Beamte des Civilſtandes ihren Handzug darauf geſetzt haben, den Acten angehaͤngt, und mit dem zweiten Exemplar der Re⸗ giſter, deren Hinterlegung in die Kanzlei des Gerichtes erſter Inſtanz befohlen iſt, in die bemeldete Kanzlei nieder⸗ gelegt⸗ 45. Es ſteht jedem frei, ſich Auszuͤge aus den Re⸗ giſtern des Civilſtandes geben zu laſſen, und zwar von denjenigen, bei denen die Regiſter hinterlegt ſind. Dieſe Acten und Auszuͤge werden gleichlautend mit den Regiſtern ausgefertigt, und von dem Praͤſidenten des Gerichts erſter 7. F 2 4. 5 — — 33— Inſtanz, oder ſeinem Stellvertreter legaliſirt. Sie haben voöllige Beweiskraft bis auf die Erklaͤrung, die jemand von ſich gibt, daß er ihre Falſchheit beweiſen will.*) 46. Sind irgendwo entweder gar keine Regiſter ge⸗ halten worden, oder ſind ſie nicht mehr vorfindlich, ſo hat der Beweis durch Urkunden und Zeugen Statt; und in dieſen Fällen können die Heirathen, Geburten und Sterb⸗ fälle auf doppelte Art bewieſen werden durch Verzeichniſſe und Papiere naͤmlich, die von verſtorbenen Eltern herruͤh⸗ ren, und durch Zeugen. 7. Jede Acte uͤber den Civilſtand eines Franzoſen und eines Auslaͤnders, die im Auslande angefertigt worden, hat Glauben, wenn ſie mit den Formen aufgeſetzt iſt, die in dem beſagten Lande uͤblich ſind. 48. Jede Acte uͤber den Civilſtand von Franzoſen im Auslande iſt guͤltig, wenn ſie, den franzöſiſchen Geſetzen gemäß, die diplomatiſchen Agenten oder Comiſſaire der Handlungsverhältniſſe des Staates aufgenommen haben. 49. In allen Faͤllen, wo es noͤthig iſt, auf dem Ran⸗ de einer andern, ſchon eingeſchriebenen Acte Erwähnung zu thun von einer Acte, die den Civilſtand betrifft, ge⸗ ſchieht dieſe Erwaͤhnung auf Anſtehen der Partheien, auf folgende Weiſe: ſie geſchieht von dem Beamten des Ci⸗ vilſtandes auf den laufenden Regiſtern, oder auf jenen Regiſtern, welche in den Archiven der Gemeinde hinter⸗ legt ſind, und von dem Gerichtsſchreiber des Gerichts er⸗ ſter Inſtanz auf den in der Kanzlei hinterlegten Regiſtern. Zu dieſem Ende gibt der Beamte des Civilſtandes, in drei Tagen, dem Staats⸗Procurator bei gedachtem Tribunal Nachricht hievon, und dieſer hat ſodann darauf zu wachen, daß die Erwaͤhnung in beiden Regiſtern auf einerlei Art geſchehe. 50. Fuͤr jede Uebertretung des in den vorhergehen⸗ den Artikeln Vorgeſchriebenen, welche ſich die darin be⸗ nannten Beamten zu Schulden kommen ließen, ſollen die⸗ ſelben vor das Gericht erſter Inſtanz gezogen und zu einer Geldbuße verurtheilt werden, die hundert Franken nicht uͤberſteigen darf. *) Jusqu'à inscription de faux. 51. Jeder, der die Regiſter in Verwahr hat, iſt buͤr⸗ gerlich verantwortlich fuͤr die Aenderungen die ſie erleiden koͤnnten; jedoch bleibt ihm, nach Befinden, ſein Regreß of⸗ fen gegen den, von dem eine ſolche Aenderung herruͤhrt. 52. Unbeſchadet der im peinlichen Geſetzbuche verhaͤng⸗ ten Strafen, koͤnnen die Betheiligten Schadloshaltung fo⸗ dern fuͤr jede Aenderung, fuͤr jedes Falſum in den Acten des Civilſtandes, fuͤr jede Einſchreibung dieſer Acten, die auf ein fliegendes Blatt und anders als in die hiezu be⸗ ſtimmten Regiſter geſchehen iſt. 53. Bei der Hinterlegung der Regiſter in der Gerichts⸗ kanzlei ſoll der Staats⸗Procurator bei dem Gericht erſter Inſtanz ihren Zuſtand unterſuchen, uͤber dieſe Unterſuchung einen kurzen Aufſatz anfertigen, die Zuwiderhandlungen und Verbrechen der Beamten des Civilſtandes in dieſer Hinſicht angeben, und darauf antragen, daß ſie zu den geſetzlichen Geldbußen verurtheilt werden. 54. In allen Faͤllen, wo ein Gericht erſter Inſtanz uͤber Acten erkennt, die den Civilſtand betreffen, koͤnnen die Betheiligten gegen das Urtheil die geeigneten Rechtsmittel ergreifen. Zweites Capitel. Von den Geburtsacten. Art. 55. Die Geburt eines Kindes muß in den drei erſten Tagen nach der Niederkunft angegeben oder erklärt werden. Die Erklärung geſchieht vor dem Beamten des Civilſtandes im Orte, und das Kind wird ihm vorgeſtellt. 56. Die Erklaͤrung der Geburt eines Kindes liegt dem Vater ob. In Ermangelung des Vaters verrichtet ſie der Geſundheitsbeamte oder jede andere Perſon, die der Ent⸗ bindung beigewohnt hat. Wenn aber die Mutter auſſer“ ihrem Wohnorte niederkoͤmmt, ſo muß die Erklaͤrung oder Angabe von der Perſon geſchehen, wobei ſie niedergekom⸗ men iſt. Die Geburtsacte wird auf der Stelle, in Gegenwart zweier Zeugen angefertigt. — 57. Dieſe Aete oder Urkunde enthält ausdruͤcklich den Tag, die Stunde und den Ort der Geburt, das Geſchlecht des Kindes und die Vornamen, die man ihm geben will, die Vornamen, Namen, das Gewerb und den Wohnort der Eltern, ſo wie der Zeugen. 58. Wenn jemand ein neugebornes Kind gefunden hat, ſo ſoll er es dem Beamten des Civilſtandes uͤberlie⸗ fern, ſammt den Kleidern und ſonſtigen Effecten, die er bei dem Kinde gefunden hat. Zugleich ſoll er alle Um⸗ ſtaͤnde der Zeit und des Orts angeben, worunter es ge⸗ funden worden iſt. ueber dieſe Ausſagen wird ein Aufſatz oder Protocoll angefertigt, worin ebenfalls noch das ſcheinbare Alter des Kindes bemeldet wird, ſo wie ſein Geſchlecht, die Namen, die man ihm gibt, und die buͤrgerliche Obrigkeit, der man es uͤberliefert. Der Aufſatz wird in die Regiſter einge⸗ ſchrieben. 59. Wird ein Kind während einer Seereiſe geboren, ſo verfaͤhrt man dabei alſo; die Geburtsacte wird inner⸗ halb vierundzwanzig Stunden angefertigt, und zwar in Gegenwart des Vaters, wenn er zugegen iſt, und zweier Zeugen, wozu man Offiziere des Schiffes, oder in deren Ermangelung, andere Seeleute nimmt. Auf Schiffen, die dem Staat gehoͤren, ſetzt dieſe Acte der Beamte der Ver⸗ waltung des Seeweſens aufz und auf den Schiffen, die einem Freibeuter oder Handelsmann gehoͤren, thut es der Kapitain, Herr oder Patron des Schiffes. Die Geburts⸗ acte wird hinten auf die Rolle des Schiffvolks eingeſchrie⸗ ben. 60. In dem erſten Hafen, wo das Schiff landet, entweder um bloß auszuruhen, oder jeder andern Urſache wegen, die der Abtakelung ausgenommen, haben die Be⸗ amten der Seeweſenverwaltung, der Capitain, Herr oder Patron, die Pflicht, zwei auchentiſche Ausfertigungen der Geburtsacten, die ſie aufgeſetzt haben, niederzulegen. Iſt nämlich der Hafen franzoͤſiſch, ſo geſchieht die Niederlage in der Schreiberei des dort angeſtellten Prepoſe der See⸗ einſchreibungen; iſt er aber fremd, ſo geſchieht ſie in die Haͤnde des Conſuls. 3* 5 —— 4—. ₰—. 2* — Eine dieſer Ausfertigungen bleibt hinterlegt in dem Buͤreau der Seeeinſchreibungen oder in der Commiſſariats⸗ kanzlei: die andere wird dem Miniſter des Seeweſens zuge⸗ ſchickt. Dieſer laͤßt von jeder der beſagten Acten eine Ab⸗ ſchrift verfertigen, beſcheinigt ſie, und ſendet ſie dem Beamten des Civilſtandes des Ortes, wo der Vater des Kindes wohnhaft iſt, oder auch dahin, wo die Mutter wohnt, wenn der Vater nicht bekannt iſt. Dieſe Abſchrift wird ſogleich in die Regiſter eingetragen. 61. Langt das Schiff im Abtakelungshafen an, ſo wird die Schiffsrolle bei dem Prepoſe der Seeeinſchreibungen niedergelegt, und dieſer ſchickt ſodann eine Ausfertigung der Geburtsacte, nachdem er dieſelbe unterzeichnet hat, an den Beamten des Civilſtandes in dem Wohnorte des Vaters von dem Kinde, oder der Mutter, wenn der Vater unbekannt iſt. Dieſe Ausfertigung wird unverzuͤglich in die Regiſter verzeichnet. 62. Die Acte, wodurch ein Kind anerkannt wird, wird ebenfalls, und zwar nach ihrem Datum, in die Regiſter eingeſchrieben, und wenn eine Geburtsacte das nämliche Kind betreffend vorhanden iſt, ſo geſchieht von der Anerken⸗ nung auf dem Rande derſelben Erwaͤhnung. Drittes Capitel. Von den Heirathsacten. Art. 63. Ehe die Heirath gefeiert und vollzogen wer⸗ den kann, wird ſie vom Beamten des Civilſtandes zwei⸗ mal abgerufen vder verkuͤndigt. Dieſe Abrufungen oder Aufgebote geſchehen acht Tage von einander, an einem Sonntage, und vor der Thuͤre des Gemeindehauſes. Sie ſowohl als die Acte, die daruͤber abgefaßt wird, enthält ausdruͤcklich die Namen, Vornamen, Gewerb und Wohn⸗ ort der künftigen Eheleute, ihre Minderjährigkeit oder Großjaͤhrigkeit, und die Namen, Vornamen, Gewerb und Wohnort ihrer beiden Eltern. Jene Acte erwähnt uͤber⸗ dies der Tage, Orte und Stunden, wo die Aufgebote geſchehen ſind. Sie wird in ein einziges Regiſter einge⸗ tragen. In Anſehung der Numerirung und des Handzu⸗ ges wird es mit dem Regiſter nach Vorſchrift des 41. — ————————— Art. gehalten. Es wird am Ende eines jeden Jahres in die Kanzlei des Bezirksgerichts niedergelegt. 64. Waͤhrend der acht Tage zwiſchen dem erſten und zweiten Aufgebote, wird und bleibt ein Auszug aus der Aufgebotsacke an der Thuͤr des Gemeindehauſes ange⸗ heftet. Die Heirath darf nicht vollzogen werden vor dem dritten Tage nach jenem des zweiten Aufgebots. Der Tag des zweiten Aufgebots wird nicht zu dieſen drei Tagen gezaͤhlt. 65. Iſt nach dem Ablaufe der, fuͤr die Aufgebote be⸗ ſtimmten Friſt, ein Jahr verſtrichen, ohne daß die Heirath vollzogen worden ware, ſo kann ſie nicht vollzogen werden, als nachdem neue Aufgebote in der hier oben vorgeſchrie⸗ benen Form vorgegangen ſind. 66. Die Acten wodurch man ſich einer Heirath wi⸗ derſetzt, oder dagegen einſpricht*) werden von demjenigen, der einſpricht, unterzeichnet, und zwar auf dem Original ſowohl, als auf der Abſchrift. Unterzeichnet der einſpre⸗ chende Theil ſelbſt nicht, ſo thut es ſein Bevollmächtigter, der aber hiezu einer beſondern authentiſchen Vollmacht be⸗ darf. Sie werden mit der Vollmacht in Abſchrift den Par⸗ theien in Perſon oder im Wohnort, und dem Beamten des Civilſtandes inſinuirt. Der letztere ſetzt ſein Viſa auf das Original. 67. Der Beamte des Civilſtandes iſt gehalten, auf dem Regiſter der Aufgebote unverzuglich eine kurze Erwäh⸗ nung von den geſchehenen Einſpruͤchen zu thun. Eben ſo ſoll er auf dem Rande des Blattes, wo die Einſpruͤche ein⸗ geſchrieben ſind, die Urtheile oder Acten bemerken, wodurch der Einſpruch abgewieſen wird, und wovon ihm eine Aus⸗ fertigung zugeſtellt worden iſt. 68. Thut Jemand Einſpruch gegen die Heirath, ſo kann ſie der Beamte des Civilſtandes nicht vollziehen, als nachdem man ihm vorher die Abweiſungsacte zugeſtellt hat, unter Strafe von dreihundert Franken Geldbuße und Schad⸗ loshaltung. 69. Wird gegen die Heirath nicht eingeſprochen, ſo geſchieht davon in der Heirathsacte Erwaͤhnung; und wenn die Aufgebote in mehreren Gemeinden geſchehen ſind, ſo *) Actes d'opposition, Einſpruchsacten. 6——— muß von dem Beamten des Civilſtandes jeder Gemeinde eine Beſcheinigung beigebracht werden, daß kein Einſpruch geſchehen iſt. 70. Der Beamte des Civilſtandes laͤßt ſich von jedem der kuͤnftigen Eheleute ihren Geburtsſchein geben. Iſt es aber einem von beiden unmoͤglich ihn herbeizuſchaffen, ſo kann er den Mangel erſetzen, indem er eine Beſcheinigung bei⸗ bringt, daß ſeine Geburt, wie er ſie angibt, landkundig ſey. Die eben bemerkte Beſcheinigung wird von dem Friedens⸗ richter ſeines Geburtsortes oder Wohnortes ertheilt. 71. Die Beſcheinigung, wovon im vorhergehenden Ar⸗ tikel die Rede war, enthaͤlt im Weſentlichen Folgendes. Sie⸗ ben Zeugen, maͤnnlichen oder weiblichen Geſchlechtes, ver⸗ wandt oder nicht verwandt, erklaͤren naͤmlich darin die Na⸗ men, Vornamen, Gewerb und Wohnort des kuͤnftigen Ehe⸗ gatten, ſo wie jene ſeiner Eltern, wenn ſie bekannt ſind: ſie geben ferner darin den Ort an, und ſodiel moͤglich die Zeit ſeiner Geburt, und die Gruͤnde, warum die Acte dar⸗ uͤber nicht beigebracht werden koͤnne. Die Zeugen unter⸗ ſchreiben die Beſcheinigung mit dem Friedensrichter, und wenn etwa einer nicht unterſchreiben kann, oder es nicht gelernt hat, ſo wird deſſen erwaͤhnt. 72. Die naͤmliche Beſcheinigung wird dem Gerichte erſter Inſtanz des Ortes vorgelegt, wo man die Heirath vollziehen will. Das Gericht hoͤrt den Staats⸗Procurator, und ertheilt ſeine Beſtaͤtigung, oder ſchlaͤgt ſie ab, je nach⸗ dem es die Erklaͤrungen der Zeugen und die Urſachen, wel⸗ che die Herbeiſchaffung der Geburtsacte verhindern, zulaͤng⸗ lich oder unzulaͤnglich findet. 73. Ueber die Einwilligung der Eltern oder Großel⸗ tern, oder, wenn dieſe nicht vorhanden ſind, der Familie, wird eine authentiſche Acte angefertigt, und dieſe enthaͤlt die Namen, Vornamen, Gewerb und Wohnort des kuͤnftigen Ehegatten ſowohl, als aller derer, die dabei zugegen waren, und den Grad ihrer Verwandtſchaft. 74. Die Heirath wird in der Gemeinde vollzogen, worin einer der beiden Eheleute wohnhaft iſt. In Hin⸗ ſicht auf die Heirath iſt man dann in einer Gemeinde wohnhaft, wenn man ſich ſechs Monate darin aufgehalten hat. 75. An dem Tage, der hierzu von den Betheiligten beſtimmt wird, nach Verlauf der Abrufungsfriſten, verfuͤgt ſich der Beamte des Civilſtandes in das Gemeindehaus, und lieſt ihnen dort in Gegenwart von vier Zeugen, die verwandt oder nicht verwandt ſind, die hier oben bemerkten Stucke vor, die ſich auf ihren Stand und die Feierlichkei⸗ ten der Heirath beziehen. Er lieſt ihnen ebenfalls das ſechſte Capitel des Titels von der Ehe vor, welches naͤm⸗ lich die gegenſeitigen Rechte und Pflichten der Eheleute enthält. Er nimmt jedem Theile, einem nach dem andern, die Erklaͤrung ab, daß ſie ſich zum Manne und zum Weibe nehmen wollen, ſpricht dann im Namen des Geſetzes aus, daß ſie ehelich verbunden ſind, und ſetzt unverzuͤglich eine Acte daruͤber auf. 76. In dem Heirathsacte kommen ausdruͤcklich vor: 1. Namen, Vornamen, Gewerb, Alter, Geburts⸗ und Wohnort der Eheleute; 2. Der Umſtand, ob ſie groß⸗ oder minderjaͤhrig ſind; 3. Namen, Vornamen, Gewerb und Wohnort der El⸗ tern; 4. Die Einwilligung der Eltern, Großeltern und der Familie im Falle, wo ſie noͤthig ſind; 5. Die Ehßrerbietigkeitsacten*) im Fall ſolche vorhan⸗ den ſind; 6. Die an den verſchiedenen Wohnorten geſchehenen Ab⸗ rufungen oder Aufgebote; 7. Die Einſpruͤche, wenn deren geſchehen ſind, die Ver⸗ werfung oder Abweiſung derſelben, oder Erwaͤhnung daß kein Einſpruch geſchehen iſtz Die Erklaͤrung der kontrahirenden Theile, daß ſie ſich gegenſeitig zu Ehegatten nehmen, und der Ausſpruch, den der oͤffentliche Beamte thut, daß ſie ehelich ver⸗ bunden ſind; 9. Namen, Vornamen, Alter, Gewerb und Wohnort der Zeugen, und ihre Erklaͤrung, ob ſie mit den Par⸗ 60 ) Was ſie ſind, kehrt der 151. Artikel. —„——— tien verwandt oder verſchwägert ſind, auf welcher Seite und in welchem Grade. Viertes Capitel. Von den Sterbeacten. Art. 77. Niemand kann beerdigt werden, es ſey denn, daß der Beamte des Civilſtandes es erlaubt habe. Dieſer gibt die Erlaubniß auf freies Papier und ohne Koſten; er darf ſie aber nicht geben, ehe er ſich zu dem Verſtorbenen hinverfuͤgt hat, um ſich von dem Tode zu uͤberzeugen. Auch ſoll er ſie nicht ertheilen vor Ablauf von vier und zwanzig Stunden nach erfolgtem Tode, ausgenommen in jenen Faͤllen, die in den Polizei⸗Verordnungen beſtimmt ſind. 78. Der Beamte des Civilſtandes verfertigt die Sterbe⸗ acte auf die Erklaͤrung zweier Zengen. Die beiden Zeugen ſind, wo moͤglich, die zwei naͤchſten Verwandten oder Nach⸗ barn. Wenn aber jemand auſſerhalb ſeines Wohnorts ver⸗ ſchieden iſt, ſo ſind es die Perſonen, wobei er verſchieden iſt, und ein Verwandter oder ſonſt jemand. 79. Die Sterbeacte enthält die Namen, Vornamen, Alter, Gewerb und Wohnort des Geſtorbenen; die Namen und Vornamen ſeines Ehegenoſſen, wenn der Geſtorbene verheirathet oder verwittwet war; die Namen, Vornamen, Alter, Gewerb und Wohnort der Erklaͤrenden, und die Bemerkung, ob ſie Verwandte, und in welchem Grade ſie es ſind. Ferner enthaͤlt dieſe Acte, in ſo weit man Kenntniß davon hat, die Namen, Vornamen, Gewerb und Wohnort der Eltern des Geſtorbenen, und ſeinen Geburtsort. 80. Stirbt jemand in Militair⸗ oder buͤrgerlichen Spitaͤlern, oder in andern oͤffentlichen Haͤuſern,'ſo muͤſſen die Oberen, Direktoren, Verwalter und Herren dieſer Haͤu⸗ ſer, in vierundzwanzig Stunden, dem Beamten des Ci⸗ vilſtandes Nachricht davon geben, der ſich an Ort und Stelle verfuͤgt, um ſich von dem Tode zu uͤberzeugen. Er ſetzt daruͤber eine Acte auf nach Vorſchrift des vorhergehen⸗ den Artikels, und nach Maaßgabe der Erklärungen, die man ihm thut, und der Erkundigungen, die er eingezogen hat. ——————2 ————— In beſagten Spitälern und Häuſern werden überdies beſondere Regiſter gehalten, und in dieſelben dieſe Erklaͤ⸗ rungen und Erkundigungen verzeichnet. Sobald der Beamte des Civilſtandes die Sterbeacte angefertigt hat, ſchickt er ſie an den Beamten des Civilſtan⸗ des in dem Ort, wo der Geſtorbene zuletzt wohnhaft war, und der letztere traͤgt ſie in die Regiſter ein. 81. Finden ſich Zeichen eines gewaltſamen Todes vor, oder laͤßt ſich derſelbe aus ſonſtigen Anzeigen und Umſtaͤn⸗ den vermuthen, ſo kann die Beerdigung nicht eher geſche⸗ hen, bis Folgendes beobachtet worden iſt. Ein Polizei⸗ beamter muß naͤmlich uͤber den Befund des todten Koͤr⸗ pers und die ſich darauf beziehenden Umſtaͤnde, einen Auf⸗ ſatz angefertigt, und darin alles bemerkt haben, was er uͤber die Namen, Vornamen, Alter, Gewerbe, Geburts⸗ und Wohnort des Verblichenen in Erfahrung hat bringen koͤn⸗ nen. 82. Der Polizeibeamte iſt gehalten, dem Beamten des Civilſtandes in dem Orte, wo die Perſon geſtorben iſt, unverzuͤglich alle Aufklaͤrungen zu uͤbermachen, die ſein ſchrift⸗ licher Aufſatz enthält. Nach Angabe dieſer Aufklaͤrungen wird die Sterbeacte angefertigt. Der eben gedachte Beamte des Civilſtandes ſchickt eine Ausfertigung der Sterbeacte an den naͤmlichen Beamten des Ortes, wo die verſtorbene Perſon wohnhaft war, wenn die⸗ ſer Ort bekannt iſt. Dieſe Ausfertigung wird in die Regi⸗ ſter eingetragen. 83. In den erſten vierundzwanzig Stunden nach Vollziehung der Todesurtheile, verfertigen die Gerichtſchrei⸗ ber der peinlichen Gerichte eine Notiz über alle im Art. 79 angefuͤhrten Aufklärungen, und ſchicken ſie dem Beamten des Civilſtandes in dem Orte, wo das Urtheil an dem Verur⸗ theilten iſt vollzogen worden, damit dieſer danach die Sterbe⸗ acte anfertigen konne. 84. Stirbt jemand in einem Gefaͤngniſſe oder Zwangs⸗ und Verwahrungshauſe, ſo gibt der Verwalter oder Auf⸗ ſeher auf der Stelle dem Beamten des Civilſtandes Nach⸗ richt davon. Nach Vorſchrift des Art. 80 verfugt ſich ſo⸗ . der benannte Beamte dahin, und ſetzt die Sterbeacte auf. ————„ 4 n.*— ⸗ e. — 85. In allen Fällen, wo jemand eines gewaltſamen Todes, oder in einem Gefaͤngniſſe oder ſonſtigen Verwah⸗ rungshauſe geſtorben, vder ſelbſt auf richterlichen Spruch hingerichtet worden iſt, wird dieſer Umſtaͤnde in den Regi⸗ ſtern gar nicht erwaͤhnt, und hat man ſich in Anfertigung der Sterbacte einzig nach der Vorſchrift des 79. Art. zu richten. 86. Ueber Sterbfälle, die ſich auf Seefahrten ereig⸗ nen, wird in den erſten vierundzwanzig Stunden, in Ge⸗ genwart zweier Zeugen, eine Acte angefertigt. Die Zeugen nimmt man aus den Offizieren des Schiffes, oder in Er⸗ mangelung derſelben, aus dem Schiffsvolke. Iſt nun das Schiff ein Staatsſchiff, ſo ſetzt der Beamte der Seeweſens⸗ verwaltung dieſe Acte aufz gehoͤrt es aber einem Kaufmann oder Freibeuter, ſo thut es der Capitain, Herr oder Patron des Schiffes. Die Sterbacte wird hinten auf die Schiffs⸗ volksrolle eingeſchrieben. 87. Sobald das Schiff in einen Hafen einlaͤuft, es ſey nun um auszuruhen, oder jeder andern Urſache wegen, jene der Abtakelung ausgenommen, werden zwei Ausferti⸗ gungen der Sterbacten nach Vorſchrift des 60. Art. hinter⸗ legt. Die Hinterlegung haben die Beamten der Verwaltung des Seeweſens, der Capitain, Herr oder Patron des Schiffes, welche die Acte angefertigt haben, zu beſorgen. Wenn das Schiff in den Abtakelungshafen einlaͤuft, ſo geſchieht die Hinterlegung der Schiffsvolksrolle in dem Buͤ⸗ reau des Prepoſe der Seeeinſchreibung, welcher eine Aus⸗ ſertigung der Sterbacte veranſtaltet, ſie unterzeichnet, und dem Beamten des Civilſtandes an dem Orte zuſchickt, wo der Geſtorbene wohnhaft war. Dieſe Ausfertigung wird ſogleich in die Regiſter eingetragen. Fuͤnftes Capitel. Von den Acten des Civilſtandes, Militairperſo⸗ nen betreffend, die ſich auſſer dem Gebiete des Staates befinden. Art. 88. Was bisher uͤberhaupt uber die Form der Acten des Civilſtandes verfuͤgt worden, iſt auch verbind⸗ ————— lich in Ruͤckſicht auf diejenigen, welche außerhalb des Ge⸗ bietes des Staates angefertigt werden, und Militair- oder ſonſtige Perſonen zum Gegenſtande haben, die im Gefolge der Armeen angeſtellt ſind. Dabei aber ſind folgende be⸗ ſondere Verfuͤgungen zu beobachten. 89. Der Quartiermeiſter in jedem Corps eines oder mehrerer Bataillone oder wadronen, und der komman⸗ dirende Hauptmann in jedem andern Corps, verſehen die Stelle des Beamten des Sauiue Was die Offiziere ohne Truppen und die Perſonen betrifft, welche bei der Armee angeſtellt ſind, ſo niſe in Nücſcht auf ſie den nämlichen Dienſt der bei der Armee oder Abtheilung be⸗ findliche Revuͤeinſpector. 90. Bei jedem Truppencorps wird ein Regiſter ge⸗ fuͤhrt, und darin die Acten des Civilſtandes verzeichnet, welche die in dieſem Corps befindlichen Individuen veran⸗ laſſen. Ein anderes Regiſter wird gefuͤhrt bei dem Stab der Armee oder Armeeabtheilung, und enthaͤlt jene Civil⸗ acten, welche die Offiziere ohne Truppen und ſonſtige bei der Armee angeſtellte Perſonen veranlaſſen. Dieſe Regi⸗ ſter werden verwahrt, wie die andern Regiſter der Trnp⸗ penabtheilungen oder“ Staͤbe, und in die Kriegsarchive hin⸗ kercgn ſobald die Trup penabt heilungen oder Armeen auf das Gebiet des Sta zuruͤckg tgekommen 91. Die Pflicht, die Regiſter zu numeriren und einen Handzug. uf zu ſetzen, hat in jedem Corps der Offi⸗ zier, der es befehligt, und bei den Staͤben, der Chef des Generalſtabs. 92. Die Angabe der Geburten geſchiebt bei der Armee in den erſten zehn Tagen nach der Niederknunft. 93. In den erſten zehn Sugei nach der Einſchreibung einer Geburtsacte in beſagtes Regiſter macht der Offizier, dem die Fuͤhrung des Civil lſtandsregiſters. obliegt, einen Aus⸗ zug davon, und ſendet ihn an den Beamten des Civilſtan⸗ des in dem Orte, wo der des Kindes, oder wenn dieſer nicht bekanut iſt, die Mutter zuletzt gewohnt hat. 94. Die Eheverkuͤndigungen oder Aufgebole der Mi⸗ litair- oder ſonſti en im Gefolge der Armeen angeſtellten Perſonen geſchehen in ihrem letzken Wohnorte. Ueb erdies iſt in ihrer Rücſicht 6 Folgendes zu beobachten. Fünf —— undzwanzig Tage nämlich vor der Erauung wird das Auf⸗ gebot in die Tagsordre geſetzt, und zwar in die Tagsordre des Corps, wenn die abzurufende Perſon zu einem ſolchen gehoͤrt, und in die Tagsordre der Armee oder Armeeabthei⸗ jung, wenn jene Perſon ein Offizier vhne Truppen oder ſonſt ein Angeſtellter iſt, der dazu gehoͤrt. 95. Unmittelbar nach der Einſchreibung einer uͤber die Trauung aufgeſetzten Acte in das Regiſter, veranſtaltet der Offizier, dem die Fuͤhrung deſſelben obliegt, eine Ausferti⸗ gung davon, und ſendet ſie dem Beamten des Civilſtandes an dem Orte, wo die nunmehrigen Eheleute zuletzt wohn⸗ haft waren. 96. Die Sterbeacte ſetzt bei jedem Corps der Quar⸗ tiermeiſter auf, und in Ruͤckſicht auf die Offiziere ohne Truppen und ſonſtige Angeſtellten, thut es der Revuͤein⸗ ſpector der Armee, auf das Zeugniß dreier Zeugen. Ein Auszug aus dieſen Regiſtern wird binnen zehn Tagen dem Beamten des Civilſtandes an dem Orte geſandt, wo der Verſtorbene zuletzt wohnhaft war. 97. Stirbt jemand in den wandelbaren oder feſten Militairſpitälern, ſo iſt der darin angeſtellte Director gehal⸗ ten, eine Acte daruͤber anzufertegen, und dem Quartirmei⸗ ſter des Corps, oder dem Revlleinſpector der Armee oder Armeeabtheilung zu uͤberſenden, wozu der Verſtorbene ge⸗ horte. Die letzten ſchicken ſodann eine Ausfertigung davon an den Beamten des Civilſtandes in dem Orte, wo der Verſtorbene zuletzt wohnhaft war. 98. In allen Fällen, wo dem Beamten des Civilſtan⸗ des im Wohnorte der Betheiligten Ausfertigung einer Civil⸗ acte von der Armee uͤberſchickt wird, trägt er dieſelbe unver⸗ zuͤglich in die Regiſter ein. Sech ſtes Capitel. Von Berichtigung der Civilſtandsacten. Art. 99. Wenn die Berichtigung einer Acte uͤber den Civilſtand gefodert wird, ſo hat das geeignete Gericht, auf Antrag des Staats⸗Procurators, uͤber eine ſolche Fode⸗ rung zu ſprechen, jedoch mit Vorbehalt der Apell oder —— Abberufung. Die Betheiligten werden vorbeſchieden nach Befinden. 100. Zu keiner Zeit kann ein ſolches Berichtigungsur⸗ theil irgend einem Betheiligten entgegengeſetzt werden, wenn dieſer es nicht gefodert hat, oder wenn er nicht dazu iſt beſchieden worden. 101. Sobald die Berichtigungsurtheile dem Beamten des Civilſtandes zugeſtellt ſind, traͤgt er ſie in die Regiſter ein, und thut am Rande der berichtigten Acte Erwaͤhnung davon. — Von dem Wohnorte J. Art. 102. Man uͤbt ſeine buͤrgerlichen Rechte in ſei⸗ nem Wohnorte aus. Der Wohnort eines jeden Franzoſen aber iſt in dieſer Hinſicht derjenige Ort, wo er ſeine Haupt⸗ niederlaſſung hat**). 103. Die Aenderung des Wohnorts geſchieht durch zwei vereinte Umſtaͤnde, naͤmlich dadurch, daß jemand wirk⸗ lich an einem andern Orte ſich aufhaͤlt, und dabei die Abſicht hat, daſelbſt ſeine Hauptniederlaſſung zu errichten. 104. Die Abſicht wird durch eine ausdruͤckliche Erklaͤ⸗ rung bewieſen, die jemand von ſich gibt, ſowohl vor der Munizipalität des Ortes, den er verlaͤßt, als vor der Mu⸗ des Ortes, wo er ſich wohnhaft niedergelaſſen at. *) Geſetz vom 23. Ventoſe 11. Jahrs(1. Maͤrz 1803), promul⸗ girt den 3. Germinal 11.(24. Maͤrz 1803). **) Domicile, Wohnort, der Ort, wo jemand wohnhaft iſt, der Ort, wo der Menſch, der im Genuſſe ſeiner Rechte iſt, ſich häus⸗ lich niedergelaſſen, und den er zum Sitze ſeiner Gluͤcksguter aus⸗ erſehen hat, aus dem er, wie aus einem Mittelpunkte, ſeine Geſchaͤfte rund umher betreibt, und den er nicht verläßt, als mit dem Verlangen und der Hoffnung zuruͤckzukehren, ſobald die urſache ſeiner Entferuung aufhoͤrt. 105. Iſt aber eine ſolche ausdruͤckliche Erklaͤrung nicht vorhanden, ſo haͤngt der Beweis der Abſicht von den Um⸗ ſtaͤnden ab*). 106. Wird jemand zu einem Amte berufen, das nur eine gewiſſe Zeit währt, oder das ihm zu jeder Zeit kann genommen werden, ſo behält er ſeinen vorigen Wohnort, es ſey denn, daß er eine entgegengeſetzte Abſicht an Tag gelegt habe. 107. Nimmt aber Jemand ein Amt an, daß ihm auf Zeit ſeines Lebens ertheilt wird, ſo zieht dies von ſelbſt und unmittelbar die Verlegung des Wohnorts nach ſich, und der Beamte wird in dieſem Falle an jenem Orte wohnhaft, wo er ſein Amt verſehen muß. 108. Die verheirathete Frau hat keinen andern Wohn⸗ ort, als den ihres Mannes. Der Minderjährige, der nicht emancipirt,(oder vaͤterlicher, oder ſonſtiger geſetzlicher Auf⸗ ſicht entlaſſen iſt), hat ſeinen Wohnort bei ſeinen Eltern vder bei ſeinem Vormund. Der Großjaͤhrige, dem die Ver⸗ waltung ſeines Vermogens genommen iſt**), hat ſeinen Wohnort bei ſeinem Curator oder Verwalter ſeiner Guͤter. 109. Der Großjaͤhrige, der gewöhnlicher Weiſe bei andern dient oder arbeitet, hat den nämlichen Wohnort, wie die Perſon, bei der er dient oder arbeitet, vorausgeſetzt, daß er mit ihr in dem naͤmlichen Hauſe wohnt. 110. An dem Wohnorte des Verſtorbenen eroͤffnet ſich die Succeſſion oder die Erbfolge. 111. Bei Anfertigung einer Acte koͤnnen beide Theile, oder auch einer von beiden, um die Vollziehung der dadurch, beurkundeten Willenserklaͤrung zu erhalten, zu ihrem Wohn⸗ ort einen andern Ort erwaͤhlen, als derjenige Ort iſt, wo ſie wirklich wohnen; iſt dies der Fall, ſo koͤnnen alle Inſi⸗ nuationen, Foderungen und gerichtliche Verfolgungen in die⸗ ſem bedungenen Wohnorte und vor dem Richter deſſelben geſchehen; nur muͤſſen jene Inſinuationen, Foderungen und gerichtlichen Verfolgungen bloß jene Acte betreffen. *) Woruͤber das Richteramt zu urtheilen hat. **) Le majeur interdit. —.———— — 5— ——————— eer Von Abweſenden*). Erſtes Capirel. Von vermutheter Abweſenheit. Art. 112. Wenn jemand, den man fuͤr abweſend haͤlt, keinen bevollmaͤchtigten Geſchaͤftstraͤger ernannt hat, und es dennoch nöthig wird, fuͤr die Verwaltung ſeiner zuruͤckgelaſ⸗ ſenen Guͤter, ganz oder theilweiſe, zu ſorgen: ſo wenden ſich die intereſſirten Theile an das Gericht erſter Inſtanz, wel⸗ ches auf ihren Antrag das Noͤthige verfuͤgt. 113. Auf das Geſuch der fleißigſten Parthei beſtellt das Gericht einen Notar fuͤr die muthmaßlich Abweſenden, um ſie bei Inventarien, Rechnungen, Theilungen und Li⸗ quidationen, worin es auf ihren Vor⸗ und Nachtheil an⸗ kommt, zu vertreten. 114. Den Staats⸗Prokuratoren liegt es beſonders ob, fuͤr den Nutzen muthmaßlich abweſender Perſonen zu wa⸗ chen; ſie ſollen uͤber alle Klagen vernommen werden, die ſie betreffen. Von Erklaͤrung der Abweſenhett. Art. 115. Die foͤrmliche Erklaͤrung, daß jemand ab⸗ weſend iſt, kann nachgeſucht werden, wenn er aufgehoͤrt hat, ſich an ſeinem Wohnorte oder an dem Orte, wo er ſich aufhielt, ſehen zu laſſen, und wenn man ſeit vier Jah⸗ ren keine Nachricht mehr von ihm gehabt hat. Sie wird von den Betheiligten bei dem Gericht erſter Inſtanz nach⸗ geſucht. ————— *) Geſetz vom 24. Ventoſe 11. Jahrs(15. Maͤrz 1803), promul⸗ girt den 4. Germinal 11. J.(25. Maͤrz 1803.) Unter Abweſenden verſteht man hier bloß diejenigen, welche ſich aus ihrem gewoͤhnlichen Aufenthaltsorte entfernt haben, ohne daß man weiß, wohin, und ohne daß man Nachricht von ihnen hat. ——— 116. um ſich von der Abweſenheit zu uͤberzeugen, be⸗ ſiehlt das Gericht, auf Anſicht der Acten und Beweisſtuͤcke, die man ihm vorlegt, daß contradictoriſch mit dem Staats⸗ Procurator*) zu einer Unterſuchung zu ſchreiten ſey. Die Unterſuchung hat ſodann Statt, ſowohl in dem Bezirke des Wohnorts, als in dem Bezirke des bloßen Aufenthaltsor⸗ tes, im Falle dieſelben nicht die naͤmlichen ſind. 117. Indem das Gericht uͤber jenes Geſuch entſchei⸗ det, hat es uͤbrigens gehoͤrige Ruͤckſicht zu nehmen auf die Gruͤnde der Abweſenheit, und auf die Urſachen, die etwa verhindern konnten, von dem muthmaßlich Abweſenden Nach⸗ richt zu erhalten. 118. Sobald die Vorbeſcheide ſowohl, als Endurtheile erlaſſen ſind, ſendet ſie der Staats⸗Procurator an den Groß⸗ richter, Miniſter der Gerechtigkeitspflege, und dieſer hat die Pflicht, ſie kund zu machen. 119. Das Urtheil, welches die foͤrmliche Erklärung, daß jemand abweſend iſt, enthaͤlt, kann nicht erlaſſen wer⸗ den, als ein Jahr nach jenem Urtheil, welches die Unterſu⸗ chung verordnete. Drittes Capitel. Von den Wirkungen der Abweſenheit. Erſter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Hinſicht auf die Guͤter, welche der Abweſende am Tage ſeines Verſchwindens beſaß. Art. 120. Kraft des Endurtheils, welches die Abwe⸗ ſenheit erklaͤrt, können ſich die Erben des Abweſenden in den einſtweiligen Beſitz ſeiner Guͤter ſetzen laſſen, jedoch nur unter folgenden Einſchraͤnkungen. Der Abweſende muß kei⸗ nen Bevollmaͤchtigten fuͤr die Verwaltung ſeiner Guͤter zu⸗ ruͤckgelaſſen haben; das Geſuch muß von denjenigen ge⸗ *) D. h. in Gegenwart deſſelben, und ſo, daß er dabei gehört werde, und ſo zu ſagen im Namen des Abweſenden auftrete. —— 5—————— —— ſchehen, die am Tage ſeines Verſchwindens oder wo man die letzte Nachricht von ihm erhalten hat, ſeine muthmaß⸗ lichen Erben waren; ſie konnen nur den Beſitz jener Guͤter fodern, die dem Abweſenden an dem Tage zugehoͤrten, wo er verreiſte, oder wo die letzten Nachrichten von ihm einge⸗ laufen ſind; endlich muͤſſen ſie fuͤr die Sicherheit ihrer Ver⸗ waltung gehoͤrige Buͤrgſchaft leiſten. 121. Wenn der Abweſende einen Bevollmächtigten zuruͤckgelaſſen hat, ſo können ſeine muthmaßlichen Erben dann erſt dahin antragen, daß die Abweſenheit förmlich erklärt, und ihnen der vorlaͤufige Beſitz eingeraͤumt werde, wenn zehn volle Jahre nach ſeinem Verſchwinden, oder nach den letzten Nachrichten von ihm verfloſſen ſind. 122. Das nämliche gilt, wenn die vom Abweſenden zuruͤckgelaſſene Vollmacht aufhoͤrt*); und in dieſem Falle wird für die Verwaltung ſeiner Guͤter geſorgt, wie im er⸗ ſten Capitel vorgeſchrieben iſt. 123. Wenn die muthmaßlichen Erben den vorlaͤufigen oder einſtweiligen Beſitz erlangt haben, ſo wird das Teſta⸗ ment, wenn eins vorhanden iſt, eroͤffnet. Die Eroͤffnung geſchieht auf das Geſuch der Betheiligten oder auf den An⸗ trag des Staats⸗Prokurators beim Gerichte, und nun koͤn⸗ nen die Legatare**), Geſchenknehmer, ſo wie alle diejenigen, die auf das Eigenthum des Abweſenden ſolche Rechte hat⸗ ten, welche von ſeinem Tode, wie von einer Bedingung ab⸗ hingen, dieſe Rechte ausuͤben, jedoch nur vor der Hand, und unter Leiſtung gehoͤriger Buͤrgſchaft. 124. Wenn unter den Ehegenoſſen eine Gemeinſchaft der Guͤter beſtand, und der Zuruͤckgelaſſene verlangt, daß dieſelbe ferner beſtehe, ſo kann er verhindern, daß jemand einſtweilen in Beſitz geſetzt werde, und diejenigen Rechte ausuͤbe, welche von dem Tode des Abweſenden, wie von einer Bedingung, abhingen. Er kann ferner vorzugsweiſe die Verwaltung der Guͤter des Abweſenden uͤbernehmen *) 83. B. durch Tod oder ſonſtige Hinderzing des Bevollmächtigten⸗ **) Legatar im engern Sinne iſt derjenige, dem in einem Teſtamen⸗ te oder in einer ſonſt guͤltigen letzten Willensverordnung einzel⸗ ne Sachen oder Summen vermacht ſind. Allgemein und nach unſerm Rechte heißt Legatar ein jeder, der in einem Teſtamente oder einer letzten Willensverordnung auf irgend eine Weiſe be⸗ dacht worden⸗ 4 —————— ————* — oder fortſetzen. Verlangt aber der Ehegenoſſe die einſtwei⸗ lige Aufloſung der Guͤrergemeinſchaft, ſo kann er das Recht der Zuruͤcknahme und alle ſeine geſetzlichen und vertragmä⸗ ßigen Rechte ausuͤben, mit dem Bedinge, daß er Buͤrgſchaft leiſte fuͤr jene Gegenſtaͤnde, welche der Wiedererſtattung fä⸗ hig ſind. Iſt es die Gattin, welche die Fortdauer der Guͤterge⸗ meinſchaft vorzieht, ſo behaͤlt ſie das Recht, in der Folge Verzicht darauf zu leiſten. 125. Der einſtweilige Beſitz iſt nur als ein in Ver⸗ wahrung gegebenes Gut zu betrachten: er gibt denen, die ihn erhalten, die Verwaltung der Guͤter des Abweſenden, und macht ſie pflichtig, ihm Rechenſchaft abzulegen, wenn er wieder erſcheint, oder wenn Nachricht von ihm eingeht. 126. Nach der Einſetzung in den einſtweiligen Beſitz muß zur Verfertigung eines Inventariums oder Verzeichniſ⸗ ſes der beweglichen Habe und der Urkunden des Abweſen⸗ den geſchritten werden. Hiefuͤr zu ſorgen, liegt ſowohl den⸗ jenigen ob, welche den einſtweiligen Beſitz erlangt haben, als dem Ehegenoſſen, der etwa die Fortdauer der Guͤterge⸗ meinſchaft gewählt hat. Es geſchieht in Gegenwart des Staats⸗Procurators beim Gericht erſter Inſtanz oder eines Friedenrichters, den der Staats⸗Procurator dazu aufgefo⸗ dert hat. Das Gericht verordnet nach Befinden, daß die ganze bewegliche Habe oder ein Theil davon verkauft werde, und in dieſem Falle werden ſowohl die Kaufſchillinge, als die verfallenen Fruͤchte wieder verwendet. Zu ihrer Sicherheit koͤnnen auch diejenigen, welche den einſtweiligen Beſitz erlangt haben, begehren, daß die unbe⸗ weglichen Guͤter von einem Werkverſtändigen, den das Ge⸗ richt ernennt, beſichtigt werden, um ihren Zuſtand aufzuneh⸗ men und zu beſcheinigen. Der Bericht uͤber den Befund wird in Gegenwart des Staats⸗Procurators beſtaͤtigt und das, was er an Koſten veranlaßt, von der Habe des Ab⸗ weſenden genommen. 127. Koͤmmt der Abweſende vor dem Verlaufe von fuͤnfzehn Jahren, von dem Tage ſeines Verſchindens an gerechnet, wieder zum Vorſchein, ſo ſind diejenigen, welche ———2 — 5— den einſtweiligen Beſitz oder die geſetzliche Verwaltung, und mithin den Genuß ſeiner Guͤter gehabt haben, nur gehalten, ihm den fuͤnften Theil der Einkuͤnfte zu erſtatten; erſcheint er aber erſt wieder nach dem Verlaufe von fuͤnf⸗ zehn Jahren, ſo geben ſie ihm nur den zehnten Theil zu⸗ ruͤck. Nach einer Abweſenheit von dreißig Jahren gehoͤren ihnen die Einkuͤnfte ganz. 128. Wer nur vermoͤge der einſtweiligen Beſitzergrei⸗ fung im Genuſſe iſt, darf die unbeweglichen Guͤter des Abweſenden nicht veraͤußern, noch mit Hypothek beſtricken*). 129. Wenn die Abweſenheit dreißig ganzer Jahre lang gedauert hat von dem Augenblicke an gerechnet, wo die Einſetzung in den einſtweiligen Beſitz Statt gehabt, oder wo der Ehegenoſſe, der in einer Guͤtergemeinſchaft lebte, die Verwaltung der Guͤter des Abweſenden uͤber⸗ nommen hat, oder wenn von der Geburt des Abweſenden an gerechnet, hundert Jahre verfloſſen ſind: ſo hoͤrt die Wirkung der Buͤrgſchaften auf; alle, die dazu ein Recht haben, koͤnnen fodern, daß die Guͤter des Abweſenden ge⸗ theilt, und ſie in den endlichen Beſitz geſetzt werden. Die Einſetzung geſchieht vom Gericht erſter Inſtanz. 130. Der Erbanfall iſt vorhanden an dem Tage, wo der Abweſende erweißlich geſtorben iſt, und ſeine Erbſchaft faͤllt mithin an jene Erben, welche zu dieſer Zeit die näch⸗ ſten waren. Diejenigen, welche die Guͤter des Abweſenden im Genuſſe gehabt, ſind demnach gehalten, ſie zuruͤck zu er⸗ ſtatten, mit Ausnahme der Fruͤchte, die ihnen vermoͤge des Art. 127 eigenthuͤmlich verfallen ſind. 131. Wenn, waͤhrend des einſtweiligen Beſitzes, der Abweſende wieder zum Vorſchein kommt, oder bewieſen wird, daß er noch lebt, ſo hoͤren alle Wirkungen des Ur⸗ theils auf, welches die Abweſenheit erklaͤrt hat. Jedoch können nach Befinden, zur Verwaltung ſeiner Guͤter, dieje⸗ nigen Maßregeln Statt haben, deren im erſten Capitel er⸗ waͤhnt iſt. 132. Wenn der Abweſende wieder erſcheint, oder ſein Daſeyn bewieſen wird, nachdem die Einſetzung in den end⸗ *] D. h. ſeinem Gläubiger durch Eintragung in die Hypotheken⸗ buͤcher kein dingliches Recht zu deſſen Sicherheit geben. —— lichen Beſitz ſchon geſchehen iſt, ſo erhält er ſeine Güter wieder in dem Zuſtande, worin er ſie findet. Sind ſie veraͤußert, ſo erhält er die Kaufſchillinge wieder; ſind die⸗ ſe auch nicht mehr vorhanden, ſo gebuͤhrt ihm das, was mit den Kaufſchillingen iſt erworben worden. 133. Die nämliche Befugniß, die im vorhergehenden Artikel dem Abweſenden ſelbſt geſtattet worden, nämlich die Ruͤckerſtattung ſeines Vermoͤgens zu fodern, haben auch ſeine Kinder und uͤbrigen Abkoͤmmlinge in gerader Linie, wenn ſie ſich in den dreißig Jahren, von der end⸗ lichen Beſitzergreifung an gerechnet, melden. 134. Iſt einmal die Abweſenheit durch ein Urtheil er⸗ klärt, ſo kann jemand, der gegen den Abweſenden Anſpruͤ⸗ che hat, dieſe Anſpruͤche nicht anders geltend machen, als gegen jene Perſonen, die in den Beſitz der Guͤter ſind ge⸗ ſetzt worden, oder denen die geſetzliche Verwaltung derſel⸗ ben uͤbertragen iſt. gweiter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Ruͤckſicht auf jene Rechte des Abweſenden, die von irgend einem Ereigniſſe abhaͤngen. Art. 135. Wer ein Recht in Anſpruch nimmt, das einem Menſchen anverfallen iſt, von dem man nicht weiß, ob er noch lebt, muß beweiſen, daß dieſer Menſch zu der Zeit noch lebte, wo daß Recht faͤllig ward. So lange er dieſen Beweiß micht liefert, wird er mit ſeiner Foderung abgewieſen⸗ 136. Ereignet ſich ein Erbanfall, vder wird eine Erb⸗ ſchaft eroffnet, wozu ein Menſch berufen iſt, von dem man nicht weiß, ob er noch lebt, ſo wird dieſer Menſch davon ausgeſchloſſen, und die Erbſchaft fällt an denjenigen, wo⸗ mit er dem Rechte nach zugleich geerbt haͤtte, oder an die⸗ jenigen, denen in ſeiner Ermangelung die Erbſchaft zuge⸗ fallen wäre. 137. Die Verfuͤgungen der beiden vorhergehenden Ar⸗ tikel beſtehen ohne Nachtheil der Erbſchaftsklage und an⸗ dern Rechte, welche dem Abweſenden, oder denjenigen, welche ihn vertreten oder ſeine Anſpruͤche uͤbernommen ha⸗ ben, zukommen, und jene Klage und Rechte erloͤſchen nur ———— — 6— durch den Verlauf der Zeit, den auch die Verjährung er⸗ fodert. 138. So lange ſich der Abweſende nicht ſelbſt einſtellt, oder ſo lange die Klagen nicht durch ihn und in ſeinem Namen angehoben werden, gewinnen und behalten die, wel⸗ che die Erbſchaft angetreten haben, die redlich*) eingenom⸗ menen Fruͤchte. Dritter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Ruͤckſicht auf die Ehe. Art. 139. Hat ſich der zuruͤckgelaſſene Ehegenoſſe in eine neue eheliche Verbindung eingelaſſen, ſo kann blos der abweſende Gatte ſelbſt die Ehe angreifen, oder es durch einen Bevollmächtigten thun laſſen. Der letztere muß aber den Beweis beibringen, daß der Abweſende noch lebt. 140. Hat der abweſende Ehegenoſſe keine Verwandten hinterlaſſen, die faͤhig ſind ihn zu beerhen, ſo iſt der zuruͤck⸗ gelaſſene Ehegenoſſe berechtigt, die Einſetzung in den einſt⸗ weiligen Beſitz zu fodern. ie e ie Von der Aufſicht uͤber die minderjährigen Kin⸗ der eines vermißten Vaters. Art. 141. Wenn der Vater zur Zeit, wo er ver⸗ ſchwand, minderjährige Kinder zuruͤckgelaſſen hat, welche aus einer gemeinſchaftlichen Ehe mit der zuruͤckgebliebenen Mutter herkommen: ſo hat dieſe die Aufſicht uͤber ſie, und ſie uͤbt alle Rechte des Mannes aus, in ſo weit ſie ihre Erziehung und die Verwaltung ihrer Guͤter zum Gegen⸗ ſtande haben. 142. Sechs Monate nach der Zeit, wo der Vater vermißt ward, wenn die Mutter um dieſe Zeit verſtorben war, oder wenn ſie ſtirbt, ehe die Abweſenheit deſſelben gerichtlich erklaͤrt worden, tritt der Familienrath zuſam⸗ men, und uͤbertraͤgt die Aufſicht uͤber die Kinder den näch⸗ *) Pergus de honne foi, bona fide. ₰ ——————— ſten Blutsfreunden in aufſteigender Linie, und wenn deren keine vorhanden ſind, einem einſtweiligen Vormunde. 143. Eben ſo wird es gehalten, wenn der vermißte Ehegenoſſe minderjährige Kinder zuruͤckläßt, die aus einer vorherigen Ehe herkommen. Von der Ehe*. S Von den zur Schließung einer Ehe erforderli⸗ chen Eigenſchaften und Bedingungen. Art. 144. Der Mann kann keine Ehe ſchließen, ehe er volle achtzehn Jahre alt iſt; das Weib kann keine Ehe ſchlie⸗ ßen, ehe ſie fuͤnfzehn volle Jahre zaͤhlt. 145. Jedoch iſt der Kaiſer befugt, aus wichtigen Gruͤnden in Ruͤckſicht auf das Alter zu diſpenſiren. 146. Ohne Einwilligung gibt es keine Ehe. 147. Vor Aufloͤſung der erſten Ehe kann man keine zweite ſchließen. 148. Soͤhne, wenn ſie nicht volle fuͤnfundzwanzig Jahre, und Toͤchter, wenn ſie nicht volle ein und zwan⸗ zig Jahre alt ſind, koͤnnen ohne die Einwilligung ihrer bei⸗ den Eltern keine Ehe ſchließen. Sind die Eltern in dieſer Hin⸗ ſicht nicht einig, ſo iſt die Einwilligung des Vaters allein hin⸗ reichend. 149. Eben ſo iſt die Einwilligung eines von beiden Ehegenoſſen hinlänglich, wenn der andere todt oder in der Unmoglichkeit iſt, ſeinen Willen zu offenbaren. 150. Sind beide Eltern todt oder in die Unmoͤglich⸗ keit verſetzt ihren Willen zu offenbaren, ſo treten die Groß⸗ *) Geſetz vom 26. Ventoſe 11. Jahrs(17. März 1803), promul⸗ girt den 6. Germinal 11.(27. März 1803.) —————— väter und Großmuͤtter an ihre Stelle. Sind die Großel⸗ tern der nämlichen Linie unter ſich uneinig, ſo iſt die Ein⸗ willigung des Großvaters allein hinreichend. Sind beide Linien unter ſich uneinig, ſo gilt dieſe Thei⸗ lung der Stimmen fuͤr Einwilligung. 151. Wenn Kinder ſchon die im Art. 148 feſtgeſetzte Großjaͤhrigkeit erlangt haben, ſo ſind ſie dennoch gehalten, ehe ſie eine eheliche Verbindung eingehen, ihre Eltern durch einen förmlichen ehrerbietigen Act um Rath zu fragen. Die naͤmliche Pflicht haben ſie gegen ihre beiderſeitigen Großel⸗ tern, wenn ihre Eltern todt, oder in der Unmoͤglichkeit ſind, ihren Willen zu offenbaren. 152. Wenn Soͤhne und Toͤchter zwar die hieroben im Art. 148 beſtimmte Großjährigkeit erreicht, aber die Söhne noch keine dreißig, und die Tochter noch keine fuͤnfundzwan⸗ zig volle Jahre alt ſind: ſo wird es mit der im vorherge⸗ henden Artikel vorgeſchriebenen ehrerbietigen Anfrage auf folgende Art gehalten. Folgt auf die erſte Anfrage keine Einwilligung in die Heirath, ſo muß ſie zweimal, und zwar von Monat zu Monat, wiederholt werden; und erſt einen Monat nach der dritten Anfrage kann die Trauung geſche⸗ hen*). 153. Bei Soͤhnen und Toͤchtern aber, welche jenes Alter erreicht haben, kann die Trauung geſchehen nach der erſten ehrerbietigen Anfrage, worauf keine Einwilligung er⸗ folgt iſt. 154. Die ehrerbietige Anfrage wird dem oder den aufſteigenden Verwandten, deren der Art. 151 erwähnt, durch zwei Notare inſinuirt, oder auch durch einen Notar und zwei Zeugen; und in dem Protocoll, ſo daruͤber ange⸗ fertigt werden muß, wird die Antwort bemerkt. 155. Im Falle der aufſteigende Verwandte, dem die ehrerbietige Anfrage haͤtte geſchehen muͤſſen, abweſend iſt, wird ebenfalls zur Trauung geſchritten; nur muͤſſen die Theile das Urtheil auflegen, ſo die Abweſenheit erklaͤrt hat; oder, falls ein ſolches nicht vorhanden wäre, jenes urtheil, welches etwa das Zeugenverhoͤr verordnet hat; *) Dieſer Artikel bildet mit den fünf folgenden ein eigenes Geſetz, welches den 21. Ventoſe 12. Jahres(12. März 1804) ange⸗ nommen und den 1. Germinal 12. Jahres(22. März 1604) promulgirt worden iſt. ———————— 6 oder, wenn noch kein Urtheil vorhanden, eine Beſcheinigung, daß die Abweſenheit allgemein kundig ſen. Dieſe Beſchei⸗ nigung gibt der Friedensrichter des Orts, wo der auf⸗ ſteigende Verwandte ſeinen letzten bekannten Wohnort hat⸗ te; ſie enthält die Erklärung von vier Zeugen, welche der Friedensrichter von Amtswegen vor ſich kommen läßt. 156. Die Veamten des Civilſtandes, welche ſich bei⸗ gehen ließen, die Tranung zu verrichten bei Söhnen, die noch nicht volle fuͤnfundzwanzig, oder bei Töchtern, die noch keine volle einundzwanzig Jahre alt ſind, ohne daß in der Trauungsurkunde die Einwilligung der Vaͤter und Muͤtter, der Großeltern, oder die Einwilligung der Fami⸗ lie, in den Fällen, wo ſie noͤthig iſt, gehoͤrig bemerkt wor⸗ den, ſollen zu der im Artikel 192 hierunten feſtgeſetzten Geldbuße, und uͤberdies zu einer Gefaͤngnißſtrafe verur⸗ theilt werden, die nicht weniger als ſechs Monate dauern ſoll. Die Verurtheilung geſchieht auf das Betreiben der Theile, und des Staats⸗Procurators bei dem Gerichte erſter Inſtanz des Ortes wo die Trauung geſchehen iſt. 157. Wenn in den Fällen, wo ſie noͤthig iſt, die ehr⸗ erbietige Anfrage nicht geſchehen iſt, und der Beamte des Civilſtandes dennoch die Trauung verrichtet hat, ſo wird er zur nämlichen Geldbuße verurtheilt, und zu einer Ge⸗ faͤngnißſtrafe, die nicht unter einem Monate ſein kann. 158. Die Verfuͤgungen der Art. 148 und 149 ſind auch auf die natuͤrlichen Kinder anwendbar, wenn ſie ge⸗ ſetzlich anerkannt ſind. Nicht weniger ſind alsdann auf ſie anwendbar die Verfuͤgungen der Art. 151, 152, 153, 154 und 155 ruͤckſichtlich der ehrerbietigen Anfrage welche den Kindern in den darin beſtimmten Fäͤllen gegen ihre Eltern obliegt. 159. Wenn natuͤrliche Kinder nicht anerkannt ſind;z wenn ſie, nachdem ſie anerkannt waren, ihre beiden Eltern verloren haben; oder wenn ihre Eltern beide außer Stand ſind, ihren Willen an Tag zu legen: ſo koͤnnen ſie ſich, bevor ſie volle einundzwanzig Jahre alt ſind, nicht ver⸗ heirathen, als mit Bewilligung des ihnen eigens hiezu er⸗ nannten Vormundes. 160. Sind keine Eltern oder Großeltern vorhanden, vder befinden ſich dieſe in der Unmoͤglichkeit, ihren Willen —————— — 7— zu offenbaren, ſo konnen Soͤhne und Tochter, ſo lange ſie weniger als einundzwanzig Jahre alt ſind, keine Ehe ſchlie⸗ ßen ohne Einwilligung des Familienrathes. 161. In gerader Linie iſt die Ehe verboten unter allen aufſteigenden und abſteigenden Verwandten*) ſie moͤ⸗ gen nun ehelich oder unehelich ſeyn, und unter Verſchwaͤ⸗ gerten in der nämlichen Linie. 162. In der Seitenlinie iſt die Ehe verboten unter Schweſter und Bruder, ſie ſeyen nun ehelich oder bloß na⸗ turlich, und unter Verſchwaͤgerten im naͤmlichen Grade. 163. Die Ehe iſt ferner verboten unter Oheim und Nichte**), unter Muhme und Neffen. 164. Aus wichtigen Gruͤnden kann jedoch der Kaiſer von den im vorſtehenden Artikel angefuͤhrten Verboten dis⸗ penſiren. ie Cgpinel Von den Feierlichkeiten bei Schließung der Ehe, Art. 165. Die Trauung geſchieht oͤffentlich, und zwar vor dem Civilbeamten des Ortes, wo einer von beiden Thei⸗ len wohnhaft iſt. 166. Die beiden Aufgebote welche der Art. 63(Cap. 3, von den Acten des Civilſtandes) vorſchreibt, geſchehen bei der Municipalität des Ortes, wo jeder der beiden Theile, welche die Verbindung eingehen wollen, wohnhaft iſt. 167. Wenn jedoch der gegenwaͤrtige Wohnort bloß dadurch entſtanden iſt, daß jemand ſich während ſechs Mo⸗ nate daſelbſt aufgehalten hat***); ſo muͤſſen die Aufgebote *) Ascendans ot descendans.— Dem Sinne und dem Buch⸗ ſtaben nach die nämlichen Ausdrucke, und einer ſo deutlich als der andere. Aufſteigende Verwandte in gerader Linie ſind El— tern, Großeltern ꝛc.— Abſteigende Verwandte in gerader Li⸗ nie ſind Kinder, Enkel, Urenkel u. ſ. w. Der Ausdruck: in gerader Linie, wird weiter unten erklärt. **) Seines Bruders oder ſeiner Schweſter Tochter⸗ ***) Siehe den 74. Artikel, ———— * — 53— uͤberdies noch bei der Municipalitaͤt des letzten Wohnorts geſchehen. 168. Wenn beide Theile, welche ſich ehelich verbinden wollen, oder auch einer von beiden, ſo weit unter der Ge⸗ walt oder Aufſicht eines andern ſtehen, daß ſie zur Heirath die Einwilligung deſſelben nöthig haben, ſo geſchehen die Aufgebote ebenfalls bei der Municipalität des Ortes, wo derjenige wohnhaft iſt, unter deſſen Gewalt ſie ſtehen. 169. Der Kaiſer kann aus wichtigen Gruͤnden das zweite Aufgebot erlaſſen*). Er kann dieſe Gewalt auch einem andern uͤbertragen*. 170. Franzoſen koͤnnen im Auslande unter ſich eine Ehe ſchließen, ſie koͤnnen auch im Auslande mit einem Aus⸗ länder eine Ehe ſchließen; in beiden Fällen iſt die Ehe guͤl⸗ tig, wenn bei ihrer Schließung die Feierlichkeiten oder For⸗ men beobachtet worden, die in jenem Lande uͤblich ſind; vorausgeſetzt jedoch, daß die im Art. 63(Cap. 3 des Titels von den Acten des Civilſtandes), verordneten Aufgebote vorhergegangen ſind, und der Franzoſe jene Verfuͤgungen befolgt hat, die das vorſtehende Capitel enthält. 171. In den erſten drei Monaten nach der Ruͤckkehr des Franzoſen in ſein Vaterland, muß er die Acte, welche uͤber die Trauung iſt abgefaßt worden, in das öffentliche Regiſter der Heirathen des Ortes eintragen laſſen, wo er wohnhaft iſt. itte i* Vom Einſpruch gegen die Heirath. Art. 172. Das Recht, gegen die Trauung Einſpruch zu thun, ſteht jedem zu, der mit einem von den beiden Thei⸗ len, welche den Ehevertrag ſchließen wollen, ſchon verheira⸗ thet iſt. 173. Einſpruch koͤnnen ferner thun der Vater, und in Ermangelung des Vaters die Mutter, und falls beide nicht koͤnnen, der Großvater und die Großmutter, wenn *) Davon diſpenſiren. **) Dieſe Gewalt iſt gegenwaͤrtig den Staats⸗Prokuratoren bei den Landgerichten uͤbertragen. —— ———— — 59— ihre Kinder und Abkoͤmmlinge heirathen wollen. Sie koͤn⸗ nen ſelbſt dann Einſpruch thun, wenn ihre Kinder und Abkömmlinge volle fuͤnfundzwanzig Jahre alt ſind. 174. Iſt kein aufſteigender Verwandter vorhanden, ſo koͤnnen auch Einſpruch thun der Bruder oder die Schwe⸗ ſter, der Oheim oder die Muhme, der rechte Vetter oder die rechte Nichte, in ſo weit ſie großjährig ſind, jedoch nur in den zwei folgenden Fällen: 1ſtens, wenn die im Art. 160 erforderte Einwilli⸗ gung iſt erlangt worden; 2tens, wenn der Einſpruch aus dem Grunde ge⸗ ſchieht, weil der kuͤnftige Ehegatte ſich im Zuſtan⸗ de des Wahnſinnes befindet. Dieſen Einſpruch kann das Gericht unbedingt abweiſen*) und es kann ihn nur unter dem Beding annehmen, daß der Einſprechende zugleich die Unterſagung**) fo⸗ dere, und uͤber dies Geſuch binnen der Friſt ent⸗ ſcheiden laſſe, die das Urtheil beſtimmen wird. 175. In beiden, durch den vorhergehenden Artikel vorgeſehenen Fällen iſt es dem Vormund oder Pfleger***) nicht erlaubt, ſo lange die Vormundſchaft oder Pflege dauert, Einſpruch zu thun, es ſey denn, daß er dazu von einem Familienrathe, den er zuſammenberufen kann, er⸗ maͤchtiget waͤre. 176. Wer gegen die Trauung Einſpruch thut, muß in ſeiner Einſpruchsacte jener Eigenſchaft ausdrucklich er⸗ wähneh, welche ihn berechtigt Einſpruch zu thun; er muß darin den Ort, wo die Trauung geſchehen ſoll, zu ſeinem Wohnort erwählen; endlich muß er, wenn der Einſpre⸗ chende nicht etwa ein Verwandter in aufſteigender Linie iſt, oder der Einſpruch in ſeinem Namen geſchieht, die Gruͤnde ſeines Einſpruchs darin anfuͤhren. Wird eine von dieſen Feierlichkeiten unterlaſſen, ſo iſt die Einſpruchs⸗ acte ungültig, und dem Beamten, der ſie unterzeichnet, *) Prononcer main-lévée pure et vimple. **) Interdiction. S. die Anmerkung zum Artikel 489. ***) Curator. Was Vormund und Pfleger ſeyen, und worin ihr Amt beſtehe, kommt weiter unten bei Gelegenheit eines eigenen Titels vor. ——— S.—. B£ — ſoll uͤberdies die Fortſetzung ſeiner Amtsverrichtungen un⸗ terſagt werden. 177. Das Gericht erſter Inſtanz hat in den erſten zehn Tagen uͤber das Geſuch um Abweiſung*) zu ſprechen. 178. Ueber die Appell, falls eine eingelegt wird, wird in den erſten zehn Tagen der Vorladung erkannt. 179. Wird der Einſpruch ungegruͤndet befunden, ſo kann der Einſprechende, wenn es kein aufſteigender Ver⸗ wandter iſt, zur Schadloshaltung verurtheilt werden. Von Klagen auf Unguͤltigkeit der Ehe. Art. 180. Wenn eine Ehe iſt geſchloſſen worden, oh⸗ ne die freie Einwilligung beider Eheleute, oder eines von beiden, ſo hat niemand das Recht, dieſe Ehe anzufechten, als die Eheleute ſelbſt oder derjenige von ihnen, deſſen freie Einwilligung nicht vorhanden war. Iſt ein Irrthum in der Perſon vorgegangen, ſo hat ebenfalls niemand das Recht die Ehe anzufechten, als der im Irrthum geweſene Theil. 181. In dem Falle des vorhergehenden Artikels iſt die Klage auf Unguͤltigkeit nicht mehr zulaͤßig, wenn ſeit dem Augenblicke, wo der Ehegenoſſe ſeine voͤllige Freiheit wieder erlangt, oder wo er den Irrthum entdeckt hat, die Beiwohnug dennoch ſechs Monate hindurch fortgeſetzt worden iſt. 182. Wenn zur Trauung die Einwilligung der Eltern, der aufſteigenden Verwandten, oder des Familienrathes noͤthig war, und dieſe Einwilligung dennoch dabei iſt uͤber⸗ gangen worden: ſo hat niemand das Recht, eine ſolche Ehe anzufechten, als diejenigen, deren Einwilligung erfor⸗ derlich war, oder jener Ehegenoſſe, der dieſer Einwilligung bedurfte. 183., Die Eheleute ſelbſt ſowohl, als die Verwandten, deren Einwilligung erforderlich war, koͤnnen die Klage *] Der Einſpruchsacte naͤmlich. —— auf Unguͤltigkeit nicht anheben, wenn diejenigen, deren Einwilligung noͤthig war, die Ehe entweder ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend genehmigt haben. Sie koͤnnen ſie eben⸗ falls nicht mehr anheben, wenn ſie ſeit dem Augenblick wo ihnen die Ehe bekannt ward, ein Jahr haben verſtrei⸗ chen laſſen, ohne dagegen aufzutreten. Auch der Ehege⸗ noſſe kann ſie nicht mehr anheben, wenn er das Alter, ſo erfordert wird, um ſelbſt in eine Heirath zu willigen, er⸗ reicht hat, und wenn nach dieſem Zeitpunkt ein Jahr ver⸗ floſſen iſt, ohne daß er ſich gemeldet habe. 184. Das Recht, die Ehen anzufechten, die wider den Inhalt der Art. 144, 147, 161, 162 und 163 ſind ge⸗ ſchloſſen worden, gehoͤrt den Eheleuten ſelbſt, jedem, deſſen etwaiger Vortheil dabei obwaltet, und dem öffentlichen Miniſterium. 185. In dem Falle jedoch, wo beide voder einer von beiden Eheleuten das geſetzliche Alter noch nicht erreicht hatten, kann die von ihnen geſchloſſene Ehe nicht mehr aus dieſem Grunde angefochten werden, 1ſtens, wenn von dem Zeitpunkte an, wo dieſer Ehegenoſſe, oder die Ehegenoſſen das geſetzliche Alter erreicht haben, ſechs Monate verfloſſen ſind; 2tens, wenn die Gattin, die das geſetzliche Alter nicht hatte, vor Ablauf der ſechs Monate empfan⸗ gen hat. 186. Eben ſo wenig können gegen die Ehe auftreten der Vater, die Mutter, die aufſteigenden Verwandten und die uͤbrige Familie, aus dem Grunde, daß die Verehelich⸗ ten, oder einer von ihnen das geſetzliche Alter nicht hät⸗ ten, wenn ſie in Vollziehung derſelben eingewilligt haben. 187. Zufolge des Art. 178 koͤnnen zwar, in allen dort bemerkten Fällen, die Klage auf Unguͤltigkeit anhe⸗ ben, alle diejenigen, deren etwaiger Vortheil dabei obwal⸗ tet; in eben dieſen Faͤllen haben jedoch, ſo lange die bei⸗ den Eheleute noch leben, die Seitenverwandten oder Kin⸗ der einer andern Ehe, jenes Recht nicht unbeſchraͤnkt, ſon⸗ dern nur dann, wenn ihr wirklicher anerfallener Vortheil dabei obwaltet. 188. Der Ehegenoſſe, zu deſſen Nachtheil eine zweite Ehe iſt geſchloſſen worden, kann fodern, daß dieſelbe fuͤr ——— —* unguͤltig erklaͤrt werde, er kann dies ſelbſt bei Lebzeiten des Ehegenoſſen fodern, ber mit ihm ehelich verbunden war. 189. Wenden die neuen Eheleute ein, die erſte Ehe ſey unguͤltig, ſo wird vor allem entſchieden, ob ſie wirk⸗ lich guͤltig oder nichtig ſey. 190. In allen Fällen, worauf ſich der Art. 184 an⸗ wenden läßt, kann und muß der Staats⸗Procurator bei Lebzeiten der Eheleute darauf antragen, daß die Ehe un⸗ guͤltig erklärt, und die Eheleute verurtheilt werden ſich zu ſcheiden; jedoch hat er dieſe Pflicht und Befugniß nicht mehr, wenn die im Art. 185 angefuͤhrten Umſtände ein⸗ treten. 191. Jede Ehe kann angefochten werden, wenn ihre Vollziehung nicht oͤffentlich und vor dem gehoͤrigen oͤffent⸗ lichen Beamten geſchehen iſt; und das Recht ſie anzufech⸗ ten ſteht zu den Eheleuten ſelbſt, den Eltern, den aufſtei⸗ genden Verwandten, allen denjenigen, die einen anerfalle⸗ nen wirklichen Vortheil dabei haben, und dem öffentlichen Miniſterium. 192. Wenn die Trauung geſchehen iſt, ohne daß die beiden erforderlichen Aufgebote verhergegangen ſeyen; oder wenn die desfalls noͤthigen vom Geſetz erlaubten Diſpen⸗ ſationen nicht eingeholt: oder auch, wenn die vorgeſchrie⸗ benen Friſten zwiſchen den Aufgeboten und der Trauung nicht beobachtet worden: ſo wird gegen den öffentlichen Be⸗ amten eine Geldbuße, welche dreihundert Franken nicht uͤber⸗ ſteigen darf, und gegen die contrahirenden Theile und dieje⸗ nigen unter deren Gewalt ſie gehandelt haben, eine ihrem Vermögen angemeſſene Geldbuße verhaͤngt. Der Staats⸗ Procurator hat es dahin einzuleiten, daß die eben bemerkten Geldbußen erkannt werden. 193. In die naͤmlichen Strafen, welche der vorherge⸗ hende Artikel verhaͤngt, verfallen auch die dort benannten Perſonen: ſo oft ſie den Vorſchriften des Art. 195 zuwider handeln; und die Strafen haben ſelbſt dann Statt, wenn ſchon erkannt wuͤrde, daß jene Uebertretung nicht hinreichend wäre, die Ehe fuͤr unguͤltig und nichtig zu erklären. 194. Niemand kann den Titel eines Ehegatten und die buͤrgerlichen Wirkungen der Ehe in Anſpruch nehmen, ————— — 63— wenn er nicht eine Acte auflegt, die die Tranung beſchei⸗ nigt, und die in das Regiſter des Civilſtandes eingetragen iſt. Eine Ausnahme leidet jedoch dieſe Regel, wenn einer von den im Art. 46 unter dem Titel von den Acten des Civilſtandes beſtimmten Faͤllen eintritt. 195. Berufen ſich die angeblichen Eheleute gegenſeitig auf den Standesbeſitz: ſo kann dieſer Umſtand, wenn er auch wahr iſt, dieſelben nicht von der Verbindlichkeit be⸗ freien, die von dem Beamten des Civilſtandes abgefaßte Trauungsacte aufzulegen. 196. Iſt der Standesbeſitz wirklich vorhanden, und die von dem Beamten des Civilſtandes abgefaßte Trau⸗ ungsacte aufgelegt: ſo muͤſſen die Eheleute durchaus abge⸗ wieſen werden, wenn ſie etwa gegenſeitig darauf klagten, daß jene Acte fuͤr unguͤltig erklaͤrt werden moͤchte. 197. Wenn aber in dem Falle der Art. 194 und 195 Kinder von zwei Individuen vorhanden ſind, die öͤffentlich wie Mann und Weib gelebt haben, und beide bereits ver⸗ ſtorben ſind: ſo kann den Kindern die Eigenſchaft ehelicher Kinder nicht unter dem einzigen Vorwande ſtreitig gemacht werden, daß ſie die Trauungsacte nicht aufgelegt haben, ſo oft naͤmlich dieſe Eigenſchaft durch einen Standesbeſitz be⸗ wieſen iſt, dem die Geburtsacte nicht widerſpricht. 408. Ergibt ſich der Beweis einer geſetzlichen Vollzie⸗ hung der Ehe aus einem peinlichen Prozeſſe, ſo wird das Urtheil in die Regiſter des Civilſtandes eingetragen, und dieſe Eintragung hat ſodann zur Folge, der Ehe, vom Tage ihrer Schließung an gerechnet, alle buͤrgerlichen Wirkungen zuzuſichern, ſowohl in Rückſicht auf die Eheleute ſelbſt, als in Ruͤckſicht auf die während der Ehe gezeugten Kinder. 199. Wenn die Eheleute, oder nur einer von beiden geſtorben ſind, ohne den Betrug entdeckt zu haben, ſo hat ſowohl der Staats⸗Procurator das Recht, die peinliche Klage anzuheben, als alle, die ein Intereſſe— haben, daß die Ehe fuͤr guͤltig erklaͤrt werde. 200. Wenn der oͤffentliche Beamte zur Zeit, wo der Betrug entdeckt ward, nicht mehr lebt, ſo richtet der Staats⸗Prokurator die buͤrgerliche Klage gegen ſeine Er⸗ 64— ben, jedoch nur in Gegenwart der Betheiligten und auf ihre Angabe. 201. Eine Ehe, welche redlich oder auf guten Glauben*) geſchloſſen worden, hat alle bürgerlichen Wir⸗ kungen, ſowohl in Ruͤckſicht auf die Eheleute, als in Ruͤck⸗ ſicht auf die Kinder, obſchon ſie fuͤr unguͤltig iſt erklärt worden. 202. Iſt die Redlichkeit oder der gute Glaube nur auf Seiten eines Ehegenoſſen, ſo hat die Ehe die buͤrger⸗ lichen Wirkungen nur zu Gunſten des nämlichen Ehege⸗ noſſen, uud der Kinder, die aus der Ehe entſtanden ſind. Fuͤnftes Capitel. Von den Verbindlichkeiten welche aus der Ehe entſpringen. Art. 203. Die Eheleute ſind verbunden, ihre Kinder zu ernaͤhren, zu unterhalten und zu erziehen**); ſie uͤber⸗ nehmen dieſe Verbindlichkeit bloß dadurch ſchon, daß ſie eine Ehe ſchließen. 204. Das Kind hat keine Klagen gegen ſeine Eltern, um eine eigene Einrichtung zu erhalten, ſie moͤge nun durch Heirath oder auf jede andere Art geſchehen ſollen. 205. Die Kinder ſind ihren Eltern ſowohl, als an⸗ dern aufſteigenden Verwandten Nahrung ſchuldig, wenn ſie beduͤrftig ſind. 206. Eben ſo und in dem naͤmlichen Falle ſind die Schwiegerſoͤhne und Schwiegertoͤchter ſchuldig, ihre Schwie⸗ gereltern zu ernähren. Dieſe Verbindlichkeit aber hoͤrt auf, 1ſtens, wenn die Schwiegermutter zu einer zweiten Ehe geſchritten iſt, 2tens, wenn ſowohl der Ehegenoſſe welcher die Verſchwaͤgerung veranlaßte, als die Kinder, welche aus ſeiner Verbindung mit den andern Ehegenoſſen entſproſſen ſind, verſtorben ſind. *) De bonne foi⸗ **) Nahrung und unterhalt haben zum Gegenſtand die Erhaltung und das Wohlſeyn des Menſchen, die Erziehung ſeinen mora⸗ liſchen Vortheil. ——————. 207. Alle aus obigen Verfügungen entſpringende Ver⸗ bindlichkeiten ſind wechſelſeitig. 208. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß die Nahrung nur verabreicht werden muͤſſe nach Verhaͤltniß der Noth⸗ durft desjenigen, der ſie begehrt, und dem Vermoͤgen des⸗ jenigen gemaͤß, der ſie ſchuldig iſt. 209. Wenn der Verabreicher, oder der Annehmer, ſich in einen ſolchen Zuſtand verſetzt findet, daß der erſte die Nahrung nicht mehr geben kann, der andere aber ih⸗ rer, entweder ganz oder zum Theil, nicht mehr bedarf: ſo kann ihre voͤllige Erlaſſung oder ihre Verringerung ge⸗ fodert werden. 210. Wenn unter dem Namen der Nahrung ein Ge⸗ halt an Geld gereicht wird, und derjenige, deſſen Pflicht es iſt, die Nahrung zu reichen, beweiſt, daß er auſſer Stand iſt, ihn zu reichen, ſo kann das Gericht, mit Er⸗ kenntniß der Sache, oder nach vorlaͤufiger Unterſuchung, verordnen, daß er die Perſon, welcher er Nahrung ſchul⸗ dig iſt, zu ſich ins Haus nehmen, und ſie ernaͤhren und unterhalten ſolle. 211. Das Gericht hat ebenfalls zu entſcheiden, ob der Vater oder die Mutter von Zahlung eines Jahrge⸗ halts an Nahrungsſtatt loszuſagen ſey, wenn er oder ſie ſich anheiſchig macht, das Kind, dem ſie Nahrung ſchul⸗ dig ſind, zu ſich ins Haus zu nehmen, es zu ernaͤhren und zu unterhalten. Sechstes Capitel. Von den gegenſeitigen Rechten und Pflichten der Eheleute. Art. 212. Die Eheleute ſind ſich einander Treue, Huͤlfe und Beiſtand ſchuldig. 213. Der Mann iſt ſeiner Gattin Schutz, die Gat⸗ tin ihrem Manne Gehorſam ſchuldig. 214. Die Gattin iſt verbunden, bei ihrem Manne zu wohnen, und ihm an jeden Ort zu folgen, wo er fuͤr gut findet, ſich aufzuhalten. Der Mann iſt verbunden, 0 —+ —— 5 8 2 N— ſie aufzunehmen, und mit allem zu verſehen, was zu den Beduͤrfniſſen des Lebens noöthig iſt, nach Vermogen und Stand. 215. Die Frau kann nicht vor Gericht ſtehen, ohne Ermächtigung ihres Mannes, ſelbſt dann nicht, wenn ſie einen oͤffentlichen Handel treibt, oder wenn ſie keine Guͤ⸗ tergemeinſchaft mit ihrem Manne hat, oder dieſelbe ge⸗ trennt iſt. 216. Die Ermaͤchtigung des Mannes iſt nicht nothig, wenn die Frau Beklagte in einem peinlichen Prozeſſe oder in einem Polizeiprozeſſe iſt. 217. Ohne den Beitritt des Mannes zu der desfalls abzufaſſenden Acte, oder ſeine ſchriftliche Einwilligung, kann die Frau nicht ſchenken, veraͤußern, mit Hypotheke beſtricken, auf laͤſtige oder wohlthaͤtige Art erwerben*), auch dann nicht, wenn ſie nicht in Guͤtergemeinſchaft ſteht, oder dieſelbe getrennt iſt. 218. Weigert der Mann ſeiner Frau die Ermaͤch⸗ tigung zu rechten; ſo kann ſie der Richter geben. 219. Wenn der Mann ſich weigert, einzuwilligen, daß ſeine Frau irgend eine Acte anfertige oder anfertigen laſſe: ſo kann ſie denſelben geradezu vor das Gericht er⸗ ſter Inſtanz des Bezirks vorladen laſſen, worin ſie ihren gemeinſchaftlichen Wohnort haben und das Gericht kann ſodann ſeine Ermaͤchtigung geben oder verweigern, nach⸗ dem es den Mann vernommen, oder nachdem er in das Rathszimmer gehoͤrig abgeladen worden. 220. Die Frau kann, wenn ſie einen oͤffentlichen Han⸗ del treibt, Verbindlichkeiten uͤbernehmen in Hinſicht auf alles, was ihren Handel betrifft, ſelbſt ohne die Gench⸗ migung ihres Mannes; und in dieſem Falle wird ihr Mann mit verbindlich, wenn unter ihnen eine Guͤterge⸗ meinſchaft beſteht. Sie wird aber nicht als eine Frau betrachtet, die einen oͤffentlichen Handel treibt, wenn ſie die Waaren aus dem *) Die Erwerbart heißt laͤſtig(onereux), wenn beide Thelle ge⸗ genſeitige Verbindlichkeiten uͤbernehmen; wohlthätig:(gratnit) iſt ſie hingegen, wenn nur ein Theil etwas zu Gunſten des andern zu geben, zu leiſten ꝛc. verpflichtet wird. — Handel ihres Mannes bloß im Kleinen verkauft; ſondern dann nur, wenn ſie ein abgeſondertes Geſchaͤft hat. 221. Die Frau, ſelbſt wenn ſie großjährig iſt, kann nicht vor Gericht ſtehen oder einen Vertrag ſchließen, wenn der Mann zu einer ſchaͤndenden Strafe oder zu einer Lei⸗ besſtrafe, auch nur wegen Nichterſcheinung, verurtheilt iſt, und ſo lange die Strafe dauert; ſondern ſie muß die Er⸗ maͤchtigung des Richters einholen, welcher dieſelbe in dieſem Falle geben kann, ohne daß der Mann vorher waͤre gehoͤrt oder vorgerufen worden. 222. Wenn der Mann abweſend, oder der eigenen Verwaltung ſeiner Guͤter beraubt iſt, ſo kann der Richter, mit Erkenntniß der Sache, die Frau ermaͤchtigen, entweder vor Gericht zu ſtehen, oder Vertraͤge zu ſchließen. 223. Jede allgemeine Ermaͤchtigung, ſelbſt wenn ſie im Ehekontracte ausbedungen wäͤre, iſt nur in ſo weit guͤl⸗ tig, als ſie die Verwaltung der Guͤter der Frau zum Gegen⸗ ſtande hat. 224. Wenn der Mann minderjährig iſt, ſo iſt die Ge⸗ nehmigung des Richters nöthig, die Frau mag nun rechten, oder einen Vertrag eingehen wollen. 225. Nur der Mann, die Frau, oder ihre Erben koͤn⸗ nen ſich auf eine Unguͤltigkeit berufen, die daraus entſpringt, daß keine Genehmigung vorhanden war. 226. Die Frau kann letztwillige Verordnungen machen ohne die Ermaͤchtigung ihres Mannes. Siebentes Capitel. Von Aufloͤſung der Ehe. Art. 227. Die Ehe wird aufgeloͤſt: lſtens durch den Tod eines Ehegenoſſen; 2tens, durch eine geſetzmäßig ausgeſprochene Ehe⸗ ſcheidung; 3tens, durch ein rechtskraͤftig gewordenes Urtheil, das uͤber einen der Ehegenoſſen ergangen iſt, und den buͤrgerlichen Tod nach ſich zieht. 0 ——— 3 — — 08— Achtes Capitell. Von zweiten Ehen. Art. 228. Die Frau kann nicht zu einer zweiten Ehe ſchreiten, bevor zehn volle Monate nach Aufloͤſung der vori⸗ gen Ehe verfloſſen ſind. M Ss ch ſter Ti⸗tel. Von der Eheſcheidung.*. ———— Erſtes Capitel. Von den Urſachen zur Eheſcheidung. Art. 229. Der Mann kann auf Eheſcheidung klagen, wenn ſeine Frau ſich des Ehebruches ſchuldig gemacht. 230. Die Frau kann aus dem Grunde, daß ihr Mann Ehebruch begangen, nur dann auf Eheſcheidung klagen, wenn er ſeine Beiſchlaͤferinn ins gemeinſchaftliche Haus gebracht hat. 231. Vergehungen, Mishandlungen und ſchwere Be⸗ ſchimpfungen**) geben den Eheleuten wechſelſeitig das Recht, auf Eheſcheidung zu klagen. — 3 **) —— Geſet vom 30. Ventoſe 11.(21. März 1803), promulg. den 10. Germinal 11.(31. Maͤrz 1803). Der Redner der Regierung erklaͤrt ſich uͤber dieſen Artikel al⸗ ſo:„Im haͤuslichen Leben geſchieht es wohl, daß man ſich ein⸗ „mal erhitzt, und eine ſolche Aufwallung den andern fuhlen „läßt, in Augenblicken der uͤbeln Laune und der Unzufrieden⸗ „heit entfallen einem wohl harte Worte, ſelbſt Weigerungen, „die ganz am unrechten Orte ſind. Es waͤre uͤberfluͤſſig zu „bemerken, daß von dergleichen hier die Rede nicht ſeyn konne. „Hier kommt es auf eigentliche wahrhafte Vergehungen(Ex⸗ „zeſſe) an, auf perſonliche Mißhandlungen, auf Chatlichkeiten „in der ſtrengen Bedeutung des Worts swvitia(Grauſamkeit) „und auf Beſchimpfungen und Unbilden, die den Charakter der „zuſſerſten Wichtigkeit an ſich tragen.“ 232. Wenn einer von den Ehelenten zu einer ent⸗ ehrenden Strafe verurtheilt wird, ſo gibt dieß dem an⸗ dern einen Grund, auf Eheſcheidung zu klagen. 233. Auch die beiderſeitige Einwilligung der Eheleu⸗ te kann zur Genuͤge beweiſen, daß ihnen ein gemeinſchaft⸗ liches Leben unertraͤglich, und mithin fuͤr ſie eine entſchei⸗ dende Urſache der Eheſcheidung vorhanden iſt; nur muß jene Einwilligung ſtandhaft, und auf die im Geſetze vor⸗ geſchriebene Art ausgedruͤckt ſeyn; nicht minder muͤſſen dabei die Bedingniſſe erfullt, und die Proben uͤberſtanden ſeyn, welche das Geſetz beſtimmt. 3 weit es Copitel. Von Eheſcheidungen aus beſtimmter Urſache. Srſt e Nobſchuirt. Von der Form der Eheſcheidung aus beſtimmter urſache. Art. 234. Die Thatſachen, oder Verbrechen, die eine Klage auf Eheſcheidung aus beſtimmter Urſache veranlaſ⸗ ſen, moͤgen beſchaffen ſein, wie ſie wollen, dieſe Klage muß nothwendiger Weiſe angehoben werden bei dem Ge⸗ richte des Bezirks, worin die Eheleute wohnhaft ſind. 235. Finden ſich unter den Thatſachen, welche der klagende Ehegenoſſe anfuͤhrt, ſolche, die den öffentlichen Beamten veranlaſſen, eine peinliche Verfolgung anzuheben: ſo bleibt die Klage auf Eheſcheidung unentſchieden, bis das Gericht geurtheilt hat. Nach erfolgtem peinlichen Ur⸗ theil kann ſie wieder aufgenommen werden; jedoch ſteht es dem Beklagten Ehegenoſſen nicht frei, gegen den Kläger, aus jenem Urtheil irgend eine Schutz⸗ oder Einrede her⸗ zuleiten, deren Zweck es waͤre, den Kläger entweder ganz und ohne weiteres gleich beim Eingang mit ſeiner Klage abzuweiſen*), oder einen vorläufigen Punkt, der auf die Entſcheidung der Hauptſache Einfluß hat, erſt entſcheiden zu laſſen.**) *) Fin de non-recevoir.(Exceptio litis ünitr et ingres- sum litis impediens). —) Rrception préjudicielle.(Exceptio prejudicialis). ———r——— — 236. Jede Klage auf Eheſcheidung muß die Thatſachen umſtaͤndlich ausfuͤhren. Sie wird mit den Beweisſtuͤcken, wenn deren vorhanden ſind, dem Präſidenten des Gerichts oder dem Richter, der ſeine Stelle verſieht, uͤbergeben. Der klagende Ehegatte ubergibt ſie perſoͤnlich, es ſey denn, daß Krankheit ihn daran hindere; und in dieſem Falle verfuͤgt ſich, auf ſein Erſuchen und die Beſcheinigung zweier Aerzte, der Beamte in das Wohnhaus des Klägers, um daſelbſt ſeine Klage aufzunehmen. 237. Vor allem hoͤrt der Richter den Klaͤger, und macht ihm diejenigen Bemerkungen, die ihm zweckmaͤßig ſcheinen. Dann ſetzt er auf die Klage ſowohl, als auf die Anlagen, ſeinen Handzug und fertigt uber die Uebergabe des Ganzen einen ſchriftlichen Aufſatz(oder ein Protokoll) an, das vom Richter und Klaͤger unterzeichnet wird. Kann aber der letzterer nicht unterzeichnen, ſo geſchieht hievon Er⸗ waͤhnung. 238. Unter dem vorbemeldeten Aufſatze befiehlt der Richter, daß die Partheien perſoͤnlich vor ihm erſcheinen ſollen, am Tage und zur Stunde, die er beſtimmt, und daß er zu dem Ende eine Abſchrift ſeines Befehls an den Theil gelangen laſſe, gegen den auf Eheſcheidung geklagt wor⸗ den iſt. 239. An dem dazu beſtimmten Tage macht der Rich⸗ ter den beiden Eheleuten, wenn ſie ſich ſtellen, oder dem Klaͤger, wenn er allein erſcheint, alle Vorſtellungen, die, ſeinem Ermeſſen nach, eine Verſoͤhnung bewirken können. Gelingt ihm dies nicht, ſo ſetzt er einen ſchriftlichen Aufſatz uͤber den Vorgang auf, und befiehlt weiter, daß die Klage mit den Anlagen dem Staats⸗Procurator zugeſtellt, und uͤber das Ganze dem Tribunal Bericht abgeſtattet werde. 240. In den drei folgenden Tagen hoͤrt das Tribu⸗ nal den Bericht des Praͤſidenten oder des Richters, der ſein Amt verſehen hat, und den Antrag des Staats⸗Prokurators, und geſtattet hierauf die Erlaubniß vorzuladen, oder ſchiebt ſie noch auf. Der Aufſchub kann aber nicht zwanzig Tage dauern. 241. Hat der Klaͤger die Erlaubniß dazu erhalten, ſo laͤßt er, Kraft derſelben, den Beklagten in der gewoͤhn— —————— LM lichen Form vorladen, in der geſetzlichen Friſt perſoͤnlich im Verhoͤr bei geſchloſſenen Thüren zu erſcheinen. Im Eingang der Vorladung läßt er eine Abſchrift geben, ſo⸗ wohl von dem Geſuch um Eheſcheidung, als von den auf⸗ gelegten Beweisſtuͤcken. 242. Nach Verlauf der Friſt, der Beklagte mag nun erſcheinen oder nicht, ſetzt der Klaͤger in Perſon die Gruͤn⸗ de ſeines Geſuches auseinander, oder laͤßt ſie auseinander ſetzen; er legt die Beweisſtuͤcke auf, und nennt die Zeu⸗ gen, die er abhoͤren zu laſſen geſonnen iſt. Er kann ei⸗ nen Beiſtand mitbringen, wenn er es fuͤr gut findet. 243. Wenn der Beklagte in Perſon oder durch ei⸗ nen Bevollmaͤchtigten erſcheint, ſo kann er ſeine Bemerkun⸗ gen vorbringen oder vorbringen laſſen, ſowohl uͤber die Gruͤnde der Klage, als uͤber die vom Klaͤger aufgelegten Beweisſtuͤcke, und uͤber die Zeugen, die er vorgeſchlagen hat. Der Beklagte ſchlaͤgt ſeiner Seits die Zeugen vor, die er will abhoͤren laſſen, und uͤber dieſe macht der Klä⸗ ger hinwieder ſeine Bemerkungen. 244. Ueber den ganzen Vorgang, uͤber die Erſchei⸗ nungen, Ausſagen und Bemerkungen der Theile, ſo wie uͤber die Geſtaͤndniſſe, die einer oder der andere thun koͤnn⸗ te, wird ein ſchriftlicher Aufſatz oder ein Protocoll abge⸗ faßt, welches den Partheien vorgeleſen wird. Dieſe werden aufgefodert, es zu unterſchreiben; und wenn ſie unterſchrei⸗ ben koͤnnen oder wollen, oder auch erklaͤren, daß ſie nicht unterſchreiben, ſo geſchieht in beiden Faͤllen hievon aus⸗ druͤckliche Erwaͤhnung. 245. Das Gericht verweiſt die Partheien auf die oͤf⸗ fentliche Sitzung, wozu es Tag und Stunde anberaumt. Es verordnet, daß die Procedur dem Staats⸗Procurator zugeſtellt werde, und ernennt einen Berichtſteller. Iſt der Beklagte nicht erſchienen, ſo muß der Klaͤger ihm den Be⸗ fehl des Gerichts inſinuiren laſſen, und zwar binnen der Friſt, welche jener Befehl feſtgeſetzt hat. 246. An dem dazu beſtimmten Tag und Stunde, hoͤrt das Gericht vor allem den Bericht des hiemit beauf⸗ tragten Richters, und den Staats⸗Procurator, und ver⸗ fuͤgt uͤber die Einreden, die dahin zielen, den Klaͤger gleich beim Eingang des Prozeſſes abzuweiſen, in ſo fern der⸗ —— . gleichen Eknreden vorgebracht ſind. Findet es jene Einre⸗ den ſchließend, oder gegruͤndet, ſo wird die Klage auf Eheſcheidung abgewieſen; wo nicht, oder wenn dergleichen Einreden nicht vorgebracht ſind, ſo nimmt es die Klage auf Eheſcheidung an. 247. Sobald die Klage auf Eheſcheidung angenom⸗ men iſt, und auf den Bericht des dazu verordneten Rich⸗ ters, und nach Anhoͤrung des Staats⸗Procurators, ver⸗ fuͤgt das Tribunal uͤber den Grund der Sache. Es er⸗ klaͤrt die Klage fuͤr gegruͤndet, in ſo fern es findet, daß ſie zum Spruche geeignet iſt; wo nicht, ſo läßt es beide Theile zum Beweiſe zu; den Kläger zum Beweiſe der geeigneten That⸗ ſachen, die er anfuhrt, und den Beklagten zum Gegenbeweiſe. 248. Bei jeder Handlung des Prozeſſes koͤnnen die Theile, nach dem Berichte des Richters und bevor der Staats⸗Prokurator das Wort genommen, ihre gegenſeiti⸗ gen Gruͤnde vortragen oder vortragen laſſen, erſtens uͤber die gleich abweiſenden Einreden, und dann uͤber die Haupt⸗ ſache. Aber in keinem Falle kann der Beiſtand des Kla⸗ gers angenommen werden, wenn der Klaͤger nicht in Per⸗ ſon erſcheint. 249. Gleich nach Vorleſung des Urtheils, das die Zeugenverhoͤre verordnet, lieſt der Gerichtſchreiber den Theil des Protocolls vor, worin die Zeugen benannt ſind, welche die Partheien bereits vorgeſchlagen, und deren Ab⸗ hoͤrung ſie begehrt haben. Der Praͤſident errinnert ſie, daß es ihnen noch frei ſtehe, andere Zeugen vorzuſchlagen, daß aber von nun an ein ſolches Geſuch von ihrer Seite nicht mehr koͤnne an⸗ genommen werden. 250. Wenn die Partheien einen Zeugen entfernen wollen, ſo muͤſſen ſie die desfallſigen Verwerfungsgruͤnde gegenſeitig auf der Stelle vorbringen. Das Gericht ver⸗ fuͤgt daruͤber, nachdem es vorher den Staats⸗Procurator gehoͤrt hat. 251. Die Verwandten der Theile, ihre Kinder und ſonſtigen Abkömmlinge ausgenommen, koͤnnen aus dem Grunde nicht verworfen werden, weil ſie verwandt ſind. Auch koͤnnen die Dienſtboten nicht aus dem Grunde ver⸗ worfen werden, weil ſie Dienſtboten find. Jedoch bleibt —.—— es dem Ermeſſen des Gerichts uͤberlaſſen, welche Ruͤckſicht es auf die Ausſagen der Verwandten und Dienſthoten nehmen wolle. 252. Jedes Urtheil, das einen Beweis durch Zeugen annimmt, benennt zugleich die abzuhoͤrenden Zeugen, und beſtimmt den Tag und die Stunde, wo die Partheien ſie auffuͤhren muͤſſen. 253. Das Gericht nimmt die Zeugenausſagen in einer Sitzung bei verſchloſſenen Thuͤren, in Gegenwart des Staats⸗Procurators, der Betheiligten und ihrer Beiſtände oder Freunde auf. Die Anzahl der letztern kann auf bei⸗ den Seiten hoͤchſtens drei ſeyn. 254. Es ſteht den Theilen frei, wie ſie es fuͤr gut finden, den Zeugen Bemerkungen zu machen, und ſie auf⸗ zufodern, ſich uͤber dieſes oder jenes zu erklaͤren. Sie koͤn⸗ nen dies entweder ſelbſt thun, oder durch ihren Beiſtand thun laſſen; aber ſie duͤrfen die Zengen im Laufe ihrer Ausſagen nicht unterbrechen. 255. Jede Zeugenausſage, ſammt allem, was daruber iſt geſagt und angemerkt worden, wird niedergeſchrieben. Das Verhoͤr wird ſowohl den Zeugen, als den Theilen vorgeleſen, beide werden aufgefodert, es zu unterzeichnen und es wird dabei ausdruͤcklich bemerkt, daß ſie unterzeich⸗ net haben. Erklaͤren ſie aber, daß ſie nicht unterzeichnen können oder wollen, ſo geſchieht hievon ebenfalls ausdruͤck⸗ liche Erwaͤhnung. 256. Wenn die beiden Zeugenverhoͤre geſchloſſen ſind oder wenn das Zeugenverhoͤr des Klaͤgers allein, im Fall der Beklagte keine Zeugen angefuͤhrt hat, geſchloſſen iſt: ſo verweiſt das Gericht die Theile auf die oͤffentliche Si⸗ tzung, wozu es Tag und Stunde anberaumt. Es befiehlt ebenfalls, daß die Procedur dem Staats-Procurator zu⸗ geſtellt werde, und ernennt einen Berichtſteller. Dieſer Be⸗ fehl wird auf Erſuchen des Klaͤgers, dem Beklagten inſi⸗ nuirt, und zwar in der im Befehl ſelbſt beſtimmten Friſt. 257. An dem fuͤr das Endurtheil beſtimmten Tage ſtattet der dazu verordnete Richter ſeinen Bericht ab. Hier⸗ auf konnen die Theile alles bemerken, was ſie ihrer Sa⸗ che nützlich zu ſeyn ermeſſen; ſie koͤnnen dieß auch durch + —— B— ihren Beiſtand thun laſſen. Dann macht der Staats⸗Pro⸗ curator ſeine Antraͤge. 2 258. Das Endurtheil wird oͤffentlich ausgeſprochen. Erlaubt es die Eheſcheidung, ſo iſt der Klaͤger befugt, vor den Beamten des Civilſtandes zu gehen, um ſie ausſprechen zu laſſen. 259. Grundet ſich die Eheſcheidungsklage auf Verge⸗ hungen, Mißhandlungen und ſchwere Beſchimpfungen, ſo ſind die Richter befugt, die Eheſcheidung auf der Stelle nicht zu erlauben, obſchon die Klage ganz gegruͤndet und bewieſen iſt; und in dieſem Falle ertheilen ſie, ehe ſie in der Hauptſache ſprechen, der Galtin die Befugniß, ihren Mann zu verlaſſen, ohne daß ſie gehalten wäre, ihn auf⸗ zunehmen, wenn ſie es nicht fuͤr gut findet. Sie verur— theilen uͤberdies den Mann, ihr anſtatt der Nahrung ei⸗ nen Gehalt zu bezahlen, der ſeinem Vermoͤgen angemeſſen iſt, in ſo fern nämlich die Frau ſelbſt nicht zu ihrer Noth⸗ durft hinreichende Einkuͤnfte hat. 260. Wenn ſich in einem Probejahre die Theile nicht vereinigt haben, ſo kann der klagende Ehegenoſſe den an⸗ dern, in der geſetzlichen Friſt, vor das Gericht laden laſ⸗ ſen, um das Endurtheil ausſprechen zu hören, welches ſo⸗ dann die Eheſcheidung erlaubt. 261. Wenn auf die Eheſcheidung aus dem Grunde geklagt wird, weil einer der Eheleute zu einer entehrenden Strafe verurtheilt worden iſt: ſo hat man nur folgende Feierlichkeit zu beobachten. Man legt naͤmlich dem buͤr⸗ gerlichen Gerichte eine in gehöriger Form verfertigte Ab⸗ ſchrift des Verdammungsurtheils vor, und fuͤgt eine Be⸗ ſcheinigung vom peinlichen Gerichte bei, daß dieſes Urtheil von der Art derjenigen ſey, die auf keinem geſetzlichen We⸗ ge mehr koͤnnen abgeaͤndert werden. 262. Im Falle von einem Urtheil des Gerichts erſter Inſtanz in Eheſcheidungsſachen appellirt wird, das Urtheil mag nun endlich ſeyn, oder blos die Klage auf Eheſchei— dung zulaſſen: ſo gehoͤrt die Sache vor das Appellations⸗ oder Berufungsgericht, und hier wird ſie eingeleitet und abgeurtheilt wie eine dringende Sache. 263. Die Berufung kann nicht angenommen werden, wenn ſie nicht in drei Monaten, von der Inſinnation des Urtheils angerechnet, eingelegt iſt, das Urtheil mag nun auf Anhoͤrung beider Theile oder im Ausbleibungsfalle er⸗ gangen ſeyn. Die naͤmliche Friſt von drei Monaten, vom Tage der Inſinuation an gerechnet, iſt fuͤr den geſtattet, der gegen ein Urtheil in letzter Inſtanz ſeine Sache beim Caſſa⸗ tionsgericht anhängig machen will. Die Ergreifung dieſes Rechtsmittels hat aufſchiebende Wirkung. 264. Der Ehegenoſſe, der ein Urtheil erhalten hat, das die Eheſcheidung erlaubt, und entweder in letzter In⸗ ſtanz ergangen oder rechtskraͤftig geworden iſt, muß ſich innerhalb zwei Monaten vor den Beamten des Civilſtandes verfuͤgen, um vermoͤge jenes Urtheils die Eheſcheidung aus⸗ ſprechen zu laſſen. Der Gegentheil muß hiezu gehoͤrig vor⸗ geladen ſeyn. 265. In Ruͤckſicht auf die in erſter Inſtanz ergange⸗ nen Urtheile fangen jene zwei Monate erſt nach Abfluß der Berufungsfriſt zu laufen an. In Ruͤckſicht auf jene Urtheile, die in der Berufungs-Inſtanz wegen nicht Erſcheinung er⸗ gangen ſind, laufen ſie nach Abfluß der Berufungsfriſt. So viel aber die Urtheile betrifft, welche in letzter Inſtanz und auf Vernehmen beider Theile ergangen ſind, laufen die obi⸗ gen zwei Monate erſt nach Abfluß der Friſt, welche fuͤr das Geſuch um Caſſation geſtattet iſt. 266. Hat der als Klaͤger auftretende Ehegenoſſe die hier oben beſtimmte zweimonatliche Friſt verſtreichen laſſen, ohne den andern Ehegenoſſen vor den Beamten des Civil⸗ ſtandes beſcheiden zu laſſen; ſo iſt er der Wohlthat des Ur⸗ theils, ſo er erhalten hatte, verluſtig, und kann die Klage auf Eheſcheidung nicht von neuem anheben. Jedoch kann er ſie wieder anheben, wenn er neue Gruͤnde hat, und in die⸗ ſem Falle ſteht es ihm frei, die Gruͤnde wieder geltend zu machen, die er in ſeiner vorigen Klage angefuͤhrt hatte. 3 weiter Abſchnitt. Von einſtweiligen Vorſichtsmaßregeln, welche bei der Klage auf Eheſcheidung aus beſtimmter urſache eintreten koͤnnen. Art. 267. Dem Manne verbleibt die einſtweilige Ver⸗ waltung der Kinder, er ſey nun Klaͤger auf Eheſcheidung —————— 5——— — 2 B 2 oder Beklagter. Jedoch kann das Gericht zum groͤßern Vortheil der Kinder anders verfuͤgen, und zwar auf den Antrag der Mutter, oder der Familie, oder auch des Staats⸗Prokurators. 268. So lange der Prozeß dauert, kann die Frau aus dem Hauſe ihres Mannes gehen, und einen Nahrungs⸗ gehalt fodern, der dem Vermoͤgen deſſelben angemeſſen iſt. Sie hat dieſe Befugniß, ſie mag nun Klägerin auf Ehe⸗ ſcheidung oder Beklagte ſeyn. Das Gericht weiſt das Haus an, worin die Frau zu wohnen gehalten iſt; es be⸗ ſtimmt ebenfalls, nach Befinden, den Nahrungsgehalt, den ihr der Mann entrichten muß. 269. Die Frau muß darthun, daß ſie in dem ihr angewieſenen Hauſe wohnt, ſo oft ſie dazu aufgefodert wird. Beweiſet ſie es nicht, ſo kann der Mann ihr den Nahrungsgehalt verweigern. Er kann ſogar in dieſem Falle wenn die Frau Flaͤgerin auf Eheſcheidung iſt, eine Erklaͤrung bewirken, daß ſie mit ihrer Klage ferner nicht anzuhoͤren ſey. 270. Um ihre Rechte zu ſichern, kann dieFrau, wenn ſie in der Guͤtergemeinſchaft lebt, die Anlegung der Siegel auf die beweglichen Effecten der Gemeinſchaft fo⸗ dern. Sie kann dies nach Erlaſſung des Befehls, deſſen der Art. 238 erwähnt, der Prozeß mag uͤbrigens gedie⸗ hen ſeyn wohin er wolle, und ohne Unterſchied, ob die Frau Klaͤgerin auf Eheſcheidung oder Beklagte iſt. Bei Ubnehmung der Siegel muß zugleich ein Verzeichniß der Guͤter*) mit ihrer Schätzung verfertiget werden, und kann die Abnehmung nur unter dieſer Bedingung geſchehen. Ferner muß ſich der Mann dabei verbindlich machen, die verzeichneten Gegenſtaͤnde vorzuzeigen, oder als gerichtli⸗ cher Verwahrer fuͤr ihren Werth zu haften. 271. Wenn der Mann, nach Erlaſſung des Befehls, deſſen der Art. 238 erwaͤhnt, eine Verbindlichkeit uͤbernom⸗ men hat, welche der Guͤtergemeinſchaft laͤſtig iſt, oder wenn er nach jenem Zeitpunkt unbewegliche Guͤter veraͤußert hat, welche zur Gemeinſchaft gehoͤren: ſo wird eins wie das andere fuͤr nichtig erklaͤrt, vorausgeſetzt jedoch, daß *) Inventaire. ——— —— bewieſen werde, daß eins und das andere zum Rachtheil der Rechte der Gattin geſchehen iſt. Dritter Abſchnitt. Von den Einreden, die dahin zielen, den Eingang der Klage auf Eheſcheidung aus beſtimmter urſache zu hindern.. Art. 272. Die Klage auf Eheſcheidung iſt erloſchen durch die Verſohnung der Eheleute; und es kommt hiebei nicht darauf an, ob die Verſoͤhnung Statt gehabt nach den Vorfällen, welche dieſe Klage ſonſt begruͤndet hatten, oder erſt nach angehobener Klage auf Eheſcheidung. 273. In beiden Fällen wird erklaͤrt, daß der Klaͤger mit ſeiner Klage nicht könne angenommen werden. Er kann demungeachtet eine neue Klage anheben, wenn ſeit der Ver⸗ ſöhnung eine neue Urſache eingetreten iſt, und in dieſem Falle kann er ſich der vorigen urſache als Mittel bedie⸗ nen, um ſeine neue Klage deſto mehr zu begruͤnden. 274. Laͤugnet der Klaͤger auf Eheſcheidung, daß eine Verſöhnung Statt gehabt habe, ſo beweiſt der Beklagte ſein An⸗ geben entweder durch Schriften oder durch Zeugen, und zwar in der Form, welche im erſten Abſchnitt des gegen⸗ wärtigen Capitels vorgeſchrieben iſt. Drittes Capitell. Von der Eheſcheidung durch beiderſeitige Einwilligung. Art. 275. Die beiderſeitige Einwilligung der Eheleute wird nicht angenommen, wenn der Mann weniger als fuͤnf⸗ undzwanzig Jahre oder die Frau weniger als einund⸗ zwanzig alt iſt. 276. Die beiderſeitige Einwilligung wird nicht ange⸗ wenn die Ehe nicht zwei volle Jahre beſtanden hat. 7 Sie kann nicht mehr angenommen werden, wenn die Ehe zwanzig Jahre lang beſtanden hat, oder wenn die Frau fuͤnfundvierzig Jahre alt iſt. ————— 5 — — 6— 278. In keinem Falle iſt die beiderſeitige Einwilligung der Eheleute allein hinreichend; ſondern ſie muß gutgeheiſſen ſeyn von ihren beiden Eltern, oder andern noch lebenden aufſteigenden Verwandten, nach Anleitung und Vorſchrift des 150. Art. unter dem Titel von der Ehe. 279. Sobald die Eheleute entſchloſſen ſind, die Ehe⸗ ſcheidung durch beiderſeitige Einwilligung zu bewirken, ſo muͤſſen ſie vor allem ihre bewegliche und unbewegliche Habe ſchaͤtzen, und daruͤber ein Verzeichniß anfertigen laſſen, und ihre gegenſeitigen Rechte reguliren oder ins Gleiche bringen. Ueber die letztern bleibt es ihnen aber unbenommen, ſich zu vergleichen. 280. Ferner muͤſſen ſie ſchriftlich beurkunden, daß und wie ſie uͤber die drei folgenden Punkte uͤbereingekommen ſind, naͤmlich: lſtens, wem die Kinder aus ihrer bisherigen Verbin⸗ dung anvertraut werden ſollen, ſowohl von nun an bis zur ausgemachten Sache, oder waͤhrend der Probezeit, als nach ausgeſprochener Eheſcheidung; 2tens, in welchem Hauſe die Frau waͤhrend der Pro⸗ bezeit, oder bis zur ausgemachten Sache, ſich auf⸗ halten muͤſſez 3tens, welche Summen der Mann, waͤhrend der nam⸗ lichen Zeit, der Frau zahlen muͤſſe, im Falle ſie nicht ihren Bedurfniſſen angemeſſene Einkuͤnfte hat. 281. Die Eheleute verfugen ſich zuſammen und per⸗ ſönlich vor den Praͤſidenten des Civilgerichts ihres Bezirks, oder vor den Richter, der ſeine Stelle vertritt, und erklaͤren ihm ihren Willen in Gegenwart von zwei Notaren, die ſie ebenfalls mitgebracht haben. 282. Der Richter nimmt die beiden Eheleute zuſam⸗ men, und dann auch jeden ins beſondere, aber immer in Gegenwart der zwei Notare, vor, und gibt ihnen die ge⸗ eigneten Ermahnungen; er ſtellt ihnen alles vor, was er in einem ſolchen Falle fuͤr zweckdienlich erachtet, verlieſt ihnen das 4te Capitel des gegenwaͤrtigen Titels, welches die Wirkungen der Eheſcheidung regulirt, und entwickelt und 2 2——, legt ihnen alle Folgen vor Augen, die ihr Schritt nach ſich zieht. 283. Beſtehen die Ehelente auf ihrem Entſchluß, ſo ertheilt der Richter ihnen eine Urkunde des Inhalts, daß ſie beiderſeitig in die Eheſcheidung willigen und ſie fodern; und nun muͤſſen ſie auf der Stelle, außer den in den Art. 279 und 280 bemerkten Stuͤcken, noch folgende vorzeigen und in die Haͤnde der Notare uͤberliefern, nämlich: lſtens, ihre Geburts⸗ und Trauungsſcheine; Ltens, die Geburts⸗ und Sterbſcheine aller aus ihrer Verbindung entſproſſenen Kinder; 3tens, die autbentiſche Erklaͤrung ihrer Eltern oder ſonſtigen aufſteigenden noch lebenden Verwandten, des Inhalts: daß ſie, aus ihnen bekannten Ur⸗ ſachen, einem ſolchen, oder einer ſolchen, ihrem Sohne oder ihrer Tochter, ihrem Enkel oder ih⸗ rer Enkelin, verheirathet mit einem ſolchen oder einer ſolchen, erlauben, die Eheſcheidung zu fo⸗ dern und darin zu willigen. Die Eltern und Großeltern werden, ſo lange fuͤr lebend gehalten, bis die Scheine beigebracht werden, die ihren Tod beurkunden. 284. Ueber den ganzen Hergang, uͤber alles was zu⸗ folge der vorhergehenden Artikel iſt geſagt und gethan wor⸗ den, ſetzen die Notare einen umſtaͤndlichen Aufſatz auf. Die Urſchrift oder das Original davon bleibt dem aͤlteſten der beiden Notare, nicht minder die aufgelegten Stuͤcke, welche dem erzaͤhlenden Aufſatz angehängt bleiben. In dem letztern wird noch uͤberdies des Umſtandes erwaͤhnt, daß der Frau iſt bedeutet worden, ſich innerhalb vierundzwanzig Stunden in das Haus zu begeben, woruͤber ſie mit ihrem Manne uͤbereingekommen iſt, und darin wohnen zu bleiben bis zum Ausſpruch der Eheſcheidung. 285. Iſt nun die Erklaͤrung auf obige Art geſchehen, ſo wird ſie in den erſten fuͤnfzehn Tagen des folgenden vierten, ſiebenten und zehnten Monats allemal erneut, und dabei werden die naͤmlichen Feierlichkeiten bevbachtet. Bei⸗ de Theile ſind gehalten, jedesmal durch eine öffentliche Ac⸗ te zu beweiſen, daß ihre Eltern oder andere noch lebende aufſteigende Verwandten auf ihrem erſten Entſchluſſe beſte⸗ A———————— B 4—— „ hen; aber ſie ſind nicht verbunden, die Auflegung trgend einer andern Acte zu wiederholen. 286. Ein volles Jahr nach der erſten Erklaͤrung, und zwar in den erſten fuͤnfzehn Tagen nach dem Tage, wo jenes Jahr verfloſſen iſt, verfuͤgen ſich die Eheleute zuſammen und perſoͤnlich vor den Praͤſidenten des Gerichts, oder den Richter, der ſein Amt verſieht. Jeder von ihnen laͤßt ſich von zwei Freunden begleiten, die wenigſtens fuͤnf⸗ zig Jahre alt, und Notable in ihrem Bezirk ſeyn muͤſſen. Sie uͤberreichen dem Richter die Ausfertigung in gehoöri⸗ ger Form, ſowohl von den vier Aufſätzen uͤber ihre beider⸗ ſeitige Einwilligung, als von allen Acten, die denſelben angehaͤngt ſind, und fodern von ihm die Zulaſſung der Eheſcheidung, jeder insbeſondere, und dennoch einer in des andern Gegenwart, und in Beiſeyn der Notare. 287. Die Richter und die Begleiter der Eheleute ma⸗ chen nun dieſen die geeigneten Vorſtellungen; und behar⸗ ren ſie dennoch auf ihre Forderung, ſo wird ihnen hie⸗ von eine Acte oder Beſcheinigung zugeſtellt. Das namli⸗ che geſchieht ruͤckſichtlich der Beweisſtuͤcke, die ſie überge⸗ ben haben. Der Gerichtſchreiber des Tribunals verfertigt uͤber den ganzen Hergang einen erzählenden Aufſatz, und dieſen unterzeichnen ſowohl die beiden Eheleute, als die vier Freunde, der Richter und der Gerichtſchreiber. Koͤnnen aber die Eheleute nicht unterzeichnen, oder ſind ſie darin unerfahren, ſo wird dies bemerkt. 288. Unter den obigen erzaͤhlenden Aufſatz oder das Protocoll, ſchreibt der Richter ſogleich ſeinen Befehl, des Inhalts, daß uͤber das ganze von ihm an das Ge⸗ richt in dem Rathzimmer berichtet werden ſolle, und zwar auf den ſchriftlichen Antrag des Staats⸗Procurators, dem zu dieſem Ende der Gerichtſchreiber die Schriften zuſtellt. 289. Wenn der Staats⸗Procurator dahin antraägt, daß die Eheſcheidung angenommen werde, ſo faßt er ſeinen Antrag alſo ab: das Geſetz erlaubt(die Eheſchei⸗ dung) widrigenfalls faßt er ihn alſo ab: das Geſetz iſt dawider. Den erſten geſtattenden Antrag gibt er nur dann, wenn folgende vereinte Umſtaͤnde zuſammentreten. Der Mann mußte fuͤnfundzwanzig, und die Frau ein⸗ undzwanzig Jahre alt ſeyn, als ſie ihre erſte Erklaͤrung thaten; ſie mußten zur Zeit jener Erklaͤrung zwei Jahre — verheirathet ſeyn; die Ehe mußte nicht länger als zwanzig Jah⸗ re beſtanden haben; die Frau mußte weniger als fuͤnfundvier⸗ zig Jahre alt ſeyn; die beiderſeitige Einwilligung muß im Laufe des Jahrs viermal ausgedruͤckt worden ſeyn, und zwar nach Vorhergehung alles deſſen, was hieroben vorgeſchrie⸗ ben iſt, und mit Beobachtung aller Feierlichkeiten, welche der gegenwaͤrtige Titel erfodert, und insbeſondere mit Ermächtigung der Eltern der Eheleute, oder mit Ermaͤch⸗ tigung ihrer ſonſtigen aufſteigenden Verwandten, im Fall die Eltern vorgeſtorben waren; endlich muß der Beweis aller jetzt angefuͤhrten Umſtände ſich in den Schriften fin⸗ den, die dem Staats⸗Prokurator zugeſtellt worden ſind. 200. Nach erſtattetem Bericht iſt das Tribunal nicht befugt, das Daſeyn und die Richtigkeit anderer Gegenſtän⸗ de zu unterſuchen, als diejenigen ſind, die der vorherge⸗ hende Artikel anfuͤhrt. Geht daraus nach der Meinung des Gerichts hervor, daß die Betheiligten die Bedingun⸗ gen erfullt, und die Feierlichkeiten beobachtet haben, wel— che das Geſetz beſtimmt: ſo läßt es die Eheſcheidung zu und verweißt die Betheiligten vor den Beamten des Ci⸗ vilſtandes, um ſie ausſprechen zu laſſen. Iſt das Gericht aber dieſer Meinung nicht, ſo erklaͤrt es, daß es die Ehe⸗ ſcheidung nicht zulaſſen koͤnne, und entwickelt die Gruͤnde ſeiner Entſcheidung. 291. Gegen ein Urtheil, das erklaͤrt, die Eheſchei⸗ dung koͤnne nicht zugelaſſen werden, hat die Berufung*) Statt. Aber die Berufung kann nicht angenommen wer⸗ den, als in ſo weit ſie von beiden Theilen, und dennoch durch ganz verſchiedene Acten, geſchieht. Sie wird eben— falls nicht angenommen, als in ſo weit ſie in den zehn Tagen fruͤheſtens, und in den zwanzig Tagen vom Tage des Urtheils erſter Inſtanz laͤngſtens eingelegt wird. 202. Die Acte, wodurch die Berufung geſchieht, wird wechſelſeitig von einem Ehegenoſſen dem andern inſinuirt; ſie wird ebenfalls dem Staats⸗Procurator beim Gericht erſter Inſtanz inſinuirt. *) Appellation. ———— ——2 32—« 293. Sobald dem Staats⸗Procurator beim Gericht erſter Inſtanz die zweite Berufungsacte inſinuirt iſt, und zwar in den erſten zehn Tagen, von dieſer Inſinuation an gerechnet, uberſchickt er dem kaiſerlichen General⸗Procura⸗ tor beim Berufungsgericht die Ausfertigung des Urtheils, und die Schriften, worauf das Urtheil ergangen iſt. In den erſten zehn Tagen, nach Empfang der Schriften, macht der General⸗Prokurator beim Berufungsgericht ſeine ſchrift⸗ lichen Antraͤge; der Präſident, oder ſein Stellvertreter, ſtattet dem Berufungsgerichte, in dem Rathszimmer, ſeinen Bericht ab, und die endliche Entſcheidung erfolgt in den erſten zehn Tagen nach Uebergabe der Antraͤge des Ge⸗ neral⸗Prokurators. 294. Läßt das Urtheil die Eheſcheidung zu; ſo ver⸗ fügen ſich, kraft deſſelben, und in den erſten zwanzig Ta⸗ gen ſeines Datums, die Partheien zuſammen und perſoͤnlich vor den Beamten des Civilſtandes, der ſodann die Ehe⸗ ſcheidung auszuſprechen hat. Nach Ablauf jener Friſt iſt das Urtheil ohne Kraft, und als nicht ergangen anzuſehn. Vieres Von den Wirkungen der Eheſcheidung. Art. 295. Die Urſache der Eheſcheidung mag gewe⸗ ſen ſeyn, welche ſie immer wolle, die Eheleute, die ſie er⸗ wirkt haben, koͤnnen ſich nie wieder verbinden. 296. Iſt die Eheſcheidung aus beſtimmter Urſache er⸗ folgt, ſo kann die geſchiedene Frau ſich nicht wieder ver⸗ ehelichen, als zehn Monate nach ausgeſprochener Eheſchei⸗ dung. 297. Iſt aber die Eheſcheidung eine Folge beiderſei⸗ tiger Einwilligung, ſo kann ein Ehegenoſſe eben ſo wenig, wie der andere eine neue Ehe eingehen, wenn nicht drei Jahre nach Ausſpruch der Eheſcheidung verfloſſen ſind. 298. Iſt die Eheſcheidung wegen Ehebruches gericht⸗ lich zugelaſſen worden, ſo kann der ſchuldige Ehegenoſſe ſich nie mit demjenigen verehelichen, womit er jenes Laſter getrieben hat. Die Frau, die ſich des Ehebruches ſchuldig gemacht, wird noch überdies im namlichen Urtheil*), und *) Das die Eheſcheidung zuläßt. — auf den Antrag des oͤffentlichen Miniſteriums zur Einſper⸗ rung in ein Zuchthaus verurtheilt. Die Einſperrung geſchieht auf beſtimmte Zeit, und kann nicht unter drei Monaten ſeyn, und nicht uͤber zwei Jahre gehen. 299. Die Eheſcheidung mag erfolgt ſeyn, aus wel⸗ cher Urſache ſie wolle, der Gatte, wogegen ſie iſt zugelaſ⸗ ſen worden, verliert alle Vortheile, welche ihm der andere Gatte, entweder im Heirathsvertrage, oder auch nach voll⸗ zogener Ehe zugeſtanden hatte. Ausgenommen ſſt hievon der Fall, wo die Eheſcheidung eine Folge beiderſeitiger Einwilligung war. 300. Der Ehegenoſſe, der die Entſcheidung erwirkt hat, behaͤlt alle ihm vom Gegentheil zugeſtandenen Vor⸗ theile, wenn ſie ſchon wechſelſeitig ausbedungen waren, und obſchon die Wechſelſeitigkeit nicht Statt hat. 301. In folgenden zwei Fällen kann das Gericht dem Ehegenoſſen, der die Eheſcheidung erwirkt hat, einen Verpflegungsgehalt geſtatten, der aus dem Vermoͤgen des andern Ehegenoſſen genommen wird; wenn naämlich die Eheleute ſich keine Vortheile ausbedungen haben, oder, wenn die Vortheile, die ſie ausbedungen haben, zum Un⸗ terhalt des klagenden Ehegenoſſen nicht hinlaͤnglich zu ſeyn ſcheinen. Der Verpflegungsgehalt darf aber in keinem Falle ein Drittheil der Einkuͤnfte des andern Ehegenoſſen uberſteigen, und er kann zuruͤckgenommen werden, ſobald er nicht nothwendig iſt. 302. Die Kinder werden dem Ehegenoſſen anvertraut, der die Scheidung entwirkt hat. Wenn jedoch die Familie, oder der Staats⸗Prokurator es begehrt; ſo kann das Ge⸗ richt befehlen, daß zu ihrem groͤßern Nutzen die Kinder entweder alle, oder einige von ihnen, der Sorge und Auf⸗ ſicht des andern Ehegenoſſen, oder auch einer dritten Per⸗ ſon anvertraut werden ſollen. 303. Die Eltern behalten beiderſeitig das Recht, uͤber den Unterhalt und die Erziehung ihrer Kinder zu wachen, ohne Unterſchied der Perſon, der dieſelben anvertraut ſind. Nicht minder ſind ſie verbunden, zur Unterhaltung und Erziehung ihrer Kinder beizutragen nach Verhältniß ihres Vermoͤgens. 6* 5———„———— .—.—— e 304. Die Aufloͤſung der Ehe durch eine gerichtlich zugelaſſene Scheidung hat nie zur Folge, daß die aus der aufgelößten Ehe gebornen Kinder jene Vortheile verlieren, die ihnen zukommen, vermoͤge der Geſetze oder vermöge der Ehevertraͤge ihrer Eltern. Aber die Rechte der Kin⸗ der werden deswegen nicht durch die Eheſcheidung fällig, ſondern ſie werden auf die nämliche Art und in den näm⸗ lichen Umſtaͤnden fällig, wie ſie auch faͤllig geworden wä⸗ ren, wenn keine Eheſcheidung ſtatt gehabt haͤtte. 305. Wenn aber die Ehe durch beiderſeitige Ein⸗ willigung aufgelößt worden iſt, ſo gehört die Halfte der Guͤter beider Eheleute mit vollem Rechte eigenthuͤmlich den Kindern zu, welche aus ihrer Ehe entſtanden ſind; und zwar gehoͤrt ſie ihnen zu von jenem Tage an, wo die Eltern ihre erſte Erklärung thaten. Demungeachtet behal⸗ ten die Eltern den Genuß jener Haͤlfte bis zur Großjaͤh⸗ rigkeit ihrer Kinder; wogegen ſie verbunden ſind, für die Nahrung, den Unterhalt und die Erziehung derſelben zu ſorgen, nach Vermoͤgen und Stand. Alles dies gilt un⸗ beſchadet ſonſtiger Vortheile, welche beſagten Kindern etwa durch Eheverträge ihrer Eltern zugeſichert ſeyn koͤnnten. Von der Scheidung von Bett und Tiſch. Art. 306. In allen Faͤllen, wo eine Klage auf Eheſchei⸗ dung aus beſtimmter Urſache Statt hat, ſteht es den Ehe⸗ leuten frei, die bloße Scheidung von Bett und Tiſch zu fodern. 307. Die Klage um Scheidung von Bett und Tiſch wird angehoben, eingeleitet und abgeurtheilt, wie je⸗ de andere bürgerliche Klage; ſie kann aber nie eine Folge der beiderſeitigen Einwilligung ſeyn. 308. Wenn die Scheidung von Bett und Tiſch darum gegen die Frau ausgeſprochen wird, weil ſie Ehe⸗ bruch begangen hat: ſo wird ſie im nämlichen Urtheil und auf Antrag des öͤffentlichen Miniſteriums zur Ein⸗ ſperrung in ein Zuchthaus verurtheilt. Die Ein⸗ ſperrung geſchieht auf beſtimmte Zeit, und kann nicht unter drei Menaten ſeyn, und nicht über zwei Jahre gehen. — 309. Im Falle ein ſolches Urtheil ergangen iſt, ſteht es dem Manne noch frei, es unwirkſam zu machen, wenn er ſich dazu verſteht, ſeine Frau wieder anzunehmen. 310. Wenn die Scheidung von Bett und Tiſch, nicht weil die Frau Ehebruch begangen, ſondern wegen je⸗ der andern Urſache ausgeſprochen war, und drei Jahre lang gewaͤhrt hat: ſo kann der Ehegenoſſe, der urſpruͤng⸗ lich Beklagter war, vor Gericht gehen, und die Eheſchei⸗ dung fodern; und das Gericht läßt dieſelbe zu, es ſey denn, daß der urſpruͤngliche Klaͤger, er ſey nun gegen⸗ waͤrtig, oder gehoͤrig vorbeſchieden, ſich auf der Stelle dazu verſtehe, die Scheidung von Bett und Tiſch aufhoͤ⸗ ren zu laſſen. 311. Die Scheidung von Bett und Tiſch hat im⸗ mer zur Folge die Trennung der Guͤter. Siebenter DTitel). Von der Vaterſchaft und Kindſchaft—. Eſtes Caſinel. Von der Kindſchaft rechtmäßiger oder in der Ehe geborner Kinder. Art. 312. Das Kind, ſo während der Ehe iſt empfan⸗ gen worden, hat zum Vater den Ehemann. Jedoch kann der Ehemann das Kind ableugnen, wenn er beweiſet, daß er waͤhrend der Zeit, die vom dreihun⸗ *) Geſet vom 2. Germinal 11. Jahrs(23. März 1803). Pro⸗ mulgirt den 12.(2. April 1803.) **) Paternité et fliation. Beide Ausdrücke kommen gewöhnlich nicht vor, als in Rechtshändeln, wo es auf die Frage ankömmt, ob dieſer oder jener ein Kind von dieſem oder jenem ſey, mit⸗ hin auf die Kindſchaft(üliation), oder ob dieſer oder jener von dieſem oder jenem der Vater ſey, mithin auf die Vater⸗ ſchaft(paternité). ————— *⸗ dertſten Tage bis auf den hundertachtzigſten Tag vor der Geburt des Kindes verlaufen iſt, in der phyſiſchen Unmöglichkeit war, ſeiner Frau beizuwohnen; dieſe Un⸗ moͤglichkeit mag ſich nun gruͤnden auf Entfernung, oder auf irgend ein anderes Ereigniß. 313. Der Mann kann das Kind nicht ableugnen un⸗ ter dem Vorwande ſeines natuͤrlichen Unvermoͤgens; er kann es ſelbſt wegen Ehebruches nicht ableugnen, es ſey denn, daß man ihm die Geburt verhehlt habe, und in die⸗ ſem Falle iſt es ihm erlaubt, alle Thatſachen vorzubrin⸗ gen, die beweiſen koͤnnen, daß er der Vater des Kindes nicht iſt. 314. Iſt ein Kind vor dem hundert achtzigſten Tage nach der Trauung geboren, ſo kann der Ehemann es ab⸗ leugnen. Er kann es aber aus dieſer Urſache nicht mehr ableugnen in folgenden Fällen: 1ſtens, wenn ihm die Schwangerſchaft vor der Trau⸗ ung bekannt war; Atens, wenn er bei der Geburtsacte zugegen war, und wenn dieſe Acte von ihm unterzeichnet iſt, oder die Erklaͤrung enthaͤlt, daß er nicht unterzeichnen kann; ztens, wenn das Kind nicht fuͤr lebensfähig erklärt wird*) 315. Wird ein Kind dreihundert Tage nach Auflöſung der Ehe geboren: ſo kann ſeine Rechtmäßigkeit angefochten werden. 316. In den verſchiedenen Faͤllen, wo es dem Ehe⸗ mann erlaubt iſt, gegen die Rechtmaͤßigkeit eines Kindes einzukommen, muß er dies in einem Monate thun, in ſo weit er ſich an dem Orte befindet, wo das Kind geboren worden. In zwei Monaten muß er einkommen, wenn er zur Zeit der Geburt abweſend war; *) Das Kind lebte im Mutterleibe. Dieſe Art von Leben kann ei⸗ ne unbeſtimmte Tagezahl hindurch währen, ohne daß es darum moͤglich ſey, daß es auch fortlebe; und dieſe Moͤglichkeit, die gewöhnliche Lebenszeit zu leben, iſt es, was man unter dem Ausdruck lebensfaͤhig(viable) ſeyn, verſteht. Die Frage, ob ein Kind lebensfähig ſey, haben natuͤrlicher Weiſe Kunſtverſtändige zu entſcheiden. ————̃——— ——————— — In den zwei Monaten nach Entdeckung des Betrugs endlich, wenn man ihm die Geburt des Kindes verborgen hatte. 317. Wenn der Eheman geſtorben iſt, bevor er klag⸗ bar eingekommen; ſo haben die Erben zwei Monate, um die Rechtmäßigkeit des Kindes anzufechten; vorausge⸗ ſetzt jedoch, daß der Mann in der ihm geſtatteten Zeit, um einzukommen, geſtorben iſt. Die zwei den Erben geſtatte⸗ ten Monate fangen an zu laufen von dem Zeitpunkte, wo das Kind ſich in den Beſitz der Guͤter des Ehemannes ge⸗ ſetzt hat, oder auch von dem Zeitpunkt, wo die Erben, die in dieſem Beſitze wirklich ſind, von dem Kinde darin ge⸗ ſtoͤrt werden. 318. Jede auſſergerichtliche Schrift oder Acte, worin entweder der Ehemann, oder auch ſeine Erben, erklärten, daß ein Kind nicht ehelich ſey, wird als nicht geſchehen betrachtet, wenn nicht in monatlicher Friſt darauf eine ge⸗ richtliche Klage angehoben wird, und zwar gegen den Vor⸗ mund, der hiezu eigends fur das Kind ernannt wird, und in Gegenwart ſeiner Mutter. w ei tes 6 pitel⸗ Vom Beweiſe rechtmäßiger oder ehelicher Kindſchaft. Art. 319. Die Kindſchaft rechtmaäßiger oder ehelicher Kinder wird bewieſen durch die Geburtsurkunden, die in das Regiſter des Civilſtandes eingetragen ſind. 320. Wenn dieſer Titel oder dies Beweismittel fehlt: ſo iſt genug, wenn das Kind beweiſet, daß es beſtändig im Beſitz des Standes eines ehelichen Kindes geweſen iſt. 321 Dieſer Standesbeſitz entſteht dadurch, daß ſich genugſame Thatſachen vereinigen, welche nachweiſen, daß das Verhältniß der Vaterſchaft und der Kindſchaft vor⸗ handen iſt zwiſchen einem Menſchen und der Familie, wo⸗ zu er zu gehoͤren vorgibt. Die vorzuͤglichſten jener Thatſachen ſind, daß der Menſch den Namen des Vaters gefuͤhrt hat, dem er an⸗ zugehoͤren vorgibt; ————— 3 Daß der Vater ihn wie ſein Kind behandelt, und in dieſer Eigenſchaft fuͤr ſeine Erziehung, ſeinen Unterhalt, und ſeine Verſorgung geſorgt hat; Daß er beſtändig in der Geſellſchaft dafuͤr anerkannt worden iſt; Daß er dafuͤr von der Familie anerkannt worden iſt. 322. Die Geburtsurkunde, und der mit einer ſolchen Urkunde uͤbereinſtimmende Beſitz, mitteln den Stand aus; einen andern Stand in Anſpruch zu nehmen, iſt nieman⸗ den erlaubt. Hinwieder kann niemand den Stand eines Menſchen anfechten, der einen mit ſeiner Geburtsurkunde uͤberein⸗ ſtimmenden Beſitz hat. 323. Der Beweis der Kindſchaft kann durch Zeugen geſchehen, wenn eine ſolche Urkunde und ein ſolcher beſtän⸗ diger Beſitz nicht vorhanden iſt, oder wenn das Kind ein⸗ geſchrieben iſt entweder unter falſchem Namen, oder als abſtammend von unbekannten Eltern. Damit aber jener Beweis durch Zeugen zugelaſſen werden konne, wird durchaus erfodert, daß ein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vorhanden ſey, oder daß aus Thatſachen, die wirklich am Tage liegen, ſo wichtige Ver⸗ muthungen oder Anzeigen hervorgehen, um ſich fuͤr die Zulaſſung dieſes Beweiſes zu beſtimmen. 324. Den Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes liefern Familienurkunden, Hausverzeichniſſe und Hausſchriften des Vaters oder der Mutter, öffentliche Urkunden und ſelbſt Privaturkunden, wenn ſie von einer Parthei herruͤhren, die in den Streit verpflochten iſt, oder die dabei intereſſirt wäre, wenn ſie noch lebte. 325. Der Gegenbeweis kann geſchehen durch alle Mittel, die darthun können, daß der Klaͤger nicht das Kind der Mutter iſt, die er zu haben vorgibt. Und wenn die Mutterſchaft ſchon bewieſen iſt: ſo kann der Gegenbe⸗ weis noch geſchehen durch alle Mittel, die darthun koͤnnen, daß der Kläger den Mann der Mutter nicht zum Vater hat. 326. Die buͤrgerlichen Gerichte allein ſind geeignet, uͤber Anſpruͤche zu entſcheiden, welche den Stand betreffen. — 37. Hat wegen Unterſchlagung des Standes eine peinliche Klage*) Statt: ſo kann dieſe Klage nicht an⸗ fangen, als nachdem uͤber den Streit wegen des Standes ein Endurtheil ergangen iſt. 328. In Hinſicht auf das Kind iſt die Klage, die einen Standesanſpruch zum Gegenſtande hat, unverjährbar. 329. Iſt das Kind ſelbſt nicht eingekommen, ſo koͤn⸗ nen die Erben die Klage nicht anheben, als in ſo weit das Kind während ſeiner Minderjahrigkeit geſtorben iſt, oder in ſo weit ſie dieſelbe in den erſten fuͤnf Jahren nach ſeiner Großjährigkeit anheben. 330. Hat das Kind dieſe Klage wirklich angehoben, ſo koͤnnen die Erben ſie fortſetzen, es ſey denn, daß es foͤrmlich davon abgeſtanden, oder erklärt habe, ſie nicht fortſetzen zu wollen, ohne daß es, von der letzten Hand⸗ lung des Prozeſſes angerechnet, drei Jahre verſtreichen laſſen, ohne die Sache zu verfolgen. ite Epil. Von unehelichen Kindern. Erſter Abſchnitt. Von der Legitimation*“) unehelicher Kinder. Art. 331. Die aus unehelichem Beiſchlafe erzeugten Kinder konnen die Rechte ehelicher Kinder erlangen**2) durch die nachfolgende Verheirathung ihrer Eltern, wenn dieſe Eltern ſie beiderſeitig vor der Trauung anerkannt haben, oder wenn ſie ſie in der Trauungsacte ſelbſt noch anerkennen. Ausgenommen von dieſer Verfuͤgung ſind die aus Blutſchande oder Ehebruch erzeugten Kinder. 2 Das heißt eine Klage oder ein Prozeß, der vor die peinlichen Gerichte, oder vor die Criminalgerichte, gehoͤrt, und deſſen Zweck die Verurtheilung des Schuldigen zu einer entehrenden Strafe iſt. *—) Legitimation iſt in Hinſicht auf uneheliche Kinder diejenige Handlung, wodurch ſie die Rechte der ehelichen Geburt erlan⸗ gen. ***) Legitimirt werden. .———,———— .——* — 90— 332. Die Legitimation kann ſelbſt zu Gunſten von Kindern geſchehen, die verlebt ſind und Abkoͤmmlinge nach⸗ gelaſſen haben, und in dieſem Falle gereicht ſie dieſen Ab⸗ koͤmmlingen zum Nutzen. 333. Kinder, welche durch nachfolgende Verheira⸗ thung die Rechte ehelicher Geburt erlangt haben, genießen die naämlichen Rechte, welche ſie wuͤrden genoſſen haben, wenn ſie in dieſer Ehe erzeugt wären. Zweiter Abſchnitt. Von Anerkennung unehelicher Kinder. Art. 334. Wenn die Anerkennung eines unehelichen Kindes nicht in ſeiner Geburtsacte geſchehen iſt: ſo muß ſie durch eine authentiſche Acte geſchehen. 335. Eine ſolche Anerkennung kann aber nicht Statt haben zu Gunſten eines aus Blutſchande oder Ehebruch gezeugten Kindes. 336. Eine Anerkennung, die der Vater thut, ohne daß er die Mutter anzeigt, und ohne das Geſtaͤndniß der⸗ ſelben, hat keine Wirkung als in Ruͤckſicht auf den Vater. 337. Wenn ein Ehegenoſſe während der Ehe ein uneheliches Kind anerkennt, das er vor ſeiner gegenwär⸗ tigen Ehe mit einem andern, als ſeinem jetzigen Ehege⸗ noſſen gezeugt hat: ſo kann dieſe Anerkennung weder ſei⸗ nem jetzigen Ehegenoſſen, noch den Kindern der jetzt be⸗ ſtehenden Ehe nachtheilig werden. Sie erhaͤlt aber ihre Wirkung nach Aufloͤſung dieſer Ehe, wenn aus derſelben keine Kinder mehr vorhanden ſind. 338. Ein uneheliches Kind, wenn es ſchon anerkannt iſt, kann die Rechte eines ehelichen Kindes nicht in An⸗ ſpruch nehmen. Die Rechte der ehelichen Kinder wer⸗ den im Titel von der Erbfolge regulirt. 339. Allen, deren Vortheil dabei obwaltet, ſteht es frei, jede Anerkennung, die vom Vater oder der Mutter herruͤhrt, ſo wie jeden Anſpruch, den das Kind macht, anzufechten. 340. Die Nachforſchung der Vaterſchaft iſt verboten *) Daß jemand Vater(eines außerehelichen Kindes) ſey, kann und Im Fall einer Entfuͤhrung kann der Entfuͤhrer, wenn es die intereſſirten Theile verkangen, als Vater des Kin⸗ des erklärt werden, in ſo fern der Zeitpunkt der Entfuͤh⸗ rung mit dem Zeitpunkte der Empfängniß zuſammentrift. 311. Die Rachforſchung der Mutterſchaft iſt erlaubt. Das Kind, ſo eine Perſon als Mutter in Anſpruch nimmt, muß beweiſen, daß es und das Kind, womit ſie niedergekommen iſt, eine und die namliche Perſon ſind. Es kann nur dann zugelaſſen werden, dieſen Beweis durch Zeugen zu liefern, wenn es bereits den Anfang ei⸗ nes ſchriftlichen Beweiſes hat. 342. In den Fällen, wo gemäß dem Art. 335 die Anerkennung nicht zuläſſig iſt, kann auch ein Kind zu der Nachforſchung nicht zugelaſſen werden, ſie mag nun die Vaterſchaft oder die Mutterſchaft beweiſen ſollen. Von der Annahme an Kindesſtatt, und der freiwilli— gen Vormundſchaft. Von der Annahme an Kindesſtatt**). Erſter Abſchnitt. Von der Annahme an Kindesſtatt und ihren Wirkun⸗ gen. Art. 343. Die Annahme an Kindesſtatt iſt Perſonen bei⸗ derlei Geſchlechts nur dann erlaubt, wenn ſie mehr als darf blos durch die eigene Anerkennung des Vaters bewieſen werden, und dieſe Anerkennung muß noch dazu in der Geburts⸗ acte oder in einer authentiſchen Schrift geſchehen ſeyn. Zur Beruhigung der Familien erlaubt das Gefetz keine andern Be⸗ weiſe, keine Nachforſchungen der Vaterſchaft. Die einzige Aus⸗ nahme von dieſer allgemeinen Regel enthält dieſer Artikel. *) Geſetz vom 2. Germinal 11. J.(23. Maͤrz 1803.) Promulg. den 12.(2. April 1803). **) Adoption. ——— ——* fuͤnfzig Jahre alt ſind; wenn ſie zur Zeit der Annahme keine Kinder noch rechtmaͤßige Abkoͤmmlinge haben, und wenn ſie wenigſtens fuͤnfzehn Jahre älter ſind, als die Perſonen, die ſie an Kindesſtatt annehmen wollen. 344. Niemand kann von mehreren Perſonen zugleich an Kindesſtatt angenommen werden, die Annehmenden ſeyen denn zwei Eheleute. Den Fall des Art. 366 ausgenommen, kann kein Ehe⸗ genoſſe an Kindesſtatt annehmen, als mit Bewilligung des andern Ehegenoſſen. 345. An Kindesſtatt kann nur ausgenommen werden derjenige, den der Annehmende waͤhrend ſeiner(des An⸗ zunehmenden) Minderjährigkeit, und wenigſtens ſechs Jah⸗ re hindurch, unterſtutzt, und in ſeine ununterbrochene Ob⸗ ſorge genommen, oder derjenige, der dem Annehmenden das Leben entweder in einem Gefecht gerettet hat, oder auch daß er ihn den Flammen oder den Wellen entriß. In dieſem zweiten Falle iſt es genug, daß der An⸗ nehmende großjaͤhrig, älter als der Anzunehmende, ohne Kinder oder rechtmaͤßige Abkoͤmmlinge ſey; und, wenn er verheirathet iſt, daß der andere Ehegenoſſe in die Annah⸗ me einwillige. 346. In keinem Falle kann die Annahme an Kin⸗ desſtatt vor der Großjährigkeit des Anzunehmenden ge⸗ ſchehen. Wenn der Anzunehmende ſeine Eltern, oder ei⸗ nen von beiden, noch hat, und noch nicht volle fuͤnfund⸗ zwanzig Jahre alt iſt: ſo muß er den Beweis liefern, daß ſeine Eltern, oder der Ueberlebende, in die Annahme eingewilligt haben. Iſt er aber mehr als fuͤnfundzwanzig alt, ſo muß er ſie um Rath fragen. 347. Durch die Annahme bekommt der Angenomme⸗ ne den Namen des Annehmenden, ſo jedoch, daß derſelbe zu dem eigenen Namen des Angenommenen geſetzt werde. 348. Der Angenommene bleibt in ſeiner erſten na⸗ tuͤrlichen Familie, und behält darin alle ſeine Rechte. Je⸗ doch iſt die Ehe verboten zwiſchen dem Annehmenden, dem Angenommenen und ſeinen Abkoͤmmlingen; — Zwiſchen den angenommenen Kindern, des naͤmlichen Menſchen; Zwiſchen dem Angenommenen und den Kindern, die der Annehmende nachher noch bekommen koͤnnte; Zwiſchen dem Angenommenen und dem Ehegenoſſen des Annehmenden, und umgekehrt zwiſchen dem Annehmen⸗ den und dem Ehegenoſſen des Angenommenen. 349. Auch nach der Annahme beſteht die natuͤrliche Verbindlichkeit zwiſchen dem Angenommenen und ſeinen Eltern, ſich wechſelſeitig, und in den durch das Geſetz be⸗ ſtimmten Fällen, den Unterhalt zu reichen, und dieſe wech⸗ ſelſeitige Verbindlichkeit wird durch die Annahme auf den Annehmenden und den Angenommenen ausgedehnt. 350. Der Angenommene erlangt kein Erbfolgerecht auf die Guͤter der Verwandten des Annehmenden; aber auf die Verlaſſenſchaft des Annehmenden ſelbſt hat er die nämlichen Rechte, wie ſonſt jedes in der Ehe geborne Kind; und er hat dieſe Rechte ſelbſt dann, wenn dergleichen, in der Ehe, aber nach der Annahme, geborne Kinder vor⸗ handen wären. 351. Wenn der Angenommene ohne rechtmaͤßige Ab⸗ kömmlinge ſtirbt: ſo fallen die Gegenſtände, die er vom Annehmenden entweder zum Geſchenk, oder auch aus deſ⸗ ſen Verlaſſenſchaft erhalten hat, an den Annehmenden oder ſeine Abkoͤmmlinge zuruͤck. Nur muͤſſen jene Gegenſtände zur Zeit, wo der Angenommene ſtirbt, noch wirklich(in natura) vorhanden ſeyn, und die, welche ſie erhalten, auch zur Tilgung ſeiner Schulden beitragen. Alles dies ohne Nachtheil der Rechte, die ein Dritter darauf haben köoͤnnte. Was hienach von den Guͤtern des Angenommenen uͤbrig bleibt, gehoͤrt ſeinen eigenen Verwandten; und dieſe ſchließen jederzeit alle Erben des Annehmenden, die nicht ſeine Abkoͤmmlinge ſind, aus, ſelbſt wenn es auf Gegen⸗ ankoͤmmt, die in gegenwärtigem Artikel aufgefuhrt ind. 352. Wenn bei Lebzeiten des Annehmenden, und nach dem Tode des Angenommenen, des Letztern hinterlaſ⸗ ſene Kinder oder Abköͤmmlinge ſelbſt ſterben, ohne Nach⸗ kommen zu hinterlaſſen: ſo erbt der Annehmende die von ———.——r——— e— ihm geſchenkten Sachen, die im vorhergehenden Artikel geſagt worden; aber dieſes Erbrecht iſt bloß der Perſon des Annehmenden anklebig, und kann nicht auf ſeine Er⸗ uͤbergehen, ſelbſt nicht auf ſeine Erben in abſteigender inie. 3 w er ſ Von den Formen der Annahme an Kindesſtatt. Art. 353. Wenn eine Annahme an Kindesſtatt ge⸗ ſchehen ſoll: ſo verfuͤgen ſich beide Theile, ſowohl der An⸗ nehmende, als der Anzunehmende, vor den Friedensrichter im Wohnorte des Annehmenden, damit daſelbſt uͤber ihre beiderſeitigen Bewilligungen ein Urkunde aufgeſetzt werde. 354. In den zehn folgenden Tagen ſtellt der fleißig⸗ ſte Theil dem Staats⸗Prokurator bei dem Gericht erſter Inſtanz, unter deſſen Gerichtsbarkeit ſich der Wohnort des Annehmenden befindet, eine Ausfertigung der obigen Ur⸗ kunde zu, damit ſie dieſem Gerichte zur Beſtätigung uͤber⸗ geben werde. 355. Das Gericht verſammelt ſich im Rathszimmer, und, nachdem es die gehoͤrigen Erkundigungen eingezogen hat, unterſucht es 1ſtens, ob alle Beduͤrfniſſe des Geſetzes erfullt ſind; 2tens, ob die Perſon, die an Kindesſtatt annehmen will, in einem guten Rufe ſteht. 356. Nachdem das Gericht den Staats⸗Procurator angehoͤrt hat, erlaͤßt er den Spruch, ohne irgend eine an⸗ dere Form des Verfahrens, in dieſen Ausdruͤcken: Die Annahme hat Statt, oder, die Annahme hat nicht Statt. Es fuͤhrt die Beweggruͤnde ſeines Spru⸗ ches nicht an. 357. In dem Monat, der auf das Urtheil des Ge⸗ richtes erſter Inſtanz folgt, wird dies Urtheil, auf Betrei⸗ ben der fleißigſten Parthei, an das Berufungsgericht be⸗ foͤrdert, welches in den nämlichen Formen verfahrt, wie das Gericht erſter Inſtanz, und ebenfalls ohne die Be⸗ weggruͤnde anzufuͤhren, ſeinen Spruch in dieſen Ausdruͤcken erlaßt: Das Urtheil iſt beſtaͤtigt, oder das Ur⸗ — S——————Ü— — 95— theil iſt abgeandert, und die Annahme an Kin⸗ desſtatt hat mithin Statt, oder nicht Statt. 358. Jedes Urtheil des Berufungsgerichts, ſo eine Annahme an Kindesſtatt zulaͤßt, wird in der öffentlichen Sitzung ausgeſprochen, und an den Orten und ſo vielmal angeheftet, als das Gericht fuͤr dienlich erachtet. 359. In den drei Monaten nach dieſem Urtheil wird die Annahme an Kindesſtatt in das Regiſter des Civil⸗ ſtandes des Orts eingeſchrieben, wo der Annehmende wohn⸗ haft iſt. Die Einſchreibung geſchieht auf das Geſuch eines der beiden Theile. Sie kann aber nicht geſchehen, als auf Anſicht einer in der gehörigen Form abgefaßten Ausfer— tigung des vom Berufungsgericht erlaſſenen Urtheils, und die Annahme bleibt ohne Wirkung, wenn ſie in dieſer Friſt nicht eingeſchrieben wird. 360. Wenn der Annehmende zu ſterben kaͤme, nach⸗ dem die Acte, welche den Willen des Annehmenden, den Annahmevertrag einzugehn, beurkundet, ſchon vom Frie⸗ densrichter aufgenommen, und vor Gericht gebracht worden, und bevor dieſe endlich daruͤber geſprochen ha⸗ ben: ſo wird das Verfahren fortgeſetzt, und die Annahme an Kindesſtatt zugelaſſen, in ſo weit es übrigens angeht. Es ſteht den Erben des Annehmenden frei, dem Staats⸗Prokurator jede dienliche Denkſchrift und Bemer⸗ kung zu überreichen, wenn ſie glauben, daß die Annahme nicht zuläßig ſey. e Von der freiwilligen Vormundſchaft*). Art. 361. Wer einen noch minderjährigen Menſchen auf eine geſetzmaßige Art an ſich feſſeln will, kann ſein *) Tutelle officieuse. Das Weſen dieſer neuen Vormundſchaft beſteht hauptſaͤchlich darin, daß ſie freiwillig iſt, und nicht nothwendig, wie ſonſtige Vormundſchaften, wovon man ſich nur aus geſetzlichen Gründen losſagen kannz daß aber auch even deswegen der freiwillige Vormund, ſchon durch Schließung des Vertrags, groͤßere Verbindlichkeiten auf ſich nimmt, z. B. die —————— —„* freiwilliger Vormund werden, in ſo weit er uͤber fuͤnfzig Jahre alt, und ohne Kinder oder eheliche Abkommen iſt. Er muß hiezu die Einwilligung der Eltern des Kindes, oder des Letztlebenden von ihnen, oder, in Ermangelung derſelben, eines Familienrathes einholen. Wenn aber das Kind keine bekannte Verwandten hat: ſo muß er die Ein⸗ willigung der Verwalter des oͤffentlichen Hauſes, worin es aufgenommen worden, oder der Municipalitaͤt des Orts, wo es ſich aufhält, einholen. 362. Ein Ehegenoſſe kann nicht freiwilliger Vormund werden, als mit Einwilligung des andern Ehegenoſſen. 363. Der Friedensrichter des Ortes, wo das Kind wohnt, faßt uͤber das, was in Hinſicht auf die freiwillige Vormundſchaft gegenſeitig gefodert und bewilligt wird, ein Protokoll ab. 364. Dieſe Vormundſchaft kann nicht Statt haben, als zu Gunſten von Kindern, die weniger als fuͤnfzehn Jahre alt ſind. Sie hat zur nothwendigen Folge die Verbindlichkeit, das Muͤndel zu ernaͤhren, zu erziehen, und es in den Stand zu ſetzen, ſeinen Unterhalt zu verdienen; anderer beſondern Verbindlichkeiten nicht zu gedenken, die dabei koͤnnen aus⸗ bedungen werden, und ihre voͤllige Kraft haben. 365. Wenn das Muͤndel Vermoͤgen beſitzt, und wenn es vorher ſchon unter Vormundſchaft war: ſo geht die Verwaltung ſeines Vermoͤgens, ſo wie ſeiner Perſon, auf den freiwilligen Vormund uͤber. Jedoch kann dieſer die Erziehungskoſten nicht aus den Einkuͤnften des Muͤndels nehmen. 366. Wenn fuͤnf volle Jahre nach Uebernahme der Vormundſchaft der freiwillige Vormund vorſieht, daß er ſterben werde, ehe ſein Muͤndel großjährig iſt; ſo kann er es durch eine letztwillige Verordnung an Kindesſtatt an⸗ im Art. 364 angefuͤhrten, und mithin das Kind, ſo der ge⸗ genwärtigen Sorge eines andern anvertraut iſt, auch fuͤr die Zukunft, beſonders waͤhrend ſeiner Minderjaͤhrigkeit, geſichert wird; daß ſie endlich das Verlangen und die Abſicht anzeigt, eine Annahme an Kindesſtatt vorzunehmen, und dieſelbe in mancher Hinſicht, wo nicht nothwendiger Weiſe vorbereitet, doch erleichtert. ———.———— — 5— nehmen; und eine ſolche Verfugung iſt guͤltig, nur muß der freiwillige Vormund keine rechtmaͤßige Kinder hinter⸗ laſſen. 367. Wenn der freiwillige Vormund, entweder vor den fuͤnf Jahren, oder nach dieſer Zeit ſtirbt, ohne ſein Muͤndel an Kindesſtatt angenommen zu haben: ſo wird dieſem, ſo lange es minderjährig iſt, ſo viel verabreicht, als zu ſeinem Unterhalt noͤthig iſt. Iſt aber die Art und Groͤße der Unterhaltsmittel vorher nichts foͤrmlich und ausdruͤcklich verabredet worden: ſo wird dies guͤtlich un⸗ ter denen, die Vormund und Muͤndel gegenſeitig vertreten, regulirt. Entſteht aber Streit daruͤber, ſo wird es ge⸗ richtlich regulirt. 368. Wenn bei der Großjaͤhrigkeit des Muͤndels ſein freiwilliger Vormund es an Kindesſtatt annehmen will, und das Muͤndel einwilligt: ſo geſchieht die Annahme mit den im vorhergehenden Capitel vorgeſchriebenen Feierlich— keiten, und ihre Wirkungen ſind in jeder Hisſicht die naͤmlichen. 360. Wenn in den drei Monaten, welche auf die Großjahrigkeit des Muͤndels folgen, der freiwillige Vor⸗ mund daſſelbe noch nicht an Kindesſtatt angenommen hat, ungeachtet er dazu vom Muͤndel aufgefordert worden, und das letztere ſich außer Stand befindet, ſeinen Unterhalt zu verdienen: ſo kann der freiwillige Vormund verurtheilt werden, das Muͤndel fuͤr eine ſolche Unfähigkeit ſchadlos zu halten. Die Entſchaͤdigung beſteht in dieſem Falle darin, daß man dem Muͤndel die nöthigen Huͤlfsmittel zur Erlernung eines Handwerks verſchaffe. Hiedurch iſt jedoch nichts an dem geandert, was etwa auf einen ſolchen Fall iſt aus⸗ bedungen worden. 370. In allen Fällen muß der freiwillige Vormund ſich uber die Guͤter des Muͤndels berechnen, deren Ver⸗ waltung er etwa gehabt hat. ———— 8—« — Neunter DTitel. Von der väterlichen Gewalt*N Art. 371. In jedem Alter iſt das Kind ſeinen El⸗ tern Achtung und Ehre ſchuldig. 372. Es bleibt unter ihrer Gewalt, bis es davon befreit wird**), oder bis es ſeine Großjaͤhrigkeit erlangt. 373. So lange die Ehe beſteht, uͤbt der Vater allein dieſe Gewalt aus. 374. Ohne die Erlaubniß des Vaters kann das Kind das väterliche Haus nicht verlaſſen; es ſey denn, daß es freiwillig Kriegsdienſte nehme, in welchem Falle es aber achtzehn volle Jahre alt ſeyn muß. 375. Hat der Vater ſehr wichtige Gruͤnde, mit der Auffuͤhrung eines Kindes unzufrieden zu ſeyn: ſo kann er ſich folgender Mittel bedienen, es zurecht zu weiſen. 376. Wenn das Kind ſein ſechszehntes Jahr noch nicht angefangen hat, ſo kann der Vater es einſperren laſſen. Die Einſperrung darf aber nicht uͤber einen Mo⸗ nat dauern, und der Praͤſident des Bezirksgerichtes muß dazu, auf ſein Geſuch, den Verhaftsbefehl geben. 377. Vom Anfange des ſechszehnten Jahres bis zur Großjaͤhrigkeit oder Losſagung von väterlicher Gewalt, iſt der Vater bloß befugt, zu begehren, daß ſein Kind auf ſechs Monate laͤngſtens eingeſperrt werde. Er hat ſich zu dem Ende an den Praͤſidenten des vorbemerkten Gerichts zu wenden. Dieſer beſpricht ſich daruͤber mit dem Staats⸗ Prokurator, und ertheilt demnach den Verhaftungsbefehl, oder ſchlaͤgt ihn ab. Wenn er ihn ertheilt: ſo kann er die abkuͤrzen, worauf der Vater angetra⸗ gen hat. 378. Weder in dem einen noch andern Falle wird hiebei etwas geſchrieben, oder ſonſt eine gerichtliche Feier⸗ *) Geſetz vom 3. Germinal 11. Jahrs(24. Maͤrz 1803). Pro⸗ mulgirt den 13.(3. April 1803.) ² **) Jusqu'à son émancipation. — 2———————— — lichkeit erfodert, der Verhaftungsbefehl ſelbſt ausgenommen, worin jedoch die Beweggruͤnde nicht angeführt werden. Der Vater iſt bloß gehalten, eine Erklärung zu un⸗ terſchreiben, wodurch er ſich anheiſchig macht, alle Koſten zu bezahlen, und anſtaͤndige Nahrung zu verſchaffen. 379. Es bleibt dem Vater allezeit unbenommen, die Zeit der Einſperrung abzukuͤrzen, die er befohlen oder be— gehrk hat. Vergeht ſich das Kind, nach ſeiner Entlaſſung aus dem Verhaft, aufs neue: ſo kann ſeine Einſperrung aufs neue verordnet werden, und zwar auf die Art, wie ſie in den vorhergehenden Artikeln vorgeſchrieben iſt. 380. Iſt der Vater in der zweiten Ehe, ſo kann er ein Kind aus der erſten Ehe, wenn es auch noch keine ſechszehn Jahre alt iſt, nicht einſperren laſſen, als in ſo weit er ſich nach der Vorſchrift des Art. 377 richtet. 381. Die uͤberlebende Mutter, die nicht wieder ver⸗ heirathet iſt, kann ein Kind nicht anders einſperren laſſen, als mit Zuziehung und Beiſtimmung der zwei naͤchſten väterlichen Verwandten; auch kann ſie die Einſperrung Ret en⸗ ſondern bloß begehren nach Vorſchrift des Art. 377. 382. Auf dem naͤmlichen Wege und gemäß dem naͤmlichen Art. 377 kann auch die Einſperrung eines Kin⸗ des nur Statt haben, wenn es perſoͤnliches Vermoͤgen, oder wenn es ein eignes Gewerb hat. Sie kann in die⸗ ſen beiden Faͤllen nur auf die eben beſchriebene Art Statt haben, ſelbſt dann, wenn das Kind noch keine ſechszehn Jahre alt iſt. Es ſteht dem eingeſperrten Kinde frei, eine Denkſchrift an den kaiſerlichen General⸗Prokurator bei dem Beru⸗ fungsgerichte gelangen zu laſſen. Dieſer läßt ſich von dem Staats⸗Prokurator bei dem Tribunal erſter Inſtanz die noͤthige Aufklärung geben, und berichtet ſeiner Seits an den Präſidenten des Berufungsgerichts. Der letztere kann, nachdem er den Vater daruͤber benachrichtigt, und alle Erkundigungen eingezogen hat, den Befehl, den der Prä⸗ ſident des Gerichts erſter Inſtanz ertheilt hat, zuruͤck neh⸗ men oder einſchränken. 383. Die Art. 376, 377, 378 und 379 ſind auf die Eltern von unehelichen Kindern, wenn ſie geſetzlich anerkannt ſind, anwendbar. 7. —— — 384. Was den Genuß der Guͤter betrifft, welche den Kindern gehoͤren: ſo ſteht derſelbe waͤhrend der Ehe dem Vater, und, nach aufgeloſter Ehe, dem Ueberlebenden von beiden Eltern zu. Der Genuß dauert, bis die Kinder vol⸗ le achtzehn Jahre alt ſind, oder bis zu ihrer Losſagung von der väterlichen Gewalt, wenn ſie etwa vor dem acht⸗ zehnten Jahre geſchaͤhe. 385. Die Laſten und Bedingniſſe dieſes Genuſſes ſind: iſtens, diejenigen, die auch der Nutznießer auf ſich nimmt; Aens, Nahrung, Unterhalt und Erziehung der Kinder nach ihrem Vermoͤgen; 3tens, Zahlung der Ruͤckſtaͤnde oder Zinſen von Capitalien; 4tens, die Zahlung der Leichenkoſten und der Ko⸗ ſten der letzten Krankheit. 386. Dieſer Genuß hat aber nicht zu Gunſten des Va⸗ ters oder der Mutter, gegen den oder gegen die die Ehe⸗ ſcheidung waͤre ausgeſprochen worden, Statt; er hoͤrt eben⸗ falls auf in Ruͤckſicht auf die Mutter, wenn ſie zu einer zweiten Ehe ſchreitet. 387. Er erſtreckt ſich nicht auf das Vermoͤgen, welches die Kinder durch eine beſondere Arbeit oder durch ein be⸗ ſonderes Gewerbe erlangen koͤnnten. Auch erſtreckt er ſich nicht auf das Vermoͤgen, das den Kindern unter der ausdruͤcklichen Bedingung geſchenkt oder vermacht wird, daß die Eltern den Genuß deſſelben nicht haben ſollen. Von der Minderjährigkeit, der Vormund— ſch aft und der Emancipation.*). Erſtes Capitell. Von der Minderjährigkeit. Art. 388. Minderjaͤhrig heißt ohne Unterſchied des Geſchlechts der Menſch, der noch keine volle einundzwan⸗ zig Jahre alt iſt. 3 weites pyiiel. Von der Vormundſchaft**) Erſter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Eltern. Art. 3890. Waͤhrend der Ehe iſt der Vater Ver⸗ walter der perſoͤnlichen Guͤter ſeiner minderjährigen Kinder. *) Geſetz vom 5. Germinal 11. Jahrs(26. März 1803). Pro⸗ mulgirt den 15.(5. April 1803.) **) Tutelle. Der Minderjährige findet, ſo lange ſeine Eltern le⸗ ben, in ihnen ſeine natuͤrlichen Beſchuͤtzer. Stirbt aber einer von ihnen, oder beide: ſo nimmt ſich der Staat oder das Ge⸗ ſetz ſeiner an, und uͤbertägt die Sorge fuͤr ihn gewiſſen Per⸗ ſonen, die Vormuͤnder genannt werden, in ſo weit dieſe vom Staat oder Geſetz übertragene Sorge alle Angelegenhei⸗ ten des Minderjährigen zum Gegenſiande hat. Das Amt ei⸗ ner ſolchen Perſon heißt Vormundſchaft. Curatoren heißen diejenigen vom Geſetz vder Staate beſtellten Perſonen, denen nicht alle Angelegenheiten ihrer Pflegebefohlenen, ſondern nur ein Zweig derſelben, z. B. ihre Erziehung allein, ein gewiſſes Geſchäft, ein Kauf, Verkauf, eine Theilung u. ſ. w. zur Beſorgung uͤbertragen iſt. Beiſpiele, wo einem ein Curator geſtellt wird, liefern die unten folgenden Art. 480 und 482. Die eigentlichen Vormuͤnder und die Curatoren kommen auch wohl oft unter der Benennung Vormuͤnder, im all⸗ gemeinen Sinne vor. * — ₰—————— —— E In Ruͤckſicht auf das Vermoͤgen, deſſen Genuß er nicht hat, muß er Rechenſchaft ablegen uͤber Eigenthum und Einkuͤnfte; in Ruͤckſicht auf das Vermoͤgen aber, deſ⸗ ſen Niesbrauch ihm das Geſetz geſtattet, iſt er bloß fuͤr das Eigenthum verantwortlich. 390. Sobald die Ehe aufgeloͤſt iſt, es ſey nun durch den natuͤrlichen sder buͤrgerlichen Tod eines von beiden Eheleuten: gehoͤrt die Vormundſchaft uͤber die Kinder, die noch minderjahrig und nicht aus der väterlichen Gewalt ſind, von Rechtswegen dem letztlebenden Ehege⸗ noſſen. 391. Es ſteht jedoch dem Vater frei, der uͤberleben⸗ den Mutter, die durch ſeinen Tod Vormuͤnderin wird, ei⸗ nen beſondern Beiſtand zu ernennen, ohne deſſen Gutduͤn⸗ ken ſie ſodann keine Handlung vornehmen kann, welche auf die Vormundſchaft Bezug hat. Wenn der Vater die Handlungen namentlich anfuͤhrt, wofuͤr der Beiſtand zu ernennen iſt: ſo kann die Vormuͤn⸗ derin alle andere Handlungen vornehmen, ohne die Da⸗ zwiſchenkunft deſſelben. 392. Ein ſolcher Beiſtand kann nur auf eine von folgenden Arten ernannt werden: 1ſtens, durch eine letztwillige Verordnung; 2tens, durch eine Erklaͤrung, die vor dem Friedens⸗ richter in Beiſtand ſeines Gerichtsſchreibers, oder vor Notarien geſchieht. 393. Wenn beim Ableben des Mannes die Frau ſchwanger iſt: ſo ernennt der Familienrath der Leibesfrucht einen Vorſtand oder Curator. Sobald aber das Kind zur Welt koͤmmt, wird die Mutter ſeine Vormuͤnderin, und der Curator oder Vor⸗ ſtand wird von Rechtswegen ſein beigeordneter Vormund. 394. Die Mutter iſt nicht gezwungen, die Vormund⸗ ſchaft zu uͤbernehmen. In dem Falle jedoch, wo ſie ſie ausſchlägt, iſt ſie verbunden, die Pflichten derſelben zu er⸗ fullen, bis ſie die Ernennung eines Vormundes zuwege gebracht hat. 395. Wenn die Mutter, welche eine Vormundſchaft uͤbernommen hat, zur zweiten Ehe uͤbergehen will: ſo muß ——˖ů—————— 035— ſie vor der Trauung den Familienrath zuſammen rufen; und dieſer hat zu entſcheiden, ob ihr die Vormundſchaft verbleiben koͤnne. Unterläßt ſie jene Zuſammenrufung, ſo verliert ſie die Vormundſchaft ohne weiteres von Rechtswegen; und ihr neuer Ehemann wird ohne Theilung verantwortlich fuͤr alle Folgen, die eine ſolche ungeſetzlich beibehaltene Vor⸗ mundſchaft nach ſich ziehen kann. 3096. Wenn der gehoͤrig zuſammenberufene Familien⸗ rath die Mutter bei der Vormundſchaft laͤßt: ſo muß er ihr ihren zweiten Ehemann nothwendiger Weiſe zum Mit⸗ vormunde beſtellen. Der letztere wird in dieſem Falle mit ſeiner Frau ohne Theilung oder ſolidariſch verantwortlich fuͤr die Verwaltung von der Trauung an angerechnet. 3 weiter Abſchnitt. Von der vom PVater oder von der Mutter uͤbertragenen Vormundſchaft. Art. 397. Das Recht eines einzelnen Menſchen, ei⸗ nen Vormund zu waͤhlen, der verwandt oder auch ſogar nicht verwandt iſt, ſteht nur dem Letztſterbenden der bei⸗ den Eltern zu. 398. Dieſes Recht kann nicht ausgeuͤbt werden, als nach den im Art. 392 vorgeſchriebenen Formen, und un⸗ ſ den Ausnahmen und Einſchraͤnkungen, welche hiernach folgen. 399. Wenn die Mutter ſich wieder verheirathet, und bei dieſer Gelegenheit die Vormundſchaft uͤber die Kin⸗ der der erſten Ehe verloren hat: ſo kann ſie ihnen keinen Vormund waͤhlen. 400. Wenn die Mutter, welche zwar zu einer zwei⸗ ten Ehe geſchritten, aber Vormuͤnderin geblieben iſt, den Kindern aus ihrer erſten Ehe einen Vormund gewählt hat; ſo gilt eine ſolche Wahl nur in ſo weit, als der Fa⸗ milienrath ſie beſtätigt. 401. Der vom Vater oder von der Muter gewähl⸗ te Vormund braucht die Vormundſchaft nicht zu überneh⸗ men, es ſei denn, daß er unter die Perſonen gehöre, wel⸗ che der Familienrath ohnehin damit haͤtte belaſten können, wenn ihm nicht dieſe beſondere Wahl zuvorgekommen waͤre. —— Dritter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der aufſteigenden Verwandten. Art. 402. Wenn der Letztſterbende von Vater und Mutter dem Minderjaͤhrigen keinen Vormund gewaͤhlt hat: ſo gehoͤrt die Vormundſchaft von Rechtswegen dem Groß⸗ vater auf der vaͤterlichen Seite. In Ermangelung deſſel⸗ ben gehoͤrt ſie dem Großvater auf muͤtterlicher Seite, und ſo weiter hinauf; wobei immer der aufſteigende Verwandte auf väterlicher Seite den aufſteigenden Verwandten auf muͤtterlicher Seite, wenn beide im naͤmlichen Grade ſind, ausſchließt. 403. Wenn weder auf vaͤterlicher oder auf muͤtter⸗ licher Seite des Minderjaͤhrigen ein Großvater vorhanden iſt; ſo kann geſchehen, daß in dem unmittelbar hoͤhern Grade ſich zwei aufſteigende Verwandten finden, die beide gleiche Rechte haben, und beide zur vaͤterlichen Linie des Minderjaͤhrigen gehoͤren. In dieſem Falle geht die Vor⸗ mundſchaft von Rechtswegen auf denjenigen von beiden uͤber, welcher der väterliche Großvater des Vaters des Minderjaͤhrigen iſt. 404. Trifft aber der naͤmliche Fall zwiſchen zwei Ur⸗ großvaͤtern der muͤtterlichen Linie ein; ſo geſchieht die Er⸗ nennung vom Familienrath, welcher jedoch einen von die⸗ ſen beiden aufſteigenden Verwandten nothwendig waͤhlen muß. Vierter Abſchnitt. Von der durch den Familienrath übertragenen Vor⸗ mundſchaft. Art. 405. Die Ernennung eines Vormundes liegt einem Familienrathe in folgenden Faͤllen ob: 1ſtens, wenn ein Kind, welches minderjährig und nicht aus väterlicher Gewalt entlaſſen iſt, weder Vater oder Mutter, noch einen von Vater oder Mutter erwäͤhlten Vormund, noch auch maͤnnliche aufſtei⸗ gende Verwandten hat; 2tens, wenn zwar eine Perſon, die eine der eben jetzt angefuͤhrten Eigenſchaften hat, vorhanden iſt, die⸗ — 105— ſelbe aber nicht Vormund werden will oder kann, entweder weil ſie ſich im Falle der Ausſchließun⸗ gen befindet, welche hierunten vorkommen, oder weil ſie eine rechtsguͤltige Entſchuldigung hat. 406. Dieſer Familienrath wird zuſammen berufen, entweder auf das Geſuch und Betreiben der Verwandten des Minderjährigen, ſeiner Glaͤubiger oder anderer inte⸗ reſſirten Theile, oder auch ſelbſt von Amtswegen, und auf Betreiben des Friedensrichters des Orts, wo der Minder⸗ jahrige wohnhaft iſt. Jedermann iſt berechtigt, dieſem Friedensrichter das Ereigniß anzuzeigen, das die Ernen⸗ nung eines Vormundes nöthig macht. 407. Der Familienrath beſteht, den Friedensrichter nicht mit inbegriffen, aus ſechs Blutsfreunden oder Ver⸗ ſchwägerten*). Sie werden ſowohl in der Gemeinde, wo die Vormundſchaft eroͤffnet wird, als in einer Ent⸗ fernung von zwei Myriametern, halb auf väterlicher und halb auf muͤtterlicher Seite genommen, und der Ordnung nach kommen in jeder Linie die Naͤchſten zuerſt. Der Blutsverwandte hat im nämlichen Grade vor dem Verſchwägerten den Vorzug, und unter den Ver⸗ wandten des naͤmlichen Grades hat der aͤltere vor dem juͤngern den Vorzug. 408. Von der im vorſtehenden Artikel beſtimmten Einſchränkung in Ruͤckſicht auf die Zahl, ſind die rechten Bruͤder des Minderjährigen und die Ehemaͤnner ſeiner rechten Schweſter allein ausgenommen. Sind derſelben ſechs oder mehrere, ſo ſind ſie alle Glieder des Familienrathes, der in dieſem Falle aus ihnen allein, den Wittwen der aufſteigenden Verwand⸗ ten, und denjenigen aufſteigenden Verwandten, die eine rechtsgultige Entſchuldigung haben, wenn deren vorhan⸗ den ſind, beſteht. *) Bei dieſer Gelegenheit iſt es vielleicht nicht unnöthig zu be⸗ merken, daß diejenigen Perſonen Blutsverwandten oder Bluts⸗ freunde heißen, welche gemeinſchaftliche Stammeltern habenz Schwägerſchaft aber diejenige Verbindung heißt, welche durch Heirath zwiſchen dem einen Ehegenoſſen, und den Bluts⸗ wandten des andern entſteht. — 106— Sind derſelben aber weniger als ſechs, ſo nimmt man der andern Verwandten nur ſo viele dazu, als erforder⸗ lich ſind, den Rath vollzählig zu machen. 409. Wenn ſich in einer oder der andern Linie nicht genug Verwandte oder Verſchwaͤgerte an Ort und Stelle, oder in der durch den Art. 407 beſtimmten Entfernung befinden: ſo beruft der Friedensrichter entweder Verwand⸗ te oder Verſchwaͤgerte, die in einer groͤßern Entfernung wohnen, oder er beruft andere Buͤrger, die in der Ge⸗ meinde ſelbſt wohnen, und dafuͤr bekannt ſind, daß ſie mit dem Vater oder der Mutter des Minderjährigen anhal⸗ tend in freundſchaftlichem Verkehr geſtanden haben. 410. Selbſt in dem Falle, wo ſich an Ort und Stel⸗ le eine hinreichende Anzahl von Verwandten oder Ver⸗ ſchwägerten befindet, kann der Friedensrichter erlauben, die nähern Verwandten oder Verſchwaͤgerten oder auch dieje⸗ nigen, die mit den gegenwärtigen Verwandten oder Ver⸗ ſchwaͤgerten im naͤmlichen Grade ſind, vorzubeſcheiden, wenn auch die Entfernung, worin ſie wohnen, noch ſo groß wä⸗ re. Dieß muß jedoch ſo geſchehen, daß von den letztern (den Verwandten und Verſchwaͤgerten an Ort und Stelle) einige wegfallen, und die in den vorhergehenden Artikeln feſtgeſetzte Anzahl nicht uͤberſchritten werde. 411. Der Friedensrichter regulirt die Erſcheinungs⸗ friſt, und ertheilt die Ladung auf beſtimmten Tag. Be⸗ finden ſich alle vorbeſchiedene Theile entweder in der Ge⸗ meinde, oder in einer Entfernung von zwei Myriametern*); ſo muͤſſen immer wenigſtens drei Tage zwiſchen der inſinuirten Ladung und dem ſeyn, der fuͤr die Verſamm⸗ lung des Familienrathes beſtimmt iſt. So oft unter den vorzurufenden Theilen ſich einige befinden, die uͤber jene Entfernung hinaus wohnen: wird die Friſt fuͤr jene drei Myriameter um einen Tag vergroͤßert. 412. Alle ſo vorbeſchiedene Verwandten, Verſchwä⸗ gerte oder Freunde ſind verbunden, in Perſon oder durch einen beſondern Bevollmaͤchtigten zu erſcheinen. Der Bevollmaͤchtigte kann nicht mehr als eine Per⸗ ſon vertreten. *) ungefähr vier Stunden. 413. Der Verwandte, Verſchwägerte oder Freund, der auf die Ladung nicht erſcheint, ohne rechtmäßig ent⸗ ſchuldigt zu ſeyn, verwitkt eine Geldbuße, die fuͤnfzig Franken nicht uͤberſteigen darf. Sie wird ausgeſprochen 3b Friedensrichter, und zwar ohne Berufung oder Ap⸗ pel. 414. Wenn aber eine hinlaͤngliche Entſchuldigung vorhanden iſt, und es mithin noͤthig wird, entweder auf das abweſende Mitglied zu warten, oder einen andern an ſeine Stelle zu ernennen: ſo kann der Friedensrichter die Verſammlung verlängern, oder auch auf beſtimmte Zeit ausſetzen. Die nämliche Befugniß hat er in allen Fällen, wo es der Vortheil des Minderjährigen zu erfodern ſcheint. 415. Die Verſammlung iſt dem Geſetz und Rechte nach beim Friedensrichter, es ſey denn, daß er einen an⸗ dern Verſammlungsort auserſehe. Um berathſchlagen zu koͤnnen, wird erfodert, daß wenigſtens drei Viertel der berufenen Glieder gegenwaͤrtig ſeyen. 416. Der Friedensrichter ſitzt im Familienrathe vor; er hat dabei berathſchlagende Stimme, und im Falle der gleichen Theilung iſt die ſeinige entſcheidend. 417. Beſitzt ein Minderjaͤhriger, der in Frankreich wohnhaft iſt, Guͤter in den Colonien, oder umgekehrt: ſo wird die beſondere Verwaltung dieſer Guͤter einem Neben⸗ vormund uͤbergeben. In dieſem Falle ſind der Vormund und der Neben⸗ vormund, ſo viel die Verwaltung eines jeden betrifft, von einander unabhaͤngig, und ſich einander keine Rechenſchaft ſchuldig. 418. Der Vormund handelt und verwaltet in dieſer ſeiner Eigenſchaft von dem Tage ſeiner Ernennung, wenn ſie in ſeiner Gegenwart vorgenommen wird; wo nicht, von dem Tage an, wo ſie ihm bekannt gemacht worden. 419. Die Vormundſchaft iſt eine perſoͤnliche Laſt, und geht daher nicht auf die Erben des Vormundes über. Letztere ſind bloß verantwortlich für die Verwaltung deſ⸗ ſen, den ſie beerben; und wenn ſie großjaͤhrig ſind, ſo muͤſ⸗ ſen ſie dieſelbe bis zur Ernennung eines neuen Vormun⸗ des fortſetzen. .——3— . 108— Fünfter Abſchnitt. Vom beigeordneten Vormund*). Art. 420. Wo ein Vormund iſt, da muß auch ein beige⸗ ordneter Vormund ſeyn, den der Familienrath ernennt. Seine Verrichtungen beſtehen darin, daß er zum Vor⸗ theil des Minderjaͤhrigen in allen Faͤllen handle, wo die⸗ ſer Vortheil mit dem Vortheil des Vormundes in Wider⸗ ſpruch kommt. 421. Wenn das Amt eines Vormundes an eine von jenen Perſonen faͤllt, die in den Abſchnitten 1, 2 und 3 hier oben aufgefuͤhrt ſind: ſo kann ſie ihre Verrichtungen nicht beginnen, bevor ſie die Verſammlung eines Familien⸗ rathes veranſtaltet hat, welcher auf die im 4ten Abſchnitt beſchriebene Art zuſammengeſetzt iſt, und zur Ernennung eines beigeordneten Vormundes ſchreitet. Hat ſie ſich vor Erfullung dieſer Feierlichkeiten mit der Verwaltung befaßt: ſo kann der Familienrath, in ſo weit auf Seiten des Vormundes Argliſt(oder Abſicht zu ſcha⸗ den) war, ihr die Vormundſchaft nehmen, und zwar un⸗ beſchadet der Entſchaͤdigung, die dem Minderjaͤhrigen ge⸗ buͤhrt. Der Familienrath wird in einem ſolchen Falle zu⸗ ſammengerufen, entweder auf das Geſuch der Verwandten, Glaäubiger oder anderer Betheiligten, oder von Amtswe⸗ gen vom Friedensrichter. 422. Bei jeder andern Vormundſchaft wird der bei⸗ geordnete Vormund unmittelbar nach Ernennung des Vor⸗ mundes ernannt. 423. In keinem Falle hat der Vormund eine Stim⸗ me zu geben, wenn es auf die Ernennung eines beigeord⸗ neten Vormundes ankommt. Letzterer muß uͤberdies, auſ⸗ ſer wenn volle Bruͤder vorhanden ſind, in derjenigen von dee Linien gewaͤhlt werden, wozu der Vormund nicht gehoͤrt. 424. Der beigeordnete Vormund tritt nicht ohne weiteres und von Rechtswegen an die Stelle des Vor⸗ mundes, wenn die Vormundſchaft erledigt wird, oder durch *) Subrogé tuteur. ————— — 109— Abweſenheit unbeſorgt iſt, ſondern er muß in dieſem Falle die Ernennung eines neuen Vormundes befoͤrdern, und in ſo weit er hierin ſäumig wäre, dem Minderjaährigen allen Schaden erſetzen, der ihm daraus erwachſen koͤnnte. 425. Das Amt des beigeordneten Vormundes hoͤrt zur nämlichen Zeit auf, wie die Vormundſchaft. 426. Was in den folgenden Abſchnitten 6 und 7 ver⸗ fugt wird, iſt auch auf die beigeordneten Vormuͤnder an⸗ wendbar. Jedoch kann der Vormund die Abſetzung des beige⸗ ordneten Vormundes nicht befoͤrdern, noch in einem Fa⸗ milienrathe ſtimmen, der zu dieſem Ende verſammelt wird. Sechſter Abſchnitt. Von den urſachen, welche von uebernehmung der Vormundſchaft entſchuldigen. Art. 427. Befreit ſind von der Pflicht, Vormundſchaf⸗ ten zu uͤbernehmen: Die Glieder der durch die Titel 2, 3 und 4 der Con⸗ ſtitutionsacte niedergeſetzten Staatsgewalten, Die kaiſerlichen Rechnungs⸗Commiſſaire, Die Praͤfekte, Jeder andere Buͤrger, der ein oͤffentliches Amt bekleidet, in ſo weit die Vormundſchaft in einem andern Departe⸗ mente fällig wird, als in demjenigen, worin er ein Amt hat.. 428. Nicht weniger ſind von Vormundſchaften losge⸗ agt: Militairperſonen, wenn ſie wirkliche Dienſte thun, und alle andere Buͤrger, die ſich in Gefolg einer Sen⸗ dung der Regierung auſſerhalb des Gebiets des Staates befinden. 429. Iſt die Sendung nicht authentiſch, und wird ſie daher in Zweifel gezogen: ſo wird derjenige, der ſie als Entſchuldigung vorſchuͤtzt, nicht eher von der Vormund⸗ ſchaft losgeſagt, als bis ſich die Regierung daruͤber er⸗ ————— 6— klärt hat, und zwar vermittelſt des Miniſters, der den Zweig der oͤffentlichen Verwaltung hat, worunter die Sen⸗ dung gehoͤrt. 430. Wenn aber jene Buͤrger, welche eine von den in vorſtehenden Artikeln beſchriebenen Eigenſchaften beſitzen, einmal eine Vormundſchaft angenommen haben, nachdem ſie bereits ein Amt, einen Dienſt oder eine Sendung hat⸗ ten, die davon befreien, ſo koͤnnen ſie nicht mehr angehoͤrt werden, wenn ſie nachher aus dieſer Urſache um Entlaſ⸗ ſung einkommen. 431. Wenn ſie hingegen dergleichen Aemter, Dienſte oder Sendungen erſt erhalten, nachdem ſie eine Vormund⸗ ſchaft uͤbernommen und angetreten haben: ſo koͤnnen ſie falls ſie ſie nicht behalten wollen, in Monatsfriſt eine Ver⸗ ſammlung des Familienrathes veranſtalten, der ſodann ih⸗ re Stelle zu erſetzen hat. Hoͤren jene Aemter, Dienſte oder Sendungen auf, und der neue Vormund begehrt ſeine Entlaſſung, oder der vorige ſeine Wiedereinſetzung in die Vormundſchaft: ſo kann der Familienrath ſie ihm wiedergeben. 432. Kein Buͤrger, der nicht Blutsfreund oder ver⸗ ſchwaͤgert iſt, kann gezwungen werden, eine Vormundſchaft zu uͤbernehmen, es ſey denn, daß ſich in einer Entfernung von vier Myriametern kein Blutsfreund oder Verſchwa⸗ gerter befaͤnde, der die Vormundſchaft zu fuͤhren fähig waͤre. 433. Wer fuͤnf und ſechszig Jahre alt iſt, kann ſich weigern, Vormund zu werden. Wer es vor dieſem Alter geworden iſt, kann ſich die Vormundſchaft abnehmen laſſen, wenn er ſiebenzig Jahre erreicht hat. 434. Wer eine ſchwere und gehoͤrig beſcheinigte Krank⸗ heit hat, iſt von Vormundſchaften frei. Und wenn ihm eine ſolche Krankheit nach ſeiner Er⸗ nennung zugeſtoßen iſt: ſo kann er ſie ſich abnehmen laſ⸗ ſen. 435. Zwei Vormundſchaften ſind fuͤr jeden Menſchen ein gerechter Grund, die Annahme einer dritten zu ver⸗ weigern. — 11— Wer Ehegenoſſe oder Vater, und zugleich ſchon mit einer Vormundſchaft belaſtet iſt, kann nicht gezwungen wer⸗ den, eine zweite zu uͤbernehmen, ausgenommen die Vor⸗ mundſchaft ſeiner Kinder. 436. Wer fuͤnf eheliche Kinder hat, iſt, auſſer der Vormundſchaft dieſer Kinder, von jeder andern frei. Kinder, die im wirklichen Dienſte bei den Kriegshee⸗ ren des Staates geſtorben ſind, werden mitgezaͤhlt, ſo oft es auf eine ſolche Befreiung ankoͤmmt. Andere verſtorbene Kinder werden nur in ſo weit mit⸗ gezaͤhlt, als ſie ſelbſt wirklich lebende Kinder hinterlaſſen haben. 437. Das Ueberkommen von Kindern waͤhrend der Vormundſchaft gibt keinen Grund ſie abzudanken. 438. Iſt der ernannte Vormund ſelbſt gegenwaͤrtig bei der Berathſchlagung, die ihm die Vormundſchaft uͤber⸗ traͤgt: ſo muß er auf der Stelle ſeine Entſchuldigungs⸗ gruͤnde vorbringen, woruͤber ſodann der Familienrath zu berathſchlagen hat. Unterlaͤßt er es, ſo wird er in der Folge nicht angehoͤrt, wenn er mit einem ſolchen Geſuche einkömmt. 439. War aber der ernannte Vormund nicht gegen⸗ waärtig bei der Berathſchlagung, die ihm die Vormund⸗ ſchaft uͤbertrug, ſo kann er den Familienrath zuſammen ru⸗ ſ laſſen, um uber ſeine Entſchuldigungsgruͤnde zu berath⸗ agen. Zu dieſem Zwecke muß er die gehoͤrigen Vorkehrun⸗ gen in einer Friſt von drei Tagen treffen. Dieſe Friſt faͤngt an zu laufen von dem Augenblicke, wo ihm ſeine Ernen⸗ nung iſt bekannt gemacht worden; ſie wird aber vermehrt um einen Tag fuͤr eine Entfernung von drei Myriametern von ſeinem Wohnorte bis zu dem Orte, wo die Vormund⸗ ſchaft eroͤffnet worden. Nach dieſer Friſt kann er weiter nicht angehoͤrt werden. 440. Werden ſeine Entſchuldigungsgruͤnde verworfen: ſo kann er ſich, um ihre Zulaſſung zu bewirken, an die Gerichte wenden. Aber er muß vor der Hand verwalten, ſo lang der Rechtsſtreit dauert. 441. Befreit ihn der endliche Spruch von der Vor⸗ mundſchaft: ſo koͤnnen diejenigen, die ſeine Entſchuldigung verworfen haben, verurtheilt werden, die Koſten der In⸗ ſtanz zu bezahlen. Verliert er aber den Prozeß, ſo wird er ſelbſt dazu verurtheilt. Siebenter Abſchnitt. Von der unfähigkeit zur Vormundſchaft, von Ausſchlie⸗ ßung und Abſetzung von derſelben. 442. Folgende Perſonen koͤnnen weder Vormuͤnder, noch Glieder eines Familienrathes ſeyn: 1ſtens, Minderjaͤhrige, ausgenommen der Vater oder die Mutter; 2tens, diejenigen, denen die eigene Verwaltung ge⸗ richtlich benommen iſt*); Ztens, alle Frauensperſonen, die Mutter und weibli⸗ che aufſteigende Verwandten ausgenommen; 4tens, alle diejenigen, die entweder ſelbſt mit dem Minderjaͤhrigen einen Rechtshandel haben, wo es auf den perſoͤnlichen Stand des Minderjährigen, ſein Vermoͤgen, oder auf einen merklichen Theil ſei⸗ ner Guͤter ankoͤmmt, oder deren Vater oder Mur⸗ ter mit dem Minderjaͤhrigen einen ſolchen Rechts⸗ handel haben. 443. Jede Verurtheilung zu einer entehrenden Strafe oder zu einer Leibesſtrafe**) zieht von Rechtswegen die Ausſchließung von der Vormundſchaft nach ſich. Eben ſo hat ſie, wenn es auf eine Vormundſchaft ankoͤmmt, die vor der Verurtheilung uͤbertragen iſt, die Abſetzung zur Folge. *) Les interdits. *) Strafen, welche die Gerichte erſter Inſtanz verhängen, ſind nicht entehrend, und werden auch nicht Leibesſtrafen genannt. Solche Strafen ſpricht nur der peinliche Gerichtshof aus, und zwar, wenn das Geſetz keine beſondere Ausnahme gemacht hat, auf eine von den Anklagegeſchwornen angenommene Anklage. ———— — 113— 444. Es ſind auch von der Vormundſchaft ausgeſchloſ⸗ ſen, und muͤſſen abgeſetzt werden, wenn ſie dieſelbe ſchon angetreten haben, 1ſtens, Leute von einer allgemein bekannten ſchlech⸗ ten Auffuͤhrung; Atens, diejenigen, welche durch ihre Verwaltung ihre Unfaͤhigkeit und Untreue bewieſen. 445. Wer von einer Vormundſchaft iſt ausgeſchloſ⸗ ſen oder entſetzt worden, kann nicht Glied eines Familien⸗ rathes ſeyn. 446. So oft die Entſetzung eines Vormundes Statt hat, wird ſie vom Familienrath ausgeſprochen. Dieſer wird auf Betreiben des beigeordneten Vormunds, oder auch vom Friedensrichter von Amtswegen zuſammen berufen. Der Friedensrichter kann ſich nicht weigern, dieſe Verſammlung zu veranſtalten, wenn er darum von einem oder mehrern Verwandten oder Verſchwägerten des Min⸗ derjaͤhrigen im Grade der rechten Vetter oder in noch nä⸗ hern Graden förmlich angegangen wird. 447. Spricht eine Berathung des Familienrathes die Ausſchließung oder Abſetzung des Vormundes aus: ſo muͤſſen die Beweggruͤnde angefuͤhrt werden. Er kann eben⸗ falls den Spruch nicht thun, als nachdem er den Vor⸗ mund gehoͤrt oder beſchieden hat. 448. Erklaͤrt der Vormund, daß er mit der Berath⸗ ſchlagung zufrieden ſey: ſo wird deſſen erwaͤhnt, und der neue Vormund tritt ſogleich ſeine Verrichtung an. Im Fall der Beſchwerdefuͤhrung, ſucht der beigeordnete Vormund die Beſtätigung der Berathſchlagung bei dem Gericht erſter Inſtanz nach. Von dem Spruche deſſelben hat die Berufung Statt. Der ausgeſchloſſene oder abgeſetzte Vormund kann, in dieſem Falle, ſelbſt den beigeordneten Vormund vorla⸗ den, zu dem Ende, daß er in ſeiner Vormundſchaft beſtä⸗ tigt erkläͤrt werde. 449. Es ſteht den Verwandten oder Berſchwägerten, welche die Verſammlung befoͤrdert haben, frei, in dem Rechtshandel nebenbei aufzutreten. Uebrigens wird der⸗ ſelbe eingeleitet und abgeurtheilt wie eine dringende Sache. 8 — 5— F——— 8.—— —* E — 114— Achter Abſchnitt. Von der Verwaltung des Vormundes. Art. 450. Der Vormund hat fuͤr die Perſon des Minderjährigen zu ſorgen, und ihn in allen buͤrgerlichen Handlungen zu vertreten. Er verwaltet ſein Vermoͤgen wie ein guter Hausvater, und iſt verantwortlich fuͤr allen Schaden und Verluſt, der aus einer ſchlechten Verwaltung entſtehen koͤnnte. Er kann die Guͤter der Minderjährigen weder kaufen, noch in Pacht nehmen, es ſey denn, daß der Familienrath den beigeordneten Vormund ermaͤchtigt habe, mit ihin den Pachtvertrag daruͤber einzugehen, noch auch ſich irgend oder eine Foderung gegen ſein Muͤndel abtreten aſſen. 451. In den zehn Tagen nach dem Tage ſeiner Er⸗ nennung, wenn ſie ihm gehoͤrig bekannt iſt, trägt der Vor⸗ mund auf Abnehmung der Siegel an, in ſo fern ſie an⸗ gelegt worden ſind, und unmittelbar darauf läßt er zur Verfertigung eines Verzeichniſſes der Guͤter der Minder⸗ jährigen ſchreiten, wobei der beigeordnete Vormund zuge⸗ gen ſeyn muß. Hat er eine Foderung an den Minderjaͤhrigen: ſo muß er dies in dem Verzeichniſſe erklären, und zwar un⸗ ter Strafe des Verluſtes derſelben. Die Erklaͤrung geſchieht in Gefolg einer Aufforderung, die der oͤffentliche Beamte an ihn ergehen laſſen muß, und deren im Protokoll erwaͤhnt wird. 452. In dem Monate, der auf die Schließung des Verzeichniſſes folgt, laͤßt der Vormund alle bewegliche Ha⸗ be verkaufen, die Gegenſtände ausgenommen, die er zufolge Ermächtigung des Familienrathes wirklich behalten darf. Der Verkauf geſchieht in Gegenwart des beigeordneten Vormundes, von einem oͤffentlichen Beamten, oͤffentlich an den Meiſtbietenden, nachdem er vorher gehoͤrig angeheftet und verkuͤndigt worden iſt. Von Beobachtung der letztern Feierlichkeit muß das Verkaufsprotokoll Meldung thun. 453. Vater und Mutter, ſo lange ſie den eigenen und geſetzlichen Genuß der Guͤter des Minderjaͤhrigen ha⸗ —————— ben, brauchen die bewegliche Habe nicht zu verkaufen, wenn ſie ſie länger haben wollen, um ſie in Wirklichkeit zuruͤck zu erſtatten. In dieſem Fall aber muͤſſen ſie dieſelbe auf ihre eige⸗ nen Koſten nach dem geraden Werthe ſchaͤtzen laſſen. Den Sachverſtaͤndigen, der hiezu genommen wird, ernennt der beigeordnete Vormund und er legt ſeinen Eid in die Haͤn⸗ de des Fridensrichters ab. Von den beweglichen Guͤtern, welche ſie nachher nicht in Wirklichkeit beiſchaffen koͤnnen, erſtatten ſie ſodann den Schätzungswerth. 454. Bei Antretung der Vormundſchaft regulirt der Familienrath jedesmal, nach einem ungefähren Ueberſchlag, und nach der Wichtigkeit der zu verwaltenden Guͤter, die Summe, welche jährlich noͤthig ſein duͤrfte, ſowohl um die Auslagen fuͤr den Minderjährigen, als um die Koſten der Verwaltung ſeines Bermögens, zu beſtreiten. Die el⸗ terliche Vormundſchaft iſt von dieſer Verfuͤgung allein ausgenommen. In der naͤmlichen Acte muß deutlich und umſtaͤndlich angegeben werden, ob der Vormund ermachtigt ſey, ſich in ſeiner Verwaltung einen oder mehrere beſondere Ver⸗ walter zuzugeſellen, welche beſoldet werden, und unter ſei⸗ ner Verantwortlichkeit verwalten. 455. Findet ſich bei Vergleichung der Einkuͤnfte und der Auslagen ein Ueberſchuß der erſtern: ſo ſetzt der näm⸗ liche Familienrath auf eine ganz beſtimmte Art die Sum— me feſt, von welcher fuͤr den Vormund die Verbindlichkeit anfangen ſoll, dieſen Ueberſchuß nuͤtzlich fuͤr den Minder⸗ jaͤhrigen zu verwenden. Die Verwendung muß in einer Friſt von ſechs Monaten geſchehen ſeyn, und wenn ſie nach Verlauf dieſer Friſt nicht geſchehen iſt: ſo iſt der Vor⸗ mund zur Zahlung der Zinſen gehalten. 456. Hat der Vormund vernachlaͤßigt, die Summe, von welcher die nuͤtzliche Verwendung anfangen ſoll, durch den Familienrath beſtimmen zu laſſen: ſo iſt er, nach Ver— lauf der im vorſtehenden Artikel feſtgeſetzten Friſt, zur Zah⸗ lung der Zinſen der nicht verwendeten Summe gehalten, wenn ſie auch noch ſo gering waͤre. 457. Der Vormund, ſelbſt wenn es der Vater oder die Mutter waͤre, kann fuͤr den Minderjaͤhrigen nicht bor— 8* —————— —— 2***— — — 116— gen, oder ein Darlehn empfangen, noch ſeine unbewegli⸗ chen Güter veraußern oder verpfaͤnden, ohne dazu von ei⸗ nem Familienrathe ermaͤchtigt zu ſeyn. Dieſe Ermaͤchtigung ſoll nicht gegeben werden, als wenn es eine unumgängliche Nothwendigkeit, oder ein augenſcheinlicher Vortheil erheiſcht. Im erſten dieſer Faͤlle kann der Familienrath ſeine Einwilligung nicht geben, als nachdem es bewieſen iſt, daß die Baarſchaft, die beweglichen Effecten und die Ein⸗ kuͤnfte des Minderjährigen unzulänglich ſind; zu welchem der Vormund eine Ueberſchlagungsrechnung vorzulegen at. In allen Fällen beſtimmt der Familienrath die unbe⸗ weglichen Guͤter, die vorzugsweiſe verkauft werden muͤſſen, und alle Bedingniſſe, die er nuͤtzlich zu ſeyn erachtet. 458. Die Berathſchlagungen, welche der Familien⸗ rath in dieſer Hinſicht nimmt, koͤnnen nicht vollzogen wer⸗ den, bevor der Vormund ihre Beſtätigung bei dem Civil⸗ gerichte erſter Inſtanz nachgeſucht und erlangt hat. Das Gericht verfugt uber ſolche Geſuche im Rathtszimmer, nach⸗ dem es vorher den Staats⸗Prokurator vernommen hat. 459. Der Verkauf geſchieht oͤffentlich, in Gegenwart des beigeordneten Vormundes, dem Meiſtbietenden, vor einem Mitgliede des Civilgerichts, oder einem dazu be⸗ auftragten Notar; und er kann nicht anders geſchehen, als nachdem davon vorher dreimal, nämlich drei Sonnta⸗ ge hintereinander, an den gewoͤhnlichen Stellen im Canton eine Ankuͤndigung iſt angeheftet worden. Jede dieſer angehefteten Ankuͤndigungen wird von dem Maire der Gemeinden, wo ſie geſchehen ſind, viſirt und beglaubigt. 460. Die Feierlichkeiten, die in den Art. 457 und 458, bei der Veräußerung der Guͤter eines Minderjähri⸗ gen vorgeſchrieben ſind, finden ihre Anwendung nicht, ſo oſt mit Miteigenthuͤmer, der ein ſolches Gut mit einem Minderjährigen ungetheilt beſitzt, den Verkauf an den Meiſtbietenden betrieben, und ein Urtheil derſelben verord⸗ net hat. In dieſem Falle iſt es genug, daß der Verkauf an den Meiſtbietenden in der Form geſchehe, wie ſie der un⸗ ———————— — mittelbar vorhergehende Artikel vorſchreibt. Fremde wer⸗ den nothwendiger Weiſe zugelaſſen. 461. Um eine Erbſchaft, die den Minderjaͤhrigen zugefallen, annehmen oder ihr entſagen zu können, muß der Vormund vorlaͤufig die Ermächtigung des Familienrathes einholen. Die Annahme kann nicht anders geſchehen, als mit Vorbehalt der Rechtswohlthat des Inventariums*). 462. Wenn kein anderer die Erbſchaft angenommen hat, der im Namen des Minderjährigen iſt entſagt wor⸗ den: ſo kann entweder der Minderjährige ſelbſt ſie wieder antreten, wenn er ſeine Großjährigkeit erlangt hat, oder auch der Vormund, in ſo fern er dazu durch eine neue Berathſchlagung des Familienrathes ermaͤchtigt wird. In beiden Fällen wird ſie aber in dem Zuſtande uͤbernommen, worin ſie ſich bei der Wiederantretung befindet, und ohne daß darum die Verkaͤufe und andere Handlungen konnten angefochten werden, welche auf geſetzliche Weiſe während der Zeit geſchehen ſind, wo die Erbſchaft nicht angetreten war. 463. Eine dem Minderjaͤhrigen gemachte Schenkung kann der Vormund nicht annehmen ohne Ermaͤchtigung des Familienrathes. Sie hat uͤbrigens in Hinſicht des Minderjaͤhrigen die naͤmliche Wirkung, wie in Hinſicht des Großjahrigen. 464. Die Ermaͤchtigung des Familienrathes iſt durch⸗ aus nothwendig, damit der Vormund eine Klage vor Ge⸗ richt bringen koͤnne, welche auf unbewegliches Eigenthum des Minderjahrigen ſprechende Rechte zum Gegenſtande hat. Der nämlichen Ermächtigung bedarf er, wenn es darauf ankoͤmmt, in eine Forderung zu willigen, welche ſich auf dergleichen Rechte bezieht. 465. Auch iſt jene Ermächtigung nothig, wenn der Vormund auf Theilung antragen will. Er hat ſie aber *) Das heißt unter der Bedingung, daß uͤber die ganze Verlaſſen⸗ ſchaft ein Inventarium oder Verzeichniß angefertigt werde. Wer eine Erbſchaft mit dieſem Vorbehalt antritt, verhindert dadurch die Vermiſchung ſeines eigenen Vermögens mit dem Vermoͤgen des Erblaſſers; oder mit andern Worten: der Er- be erreicht dadurch, daß er alle auf die Verlaſſenſchaft des Verſtorbenen zu machenden Forderungen nur in ſo weit ver⸗ treten muͤſſe, als das Vermogen des Rachlaſſes hinreicht. ——————— 2—* — 118— nicht noͤthig, um auf eine Theilungsklage zu antworten, die gegen den Minderjahrigen angehoben wird. 466. Damit aber die Theilung in Ruͤckſicht auf den Minderjaͤhrigen jene vollſtaͤndige Wirkung hervorbringe, die ſie in Ruͤckſicht auf den Großjaͤhrigen hat, wird erfo⸗ dert, daß ſie gerichtlich geſchehe, und nach vorlaufiger Abſchaͤtzung von Sachverſtäͤndigen, die das buͤrgerliche Ge⸗ richt des Srts ernennt, wo die Erbſchaft eroͤffnet iſt. Die Sachverſtändigen ſchwoͤren vor allem vor dem Praͤſidenten des naͤmlichen Gerichts oder dem Richter, den er dazu verordnet hat, daß ſie ihren Auftrag wohl und treulich verrichten wollen. Hiernach ſchreiten ſie zur Theilung der Verlaſſenſchaft, und machen die Lvoſe. Letz⸗ tere werden in Gegenwart eines Gliedes des Gerichts, oder eines Notars, den es dazu beauftragt hat, verlooſet. Se Richter oder Notar vertheilt auch die angefallenen voſe. Jede andere Theilung wird nur einſtweilig betrachtet. 467. Um im Namen des Minderjaͤhrigen einen Ver⸗ gleich eingehen zu können, muß der Vormund vom Fami⸗ lienrath ermaͤchtigt ſeyn, und das Gutachten von drei Rechtsgelehrten haben, welche der Staats⸗Prokurator bei dem buͤrgerlichen Gericht ernennt. Der Vergleich iſt nicht guͤltig, als in ſo fern er von dem buͤrgerlichen Gericht, nach Vernehmung des Staats⸗ Prokurators, beſtaͤtigt wird. 468. Wenn ein Vormund wichtige Gruͤnde hat, mit der Auffuͤhrung des Minderjaͤhrigen unzufrieden zu ſeyn: ſo kann er desfalls ſeine Klagen vor einen Familienrath bringen; und, wenn ihn dieſer dazu ermächtigt, ſo kann er die Einſperrung des Minderjährigen befördern, gemäß den Vorſchriften, die in dieſer Hinſicht der Titel von der väterlichen Gewalt enthält. Neunter Abſchnitt. Von den Vormundſchafts⸗Rechnungen⸗ 460. Jeder Vormund muß ſich über ſeine Verwal⸗ tung berechnen, ſobald ſie aufhoͤrt. 470. Er kann aber auch angehalten werden, ſelbſt waͤhrend der Vormundſchaft, und jedesmal um die Zeit, welche der Familienrath feſtzuſetzen beliebt hat, dem bei⸗ geordneten Vormund eine Ueberſicht der Lage zu uͤberge⸗ ben, worin ſich ſeine Verwaltung befindet. Er kann je⸗ doch nicht angehalten werden, jedes Jahr mehr als eine ſolche Ueberſicht zu liefern. Beſagte Ueberſicht wird ohne Koſten, auf nicht ge⸗ ſtempeltem Papier, und ohne eine gerichtliche Feierlichkeit verfertigt und uͤbergeben. Vater und Mutter ſind der Verfuͤgung dieſes Artikels nicht unterworfen. 471. Die Endrechnungsablage uͤber die Vormund⸗ ſchaft geſchieht auf Koſten des Minderjaͤhrigen, wenn er ſeine Großjaͤhrigkeit erlangt hat, oder emancipirt worden iſt. Der Vormund ſchießt die Koſten dazu vor. Dem Vormund werden darin alle Auslagen gutge⸗ heißen, wofern er ſie gehoͤrig beweiſet, und in ſo weit ſie etwas Nuͤtzliches bezweckten. 472. Der Minderjährige kann zwar nach erlangter Großjährigkeit mit dem Vormund Verträge ſchließen; aber jeder ſolcher Verträge iſt unguͤltig, wenn nicht vorher eine ausfuͤhrliche Rechnung iſt abgelegt, und die Belege dazu uͤberliefert worden, und dies alles nicht durch einen Empfangſchein bewieſen iſt, den wenigſtens zehn Tage vor Schließung des Vertrags der Rechnungsabnehmer ausge⸗ ſtellt hat. 473. Entſtehen uͤber die Rechnungsablage Streitig⸗ keiten, ſo werden ſie vor Gericht gebracht und abgeurtheilt, wie jeder andere buͤrgerliche Rechtshandel. 474. Von der Summe, die der Vormund als Ueber⸗ ſchuß ſchuldig bleibt, muß er von Schließung der Rechnung an, und ohne daß es desfalls einer Ermahnung beduͤrfte, Zinſen bezahlen. Von der Summe hingegen, welche der Minderjaͤhrige dem Vormund ſchuldig bleibt, laufen die Zinſen nur vom Tage an, wo er nach Abſchluß der Rechnung die Bezah⸗ lung verlangt hat. ——— 475. Jede Klage des Minderjährigen gegen ſeinen Vormund, in ſo weit ſie vormundſchaftliche Angelegenhei⸗ ten betrifft, wird in zehn Jahren verjaͤhrt, und dieſe Ver⸗ jaͤhrungsfriſt faͤngt von der Großjährigkeit an. Von der Emancipation*). Art. 476. Der Minderjaͤhrige iſt von ſelbſt emanci⸗ pirt durch ſeine Heirath. 477. Auch vor ſeiner Verheirathung kann der Min⸗ derjaͤhrige von ſeinem Vater, oder in Ermangelung deſſel⸗ ben von der Mutter emancipirt werden, wenn er volle fuͤnfzehn Jahre alt geworden iſt. Um dieſe Emancipation zu bewirken, iſt allein die Erklaͤrung des Vaters oder der Mutter hinreichend, wel⸗ che vom Friedensrichter in Beiſeyn ſeines Gerichtsſchrei⸗ bers aufgenommen wird. 478. Wenn der Minderjaͤhrige weder Vater noch Mutter mehr hat: fo kann er auch emancipirt werden, ſo fern ihn der Familienrath fähig dafür halt; jedoch muß er volle achtzehn Jahre alt ſeyn. Die Emancipation wird in dieſem Falle durch zwei Umſtände bewirkt: durch die Berathſchlagung, die ſie zu⸗ läßt, und durch die Erklärung, welche der Friedensrichter, als Präſtdent des Familienrathes, in der nämlichen Acte thut, daß der Minderjaͤhrige emancipirt iſt. *) Der Minderjährige, der ſeinen Vater oder ſeine Mutter noch hat, heißt emancipirt, wenn ſie ihn aus der Gewalt und Auf⸗ ſicht entlaſſen, die ihnen Natur und Geſetz uͤber denſelben er⸗ theilt haben. Der Minderjährige, der ſeine Eltern nicht mehr hat, heißt emancipirt, wenn er auf geſetzliche Art von der Vormunbſchaft, worunter er ſteht, befreit wird. Emancipa⸗ tion iſt demnach nach unſerm Rechte nichts anders, als die Losſagung eines Minderjährigen von elterlicher oder vormund⸗ ſchaftlicher Aufſicht. Die Wirkung derſelben iſt, daß der eman⸗ cipirte Minderjährige ſeine Angelegenheiten ſelbſt beſorgen kann, und als ein Großjähriger betrachtet wird, in ſo weit das Geſetz in ſeine Ruͤckſicht keine Ausnahme feſtgeſetzt hat. Minderjährige allein, und nicht Großjährige, werden emanci⸗ pirt. 479. Wenn der Vormund nichts gethan hat, um den Minderjährigen, wovon im vorhergehenden Artikel die Rede iſt, emancipiren zu laſſen, und wenn gleichwohl ei⸗ ner oder mehrere Blutsfreunde oder Verſchwägerte des nämlichen Minderjahrigen, im Grade rechter Vetter oder in noch naͤhern Graden, ihn fuͤr faͤhig halten, emancipirt zu werden: ſo koͤnnen ſie den Friedensrichter auffodern, den Familienrath zu verſammeln, damit er hieruͤber be⸗ rathſchlage. Der Friedensrichter muß einer ſolchen Auffoderung willfahren. 480. Die Vormundſchaftsrechnung wird dem eman⸗ cipirten Minderjährigen in Beiſeyn eines Curators abge⸗ legt. Letztern beſtellt ihm der Familienrath. 481. Nach erlangter Emancipation kann der Min⸗ derjährige Pacht⸗ und Miethverträge ſchließen, aber laͤng⸗ ſtens auf neun Jahre; er nimmt ſeine Einkuͤnfte ſelbſt ein, ſtellt daruber Empfangſcheine aus, und verrichtet uber⸗ haupt jede Handlung der bloßen Verwaltung. Auch kann er gegen dieſe Handlungen die Rechtswohlthat der Wie⸗ dereinſetzung in den vorigen Stand anders nicht anſpre⸗ chen, als in den Fäͤllen, wo ſie dem Großjaͤhrigen zuſtände. 482. Er kann ohne den Beiſtand ſeines Curators eine Klage, welche unbewegliches Eigenthum zum Gegen⸗ ſtande hat, weder anheben, noch darauf antworten, und ſelbſt kein als beweglich angeſehenes Capital empfangen und daruͤber quittiren. Im letzten Falle at der Curator noch dazu uͤber die Verwendung des empfangenen Capi⸗ tals zu wachen. 483. Unter keinem Vorwande kann der emancipirte Minderjährige ein Darlehn annehmen, ohne eine Berath⸗ ſchlagung des Familienrathes, welche vom Civilgerichte 2 Vernehmung des Staats⸗Prokurators beſtätigt ſeyn muß. 484. Eben ſo wenig kann er ſeine unbeweglichen Guͤter verkaufen oder veräußern, noch ſonſt eine andere Handlung, als die der bloßen Verwaltung verrichten, ohne die Formen zu beobachten, welche dem nicht emancipirten Minderjahrigen vorgeſchrieben ſind. Was die Verbindlichkeiten betrifft, die er etwa durch Kauf oder auf ſonſt eine Art uͤbernommen hat: ſo findet eine Einſchraͤnkung derſelben Statt, falls ſie uͤbermäßig ſind. Die Gerichte haben dabei auf das Vermögen des Minderjaͤhrigen, die Redlichkeit oder Unredlichkeit der Per⸗ ſonen, die mit ihm gehandelt haben, und die Rutzlichkeit oder Unnuͤtzlichkeit der Auslagen Ruͤckſicht zu nehmen. 485. Wenn einmal die Verbindlichkeiten eines eman⸗ cipirten Minderjaährigen vermoͤge des vorhergehenden Ar⸗ tikels herabgeſetzt worden ſind: ſo kann man ihm die Wohlthat der Emancipation nehmen. Letztere wird ihm dann in den nämlichen Formen abgenommen, worin ſie ihm gegeben worden. 486. Von dem Tage an, wo die Emancipation zu⸗ ruͤck genommen worden, tritt der Minderjaͤhrige wieder unter Vormundſchaft, und bleibt darin bis zu ſeiner voͤlli⸗ gen Großjährigkeit. 487. Der emancipirte Minderjaͤhrige, der einen Han⸗ del treibt, wird in Ruͤckſicht auf alles, was dieſen Han⸗ del betrifft, als großjährig angeſehen. Silſrer Sie Von der Großjaͤhrigkeit, der gerichtlichen Unterſagung, und dem gerichtlichen Beiſtande“). r ſt Von der Großjahrigkeit. Art. 488. Großjährig iſt, wer einundzwanzig volle Jahre erreicht hat. In dieſem Alter iſt man fähig, alle Handlungen des buͤrgerlichen Lebens zu verrichten. Die *) Geſetz vom 8. Germinal 11. F.(29. März 1803) promulgirt den 13.(8. April 1803). im Titel von der Ehe vorkommende Einſchraͤnkung macht hievon die einzige Ausnahme. Zweites Gapitel. Vondergerichtlichen Unterſagung*. Art. 489. Die Unterſagung muß verhaͤngt werden gegen den Großjährigen, der ſich gewöhnlich im Zuſtande der Bloͤdſinnigkeit, des Wahnſinns oder der Raſerei befin⸗ det, wenn auch dieſer Zuſtand ſo anhaltend nicht ware, daß nicht lichte Zwiſchenräume mitunter einträten**). 490. Jeder Verwandte iſt befugt, die Unterſagung ſeines Verwandten nachzuſuchen. Das nämliche Recht hat ein Ehegatte in Ruͤckſicht des andern. 491. Im Falle der Raſerei liegt die Pflicht, die Un⸗ terſagung zu fodern, dem Staats⸗Prokurator ob, wenn der eine Ehegenoſſe oder die Verwandten ſie nicht nachſu⸗ chen. Auch im Falle der Bloͤdſinnigkeit und des Wahn⸗ ſinns kann der Staats⸗Prokurator die Unterſagung fo⸗ dern, wenn der damit behaftete Menſch weder Ehegenoſ⸗ ſen noch bekannte Verwandten hat. 492. Alle Geſuche um Unterſagung gehoͤren vor das Gericht erſter Inſtanz. 493. Die Thatſachen, welche die Bloͤdſinnigkeit, den Wahnſinn oder die Raſerei beweiſen ſollen, muͤſſen Stuͤck *) Interdiction. Einige Menſchen, wenn ſie gleich großjaͤhrig ſind, wird die Verwaltung ihrer Perſon ſowohl, als ihres Vermögens vom Staate genommen, weil ſie wegen irgend ei⸗ nes Mangels eins und das andere ſelbſt nicht beſorgen koͤn⸗ nen. Solche Menſchen heißen gericht lich unterſagte, oder kurz Unterſagte, interdits. Der Zuſtand, worin ſie ſich befinden, heißt Unterſagung, interdiction; und eben ſo wird die gerichtliche Handlung genannt, wodurch ſie für Unterſagte erklärt werden. **) Der gewoͤhnliche Zuſtand des Menſchen iſt der Zuſtand der Vernunft, und die Vernunftloſigkeit der ungewohnliche. Wenn die gewöhnli⸗ chen Handlungen eines Menſchen beweiſen, daß ihm das Vermoͤgen, die Folgen derſelben zu uͤberlegen, mangelt, oder daß er des Gebrauchs der Vernunft gänzlich beraubt iſt: ſo iſt der un⸗ gewoͤhnliche Zuſtand, ſo iſt Wahnſinn ꝛc. vorhanden, obſchon ſich die Vernunft noch bisweilen von ferne blicken läßt, oder einen Augenblick durchſchimmert, obſchon es lichte Zwiſchen⸗ raͤume(des intervalles lucides) darin gibt. ——— vor Stuͤck ſchriftlich auseinander geſetzt werden. Wer die Unterſagung nachſucht, fuͤhrt die Si auf, und liefert die Belege. 404. Das Gericht befiehlt, daß der Familienrath ſeine Meinung geben ſoll uͤber den Zuſtand des Menſchen, deſſen Unterſagung man verlangt. Der Familienrath wird nach Vorſchrift des vierten Abſchnitts, Cap. 2, unter dem Titel von der Minderjährigkeit, der Vor⸗ mundſchaft und der Emancipation zuſammengeſetzt. 495. Wer die Unterſagung gefodert hat, kann nicht Mitglied des Familienrathes ſeyn. Der Ehemann, die Ehefrau und die Kinder des Menſchen, deſſen Unterſagung nachgeſucht wird, koͤnnen dazu gelaſſen werden, haben aber keine berathſchlagende Stimme dabei. 496. Nach eingegangenem Gutachten des Familien⸗ rathes, verhört das Gericht den Beklagten,(die Perſon, die unterſagt werden ſoll) im Rathszimmer, wenn er ſich ſtellen kann; wo nicht, ſo wird er in ſeinem Wohnhauſe verhört, und das Verhoͤr nimmt ein dazu verordneter Richter in Beiſeyn des Gerichtsſchreibers vor. In allen Faͤllen iſt der Staats⸗Prokurator bei dem Verhoͤr gegen⸗ waͤrtig. 497. Nach dem erſten Verhoͤr beſtellt das Gericht, nach Befinden, einen einſtweiligen Verwalter, der ſowohl fuͤr die Perſon, als fuͤr das Vermoͤgen des Beklagten Sorge zu tragen hat. 498. Jedes Urtheil auf eine Klage um Unterſagung wird nothwendig in der oͤffentlichen Sitzung erlaſſen, nach⸗ dem die Theile gehoͤrt oder vorgeladen worden ſind. 499. Wenn auch das Gericht das Geſuch um Unter⸗ ſagung verwirft: ſo kann es doch nach Erforderniß der umſtände verordnen, daß von nun an der Beklagte an⸗ ders nicht mehr Prozeß fuͤhren, Vergleiche eingehen, Geld aufnehmen, bewegliche Capitalien empfangen, über den Empfang derſelben quittiren, veräußern, oder ſeine Guter mit Pfandrecht beſtricken ſolle und könne, als mit Dazwi⸗ ſchenkunft eines Beiſtandes, den ihm das nämliche Urtheil*) beſtellt. *) Welche das Geſuch der unterſagung verwirft. ———— — 125— 500. Wird von dem Urtheil erſter Inſtanz appel⸗ lirt: ſo kann das Berufungsgericht, wenn es ſolches fuͤr noͤthig erachtet, die Perſon, wogegen die Unterſagung nach⸗ geſucht wird, aufs neue verhören. Es kann auch das Verhoͤr einem Commiſſar auftragen. 501. Jedes Urtheil, welches die Unterſagung oder Beſtellung eines Beiſtandes enthaͤlt, wird ausgeloͤſet, dem Gegentheil inſinuirt, und, in den erſten zehn Tagen, in die Ta⸗ bellen eingetragen, welche ſowohl in dem Sitzungsſaale, als in den Schreibſtuben der Notare des Bezirks angehef⸗ tet ſeyn muͤſſen; alles dies auf Betreiben der Klaͤger. 502. Die Unterſagung der Ernennung eines Bei⸗ ſtandes hat vom Tage des Urtheils an ihre voͤllige Wir⸗ kung. Jeder Act*), den der Unterſagte nach dieſer Zeit, oder ohne ſeinen Beiſtand vornaͤhme, wäre von Rechts⸗ wegen nichtig. 503. Auch der Act, welcher ein fruͤheres Datum hat, als die Unterſagung, kann als nichtig erklaͤrt werden, wenn es allgemein bekannt iſt, daß die Urſache der Unter⸗ ſagung ſchon zur Zeit vorhanden war, wo jener Act ge⸗ ſchehen iſt. 504. Nach dem Tode eines Menſchen konnen die von ihm geſchehenen Acte aus dem Grunde, weil er wahn⸗ ſinnig geweſen, nur in ſo weit angefochten werden, als ſeine Unterſagung ſchon vor ſeinem Tode verhaͤngt oder gefodert war; es ſey denn, daß der Beweis des Wahn⸗ ſinns aus dem Acte ſelbſt hervorgehe. 505. Wenn von dem Urtheil, das die Unterſagung in erſter Inſtanz ausſpricht, nicht appellirt worden iſt, oder wenn das Appellationsgericht es beſtaͤtigt, ſo wird dem Unterſagten ein Vormund und ein beigeordneter Vormund ernannt, und zwar nach Vorſchrift und Anleitung des Ti⸗ tels von der Minderjährigkeit, der Vormund⸗ ſchaft und der Emancipation. Der einſtweilen be⸗ ſtellte Vormund endigt ſeine Verrichtungen, und legt dem Vormund Rechnung ab, wenn er es ſelbſt nicht iſt. *) Acte, Handlung in einem gewiſſen Sinn, Willenserklärung, der allgemeinſte Ausdruck fuͤr jede Handlung, wodurch ſich der Menſch zu etwas verbinden kann; Aeuſſerung deſſen, was ge⸗ ſchehen oder nicht geſchehen ſoll. 506. Der Mann iſt von Rechtswegen der Vormund ſeiner unterſagten Frau. 507. Die Frau kann zur Vormuͤnderin ihres Man⸗ nes ernannt werden. In dieſem Falle beſtimmt der Fa⸗ milienrath die Form und die Bedingniſſe der Verwaltung. Jedoch kann die Frau ihre Zuflucht zu den Gerichten neh⸗ men, wenn ſie ſich durch den Schluß der Familie beein⸗ traͤchtigt glaubt. 508. Niemand iſt verbunden, die Vormundſchaft ei⸗ nes Unterſagten laͤnger als zehn Jahre zu behalten, aus⸗ genommen Eheleute, aufſteigende Verwandten und Abkoͤmm⸗ linge. Nach Verlauf jenes Zeitraums kann der Vormund fodern, daß man einen andern an ſeine Stelle ernenne, und ſeinem Begehren muß durchaus gewillfahrt werden. 509. Der Unterſagte iſt in allem, was ſeine Perſon und ſein Vermoͤgen betrifft, dem Minderjährigen gleichge⸗ halten; die Geſetze uͤber die Vormundſchaft der Minder⸗ jahrigen ſind auch auf die Vormundſchaft der Unterſagten anzuwenden. 510. Erleichterung ſeines Schickſals und Beſchleuni⸗ gung ſeiner Geneſung ſind die Zwecke, wozu die Einkuͤnf⸗ te eines Unterſagten weſentlich angewendet werden muͤſſen. Der Familienrath beſtimmt, ob er in ſeinem Wohnhauſe bleiben und daſelbſt verpflegt werden, oder ob er in ein Krankenhaus, oder ſelbſt in ein Hospital gebracht wer⸗ den ſoll, und richtet ſich bei dieſer Beſtimmung nach der Beſchaffenheit ſeiner Krankheit und nach dem Zuſtande ſei⸗ nes Vermoͤgens. 511. Will das Kind eines Unterſagten ſich verehe⸗ lichen: ſo wird der Brautſchatz, oder der Vorſchuß auf die Erbſchaft, und ſonſtige bei Gelegenheit einer Ehe zu ſchließende Vertraͤge, durch ein Gutachten des Familien⸗ rathes regulirt, und ein ſolches Gutachten vom Gerichte, auf den Antrag des Staats⸗Prokurators, beſtätigt. 512. Die Unterſagung hoͤrt auf, wenn die Urſachen aufhoͤren, die ſie veranlaßt haben. Jedoch kann die Auf⸗ hebung derſelben nicht anders verordnet werden, als mit Beobachtung der nämlichen Foͤrmlichkeiten, welche vor⸗ geſchrieben ſind, um die Unterſagung zu bewirken, und der Unterſagte kann die Ausuͤbung ſeiner Rechte nicht wieder — 227— beginnen, als nach dem Urtheil, das ihn von der Unter⸗ ſagung befreit. Cpitel. Von dem gerichtlichen Beiſtande. Art. 513. Es kann den Verſchwendern verboten wer⸗ den, zu rechten, ſich zu vergleichen, ein Darlehn zu neh⸗ men, ein bewegliches Capital zu empfangen und daruͤber zu quittiren, zu veraͤuſſern, oder ihre Guͤter mit Hypothe⸗ ken zu beſtricken, ohne Mitwirkung eines Beiſtandes, den ihnen das Gericht ernennt. 514. Alle, die ein Recht haben, die Unterſagung nachzuſuchen, koͤnnen auch das Verbot, ohne Mitwirkung eines Beiſtandes, die eben aufgezählten Handlungen vorzu⸗ nehmen, nachſuchen. Ihr Geſuch wird auf die naͤmliche Art eingeleitet und abgeurtheilt. Dieß Verbot kann nur mit Beobachtung der naͤmlichen Feierlichkeiten aufgehoben werden. 515. In allen Faͤllen, wo es auf eine Unterſagung ankommt, oder auf Ernennung eines Beiſtandes, kann kein Urtheil, weder in erſter Inſtanz, noch in der Berufungs⸗ Inſtanz, gefällt werden, als auf die Antraͤge des oͤffent⸗ lichen Miniſteriums. —— 3 weites Buch. Von Sachen oder Guͤtern, und den ver⸗ ſchiedenen Modifikationen des Eigenthums. Erſter TDitel. Eintheilung der Sachen oder Guͤter*h. Art 316. Au⸗ Sachen oder Guͤter ſind entweder beweglich oder unbeweglich. Erſtes Capitei. Von unbeweglichen Guͤtern. Art 517. Unbeweglich ſind Sachen oder Guͤter, ent⸗ weder ihrer Natur nach, oder wegen ihrer Beſtim⸗ mung, oder wegen ihrer Beziehung auf einen unbe⸗ weglichen Gegenſtand. 518. Grundſtuͤcke und Gebäude ſind unbeweglich ih⸗ rer Natur nach. 510. Wind⸗ und Waſſermühlen, wenn ſie auf Pfei⸗ lern befeſtigt ſind, und mit zum Gebaude gehören, ſind auch unbeweglich ihrer Natur nach. *) Geſetz vom 4. Pulvioſe 12. Jahrs(25. Januar 1804). Pro⸗ mulgirt den 14.(4. Februar 1804.) 9 — 10— 520. Feldfruͤchte, ſo lange ſie noch am Boden feſt ſind, und Baunfrüchte, ſo lange ſie nicht gepfluͤckt ſind, gehoͤren ebenfalls zu den unbeweglichen Sachen. Sobald aber die Feldfruͤchte abgeſchnitten, und die Baumfruͤchte abgepfluͤckt ſind, gehören ſie zu den bewegli⸗ chen Sachen, obſchon ſie noch nicht weggeholt ſind. Iſt ein Theil der Erndte allein abgeſchnitten: ſo iſt auch dieſer Theil allein beweglich. 3521. Regelmaͤßige Haͤue von Schlagholz oder von hochſtämmigem Holze, welches in regelmaͤßige Fällungen ge⸗ theilt iſt, werden nur beweglich, ſo wie die Baͤume nach und nach gefaͤllt werden. 522. Alles Vieh, welches der Eigenthuͤmer eines Grundſtuͤckes dem Pachter oder Meier zum Behuf der Landwirthſchaft gibt, es ſey nun geſchätzt oder nicht, iſt ebenfalls fuͤr unbeweglich anzuſehen, ſo lange es vermoͤge des Vertrages auf dem Grundſtücke bleibt. Hingegen iſt beweglich jenes Vieh, welches er jedem an⸗ dern, nur nicht dem Pachter oder Meier, auf halben Ge⸗ winn* gibt. 523. Roͤhren zur Leitung des Waſſers in einem Hauſe oder auf einem andern Erbe, ſind unbeweglich, und gehoͤren zu dem Grundſtuͤcke, woran ſie befeſtigt ſind. 524. Alle jene Gegenſtaͤnde, welche dem Eigenthuͤ⸗ mer eines Grundſtuͤckes in der Abſicht darauf gebracht hat, damit ſie zum Dienſt und zur Benutzung dieſes Grund⸗ ſtuckes dienen ſollen, ſind ihrer Beſtimmung nach unbe⸗ weglich. So ſind der Beſtimmung nach unbeweglich, wenn ſie der Eigenthuͤmer eines Grundſtuͤckes zu deſſen Dienſt und Benutzung dahin gebracht hat, der zur Landwirthſchaft gehoͤrige Viehſtand, die Ackergeraͤthſchaften, ————— ) A Cheptel. Die Erklärung dieſes Vertrages, wodurch ein Theil dem andern unter gewiſſen Bedingungen(gewoͤhnlich auf halben Gewinn) einen Viehſtand gibt, um ihn zu verwahren, zu nähren und zu verpflegen, kommt im dritten Buche vor. die dem Halbwinner*) oder Pachter zu einem ge⸗ wiſſen Theil gegebene Saat, die Tauben der Taubenſchlage, die Kaninchen der Gehäge, die Bienenkoͤrbe, die Fiſche in den Teichen, die Kelter, Keſſel, Helme, Kufen und Faͤſſer, die zur Benutzung der Schmieden, Papiermuͤhlen und anderer Haͤmmer noͤthigen Geraͤthſchaften, Wegen ihrer Beſtimmung ſind ferner unbeweglich alle beweglichen Effecten, welche ein Eigenthuͤmer mit ſeinem Grundſtuͤcke zu ewigem Verbleib verbunden hat. 525. Man nimmt an, daß der Eigenthuͤmer eines Grundſtuͤckes bewegliche Effecten zu ewigem Verbleib damit verbunden habe, in folgenden Fällen: wenn ſie näm⸗ lich mit Gyps, oder mit Kalk und Kitt daran befeſtigt ſind; oder wenn ſie nicht davon geloͤßt werden können, ohne ſie zu brechen oder zu verſchlimmern, oder ohne den Theil des Grundſtuͤckes, woran ſie befeſtigt ſind, zu ver⸗ ſchlimmern und zu beſchädigen. Die Spiegel eines Zimmers ſind dann, der rechtli⸗ chen Vermuthung nach, zu ewigem Verbleib darin an⸗ gebracht, wenn ihre Einfaßung mit dem Tafelwerk ein Ganzes ausmacht. *) Man gibt zwar gemeiniglich dieſen Namen jedem Pachter; ei⸗ gentlich heißt aber doch nur derjenige ſo, der einen gewiſſen Theil der Fruͤchte als Pacht abträgt, fermier partiaire. **) Es iſt wohl zu bemerken, daß die Gegenſtände, die dieſer Ar⸗ tikel enthält, nicht die einzigen ſind, welche wegen ihrer Beſtimmung zu den unbeweglichen gehoͤren. Sie ſind nur beiſpielsweiſe angefuͤhrt, und ſollen dem Richter als Leitungs⸗ und Vergleichungspunkte in allen Fällen dienen, die das Ge⸗ ſetz nicht vorgeſehen hat, und die der Hauptregel des Art. un⸗ tergeordnet bleiben, welche will, daß alle Gegenſtände als un⸗ beweglich angeſehen werden, die der Eigenthümer eines Grund⸗ ſtuͤckes zum Dienſt und zur Benutzung deſſelben darauf ge⸗ bracht hat. — Eben ſo verhaͤlt es ſich mit Gemaͤlden und ſonſtigen Verzierungen. Was aber die Statuen betrifft, ſo ſind ſie unbeweglich, wenn ſie in einer Niſche ſtehen, die fur ſie eigens gemacht iſt, obgleich man ſie uͤbrigens ohne zu bre⸗ chen oder ohne Beſchädigung wegnehmen kann. 526. Unbeweglich wegen ihrer Beziehung auf ei⸗ nen unbeweglichen Gegenſtand ſind der Niesbrauch unbeweglicher Dinge, die Dienſtbarkeiten oder Grundgerechtigkeiten*, die Klagen, deren Gegenſtand die Ruͤckfoderung einer unbeweglichen Sache iſt. Zweites Capitel. Von beweglichen Guͤtern. 527. Beweglich ſind Sachen entweder ihrer Natur nach, oder Kraft geſetzlicher Beſtimmung. 528. Ihrer Natur nach ſind beweglich die Koͤrper, die ſich von einer Stelle zur andern bringen laſſen, ſie mögen ſich nun durch ſich ſelbſt bewegen, wie die Thiere, oder, um von der Stelle zu kommen, einer aͤußern Kraft veduͤrfen, wie die lebloſen Dinge. 329. Kraft geſetzlicher Beſtimmung ſind beweglich die Klagen und Verbindlichkeiten, welche faällige Summen oder bewegliche Effekten zum Gegenſtande haben, die Ac⸗ tien oder Intereſſen in den Finanz⸗Handels⸗ oder In⸗ duſtriegeſellſchaften, obſchon ſich unter den Guͤtern, welche einer folchen Geſellſchaft, und mit zu einer Unternehmung gehoͤren, auch unbewegliche befinden. Dieſe Actien oder Intereſſen werden als beweglich betrachtet, bloß in Ruͤck⸗ ſicht jedes Geſellſchaftsglied, ſo lange die Geſellſchaft heſte t. Auch ſind beweglich, kraft geſetzlicher Beſtimmung, die ewigen Renten oder Leibrenten, es mag ſie nun der Staat zu entrichten haben, oder ein Privatmann. 530. Jede ewige Rente, wenn ſie der Preis eines verkauften unbeweglichen Gutes iſt, oder wenn ſie bei der *) Servitudes ou services fonciers. — 133— laͤſtigen oder wohlthätigen Abtretung eines Grund⸗ ſtuͤckes ausbedungen iſt, iſt weſentlich wiederkaͤuflich. Es ſteht aber dem Glaͤubiger frei, die Clauſeln und Be⸗ dingungen des Wiederkaufs zu reguliren.. Auch kann er ausbedingen, daß ihm die Rente nicht eher zuruͤckgegeben werden koͤnne, als nach Verlauf einer gewiſſen Zeit. Dieſe Zeit darf aber dreißig Jahre nicht uͤberſteigen. Jede Bedingung, die hiergegen anliefe, waͤre nichtig*). 531. Beweglich ſind ferner die Schiffe, Kähne, Fahrt zeuge, Muͤhlen und Bäder auf Schiffen und uͤberhaup⸗ alle Hammerwerke, die nicht auf Pfeilern ruhen und kej⸗ nen Theil des Hauſes ausmachen. Wegen ihrer Wichtig⸗ keit jedoch kann die gerichtliche Wegnahme ſolcher Gegen⸗ ſtände beſondern Formen unterworfen werden, wie in der Gerichtsordnung naͤher erklaͤrt wird. 532. Nicht weniger ſind beweglich die Materialien, die von Niederreißung eines Gebändes herkommen, ſo wie diejenigen, welche zur Aufrichtung eines neuen Gebaͤudes bereit liegen. Sie gehoͤren zu den beweglichen Sachen, bis ſie der Arbeiter bei einem Baue wirklich verwendet. 533. Wenn das Geſetz oder der Menſch den Aus⸗ druck: Moͤbel, meubles, braucht, ohne weitern Zuſatz oder naͤhere Beſtimmung: ſo ſind unter dieſem Ausdruck nicht begriffen das baare Geld, die Edelſteine, Activfode⸗ rungen, Buͤcher, Medaillen, Inſtrumente zum Behuf der Wiſſenſchaften, Kuͤnſte und Gewerbe, Leinewand fuͤr den perſönlichen Gebrauch, Pferde, Equipagen, Waffen, Ge⸗ treide, Wein, Heu und ſonſtige Lebensmittel. Auch begreift jener Ausdruck alles das nicht, was irgend zu einem Hand⸗ del gehoͤrt. 534. Unter dem Ausdruck: Hausrath, meubles meublans, iſt weiter nichts begriffen, als jene Moͤbel, die zum Gebrauch und Verzierung der Zimmer beſtimmt ſind, als: Teppiche, Bettungen, Stuͤhle, Spiegel, Wanduhren, Tiſche, Porcellan und andere Gegenſtaͤnde dieſer Art. *) Dieſer Artiket iſt ein Theil des Geſetzes vom 30. Ventoſe 12. Jahrs(21. März 1804), promulgirt den 10. Germinal 12 Jahrs(31. März 1804), welches ihm dieſen Platz auweiſet ——„— — 134— Gemaͤlde und Statuen, die zu den Moͤbeln eines Zimmers gehoͤren, ſind auch unter jenem Ausdrucke begrif⸗ fen, nicht aber die Gemaͤldeſammlungen, die ſich etwa in Privatgallerien oder Zimmern vorfinden. Eben ſo verhält es ſich mit den Porcellanen: nur je⸗ ne, die einen Theil der Verzierungen eines Zimmers aus⸗ machen, ſind unter der Benennung meubles meublans begriffen 535. Die Ausdruͤcke: Gereide, bewegliches Gut, biens meubles, Mobilarvermögen, mobilier oder bewegliche Effekten, effets mobiliers, begreifen uͤber⸗ haupt alles, was nach den hieroben angefuͤhrten Regeln fuͤr beweglich angeſehen wird. Der Verkauf oder die Schenkung eines moͤblirten Hauſes begreift bloß den Hausrath, les meubles meublans. 536. Wenn jemand ein Haus mit allem, was darin iſt, verkauft oder verſchenkt: ſo iſt in dem Verkauf oder der Schenkung das baare Geld nicht begriffen, auch nicht die Activfoderungen und andern Rechte, wovon ſich die Urkunden etwa in dem Hauſe befinden. Alle andere bewegliche Effecten gehoͤren mit darunter. Drittes Capitel. Von den Sachen oder Gütern in Bezie⸗ hung auf ihre Beſitzer. Art. 537. Privatleute koͤnnen uͤber ihr Vermogen verfuͤgen, wie ſie wollen, unter den Einſchraͤnkungen je⸗ doch, welche die Landesgeſetze enthalten. Sachen, die keinem Privaten gehoͤren, werden ver⸗ waltet, und koͤnnen nicht anders veraͤuſſert werden, als jenen Formen gemaͤß, und mit Beobachtung jener Regeln, welche eigens für ſie feſtgeſetzt ſind. 538. Alle oͤffentliche Wege und Straßen, wenn ſie den Staat angehn, alle ſchiffbare oder floͤßbare Stroͤme und Fluſſe, die lifer; die Ebbe⸗und Fluthgrunde des Mee⸗ res, Haͤfen, Rheden, und uberhaupt alle Theile des Ge⸗ bietes, die ihrer Natur nach kein Privateigenthum ſeyn ——— k — 135— können, werden als Gegenſtände betrachtet, die zum Staats⸗ eigenthum gehoͤren. 539. Alle herrenloſe Guͤter, ſo wie alle Guͤter, de⸗ ren Inhaber entweder ohne Erben ſtirbt, oder wenigſtens ohne Erben, die annehmen, gehoͤren dem Staate. 540. Die Thore, Mauern, Gräben und Wälle der Kriegsplätze und Feſtungen, gehören ebenfals zum Staats⸗ eigenthum. 541. Auch gehoͤrt dem Staate aller Grund der Fe⸗ ſtungswerke und Wälle jener Plaͤtze, die keine Kriegsplatze mehr ſind. Er gehoͤrt dem Staat, wenn er nicht auf eine guͤltige Art veräußert, oder das Eigenthum deſſelben ge⸗ gen den Staat nicht verjährt worden iſt. 542. Gemeindeguter ſind jene Guͤter, an deren Ei⸗ genthum oder Ertrag die Einwohner einer oder mehrerer Gemeinden ein erworbenes Recht haben. 543. Man kann auf Sachen oder Guͤter dreierlei Rechte haben, naͤmlich ein Eigenthumsrecht, oder ein blo⸗ ßes Recht zum Genuß, oder bloß Grundgerechtigkeiten. ——— Zweiter Titel. Vom Eigenthum. Art. 544, Das Eigenthum iſt das Recht, die Sa⸗ chen zu benutzen, und daruͤber zu verfuͤgen auf die unein⸗ geſchränkteſte Art, jedoch ſo, daß der Gebrauch, den man davon macht, durch beſondere Geſetze oder Verordnungen**) nicht verboten ſey. *) Geſetz vom 6. Pluvioſe 12. Jahrs Q7. Januar 1804). Promulgirt den 16.(6. Februar 1804). *6) Réglemens. Geſetze, lois, gibt nur die dazu feſtgeſetzte Staatsgewalt: Verordnungen oder réglemens gibt die Regierung allein, und ſelbſt jeder untergeordnete Beamte der⸗ ſelben zur Vollziehung der Geſetze, zur Beſtimmung der Art, wie die Geſetze ſollen vollzogen werben, u. ſ. w⸗ ———— 8— —„** — 136— 545. Niemand kann gezwungen werden, ſein Eigen⸗ hum abzutreten oder hinzugeben, es ſei denn, daß der oͤf⸗ fentliche oder allgemeine Nutzen ſolches erfordere; und auch in dieſem Falle nicht anders, als gegen eine gerechte und vorläufige Entſchaͤdigung. 546. Wem das Eigenthum einer beweglichen oder unbeweglichen Sache gehoͤrt, der hat auch ein Recht auf alles, was dieſe Sache hervorbringt, und auf alles, was ſich mit derſelben verbindet und ihr zuwaͤchſt, es ſei nun auf natuͤrliche oder kuͤnſtliche Art. Dieſes Recht heißt das Recht der An⸗ und Zu⸗ wuͤchſe. Erſtes Eapitell. Von dem Rechte der An⸗ und Zuwüchſe auf das, was die Sache hervorbringt. Art. 547. Vermöge des Rechts der An⸗ und Zu⸗ wuͤchſe gehoren dem Eigenthuͤmer: die natuͤrlichen oder induſtriellen Fruͤchte der Erde, die buͤrgerlichen Fruͤchte**), der junge Anzug des Viehes. 548. Die Fruͤchte einer Sache gehoͤren dem Eigen⸗ thuͤmer nur unter dem Beding, daß er die Koſten der Be⸗ ackerung, der Arbeiten und der Ausſaat erſetze, die etwa ein dritter daran verwendet hat. 549. Dem bloßen Beſitzer gehoren die Fruͤchte nur dann, wenn er redlich beſitzt. Beſitzt er hingegen nicht *) Droit d'accession. „½) Buͤrgerliche Fruͤchte ſind, wie der hierunter folgende Art. 584 es erklärt, Zinſen von fälligen Summen, ruͤckſtändige Renten, Hausmiethe und Pachtgelder. Sie ſtehen gegen die Fruͤchte im gemeinen Sinne in dem nämlichen Perhältniſſe, wie ein Capital zu einem Grundſtuͤcke. Man könnte ſie auch mor a⸗ riſche Fruͤchte nennen. Natürliche Fruͤchte der Erde nennt man jene Fruͤch⸗ te, welche ſie ohne Beihuͤlfe der Kunſt hervorbringt. In du⸗ ſtriel nennt man jene Fruͤchte, welche die Erde ohne des Menſchen Arbeit nicht hervorbringen wurde. — 137— redlich ſo muß er dem Eigenthuͤmer, der ſie wiederfo⸗ dert, das, was die Sache hervorgebracht hat, mit der Sache ſelbſt erſtatten. 550. Man nennt den Beſitzer redlich, wenn er als Eigenthuͤmer beſitzt, und zwar kraft eines Titels, der fä⸗ hig iſt, das Eigenthum zu uͤbertragen, und deſſen Fehier oder Maͤngel er nicht kennt*). Er hoͤrt auf, ein redlicher Beſitzer zu feyn, ſobald ihm dieſe Fehler oder Mängel bekannt werden. Zweites Capitell. Von dem Rechte der An⸗und Zuwuͤchſe auf das, was ſich mit einer Sache verbindet oder ſich ihr einverleibt. Art. 551. Alles, was ſich mit einer Sache verbin⸗ det, oder ſich ihr einverleibt, gehort dem Eigenthuͤmer der Sache, gemäß den hiernach folgenden Regeln. Erſter Abſchnitt. Von dem Rechte der An⸗ und Zuwuͤchſe in Ruͤeſicht auf unbewegliche Sachen. Art. 552. Wer Eigenthuͤmer des Bodens iſt, der iſt auch Eigenthuͤmer alles deſſen, was daruͤber und darunter iſt. Es ſteht dem Eigenthuͤmer frei, auf oder uͤber ſei⸗ nem Boden zu pflanzen und zu bauen nach Belieben, aus⸗ genommen in jenen Fällen welche der hierunten folgende Titel von den Grundgerechtigkeiten oder Dienſt⸗ barkeiten enthaͤlt. Eben ſo kann er unter ſeinem Boden bauen und gra⸗ ben, wie er will, und aus ſolchen Unterminirungen allen Vortheil ziehen, den ſie gewähren mogen; jedoch muß er *) Ein Umſtand, den das Geſetz vermuthet, ſo lange das Gegen⸗ theil nicht bewieſen wird. Denn das Geſetz vermuthet das Böſe nicht, ſondern das Gute. ———— — 138— ſich dabei den Einſchräͤnkungen fuͤgen, welche die Geſetze und Verordnungen, die Minen betreffend, und die Poli⸗ zei⸗Geſetze und Polizei⸗Verordnungen enthalten. 553. Alles, was uͤber einem Grundſtuͤcke oder im Innern eines Grundſtuckes gebaut, gepflanzt und angelegt oder errichtet iſt, iſt auf Koſten des Eigenthuͤmers gebaut, gepflanzt und angelegt, und gehoͤrt ihm; wenigſtens wird dies vermuthet, ſo lange das Gegentheil nicht erwieſen iſtz ohne daß jedoch deßwegen dem Eigenthum Abbruch gethan werden koͤnne, das irgend ein Dritter an einem Platze un⸗ ter einem Gebaͤude eines andern, oder an jedem andern Theil des Gebaͤudes durch Verjährung erworben hat oder noch erwerben koͤnnte.. 554. Der Eigenthuͤmer, der zum Behuf ſeiner Anla⸗ gen, Pflanzungen und ſonſtigen Werke, Materialien ge⸗ braucht hat, die ihm nicht gehoͤrten, muß den Werth die⸗ ſer Materialien, und, nach Befinden, auch noch Schadener⸗ ſatz bezahlen. Aber der Eigenthumer der Materialien hat nicht das Recht, ſie wegzunehmen.*) 555. Hat ein Dritter ſolche Anlagen und Pflanzun⸗ gen veranſtaltet, und zwar mit ſeinen eigenen Materialien: ſo hat der Eigenthuͤmer des Bodens das Recht, ſie zu be⸗ halten, oder denjenigen, der ſie veranſtaltet hat, zu zwin⸗ gen, ſie wegzuſchaffen. Wenn nun der Grundeigenthuͤmer die Wegſchaffung der Pflanzungen und Anlagen fordertz ſo geſchieht dieſe Wegſchaffung auf Koſten deſſen, der ſie gemacht hat, oh⸗ ne das dieſer dafuͤr irgend eine Entſchädigung verlangen koͤnne. Er kann ſogar, nach Befinden, zum Schadenerſatz fur den Nachtheil verurtheilt werden, den etwa der Grund⸗ eigenthuͤmer erlitten hat. Will aber der Grundeigenthuͤmer lieber jene Anlagen und Pflanzungen behalten; ſo muß er den Werth der Materialien und den Arbeitslohn erſtatten und hierbei kommt in gar keinen Anſchlag, ob der Grund an Werth mehr oder weniger dadurch gewonnen habe. In dem fol⸗ —————————— *) Sind die umſtändc ſo geartet, daß man annehmen kann, der Grundeigenthuͤmer habe ſolche Materialien weggenommen, um ſie zu ſtehlen: ſo verſteht ſich von ſelbſt, daß er als Dieb ver⸗ folgt und beſtraft werden koͤnne. S. den Art. 577 hiernach. ———— — 139— genden Falle jedoch kann der Grundeigenthuͤmer nicht fo⸗ dern, daß dergleichen Anlagen weggeſchafft werden: wenn ſie nemlich von einem Dritten gemacht ſind, der den Grund durch Eviction verloren hat, und dabei nicht zur Wieder⸗ erſtattung der Fruͤchte iſt verurtheilt worden, weil er ein redlicher Beſitzer war. In dieſem Falle hat aber der Grundeigenthuͤmer die Wahl, ob er den Werth der Ma⸗ terialien und den Arbeitslohn erſetzen, oder ob er den Betrag bezahlen wolle, um den der Werth des Grundes geſtiegen iſt. 556. Wenn ſich fremde Erdtheile allmaͤhlig und un⸗ merklich an die Ufergruͤnde eines Fluſſes oder Stromes anſetzen, und auf ſolche Art dieſelbe vergroͤßern: ſo nennt man dieſen Zuwachs An ſpuͤlung oder Alluvion. Eine ſolche Anſpuͤlung oder Alluvion kommt dem zu gut, welchem der Ufergrund gehoͤrt, und zwar in allen Fällen, die Rede mag von einem Strome oder Fluſſe, der ſchiffbar oder floͤßbar iſt, oder nicht, ſeyn. Nur muß der Eigenthuͤmer des Ufergrundes im erſten Falle*) den Lein⸗ pfad„ den daruͤber beſtehenden Verordnungen gemaͤß, frei aſſen. 557. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit den trockenen Gruͤn⸗ den, welche das Stromwaſſer bildet, wenn es ſich allmäh⸗ lig von einem ſeiner Ufer auf das andere zieht. Dem Eigenthuͤmer des entbloͤßten Ufers kommt die Alluvion zu gut, und der Eigenthuͤmer des gegenuberliegenden Ufer⸗ grundes hat kein Recht, den Grund in Anſpruch zu neh⸗ men, den er verloren hat. In Anſehung jener Stellen, welche das zuruͤcktreten⸗ de Meer entbloͤßt laͤßt, hat dieſes Recht nicht Statt. 558. Auch bei Seen und Teichen findet dieſes Recht keine Anwendung. Der Eigenthuͤmer derſelben behält im⸗ mer den Grund, den das Waſſer bedeckt, wenn es auf die Hoͤhe kommt, wo es abfließt, und er behaͤlt jenen Grund auch dann, wenn das Waſſer unter dieſe Höhe faͤllt. Dagegen erlangt aber auch der Eigenthuͤmer des Tei⸗ ches kein Recht auf die Ufergruͤnde dadurch, daß ſein Waſ⸗ ſer dieſelben bei ungewoͤhnlichem Anwuchs bedeckt. *) Wenn naͤmlich der Fluß oder Strom ſchiffbar oder floßbar iſt. S——— — 140— 559. Es geſchieht zuweilen, daß ein Fluß oder Bach einen betraͤchtlichen und kennbaren Theil von einem Ufergrunde abreißt, und an einen tiefer liegenden Grund oder an's gegenuͤber liegende Ufer wirft. In einem ſol⸗ chen Falle kann der Eigenthumer des abgeriſſenen Grun⸗ des ſein Eigenthum verfolgen und wieder fodern, ohne Unterſchied, ob der Strom ſchiffbar iſt oder nicht. Er muß aber ſeine Klage in Jahresfriſt anheben. Nach Verlauf dieſer Friſt wird er mit ſeiner Klage nicht mehr zugelaſ⸗ ſen, es ſey denn, daß der Eigenthuͤmer des Grundes, wo⸗ mit ſich der abgeriſſene Theil verbunden hat, ſich noch nicht in den Beſitz deſſelben geſetzt habe. 560. Groͤßere und kleinere Inſeln und Erderhoͤhungen welche ſich in dem Bette eines ſchiffbaren oder floͤßbaren Fluſſes oder Stromes bilden, ſind ein Eigenthum des Staates; es ſey denn, daß jemand einen Titel oder Ver⸗ jaͤhrung dagegen aufweiſen koͤnne. 561. Inſeln und Erderhoͤhungen hingegen, welche in nicht ſchiffbaren oder nicht floͤßbaren Strömen entſtehen, ſind ein Eigenthum der Uferbeſitzer auf jener Seite, wo ſie entſtanden ſind. Und wenn ſie ſich nicht auf einer Seite allein gebildet haben: ſo gehören ſie den Uferbeſitzern beider Seiten. Wie viel in dieſem Falle den beiderſeitigen Uferbe⸗ ſitzern gehöre, wird nach der Linie beurtheilt, die im Sin⸗ ne durch das Flußbett der Laänge nach gezogen wird. 562. Wenn ein Strom oder Fluß ſich einen neuen Arm bildet, und dadurch den Grund eines Uferbeſitzers abſchneidet und umſtrömt, folglich eine Inſel daraus macht: ſo behaͤlt der Uferbeſitzer das Eigenthum ſeines Grundes, ungeachtet der Strom, worin auf ſolche Art eine Inſel entſteht, ſchiffbar oder flößbar iſt. 563. Wenn ein Strom ſein altes Bett verläßt und ſich ein neues bildet: ſo nehmen die Eigenthuͤmer der Gruͤnde, welche der Strom ſodann eingenommen hat, als Entſchaͤdigung das alte nunmehr verlaſſene Bett, und zwar jeder nach Verhältniß des Grundes, den er verloren hat. Und in dieſem Falle kommt es nicht darauf an, ob der Strom ſchiffbar oder floͤßbar ſey, oder nicht. — 141— 564. Tauben, Kaninchen, Fiſche, die in einen andern Taubenſchlag oder Teich, oder in ein anderes Gehäge uͤbergehen, gehoͤren dem Eigenthuͤmer ſolcher Gegenſtände, vorausgeſetzt, daß nicht Betrug oder Liſt ſie hingelockt habe⸗ 3 weiter Abſchnitt. Von dem Rechte der An⸗ und 3uwüchſe in Ruͤckſicht auf bewegliche Dinge. Art. 565. Wenn das Recht der An⸗ und Zuwuͤchſe zwei bewegliche Sachen zum Gegenſtande hat, welche beide zwei verſchiedenen Herren gehoͤren: ſo muß daſſelbe ganz nach den Regeln der natuͤrlichen Billigkeit beurtheilt werden. Folgende Regeln ſollen dem Richter als Beiſpiele die⸗ nen, um ſich darnach in den nicht vorgeſehenen Fällen, nach den beſondern Umſtaͤnden, zu beſtimmen. 566. Wenn zwei Sachen, die verſchiedenen Herren gehoͤren, ſo vereinigt worden ſind, daß ſie zwar ein Gan⸗ zes ausmachen, aber dennoch getrennt werden können, ſo daß die eine ohne die andere beſtehen kann, ſo gehoͤrt das Ganze dem Herrn des Haupttheils daran, mit dem Be⸗ ding, dem andern den Werth der mit der ſeinigen vereinigten Sache zu bezahlen. 567. Als Haupttheil wird jener Theil betrachtet, womit der andere bloß in der Abſicht verbunden wor⸗ den iſt, um den erſten Haupttheil zu benutzen, zu verſchoͤnern oder vollſtändig zu machen. 568. Wenn indeſſen die vereinigte Sache weit koſt⸗ barer iſt, als die Hauptſache, und wenn ſie(die vereinig⸗ te Sache) ohne Vorwiſſen des Eigenthuͤmers(der verei⸗ nigten Sache) damit verbunden worden iſt: ſo kann die⸗ ſer fodern, daß die vereinigte Sache getrennt, und ihm wiedergegeben werde, obſchon die Sache, womit die koſt⸗ barere Sache verbunden worden iſt, durch die Trennung etwa eine kleine Beſchaͤdigung leiden koͤnnte. 560. Wenn von zwei Sachen, die zu einem Gan⸗ zen verbunden worden, die eine nicht als Nebenſache der andere betrachtet werden kann: ſo wird als Hauptſache die Sache betrachtet, welcher betraͤchtlicher iſt an Werth „——————— „ S 8 — 142— oder auch an Groͤße, in ſo fern der Werth beider Sachen ungefaͤhr der naͤmliche iſt. 570. Wenn ein Kuͤnſtler oder ſonſt jemand aus ei⸗ ner Materie, die ihm nicht gehoͤrte, eine Sache andrer Art gebildet hat: ſo iſt der Eigenthuͤmer der Materie be⸗ rechtigt, die Sache, welche daraus gebildet worden iſt, gegen Erſtattung des Arbeitslohnes in Anſpruch zu neh⸗ men, die Materie mag nun ſo geeignet ſeyn, daß ſie ihre erſte Geſtalt wieder annehmen koͤnne oder nicht. 571. Im Falle jedoch der Arbeitslohn ſo wichtig waͤre, daß er den Werth der Materie weit uͤberſtiege, waͤre der Kunſtfleiß als der Haupttheil anzuſehen, und der Kuͤnſtler berechtigt, die gearbeitete Sache zu behalten, un⸗ ter dem Beding, daß er dem Eigenthuͤmer den Werth der Materie erſtattete. 572. Wenn jemand zum Theil eine Materie gebraucht hat, die ihm gehoͤrte, und zum Theil eine Materie, die ihm nicht gehoͤrte, um daraus eine Sache neuer Art zu bilden, ohne daß weder die eine noch die andere dieſer Materien gaͤnzlich zerſtört worden, jedoch ſo, daß ſie ſich nicht fuͤglich mehr trennen laſſen: ſo gehoͤrt die Sache den beiden Eigenthuͤmern gemeinſchaftlich, und zwar jedem nach Verhältniß der Materien, die ihm gehoͤrte; demjenigen aber, der die neue Sache gebildet hat, noch dazu nach Verhäalt⸗ niß ſeines Arbeitslohnes. 573. Hat jemand eine neue Sache gebildet durch Miſchung mehrerer Materien, die verſchiedenen Eigenthu⸗ mern gehören, wovon aber keine als die Hauptmaterie betrachtet werden kann; ſo ſind folgende Regeln zu beob⸗ achten. Laſſen ſich nämlich die Materien trennen: ſo kann der⸗ jenige, ohne deſſen Vorwiſſen ſie gemiſcht worden ſind, die Scheidung fodern. Laſſen ſich aber die Materien nicht fuͤglich mehr tren⸗ nen: ſo erlangen ſie das gemeinſchaftliche Eigenthum der Sache, jeder nach Verhältniß der Größe, der Beſchaffen⸗ heit und des Werthes der Materie, die ihm gehoͤrt. 574. Wenn die Materie eines von den Eigenthuͤ⸗ mern in Anſehung der Groͤße und des Preiſes weit be⸗ ——— — — 143— traͤchtlicher iſt, als die Materie des andern: ſo kann der Eigenthumer der an Werth betraͤchtlichern Materie fodern, daß ihm die Sache, die aus der Miſchung entſtanden iſt, gegen Erſtattung des Werthes der Materie uͤberlaſſen werde. 575. Wenn die Sache unter den Eigenthuͤmern der Materien, woraus ſie zuſammengeſetzt iſt, gemeinſchaftlich bleibt: ſo muß ſie zu gemeinſchaftlichen Nutzen verſteigert werden. 576. In allen Fällen, wo der Eigenthuͤmer, deſſen Materie ohne ſein Vorwiſſen iſt gebraucht worden, um eine Sache anderer Art daraus zu bilden, das Recht hat, das Eigenthum einer ſolchen Sache zu fodern, hat er die Wahl, ob er die Wiedererſtattung ſeiner Materie fodern wolle in der namlichen Natur, Groͤße, Gewicht, Maaß und Guͤte, oder ihren Werth. 577. Wer Materialien, die andern gehoͤren, und oh⸗ ne ihr Wiſſen gebraucht hat, kann auch nach Befinden zu Schadloshaltung verurtheilt werden; es kann ſelbſt außer⸗ ordentlich gegen ihn verfahren werden*), wenn der Fall dazu geeignet iſt. Hritter Sitel Von dem Rießbrauch, dem Gebrauch und der Wohnung*. Erſtes Capitel. Von dem Nießbrauch***). Art 578. Der Nießbrauch iſt das Recht, die Sa⸗ chen, wovon ein anderer das Eigenthum hat, zu benutzen, *) D. h. wie oben ſchon geſagt worden, er kann in einem ſolchen Falle ſelbſt als Verbrecher peinlich belangt und beſtraft werden. **) Geſetz vom 9. Pluvioſe 12.(30. Januar 1804), promulgirt den 19.(9. Februar 1804). **6) Usufruit. ususfructus, Rutznießung. — 144— wie der Eigenthümer ſelbſt, jedoch ſo, daß ihre Subſtanz erhalten werde. 579. Den Nießbrauch ertheilt entweder das Geſetz*) oder der Wille des Menſchen**). 580. Der Nießbrauch kann entweder rein und un⸗ bedingt, oder auf gewiſſe beſtimmte Zeit, oder unter irgend einer Bedingung ertheilt werden. 581. Man kann ihn bei jeder Art von Sachen oder Guͤtern, ſie ſeyen bewegliche oder unbewegliche, geſtat⸗ ten⸗ Erſter Abſchnitt. Vonden Rechten des Nutznießers. Art. 582. Der Nutznießer hat das Recht zum Ge⸗ nuß aller Fruͤchte, welche die Sache, wovon er die Nutz⸗ nießung hat, nur immer gewaͤhren kann, ſie moͤgen nun natuͤrlich, induſtriell oder buͤrgerlich ſeyn. 583. Natuͤrliche Fruͤchte nennt man jene Fruͤchte, welche die Erde von ſelbſt hervorbringt. Die Erzeugniſſe der Thiere, ſo wie der junge Anzug davon, gehoͤren zu den natuͤrlichen Fruͤchten. Induſtrielle Fruͤchte eines Grundſtuͤckes ſind die, wel⸗ che die Cultur gewährt. 584. Buͤrgerliche Fruͤchte ſind die Hausmiethe, Zin⸗ ſen von faͤlligen Summen, die Ruͤckſtände der Renten⸗ Auch die Pachtgelder***) gehoͤren zu den buͤrgerli⸗ chen Fruͤchten. 585. Natuͤrliche Fruͤchte ſowohl, als induſtrielle Fruch⸗ te, welche zur Zeit, wo der Nießbrauch anfängt, noch am Baume oder am Boden feſt ſind, gehoͤren dem Rutznießer⸗ *) Das Geſetz, z. B. im Art 378 unter dem Titel von der vä⸗ terlichen Gewalt, wo es dem Vater u. ſ. w. den Genuß des Vermoͤgens ſeiner Kinder gibt. **) Der Wille des Menſchen, z. B. in einem Teſtamente, durch Schenkung und jeden Vertrag. ***) So nennt man im engern Verſtande die Pacht, die von Land⸗ guͤtern bezahlt wird, le prix des baux à ferme Mieth⸗ zins wird von Hauſern bezahlt. — Diejenigen Fruͤchte, welche im naͤmlichen Stande ſind zur Zeit, wo der Nießbrauch aufhoͤrt, gehören dem Eigenthuͤmer. In einem, wie dem andern Fall, wird fuͤr Arbeit und Ausſaat nichts verguͤtet. Wenn aber beim Anfang oder Ende des Nießbrauches ein Halbwinner vor⸗ handen iſt: ſo bleibt demſelben ſein Recht auf den Theil der Früchte, den er etwa erworben hat, in beiden Fällen ungekränkt. 586. Nicht ſo verhaͤlt es ſich mit den buͤrgerlichen Fruͤchten: ſie werden, dem Rechte nach, von Tag zu Ta⸗ ge erworben, und gehoͤren mithin, nach Verhaͤltniß der Dauer ſeines Genuſſes, dem Nutznießer. Dieſe Regel fin⸗ det ihre Anwendung auf Pachtgelder, ſo wie auf den Hauszins und andere bürgerliche Fruͤchte. 587. Wenn der Nießbrauch Sachen zum Gegenſtan⸗ de hat, die man nicht brauchen kann, ohne zu verbrau⸗ chen, wie baares Geld, Gedreide, Getränke: ſo hat der Kutznießer das Recht, ſie zu brauchen, unter der Bedin⸗ gung, daß er bei Beendigung des Nießbrauches, eben ſo⸗ viel und von der nämlichen Eigenſchaft und von dem näm⸗ lichen Werthe oder den Betrag, worauf ſie geſchätzt ſind, erſtatte. 588. Wer den Nießbrauch einer Leibrente hat, iſt auch berechtigt, ſo lange ſein Genuß dauert, die Ruͤckſtän⸗ de davon einzunehmen, ohne daß er desfalls zu irgend einer Wiedererſtattung angehalten werden könne. 589. Wer die Nutznießung von Sachen hat, die ſich zwar nicht gleich verbrauchen, aber durch den Gebrauch allmählich verſchlimmern, wie Leinwand, Hausrath, iſt be⸗ rechtigt, den Gebrauch davon zu machen, zu welchem der⸗ gleichen Gegenſtände beſtimmt ſind; und er iſt bei Been⸗ digung des Nießbrauches zu weiter nichts verbunden, als ſie in dem Zuſtande wiederzugeben, worin ſie ſich als⸗ dann befinden. Nur müſſen ſie nicht durch ſeine Schuld oder Argliſt verſchlimmert ſeyn. 590. Wenn unter der Nutznießung Schlagholz be⸗ griffen iſt: ſo hat ſich bei der Benutzung der Rießbrau⸗ cher nach der Ordnung zu richten, welche die Waldſcho⸗ nung erfordert, und der beſtändige Gebrauch der Eigenthu⸗ mer eingefuͤhrt hat. Eben hierauf hat er auch Ruͤckſicht 10 S——— P K— ⸗ k — 46— zu nehmen, um zu wiſſen, wie oft er hauen darf. Hat indeſſen der Nutznießer etwa einen gewoͤhnlichen Hau von Schlagholz, oder Lasholze, oder hochſtämmigem Holze wäh⸗ rend ſeines Genuſſes unterlaſſen; ſo kann weder er, noch ſeine Erben, aus dieſer Urſache eine Entſchuldigung fodern. Baͤume, die man aus einer Baumſchule wegnehmen kann, ohne ihr merklichen Nachtheil zuzufuͤgen, gehoͤren zwar auch mit zur Nutznießung, jedoch nur unter der Be⸗ dingung, daß der Nutznießer die leeren Plätze nach Orts⸗ gebrauch wieder anpflanze. 591. Eben ſo benutzt der Nießbraucher das hoch⸗ ſtammige Holz, das in regelmäßige Schlaͤge abgetheilt iſt, ohne Unterſchied, ob zu gewiſſen beſtimmten Zeiten bloß eine Strecke Waldung unter Schlag geſetzt, vder auf der ganzen Oberflaͤche des Guts eine beſtimmte Anzahl Baͤu⸗ me gefaͤllt werde. Aber auch hiebei muß er ſich, wie vor⸗ her geſagt, nach hergebrachter Zeit und Gebrauch der vo⸗ rigen Eigenthuͤmer richten. 503. Außer dieſen Fällen iſt der Nutznießer nie be⸗ rechtigt, hochſtämmiges Holz zu faͤllen; und er kann zum Behuf der Reparationen, die er machen muß, bloß jene Baͤume verwenden, die ein Sturm oder ſonſt ein Zufall ausgeriſſen oder zerbrochen hat. Zu dieſem Behufe— naͤmlich der noͤthigen Reparationen— kann er ſelbſt, wenn es nöthig iſt, hochſtämmiges Holz fällen laſſen, nach⸗ dem er jedoch vorher mit dem Eigenthuͤmer hat beurkun⸗ den laſſen, daß eine ſolche Nothwendigkeit wirklich vor⸗ handen ſey. 503. Er iſt berechtigt, in den Holzungen Staͤbe fuͤr die Weinſtöͤcke zu holen. Auch darf er von Bäumen die jaͤhrlichen oder zu gewiſſen Zeiten wieder kommenden Nutzungen nehmen, alles nach Landesgebrauch und der Gewohnheit der Eigenthuͤmer. 504. Obſtbäͤume, welche ſterben oder abgehen, ſo wie jene, die ein Zufall bricht oder ausreißt, gehoͤren dem Nutz⸗ nießer, wogegen er andere an ihre Stelle pflanzen muß. 505. Der Nutznießer kann den Gegenſtand ſeines Nießbrauches ſelbſt benutzen, er kann an einen andern ver⸗ pachten, er kann ſein Recht ſogar verkaufen oder auf wohl⸗ thatige Art abtreten. Wenn er ihn verpachtet: ſo muß er ſich, was die Zeitpunkte, wo die Verpachtung erneuert werden muß, und ihre Dauer betrifft, nach den Regeln richten, welche füͤr den Ehemann in Anſehung der Guͤter ſeiner Frau im Titel von dem Ehecontracte und den gegenſeitigen Rechten der Eheleute feſtge⸗ ſetzt ſind. 596. Bekoͤmmt der Gegenſtand des Nießbrauchs ei⸗ nen Zuwachs durch Anſpulung: ſo hat auch hievon der Nutznießer den Genuß. 597. Der Nutznießer benutzt die Gerechtigkeit, uͤber eines andern Grundſtuͤck zu gehen, ſonſtige Grundgerech⸗ tigkeiten und uͤberhaupt alle Rechte, welche der Eigenthuͤmer benutzen kann; und er genießt und benutzt ſie, wie der Ei⸗ genthuͤmer ſelbſt. 508. Er benutzt und genießt ebenfalls und auf die naͤmliche Art, wie der Eigenthuͤmer, die Bergwerke und Steinbruͤche, welche beim Anfang des Nießbrauchs bereits gangbar ſind oder benutzt werden. Iſt indeſſen die Rede von einer Benutzung, die ohne Verleihung nicht geſchehen kann: ſo hat der Nutznießer den Genuß davon erſt, nach⸗ dem er Erlaubniß von der Regierung erhalten hat. Auf Bergwerke und Steinbruͤche hingegen, welche noch nicht gangbar ſind, hat er kein Recht, auch nicht auf Torfgruben, deren Benutzung noch nicht angefangen iſt, noch auf den Schatz, der waährend der Nutznießung etwa entdeckt wird. 599. Der Eigenthuͤmer iſt nicht befugt, durch ſeine Handlungen, oder auf welche Art und Weiſe es immer ſeyn mag, den Rechten des Nutznießers Abbruch zu thun. Hingegen iſt auch der Nutznießer nicht berechtigt, bei Endigung des Nießbrauchs irgend eine Entſchaädigung zu fodern fuͤr die Verbeſſerungen, die er etwa gemacht zu ha⸗ ben vorgeben moͤchte, ſelbſt dann nicht, wenn ſich dadurch der Werth der Sache erhoͤhet findet. Jedoch kann er die Spiegel, Gemälde und andere Zierrathe wegnehmen, die er etwa angebracht hat, wofern er die Stellen, wo er ſie wegholt, in ihren vorigen Stand ſetzt. Das nämliche Recht haben ſeine Erben. 4 10 ———— mn „R⸗ —— Zweiter Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Nusnießers. Art. 600. Der Nutznießer uͤbernimmt die Sachen in dem Zuſtande, worin ſie ſind. Er kann aber ihren Ge⸗ nuß erſt dann antreten, nachdem er ein Inventarium der beweglichen und einen Status der unbeweglichen Sachen, die in den Nießbrauch fallen, hat machen laſſen. Der Ei⸗ genthuͤmer muß bei dieſer Aufnahme gegenwaͤrtig, oder doch zu derſelben gehoͤrig berufen ſein. 601. Er leiſtet Buͤrgſchaft, daß er als ein guter Hausvater genießen wolle, ausgenommen, wenn der Act, wodurch der Nießbrauch beſtellt wird, ihn dieſer Verbind⸗ lichkeit uͤberhebt. Zu dieſer Buͤrgſchaft ſind indeſſen nicht verbunden Vater und Mutter, wenn ſie den geſetzlichen Genuß des Ver⸗ moͤgens ihrer Kinder haben, und der Verkaͤufer oder Schen⸗ ker, wenn ſie ſich den Nießbrauch vorbehalten haben. 602. Wenn der Nutznießer keine Buͤrgſchaft findet: ſo werden die unbeweglichen Guͤter verpachtet und ſeque⸗ ſtrirt; die Summen, welche im Nießbrauch begriffen ſind, werden angelegt oder ausgethan; die Lebensmittel werden verkauft, und die daraus ge⸗ löſte Baarſchaft ebenfalls ausgethan; die Zinſen jener Summen, ſo wie die Pachtgelder, gehoͤren in dieſem Falle dem Nutznießer; 603. Kann der Nutznießer keine Buͤrgſchaft finden: ſo kann der Eigenthuͤmer fodern, daß die beweglichen Din⸗ ge, die ſich durch den Gebrauch verbrauchen, verkauft, und die Kaufſchillinge ausgethan werden, wie bei den Le⸗ bensmitteln. Demungeachtet kann der Nutznießer verlan⸗ gen, und die Richter koͤnnen den Umſtänden nach befehlen, daß ihm ein Theil der beweglichen Sachen zu ſeinem Ge⸗ brauch gelaſſen werde, und zwar unter der bloßen eidli⸗ chen Verbürgung und der Verpflichtung, ſie wieder zu er⸗ ſtatten, ſobald der Nießbrauch ein Ende nimmt. 604. Dadurch, daß der Nutznießer nicht gleich Buͤrg⸗ ſchaft leiſtet, verliert er nicht die Fruͤchte, wozu er übri⸗ — 149— gens berechtigt iſt; ſondern ſie gehoͤren ihm von dem Au⸗ genblick an, wo die Nutznießung beginnt. 605. Die Ausbeſſerungen oder Reperationen betref⸗ fend, braucht der Nutznießer nur ſolche vorzunehmen, wel⸗ che zum Unterhalt der Sache noͤthig ſind. Hauptreparationen bleiben dem Eigenthuͤmer zur Laſt, wofern ſie nicht dadurch nothwendig geworden ſind, daß der Nutznießer ſeit Eroͤffnung des Nießbrauchs jene Re⸗ parationen vernachlaͤſſigt hat, welche erfoderlich waren, die Sache im Stande zu halten; in letzterm Falle iſt der Nutznießer ſelbſt dazu verbunden. 606. Hauptreparationen ſind die Reparationen der dicken Mauern und der Gewoͤlbe, die Wiederherſtellung der Balken und ganzer Däͤcher. Auch gehoͤrt dazu die Wiederherſtellung der Daͤmme und der Halt⸗ und Ringmauern ebenfalls im Ganzen. Alle andere Reparationen ſind Unterhaltungsrepara⸗ tionen. 607. Was durch Alter eingefallen, oder durch Zu⸗ fall zerſtört worden iſt, braucht weder der Eigenthuͤmer noch der Nutznießer wieder aufzubauen. 608. So lange ſein Genuß dauert, muß der Nutz⸗ nießer alle jährlichen Laſten des Erbes tragen, wie Steuern und andere Abgaben, die man gewoͤhnlich fur Laſten an⸗ ſieht, welche auf den Fruchten haften. 609. Was die Laſten betrifft, welche etwa während des Nießbrauchs auf das Eigenthum gelegt werden, ſo traͤgt dazu der Nutznießer und der Eigenthumer bei, jeder auf folgende Art: Der Eigenthuͤmer iſt gehalten, ſolche Laſten zu ent⸗ richten, und der Nutznießer, ihm die Zinſen davon zu gut kommen zu laſſen. Wenn der Nutznießer ſie vorſtreckt: ſo kann er bei Endigung des Nießbrauchs das Capital zuruͤckfodern. 610. Die Leibrente oder der Nahrungsgehalt, die et⸗ wa jemanden vermacht worden, hat der allgemeine Lega⸗ tar oder Vermachtnißnehmer*) des Nießbrauches ganz zu entrichten: der Legatar des Nießbrauches unter allge⸗ ———— *) S. die Anmerkung zum Art. 871. — 50 meinem Namen aber entrichtet dieſelbe verhältnißmäͤßig ſeines Genuſſes; keiner von beiden hat in dieſer Hinſicht gegen irgend jemanden einen Ruͤckanſpruch. 611. Der Nutznießer unter beſonderm Namen braucht die Hypothekſchulden nicht zu bezahlen, welche etwa auf dem Brundſtuͤcke haften. Wird er indeſſen gezwungen, ſie zu bezahlen, ſo hat er ſeinen Ruͤckanſpruch gegen den Ei⸗ genthuͤmer, es ſey denn, daß der Teſtator anders verord⸗ net habe, wie im Art. 1020. 612. Der Nutznießer, er ſey nun allgemeiner Nutz⸗ nießer, oder bloß Nutznießer unter allgemeinem Namen, traͤgt mit dem Eigenthuͤmer zut Abzahlung der Schulden auf folgende Art bei. Zuerſt ſchatzt man das Grundſtuͤck, worauf die Nutz⸗ nießung haftet; ſodann beſtimmt man den Betrag, der nach Maaßgabe dieſes Werthes zur Bezahlung der Schul⸗ den muß beigetragen werden. Will der Nutznießer die Summe vorſchießen, welche das Grundſtuͤck beitragen muß: ſo wird ihm das Capital bei Erloͤſchung des Nießbrauchs zuruͤckgegeben, aber ohne Zinſen. Verſteht ſich aber der Nutznießer zu jenem Vorſchuſſe nicht: ſo hat der Eigenthuͤmer die Wahl, und er kann entweder die Summe ſelbſt hergeben, oder einen Theil der Guͤter, worauf der Nießbrauch haftet, bis zum erforderli⸗ chen Betrag verkaufen laſſen. Schießt er die Summe ſelbſt her, ſo vergutet ihm der Nutznießer die Zinſen fuͤr die ganze Zeit ſeines Genuſſes. 613. Was Prozeßkoſten betrifft, ſo gehen den Nutz⸗ nießer nur jene an, welche ſeinen Genuß betreffen, ſo wie jene Verurtheilungen, die etwa ſolche Prozeſſe veranlaſſen. 614. Wenn waͤhrend des Nießbrauches ein Dritter ſich etwas von dem Grundſtuͤcke anmaßt, oder auf irgend eine Art Eingriffe in die Rechte des Eigenthuͤmers thut: ſo muß der Nutznießer ſolches Letzterm anzeigen. Unter⸗ läßt er es, ſo iſt er fuͤr allen Schaden verantwortlich, der fuͤr den Eigenthuͤmer daraus entſtehen koͤnnte, ſo wie er es auch fuͤr jede Verſchlimmerung waͤre, die er ſich ſelbſt zu Schulden kommen ließe. — 151— 615. Wenn der Gegenſtand des Nießbrauchs ein Thier iſt, und dieſes ohne Verſchulden des Nutznießers umkommt: ſo iſt er nicht verbunden, ein anderes an deſ⸗ ſen Stelle zu geben, oder ſeinen Werth zu bezahlen. 616. Wenn der Gegenſtand des Nießbrauchs eine Heerde iſt, und dieſe durch irgend einen Zufall, oder durch Krankheit, ganz umkommt, jedoch ohne Verſchulden des Nutznießers; ſo braucht der letztere dem Eigeuthuͤmer nichts zu verguͤten, als die Haͤute oder deren Werth. Wenn aber die Heerde nicht ganz, ſondern theilweiſe umkommt: ſo muß der Nußnießer aus dem jungen Anzu⸗ ge, und ſo weit er reicht, jene Stuͤcke erſetzen, welche um⸗ gekommen ſind. Von Erloſchung des Nießbrauchs. Art. 617. Der Nießbrauch erloͤſcht, oder nimmt ein En⸗ de, durch den natuͤrlichen Tob und durch den buͤrgerlichen Tod des Nutznießers; durch Ablauf der Zeit, fuͤr welche er beſtellt worden; dadurch, daß die beiden Eigenſchaften eines Nutznie⸗ ßers und eines Eigenthuͤmers ſich in der nämlichen Per— ſon vereinigen; dadurch, daß der Nutznießer ſich ſeines Rechtes waͤh⸗ rend dreißig Jahren nicht bedient; durch den voͤlligen Verluſt der Sache, worauf der Nießbrauch haftet. 618. Auch dadurch kann der Nießbrauch aufhoren, daß der Nutznießer ſeinen Genuß mißbraucht, indem er entweder den Grund wirklich verſchlimmert, oder ihn durch Mangel an gehoͤrigem Unterhalt verfallen laßt. In beiden Fällen koͤnnen die Gläubiger des Nutznie⸗ ßers, zu Erhaltung ihrer Rechte, bei dem Streite mit auf⸗ treten und ſich erbieten, das, was wirklich in Verfall ge⸗ rathen, wieder auszubeſſern, und fuͤr die Zukunft Sicher⸗ heit zu ſtellen. —————— ——* — 152— Je nachdem die Umſtände in ſolchen Faͤllen wichtig ſind, kann der Richter ſeine Entſcheidung entweder dahin geben, daß der Nießbrauch ganz aufhoͤren ſoll, oder ver⸗ ordnen, daß zwar der Eigenthuͤmer in den Genuß des mit der Nutznießung beſchwerten Gegenſtandes wieder eintre⸗ ten, aber doch dem Nutznießer, oder denen, die ſein Recht haben, jährlich eine beſtimmte Summe bezahlen ſoll, und ſrar bis auf die Zeit, wo ſonſt der Nießbrauch aufgehoͤrt aͤtte. 619. Wenn der Nießbrauch nicht fuͤr Privatperſo⸗ nen*) beſtellt iſt, ſo dauert er nur 30 Jahre. 620. Der Nießbrauch, der ſo beſtellt iſt, daß er dauern ſolle, bis eine dritte Perſon ein beſtimmtes Alter erreicht hat, dauert bis zu dieſer Zeit, wenn ſchon die dritte Perſon vor dem alſo feſtgeſetzten Alter ſtirbt. 621. Wird die Sache, worauf der Nießbrauch haf⸗ tet, verkauft: ſo aͤndert dies nicht an dem Rechte des Nutznießers; ſondern er bleibt in ſeinem Genuſſe, wofern er nicht foͤrmlich darauf verzichtet hat. 622. Es ſteht aber den Glaͤubigern des Nutznießers frei, die Verzichtleiſtung, die er ebenfalls zu ihrem Nach⸗ theil gethan hätte, für nichtig erklären zu laſſen. 623. Geht bloß ein Theil der Sache, worauf der Nießbrauch haftet, zu Grunde; ſo behaͤlt der Nußnießer den Genuß deſſen, was uͤbrig bleibt. 624. Wenn der Nießbrauch bloß auf einem Gebaͤu⸗ de haftet, und ein ſolches Gebaͤude entweder durch Brand oder ſonſt einen Unfall zu Grunde geht, oder vor Alter einſtuͤrzt: ſo hat der Nutznießer kein Recht auf den Ge⸗ nuß des Bodens oder der Materialien. Haftete aber der Nießbrauch nicht bloß auf einem Gebaͤude, ſondern auf einem Gute, wovon das Gebaͤude einen Theil ausmachte: ſo hat in einem ſolchen Falle der Nutznießer den Genuß des Bodens und der Materialien. 6) Sondern etwa fuͤr moraliſche Perſonen, Körperſchaften. — 153— 3 weites Capitel. Von dem Gebrauch und der Wohnung. Art. 625. Das Recht des Gebrauches und das Recht der Wohnung entſtehen und erlöſchen auf die nämliche Art, wie der Nießbrauch. 626. Von beiden Rechten kann man, ſo wie vom Nießbrauch, den Genuß nicht antreten, wenn man nicht vorher Buͤrgſchaft geleiſtet, und gehoͤrige Aufnahme und Inventarium errichtet hat. 627. So wie der Nutznießer, muß auch derjenige, der ein Recht zur Wohnung oder zum Gebrauche hat, ge⸗ nießen und benutzen, wie ein guter Hausvater. 628. Der Gehalt beider Rechte— der Wohnung und des Gebrauchs— beſtimmt ſich nach dem Titel, der ſie beſtellt hat: nach Maaßgabe des nämlichen Titels, und der Verfuͤgungen, die er enhält, haben ſie mehr oder we⸗ niger Ausdehnung. 629. Wenn ſich der Titel aber nicht uͤber die Aus⸗ dehnung obiger Rechte erklaͤrt: ſo werden ſie beſtimmt, wie folgt. 630. Wer den Gebrauch der Fruͤchte eines Grund⸗ ſtuͤckes hat, kann davon nur ſo viel fordern, als er zur Beſtreitung ſeiner Beduͤrfniſſe und der Beduͤrfniſſe ſeiner Familie noͤthig hat. Ueberdies kann er noch ſo viel fordern, als noͤthig iſt fuͤr den Behuf der Kinder, die er ſeit der Beſtellung des Gebrauchs bekommen hat. 631. Der Gebrauchnehmer kann ſein Recht einem Dritten weder abtreten, noch vermiethen. 632. Wer das Recht zur Bewohnung eines Hauſes hat, kann darin mit ſeiner Familie wohnen, auch dann, wenn er zur Zeit, wo ihm jenes Recht gegeben ward, nicht verheirathet geweſen waͤre. 633. Das Recht zur Wohnung beſchränkt ſich auf die Nothdurft des Berechtigten und ſeiner Familie. 634. Das Recht der Wohnung kann ebenfalls nicht abgetreten und vermiethet werden. ———— —* —— 635. Wenn der Gebrauchnehmer die Fruͤchte des Grundſtuͤckes ganz wegnimmt, oder wenn er das Haus ganz einnimmt: ſo muß er die Koſten der Bebauung tra⸗ gen, ſo wie die Reparationen, welche noͤthig ſind, das Gut im Stande zu erhalten, und die öffentlichen Abgaben entrichten, gerade wie der Nutznießer. Braucht er aber nur einen Theil der Fruͤchte, oder nimmt er nur einen Theil des Hauſes ein: ſo traͤgt er zu allem bei, nach Verhältniß deſſen, was er genießt. 636. Wie es mit dem Gebrauch der Holzungen und Wäͤlder gehalten werden muſſe, beſtimmen eigene Geſetze. Vierter DTitel. Von Dienſtbarkeiten oder Grundgerech⸗ tigkeiten*). Art. 637. Eine Dienſtbarkeit oder Grundgerechtig⸗ keit iſt eine Laſt, die auf ein Erb gelegt iſt zum Gebrauch und Nutzen eines Erbes, das einem andern Eigenthuͤmer gehoͤrt. 638. Keine Grundgerechtigkeit gibt einem Erbe vor dem andern ein Vorrecht, oder Vorzug. 939. Jede Grundgerechtigkeit hat zum Entſtehungs⸗ 6 grunde entweder die natürliche Lage der Plätze, oder eine Verbindlichkeit, welche das Geſetz auflegt, oder irgend ei⸗ nen Vertrag der Eigenthuͤmer untereinander. Erſtes Capitel. Von Grundgerechtigkeiten, welche die Lage veranlaßt. Art. 640. Grundſtuͤcken, welche tiefer liegen, muͤſſen von Grundſtuͤcken, welche höher liegen, das Waſſer aufnehmen, *) Geſetz vom 10 Pluvioſe 12. J.(31. Januar 1804). Promul⸗ girt den 20. Februar 1804). — 155— welches natuͤrlicher Weiſe, und ohne Zuthun des Men⸗ ſchen, von dem hoͤhern Grundſtuͤcke abfließt. Um dieſes Abfließen zu hindern, darf der Eigenthuͤ⸗ mer des tiefer liegenden Grundſtuͤckes keinen Damm er⸗ richten. Hingegen darf der Eigenthuͤmer des hoͤher liegenden Grundſtuͤckes nichts unternehmen, was die Dienſtbarkeit des untern Grunſtuͤckes erſchweren koͤnnte. 641. Wer auf ſeinem Grunde eine Quelle hat, kann ſie benutzen, wie er will; jedoch darf er das Recht nicht ſchmälern, welches der Eigenthuͤmer des untern Grund⸗ ſtuͤckes etwa erworben hat, es ſey durch einen Titel oder durch Verjaͤhrung. 642. In dieſem Falle aber kann die Verjaͤhrung nur durch einen dreißig Jahre langen ununterbrochenen Genuß erworben werden. Und dieſe dreißig Jahre fangen von dem Augenblicke an zu laufen, wo der Eigenthuͤmer des tiefer liegenden Grundſtuͤckes in die Augen fallende Anſtalten unternommen und beendigt hat, welche dazu be⸗ ſtimmt waren, den Fall und den Lauf des Waſſers auf ſein Eigenthum zu erleichtern. 643. Wem eine Quelle gehoͤrt, der kann ihren Lauf nicht ändern, wenn ſie den Bewohnern einer Gemeinde, ei⸗ nes Dorfes oder Weilers ihr nothiges Waſſer liefert. In einem ſolchen Falle kann aber der Eigenthuͤmer eine durch Sachverſtändige auszumittelnde Entſchaͤdigung ver⸗ langen; es ſey denn, daß die Einwohner den Ge⸗ des Waſſers verjaͤhrt oder ſonſt erworben ha⸗ en. 644. Wer ein Eigenthum hat, das an ein fließendes Waſſer anſtößt, kann daſſelbe da, wo es vorbeifließt, zur Bewaͤſſerung ſeiner Beſitzungen benutzen. Ausgenommen ſind hievon jene fließenden Waſſer, welche zufolge des Art. 538 zum Staatseigenthum gehoͤren. Der Eigenthuͤmer kann ſogar, wenn das Waſſer uͤber ſein Erb fließt, daſſelbe nach Belieben gebrauchen, ſo weit es ſein Erb durchſtroͤmt; nur muß er ſorgen, daß es da, wo es ſeinen Grund verlaͤßt, ſeinen gewoͤhnlichen Lauf wieder erhalte. „——— 3„— ——— „ 5— 645. Wenn unter den Eigenthuͤmern, denen ein ſol⸗ ches Waſſer nutzen kann, Streit entſteht: ſo haben die Gerichte bei Entſcheidung deſſelben darauf zu ſehen, daß das Intereſſe des Ackerbaues und die Achtung, die dem Eigenthum gebuͤhrt, vereinigt werde. In allen Faͤllen aber ſind die beſondern und oͤrtlichen Verordnungen uͤber den Lauf und Gebrauch des Waſſers dabei zu beobachten. 646. Jeder Eigenthuͤmer kann ſeinen Nachbar an⸗ halten, ihre aneinander ſtoßenden Beſitzungen abzugrenzen. Die Abgrenzung oder Bezeichnung der Grenze geſchieht auf gemeinſchaftliche Koſten. 647. Jeder Eigenthuͤmer kann ſein Erb einſchließen, ettzit jedoch der Ausnahme, die im Art. 682 vor⸗ ommt. 648. Wenn indeſſen ein Eigenthuͤmer ſein Erb ein⸗ ſchließt: ſo verliert er ſein Recht auf die Gemeinhuͤtung nach Verhältniß des Bodens, den er derſelben entzieht. 3 weites Capitel. Vongeſetzlichen Grundgerechtigkeiten. Art. 649. Geſetzliche oder vom Geſetze ſelbſt einge⸗ fuͤhrte Grundgerechtigkeiten haben zum Gegenſtande den allgemeinen Nutzen oder den Nutzen einer Gemeinde, oder auch den Nutzen von Privaten. 650. Dergleichen Dienſtbarkeiten, wenn ſie zum all⸗ gemeinen Nutzen, oder zum Nutzen einer Gemeinde einge⸗ fuͤhrt ſind, haben zum Gegenſtande den Leinpfad an ſchiff⸗ baren oder flößbaren Stroͤmen, die Erbauung oder Wie⸗ derherſtellung der oͤffentlichen Straßen oder anderer oͤffent⸗ lichen oder Gemeindeanlagen. Alles, was dieſelben betrifft, wird durch beſondere Geſetze oder Verordnungen regulirt. 651. Durch Privatvertraͤge können die Eigenthuͤmer ſich mancherlei Verbindlichkeiten unterwerfen; aber außer denſelben legt auch das Geſetz den Eigenthuͤmern verſchie⸗ dene Verbindlichkeiten gegeneinander auf. 652. Ein Theil jener Verbindlichkeiten wird durch die Geſetze uͤber die Feldpolizei beſtimmt. — Die uͤbrigen betreffen die Scheidemauer und den Schei⸗ degraben, die Fälle, wo eine Gegenmauer zu errichten iſt, das Recht der Ausſicht auf des Nachbars Eigenthum, die Dachtraufe oder den Ausguß der Daͤcher, und das Durch⸗ gangsrecht. Erſter Abſchnitt. Von der Scheidemauer und den Scheidegraben. Art. 653. Jede Mauer, die zwei Gebaͤude von einander trennt in ihrer ganzen Höhe, jede Mauer zwiſchen Hoͤfen und Gärten, und ſelbſt jede Zäunung zwiſchen zwei Fel⸗ dern, iſt der rechtlichen Vermuthung nach eine Mittel⸗ oder Scheidemauer oder Zäunung*), wenn nicht Urkun⸗ den vorhanden ſind, welche das Gegentheil beweiſen, oder ſonſtige äußere Merkmale, woraus ſich das Gegentheil ſchließen läßt. Dieſe Regel gilt auf dem Lande, wie in Staͤdten. 654. Ein ſolches Merkmal, woraus ſich ſchließen läßt, daß die Mittelmauer nicht gemeinſchaftlich iſt, iſt vorhanden, wenn die hoͤchſte Spitze der Mauer auf der einen Seite gerade und ſenkrecht mit der aͤußern Ver⸗ putzung derſelben ſteht und auf der andern Seite eine an⸗ laufende Fläche macht; Desgleichen, wenn ſie nur auf einer Seite eine Mauerkappe, oder Leiſten und Kragſteine(Zahntirungen) befinden, welche bei Erbauung der Mauer daran gemacht worden. In dieſem Falle wird vermuthet, daß die Mauer ausſchließlich dem Eigenthuͤmer gehoͤrt, auf deſſen Seite das Waſſer abfließt, oder auf deſſen Seite die Leiſten und Kragſteine ſind. 655. Wer an einer Scheide⸗ oder Mittelmauer be⸗ rechtigt iſt, der traͤgt auch die Koſten ihrer Ausbeſſerung e und zwar nach Verhaͤltniß ſeines echtes. *) D. h. ſie iſt zwiſchen beiden anſchießenden Eigenthuͤmern ge⸗ meinſchaftlich. 656. Will aber ein ſolcher Miteigenthuͤmer ſeinem Rechte entſagen: ſo kann er ſich dadurch von der Ver⸗ bindlichkeit los machen, mit zur Ausbeſſerung und Wie⸗ deraufbauung der Mittelmauer beizutragen. Jedoch ſteht ihm auch dies nicht frei, wenn die Mittelmauer ein Ge⸗ baͤude unterſtutzt, das ihm gehoͤrt. 657. Jeder Miteigenthuͤmer hat das Recht, gegen die Scheidemauer bauen, und Balken in dieſelben ſtecken zu laſſen, und zwar durch die ganze Dicke der Mauer bis auf vierundfuͤnfzig Millimeter(zwei Zoll) von der andern Seite. Dagegen hat aber der Nachbar das Recht, die Balken bis auf die Mitte der Mauer abhauen zu laſſen, im Falle er ſelbſt an der naͤmlichen Stelle Balken einle⸗ gen oder ein Rauchfang auffuͤhren will. 658. Auch hat jeder Miteigenthuͤmer einer Scheide⸗ mauer das Recht, dieſelbe hoͤher fuͤhren zu laſſen. Die Koſten der Erhoͤhung fallen ihm alsdann allein zur Laſt, ſo wie die Koſten der Unterhaltung des neu aufgeſetzten Stuͤckes. Ueberdies muß er dem Nachbar eine Entſchä⸗ digung fuͤr die Belaſtung der gemeinſchaftlichen Mauer entrichten, nach Verhaltniß der Erhöhung und nach Maaß⸗ gabe des Werthes. 659. Wenn die Mittelmauer nicht ſtark genug iſt, um eine Erhoͤhung zu tragen: ſo muß derjenige, der ſie erhoͤhen will, ſie auf ſeine eigenen Koſten ganz neu auf⸗ bauen laſſen; und was ſie in einem ſolchen Falle an Dicke gewinnt, wird von ſeiner Seite genommen. 660. Der Nachbar, der zur Hoͤherauffuͤhrung der Mauer nicht mitbezahlt hat, kann nachher noch immer ein Mitrecht auf dieſelbe fodern, wenn er die Hälfte deſſen, was ſie gekoſtet har, bezahlt. Iſt die Mauer dicker ge⸗ macht, und daher ein Stuͤck von des andern Grunde ge⸗ nommen worden: ſo muß er auch hiefuͤr den halben Werth bezahlen. 661. Jeder Eigenthuͤmer, deſſen Eigenthum an eine Mauer ſtoͤßt— worauf er ſonſt kein Recht hat— kann fodern, daß die Mauer zwiſchen ihm und ſeinem Nachbar gemeinſchaftlich werde, wenn er dem Eigenthuͤmer der Mauer die Hälfte ihres Werthes, oder den halben Werth des Stuͤckes davon, welches er gemeinſchaftlich machen ——— — 159— will, und zugleich den halben Werth des Bodens erſetzt, worauf die Mauer aufgefuͤhrt iſt. 662. Ein Nachbar kann ohne des andern Bewilligung in die gemeinſchaftliche Scheidemauer keine Vertiefung ma⸗ chen, noch ſonſt irgend ein Werk dawider anlehnen oder nur anſetzen. Wenn der andere Nachbar ſeine Einwil— ligung verſagt: ſo muß er, ehe er ſeine neue Anſtalt be⸗ ginnt, durch Werkverſtändige die Mittel reguliren laſſen, die noͤthig ſind, damit ſie den Rechten des andern keinen Abbruch thue. 663. In Städten und Vorſtaͤdten kann jeder ſeinen Nachbar zwingen, zu Erbauung und Ausbeſſerung der Mauer beizutragen, welche ihre Haͤuſer, Hoͤfe und Gär⸗ ten in beſagten Städten und Vorſtädten von einander ſcheidet. Wie hoch die Mauer ſeyn muͤſſe, beſtimmen die beſondern Verordnungen und der ſtandhafte anerkannte Gebrauch. Sind aber dergleichen Verordnungen und Ge⸗ braͤuche nicht vorhanden: ſo tritt folgende Regel ein. Je⸗ de Scheidemauer zwiſchen Nachbarn, welche in der Folge erbauet oder wieder hergeſtellt wird, muß in Staͤdten von fünfzigtauſend Seelen und daruͤber, wenig⸗ ſtens zweiunddreißig Decimeter— zehn Fuß— hoch ſeyn, mit Inbegriff der Kappe; in den uͤbrigen muß ſie wenig⸗ ſtens ſechsundzwanzig Decimeter— acht Fuß— hoch ſeyn. 664. Wenn in dem Falle, wo die verſchiedenen Stock⸗ werke eines Hauſes verſchiedene Eigenthuͤmer haben, die Eigenthumsurkunden nicht nachweiſen, wie es mit Repa⸗ rationen und Wiederaufbauung gehalten werden ſolle: ſo geſchehen ſie auf folgende Art: Zu den Hauptmauern und dem Dache tragen ſaͤmmt⸗ liche Eigenthuͤmer bei, und zwar jeder verhältnißmäßig des Werths ſeines Stockes; der Eigenthuͤmer jedes Stockes macht ſeinen Fußboden; der Eigenthuͤmer des erſten Stockes macht die Trep⸗ pe, die dahin fuͤhrt; der Eigenthuͤmer des zweiten Stockes macht die Treppe, die auf dieſen Stock fuͤhrt, von dem erſten Stocke an; und ſo weiter. 665. Wird eine Mittelmauer oder ein Haus aufs neue aufgebaut: ſo gehen die activen ſowohl, als paſſiven — 160— Dienſtbarkeiten*) auf die neue Mauer oder das neue Haus uͤber; nur duͤrfen ſie nicht erſchwert werden, auch muß vor der Wiederaufbauung die Verjährung nicht er⸗ worben ſeyn. 666. Alle Graben zwiſchen zwei Grundſtuͤcken ſind, der geſetzlichen Vermuthung nach, gemeinſchaftliche Mittel⸗ graͤben, wenn nicht Urkunden vorhanden ſind, welche das Gegentheil beweiſen, oder ſonſtige aͤußere Merkmale, wor⸗ aus ſich das Gegentheil ſchließen läßt. 667. Ein ſolches Merkmal, woraus ſich ſchließen laßt, daß der Mittelgraben nicht gemeinſchaftlich iſt, iſt vorhanden, wenn der Auf⸗ oder Abwurf der Erde ſich bloß auf einer Seite des Grabens befindet. 668. Der Graben wird ausſchließlich als demjeni⸗ gen zugehoͤrig betrachtet, auf deſſen Seite die Erde aus⸗ geworfen iſt. 660. Der Mittelgraben muß unterhalten werden auf gemeinſchaftliche Koſten. 670. Zaͤune, welche aneinander ſchießende Grund⸗ ſtuͤcke trennen, werden als gemeinſchaftlich angeſehen, aus⸗ genommen, wenn nur eins von den Grundſtuͤcke im Stan⸗ de der Umzaͤunung iſt, oder wenn fuͤr das Gegentheil eine Urkunde oder ein hinlaͤnglicher Beſitz vorhanden iſt. 671. Was die Entfernung betrifft, worin hochſtaͤm⸗ mige Baume vom anſchießenden Grunde gepflanzt werden müſſen: ſo beſtimmen dieſelbe den wirklich beſtehenden be⸗ ſondern Verordnungen, oder der beſtändige wohlbekannte Gebrauch. Sind aber dergleichen Verordnungen oder Her⸗ kommen nicht vorhanden: ſo muͤſſen, wenn von hochſtäm⸗ migen Bäume die Rede iſt, ſelbige in einer Entfernung von zwei Metern von der Scheidungslinien der beiden Grundſtuͤcke, und, wenn von andern Bäumen und leben⸗ digen Zaunen die Rede iſt, ſelbige in einer Entfernung von einen halben Meter davon ſtehen. *) Active Grundgerechtigkeiten ſind z. B. ſolche, welche der Ei⸗ genthuͤmer der neuen Mauer u. ſ. w. auf den nebenliegenden Grund hat: paſſive oder leidende Grundgerechtigkeiten, wel⸗ che der anſchließende Grund auf die neue Mauer, das neue Haus hat. ——— — — 161— 672. Der Nachbar kann fordern, daß die Baäume und Zaͤune, die naͤher— als in jener Entfernung— ſte⸗ hen, ausgeriſſen werden. Wenn die Aeſte und Zweige der Bäume eines Nach⸗ bars auf das Eigenthum eines Andern uͤberwachſen: ſo kann erſterer gezwungen werden ſie abzuſchneiden. Sind es die Wurzeln, die in ſein Grundſtuͤck gehen; ſo iſt er berechtigt, ſie dort ſelbſt abzuſchneiden. 673. Baͤume, die in dem gemeinſchaftlichen Mittel⸗ zaun ſtehen, ſind gemeinſchaftlich, wie der Zaun ſelbſt; und jeder der beiden Eigenthuͤmer hat das Recht zu fo⸗ dern, daß ſie weggehauen werden. 8 weiter Ahſchnitt. Von der Entfernung und den 3wiſchenwerken, die für gewiſſe Anlagen erforderlich ſind. Art. 674. Wer an einer gemeinſchaftlichen oder auch nicht gemeinſchaftlichen Mauer einen Brunnen graben laͤßt, oder ein heimliches Gemach; wer daran einen Rauchfang oder Feuerheerd, eine Schmiede, einen Back⸗ oder ſonſtigen Ofen bauen will; wer einen Stall daran bauen; oder gegen dieſelbe ein Salzmagazin oder ſonſt einen Behaͤlter fuͤr beizende Materien errichten will: der muß entweder den Zwiſchenraum laſſen, den in dieſer Hinſicht die beſondern Verordnungen oder Ortsge⸗ braͤuche beſtimmen, oder er muß vorher jene Anlagen ma⸗ chen, welche die beſagten Verordnungen und Gebraͤuche vorſchreiben, damit er ſeinem Nachbar nicht ſchade. Dritter Abſchnitt. Von der Ausſicht auf des Nachbars Eigenthum. Art. 675. Ein Nachbar kann, ohne des andern Ein⸗ willigung, in die Scheidemauer kein Fenſter oder ſonſtige Oeffnung machen, es moͤge dies auf eine Art geſchehen ſollen, wie ſie Namen habe, auch dann nicht, wenn die Oeffnung oder das Fenſter verſchloſſen wäre und bliebe. 11 — 162— 676. Der Eigenthuͤmer einer nicht gemeinſchaftlichen Mauer, wenn ſie auch unmittelbar an das Erbe eines an⸗ dern ſtoͤßt, kann in dieſe ſeine Mauer zugeſchloſſene und auch begitterte Oeffnungen oder Fenſter machen. Solche Fenſter muͤſſen dann mit einem eiſernen Gitter eingefaßt ſeyn, deſſen Scheiben oder Oeffnungen hoͤchſtens einen Decimeter— ungefaͤhr drei Zoll und acht Linien— groß ſind; der Rahmen muß daran verſchloſſen ſeyn oder nicht aufgehen koͤnnen. 677. Iſt nun das Zimmer, dem man Licht geben will, unten an der Erde: ſo muͤſſen dergleichen Fenſter oder Oeffnungen wenigſtens ſechsundzwanzig Decimeter— acht Fuß— uͤber dem Boden angebracht werden; ſind es Zimmer der hoͤhern Stockwerke: ſo muͤſſen dergleichen Fen⸗ ſter wenigſtens neunzehn Deeimeter— ſechs Fuß— uͤber dem Boden ſtehen. 678. Es iſt zwar nicht verboten, gerade Ausſichten, oder Fenſter zur Ausſicht, Erker und andere ähnliche vor⸗ ſtehende Werke zu haben, die auf das Erbe des Nachbars gehen, dies Erbe mag nun geſchloſſen oder offen ſeynz aber es muß ein Zwiſchenraum von neunzehn Decimetern— ſechs Fuß— ſeyn zwiſchen jenem Erbe und der Mauer, wor⸗ an oder worin man ſolche Ausſichten u. ſ. f. anbringt. 679. Auch iſt es nicht verboten, ſchraͤge oder Seiten⸗ ausſichten auf des Nachbars Erbe zu haben; nur muß ein Zwiſchenraum von ſechs Decimetern— zwei Fuß— zwi⸗ ſchen beiden ſeyn. 680. Der Zwiſchenraum, wovon die beiden vorher⸗ gehenden Artikel ſprechen, wird gerechnet von der aͤußern Verputzung der Mauer, worin die Oeffnung gemacht wird, und, wenn von Erkern oder ſonſtigen vorſpringenden An⸗ lagen die Rede iſt, von ihrer aͤußern Linie bis auf die Scheidungslinie der beiden aneinanderſtoßenden Beſitzungen⸗ Vitrrer Abſchnitt. Von der Dachrinne. Art. 681. Jeder Eigenthuͤmer muß ſeine Daͤcher ſo ein⸗ richten, daß das Regenwaſſer davon entweder auf ſeinen eigenen Grund, oder auf die oͤffentliche Straße falle; er darf ſie nicht ſo einrichten, daß es auf ſeines Nachbars Grund falle. nfer Abſchntt. Vom Ueber⸗ und Durchgangsrechte. Art. 682. Der Eigenthuͤmer, deſſen Grund rund um von andern Gruͤnden eingeſchloſſen iſt, und der keinen Ausgang auf die öͤffentliche Straße hat, iſt berechtigt zu fodern, daß ihm uͤber die Gruͤnde ſeiner Nachbarn der Ueber⸗ oder Durchgang geſtattet werde, damit er ſein Erbe be⸗ nutzen koͤnne; wogegen er eine Entſchaͤdigung geben muß, die dem Schaden, den er verurſachen kann, angemeſſen iſt. 683. Der Regel nach muß der Durchgang auf je⸗ ner Seite genommen werden, wo der Weg von dem ein⸗ geſchloſſenen Grundſtuͤcke bis auf die öffentliche Straße am kuͤrzeſten iſt. 684. Jedoch muß er an dem Orte genommen wer⸗ den, wo demjenigen, uͤber deſſen Grund er gehen ſoll, am wenigſten Schaden zugefuͤgt wird. 685. Die Entſchaͤdigungsklage, wovon der Art. 682 ſpricht, iſt verjährbar, und der Durchgang muß nach wie vor geſtattet werden, wenn ſchon die Klage auf Entſchaͤ⸗ digung nicht mehr zulaͤſſig iſt. Di 6 iel. Von den Grundgerechtigkeiten, die im Wil⸗ len des Menſchen ihren Grund haben. ſchn i Von den verſchiedenen Arten der Grundgerechtig⸗ keiten, die auf Grundſtücke gelegt werden koͤnnen. Art. 6856. Es ſteht jedem Eigenthuͤmer frei, ſein Ei⸗ genthum mit jeder beliebigen Grundgerechtigkeit zu be⸗ *) Man muß die Benennung geſetzliche oder vom Ge⸗ ſetze ſelbſt beſtellte Grundgerechtigkeiten nicht mißverſtehen Es wird nämlich mit den im 2. Capitel an⸗ gefuͤhrten Grundgerechtigkeiten ſo, wie daſelbſt beſchrieben iſt, gehalten, wofern die Eigenthümer unter ſich keine andere Vereinbarungen getroffen habenz übrigens koͤnnen ſie durch den Willen des Menſchen abgeändert und modificirt werden 4 — 164— ſchweren, oder dergleichen zum Nutzen deſſelben zu beſtel⸗ len; jedoch nur unter folgenden Einſchränkungen. Die Dienſtbarkeit oder Gerechtigkeit muß bloß und allein ein Grundſtuck betreffen oder auf und fuͤr ein Grundſtuͤck, und nicht auf oder zu Gunſten einer Perſon, beſtellt werden. Auch muß mit Beſtellung derſelben nichts verbunden ſeyn, was gegen die oͤffentliche Ordnung anginge. Wie man ſich einer ſo beſtellten Grundgerechtigkeit bedienen muͤſſe, und wie weit ſie ſich erſtrecke, wird durch die Urkunde oder durch den Titel beſtimmt, der ſie beſtellt hat. Wenn aber kein Titel vorhanden iſt: ſo treten fol⸗ gende Regeln ein. 687. Alle Grundgerechtigkeiten ſind entweder den Gebaͤuden oder den Gruͤnden im engern Verſtande zum Nutzen beſtellt. Die Grundgerechtigkeiten der erſten Art nennt man ſtädtiſche, das berechtigte Gebäude mag nun in einer Stadt oder auf dem Lande liegen; die der zweiten Art nennt man laͤndliche Grund⸗ gerechtigkeiten. 688. Die Grundgerechtigkeiten ſind entweder unun⸗ terbrochene oder unterbrochene. Ununterbrochene Grundgerechtigkeiten ſind jene, deren Gebrauch anhaltend iſt oder anhaltend ſeyn kann, ohne daß es des jedesmaligen Zuthuns des Menſchen be⸗ darf. So ſind z. B. ununterbrochene Grundgerechtigkei⸗ ten die Waſſerableitungen, die Rinnen, Ausſichten und andere dergleichen. Unterbrochene Grundgerechtigkeiten ſind hingegen ſolche, zu deren Gebrauch das jedesmalige wirkliche Zu⸗ thun des Menſchen erfodert wird, wie z. B. die Rechte des Ueber⸗ und Durchgangs, des Waſſerſchoͤpfens, die Triftgerechtigkeiten und andere der Art. ouf jede beliebige Art. Wenn daher z. B. das Geſetz mich berechtigt, zu fodern, daß mein Nachbar in ſeine Mauer ein Fenſter acht Fuß hoch vom Voden ſetze: ſo hindert uns dies nicht, uns dahin miteinander zu verſtehen, daß er es nur vier Fuß hoch ſetze u. ſ.f. Nur durfen ſie nicht den Verfuͤgungen des hiernach folgenden Art. 6g5 zuwider ſeyn. ———— — 165— 689. Die Grundgerechtigkeiten ſind endlich entweder ſcheinb ar— in die Augen fallend—, oder unſchein⸗ bar— nicht in die Augen fallend—. Scheinbare Grundgerechtigkeiten ſind ſolche, die man gleich an irgend einem aͤußern Werke gewahr wird, wie an einer Thuͤr, Fenſter, Waſſerleitung u. ſ. f. Unſcheinbare Grundgerechtigkeiten ſind ſolche, de⸗ ren Daſeyn man durch kein äußeres Zeichen gewahr wird. Dergleichen iſt z. B. das Verbot— oder vielmehr die Hinderung— auf einen Grund zu bauen, oder nur bis auf eine gewiſſe Hoͤhe zu bauen. Wie Grundgerechtigkeiten beſtellt werden. Art. 690. Ununterbrochene und ſcheinbare Grundge⸗ rechtigkeiten erwirbt man durch Titel oder dreißigjaͤhrigen Beſitz. 691. Ununterbrochene Grundgerechtigkeiten, wenn ſie nicht ſcheinbar oder in die Augen fallend ſind: und die unterbrochenen Grundgerechtigkeiten, ſie moͤgen ſcheinbar unſcheinbar ſeyn, kann man nicht erwerben, als durch Selbſt der Beſitz von undenklichen Zeiten her iſt nicht hinreichend, ſie zu beſtellen. Jedoch kann man darum heut zu Tage dergleichen Grundgerechtigkeiten nicht anfechten, die etwa ſchon durch Beſitz in Laͤndern erworben worden ſind, wo man ſie auf dieſe Art erwerben konnte. 692. In Hinſicht auf ununterbrochene und ſcheinbare Grundgerechtigkeiten iſt die hausvaterliche Beſtimmung ſo gut wie ein Titel. 693. Die hausvaͤterliche Beſtimmung iſt aber nur dann vorhanden, wenn erwieſen iſt, daß die beiden Gruͤn⸗ de, die gegenwaͤrtig getheilt ſind, dem naͤmlichen Eigen⸗ thuͤmer gehoͤrt hoben, und daß dieſer die Sachen in den Stand geſetzt habe, woraus die Grundgerechtigkeit entſteht. 694. Wenn der Eigenthuͤmer zweier Grundſtuͤcke, zwiſchen welchen ein in die Augen fallendes Zeichen von Dienſtbarkeit vorhanden iſt, uͤber eins von ſolchen Grund⸗ ſtuͤcen verfuͤgt, ohne daß der Vertrag oder Contrakt ir⸗ gend eine Verabredung in Betreff der Dienſtbarkeit ent⸗ haͤlt: ſo faͤhrt die Dienſtbarkeit fort auf aktive und paſſi⸗ ve Art, zu Gunſten des veraͤußerten Grundes, oder ihm zur Laſt, zu beſtehen. 695. In Hinſicht auf die Grundgerechtigkeiten, die ſich durch Verjährung nicht erwerben laſſen, kann der Ti⸗ tel, der die Grundgerechtigkeit beſtellt, nicht anders als durch einen Titel, worin dieſelbe anerkannt wird, erſetzt werden; und einen ſolchen Anerkennungstitel kann nur der Eigenthuͤmer des dienenden Grundſtuͤckes geben. 696. Wer eine Grundgerechtigkeit beſtellt, der wird dafuͤr angeſehen, daß er alles zugeſteht, was zu ihrem Gebrauche nöthig iſt. So zieht die Gerechtigkeit, im Brunnen eines andern Waſſer zu ſchoͤpfen, nothwendig das Durchgangsrecht nach ſich. Sritter Abſchnitt. Von den Rechten des Eigenthümers des berech⸗ tigten Grundſtückes. Art. 697. Wem eine Grundgerechtigkeit gebuͤhrt, der hat auch das Recht alle Anlagen zu machen, die nöthig ſind, um ſich ihrer zu bedienen, und um ſie zu er⸗ halten. 698. Dergleichen Anlagen werden aber auf ſeine Koſten gemacht, und nicht auf Koſten des Eigenthuͤmers des dienenden oder belaſteten Grundſtuͤckes; es waͤre denn, daß der Litel, welcher die Grundgerechtigkeit beſtellt, et⸗ was anders feſtſetzte. 699. Aber ſelbſt in dem Falle, wo dem Eigenthuͤ⸗ mer des dienenden Grundſtuͤckes der Titel die Laſt auf⸗ legt, die zur Benutzung oder Erhaltung der Grundgerech⸗ tigkeit noͤthigen Anlagen auf ſeine Koſten zu machen, kann er ſich dadurch davon befreien, daß er dem Eigenthuͤmer des berechtigten Grundſtuͤckes ſeinen Grund uͤberlaͤßt. 700. Wenn das berechtigte Grundſtuͤck getheilt wird: ſo beſteht die Grundgerechtigkeit fuͤr jeden Theil deſſelben, ohne daß gleichwohl der Zuſtand des dienenden Grund⸗ ſtuͤckes dadurch erſchwert werden darf. So muͤſſen, wenn zum Beiſpiel die Rede von einem Durch⸗ oder Uebergang iſt, ſaͤmmtliche Miteigenthuͤmer tenſelben uͤber den nämlichen Ort nehmen. 701. Der Eigenthuͤmer des dienenden Grundſtuͤckes darf nichts unternehmen, was dahin zielt, den Gebrauch der Grundgerechtigkeit zu ſchmaͤlern oder unbequemer zu machen. So kann er nichts an dem Zuſtand der Orte veraͤn⸗ dern, noch die Ausuͤbung der Grundgerechtigkeit an einen andern Ort uͤbertragen, als derjenige iſt, auf den ſie ur⸗ ſpruͤnglich angewieſen ward. Wenn indeſſen dieſe urſpruͤngliche Anweiſung dem Ei⸗ genthuͤmer des dienenden Grundſtuͤckes laͤſtiger geworden waͤre, oder, wenn ſie ihn hinderte, nuͤtzliche Reparationen daran vorzunehmen: ſo koͤnnte er dem Eigenthuͤmer des berechtigten Grundſtuͤckes einen andern eben ſo gemaͤchli⸗ chen Ort zur Ausuͤbung ſeiner Rechte anbieten, und die⸗ ſer duͤrfte alsdann nichts dagegen einwenden. 702. Hinwieder darf der Eigenthuͤmer des berechtig⸗ ten Grundſtuͤckes ſein Recht nicht brauchen, als nach An⸗ weiſung und Inhalt ſeines Titels; und es ſteht ihm nicht frei, weder an dem dienenden, noch an dem berechtigten Grundſtuͤcke eine Veraͤnderung vorzunehmen, welche den Zuſtand des erſtern erſchweren koͤnnte. i Von Erloͤſchung der Grundgerechtigkeiten. Art. 703. Die Grundgerechtigkeiten erloͤſchen oder hoͤren auf, wenn die Sachen ſich in einem ſolchen Zuſtande be⸗ finden, daß man ſich ihrer nicht mehr bedienen kann. 704. Sie leben wieder auf, wenn die Sachen wie⸗ der in ſolchen Stand kommen, daß man ſich ihrer bedie⸗ nen kann. Ausgenommen iſt der Fall, wo nach Inhalt des Art. 707 ein Zeitraum verfloſſen iſt, der hinreicht um die Erloͤſchung der Grundgerechtigkeit vermuthen zu laſſen. 5——— * 1 — 168— 705. Alle Grundgerechtigkeiten erloͤſchen ferner da⸗ durch, daß das berechtigte und das dienende Grundſtuͤck in eine und die nämliche Hand kommen. 706. Auch erloͤſchen ſie durch dreißigjährigen Nicht⸗ gebrauch. 707. Die dreißig Jahre fangen, nach der verſchie⸗ denen Beſchaffenheit der Grundgerechtigkeiten, entweder von dem Tage an zu laufen, wo man aufgehoͤrt hat, ſie zu brauchen, wenn die Rede von unterbrochenen Grund⸗ gerechtigkeiten iſt; oder von dem Tage an, wo man eine der Grundgerechtigkeit zuwiderlaufende Handlung vorge⸗ nommen hat, wenn von ununterbrochenen Grundgerechtig⸗ keiten die Rede iſt. 708. Die Art der Grundgerechtigkeit verjaͤhrt ſich ſo gut, wie die Grundgerechtigkeit ſelbſt, und auf die näm⸗ liche Weiſe. 709. Wenn das berechtigte Grundſtͤck mehreren Ei⸗ genthuͤmern ungetheilt zugehört: ſo wird dadurch, daß ei⸗ ner die Gerechtigkeit braucht, die Verjährung in Ruͤckſicht auf alle gehindert. 710. Wenn unter den Miteigenthuͤmern einer iſt, gegen den die Verjährung nicht laufen konnte, wie ein Min⸗ derjähriger: ſo erhalt dieſer die Rechte aller andern. Drittes Buch. Von Erwerbung des Eigenthums, und den verſchiedenen Arten dieſer Er⸗ werbung. Allgemeine Verfuͤgungen*). Art. 711. Man erwirbt das Eigenthum durch Erbfolge, durch Schenkung unter Lebenden oder des To⸗ des wegen, und kraft der Verbindlichkeiten. Eben ſo geht es auf andere uͤber. 712. Auch erwirbt man das Eigenthum durch An⸗ und Zuwuͤchſe oder Einverleibung, und durch Verjährung. 713. Herrenloſe Sachen gehoͤren dem Staate. 714. Es gibt Sachen, die Niemanden ausſchließlich gehoͤren, und deren Gebrauch allen gemein iſt. Polizeigeſetze beſtimmen die Art ihrer Benutzung. 715. Das Recht, durch Jagd und Fiſcherei zu er⸗ werben, wird gleichfalls durch beſondere Geſetze regulirt. 716. Das Eigenthum eines Schatzes ſteht dem Fin⸗ der zu, wenn er ihn auf ſeinem eigenen Boden gefunden hat. Er gehoͤrt aber dem Finder nur halb, wenn er ihn ) Geſetz vom 29. Germinal 11. Jahrs(19. April 1803). Promulgirt den 9. Floreal 11.(29. April 1803). auf fremdem Boden gefunden hat. Die zweite Haͤlfte ge⸗ hoͤrt in dieſem Falle dem Eigenthuͤmer des Bodens. Unter Schatz verſteht man jede verborgene oder ver⸗ grabene Sache, woran niemand ein Eigenthumsrecht dar⸗ thun kann, und die bloß zufaͤlligerweiſe entdeckt wird. 717. Wie es mit Sachen, die das Meer auswirft, von welcher Art ſie ſeyn moͤgen, mit Pflanzen und Kraͤu⸗ tern, die auf dem Geſtade des Meeres wachſen, gehalten werde, beſtimmen ebenfalls beſondere Geſetze. Das naͤmliche gilt von verlornen Sachen, deren Ei⸗ genthuͤmer ſich nicht meldet. E rſte e) Von der Erbfolge. S rſt e5 Gp i el. Von Eröffnung der Erbfolge uud dem Anfall der Verlaſſenſchaft an die Erben. Art. 718. Die Erbfolge wird durch den natuͤrlichen Tod und durch den buͤrgerlichen Tod eroͤffnet. 719. In dem naͤmlichen Augenblicke, wo, gemaͤß den Verfuͤgungen des 2. Abſchnitts, Cap. 2 des Titels von dem Genuſſe und Verluſte der buͤrgerlichen Rechte, der buͤrgerliche Tod vorhanden iſt, wird auch durch dieſen Tod die Erbfolge eroͤffnet. 720. Es kann geſchehen, daß mehrere Menſchen, wovon einer den andern zu beerben berechtigt iſt, in der namlichen Begebenheit umkommen, ohne daß es möglich ſey, zu wiſſen, wer zuerſt geſtorben. In einem ſolchen Falle nimmt man die Umſtände der Begebenheit zuſammen, und leitet daraus die Vermuthung her, wer den andern *) Geſetz vom 29. Serminal I1. Jahrs(19. April 1803). Promulgirt den 9. Floreal 11. G9. April 1803). — 171— uͤberlebt habe, und wenn dies nicht moͤglich iſt, ſo wird vermuthet, daß der am längſten gelebt habe, der die Staͤr⸗ ke des Alters oder des Geſchlechtes auf ſeiner Seite hatte. 721. Waren diejenigen, die zuſammen umgekommen ſind, weniger als fuͤnfzehn Jahre alt: ſo wird vermuthet, daß der aͤltere am laͤngſten gelebt habe. Waren ſie alle uͤber ſechzig Jahre alt: ſo wird ver⸗ muthet, daß der juͤngſte die andern uͤberlebt habe. Wenn der eine unter fuͤnfzehn Jahren, und der an⸗ dere uͤber ſechzig war, ſo wird vermuthet, daß der erſtere laͤnger gelebt habe. 722. Wenn Menſchen, die zuſammen umgekommen ſind, zwar volle fuͤnfzehn Jahre, aber noch nicht ſechzig Jahre alt waren: ſo iſt folgender Unterſchied zu machen. Entweder waren ſie verſchiedenen Geſchlechts, und in die⸗ ſem Falle wird immer vermuthet, daß die Mannsperſon laͤnger gelebt habe, ſo fern ſie jedoch von gleichem Alter waren, oder der Unterſchied, der etwa obwaltet, nicht uͤber ein Jahr beträgt. Oder ſie waren einerlei Geſchlechts, und dann tritt die Vermuthung ein, daß ſie ſo nacheinander geſtorben, und die Erbfolge ſo eroffnet worden, wie beides nach dem ordentlichen Laufe der Natur zu geſchehen pflegt; daß mit⸗ hin der juͤngere den ältern uͤberlebt habe. 723. Das Geſetz beſtimmt die Ordnung, worin die rechtmaßigen Erben zur Verlaſſenſchaft gelangen. In Er⸗ mangelung ſolcher Erben fallen die Guͤter an die natuͤr⸗ lichen Kinder, dann an den uͤberlebenden Ehegatten, und, wenn auch deren keiner vorhanden iſt, an den Staat. 724. Die Guͤter, Rechte und Foderungen des Ver⸗ ſtorbenen, gehen ohne weiteres von Rechtswegen auf die rechtmaͤßigen Erben uͤber*); wogegen ſie alle Laſten der Verlaſſenſchaft uͤbernehmen muͤſſen. Auf die natuͤrlichen Kinder, den letztlebenden Ehegatten, und den Staat geht die Erbſchaft nicht von ſelbſt uͤber; ſondern ſie muͤſſen ſich gerichtlich in den Beſitz derſelben einweiſen laſſen, und *) Mit andern Worten: der rechtmäßige Erbe erlangt das Eigenthum der Erbſchaft, nebſt allen damit verbundenen Rechten und Pflichten, ohne daß es weiter einer Beſitz⸗ ergreifung bedarf. ——— —„ — 172— zwar nach den Formen, welche weiter unten beſtimmt werden. Von der Erbfaͤhigkeit. Art. 725. Um erben zu koͤnnen, wird erfodert, daß man in dem Augenblicke, wo die Erbſchaft eroͤffnet wird, das Daſeyn habe*). Unfaͤhig zu erben ſind demnach lſtens, derjenige, der noch nicht empfangen iſt; Ltens, das Kind, das nicht lebensfaͤhig geboren worden**). 3tens, alle die buͤrgerlich todt ſind. 726. Gemäß den Verfuͤgungen des Art. 11 unter dem Titel vom Genuſſe und dem Verluſte der buͤr⸗ gerlichen Rechte, erbt der Ausländer nicht immer das Vermoͤgen, welches ſeine Verwandten, ſie ſeyen nun Aus⸗ länder oder Franzoſen, auf dem Gebiete des Reichs be⸗ ſitzen: ſondern er erbt es nur in jenen Fällen und auf jene Art, worin und wie auch ein Franzoſe ſeinen Ver⸗ wandten erbt, der in dem Lande eines ſolchen Auslaͤnders Vermoͤgen beſitzt. 727. Folgende Perſonen ſind unwuͤrdig zu erben, und als ſolche von der Ervfolge ausgeſchloſſen; lſtens, wer aus dem Grunde verurtheilt worden, weil er den Verſtorbenen um's Leben gebracht, oder um's Leben zu bringen verſucht hatz 2tens, wer den Verſtorbenen eines Capitalverbrechens angeklagt, wenn ſeine Anklage fuͤr verlaͤumde⸗ riſch erklaͤrt worden; 3tens, der großjaͤhrige Erbe, der, obgleich er die *) Dieſer Augenblick iſt, wie vorher ſchon geſagt worden, der Augenblick, worin der Erblaſſer eines natürlichen oder buͤrgerlichen Todes ſtirbt. **) S. die Anmerkung zum 374. Artikel im erſten Buche. — 173— Ermordung des Verſtorbenen wußte, ſie dennoch nicht bei Gericht angezeigt hat. 728. Wenn aber der Erbe ein aufſteigender oder abſteigender Verwandter des Moͤrders, wenn er ſein Ver⸗ ſchwagerter im nämlichen Grade, oder ſein Ehegenoſſe, oder ſein Bruder oder ſeine Schweſter, oder ſein Oheim oder ſeine Muhme, oder ſein Neffe oder ſeine Nichte iſt: ſo kann ihm die Einrede nicht entgegengeſetzt werden, daß er den Mord nicht angezeigt. 729. Wird der Erbe wegen Unwuͤrdigkeit von der Erbfolge ausgeſchloſſen: ſo muß er alle Fruͤchte und Einkuͤnfte zuruͤckgeben, die er ſeit ihrer Eroͤffnung genoſ⸗ ſen hat. 730. Wenn Kinder eines Unwuͤrdigen kraft eigenen Rechtes, und nicht dadurch, daß ſie an die Stelle eines andern treten, zur Erbfolge gelangen*): ſo werden ſie wegen des Verſchuldens ihres Vaters nicht davon ausge⸗ ſchloſſen. Der Vater aber kann in keinem Falle von den zu einer ſolchen Erbſchaft gehoͤrigen Guͤtern den Nießbrauch fodern, den ſonſt das Geſetz den Eltern von dem Vermoͤ⸗ gen ihrer Kinder geſtattet. eCit Von den verſchiedenen Ordnungen der Erb⸗ folge. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfügungen. Art. 731. Die Kinder und ſonſtigen abſteigenden Ver⸗ wandten des Erblaſſers, ſeine aufſteigenden Verwandten und ſeine Seitenverwandten gelangen in der Oxdnung und nach den Regeln zur Erbfolge, die hiernach beſtimmt ſind. 732. Indem das Geſetz die Erbfolge beſtimmt, ſieht es weder auf die Natur des Nachlaſſes, noch auf ſeinen Urſprung. *) Richt vermoͤge der Repräſentation oder Vertretung. — 174— 733. Fäͤllt eine Erbſchaft an aufſteigende Verwand⸗ ten, oder an Seitenverwandten: ſo theilt ſie ſich jederzeit in zwei gleiche Theile, wovon der eine den Verwandten der vaͤterlichen Linie, der andere den Verwandten der muͤtterlichen Linie gehoͤrt. Halbbuͤrtige Verwandten von muͤtterlicher oder vaͤter— licher Seite allein*) werden durch die vollbuͤrtigen Verwandten nicht ausgeſchloſſen; aber ſie theilen nur in ihrer Linie, jedoch unbeſchadet deſſen, was hierunten im Art. 752 vorgeſchrieben wird. Die vollbuͤrtigen Verwand⸗ ten**) theilen in beiden Linien. Der Ruͤckfall von einer Linie auf die anbere hat nur dann Statt, wenn ſich in einer Linie kein aufſteigender Verwandter und kein Seitenverwändter findet. 734. Nach dieſer erſten Theilung der Verwandtſchaft in die väterliche und muͤtterliche Linie, geſchieht keine fer⸗ nere Theilung mehr unter die verſchiedenen Staͤmme; ſondern die Haͤlfte, die jeder Linie anerfallen iſt, gehoͤrt dem Erben oder den Erben, die im Grade die naͤchſten ſind, jedoch der Vertretung unbeſchadet, wie weiter unten geſagt wird. 735. Die Naͤhe der Verwandtſchaft wird durch die Zahl der Generationen beſtimmt. Jede Generation nennt man einen Grad. 736. Die Linie(Verwandtſchaftslinie) entſteht durch eine Reihe von Graden. Man theilt ſie in die gerade Linie, und in die Seitenlinie. Erſtere iſt die Folge von Graden unter Perſonen, deren eine von der andern abſtammt; letztere iſt die Folge von Graden unter Perſo⸗ nen, die nicht von einander abſtammen, ſondern einen gemeinſchaftlichen Stammvater haben. Die gerade Linie theilt ſich wieder in die gerade aufſteigende Linie, und in die gerade abſteigen⸗ de Linie.. Erſtere iſt diejenige, welche den Stammvater mit ſeinen Abkömmlingen verbindet: die andere diejenige, wel⸗ che eine Perſon mit denen verbindet, wovon ſie abſtammt. *) Parens utérins ou consanguins. *) Les germains. 737. In gerader Linie zaͤhlt man ſo viele Grade, als Generationen zwiſchen den(bezogenen) Perſonen ſind. Demnach iſt der Sohn, in Ruͤckſicht auf den Vater, im erſten, der Enkel im zweiten Grade; und ſo iſt umgekehrt der Vater in Ruͤckſicht auf den Sohn im erſten, und der Großvater in Ruͤckſicht auf den Enkel im zweiten Grade. 738. Um den Grad der Verwandtſchaft in der Sei⸗ tenlinie zu beſtimmen, zaͤhlt man die Generationen von dem einen Verwandten bis zum gemeinſchaftlichen Stamm— vater, und von dieſem bis zu dem andern Verwandten. Der gemeinſchaftliche Stammvater wird dabei nicht mit⸗ gezählt. Demnach ſind zwei Bruͤder im zweiten, Oheim und Neffe im dritten, Geſchwiſterkinder im vierten Grade, u. weiter Ab ſchmitec. Von der Vertretung.*) Art. 739. Die Vertretung oder Repraͤſentation iſt eine Erdichtung des Geſetzes, vermoͤge welcher die vertre⸗ tenden Perſonen in die Stelle, den Grad und die Rechte der vertretenen Perſon treten. 740. In der geraden abſteigenden Linie hat die Ver⸗ tretung oder Repraͤſentation bis in's Unendliche Statt. Sie tritt in allen Fällen ein und ohne Unterſchied, ob die Kinder des Erblaſſers mit deſſen Kindeskindern(mit Abkoͤmmlingen eines fruͤher verſtorbenen Kindes) zuſam⸗ *0) Representation. Wenn ein Menſch den andern in ſo fern vorſtellt, oder ihn vertritt, daß er deſſen Rechte und Pflichten entweder ganz oder zum Theil uͤbernimmt: ſo heißt überhaupt geſprochen, jener die vertretende oder repräſentirende Perſon, dieſer aber, welcher vorgeſtellt wird, die vertrereneoder repraͤſentirte Perſon. Die Befugniß eine andere Perſon vorzuſtellen, ſie zu vertreten, oder an ihre Stelle zu treten, und an ihren Gerechtſamen Theil zu nehmen, heißt das Vertre⸗ tungsrecht oder Repräſentationsrecht. Auf die vorliegende Materie angewandt, iſt Vertretung oder Re⸗ präſentation eine Erdichtung des Geſetzes, welche den Kirdern den Theil gibt, den ihr Vater bekommen hätte, wenn er noch lebte. + 4„ mentreffen, oder ob alle Kinder des Erblaſſers vor ihm geſtorben, und mithin die Abkoͤmmlinge dieſer Kinder un⸗ ter ſich in gleichen oder ungleichen Graden vorhanden ſind. 741. Zu Gunſten der aufſteigenden Verwandten hat die Vertretung nicht Statt: der nähere in jeder von bei⸗ den Linien ſchließt immer den entferntern aus. 742. In der Seitenlinie gilt die Vertretung zu Gun⸗ ſten der Kinder und Abkoͤmmlinge der Geſchwiſter des Verſtorbenen, und hiebei wird nicht darauf geſehen, ob dieſe Kinder und Abkoͤmmlinge zugleich mit den Oheimen oder Muhmen zur Erbfolge gelangen, oder ob alle Geſchwi⸗ ſter des Erblaſſers vorab geſtorben ſind, und mithin die Erbſchaft ihren Abkömmlingen in gleichen oder ungleichen Graden anfaͤllt. 743. In allen Fäͤllen, wo die Vertretung zugelaſſen iſt, wird nach Stämmen getheilt. Zerfällt ein Stamm in mehrere Nebenlinien, ſo geſchieht in jeder ſolchen Neben⸗ ſinie die Untervertheilung ebenfalls nach Stäͤmmen, und die Glieder der naͤmlichen Nebenlinie theilen unter ſich nach Koͤpfen. 744. Nur Perſonen, die natuͤrlich oder buͤrgerlich todt ſind, kann man vertreten, nicht aber ſolche, die noch leben. Eine Perſon hingegen, deren Erbſchaft man entſagt hat, kann man vertreten. Drie bſch ni Von der Erbfolge der abſteigenden Verwandten. Art. 745. Die Kinder oder ihre Abkoͤmmlinge beerben ihre Eltern, Großeltern oder andern aufſteigenden Ver⸗ wandten, ohne Unterſchied des Geſchlechts oder der Erſt⸗ geburt, und obſchon ſie aus verſchiedenen Ehen erzeugt ſind. Sie erben zu gleichen Theilen und nach Koͤpfen, in ſo fern ſie alle im erſten Grade ſind und kraft ihres eige⸗ nen Rechtes zur Erbfolge gelangen. Sie erben nach Staͤm⸗ — —,—————— men, in ſo fern ſie alle oder einige von ihnen durch Huͤl⸗ fe der Vertretung zur Erbfolge gelangen. Bier Abſchnink. Von der Erbfolge der aufſteigenden Verwandten. Art. 746. Wenn der Verſtorbene weder Nachkommen, noch Geſchwiſter, noch auch Abkoͤmmlinge von denſelben nachgelaſſen hat: ſo zerfaällt die Verlaſſenſchaft in zwei gleiche Theile, wovon der eine auf die aufſteigenden Ver⸗ wandten der väterlichen Linie, und der andere auf die aufſteigenden Verwandten der muͤtterlichen Linie geht. Der aufſteigende Verwandte, der im Grade der naͤch⸗ ſte iſt, nimmt die ſeiner Linie zugewieſene Haͤlfte, und ſchließt alle andern aus. Aufſteigende Verwandten im naͤmlichen Grade erben nach Koͤpfen. 747. Die aufſteigenden Verwandten erben, mit Aus⸗ ſchließung aller andern, alle Sachen, die ſie ihren, ohne Nachkommenſchaft verſtorbenen Kindern oder Abkoͤmmlin⸗ gen geſchenkt haben, in ſo fern jene Sachen ſich in der Verlaſſenſchaft noch in Wirklichkeit vorfinden. Sind aber jene Sachen veraußert, ſo erhalten die aufſteigenden Verwandten den etwa noch ruckſtaͤndigen Preis. Auch erben ſie die Wiedererſtattungsklage*), welche etwa dem Geſchenknehmer noch zuſtand. 748. Wenn jemand ohne Nachkommen ſtirbt, und bei ſeinem Tode ſeine beiden Eltern, und zugleich Geſchwi⸗ ſter oder Abkoͤmmlinge davon hinterlaͤßt: ſo theilt ſich ſei⸗ ne Verlaſſenſchaft in zwei gleiche Theile. Eine Haͤlfte geht auf den Vater und die Mutter, die ſie unter ſich gleich theilen. Die andere Haͤlfte gehoͤrt den Geſchwiſtern oder ihren Abkömmlingen, wie im fuͤnften Abſchnitte des gegenwaͤr⸗ tigen Capitels erklaͤrt werden ſoll. 749. Wenn aber jemand ohne Nachkommen ſtirbt, und bei ſeinem Tode nur einen Vater oder eine Mutter *) Laction en reprise. 12 — 178— (indem einer von beiden vorgeſtorben), und zugleich Ge⸗ ſchwiſter oder deren Abkömmlinge hinterlaͤßt: ſo waͤchſt der Theil, der gemaͤß dem vorſtehenden Artikel ſonſt dem vorgeſtorbenen der beiden Eltern zugefallen waͤre, jener Hälfte zu, welche den Geſchwiſtern oder denen, die an ihre Stelle treten, anfaͤllt, wie im fuͤnften Abſchnitte des gegenwaͤrtigen Capitels erklaͤrt wird. F uͤnfter Abſchnitt. Von der Erbfolge der Seitenverwandten. Art. 750. Wenn jemand ohne Nachkommen zu hin⸗ terlaſſen ſtirbt, und ſeine beiden Eltern bereits vor ihm geſtorben waren: ſo beerben ihn ſeine Geſchwiſter, oder deren Abkoͤmmlinge, mit Ausſchließung der aufſteigenden und ſonſtigen Seitenverwandten. 6 Sie erben, entweder aus eigenem Rechte oder ver⸗ moͤge der Vertretung, wie im zweiten Abſchnitte des gegenwärtigen Capitels verordnet iſt. 751. Wenn aber beide Eltern den Erblaſſer, der ohne Nachkommen ſtirbt, uͤberleben: ſo gelangen ſeine Schweſtern und Bruͤder, oder die, welche an ihre Stelle treten, nur zur Haͤlfte der Erbſchaft. Sie erben drei Vier⸗ theile, wenn nur einer von beiden Eltern den Erblaſſer uͤberlebt. 752. So viel nun die Theilung der Haͤlfte oder der drei Viertheile betrifft, welche zufolge des vorſtehenden Artikels den Bruͤdern oder Schweſtern anfaͤllt: ſo bekommt jeder von ihnen einen gleichen Theil, wenn ſie alle aus einer Ehe ſind. Wenn ſie aber aus verſchiedenen Ehen ſind: ſo wird das Anerfallene in zwei gleiche Theile ge⸗ theilt, einen fuͤr die väterliche, den andern fuͤr die muͤt⸗ terliche Linie des Erblaſſers: die vollbuͤrtigen Geſchwiſter empfangen ihren Theil in beiden Linien, die halbbuͤrtigen nur in einer Linie, in der des Vaters oder der Mutter, wohin ſie nämlich gehoͤren. Sind nur auf einer einzigen Seite Geſchwiſter vorhanden: ſo erben ſie den ganzen Theil, mit Ausſchließung aller uͤbrigen Verwandten in der andern Linie. — 179— 753. Sind keine Geſchwiſter oder Abkoͤmmlinge von ihnen, und keine aufſteigende Verwandten in einer oder der andern Linie vorhanden: ſo faäͤllt die Verlaſſenſchaft zur Hälfte an die uͤberlebenden aufſteigenden Verwandten, und zur Hälfte an die naͤchſten Verwandten der andern Linie. Treffen mehrere Seitenverwandten im naͤmlichen Gra⸗ de zuſammen, ſo theilen ſie nach Koͤpfen. 754. Im Falle des vorhergehenden Artikels hat der uͤberlebende von beiden Eltern den Nießbrauch von einem Drittheil des Vermoͤgens, das er dem Eigenthume nach nicht erbt. — 8 8 755. Wer weiter als im zwoͤlften Grade mit dem Erblaſſer verwandt iſt, kann nicht erben. Sind in einer Linie keine Verwandten in einem erb⸗ faͤhigen Grade: ſo erben die Verwandten in der andern Linie das Ganze⸗ Biertes Capitel. Von unregelmäßigen Erbfolgen. Sſter Ab ſchnitt. Von den Rechten natuͤrlicher Kinder auf das Ver⸗ mogen ihrer Eltern, und der Art, wie natuͤr⸗ liche Kinder beerbt werden, wenn ſie ohne Nachkommen ſterben. Art. 756. Natuͤrliche Kinder ſind keine Erben; das Geſetz geſtattet ihnen nur dann gewiſſe Rechte auf das Vermoͤgen ihrer verſtorbenen Eltern, wenn ſie geſetzlich anerkannt ſind. Es geſtattet ihnen kein Recht auf das Vermoͤgen der Verwandten ihrer Eltern. 757. Folgende ſind die Rechte des natuͤrlichen Kin⸗ des auf das Vermoͤgen ſeines verſtorbenen Vaters oder ſeiner verſtorbenen Mutter. Es kann naͤmlich ein Drittheil des Erbantheils ver⸗ langen, den es bekommen hätte, wenn es ein rechtmäßi⸗ ges Kind geweſen waͤre, im Falle der Vater oder die Mutter 12 ——— A— — 180— rechtmäßige Abkömmlinge hinterlaſſen haben; es kann die Haͤlfte jenes Erbantheils verlangen, wenn Vater oder Mutter keine Abkoͤmmlinge, wohl aber aufſteigende Ver⸗ wandten oder Geſchwiſter hinterlaſſen; drei Viertheile end⸗ lich, wenn Vater oder Mutter keine aufſteigenden und abſteigenden Verwandten noch Geſchwiſter hinterlaſſen. 758. Hinterläßt aber ſein Vatey oder ſeine Mutter keine Verwandten in einem erbfähigen Grade: ſo hat das natuͤrliche Kind ein Recht auf das geſammte Vermoͤgen. 759. Wenn das natuͤrliche Kind verſtirbt: ſo koͤnnen ſeine Kinder oder Abkömmlinge jene Rechte in Anſpruch nehmen, welche in den vorhergehenden Artikeln dem na⸗ tuͤrlichen Kinde ſelbſt zugeſtanden ſind. 760. Wenn das natuͤrliche Kind oder ſeine Abkoͤmm⸗ linge von dem Vater oder von der Mutter, auf deren Verlaſſenſchaft es ankommt, etwas erhalten haben, das den im ſechſten Capitel, im Abſchnitt von der Einwer⸗ fung feſtgeſetzten Regeln gemäß, eingeworfen werden muß: ſo wird ihnen ſolches auf den Theil, den ſie zu fodern berechtigt ſind, aufgerechnet. 761. Sie haben gar keinen Anſpruch mehr zu ma⸗ chen, wenn ſie bei Lebzeiten ihres Vaters oder ihrer Mut⸗ ter die Hälfte deſſen bereits bekommen haben, was ihnen die vorhergehenden Artikel bewilligen, in ſo fern jedoch der Vater oder die Mutter dabei erklaͤrt hat, daß ihre Meinung iſt, das natuͤrliche Kind auf den Theil einzu⸗ ſchraͤnken, den ſie ihm angewieſen haben. Und falls jener Theil geringer wäre, als die Haͤlfte deſſen, was dem natuͤrlichen Kinde zukame: ſo kann es auf weiter nichts Anſpruch machen, als auf Ergaͤnzung jener Haͤlfte. 762. Die Verfuͤgungen der Art. 757 und 758 finden auf Kinder, die aus Ehebruch oder Blutſchande erzeugt ſind, keine Anwendung. Ihnen bewilligt das Geſetz blos den Unterhalt. 763. Bei Beſtimmung ſolches Unterhalts wird Ruͤck⸗ ſicht genommen auf das Vermoͤgen des Vaters oder der Mutter, auf die Zahl und auf den Stand der rechtmaͤßi⸗ gen Erben. — 181— 764. Das aus Ehebruch oder Blutſchande gezeugte Kind verliert alle Anſpruͤche auf die Verlaſſenſchaft ſeines Vaters oder ſeiner Mutter, wenn ſie es ein Handwerk haben erlernen laſſen, oder, wenn einer von beiden bei ſeinen Lebzeiten ihm den Unterhalt zugeſichert hat. 765. Der Nachlaß eines natuͤrlichen Kindes, wenn es ohne Abkoͤmmlinge ſtirbt, faͤllt an denjenigen von Va⸗ ter und Mutter, der es anerkannt hat, oder zur Hälfte an beide, wenn beide es anerkannt haben. 766. Sind die Eltern des natuͤrlichen Kindes ihm vorgeſtorben: ſo fällt das Vermoͤgen, das er von ihnen bekommen hatte, an die ehelichen Bruͤder oder Schweſtern, wenn es ſich noch in Wirklichkeit bei dem Nachlaſſe findet. Auch die Klagen auf Wiedererſtattung, falls ſolche vor⸗ handen ſind, und der etwa noch ruͤckſtäͤndige Preis der veräußerten Guͤter fallen an jene ehelichen Geſchwiſter zu⸗ ruͤck. Alles andere Vermoͤgen faͤllt an die natuͤrlichen Ge⸗ ſchwiſter oder ihre Abkoͤmmlinge. Von den Rechten des letztlebenden Ehegatten und des Staates. Art. 767. Wenn der Verſtorbene weder Verwandten in einem erbfähigen Grade, noch natuͤrliche Kinder hin⸗ terlaͤßt: ſo gehoͤrt ſein Nachlaß ſeinem uͤberlebenden Ehe⸗ gatten, ſo fern derſelbe nicht von ihm geſchieden war. 768. In Ermangelung eines ſolchen Ehegatten faͤllt die Verlaſſenſchaft dem Staate zu. 769. Der letztlebende Ehegenoſſe ſowohl, als die Domainenverwaltung muͤſſen, wenn ſie einen Nachlaß in Anſpruch nehmen, die Siegel anlegen, und ein Inventa⸗ rium verfertigen laſſen, und zwar mit Beobachtung der naͤmlichen Formen, welche fuͤr den Fall vorgeſchrieben ſind, wo jemand eine Erbſchaft unter der Rechtswohlthat des Inventariums antritt. 770. Sie muͤſſen bei dem Gericht erſter Inſtanz, in deſſen Gerichtsbezirk die Erbfolge eroͤffnet worden, die Ein⸗ weiſung in den Beſitz nachſuchen. Das Gericht kann uͤber —— —— 42 E F „ — 182— ein ſolches Geſuch erſt dann entſcheiden, wenn drei Ver⸗ kuͤndigungen und Anſchläge in den gewoͤhnlichen Formen vorhergegangen ſind. Auch muß es den Staats⸗Proku⸗ rator vorher gehoͤrt haben. 771. Der letztlebende Ehegatte muß zudem noch das bewegliche Vermoͤgen rentbar anlegen, oder eine Burg⸗ ſchaft leiſten, die hinlaͤnglich iſt, die Obruͤckerſtattung deſ⸗ ſelben zu ſichern auf den Fall, wo ſich innerhalb dreier Jahre ein Erbe des Verſtorbenen einſtellte. Nach Verlauf der drei Jahre iſt die Buͤrgſchaft entlaſtet. 772. Im Fall der letztlebende Ehegatte oder die Do⸗ mainen⸗Verwaltung die Feierlichkeiten nicht beobachtet ha⸗ ben, die ihnen vorgeſchrieben ſind, koͤnnen ſie verurtheilt werden, die Erben ſchadlos zu halten, wenn ſich deren einſtellen. 773. Die Verfuͤgungen der Art. 769, 770, 771 und 772, ſind den naturlichen Kindern gemein, wenn ſie in Ermangelung von Verwandten zur Erbfolge gelangen. F u h ftes E pitel. Von Annahme und Entſagung d Erſter Abſchnitt. Von der Annahme. Art. 774. Man kann eine Erbſchaft entweder ganz unbedingt, oder mit Vorbehalt der Rechtswohlthat des Inventariums annehmen*. 775. Niemand iſt gezwungen eine Erbſchaft anzu⸗ nehmen, die ihm angefallen iſt. 776. Gemaͤß den Verfuͤgungen des ſechſten Capitels unter dem Titel von der Ehe, koͤnnen verheirathete Wei⸗ ber guͤltiger Weiſe keine Erbſchaft annehmen ohne die Er⸗ maͤchtigung ihres Mannes oder der Gerichte. *) Siehe die Anmerkung zum Art. 461 im erſten Buche, und den zten Abſchnitt des gegenwärtigen Capitels. — ———— — 183— Eben ſo wenig kann eine Erbſchaft, welche Minder⸗ jaͤhrigen oder Unterſagten anerfallen iſt, guͤltiger Weiſe anders angenommen werden, als mit Befolgung der Ver⸗ fuͤgungen des Titels von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emancipation. 777. Die Annahme einer Erbſchaft hat ihre Wir⸗ kung von dem Tage an, wo der Anfall derſelben vorhan⸗ den war. 778. Sie iſt entweder ausdruͤcklich oder ſtillſchwei⸗ gend: ausdruͤcklich, wenn jemand den Titel oder die Eigenſchaft'eines Erben in einem authentiſchen Acte oder in einem Privatacte annimmt: ſtillſchweigend, wenn der Erbe eine Handlung vornimmt, die nothwendiger Weiſe vorausſetzt, daß er annehmen will, und die er an⸗ ders nicht vorzunehmen berechtigt waͤre, als in ſeiner Ei⸗ genſchaft eines Erben. 779. Handlungen, die nichts als die Erhaltung, noͤ⸗ thige Aufſicht und einſtweilige Verwaltung bezwecken, ſind keine Handlungen, welche beweiſen, daß man die Erbſchaft angetreten habe, und beweiſen dies nur dann, wenn je⸗ mand dabei den Titel oder die Eigenſchaft eines Erben angenommen hat. 780. Wenn einer von mehreren Erben ſeine Erb⸗ rechte verſchenkt, verkauft, oder uͤbertraͤgt, es geſchehe dies nun an einen Fremden, oder an einige ſeiner Miterben, oder an ſaͤmmtlche Miterben: ſo wird dies auf ſeiner Seite fuͤr eine Annahme der Erbſchaft angeſehen. Nicht weniger wird fuͤr eine Annahme angeſehen, lſtens, die Verzichtleiſtung eines Erben zu Gunſten eines oder mehrerer ſeiner Miterben, wenn ſie ſchon unentgeltlich geſchieht; 2tens, die Verzichtleiſtung ſelbſt, die er zu Gunſten aller ſeiner Miterben ohne Unterſchied thut, in ſo fern ſie gegen Entgelt geſchieht. 781. Iſt derjenige, dem eine Erbſchaft anerfallen war, geſtorben, ohne ihr entſagt, oder ſie ſtillſchweigend oder ausdruͤcklich angenommen zu haben: ſo koͤnnen ſeine Erben ſtatt ſeiner ſie annehmen oder ihr entſagen. ———— —— ⸗£ — 184— 782. Sind aber dieſe Erben nicht einig, ob ſie die Erbſchaft annehmen oder ihr entſagen wollen: ſo kann ſie nicht anders angenommen werden, als mit Vorbehalt der Rechtswohlthat des Inventariums. 783. Nur in einem Falle kann der Großjährige, der eine Erbſchaft ſtillſchweigend oder ausdruͤcklich ange⸗ nommen hat, dieſe Annahme anfechten: wenn ſie nämlich die Folge eines ihm geſpielten Betruges war. Er kann ebenfalls nie unter dem Vorwande der Verletzung gegen ſeine Annahme einkommen, den einzigen Fall ausgenommen, wo ein Teſtament entdeckt wird, das im Augenblicke der Annahme unbekannt war, und es ſich ergibt, daß dadurch die Erbſchaft entweder völlig erſchoͤpft oder über die Hälf⸗ te vermindert iſt. 8 W eier Von Entſagung der Erbſchaften. Art. 784. Die Entſagung einer Erbſchaft wird nicht vermuthet: ſie kann hinfuͤhro nicht anders geſchehen, als in der Gerichtſchreiberei des Gerichts erſter Inſtanz, in deſſen Bezirke die Erbſchaft eroͤffnet worden, auf einem eigens dazu gehaltenen Regiſter. 785. Der Erbe, der entſagt, iſt anzuſehen, wie ei⸗ ner, der nie Erbe geweſen iſt. 786. Der Theil des Entſagenden waͤchſt ſeinen Mit⸗ erben zu. Iſt der Entſagende aber allein, ſo faͤllt deſſen Theil an den folgenden Grad. 787. Man gelangt nie zu einer Erbſchaft aus dem Grunde, weil man an die Stelle eines Erben tritt, der entſagt hat. Wenn der Entſagende einziger Erbe in ſei⸗ nem Grade iſt, oder wenn alle ſeine Miterben entſagen: ſo gelangen die Kinder aus eigenem Rechte zur Erbſchaft und theilen nach Koͤpfen. 788. Sehen die Glaͤubiger, daß jemand durch ſeine Entſagung ihre Rechte ſchmaͤlert: ſo koͤnnen ſie ſich von Gerichtswegen ermaͤchtigen laſſen, die Erbſchaft im Namen und an Statt ihres Schuldners zu uͤbernehmen. — ————————— — 185— In einem ſolchen Falle wird auch die Entſagung nur zu Gunſten der Gläubiger vernichtet, und nur bis auf die Summe, die ſie zu fodern haben; ſie wird hingegen nicht vernichtet zum Vortheil des Erben, der entſagt hat. 789. So viel Zeit erfodert wird zur laͤngſten Ver⸗ jaͤhrung unbeweglicher Rechte, ſo viel Zeit gehoͤrt auch zur Verjaͤhrung der Befugniß, eine Erbſchaft anzunehmen oder ihr zu entſagen. 790. So lange die Verjährung des Rechts, die Erb⸗ ſchaft anzunehmen, gegen Erben, die entſagt haben, nicht erworben iſt: ſo lange ſteht es ihnen noch frei, die Erb⸗ ſchaft anzunehmen, in ſo fern andere Erben ſie nicht an⸗ genommen haben. Eine ſolche Annahme kann aber in kei⸗ nem Falle den Rechten nachtheilig werden, die etwa ein Dritter auf die Guͤter der Erbſchaft erworben hat, es ſey nun durch Verjährung, oder durch ſonſtige guͤltige Handlungen, die er mit dem, fuͤr den erbloſen Nachlaß beſtellten Curator vorgenommen. 791. Auf den Nachlaß eines Menſchen, der noch lebt, kann man nicht verzichten, ſelbſt nicht durch einen Heirathsvertrag. Eben ſo wenig laſſen ſich die etwa noch entſtehenden Rechte veräußern, die man auf einen ſolchen Nachlaß haben kann. 792. Ein Erbe, der etwas aus einem Nachlaſſe ent⸗ wendete oder verhehlte, iſt der Befugniß, ihm zu entſa⸗ gen, verluſtig: er bleibt, der Entſagung ungeachtet, un⸗ bedingter Erbe, und kann keinen Antheil fodern an den Sachen, die er entwendet oder verhehlt hat. ſchni Von der Rechtswohlthat des Inventariums, ihren Wirkungen, und den Verbindlichkeiten des Erben mit Vorbehalt. Art. 793. Wer die Eigenſchaft eines Erben nicht anders annehmen will, als mit Vorbehalt der Rechtswohl⸗ that des Inventariums, muß dies erklaͤren, und zwar in der Gerichtſchreiberei des Gerichts erſter Inſtanz, in deſ⸗ ſen Bezirke der Erbanfall ſich ereignet hat. Seine Erklä⸗ rung wird in das naͤmliche Regiſter eingetragen, welches fuͤr die Entſagungsacten beſtimmt iſt. 794. Ein ſolcher Erbe muß aber, vor oder nach die⸗ ſer Erklaͤrung, ein getreues und vollſtändiges Inventari⸗ um oder Verzeichniß uͤber den ganzen Nachlaß aufnehmen, und zwar mit Beobachtung der Formen, die das Geſetz⸗ buch uber die Gerichtsordnung regulirt, und in einer Friſt, die hierunten beſtimmt wird. Ohne dies hat ſeine Erklä⸗ rung keine Wirkung. 795. Um das Inventarium zu machen, hat der Er⸗ be drei Monate, von dem Tage angerechnet, wo die Erb⸗ folge eroͤffnet worden. Ferner hat er eine Friſt von vierzig Tagen, um zu uͤberlegen, ob er annehmen oder entſagen wolle; und dieſe vierzig Tage fangen von dem Tage an zu laufen, wo die drei fur Verfertigung des Inventariums geſtatteten Mo⸗ nate verfloſſen ſind, oder von dem Tage an, wo das In⸗ ventarium geſchloſſen worden, wenn dies vor Ablauf der drei Monate geſchehen iſt. 796. Wenn es indeſſen in der Erbſchaft Sachen gibt, die leicht verderben, oder deren Erhaltung koſtſpielig waͤ⸗ re: ſo kann der Erbe ſich vom Gericht ermaͤchtigen laſſen, ſie zu verkaufen. Er kann dies bloß aus dem Grunde, weil er erbfähig iſt, thun, und man kann darum nicht gleich ſchließen, daß er die Erbſchaft angenommen habe. Der Verkauf geſchieht in einem ſolchen Falle von ei⸗ nem öffentlichen Beamten, mit Beobachtung der in den Geſetzen uͤber die buͤrgerliche Gerichtsordnung vorgeſchrie⸗ benen Verkuͤndigungen und Anſchläge. 797. So lange die Friſten, ein Inventarium zu ma⸗ chen, und zu uͤberlegen, noch laufen, kann der Erbe nicht gezwungen werden, dieſe Eigenſchaft anzunehmen; auch kann gegen ihn keine Verurtheilung erwirkt werden. Wenn er vor oder nach Verlauf der vorbenannten Friſten ent⸗ ſagt: ſo fallen die Koſten, die er bis zu dieſer Zeit gul⸗ tiger Weiſe gemacht hat, dem Nachlaß zur Laſt. — 187— 798. Nach Verlauf der vorbenannten Friſten, kann der Erbe, im Fall eine Klage gegen ihn angeſtellt wird, eine neue Friſt begehren; und das Gericht, welches mit der Streitſache befaßt iſt, geſtattet ſie, oder ſclgt ſie ab, nach Verhaͤltniß der umſtände. 799. Im Falle des vorhergehenden Artikels muß der Nachlaß die Prozeßkoſten tragen, wenn der Erbe be⸗ weiſet, daß er den Todesfall nicht gewußt habe, oder daß die Friſten unzulaͤnglich waren, entweder wegen der Lage der Guͤter, oder wegen eingetretener Streitigkeiten. Be⸗ weißt er dies nicht: ſo trägt er die Koſten ſelbſt. 800. Der Erbe hat noch immer die Befugniß, ein Inventarium zu machen, und Erbe mit Vorbehalt*) zu. werden, wenn ſchon die im Art. 795 geſtatteten Friſten verlaufen ſind. Auch behaͤlt er jene Befugniß noch ſelbſt nach Ablauf der Friſten, die ihm etwa das Richteramt kraft des Art. 798 bewilligt hat. Er verliert ſie aber, wenn er eine Handlung vorgenommen hat, welche die Ei⸗ genſchaft eines Erben vorausſetzt, oder wenn gegen ihn ein rechtskraͤftiges Urtheil vorhanden iſt, das ihn in der Eigenſchaft eines unbedingten Erben verurtheilt. 801. Der Erbe, der etwas verheimlicht, oder mit Wiſſen und unredlicher Weiſe unterlaſſen hat, irgend ein Erbſchaftsſtuͤck in das Inventarium oder Verzeichniß auf⸗ zunehmen, iſt der Fehnhlht des Inventariums ver⸗ luſtig. 802. Der Vorbehalt jener Rechtswohlthat hat fol⸗ gende vortheilhafte Wirkungen fuͤr den Erben. 1ſtens. Er braucht die Schulden der Verlaſſenſchaft nur in ſo fern zu bezahlen, als das Vermoͤgen hinreicht, welches er daraus bekommen hat. Er kann ſogar die Bezahlung der Schulden dadurch von ſich ablehnen, daß er den Glaͤubigern und Legataren die Guͤter der Erbſchaft uͤberläßt. *) Jedermann wird leicht verſtehen, daß ich Erben mit Vorbehalt den Erben nenne, der die Erbſchaft unter dem Vorbehalt der Rechtswohlthat des Inventariums annimmt. ———+ 8 — 188— 2tens. Er verhindert dadurch die Vermiſchung ſei⸗ nes eigenen Vermoögens mit dem, was in der Erbſchaft iſt, und er behält gegen die Erbſchaft das Recht zu verlangen, daß ihm daraus ſeine Forderungen bezahlt werden. 803. Der Erbe mit Vorbehalt iſt verbunden, die Guͤter der Verlaſſenſchaft zu verwalten, und den Glaͤubi⸗ gern und Legataren uͤber ſeine Verwaltung Rechenſchaft abzulegen. Nur dann erſt haftet er mit ſeinem eigenen Vermoͤgen, wenn er in Verzug geſetzt worden, ſeine Rechnung abzu⸗ legen, und wenn er dieſer Verbindlichkeit kein Genuͤge geleiſtet hat. Nach Abſchluß der Rechnung haftet er mit ſeinem eigenen Vermoͤgen nur fuͤr die Summe, die er etwa noch ſchuldig bleibt. 804. In der Verwaltung, die ihm obliegt, haftet er nur fuͤr ein grobes Verſehen. 805. Er kann den beweglichen Nachlaß nicht anders verkaufen, als in Beiſeyn eines öffentlichen Beamten, an den Meiſtbietenden, und nach den gewoͤhnlichen Verkuͤn⸗ digungen und Anſchlaͤgen. Liefert er aber die Gegenſtände ſelbſt zuruͤck, ſo haf⸗ tet er nur fuͤr die Verſchlimmerung, die ſie allenfalls er⸗ litten, und fuͤr das, was ſie etwa an Werth verloren ha⸗ ben, in ſo fern ſeine Nachläſſigkeit daran Schuld iſt. 806. Er kann die unbeweglichen Guͤter nicht verkau⸗ fen, als mit Beobachtung der Formen, die die Geſetze uͤber die buͤrgerliche Gerichtsordnung vorſchreiben. Die Kaufſchillinge davon muß er den ſich meldenden Glaͤubi⸗ gern, die eine Hypotheke haben, zuweiſen. 807. Fuͤr beides, ſowohl fuͤr den Werth des beweg⸗ lichen Nachlaſſes, der im Inventarium verzeichner iſt, als fuͤr den Theil des Preiſes der unbeweglichen Guͤter, der den mit Hypothek verſehenen Glaͤubigern nicht zugewieſen iſt, muß er gute zahlbare Buͤrgſchaft leiſten, wenn die Glaͤubiger oder andere betheiligte Perſonen es fodern. — Leiſtet er die Buͤrgſchaft nicht: ſo wird das bewegli⸗ che Vermoͤgen verkauft, der Preis davon hinterlegt und dazu verwendet, die Laſten der Verlaſſenſchaft zu tilgen. Das nämliche geſchieht mit dem nicht zugewieſenen Theile des Preiſes der unbeweglichen Guͤter. 808. Gibt es unter den Glaͤubigern ſolche, die Ein⸗ ſpruͤche machen: ſo kann der Erbe mit Vorbehalt nicht zahlen, als nach der Ordnung und auf die Art, wie ſie von Gerichtswegen regulirt werden. Gibt es aber ſolche Glaͤubiger nicht: ſo bezahlt er die Gläubiger und Legatare nach der Ordnung, wie ſie ſich melden. 809. Gläubiger, welche keinen Einſpruch gemacht, und ſich erſt nach Abſchluß der Rechnung und Bezahlung des Ueberſchuſſes melden, haben ihren Regreß blos gegen die Legatare. In beiden Fällen wird der Regreß in drei Jahren verjaͤhrt, welche vom Tage der abgeſchloſſenen Rechnung und des bezahlten Ueberſchuſſes zu laufen anfangen. 810. Die Koſten der Verſiegelung, wenn ſie geſche⸗ hen iſt, des Inventariums und der Rechnungsablage traͤgt die Erbſchaft. Vierter Abſchnitt. Vom erbloſen Nachlaſſe. Art. 811. In folgenden Fällen wird eine Verlaſſen⸗ ſchaft fuͤr erblos angeſehen; wenn nämlich nach Ablauf der fuͤr Ueberlegen und Inventur bewilligten Friſten ſich niemand meldet, der dieſelbe in Anſpruch nimmt, wenn kein bekannter Erbe vorhanden iſt, oder, wenn die bekann⸗ ten Erben ihr entſagt haben. 812. Auf das Geſuch der betheiligten Perſonen, oder auch auf Antrag des Staats⸗Prokurators, ernennt das Gericht erſter Inſtanz in dem Bezirke, wo die Erbfolge eroͤffnet worden, der erbloſen Verlaſſenſchaft einen Cura⸗ tor oder Vorſtand. 813. Ein ſolcher Curator muß vor allem den Be⸗ ſtand des Nachlaſſes ausmitteln, und zwar dadurch, daß — 190— er ein Verzeichniß daruͤber verfertigt. Er uͤbt die Rechte der Erbſchaft aus, und macht ſie geltend. Er antwortet auf die Anſpruͤche, die gegen ſie erhoben werden, und hat die Verwaltung, jedoch ſo, daß er die Baarſchaft, die ſich im Nachlaſſe befindet, ſo wie die Kaufſchillinge aus dem Verkauf der beweglichen oder unbeweglichen Guͤter, in die Caſſe des Empfaͤngers der kaiſerlichen Rechte abfuͤhre, da⸗ mit die Rechte eines jeden erhalten, und dem, der dazu berechtigt, Rechenſchaft abgelegt werden koͤnne. 814. Was uͤbrigens in dem dritten Abſchnitt des gegenwärtigen Capitels über die Form des Inventariums, uber die Art der Verwaltung und Rechnungsablage, in Ruͤckſicht auf den Erben mit Vorbehalt iſt verfügt worden, iſt auch auf den einer erbloſen Verlaſſenſchaft beſtellten Curator anwendbar. . i Von der Theilung und dem Einwerfen. Erſter Abſchnitt. Von der Klage auf Theilung und ihrer Form. Art. 815. Niemand iſt gezwungen, in der Gemein⸗ ſchaft— eines Nachlaſſes— zu bleiben, und die Thei⸗ lung kann allezeit gefodert werden, ſelbſt wenn Verbote oder Verträge dagegen vorhanden wären. Jedoch iſt ein Vertrag, wodurch die Theilung wäh⸗ rend einer beſtimmten Zeit aufgeſchoben wird, gultig; er verbindet nicht läͤnger als fünf Jahre, kann aber erneuert werden. 816. Man kann noch auf Theilung klagen, ſelbſt in dem Falle, wo ein Miterbe fuͤr ſich beſonders einen Theil des Nachlaſſes im Genuſſe gehabt hat. Hiebei wird aber vorausgeſetzt, daß keine Theilungsacte vorhanden ſey, oder der Miterbe keinen Beſitz habe, der zur Verjaͤhrung hinlaͤnglich iſt. 817. Was die minderjährigen oder gerichtlich unter⸗ ſagten Miterben betrifft: ſo koͤnnen ihre Vormuͤnder die — 191— Klage auf Theilung anſtellen; ſie müſſen ſich aber dazu beſonders von dem Familienrathe ermaͤchtigen laſſen. In Anſehung abweſender Miterben, ſteht dieſe Klage den Verwandten zu, die in den Beſitz gewieſen ſind. 818. Bewegliches oder unbewegliches Vermoͤgen, das der Frau anfaͤllt, gehoͤrt entweder zur Guͤtergemein⸗ ſchaft, und dann kann der Mann, ohne ihre Zuziehung, auf Theilung deſſelben antragen; oder jene Gegenſtaͤnde gehoͤren nicht zur Guͤtergemeinſchaft, und dann kann der Mann ihre Theilung nicht fodern, als mit Zuziehung ſeiner Frau. Er kann in dieſem Falle nur eine einſtwei⸗ lige Theilung fodern, wofern er zum Genuß ſolcher Guͤter berechtigt iſt. Wenn Miterben der Frau auf die endliche Theilung klagen: ſo muͤſſen ſie den Mann und die Frau zugleich belangen. 819. Sind alle Erben anweſend und großjährig: ſo iſt die Anlegung der Siegel auf die Effecten der Ver⸗ laſſenſchaft nicht nothwendig, die Theilung kann geſchehen, wie die Betheiligten fuͤr gut finden, und iſt dazu keine Form oder beſondere Acte vorgeſchrieben. Sind aber nicht alle Erben anweſend, oder gibt es unter ihnen Minderjährige oder gerichtlich Unterſagte: ſo muͤſſen, ſo bald als moͤglich, die Siegel angelegt wer⸗ den. Die Verſiegelung geſchieht auf das Geſuch der Er⸗ ben, oder auf Betreiben des Staats⸗Prokurators bei dem Gericht erſter Inſtanz, oder von Amtswegen von dem Friedensrichter, in deſſen Bezirke die Erbfolge eroͤffnet worden. 820. Auch die Glaͤubiger koͤnnen die Anlegung der Siegel fodern: ſie muͤſſen aber dazu einen executoriſchen Titel haben, oder eine Erlaubniß des Richters. 821. Sind einmal die Siegel angelegt: ſo kann je⸗ der Glaͤubiger dabei Oppoſition einlegen, oder einſprechen, wenn er auch keinen executoriſchen Titel oder keine rich⸗* terliche Erlaubniß aufzuweiſen hat. Die bei Abnahme der Siegel und bei der Verferti⸗ gung des Inventariums zu beobachtenden Feierlichkeiten, finden ſich in der Gerichtsordnung. —————— 1 X.— E F — 192— 822. Die Klage auf Theilung ſowohl, als die Strei⸗ tigkeiten, welche im Laufe der ſich dahin beziehenden Ge⸗ ſchaͤfte entſtehen koͤnnen, gehoͤren vor das Gericht des Or⸗ tes, wo die Erbfolge eroͤffnet worden. Vor dem naͤmlichen Gerichte geſchehen die Verſteige⸗ rungen, und dahin muͤſſen auch jene Klagen gebracht wer⸗ den, welche die Gewährleiſtung der Looſe unter den Thei⸗ lenden, und die Wiederaufhebung der geſchehenen Theilung zum Gegenſtande haben*). 823. Wenn ein Miterbe nicht in die Theilung wil⸗ ligen will, oder, wenn uͤber die Art dabei zu verfahren oder ſie zu beendigen Streit entſteht: ſo iſt die Verfah⸗ rungsart bei Gericht ſummariſch. Das Gericht kann auch, nach Befinden, fuͤr die Theilungsgeſchaͤfte einen Richter verordnen, auf deſſen Bericht es dann die Streitigkeiten entſcheidet. 824. Die liegenden Guͤter werden von Sachverſtaͤn⸗ digen abgeſchätzt, und letztere von den Betheiligten ſelbſt gewählt, oder, falls ſie nicht waͤhlen wollen, von Amts⸗ wegen. Den Soachverſtaͤndigen liegt es ob, uͤber ihre Ver⸗ richtungen einen ausfuͤhrlichen Aufſatz anzufertigen; dieſer muß die Grundlage der Schaͤtzung enthalten, und die An⸗ gabe, ob das abgeſchaͤtzte Stuͤck fuglich koͤnne getheilt wer⸗ den, und auf welche Art. Und falls die Theilung des abgeſchaͤtzten Stuͤckes geſchehen kann: ſo ſoll jener Aufſatz noch jeden Theil beſtimmen, der ſich davon machen laͤßt, und den Werth eines jeden Theils. 825. Was die Abſchätzung der beweglichen Guͤter betrifft, ſo geſchieht dieſelbe, wenn ſie nicht bereits in einem regelmäßigen Inventarium geſchehen iſt, von ſach⸗ verſtaͤndigen Leuten, nach ihrem wahren Werthe und ohne Erhoͤhung**. ) Les demandes relatives à la garantie des lots et cel- les en recision du partage. „*) D. h. ohne daß nachher zu dem Schaͤtzungspreiſe noch etwas hinzugeſetzt werden duͤrfte, wie dies ſonſt in ver⸗ ſchiedenen Gegenden Frankreichs geſchah, wo der in der Schätzung angegebene Preis nicht als der eigentliche Preis betrachtet, ſondern zu demſelben noch ein Viertel, ein Achtel u. ſ. w. hinzugeſetzt, und dieſer vereinigte Betrag als der wahre Werth angenommen ward. — 193— 826. Jeder Miterbe kann fodern, daß ihm ſein Theil an den beweglichen ſowohl, als unbeweglichen Guͤtern der Verlaſſenſchaft in Natur verabfolgt werde. Wenn indeſ⸗ ſen Gläubiger vorhanden ſind, welche Arreſt darauf ge⸗ legt, oder Einſpruͤche gemacht haben, oder wenn die Mehr⸗ heit der Erben glaubt, daß der Verkauf noͤthig ſey zur Tilgung der Schulden und Laſten der Verlaſſenſchaft: ſo werden die beweglichen Guͤter öffentlich und in der ge⸗ woͤhnlichen Form verkauft. 827. Laſſen ſich die unbeweglichen Guͤter nicht fuͤg⸗ lich theilen, ſo muͤßen ſie vor Gericht an den Meiſtbie⸗ thenden verkauft werden. Jedoch können die Erben, wenn ſie alle großjährig ſind, ſich dahin vereinigen, daß die Verſteigerung vor ei⸗ nem Notar geſchehe, uͤber deſſen Wahl ſie uͤbereinkommen. 828. Sobald die beweglichen und unbeweglichen Guͤ⸗ ter abgeſchätzt, und, den Umſtänden nach, verkauft ſind, verweiſet der verordnete Richter die Partheien vor einen Notar. Ueber die Wahl deſſelben vereinigen ſie ſich unter ſich; und wenn ſie dies nicht koͤnnen, ſo wird er von Amtswegen ernannt. Vor dieſem Beamten berechnen ſich die Theilenden vor allem uͤber das, was ſie etwa einander ſchuldig ſind; dann wird ausgemittelt, was eigentlich der Nachlaß oder die geſammte Erbſchaftsmaſſe ſey; hierauf werden die Loo⸗ ſe gemacht, und endlich feſtgeſetzt, was jedem Theilenden ausgeliefert werden muß. 829. Jeder Miterbe wirft die ihm gemachten Schen⸗ kungen und die Summen, die er ſchuldig iſt, in die Erb⸗ ſchaftsmaſſe, und zwar nach den Regeln, die weiter unten feſtgeſetzt werden. 830. Geſchieht die Einwerfung nicht in Natur, ſo nehmen die Miterben, die ſie zu fodern berechtigt ſind, einen dem Einzuwerfenden gleichen Theil aus der Erb⸗ ſchaftsmaſſe vorab. Was die Miterben auf ſolche Art vorab nehmen, neh⸗ men ſie, ſo viel moglich, aus jenen Gegenſtänden, die mit den, nicht in Natur eingeworfenen Gegenſtänden einerlei Natur, Eigenſchaft und Guͤte haben. 13 831. Was hiernach von der Maſſe uͤbrig bleibt, wird in ſo viel gleiche Looſe getheilt, als theilende Erben oder theilende Staͤmme vorhanden ſind. 832. Bei Bildung und Zuſammenſetzung der Looſe iſt hauptſächlich zweierlei zu beobachten. Erſtens iſt, ſo viel wie moͤglich, darauf zu ſehen, daß das Erbe nicht zu ſehr zerſtuͤckelt, und die Benutzung nicht zu ſehr getheilt werde. Zweitens verſteht es ſich, daß, wo es immer angeht, jedes Loos ſo gemacht werde, daß es die nämliche Quan⸗ titaͤt in beweglichen und unbeweglichen Guͤtern, Rechten und Schuldforderungen von einerlei Werth und Natur enthalte. 833. Was einem Looſe an Gegenſtänden in Natur abgeht, erhaͤlt es an Renten oder an Baarſchaft. 834. Die Looſe macht einer von den Miterben, wenn ſie uber die Wahl deſſelben unter ſich einig werden koͤnnen, und wenn derjenige, den ſie gewaͤhlt haben, den Auftrag annimmt. Sonſt macht die Looſe ein Sachverſtaͤndiger, den der verordnete Richter ernennt. Hiernach wird darum gezogen. 835. Jeder Theilende kann, ehe um die Looſe gezo⸗ gen wird, uͤber die Art, wie ſie ſind gemacht worden, ſei⸗ ne Einwendungen vorbringen. 836. Die Regeln, welche fuͤr die Theilung einer gan⸗ zen Maſſe vorgeſchrieben ſind, finden auch bei der Unter⸗ vertheilung unter die theilenden Staͤmme ihre Anwendung. 837. Wenn üͤber die Operationen, die einem Notar zugewieſen ſind, Streitigkeiten entſtehen: ſo fertigt er da⸗ ruͤber ein Protokoll an, worin das, was die Partheien gegenſeitig bemerken, ſammt ihren Beſchwerden, verzeichnet wird, und verweiſet ſie vor den zur Theilung verordneten Commiſſar. Uebrigens wird nach der Art und Weiſe ver⸗ fahren, wie ſie die Gerichtsordnung vorſchreibt. 838. Wenn nicht alle Erben anweſend ſind, oder wenn es unter ihnen gerichtlich Unterſagte oder Minder⸗ jaͤhrige, und ſelbſt emancipirte Minderjaͤhrige gibt: ſo muß die Theilung gerichtlich geſchehen und mit Beobach⸗ tung der Regeln, die in den Artikeln 819 und folgenden bis zum vorhergehenden Artikel einſchließlich, vorkommen⸗ —— —————— — 195— Sind mehrere Minderjaͤhrige da, die bei der Theilung ein entgegengeſetztes Intereſſe haben: ſo muß einem jeden von ihnen ein eigener und fuͤr den Fall beſonders beſtellter Vormund gegeben werden. 839. Kommt es, im Fall des vorhergehenden Artikels, zur Verſteigerung: ſo kann ſie nicht geſchehen, als gericht— lich und mit Beobachtung der Feierlichkeiten, die zur Ver⸗ aͤußerung des Vermoͤgens der Minderjaͤhrigen erforderlich ſind. Fremde werden immer zugelaſſen. 840. Theilungen, welche den hier oben vorgeſchriebe⸗ nen Regeln gemaͤß, entweder von Vormuͤndern mit Er⸗ maͤchtigung eines Familienrathes, oder von emancipirten Minderjährigen in Beiſtand ihrer Curatoren, oder im Na⸗ men abweſender oder nicht gegenwärtiger Perſonen geſche⸗ hen ſind, ſind endlich abgeſchloſſen oder definitiv; ſie ſind hingegen bloß einſtweilig oder fuͤrſorglich, wenn die vor⸗ geſchriebenen Regeln nicht dabei ſind beobachtet worden. 841. Wenn ein Miterbe ſein Recht auf die Verlaſſen⸗ ſchaft an jemanden abgetreten hat, der nicht faͤhig iſt, den Erblaſſer zu beerben: ſo kann der, zu deſſen Gunſten die Abtretung geſchehen iſt, von der Theilung ausgeſchloſſen werden, obſchon er mit dem Erblaſſer verwandt iſt: und dieſe Befugniß, ihn auszuſchließen, hat ein Erbe ſo gut, wie ſaͤmmtliche Miterben; nur muß ihm das erſtattet wer⸗ den, was er fuͤr die Abtretung gegeben hat. 842. Nach vollendeter Theilung muͤſſen jedem Thei⸗ lenden die beſondern Urkunden ausgehändigt werden, wel⸗ che auf die ihm angefallenen Stuͤcke ſprechen. Was aber die Urkunden betrifft, welche auf ein unter mehrere getheiltes Eigenthum ſprechen, ſo bleiben ſie dem⸗ jenigen, der den groͤßten Theil davon hat, mit der Be⸗ dingung jedoch, ſeinen Theilungsgenoſſen, die ein Intereſſe daran haben, damit behuͤlflich zu ſeyn, ſo oft es von ihm gefodert wird. Die gemeinſchaftlichen Urkunden, welche auf die gan⸗ ze Erbſchaft ſprechen, werden demjenigen ausgehaͤndigt, den ſaͤmmtliche Erben zum Verwahrer derſelben auserſe⸗ hen haben, wieder mit der Bedingung, daß er ſeinen Theilungsgenoſſen bei jeder Auffoderung damit behuͤlf⸗ lich ſey. Koͤnnen ſie uͤber die Wahl eines ſolchen 43 ——2—— ⸗— — 196— Verwahrers nicht einig werden, ſo waͤhlt der Richter fuͤr ſie. Zweiter Ab ſchnie Vom Einwerfen*). Art. 843. Jeder Erbe, ſelbſt der Erbe mit Vorbehalt, wenn er zu einer Erbfolge gelangt, iſt zur Einwerfung verbunden. Die Einwerfung geſchieht zum Vortheil ſeiner Miterben, und befaßt alles, was er von dem Erblaſſer durch Schenkung unter den Lebenden, mittelbar oder un⸗ mittelbar bekommen hat. Der Erbe kann nur dann die ihm vom Erblaſſer gemachten Schenkungen behalten, und die ihm von ſelbigem zugedachten Vermaͤchtniſſe in Anſpruch nehmen, wenn der Erblaſſer ausdruͤcklich erklaͤrt hat, daß jene Schenkungen und Vermaͤchtniſſe als ein Voraus ne⸗ ben ſeinem Erbtheile anzuſehen ſeyen, oder, wenn er ihn von der Verbindlichkeit, dieſelben einzuwerfen, ausdruͤck⸗ lich befreit hat. 844. Wenn aber auch die Vermaͤchtniſſe und Schen⸗ kungen mit einer von beiden Erklaͤrungen begleitet ſind, daß ſie als ein Voraus anzuſehen, oder daß ſie vom Ein⸗ werfen frei ſeyn ſollen: ſo kann der Erbe, wenn er zur Theilung kommt, ſie doch nicht behalten, als in ſo weit ſie den Theil nicht uͤberſteigen, woruͤber der Erhlaſſer ver⸗ fuͤgen konnte. Was uͤber den verfuͤglichen Theil geht, muß eingeworfen werden**). —————————— *) Des rapports, von der Collation. Rapporter, conferi⸗ ren, einwerfen, wieder einbringen, ſind gleichbedeutende Woͤrter. Die Frage iſt hier dieſe: wenn mehrere Erben vorhanden ſind, und einer oder einige unter ihnen von dem Erblaſſer bei deſſen Leben etwas bekommen haben, oder, wenn der Erblaſſer einem oder einigen unter den Erben ein Vermächtniß zugedacht hat: muß er, oder müſ⸗ ſen ſie ſolches bei der Theilung wieder einbringen? muß er oder muͤſſen ſie ſich das bereits bekommene an ihrem Theile anrechnen laſſen? kann er, oder können ſie jenes Vermächtniß fodern oder nicht? kurz, muß er eonferiren oder nicht? **) Nicht uber ſein ganzes Eigenthum kann der Menſch zum Nachtbeil der geſetzlichen Erben verfuͤgen. Welches dieſer Theil ſey, woruͤber man frei verfuͤgen koͤnne, lehrt der Art 913 u. f unter dem folgenden Titel von Schen⸗ kungen unter Lebenden und von Teſtamenten. — — — 197— 845. Der Erbe, der einer Erbſchaft entſagt, kann demungeachtet eine Schenkung, die ihm gemacht worden, behalten, oder ein Vermächtniß, das ihm zugedacht iſt, fodern; beides aber nur bis auf den Theil, uͤber welchen der Erblaſſer verfuͤgen konnte. 846. Der Geſchenknehmer, der zur Zeit der Schen⸗ kung nicht muthmaßlicher Erbe war, iſt zur Einwerfung verbunden, wenn er an dem Tage, wo die Erbfolge er⸗ oͤffnet wird, erbfaͤhig iſt; es ſey denn daß der Geſchenk⸗ geber ihm jene Verbindlichkeit erlaſſen habe. 847. Was die Vermaͤchtniſſe und Schenkungen betrifft, die dem Sohne eines Menſchen gemacht werden, der zur Zeit, wo die Erbfolge ſich eroͤffnet, ein Erbrecht hat: ſo werden dieſelben allezeit als frei von der Einwerfung an⸗ geſehen. Der Vater, wenn er den Geſchenknehmer beerbt, iſt nicht verbunden, ſie zur Maſſe einzuwerfen. 848. Eben ſo iſt der Sohn, im Fall er den Geſchenk⸗ geber beerbt aus eigenem Rechte(und nicht vermoͤge der Vertretung), nicht verbunden, eine Schenkung einzuwerfen, die ſeinem Vater gemacht worden. Gelangt aber der Sohn zur Erbfolge durch Vertretung oder Repraͤſentation: ſo muß er das, was ſeinem Vater gegeben worden, ein⸗ werfen, obſchon er deſſen Verlaſſenſchaft entſagt hat. 849. Schenkungen und Vermaͤchtniſſe zu Gunſten ei⸗ nes Ehegenoſſen, deſſen Ehegenoſſe ein Erbrecht hat, wer⸗ den als befreit von der Einwerfung angeſehen. Sind die Schenkungen und Vermächtniſſe zu gemein⸗ ſchaftlichen Gunſten zweier Eheleute gemacht, wovon nur einer ein Erbrecht hat: ſo wirft dieſer Erbberechtigte eine Hälfte ein. Schenkungen zu Gunſten eines erbberechtigten Ehegenoſſen wirft dieſer ganz ein. 850. Die Einwerfung geſchieht nur zur Verlaſſen⸗ ſchaftsmaſſe des Geſchenkgebers. 851. Alles was zur beſondern Einrichtung*) eines von den Miterben, oder zur Tilgung ſeiner Schulden ver⸗ wendet worden iſt, muß eingeworfen werden. *) Ftablissement. — 198— 852. Dagegen brauchen die Koſten der Nahrung, des Unterhalts, der Erziehung, der Lehrzeit, die gewöhnlichen Koſten der Ausſtaffirung*), die Koſten der Hochzeit und ſonſt uͤbliche Geſchenke nicht eingeworfen zu werden. 853. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit den Vortheilen, welche dem Erben irgend ein Vertrag mit dem Erblaſſer etwa verſchafft hat, in ſo fern ein ſolcher Vertrag zur Zeit, wo er geſchloſſen ward, keinen mittelbaren oder indirekten Nutzen darbot. 854. In Betracht der Geſellſchaftsvertraͤge zwiſchen dem Erblaſſer und einem ſeiner Erben hat ebenfalls die Einwerfung nicht Statt; nur muͤſſen ſie ohne Betrug ge⸗ ſchloſſen und ihre Bedingungen durch eine authentiſche Urkunde regulirt worden ſeyn. 855. Unbewegliche Guͤter, wenn ſie durch Zufall und ohne Verſchulden des Geſchenknehmers zu Grunde gegan⸗ gen ſind, werden nicht eingeworfen. 856. Fruͤchte und Zinſen von Sachen, die eingewor⸗ fen werden muͤſſen, iſt der Beſitzer nicht ſchuldig, als vom Tage der eroͤffneten Erbfolge. 857. Ein Erbe wirft zu Gunſten ſeines Miterben ein, nie aber zu Gunſten der Legatare oder Erbſchafts⸗ glaͤubiger. 858. Die Einwerfung geſchieht entweder in Wirklich⸗ keit, oder ſo daß der Einwerfende weniger empfaͤngt(daß ihm mithin das Empfangene angerechnet wird). 859. Was nun die unbeweglichen Guͤter betrifft, ſo kann die Einwerfung in Wirklichkeit(in Natur) verlangt werden, wenn der Geſchenknehmer das geſchenkte unbeweg⸗ liche Gut nicht veraͤußert hat, und wenn in dem Nachlaſ⸗ ſe ſich keine unbeweglichen Guͤter von der nämlichen Art, Guͤte und Werth finden, wovon man fuͤr die uͤbrigen Mit⸗ erben ungefaͤhr gleiche Looſe machen koͤnnte. 860. Hingegen geſchieht die Einwerfung bloß dadurch⸗ daß der Geſchenknehmer weniger nimmt, wenn er das un⸗ bewegliche Gut vor Eroͤffnung der Erbfolge veräußert hat; und hiebei wird der Werth zum Grunde genommen, in welchem das unbewegliche Gut zur Zeit der Eröffnung ſtand. *) Equipement. — — 250— 861. In jedem Falle werden hiebei dem Geſchenkneh⸗ mer die Auslagen gut geſchrieben, wodurch er die Sache verbeſſert hat, und zwar nach dem erhoͤhten Werthe, um welchen ſie ſich zur Zeit der Theilung verbeſſert findet. 862. Auch muͤſſen dem Geſchenknehmer die nothwendi⸗ gen Koſten, die er zu Erhaltung der Sache angewendet hat, gutgeſchrieben werden, obſchon ſie ſelbſt dadurch nicht verbeſſert worden. 863. Auf ſeiner Seite muß ſich dagegen der Geſchenk⸗ nehmer den Verfall und die Verſchlimmerungen anrechnen laſſen, wodurch der Werth des unbeweglichen Gutes ver⸗ ringert worden; nur muß ein ſolcher Verfall oder eine ſolche Verſchlimmerung eine Folge ſeiner Handlung, oder ſeiner Schuld und Nachlaͤſſigkeit ſeyn. 864. In dem Falle, wo der Geſchenknehmer das un⸗ bewegliche Gut veraͤußert hat, werden die Verbeſſerungen oder Verſchlimmerungen, die der Erwerber daran gemacht hat, nach Anleitung der drei vorhergehenden Artikel in Anrechnung gebracht. 865. Geſchieht die Einwerfung in Natur: ſo vereini⸗ gen ſich die Guͤrer mit der Erbſchaftsmaſſe, frei von allen Laſten, womit ſie der Geſchenknehmer etwa beſchwert ha⸗ ben mag Jedoch ſteht es den Glaubigern, welche eine Hypothek haben, frei, bei der Theilung mit aufzutreten, und Einſpruch einzulegen zu dem Ende, daß die Einwer⸗ fung nicht zur Verkuͤrzung ihrer Rechte geſchehe. 866. Wenn einer erbberechtigten Perſon ein unbeweg⸗ liches Gut geſchenkt worden, und zwar mit der Erklaͤrung, daß es vom Einwerfen befreit ſeyn ſolle, dieſes Gut aber den Theil uͤberſteigt, uͤber welchen der Erblaſſer verfuͤgen konnte: ſo geſchieht die Einwerfung des Ueberſchuſſes in Natur, in ſo fern dieſer Ueberſchuß fuͤglich getrennt wer⸗ den kann. Kann dies nicht fuͤglich geſchehen: ſo ſind zwei Faͤlle zu unterſcheiden. Entweder uͤberſteigt der Theil, uͤber den nicht verfuͤgt werden konnte, den halben Werth des un⸗ beweglichen Gutes, und dann muß der Geſchenknehmer daſſelbe ganz einwerfen, wobei es ſich aber von ſelbſt ver⸗ ſteht, daß er alsdann von der Maſſe den Werth des ver⸗ fuͤglichen Theiles vorabnimmt; oder der verfuͤgliche Theil — 200— iſt ſtärker als der halbe Werth des unbeweglichen Gutes, und dann kann der Geſchenknehmer daſſelbe ganz behalten, jedoch mit der Bedingung, daß er übrigens deſto weniger empfange und ſeine Miterben entweder in Geld oder an⸗ ders entſchädige. 867. Der Miterbe, der ein unbewegliches Gut, woran er Koſten verwendet, oder das er verbeſſert hat, in Natur einwirft, kann ſich bis zur wirklichen Erlegung der Sum⸗ men, die er fuͤr dergleichen Koſten und Verbeſſerungen zu fodern hat, im Beſitz deſſelben halten. 868. Bewegliches Gut wird dadurch bloß eingewor⸗ fen, daß man weniger empfaͤngt. Bei Beſtimmung des Preiſes nimmt man den Werth zum Grunde, den das be⸗ bewegliche Gut zur Zeit der Schenkung hatte, und wie er in der Schätzung, die dem Schenkungsvertrage beigefuͤgt iſt, ſich verzeichnet findet. Iſt eine ſolche Schätzung nicht vorhanden: ſo beſtimmt ſich der Preis durch Schätzung von Sachverſtändigen, nach dem wahren Werthe und ohne weitere Erhohung. 869. Geſchenktes Geld wird dadurch eingeworfen, daß man von der Baarſchaft des Nachlaſſes deſto weniger empfaͤngt. Findet ſich aber nicht Baarſchaft genug im Nachlaſſe: ſo braucht der Geſchenknehmer darum noch kein Geld ein⸗ zuwerfen, ſondern er kann dafuͤr, wenn er will, bis zum gebuͤhrenden Betrag bewegliches Gut einwerfen, und, wenn es ihm hieran fehlt, ſelbſt unbewegliche Guͤter der Erbſchaft. D ri ſ Von Bezahlung der Schulden. Art. 870. Mehrere Erben tragen unter ſich zur Til⸗ gung der Schulden und Laſten der Verlaſſenſchaft, jeder im Verhältniß deſſen, was er daraus empfängt, bei. 871. Auch der Legatar unter allgemeinem kamen*) traͤgt dazu bei, und zwar nach Verhaͤltniß *) Legatar uͤberhaupt iſt derjenige, dem in einem Teſta⸗ mente etwas vermacht iſt. Allgemein(universeh heißt der Legatar, wie weiter unten geſagt wird, dem —— —————————— — 201— der Vortheile, deren er genießt. Der beſondere Lega⸗ tar hingegen haftet nicht fuͤr die Schulden und Laſten, wohl aber das ihm vermachte unbewegliche Gut den Glaͤu⸗ bigern, denen es verpfändet iſt. 872. Wenn unbewegliche Erbſchaftsſtuͤcke durch be⸗ ſondere Hypothek mit Renten beſchwert ſind: ſo kann jeder Miterbe fodern, daß ſolche Renten getilgt und die unbe⸗ weglichen Erbſchaftsſtuͤcke frei gemacht werden, ehe man an die Verfertigung der Looſe gehe. Theilen die Miter⸗ ben die Erbſchaft in dem Zuſtande, worin ſie ſich befindet: ſo muß das beſchwerte unbewegliche Stuͤck nach dem näm⸗ lichen Fuße geſchätzt werden, wie die uͤbrigen unbewegli⸗ chen Guͤter: man zieht von dem ganzen Werthe das Ca⸗ pital der Rente ab; der Erbe, in deſſen Loos jenes un⸗ bewegliche Stuͤck fällt, hat allein die Rente zu leiſten, und muß ſeinen Miterben dafuͤr Sicherheit gewaͤhren. 873. Die Erben haften fuͤr die Schulden und Laſten der Verlaſſenſchaft, und zwar perſoͤnlich nur fuͤr ihren perſoͤnlichen Erbantheil, hypothekariſch aber fuͤr das Ganze*). In letzterm Falle aber bleibt ihnen ihr Recht der Teſtator ſein ganzes Vermoͤgen vermacht hat.— Legatar unter allgemeinem Namen Cegataire à titre universel) heißt derjenige, dem der Teſtaror eine Quote ſeines Vermoͤgens, zum Beiſpiel die Hälfte, den dritten Tbeil, oder ſein ganzes unbewegliches Vermoͤgen, oder ſeine ganze bewegliche Habe, oder eine beſtimmte Quote ſeines ganzen unbeweglichen Vermoͤgens oder ſei⸗ ner ganzen beweglichen Habe, vermacht hat.— Quote aber iſt der Theil eines Ganzen, der ſich nur beſtimmen läßt, wenn man das Ganze kennt. So läßt es ſich z. B. nicht beſtimmen, was der vierte Theil eines Vermdoͤ⸗ gens ſey, wenn nicht vorher beſtimmt iſt, worin das ganze Vermoͤgen beſtehe.— Be ſonderer Legatar (egataire particulier) iſt endlich derjenige, dem der Te⸗ ſtator einen oder mehrere gewiſſe und beſtimmte Gegen⸗ ſtände vermacht hat, z. B. ein beſtimmtes Haus, ein be⸗ ſtimmtes Gut oder mehrere beſtimmte Guͤter, eine be⸗ ſtimmte Summe Geldes, Koſtbarkeiten u. ſw In die⸗ ſem letzten Sinne kommt das Wort Legatar gewöhnlich vor *) Wenn naͤmlich der Theil, der einem Erben angefallen, mit einer Hypotheke beſchwert iſt: ſo kann der hypothe⸗ kariſche Glaͤubiger auf jenen Theil ſeinen ganzen An⸗ ſpruch geltend machen, weil die Hypothek untheilbar iſt, und nicht dadurch kann zerſtort oder zerriſſen werden, daß das Eigenhum auf andere übergegangen oder ge⸗ theilt worden iſt. — 202— entweder gegen ihre Miterben, oder gegen die allgemeinen Legatare, im Verhältniß jenes Theils, wofuͤr ſie mit bei⸗ zutragen verpflichtet ſind, offen. 874. Der beſondere Legatar, der eine Schuld bezahlt hat, womit das ihm vermachte unbewegliche Gut beſchwert war, tritt dadurch an die Stelle des Glaͤubigers, und erlangt mithin alle Rechte, die dieſer gegen die Erben und gegen jene Perſonen hatte, die unter allgemeinem Namen zur Erbfolge gelangen. 875. Der Miterbe, und jeder, der unter allgemeinem Namen zur Erbfolge gelangt, behält auch ſeinen Regreß, oder ſein Erholungsrecht, gegen die uͤbrigen Miterben oder ſonſtigen Nachfolger unter allgemeinem Namen, ſo oft er vermoͤge der Hypothek mehr bezahlt hat, als ſeinen Theil an der gemeinſamen Schuld; aber er hat gegen dieſelben jenen Regreß nur fuͤr den Theil, den jeder von ihnen per⸗ ſonlich daran tragen muß, und dieß ſelbſt in dem Falle, wo der Miterbe, der die Schuld bezahlt hat, ſich die Rechte der Glaͤubiger haͤtte uͤbertragen laſſen. Hierdurch wird jedoch dem Miterben nichts von ſeinen Rechten benommen, der eine Erbſchaft mit Vorbehalt angetreten, und dadurch die Befugniß erhalten hat, die Zahlung ſeiner perſoͤnlichen Foderung zu verlangen, wie jeder andere Glaͤubiger. 876. Iſt ein Miterbe oder ein Nachfolger unter all⸗ gemeinem Namen unvermoögend zu zahlen: ſo wird ſein Theil an der hypothekariſchen Schuld nach Verhältniß deſ— ſen, was jeder aus dem Nachlaſſe bekommt, auf alle uͤbri⸗ gen vertheilt. 877. Titel, welche die Fähigkeit der Vollziehung ge⸗ gen den Erblaſſer hatten, haben ſie auch perſoͤnlich gegen den Erben. Der Glaͤubiger kann jedoch ihre wirkliche Vollziehung nicht eher betreiben, als acht Tage nach In⸗ ſinuation derſelben an die Perſon oder an das Wohnhaus des Erben. 878. Sie koͤnnen in allen Faͤllen und wider jeden Gläubiger verlangen, daß das Vermoͤgen des Erblaſſers von dem Vermoͤgen des Erben getrennt werde. 879. Dieſes Recht kann aber nicht mehr ausgeuͤbt werden, wenn der Erbe als Schuldner angenommen wor⸗ ——————— —— — 83— den, und dadurch mit der Foderung an dem Erblaſſer eine Umſchaffung oder Novation vorgegangen iſt*). 880. In Ruckſicht des beweglichen Vermogens wird dieſes Recht durch den Verlauf von drei Jahren verjährt. In Ruͤckſicht der unbeweglichen Guͤter aber dauert die Klage ſo lange, als der Erbe jene Guͤter beſitzt. 881. Die Gläubiger des Erben haben kein Recht, ei⸗ ne ſolche Trennung des Vermogens gegen die Glaͤubiger der Verlaſſenſchaft zu fodern. 882. Um zu verhindern, daß die Theilung nicht zum Nachtheil ihrer Rechte geſchehe, ſteht es den Glaͤubigern eines Theilungsgenoſſen frei, dagegen einzukommen, daß die Theilung außer ihrer Gegenwart geſchehe. Sie haben das Recht, dabei mit aufzutreten, aber auf ihre eigenen Koſten. Eine vollendete Theilung aber koͤnnen ſie nicht anfechten, den Fall ausgenommen, wo die Theilung ohne ſie und zum Nachtheil eines von ihnen eingelegten Ein⸗ ſpruches geſchehen wäre. Vierter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Theilung und der Verbür⸗ gung der Looſe. Art. 883. Alles, was irgend einem Miterben, entwe⸗ der durch die Verlooſung oder in der Verſteigerung als ſein Erbtheil anerfallen iſt, wird ſo betrachtet, als wenn es auf ihn allein und unmittelbar vererbt worden waͤre, dnd der Miterbe wird ſo angeſehen, als haͤtte ihm das Eigenthum der uͤbrigen Verlaſfenſchaftsſtucke nie gehoͤrt. 884. Die Miterben haften einer dem andern fuͤr Stoͤ⸗ rungen und Evictionen**), in ſo weit dieſe einen Grund haben, der fruͤher iſt, als die Theilung. *) Novation oder Umſchaffung iſt dann vorhanden wenn durch Einwilligung der Betheiligten eine neue Verbind⸗ lichkeit an die Stelle der vorigen geſetzt wird Sie kann durch eine Veränderung in der Art der Verbindlichkeit, ſie kann auch durch eine Veränderung in den Perſonen geſchehen. Sie kann ferner ausdrücklich oder gerade nicht ausdruͤcklich ſeyn, u. ſ. w. S. den Art. 1271 u. ſolgende. **) Eviction iſt eigentlich dann vorhanden, wenn jemanden eine Sache abgeſtritten, und vermöge richtlichen Urtheils ———— — 204— Eine ſolche Gewährleiſtung kann aber nicht gefodert werden, wenn in der Theilungsacte die Art der Eviction, welche ein Miterbe erlitten, beſonders und ausdruͤcklich ausgenommen iſt; ſie faͤllt von ſelbſt weg, wenn der Mit⸗ erbe durch ſeine eigene Schuld die Eviction leidet. 885. Jeder Miterbe iſt perſoͤnlich und im Verhältniſſe ſeines Erbantheils verbunden, ſeinen Miterben fuͤr den Verluſt zu entſchädigen, den ihm die Eviction verurſacht hat. Iſt einer von den Miterben zu zahlen unvermogend: ſo wird der Theil, den er bezahlen mußte, auf die ſämmt⸗ lichen Miterben, die zahlen konnen, und auf den, der die Gewaͤhrleiſtung fodert ſelbſt, gleich vertheilt. 886. Die Verbuͤrgung oder Gewährleiſtung dafuͤr, daß der Schuldner einer Rente ſie auch bezahlen könne, kann nicht gefodert werden, als in den fuͤnf Jahren, wel⸗ che auf die Theilung folgen. Wenn der Schuldner erſt nach vollendeter Theilung zu zahlen unvermogend gewor⸗ den iſt: ſo kann aus dieſem Grunde keine Gewaͤhrleiſtung mehr gefodert werden. F ünfter Abſchntt Von Wiederaufhebung der Theilung*). Art. 887. Theilungen koͤnnen wieder aufgehoben wer⸗ den, wenn ein Miterbe beweiſt, daß er um mehr als ein Viertheil dabei iſt verkuͤrzt worden. Der Umſtand allein aber, daß irgend ein Gegenſtand der Erbſchaft iſt ausge⸗ laſſen worden, begruͤndet noch keine Klage auf Wiederauf⸗ hebung, ſondern nur eine Klage auf Ergaͤnzung des Thei⸗ lungsactes. nicht nur anerkannt, ſondern auch wirklich entzogen wird. Allgemein nennt man aber auch Eviction jedes Ereig⸗ niß, wodurch der Inhaber einer Sache, die er von einem andern hat, außer Stand geſetzt wird, ſich ihrer vertrag⸗ mäßig zu bedienen. Sämmtliche Erben haften dafür, daß jeder Erbe ſeinen Theil haben und behalten konne, ſie haften fuͤr die Eviction, und ſind mithin dem Erben, dem etwa ſein Theil genommen oder evincirt worden, Schabloshaltung ſchuldig(evictionem præs- tant). *) Rescision en matière de partage. — 205— 888. Die Klage auf Wiederaufhebung iſt gegen jede Handlung zulaͤſſig, die zum Zweck hat, der Gemeinſchaft unter mehreren Miterben ein Ende zu machen, obſchon man einer ſolchen Handlung den Namen keines Verkaufs, eines Tauſches oder Vergleichs, oder ſonſt einen Namen gegeben hat. Iſt aber die Theilung, oder die Handlung, welche ih⸗ re Stelle vertritt, einmal vollzogen, und uͤber die wirkli⸗ chen Schwierigkeiten, welche dieſer erſte Act oder dieſe er⸗ ſte Handlung veranlaſſen konnte, ein Vergleich zu Stande gekommen: ſo iſt gegen einen ſolchen Vergleich die Klage um Wiederaufhebung nicht mehr zulaͤſſig, wenn auch ſchon wegen des erſten Actes kein Prozeß angefangen worden war. 889. Hat einer von den Erben, oder haben die uͤbri⸗ gen Erben an einen Miterben auf deſſen Gefahr und ohne Argliſt ſein oder ihr Erbrecht verkauft: ſo wird gegen die⸗ ſen Verkauf die Klage nicht zugelaſſen. 890. Um zu beurtheilen, ob eine Verletzung oder Verkuͤrzung vorhanden geweſen, nimmt man den Werth zum Maaßſtabe, den die Gegenſtände zur Zeit der Thei⸗ lung hatten. 891. Wer bei der Klage auf Wiederaufhebung Be⸗ klagter iſt, kann dadurch ihren Lauf hemmen und einer neuen Theilung zuvorkommen, daß er dem Klaͤger dasje⸗ nige anbietet und leiſtet, was ihm an ſeinem Erbtheile fehlt, entweder in baarem Gelde oder in Natur. 892. Der Miterbe, der ſein Loos ganz oder zum Theil veraͤußert hat, kann mit ſeiner Klage, wenn ſie ſich auf Gewalt oder Argliſt gruͤndet, nicht mehr angehoͤrt werden, den Fall ausgenommen, wo die Veräußerung ge⸗ ſchehen iſt, ehe er die Argliſt entdeckte, oder ehe die Ge⸗ walt aufhoͤrte. 1 . 4 * 3 1 35 . Von Schenkungen unter Lebenden und Teſtamenten*. Erſtes Capitel. Allgemeine Verfügungen Art. 893. Auf wohlthaͤtige Art oder ohne Entgelt kann man nur auf zwei Wegen uͤber ſein Vermoͤgen ver⸗ fuͤgen, naͤmlich durch Schenkung unter Lebenden oder durch Teſtament oder letztwillige Verordnung, beides in den hier unten beſtimmten Formen**). 894. Die Schenkung unter Lebenden iſt eine Hand⸗ lung, wodurch ſich der Geſchenkgeber in dem Augenblicke, wo er verfuͤgt, und unwiderruflich der geſchenkten Sache begibt, zu Gunſten des Geſchenknehmers, der ſie annimmt. 895. Das Teſtament(letzter Wille, letztwillige Ver⸗ ordnung) iſt eine Handlung, wodurch der Teſtator fuͤr die Zeit, wo er nicht mehr ſeyn wird, uͤber ſein ganzes Ver⸗ moͤgen oder einen Theil deſſelben verfuͤgt, und die er wi⸗ derrufen kann. 896. Die Subſtitutionen ſind verboten***). Eine Verfuͤgung, wodurch der Geſchenknehmer, der eingeſetzte Erbe, oder der Legatar angewieſen wird, fuͤr einen dritten aufzubewahren und ihm auszuhaͤndigen, iſt nichtig, ſelbſt *) Geſetz vom 13. Floreal 11. Jahrs(z. May 1803). Pro⸗ mulgirt den 23. des nämlichen Monats(3. Mai 1803). **) Sonſt theilte man die letztwilligen Verordnungen in Te⸗ ſtamente, Codicille oder Schenkungen des Todes wegen ein. Dieſer unterſchied fällt jetzt weg, und wir haben nur Eine Art letztwilliger Verordnungen, welche man Teſtamente nennt. **t) unter Subſtitutionen wird bier anders nichts verſtanden als das, was im vorigen Rechte, unter dem Namen Fi⸗ deicommiß bekannt war.— Ich ſchenke oder ver⸗ mache mein Haus dem Titius, mit der Bedin⸗ gung, daßeres dem Cajus abgebe. Dieſe Ver⸗ fügung iſt nichtig, und ſo nichtig, daß ſie ſelbſt dem Titius nichts nuͤtzt. — 207— in Ruͤckſicht auf den Geſchenknehmer, den eingeſetzten Er⸗ ben, oder den Legatar. 897. Ausgenommen von dem vorhergehenden Artikel ſind die Verfuͤgungen, welche das ſechſte Capitel des gegenwärtigen Titels den Eltern und Geſchwiſtern zu treffen geſtattet. 898. Eine Verfuͤgung, welche einem Dritten die Schenkung, die Erbſchaft oder das Vermaͤchtniß zuweiſt, fuͤr den Fall, wo der Geſchenknehmer, der eingeſetzte Erbe oder der Legatar die Schenkung, Erbſchaft oder das Ver⸗ maͤchtniß nicht erhielte, wird nicht als eine Subſtitution angeſehen, und iſt guͤltig. 899. Nicht weniger guͤltig iſt eine Verfuͤgung, wo⸗ durch einem der Nießbrauch, dem andern das bloße Ei⸗ genthum gegeben wird, jene Verfuͤgung moͤge nun ein Act unter Lebenden oder eine letztwillige Verordnung ſeyn. 900. In jeder letztwilligen oder auch unter Lebenden gemachten Verfuͤgung werden als nicht geſchrieben angeſe⸗ hen jene Bedingungen, welche unmoͤglich, den Geſetzen oder den Sitten zuwider ſind. 3 weites Capitell. Von der Fähigkeit, durch Teſtament oder Schenkung unter Lebenden zu verfuͤgen oder beguͤnſtigt zu werden. Art. 901. Um eine Schenkung unter Lebenden oder ein Teſtament machen zu koͤnnen, muß man bei geſundem Verſtande ſeyn. 902. Jedermann iſt fähig, entweder durch Schenkung unter Lebenden oder durch letztwillige Verordnung zu ver⸗ fuͤgen und zu empfangen; diejenigen ausgenommen, welche das Geſetz dazu unfaͤhig erklärt. 903. Unfaͤhig auf irgend eine Art zu verfuͤgen iſt der Minderjährige unter ſechszehn Jahren. Jedoch ſind unter dieſem Artikel nicht begriffen die Verfuͤgungen, die ihm das neunte Capitel des gegenwaͤrtigen Titels erlaubt. — 208— 904. Der Minderjährige, der ſechszehn Jahre alt geworden iſt, kann verfuͤgen, aber nur durch Teſtament, und nur uͤber die Hälfte deſſen, woruͤber ein Großjaͤhri⸗ ger geſetzmaͤßig verfuͤgen darf. 905. Verheirathete Weiber koͤnnen unter Lebenden nicht anders ſchenken, als in Beiſtand oder mit beſonderer Einwilligung ihres Mannes, oder mit gerichtlicher Ermäch⸗ tigung, wie dies unter dem Titel von der Ehe, Art. 27 und 219 vorgeſchrieben iſt. Um aber letztwillig zu verordnen, bedoͤrfen ſie weder der Einwilligung ihres Mannes noch gerichtlicher Ermäch⸗ tigung. 906. Um durch Schenkung unter Lebenden beguͤnſtigt werden zu koͤnnen, iſt es genug, wenn man im Augenblick der Schenkung empfangen iſt. Um durch letztwillige Verordnung beguͤnſtigt werden zu können, iſt es genug, wenn man empfangen iſt in dem Augenblicke, wo der Teſtator ſtirbt. Die Schenkung oder das Teſtament iſt aber nur in ſo weit kraͤftig, als das Kind lebensfähig zur Welt kommt. 907. Der Minderjährige, wenn er auch das ſechszehn⸗ te Jahr zuruͤckgelegt hat, kann nicht zu Gunſten ſeines Vormundes verfuͤgen, ſelbſt nicht durch Teſtament. Auch nach erlangter Großjaͤhrigkeit kann er weder durch Schenkung unter Lebenden, noch durch letztwillige Verordnung zu Gunſten desjenigen verfuͤgen, der ſein Vor⸗ mund geweſen iſt, es ſey denn, daß vorher die Endvor⸗ mundſchaftsrechnung abgelegt und abgeſchloſſen waͤre. Ausgenommen ſind, in beiden obigen Faͤllen, des Minderjährigen aufſteigende Verwandten, die ſeine Vormuͤn⸗ der ſind oder geweſen ſind. 908. Natuͤrliche Kinder koͤnnen zwar durch Schen⸗ kung unter Lebenden oder letztwillige Verordnung beguͤn⸗ ſtigt werden; aber auf veide Arten nur bis zum Betrag jenes Theils, den ihnen der Titel von der Erbfolge zuſpricht. 909. Unguͤltig ſind alle Verfuͤgungen unter Lebenden und letztwillige Verordnungen, welche jemand zu Gunſten eines Geſundheitsbeamten oder Apothekers macht, der ihn — 209— waͤhrend der Krankheit, woran er geſtorben iſt, behandelt hat, wenn uͤbrigens eine ſolche Verfuͤgung waͤhrend jener Krankheit getroffen worden. Von der oben verhängten Unguͤltigkeit ſind ausge⸗ nommen: 1) Verfuͤgungen, welche bloß eine Belohnung be⸗ zwecken, und unter beſonderm Titel oder Namen und im Verhaͤltniß des Vermoͤgens des Verfuͤgenden und der geleiſteten Dienſte geſche⸗ hen ſind; B ſelbſt allgemeine Verfuͤgungen, wenn der Verfuͤgende mit obigen Perſonen bis zum vier⸗ ten Grade einſchließlich verwandt iſt. Aber auch in dem Falle ſind ſie wieder unguͤltig, wenn der Verſtorbene Erben in gerader Linie zuruͤck läßt; es ſey denn, daß derjenige, zu deſſen Gunſten die Verfuͤgung geſchehen iſt, ſelbſt unter die Zahl dieſer Erben gehoͤre. Die hier angefuͤhrten Regeln finden ebenfalls ihre Anwendung in Ruckſicht auf die Diener der Religion. 910. Verfuͤgungen unter Lebenden oder durch Teſta⸗ ment, zu Gunſten von Spitaͤlern, von Armen einer Ge⸗ meinde oder ſonſtigen gemeinnuͤtzigen Anſtalten, ſind nur in ſoweit kraͤftig, als ein Beſchluß des Kaiſers ſie geneh⸗ migt. 911. Verfuͤgungen zu Gunſten eines Unfaͤhigen ſind nichtig, ſie mögen nun die Form und den Schein läſtiger Verträge haben, oder unter dem Namen untergeſchobener Perſonen gemacht ſeyn. Als untergeſchobene Perſonen werden beide Eltern, Kinder und Abkömmlinge, und der Ehegenoſſe der unfähi⸗ gen Perſon angeſehen. 912. Verfuͤgungen zu Gunſten eines Auslaͤnders gel⸗ ten nur dann, wenn auch dieſer Auslaͤnder zu Gunſten eines Franzoſen verfuͤgen kann. 14 . — 40— Drittes Capitel. Vom verfuͤglichen Theil der Guͤter und von der Herabſetzung. Erſter Abſchnitt. Von dem verfüglichen Theil der Guͤter. Art. 913. Das, woruͤber jemand auf wohlthaͤtige Art verfuͤgt, darf die Haͤlfte ſeines Vermoͤgens nicht uͤber⸗ ſteigen, wenn er bei ſeinem Tode nur ein Kind hinterlaͤßt. Es darf ein Drittel nicht uͤberſteigen, wenn er zwei Kin⸗ der, und ein Viertel nicht, wenn er drei oder mehrere Kinder hinterlaͤßt. Dies gilt ohne Unterſchied, ob die wohlthaͤtige Verfuͤgung unter Lebenden oder durch Teſta⸗ ment geſchieht. 914. Unter Kindern verſteht man im vorhergehenden Artikel alle abſteigenden Verwandten oder Abkommlinge, in welchem Grade ſie auch ſeyn moͤgen. Jedoch werden ſie nur fuͤr das Kind gezaͤhlt, welches ſie bei der Erbfolge des Verfuͤgenden vorſtellen. 915. Wenn der Verſtorbene keine Kinder, aber einen oder mehrere aufſteigende Verwandten in der väterlichen ſowohl als muͤtterlichen Linie zuruͤcklaͤßt: ſo duͤrfen ſeine wohlthaͤtigen Verfuͤgungen, ſie ſeyen nun unter Le⸗ benden oder durch Teſtament geſchehen, die Haͤlfte ſeines Vermoͤgens nicht uͤberſteigen. Sie duͤrfen nicht über drei Viertheile ſeines Vermoͤgens gehen, wenn er nur in einer Linie aufſteigende Verwandten zuruͤckläßt. Zu dem Vermoͤgen nun, das den aufſteigenden Ver⸗ wandten auf ſolche Art vorbehalten iſt, gelangen ſie in der Ordnung, worin das Geſetz ſie zur Erbfolge beruft; ſie al⸗ lein ſind zu dieſem Vorbehalt?) berechtigt in allen Fällen, wo ſie *) Es iſt ſchon geſagt worden, daß der Menſch nicht in allen Fällen über ſein ganzes Vermögen verfügen kon⸗ ne. Das Geſetz beſtimmt einen gewiſſen Theil deſſelben, woruͤher man auf wohlthätige Art zum Nachtheil ſeiner Erben nicht verfügen kann, und dieſer unverfügliche Theil iſt bald groͤßer, bald klemer, je nachdem die Erben — 211— mit Seitenverwandten zuſammentreffen, und eine Theilung mit dieſen Seitenverwandten ihnen jenen Theil des Ver⸗ mögens nicht laſſen wuͤrde, auf welchen der Vorbehalt feſtgeſetzt iſt. 916. Sind weder aufſteigende noch abſteigende Ver⸗ wandten vorhanden: ſo kann man auf wohlthaͤtige Art uͤber ſein ganzes Vermoͤgen verfuͤgen, ſowohl unter Leben⸗ den, als durch letztwillige Verordnung. 917. Wenn durch eine Verfuͤgung unter Lebenden oder letztwillige Verordnung eine Nutznießung oder eine Leibrente gegeben wird, dieſe aber mehr werth ſind, als der verfuͤgliche Theil: ſo haben die Erben, zu deren Gun⸗ ſten das Geſetz einen Vorbehalt feſtſetzt, die Wahl, ob ſie jene Verfuͤgung vollziehen, oder ob ſie ſich des Eigenthums uͤber den verfuͤglichen Theil begeben wollen. 918. Wenn an einen Erbberechtigten in gerader Li⸗ nie Guͤter veräuſſert worden ſind, und zwar unter Aus⸗ bedingung einer Leibrente, oder auf verlorenes Capital, oder auch unter Vorbehalt der Nutznießung: ſo wird der Werth, den das volle Eigenthum ſolcher Guͤter hat, auf den verfuͤglichen Theil gerechnet, und der Ueberſchuß, wenn einer vorhanden iſt, zur Maſſe ausgeworfen. Hat jemand von den uͤbrigen Erbberechtigten in gerader Linie zu jenen Veraͤußerungen ſeine Einwilligung gegeben: ſo kann er dieſe Aufrechnung und Einwerfung nicht fodern. Sie koͤnnen in keinem Falle von Erbberechtigten in der Seitenlinie gefodert werden. 919. Es ſteht dem Schenker frei, den verfuͤglichen Theil entweder ganz oder theilweiſe, durch Acte unter Le⸗ benden oder durch letztwillige Verordnungen, ſeinen Kin⸗ dern oder auch ſonſt jemanden zu geben, der ein Erbrecht auf ihn hat. Auch braucht in letzterem Falle der Geſchenk⸗ nehmer oder Legatar, wenn er zur Erbfolge gelangt, nicht einzuwerfen und zu conferiren; nur muß alsdann die Ver⸗ fuͤgung ausdruͤcklich enthalten, daß das Geſchenkte oder Vermachte als ein Voraus oder Erbzuſchuß anzuſehen ſey. ſind. Dieſer unverfügliche Theil nun, den das Geſetz gewiſſen Erben aufbewahrt oder vorbehält, iſt, was wir Vorbehalt, geſetzlichen Vorbehalt(reserve, reserve legale) nennen. Er vertritt die Stelle deſſen, was man ſonſt Pflichttheil Gegitima) nennt.— 14* —— 7—— — 212— Die Erklärung, daß eine Schenkung oder ein Ver⸗ maͤchtniß als ein Voraus oder Erbzuſchuß anzuſehen ſey, kann entweder in der Acte, welche die Verfuͤgung enthält, ſelbſt, oder auch nachher in Form letztwilliger Verfuͤgun⸗ gen oder in Form der Verfuͤgungen unter Lebenden, ge⸗ ſchehen. 3 weiter Abſchnitt. Von Herabſetzung*) der Schenkungen und Vermächt⸗ niſſe. Art. 920. Schenkungen unter Lebenden oder letztwil⸗ lige Verordnungen, wenn ſie den verfuͤglichen Theil über⸗ ſteigen, koͤnnen auf dieſen Theil bei Eroͤffnung der Erbfolge herabgeſetzt werden. 921. Nur der, zu deſſen Gunſten das Geſetz einen Vorbehalt beſtimmt, iſt befugt, die Herabſetzung der Ver⸗ fugungen unter Lebenden zu fodern; auch ſind dazu ſeine Erben und jeder andere befugt, der in ſein Recht getreten iſt. Hingegen koͤnnen Geſchenknehmer, Legatare und Glaͤu⸗ biger des Erblaſſers jene Herabſetzung weder fodern, noch Nutzen daraus ziehen. 922. Die Frage, ob eine Herabſetzung Statt habe, entſcheidet ſich dadurch, daß von dem ganzen Vermoͤgen, welches beim Ableben des Schenkers oder Teſtators vorhan⸗ den iſt, eine Maſſe gemacht wird. Zu dieſer Maſſe wird im Sinne alles hinzugeſetzt, woruͤber durch Schenkung unter Lebenden verfuͤgt worden iſt, und zwar nach dem Zuſtande, worin es ſich zur Zeit der Schenkungen befand, und nach dem Werthe, den es zur Zeit hatte, wo der Geſchenkgeber ſtarb. Nach dieſer ganzen Maſſe des Vermogens, wovon aber vorher die Schulden ab⸗ *) Reduction des donations et legs. Wenn jemand mehr ſchenkt oder vermacht, als das Geſetz ihm zu ſchenken oder zu vermachen erlaubt, oder, wenn er über mehr verfuͤgt, als über den verfüglichen Theil ſeines Vermd⸗ gens? ſo iſt darum ſeine ganze Verfuͤgung noch nicht ungultig, ſondern ſie wird herabgeſetzt oder reducirt auf den Theil, uͤber den der Schenker oder Teſtator verfügen konnte. Von dieſer Operation handelt der gegenwärtige Abſchnitt. ——————————— —— — 213— gezogen ſeyn muͤſſen, beſtimmt ſich, welches der Theil ſey, uͤber den er hat verfuͤgen koͤnnen; wobei natuͤrlich auf die Eigenſchaft der Erben, die er zuruͤck läßt, Ruckſicht genommen wird. 923. In keinem Fall aber koͤnnen Schenkungen unter Lebenden herabgeſetzt oder reducirt werden, wenn nicht vorher der Werth aller Guͤter erſchoͤpft iſt, welche in letzt⸗ willigen Verfuͤgungen begriffen ſind. Und, wenn es zur Herabſetzung ſolcher Schenkungen kommt: ſo geſchieht ſie ſo, daß man von der letzten Schenkung anfaͤngt, und ſo ſtufenweiſe hinaufruckt bis zur aͤlteſten Schenkung. 924. Wenn die Schenkung unter Lebenden, die einer Herabſetzung fähig iſt, zu Gunſten eines Erbberechtigten Statt gehabt hat: ſo kann derſelbe von dem geſchenkten Vermoͤgen ſo viel zuruͤck behalten, als der Theil werth iſt, der ihm als Erben in dem nicht verfuͤglichen Vermoͤgen zukaͤme, in ſo fern beides einerlei Art iſt. 925. Iſt ſchon durch Schenkungen unter Lebenden uͤber mehr, als den verfuͤglichen Theil, oder gerade uͤber ſo weit, als er betraͤgt, verfuͤgt worden: ſo zerfallen alle letztwillige Verordnungen. 926. Wenn die letztwilligen oder teſtamentariſchen Verordnungen den verfuͤglichen Theil uͤberſteigen, oder, wenn ſie den Theil dieſes verfuͤglichen Theils uͤberſteigen, der nach Herabſetzung des Werths der Schenkungen unter. Lebenden uͤbrig bleibt: ſo geſchieht die Herabſetzung im Verhaͤltniſſe des Antheils, der jedem zugedacht iſt, ohne Unterſchied, ob jemand ein allgemeines oder ein beſonderes Vermaͤchtniß zu empfangen habe. 927. So oft indeſſen der Teſtator ſeinen Willen aus⸗ druͤcklich dahin erklärt hat, daß dies oder jenes Vermaͤcht⸗ niß vorzugsweiſe vor andern entrichtet werden ſolle, wird eine ſolche Verfuͤgung vollzogen, und ein ſo geeignetes Vermaͤchtniß wird nicht herabgeſetzt, als in ſo weit aus dem Werth der uͤbrigen Vermächtniſſe der geſetzliche Vorbehalt nicht herausgebracht wuͤrde. 928. Von dem, was uͤber den verfuͤglichen Theil geht, erſetzt der Geſchenknehmer die Fruͤchte, und zwar von dem Tage an, wo der Geſchenkgeber geſtorben iſt, wenn die —— b—— — 214— Herabſetzung in Jahres Friſt iſt gefodert worden; wo nicht, ſo erſetzt er ſie vom Tage der Foderung an. 929. Unbewegliche Guͤter, welche vermittelſt der Her⸗ abſetzung wieder genommen werden, fallen zur Verlaſſen⸗ ſchaft frei von Schulden oder Pfandrechten, womit ſie der Geſchenknehmer beſchwert hat. 930. In dem Falle, wo ein Dritter die unbewegli⸗ chen Guͤter beſitzt, welche einen Theil der Schenkung aus⸗ machen, und vom Geſchenknehmer veraͤußert worden ſind, ſteht es den Erben frei, die Klage auf Herabſetzung oder Wiederherausgabe(Revendication) gegen einen ſolchen dritten Beſitzer anzuſtellen, auf die naͤmliche Art und in der naͤmlichen Ordnung, wie gegen die Geſchenknehmer ſelbſt. Vorher muͤſſen jedoch die Erben ſich an den Guͤ⸗ tern der Geſchenknehmer ſelbſt erholt haben. Bei Anhebung dieſer Klage wird die Zeitordnung be⸗ folgt, worin die Veraͤußerungen auf einander folgen, und mit der juͤngſten der Anfang gemacht. Viertes Cn5 Von Schenkungen unter Lebenden. Erſter Abſchnitt. Von der Form der Schenkungen unter Lebenden. Art. 931. Alle Acte, welche eine Schenkung unteér Lebenden enthalten, geſchehen in der gewoͤhnlichen Form der Verträge oder Contrakte vor Notairen. Bei letztern bleibt die Urſchrift, unter Strafe der Nichtigkeit. 932. Nur von dem Tage an, wo eine Schenkung unter Lebenden mit ausdruͤcklichen Worten iſt angenommen worden, verbindet ſie den Geſcheakgeber, und nur von dieſem Tage an bekommt ſie ihre Wirkung. Eine Schenkung kann angenommen werden bei Lebzei⸗ ten des Schenkers, durch einen ſpaͤtern und authentiſchen Act, wovon die Urſchrift zuruͤckbleibt. Dann aber iſt ſie in Ruͤckſicht auf den Schenker nicht eher wirkſam, als von — 245— dem Tage an, wo die Acte, welche die Annahme beurkun⸗ det, ihm iſt inſinuirt worden. 933. Wenn der Geſchenknehmer großjaͤhrig iſt: ſo muß die Annahme von ihm ſelbſt geſchehen, oder in ſei⸗ nem Namen von ſeinem Bevollmächtigten. Im letztern Falle muß die Vollmacht dahin ausgeſtellt ſeyn, daß der Bevollmaͤchtigte die bereits gemachte Schenkung annehmen koͤnne; oder in allgemeinen Ausdruͤcken, daß er die Schen⸗ kungen annehmen koͤnne, welche zu ſeinen Gunſten gemacht worden, oder noch gemacht werden koͤnnten. Eine ſolche Vollmacht muß vor einem Notar ausge⸗ ſtellt werden, und eine Ausfertigung davon der Schen⸗ kungsacte in Urſchrift, oder auch der Annahme in Ur⸗ ſchrift, wenn ſie in einer beſondern Acte geſchehen iſt, angehaͤngt bleiben. 934. Gemaͤß der Vorſchrift der Art. 217 und 219 unter dem Titel von der Ehe, koͤnnen verheirathete Weiber keine Schenkung annehmen ohne Bewilligung ih⸗ res Mannes, oder, falls der Mann ſie verweigert ohne gerichtliche Ermaͤchtigung. 935. Schenkungen zu Gunſten eines nicht emancipir⸗ ten Minderjaͤhrigen oder eines gerichtlich Unterſagten, muͤſſen von ſeinem Vormunde angenommen werden nach Vorſchrift des Art. 463 unter dem Titel von der Min⸗ derjahrigkeit, der Vormundſchaft und der Emancipation. Der emancipirte Minderjaͤhrige kann die Annahme in Beiſtand ſeines Curators verrichten. Jedoch koͤnnen fuͤr ihn und anſtatt ſeiner die Eltern des emancipirten oder nicht emancipirten Minderjährigen an⸗ nehmen, oder auch ſeine uͤbrigen aufſteigenden Verwand⸗ ten, wenn gleich die Eltern noch leben, und obſchon ſie weder Vormuͤnder noch Curatoren des Minderjaͤhrigen ſind. 936. Taubſtumme koͤnnen, wenn ſie ſchreiben koͤnnen, ſelbſt annehmen, oder durch einen Bevollmaͤchtigten. Wenn ſie aber nicht ſchreiben koͤnnen, ſo muß die Annahme durch einen Curator geſchehen, der hierzu ernannt wird, den Regeln gemaͤß welche ſich unter dem Titel von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emancipation befinden. 937. Schenkungen zu Gunſten von Spitaͤlern, von Armen einer Gemeinde, oder ſonſtigen gemeinnuͤtzigen An⸗ ſtalten, werden von den Verwaltern ſolcher Gemeinden oder Anſtalten angenommen. Vorher aber muͤſſen ſie zur Annahme gehoͤrig ermaͤchtigt ſeyn. 938. Eine gehoͤrig angenommene Schenkung iſt voll⸗ kommen durch die bloße Einwilligung der Theile, und das Eigenthum der geſchenkten Gegenſtaͤnde geht auf den Ge⸗ ſchenknehmer uͤber, ohne daß es einer andern Uebergabe beduͤrfte. 939. Wenn die Schenkung Guͤter begreift, welche einer Hypotheke faͤhig ſind*): ſo muͤſſen die Acten uͤber Schenkung und Annahme in die Hypothekenbuͤcher des Be⸗ zirks eingeſchrieben werden, worin die Guͤter liegen. Eben⸗ daſelbſt muß auch die Inſinuation der Annahme eingetra⸗ gen werden, wenn ſie etwa in einer beſondern Acte ge⸗ ſchehen iſt. 940. Dieſe Einſchreibung in die Hypothekenbuͤcher hat der Mann zu beſorgen, wenn ſeine Frau mit ſolchen Guͤ⸗ tern iſt beſchenkt worden; und im Falle der Mann dieſe Formalitat vernachlaͤſſigt, kann die Frau ſie ohne Ermaͤch⸗ tigung beſorgen laſſen. Iſt die Schenkung zu Gunſten von Minderjährigen, Unterſagten, oder oͤffentlichen Anſtalten gemacht: ſo haben die Vormuͤnder, Curatoren oder Verwalter die Einſchrei⸗ bung zu beſorgen. 941. Jedermann iſt befugt die Einrede zu machen, daß die Eintragung nicht geſchehen ſey, ausgenommen die⸗ jenigen, denen das Geſetz die Beſorgung der Eintragung auflegt, oder die, welche in ihre Rechte treten, und der Geſchenkgeber ſelbſt. 942. Minderjaͤhrige, gerichtlich Unterſagte und ver⸗ heirathete Weiber, koͤnnen nicht aus dem Grunde wieder in den vorigen Stand geſetzt werden, weil die Annahme oder Eintragung der ihnen geſchehenen Schenkungen ver⸗ nachlaͤſſigt worden. Aber ſie behalten, wenn es der Fall mit ſich bringt, ihr Erholungsrecht gegen ihre Vormuͤnder oder Ehemaͤnner. Wiebereinſetzung in den vorigen Stand *) Wie z. B. alle unbeweglichen Guter. — 217— hat aber nicht Statt, ſelbſt in dem Falle nicht, wo be⸗ ſagte Vormuͤnder oder Ehemaͤnner zu zahlen unvermögend ſind. 943. Eine Schenkung unter Lebenden kann nur das gegenwaͤrtige Vermoͤgen des Schenkers begreifen. Begreift ſie zukuͤnftiges Vermoͤgen, ſo iſt ſie in ſolcher Hinſicht nichtig. 944. Nichtig iſt auch jede Schenkung unter Lebenden, der ſolche Bedingungen beigefuͤgt ſind, deren Erfuͤllung von dem bloßen Willen des Geſchenkgebers abhäͤngt. 945. Eine ſolche Schenkung iſt ebenfalls nichtig, wenn ihr die Bedingung beigefuͤgt iſt, daß der Geſchenknehmer Schulden oder Laſten entrichten ſoll, die zur Zeit der Schenkung nicht exiſtirten, oder, daß er Schulden und Laſten entrichten ſoll, die in der Schenkungsacte oder in dem Status, der ihr angehaͤngt werden muß, nicht aus⸗ gedruͤckt ſind*). 946. Wenn der Geſchenkgeber ſich die Befugniß vor⸗ behalten hat, uͤber einen gewiſſen Gegenſtand, der in der Schenkung begriffen iſt, oder uͤber eine beſtimmte Summe aus dem geſchenkten Vermoͤgen, zu verfuͤgen, und wenn er nachher ſtirbt, ohne wirklich daruͤber verfuͤgt zu haben: ſo gehoͤrt jener Gegenſtand oder jene Summe den Erben des Geſchenkgebers, unerachtet aller Clauſeln und Bedin⸗ gungen, die dagegen gemacht ſeyn koͤnnten. 947. Die vier vorhergehenden Artikel ſind nicht an⸗ wendbar auf jene Schenkungen, wovon in den Cap. 8 und 9 unter gegenwaͤrtigem Titel gehandelt wird. 948. Alle Schenkungsacte uͤber bewegliche Habe ſind bloß guͤltig in Hinſicht auf jene Gegenſtände, welche in dem Verzeichniſſe enthalten und abgeſchätzt ſind, das der Schenkung in Urſchrift angehaͤngt, und vom Geſchenkgeber und Geſchenknehmer, oder, anſtatt des letztern von denen, die fuͤr ihn anuehmen, unterzeichnet ſeyn muß. *) Mit andern Worten: Im keinem Falle kann der Geſchenk⸗ nehmer verpflichtet werden, andere Schulden oder Laſten abzutragen, als jene, welche zur Zeit der Schenkung eriſtirten; es ſey denn, daß die Schenkungsacte, oder ein beigefuͤgter Status, die andern Schulden und Laſten anführte, die etwa erſt nach der Schenkung entſtehen konnten. Eine Schenkung, welche anders verfügt, wäre nichtig. 1 2 ⸗ — 218— 949. Es ſteht dem Geſchenkgeber frei, den Genuß oder die Nußnießung der beweglichen oder unbeweglichen Guͤter, welche er ſchenkt, entweder ſich ſelbſt vorzubehal⸗ ten, oder uͤber jenen Genuß oder jene Nutznießung zu Gunſten eines andern zu verfuͤgen. 950. Beſtand die Schenkung in beweglichen Guͤtern, und war ſie dabei mit Vorbehalt der Nutznießung geſche⸗ hen: ſo muß der Geſchenknehmer, wenn die Nutznießung erloͤſcht, die geſchenkten Gegenſtaͤnde, welche noch in Na⸗ tur vorhanden ſind, in dem Zuſtande nehmen, worin ſie ſich befinden. Und was die Gegenſtaͤnde betrifft, welche nicht mehr vorhanden ſind: ſo hat er in ihrer Hinſicht eine Klage gegen den Geſchenkgeber oder deſſen Erben bis zum Betrag des Werthes, wozu ſie in dem Schätzungs⸗ verzeichniſſe angeſchlagen ſind. 951. Nicht weniger ſteht es dem Geſchenkgeber frei, ſich auszubedingen, daß die geſchenkten Gegenſtände an ihn zuruͤckkehren ſollen in beiden Fällen, entweder wenn der Geſchenknehmer allein ſterben ſollte, oder, wenn der Geſchenknehmer und ſeine Abkömmlinge ſterben ſollten. Dies Recht der Ruͤckkehr oder des Ruͤckfalls kann aber nicht ausbedungen werden, als zum Vortheil des Geſchenk⸗ gebers allein. 952. Die Ausbedingung der Ruͤckkehr oder des Ruͤck⸗ fals hat folgende Wirkung. Jede Veräußernng der ge⸗ ſchenkten Guͤter wird dadurch aufgeloͤſt, und ſie kommen an den Geſchenkgeber zuruͤck, frei und ledig von allen La⸗ ſten und Hypotheken; ausgenommen jedoch die Hypotheke der Brautgabe(dot) und der Ehepakten, falls die ubri⸗ gen Guͤter des Ehegenoſſen, welcher Geſchenknehmer iſt, nicht hinreichen, und fuͤr den Fall allein, wo die Schen⸗ kung demſelben in dem naͤmlichen Ehevertrage gemacht worden iſt, welcher jene Rechte und Hypotheken begruͤndet. 3weiter Abſchnitt. Ausnahmen vou der Regel, daß die Schenkungen unter Lebenden unwiderruflich ſind. Art. 953. Schenkungen unter Lebenden koͤnnen nur aus folgenden Urſachen widerrufen werden: 1ſtens, wegen — 219— ichterfuͤllung der Bedingniſſe, unter welchen ſie gemacht ſind; zweiteus, wegen Undankes; und drittens, weil dem Geſchenkgeber Kinder uͤberkommen. 954. Wird eine Schenkung darum widerrufen, weil die ihr beigefuͤgten Bedingungen nicht ſind erfuͤllt worden: ſo gehen die Guͤter zu den Haͤnden des Geſchenkgebers zuruͤck, frei und ledig von allen Laſten und Hypotheken, ſo viel den Geſchenknehmer betrifft; und der Geſchenkgeber hat gegen jeden dritten Beſitzer der geſchenkten unbewegli⸗ chen Guͤter alle Rechte, die er gegen den Geſchenknehmer ſelbſt haͤtte. 955. Wegen Undankes koͤnnen Schenkungen unter Lebenden nur in folgenden Fällen widerrufen werden: lſtens, wenn der Geſchenknehmer dem Geſchenkgeber nach dem Leben getrachtet hat; Aens, wenn er ſich gegen den Geſchenkgeber Thaͤt⸗ lichkeiten, Verbrechen oder grobe Unbilden erlaubt hat; 3tens, wenn er ihm die Nahrung verweigert. 956. Eine Widerrufung iſt nie von Rechtswegen und ohne weiteres vorhanden, wenn ſie ſich auf Undank oder Nichterfuͤllung der Bedingniſſe gruͤndet. 957. Wer eine Schenkung wegen Undankes widerru⸗ fen will, muß ſeine Klage desfalls in einem Jahr anſtel⸗ len; und dies Jahr wird gerechnet von dem Tage an, wo das Verbrechen begangen worden, welches der Schenker dem Beſchenkten aufbuͤrdet, oder von dem Tage an, wo das Verbrechen dem Geſchenkgeber bekannt ſeyn konnte. Eine ſolche Klage auf Widerrufung kann aber nicht angeſtellt werden von dem Geſchenkgeber gegen die Erben des Geſchenknehmers, noch auch von den Erben des Ge⸗ ſchenkgebers gegen den Geſchenknehmer; es ſey denn, daß, im letztern Falle, der Geſchenkgeber die Klage wirklich ſchon angeſtellt gehabt, oder derſelbe im Jahr nach dem Verbrechen geſtorben waͤre. 958. Veraͤußerungen, welche der Beſchenkte vorge⸗ nommen, Hypotheken und andere dingliche Laſten, womit er etwa den Gegenſtand der Schenkung beſchwert hat, verlieren dadurch nichts von ihrer Kraft, daß die Schen⸗ — 220— kung wegen Undankes widerrufen wird. Damit indeſſen dieſe Veräußerungen, Laſten und Hypotheken ihre Kraft und Guͤltigkeit behalten, wird erfodert, daß ſie ein fruͤ⸗ heres Datum haben, als die etwaige Einſchreibung von dem Auszuge der Klage auf Widerrufung auf den Rand jener Eintragung, welche der Art. 939 verordnet. Wird die Schenkung wirklich widerrufen: ſo wird der Geſchenknehmer verurtheilt, den Werth der veräußer⸗ ten Gegenſtaͤnde zuruͤck zu erſtatten, den ſie zur Zeit der Klage hatten, und die Fruͤchte vom Tage dieſer Klage an. 959. Schenkungen zu Gunſten einer Eheverbindung ſind nicht widerruflich wegen Undankes. 960. Jede Schenkung unter Lebenden, von einem Menſchen gemacht, der zur Zeit der Schenkung keine wirk⸗ lich lebenden Kinder oder Abkömmlinge hatte, iſt und bleibt ohne weiteres von Rechtswegen dadurch widerrufen, daß dem Geſchenkgeber ein eheliches Kind, und ſelbſt nach ſei⸗ nem Tode, geboren wird, oder auch, daß ein uneheliches Kind durch nachfolgende Verehelichung legitimirt wird, wenn es nur nach der Schenkung geboren iſt. Die Schen⸗ kung bleibt widerrufen, ſie mag einen Werth haben, und unter einem Titel gemacht ſeyn, wie ſie wolle. Auch ſelbſt dann bleibt ſie widerrufen, wenn ſie gegenſeitig oder be⸗ lohnend, und ſogar, wenn ſie zu Gunſten einer Ehever⸗ bindung von andern gemacht iſt, als von den aufſteigen⸗ den Verwandten zum Vortheil der Eheleute, oder von den Eheleuten zu wechſelſeitigem Vortheil. 961. Dieſe Widerrufung findet Statt, ſelbſt dann, wenn das Kind des Geſchenkgebers oder der Geſchenkgebe⸗ rinn zur Zeit der Schenkung ſchon empfangen war. 962. Nicht weniger bleibt die Schenkung widerrufen, wenn ſchon der Geſchenknehmer in den Beſitz der geſchenk⸗ ten Güter getreten, und er darin von dem Geſchenkgeber nach der Geburt des Kindes gelaſſen worden wäre. Je⸗ doch iſt der Geſchenknehmer darum nicht verbunden, die Fruͤchte, die er eingezogen hat, von welcher Art ſie auch ſeyn moͤgen, zurück zu erſtatten. Er muß ſie aber zuruͤck⸗ erſtatten von dem Tage an, wo man ihm die Geburt des Kindes, oder deſſen Legitimation durch nachfolgende Ver⸗ ehelichung, durch Inſinuation oder einen ſonſtigen Act in — 221— gehoͤriger Form bekannt gemacht, obſchon vielleicht die Klage um Wiedererlangung des Beſitzes der geſchenkten Guͤter erſt nach dieſer Bekanntmachung angeſtellt worden. 963. Guͤter, welche in einer Schenkung begriffen ſind, die von Rechtswegen und ohne weiteres widerrufen iſt, kehren zum Vermoͤgen des Geſchenkgebers zuruͤck, frei und ledig von allen Laſten und Hypotheken, die von dem Ge⸗ ſchenknehmer herruͤhren. Sie haften der Frau des Ge⸗ ſchenknehmers nicht fuͤr die Ruͤckerſtattung des Brautſchatzes, noch dafuͤr, daß ſie ihre Wiedernahmsrechte oder ſonſtige bei Gelegenheit der Ehe geſchloſſene Vertraͤge ausuͤben koͤnne, ſelbſt nicht einmal aushuͤlfsweiſe; und dies gilt, wenn ſchon die Schenkung zu Gunſten der Ehe des Ge⸗ ſchenknehmers geſchehen, und in den Contrakt eingeruͤckt worden, und wenn ſchon der Geſchenkgeber ſich durch die Schenkung als Buͤrge verpflichtet haͤtte, den Heirathsver⸗ trag zu vollziehen. 964. Schenkungen, welche auf ſolche Art widerrufen ſind, leben nicht wieder auf, und werden nicht wieder kräftig, weder dadurch, daß das Kind des. Geſchenkgebers ſtirbt, noch durch ſonſt einen beſtaͤtigenden Act. Will aber der Schenker die naͤmlichen Guͤter dem naͤmlichen Geſchenk⸗ nehmer geben, entweder vor oder nach dem Tode des Kin⸗ des, deſſen Geburt den Widerruf der Schenkung verur⸗ ſacht hatte: ſo kann er dies nicht anders, als durch eine neue Verfuͤgung. 965. Jede Clauſel oder Uebereinkunft, wodurch der Geſchenkgeber der Befugniß, die Schenkung wegen uͤber⸗ kommender Kinder zu widerrufen, entſagt hätte, wird als nichtig betrachtet, und iſt ohne alle Wirkung. 966. Um eine Schenkung geltend zu machen, die ſich durch das Ueberkommen von Kindern widerrufen findet, koͤnnen zwar der Geſchenknehmer, ſeine Erben, oder die, welche in ſein Recht treten, und jeder andere Inhaber der geſchenkten Gegenſtände, ſich auf die Verjährung berufen; ſie koͤnnen dieſelbe aber nicht entgegen ſetzen, als nach ei⸗ nem dreißigjährigen Beſitze. Die dreißig Jahre fangen nicht an zu laufen, als von dem Tage, wo das letzte Kind des Geſchenkgebers, wäre es auch ein Nachkind, ge⸗ boren wird, und dies noch unbeſchadet der Unterbrechun⸗ gen, welche das Geſetz beſtimmt. —— 3* F uͤnftes Capitel. Von letztwilligen Verfuͤgungen. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Regeln über die Form der Teſtamente oder letztwilligen Verfuͤgungen. Art. 967. Jedermann iſt befugt, durch Teſtament zu verfuͤgen, es geſchehe dies unter dem Litel einer Erbes⸗ einſetzung, eines Vermächtniſſes, oder unter jeder andern Benennung, wenn man nur ſeinen Willen dadurch offen⸗ baren kann. 968. Zwei oder mehrere Perſonen koͤnnen in einem und dem naͤmlichen Acte kein Teſtament machen, weder zu Gunſten eines Dritten, noch unter dem Namen einer wech⸗ ſelſeitigen Verfuͤgung. 969. Es gibt dreierlei Arten der Teſtamente: ſelbſt⸗ geſchriebene*), oͤffentliche oder feierliche**), und heimliche oder myſtiſche***). 970. Ein ſelbſtgeſchriebenes oder holographiſches Te⸗ ſtament iſt nur in ſo weit guͤltig, als es ganz von der eigenen Hand des Teſtators geſchrieben, datirt und unter⸗ zeichnet iſt. Es bedarf zu ſeiner Guͤltigkeit keiner andern Form. 971. Ein oͤffentliches Teſtament iſt ein ſolches, das von zwei Notaren in Gegenwart von zwei Zeugen, oder von einem Notar in Gegenwart von vier Zeugen aufge⸗ nommen wird. 972. Wird das Teſtament von zwei Notaren aufge⸗ nommen: ſo dictirt es ihnen der Teſtator, und einer von beiden Notaren ſchreibt es nieder, ſo, wie der Teſtator es dictirt. ————————————— ) Lestament olographe, von der eignen Hand des Teſta⸗ tors ganz geſchriebenes oder holographiſches Teſtament. *%) Testament fait par acte public. ) Testament fait dans la forme mystique. —.— — 223— Iſt nur ein Notar gegenwaͤrtig: ſo wird das Teſta⸗ ment ebenfalls vom Teſtator dictirt, und von dieſem No⸗ tar geſchrieben. In beiden Fällen muß dem Teſtator das geſchriebene vorgeleſen werden in Gegenwart der Zeugen. Von allem geſchieht ausdruͤckliche Erwähnung. 973. Der Teſtator muß ein ſolches Teſtament unter⸗ zeichnen. Und wenn er erklärt, daß er nicht unterzeichnen koͤnne, oder es nicht gelernt habe: ſo wird deſſen, ſo wie des Umſtandes, der ihn zu unterzeichnen hindert, in dem Acte ausdruͤcklich erwähnt. 974. Auch die Zeugen muͤſſen das Teſtament unter⸗ zeichnen. Jedoch iſt es auf dem Lande genug, daß einer von beiden Zeugen unterzeichne, im Falle das Teſtament von zwei Notaren aufgenommen wird, und, wenn es da⸗ ſelbſt von einem Notar aufgenommen wird, ſo iſt genug, daß zwei von den vier Zeugen unterzeichnen. 975. Bei einem oͤffentlichen oder feierlichen Teſtamen⸗ te koͤnnen die Legatare, unter welchem Namen ſie auch Legatare ſeyn moͤgen, und ihre Blutsfreunde oder Ver⸗ ſchwägerte bis zum vierten Grade einſchließlich, nicht als Zeugen auftreten; auch nicht die Schreiber des Notars, der daſſelbe aufnimmt. 976. Wer ein myſtiſches oder heimliches Teſtament machen will, muß ſeine Verfuͤgungen unterzeichnen, er mag ſie nun ſelbſt geſchrieben, oder durch einen andern haben ſchreiben laſſen. Das Papier, das dieſe Verfuͤgungen ent⸗ hält, oder das Papier, welches zum Umſchlage dient, wenn es mit einem ſolchen verſehen iſt, muß verſchloſſen und verſtegelt ſeyn. Alſo verſchloſſen und verſiegelt uͤberreicht es der Teſtator dem Notar und ſechs Zeugen wenigſtens, oder er laͤßt es alſo verſchließen und verſiegeln in ihrer Gegenwart; und erklärt dabei, daß, was in dieſem Pa⸗ pier erhalten, ſein letzter Wille, und von ihm geſchrieben und unterzeichnet, oder von einem andern geſchrieben und von ihm ſelbſt unterzeichnet ſeyo. Der Notar verfertigt alsdann die Ueberſchreibungsacte, welche auf jenes Papier, oder auf das Blatt, das zum Unſchlage dient, geſchrieben wird; und dieſe Unterſchreibungsacte wird unterzeichnet —— * 3 — — — 1— von allen Anweſenden, von dem Notar und dem Teſtator, und von den Zeugen. Alles, was hieroben vorgeſchrieben iſt, muß nachein⸗ ander geſchehen und ohne daß andere Handlungen zwiſchen laufen koͤnnen. Wenn aber den Teſtator, nachdem er das Teſtament bereits unterzeichnet hat, ein Hinderniß uͤber⸗ faͤllt, wodurch er die Ueberſchreibungsacte nicht unterzeich⸗ nen kann: ſo wird die Erklaͤrung, die er desfalls thut, bemerkt, und es iſt in einem ſolchen Falle nicht noͤthig, die Zeugenzahl zu vermehren. 977. Wenn der Teſtator Schreibens unerfahren iſt, oder, wenn er in dem Augenblicke, wo er ſeine Verfuͤgun⸗ gen ſchreiben ließ, nicht unterzeichnen konnte: ſo wird zu dem Ueberſchreibungsacte noch ein Zeuge mehr berufen, als die Zahl iſt, welche der vorhergehende Artikei feſtſetzt. Dieſer unterzeichnet die Acte mit den andern Zeugen, und in derſelben wird die Urſache bemerkt, warum er iſt beru⸗ fen worden. 978. Wer nicht leſen kann, oder es nicht gelernt hat, kann in der Form eines heimlichen oder myſtiſchen Teſta⸗ ments nicht verfuͤgen. 979. Wenn der Teſtator zwar nicht reden, aber doch ſchreiben kann: ſo kann er ein heimliches Teſtament ma⸗ chen. Dann aber muß das Teſtament von ſeiner Hand ganz geſchrieben, datirt und unterzeichnet ſeyn; er muß es dem Notar und den Zeugen uͤberreichen, und in ihrer Gegenwart oben auf die Ueberſchreibungsacte ſchreiben, daß das Papier, ſo er uͤbergibt, ſein Teſtament oder letz⸗ ter Wille ſey. Hierauf ſchreibt der Notar die Ueberſchrei⸗ bungsacte, und bemerkt darin, daß der Teſtator die obi⸗ gen Worte in ſeiner und der Zeugen Gegenwart geſchrie⸗ ben habe. Uebrigens wird noch alles beobachtet, was im Art. 976 vorgeſchrieben iſt. 980. Alle zu Leſtamenten berufene Zeugen muͤſſen maͤnnlichen Geſchlechts, großjährig, Unterthanen des Kai⸗ ſers und im Genuſſe der buͤrgerlichen Rechte ſeyn. 3 weiter Abſchnitt. Beſondere Regeln über die Form gewiſſer Teſtamente. Art. 981. Militair⸗ und ſonſtige bei den Heeren an⸗ geſtellte Perſonen, in welchem Laude ſie immer ſeyn moͤgen, „ „—— koͤnnen ihre Teſtamente von dem Chef eines Bataillons oder einer Schwadron, oder von jedem andern Offizier eines hohern Grades, in Gegenwart zweier Zeugen auf⸗ nehmen laſſen; oder auch von zwei Kriegscommiſſaren, oder von einem ſolchen Commiſſare in Gegenwart zweier Zeugen. 982. Auch koͤnnen jene Teſtamente, wenn der Teſta⸗ tor krank oder verwundet iſt, von dem erſten Geſundheits⸗ beamten in Beiſeyn des Militair⸗Commandanten, der die Polizei des Spitals hat, aufgenommen werden 983. Obige Verfuͤgungen gelten aber nur fuͤr dieje⸗ nigen, die in einer militairiſchen Unternehmung, in Quar⸗ tier, oder in Beſatzung auſſerhalb des franzoͤſiſchen Gebie⸗ tes, oder Kriegsgefangene beim Feinde ſind; wer hinge⸗ gen in Quartier oder Beſatzung im Innern iſt, kann dar⸗ aus keinen Vortheil ziehen, es ſey denn, daß er ſich in einem belagerten Platze befände, oder in einer Citadelle oder andern Orten, deren Thore geſchloſſen, und deren Verbindungen des Krieges wegen unterbrochen ſind. 984. Teſtamente, nach der obigen Form gemacht, ſind ſechs Monate, nachdem der Teſtator an einen Ort zuruͤckgekommen iſt, wo er die Freiheit hat, die gewoͤhnli⸗ chen Formen zu beobachten, nichtig. 985. In Orten, mit welchen alle Verbindung unter⸗ brochen iſt, weil darin die Peſt oder ſonſt eine anſteckende Krankheit herrſcht, koͤnnen die Teſtamente vor dem Frie⸗ densrichter, oder vor einem der Municipalbeamten der Gemeinde, in Gegenwart zweier Zeugen gemacht werden. 986. Dieſe Verfuͤgung gilt nicht allein fuͤr Perſonen, die wirklich von jenen Krankheiten angeſteckt ſind; ſondern auch fuͤr alle, die ſich in den damit angeſteckten Orten be⸗ 1 wenn ſie auch wirklich die Krankheit noch nicht aben. 987. Auch die in den zwei vorſtehenden Artikeln ge⸗ dachten Teſtamente werden ſechs Monate, nachdem die Verbindung mit dem Orte, worin ſich der Teſtator befin⸗ det, wieder hergeſtellt iſt, oder ſechs Monate, nachdem er an einen Ort gekommen, wo ſie nicht unterbrochen iſt, nichtig. 15 „ h „——— S — 226— 988. Teſtamente koͤnnen zur See, und im Laufe einer Seereiſe, aufgenommen werden, wie folgt: Auf Kriegs⸗ und andern Schiffen des Staats, durch den Offizier, der das Schiff befehligt, oder in deſſen Er⸗ mangelung, durch den, der ihn in der Dienſtordnung ver⸗ tritt, durch einen oder den andern aber nur in Beiſeyn des Verwaltungsbeamten, oder desjenigen, der ſein Amt verſieht; und auf den Handelsſchiffen, durch den Schiffsſchrei⸗ ber oder den, der ſein Amt verſieht, durch einen oder den andern aber wieder nur in Vereinigung mit dem Capitain, Herrn oder Patron des Schiffes, oder, in deren Erman⸗ gelung, durch die, welche ſie vertreten. In allen Faͤllen muͤſſen dergleichen Teſtamente in Ge⸗ genwart zweier Zeugen aufgenommen werden. 989. Will auf einem Staatsſchiffe der Capitain oder Verwaltungsbeamte ſelbſt, oder auf Handelsſchiffen der Capitain, Herr oder Patron, oder der Schreiber letztwil⸗ lig verfuͤgen: ſo kann das Teſtament derjenige aufnehmen, der in der Dienſtordnung auf ſie folgt; wobei er ſich aber uͤbrigens nach den Vorſchriften des vorhergehenden Arti⸗ kels zu richten hat. 990. In allen Faͤllen wird von den Teſtamenten, deren die beiden vorhergehenden Artikel erwähnen, eine doppelte Urſchrift gefertigt. 991. Wenn das Schiff in einen auslaͤndiſchen Hafen einlaͤuft, worin ſich ein franzoſiſcher Conſul befindet: ſo ſind diejenigen, die das Teſtament aufgenommen haben, gehalten, eins von den Originalien verſchloſſen und ver⸗ ſiegelt bei dem Conſul niederzulegen. Letzterer läßt es ſo⸗ dann an den Miniſter des Seeweſens gelangen, und dieſer ſorgt dafuͤr, daß es hinterlegt werde in der Gerichtsſchrei⸗ berei des Friedensgerichts an dem Orte, wo der Teſtator wohnhaft iſt. 992. Sobald das Schiff nach Frankreich zuruͤckkommt, es laufe nun in den Ausruͤſtungshafen, oder in einen an⸗ dern Hafen ein: ſo erhaͤlt der Vorgeſetzte der Seeeinſchrei⸗ bungen die beiden Urſchriften des Teſtaments, ebenfalls ver⸗ ſchloſſen und verſiegelt, oder die eine Urſchrift, die noch uͤbrig iſt, falls nach Vorſchrift des vorhergehenden Artikels, die andere im Laufe der Reiſe irgendwo niedergelegt worden wäre. Der gedachte Vorgeſetzte laͤßt ſie an den Seemini⸗ ſter gelangen, und dieſer befiehlt die Hinterlegung derſel⸗ ben nach Anleitung des namlichen Artikels. 993. Auf dem Rande des Schiffsregiſters wird der Name des Teſtators, und der Umſtand, daß die Urſchrif⸗ ten des Teſtaments entweder bei einem Conſul, oder im Bureau eines Vorgeſetzten der Seeeinſchreibungen hinter⸗ legt worden ſind, bemerkt. 994. Ungeachtet ein Teſtament wirklich waͤhrend einer Seereiſe gemacht worden, wird es doch nicht als ein zur See gemachtes Teſtament betrachtet, wenn zur Zeit, wo es gemacht ward, das Schiff gelandet hatte, es ſey nun an fremdes Land oder an Land, das franzoſiſcher Herr⸗ ſchaft unterworfen iſt, und wo ſich ein franzoͤſiſcher oͤffent⸗ licher Beamter befindet: in einem ſolchen Falle iſt es nur in ſo weit guͤltig, als es nach den in Frankreich vorge⸗ ſchriebenen Formen, oder nach jenen Formen, die in dem Lande uͤblich ſind, worin es aufgeſetzt, verfertigt worden. 995. Obige Verfuͤgungen ſind auch auf die Teſtamen⸗ te der bloßen Reiſenden, die nicht zur Schiffsmannſchaft gehoͤren, anwendbar. 996. Teſtamente, die zur See ünd der im Art. 988 vorgeſchriebenen Form gemaͤß aufgeſetzt worden, ſind nur in ſo weit guͤltig, als der Teſtator auf der See oder in den erſten drei Monaten ſtirbt, nachdem er gelandet und an einen Ort gekommen iſt, wo er ſein Teſtament nach der gewoͤhnlichen Form von neuem machen konnte. 907. Solche Teſtamente duͤrfen keine Verfuͤgung zu Gunſten der Schiffsoffiziere enthalten, es ſey denn, daß ſie mit dem Teſtator verwandt wären. 998. Die in den obigen Artikeln des gegenwaͤrtigen Abſchnitts begriffenen Teſtamente muͤſſen von dem Teſtator ſelbſt, und von denjenigen unterzeichnet werden, die ſie aufgenommen haben. — Erklaͤrt der Teſtator, daß er nicht ſchreiben koͤnne oder es nicht gelernt habe: ſo wird dieſe Erklaͤrung ſowohl, als die Urſache, die ihn zu unterzeichnen hindert, bemerkt. 15* — 228— So oft die Gegenwart zweier Zeugen erfodert iſt, wird das Teſtament von einem derſelben wenigſtens un⸗ terzeichnet, und die Urſache bemerkt, warum der andere nicht unterzeichnet habe. 999. Ein Franzoſe, der ſich im Auslande befindet, kann ſeine letztwilligen Verfuͤgungen auf zweifache Art ma⸗ chen: entweder in einer Privatacte, nach Anleitung und Vorſchrift des Art. 970, oder in einer authentiſchen, oͤf⸗ fentlichen Acte, mit Beobachtung der Feierlichkeiten, die in dem Lande uͤblich ſind, wo ſie angefertigt wird. 1000. Leſtamente, im Auslande gemacht, koͤnnen in Guͤtern, welche ſich in Frankreich befinden, nicht vollzogen werden, als nachdem ſie vorher im Bureau des Wohnorts des Teſtators einregiſtrirt worden, ſofern er fortwährend ſeinen Wohnort daſelbſt gehabt, wo nicht, im Bureau des Ortes in Frankreich, wo er bekanntlich zuletzt wohnhaft war. Und, wenn das Teſtament Verfuͤgungen enthaͤlt über unbewegliche Guͤter, die in Frankreich liegen: ſo muß es noch uͤberdies im Bureau des Orts, wo die unbeweg⸗ lichen Guͤter liegen, einregiſtrirt werden, ohne daß aber darum eine doppelte Gebuͤhr gefodert werden duͤrfte. 1001. Alle Feierlichkeiten, welche der gegenwaͤrtige und der unmittelbar vor ihm hergehende Abſchnitt bei den verſchiedenen Arten der Teſtamente vorſchreibt, muͤſſen un⸗ ter Strafe der Nichtigkeit beobachtet werden. Dritter Abſſchnitt.⸗ Von der Erbeseinſetzung und den Vermächtniſſen überhaupt. Art. 1002. Alle letztwilligen Verfuͤgungen ſind entwe⸗ der allgemeine Verfuͤgungen(univerſal), oder Verfuͤ⸗ gungen unter einem allgem einen Namen, oder Verfuͤ⸗ gungen unter einem beſondern Namen. Jede ſolcher Verfuͤgungen, ſie führe nun den Namen einer Erbeseinſetzung, oder eines Vermächtniſſes, iſt nach den Regeln, die hier unten fuͤr die allgemeinen Vermaͤcht⸗ niſſe, fuͤr die Vermächtniſſe unter allgemeinem Namen, — 229— und fuͤr die beſondern Vermächtniſſe*) feſtgeſetzt werden, kraͤftig und wirkſam. Bie Von dem allgemeinen Vermächtniſſe. Art. 1003. Das allgemeine Vermaͤchtniß iſt eine letzt⸗ willige Verfuͤgung, wodurch der Teſtator einer oder meh⸗ reren Perſonen die Geſammtheit des Vermoͤgens gibt, das er bei ſeinem Tode hinterlaſſen wird. 1004. Sind beim Abſterben des Teſtators Erben vorhanden, fuͤr welche das Geſetz einen gewiſſen Theil ſeiner Guͤter vorbehaͤlt: ſo geht der Nachlaß auf ſolche Erben von Rechtswegen ohne weiteres uͤber, und der all⸗ gemeine Legatar iſt verbunden, die Auslieferung der im letzten Willen enthaltenen Guͤter von ihnen zu fodern. 1005. Jedoch hat, in den naͤmlichen Faͤllen, der all⸗ gemeine Legatar den Genuß der im Teſtament begriffenen *) Wenn ſich nur der Teſtator nach den vorgeſchriebenen Formen richtet: ſo hat er, was den Namen ſeiner Ver⸗ fuͤgungen angeht, vollkommene Freiheit. Er kann den Namen Erbeseinſetzung oder Vermächtniß brau⸗ chen, er mag auch keinen von beiben brauchen; genug iſt wenn er deutlich zu erkennen gegeben hat, was der Menſch bekommen ſoll, zu deſſen Gunſten er verfuͤgte. Ob er ihn dabei Erbe oder Legatar nenne, ob er ſich des Ausdruckes bediene: ich ſetze ihn zum Erben eines Drittels u ſ. w ein, oder ich vermache ihm ein Drit⸗ tel u ſ. w. ich ſetze ihn zum Erben dieſes oder jenes Gegen⸗ ſtandes ein, oder, ich vermache ihm dieſen oder jenen Ge⸗ genſtand, dies alles iſt dem Geſetze, das bloß den Willen des Teſtators in Betracht zieht, ebenfalls vollig gleichgültig. Das Geſetz kann indeſſen alle die verſchiedenen Na⸗ men, die eine letztwillige Verfügung, oder derjenige, den ſie zum Gegenſtand hat, haben kann, nicht immer wie⸗ derholen; und es bedient ſich daher in der Folge gewoͤhn⸗ lich des Ausdruckes: allgemeines Vermächtniß, wenn die Verfügungen allgemein ſindz es bedient ſich des Ausdrnckes: Vermächtniß unter allgemeinem Namen, wenn von der Verfügung über eine gewiſſe Quote oder über eine gewiſſe Art des Vermogens die Rede iſt; des Ausdruckes: beſonderes Vermächtniß endlich, wenn die Verfuͤgung einen beſondern beſtimmten Gegenſtand betrifft. und eben ſo mir den Benennungen der Perſonen, zu deren Gunſten verfuͤgt wird. —————— — 230— Guͤter, und zwar ſchon vom Tage des Todes angerech⸗ net, wenn er die Auslieferung in dem Jahr nach jenem Tode gefodert hat. Fodert er ſie hingegen in dieſer Zeit nicht: ſo faͤngt jener Genuß erſt von dem Tage an, wo er ſie gerichtlich fodert, oder von dem Tage, wo man ihm die Auslieferung freiwillig zugeſtanden hat. 1006. Sind hingegen beim Tode des Teſtators keine Erben vorhanden, fuͤr die das Geſetz einen gewiſſen Theil ſeines Vermoͤgens vorbehaͤlt: ſo geht es durch den Tod von ſelbſt und ohne weiteres auf den allgemeinen Legatar uͤber, der ſodann die Auslieferung nicht zu fodern braucht. 1007. Ein ſelbſtgeſchriebenes oder holographiſches Teſtament muß, ehe es in Vollzug geſetzt werden kann, dem Praͤſidenten des Gerichts erſter Inſtanz in dem Be⸗ zirk, wo die Erbfolge eroffnet iſt, uͤberreicht werden. Wenn ein ſolches Teſtament verſiegelt iſt, ſo wird es eroͤffnet⸗ Der Praͤſident fertigt uͤber die Ueberreichung, die Eroff⸗ nung und den Zuſtand, worin ſich das Teſtament befindet, ein Protokoll an, und befiehlt weiter, daß es hinterlegt werden ſolle bei dem Notar, den er dazu verordnet. Iſt das Teſtament ein heimliches oder myſtiſches: ſo geſchieht die Ueberreichung, Eroͤffnung, Beſchreibung und Hinterlegung auf die naͤmliche Art; die Eroͤffnung darf jedoch nicht geſchehen, als in Beiſeyn jener Notare und Zeugen, welche die Ueberſchreibungsacte unterzeichnet ha⸗ bem, in ſo fern ſie ſich an Ort und Stelle befinden, oder vorher gehoͤrig beſchieden worden ſind 1008. Wenn in dem Falle des Art. 1006 das Te⸗ ſtament ein ſelbſtgeſchriebenes oder heimliches iſt: ſo muß ſich der allgemeine Legatar in den Beſitz weiſen laſſen, und zwar durch einen Befehl des Präſidenten, den er un⸗ ten auf die desfalls uberreichte Bittſchrift ſetzt. Dieſer Bittſchrift wird die Hinterlegungsacte beigefuͤgt. 1009. Der allgemeine Legatar, der zur Erbſchaft gelangt, nicht allein, ſondern mit einem Erben, fuͤr den das Geſetz einen gewiſſen Guͤtertheil vorbehält, haftet fuͤr die Schulden und Laſten, womit der Nachlaß des Teſta⸗ tors beſchwert iſt, perſoͤnlich fuͤr ſeinen Antheil, und hy⸗ pothekariſch fuͤr das Ganze. Auch muß er alle Vermaͤchtniſſe entrichten oder abtragen, den Fall der Herabſetzung aus⸗ genommen, wie in den Art. 926 und 927 erklaͤrt worden. — 231— Fönften Abſchnitt. Von Vermächtniſſen unter allgemeinem Namen. Art. 1010. Vermächtniß unter allgemeinem Namen nennt man eine Verfuͤgung, wodurch der Teſtator eine Quote des Vermoͤgens vermacht, woruͤber ihm das Geſetz zu verfuͤgen erlaubt, wie zum Beiſpiel eine Haͤlfte, ein Drittel, oder alle ſeine unbeweglichen Guͤter, oder ſeine ganze bewegliche Habe, oder einen gewiſſen Theil ſeines ganzen unbeweglichen oder ſeines ganzen beweglichen Ver⸗ moͤgens. Jedes andere Vermaͤchtniß iſt nur eine Verfuͤgung unter beſonderm Namen. 1011. Legatare unter allgemeinem Namen muͤſſen die Auslieferung von folgenden Perſonen fodern: von den Er⸗ ben, fuͤr die das Geſetz einen beſtimmten Guͤtertheil vor⸗ behält; wenn keine ſolche vorhanden ſind, von den allge⸗ meinen Legataren; und wenn auch keine ſolche vorhanden ſind, von jenen Erben, welche nach der, unter dem Titel von der Erbfolge feſtgeſetzten Ordnung zur Erbfolge gelangen. 1012. Der Legatar unter allgemeinem Namen haftet, wie der allgemeine Legatar, fuͤr die Schulden und Laſten, womit der Nachlaß des Teſtators beſchwert iſt, perſoͤnlich fuͤr ſeinen Theil und hypothekariſch fuͤr's Ganze. 1013. Wenn der Teſtator nur uͤber einen gewiſſen Belauf des verfuͤglichen Theils, und zwar unter allgemei⸗ nem Namen, verfuͤgt hat: ſo muß ein ſolcher Legatar die beſondern Vermaͤchtniſſe mit den natuͤrlichen Erben zugleich abtragen, naͤmlich nach Verhaͤltniß ſeines Theils. Sech ſter Abſchnitt. Von beſondern Vermächtniſſen. Art. 1014. Jedes rein und ohne Bedingung zugedach⸗ te Vermaͤchtniß gibt dem Legatar ein Recht auf die ver⸗ machte Sache, vom Tage an, wo der Teſtator ſtirbt; und dieſes Recht geht auf ſeine Erben, oder die, welche in ſein Recht treten, uͤber. Jedoch kann ſich der beſondere Legatar weder in Be⸗ ſitz der vermachten Sache ſetzen, noch die Fruͤchte oder K ——————— h — 232— Zinſen davon in Anſpruch nehmen, als von dem Tage an⸗ gerechnet, wo er die Auslieferung, gemäß der im Artikel 1011 vorgeſchriebenen Ordnung, verlangt hat, oder auch von dem Tage an gerechnet, wo ihm jene Auslieferung freiwillig zugeſtanden worden. 1015. Die Zinſen oder Fruͤchte der vermachten Sache laufen hingegen zum Vortheil des Legatars, ſchon vom Tage des Todes an, und ungeachtet er ſein Geſuch nicht vor Gericht gebracht, in folgenden Faͤllen: 1) wenn der Teſtator desfalls ſeinen Willen aus⸗ druͤcklich im Teſtament erklaͤrt hat; 2) wenn eine Leibrente oder Penſton unter dem Na⸗ men eines Nahrungsgehalts(der Alimente) ver⸗ macht worden. 1016. Die Koſten des Geſuchs um Auslieferung(der Vermaͤchtniſſe) fallen der Erbſchaft zur Laſt; jedoch darf dadurch der geſetzliche Vorbehalt nicht geſchmälert werden. Die Einregiſtrirungsgebuͤhren muß der Legatar ent⸗ richten. Alles dies aber nur in der Vorausſetzung, daß der Ceſtator nicht anders verordnet habe. Jedes Vermaͤchtniß kann beſonders einregiſtrirt werden. Eine ſolche Einregiſtrirung kann aber nur dem Legatar nuͤtzen, ſo wie denen, die in ſein Recht treten, und nie einem andern. 1017. Die Erben des Teſtators, oder ſonſt jeder, der ein Vermächtniß ſchuldig iſt, ſind perſoͤnlich gehalten, daſſelbe zu entrichten, jeder nach Verhaͤltniß deſſen, was er aus dem Nachlaſſe zieht. Sie haften hypothekariſch für's Ganze, bis zum Be⸗ trag des Werthes der unbeweglichen Guͤter, welche ſich in der Erbſchaft befinden, und in deren Beſitz ſie ſind. 1018. Die vermachte Sache wird ausgeliefert mit dem, was nothwendig dazu gehoͤrt, und in dem Zuſtande, worin ſie ſich am Tage, wo der Teſtator ſtirbt, befindet. 1019. Wenn jemand das Eigenthum eines unbeweg⸗ lichen Guts vermacht, und es nachher mit neuem Erwerb vermehrt hat; ſo wird ohne eine neue Verfuͤgung, nicht — 233— dafuͤr gehalten, daß dieſer Erwerb, wenn er auch dicht anläge, mit zum Vermächtniß gehoͤre. Anders aber verhalt es ſich mit Verſchönerungen oder neuen Erbauungen, welche der Teſtator etwa auf dem vermachten Grunde veranſtaltet, oder mit einer Einſchlie— ßung, womit er den Umfang deſſelben vergroͤßert hat. 1020. Wenn, vor oder nach aufgerichtetem Teſta⸗ ment, die vermachte Sache fuͤr eine Schuld der Erbſchaft, oder auch ſelbſt fuͤr die Schuld eines dritten, mit Hypo⸗ theke beſtricket, oder mit einem Nießbrauch iſt belaſtet wor⸗ den: ſo iſt derjenige, der ein ſolches Vermaͤchtniß zu ent⸗ richten hat, nicht verbunden, es davon frei zu machen, es ſey denn, daß der Teſtator ihn dazu durch eine aus⸗ druͤckliche Verfuͤgung angehalten habe. 1021. Hat der Teſtator die Sache eines Dritten ver⸗ macht: ſo iſt das Vermächtniß nichtig, der Teſtator mag nun gewußt haben, daß ſie ihm nicht zugehoͤrte, oder nicht. 1022. Beſteht das Vermächtniß in einer unbeſtimm⸗ ten Sache: ſo braucht der Erbe ſie nicht von der beſten Art zu leiſten, und er kann ſie nicht anbieten, in der ſchlechteſten Art. 1023. Wenn der Teſtator ſeinem Glaͤubiger etwas zugedacht hat: ſo wird nicht vermuthet, daß die Meinung geweſen ſey, die Schuld ſolle gegen das Vermaͤchtniß auf⸗ gehen. Eben ſo wenig wird vermuthet, wenn einem Haus⸗ bedienten etwas vermacht worden, daß ihm das Vermaͤcht⸗ niß auf ſeinen Lohn anzurechnen ſey. 1024. Der Legatar fuͤr eine beſondere Sache hat nichts von den Schulden des Nachlaſſes zu entrichten. Jedoch kann das Vermaͤchtniß herabgeſetzt oder reducirt werden, nach den oben angefuͤhrten Regeln; auch bleibt den Gläubigern ihr Pfandrecht gegen daſſelbe offen. Siebenter Abſchnitt. Von den Teſtamentscrekutoren*). Art. 1025. Der Teſtator kann einen oder mehrere Teſtamentserekutoren ernennen. *) So heißen diejenigen Perſonen, denen der Teſtalor auf⸗ getragen hat, nach ſeinem Tode ſeinen letzten Willen in Vollzug zu ſetzen. 6 1— 2 6 EP P„„ — 234— 1026. Er kann verordnen, daß ſie ſeine ganze be⸗ wegliche Habe, oder einen Theil davon in Beſitz nehmen ſollen. Dieſer Beſitz kann aber nicht uͤber ein Jahr waͤh⸗ ren, von ſeinem Tode an gerechnet. Hat er ihn ihnen nicht gegeben, ſo koͤnnen ſie ihn auch nicht fodern. 1027. Der Erbe kann dem Beſitze des Teſtaments⸗ exekutors dadurch ein Ende machen, daß er ſich erbietet ihm eine Summe zu uͤberzahlen, welche fuͤr die Zahlung der beweglichen Vermaͤchtniſſe hinreicht, oder dadurch, daß er dieſe Zahl wirklich beweiſet. 1028. Wer keine Verbindlichkeit uͤbernehmen kann, iſt auch unfaͤhig Teſtamentserekutor zu werden. 1029. Verheirathete Weiber koͤnnen den Auftrag, ein Teſtament zu vollziehen, nicht anders annehmen, als mit Bewilligung ihrer Gatten. Iſt die Guͤtergemeinſchaft mit ihrem Manne entweder durch einen Ehecontrakt, oder durch ein Urtheil getrennt, ſo kann eine verheirathete Frau mit Bewilligung ihres Mannes die Vollziehung eines Teſtaments uͤbernehmen, oder, wenn er ſie verweigert, mit gerichtlicher Ermäch⸗ tigung, nach Vorſchrift der Art. 217 und 219 unter dem Titel von der Ehe. 1030. Minderjaͤhrige koͤnnen nicht Teſtamentsexeku⸗ toren werden, ſelbſt nicht in Erinaͤchtigung ihres Vormun⸗ des oder Curators. 1031. Den Teſtamentsexekutoren liegt es ob, die Siegel anlegen zu laſſen, wenn unter den Erben Minder⸗ jährige, Unterſagte oder Abweſende ſind. Sie haben dafuͤr zu ſorgen, daß der Nachlaß inven⸗ tariſirt werde, und der vermuthliche Erbe bei der Inven⸗ tur gegenwaͤrtig, oder dazu gehoͤrig beſchieden ſey. In dem Falle, wo nicht Baarſchaft genng vorhanden iſt, um die Vermachtniſſe zu entrichten, muͤßen ſie den Verkauf des beweglichen Nachlaſſes nachſuchen. Sie haben darauf zu ſehen, daß das Teſtament voll⸗ zogen werde; und ſie koͤnnen, falls uͤber deſſen Vollzug Streit entſteht, mit auftreten, um ſeine Guͤltigkeit zu be⸗ haupten. — 235— Sie muͤſſen Rechenſchaft uͤber ihre Verwaltung able⸗ gen, ſobald das Jahr nach dem Tode des Teſtators ver⸗ floſſen iſt. 1032. Der Auftrag, den ein Teſtamentsexekutor be⸗ kommen hat, und die daraus folgende Gewalt, gehen nicht auf ſeine Erben uͤber. 1033. Wenn mehrere Teſtamentsexekutoren vorhan⸗ den ſind, welche ihren Auftrag angenommen haben: ſo kann ein einziger von ihnen in Ermangelung der übrigen handeln, und ſie ſind ungetheilt verantwortlich fuͤr das ihnen anvertraute bewegliche Vermoͤgen, es ſey denn, daß der Erblaſſer jedem ſeine beſondern Verrichtungen ange⸗ wieſen, und jeder von ihnen ſich auf den ihm angewieſe⸗ nen Geſchaͤftskreis eingeſchraͤnkt habe. 1034. Was die Koſten betrifft, welche der Teſta⸗ mentserekutor fuͤr Anlegung der Siegel, fuͤr die Inventur, die Rechnungsablage verwendet, ſo wie alle ſonſtige in Hinſicht ſeiner Verrichtungen gemachten Auslagen: ſo fal⸗ len ſie der Verlaſſenſchaft zur Laſt. Achter Abſchnitt. Von Widerrufung der Teſtamente und den Urſachen, wodurch ſie zerfallen, Art. 1035. Teſtamente koͤnnen, ganz oder zum Theil, widerrufen werden, aber nur auf zweierlei Art, nämlich durch ein nachheriges Teſtament, oder durch eine von ei⸗ nem Notar aufgenommene Erklaͤrung, welche die Willens⸗ aͤnderung enthält. 1036. Spätere Teſtamente, welche ein fruͤheres Te⸗ ſtament nicht ganz ausdruͤcklich widerrufen, ſtoßen dieſes fruͤhere Teſtament nicht ganz um; ſondern ſie ſtoßen darin nur ſolche Verfuͤgungen um, welche mit den ſpatern Ver⸗ fuͤgungen unvereinbar ſind, oder ihnen widerſprechen. 1037. Eine in einem nachherigen Teſtamente geſche⸗ hene Widerrufung hat ihre voͤllige Wirkung, obſchon eine ſolche neue Verfuͤgung uͤbrigens dadurch unvollzogen bleibt, daß der eingeſetzte Erbe oder Legatar unfaͤhig iſt, oder die Erbſchaft anzunehmen verweigert. — 236— 1038. Wenn der Teſtator die vermachte Sache ganz oder zum Theil auf irgend eine Art veraͤußert, und wenn auch die Veraͤußerung darin beſtaͤnde, daß er ſie unter der Bedingung des Ruͤckkaufs verkaufte, oder daß er ſie vertauſchte: ſo folgt daraus Widerrufung des Vermächt⸗ niſſes, in ſo weit ſie veraußert worden iſt; und dieſe Wi⸗ derrufung bleibt beſtehen, ungeachtet die nachherige Ver⸗ äußerung nichtig, und der Gegenſtand ſich wieder in den Haͤnden des Teſtators befindet. 1039. Alle letztwilligen Verfuͤgungen zerfallen, wenn der, zu deſſen Gunſten ſie errichtet ſind, den Teſtator nicht uͤberlebt hat. 1040. Wenn der letztwilligen Verfuͤgung eine Be⸗ dingung beigefuͤgt iſt, die von einem ungewiſſen Ereigniſſe abhängt, und zwar ſo, daß, nach der Meinung des Te⸗ ſtators, ſeine Verfuͤgung nur in ſo weit ſolle vollzogen werden, als ſich das Ereigniß begeben wird: ſo zerfällt dieſelbe dadurch, daß der eingeſetzte Erbe oder Legatar vor Erfuͤllung der Bedingung ſtirbt. 1041. Iſt aber die Bedingung der Art, daß ſie, der Meinung des Teſtators nach, den Vollzug der Ver⸗ fuͤgung blos aufſchieben ſoll: ſo hat ungeachtet derſelben, der eingeſetzte Erbe oder Legatar ein erworbenes Recht, das auf ſeine Erben uͤbergeht. 1042. Das Vermächtniß zerfaͤllt, wenn die vermach⸗ te Sache bei Lebzeiten des Teſtators zu Grunde gegan⸗ gen iſt. Auch zerfaͤllt es, wenn ſie nach des Teſtators Tode, ohne Zuthun und Verſchulden des Erben zu Grunde ge⸗ gangen iſt. Es zerfallt in dieſem Falle, obſchon der Erbe vielleicht in Verzug war, die vermachte Sache auszulie⸗ ſern, vorausgeſetzt jedoch, daß ſie auch zu Grunde ge⸗ hangen wäre, wenn ſie auch der Legatar im Beſitz gehabt hätte. 1043. Die letztwillige Verfuͤgung zerfaͤllt, wenn der eingeſetzte Erbe oder der Legatar ſie ablehnt, oder, wenn er unfähig iſt, ſie ſich zu Nutze zu machen. 1044. In dem Falle, wo etwas mehreren Perſonen gemeinſchaftlich vermacht iſt, waͤchſt der Theil des erman⸗ gelnden Legatars den uͤhrigen Legataren zu. —— —————————————————— Eine Sache iſt dann mehreren gemeinſchaftlich ver⸗ macht, wenn ſie in einer und der nämlichen Verfuͤgung vermacht iſt, und der Teſtator nicht jedem Mitlegatar ſeinen Theil an der vermachten Sache angewieſen hat. 1045. Auch dann wird ein Vermaͤchtniß fuͤr gemein⸗ ſchaftlich angeſehen, wenn eine Sache, welche ohne Ver⸗ ſchlimmerung nicht getheilt werden kann, in dem naͤmli⸗ chen Acte mehreren Perſonen, ſelbſt trennungsweiſe gege⸗ ben worden. 1046. Die naͤmlichen Urſachen, welche, gemaͤß dem Art. 954 und den zwei erſten Verfuͤgungen des Art. 955 unter gegenwaͤrtigem Titel, die Klage um Widerruf der Schenkungen unter Lebenden begruͤnden, ſind auch bei der — um Widerrufung letztwilliger Verfuͤgungen zu⸗ g. 1047. Gruͤndet ſich dieſe Klage auf eine dem Anden⸗ ken des Teſtators zugefuͤgte grobe Unbilde: ſo muß ſie in dem Jahre, von dem Tage des Verbrechens an gerech⸗ net, angehoben werden. Von jenen Verfuͤgungen, welche dem Geſchenk⸗ geber oder Teſtator zu Gunſten ſeiner En⸗ kel oder der Kinder ſeiner Geſchwiſter erlaubt ſind. Art. 1048. Es iſt den Eltern erlaubt, das Vermoͤ⸗ gen, woruͤber ſie frei verfuͤgen koͤnnen, entweder ganz oder theilweiſe einem oder mehreren ihrer Kinder unter der Bedingung zu ſchenken, daß ſie es den wirklich gebor⸗ nen oder noch zu hoffenden Kindern uͤberliefern ſollen. Eine ſolche Verfuͤgung kann unter Lebenden oder letztwil⸗ lig geſchehen. Sie kann aber nur geſchehen zu Gunſten der Kinder im erſten Grade des Geſchenknehmers. 1049. Auch iſt in dem Fall, wenn der Verfuͤgende ohne Kinder ſtirbt, die Verfuͤgung guͤltig, wodurch er ver⸗ ordnet, daß ein oder mehrere ſeiner Geſchwiſter ſein Ver⸗ moͤgen, welches das Geſetz gewiſſen Erben nicht vorbehält, 3 — — 236— ganz oder zum Theil haben ſollen, unter der Bedingung, es ihren wirklich vorhandenen oder noch zu hoffenden Kin⸗ dern zu uͤberliefern. Eine ſolche Verfuͤgung kann wieder geſchehen unter Lebenden oder letztwillig, und nur zu Gun⸗ ſten der Kinder der bedachten Geſchwiſter im erſten Grade. 1050. Die in den beiden vorhergehenden Artikeln erlaubten Verfuͤgungen ſind nur in ſo weit guͤltig, als die Bedingung oder Laſt der Ueberlieferung beigefuͤgt iſt zu Gunſten aller vorhandenen oder zu hoffenden Kinder des Belaͤſtigten, ohne Ausnahme oder irgend einen Vorzug des Alters oder Geſchlechts. 1051. Wenn nun in obigen Fällen derjenige, der mit einer ſolchen Ueberlieferung belaſtet iſt, ſtirbt, und bei ſeinem Tode Kinder im erſten Grade und zugleich Abkoͤmm⸗ linge eines fruͤher geſtorbenen Kindes hinterläßt: ſo ver⸗ treten dieſe Abkoͤmmlinge das vorgeſtorbene Kind, und er⸗ ben mithin den Theil, den daſſelbe geerbt haben würde. 1052. Wenn ein Kind, ein Bruder oder eine Schwe⸗ ſter bereits unter Lebenden eine Schenkung erhalten haben, und zwar ohne Vorbehalt der Ueberlieferung, und dieſe Perſonen nachher eine neue Freigebigkeit unter Lebenden oder des Todes wegen annehmen, welcher die Bedingung beigefuͤgt iſt, daß die vorher geſchenkten Guͤter mit der Laſt der Wiederuͤberlieferung beſchwert ſeyn ſollen: ſo ſteht es ihnen nicht mehr frei, die beiden zu ihrem Vortheil ge⸗ machten Verfuͤgungen zu theilen, und auf die zweite zu verzichten, um ſich an der erſten zu halten; ſelbſt dann nicht, wenn ſie ſich auch erboͤten, die in der zweiten Ver⸗ fuͤgung begriffenen Guͤter zuruͤckzugeben. 1053. Sobald das Kind oder Geſchwiſter, dem die Zuruͤckgabe obliegt, aufhoͤrt, im Genuſſe zu ſeyn, es ge⸗ ſchehe dies, aus welcher Urſache es wolle; eroͤffnet ſich auch das Recht derjenigen, zu deren Vortheil die Ueber⸗ lieferung befohlen iſt. Den Glaͤubigern des Beſchwerten koͤnnte es indeſſen nicht zum Nachtheil gereichen, wenn er zum Nutzen der Beguͤnſtigten den Genuß fruͤher abträte, vorausgeſetzt uͤbrigens, daß ihre Foderung älter als die Abtretung ware. 1054. Die Frau eines mit Ueberlieferung Beſchwerten hat für den Fall, daß ſein freies Vermögen nicht hinreicht, — 239— anders keinen aushilfsweiſen Anſpruch auf die Guͤter, wel⸗ che mit derſelben belaſtet ſind, als fuͤr das Capital der Brautſchatzgelder; und auch dies nur dann, wenn der Verfuͤgende es ausdruͤcklich verordnet hat. 1055. Wer auf die in den vorhergehenden Artikeln beſchriebene und erlaubte Art verfuͤgt, kann zugleich einen Vormund ernennen, dem er den Vollzug ſeiner Verfuͤgun⸗ gen uͤbertraͤgt. Er kann dies in der nämlichen Acte, wo⸗ rin er verfuͤgt, oder auch in einer nachherigen authenti⸗ ſchen Acte thun; und ein ſolcher Vormund kann von ſei⸗ nem Auftrage nicht losgeſagt werden, er habe denn eine von jenen Entſchuldigungen, welche im ſechſten Abſchnitte des zweiten Capitels unter dem Titel von der Minder⸗ jährigkeit, der Vormundſchaft und der Eman⸗ cipation vorkommen. 1056. Hat der Verfuͤgende ſelbſt keinen Vprmund ernannt: ſo hat der Beſchwerte, oder deſſen Vormhnd die Ernennung zu beſorgen, in ſo weit er minderjaͤhrig iſt; und zwar muß er ſie beſorgen in Monatsfriſt, vom Tage an gerechnet, wo der Schenker oder Teſtator geſtorben, oder von dem Tage an, wo nach deſſen Tode die Urkun⸗ de bekannt geworden iſt, welche die Verfuͤgung enthält. 1057. Wenn der Beſchwerte dem vorhergehenden Ar⸗ tikel kein Genüge leiſtet, ſo verliert er den Vortheil der Verfügung, und in dieſem Falle kann erklaͤrt werden, daß das Recht eroͤffnet ſey fuͤr diejenigen, zu deren Gunſten die Ueberlieferung verordnet iſt. Die Erklärung können die letztern ſelbſt nachſuchen, wenn ſie großjährig ſind, ihr Vormund oder Curator, wenn ſie minderjaͤhrig oder un⸗ terſagt ſind, jeder Verwandte der Beguͤnſtigten, ſie ſeyen nun großjährig, minderjährig oder unterſagt, oder auch ſogar von Amtswegen der Staats⸗Prokurator bei dem Gericht erſter Inſtanz des Ortes, wo das Erbrecht eroͤff⸗ net worden. 1058. Nach dem Tode desjenigen, der mit Vorbehalt der Ueberlieferung verfuͤgt hat, wird ſein ganzer Nachlaß in den gewöhnlichen Formen verzeichnet oder inventariſirt, den Fall ausgenommen, wo es bloß auf ein beſonderes Vermächtniß ankäme. Das Inventarium oder Verzeichniß enthält die Abſchätzung der beweglichen Guͤter und Effec⸗ ten nach ihrem wahren Werthe. 1059. Es wird auf Anſuchen des mit Ueberlieferung Beſchwerten errichtet, und zwar in der unter dem Titel von der Erbfolge beſtimmten Friſt, in Gegenwart des fuͤr den Vollzug ernannten Vormundes. Die Koſten werden aus dem Vermoͤgen, das in der Verfuͤgung begrif⸗ fen iſt, genommen. 1060. Iſt die Verzeichnung auf Anſuchen des Be⸗ ſchwerten nicht in der vorerwähnten Friſt geſchehen: ſo hat der für den Vollzug ernannte Vormund dafuͤr zu ſor⸗ en, daß ſie in dem darauf folgenden Monate in Gegen⸗ wart des Beſchwerten oder ſeines Vormundes vorgenom⸗ men werde. 1061. Iſt den beiden vorhergehenden Artikeln kein Genuͤge geſchehen, ſo haben die Aufnahme des vorgedach⸗ ten Inventariums die nämlichen Perſonen zu beſorgen, die im Art. 1057 benannt ſind; und ſie muͤſſen den Beſchwer⸗ ten ſelbſt oder ſeinen Vormund und den fuͤr den Vollzug ernannten Vormund dazu berufen laſſen. 1062. Wer mit Wiederuͤberlieferung beſchwert iſt, muß alle beweglichen Guͤter und Effecten, welche in der Verfuͤgung begriffen ſind, nach vorherigem Anſchlage öf⸗ fentlich an den Meiſtbietenden verkaufen laſſen Ausge⸗ nommen ſind jene beweglichen Guͤter und Effecten, wovon in den zwei folgenden Artikeln Erwähnung geſchieht. 1063. Der Hausrath und andere bewegliche Sachen, welche in der Verfuͤgung enthalten ſind, und zwar mit der ausdruͤcklichen Bedingung, daß ſie in Natur aufbe⸗ wahrt werden ſollen, werden in dem Zuſtande zuruͤckge⸗ geben, worin ſie ſich zur Zeit der Ueberlieferung befinden. 1064. Wenn ein Stuͤck Landes unter Lebenden oder letztwillig geſchenkt worden, dem iſt auch Vieh und alle Geraͤthſchaft, die zu deſſen Benutzung nöthig iſt, geſchenkt; wenigſtens wird dafuͤr gehalten, daß dieſe Gegenſtände in der Verfuͤgung begriffen ſind, und der Beſchwerte hat weiter nichts zu thun, als ſie abſchätzen zu laſſen, damit er zur Zeit der Ueberlieferung den nämlichen Werth dafuͤr zuruͤckgebe. 1065. Was an Baarſchaft vorraͤthig iſt, was aus den verkauften Moͤbeln und Effekten gelöſt wird, und was von den Aktivforderungen eingegangen iſt, dies alles muß —— der Beſchwerte anlegen, und zwar in einer Friſt von ſechs Monaten, von dem Tage an gerechnet, wo das Inventarium geſchloſſen worden. Nach Befinden kann dieſe Friſt verlaͤngert werden. 1066. Nicht weniger iſt der Beſchwerte gehalten, die Gel⸗ der anzulegen, die nachher auf Forderungen, oder durch Ein⸗ loͤſung von Renten eingehen. Dieſe muß er ſpaͤteſtens in drei Monaten nach ihrem Empfang anlegen. 1067. Die Anlegung geſchieht ganz ſo, wie ſie der Verfuͤgende vorgeſchrieben hat, falls er die Art der Effecten beſtimmt hat, worin ſie geſchehen ſoll; im entgegengeſetzten Falle kann ſie nur in unbeweglichen Guͤtern oder in Hypo⸗ theken auf ſolche Guͤter geſchehen. 1068. Fuͤr die in den vorhergehenden Artikeln vorge⸗ ſchriebene Anlegung hat der fuͤr den Vollzug ernannte Vor⸗ mund zu ſorgen; ſie geſchieht in ſeiner Gegenwart. 1069. Der Beſchwerte, oder der fuͤr die Vollziehung er⸗ nannte Vormund haben weiter dafuͤr zu ſorgen, daß die Ver⸗ fuͤgungen unter Lebenden oder des Todes wegen, denen die Bedingung der Ueberlieferung beigefuͤgt iſt, gehoͤrig bekannt gemacht werden. Letzteres geſchieht, wenn es auf unbewegliche Guͤter ankommt, durch ihre Eintragung in die Regiſter des Hypotheken⸗Buͤreau an dem Orte, wo die Guͤter liegen; und, in Ruͤckſicht auf Capitalien, die gegen Hypothek auf unbe⸗ wegliche Guͤter geſchoſſen ſind, durch Einſchreibung auf die Guͤter, worauf die Hypothek beruht. 1070. Iſt die vorgemeldete Einſchreibung ſolcher Ver⸗ fuͤgungen unterlaſſen worden, ſo koͤnnen ſowohl Glaͤubiger, als ein dritter Erwerber, dieſen Abgang als gegruͤndete Ein⸗ rede ſelbſt Minderjaͤhrigen oder Unterſagten entgegenſetzen. Letztern bleibt jedoch ihr Regreß gegen den Beſchwerten und gegen den fuͤr die Vollziehung ernannten Vormund offen. Aber in keinem Falle koͤnnen Minderjaͤhrige oder Unterſagte gegen den Abgang einer ſolchen Einſchreibung in den vorigen Stand geſetzt werden, ſelbſt dann nicht, wenn der Beſchwerte und der Vormund zu zahlen unvermoͤgend waͤren. 1071. Wenn auch bewieſen wuͤrde, daß die Glaͤubiger oder dritte Erwerber von der Verfuͤgung auf irgend einem 16 andern Wege, als durch die Einſchreibung, Wiſſenſchaft ge⸗ habt haben, ſo wird dadurch der Abgang oder Mangel der⸗ ſelben noch nicht erſetzt oder gedeckt. 1072. In keinem Falle koͤnnen die Geſchenknehmer, Le⸗ gatare oder rechtmaͤßigen Erben deſſen, der die Verordnung gemacht hat, noch auch ihre Geſchenknehmer, Legatare oder Erben, den Beguͤnſtigten den Mangel der Uebertragung oder Einſchreibung entgegenſetzen. 1073. Der fuͤr den Vollzug ernannte Vormund mß ſich genau und in allen Punkten nach den Regeln richten, welche hieroben zur Ausmittelung des Vermoͤgens, zum Verkauf der beweglichen Habe, fuͤr Anlegung der Baarſchaft, fuͤr Einſchrei— bung und Uebertragung in die Buͤcher, vorgeſchrieben ſind. Un⸗ terlaͤßt er in dieſer Hinſicht etwas, und uͤberhaupt, hat er ſich nicht alle moͤgliche und erforderliche Muͤhe gegeben, um die Bedingung der Wiederuͤberlieferung wohl und getreulich zu erfuͤllen: ſo iſt er fuͤr jeden Schaden und Nachtheil per⸗ ſoͤnlich verantwortlich. 1074. Iſt der Beſchwerte minderjaͤhrig, ſo kann er, auch in dem Falle, wo ſein Vormund zu zahlen unvermoͤgend waͤre, die Wohlthat der Wiedereinſetzung in den vorigen Stand nicht anſprechen, wenn derſelbe die Regeln nicht befolgt hat, welche ihm die Artikel des gegenwaͤrtigen Capitels vor⸗ ſchreiben. Siebentes Capitel. Von Theilungen, die von Vater, Mutter oder andern aufſteigenden Verwandten unter ihren Abkoͤmmlingen vorgenommen werden. Art. 1075. Eltern und ſonſtige aufſteigende Verwandte koͤnnen ihr Vermoͤgen, ſelbſt mit Anweiſung der Looſe, unter ihre Kinder und Abkoͤmmlinge theilen. 1076. Sie koͤnnen dieſe Theilung entweder durch Acte unter Lebenden, oder durch letztwillige Verfuͤgung vornehmen, und muͤſſen dabei die Feierlichkeiten, Bedingungen und Re⸗ geln beobachten, die fuͤr Teſtamente und Schenkungen unter Lebenden vorgeſchrieben ſind. — 243— Theilungen, welche durch Acte unter Lebenden geſchehen, koͤnnen nur das gegenwaͤrtige Vermoͤgen zum Gegenſtande haben. 1077. Wenn das Vermoͤgen, das der aufſteigende Ver⸗ wandte bei ſeinem Tode hinterlaͤßt, nicht ganz in der vorge⸗ nommenen Theilung begriffen iſt, ſo wird der nicht darin be⸗ griffene Ueberreſt dem Geſetze gemaͤß getheilt. 1078. Die Theilung iſt nichtig fuͤrs Ganze, wenn ſie nicht geſchehen iſt unter alle Kinder, die zur Zeit, wo der Verfuͤ⸗ gende ſtirbt, vorhanden ſind, und unter die Abkoͤmmlinge der vorgeſtorbenen Kinder. Eine neue Theilung in der geſetzlichen Form kann ſodann nachgeſucht werden, und das Recht, ſie nachzuſuchen, ſteht ſowohl den Kindern oder Abkoͤmmlingen zu, die in der Theilung gar nicht bedacht ſind, als auch ſelbſt denjenigen, unter welche die Theilung gemacht iſt. 1079. Die Theilung, welche ein aufſteigender Verwandter vorgenommen hat, kann aus dem Grunde angefochten werden, weil ein Erbberechtigter um mehr, als um einen vierten Theil, darin iſt verletzt oder verkuͤrzt worden. Auch dann kann ſie angefochten werden, wenn es ſich aus der Theilung und den Verfuͤgungen, welche ein Voraus zu Gunſten eines Erben enthalten, ergeben wuͤrde, daß irgend einer der Mittheilenden einen groͤßern Vortheil haben wuͤrde, als das Geſetz erlaubt. 1080. Wenn ein Kind, aus einer von den im vorher⸗ gehenden Artikel erwaͤhnten Urſachen, eine Theilung, die von ſeinem aufſteigenden Verwandten vorgenommen worden, an⸗ ficht, ſo muß es die Koſten der Abſchaͤtzung vorſchießen. Es muß dieſe Koſten, ſo wie die Koſten des Rechtshandels, endlich tragen, wenn ſein Anſpruch ungegruͤndet befunden wird. Nhe 6 gpitel. Von Schenkungen durch Ehevertraͤge zu Gunſten der Eheleute und der aus der Ehe zu hof⸗ fenden Kinder. Art. 1081. Jede Schenkung unter Lebenden, die gegen⸗ waͤrtiges, wirkliches Vermogen zum Gegenſtande hat, obſchon —————— ——*5* ² „ — 241— ſie durch Ehecontracte zu Gunſten der Eheleute, oder zu Gunſten Eines von beiden Eheleuten, geſchieht, iſt den allge⸗ meinen Regeln unterworfen, welche fuͤr Schenkungen dieſer Art feſtgeſetzt ſind. Sie koͤnnen nicht zu Gunſten der zu hoffenden Kinder geſchehen, außer in den Fällen, die das vorhergehende ſechste Capitel enthaͤlt. 1082. In einem Ehecontracte koͤnnen Eltern, ſonſtige aufſteigende Verwandte, Seitenverwandte der Eheleute, und ſelbſt Fremde, das Vermoͤgen, welches ſie bei ihrem Tode hinterlaſſen werden, ganz oder theilweiſe verſchenken, und zwar ſowohl zum Vortheil beſagter Eheleute, als auch, fuͤr den Fall, wo der Geſchenkgeber laͤnger, als der beſchenkte Ehegatte leben ſollte, zu Gunſten der aus ihrer Ehe zu hof⸗ fenden Kinder. Obſchon indeſſen eine ſolche Schenkung bloß zu Gunſten der Eheleute oder eines Ehegenoſſen geſchehen iſt, ſo wird doch immer vermuthet, daß ſie auch zu Gunſten der aus der Ehe zu hoffenden Kinder und Abkoͤmmlinge geſchehen ſei, im Falle der Geſchenkgeber den oder die beſchenkten Ehegenoſſen uͤberlebt. 1083. Schenkungen in der Form des vorhergehenden Artikels ſind unwiderruflich, jedoch nur in dem Sinne, daß der Ge⸗ ſchenkgeber auf wohlthaͤtige Art nicht mehr uͤber die Gegen⸗ ſtaͤnde verfuͤgen kann, die in der Schenkung enthalten ſind, geringe Summen ausgenommen, woruͤber er belohnungsweiſe oder ſonſt verfuͤgt. 1084. Schenkungen durch Ehecontracte koͤnnen das ge⸗ genwaͤrtige und zugleich das zukuͤnftige Vermoͤgen ganz oder zum Theil umfaſſen. In dieſem Falle aber muß ihnen ein Verzeichniß der Laſten und Schulden, ſo wie ſie am Tage der Schenkung vorhanden waren, beigefuͤgt ſein. Und wenn dies geſchehen iſt, ſo ſteht es dem Geſchenknehmer frei, ſich beim Tode des Geſchenkgebers an dem gegenwaͤrtigen Vermoͤgen zu halten, und auf das uͤbrige Vermoͤgen deſſelben Verzicht zu leiſten. 1085. Wenn aber der Schenkung des gegenwaͤrtigen und zukuͤnftigen Vermoͤgens das eben erwaͤhnte Verzeichniß nicht beigefuͤgt worden iſt, ſo muß der Geſchenknehmer ſie entweder ganz annehmen oder ganz ausſchlagen. Nimmt er ſie an, ſo kann er bloß das Vermoͤgen in Anſpruch nehmen, welches am Tage, wo der Geſchenkgeber ſtirbt, vorhanden iſt, woge⸗ gen er alle Schulden und Laſten des Nachlaſſes zu entrich⸗ ten hat. 1086. Eine Schenkung durch Ehecontract zu Gunſten der Eheleute oder der aus ihrer Verbindung zu hoffenden Kinder mag herruͤhren, von wem ſie immer wolle, der Verfuͤ⸗ gende kann dabei ausbedingen, daß die Beguͤnſtigten die Schulden und Laſten ſeiner Verlaſſenſchaft ohne Unterſchied bezahlen ſollen; er kann ihr auch andere Bedingungen beifuͤ⸗ gen, deren Erfuͤllung von ſeinem Willen abhaͤngt. Der Ge⸗ ſchenknehmer muß dieſe Bedingungen erfuͤllen, wenn er der Schenkung nicht lieber entſagen will. Und, wenn der Ge⸗ ſchenkgeber durch Ehecontract ſich die Befugniß vorbehalten hat, uͤber einen Gegenſtand, der mit in der Schenkung ſeines ge⸗ genwaͤrtigen Vermoͤgens begriffen iſt, oder uͤber eine aus dem nämlichen Vermoͤgen zu nehmende Summe zu verfuͤgen: ſo werden der Gegenſtand oder die Summe, wenn er ſtirbt, ohne daruͤber verfuͤgt zu haben, ſo betrachtet, als waͤren ſie in der Schenkung mitbegriffen, und ſie gehoͤren demnach dem Ge⸗ ſchenknehmer oder deſſen Erben. 1087. Schenkungen durch Ehecontract koͤnnen unter dem Vorwande nicht angefochten oder fuͤr nichtig erklaͤrt werden, daß ſie nicht angenommen ſeien. 1088. Schenkungen zu Gunſten der Ehe zerfallen, wenn Ehe nicht wirklich erfolgt. 1089. Schenkungen zu Gunſten eines von den Eheleu⸗ ten, wenn ſie nach dem Inhalt der Artikel 1082, 1084 und» 1086 errichtet ſind, zerfallen, wenn der Geſchenkgeber den beſchenkten Ehegenoſſen und deſſen Nachkommenſchaft uͤberlebt. 1090. Schenkungen, zu Gunſten der Eheleute in ihrem Ehecontracte errichtet, werden bei Eroͤffnung der Erbfolge des Geſchenkgebers auf den Theil uͤber welchen das Geſetz ihm zu verfugen erlaubte. — 246— Neuntes Capitel. Von den Verfuͤgungen unter Eheleuten durch Eheverträge oder waͤhrend der Ehe. Art. 1091. Unter den hierunten folgenden Einſchraͤnkun⸗ gen koͤnnen ſich Eheleute gegenſeitig, oder einer den andern, durch ihren Ehevertrag beſchenken, wie ſie wollen. 1092. Wenn Eheleute ſich unter Lebenden durch Ehe⸗ vertrag gegenwaͤrtiges Vermoͤgen geſchenkt haben, ſo wird nicht vermuthet, daß die Schenkung unter der Bedingung: falls der Geſchenknehmer laͤnger lebt, geſchehen ſei, wenn nicht dieſe Bedingung foͤrmlich dabei ausgedruͤckt iſt; und ſie iſt allen Regeln und Formen unterworfen, welche oben fuͤr dieſe Art Schenkungen feſtgeſetzt ſind. 1093. Bei Schenkungen von zukuͤnftigem Vermogen, oder von gegenwaͤrtigem und zukuͤnftigem Vermoͤgen zugleich, welche Eheleute ſich durch Ehevertrag machen, gelten die naͤmlichen Regeln, welche das vorhergehende Capitel in Hinſicht auf aͤhnliche Schenkungen, die den Eheleuten von einem Dritten gemacht werden, feſtſetzt; und zwar gelten ſie fuͤr ſolche Schen⸗ kungen, ohne Unterſchied, ob ſie einfach oder von Seiten eines der Eheleute, oder gegenſeitig ſind. Nur gehen ſie in dem Falle, wo der beſchenkte Ehegenoſſe vor dem beſchenkenden Ehegenoſſen ſtirbt, nicht auf die aus der Ehe entſproſſenen Kinder uͤber. 1094. Fuͤr den Fall, wo er keine Kinder noch Abkoͤmm⸗ linge hinterließe, kann ein Ehegenoſſe zu Gunſten des andern Ehegenoſſen uͤber alles das dem Eigenthume nach verfuͤgen, worüber er auch zu Gunſten eines Fremden verfuͤgen koͤnnte, und noch uͤberdies uͤber den Nießbrauch des ganzen Theils, woruͤber ihm das Geſetz zum Nachtheil der Erben zu verfuͤ⸗ gen verbietet. Eine ſolche Verfuͤgung kann durch Ehevertrag oder waͤhrend der Ehe geſchehen. Und fuͤr den Fall, wo der ſchenkende Ehegenoſſe Kinder oder Abkoͤmmlinge hinterließe, kann er dem andern Ehegenoſ⸗ ſen entweder ein Viertel eigenthuͤmlich und ein anderes Vier⸗ tel zum Nießbrauch, oder die Haͤlfte ſeines ganzen Vermoͤgens zum Nießbrauche allein, geben. 1095. Iſt der Verfuͤgende minderjaͤhrig, ſo kann er zwar durch Ehevertrag entweder einſeitig oder gegenſeitig zu Gun⸗ ſten des andern Ehegenoſſen verfuͤgen, aber nur mit Bewilli⸗ gung und in Beiſtand derjenigen, deren Einwilligung zur Guͤltigkeit ſeiner Ehe erfordert wird. Willigen dieſe ein, ſo kann er alles das geben, was das Geſetz auch einem groß⸗ jaͤhrigen Ehegatten erlaubt, dem andern Ehegatten zu geben. 1096. Alle unter Eheleuten waͤhrend der Ehe gemachten Schenkungen ſind allezeit widerruflich, wenn ſie ſchon den Namen von Schenkungen unter Lebenden fuͤhren. 4 Die Widerrufung kann von der Frau geſchehen ohne Bewilligung ihres Mannes, und ohne gerichtliche Ermach⸗ X tigung.. Dieſe Schenkungen werden aber nicht durch nachgeborne Kinder widerrufen. 1097. Waͤhrend der Ehe koͤnnen ſich die Eheleute in einem und demſelben Acte keine gegenſeitige Schenkung machen, ſie geſchehe nun unter Lebenden oder durch Teſta⸗ ment. 1098. Wenn ein Mann oder eine Frau, der oder die aus einer fruͤhern Ehe bereits Kinder hat, zu einer zweiten oder folgenden Ehe ſchreitet: ſo kann er oder ſie dem neuen Ehegenoſſen mehr nicht geben, als ein rechtmaͤßiges Kind, und zwar das wenigſtbedachte, bekommt; auch kann in keinem Falle eine ſolche Schenkung ſich höher belaufen, als bis auf den vierten Theil des Vermoͤgens. 1099. Es iſt den Eheleuten nicht erlaubt, ſich durch Umwege mehr zu geben, als ihnen die obigen Verfuͤgungen geſtatten. Jede verſteckte oder zu Gunſten unterſchobener Perſonen gemachte Schenkung iſt nichtig. 1100. Solche Schenkungen ſind vorhanden, und der Be⸗ ſchenkte wird fuͤr bloß unterſchoben angeſehen, wenn ein Ehe⸗ genoſſe die Kinder oder eins von den Kindern des andern Ehegenoſſen, welche aus einer fruͤhern Ehe ſind, beſchenkt; ferner, wenn er jene Verwandten beſchenkt, wovon der an⸗ dere Ehegenoſſe zur Zeit der Schenkung vermuthlicher Erbe iſt, obſchon in dieſem letzten Falle der vermuthliche Erbe ſei⸗ nen ſchenkenden Verwandten nicht uͤberlebt hat. ——— r—+ ——— ⸗ 8 — 23— Dribter Tiel. Von den Contracten oder Verbindlichkeiten, welche aus Verträgen uͤberhaupt entſpringen*). Vorläͤufige Verfuͤgungen. Art. 1101. Ein Contract iſt eine Verabredung, wodurch eine oder mehrere Perſonen ſich gegen eine oder mehrere an⸗ dere Perſonen verbinden, etwas zu geben, etwas zu thun, oder etwas nicht zu thun. 1102. Contracte ſind zweiſeitig, wenn die vertrag⸗ ſchließenden Theile ſich gegenſeitig, einer gegen den andern, verbinden. 1103. Einſeitig ſind ſie, wenn eine oder mehrere Per⸗ ſonen ſich gegen eine oder mehrere andere Perſonen verbinden, dieſe letztern aber keine Verbindlichkeit dagegen uͤbernehmen. 1104. Die Contracte heißen tauſchartige Contracte, wenn jeder von beiden Theilen ſich verbindet, etwas zu geben oder zu thun, was mit dem, das man ihm gibt oder fuͤr ihn thut, als Sache von gleichem Gehalt und Werthe angeſehen wird. Wenn die Sache von gleichem Gehalt und Werthe auf beiden Seiten in einem ungefaͤhren Gewinn oder Verluſte be⸗ ſteht, die von einem ungewiſſen Ereigniſſe abhangen, ſo heißt der Contract ein gewagter Contract. 1105. Ferner ſind die Contracte entweder wohlthaͤtig oder laͤſtig. Wohlthaͤtig heißen diejenigen Contracte, wor⸗ in einer von beiden Theilen dem andern einen Vortheil ohne Entgelt verſchafft, oder einen ſolchen Vortheil, wogegen er nichts erhaͤlt. *) Geſetz vom 17. Pluvioſe 12. J.(7. Februar 1804), prom. den 27. des naͤmlichen Monats(17. Februar 18049. 1106. Laͤſtig hingegen heißen die Contracte, wodurch beide Theile verpflichtet werden, etwas zu geben oder zu thun. 1107. Alle Contracte, ſie moͤgen nun eine eigene Be⸗ nennung haben, oder nicht, ſind gewiſſen allgemeinen Regeln unterworfen. Dieſe allgemeinen Regeln ſind der Gegenſtand des gegenwaͤrtigen Titels. Gewiſſe Contracte haben uͤberdies noch beſondere Regeln. Sie kommen unter den Titeln vor, die ihnen eigens angewie⸗ ſen ſind. Die beſondern Regeln fuͤr Handelsgeſchaͤfte kommen in den Geſetzen uͤber den Handel vor. 3 weites Capitel. Von den weſentlichen Bedingungen zur Guͤltigkeit aller Verabredungen. Art. 1108. Vier Bedingungen ſind weſentlich erforder⸗ lich zur Guͤltigkeit einer jeden Verabredung: die Einwilligung des Theiles, der ſich verbindet; ſeine Faͤhigkeit, Vertraͤge zu ſchließen; eine beſtimmte Sache, K der Gegenſtand der Verab⸗ redung iſt; eine erlaubte Urſache bei derſelben. Erſter Abſchnitt. Von der Art. 1109. Es iſt keine gultige Einwilligung vorhanden, wenn ſie bloß aus Irrthum gegeben, oder wenn ſie durch Gewaltthätigkeit erzwungen, oder durch Liſt erſchlichen worden. 1110. Der Irrthum macht nur dann die Verabredung unguͤltig, wenn er auf die Subſtanz oder das Weſen der Sache ſelbſt fallt, welche der Gegenſtand der Verabredung iſt). *) Eine Verabredung alſo, oder ein Vertrog, wobei ſich ein Theil zwar geirrt, aber nur uͤber einen zufälligen umſtand, uͤber eine unweſentliche Eigenſchaft, wäre ungeachtet des Irrthums —— 8.———— — Hat man ſich dabei bloß uͤber die Perſon geirrt, womit man handeln wollte, ſo macht ein ſolcher Irrthum die Ver⸗ abredung nicht unguͤltig. Er macht ſie aber auch in dieſem Falle unguͤltig, wenn dieſe Perſon dabei hauptſaͤchlich in Be⸗ tracht kam, und dieſe Betrachtung die Haupturſache der Ver⸗ abredung oder des Vertrages war. 1111. Gewaltthaͤtigkeit gegen die Perſon, welche eine Verbindlichkeit uͤbernommen hat, iſt eine Urſache der Nichtig⸗ keit, obſchon ſie ein Dritter veruͤbt hat, und nicht derjenige, zu deſſen Vortheil der Vertrag geſchloſſen worden. 1112. Eine ſolche Gewaltthaͤtigkeit iſt vorhanden, wenn ſie ſo geartet iſt, daß ſie auf einen vernuͤnftigen Menſchen Eindruck machen kann, und daß ſie ihm die Furcht einfloͤßt, ſeine Perſon oder ſein Vermoͤgen einem beträchtlichen und gegen waͤrtigen Uebel auszuſetzen. In dieſer Hinſicht hat man das Alter, das Geſchlecht und die Beſchaffenheit der Perſonen in Betracht zu ziehen. 1113. Die Gewaltthätigkeit iſt eine Urſache der Nich⸗ tigkeit des Contractes, nicht allein dann, wenn ſie gegen den contrahirenden Theil ſelbſt veruͤbt worden, ſondern auch dann, wenn ſie gegen ſeinen Ehegenoſſen, gegen einen ſeiner auf— ſteigenden oder abſteigenden Verwandten veruͤbt worden. 1114. Wenn uͤbrigens keine Gewaltthatigkeit vorgefallen iſt, ſo kann unter dem Vorwande, daß Jemand ſeinen Vater oder ſeine Mutter oder einen andern aufſteigenden Verwandten gefurchtet, oder daß er aus Ehrfurcht gegen ſolche Perſonen gehandelt habe, der Contract nicht vernichtet werden. gultig. Auch iſt der Vertrag guͤltig, wenn ein Irrthum un⸗ tergelaufen iſt in Hinſicht auf die Beweggruͤnde, warum man ihn geſchloſſen hat. Wenn es indeſſen ausgemacht und er⸗ wieſen waͤre, daß die Theile ſich nur unter der Bedingung verbinden wollten, daß dieſe Beweggruͤnde echt und wahr wa⸗ ren, und ſich nachher das Gegentheil auswieſe: ſo machte auch ein ſolcher IFrrthum den Vertrag fehlerhaft und unguͤltig⸗ *) Gegenwärtig muß das Uebel ſein, d. h. die Perſon muß bedroht worden ſein, daß es ſie auf der Stelle treffen ſollte, wenn ſie nicht thäte, was man ihr vortrug. Nur hier⸗ durch kann ſie beweiſen, daß ſie gezwungen worden, daß ſie keinen Willen gehabt, und daß ſie dem Willen eines Andern nachgegeben hat. — ————————— 2 —— 1115. Ein Contract kann aus dem Grunde, daß er durch Gewaltthaͤtigkeit erzwungen worden, nicht mehr ange⸗ fochten werden, wenn derjenige, der die Gewaltthaͤtigkeit er⸗ litten, den Contract zur Zeit, wo die Gewaltthaͤtigkeit auf⸗ hoͤrte, entweder ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend gutgeheißen hat; oder wenn er die Zeit hat vorbeiſtreichen laſſen, welche ihm das Geſetz geſtattet, um dagegen einzukommen und ſich in den vorigen Stand ſetzen zu laſſen. 1116. Der Betrug iſt dann eine Urſache der Nichtigkeit der Verabredung, wenn die Anſchlaͤge und Raͤnke, deren ſich ein Theil bedient hat, ſo geartet ſind, daß es augenſcheinlich iſt, daß der andere Theil ohne jene Anſchlaͤge und Raͤnke nicht contrahirt haͤtte. Der Betrug wird nicht vermuthet; wer ihn vorſchuͤtzt, muß ihn beweiſen. 1117. Vertraͤge ſind darum, weil ſie eine Folge eines Irrthums, eines Betrugs oder einer Gewaltthaͤtigkeit ſind, noch nicht von Rechts wegen und ohne Weiteres nichtig; ſondern dieſe Umſtaͤnde begruͤnden bloß eine Klage auf Nichtigkeit oder Wiederaufhebung in den Faͤllen und auf die Art, wie im ſiebenten Abſchnitt des fuͤnften Capitels un⸗ ter gegenwaͤrtigem Titel erklaͤrt wird. 1118. Die Verletzung macht die Vertraͤge nur in ge⸗ wiſſen Faͤllen und in Hinſicht auf gewiſſe Perſonen fehlerhaft, wie im naͤmlichen Abſchnitt erklaͤrt wird. 1119. In der Regel kann Niemand in ſeinem eigenen Namen ſich anders verbinden, oder etwas ausbedingen, als fur ſich ſelbſt*). 1120. Man kann jedoch fuͤr einen Dritten ſtehen, und verſprechen, daß derſelbe handeln werde. Will aber in einem ſolchen Falle der Dritte die Verabredung nicht halten: ſo hat eine Entſchaͤdigungsklage gegen denjenigen Statt, der fuͤr *) Dies fließt aus dem Grundſatze, daß derjenige, der eine Ver⸗ bindlichkeit uͤbernehmen ſoll, einwilligen muß. Ein Dritter kann durch meine Handlungen nicht verbindlich gemacht wer⸗ den, als in ſo weit er mich dazu bevollmaͤchtigt hat. So lange ich in meinem eigenen Namen handle, ver⸗ binde ich den Dritten nicht. — 252— ihn geſtanden, oder der verſprochen hatte, die Genehmigung des Dritten beizubringen. 1121. Auch kann man zum Vortheil eines Dritten etwas ausbedingen, wenn dies einer Abrede, die man fuͤr ſich ſelbſt macht, oder einer Schenkung zu Gunſten eines Dritten, als Bedingung beigefuͤgt wird. Wer eine ſolche Verabredung ge⸗ troffen hat, kann ſie nicht mehr zuruͤcknehmen, ſobald der Dritte erklaͤrt hat, daß er ſie fuͤr ſich annehmen und ſich zu Nutz machen wolle. 1122. Alle Verabredungen oder Vertraͤge gelten in der Regel nicht bloß fuͤr den, der ſie eingeht, ſondern auch fuͤr ſeine Erben, und fuͤr alle, die in ſein Recht treten; es ſei denn, daß das Gegentheil deutlich ausgedruͤckt, oder aus der Natur der Verabredung ſich von ſelbſt verſtehe. § weite bſchn Von der Faͤhigkeit der contrahirenden Theile. Art. 1123. Jeder Menſch kann Vertraͤge oder Verabre⸗ dungen eingehen, ſo lange nicht irgend ein Geſetz erklaͤrt hat, daß er dazu unfaͤhig iſt. 1124. Unfaͤhig, zu contrahiren(Vertraͤge zu ſchließen), ſind Die Minderjaͤhrigen, Die Unterſagten, Die verheiratheten Weiber in den Faͤllen, welche das Geſetz beſtimmt, Und uͤberhaupt alle diejenigen, denen das Geſetz gewiſſe Vertraͤge unterſagt hat. 1125. Minderjaͤhrige, Unterſagte und verheirathete Weiber koͤnnen die Vertraͤge, die ſie geſchloſſen, unter dem Vorwande ihrer Unfähigkeit nicht immer anfechten, ſondern nur in den vom Geſetze beſtimmten Fällen. In keinem Falle koͤnnen Perſonen, die fähig waren, ſich zu verbinden, die Einrede entgegen ſetzen, daß der Minder⸗ jaͤhrige, der Unterſagte, oder das verheirathete Weib, womit ſie einen Vertrag geſchloſſen, unfaͤhig waren. — 353— Drittepy Abſchnint. Von dem Gegenſtande und der Materie der Verträge. Art. 1126. Jeder Vertrag hat eine Sache zum Gegen⸗ ſtande, die ein Theil ſich zu geben anheiſchig macht, oder die ein Theil ſich zu thun oder nicht zu thun verbindet. 1127. Der bloße Gebrauch, oder der bloße Beſitz einer“ Sache kann der Gegenſtand eines Vertrages ſein, ſo gut wie die Sache ſelbſt. 1128. Sachen, welche dem Privatverkehr entzogen ſind, koͤnnen kein Gegenſtand der Vertraͤge ſein. 1129. Jeder Vertrag muß ferner eine Sache zum Ge⸗ genſtande haben, die wenigſtens ihrer Art nach beſtimmt und gewiß iſt. Ihre Groͤße kann ungewiß ſein; aber wenn dies iſt, ſo muß es moͤglich ſein, ſie zu beſtimmen*. 1130. Auch zukuͤnftige Sachen koͤnnen Gegenſtaͤnde der Verabredungen ſein. Es iſt indeſſen nicht erlaubt, einer noch nicht eroͤffneten Erbſchaft zu entſagen, noch uͤber eine ſolche Erbſchaft irgend eine Abrede zu treffen, ſelbſt nicht mit Bewilligung desjenigen, auf deſſen Erbſchaft es ankommt. Vierter Abſchnitt. Von der urſache. Art. 1131. Alle Verbindlichkeiten, die entweder gar keine Urſache, oder eine falſche Urſache, oder eine unerlaubte Ur— ſache haben, ſind ohne Wirkung. . *) Ein Moͤbel uͤberhaupt, z. B., könnte der Gegenſtand eines Vertrages nicht ſein, wenn es unmöglich wäre, zu beſtimmen, welche Art von Moͤbel man gemeint habe. Eben ſo wuͤrde der Vertrag nichtig ſein, wenn ſein Gegenſtand wäre Wein, Getreide u. ſ. w. ohne nähere Beſtimmung, und ohne daß es möglich waͤre, zu erkennen, was eigentlich die Theile ge⸗ wollt haben. Wenn man aber z. B. ein Pferd verkauft, ſo iſt der Gegenſtand des Vertrags zwar nicht völlig, aber doch ſeiner Art nach, beſtimmt; aber der Glaͤubiger kann doch die Sache, wiewohl nur auf unbeſtimmte Art, fordern, und der Schuld⸗ ner kann von allen den Sachen ſolcher Art eine geben, welche er will; nur muß ſie eine rechtliche und handelbare Waare ſein. — — 254— 1132. Eine Verabredung oder ein Vertrag iſt aber darum nicht unguͤltig, weil die Urſache darin nicht ausge⸗ druckt iſt. 1133. Die Urſache iſt unerlaubt, wenn ſie vom Geſetze verboten, wenn ſie den guten Sitten oder der oͤffentlichen Ordnung zuwider iſt. Von der Wirkung der Verbindlichkeiten. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 1134. Verabredungen, wenn ſie geſetzmäßig ge⸗ troffen, ſind an Geſetzes Statt fur diejenigen, die ſie getrof⸗ fen haben. Sie koͤnnen nicht widerrufen werden, als mit ihrer bei⸗ derſeitigen Bewilligung, oder aus den Urſachen, welche das Geſetz erlaubt. Sie muͤſſen redlich vollzogen werden. 1135. Sie verbinden nicht allein zu allem dem, was darin ausgedruͤckt iſt, ſondern auch zu allem dem, was nach der Billigkeit, nach dem Gebrauch oder dem Geſetze, aus der Verbindlichkeit und ihrer Natur folgt. 3weiter Abſchnitt. Von der Verbindlichkeit, zu geben⸗ Art. 1136. Mit der Verbindlichkeit, zu geben, iſt noth⸗ wendig verknuͤpft die Verbindlichkeit, die Sache zu liefern, und ſie zu erhalten und zu bewahren bis zur Lieferung. Wer ſich hierin etwas zu Schulden kommen laßt, iſt dem Berech⸗ tigten oder Gläubiger zur Schadloshaltung verpflichtet. 1137. Wer verbunden iſt, fuͤr die Bewahrung und Er⸗ haltung einer Sache zu wachen, der muß die Sorgfalt dabei anwenden, die ein guter Hausvater anwendet; und zwar ohne Unterſchied, ob die Verabredung bloß den Nutzen eines Thei⸗ les, oder ob ſie ihren gemeinſchaftlichen Nutzen bezwecke. Dieſe Verbindlichkeit, zu erhalten und zu bewahren, iſt mehr oder weniger ausgedehnt in Ruͤckſicht auf gewiſſe Con⸗ — 2535— tracte, deren Wirkungen in dieſer Abſicht unter jenen Titeln erkläͤrt werden, die fuͤr ſie eigens angewieſen ſind. 1138. Die Verbindlichkeit, die Sache zu liefern, iſt voll⸗ kommen durch die bloße Einwilligung der contrahirenden Theile. Durch ſie wird der Glaͤubiger zum Eigenthuͤmer, und die Sache iſt auf ſeine Gefahr von dem Augenblicke an, wo ſie geliefert werden mußte, wenn auch ſchon die Lieferung nicht geſchehen iſt. Ausgenommen iſt der Fall, wo der Schuldner ſaͤumig oder in Verzug iſt, die Sache zu liefern. Die Sache iſt in dieſem Falle auf Gefahr eines ſolchen Schuldners*). 1139. Der Schuldner wird ſaͤumig, oder in Verzug ge⸗ ſetzt, auf zweierlei Art: entweder durch eine Aufforderung, oder ſonſt eine gleichbedeutende Handlung; oder auch ver⸗ moͤge der Verabredung ſelbſt. Letzteres iſt der Fall, wenn die Verabredung enthaͤlt, daß der Schuldner in Verzug geſetzt ſein ſoll, ſobald der Termin— oder der Zeitpunkt der Er⸗ fuͤllung— voruͤber iſt, ohne daß es irgend einer andern Hand⸗ lung beduͤrfe. 1140. Was die Verbindlichkeit, ein unbewegliches Gut zu geben oder zu liefern, fuͤr Wirkungen habe, wird im Ti⸗ tel vom Kauf und Verkauf, und im Titel von den Vor⸗ zugsrechten und Hypotheken regulirt. 1141. Wenn Jemand ſich nach einander gegen zwei Per⸗ ſonen anheiſchig gemacht hat, eine Sache zu geben oder zu liefern, und dieſe Sache bloß beweglich iſt: ſo gehoͤrt ſie vor⸗ zugsweiſe und eigenthuͤmlich demjenigen, der ſie zuerſt in wirklichem Beſitz gehabt, wenn auch ſchon ſein Titel ein ſpaä⸗ teres Datum hat, vorausgeſetzt uͤbrigens, daß er ein redlicher Beſitzer war. Sbſchni Von der Verbindlichkeit, zu thun oder nicht zu thun. Art. 1142. Wenn derjenige, der ſich anheiſchig gemacht * Schuldner heißt hier, ſo wie im ganzen Zitel, derjenige, der etwas geben oder leiſten muß, kurz, der ſich zu etwas verbunden hatz Glaͤubiger hingegen derjenige, der zufolge Vertrags etwas fordern kann, gegen den ſich der Andere ver— bindlich gemacht hat, —————r—— — . — 236— hat, etwas zu thun oder nicht zu thun, ſeine Verbindlichkeit nicht erfullt: ſo löſ't ſie ſich allemal in Schadenerſatz auf*). 1143. Jedoch hat der Glaͤubiger das Recht, zu fordern, daß dasjenige, was etwa der Verabredung zuwider gemacht oder gethan worden, zerſtͤrt werde. Er kann ſich ebenfalls ermaͤchtigen laſſen, es zu zerſtöͤren auf Koſten des Schuld⸗ ners. Zudem hat er nach Befinden ein Recht zur Schadlos⸗ haltung. 1144. Der Glaͤubiger kann auch im Falle der Nicht⸗ erfuͤllung ermaͤchtigt werden, der Verbindlichkeit ſelbſt Genuͤge zu leiſten auf Koſten des Schuldners. 1145. Wenn die Verbindlichkeit darin beſteht, daß einer etwas nicht thun ſoll: ſo wird derjenige, der dawider han⸗ delt, bloß dadurch der Schadloshaltuug pflichtig, daß er da⸗ wider handelt. Vierter Abſchnitt. Von der Schadloshaltung, als Folge der nicht erfuͤllten Verbindlichkeit. Art. 1146. Zur Schadloshaltung iſt der Schuldner nur dann erſt gehalten, wenn er in Verzug, oder ſaͤumig iſt, ſeine Verbindlichkeit zu erfuͤlken. Jedoch iſt er auch eher dazu ge⸗ halten, wenn das, was er zu geben oder zu thun ſich an⸗ heiſchig gemacht hatte, ſich nur in einer gewiſſen Zeit thun ließ, und er dieſe Zeit hat verſtreichen laſſen. 1147. Nach Befinden wird der Schuldner zum Scha⸗ denerſatz verurtheilt, es ſei nun wegen Nichterfuͤllung der Verbindlichkeit, oder wegen des Verzugs dieſer Erfuͤllung, ſo oft er nicht darthut, daß er ſie darum unerfullt gelaſſen habe, weil ihn eine äußere Urſache daran hinderte, die ihm nicht zur Laſt gelegt werden kann. Und dies gilt, ungeachtet keine Unredlichkeit, keine boͤſe Abſicht, auf Seiten des Schuld⸗ ners iſt. ) D. h. der Berechtigte hat dann eine Klage auf Schadlos⸗ haltung. Die urſache iſt, weil Niemand an ſeiner Perſon kann gezwungen werden, etwas zu thun oder nicht zu thun, und, wenn dies geſchehen koͤnnte, es eine Gewaltthaͤtigkeit wäre, die nicht unter die Mittel gehoren kann, Contracte zu vollziehen. — 257— 1148. Es kann aber gar keine Schadloshaltung gefor⸗ dert werden, wenn eine hoͤhere Gewalt oder ein unvorge⸗ ſehener Zufall daran Schuld war, daß der Verpflichtete nicht gethan oder gegeben, wozu er ſich verbunden, oder im Gegen⸗ theil dasjenige gethan hat, was ihm durch den Vertrag un⸗ terſagt war. 1149. Unter Schadloshaltung, die dem Glaͤubiger ge⸗ buͤhrt, iſt in der Regel begriſſen der Verluſt, den er gehabt, und der Gewinn, deſſen er beraubt worden. Die Ausnahmen und Modificationen folgen hier unten. 1150. Der Verpflichtete iſt nur zum Erſatze des Scha⸗ dens gehalten, der bei der Verabredung vorgeſehen worden, oder vorgeſehen werden konnte; vorausgeſetzt uͤbrigens, daß die Verbindlichkeit nicht durch ſeine Argliſt unerfuͤllt geblieben. 1151. Aber auch dann, wenn die Verabredung durch die Argliſt des Schuldners unerfuͤllt geblieben, darf in Ruͤck⸗ ſicht des Verluſtes, den der Glaͤubiger erlitten, ſo wie in Ruͤckſicht auf den Gewinn, deſſen er beraubt worden, die Schadloshaltung doch nur das begreifen, was unmittelbar und direct aus der Nichterfuͤllung des Vertrages folgt. 1152. Wenn die Verabredung enthaͤlt, daß derjenige, der ſie nicht erfuͤllt, eine gewiſſe beſtimmte Summe als Schadloshaltung bezahlen ſoll, ſo kann dem andern Theile keine groͤßere noch geringere Summe zuerkannt werden, als die ausbedungene. 1153. Bei Verbindlichkeiten, deren Gegenſtand ſich auf Bezahlung einer gewiſſen Summe beſchraͤnkt, kann die Schad⸗ loshaltung dafuͤr, daß ſie nicht zur gehoͤrigen Zeit erfuͤllt worden, in nichts Anderm beſtehen, als in der Verurtheilung zu den vom Geſetze beſtimmten Zinſen. Ausgenommen hiervon ſind die fuͤr Handelsgeſchaͤfte und die Buͤrgſchaft eigens feſt⸗ geſetzten Regeln. Dieſe eben bemerkte Schadloshaltung gebuͤhrt aber dem Glaͤubiger, ohne daß derſelbe irgend einen Verluſt zu bewei⸗ ſen braucht. Sie kommt ihm nur vom Tage der Forderung an zu, ausgenommen in den Fällen, wo das Geſetz verordnet, daß ſie(die Zinſen) von ſelbſt und ohne Forderung laufen ſollen*. *) Wie z. B. im Falle des Art. 474. —————— — 258— 1154. Auch die von Capitalien verfallenen Zinſen koͤn⸗ nen wieder Zinſen erzeugen, und zwar entweder durch eine gerichtliche Forderung, oder auch zufolge einer beſondern Verabredung. In beiden Faͤllen, der gerichtlichen Forderung ſowohl als der desfallſigen Verabredungen, muͤſſen aber die Zinſen, wovon man wieder Zinſen fordert, wenigſtens von einem Jahre ſein. 1155. Ungeachtet der vorhergehenden Regel erzeugen die verfallenen Einkuͤnfte, als Pacht⸗ und Miethgelder, Ruͤck⸗ ſtaͤnde von ewigen oder Leib⸗Renten, Zinſen vom Tage der Forderung oder der Verabredung. Das Naͤmliche gilt in Ruͤckſicht auf Wiedererſtattungen der Fruͤchte, und auf die Zinſen, die ein Dritter dem Glaͤu⸗ biger fuͤr Rechnung des Schuldners bezahlt hat*. Funfter Abſchnitt. Von Auelegung der Vertraͤge und Verabredungen. Art. 1156. Bei Auslegung der Vertraͤge hat man mehr zu unterſuchen, was eigentlich der gemeinſame Wille der verabredeten Theile war, als ſich an den buchſtaͤblichen Sinn der Ausdruͤcke zu halten. 1157. Wenn eine Clauſel auf zweierlei Art kann ver⸗ ſtanden werden, oder einen doppelten Sinn hat: ſo muß man ſie in dem Sinne nehmen, worin ſie irgend eine Wirkung hat, und nicht in dem Sinne, worin ſie ohne alle Wir⸗ kung bliebe. 1158. Ausdruͤcke, die man in einem doppelten Sinne verſtehen kann, muͤſſen verſtanden werden in dem Sinne, welcher dem Gegenſtande der Verabredung am beſten anpaßt. 1159. Was zweideutig und zweifelhaft iſt, wird aus⸗ gelegt nach dem, was herkoͤmmlich iſt in dem Lande, wo der Vertrag geſchloſſen worden. *) Dergleichen Einkuͤnfte, Fruͤchte und Zinſen duͤrfen mit den gewoͤhnlichen Zinſen von Capitalien nicht in eine Claſſe ge⸗ ſetzt werden, und ſie thun Zinſen vom Tage der Forderung an, wenn ſie auch nicht von einem ganzen Jahre ſind. Ge⸗ nug iſt es, daß ſie verfallen ſind. — 259— 1160. In jedem Contracte muͤſſen die Clauſeln erſetzt werden, welche gewoͤhnlich darin vorkommen, obſchon ſie nicht darin ausgedruͤckt ſind. 1161. Alle Clauſeln eines Contractes werden eine durch die andere erklaͤrt, und jeder Clauſel wird der Sinn beige⸗ legt, der aus der ganzen Handlung natuͤrlich hervorgeht. 1162. In zweifelhaften Faͤllen wird der Contract aus⸗ gelegt gegen den, der ſich etwas ausbedungen, und zu Gunſten deſſen, der eine Verbindlichkeit ubernommen hat. 1163. Die Ausdruͤcke, worin eine Verabredung abge⸗ faßt iſt, moͤgen ſo allgemein ſein, als ſie wollen: ſo begreift ſie doch nur dasjenige, woruͤber die Theile, dem Anſcheine nach, die Abrede treffen wollten. 1164. Zuweilen fuͤhrt man in einem Contracte einen Fall an, um die Natur der Verbindlichkeit, worauf es an⸗ kommt, deſto beſſer zu erklaͤren. In einem ſolchen Falle wird nicht vermuthet, als habe man dadurch die Ausdehnung ein⸗ ſchraͤnken wollen, welche die Verabredung von Rechts wegen auf die nicht ausgedruͤckten Faͤlle bekommt. Sechster Abſchnitt. Von der Wirkung der Abreden in Ruͤckſicht auf jeden Dritten. Art. 1165. Die Wirkung der Contracte erſtreckt ſich bloß auf die Theile, welche ſie ſchließen; ſie ſchaden einem Dritten nie, und gereichen ihm nur zum Vortheil in dem Falle des Art. 1121. 1166. Jedoch koͤnnen die Glaͤubiger alle Rechte aus⸗ uͤben und alle Klagen anſtellen, welche ihrem Schuldner zu⸗ ſtehen, mit Ausnahme derjenigen, die der Perſon ausſchließ⸗ lich ankleben. 1167. Auch koͤnnen die Glaͤubiger in ihrem eigenen per⸗ ſoͤnlichen Namen die Handlungen oder Acten anfechten, welche ihr Schuldner zum Nachtheil und zur Schmaͤlerung ihrer Rechte vorgenommen hat. Was indeſſen jene ihrer Rechte betrifft, die ſich unter dem Titel von der Erbfolge, und unter dem Titel von F—,——— ———— — 260— dem Ehe⸗Contracte und den gegenſeitigen Rechten der Eheleute aufgefuͤhrt finden: ſo muͤſſen ſie ſich nach den Regeln richten, die ihnen eben daſelbſt vorgeſchrieben ſind⸗ Vie re5 6apite Von den verſchiedenen Arten der Verbindlich⸗ keiten. Erſter Abſchnitt. Von bedingten Verbindlichkeiten. Von der Bedingung uͤberhaupt und ihren verſchiedenen Arten. Art. 1168. Eine Verbindlichkeit iſt bedingt, wenn ſie der Abrede gemäß von einem zukuͤnftigen und ungewiſſen Ereigniſſe abhangen ſoll, und zwar ſo, daß ſie verſchoben werde, bis das Ereigniß eintrifft, oder ſo, daß ſie wieder aufhoͤre, je nachdem das Ereigniß eintrifft oder nicht eintrifft. 1169. Die Bedingung iſt zufällig, wenn ſie vom Zu⸗ fall abhaͤngt, und keineswegs in der Gewalt des Berechtig⸗ ten oder Verpflichteten ſteht. 1170. Willkuͤrliche Bedingungen ſind ſolche, vermoͤge deren die Erfullung eines Vertrages von einem Ereigniſſe ab— haͤngt, welches herbeizufuͤhren oder zu verhindern in der Ge⸗ walt eines oder des andern der contrahirenden Theile ſteht. 1171. Gemiſcht iſt die Bedingung, wenn ſie zugleich von dem Willen eines der contrahirenden Theile und von dem Willen eines Dritten abhaͤngt. 1172. Jede Bedingung, die eine Sache zum Gegenſtande hat, die unmoͤglich, oder den guten Sitten zuwider, oder vom Geſetze verboten iſt, iſt nichtig und macht die Verabredung nichtig, welche von ihr abhängt. 1173. Iſt der Verbindlichkeit eine Bedingung beigefugt, eine unmoͤgliche Sache nicht zu thun, ſo iſt ſie darum nicht unguͤltig. 1174. Häͤngt die Bedingung ganz von dem ab, der ſich verpflichtet, oder iſt ſie auf Seiten des Verpflichteten will⸗ kuͤrlich, ſo iſt die Verabredung, der ſie beigefugt, nichtig. — 261— 1175. Jede Bedingung muß auf jene Art erfuͤllt werden, wie die Theile wahrſcheinlich gewollt und gemeint haben, daß ſie erfuͤllt werden ſolle. 1176. Wenn eine Verbindlichkeit eingegangen worden unter der Bedingung: ſo fern ein gewiſſes Ereigniß in einer beſtimmten Zeit eintreffen wird, und dieſe Zeit verfloſſen iſt, ohne daß das Ereigniß eingetroffen: ſo wird dieſe Bedingung fuͤr ausbleibend angeſehen. Wenn aber keine gewiſſe Zeit be⸗ ſtimmt iſt, ſo ſteht es immer frei, die Bedingung zu erfuͤllen, und ſie wird nur dann erſt fuͤr ausbleibend angeſehen, wenn es ſicher geworden iſt, daß das Ereigniß nicht eintreffen wird. 1177. Wenn eine Verbindlichkeit eingegangen worden unter der Bedingung: in ſo fern ein gewiſſes Ereigniß in einer beſtimmten Zeit nicht eintreffen wird, und die beſtimmte Zeit verfloſſen iſt, ohne daß das Ereigniß eingetroffen: ſo iſt die Bedingung erfuͤllt. Auch iſt ſie erfuͤllt, wenn es vor Ab⸗ lauf der beſtimmten Zeit ausgemacht iſt, daß das Ereigniß nicht eintreffen werde. Iſt aber in dem vorliegenden Falle keine Zeit beſtimmt, ſo iſt die Bedingung erſt dann erfullt, wenn es ſicher iſt, daß das Ereigniß nicht eintreffen wird. 1178. Die Bedingung wird fuͤr erfuͤllt angeſehen, wenn derjenige, der unter einer ſolchen Bedingung verpflichtet iſt, die Erfuͤllung derſelben gehindert hat. 1179. Die erfullte Bedingung hat zuruͤckwirkende Kraft, und macht daher die Verabredung wirkſam von dem Tage an gerechnet, wo ſie eingegangen worden. Iſt der Berechtigte vor Erfuͤllung der Bedingung verſtorben, ſo geht ſein Recht auf ſeine Erben uͤber. 1180. Der Berechtigte kann, bevor die Bedingung erfullt iſt, jede Handlung vornehmen, die zu Erhaltung und Bewah⸗ rung ſeiner Rechte dient. 6 1. Von der aufſchiebenden Bedingung. Art. 1181. Die Verbindlichkeit iſt unter einer aufſchieben⸗ den Bedingung eingegangen, wenn ſie von einem zukuͤnftigen und ungewiſſen Ereigniſſe abhaͤngt, oder wenn ſie von einem Er⸗ ————— 8——— —— 1 —— eigniſſe abhaͤngt, das zwar wirklich eingetroffen, aber den Theilen noch unbekannt iſt. Im erſten Falle kann die Verbindlichkeit nicht erfuͤllt werden, als nach dem Ereigniß. Im zweiten Falle hat ſie alle rechtlichen Wirkungen vom Tage der Abſchließung. 1182. Wenn der Verbindlichkeit eine aufſchiebende Bedin⸗ gung beigefuͤgt iſt, ſo bleibt die Sache, worauf es in der Verabredung ankommt, auf Gefahr des Verpflichteten, der ſich verbunden hat, ſie dann erſt zu liefern, wenn die Bedingung eintreffen wuͤrde. Iſt die Sache ganz zu Grunde gegangen ohne Verſchul⸗ den des Verpflichteten, ſo iſt die Verbindlichkeit erloſchen. Hat ſich die Sache verſchlimmert ohne Verſchulden des Verpflichteten, ſo hat der Glaͤnbiger die Wahl, und er kann entweder die Verbindlichkeit aufloͤſen oder ganz aufhoͤren laſſen, oder die Sache in dem Zuſtande fordern, worin ſie ſich findet; aber er kann alsdann keine Verringerung des Preiſes fordern. Hat ſich die Sache verſchlimmert durch die Schuld des Verpflichteten, ſo hat der Glaͤubiger das Recht, entweder von der Verbindlichkeit abzugehen, oder die Sache in dem Zu⸗ ſtande zu fordern, worin ſie ſich befindet, mit Schadenerſatz. Von der aufloͤſenden Bedingung. Art. 1183. Aufloͤſende Bedingungen ſind ſolche, wodurch die Verbindlichkeit zuruͤckgenommen oder widerrufen wird, wenn ſie eintreffen, und wodurch mithin die Sachen in den naͤm⸗ lichen Stand kommen, als wenn die Verabredung nie vor⸗ handen geweſen waͤre. Solche Bedingungen ſchieben die Erfuͤllung der Verbind⸗ lichkeit nicht auf, ſondern ſie verbinden nur den Glaͤubiger, das, was er bekommen hat, zu erſtatten, falls das in der Bedingung vorgeſehene Ereigniß eintrifft. 1184. Bei zweiſeitigen Contracten wird immer die auf⸗ ſchiebende Bedingung als ausbedungen verſtanden fuͤr den — 263— Fall, wo einer von beiden Theilen der Verabredung keine Ge⸗ nuͤge leiſten wuͤrde. In dieſem Falle zerfaͤllt der Contract aber nicht von Rechts wegen und ohne Weiteres, ſondern der Theil, gegen welchen er nicht iſt erfuͤllt worden, hat die Wahl, entweder den andern Theil zu Erfuͤllung deſſelben zu zwingen, wenn ſie uͤbrigens moͤglich iſt, oder die Aufloͤſung deſſelben zu for⸗ dern nebſt Schadloshaltung. Die Aufloͤſung muß bei den Gerichten nachgeſucht wer⸗ den, und der Richter kann nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde dem Beklagten einen Ausſtand geben. ſ Von terminlichen Verbindlichkeiten*). Art. 1185. Der Termin unterſcheidet ſich von der Bedin⸗ gung dadurch, daß er die Verbindlichkeit nicht aufſchiebt, ſon⸗ dern nur ihre Vollziehung ausſetzt**). 1186. Was man nur auf einen gewiſſen Termin, oder zu einer beſtimmten Zeit, ſchuldig iſt, kann nicht gefordert werden vor dem wirklichen Verfalle des Termins. Was aber vor der Verfallzeit bezahlt worden iſt, kann nicht zuruͤckge⸗ fordert werden. 1187. In allen Faͤllen, wo ein Termin ausbedungen iſt, wird vermuthet, daß er es zu Gunſten des Verpflichteten ſei. Ein Anderes waͤre es, wenn aus der Verabredung oder den Umſtaͤnden deutlich hervorginge, daß man den Termin eben⸗ falls zu Gunſten des Berechtigten oder des Glaͤubigers aus⸗ bedungen habe. *) D. h. von Verbindlichkeiten, die dem Vertrage gemäß erſt in einer gewiſſen beſtimmten Zeit, auf einen gewiſſen Termin, erfullt werden ſollen. **) Wer unter einer aufſchiebenden Bedingung verbunden iſt, iſt gar nicht verbunden, wenn das verabredete Ereigniß nicht ein⸗ trifft, oder bis dahin iſt gar keine Verbindlichkeit vorhandenz wer aber z. B. ſich' verpflichtet hat, nach 3 Wochen eine ge⸗ wiſſe Summe zu bezahlen, iſt dieſe Summe gleich ſchuldig; nur kann ſie erſt nach 3 Wochen gefordert, oder mit andern Worten: die Verbindlichkeit, die wirklich vorhanden iſt, kann erſt nach 3 Wochen vollzogen werden. „————2— „ — 23— 1188. Der Schuldner kann keinen Anſpruch mehr auf den Vortheil machen, den ihm der ausbedungene Termin ge⸗ waͤhrt, ſobald er bankerott geworden, oder wenn er durch ſeine Handlungen die Sicherheit vermindert hat, welche er im Contracte ſeinem Glaͤubiger gegeben hatte. Von alternativen Verbindlichkeiten*). Art. 1189. Wer ſich ſo verpflichtet hat, daß er entwe⸗ der eine oder die andere Sache thun oder leiſten wolle, iſt nichts mehr ſchuldig, ſobald er eine von den beiden Sachen, welche die Verbindlichkeit enthielt, geleiſtet hat. 1190. Der Schuldner oder der Verpflichtete hat in einem ſolchen Falle die Wahl; es ſei denn, daß ſie dem Berechtig⸗ ten ausdruͤcklich zugeſtanden worden. 1191. Der Verpflichtete kann ſich frei machen dadurch, daß er eine von den beiden verſprochenen Sachen liefert. Aber er kann den Berechtigten nicht zwingen, einen Theil von dieſer und einen andern Theil von jener Sache zu nehmen. 1192. Konnte eine von den beiden verſprochenen Sachen kein Gegenſtand der Verbindlichkeit ſein: ſo faͤllt dieſe letztere in die Claſſe der gewoͤhnlichen ſimpeln Verbindlichkeiten zuruͤck, obſchon ſie ſo verabredet war, daß eine oder die andere Sache geliefert werden ſollte. 1193. Auch wird ſie zur gewoͤhnlichen ſimpeln Verbind⸗ lichkeit, wenn eine von den verſprochenen Sachen zu Grunde geht, und nicht mehr geliefert werden kann, ſelbſt dann, wenn dies durch Verſchulden des Verpflichteten geſchieht. Er kann den Werth der einen Sache nicht ſtatt ihrer ſelbſt anbieten. Wenn beide Sachen zu Grunde gegangen ſind, und der Verpflichtete in Ruͤckſicht auf eine derſelben ſich etwas hat zu Schulden kommen laſſen: ſo muß er den Werth der Sache bezahlen, welche zuletzt zu Grunde gegangen iſt. *) Eine Verbindlichkeit iſt alternativ, wenn ſich jemand ver⸗ bindet, eine Sache oder die andere zu geben oder zu thun, ſo daß die Verbindlichkeit aufhort und der Schuldner befreit wird, wenn er eine von beiden Sachen thut oder leiſtet. —— 1194. Wenn ſich, in den Faͤllen des vorhergehenden Ar⸗ tikels, bei der Verabredung der Glaͤubiger die Wahl ausbe⸗ dungen hatte, ſo iſt folgender Unterſchied zu machen: Entweder iſt bloß eine von den beiden Sachen zu Grunde gegangen, oder beide. Iſt bloß eine Sache zu Grunde gegangen, ſo iſt dies entweder mit oder ohne Verſehen des Schuldners geſchehen. Im erſten Falle kann der Glaͤubiger die uͤbrig gebliebene Sache fordern, oder den Werth der Sache, die zu Grunde gegangen iſt; im zweiten Falle muß der Glaäͤubiger diejenige Sache haben, die uͤbrig bleibt. Sind beide Sachen zu Grunde gegangen, und zwar ſo, daß der Schuldner in Ruͤckſicht auf beide, oder ſelbſt nur in Ruͤckſicht auf eine, etwas verſehen: ſo hat der Glaͤubiger die Wahl, ob er den Werth der einen oder der andern fordern wolle. 1195. Sind beide Sachen zu Grunde gegangen ohne Verſehen des Schuldners, und ehe er in Verzug war, ſo iſt die Verbindlichkeit erloſchen, gemaͤß dem Art. 1302. 1196. Die naͤmlichen bisher angefuͤhrten Regeln gelten fuͤr die Faͤlle, wo die alternative Verbindlichkeit mehr als zwei Sachen zum Gegenſtande hat. i et. Von Verbindlichkeiten ohne Theilung*). F b Von der ungetheiltheit zwiſchen mehrern Glaͤubigern. Art. 1197. Eine Verbindlichkeit iſt ungetheilt zwiſchen mehrern Glaͤubigern, wenn der Titel einem jeden von ihnen ausdruͤcklich das Recht gibt, die Zahlung der ganzen Schuld zu fordern, ſo daß der Schuldner befreit wird durch die Zah⸗ lung, die er an einen derſelben macht, obſchon uͤbrigens der *) Man nennt dieſe Verbindlichkeiten im Rechte auch ungetheilte Verbindlichkeiten, Correal-Verbindlichkeiten und ſolidari⸗ ſche Verbindlichkeiten. Die Erklaͤrung davon geben ganz deut⸗ lich die Art. 1197 und 1200. Man verwechſele uͤbrigens die ungetheilten Verbindlichkeiten nicht mit den untheilbaren Verbindlichkeiten, wovon weiter unten die Rede ſein wird. ——————— *1 — 266— Vortheil, den die Verbindlichkeit gewaͤhrt, ſich unter die ver⸗ ſchiedenen Glaͤubiger gar wohl theilen ließe. 1198. So lange der Schuldner nicht von einem der Glaͤubiger iſt verfolgt und beklagt worden, ſteht es ihm frei, zu zahlen, an welchen der correalen Glaͤubiger er will. Hat indeſſen bloß einer der Mitberechtigten ſeinem Rechte entſagt, oder die Forderung nachgelaſſen, ſo wird da⸗ durch der Schuldner nicht voͤllig befreit, ſondern nur fuͤr den Theil des Mitberechtigten, der ſie ihm erlaſſen hat. 1199. Jede Handlung, welche die Verjaͤhrung in Ruͤck⸗ ſicht auf einen der Mitberechtigten unterbricht, nuͤtzt auch den uͤbrigen Glaͤubigern. §. II. Von der ungetheiltheit zwiſchen mehrern Verpflichteten. Art. 1200. Eine Verbindlichkeit iſt ungetheilt oder cor⸗ real oder ſolidariſch in Ruͤckſicht auf die Verpflichteten oder Schuldner, wenn ſie verbunden ſind, die naͤmliche Sache zu leiſten, und zwar dergeſtalt, daß jeder angehalten werden koͤnne, das Ganze zu leiſten, und daß, wenn einer die Ver⸗ bindlichkeit erfullt, er die uͤbrigen Schuldner in Ruͤckſicht des Glaͤubigers befreie. 1201. Eine Verbindlichkeit kann ungetheilt(oder ſoli⸗ dariſch) ſein, obſchon einer von den Schuldnern zur Zahlung der naͤmlichen Sache auf eine verſchiedene Art verbun⸗ den iſt. So kann ſie zum Beiſpiel ungetheilt ſein, wenn ein Schuldner nur unter einer Bedingung verbunden iſt, waͤhrend die Verbindlichkeit des andern rein und unbedingt iſt, oder wenn ſich der eine nur auf einen gewiſſen Termin verpflichtet hat, der andere aber ohne Termin. 1202. Daß mehrere Schuldner einer fuͤr alle und alle fuͤr einen haften, wird nicht vermuthet; ſondern die Theile miſſen ſich daruͤber ausdrucklich erklaͤrt haben. Dieſe Regel tritt in allen Fäaͤllen ein, und leidet nur dann eine Ausnahme, wenn die Ungetheiltheit von Rechts wegen und ohne Weiteres Statt findet vermoͤge einer geſetz⸗ lichen Verfuͤgung. 1203. Wenn ſich mehrere Schuldner einer fuͤr alle und alle fuͤr einen verbunden haben: ſo kann ihr Glaͤubiger unter —— den Schuldnern denjenigen angehen, den er will; und derje⸗ nige, den er angeht, kann ihm die Wohlthat der Theilung nicht entgegen ſetzen*). 1204. Dadurch, daß der Glaͤubiger einen von ſeinen Schuldnern um Zahlung verfolgt und belangt hat, verliert er das Recht nicht, auch die andern anzugehen. 1205. Iſt der Gegenſtand der Correal⸗Verbindlichkeit zu Grunde gegangen durch das Verſehen eines oder mehrerer ſo⸗ lidariſchen Schuldner, oder wäͤhrend derſelbe oder dieſelben in Verzug waren: ſo ſind dadurch die uͤbrigen Mitverpflich⸗ teten nicht von der Verbindlichkeit befreit, den Preis des Gegenſtandes zu entrichten; aber die letztern ſind nicht zur Schadloshaltung verbunden. Der Glaͤubiger kann in einem ſolchen Falle ſeine Schad⸗ loshaltung bloß bei jenen Schuldnern nachſuchen, durch deren Verſehen die Sache zu Grunde gegangen iſt, oder die in Ver⸗ zug waren; 1206. Sind gegen einen der Correal⸗Schuldner gericht⸗ liche Verfolgungen angehoben worden, ſo wird dadurch die Verjaͤhrung unterbrochen gegen die uͤbrigen Schuldner. 1207. Eben ſo bewirkt die Forderung der Zinſen von einem der Correal-Schuldner, daß ſie gegen die uͤbrigen alle laufen. 1208. Der ſolidariſche Mitverpflichtete kann dem Glaͤu⸗ biger, wenn er von ihm angegangen oder verfolgt wird, alle Einreden entgegen ſetzen, die aus der Natur des Geſchaͤftes fließen; er kann ihm ebenfalls entgegen ſetzen jene Einreden, die ihm perſoͤnlich oder ſeiner Perſon ankleben, ſo wie dieje⸗ nigen, die allen Mitverpflichteten gemeinſchaftlich ſind. Er kann ihm aber jene Einreden nicht entgegen ſetzen, welche einigen von den uͤbrigen Mitverpflichteten bloß per⸗ ſoͤnlich ſind. *) D. h. er kann ſeinem Glaͤubiger ſeinen Theil der Schuld nicht anbieten, und von ihm fordern, daß er ſeine Klage auch gegen jeden der andern Schuldner, und fuͤr den Theil eines ſeden, richten ſolle. Die Clauſel, welche gewoͤhnlich in den Notarialacten vorkommt, und wodurch ein Schuldner auf die Wohlthat der Theilung Verzicht leiſtet, iſt muͤßig: ſie ſetzt ein Recht voraus, welches nicht exiſtirt. —— 8.———— —5— M⸗ 5 1209. Wenn einer von den Mitſchuldnern einziger Erbe des Glaͤubigers wird, oder wenn der Glaͤubiger einziger Erbe eines ſeiner Schuldner wird: ſo hebt eine ſolche Vereini⸗ gung*) die Forderung nicht ganz auf, ſondern nur den Theil des Schuldners oder Gläubigers daran. 1240. Wenn ſchon der Glaͤubiger in Ruͤckſicht auf einen der Mitſchuldner eingewilligt hat, daß die Schuld getheilt ward: ſo verliert er ſein Recht der Solidaritaͤt dadurch nicht, und er kann immerhin von den uͤbrigen das Ganze fordern; nur nicht den Antheil des Mitſchuldners, den er von der Correal⸗Verbindlichkeit befreit hat. 1211. Der Glaͤubiger, der theilweiſe den Theil eines der Mitſchuldner annimmt, ohne ſich in der Quittung die Solidaritaͤt oder ſeine Rechte uͤberhaupt vorzubehalten, ent⸗ ſagt der Solidaritaͤt nur in ſo weit, als ſie dieſen Schuldner betrifft. Aber auch in Ruͤckſicht auf dieſen Schuldner wird der Glaͤubiger nicht angeſehen, dem Rechte der ungetheilten Haf⸗ tung entſagt zu haben, dadurch, daß er von ihm eine Summe annimmt, die dem Antheile deſſelben gleich kommt, wenn in der Quittung nicht ausdruͤcklich geſagt iſt, daß er ſie fuͤr ſeinen Antheil annehme. Eben ſo wenig kann er dadurch, daß er einen der Mit⸗ ſchuldner bloß fuͤr ſeinen Antheil belangt hat, ſeinem Rechte entſagt zu haben angeſehen werden, wenn dieſer be⸗ langte Mitſchuldner nicht erklaͤrt hat, daß er damit zufrieden ſei, oder wenn nicht ein Urtheil ergangen iſt, das ihn zu der geforderten Summe verurtheilt. 1212. Der Glaͤubiger, der theilweiſe und ohne Vorbe⸗ halt den Antheil eines Mitſchuldners an den Ruͤckſtaͤnden oder Zinſen der Schuld annimmt, verliert das Recht der un⸗ getheilten Haftung(oder der Solidarität) nur in Ruͤckſicht auf die wirklich verfallenen Ruͤckſtaͤnde oder Zinſen, und nicht in Ruͤckſicht auf diejenigen, die noch faͤllig werden, auch nicht in Ruͤckſicht auf das Capitalz; es ſei denn, daß die theilweiſe Zahlung waͤhrend zehn auf einander folgender Jahre fortge⸗ dauert habe. *) Confusion. S. den Art. 1500. —— 1213. In allen Faͤllen, wo mehrere Schuldner eine un⸗ getheilte oder correale Verbindlichkeit gegen einen Glaͤubiger uͤbernommen haben, theilt ſich dieſelbe von Rechts wegen unter ſie, und was dieſelben unter einander und gegen einander be⸗ trifft, ſo haftet ein Schuldner dem andern nur fuͤr ſeinen einzelnen Antheil*). 1214. Hat einer von den Mitſchuldnern die ganze ſoli⸗ dariſche Schuld bezahlt: ſo kann er ſie von jedem ſeiner Mit⸗ ſchuldner zuruͤckfordern, aber nur den Antheil eines jeden. Iſt einer von denſelben zahlungsunfaͤhig, ſo wird der Verluſt, der daher entſteht, verhaͤltnißmaͤßig getheilt unter alle Zahlungsfaͤhigen und den Schuldner, der die Zahlung ge⸗ leiſtet hat. 1215. In dem Falle, wo der Glaͤubiger der ungetheilten Haftung zu Gunſten eines der Schuldner entſagt hat, wird, wenn einer oder mehrere Mitſchuldner zahlungsunfaͤhig wer⸗ den, der Antheil der Zahlungsunfaͤhigen verhaͤltnißmaͤßig ver⸗ legt auf alle Schuldner, ſelbſt auf jene Schuldner, die der Glaͤubiger vorher von der ungetheilten Haftung befreit hatte. 1216. Wenn der Handel, wodurch die ſolidariſche Schuld entſtanden, nur einen der ſolidariſchen Schuldner betraͤfe: ſo muͤßte dieſer eine Schuldner, in ſo weit es zwiſchen ihm und ſeinen Mitſchuldnern zu thun waͤre, fuͤr die ganze Schuld haften, und die Mitſchuldner wuͤrden in Ruͤckſicht auf ihn nur als Buͤrgen betrachtet. Von theilbaren und untheilbaren Verbindlichkeiten*). Art. 1217. Eine Verbindlichkeit iſt theilbar oder untheil⸗ bar, je nachdem ſie zum Gegenſtande hat eine Sache, die bei *) D. h. mehrere Correal⸗Schuldner haften dem Glaͤubiger zwar einer fuͤr alle und alle fuͤr einen; aber wenn einer von den Mitſchuldnern das Ganze bezahlt hat, ſo kann er von jedem ſeiner Mitſchuldner nur ſeinen Antheil, nicht das Ganze, for⸗ dern, oder, wie ſich das Geſetz ausdruckt, die Verbindlichkeit, die Schuld, wird von ſelbſt getheilt unter die Mitſchuldner. **) Der vorige Abſchnitt handelte von ungetheilten(oder ſo⸗ lidariſchen) Verbindlichkeiten; der gegenwaͤrtige handelt von — ——————— —— A⸗„ — 270— der Ablieferung, oder eine Handlung, die bei der Erfuͤllung einer materiellen oder intellectuellen Theilung faͤhig oder nicht fahig iſt. 1218. Die Verbindlichkeit iſt untheilbar, obſchon die Sache oder die Handlung, die ſie zum Gegenſtande hat, ihrer Natur nach theilbar iſt, wenn der Geſichtspunkt, woraus ſie in der Verbindlichkeit ſelbſt betrachtet wird, ſie einer theil⸗ weiſen Erfuͤllung unfaͤhig macht. 1219. Eine Verbindlichkeit wird dadurch nicht untheilbar, daß bei ihr die Solidaritaͤt oder Haftung eines fuͤr alle und aller fuͤr einen iſt ausbedungen worden. S. Von den Wirkungen der theilbaren Verbindlichkeit. Art. 1220. Zwiſchen Glaͤubigern und Schuldnern muß jede Verbindlichkeit, wenn ſie auch einer Theilung faͤhig iſt, ſo erfuͤllt werden, als wenn ſie untheilbar wäre. Die Frage uͤber die Theilbarkeit kann nur entſtehen bei ihren Erben; dieſe naͤmlich koͤnnen die Schuld nur fordern oder muͤſſen ſie nur entrichten nach Verhaͤltniß der Theile, die ſie wirklich in Be⸗ ſitz haben, oder wofuͤr ſie in ihrer Eigenſchaft als Stellver⸗ treter der Glaͤubiger oder Schuldner haften muͤſſeu. 1221. Der im vorhergehenden Artikel feſtgeſetzte Grundſatz leidet in Ruͤckſicht auf die Erben des Schuldners eine Aus⸗ nahme, und muß die Sache, wenn ſie ſchon theilbar iſt, von einem ſolchen Erben ganz entrichtet werden: lſtens in dem Falle, wo die Schuld eine Pfandſchuld iſt; 2tens wenn ſie in einem beſtimmten zuſammenhangenden Gegenſtande beſteht; theilbaren und untheilbaren Verbindlichkeiten. Unge⸗ theilt oder ſolidariſch iſt eine Verbindlichkeit in Beziehung auf die Perſonen, nämlich auf mehrere Glaͤubiger, deren jeder das Recht hat, den Gegenſtand der Verbindlichkeit gans zu fordern, oder auf mehrere Schuldner, deren jeder verbunden iſt, den Gegenſtand der Verbindlichkeit ganz und ohne Thei⸗ lung zu liefern. Theilbar oder untheilbar iſt eine Ver⸗ bindlichkeit in Beziehung auf den Gegenſtand, in ſo weit derſelbe bei der Erfullung kann getheilt oder nicht ge⸗ theilt werden. — 271— 3tens wenn die Schuld alternativ iſt, und zwei Sachen zum Gegenſtande hat, worunter der Berechtigte waͤh⸗ len kann, und eine von beiden untheilbar iſt; ätens wenn durch den Litel ſelbſt einer von den Erben allein den Auftrag bekommen hat, die Verbindlichkeit zu erfuͤllen; htens wenn es entweder aus der Natur der Verbindlich⸗ keit, oder der Sache, die ihren Gegenſtand ausmacht, oder aus dem Zwecke, den man bei Abſchließung des Vertrags im Auge hatte, deutlich erhellt, daß der Meinung der contrahirenden Theile nach die Schuld nicht kheilweiſe ſollte abgefuͤhrt werden. In den drei erſten Faͤllen kann der Erbe, der die ſchul⸗ dige Sache oder den pfandverſtrickten Grund beſitzt, angehal⸗ ten werden, auf beide das Ganze zu entrichten, wogegen er ſich gegen ſeine Miterben erholen kann. In dem vierten Falle kann der Erbe, der allein mit Abtragung der Schuld belaſtet iſt, und in dem fuͤnften Falle jeder Erbe ebenfalls fuͤrs Ganze belangt werden, wobei ihnen wieder ihr Erholungsrecht gegen die Miterben offen bleibt. §. 1. Von den Wirkungen der untheilbaren Verbindlichkeit. Art. 1222. Wenn mehrere Perſonen zuſammen eine untheil⸗ bare Schuld uͤbernommen haben: ſo iſt jeder verbunden, das Ganze zu leiſten, obſchon ſie uͤbrigens nicht ſo uͤbernommen worden, daß einer fuͤr alle und alle fur einen haften ſollten. 1223. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit den Erben deſſen, der eine ſolche Verbindlichkeit uͤbernommen hatte; auch dieſe koͤn⸗ nen dieſelbe nicht theilweiſe erfuͤllen. 1224. Jeder Erbe des Glaͤubigers kann die Erfullung einer untheilbaren Verbindlichkeit ganz fordern. Er kann fur ſich allein die Schuld im Garzen nicht er⸗ laſſen, eben ſo wenig, als er fuͤr ſich allein berechtigt iſt, den Werth anzunehmen anſtatt der Sache. Hat aber einer von den Erben fuͤr ſich allein die Schuld erlaſſen, oder den Preis der Sache angenommen: ſo kann ſein Miterbe die ungetheil⸗ ten Sachen zwar noch immer fordern, aber er muß den Theil ———————— — 272— des Miterben verguͤten, der die Schuld erlaſſen, oder den Preis der Sache angenommen hat. 1225. Wenn der Erbe des Schuldners um Erfuͤllung der Verbindlichkeit im Ganzen belangt wird: ſo kann er einen Ausſtand begehren, um ſeine Miterben beiladen zu laſſen. Dies ſteht ihm jedoch nicht frei, ſo oft die Schuld von der Art iſt, daß ſie nur von ihm(dem belangten Erben) entrich⸗ tet werden kann; in welchem Falle er allein verurtheilt wer⸗ den kann; immer aber mit Vorbehalt ſeiner Entſchaͤdigungs⸗ forderung gegen ſeine Miterben. Sechster Abſchnitt. Von Verbindlichkeiten mit einer Strafclauſel. Art. 1226. Bei Verabredungen iſt eine Strafclauſel jene, wodurch ſich jemand, um die Erfuͤllung derſelben zu ſichern, verbindlich macht, etwas Gewiſſes zu leiſten im Falle der Nichterfuͤllung. 1227. Iſt die Hauptverbindlichkeit nichtig, ſo iſt eben dadurch auch die Strafclauſel nichtig. Dadurch aber, daß die Strafclauſel unkraͤftig iſt, zerfaͤllt die Hauptverbindlichkeit nicht. 1228. Es ſteht dem Glaͤubiger frei, den Schuldner, der im Verzug iſt, auf Erfuͤllung der Hauptverbindlichkeit zu be⸗ langen, anſtatt die ausbedungene Strafe zu fordern. 1229. Die ausbedungene Strafe iſt der Erſatz des Scha⸗ dens, den der Glaͤubiger durch Nichterfuͤllung der Hauptver⸗ bindlichkeit leidet. Er kann nicht Beides zugleich, die Erfullung der Haupt⸗ verbindlichkeit und die Strafe, fordern, als in dem Falle, wo letztere bloß fuͤr den Verzug ausbedungen worden iſt. 1230. Wer ſich verbunden hat, etwas zu liefern, oder zu nehmen, oder zu thun, iſt erſt dann in die Strafe verfallen, wenn er ſäumig oder in Verzug iſt; die urſpruͤngliche Ver⸗ bindlichkeit mag nun eine Zeit enthalten, worin ſie erfuͤllt werden muß, oder nicht. 1231. Der Richter kann die ausbedungene Strafe maͤßi⸗ gen, wenn die Hauptverbindlichkeit zum Theile ſchon erfuͤllt iſt. — 273— 1232. Hat die urſpruͤngliche Verbindlichkeit, der eine Strafclauſel angehaͤngt iſt, eine untheilbare Sache zum Ge⸗ genſtande: ſo iſt die Strafe verwirkt dadurch, daß ein einzi⸗ ger von den Erben des Schuldners dagegen handelt, und ſie kann gefordert werden, entweder ganz von demjenigen, der dagegen gehandelt hat, oder von jedem Miterben im Verhält⸗ niß ſeines Theils, und hypothekariſch fuͤrs Ganze, vorbehalt⸗ lich ihrer Erholung gegen denjenigen, der Schuld daran iſt, daß die Strafe verfallen. 1233. Hat aber die urſpruͤngliche Verbindlichkeit, der eine Strafclauſel angehaͤngt iſt, eine theilbare Sache zum Ge⸗ genſtande: ſo verwirkt nur derjenige von den Erben des Glaͤubigers die Strafe, der gegen die Verbindlichkeit handelt, und zwar nur fuͤr den Antheil, den er in der Hauptverbind⸗ lichkeit zu entrichten hatte; gegen die uͤbrigen Erben, die ſie erfullt haben, hat keine Klage Statt. Dieſe Regel leidet eine Ausnahme in dem Falle, wo die Strafclauſel beigefuͤgt war in der Abſicht, daß die Erfullung nicht theilweiſe geſchehen ſollte, und ein Miterbe verhindert hat, daß ſie fuͤrs Ganze geſchah. In einem ſolchen Falle kann gegen ihn die ganze Strafe, und gegen die uͤbrigen Miterben ihr verhaͤltnißmaͤßiger Theil allein gefordert werden; vorbe⸗“ haltlich ihres Ruͤckangriffs. F uͤnftes Capitel. Von Erloͤſchung der Verbindlichkeiten. Art. 1234. Die Verbindlichkeiten erloͤſchen: durch die Zahlung, durch die Umſchaffung(Novation), durch freiwilligen Erlaß, durch Gegeneinanderaufrechnung, durch die Vereinigung, durch den Verluſt der Sache, durch die Nichtigkeit oder Aufhebung, durch eine eingetroffene aufloͤſende Bedingung, wovon im vorhergehenden Capitel gehandelt worden, und durch die Verjährung, wovon in einem beſondern Ti⸗ tel gehandelt wird. 18 —— — 274— Erſter Abſſchn.itt. Von der Zahlung. §. J. Von der Zahlung uͤberhaupt. Art. 1235. Jede Zahlung ſetzt eine Schuld voraus; was jemand bezahlt hat, ohne es ſchuldig zu ſein, kann er wieder fordern. Dieſes Recht der Wiederforderung hoͤrt aber auf, wenn jemand freiwillig etwas bezahlt hat in Gefolg einer bloß na⸗ tuͤrlichen Verbindlichkeit. 1236. Jeder, der ein Intereſſe dabei hat, kann einer Verbindlichkeit Genuͤge leiſten. Auch ſelbſt ein Dritter, der kein Intereſſe dabei hat, kann ihr Genuͤge leiſten. Hierzu wird aber doch erfordert, daß dieſer Dritte im Namen und zu Befreiung des Schuldners handle, oder daß er, wenn er in ſeinem eigenen Namen handelt, nicht dadurch in die Stelle und Rechte des Glaͤubigers trete. 1237. Beſteht die Verbindlichkeit darin, daß jemand etwas thun muß: ſo kann ſie gegen den Willen des Berech⸗ tigten ein Dritter nicht erfuͤllen, wenn der Berechtigte ein Intereſſe dabei hat, daß der Verpflichtete ſelbſt ſie erfuͤlle. 1238. Um guͤltiger Weiſe zahlen zu koͤnnen, wird er⸗ fordert, daß der Zahler Eigenthuͤmer der Sache ſei, die er als Zahlung gibt, und daß er faͤhig ſei, zu veraͤußern. Beſtand indeſſen die Zahlung in einer Summe Geldes, oder in einer andern Sache, die ſich durch den Gebrauch verbraucht: ſo kann ſie von dem Glaͤubiger nicht zuruckgefor⸗ dert werden, wenn er ſie redlich verbraucht hat, obſchon der Bezahler nicht Eigenthuͤmer oder nicht faͤhig, zu veraͤußern, war. *) Es gibt bloß natuͤrliche Verbindlichkeiten, woraus keine buͤrger⸗ liche Klage entſteht. 3. B. du biſt mir eine Summe von 100 Thalern ſchuldig, ich klage dich ein, du läugneſt die Schuld ab, ich kann nicht beweiſen, ich werde abgewieſen, das Urtheil geht in Rechtskraft üͤber. Dein Gewiſſen draͤngt dich indeſſen, du bezahlſt mich freiwillig, ungeachtet dich das Urtheil frei ſprach. Dieſe alſo gezahlte Summe kannſt du nicht zu⸗ ruͤckfordern, u, ſ. w. mit andern Verbindlichkeiten der Art. — 275— 1239. Derjenige, an den die Zahlung geſchieht, muß der Glaͤubiger ſelbſt ſein, oder jemand, der von ihm bevollmaͤchtigt iſt, oder auch jemand, den das Geſetz oder die Gerichte er⸗ maͤchtigt haben, ſie fuͤr ihn anzunehmen. Obſchon indeſſen derjenige, an den die Zahlung verfuͤgt worden, keine Vollmacht vom Glaͤubiger hat, fuͤr ihn anzu⸗ nehmen: ſo iſt ſie dennoch guͤltig, wenn der Glaͤubiger ſie gut heißt, oder wenn er ſie benutzt hat. 1240. Auch iſt guͤltig eine Zahlung, die an jemanden verfuͤgt wird, der im Beſitze der Forderung iſt, obſchon der Beſitzer ſie nachher durch Eviction verliert. 1241. Eine Zahlung, die verfuͤgt wird an einen Glaͤubi— ger, der nicht fühig iſt, ſie zu empfangen, iſt unguͤltig, wenn nicht der Schuldner beweiſ't, daß die bezahlte Sache dem Glaͤubiger genuͤtzt hat. 1242. Zahlt der Schuldner ſeinem Glaͤubiger in dem Falle, wo die Schuld in ſeinen Haͤnden mit Arreſt beſtrickt iſt, oder wo ein Dritter Einſpruch gemacht hat, ſo iſt eine ſolche Zahlung unguͤltig in Ruͤckſicht auf die Glaͤubiger, die den Arreſt angelegt oder den Einſpruch gemacht haben. Letz⸗ tere koͤnnen alsdann je nach Maßgabe ihres Rechtes ihn zwingen, aufs Neue zu zahlen, und er hat in dieſem Falle kein Erholungsrecht, als gegen ſeinen Glaͤubiger. 1243. Der Glaͤubiger kann nicht gezwungen werden, eine andere Sache anzunehmen, als die man ihm ſchuldig iſt; ſelbſt dann nicht, wenn die angebotene Sache eben ſo viel werth oder gar mehr werth iſt. 1244. Auch kann der Schuldner ſeinen Glaͤubiger nicht“ zwingen, ſich die Schuld theilweiſe bezahlen zu laſſen, wenn ſie auch theilbar waͤre. Jedoch koͤnnen die Richter, wenn es die Lage des Schuld⸗ ners zu erfordern ſcheint, fuͤr die Zahlung einen, nicht gar zu langen Ausſtand geſtatten, und verordnen, daß indeſſen mit der Vollziehung inne gehalten werde. Nur muͤſſen ſie ſich dieſer Gewalt mit großer Maͤßigung bedienen, und, ſo lange der Ausſtand dauert, muß alles in ſeinem Stande bleiben. 1245. Der Schuldner liefert die Sache, wenn ſie ein be⸗ ſtimmter und gewiſſer Gegenſtand oder Koͤrper iſt, in dem — 276— Zuſtands, worin ſie ſich bei der Ablieferung findet, und wird dadurch voͤllig befreit. Iſt aber die Sache ſchlechter geworden, ſo muß dies nicht durch den Schuldner oder durch ſein Ver⸗ ſehen gekommen ſein, oder durch das Verſehen von Perſonen, „ fuͤr die er verantwortlich iſt; auch muß er, bevor die Sache ſchlechter geworden, nicht ſäumig geweſen ſein. 1246. Beſteht die Schuld in einer Sache, die bloß ihrer Art nach beſtimmt iſt: ſo braucht der Schuldner, um ſeine Befreiung zu bewirken, ſie nicht von der beſten Art zu liefern; er darf ſie aber auch nicht von der ſchlechteſten Art liefern. 1247. Die Zahlung muß geſchehen an dem Orte, den die Verabredung anzeigt. Iſt der Ort darin nicht angezeigt, ſo muß die Zahlung, wenn es auf einen gewiſſen und be⸗ ſtimmten Gegenſtand ankommt, an dem Orte geſchehen, wo die Sache, die ihren Gegenſtand ausmacht, zur Zeit der Ver⸗ abredung ſich befand. Außer dieſen beiden Fällen muß die Zahlung geſchehen da, wo der Schuldner wohnt. 1248. Die Koſten der Zahlung traͤgt der Schuldner. F. JI. Von der Zahlung mit Subrogation*). Art. 1249. Die Subrogation, oder die Handlung, wo⸗ durch eine dritte Perſon, die bezahlt, an die Stelle und in die Rechte des Glaͤubigers tritt, iſt entweder vertragsmaͤßig oder geſetzlich. 1250. Sie iſt vertragsmaͤßig: lſtens wenn der Glaͤubiger einen Dritten, indem er von ihm ſeine Zahlung erhaͤlt, in die Rechte, Klagen, Vorrangsrechte oder Hypotheken treten laͤßt, die er *) Subrogation iſt die Handlung, wodurch Einer an die Stelle des Andern und in ſeine Rechte geſetzt wird. 3. B. du biſt dem Titius ſchuldig, ich bezahle an den Titius ſtatt deiner, und trete auf ſolche Art in ſeine Stelle und Rechte, werde mithin dein Gläubiger. Dies iſt Subrogation, wovon hier die Rede iſt. Sie tilgt die Schuld in Ruͤckſicht des erſten Glaͤu⸗ bigers, läßt ſie aber beſtehen in Ruͤckſicht des Schuldners. TN — 277— gegen ſeinen Schuldner hat. Eine ſolche Subroga⸗ tion muß ausdruͤcklich ſein, und zur naͤmlichen Zeit geſchehen, wie die Zahlung ſelbſt; 2tens wenn der Schuldner eine Summe lehnt, um da⸗ mit ſeine Schuld zu tilgen, und den Darleiher an die Stelle und in die Rechte des erſten Glaͤubigers zu ſetzen. Zur Guͤltigkeit dieſer Subrogation wird erfordert, daß das Darlehn und die Quittung vor einem öffentlichen Notar aufgenommen werde; fer⸗ ner, daß in dem Darlehn erklaͤrt werde, die Summe ſei geliehen worden, um damit die Schuld zu til⸗ gen; und daß endlich in der Quittung erklaͤrt werde, die Zahlung ſei geſchehen mit dem Gelde, welches zu dieſem Behuf der neue Glaͤubiger hergeſchoſſen hat. Dieſe Subrogation geſchieht, ohne daß dazu die Beiſtimmung des Glaͤubigers noͤthig waͤre. 1251. Die Subrogation geſchieht von Rechts wegen ohne Weiteres: 1ſtens zum Vortheil deſſen, der ſelbſt Gläubiger iſt, und einen andern Glaͤubiger bezahlt, der vor ihm we⸗ gen eines Vorrangsrechtes(Privilegiums) oder we⸗ gen einer fruͤhern Hypothek den Vorzug hatte; 2tens zum Vortheil deſſen, der ein unbewegliches Gut an ſich gebracht hat, und den Preis dazu verwen⸗ det, die Glaͤubiger zu befriedigen, denen es ver⸗ pfaͤndet war; Ztens zum Vortheil deſſen, der mit Andern gemeinſchaft⸗ lich oder fuͤr Andere zur Zahlung einer Schuld ver⸗ bunden war, und mithin ein Intereſſe hatte, ſie zu tilgen; ätens zum Vortheil des Erben mit Vorbehalt, der von dem Seinigen die Schulden einer Verlaſſenſchaft bezahlt hat⸗ 1252. Wer auf die in den vorhergehenden Artikeln be⸗ ſchriebene Art an die Stelle eines Glaͤubigers tritt, erlangt dadurch nicht allein ein Recht gegen die Schuldner, ſondern auch gegen die Buͤrgen. Eine ſolche Subrogation ſchadet aber dem Gläubiger nicht, wenn er bloß zum Theile bezahlt wor⸗ ———————— — E — den iſt. In letzterm Falle bleibt ihm ſein Recht offen in Ruͤck⸗ ſicht auf den noch ſchuldigen Reſt, und er hat hierin ein Vorrecht vor demjenigen, wovon er nur eine theilweiſe Zah⸗ lung erhalten hat. F. III. Von der Aufrechnung der Zahlungen*). Art. 1253. Ein Schuldner, der mehrere Schulden hat, und etwas abtraͤgt, hat das Recht, dabei zu erklaͤren, welche Schuld er tilgen wolle. 1254. Bezahlt der Schuldner etwas auf eine Schuld, wovon entweder Zinſen laufen, oder Ruͤckſtaͤnde faͤllig wer⸗ den: ſo kann er ohne die Einwilligung des Glaͤubigers die Zahlung nicht auf das Capital vorzugsweiſe vor den Zinſen oder Ruͤckſtaͤnden rechnen. Wird auf Capital und Zinſen be⸗ zahlt, aber nicht von beiden der ganze Betrag, ſo wird eine ſolche Zahlung zuerſt auf die Zinſen gerechnet. 1255. Hat derjenige, der verſchiedene Schulden hat, einmal eine Quittung angenommen, worin der Glaͤubiger das Empfangene auf eine ſolcher Forderungen beſonders gut ge⸗ ſchrieben: ſo ſteht es dem Schuldner nicht mehr frei, zu for⸗ dern, daß es auf eine andere Schuld gut geſchrieben werde. Ein Anderes waͤre, wenn er bewieſe, daß der Glaͤubiger ihn uͤberraſcht oder uͤberliſtet habe. 1256. Meldet aber die Quittung nicht, auf welche Schuld die Zahlung gut geſchrieben worden: ſo wird unter⸗ ſucht, welche Schulden zur Zeit der Zahlung wirklich faͤllig waren, und unter dieſen wird ſie auf diejenige gut geſchrie⸗ ben, welche der Schuldner damals am meiſten intereſſirt war zu entrichten. Iſt ein ſolches Intereſſe nicht vorhanden, ſo wird ſie gut geſchrieben auf die faͤllige Schuld, wenn ſie auch *) Umputation. Sie iſt nichte Anderes, als die Abrechnung oder Abziehung deſſen, ſo jemand bezahlt, von dem, was er ſchul⸗ dig iſt. Die Frage, worauf es in dieſem F. ankommt, iſt dieſe: Der Glaͤubiger hat an ſeine Schuldner mehrere Forderun⸗ gen, Forderungen von verſchiedener Artz der Schuldner zahlt ihm eine Summez von welcher Forderung wird das Gezahlte abgezogen, oder auf welche Forderung wird es gut geſchrieben? —— uͤbrigens nicht ſo läͤſtig wäre, als diejenigen, die noch nicht faͤllig waren. Sind die Forderungen von der nämlichen Natur, ſo wird die Zahlung auf die älteſte gut geſchrieben. Iſt alles, Art und Alter, der Forderungen gleich, ſo wird die Zahlung verhaͤlt⸗ nißmaͤßig auf alle gut geſchrieben. S W Vom Anbieten der Zahlung und der Hinterlegung*). Art. 1257. Wenn der Glaͤubiger ſich weigert, die Zah⸗ lung anzunehmen, ſo kann der Schuldner ihm dieſelbe in Wirklichkeit anbieten, und falls der Glaͤubiger ſie nicht an⸗ nehmen will, die Summe oder die Sache hinterlegen, die er angeboten hat. Durch Beides zuſammen, durch wirkliches Anbieten und die darauf gefolgte Hinterlegung, wird der Schuldner be⸗ freit. Iſt das ſo beſchaffene Anbieten auf guͤltige Weiſe ge⸗ ſchehen, ſo vertritt es in Anſehung des Schuldners die Stelle der Zahlung, und eine alſo hinterlegte Sache iſt auf Gefahr des Glaͤubigers. 1258. Damit aber das wirkliche Anbieten guͤltig ſei, wird Folgendes erfordert: 1ſtens, es muß dem Glaͤubiger geſchehen ſein, der fähig iſt, zu empfangen, oder jemanden, der gehoͤrig ge⸗ eignet iſt, fuͤr ihn zu empfangen; 2tens, es muß geſchehen ſein von einer Perſon, die faͤhig iſt, zu zahlen; 3tens, es muß beſtehen in dem Ganzen der faͤlligen Summe, der ſchuldigen Ruͤckſtaͤnde oder Zinſen, der liquidirten oder klaren Koſten, und in einer Summe fuͤr die nicht liquidirten oder nicht klaren Koſten, mit Vorbehalt, ſie vollſtaͤndig zu machen; ——— *) Hinterlegung, wie ſie hier genommen wird, oder Conſigna⸗ tion, iſt der Act, wodurch man eine Summe oder Schuld bei einer offentlichen Perſon niederlegt, bis uͤber irgend eine ent⸗ ſtandene Schwierigkeit die Entſcheidung erfolge, oder irgend eine Bedingung eintrete. ——————— — 280— Atens, der Termin muß verfallen ſein, wenn er zu Gunſten des Glaͤubigers ausbedungen war; 5tens, die Bedingung, worunter die Schuld uͤbernom⸗ men war, muß eingetreten ſein; 6tens, das Anbieten muß geſchehen ſein an dem Orte, der fuͤr die Zahlung ausbedungen war; iſt aber uͤber den Ort, wo die Zahlung geſchehen ſoll, nichts verabredet worden: ſo muß das Anbieten dem Glaͤu⸗ biger entweder in Perſon geſchehen ſein, oder an ſeinem Wohnhauſe, oder an dem Wohnorte, der fuͤr die Erfuͤllung der Verabredung erwaͤhlt oder aus⸗ bedungen worden iſt; 7tens, endlich muß es geſchehen ſein von einer oͤffent⸗ lichen Perſon, die fuͤr dergleichen Handlungen einen geeigneten Charakter hat. 1259. Es iſt zur Guͤltigkeit der Hinterlegung nicht noͤ⸗ thig, daß der Richter ſeine Ermaͤchtigung dazu gegeben habe, ſondern es iſt genug, Lſtens, wenn eine Aufforderung vorhergegangen iſt, die dem Glaͤubiger iſt kund gemacht oder inſinuirt wor⸗ den, und die den Tag, die Stunde und den Ort enthaͤlt, wo die angebotene Sache hinterlegt wer⸗ den ſoll; Ltens, wenn ſich der Schuldner der angebotenen Sache wirklich entledigt, und ſie an den Ort hin⸗ terlegt hat, den das Geſetz fuͤr die Aufnahme ſolcher hinterlegten Sachen beſtimmt, und zwar mit den Zinſen bis zum Tage der Hinterlegung; 3tens, wenn die oͤffentliche Perſon ein Protokoll ange⸗ fertigt hat uͤber die Natur der alſo angebotenen Sorten, uͤber die Weigerung des Gläubigers, ſie an⸗ zunehmen, oder uͤber den Umſtand, daß derſelbe nicht erſchienen, und endlich uͤber die wirkliche Hinter⸗ legung; 4tens, wenn in dem Falle, wo der Glaͤubiger nicht er⸗ ſchienen iſt, man ihm das Protokoll inſinuirt, und ihn dabei aufgefordert hat, die hinterlegte Sache abzunehmen. —— — ——— — 281— 1260. Alle Koſten eines wirklichen Anbietens und der darauf gefolgten Hinterlegung fallen, wenn ſie auf guͤltige Art geſchehen ſind, dem Glaͤubiger zur Laſt. 1261. So lange der Glaͤubiger ſeine Zufriedenheit mit der Hinterlegung nicht erklaͤrt hat, kann der Schuldner die hinterlegte Sache zuruͤcknehmen. Nimmt er ſie zuruͤck, ſo ſind ſeine Mitſchuldner oder ſeine Buͤrgen nicht befreit. 1262. Hat der Schuldner ſelbſt ein Urtheil erwirkt, welches ſein Anbieten und ſeine Hinterlegung fuͤr guͤltig er⸗ klart, und iſt dieſes Urtheil rechtskraͤftig geworden: ſo kann er zum Nachtheil ſeiner Mitſchuldner oder Buͤrgen das Hin⸗ terlegte nicht mehr zuruͤcknehmen, ſelbſt nicht mit Bewilligung ſeines Glaͤubigers. 1263. Wenn der Glaͤubiger eingewilligt hat, daß ſein Schuldner die Hinterlegung zuruͤcknehme, nachdem bereits ein rechtskraͤftig gewordenes Urtheil dieſelbe fuͤr guͤltig erklaͤrt hatte: ſo kann er, um ſeine Zahlung zu erlangen, die Vor⸗ rangsrechte oder Privilegien und Hypotheken nicht mehr in Anſpruch nehmen, die mit ſeiner Forderung verbunden waren. Er hat in einem ſolchen Falle keine Hypothek, als von dem Tage an, wo die Acte, worin er in die Zuruͤcknahme der hinterlegten Sache eingewilligt hat, mit allen jenen Formen iſt verſehen worden, welche zur Erwerbung eines Pfandrech⸗ tes erforderlich ſind. 1264. Beſteht die Schuld nicht in einer Summe Gel⸗ des, ſondern in einer beſtimmten einzelnen Sache, welche an dem Orte, wo ſie ſich befindet, abgeliefert werden muß: ſo muß der Schuldner ſeinen Glaͤubiger auffordern, ſie abzu⸗ nehmen. Die Aufforderung geſchieht ſchriftlich, und wird dem Glaͤubiger inſinuirt, entweder in Perſon, oder an ſeinem Wohnhauſe, oder auch an dem Wohnhauſe, das fuͤr die Er⸗ fuͤllung des Vertrages iſt verabredet worden. Wenn, nach der geſchehenen Aufforderung, der Glaͤubiger die Sache nicht ab⸗ nimmt, und der Schuldner den Ort braucht, worauf ſie ſich befindet: ſo kann letzterer ſich an das Gericht wenden, und dieſes ihn ermaͤchtigen, ſie an irgend einen andern Ort in Verwahr zu bringen. ——————— * — E — 282— §. V. Von der Güterabtretung. Art. 1265. Die Guͤterabtretung iſt eine Handlung, wo⸗ durch der Schuldner, wenn er ſich außer Stande befindet, alle ſeine Schulden zu bezahlen, ſeinen Glaͤubigern alle ſeine Guͤter hingibt und uͤberlaͤßt. 1266. Sie iſt entweder freiwillig oder gerichtlich. 1267. Sie iſt freiwillig, wenn die Glaͤubiger ſie von freien Stuͤcken annehmen, und hat in dieſem Falle keine an⸗ deren Wirkungen, als diejenigen ſind, die natuͤrlich aus dem zwiſchen ihnen und dem Schuldner getroffenen Vertrage folgen. 1268. Die gerichtliche Guͤterabtretung iſt eine Wohlthat, die das Geſetz einem Schuldner geſtattet, der redlich iſt und Unglucksfaͤlle erlitten hat, und dem es in dieſem Falle erlaubt, aller Verabredungen fuͤrs Gegentheil ungehindert, ſeinen Glaͤu⸗ bigern ſein ganzes Vermoͤgen gerichtlich zu uͤberlaſſen, damit er der perſoͤnlichen Haft entgehe. 1269. Die gerichtliche Guͤterabtretung gibt den Glaͤubi⸗ gern kein Eigenthumsrecht, ſondern ſie berechtigt ſie nur, die hingegebenen Guͤter zu ihrem Nutzen verkaufen zu laſſen, und bis zum Verkauf die Einkuͤnfte davon zu ziehen. 1270. In allen Faͤllen, welche das Geſetz nicht ausdruͤck⸗ lich ausnimmt, koͤnnen die Glaͤubiger ſich nicht weigern, die gerichtliche Abtretung anzunehmen. Eine Folge von ihr iſt, daß der Schuldner nicht mehr perſoͤnlich verhaftet werden kann. Uebrigens befreit ſie den Schuldner nur ſo weit, als der Werth der abgetretenen Guͤter reicht; und in dem Falle, wo ſie unzugaͤnglich waren, und der Schuldner neue an ſich ge⸗ bracht, muß er ſie hingeben bis zur vollſtaͤndigen Zahlung. 3 weiter Abſchnitt. Von der umſchaffung*). Art. 1271. Die Umſchaffung geſchieht auf dreierlei Art: lſtens wenn der Schuldner gegen ſeinen Glaͤnbiger eine neue Schuld contrahirt, und dieſe neue Schuld an *) Novalion, die zweite Art, wie Verbindlichkeiten erloͤſchen. — — 283— die Stelle der vorigen Schuld, welche dadurch aufhoͤrt, geſetzt wird; 2tens wenn an die Stelle des alten Schuldners ein neuer tritt, und zwar ſo, daß der Glaͤubiger den alten Schuldner befreit; 3tens wenn eine veraͤnderte Verabredung getroffen wird, wodurch ein neuer Glaͤubiger an die Stelle des alten tritt, welchem demnach der Schuldner nicht mehr ſchuldig bleibt. 1272. Nur unter Perſonen, welche fähig ſind, Vertraͤge zu ſchließen, kann eine Umſchaffung geſchehen. 1273. Daß eine Schuld durch Umſchaffung aufgehoben ſei, wird nicht vermuthet; ſondern der Wille muß in dieſer Hinſicht aus der Urkunde klar hervorgehen. 1274. Die Unſchaffung, welche dadurch geſchieht, daß ein neuer Schuldner an die Stelle des alten tritt, kann ge⸗ ſchehen ohne den Beitritt des alten urſpruͤnglichen Schuldners. 1275. Wenn ein Schuldner ſeinem Glaͤubiger einen an⸗ dern Schuldner anweiſ't, der ſich gegen den Glaͤubiger ver⸗ bindlich macht, ſo bewirkt eine ſolche Anweiſung noch keine Umſchaffung der Schuld, es ſei denn, daß der Glaͤubiger ſeinen Willen erklaͤrt habe, ſeinen Schuldner, der die Anwei⸗ ſung gegeben, von der Verbindlichkeit los zu ſagen. 1276. Iſt nun auf dieſe Art der Schuldner, von dem die Anweiſung herruͤhrt, befreit, ſo hat ſein Glaͤubiger kein Erholungsrecht mehr gegen ihn, wenn der angewieſene Schuld⸗ ner zahlungsunfaͤhig wird. Doch bleibt ihm ſein Erholungs⸗ recht offen, wenn er es ſich in der Umſchaffungsurkunde aus⸗ druͤcklich vorbehalten hat, oder wenn der Angewieſene offenbar ſchon bankerott war, oder ſich im gaͤnzlichen Zahlungsunver⸗ moͤgen befand in dem Augenblicke der Anweiſung. 1277. Dadurch, daß der Schuldner bloß eine Perſon an— zeigt, welche fuͤr ihn bezahlen ſoll, wird keine Umſchaffung bewirkt. Auch dadurch wird ſie nicht bewirkt, daß der Glaͤubiger bloß jemanden anzeigt, der fuͤr ihn empfangen ſoll. 1278. So viel die Vorrangs⸗ und Hypothekenrechte be⸗ trifft, welche mit der alten Schuld verbunden waren, ſo gehen ———————— ² — 2834— ſie nur in dem Falle auf die neue Schuld, die durch Um⸗ ſchaffung an ihre Stelle gekommen iſt, uͤber, wenn der Glaͤu⸗ biger ſie ſich ausdruͤcklich vorbehalten hat. 1279. Geſchieht die Umſchaffung dadurch, daß ein neuer Schuldner an die Stelle des alten kommt, ſo gehen die Vor⸗ rangs⸗ und Hypothekenrechte nicht auf die Guͤter des neuen Schuldners uͤber. 1280. Wenn die Umſchaffung zwiſchen dem Glaͤubiger und einem von mehrern ſolidariſch verpflichteten Schuldnern vorgeht, ſo koͤnnen die Vorrangsrechte und Hypotheken der alten Forderung vorbehalten werden nur zum Nachtheil der Guͤter desjenigen, der die neue Schuld uͤbernimmt. 1281. Eine Umſchaffung zwiſchen dem Glaͤubiger und einem der ſolidariſchen Schuldner macht alle Mitſchuldner von ihrer Verbindlichkeit los. Geſchieht ſie in Anſehung des Hauptſchuldners, ſo ent⸗ laſtet ſie die Buͤrgen. Hat indeſſen der Glaͤubiger im erſten Falle den Beitritt der Mitſchuldner, und im zweiten den Beitritt der Buͤrgen verlangt, ſo bleibt die alte Forderung beſtehen, wenn die Mit⸗ ſchuldner oder Buͤrgen der neuen Vereinbarung nicht beitreten wollen. Von Erlaſſung der Schuld. Art. 1282. Wenn der Glaͤubiger dem Schuldner die Originalurkunde unter Privatunterſchrift freiwillig zuruckgibt, ſo beweiſ't dies, daß er den Schuldner habe befreien wollen. 1283. Die freiwillige Zuruͤckgabe der Ausfertigung*) des Titels laͤßt vermuthen, daß die Schuld entweder erlaſſen oder bezahlt iſt; das Gegentheil kann aber bewieſen werden. 1284. Die Zuruͤckgabe des Originaltitels unter Privat⸗ unterſchrift, oder der Ausfertigung des Titels, wenn ſie an *) Grosse. So heißt eigentlich die mit allen Formalitäten oder Feierlichkeiten verſehene Ausfertigung eines Urtheils, eines Con⸗ tractes u. ſ. w., wovon die Urſchrift bei dem Notar oder Ge⸗ richtſchreiber hinterlegt bleibt, der ſie angeſertigt hat. — —.———————————— — 285— einen von mehrern ungetheilt verpflichteten Schuldnern ge⸗ ſchieht, hat die naͤmliche Wirkung zu Gunſten ſeiner Mit⸗ ſchuldner. 1285. Sind mehrere ſolidariſch oder ohne Theilung ver⸗ pflichtete Schuldner vorhanden, und der Glaͤubiger erlaͤßt ei⸗ nem von ihnen die Schuld, oder entladet ihn zufolge einer Verabredung: ſo werden dadurch alle andern Mitſchuldner be⸗ freit, es ſei denn, daß ſich der Glaͤubiger gegen letztere ſeine Rechte ausdruͤcklich vorbehalten habe. In dieſem letzten Falle kann zwar der Glaubiger ſeine Forderung gegen die uͤbrigen Mitſchuldner geltend machen; aber er muß davon den Theil desjenigen abrechnen, zu deſſen Gunſten die Erlaſſung geſchehen. 1286. Daraus, daß jemand die zum Unterpfande gege⸗ bene Sache zuruͤckgibt, laͤßt ſich noch ſchließen, daß er die Schuld erlaſſen habe. 1287. Wenn dem Hauptſchuldner durch eine Verabre⸗ dung die Schuld erlaſſen, oder er davon entlaſtet wird, ſo werden dadurch auch die Buͤrgen los. Geſchieht dies aber zu Gunſten des Buͤrgen, ſo wird dadurch der Hauptſchuldner nicht befreit. Geſchieht es zu Gunſten eines von den Buͤrgen, ſo wer⸗ den dadurch die uͤbrigen nicht befreit. 1288. Was der Glaͤubiger von einem Buͤrgen dafuͤr be⸗ kommen hat, daß er ihn von der Buͤrgſchaft los ſagt, wird auf die Schuld gut geſchrieben und befreit mithin, ſo weit es reicht, den Hauptſchuldner und die uͤbrigen Buͤrgen. Vierter Abſchnitt. Von der Gegeneinanderaufrechnung*). Art. 1289. Wenn zwei Perſonen einander etwas ſchuldig werden, ſo wird eine Schuld gegen die andere aufgerechnet, und beide Verbindlichkeiten werden aufgehoben, in den Fällen und auf die Art, wie weiter unten beſtimmt wird. 1290. Die Gegeneinanderaufrechnung geſchieht von Rechts wegen, ſelbſt ohne Vorwiſſen der gegenſeitigen Schuldner, und *) Compensation. ——— — d⸗— 6 — 286— beide Verbindlichkeiten heben ſich gegen einander auf in dem naͤmlichen Augenblicke, wo ſie anfangen, zugleich zu eriſtiren, und zwar heben ſie ſich auf bis auf den Betrag, der in bei⸗ den der naͤmliche iſt. 1291. Damit auf ſolche Art zwei Schulden gegen einan⸗ der aufgerechnet werden koͤnnen, wird erfordert, daß beide zum Gegenſtande haben eine Summe Geldes, oder eine gewiſſe Quantitaͤt verbrauchbarer Sachen von der naͤmlichen Art, und daß beide ebenmaͤßig klar oder liquid*) und fällig ſeien. Leiſtungen an Getreide oder Lebensmitteln, wenn ſie nicht beſtritten werden, und wenn ihr Werth durch die Marktpreiſe regulirt iſt, koͤnnen gegen klare und fällige Geldſummen auf⸗ gerechnet werden. 1292. Iſt dem Schuldner ein Ausſtand bewilligt**), ſo hindert dies die Gegeneinanderaufrechnung nicht. 1293. Eine oder die andere Schuld mag einen Grund haben, welchen ſie wolle, ſie werden gegen einander aufgerech⸗ net. Ausgenommen ſind folgende Faͤlle, wo die Gegeneinan⸗ deraufrechnung nicht Statt findet: 1ſtens wenn auf Ruͤckerſtattung einer Sache geklagt wird, aus deren Beſitz der Eigenthuͤmer unrecht⸗ maͤßiger Weiſe iſt geſetzt worden; 2tens wenn geklagt wird auf Ruͤckerſtattung einer in Verwahrung gegebenen Sache und einer Sache, die zum bloßen Gebrauche ohne Entgelt iſt geliehen worden; Ztens wenn es auf eine Schuld ankommt, die zum Ge⸗ genſtande hat Nahrungsmittel, welche der gerichtlichen Wegnahme nicht unterworfen ſind. 1294. Iſt der Gläubiger dem Hauptſchuldner etwas ſchul⸗ dig, ſo kann der Buͤrge dem erſten die Gegeneinanderauf⸗ rechnung fur den Betrag der Schuld entgegen ſetzen. 3) Klar oder liquid heißen Schulden oder Forderungen, wenn uͤber ihre Richtigkeit unter Glaubiger und Schuldner kein Streit, kein Zweifel mehr iſt. **) Vom Gläubiger oder vom Richter. — 287— Hingegen kann der Hauptſchuldner nicht in Aufrechnung bringen das, was der Glaͤubiger dem Buͤrgen ſchuldig iſt. Auch kann der Mitverpflichtete ohne Theilung gegen den Glaͤubiger nicht in Aufrechnung bringen, was dieſer ſeinem Mitverpflichteten ſchuldig iſt. 1295. In dem Falle, wo der Schuldner rein und unbe⸗ dingt den Uebertrag angenommen hat, wodurch der Glaͤubi⸗ ger ſeine Anſpruͤche einem Dritten abgetreten, kann er dieſem Dritten, zu deſſen Gunſten der Uebertrag geſchehen iſt, die Gegeneinanderaufrechnung nicht mehr entgegen ſetzen, die er vor der Annahme dem Uebertragenden entgegen ſetzen konnte. Was aber den Uebertrag betrifft, den der Schuldner nicht angenommen, den man ihm aber inſinuirt hat, ſo hin⸗ dert er die Gegeneinanderaufrechnung der fruͤhern Forderun⸗ gen nicht, ſondern bloß jener Forderungen, die ſpäter ſind, als die Inſinuation. 1296. Sind die beiden Verbindlichkeiten ſo geartet, daß ſie an verſchiedenen Orten erfuͤllt werden muͤſſen, ſo hat in ihrer Ruͤckſicht zwar die Gegeneinanderaufrechnung Statt; doch muͤſſen die Koſten der Ablieferung dabei in Anſchlag kommen. 1297. In dem Falle, wo die naͤmliche Perſon mehrere Schulden hat, in deren Ruͤckſicht die Gegeneinanderaufrech— nung Statt haben kann, ſind fuͤr dieſelbe die Regeln zu be⸗ obachten, welche in dem Art. 1256 fuͤr die Aufrechnung vor— geſchrieben ſind. 1298. Die Gegeneinanderaufrechnung hat nicht Statt, wenn dadurch den erworbenen Rechten eines Dritten Abbruch geſchähe. So kann ein Schuldner, der ſelbſt Glaͤubiger ſeines Glaͤubigers wird zu einer Zeit, wo ein Dritter auf die Schuld in ſeinen Haͤnden Arreſt gelegt hatte, nicht fordern, daß gegen einander aufgerechnet werde zum Nachtheil deſſen, der den Arreſt angelegt hat. 1299. Wer eine Schuld bezahlt hat, welche von Rechts wegen durch Gegeneinanderaufrechnung getilgt war, und nachher die Forderung geltend macht, die er gegen die be⸗ zahlte Schuld aufzurechnen vernachlaͤſſigt hat, der kann dabei zum Nachtheil eines jeden Dritten die Privilegien und Hy⸗ —————— £* — 288— potheken nicht in Anſpruch nehmen, welche mit ſeiner For⸗ derung verbunden waren, es ſei denn, daß er eine gerechte Urſache gehabt habe, nichts von der Forderung zu wiſſen, welche ſeine Schuld durch Gegeneinanderaufrechnung tilgen mußte. F uͤnfßter Rbſchnitt. Von der Vereinigung. Art. 1300. So oft ſich die Eigenſchaften eines Glaͤubigers und Schuldners in Einer und der naͤmlichen Perſon vereinigen, bewirkt dies eine Vermiſchung der Rechte, wodurch beide For⸗ derungen erloͤſchen. 1301. Geſchieht die Vereinigung in der Perſon des Haupt⸗ ſchuldners, ſo nuͤtzt ſie ſeinen Buͤrgen. Geſchieht ſie in der Perſon des Buͤrgen, ſo erliſcht darum die Hauptverbindlichkeit nicht.“ Geſchieht ſie in der Perſon des Glaͤubigers, ſo kommt ſie ſeinen ohne Theilung verbundenen Mitſchuldnern zwar zu Gute, aber nur fuͤr den Theil, den er ſchuldig war. Sechster Abſchnitt. Vom Verluſt der ſchuldigen Sachen. Art. 1302. In allen Fällen, wo der Gegenſtand einer Verbindlichkeit ein gewiſſer beſtimmter Körper iſt, und dieſer zu Grunde geht, dem Verkehr entzogen wird, oder ſonſt auf eine Art ſo verloren geht, daß man nicht mehr weiß, ob er noch exiſtirt, iſt die Verbindlichkeit erloſchen, wenn die Sache zu Grunde oder verloren gegangen iſt ohne Verſehen des Schuldners, und bevor er im Verzug oder ſaͤumig war. Aber auch ſelbſt in dem Falle, wo der Schuldner im Verzug iſt, aber nicht verſprochen hat, jeden Zufall zu ver⸗ treten, iſt die Verbindlichkeit aufgehoben, wenn die Sache auch beim Glaͤubiger, falls ſie ihm abgeliefert worden, zu Grunde gegangen waͤre. Alsdann muß aber der Schuldner den ungefaͤhren Zufall, den er vorſchuͤtzt, beweiſen. *) Confusion. —————————————— — 289— Iſt die Sache geſtohlen worden, ſo mag ſie zu Grunde oder verloren gegangen ſein, auf welche Art ſie immer wolle, derjenige, der ſie entwendet hat, kann ſich dadurch nicht von der Verbindlichkeit befreien, den Preis zu erſetzen. 1303. Iſt die Sache zu Grunde oder verloren gegangen, oder dem Verkehr entzogen worden, ohne Verſehen des Schuld⸗ ners, ſo muß er, wenn in Ruͤckſicht auf die naͤmliche Sache etwa Rechte oder Klagen vorhanden ſind, ſolche ſeinem Glaͤu⸗ biger uͤbertragen. Siebenter Abſchnitt. Von der Klage auf Nichtigkeit oder umſtoßung der Verabredungen oder Vertraͤge. Art. 1304. In allen Faͤllen, wo nicht ein beſonderes Ge⸗ ſetz die Klage auf Nichtigkeit oder Umſtoßung einer Verabre⸗ dung auf eine geringere Zeit eingeſchraͤnkt hat, dauert dieſe Klage zehn Jahre. In dem Falle einer Gewaltthaͤtigkeit fangen die zehn Jahre an zu laufen von dem Tage, wo ſie aufhoͤrt; in dem Falle eines Irrthums oder Betrugs von dem Tage, wo ſie entdeckt werden, und in Ruͤckſicht auf die Handlungen verhei⸗ ratheter Weiber, wenn ſie nicht gehoͤrig ermaächtigt waren, fangen die zehn Jahre an zu laufen von dem Tage, wo die Ehe aufgeloͤſ't wird. In Ruͤckſicht auf die Handlungen der Unterſagten laͤuft jene Zeit erſt von dem Tage, wo die Unterſagung gehoben iſt, und in Ruͤckſicht auf die Minderjaͤhrigen von dem Tage der erlangten Großjaͤhrigkeit. 1305. Minderjaͤhrige, nicht emancipirte Perſonen, koͤnnen auf Umſtoßung jeder Verabredung klagen, wenn ſie nur irgend eine Verletzung oder Verkuͤrzung beweiſen. Emancipirte Min⸗ derjaͤhrige hingegen koͤnnen aus dieſem Grunde nur dann auf Umſtoßung klagen, wenn die Rede iſt von Verabredungen, die ſie, gemaͤß dem Titel von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emancipation, zu treffen unfaͤhig ſind. 1306. Hat die Verletzung, die ein Minderjähriger erlit⸗ ten, ihren Grund in einer zufaͤlligen, unvorgeſehenen Begeben⸗ 19 ——————— —* — 290— heit, ſo kann er wegen derſelben nicht in den vorigen Stand geſetzt werden. 1307. Der Umſtand, daß der Minderjaͤhrige in dem Acte bloß erklaͤrt hat, er ſei großjaͤhrig, hindert ihn nicht, ſeine Wiedereinſetzung in den vorigen Stand zu fordern und zu bewirken. 1308. Treibt ein Minderjaͤhriger einen Handel, Wechſel⸗ geſchaͤfte, oder eine Kunſt, oder ein Handwerk, ſo kann er nicht in den vorigen Stand geſetzt werden gegen Verbindlichkeiten, die er wegen jener Geſchaͤfte uͤbernommen hat. 1309. Eben ſo wenig kann er dieſe Wohlthat anrufen gegen Verabredungen, welche ſein Ehecontract enthaͤlt, wenn ſie uͤbrigens getroffen worden mit der Bewilligung und in Beiſtand jener Perſonen, deren Einwilligung auch erforderlich iſt zur Guͤltigkeit ſeiner Ehe. 1310. Auch kann er ſie nicht anrufen gegen Verbindlich⸗ keiten, die ihren Grund haben in einem Verbrechen, ſo er be⸗ gangen, oder in einer verbrechenaͤhnlichen Handlung. 1311. Ferner kann er in dieſer Ruͤckſicht nicht mehr an⸗ gehoͤrt werden gegen Verbindlichkeiten, die er zwar in ſeiner Minderjahrigkeit uͤbernommen, aber nach erlangter Großjaͤh⸗ rigkeit gutgeheißen hat, ohne Unterſchied, ob die Verbindlich⸗ keit nichtig war in ihrer Form, oder ob dagegen bloß die Wiedereinſetzung in den vorigen Stand Statt hatte. 1312. Wenn Minderjaͤhrige, Unterſagte oder verheirathete Weiber in dieſen ihren Eigenſchaften zur Wiedereinſetzung in den vorigen Stand gegen ihre eingegangenen Verbindlichkei⸗ ten gelangt ſind: ſo kann von ihnen das, was waͤhrend der Minderjaͤhrigkeit, der Unterſagung oder der Ehe zufolge ſol— cher Verbindlichkeiten an ſie iſt bezahlt worden, nicht zuruck⸗ gefordert werden, den Fall ausgenommen, wo bewieſen wird, daß das Bezahlte zu ihrem Nutzen gediehen iſt. 1313. Großjahrige koͤnnen aus dem Grunde der Ver⸗ letzung nicht anders in den vorigen Stand geſetzt werden, als in den Fällen und unter den Bedingungen, welche ſich in dem gegenwärtigen Geſetzbuche beſonders ausgedruͤckt finden. 1314. Iſt die Rede von Veräußerung unbeweglicher Guͤ⸗ ter oder von Theilung einer Erbſchaft, und ſind dabei alle — 291— Feierlichkeiten beobachtet worden, welche das Geſetz erfordert in Faͤllen, wo Minderjaͤhrige oder Unterſagte dabei intereſſirt ſind: ſo werden letztere in Ruͤckſicht auf ſolche Handlungen ſo angeſehen, als wenn ſie dieſelben vorgenommen haͤtten in ihrer Großjaͤhrigkeit oder vor der Unterſagung. S i Vom Beweiſe der Verbindlichkeiten und der ge⸗ ſchehenen Zahlung. Art. 1315. Wer die Erfuͤllung einer Verbindlichkeit for⸗ dert, muß ſie beweiſen. Umgekehrt, wer vorgibt, daß er nichts mehr ſchuldig oder befreit ſei, muß die Zahlung beweiſen, oder die Hand⸗ lung, wodurch die Verbindlichkeit erloſchen iſt. 1316. Die Regeln, betreffend den ſchriftlichen Beweis, den Zeugenbeweis, die Vermuthungen, das Geſtaͤndniß einer Partei und den Eid, werden in folgenden Abſchnitten erklaͤrt. ſt ſ Vom ſchriftlichen Beweiſe. S Von offentlichen oder authentiſchen Urkunden. Art. 1317. Oeffentlich oder authentiſch heißt eine Urkunde oder Acte, wenn ſie aufgenommen iſt von einer oͤffent⸗ lichen Perſon, welche das Recht hat, an dem Orte, wo die Urkunde verfaßt ward, oͤffentliche Urkunden zu verfertigen, und mit Beobachtung der vorgeſchriebenen Feierlichkeiten. 1318. Wenn eine Urkunde darum nicht als eine oͤffent⸗ liche oder authentiſche Urkunde gelten kann, weil der Beamte oder die Perſon, die ſie abfaßte, nicht geeignet oder unfaͤhig war, oder weil eine Feierlichkeit dabei vernachlaͤſſigt worden: ſo gilt ſie, wofern ſie von den Theilen unterſchrieben iſt, als Privaturkunde. 1319. Jede authentiſche Urkunde hat volle Beweiskraft fuͤr die Verabredung, die ſie beurkundet, unter den contrahi⸗ renden Theilen und ihren Erben oder allen denen, die in ihr Recht treten. —— ——. Wird indeſſen eine Haupt⸗Falſumsklage angeſtellt, ſo wird die Vollziehung der in der als falſch angegebenen Urkunde enthaltenen Verabredung dadurch aufgeſchoben, daß der Be⸗ ſchuldigte in den Anklagezuſtand kommt. Wird eine Urkunde nur beilaͤufig waͤhrend eines Prozeſſes als falſch angegeben: ſo kann der Richter, nach Beſchaffenheit der Umſtaͤnde, ihre Vollziehung aufhalten*). 1320. Die Urkunden moͤgen oͤffentlich oder privat ſein, ſie beweiſen unter den Theilen ſelbſt das, was nur beiläufig**) darin ausgedruͤckt wird; nur wird erfordert, daß das bei⸗ läufig Ausgedruͤckte mit der Hauptverfuͤgung in unmitteibarer Verbindung ſtehe. Iſt es der Hauptverfuͤgung fremd, ſo kann es nur als Anfang eines Beweiſes dienen. 1321. Ausgeſtellte Reverſe haben keine Wirkung, als un⸗ ter den contrahirenden Theilen; gegen einen Dritten haben ſie keine Wirkung***). *) Die Klage oder Angabe, daß irgend eine Urkunde falſch ſei, iſt zweierlei, und kann auf zweierlei Art geſchehen. Sie iſt eine Haupt⸗Falſumsklage(Laux principal), wenn ſie geradezu gegen jemand angehoben wird, mit dem man keinen Rechts⸗ ſtreit hat, bei dem ſich aber eine urkunde oder Schrift befin⸗ det, deren er ſich gegen uns bedienen koͤnnte, die aber, wie wir glauben, falſch iſt, und die wir als falſch wollen erklaͤren laſſen. Sie wird angehoben und eingeleitet wie jede andere peinliche Klage.— Sie iſt eine beiläufige Falſumsklage(Faux ineident), wenn waͤhrend eines Prozeſſes eine Partei be⸗ hauptet, daß eine urkunde falſch ſei, deren ſich die Gegenpartei bedienen will. Gewohnlich ſtellt bei einer ſolchen Gelegenheit der oͤffentliche Beamte, dem die Verfolgung der- Verbrechen beſonders obliegt, eine Falſumsklage gegen die Perſon an, die alsdann des Falſums beſchuldigt wird. **) Ein Beiſpiel wird die Sache deutlicher machen. Peter erklärt in einer Urkunde, daß er dem Paul eine jährliche Rente von hundert Franken ſchuldig ſei, wovon die Ruͤckſtaͤnde bis auf den heutigen Tag bezahlt ſind. Dieſer Ausdruck: wovon die Ruͤckſtäͤnde bezahlt ſind, iſt bloß beilaͤufig, bloß angebend(énonciatif), weil nicht dabei geſagt iſt, daß Pqul bekannt, ſie empfangen zu habenz er beweiſet indeſſen die Be⸗ zahlung, weil er mit der eigentlichen Verfuͤgung in gerader Verbindung ſteht. „4) Reverſe(contre-lettres) ſind geheime Verabredungen der Theile, wodurch ſie einen foͤrmlich eingegangenen Vertrag oder eine Glauſel deſſelben wieder aufheben, oder erklaͤren, daß der Vertrag ihnen nicht ernſt geweſen u. ſ. w. —-———.—————————————— — §. 1I. Von Privaturkunden. Art. 1322. Privaturkunden, wenn ſie anerkannt ſind von demjenigen, dem ſie entgegengeſetzt werden, vder auch, wenn ſie gehorig fuͤr anerkannt gehalten werden, haben unter denjenigen, die ſie unterſchrieben haben, ſo wie unter ihren Erben und denen, die ſie vertreten, den nämlichen Glauben, wie oͤffentliche Urkunden. 1323. Derjenige, dem eine Privaturkunde entgegenge⸗ ſetzt wird, muß ſeine Schrift oder Unterſchrift entweder foͤrm⸗ lich anerkennen oder ablaͤugnen. Seine Erben oder Vertreter koͤnnen ſich aber mit der Erklaͤrung begnuͤgen, daß ſie die Schrift oder Unterſchrift deſſen, den ſie vertreten, nicht kennen. 1324. In dem Falle, wo ein Theil ſeine Schrift over Unterſchrift ablaͤugnet, und wo ſeine Erben oder ſonſtigen Vertreter erklaͤren, daß ſie ſie nicht kennen, wird ihre Aus⸗ mittelung von Gerichts wegen verordnet. 1325. Privaturkunden, wenn ſie zweiſeitige Verabredun⸗ gen enthalten, ſind nur in ſo weit guͤltig, als davon ſo viele Originalien ſind gemacht worden, als Partieen vorhanden ſind, die ein verſchiedenes Intereſſe haben. Haben alle Theile ein und daſſelbe Intereſſe, ſo iſt ein Original hinreichend. Jedes Original muß die Zahl der Originalien enthalten, welche davon gemacht worden ſind. Hat indeſſen jemand ſeinerſeits die Verabredung, welche die Urkunde enthaͤlt, erfullt: ſo kann er die Einrede nicht mehr entgegen ſetzen, daß dieſelbe nicht vermelde, die Urkunde ſei in doppeltem, dreifachem u. ſ. w. Original gemacht. 1326. Einſeitige Urkunden, Billette oder Handſcheine unter Privatunterſchrift, wodurch ein Theil allein ſich verbin⸗ det, dem andern eine Summe Geldes oder eine Sache, deren Werth ſich beſtimmen läßt, zu entrichten, muͤſſen ganz von der Hand deſſen geſchrieben ſein, der ſie unterzeichnet; wenig⸗ ſtens muß er nebſt ſeiner Unterſchrift mit ſeiner eigenen Hand ein Gut fuͤr, oder Genehmigt geſchrieben haben, wel⸗ ——————— * — ches in Buchſtaben(nicht in Ziffern) die Summe oder die Quantitaͤt der Sache enthaͤlt. Ausgenommen von dieſer Verfuͤgung ſind Scheine, welche von Kaufleuten, Handwerkern, Ackersleuten, Winzern, Tag⸗ loͤhnern und Arbeitsleuten ausgeſtellt werden. 1327. Wenn die in der Urkunde ſelbſt ausgedruckte Summe von der in dem Gut fuͤr ausgedruͤckten Summe verſchieden iſt: ſo wird vermuthet, daß der Schuldner ſich zu der kleinern Summe verbunden habe. Und dies wird auch ſelbſt dann vermuthet, wenn Beides, die Urkunde und das Gut fuͤr, ganz von der Hand des Verpflichteten geſchrieben iſt; es ſei denn, daß bewieſen werde, auf welcher Seite der Irrthum ſich befindet. 1328. Gegen jede dritte Perſon haben Privaturkunden nur ein ſicheres Datum von dem Tage an, wo ſie einregi⸗ ſtrirt worden, von dem Tage an, wo derjenige oder einer von denen, welche die Urkunden unterſchrieben haben, geſtorben iſt, oder von dem Tage an, wo ihr weſentlicher Inhalt vorkommt und ausgemittelt iſt in Urkunden, die von öͤffentlichen Per⸗ ſonen aufgenommen ſind, wie z. B. in Verſiegelungsurkunden oder Inventarien. 329. Kaufmannsbuͤcher beweiſen gegen Perſonen, die nicht Kaufleute ſind, die darin verzeichneten Lieferungen nicht. Jedoch hat in ihrer Ruͤckſicht Statt, was weiter unten vom Eide geſagt wird. 1330. Kaufmannsbuͤcher beweiſen gegen die Kaufleute ſelbſt. Wer ſich ihrer aber bedienen will, kann ihren Inhalt nicht trennen, und dasjenige als nicht verzeichnet gehalten wiſſen wollen, was ſie ſeinem Anſpruche Widerſprechendes enthalten. 1331. Hausverzeichniſſe und Hauspapiere geben demjeni⸗ gen keinen Titel, der ſie geſchrieben hat. Sie beweiſen aber gegen ihn: 1ſtens, ſo oft ſie eine empfangene Zahlung ent⸗ halten, 2tens, wenn darin ausdruͤcklich vermeldet wird, daß die Aufzeichnung geſchehen iſt, um den Abgang eines Titels oder einer Urkunde zu erſetzen zu Gunſten eines Andern, fuͤr welchen darin die Exiſtenz eines Rechtes angegeben iſt. 1332. Wenn der Glaͤubiger unten, oder hinten auf, oder auch zur Seite einer Urkunde etwas geſchrieben hat, —.„ N —— woraus ſich die Befreiung des Schuldners ergeben kann: ſo hat das Geſchriebene Beweiskraft, obſchon der Glaͤubiger es nicht unterzeichnet noch datirt hat. In dieſem Falle wird aber erfordert, daß letzterer immer im Beſitze der Urkunde gewe⸗ ſen ſei. Eben ſo verhaͤlt es ſich, wenn der Glaͤubiger etwas un⸗ ter, oder hinten auf, oder zur Seite der doppelten Ausferti⸗ gung einer Urkunde, oder einer Quittung geſchrieben hat, vorausgeſetzt, daß ſich dieſes Duplum in den Händen des Schuldners befinde. §. III. Von Kerbhoͤlzern. Art. 1333. Die Kerbhölzer, wenn ſie auf ihre Stahlen paſſen, haben Beweiskraft unter Perſonen, die gewoͤhnlich auf ſolche Art die Lieferungen beſcheinigen, die ſie im Kleinen entweder geben, oder empfangen*. §. V. Von Uurkunden in Abſchrift. Art. 1334. Abſchriften oder Copieen, wenn die Ori⸗ ginalurkunde noch vorhanden iſt, beweiſen weiter nichts, als was auch letztere enthaͤlt. Die Auflegung des Originals kann in dieſem Falle allzeit verlangt werden. 1335. Wenn die Originalurkunde nicht mehr vorhanden iſt, ſo beweiſen die Abſchriften nach folgenden Unterſcheidungen: 1ſtens. Die erſten Ausfertigungen(grosses) haben den nämlichen Glauben, wie das Original. Eben ſo ver⸗ haͤlt es ſich mit Abſchriften, welche gemacht ſind auf obrigkeitlichen Befehl in Gegenwart der Theile, oder nach gehoͤriger Vorbeſcheidung derſelben, oder auch mit Abſchriften, die verfertigt ſind in Gegen⸗ wart der Theile und mit ihrer beiderſeitigen Be⸗ willigung. *) Wenn zwei Perſonen zwei Stucke Holz gebrauchen, um durch auf einander paſſende Einſchnitte zu bezeichnen, was einer dem andern liefert, z. B. die Zahl Brode: ſo heißt der Theil des Holzes, den der Kraͤmer oder Kaufmann u. f. behaͤlt, Kerb⸗ holz, und der Theil, den der Abnehmer oder Schuldner be⸗ haͤlt, Stahlen. —————————— * — 296— Ltens. Abſchriften, welche gemacht ſind ohne obrigkeit⸗ lichen Befehl, oder ohne Bewilligung der Partieen, und nach Ablieferung der erſten Ausfertigungen, und zwar auf die Urſchrift der Urkunde von dem Notar, der ſie aufgenommen hat, oder von einem ſeiner Nachfolger im Amte, oder von oͤffentlichen Beamten, welche in dieſer ihrer Eigenſchaft die Ur⸗ ſchriften in Verwahr haben, koͤnnen, falls das Ori⸗ ginal verloren gegangen, beweiſen, wenn ſie alt ſind. Sie werden als alt betrachtet, wenn ſie mehr als dreißig Jahre haben. Sind ſie weniger als dreißig Jahre alt, ſo koͤnnen ſie hoͤchſtens den Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes liefern. ztens. Wenn die nach dem Original gemachten Ab⸗ ſchriften nicht gemacht ſind von dem Notar, der es angefertigt, oder von einem ſeiner Nachfolger im Amte, oder von irgend einer oͤffentlichen Perſon, die in dieſer ihrer Eigenſchaft die Originalurkunden in Verwahrung haben: ſo koͤnnen ſie nur als Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes dienen, ſie moͤgen ſo alt ſein, wie ſie wollen. 4tens. Abſchriften von Abſchriften koͤnnen, je nachdem die Umſtaͤnde ſind, als ſimple Aufklaͤrungsmittel an⸗ geſehen werden. 1336. Der Umſtand, daß eine Urkunde in die oͤffent⸗ lichen Regiſter eingetragen iſt, kann bloß zum Anfange eines ſchriftlichen Beweiſes dienen. Aber ſelbſt hierzu wird erfordert: lſtens, daß es kundig ſei, daß alle Originalien des No⸗ tars von dem Jahre, worin die Urkunde gemacht zu ſein ſcheint, verloren gegangen ſind, oder daß man beweiſe, das Original einer ſolchen Urkunde ſei ver⸗ loren gegangen durch einen beſondern Zufall; 2tens, daß ein von dem Notar gefuͤhrtes regelmaͤßiges Verzeichniß(Repertorium) vorhanden ſei, woraus ſich beweiſet, daß die Urkunde unter dem naͤmlichen Datum angefertigt worden. Treffen dieſe beiden Umſtaͤnde zuſammen, und wird daher“ der Beweis durch Zengen zugelaſſen, ſo muͤſſen die Perſonen, die bei der Urkunde Zeugen geweſen ſind, nothwendig abge⸗ hoͤrt werden, wenn ſie noch im Leben ſind. Von Anerkennungs⸗ und Beſtatigungsacten. Art. 1337. Urkunden, wodurch eine fruͤhere Urkunde an⸗ erkannt wird, befreien nicht von der Nothwendigkeit, die ur⸗ ſpruͤngliche Urkunde aufzulegen, ausgenommen, wenn darin der Inhalt der fruͤhern Urkunde beſonders angefuͤhrt iſt. Was ſie mehr, als der urſpruͤngliche Titel enthalten, ſo wie das, was ſich darin von der erſten Urkunde Verſchiedenes findet, iſt ohne alle Wirkung. Wenn indeſſen mehrere uͤbereinſtimmende Anerkennungs⸗ urkunden vorhanden wären, denen noch der Beſitzſtand zu Huͤlfe käme, und wenn dabei eine von den Anerkennungsur⸗ kunden von dreißig Jahren her datirt wäre: ſo koͤnnte der Glaͤubiger los geſagt werden von Auflegung des urſpruͤng⸗ lichen Titels. 1338. Eine Urkunde, die dazu dienen ſoll, eine Verbind⸗ lichkeit anzuerkennen oder zu genehmigen, gegen welche das Geſetz die Klage auf Nichtigkeit oder Umſtoßung zulaͤßt, iſt nur dann guͤltig, wenn ſich folgende drei Punkte darin finden: der weſentliche Inhalt jener Verbindlichkeit, die Erwaͤhnung des Grundes, den die Klage auf Umſtoßung haben kann, und die Willenserklaͤrung, den Fehler wieder gut zu machen, worauf jene Klage gegruͤndét war. Iſt keine Beſtaͤtigungs⸗ oder Genehmigungsurkunde vor⸗ handen, ſo iſt es genug, daß die Verbindlichkeit freiwillig er⸗ fullt worden iſt nach dem Zeitpunkte, wo die Verbindlichkeit gultiger Weiſe beſtätigt oder genehmigt werden konnte. Wer eine Verbindlichkeit beſtatigt, genehmigt oder frei⸗ willig erfullt hat unter den Formen und zu einer Zeit, welche das Geſetz beſtimmt, hat eben dadurch Verzicht geleiſtet auf alle Rechtsmittel und Einreden, die man ihr entgegen ſetzen koͤnnte, jedoch ohne Nachtheil der Rechte eines jeden Dritten. 1339. Der Geſchenkgeber kann durch keinen Beſtaͤtigungs⸗ act die Mäͤngel einer Schenkung unter Lebenden wieder gut machen. Iſt ſie ihrer Form nach nichtig, ſo muß ſie in der. geſetzlichen Form wieder erneuert werden. ———— r——— 1340. Erben oder ſonſtige Vertreter des Geſchenkgebers, wenn ſie nach ſeinem Tode ſeine Schenkung beſtaͤtigen oder genehmigen, oder ſie freiwillig erfuͤllen, leiſten dadurch Ver⸗ zicht auf ihr Recht, ihr die Fehler der Form entgegen zu ſetzen, ſo wie auf jede andere Einrede. Vom Zeugenbeweis. Art. 1341. So oft der Gegenſtand einer Verabredung die Summe oder den Werth von hundert fuͤnfzig Franken uͤber⸗ ſteigt, und ſelbſt beim freiwilligen Verwahrungsvertrage, muß dieſelbe ſchriftlich abgefaßt werden in einem notariellen Auf⸗ ſatze oder in einem Scheine unter Privatunterſchrift; und ge⸗ gen dieſelbe iſt kein Zeugenbeweis zulaͤſſig, der dahin zielte, etwas wider oder noch uͤber den Inhalt ſolcher Urkunden zu beweiſen, oder etwas zu beweiſen, das angeblich vor, waͤhrend, oder nach der Verabredung geſagt worden ſein ſoll, ſelbſt wenn es auf eine Summe oder einen Werth von weniger als hun⸗ dert fuͤnfzig Franken ankommt. Dies gilt jedoch in Handelsſachen nur in ſo weit, als die daruͤber ergangenen Geſetze nicht ein Anderes verordnen. 1342. Obige Regel findet ihre Anwendung auch in dem Falle, wo nicht bloß auf ein Capital, ſondern zugleich auf Zinſen geklagt wird, und beide zuſammen genommen, Capital und Zinſen, die Summe von hundert fuͤnfzig Franken uͤber⸗ ſteigen. 1343. Wer einmal eine Klage angeſtellt hat auf einen Gegenſtand von mehr als hundert fuͤnfzig Franken, kann nach⸗ her nicht mehr zum Zeugenbeweis zugelaſſen werden, wenn er auch ſeine urſpruͤngliche Forderung herabſetzen wollte. 1344. Auch in dem Falle iſt der Beweis durch Zeugen nicht zulaͤſſig, wo zwar der Gegenſtand der Klage weniger als hundert fuͤnfzig Franken macht, wo aber erklaͤrt wird, daß die geforderte Summe entweder der Ruͤckſtand einer For⸗ derung iſt, die nicht ſchriftlich bewieſen iſt, oder auch nur, daß ſie einen Theil einer ſolchen Forderung ausmacht. 1345. Wenn in der naͤmlichen Inſtanz eine Partie meh⸗ rere Forderungen macht, wofuͤr kein ſchriftlicher Beweis vor⸗ z——————————————————————————— — 299— handen iſt, und dieſe Forderungen zuſammen genommen mehr als hundert fuͤnfzig Franken betragen, ſo iſt dafuͤr ebenfalls kein Zeugenbeweis zulaͤſſig, obſchon etwa der Klaͤger vorgibt, daß ſeine Forderungen verſchiedene Quellen haben, und zu verſchiedenen Zeiten entſtanden ſind. Ausgenommen iſt der Fall, wo ſolche verſchiedene Anſpruͤche durch Erbfolge, Schen⸗ kung, oder ſonſt, von verſchiedenen Perſonen herruͤhren. 1346. Alle Forderungen, wenn ſie nicht durchaus ſchrift⸗ lich bewieſen ſind, welchen Namen ſie uͤbrigens haben moͤgen, muͤſſen in einer und der naͤmlichen Ladung aufgefuͤhrt werden; nach dieſer erſten Ladung ſind alle andern Forderungen, wofuͤr kein ſchriftlicher Beweis vorhanden iſt, nicht mehr zulaͤſſig. 1347. Obige Regeln leiden eine Ausnahme in dem Falle, wo ein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vorhanden iſt. Man nennt Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes jede Schrift, welche von der Perſon herkommt, gegen die man klagt, oder von jemanden, den ſie vertritt, und welche die angege— bene Thatſache wahrſcheinlich macht. 1348. Auch leiden jene Regeln eine Ausnahme, ſo oft es dem Glaͤubiger unmoͤglich war, ſich einen ſchriftlichen Be— weis zu verſchaſſen von der zu ſeinem Vortheil eingegangenen Verbindlichkeit. Dieſe zweite Ausnahme tritt ein: 1ſtens bei Verbindlichkeiten, die aus den vertragaͤhnlichen Handlungen und aus den vergehen⸗ oder verbrechen⸗ aͤhnlichen Handlungen entſtehen; 2tens bei nothwendigen Hinterlegungen, die in Brand, Einſturz, oͤffentlichen Unruhen oder Schiffbruch, ſo wie von Reiſenden in den Herbergen, geſchehen, alles nach der Beſchaffenheit der Perſonen und den Um⸗ ſtaͤnden der Thatſache; 3tens bei Verbindlichkeiten, die entſtanden ſind bei unvor⸗ geſehenen Zufaͤllen, wo es unmoͤglich war, ſchrift⸗ liche Aufſaͤtze zu machen; 4tens in dem Falle, wo der Glaͤubiger den Titel, der ihm zum ſchriftlichen Beweiſe diente, verloren hat, und zwar durch einen ungefaͤhren, unvorgeſehenen Zufall, der von einer hoͤhern Gewalt herruͤhrte. ——————r——— ⸗—* E . — 300— Dr te r Abſichn i1 Von den Vermuthungen. Art. 1349. Vermuthungen ſind Folgerungen, welche das Geſetz oder der Richter aus einer bekannten Thatſache auf eine andere, ihm unbekannte Thatſache zieht. S.. Von geſetzlichen Vermuthungen. Art. 1350. Hat das Geſetz ſelbſt, und beſonders mit einer gewiſſen Handlung, oder mit einer gewiſſen Thatſache die Vermuthung verbunden, daß ſie ſo und nicht anders ge⸗ ſchehen ſei, ſo heißt ſie geſetzlich. Dergleichen ſind: 1ſtens Handlungen, die das Geſetz fuͤr nichtig erklaͤrt, weil es, nach ihrer Beſchaffenheit allein, vermuthet, daß ſie geſchehen ſind, um ſeine Verfuͤgungen zu umgehen; Ltens die Faͤlle, wo das Geſetz erklaͤrt, daß aus gewiſſen beſtimmten Umſtaͤnden ſich ein Eigenthumsrecht oder die Befreiung ergebe; Ztens die Kraft, die das Geſetz der abgeurtheilten Sache beilegt; 4tens die Kraft, welche es dem Geſtändniſſe einer Partie oder ihrem Eide beilegt. 1351. Was nun die Kraft der abgeurtheilten Sache be⸗ trifft, ſo hat ſie nur Statt in Abſicht deſſen, was den Ge⸗ genſtand des Urtheils eigentlich ausgemacht hat. Um ſich darauf berufen zu koͤnnen, wird erfordert, daß die eingeklagte Sache die naͤmliche ſei; daß ſich die Forderung auf die naͤm⸗ liche Urſache gruͤnde; daß die Forderung unter den naͤmlichen Partieen die naͤmliche ſei, und daß ſie gemacht ſei von ihnen und gegen ſie in der naͤmlichen Eigenſchaft. 1352. Wer zu ſeinem Vortheil eine geſetzliche Vermuthung anfuͤhren kann, iſt jedes andern Beweiſes uͤberhoben. Kein Gegenbeweis iſt zulaͤſſig gegen eine geſetzliche Ver⸗ muthung, ſo oft das Geſetz, geſtuͤtzt auf eine ſolche Vermuthung, gewiſſe Handlungen fuͤr nichtig erklaͤrt, oder die gerichtliche Klage verweigert; es ſei denn, daß es den Gegenbeweis vor⸗ — ——————————— — 301— behalten habe, und mit Ausnahme deſſen, was weiter unten vom gerichtlichen Eide und vom gerichtlichen Geſtaͤndniſſe geſagt wird. n Von nichtgeſetzlichen Vermuthungen. Art. 1353. Nichtgeſetzliche Vermuthungen ſind der Ein⸗ ſicht und Klugheit des Richters uͤberlaſſen, der ſie nicht zu⸗ laſſen darf, als wenn ſie wichtig, ſchließend und uͤberein⸗ ſtimmend ſind, und in den Fällen allein, wo das Geſetz den Beweis durch Zeugen zulaͤßt; ausgenommen, wenn der Act angefochten wird wegen Betrugs oder Ueberliſtung. Vie er b ſchnitt⸗ Vom Geſtaͤndniſſe der Partie. Art. 1354. Das Geſtändniß, ſo man einer Partie ent— entgegenſetzt, iſt entweder gerichtlich oder außergerichtlich. 1355. Auf ein bloß muͤndliches außergerichtliches Ge⸗ ſtändniß kann man ſich nicht berufen, ſo oft es auf eine For⸗ derung ankommt, fuͤr deren Begruͤndung kein Zeugenbeweis zulaͤſſig waͤre. 1356. Das gerichtliche Geſtaͤndniß iſt eine Erklaͤrung, die eine Partie oder ihr beſonderer Bevollmaͤchtigter vor Ge⸗ richt abgibt. Es hat volle Beweiskraft gegen den, der es gethan hat. Es kann gegen ihn nicht getheilt werden*. Es kann nicht widerrufen werden, ausgenommen, wenn bewieſen wird, daß man es deßwegen gethan, weil man ſich in einer Thatſache geirrt hat. Es kann aber nicht widerrufen werden unter dem Vorwand eines Rechtsirrthums. Fuͤnfter Abſchnitt. Vom Eide. Art. 1357. Es gibt zwei Arten des gerichtlichen Eides: lſtens den Eid, den ein Theil dem andern zuſchiebt, damit danach die Sache geurtheilt und entſchieden werde; man nennt *) D. h. der Gegentheil kann nicht fordern, daß von dem Ge⸗ ſtaͤndniſſe dasjenige bloß als bewieſen angenommen werde, was ihm darin vortheilhaft iſt, und nicht auch dasjenige, was es etwa fuͤr ihn Rachtheiliges enthält. —————— . — 302— ihn den Entſcheidungseid; 2tens den Eid, welchen der Richter von Amts wegen einem oder dem andern Theile zuſchiebt. S5 Von dem Entſcheidungseide. Art. 1358. Der Streit mag ſein, woruͤber er wolle, immer kann, um ihn zu entſcheiden, der Entſcheidungseid zugeſchoben werden. 1359. Um ihn indeſſen einem Theile zuſchieben zu koͤnnen, muß es auf eine dem Theile, dem man ihn zuſchiebt, per⸗ ſoͤnliche Thatſache ankommen. 1360. Man kann ihn zuſchieben, der Rechtshandel mag gediehen ſein, wohin er wolle, und ſelbſt wenn kein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vorhanden iſt von der Forderung oder der Einrede, die man durch ihn beendigen will. 1361. Wenn jemanden der Eid zugeſchoben wird, und die⸗ ſer ihn verweigert, oder ihn ſeinem Gegner nicht zuruckſchiebt; oder wenn der Gegner, dem er zuruͤckgeſchoben worden, ihn verweigert: ſo iſt in beiden Faͤllen eine nothwendige Folge der Weigerung, daß er in ſeiner Klage oder Einrede unterliege. 1362. Der Eid kann nicht zuruͤckgeſchoben werden, wenn die Thatſache, worauf es ankommt, nicht die Thatſache der beiden Theile, ſondern demjenigen bloß perſoͤnlich iſt, dem der Eid zugeſchoben war. 1363. Iſt der zugeſchobene oder zuruͤckgeſchobene Eid ein⸗ mal geleiſtet, ſo kann der Gegner mit dem Beweiſe, daß er falſch ſei, nicht zugelaſſen werden. 1364. Hat der Gegner erklaͤrt, daß er bereit ſei, den Eid zu leiſten, ſo kann der Theil, der ihn ihm zugeſchoben oder zuruͤckgeſchoben hat, ſeine Erklaͤrung nicht mehr zuruͤcknehmen. 1365. Der geleiſtete Eid hat anders keine Beweiskraft, als zu Gunſten deſſen, der ihn zugeſchoben hat, oder gegen ihn, und zu Gunſten ſeiner Erben und ſonſtigen Vertreter, oder gegen ſie. Iſt indeſſen derjenige, der dem Schuldner den Eid zu⸗ geſchoben hat, einer von mehreren ſolidariſchen Glaͤubigern, ſo wird dadurch der Schuldner nur fuͤr den Theil dieſes Glaͤubigers befreit. Der Eid, der dem Hauptſchuldner zugeſchoben wird, be⸗ freit auch die Buͤrgen. — 303— Der Eid, den man einem von mehrern ohne Theilung verpflichteten Schuldnern zugeſchoben, kommt den uͤbrigen Mitſchuldnern zu Gute. Der Eid endlich, den man dem Buͤrgen zugeſchoben, nuͤtzt dem Hauptſchuldner. In dieſen beiden letzten Fällen nuͤtzt aber der Eid des ſolidariſchen Mitſchuldners oder des Buͤrgen den uͤbrigen Mit⸗ ſchuldnern oder dem Hauptſchuldner nur dann, wenn die Zu⸗ ſchiebung geſchehen iſt uͤber die Schuld ſelbſt, nicht aber, wenn ſie geſchehen iſt uͤber die Thatſache der Angttheiſthet oder Buͤrgſchaft. §. II. Von dem von Amts wegen zugeſchobenen Eide. Art. 1366. Es ſteht dem Richter frei, einem von beiden Theilen den Eid zuzuſchieben, zu dem Zwecke, damit entweder davon die Entſcheidung des Prozeſſes abhange, oder damit ſich danach der Ertrag der zu- oder abzuſprechenden Summe beſtimme. 1367. Der Richter kann aber von Amts wegen den Eid, es komme nun dabei auf die Klage ſelbſt, oder auf eine ihr entgegengeſetzte Einrede an, nicht zuſchieben, als unter den zwei folgenden Bedingungen. Es wird naͤmlich dazu erfordert: 1ſtens, daß die Klage oder Einrede nicht ſchon voͤllig bewieſen, und Ltens, daß ſie hinwieder auch nicht ganz von Beweiſen entbloͤßt ſei. Außer dieſen beiden Faͤllen iſt der Richter verbunden, die Forderung oder Klage entweder geradeweg zuzuurtheilen oder abzuweiſen. 1368. Wenn der Richter von Amts wegen einem von beiden Theilen den Eid zuſchiebt, ſo kann dieſer ihn dem andern nicht zuruͤckſchieben. 1369. Es ſteht dem Richter nicht frei, dem Klaͤger den Eid zuzuſchieben, um den Werth der eingeklagten Sache zu beſtimmen, wenn es noch moͤglich iſt, zur Ausmittelung des⸗ ſelben auf eine andere Art zu gelangen. Iſt dies aber nicht moͤglich, ſo muß der Richter ſelbſt in dieſem Falle die Summe beſtimmen, bis zu deren Ertrag der Eid des Klaͤgers Beweiskraft haben ſoll. 1 ——— 4————— — 4 ⸗ — 301— Vietter DTitel. Von den Verbindlichkeiten, welche ohne Verabredung entſtehen*). Art. 1370. Es gibt gewiſſe Verbindlichkeiten, die ent⸗ ſtehen, ohne daß eine foͤrmliche Vereinbarung zum Grunde liegt, weder von Seiten deſſen, der ſich verbindet, noch von Seiten deſſen, gegen den er ſich verbindet. Einige von dieſen Verbindlichkeiten haben ihren Grund in einer bloßen geſetzlichen Anordnung, andere in einer dem Verpflichteten perſoͤnlichen Thatſache. Zu der erſten Art gehoͤren die unwillkuͤrlich uͤbernomme⸗ nen Verpflichtungen, wie die wechſelſeitigen Verbindlichkeiten anſchießender Eigenthuͤmer, jene der Vormuͤnder und ſonſtigen Verwalter, bei denen es nicht ſteht, einen ihnen angetragenen Dienſt auszuſchlagen. Die Verbindlichkeiten, welche in einer dem Verpflichteten perſoͤnlichen Thatſache ihren Grund haben, entſtehen aus den vertragaͤhnlichen Handlungen, oder aus den vergehen⸗ oder verbrechenaͤhnlichen Handlungen, und dieſe ſind der Gegen⸗ ſtand des gegenwärtigen Titels. Erſtes Capitel. Von vertragaͤhnlichen Handlungen*). Art. 1371. Vertragaͤhnliche Handlungen ſind Handlungen des Menſchen, die ganz von ſeiner Willkuͤr abhangen, woraus aber irgend eine Verbindlichkeit gegen einen Dritten, oft auch eine wechſelſeitige Verbindlichkeit beider Theile, entſteht⸗ *) Geſetz vom 19. Pluvioſe 12. Jahrs(9. Februar 1804), prom. d. 29. des nämlichen Monats(19. Februar 18040. **) Quasicontrats. — 305— 1372. Wer das Geſchaͤft eines Andern freiwillig treibt, der Eigenthuͤmer mag nun darum wiſſen oder nicht, der uber⸗ nimmt ſtillſchweigend die Pflicht, das Geſchaft, ſo er ange⸗ fangen, fortzuſetzen, und zu endigen, bis der Eigenthuͤmer ſich im Stande befindet, ſelbſt dafuͤr zu ſorgen. Er muß ebenfalls alles das uͤbernehmen und beſorgen, was von einem ſolchen Geſchaͤfte abhaͤngt und damit nothwendig verbunden iſt. Er unterwirft ſich ſtillſchweigend allen Verbindlichkeiten, die ihm obliegen wuͤrden, wenn ihm der Eigenthuͤmer einen ausdruͤcklichen Auftrag gegeben haͤtte. 1373. Er iſt verbunden, ſeine Verwaltung fortzuſetzen, wenn auch der Herr vor beendigtem Geſchaͤfte zu ſterben kame, und zwar ſo lange, bis der Erbe die Leitung deſſelben ſelbſt uͤbernehmen kann. 1374. Bei Fuͤhrung eines ſolchen Geſchaͤftes hat er alle Sorgfalt anzuwenden, die ein guter Hausvater gewohnlich anwendet. Je nachdem indeſſen die Umſtaͤnde ſind, die ihn bewogen haben, ſich mit dem Geſchaͤfte zu befaſſen, iſt der Richter be⸗ fugt, die Schadloshaltung zu mildern, wozu der Herr wegen des Verſehens oder der Rachlaͤſſigkeit des Verwalters ein Recht haben koͤnnte. 1375. Hingegen muß der Herr von ſeiner Seite, wenn ſein Geſchaͤft wohl verſehen worden iſt, denjenigen Verbind⸗ lichkeiten Genuge leiſten, welche der Verwalter in ſeinem Na⸗ men uͤbernommen hat; er muß ihn entſchaͤdigen fuͤr alle per⸗ ſoͤnlichen Verbindlichkeiten, die er eingegangen, und ihm alle noͤthigen oder nuͤtzlichen Koſten erſetzen, die er gemacht hat. 1376. Wer wiſſend oder aus Irrthum etwas annimmt, was ihm nicht zukommt, verbindet ſich, es demjenigen wieder zu geben, von dem er es ungebuͤhrender Weiſe bekommen hat. 1377. Hat jemand, der irrthuͤmlich glaubte Schuldner zu ſein, ſeine Schuld abgemacht, ſo hat er das Recht, ſie von dem Glaͤubiger wieder zu fordern. Dieſes Recht hoͤrt aber auf in dem Falle, wo der Glaͤu⸗ biger zufolge einer ſolchen Zahlung ſeinen Schein oder Titel vernichtet hat. Dem Bezahler bleibt indeſſen in dieſem Falle ſein Recht gegen den eigentlichen Schuldner. 20 ———— *——„— — 306— 1378. War auf Seiten deſſen, der empfangen hat, un⸗ redliche Abſicht, ſo muß er nicht nur das Capital erſtatten, ſondern auch die Zinſen oder Fruͤchte, und zwar vom Tage der Zahlung an. 1379. Beſteht die ungebuͤhrender Weiſe empfangene Sache in einem koͤrperlichen, beweglichen oder unbeweglichen Gegenſtande, ſo verpflichtet ſich der Empfaͤnger, ſie in Natur zu erſtatten, wenn ſie noch vorhanden iſt, oder ihren Werth, wenn ſie durch ſeine Schuld zu Grunde gegangen oder ver⸗ ſchlimmert iſt. Er haſtet ſogar, wenn er ſie unredlich empfan⸗ gen hat, fuͤr ihren Verluſt durch ungefaͤhren Zufall. 1380. Hat der redliche Empfaͤnger die Sache verkauft, ſo braucht er nur die Kaufſchillinge zu erſtatten. 1381. Wer nun auf dieſe Art eine Sache wieder be⸗ kommt, muß dem bisherigen Beſitzer, ſelbſt wenn er unredlich geweſen waͤre, alle noͤthigen und nuͤtzlichen Auslagen verguͤten, die fuͤr Erhaltung der Sache gemacht ſind. 3 weites Capitel. Von den Vergehen und den verbrechenähnlichen Handlungen*). Art. 1382. Jede von einem Menſchen herruͤhrende That⸗ ſache, wodurch ein Anderer Schaden leidet, legt demjenigen, durch deſſen Schuld ſie geſchehen iſt, die Verbindlichkeit auf, ihn zu erſetzen. 1383. Jeder Menſch iſt verantwortlich fuͤr den Schaden, den er nicht allein durch ſeine Handlung, ſondern auch durch ſeine Nachlaͤſſigkeit oder Unvorſichtigkeit verurſacht hat. 1384. Man iſt verantwortlich nicht nur fuͤr den Scha⸗ den, den man durch ſeine eigene Handlung verurſacht, ſondern auch fuͤr den Schaden, der verurſacht wird durch Veran⸗ laſſung der Perſonen, füͤr die man haften muß, oder durch Veranlaſſung der Sachen, die man unter ſeiner Aufſicht hat. Der Vater und, nach dem Tode des Mannes, die Mutter ſind verantwortlich fuͤr den Schaden, den ihre minderjaͤhrigen Kinder veranlaßt haben, ſo lange ſie bei ihnen wohnen. *) Peélits et quasi-délits — — Die Herren, ſo wie diejenigen, die jemanden irgend ein Geſchaͤft anvertrauen, haften fuͤr den Schaden, der verur⸗ ſacht wird durch ihre Bedienten, ſo wie durch diejenigen, die ſie anſtellen, in den Verrichtungen, wofür ſie dieſelben ge⸗ braucht haben. Lehrer, Erzieher und Handwerksleute haften fuͤr den Schaden, der verurſacht wird von ihren Zoͤglingen und Lehr⸗ lingen waͤhrend der Zeit, daß ſie unter ihrer Aufſicht ſind. Obige Verantwortlichkeit hat immer Statt, wenn nicht die Eltern, Lehrer, Erzieher und Handwerksleute beweiſen, daß ſie die Thatſache nicht hindern konnten, welche dieſe Ver⸗ antwortlichkeit veranlaßt. 1385. Der Eigenthuͤmer eines Thieres, ſo wie derjenige, der es im Gebrauche hat, iſt, ſo lange er es im Gebrauche hat, verantwortlich fuͤr allen Schaden, den das Thier verur⸗ ſacht, es mag nun unter ſeiner Aufſicht und Obhut geweſen, oder durchgegangen ſein oder ſich losgeriſſen haben. 1386. Der Eigenthümer eines Gebaͤudes iſt verantwort⸗ lich fuͤr den Schaden, den der Einſturz deſſelben verurſacht hat, wenn es entweder durch Mangel an gehoͤriger Unter⸗ haltung, oder durch einen Fehler in der Anlage ſelbſt einge⸗ ſtuͤrzt iſt. — 308— F Von dem Ehecontracte und den gegenſeitigen Rechten der Eheleute*). Erſtes Capiſt el. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 1387. Das Geſetz ſchreibt der ehelichen Geſellſchaft in Ruͤckſicht des Vermoͤgens keine Regeln vor, als in Er⸗ mangelung beſonderer Verabredungen, und die Eheleute kon⸗ nen ſolche Verabredungen treffen auf jede beliebige Art und Weiſe, wenn ſie ſich nur nach den hier unten folgenden Ein⸗ ſchraͤnkungen richten, und nichts darin verfuͤgen, was den guten Sitten zuwider iſt. 1388. Dem Ehemanne ſtehen naͤmlich gewiſſe Rechte zu, die ihren Urſprung haben in ſeiner Gewalt uͤber die Perſon der Gattinn und Kinder, oder die ihm gebuͤhren als Haupt der Familie; dem letztlebenden von beiden Ehelenten ſtehen gewiſſe Rechte zu, vermoͤge des Titels von der vaͤterlichen Gewalt, und vermoͤge des Titels von der Minderjaͤh⸗ rigkeit, der Vormundſchaft und der Emancipa⸗ tion; in Ruͤckſicht aller dieſer Rechte koͤnnen die Eheleute nichts abaͤndern, ſo wie auch nicht in Ruͤckſicht auf die ver⸗ bietenden Verfuͤgungen des gegenwaͤrtigen Geſetzbuches. 1389. Es ſteht ihnen nicht frei, irgend eine Verabredung zu treffen, oder irgend einen Verzicht zu leiſten, deren Zweck es waͤre, die geſetzliche Ordnung in der Erbfolge zu aͤndern, entweder in Ruͤckſicht auf ſie ſelbſt in der Erbfolge ihrer Kin⸗ der oder Abkoͤmmlinge, oder in Ruͤckſicht ihrer Kinder unter ſich. Uebrigens ſoll hiedurch den Schenkungen unter Lebenden oder durch letztwillige Verordnung, wenn ſie nach den For⸗ men und in den Fäaͤllen, welche gegenwaͤrtiges Geſetzbuch be⸗ ſtimmt, gemacht ſind, kein Abbruch geſchehen. *) Geſetz vom 20. Pluvioſe 42. J.(10. Februar 1804 pro⸗ mulgirt den 50. des naͤmlichen Monats 0. Februar 1804). ———————————————— — 309— 1390. Alle örtlichen Gewohnheitsrechte, Geſetze und Sta⸗ tute, denen bisher die verſchiedenen Theile des franzoͤſiſchen Gebietes unterworfen waren, ſind durch gegenwaͤrtiges Geſetz⸗ buch abgeſchafft, und es iſt daher den Eheleuten nicht mehr erlaubt, auf eine allgemein ausgedruͤckte Art zu verabreden, daß ihre eheliche Geſellſchaft nach einem von ſolchen Gewohn⸗ heitsrechten, Geſetzen und Statuten ſich reguliren ſolle. 1391. Jedoch moͤgen ſie in allgemeinen Ausdruͤcken er⸗ klaͤren, daß ſie ihre eheliche Verbindung unter das Verhaͤltniß, welches aus der Guͤtergemeinſchaft entſpringt, oder unter das Verhaͤltniß, das aus Feſtſetzung des Brautſchatzes entſpringt, ſetzen wollen. Im erſten Falle, wenn ſie ſich unter das Verhaͤltniß der Guͤtergemeinſchaft geſetzt haben, werden die Rechte der Ehe⸗ leute und ihrer Erben nach den Verfuͤgungen des zweiten Ca⸗ pitels in gegenwaͤrtigem Titel regulirt. Im zweiten Falle, wenn ſie ſich unter das Verhaͤltniß des Brautſchatzes geſetzt haben, werden ihre Rechte nach den Verfuͤgungen des dritten Capitels regulirt*). *) Der Titel von der Ehe im erſten Buche handelt von den per⸗ ſoͤnlichen Verhaͤltniſſen der Eheleute; der gegenwaͤrtige hat ihr Vermoͤgen zum Gegenſtande. Das Verhaͤltniß, worin Eheleute in Ruͤckſicht ihres Vermoͤgens ſtanden, war in Frankreich vor unſerm Geſetzbuche hauptſaͤchlich zweifach. In einem ſehr be⸗ traͤchtlichen Theile deſſelben(en pays contumier) war das Vermoͤgen beider Eheleute, unter gewiſſen Ausnahmen, unter ihnen gemeinſchaftlich, oder fiel in die Guͤtergemeinſchaft, oder bei ihnen trat das Verhaͤltniß der Guͤtergemeinſchaft(régime en communauté) ein, wenn ſie nicht ein anderes ausbedungen hatten; in dem andern Theile(en pays de droit 6crit) hin⸗ gegen ward der Braut oder angehenden Gattinn ein Braut⸗ ſchatz beſtellt, oder die Braut beſtellte ſich ihn ſelbſt; ihr Ver⸗ moͤgen fiel nicht in die Gemeinſchaft, oder ihre eheliche Ver⸗ bindung trat in Abſicht der Guͤter unter das Verhältniß des Brautſchatzes(régime dotal), wenn ſie nicht ein anderes aus⸗ bedungen hatten, welches letztere jedoch in einigen Provinzen unterſagt war.— unſer Geſetzbuch gibt den Eheleuten in dieſer Hinſicht die uneingeſchränkteſte Freiheit; ſie brauchen keins von beiden Syſtemen anzunehmenz ſie konnen eins von beiden feſt⸗ ſetzen, und es dabei nach Belieben modificirenz ſie können eins von beiden Syſtemen feſtſetzen ohne weitern Zuſatz, wo dann das Geſetz die Wirkungen dieſer Feſtſetzung regulirt; ſie brauchen F———————— — 310— 1392. Die bloße Ausbedingung, daß die Frau ſich ge⸗ wiſſe Guͤter zum Brautſchatz beſtellt, oder daß ſie ihr dazu beſtellt werden, iſt nicht hinlaͤnglich, um dieſe Guter unter das Verhaͤltniß des Brautſchatzes zu ſetzen, es ſei denn, daß dies in dem Ehecontracte ausdruͤcklich erklärt werde. Eben ſo wenig folgt eine Unterwerfung unter das Ver⸗ hältniß des Brautſchatzes aus der bloßen Erklärung der Ehe⸗ leute, daß ſie ſich ohne Guͤtergemeinſchaft heirathen, oder daß ihr Vermoͤgen getrennt bleiben ſolle. 1393. In dem Falle, wo nicht beſondere Verabredungen das Verhaltniß der Guͤtergemeinſchaft ausſchließen, oder Ab⸗ anderungen darin feſtſetzen, ſind die Regeln, welche die erſte Abtheilung des zweiten Capitels enthaͤlt, das gemeine Recht von Frankreich. 1394. Alle Eheverabredungen muͤſſen ſchriftlich vor einem Notar abgefaßt werden, und zwar vor der Trauung. 1395. Nach der Trauung darf an denſelben nichts mehr geändert werden. 1396. Will man vor der Trauung eine Aenderung da⸗ mit vornehmen, ſo muß ſie ſchriftlich geſchehen, und in der nämlichen Form, wie der Ehecontract ſelbſt. Ueberdies ſind alle vorgenommenen Veraͤnderungen und Reverſe unguͤltig, wenn nicht alle Perſonen, die bei Schließung des Ehecontractes Theile waren, zu einer und der namlichen Zeit dabei gegenwaͤrtig ſind und darein willigen. 1397. In Ruͤckſicht auf jeden Dritten ſind dergleichen Veränderungen und Reverſe oder Gegenſcheine ohne alle Wir⸗ kung, wenn ſie nicht unmittelbar nach der Urſchrift des Ehe⸗ contractes folgen, obſchon uͤbrigens dabei die Formen des vorgehenden Artikels beobachtet worden, und der Notar darf weder feierliche noch ſonſtige Ausfertigungen des Ehecontrac⸗ tes geben, ohne unmittelbar danach die vorgegangene Abaͤn⸗ derung oder den Revers ebenfalls zu ſchreiben. Im Uebertre⸗ tungsfalle haftet der Notar den Theilen fuͤr allen Schaden, endlich gar keine Verabredung zu treffen, in welchem Falle ſie unter das Verhaͤltniß der Guͤtergemeinſchaft treten, wie ſolches im erſten Theile des zweiten Capitels des gegenwaͤrti⸗ gen Titels beſtimmt iſt. ———-——————— — 311— und können, nach Befinden, ſelbſt groͤßere Strafen gegen ihn verhängt werden. 1398. Der Minderjährige, der faͤhig iſt, eine Ehe zu ſchließen, iſt auch faͤhig, alle Verabredungen zu treffen, die bei Schließung derſelben Statt haben koͤnnen, und alle Ver⸗ abredungen, die er dabei getroffen, ſo wie alle Schenkungen, die er dabei gemacht, ſind guͤltig, wenn ſie nur in Beiſtand jener Perſonen getroffen oder gemacht ſind, deren Einwilligung zur Guͤltigkeit der Ehe ſelbſt erforderlich iſt. 3 weites Capitell. Vom Verhaͤltniſſe der Guͤtergemeinſchaft. Art. 1399. Die Guͤtergemeinſchaft, ſie mag nun geſetzlich oder vertragmaͤßig ſein, faͤngt an von dem Tage, wo die Trauung vor dem öffentlichen Beamten des Civilſtandes ge⸗ ſchehen iſt. Es iſt verboten, auszubedingen, daß ſie zu einer andern Zeit anfangen ſolle. Erſte Abtheilung. Von der geſetzlichen Guͤtergemeinſchaft. Art. 1400. Die geſetzliche Guͤtergemeinſchaft entſteht durch die bloße Erklaͤrung, daß man ſeine Ehe unter das Verhaͤltniß der Guͤtergemeinſchaft ſetze, oder auch dadurch, daß gar kein Contract gemacht wird; ſie iſt den Regeln un⸗ terworfen, welche in den ſechs folgenden Abſchnitten erklaͤrt werden. Erſter Ab ſchnitt. Von dem activen und paſſiven Beſtande der ehelichen Guͤtergemeinſchaft. F. I. Von dem aetiven Beſtande der Guͤtergemeinſchaft*). Art. 1401. Unter dem activen Beſtande der Gütergemein⸗ ſchaft iſt begriffen: *) D. h. von dem wirklichen Vermoͤgen, den Forderungen u. ſ. we⸗ die in die Gemeinſchaft fallen, oder unter den Eheleuten ge⸗ meinſchaftlich werden. ———— r 6 — 312— lſtens alle bewegliche Habe, welche die Eheleute am Tage der Trauung beſaßen, ſo wie alles bewegliche Gut, das ihnen waͤhrend der Ehe zufaͤllt, es ſei durch Erbfolge oder durch Schenkung, wofern der Ge⸗ ſchenkgeber das Gegentheil nicht ausdruͤcklich ver⸗ ordnet hat; Ltens alle Fruͤchte, Einkuͤnfte, Zinſen und Ruͤckſtaͤnde, welcher Art ſie immer ſein moͤgen, welche die Eheleute waͤhrend der Ehe einnehmen oder die ihnen waͤhrend der Ehe faͤllig werden, ohne Unterſchied, ob ſie her⸗ kommen von Guͤtern, die ihnen zur Zeit der Trauung gehoͤrten, oder von Guͤtern, die ihnen waͤhrend der Ehe, unter welchem Titel es ſein moͤge, anheim ge⸗ fallen ſind; 3tens alle unbeweglichen Guͤter, die waͤhrend der Ehe erworben werden. 1402. Als Erwerb der Guͤtergemeinſchaft und zu derſelben gehoͤrig wird betrachtet jedes unbewegliche Gut, wenn nicht erwieſen iſt, daß einer von den Eheleuten das Ei⸗ genthum oder den geſetzlichen Beſitz deſſelben bereits vor der Ehe hatte, oder daß es ihm nach der Trauung durch Erbfolge oder Schenkung zugefallen iſt. 1403. Holzſchlaͤge und alles, was aus Steinbruͤchen und Bergwerken gezogen wird, gehoͤrt zur Guͤtergemeinſchaft, in ſo weit es als Gegenſtand der Nutznießung betrachtet wird, nach den Regeln, welche unter dem Titel von der Nutz⸗ nießung, dem Gebrauche und der Wohnung vor⸗ kommen. Sind die Holzhaͤue, die nach Anleitung dieſer Regeln waͤhrend der Guͤtergemeinſchaft geſchehen konnten, nicht ge⸗ ſchehen, ſo iſt der Ehegenoſſe, der nicht Eigenthuͤmer des Bodens war, oder ſeine Erben, desfalls zu einer Verguͤtung berechtigt. Sind die Steinbruͤche oder Bergwerke erſt waͤhrend der Ehe gangbar geworden, ſo faͤllt zwar, was daraus gezogen wird, in die Gemeinſchaft, aber mit dem Beding der Ver⸗ guͤtung oder Entſchäbdigung gegen den Ehegenoſſen, der dazu ein Recht hat.. ——— — 313— 1404. Unbewegliche Guͤter, welche die Eheleute am Tage der Trauung beſitzen, oder die ihnen waͤhrend der Ehe durch Erbfolge zufallen, gehoͤren nicht zur Guͤtergemeinſchaft. Wenn jedoch in dem Ehecontracte die Guͤtergemeinſchaft ausbedungen iſt, und einer von beiden zukuͤnftigen Eheleuten nach einem ſolchen Ehecontracte, aber vor der wirklichen Trauung ein unbewegliches Gut an ſich gebracht hat, ſo faͤllt das in dieſem Zwiſchenraume alſo erworbene Gut in die Guͤtergemeinſchaft; es ſei denn, daß irgend eine beſondere Clauſel im Ehecontracte ſtehe, in deren Gefolg das unbeweg⸗ liche Gut iſt erworben worden, in welchem Falle es bei der Verabredung ſein Bewenden haben muͤßte. 1405. Unbewegliche Guͤter, wenn ſie waͤhrend der Ehe bloß einem von beiden Ehegenoſſen geſchenkt werden, fallen nicht in die Guͤtergemeinſchaft, und gehoͤren dem Geſchenk⸗ nehmer ausſchließlich. Ausgenommen iſt der Fall, wo in der Schenkung ausdrucklich verfugt wird, daß die geſchenkte Sache zur Guͤtergemeinſchaft gehoren ſoll. 1406. Ein unbewegliches Gut, welches von Vater, Mut⸗ ter, oder ſonſt einem aufſteigenden Verwandten, einem von beiden Eheleuten uͤberlaſſen oder abgetreten wird, entweder um ſich gegen ihn einer Verbindlichkeit zu entledigen, oder zu dem Zwecke, daß er damit fremden Perſonen die Schulden des Geſchenkgebers bezahle, faͤllt nicht in die Guͤtergemein⸗ ſchaft, und hat in dieſer Hinſicht Verguͤtung oder Entſchaͤdi⸗ gung Statt. 1407. Wenn waͤhrend der Ehe ein unbewegliches Gut getauſcht wird gegen ein anderes unbewegliches Gut, welches einem von beiden Eheleuten ausſchließlich gehoͤrte, ſo faͤllt das eingetauſchte Gut nicht in die Gemeinſchaft, ſondern tritt an die Stelle des Gutes, welches durch Tauſch veraͤußert worden iſt. Es hat aber auch hier eine Verguͤtung Statt, wenn auf einer Seite ein Mehrwerth iſt. *) Mehrwerth, soulte, iſt bei Tauſchverträgen vorhanden, wenn von zwei gegen einander getauſchten Stuͤcken das eine mehr werth iſt, als das andere. Das Geſetz verordnet, wie billig, daß die Guͤtergemeinſchaft entſchädigt werden muͤſſe, wenn das durch Fauſch erworbene Gut mehr werth iſt, und mithin etwas hat herausgegeben werden muͤſſen. ———— „ S. * — 314— 1408. Wenn waͤhrend der Ehe ein Ehegenoſſe durch Ver⸗ ſteigerung oder ſonſt einen Theil eines unbeweglichen Guts an ſich bringt, das er mit einem andern ungetheilt beſaß, ſo gehoͤrt der ſo erworbene Theil nicht zur gemeinſamen Errun⸗ genſchaft, und mithin nicht zur Guͤtergemeinſchaft. Letztere aber muß entſchaͤdigt werden fuͤr die Summe, die ſie zu jenem Zwecke hergegeben hat. Iſt es der Mann, der allein und in ſeinem eigenen per⸗ ſoͤnlichen Namen ein unbewegliches Gut ganz oder zum Theil an ſich bringt oder ſteigert, das ſeine Frau mit einem Dritten ngetheilt beſaß, ſo hat bei Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft die Frau die Wahl, ob ſie das Gut der Gemeinſchaft uͤber⸗ laſſen wolle, in welchem Falle letztere der Frau ſo viel ſchul⸗ dig wird, als ihr Theil in dem Preiſe betraͤgt, oder ob ſie das unbewegliche Gut wieder an ſich ziehen, und der Gemein⸗ ſchaftsmaſſe den Erwerbungspreis erſtatten wolle. S. 1 Von dem paſſiven Beſtande der Guͤtergemeinſchaft*) und den Klagen, die daraus gegen dieſelbe entſpringen. Art. 1409. Unter dem paſſiven Beſtande der Guͤtergemein⸗ ſchaft ſind begriffen: 1ſtens alle beweglichen Schulden, womit die Eheleute am Tage ihrer Trauung beſchwert waren, oder womit irgend eine Erbſchaft beſchwert iſt, die ihnen waͤh⸗ rend der Ehe zufaͤllt; wobei ſich aber von ſelbſt ver⸗ ſteht, daß die Gemeinſchaft entſchaͤdigt werden muͤſſe fuͤr jene beweglichen Schulden, welche irgend einem unbeweglichen Gute ankleben, das einem von beiden Eheleuten perſoͤnlich gehoͤrtz 2tens alle Schulden, ſowohl Capitalien als Ruͤckſtaͤnde oder Zinſen, welche während der Guͤtergemeinſchaft entweder der Mann gemacht hat, oder die Frau mit Bewilligung des Mannes; mit Vorbehalt der Ver⸗ guͤtung in den Fällen, wo ſie Statt hat; 0) D. h. von den Schulden und ſonſtigen Verbinblichkeiten, welche die Eheleute gemeinſchaftlich und aus dem gemeinſchaftlichen Vermoͤgen zu leiſten haben. — 315— Ztens alle Ruͤckſtaͤnde und Zinſen von Renten oder paſſi⸗ ven Schulden, welche einen von beiden Eheleuten allein angehen; aber bloß die Ruͤckſtäͤnde und Zinſen; 4tens alle aus einer Nutznießung entſpringenden Repara⸗ tionskoſten unbeweglicher Guͤter, die nicht zur Guͤter⸗ gemeinſchaft gehoͤren; 5tens die Alimente der Eheleute, die Koſten der Er⸗ ziehung und Unterhaltung der Kinder, und jede an⸗ dere der ehelichen Verbindung anklebende Laſt. 1410. Was die beweglichen Schulden angeht, welche die Frau vor der Heirath gemacht hat, ſo fallen dieſelben der Guͤtergemeinſchaft nur dann zur Laſt, wenn ſie durch eine authentiſche Urkunde, die fruͤher, als die Trauung iſt, beſchei⸗ nigt ſind, oder durch ſonſt eine Urkunde, die vor dieſem Zeit⸗ punkte ein ſicheres Datum bekommen hat, entweder durch die Einregiſtrirung, oder durch den Tod eines von denjenigen Theilen, wovon die Urkunde unterſchrieben iſt. Hat jemand an die Frau eine Forderung in Gefolg eines Scheines, der vor der Trauung kein ſicheres Datum hatte, ſo kann er ſie zwar auf Zahlung belangen, aber ſeine Klage nur geltend machen gegen das bloße Eigenthum ihres eigenen per⸗ ſönlichen unbeweglichen Vermoͤgens. Der Ehemann, der fuͤr ſeine Frau eine ſolche Schuld bezahlt zu haben behauptet, kann desfalls weder gegen ſeine Frau noch gegen ihre Erben eine Verguͤtung fordern. 1411. Schulden von bloß beweglichem Nachlaſſe, der während der Ehe den Eheleuten zufaͤllt, fallen ganz der Guͤ⸗ tergemeinſchaft zur Laſt. 1412. Schulden aber von bloß unbeweglichem Nachlaſſe, der während der Ehe einem von beiden Eheleuten zufaͤllt, hat die Guͤtergemeinſchaft nicht zu vertreten. Die Gläͤubiger haben aber das Recht, ihre Forderung gegen die unbeweglichen Guͤ⸗ ter des beſagten Nachlaſſes geltend zu machen. Iſt indeſſen dem Manne ein ſolcher Nachlaß zugefallen, ſo koͤnnen die Glaͤubiger des Nachlaſſes ihre Forderungen geltend machen, entweder gegen alle dem Manne eigenen Guͤ⸗ ter, oder ſelbſt gegen die Guͤter der Gemeinſchaft. In dieſem zweiten Falle aber hat die Fran, oder ihre Erben, ein Recht zur Verguͤtung. 1413. Wenn die bloß unbewegliche Erbſchaft der Frau anheim gefallen iſt, und dieſe ſie mit Bewilligung ihres Mannes — — mit Vorbehalt der gegeuſeitigen Verguͤtungen⸗ — 316— angenommen hat, ſo koͤnnen die Erbſchaftsglaͤubiger ihre For⸗ derungen geltend machen gegen alle perſoͤnlichen Guͤter der Frau. Hat aber der Mann ſeine Einwilligung verweigert, und die Frau die Erbſchaft angenommen bloß auf gerichtliche Ermaͤchtigung, ſo koͤnnen die Glaͤubiger, falls die unbeweg⸗ lichen Güter der Erbſchaft unzulaͤnglich ſind, ihre Rechte ge⸗ gen nichts Anderes, als gegen das bloße Eigenthum der uͤbri⸗ gen perſoͤnlichen Guͤter der Frau geltend machen. 1414. Wenn die Erbſchaft, die einem von beiden Ehe⸗ lenten angefallen iſt, theils in beweglichen und theils in un⸗ beweglichen Guͤtern beſteht, ſo fallen die Schulden, womit ſie beſchwert iſt, der Gemeinſchaft nur ſo weit zur Laſt, als der Antheil reicht, den der bewegliche Nachlaß daran zu tragen hat, wobei auf den Werth dieſes beweglichen Nachlaſſes in Vergleich mit dem Werthe des unbeweglichen Ruͤckſicht ge⸗ nommen wird. Worin nun jener Antheil beſtehe, wird durch das In⸗ ventarium ausgemittelt. Fuͤr die Aufnahme dieſes letztern hat der Mann fuͤr ſich ſelbſt zu ſorgen, wenn die Erbſchaft ihn perſoͤnlich angeht; er hat dafuͤr zu ſorgen als Leiter und Er⸗ maͤchtiger der Handlungen ſeiner Frau, wenn es auf eine Erbſchaft ankommt, die ihr zugefallen iſt. 1415. In Ermangelung eines Inventariums, und in allen Faͤllen, wo dieſer Abgang die Frau benachtheiligt, kann ſie, oder ihre Erben, bei Aufloͤſung der Gemeinſchaft ihre recht⸗ lichen Verguͤtungen nachſuchen, und zu dem Ende beweiſen, worin das nicht inventariſirte Vermoͤgen beſtand, und welchen Werth es hatte. Sie koͤnnen dieſen Beweis liefern durch Ti⸗ tel, Hauspapiere, und im Nothfalle ſogar durch den gemei⸗ nen Ruf. Der Mann kann zu dieſem Beweiſe nie zugelaſſen werden. 1416. Ungeachtet der Verfuͤgungen des Art. 1414, koͤn⸗ nen die Glaͤubiger einer Erbſchaft, die theils beweglich, theils unbeweglich iſt, ihre Forderungen dennoch gegen die Guͤter der Gemeinſchaft geltend machen, die Erbſchaft mag nun dem Manne oder der Frau zugefallen, und in letzterm Falle mit Bewilligung des Mannes von ihr angenommen ſein; alles —,— — 317— Eben ſo verhaͤlt es ſich, wenn zwar die Frau die Erb⸗ ſchaft angenommen, aber nur mit gerichtlicher Ermaͤchtigung, und deſſen ungeachtet das bewegliche Gut der Erbſchaft mit je⸗ nem der Guͤtergemeinſchaft iſt vermiſcht worden ohne vor⸗ laͤufiges Inventarium. 1417. Wenn die Frau eine ſolche Erbſchaft bloß mit gerichtlicher Ermaͤchtigung angenommen hat, indem der Mann ſeine Bewilligung verſagte, und dieſelbe gehoͤrig iſt inventari⸗ ſirt worden: ſo koͤnnen die Glaͤubiger ihre Anſpruͤche bloß gegen das bewegliche und unbewegliche Vermoͤgen der Erb⸗ ſchaft geltend machen, und, falls Beides zu ihrer Befriedigung nicht hinreicht, gegen das bloße Eigenthum des uͤbrigen per⸗ ſoͤnlichen Vermoͤgens der Frau. 1418. Was in dem Art. 1411 und folgenden Artikeln uͤber die Schulden einer Erbſchaft verordnet worden, iſt auch anzuwenden auf Schulden, die einer Schenkung anklebig ſind⸗ 1419. In Anſehung der Schulden, welche die Frau mit Bewilligung ihres Mannes gemacht hat, koͤnnen die Glaͤubi⸗ ger ihre Bezahlung nachſuchen, ſowohl gegen die Guͤter der Gemeinſchaft, als gegen die beſondern Guͤter des Mannes oder der Frau; mit Vorbehalt der Verguͤtung, die der Gemein⸗ ſchaft, oder der Entſchaͤdigung, die dem Manne gebuͤhrt. 1420. Schulden, welche die Frau bloß zufolge einer all⸗ gemeinen oder beſondern Vollmacht ihres Mannes gemacht hat, fallen der Gemeinſchaft zur Laſt; und der Gläubiger kann, um bezahlt zu werden, weder die Frau ſelbſt, noch ihr perſoͤnliches Vermoͤgen angreifen. Zwetter Abſchnitt. Von Verwaltung der Guͤtergemeinſchaft und den Wirkun⸗ gen der Handlungen eines oder des andern Ehegenoſſen ruͤckſichtlich der ehelichen Geſellſchaft. Art. 1421. Der Mann allein verwaltet die Guͤter der Gemeinſchaft. Er kann ſie verkaufen, veraͤußern oder verpfaͤnden ohne Beiſtand und Mitwirkung der Frau. 1422. Er kann unter Lebenden auf wohlthaͤtige Art nicht uͤber die unbeweglichen Guͤter der Gemeinſchaft verfugen, noch 64— e + . ₰ * 5 — ‧˙— ————. r—— ———* — 318— uͤber die ganze bewegliche Habe, oder eine Qnote derſelben, es geſchehe denn zur Einrichtung der gemeinſchaftlichen Kinder. Jedoch kann er uͤber einzelne bewegliche Effecten wohl⸗ thaͤtig verfuͤgen, ohne Unterſchied der Perſon, die er dabei bevortheilt; nur muß er ſich dabei die Nutznießung nicht vor⸗ behalten. 1423. Das, was der Mann durch letztwillige Verord⸗ nung ſchenkt, darf ſeinen Antheil an dem gemeinſchaftlichen Vermoͤgen nicht uͤberſteigen. Hat er auf ſolche Art einen Gegenſtand der Gemein⸗ ſchaft verſchenkt, ſo kann der Geſchenknehmer ihn in Natur nicht verlangen, als in ſo weit er bei der Theilung unter das Loos der Erben des Mannes faͤllt. Wenn aber der geſchenkte Gegenſtand nicht unter das Loos der Erben des Mannes faͤllt: ſo muß dem Legatar der ganze Werth des geſchenkten Gegenſtandes verguͤtet werden, und die Vergtung wird ge⸗ nommen von dem Theile, den die Erben des Mannes an der Guͤtergemeinſchaft haben, und von dem eigenen Vermoͤgen des Mannes. 1424. Fuͤr Geldbußen, die gegen den Mann verhaͤngt werden wegen Verbrechen, worauf der buͤrgerliche Tod nicht ſteht, iſt das gemeinſchaftliche Vermoͤgen der Eheleute an⸗ greiflich, mit Vorbehalt der Verguͤtung, die alsdann der Frau gebuͤhrt. Fuͤr Geldbußen aber, die gegen die Frau verhängt werden, iſt, ſo lange die Guͤtergemeinſchaft dauert, nur das bloße Eigenthum ihres perſoͤnlichen Vermoͤgens angreiflich. 1425. Verurtheilungen, welche gegen einen von beiden Eheleuten ergehen wegen eines Verbrechens, worauf der buͤr⸗ gerliche Tod ſteht, treffen nur den Antheil dieſes Ehegenoſſen in der Guͤtergemeinſchaft und ſein eigenes perſoͤnliches Vermoͤgen. 1426. Handlungen, welche die Frau ohne Bewilligung ihres Mannes vornimmt, obſchon ſie gerichtlich dazu ermaͤch⸗ tigt iſt, beſtricken die Guͤter der Gemeinſchaft mit keiner Ver⸗ bindlichkeit, es ſei denn, daß ſie als oͤffentliche Handelsfrau, und in Ruͤckſicht auf ihren Handel contrahire. 1427. Die Frau kann weder ſich ſelbſt, noch die Guͤter der Gemeinſchaft verbinden, ſelbſt nicht, um ihren Mann aus dem Gefaͤngniſſe zu ziehen, oder um ihren Kindern in — 319— Abweſenheit ihres Mannes eine Einrichtung zu geben, wenn ſie nicht vorlaͤufig dazu gerichtlich ermaͤchtigt iſt. 1428. Der Mann hat die Verwaltung von allem Ver⸗ moͤgen, das der Frau eigen und perſonlich zugehoͤrt. Er kann allein alle der Frau zuſtehenden Klagen, die ihre bewegliche Habe oder den bloßen Beſitz betreffen, anhe⸗ ben und verfolgen. Er kann das perſoͤnliche unbewegliche Vermoͤgen ſeiner Frau nicht veraußern, als mit ihrer Einwilligung. Er iſt verantwortlich fuͤr jede Verſchlimmerung des per⸗ ſoͤnlichen Vermoͤgens ſeiner Frau, wenn die Verſchlimmerung dadurch entſtanden iſt, daß er die noͤthigen Handlungen der Erhaltung nicht vorgenommen hat. 1429. Hat der Mann allein uͤber die Guͤter ſeiner Frau Pacht⸗ und Miethvertraͤge geſchloſſen auf laͤnger als neun Jahre, ſo ſind dergleichen Vertraͤge im Falle der Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft, in Ruͤckſicht auf die Frau oder ihre Erben nicht laͤnger verbindlich, als fuͤr die Zeit, welche von den erſten neun Jahren noch auszuhalten iſt, wenn die erſten neun Jahre noch laufen; oder fuͤr die Zeit, welche von den folgenden neun Jahren noch auszuhalten iſt, wenn ſie ange⸗ fangen haben zu laufen, und ſo weiter, dergeſtalt, daß der Pachter oder Miethsmann zu mehr nicht berechtigt iſt, als die Zeit von neun Jahren, in denen er ſich befindet, im Be⸗ ſitz zu bleiben. 1430. Pachtvertraͤge von neun Jahren und darunter, welche der Mann allein in Ruͤckſicht der Guͤter ſeiner Frau geſchloſſen oder erneuert hat, ſind unguͤltig, wenn die Ab⸗ ſchließung oder Erneuerung vor Ablauf der laufenden Pacht geſchehen iſt, und zwar mehr als drei Jahre vor dieſem Ab⸗ lauf, in ſo fern von Landguͤtern, und mehr als zwei Jahre vor dieſem Ablauf, in ſo fern von Haͤuſern die Rede iſt. Ausgenommen wäre der Fall, wo vor Aufloͤſung der Guͤter⸗ gemeinſchaft die Erfullung ſolcher Pachtvertraͤge ſchon an⸗ gefangen haͤtte. 1431. Eine Frau, die mit ihrem Manne in Angelegen⸗ heiten der Gemeinſchaft oder ihres Mannes eine ungetheilte oder ſolidariſche Verbindlichkeit uͤbernommen hat, wird in Ruͤckſicht auf ihren Mann als bloßer Buͤrge betrachtet, und F———— 3.—— — 320— muß fuͤr die Verbindlichkeit, die ſie uͤbernommen hat, ent⸗ ſchaͤdigt werden. 1432. Auf die naͤmliche Art hat der Mann, der ſich ſo⸗ lidariſch oder auch ſonſt verbuͤrgt, wenn ſeine Frau ein ihr eigenes unbewegliches Gut verkauft, gegen dieſelbe ein Recht, welches er, wenn er beunruhigt wird, geltend machen kann entweder gegen ihren Theil in der Gemeinſchaft, oder gegen ihre perſoͤnlichen Guͤter. 1433. Wenn ein unbewegliches Gut verkauft wird, das einem von beiden Eheleuten perſoͤnlich gehoͤrte, oder wenn Grundgerechtigkeiten mit Gelde abgekauft werden, welche ei⸗ nem Erbe zuſtanden, das einem von beiden Eheleuten gehoͤrt, und der aus einem ſolchen Verkauf oder Abkauf eingegangene Preis in die Gemeinſchaft gefloſſen iſt, ohne daß in beiden Fäͤllen eine Wiederanlegung*) Statt gehabt: ſo iſt der Ehe⸗ genoſſe, dem das verkaufte unbewegliche Gut, oder die abge⸗ kaufte Grundgerechtigkeit gehoͤrte, berechtigt, jenen Preis aus der Guͤtergemeinſchaft vorab zu nehmen. 1434. In Anſehung des Mannes wird vermuthet, daß die Wiederanlegung geſchehen ſei, ſo oft er bei Erwerbung eines unbeweglichen Gutes erklaͤrt hat, daß ſie mit den Geldern geſchehe, welche er aus dem Verkauf eines ihm eigenen unbe⸗ weglichen Gutes gezogen hat, und daß ſie zu ſeinem Vortheil als Wiederanlegung dienen ſolle. 1435. In Anſehung der Frau iſt es nicht genug, wenn der Mann bei der Erwerbung erklaͤrt, daß das Gut ange⸗ kauft worden aus den Geldern eines andern, der Frau zuge⸗ hoͤrigen Gutes, und daß ſie zu ihrem Vortheil als Wiederan⸗ legung dienen ſolle; ſondern es wird noch erfordert, daß eine ſolche Wiederanlegung foͤrmlich von der Frau ſei angenommen worden. Hat die Frau eine ſolche Wiederanlegung nicht an⸗ genommen, ſo iſt ſie berechtigt, bei Aufloͤſung der Gemein⸗ ſchaft zu fordern, daß ihr der Werth ihres verkauften unbe⸗ weglichen Gutes verguͤtet werde. *) Wiederanlegung(remploi) iſt, wenn fuͤr die Gelder, welche aus dem Verkaufe eines dem Ehegenoſſen gehoͤrigen unbeweg⸗ lichen Gutes hergekommen ſind, wieder ein anderes unbeweg⸗ liches Gut angeſchafft wir. 1436. Iſt es nun der Mann, der Verguͤtung fuͤr den Werth eines ihm gehoͤrigen Gutes zu fodern hat: ſo kann er ſeine Anſpruͤche bloß gegen die Gemeinſchaftsmaſ⸗ ſe geltend machen; iſt es hingegen die Frau: ſo kann ſie, wenn die Guͤter der Gemeinſchaft nicht zureichen, die per⸗ ſoͤnlichen Guͤter des Mannes angreifen. In allen Fällen aber wird die Verguͤtung nach dem Verkaufe berechnet, man moͤge übrigens uͤber den Werth des veraͤuſſerten Grundſtuͤckes vorbringen was man wolle. 1437. So oft aus der Guͤtergemeinſchaft eine Sum— me Geldes genommen wird, um damit Schulden oder La⸗ ſten abzumachen, welche einen von den Eheleuten allein und perſoͤnlich angehn, wie zum Beiſpiel den Preis oder einen Tbeil von dem Preiſe eines ihm gehorigen unbeweg⸗ lichen Gutes, den Abkaufspreis einer Grundgerechtigkeit, u. ſ. w., oder um ſich damit wieder in den Beſitz ſeiner perſoͤnlichen Guter zu ſetzen, dieſelben zu erhalten oder zu verbeſſern, und uͤberhaupt, ſo oft einer von den Ehege⸗ noſſen einen ihm eigenen perſoͤnlichen Vortheil aus den Guͤtern der Gemeinſchaft gezogen hat; ſo oft muß er die Gemeinſchaft dafür entſchaͤdigen, oder ihr die verhaͤltniß⸗ maͤßige Vergutung angedeihen laſſen. 1438. Wenn die Eltern ein gemeinſchaftliches Kind ausgeſtattet haben, ohne dabei auszudruͤcken, wie viel je⸗ der dazu beigetragen habe: ſo wird vermuthet, daß jeder die Hälfte dazu beigetragen habe, und hierbei kommt nicht in Betrachtung, ob die Ausſtattung aus dem Vermogen der Gemeinſchaſt, oder ob ſie aus den perſönlichen Guͤtern eines von den Ehegenoſſen genommen oder verſprochen worden. Im zweiten Falle aber hat der Ehegenoſſe, von dem ein eigenes unbewegliches Gut, oder ſonſt ein Gegenſtand zur Ausſtattung iſt gebraucht worden, das Recht gegen die Guͤter des andern Ehegenoſſen eine Entſchädigung fuͤr die Haͤlfte der Ausſtattung zu fodern; und bei Beſtim⸗ mung dieſer Entſchaͤdigung wird auf den Werth Ruͤckſicht genommen, den der alſo hergegebene Gegenſtand zur Zeit der Ausſtattung hatte. 1439. Hat der Mann allein ein gemeinſchaftliches Kind in Effekten der Gemeinſchaft ausgeſtattet: ſo fallt die Ausſtattung der Gemeinſchaft zur Laſt. Und in dem 21 — 322 Falle, wo die Gemeinſchaft von der Frau angenommen wird, muß ſie die Haͤlfte der Ausſtattung tragen⸗ es ſey denn, daß der Mann ausdruͤcklich erklaͤrt habe, daß er die Ausſtattung ganz, oder einen ſtaͤrkern Theil als die Haͤlfte, auf ſich nehme. 1440. Wer die Ausſtattung beſtellt hat, muß dafuͤr buͤrgen; und die Zinſen davon laufen vom Tage der Trauung an, obſchon fuͤr die wirkliche Zahlung ein Ter⸗ min beſtimmt, es ſey denn, daß das Gegentheil verabre⸗ det worden. Dritter Abſchnitt. Von Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft und einigen ih⸗ rer Folgen. r 1441. Die eheliche Guͤtergemeinſchaft wird auf⸗ geloͤßt, tſtens, durch den natuͤrlichen Tod, 2tens, durch den buͤrgerlichen Tod, 3tens, durch die Eheſcheidung, ätens, durch die Scheidung von Bett und Tiſche, 5tens, durch die Guͤtertrennung. 1442. Die Guͤtergemeinſchaft waͤhrt dadurch nicht fort, daß nach dem natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tode des einen Ehegoſſen der andere vernachläſſigt, ein Inventa⸗ rium zu errichten. In dieſem Falle bleibt aber allen Be⸗ theiligten ihr Recht ruͤckſichtlich des Beſtandes der gemein⸗ ſchaftlichen Guͤter und Effekten, und, um denſelben zu be⸗ weiſen, koͤnnen ſie ſowohl Urkunden als den gemeinen Ruf brauchen. Sind minderjaͤhrige Kinder vorhanden: ſo verliert der letztlebende Gatte, wenn er kein Inventarium macht, noch uͤberdies den Genuß ihrer Einkuͤnfte; und der beigeordne⸗ te Vormund, der verſaͤumt hat, ihn zu Errichtung des Inventariums anzuhalten, haftet mit ihm ſolidariſch fuͤr alles, was den Minderjaͤhrigen gerichtlich zuerkannt wird. 1443. So viel die Guͤtertrennung betrifft, ſo kann ſie nur von der Frau und gerichtlich nachgeſucht werden, und zwar nur in dem Falle, wo ihr Brautſchatz in Ge⸗ fahr iſt, und wenn die Geſchäfte ihres Mannes in ſolcher Unordnung ſind, daß ſich fuͤrchten laͤßt, ſeine Guͤter wer⸗ den nicht hinreichen, um ihre Wiedernahms⸗ und ſonſtigen Rechte zu decken. ——————— 3 Jede freiwillige Guͤtertrennung iſt nichtig. 1444. Damit die Guͤtertrennung, ſelbſt wenn ſie ge⸗ richtlich ausgeſprochen iſt, guͤltig ſey, wird erfodert, daß ſie wirklich vollzogen werde, naͤmlich durch die wirkliche Entrichtung der Wiedernahms- und ſonſtigen Rechte der Frau, daß die Entrichtung oder Zahlung geſchehe durch eine oͤffentliche authentiſche Urkunde, daß ſie bis zum Er⸗ trag der Guͤter des Mannes reiche, oder wenigſtens, daß ſie vollzogen werde durch wirkliche gerichtliche Verfolgun⸗ gen, und daß dieſe gerichtlichen Verfolgungen anfangen in den erſten fuͤnfzehn Tagen nach ausgeſprochener Guͤter⸗ trennung, und daß ſie nach dieſer Zeit nicht unterbrochen werden. 1445. Jede Guͤtertrennung muß, ehe ſie vollzogen wird, oͤffentlich kund gemacht werden, welches dadurch ge⸗ ſchieht, daß ſie auf einer dazu beſtimmten Tafel in dem Hauptſaale des Gerichts erſter Inſtanz, und uͤberdies, wenn der Mann ein Kaufmann iſt, Wechſel- oder ſonſt Handelsgeſchaͤfte im Großen treibt, in dem Hauptſaale des Handelsgerichts ſeines Wohnorts, angeheftet wird. Geſchieht dies nicht, ſo iſt die Vollziehung nichtig. Das Urtheil, welches die Guͤtertrennung ausſpricht, greift zuruͤck, und wirkt von dem Tage an, wo ſie gefo⸗ dert wird. 1446. Die perſoͤnlichen Glaͤubiger der Frau koͤnnen ohne ihre Einwilligung die Guͤtertrennung nicht fodern. Wuͤrde indeſſen der Mann bankerott: ſo koͤnnen ſie die Rechte ihrer Schuldnerinn bis zum Betrag ihrer Fode⸗ rungen geltend machen. 1447. Sehen die Glaͤubiger des Mannes, daß die Guͤtertrennung zum Nachtheil ihrer Rechte ausgeſprochen wird: ſo koͤnnen ſie, obſchon ſie bereits vollzogen waͤre, dagegen einkommen. Sie koͤnnen ſelbſt bei der Inſtanz, worin auf Guͤtertrennung geklagt wird, auftreten, um ſie zu beſtreiten. 1458. Die Frau, wenn ſie die Guͤtertrennung be⸗ wirkt hat, muß zu den Koſten der Haushaltung und der Erziebung der gemeinſchaftlichen Kinder beitragen, und zwar nach Verhältniß ihres Vermoͤgens und des Vermoͤ⸗ gens ihres Mannes. —— Sie muß dieſe Koſten ganz tragen, wenn dem Man⸗ ne nichts uͤbrig bleibt. 1449. Sobald die Frau vom Manne getrennt iſt, die Trennung betreffe nun ihre Perſonen zugleich, oder ihre Guͤter allein: bekömmt ſie die freie Verwaltung ihres Vermoͤgens wieder. Sie kann uͤber ihre bewegliche Habe verfuͤgen und ſie veraͤuſſern. Ihre unbeweglichen Guͤter aber kann ſie nicht ver⸗ aͤuſſern ohne Bewilligung ihres Mannes, oder, falls er ſeine Bewilligung verweigert, ohne gerichtliche Ermaͤch⸗ tigung. 1450. Wenn die alſo getrennte Frau mit gerichtli⸗ cher Ermaͤchtigung ein unbewegliches Gut veraͤußert hat: ſo haftet der Mann nicht dafuͤr, daß der daraus geloͤſte Preis nicht gehoͤrig iſt angelegt oder wiederangelegt wor⸗ den. Ein anderes waͤre es, wenn er zu dem Contrakte mitgewirkt haͤtte, oder wenn bewieſen wuͤrde, daß er die Kaufſchillinge empfangen habe, oder daß ſie zu ſeinem Nutzen gediehen ſind. Er haftet dafuͤr, daß die Kaufſchillinge nicht ſind an⸗ gelegt oder wiederangelegt worden, wenn der Verkauf in ſeiner Gegenwart und mit ſeiner Bewilligung geſchehen iſt; er haftet aber nicht dafuͤr, daß die Anlegung auch nuͤtz⸗ lich ſey. 1451. Die Gemeinſchaft, die aufgeloͤſt worden iſt durch Trennung von Bett und Tiſch*), oder durch Tren⸗ nung der Güter allein, kann wieder hergeſtellt werden durch beiderſeitige Einwilligung. Sie kann aber nicht anders wieder hergeſtellt werden, als durch einen notariellen Akt, wovon die Urſchrift bleibt; und eine Ausfertigung davon muß in der durch den Art. 1445 vorgeſchriebenen Form angeheftet werden. In dieſem Falle wirkt die wieder hergeſtellte Guͤter⸗ gemeinſchaft wieder vom Tage der Trauung an, und die Sachen kommen in den naͤmlichen Stand, als wenn nie eine Trennung geſchehen waͤre; ohne Nachtheil jedoch der Vollziehung jener Handlungen, die etwa die Frau in die⸗ *) Welche allezeit die Trennung der Guͤter nach ſich zieht. Art. 311 5 ſem Zwiſchenraume vorgenommen hat, und wozu ſie der Art. 1449 berechtigte. Die Bedingungen, worunter die Guͤtergemeinſchaft wieder hergeſtellt wird, muͤſſen die naͤmlichen ſeyn, wie diejenigen, die ſie vorher regulirten— Wären ſie davon verſchieden, ſo iſt die Verabredung nichtig. 1452. Die Gemeinſchaft mag aufhoͤren durch Ehe⸗ ſcheidung, durch Scheidung von Bett und Tiſche, oder durch Guͤtertrennung allein, ſie macht die Rechte nicht faͤl⸗ lig, welche die Frau in dem Falle hat, wo ſie den Mann uͤberlebt; aber ſie behaͤlt die Befugniß, dieſelben geltend zu machen bei dem natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tode ih⸗ res Mannes. Vierter Abſchnitt. Von der Annahme der Guͤtergemeinſchaft, der Verzicht⸗ leiſtung darauf, mit den dahin einſchlaͤgigen Be⸗ dingungen. Art. 1453. Nach aufgelöſter Guͤtergemeinſchaft hat die Frau, oder ihre Erben und die, welche ihr Recht ha⸗ ben, das Recht, ſie anzunehmen oder Verzicht darauf zu leiſten; jede Verabredung, die das Gegentheil verfuͤgt, iſt nichtig. 1454. Es ſteht der Frau nicht mehr frei, auf die Gemeinſchaft Verzicht zu leiſten, wenn ſie ſich in die Guͤ⸗ ter derſelben gemiſcht hat. Handlungen, welche die bloße Verwaltung oder Er⸗ haltung bezwecken, beweiſen keine Einmiſchung. 1455. Hat einmal die Frau die Eigenſchaft einer Theilhaberinn an der Gemeinſchaft in einem Akte ange⸗ nommen: ſo kann ſie nicht mehr darauf verzichten, noch ſich gegen dieſe ihre Eigenſchaft in den vorigen Stand ſetzen laſſen, ſelbſt dann nicht, wenn ſie ſie vor Errichtung des Inventariums angenommen haͤtte. Hiebei wird jedoch vorausgeſetzt, daß die Frau großjährig, und von Seiten der Erben des Mannes kein Betrug untergelaufen ſey. 1456. Um die Befugniß zu behalten, Verzicht auf die Guͤtergemeinſchaft zu leiſten, muß die Frau in den erſten drei Monaten nach dem Tode ihres Mannes ein getreues und ge⸗ naues Verzeichniß oder Inventarium aller Gitrer der Ge⸗ — 326— meinſchaft anfertigen laſſen, und zwar in Beiſeyn der Er⸗ ben ihres Mannes, oder doch, nachdem ſie gehoͤrig dazu beſchieden ſind. Dieſes Verzeichniß muß ſie bei Schließung deſſelben vor dem oͤffentlichen Beamten, der es aufgenommen hat, als wahrhaft und redlich bekraͤftigen. 1457. In den drei Monaten und vierzig Tagen nach dem Tode ihres Mannes muß die Frau, wenn ſie Verzicht leiſten will, ihre desfallſige Erklaͤrung in der Gerichtſchreiberei des Gerichts erſter Inſtanz thun, in deſ⸗ ſen Bezirke ihr Mann wohnhaft war. Die Erklärung wird in das Regiſter eingeſchrieben, welches fuͤr die Ent⸗ ſagungen auf Erbſchaften beſtimmt iſt. 1458. Die Wittwe kann, je nachdem die Umſtände ſind, bei dem buͤrgerlichen Gerichte eine Verlaͤngerung der Friſt nachſuchen, die ihr der vorhergehende Artikel vor⸗ ſchreibt um Verzicht zu leiſten, und ſie wird nach Befin⸗ den, contradictoriſch mit den Erben des Mannes, oder nachdem ſie gehoͤrig beſchieden ſind geſtattet. 1459. Die Wittwe, die in der hieroben vorgeſchrie⸗ benen Friſt nicht Verzicht geleiſtet hat, iſt darum der Be⸗ fugniß, ihn zu leiſten, noch nicht verluſtig, wenn ſie nur ein Inventarium gemacht, und ſich uͤbrigens nicht einge⸗ miſcht hat. Sie kann nur, bis zur Verzichtleiſtung, als Theilhaberinn an der Gemeinſchaft verfolgt und belangt werden, und ihr fallen die Koſten zur Laſt, die gegen ſie bis dahin ſind gemacht worden. Auch kann ſie nach Ablauf der vierzig Tage, von Schließung des Inventariums an, verfolgt werden, wenn letzteres vor den drei Monaten iſt geſchloſſen worden. 1460. Hat die Wittwe einige Effekten der Gemein⸗ ſchaft verbracht oder verhehlt: ſo bleibt ſie Theilhaberinn an der Gemeinſchaft, welche in ihrer Ruͤckſicht fortdauert, ungeachtet ſie Verzicht darauf leiſtet. Eben ſo wird es mit ihren Erben gehalten. 1461. Stirbt die Wittwe vor Ablauf der drei Monate, ohne das Inventarium gemacht oder vollendet zu haben: ſo haben ihre Erben, um es zu machen oder zu vollenden, eine neue Friſt von drei Monaten, von dem ——————— Tode der Wittwe angerechnet, und von vierzig Tagen, um zu berathſchlagen, nach Schließung des Inventariums. Stirbt die Wittwe, nachdem ſie das Inventarium bereits vollendet hat: ſo haben ihre Erben, um zu be⸗ rathſchlagen, eine neue Friſt von vierzig Tagen, welche von ihrem Tode anfaͤngt. Ueberdies konnen ſie auf die Guͤtergemeinſchaft Ver⸗ zicht leiſten, nach den hieroben vorgeſchriebenen Formen, und die Art. 1458 und 1459 ſind auf ſie anwendbar. 1462. Die Verfuͤgungen der Art. 1456. u. f. ſind anwendbar auf Frauen von Menſchen, die buͤrgerlich todt ſind, von dem Augenblick an gerechnet, wo der buͤrgerli⸗ che Tod angefangen hat. 1463. Im Falle der Eheſcheidung oder der Schei⸗ dung von Bett und Tiſche, muß die Frau in den drei Monaten und vierzig Tagen nach dem endlichen Spruche, der eine oder die andere zuläßt, die Guͤtergemeinſchaft an⸗ nehmen; und hat ſie dieſelbe in jener Zeit nicht angenom⸗ men, ſo wird ſie angeſehen, als habe ſie Verzicht darauf geleiſtet, es ſey denn, daß ſie im Laufe der Friſt eine Ver⸗ längerung bei Gericht erlangt habe, und zwar wieder in Beiſehn ihres Mannes, oder nachdem er dazu gehoͤrig vorbeſchieden worden. 1464. Gläubiger der Frau, wenn ſie finden, daß ſie oder ihre Erben zum Nachtheil ihrer Rechte Verzicht lei⸗ ſten, können die Verzichtleiſtung anfechten, und die Ge⸗ meinſchaft fuͤr ſich ſelbſt annehmen. 1465. Waͤhrend der drei Monate und vierzig Tage, welche der Frap geſtattet ſind, um ein Inventarium zu machen und zu uͤberlegen, hat ſie das Recht, von dem vorhandenen Vorrath fuͤr ſich und ihre Hausbedienung die Nahrung zu nehmen, und falls kein ſolcher Vorrath da iſt, fuͤr Rechnung der gemeinſchaftlichen Maſſe zu dieſem Be⸗ hufe zu borgen, mit dem Beding, daß ſie dabei die Gren⸗ zen der Mäßigkeit nicht uͤberſchreite; und dieſes Recht hat ſie, ohne Unterſchied, ob ſie die Gemeinſchaft annimmt, oder darauf verzichtet. Sie iſt keine Miethe dafuͤr ſchuldig, daß ſie etwa wäͤhrend jener Friſten in einem der Gemeinſchaft oder den Erben des Mannes zugehoͤrigen Hauſe gewohnt hat; und — wenn die Eheleute in dem Hauſe, welches ſie bei Aufloͤ⸗ ſung der Gemeinſchaft inne hatten, zur Miethe wohnten: ſo trägt die Frau während der nämlichen Friſten nichts zur Zahlung dieſer Miethe bei, welche aus der gemein⸗ ſchaftlichen Maſſe genommen wird. 1466. In dem Falle, wo die Gemeinſchaft durch den Tod der Frau aufgeloͤßt wird, konnen ihre Erben auf ſelbige verzichten in den Formen und Friſten, welche das Geſetz der uͤberlebenden Frau vorſchreibt. F uͤnfter Abſchnitt. Von Theilung der Gemeinſchaft nach der Annahme. Art. 1467. Sobald die Frau, oder ihre Erben, die Gemeinſchaft angenommen haben, wird der active Beſtand derſelben getheilt, und Schulden und Laſten getragen wie folgt. S Von Theilung des wirklichen Vermoͤgens. Art. 1468. Die Eheleute oder ihre Erben werfen zur Maſſe des wirklichen Vermoͤgens alles ein, was ſie der Gemeinſchaft als Entſchaͤdigung oder Verguͤtung, nach den Regeln des 2ten Abſchnittes, erſter Abtheilung des gegenwärtigen Capitels ſchuldig ſind. 1469. Eben ſo bringt jeder Ehegenoſſe oder ſein Er⸗ be jene Summen wieder ein, die aus der Gemeinſchaft ſind gezogen worden, oder den Werth der Güͤter, die der Ehegenoſſe daraus genommen hat, um ein Kind aus einer andern Ehe oder auch um ein gemeinſchaftliches Kind fuͤr ſich allein perſoͤnlich auszuſtatten. 1470. Von der ganzen Maſſe des Vermoͤgens nimmt jeder Ehegenoſſe, oder ſein Erbe, vorab, lſtens, ſeine perſoͤnlichen Guͤter, die nicht in die Ge⸗ meinſchaft gefallen ſind, wenn ſie noch in Natur vorhanden ſind, oder jene Guͤter, die an ihre Stelle ſind angekauft worden; Atens, den Werth der unbeweglichen Guͤter, die wäh⸗ rend der Gemeinſchaft ſind veraͤußert, aber nicht wieder angelegt worden; — 3tens, die Entſchaͤdigungen, die ihm aus der Gemein⸗ ſchaft gebuͤhren. 1471. Was die Frau berechtigt iſt vorab zn neh⸗ men, das nimmt ſie vor dem Manne. In ſo weit dies ihr Recht Vermoͤgen betrifft, das nicht mehr in Natur vorhanden iſt, nimmt ſie es erſt von dem baaren Gelde, dann von dem beweglichen Vermoͤgen, und aushilfsweiſe von den unbeweglichen Guͤtern der Gemein⸗ ſchaft. In dieſem letzten Falle haben die Frau und ihre Erben die Wahl, welches unbewegliche Stuͤck ſie nehmen wollen. 1472. Der Mann kann ſeine Wiedernahmsrechte nur gegen die Guͤter der Gemeinſchaft geltend machen. Die Frau hingegen und ihre Erben greifen dafuͤr die perſoͤnlichen Guͤter des Mannes an, falls die Gemeinſchaft nicht zureicht. 1473. Sowohl von den Wiederanlegungen und Ver⸗ guͤtungen, welche den Eheleuten aus der Gemeinſchaft ge⸗ buͤhren, als von den Verguͤtungen und Entſchadigungen, die ſie der Gemeinſchaft ſchuldig ſind, laufen die Zinſen von Rechtswegen ohne weiteres von dem Tage der auf⸗ geloͤßten Gemeinſchaft an. 1474. Nachdem beide Eheleute alles, wozu ſie be⸗ rechtigt waren, von der Maſſe vorab genommen haben, wird der Reſt zur Hälfte unter die Eheleute oder ihre Stellvertreter getheilt. 1475. Wenn die Erben der Frau getheilt ſind, und zwar ſo, daß einer die Guͤtergemeinſchaft angenommen, der andere auf ſie verzichtet hat: ſo iſt derjenige, der an⸗ genommen hat, zu weiter nichts berechtigt, als zu ſeinem Erbtheil in den Guͤtern, welche unter das Loos der Frau fallen. Der Ueberreſt gehoͤrt dem Manne, wogegen dieſer dem verzichtenden Erben fuͤr alle Rechte haftet, welche die Frau im Falle der Verzichtleiſtung ſelbſt hätt⸗ koͤnnen in Anſpruch nehmen, jedoch nur bis zum Belauf des perſoͤn⸗ lichen Erbantheils des Verzichtenden. 1476. Uebrigens hat man ſich bei der Theilung der Gemeinſchaft in Hinſicht auf alles, was ihre Form, die ——— —————— — 5— Verſteigerung des unbeweglichen Vermoͤgens, wenn ſie noͤ⸗ thig iſt, die Wirkungen der Theilung, die daraus entſte⸗ hende Verbuͤrgung, und den Mehrwerth auf einer Seite, nach den Regeln zu richten, die unter dem Titel von der Erbfolge fuͤr Theilungen unter Miterben feſtgeſetzt ſind. 1477. Ein Ehegenoſſe, der einige Effekten der Ge⸗ meinſchaft verbracht oder verhehlt hat, verliert ſeinen An⸗ theil an dieſen Effekten. 1478. Wenn nach vollendeter Theilung ein Ehege⸗ noſſe perſoͤnlicher Schuldner des andern Ehegenoſſen iſt, wie wenn der Preis ſeines Gutes zur Tilgung einer per⸗ ſoͤnlichen Schuld des andern Ehegenoſſen iſt verwendet worden, oder aus jeder andern Urſache; ſo macht er ſeine Foderung geltend gegen den Theil der Letzterm an der Gemeinſchaft angefallen iſt, oder gegen die perſoͤnlichen Guͤter deſſelben. 1479. Perſoͤnliche Foderungen, welche einem Ehege⸗ noſſen gegen den andern zuſtehen, thun keine Zinſen, als vom Tage der gerichtlichen Einklage. 1480. Schenkungen eines Ehegenoſſen zu Gunſten des andern werden nur vollgogen in dem Antheil des Ge⸗ ſchenkgebers an der Gemeinſchaft, und in deſſen perſoͤn⸗ lichen Guͤtern. 1481. Die Trauer der Frau faͤllt den Erben des verſtorbenen Mannes zur Laſt. Ihr Werth wird nach dem Vermoͤgen des Mannes beſtimmt. Sie gebuͤhrt der Frau ſelbſt in dem Falle, wo ſie auf die Gemeinſchaft verzichtet hat. . 1. Von Schulden und Laſten der Gemeinſchaft, und dem beiderſeitigen Beitrag zu denſelben. 1482. Beide Eheleute, oder ihre Erben, vertreten die Schuleen der Gemeinſchaft zur Haͤlfte. Zu ſolchen Schulden gehoͤren die Koſten der Verſiegelung, der Inven⸗ tur, des Verkaufs der beweglichen Effekten, der Ausein⸗ anderſetzung, der Verſteigerung und der Theilung⸗ — 33— 1483. Die Frau haftet, ſowohl gegen den Mann, als gegen die Gläubiger, fuͤr die Schulden der Gemein⸗ ſchaft nur ſo weit, als der Vortheil reicht, den ſie daraus gezogen hat. Nur muß ſie ein getreues aufrichtiges In⸗ ventarium angefertigt haben, und ſich ſowohl uͤber den Inhalt des Inventariums, als uͤber das, was ihr in der Theilung zugefallen iſt berechnen. 1484. Der Mann haftet fuͤr die geſammte Schul⸗ denmaſſe der Gemeinſchaft, die er gemacht hat; jedoch bleibt ihm ſein Ruͤckanſpruch gegen die Frau oder ihre Er⸗ ben fuͤr die Haͤlfte derſelben. 1485. Er haftet nur fuͤr die Haͤlfte der perſoͤnlichen Schulden ſeiner Frau, die der Gemeinſchaft zur Laſt ge⸗ fallen waͤren. 1486. Die Frau kann fuͤr die geſammte Schulden⸗ laſt verfolgt werden, die von ihr herruͤhrt und in die Gemeinſchaft gefallen war; fuͤr die Haͤlfte derſelben kann ſie ſich aber wieder gegen ihren Mann oder ſeine Erben erholen. 1487. Obſchon ſich die Frau fuͤr eine Schuld der Gemeinſchaft perſoͤnlich verbindlich gemacht hat, ſo kann ſie doch nur fuͤr die Haͤlfte derſelben verfolgt werden; aus⸗ genommen, wenn die Verbindlichkeit ungetheilt oder ſoli⸗ dariſch iſt. 1488. Hat die Frau an einer Schuld der Gemein⸗ ſchaft mehr als die Hälfte bezahlt: ſo kann ſie von dem Gläubiger das Ueberbezahlte nicht zuruͤckfordern, wenn die Quittung nicht ausdrucklich meldet, daß das Bezahlte ihre Haͤlftg iſt. 1489. Wenn gegen das unbewegliche Gut, das einem von beiden Eheleuten in der Theilung zugefallen iſt, ein Pfandrecht ausgeubt, und er mithin fuͤr das Ganze einer gemeinſchaftlichen Schuld verfolgt wird: ſo hat er von Rechtswegen fuͤr die Häͤlfte einer ſolchen Schuld ſeinen Ruͤckanſpruch gegen den andern Ehegenoſſen oder deſſen Erben. 1490. Ungeachtet der vorhergehenden Verfuͤgungen kann bei der Theilung ausgemacht werden, daß einer oder der andere von den Mittheilenden einen gewiſſen Betrag der Schulden, der von der Haͤlfte verſchieden iſt, bezah⸗ len, oder ſelbſt, daß er ſie ganz bezahlen ſolle. So oft einer von den Mittheilenden an den Schul⸗ den der Gemeinſchaft mehr bezahlt hat, als der Theil war, den er darin zu tragen hatte, ſo oft hat er gegen den andern ein Erholungsrecht. 1491. Alles, was hieroben in Anſehung des Man⸗ nes oder der Frau iſt geſagt worden, iſt ebenfalls auf die Erben des einen ſo wie des andern anwendbar; und dieſe Erben uͤben die naͤmlichen Rechte aus, und ſind den naͤmlichen Klagen unterworfen, wie der Ehegenoſſe, an deſſen Stelle ſie treten. Seech ſter Abſchnitt. Von Verzichtleiſtung auf die Gemeinſchaft und ihren Wirkungen. Art. 1492. Leiſtet die Frau Verzicht auf die Ge⸗ meinſchaft, ſo verliert ſie alle Rechte auf dieſelbe, und ſelbſt auf das bewegliche Vermoͤgen, das ſich darin befindet, und von ihr hergekommen iſt. Sie kann nichts daraus nehmen, als Leinwand und ſonſtiges Geraͤthe fuͤr ihren Gebrauch. 1493. Die Frau, wenn ſie verzichtet, hat das Recht wiederzunehmen: 1ſtens, die unbeweglichen Guͤter, die ihr gehoͤren, wenn ſie noch in Natur vorhanden ſind, oder das unbewegliche Gut, das an ihre Stelle und in Ge⸗ folg der Wiederanlegung iſt angeſchafft worden, 2tens, den Preis ihrer veraͤußerten unbeweglichen Guͤter, wovon die Wiederanlegung nicht geſchehen und angenommen worden iſt, wie hierdben geſagt worden, ztens, alle Entſchaͤdigungen, die ſie an die Gemein⸗ ſchaft zu fordern hat. 1494. Wenn die Frau auf die Gemeinſchaft Verzicht leiſtet: ſo braucht ſie zu den Schulden derſelben nicht bei⸗ zutragen, ſowohl in Ruͤckſicht gegen den Mann als in Ruͤck⸗ ſicht gegen die Gläubiger. Letztern haftet ſie jedoch in zwei Faͤllen: wenn ſie ſich naͤmlich mit ihrem Manne zugleich verbunden hat, und, wenn die Schuld, die eine Schuld der Gemeinſchaft geworden iſt, urſpruͤnglich von ihr ſelbſt — 333— herkam. Jederzeit bleibt ihr aber ihr Ruͤckanſpruch gegen ihren Mann oder ſeine Erben. 1405. Sie kann alle hieroben angeführten Klagen und Wiedernahmsrechte, ſowohl gegen die Guͤter der Ge⸗ meinſchaft, als gegen die perſonlichen Guͤter des Mannes geltend machen. Die naͤmlichen Rechte haben ihre Erben, mit Aus⸗ nahme des Rechtes jedoch, welches der Frau zuſteht in Ruͤckſicht auf Leinwand und ſonſtiges Geraͤthe fuͤr ihren Gebrauch, und auf Wohnung und Nahrung waͤhrend der Zeit, die für Verfertigung des Inventariums und zum Ueberlegen geſtattet iſt. Dieſe Rechte ſind bloß der Per⸗ ſon der uͤberlebenden Frau anklebig. Verfugung, die geſetzliche Guͤtergemeinſchaft betreffend in dem Falle, wo ein Ehege⸗ noſſe, oder beide, aus einer vorhergehenden Ehe Kinder haben. Art. 1496. Alles was bisher geſagt worden, findet ebenfalls ſeine Anwendung, wenn einer von den Eheleu⸗ ten, oder beide, Kinder aus vorhergehenden Ehen haben. Wenn indeſſen aus der Vermiſchung des beweglichen Vermoͤgens und der Schulden fuͤr einen Ehegenoſſen ein Vortheil entſtände, der beträchtlicher wäͤre, als derjenige, den der Art. 1098 unter dem Titel von Schenkungen unter Lebenden und Teſtamenten erlaubt: ſo ſteht den Vorkindern eine Klage zu, die dahin zielt, daß ein ſolcher Vortheil herabgeſetzt werde. Zweite Abtheilung. Von der vertragmäßigen Guͤtergemeinſchaft, und den Verabredungen, welche die geſetz⸗ liche Guͤtergemeinſchaft modifiziren und ſogar ausſchließen koͤnnen. Art. 1497. Es ſteht den Eheleuten frei, die geſetzli⸗ che Guͤtergemeinſchaft zu modifiziren durch jede beliebige Verabredung, welche den Art. 1387, 1388, 1389 und 1390 nicht zuwider läuft. ————— ⸗ „——— — 384— Gewoͤhnlich und hauptſaͤchlich wird ſie dadurch ein⸗ geſchraͤnkt, daß die Eheleute ſich irgend eine von folgen⸗ den Bedingungen dabei ausbehalten, nämlich: lſtens, daß nur die Errungenſchaft gemeinſchaftlich werden ſoll; 2tens, daß das bewegliche Vermoͤgen, gegenwaͤrtiges oder kuͤnftiges, nicht in die Gemeinſchaft fallen, oder doch nur zu einem gewiſſen Theile darin fal⸗ len ſoll; 3tens, daß man alles unbewegliche Vermoͤgen, gegen⸗ waͤrtiges oder zukuͤnftiges, oder nur einen Theil deſſelben in die Gemeinſchaft fallen läßt, und zwar dadurch, daß man es im Sinne zu beweglichem Vermogen macht— durch die Beweglichma⸗ chung—*)., 4tens, daß die Eheleute die Schulden, die ſie vor der Ehe hatten, jeder insbeſondere fuͤr ſich bezahlen ſollen; Htens, daß es, im Falle der Verzichtleiſtung, der Frau frei ſtehen ſoll, ihr Eingebrachtes frei und ledig zuruͤckzunehmen; 6tens, daß der Letztlebende ein Voraus haben ſoll; 7tens, daß unter ihnen eine Gemeinſchaft unter all⸗ gemeinem Namen ſeyn ſolle. Erſter Abſchnitt. Von der Gemeinſchaft, die ſich bloß auf das Errungene beſchraͤnkt⸗ Art. 1498. Wenn die Eheleute ausbehalten, daß unter ihnen bloß eine Gemeinſchaft der Errungenſchaft be⸗ ) Ameublissement. Der Art. 1404 erklart nämlich, daß un⸗ bewegliches Vermoͤgen, welches jemand vor der Ehe beſitzt, oder nach der Trauung durch Erbfolge erlangt, nicht in die Ge⸗ meinſchaft faͤllt. Die Eheleute konnen hievon abgehen, ſie konnen erklaͤren, daß demungeachtet ſolches unbewegliches Vermoͤgen gemeinſchaftlich werden ſolle, wie das bewegliche. Sie geben durch eine ſolche Verabredung dem unbeweglichen Vermogen die Natur des beweglichen, oder ſie machen es be⸗ weglich im Sinne und durch eine Erdichtung. Eine ſolche Berabredung heißt Ameublissement, Beweglichmachung. ſtehen ſoll: ſo wird vermuthet, daß ſie von der Gemein⸗ ſchaft haben ausſchließen wollen nicht allein die gegenwaͤr⸗ tigen und zukuͤnftigen Schulden eines jeden von ihnen, ſondern auch ihre beiderſeitige, gegenwärtige und zukuͤnf⸗ tige bewegliche Habe. In dieſem Falle, und nachdem jeder von den Ehe⸗ leuten ſein Eingebrachtes, ſo wie es gehoͤrig ausgemittelt iſt, vorabgenommen hat, wird weiter nichts getheilt, als das, was die Eheleute waͤhrend ihrer Verbindung entwe⸗ der zuſammen oder jeder insbeſondere errungen haben, die Errungenſchaft komme nun her aus dem gemeinſamen Betrieb, oder aus den Erſparniſſen von den Fruͤchten und Einkuͤnften der beiderſeitigen Guͤter. 1499. Wenn uͤber das bewegliche Vermoͤgen, welches bei der Trauung ſchon vorhanden war, oder nachher angefal⸗ len iſt, kein Inventarium oder Verzeichniß in gehoͤriger Form iſt verfertigt worden; ſo wird es als Errungen⸗ ſchaft angeſehen. i Von der Clauſel, welche das bewegliche Vermogen ganz oder zum Theil von der Gemeinſchaft ausſchließt. Art. 1500. Die Eheleute koͤnnen von ihrer Gemein⸗ meinſchaft ihre ganze bewegliche Habe, gegenwaͤrtige und zukuͤnftige, ausſchließen. Halten ſie unter ſich aus, daß ſie gegenſeitig bis auf eine beſtimmte Summe, oder bis zu einem beſtimmten Wer⸗ the bewegliches Vermoͤgen in die Gemeinſchaft legen wol⸗ len: ſo wird eben darum vermuthet, daß ſie das uͤbrige davon ausgeſchloſſen und fuͤr ſich behalten haben. 1501. Iſt dieſe Clauſel beigefuͤgt, ſo wird dadurch der Ehegenoſſe der Guͤtergemeinſchaft die Summe ſchuldig, die er darin zu legen verſprochen hat, ſo wie ſie ihn ver⸗ bindlich macht, dieſe Einbringung zu beweiſen. 1502. In Anſehung des Mannes iſt hinlaͤnglich be⸗ wieſen, daß das Einzulegende wirklich eingelegt worden iſt, wenn der Ehecontrakt die Erklaͤrung enthaͤlt, daß ſein bewegliches Vermoͤgen einen ſolchen Werth habe. — 336— In Anſehung der Frau iſt jene Einbringung hinläng⸗ lich durch die Quittung bewieſen, die der Mann ihr, oder denjenigen gibt, die ſie ausgeſtattet haben. 1503. Wenn das bewegliche Vermoͤgen, das ein Ehegenoſſe bei Schließung der Ehe eingebracht, oder das ihm nachher zugefallen iſt, mehr betraͤgt, als das, was er in die Gemeinſchaft legen wollte: ſo hat er bei Aufloſung der Gemeinſchaft das Recht, dieſen Werth wieder und vorab zu nehmen. 1504. Alles bewegliche Vermoͤgen, das jeden von den Eheleuten waͤhrend der Ehe zufaͤllt, muß durch ein Inventa⸗ rium oder Verzeichniß beurkundet werden. Hat der Mann uͤber das bewegliche Vermoͤgen, das ihm zugefallen iſt, kein Inventarium gemacht, oder iſt kei⸗ ne Urkunde vorhanden, wodurch der Werth und Beſtand deſſelben nach Abzug der Schulden bewieſen wird: ſo hat er in Ruͤckſicht deſſelben kein Wiedernahmsrecht. Iſt hingegen von beweglichem der Frau zugefallenem Vermoͤgen die Rede, woruͤber kein Inventarium gemacht worden: ſo kann ſie den Werth deſſelben durch Urkunden, durch Zeugen, und ſelbſt durch den gemeinen Ruf erwei⸗ ſen. Das naͤmliche Recht haben ihre Erben. D ri tter ſch Von der Clquſel der Beweglichmachung. Art. 1505. Wenn die Eheleute, oder einer von ih⸗ nen, ihr ganzes gegenwärtiges und zukuͤnftiges unbeweg⸗ liches Vermoͤgen in die Guͤtergemeinſchaft ſchlagen: ſo nennt man eine ſolche Verabredung Beweglichma⸗ chung*. 1506. Die Beweglichmachung kann entweder beſtimmt oder unbeſtimmt ſeyn. Sie iſt beſtimmt, wenn der Ehegenoſſe erklaͤrt hat, daß er ein gewiſſes Grundſtuͤck ganz oder bis zum Betrag einer gewiſſen Summe beweglich mache oder unter die Gemeinſchaft ſchlage. Sie iſt unbeſtimmt, wenn der Ehegenoſſe bloß erklärt hat, daß er ſein unbewegliches Vermoͤgen bis zum Betrag einer gewiſſen Summe zur Gemeinſchaft bringe. *) Ameublissement. — 1507. Die beſtimmte Beweglichmachung hat zur Fol⸗ ge, daß das unbewegliche Gut, oder die unbeweglichen Guͤter, die darunter begriffen ſind, Guͤter der Gemein⸗ ſchaft werden, wie die beweglichen Guͤter ſelbſt. Wenn das unbewegliche Gut, oder die unbeweglichen Guͤter der Frau fuͤr's Ganze beweglich gemacht werden: ſo kann der Mann daruͤber verfuͤgen, wie uͤber ſonſtige bewegliche Effekten der Gemeinſchaft, und ſie ganz ver⸗ aͤußern. Iſt aber irgend ein Grundſtuͤck nur bis auf eine ge⸗ wiſſe Summe beweglich gemacht worden: ſo kann es der Mann nur mit Bewilligung ſeiner Frau veraͤußern. Hin⸗ gegen kann er es ohne ihre Bewilligung verpfaͤnden, aber doch nur bis zum Betrag des beweglich gemachten Theils. 1508. Dadurch, daß Grundſtuͤcke unbeſtimmt beweg⸗ lich gemacht werden, erlangt die Gemeinſchaft kein Eigen⸗ thum daran; ſondern der Ehegenoſſe, der eine ſolche Ver— abredung eingegangen, nimmt dadurch bloß die Verbindlich— keit auf ſich, einige ſeiner Grundſtuͤcke bis zum Betrag der Summe, die er verſprochen hat, in die Maſſe fallen zu laſſen, wenn die Gemeinſchaft aufgeloͤſt wird. Der Mann iſt nicht befugt, wie im vorhergehenden Artikel, die unbeweglichen Guͤter, welche eine Verabre⸗ dung unbeſtimmt beweglich gemacht hat, ohne die Einwil— ligung ſeiner Frau ganz oder zum Theil zu veraͤußern; aber er kann ſie verpfaͤnden oder mit Hypotheke beſtricken bis zum Betrag der Beweglichmachung. 1509. Der Ehegenoſſe, der ein Erbſtuͤck beweglich gemacht hat, iſt bei der Theilung berechtigt, es an ſich zu halten, und auf ſeinen Theil ſchreiben zu laſſen fuͤr den Preis, den es alsdann hat. Seine Erben haben das naͤmliche Recht. Vierter Abſchnitt. Von der verabredeten Schuldenabſonderung. Art. 1510. Haben die Eheleute verabredet, daß je⸗ der ſeine perſoͤnlichen Schulden beſonders bezahlen wolle: ſo entſteht daraus fuͤr ſie die Pflicht, ſobald die Gemein— ſchaft aufgeloͤſt iſt, ſich einander die Schulden in Rechnung zu bringen, welche erweislich durch die Gemeinſchaft fuͤr 090 ——————— ——* — 338— denjenigen von ihnen, dem ſie zur Laſt lagen, bezahlt wor⸗ den ſind. Dieſe Verbindlichkeit iſt die nämliche, es mag ein In⸗ ventarium errichtet worden ſeyn, oder nicht. Wenn aber die von den Eheleuten eingebrachte bewegliche Habe nicht durch ein Inventarium oder authentiſches Verzeichniß, wel⸗ ches der Trauung vorhergegangen, ausgemittelt iſt: ſo koͤnnen die Gläubiger des einen wie des andern Ehege⸗ noſſen ihre Forderungen gegen das nicht verzeichnete Ver⸗ moͤgen, wie gegen das geſammte Vermoͤgen der Gemein⸗ ſchaft, ohne Ruͤckſicht auf irgend einen Unterſchied, den man darin machen wollte, geltend machen. Das naͤmliche Recht haben die Glaͤubiger auf das bewegliche Vermoͤgen, welches etwa den Eheleuten wäh⸗ rend der Gemeinſchaft zugefallen iſt, wenn es ebenfalls nicht durch ein Inventarium oder authentiſches Verzeich⸗ niß iſt ausgemittelt und beurkundet worden. 1511. Bringen die Eheleute eine gewiſſe Summe oder ein gewiſſes fuͤr ſich beſtehendes Stuͤck in die Ge⸗ meinſchaft: ſo wird dabei die ſtillſchweigende Verabredung vermuthet, daß eine ſolche Summe oder ein ſolches Stuͤck nicht mit den Schulden beſchwert iſt, die vor der Trau⸗ ung vorhanden waren; und der Ehegenoſſe, der damit beſchwert iſt, muß dem andern Ehegenoſſen alle jene Schul⸗ den verguͤten, die vas Eingebrachte vermindern koͤnnten. 1512. Obſchon die Eheleute verabredet haben, daß jeder ſeine Schulden beſonders bezahlen ſolle: ſo fallen demungeachtet der Gemeinſchaft alle Zinſen und Ruͤckſtaͤn⸗ de zur Laſt, welche ſeit der Trauung verfallen ſind. 1513. Wenn die Gemeinſchaft fuͤr Schulden eines Ehegenoſſen verfolgt wird, der im Ehecontrakte als frei und ledig von allen, vor der Trauung gemachten Schul⸗ den erklärt war: ſo iſt der andere Ehegenoſſe zu einer Entſchädigung berechtigt, welche entweber von dem An⸗ theil des ſchnldigen Ehegenoſſen in der Gemeinſchaft, oder von den perſoͤnlichen Guͤtern deſſelben genommen wird. Und im Falle, wo dies alles nicht zureicht, kann die Ent⸗ ſchäͤdigung, nach Art der Verbuͤrgung, nachgeſucht werden gegen den Vater, die Mutter, den aufſteigenden Verwand⸗ ten oder den Vormund, der den Ehegenoſſen fuͤr frei und ledig erklaͤrt hat. —————————— — Das Recht, das aus einer ſolchen Verbuͤrgung ent⸗ ſteht, kann der Mann ſelbſt waͤhrend der Gemeinſchaft ausuͤben, wenn die Schuld von ſeiner Frau herruͤhrt; wobei ſich indeſſen von ſelbſt verſteht, daß die Frau oder ihre Erben, nach aufgeloͤſter Gemeinſchaft ſolchen Buͤrgen das Bezahlte erſtatten muͤſſen. Von der der Frau zugeſtandenen Befugniß, ihr Einge⸗ brachtes frei und ledig wieder zu nehmen. Art. 1514. Die Frau kann ſich ausbedingen, daß ſie in dem Falle, wo ſie auf die Gemeinſchaft Verzicht leiſtet, das, was ſie vor oder nach der Trauung einge⸗ bracht hat, ganz oder zum Theil wieder nehmen koͤnne. Unter einer ſolchen Verabredung iſt aber nur das begrif⸗ fen, was darin förmlich ausgedruͤckt iſt, und ſie kann nur ſolchen Perſonen nuͤtzen, die darin bezeichnet ſind. So erſtreckt ſich die Befugniß, das bewegliche Ver⸗ moͤgen, welches die Frau bei der Trauung eingebracht wieder zu nehmen, nicht auf jenes bewegliche Vermoͤgen, das ihr während der Ehe zugefallen iſt. So erſtreckt ſich die der Frau zugeſtandene Befugniß nicht auf die aufſteigenden und Seitenerben⸗ In allen Fällen kann das Eingebrachte nur nach Abzug der perſoͤnlichen Schulden der Frau, welche die Gemeinſchaft etwa bezahlt hat, zuruͤckgenommen werden. S echte bſchnitt⸗ Von dem vertragmaͤßigen Voraus*). Art. 1515. Zuweilen wird im Ehecontrakte durch eine beſondere Clanſel beſtimmt, daß der uͤberlebende Ehe⸗ gatte, vor und unabhängig von aller Theilung, eine ge⸗ wiſſe Summe oder eine gewiſſe Quantität beweglicher Ef⸗ fekten in Natur vorab nehmen koͤnne. Dies iſt das ver⸗ tragmäßige Voraus. Hiezu hat aber die Frau, wenn ſie länger lebt, kein Recht, als in ſo weit ſie die Gemein⸗ ſchaft annimmt; es ſey denn, daß ihr im Ehecontrakte die⸗ *) Préciput conventionnel. 00* ſes Recht auch fuͤr den Fall zugeſtanden wäre, wo ſie Verzicht leiſtete. Auſſer dem Falle eines ſolchen Vorbehalts, wird das Voraus nur von der cheilbaren Maſſe genommen, und nicht von den perſoͤnlichen Guͤtern des vorgeſtorbenen Ehe⸗ genoſſen. 1516. Das vertragmaͤßige Voraus wird nicht als eine Beguͤnſtigung, welche den Feierlichkeiten der Schenkungen unterworfen iſt, ſondern als eine Eheverabredung, betrachtet. 1517. Es wird durch den natuͤrlichen oder buͤrger⸗ lichen Tod faͤllig oder eroͤffnet. 1518. In dem Falle, wo ſich die Gemeinſchaft durch Eheſcheidung oder durch Scheidung von Tiſch und Bette aufloͤſt, kann die Ablieferung des Voraus nicht gleich ge⸗ fodert werden; der Ehegenoſſe aber, der die Eheſcheidung oder die Scheidung von Tiſch und Bette erwirkt hat, be⸗ haͤlt ſeine Rechte darauf, in ſo weit er den andern uͤber⸗ lebt. Iſt es die Frau, welche die Scheidung erlangt hat: ſo bleibt die Summe oder die Sache, die das Voraus ausmacht, allezeit einſtweilen bei dem Manne, welcher aber Buͤrgſchaft dafur leiſten muß. 1519. Die Glaͤubiger der Gemeinſchaft haben ſtets das Recht, die in dem Voraus begriffenen Sachen ver⸗ kaufen zu laſſen; den Ehegenoſſen bleibt aber in ſolchen Fallen ihr Erholungsrecht gegen die Maſſe, gemaß dem Art. 1515. S ene ſchnitt. Von Verabredungen, die den Eheleuten ungleiche Theile in der Gemeinſchaft anweiſen. Art. 1520. Es iſt den Eheleuten unbenommen, ſich dahin zu vereinbaren, daß die Gemeinſchaft nicht unter ſie gleich getheilt werden ſolle, wie ſonſt das Geſetz vorſchreibt; und ſie koͤnnen daher uͤbereinkommen, daß der letztlebende Ehegenoſſe, oder ſeine Erben, an der Gemeinſchaft einen kleinern Theil, als die Halfte, oder fuͤr ſeinen Antheil an der Gemeinſchaft nur eine feſtgeſetzte Summe haben ſolle; ſie koͤnnen ſogar ausmachen, daß die ganze Gemeinſchaft, in gewiſſen Fällen, dem letztlebenden Ehegenoſſen, oder bloß einem von ihnen, zugehoͤren ſolle. — 1521. Iſt nun die Verabredung ſo getroffen, daß ein Ehegenoſſe, oder ſeine Erben, nur einen gewiſſen Theil an der Gemeinſchaft haben ſollen, wie ein Drittel oder ein Viertel: ſo traͤgt der alſo eingeſchraͤnkte Ehegenoſſe, oder ſein Erbe, auch nur zu den Schulden nach Verhaͤlt⸗ niß des Antheils bei, den er, oder ſie, in dem activen Beſtande nehmen. Die Verabredung iſt ganz nichtig, wenn ſie dem alſo beſchraͤnkten Ehegenoſſen, oder ſeinen Erben, die Verbind⸗ lichkeit auflegt, einen ſtaͤrkern Theil der Schulden zu tra⸗ gen, oder wenn ſie dieſelben von der Verbindlichkeit los⸗ ſpricht, zu den Schulden verhaͤltnißmaͤßig eben ſo viel beizutragen, als ſie von dem wirklichen Vermoͤgen erhalten. 1522. Wenn verabredet worden, daß einer von den Eheleuten, oder ſeine Erben, anſtatt ihres ganzes Anſpru⸗ ches auf die Gemeinſchaft nichts mehr fodern koͤnnen, als eine gewiſſe Summe: ſo wird eine ſolche Clauſel als ein Han⸗ del in Bauſch und Bogen angeſehn, und der andere Ehe⸗ genoſſe, oder ſein Erbe, iſt alsdann gehalten, die ausbe⸗ dungene Summe zu bezahlen, die Gemeinſchaft mag nun gut oder ſchlecht ſtehen, und zur Zahlung der Summe hinreichen oder nicht. 1523. Iſt aber die Verabredung ſo eingerichtet, daß die Beſtimmung nach Art eines Handels in Banſch und Bogen nur in Ruͤckſicht der Erben des Ehegenoſſen Statt hat: ſo iſt dieſer letztere im Falle, wo er der Letztlebende iſt, bei der Theilung die geſetzliche Haͤlfte zu fodern be⸗ rechtigt. 1524. Wenn der Mann, oder ſeine Erben, vermoͤge der im Art. 1520 bemeldeten Clanſel, die geſammte Ge⸗ meinſchaft behalten: ſo muͤſſen ſie auch alle Schulden der⸗ ſelben bezahlen. In dieſem Falle haben die Glaͤubiger weder eine Kla⸗ ge gegen die Frau, noch gegen ihre Erben. Iſt es die uͤberlebende Frau, die vermittelſt einer ausbedungenen Summe das Recht hat, die ganze Gemein⸗ ſchaftsmaſſe gegen die Erben des Mannes zu behalten: ſo hat ſie die Wahl, ob ſie ihnen dieſe ausbedungene Summe bezahlen wolle, wogegen ſie dann alle Schulden ubernehmen muß, oder ob ſie auf die Gemeinſchaft Ver— ——————— — 342 zicht leiſten, und den Erben des Mannes Vermoͤgen und Laſten derſelben uͤberlaſſen wolle. 1525. Es ſteht den Eheleuten frei, die Verabredung zu treffen, daß die geſammte Gemeinſchaftsmaſſe dem Letzt⸗ lebenden, oder einem von ihnen allein gehoͤren ſolle, in welchem Falle die Erben des andern Ehegenoſſen das Ein⸗ gebrachte und die Capitalien, die in Gemeinſchaft gefal⸗ len ſind, und von demjenigen herruͤhren, den ſie vertreten, wiederzunehmen berechtigt ſind. Eine ſolche Verabredung wird nicht als eine Beguͤn⸗ ſtigung angeſehen, die den Regeln in Betreff der Schen⸗ kungen, entweder in Ruͤckſicht der Hauptſache oder in Ruͤck⸗ ſicht der Form, unterworfen iſt, ſondern bloß als eine Eheverabredung unter Geſellſchaftsgliedern. chter bſ Von der Gemeinſchaft unter allgemeinem Namen. Art. 1526. Die Eheleute koͤnnen in ihrem Ehecon⸗ trakte eine allgemeine Guͤtergemeinſchaft errichten, welche ihr bewegliches und unbewegliches Vermoͤgen, gegenwaͤr⸗ tiges und zukuͤnftiges, begreift, oder welche ihr ganzes gegenwärtiges Vermoͤgen allein, oder auch ihr zukuͤnftiges Vermoͤgen allein begreift. Verfuͤgungen, die den acht vorhergehenden Abſchnitten gemein ſind. Art. 1527. Was in den acht vorhergehenden Ab⸗ ſchnitten geſagt worden iſt, ſchraͤnkt die Verabredungen, deren die vertragmäßige Gemeinſchaft faͤhig iſt, nicht ge⸗ rade auf die darin vorkommenden Verfügungen ein. Die Eheleute können jede andere beliebige Verabre⸗ dung treffen, wie im Art. 1337 geſagt worden, wenn ſie ſich uͤbrigens nur nach den Verfuͤgungen der Art. 1388, 1389 und 1390 richten. Sind indeſſen Kinder aus einer vorhergehenden Ehe vorhanden: ſo iſt jede Verabredung unguͤltig, die zur Folge haͤtte, daß ein Ehegenoſſe mehr bekaͤme, als der Art. 1098 unter dem Titel von Schenkungen unter Lebenden und Teſtamenten ihm zu geben erlaubt, — 343— und zwar iſt ſie unguͤltig in Ruͤckſicht auf alles, was er mehr, als dieſen erlaubten Theil bekaͤme. Was aber die bloßen Vortheile betrifft, welche aus dem gemeinſchaftli⸗ chen Betrieb, ſo wie aus den Erſparniſſen von den ge⸗ genſeitigen Einkuͤnften erwachſen, ſo werden dieſelben, wenn ſie ſchon ungleich ſind, nicht als Beguͤnſtigungen betrachtet, welche zur Verkuͤrzung der Kinder erſter Ehe geſchehen. 1528. Die vertragmaͤßige Guͤtergemeinſchaft ſteht unter den Regeln der geſetzlichen Guͤtergemeinſchaft fuͤr alle Faͤlle, worin der Ehecontrakt keine ausdruͤckliche Aen⸗ derung in denſelben enthaͤlt, oder in ſo weit eine Aende⸗ rung derſelben nicht nothwendig daraus gefolgert wer⸗ den muß. Von Verabredungen welche die Gemeinſchaft aus⸗ ſchließen. Art. 1529. Wenn die Eheleute erklaͤren, daß ſie ſich ohne Guͤtergemeinſchaft heirathen, oder daß ihr Vermoͤgen abgeſondert und getrennt bleiben ſoll, öhne ſich gerade unter das Verhaͤltniß des Brautſchatzes zu ſetzen: ſo re⸗ guliren ſich die Wirkungen einer Verabredung auf folgende Art. S Von der Verabredung, daß ſich die Eheleute ohne Guͤtergemeinſchaſt heirathen. Art. 1530. Obſchon die Eheleute erklaͤren, daß ſie ſich ohne Guͤtergemeinſchaft heirathen, ſo bekommt die Frau dadurch das Recht noch nicht, ihre Guͤter zu ver⸗ walten, oder die Fruͤchte davon einzunehmen. Es wird vielmehr vermuthet und angenommen, daß ſie dieſe Fruͤch⸗ te dem Manne einbringe, damit er davon die Laſten der Ehe beſtreiten koͤnne. 1531. Der Mann behaͤlt die Verwaltung der be⸗ weglichen und unbeweglichen Guͤter ſeiner Frau, und mithin das Recht, alles bewegliche Vermoͤgen, das ſie als Mitgabe einbringt, oder das ihr waͤhrend der Ehe zufällt, einzunehmen. Er muß daſſelbe aber wiedergeben, ſobald die Ehe aufgeloͤſt, oder die Guͤtertrennung gerichtlich aus⸗ geſprochen wird. —————— —„— . 1532. Befinden ſich unter dem beweglichen Vermoͤ⸗ gen, welches die Frau als Mitgabe einbringt, oder wel— ches ihr waͤhrend der Ehe zufaͤllt, Sachen, die man nicht gebrauchen kann, ohne ſie zu verbrauchen: ſo muß dem Ehecontrakte ein Verzeichniß angehaͤngt werden, worin dieſelben geſchaͤtzt ſind, oder es muß daruͤber ein Inven⸗ tarium errichtet werden zur Zeit, wo ſie der Frau anfal⸗ len, und der Mann muß den Werth nach der Schaͤtzung erſetzen. 1533. Dagegen hat der Mann alle Laſten zu tra⸗ gen, die einem Nntznießer obliegen. 1534. Ungeachtet der in gegenwaͤrtigem Paragraph bemeldeten Clauſel kann verabredet werden, daß die Frau jaͤhrlich, und gegen Quittungen von ihr allein, einen ge⸗ wiſſen Betrag ihrer Einkuͤnfte fuͤr ihren Unterhalt und ihre perſoͤnlichen Beduͤrfniſſe einnehmen ſolle. 1535. Unbewegliche Guͤter, welche in dem Falle des gegenwaͤrtigen Paragraphs zum Brautſchatz beſtellt ſind, ſind nicht unveraͤuſſerlich. Sie koͤnnen jedoch nicht veraͤuſſert werden ohne Ein⸗ willigung des Mannes, und falls dieſer ſeine Einwilligung verſagt, ohne gerichtliche Ermaͤchtigung. F. II. Von der Clauſel der Guͤtertrennung. Art. 1536. Wenn die Eheleute in ihrem Eherontrak⸗ te verabredet haben, daß ihr beiderſeitiges Vermoͤgen ge⸗ trennt bleiben ſoll: ſo behält die Frau die vollige Ver⸗ waltung ihrer beweglichen und unbeweglichen Güter, und den freien Genuß ihrer Einkuͤnfte. 1537. Jeder von den Eheleuten traͤgt zu den Laſten der Ehe nach Maßgabe der Verabredungen, die ihr Ehe⸗ contrakt enthaͤlt, bei; und wenn uͤber dieſen Gegenſtand nichts verabredet iſt, ſo trägt die Frau zu jenen Laſten bis zum Betrag eines Drittels ihrer Einkuͤnfte bei. 1538. In keinem Falle kann die Frau ihre unbe⸗ weglichen Guͤter veraͤuſſern ohne die beſondere Einwilli⸗ gung ihres Mannes, oder, falls er ſich weigert, ohne ge⸗ richtliche Ermaͤchtigung. Verabredungen fuͤr das Gegen⸗ theil waͤren ohne Kraft. — 345— Eben ſo nichtig waͤre jede allgemeine Ermaͤchtigung, ihre unbeweglichen Guͤter zu veräuſſern, welche der Frau entweder im Ehecontrakte oder nach demſelben gegeben wuͤrde. 1539. Hat die Frau, deren Guͤter getrennt ſind, den Genuß derſelben ihrem Manne gelaſſen: ſo iſt dieſer, es ſey nun die Frau, die eine ſolche Foderung gegen ihn macht, oder bei Auflöſung der Ehe ihre Erben, zu weiter nichts gehalten, als die noch vorhandenen Fruͤchte beizu⸗ bringen, und er iſt keine Rechenſchaft ſchuldig in Anſehung der Fruͤchte, die bis zu dieſer Zeit verzehrt ſind. S e. Von dem Verhaͤltniſſe des Brautſchatzes*). Art. 1540. Brautſchatz iſt unter dem Verhaͤltniſ⸗ ſe, wovon hier die Rede iſt, wie unter dem Verhaͤltniſſe, wovon im zweiten Capitel die Rede iſt, jenes Vermoͤgen, das die Frau dem Manne zubringt, um daraus die La⸗ ſten der Ehe zu beſtreiten**). 1541. Alles, was die Frau zum Brautſchatz beſtellt, oder was ihr im Ehecontrakte gegeben wird, iſt Braut— ſchatzgut im Sinne des gegenwaͤrtigen Capitels, wenn nicht das Gegentheil iſt verabredet worden. Von Beſtellung des Brautſchatzes. Art. 1542. Die Beſtellung des Brautſchatzes kann unter ſich begreifen alles gegenwaͤrtige und zukuͤnftige Ver— moͤgen der Frau, oder all ihr gegenwaͤrtiges Vermoͤgen *) Du régime dotal. **) Das Verhaͤltniß des Brautſchatzes, oder das beſondere Verhält⸗ niß, worunter bei dieſer Einrichtung das Vermoͤgen der Frau kommt, hat ſeinen Namen nicht bloß wegen des Umſtandes, daß darin ein Brautſchatz oder eine Ausſteuer beſtellt wird; denn auch unter dem Verhaͤltniſſe der Guͤtergemeinſchaft kann, wie wir bereits geſehen haben, ein Brautſchatz beſtellt werden. Es wird alſo benannt wegen der eigenen und beſondern Art, auf welche der Brautſchatz nicht beſtellt, ſondern regulirt und verwaltet wird nach der geſchehenen Beſtellung. ——————— — 346— allein, oder einen Theil ihres gegenwärtigen und zukuͤnf⸗ tigen Vermoͤgens, oder ſelbſt einen einzelnen Gegenſtand. Wird in allgemeinen Ausdruͤcken das ganze Vermoͤ⸗ gen der Frau zum Brautſchatze beſtellt, ſo iſt darunter nicht ihr zukuͤnftiges Vermoͤgen begriffen. 1543. Waͤhrend der Ehe kann der Brautſchatz we⸗ der beſtellt, noch vermehrt werden. 1544. Wenn Vater und Mutter zugleich einen Braut⸗ ſchatz beſtellen, ohne zu beſtimmen, welchen Theil jeder da⸗ zu beiträgt: ſo wird vermuthet, daß ſie ihn zu gleichen Theilen beſtellt haben. Iſt der Brautſchatz vom Vater allein beſtellt, mit dem Zuſatze für vaterlichen und muͤtterlichen Antheil: ſo wird dadurch die Mutter nicht verpflichtet, obſchon ſie beim Contrakte gegenwaͤrtig war, und der Brautſchatz bleibt dem Vater ganz zur Laſt. 1545. Wenn der Letztlebende von Vater und Mut⸗ ter einen Brautſchatz beſtellt, mit dem Zuſatze fuͤr vaͤter⸗ liches und muͤtterliches Vermoͤgen, ohne den Antheil eines jeden barin zu beſtimmen: ſo wird der Brautſchatz zunaͤchſt aus dem Antheil genommen, worauf der zukuͤnftige Ehe⸗ genoſſe in den Guͤtern des verſtorbenen Ehegenoſſen be⸗ rechtigt iſt, und der Ueberreſt aus den Guͤtern deſſen, der den Brautſchatz beſtellt. 1546. Obſchon die von ihren Eltern ausgeſtattete Tochter eigenes Vermoͤgen hat, deſſen Genuß die Eltern haben, ſo wird doch der Brautſchatz aus den Guͤtern de⸗ rer, die ihn beſtellen, genommen, wenn nicht das Gegen⸗ theil ausbedungen iſt. 1547. Wer einen Brautſchatz beſtellt, muß fuͤr die Gegenſtände, die er dazu beſtellt, buͤrgen. 1548. Die Zinſen des Brautſchatzes laufen von Rechtswegen ohne weiteres, vom Tage der Trauung an, gegen diejenigen, die ihn verſprochen haben, obſchon der Zahlung ein Termin geſetzt worden. Ausgenommen iſt der Fall, wo die Verabredung das Gegentheil enthaͤlt. Bwe it ſ i Von den Rechten des Mannes auf die Brautſchatzguͤter, und der unveraͤuſſerlichkeit des Brautſchatz⸗ grundes. Art. 1549. Waäͤhrend der Ehe hat der Mann allein die Verwaltung der Brautſchatzguͤter. Er allein hat das Recht, alle, die daran etwas ſchul⸗ dig ſind, oder etwas davon in Haͤnden haben, zu verfol⸗ gen, die Fruͤchte und Zinſen davon einzunehmen, und die Erlegung der Capitalien zu empfangen. Jedoch kann im Ehecontrakt ausbedungen werden, daß die Frau jaͤhrlich, und gegen Quittung von ihr allein, einen gewiſſen Betrag ihrer Einkuͤnfte fuͤr ihren Unterhalt und ihre perſoͤnlichen Beduͤrfniſſe einnehmen ſolle. 1550. Der Mann braucht fuͤr die Uebernahme des Brautſchatzes keine Buͤrgſchaft oder Sicherheit zu leiſten, ausgenommen, wenn ihm der Ehecontrakt dieſe Verbind⸗ lichkeit auflegt. 1551. Beſteht der Brautſchatz, oder ein Theil davon, in beweglichen Gegenſtänden, die im Ehecontrakte geſchaͤtzt ſind, ohne die beigefuͤgte Erklaͤrung, daß ſie der Schätzung ungeachtet nicht als verkauft betrachtet werden ſollen: ſo wird der Mann Eigenthuͤmer davon, und hat weiter nichts zu entrichten, als den Werth, auf den das bewegliche Vermoͤgen geſchatzt iſt. 1552. Beſteht aber der Brautſchatz in einem unbe⸗ weglichen Gute, welches geſchaͤtzt worden, ſo wird dadurch der Mann nur Eigenthuͤmer davon, in ſo weit dies aus⸗ druͤcklich verabredet worden. 1553. Ein unbewegliches Gut, das aus den Braut⸗ ſchatzgeldern angekauft wird, gehoͤrt nicht zum Brautſchatz⸗ gute, es ſey denn, daß im Ehecontrakte ausbedungen wor⸗ den, daß ſie dazu angewendet werden ſollen. Gleiche Bewandtniß hat es mit einem unbeweglichen Gute, welches in dem Falle, wo der Brautſchatz in Gel⸗ de beſtellt war, anſtatt des Geldes gegeben wird. 1554. Unbewegliche zum Brautſchatz beſtellte Guͤter koͤnnen waͤhrend der Ehe weder vom Manne noch von — 348— der Frau, noch von beiden zuſammen, veraͤuſſert oder ver⸗ pfändet werden, ausgenommen in folgenden Fällen. 1555. Die Frau kann mit Bewilligung ihres Man⸗ nes, oder, falls er ſie verſagt, mit gerichtlicher Ermächti— gung ihre Brautſchatzguͤter hergeben, um damit die Kin⸗ der auszuſtatten und einzurichten, die ſie aus einer fruͤ⸗ hern Ehe hat. Thut ſie dies aber bloß mit gerichtlicher Ermaͤchtigung, ſo muß ſie ihrem Manne den Genuß der⸗ ſelben vorbehalten. 1556. Auch kann ſie mit Bewilligung ihres Man⸗ nes ihre Brautſchatzguͤter zur Einrichtung ihrer gemein⸗ ſchaftlichen Kinder hergeben. 1557. Unbewegliche Brautſchatzguͤter koͤnnen veräuſ⸗ ſert werden, wenn der Ehecontrakt es erlaubt. 1558. Auch koͤnnen unbewegliche Brautſchatzguͤter mit gerichtlicher Erlaubniß und durch oͤffentliche Verſtei⸗ gerung nach dreimaligem Anſchlage veraͤuſſert werden, um den Mann oder die Frau aus dem Ge⸗ faͤngniſſe zu befreien; um in den Fäaͤllen, die in den Art. 203, 205 und 206 unter dem Titel von der Ehe angefuͤhrt ſind; der Familie die noͤthigen Nahrungsmittel zu verſchaffen, um die Schulden der Frau, oder derjenigen, welche den Brautſchatz beſtellt haben, zu bezahlen, in ſo fern ſolche Schulden ein ſicheres Datum ha⸗ ben, welches fruͤher iſt als der Ehecontrakt; um Hauptreparationen vorzunehmen, die zur Erhaltung des unbeweglichen Brautſchatzgutes un⸗ umgaͤnglich noͤthig ſind; endlich, wenn ein ſolches unbewegliches Gut einem Dritten zum Theil mitgehoͤrt, und es aus⸗ gemacht iſt, daß es ſich nicht theilen laͤßt. In allen dieſen Faͤllen bleibt das, was von den Kauf⸗ ſchillingen nach abgethan anerkannten Beduͤrfniſſen uͤber⸗ ſchießt, Brautſchatzgut, und muß als ſolches zum Nutzen der Frau angewandt werden. 1559. Ein unbewegliches Brautſchatzgut kann auch mit Bewilligung der Frau, gegen ein anderes unbewegli⸗ ——————— — ches Gut vom naͤmlichen Werthe, oder das wenigſtens vier Fuͤnftel werth iſt, vertauſcht werden. Hiezu wird aber ferner erfodert, daß der Nutzen des Tauſches bewie⸗ ſen werde, daß die gerichtliche Ermaͤchtigung eingeholt worden, und daß vor dem Tauſche eine Schätzung von Sachverſtaͤndigen geſchehen ſey, die das Gericht von Amts⸗ wegen ernannt hat. In dieſem Falle wird das eingetauſchte Grundſtuͤck ein Brautſchatzgut. Die naͤmliche Eigenſchaft bekommt der Ueberſchuß, wenn einer da iſt, und er wird als ſolches zum Nutzen der Frau angelegt. 1560. Wenn nun die Frau, oder der Mann, oder beide zuſammen, den Brautſchatzgrund veraͤuſſern, ohne daß eine von den hieroben angefuͤhrten Ausnahmen da iſt: ſo koͤnnen, ſobald die Ehe aufgeloͤſt iſt, die Frau oder ih⸗ re Erben die Veraͤuſſerung widerrufen laſſen, und man kann ihnen fuͤr die Zeit, wo die Ehe beſtand, keine Ver⸗ jährung entgegen ſetzen. Die Frau hat das naͤmliche Recht nach ausgeſprochener Guͤtertrennung. Der Mann ſelbſt kann waͤhrend der Ehe die Veraͤuſ— ſerung widerrufen laſſen; er bleibt aber dem Ankaͤufer fuͤr Schaden und Koſten verantwortlich, wenn er nicht bei dem Contrakt erklaͤrt hat, daß das Gut unter den Brautſchatz gehoͤre. 1561. Unbewegliche Brautſchatzguͤter, die im Ehe⸗ contrakte nicht fuͤr veraͤuſſerlich erklaͤrt ſind, koͤnnen waͤh⸗ rend der Ehe nicht verjaͤhrt werden, es ſey denn, daß die Verjaͤhrung vor der Ehe angefangen habe. Nach der Guͤtertrennung werden ſie jedoch verjaͤhr⸗ bar, die Verjaͤhrung mag angefangen haben, wann ſie wolle. 1562. In Anſehung der Brautſchatzguͤter hat der Mann alle Verbindlichkeiten eines Nutznießers. Er iſt fuͤr jede Verjaͤhrung verantwortlich die dage⸗ gen iſt erworben worden, und fuͤr jede Verſchlimmerung, die ſie durch ſeine Nachlaͤſſigkeit erlitten haben. 1563. Kommt der Brautſchatz in Gefahr, ſo kann die Frau die Guͤtertrennung nachſuchen, wie im Art. 1443 u. f. geſagt iſt. ——ꝛ————— Drit ſch Von Obruͤckerſtattung des Brautſchatzes⸗ Art. 1564. Wenn der Brautſchatz in unbeweglichen Guͤtern beſteht, wenn er in beweglichen Guͤtern beſteht, die im Ehecontrakte nicht geſchaͤtzt ſind, oder die zwar darin geſchätzt ſind, aber mit dem Zuſatze, daß die Schaͤtzung der Frau das Eigenthum nicht nehmen ſolle; ſo kann in dieſen Fällen nach aufgeloßter Ehe der Mann, oder ſeine Erben, gezwungen werden, ihn gleich und ohne Verzug zuruͤck zu erſtatten. 1565. Beſteht er aber in einer Summe Geldes, oder in beweglichen Guͤtern, die im Contrakte ohne den Zuſatz geſchaͤtzt ſind, daß dadurch der Mann nicht Eigenthuͤmer werden ſolle: ſo kann die Obruͤckerſtattung erſt in einem Jah⸗ re nach Aufloͤſung der Ehe gefodert werden. 1566. Sind die beweglichen Guͤter, wovon die Frau Eigenthuͤmerinn geblieben iſt, durch den Gebrauch und oh⸗ ne Verſchulden des Mannes zu Grunde gegangen, ſo braucht er nur das zuruͤck zu geben, was davon uͤbrig iſt, und in dem Zuſtande, worin es ſich befindet. Die Frau kann jedoch in allen Faͤllen ihre Leinwand und ſonſtiges Geräth zu ihrem gegenwaͤrtigen Gebrauch zuruͤcknehmen; nur muß ſie den Werth derſelben vorab zahlen, wenn ſie urſpruͤnglich mit Schaͤtzung beſtellt wor⸗ den ſind. 1567. Wenn der Brautſchatz Schuldverſchreibungen oder Beſtellungen von Renten enthaͤlt, welche verloren ge— gangen oder Verminderungen erlitten haben, ohne daß der Mann einer Nachlaͤſſigkeit dabei beſchuldigt werden koͤnne: ſo haftet er nicht dafuͤr, und er iſt frei und ledig, wenn er die Contrakte zuruͤckgibt. 1568. Iſt eine Nutznießung zum Brautſchatz beſtellt worden, ſo braucht der Mann, oder ſeine Erben, bei Auf⸗ löͤſung der Ehe, nur das Recht der Nutznießung zuruͤck zu geben, und nicht die während der Ehe verfallenen Fruͤchte. — 351— 1569. Hat die Ehe ſeit der Verfallzeit, wo der Brautſchatz gegeben werden ſollte, zehn Jahre beſtanden: ſo braucht nach aufgeloͤſter Ehe weder die Frau, noch ih⸗ re Erben, wenn ſie denſelben vom Manne zuruͤckfodern, zu beweiſen, daß er ihn bekommen habe. Ein anderes wäre es, und der Beweis laͤge ihnen in dieſem Falle al⸗ lerdings auf, wenn der Mann bewieſe, daß er ſich ohne Erfolg alle Muͤhe gegeben habe, um zur Entrichtung deſ⸗ ſelben zu gelangen. 1570. Loͤſt ſich die Ehe durch den Tod der Frau auf, ſo laufen die Zinſen und Fruͤchte von dem zuruͤck zu erſtattenden Brautſchatze von Rechtswegen zum Vortheil ihrer Erben von dem Tage der Aufloͤſung an. Loſt ſie ſich hingegen durch den Tod des Mannes auf, ſo hat die Frau die Wahl, ob ſie das Trauerjahr hindurch die Zinſen ihres Brautſchatzes fodern, oder ob ſie ſich während dieſer Zeit den Unterhalt auf Koſten der Verlaſſenſchaft des Mannes reichen laſſen wolle. In bei⸗ den Fällen aber muͤſſen ihr die Trauerkleider, und die Wohnung das Jahr hindurch aus dem Nachlaſſe gegeben werden, ohne daß man ihr dafuͤr etwas von ihren Zin⸗ ſen abziehen koͤnne. 1571. Bei Auflöſung der Ehe werden die Fruchte der unbeweglichen Brautſchatzguͤter unter den Mann und die Frau, oder ihre Erben, getheilt, und zwar nach Ver⸗ haltniß der Zeit des letzten Ehejahrs, in welcher ſie noch beſtanden hat. Das Ehejahr faͤngt mit dem Tage der Trauung an. 1572. Die Frau und ihre Erben haben fuͤr die Zu⸗ ruͤckfoderung des Brautſchatzes kein Vorrangsrecht vor den Glaͤubigern, die eine fruͤhere Hypotheke haben, als ſie. 1573. War der Mann ſchon zur Zeit, wo der Va⸗ ter ſeiner Tochter einen Brautſchatz oder ein Heirathsgut beſtellte zu zahlen unvermoͤgend, und ohne Kunſt und Ge⸗ werbe: ſo braucht ſie zur Verlaſſenſchaft ihres Vaters weiter nichts einzuwerfen, als die Klage auf Wiederer⸗ ſtattung, die ſie ſelbſt gegen den Nachlaß ihres Mannes hat. Iſt aber der Mann erſt ſeit der Trauung zu zahlen unvermögend geworden, oder, hatte er ein Handwerk oder Gewerb, das bei ihm die Stelle des Vermoͤgens vertrat: ſo faͤllt der Verluſt des Brautſchatzes einzig auf die Frau. Vierter Abſchnitt. Von den Paraphernalguͤtern. Art. 1574. Alle Guͤter der Frau, die nicht zu ih⸗ rem Brautſchatze beſtellt ſind, ſind Paraphernalgüter). 1575. In dem Falle, wo alle Guͤter der Frau pa⸗ raphernal ſind, und wo ſich in dem Ehecontrakte keine Verabredung findet, wodurch der Antheil beſtimmt wird, den ſie in den Laſten der Ehe zu tragen hat, traͤgt ſie bis zum Betrag eines Drittel ihrer Einkuͤnfte dazu bei. 1576. Die Frau hat die Verwaltung und den Ge⸗ nuß ihrer Paraphernalguͤter. Aber ſie kann ſie nicht veraͤuſſern, noch, wenn von ſolchen Guͤtern die Rede iſt, ohne die Ermaͤchtigung ihres Mannes, oder der Gerichte, falls dieſer ſie verſagt, vor Gericht ſtehen. 1577. Wenn die Frau ihren Mann bevollmaͤchtigt, ihre Paraphernalguͤter zu verwalten, mit der Bedingung, daß er ihr Rechenſchaft uͤber die Fruͤchte ablege: ſo hat er gegen ſie die Verbindlichkeit eines Bevollmaͤchtigten. 1578. Wenn der Mann den Genuß der Parapher⸗ nalguͤter ſeiner Frau gehabt hat ohne Auftrag oder Voll⸗ macht, jedoch ohne Widerſpruch von ihrer Seite: ſo iſt er bei Aufloͤſung der Ehe, oder bei der erſten Auffoderung der Frau, zu weiter nichts verbunden, als die Fruͤchte beizubringen, die noch vorhanden ſind, und er hat keine Rechenſchaft uͤber jene Fruͤchte abzulegen, die bis dahin verzehrt ſind. 1579. Wenn der Mann, ungeachtet des erwieſenen Widerſpruchs ſeiner Frau, die Paraphernalguͤter genoſſen hat: ſo haftet er ihr fuͤr alle Fruͤchte, ſowohl für die noch vorhandenen, als fur die verzehrten. e 1580. Der Mann, der die Paraphernalguter genießt, hat alle Verbindlichkeiten eines Nutznießers. *) Von den griechiſchen Wortern: para(auſſer) und pherne(Dot, Brautſchatz). — 353— Beſondere Verfuͤgung. Art. 1581. Die Eheleute, wenn ſie ſich ſchon unter das Verhaͤltniß des Brautſchatzes ſetzen, koͤnnen gleichwohl unter ſich eine Gemeinſchaft der Errungenſchaft errichten, deren Wirkungen alsdann nach Anleitung der Art. 1498 nnd 1499 regulirt werden. Sechster Titel. Vom Kauf und Verkauf. —— Erſtes Capitell. Von der Natur und der Form des Verkaufs. Art. 1582. Der Verkauf iſt ein Vertrag, wodurch einer ſich verbindlich macht, eine Sache zu liefern, und der andere, ſie zu bezahlen. Man kann ihn vermittelſt einer oͤffentlichen Urkunde ſchließen, oder auch vermittelſt einer Privaturkunde. 1583. Er iſt unter den Theilen vollkammen, und das Eigenthum geht, ſo viel den Verkaͤufer betdifft, ohne weiteres auf den Ankäufer uͤber, ſo bald die Sache und der Preis dafuͤr hinlaͤnglich beſtimmt ſind, obſchon weder die Sache geliefert, noch der Preis bezahlt worden. 1584. Man kann einen Kauf entweder rein und un⸗ bedingt ſchließen, oder unter einer auſſchiebenden oder auf⸗ loͤſenden Bedingung. *) Geſetz vom 15. Ventoſe 12. J.,(6. Maͤrz 1804) promulgirt den 25.(16. Maͤrz 1804). 23 ————————— Auch kann er zwei oder mehrere Sachen, worunter der Kaͤufer oder Verkaͤufer die Wahl hat, zum Gegen⸗ ſtande haben. In allen dieſen Fallen wird die Wirkung dieſes Ver⸗ trags nach den allgemeinen Grundfaͤtzen der Vertraͤge be⸗ ſtimmt. 1585. Wenn Waaren verkauft werden, nicht in Bauſch und Bogen, ſondern nach Zahl, Maaß oder Ge⸗ wicht: ſo iſt der Verkauf nicht vollkommen, in dem Sin⸗ ne nämlich, daß die verkauften Sachen auf Gefahr des Verkaͤufers bleiben, ſo lange ſie nicht gezaͤhlt, gemeſſen, oder gewogen ſind. Aber der Kaͤufer kann, falls die Ver⸗ bindlichkeit nicht erfuͤllt wird, ihre Ablieferung verlan⸗ gen, oder nach Befinden Schadloshaltung. 1586. Sind die Waaren hingegen in Bauſch und Bogen verkauft worden, ſo iſt der Verkauf vollkommen, obſchon die Waaren noch nicht gezaͤhlt, gemeſſen oder ge⸗ wogen worden. 1587. Was den Wein, Oel und andere Waaren betrifft, die man gewoͤhnlich verſucht, ehe man ſie kauft: ſo werden ſie nicht als ge⸗ oder verkauft angeſehen, ſo lange der Kaͤufer ſie nicht verſucht und gut gefunden hat. 1588. In allen Fällen, wo etwas auf Probe ver⸗ kauft wird, iſt der Verkauf als unter einer aufſchiebenden Bedingung geſchloſſen zu betrachten. 1589. Das Verſprechen zu verkaufen iſt ſo gut als der Verkauf ſelbſt, wenn die Einwilligung beider Theile uͤber den Gegenſtand und den Preis vorhanden iſt. 1590. Iſt bei dem Verſpechen zu verkaufen ein Handgeld*) gegeben worden, ſo ſteht es beiden Theilen frei, davon abzugehen: nämlich demjenigen, der ſie gege⸗ ben hat, wenn er ſie verlieren will, und demjenigen, der ſie empfangen hat, wenn er ſie doppelt erſtattet. 1591. Der Verkaufspreis muß von den Theilen be⸗ ſtimmt und bezeichnet werden. *) Arrhe, arrha. Sie iſt das, was als Zeichen des geſchloſſe⸗ nen Verkaufs entrichtet wird. ———————— 5 1592. Es kann aber auch ausgehalten werden, daß ein Dritter ihn beſtimmen ſolle. In dieſem Falle aber iſt kein Kauf vorhanden, wenn der Dritte den Preis nicht beſtimmen will oder kann. 1593. Die Koſten des Vertrags, und ſonſtige bei Gelegenheit des Verkaufs vorkommende Koſten traͤgt der Kaͤufer. Wer kaufen und verkaufen kann. Art. 1594. Kaufen und verkaufen koͤnnen alle dieje⸗ nigen, denen das Geſetz es nicht verbietet. 1595. Eheleute koͤnnen unter ſich ſelbſt keinen Kauf und Verkauf ſchließen, als in folgenden drei Faͤllen: lſtens, wenn einer von den Eheleuten dem andern, nach der gerichtlichen Trennung der Guͤter, ein gewiſſes Vermoͤgen abtritt, um demſelben damit ſeine Rechte zu bezahlen; tens, wenn der Mann ſeiner Frau, wovon er uͤbri⸗ gens in Ruͤckſicht der Guͤter nicht getrennt iſt, ein gewiſſes Vermoͤgen abtritt, und dieſe Ab⸗ tretung einen rechtmaͤßigen Grund hat, wie zum Beiſpiel die Wiederanlegung ihrer unbe⸗ weglichen Guͤter*), oder der ihr gehoͤrenden Gelder, in dem Falle, wo ſolche unbewegliche Guͤter oder Gelder nicht in die Gemeinſchaft fallen; 3tens, wenn die Frau ihrem Mann ein gewiſſes Ver⸗ mögen abtritt in Zahlung einer Summe, die ſie ihm als Mitgabe verſprochen hat, in ſo fern die Guͤtergemeinſchaft unter ihnen ausgeſchloſ— ſen iſt. In dieſen drei Fällen blieben jedoch die Rechte der Erben der contrahirenden Theile unverletzt, wenn dieſe ſich durch den Vertrag einen indirekten Vortheil zuſchoͤben. ) S. den Art. 1433 und die Anmerkung. 2 — — 356— 1596. Gewiſſe Perſonen koͤnnen weder unmittelbar und durch ſich ſelbſt, noch durch Mittelsperſonen, ein gewiſſes Vermoͤgen an ſich bringen oder ſteigern, unter Strafe der Nichtigkeit. Hieher gehoͤren: die Vormuͤnder in Rückſicht der Guͤter derjenigen, uͤber welche ſie die Vormundſchaft haben; die Bevollmaͤchtigten in Ruͤckſicht auf die Guͤter, de⸗ ren Verkauf ſie zu beſorgen haben; die Verwalter in Ruͤckſicht auf die Guͤter der Ge⸗ meinden oder öffentlichen Anſtalten, die ihrer Auf⸗ ſicht anvertraut ſind; die oͤffentlichen Beamten in Anſehung der National⸗ guͤter, deren Verkauf ſie beſorgen. 1597. Es iſt den Richtern, ihren Suppleanten, den Beamten des oͤffentlichen Miniſteriums und ihren Subſti⸗ tuten, den Gerichtsſchreibern, Gerichtsboten, Sachwaltern, Anwalden und Notaren verboten, ſich die Prozeſſe, Kla⸗ gen und ſtreitigen Rechte, woruͤber das Gericht zu ſpre⸗ chen hat, in deſſen Bezirke ſie angeſtellt ſind, abtreten und uͤbertragen zu laſſen, und zwar unter Strafe der Nichtig⸗ keit, Koſten und des Schadenerſatzes. Drittes Capitel. Von Sachen, die verkauft werden können. Art. 1598. Alles, was dem Privatverkehr nicht ent⸗ zogen iſt, kann verkauft werden, ſo lange beſondere Ge⸗ ſetze die Veraͤuſſerung davon nicht unterſagt haben. 1599. Verkauft jemand eine fremde Sache, ſo iſt der Verkauf nichtig, und der Kaͤufer iſt zum Schadener⸗ ſatz berechtigt, wenn er nicht wußte, daß die Sache einem andern gehoͤrte. 1600. Man kann den Nachlaß einer noch lebenden Perſon nicht verkaufen, ſelbſt nicht mit ihrer Bewilligung. 1601. War zu der Zeit, wo der Verkauf geſchah⸗ die verkaufte Sache ganz zu Grunde gegangen, ſo iſt der Verkauf nichtig. — 357— War bloß ein Theil der Sache zu Grunde gegangen, ſo hat der Kaͤufer die Wahl, ob er auf den Verkauf ver⸗ zichten, oder den noch vorhandenen Theil fordern wolle, in welchem Falle er den Werth ſchaͤtzen laſſen muß. Pietr Caprite l. Von den Verbindlichkeiten des Verkaufers.. S Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 1602. Der Verkaͤufer iſt gehalten, dasjenige deutlich zu erklaͤren, wozu er ſich verbindlich macht. Jede dunkle oder zweideutige Abrede wird wider den Verkaͤufer ausgelegt. 1603. Er hat zwei Hauptverbindlichkeiten, die Sa⸗ che, die er verkauft, zu liefern, und dieſelbe zu verbuͤrgen. Zweit Von der Lieferung. Art. 1604. Die Lieferung der verkauften Sache be⸗ ſteht darin, daß ſie in die Gewalt und den Beſitz des Ankaͤufers uͤbergeben wird. 1605. In Anſehung unbeweglicher Guͤter geſchieht die Uebergabe dadurch, und der Verkaͤufer hat ſeiner Ver⸗ bindlichkeit in dieſer Hinſicht genug gethan, wenn er die Schluͤſſel uͤbergeben hat, ſofern von einem Gebäude die Rede iſt, oder, wenn er die Eigenthumsurkunden ausge⸗ haͤndigt hat. 1606. In Anſehung beweglicher Güͤter geſchieht die Uebergabe entweder durch die wirkliche Uebergabe, oder durch die Aushaͤndigung der Schluͤſſel von den Gebaͤuden, worin ſie ſich befinden, oder ſelbſt durch die bloße Ein⸗ willigung der Theile, wenn naͤmlich der Uebertrag im Au⸗ genblicke des Verkaufs nicht geſchehen kann, oder wenn der Kaͤufer ſie ſchon aus einer andern Urſache in ſeiner Gewalt hatte. — 1607. Unkoͤrperliche Rechte werden entweder durch Aushaͤndigung der darauf ſprechenden Urkunden uͤbergeben, oder dadurch, daß der Ankaͤufer mit Bewilligung des Ver⸗ kaͤufers Gebrauch davon macht. 1608. Die Koſten der Uebergabe trägt der Verkaͤu⸗ fer, und die Koſten der Wegnahme der Ankaͤufer, wenn nicht die Verabredung anders verfuͤgt. 1609. Die Uebergabe muß an dem Orte geſchehen, wo die verkaufte Sache ſich zur Verkaufszeit befand, aus⸗ genommen, wenn etwas anders verabredet worden. 1610. Liefert der Verkaͤufer die Sache nicht zu der verabredeten Zeit: ſo hat der Kaͤufer die Wahl, ob er die Aufhebung des Handels fodern, oder in den Beſitz geſetzt ſeyn wolle, in ſo fern naͤmlich der Verzug allein vom Verkaͤufer herruͤhrt. 1611. In allen Faͤllen muß der Verkaͤufer zu Scha⸗ den und Koſten verurtheilt werden, wenn daraus, daß die Uebergabe nicht zur verabredeten Zeit geſchehen iſt, ein Nachtheil fuͤr den Kaͤufer erwaͤchſt. 1612. Der Verkaͤufer braucht die verkaufte Sache nicht zu liefern, ſo lange der Kaͤufer den Preis nicht be⸗ zahlt; ausgenommen, wenn der Verkaͤufer ihm fuͤr die Zahlung eine Friſt gegeben hat. 1613. Er iſt ebenfalls nicht zur Uebergabe gehalten, obſchon er fuͤr die Zahlung eine Friſt geſtattet, wenn der Kaͤufer ſeit dem Verkaufe bankerott geworden iſt, ſo daß der Verkaͤufer gegruͤndete und nahe Gefahr laͤuft, den Preis zu verlieren. Er iſt aber demungeachtet auch in dieſem Falle zur Uebergabe gehalten, wenn der Kaͤufer ihm fuͤr die richtige Zahlung zur Verfallzeit Buͤrgſchaft leiſtet. 1614. Die Sache muß in dem Zuſtande uͤbergeben werden, worin ſie ſich im Augenblicke des Verkaufs befindet. Von dieſem Tage an gehoͤren auch alle Fruͤchte da⸗ von dem Ankaͤufer. 1615. Unter der Verbindlichkeit, die Sache zu ber⸗ geben, iſt alles begriffen, was dazu als Zubehoͤr gehoͤrt, ſo wie alles, was zu ihrem bleibenden Gebrauch beſtimmt worden iſt.*9. *) Was dies ſey, lehrt der erſte Titel im zweiten Buche, Art516 u. f. ————K—————— — 359— 1616. Der Verkäufer muß die Sache nach ihrem wahren Beſtande liefern, ſo wie er im Vertrage enthalten iſt, unter den hiernach folgenden Einſchraͤnkungen. 1617. Wenn der Verkauf ein Grundſtuͤck betrifft, und dabei der Gehalt deſſelben iſt angegeben worden, zu ſo viel Maaß: ſo muß der Verkaͤufer dem Kaͤufer, wenn dieſer es verlangt, die im Vertrag angegebene Groͤ⸗ ße uͤbergeben. Und, wenn ihm dies nicht möglich iſt, oder wenn der Kaͤufer es nicht verlangt: ſo muß ſich der Ver⸗ kaͤufer einen verhältnißmäßigen Betrag am Preiſe abzie⸗ hen laſſen. 1618. Wenn es ſich hingegen im Falle des vorher⸗ gehenden Artikels ergibt, daß der Gehait groͤßer iſt, als der im Vertrag angegebene: ſo hat der Ankäufer die Wahl, ob er ſo viel zum Kaufpreiſe hinzuſetzen, oder ob er von dem Vertrage abgehen wolle, in ſo fern der Ue⸗ berſchuß wenigſtens um ein Zwanzigſtel den angegebenen Gehalt uͤberſteigt. 1619. In allen andern Fäaͤllen folgt aus einer ſol⸗ chen Angabe eines Maaßes keine Verbindlichkeit, dem Ver⸗ kaͤufer etwas zum Kaufpreiſe hinzuzuſetzen, wenn das Maaß groͤßer befunden wird, oder dem Ankäufer etwas davon abzulaſſen, wenn das Maaß kleiner befunden wird, es ſey denn daß das Maaß das Mehr oder Weniger, das bei der wirklichen Abmeſſung hervorgeht, ſich auf eingwanzig⸗ ſtel des angegebenen Maaßes belaufe, wobei der geſammte Werth der verkauften Gegenſtaͤnde in Betrachtung kommt. Dieſe Regel gilt, wofern das Gegentheil nicht aus⸗ bedungen worden, und, wie geſagt, in allen Faͤllen, ohne Unterſchied, ob der Verkauf eine gewiſſe und begraͤnzte Sache ober Koͤrper betrifft, oder ob er unterſchiedene und getrennte Gruͤnde zum Gegenſtande hat, oder ob darin das Maaß vorſteht, oder ob zuerſt der verkaufte Gegen⸗ ſtand bezeichnet und dann das Maaß angegeben wird. 1620. So oft, dem vorſtehenden Artikel gemäß, ei⸗ ne Vermehrung des Kaufpreiſes gefodert werden kann, weil das Maaß groͤßer befunden worden: hat der An⸗ käufer die Wahl, ob er vom Contrakt abgehen wolle, oder ob er den Zuſatz zum Kaufpreiſe geben wolle, und zwar mit den Zinſen, wenn er das Grundſtuck in Beſitz gehabt hat. —— 1621. In allen Faͤllen, wo der Ankäaͤufer berechtigt iſt, vom Contrakt abzugehen, muß der Verkaͤufer ihm auſ⸗ ſer dem Kaufpreiſe, falls er ihn ſchon empfangen hat, auch die Koſten des Contraktes zuruͤckgeben. 1622. Will der Verkaͤufer eine Klage auf Zuſatz zum Kaufpreiſe, oder der Ankaͤufer auf Verminderung deſſelben oder auf Aufhebung des Vertrags anſtellen: ſo muͤſſen ſie dies in Jahresfriſt vom Tage des Contrakts an gerechnet thun; wo nicht, ſo werden ſie ihres Rechts verluſtig. 1623. Wenn in dem naͤmlichen Contrakte fuͤr einen und den naͤmlichen Preis zwei Grundſtuͤcke verkauft wor⸗ den ſind, ſo jedoch, daß man von jedem das Maaß an⸗ gegeben hat, und es ſich nachher findet, daß der Gehalt des einen groͤßer, der Gehalt des andern kleiner iſt: ſo wird der Gehalt von beiden Stuͤcken bis zum gebuͤhren⸗ den Betrage gegen einander aufgerechnet; und in wie weit demnach die Klage auf Zuſatz oder auf Verminderung des Preiſes zulaͤßig ſey, iſt nach den hieroben angefuͤhrten Re⸗ geln zu beurtheilen. 1624. Bei der Frage, ob der Kaͤufer oder der Ver⸗ käufer fuͤr den Schaden haften muͤſſe, wenn die verkaufte Sache vor der Uebergabe zu Grunde geht oder ſich ver⸗ ſchlimmert, hat man ſich nach den Regeln zu richten, wel⸗ che unter dem Titel von den Vertraͤgen und den Verbindlichkeiten, die aus Verabredungen uͤber⸗ haupt entſpringen, vorkommen. D rit er b ſich nint. Von der Gewaͤhrleiſtung*). Art. 1625. Die Gewaͤhrleiſtung, wozu der Verkaͤu⸗ fer dem Ankaͤufer verbunden iſt, hat zwei Gegenſtaͤnde: erſtens, den ruhigen Beſitz der verkauften Sache, zweitens die verborgenen Fehler, wegen welcher eine Klage auf Zuruͤcknahme der verkauften Sache Statt hat. *) Garantie. —— — ————————————— — 361— F. I. Von der Gewaͤhrleiſtunz im Falle der Eviction. Art. 1626. Obſchon beim Verkaufe ſelbſt uͤber die Gewährleiſtung nichts iſt verabredet worden, ſo iſt doch der Verkaͤufer von Rechtswegen und von ſelbſt verpflich⸗ tet, den Ankaͤufer zu vertreten, ſo oft er die verkaufte Sache ganz oder zum Theil durch Eviction verliert, und ſo oft gegen eine ſolche Sache Laſten geltend gemacht werden, die bei dem Verkaufe nicht ſind angegeben worden. 1627. Es iſt aber den Theilen unbenommen, dieſe vom Geſetz aufgelegte Verbindlichkeit durch beſondere Ver⸗ abredungen zu vermehren oder einzuſchraͤnken, und ſelbſt ſich dahin zu verſtehen, daß der Verkaͤufer in keinem Falle zu irgend einer Vertretung gehalten ſeyn ſolle. 1628. Obgleich indeſſen der Verabredung zufolge der Verkaͤufer zu keiner Art von Gewaͤhrleiſtung verbun⸗ den iſt: ſo iſt er dem ungeachtet zu derjenigen verbunden, die aus einer ihm perſoͤnlichen Thatſache entſpringt. Eine Abrede, die hievon das Gegentheil verfuͤgte, waͤre nichtig. 1629. In demſelben Falle, wo verabredet worden, daß der Verkaͤufer frei von Gewährleiſtung ſeyn ſolle, iſt er, wenn eine Eviction Statt hat, zur Ruͤckerſtattung des Kaufgeldes verbunden; es ſey denn, daß der Ankaͤufer ſchon beim Verkauf die Gefahr der Eviction gekannt, oder die Sache auf ſeine Gefahr gekauft habe. 1630. Iſt die Gewaͤhrleiſtung verſprochen worden, oder iſt hieruͤber keine Verabredung getroffen: ſo hat der Ankaͤufer, wenn er die Eviction leidet, das Recht, gegen den Verkaͤufer folgende Foderungen geltend zu machen: lſtens, die Ruͤckerſtattung des Kaufpreiſes; 2tens, die Ruͤckerſtattung der Fruͤchte, wenn er ſelbſt ſie dem Eigenthuͤmer wieder geben muß, der ihn durch die Eviction verdraͤngt; 3tens, die Koſten des Ankaͤufers wegen ſeiner Klage auf Vertretung, ſo wie die vom erſten Klaͤger ge⸗ machten Koſten; 4tens, endlich Schadloshaltung, ſo wie die Koſten und Gebuͤhren des Contraktes. ——————— 1631. Wenn zur Zeit der Eviction die verkaufte Sache an Werth abgenommen hat, oder betraͤchtlich ver⸗ ſchlimmert iſt, entweder durch Nachläſſigkeit des Ankäu⸗ fers, oder durch Zufaͤlle, die man nicht abwehren kann: ſo iſt der Verkaͤufer dennoch verbunden, den ganzen Kauf⸗ preis zu erſtatten. 1632. Hat aber der Ankaͤufer aus den Verſchlimme⸗ rungen, die von ihm herruͤhren, Vortheil gezogen: ſo kann der Verkaͤufer von dem Kaufpreiſe eine Summe zu⸗ ruͤck behalten, die dieſem Vortheile gleich kommt. 1633. Findet es ſich, daß zur Zeit der Eviction die verkaufte Sache an Werth zugenommen hat, ſelbſt ohne Zuthun des Kaͤufers: ſo muß ihm der Verkaͤufer auch das bezahlen, was ſie uͤber den Kaufpreis werth iſt. 1634. Alle nuͤtzlichen Reparationen und Verbeſſerun⸗ gen, welche der Ankäufer an dem Grundſtuͤcke gemacht hat, muß der Verkaͤufer ihm entweder ſelbſt erſtatten, oder er muß dafuͤr ſorgen, daß ſie ihm derjenige erſtatte, der es durch Eviction wieder an ſich zieht. 1635. Hatte der Verkaͤufer den Grund eines An⸗ dern unredlicher Weiſe verkauft, ſo muß er dem Ankäu⸗ fer alle Koſten verguͤten, die derſelbe daran verwendet hat, ſelbſt diejenigen nicht ausgenommen, die bloß Ver⸗ gnuͤgen oder Verzierung bezwecken. 1636. Verliert der Ankaͤufer durch die Eviction nur einen Theil der Sache, welcher indeſſen in Ruͤckſicht auf das Ganze von ſo weſentlichem Belang iſt, daß er ohne dieſen Theil gar nicht wuͤrde gekauft haben: ſo kann er die Vernichtung des Kaufs fordern. 1637. Wenn in dem Falle, wo ein Theil des ver⸗ kauften Grundſtuͤckes durch Eviction verloren geht, der Verkauf nicht aufgehoben wird: ſo muß dem Ankäufer ſo viel verguͤtet werden, als jener Theil werth iſt, und der Werth deſſelben wird alsdann nach der Schaͤtzung zur Zeit der Eviction beſtimmt, und nicht verhaͤltnißmaͤßig zu dem ganzen Preiſe der verkauften Sache, ohne Ruͤckſicht, ob letztere an Werth verloren oder gewonnen habe. 1638. Wenn das verkaufte Erb ſich mit Grundge⸗ rechtigkeiten beſchwert findet, welche nicht in die Augen — 363— fallen, und von der Art ſind, daß ſich vermuthen laͤßt, der Ankaͤufer wuͤrde nicht gekauft haben, wenn er ſie ge⸗ kannt hätte, und ſolche Grundgerechtigkeiten beim Con⸗ trakte nicht ſind angegeben worden: ſo kann der Ankaͤufer die Aufhebung deſſelben fordern, wofern er ſich nicht lie⸗ ber mit einer Entſchaͤdigung begnuͤgen will. 1639. Alle andern Fragen in Betreff der Schadlos⸗ haltung, welche der Ankäufer etwa aus dem Grunde for⸗ dern kann, weil der Kaufcontrakt nicht erfuͤllt worden, muͤſſen nach den allgemeinen Regeln entſchieden werden, die im Titel von den Contrakten und den Ver⸗ bindlichkeiten, welche aus Verabredungen uͤber⸗ haupt entſpringen, feſtgeſetzt ſind. 1640. Der Verkaͤufer iſt wegen der Eviction zu kei⸗ ner Vertretung mehr gehalten, wenn ſich der Ankaͤufer durch ein Urtheil in letzter Inſtanz, oder wogegen die Be⸗ rufung nicht mehr zulaͤſſig iſt, hat verurtheilen laſſen, oh⸗ ne ſeinen Verkaͤufer vorzuladen, wenn dieſer beweiſet, daß Gruͤnde vorhanden waren, welche die Klage wuͤrden ab⸗ gewieſen haben, wenn ſie vorgebracht worden waͤren. Sl. Von der Gewaͤhr der Maͤngel der verkauften Sache. Art. 1641. Der Verkaͤufer iſt ſchuldig, dem Ankaͤu⸗ fer Gewaͤhr zu leiſten, fuͤr alle verborgenen Maͤngel der verkauften Sache, die ſie fuͤr den Gebrauch, wozu man ſie beſtimmt, unſchicklich macht, oder die dieſen Gebrauch ſo vermindern, daß der Kaͤufer ſie entweder nicht an ſich gebracht, oder doch nur einen geringern Preis dafuͤr wuͤr⸗ de gegeben haben, wenn er ſie gekannt haͤtte. 1642. Hingegen braucht der Verkaͤufer die Mängel nicht zu vertreten, die in die Augen fallen, und wovon ſich der Ankäufer ſelbſt uͤberzeugen konnte. 1643. Er haftet für die verborgenen Maͤngel wenn er ſie ſchon ſelbſt nicht gekannt hat; es ſey denn, daß er ſich in dieſem Falle ausbehalten habe, daß er keine Ge⸗ waͤhrleiſtung uͤbernehmen wolle. 1644. In den Fällen der Art. 1641 und 1643 hat der Ankäufer die Wahl, ob er die Sache zuruͤckgeben, und ſich den Kaufpreis zuruͤckgeben laſſen, oder ob er die Sa⸗ che behalten, und ſich einen Theil des Kaufpreiſes zuruͤck⸗ geben laſſen wolle, ſo wie ihn nämlich zu ernennende Sach⸗ verſtaͤndige beſtimmen werden. 1645. Kannte der Verkaͤufer die Maͤngel der Sache, ſo muß er dem Ankaͤufer nicht allein den empfangenen Kaufpreis erſtatten, ſondern er haftet ihm auch fuͤr allen Schadenerſatz. 1646. Waren dem Verkaͤufer die Maͤngel der Sache unbekannt, ſo braucht er dem Ankäufer nur den Kaufpreis und die Koſten des Verkaufs zu erſtatten. 1647. Iſt die mangelhafte Sache wegen ihrer Maͤn⸗ gel zu Grunde gegangen, ſo trägt der Verkaͤufer den Ver⸗ luſt; und dieſer haftet alsdann dem Ankaͤufer nicht allein fuͤr die Zuruͤckerſtattung des Kaufpreiſes, ſondern auch fuͤr jede andere Entſchädigung, wie in den beiden vorherge⸗ henden Artikeln erklärt iſt. Ruͤhrt aber der Verluſt von einem ungefaͤhren Zufall her, ſo faͤllt er dem Kaͤufer zur Laſt. 1648. Die Klage, die aus Mängeln entſteht, welche die Zuruͤcknahme bewirken, muß vom Kaͤufer in einer kur⸗ zen Friſt angeſtellt werden nach der Natur Mängel, wel⸗ che dieſe Zuruͤcknahme bewirken, und nach dem Gebrauche des Orts, wo der Verkauf vorgegangen iſt. 1649. Sie hat bei gerichtlichen oder von Gerichts⸗ wegen geſchehenen Verkaͤufen nicht Statt. F ünft5 Eapitel. Von den Verbindlichkeiten des Kaͤufers. Art. 1650. Die Hauptverbindlichkeit des Käͤufers beſteht darin, daß er den Kaufpreis am Tag und Ort be⸗ zahle, welche der Kaufcontrakt beſtimmt. 1651. Iſt in dieſer Hinſicht beim Verkauf nichts be⸗ ſtimmt worden, ſo muß der Kaͤufer an dem Orte und zu der Zeit bezahlen, wo auch die Uebergabe geſchehen muß. 1652. Der Kaͤufer iſt ſchuldig, die Zinſen vom Kauf⸗ preiſe bis zu Erlegung des Capitals in folgenden drei Faͤllen zu bezahlen. wenn die Verabredung es ſo mit ſich bringt; wenn die verkaufte und uͤbergebene Sache Fruͤchte oder ſonſtige Einkuͤnfte hervorbringt; wenn der Kaͤufer aufgefordert worden iſt zu bezahlen. In dieſem letzten Falle laufen die Zinſen nur vom Tage der Aufforderung an. 1653. Findet ſich der Kaͤufer durch eine hypotheka⸗ riſche Klage geſtoͤrt, oder auch durch eine Klage, die ein Dritter zu dem Zwecke anſtellt, daß ihm die verkaufte Sache zuruͤckgegeben werde, weil er Eigenthuͤmer derſelben zu ſeyn behauptet*): ſo kann er mit Bezahlung des Kaufpreiſes inne halten, bis der Verkaͤufer den Grund der Stoͤrung weggeraͤumt hat. Er muß aber mit der Bezahlung fortfahren, wenn der Verkaͤufer ihm Buͤrgſchaft leiſtet, oder wenn ausbedungen worden iſt, daß der Kaͤu⸗ fer ungeachtet der Stoͤrung zahlen ſolle. 1654. Bezahlt der Kaͤufer den Kaufpreis nicht, ſo kann der Verkaͤufer die Aufloͤſung des Verkaufs fodern. 1655. Was nun die Aufloͤſung des Verkaufs betrifft, wenn er unbewegliche Guͤter zum Gegenſtande hat: ſo wird ſie auf der Stelle ausgeſprochen, wenn der Verkaͤu— fer Gefahr laͤuft, die Sache und den Preis zu verlieren. Iſt eine ſolche Gefahr nicht vorhanden, ſo kann der Richter dem Ankaͤufer einen Ausſtand geben, der laͤnger oder kuͤrzer iſt, nach Verhaͤltniß der Umſtände. Laͤßt der Ankaͤufer dieſen Ausſtand verſtreichen, ohne daß er bezahlt, ſo wird die Aufloͤſung des Verkaufs er⸗ kannt. 1656. Iſt bei dem Verkauf unbeweglicher Guͤter aus⸗ bedungen worden, daß im Falle, wo der Kaufpreis in der verabredeten Zeit nicht bezahlt wuͤrde, der Verkauf von Rechtswegen aufgeloͤſt ſeyn ſoll: ſo kann dennoch der Ankaͤufer nach verlaufener Friſt noch bezahlen, und zwar ſo lange er nicht durch eine Mahnung oder Aufforderung in Verzug geſetzt iſt. Sobald aber die Aufforderung oder *) Par une action en revendication. — 366— Mahnung geſchehen iſt, kann ihm der Richter keinen Aus⸗ ſtand mehr geben. 1657. Betrifft der Verkauf Lebensmittel und beweg⸗ liche Effekten, ſo wird er von Rechtswegen ohne weiteres und ohne Mahnung zu Gunſten des Verkaͤufers aufgeloͤſt, ſobald der verabredete Termin verfloſſen iſt, wo der Käu⸗ fer die verkaufte Sache abnehmen und den Preis erlegen ſollte. Sechstes Capitel. Von der Nichtigkeit und der Aufloſung des Verkaufs. Art. 1658. Auſſer den hieroben angefuͤhrten Urſa⸗ chen, woraus ein Verkauf vernichtet und aufgeloͤſt wer⸗ den kann, und auſſer den Urſachen, welche er in dieſer Hinſicht mit allen Verabredungen gemein hat, kann der Kaufcontrakt noch durch den vorbehaltenen Wiederkauf aufgeloͤſt werden, und durch die Verletzung im Preiſe. Err ſter Ab ſchnitt. Vom vorbehaltenen Wiederkauf. Art. 1659. Das Wiederkaufsrecht iſt eine Verabre⸗ dung, wodurch ſich der Verkäufer das Recht vorbehält, die verkaufte Sache gegen Erſtattung des Hauptpreiſes und alles deſſen, wovon der Art. 1673 ſpricht, wieder zu nehmen. 1660. Das Wiederkaufsrecht kann nicht auf laͤngere Zeit ausbedungen werden, als auf fuͤnf Jahre. Iſt es laͤngere Zeit ausbedungen, ſo wird es auf fuͤnf Jahre eingeſchraͤnkt und herabgeſetzt. 1661. Die eben feſtgeſetzte Zeit iſt ſtrenge, und kann vom Richter nicht verlaͤngert werden. 1662. Hat der Verkaͤufer in der vorgeſchriebenen Friſt ſein Wiederkaufsrecht nicht geltend gemacht: ſo bleibt der Ankaͤufer unwiderruflicher Eigenthuͤmer. —————————— — 1663. Dieſe Friſt luft gegen alle und jede, ſelbſt gegen Minderjaͤhrige. Letztern bleibt aber ihr Ruͤckan⸗ ſpruch, nach Befinden, gegen die Perſonen, die es angeht. 1664. Wer mit Vorbehalt des Wiederkaufs verkauft hat, kann ſein Recht ſelbſt gegen einen zweiten Ankaͤufer geltend machen, wenn ſchon im zweiten Contrakte von je⸗ nem Rechte keine Erwaͤhnung geſchehen iſt. 1665. Wer mit Vorbehalt des Wiederkaufs gekauft hat, uͤbt alle Rechte deſſen aus, von dem er gekauft hat. Er kann verjähren, ſowohl gegen den eigentlichen Herrn, als gegen alle, die auf die verkaufte Sache eine Hypo⸗ theke oder ein ſonſtiges Recht zu haben behaupteten. 1666. Er kann den Glaͤubigern ſeines Verkaͤufers die Wohlthat der Ausklage entgegen ſetzen. 1667. Wenn der Ankaͤufer einen Theil eines Erbes, der mit andern ungetheilt beſeſſen ward, unter dem Vor⸗ behalt des Wiederkaufs an ſich gebracht, nachher aber das Ganze Erbe nach einer Verſteigerung, die man gegen ihn nachgeſucht, an ſich geſteigert hat: ſo kann er ſeinen Verkäufer, wenn dieſer ſein Wiederkaufsrecht ausuͤben will, zwingen, das Ganze zu nehmen. 1668. Haben mehrere zuſammen und durch einen einzigen Contrakt ein Erbe, das ſie gemeinſchaftlich beſaßen, verkauft: ſo kann jeder ſein Wiederkaufsrecht nur fuͤr den Theil geltend machen, den er am Ganzen hatte. 1669. Eben ſo verhaͤlt es ſich, wenn derjenige, der ein Erb allein verkauft hat, mehrere Erben hinterläßt. Jeder von ſolchen Erben kann das Wiederkaufsrecht nur fuͤr den Theil ausuͤben, den er in dem Nachlaſſe hat. 1670. Der Ankaͤufer kann aber in dem Falle der beiden vorhergehenden Artikel verlangen, daß alle Mitver⸗ kaͤufer oder alle Miterben beigeladen werden, um ſich un⸗ ter ſich uͤber die Wiedernahme des ganzen Erbes zu ver⸗ einigen. Kommt alsdann die Vereinigung unter ihnen nicht zu Stande, ſo wird der Klaͤger abgewieſen. *) D. h. er kann verlangen, daß, bevor man ihn angreife, ſein Verkaͤufer angegriffen und exequirt werde, um zu ſehen, ob daraus ihre Anſpruͤche befriedigt werden konnen. ———2————— — k 68„ 1671. Wenn aber ein Erb, das mehreren gehoͤrt, nicht von ihnen gemeinſchaftlich und ganz verkauft wor⸗ den, wenn im Gegentheil jeder nur ſeinen Antheil daran verkauft hat: ſo kann jeder von ihnen beſonders ſeine Klage auf Wiederkauf anſtellen, und zwar fuͤr den Theil, der ihm zugehoͤrte; und der Ankaͤufer kann in einem ſol⸗ chen Falle den, der ſeine Klage ſo anſtellt, nicht zwingen, das Ganze wieder zu nehmen. 1672. Hat der Ankaͤufer mehrere Erben hinterlaſſen, ſo kann die Klage auf Wiederkauf nur gegen jeden der⸗ ſelben fuͤr ſeinen Theil angeſtellt werden, in ſo fern naͤm⸗ lich die verkaufte Sache noch ungetheilt, oder unter ſie vertheilt iſt. Iſt aber die Theilung geſchehen, und die verkaufte Sache unter das Loos eines der Erben gefallen: ſo kann die Klage auf Widerruf gegen dieſen fuͤr's Ganze ange⸗ ſtellt werden. 1673. Der Verkaͤufer muß, wenn er ſein Wieder⸗ kaufsrecht ausuͤben will, nicht allein den Hauptpreis er⸗ ſtatten, ſondern auch die Koſten und Gebuͤhren des Kauf⸗ vertrags, die noͤthigen Reparaturen, ſo wie die Repara⸗ turen, wodurch ſich der Werth des Grundes vermehrt findet, bis zum Ertrag dieſer Vermehrung oder Erhoͤhung. Er kann nicht in Beſitz treten, als bis er alle dieſe Ver⸗ bindlichkeiten erfuͤllt hat. Tritt der Verkaufer vermoͤge des verabredeten Wie⸗ derkaufs wieder in den Beſitz ſeines Gutes: ſo uͤbernimmt er es frei von allen Laſten und Hypotheken, womit es der Ankaͤufer etwa beſchwert hat. An Pachtverträge aber, welche der Ankaͤufer ohne Betrug geſchloſſen hat, iſt er gebunden. 3 weiter Ab ſchnitt. Von Aufhebung der Verkäufe wegen Verletzung. Art. 1674. Iſt der Verkaͤufer um mehr als ſieben Zwoͤlftel in dem Kaufpreiſe eines unbeweglichen Gutes verletzt oder verkuͤrzt worden: ſo kann er die Aufhebung des Verkaufs fordern, ungeachtet er im Contrakte auf dieſe Befugniß, die Aufhebung oder Umſtoßung zu fodern, —————————— — 369— Verzicht gethan, oder darin erklaͤrt hat, daß er dem An— kaͤufer, was es mehr werth iſt, ſchenke. 1675. Um zu wiſſen, ob der Verkaͤufer um mehr als ſieben Zwölftel verletzt oder verkuͤrzt worden ſey, muß das unbewegliche Gut nach dem Zuſtande und Wer⸗ the, worin es zur Zeit des Verkaufs war, geſchaͤtzt werder. 1676. Eine ſolche Klage iſt nach Ablanf zweier Jah⸗ re, vom Tage des Verkaufs, nicht mehr zuläͤſſig. Dieſe Friſt läͤuft gegen verheirathete Weiber, und ge⸗ gen Abweſende, Unterſagte und Minderjaͤhrige, wenn ſie einen Großjaͤhrigen vertreten, der verkauft hat. Auch läuft dieſe Friſt und wird nicht aufgeſchoben während der Zeit, die im Wiederkaufsvertrage ausbe— dungen iſt. 1677. Der Beweis der Verletzung kann nur durch ein Urtheil zugelaſſen werden, und nur in dem Falle, wo die aufgefuͤhrten Thatſachen wahrſcheinlich und erheblich genug ſind, um die Verletzung vermuthen zu laſſen. 1678. Er kann nicht anders geliefert werden, als durch einen Bericht von drei Sachverſtaͤndigen, welche ein einziges gemeinſchaftliches Protokoll aufſetzen, und ein ein⸗ ziges Gutachten nach der Stimmenmehrheit abfaſſen muͤſſen. 1679. Sind die Meinungen getheilt, ſo enthaͤlt das Protokoll die Gruͤnde: in keinem Fall aber iſt es erlaubt, darin die Meinung eines jeden einzelnen Sachverſtändigen anzugeben. 1680. Die drei Sachverſtaͤndigen werden von Amts⸗ wegen ernannt, wenn ſich die Theile nicht verſtanden ha⸗ ben, ſie alle drei gemeinſchaftlich zu ernennen. 1681. In dem Falle, wo die Klage auf Umſtoßung oder Aufhebung zugelaſſen wird, hat der Ankaͤufer die Wahl, ob er die Sache zuruͤckgeben, und den bezahlten Preis wieder nehmen, oder ob er die Sache behalten, und das, was am wahren Werth abgeht, nach Abzug eines Zehntels vom ganzen Preiſe bezahlen wolle. Der dritte Beſitzer hat das naͤmliche Recht, und un⸗ beſchadet ſeines Ruͤckangriffs gegen ſeinen Verkaͤufer. 1682. Beſtimmt ſich der Ankäufer dazu, die Sache zu behalten, und den Zuſchuß, wie er im vorhergehenden 24 ————— 2 .—. — 370— Artikel regulirt iſt, zu bezahlen: ſo iſt er von dem Zu⸗ ſchuſſe die Zinſen von dem Tage der angeſtellten Klage auf Umſtoßung ſchuldig. Will er ſie aber lieber wieder geben, und den Preis zuruͤck nehmen: ſo gibt er die Fruͤchte zuruͤck, ebenfalls vom Tage der angeſiellten Klage. Die Zinſen von dem Kaufpreiſe, den er bezahlt hat, werden ihm ebenfalls berechnet vom Tage der angeſtellten Klage, oder ſelbſt vom Tage der Zahlung, wenn er gar keine Fruͤchte genoſſen hat. 1683. Die Umſtoßung eines Verkaufs wegen Ver⸗ letzung hat nie zu Gunſten des Käufers Statt. 1684. Auch hat ſie nicht bei Verkaͤufen Statt, wel⸗ che dem Geſetze gemaͤß mit Dazwiſchenkunft der Gerichte geſchehen. 1685. Die Regeln, welche im vorhergehenden Ab⸗ ſchnitte fuͤr die Faͤlle feſtgeſetzt ſind, wo mehrere gemein⸗ ſchaftlich oder beſynders verkauft haben, ſo wie fuͤr den Fall, wo der Kaͤufer oder Verkaͤufer mehrere Erben hin⸗ terlaſſen hat, ſind auch anzuwenden, wenn jemand eine Klage auf Umſtoßung eines Verkaufs anſtellt. S e e Von der Verſteigerung. Art. 1686. Wenn eine Sache, die mehreren gemein⸗ ſchaftlich zugehoͤrt, nicht fuͤglich und ohne Verluſt getheilt werden kann, oder, wenn es in einer guͤtlich gemachten Theilung gemeinſchaftlicher Guͤter Theile gibt, die keiner von den Mittheilenden annehmen will oder kann: ſo ge⸗ ſchieht der Verkauf durch Ausſteigerung, und der Preis wird unter die Miteigenthuͤmer getheilt. 1687. Jeder Miteigenthuͤmer kann bei ſolcher Gele⸗ genheit fordern, daß auch Fremde zur Ausſteigerung zu⸗ gelaſſen werden; ſie muͤſſen nothwendig zugelaſſen werden, wenn einer von den Miteigenthuͤmern minderjahrig iſt. 1688. Die Art der Verſteigerung, und die Feierlich⸗ keiten, die dabei beobachtet werden muͤſſen, ſind unter dem Titel von der Erbfolge und in der Gerichtsordnung erklärt. Ach es Fapitel. Von Uebertragung der Forderungen und an⸗ derer unkoͤrperlichen Rechte. Art. 1689. Bei Uebertragung oder Abtretung einer Forderung, eines Rechtes oder einer Klage auf einen Drit⸗ ten geſchieht die Uebergabe oder Lieferung dadurch, daß der Uebertragende dem, zu deſſen Gunſten er abtritt, die Urkunde aushaͤndigt. 1690. In Ruͤckſicht auf jeden Dritten kommt der, zu deſſen Gunſten der Uebertrag geſchehen iſt, erſt dadurch in den wahren Beſitz, daß er dem Schuldner den Ueber⸗ trag bekannt macht oder inſinuirt. Aber auch dadurch kann derſelbe in dieſen Beſitz kom⸗ men, daß der Schuldner den Uebertrag in einer oͤffentli⸗ chen Urkunde annimmt. 1691. Hat der Schuldner den Uebertragenden be⸗ zahlt, bevor dieſer oder derjenige, an den die Forderung abgetreten worden, ihm den Uebertrag inſinuirt hat: ſo iſt ſeine Schuld guͤltiger Weiſe getilgt. 1692. Unter dem Verkauf oder Uebertrag einer For⸗ derung iſt ebenfalls alles begriffen, was der Forderung anklebig iſt, als Buͤrgſchaften, Vorrangsrechte und Hy⸗ potheken. 1693. Wer eine Forderung oder ſonſt ein unkoͤrper⸗ liches Recht uͤbertraͤgt, muß Gewaͤhr dafuͤr leiſten, daß die Forderung oder das Recht, das er uͤbertraͤgt, zur Zeit des Uebertrags wirklich exiſtirt, obſchon es ohne Ge⸗ waͤhrleiſtung geſchehen iſt. 1694. Er haftet aber fuͤr die Zahlbarkeit des Schuld⸗ ners nur, in ſo weit er ſich dazu anheiſchig gemacht, und bloß bis zum Betrag des Preiſes, den er aus der For⸗ derung gezogen hat. 1695. Hat er fuͤr die Zahlbarkeit des Schuldners Gewährsleiſtung verſprochen, ſo iſt ein ſolches Verſpre⸗ 24 — 372— chen bloß von der gegenwärtigen Zahlbarkeit deſſelben zu verſtehen, und es erſtreckt ſich nicht auf die Zukunft, es ſey denn, daß der Uebertragende auch dieſes ausdruͤcklich zugeſagt habe. 1696. Wer eine Erbſchaft verkauft, ohne die darun⸗ ter begriffenen Gegenſtaͤnde einzeln anzugeben, braucht fuͤr weiter nichts Gewähr zu leiſten, als daß er wirklich Erbe iſt. 1697. Hatte er zur Zeit des Uebertrags ſchon Fruͤch⸗ te aus irgend einem Gegenſtande gezogen, oder den Be⸗ trag irgend einer Forderung, die zu einer ſolchen Erb⸗ ſchaft gehoͤrt, empfangen, oder irgend ein Stuͤck der Erb⸗ ſchaft verkauft: ſo muß er ſolches dem Ankäufer erſtatten, wenn er es ſich nicht bei dem Verkauf ausdruͤcklich vor⸗ behalten hat. 1698. Seinerſeits muß der Ankaͤufer ſeinem Verkaͤu⸗ fer alles zuruͤck erſtatten, was dieſer fuͤr die Schulden und Laſten der Erbſchaft bereits bezahlt hat, und ihm al⸗ les zu Gute kommen laſſen, was er zu fordern hatte, wenn nicht ein Anderes ausbedungen worden. 1699. Derjenige, gegen den man ein ſtreitiges Recht abgetreten hat, kann ſich ruͤckſichtlich deſſen, auf den der Uebertrag geſchehen iſt, dadurch frei machen, daß er ihm den wirklichen Preis der Abtretung mit den Koſten und Gebuͤhren erſtatte, und mit den Zinſen von dem Tage an, wo derjenige, zu deſſen Gunſten abgetreten iſt, den Preis der ihm geſchehenen Abtretung entrichtet hat. 1700. Als ſtreitig wird eine Sache angeſehen, ſo⸗ bald über den Grund des Rechts ein Prozeß oder Streit entſteht. 1701. Die im Art. 1699 enthaltene Verfuͤgung fin⸗ det keine Anwendung mehr: iſtens, in dem Falle, wo die Abtretung oder der Uebertrag an einen Miterben oder Miteigenthuͤ⸗ mer des abgetretenen Rechtes geſchehen iſt; 2tens, wenn ſie an einen Glaͤubiger geſchehen iſt in Zahlung einer Schuld; Ztens, wenn ſie zu Gunſten deſſen geſchehen iſt, der das Erbe beſitzt, worauf das ſtreitige Recht ſpricht. —— ——————————— S bener Ditel. Vom Tauſchvertrage„. Art. 1702. Der Tauſch iſt ein Vertrag, wodurch die Theile ſich gegenſeitig eine Sache gegen eine andere geben. 1703. Wie der Kaufcontrakt, ſo kommt auch der Tauſchvertrag durch die bloße Einwilligung zu Stande. 1704. Wenn einer von beiden Theilen, die einen Tauſch getroffen, die ihm vertauſchte Sache bereits erhal⸗ ten hat, nachher aber beweiſet, daß ſie ſeinem Mitcontra— henten nicht gehoͤrt: ſo kann er nicht gezwungen werden, die Sache, die er dagegen verſprochen hat, zu uͤbergeben, wohl aber, diejenige zuruͤck zu geben, die er erhalten hat. 1705. Verliert einer von den tauſchenden Theilen die Sache, die er eingetauſcht hat, durch Eviction: ſo hat er die Wahl, ob er Schadloshaltung begehren, oder ob er ſeine Sache zuruͤckfordern wolle. 1706. Aus dem Grunde der Verletzung oder Ver⸗ kuͤrzung kann ein Tanſchvertrag nie aufgehoben oder um⸗ geſtoßen werden. 1707. Alle andern Regeln, die fuͤr den Kaufcontrakt feſtgeſetzt ſind, finden uͤbrigens auch ihre Anwendung beim Tauſchvertrag. Nch e i e l. Von dem Miethvertrage*0. Capitel. Allgemeine Verfügungen. Art. 1708. Es gibt zwei Arten der Miethvertraͤge, einer Sache naͤmlich, und einer Dienſtleiſtung. *) Geſetz vom 16. Ventoſe 12. Jahrs(7. März 1804), promul⸗ girt den 26.(17. März 1804). **) Geſetz vom 16. Ventoſe 12. J.(7. März 1804), prom. den 26.(17. März 1804). — 374— 1709. Erſterer iſt ein Vertrag, wodurch ſich ein Theil verbindet, dem andern den Genuß einer Sache waͤhrend einer gewiſſen Zeit zu uͤberlaſſen, gegen einen gewiſſen Preis, den dieſer ſich anheiſchig macht, ihm zu bezahlen. 1710. Miethvertrag einer Dienſtleiſtung iſt ein Vertrag, wodurch ſich ein Theil verbindet, fuͤr den an⸗ dern etwas zu thun gegen Zahlung eines Preiſes, den ſie verabredet haben. 1711. Dieſe beiden Gattungen des Miethvertrages theilen ſich wieder in verſchiedene beſondere Arten. So nennt man ihn Miethvertrag im engern Sinne, wenn er Haͤuſer oder bewegliche Sachen betrifft; Pacht und Pachtcontrakt, wenn er Landguͤter betrifft. Miethe, wenn er eine Arbeit oder Dienſtleiſtung zum Gegenſtand hat. Viehpacht nennt man die Miethe von Thieren, wovon der Nutzen unter den Eigenthümer, und denjeni⸗ gen, dem er ſie anvertraut, getheilt wird. Verabredete Ueberſchlaͤge, zufolge deren ein Werk gegen einen gewiſſen, ein fuͤr allemal beſtimmten Preis unternommen wird, ſind ebenfalls Miethvertraͤge, wenn dabei derjenige die Materialien liefert, fuͤr den das Werk gemacht wird. Dieſe drei letzten Arten haben ihre beſondern Regeln. 1712. Miethvertraͤge uͤber Guͤter des Staates, der Gemeinden oder oͤffentlichen Anſtalten ſind beſondern Ver⸗ ordnungen unterworfen. Zweites Capitel. Von Vermiethung der Sachen. Art. 1713. Alle Arten von Guͤtern, ſowohl beweg⸗ liche als unbewegliche, kann man vermiethen. ——————————————— 5 ſte b ſchni t⸗ Von den Regeln, die den Mieth⸗ und Pachtverträgen der Haͤuſer und Landguͤter gemein ſind. Art. 1714. Mieth⸗ und Pachtvertraͤge kann man ſchriftlich oder muͤndlich ſchließen. 1715. Hat ein ſolcher Vertrag, im Falle, wo er nicht ſchriftlich gemacht iſt, noch gar keinen Vollzug er⸗ halten, und ein Theil leugnet ihn ab: ſo kann er durch Zeugen nicht bewieſen werden, ſo gering auch der Pacht⸗ oder Miethzins ſeyn mag, und ungeachtet vorgegeben wird, daß eine Daraufgabe ſey bezahlt worden. Kur der Eid kann demjenigen zugeſchoben werden, der den Vertrag in Abrede ſtellt. 1716. Wenn nach einem muͤndlichen Pacht⸗ oder Miethvertrage, wovon die Vollziehung angefangen hat, Streit uͤber den Betrag des Pacht⸗ oder Miethzinſes ent⸗ ſteht, und keine Quittung vorhanden iſt: ſo muß dem Ei⸗ genthuͤmer auf ſeinen Eid geglaubt werden, es ſey denn, daß der Pachter oder Miethsmann eine Schaͤtzung durch Sachverſtändige vorziehe. In dieſem letztern Falle traͤgt er auch die Koſten der Schätzung allein, wenn ſie den Preis uͤberſteigt, den er angegeben hat. 1717. Der erſte Pachter hat das Recht, wieder zu verpachten, ſelbſt ſeine Pacht einem andern zu uͤbertragen, in ſo fern ihm dieſe Befugniß nicht iſt unterſagt worden. Sie kann ihm ganz oder zum Theil unterſagt werden. Die Clauſel iſt in dieſer Hinſicht allezeit ſtrenge. 1718. Die Artikel unter dem Titel von dem Ehe⸗ contrakte und den gegenſeitigen Rechten der Eheleute, die Pacht und Miethvertraͤge uͤber Guͤter der verheiratheten Weiber betreffend, ſind ebenfalls auf dergleichen Vertraͤge uͤber Guͤter der Minderjaͤhrigen an⸗ zuwenden. 1719. Vermoͤge des Vertrags allein, und ohne daß es deswegen einer beſondern Verabredung beduͤrfe, iſt der ————— —*—* — 56 Verpachter gehalten, 1ſtens dem Beſtaͤnder oder Mieths⸗ mann die vermiethete Sache zu uͤbergeben, Ltens, die Sa⸗ che in ſolchem Stande zu unterhalten, daß ſie den Ge⸗ brauch gewaͤhren koͤnne, wozu ſie vermiethet worden, 3tens, dafuͤr zu ſorgen, daß der Miethsmann waͤhrend der Mieth⸗ zeit den ruhigen Genuß derſelben haben konne. 1720. Der Verpachter muß die Sache in gutem Stande uͤberliefern, worin ſie keiner Art von Reparatu⸗ ren vorlaͤufig bedarf. Er iſt verbunden, ſo lange die Pachtzeit währt, alle noͤthig werdenden Reparaturen dar— an vorzunehmen, jene Reparaturen ausgenommen, die ih⸗ rer Unbedeutendheit wegen der Pachter ſelbſt, dem Ge⸗ brauche gemaͤß, uͤbernehmen muß. 1721. Er haftet dem Pachter fuͤr alle Fehler oder Maͤngel der vermietheten Sache, die ibren Gebrauch ver⸗ hindern, obſchon er ſolche Fehler oder Maͤngel bei Ab⸗ ſchließung des Vertrags ſelbſt nicht gekannt hat. Leidet der Pachter dadurch irgend einen Verluſt, ſo muß der Verpachter ihn entſchaͤdigen. 722. Ereignet es ſich waͤhrend der Pachtzeit, daß die verpachtete Sache durch ungefähren Zufall ganz zu Grunde geht: ſo hebt ſich der Pachtcontract von ſelbſt auf. Geht dieſelbe aber nur zum Theil zu Grunde, ſo ſteht es dem Beſtaͤnder frei, den Umſtänden nach entweder eine Herabſetzung des Preiſes zu fordern, oder die vollige Aufhebung des Contraktes. In dem einen wie dem an⸗ dern Falle aber kann er keine Entſchaͤdigung verlangen. 1723. Der Miethsmann iſt nicht befugt, waͤhrend der Miethzeit die Geſtalt der vermietheten oder verpach— teten Sache zu verändern. 1724. Werden waͤhrend der Pachtzeit an der ver⸗ mietheten oder verpachteten Sache ſolche Reparaturen dringend nothig, die bis zu ihrem Ablaufe nicht verſcho⸗ ben werden koͤnnen: ſo muß der Pachter leiden, daß man dieſelben vornehme, wenn ſie ihm auch noch ſo un⸗ gemaͤchlich fallen, und ungeachtet er ſich dadurch, waͤhrend man damit beſchaͤftigt iſt, der vermietheten Sache zum Theil beraubt findet. Dauern indeſſen ſolche Reparaturen laͤnger als vier⸗ zig Tage: ſo wird der Miethzins nach Verhältniß der — 377— und des Theils der vermietheten Sache, deren er ech beraubt war, vermindert. Sind die Reparaturen von der Art, daß der Mieths⸗ fuͤr ſich und ſeine Familie die noͤthige Wohnung ſo kann dieſer den Miethvertrag aufheben 1725. Wird der Pachter in ſeinem Genuſſe gewalt⸗ rwanger Weiſe von einem Dritten geſtoͤrt, ohne daß dieſer uͤbrigens auf die vermiethete Sache ſelbſt einen Anſpruch macht: ſo braucht ihm der Vermiether fuͤr eine ſolche Stoͤrung keine Gewäͤhr zu leiſten. Dem Pachter iſt es aber unbenommen, den Stöͤrer in ſeinem perſoͤnlichen Na⸗ men zu verfolgen. 1726. Betraf hingegen die Klage des Dritten das Eigenthum des Grundes, und iſt dadurch der Mieths⸗ mann oder Pachter in ſeinem Genuſſe geſtoͤrt worden: ſo iſt er zu einer verhaͤltnißmaͤßigen Verminderung des Mieth⸗ oder Pachtzinſes berechtigt, vorausgeſetzt aber, daß er die Stoͤrung oder Hinderung dem Eigenthuͤmer angezeigt habe. 1727. Machen die Urheber der Stoͤrung und gewalt⸗ thaͤtigen Anmaßung Anſpruͤche auf die vermiethete oder verpachtete Sache ſelbſt, oder, wird der Pachter ſelbſt gerichtlich belangt, um zufolge Urtheils eine ſolche Sache ganz oder zum Theil zu raͤumen, oder um die Ausuͤbung irgend einer Grundgerechtigkeit daran zu leiden: ſo muß er den Verpachter vorbeſcheiden laſſen, daß er ihn vertre⸗ te. Er muß in dieſem Falle ſelbſt, ſo fern er es fordert, aus dem Prozeß geſetzt werden, wenn er ſich auf den Ver⸗ pachter beruft, fuͤr den er beſitzt⸗ 1728. Der Pachter oder Miethsmann hat zwei Hauptverbindlichkeiten: er muß nemlich 1ſtens, die vermiethete Sache wie ein guter Hausva⸗ ter und der Beſtimmung gemaͤß, die ſie durch den Miethcontrakt erhalten hat, gebrauchen, oder der Beſtimmung gemäß, die ſich aus den Umſtän⸗ den, in Ermangelung einer Abrede, vermuthen läßt; Ltens, muß er den Pacht- oder Miethzins in den ausbedungenen Terminen entrichten. 1729. Gebraucht der Pachter die vermiethete oder verpachtete Sache zu einem andern Zwecke, als zu demje⸗ nigen, wozu ſie beſtimmt worden, oder zu einem Zwecke, fuͤr den Vermiether ein Schaden erwachſen koͤnn⸗ ſo kann letzterer, je nachdem die Umſtände ſind, den . aufheben laſſen. 1730. Iſt unter dem Vermiether und Pachter eine Verzeichnung oder Beſchreibung der in die Pacht fal⸗ lenden Plaͤtze angefertigt worden: ſo muß letzterer die Sache in dem Zuſtande zuruͤck liefern, worin er ſie angetreten hat, und zwar nach Inhalt jener Beſchreibung, mit Aus⸗ nahme deſſen, was ſich durch Alter oder aͤuſſere Gewalt, die man nicht abwehren konnte, zu Grunde gerichtet oder verſchlimmert findet. 1731. Hat man uͤber den Zuſtand der in die Pacht fallenden Plaͤtze keine Beſchreibung gemacht: ſo tritt die Vermuthung ein, daß der Miethsmann ſie in einem ſol— chen guten Zuſtande angetreten habe, daß ſie von ſeiner Seite keiner Reparaturen bedurften, und er muß ſie da⸗ her im naͤmlichen Zuſtande wieder liefern, wenn er nicht das Gegentheil beweiſet. 1732. Er iſt fuͤr jede Verſchlimmerung und fuͤr je⸗ den Verluſt verantwortlich, den die Sache leidet, während er ſie beſitzt, wofern er nicht darthut, daß er keine Schuld daran hat. 1733. Er haftet ferner ſelbſt fuͤr Brandſchaden, wenn er nicht beweiſen kann, daß derſelbe in einem unge⸗ faͤhren Zufall oder in einer aͤuſſern Gewalt, die er nicht abwehren konnte, oder in einem Fehler in der Anlage ſei⸗ nen Urſprung hatte, oder auch, daß das Feuer dem Mieth⸗ hauſe von einem Nachbarshauſe mitgetheilt worden. 1734. Sind mehrere Miethleute da: ſo haften ſie alle ohne Theilung fuͤr den Brandſchaden, wenn ſie nicht beweiſen, daß der Brand in der Wohnung eines von ih⸗ nen angefangen habe, in welchem Falle dieſer allein dafuͤr haftet: oder, wenn einige unter ihnen nicht beweiſen, daß der Brand bei ihnen nicht anfangen konnte, in welchem Falle die, welche einen ſolchen Beweis liefern, nicht fuͤr den Schaden haften. 1735. Der Miethsmann haftet fuͤr jede Verſchlim⸗ merung und fuͤr jeden Verluſt, der durch Perſonen ſeines Hauſes, oder durch ſeine Afterpaͤchter verurſacht wird. 1736. Iſt der Pacht⸗oder Miethvertrag nicht ſchrift⸗ lich gemacht: ſo kann ein Theil dem andern nicht aufkuͤn⸗ digen, als mit Beobachtung der Friſten, die in dieſer Hin⸗ ſicht der Ortsgebrauch beſtimmt hat. 1737. Iſt aber der Pacht⸗oder Miethvertrag ſchrift⸗ lich abgefaßt: ſo hoͤrt bei Ablauf des darin ausbedunge⸗ nen Termins die Pacht von ſelbſt auf, ohne daß es als⸗ dann einer Aufkuͤndigung bedarf. 1738. Wenn, bei Ablauf der ſchriftlich bedungenen Pachtzeit, der Pachter im Beſitze bleibt und gelaſſen wird: ſo bewirkt dies eine neue Pacht, deren Wirkungen ſich nach dem Artikel, die nicht ſchriftlichen Pachtungen betreffend, beſtimmen. 1739. Iſt dem Pachter gehoͤrig aufgekuͤndigt worden: ſo kann er keine ſtillſchweigende Wiederverpachtung geltend machen, obſchon er im Beſitze geblieben iſt. 1740. In dem Falle der beiden vorhergehenden Ar⸗ tikel iſt der Buͤrge entledigt, den man etwa fuͤr die Pacht oder Miethe geſtellt hat, und er haftet nicht fuͤr die neuen Verbindlichkeiten, die aus der Verlaͤngerung derſelben ent⸗ ſtehen. 1741. Der Pacht- oder Miethcontrakt loͤſt ſich auf zweierlei Art auf, oder faͤllt weg, naͤmlich dadurch, daß die verpachtete Sache zu Grunde geht, oder dadurch, daß entweder der Verpachter oder der Pachter gegenſeitig ſei— nen Verbindlichkeiten kein Genuͤge leiſtet. 1742. Dadurch, daß der Verpachter oder der Pach⸗ ter ſtirbt, wird der Pachtcontrakt nicht aufgeloͤſt. 1743. Verkauft der Verpachter die verpachtete Sache: ſo kann der Ankaͤufer den Pachter oder Mieths⸗ mann, wenn dieſer einen authentiſchen Pachtcontrakt hat, oder einen Pachtcontrakt, deſſen Datum ſicher iſt, nicht daraus ſetzen. Ausgenommen iſt der Fall, wo der Ver⸗ pachter ſich in dem Pachtcontrakte dieſes Recht vorbehal⸗ ten hat*). *) Alſo gilt heut zu Tage bei uns die Regel nicht mehr: Kauf bricht Miethe. Es iſt uͤbrigens wohl zu bemerken, daß in dieſem ganzen Abſchnitte ſowohl von Pacht- als Miethcontrak⸗ ten die Rede iſt.* — 1744. Wenn bei dem Pacht⸗ oder Miethcontrakte ausbedungen iſt, daß im Falle, wo die verpachtete oder vermiethete Sache verkauft wuͤrde, der Ankaͤufer die Frei⸗ heit haben ſolle, den Pachter oder Miethsmann daraus zu ſetzen, ohne daß dabei uͤber die Schadloshaltung, die der Pachter fordern koͤnnte, etwas verabredet waͤre: ſo muß der Vermiether oder Verpachter den Miethsmann oder Pachter entſchaͤdigen, wie folgt: 1745. Iſt naͤmlich die Rede don einem Hauſe, Zim⸗ mer oder Kramladen: ſo bezahlt der Vermiether dem her⸗ ausgeſetzten Miethsmanne eine Summe, welche eben ſo groß iſt, als der Miethzins waͤhrend der Zeit, die dem Ortsgebrauche gemaͤß geſtattet werden muß von der Auf⸗ kuͤndigung an bis zur Raͤumung. 1746. Iſt die Rede von Landguͤtern: ſo beſteht die Entſchaͤdigung, die der Verpachter dem Pachter leiſten muß, in einem Drittel des Pachtzinſes von der Zeit, die noch auszuhalten waͤre. 1747. Iſt endlich die Rede von Manufakturen, Hammerwerkern oder andern Anſtalten, die große Vor⸗ ſchuͤſſe erfordern: ſo wird die Entſchädigung durch Sach⸗ verſtändige ausgemittelt. 1748. Ueberdies muß der Ankaͤufer, wenn er ſich des im Pacht- oder Miethcontrakte ausbedungenen Rechtes be⸗ dienen will, den Pachter oder Miethsmann im Falle eines Verkaufs auszuweiſen, letztern zuvor gehoͤrig erinnern, und zwar muß er ihm nach der Erinnerung die Zeit laſſen, worin dem Ortsgebrauche gemaͤß die Aufkuͤndigung geſche⸗ hen kann. Den Pachter eines Land⸗ oder Bauerngutes muß er wenigſtens ein Jahr vorher erinnern. 1749. Ehe und bevor der Pachter oder Miethsmann die hieroben feſtgeſetzte Entſchädigung erhalten hat, entwe⸗ der von ſeinem Vermiether oder Verpachter, oder in deſ⸗ ſen Ermangelung von dem neuen Ankaͤufer, kann er nicht aus dem Beſitze geſetzt werden. 1750. Wenn der Pacht- oder Miethcontrakt nicht authentiſch iſt, oder kein ſicheres Datum hat: ſo iſt der Ankaͤufer zu keiner Schadloshaltung verbunden. —— —————————————— 1751. Der Ankaͤufer, wenn er unter dem Vorbehalt des Wiederkaufs gekauft hat, kann ſich der Befugniß, den Pachter auszuweiſen, erſt dann bedienen, wenn die fuͤr den Wiederkauf beſtimmte Friſt verſtrichen, und er mithin unveränderlicher Eigenthuͤmer geworden iſt. ſcch i Von den Regeln, welche den Miethcontrakt beſonders betreffen*). Art. 1752. Verſieht der Miethsmann ſein Miethhaus nicht mit hinreichenden Moöbeln: ſo kann er daraus ge⸗ wieſen werden, es ſey denn, daß er fuͤr die richtige Zah⸗ lung des Miethzinſes voͤllige Sicherheit leiſte. 1753. In dem Falle, wo der Eigenthuͤmer gegen den Miether einen Arreſt anlegt, haftet der Unter- oder Aftermiether, wenn ein ſolcher vorhanden iſt, ihm mit dem⸗ jenigen, was er dem Hauptmiether alsdann noch ſchuldig iſt. Der Untermiether kann ſich in einem ſolchen Falle keineswegs mit der Ausrede ſchuͤtzen, daß er dem Haupt⸗ miether Zahlungen zum Voraus geleiſtet habe. Als Zahlungen zum Voraus koͤnnen nicht angeſehen werden ſolche Zahlungen, die der Untermiether verfuͤgt hat, entweder zufolge einer in ſeinem Miethcontrakte ge⸗ troffenen Verabredung, oder dem Ortsgebrauche gemaäß. 1754. Als Miethreparaturen von geringem Belang, welche der Miether zu tragen hat, ſind zu betrachten, wenn nicht das Gegentheil verabredet worden, ſolche Re⸗ paraturen, die nach dem Ortsherkommen dazu gehoͤren, und unter andern die Reparaturen, die zu machen ſind: an den Feuerheerden, Hinterwaͤnden, Einfaſſungen und Einlegplattchen daran; an der aͤuſſern Verputzung oder Uebertuͤnchung der untern Mauern in Zimmern und andern Wohn⸗ oͤrtern, einen Meter hoch; an dem Pflaſter und den Platten der Zimmer, in ſo fern nur einiges davon zerbrochen iſt; *) Miethcontrakte haben, wie ſchon mehrmal geſagt worden, bloß Wohnungen und Häuſer zum Gegenſtande; Pachtcon⸗ trakte hingegen Landguͤter, Bauernguͤter, Ländereien. an den Glaͤſern oder Glasſcheiben, wenn ſie nicht vom Hagel zerſchlagen, oder ſonſt durch unge⸗ woͤhnliche Zufaäͤlle und hoͤhere Gewalt zerbrochen werden, wofuͤr der Miether nicht zu haften braucht; an Thuͤren, Fenſtern, Scheide- oder Verſchlagsdielen der Kramlaͤden, Thuͤrangeln, Schiebriegeln und Schloͤſſern. 1755. Keine dergleichen Reparaturen, obſchon ſie uͤbrigens zu den Miethreparaturen gehoͤren, hat indeſſen der Miether zu tragen, wenn ſie bloß durch Alter oder hoͤhere Gewalt noͤthig werden. 1756. Die Ausreinigungskoſten der Brunnen und heimlichen Gemaͤcher hat der Vermiether allein zu tragen, wenn nicht eine Verabredung fuͤr's Gegentheil vorhanden iſt. 1757. Was die Miethe von Moͤbeln betrifft, die je⸗ mand hergibt, um damit ein ganzes Haus, ein ganzes Hauptgebaͤude, einen Kramladen oder auch ſonſtige Zim⸗ mer und Gemaͤcher damit auszuſtaffiren: ſo wird vermu⸗ thet, daß ſie fuͤr die gewoͤhnliche Zeit eingegangen ſey, während welcher nach dem Ortsgebrauche die Miethe von Haͤuſern, Hauptgebäuden, Buden und ſonſtigen Gemaͤchern beſtehen muß. 1758. Die Miethe eines moͤblirten Zimmers iſt der rechtlichen Vermuthung nach als auf ein Jahr geſchloſſen anzuſehen, wenn es im Contrakt heißt: ſo viel fuͤr's Jahr; ſie iſt als auf Monate geſchloſſen anzuſehen, wenn es darin heißt: ſo viel fuͤr den Monat; und auf Tage, wenn es heißt: ſo viel fuͤr den Tag. Iſt aber nichts vorhanden, woraus ſich abnehmen ließe, daß die Miethe zu ſo viel fuͤr's Jahr, fuͤr den Mo⸗ nat oder Tag gemacht worden: ſo wird, um ihre Dauer zu beſtimmen, auf den Ortsgebrauch Ruͤckſicht genommen. 1759. Bleibt der Miether eines Hauſes oder Zim⸗ mers, nach Ablauf der in einem ſchriftlichen Miethcontrak⸗ te beſtimmten Zeit, im Genuſſe, ohne Widerſpruch von Seiten des Vermiethers: ſo wird angenommen, daß er unter den nämlichen Bedingungen, und fuͤr die durch den Ortsgebrauch beſtimmte Zeit, darin bleibe; und er kann in einem ſolchen Falle weder ſelbſt abgehen, noch ausge⸗ ———————————————— — 88— wieſen werden, als nach einer gehoͤrigen und in der her⸗ koͤmmlichen Friſt geſchehenen Aufkuͤndigung. 1760. In dem Falle, wo die Miethe durch Verſchul⸗ den des Miethers aufgehoben wird, muß dieſer den Mieth⸗ zins fuͤr die Zeit entrichten, die zur Wiedervermiethung noͤthig iſt, und noch dazu allen Schadenerſatz, den der Mißbrauch, den er etwa von der Sache gemacht, nach ſich ziehen kann. 1761. Es ſteht dem Vermiether nicht frei, den Mieth— contrakt aufzuloͤſen, oder davon abzugehen, obſchon er er⸗ klaͤrt, daß er das vermiethete Haus ſelbſt beziehen wolle, es ſey denn, daß die Verabredung ein Anderes enthalte. 1762. Iſt in dem Miethcontrakt ausbedungen wor— den, daß es dem Vermiether frei ſtehen ſolle, das Haus ſelbſt zu beziehen, und in dieſem Falle vom Contrakt ab⸗ zugehen: ſo muß er dennoch vorher aufkuͤndigen, und zwar in den Friſten, welche der Ortsgebrauch beſtimmt. Von den beſondern Regeln der Pachtcontrakte. Art. 1763. Wer unter dem Bedinge baut, daß er die Fruͤchte mit dem Verpachter theilen folle, kann nicht unterverpachten, noch ſeine Pacht éinem andern uͤbertra— gen, es ſey denn, daß ihm ſolches im Pachtcontrakte er— laubt worden ſey. 1764. Handelt der Pachter gegen dieſe Verfuͤgung: ſo iſt der Eigenthuͤmer berechtigt, in den Genuß zuruͤckzu treten, und der Pachter wird zu der Schadloshaltung ver⸗ urtheilt, welche aus der Nichterfuͤllung des Contraktes folgt. 1765. Wird bei einem Pachtcontrakte mehr oder we⸗ niger angegeben, als die Grundſtuͤcke wirklich enthalten: ſo iſt der Eigenthuͤmer anders nicht berechtigt einen Zu⸗ ſatz, oder der Pachter eine Verminderung des Preiſes zu fordern, als in den Faͤllen und nach den Regeln, die in dieſer Ruͤckſicht der Titel vom Kauf und Verkauf enthaͤlt. 1766. Wenn der Pachter eines Landgutes den zu deſſen Benutzung noͤthigen Viehſtand und die noͤthigen Ge⸗ räthſchaften nicht dahin bringt, wenn er es nicht in geho⸗ —————— ——— — 684— rigem Bau hält, wenn er nicht wie ein guter Hausvater baut, wenn er das verpachtete Gut zu etwas anderm braucht, als wozu es beſtimmt worden, und uͤberhaupt, wenn er die Bedingungen des Pachtcontraktes nicht haͤlt, und fuͤr den Verpachter ein Nachtheil daher entſteht: ſo kann dieſer, den Umſtänden nach, die Pacht aufheben laſſen. Und, in dem Falle, wo der Pachter die Aufhebung des Contrakts veranlaßt hat, haftet er fuͤr Schadloshal⸗ tung, wie im Art. 1764 geſagt iſt. 1767. Jeder Pachter eines Landgutes muß in die hiezu im Pachtcontrakte beſtimmten Plaͤtze einſcheunen. 1768. Er iſt gehalten, dem Eigenthuͤmer alle Ein⸗ griffe auf ſeinen Grund anzuzeigen, unter Strafe von Schaden und Koſten. Er muß bei der eben gedachten Arzeige die nämliche Friſt beobachten, die bei gerichtlichen Ladungen nach der verſchiedenen Entfernung der Oerter beobachtet wird. 1769. Iſt die Pacht auf mehrere Jahre geſchloſſen, und waͤhrend derſelben eine Erndte ganz oder wenigſtens halb durch ungefahren Zufall zu Grunde gegangen: ſo kann der Pachter verhältnißmaͤßigen Erlaß am Zinſe for⸗ dern, in ſo fern er nicht durch die vorherigen Erndten ſchon dafuͤr entſchaͤdigt iſt. Findet ſich dieſes nicht, ſo kann doch die Schätzung des zu gebenden Nachlaſſes erſt bei Beendigung der Pacht geſchehen, damit alsdann alle Jahre des Genuſſes in An⸗ ſchlag kommen können. Das Richteramt kann indeſſen erlauben, daß vorlaͤu⸗ ſig der Pachter einen dem erlittenen Schaden angemeſſe⸗ nen Theil des Pachtzinſes zuruͤckhalten ſolle. 1770. Wenn die Pacht bloß fuͤr ein Jahr geſchloſ⸗ ſen iſt, und entweder alle Fruͤchte, oder wenigſtens die Haͤlfte davon, zu Grunde gegangen ſind: ſo iſt der Pach⸗ ter zu einem verhaͤltnißmäßigen Nachlaß am Pachtzinſe berechtigt. Er kann aber gar keinen Nachlaß fordern, wenn der Verluſt weniger als die Hälfte beträgt. 1771. Auch dann hat er auf Nachlaß keinen An⸗ ſpruch, wenn die Beſchaͤdigung an den Fruͤchten eintrifft, — 385— nachdem ſie von der Erde getrennt ſind, es ſey denn, daß zufolge des Pachtvertrags der Eigenthuͤmer einen gewiſſen, nur im Verhaͤltniſſe gegen das Ganze beſtimmten Antheil von der Erndte in Natur erhalte*); in welchem Falle der Eigenthümer ebenfalls ſeinen Theil am Verluſt tragen muß, vorausgeſetzt ubrigens, daß der Pachter nicht im Verzug war, ihm ſeinen Antheil an der Erndte abzuliefern. Ferner kann der Pachter keinen Nachlaß verlangen, wenn die Urſache des Schadens ſchon zur Zeit des ge⸗ ſchloſſenen Pachtcontraktes vorhanden und bekannt war. 1772. Durch eine ausdrückliche Verabredung kann der Pachter jeden ungefähren Zufall uͤber ſich nehmen. 1773. Eine ſolche Verabredung iſt aber alsdann nur von gewohnlichen Zufaͤllen zu verſtehen, wie vom Hagel, Blitz, Froſt oder Abfallen der Trauben⸗ Dagegen ſind nicht darunter zu verſtehenalle unge⸗ woͤhnliche ungefähre Zufälle, wie Kriegsverheerungen, Ueberſchwemmungen, denen das Land gewoͤhnlich nicht un⸗ terworfen iſt, es ſey denn, daß der Pachter alle vorgeſe⸗ hene ſowohl, als unvorgeſehene ungefaͤhre Zufaͤlle uber⸗ nommen habe⸗ 1774. So viel die Dauer einer nicht ſchriftlich ge⸗ machten Pacht eines Landgutes betrifft, ſo wird vermu— thet, daß ſie die ganze Zeit hindurch dauern ſolle, die noͤ⸗ thig iſt, damit der Pachter alle Fruͤchte des verpachteten Gutes genießen koͤnne. So iſt der Regel nach die Pachtung einer Wieſe, eines Weinberges, und jedes andern Grundſtuͤckes, wovon die Fruͤchte ganz im Laufe eines Jahres eingeerndtet wer⸗ den, als auf ein Jahr geſchehen zu betrachten. Und iſt von verpachtetem Ackerland die Rede, das in gewiſſe Felder getheilt iſt: ſo wird die Pacht als auf ſo viel Jahre eingegangen angeſehen, als dergleichen Fel⸗ der ſind⸗ 1775. Pachtungen von Ackerland, obſchon ſie nicht ſchriftlich ſind, endigen von ſelbſt beim Ablauf der Zeit, worauf ſie dem vorhergehenden Artikel gemaͤß als geſchloſ⸗ ſen betrachtet werden. *) 3. Be eine Hälfte, ein Drittel, Viertel u. ſ. w. ————r—— ——————— 6 — 356— 1776., Wenn beim Ablauf ſchriftlicher Pachtungen von Landgutern der Pachter im Beſitze bleibt und gelaſſen wird: ſo entſteht eine neue Pacht, deren Wirkung ſich nach dem Artikel 1774 regulirt. 1777. Der abgehende Pachter iſt gehalten, ſeinem Nachfolger in der Landwirthſchaft die gehoͤrigen Gebaude und jede ſonſtige Bequemlichkeit für die Arbeiten des fol⸗ genden Jahres zu laſſen, und wechſelſeitig muß der ein⸗ tretende Pachter dem abgehenden Pachter die gehoͤrigen Gebaͤude und jede ſonſtige Bequemlichkeit verſchaffen, de⸗ ren er zur Verbringung ſeines Futters und fuͤr die noch einzunehmende Erndte bedarf. In einem wie in dem andern Falle hat man ſich hier⸗ in nach dem Ortsgebrauch zu richten. 1778. Auch muß der abgehende Pachter das Stroh und den Duͤnger vom letzten Jahre laſſen, wenn er ſolches ebenfalls bei ſeinem Antritte gefunden hat. Aber wenn er ſolches auch nicht bei ſeinem Antritte gefunden hat: ſo iſt dennoch der Eigenthuͤmer berechtigt, es nach der Schaͤtzung zuruͤck zu halten. Drittes Capitell. Vom Miethvertrage einer Dienſtleiſtung. Art. 1779. Dieſer Miethvertrag begreift unter ſich hauptſaͤchlich drei Arten: lſtens, die Miethe von Arbeitsleuten, die bei jemand in Dienſt treten; atens, die Miethe der Fuhrleute, ſowohl zu Waſſer als zu Lande, die ſich mit Uebermachung von Per⸗ ſonen und Waaren abgeben; Ztens, die Miethe von Werksunternehmern durch ver⸗ abredete Ueberſchläge*. *) Par suite de dévis ou marchés. Ein ſolcher neberſchlag iſt nichts anders, als ein Handel, welcher die Clauſeln und Bedingungen enthält, woruͤber der Eigenthuͤmer und Unter⸗ nehmer uͤbereingekommen ſind, um irgend ein Werk zu errich⸗ ten oder auszubeſſern. Ein ſolcher Handel, wobei gewoͤhnlich Plan und ueberſchlag der Koſten find, enthaͤlt ausfuͤhrlich, —————————————————— Erſter Abſchnitt. Von der Miethe der Hausbedienten und gedungenen Arbeiter. Art. 1780. Man kann ſeine Dienſte nur auf eine Zeit, oder fuͤr eine beſtimmte Unternehmung verdingen. 1781. Dem Herrn muß auf ſein Wort geglaubt werden, ſo oft es ankoͤmmt, auf den Betrag des Lohns; auf Bezahlung der Miethe fuͤr das verlaufene Jahr; und auf die auf das laufende Jahr abſchlaͤglich ge⸗ machten Zahlungen. 8 weiter Abſchnitt. Von den Fuhrleuten zu Waſſer und zu Lande. Art. 1782. Fuhrleute zu Waſſer und zu Lande ha⸗ ben, was die Bewahrung und Erhaltung der ihnen an⸗ vertrauten Sachen betrifft, die naͤmlichen Verbindlichkeiten, wie die Wirthe, wovon im Titel von dem Verwah⸗ rungsvertrage und dem Sequeſter(Art. 1915 u. f.) die Rede iſt. 1783. Sie haften nicht nur für das, was ſie wirk⸗ lich in ihr Schiff oder Fuhrwerk aufgenommen haben, ſon⸗ dern auch füͤr das, wäs ihnen im Hafen oder Magazin uͤbergeben worden iſt, damit es daraus in ihre Schiffe oder auf ihre Fuhren gebracht werde. 1784. Sie haften fuͤr den Verluſt und die Beſchä⸗ digungen der ihnen anvertrauten Sachen, wenn ſie nicht darthun, daß der Verluſt oder die Beſchaͤdigung von ei— nem ungefähren Zufall oder einer hoͤhern Gewalt herruͤhrt. 1785. Alle Unternehmer oͤffentlicher Fuhren zu Waſ⸗ ſer und zu Lande muͤſſen ein Regiſter halten, worin ſie alles ihnen übergebene Geld, Effekten und Pakete verzeichnen. 1786. Ueberdies ſind alle Unternehmer und Direkto⸗ ren von Fuhren und Transporten, ſo wie die Eigenthuͤ⸗ wie das Werk eingerichtet und geordnet werden ſolle, welche Materialien man dazu brauchen muͤſſe, ihren Werth, Betrag, Koſten u. ſ. w. 25* — mer von Kähnen und Schiffen, noch beſondern Verordnun⸗ gen unterworfen, die unter ihnen und den andern Buͤrgern an Geſetzes Statt ſind. Dritter Ab ſchnitt. Von verabredeten ueberſchlagen. Art. 1787. Bei jeder Bedingung irgend eines Wer⸗ kes kann die Verabredung entweder dahin getroffen wer⸗ den, daß der Unternehmer ſeine Arbeit und ſeinen Kunſt⸗ fleiß allein hergeben, oder auch dahin, daß er zugleich das Material liefern ſoll. 1788. Liefert der Werksmann das Material, und die Sache geht vor der Ablieferung zu Grunde, es geſche⸗ he dies nun auf was immer fuͤr Art: ſo traͤgt der Werks⸗ mann allein den Verluſt, es ſey denn, daß der Herr in Verzug oder ſaͤumig iſt, die Sache zu uͤbernehmen. 1789. Gibt aber der Werksmann bloß ſeine Arbeit oder ſeinen Kunſtfleiß her, und die Sache geht zu Grunde: ſo haftet derſelbe allein fuͤr ſein Verſehen. 1790. Geht in dem Falle des vorhergehenden Arti⸗ kels die Sache zu Grunde, obſchon ohne irgend ein Ver⸗ ſehen des Werksmanns, vor der Uebernehmung des Werkes, und ohne daß der Herr oder Beſteller in Verzug war, es beſichtigen zu laſſen: ſo kann der Werkmeiſter keinen Lohn fordern, wenn nicht die Sache durch einen Fehler des Materials zu Grunde gegangen iſt. 1791. Iſt die Rede von einer Arbeit, die ſtuͤckweiſe oder nach ſonſt einem Maaße, geliefert werden ſoll: ſo kann die Beſichtigung oder das Nachſehen, oder die An⸗ nahme ebenfalls ſtuͤckweiſe geſchehen; und ſie wird als in Ruͤckſicht aller bezahlten Stuͤcke geſchehen geachtet, wenn der Beſteller den Werkmeiſter nach Verhältniß der gelie⸗ ferten Arbeit bezahlt. 1792. Geht ein Gebaͤude, das für einen einmal re⸗ gulirten Preis errichtet worden, ganz oder zum Theil zu Grunde, und liegt in dieſem Falle der Fehler an der Bau⸗ art, oder auch ſelbſt an dem Boden: ſo haften Baumei⸗ ſter und Unternehmer dafuͤr zehn Jahre hindurch. 360— 1793. In allen Fällen, wo ein Baumeiſter oder Un⸗ ternehmer einen Bau in Bauſch und Bogen, nach einem mit dem Eigenthuͤmer des Bodens feſtgeſetzten und verab⸗ redeten Plane, uͤbernommen hat, kann derſelbe keine Er⸗ hoͤhung des ausbedungenen Preiſes fordern, und dies we⸗ der unter dem Vorwande, daß der Taglohn oder die Ma⸗ terialien geſtiegen, noch unter dem Vorwande, daß man an dem Plane Veraͤnderungen oder Erweiterungen vorge⸗ nommen habe, wenn nicht dergleichen vorgeſchuͤtzte Veran⸗ derungen und Erweiterungen ſchriftlich bewilligt, und der Preis dafür mit dem Eigenthuͤmer verabredet worden. 1794. Es ſteht dem Eigenthuͤmer frei, von einem ſolchen Handel in Bauſch und Bogen, wenn er will, und von ſeiner Seite allein, abzugehen, obgleich das Werk ſchon angefangen worden; nur muß er in dieſem Falle dem Unternehmer alle ſeine Auslagen erſtatten, und ihn fuͤr ſeine Arbeit, und fuͤr alles, was er bei der Unterneh— mung haͤtte gewinnen koͤnnen, entſchaͤdigen. 1795. Der Miethcontrakt einer ſolchen Dienſtleiſtung wird aufgeloͤſt oder zerfaͤllt durch den Tod des Werkmei⸗ ſters, des Baumeiſters oder Unternehmers. 1796. Aber der Beſteller iſt gehalten, ihren Erben den Werth der geſchehenen Arbeit und der zubereiteten Materialien zu bezahlen, und zwar nach Verhaͤltniß des im Contrakt verabredeten Preiſes. Jedoch iſt er auch hie⸗ zu nur in ſo weit gehalten, als ihm ſolche Arbeiten und Materialien nuͤtzlich ſeyn koͤnnen. 1797. Der Unternehmer haftet fuͤr die Perſonen, die er anſtellt. 1798. Maurer, Zimmerleute und ſonſtige Handwer⸗ ker, die bei Auffuͤhrung eines unternehmungsweiſe gemach⸗ ten Gebaͤudes oder ſonſtigen Werkes angeſtellt waren, ha⸗ ben gegen den Beſteller keine Klage, als bis auf den Be⸗ trag deſſen, was er im Augenblicke, wo ſie ihre Klage an⸗ heben, dem Unternehmer etwa noch ſchuldig iſt. 1799. Maurer, Zimmerleute, Schloſſer und andere Handwerker, wenn ſie fuͤr ſich, und unabhaͤngig von ei— nem Unternehmer, Arbeiten fuͤr einen regulirten Preis uͤbernehmen, ſind in ihrem Fache als Unternehmer anzuſe⸗ hen, und als ſolche den Vorſchriften des gegenwaͤrtigen Abſchnittes unterworfen. * — 390— Vierties Ca pit el⸗ Von der Viehpacht. E ſt 6 ſ Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 1800. Die Viehpacht*) iſt ein Vertrag, wo⸗ durch ein Theil dem andern einen gewiſſen Viehſtand uͤber⸗ gibt, um ihn zu bewahren, ihn zu naͤhren und zu verpfle⸗ gen, unter den verabredeten Bedingungen. 1801. Es gibt mehrere Arten der Viehpacht: nämlich die ſimple oder gewoͤhnliche Viehpacht, die Viehpacht zur Haͤlfte, die Viehpacht, auf den Pachter oder Halbbauer beſtellt, es gibt noch eine vierte Art Verträge, die uneigent⸗ lich Viehpacht genannt wird. 1802. Man kann in Viehpacht alle Arten von Vieh geben, das ſich anzieht, oder der Landwirthſchaft oder dem Handel Nutzen gewaͤhren kann. 1803. Beim Abgang beſonderer Verabredungen daruͤ⸗ ber, ſind auf dieſe Contrakte folgende Grundſätze anzu⸗ wenden. Ab ſchnitt. Von der ſimpeln Viehpacht. Art. 1804. Die ſimple Viehpacht iſt ein Vertrag, wodurch jemand einem andern einen Viehſtand uͤbergibt, um ihn zu bewahren, zu naͤhren und zu verpflegen, unter dem Beding, daß der Uebernehmer die Haͤlfte des Anzu⸗ ges gewinne, und dagegen den halben Verluſt trage. 1805. Wird in dem Vertrage der Viehſtand geſchaͤtzt: ſo erlangt darum der Pachter kein Eigenthum daran. Ei⸗ ne ſolche Schaͤtzung geſchieht bloß darum, damit man beim Ablauf der Pacht den Verluſt oder Gewinn beſtimmen könne. *) Bail à Chaptel. 1806. Der Pachter muß fuͤr die Erhaltung des uͤber⸗ nommenen Viehſtandes Sorge tragen wie ein guter Haus⸗ vater. 1807. Er haftet fuͤr ungefaͤhre Zufaͤlle nur dann, wenn von ſeiner Seite irgend ein Verſehen vorhergegan⸗ gen iſt, ohne welches der Verluſt nicht entſtanden wäre. 1808. Entſteht Zweifel daruͤber: ſo muß der Pach⸗ ter den ungefaͤhren Zufall beweiſen, ſo wie der Verpachter das Verſehen beweiſen muß, das er dem Pachter Schuld gibt. 1809. Findet ſich der Pachter in Gefolg eines un⸗ gefaͤhren Zufalls auſſer Verantwortlichkeit: ſo muß er ſich dennoch uͤber die Haͤute berechnen. 1810. Geht der Viehſtand ganz und ohne Verſchul⸗ den des Pachters zu Grunde: ſo traͤgt der Verpachter den Verluſt. Geht aber nur ein Theil davon zu Grunde: ſo muß der Verluſt gemeinſchaftlich getragen werden, und zwar nach Maßgabe des Preiſes der urſpruͤnglichen Schaͤtzung, und nach dem Preiſe der Schaͤtzung beim Ablauf der Pacht. 1811. Es iſt ausdruͤcklich verboten, bei der Viepacht auszubedingen, daß der Pachter den ganzen Verluſt des Viehſtandes tragen ſolle, obſchon er eine Folge eines ungefaͤh⸗ ren Zufalls und keineswegs ſeines Verſehens waͤre, oder, daß er in dem Verluſte einen ſtaͤrkern Antheil tragen ſolle, als im Gewinn, oder, daß der Pachter berechtigt ſeyn ſolle, bei Ab⸗ lauf der Pacht etwas mehr vorab zu nehmen, als den Viehſtand, den er hergegeben hat. Jede ähnliche Verabredung iſt nichtig. Milch, Duͤnger und Dienſte des Viehſtandes kommen dem Pachter allein zu gute. Die Wolle und der Anzug werden getheilt. 1812. Ohne Bewilligung des Verpachters kann der Pachter uͤber kein Stuͤck der Heerde verfuͤgen, es gehoͤre nun zum Stamme, oder zum Anzuge. Eben ſo wenig kann der Verpachter daruͤber ohne Bewilligung des Pach⸗ ters verfuͤgen. 1813. In dem Falle, wo ein Viehſtand dem Pach⸗ ter eines Andern in Pacht gegeben wird, muß die Pacht dem Eigenthuͤmer, wovon er gepachtet hat, gehoͤrig kund gemacht werden. Geſchieht dies nicht: ſo kann der Eigen⸗ thuͤmer einen ſolchen Viehſtand angreifen und verkaufen laſſen, um ſich daraus fuͤr das bezahlt zu machen, was ihm ſein Pachter ſchuldig iſt. 1814. Der Pachter eines Viehſtandes kann nicht ſcheeren, ohne es dem Verpachter angezeigt zu haben. 1815. Iſt in dem Vertrage nichts uͤber die Dauer der Viehpacht ausgemacht: ſo iſt ſie als auf drei Jahre geſchloſſen anzuſehen. 1816. Es ſteht aber dem Verpachter frei, die Auf⸗ hebung derſelben fruͤher zu fordern, wenn der Pachter ſei⸗ ne Verbindlichkeiten nicht erfuͤllt. 1817. Bei Beendigung der Pacht, oder bei ihrer Aufloͤſung wird der Viehſtand aufs neue geſchaͤtzt. Der Verpachter kann Stuͤcke jeder Art bis zum Be⸗ trag der beim Antritt gemachten Schätzung vorabnehmen; der Ueberſchuß wird getheilt. Sind nicht ſo viel Stuͤcke vorhanden, als ihrer nach der erſten Schaͤtzung ſeyn muͤſſen: ſo nimmt der Verpach⸗ ter was uͤbrig iſt, und beide Theile berechnen ſich uͤber den Verluſt. Dritter Abſchnitt. Bon der Viehpacht zur Haͤlfte. Art. 1818. Viehpacht zur Hälfte iſt eine Geſellſchaft, worin jeder contrahirende Theil die Haͤlfte des Viehes hergibt, das alsdann in Hinſicht auf Verluſt und Gewinn gemeinſchaftlich bleibt. 1819. Wie bei der ſimpeln Viehpacht, ſo kommen auch hier Milch, Duͤnger und Dienſte dem Annehmer oder Pachter allein zu Gute. Der Verpachter iſt zu weiter nichts berechtigt, als zur Haͤlfte der Wolle und des Anzuges. ——————————————— — Jede Verabredung, worin anders verfuͤgt wird, iſt nichtig; es ſey denn, daß der Verpachter Eigenthuͤmer der Meierei waͤre, worauf ſein Mitcontrahent Pachter oder Halbbauer iſt. 1820. Alle andern Regeln der ſimpeln Viehpacht ſind auch auf die Viehpacht zur Haͤlfte anzuwenden. ei Von der vom Eigenthuͤmer auf ſeinen Pachter oder Halbbauer beſtellten Viehpacht. F. I. Von der dem Pachter oder Meier beſtellten Viehpacht. Art. 1821. Man verſteht unter dieſer Viehpacht, die man auch eiſerne Viehpacht nennt*, eine Pacht, wodurch der Eigenthuͤmer jemanden ſeine Meierei verpach⸗ tet, unter dem Beding, daß der Meier oder Pachter, bei Ablauf der Pachtzeit, auf dem Gute ſo viel Vieh laſſen ſoll, als nach der desfalls gemachten Schaͤtzung dasjenige werth iſt, das er bekommen hat. 1822. Die Schätzung des Viehſtandes, der ⸗dem Pachter gegeben wird, uͤbertraͤgt ihm das Eigenthum dar⸗ an nicht; jedoch kommt er dadurch auf ſeine Gefahr. 1823. Aller Gewinn und Nutzen gehoͤrt waͤhrend der Pachtzeit dem Pachter, wenn nicht ein Anderes ver⸗ abredet iſt. 1824. Der Duͤnger aber von einem, dem Meier ge⸗ gebenen Viehſtande kommt dieſem nicht perſoͤnlich zu, ſon⸗ dern er gehoͤrt der Meierei, und muß zu ihrer Benutzung einzig verwendet werden. 1825. In Ermanglung einer anderweitigen Verab⸗ redung fallt der Verluſt, ſelbſt wenn der Viehſtand ganz und durch ungefähren Zufall zu Grunde geht, auf den Pachter allein. *) Weil der darunter gehoͤrige Viehſtand, ſo zu ſagen, an das Bauerngut, worauf man ihn gegeben, gefeſſelt iſt. —————— — — ⸗ — 1826. Bei geendigter Pacht ſteht es dem Pachter nicht frei, den Viehſtand zu behalten, und den Preis der urſpruͤnglichen Schaͤtzung zu entrichten; ſondern er muß nothwendig einen Viehſtand zuruͤcklaſſen, der eben ſo viel werth iſt, als derjenige, den er anfangs uͤbernommen hat. Ergibt ſich ein Abgang: ſo muß er ihn bezahlen, und nur der Ueberſchuß gehoͤrt ihm. §. LI. Von der dem Halbbauer beſtellten Viehpacht. Art. 1827. Kommt der Viehſtand ganz um, ohne Verſchulden des Halbbauers: ſo faͤllt der Schaden auf den Verpachter. 1828. Man kann bei dieſer Pacht ausbedingen, vaß der Pachter dem Verpachter ſeinen Antheil an der Wolle zu einem geringern Preiſe uͤberlaſſen ſolle, als der gewoͤhnli⸗ che iſt; daß der Verpachter einen ſtaͤrkern Antheil am Ge⸗ winn haben, daß er die Haͤlfte der Milch haben ſolle. Die Ver⸗ abredung hingegen, daß der Halbbauer allen Ver⸗ luſt allein tragen ſoll, iſt nicht erlaubt. 1829. Dieſe Viehpacht hoͤrt zugleich mit der Guts⸗ pacht auf. 1830. Uebrigens iſt ſie allen Regeln der ſimpeln Viehpacht unterworfen. Fuͤnfter Abſchnitt. Von der uneigentlich alſo genannten Viehpacht. Art. 1831. Wer jemanden eine oder mehrere Kuͤhe gibt, um ſie in ſeinen Stall aufzunehmen und zu naͤhren, be⸗ haͤlt das Eigenthum, und hat weiter keinen Nutzen davon, als die Kaͤlber. — 395— Nen matſor Ditel. Von dem Geſellſchaftsvertrage„. Erſtes Capitel. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 1832. Die Geſellſchaft iſt ein Vertrag, wodurch zwei oder mehrere Perſonen ſich vereinigen, jeder von ſeiner Seite etwas gemeinſchaftlich zu machen, in der Abſicht, den Vortheil, der daraus entſtehen kann, zu theilen. 1833. Jede Geſellſchaft muß einen erlaubten Zweck haben, und zum gemeinſchaftlichen Nutzen der Theile ge⸗ ſchloſſen ſeyn. Jeder Theilnehmer daran muß entweder ſein Geld, oder ſonſtiges Vermoͤgen, oder ſeine Betriebſamkeit dazu beiſchießen. 1834. Alle Geſellſchaftsvertraͤge muͤſſen ſchriftlich abgefaßt werden, ſo oft ihr Gegenſtand den Werth von hundert fuͤnfzig Franken uͤberſteigt. Um etwas zu beweiſen, was gegen den Inhalt des Geſellſchaftsvertrags iſt, oder einen Zuſatz dazu enthaͤlt, oder was vor dem Vertrage, bei oder nach demſelben, ſoll geſagt worden ſeyn, ſind keine Zeugen zulaͤſſig, ſelbſt dann nicht, wenn es auf einen geringern Betrag oder Werth ankommt, als hundert fuͤnfzig Franken. 3 we CGpitel. Von den verſchiedenen Arten der Ge⸗ ſellſchaften. Art. 1835. Die Geſellſchaften ſind entweder allge⸗ meine oder beſondere Geſellſchaften. ) Geſetz vom 17. Ventoſe 12. Jahrs,(S. Maͤrz 1804). Pro— mulgigirt den 27.(18. Maͤrz 1804). ———————— — 396— Erſter Abſchnitt. Von allgemeinen Geſellſchaften. Art. 1836. Man unterſcheidet zwei Arten von all⸗ gemeinen Geſellſchaften, die Geſellſchaft alles gegenwärti⸗ gen Vermoͤgens, und die allgemeine Geſellſchaft des Ge⸗ winnes. 1837. Unter Geſellſchaft alles gegenwaͤrti⸗ gen Vermoͤgens verſteht man jene Geſellſchaft, wo die Contrahenten beiderſeitig ihre ganze bewegliche und unbe⸗ wegliche Habe, die ſie gegenwaͤrtig beſitzen, und den dar⸗ aus zu hoffenden Gewinn, zuſammen tragen. Es ſteht ihnen frei, auch noch jede andere Art von Gewinn darunter zu ſetzen. Die Guͤter hingegen, die ih⸗ nen etwa durch Erbfolge, Schenkung oder Vermaͤchtniß anfallen, gehoͤren zu dieſer Geſellſchaft nur in Anſehung der Nutzung; Verabredungen, deren Zweck es waͤre, ſolche Guter auch dem Eigenthume nach in die Geſellſchaft zu bringen, ſind verboten, ausgenommen unter Eheleuten, die ſich in dieſer Hinſicht nach den geſetzlichen Vorſchriften zu fuͤgen haben. 1838. Unter der allgemeinen Geſellſchaft des Gewinnes iſt alles begriffen, was die Theile waͤhrend der Geſellſchaft durch ihre Betriebſamkeit erwerben wer⸗ den, es geſchehe dies unter welchem Titel es wolle. Auch ſind darunter alle beweglichen Guͤter begriffen, die jeder Geſellſchafter beim Anfang derſelben beſitzt. Von ihren unbeweglichen perſoͤnlichen Guͤtern gehoͤrt aber nur die Nutzung darunter. 1839. Hat man bloß eine allgemeine Geſellſchaft verabredet, ohne die Art derſelben weiter zu erklären: ſo iſt ſie nur als eine allgemeine Geſellſchaft des Gewinnes anzuſehen. 1840. Allgemeine Geſellſchaften von jeder Art koͤn⸗ nen nur geſchloſſen werden von Perſonen, die die gegen⸗ ſeitige Faͤhigkeit haben, einander zu gehen, oder von ein⸗ ander anzunehmen, und denen nicht verboten iſt, ſich zum Nachtheil anderer Perſonen zu begünſtigen. — 397— 3 weiter Abſchnitt. Von der beſondern Geſellſchaft. Art. 1841. Beſondere Geſellſchaften beſchraͤnken ſich auf gewiſſe beſtimmte Sachen, auf ihren Gebrauch, oder auf die davon zu hoffenden Fruͤchte. 1842. Der Vertrag, wodurch ſich mehrere Perſonen vereinigen, entweder zu einer beſtimmten Unternehmung, oder zur Ausuͤbung irgend eines Handwerks oder Betriebs, iſt auch eine beſondere Geſellſchaft. Dt 5 itel. Von den Verbindlichkeiten der Geſellſchafts⸗ glieder unter ſich, und in Ruͤckſicht auf jeden Dritten. Stſt Von den Verbindlichkeiten der Geſellſchaftsglieder unter ſich. Art. 1843. Die Geſellſchaft faͤngt in dem Augen⸗ blicke des Vertrages an, wenn keinen andern Zeit⸗ punkt beſtimmt. 1844. Wenn uͤber die Dauer der Geſellſchaft nichts verabredet worden iſt: ſo wird vermuthet, daß ſie auf das ganze Leben der Geſellſchafter geſchloſſen ſey, in wel⸗ chem Falle die Einſchraͤnkung des Art. 1869 eintritt. Hat ſie aber ein Geſchaͤft zum Gegenſtand, deſſen Dauer beſchraͤnkt— oder begraͤnzt iſt: wird vermuthet, daß ſie fuͤr die gan⸗ ze Dauer dieſes Geſchaͤfts geſchloſſen ſey. 1845. Jedes Geſellſchaftsglied iſt der Geſellſchaft fuͤr alles verpflichtet, was es einzubringen oder beizutra⸗ gen verſprochen hat. Beſteht das Eingebrachte in einem beſtimmten Koͤrper, und verliert die Geſellſchaft es durch Eviction? ſo haftet das einbringende Mitglied der Geſellſchaft eben ſo dafuͤr, wie der Verkaͤufer ſeinem Feein haftet. ————ꝛ—— 1846. Ein Mitglied, das eine Summe in die Ge⸗ ſellſchaft bringen mußte, und es nicht gethan hat, iſt von Rechtswegen, und ohne daß es dazu einer Aufforderung oder Klage beduͤrfe, zur Zahlung der Zinſen dieſer Sum⸗ me verpflichtet, und zwar von dem Tage an, wo ſie be⸗ zahlt werden mußte. Die naͤmliche Verbindlichkeit hat es in Anſehung der Summen, die es aus der Geſellſchaftskaſſe genommen hat, von dem Tage an, wo es jene Summe fuͤr ſeine eigene Rechnung daraus genommen hat. Nach Befinden hat in dieſen Faͤllen noch eine ander⸗ weitige Schadloshaltung Statt. 1847. In dem Falle, wo irgend ein Geſellſchafts⸗ glied ſeinen Kunſtfleiß oder ſeine Betriebſamkeit einzubrin⸗ gen ſich anheiſchig gemacht hat, iſt daſſelbe der Geſellſchaft fuͤr allen Gewinn verantwortlich, den es dadurch erzielt hat. 1848. Wenn ein Geſellſchaftsglied fuͤr ſeine eigene Rechnung eine faͤllige Summe an jemanden zu fordern hat, der auch der Geſellſchaft eine fällige Summe ſchuldig iſt, und wenn dieſes Geſellſchaftsglied in einem ſolchen Falle etwas von dieſem Schuldner erhaͤlt: ſo wird die alſo empfangene Summe nicht auf ſeine Forderung allein gutgeſchrieben und aufgerechnet, ſondern zugleich auf die Forderung der Geſellſchaft, und zwar auf beide im Ver⸗ hältniß zu ihrem Betrage, obſchon die Quittung, die es gegeben, dahin lautet, daß es die Zahlung ganz auf ſeine eigene Forderung gutgeſchrieben habe. Wenn aber die Quittung enthaͤlt, daß die Zahlung ganz auf die Forde⸗ rung der Geſellſchaft gutgeſchrieben ſey: ſo hat es dabei ſein Bewenden. 1840. Hat ein Geſellſchaftsglied ſeinen Antheil an einer ſolchen gemeinſchaftlichen Forderung ganz erhalten, und der Schuldner wird nachher zahlungsunvermogend: ſo muß er das Empfangene zur Geſellſchaftsmaſſe einwer⸗ fen, wenn auch die Quittung den Ausdruck beſonders ent⸗ haͤlt: fuͤr ſeinen Antheil. 1850. Jeder Geſellſchafter haftet der Geſellſchaft für allen Schaden, den er ihr durch ſein Verſehen verurſacht hat, und er iſt nicht berechtigt, gegen ſolchen Schaden die allenfallſigen Vortheile in Gegenrechnung zu bringen, die — ihr bei Gelegenheit anderer Geſchaͤfte aus ſeiner Betrieb⸗ ſamkeit zugefloſſen ſind. 1851. Sind die Gegenſtaͤnde, die zwar in die Ge⸗ ſellſchaft gefallen ſind, aber bloß dem Genuſſe nach, ge⸗ wiſſe und beſtimmte Köͤrper, die ſich durch den Gebrauch nicht verbrauchen: ſo haftet fuͤr ihre Gefahr der Geſell⸗ ſchafter, dem das Eigenthum daran zuſteht. Wenn aber dergleichen Gegenſtaͤnde von der Art ſind, daß ſie ſich verbrauchen, wenn ſie bei der Verwahrung ſchlechter werden, wenn ſie zum Verkauf beſtimmt worden ſind, oder wenn ſie in die Geſellſchaft gekommen ſind mit beigefuͤgter Schätzung in einem Inventarium: ſo ſind ſie auf Gefahr der Geſellſchaft. Iſt der Gegenſtand geſchaätzt worden: ſo kann der Geſellſchafter, der ihn eingebracht, nichts weiter zuruͤck for⸗ dern, als den Betrag der Schaͤtzung. 1852. Jeder Mitgenoſſe der Geſellſchaft hat eine Klage gegen dieſelbe, nicht allein wegen der Summen, die er fuͤr ſie ausgelegt hat, ſondern auch wegen der Ver⸗ bindlichkeiten, die er in Geſchaͤften der Geſellſchaft redli— cher Weiſe uͤbernommen hat, und wegen der Gefahr, die von ſeiner Geſchaͤftsfuͤhrung unzertrennlich war. 1853. Beſtimmt der Vertrag ſelbſt nicht den Theil eines jeden Geſellſchaftsgliedes im Gewinn und Verluſt: ſo wird er nach Verhaltniß deſſen regulirt, was jedes Glied in die gemeinſchaftliche Maſſe eingebracht hat. Und was den Antheil desjenigen an Gewinn und Verluſt betrifft, der nichts als ſeine Betriebſamkeit einge⸗ bracht hat: ſo iſt er in einem ſolchen Falle der naͤmliche, wie der Antheil desjenigen, der an baarem Vermögen das Wenigſte eingebracht hat. 1854. Haben ſich die Geſellſchaftsglieder dahin ver— einigt, daß ſie es, um den Theil eines jeden zu reguliren, auf einen unter ſich ſelbſt, oder auf einen Dritten, wollen ankommen laſſen: ſo kann eine ſo geſchehene Regulirung nicht angefochten werden, wenn ſie nicht offenbar gegen alle Billigkeit ſtreitet. Wer aber aus dieſem Grunde Beſchwerde führen will, muß es in drei Mouaten längſtens thun von dem Augen⸗ —+ ——— — 400— blicke an zu rechnen, wo dem angeblich verletzten Theile jene Regulirung bekannt geworden. Nachher wird er wei⸗ ter nicht angehört. Auch dann wird er nicht mehr ange⸗ hoͤrt, wenn er bereits von ſeiner Seite angefangen hat, die Regulirung zu vollziehen. 1855. Der Vertrag iſt nichtig, wenn er einem Geſellſchaftsgliede den ganzen Gewinn gibt. Eben ſo nichtig waͤre eine Verabredung, die dahin zielte, Summen oder Effekten, welche ein oder mehrere Glieder in die Geſellſchaftsmaſſe gebracht, von allem Bei⸗ trag zum Verluſte zu befreien.. 1856. Iſt einem Mitgliede durch eine beſondere Ver⸗ abredung beim Geſellſchaftscontrakte die Verwaltung auf⸗ getragen: ſo kann daſſelbe ungeachtet des Widerſpruchs anderer Glieder, alle Handlungen vornehmen, die zu ſei⸗ ner Geſchaͤftsfuͤhrung gehoͤren; nur muß er dabei redlich und ohne Betrug zu Werke gehen. So lange die Geſellſchaft beſteht, kann ein ſolcher Auftrag nicht ohne eine rechtmäßige Urſache zuruͤckgenom⸗ men werden. Anders verhaͤlt es ſich indeſſen, wenn ein ſolcher Auftrag in einer Verabredung gegeben worden, die ſpaͤter als der Geſellſchaftscontrakt iſt; in dieſem Falle kann er widerrufen werden, wie ein ſimpler Auftrag, oder wie ein ſimples Mandat. 1857. Sind mehrere Geſellſchaftsglieder mit der Ge⸗ ſchaͤftsfuhrung beauftragt, ohne daß die Art ihrer Verrich⸗ tungen beſtimmt, oder ohne daß dabei ausgedruͤckt worden, daß einer nicht ohne den andern handeln koͤnne: ſo koͤn⸗ nen ſie, jeder insbeſondere, alle Handlungen dieſer Ge⸗ ſchäftsfuͤhrung vornehmen. 1858. Lautet die Verabredung dahin, daß einer von den Geſchaͤftsfuͤhrern nichts ohne den andern thun ſolle: ſo kann einer fuͤr ſich allein, ohne eine neue Verabredung, nicht in Abweſenheit des andern handeln, auch dann nicht, wenn dieſer Letztere in der wirklichen Unmoͤglichkeit wäͤre, an den Handlungen der Geſchaͤftsfuͤhrung Theil zu nehmen. 1859. Beim Abgang beſonderer Verabredungen über die Art der Verwaltung, ſind folgende Regeln dabei zu beobachten: — 401— lſtens. In der Regel wird vermuthet, daß ſich die Geſellſchaftsgenoſſen gegenſeitig beauftragt ha⸗ ben, einer fuͤr den andern zu verwalten. Was jeder thut, iſt guͤltig, ſelbſt fuͤr den Theil ſeiner Mitgeſellſchafter, obſchon er ihre Einwilligung nicht eingeholt hatte. Letztere, oder auch einer von ihnen, haben aber das Recht, ſich der Hanblung zu widerſetzen, ehe ſie vorgenommen iſt.. 2tens. Jeder Geſellſchaftsgenoſſe kann ſich der Sa⸗ chen bedienen, die der Geſellſchaft gehoͤren; nur muß er ſie zu dem Zwecke gebrauchen, wozu ſie der Gebrauch beſtimmt hat; auch muß er ſich ihrer nicht gegen das Intereſſe der Geſellſchaft bedienen, oder auf irgend ei⸗ ne Art, wodurch ſeine Mitgeſellſchafter ge⸗ hindert werden, ſich derſelben nach ihrem Rechte zu bedienen. 3tens. Jeder Geſellſchaftsgenoſſe iſt berechtigt, die ubrigen Mitglieder anzuhalten, daß ſie mit ihm die Koſten anlegen, die zur Erhaltung der gemeinſchaftlichen Sachen erforderlich ſind. 4tens. Einzelne Mitglieder koͤnnen an den unbeweg⸗ lichen zur Geſellſchaft gehoͤrigen Guͤtern, oh⸗ ne Bewilligung der uͤbrigen, keine Neuerung vornehmen, wenn ſchon behauptet wuͤrde, daß ſie der Geſellſchaft nuͤtzlich wäre. 1860. Ein Mitglied, das nicht Verwalter iſt, kann ſelbſt bewegliche Sachen, die zur Geſellſchaft gehoͤren, nicht veraͤuſſern oder ſonſt beſtricken. 1861. Jedes Mitglied kann, auch ohne Bewilligung der uͤbrigen, ſich mit einer dritten Perſon fuͤr ſeinen Theil in der Geſellſchaft aſſociiren; es kann ſie aber ohne dieſe Bewilligung nicht mit in die Geſellſchaft treten laſſen, ob⸗ ſchon es die Verwaltung derſelben hat. 3 weiter Abſchmitt. Von den Berbindlichkeiten der Geſellſchaftsglieder in Ruͤckſicht auf jeden Dritten. Art. 1862. Mehrere Geſellſchaftsglieder haften nicht ſolidariſch, oder einer fuͤr alle und alle fuͤr einen, fuͤr die 26 —-———— — — 402— Geſellſchaftsſchulden, und ein Mitglied kann die uͤbrigen nicht verbinden, wenn dieſe ihm nicht dazu die Vollmacht gegeben haben. Dieſe Regel gilt bei allen Geſellſchaften, ausgenommen bei Handelsgeſellſchaften. 1863. Alle Geſellſchaftsglieder haften dem Glaͤubi⸗ ger, womit ſie contrahirt haben, jeder fuͤr eine gleiche Summe und fuͤr einen gleichen Theil, ohne Ruͤckſicht, ob der Theil eines von ihnen in der Geſellſchaft geringer iſt, es ſey denn, daß man bei der Verabredung ſelbſt die Ver⸗ bindlichkeit des Letztern auf den Fuß ſeines Antheils re⸗ gulirt habe. 1864. Obſchon bei Unternehmung einer Verbindlich⸗ keit ausgedruͤckt wird, daß ſie fuͤr Rechnung der Geſell⸗ ſchaft ſey: ſo bindet ſie doch nur das contrahirende Mit— glied, und keineswegs die uͤbrigen; ausgenommen, wenn dieſe ihre Vollmacht gegeben haben, oder der Gegenſtand der Verbindlichkeit der Geſellſchaft zum Nutzen gediehen iſt. Wi e Von den verſchiedenen Arten, wie die Ge⸗ ſellſchaft endet. Art. 1865. Die Geſellſchaft nimmt ein Ende iſtens, durch Ablauf der Zeit, worauf ſie geſchloſſen worden, 2tens, durch Erloͤſchung der Sache oder Beendigung des Geſchaͤftes, ztens, durch den natuͤrlichen Tod eines der Geſell⸗ ſchaftsglieder; 4tens, durch den burgerlichen Tod, die Unterſagung⸗ oder den Bankerott eines von ihnen; 5tens, durch die Willenserklärung eines oder mehre⸗ rer, nicht mehr in der Geſellſchaft zu ſeyn. 1866. Die Verlaͤngerung einer Geſellſchaft, die nur eine gewiſſe Zeit dauerte, kann nicht anders bewieſen wer⸗ den, als durch eine neue Schrift, die mit den naͤmlichen Formen bekleidet ſeyn muß, wie der Geſellſchaftsvertrag. — 403— 1867. Wenn einer der Geſellſchaftsgenoſſen ſich an⸗ heiſchig gemacht hat, eine Sache dem Eigenthum nach ein⸗ zubringen, und dieſelbe vor der wirklichen Einbringung zu Grunde gegangen iſt: ſo wird dadurch die Geſellſchaft in Anſehung aller Glieder aufgelöſt. Auch loͤſt ſich die Geſellſchaft in allen Faͤllen durch den Verluſt der Sache auf, wenn ſie bloß der Benutzung nach eingebracht, dem Eigenthume nach aber beim Geſell⸗ ſchaftsgenoſſen geblieben iſt. Geht hingegen eine Sache zu Grunde, wovon das Eigenthum bereits eingebracht war: ſo wird dadurch die Geſellſchaft nicht gebrochen.. 1868. Iſt verabredet worden, daß im Falle, wo ein Mitglied ſtuͤrbe, die Geſellſchaft mit ſeinem Erben beſtehen ſolle, oder, daß ſie bloß unter den uͤberlebenden Gliedern beſtehen ſolle: ſo hat es bei ſolchen Verfuͤgungen ſein Be⸗ wenden. Im zweiten dieſer Faͤlle hat der Erbe des Ver⸗ ſtorbenen kein Recht, als auf Theilung der Geſellſchaft, mit Ruͤckſicht auf die Lage, worin ſie ſich bei dem To⸗ de befindet, und kann auf die fernern Rechte keinen An⸗ ſpruch machen, als in ſo fern ſie eine nothwendige Folge deſſen ſind, was vor dem Tode des Genoſſen geſchehen iſt, den er beerbt. 1869. Nur ſolche Geſellſchaften, deren Dauer unbe⸗ ſchränkt iſt, koͤnnen durch den Willen eines der Theile aufgelöſt werden. Die Auflöſung wird in dieſem Falle durch eine ſaͤmmtlichen Geſellſchaftsgliedern gehoͤrig bekannt gemachte Aufkuͤndigung bewirkt; letztere muß aber redlich ſeyn, und nicht zur Unzeit geſchehen 1870. Die Aufkuͤndigung iſt nicht redlich, wenn der Geſellſchaftsgenoſſe ſie in der Abſicht thut, ſich allein den Vortheil zuzueignen, den ſie ſämmtlich gemeinſchaftlich zie⸗ hen wollten. Sie geſchieht zur Unzeit, wenn die Sachen eine an⸗ dere Geſtalt und Wendung genommen haben, und der Ge⸗ ſellſchaft daran liegt, daß ſie noch nicht aufgeloͤſt werde. 1871. Bei Geſellſchaften auf beſtimmte Zeit, kann ein einzelnes Mitglied ihre Aufloͤſung vor der verabrede⸗ ten Zeit nur in dem Falle fordern, wo es gegruͤndete Ur⸗ ſachen dazu hat, wenn zum Beiſpiel ein anderes Mitglied 26 ſich ſeinen Pflichten entzieht, oder wenn eine anhaltende Schwaͤchlichkeit es untuͤchtig fuͤr die Geſchaͤfte der Geſell⸗ ſchaft macht, oder ſonſt ähnliche Urſachen vorhanden ſind, deren Gewicht und Rechtmaͤßigkeit der Richter zu ermeſſen hat. 1872. In Anſehung der unter Geſellſchaftsgliedern zu machenden Theilungen finden die nämlichen Regeln ihre Anwendung, die fuͤr die Theilung der Erbſchaften, die Form dieſer Theilung, und die Verbindlichkeiten, welche daraus unter den Miterben entſtehen, feſtgeſetzt ſind⸗ Verfuͤgung, die Handelsgeſellſchaften betreffend. Art. 1873. Die Verfuͤgungen des gegenwärtigen Ti⸗ tels ſind auf Handelsgeſellſchaften nur in den Punkten an⸗ wendbar, welche nichts enthalten, was den Geſetzen und Gebraͤuchen des Handels zuwider laͤuft. S e hne e Vom Darlehnsvertrage*. Art. 1874. Es gibt zwei Arten des Darlehns: es begreift nemlich entweder Sachen, die man gebrauchen kann, ohne ſie zu verbrauchen; oder es begreift Sachen, die ſich durch den Gebrauch verbrauchen oder verzehren. Die erſte Art nennt man Darlehn zum Gebrauch, oder Leihvertrag*; die zweite heißt Darlehn zum Verbrauch, An⸗ lehns⸗ oder Darlehnsvertrag, oder bloß Dar⸗ lehn**. *) Geſetz vom 18. Ventoſe 12. J.,(9. März 1805) Prom den 28.(19. März 1804). **) Prét à usage, ou commodat. Prét de consommation, ou simplement prét. ————————— — 405— Er ſte Capit. Von dem Darlehn zum Gebrauch oder dem Leihvertrage. Sſt Von der Natur des Darlehns zum Gebrauch. Art. 1875. Das Darlehn zum Gebrauch oder der Leihvertrag iſt ein Vertrag, wodurch ein Theil dem andern eine Sache uͤbergibt, damit dieſer ſie gebrauche, nach dem Gebrauche aber dem Verleiher zuruͤck gebe. 1876. Dieſes Darlehn iſt weſentlich unentgeltlich. 1877. Der Verleiher bleibt Eigenthuͤmer der ge⸗ liehenen Sache. 1878. Alles, was im gemeinen Verkehr iſt und ſich durch den Gebrauch nicht verzehrt oder verbraucht, kann der Gegenſtand dieſes Vertrages ſeyn. 1879. Verbindlichkeiten, die aus dem Darlehn zum Gebrauch entſtehen, gehen auf die Erben des Verleihers und auf die Erben des Leihers uͤber. Hat aber der Verleiher bei dem Vertrage bloß die Perſon des Leihers in Betracht gezogen: ſo ſind die Er⸗ ben des Letztern nicht die geliehene Sache laͤn⸗ ger zu behalten. 8 W e Wöſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Leihers*). Art. 1880. Der Leiher iſt ſchuldig, fuͤr die Bewah⸗ rung und Erhaltung der geliehenen Sache' wie ein guter Hausvater zu wachen. Er kann ſich ihrer nur zu jenem Gebrauche bedienen, wofuͤr ſie von Natur oder durch den Vertrag beſtimmt iſt; widrigenfalls haftet er, den Umſtän⸗ den nach fuͤr allen Schadenerſatz. 1881. Bedient ſich der Leiher der Sache zu einem andern Gebrauche, oder behaͤlt er ſie laͤnger, als er ſoll⸗ *) Emprunteur, commodataire, des Empfängers; deſſen, der die Sache annimmt. — 406— te: ſo haftet er fuͤr ihren Verluſt, wenn er ſich auch durch ungefaͤhren Zufall ereignete. 1882. Iſt die geliehene Sache durch einen ungefaͤh⸗ ren Zufall zu Grunde gegangen, wovor ſie der Leiher hät⸗ te bewahren koͤnnen, wenn er ſeine eigene gebraucht hätte: ſo haftet er fuͤr den Verluſt. Auch haftet er dafuͤr, wenn er in dem Falle, wo er beide, die ſeinige und die geliehe⸗ ne, nicht erhalten konnte, die ſeinige vorzugsweiſe geret⸗ tet hat. 1883. Iſt die Sache bei der Verleihung geſchatzt worden: ſo traͤgt der Leiher ihren Verluſt, wenn er ſich auch durch ungefaͤhren Zufall ereignet; es ſey denn an⸗ ders verabredet worden. 1884. Verſchlimmert ſich die Sache durch den bloßen Gebrauch, wofuͤr ſie hergeliehen iſt, und ohne irgend ein. Verſehen des Leihers: ſo haftet dieſer fuͤr eine ſolche Ver⸗ ſchlimmerung nicht. 1885. Der Leiher iſt nicht befugt, die geliehene Sa⸗ che in Gegeneinanderaufrechnung zu behalten fuͤr das, was ihm der Verleiher ſchuldig iſt. 1886. Auslagen, die der Leiher gehabt, um ſich der geliehenen Sache bedienen zu koͤnnen, kann er nicht wieder fordern. 1887. Haben mehrere gemeinſchaftlich die nämliche Sache geliehen: ſo haften ſie dem Verleiher dafuͤr ohne Theilung oder ſolidariſch. Sdit n Von den Verbindlichkeiten des Verleihers. 1888. Der Verleiher kann die geliehene Sache erſt nach der verabredeten Zeit wieder nehmen, oder, falls dar⸗ uͤber keine Verabredung vorhanden iſt, erſt nachdem ſie den Gebrauch gewaͤhrt hat, zu welchem ſie iſt geliehen worden. 1889. Wenn indeſſen während der verabredeten Zeit, oder bevor der Leiher ihrer nicht mehr noͤthig hat, der Verleiher in den Fall kommt, ihrer zu beduͤrfen, und das Beduͤrfniß dringend und ſo geartet iſt, daß er es nicht — 407— vorherſehen konnte: ſo kann der Richter, den Umſtaͤnden nach, den Leiher anhalten, dieſelbe fruͤher wieder zu geben. 1890. Iſt der Verleiher genoͤthigt worden, waͤhrend der Leihzeit zu Erhaltung dex Sache irgend eine ungewoͤhn⸗ liche nothwendige Auslage zu machen, die dazu ſo drin⸗ gend war, daß er den Leiher nicht vorlaͤufig davon be⸗ nachrichtigen konnte: ſo iſt dieſer letztere verbunden, ſie ihm zu erſtatten. 1891. Hat die geliehene Sache ſolche Maͤngel oder Fehler, daß daraus fuͤr denjenigen, der ſich ihrer bedient, ein Nachtheil erwachſen koͤnnte: ſo haftet der Verleiher dafuͤr, wenn er ſolche Maͤngel gekannt, und den Leiher nicht davon benachrichtigt hat. Von dem Darlehn zum Verbrauch oder dem bloßen Darlehn. Sy ſt c Von der Natur des Darlehns zum Verbrauch. Art. 1892. Das Darlehn zum Verbrauch iſt ein Contrakt, wodurch ein Theil dem andern eine gewiſſe Quantität von Sachen uͤbergibt, die ſich durch den Ge⸗ brauch verbrauchen oder verzehren, unter dem Beding, daß letzterer dem erſtern eben ſo viel Sachen von der naͤmlichen Art und Eigenſchaft zuruͤckgebe. 1893. Durch dieſen Contrakt wird der Anleiher oder Empfaͤnger Eigenthuͤmer der geliehenen Sache; ſie iſt auf ſeine Gefahr, und er traͤgt ihren Verluſt, er ereigne ſich, auf welche Art er wolle. 1894. Als Darlehn zum Verbrauch kann man keine Sachen geben, die, obſchon von einerlei Art, einzeln verſchieden ſind, wie Thiere. In dieſem Fall iſt ein Darlehn zum Gebrauch vorhanden. 1895. Wer ein Darlehn in Gelde empfangen hat, iſt zu weiter nichts verbunden, als die nämliche numeri⸗ ſche Summe zu leiſten, welche der Contrakt enthaͤlt. ———————— — 408— Iſt vor der Zahlungszeit eine Erhoͤhung oder Ver⸗ minderung mit den Muͤnzſorten vorgegangen: ſo braucht der Schuldner nur die ihm geliehene numeriſche Summe zu zahlen, und zwar braucht er ſie nur in den Muͤnzſor⸗ ten zu zahlen, die zur Zahlungszeit gangbar ſind. 1896. Die im vorhergehenden Artikel fetzgeſetzte Re⸗ gel findet keine Anwendung in dem Falle, wo das Dar⸗ lehn in Metallſtangen beſteht. 1897. Beſteht das Darlehn in Metallſtangen oder ungemuͤnztem Metalle, oder in Lebensmitteln: ſo muß der Schuldner allezeit die naͤmliche Quantitaͤt und Qualitaͤt erſtatten, und iſt zu weiter nichts verbunden, wie ſehr die— ſe Sachen auch im Werthe geſtiegen oder gefallen ſeyn moͤgen.— e Von den Verbindlichkeiten des Darleihers. Art. 1898. Bei dem Darlehn zum Verbrauch haftet der Darleiher, ſo wie der Verleiher im Art. 1891 beim Darlehn zum Bebrauche haftet. 1899. Vor der verabredeten Zeit kann der Darlei⸗ her die geliehenen Sachen nicht wieder fordern. 1900. Iſt fuͤr die Zuruͤckgabe keine Zeit beſtimmt: ſo kann der Richter, den Umſtaͤnden nach, dem Anleiher einen Ausſtand geben. 1901. Iſt die Verabredung bloß ſo abgefaßt, daß der Anleiher bezahlen ſolle, wenn er kann, oder wenn er dazu im Stande ſeyn wird: ſo beſtimmt ihm der Richter die Zeit nach Maaßgabe der Umſtaͤnde. D rit ſ Von den Verbindlichkeiten des Anleihers. Art. 1902. Der Anleiher oder Borger iſt verbun⸗ den, die empfangenen Sachen in der nemlichen Quan⸗ titaͤt und Qualitaͤt, und zu dex verabredeten Zeit wieder zu geben. ——. —. 1903. Iſt ihm dies unmoͤglich: ſo muß er ihren Werth bezahlen, wobei die Zeit und der Ort in Rechnung kommt, wo gemäß der Verabredung die Sache wieder ge⸗ geben werden mußte. Sind Zeit und Ort nicht in der Verabredung regu⸗ lirt: ſo wird uͤber die Zahlung nach den Preiſen des Ortes und der Zeit verfuͤgt, wo das Darlehn gemacht worden. 1904. Gibt der Anleiher die geliehenen Sachen oder ihren Werth in dem verabredeten Termin nicht zu⸗ ruͤck: ſo thun ſie Zinſen vom Tage der gerichtlichen Fo⸗ derungen. S i Vom Darlehn auf Zinſen. Art. 1905. Es iſt erlaubt, Zinſen auszubedingen fuͤr ein bloßes Darlehn an Geld, an Lebensmitteln, oder an— dern beweglichen Sachen. 1906. Der Anleiher, der Zinſen bezahlt hat, die nicht ausbedungen waren, kann ſie nicht wieder fodern, noch auf die Hauptſchuld anrechnen. 1907. Zinſen ſind geſetzlich oder vertragsmaͤßig. Geſetzliche Zinſen regulirt das Geſetz, vertragsmäßige duͤrfen den geſetzlichen Zinsſatz uͤberſteigen, ſo oft das Ge⸗ ſetz ſolches nicht verbietet. Wie hoch ſich die vertragsmaͤßigen Zinſen belaufen ſollen, muß ſchriftlich beſtimmt werden. 1908. Wer eine Hauptſchuld ohne Vorbehalt der Zinſen quittirt, wird angeſehen, auch dieſe empfangen zu haben, und hat daher weiter keine Anſpruͤche. 1909. Man kann ſich Zinſen ausbedingen gegen eine Hauptſchuld oder ein Capital, das ſich der Darleiher ver— bindet nicht wieder zu fordern. In dieſem Falle bekommt das Darlehn den Namen der Rentbeſtellung. 1910. Eine ſolche Rente kann auf zweifache Art be⸗ ſtellt werden, entweder auf ewig, oder auf Lebenszeit. — 410— 1911. Alle auf ewig beſtellten Renten ſind weſent⸗ lich wiederkäuflich. Nur koͤnnen die Theile ſich dahin vereinbaren, daß der Wiederkauf nicht geſchehen ſolle vor Ablauf einer ge⸗ wiſſen Friſt, die nicht uͤber zehn Jahre gehen darf, oder daß er nicht geſchehen ſolle, ohne eine dem Glaͤubiger vor⸗ her in der verabredeten Zeit gemachte Aufkuͤndigung. 1912. Wer eine auf ewig beſtellte Rente zu bezah⸗ len hat, kann gezwungen werden, ſie ab⸗ und wieder zu kaufen, iſtens, wenn er ſeine Verbindlichkeiten zwei Jahre hindurch nicht erfuͤllt; Ltens, wenn er dem Darleiher die Sicherheiten nicht leiſtet, die er ihm in dem Contrakt verſpro⸗ chen hat. 1913. Auch kann das Capital einer auf ewig be⸗ ſtellten Rente wieder gefordert werden, wenn der Schuld⸗ ner in Zahlungsunvermoͤgen geraͤth. 1914. Die Regeln, die auf Lebenszeit beſtellten Ren⸗ ten oder Leibrenten betreffend, kommen unter dem Titel von gewagten Verträgen vor. ——— Vom Verwahrungsvertrage und vom Sequeſter*. Erſtes Capitel. Von dem Verwahrungsvertrage uͤberhaupt und ſeinen verſchiedenen Gattungen. Art. 1915. Der Verwahrungsvertrag uͤberhaupt iſt eine Handlung, wodurch man die Sache eines andern auf⸗ *) Geſetz vom 23. Ventoſe 12. Jahrs(14. Maͤrz 1804). Pro⸗ mulg, den 3. Germinal(24. Maͤrz 1804). — 11— nimmt, unter der Verbindlichkeit ſie aufzubewahren und in Natur zuruͤckzugeben. 1916. Es gibt zwei Arten der Verwahrungs⸗ oder Niederlegungscontrakte: den eigentlichen Verwahrungsver⸗ trag, und den Segueſter. 3 ie Von dem eigentlichen Verwahrungsvertrage. Sſte ſni Von der Natur und dem Weſen des Verwahrungs⸗Con⸗ te Art. 1917. Dieſer Vertrag iſt weſentlich unentgeltlich. 1918. Er kann nur bewegliche Sachen zum Gegen⸗ ſtande haben. 1919. Er wird erſt vollkommen durch die wirkliche oder erdichtete Uebergabe der niedergelegten Sache. Die erdichtete Uebergabe iſt genug, wenn der Aufhe⸗ ber*) bereits aus irgend einer andern Urſache die Sache in Haͤnden hat, die man ihm unter dem Titel der Ver⸗ wahrung zu laſſen einwilligt. 1920. Die Verwahrung oder Niederlage iſt entwe⸗ der freiwillig oder nothwendig. S eier ſchn itt. Von der freiwilligen Verwahrung⸗ Art. 1921. Der freiwillige Verwahrungsvertrag ent⸗ ſteht durch die gegenſeitige Einwilligung deſſen, der eine Sache in Verwahrung gibt, und deſſen, der ſie annimmt. 1922. Der Regel nach kann dieſer Vertrag nicht ge⸗ ſchloſſen werden, als von dem Eigenthuͤmer der niederge⸗ legten Sache, oder mit ſeiner ausdruͤcklichen oder ſtillſchwei⸗ genden Bewilligung. 1923. Er muß ſchriftlich bewieſen werden. Der Zeu⸗ genbeweis iſt nicht zuläßig, wenn der Gegenſtand davon den Werth von hundert fuͤnfzig Franken uͤberſteigt. *) Die Perſon, die etwas in Verwahrung nimmt, le déposi- taire. — 412— 1924. Iſt fuͤr die Niederlegung eines Werthes von mehr als hundertfuͤnfzig Franken kein ſchriftlicher Beweis vorhanden: ſo wird dem angeblichen und als ſolchen an⸗ gefochtenen Verwahrer oder Aufheber auf ſeine Erklaͤrung geglaubt, es komme nun auf die Thatſache der Niederle⸗ gung ſelbſt an, oder auf die Sache, die ihren Gegenſtand ausmachte, oder auf die Thatſache der Zuruͤckgabe. 1925. Nur unter Perſonen, die faͤhig ſind Vertraͤge zu ſchließen, kann guͤltiger Weiſe eine freiwillige Niederle⸗ gung Statt finden. Wenn indeſſen jemand, der zu contrahiren fähig iſt, eine Niederlegung annimmt von einer Perſon, die es nicht iſt: ſo hat er alle Verbindlichkeiten eines wirklichen Ver⸗ wahrers, und kann von dem Vormund oder Verwalter eines ſolchen Niederlegers verfolgt und belangt werden. 1926. Iſt der Niederleger eine Vertraͤge zu ſchließen faͤhige Perſon, der Verwahrer aber nicht: ſo hat der er⸗ ſtere nur eine Eigenthumsklage wegen der in Verwahrung gegebenen Sache, ſo lange ſie ſich noch in den Haͤnden des Verwahrers befindet, oder eine Klage auf Ruͤckerſtat⸗ tung bis zum Betrag des Vortheils, der letzterm daraus erwachſen iſt. Drite ſch ni. Von den Verbindlichkeiten des Verwahrers. Art. 1927. Der Aufheber oder Verwahrer muß für die Bewahrung der niedergelegten Sache die naͤmliche Sorgfalt anwenden, die er auf Bewahrung ſeiner eigenen Sachen verwendet. 1928. Die Verfuͤgung des vorhergehenden Artikels muß ſtrenger angewandt werden, 1ſtens, wenn ſich jemand zur Verwahrung einer Sache aus eigener Bewegung an— geboten hat; 2tens, wenn er ſie gegen Entgelt uͤbernom⸗ men; 3tens, wenn die Niederlage allein zum Nutzen des Verwahrers geſchieht; 4tens, wenn die Verabredung aus⸗ drucklich enthaͤlt, daß der Verwahrer fuͤr jede Art Verſe⸗ hen haften ſolle. 1929. In keinem Falle aber haftet der Aufheber fuͤr Zufalle, die von hoherer Macht herruͤhren, es ſey denn, ——————————————— — 413— daß er im Verzug geweſen, die niedergelegte Sache zuruͤck zu geben. 1930. Er darf ſich der niedergelegten Sache nicht bedienen, als mit der ausdruͤcklichen oder vermutheten Be⸗ willigung des Niederlegers. 1931. Sind ihm die niedergelegten Sachen in einer verſchloſſenen Kiſte, oder unter einem verſiegelten Umſchlag anvertraut worden: ſo darf er nicht unterſuchen, worin ſie beſtehen. 1932. Er muß die ihm anvertraute Sache, und zwar die naͤmliche, wieder geben. So muß er, wenn die Niederlage in einer Summe gepraͤgten Geldes beſteht, dieſelbe in den nemlichen Muͤnz⸗ ſorten wieder geben, ihr Werth mag geſtiegen oder gefal⸗ len ſeyn. 1933. Er braucht die ihm anvertraute Sache nicht anders wieder zu geben, als in demZuſtande, worin ſie ſich im Augenblick der Zuruͤckgabe befindet. Iſt ſie ohne ſeine Schuld ſchlimmer geworden: ſo ſchadet dies allein dem Niederleger. 1934. Hat der Verwahrer die Sache durch hoͤhere Gewalt verloren, aber einen Preis oder ſonſt etwas an ihrer Stelle erhalten: ſo muß er, was er dagegen bekom⸗ men hat, zuruͤck geben. 1935. Der Erbe des Verwahrers, wenn er eine Sa— che, wovon er nicht wußte, daß ſie bloß niedergelegt war, redlich oder mit gutem Glauben verkauft hat, braucht nichts anders wieder zu geben, als den dafuͤr empfangenen Preis, oder er braucht nur ſeine Klage gegen den Ankaͤufer ab— zutreten, falls er den Preis noch nicht empfangen hat. 1936. Wenn die niedergelegte Sache Fruͤchte hervor⸗ gebracht, und der Verwahrer ſolche eingenommen hat: ſo muß er ſie ebenfalls zuruͤck geben. Von niedergelegtem Gelde braucht er keine Zinſen zu entrichten, als von dem Tage an, wo er in Verzug geſetzt war, die Zuruͤckgabe zu bewerkſtelligen. 1937. Der Verwahrer darf die niedergelegte Sache keinem wieder geben, als demjenigen, der ſie ihm anver— traut hat, oder demjenigen, den man ihm fuͤr die Zuruͤck⸗ gabe angezeigt hat. — 414— 1938. Er hat kein Recht, von dem Niederleger den Beweis zu fordern, daß er Eigenthuͤmer der niedergeleg⸗ ten Sache war. Findet er jedoch, daß die Sache geſtohlen iſt, und wem ſie gehoͤrt: ſo muß er dieſem die Niederlegung an⸗ zeigen, und ihn auffordern, dieſelbe in einer beſtimmten und hinlänglichen Friſt in Anſpruch zu nehmen. Iſt der, an den eine ſolche Aufforderung ergangen iſt, hierin nach— laſſig: ſo iſt der Verwahrer guͤltiger Weiſe befreit, wenn er ſeinem Niederleger die Sache ausliefert. 1939. Stirbt der Niederleger eines natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Todes: ſo kann die niedergelegte Sache nur ſeinem Erben wieder gegeben werden. Sind mehrere Erben vorhanden: ſo muß ſie jedem von ihnen nach ihrem Antheil wieder gegeben werden. Iſt die niedergelegte Sache untheilbar: ſo muͤſſen die Erben ſich untereinander verſtehen, wer ſie empfangen ſolle. 1940. Wenn der Niederleger ſeinen Stand veraͤndert hat, zum Beiſpiel, wenn eine Frau, die bei der Nieder⸗ 2 legung noch frei und ledig war, ſich nachher verehlicht hat, oder ſich in Mannesgewalt befindet; wenn jemand, der bei der Niederlage großjaͤhrig war, ſich nachher im Zuſtande der gerichtlichen Unterſagung befindet: ſo darf in vieſen und aͤhnlichen Faͤllen die niedergelegte Sache nur demjenigen wieder gegeben werden, dem die Verwaltung der Rechte und Guͤter des Niederlegers zuſteht. 1941. Iſt die Niederlage von einem Vormund, Ehe⸗ mann oder Verwalter, und zwar in einer dieſer Eigen⸗ ſchaften, geſchehen: ſo kann ſie, wenn ihre Geſchaͤftsfuͤh— rung oder Verwaltung aufhoͤrt, nur der Perſon wieder gegeben werden, an deren Stelle ein ſolcher Vormund, Ehemann oder Verwalter handelte. 1942. Beſtimmt der Verwahrungscontrakt den Ort, wo die Zuruͤckgabe geſchehen ſoll: ſo muß der Verwahrer die ihm anvertraute Sache dahin bringen. Iſt dies mit Koſten verbunden, ſo traͤgt ſie der Niederleger. 1943. Beſtimmt aber der Verwahrungsvertrag den Ort der Zuruͤckgabe nicht: ſo geſchieht dieſelbe an dem Or⸗ te der Niederlegung. 1944. Die niedergelegte Sache muß dem Niederleger ausgeliefert werden, ſobald er's verlangt, obſchon im Ver⸗ trage fuͤr die Zuͤruͤckgabe eine Friſt beſtimmt worden. 5 Ausgenommen iſt der Fall, wenn bei dem Verwahrer Ar⸗ reſt darauf iſt gelegt oder dagegen eingeſprochen worden, zu dem Ende, daß ſie nicht weggebracht und zuruͤck gege⸗ ben werde. 1945. Einem ungetreuen Verwahrer kommt die Rechts⸗ wohlthat der Guͤterabtretung*) nicht zu Statten. 1946. Alle Verbindlichkeiten des Verwahrers hoͤren auf, wenn er entdeckt und beweiſet, daß er ſelbſt Eigen⸗ thuͤmer der niedergelegten Sache iſt. Bi e te ſc tt. Von den Verbindlichkeiten des Niederlegers. Art. 1947. Der Niederleger iſt verbunden, dem Ver⸗ wahrer alle Auslagen zu erſtatten, die er zur Erhaltung der niedergelegten Sache gemacht hat, und ihn fuͤr jeden Ver⸗ luſt zu entſchaͤdigen, den ihm die Niederlage hat verurſa— chen koͤnnen. 1948. Der Verwahrer kann die niedergelegte Sache bis zur voölligen Entrichtung deſſen zuruͤck behalten, was er wegen der Niederlage zu fordern hat. Von der nothwendigen Verwahrung. Art. 1949. Eine nothwendige Verwahrung iſt dann vorhanden, wenn ſie die nothwendige Folge irgend eines Zufalls oder Ungluͤcks iſt, wie einer Feuersnoth, eines Einſturzes, einer Pluͤnderung, eines Schiffbruches oder ſonſtigen unvorgeſehenen Ereigniſſes. 1950. Um dieſelbe zu beweiſen, ſind Zeugen zuläſſig, wenn es auch auf einen Werth von mehr als hundert fuͤnfzig Franken ankommt. 1951. Im uͤbrigen richtet ſich der nothwendige Ver⸗ wahrungsvertrag nach den bisher angeführten Vorſchriften. 1952. Als Verwahrer ſind die Gaſtwirthe verant⸗ wortlich fuͤr alle Effekten der bei ihnen einkehrenden Rei⸗ *) S. den Art. 1268 u. ſ. — 416— ſenden. Die Niederlegung ſolcher Sachen iſt als nothwen⸗ dige Verwahrung zu beurtheilen. 1953. Sie haften fuͤr jede Entwendung oder Beſchaͤ⸗ digung der Effekten des Reiſenden, beide mögen herrühren von den Bedienten oder Aufſehern des Gaſthauſes, oder von Perſonen die ab- und zugehen. 1954. Sie haften nicht fur hoͤhere Gewalt, oder Dieb⸗ ſtaͤhle, die gewaffneter Hand geſchehen. S Vom Sequeſter. Erſter Abſchnitt. Von den verſchiedenen Arten der Sequeſters. Art. 1955. Der Sequeſter iſt vertragmäßig oder gerichtlich. 3weiter Abſchnitt. Vom vertragmaßigen Sequeſter. Art. 1956. Wenn eine oder mehrere Perſonen eine ſtreitige Sache in die Haͤnde eines Dritten hinterlegen, und dieſer ſich anheiſchig macht, ſie nachgeendigtem Strei⸗ te demjenigen wieder zu geben, dem ſie ein richterlicher Spruch zuerkennt: ſo iſt ein vertragmaͤßiger Sequeſter vorhanden. 1957. Man kann ein Entgelt dabei ausbedingen. 1958. Iſt er unentgeltlich, ſo wenden ſich auf ihn die Regeln des eigentlichen Verwahrungsvertrages an, folgende Abweichungen ausgenommen. 1959. Der Sequeſter kann nicht allein bewegliche, ſondern auch unbewegliche Guͤter zum Gegenſtande haben. 1960. Der Verwahrer einer ſequeſtrirten Sache kann vor dem Ausgange des Sttreits nicht entledigt werden, als mit Bewillignung aller dabei intereſſirten Theile, oder we⸗ gen einer als rechtmäßig anerkannten Urſache. ————————— — 417— Dritter Abſchnitt. Von dem gerichtlichen Sequeſter, oder der gerichtlichen Hinterlegung. Art. 1961. Vermoͤge richterlichen Befehls koͤnnen in gerichtliche Verwahrung gebracht werden: lſtens, die weggenommenen beweglichen Effekten ei⸗ nes Schuldners; 2tens, ein unbewegliches Gut oder eine bewegliche Sache, deren Eigenthum oder Beſitz unter zwei oder mehreren Perſonen ſtreitig iſt; 3tens, alle Sachen, die ein Schuldner zu ſeiner Be⸗ freiung anbietet. 1962. Durch die Beſtellung eines ſolchen gerichtlichen Aufſehers entſtehen unter dem, der ſie bewirkt, und dem Aufſeher ſelbſt wechſelſeitige Pflichten. Letzterer muß fuͤr die Erhaltung der in Verwahrung genommenen Sachen ſorgen, wie ein guter Hausvater. Er muß ſie ausliefern, entweder um ſie zum Beſten deſ⸗ ſen, der die gerichtliche Wegnahme erwirkt hat, zu verkaufen, oder dem Theile, gegen den ſie geſchehen iſt, letzteres näm⸗ lich in dem Falle, wenn der Richter die Wegnahme auf— hebt. Die Verbindlichkeit deſſen, der die Verwahrung er⸗ wirkt, beſteht darin, daß er dem Aufſeher den vom Ge⸗ ſetze beſtimmten Lohn entrichte. 1963. Was die Perſon betrifft, in deren Verwahrung eine Sache von Gerichtswegen gegeben wird, ſo verein⸗ gen ſich entweder die Theile unter ſich daruͤber, oder der Richter ernennt ſie von Amtswegen. In einem, wie in dem andern Falle, hat derjenige, dem die Sache anvertraut wird, alle Verbindlichkeiten des Verwahrers beim vertragsmaͤßigen Sequeſter⸗ ———— - k——— — 418— 5 6 5 Von gewagten Vertraͤgen*. Art. 1964. Wenn bei einer Verabredung der Verluſt und Gewinn fur alle Theile, oder fuͤr einen oder mehrere von ihnen, von einem ungewiſſen Ereigniß abhaͤngen; ſo heißt ſie ein gewagter Vertrag. Dergleichen ſind: der Verſicherungs⸗ oder Aſſecuranzvertrag, die Bodmerei, das Spiel und die Wette, der Leibrentenvertrag. Von den beiden erſtern handeln die Geſetze uͤber den Seehandel. Erſtes Capitell. Von dem Spiel und der Wette⸗ Art. 1965. Für eine Spielſchuld oder fuͤr die Erfuͤl⸗ lung einer Wette geſtattet das Geſetz keine Klage. 1966. Von dieſer Verfuͤngung ſind jene Spiele aus⸗ genommen, die geſchickt ſind, in den Waffen zu uͤben, Wettrennen zu Fuß und zu Pferde, oder zu Wagen, das Ballſpiel und andere ähnliche Spiele, zu welchen koͤrper⸗ liche Geſchicklichkeit und Fertigkeit gehoͤrt, und die den Koͤrper uͤben. Jedoch kann auch in ihrer Hinſicht das Gericht die Klage abweiſen, wenn ihm die Summe uͤbermaͤßig ſcheint. 1967. In keinem Falle kann der Verlierer zuruͤck fordern, was er freiwillig bezahlt hat, es ſey denn, daß der Ge⸗ winner ihn üͤberliſtet, betrogen oder geprellt habe. *) Geſetz vom 19. Ventoſe 12. Jahrs,(10. März 1804). Pror mulgirt den 29.(20. Marz 1804). Zwei 1 C e Von dem Leibrentenvertrage. Et ſer Abſchnitt Von den zur Guͤltigkeit des Vertrags erforderlichen Bedingungen. Art. 1968. Eine Leibrente kann auf laͤſtige Art beſtellt werden, vermittelſt einer Geldſumme, oder gegen eine ſchaͤtzbare bewegliche Sache, oder auch gegen ein un⸗ bewegliches Gut. 1969. Auch kann ſie auf bloß wohlthaͤtige Art be⸗ ſtellt werden durch Schenkung unter Lebenden oder letzt⸗ willige Verordnung. Bei ihrer Beſtellung ſind alsdann die geſetzlichen Formen zu beobachten. 1970. In dem Falle des vorhergehenden Artikels kann die Leibrente herabgeſetzt werden, in ſo weit ſie den verfuͤglichen Theil uͤberſteigt*). Sie iſt nichtig, wenn ſie zum Vortheil einer Perſon beſtellt wird, die unfähig iſt zu empfangen. 1971. Die Leibrente kann entweder auf den Kopf deſſen beſtellt werden, der das Capital oder den Preis hergibt, oder auch auf den Kopf eines Dritten, der dar⸗ aus kein Recht zum Genuſſe bekommt**). 1972. Sie kann auf einen oder mehrere Koͤpfe be⸗ ſtellt werden. 1973. Sie kann ebenfalls zum Nutzen eines Dritten beſtellt werden, obſchon eine ganz andere Perſon den Preis oder das Capital hergibt. In dieſem letzten Falle iſt die Rentbeſtellung, obſchon ſie die Charaktere einer bloß freigebigen oder wohlthaͤtigen Handlung hat, den Formen der Schenkungen nicht unter⸗ worfen, wohl aber der Herabſetzung und der Nichtigkeit nach Anleitung des Art. 1970. *) S. den Art. 920 p. f. **) Entweder ſo: ich bezahle dir eine jährliche Rente von ſo viel, ſo lange du lebſtz oder ſo: ich bezahle dir eine jahrliche Rente von ſo viel, ſo lange N. N. lebt. W ———————— 1974. Rentbeſtellungen auf den Kopf eines Menſchen, der am Tage des Vertrags nicht mehr lebte, ſind ohne alle Wirkung. 1975. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit der Rentbeſtellung auf den Kopf eines Menſchen, der eine Krankheit hatte, an welcher er in den erſten zwanzig Tagen nach geſchloſſe⸗ nem Vertrage geſtorben iſt. 1976. Die Beſtimmung des Betrages der Leibrente, und des dafuͤr zu entrichtenden Capitals oder Preiſes, hängt lediglich von dem Uebereinkommen der Theile ab. 3weiter Abſchnitt. Von den Wirkungen des Vertrags unter den contrahi⸗ renden Theilen⸗ Art. 1977. Derjenige, zu deſſen Vortbeil eine Leib⸗ rente vermittelſt eines Preiſes beſtellt worden iſt, kann die Aufhebung des Vertrages fordern, wenn der Beſteller ihm die Sicherheiten nicht gewährt, die er fuͤr die Erfuͤllung ausbedungen hat. 1978. Aus dem Grunde allein aber, daß der Beſtel⸗ ler die Ruͤckſtände der Rente nicht entrichtet, iſt der Rent⸗ empfaͤnger nach nicht befugt, die Ruͤckerſtattung des Capitals zu fordern, oder zu verlangen, daß er wieder in den Be⸗ ſitz des von ihm veraͤußerten Grundes geſetzt werde; er iſt in einem ſolchen Falle zu weiter nichts berechtigt, als die Guͤter ſeines Schuldners angreifen und verkaufen zu laſſen, damit aus dem daraus erſtandenen Gelde, durch richterlichen Spruch oder Einwilligung des andern Theils, eine zulängliche Summe verwendet werde, um die Ruͤck⸗ ſtände abzutragen. 1979. Der Beſteller kann ſich dadurch nicht von Zah⸗ lung der Rente frei machen, daß er ſich aubietet, das Capital zu erſtatten, und Verzicht auf Zuruͤckforderung der bezahlten Ruͤckſtände leiſtet; ſondern er iſt gehalten, die Rente zu entrichten, ſo lauge die Perſon oder die Per⸗ ſonen leben, auf deren Kopf ſie beſtellt iſt, dieſe Perſonen moͤgen noch ſo lange leben, und die Entrichtung der Rente mag ihm noch ſo laͤſtig geworden ſeyn. 1980. Der Empfaͤnger hat kein erworbenes Recht auf die Rente, als nach Verhälmiß der Tagezahl, die er ge⸗ lebt hat. Iſt indeſſen verabredet worden, daß ſie voraus be⸗ zahlt werden ſolle: ſo iſt das Recht auf den Termin, der bezahlt werden mußte, von dem Tage au erworben, wo er bezahlt werden mußte. 1981. Nur in dem Falle, wo die Rente auf wohl⸗ thatige Art beſtellt wird, kann ausbedungen werden, daß ſie nicht angreifbar ſeyn ſoll. 1982. Der Leibrentenvertrag erliſcht nicht durch den buͤrgerlichen Tod des Empfängers; ſondern die Rente muß entrichtet werden, bis er eines natuͤrlichen Todes ſtirbt. 1983. Wenn der Empfänger einer Leibrente die da⸗ von verfallenen Termine fordert: ſo muß er beweiſen, daß er, oder die Perſon noch lebt, auf deren Kopf ße iſt be⸗ ſtellt worden. Dre zeh nter ite Vom Vollmachtsvertrage. Gr ſt es Capit e l. Von der Natur und Form des Vollmachts⸗ vertrages. Art. 1984. Vollmacht oder Auftrag iſt eine Hand⸗ lung, wodurch jemand einem andern die Gewalt ertheilt, etwas für ihn und in ſeinem Namen zu thun. Dieſer Vertrag iſt vollkommen, wenn der Auftrag angenommen wird. 1985. Jemand kann entweder durch eine offentliche oder Privaturkunde, ſogar durch einen Brief bevollmäch⸗ *) Geſetz vom 19. Ventoſe 12. Jahrs(10. Maͤrz Pro⸗ mulgirt den 29.(20. Maͤrz 1804). ——————— M — 422— tigt werden. Es kann ſelbſt muͤndlich geſchehen. Aber um den Auftrag zu beweiſen, ſind Zeugen nur zuläßig nach Anleitung des Titels von den Verträgen und den Verbindlichkeiten, welche aus Versbredun⸗ gen uͤberhauptentſpringen. Die Annahme kann bloß ſtillſchweigend ſeyn, und aus dem Umſtande folgen, daß der Bevollmäͤchtigte den Auf⸗ trag ausgerichtet hat. 1986. Der Vollmachtsvertrag iſt unentgeltlich, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen worden. 1987. Er iſt entweder ein beſonderer Auftrag, und beſchraͤnkt ſich auf ein Geſchaͤft oder mehrere beſtimm⸗ te Geſchaͤfte, oder er iſt allgemein, und erſtreckt ſich auf alle Geſchaͤfte des Bevollmächtigers oder Machtgebers. 1988. Unter dem Auſtrage, wenn er in allgemeinen Ausdruͤcken abgefaßt iſt, ſind nur die Handlungen der bloßen Verwaltung begriffen. Kommt es auf Veraͤußerung oder Verpfaͤndung, oder auf ſonſt eine Handlung des Eigenthums an: ſo muß der Auftrag daruͤber ausdruͤcklich ſeyn. 1589. Weiter, als der Auftrag lautet, kann der Be⸗ vollmaͤchtigte nichts vornehmen. Unter der Vollmacht ſich zu vergleichen, iſt die Vollmacht nicht begriffen, die Ent⸗ ſcheidung ſchiedsrichterlichem Spruche anheim zu ſtellen. 1990. Weiber und emancipirte Minderjährige koͤnnen guͤltiger Weiſe zu Bevollmächtigten gewaͤhlt werden; aber der Machtgeber hat keine Klage gegen den bevollmächtig⸗ ten Minderjahrigen, als nach den allgemeinen Regeln, die Verbindlichkeiten der Minderjaͤhrigen betreffend, und gegen die verheirathete Frau, wenn ſie den Auftrag ohne Ermächtigung ihres Mannes angenommen hat, als nach den Regeln, die unter dem Titel vom Ehecontrakte und den gegenſeitigen Rechten der Eheleute vorkommen. Z weites Capitel. Von den Verbindlichkeiten des Bevollmaͤch⸗ tigten. Art. 1991. Der Bevollmaͤchtigte iſt verbunden, den Auftrag, ſo lang er auf ihm haftet, zu vollziehen, und iſt ———— — 423— verantwortlich fuͤr allen Schaden, der aus dem Mangel der Ausrichtung entſteht. Auch muß er beim Abſterben des Machtgebers das angefangene Geſchaft vollenden, wenn Gefahr auf dem Verzug iſt. 1992. Der Bevollmaͤchtigte haftet nicht allein fur ſei⸗ ne Argliſt, ſondern auch fuͤr die Verſehen, die er in ſei⸗ ner Geſchaͤftsfuͤhrung begeht. Bei der Anwendung wird jedoch, in Ruͤckſicht auf die eben gedachte Verantwortlichkeit fuͤr Verſehen, der Bevollmaͤchtigte, der eine Belohnung erhaͤlt, ſtrenger be⸗ handelt, als derjenige, der keinen Lohn erhaͤlt. 1993. Jeder Bevollmächtigte muß uͤber die Ausfuͤh⸗ rung ſeines Auftrags Rechenſchaft ablegen, und ſeinem Machtgeber alles verguͤten, was er kraft des Auftrags empfangen hat, obſchon das Empfangene dem Machtgeber nicht zukam. 1994. Der Bevollmaͤchtigte haftet fuͤr den, den er in ſeiner Geſchaͤftsfuͤhrung an ſeine Stelle geſetzt hat, 1ſtens, wenn ihm hiezu keine Vollmacht ertheilt worden; Ltens, wenn ihm hiezu die Vollmacht ohne Bezeichnung einer Perſon iſt ertheilt worden, und er einen Menſchen ge⸗ waͤhlt hat, der als unfaͤhig oder zahlungsunvermogend be⸗ kannt war. In allen Faͤllen kann der Machtgeber gerade gegen die Perſon handeln, die der Bevollmächtigte an ſeine Stel⸗ le geſetzt, oder ſich ſubſtituirt hat. 1995. Sind in der naͤmlichen Urkunde mehrere Be⸗ vollmaͤchtigte ernannt: ſo ſind dieſelben nur in ſo weit ohne Theilung oder ſolidariſch verantwortlich, als dies darin ausgedruͤckt iſt. 1996. Hat der Bevollmächtigte eingenommene Sum⸗ men zu ſeinem eigenen Gebrauche verwendet: ſo muß er Zinſen davon bezahlen vom Tage der Verwendung an. Von den Summen die er ruͤckſtändig bleibt, zahlt er Zin⸗ ſen von dem Tage an, wo er in Verzug geſetzt wird. 1997. Wenn der Bevollmächtigte in dieſer Eigenſchaft mit jemanden handelt, und ihn dabei von ſeinem Auftra⸗ ge gehoͤrig unterrichtet: ſo braucht er fuͤr das, was etwa ————— ————————— — — 424— über den Auftrag geſchehen iſt, auf keine Art zu haften, denn, daß er ſich perſoͤnlich dazu anheiſchig gemacht abe. D Gyi Von den Verbindlichkeiten des Machtgebers oder Bevollmaͤchtigers. Art. 1998. Der Machtgeber iſt gehalten, die Ver⸗ bindlichkeiten zu erfuͤllen, die der Bevollmaͤchtigte gemaͤß ſeinem Auftrage uͤbernommen hat. Was daruͤber geſchehen iſt, braucht er nicht zu ver⸗ treten, er habe es denn ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend gutgeheißen. 1999. Der Machtgeber muß dem Bevollmaͤchtigten die Vorſchuͤſſe und Koſten, die er für Ausrichtung des Auftrags gemacht, erſtatten, und ihm ſeine Belohnung entrichten, wenn eine ſolche verſprochen worden. Iſt auf Seiten des Bevollmaͤchtigten kein Verſehen, das ihm koͤnnte angerechnet werden: ſo kann ſich der Machtgeber keineswegs von der ebengedachten Ruͤckerſtat⸗ tung und Zahlung losmachen, wenn auch das Geſchaͤft nicht gluͤcklich ausgeſchlagen waͤre. Eben ſo wenig kann er eine Herabſetzung des Betrags der Koſten und Vor⸗ ſchuͤſſe fordern, unter dem Vorwande, als koͤnnten ſie we⸗ niger betraͤchtlich ſeyn. 2000. Der Machtgeber muß den Bevollmaͤchtigten fuͤr jeden Verluſt entſchaͤdigen, den dieſer bei Gelegenheit ſeiner Geſchaͤftsfuͤhrung erlitten hat, und zwar ohne ir⸗ gend eine Unvorſichtigkeit, die mag ihm anrechnen könnte. 2001. Er iſt dem Bevollmaͤchkigten von den Vorſchuͤſ⸗ ſen die dieſer gemacht hat, von dem Tage an Zinſen ſchul⸗ dig, wo ſie erweislich gemacht ſind. 2002. Iſt der Bevollmaͤchtigte fuͤr ein gemeinſchaftli⸗ ches Geſchaͤft von mehreren Perſonen beſtellt: ſo haftet jede von ihnen ihm ohne Theilung fuͤr alles, was aus dem Auftrage folgt. Viertes Capitell. Von den verſchiedenen Arten, wie der Voll⸗ machtscontrakt aufhoͤrt. Art. 2003. Der Vollmachtscontrakt hoͤrt auf: ——————————————— — 5— durch den Widerruf des Auftrags von Seiten des Machtgebers, durch Aufkuͤndigung des Auftrags von Seiten des Bevollmaͤchtigten, durch den natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tod, die ge⸗ richtliche Unterſagung oder den Bankerott des Machtgebers oder des Bevollmächtigten. 2004. Es ſteht dem Machtgeber frei, ſeine Vollmacht zu jeder beliebigen Zeit zu widerrufen, und den Umſtän⸗ den nach ſeinen Bevollmaͤchtigten zu zwingen, ihm die Ur⸗ kunde, die ſie enthält, zuruͤck zu geben; die Urkunde mag nun eine Privatunterſchrift ſeyn, oder das Original ſelbſt, wenn keine Unterſchrift davon zuruͤckgeblieben iſt, oder die Ausfertigung, wenn die Urſchrift zuruͤckgeblieben iſt. 2005. Man kann einen Widerruf, den man bloß dem Bevollmächtigten bekannt gemacht, einem Dritten nicht ent⸗ gegen ſetzen, der davon nichts wußte, und in dieſer Un⸗ wiſſenheit gehandelt hat. In dieſem Falle bleibt aber dem Machtgeber ſeine Erholung gegen den Bevollmaͤchtigten. 2006. Beſtellt der Machtgeber einen neuen Bevoll— maͤchtigten fuͤr das naͤmliche Geſchaͤft: ſo iſt dadurch die erſte Vollmacht von dem Tage an widerrufen, wo die neue Beſtellung dem vorigen Bevollmaͤchtigten bekannt ge⸗ macht worden iſt. 2007. Der Bevollmaͤchtigte kann den Auftrag auf⸗ kuͤndigen, indem er ſeine Aufkuͤndigung dem Machtgeber bekannt macht. Entſteht indeſſen aus einer ſolchen Auffuͤndigung ein Nachtheil fuͤr den Machtgeber: ſo muß er dieſen entſchaͤ⸗ digen, es ſey denn, daß der Bevollmächtigte ſich in der Unmöglichkeit befinde, den Auftrag ferner auszurichten ohne eigenen betraͤchtlichen Nachtheil. 2008. Iſt dem Bevollmächtigten der Tod ſeines Machtgebers, oder eine andere Urſache, wodurch die Voll⸗ macht aufhört, unbekannt: ſo iſt, was er in dieſer Un⸗ wiſſenheit gethan hat, guͤltig. 2009. In den obigen Fällen muͤſſen die Verbindlich⸗ keiten des Bevollmächtigten in Anſehung eines jeden Drit⸗ ten, der in gutem Glauben oder redlich iſt, erfuͤllt werden. ————— —————„— 2010. Stirbt der Bevollmächtigte: ſo muͤſſen ſeine Erben dem Machtgeber hievon Nachricht geben, und waͤh⸗ rend deſſen alles beſorgen, was die Umſtände fuͤr den Vortheil des Letztern erforden. —— — V i Von Buͤrgſchaften*. Erſtes Capitel. Von der Natur und Ausdehnung der Buͤrg⸗ ſchaft. Art. 2011. Wer ſich fuͤr eine Verbindlichkeit verbuͤrgt, macht ſich dadurch gegen den Glaͤubiger anheiſchig, dieſe Verbindlichkeit zu erfuͤllen, wenn ſie der Schuldner nicht ſelbſt erfullt. 2012. Ohne eine guͤltige Verbindlichkeit beſteht keine Buͤrgſchaft. Man kann ſich jedoch fuͤr eine Verbindlichkeit ver⸗ buͤrgen, wenn dieſelbe auf eine dem Verpflichteten bloß perſoͤnliche Einrede vernichtigt werden koͤnnte, wie zum Beiſpiel, wenn der Verpflichtete minderjaͤhrig waͤre. 2013. Die Buͤrgſchaft kann mehr nicht begreifen, als die vorhandene Schuld, und die Bedingungen koͤnnen nicht läſtiger ſeyn, als die Bedingungen eben dieſer Hauptſchuld. Man kann ſich fuͤr einen Theil der Schuld allein ⁰ verbuͤrgen, und unter weniger laͤſtigen Bedingungen. Iſt die Verburgung ſtärker als die Schuld, oder un⸗ ter laͤſtigern Bedingungen uͤbernommen: ſo iſt ſie darum nicht nichtig, ſondern ſie wird alsdann auf den Betrag und das Maaß der Hauptſchuld eingeſchränkt. *) Geſetz vom 24. Pluvioſe 12. Jahrs(14. Februar 1804). Promulgirt den 4. Ventoſe(24. Februar 1804). —.——— 2014. Man kann ſich verbuͤrgen ohne Auftrag deſſen, wofuͤr man ſich verpflichtet, und ſelbſt ohne ſein Vorwiſſen. Auch kann man ſich nicht nur fuͤr den Hanptſchuld⸗ ner verbuͤrgen, ſondern fuͤr den Buͤrgen deſſelben. 2015. Die Buͤrgſchaft wird nicht vermuthet. Sie muß ausdruͤcklich ſeyn, und darf nicht uͤber die Grenzen ausgedehnt werden, die ihr der Vertrag anweiſt. 2016. Wer ſich fuͤr eine Hauptſchuld unbeſtimmt ver⸗ buͤrgt, der verbuͤrgt ſich auch fuͤr alles, was damit ver⸗ bunden iſt, ſelbſt fuͤr die Koſten der erſten Einklage, und fuͤr alle Koſten, die nach der dem Buͤrgen geſchehenen Aufkuͤndigung gemacht werden. 2017. Die Verbindlichkeiten des Buͤrgen gehen auf ſeine Erben uͤber, ausgenommen der perſoͤnliche Zwang in dem Falle, wo die Verbindlichkeit ſolchen fuͤr den Buͤrgen nach ſich zog. 2018. Der Schuldner, der gehalten iſt, Buͤrgſchaft zu leiſten, muß dazu eine Perſon ſtellen, die fähig iſt, Contrakte zu ſchließen, die hinlaͤngliches Vermoͤgen beſitzt, um damit fuͤr den Gegenſtand der Verbindlichkeit zu haf⸗ ten, und die in dem Bezirke des Appellationsgerichts, wo dieſelbe geleiſtet werden muß, ihren Wohnort hat. 2019. Ob ein Buͤrge zahlbar ſey, wird bloß nach ſei⸗ nem Grundeigenthum ermeſſen; außer in Handelsſachen, und in dem Falle, wo die Schuld unbedeutend iſt. Bei dieſer Beurtheilung kommen weder die unbeweg⸗ lichen Guͤter, woruͤber ein Streit obwaltet, in Anſchlag, noch diejenigen, woran die Erholung wegen ihrer entfern⸗ ten Lage zu beſchwerlich ſeyn wuͤrde. 2020. Iſt der Buͤrge, den der Gläubiger entweder freiwillig oder auf richterlichen Spruch angenommen hat, nachher zu zahlen unvermoͤgend geworden: ſo muß der Schuldner einen neuen ſtellen. Dieſe Regel leidet nur dann eine Ausnahme, wenn der Buͤrge bloß zufolge einer Verabredung geſtellt worden iſt, worin der Glaͤubiger eine ſolche Perſon zum Bärgen gefordert hat. — ———————— —* 25 Z'wimheis Gbä pi thell⸗ Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft. Ey ſte b ſchnitt Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter dem Gläubi⸗ ger und dem Buͤrgen. Art. 2021. Nur in dem Falle kann der Buͤrge an⸗ gehalten werden, den Glaͤubiger zu befriedigen, wenn der Schuldner nicht bezahlt. Letztern muß er zuerſt in ſeinen Guͤtern verfolgen, es ſey denn, daß der Buͤrge der Rechts⸗ wohlthat der Ausklage entſagt, oder ſich mit dem Haupt⸗ ſchuldner ohne Theilung oder ſolidariſch verbindlich ge⸗ macht habe, in welchem Falle die Wirkung ſeiner Ver⸗ bindlichteit nach den Grundſätzen zu beurtheilen iſt, die fuͤr die ungetheilten Schulden feſtgeſetzt ſind. 2022. Der Glaͤubiger iſt nicht gehalten, den Haupt⸗ ſchuldner auszuklagen, als in ſo weit der Buͤrge ſolches bei der erſten gegen ihn gerichteten Verfolgung verlangt. 2023. Verlangt es der Buͤrge: ſo muß er dem Glaͤu⸗ biger die Guͤter des Hauptſchuldners angeben, und zu⸗ gleich die noͤthigen Vorſchuͤſſe thun, um die Ausklage vor⸗ zunehmen. Er darf ihm aber weder ſolche Guͤter des Haupt⸗ ſchuldners angeben, die außer dem Bezirke des Appella⸗ tionsgerichts des Orts liegen, wo die Zahlung geſchehen muß, noch ſtreitige Guͤter, noch auch ſolche Guͤter, die zwar fuͤr die Schuld verpfaͤndet, aber nicht mehr im Be⸗ ſitze des Schuldners ſind. 2024. So oft nun der Buͤrge nach Vorſchrift des vorhergehenden Artikels die anzugreifenden Guͤter ange⸗ geben, und dazu die noͤthigen Gelder hergeſchoſſen hat, haftet der Glaͤubiger demſelben, wenn er in der Verfol⸗ gung nachlaͤſſig iſt, und mittlerweile der Hauptſchuldner zahlungsunvermögend wird. Er haftet in dieſem Falle dem Buͤrgen bis zum Betrag der von dieſem angegebenen Guͤter. 2025. Haben mehrere Perſonen ſich fuͤr die nämliche Schuld und fuͤr den nämlichen Schuldner verbuͤrgt: ſo haftet jede fuͤr die ganze Schuld. — d420— 2026. Jede von ihnen kann indeſſen verlangen, daß der Glaͤubiger vorerſt ſeine Klage theile, und ſich auf den Antheil eines jeden Buͤrgen beſchraͤnke. Dieſe Einrede ſteht ihnen aber nicht mehr zu, wenn ſie der Rechtswohl⸗ that der Theilung entſagt haben. Waren zu der Zeit, wo einer von den Buͤrgen die Einrede der Theilung entgegenſetzte, und dieſelbe angenom⸗ men wurde, einer oder der andere von ihnen zahlungs⸗ unvermoͤgend: ſo traͤgt dieſer Buͤrge verhaͤltnißmaͤßig den daher entſtehenden Abgang. Iſt aber einer von ihnen zahlungsunvermoͤgend geworden, nachdem ihm die Wohl⸗ that der Theilung angediehen war: ſo kann er weiter nicht belangt werden. 2027. Hat der Glaͤubiger ſeine Klage ſelbſt und frei— willig getheilt: ſo kann er gegen ſeine eigene Theilung nicht mehr ankommen, obſchon von den Buͤrgen einige be⸗ reits vor dem Augenblicke zahlungsunvermoͤgend waren, wo er ſie ſich gefallen ließ. Zweiter Ab ſchnitt. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter dem Schuld⸗ ner und dem Buͤrgen. Art. 2028. Dem Buͤrgen, der bezahlt hat, ſteht der Ruͤckanſpruch gegen den Hauptſchuldner zu, die Buͤrgſchaft mag nun mit Vorwiſſen deſſelben geleiſtet worden ſeyn, oder nicht. Unter dem Ruͤckanſpruch ſind ſowohl die Hauptſchuld, als die Zinſen und Koſten begriffen. In Anſehung der letztern hat indeſſen derſelbe nur fuͤr jene Koſten Statt, welche der Buͤrge ſeit dem Augenblicke gemacht hat, wo er dem Hauptſchuldner die gegen ihn erhobenen Verfol⸗ gungen angezeigt. Nach Befinden hat er auch einen Ruͤckanſpruch fuͤr Schadloshaltung. 2029. Der Buͤrge, der die Schuld bezahlt hat, tritt in alle Rechte ein, welche dem Glaͤubiger gegen den Schuldner zuſtanden. 2030. Haftete die naͤmliche Schuld auf mehreren Haupt⸗ ſchuldnern ſolidariſch oder ungetheilt: ſo ſteht dem Buͤr⸗ ————„— — 430— gen, der ſich für alle verbuͤrgt hat, wider einen jeden der⸗ ſelben der Ruͤckanſpruch zu, vermoge deſſen er von jedem das Ganze fordern kann, welches er bezahlt hat. 2031. Bezahlt der Buͤrge: ſo muß er den Haupt⸗ ſchuldner davon benachrichtigen. Unterlaͤßt er es, und dieſer bezahlt zum zweitenmale, ſo hat er— der Buͤrge— gegen denſelben keinen Ruͤckanſpruch, wohl aber eine Wie⸗ dererſtattungsklage gegen den Glaäubiger. 2032. Der Buͤrge kann, ſelbſt ehe er bezahlt hat, gegen den Schuldner handeln, um von ihm entſchaͤdigt zu werden, lſtens, wenn er— der Buͤrge— gerichtlich auf Zahlung belangt wird; tens, wenn der Schuldner zahlungsunvermoͤgend oder bankerott geworder iſt; ztens, wenn der Schuldner ſich anheiſchig gemacht hat, ſeine Befreiung in einer gewiſſen Zeit beizubringen; 4tens, wenn die Schuld fällig geworden iſt durch den Verfall des Termins, worauf ſie war uͤbernommen worden; 5tens, nach Verlauf von zehn Jahren, wenn die Hauptverbindlichkeit keine beſtimmte Verfallzeit hat; es ſey denn, daß die Hauptverbindlichkeit von der Art waͤre, daß ſie vor einer beſtimm⸗ ten Zeit nicht aufhoͤren kann, wie bei Vor⸗ mundſchaften. Dritter Ab ſchnitt. Von den Wirkungen der Buͤrgſchaft unter den Mit⸗ buͤrgern. Art. 2033. Wenn mehrere Perſonen ſich fuͤr den naͤm⸗ lichen Schuldner und die naͤmliche Schuld verbuͤrgt ha⸗ ben: ſo ſteht dem Buͤrgen, der ſie abfuͤhrt, der Ruͤckan⸗ ſpruch wider die andern Buͤrgen zu, und zwar wider je⸗ den fuͤr ſeinen Antheil. Dieſer Ruͤckanſpruch hat aber nur dann Statt, wenn der Buͤrge in einem von den Faͤllen bezahlt, welche der vorhergehende Artikel enthält. — 431— Der itt e 3C optöl. Von Erloͤſchung der Buͤrgſchaft. Art. 2034. Die Verbindlichkeit, welche aus der Buͤrgſchaft entſteht, erloͤſcht durch die naͤmlichen Urſachen, wie jede andere Verbindlichkeit. 2035. Entſteht dadurch eine Vereinigung in der Per⸗ ſon des Hauptſchuldners und ſeines Buͤrgen, daß ſie einer des andern Erbe werden: ſo erloͤſcht dadurch die Klage des Glaͤubigers nicht gegen denjenigen, der ſich fuͤr den Buͤrgen verbuͤrgt hat(gegen den Ruͤckbuͤrgen). 2036. Der Buͤrge kann dem Glaͤubiger alle Einreden entgegen ſetzen welche dem Hauptſchuldner zuſtehen, und der Schuld anklebkn. Er kann ihm aber die Einreden nicht entgegen ſetzen, die bloß der Perſon des Schuldners ankleben. 2037. Wenn der Glaͤubiger Schuld daran iſt, daß der Buͤrge nicht in deſſelben Rechte, Hypotheken und Pri⸗ vilegien treten kann: ſo iſt der Buͤrge entlaſtet. 2038. Nimmt der Glaͤubiger ein unbewegliches Gut oder ſonſt etwas in Zahlung der Hauptſchuld an: ſo wird dadurch der Buͤrge befreit, obſchon der Glaͤubiger das Angenommene nachher durch Eviction verliert. 2039. Setzt der Glaͤubiger zu Gunſten ſeines Schuld⸗ ners bloß den Zahlungstermin aus: ſo befreit dies den Buͤrgen nicht. Letzterer iſt aber in einem ſolchen Falle berechtigt, den Schuldner zu verfolgen, um ihn zur Zah— lung zu zwingen. Viertes Capitel. Von der geſetzlichen und der gerichtli⸗ chen Buͤrgſchaft. Art. 2040. So oft entweder das Geſetz oder ein Urtheil Jemanden die Pflicht auflegt, Buͤrgſchaft zu leiſten, muß die Perſon, die dazu angeboten wird, die Bedingungen erfuͤllen, die in den Art. 2018 und 2019 vorgeſchrieben ſind. Iſt die Rede von einer gerichtlichen Buͤrgſchaft: ſo wird uͤberdies erfordert, daß der Buͤrge des perſoͤnlichen oder koͤrperlichen Zwanges fähig ſey. —————— — 7— 2041. Wer in der Unmöglichkeit iſt, einen Buͤrgen zu finden, kann an ſeiner Stelle ein hinreichendes Unter⸗ pfand geben. 2042. Der gerichtliche Buͤrge kann die vorlaͤufige Verfolgung des Hauptſchuldners nicht fordern. 2043. Wer ſich unbedingt fuͤr einen gerichtlichen Buͤr⸗ gen verbuͤrgt hat, kann die vorlaͤufige Verfolgung des Hauptſchuldners und des Buͤrgen nicht fordern. Fü h e Von Vergleichen 3 Art. 2044. Der Vergleich iſt ein Vertrag, wodurch die Theile einen entſtandenen Zwiſt endigen, oder einem Zwiſte vorkommen, der noch entſtehen koͤnnte. Dieſer Vertrag muß ſchriftlich gemacht werden. 2045. Um einen Vergleich treffen zu koͤnnen, muß man fähig ſeyn, uͤber die Gegenſtände zu verfuͤgen, die im Vergleich begriffen ſind. Vormuͤnder koͤnnen ſich fuͤr Minderjaͤhrige und Un⸗ terſagte nicht anders vergleichen, als nach Vorſchrift des Art. 467 unter dem Titel von der Minderjährig⸗ teit, der Vormundſchaft, und der Emancipa⸗ tion. Ueber die Vormundſchaftsrechnung koͤnnen ſie ſich mit dem großjährig gewordenen Minderjährigen nicht an⸗ ders vergleichen, als nach Vorſchrift des Art. 472 unter dem naͤmlichen Titel. Gemeinden und oöͤffentliche Anſtalten konnen ſich nicht vergleichen, als mit ausdrücklicher Ermaͤchtigung der Re⸗ gierung. 2046. Man kann ſich uͤber das Privatintereſſe ver⸗ gleichen, das aus Verbrechen entſteht. *) Geſetz vom 29. Ventoſe 12. Jahrs E0. Maͤrz 1804). Pro⸗ mulgirt den 9. Gemminal(30. Wärz 18040. — 433— Der Vergleich hindert aber die Verfolgungen des damit beauftragten offentlichen Beamten nicht. 2047. Auch iſt es erlaubt, bei dem Vergleiche eine Strafe fuͤr denjenigen zu bedingen, der ihn nicht halten wuͤrde. 2048. Alle Vergleiche muͤſſen genau auf ihren Ge⸗ genſtand eingeſchraͤnkt werden. Entſagt jemand darin al⸗ len ſeinen Rechten, Klägen und Anſpruͤchen: ſo iſt eine ſolche Entſagung bloß von dem zu verſtehen, was auf den vorliegenden Zwiſt Bezug hat. 2049. Ein Vergleich ſchlichtet weiter nichts, als den Zwiſt, wegen deſſen er getroffen wird, ohne Unterſchied, ob die Theile ihre Meinung durch allgemeine oder beſon⸗ dere Ausdruͤcke an Tag gelegt haben, oder ob ſich ihre Meinung bloß nothwendig aus den Ausdruͤcken folgern laſſe⸗ 2050. Erwirbt jemand, der ſich uͤber ein Recht, das ihm fuͤr ſich zuſtand, verglichen hatte, nachher ein ahnli⸗ ches Recht als Vertreter einer andern Perſon: ſo iſt er, was das neu erworbene Recht betrifft, nicht durch den vorigen Vergleich gebunden. 2051. Ein Vergleich, den einer der Intereſſirten ein⸗ geht, bindet die uͤbrigen Intereſſirten nicht, und kann ih⸗ nen nicht zur Einrede dienen. 2052. Vergleiche ſind unter den Theilen ſo gut, wie in letzter Inſtanz abgeurtheilte Sachen. Sie koͤnnen weder wegen eines Rechtsirrthums noch wegen Verletzung angefochten werden. 2053. Jedoch koͤnnen die Vergleiche aufgehoben wer⸗ den, wenn ein Irrthum in der Perſon, oder uͤber den Gegenſtand des Zwiſtes vorgefallen iſt. Sie koͤnnen in jedem Falle aufgehoben werden, wo Argliſt oder Gewaltthaͤtigkeit dabei vorgefallen iſt. 2054. Nicht weniger iſt gegen Vergleiche die Klage auf Umſtoßung zulaͤſſig, wenn ihre Veranlaſſung ein un⸗ guͤltiger Titel war, es ſey denn, daß die Theile eine ſol⸗ che Nichtigkeit ausdruͤcklich verhandelt haben. 2055. Vergleiche, welche auf Schriften getroffen ſind, die man nachher als falſch anerkannt hat, ſind durchaus nichtig. 28 —————— r—— —— 2056. Auch ſind alle Vergleiche uͤber einen Rechts⸗ handel nichtig, der durch ein rechtskräftiges Urtheil ent⸗ ſchieden war, wovon aber die Theile, oder einer von ih⸗ nen nichts wußten. Konnte von dem Urtheil, das den Theilen unbekannt war, noch appellirt werden: ſo iſt der Vergleich gültig. 2057. Wenn die Theile ſich uͤberhaupt uͤber alle Hän⸗ del verglichen haben, die ſie etwa mit einander haben konn⸗ ten: ſo koͤnnen ſie daraus keine Urſache der Umſtoßung herleiten, daß ihnen zur Zeit des Vergleichs Urkunden un⸗ bekannt waren, die ſie nachher entdeckt haben. Ein ande⸗ res wäre, wenn einer von den Theilen ſolche Urkunden zuruͤckbehalten hätte. Der Vergleich waͤre aber nichtig, wenn er eine Sa⸗ che zum Gegenſtand hätte, worauf, nach Ausweiſung neu entdeckter Urkunden, einem von den Theilen gar kein Recht zuſtand. 2058. Bloße Rechnungsfehler in einem Vergleiche muͤſſen berichtigt werden. ——— Sechszehnter Titel. Von dem koͤrperlichen Zwange in buͤrgerli⸗ chen Sachen*. Art. 2059. Körperliche Verhaftung hat in bürgerli⸗ chen Sachen Statt, oder man kann in dergleichen Sachen koͤrperlich ergriffen und verhaftet werden, wegen Stel⸗ lionats. Stellionat iſt vorhanden, wenn man ein unbewegli⸗ ches Gut, das einem, wie man wohl weis, nicht zugehört, verkauft oder zur Hypotheke gibt; ferner, wenn man Guͤ⸗ ter, die mit Hypotheke beſtrickt ſind, als frei angibt, oder *) Geſetz vom 23. Pluvioſe 12. Jahrs,(13. Februar 1804). Promulgirt den 3. Ventoſe G3. Februar 1804). — 435— wenn man die Schuld, wofuͤr ſie mit Hypotheke beſchwert ſind, fuͤr geringer angibt, als ſie wirklich iſt. 2060. Auch hat koͤrperliche Verhaftung Statt, lſtens, fuͤr eine nothwendige Hinterlegung; Ltens, in dem Falle der Klage auf Wiedereinſetzung in den Beſitz, fuͤr die gerichtlich verordnete Raͤumung eines Grundſtuͤckes, woraus der Ei⸗ genthuͤmer gewaltthaͤtiger Weiſe iſt geſetzt wor⸗ den; fuͤr die Erſtattung der waͤhrend des wi⸗ derrechtlichen Beſitzes davon eingenommenen Fruͤchte, und fuͤr Schaden und Intereſſe, wel⸗ che dem Eigenthuͤmer durch Urtheil zuerkannt worden; ztens, fuͤr Zuruͤckforderung von Geldern, die in die Hände öffentlicher dazu beſtellter Perſonen hin⸗ terlegt worden ſind; 4tens, fuͤr die Herbeiſchaffung der bei Sequeſtern, Commiſſairen und ſonſtigen Verwahrern nieder⸗ gelegten Sachen; htens, gegen gerichtliche Buͤrgen, und gegen die Buͤr⸗ gen von Perſonen, die koͤrperlich gezwungen werden koͤnnen, wenn ſie ſich dieſem Zwange unterworfen haben; 6tens, gegen alle öffentlichen Beamten, fuͤr Auflegung ihrer Urſchriften oder Minuten, wenn dieſelbe verordnet iſt; 7tens, gegen Notare, Avoués und Gerichtsdiener, fuͤr die Ruͤckgabe der Schriften und der Gel— der, die ihnen von ihren Clienten, zufolge ih⸗ rer Amtsverrichtungen anvertraut und einge⸗ haͤndigt ſind. 2061. Wenn jemand auf eine petitoriſche*) Klage verurtheilt worden iſt, ein Grundſtuͤck zu räumen, und, *) Ich ſtelle eine petitoriſche Kläge an, wenn ich dadurch den Beſitz einer Sache wieder erlangen will, die mir gehoͤrt, und beweiſe, daß ſie mir gehoͤrt. Dieſe Klage heißt im wei⸗⸗ tern Sinne auch Eigenthumsklage. Ihr iſt entgegenge ſetzt die poſſeſſoriſche Klage, oder Beſitzklage, wobei der Kläger weiter nichts beweiſt, als daß er im Beſitz der ſtreiti⸗ gen Sache iſt, oder daß er gewaltthätiger Weiſe daraus iſt geſetzt worden. 28* ————————— — 436— nachdem das Urtheil in Rechtskraft uͤbergegangen iſt, nicht gehorchen will: ſo kann durch ein zweites Urtheil die koͤr⸗ perliche Verhaftung gegen ihn verhaͤngt werden, und zwar fuͤnfzehn Tage nach Inſinuation des erſten Urtheils an ſeine Perſon oder Wohnort. Iſt das Grundſtuͤck oder Erbe mehr als fuͤnf Myri⸗ ameter vom Wohnorte des verurtheilten Theiles entfernt: ſo wird zu der Friſt von fuͤnfzehn Tagen noch ein Tag fuͤr jede fernere fuͤnf Myriameter hinzugeſetzt. 2062. Gegen Pachter kann fuͤr Bezahlung der Pacht von Bauernguͤtern die koͤrperliche Verhaftung nicht ver⸗ ordnet werden, wenn dies im Pachtcontrakte nicht foͤrm⸗ lich ausbedungen worden iſt. Jedoch kann auch gegen Pachter und Halbbauer die koͤrperliche Verhaftung ver⸗ hängt werden, wenn ſie bei Endigung der Pacht den ih⸗ nen uͤberlieferten Viehſtand, und die ihnen anvertrauten Saamen und Ackergeraͤthe nicht aufweiſen; ausgenommen, wenn ſie darthun, daß der Abgang ſolcher Gegenſtände nicht von ihnen herruͤhrt. 2063. Außer den in den vorhergehenden Artikeln be⸗ ſtimmten Faͤllen, oder den Fällen, welche ein foͤrmliches Geſetz in der Folge noch beſtimmen wuͤrde, iſt es allen Richtern verboten, die körperliche Verhaftung zu verhaͤn⸗ gen, allen Notaren und Gerichtsſchreibern, Urkunden auf⸗ zunehmen, worin ſie ausbedungen waͤre, und allen Fran⸗ zoſen dergleichen Akte einzugehen, ſelbſt wenn ſie ſie im Auslande eingingen; alles bei Strafe der Nichtigkeit, Schaden und Koſten. 2064. Selbſt in den hieroben beſtimmten Fällen kann die koͤrperliche Verhaftung nicht gegen Minderjaͤhrige ver⸗ haͤngt werden. 2065. Sie kann nicht verhaͤngt werden fuͤr eine Sum⸗ me, die geringer iſt als dreihundert Franken⸗ 2066. Gegen Leute von ſiebenzig Jahren, Weiber und Maͤdchen kann ſie nur in den Faͤllen des Stellionats verhaͤngt werden. Um die ſiebenzigjaͤhrigen Leuten zugeſtandene Beguͤn⸗ ſtigung in Anſpruch nehmen zu koͤnnen, iſt es genng, daß man fein ſiebenzigſtes Jahr angefangen habe. — 437— Während der Ehe kann gegen Weiber des Stellionats wegen die koͤrperliche Verhaftung nur dann verhaͤngt wer⸗ den, wenn ſie in Ruͤckſicht der Guͤter getrennt ſind, oder wenn ſie Guͤter beſitzen, wovon ſie ſich die freie Verwal⸗ tung vorbehalten haben, und zwar nur ruͤckſichtlich der Verbindlichkeiten, die ſolche Guͤter betreffen. Weiber, wenn ſie in der Guͤtergemeinſchaft leben, und ſich in derſelben gemeinſchaftlich oder ſolidariſch mit ihrem Manne verbindlich gemacht haben, koͤnnen ruͤckſicht⸗ lich ſolcher Vertraͤge nicht als eines Stellionats ſchuldig angeſehen werden. 2067. Die koͤrperliche Verhaftung kann ſelbſt in den Fällen, wo das Geſetz ſie erlaubt, nicht angewendet wer⸗ den, als kraft eines Urtheils. 2068. Iſt das Urtheil, das die koͤrperliche Verhaftung verhaͤngt, von der Art, daß es gegen Buͤrgſchaft vor der Hand kann vollzogen werden: ſo ſchiebt die dagegen ein⸗ gelegte Berufung die Ausuͤbung der koͤrperlichen Verhaf⸗ tung nicht auf. 2069. Die Verfolgungen und Executionen gegen die Guͤter werden dadurch, daß man die koͤrperliche Verhaf⸗ tung zu Huͤlfe nimmt, weder aufgeſchoben noch gehindert. 2070. Es iſt durch alles obige nichts an den beſon⸗ dern Geſetzen geaͤndert, welche die koͤrperliche Verhaftung in Handelsſachen erlauben, noch an den Geſetzen uͤber die Zuchtpolizei, noch auch an den Geſetzen, die Verwaltung der Staatsgelder betreffend. Vom Pfandvertrage*. Art. 2071. Der Pfandvertrag** iſt eine Verab⸗ redung oder Handlung, wodurch ein Schuldner ſeinem *) Geſetz vem 25. Ventoſe 12. Jahrs,(16. Maͤrz 1804). Pro⸗ mulgirt den 5. Germinal(26. März 1804). **) Nantissement. ————————— — 438— Gläubiger eine Sache zur Sicherheit der Forderung uͤbergibt. 2072. Iſt der Gegenſtand deſſelben eine bewegliche Sache: ſo heißt er eigentlich Pfand. Iſt er eine unbe⸗ wegliche Sache; ſo heißt er Antichreſis. Erſt e s 6apitel. Vom Pfande*). Art. 2073. Durch das Pfand erlangt der Glaubiger das Recht, ſich aus der Sache, worin daſſelbe beſteht, vorzugsweiſe vor andern Glaͤubigern bezahlt zu machen. 2074. Um aber auf ein ſolches Privilegium oder ſolchen Vorzug Anſpruch machen zu koͤnnen, wird erfor⸗ dert, daß entweder eine öͤffentliche oder Privaturkunde vorhanden ſey, die gehoͤrig einregiſtrirt iſt, und die Erklä⸗ rung der ſchuldigen Summe enthaͤlt, ſo wie die Art und Natur der zum Unterpfande uͤbergebenen Sachen, oder ein angehaͤngtes Verzeichniß ihrer Eigenſchaft, ihres Maaßes und Gewichtes. So viel indeſſen die ſchriftliche Abfaſſung und Einregiſtrirung betrifft, ſo iſt beides nicht nothig, wenn die Materie, worauf es ankommt, hundert fuͤnfzig Fran⸗ ken nicht uͤberſteigt. 2075. In Anſehung unkoͤrperlicher beweglicher Sachen, wie einer als beweglich angeſehenen Forderung, hat das im vorhergehenden Artikel bemeldete Privilegium oder Vorzugsrecht nur dann Statt, wenn die Verabredung, wodurch das Pfand darauf beſtellt wird, in einer oͤffent⸗ lichen oder Privaturkunde abgefaßt, einregiſtrirt und dem Schuldner der alſo verpfaͤndeten Forderung inſinnirt iſt. 2076. In allen Faͤllen aber beſteht ein ſolches Vor⸗ zugsrecht auf das Pfand nur in ſo weit letzteres entwe⸗ der dem Glaͤubiger ſelbſt oder einer dritten unter den Theilen verabredeten Perſon, in Beſitz gegeben und ge⸗ blieben iſt. 2077. Auch ein Dritter kann fuͤr den Schuldner ein Unterpfand geben. *) Gage. — 439— 2078. Folgt keine Zahlung: ſo kann der Gläubiger noch nicht uͤber das Pfand verfügen. Er kann aber von Gerichtswegen den Befehl auswirken, daß ihm das Pfand in Zahlung und bis zum gebuͤhrenden Betrag bleiben ſolle, in welchem Falle es von Sachverſtaͤndigen geſchätzt wird, oder, daß es öffentlich verſteigert werden ſolle. Verabredungen, welche anders verfuͤgen, und dem Glaͤubiger die Befugniß ertheilten, ſich das Pfand ohne die obigen Formalitäten zuzueignen oder daruͤber zu ver⸗ fuͤgen, waͤren nichtig. 2079. Bis dahin, daß der Schuldner ſeines Eigen⸗ thumsrechtes auf das Unterpfand rechtlich beraubt wird, bleibt er Eigenthuͤmer deſſelben, und es iſt in den Haͤnden des Glaͤubigers ſo lange weiter nichts, als eine in Ver⸗ wahrung gegebene Sache, welche ihm ſeinen Vorzug ver⸗ ſichert. 2080. Nach Anleitung der Regeln, welche der Titel von Vertraͤgen und den Verbindlichkeiten, wel⸗ che aus Verabredungen uͤberhaupt entſprin⸗ gen, feſtgeſetzt⸗ haftet der Glaͤubiger dafuͤr, wenn das Pfand durch ſeine Schuld verloren geht oder ſich ſonſt verſchlimmert. Seinerſeits iſt der Schuldner gehalten, dem Gläubi⸗ ger die noͤthigen und nuͤtzlichen Auslagen zu verguͤten, die dieſer zu Erhaltung des Unterpfandes gemacht hat. 2081. Beſteht das Unterpfand in einer Forderung, welche Zinſen thut: ſo muß der Glaͤubiger ſolche auf die Zinſen rechnen, die ihm etwa zukommen. Thut aber die Schuld ſelbſt, wofuͤr eine Forderung zum Unterpfande gegeben iſt, keine Zinſen, ſo werden der⸗ gleichen Zinſen auf die Hauptſchuld gerechnet. 2082. So lange der Schuldner die Schuld, zu deren Sicherheit das Unterpfand gegeben iſt, nicht ſammt Zin⸗ ſen und Koſten bezahlt hat, kann er es nicht zuruͤckfordern; es ſey denn, daß der Inhaber es mißbrauche. Wenn der Schuldner, nachdem er bereits fuͤr eine fruͤhere Schuld ein Unterpfand gegeben hatte, bei dem nämlichen Glaͤubiger ein anderes Capital aufnimmt, und dieſes neue Capital fällig wird, ehe die erſte Schuld be⸗ ————————— — 440— zahlt iſt; ſo braucht der Glaͤubiger das Pfand nicht her⸗ aus zu geben, bevor er fuͤr eine und die andere Schuld voͤllig befriedigt iſt, obſchon die Theile gar keine Verab⸗ redung dahin getroffen haben, daß das Pfand auch zur Sicherheit der zweiten Schuld dienen ſollte. 2083. Das Pfand iſt unter den Erben des Glaͤubi⸗ gers untheilbar, obſchon uͤbrigens die Schuld an und fuͤr ſich gar wohl getheilt werden kann. Der Erbe des Schuldners, der ſeinen Theil an der Schuld hezahlt hat, kann nicht fordern, daß man ihm ſei⸗ nen Theil am Pfande wiedergebe, ſo lange die Schuld nicht ganz abgetragen iſt. Und eben ſo kann der Erbe des Gläubigers, der ſei⸗ nen Theil an der Schuld erhalten hat, das Pfand nicht zum Nachtheil ſeiner Miterben, die noch nicht befriedigt ſind, zuruͤckgeben. 2084. Obige Verfuͤgungen finden keine Anwendung in Handelsſachen, noch auf öͤffentlich authoriſirte Leih⸗ und Pfandhaͤuſer. In Betreff ihrer ſind die dahin ein⸗ ſchlaͤgigen Geſetze und Verordnungen zu befolgen. Zw eite Von der Antichreſis H. Art. 2085. Der Contrakt der Antichreſis kann nur ſchriftlich geſchloſſen werden. Durch ihn erlangt der Glaͤubiger weiter nichts, als das Recht, die Fruͤchte des unbeweglichen Gutes zu ge⸗ nießen, mit der Bedingung, daß er ſie jaͤhrlich auf die Zinſen gut ſchreibe, wenn er deren zu fordern hat, und nach ihnen auf die Hauptforderung. 2086. In ſo fern nicht das Gegentheil ausbedungen iſt, muß der Gläubiger alle jaͤhrlichen Abgaben und Laſten des Grundes entrichten, den er antichretiſch benutzt. *) Dieſer Name iſt griechiſch, und zuſammengeſetzt aus anti, gegen, fuͤr, und chreſis, Gebrauch, Benutzung, ſo daß man die Antichreſis wohl Gegengebrauch nennen könnte, weil gegen die Zinſen der Gebrauch oder die Benutzung eines unbeweglichen Gutes uͤberlaſſen wird, worin das Weſen bieſes Vertrages beſteht. — 441— Auch muß er, wenn er nicht fuͤr allen Schaden haf⸗ ten will, fuͤr die Unterhaltung und die nuͤtzlichen und noͤ⸗ thigen Reparaturen des unbeweglichen Gutes ſorgen; wo⸗ gegen er alle, zu dergleichen Gegenſtaͤnden erforderliche Koſten von den Fruͤchten vorabnehmen kann. 2087. Vor der voͤlligen Bezahlung der Schuld kann der Schuldner das unbewegliche Gut, das er zur Anti⸗ chreſis gegeben hat, nicht zuruͤckfordern Dem Gläubiger hingegen, wenn er ſich von den im vorhergehenden Artikel angefuͤhrten Verpflichtungen befreien will, ſteht es allezeit frei, den Schuldner zur Wiederuͤber⸗ nahme ſeines Gutes zu zwingen, ſofern er dieſem Rechte nicht entſagt hat. 2088. Bezahlt der Schuldner zur verabredeten Zeit nicht: ſo erlangt dadurch der Gläubiger nicht das Eigen⸗ thum des unbeweglichen Gutes. Eine Clauſel, wodurch das Gegentheil beſtimmt wuͤrde, wäre nichtig. Der Glaͤu⸗ biger kann aber im Falle der Nichtbezahlung die Auswei⸗ ſung ſeines Schuldners auf geſetzlichem Wege nachſuchen. 2089. Sind die Theile dahin uͤbereingekommen, daß die Fruͤchte gegen die Zinſen entweder völlig, oder bis zu einem gewiſſen Betrag, aufgerechnet werden ſollen: ſo muß eine ſolche Verabredung ihren Vollzug erhalten, wie jede andere, die nicht durch die Geſetze verboten iſt. 2090. Die Verfuͤgungen der Art. 2077 und 2083 ſind auf die Antichreſis anzuwenden, wie auf das Unter⸗ pfand. 2091. Alles, was im gegenwartigen Capitel verfügt iſt, ſchadet den Rechten nicht, die etwa ein Dritter auf das zur Antichreſis gegebene unbewegliche Gut hat. Hat der antichretiſche Glaͤubiger auſſerdem noch ge⸗ ſetzlich beſtellte und bewahrte Hypotheken oder Privilegien: ſo macht er dieſelben in ſeiner Ordnung und wie jeder an⸗ dere Glaͤubiger geltend. ———— N—— ———————— — 442— Wcht ehnter Von Privilegien und Hypotheken J. Fyſte e Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 2092. Wer ſich perſoͤnlich verpflichtet hat, iſt gehalten, ſeine Verbindlichkeit zu erfuͤllen, und zwar mit allen ſeinen Guͤtern, beweglichen und unbeweglichen, ge⸗ genwaͤrtigen und zukuͤnftigen. 2093. Die Guͤter des Schuldners ſind das gemein⸗ ſchaftliche Unterpfand ſeiner Glaͤubiger; ihr Preis theilt ſich unter dieſelben nach dem Verhaͤltniß ihrer Forderun⸗ gen, wenn nicht geſetzmaͤßige Urſachen vorhanden ſind, warum ein Glaͤubiger dem andern vorgezogen werden muß. 2094. Die geſetzmaͤßigen Urſachen, wegen welcher ein Glaͤubiger dem andern vorgezogen werden muß, ſind die Privilegien und Hypotheken. Von den Privilegien. Art. 2095. Ein Privilegium iſt ein Recht, vermoͤge deſſen ein Glaͤubiger allen andern Glaͤubigern, ſelbſt denen, die eine Hypotheke haben, vorgezogen wird, weil ſeine Forderung eine beſondere Eigenſchaft hat. 2096. Unter den privilegirten Glaͤubigern haͤngt die Entſcheidung der Frage, wer den Vorzug habe, von den verſchiedenen Eigenſchaften ihrer Privilegien ab. 2097. Privilegirte Glaͤubiger, welche im naͤmlichen Range ſind, werden nach Verhaͤltniß ihrer Forderungen bezahlt. 2098. Die Privilegien, wozu der oͤffentliche Schatz berechtigt iſt, ſo wie die Ordnung, worin ſie geltend ge⸗ *) Geſetz vom 28. Ventoſe 12. Jahrs,(19. März 1804). Pro⸗ mulgirt den 8. Germinal(29. Maͤrz 1804). —— ——— — 443— macht werden konnen, werden durch die, ſie betreffenden„ Geſetze beſtimmt. Nie kann aber der oͤffentliche Schatz ein Privilegium zum Nachtheil und Abbruch fruͤherer Rechte eines Dritten erlangen. 2099. Privilegien koͤnnen bewegliche und unbewegli⸗ che Guͤter zum Gegenſtande haben. Sſt er ſ i Von Privilegien auf bewegliche Guter. Art. 2100. Dergleichen Privilegien ſind entweder allgemeine, und befaſſen alle bewegliche Guͤter, oder beſondere auf gewiſſe bewegliche Guͤter. §. I. Von allgemeinen Privilegien auf bewegliche Guͤter. Art. 2101. Unter die Forderungen, deren Privilegium ſich auf die Geſammtheit der beweglichen Guͤter erſtreckt, gehoͤren folgende, die ebenfalls in folgender Ordnung gel⸗ tend gemacht werden: lſtens, die Gerichtskoſten; 2tens, die Beerdigungskoſten; 3tens, die Koſten der letzten Krankheit, von welcher Art ſie ſeyn mogen, im Verhaͤltniß zu der Fo⸗ derung eines jeden, dem ſie zuſtehen; 4tens, der Lohn der Dienſtleute, fuͤr das verfallene Jahr und das, was aufs laufende Jahr zu bezahlen iſt; 5tens, die dem Schuldner und ſeiner Familie zu ih⸗ rem Unterhalt gemachten Lieferungen, und zwar, wenn ſie von Kaufleuten im Kleinen, wie von Bäckern, Metzgern und dergleichen herruͤhren, fuͤr die ſechs letzten Monate; wenn ſie aber von Koſtgebern und Kaufleuten im Großen her⸗ ruͤhren, füͤr das letzte Jahr. ——————— S 2 Von Privilegien auf gewiſſe bewegliche Guͤter. Art. 2102. Forderungen, deren Privilegium ſich nur auf gewiſſe bewegliche Guͤter erſtreckt, ſind folgende: 1ſtens, Mieth⸗ und Pachtgelder unbeweglicher Guͤter; ihnen ſteht ein Privilegium auf die Fruͤchte der Erndte des Jahrs und auf den Preis alles deſſen zu, womit das vermiethete Haus oder der Pachthof verſehen iſt, ſo wie alles deſſen, was zur Benutzung des Pachtguts dient. Und zwar ſteht ihnen hierauf ein Privilegium fuͤr alles zu, was ſchon verfallen iſt, oder noch faͤllig wird, in ſofern die Pacht- oder Mieth⸗ verträge oͤffentlich und authentiſch ſind, oder in ſofern ſie zwar nur eine Privatunterſchrift, aber doch ein ſicheres Datum haben. In dieſen bei⸗ den Fällen ſind die uͤbrigen Glaͤubiger berech⸗ tigt, das Haus oder Bauergut fuͤr die noch ruͤckſtaͤndige Pachtzeit aufs neue zu verpachten oder zu vermiethen, und aus ſolchen Pacht⸗ oder Miethvertraͤgen Nutzen zu ziehen, wenn ein ſolcher entſteht, wogegen ſie dem Eigenthuͤ⸗ mer alles bezahlen muͤſſen, was er noch zu for⸗ dern hat; iſt kein oͤffentlicher oder authentiſcher Pacht⸗ vertrag vorhanden, oder ſind ſie nur unter Pri⸗ vatunterſchrift und ohne ſicheres Datum*): ſo ſteht dem Verpachter oder Vermiether jenes Privilegium fuͤr ein Jahr zu, welches nach Ab⸗ lauf des laufenden Jahres anfaͤngt; das naͤmliche Privilegium hat er für die Miethreparationen, und fuͤr alles, was die Er⸗ fuͤllung des Mieth⸗ oder Pachtvertrags betrifft; jedoch muͤſſen die noch ruͤckſtäͤndigen Sum⸗ men fuͤr Ausſaat und Erndte des Jahrs von dem Preiſe der Erndte bezahlt werden, und die ruͤckſtändigen Summen fuͤr Geraͤthſchaften muſ⸗ ſen von dem Preiſe ſolcher Geräthſchaften be⸗ *) S. den Art. 1328. *) Revendicationsklage. —— zahlt werden, und zwar vorzugsweiſe vor dem Eigenthuͤmer in einem, wie in dem andern Falle; der Eigenthuͤmer iſt befugt, die in ſeinem Hauſe oder Pachtgute aufgeſtellken Moͤbeln an⸗ zugreifen, wenn ſie ohne ſeine Bewilligung von der Stelle gebracht worden ſind, und er behält ſein Privilegium darauf, ſo fern er ſie in der gehoͤrigen Zeit verfolgt und wiedergefordert hat. Dieſe Zeit iſt, wenn es auf die Moͤbeln in einem Pachtgute ankommt, eine Friſt von vierzig Ta⸗ gen, und wenn die Rede von den Moͤbeln in einem Hauſe iſt, eine Friſt von fuͤnfzehn Tagen; Atens, die Forderung auf das Unterpfand, das der Glaͤubiger in Haͤnden hat; 3tens, die fur Erhaltung der Sache gemachten Koſten; 4tens, der Preis beweglicher noch nicht bezahlter Ef⸗ fekten, wenn ſie der Schuldner noch in Beſitz hat, er mag ſie nun mit Ausbedingung eines Termins fuͤr die Zahlung gekauft haben, oder nicht; wenn beim Verkauf kein Termin fuͤr die Bezahlung iſt ausbedungen worden: ſo kann der Verkaͤufer ſolche Effekten ſogar als ſein Eigen⸗ thum wiederfordern, und den Verkauf derſelben hindern; nur muß er ſeine Klage desfalls in acht Tagen nach der Lieferung anſtellen, und muͤſſen die Effekten ſich noch in dem naͤmlichen Zuſtande befinden, worin die Lieferung geſche⸗ hen iſt; ein ſolcher Verkaͤufer kann indeſſen ſein Privilegium nicht geltend machen, als nachdem der Eigenthuͤmer des Hauſes oder Pachtgutes das ſeinige geltend gemacht hat; ausgenommen, wenn bewieſen wird, daß der Eigenthuͤmer wohl wußte, daß die Moͤbel und andere Effekten, womit ſein Haus oder Pachtgut verſehen war, dem Pachter oder Miether nicht gehoͤrten; in Ruͤckſicht auf die Geſetze und Gebraͤuche des Handels uber die Eigenthums⸗oder Wieder⸗ forderungsklage* iſt hierdurch nichts geändert; Htens, die Lieferungen eines Gaſtwirthes, auf die von Reiſenden in ſein Gaſthaus gebrachten Effekten; 6tens, der Fuhrlohn und ſonſtige Nebenkoſten, auf die transportirte Sache; 7tens, die Forderungen, die aus Mißbrauch und Un⸗ treue der oͤffentlichen Beamten in ihren Amts⸗ verrichtungen entſtehen, auf das Capital ihrer Caution, und die etwa darauf ruͤckſtehenden Zinſen. 3 weit r b ſh Von Privilegien auf unbewegliche Guͤter. Art. 2103. Glaͤubiger, die auf unbewegliche Guͤter ein Privilegium oder Vorrangsrecht haben, ſind folgende: 1ſtens, der Verkäufer auf das von ihm verkaufte unbewegliche Gut, fuͤr Zahlung des Kaufpreiſes; ſind mehrere Verkaͤufe nacheinander geſche⸗ hen, und die Kaufſchillinge davon ganz oder zum Theil noch unbezahlt: ſo hat der erſte Verkaͤufer vor dem zweiten den Vorzug, der zweite vor dem dritten, und ſo weiter; Atens, die, welche für den Ankauf eines unbewegli⸗ chen Gutes die Kaufſchillinge hergeſchoſſen ha⸗ ben, in welchem Falle aber authentiſch be⸗ wieſen ſeyn muß, daß die hergeſchoſſene Sum⸗ me zu dieſem Zwecke beſtimmt war, und daß die Zahlung wirklich mit der alſo gelehnten Summe geſchehen iſt, erſteres durch den Dar⸗ lehnsvertrag, das andere durch die Quittung des Verkaͤufers; ztens, die Miterben auf die unbeweglichen Guͤter einer Verlaſſenſchaft, zur Sicherung der unter ihnen getroffenen Theilungen, und des Mehr⸗ werths oder Ruͤckfalls der Lvoſe; Atens, die Baumeiſter, Unternehmer, Maurer und an⸗ dere Handwerker, die man zur Erbauung, Wie⸗ deraufbauung oder Reparatur von Gebäuden, Canalen, oder ſonſtigen Werken braucht. Da⸗ — 447— mit aber in ihrer Ruͤckſicht dieſes Privilegium Platz greiffen koͤnne, wird erfordert, erſtens, daß vorläufig ein Protokoll aufgeſetzt worden ſey, um auf ſolche Art den Zuſtand der Oer⸗ ter auszumitteln, in Anſehung der Werke, die der Eigenthuͤmer machen laſſen zu wollen er⸗ klaͤrt, und zweitens, daß dergleichen Werke längſtens in ſechs Monaten nach ihrer Vollen⸗ dung aufgenommen worden ſeyen. Beides, die vorläufige Beſichtigung und die nachherige Auf⸗ nahme, ſo wie die Verfertigung des daruͤber abzuhaltenden Protokolls geſchieht von einem Sachverſtaͤndigen, der von Amtswegen von dem Gerichte erſter Inſtanz ernannt wird, unter deſſen Gerichtsbarkeit ſolche Gebaͤnde und Wer⸗ ke liegen. Das Privilegium begreift aber weiter nichts, als den Werth, der im zweiten der eben gedachten Beſichtigungsprotokolle ausgemittelt iſt, und ſchraͤnkt ſich uͤberdies auf das ein, was das unbewegliche Gut zur Zeit ſeiner Veraͤuſ⸗ ſerung, und in Gefolg der daran geſchehenen Arbeiten, mehr werth war. stens, diejenigen, welche Geld hergeſchoſſen haben, die Handwerker zu bezahlen, oder ihnen ihre Auslagen zu erſtatten; in welchem Falle aber eine ſolche Verwendung wieder durch die Dar⸗ lehnsurkunde und die Quittung der Handwer⸗ ker authentiſch beſcheinigt ſeyn muß, auf die naͤmliche Art, wie oben in Anſehung derjenigen verordnet iſt, welche Gelder fuͤr den Ankauf unbeweglicher Guͤter hergeſchoſſen haben. Dritter Abſchnitt. Von Privilegien die ſich ſowohl auf bewegliche als un⸗ bewegliche Guͤter erſtrecken. Art. 2104. Privilegien, die ſich auf bewegliche und unbewegliche Guͤter zugleich erſtrecken, ſind die im Art. 2101. bemerkten. 2105. Wenn keine beweglichen Guͤter vorhanden ſind, und die im vorhergehenden Artikel bemeldeten privilegir⸗ ———— 2—— ———————— — 448— ten Gläubiger ihre Anſpruͤche auf den Preis eines unbe⸗ weglichen Gutes geltend machen wollen, und mithin mit den privilegirten Glänbigern auf daſſelbe zuſammen treffen; ſo wird nach folgender Ordnung bezahlt: 1ſtens, kommen zur Zahlung die Gerichtskoſten und diejenigen Koſten, die im Art. 2101 bemerkt ſind; 2tens, die im Art. 2103 bemerkten Forderungen. Vierter Abſchnitt. Wie Privilegien erhalten werden muͤſſen*). Art. 2106. Unter den Glaubigern haben Privilegien nur in ſo weit Wirkung in Anſehung unbeweglicher Guͤ⸗ ter, als ſie durch Einſchreibung in die Buͤcher des Hy⸗ pothekenverwahrers oͤffentlich kund gemacht ſind. Die Ein⸗ ſchreibung und Kundmachung derſelben geſchieht auf die vom Geſetze vorgeſchriebene Art, und ihre Wirkung faͤngt vom Tage der Einſchreibung an, ausgenommen in folgen⸗ den Fällen. Eingeſchrieben brauchen nicht zu werden die im Art. 2101 bemerkten Forderungen. 2108. Der Verkaufer hat, wie vorher geſagt, ein Privilegium auf die verkaufte Sache. Er erhaͤlt dieſes Privilegium dadurch, daß er den Titel, der das Eigen⸗ thum auf den Ankaͤufer uͤberträgt, und die Erklärung ent⸗ hält, daß der Kaufpreis noch ganz oder zum Theil un⸗ bezahlt iſt, einſchreiben oder eintragen läßt. Wenn dem⸗ nach der Ankaͤufer den Contrakt eintragen laͤßt: ſt ver⸗ tritt dieſe Eintragung die Stelle der Einſchreibung fuͤr den Verkaͤufer ſowohl als fuͤr den Darleiher, der erſterm die bezahlten Kaufſchillinge geſchoſſen hat, und durch eben die⸗ *) Alle Privilegien ſind zwar in dem Augenblicke vorhanden, wo die Schuld vorhanden iſt. Das Geſetz will aber in gewiſſen Faͤllen, daß man noch etwas thue, daß man ſie in die dazu beſtimmten öffentlichen Buͤcher einſchreiben laſſe, daß man ſie erhalte, um ſie einem Dritten entgegen ſetzen zu können. Dies iſt es, was wir ihre Erhaltung nennen. Der ffentliche Be⸗ amte, bei dem man ſie einſchreiben laßt, bei dem man ſie er⸗ hält und bewahrt, heißt Hypothekenverwahrer(Consetvateur des hypothéques. ſen Contract in die Rechte des Verkaͤufers tritt. Ueberdies iſt jedoch der Hypothekenverwahrer, und zwar unter Strafe aller Koſten und Schaden gegen jeden Dritten, gehalten, die Forderungen, welche der Titel, wodurch das Eigenthum uͤbergeht, ſowohl fuͤr den Verkaͤufer als die Darleiher nach⸗ weiſt, von Amtswegen in ſeine Buͤcher einzuſchreiben. Letz⸗ tere koͤnnen auch, wenn es nicht geſchehen iſt, den Kauf⸗ contract ſelbſt eintragen laſſen, um auf ſolche Art die Ein⸗ ſchreibung deſſen zu erlangen, was ihnen auf den Kaufpreis noch zukommt. 2109. Auch der Miterbe oder Theilungsgenoſſe hat ein Privilegium auf die Guͤter aller Looſe oder auf das ausgeſteigerte Gut, zur Sicherheit des zu bezahlenden Mehr⸗ werthes oder des Ruͤckfalls der Looſe, oder fuͤr den Steige⸗ rungspreis. Er erhaͤlt daſſelbe dadurch, daß er es einſchrei⸗ ben laͤßt, und die Einſchreibung muß in den ſechzig Tagen von dem Datum der Theilung oder des Zuſchlages auf die Verſteigerung geſchehen. Waͤhrend dieſer ſechzig Tage kann auf das mit Ruͤckzahlung eines Mehrwerthes beſchwerte oder durch Verſteigerung zugeſchlagene Gut, zum Nachtheil deſſen, der auf ſolchen Mehrwerth oder Steigerungspreis Anſpruch hat, keine Hypothek erworben werden. 2110. Baumeiſter, Unternehmer, Maurer und andere Handwerker, welche Gebaͤude, Canaͤle oder andere Werke bauen, wieder aufbauen oder ausbeſſern, ſo wie diejenigen, die zu ſolchem Behufe Geld geſchoſſen haben, wenn die Ver⸗ wendung gehoͤrig beſcheinigt iſt, erhalten ihr Privilegium oder Vorrangsrecht dadurch, daß ſie beides, ſowohl das Protokoll, welches den Zuſtand und Befund der Plätze beſchei⸗ nigt, als das Protokoll der Auf⸗ und Uebernahme einſchrei⸗ ben laſſen. Und zwar erhalten ſie daſſelbe vom Tage an, wo das erſte Protokoll eingeſchrieben wird. 2111. Die Glaͤubiger und Legatare oder Vermäͤcht⸗ nißnehmer, welche gemaͤß dem Art. 878 unter dem Titel von der Erbfolge die Trennung des Vermoͤgens des Verſtorbenen fodern, erhalten ihr Privilegium auf die unbe⸗ weglichen Guͤter der Verlaſſenſchaft in Ruͤckſicht auf die Erben oder ſonſtigen Vertreter des Erblaſſers dadurch, daß ſie in den ſechs Monaten von Eroͤffnung der Erbſchaft an⸗ gerechnet ihre Anſpruͤche auf jedes der Guͤter, woraus ſie beſteht, einſchreiben laſſen. 9 0 Vor Ablauf dieſer Friſt kann keins von ſolchen Guͤtern von den Erben oder Vertretern des Erblaſſers guͤltiger Weiſe zum Nachtheil jener Glaͤubiger oder Vermaͤchtnißneh⸗ mer mit Hypotheke beſchwert werden. 2112. Alle diejenigen, denen dieſe verſchiedenen privi⸗ legirten Forderungen abgetreten worden, haben die naͤmli⸗ chen Rechte, wie die, welche ſie ihnen abgetreten haben, und treten an ihren Ort und Stelle. 2113. Alle privilegirte Foderungen, welche der For⸗ malitaͤt der Einſchreibung unterworfen ſind, ſind und blei⸗ ben dennoch hypothekariſch, oder haben ein Hypothekenrecht, wenn ſchon in jhrer Ruͤckſicht die hieroben vorgeſchriebenen Bedingungen zur Erhaltung ihres Privilegiums nicht ſind erfullt worden. Aber ihre Hypothek faͤngt alsdann in An⸗ ſehung dritter Perſonen, nicht eher an, als von dem Zeit⸗ punkte, wo man nach den hierunten folgenden Vorſchriften ihre Einſchreibung beſorgt. Drittes Capitel. Von den Hypotheken. Art. 2114. Die Hypotheke iſt ein dingliches Recht auf unbewegliche Guͤter, die fuͤr Erfuͤllung einer Verbind⸗ lichkeit haften. Sie iſt ihrer Natur nach untheilbar, und befaßt fuͤr's Ganze alle damit beſchwerten unbeweglichen Guter, jedes und jeden Theil derſelben. Sie verfolgt dieſelben, wer es auch ſeyn moͤge, der ſie in Beſitz bekommt. 2115. Die Hypotheke iſt nur in den Fällen und nach den Formen vorhanden, welche das Geſetz beſtimmt. 2116. Sie iſt entweder geſetzlich, oder gerichtlich, oder vertragmaͤßig. 2117. Die Hypothek iſt geſetzlich, wenn ſie ſich auf ein Geſetz gruͤndet. Gerichtlich iſt die Hypothek, wenn ſie ihren Grund in Urtheilen oder gerichtlichen Handlungen hat. Vertragmäßig iſt ſie, wenn ſie von Verträgen, und der ͤußern Form der Handlungen und Verträge abhaͤngt. 2118. Einer Hypotheke ſind bloß folgende Gegenſtän⸗ de fähig: iſtens, unbewegliche Guͤter, welche dem Verkehr nicht entzogen ſind, und alles, was dazu gehoͤrt und für unbeweglich gehalten wird; Atens, die Nutznießung von eben denſelben Gutern und ihrem Zubehoͤr während ihrer Dauer. 2119. Bewegliche Sachen haben keine Hypotheken⸗ olge. 2120. Gegenwaͤrtiges Geſetzbuch aͤndert nichts an den Verfuͤgungen der Seegeſetze, betreffend die Seeſchiffe und Seefahrzeuge. Erſter Abſchnitt. Von geſetzlichen Hypotheken⸗ Art. 2121. Folgende Perſonen haben fuͤr ihre Rechte und Foderungen eine geſetzliche Hypothek: verheirathete Weiber auf die Guͤter ihres Mannes; Minderjaͤhrige und Unterſagte auf die Guͤter ihres Vor⸗ mundes; der Staat, die Gemeinden und oͤffentliche Anſtalten auf die Guͤter ihrer Empfaͤnger und rechnungspflichtigen Verwalter. 2122. Der Glaͤubiger, der eine geſetzliche Hypotheke hat, kann ſein Recht gegen alle unbeweglichen Guͤter gel⸗ tend machen, die ſeinem Schuldner zugehoͤren, und ihm in der Folge etwa zugehoͤren koͤnnen, unter den weiter unten folgenden Einſchraͤnkungen. 3weiter Abſchnitt. Von gerichtlichen Hypotheken⸗ Art. 2123. Die gerichtliche Hypotheke entſpringt aus Urtheilen, ſie moͤgen nun auf Anhoͤrung beider Theile vder im Ausbleibungsfalle ergangen, endlich oder einſtweilig ſeyn, zu Gunſten deſſen, der ſie erwirkt hat. Nicht weniger ent⸗ ſpringt ſie daraus, daß eine Unterſchrift, welche unter eine verbindliche Privaturkunde geſetzt iſt, gerichtlich anerkannt oder als aͤcht ausgemittelt wird. Wer eine ſolche Hypothek hat, kann ebenfalls unter vachfolgenden Bedingungen ſein Recht auf -———— 2— chen Guͤter, die der Schuldner wirklich beſitzt oder in der Folge beſitzen wird, geltend machen. Schiedsrichterliche Spruͤche geben keine Hypothek, als in ſo weit ſie mit dem gerichtlichen Vollziehungsbefehle ver⸗ ſehen ſind. Im Auslande erlaſſene Urtheile geben ebenfalls keine Hypothek, als in ſo weit ſie ein franzoͤſiſcher Gerichtshof fuͤr vollziehbar erklaͤrt hat; wobei uͤbrigens die in den Staats⸗ geſetzen und oͤffentlichen Vertraͤgen etwa fuͤr's Gegentheil enthaltenen Verfuͤgungen zu beobachten ſind. Dr ſch n Von vertragmaͤßigen Hypotheken. Art. 2124. Nur ſolche Perſonen koͤnnen durch Vertrag eine Hypotheke geben, die faͤhig ſind, die unbeweglichen Guͤ⸗ ter zu veraͤußern, welche ſie damit beſtricken. 2125. Wer auf ein unbewegliches Gut ein Recht hat, das noch von einer aufſchiebenden Bedingung abhaͤngt, oder in gewiſſen Faͤllen wieder aufgeloͤſt werden kann, oder der Wiederaufhebung unterworfen iſt, kann zwar eine Hypo⸗ theke darauf geben, aber ſie bleibt der naͤmlichen Wiederauf⸗ hebung oder Umſtoßung unterworfen. 2126. Guͤter der Minderjaͤhrigen, der Unterſagten und der Abweſenden, ſo lange die Einweiſung in den Be⸗ ſitz derſelben nur einſtweilig geſchehen iſt, koͤnnen nur aus den Urſachen und in den Formen mit Hypotheke beſtrickt werden, die das Geſetz beſtimmt, oder auch durch ein Urtheil. 2127. Vertragmaͤßige Hypotheken koͤnnen nur durch Acte in oͤffentlicher authentiſcher Form vor zwei Notaren oder vor einem Notar und zwei Zeugen gegeben und be⸗ williget werden. 2128. Im Auslande geſchloſſene Vertraͤge geben auf Guͤter, die in Frankreich liegen, keine Hypothek; ausgenom⸗ men, wenn die Staatsgeſetze oder offentlichen Vertraͤge das Gegentheil verfuͤgen. 2129. Nur ſolche vertragmaͤßige Hypotheken ſind guͤl⸗ tig, welche entweder in der authentiſchen Urkunde, wodurch die Foderung dargethan wird, oder in einer nachherigen authentiſchen Urkunde, insbeſondere die Natur und Lage jedes unbeweglichen Gutes angeben und erklaͤren, welches dem — — 453— Schuldner gegenwaͤrtig gehoͤrt, und worauf er die Hypo⸗ theke der Foderung bewilligt. Von allen jſeinen gegenwaͤr⸗ tigen Guͤtern kann er jedes namentlich der Hypotheke un⸗ terwerfen. Zukuͤnftige Guͤter konnen nicht mit Hypotheke beſtrickt werden. 2130. Wenn indeſſen die gegenwärtigen freien Guter des Schuldners fuͤr die Sicherheit der Foderung unzulang⸗ lich ſind: ſo iſt es ihm unbenommen, mit Erwaͤhnung, daß dieſelben unzulaͤnglich ſind, ſeine Einwilligung dahin zu ge⸗ ben, daß jedes Gut, das er in der Folge an ſich bringen wird, und ſo wie er es an ſich bringt, fuͤr die Foderung hypothekariſch haften ſolle. 2131. Auch in dem Falle, wo das gegenwaͤrtige un⸗ bewegliche Gut oder die unbeweglichen Guͤter, welche unter der Hypotheke liegen, zu Grunde gegangen oder ſo viel ſchlechter geworden ſind, daß ſie dem Glaubiger keine hin⸗ reichende Sicherheit mehr gewaͤhren, kann letzterer entweder gleich ſeine Bezahlung fodern, oder einen Zuſatz zu ſeiner Hypotheke erwirken. 2132. Vertragmäßige Hypotheken ſind nur in ſo weit guͤltig, als die Summe wofuͤr ſie bewilligt werden, in der urkunde gewiß und beſtimmt iſt. Haͤngt das Daſeyn der aus einer Verbindlichkeit herruͤhrenden Foderung von einer Bedingung ab, oder iſt ihr Werth unbeſtimmt: ſo kann der Glaͤubiger die Einſchreibung, wovon unten die Rede ſeyn wird, nicht verlangen, als bis zum Betrag eines Schätzungs⸗ werthes, den er ausdruͤcklich erklaͤrt. Der Schuldner kann, je nachdem die Umſtande ſind, dieſen angegebenen Werth herabſetzen laſſen. 2133. Eine einmal erworbene Hypothek erſtreckt ſich auf alle Verbeſſerungen, welche das damit behaftete Gut er⸗ halten hat. i b ſchnitt. Vom Range der Hypotheken unter ſich. Art. 2134. Unter den Glaͤubigern hat die Hypothek, ſie mag nun geſetzlich oder gerichtlich, oder vertragmaͤßig ſeyn, ihren Rang nur von dem Tage an, wo ſie der Glaͤu⸗ biger in die Buͤcher des Hypothekenverwahrers, nach der — 654— vom Geſetze beſtimmten Art und Form, einſchreiben laͤßt. Ausgenommen ſind die im folgenden Artikel bemerkten Hy⸗ potheken. 2135. Eine Hypotheke haben, auch ohne alle Ein⸗ ſchreibung, lſtens, Minderjaͤhrige und Unterſagte, auf die ihrem Vormunde zugehoͤrigen unbeweglichen Guͤter, we⸗ gen ihrer Verwaltung, vom Tage der uͤbernomme⸗ nen Vormundſchaft an; Ltens, verheirathete Weiber, wegen ihres Brautſchatzes und ihrer Eheverabredungen, auf die unbewegli⸗ chen Guͤter ihres Mannes, und vom Tage der Trauung an. In Anſehung der Brautſchatzgelder, welche die Frau durch Erbſchaften, die ihr anfallen, oder durch ihr waͤhrend der Ehe gemachte Schenkungen erhaͤlt, hat dieſelbe eine Hy⸗ potheke nur von dem Tage an, wo ſolche Erbſchaften eroͤff⸗ net, oder ſolche Schenkungen wirkſam werden. Fuͤr Verguͤtung der Schulden, die ſie mit ihrem Man⸗ ne gemacht hat, und fuͤr die Wiederanlegung der Gelder, die aus einem ihr eigenen Gute eingegangen ſind, hat ſie keine Hypotheke, als von dem Tage der uͤbernommenen Verbindlichkeit, oder des Verkaufs. In keinem Falle ſoll die Verfuͤgung des gegenwaͤrtigen Artikels die Rechte ſchmaͤlern, die etwa ein Dritter vor Verkuͤndigung des gegenwaͤrtigen Titels erworben hatte. 2136. Demungeachtet ſind die Maͤnner und Vormuͤn⸗ der gehalten, den Hypotheken, womit ihre Guͤter beſchwert ſind, Kundbarkeit zu geben, und ſie zu dieſem Zwecke ſelbſt bei den geeigneten Verwahrern eintragen zu laſſen. Die Einſchreibung geſchieht auf ihre wirklichen unbeweglichen Guͤter, ſo wie auf jene, die ihnen etwa in der Folge noch angehoͤren werden. Maͤnner und Vormuͤnder, welche vernachlaͤßigt haben, die im gegenwaͤrtigen Artikel vorgeſchriebenen Einſchreibun⸗ gen nachzuſuchen und vornehmen zu laſſen, und etwa Hy⸗ potheken oder Privilegien auf ihre unbeweglichen Guͤter nehmen laſſen oder bewilligt haben, ohne ausdruͤcklich dabei zu erklaͤren, daß beſagte Guͤter unter geſetzlicher Hypotheke zum Vortheil von Weibern oder Minderjaͤhrigen lagen, wer⸗ den als des Stellionats ſchuldig angeſehen, und ſind als ſolche dem koͤrperlichen Zwang unterworfen. 2137. Die beigeordneten Vormuͤnder ſind unter ihrer perſoͤnlichen Verantwortlichkeit und unter Strafe alles Scha⸗ denerſatzes, gehalten, darauf zu ſehen, daß die noͤthigen Einſchreibungen auf die Guͤter des Vormundes wegen ſeiner Verwaltung ohne Zeitverluſt genommen werden; ſie muͤſſen ſogar dieſelben ſelbſt beſorgen laſſen. 2138. Beſorgen die Maͤnner, Vormuͤnder und beige⸗ ordneten Vormuͤnder die in den vorhergehenden Artikeln be⸗ fohlenen Einſchreibungen nicht: ſo verlangt der Staats⸗ Procurator bei dem Gerichte erſter Inſtanz, worunter die Maͤnner und Vormuͤnder wohnen, oder von dem Orte, wo die Guͤter liegen, daß ſie geſchehen. 2139. Auch die Verwandten des Mannes oder der Frau, die Verwandten des Minderjaͤhrigen, oder, wenn de⸗ ren keine da ſind, ſeine Freunde, koͤnnen die beſagten Ein⸗ ſchreibungen verlangen. Die naͤmliche Befugniß haben die Frau und die Minderjährigen ſelbſt. 2140. Wenn in dem Ehecontracte die Theile, welche beiderſeitig großjährig ſind, ſich dahin verſtanden haben, daß die Einſchreibung nur auf ein unbewegliches Gut oder auf gewiſſe dergleichen Guͤter des Mannes ſoll genommen werden: ſo bleiben die uͤbrigen Guͤter, die fuͤr die Einſchrei⸗ bung nicht angegeben ſind, frei und ledig von der Hypo⸗ theke, welche ſonſt die Frau zur Sicherheit ihrer Wieder⸗ nahmsrechte und Eheverabredungen hat. Verabredungen, 1 gar keine Einſchreibung ſoll genommen werden, ſind verboten. 2141. Eben ſo verhält es ſich in Anſehung der unbe⸗ weglichen Guͤter des Vormundes, wenn die Verwandten in einem Familienrathe ihre Meinung dahin erklaͤrt haben, daß die Einſchreibung nur auf gewiſſe beſtimmte Guͤter genom⸗ men werden ſolle. 2142. In dem Falle der beiden vorhergehenden Arti⸗ kel thut der Mann, der Vormund und der beigeordnete Vor⸗ mund genug, wenn er die Einſchreibung bloß auf die ange⸗ gebenen Guͤter bewerkſtelligen laͤßt. 2143. Iſt in der Ernennungsurkunde des Vormundes die Hypotheke nicht beſchränkt worden: ſo kann der Vor⸗ ———————— mund in dem Falle, wo die allgemeine Hypotheke auf ſeine unbeweglichen Guͤter kundiger Maßen die fuͤr ſeine Geſchäfts⸗ fuͤhrung zu leiſtende hinreichende Sicherheit uͤberſteigt, fo⸗ dern, daß die Hypotheke auf die unbeweglichen Guͤter ein⸗ geſchraͤnkt werde, die hinreichend ſind, um den Minderjaͤhri⸗ gen fuͤr ſeine Anſpruͤche voͤllig ſicher zu ſtellen. Eine ſolche Foderung wird gegen den beigeordneten Vormund gerichtet, und ihr muß ein Familiengutachten nothwendig vorhergehen. 2144. Auch der Mann kann fodern, daß die allge⸗ meine Hypotheke auf alle ſeine unbeweglichen Guͤter zur Sicherheit des Brautſchatzes, der Wiedernahmsrechte und Eheverabredungen, auf jene unbeweglichen Guͤter einge⸗ ſchraͤnkt werde, die noͤthig ſind, um die Frau fuͤr alle ihre Rechte voͤllig zu ſichern. Die Frau muß aber einwilligen, und der Mann muß vorher das Gutachten von vier ihrer naͤchſten Verwandten eingezogen haben, die ſich zu dieſem Ende in einer Familienverſammlung vereinigen. 2145. Die Urtheile auf ſolche Forderungen der Maͤn⸗ ner und Vormuͤnder koͤnnen nicht anders, als nach Anhoͤ⸗ rung des Staats⸗Prokurators und contradictoriſch mit ihm, erlaſſen werden. Faͤllt der Spruch des Gerichtes dahin aus, daß die Hypotheke auf gewiſſe unbewegliche Guͤter zu beſchraͤnken ſey: ſo werden die Einſchreibungen auf alle andere Guͤter ausgeſtrichen. Ve e Von der Art, wie Privilegien und Hypotheken einzuſchreiben ſind. Art. 2146. Die Einſchreibungen geſchehen in dem Bureau der Hypothekenverwahrung des Bezirks, wo die mit Privilegium oder Hypotheke behafteten Guͤter liegen. Und da die in einem gewiſſen Zeitraume vor ausgebrochenem Bankerott geſchehenen Handlungen als nichtig erklaͤrt ſind: ſo ſind die Einſchreibungen, wenn ſie in dieſem Zeitraume genommen werden, ohne alle Wirkung*. *) Dieſe Zeit iſt nach den jetzt beſtehenden Geſetzen zehn Tage vor dem wirklich ausgebrochenen Bankerott. Gleiche Bewandniß hat es unter den Glaͤubigern einer Verlaſſenſchaft, wenn die Einſchreibung von einem derſelben erſt nach der Eroͤffnung geſchehen iſt, ſo wie in dem Falle, wo die Erbſchaft bloß mit Vorbehalt der Rechtswohlthat des Inventariums iſt angenommen worden. 2147. Alle Glaͤubiger, welche an einem und demſelben Tage eingeſchrieben ſind, haben unter ſich fuͤr ihre Fode⸗ rungen ein Hypothekenrecht vom naͤmlichen Datum, ohne Unterſchied, ob eine Einſchreibung des Morgens, die andere des Nachmittags geſchehen, und ſolches vom Hypotheken⸗ verwahrer bemerkt worden iſt. 2148. Um die Einſchreibung zu bewirken, uͤbergibt der Glaͤubiger dem Hypothekenverwahrer die Urkunde oder den Titel, der die Hypotheke oder das Privilegium begruͤn⸗ det, das heißt, entweder die Originalurkunde als ein ſo⸗ genanntes Brevet ausgefertigt*), oder eine authentiſche offentliche Ausfertigung jenes Titels oder Urkunde. Er kann ſie auch durch einen andern uͤberreichen laſſen. Zugleich uͤbergibt er zwei auf geſtempeltes Papier ge⸗ ſchriebene Verzeichnißzettel**), wovon der eine auf die Ausfertigung des Titels ſelbſt geſchrieben werden kann. Dieſe Verzeichnißzettel enthalten: 4ſtens, den Namen, Vornamen und Wohnort des Glaͤu⸗ bigers, ſein Gewerb, wenn er eins hat, und die Erwaͤhlung eines Wohnortes fuͤr ihn in irgend einem Orte des Bezirks, worin das Hypotheken⸗ bureau iſt; 2tens, den Namen, Vornamen und Wohnort des Schuldners, ſein Gewerb, wenn er ein bekanntes Gewerb hat, oder eine Beſchreibung des Schuld⸗ ners, welche auf ihn einzeln und beſonders paßt, und ſo deutlich iſt, daß der Hypothekenverwahrer in allen Faͤllen die einzelne Perſon wohl unter⸗ *) Ein Notarialact iſt in Form eines Brevet, wenn er ſo, wie der Notar ihn aufgeſetzt hat, der Partei ubergeben wird, und der Notar keine Ausfertigung davon macht, und dieſe der Par⸗ tei uͤbergibt. „) Bordereau. Es iſt ein Zettel, worauf Namen, Wohnort u. ſ. w. des Glaͤubigers und Schuldners bemerkt werden, mit der beigefugten Bitte um Einſchreibung, u. ſ. w. kurz, ein Auszug aus der Schuldverſchreibung. ——————— ſcheiden und erkennen koͤnne, welche mit der Hy⸗ potheke beſchwert iſt; 3tens, das Datum und die Natur des Titels; dtens, den Betrag des Capitals der Foderungen, die im Titel oder Scheine ausgedruͤckt ſind, oder von dem, der die Einſchreibung nachſucht, geſchätzt werden muͤſſen, wenn es auf Renten oder ſonſti⸗ ge Leiſtungen, oder auf noch unbeſtimmte, oder von einer Bedingung, oder einem Ereigniſſe abhaͤngen⸗ de Rechte ankommt, in den Faͤllen, wo das Geſetz die Schaͤtzung derſelben vorſchreibt; wie nicht we⸗ niger den Betrag deſſen, was zu ſolchen Capita⸗ lien gehoͤrt, und die Zeit, wo ſie faͤllig werden; h5tens, die Angabe und Bezeichnung der Art und Lage jener Guͤter, welche ihm fuͤr ſein Privilegium oder ſeine Hypotheke haften ſollen. Dieſe letztere(in Nr. 5 enthaltene) Verfuͤgung faͤllt bei geſetzlichen oder gerichtlichen Hypotheken weg. Wenn bei dieſer keine beſondere Verabredung getroffen worden: ſo trifft in ihrer Ruͤckſicht eine und die nämliche Einſchrei— bung alle unbeweglichen Guͤter, welche in dem Bezirk des Bureaus liegen. 2149. Iſt die Perſon, auf deren Guͤter man eine Einſchreibung erwirken will, verſtorben: ſo iſt es genug, daß man dieſelbe blos nach Vorſchrift der Nr. 2. unter dem vorhergehenden Artikel bezeichne. 2150. Der Hypothekenverwahrer verzeichnet in ſeinem Buch den Inhalt der Verzeichnißzettel, und gibt demjenigen, der die Einſchreibung nachſucht, den Titel oder die Ausfer⸗ tigung des Titels ſowohl, als einen von den Verzeichniß⸗ zetteln zuruͤck. Unten auf dem Verzeichnißzettel, den er zu⸗ ruͤckgibt, beſcheinigt er, daß die Einſchreibung geſchehen iſt. 2¹51. Glaͤubiger, die fuͤr ein Capital eingeſchrieben ſind, das Zinſen oder Renten ausbringt, haben das Recht, mit dergleichen Zinſen und Renten nur fuͤr zwei Jahre und das laufende der Ordnung nach in den naͤmlichen Hypothe⸗ kenrang zu treten, wie fuͤr die Hauptfoderung. Ueberdies bleibt es ihnen aber unbenommen, fuͤr die andern Ruͤckſtän⸗ de, die ſie durch die erſte Einſchreibung nicht verwahrt ha⸗ ben, beſondere Einſchreibungen zu nehmen, die dann eine Hypotheke haben von ihrem Datum an. 2152. Wer eine Einſchreibung erwirkt hat, kann in dem Hypothekenbuche den von ihm erwaͤhlten Wohnort aͤn⸗ dern, wogegen er einen andern Wohnort in dem naͤmlichen Bezirke waͤhlen und anzeigen muß. Das naͤmliche Recht haben diejenigen die ihn vertreten, ſo wie diejenigen, denen er ſein Recht durch einen oͤffentlichen Act ubertragen hat. 2153. Bei der Einſchreibung bloß geſetzlicher Hypo⸗ theken des Staates, der Gemeinden und oͤffentlichen Anſtal⸗ ten auf die Guͤter ihrer Rechnungspflichtigen, der Minder⸗ jaͤhrigen und Unterſagten auf die Guͤter ihrer Vormuͤnder, und der verheiratheten Weiber auf die Guͤter ihrer Maͤnner, hat man weiter nichts zu beobachten, als zwei Verzeichniß⸗ zettel zu uͤberreichen, welche bloß enthalten: lſtens, den Namen, Vornamen, Gewerb und wirklichen Wohnort des Gläubigers, und den Wohnort, der von ihm oder fuͤr ihn in dem Bezirke erwaͤhlt wird; gtens, den Namen, Vornamen, Gewerb und Wohnort des Schuldners, oder eine genaue Bezeichnung deſſelben, woran er ſich erkennen laͤßt; ztens, die Natur der zu verwahrenden Rechte, und den Betrag ihres Werthes in Anſehung der Gegen⸗ ſtaͤnde, die beſtimmt ſind, ohne daß dieſer Betrag braucht angegeben zu werden in Anſehung jener Rechte, die noch unbeſtimmt ſind, oder von einem Ereigniſſe oder einer Bedingung abhängen. 2154. Die Einſchreibungen erhalten und verwahren die Hypotheke und das Privilegium waͤhrend zehn Jahre, vom Tage ihres Datums an. Ihre Wirkung hoͤrt auf, wenn ſie nicht vor Ablauf dieſer Friſt erneuert worden ſind. 2155. Die Koſten der Einſchreibung traͤgt der Schuld⸗ ner, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen worden. Der Einſchreibende ſchießt ſie vor, jedoch nicht bei geſetzlichen Hypotheken, bei deren Einſchreibung der Verwahrer ſie vom Schuldner zu fodern hat. Die Koſten der Einſchreibung, die etwa der Verkäaufer nachſucht, traͤgt der Ankäufer. — 65— 2156. Alle Klagen, welche gegen die Glaubiger aus Einſchreibungen entſtehen koͤnnen, werden vor der geeigne⸗ ten Gerichtsbehoͤrde angehoben, und die Ladung ihnen ent⸗ weder in Perſon inſinuirt, oder an dem Wohnort, der fuͤr ſie zuletzt in dem Hypothekenbuch erwaͤhlt iſt; und zwar, un⸗ geachtet die Glaͤubiger, oder diejenigen, wobei ſie ihren Wohnort erwaͤhlt haben, verſtorben ſind. F ön t e Von Ausſtreichung und Herabſetzung der Ein⸗ ſchreibungen. Art. 2157. Die Einſchreibungen werden entweder auf Bewilligung der intereſſirten Theile ausgeſtrichen, in ſo fern ſie uͤbrigens dazu die gehoͤrige Faͤhigkeit haben, oder in Ge— folg eines in letzter Inſtanz ergangenen oder in Rechts⸗ kraft uͤbergegangenen Urtheils. 2158. In einem wie in dem andern Falle legt der⸗ jenige, der die Ausſtreichung nachſucht, beim Hypothekenver⸗ wahrer eine Ausfertigung der authentiſchen Urkunde, welche die Einwilligung beſcheinigt, oder eine Ausfertigung des Urtheils, nieder. 2159. Soll eine Einſchreibung ohne Einwilligung aus⸗ geſtrichen werden: ſo hat man die Ausſtreichung bei dem Gerichte nachzuſuchen, unter deſſen Bezirke die Einſchreibung geſchehen iſt. Wenn indeſſen letztere zu dem Zwecke geſchehen iſt, um dadurch den allenfallſigen oder unbeſtimmten Be⸗ trag eines richterlichen Spruches zu ſichern, uͤber deſſen Voll— zug oder Auseinanderſetzung die angeblichen Glaͤubiger und Schuldner noch vor einem andern Gerichte ſtreiten oder ein Urtheil erwarten: ſo wird die Klage auf Ausſtreichung bei dieſem Gerichte angeſtellt oder dahin zuruͤckverwieſen. In dem Falle jedoch, wo Glaͤubiger und Schuldner uͤbereingekommen ſind, daß im Falle eines Streites die Klage vor ein Gericht, das ſie bezeichnen, gebracht werden ſolle, hat es unter ihnen bei dieſer Verabredung ſein Bewenden. 2160. Die Gerichte ſind gehalten, die Ausſtreichung zu befehlen, wenn die geſchehene Einſchreibung ſich weder auf das Geſetz, noch auf einen Litel gruͤndet, oder, wenn ſie ſich zwar auf einen Titel gruͤndet, der aber unregelmaͤ⸗ 2 hig, oder getilgt oder abgetragen iſt, oder, wenn die Privi⸗ legien⸗ oder Hypothekenrechte auf geſetzliche Art erloſchen ſind. 2161. So oft ein Glaͤubiger, der dem Geſetze nach, und in ſo fern keine ihn beſchraͤnkende Verabredung vor⸗ handen iſt, berechtigt waͤre, Einſchreibungen auf das gegen⸗ waͤrtige oder zukunftige Vermoͤgen ſeines Schuldners zu nehmen, ſeine Einſchreibung auf mehrere Gruͤnde nimmt, als zur Sicherſtellung ſeiner Foderungen noͤthig ſind: ſteht dem Schuldner eine Klage zu, damit dergleichen Einſchrei— bungen herabgeſetzt, oder fuͤr den Theil, der das gehoͤrige Verhältniß uͤberſteigt, ausgeſtrichen werden. Welches Ge⸗ richt hiebei angegangen werden muͤſſe, iſt nach den Regeln des Art. 2159 zu entſcheiden. Die Verfuͤgung des gegenwaͤrtigen Artikels hat auf vertragmaͤßige Hypotheken keine Anwendung. 2162. Als uͤbermaͤßig ſind Einſchreibungen, die meh⸗ rere Guͤter treffen, anzuſehen, wenn der Werth eines oder einiger derſelben an freien Gruͤnden uͤber ein Drittel groͤ⸗ ßer iſt, als der Betrag der Foderungen an Capital und al⸗ lem, was damit rechtlicher Weiſe verbunden iſt. 2163. Eben ſo koͤnnen auch ſolche Einſchreibungen als uͤbermaͤßig herabgeſetzt werden, die der Glaͤubiger nach einer ſelbſt gemachten Schaͤtzung, und fuͤr ſolche Foderungen genommen hat, welche, ſo viel die zu ihrer Sicherheit zu ſtellende Hypotheke betrifft, nicht durch eine Verabredung regulirt worden ſind, und welche ihrer Natur nach unbe⸗ ſtimmt oder bedingt ſind, oder noch von einem Ereigniſſe abhangen. 2164. Was in dieſem Falle als uͤbermaͤßig zu be⸗ trachten ſey, wird von den Richtern nach der Billigkeit be⸗ ſtimmt. Sie richten ſich dabei nach den Umſtänden, nach der Wahrſcheinlichkeit eines guten oder boͤſen Ausſchlags, und nach Vermuthungen, die ſich auf Thatſachen ſtuͤtzen, und haben uͤbrigens ſowohl die wahrſcheinlichen Rechte des Glaͤubigers, als das Intereſſe des Schuldners, einen ordent⸗ lichen Credit zu erhalten zu vereinigen. Hiedurch verliert aber der Glaͤubiger das Recht nicht, neue Einſchreibungen mit Hypotheke vom Tage ihres Datums an zu nehmen, wenn durch den Erfolg die unbeſtimmten Foderungen geſtie⸗ gen ſind. ——————— 3 —— — 462— 265. Um den Werth der unbeweglichen Guͤter, wel⸗ che man mit dem Werth der Forderungen und einem Drit⸗ tel druͤber vergleichen muß, herauszubringen, nimmt man, wenn es auf ſolche Guͤter ankommt, die keiner Verſchlim⸗ merung unterworfen ſind, fuͤnfzehn mal den Werth ihres Ertrags, ſo wie derſelbe in der Mutterrolle der Grundſtener erklaͤrt, oder bei dem Steueranſchlage auf der Rolle angege⸗ ben iſt, nach dem Verhaͤltniſſe, worin in den Gemeinden, worunter ſie liegen, dieſe Mutterrolle oder dieſer Steueran⸗ ſchlag gegen den Ertrag ſteht. Man nimmt jenen Werth nur zehnmal, wenn es auf Guͤter ankommt, die einer Ver⸗ ſchlimmerung unterworfen ſind. Jedoch ſteht es auch den Richtern frei, uͤberdies als Huͤlfs⸗ und Aufklaͤrungsmittel Pachtſcheine zu brauchen, wenn ſie nicht verdaͤchtig ſind, Schaͤtzungsprotocolle, die etwa fruͤher, und nicht gar weit von der gegenwaͤrtigen Epoche, abgehalten worden ſind, und andere aͤhnliche Urkunden, dieſelben zuſammen zu vergleichen, und den Ertrag nach dem Mittelanſchlag zu beſtimmen, der ſich daraus ergibt. Sech s tes Capit Von den Wirkungen der Privilegien und Hypo⸗ theken gegen dritte Beſitzer. Art. 2166. Glaͤubiger, die auf ein unbewegliches Gut ein Privilegium oder eine Hypotheke haben, verfolgen daſ⸗ ſelbe, in welche Haͤnde es immer kommen moͤge, um in den Rang zu kommen und daraus bezahlt zu werden nach Ord⸗ nung ihrer Foderungen oder Einſchreibungen. 2167. Um ein reines freies Eigenthum zu erhalten, hat der dritte Beſitzer die weiter unten feſtgeſetzten Feier⸗ lichkeiten zu beobachten. Verſaͤumt er dieſelben: ſo bleibt er, vermoͤge der Einſchreibungen an und fuͤr ſich, als Inhaber fuͤr alle Hypothekſchulden verpflichtet, und iſt zu allen Friſten und Terminen berechtigt, die auch dem urſpruͤnglichen Schuld⸗ ner geſtattet waren. 2168. In dem naͤmlichen Falle iſt der dritte Beſitzer oder Inhaber gehalten, entweder alle fällige Zinſen und Capitalien zu bezahlen, ſo groß ihr Betrag ſeyn mag, oder das mit Hypothek beſtrickte Gut zu raͤumen, ohne irgend einen Vorbehalt. 2169. Wenn der dritte Inhaber eine dieſer Verbind⸗ lichkeiten nicht voͤllig erfullt: ſo hat ein jeder Hypotheken⸗ glaͤubiger das Recht, gegen ihn das mit Hypotheke beſtrickte Gut verkaufen zu laſſen, und zwar dreißig Tage nach dem Aufgebote, das er an den urſpruͤnglichen Schuldner hat erge⸗ hen laſſen, und nach der Auffoderung, die er dem dritten Inhaber gethan hat, die faͤllige Schuld zu bezahlen, oder das Erbe zu raͤumen. 2170. In dem Falle jedoch, wo der dritte Inhaber nicht perſoͤnlich verbunden iſt, die Schuld zu bezahlen, kann er ſich dem Verkauf des mit Hypotheke beſtrickten Grundes, den er an ſich gebracht, widerſetzen, wenn der Hauptſchuld⸗ ner noch andere unbewegliche Guͤter beſitzt, worauf die naͤm⸗ liche Hypotheke haftet, und verlangen, daß man ſich vor⸗ her an denſelben erhole, nach der unter dem Titel von Buͤrgſchaften beſtimmten Form. Waͤhrend der Ausklage dieſer Guͤter wird mit dem Verkauf des beſtrickten Grundes inne gehalten. 2171. Die Einrede der Ausklage oder vorlaͤufigen Erholung an den uͤbrigen Guͤtern kann dem priviligirten Glaͤubiger nicht entgegen geſetzt werden, eben ſo wenig, als dem Glaͤubiger, der auf das unbewegliche Gut eine be⸗ ſondere Hypotheke hat. 2172. Was die oben gedachte Raͤumung zufolge einer Hypothek betrifft, ſo kann ſie von jedem dritten Inhaber geſchehen, der nicht perſoͤnlich fuͤr die Schuld haftet, und der faͤhig iſt zu veraͤußern. 2173. Eine ſolche Raͤumung kann ſelbſt dann noch geſchehen, wenn der dritte Inhaber die Verbindlichkeit be⸗ reits anerkannt hat, oder wenn bereits in dieſer Eigenſchaft allein ein Urtheil gegen ihn ergangen iſt. Sie hindert ihn nicht, ſo lange der Zuſchlag noch nicht geſchehen iſt, das unbewegliche Gut wieder zu nehmen, und die ganze Schuld mit den Koſten zu bezahlen. 2174. Die Raͤumung zufolge einer Hypotheke geſchieht in der Kanzlei des Gerichts, worunter die Guͤter liegen, und das Gericht ſtellt einen Schein daruͤber aus. Auf das Anſuchen des fleiſſigſten von den intereſſirten Theilen wird dem ſo geraͤumten Gute ein Curator ernannt, ————————— — 464— gegen welchen alsdann der Verkauf deſſelben in den fuͤr die gezwungenen Raͤumungen feſtgeſetzten Formen nachgeſucht wird. 2175. Iſt das Gut durch eine Handlung oder Nach⸗ laͤßigkeit des dritten Inhabers zum Nachtheil der privilegir⸗ ten oder hypothecariſchen Glaͤubiger verſchlimmert worden: ſo haben letztere gegen ihn eine Entſchaͤdigungsklage. Er ſelbſt aber kann ſeine Auslagen und Verbeſſerungen daran nur ſo weit zuruͤckfodern, als das Gut dadurch an Werth geſtiegen iſt. 2176. Der dritte Inhaber braucht die Fruͤchte des mit Hypothek beſtrickten Gutes erſt von dem Tage an zu er⸗ ſtatten, wo er aufgefodert worden iſt zu bezahlen oder zu raͤumen. Und wenn die desfalls angehobenen Verfolgungen waͤhrend drei Jahre liegen geblieben ſind: ſo braucht er je⸗ ne Fruͤchte nur von dem Tage an zu erſtatten, wo eine neue Aufforderung an ihn ergeht. 2177. Grundgerechtigkeiten und dingliche Rechte, wel⸗ che der dritte Inhaber vor ſeinem Beſitze auf das unbeweg⸗ liche Gut hatte, leben wieder auf, ſobald er es geraͤumt hat, oder ſobald es zugeſchlagen worden iſt. Seine perſoͤnlichen Glaͤubiger machen auf das geräumte oder zugeſchlagene Gut ihre Hypotheke nach ihrem Range geltend, aber erſt nach allen jenen Glaͤubigern, welche nach den vorherigen Eigenthuͤmern eingeſchrieben ſind. 2178. Hat der dritte Inhaber die Hypothekenſchuld bezahlt, oder das damit behaftete Gut geraͤumt, oder den gerichtlichen Verkauf deſſelben geſchehen laſſen: ſo ſteht ihm gegen den Hauptſchuldner, dem befundenen Rechte nach, eine Klage auf Gewaͤhrleiſtung zu. 2179. Will der dritte Beſitzer ſein Eigenthum rein und frei von der Hypotheke machen, und zu dem Ende den Preis bezahlen: ſo hat er die Formalitaten zu beobachten, die im achten Capitel des gegenwaͤrtigen Titels feſtgeſetzt ſind. Siebentes Capitel. VonErloͤſchung der Hypotheken und Privilegien. Art. 2180. Privilegien und Hypotheken erloͤſchen: ——— ————————————————— 5— tſtens, durch die Erloͤſchung der Hauptverbindlichkeit, Atens, durch die Verzichtleiſtung des Glaͤubigers auf die Hypothek, ztens, durch Erfuͤllung jener Feierlichkeiten und Bedin⸗ gungen, welche dem dritten Beſitzer vorgeſchrieben ſind, um die von ihm erworbenen Guͤter hypothe⸗ kenfrei zu machen, 4tens, durch die Verjaͤhrung. Der Schuldner erlangt in Anſehung der Guͤter, welche in ſeinen Haͤndeu ſind, die Verjaͤhrung in der nämlichen Zeit, die beſtimmt iſt fuͤr die Verjaͤhrung von Klagen, wel⸗ che ein Privilegium oder eine Hypotheke geben. In Anſehung ſolcher Guͤter, die in den Haͤnden eines dritten Inhabers ſind, erwirbt er die Verjaͤhrung in der naͤmlichen Zeit, welche zur Verjaͤhrung des Eigenthums zu ſeinem Vortheil erforderlich iſt. In dem Falle, wo die Verjaͤhrung einen Titel vorausſetzt, faͤngt ſie nicht eher an zu laufen, als von dem Tage, wo derſelbe in die Buͤcher des Hypothekenverwahrers eingeſchrieben worden iſt. Einſchreibungen, welche der Glaͤubiger nimmt, unter⸗ brechen den Lauf der Verjaͤhrung nicht, welche das Geſetz zu Gunſten des Schuldners oder dritten Inhabers feſtſetzt. W 5 C Von der Art, das Eigenthum von Privilegien und Hyhpotheken frei zu machen⸗ Art. 2181. Dritte Beſitzer, wenn ſie Vertraͤge ge⸗ ſchloſſen haben, welche das Eigenthum unbeweglicher Guͤter oder dinglicher unbeweglicher Rechte uͤbertragen, und ſolche Guͤter von Privilegien und Hhpotheken rein und frei ma⸗ chen wollen, muͤſſen dieſelben von dem Hypothekenverwah— rer des Bezirks, worin die Guͤter liegen, ganz eintragen laſſen⸗ Dieſe Eintragung geſchieht in ein eigens hiezu beſtimm⸗ tes Buch, und der Hypothekenverwahrer muß dem, der ſie nachſucht, eine Beſcheinigung daruͤber zuſtellen. Durch die bloße Eintragung von Titeln, welche das Eigenthum uͤbertragen, in die Buͤcher des Hypothekenver⸗ 30 ———————— 66 wahrers, werden aber unbewegliche Guͤter noch nicht von den darauf haftenden Privilegien und Hypotheken frei. Von dem Verkaͤufer geht auf den Ankaͤufer weiter nichts uͤber, als das Eigenthum und jene Rechte, die ihm ſelbſt auf die verkaufte Sache zuſtanden; ſie gehen von ihm uͤber, mit den nämlichen Privilegien und Hypotheken behaftet, wo⸗ mit ſie auch in ſeiner Hand beſchwert waren. 2183. Will der neue Eigenthuͤmer ſich gegen die im ſechſten Capitel des gegenwaͤrtigen Titels erlanbten Verfol⸗ gungen ſicher ſtellen: ſo hat er folgendes zu beobachten. Vor gedachten Verfolgungen, oder längſtens in einem Mo⸗ nate nach der erſten Aufforderung die an ihn ergangen iſt, muß er den Glaͤubigern in den Wohnorten, die ſie in ihren Einſchreibungen gewaͤhlt, dieſe Stuͤcke bekannt machen und inſinuiren laſſen, naͤmlich: iſtens, einen Auszug aus ſeinem Titel oder Contracte, der weiter nichts zu enthalten braucht, als das Datum und die Natur des Vertrags, den Namen und die genaue Bezeichnung des Verkaͤufers oder Geſchenkgebers, die Natur und Lage der verkauf⸗ ten oder geſchenkten Sache; und, wenn die Rede von einem ganzen zuſammenhaͤngenden Gute iſt, bloß die Bezeichnung deſſelben im Allgemeinen, ſo wie der Bezirke, worin es liegt, den Preis und die Laſten, welche etwa einen Theil des Kaufprei⸗ ſes ausmachen, oder die Schaͤtzung der Sache, wenn ſie geſchenkt iſt; 2tens, einen Auszug aus der Eintragung des Kauf⸗ vertrags; ztens, eine Tabelle mit drei Colonnen, wovon die erſte das Datum der Hypotheken und das Datum der Einſchreibungen, die zweite den Namen der Glaͤu⸗ biger, und die dritte den Betrag der eingeſchriebe⸗ nen Foderungen enthalt. 2184. In der naͤmlichen Acte erklaͤrt der Ankäufer oder Geſchenknehmer, daß er bereit ſey, die hypothecariſchen Schulden und Laſten zu entrichten, aber nur bis zum Betrag des Preiſes, ohne Unterſchied, ob die Schulden faͤllig ſind oder nicht. — 57 2185. Hat der neue Eigenthuͤmer in der vorbeſtimmten Friſt ſeinen Vertrag auf ſolche Art bekannt gemacht; ſo kann jeder Glaͤubiger, deſſen Titel eingeſchrieben iſt, verlan⸗ gen, daß das unbewehliche Gut oͤffentlich ausgeſetzt und verſteigert werde. Hiezu wird aber erfodert: lſtens, daß er dieſes Geſuch dem neuen Eigenthuͤmer laͤngſtens in vierzig Tagen inſinuiren laſſe. Die vierzig Tage werden von dem Tage an gerechnet, wo der neue Eigenthuͤmer ſeine Bekanntmachung inſinuirt hat, und es werden zwei Tage fuͤr fuͤnf Myriameter Entfernung zwiſchen dem erwaͤhlten Wohnort und dem wirklichen Wohnort eines jeden Glaͤubigers, der ein ſolches Geſuch thut, hinzu⸗ geſetzt; 2tens, daß ſich darin der Glaͤubiger, der ein ſolches Geſuch thut, anheiſchig mache, den im Contracte ausbedungenen, oder vom neuen Eigenthuͤmer er⸗ klaͤrten Preis um ein Zehntel hoͤher zu bringen oder bringen zu laſſen; ztens, daß die nämliche Bekanntmachung in der naͤm⸗ lichen Friſt dem vorigen Eigenthuͤmer und Haupt⸗ ſchuldner geſchehe; tens, daß das Original ſowohl, als die Abſchriften dieſer Bekanntmachungen von dem erſuchenden Glaͤubiger unterzeichnet werden, und zwar entwe⸗ der von ihm ſelbſt, oder von ſeinem beſondern Bevollmaͤchtigten, welcher in dieſem Falle Abſchrift von ſeiner Vollmacht geben muß; Htens, daß er ſich erbiete, Buͤrgſchaft zu leiſten bis zum Betrag des Preiſes und der Laſten; alles unter Strafe der Nichtigkeit. 2186. Wenn die Glaͤubiger in der vorbeſtimmten Friſt und Form die öoͤffentliche Verſteigerung nicht nachgeſucht haben: ſo bleibt der Werth des Gutes auf den Preis feſt⸗ geſetzt, der entweder im Erwerbungsvertrag ausbedungen, oder vom neuen Eigenthuͤmer erklaͤrt worden iſt. Letzterer iſt demnach von allen Privilegien und Hypotheken frei, wenn er den Glaͤubigern, welche die Reihe trifft, den Preis entwe⸗ der bezahlt, oder ihn hinterlegt. 30* „ 2187. Kommt es zun Wiederverkauf an den Meiſt⸗ bietenden: ſo geſchieht er nach den fuͤr die gezwungene Aus⸗ weiſung vorgeſchriebenen Formen, und auf Betreiben des Glaͤubigers, der ihn nachgeſucht hak, oder auch des neuen Eigenthuͤmers. Wer ihn betreibt, hat in den desfallſigen Ankuͤndigun⸗ gen den Preis anzugeben, der im Contracte ausbedungen oder erklaͤrt iſt, und die Summe daruͤber, worauf ihn der zu bringen oder bringen zu laſſen ſich verbun⸗ den hat. 2188. Wer auf dieſe Art ein Gut an ſich ſteigert, muß, außer dem Anſteigerungspreis, dem nunmehr aus dem Beſitz geſetzten Ankaͤufer oder Geſchenknehmer die Koſten und Gebuͤhren ſeines Contractes zuruͤckgeben. Er muß ihm ferner die Koſten der Eintragung in die Buͤcher des Hypo⸗ thekenverwahrers erſtatten, ſo wie die Koſten der Bekanntma⸗ chung oder Inſinuation, und jene, die er angelegt hat, um zum Wiederverkauf zu gelangen. 2189. Bleibt dem Ankaͤufer oder Geſchenknehmer das verſteigerte Gut als Letzt⸗ und Meiſtbietenden: ſo braucht er das Zuſchlagsurtheil nicht eintragen zu laſſen. 2190. Ungeachtet der Erklaͤrung des Glaͤubigers, der die oͤffentliche Verſteigerung nachgeſucht hat, daß er von ſeinem Geſuche abſtehe, muß die Verſteigerung dennoch ge⸗ ſchehen, ſelbſt wenn er die ganze Summe, wozu er ſich an⸗ heiſchig gemacht hat, bezahlt. Sie kann aber in dieſem Falle gehindert werden, wenn alle andern Hhpothekenglaͤubiger ausdruͤcklich einwilligen. 2191. Wenn der Ankaͤufer ſelbſt Letzt⸗ und Meiſtbie⸗ tender geblieben iſt: ſo hat er rechtlichen Ruͤckangriff gegen den Verkaͤufer, damit dieſer ihm nicht nur das erſtatte, was er mehr, als den im erſten Contracte bedungenen Preis be⸗ zahlt hat, ſondern auch die Zinſen von dieſem Ueberſchuſſe, und zwar vom Datum einer jeden Zahlung angerechnet. 2192. Wenn der Titel des neuen Ankaͤufers bewegli⸗ che und unbewegliche Guͤter zugleich befaßt, oder mehrere unbewegliche Guͤter, auf deren einem eine Hypotheke haftet, auf dem andern nicht, die in dem nämlichen Bezirke eines Hypotheke bureaus oder in mehrern Bezirken liegen, fuͤr einen und den naͤmlichen Preis veraͤußert ſind, oder fuͤr verſchiedene Preiſe, die endlich von einer und der naͤmlichen Wirthſchaft und Benutzung abhaͤngen, oder nicht: ſo hat der neue Eigenthuͤmer b der Bekanntmachung oder Inſi⸗ nuation, die ihm obliegt, zu beobachten, daß noͤthigen Falls der Preis eines jeden beſonders mit einer Einſchreibung be⸗ ſchwerten unbeweglichen Gutes darin durch Abſchaͤtzung*) mit Hinſicht auf den im Contracte ausgedruͤckten Geſammt⸗ preis angegeben und erklaͤrt werde. Bleibt einer von den Glaͤubigern Letzt⸗ und Meiſtbie⸗ tender: ſo kann er in keinem Falle gezwungen werden, ſein Gebot auch auf das bewegliche Gut, und auf unbewegliche Guͤter, die fuͤr ſeine Foderung nicht mit Hypotheke beſtrickt, und nicht im naͤmlichen Bezirke gelegen ſind, auszudehnen. Da indeſſen dem neuen Eigenthuͤmer alsdann aus der Zer⸗ ſtuͤckelung ſeines Ankaufs oder ſeiner Wirthſchaft ein Nach⸗ theil erwachſen koͤnnte: ſo hat er dafuͤr gegen denjenigen, wovon er erworben hat, eine Entſchaͤdigungsklage. Von der Art, die Hypotheken zu tilgen, wenn auf Guͤter der Vormuͤnder und Ehemaͤnner keine Einſchreibungen vorhanden ſind. Art. 2193. Wer ein unbewegliches Gut, das einem Ehemann oder Vormunde gehoͤrt, an ſich bringt, kann es von den darauf haftenden Hypotheken befreien, wenn dar⸗ auf fuͤr die Verwaltung des Vormundes, oder fuͤr den Brautſchatz, die Wiedernahmsrechte und Eheverabredungen der Frau, keine Einſchreibungen vorhanden ſind. *) Par ventilation. Die Abſchaͤtzung eines Gutes nennt man Ven⸗ tilation, wenn daſſelbe mit andern Guͤtern gemeinſchaftlich be⸗ ſeſſen wird, und man ſie ſcheiden will, und uͤberhaupt, wenn es nach einem Verkaufe mehrerer Guͤter zuſammen und fuͤr den namlichen Preis, darauf ankoͤmmt, jedes derſelben abzuſchatzen. Ein umſtand, der die Ventilation von andern Schaͤtzungen unter⸗ ſcheidet, iſt, daß dabei die Gegenſtäͤnde nicht nach ihrem eigentli⸗ chen Werthe, ſondern nach dem Werthe eines jeden damit in Verbindung ſtehenden Gutes und nach dem angegebenen Geſammt⸗ werthe der verſchiedenen verkauften, zu theilenden u. ſ. w. Guͤter geſchaͤtzt werden. ————————— 2194. Er legt zu dieſem Ende eine gehoͤrig vergliche⸗ ne Abſchrift des Contractes, der an ihn das Eigenthum uͤbertraͤgt, in die Kanzlei des buͤrgegichen Gerichts von dem Orte nieder, wo das Gut liegt, beſcheinigt dieſe Nie⸗ derlegung dadurch, daß er der Frau ſowohl oder dem bei⸗ geordneten Vormund, als dem Staats⸗Procurator beim Ge⸗ richt, dieſelbe gehoͤrig inſinuiren laͤßt. Ein Auszug aus dem Contracte, der deſſen Datum, Namen, Vornamen, Gewerb und Wohnort der contrahirenden Theile, Bezeichnung der Art und Lage des Guts, und den Preis und ſonſtige Laſten des Verkaufs enthaͤlt, wird und bleibt zwei Monate hin⸗ durch in dem Audienzſaale des Gerichts angeheftet. Waͤh⸗ rend dieſer Friſt ſteht es den Weibern, Maͤnnern, Vormuͤn⸗ dern, beigeordneten Vormuͤndern, Minderjaͤhrigen, Unterſag⸗ ten, Verwandten und Freunden, und dem Staats-Procura⸗ tor frei, nach Befinden bei dem Hypothekenverwahrer auf das veraͤußerte Gut Einſchreibungen nachzuſuchen und vor— nehmen zu laſſen, welche alsdann die naͤmliche Wirkung haben, als haͤtte man ſie am Tage der Trauung oder am Tage genommen, wo der Vormund ſeine Verwaltung an⸗ fing. Vorausgeſetzt, daß hiedurch nichts in Ruͤckſicht der Klagen und Verfolgungen geaͤndert iſt, die etwa, wie oben geſagt, jemanden gegen Ehemanner oder Vormuͤnder darum zuſtehen, weil ſie zum Vortheil dritter Perſonen Hypotheken bewilligt haben, ohne dabei zu erklaͤren, daß die Guͤter be⸗ reits wegen ehelicher Verhaͤltniſſe oder wegen Vormundſchaft mit Hypotheke beſchwert waren⸗ 2195. Iſt von Seiten der verheiratheten Weiber, der Minderjaͤhrigen oder Unterſagten auf die veraͤußerten Guͤter im Laufe der eben gedachten zwei Monate keine Einſchrei⸗ bung genommen worden: ſo gehen ſie auf den neuen Er⸗ werber uͤber, frei und ledig von allen Laſten, ſo viel den Brautſchatz, die Wiedernahmsrechte und ſonſtige Eheverab⸗ redungen der Frau, oder die Verwaltung des Vormundes betrifft. Den eben benannten Perſonen bleibt aber, den Umſtaͤnden nach, ihre Erholung gegen ihren Ehemann oder Vormund. Sind aber von Seiten beſagter Weiber, Minderjaͤhri⸗ gen oder Unterſagten Einſchreibungen genommen worden, und ſind fruͤhere Glaäubiger vorhanden, welche den Preis ganz oder zum Theil wegnehmen: ſo iſt der Ankaͤufer, wenn er den in nuͤtzlicher Ordnung kommenden Glaͤubigern den Preis, oder einen Theil deſſelben bezahlt hat, in dieſer Hin⸗ ſicht befreit, und die Einſchreibungen zum Vortheil der Wei⸗ ber, Minderjaͤhrigen Unterſagten werden in dieſem Falle ausgeſtrichen, entibeder ganz oder bis zum gehoͤrigen Betrag. Sind die Einſchreibungen zum Vortheil der Weiber, Minderjaͤhrigen oder Unterſagten die aͤlteſten: ſo kann der neue Erwerber den Preis zum Nachtheil beſagter Einſchrei⸗ bungen nicht auszahlen, und letztere behalten, wie oben ge⸗ ſagt, das Datum der Trauung, oder des Zeitpunktes, wo die Verwaltung des Vormundes angefangen hat. In die⸗ ſem Falle werden die Einſchreibungen der uͤbrigen Glaͤubi⸗ ger, die nicht in nutzlicher Ordnung kommen, ausgeſtrichen. Zehntes Gapitel. Von der Oeffentlichkeit der Hypothekenbuͤcher und der Verantwortlichkeit ihrer Verwahrer. 2196. Die Hypothekenverwahrer ſind gehalten, allen, die es fodern, Abſchrift von den in ihre Buͤcher eingetrage⸗ nen Contracten, und von den vorhandenen Einſchreibungen zu geben, oder eine Beſcheinigung, daß keine vorhanden iſt. 2197. Sie ſind fuͤr jeden Nachtheil, der daraus ent⸗ ſteht, verantwortlich: lſtens, daß ſie die Eintragung der Acte, wodurch das Eigenthum uͤbergeht, und die Einſchreibungen, die man bei ihnen nachſucht, vernachlaͤßigen; 2tens, daß ſie in ihren ausgeſtellten Beſcheinigungen irgend eine oder mehrere vorhandene Einſchreibun⸗ gen nicht anfuͤhren, es ſey denn, daß ſie in dieſem letzten Falle beweiſen, daß der Irrthum in irgend einer mangelhaften Bezeichnung, die ihnen nicht kann zur Laſt gelegt werden, ſeinen Grund hatte. 2198. Das unbewegliche Gut, in deſſen Ruͤckſicht der Hypothekenverwahrer in ſeinen Beſcheinigungen etwa eine oder mehrere eingeſchriebene Laſten ausgelaſſen hat, bleibt frei und ledig davon in den Haͤnden des neuen Beſitzers, wenn er nur die Beſcheinigung nach der Eintragung nach⸗ geſucht hat, wobei aber, wie geſagt, der Hypothekenverwah⸗ rer verautwortlich bleibt. Die Glaͤubiger behalten uͤbrigens ihr Recht, in die Ordnung zu kommen, die ihnen zuſteht, ſo lange der neue Erwerber den Preis nicht bezahlt hat, oder ſo lange die unter den Glaͤubigern gemachte Ordnung nicht gerichtlich beſtaͤtigt iſt.* 2199. In keinem Falle koͤnnen die Hypothekenverwah⸗ rer die Eintragung der Contracte, wodurch eine Veraͤnde⸗ rung mit dem Eigenthum vorgeht, die Einſchreibung der Hypothekenrechte, oder die Ausſtellung der gefoderten Be⸗ ſcheinigungen, verweigern oder auſfſchieben, unter Strafe die Theile zu entſchaͤdigen. Und um ſolche Weigerung oder Aufſchub zu beſcheinigen, kann der nachſuchende Theil auf der Stelle ein Protokoll daruͤber anfertigen laſſen, und zwar entweder von einem Friedensrichter, oder von einem Audienz⸗ Gerichtsboten, oder von einem Notar in Beiſtand zweier Zeugen. 2200. Ueberdies ſind die Hypothekenverwahrer gehal⸗ ten, ein Regiſter zu fuͤhren, worauf ſie von Tag zu Tag und der Zahlenfolge nach bemerken, wie ihnen ein Act, wo⸗ durch das Eigenthum uͤbergeht, zur Eintragung, oder ein Verzeichnißzettel zur Einſchreibung, uͤbergeben wird. Sie ſtellen dem nachſuchenden Theile einen Schein auf geſtem⸗ peltem Papier zu, worauf ſie die Nummer des Regiſters bemerken, in welchem die Einhaͤndigung eingeſchrieben wor— den, und ſie koͤnnen die Acte, wodurch mit dem Eigenthum eine Veraͤnderung vorgeht, nicht in die dazu beſtimmten Buͤ⸗ cher uͤbertragen, noch die Verzeichnißzettel darauf einſchrei— ben, als nach dem Datum und nach der Ordnung, worin ſie ihnen eingehaͤndigt worden ſind. 2201. Alle Buͤcher der Hypothekenverwahrer werden auf geſtempeltem Papier gefuͤhrt, und von einem Richter des Gerichts, in deſſen Bezirke die Hypothekenkammer ſich befin⸗ det, auf jeder Seite mit Bemerkung der erſten und letzten numerirt und mit ſeinem Handzuge verſehen. Sie, ſo wie die Einregiſtrirungsbuͤcher werden jeden Tag abgeſchloſſen. 2202. Nach den im gegenwaͤrtigen Capitel enthalte⸗ nen Verfuͤgungen muͤſſen die Hypothekenverwahrer ſich bei ihrer Amtsfuͤhrung richten, unter Strafe einer Geldbuße von zweihundert bis zu tauſend Franken fuͤr die erſte Ueber⸗ tretung, und der Abſetzung fuͤr die folgende Uebertretung; ohne Nachtheil der Schadloshaltung der Theile, welche vor der Geldbuße bezahlt wird. 2203. Endlich hat der Hypothekenverwahrer die ihm geſchehenen Einhaͤndigungen, die Einſchreibungen und Ein⸗ tragungen auf die dazu beſtimmten Buͤcher und Regiſter un⸗ mittelbar nach einander, ohne Zwiſchenraum oder Zwiſchenli⸗ nien einzutragen. Im Uebertretungsfalle bezahlt er nicht allein eine Geldbuße von tauſend bis zweitauſend Franken, ſondern auch den Theilen die gehoͤrige Entſchaͤdigung, welche letztere ebenfalls vorzugsweiſe vor der Geldbuße bezahlt wird. Von der gezwungenen Ausweiſung und der Ordnung, worin die Glaͤubiger zur Zahlung gelangen. nſes G p e. Von der gezwungenen Ausweiſung.*) Art. 2204. Jeder Glaͤubiger hat das Recht, ſeinen Schuldner zu verfolgen auf Vergantung, 1ſtens, der unbe— weglichen Guͤter, die ihm gehoͤren, und deſſen was davon abhaͤngt und als unbeweglich angeſehen wird; Ltens der Nutznießung, die ihm auf dieſelben Guͤter zuſteht. 2205. Jedoch kann der Theil eines Miterben an den unbeweglichen Guͤtern einer Erbſchaft, den er mit den an— dern noch ungetheilt beſitzt, von ſeinen perſoͤnlichen Glaͤubigern nicht zum Verkauf gebracht werden, bevor die Theilung oder Ausſteigerung geſchehen iſt, welche ſie nach Gutbefinden nachſuchen, oder wobei ſie mit auftreten koͤn— nen, gemaß dem Art. 882 unter dem Titel von der Erb⸗ folge. 2206. Man kann gegen Minderjaͤhrige, wenn ſie auch emancipirt ſind, oder gegen Unterſagte, nicht zum Verkauf ihrer unbeweglichen Guͤter ſchreiten, bevor ihre bewegliche Habe erſchoͤpft iſt. *) Geſetz vom 28. Ventoſe 12. J.(19. März 1804), prom. d. 8. Germ.(29. Maͤrz 1804). **) Enpropriation forcée. —— 2207. In Ruͤckſicht auf unbewegliche Guͤter aber, die ein Minderjaͤhriger oder Unterſagter mit einem Großjaͤhri⸗ gen ungetheilt beſitzt, iſt es nicht noͤthig, ehe man zur Aus⸗ weiſung aus denſelben ſchreite, die Erſchoͤpfung der beweg⸗ lichen Habe abzuwarten, wenn die Schuld, worauf es an⸗ kommt, ihnen gemeinſchaftlich iſt. Auch iſt dies nicht noͤthig, wenn die Verfolgungen gegen einen Großjaͤhrigen, oder vor der Unterſagung angefangen worden ſind. 2208. Kommt es auf Ausweiſung aus unbeweglichen Guͤtern an, die zur ehelichen Guͤtergemeinſchaft gehören: ſo wird ſie gegen den verpflichteten Ehemann allein nachge⸗ ſucht, obſchon die Frau fuͤr die Schuld haftet. Kommt es dabei auf unbewegliche Guͤter der Frau an, die nicht in die Gemeinſchaft gefallen ſind: ſo wird ſie gegen den Mann und die Frau nachgeſucht. Letztere kann ſich, wenn der Mann nicht mit ihr vor Gericht ſtehen will, oder wenn er minderjaͤhrig iſt, gerichtlich ermaͤchtigen laſſen. In dem Falle, wo der Maun und die Frau minder⸗ jaͤhrig ſind, oder wo die Frau allein minderjaͤhrig iſt, wenn ihr großjaͤhriger Mann ſich weigert, mit ihr vor Gericht zu ſtehen, ernennt das Gericht der Frau einen Vormund, gegen den die Verfolgung gerichtet wird. 2209. So lange die unbeweglichen Guͤter, worauf der Glaͤubiger eine Hypotheke hat, hinreichen, kann er den Verkauf der unbeweglichen Guͤter nicht verfolgen, worauf er keine Hypothek hat. 2210. Liegen dergleichen Guͤter in verſchiedenen Be⸗ zirken: ſo kann man den gezwungenen Verkauf derſelben nur nach einander verfolgen, es ſey denn, daß ſie alle von einer und derſelbigen Wirthſchaft abhaͤngen. Es wird bei dem Gerichte nachgeſucht, in deſſen Be⸗ zirke ſich der Ort befindet, wo die Hauptwirthſchaft iſt, oder in Ermangelung eines ſolchen Ortes, da, wo der Theil der Guͤter liegt, der nach der Mutterrolle am meiſten einbringt. 2211. Wenn die Guͤter, worauf der Glaͤubiger eine Hypotheke hat, und die Guͤter, worauf er keine Hypotheke hat, oder die Guͤter, welche in verſchiedenen Bezirken liegen, von einer und der naͤmlichen Wirthſchaft abhaͤngen: ſo wird, wenn der Schuldner es verlangt, der Verkauf der einen wie der andern zugleich verfolgt, und die Abſchätzung ge⸗ ſchieht, nach Befinden, nach dem Preiſe des Zuſchlages J. 2212. Beweiſet der Schuldner durch authentiſche Pacht⸗ contracte, daß der reine und freie Ertrag eines Jahres von ſeinen unbeweglichen Guͤtern hinreicht, um die Hauptſchuld ſammt Zinſen und Koſten zu bezahlen, und erbietet er ſich, ſeinem Glaͤubiger denſelben zuzuweiſen: ſo kann der Richter verordnen, daß mit der Verfolgung inne gehalten werden ſoll; in welchem Falle ſie aber wieder fortgeſetzt werden kann, wenn gegen die Zahlung irgend ein Einſpruch oder ein Hinderniß eintrifft. 2213. Man kann den gezwungenen Verkauf unbeweg⸗ licher Guͤter anders nicht verfolgen, als Kraft eines Titels, der authentiſch und der Vollziehung faͤhig iſt*). Ueber⸗ dies wird erfodert, daß die Schuld ſicher und klar oder li⸗ quid ſey. Beſteht die Schuld in nicht klaren Sorten: ſo iſt die Verfolgung guͤltig, aber der Zuſchlag kann nicht ge⸗ ſchehen, als nach der Liquidation. 2214. Derjenige, dem ein Titel, worauf Vollziebung ſteht, abgetreten iſt, kann keine gezwungene Ausweiſung nachſuchen, bevor er dem Schuldner den Uebertrag hat in⸗ ſinuiren laſſen. 2215. Die Verfolgung auf Ausweiſung kann kraft eines proviſoriſchen oder endlichen Urtheils, welches vor der Hand vollziehungsfaͤhig iſt, angehoben werden, ungeachtet der Berufung: aber der Zuſchlag kann nicht geſchehen, als nach einem endlichen in letzter Inſtanz ergangenen, oder in Rechtskraft uͤbergegangenen Urtheil. Waͤhrend der Zeit, wo Einſpruch gegen ein im Aus⸗ bleibungsfalle erlaſſenes Urtheil eingelegt werden kann, iſt keine Verfolgung auf Ausweiſung kraft eines ſolchen Urtheils zulaͤßig. 2216. Unter dem Vorwande, daß der Glaͤubiger die Verfolgung fuͤr eine ſtaͤrkere Summe als diejenige, die er *) Siehe die Anmerkung zum Artikel 2192 uͤber dieſe Abſchaͤtzung oder Ventilation. „*) Man nennt einen Titel oder Act executoriſch(der Vollziehung fahig), wenn er in gehoriger oͤffentlicher Form ausgefertigt iſt, wie urtheile und Notarialacte. Die ſchnelle Vollziehung, die dergleichen Acte nach ſich ziehen, wird genannt⸗ ————— „——————— — 36 zu fodern hat, angefangen habe, kann dieſelbe nicht fuͤr un⸗ guͤltig erklaͤrt werden. 2217. Jeder Verfolgung auf Ausweiſung aus unbe⸗ weglichen Guͤtern muß ein Aufgebot zu bezahlen vorherge⸗ hen. Dieſes Aufgebot geſchieht auf Betreiben und Erſuchen des Glaͤubigers, dem Schuldner in Perſon, oder an ſeinem Wohnort, vermittelſt eines Gerichtsboten. Die Formen des Aufgebotes, ſo wie die Formen der Verfolgung auf Ausweiſung, werden in der Gerichtsordnung regulirt. 3 w e Von der Ordnung und der Austheilung des Preiſes unter die Glaͤubiger. Art. 2218. Die Ordnung und Austheilung des Prei⸗ ſes von unbeweglichen Gütern, ſo wie die Art, dabei zu verfahren, kommen in der Gerichtsordnung vor. 3 w n 3ſe Von der Verjaͤhrung.* rſt 6 e Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 2219. Die Verjaͤhrung iſt ein Mittel, zu erwer⸗ ben, oder ſich zu befreien, durch den Verlauf einer gewiſſen Zeit, und unter den vom Geſetze beſtimmten Bedingungen. 2220. Man kann zum Voraus nicht auf die Verjaͤh⸗ rung Verzicht leiſten; man kann einer bereits erworbenen Verjaͤhrung entſagen. 2221. Die Verzichtleiſtung auf die Verjährung iſt ent⸗ weder ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend. Letztere iſt eine nothwendige Folge aus einer Handlung, welche die Aufge⸗ bung des erworbenen Rechtes vorausſetzt. „ Geſetz vom 24. Ventoſe 12. J.(15. März 1804), promulgirt den 4. Germinal(25. Maͤrz 1804). 2222 Wer nicht faͤhig iſt zu veraͤußern, kann auch einer erworbenen Verjaͤhrung nicht entſagen. 2225. Es iſt den Richtern nicht erlaubt, von Amts⸗ wegen das Rechtsmittel zu erſetzen, welches die Verjaͤhrung gibt. 2224. Man kann die Verjaͤhrung vorſchuͤtzen, der Rechtshandel mag gediehen ſeyn, wohin er will, ſelbſt noch vor dem Berufungsgerichte. Ausgenommen iſt der Fall, wo die Umſtaͤnde vermuthen laſſen, daß der Theil, der die Einrede der Verjaͤhrung nicht entgegengeſetzt hat, ihr entſagt habe. 2225. Glaͤubiger und alle andere Perſonen, die ein Intereſſe dabei haben, daß die Verjährung erworben ſey, koͤnnen dieſelbe entgegen ſetzen, obſchon der Schuldner oder Eigenthuͤmer ihr entſagt. 2226. Sachen die nicht im gemeinen Verkehr ſind, kann man nicht verjaͤhren. 2227. Der Staat, oͤffentliche Anſtalten und Gemein⸗ den ſind den naͤmlichen Verjaͤhrungen unterworfen, wie Private, und koͤnnen ſie eben ſo entgegen ſetzen. Vom Beſitze. Art. 2228. Beſitz iſt das Inhaben oder der Genuß einer Sache die wir in unſerer Gewalt haben, oder eines Rechtes, das wir ausuͤben, ſey es in eigener Perſon, oder durch einen andern, der in unſerm Namen die Sache inne hat, oder das Recht ausuͤbt. 2229. Um verjähren zu koͤnnen, wird ein ununterbro⸗ chener, ungeſtoͤrter, oͤffentlicher und unzweideutiger Beſitz er⸗ fordert, ein Beſitz als Eigenthuͤmer. 2230. Es wird allezeit vermuthet, daß man fuͤr ſich und als Eigenthuͤmer beſitze, ſo lange nicht bewieſen wird, daß man fuͤr einen andern zu beſitzen angefangen habe. 2231. Hat man einmal angefangen, fuͤr einen andern zu beſitzen: ſo wird vermuthet, daß man immer unter dem nämlichen Titel beſitze, wenn das Gegentheil nicht bewieſen wird, ———— 2—— 2232. Bloß willkuͤhrliche Handlungen, und Handlun⸗ gen der bloßen Duldung, koͤnnen nie einen Beſitz, noch eine Verjaͤhrung gruͤnden. 2233. Auch Handlungen der Gewaltthätigkeit können keinen Beſitz begruͤnden, der eine Verjaͤhrung bewirkt. Der nuͤtzliche Beſitz faͤngt erſt da an, wo die Gewalt⸗ thaͤtigkeit aufhoͤrt. 2234. Beweiſet der wirkliche Beſitzer, daß er fruͤher beſeſſen habe: ſo wird vermuthet, daß er auch in der Zwi⸗ ſchenzeit beſeſſen habe. Das Gegentheil kann aber bewieſen werden. 2235. Um die Verjaͤhrung vollſtaͤndig zu machen, kann man zu ſeinem eigenen Beſitze den Beſitz desjenigen ſetzen, in deſſen Stelle man tritt, ohne Unterſchied, auf welche Art man in ſeine Stelle tritt, ob unter allgemeinem oder beſonderm Namen, auf wohlthaͤtige oder laͤſtige Art. Drittes i Von den Urſachen, welche die Verjaͤhrung hindern. Art. 2236. Wer fuͤr einen andern beſitzt, kann nie verjaͤhren, ſein Beſitz mag noch ſo lange dauern. So koͤnnen Pachter, Verwahrer, Nutznießer, und alle, die die Sache des Eigenthuͤmers bloß verguͤnſtigungsweiſe*) inne haben, dieſelbe nicht verjähren. 2237. Auch die Erben derjenigen, die eine Sache un⸗ ter irgend einem im vorhergehenden Artikel beſchriebenen Titel inne hatten, koͤnnen ſie nicht verjähren. 2238. Jedoch koͤnnen die in den Art. 2236 und 2237 bemerkten Perſonen verjaͤhren, wenn ihr Beſitztitel eine Aenderung erleidet, entweder durch eine Urſache, die von ) Précairement. Precarium oder Verguͤnſtigung beißt in den Rechten der Gebrauch einer Sache oder eines Rech⸗ tes, der einem andern auf ſein Anſuchen ſo lange verwil⸗ ligt wird, als es dem Geber beliebt. Auch das Geſchaͤft, welches auf dieſe Art zwiſchen beiden Theilen vorgeht, heißt Pre⸗ carium oder Verguͤnſtigung. ————————————————— —— 9 irgend einem Dritten herruͤhrt, oder durch den Widerſpruch, den ſie dem Rechte des Eigenthuͤmers entgegen geſetzt haben. 2239. Iſt die Sache von den Pachtern, Verwahrern, und ſonſtigen bloß verguͤnſtigten Inhabern auf einen Drit⸗ ten gekommen, und zwar durch einen Titel, der das Eigen⸗ thum uͤbertraͤgt: ſo kann dieſer Dritte ſie verjaͤhren. 2240. Gegen ſeinen eigenen Titel kann man in dem Sinne nicht verjaͤhren, daß man ſich fuͤr ſich ſelbſt die Ur⸗ ſache und den Grund ſeines Beſitzes nicht aͤndern kann. 2241. Man kann aber gegen ſeinen Titel im dem Sinne verjaͤhren, daß man durch die Verjährung die Be⸗ freiung von einer uͤbernommenen Verbindlichkeit erwirkt. Gnpitel. Von den urſachen, welche den Lauf der Verjäh⸗ rung unterbrechen oder aufſchieben. Erſter Abſchnitt. Von den urſachen, welche die Verjährung unterbrechen. Art. 2242. Die Verjaͤhrung kann entweder auf natuͤr⸗ liche, oder auf buͤrgerliche Art unterbrochen werden. 2243. Eine Unterbrechung auf natuͤrliche Art iſt vor⸗ handen, wenn der Beſitzer laͤnger als ein Jahr hindurch des Genuſſes der Sache beraubt iſt, ohne Unterſchied, ob die Beraubung vom alten Eigenthuͤmer, oder ſelbſt von einem dritten herruͤhrt. 2244. Eine gerichtliche Ladung, ein Aufgebot, eine Pfaͤndung oder Beſchlagnahme, wenn man ſie demjenigen, den man an der Verjaͤhrung hindern will, inſinuirt oder macht, bewirken die Unterbrechung auf buͤrgerliche rt. 2245. Eine Ladung zu einem Vergleiche vor das Bu⸗ reau des Friedensrichters unterbricht die Verjährung von dem Datum ihres Tages an, wenn eine in den rechtlichen Friſten gegebene Ladung vor Gericht darauf folgt. 2246. Selbſt eine gerichtliche Ladung vor einem nicht geeigneten Richter unterbricht die Verjährung. 2247. Wenn die Ladung der Form nach nichtig iſt, wenn der Klaͤger von ſeiner Klage abſteht, wenn er ſeine Klage in der vom Geſetze beſtimmten Zeit nicht fortſetzt, und mithin die Inſtanz erloͤſchen oder untergehen laͤßt*), oder wenn er mit ſeiner Klage abgewieſen wird: ſo iſt die Unterbrechung als nicht geſchehen anzuſehen— 224. Auch dadurch wird die Verjährung unterbrochen, daß der Schuldner oder Beſitzer das Recht desjenigen, wo⸗ gegen er verjaͤhrte, anerkennt. 2249. Iſt es einer von mehrern ſolidariſchen Schuld⸗ nern, der gemaͤß den obigen Artikeln angeſprochen wird, oder anerkennt: ſo wird dadurch die Verjaͤhrung gegen die uͤbrigen, und ſelbſt gegen ihre Erben unterbrochen.. Wird aber ein Erbe des ſolidariſchen Schuldners auf ſolche Art aufgefordert, oder erkennt dieſer Erbe die Schuld oder das Recht an: ſo unterbricht dies die Verjaͤhrung nicht in Ruͤckſicht auf die uͤbrigen Miterben, obſchon die Foder⸗ ung etwa hypothecariſch waͤre, vorausgeſetzt jedoch, daß die Verbindlichkeit nicht untheilbar iſt. Dieſe Aufforderung oder Auerkennung unterbricht die Verjährung in Ruͤckſicht auf die uͤbrigen Miterben nur fuͤr den Antheil, wofuͤr dieſer Erbe haftet. Um die Verjaͤhrung fuͤr's Ganze zu unterbrechen in Ruͤckſicht auf die uͤbrigen Miterben zugleich, wird erfodert, daß die Aufforderung allen Erben des verſtorbenen Schuld— ners, oder die Anerkennung von allen dieſen Erben geſchehen ſey. 2250. Eine ſolche Aufforderung, die dem Hauptſchuld⸗ ner geſchieht, oder ſeine Anerkennung, unterbricht die Ver⸗ jährung gegen den Buͤrgen— Sweiterbſchi Von den urſachen, welche den Lauf der Verjaͤhrung auf⸗ ſchieben⸗ Art. 2251. Die Verjaͤhrung laͤuft gegen Perſonen je⸗ der Art ohne Unterſchied, wenn nicht das Geſetz ihnen ir⸗ gend eine Ausnahme geſtattet. *) S'il laisse périmer Tinstance⸗ ——— ———————— — 361— 2252. Sie laͤuft nicht gegen Minderjährige und Un⸗ terſagte, ausgenommen in den Fällen des Art. 2278, und in allen uͤbrigen Faͤllen,welche das Geſetz ausdruͤcklich ausnimmt. 2253. Sie laͤuft nicht unter Eheleuten. 2254. Die Verjahrung laͤuft gegen verheirathete Weiber, obſchon ſie weder durch richterlichen Spruch noch durch den Ehecontract in Guͤtertrennung leben, in Ruͤck⸗ ſicht auf die Güter, deren Verwaltung der Mann hat, wogegen ihr aber ihr Erholungsrecht gegen denſelben bleibt. 2255. Jedoch laͤuft ſie nicht waͤhrend der Ehe in Anſehung des unter das Brautſchatzverhaͤltniß geſtellten Vermoͤgens, das der Mann veräuſſert hat, gemaͤß dem Art. 1561 unter dem Titel von dem Ehecontracte und den gegenſeitigen Rechten der Eheleute. 2256. Eben ſo iſt die Verjährung waͤhrend der Ehe aufgeſchoben. iſtens, in dem Falle, wo die Frau irgend eine Kla⸗ ge nicht eher anheben koͤnnte, als nachdem ſie ge⸗ waͤhlt hat, ob ſie nämlich die Gemeinſchaft anneh⸗ men, oder ihr entſagen wolle; 2tens, in dem Falle, wo der Mann, wenn er ein der Frau eigenes Gut ohne ihre Einwilligung ver⸗ kauft hat, dieſen Verkauf verbürgen muß, und in allen andern Fällen, wo die Klage der Frau auf den Mann zuruͤckfallen wuͤrde. 2257. Die Verjahrung laͤuft nicht, in Anſehung einer Foderung, die von einer Bedingung abhaͤngt, bis die Bedingung eintrifft; in Anſehung der Klage auf Gewährleiſtung, bis die Eviction vorhanden iſt; in Anſehung einer Foderung, die an einem beſtimm⸗ ten Tage fällig wird, bis der beſtimmte Tag erſchienen iſt. 2258. Die Verjährung lauft nicht gegen den Erben mit Vorbehalt, in Anſehung ſolcher Foderungen, die er ge⸗ gen die Erbſchaft hat. Sie läuft gegen einen erbloſen Nachlaß, obſchon dem⸗ ſelben kein Curator beſtellt iſt. 2259. Auch laͤuft ſie während der drei Monate, die zur Errichtung eines Inventariums, und der vierzig Tage als Bedenkzeit geſtattet ſind. ———— —————— ———————— — 482— F unftes Capitel. Von der zur Verjährung erforderlichen Zeit. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. 2260. Man zählt die Verjdhrung nach Tagen, und nicht nach Stunden. 2261. Sie iſt erworben, ſobald der letzte Tag der erforderlichen Zeit voll iſt. Von der dreißigjährigen Verjaͤhrung. Art. 2262. Alle Klagen, ſowohl dingliche als per⸗ ſoͤnliche, werden in dreißig Jahren verjaͤhrt, und derjeni⸗ ge, der ſich mit dieſer Verjaͤhrung ſchuͤtzt, braucht keinen Titel daruͤber nachzuweiſen, ſo wenig als man ihm dage⸗ gen die Einrede der Unredlichkeit machen kann. 2263. Acht und zwanzig Jahre von dem Datum der letzten Urkunde oder des letzten Titels, kann der Schuldner einer Rente gezwungen werden, ſeinem Glaͤubiger, vder denen, die in ſein Recht treten, eine neue Urkunde auf ſei⸗ ne Koſten auszuſtellen. 2264. Die Verjaͤhrungsregeln in Ruͤckſicht auf ande⸗ re Gegenſtände, als die, welche im gegenwärtigen Titel erwaͤhnt werden, kommen in den ſie betreffenden Titeln vor. B Von der zehn⸗ und zwanzigjährigen Verjährung. Art. 2265. Wer ein unbewegliches Gut redlich und vermoͤge eines rechtmäßigen Titels an ſich bringt, verjährt das Eigenthum in zehn Jahren, wenn der wahre Eigen⸗ thuͤmer in dem Bezirke des Appellationsgerichts wohnt, worin das Gut liegt; und in zwanzig Jahren, wenn er auſſerhalb deſſelben wohnt. 2266. Wenn der wahre Eigenthuͤmer ſeinen Wohn⸗ ort zu verſchiedenen Zeiten bald in dem Bezirke, bald auſ⸗ ſerhalb deſſelben, gehabt hat: ſo muß man, um die Ver⸗ jährung vollſtändig zu machen, zu dem, was an den zehn Jahren der Gegenwart fehlt, eben ſo viel doppelte Jahre der Abweſenheit ſetzen, als Jahre fehlen, um auf dieſe Art die zehn Jahre der Gegenwart vollſtäͤndig zu machen. 22567. Ein Titel, der wegen eines Mangels der Form nichtig iſt, kann der zehn- und zwanzigjaͤhrigen Verjäͤhrung nicht zum Grunde dienen. 2268. Die Redlichkeit, oder der gute Glauben, wird allezeit vermuthet, und wer die Unredlichkeit vorſchuͤtzt, muß ſie beweiſen. —.———— 2269. Es iſt genug, wenn die Redlichkeit im Au⸗ genblicke der Erwerbung vorhanden war. 2270. Nach zehn Jahren haften Baumeiſter und Un⸗ ternehmer nicht mehr fuͤr Werke im Großen, die ſie gemacht oder dirigirt haben. Vi eter Ab ſich nitt. Von einigen beſondern Verjahrungen. Art. 2271. Die Klagen der Meiſter und Lehrer der Kuͤnſte und Wiſſenſchaften, fuͤr den Unterricht den ſie Mo⸗ natweiſe geben; die Klagen der Wirthe und Gaſtgeber, in Anſehung der Beherbergung und der gereichten Koſt; jene der Handwerker und Arbeitsleute, in Anſehung ihres Taglohns, ihrer Lieferungen und Bezahlung, werden in ſechs Monaten verjaͤhrt. 2272. Die Klagen folgender Perſonen werden in ei⸗ nem Jahre verjährt; der Aerzte, Wundaͤrzte und Apotheker, fuͤr ihre Be⸗ ſuche, Operationen und Arzneimittel; der Gerichtsboten, fuͤr Beſoldung der Acten die ſie in⸗ ſinuiren, und die Auftraͤge, die ſie verrichten; der Kaufleute, fuͤr Waaren, die ſie an Privatleute verkaufen, die nicht Kaufleute ſind; der Koſtherren, fuͤr das Koſtgeld ihrer Eleven, und der ſonſtigen Meiſter, fuͤr das Lehrgeld; der Hausbedienten, die ſich auf ein Jahr verdingen, fuͤr Bezahlung ihres Lohns. 2273. Klagen, welche den Avoues fuͤr Bezahlung ih⸗ rer Bemuͤhungen und Koſten zuſtehen, werden in zwei Jah⸗ ren verjährt, welche anfangen von der Aburtheilung derRechts⸗ haͤndel, von dem Vergleiche der Theile, oder von der Zeit, wo man ihnen ihren Auftrag abnimmt. Was die nicht be⸗ endigten Sachen betrifft, ſo haben dieſelben keine Klagen fuͤr Koſten und Bemuͤhungen, wenn ſie aͤlter als fuͤnf Jahre ſind. 2274. Die Verjährung iſt in obigen Faͤllen vorhan⸗ den, obſchon man mit den Lieferungen, Dienſten oder Ar⸗ beiten fortgefahren hat. Sie hoͤrt erſt alsdann auf zu laufen, wenn eine Rech⸗ nung abgeſchloſſen worden, wenn ein Zettel oder eine Obli⸗ gation gemacht iſt, oder eine gerichtliche, nicht untergegan⸗ gene oder liegen gebliebene, Ladung. 2275. Jedoch koͤnnen jene Perſonen, wogegen obige Verjährungen laufen, denjenigen, die ſie ihnen entgegen ———————— ——— — 484— ſetzen, den Eid zuſchieben, damit ſie ſich eidlich erklaͤren, ob die Sache wirklich bezahlt worden ſey. Auch kann man den Eid den Wittwen und Erben, oder den Vormuͤndern von letztern, wenn ſie minderjährig ſind, zuſchieben, um ſich zu erklären, ob ſie nicht wiſſen, daß die Sache noch ſchuldig ſey. 2276. Richter und Avoues haften fuͤnf Jahre nach Aburtheilung der Prozeſſe nicht mehr fuͤr die Acten. Zwei Jahre nach Vollziehung des Auftrags, oder nach der Inſinuation der Acten, die man ihnen zugeſtellt hatte, haften die Gerichtsboten ebenfalls nicht mehr dafuͤr. 2277. Ruͤckſtaͤnde von ewigen Renten, und vonLeibrenten; Ruͤckſtaͤnde von Nahrunasgehaͤltern; Hausmiethzins und Pachtzins; Zinſen von dargeliehenen Summen, und uͤberhaupt alles, was nach Jahren, oder zu gewiſſen regelmaͤßig wie⸗ derkommenden noch kuͤrzern Zeiten, zahlbar iſt, werden in fuͤnf Jahreu verjäͤhrt. 2278. Die Verjährungen, wovon in den Artikeln des gegenwaͤrtigen Abſchnittes die Rede iſt, laufen gegen Min⸗ derjaͤhrige und Unterſagte, mit Vorbehalt ihrer Erholung gegen ihre Vormuͤnder. 2279. So oft es auf bloß bewegliche Guͤter ankommt, iſt der Beſitz ſo gut, wie ein Titel. Wer indeſſen eine Sache verloren hat, oder wem eine Sache geſtohlen worden, der kann ſie in drei Jahren, von dem Tage des Verluſtes oder Diebſtahls angerechnet, gegen denjenigen, in deſſen Haͤnden ſie ſich befindet, wieder fodern. Letz⸗ terer hat aber alsdann ſeine Erholung gegen den, wovon er ſie hat. 2280. Hat der gegenwärtige Beſitzer der geſtohlenen oder verlornen Sache dieſelbe auf einem Markte oder auf einer Meſſe gekauft, oder bei einem öͤffentlichen Verkaufe, oder von einem Kaufmann, der ſich mit dem Verkaufe von dergleichen Sachen abgibt; ſo kann der urſpruͤngliche Ei⸗ genthümer ſie nicht wieder fodern, als gegen Erlegung des Preiſes, den ſie gekoſtet hat, an den Beſitzer. 5 2281. Verjährungen, welche zur Zeit der Verkuͤndi⸗ gung des gegenwärtigen Titels angefangen hatten, reguliren ſich nach den alten Geſetzen. Iſt indeſſen die Rede von ſolchen Verjahrungen, wel che zur eben gedachten Zeit angefangen, und wozu nach den alten Geſetzen mehr als dreißig Jahre, von eben die⸗ ſer Epoche angerechnet, gehoͤrten, ſo werden auch dieſe durch dieſen Verlauf von dreißig Jahren vollendet. ——— Alphabetiſches Regiſter. A. — A(Deſendenten). Friſt, waͤhrend welcher die Abkoͤmmlinge eines Abweſenden deſſen Vermoͤgen zuruͤckfordern koͤnnen, Art. 133. Die Ehe iſt zwiſchen aufſteigenden und ab⸗ ſteigenden Verwandten verboten, 161. Abkuͤrzungen duͤrfen in den Acten des Civilſtandes nicht ge⸗ macht werden, 42. Abſchriften(der urkunden). In wie ſerne ſie Beweiskraft haben, 1334 u. f. Die Hypothekenbewahrer muͤſſen Jedem der es fordert, Abſchrift von den in ihre Buͤcher eingetragenen Contrakten geben, 2196. Abſetzung der Gegenvormuͤnder, 426— der Vormuͤnder, 443 u. f.— Der Hypothekenbewahrer, welche geſetzwidrig ver⸗ fahren, 2202 Abtritte. Zwiſchenraum, welcher bei deren Anlegung neben einer Mauer gelaſſen werden muß, 674.— Das Reinigen der⸗ ſelben hat der Vermiether zu tragen, 1756. Abweſende. Wann die Erklaͤrung auf Abweſenheit nachge⸗ ſucht werden koͤnne, 112. Wie die Abweſenheit conſtatirt wer⸗ de, 116. Wann das urtheil hieruͤber erlaſſen werden darf, 119. — Wie fuͤr die Verwaltung der Guͤter der muthmaßlich Ab⸗ weſenden geſorgt werde, 112 u. f. Wann ihre muthmaßlichen Erben in den Beſitz ihrer Guͤter eingewieſen werden koͤnnen, 120 u. f. Rechte der zuruͤckgebliebenen Ehegattinn des Abwe⸗ ſenden, 124. Rechte welche die Bewilligung des vorlaͤufigen Beſitzes ertheilt, 125 u. f. Definitive Einſetzung in den Beſitz ihrer Guͤter, 129. Wann dieſe ihre Wirkung verliert, 131. Gegen wen die Anſpruͤche, welche man gegen einen Abweſen⸗ den hat, geltend gemacht werden koͤnnen, v34. Rechte des Ehegatten, wenn der Abweſende keine Erben hinterlaͤßt, 139. Aufſicht uͤber die minderjaͤhrigen Kinder eines Abweſenden, 141. Die ehrerbietigen Anſuchen, die an abweſende Ascen⸗ denten haͤtten gerichtet werden muͤſſen, werden durch andere Formalitaͤten erſetzt, 155. Klage auf Theilung in Hinſicht auf abweſende Miterben, 817, 819, 838 u. 840. Acten des Eivil⸗Standes. Allgemeine Verfuͤgungen, 34 u. f. Regiſter uͤber dieſelben, 40 u. f. Im Auslande gefer⸗ tigte Aeten des Civil⸗Standes haben in Frankreich Glauben, 47. Wie ſie in fremden Laͤndern den franz. Geſetzen gemaͤß aufgenommen werden koͤnnen, 48. Auf welche Weiſe am Ran⸗ de einer ſchon eingetragenen Acte einer andern erwaͤhnt wer⸗ de, 49. Strafe gegen die Uebertretungen, 50 u. f. Von wem und wie die Acten des Civit Standes, welche Militair- und a andere bei der Armee angeſtellte Perſonen außer Frankreich be⸗ treffen, gefertigt werden, 88 u. f. Aufwelche Weiſe und durch wen die urkunden des Civil⸗Standes berichtiget werden koͤn⸗ nen, 99 u. f.. Actien. An Finanz⸗ oder Handlungs⸗Geſellſchaften gehoͤren zu den beweglichen Sachen, 529. Aerztv. Die Anzeige der Geburt eines Kindes kann auch von den Aerzten, welche dabei zugegen waren, geſchehen, 56.— Wenn ſich bei einem Todten Spuren eines gewaltſamen Todes finden, ſo muß ein Polizeibeamter ein Protokoll daruͤber aufney⸗ men, 81. Alle Verfuͤgungen, welche Jemand in ſeiner let⸗ ten Krankheit zu Gunſten des Arztes welcher ibn in derſel⸗ ben behandelte gemacht hat, ſind nichtig, 909. Die Forderun⸗ gen der Aerzte in Anſehung der letzten Krankheit eines Ver⸗ ſtorbenen ſind privilegirt, 2101. Die Klage auf Bezahlung des Honorars der Aerzte wird in einem Jahre verjährt, 2272. After⸗Vermiethung. Iſt der Regel nach erlaubt, kann aber auch unterſagt werden, 1717. Welche Verbindlichkeiten der Aſtermiether gegen den Eigenthuͤmer habe, 1753. Der Theil⸗ pachter iſt zur Aftervermiethung nicht berechtigt, 1763. Agenten(diplomatiſche). Koͤnnen Acten des Civil⸗Standes im Auslande aufnehmen, 48. Sind von der Vormundſchaft befreit, 428 u. f. Alluvion(Anſpuͤlung). Erklaͤrung derſelben, und wem ſie zu gut kommen, 536 u. f. Sie hat bei Seen und Teichen nicht Statt, 558. Sie nuͤtzt dem Nutznießer, 596. Anerkennung(die eines natuͤrlichen Kindes) wird am Rande der Geburts⸗Urkunde bemerkt, 62. Kinder, welche nicht aner⸗ kannt werden koͤnnen, 335. Wie die Anerkennung geſchieht, und was ſie fuͤr Wirkungen habe, 336 u. f. 756. Anlehner. Verpflichtung deſſelben in Betreff der Aufbewah⸗ rung, Erhaltung und des Gebrauchs der ihm geliehenen Sa⸗ che; wann er fuͤr den Verluſt und die Verſchlimmerung der⸗ ſelben zu haften habe; er kann ſie gegen das nicht zuruͤckbe⸗ halten, was der Leiher ihm ſchuldig iſt, 1880 u. f. Welche auf die Sache verwendete Koſten er von dem Leiher zuruͤckfor⸗ dern koͤnne, 1806. Wie und wann er die gelehnte Sache zu ruͤckerſtatten muß, 1902 u. f. Wann er zur Zahlung von Zinſen verbunden iſt, 1904. Hat er Zinſen gezahlt, ohne daß ſie aus⸗ bedungen waren, ſo kann er ſie nicht zuruͤckfordern, 1906. Annahme(Adoption) an Kindesſtatt. Bedingungen und Wirkungen derſelben, 343 u. f. Form derſelben, 353 u⸗ f. Von der Adoption durch den Vormund, 368 u. f. Anſuchen(ehrerbietiges). Auf welche Weiſe es vor Schließung der Eye von den ehelichen und natuͤrlichen geſetzlich anerkann⸗ ten Kindern bei den Eltern oder Großeltern eingelegt und wiederhohlt werden muͤſſe, 15r u. f. Wird bei abweſenden Ascendenten durch andere Formalitaͤten erſetzt, 155. Apotheker. Sie koͤnnen, wenn ſie eine Perſon in der letzten Krankheit bedient haben, von den waͤhrend dieſer zu ihrem 1II Vortheile gemachten Verfuͤgungen keinen Nutzen ziehen, 909. Ihre Forderungen von der letzten Krankheit her ſind privile⸗ girt, 2101. Die Klage wegen der von ihnen gelieferten Ari⸗ neimittel wird in einem Jahre verjährt, 2272. Arreſt Cperſoͤnlicher). Wann er in Civilſachen Statt habe, 2059 u. f. Er kann nur zufolge eines uUrtheils vollſtreckt wer⸗ den, 2067 u. f. Ascendenten. Wann ihnen die Vormundſchaft gehoͤrt, 402 u. f. Wann und wie werden ſie zur Erbfolge berufen; an welchen Erbſchafts⸗Sachen haben ſie ein ausſchließliches Recht, 746 u. f. Sie können ſelbſt bei Lebzeiten der Eltern, fuͤr ihre minderjaͤhrigen Descendenten, wenn ſie auch deren Vormuͤnder und Curatoren nicht ſind, Schenkungen annehmen, 935. Aufgebothe. Allgemeine Vorſchriften fuͤr die Eheaufgebote, 63 u. f. Wo ſie geſchehen muͤſſen, 166 u. f. Der Kaiſer kann vom zweiten Aufgebote disvenſiren, 169. Wo ſie bei der Heirath der Militair-und anderer bei der Armee angeſtellten Perſonen geſchehen muͤſſen, 94. Strafen, wenn die Verfuͤgungen in Vetreff der Aufgebote nicht befolgt werden, 192 und 193. Ausländer. Im Auslande geborne Kinder, deren Vater ein Einlaͤnder iſt, werden auch Einländer, 10. Beſtimmungen uͤber die den Auslaͤndern im Reiche zukommenden Rechte, 11, ein Einländerin, welche einen Auslaͤnder heirathet, tritt in das buͤrgerliche Berhaͤltniß ihres Mannes über, 2, 19. Wegen Verbindlichkeiten, die ein Einlaͤnder im Ausiande, ſelbſt mit einen Ausländer eingegangen kann er vor die einheimiſchen Gerichte gezogen werden, 15. Unter welchen Bedingungen iſt eine im Auslande geſchloſſene Ehe guͤltig? 170, 171. Wegen des Vermoͤgens, welches ein Minderjähriger in den Colonien deſitt, muß ihm ein beſonde⸗ rer Vormund beſtellt werden, 417. In wiefern ſind Auslaͤnder erbfaͤhig in Anſehung des Vermögens, welches ihre Verwand⸗ ten im Reiche beſitzen, 726. Durch Ceſtament oder Schenkung kann zum Vortheile eines Auslaänders nur in ſofern verfuͤgt wer⸗ den, als dieſer zum Vortheile eines Franioſen verfuͤgen konnte, 912. Ein waͤhrend einer Seereiſe im Auslande gemachtes Te⸗ ſtament muß nach den daſelbſt uͤblichen oder nach den im Reiche geltenden Formen errichtet werden, 994. Beſtimmun⸗ gen uͤber die Form anderer im Auslande gemachter Teſtamen⸗ te, 900; deren Wirkſamkeit in Anſehung des im Reiche befindlichen Vermoͤgens, 1000. Die perſoͤnliche Verhaftung kann ſelbſt durch die im Auslande eingegangenen Vertraͤge fuͤr die nicht geſetzlich beſtimmten Fälle nicht verabredet wer⸗ den, 2063. In wie fern bewirken die im Auslande ergange⸗ nen urtheile eine Hypothek? 2123. Contrakte, die im Aus⸗ lande eingegangen wurden, begruͤnden keine Hypothek auf die im Reiche gelegenen Guͤter, 2128. Auslegung. Nach welchen Grundſaͤtzen die Auslegung der Vertraͤge geſchehen muͤſſe, 1136 u. f. und 1602. Aus ſicht(auf das Eigenthum eines Rachbars). Beſtimmungen in dieſer Hinſicht, 675 u, f. Auszug. Auszüge aus den Regiſtern des Civilſtandes müſſen jedem, der es verlangt, gegeben werden, und ſie haben vvlle ————————— 1V B Beweiskraft, 4s8. Der Erwerber eines mit Hypotheken be⸗ ſchwerten Grundſtuͤcks muß den Glaͤubigern unter andern Aus⸗ zuͤge ſeiner Erwerbs⸗Urkunde und deren Einſchreibung zuſtel⸗ len, 2133. Sind es bloß geſetzliche nicht eingetragene Hypo⸗ theken, ſo muß er einen Auszug ſeines Contrakts oͤffentlich an⸗ ſchlagen laſſen, 2194. B. ankerotte. Ein Schuldner, der bankerott geworden, iſt des Vortheils der ihm ausbedungenen Zahlungsfriſt verluſtig, 1288. Wirkung des Bankerotts eines delegirten Schuldners, 1276.— Welche Klagen koͤnnen Glaͤubiger der Ehefrau, bei dem Ban⸗ kerott des Ehemanns geltend machen? 1446. Der Verkaͤufer iſt, wenn der Kaͤufer bankerott wird, zur Ablieferung der ver⸗ kauften Sache nicht verbunden, 1613. Der Bankerott eines Geſellſchaftmitgliedes loͤſt die Geſellſchaft auf, 1865. Der ei⸗ nes Schuldners einer fuͤr beſtaͤndig verſprochenen Rente macht das Capital aufkuͤndbar, 1943. Der Buͤrge kann den Schuld⸗ ner, welcher bankerott geworden iſt, auf Entſchaͤdigung belan⸗ gen, 2032. In der Zeit vor Eroͤffnung eines Bankerotts, waͤh⸗ rend welcher der Schuldner keine guͤltige Handlung vornehmen kann, ſind auch die zugeſtandenen Hypotheken nichtig, 2146. Baumeiſter. Fuͤr welche Fehler und wie lange ſie dafuͤr haf⸗ ten, 1792 u. 2270. Wann ſie eine Erhoͤhung des mit dem Ei⸗ genthuͤmer ausbedungenen Preiſes zu fordern berechtigt ſind, 1793. Sie haften fuͤr ihre Arbeiter, 1797. Sie haben ein Privilegium auf das Werk, welches ſie aufgefuͤhrt oder ausge⸗ beſſert haben, wenn ſie die vorgeſchriebenen Formalitaͤten be⸗ obachten, 2103. Baͤume. Der Eigenthuͤmer eines Bodens kann Baͤume die von einem Andern auf demſelben gepflanzt worden ſind, entweder fuͤr ſich bebalten oder auf Koſten deſſen wegſchaffen laſſen, der ſie gepflanzt hat, 555. In welcher Entfernung die hochſtaͤmmi⸗ gen von dem Gute des angraͤnzenden Nachbars gepflanzt wer⸗ den duͤrfen, 671. Ragen die Aeſte der Baͤume uber des Nach⸗ bars Eigenthum hervor, ſo kann er verlangen, daß ſie abgeſchnit⸗ ten werden; die Wurzeln, die ſich auf ſeinen Boden erſtrecken, kann er ſelbſt auf demſelben abſchneiden, 672. Baͤume die in einem gemeinſchaftlichen Zaune ſtehen, ſind gemeinſchaftlich, 673. Beamte des Civil⸗Standes. Ihre Pflichten bei Abfaſſung der Urkunden des Civil⸗Standes, 35— 98. Muͤſſen in den Heiraths⸗Urkunden unter Geldſtrafe der Einwilligung derer, von denen ſie erfordert wird, und unter Geld- und Gefaͤng⸗ nißſtrafe der ehrerbietigen Anſuchen, in den Faͤllen, wo ſie vorgeſchrieben ſind, erwaͤhnen, 156 u. 157. Strafen gegen ſie, wenn ſie die Vorſchriften in Betreff der Aufgebote nicht be⸗ folgen, 192. Civilklage gegen ihre Erben im Falle eines Be⸗ trugs, 200. Sie ſprechen auf Vorzeigung der Endurthetle die Sheſcheidung aus, 258, 266, 290 u. 29 4. Sie haben die Ur⸗ theile, wodurch eine Adoption angenommen wird, in ihre Re⸗ giſter einzutragen, 359. V Bedingung. Erklarung der zufaͤlligen, willkuͤrlichen und ge⸗ miſchten Bedingung, unter der eine Verbindlichkeit eingegan⸗ gen worden, 1169— 1171. Welche Bedingung unguͤltig ſey, 1172, 1173. Wie eine Bedingung erfuͤllt werden muͤſſe, wann ſie als erfuͤllt anzuſehen; eine erfuͤllte Bedingung wirkt ruͤck⸗ waͤrts, 1175 u. f. Erklaͤrung und Wirkung der aufſchiebenden Bedingung, u8r u. f. Erklaͤrung und Wirkung der aufloͤſen⸗ den Bedingung, 1183 u. f. Beerdigung. Wann und auf weſſen Erlaubniß ſie geſchehen duͤrfe, 177. Wie lange ſie verſchoben werden muͤſſe, wenn ſich Spuren eines gewaltſamen Todes vorfinden, und was der Beamte des Civilſtandes in dieſem Falle zu thun habe, 81 u.f⸗ Beſitz. Wer als ein redlicher Beſitzer angeſehen wird, 550. Die rechtmaͤßigen Erben treten in den Beſitz der Erbſchaft, 724. 1004. Eben dieſes gilt auch von den teſtamentariſchen Erben, 1006. Allgemeine Beſtimmungen uͤber den Beſitz, 2228 u. f. Der Beſitz im Namen eines Andern begruͤndet keine Verjaͤhrung, 2236, 2238. Bei den Mobilien vertritt der Be⸗ ſitz die Stelle eines Titels, 2279. Beſitzer. Wann er Eigenthuͤmer der Fruͤchte einer fremden Sache werde, 549. Wer ein redlicher Beſitzer ſey, 550. Die Klage auf Revendikation der Schenkungen findet auch gegen den dritten Beſitzer Statt, 930. Betrug. Wer eine Vormundſchaft durch Betrug erſchlichen hat, dem kann ſie wieder entzogen werden, 421. Betrug kann zur Aufhebung einer Theilung Anlaß geben, 887. Wie lange den Miterben eine Klage hierauf zuſteht, 892. Betrug hat die Unguͤltigkeit der Vertraͤge zur Folge, 1109, 1116 u. f. Von welchem Zeitpunkte an eine Klage wegen Betrugs bei Vertraͤ⸗ gen ihren Anfang nehme, 1304. Wegen Betrugs koͤnnen nicht geſetzliche Vermuthungen als Beweismittel gebraucht werden, 1353. Eine ſchon bezahlte Spielſchuld kann im Falle eines Betrugs zuruͤckgefordert werden, 1965. Der Bevollmaͤchtigte iſt fuͤr den begangenen Betrug verantwortlich, 1992. Der Be⸗ trug zieht die Aufhebung der Vergleiche nach ſich, 2053. S. Stellionat. Bevollmächtigte. Durch Bevollmaͤchtigte kann man gegen eine Heirath Einſpruch thun, 66. Auch Fraueasperſonen und emancivirte Minderjaͤhrige koͤnnen hierzu auserſehen werden, 1990. Verbindlichkeiten des Bevollmaͤchtigten, 1991. Rechte deſ⸗ ſelben, 1998. Bevollmächtigte koͤnnen nichts vornehmen, was nicht in ihrer Vollmacht enthalten iſt, 1089. Der Bevollmaͤch⸗ tigte kann die Vollmacht aufkuͤndigen, muß aber den Macht⸗ geber entſchaͤdigen, wenn die Aufkuͤndigung ihm nachtheilig iſt, 2007. Die Erben des Bevollmächtigten ſind verbunden, von ſeinem Tode dem Machtgeber zu unterrichten, 2010. Beweis. Beglaubte Auszuͤge aus den Regiſtern des Civilſtan⸗ des geben vollen Beweis, 45, 47. Folgen des Beweiſes des Lebens oder Todes eines Abweſenden, 130, 135, 139. Von dem Beweiſe einer Klage auf Eheſcheidung, 245 u. f. Beweis der Kindſchaft eines ehelichen Kindes, 319. Beweis, den der⸗ jenige zu fuͤhren verbunden iſt, welcher die Erfuͤllung einer Verbindlichkeit fordert, oder eine Befteiung davon behauptet, ——————— . VI 1315 u. f. Urkundenbeweis, 1317 u. f. Von Privaturkunden, 1322 u. f. Vom Zengenbeweis, 1341 u. f. Beweiskraft des gericht⸗ lichen Eingeſtändniſſes, 1356. Der Zeugenbeweis wird für den muͤndlichen Miethvertrag nicht zugelaſſen, 1715. Beweis⸗ fuͤhrung wegen in Verwahrung gegebener Sachen, 1923, 1924, 1938, 1950. Desgleichen uͤber eine muͤndlich gegebene Voll⸗ macht, 1985. Die Beweisfuͤhrung uͤber die Aechtheit einer Ur⸗ kunde begruͤndet eine gerichtliche Hypothek, 2123. Brautſchatz. Der des Kindes eines Interdieirten wird vom Familieurathe beſtimmt, 511. Aus welchem Vermoͤgen der Brautſchatz genommen werden muſſe, 1542 u. f. Der Mann hat allein die Verwaltung des Brautſchotzes, 1549; er iſt der Regel nach nicht verbunden, füͤr den Brautſchatz Buͤrg ſchaft zu leiſten, 1350; in welchen Fällen er Eigenthuͤmer deſſelben werde, 1551 u. f.; in welchen zum Brautſchatze gegebene un⸗ bewegliche Sachen waͤhrend der Ehe veraͤußert werden koͤnnen, 1554 u. f. Pflichten des Mannes in Betreff des Brautſchatzes, 1562. Vorſchriften wegen der Zuruͤckgabe des Brautſchatzes, 1564 u. f. Buͤcher(der Handelsleute). Was ſie beweiſen, 1330. Buͤrge. Wenn gleich Jemand ſich als Buͤrge einer in der Ehe⸗ ſtiftung gemachten Schenkung dargeſtellt hat, ſo kann er dieſe doch wegen nachher geborner Kinder widerruſen, 963. Wenn unter mehreren Mitſchuldnern einen die Schuld allein angeht, ſo ſind die uͤhrigen in Ruͤckſicht ſeiner nur als Buͤrgen zu be⸗ trachten, 1216. Der Buͤrge kann guͤltig die Verbindlichkeit des Hauptſchuldners erfuͤllen, 1236. Der Eintritt in die Rechte des Gläubigers, den man bezahlt hat, findet auch gegen die Buͤrgen ſtatt, 1252. Durch die umſchaffung werden auch die Buͤrgen frei, 1281. Wirkung der Erlaſſung einer Schuld der Buͤrgen, 1287 u. f. Wem derdem Buͤrgen zugeſchobene Eid nutze, 1365. Die ſolidariſche Verbindlichkeit der Ehefrau mit dem Shemanne wird in Beziehung auf ihn ſo angeſehen, als ob jene nur als Buͤrge ſich verbunden habe, 1431. Zu was ſich der Bürge verpflichte, 2011 u. f. In welchem Falle findet die perſoͤnliche Verhaftung wider die gerichtlichen Buͤrgen ſtatt? 2060. Eine an den Hauptſchuldner erfolgte Aufforde⸗ rung oder von ihm geſchehene Anerkennung unterbricht die Verjaͤhrung auch in Anſehung des Buͤrgen, 2250. S. Buͤrg⸗ ſchaft. Buͤrgſchaft. Ausländer, welche als Kläger vor Gericht auf⸗ treten, muͤſſen Buͤrgſchaft leiſten, 16. Auch diejenigen, welche die Einweiſung in den proviſoriſchen Beſitz des Vermögens eines Abweſenden verlangen, 120 unf.; der Nießbraucher, 60r u. †. u. 626; der uberlebende Ehegatte, um in den Beſitz des Vermoͤgens des Verſtorbenen eingewieſen zu werden, 771. All⸗ gemeine Grundſaͤtze uͤber Buͤrgſchaften, 2011 u. f. Wirkungen der Buͤrgſchaft, 2021 u. f. Erloͤſchung derſelben, 2034 u. f. Geſetzliche und gerichtliche Buͤrgſchaft, Verfuͤgungen in Be⸗ treff derſelben, 2040 u. f — ———— 1. — X VI E. Capital. Der emaneipirte Minderjaͤhrige kann ein aufkuͤnd⸗ bares Capital nicht ohne Beiſtand ſeines Curators erheben oder daruͤber quittiren, 482. Daſſelbe gilt ven dem Interdi⸗ eirten, 409; und von dem Verſchwender, dem ein gerichtlicher Beiſtand zugeordnet iſt, 513. Jede Zahlung wird zuerſt auf das Capital abgerechnet, 1254. Erſatz der unbefugter Weiſe erhobenen Capiralien, 1378. Der dritte Beſitzer eines mit Hypotheken beſchwerten Grundſtuͤcks muß alle darauf haftende Capitalien bezahlen, 2168. S. Forderungen, Schulden, Gelder. Civilrechte. Wem ſie zukommen, 8 u. f. Wie ſie verloren werden, 17. Wie man ſie wieder erlange, 10, 18 und 19, Compenſgrion,(Begeneinanderaufrechnung). Unter welchen Perſonen, auf welche Weiſe ſie Statt finde, wer ſich hier⸗ auf berufen koͤnne; ſie ſchadet den von einer dritten Perſon erworbenen Rechten nicht, 1289 u. f. Confuſion(Vereinigung). Wann ſie Statt habe, und welchen Perſonen ſie nutze, 1300 u. f. Wirkung derſelben, wenn ſie ſich in der Perſon des Hauptſchuldners und ſeines Buͤrgen ereignet, 2035. Contrakt(Vertrag). Durch Privatverträge kann man die Ge⸗ ſetze nicht unkräftig machen, welche die oͤffentliche Ordnung und die guten Sitten betreffen, 6. Jeder Vertrag zwiſchen dem Vormunde und dem großjaͤhrigen Mündel iſt nichtig, 472. Er⸗ klärung des Contraktes, o1. Was unter einem einſeiti⸗ gen, zweiſeitigen, einem tauſchartigen, laͤſtigen, und un⸗ ter einem gewagten und wohlthätigen Contrakt verſtanden werde, 1152. Erforderniſſe zur Guͤltigkeit der Contrakte, rc8. Im Allgemeinen kann man durch Contrakte nur fuͤr ſich etwas verſprechen oder ſich bedingen; man kann aber fuͤr einen Drit⸗ ten ſtehen und verſprechen daß derſelbe handeln werde, eben ſo kann man zum Vortheile eines Dritten ſich etwas ausbe⸗ dingen, 1119 u. f. Perſonen, welche unfähig ſind, Contrakte zu ſchließen, 1123 u. f. Sachen, welche der Gegenſtand eines Contraktes ſeyn koͤnnen, 1126 u. f. Wirkungen der Contrak⸗ te, 1134 u. f. Grundſätze, welche bei der Auslegung derſelben zu befolgen ſind, 1156 u. f. Wirkungen der Contrakte in Ruͤckſicht auf dritte Perſonen, 1165 u, f. Grundſätze, nach de⸗ nen die Contrakte zu beurtheilen ſind, die unter einer Be⸗ dingung eingegangen werden, 1158 u. f. Jeder zweiſeitige Contrakt wird unter der ſtillſchweigenden Bedingung geſchloſ⸗ ſen, daß er aufgeloͤſt ſeyn ſoll, wenn einer von beiden Theilen ſeinem Verſprechen nicht Genüge leiſtet, 1184. Grundſaͤtze, nach denen die unter Strafclauſeln eingegangenen Contrakte zu beurtheilen ſind, 1226 u. f. Im Auslande geſchloſſene begruͤnden keine Hypothek auf Guͤter, die in Frankreich liegen, 2128. Contumaeial⸗uUrtheil. Zieht den buͤrgerlichen Tod nach ſich, 27. Wie, wenn der Verurtheilte in der Gnadenzeit von fünf Jahren ſich ſtellt oder ergriffen wird, 29. Wirkungen, wenn dr durch das neue urtheil losgeſprochen wird, oder wäh⸗ rend der Gnadenzeit ſtirbt, 30, 31. vII Curator. Ein Cnrator wird demjenigen ernannt, der durch ei⸗ ne Verurtheilung ſich den buͤrgerlichen Tod zugezogen hat, um vor Gericht aufzutreten, 25 Der Curator kann nur mit Ermachtigung des Familienraths Oppoſition gegen die Heirath ſeines Muͤndel einlegen, 175. Wann ein Curator der Leibes⸗ frucht ernannt werde, 393. Im Beiſeyn eines Curators wird dem emaneipirten Minderfjaͤhrigen die Vormundſchaftsrechnung abgelegt, 480. Pflichten des Curators einer erbloſen Hinter⸗ laſſenſchaft, 812 u. f. Ein im Schreiben unerfahrner Taub⸗ ſtummer kann nur durch einen Curator eine Erbſchaft anneh⸗ men, o36. Fuͤr ein wegen darauf haftender Hypotheken abge⸗ tretenes Grundſtuͤck muß ein Curator ernannt werden, 2174. B. Dachtraufe. Verfuͤgung in Betreff derſelben, 681. Das Recht der Dachtraufe iſt ein ununterbrochenes, 688. Darlehn(Anlehn). Vormuͤnder koͤnnen nur mit Bewilli⸗ gung des Familienrathes ein Darlehn aufnehmen, 457. Verſchiedene Arten des Darlehns, 1874. Von der Natur des Darlehns, 1892. Wie die Zuruͤckzahlung eines Darlehns von baarem Gelde geſchehen muͤſſe, 1895. Pflichten des Dar⸗ leihers; er kann die gelehnte Sache nicht vor der bedungenen Zeit zuruͤckfordern, 1902. Es iſt erlaubt, beieinem Darlehn Zinſen auszubedingen, 1905. Der Darleiher hat ein Privilegium auf das unbewegliche Gut, zu deſſen Ankaufe er Geld hergeſchoſſen hat; Bedingung, unter welcher er dieſes Recht ausuͤben kann, 2roz. Eben ſo, wenn er Geld vorgeſchoſſen hat, um die Arbei⸗ ter zu bezahlen, welche bei der Auffuͤhrung oder Ausbeſſerung eines Gebaͤudes gebraucht worden ſind, daſ. Was er thun muͤſſe, um dieſe Privilegien aufrecht zu halten, 2x20. Diebſtahl. Der Untergang oder Verluſt einer geſtohlenen Sa⸗ che befreit denjenigen, welcher ſie entwendet hat, nicht von der Erſetzung des Raubes, 1302. Wenn der Verwahrer ent⸗ deckt, daß die bei ihm niedergelegte Sache entwendet worden, ſo muß er dies dem Eigenthümer anzeigen, 1938. Gaſtwirthe ſind für die Entwendung der ihnen anvertrauten Sachen ver⸗ antwortlich, 1953; ſofern ſie nicht gewaltſam geſchahe, 1954. Das nämliche gilt von Fuhrleuten und Schiffern, 1782 u. f. Wem eine bewegliche Sache entwendet worden iſt, kann die⸗ ſelbe drei Jahre lang gegen jeden Beſitzer in Anſpruch nehmen, 2279. In welchem Falle der Werth der entwendeten Sache dem Beſitzer erſtattet werden muͤſſe, 2280. Dienſtbarkeiten. Erklaͤrung derſelben, 637. Sie entſtehen entweder aus der Lage der Orte, oder aus der Verfuͤgung des Geſetzes, oder werden durch die Handlung eines Menſchen er⸗ richtet; Grundſaͤtze welche bei jeder Art von Dienſtbarkeiten zu beobachten ſind, 639 u. f. Stadt Land⸗Dienſtbarkeiten, ununterbrochene, unterbrochene, ſcheinbare, unſcheinbare, 687 u. f. Wie ſie erworben werden, 690 u. f. Rechte des Eigen⸗ thuͤmers eines Grundſtuͤckes, das zur Grundgerechtigkeit berech⸗ tiget iſt, 607 u. f. Wie die Grundgerechtigkeiten erloͤſchen und wieder aufleben, 703 u. f —————————————————— IX Dienſtbothen. Wohnſitz der großjaͤhriaen Dienſtbothen, 109. Dienſtbothen koͤnnen wegen dieſer Eigenſchaft bei der Eheſchei⸗ dungsklage nicht als Zeugen verworfen werden, 251. Die ih⸗ nen zugedachten Vermaͤchtniſſe werden nicht als Zahlung auf ihren Lohn angeſehen, 1033. Regeln uͤber die Verdingung der Dienſtbothen, 1780 u. f. E. Ehe. Der buͤrgerliche Tod hindert die Eingehung siner Ehe, und hebt die ſchon beſtehende auf, 25. Einer jeden Ehe muͤſ⸗ ſen die geſetzlichen Aufgebote vorausgehen, 63 u. f. Sonßige Vorausſetzungen zur Abſchließung der Ehe, 70 uef. Form der⸗ ſelben, 75. Aufnahme der Heirathsurkunde, 56. Foͤrmlichkei⸗ ten bei Verheirathung der Militairperſonen, 94 u. 95. Wir⸗ kungen der Abweſenheit in Hinſicht auf die Ehe, 139 u. 140. Beſtimmung des Alters, vor welchem man nicht zur Ehe ſchrei⸗ ten darf, 144 u. 145. Erforderliche Einwilligung zur Einge⸗ bung einer Ehe, 146, 148 u f. Verbot der Ehe wegen Ver⸗ wandtſchaft, 161 u. fe Foͤrmlichkeiten bei Abſchließung einit Ehe überhaupt, 165 u. f. Einſpruͤche wider die Ehe, 172 u. f.(63 u. ſ.) Klagen auf Ungu tigkeit der Ehe, 180 u. f: Wechſelſeitige Rechte und Pflichten der Ehegatten, 212 u⸗ f. Aufloͤſung der Ehe, 227. Waͤhrend der Ehe ſind Schen⸗ kungen zwiſchen Ehegatten widerruflich, 1096, ünd wenn ſie wechſelſeitig in einem Aufſatze geſchahen, gani unguͤltig, 1097. Wirkungen der eheiichen Verbindung in Ruͤckſicht des Vermö⸗ gens uͤberhaupt, 13837 u. f.z wenn Guͤtergemeinſchaft ſtatt fin⸗ det, 1399 u. f.s wenn dieſelbe ausgeſchloſſen wurde, 1530 u. f.; wenn man Vermoͤgensabſonderung verabredet hatte, 1336; wenn das Brautſchatzverhaͤltniß eintrat, 1540 u. f. Beitrag der Frau zu den Laſten der Ehe, 1537, 1540, 1573. Zweite Ehe. Wenn der Ehegatte eines Abweſenden zur zweiten Ehe geſchritten iſt, kann jener dieſelbe anfechten, 139. Eine Frau kann erſt zehn Monate nach Aufloͤſung der erſten Ehe eine zweite eingehen, 228. Das naͤmliche gilt im Falle einer Eheſcheidung, 406. Erfolgte dieſe auf gegenſeitige Ein⸗ willigung, ſo findet die Eingehung riner weiteren Hetrath erſt nach drei Jahren ſtatt, 297. Die Mutter, welche zur zweiten Ehe ſchreitet, verliert den Niesbrauch an dem Vermoͤgen ihrer Kinder, 386. Wie wird ös mit der geſetzlichen Vormundſchaft gehalten, wenn die Mutter eur zweiten Ehe ſchreitet? 395 u. 396. EShebruch. In wie ſern er die Klage auf Eheſcheidung be⸗ gruͤndet, 239. Ehecontrakte. Welche Schenkungen in denſelben von einem Dritten zu Gunſten der Ehegatten, oder von dieſen gegenſei⸗ tig gemacht werden koͤnnen, 1081 u. f. Die Ehegatten ſind befugt, durch einen Ehecontrakt in Ruͤckſicht auf das Vermoͤ⸗ gen nach Gutbefinden eine Uebereinkunſt zu treffen, 1387 u. f. Die Ehecontrakte muͤſſen durch einen Notar vor der Ehe ge⸗ ſchloſſen, und koͤnnen waͤhtend der Ehe nicht abgeaͤndert wer⸗ den; in welcher Form eine vor der Trauung vorzunehmende 0 Veraͤnderung geſchehen muͤſſe, 1394 u. ſ. Siehe Guͤter⸗Ge⸗ meinſchaft und Schenkungen⸗ Ehefrau. Pflichten derſelben gegen ihren Mann, 213 u. f. Sie iſt befugt, waͤhrend der Eheſcheidungsklage die Wohnung ihres Mannes zu verlaſſen, und auf eine Penſion anzutragen, 268. Wann ſie dieſe verliere, 260. Sie kann während des Eheſcheidungs⸗Prozeſſes zur Sicherſtellung ihrer Rechte die Mobilareffekten ihres Mannes unter Siegel legen laſſen, 270. Sie wird zur Gefaͤngnißſtrafe verurtheilt, wenn ſie wegen ei— nes von ihr begangenen Ehebruchs von ihrem Manne geſchie⸗ den wird, 308. Sie kann zur Vormuͤnderinn ihres interdieir⸗ ten Mannes ernannt werden, 507. Eine Ehefrau kann ohne Genehmtgung ihres Mannes oder des Gerichts kein Teſtament vollziehen, 16029. Wann in Civilſachen perſoͤnlicher Arreſt ge⸗ gen ſie Statt hat, 2066. Sie hat auch ohne Eintragung eine Hypothek auf das Immobilar-Vermoͤgen ihres Mannes in Hinſicht des Brautſchatzes und alles deſſen, was ihr aus dem Ehevertrage gebuͤhrt, 212r. Wann dieſe Hypothek in Hinſicht gewiſſer Dotal⸗Gelder, der Entſchaͤdigung, welche ihr fuͤr die mic ihrem Manne gemachten Schulden zukommt, und der ihr gebuͤhrenden Wiedererſtattung ihres veraͤußerten Eigenthums ihren Anfang nimmt, 2135. Sie kann ſelbſt die Eintragung dieſer Hypothek verlangen, 2139. Siehe Guͤter⸗Gemein⸗ ſchaft, Guͤter⸗Trennung. Ehegatte. Wer den Namen eines Ehegatten in Anſpruch neh⸗ men könne, 194. Wechſelſeitige Rechte und Pflichten der Ehe⸗ gatten, 212 u. f. Ehegatten können ohne beiderſeitige Ein⸗ willigung niemanden adoptiren, 344. Ausnahme von dieſer Regei, 366. Ein Ehegatte kann nur mit Bewilligung des an⸗ dern Pfleger eines Kindes werden, 362. Deruͤberlebende Ehe⸗ gatte muß ſich in den Beſitz der Erbſchaft des Zuerſtverſtorbe⸗ nen einweiſen laſſen, 724 u. 770. Wann er ſein Erbe werde, und was er als ſolcher zu thun habe, 767 u. f. Schenkungen mit Ehegatten durch Ehecontrakte, 1081 u. f. Schenkungen der Ehegatten untereinander durch Ehecontrakte, 1091 u. f. Form dieſer Schenkungen, und Grundſaͤtze, nach denen ſie beurtheilt wer⸗ den, daſ. Wie die Rechte der Ehegatten beſtimmt werden, wenn ſie keinen Ehevertrag geſchloſſen haben, 1400 u. f. Der uͤberlebende Ehegatte verliert den Genuß der Einkuͤnfte ſeiner minderjaͤhrigen Kinder, wenn er nach dem Abſterben des andern kein Inventarium hat errichten laſſen, 1442. In welchen Faͤllen unter Ehegatten ein Kauf⸗ und Verkauſcontrakt Statt haben konne, 1595. Zwiſchen Ehegatten findet keine Verjaͤhrung Statt, 2253. Siehe Ehefrau, Ehemann, Eheſcheidung. Ehemann. Pflichten deſſelben gegen ſeine Frau, 212 u. f. In welchen Fällen er ein waͤhrend der Ehe gezeugtes Kind fuͤr das ſeinige nicht anerkennen konne, 312. Er iſt geſetzlicher Vormund ſeiner interdieirten Frau, 5o6. In welchem Falle er ohne Mitwirken ſeiner Frau auf die Theilung der ihr zu⸗ gefallenen Mobilien und Immobilien antragen koͤnne, 818. Er hat fuͤr die Tranſeription der Urkunden in Betreff der ſei⸗ ner Frau geſchenkten Guͤter zu ſorgen, 940. Er verwaltet al⸗ lein die zur ehelichen Gemeinſchaſt gehoͤrigen Guͤter, ſeine —————————— —— XI der Brautſchatzgüter während der Ehe, 1549 u. f. Ohne ſeine Einwilligung kann die Frau nichts von ihren Paraphernalguͤ⸗ tern veräußern, 1876. Er iſt verbunden⸗ die in Betreff der Rechte der Frau auf ſeine Immobilien haftenden Hypotheken eintragen zu laſſen; wann er wegen Verſaͤumung dieſer Ver⸗ bindlichkeit des Stellionats ſchuldig angeſehen werde, 2136. Wider ihn wird auf Vergantung der Immobilien, die zur Guͤ⸗ termeinſchaft gehoͤren, verfahren, wenh gleich die Frau jur Zahlung verbunden iſt, 2208. Siehe Guͤtergemeinſchaft, Guͤ⸗ tertrennung⸗ ESheſcheidung. Aus welchen urſachen ſie Statt habe, 229 u. f. Form der Eheſcheidung aus einer beſtimmten Urſache, 234 u. f. Sorge fuͤr die Kinder waͤhrend des Prozeſſes, 267. Ein⸗ reden gegen die Eheſcheidung aus beſtimmten Urſachen, 272. Wann die Eheſcheidung auf beiderſeitige Einwilligung Statt habe, 275 u. f. Was haben die Ehegatten zu thun, ehe ſie vor dem Praͤſidenten des Bezirksgerichts erſcheinen? 279 U. 280. Weiteres Verfahren, 281 u. f. Wann der urſpruͤnglich Beklag⸗ re bei der Drennung von Tiſch und Bette auf Eheſcheidung antragen koͤnne, 310. S. Ehegatte, Shefrau, Ehemann⸗ kaiſerl. Prokurator, Kinder, Präſident. Sid. Zwei Arten deſſelben, 1337. Vom Entſcheidungseide, 1358. Wirkung des Eides in Betreff der Ritſchuldner, 1365. Faͤlle in welchen der Richter von Amtswegen den Eid auflegt, 1366. BVei der einjaͤhrigen oder ſechsmonatlichen Verjahrung kann dem Verjährenden und ſeinen Erben uber die Frage, ob die Zahlung wirklich erfolgt ſey, der Eid zugeſchoben werden, 2275. Sigenthum. Der buͤrgerlich Todte verliert das Eigenthum ſeines ganzen Vermoͤgens, 25. Worin das Eigenthum beſtehe, 544. Unter welcher Bedingung man gezwungen werden koͤnne, es abzutreten, 545. Auf welche Art es erworben werden und auf andere uͤbergehen koͤnne, 711 u. 714. Verjaͤhrung des Eigenthums unbeweglicher Sachen, 2265 u.f. Desgleichen be⸗ weglicher Sachen, 2279. Eigenthuͤmer. Dem Eigenthuͤmer gehoͤren alle Fruͤchte ſeiner Sache, 547; ſo wie alles was damit verbunden, 5517; ſowohlwenn von unbeweglichen Sachen die Rede iſt, 552 u. f.z als von beweglichen, 565 u. f. Jeder Eigenthuͤmer kann fordern⸗ daß ſein Grundſtuͤck von dem ſeines Nachbars durch Grenzſteine abgeſondert werde, 646. Er kann es einſchließen, 647 u. 682. Welches Recht er in dieſem Falle verliert, 648. Er kann ſein Eigenthum mit Grundgerechtigkeiten belegen, 686. Wer Ei⸗ genthuͤmer einer beweglichen Sache werde, die man zu geben oder zu liefern ſich gegen zwei Perſonen nach und nach ver⸗ bunden hat, 1141. Wer eine Sache zu fordern hat, wird Ei⸗ genthuͤmer derſelben, ſobald die Zeit der Ueberlieferung ein⸗ tritt, 1138, 1533. Der Verleiber bleibt Eigenthuͤmer der ge⸗ liehenen Sache, 1877. Um verjähren zu können muß man als Eigenthuͤmer beſitzen, 2229. Binnen welcher Zeit der Eigen⸗ thuͤmer, der eine Sache verloren hat, oder dem ſie geſtohlen worden, ſie wider jemanden vindiciren koͤnne, 2279. Rechte in dieſer Hinſicht, 14a1. Er hat allein die Verwaltung —— Eintragung(der Privilegien und Hypotheten in die Regiſter der Hypotheken⸗Bewahrer). Wo ſie geſchehen möſſe; wann ſie ohne Wirkung bleibe, 939 u. f. und a 6. Die an demſelben Tage eingetragenen Glaͤubiger haben eine verhaͤltnißmäßige Hypotbek, 2147. Was hat der Glaͤubiger zu thun, um die Einſchreibung zu bewirken, 2148. Wem die Koſten der Ein⸗ ſchreibung zur Laßt fallen, 2155. Einwilligung. Nothwendigkeit derſelben in Betreff der Ehe, 146 u. f. Die beiderſertige und beharrliche Einwilligung der Ehegatten iſt eine entſcheidende Urſache der Eheſcheidung, 233. Die bloße Einwilligung der Parteien macht eine angenommene Schenkung vollguͤltig, 938. In welchen Fällen eine Einwilli⸗ gung nicht fuͤr guͤltig angeſehen wird, 1109. Zur freiwilligen Niederlegung bedarf es der Einwilligung beider Theile, 1921. Eltern. Sie koͤnnen gegen die Heirath ihrer Kinder Einſpruch thun, 173. Wos haben ſie zu thun, wenn ſie die ihren min⸗ derjahrigen Kindern zugehoͤrigen Mobilten nicht verkaufen wol⸗ len, 453. Wann erben ſie ihre natuͤrliche Kinder, 765. Sie können im Namen ihrer minderjaͤhrigen Kinder Schenkungen annehmen, 935. GSie ſind befugt, einen Theil ihres Verms⸗ gens einem oder mehrern ihrer Kinder mit der Bedingung zu ſchenken, daß ſolcher den Kindern der Geſchenknehmer ausge⸗ liefert werden ſoll, 1048 u. f. Sie duͤrfen unter ihren Kin⸗ dern und Abkoͤmmlingen ihr Vermoͤgen theilen; in welcher Form und nach welchen Grundſätzen dieſes geſchehen möſſe, 1075 u. f. Sie ſind fuͤr den Schaden, den ihre minderjaͤhri— gen bei ihnen wohnenden Kinder verurſacht haben, verontwort⸗ lich, 1334. Beſtellung des Brautſchatzes von Seiten der Eltern, 15 44 u. f. S. Vater, Mutter. Emanecipatiyn. In welchem Falle ſie von Geſetzes wegen Statt habe, 476. Wann und wie ſie von dem Poter, der Mutter oder dem Familienrathe einem Minderjaͤhrigen ertheilt werden koͤnne, 477 u. f. Dem Emaneipirten wird in Beiſein eines Curators die Vormundſchafts-Rechnung abgelegt, 480. Welche Handlungen er allein, welche er unter dem Beiſtande ſeines Curators oder unter der Autoriſation des Familienra⸗ thes unternehmen koͤnne, 481 u. f. und 925. In welchen Faͤl⸗ len die von ihm uͤbernommenen Verbindlichkeiten eingeſchränkt werden koͤnnen, 484. Wann und wie er die Wohlthat der Emancipation verlieren koͤnne, 485. Der Emanecipirte, welcher Handlung treibt, wird in Hinſicht dieſer fuͤr großjaͤhrig be⸗ trachtet, 487. Wirkung der Emaneipation auf die Klage wegen Verletzung bei Vertraͤgen, 1305. Entfuͤhrer. Wann er als Vater eines Kindes erklaͤrt werden koͤnne, 340. Entſchädigung. S. Schaden-Erſatz. Erbe. Rechte der Erben eines Nutznießers, 590, 509. Auf den rechtmaͤßigen Erben geht der Beſitz einer Erbſchaft ſchon kroft des Geſetzes uͤber; wer Erbe ſeyn koͤnne, 724 u. f. Wer ein Erbe anzutreten fähig iſ, 725. Der Erbe kann unter der Rechtswohlthat des Inventariums die Erbſchaft antreten; zu was er in dieſem Falle verbunden ſey; binnen welcher Zeit er ein Inventarium errichten, und ſich zur Annahme oder Aus⸗ ———————— XIil ſchlagung der Erbſchaft entſchließen mäſſe; ſeine Pflichten in Betreff der Verwaltung des zur Erbſchaft gehoͤrigen Ver⸗ moͤgens; wann er in ſeinem eigenen Vermoͤgen angegriffen werden koͤnne; er iſt gehalten den Glaͤubigern der Erbſchaft oder andern Intereſſenten Bürgſchaft zu leiſten, in welcher Ordnung er die erſtern bezahlen muͤſſe 793 u f. In wie fer⸗ ne er zur Collarion und zur Tilgung der Erbſchafts-Schulden und Loſten verbunden ſey, 843 u. f., 870, 1221 und 1225. Worauf jeder Erbe antragen koͤnne, wenn erbſchaftliche Im⸗ mobilien mit Renten beſchwert ſind; welcher Erbe dieſe leiſten muͤſſe, im Falle der Nachlaß in dem Zuſtande, worin er ſich befindet, getheilt wird, 872. Was Rechtens ſey, wenn er zu Folge einer Hypothek mehr als ſeinen Antheil an der gemein⸗ ſchaſtlichen Schuld bezahlt hat, 875. Welche Formalität er⸗ fordert werde, damit ein gegen den Verſtorbenen executoriſcher Titel gegen den Erben vollſtreckt werden koͤnne, 877. Jeder Erbe kann verlangen, daß das Vermoͤgen des Erblaſſers von dem ſeinigen getrennt werde; wann dieſes Recht aufhoͤrr, 878 u. f. Welche Rechte dem Erben gegen den Geſchenkneb⸗ mer oder gegen dritte Beſitzer zuſtehen, wenn Immobilien iu Folge der Reduktion zur Erbſchaftsmaſſe eingefordert werden, 99 und o30. Er haftet fuͤr die Vermaächtniſſe, 1017. Er kann dem Beſitze des Mobilarvermoͤgens der Erbſchaft ein Ende machen, wenn ſich der Leſtaments⸗Executor in demſelben be⸗ findet, 1027. Der Miterbe hat ein Privilegium auf die zur Erbſchaft gehoͤrigen Immobilien zur Sicherheit der Theilung und der Gewaͤhr der Looſe, 2103. Was er thun muͤſſe, um dieſes Privilegium in ſeiner Kraft zu erhalten, 2109. Die Erben derjenigen welche in bloß precaͤrem Beſitze waren, koͤn⸗ nen nicht verjaͤhren, 2237, Erbfolge. Der Hrt, wo ſie ſich eroͤffnet, wird durch das Do⸗ micil beſtimmt, 110. Wie ſie eroͤffnet werde, welche Regeln zu beobachten ſeyen, wenn man nicht unterſcheiden kann, wer zuerſt geſtorben, 7 18 u. f. Wer der Erbfolge unwuͤrdig ſey, 727 u. f. Erbfolae des Descendenten, Ascendenten und Sei— tenverwandten, 546 u. f. Außergewoͤhnliche Erbfolge, 775 u. f. Erbrechte. Die Schenkung, der Verkauf oder die Uebertra⸗ gung derſelben fuͤhren die Annahme der Erbſchaft mit ſich, 780. Die Rechte auf die Erbſchaft einer noch lebenden Perſon koͤnnen nicht veräußert werden, 791. SErbſchaft. Erbſchaften zu denen keine Erben da ſind, welche annehmen, gehoͤren dem Staate, 339. Die, welche Ascenden⸗ ten oder Seitenverwandten zugefallen iſt, wird in zwei Theile getheilt; Regeln hiebei, 733 u f. Eine Erbſchaft kann uube⸗ dingt, ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend angenommen werden, was für eine ausdruͤckliche oder ſtillſchweigende Annahme ge⸗ halten werde, 774 u. f. Wann ein Volljaͤhriger die von ihm geſchehene Annahme einer Erbſchaft beſtreiten konne, 783. Folgen deſſelben, 784 u. f. Die Glaͤubiger desjenigen, der auf eine Erbſchaft verzichtet hat, koͤnnen ſolche in ſeinem Nomen annehmen, 788. Auf die Erbſchaft einer noch lebenden Per⸗ ſon kann man nicht verzichten, noch ſeine eventuellen Rechte KIV darauf veraͤußern, 791 und 1130. Wer aus einer Erbſchaft Effekten bei Seite geſchafft, verliert das Recht ihr zu eutſagen, 792. Wann eine Erbſchaft als vacant angeſehen werde, 8rr. Wie die Theilung einer Erbſchaft geſchehe, 815 u. f. 883 u. ſ. 887 u. f. Vom Einwerfen zur Erbſchaftsmaſſe, 843. Von Bezahlung der Erbſchaftsſchulden, 870 u. f Ermaͤchtigung(des Mannes). In welchen Faͤllen die Frau derſfelben beduͤrſe, 215. 217, 776, 905, 934, 1029, 1427, 1449, 1450, 1535, 1538, 1555 u. f. Wie, wenn ſie geweigert wurde, 218 und 219. Kann im Allgemeinen nur in Betreff der Ver⸗ waltung der Guͤter der Frau ertheilt werden, 223. Die Frau kann ohne die Ermaͤchtigung ihres Mannes letztwillige Ver⸗ ordnungen machen, 226. Srziehung. Wem die Aufſicht uͤber die Erziehung ſolcher Kin⸗ der zuſtehe, deren Vater verſchwunden iſt, 141 Durch die Verheirathung uͤbernehmen die Ehegatten die Verbindlichkeit, ihre Kinder zu erziehen, 203. Auch während des Eheſchei⸗ dungsprozeſſes behalten die Eltern die Aufſicht uͤber die Erzie⸗ hung ihrer Kinder, 303. Die Erziehungskoſten ſind eine mit dem elterterlichen Nießbrauche verbundene Laſt, 385. In wel⸗ chem Verhaltniß eine Frau, welche die Guͤtertrennung bewirkt hat, zu den Koſten der Erziehung beizutragen habe, 1448. F. Familien⸗Papiere. Durch Familien⸗Papiere koͤnnen die Heirathen, Geburten und Sterbfälle bewieſen werden, 46. Familienurkunden und Hauspapiere liefern den Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes, 324 u. f. Familien⸗Rath. Wann die Einwilligung des Familienrathes zu einer Heirath erforderlich ſey, 160. In welchen Faͤllen er das Recht habe, einen Vormund zu ernennen und abzuſetzen, 405, 444. Wie er zuſammen berufen werde, 406. Seine Zu⸗ fammenſetzung, 407 u. f. Die Mitglieder deſſelben ſind unter Geldſtrafe verbunden, vor dem Friedens⸗Richter zu erſcheinen, 412. Wer nicht Mitglied eines Familien-Rathes ſeyn koͤnne, 1 Familien⸗Rath beſtimmt die Summe, welche jaͤhrlich fuͤr den Minderjaͤhrigen und zur Verwaltung ſeines Vermoͤgens verwendet werden ſoll; er ſetzt feſt, ob der Vor⸗ mund ſich noch beſonderer beſoldeter Verwalter bedienen duͤrfe, und welche Summe er von den Einkuͤnften des Minderjaͤhri⸗ gen rentbar anzulegen habe, 454 u. f. Er autoriſirt den Vor⸗ mund, ein Anlehen fuͤr den Minderjaͤhrigen aufzunehmen, ſeine Immobilien zu verkaufen, oder zur Hypothek zu ſtellen, 457 n. f. Dhne ſeine Autoriſation kann der Vormund keine Erb⸗ ſchaft oder Schenkung fuͤr den Minderjaͤhrigen annehmen oder ausſchlagen, keine Klage einfuͤhren oder fuͤr richtig annehmen, die ſich auf Immobiliarrechte des Minderjaͤhrigen bezieht, auf feine Theilung antragen, keinen Vergleich ſchließen, 461 u. und 5 Der Familienrath kann beſtimmen, daß der Vormund waͤhrend der Vormundſchaft zu gewiſſen Zeiten die Berechnungen uͤber ſeine Verwaltung dem Nebenvormunde XV vorlege, 470. Er ernennt den Curator, in deſſen Beiſeyn dem emancipirten Minderjaͤhrigen die Vormundſchaftsrechnung ab⸗ gelegt wird, 480. Er gibt ſeine Meinung uͤber den Zuſtand desjenigen, auf deſſen Unterſagung angetragen wird; ernennt den Vormund und Nebenvormund eines Interdieirten, und gibt ſein Gutachten uͤber die Beſtimmungen des Ehekontraktes des Kindes eines Interdicirten, 494, 505 und 5ux. Wird die Frau zur Vormuͤnderin ihres Mannes ernannt, ſo beſtimmt der Familienrath die Bedingungen der Verwaltung, 507. Er authoriſirt den Vormuͤnder zur Klage auf Theilung gegen die Miterben, die Minderjaͤhrigen oder Interdieirten, 817. Siehe Vormund, Vormundſchaft, Nebenvormund. Fauſtpfand(Pfand). Was es ſey, 2072. Das Fauſtpfand gibt ein Vorzugsrecht auf die in Beſitz erhaltene Sache, 2073 u. f.⸗ 2102, Nro. 2. Daſſelbe kann auch von einem Dritten gegeben werden, 2077. Verfuͤgung uͤber das Fauſtpfand im Nichtzah⸗ lungsfalle, 2078, 2079. Verbindlichkeiten der Glaͤubiger in Anſehung des Fauſtpfandes, 20280. Weitere daſſelbe betreffende Vorſchriften, 2081 u. f. Feldfruͤchte. Werden bald zu den ünbeweglichen, bald zu den beweglichen Guͤtern gerechnet, 520. Fenſter. Wann und in welcher Entfernung es erlaubt iſt, ſie in einer Mauer anzubringen, wie ſie beſchaffen ſeyn muͤſſen, 676 u. f. Feuersbrunſt. Der Miether iß fuͤr ſelbige verantwortlich, 1733. Fiſche. In welchem Falle ſie, wenn ſie in einen andern Fiſch⸗ teich uͤbergehen, dem Eigenthuͤmer deſſelben zugehoͤren, 564. Flußbett. Wem das alte Flußbett gehoͤrt, wenn ein Fluß oder Strom ſeinen Lauf veraͤndert, 563. Forderungen(privilegirte). S. Privilegium. Frau. Wann ſie nach dem Tode des Mannes oder nach aus⸗ geſprochener Eheſcheidung zu einer neuen Ehe ſchreiten koͤnne, 228 u. 297 Gegen Frauen findet, außer dem Falle des Stel⸗ lionats keine Verhaftung Statt 2066. Friedensrichter. Er fertiget beim Mangel der Geburtsur⸗ kunde das erforderliche Zeuaniß aus, 70. Seine Gegenwart bei dem Inventarium eines Abweſenden, 126. Er uimmt die Adoptions⸗Urkunden auf, 353. Er fertiat den Verbalprozeß uͤber die Pflege eines Kindes aus wohlthaͤtigen Abſichten, 363. Ruft den Familienrath zuſammen, beſtimmt den Erſcheinungs⸗ Termin, beſtraft die nicht erſchienenen Mitglieder des Fami⸗ lienrathes, kann die Verſammlung ausſetzen, praͤſidirt ſie und hat eine entſcheidende Stimme, 406 u. f. Fall, wo er von Amts wegen den Familienrath zuſammen berufen muß, 446. Er nimmt die Emanecipations-Erklaͤrung auf, 477. Wann er die Verſiegelung der zu einer Erbſchaft gehoͤrigen Effekten von Amts wegen vornehmen muͤſſe, 810. Wann er ein Leſtament aufnehmen koͤnne, 985. Fruͤchte. Vermoͤge der An- und Zunwuͤchſe gehoͤren dem Ei⸗ genthuͤmer die Fruͤchte jeder Art, 547. Jedoch muß er die von einem Dritten darauf verwendeten Koßen erſetzen, 548. ——— ———,——.——r— XVI. Werden in natuͤrliche, induſtrielle und bärgerliche Früchte ein⸗ getheilt; was man hietunter verſtehe, 583 u. f. Von welcher Zeit an man die Fruͤchte der Gegenſtaͤnde, welche der Collation unterworfen ſind, zu verguͤten habe, 856. Von welchem Zeit⸗ punkte der Partikular⸗Legatar Anſpruch auf die Fruͤchte der ihm vermachten Sache habe, 1015 Der dritte Veſitzer eines mit Hypothek beſtrickten Gutes braucht die Ftuͤchte nur von dh der an ihn ergangenen Aufforderung an zu erſetzen, 1276. G. Gaſtwirthe haften fuͤr die Effekten der bei ihnen einkehrenden Reiſenden, 1952. Sie haben ein Privilegium auf die Effekten des Reiſenden, 2102. Ihre Klage auf Zahlung der Wohnung und der Nahrung, die ſie geliefert haben, wird in jechs Mo⸗ naten verjaͤhrt, 2272. Gebaͤude werden zu den unbeweglichen Guͤtern gezaͤhlt, 518. Bei welchen ein Zwiſchenraum gelaſſen, oder eine Zwiſchen⸗ mauer angelegt werden müſſe, 674. Der Uhternehmer von Gebaͤuden haftet fuͤr die Handlungen der Perſonen deren er ſich bei der Arbeit bedient, 1797. Gebrauch. Nach welchen Grundſaͤtzen ſich die Rechte des Ge⸗ brauchs richten, wenn in dem Rechtstitel nichts hierüber be⸗ ſtimmt worden iſt, 629 u. f. Der bloße Gebrauch einer Sache kann den Gegenſtand eines Vertrages ausmachen, 1127. Geburt, Geburts⸗urkunde. In welchen Faͤllen koͤnnen Geburten durch Regiſter und Papiere, die von den verſtorbenen Eltern herruͤhren und durch Zeugen bewieſen werden? 46. Bin⸗ nen welcher Zeit iſt jede Geburt dem Beamten des Civilſtandes anzuzeigen? 55. Regeln zur Abfaſſung der Geburtsurkunden, 56 u. f. Waos iſt bei der Geburt eines Kindes während einer Seereiſe zu beobachten? 39. Die Geburtsurkunde eines jeden der kuͤnftigen Ehegatten muß dem Beamten des Civilſtandes vorgezeigt werden; ſie kann im Fall der Unmoͤglichkeit der Herbeiſchaffung durch eine Notorietats⸗Urkunde erſetzt werden, 70. Bei der Armee ſollen die Geburts⸗Anzeigen in den erſten zehn Tagen nach der Niederkunft geſchehen, o2, und die Ge⸗ burtsurkunde dem Beamten des Civilſtandes am Wohnorte des Vaters zugeſchickt werden, 93. In welchem Falle kann die eheliche Geburt eines Kindes angefochten werden? 313, 314 315. Friſt, binnen welcher ſolches geſchen muß, 316 u. f. In Ermangelung der Geburtsurkunde iſt der beſtaͤndige Beſitz des Zuſtandes eines ehelichen Kindes zum Beweis der Kindſchaft hinreichend, 319, 320 auch mit Einſchraͤnkungen der Zeugen⸗ beweis, 323. Die Anerkennung unehelicher Kinder kann in der Geburtsurkunde guͤltig geſchehen, 334. Geboölz Gochſtaͤmmiges). Rechte des Nießbrauchers in Betreff deſſelben, 591 u. f. Geld(geſchenktes), wie es bei einer Erbſchaft conferirt werde, 869. Wer zur Tilgung einer Schuld Geld datleiht, tritt in die Rechte des Glaͤubigers, 1250. ———.———— XVI1 Geldbuße. Wegen uebertretung der Verfuͤgungen in Betref der urkunden des Civilſtandes, 50, 156 und 192. Gegen die Hypotheken⸗Bewahrer, 2202. Gemeinde⸗Gater. Welche Guͤter hierunter begriffen wer⸗ den, 542. Gerichte. Die Gerichte erſter Inſtanz haben in Ermangelung eines Bevollmaͤchtigten uͤber die Verwaltung einer als abwe⸗ ſend vermutheten Perſon zu verfuͤgen, 112. Sie ſollen binnen zehn Tagen uͤber das Geſuch um Abweiſung eines Eheein⸗ ſpruchs erkennen, 177. Nur die buͤrgerlichen Gerichte ſind be⸗ fugt über die Anſprüche auf einen gewiſſen Stand zu entſchei⸗ den, 326. Die Verzichtleiſtung auf eine Erbſchaft kann nur in der Gerichtsſchreiberei des Gerichts erſter Inſtanz geſchehen, 784. Vor das Gericht des Ortes wo die Erbſchaft eroffnet wurde, gehoͤrt die Klage auf Theilung, 822. Geſchaͤftsführer(freiwilliger). Welche Verbindlichkeiten er habe, und was fuͤr Rechte ihm gegen den Eigenthümer zuſte⸗ hen, 1372 u. f. Geſchenke, ſ. Schenkung. Geſchenkgeber. Kann ſich das Ruͤckfallsrecht an der geſchenk⸗ ten Sache ausbedingen; Wirkung dieſes Rechtes, 951 u. 952. In wie ferge er die Reſtitution derſelben an einen dritten Lerordnen koͤnne, 1048. Er kann durch keine beſtaͤtigende Handlung die Fehler einer Schenkung unter Lebenden verbeſ⸗ ſern, 1339. Seſchenknehmer. In welchen Faͤllen er zur Collation ver⸗ bunden, und in welchen er hiezu nicht verbunden ſey, 843 u. f. Von welchen Koſten er bei der Collation eines Immobilar⸗ Stuͤckes Verguͤtung fordern, und wie lange er im Beſitze deſ⸗ ſelben bleiben koͤnne, 859 u. f. Was Rechtens ſey, wenn ei⸗ nem zur Erbfolge Berechtigten ein Immobilarſtuͤck geſchenkt und ihm hierbei die Collation erkaſſen worden, die Schenkung aber den verfuͤglichen Theil uͤbertrifft, 866. Rechte des Ge⸗ ſchenknehmers, wenn ihm Mobllien unter dem Vorbehalte des Nießbrauchs geſchenkt werden, 950. Pflichten des Geſchenk⸗ nehmers, wenn er mit der Reſtitution beſchwert worden, 1058 u. f. Wie er geſchenkten Immobilien oder dinglichen Immobi⸗ lien gleich geachtete Rechte von Privilegien und Hypotheken befreien koͤnne, 2181 u. f. Geſchwiſter(eheliche). In welchem Falle ſie gewiſſe Guͤter von ihren natuͤrlichen Geſchwiſtern erben koͤnnen, 766. S. Seitenverwandte. Geſchwiſterkinder. In welchen Faͤllen koͤnnen Geſchwiſter⸗ kinder Einſpruch thun? 174. Unter ihnen iſt die Ehe nicht verboten, 161 u. f. Sie ſind ſich im vierten Grade der Sei⸗ tenlinie verwandt, 737. Geſellſchaften. Aktien in Finanz⸗, Handels⸗ oder Indu⸗ ſtriegeſellſchaften ſind beweglich, 529. Verſchiedene Gattungen der Seſellſchaften, 1835 u. f. Anfang und Dauer derſelben, wenn uͤber die Dauer nichts beſtimmt worden, 1843 u. f. Re⸗ geln in Betreff der Verwaltung der Geſellſchaften, 1856 u. f⸗ Wie die Geſellſchaft beendigt werde, 1865 u. f. e ———————„ XVII Geſellſchafter. Verpflichtungen derſelben untereinander, 1843 u. f. Verpflichtungen derſelben gegen dritte Perſonen, 1862 u. f. Wann ein Geſellſchafter durch ſeine bloße Wil⸗ kühr den Geſellſchafts⸗Contrakt aufheben könne, 1869 u. f. Geſellſchafts⸗Vertrag. Erklaͤrung deſſelben; allgemeine Regeln, welche bei dieſem Contrakte eintreten, 1832 u. f. Wie der Antheil am Gewinne beſtimmt wird, wenn im Ge⸗ ſellſchaftsvertrage nichts hieruͤber feſtgeſetzt worden, 1853 u. f. Peiſchieht r wie der Geſellſchafts-Contrakt ſich endi⸗ get, 1865 u. f. Geſetze. Wann ſie executoriſch ſind, 1. Wann ihre Promul⸗ gation als bekannt angenommen wird, daſ. Verfuͤgen nur für die Zukunft, 2. Welche ſich auf die Franzoſen erſtrecken, ſelbſt wenn ſie im Auslande ſich aufhalten, 3. Von welchen man durch Privatvertrage keine Ausnahme machen kann, 6. Das Gebrauchsrecht an Gehoͤlzen und Waldungen wird durch beſondere Geſetze beſtimmt, 636. Das gegenwaͤrtige Geſetzbuch aͤndert nichts an den Verfuͤgungen der Seegeſetze, 2120. Gewährleiſtung. Wo die Klage auf Gewaͤhrleiſtung bei Erb⸗ ſchaftstheilungen angebracht werde, 822 Wenn die Miterben ſich gegenſeitig zur Gewaͤhrleiſtung verbunden ſind, Wirkun⸗ gen derſelben, 884 u. f. Welche Gewaͤhr der Verkaͤufer dem Kaͤufer zu leiſten habe, Wirkungen derſelben im Falle der Evie⸗ tion der verkauften Sache, oder eines Theils derſelben, 1625 u. f. Wann die Gewährleiſtung wegen erfolgter Cviction weafaͤllt, 1640. Wirkungen der Gewährleiſtung fuͤr die Maͤngel der verkauften Sache, 1641. Bei welchen Verkaͤufen keine Gewaͤhr wegen Maͤngel Statt habe, 1649. Gewalt(väterliche). Worin ſie beſtehe und wie lange ſie dau⸗ re, 372 u. f. An den Rechten der dem Ehemanne zuſtehenden Gewalt koͤnnen die Eheleute nichts ändern, 1388. Gläubiger koͤnnen die Zuſammenberufung eines Familienraths nachſuchen, damit dem elternloſen und minderjaͤhrigen Kinde ein Vormund ernannt werde, 406 u. f. Sie koͤnnen ſich bei Gerichte autoriſiren laſſen, eine von ihrem Schuldner ausge⸗ ſchlagene Erbſchaft ſtatt ſeiner anzunehmen, 788. Sie koͤnnen alle Rechte und Klagen ihres Schuldners geltend machen und die Handlungen anfechten, die er zur Schmaͤlerung ihrer Rechte unternommen hat, 1166. Der Glaͤubiger der ein Pfand beſitzt, kann ſich vorzugsweiſe mit dieſem bezahlt machen, 2073. Welche Glaͤubiger ſind privilegirt, 2093 u. f. Von dem Rech⸗ te der privilegirten Glaͤubiger, 2005. S. Buͤrge, Buͤrgſchaft, Hypothek, Pfandcontrakt, Privilegium, Vergantung. Graͤben welche fuͤr gemeinſchaftlich zu halten ſeyen, 666 u. f. Grade der Verwandtſchaft, wie ſie berechnet werden, 735. Ue⸗ ber den zwoͤlften Grad entfernte Verwandten erben nicht, 755. Großjähriger ſ. Volljaͤhriger. Guͤter(bewegliche). Welche Güter hierzu ihrer Natur nach oder zufolge des Geſeß gerechnet, was hierunter verſtan⸗ den wird, wenn dieſe Worte ohne naͤhere Beſtimmung im Ge⸗ ſetze oder in der Verordnung eines Menſchen vorkommen, 527 u. f. Wie Mobilien bei einer Erbſchaft eingeworfen werden, 863. LIX Güter Die Rechte in Betreff derſelden rich⸗ ten ſich nach dem franzoͤſiſchen Geſetze, 3. Verwaltung und Benutzung derjenigen, welche Abweſenden gehoren, 126 u. f. In welchen Faͤllen und unter welchen Formalitaͤten die, welche Minderjährigen und Interdieirten gehoͤren, veraͤußert oder zur Hypothek geſtellt werden koͤnnen, 457, 484 und 2206. Welche Gäter zu den unbeweglichen gerechnet werden, 517 u⸗ f. Wann bei einer Erbſchaft die Collation der Immobilien in Natur verlangt werden koͤnne, wie ſie geſchehen muͤſſe, 859 u. f. Wie unbewegliche Guͤter von Privilegien und Hypotheken befreit werden koͤnnen, 2181 u. f. Das Eigenthum unbeweg⸗ licher Guͤter wird in zehn Jahren verjaͤhrt, 2265. Gäter⸗Abtretung. Erklärung derſelben⸗ Wirkung der frei⸗ willigen und gerichtlichen, 1265 u. f. Güter⸗Gemeinſchaft. Welche Befugniß ſie einem Ehegat⸗ ten in Betreff der Guter des andern ertheilt, wenn dieſer ab⸗ weſend iſt, 124. Was fuͤr Maßregeln die Frau waͤhrend des Eheſcheidungs⸗Prozeſſes in Ruͤckſicht der beweglichen Sffekten treffen kann, welche zur Guͤtergemeinſchaft gehoͤren, welche Handlungen während der nämlichen Zeit dem Manne in Be⸗ ziehung auf die Guͤtergemeinſchaft verboten ſind, 270. Von der geſetzlichen Guͤtergemeinſchaft, r400. Was zu dem Aetiv⸗ vermoͤgen derſelben gerechnet werde, 1401 u. f. Was zu den Paſſivſchulden und Laſten, 1409. In wie ferne die eheliche Guͤtergemeinſchaft fuͤr die Schulden zu haften habe, welche die Frau vor der Ehe gemacht hat, 1410. Wann fallen die Schulden von beweglichem Nachlaß die auf einer Erbſchaft haften, welche waͤhrend der Ehe den Eheleuten anfällt, der Gemeinſchaft zur Laſt, 14r1 u. f. Was iſt Rechtens in Betreff der Schulden, welche die Frau mit Bewilligung des Mannes emacht hat, 1419. Der Mann fuͤhrt allein die Verwaltung uͤber die zur Gemeinſchaft gehoͤrigen Güter; unter welcher Einſchraͤnkung, 1421 und 1422. Welche von dem Manne ver⸗ wirkte Geldſtrafen aus der Gemeinſchaft genommen werden können, 1424 u. f. Welche Handlungen der Frau eine Ver⸗ bindlichkeit in Beziehung auf die Guͤter der Gemeinſchaft be⸗ gründen, 1426 u. f. Der Mann hat die Verwaltung des gan⸗ zen eigenen Vermoͤgens der Frau; ſeine Befugniſſe und Pflich⸗ ten in dieſer Hinſicht, r428 u. f. Wer leiſtet die Verguͤtung, wenn die Gemeinſchaft den Preis eines verkauften unbewegli⸗ chen Gutes oder einer losgekauften Grundgerechtigkeit, die einem der beiden Ehegatten zugehoͤren, bezogen hat, ohne daß er anderswo wieder angelegt worden, 1433 u. f. Der Ehe⸗ gatte, welcher aus den gemeinſchaftlichen Guͤtern einen per⸗ ſönlichen Vortheil gezogen hat, iſt dafuͤr Verguͤtung zu leiſten verbunden, 1437. Wie die Guͤtergemeinſchaft aufgeloͤſet werde, 1441 u. f. Wann, unter welchen Formalitäten und mit wel⸗ chen Wirkungen die einmal aufgeloͤſte Guͤtergemeinſchaft wie⸗ der hergeſtellt werden koͤnne, 1451. Wann die Frau nach auf⸗ gelöſter Gütergemeinſchaft hierauf nicht mehr Verzicht leiſten iönne, was ſie thun muͤſſe, um das Recht, auf die Güterge⸗ meinſchaft zu verzichten, beizubehalten, 1433 u. f. Welche Rechte in dieſer Hinſicht ihren Erben und Glaͤubigern zußehen, ———————————— XX 1461 u. f. Wie lange die Wittwe aus der gemeinſchaftlichen Maſſe den Unterhalt für ſich und ihr Hausgeſinde nehmen dürfe, und von Beiahlung der Hausmiethe aus eigenem Ver⸗ moͤgen befreit ſey, 1465. Nach welchen Regeln die Theilung des gemeinſchaftlichen wirklichen Vermoͤgens nach erfolgter Annahme geſchehen muͤſſe, 1468 u. f. In welchem Falle die Ehegatten ihren Antheil an einigen zur Gemeinſchaft gehoͤri⸗ gen Gegenſtänden verlieren, 1477. Aus welchem Vermögen perſoͤnliche Forderungen, welche ein Ehegatte an den andern bat, und Schenkungen, die einer zum Vortheile des andern gemacht hat, genommen werden, 478. Wem die Trauerkleidung der Frau zur Laſt falle, 1481. In welchem Verhaͤltniſſe der uͤberlebende Mann und die uͤberlebende Frau zur Tilgung der Laſten und Schulden der Guͤtergemeinſchaft verbunden ſey, 1482 u. f. Folgen der Verzichtleiſtung auf die Guͤtergemein⸗ ſchaft, 1492 u. f. Verfuͤgung in Betreff der geſetzlichen Guter— gemeinſchaft in dem Falle, wo ein Ehegenoſſe oder beide aus der vorhergehenden Ehe Kinder haben, 1496. In wie ferne Eheleute durch Verträge die geſetzliche Guͤ⸗ tergemeinſchaft anders beſtimmen koͤnnen, 1497. Regeln, wel⸗ che eintreten, wenn die Guͤtergemeinſchaft auf die Errungen⸗ ſchaft beſchraͤnkt iſt, 1408. Wenn ſtipulirt worden, daß das bewegliche Vermoͤgen ganz oder zum Theile von der Guͤterge⸗ meinſchaft ausgeſchloſſen ſeyn ſoll, 1500 u.f.; wenn unbewegli⸗ che Guͤter den beweglichen Guͤtern gleichgeſtellt, 1505 u. f.3 wenn die Schulden von der Gemeinſchaft ausgeſchloſſen wor⸗ den, 1510 u. f.; wenn die Ehegattinn die Befugniß erhalten bat, ihr eingebrachtes Vermoͤgen frei zuruͤckzunehmen, 15143 wenn fuͤr den ueberlebenden ein Voraus beſtimmt worden, 1515 u. f.; wenn fuͤr beide Ehegatten ungleiche Theile in der Guͤtergemeinſchaft beſtimmt worden, 1520 u. f.; wenn eine Gemeinſchaft unter allgemeinem Namen bedungen worden, 1526; wenn die Guͤtergemeinſchaft bei der Heirath ausgeſchloſ⸗ ſen wurde, 1529 u. f. Guͤtertrennung. Wann die Frau hierauf antragen duͤrfe, wann die gerichtlich ausgeſprochene unguͤltig werde, 1443 u. f. Die Glaͤubiger der Frau konnen nicht ohne ihre Einwilli⸗ gung die Guͤtertrennung fordern; jene des Mannes ſind befugt, ſolche anzufechten, 1446 und 1447. Folgen der Guͤtertrennung in Betreff der Haushaltungs- und Erziehungskoſten der Kin⸗ der und der Verwaltung des Vermoͤgens der Frau, 1448 u. f. Folgen des Vertrags, wenn Eheleute bei der Heirath eine voͤllige Gäͤtertrennung ſich ausbedungen haben, 1536 u. f. H. Handel. In Handelsſachen braucht der Auslaͤnder keine Cau⸗ tion zu ſteilen, 16. Niederlaſſung zu Handelszwecken im Aus⸗ lande zieht den Verluſt der buͤrgerlichen Rechte nicht nach ſich, 1. In wie weit ſich eine offentliche Handelsfrau ohne Ge⸗ nehmigung des Mannes vor Gericht ſtellen oder Verbindlich⸗ keit eingehen kann, 215, 220. Der emancipirte Minderjährige, welcher Handel treibt, wird wegen der hierauf Bezug habender ——————————————————— XXI Geſchaͤſte fuͤr volljaͤhrig angeſehen, 487. Antheile an Handelsge⸗ ſellſchaften gehoͤren zu den beweglichen Sachen, 529 Der Aus⸗ druck: Mobilien, begreift Handelsgegenſtände nicht unter ſich, 533. Ein Minderjaͤhriger, der Handelsmann iſt, kann gegen Ver⸗ bindlichkeiten, die fuͤr ihn aus dem Handel entſpringen, nicht in den vorigen Stand geſetzt werden, 1308. Schuldſcheine von Han⸗ delsleuten beduͤrfen der fuͤr andere Perſonen deshalb vorgeſchriebe— nen Erforderniſſe nicht, 1326. Von dem Beweiſe aus Buͤchern der Handelsleute, 1330. Die Guͤtertrennung muß, wenn der Mann ein Handelsmann iſt, in dem Handelsgerichte an dem Orte ſeines Wohnſitzes bekannt gemacht werden, 1445. Bei Handelsgeſellſchaften haften die Geſelſchafter ſolidariſch fuͤr die Schulden, 1862. In wiefern die geſetzlichen Verfuͤgungen in Betreff des Geſellſchaftsvertrags auf Handelsgeſellſchaften anwendbar ſind, 1873. Die Beurtheilung der Zahlungsfaͤhig⸗ feit leidet in Handelsangelegenheiten eine Ausnahme von der Regel, 2019. Die beſonderen Geſetze, welche die perſoͤnliche Verhaftung in Handelsangelegenheiten zulaſſen, leiden durch die Vorſchriften über die perſoͤnliche Verhaftung in huͤr⸗ gerlichen Sachen keine Aenderung, 2070. Die Vorſchrif⸗ ten uͤber das Pfand ſind auf Handels-Gegenſtaͤnde nicht anwendbar, 2084. Die Beſtimmungen der Handels⸗Ge⸗ ſetze uͤber die Eigenthumsklage leiden keine Aenderung durch die Vorſchriſten uͤber die, einem Verkaͤufer wegen der noch vorhandenen Sachen zuſtehende, Eigenthumsklage, 2102. Be⸗ ſtimmungen uͤber die Zuroͤckforderung einer entwendeten oder verlornen Sache, die der Beſitzer von einem Handelsmanne gekauft hat, 2280. Handelsfrau. Sie kann ohne Ermaͤchtigung ihres Man⸗ nes nicht vor Gericht ſtehen, 213. In wiefern ſie ſich oder die Guͤtergemeinſchaft verpflichten kann, 220, 1426. Handgeld. Wirkung deſſelben in Betreff des Verkaufs, 1590. Desgleichen bei einen ohne ſchriftlichen Vertrag abgeſchloſſe⸗ nen Mietheontrakt, 1715. Handels⸗Geſellſchaften. Verfuͤgungen in Betreff derſel⸗ ben, 1873. Haus. Wenn die Stockwerke deſſelben verſchiedenen Eigenthuͤ— mern gehoͤren, wer die Ausbeſſerungen und das Wiederauf⸗ bauen zu tragen habe, im Falle nichts hieruͤber beſtimmt iſt, 664 u f. Von der Vermiethung eines der Frau gehoͤrigen Hauſes, 1430. Hauspapiere. Wos ſie beweiſen, r331 und 1415. Hecken. Welche fuͤr gemeinſchaftlich gehalten werden, 670. In welcher Entfernung ſie von einander gepflanzt werden muͤſſen, 671. Heirathsakt. Von den Heirathsakten uͤberhaupt, 63 u. f. Wer ihn aufzuſetzen hat, 75. Was er enthalten muß, 76. Verordnung in Betreff der Heirathsakten von Militairperſo⸗ nen, o5. Wer keinen in die Regiſter des Civilſtandes einge⸗ tragenen Heirathsakt verlegen kann, darf auf die buͤrgerlichen Wirkungen der Ehe keinen Anſpruch machen, 194. XRI1 Hinterlegung einer angebotenen Summe oder Sache wegen verweigerter Annahme des Glaͤubigers. Was zu ihrer Guͤltig⸗ keit erforderlich ſey, 1258 u. f. Wann der Schuldner die hinterlegte Sache zuruͤcknehmen koͤnne, 1261. Durch Hinter⸗ legung des Preiſes einer gekauften mit Privilegien oder Hy⸗ potheken beſchwerten Sache, wird der neue Eigenthuͤmer von allen Privilegien und Hypotheken frei, 2186. Hypothek. Die Ehefrau kann ohne Einwilligung ihres Man⸗ nes ihr Vermoͤgen nicht mit Hypothek beſtricken, 217. Wir⸗ kung theilbarer Verbindlichkeit in Betreff der Erben des Schuldners, 1221. Das unbewegliche Brautſchatzgut kann nicht verhypothecirt werden, 1554. Ausnahme davon, 1555. Allgemeine Grundſaͤtze von Hypotheken, 2114 u. f. Rechte und Forderungen, denen eine geſetzliche Hypothek beigelegt iſt, 2121. Wie eine gerichtliche Hypothek entſtehet, 2123 u. f. Wer eine vertragsmaßige Hypothek bewilligen koͤnne, 2124 u. f. Sie muß in einer authentiſchen Urkunde bewilliget werden; was unter Strafe der Nichtigkeit hierin ausgedruͤckt werden muͤſſe, 2129 u. f. In wie ferne kuͤnftige Guͤter zur Hypothek geſtellt werden koͤnnen, 2130. Was fuͤr Rechte der Glaͤubiger habe, wenn das zur Hypothek geſtellte unbewegliche Gut zu Grunde gegangen oder in Verfall gerathen iſt, 2131.—Der Rang der Hypotheken haͤngt von dem Tage ihrer Ein⸗ tragung in die Buͤcher des Hypotheken-Bewahrers ab; jene der Minderjaͤhrigen, Interdieirten und verheiratheten Frauen auf das unbewegliche Vermoͤgen des Vormundes und des Mannes beduͤrfen keiner Eintragung, 2134 u. f. Art, wie die Einſchreibung der verſchiedenen Hypotheken geſchieht, 2146 u. f. Wie lange die Einſchreibungen die Hypothek er⸗ halten, 2154. In welchen Faͤllen und unter welchen Formen eingetragene Hypotheken ausgeſtrichen werden koͤnnen, 2157 u. f. Wann eine Herabſetzung derſelben Statt habe; nach welchen Grundſaͤtzen ſie geſchehen muͤſſe, 2162 u. f. Wirkun⸗ gen der Hypotheken wider dritte Beſitzer, 2166 u. f. Auf welche Art Hypotheken erloͤſchen, 2180. Wie man das Eigen⸗ thum hievon frei machen koͤnne, 218r u. f. Hypotheken⸗Bewahrer. Seine Pflichten, 2108, 2150, 2196. In welchen Faͤllen er den Partheien für Nachtheil zu haften dabe, und zu Geldſtrafen verurtheilt werden koͤnne, 2197 u. f. J. Inſel. Wem die Inſeln und Anwuͤchſe, die ſich in dem Waſ⸗ ſerbette eines Fluſſes oder Stromes bilden, gehoͤren, 360, 561. Wem gehoͤrt die Inſel, die dadurch entſteht, daß ein Fluß oder Strom einen neuen Arm bildet? 562. Interdiction, Unterſagung. Gegen wen, und von wem ſie nachgeſucht werden koͤnne, Verfahren hierbei, 489 u. f. Wir⸗ kung derſelben, 502 u. f. Wozu die Einkuͤnfte eines Unter⸗ ſagten weſentlich zu verwenden, 310. Wie der Brautſchatz des Kindes eines Unterſagten beſtimmt werde, 511. Wann und XXIiI wie die unterſagung aufhore, 5ra. Die Verjaͤhrung laͤuft in der Regel nicht gegen Unterſagte, 2252. Ausnahme, 2278. Inventarium. Welches der Vormund, 451, der überlebende Ehegatte, 769, der Erbe, 795, der Curator einer erbloſen Hin⸗ terlaſſenfchaft, 313, der zu Gunſten der Enkel oder Kinder mit der Reſtitution Beſchwerte und der mit der Vollziehung einer ſolchen Verfuͤgung beauftragte Vormund, 1058 u. f. er⸗ richten laſſen muß. Die Unterlaſſung der Aufnahme eines Inventariums nach dem Tode eines der Ehegatten bewirkt nicht die Fortſetzung der Guͤtergemeinſchaft, 1442. In wel⸗ chem Falle dem Ehecontrakte ein Verzeichniß der zum Braut⸗ ſchatz gehoͤrigen beweglichen Sachen angehaͤngt werde, 1332. Irrthum. In wie ferne er die Nichtigkeit eines Vertrags begruͤnde, 1109 u. f. 2052 und 2053. .2 Kaiſer. Kann in dem zur Ehe erforderlichen Alter dispenſi⸗ ren, 145. So wie in gewiſſen Eheverboten und in dem zwei⸗ ten Aufgebote, 164 und 169. Kaninchen. In welchem Falle ſie, wenn ſie in ein anderes Gehäge übergehen, dem Eigenthuͤmer deſſelben zugehoͤren, 564. Kauf. Wer kaufen koͤnne, 1594 und 1595. Welche Guͤter und Rechte gewiſſe Perſonen durch Kauf nicht an ſich bringen duͤr⸗ fen, 1596 und 1597. Käufer Er kann auf Erfuͤllung des Contrakts oder auf Schad⸗ loshaltung dringen, wenn die Waaren noch nicht abgemeſſen ꝛe. ſind, 1585. Er traͤgt alle Koſten des Verkaufs, 3593. In welchen Faͤllen er berechtiget ſey, von dem Verkaͤufer eine Ver⸗ minderung des Preiſes zu fordern, 1617 u. f. Verbindlichkei⸗ ten des Kaͤufers gegen den Verkaͤufer, 1650 u. f. Was er zu thun habe, um ein gekauftes unbewegliches Gut oder dingli⸗ che den Immobilien gleich geachtete Rechte von Privilegien und Hypotheken frei zu machen, wie er die Guͤter der Ehe⸗ gatten und der Vormuͤnder von den darauf haftenden Hypo⸗ theken befreien koͤnne, wenn dieſe gar nicht darauf eingetragen ſind, 2181 u. f. Kerbhoͤlzer. Unter welchen Perſonen und wann ſie Beweis⸗ kraft haben, 1333. Kinder. Wann die Geburt eines Kindes dem Beamten des Civilſtandes anzuzeigen iſt, 55. Wie die Anzeige wegen ge⸗ fundener Kinder zu machen iſt, 58. Verbindlichkeit zur Srhaltung und Erziehung der Kinder, 203. Haben keine Klage wider ihre Eltern auf Verſorgung, 204. Sie ſind ihren Eltern und aufſteigenden Verwandten Unterhalt ſchuldig, 2os. Bleiben der Regel nach, wenn auf Eheſcheidung geklagt wird, unter der Verwaltung des Man⸗ nes, 267. Wem ſie nach erfolgter Eheſcheidung anvertraut werden, 302. Rechte des Kindes aus einer aufgeloͤſten Ehe, 304 u. 305. Wie ſie ihre eheliche Abſtammung beweiſen koͤn⸗ nen, 319 u. f. Ihre Flage iſt in dieſer Hinſicht unverjaͤhr⸗ bar, 328. Wann dieſe von ihren Erhen angeſtellt werden koͤn⸗ XAIV ne, 329. Welche natuͤrliche Kinder durch eine nachherige Ehe legitimirt werden koͤnnen, und was ſie dann fuͤr Rechte haben, 331. Wie geſchieht die Anerkennung natuͤrlicher Kinder, und was hat ſie fuͤr Wirkungen, 334 u. f., 756 u. f. Die Kinder ſind ihren Eitern Achtung und Ehre ſchuldig, bleiben unter ihrer Gewalt bis zu ihrer Großjährigkeit oder Emaneipation, duͤrfen ohne Einwilligung des Vaters das väterliche Haus nicht verlaſſen, koͤnnen wegen ihres ſchlechten Betragens auf Verlangen des Vaters, und nach ſeinem Tode der Mutter oder des Familienrathes eingeſperrt werden, 371 u. f. und 468. Die eingeſperrten Kinder koͤnnen ſich an den General-Proku⸗ rator beim Appellationshofe wenden, 382. Fuͤnf eheliche Kin⸗ der befreien von der Vormundſchaft, 436. Wann die Kinder eines der Erbſchaft unwuͤrdigen Vaters von ſelber nicht aus⸗ geſchloſſen werden, 730. Die natuͤrlichen Kinder beerben der Regel nach ihre Eltern nicht, ſondern haben nur ein Recht auf den Nachlaß derſelben, wenn ſie geſetzlich anerkannt ſind; worin dieſes Recht beſtehe, und was ſie ſich anrechnen laſſen muͤſſen, 723, 756 u. f. und 9os. Die aus einem Ehebruche oder aus einer Blutſchande erzeugten haben nur ein Recht auf Unterhalt, wie dieſer beſtimmt werde, 762. Nachgeborne Kin⸗ der bewirken die Widerrufung der Schenkungen, 960. Klagen, welche zu den unbeweglichen, und welche zu den beweg⸗ lichen gerechnet werden, 526 u. f. In wiefern der Gläubiger die Klagen ſeines Schuldners anſtellen kann, 1166. Klage auf Zahlung, 1238. Klage auf Nichtigkeit oder Umſtoßung eines Vertrags, 1304 In welcher Zeit ſie verjahrt werden, 2262 u, f Koſten. Die der Nahrung, des Unterhalts, der Erziehung, der Lehrzeit, die gewohnlichen Koſten der Ausſtaffirung, Hochzeit und der uͤblichen Geſchenke werden nicht zur Erbſchaft einge⸗ worfen, 852. Die durch den Tod des Mannes der Frau ver⸗ urſachten Koſten tragen deſſen Erben, 1481. Koſten der Ein⸗ ſchreibung in die Hypothekenbuͤcher, 2155. Koſten der Avoues, ihre Verjaͤhrung, 2273. L Legatar. Welcher und in welchem Verhaͤltniſſe er zur Bezah⸗ lung der Erbſchaftsſchulden und Laſten beizutragen habe, 857, 1012 und 1024. Wann bei mehreren Legataren ein Zuwachs⸗ recht eintritt, 1044. Legitimation natuͤrlicher Kinder. S. Kinder⸗ Leibrenten. Sind beweglich, 329. Der Nießbraucher ei⸗ ner Leibrente kann den Betrag derſelben beziehen, 588. All⸗ gemeine Beſtimmungen uͤber den Leibrentenvertrag, 1968 u. ſ Wirkungen dieſes Vertrags, 1977. Die Leibrente gebuhrt dem Eigenthuͤmer nur im Verhaͤltuiß der Tage, die er gelebt hat⸗ 1980. Sie erliſcht nicht durch ſeinen buͤrgerlichen Tod, 1982. Leih⸗Contrakt. Natur dieſes Contraktes, 1875 u. p pflichtung des Leihers, 1880 u. f. Des Verleihers, 1888 u. f. Linie bei der Verwandtſchaft. Ihre Einthetlung in Gerade⸗ und Seitenlinie, abſteigende und aufſteigende, 736 u. f. Nä⸗ XXV here Beſtimmung uͤber die Theilung nach Linien unter Ascen⸗ denten, 746 u. f.; unter Seitenverwandten, 752 u. f. Looſe. Grundſaͤtze bei der Bildung und Feſtſtellung der Erb⸗ ſchaftslvoſe, wer dieſe Looſe zu machen habe, 815, 831. Wor⸗ auf vor Verfertigung der Looſe jeder Erbe antragen könne, wenn unbewegliche Erbſchaftsſtuͤcke mit Renten beſchwert ſind, 872. Gewaͤhrleiſtung der Looſe im Evietionsfalle, 884. Hat ein Erbe ſein Loos ganz oder zum Theil veraͤußert, ſo kann er mit ſeiner Klage abgewieſen werden. Ausnahme, 892. M. Machtgeber. Verbindlichkeiten deſſelben, 1908. Es ſteht ihm frei die gegebene Vollmacht zu widerrufen, 2004 u. f. Materialien. Wann ſie zu den beweglichen Sachen geboͤren, 532. Von den Anlagen mit fremden Materialien, 554. Mauer. Bei welcher die Vermuthung eintritt, daß ſie gemein⸗ ſchaftlich ſey, 653. Welches das Merkmahl einer nicht gemein⸗ ſchaftlichen Mauer iſt, b54. Wer die Koſten der Ausbeſſerung und Wiederaufbauung einer gemeinſchaftlichen Mauerzutragen habe, wie man ſich htevon befreien koͤnne, 655 u. f. Jeder Miteigen⸗ thumer kann gegen eine gemeinſchaftliche Mauer anbauen, ſie erhoͤhen laſſen; der Nachbar, der zur Erhoͤhung der Mauer nichts beigetragen hat, kann das Recht der Gemeinſchaft dar⸗ an erlangen; jeder Eigenthuͤmer, deſſen Eigenthum an eine Mauer gränzt, hat das Recht, ſie gemeinſchaftlich zu machen; Verbot, in eine gemeinſchaftliche Mauer einzubrechen, daran ein Werk anzulehnen, oder anzuſetzen, 657 u. f. Wann, und in welcher Entfernung man in einer Mauer Fenſter anbringen darf, um ſich Licht zu verſchaffen; wie dieſe Fenſter beſchaffen ſeyn muͤſſen, 675 u f. Miethcontrakt. Gattungen und Arten deſſelben, 1708 u. f. Regeln, die ſich auf die Mieth⸗ und Pachtvertraͤge der Haͤu⸗ ſer und Landguͤter beſtehen, 1714 u. f. Wann der Mietheon⸗ trakt kraft des Geſetzes erliſcht; wann ein Theil dem andern auſkuͤndigen muß, 1722 u. 1337 u. f. Wann nach Ablauf der in einem ſchriftlichen Miethcontrakte beſtimmten Zeit ohne Er⸗ neuerung deſſelben eine neue Miethe eintritt, Wirkungen die⸗ ſer neuen Miethe, 1738. Durch Verkauf wird der Regel nach der Mietheontrakt nicht gebrochen; wie die Entſchädigung be⸗ ſtimmt wird, die der Ankaͤufer dem Miether zu leiſten hat, wenn im Mietheontrakte ausbedungen worden, daß im Falle eines Verkaufs der Erwerber den Pächter oder Miether ver⸗ treiben koͤnne; wozu der Erwerber nebſt der Eytſchaͤdigung noch verbunden ſey, 1743 u. f. Auf welche Zeit vermuthet wird, daß der Mietheontrakt geſchloſſen worden, wenn Mobi⸗ lien vermiethet werden, um ein Haus, ein Hauptgebaͤude, einen Laden oder ein Wohnzimmer damit zu verſehen, wenn jemand einige mit Mobilien verſehene Wohnzimmer vermietbet hat, 1737 u. f. Gattungen des Miethvertrags, in ſo weit er Arbeit, Dienſte und Induſirie zum Gegenſtande hat, 1779 u. f. unter welcher Bedingung der Beſteller von eine — . X XXVI gewiſſe Summs überhaupt geſchloſſenen Baucontrakte ſeiner⸗ ſeits wieder abgehen koͤnne, 1794. Miether. In welchem Falle er Verminderung des Miethzin⸗ ſes verlaugen könne, weil er der gemierheten Sache, an wel⸗ cher der Vermiether Ausbeſſerungen vornahm, Scr zü⸗ te; in welchem Falle er wegen Ausbeſſerungen, die gemacht werden ſollen, den Miethvertrag aufheben laſſen koͤnne, 1724. Verbindlichkeiten des Miethers, 1725 u. f. Wann der Mie⸗ ther vertrieben werden koͤnne, 1754. Welche Ausbeſſerungen der Miether auf eigene Koſten zu machen habe, 1754 u. f. Minderjaͤhrig. Wer es ſey, 388. Der Vormund eines Min⸗ derjährigen kann die Guͤter deſſelben weder kaufen, noch in Pacht nehmen, 450. Unter welchen Formalitaten die unbe⸗ weglichen Guͤter eines Minderjuͤhrigen verkauft oder verpfaͤn⸗ det werden koͤnnen, 457 u. f. Wann er auf Antrag ſeines Vormundes eingeſperrt werden kann, 468. Von welcher Zeit an er die Summe zu vertinſen habe, die er nach abgeſchloſſe⸗ ner Rechnung ſeinem Vormunde ſchuldig bleibt, 474. Ihm wird ein Special⸗ und eigener Vormund ernannt, wenn bei der Theilung einer Erbſchaft mehrere Minderjaͤhrige ein ent⸗ gegengeſetztes Intereſſe haben, 838. Ein Minderjaͤhriger un⸗ rer ſechszehn Jahren kann nicht verfuͤgen, noch unter Leben⸗ den etwas ſchenken, ausgenommen durch einen Heiraths⸗Con⸗ trakt, 903 und 907. Hat er ſechezehn Jahre erreicht, ſo kann er uͤber einen gewiſſen Theil ſeines Vermoͤgens durch Teſta⸗ ment verordnen, nicht aber zum Vortheile ſeines Vormundes, dieſer gehöre denn zu ſeinen Ascendenten, daſ. Er iſt unfaͤ⸗ hig, Teſtaments⸗Executor zu werden, 1036. Was und wie er ſeinem kuͤnftigen Ehegatten in dem Heiraths⸗Contrakte ſchen⸗ ken, und unter welchen Bedingungen er uͤberhaupt einen Hei⸗ raths⸗Contrakt ſchließen koͤnne, 1095 und 1398. Er kann kei⸗ ne Contrakte ſchiießen, 1124. Dauer der den Minderjährigen zuſtehenden Klage auf Nichtigkeit oder Verſtoßung der Verab⸗ redungen, 1304 u. f. Gegen einen Minderjaͤhrigen hat in kei⸗ nem Falle perſoͤnlicher Arreſt in Civilſachen Statt, 2064. Er hat auch ohne Eintragung eine Hypothek auf die unbewegli⸗ chen Guter ſeines Vormundes; er kann ſelbſt die Eintragung verlangen, in welchem Falle und unter welchen Formalitäten ſie nur auf gewiſſe Guͤter des Vormundes beſchraͤnkt werden können, 2121 u. f⸗ Verfuͤgungen uͤber die Vormundſchaſt und das Vermögen eines in Spitäler aufgenommenen Minderjäh⸗ rigen. S. Emanecipation, Familienrath, Vormund⸗ Nebenvormund, Vater und Mutter. Mitburger. Koͤnnen die Theilung der Klage verlangen, 2026. czener von ihnen, welcher die Schuld bezahlt hat, hat ſeinen Ruͤckanſpruch gegen die uͤbrigen Buͤrgen, 2028. Mitvormund wird der Mann, wenn der Frau die Vormund⸗ ſchaft uͤber die Kinder aus der vorhergegangenen Ehe gelaſſen wird, 396. Wann die Ernennung eines Nebenvormundes ein⸗ tritt, 417. Er iſt von dem Vormunde unabhaͤngig, daſ. Muͤhlen werden bald zu den unbeweglichen, bald zu den be⸗ weslichen Gütern gerechnet, 519 und 521. XXVII Muhme. Zuwiſchen ihr und dem Neffen iſt die Ehe verboten, 163. Ausnahme, 164. Wann die Muhme bei der Ehe Ein⸗ ſpruch thun koͤnne, 174. Die unterlaſtung der Anieige der Ermordung des Erblaſſers kann der Muhme nicht entgegen geſetzt werden, 728. Mutter. Wann es einem Kinde erlaubt ſey⸗ jemand als ſeine Mutter zu reelamiren, und wann es in dieſer Hinſicht zum Zeugenbeweiſe zuzulaſſen, 341 u⸗ f. Was fuͤr Formalitaͤten eine Mutter zu beobachten habe, wenn ſie ein Kind⸗ mit ſehen Betragen ſie Urſache hat, umufrieden zu ſeyn, einſperren laſſen will, 38r. Wann der Genuß aufhoͤre, den ſie an dem Ver⸗ moͤgen ihrer Kinder hat, 386. Sie iſt nicht gezwungen die Vormundſchaft ihrer Kinder anzunehmen, 394. Was ſie zu thun habe, wenn ſie ſolche angenommen hat, und zur zweiten Ehe ſchreiten will, 395. Sie kann ibre Kinder emancipiren, 474. No Nebenvormund. Seine Pflichten, wer auf die Ernennung deſſelben antragen muͤſſe, 420 u. f. Er muß bei dem Juven⸗ tarium des Vermoͤgens eines Minderjährigen, bei dem Ver⸗ kaufe der beweglichen und unbeweglichen Guͤter deſſelben gegen⸗ waͤrtig ſeyn, 452 u. f. Ihm werden die Rechnungen uͤber die Lage der Verwaitung des Vormundes während der Vormundſchaft vor⸗ gelegt, wenn dieß der Familienrath beſtimmt hat, 470. Er iſt verbunden, die Hypothek, welche der Minderjaͤhrige auf das unbewegliche Vermögen feines Vormundes hat, eintragen zu laſſen, in ſo fern dieſer es verſaͤumt, 2137. Niederleger. Pflichten des Niederlegers gegen den Verwahrer, 1947. Von dem Niederlegungsvertrage im Allgemeinen, 1915 u.f. kann die niedergelegte Sache nicht verjaͤhren⸗ 2236. Nießbrauch. Der geſetzliche Nießbrauch befreit die Eltern von der Verpflichtung, die beweglichen Sachen ihrer minderjaͤhri⸗ gen Kinder zu verkaufen, 433. Der Nießbrauch an unbeweg⸗ lichen Sachen wird zu den unbeweglichen Sachen gerechnet, 526. Von dem Nießbrauche, was er iſt, 378; wie er entſteht, 5793 er kann bedingt und unbedingt verſtattet werden, 5803 an je⸗ der Gattung von Gegenſtaͤnden, 381. Von den Rechten des Nutznießers, 382 u f.; von den Verbindlichkeiten deſſelben, 6o0 u. f. Wie der Nießbrauch erliſcht, 617 u. f. Verfuͤgun⸗ gen, wodurch einem der Nießbrauch, einem andern das Eigen⸗ thum einer Sache gegeben wird, ſind nicht als verbotene Fi⸗ deicommiſſe zu betrachten, 890. Beſtimmungen uͤber das Ver⸗ maͤchtniß eines Nießbrauchs, deſſen Werth den verfuͤglichen Vermoͤgenstheil uͤberſteigt, 917. Der Schenkende kann ſich den Nießbrauch der geſchenkten Sache vorbehalten, 949, 950. Von dem Rießbrauche, womit eine vermachte Sache vor oder nach Errichtung eines Teſtaments beſchwert iſt, braucht der, welcher das Vermächtniß abzutragen hat, die vermachte Sache nicht zu befreien, 1020. In wiefern kann ein Ehegatte dem andern den Rießbrauch ſeines Vermögens vermachen? 1094. Die Be⸗ 1 ——— XXVIII nutzung der Holzſchlaͤge, wie auch die Ausbeute der Stein⸗ bruͤche und Bergwerke, fallen, ſoſern ſie Gegenſtand des Mutz⸗ nießers ſind, in die Guͤtergemeinſchaft, 1403. Die dem Nutz⸗ nießer aus einer Nutznießung entſpringenden Reparationskoſten gehören zum Paſſivbeſtande der Guͤtergemeinſchaft, 1409. Von einer zur Guͤtergemeinſchaft gehorigen beweglichen Sache, wor⸗ über der Mann zum Vortheile eines andern unentgeltlich ver⸗ fuͤgt, kann er ſich den Nießbrauch nicht vorbehalten, 1422. Dem Manne, der den Nießbrauch an dem Vermoͤgen der Frau hat, liegen alle dem Nutznießer obliegenden Laſten ob, 1533. Dem Manne liegen in Anſehung des Brautſchatzvermoͤgens alle Verbindlichkeiten des Nutnießers ob, 1562. Beſtimmungen uͤber den Fall, wo der Nießbrauch einer Sache zum Brautſchatz gegeben wurde, 1568. Dem Manne, welcher das Parapher⸗ naivermoͤgen benutzt, liegen alle Verbindlichkeiten des Nutz⸗ nießers ob, 1380. Der Nießbrauch an unbeweglichen Sachen kann Gegenſtand einer Hypothek ſeyn, 2118. Der dem Schuld⸗ ner an unbeweglichen Sachen zuſtehende Nießbrauch kann auf Verlangen des Glaͤubigers zum gerichtlichen Verkaufe gebracht werden, 2204. Der Mutznießer kann nicht verjaͤhren, 2236. Novation. Sie iſt Erloͤſchungsgrund einer Verbindlichkeit, 1234. Auf wie vielerlei Weiſe und unter welchen Perſonen ſie geſchehen koͤnne; Wirkungen derſelben, 1271 u f. O. Obſtbäume. Wann und unter welcher Bedingung ſie das Si⸗ genthum des Nutznießers werden, 594. Oheim. Zwiſchen ihm und der Nichte iſt die Ehe verboten, 163. Ausnahme davon, 164. Wann er gegen die Heirath Einſpruch thun koönne, 174. Die unterlaſſene Anzeige der Er⸗ mordung des Verſtorbenen kann bei der Erbfolge dem Oheim nicht entgegen geſetzt werden, 728. Der Dheim ſteht mit dem NReffen im dritten Grade der Verwandtſchaft, 738. P. Pachtcontrakt. Der Vormund kaun die Guͤter des Minder⸗ jährigen nur mit Einwilligung des Familienraths pachten, 450. Der emancipirte Minderjährige kann Pachtecontrakte ſchließen, 48r. Dauer der Pachteontrakte, welche der Mann fuͤr ſich allein in Anſehung der Guͤter der Frau eingeht, 1429 u. f. Den Pacht nennt man den Mietheontrakt uͤber Landguͤter, rr. Vorſchrift üͤber die Verpachtung der Guͤter des Staats, 1712. Von den beſondern Regeln des Pachtcontrakts, 1763 u⸗ f. Pachtcontrakte koͤnnen bei Beſtimmung des Werthes unbe⸗ weglicher Sachen Aufklaͤrung geben, 2165. Pachter. Der Pachter hat gewohnlich das Recht wieder zu verpachten, 177. Welcher nicht unterverpachten darf, 1763. Verbindlichkeiten des Pachters, 1767 und 1763. In welchen Fällen er berechtiget ſey, Nachlaß von dem Pachtpreiſe zu for dern, 17609 Wozu der abgehende Pachter gegen ſeinen Nach⸗ XRIX folger in der Landwirthſchaſt und gegen den Eigenthuͤmer des Gutes verbunden ſey, 1777 u, 1778. Wann perſoͤnlicher Ar⸗ reſt gegen den Pachter Statt habe, a0b2. Paraphernal⸗Güter. Was dazu gehoͤrt, 1574 u⸗ f. Ver⸗ waltung derſelben, 1576.. Pfandvertrag. Erklaͤrung dieſes Vertrags, 2071 u. f. Siehe Fauſtpfand und antichretiſcher Vertrag. Pflege(freiwillige) eines minderjährigen Kindes aus wohlthä⸗ tigen Abſichten. Von wem und in Ruͤckſicht welcher Kinder ſie übernommen werden koͤnne, welche Verbindlichkeiten hier⸗ aus entſpringen, 361 u. f. Rechnungsablage des Pflegers, 370. Polizei⸗Geſetze. Verpflichten jeden, der auf dem Staatsgebie⸗ te ſich aufhält, 3. Sie beſtimmen die Art der Benutzung ge⸗ meinſchaftlicher Sachen, 714. Praͤſidenten der Gerichte erſter Inſtanz, numeriren und pa⸗ raphiren die Regiſter der Akten des Civilſtandes, legaliſiren die Auszuͤge aus den bei dieſen Gerichten deponirten Regiſtern des Civilſtandes, 41 bis 45. Sie geben den Arreſtbefehl, wenn die Einſperrung uͤbel geſitteter Kinder nachgeſucht wird, 376. Ihnen werden die holographiſchen und myſtiſchen Te⸗ ſtamente uͤbergeben; was ſie in dieſer Hinſicht zu thun haben; wann ſie durch einen Befehl den allgemeinen Legatar in den Beſitz der Erbſchaft einweiſen, 1007 u. f. Privilegien. Der Glaͤubiger, der in die Zuͤruͤcknahme der Hinterlegung gewilligt hat, kann ſeine Privilegien nicht mehr geltend machen, 1263. Von dem Uebergange der Vorzugsrech⸗ te bei der Umſchaffung, 1228 u. f. Wirkung der Gegeneinan⸗ deraufrechnung auf die Vorzugsrechte, 1299. Die Frau hat bei Zuruͤckforderung des Brautſchatzes kein Vorzugsrecht vor den mit einer fruͤher Hypothek verſehenen Gläubigern, 1572. Von dem Vorzugsrechte, welches das Fauſtpfand gewährt, 2073 u. f. Privilegien ſind ein rechtmäßiger Grund des Vorzugs unter mehreren Glaͤubigern, 2094. Allgemeine Grundſaͤtze von den Privilegien, 2095 u. f. Von Privilegien auf bewegliche Guͤter, 2100. Von allgemeinen Privilegien auf bewegliche Guter, 2101. Von Privilegien auf gewiſſe bewegliche Guͤter, 2102; auf unbewegliche Guͤter, 2103. Von Privilegien, welche ſich auf bewegliche und unbewegliche Guͤter zugleich erſtrecken, 2104 u. f. Wie Privilegien erhalten werden, 2106 u. f. Von der Einſchreibung der Privilegien, 2146 u. f. Von der Loͤ⸗ ſchung und Herabſetzung der eingetragenen Privilegien, 2157 u. f. Von der Wirkung der Privilegien gegen dritte Beſitzer, 2166 u. f. Von der Erloͤſchung der Privilegien, 2180. Von der Art, ſein Eigenthum von Privilegien frei zu machen, 2181 u. f. Prokurator(kaiſerlicher). Hat dafuͤr zu ſorgen, daß, wenn am Rande einer ſchon eingetragenen Urkunde des Civilſtandes Erwähnung einer andern geſchieht, ſolche in beiden Regiſtern gleichlautend vorgenommen werde, 49. Unterſucht die bei den Civilgerichten deponirten Regiſter des Civilſtandes, ſetzt daruͤ⸗ ber einen Verbalprozeß auf, und denuncirt die Verbrechen, die er in dieſer Hinſcht entdecken mag, 53. Wird über die Geburtsakte gehoͤrt, 52. So wie, wenn es ſich um Berich⸗ tigung der Akten des Civilſtandes handelt, 99. Er hat beſon⸗ ———————— XXX ders für das Intereſſe der praͤſumtiv abweſenden Perſonen zu wachen, und muß bei allen Klagen, die ſie betreffen, vernom⸗ men werden, 112 u. f. um ſich von der Abweſenheit einer Perſon zu uberzeugen, wird contradietoriſch mit ihm zu einer Un⸗ terſuchung geſchritten, 116. Er uͤberſendet die Vorbeſcheide und Endurtheile, die ſie betreffen, an den Großrichter, Juſtiz⸗ miniſter, 118. In ſeiner Gegenwart wird zur Aufieichnung des Mobilarvermoͤgens und der Urkunden der Abweſenden ge⸗ ſchritten, 126. Kann im zweiten Aufgebote der Ehe dispenſi⸗ ren, kann und muß in gewiſſen Fällen die Klage auf unguͤl⸗ tigkeit der Ehe anſtellen, 184, 190 u. f. Er hat auf die im Geſetze beſtimmten Strafen anzutragen, wenn die in Betreff der Aufgebothe vorgeſchriebenen Verfuͤgungen nicht befolgt worden ſind, 192. Wann er eine peinliche, wann eine buͤr⸗ gerliche Klage anzuſtellen habe, wenn ſich die Exiſtenz einer geſetzlich eingegangenen Ehe aus einem peinlichen Prozeſſe er⸗ gibt, 193 u. f. Was er bei der Eheſcheibung auf wechielſei⸗ tige Einwilligung zn unterſuchen habe, 289. Die Appellations⸗ akte von dem Urtheile, worin die Eheſcheidung auf wechſel⸗ ſeitige Einwilligung fuͤr unzulaͤſſig erklaͤrt wird, muͤſſen ihm inſinuirt werden, und er hat alle Prozeßakten an den kaiſerl. General⸗Prokurator bei dem Appellationshofe zu ſenden, 292, 293. Er trägt auf Einſperrung der Frau an, gegen die wegen eines von ihr begangenen Ehebruchs die Eheſcheidung oder Trennung von Tiſch und Bett erwirkt worden, 298 u. 308. Die Erbén des Adoptanten koͤnnen ihm Denkſchriften einhan⸗ digen, wenn derſelbe ſtirbt, bevor entſcheidend uͤber die Adop⸗ tion erkannt worden, 360. Der Präſident haͤlt mit ihm Ruͤck⸗ ſprache, wenn die Einſperrung eines uͤbel geſitteten Kindes verlangt wird, welches das ſechszehnte Jahr angetreten hat, u. f. Er muß die Interdiktion wider Raſende, er kaun ſie in gewiſſen Fällen auch gegen Bloͤdſinnige und Wahnſin⸗ nige nachſuchen, 491 u. f. Wenn wegen Mangel an rechtmaͤ⸗ ßigen Erben ein natuͤrliches Kind, oder wenn der uͤberlebende Ehegatte oder der Staat eine Erbſchaſt in Anſpruch nimmt, 767 u. f. Er kann auf Ernennung eines Curators der erblo⸗ ſen Hinterlaſſenſchaften antragen, 812. Er muß die Verſiege⸗ lung der Erbſchafts⸗Effekten nachſuchen, wenn nicht alle Er⸗ ben anweſend ſind, oder es unter ihnen Minderjahrige oder Interdieirte gibt, 819. Er hat bei dem Gerichte auf die Er⸗ kiaͤrung anzutragen, daß den Beguͤnſtigten ihre Rechte aner⸗ fallen feyen, wenn der mit der Reſtitution einer Sache beauf⸗ tragte unterlaſſen hat, einen Vormund erneunen zu laſſen, 1057. Ihm kommt es zu, die Errichtung eines Inventariums uͤber die der Reſtitution unterworfenen Guͤter nachzuſuchen, wenn dieß von jenen Perſoven nicht geſchehen iſt, denen dieſe Pflicht obliegt, 1061. Er iſt verbunden, die Eintragung der Hypotheken nachzuſuchen, welche verheirateten Frauen gegen ihre Maͤnner und Minderjaͤhrigen, gegen ihre Vormuͤnder zu⸗ ſtehen, wenn jene, denen das Geſetz die Verbindlichkeit auf⸗ erlegt, es zu thun verſaͤumt haben, 2138. Er muß vernommen werden, wenn der Ehegatte oder der Vormund darauf anſteht, daß die allgemeine Hopothek nur auf gewiſſe unbewegliche XXXI Güter beſchränkt werde, 2145. Der Erwerber eines einem Ehegatten oder Vormünder gehörigen Gutes iſt gehalten, ihm die Hinterlegung einer Abſchriſt ſeines Contraktes bei der Kanzellei des Civilgerichtes inſinuiren zu laſſen, 2194. H. Quaſi⸗Contrakte. Sie gehären zu den Verbindlichkeiten welche bloß in einer dem Verpflichteten perſoͤnlichen Thatſache ihren Grund haben, 1370. Erklärung und Wirkungen derſel⸗ ben, 1371 u. f. Quafi⸗Deliete. Sie gehdren zu den Verbindlichkeiten wel⸗ che bloß in einer dem Verpflichteten perſoͤnlichen Thatſache ih⸗ ren Grund haben, 1390, Natur und Wirkung derſelben, 1382 Quelle. Rechte des Eigenthuͤmers einer Quelle, 641 u. f. Luittung. Der emanripirte Minderjaͤhrige kann uber ein von ihm erhobenes Capital nicht guͤltig qutttiren, 482. Daſſelbe gilt von demjenigen, gegen welchen um Jüterdietion nachge⸗ ſucht iſt, 4090). Wie auch von dem Verſchwender, 513. Wir⸗ kung einer ohne Vorbehalt der Solidarität ertheilten Quit⸗ tung, 1211 u. f. Die Quittung uͤber ein Anlehn, das zur Tilgung einer Schuld erborgt iſt, muß, um eine Subrogation zu bewirken, vor einem Notar ausgefertigt werden, 1250. Wirkung der in einer Quittung enthaltenen Abrechnung auf eine beſtimmte Schuld, im Falle, weun der Gläubiger mehre⸗ re Forderungen hat, 1255, 1256. Was der Glaͤubiger ſelbſt auf das Duplicat einer in des Schuldners Hähden befindli⸗ chen Quittung ſchrieb, gilt Letzterem als Befreiung, 1332. Das Einlegen der Frau wird durch die von dem Manne er⸗ theilte Quittung dargethan, 1502 In gewiſſen Faͤllen kann die Frau einen Theil ihrer Einkuͤnfte auf bloße Quittungen beziehen, 1334, 15 49. Wirkung einer ohne Vorbehalt der Zin⸗ ſen über das Capital ertheilten Quittuna, 1908. Der gericht⸗ liche Verwahrer muß den Gegenſtand der Verwahrung gegen Quittung desjenigen, der den Arreſt angelegt hat, herausgeben, 162. Die Quittung, worauf der, welcher zum Ankauf eines Grundſtuͤckes Kaufſchillinge hergeſchoſſen hat, ein Vorzugsrecht gruͤnden will, muß in glaubhafter Form abgefaßt ſeyn, 2 03. Ebendies gilt von dem Falle, wo jemand, zur Bezahlung der Arbeiter an einem Gebaͤude, Geld vorgeſchoſſen hat, 2103. R. Rechnungs⸗Ablage. Wer in Anſehung des Vermoͤgens des Abweſenden zur Rechnungs⸗Ablage verbunden iſt, 125. Zuwelcher Rechnungsablage der Erbe mit Vorbehalt, 803, der Curator eines erbloſen Nachlaſſes, 813 verbunden iſt. Wie ſolche geſche⸗ hen muß, 814. Rechtswohlthat der Guͤter⸗Abtretung. Wirkungen derſelben, 1265 u. f. Von der freiwilligen Guͤterabtretung, 1267, von der gerichtlichen, 1268 u. f. Dem ungetreuen Verwahrer kann die Rechtswohlthat der Guterabtretung nicht zu Statten, 1935. Rechtswohlthat des Inventariums. Welche Foemalitäten müſſen beobachtet werden, um ſie in Anſpruch nehmen zu kon⸗ ———.——— „ E . XXXII nen; welche Vortheile gewaͤhrt ſie den Erben; wann werden ſie dieſes Rechtes verluſtig? 793 uf. Siehe Erbe. Regiſter der Akten des Civilſtandes. Ihre Form. Werden jaͤhrlich abgeſchloſſen und mit ihren Beilagen deponirt. Je⸗ dermann kann Auszuͤge aus denſelben begehren. Durch welche Beweiſe ihr Abgang erſetzt werde, 0 u. f. Pieſe Regiſter werden alle Jahre von dem kaiſerl. Prokurator unterſucht, 33. Wer wegen der in denſelben vorkommenden Verfälſchungen verantwortlich ſey, 52. Werden bei jedem Truppenkorps und bei dem Generalſtab gefuͤhrt, go0. Die Berichtigungen der Ak ten des Civilſtandes werden hierin eingetragen, 101. So wie die von Franzoſen im Auslande geſchloſſenen Ehen, 171. Religionsdiener. Was und von wem ſie nicht geſchenkt und vermacht erhalten koͤnnen, 909. Renten. Ewige oder Leibrenten ſind beweglich, 529. Sie ſind wiederkaͤuflich, 530. Von dem Rentvertrag im Allgemeinen, 1909 u. f. Ruͤckſtände von ewigen Renten und Leibrenten ver⸗ jähren in fuͤnf Jahren, 2277. Repräſentations⸗Recht bei der Erbfolge. Erklaͤrung dieſes Rechtes, wann es eintrete, und was es fuͤr Wirkungen hervor⸗ bringe, 739 u. f. Bei der Verzichtleiſtung auf eine Erbſchaft hat es nicht Statt, 787. Richter duͤrfen ſich nicht weigern ein Urtheil zu ſprechen, 4. Sie duͤrfen nicht mittelſt emerallgemeinen Verfuͤgung entſchei⸗ den, 5. Nach welchen Grundſaͤtzen haben ſie den unter Eigen⸗ thümern uͤber die Benutzung fließender Wäſſer entſtandenen Streit zu entſcheiden, 645. Sie koͤnnen die wegen Nichter⸗ fuͤllung einer Verbindlichkeit bedungene Strafe mäßigen, 1231. Zahlungsfriſten geſtatten, 2244, 1655 und 1901; in gewiſſen Fällen einer der ſtreitenden Partheien den Eid auftragen, 1366. Welche Prozeſſe die Richter nicht uͤbernehmen duͤrfen, 1597. Wann er die Klage auf Bezahlung einer Wette vder Spiel⸗ ſchuld verwerfen kann, 1966. Sie duͤrfen die Vertheidig ungs⸗ Gruͤnde, welche die Verjährung einer Parthei darbietet, nicht erſetzen, 2213. Roͤhren zur Leitung des Waſſers ſind unbeweglich, 323. Ruͤckfall von einer Linie auf die andere. Wann er bei Erb⸗ ſchaften Statt habe, 733. Der Schenker kann ſich das Ruͤck⸗ fallsrecht auf die geſchenkten Sachen ausbedingen, 951. Aus⸗ nahme, 952. S. Sachen. Von den Sachen in Beziehung auf ihre Beſitzer, 3537 u. f. Weſche Rechte man auf Sachen haben kann, 543. Herren⸗ loſe Sachen gehoͤren dem Staate, 713. Sachen deren Gebrauch gemeinſchaftlich iſt, gehoͤren Niemanden ausſchließlich, 714. Die Rechte auf ins Meer geworfene Sachen, werden durch be⸗ ſondere Geſetze beſtimmt, 717. Wie und wann eine vermochte Sache abgeliefert werden muß, 1018. Das Vermaͤchtniß einer fremden Sache iſt unguͤltig, 1021. Welche Sachen Gegenſtand eines Vertrages ſeyn koͤnnen, und welche nicht, 1126, 1130. Wer die Gefahr einer Sache traͤgt, welche vermoͤge eines Con⸗ ——˙————————————————— XXXIII trakts uͤberliefert werden ſollte, 1138 u⸗ f. Bei einer unter einer aufſchiebenden Bedingung eingegangenen Verbindlich⸗ keit bleibt die Sache auf Gefahr des Schuldners, 1182. Die Zuruͤckgabe der zum Unterpfande gegebenen Sache allein bewirkt noch nicht die Vermuthung des Erlaſſes der Schuld, 1286. Bei welchen Sachen Compenſation Statt hat, 1291. Welche Sachen verkauft werden koͤnnen, 1598 u. f. Schaden⸗Erſatz. Wer dazu verbunden iſt, 52, u. f. 68, 179, 424,450, 772 In welchen Faͤllen die Klage auf Schaden Erſatz gegen den SchuldnerStatt habe, 1142 u. f. Nach welchen Grundſätzen wird er beſtimmt? 1146 u. f. Jeder, der einem an⸗ dern durch ſeine Handlungen oder auch durch ſeine Nach⸗ läͤßigkeit oder ſein Verſehen Schaden zugefuͤgt hat, iſt zum Erſatze deſſelben verbunden, 1382 u. 1383. In wie ferne Eltern, Hausherren, Committenten, Lehrer, Handwerker, Eigenthuͤmer und Beſitzer eines Thieres, Eigenthuͤmer eines Gebaͤudes zum Erſatze des Schadens verpflichtet ſind, wel⸗ chen Kinder, das Geſinde, Geſchaͤftsfuͤhrer, Zoͤglinge, Lehr⸗ linge, Thiere und das Einſtuͤrzen eines Gebaͤudes verurſacht haben, 1384 u⸗ f. Schatz. Wer wird Eigenthuͤmer eines gefundenen Schatzes? 116. Was man einen Schatz nennt und wem er gehoͤrt, 716. Scheldewand. In welchen Orten kann man ſeinen Nach⸗ bar zwingen, zur Erbauung und Reparatur einer Scheide⸗ wand beizutragen; Beſtimmung der Hoͤhe der Scheidewaͤn⸗ de, 656 u. f. Scheidung(von Tiſch und Bett). Wann ſie Statt habe, zo6. Wie die Klage hierauf eingeleitet und entſchieden wer⸗ de, 307. In welchem Falle der urſprünglich Beklagte die Eheſcheidung fordern koͤnne, 310. Die Scheidung von Tiſch und Bett zieht immer Trennung der Guͤter nach ſich, 311. Rechte der geſchiedenen Frau, 1449. Schenkung(unter Lebenden). Erkläͤrung derſelben, 894. Welche Bedingungen hierbei fuͤr nicht geſchrieben angeſehen werden, 900. Wer durch eine Schenkung unter Lebenden verordnen oder beguͤnſtigt werden koͤnne, 901 u. f. Ueber welchen Vermoͤgensantheil man disponiren dürfe, 913 u. f. Welches Recht die Erben haben, wenn uͤber einen Nießbrauch oder eine Leibrente verfuͤgt worden, wovon der Werth die der Verfuͤgung unterworfene Quote überſteigt, 917. Welche Schenkungen unter den Lebenden vermindert werden koͤnnen; wer das Recht habe, eine Verminderung zu verlangen; wie ſie beſtimmt werde, 920 u. f. Form der Urkunden, welche eine Schenkung unter Lebenden enthalten; ſie bringt erſt von dem Tage der erfolgten Annahme eine Wirkung hervor; wie dieſe geſchehen müſſe, 931 u. f. Wie das Eigenthum der e — — LLAIV geſchenkten Sache uͤbergehe; was in Betreff derjentgen ge⸗ ſchenkten Guͤter zu beobachten, worin ſich eine Hypothek ſtel⸗ len läßt, o33 u. f. In welchen Fällen eine Schenkung un⸗ guͤltig ſey, 944. In welchen Fällen ſie widerrufen werden koͤn⸗ ne, 953 u. f. In welcher Zeitfriſt und gegen wen die Klage auf Widerruf wegen nicht erfuͤllter Bedingungen und wegen Undankes angeſtellt werden muͤſſe, Wirkungen eines ſolchen Widerrufs, 957 u. f. Durch die nachherige Geburt eines ehelichen oder die Legitimation eines naturlichen Kindes wer⸗ den die Schenkungen von Rechtswegen widerrufen, Folgen dieſes Widerrufs, 962 u. f. In wie ſerne Eltern und Ge⸗ ſchwiſter durch Handlungen unter Lebenden einen Theil ih⸗ res Vermoͤgens ihren Kindern und Geſchwiſtern unter der Bedingung ſchenken koͤnnen, daß ſie ſolchen den Kindern der Geſchenknehmer zuruͤckliefern ſollen, 1048 u f. Beſondere Berfügungen in Betreff der Schenkungen, welche von einem Dritten zu Gunſten der Ehegatten, oder von dieſen gegen⸗ ſeitig in dem Heirathscontrakte, oder waͤhrend der Ehe ge⸗ macht werden, 081 u. f. In wie ferne der Mann durch Schenkung uͤber das zur Gemeinſchaft gehoͤrige Vermoͤgen verfuͤgen koͤnne, 1422. Schiffleute. Welche Veryflichtungen haben ſie in Betreff der Aufbewahrung und Erhaltung der ihnen anvertrauten Sachen? 1782 u. f. Sie haben wegen des Fuhrlohns ein Privilegium auf die Sachen, welche ſie transportirt haben, 2102. Schulden. Wer die einer Erbſchaft zu tragen habe, 870 u. f. 1009, 1012, 1412 u. f. Wann die Schulden im Allge⸗ meinen als erlaſſen angeſehen werden, 1282 u- f. Welche Schulden nicht compenſirt werden koͤnnen, 1293 u f. Sie⸗ he Guͤtergemeinſchaft, Zahlung und Zahlungsfriſt. Schuldner. Wodurch er in Verzug geſetzt wird, 1139. Er wird in gewiſſen Fällen von ſeiner Verbindlichkeit durch den Verluſt oder Untergang der Sache, welche den Gegenſtand der⸗ ſelben ausmachte, befreit, 1302 Wie zu verfahren ſey, wenn jemand eine Schuld getilgt hat, der aus Jrrthum glaubte er ſey Schuldner, 1377. Der Schuldner haftet mit ſeinem ganzen Vermögen fuͤr die Erfuͤlung ſeiner perſoͤnlichen Ver⸗ bindlichkeiten, 2002 Siehe Zahlung, Hinterlegung, Guͤter⸗ abtretung, Novation, Compenſation, Confuſion, Buͤrge, Buͤrgſchaft und Pfandvertrag. Schwiegereltern koͤnnen von ihren Schwiegerſoͤhnen und Schwiegertöchtern Unterholt fordern, 206. Nähere Beſtim⸗ mung darüͤber, 208 u. f. XXLV Segueſtration. Was ſie iſt. 916. Geſchleht entweder zu Folge eines Vertrags, oder ſie wird vom Gerichte verordnet; Regeln fuͤr beide Fälle, 1956 u. f. Servituten⸗ Siehe Dienſtbarkeiten. Solidar⸗Gläubiger Rechte derſelben, 1197 u. f. Wir⸗ kung des Eides, den einer der Solidargläubiger dem Schuld⸗ ner angetragen hat, 1365. SolidarSchuldner. Verbindlichkeiten derſelben gegen den Glaͤubiger und gegen einander, 1200 u. f. Wirkungen der Umſchaffung auf ſolidariſche Schulden, 1280. Wann wird ihnen eine Schuld als erlaſſen angeſehen? 1284. Wir⸗ kung des einem der Solidarſchuldner angetragenen Eides, 1365 Wie, wenn eine Frau in Angelegenheiten der Suͤter⸗ gemeinſchaft oder des Mannes ſich als Solidarſchuldnerinn darſtellt? 1431 Spiel gehoͤrt unter dle gewagten Verträge, 1964 Es ge⸗ ſtattet keine Klage, 1965. Ausnahme, 1966. Spielſchuld. Dos Geſetz geſtattet keine Klage wegen ei⸗ ner Spielſchuld; Ausnahme von dieſer Regel, 1965 u. f Staat. Von dem Rechte des Staats auf das Vermoͤgen, was der Verurtheilte ſeit dem Augenblick des buͤrgerlichen Todes erworben hat, 33. Inſel und Anwuͤchſe in Stroͤmen und ſchiffbaren oder flößbaren Fluͤſſen gehoͤren dem Staate, 713. Von dem Erbrechte des Staats, 723 u. f. und 768. Von dem Verfahren bei erbloſen Verlaſſenſchaften, 811 u f. Die Verpachtung der Staatsguͤter richtet ſich nach beſondern Verordnungen, 1712. Der Staat hat eine geſetzliche Hy⸗ pothek auf das Vermoͤgen ſeiner rechnungspflichtigen Einneh⸗ mer und Verwalter, 2121 Von der Eintragung dieſer Hy⸗ pothek, 2151. Der Staat genießt in Anſehung der Verjaͤh⸗ rung keine Vorzuͤge, 2227. Staatsbuͤrger. Die Eigenſchaft eines Staatsbuͤrgers iſt von der Ausuͤbung der buͤrgerlichen Rechte unabhaͤngig, 7. Von dem Wohnſitze des Staatsbuͤrgers bei einem auf ge⸗ wiſſe Zeit beſchränkten oder auf Widerruf verliehenen Amte, 106. Wann Staatsbuͤrger von der Vormundſchaft befreit ſind, 427; wann ſie ſich einer uͤbernommenen Vormundſchaft nicht wieder entledigen koͤnnen, 432. Staatseigenthum Das Vermoͤgen, welches der Verur⸗ theilte ſeit dem Augenblicke des buͤrgerlichen Todes erwor⸗ ben hat und am Tage ſeines natuͤrlichen Todes beſitzt, ge⸗ hoͤrt zum Staatscigenthume, 33. Was als zum Staatsei⸗ genthume gehoͤrend betrachtet wird, 538 u. f. Statuen. Wann ſie zu den unbeweglichrn Guͤtern gezählt werden, 525 und 334. ———————— ———* XXXVI Stellionat. Deshalb hat in buͤrgerlichen Sachen koͤrperli⸗ che Verhaftung Statt, 2059. Wegen Stellionats hat auch gegen ſiebenzigjährige Perſonen und gegen Frauen körperliche Verhaftung Statt, 2066. Chemänner und Vormuͤnder, wel⸗ che die auf ihrem Vermögen haftenden Hypotheken nicht eintragen laſſen und in der Folge Privilegien oder Hypo⸗ theken uͤbernehmen, begehen ein Stellionat, a136. Sterbefaͤlle, wie ſie bewieſen werden koͤnnen, wenn keine Regiſter vorhanden geweſen oder wenn ſie verloren gegangen ſind, 46. Sie werden von dem Civilbeamten des Perſonenſtandes be⸗ glaubigt, 77. Was zu vermuthen iſt, wenn mehrere Perſo⸗ nen zugleich umkommen, 720. Der Sterbefall ertheilt den Privaturkunden ein ſicheres Datum, 1328, 1410. Sterbeurkunde. Von der Aufnahme der Sterbeurkunden überhaupt, 77 u. f.;z bei Sterbefaͤllen waͤhrend einer Seereiſe, 86 u. f.; desgleichen in Militairſpitälern, 97 u. f. Bei der Sheſcheidungsklage wegen beiderſeitiger Einwilligung muͤſſen Sterbeſcheine wegen der aus ihrer Ehe erzeugten und ver⸗ ſtorbenen Kinder beigebracht werden, 283. Strafclauſel. Worin ſie bei Verbindlichkeiten beſtehe, 1226 u. f. Ihre Wirkung, 1229 u. f. Subſtitutionen. Sie ſind verboten, 896. Ausnahme von dieſer Regel, 897. Welche Verfuͤgungen nicht als ſolche zu betrachten ſind. 893. Ausnahmen in welchen ſie erlaubt ſind, 1048, 1068. — ꝙ — . Tante. Siehe Muhme. Tauben. Wann ſie unbeweglich ſind, 524. In welchem Falle ſie, wenn ſie in ein anderes Taubenhaus uͤbergehen, dem Eigenthuͤmer deſſelben gehoͤren, 564. Taubſtumme. In welcher Form ſie Schenkungen anneh⸗ men koͤnnen, 936. Tauſch. Wann ein Vertrag tauſchartig iſt, 1104. Erforder⸗ niſſe beim Tauſche unbeweglicher Brautſchatzguter, 1559. Erklaͤrung dieſes Contraktes; wodurch er vollguͤltig werde; Verbindlichkeiten, die daraus entſtehen; der Tauſch kann wegen Verletzung nicht umgeſtoßen werden, 1702 u. f. Teſtament. Der buͤrgerlich Todte kann kein Teſtament ma⸗ chen, 25. Von Eroͤffnung des Teſtaments eines Abweſen⸗ den, 123. Die Frau kann ohne Ermaͤchtigung des Mannes ein Teſtament machen, 226. Von der Adoption durch ein Teſtament, 3656. Wer die durch Teſtament vermachte Leib⸗ rente oder den Nahrungsgehalt oder Unterhalt zu bezahlen hat, XXXVII 610. Durch Leſtament kann man ohne Entgelt uͤber ſein Vermoͤgen verfuͤgen, 893. Was ein Teſtament iſt, 896. Wel⸗ che Bedingungen bei einem Teſtamente als nicht geſchrieben angeſehen werden, 900. Von der Fähigkeit durch Teſtament zu verfuͤgen, 9o1 u. f. Wie weit man durch Teſtament über ſein Vermoͤgen verfuͤgen kann, 913 u f. Von der Herabſetzung durch Teſtamente, 920 u. f. Allgemeine Regeln uͤber die Form der Teſtamente, 967 u. f. Von den verſchiedenen Arten der Teſtamente, 969 u. f. Von den Teſtamentszeugen, 980. Vom Teſtamente der Mi⸗ litairperſonen, 931 u. f. Vom Teſtament während der Peſt, o85; zur See, 988; im Auslande, 999 u. f. Von der Wi⸗ derrufung der Teſtamente, 1035 u f. und 1046. Von den Verfuͤgungen, die zum Vortheile der Enkel des Teſta⸗ tors oder der Kinder ſeiner Geſchwiſter erlaubt ſind, 1048 u. f. Von der Beſtellung einer Leibrente durch ein Teſta⸗ ment, 1969. Teſtaments⸗Epecutor, von der Ernennung deſſelben, 1025. Wer es nicht werden kann, 1028. Rechte und Pflich⸗ ten deſſelben. 1031. Seine Vollmacht geht nicht auf ſeine Er⸗ ben uͤber, 1032. Von der Verantwortlichkeit, wenn mehrere Teſtaments⸗Executoren vorhanden ſind, 1033. Die Ausla⸗ gen des Teſtaments⸗Epecutors fallen derErbſchaft zurLaſt, 1034. Theilung. Durch wen Abweſende bei einer Theilung ver⸗ vertreten werden, 113. Der Vormund kann nur mit Er⸗ mächtigung des Familienrathes auf Theilung antragen, 465. Vie die Theilung geſchieht, wenn Minderjaͤhrige dabei ſind, 466. Allgemeine Beſtimmungen über die Theilung, 815. Nach welchen Regeln muß die Theilung vorgenommen wer⸗ den, wenn nicht alle Erben anweſend ſind, oder es unter ih⸗ nen Minderjaͤhrige oder Unterſagte gibt, 838 u. f. Welche Theilung iſt definitiv, welche nur proviſoriſch, 840. Wie kann jemand, der zur Erbſchaft nicht berechtigt, ſondern nur durch Uebertrag an die Stelle eines Miterben gekom⸗ men iſt, von der Theilung ausgeſchloſſen werden? 841. Wirkung der Theilung in Ruͤckſicht auf die Urkunden, 842. Wirkungen der Theilung und der Verbuͤrgung der Looſe, g83 u. f. In welchen Faͤllen kann eine Theilung wieder aufgehoben werden, 887 u. f. In welcher Form und nach welchen Grundſaͤtzen die Theilung des Vermoͤgens von den Eltern unter ihre Kinder und Abkoͤmmlinge geſchehen koͤnne; In welchem Falle die Kinder ſie zu beſtreiten befugt ſind, 1075 u. f. Von der Theilung der Genteinſchaft nach der Annahme, 1467. Von der Theilung des wirklichen Vermoö⸗ gens, 1468 u. f. Von der Theilung der Fruͤchte der unbe⸗ weglichen Brautſchatzguter bei Aufloſung der Ehe, 1571. XXXVIII DTod Wie ein gewaltſamer oder in einem Gekängniſſe erfolg⸗ ter Tod einzutragen iſt, 35. Der Nießbrauch erliſcht durch — den natuͤrlichen oder buͤrgerli hen Tod des Nutznießers, 617. Die Erbfolge wird durch den natuͤrlichen und büͤrgerlichen Tod eroͤffnet, 718, 719. Von der Vermuthung des Ueber⸗ W. lebens bei dem durch ein und daſſelbe Ereigniß erfolgten To⸗ — de mehrerer Perſonen, 720 u. f. Durch den Tod des Kin⸗ des des Schenkers koͤnnen aufgehobene Schenkungen nicht wieder aufleben, 964. Der Tod loͤſt die Guͤtergemeinſchaft auf, 1441. Der Tod begruͤndet den Anfall des vertragmä⸗ 23 ßigen Voraus, 1517. Der Pachtcontrakt wird durch den 2 Tod des Miethers oder Vermiethers nicht aufgehoben, 1742. Durch den Tod des Arbeiters erliſcht der Miethcontrakt auf eine beſtimmte Arbeit, 1795. Der Tod einer der Ge⸗ ſellſchafter endigt den Geſellſchaftsvertrag, 1865. Ausnah⸗ me, 1868. Der Tod endiat den Vollmachtscontrakt, 2093. Der Tod der Glaͤubiger hindert nicht, bei Klagen, wozu die 5 Einſchreibungen wider ſie Veranlaſſung geben koͤnnen, die Vorladungen an dem von ihnen im Hypothekenregiſter zu⸗ letzt gewaͤhlten Wohnſitze zuzuſtellen, a156. Tod(buͤrgerlicher)' Welche Strafen den buͤrgerlichen Tod nach ſich ziehen, 22 u f⸗ Wirkungen deſſelben, 25, 33. . Zeitpunkt, von welchem an derſelbe eintritt, 26 u. f. Bei ₰ Aufloͤſung der Ehe durch den buͤrgerlichen Tod eines der Ehegatten gehoͤrt die Vormundſchaft dem andern Ehegatten, 30o0. Der buͤrgerliche Tod des Nutznießers endigt den Nieß⸗ brauch, 617. Buͤrgerlich todte Perſonen kann man vertre⸗ ten, 744. Der buͤrgerliche Tod löſt die Guͤtergemeinſchaft auf, 1441. Durch den buͤrgerlichen Tod wird der Geſell⸗ ſchaftscontrakt aufgehoben, 1865. Ein Leibrentenvertrag er⸗ liſcht nicht durch den buͤrgerlichen Tod, 1982. Der buͤrger⸗ + liche Tod endigt den Vollmachtscontrakt. 2003. Uebertragung. Die Uebertragung von Erbrechten fuͤhrt — die Annahme der Erbſchaft mit ſich, 780. Wirkung der von dem Gläubiger mit Genehmigung des Schuldners geſchehe⸗ nen lUebertragung ſeiner Rechte an einen Dritten, auf die t Gegeneinanderaufrechnung, 12935. Welche Perſonen Pro⸗ zeſſe, ſtreitige Rechte und Klagen, woruͤber das Gericht ih⸗ — res Bezirks zu erkennen hat, nicht auf ſich uͤbertragen laſſen dürfen, 1507. Von der Uebertragung der Forderungen und anderer unkörperlichen Rechte, 1689 u. f. Alle diejenigen, welche auf privilegirte Forderungen uͤbertragen ſind, uͤben die nämlichen Rechte aus, wie die Uebertragenden, 2112. Die Uebertragung muß dem Schuldner inſinuirt werden, ——.—.———————————— 1XRIX ehe der, auf welchen eine zur Vollztehung geeignete Urkunde uͤbertragen iſt, um den gerichtlichen Verkauſ nachſuchen kann, 2214. Unterbrechung. Bei Errichtung eines myſtiſchen Teſta⸗ ments darf keine Unterbrechung Statt finden, 976. Von der Unterbrechung der Verjaͤhrung, 2242 u⸗ f Die Aner⸗ kennung des Rechtes deſſen, wider welchen man verjaͤhrt, von Seiten des Schuldners oder Beſitzers, unterbricht eben⸗ falls die Verjährung, 2248. Die Aufforderung an einen ven mehreren Solidarſchuldnern⸗ oder deſſen Anerkennung, unterbricht die Verjährung gegen alle uͤbrigen, a249. Die Aufforderung an den Haupiſchuldner, oder deſſen Anerken⸗ nung, unterbricht die Verjährung in Hinſicht des Buͤrgen, 2250. urkunde. Muß uͤber alle Gegenſtaͤnde gefertiget werden, welche die Summe oder den Werth von 150 Franks uͤber⸗ berſteigen, 1341. Von der Uebermachung der Urkunde an den Hypothekenverwahrer zur Einſchreibung, 2148 u. f. urkunde(authentiſche). Der buͤrgerlich Todte kann nicht Zeuge ſeyn bei Aufnahme authentiſcher Urkunden, 25. Er⸗ klärung der authentiſchen Urkunde, in wie ferne ſie voll⸗ ſtaͤndig beweiſe, 1317 u f. Wann das Eintragen derſelben in die oͤffentlichen Regiſter als Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes dienen könne, 1336. Eine Vollmacht kann durch eine oͤffentliche Urkunde ertheilt werden, 1985. Privaturkunde Wann ſie die Beweiskraft einer oͤffentli⸗ chen Urkunde habe, 1322. Wie viel Originale davon aus⸗ gefertiget werden muͤſſen, 1326. Form derſelben, wenn eine der Partheien allein ſich verbindet, dem Andern eine Sum⸗ me Geldes oder eine Sache, die ſich ſchätzen läßt, zu ent⸗ richten, 1326 u. f. Wann eine Privat⸗Urkunde mider dritte Perſonen ein ſicheres Datum erlange, 1328. Ein Verkauf kann auch vermittelſt einer Privaturkunde geſchloſ⸗ ſen werden, 1582. urtheil Crechtskräftiges). Wirkung eines rechtskraͤftigen Ur⸗ theils bei Hinterlegung, 1262. In wie ferne man ſich hier⸗ auf berufen koͤnne, 1351 Im Auslande erlaſſene Urtheile haben keine Hypothek, wenn ſie nicht von einem franzoͤſiſchen Gerichte vollziehbar erklärt ſind, 2123. N V. Vater. Die einſtweilige Sorge fuͤr das Wohl der Kinder verbleibt bei Klage auf Eheſcheidung dem Vater, 267. Wer fur den Vater eines Kindes zu halten ſey, 312. Von den Beſſerungsmitteln, deren ſich der Vater bedienen kann, wenn — N ₰ ——— XI. er wichtige Gruͤnde hat, mit dem Betragen eines Kindes unzufrieden zu ſeyn, 375 u. f. Von dem Rechte des Va⸗ ters, waͤhrend der Ehe das Vermoͤgen ſeiner Kinder zu be⸗ nutzen, 384 u. f. Waͤhrend der Ehe verwaltet der Vater das ſeinen minderjaͤhrigen Kindern perſoͤnlich zugehorige Ver⸗ moͤgen, 389. Kinder, die Kraft eigener Rechte zur Erbfolge gelangen, werden durch das Verſchulden ihres der Erbfolge unwuͤrdigen Vaters nicht ausgeſchloſſen, 730. Bloß Ehr⸗ furcht gegen den Vater, wobei kein Zwang angewandt wur⸗ de, iſt nicht hinreichend, einen Contrakt fuͤr nichtig zu erkläͤ⸗ ren, 1114. Vaͤterliche Gewalt. Von der vaͤterlichen Gewalt, 371 u. f. Ehegatten koͤnnen an den Rechten der vaͤterlichen Gewalt nichts abaͤndern, 1388. Vaterſchaft. Wann ſie beſtritten werden koͤnne, 312 u. f. Die Nachforſchung der Vaterſchaft iſt verboten, 340. Verbindlichkeit. Siehe Verpflichtung. Vergleich. Woruͤber die Ehegatten, welche die Scheidung mit gegenſeitiger Einwilligung nachſuchen, ſich vergleichen koͤnnen, 279. Von dem Vergleiche des Vormundes im Na⸗ men des Minderjahrigen, 467. Das Gericht kann verord⸗ nen, daß der, wider welchen um Unterſagung nachgeſucht iſt, ohne Mitwirkung des Beiſtandes keinen Vergleich ſchließen darf, 400. Den Verſchwendern kann es unterſagt werden, ohne Mitwirkung eines Beiſtandes Vergleiche zu ſchließen, 513. Gegen einen Vergleich, welcher die Beendigung der Gemeinſchaft unter den Miterben beabſichtigt, findet die Klage auf Wiederaufhebung ſtatt, 888. Die Vollmacht zum Vergleiche begreift die Wahl eines Schiedsrichters nicht in ſich, 1039. Allgemeine Grundſaͤtze von dem Vergleiche, 2044 u. f. Wirkung des Vergleichs, 2051 u. f. Aufhebungs⸗ gruͤnde des Vergleichs, 2053 u. f. Ein Rechnungsfehler in einem Vergleiche muß berichtigt werden, 2058. Verhaftung Die gerichtliche Guͤterabtretung bewirkt Be⸗ freiung von der perſoͤnlichen Verhaftung, 1270. Von den Verbindlichkeiten der Buͤrgen, welche auf die Erben gehen, iſt die perſoͤnliche Verhaftung ausgenommen, 2017. Bei ei⸗ ner gerichtlichen Buͤrgſchaft muß der Buͤrge eine ſolche Per⸗ ſon ſeyn, wider welche perſoͤnliche Verhaftung verfuͤgt wer⸗ den kann, 2040. Allgemeine Grundſaͤtze von der koͤrperlichen Verhaftung in buͤrgerlichen Sachen, 2059 u. f. Verjährung. Wann ſie gegen einen Minderjaͤhrigen wider ſeinen Vormund in Betreff der gefuͤhrten Vormundſchaft eintritt, 475. Die Ausuͤbung der Gerechtigkeit durch einen Miteigenthuͤmer verhindert die Verjaͤhrung in Ruͤckſicht aller Miteigenthuͤmer, 7090. Welche Verjährung zur Erloͤſchung XLI der Befugniß, eine Erbſchaft anzunehmen oder auszuſchlagen erfordert wird, 789. In welcher Zeit ſie zu Gunſten der Erben und Legatare gegen die Gläubiger einer Erbſchaft eintritt, g00. In welcher die Klage auf Widerrufung einer Schenkung unter Lebenden oder einer teſtamentariſchen Ver⸗ fuͤgung wegen Undanks verjährt wird, 957 u. 1046 Welche Verjaͤhrung zur Aufrechthaltung einer durch nachgeborne Kin⸗ der widerrufenen Schenkung vorgeſchrieben iſt, 966. Durch welche Privileglen und Hydotheken erloͤſchen, 2180. Man kann nicht zum voraus auf die Verjaͤhrung verzichten, 2220. Die Verjährung kann in jeder Lage des Prozeſſes entgegen geſetzt werden, 2224. Welcher Beſitz zur Verjährung erfor⸗ derlich iſt, 2229 u. f. Urſachen, welche ſie verhindern, 2236. Welche ſie unterbrechen, 2242 u. f. Wodurch ſie in Stillſtand ge⸗ raͤht, 2251 u. f. Wie die Verjährung berechnet werde, 2260. Von der Z0jährigen Verjährung, 2262 u. f. Von der 10 u. 20jährigen Verjährung, 2263 u. f. Von beſondern Verjaͤhrungen, 2271. Von der einjaͤhrigen, a27 2. Von der 2 und Zjaͤhrigen, 2273 u f. Wie die Verjährungen, welche zur Zeit der Ver⸗ kuͤndigung des 20. Tit. des Geſetzbuches Napoleons angefan⸗ gen hatten, regulirt zu werden, 2281. Verkauf. Von dem Verkaufe der beweglichen Sachen des Minderjaͤhrigen durch den Vormund, 452; der unbewegli⸗ chen durch denſelben, 457 u. f. Der Nutznießer kann ſein Recht verkaufen, 3505 u. f. Von der Natur und Form des Verkaufs uͤberhaupt, 1582. Wann iſt der Verkauf vollkom⸗“ men, 1583. Gattungen deſſelben, 1584. Wann dasVerſprechen, etwas zu verkaufen, fuͤr einen wirklichen Verkauf gilt, 1589 Wer kaufen und verkaufen koͤnne, 1504 u f. Welche Sachen ver⸗ kauft werden können, 1308 U. f. Wie, wenn im Augenblicke des Verkaufs die verkaufte Sache ganz oder zum Theile zu Gruhde gegangen, 601 Verbindlichkeiten des Verkaͤufers, 1602 u. f. Von der Nichtigkeit mit Aufloͤfung des Ver⸗ kaufs, 1658, Vom vorbehaltenen Wiederkauf, 5659 u. f. Von Aufhebung der Verkaͤufe wegen Verletzung, 1674 u. f. Der Verkauf bricht der Regel nach die Miethe nicht, 1743 u. f. Verkaͤufer. Von den Verbindlichkeiten des Verkaͤufers, 1602 u. f. Der Verkaͤufer mit Vorbehalt des Wiederkaufs kann ſeine Klage gegen einen zweiten Erwerber geltend machen 1564. Von den Verbindlichkeiten des Verkaͤufers, der ſein Wiederkaufsrecht ausuͤben will, 1673. Von den Privilegien des Verkäufers wegen ruckſtändigen Kaufpreiſes auf Sachen, welche der Schuldner noch im Beſitze hat, 2103. Wie der mit einem Privilegium verſehene Verkaͤufer daſſelbe ſichert, — 1LLII 210g. Die Koſten der Einſchteibung, welche der Verkäufer verlangt, muß der Käufer tragen, 2155. Vermächtniſſe. Wann muͤſſen ſie bei der Erbſchaft ein⸗ geworfen werden, und wann nicht 7 843, 845 u. f. Von der Herabſetzung der Vermächtniſſe, 920. Wann ſie alle kraft⸗ los ſind, wann ſie vermindert werden koͤnnen, wie die Her⸗ abſetzung geſchieht, 926 u. f. Wer ſie auszuliefern habe, 1009 u. f. Von beſondern Vermaͤchtniſſen, 1014 u⸗ f Wann die Vermächtniſſe zerfallen, 1042. Vermiether. Verbindlichkeiten deſſelben vermoͤge des Ver⸗ trags, 1719 u. f. Fuͤr welche Stoͤrungen er keine Gewähr zu leiſten habe, 1725 u. f. Der Vermiether eines Hauſes kann unter dem Vorwande nicht von dem Contrakte abge⸗ hen, daß er es ſelbſt beziehen wolle, wenn nicht das Gegen⸗ theil ausbedungen worden, 1761. Worin das Privilegium beſtehe, welches er auf die beweglichen Guͤter des Miethers hat, 2102. Vermuthungen. Von der Vermuthung der Abweſenheit, 112. Von dem Einfluß der Vermuthungen bei dem Bewei⸗ ſe der Kindſchaft, 323. Von der Vermuthung des Ueberle⸗ bens, 720. Allgemeine Grundſaͤtze von Vermuthungen, 1349 Buͤrgſchaften werden nicht vermuthet, 2015. Verſchwender. In wie weit den Verſchwendern die freie ſk ihres Vermoͤgens genommen werden koͤnne, 3513 f Verſiegelung. Wann der Vormund auf Abnahme der Siegel antragen koͤnne, 451. Der letztlebende Ehegatte und die Domainenverwaltung muͤſſen, wenn ſie einen Nachlaß in Anſpruch nehmen, denſelben unter Siegel legen laſſen, 760. Wer die Koſten der Verſiegelung zu tragen habe, 810. Die Verſiegelung der zu einer Erbſchaft gehoͤrigen Effekten; wann ſie nothwendig und wann ſie es nicht ſey, 819. Wann die Gläubiger einer Erbſchaft auf Verſiegelung antragen konnen, 820. Verſteigerung⸗ Eine Sache, die den Eigenthuͤmern des Materials, woraus ſie gebildet wurde, gemeinſchaftlich bleibt, muß verſteigert werden, 373. Der Benificiarerbe kann den beweglichen Nachlaß nur in einer Verſteigerung verkaufen, go5. Vor welches Gericht die Verſteigerung von Erbſchafts⸗ ſachen gehoͤrt, 822. Unbewegliche Guter, die ſich nicht be⸗ quem theilen laſſen, müſſen verſteigert werden, 827. Nach welchen Regeln ſich die bei Theilung des gemeinſchaſtlichen Vermoͤgens ſtatt findende Verſteigerung richtet, 1476. Braut⸗ ſchatzgüter muͤſſen in den Fällen, wo deren Verkauf geſtattet iſt, durch Verſteigerung verkauft werden, 1553. Allgemeine Grundſaͤtze von der Verſteigerung, 1666 u. f Der Gläu⸗ ———————ᷣ— XLIII biger kann im Richtzahlungsfalle das Fauſtpfand durch eine Verſteigerung verkaufen. 2072. Von dem Rechte der Hy⸗ pothekarglänbiger, die offentliche Verſteigerung eines Grund⸗ ſtuͤcks zu verlangen, wenn der neue Eigenthuͤmer ſein Eigen⸗ thum von der Hypothek fret machen will, 2185 u. f. Dem, welcher eine entwandte oder verlorene Sache bei einem öf⸗ fentlichen Verkaufe erkauft hat, muß der Kauſpreis wieder erſtattet werden, wenn ſie der urſpruͤngliche Eigenthuͤmer zu⸗ ruͤckverlangt, a280. S. Verkauf. Vertrag(Contrakt) Durch Privatverträge kann man die Geſetze nicht unkraͤftich machen, welche die oͤffentliche Ord⸗ nung und die guten Sitten betreffen, 6. Jeder Vertrag zwi⸗ ſchen dem Vormunde und dem großjaͤhrigen Muͤndel iſt nichtig, 472. Erklärung des Contrakts, 1101. Was unter einem einſeitigen, zweiſeitigen, einem tauſchartigen, gewagten, läſtigen, und unter einem wohlthstigen Contrakte ver⸗ ſtanden werde, 1102. Erforderniſſe zur Guͤltigkeit der Contrakte, 1108. Im Allgemeinen kann man durch Con⸗ trakte nur fuͤr ſich etwas verſprechen oder ſich bedingen; man kann aber fuͤr einen Dritten ſtehen, und verſprechen daß derſelbige handeln werde, eben ſo kann man zum Vortheile eines Dritten ſich etwas ausbedingen, 1119 u.f. Perſonen, welche unfähig ſind Contrakte zu ſchließen, 1123 u. f. Sa. chen, welche der Gegenſtand eines Contraktes ſeyn koͤnnen 126 u. f. Wirkungen der Contrakte in Ruͤckſicht auf dritte, Perſonen, 1165 u. f. Grundſätze, nach denen die Contrak⸗ te zu beurtheiten ſind, die unter einer Bedingung eingegan⸗ gen worden, 1168 u. f. Jeder zweiſeitige Contrakt wird unter der ſtillſchweigenden Bedinaung geſchloſſen, daß er auf⸗ geloͤſt ſeyn ſoll, wenn einer von beiden Theilen ſeinem Ver⸗ fyrechen nicht Genuͤae leiſtet, 1184. Grundſätze, nach denen die unter Strafclauſeln eingegangenen Contrakte zu beur⸗ theilen ſind, 1226 u. f. Wie Contrakte bewieſen werden koͤnnen, 1315 u f. Im Auslande geſchloſſene begruͤnden keine Hyoothek auf Guͤter die in Frankreich liegen, 2128. Vertrag(antichretiſcher). Welche Rechte der Glaͤubiger durch ihn erlange und was er fuͤr Verbindlichkeiten in Betreff des Grundſtückes habe, das er im antichretiſchen Genuſſe hat, 2085 u. f. Dieſer Vertrag ſchadet den Rechten nicht, wel⸗ che etwa ein Dritter auf das liegende Gut habe, 2091. Verwahrer(Depoſitar). Pflichten deſſelben, 19a7 u f. Wozu der Erbe des Verwahrers verbunden iſt, der in gu⸗ tem Glauben eine devonirte Sache verkauft hat, 1933. An wen, wo und wann der Verwahrer die bei ihm hinterlegte Sache zurückgeben muß, 1937 u. f In welchem Falle er das anvertraute Gut zuruͤckbehalten kann, 1448. ————— LXIV Verwahrungsvertrag. Vom Verwahrungsvertrag uͤberhauptu v.eigentlichen Verwahrungsvertrag 1915 uf. Wie die freiwillige Verwahrung entſteht, durch wen ſie geſchehen koͤnne, und auf welche Art ſie erwieſen werde, 1921 u. f. Was Rechtens iſt, wenn eine zu contrahiren unfaͤhige Perſon eine Nieder⸗ legung annimmt, 1925 und 1926. Was man unter einer nothwendigen Verwahrung verſtehe, und wie ſie bewieſen werden koͤnne, 1949. Verwandte. Von der Erbfolge der Seitenverwandten, 731, 750. Wie die Erbſchaft unter ſie getheilt werde, 733 „Verwandtſchaft. Wie wird die Naͤhe derſelben deſtimmt, 735. Von dem Grade der Verwandtſchaft, 737 u. f Vieh. Wird bald zum unbeweglichen, bald zum beweglichen Vermoͤgen gerechnet, 522 u. f. Von der Viehpacht im All⸗ gemeinen, g00 u f. Von der ſimpeln Viehpacht, 804 u. f. Von der Viehpacht zur Haͤlfte, 1818 u. f. Von der mit dem Eigenthuͤmer eingegangenen Viehpacht, 1821 u. f.. Von der dem Halbbauer beſtellten Viehpacht, 1827 u. f. Von der uneigentlich alſo genannten Viehpacht, 1831 Vormund. Der buͤrgerlich Todte iſt zum Vormunde unfaͤ⸗ hig, 25. In welchen Faͤllen der Vormund Einſpruch gegen eine Heirath thun kann, 175. Wer das Recht hat einen Vormund zu waͤhlen; unter welchen Formalitäten und Ein⸗ ſchraͤnkungen, 397 u. f. Wann der von Vater und Mutter ernannte Vormund ſchuldig ſey die Vormundſchaft anzuneh⸗ men, 301. Wann die Verwaltung des Vormundes anfaͤngt, 412. Die Erben deſſelben ſind fuͤr ſeine Verwaltung ver⸗ antwortlich, 410 Der geſetzliche oder teſtamentariſche Vor⸗ mund muß vor dem Antritte ſeines Amtes einen Nebenvor⸗ mund ernennen laſſen, 421 Wer nicht gezwungen werden kann, wer ſich weigern kann Vormund zu werden, 427 u f. Wann der ernannte Vormund ſeine Entſchuldigungsgruͤnde vorbringen muß, 438 u. f. Welche Perſonen unfaͤhig ſind Vormuͤnder zu ſeyn, 442. Wann und von wem der Vor⸗ mund abgeſetzt werden kann, 444. Seine Pflichten in Be⸗ treff der Perſon und des Vermögens der Minderzährigen, 450 u f. und 940. Wann er Rechnung abzulegen gehalten iſt, und welche Ausgaben laͤßt man ihm hierin gelten, 459 u f. Von welcher Zeit an er die Summe zu verzinſen ha⸗ be, die er dem Minderjaͤhrigen ſchuldig bleibt, 474. Wann jeder zwiſchen dem Vormunde und dem großjaͤhrig gewor⸗ denen Muͤndel geſchloſſene Vertrag unguͤltig iſt, 472. Der Vormund iſt verbunden, die wegen ſeiner Verwaltung auf ſeine Immobillen haftende Hypothek eintragen zu laſſen; in welchem Falle wird er wegen Verſäumung dieſer Verbind⸗ lichkeit des Stellionats ſchuldig geachtet, 2136. Siehe Re⸗ benvormund. XLV Vormundſchaft. Wem ſie nach dem buͤrgerlichen oder na⸗ tuͤrlichen Tode eines der Eltern gebuͤhre, 390 u. f. Wann faͤllt ſie auf die Ascendenten, 402 u. †f† Sie geht nicht auf die Erben des Vormundes uͤber, 419. W. Waffen. Die peinlichen Geſetze beſtimmen die Strafen fuͤr diejenigen, welche gegen ihr Vaterland die Waffen tragen, 21. Waffen ſind unter dem Ausdrucke; Mobilien nicht vegriffen, 5333 Spiele, welche zur Uebung im Gebrauche der Waffen dienen, ſind von der Verfuͤgung, daß fuͤr eine Spielſchuld keine Klage geſtattet ſey, ausgenommen, 1966. Wahnſinn. Wahnſinn iſt ein Grund zur Unterſagung, 489. In welchem Falle nach dem Tode eines Menſchen ein von ihm geſchloſſenes Geſchäft aus dem Grunde, daß er wahn⸗ ſinnig war, angefochten werden koͤnne? 504. Der Wahn⸗ ſinnige kann weder eine Schenkung unter Lebenden noch ein Teſtament machen, 901. Waldung. Von dem Nießbrauche an Waldungen, 500 u. f. Das Gebrauchsrecht an Waldungen wird durch beſonde⸗ re Geſetze beſtimmt, 636. Von der Benutzung der zur Guͤ⸗ tergemeinſchaft gehoͤrigen Waldungen, 1403 Waſſer. Von dem Abfluſſe des Waſſers auf die tiefer gele⸗ genen Grundſtuͤcke, 640 Vom Quellwaſſer, 641. Von der Benutzung des Waſſers zur Wäſſerung der Grundſtuͤcke, 644 u. f Von dem Regenwaſſer(Dachtraufe), 681 Waſſerleitung. Roͤhren, welche zu Waſſerleitungen dienen, ſind unbewegliches Gut, 523. Waſſerleitungen gehdren zu den ununterbrochenen und ſcheinbaren Grundgerechtigkeiten, 688 u 689 Waſſerſchoͤpfen. Das Recht Waſſer zu ſchoͤpfen, gehoͤrt zu den unterbrochenen Grundgerechtigkeiten, 688. Das Recht des Waſſerſchoͤpfens aus einem fremden Brunnen hat das Uebergangsrecht zur nothwendigen Folge, 696. Weg. Wer iſt berechtiget, einen Weg uͤber eines anderu Grund und Boden zu fordern? 682. Wie muß er ange⸗ wieſen werden 7 683 u. f. Wege welche vom Staate unter⸗ halten werden, gehoͤren zum Staatseigenthum. 538. Wette. Auf Zahlung einer Wette geſtattet das Geſetz keine Klage; Ansnahme hievon, 1965 u.f. Wiedereinſetzung in den vorigen Stand Hat nicht zu Gunſten der Minderjährigen, Interdicirten und verheirathe⸗ ten Frauen wegen verſäumter Annehmung oder unterlaſſener Einſchreibung der Schenkungen Statt, 9424. Der Minder⸗ jährige oder Unterſagte kann gegen die Unterlaſſung der Ein⸗ ſchreibung der Verfuͤgungen deneu die Bedingung der Ueber⸗ —————— r— 2 XLVI lieferung beigefuͤgt iſt, nicht in den vorigen Stand geſetzt werden, 1070. Wegen welcher Verträge in Betreff der Min⸗ derjährigen und Interdicirten die Wiedereinſetzung in den Stand Statt finde, und wegen welcher nicht? 1305 u. f. Wiederkauf Allgemeine Beſtimmungen in Betreff dieſes Verkaufs, 1659 u. f. Gegen wen und wie die Klage auf Wiederkauf geltend gemacht werden konne, 1664 u. f. Zu was der Verkaͤufer, wenn er ſie ausuͤbt, gegen den Kaͤufer verbunden ſey, 1673 Wohnſitz. Die Ehe muß in der Gemeinde vollzogen wer⸗ den, worin einer der beiden Eheleute wohnhaft iſt, 74, 165. Welcher Ort fuͤr den Wohnort anzunehmen, 102. Von dem Wohnorte der oͤffentlichen Beamten, verheiratheten Frauen, Minderjaͤhrigen und Dienſtboten, 108 und 100 Die Par⸗ theien koͤnnen in einer Urkunde zur Vollziehung derſelben nach Belieben einen Wohnort(Domicil) waͤplen, 111. Die Frau iſt ſchuldig bei ihrem Manne zu wohnen, 214. Waͤh⸗ rend der Zeit die zur Errichtung des Inventariums und Bedenkzeit erforderlich iſt, hat die Wittwe das Recht aus der Verlaſſenſchaft des Mannes die Koſten ihrer Nahrung und Wohnung zu nehmen, 1465. Dieſes Recht ſteht den Erben der Frau nicht zu, 1495. Zahlung. Durch die Zahlung erloſchen die Verbindlichkei⸗ ten, 1234. Von der Zahlung uͤberhaupt, 1235 u. f. Von der Zahlung mit Subrogation, 1249 u. f. Von der Auf⸗ rechnung der Zahlungen, 1233 u. f. Vom Anbieten der Zahlung und der Hinterlegung, 1257. Vom Beweiſe der Zahlung, 315 Wann der Kaͤufer die Zahlung des Kaufpreiſes aus⸗ ſetzen koͤnne, 1633. Zahlungsfahigkeit. Wirkung der Zahlungsunfaͤhigkeit eines der Miterben in Anſehung der Bezahlung der Erb⸗ ſchaftsſchulden, 876 Von dem Rechte auf Gewährleiſtung wider die Miterben fuͤr die Zahlungsfaͤhigkeit des Schuld⸗ ners einer Rente, 886 Wirkung der Zahlungsunfähigkeit eines der Mitſchuldner auf die uͤbrigen, 1214. Von der Zahlungsunfähigkeit des uͤberwieſenen Schuldners, 1276. Wann der Verkaͤufer einer Forderung fuͤr die Zahlungsfaͤ⸗ higkeit des Schuldners haftet, 1694 u. f. Der Bevollmaäch⸗ tigte haftet fuͤr ſeinen Stellvertreter, wenn dieſer fuͤr zah⸗ lungsunfaͤhig bekannt war, 1904 Der Bürge muß zahlungs⸗ fähig ſeyn, 2018. Woraus die Zahlungsfähigkeit des Buͤr⸗ gen ermeſſen wird, 2019. Wirkung, wenn der Buͤrge zah⸗ lungsunfaͤhig wird, 2020. XLVI1 Zeugen. Der buͤrgerlich Todte kann nicht Zeuge ſeyn, a5⸗ Die Zeugen bei den Akten des Cwilſtandes muͤſſen maͤnnli⸗ chen Geſchlechts und großjährig ſeyn, 37. Bei Aufnahme der Geburtsakten muͤſſen zwei Zeugen ſeyn, 56; ihre Vor⸗ und Geſchlechtsnamen, Gewerbe und Wohnort, muͤſſen in der Geburtsakte enthalten ſeyn, 57. Bei Notorietätsakten uͤber die Geburt ſind ſieben Zeugen erforderlich, 71. Bei den Heirathsakten ſind vier Zeugen erforderlich, 75. Was in Anſehung der Zeugen in den Heirathsakten bemerkt werden muß, 76 Von den Zeugen bei Auſnahme der Sterbeakten, 78. Von den Zeugen beim Cheſcheidungs⸗Prozeſſe und de⸗ ren Abhoͤrung, 242, 243, 249 u f. Von den Zeugen bei elnem oͤffentlichen Teſtamente, 971 u. f.; bei einem myſti⸗ ſchen oder heimlichen Teſtamente, 976 u. f. Das Teſtament einer Militairperſon bei der Armee erfordert zwei Zeugen, o81; eben ſo das zur Zeit der Peſt errichtete Teſtament, 985. Zeugenbeweis iſt noͤthig um die Abweſenheit einer Perſon zu beweiſen, 116. Der Beweis einer ſtatt gehabten Aus⸗ ſoͤhnung unter den Ehegatten kann durch Zeugen gefuͤhrt werden, 274. Von dem Beweiſe der Kindſchaft durch Zeu⸗ gen, 323, 341. Allgemeine Grundſäͤtze von dem Zeugenbe⸗ weiſe, 1341 u. f. Wann der Zeugenbeweis beim Miethcon⸗ trakte unzulaͤſſig iſt, 1715. Zeugenbeweis iſt bei der freiwil⸗ ligen Hinterlegung unzulaͤſſig, wenn der Werth 150 Franken uberſteigt, 1923 Ausnahme bei der im Nothfalle geſchehe⸗ nen Hinterlegung, 1950. Von dem Zeugenbeweiſe bei Voll⸗ machten, 1985 Zinſen. Wann der Vormund von nicht verwendeten Gel⸗ dern Zinſen zu zahlen gehalten iſt, 455 u. f. Ven welcher Zeit an ſind die Zinſen von Gegenſtaͤnden, die eingeworfen werden muͤſſen, zu zahlen, 856. Von welchem Zeitpunkte an kann der beſondere Legatar ſie von der ihm vermachten Sache fordern, 1014. Wann koͤnnen Zinſen wieder Zinſen bringen, wann bringen faͤllige Pächte, Miethgelder, ruckſtän⸗ dige Erb⸗ oder Leibrenten Zinſen, 1154, 1155. Von einem verſprochenen Heiraths⸗Gute nehmen die Zinſen vom Tage der geſchloſſenen Ehe ihren Anfang, 1440 u. 1548. Wann die Zinſen gegen einen Geſellſchafter laufen, 1846. Der Anlehner muß vom Tage der gerichtlichen Forderung an Zinſen geben, 1904. Von den Zinſen beim Darlehn, 1903 u. f. Von welchen Summen und von welcher Zeit an muß der Bevollmaͤchtigte Zinſen bezahlen? 1996. Fuͤr welche Zinſen bewirkt die Eintragung des Capitals auch Hypothek, 2151. Zinſen verjaͤhren in fuͤnf Jahren, 2377. Zuwachsrecht. Erklärung deſſelben, 546. Zuwachsrecht auf das, was die Sache hervorbringt, was mit ihr vereinigt —„ 5 ———— ————— 1—— ALVIII oder ihr einverleibt wird, 547 u.. Durch Zuwachs erwirbt 6 man Eigenthum, 712. Zwang. Zwang iſt ein Grund der Aufhebung geſchehener X Theilungen, 887. Wann der Miterbe mit der wegen Zwangs *— anzuſtellenden Klage auf Wiederaufhebung nicht mehr gehoͤrt „ wird, 892. Einwilligung, durch Zwang bewirkt, hot keine — Guͤltigkeit, 1109. Zwang, gegen den ausgeuͤbt, der eine 5 Verbindlichkeit uͤbernahm, begruͤndet Nichtigkeit der Verträge, 1111u. f. Wann ein Contrakt wegen Zwanges nicht mehr angegriffen werden kann, 1115 In welcher Zeit die Klage auf Richtigkeit wegen Zwanges verjährt, und von welchem Ta⸗ . ge an die Verjaͤhrung laͤuft, 1304. Ein Vergleich kann wie⸗ der aufgehoben werden, wenn dabei Zwang ſtatt gefunden. hat, 2053 Zwang kann keinen zur Verjährung tauglichen Beſitz bewirken, 2333. Zwiſchenraum. Die Akten des Civilſtandes muͤſſen ohne Zwiſchenraum in die Regiſter eingetragen werden, 42. Bei J welchen Gebaͤuden ein Zwiſchenraum gelaſſen werden muß, 674. Die Eintragungen in die Hypothekenregiſter muͤſſen benfalls ohne leeren Zwiſchentaum geſchehen, 2203. —.— M— — 8————. „2 3n.„. ——— — Farbkarte 613