Das Napoleonſche Geſetzbuch. Nebſt den Zuſatz⸗Geſetzen, einer Ueberſicht der Entfernungen aller Haupt⸗Orte der Departemente von Paris, und einem vollſtaͤndigen Regiſter. — Rach der von dem Geſetzgebungskorps in der Sitzung vom zten September 1807 geuehmigten und im November des nämlichen Jahrs zu Paris erſchienenen offiziellen Ausgabe, aus dem Franzoͤſiſchen uͤberſetzt von J. P. Ackermann. Landau, bei Georges und Prinz⸗ 1 53 6 8. Vorbericht. Gerade zur Zeit als wir die zweite Auflage des Civil⸗Geſetzbuches veranſtalten wollten er⸗ ſchienen die von dem Staatsrathe vorgeſchlage⸗ nen Veraͤnderungen deſelben. Nach ihrer erhal⸗ tenen Sankzion verſchaften wir uns ſogleich ein Exemplar der offiziellen Ausgabe, nach welcher dieſe Ueberſetzung des Napoleonſchen Ge⸗ ſetzbuches neu bearbeitet worden iſt. Auſſer den geſetzlich vorgeſchriebenen Abaͤn⸗ derungen hat dieſe neue Auflage in ſehr vielen Artikeln an Puͤnktlichkeit, Beſtimmtheit und Deutlichkeit vor der erſtern einen entſchiedenen Vorzug erhalten. Da dieſes Geſetzbuch ein ewiges Denkmal der Weisheit unſeres großen RNapoleons bleiben wird; da mehrere Souveraine Deutſch⸗ lands und Italiens daſſelbe in ihren Staaten eingefüͤhrt haben; da jeder Familien⸗Vater in allen Verhältniſen, in die er je kommen kann, jeder Vormund und Beivormund, jeder gericht⸗ 3 liche Beamte und Angeſtellte, jeder Kaufmann⸗ Künſter, Handwerker, Ackersmann c. darin den Gang genau vorgezeichnet findet, den er in dieſen verſchiedenen Verhaͤltniſſen zu wandeln hat, ſo hoſfen wir, daß auch dieſe wohlfeile Ausgabe bald vergriffen ſein wird. Landau, am 1ten April 1808. Die Verleger. G ſ etz uͤber die Vereinigung der Civil⸗Geſetze in eine vol⸗ ſtändige Sammlung unter der Benennung des buͤr⸗ gerlichen Geſetzbuches der Franzoſen. (Dekretirt den 2rten Maͤrz 1804, verkuͤndigt den zrten des naͤmlichen Monaths.) rtee Es ſollen in eine Geſetzeſammlung unter der Benennung des buͤrgerlichen Geſetzbuches der Franzoſen vereinigt werden folgende Geſetze: Naͤmlich: 1. Das Geſetz vom sten Maͤrz 1803, uber die Verkuͤndi⸗ gung, die Wirkungen und die Anwendung der Geſetze im Allgemeinen. 2. Das Geſetz vom sten Maͤrz 1803 uͤber den Genuß und den Verluſt der buͤrgerlichen Rechte. 3. Das Geſetz vom 11 Maͤrz 1803, von den Urkunden des buͤrgerlichen Standes. 4. Das Geſetz vom 1aten März 1303, von dem Domizilium. 5. Das Geſetz vom 15ten Maͤrz 1803, uͤber die Abweſenden. 6. Das Geſetz vom 17ten Maͤrz 18o3, von der Ehe. 7. Das Geſetz vom aiten Maͤrz 1803, uͤber die Eheſchei⸗ dung. 8. Das Geſetz vom z3ten Maͤrz 1303, über die Vaterſchaft und Kindſchaft. 9. Das Geſetz vom a3ten Maͤrz 1803, uͤber die Annahme an Kindesſtatt und der freiwillig uͤbernommenen wohlthoti⸗ gen Vormundſchaft. 10. Das Geſetz vom a4ten Maͤrz 18oz, uͤber die väterliche Gewalt. 11. Das Geſetz vom a6ten Maͤrz 1303, uͤber die Minder⸗ jährigfeit, der Vormuudſchaft und Entlaſſung(Emanzi⸗ pazivn). V 12. Das Geſetz vom a9ten Maͤrz 1303, ͤber die Volliaͤhris⸗ keit, Interdikzion und gerichtlichen Beiſtand. 13. Das Geſetz vom 28ten Jänner 1804 uͤber den Unter⸗ ſcbied der Guͤter. 14. Das Geſetz vom 27ten Jänner 1804, uͤber das Eigen⸗ thum · 15. Das Geſetz vom zoten Jaͤnner 1804 uͤber die Nutznieſ⸗ ſung, den Gebrauch und die Wohnung. 16. Das Geſetz vom zrten Jänner 1804 uͤber die Grund⸗ dienſtbarkeiten. 17. Das Geſetz vom 19ten April 1803, von den Erbſchaften. 18. Das Geſetz vom zten Mai 1803, von den Schenkungen unter Lebenden und den Teſtamenten. 19. Das Geſetz vom 7ten Hornung 1804, uͤber die Ver⸗ traͤge oder die aus Uebereinkunft entſtehenden Verpflichtungen uͤberhaupt z0. Das Geſetz vom 9ten Hornung 1804, uͤber die Ver⸗ pflichtungen, welche ohne uebereinkunft entſiehen. z1. Das Geſetz vom 1oten Hornung 1804 uͤber den Heu⸗ rathsvertrag und die gegenſeitigen Rechte der Ehegatten. z2. Das Geſetz vom éten Maͤrz 1804, uͤber den Verkauf. a3. Das Geſetz vom sten März 1804, uͤber den Tauſch⸗ 24. Das Geſetz vom 7ten Maͤrz 1304, von dem Mieth⸗ vertrage. 25. Das Geſetz vom sten Maͤrz 1304, uͤber den Geſell⸗ ſchaftsvertrag⸗ 26. Das Geſetz vom 9ten Merz 1304, von dem Leih⸗ und Darleihungs ⸗Vertrage. a7. Das Geſetz vom raten Mätz 104, über die Hinterle⸗ gung und dem Beſchlag. a8. Das Geſetz vom roten Maͤrz 1034 uͤber die gewagten Vertraͤge. 29. Das Geſetz vom ꝛ0ten Merz 1804 Von der Bevoll⸗ maͤchtigung.(Mandat) zo. Das Geſetz vom 14ten Hornung 1804, uͤber die Buͤrg⸗ ſchafsleiſtung. z1. Das Geſetz vom zoten Rärz 1504 uber die Vergleiche (transactions) VII 32. Das Geſetz vom rzten Hornung 1804, von dem körper⸗ lichen Arreſt als Vollziehungsmittel. 33. Das Geſetz vom 16ten Maͤrz 1804, von dem Pfande oder Verſatz.(Nantissement) 34. Das Geſetz vom 19ten Maͤrz 1804, uͤber die Privile⸗ gien und Hypotheken. 33. Das Geſetz vom 19ten Maͤrz 1804, von der Auswei⸗ ſung aus dem Eigenthume(expropiation torcée) und der Rang⸗Prdnung unter den Glaͤubigern. 36. Das Geſetz vom 15ten Mäͤrz 1804, uͤber die Verjaͤh⸗ rung. Artikel. Die ſechs Artikel, welche das Geſetz vom aaten des lau⸗ fenden Monaths ausmachen, und die ebrerbietigen Anträge Gotes respectueux) betreffen, welche die Kinder an die Ael⸗ tern, Grobaͤltern in den vorgeſchriebenen Faͤllen ſtellen muͤſſen, ſollen in dem Litel von der Ehe nach dem Artifel, der itzt mit Nro 15r bezeichnet iſt, eingeſchaltet werden. In dem Litel von dem Unterſchied der Guͤter ſoll nach dem Artikel, der itzt Numero 5a9 hat, die in folgendem Arti⸗ kel entbaltene Verfuͤgung eingeruͤckt werden: „Jede Rente, die auf ewig fuͤr den Kaufpreiß eines liegen⸗ „den Gutes oder als Bedingung der Abtretung auf einen „laͤſtigen oder ſchenkweiſen Sitel eines unbeweglichen Guts »(fonds) angelegt worden, iſt ihrer Weſenheit nach ruͤck⸗ „kaͤuflich. „Dem Gläubiger iſt jedoch erlaubt, die Klauſeln und Be⸗ „dingniſſe des Ruͤckkaufs anzuordnen. „Es iſt ihm ferner erlaubt als Bedingniß feſtzuſetzen, daß vihm die Rente erſt nach einem gewiſſen Lermin, der aber nie⸗ „mals dreiſig Jahre uͤberſtrigen darf, zuruͤckbezahlt werde. „Jede zuwiderlaufende Bedingung Gtipulation) iſt als nich⸗ „tig zu betrachten. M Das buͤrgerliche Geſetzbuch ſoll in einen vorlaͤufigen Litel und in drei Buͤcher abgetheilt werden. Das Geſetz vom zten Maͤrz 1so3, uͤber die Verkuͤn⸗ VIII die wirkungen und Anwendung der Geſetze im Allgemeinen iſt der Eingangstitel. Das erſte Buch ſoll aus den eilf folgenden Geſetzen unter dem LTitel von den Perſonen beſtehn. digung Das zweite Buch ſoll aus den vier folgenden Geſetzen unter der Aufſchrift von den Guͤtern und den verſchiedenen Modifikazionen des gigenthums zuſammengetragen werden⸗ Die zwanzig letzten Geſetze ſollen unter dem Sitel: von den verſchiedenen Arten das Eigenthum zu erwerben das dritte Buch ausmachen. Jedes Buch wird in ſo viele Titel zerfallen, als Geſetze da ſind, aus denen es beſteht. Artikel 5. Alle Artikel des buͤrgerlichen Geſetzbuches ſollen in einer einzigen Zahlenreihe fortlauſen. Artikel 6 Die Verfuͤgung des erſten Artikels hindert nicht, daß nicht alle in denſelben angefuhrten Geſetze ihre Vollziehung von dem Tage an, wo ſie dieſelbe vermoͤge ihrer beſondern Ver⸗ kuͤndigung erlangen muſten, haben ſollen. PVon dem Tage an, wo die Geſetze verbindlich ſind, ſollen die römiſchen Geſete, die Ordonnanzen, die allgemeinen oder oͤrtlichen Gewohnheiten, die Statuten, die Vorſchriften in den Gegenſtaͤnden der beſagten Geſetze, aus welchen nun das burgerliche Geſetzbuch beſteht, aufhoͤren Geſetzeskraft allge⸗ meiner oder beſonderer Geſetze zu haben⸗ unterſchrieben Bonaparte, erſter Konſul⸗ Gegenuͤber: Bugues B. Maret, Staatsſekretair. Und mit dem Staatsinſiegel beſiegelt. Miniſter der Gerechtigkeitspflege⸗ Unterſchrieben Regnier. Geſehen, der Großrichter, Das Napoleonſche Geſetzbuch. — Vorlaͤufiger Titel. Von der Verkuͤndigung, den Wirkungen und der Anwendung der Geſetze im Allgemeinen. (Dekretirt den Sten Maͤcz 1303, verkuͤndiget den 18ten des nůͤmlichen Monaths. SM Erſter Artikel. De Geſetze haben auf dem ganzen franzoſiſchen Gebiethe vermöge der von dem Kaiſer gemachten Verkuͤndigung der⸗ ſelben verbindende Kraft. Sie ſollen in jedem Theile des Reiches von dem Augen⸗ blicke an, wo ihre Verkuͤndigung daſelbſt bekannt ſein kann, vollzogen werden. Die von dem Kaiſer vollbrachte Verkuͤndigung ſoll in dem Departemente, wo der Kaiſer ſeine Reſidenz hat, einen Sag nach jenem der geſchehenen Verkuͤndigung; und in jedem an⸗ dern Departemente nach eben dieſer Zeitfriſt, und mit ſo vielen Tagen vermehrt, als vielmal zehn Myriameter,(ohn⸗ gefaͤhr zwanzig Meilen nach alter Berechnung) es zwiſchen der Stadt, wo die Verkuͤndigung geſchehen iſt, und dem Hauptorte eines jeden Departements gibt, als bekannt ge⸗ achtet werden. *. Das Geſetz verfuͤgt nur fuͤr die Zukunft; es hat keine zuruͤckwirkende Kraft. 3. Dié Polizei⸗ und Sicherheitsgeſetze ſind fuͤr alle dieje⸗ nigen, welche das Gebieth bewohnen, verbindlich. Die unbeweglichen Guͤter, wenn auch gleich Auslaͤnder ſie beſitzen, werden nach dem franzoͤſiſchen Geſetze behandelt. A Die Geſetze, welche auf den Stand und die Fäͤhigkeiten der Perſonen Bezug haben, ſollen den Franzoſen, und wenn ſie ſich auch im Auslande aufbalten, zur PVorſchrift dienen⸗ 4. Der Richter, welche unter dem Vorwande des Still⸗ ſchweigens, der Dunkelheit oder Unzulänglichkeit des Geſetzes Recht zu ſprechen verweigert, kann als der Rechtsverweige⸗ rung ſchuldig belangt werden. . Es iſt den Richtern unterſagt, uͤber Rechtshaͤndel, wel⸗ che vor ſie gebracht werden, nach allgemeinen und verfuͤgen⸗ den Anordnungen und Vorſchriſten(disposition reglemen- taire) zu entſcheiden. 6. Man darf die Geſetze, welche die öffentliche Ordnung und die guten Sitten nabe betreffen, niemal durch beſondere Uebereinkuͤnfte beſeitigen⸗ 5 Napoleonſches Geſetzbuch. Erſtes Buch. Von den Perſonen. Spſter Titel. Von dem Genuſſe und dem Verluſte der voͤr⸗ gerlichen Rechte. (Dekretirt den zten Maͤrz 103, verkuͤndigt den 13ten des naͤmlichen Monaths.) Erſtes Kapitel. Von dem Genuſſe der burgerlichen Rechte. 7. De Ausuͤbung der buͤrgerlichen Rechte iſt von der Eigenſchaft des Staatsbuͤrgers Gitoyen), welche nur dem Reichsgrundgeſetze gemaͤß erworben und erhalten wird, unab⸗ haͤngig. s. Jeder Franzoſe ſoll die buͤrgerlichen Rechte genießen. 9. Jedes Individuum, welches in Frankreich von einem Ausländer gezeugt worden, kann in dem Jahre, das auf ſeine Volljaͤhrigkeit folgt, die Eigenſchaft als Franzos in Anſpruch nehmen, unter der Bedingung jedoch, daß es, wenn es ſich in Frankreich aufhält, erkläre, entſchloſſen zu ſein, ſein Do⸗ mizilium darin aufzuſchlagen; und wenn es ſich in dem Aus⸗ lande aufhält, ſich verbindlich mache, ſein Domizilium in Frankreich feſtzuſetzen, und daſſelbe auch innerbalb des Jah⸗ res von der urkunde der eingegangenen Verhindlichkeit an zu rechnen, wirklich daſelbſt aufſchlage. 1o. Jedes von einem Ftanzoſen im Auslande erzeugte Kind iſt ein Franzos. Jedes im Auslande von einem Franzoſen, der die Eigen⸗ ſchaft eines Franzoſen verloren hat, gezeugte Kind kann wie⸗ der zu dieſer Eigenſchaft gelangen, wenn es die Formalitäten erfuͤllt, welche der Artikel„ vorſchreibt. A 2 11. Der Ausländer ſoll in Frankreich den Genuß der näm⸗ lichen buͤrgerlichen Rechte haben, welche man den Franzoſen durch die Vertraͤge derjenigen Nation, welcher dieſer Aus⸗ laͤnder angehort, zugeſteht oder zugeſtehen wird. rz. Die Ausländerin, die ſich mit einem Franzoſen ehelich verbunden haben wird, ſoll dem Stande ihres Gatten folgen. 13. Der Auslaͤnder, welcher von dem Kaiſer die Erlaub⸗ niß erhalten hat, ſein Domizilium in Frankreich aufzuſchla⸗ gen, iſt waͤhrend der ganzen Dauer ſeines Aufenthalts da⸗ ſelbſt in dem Genuſſe der buͤrgerlichen Rechte. 14. Der Auslaͤnder, ſelbſt iener, der ſich auch nicht in Frankreich niedergelaſſen, kann vor die franzoͤſiſchen Gerichts⸗ boͤfe wegen Erfullung der Verbindlichkeiten, welche er in Frankreich mit einem Franzoſen abgeſchloſſen, gefordert wer⸗ den. Er kann wegen den Verbindlichkeiten, die er im Aus⸗ lande gegen Franzoſen eingegangen⸗ vor die Gerichtshoͤfe von Frankreich gefordert werden⸗ 15. Ein Franzos kann wegen Verbindlichkeiten, die er in einem fremden Lande auch ſogar mit einem Auslaͤnder abge⸗ ſchloſſen, vor einem franzoͤſiſchen Gerichtshofe belangt werden⸗ 16. In allen Gegenſtänden, doch mit Ausnahme jener, die den Handel betreffen, ſoll der ausländiſche Klager gehalten ſein, fuͤr die Entrichtung der Gerichtsunkoſten und Schaden und entbehrten Vortbeil, die aus dem Rechtsſtreit ſich erge⸗ ben koͤnnen, hinläͤngliche Buͤrgſchaft zu leiſten; es ſei denn, er beſitze in Frankreich liegende Guͤter, die hinreichenden Werth haben, um dieſe Bezahlung ſicher zu ſtellen⸗ Zweites Kapitel. Von dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte. Erſter A bſchnitt. Von dem PVerluſt der bürgerlichen Rechte durch den Verluſt der Eigenſchaft eines Franzoſen. 17. Man verliert die Eigenſchaft eines Franzoſen 1tens durch die in einem fremden Lande erhaltene Naturaliſation; atens durch die von dem Kaiſer nicht genehmiate Annahme der von ei⸗ ner fremden Regierung äbertragenen oͤſfentlichen Aemtérz ztens 1 endlich durch jede in dem Auslande mit dem Vorſatz nicht wieder zu kehren errichtete Anftalt. Die Handelsanſtalten koͤnnen niemals betrachtet werden, als ſeien ſie mit dem Vorſatz, nicht wieder zuruͤck zu kehren er⸗ richtet worden. 18. Der Franzos, welcher der Eigenſchaft eines Franzoſen verluſtia geworden, kann ſich dieſelbe immer wieder verſchaf⸗ fen, wenn er mit Genehmigung des Kaiſers nach Frank⸗ reich zuruͤckkehrt, dabei erklärt, daß er ſich daſelbſt wohn⸗ haft niederlaſſen will, und wenn er auf jeden den franzoͤſiſchen Geſetzen widerſtrebenden auszeichnenden Unterſchied Verzicht leiſtet. 19. Eine Franzöſin, welche einen Auslaͤnder ehelichet, folgt dem Stande ihres Gatten. Wenn Sie Wittwe wird, ſo erwirbt ſie die Eigenſchaft einer Franzöſin wieder, wenn ſie ſich anders in Frankreich aufhalt, oder mit Genehmigung des Kaiſers dahin zuruck⸗ kömmt und die Erklärung von ſich gibt, ihr Domizilium dort aufſchlagen zu wollen. zo. Die Individuen, welche in den durch die Artikel 10, 15 und 19 vorgeſehenen Faͤllen die Eigenſchaft eines Franzoſen wieder erwerben werden, ſollen dieſelbe erſt nach Erfullung der ihnen durch dieſe Artikel vorgeſchriebenen Be⸗ dingniſſe, und nur allein fuͤr die Ausubung der zu ihrem Vortheil von dieſer Zeiſtfriſt anheim gefallene Rechte geltend machen koͤnnen. 2r. Der Franzos, welcher ohne Beiſtimmung des Kaiſers auswaͤrtige Kriegsdienſte nimmt, oder ſich einer auswaͤrtigen militaͤriſchen Korporazion beigeſellt, verliert die Eigenſchaft eines Franzoſen. Er kann nicht anders als mit Erlaubniß des Kaiſers Frank⸗ reich wieder betreten, und nur dann die Eigenſchaft eines Franzoſen wieder erwerben, wenn er die Verbindlichkeiten, die einem Auslaͤnder auferlegt ſind, um Staatsbuͤrger zu werden, erfullt; alles dieſes aber vorbehaltlich der Stra⸗ fen, welche das Kriminal⸗Geſetz wider die Franzoſen, die die Waffen gegen ihr Vaterland getragen haben oder tragen werden, ausſpricht. zweiter Abſchnitt. Von dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte in Gefolge gerichtlicher Verurtheilungen. a2. Die Verurtheilungen zu Strafen, durch deren Wirkung der Verurtheilte ſich aller Theilnahme an den hiernach be⸗ nennten buͤrgerlichen Rechten verluſtigt findet, haben den buͤr⸗ gerlichen Todt zur Folge. 23. Die Verurtheilung zum natuͤrlichen Todt ſoll den buͤr⸗ gerlichen Todt zur Folge baben. 24 Die andern lebenslaͤnglichen Leibesſtrafen ſollen nur dann den buͤrgerlichen Todt zur Folge haben, wenn das Geſetz ihnen dieſe Wirkung beilegen wird⸗ 2. Der Verurtheilte verliert durch den vurgerlichen Todt das Eigenthum aller Guͤter, die er beſaß; ſeine Verlaſſen⸗ ſchaft ſteht zum Vortbeil ſeiner Erben offen, auf welche ſeine Guͤter eben ſo, als wenn er eines natuͤrlichen Todtes und ohne Teſtament geſtorben waͤre, uͤbergegangen ſind⸗ Er kann fernerhin nichts mehr erben⸗ noch die Guͤter, die er in der Folge der Zeit erworben, durch Erbrecht auf an⸗ pere uͤbertragen. Er kann uͤber ſeine Guͤter weder im Ganzen noch theil⸗ weiſe, weder durch Schenkungen bei Lebzeiten noch durch Teſtament verfuͤgen; er kann auch unter dieſer Benennung nichts empfangen, es muͤſte denn fur ſeinen Lebensunterhalt ſein. Er kann weder zum Vormund ernennt werden, noch zu Handlungen, die auf die Vormundſchaft Bezug haben, bei⸗ tragen⸗ Er kann bei keiner feierlichen oder rechtsguͤltigen Handlung als Zeuge aufgeſtellt, noch vor Gericht als Zeuge zugelaſſen werden. Er kann entweder als Beklagter oder als Klaͤger nur un⸗ ter dem Namen und der Dienſtverrichtung eines von dem Tribunal, vor welches der Rechtsſtreit gebracht wor⸗ den, beſonders ernennten Kurators vor Gericht auftreten. Er iſt unfaͤhig, eine eheliche Verbindung, die irgend eine burgerliche Wirkung hervorbringen konnte, einzugehn⸗ Die vorher von ihm eingegangene Heurath iſt, was die ſämmtlichen burgerlichen Wirkungen betrift, aufgeloßt. Sein Ehegatte und ſeine Erben konnen jeder fuͤr ſeinen Theil 9 n ſ⸗ n i⸗ die iil die Rechte und Rechtsklagen, zu welchen ſein natuͤrlicher Todt Anlaß gegeben haͤtte, in Ausubung bringen. 26. Die in Gegenwart und auf die Verantwortung der Partheien ausgeſprochenen Verurtheilungen(condamnations contradictoires) haben den buͤrgerlichen Todt nur von dem Tage an, wo das Urtheil entweder an der Perſon ſelbſt oder an deren Bildniß(en effigie) vollzogen worden, zur Folge. 27. Diei im Falle der Nichterſcheinung(par contumace) ausgeſprochenen Verurtbeilungen haben den buͤrgerlichen Todt erſt nach dem Verlaufe der fuͤnf Jahre, welche auf die Voll⸗ ſtreckung des Urtheils an dem Bildniſſe der Perſon folgen, und waͤbrend welchen der Verurtheilte ſich ſtellen kann, zur Folge. 28. Die wegen Nichterſcheinung Verurtheilten ſollen waͤh⸗ rend den fuͤnf Jahren, oder bis ſie ſich ſelbſt darſtellen, oder bis ſie waͤhrend dieſer Friſt gefaͤnglichlich eingezogen werden, der Ausuͤbung ihrer buͤrgerlichen Rechte beraubt ſein. Ibre Guͤter ſollen verwaltet, und ihre Rechte, ſo wie iene der Abweſenden, ausgeuͤbt werden. 29. Wenn der wegen Nichterſcheinung Verurtheilte ſich innerhalb der fuͤnf Jahre, welche vom Tage der Vollziehung des urtheils zu zählen anfangen, entweder freiwillig ſtellt, oder wenn er waͤhrend dieſer Zeit ergriffen und verhaftet worden, ſo ſoll der urtheilsſpruch von rechtswegen vernich⸗ tet ſein. Der Angeklagte ſoll in den Beſitz ſeiner Guͤter ge⸗ ſetzt und von neuem gerichtet werden; und wenn er durch dieſen neuen Urtheilsſpruch entweder zu der näͤmlichen Strafe, oder zu einer von der erſtern verſchiedenen Strafe, welche aber den buͤrgerlichen Todt ebenfalls zur Folge hat, verdammt worden, ſo ſoll dieſer buͤrgerliche Todt zuerſt von dem Tage der Vollziehung des zweiten urtheils ſtatt haben. 30. Wenn der wegen Nichterſcheinung Verurtheilte, welcher ſich gar nicht geſtellt hat, oder erſt nach dieſen fuͤnf Jahren verhaftet worden, und entweder durch den neuern Urtheilsſpruch freigeſprochen oder nur zu einer ſolchen Strafe verurtheilt worden iſt, welche den buͤrgerlichen Todt nicht zur Folge hat, ſo ſoll er fuͤr die Zukunft, und von dem Tage an, wo er wie⸗ der vor Gericht erſchienen, in den vollen Genuß ſeiner buͤr⸗ gerlichen Rechte wieder eintreten; aber der erſte urtheilsſpruch ſoll fuͤr das Vergangene die Wirkungen beibehalten, welche der buͤrgerliche Todt in der Zwiſchenzeit, die von der Epoche des Verlaufs der fünf Jahre bis an den Das ſeiner Stellung vor Gericht verſtrichen iſt, bervorgebracht hatte. z1. Wenn der wegen Nichterſcheinung Verurtheilte in der funfjährigen Gnadenfriſt ſtirbt, ohne ſich geſtellt zu haben „der gefangen, oder feſtgeſetzt worden zu ſein, ſo ſoll er ange⸗ ſehen werden, als ſei er in dem vollen Genuße ſeiner Rechte geſtorben. Das Kontumazurtheil iſt von rechtswegen zer⸗ nichtet, unbeſchadet jedoch der Rechtsklage der beſchaͤdigten Zivilvarthei, welche ſie aber nur auf dem Zivilwege gegen die Erben des Verurtheilten anſtellen kann. z2. Die Verjaͤhrung der Strafe ſoll den Verurtheilten in keinem Falle für die Zukunft in ſeine burgerliche Rechte wie⸗ der einſetzen. 33. Die von dem Verurtheilten von dem Tage an, da er den buͤrgerlichen Todt verwirkt hat, erworbenen Guͤter, in deren Beſitz er ſich an dem Lage ſeines natuͤrlichen Todtes befand, ſollen vermoge des Heimfallrechts(droit de deshérence) dem Staat angehoͤren. Jedoch kann der Kaiſer zum Vortheil der Wittib, der Kinder oder Verwandten des Verurtheilten verfuͤgen, was die Menſchlichkeit ihm eingeben wird. Zweiter Titel. Von den Urkunden des buͤrgerlichen Standes. (Dekretirt den 11ten Maͤrz 1803, verkuͤndigt den 2rten des naͤmlichen Monaths.) Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfuͤgungen. za. Die Urkunden des buͤrgerlichen Standes ſollen das Jabr, den Tag und die Stunde, in welchen ſie aufgenommen worden, die Vornamen, die Namen, das Alter, das Gewerb und das Domizilium von allen denen, welche man darin zu benennen hat, andeuten. 3s. Die Beamten des burgerlichen Standes ſollen in die urkunden, welche ſie niederſchreiben werden, weder als Bemerkungen noch auf irgend eine Art ſich auszudruͤcken, et⸗ was anderes eintragen, als gerade das, was die erſcheinenden Partheien erklären muͤſſen. 36. In den Faͤllen, wo die intereſſirten Partheien nicht gchalten ſind, perſoͤnlich zu erſcheinen, koͤnnen ſie ſich durch einen beſonders und rechtsguͤltig beglaubten Bevoll⸗ maͤchtigten vertreten laſſen. 37. Die in den Urkunden des buͤrgerlichen Standes auſtre⸗ tenden Zeugen koͤnnen nur des männlichen Geſchlechts; ſie muͤſſen ein und zwanzig Jahre alt, und entweder Verwan⸗ den oder andere Perſonen ſein, und ſie werden von den inte⸗ reſſirten Partheien ſelbſt gewaͤhlt. zs. Der Beamte des buͤrgerlichen Standes ſoll den erſchei⸗ nenden Partheien oder ihren Bevollmaͤchtigten wie auch den Zeugen die aufgeſetzten Urkunden vorleſen. In denſelben ſoll von Beobachtung dieſer Formalität Meldung geſchehen. 39. Dieſe Urkunden ſollen von dem Beamten des buͤrger⸗ lichen Standes, von den erſcheinenden Partheien und den Zeugen unterſchrieben werden; oder man ſoll die Urſache, welche die erſcheinenden Partheien und Zeugen zu unterſchrei⸗ ben hindert, angeben. 40. Die Urkunden des buͤrgerlichen Standes ſollen in jeder Gemeinde auf ein oder mehrere gedoppelt gefuͤhrte Regiſter eingetragen werden. 41. Der Preſident des Tribunals erſter Inſtanz oder der ſeine Stelle vertretende Richter ſoll die Regiſter in ununter⸗ brochen fortlaufender Reibe auf jedem Blatte mit Ziffern bezeichnen, ſeinen Handzug darauf ſetzen und noch das erſte und lezte Blatt ausdruͤcklich bemerken. 42. Die Urkunden ſollen unmittelbar hintereinander, ohne einen weiſen Zwiſchenraum zu laſſen, auf die Regiſter ein⸗ getragen werden. Die Ausſtreichungen und auf dem Rande beigefuͤgten Veraͤnderungen oder Zuſaͤtze(renvois) muͤſſen auf die naͤmliche Art, wie die urkunde ſeibſt bewaͤhrt und un⸗ terzeichnet werden. Man darf nichts in Abkuͤrzungen und das Datum der urkunden nicht in Ziffern ausdruͤcken. 43. Der Beamte des buͤrgerlichen Standes ſoll am Ende eines jeden Jahres die Regiſter abſchließen und in dem darauf folgenden Monathe eines der dovpelt gefuͤhrten Regiſter in das Archiv der Gemeinde, das andere aber in die Gerichts⸗ ſchreiberei des Tribunals erſter Inſtanz niederlegen. a4. Mit dem einen der doppelt gefuͤhrten Regiſter deſſen Hinterlegung in die Gerichtsſchreiberei des Tribunals erſter Inſtanz verordnet worden, ſollen auch die vorber von dem — 10— Beamten des burgerlichen Standes und den Partheien vata⸗ phirten Vollmachten und andere Akten in gedachter Gericht⸗ ſchreiberei hinterlegt werden. 45. Jedermann kann ſich von den Inhabern der Regiſter des buͤrgerlichen Standes Auszuͤge aus denſelben ertheilen laſſen. Dieſe Auszuͤge, wenn ſie mit den Regiſtern gleich⸗ foͤrmig, und von dem Preſidenten des Tribunals erſter In⸗ ſtanz, oder von dem deſſen Stelle vertretenden Richter ge⸗ richtlich beſcheinigt Gegalisss) ſind, ſollen beglaubigt ſein, bis man ſie vor Gericht als vevfaͤlſcht angreift. 46. Wenn keine Regiſter vor Handen geweſen, oder, wenn ſte ſollten verlohren gegangen ſein, ſo ſoll man Beweiſe an⸗ nehmen, die man entweder durch urkunden oder durch Zeu⸗ gen fuͤhren kann; und in dieſen Fällen können die Heurathen, Geburten und Sterbfaͤlle ſowohl durch die von den verſtorbenen Aeltern herruͤhrenden Regiſter und andere Schriften als auch durch Zeugen beurkundet werden. 47. Jede in dem Auslande uͤber den buͤrgerlichen Stand eines Franzoſen oder Auslaͤnders, aufgeſetzte Urkunde, wenn ſie auders mit den in dieſem Lande eingefuͤhrten Formen niedergeſchrieben worden, ſoll beglaubt ſein. 48. Jede urkunde uͤber den buͤrgerlichen Standt der Fran⸗ zoſen, die in dem Auslande niedergeſchrieben worden, ſoll rechts⸗ gultig ſein, wenn ſie entweder von diplomatiſchen Agenten oder von den Konſuln nach der Vorſchriſt der franzoſiſchen Ge⸗ ſetze aufgenommen worden iſt. g9. In allen Fällen, wo von einer Urkunde, welche auf den puͤrgerlichen Stand Bezug hat, auf dem Rande einer bereits eingeſchriebenen urkunde Meldung geſchehen muß, ſoll dieſelbe auf Anſuchen der intereſſirten Partheien durch den Beamten des burgerlichen Standes entweder auf den Regiſtern des lau⸗ fenden Jabres, oder auf jenen, welche in dem Archiv der Gemeinde hinterlegt ſind; von dem Gerichtsſchreiber des Tri⸗ punals erſter Inſtanz aber auf jenen, welche auf der Gericht⸗ ſchreiberei hinterleat ſind, geſchehen. Zu dieſem Ende ſoll der Beamte des burgerlichen Standes dem kaiſerlichen Prokurator bei gedachtem Tribunal innerhalb drei Tagen davon Kennt⸗ niß geben; und dieſer ſoll Sorge tragen, daß dieſe Meldung auf beiden Regitern gleichfoͤrmiger Weiſe geſchebe. so. Jede uebertretung der vorhergehenden Artikeln von Seſten der daſelbſt benennten Beamten ſoll vor dem — 11— Tribunal erſter Inſtanz betrieben und mit einer Geldbuße, welche die Summe von hundert Franken nicht uͤberſteigen darf, belegt werden S1. Jeder Inhaber der Regiſter ſoll fuͤr die Verfälſchun⸗ gen, welche in denſelben vorkommen koͤnnen, in Betreff des Schadenerſatzes verantwortlich ſein, unbeſchadet jedoch ſeines Verſolgungsrechts(recours) gesen die Urheber gedachter Ab⸗ aͤnderungen, wenn ſolches ſtatt haben kann. S2. Jede Verfuͤlſchung, jedes in den Urkunden des buͤrger⸗ lichen Standes vorkommende Falſum; jede Einſchreibung der⸗ ſelben auf fliegende Blaͤtter oder anderswohin als auf die hierzu beſtimmten Regiſter geben den Partheien zum Schadener⸗ ſatz Recht, vorbehaltlich noch der in dem Peinlichen Geſetz⸗ buche ausgeſprochenen Strafen. 55. Der kaiſerliche Prokurator bei dem Tribunal erſter Inſtanz hat die Verbindlichkeit, den Zuſtand der Regiſter, wenn ſolche in der Gerichtsſchreiberei hinterlegt werden, zu unterſuchen Er ſoll über die von ihm gemachte Unterſuchung einen ſummariſchen Verbalprozeß errichten, die von den Beam⸗ ten des buͤrgerlichen Standes begangenen Uebertretungen oder Verbrechen angeben und gerichtlich antragen, daß gegen ſie die Verurtbeilung zu Geldbuſen ausgeſprochen werde. S4. In allen Faͤllen, wo das Tribunal erſter Inſtanz uͤber die auf den buͤrgerlichen Stand Bezus babenden Urkunden ge⸗ richtlich erkennt, ſoll es den intereſſirten Partheien frei ſtehen, gegen das Urtheil deſſelben die uͤblichen Rechtsmittel zu er⸗ greiffen. Zweites Kapitel. Von den Geburtsurkunden. S6. Die Erklaͤrungen uͤber die Geburten ſollen innerhalb dreien Tagen nach der Entbindung dem Beamten des buͤrger⸗ lichen Standes des Orts gemacht und das Kind ihm vorge⸗ zeigt werden. 56. Die Erklaͤrung uͤber die Geburt des Kindes ſoll von deſſen Vater oder in deſſelben Ermanglung von den Doktoren der Arzneikunde oder der Wundarzneikunde, den Hebammen, Ge⸗ ſundbeitsbeamten oder andern Perſonen, welche bei der Entbin⸗ dung gegenwaͤrtia waren; und wenn die Mutter auſſerhalb ihrer Wohnung entbunden worden, von der Perſon, bei welcher ſie niedergekommen iſt, gemacht werden. —— Die Geburtsurkunde ſoll ſogleich und in Gegenwart zweier Zeugen niedergeſchrieben werden- s7. Die Geburtsurkunde ſoll den Tag, die Stunde und den Ort der vollbrachten Geburt, das Geſchlecht des Kindes und die Vornamen, welche man ihm geben wird, die Vor⸗ namen, den Namen, das Gewerb und das Domizilium der Aeltern und der Zeugen angeben. 5s. Jede Perſon, welche ein neugebohrnes Kind gefunden hat, ſoll gehalten ſein, daſſelbige ſamt den bei ihm gefundenen Kleidungsſtuͤcken und anderm Geraͤthe dem Beamten des buͤr⸗ gerlichen Standes zu uͤbergeben, und von allen Umſtaͤnden der Zeit und des Ortes, wo das Kind gefunden worden, Er⸗ klaͤrung zu machen. Es ſoll daruͤber ein umſtaͤndlicher Verbalvrozeß errichtet werden, welcher nebſt dem muthmaßlichen Alter des Kin⸗ des, deſſen Geſchlecht, die Namen, welche man ihm geben und die Zivilgewalt, welcher man es uͤbergeben wird, an⸗ zeigen muß. Dieſer Verbalprozeß ſoll auf die Geburtsregiſter eingetragen werden. 9. Wenn ein Kind auf einer Seereiſe zur Welt koͤmmt, ſo ſoll die Geburtsurkunde innerhal vier und zwanzig Stun⸗ den in Beiſein des Vaters, wenn er abweſend iſt, und zweier Zeugen, welche man aus den Schiffsoffizieren, oder in deren Ermanglung aus den Leuten, welche zum Schiffsvolke gehoͤ⸗ ren, genommen hat, aufgeſetzt werden. Dieſe urkunde ſoll auf den Schiffen des Kaiſers von dem Beamten der See⸗ verwaltung; und auf den Schiffen, welche einem Kaper oder Handelsmann zugehoͤren, von dem Kapitaͤn, Schiffsherrn oder Patronen des Schiffes niedergeſchrieben werden. Die Geburts⸗ nrkunde wird am Ende des Verzeichniſſes des Schiffsvolkes eingetragen. 60. Im erſten Haafen, wo das Schiff landen wird, ent⸗ weder um dort auszuruhen, oder jeder andern Urſache wegen, jene ſeiner Entwaffnung dennoch ausgenommen, ſind die Beamten der Verwaltung des Seeweſens, die Kapitaͤne, Schiffsherrn oder Patronen verpflichtet, zwei beglaubte Aus⸗ fertigungen der von ihnen aufgeſetzten Geburtsurkunden abzu⸗ geben, naͤmlich, wenn es in einem franzöſiſchen Haaſfen iſt⸗ auf der Schreibſtube des Vorgeſetzten der See⸗Einſchreibun⸗ gen; in einem fremden Haafen aber in die Hände des Kon⸗ — 13— Die eine dieſer Ausfertigungen ſoll auf der Schreibſtube der See⸗Einſchreibung oder auf der Kanzlei des Konſulats binterlegt, die andere aber dem Miniſter des Seeweſens zu⸗ geſendet werden, welcher eine von ihm beglaubigte Abſchrift einer jeden dieſer Urkunden an den Beamten des buͤrgerlichen Standes des Domtziliums des Vaters von dem Kinde, oder, wenn dieſer unbekannt iſt, an jenen des Domiziliums der Mutter gelangen läßt. Dieſe Abſchrift ſoll ſogleich auf die Geburtsregiſter eingetragen werden b1. Wenn das Schiff in dem Haafen, wo es entwaßnet wird, anlangt, ſo ſoll das Verzeichniß des Schiffsvolkes auf der Schreibſtube des Vorſtehers der See⸗Einſchreibung hin⸗ terlegt werden, welcher eine von ihm unterzeichnete Ausfer⸗ tigung der Geburtsurkunde an den Beamten des buͤrgerlichen Standes von dem Domizilium des Vaters des Kindes, oder, wenn dieſer unbekannt iſt, an jenen der Mutter abſchicken ſoll. Dieſe Ausfertigung muß ohnverzuͤglich auf die Ge⸗ burtsregiſter uͤbertragen werden. 62. Die Urkunde der Anerkennung eines Kindes ſoll nach ibrem Datum in die Regiſter eingeſchrieben, und auf dem Rande der Geburtsurkunde, wenn eine vorhanden iſt, Mel⸗ dung davon gethan werden. Drittes Kapitel. Von den Heuraths⸗Urkunden. 63. Vor dem feierlichen Abſchließen der Heurath ſoll der Beamte des buͤrgerlichen Standes zwei Verkuͤndigungen mit Beobachtung eines achttaͤgigen Zwiſchenraums auf einen Sonntag vor dem Eingange des Gemeindenhauſes machen. Dieſe Verkuͤndigungen und die daruͤber aufzuſetzende urkunde ſollen die Vornamen, Namen, Gewerb und Domizilium der kuͤnftigen Eheleute, ihre Eigenſchaft als groß⸗ oder minder⸗ jaͤhrig, und die Vornamen, Namen, Gewerb und Domizi⸗ lium ihrer Aeltern angeben. ueberdies ſoll dieſe Urkunde die Tage, Hrte und Stunden, wo dieſe Verkuͤndigungen werden vollbracht worden ſein, andeuten. Man ſoll ſie auf ein einzelnes Regiſter, welches laut Vorſchrifr des Artikels ar kotirt und paraphirt ſein, und am Ende eines jeden Jah⸗ res in der Gerichtſchreiberei des Tribunals des Bezirks hin⸗ terlegt werden muß, eintragen⸗ — 64. Ein Auszug aus der Verkuͤndigungsurkunde ſol während der achttaͤgigen Zwiſchenzeit von der erſten zur zweitern Ver⸗ kuͤndigung an der Dhuͤr des Gemeindenbauſes angeſchlagen werden und bleiben. Die Heurath darf vor dem dritten Tag von der zweitern Verkuͤndigung an gerechnet, jenen der Ver⸗ kuͤndigung nicht mit inbesriffen, nicht abgeſchloſſen werden. 65. Wenn die Heurath in Zeitfriſt eines Jabres, von dem ſaufe der Verkuͤndigungstermine zu rechnen, nicht abge⸗ ſchloſſen worden, ſo kann dieſelbe nicht eher ſtatt haben, bis neuere Aufgebothe in oben vorgeſchriebenen Formen ſtatt ge⸗ habt haben. 66. Die gegen eine Heurath eingelegten Dppoſizionsakten muͤſſen auf der Urſchrift und Abſchrift von den ſich opponi⸗ renden Partheien oder ihren beſonders und autentiſch Bevoll⸗ muͤchtigten unterſchrieben werden. Sie ſollen mit der Ab⸗ Abſchrift der Vollmacht entweder der Perſon, oder in dem Domizilium der Partheien, und dem Beamten des buͤrgerli⸗ chen Standes, der ſeine Beſcheinigung(visa) auf die Urſchrift ſetzen ſoll, fignifizirt werden. 67. Der Beamte des buͤrgerlichen Standes ſoll auf dem Verkuͤndigungsregiſter ohnverzuͤglich von den gedachten Opvo⸗ ſizionen ſummariſche Meldung thun. Er ſoll auch auf dem Rande des Blattes, wo dieſe Oppoſizionen eingeſchrieben worden, von den Urtheilen oder von den Akten der Aufhe⸗ bung, Getes de main levée) deren Ausfertigung er erhalten hat, Erwaͤhnung thun. 68. Im Falle einer gemachten Oppoſizion ſoll der Beam⸗ te des buͤrgerlichen Standes die Heurath nicht eher feierlich vegehen duͤrfen, bis man ihm die Aufhebung der Opypoſizion eingebaͤndigt hat, und dieſes unter Strafe einer Geldbuße von dreihundert Franken und Erſatz alles Schadens und ent⸗ behrten Gewinns. 69. Wenn keine Oppoſizionen ſtatt haben, ſo ſoll davon in der Heurathsurkunde Meldung geſchehen; und wenn die Aufgebothe in mehreren Gemeinden gemacht worden ſind, ſo ſollen die Partheien ein von dem Beamten des buͤrgerli⸗ chen Standes aus jeder Gemeinde ausgefertigtes Zeugniß bei⸗ pringen, durch welches bewährt wird, daß keine Oppoſizion eingelegt worden iſt. 70. Der Beamte des bürgerlichen Standes muß ſich die Geburtsurkunde eines ieden der kuͤnftigen Ehegatten einhän⸗ —„—— ———— — 15— digen laſſen. Jener der beiden Gatten, dem es unmoͤglich wäre, ſich dieſe Urkunde zu verſchaffen, kann dieſelbe durch Beibringung einer Offenkuͤndigkeits⸗Urkunde(acte de noto- riété), welche der Friedensrichter ſeines Geburtsorts oder Domiziliums auszufertigen bat, erſetzen. 71. Dieſe Offenkuͤndigkeits⸗Urkunde ſoll die Erklaͤrung von ſieben Zeugen maͤnnlichen oder weiblichen Geſchlechts, Ver⸗ wandten oder Nichtverwandten uͤber die Vornamen, den Na⸗ men, das Gewerb und das Domizilium des kuͤnftigen Ehe⸗ gatten, ſo wie uͤber jene ſeiner Aeltern, wenn ſie bekannt ſind, uͤber den Ort, und, ſo viel es moͤglich iſt, uͤber den Zeitvunkt ſeiner Geburt, und uͤber die urſachen, welche das Beibringen der Geburtsurkunde verhindern, enthalten. Die Zeugen muͤſſen die Urkunde der Hffenkuͤndigkeit mit dem Frie⸗ densrichter unterſchreiben; und wenn einige derſelben nicht unterſchreiben koͤnnen, oder des Schreibens unkundig ſind, ſo ſoll Meldung davon geſchehen. 7a. Die Urkunde der Offenkuͤndigkeit muß man dem Sribu⸗ nal erſter Inſtanz des Ortes, wo die Heuratb ſoll feierlich begangen werden, vorlegen. Das Tribunal gibt oder ver⸗ weigert nach Anhoͤrung des kaiſerlichen Prokurators ſeine ge⸗ richtliche Beſtaͤttigung(homologation), je nachdem es die Erklaͤrungen der Zeugen und die Urſachen, welche die Bei⸗ bringung der Geburtsurkunde verhindern, zureichend oder un⸗ zureichend findet. 73. Die beglaubte urkunde der Einwilligung der Aeltern oder Großaͤltern, und in deren Ermanglung jener der Familie muß die Vornamen, den Namen, das Gewerbe und das Do⸗ mizilium des kuͤnftigen Gatten und aller derjenigen, welche zur Errichtung derſelben mitgewirkt haben, und auch den Grad ihrer Verwandſchaft angeben. 74. Die Heurath ſoll in der Gemeinde, wo einer der beiden Gat⸗ ten ſein Domizilium hat, gefeiert werden. Man erlangt die⸗ ſes Domizilium in Betreff der Heurath, wenn man ſechs Mona⸗ the ununterbrochen in einer und der näͤmlichen Gemeinde wohnt. 75. Wenn nach den Zeitfriſtender Anfgebothe der Tag von den Partheien beſtimmt worden, ſo ſoll der Beamte des burgerlichen Standes auf dem Gemeindehauſe in Gegenwart von vier Zeu⸗ gen, die entweder Verwandten oder Nichtverwandten ſind, den Partheien die oben gedachten ſchriftlichen Aufſätze, welche auf ihren Siand und die Formglitaͤten der Heurath Bezug — 16— haben, ferner das ſechste Kapitel des Titels von der Ehe, enthaltend die wechſelſeitigen Rechte und Pflichten der Ehe⸗ leute, vorleſen. Er ſoll ſich von jeder Parthei, und zwar von einer nach der andern die Erklaͤrung geben laſſen, daß ſie einander zu Mann und Frau nehmen wollen; darauf ſoll er im Namen des Geſetzes den Ausſpruch thun, daß ſie ehelich miteinander verbunden ſind, woruͤber er denn auf der Stelle Urkunde zu errichten hat. 76. Die Heurathsurkunde ſoll angeben tens. Die Vornamen, den Namen, das Gewerbe, das Alter, die Geburtsorte und Domizile der Gatten; ztens. Ob ſie voll⸗ oder widerjaͤhrig ſind; ztens. Die Vornamen, den Namen, das Gewerb und die Domizile der beiderſeitigen Aeltern. gtens. Die Einwilligung der Aeltern, Großaͤltern und jene der Familie, im Fall ſolche erforderlich iſt; Stens. Die ehrerbietigen Anträge, wenn ſolche gemacht worden; 6tens. Die Verkuͤndigungen in den verſchiedenen Domizilen; 7tens. Die Oppoſizionen/ wenn dergleichen eingeworfen wor⸗ den, ihre Beſeitigung, oder die Meldung, daß keine ſtatt hatten; gtens. Die Erklaͤrung der die Ehe ſchließenden Partheien, daß ſie einander heurathen wollen, und den Ausſpruch des oͤffentlichen Beamten, daß ſie ehelich verbunden ſind; otens. Die Vornamen, die Namen, das Alter, die Gewerbe und Domizile der Zeugen und ihre Erklärung, ob ſie mit den Partheien verwand oder verſchwaͤgert, und von wel⸗ cher Seite und in welchem Grade ſie es ſind. Viertes Kapitel. Von den Sterbe⸗Urkunden. . Ohne eine von dem Beamten des buͤrgerlichen Stan⸗ des auf frei Papier und unentgeldlich ausgefertigte Ermaͤch⸗ tigung darf keine Beerdigung ſtatt haben. Auch darf dieſelbe nicht gegeben werden, bis ſich dieſer Beamte zu dem Ver⸗ ſtorbenen begeben und des erfolgten Todes verſichert hat, und bis vier und zwanzig Stunden nach dem erfolgten Hintritt voruͤbergegangen ſind; die Falle ſind jedoch ausgenommen⸗ welche durch die Polizeiverordnungen vorgeſehen ſind⸗ de — 17— *. Die Sterbe⸗Urkunde ſoll auf die Erklaͤrung zweier Zeu⸗ gen von dem Beamten des buͤrgerlichen Standes abgefaßt werden. Dieſe Zeugen ſollen, ſo viel es immer moͤglich iſt, die zwei naͤchſten Anverwandten oder Nachbarn; oder, wenn eine Perſon auſſer ihrem Domizilium verſtorben iſt, dieienige Per⸗ ſon, in deren Behauſung der Sterbfall erfolgt iſt, und noch ein Verwandter oder eine andere Perſon ſein. 79. Die Sterbe⸗urkunde ſoll die Vornamen, den Namen, das Alter, Gewerb und das Domizilium der verſtorbenen Perſon, die Vornamen und den Namen des ͤberlebenden Gatten; ob die verſtorbene Perſon verheurathet oder im Wittwenſtande war, die Vornamen, den Namen, das Gewerb und Domizilium eines jeden Deklaranten und den Grad ihrer Verwandſchaft angeben. Ferner ſoll dieſe Urkunde, in ſoweit man es wiſſen kann, die Vornamen, den Namen, das Gewerb und das Domizilium der Aeltern des Verſtorbenen und ſeinen Geburtsort enthalten. so. Falls ſich ein Sterbfall in den Militär⸗ und buͤrger⸗ lichen Hoſpitaͤlern oder andern oͤfentlichen Haͤuſern ereignet, ſo ſollen die Obern, Directoren, Verwalter und Vorſteher dieſer Haͤuſer gehalten ſein, innerhalb vier und zwanzig Stun⸗ den dem Beamten des buͤrgerlichen Standes Nachricht davon zu geben, welcher ſich dahin zu verfuͤgen hat, um ſich des erfolgten Todes zu verſichern. Er ſoll, dem vorſtehenden Ar⸗ tikel gemäͤß, und auf die Erklarungen, die man ihm daruͤber angeben wird, ſo wie auch auf die Erkundigungen, welche er eingezogen hat, urkunde aufſetzen. Man ſoll uͤberdieß in gedachten Hoſpitälern und Haͤuſern Regiſter halten, welche eigends beſtimmt ſind, dieſe Erklaͤ⸗ rungen und dieſe Erkundigungen aufzunehmen. Der Beamte des buͤrgerlichen Standes ſoll eine Ausfer⸗ tigung der Sterbe⸗Urkunde dem Beamten von dem letztern Domizilium der verſtorbenen Perſon zuſchicken, und dieſer Letztere ſoll ſie auf die Regiſter uͤbertragen 81. Wenn Zeichen oder Spuren eines gewaltſamen Todes oder andere Umſtände vorhanden ſind„welche denſelben vermuthen laſſen, ſo darf die Beerdigung nicht vorgenommen werden, bis ein Polizei⸗Beamter unter Beiſtand eines Doktors der Arznei⸗ oder Wundarzneikunde uͤber den Zuſtand des Leichnams und die dahin Bezug habenden Umſtände, ſo wie uber die Erkundigungen, welche er ſich uͤber die Vornamen, den Namen, das Alter, Gewerb, den Geburtvort und das Domizilium der verſtor⸗ B — 18— penen Perſon verſchafen konnte, wird Verbalprozeß errichtet baben. 2. Der Polizeibeamte ſoll gehalten ſein, dem Beamten des burgerlichen Standes von dem Orte, wo die Perſon geſtorben iſt, alle in ſeinem Verbalprozeß enthaltene Erkundigungen, nach welchen die Sterbe⸗urkunde abgefaßt werden muß, auf der Stelle zuzuſenden. Der Beamte des buͤrgerlichen Standes ſoll eine Ausferti⸗ gung davon an den Beamten des Domiziliums der verſtor⸗ benen Perſon, wenn ſolches bekannt iſt, gelangen laſſen; die⸗ ſe Ausfertigung ſoll auf die Regiſter uͤbertragen werden. sz. Die Gerichtsſchreiber der peinlichen Gerichtshoͤfe ſollen gehalten ſein, in den vier und zwanzig Stunden nach Voll⸗ ſtreckung der Todesurtheile an den Beamten des buͤrgerlichen Standes des Ortes, wo der Verurtheilte hingerichtet worden⸗ alle im 79ten Artikel bemerkte Erlaͤuterungen, nach welchen die Sterbe⸗Urkunde abgefaßt werden muß, gelangen zu laſſen. s4. Falls jemand in den Gefaͤngniſſen, Zucht⸗ oder Ein⸗ ſperrungshaͤuſern ſtirbt; ſo ſollen die Kerkermeiſter oder Huͤ⸗ ter dem Beamten des buͤrgerlichen Standes auf der Stelle Nachricht davon geben, welcher ſich dahin zu verfuͤgen hat, wie es in dem soten Artikel geſagt worden, um die Sterbe⸗ urkunde aufzuſetzen s5. In allen Fällen eines gewaltſamen Todes, oder jenes, der in den Gefaͤngniſſen oder Einſperrungshaͤuſern erfolgr iü, oder bei vollzogener Todesſtrafe ſoll in den Regiſtern keine Meldung von dieſen Umſtänden geſchehen; und die Sterbe⸗ urkunden ſollen einzig und allein nach den im 79ten Artikel vorgeſchriebenen Formen abgefaßt werden⸗ S6. Im Fall jemand auf einer Seereiſe ſtirbt, ſo ſoll in⸗ nerhalb vier und zwanzig Stunden in Gegenwart zweier aus den Schiffsoffizieren, oder in deren Ermanglung aus den Leuten der Schiffsmannſchaft genommener Zeugen Ur⸗ kunde daruͤber aufgeſetzt werden. Dieſe Urkunde ſoll nieder⸗ geſchrieben werden, nämlich: auf den Schiffen des Kaiſers von dem Beamten der Seeverwaltung, und auf den einem Han⸗ delsmanne oder Kaper zugehoͤrenden Schiffen von dem Kapitaͤn, Herrn oder Patronen des Schißes. Die Sterbe⸗urkunde ſoll man zu Ende der Liſte der Schiffsmannſchaft eintragen. 87. In dem erſten Haafen, wo das Schiff entweder um aus⸗ zuruhen oder ieder andern urſache wegen, jene ſeiner Ent⸗ — ——— —— waffnung ausgenommen, einlaufen wird, ſollen die Beamten der Seeverwaltung, der Kapitaͤn, Herr oder Patron, welche die Sterbe⸗Urkunde aufgeſetzt haben, gehalten ſein, zwei Ausfer⸗ tigungen davon in Gefolge des Artikels 60 zu hinterlegen. Bei Ankunft des Schiffes in dem Haafen der Abtackelung ſoll die Liſte der Schiffsmannſchaft in der Schreibſtube des Vorgeſetzten der See⸗Einſchreibung hinterlegt werden; dieſer ſoll eine von ihm unterſchriebene Ausfertigung der Sterbe⸗ urkunde an den Beamten des buͤrgerlichen Standes des Domiziliums des Verſtorbenen gelangen laſſen; und dieſe Ausfertigung ſoll ſogleich auf die Regiſter ubertragen werden. Fuͤnftes Kapitel. Von den Urkunden des buͤrgerlichen Standes in Betreff der Soldaten auſſerhalb dem Ge⸗ biethe des Reichs. ss. Die Urkunden des buͤrgerlichen Standes, welche auſſer⸗ halb dem Gebiethe des Reichs verfaßt worden und die Sol⸗ daten oder andere Perſonen, welche bei dem Gefolge der Ar⸗ meen angeſtellt ſind, betreffen, ſollen in den durch die vor⸗ bergehenden Verfuͤnungen angeordneten Formen abgefaßt werden, vorbehaltlich der in nachſtehenden Artikeln enthal⸗ tenen Ausnahmen: 89. Der Quartiermeiſter eines jeden Korps von einem oder mehreren Bataillonen oder Schwadronen, und bei den andern Korys der befehlfuͤhrende Kapitan ſollen die Verrichtungen des Beamten des buͤrgerlichen Standes verſehen. Der Muſte⸗ rungsaufſeher bei den Armeen oder bei den Armeekorps ſoll die naͤmlichen Verrichtungen in Betreff der Offiziere ohne Sruppen oder der Angeſtellten bei der Armee machen. o. Bei jedem Truppenkorps ſoll ein Regiſter fuͤr die ur⸗ kunden des buͤrgerlichen Standes in Betreff der Individuen dieſes Korps; und ein anderes bei dem Generalſtaab der Ar⸗ mee oder eines Armeekorps fuͤr die Urkunden des burgerli⸗ chen Standes in Betreff der Offiziere ohne Truppen und der Angeſtellten gehalten werden. Dieſe Regiſter ſollen auf die naͤmliche Art wie die andern Regiſter der Korps und Gene⸗ ralſtaͤbe aufbewahrt, und bei dem Wiedereinrucken der Korps oder Armeen auf das Gebieth des Reiches in den Kriegsar⸗ chiven hinterlegt werden. o1. Dieſe Regiſter ſollen bei jedem Korps von dem Ofſicier, welcher es befehligt, und bei dem Generalſtaab von dem Vor⸗ geſetzten des großern Generalſtaabs kotirt und paraphirt werden⸗ 92. Die Erklaͤrungen der Geburten bei der Armee ſollen innerhalb der zehn Tage, welche auf die Entbindung folgen, gemacht werden⸗ 93. Der Offizier, welcher den Auftrag hat, die Regiſter des buͤrgerlichen Standes zu fuhren, ſoll innerhalb der zehn Tage, welche auf die Eintragung einer Geburtsurkunde in die ge⸗ dachten Regiſter folgen, einen Auszug davon an den Beam⸗ ten des buͤrgerlichen Standes des letzten Domiziliums des Vaters des Kindes, oder, wenn derſelbe unbekannt iſt, an jenes der Mutter des Kindes abſenden. 94. Die Heurathsverkuͤndigungen der Soldaten und Ange⸗ ſtellten bei dem Gefolge der Armee ſollen an dem Orte ihres letzten Domiziliums ge chehen; ſie ſollen uͤberdies fuͤnf und zwanzig Tage vor der feierlichen Abſchließung der Ehe in Betreff der Individuen, welche zu einem Korps zaͤhlen, auf den Tagesbefehl dieſes Korps; und in Betreff der Offiziere ohne Trupven und der dazu zaͤhlenden Angeſtellten auf den Tagesbefehl der Armee oder des Armeekorys geſetzt werden. 98. Unmittelbar nach dem die urkunde der abgeſchloſſenen Heurath auf das Regiſter eingetragen worden, ſoll der Offi⸗ zier, dem die Fuͤhrung des Regiſters aufgetragen iſt, eine Ausfertigung davon an den Beamten des buͤrgerlichen Stan⸗ des des Domiziliums der beiden Gatten gelangen laſſen. 96. Der Quartiermeiſter ſoll bei jedem Korps die Sterbe⸗ urkunden aufſetzen; was aber die Offiziere ohne Truppen und die Angeſtellten betrifft, ſo ſoll es der Muſterungs⸗Aufſeher der Armee auf die Erklaͤrung dreier Zeugen thun. Auch ſoll Auszug aus dieſen Regiſtern innerhalb zehn Tagen an den Beamten des buͤrgerlichen Standes von dem Domizilium des Verſtorbenen geſchickt werden. 7. Wenn in den ſtaͤndigen oder beweglichen Militaͤrhoſpi⸗ tälern ſich ein Sterbfall ereignet, ſo ſoll der Direktor derſel⸗ ben die Urkunde daruͤber aufſetzen, und dem Quartiermeiſter des Korps oder dem Muſterungs⸗Aufſeher der Armee oder des Armeekorvs, zu denen der Verſtorbene zäͤhlte, zuſchicken. Dieſe Offiziere ſollen ſodann eine Ausfertigung davon dem Beamten des buͤrgerlichen Standes von dem letzten Domizi⸗ lium des Verſtorbenen zukommen laſſen. ——— — —„—— — 21— „. Der Beamte des bürgerlichen Standes des Domiziliums der Partheien, welchem von der Armee Ausfertiqung einer Ur⸗ kunde des buͤrgerlichen Standes zugekommen iſt, ſoll gehal⸗ ten ſein, ſolche auf der Stelle in die Regiſter einzutragen. Sechstes Kapitel. Von der Berichtigung der urkunden des buͤr⸗ gerlichen Standes. 99. Wenn Berichtigung einer urkunde des buͤrgerlichen Standes ſollte verlangt worden ſein, ſo ſoll von dem kom⸗ petenten Tribunal auf die Schluͤſſe des kaiſerlichen Prokura⸗ tors jedoch unter Vorbehalt der Appellazion daruͤber geſpro⸗ chen werden. Die intereſſirten Partheien ſollen, wenn es noͤthig iſt, darzu berufen werden. 100. Das Berichtigungsurtheil kann zu keiner Zeit den in⸗ tereſſirten Partheien, welche nicht darum angeſtanden haben oder nicht darzu berufen wurden, entgegen geſetzt werden. 1or. Die Berichtigungsurtheile ſollen von dem Beamten des buͤrgerlichen Standes, ſobald ſie ihm werden eingehaͤndigt worden ſein, auf die Regiſter uͤbertragen werden, und davon auf dem Rande der berichtigten Urkunde Meldung geſchehen. Dritter Titel. Von dem Domizilium. Dekretirt den raten März 1803, verkuͤndigt den zaten des naͤmlichen Monaths. 1o2. Das Domizilium eines jeden Franzoſen, was die Aus⸗ uͤbung ſeiner buͤrgerlichen Rechte betrifft, iſt an dem Hrte, wo er ſeine Hauptniederlaſſung(établissement) hat. 103. Die Veraͤnderung des Domiziliums wird durch die in der That wirklich aufgerichtete Wohnung an einem an⸗ dern Orte vereinigt mit der Abſicht, ſeine Hauptniederlaſſung daſelbſt zu errichten, bewerkſtelligt. 104. Der Beweis dieſer Abſicht ſoll ſich aus einer ausdruͤck⸗ lichen Erkläͤrung, welche man ſowohl bei der Munizipalität des Orts, den man verlaſſen will, als auch bei jener des Orts, wohin man ſein Domizilium verlegen will, gemacht hat, ergeben. 105. In Ermanglung einer ausdruͤcklichen Erklaͤrung ſoll der Beweis der Abſicht von den Umſnden abhängen. 1os. Der Buͤrger des Staats, welcher zu einem nur eine Zeitlang waͤhrenden oder widerruflichen oͤffentlichen Amte be⸗ rufen worden, ſoll das Domizilium, welches er vorher hatte, bei⸗ pehalten, wenn er keine entgegengeſetzte Geſinnung a aͤuſſert hat. 107. Die Annahme von Aemtern, die auf lebenslang ge⸗ geben worden, ziehen die unmittelbare Verlegung des Do⸗ miziliums des Beamten in den Ort, wo er ſein Amt zu ver⸗ richten hat, nach ſich. rog. Die verheurathete Frau hat kein anderes Domizilium als jenes ihres Mannes. Der noch nicht freigegebene(Cman- cipe) Minderjaͤhrige ſoll bei ſeinen Aeltern oder ſeinem Vor⸗ munde; der des Genuſſes ſeiner Rechte beraubte(interdit) Großjährige bei ſeinem Kurator ſein Domizilium haben. 1o9. Die Großjaͤhrigen, welche bei Andern beſtändig die⸗ nen oder arbeiten, ſollen das naͤmliche Domizilium mit den⸗ jenigen haben, bei denen ſie dienen oder arbeiten, wenn ſie mit ihnen in dem naͤmlichen Hauſe wohnen. 1o. Der Ort, wo die Erbſchaft eroffnet werden wird, ſoll durch das Domizilium beſtimmt werden. r1. Wenn ein Akt von Seiten der Partheien oder auch nur einer derſelben fuͤr die Vollziehung des nämlichen Aktes Erwaͤhlung des Domiziliums an einem andern Orte als je⸗ nem des wirklichen Domiziliums angeben wird, ſo koͤnnen die Sianiſikazionen, Rechtsklagen und Pourſuiten, welche ſich auf eben dieſen Akt beziehen, in dem uͤbereingekomme⸗ nen Domizilium und vor dem Richter dieſes Domiziliums gemacht werden⸗ Vierter Titel. Von den Abweſenden. (Dekretirt den 15ten Naͤrz 1303, verkuͤndigt den 8ten des nämlichen Monaths.) Erſtes Kapitel. Von der Vermuthung der Abweſenheit. 112. Wenn Nothwendigkeit vorhanden iſt, eine Verwaltung ſümtlicher Guter, oder eines Theils derſelben, welche eine als abweſend vermuthete Perſon zuruͤck gelaſſen und woruͤber ſie keinen Bevollmächtigten geſetzt hat, aufzuſtellen, ſo ſoll das —+, —— ——— — 23— Tribunal erſter Inſtanz auf das Begehren der intereſſirten Partheien daruͤber ſprechen. 113. Das Sribunal ſoll auf das Anſuchen der jleißigſten Parthei einen Notarius aufſtellen, welcher diejenigen, deren Abweſenheit man vermuthet, bei den Inventarien, Rechnun⸗ gen, Cheilungen und Liquidazionen, bei welchen ſie bethei⸗ ligt ſein koͤnnen, zu vertreten hat. 114. Die kaiſerlichen Prokuratoren oder ihre Beigeordneten (le ministère publich haben den ganz beſondern Auftrag, uͤber das Intereſſe der als abweſend vermutheten Perſonen zu wachen, und ſie ſollen in allen den Rechtsangelegenhei⸗ ten, welche ſie betreffen, angehoͤrt werden. Zweites Kapitel. Von der Erklaͤrung der Abweſenheit. 115. Wenn eine Perſon aufgebort hat, ſich in dem Hrte ihres Domiziliums oder gewoͤhnlichen Aufenthalts(résidence) ſehen zu laſſen, und wenn man ſeit vier Jahren keine Nach⸗ richt von ihr erhalten hat, ſo koͤnnen die betheiligten Par⸗ theien ſich bei dem Tribunale erſter Inſtanz vorſehen, damit die Abweſenheit derſelben ausgeſprochen werde. 116. Um dieſe Abweſenheit darzuthun, ſoll das Tribunal nach eingeſehenen ſchriftlichen Beweiſen und Urkunden ver⸗ ordnen, daß in dem Bezirk des Domiziliums oder jenem des gewoͤhnlichen Aufenthalts, wenn der eine von dem andern unterſchieden iſt, eine gerichtliche Unterſuchung, deren eine auch der kaiſerliche Prokurator anzuſtellen hat,(contradictoi- rement avec le Procureur impérial) vorgenommen werden ſoll. 117. Das Tribunal ſoll ubrigens, wenn es uͤber das Be⸗ gehren verfuͤgt, auf die Beweggruͤnde der Abweſenheit und die Urſachen, welche verhindern konnten, von dem als abwe⸗ ſend Vermutheten Nachrichten einzuziehen, Ruͤckſicht nehmen. 118. Sobald die Vorbeſcheide und Endurtheile geſprochen ſein werden, ſoll der kaiſerliche Prokurator dieſelbe an den Großrichter Miniſter der Gerechtigkeitspflege abſenden, wel⸗ cher ihnen die Offenkundigkeit zu geben hat. 119. Das Uurtheil, welches die Abweſenheit ausſpricht, ſoll zuerſt ein Jahr nach dem Urtheil, welches die gerichtliche Unterſuchung verordnet hat, gefaͤllt werden. — 24— Drittes Kapitel. Von den Wirkungen der Abweſenheit. Erſter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Hinſicht auf die Guͤter, welche der Abweſende am Tage ſeines Verſchwindens beſaß. 1zo. In den Faͤllen, wo der Abweſende keinen Bevollmaͤch⸗ tigten fuͤr die Verwaltung ſeiner Guͤter aufgeſtellt bat, koͤn⸗ nen diejenigen, welche am Tage ſeines Entweichens, oder da man die letzten Nachrichten von ihm hatte, ſeine vermuth⸗ lichen Erben waren, ſich kraft des Endurtheils, welches die Abweſenheit ausſpricht, in den vorlaͤufigen Beſitz der Guͤter, welche dem Abweſenden am Lage ſeiner Abreiſe oder der letzten von ihm gegebenen Nachrichten zugehoͤrten, ſetzen laſ⸗ ſen; dieſes jedoch unter der Obliegenheit, fuͤr die Sicherheit der Verwaltung Buͤrgſchaft zu leiſten⸗ 121. Wenn der Abweſende einen Bevollmaͤchtigten hinter⸗ laſſen hat, ſo ſollen ſeine vermutblichen Erben die Erklaͤrung der Abweſenheit und die Einſetzung in den einſtweiligen Be⸗ ſitz erſt nach dem Verlauf von zehn vollen Jahren von ſei⸗ ner Entweichung oder von ſeinen letzten gegebenen Nachrich⸗ ten an gerechnet betreiben koͤnnen. 122. Eben ſo ſoll es gehalten werden, wenn die Vollmacht aufhort; und in dieſem Falle ſoll fuͤr die Verwaltung der Guͤter des Abweſenden Sorge getragen werden nach den Ver⸗ fuͤgungen des erſten Kapitels. 123. Wenn die vermuthlichen Erben die Einſetzung in den vorlaͤuſigen Beſitz erhalten haben, ſo ſoll das Teſlament, wenn eines vorhanden iſt, auf das Anſuchen der betheiligten Partheien oder des kaiſerlichen Prokurators bei dem Tribunale eroͤffnet werden; und diejenigen, welchen darin Vermaͤchtniſſe oder Geſchenke zugedacht ſind, ſo wie alle diejenigen, welche auf die Guͤter des Abweſenden Rechte haben moͤgen, welche von ſeinem Lodesfall abhaͤngen, koͤnnen ſolche vorlaͤufig, je⸗ doch unter der Verbindlichkeit, Buͤrgſchaft zu leiſten, in Aus⸗ uͤbung bringen. 1a4. Der Gatte, welcher in Gemeinſchaft der Guͤter lebte, wenn er die Fortſetzung dieſer Gemeinſchaft vorzugsweiſe waͤhlt, ſoll die einsweilige Beſitzergreifung und die einsweilige Aus⸗ uͤbung aller Rechte, die in eintretendem Todesfall des Ab⸗ weſenden offen geworden waͤren, verhindern koͤnnen; er kann auch vorzugsweiſe die Verwaltung der Guͤter des Abweſenden uͤbernehmen oder beibehalten. Wenn aber dieſer Gatte die vorlaͤufige Aufloſung dieſer Gemeinſchaft verlangt, ſo ſoll er ſeine Rechte in Betreff ſeines Beibringens(reprises) ſo wie alle ſeine geſetzmaͤßigen und durch beiderſeitige Uebereinkunft (conventionnels) feſtgeſetzten Rechte ausuͤben, mit der Ver⸗ bindlichkeit jedoch, fuͤr Gegenſtände, die einer Ruͤckerſtattung faͤhig ſind, Buͤrgſchaft zu leiſten. Wenn die Ehefrau ſich fuͤr die Fortdauer der Gemeinſchaft erklaͤrt, ſo behält ſie das Recht, in der Folge darauf Ver⸗ zicht zu thun. 125. Der einsweilige Beſitz ſoll nur eine verwahrliche Nie⸗ derlage(depot) ſein, welcher denen, die ihn erhalten, die Verwaltung der Guͤter des Abweſenden ubertraͤgt, und ihnen zur Pflicht macht, demſelben, wenn er wieder zum Vorſchein koͤmmt oder Nachrichten von ſich gibt, Rechnung abzulegen. r26. Diejenigen, welchen der einsweilige Beſitz zugeſtanden worden, oder der Gatte, welcher ſich fuͤr die Fortdauer der Gemeinſchaft der Guͤter erklaͤrt hat, ſind gehalten, in Ge⸗ genwart des kaiſerlichen Prokurators bei dem Tribunal erſter Inſtanz, oder eines von dieſem kaiſerlichen Prokurator darzu aufgeſtellten Friedensrichters zum Inventarium des beweglichen Vermoͤgens und der Erwerbungsurkunden Ctitres) zu ſchreiten. Das Tribunal ſoll, wenn Uurſache darzu vorhanden iſt, das ganze bewegliche Vermoͤgen oder einen Cheil deſſelben ver⸗ kaufen laſſen. Im Falle des Verkaufs ſoll der Verkaufpreis, ſo wie die verfallenen Zinſe angelegt werden. Diejenigen, welche den einsweiligen Beſitz erhalten haben, ſollen zu ihrer Sicherheit fodern können, daß ein von dem Tribunal ernennter Expert die unbeweglichen Guͤter unter. ſuche, um den Zuſtand derſelben zu bewaͤhren. Der von dem⸗ ſelben abgeſtattete Bericht wird von dem Gerichtshofe in Ge⸗ genwart des kaiſerlichen Prokurators rechtskraͤftig erklaͤrt(ho- mologus), die Unkoſten aber von dem Vermoͤgen des Abwe⸗ ſenden beſtritten. 127. Dieienigen, welche in Gefolge der einsweiligen Beſitz⸗ ergreifung oder einer geſetzmaͤßigen Verwaltung die Guͤter des Abweſenden benutzt haben, ſollen ihm nur den fuͤnften Theil des Ertrags derſelben zuruͤckzugeben gebalten ſein, — 26— wenn er vor dem Verlauf von fuͤnfzehn vollen Jahren vom Tage ſeiner Entweichung gerechnet wieder erſcheint; koͤmmt er aber erſt nach fuͤnfzehn vollen Jahren zuruͤck, ſo geben ſie ihm nur den zehnten Theil davon zuruͤck. Nach dreißig vollen Jahren der Abweſenheit ſoll ihnen der ganze Ertag der Guͤter zugehoͤren. rg. Alle diejenigen, welche dieſe unbeweglichen Guͤter des Abweſenden nur in Kraft der einsweiligen Beſitznehmung ge⸗ nießen, ſollen nichts davon weder veraͤußern noch verpfaͤnden koͤnnen. 129. Wenn die Abweſenheit von dem Tage der einsweili⸗ gen Beſitznebmung oder von dem Zeitpunkte an, wo der in der Guͤtergemeinſchaft lebende Gatte die Verwaltung der Guͤter des Abweſenden uͤber ſich genommen, dreißig volle Jahre gedauert bat; oder wenn von dem Dage der Geburt des Abweſenden hundert volle Jahre verfloſſen ſind, ſo ſollen alle Buͤrgſchaftsleiſtungen aufgehoben ſein. Alle berechtigten Theilhaber ſollen die Tbeilung der Guͤter des Abweſenden begehren und verlangen können, daß das Tribunal erſter In⸗ ſtanz die endliche Beſitzergreifung ausſpreche. 13o. Die Verlaſſenſchaft des Abweſenden ſoll von dem Ta⸗ ge ſeines bewieſenen Abſterbens zum Vortheil derjenigen, welche an dieſem Zeitpunkt ſeine naͤchſten Erben waren, er⸗ oͤfnet; und diejenigen, weiche die Guͤter des Abweſenden ge⸗ noſſen haben, ſollen gehalten ſein, dieſelbe, vorbehaltlich je⸗ doch der von ihnen in Gefolg des 127ten Artikels erworbe⸗ nen Einkuͤnfte derſelben, zuruͤckzugeben. 131. Wenn der Abweſende wieder zum Vorſchein koͤmmt, oder wenn ſein Daſein waͤhrend des einsweiligen Beſitzſtan⸗ des erwieſen wird, ſo ſollen die Wirkungen des Urtheils, welches die Abweſenbeit ausgeſprochen hat, aufboͤren; unbe⸗ ſchadet jedoch der fur die Verwaltung ſeiner Guͤter im 1ten Kapitel vorgeſchriebenen Erhaltungsmaßregeln, wenn ſolche ſtatt hatten. 132. Wenn der Abweſende ſogar nach der endlichen Be⸗ ſitzergreifung wieder erſcheint, oder ſein Daſein erwieſen wird, ſo ſoll er ſeine Guͤter in dem Zuſtande, in dem ſie ſich be⸗ finden, den Kaufſchilling der veraͤußerten Guͤter, ſo wie auch iene, welche aus der Verwendung des Kaufſchillings erwor⸗ ben worden, wieder zuruͤck erhalten ⸗ — c„— — 27— 133. Die Kinder und Abkömmlinge des Abweſenden in gerader Linie koͤnnen ebenfalls in den dreißig Jahren von der endlichen Beſitzergreifung ſeiner Guͤter gerechnet die Wie⸗ dererſtattung derſelben begehren, ſo wie es in dem vorher⸗ gehenden Artikel verordnet worden. 134. Wenn das urtheil der Erklaͤrung der Abweſenheit ausgeſprochen worden, ſo kann jede Perſon, welche Rechte auf den Abweſenden zu beſprechen hat, ſolche nur gegen die⸗ jenigen betreiben, welche in den Beſitz der Guͤter geſetzt wor⸗ den, oder die geſetzmaͤßige Verwaltung derſelben uͤbernom⸗ men haben. zweiter Abſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Hinſicht auf in der Folge ſich allenfalls ergebenden(Eventuels) Rechte, welche dem Abweſenden zufallen koͤnnen. 135. Wer immer auf ein Recht, welches eine Perſon, deren Daſein nicht anerkannt iſt, zugefallen iſt, Anſpruch machen will, muß beweiſen, daß dieſe Perſon in dem Zeitvunkt, wo dieſes Recht ihr zufiel, vorhanden war; er wird mit ſeinem Begehren ſo lange abgewieſen werden, bis er dieſen Beweis geliefert hat. 136. Wenn eine Erbſchaft offen wird, zu welcher eine Per⸗ ſon, deren Daſein nicht anerkannt iſt, berufen wird, ſo ſoll dieſelbe ausſchließlich denjenigen zufließen, mit denen er ſie getheilt haben wuͤrde; oder denjenigen, welche in ſeiner Er⸗ manglung die Erbſchaft wuͤrden bezogen haben. 137. Die Verfuͤgungen der beiden vorſtehenden Artikel ſol⸗ len, jedoch ohne Nachtheil der Rechtsklagen wegen Erbſchafts⸗ foderungen und anderer Rechte, welche dem Abweſenden oder ſeinen Stellvertretern oder in ſeine Rechte Eingetretenen zu⸗ ſtehen, und nicht eher erloͤſchen, als nach dem Zeitverlaufe, welcher fuͤr die Verjaͤhrung anberaumt iſt, ſtatt haben. 138. So lange der Abweſende ſich nicht darſtellt, und ſo lange keine Rechtsklagen in ſeinem Namen anhaͤngig gemacht werden, ſollen diejenigen, denen die Erbſchaft zu Theil geworden, den von ihnen redlich bezogenen Ertrag derſelben ſich eigen machen⸗ Dritter Abſſchnitt. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Betreff der Ehe. 139. Der abweſende Ehegatte, deſſen Mitgatte eine neue eheliche Verbindung eingegangen, ſoll allein zugelaſſen werden, dieſe Heurath entweder ſelbſt, oder durch ſeinen Bevollmaͤch⸗ tigten, der mit dem Beweis ſeines Daſein verſehen ſein muß, anzufechten. 140. Wenn der abweſende Gatte keine Verwandten hinter⸗ laſſen hat, welche ihn zu erben geeignet ſind, ſo kann der andere Gatte begehren, daß man ihn in den einsweiligen Be⸗ ſitz der Guͤter einſetze. Viertes Kapitel. Von der Aufſicht uͤber die minderjahrigen Kin⸗ der des Vaters, welcher verſchwunden iſt. 141. Wenn der Vater, welcher verſchwunden iſt, minder⸗ aͤhrige, aus einer gemeinſchaftlichen Ehe entſproſſene Kin⸗ der zuruͤck laͤßt, ſo ſoll die Mutter die Aufſicht uͤber dieſel⸗ ben haben, und alle Rechte des Ehemannes, die ihre Erzie⸗ hung und die Verwaltung ihrer Guͤter angehen, uͤber die. ſelben ausuͤben. raa. Die Aufſicht uͤber die Kinder ſoll ſechs Monathe nach der Entweichung des Vaters, wenn die Mutter zur Zeit der Entweichung ſchon verſtorben war, oder wenn ſie verſtorben war, ehe die Abweſenheit des Varers richterlich erklaͤrt worden, von dem Familienrath den naͤchſten Bluts⸗ verwandten in aufſteigender Linie, und in deren Ermanglung einem einsweiligen Vormunde uͤbertragen werden. 143. Ein Gleiches ſoll geſchehen in dem Falle, wo der eine der entwichenen Gatten minderjaͤhrige Kinder, welche aus ei⸗ ner vorhergehenden Ehe entſproſſen ſind, hinterlaſſen wird. Fuͤnfter Titel. Von der Ehe. (Dekretirt den 17ten Maͤrz 1803, verkuͤndigt den 25ten des naͤmlichen Monaths.) Erſtes Kapitel. Von den Eigenſchaften und Bedingniſſen, welche erfordert werden um ein Ehebuͤndniß ſchließen zu koͤnnen. 144. Vor achtzehn zuruͤckgelegten Jahren darf der Mann und vor fuͤnfzehn zuruͤckgelegten Jahren darf das Weib kein Ehebuͤndniß ſchließen. — 29— 145. Der Kaiſer kann jedoch aus erheblichen Veweggruͤn⸗ den Ausnahmen(dispenses) in Betreff des Alters ertheilen. 146. Es hat keine Ehe ſtatt, wo keine Einwilligung vor⸗ handen iſt. 147. Vor Aufloͤſung der erſten Ebe kann keine zweitere ge⸗ ſchloſſen werden. 148. Der Sohn, welcher noch nicht vollends fuͤnf und zwanzig Jahre alt geworden, und die DTochter, welche noch nicht vollends ein und zwanzig Jahre alt geworden, koͤnnen ohne die Einwilligung ihrer Aeltern keine Ehe abſchließen; wenn die Aeltern in ihren Meinungen verſchieden ſind, ſo iſt die Einwilligung des Vaters zureichend. 149. Wenn eines der beiden Aeltern geſtorben iſt, oder ſich in der Unmoͤglichkeit befindet, ſeine Willensmeinung zu aͤußern ſo iſt die Einwilligung des andern zureichend. 150. Wenn beide Aeltern geſtorben ſind, oder wenn ſie ſich in der Unmoͤglichkeit befinden, ihre Willensmeinung zu aͤußern, ſo erſetzen ſie die Großaͤltern; wenn Großvater und Großmut⸗ ter von der näͤmlichen Linie verſchiedener Meinung ſind, ſo iſt die Einwilligung des Großvaters zureichend. Wenn die Meinungen zwiſchen beiden Linien getheilt ſind, ſo ſoll dieſe Verſchiedenheit der Meinungen die Einwilligung zur Folge haben. 151. Die in der Ehe erzeugten Kinder, welche das durch den 148ten Artikel feſtgeſetzte Alter der Großjährigkeit erreicht haben, ſind vor ihrer Vereheligung verbunden, durch einen ehrfurchtsvollen und feierlichen Aufſatz den Rath ihrer Ael⸗ tern, oder jenen ihrer Großaͤltern, wenn ihre Aeltern geſtor⸗ ben ſind, oder ſich in der Unmoͤglichkeit befinden, ihre Wil⸗ lensmeinung zu aͤußern, zu begehren. 152.* Von dem Alter der Großjaͤhrigkeit, ſo wie ſolches in rasten Artikel beſtimmt worden, bis auf das Alter von vollen dreiſig Jahren fuͤr die Soͤhne, und bis auf das Al⸗ ter von fuͤnf und zwanzig vollen Jahren fuͤr die Dochter, ſoll der in Gefolg des vorhergehenden Artikels geforderte ehr⸗ furchtsvolle Aufſatz, auf welchen die Einwilligung zur Ab⸗ ſchließung der Heurath nicht erfolgt iſt, noch zu zweimalen, *Dieſer Artikel und die fuͤnf folgenden ſind am 12ten Maͤrz 1304 dekretirt und den zaten des naͤmlichen Monats ver⸗ kuͤndigt worden. — 30— und zwar von Monat zu Monat erneuert werden; und einen Monat nach dem dritten Aufſatze kann zur feierlichen Ab⸗ ſchließung der Ehe geſchritten werden. 153. Nach dem Alter von dreiſig Jahren kann man, wenn auf einen ehrfurchtsvollen Aufſatz die Einwilligung nicht er⸗ folgt iſt, einen Monat nach dem uͤberreichten Aufſatz zur feierlichen Abſchließung der Ehe ſchreiten. 164. Der ebrfurchtsvolle Aufſatz ſoll jenem oder jenen der Verwanden in aufſteigender Linie, welche in dem rsrten Art. bezeichnet ſind, durch zwei Notarien, oder durch einen Notär und zwei Zeugen rechtlich bekannt gemacht werden; und in dem Verbalprozeß, welcher daruͤber zu errichten iſt, ſoll von der gegebenen Antwort Meldung geſchehen. 155. Im Faolle der Abweſenheit des Verwanden in aufftei⸗ gender Linie, welchem der ebrfurchtsvolle Aufſatz haͤtte ſollen uͤberreicht werden, kann man zur feierlichen Abſchließung der Ehe ſchreiten, wenn man das urtheil vorlegt, welches gefallt worden, um deſſen Abweſenheit zu erklaͤren; oder wenn man in Ermanglung dieſes urtheils jenes vorlegt, welches die ge⸗ richtliche Unterſuchung verordnet; oder, wenn noch gar kein urtbeil vorhanden iſt, wenn man eine von dem Friedensrich⸗ ter des Orts, wo der Verwande in aufſteigender Linie ſein letz⸗ tes bekanntes Domizilium hatte, ausgefertigte Offenkundig⸗ keitsurkunde vorzeigt. Dieſe Urkunde ſoll die Erklaͤrung von vier Zeugen, welche dieſer Friedensrichter von Amtswegen berufen hat, enthalten. 156. Die Veamten des buͤrgerlichen Standes, welche zur feierlichen Abſchließung der abgeredeten Eheverbindungen von Soͤhnen, welche das Alter von fuͤnf und zwanzig vollen Jahren, oder von Loͤchtern, welche das Alter von ein und zwanzig vollen Jahren nicht erreicht haben, ſchreiten wer⸗ den, ohne daß die Einwilligung der Aeltern, oder jene der Großältern oder jene der Familie in den Faͤllen, wo ſolche erfor⸗ derlich iſt, in der Heuraths urkunde angefuͤhrt iſt, ſollen auf das Betreiben der betheiligten Partheien und des kaiſerlichen Pro⸗ kurators bei dem Tribunal erſter Inſtanz des Orts, wo die Heu⸗ rath feierlich begangen worden, zu der in dem 192ten Artikel beſtimmten Geldſtrafe und zu einer Einthuͤrmuna, welche zum wenigſten ſechs Monathe dauern ſoll, verurtheilt werden. 167. Wenn die ehrfurchtsvollen Aufſaͤtze in den Fällen, wo ſie vorgeſchrieben ſind, nicht gemacht worden, und der Beamte — 31— des buͤrgerlichen Standes ſchreitet zur feierlichen Abſchließung einer Heurath, ſo ſoll er zur naͤmlichen Geldſtrafe und zu ei⸗ ner Einthuͤrmung, die wenigſtens einen Monath dauern ſoll, verurtheilt werden. 158. Die Verfuͤgungen, welche in den Artikeln ras und 149 enthalten ſind, ſo wie jene der Artikel 151, 152, 133, 184 und 156, welche auf die ehrfurchtsvollen Aufſuͤtze, die man den Aeltern in den durch dieſe Artikel vorgeſehenen Faͤllen uͤber⸗ reichen muß, Bezug haben, ſind auch auf die geſetzmaͤßig an⸗ erkannten natuͤrlichen Kinder anwendbar. 159. Das natuͤrliche Kind, welches nicht anerkannt wor⸗ den, und jenes, welches nach der Anerkennung ſeine Aeltern verlohren hat, oder deſſen Aeltern ibre Willensmeinung nicht äußern koͤnnen, kann vor dem ein und zwanzigſten zuruͤckge⸗ legten Jabre ſich nicht verheurathen, es ſei denn, es habe die Einwilligung des ihm eigens darzu ernennten Vormun⸗ des erhalten. 16o. Wenn weder Aeltern noch Großoaͤltern vorhanden ſind, oder wenn dieſelben ſich in der Unmoͤglichkeit befinden, ihre Willensmeinung zu aͤußern, ſo koͤnnen die minderjaͤhrigen Soͤhne und Loͤchter unter ein und zwanzig Jahren ohne die Einwilligung des Familienraths keine Heurath abſchließen. 161. Die Ehe iſt in gerader Linie zwiſchen allen rechtmaͤßi⸗ gen oder natuͤrlichen Verwanden in auf⸗oder abſteigender Linie, ſo wie zwiſchen den Verſchwaͤgerten in der naͤmlichen Linie verbothen. 16a. Die Ehe iſt in der Seitenlinie zwiſchen rechtmaͤßigen oder natuͤrlichen Bruͤdern und Schweſtern und den Ver⸗ ſchwaͤgerten in dem naͤmlichen Grade verbothen. 163. Die Ehe iſt noch ferner zwiſchen dem Oheim und der Nichte und der Muhme und dem Neffen verbothen. 164. Der Kaiſer kann jedoch aus erheblichen Beweggruͤn⸗ den die in dem vorhergehenden Artikel aufgeſtellten Verbothe aufheben. Zweites Kapitel. Von den Formalitaͤten, welche auf die feierliche Abſchließung der Ehe Bezug haben. 165. Die Heurath ſoll öffentlich vor dem buͤrgerlichen Be⸗ amten des Domiziliums der einen von den Partheien gefeiert werden. — 32— 166. Die zwei durch den Aritkel 63, Kapitel 3 des Sitels von den urkunden des buͤrgerlichen Standes verordneten Aufge⸗ bothe ſollen in der Munizipalitaͤt des Ortes, wo jede der ver⸗ tragſchließenden Partheien ihr Domizilium hat, geſchehen. 167. Wenn jedoch das gegenwaͤrtige Domizilium nur durch eine erſt ſeit ſechs Monathen ſtatt gehabte Niederlaſſung er⸗ langt worden, ſo ſollen die Aufgebothe auch in der Munizi⸗ palitat des letzten Domiziliums geſchehen. r68. Wenn die vertragſchließenden Partheien, oder eine der⸗ ſelben in Hinſicht auf die Ehe unter der Gewalt von Andern ſtehen, ſo ſollen die Verkuͤndigungen auch noch in der Mu⸗ nizipalitat des Domiziliums derijenigen geſchehen, unter de⸗ ren Gewalt ſie ſich befinden. 169. Der Kaiſer oder diejenigen Beamten, welche Er zu die⸗ ſem Ende aufſtellen wird, ſollen aus erheblichen Urſachen die zweitere Verkuͤndigung erlaſſen koͤnnen. 170. Die in dem Auslande zwiſchen Franzoſen, oder zwiſchen einem Franzoſen und einem Ausländer geſchloſſene Ehe ſoll gultig ſein, wenn ſie mit den in dem Auslande uͤblichen For⸗ men abgeſchloſſen worden, und wenn derſelben anders die durch den 63 Artikel, des Sitels von den Urkunden des buͤrgerlichen Standes vorgeſchriebenen Aufgebothe vorgegangen ſind, und der Franzos den Verfuͤgungen, welche in dem vorbergehen⸗ den Kapitel enthalten ſind, nicht zuwider gehandelt hat. 171. Innerhalb drei Monathe nach der Wiederkehr des Fran⸗ zoſen auf das Gebieth des franzöſiſchen Reichs ſoll die Ur⸗ kunde, welche die feierliche Abſchließung der von ihm in dem Auslande eingegangenen Ehe bewaͤhrt, auf die oͤffentlichen Re⸗ giſter der Heurathen ſeines Domiziliums uͤbertragen werden. Drittes Kapitel. Von den Einwendungen gegen die Heurath. 172. Das Recht, gegen die feierliche Abſchließung der Ehe Einwendung zu machen, ſteht derjenigen Perſon zu, welche mit einer der vertragſchließenden Partheien ſchon ehelich ver⸗ bunden iſt. 173. Der Vater, und in deſſen Ermanglung die Mutter, und in Ermanglung der Aeltern die Grofaͤltern konnen ſich gegen die Heurathsabſchließung ihrer Kinder und Abkömm⸗ lige, und ſelbſt, wenn ſie fuͤnf und zwanzig volle Jahre er⸗ reicht haben, opponiren. — 3— 174. Wenn gar keine Verwanden in aufſteigender Linie vorhan⸗ den ſind, ſo koͤnnen der Bruder oder die Schweſter, der Oheim oder die Muhme, die Geſchwiſterkinder, wenn ſie großjaͤhrig ſind, gar keine Einwendungen erheben, es ſei denn in folgenden zwei Faͤllen: rtens. Wenn die kraft des 154 Artikels erforderliche Ein⸗ willigung des Familienraths nicht erlangt worden iſt; atens. Wenn die Oppoſizion auf den Blödſinn des kuͤnftigen Ehegatten gegruͤndet iſt; und dieſe Oppoſizion, deren unbedingte Aufhebung das Sribunal ausſprechen kann, ſoll niemals ange⸗ nommen werden als mit der Verpflichtung, daß der Opponent auf gerichtliche Unterſagung antrage, und in der Zeitfriſt, wel⸗ che der Urtheilsſpruch anberaumt, daruber endlich ſprechen laſſe. 175. In beiden durch den vorbergehenden Artikel vorgeſe⸗ henen Faͤllen darf der Vormund oder Kurator waͤhrend der Dauer der Vormundſchaft oder Kuratorſtelle ſich nur in ſo ferne opponiren, als er durch einen Familienrath, den er zuſammen berufen kann, darzu bevollmäͤchtigt worden ißt. 176. Jeder Akt, der die Oppoſizion enthaͤlt, ſoll die Eigen⸗ ſchaft, welche dem Opponenten das Recht gibt, Einwendung zu machen, ausdruͤckenz er ſoll ferner die Erwaͤhlung des Domizili⸗ ums an dem Orte, wo die Heurath begangen werden ſoll, andeu⸗ ten; er ſoll gleichfalls, wenn es nicht auf das Begehren ei⸗ nes Anverwandten in aufſteigender Linie geſchehen iſt, die Bewesgruͤnde der Oppoſizion entbalten; alles unter der Strafe der Nichtigkeit und der Unterſagung der Amtsverrich⸗ dungen des miniſteriellen Beamten,('interdietion de 10. ficier ministeriel) welcher den die Oppoſizion enthaltenden Akt wuͤrde unterzeichnet haben. 177. Das Lribunal erſter Inftanz ſoll innerhalb zehn La⸗ gen uͤber das Geſuch um Aufbebung der Oppoſizion entſcheiden. 178. Wenn von dieſer Entſcheidung appellirt wird, ſo ſoll auch dann in den zehn Tagen von der Vorladung an ge⸗ rechnet daruͤber geſprochen werden. 179. Wenn die Oppoſizion verworfen wird, ſo koͤnnen die Oyvonenten, wenn es anders nicht die Verwandten in auf⸗ ſteigender Linie ſind, zum Erſatz des Schadens und entbehr⸗ ten Vortheils verurtheilt werden. Viertes Kapitel. Von den Klagen auf Aullitaͤt der Ehe. 130. Das Eheband, welches ohne die freſe Einwilligung C — 34— dex beiden Gatten oder des einen von beiden geſchloſſen wor⸗ den, kann nur von dez beiden, oder demienigen der beiden Gatten angefochten werden, deſſen Einwilligung nicht frei geweſen iſt Wenn ein Irthum in Hinſicht auf die Perſon vorhanden war, ſo kann die Ehe nur von demjenigen der beiden Gatten, wel⸗ cher in den Irthum verleitet worden iſt, angefochten werden⸗ 281. In dem durch den vorhergehenden Artikel vorgeſehe⸗ nen Falle kann die Klage auf Nullitaͤt der Ehe alsdann nicht mebr angenommen werden, wenn eine während ſechs Monathen, nachdem der eine Gatte ſeine volie Freiheit er⸗ langt hat oder zur Kenntniß ſeines Irthums gekommen iſt⸗ fortgeſetzte eheliche Beiwohnung ſtatt gehabt. 132. Die Heurath, welche ohne Einwilligung der Aeltern, der Verwandten in aufſteigender Linie, oder des Familienraths in den Fällen, wo dieſe Einwilligung erforderlich waͤre, abge⸗ ſchloſſen worden, kann nur von denjenigen, deren Einwilligung erforderlich waͤre, oder von demjenigen der beiden Gatten, der dieſe Einwillung nothwendig hatte, angefochten werden⸗ 133. Die Rechtsklage auf Zernichtung der Ehe kann nicht mehr weder von den Gatten, noch von den Verwandten, deren Einwilligaung erforderlich war, angeſtellt werden, wenn die Ehe entweder ansdruͤcklich oder ſtillſchweigend von denjenigen gutgebeißen worden, deren Einwilligung nothwendig war; oder wenn ſie waͤbrend eines Jahres, ſeitdem ſie Kenntniß von der Ehe hahen, feine Einwendung gegen dieſelbe ergehen ließen. Sie kann auch nicht mehr von dem Gatten angeſtellt werden, wenn ein Jahr verſtrichen iſt, obne daß ein Einwand von ſeiner Seite, während er das rechtsguͤltige Alter erreicht hat, ſelbſt in die Ehe willigen zu können, aufgeſtellt worden. 1sa. Jede Heurath, bei deren Abſchließung die inden Arkikeln 144, 147, 161, 162 und 163 enthaltenen Verfuqkn⸗ gen uͤbertreten worden, kann entweder von den Gatten ſelbſt, oder von den dabei intereſſirten Theilen, oder von dem oͤf⸗ fentlichen NRiniſterium angegriffen werden. 185. Jedoch kann die von den Gatten, welche das erfor⸗ derliche Alter noch nicht erreicht hatten, oder von dem ei⸗ nen Gatten, der dieſes Alter noch nicht erreicht hatte, abge⸗ ſchloſſene Ehe nicht angegriffen werden, 1tens: Wenn ſechs Monathe von der Zeit an, wo dieſer Gatte oder die beiden Gatten das gehoͤrige Alter erreicht haben, verfloſſen ſindz atens. Wenn die Frau, welche dieſes Alter nicht erreicht hatte, vor dem Ablaufe der ſechs Monathe empfangen hatte. 186. Der Vater, die Mutter, die Verwandten in aufſteigender Linie und die Familie, welche zu einer Heurath, die in dem von dem vorbergehenden Artikel vorgeſehenen Falle abgeſchloſſen worden, ihre Einwilligung gegeben haben, können mit ihrer Kla⸗ ge auf Zernichtung des Ehebandes nicht angenommen werden. 187. In allen Faͤllen, wo in Gefolge des 184 Artikels die Rechtsklage auf Zernichtung des Ehebandes von allen denen, welche einiges Intereſſe dabei haben, aufgeſtellt werden kann, kann dies dennoch nicht durch die Seitenverwandten, oder von Kindern, die aus einer andern Ehe entſproſſen ſind, waͤhrend den Lebzeiten der beiden Gatten geſchehen, es ſei denn, ſie baben ein angebohrnes und wirkliches Intereſſe dabei. 188. Der Gatte, zu deſſen Nachtheil eine zweitere Ehe ge⸗ ſchloſſen worden, kann auf derſelben Zernichtung, ſelbſt noch bei den Lebzeiten der Gatten, der mit ihm verbunden war, antragen. 189. Wenn die neuen Gatten die Nullitaͤt der erſten Heu⸗ rath vorwenden, ſo muß zuerſt uͤber die Guͤltigkeit oder Nul⸗ litaͤt dieſer Heurath richterlich geſprochen werden. 190. Der kaiſerliche Prokurator kann und ſoll in allen den Faͤllen, auf welche der 184 Artikel des gegenwaͤrtigen Sitels anwendbar iſt, und in den von dem r8s Artikel verfuͤgten Einſchräͤnkungen(modifications) auf den Ausſpruch der Nul⸗ lität der Heurath bei Lebzeiten der beiden Gatten antragen und ſie verurtheilen laſſen, ſich zu trennen. 191. Jede Heurath, welche nicht offentlich abgeſchloſſen worden, oder welche man nicht vor dem oͤffentlichen darzu aufgeſtellten Beamten feyerlich begangen hat, kann von den Gatten ſelbſt, von ihren Aeltern, von ihren Verwandten in aufſteigender Linie, von allen denen, welche ein angebohrnes und wirkliches Intereſſe dabei haben, ſo wie auch von dem oͤffentlichen Miniſterium ſelbſt angefochten werden. 192. Wenn der Heurath die beiden erforderlichen Aufge⸗ borbe nicht vorhergegangen ſind, oder wenn man die durch das Geſetz erlaubten Ausnahmen davon nicht erhalten hat, oder wenn die vorgeſchriebenen Zwiſchenräume zwiſchen den Aufgebothen und feierlichen Abſchließungen nicht beobachtet worden, ſoll der kaiſerliche Procurator gegen den oͤffentlichen Beamten eine Geldbuße, welche dreihundert Franken nicht uberſteigen darf; gegen die den Ehevertrag abſchließende Theile C 2 aber, oder gegen diejenigen, unter deren Gewalt ſie gehan⸗ delt haben, eine Geldſtrafe, welche mit ihrem Vermoͤgen in Verhältniß ſteht, ausſprechen machen. 193. In die nämlichen in dem vorhergehenden Artikel an⸗ geſetzten Strafen ſollen alle diejenigen Perſonen, welche da⸗ ſelbſt bezeichnet ſind, durch jede Zuwiderhandlung gegen die in dem 163 Artikel vorgezeichneten Regeln; ſelbſt dann, wenn auch dieſe Zuwiderhandlungen nicht als hinreichend beurtheilt wuͤrden, die Nullitaͤt der Ehe ausſprechen zu machen, ver⸗ fallen. 194. Keiner kann die Benennung eines Gatten und die buͤr⸗ gerlichen Wirkungen des Ebebuͤndniſſes rechtlich beſorechen, wenn er nicht eine Urkunde, welche die feierliche Abſchließung ſeiner Heurath bewährt und in die Regiſter des buͤrgerlichen Standes eingetragen iſt, vorzeiet, vorbehaltlich der durch den 46 Artikel des Titels von den Uurkunden des buͤrger⸗ lichen Standes vorgeſehenen Faͤllen. 195. Der Beſitzſtand kann die vorgeblichen Ehegatten, wel⸗ che ſich gegenſeitig darauf berufen wollen, nicht von der Ver⸗ vindlichkeit freiſprechen, die Urkunde uͤber ihre Heurathsabſchlie⸗ ßung vor dem Beamten des buͤrgerlichen Standes vorzuweiſen⸗ 196. Wenn Beſitzſtand vorhanden und die urkunde uͤber die feierliche Abſchließung der Ehe vor dem Beamten des vuͤrgerlichen Standes vorgezeigt worden, ſo koͤnnen die Ehe⸗ leute gegenſeitig nicht zugelaſſen werden, die Nullitaͤtserklaͤ⸗ rung dieſer Urkunde zu verlangen. 197. Wenn jedoch in dem Falle der Artikel 194 und 195 Kinder vorhanden ſind, welche von Perſonen entſproſſen ſind⸗ welche als Gatten öffentlich mit einander ge bt haben, aber peide verſtorben ſind, ſo kann die Rechtmaͤßigkeit der Kinder unter dem einzigen Vörwande, daß die Urkunde der feierli⸗ chen Abſchließung nicht vorselegt worden, nicht beſtritten wer⸗ den, wenn anders dieſe Rechtmaͤßigkeit durch einen Beſitzſtand, welchem die Geburtsurkunde nicht widerſpricht, bewieſen iſt. 198. Wenn ſich der Beweis einer geſetzmäßigen feierlichen Heurathsabſchließung durch den Erfolg einer Kriminalproze⸗ dur ergibt, ſo ſichert die Einſchreibung des urtheilsſpruches auf die Regiſter des burgerlichen Standes der Ebe von dem Tage ihrer feierlichen Abſchließung alle burgerlichen Rechte ſowohl in Hinſicht auf die beiden Gatten, als auch auf die gus dieſer Ehe entſproſſenen Kinder⸗ R 199. Wenn beide Gatten, oder der eine von ihnen geſtor⸗ ben ſind, ohne den Betrug entdeckt zu haben, ſo kann die Kriminalklage von allen denjenigen, welche ein Intereſſe baben, die Ehe als guͤltig erklaͤren zu laſſen, oder von dem kaiſerlichen Pr urator angeſtellt werden. 200. Wenn der öffentliche Beamte zur Zeit der Entdeckung des Betrugs ſchon verſtorben iſt, ſo ſoll der kaiſerliche Pro⸗ kurator in Gegenwart der betheiligten Partheien und auf derſelben Anklage die Rechtsklage gegen ſeine Erben auf dem Zivilwege richten. zo1. Die als nichtig erklaͤrte EShe bringt deſſen ohngeach⸗ tet die uͤrgerlichen Wirkungen ſowohl in Anſehung der Gat⸗ ten, als auch der Kinder, wenn ſie anders redlicher Weiſe geſchloſſen worden, hervor. ꝛo2. Wenn ſich die Redlichkeit nur auf Seiten eines der Ebegatten vorfindet, ſo bringt die Heurath die buͤrgerlichen Wirkungen nur zu Gunſten dieſes Gatten und der aus die⸗ ſer Ehe entſproſſenen Kinder hervor. Fuͤnftes Kapitel. Von den aus der Ehe entſpringenden Verbind⸗ lichkeiten. 203. Die Ehegatten nebmen durch die abgeſchloſſene Ehe allein ſchon die Verbindlichkeit auf ſich, ihre Kinder zu er⸗ naͤhren, zu unterhalten und zu erziehen. 204. Das Kind darf gegen ſeine Aeltern wegen einem Etabliſ⸗ ſement entweder durch die Ehe oder auf eine andere Art keine Rechtsklage anſtellen. 2o5. Die Kinder ſind ihren Aeltern und andern Verwand⸗ ten in aufſteigender Linie, wenn ſie ſich in Duͤrftigkeit be⸗ finden, Nahrung ſchuldig. 06. Die Schwiegerſöhne und Schwiegertoͤchter ſind eben⸗ falls und in ahnlichen umſtänden ihren Schwiegeraͤltern Nah⸗ rung ſchuldia. Dieſe Verbindlichkeit hoͤrt aber auf, wenn rtens die Schwiegermutter zur zweiten Ehe geſchritten iſt; 2tens wenn derjenige der Ehegatten, von dem die Verwand⸗ ſchaft berſtammt, und die Kinder, welche aus ſeiner Verbin⸗ dung mit dem andern Gatten entſproſſen ſind, verſtorben ſind. 207. Die Obliegenbeiten, welche aus dieſen Verpflichtun⸗ gen entſpringen, ſind wechſelſeitig. zos. Die Nahrungsmittel werden nur nach dem Verhaͤlt⸗ niß der Bedurfniſſe deſſen, der ſie begehrt, und des Vermoͤ⸗ gens deſſen, der ſie ſchuldig iſt, bewilligt. 209. Wenn derjenige, welcher die Lebensmittel liefert, oder derjenige, welcher ſie empfaͤngt, wieder in einen ſolchen Zu⸗ ſtand verſett wuͤrden, daß der Erſtere ſie nicht mehr liefern konnte, und der Andere ihrer entweder ganz oder zum Theil nicht mehr beduͤrfte, ſo kann entweder auf die Entladung oder Verminderung dieſer Lieferung angetragen werden. zro. Wenn die Perſon, welche die Nabrungsmittel zu liefern ſchuldig iſt, darthut daß ſieden Mahrungsgehalt nicht bezahlen kann, ſo ſoll das Tribunal nach eingezogener Kenntniß der Sache verordnen, daß ſie denjenigen, dem ſie Nahrung ſchuldig iſt, in ihre Behauſung aufnehme, ihn naͤhre und unterhalte. 211. Das Sribunal ſoll zugleich den Ausſhruch thun, ob der Vater voder die Mutter, welche das Anerbiethen machen, dem Kinde, welchem ſie die Nahrungsmittel ſchuldig ſind, Aufnahme in ihrer Wohnung, Koſt und Unterhalt zu geben, in ſolchem Falle von der Entrichtung des Koſtgeldes freige⸗ ſprochen werden ſoll. Sechstes Kapitel. Von den gegenſeitigen Rechten und Pflichten der Eheleute. zrz. Die Eheleute ſind ſich wechſelſeitig Treue, Huͤlfe und Beiſtand ſchuldig. z1z. Der Ehemann iſt ſeinem Weibe Schutz, das Weib ihrem Manne Gehorſam ſchuldig. ara. Die Frau iſt verbunden, bei ihrem Manne zu woh⸗ nen und ihm uͤberall zu folgen, wo er fuͤr gut finden wird, ſich. niederzulaſſen. Der Mann iſt verbunden, ſie aufzunehmen und ibr nach ſeinem Vermoͤgen und Stande alles zu liefern, was zur Beſtreitung der Beduͤrfniſſe ibres Lebens notbwendig iſt. 215. Die Frau kann, ohne von ibrem Manne darzu auto⸗ riſirt zu ſein, nicht vor Gericht auftreten, ſelbſt in dem Falle nicht, wenn ſie eine oͤffentliche Handelsfrau wäre, oder mit demſelben nicht in Gemeinſchaft der Guͤter lebte, oder wenn dieſe Gemeinſchaft getrennt waͤre. 216. Dieſe Autoriſazion des Mannes iſt nicht nothig, wenn das Weib wegen Kriminal⸗oder Polizeiverbrechen verfolgt wird⸗ a17. Die Frau, wenn ſie auch nicht in der Guͤtergemein⸗ ſchaft lebt, oder wenn dieſe Gemeinſchaft aufgeboben waͤre, kann nur dann ſchenken, veraͤußern, verpfaͤnden, und unter einer wohlthaͤtigen oder laͤſtigen Bedingung erwerben, wenn ihr Mann zur Errichtung des Aktes mitgewirkt, oder ſeine ſchriftliche Einwilligung darzu gegeben hat. a1s. Wenn der Mann ſich weigert, ſeine Frau zu autoriſiren, vor Gericht aufzutreten, ſo kann der Richter dieſe Autori⸗ ſazion ertheilen. 219. Wenn der Mann ſich weigert, ſeine Frau zu auto⸗ riſiren, eine urkunde zu errichten, ſo kann dieſelbe ihren Mann geradehin vor das Tribunal erſter Inſtanz des Be⸗ zirks von dem gemeinſchaftlichen Domizilium laden laſſen. Daſ⸗ ſelbe kann nun ſeine Autoriſation geben oder verweigern, wenn der Ehemann zuvor in dem Berathſchlagungszimmer angehoͤrt oder doch gehoͤriger Weiſe dahin berufen worden. 220 Wenn das Weib eine oͤfentliche Handelsfrau iſt, ſo kann ſie auch obne Autoriſazivn ihres Mannes in Sachen, die ihren Handel angehn, Verbindlichkeiten auf ſich nehmen; und in dieſem Falle verbindet ſie auch ihren Ehemann, wenn Gemeinſchaft der Guͤter unter ihnen ſtatt hat. Sie wird nicht als eine oͤffentliche Handelsfrau angeſe⸗ ben, wenn ſie die zu dem Handel ihres Mannes geboͤrigen Gegenſtaͤnde nur ins Kleine verkauft; ſondern nur dann, wenn ſie einen abgeſonderten Handel treibt. zar. Wenn uͤber den Ebemann ein Urtheil ergangen, wel⸗ ches ihn zu einer peinlichen oder entehrenden Strafe verur⸗ theilt; wenn daſſelbe auch nur auf die Nichterſcheinung hin waͤre gefaͤllt worden, ſo kann deſſen Weib, wenn ſie gleich großjaͤhrig iſt, waͤhrend der Dauer der Strafe weder vor Ge⸗ richt auftreten, noch Vertraͤge abſchließen; es ſei denn, ſie habe ſich von einem Richter darzu berechtigen laſſen, welcher in dieſem Falle die Berechtigung ertheilen kann, ohne daß der Ehemann gehoͤrt oder vorgeladen worden⸗ z22. Wenn dem Manne die Ausuͤbung ſeiner Rechte unter⸗ ſagt worden oder er abweſend iſt, ſo kann der Richter nach erlangter Kenntniß der Sache die Frau berechtigen, entweder vor Gericht auſzutreten oder Vertraͤge abzuſchließen. 223. Jede im Allgemeinen gegebene Berechtigung, ſollte ſie auch in dem Ehevertrag ausbedungen worden ſein, iſt nur fuͤr die Verwaltung der Guͤter der Fran guͤltig. — 40— 2e4. Wenn der Ehemann minderjaͤhrig iſt, ſo hat die Frau die Autoriſazion des Richters noͤthig, es ſei nun, um vor Gericht aufzutreten oder Vertraͤge abzuſchließen. 225. Die Mullitaͤt, welche ſich auf den Abgang der Autv⸗ riſazion gruͤndet, kann nur von der Frau, oder von dem Manne oder ihren Erben ovvonirt werden. 226. Die Frau kann obne Berechtigung ihres Mannes ein Teſtament machen. Siebentes Kapitel. Von der Aufloͤſung der Ehe. 227. Die Ehe wird aufgeloͤßt. xtens. Durch das Abſterben des einen der beiden Gatten; ztens. Durch die geſetzlich ausgeſprochene Ebeſcheidung. ztens. Durch die definitiv gewordene Verurtheilung des einen der Gatten zu einer Strafe, welche den buͤrgerlichen Tod nach ſich zieht. Achtes Kapitel. Von den zweitern Ehen. 22s. Die Frau kann zuerſt nach zehn nach der Aufloͤſung der erſten Ehe vollſtaͤndig verfloſſenen Monathen zur zwei⸗ tern Ehe ſchreiten Sechster Titel. Von der Eheſcheidung. (Dekretirt den arten Maͤrz 1803, verkuͤndigt den zuten des naͤmlichen Monatbs.) Erſtes Kapitel. Von den urſachen der Eheſcheidung. 229. Der Mann kann die Eheſcheidung wegen dem Ehe⸗ bruch ſeiner Frau begehren. azo. Die Frau kann die Eheſcheidung wegen dem Ehebruch ihres Gatten begehren, wenn er ſeine Beiſchlaͤferin in dem gemeinſchaftlichen Hauſe gehalten hat. a31. Die Ehegatten koͤnnen gegenſeitig die Eheſcheidung wegen Ausſchweifungen, Mißhandlungen oder ſchweren Un⸗ bilden des einen gegen den andern begehren. 232. Die Verurtheilung des einen Gatten zu einer entehrenden Strafe ſoll fuͤr den andern eine Urſache zur Eheſcheidung ſein. — 41— 233. Die gegenſeitige und andauernde Einwilligung der bei⸗ den Gatten, wenn ſie auf die Art ausgedruͤckt iſt, wie ſie das Geſetz vorſchreibt, ſoll unter den Bedingniſſen und Pruͤfun⸗ gen, welche das Geſetz beſtimmt, hinlänglicher Beweis ſein, daß das gemeinſchaftliche Leben ihnen unertraͤglich iſt; daß alſo in Hinſicht ihrer eine rechtlich entſcheidende Urſache(cause peremtoire) zur Eheſcheidung vorhanden iſt. Zweites Kapitel. Von den Formen der Eheſcheidung wegen be⸗ ſtimmter Urſache. Erſter Abſchnitt. Von der Form des Verfahrens bei der Eheſcheidung wegen einer beſtimmten Urſache. a34. Welches auch immer die Beſchaffenbeit der Thatſachen oder Verbrechen, welche zu einem Eheſcheidungsbegehren we⸗ gen beſtimmter Urſache Anlaß geben, ſein mag, ſo kann den⸗ noch dieſes Begehren nur bei dem Sribunal des Bezirks, in welchem die Gatten ihr Domizilium haben, angebracht werden. 235. Wenn einige von dem klagenden Gatten angefuͤhrte Thatſachen zu einer Kriminalverfolgung von Seiten des oͤf⸗ fentlichen Miniſteriums Anlaß geben, ſo ſoll die Rechtsklage auf Eheſcheidung verſchoben werden, bis der peinliche Ge⸗ richtshof ſein Urtbeil gefaͤllt hat. Nach dieſem kann ſie wie⸗ der vorgenommen werden, ohne daß es erlaubt waͤre, aus dem Urtheil des peinlichen Gerichtshofes irgend einen Grund zur Nichtzulaſſung oder ſonſt eine dem klagenden Gatten nach⸗ theilige Exzepzion herzuleiten. 236. Jede Eheſcheidungsklage ſoll die Tbatſachen umſtaͤnd⸗ lich aus einander ſetzen; ſie ſoll mit den Belegeſchriften, wenn derſelben vorhanden ſind, von dem klagenden Ehegatten perſoͤnlich dem Preſidenten des Lribunals, oder dem Richter, der deſſen Stelle verſieht, uͤberreicht werden, Sollte der Klaͤ⸗ ger durch Krankheit verhindert ſein, ſo begibt ſich die richter⸗ liche Perſon auf ſein Anſuchen und auf das von zweien Dokto⸗ ren der Arzueikunde oder der Wundarzneikunde oder zweien Ge⸗ ſundheitsbeamten ausgeſtellte Zeugniß in das Domizilium des Klaͤgers, um ſeine Klage aufzunehmen. 237. Wenn der Richter den Klaͤger angehoͤrt, und ihm die Bemerkungen, welche er fuͤr ſchicklich erachtet, gemacht — 42— hat, ſo ſoll er die Klage und die Belege paravhiren, und uͤber die Einhaͤndigung des Ganzen in ſeine Huͤnde Verbalprozeß erichten. Dieſer Verbalprozeß ſoll von dem Richter und dem Klaͤger unterſchrieben werden, es ſei denn, daß Letzterer nicht ſchreiben koͤnnte oder durch ein Hinderniß davon abgebalten wuͤrde, in welchem Falle Meldung davon zu machen iſt. a3s. Der Richter ſoll am Schluſſe ſeines Verbalprozeſſes verordnen, daß die Partheien an den von ihm angeordneten Lage und Stunde perſoͤnlich vor ihm erſcheinen ſollen; und daß zu dieſem Ende Abſchrift von ſeiner Verordnung von ihm derjenigen Parthei zugeſchickt werden ſoll, gegen welche die Eheſcheidung nachgeſucht worden. 239. An dem feſteeſetzten Daue ſoll der Richter den beiden Gatten, wenn ſie ſich ihm darſtellen, oder dem Klaͤger, wenn er allein erſcheint, diejenigen Vorſtellungen machen, welche er fuͤr geeignet haͤlt, eine Annaͤherung unter ihnen zu be⸗ wirken. Wenn er dieſelbe nicht bewerkſtelligen kann, ſo ſoll er daruͤber Verbalprozeß aufrichten und verordnen, daß die Klage und die Belesſchriften dem kaiſerlichen Prokurator mit⸗ getheilt, uͤber das Ganze aber dem Tribunal Bericht erſtattet werde. 240. In den drei darauf folgenden Dagen ſoll das Tribu⸗ nal auf den Bericht des Praͤſidenten, oder des Richters, wel⸗ cher ſeine Stelle verſehen hat, auf die Konkluſionen des kai⸗ ſerlichen Prokurators die Erlaubniß vorzuladen entweder er⸗ theilen oder ſolche verſchieben. Dieſe Verſchiebung kann aber die Zeitfriſt von zwanzig Tagen nicht uͤberſchreiten. 241. Der Klaͤger ſoll in Kraft der Erlaubniß des Sribu⸗ nals den Beklagten in der gewoͤhnlichen Form vorladen laſſen, perſonlich in der Audienz, bei geſchloſſenen Thuͤren in geſetzlicher Zeitfriſt zu erſcheinen Er ſoll der Vorladung Abſchrift der Klage auf Eheſcheidung und der Belegſchriften voranſetzen laſſen. a42. Nach Verlauf der Zeitfriſt, der Beklagte mag erſchei⸗ nen oder nicht, ſoll der Klaͤger verſonlich, oder von einem Rechtsbeiſtande begleitet, wenn er letzteres fur dienlich erach⸗ tet, die Beweggruͤnde ſeiner Klage entweder ſelbſt vortragen oder vortragen laſſen. Er ſoll die Belegeſchriften darzu vor⸗ legen und die Zeugen angeben, welche er will abhören laſſen. 243. Wenn der Beklagte verſonlich oder durch einen Be⸗ vollmaͤchtigten erſcheint, ſo kann er ſeine Bemerkungen ſowohl uber die Gruͤnde der Klage, als auch uͤber die von dem Klaͤ⸗ — 3— ger beigebrachten Belegeſchriften und von demſelben angege⸗ benen Zeuaen machen oder machen laſſen. Der Beklagte ſoll auch ſeiner Seits die Zeugen angeben, welche er will verneh⸗ men laſſen, und uͤber welche der Hlaͤger gegenſeitig ſeine Be⸗ merkungen machen kann. zaz. Ueber das Erſcheinen, die Ausſagen und die Bemer⸗ kungen der Partheien, wie auch uͤber die Geſtaͤndniſſe, welche die eine oder andere Parthei machen koͤnnte, ſoll Verbalprozeß aufgeſetzt werden. Dieſen ſoll man den beſagten Partheien vor⸗ legen und ſie auffordern, ihn zu unterſchreiben. Es ſoll von ihrer Unterſchrift, oder von ihrer Erklaͤrung, nicht unterſchreiben zu konnen oder zu wollen, ausdruͤckliche Meldung geſchehen. 245. Das Tribunal ſoll die Partheien auf die oͤffentliche Audienz, deren Tag und Stunde es feſtſeten wird, verweiſen; es ſoll die Mittheilung der Prozedur an den kuiſerlichen Pro⸗ kurator verordnen und einen Berichterſtatter aufſtellen. Im Falle der Beklagte nicht erſchienen waͤre, ſoll der Klaͤger ver⸗ bunden ſein, ihm die Verordnung des Tribunals innerhalb der Zeitfriſt, welche ſie beſtimmt haben wird, ſignifiziren zu laſſen. 246. Das Tribunal ſoll an beſtimmten Tage und Stunde auf den Bericht des darzu aufgeſtellten Richters und nach an⸗ gehörtem kaiſerlichen Prokurator zuerſt uͤber die Anträͤge auf die Unzulaͤſſigkeit der Klage, wenn man dieſelbe vorgetragen hat, ſprechen. Im Falle man ſie bindend(concluantes) fin⸗ det, ſo ſoll die ESheſcheidungsklage abgewieſen; im eutgegen⸗ geſetzten Falle aber; oder wenn auf unzuläͤſſigkeit der Klage nicht angetragen worden, ſoll die Eheſcheidungsklage angenom⸗ men werden. 247. Wenn das Eheſcheidungsbegehren angenommen worden, ſo ſoll das Tribunal unmittelbar darauf, nach vorher abge⸗ legtem Bericht des aufgeſtellten Richters und angehoͤrtem kai⸗ ſerlichen Prokurator uͤber die Hauptſache ſelbſt abſprechen. Es ſoll auf die Klage Recht ergehen laſſen, wenn ſie ihm zur Foͤllung eines Urtheilsſyruches geeignet zu ſein ſcheint; ſollte ſie ihm aber nicht ſo ſcheinen, ſoll es den Klaͤger zur Beweis⸗ fuͤhrung der einſchlagenden und von ihm angefuͤhrten Tbat⸗ ſachen, ſo wie den Beklagten zur Beweisfuͤhrung des Gegen⸗ theils zulaſſen. 248. Bei jeder Verhandlung im Laufe des Prozeſſes(acte de la eause) ſollen die Partheien nach dem von dem Richter abge⸗ legten Berichte und noch ehe der kaiſerliche Prokurator das Wort genommen, erlaubt ſein, ihre gegenſeitigen Rechtsmit⸗ tel, und zwar zuerſt uͤber die Unzulaͤſſigkeit und dann uͤber die Klage ſelbſt vorzutragen oder vortragen zu laſſen, allein der Rechtsbeiſtand des Klaͤgers darf niemals angehoͤrt wer⸗ den, wenn Letzterer nicht ſelbſt erſchienen iſt. 249. Sobald das Urtbeil, welches das Zeugenverhoͤr verord⸗ net, ausgeſprochen iſt, ſo ſoll der Gerichtſchreiber denjenigen Theil des Vervalprozeſſes vorleſen, der die ſchon geſchehene Benennung der Zeugen enthaͤlt, welche die Partheien wollen abhoͤren laſſen. Der Preſident ſoll ihnen andeuten, daß ſie noch andere bezeichnen koͤnnen, aber daß nach dieſem Augen⸗ blicke keine mehr weyden angenommen werden. 250. Die Partheien ſollen ſogleich wider die Zeugen, welche ſie verwerfen wollen, ihre gegenſeitigen Sinwendungen ma⸗ chen. Das Lribunal ſoll uͤber dieſe Sinwendungen ſprechen, wenn es vorher den kaiſerlichen Prokurator vernommen hat. a61. Die Verwandten der Partheien, mit Ausnahme jedoch ihrer Kinder und Abkoͤmmlinge, ſind aus dem Grunde der Verwandſchaft nicht verwerflich, eben ſo wenig als die Dienſt⸗ bothen der Gatten wegen der Eigenſchaft, daß ſie Dienſtbothen ſind; allein das Tribunal ſoll auf die Auſſagen der Bluts⸗ verwandten und Dienſtbothen jene Ruͤckſicht nehmen, die es rechtlich befinden wird 252. Jedes urtbeil, welches einen Zeugenbeweis zulaͤßt, ſoll die Zeugen, welche man vernehmen ſoll, benennen und den Tas und die Stunde beſtimmen, an welchen die Partheien ſie darſtellen muͤſſen. 253. Di Ausſagen der Zeugen ſollen von dem bei verſchloſſe⸗ nen Thuͤren ſitzenden Tribunal in Beiſein des kaiſerlichen Proku⸗ rators, der Partheien, ihrer Rechtsbeiſtaͤnde oder Freunde bis auf die Zahl von dreien auf jeder Seite, vernommen werden. 254. Die Partheien können entweder ſelbſt oder durch ihre Rechtsbeiſtaͤnde den Zeugen jene Bemerkungen oder Auffode⸗ rungen(interpellations) die ſie fur dienlich erachten, machen, ohne ſie jedoch in dem Augenblicke, da ſie Zeugniß ablegen, in ihren Ausſagen zu unterbrechen. 255. Jede Ausſage der Partheien, ſo wie die Ausſagen und Be⸗ merkungen, zu denen dieſelben Anlaß gegeben hat, ſollen niederge⸗ ſchrieben werden. Der Verbalprozeß uͤher das Zeugenverhoͤr muß ſowohl den Zeugen als auch den Partheien vorgeleſen werden; die — 46— einen wie die andern ſollen aufgefodert werden, ihn zu unterſchrei⸗ ben. Man ſoll von ihrer Unterſchrift oder von ihrer Erklaͤrung nicht unterſchreiben zu wollen oder zu koͤnnen, Meldung thun. a56. Nachdem beide Zeugenverhoͤre, oder jenes des Klaͤgers, wenn der Beklagte keine Zeugen aufgeſtellt hat, geſchloſſen wor⸗ den, ſoll das Tribunal die Partheien an die oͤffentliche Andienz, deren Dag und Stunde es beſtimmen wird, verweißen. Es ſoll die Mittbeilung der Fuͤhrung des Rechtshandels an den kaiſerlichen Prokurator verordnen, und einen Berichterſtatter nennen. Dieſe Verordnung ſoll auf Anſuchen des Klaͤgers dem Beklagten in der darin feſtgeſetzten Zeitfriſt ſignifizirt werden. 257. An dem zur Fällung des Endurtheils beſtimmten Dage ſoll der beauftragte Richteteinen Bericht ablegen⸗ Die Par⸗ theien koͤnnen alsdann ſelbſt oder durch ihre Rechtsbeiſtaͤnde die⸗ jenigen Bemerkungen machen, welche ſie ihrem Rechtshandel zutraglich zu ſein erachten; worauf der kaiſerliche Prokurator ſeinen Schlußvortrag(conelusions) zu machen bat. ass. Das Endurtheil ſoll oͤffentlich ausgeſprochen werden. Wenn daſſelbe die Eheſcheidung geſtattet, ſoll der Hlaͤger be⸗ vollmaͤchtigt ſein, ſich vor dem Beamten des buͤrgerlichen Standes zu ſtellen um dieſelbe ausſprechen zu laſſen. 259. Wenn das Eheſcheidungsbegebren wegen Ausſchwei⸗ fungen, Mißhandlungen oder ſchweren Unbilden gemacht wor⸗ den, mag es auch noch ſo gegruͤndet ſein, ſö ſoll es den Rich⸗ tern unbenommen ſein, die Ebeſcheidung nicht ſogleich zu ge⸗ ſtatten. Sie ſollen alsdann, und bevor ſie Recht ſprechen, die Frau bevollmaͤchtigen, die Geſellſchaft ihres Mannes zu ver⸗ laſſen, ohne daß ſie verbunden wäre ihn aufzunehmen, wenn ſie es nicht fuͤr gut findet; ſie ſollen ferner den Mann verur⸗ theilen, derſelben ein ſeinen Vermoͤgensumſänden angemeſſe⸗ nes Koſtgeld fuͤr ihren Unterhalt zu bezablen; es ſei denn, die Frau habe ſelbſt hinreichendes Einkommen, ihre Nothwendig⸗ keiten zu beſtreiten. 26o. Wenn die Partheien nach einem Jahre Probezeit ſich nicht vereinigt haben, ſo kann der klagende Gatte den andern Gatten in der geſetzlichen Zeitfriſt vor das Tribunal laden laſſen, damit er daſelbſt das endliche Urtheil, welches alsdann die Eheſcheidung geſtatten wird, ausſprechen hoͤre. 261. Wenn die Eheſcheidung aus der Urſache, daß einer der Gatten zu einer entehrenden Strafe verurtheilt worden, begehrt wurde, ſo ſollen die einzigen zu beobachtenden Formalitäten — 46— parin beſtehen, dem buͤrgerlichen Tribunal eine Ausferti⸗ gung des Strafurtheils in rechtlicher Form mit einem Zeng⸗ niſſe des peinlichen Gerichtshofes, welches bewaͤhrt, daß die⸗ ſes Urtheil auf keinem geſetzlichen Wege mehr umgeſtoſſen werden kann, vorzulegen. 262. Im Falle, wo von dem Zulaſſungs⸗oder Endurtheil, wel⸗ ches das Tribunal erſter Inſtanz in Ebeſcheidungsſachen ge⸗ faͤllt hat, avpellirt wird, ſo ſoll der Rechtshandel von dem Apvel⸗ lazionsgerichtshofe als eine dringende Angelegenheit eingelei⸗ tet und als ſolche abgeurtheilt werden. 263. Der Appell ſoll nur dann zulaͤſſig ſein, wenn derſelbe innerhalb drei Monaten, welche pon dem Tage der Signi⸗ fikazion des auf beiderſeitiges Väör, oder wegen Nichter⸗ ſcheinung einer Parthei(par defaut) gefaͤllten Urtheils zaͤh⸗ len, eingelegt worden iſt. Die Zeitfriſt, um ſich bei dem Kaſſazionsgerichtsbofe gegen ein in letzter Inſtanz gefaͤlltes Urtheil vorzuſeben, ſoll auch pon drei Monathen, welche von dem Dage der Signifikazion gerechnet werden, ſein. Dieſer Rekours au das Kaſſazionsgericht ſoll aufſchiebende Wirkung haben. 264. Der Gatte, welcher ein urtheil erhalten, welches in letzter Inſtanz geſprochen worden, oder in Rechtskraft uͤbergegangen iſt und zu der Eheſcheidung berechtigt, ſoll gehalten ſein, ſich in der Zeitfriſt von zwei Monathen vor dem Beamten des buͤr⸗ gerlichen Standes zu ſtellen, um, wenn vorher die andere Parthei geſetzlich berufen worden, die Eheſcheidung ausſpre⸗ chen zu laſſen. 265. Dieſe zwei Monate fangen fuͤr die Urtheile erſter In⸗ ſtanz zuerſt nach der verſtrichenen zur Appellazion anberaumten Zeitfriſt, fuͤr die Appellazionsſachen gegen den nichterſchei⸗ nenden Theil(par defaut) ausgeſprochenen Urtheile nach dem Verlaufe der zur Oppoſizion anberaumten Zeitfriſt, und fur die in letzter Inſtanz nach beiderſeitigem Vernehmen der Partheien geſprochenen Urtheile nach der abgelaufenen zum Kaſſazionsgeſuch anberaumten Zeitfriſt zu zaͤhlen an. 266. Der klagende Gatte, welcher die oben anberaumten zwei Monate hat verſtreichen laſſen, ohne den andern Gatten vor den ößentlichen Beamten des buͤrgerlichen Standes zu berufen, ſoll des Vortheils des erhaltenen Urtheils verluſtig ſein. Er kann ſeine Scheidungsklage nicht wieder vorbringen, ohne neue urſachen vorzulegen, wobei er jedoch die alten wieder geltend machen kann. zweiter Abſſchnitt. Von den vorlaͤufigen Maaßregeln, zu denen die Ehe⸗ ſcheidungsklage aus beſtimmter Urſache Anlaß geben kann⸗ 267. Die einsweilige Verſorgung der Kinder ſoll dem auf die Eheſcheidung klagenden oder beklagten Ehemanne uͤbertra⸗ gen bleiben; es ſei denn, das Tribunal habe auf das Begehren entweder der Mutter, oder der Familie oder des kaiſerlichen Prokurators zum groͤßern Vortheil der Kinder anders verordnet. a6s. Die auf Eheſcheidung klagende oder beklagte Ebefrau kann das Domizilium des Ehemannes waͤbrend der Betreibung des Prozeſſes verlaſſen und von letzterem ein ſeinen Vermoͤgens⸗ umſtaͤnden angemeſſenes Nahrungsgeld begehren. Das Tri⸗ bunal ſoll das Haus beſtimmen, in welchem die Ehefrau einsweilen ſich aufzuhalten gehalten ſein ſoll; es ſoll auch den Nabrungsgehalt, wenn es der Fall erheiſcht, feſtſetzen, wel⸗ chen ihr der Mann zu entrichten verbunden ſein ſoll. 269, Die Frau ſoll verpflichtet ſein, ſo oft ſie darzu aufgefodert wird, zu beweiſen, daß ſie ſich in dem ihr angewieſenen Hauſe aufhalte. Wenn ſie dieſen Beweiß nicht liefern kann, kann ihr der Mann das Nahrungsgeld verweigern; und wenn die Frau Klaͤgerin auf die Scheidung iſt, erklaͤren machen, daß ſie in fernerer Betreibung ihres Prozeſſes unzuläͤſſig ſei. 270. Die in Guͤtergemeinſchaft lebende Frau, ſie ſei nun Flaͤgerin oder Beklagte auf die Eheſcheidung, kann, in wel⸗ chem Zuſtande ſich auch der Rechtshandel befinden mag, von dem Tage der Verordnung, von der im 238 Artikel Meldung geſchehen, gerechnet, fuͤr die Erhaltung ihrer Rechte auf die An⸗ legung der Siegel auf die beweglichen Effekten der Gemein⸗ ſchaft rechtlich antragen. Dieſe Siegel konnen nicht abgenom⸗ men werden, biß ein mit der beboͤrenden Abſchaͤtzung ge⸗ machtes Inventarium verfertigt worden und der Mann die Ver⸗ bindlichkeit auf ſich genommen hat, die in dem Inventarium enthaltenen Effekten wieder darzuſtellen, oder als gerichtlicher Huͤter für ibren Werth zu haſten. 271. Jede nach Verlauf des Datums der Verordnung, von welcher im 238 Artikel Meldung geſchieht, von dem Ehemanne zum Nachtheil der Gemeinſchaft abgeſchloſſene Verbindlich⸗ keit, jede von ihm vorgenommene Veraͤuſerung der zu der Gemeinſchaft gehorigen unbeweglichen Guͤter ſoll als nicht — 48— geſchehen erklaͤrt werden, wenn uͤbrigens bewieſen werden kann, daß ſie zum Nachtheil der Rechte der Frau eingegangen oder vorgenommen worden ſind. Dritter Abſchnitt. Von den Beweggruͤnden der Unzuläßigkeit die Eheſchei⸗ dungsklage wegen beſtimmter Urſache abzulehnen. 272. Die Eheſcheidungsklage ſoll durch die Wiederausſöh⸗ nung der Ehegatten, ſie ſei nun auf die Thatſachen, welche darzu berechtigen konnten, oder auf die Ebeſcheidungsklage erfolgt auſgehoben ſein. 273. In einem wie in dem andern Falle ſoll der Kläger mit ſeiner Klage als unzulaͤßig erklaͤrt werden. Er kann aber eine neuere aus einer Bewegurſache, die ſeit der Ausſohnung ſich ergeben hat, anſtellen; und alsdann kann er von den aͤl⸗ tern Bewegurſachen Gebrauch machen, um ſein neueres Be⸗ gehren damit zu unterſtuͤtzen. 274. Wenn der auf Eheſcheidung klagende Gatte laͤugnet, daß die Wiederausſoͤhnung ſtatt gehabt habe, ſo ſoll der Be⸗ klagte den Beweiß daruber entweder ſchriftlich oder durch Zeugen auf die in dem erſten Abſchnitte des gegenwaͤrtigen Kapitels vorgeſchriebene Art machen ⸗ Drittes Kapitel. Von der Eheſcheidung mit gegenſeitiger Ein⸗ willigung. a78. Die gegenſeitige Einwilligung der Ehegatten ſoll nicht zugelaſſen werden, wenn der Mann weniger als fuͤnf und zwanzig Jahre hat und das Weib unter ein und zwanzig Jahren minderjaͤhrig iſt. a7s. Die wechſelſeitige Einwilligung ſoll zuerſt, wenn die Ehe zwei Jahre gedauert har, zugelaſſen werden. 277. Sie ſoll auch nicht mehr zugelaſſen werden, wenn die Che ſchon zwanzig Jahre gedauert hat; und auch dann nicht mehr, wenn die Frau fuͤnf und vierzig Jahre alt iſt. 278. In keinem Falle ſoll die gegenſeitige Einwilligung der Gatten hinreichend ſein, wenn ſie nicht durch ihre Aeltern oder andere noch lebende Verwande in aufſteigender Linie in Gefolg der durch den 1oten Artikel des 1ten Kapitels des Si⸗ tels von der Ehe vorgeſchriebenen Regeln genehmiget wurde 279. Die Ehegatten, welche entſchloſſen ſind, die Eheſchei⸗ dung durch beiderſeitige Einwilligung zu bewirken, ſind vor⸗ laͤufig gehalten, das Inventarium und die Abſchaͤtzung aller ihrer beweglichen und unbeweglichen Guͤter zu machen, und ihre gegenſeitige Rechte ins Reine zu ſetzen, uͤber welche ih⸗ nen jedoch frei ſteht, ſich zu vergleichen. 280. Sie ſind ebenfalls verbunden, uͤber nachſtehende drei Punkten ihre Uebereinkunft ſchriftlich zu bewähren: tens. Wem die aus ihrer ehelichen Verbindung erzeugten Finder ſowohl waͤhrend der Probezeit, als auch nach ausge⸗ ſprochener Eheſcheidung ſollen anvertraut werden. ztens. In welches Haus das Weib ſich begeben und in welchem ſie ſich waͤbrend der Probezeit aufhalten ſoll. ztens. Welche Summe der Mann ſeiner Frau waͤhrend der Probezeit bezahlen ſoll, wenn ſie nicht ſelbſt hinlaͤngliche Einkuͤnfte bat, ihre Beduͤrfniſſe zu beſtreiten. as1. Die Ehegatten ſollen ſich mit einander vor dem Preſi⸗ denten des buͤrgerlichen Lribunals ibres Bezirks oder dem deſſen Stelle vertretenden Richter ſtellen und ihm in Gegenwart zweier von ihnen vorgefuͤhrten Notarien ihr Vorhaben erklaͤren. 282. Der Richter ſoll den beiden Ehegatten zuſammen und einem jeden von ihnen ins Beſondere in Gegenwart der bei⸗ den Notarien diejenigen Vorſtellungen machen und Ermah⸗ nungen geben, welche er der Sache angemeſſen glaubt; er ſoll ihnen das vierte Kapitel des gegenwuͤrtigen Sitels, wel⸗ ches die Wirkungen der Eheſcheidung feſtſetzt, vorleſen und ihnen alle Folgen ihres Vorhabens entwickeln. 253. Wenn die Ebegatten auf ihrem Vorhaben beſtehen, ſo ſoll ihnen von dem Richter uͤber ihr Begehren und ihre Ein⸗ willigung zur Eheſcheidung Urkunde ertheilt werden; und ſie ſollen gehalten ſein, auf der Stelle nebſt den in den Artikeln 279 und 80 bemeldeten Akten noch folgende aufzuweiſen und in die Haͤnde der Notarien zu uͤbergeben: itens. Ihre Geburts⸗ und Heuraths ⸗urkunden; 2rens. Die Geburts⸗ und Sterbe⸗urkunden aller aus ihrer Verbindung entſproſſenen Kinderz ztens. Die autentiſche Erklärung ihrer Aeltern oder ande⸗ rer noch lebenden Anverwandten in aufſteigender Linie, des Inhalts, daß ſie aus den ihnen bekannten urſachen dieſen oder jene, ihren Sohn oder Tochter, Enkel oder Enkelin, welcher oder welche an dieſen oder jene verheurathet iſt, be⸗ D rechtigen, die Eheſcheidung zu vegehren und darein zu willi⸗ gen. Die Aeltern und Großaͤltern der Gatten werden ſo lange vermuthet am Leben zu ſein, bis die urkunden, welche ihr Abſterben beweiſen, vorgezeigt werden⸗ 284. Die Notarien ſollen einen umſtaͤndlichen Verbalvprozeß von allem, was zur Vollziehung der vorhergehenden Artikel geſagt und gethan worden, errichten. Das Original davon, ſo wie die beigebrachten Belegeſchriften ſollen bei dem aͤlte⸗ ſten der beiden Notarien bleiben. In demſelben ſoll Meldung von der Erinnerung geſchehen, welche man der Frau gege⸗ ben, ſich innerhalb vier und zwanzig Stunden in das von ihr und ihrem Manne beſtimmte Haus zu verfuͤgen und dort bis nach ausgeſprochener Eheſcheidung ſich aufzuhalten. a88. Die ſo geſchehene Erklärung ſoll in den erſten vierzehn Tagen eines jeden der darauf folgenden vierten, ſiebenten und zehnten Monathe mit Beobachtung der nämlichen Formali⸗ täten erneuert werden Die Partheien ſollen die Obliegenheit baben, jedesmal eine öffentliche urkunde, durch welche be⸗ wieſen wird, daß ihre Aeltern oder andere Verwandten in aufſteigender Linie bei ihrer erſten Entſchließung verharren, beizubringen; doch aber ſollen ſie nicht gehalten ſein, die Vor⸗ legung irgend einer andern Urkunde zu wiederholen. 236. In den vierzehn Tagen, wo, von der erſten Erklaͤrung an zu zaͤhlen, ein Jabr verfloſſen ſein wird, ſollen die Gat⸗ ten, jeder von zweien Freunden, die angeſehene Buͤrger des Bezirks und wenigſtens fuͤnfzig Jahre alt ſind, begleitet, ſich mit einander und verſoͤnlich vor dem Preſidenten des Tribu⸗ nals oder dem ſeine Stelle vertretenden Richter ſtellen; ſie ſollen die in vorgeſchriebener Form ausgefertigten vier Ver⸗ balprozeſſe, welche ihre gegenſeitige Einwilligung enthalten, und alle jene Urkunden, welche denſelben beigefuͤgt worden, einhaͤndigen, und von der richterlichen Perſon, jeder ins Be⸗ ſondere, jedoch in Gegenwart des andern Gatten und der vier angeſehenen Zeugen die Zulaſſung zur Eheſcheidung recht⸗ lich begehren⸗ 287. Wenn die Gatten, nachdem ihnen der Richter und die beigebrachten Zeugen ihre Bemerkungen gemacht haben, auf ihrem Begehren beſtehen, ſo ſoll ihnen uͤber ihr rechtliches Anſuchen und die Einhändigung der Belegeſchriften Urkunde ertheilt werden. Der Gerichtſchreiber errichtet einen Verbal⸗ prozeß, welcher ſowohl von den Partheien(es ſei denn, ———— — — 51— ſie erklaͤren, daß ſie des Schreibens unkundig oder es zu thun verhindert ſind, wovon Meldung geſchehen muß) als auch von den vier beigebrachten Zeugen, dem Richter und Gericht⸗ ſchreiber unterzeichnet wird. 283. Der Richter ſoll ſogleich unter den geſchloſſenen Ver⸗ balprozeß ſeine Ordonnanz ſetzen, welche beſagt, daß er inner⸗ halb dreien Tanen auf die geſchriebenen Schlußantraͤge des kaiſerlichen Prokurators, welchem der Gerichtſchreiber zu die⸗ ſem Ende die ſchriftlichen Aufſätze mittheilen ſoll, an das Sribunal in dem Zimmer ſeiner Berathſchlagungen uͤber das Ganze Bericht abſtatten werde. 289. Wenn der kaiſerliche Prokurator in den ſchriftlichen Aufſaͤtzen den Beweis findet, daß der Ehemann fuͤnf und zwan⸗ zig, und die Ehefrau ein und zwanzis Jahre alt waren, als ſie ihre erſte Erklärung machtens daß ſie zu dieſem Zeitpunkt ſchon zwei Jahre in der Ehe waren, daß ſie nicht laͤnger als zwanzig Jahre in der Ehe ſind, daß die Frau noch nicht fuͤnf und vierzig Jahre alt iſt, daß die gegenſeitige Einwilligung viermal in dem Jahre mit Beobachtung der oben vorgeſchrie⸗ benen vorlaͤufigen und aller durch gegenwaͤrtiges Kapitel ge⸗ forderten Formalitaͤten, namentlich mit der Einwilligung der Aeltern, der Gatten oder jener ihrer andern lebenden Ver⸗ wandten in aufſteigender Linie, im Falle die Aeltern verſtor⸗ ben ſind, ausgedruckt worden, ſo ſoll er ſeine Schlußreden mit folgenden Worten geben: Das Geſetzerlaubt. Im entgegengeſetzten Falle aber ſollen ſeine Schlußreden in folgen⸗ den Ausdrucken abgefaßt ſein: Das Geſe tz verhindert. 290. Das Tribunal ſoll auf den erſtatteten Bericht keine andere Unterſuchungen anſtellen koͤnnen als jene, die im vor⸗ bergehenden Artikel angezeigt ſind. Wenn daraus erhellt, daß nach der Meinung des Sribunals die Partheien die Bedin⸗ dungen erfuͤllt und die durch das Geſetz beſtimmten Forma⸗ litäten beobachtet haben, ſo ſoll er die Sheſcheidung zulaſſen und die Partheien an den Beamten des buͤrgerlichen Stan⸗ des verweiſen, um dieſelbe ausſprechen zu laſſen. In dem entgegen geſetzten Fall ſoll das Lribunal erklaͤren, daß die Zulaſſung der Eheſcheidung nicht ſtatt finde, und ſoll die Gruͤnde ſeiner Emtſcheidung entwickeln. 291. Die Appellazion von dem urtheile, welches erklaͤrt hat, daß die Zulaſſung der Eheſcheidung nicht ſtatt habe, ſoll nicht angenommen werden, es ſei denn, ſie werde von D. 2 — 52— beiden Partheien, jedoch in unterſchiedenen Aufſützen frübeſtens in den zehn und ſpaͤteſtens in den zwanzig Tagen von dem Datum des Urtheils der erſten Inſtanz an gerechnet eingelegt. 292. Die Appellazionsakten ſollen gegenſeitig ſowohl dem andern Gatten als auch dem kaiſerlichen Prokurator bei dem Tribunal erſter Inſtanz ſignifizirt werden. 293. Der kaiſerliche Prokurator bei dem Tribunal erſter Inſtanz ſoll innerhalb den zehn Tagen, gerechnet von der ihm gemachten Signifikazion des zweiten Appellazionsaktes dem kaiſerlichen General⸗Prokurator bei dem Appellazionsgerichts⸗ bofe Ausfertigung des Urtheils und der Belegeſchriften, wor⸗ auf hin es geſprochen worden, uͤbermachen. Der kaiſerliche General⸗Prokurator bei dem Appellazionsgerichtshofe ſoll in⸗ nerhalb den zehn Tagen, welche auf den Empfang der Be⸗ legeſchriften folgen, ſeine Schlußreden ſchriftlich geben. Der Preſident oder der ihn vertretende Richter ſoll ſeinen Bericht an den Appellazionsgerichtshof in dem Zimmer ſeiner Be⸗ rathſchlagungen machen; und es ſoll in den zehn Tagen, welche auf die Einreichung der Schlußreden des kaiſerlichen General⸗ Prokurators folgen, endlich geſprochen werden. 294. In Gefolge des Urtheils, welches die Eheſcheidung zu⸗ läßt, und innerhalb zwanzig Tagen von ſeinem Datum an⸗ ſollen ſich die Partheien mit einander und perſoͤnlich vor dem Beamten des buͤrgerlichen Standes ſtellen, um die Eheſchei⸗ dung ausſprechen zu laſſen. Iſt dieſe Zeitfriſt voruͤber, ſo ſoll das urtheil als nicht ergangen angeſehen werden⸗ Viertes Kapitel. Von den Wirkungen der Eheſcheidung. 295. Die Ehegatten, welche ſich aus was immer fur einer urſache ſcheiden laſſen, können ſich nie wieder ehelich vereinigen. 296. Im Falle einer wegen beſtimmter urſache aus eſpro⸗ chenen Eheſcheidung kann ſich die Frau erſt nach zehn Mona⸗ then von der ausgeſprochenen Scheidung an wieder verheurathen⸗ 297. Im Falle der auf beiderſeitige Einwilligung erfolgten Eheſcheidung kann keiner der beiden Gatten ſich vor dem Ver⸗ lauf von dreien Jahren nach ausgeſprochener Eheſcheidung wieder verheurathen. 293. Im Falle einer vor Gericht wegen Ehebruch zugelaſ⸗ ſenen Scheidung ſoll der Schuldige ſich niemals mit ſeiner Ritſchuldigen verheurathen können. Die des Ehebruchs ſchul⸗ — — dige Frau ſoll durch das naͤmliche uUrtheil und auf die Requi⸗ ſizion des oͤffentlichen Miniſteriums zu einer Einſperrung in ein Zuchthaus fuͤr eine beſtimmte Zeit, die nicht kuͤrzer als drei Monathe ſein und zwei Jahre nicht uͤberſteigen darf, verdammt werden. 299. Aus was immer fuͤr urſachen die Eheſcheidung ſatt haben mag, jene der gegenſeitigen Einwilligung dennoch aus⸗ genommen, ſo ſoll des⸗Ebegatte, gegen den die Eheſcheidung zugelaſſen worden iſt,) alle die Vortbeile, welche ihm der an⸗ dere Gatte entweder durch den Heuratsvertrag oder waͤhrend der abgeſchloſſenen Ehe zugeſtanden hatte, verlieren. zoo. Der Gatte, welcher die Eheſcheidung erhalten hat, ſoll die Vortheile, welche ihm der andere zugeſtanden hat, wenn ſie auch gegenſeitig ausbedungen worden, und dieſe Gegenſei⸗ tigkeit(réciprocité) nicht ſtatt haͤtte, beibehalten. zo1. Wenn ſich die Gatten auch keine Vortheile feſtgeſetzt haͤtten, oder wenn diejenigen, welche ſie ſich ausbedungen ha⸗ ben, nicht hinreichend ſchienen, um den Lebensunterhalt des Gatten, welcher die Ebeſcheidung erhalten hat, zu ſichern, ſo kann ihm das Tribunal auf die Guͤter des andern Gatten einen Nahrungsgehalt anweiſen, welcher aber das Drittel der Einkuͤnfte dieſes andern Gatten nicht uͤberſteigen kann. Dieſer Nahrungsgehalt kann wieder aufgehoben werden, wenn er aufhoͤrt nothwendig zu ſein. zo2. Die Kinder ſollen dem Ehegatten, welcher die Ehe⸗ ſcheidung erhalten bat, anvertraut werden, wenn anders das Tribunal auf das Begehren der Familie oder des kaiſerlichen Prokurators zum groͤßern Vortheil der Kinder nicht verord⸗ net, daß ſie alle oder einige davon den Sorgen entweder des andern Gatten oder einer dritten Perſon uͤbergeben werden ſollen. z03. Wer auch immer die Perſon ſein mag, welcher die Kinder werden anvertraut werden, ſo behalten doch der Va⸗ ter und die Mutter gegenſeitig das Recht uͤber den Unterhalt und die Erziehung ihrer Kinder zu wachen und nach Verhaͤlt⸗ niß ihres Vermogens darzu beizutragen. 3o4. Die Aufloͤſung der Ehe durch die von gerichtswegen zu⸗ gelaſſene Eheſcheidung ſoll die aus dieſer Heurath erzeugten Kinder keines derjenigen Vortheile berauben, die ihnen ent⸗ weder durch die Geſetze oder durch die Heurathsberedungen ibrer Aeltern zugeſichert worden waren; allein dieſe Rechte — 54— ſollen den Kindern nur auf die nämliche Art und unter den naͤmlichen Umſtaͤnden eroͤffnet werden, unter denen ſie ihnen zu Theil geworden wären, wenn keine Eheſcheidung ſtatt ge⸗ habt hätte. zo5. Im Falle der Eheſcheidung durch gegenſeitige Einwilli⸗ gung ſoll den aus ihrer Ehe entſproſſenen Kindern das Eigen⸗ thum der Haͤlfte der Guͤter eines jeden der beiden Gatten mit vollem Recht von dem Lage ihrer erſten Erklaͤrung an zufal⸗ len. Der Vater und Mutter behalten jedoch den Genuß die⸗ ſer Hälfte bis auf die Großfjaͤhrigkeit ihrer Kinder mit der Pblienenheit, für ihre Nahrung, ihren Unterhalt und ihre Erziehung ihrem Vermoͤgen und Stande gemaͤß Sorge zu tragen; alles dieſes aber ohne Nachtheil der andern Vortbeile, welche gedachten ihren Kindern durch die Eheberedungen ib⸗ rer Aeltern koͤnnen zugeſichert worden ſein. Fünftes Kapitel. Von der Trennung von Tiſch und Bett. 3o6. In den Faͤllen, wo die Eheſcheidung aus einer be⸗ ſimmten Urſache begehrt werden kann, ſoll es den Gatten frei ſtehen, auf Trennung von Liſch und Bett anzutragen. 3o7. Dieſes Geſuch ſoll eben ſo wie jede andere buͤrgerliche Kla⸗ ge angeſtellt, eingeleitet und abgeurtheilt werden; ſie ſoll durch beiderſeitige Einwilligung der Gatten nicht ſtatt haben können. zos. Das Weib, gegen welches die Trennung von Liſch und Bert des Ehebruchs wegen ausgeſprochen worden, ſoll durch das nämliche Urtheil und auf die rechtliche Anſuchung des öͤffentlichen Miniſteriums zur Einſchließung in ein Zucht⸗ haus auf eine beſtimmte Zeit, die nicht kuͤrzer als drei Monathe ſein, und zwei Jahre nicht uͤberſteigen kann, verdammt werden. zo9. Der Ehemann ſoll die Macht haben, der Wirkung die⸗ ſes Verdammungsurtheils Einhalt zu thun, indem er ein⸗ willigt, ſeine Frau wieder zu ſich zu nehmen. z1o. Wenn die wegen irgend einer andern Urſache als des Ehebruchs halber ausgeſprochene Koͤrpertrennung drei Jahre lang gedauert hat, ſo ſoll der Ehegatte, welcher urſpruͤnglich Beklagter war, als Klaͤger auf die Eheſcheidung bei dem Tribunal auftreten koͤnnen, welches dieſelbe denn auch geſtattet, wenn der urſpruͤngliche entweder gegeuwaͤrtige oder gehoͤrig vorgeladene Klaͤger nicht unmittelbar einwilligt, die Trennung von Tiſch und Bett aufhören zu laſſen. ti et 6 in ge t. zrr. Die Scheidung von Liſch und Bett ſoll immer die Trennung der Guͤter nach ſich ziehen. Siebenter Titel. Von der Vaterſchaft und Kindſchaft. (Dekretirt den azten Maͤrz 1803, verkuͤndigt den 2ten April.) Erſtes Kapitel. Von der Kindſchaft der rechtmaͤßigen oder aus der Ehe entſproſſenen Kinder. z1a. Der Vater des waͤhrend der Ehe empfangenen Kin⸗ des iſt der Ehemann. Dieſer kann jedoch ablaͤugnen, daß es ſein Kind ſei, wenn er beweiſt, daß er waͤhrend der Zeit, welche ſeit dem dreihun⸗ dertſten bis auf den hundert achtzigſten Tag vor der Geburt des Kindes verfloſſen iſt, entweder wegen Entfernung oder durch die Wirkung irgend eines Zufalls in der phyſiſchen Un⸗ moͤglichkeit war, ſeiner Frau ehelich beizuwohnen. zrz. Der Mann ſoll dadurch, daß er ſein natuͤrliches Un⸗ vermoͤgen vorgibt, das Kind nicht ablaͤugnen können; erſoll es ſogar wegen dem Ehebruch ſeiner Gattin nicht ablaͤugnen koͤnnen; es ſei denn, man habe ihm die Geburt verheimlicht; und in dieſem Falle ſoll er zugelaſſen werden, alle diejenigen Thatſachen vorzulegen, welche geeignet ſind, darzuthun, daß er nicht Vater iſt. 314. Das vor dem hundert achtzigſten Tage der Ehe gebohrne Kind kann in nachſtehenden Faͤllen von dem Vater nicht ab⸗ gelaͤugnet werden, ztens: Wenn er vor abgeſchloſſener Ehe Kenntniß von der Schwangerſchaft hatte; 2tens: Wenn er bei dem Aufſatz der Geburtsurkunde gegenwaͤrtig war, und dieſe Urkunde von ihm unterſchrieben worden oder Meldung enthaͤlt, daß er des Schreibens unkundig ſei; ztens: Wenn das Kind nicht lebensfaͤhig erklaͤrt worden. 315. Die Rechtmaͤßigkeit eines dreihundert Tage nach der Aufloͤſung der Ehe gebohrnen Kindes kann angefochten werden. 316. In den verſchiedenen Faͤllen, wo der Ehemann be⸗ rechtigt iſt, gegen die Vaterſchaft Sinwendungen zu machen, ſoll er es, wenn er ſich an dem Orte, wo das Kind gebohren worden, befindet, innerhalb eines Monathes thun. Er ſoll es thun in den zwei Monathen nach ſeiner Zuruͤck⸗ kunft, wenn er bei dem Zeitvunkt der Geburt abweſend war. — 56— Er ſoll es thun in den zwei Monathen nach der Entdeckung des Betrugs, wenn man ihm die Geburt des Kindes verheim⸗ lichet hatte. 317. Wenn der Ehemann geſtorben iſt, ehe er ſeine Einwen⸗ dungen gemacht hat, aber die geſetzliche Zeitfriſt noch hatte, ſie zu machen, ſo haben die Erben von dem Zeitvunkt an, wo das Kind in den Beſitz der Guͤter des Ehemanns wuͤrde eingeſetzt worden ſein, oder von dem Zeitpunkte, wo die Er⸗ ben in dieſem Beſitze von dem Kinde geſtoͤrt worden waͤren, noch zwei Monathe Friſt, um die Rechtmaͤßigkeit des Kindes zu beſtreiten. z13. Jeder auſſergerichtliche Akt, welcher von Seiten des Ehemannes oder der Erben eine Abläugnung enthaͤlt, ſoll als nicht geſchehen betrachtet werden, wenn nicht in Zeit eines Monaths eine gerichtliche Klage darauf folgt, die wider den dem Kinde eigends darzu gegebenen Vormund und in Gegen⸗ wart ſeiner Mutter angeßtellt wird. Zweites Kapitel. Von den Beweiſen der Kindſchaft rechtmaͤßiger Kinder. 319. Die Kindſchaft rechtmaͤßiger Kinder wird durch die auf die Regiſter des buͤrgerlichen Standes eingeſchriebenen Ge⸗ burtsurkunden bewieſen. 320. In Ermanglung dieſes Siters iſt der anhaltende Be⸗ ſitzſtand als rechtmaͤßiges Kind hinreichend. z21. Der Beſitzſtand gruͤndet ſich auf eine hinreichende Ver⸗ einigung von Thatſachen, welche das Verhaͤltniß der Kind⸗ ſchaft und Verwandtſchaft zwiſchen einer einzelnen Perſon und der Familie, zu welcher zu gehören ſie behauptet, anzeigen. Die vorzuglichſten dieſer Thatſachen ſind, daß dieſes Indi⸗ viduum immer den Namen des Vaters, dem es anzugehoͤren behauptet, getragen; Daß der Vater es als ſein Kind behandelt, und in dieſer Eigenſchaft fur ſeine Erziehung, ſeinen Unterhalt und haͤus⸗ liche Niederlaſſung Sorge getragen; Daß es immer als ein ſolches in der Geſellſchaft anerkannt worden; Daß es als ſolches von der Familie anerkannt worden. z22. Niemand kann einen Stand anſprechen, der demieni⸗ gen zuwider wäre, den ihm der Litre ſeiner Geburt, und der demſelben gleichfoͤrmige Veſitzſtand geben. Und gegenſeitig kann niemand den Stand desjenigen ſtrei⸗ tig machen, welcher einen ſeinem Geburtstitre entſprechenden Beſitzſtand hat. 323. In Ermanglung des Siters und des andauernden Be⸗ ſitztandes; oder wenn das Kind entweder unter falſchen Na⸗ men, oder als ein ſolches, deſſen Vater und Mutter unbe⸗ kannt ſind, eingeſchrieben worden, ſo kann der Beweis der Kindſchaft durch Zeugen gefuͤhrt werden. Jedoch kann dieſer Beweis nur dann zugelaſſen werden, wenn ſich ein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vorfindet; oder wenn die aus den ſchon wirklich anerkannten Thatſachen entſpringenden Vermutbungen oder Autzeigen wichtig genug ſind, um die Zulaſſung deſſelben zu begruͤnden. 3 4. Der Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes ergibt ſich aus den Familientitres, aus den Hausregiſtern und Schrif⸗ ten der Aeltern, aus oͤffentlichen, ja ſelbſt aus Privat⸗Ur⸗ kunden, wenn ſie von einer Partbei errichtet ſind, die eben⸗ falls in den Rechtsſtreit verwickelt iſt, oder welche dabei be⸗ theiligt waͤre, wenn ſie bei Leben wäre. 325. Der Gegenbeweis kann durch alle diejenigen Mittel gefuͤhrt werden, welche geeignet ſind, zu beweiſen, daß der Beſprechende nicht das Kind der Mutter iſt, welche zu ha⸗ ben er behauptet; oder, wenn auch ſein Herkommen von der Mutter dargethan iſt, daß er nicht das Kind des Ehegatten der Mutter iſt. 326. Die Civil⸗Gerichte ſind allein befugt uͤber Anſpruͤche auf den Stand zu entſcheiden. 327. Die peinliche Klage wegen dem Verbrechen der Un⸗ terdruckung des Standes kann erſt nach dem Endurtheile uͤber die den Stand betreffende Frage anfangen. 328. Die Rechtsklage auf Anſpruch des Standes iſt in Hinſicht auf das Kind unverjaͤhrbar. 3²9. Die Rechtsklage kann von den Erben des Kindes, wel⸗ ches ſeine Anſpruͤche nicht gemacht hat, nicht aufgeſtellt wer⸗ den, es ſei denn, ſolches ſei entweder minderjaͤhrig, oder in den erſten fuͤnf Jahren ſeiner Großjährigkeit verſtorben. 330. Die Erben konnen dieſe Rechtsklage fortſetzen, wenn ſie von dem Kinde angefangen worden; et ſei denn, daß es foͤrmlich davon abgeſtanden wäre oder drei Jahre, von dem retten Akte des Rechtsſtreites an zu zaͤhlen hätte verſreichen laſſen, ohne ihn weiters zu betreiben⸗ Drittes Kapitel. Von den natuͤrlichen Kindern. Erſter Abſſchnitt. Vor dem Rechtmaͤßigmachen(legitimation) der na⸗ tuͤrlichen Kinder. z31. Die auſſer der Ehe erzeugten Kinder, mit Ausnahme jedoch derienigen, welche aus einer blutſchaͤnderiſchen oder ehebrecheriſchen Beiwohnung entſproſſen ſind, koͤnnen durch die darauf folgende Ehe ihrer Aeltern, wenn ſie von denſel⸗ ben vor der Ehe geſetzmaͤßig anerkannt worden, oder wenn ſie von ihnen in der Urkunde der feierlichen Heurathsabſchließung ſelbſt anerkannt worden ſind, legitimirt werden. 332. Das Legitimiren kann ſogar zu Gunſten der verſtor⸗ benen Kinder, wenn ſie Abkoͤmmlinge hinterlaſſen haben, ſtatt haben, und in dieſem Falle ziehen dieſe Abkoͤmmlinge den Vorthejl davon. 333. Die durch die nachfolgende Heurath legitimirten Kin⸗ der ſollen die naͤmlichen Rechte haben, als wenn ſie waͤhrend der Ebe gezeugt worden waͤren. zweiter Abſchnitt. Von der Anerkennung der natuͤrlichen Kinder. z3a. Die Anerkennung eines natuͤrlichen Kindes ſoll durch eine authentiſche urkunde geſchehen, wenn ſie nicht ſchon in der Geburtsurkunde vollbracht wurde. 335. Dieſe Anerkennung kann nicht zum Vortheil der Kinder geſchehen, welche aus einer blutſchaͤnderiſchen oder ehebrecheriſchen Beiwohnung entſproſſen ſind. 336. Die Anerkennung des Vaters ohne Angabe und Ge⸗ ſtuͤndniß der Mutter hat nur in Ruͤckſicht des Vaters ihre Wirkung. 337. Die waͤhrend der Ehe von einem der Gatten zum Vor⸗ theil eines natuͤrlichen Kindes, welches er vor ſeiner Ehe und von einem andern als ſeinem Mitgatten hatte, geſchehene Anerkennung ſoll weder dieſem Mitgatten noch den aus die⸗ ſer Ehe erzeugten Kindern ſchaden koͤnnen. — 5— Doch ſoll ſie nach der Aufloͤſung dieſer Heurath, wenn keine Kinder davon vorhanden ſind, ihre Wirkung hervorbrin⸗ gen. 33s. Das anerkannte natuͤrliche Kind kann die Rechte ei⸗ nes rechtmaͤßigen Kindes nicht beſprechen. Die Rechte der natuͤrlichen Kinder ſollen in dem Litel von den Erbfolgen feſtgeſetzt werden. 339. Jede Anerkennung von Seiten des Vaters oder der Mutter, ſo wie jeder Anſpruch von Seiten des Kindes kann von allen denen, welche dabei betheiligt ſein koͤnnen, ange⸗ fochten werden. 340. Es iſt verbothen zu unterſuchen, wer Vater iſt. In dem Falle einer Entfuͤhrung, wenn der Zeitpunkt die⸗ ſer Eutfuͤhrung mit jenem der Empfaͤngniß zuſammentrifft, kann der Entfuͤhrer auf das Begehren der betheiligten Par⸗ theien als Vater des Kindes erklaͤrt werden. 341. Es iſt erlaubt zu unterſuchen, wer Mutter iſt. Das Kind, welches eine weibliche Perſon als ſeine Mutter an⸗ ſpricht, ſoll gehalten ſein zu beweiſen, daß es gerade und allein dasjenige Kind iſt, von dem ſeine Mutter entbunden worden. Es wird nur dann zugelaſſen, ſeinen Beweis durch Zeugen zu ſtellen, wenn es ſchon einen Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes hat. zaa. In dem Falle, wo nach dem 338ten Artikel die Aner⸗ kennung nicht erlaubt iſt, ſoll das Kind zum Aufſuchen des Vaters oder der Mutter niemal zugelaſſen werden. Achter Titel. Von der Annahme an Kindesftatt und der freiwil⸗ lig uͤbernommenen wohlthaͤtigen Vormundſchaſt. (Dekretirt den 3ten Maͤrz 1803, verkuͤndigt den aten April.) Erſtes Kapitel. Von der Annahme an Kindesſtatt. Erſter Abſchnitt. Von der Annahme an Kindesſtatt und ihren Wir⸗ kungen. 343. Die Annahme an Kindesſtatt iſt nur denjenigen Perſo⸗ nen beiderlei Geſchlechts erlaubt, die uͤber fuͤnfzig Jahre alt — 60— ſind, zur Zeit der Annahme weder Kinder noch eheliche Ab⸗ köͤmmlinge haben und wenigſtens fuͤnfzehn Jahre älter ſind als die Individuen, welche ſie ſich vornehmen an Kindesſtatt anzunehmen⸗ za4. Niemand kann von mehr als einem, es ſet denn von den beiden Gatten, an Kindesſtatt angenommen werden. Außer dem in dem z66ten Artikel vorkommenden Falle kann kein Gatte ohne die Einwilligung des andern Gatten an Nin⸗ desſtatt annehmen. za8. Die Befugniß an Kindesſtatt anzunehmen kann nur gegen das Individuum ausgeuͤbt werden, dem man waͤhrend ſeiner Minderjaͤhrigkeit und wenigſtens ſechs Jahre lang Huͤlfe und ununterbrochene Sorgfalt geleiſtet hat; oder gegen den⸗ jenigen, der dem an Kindesſtatt Annehmenden entweder in einem Gefechte, oder, indem er ihn aus Feuer oder Waſſer gezogen, das Leben gerettet hat. In dieſem zweitern Falle iſt es hinreichend, daß der an Kindesſtatt Annehmende großjährig, älter als der Anzuneh⸗ mende ſei und keine Kinder oder rechtmäßige Abkömmlinge habes und wenn er verheurathet iſt, daß ſein Mitgatte zu dieſer Annabme ſeine Einwilligung gebe. 346. Die Annahme an Kindesſtatt kann in keinem Falle vor der Großjährigkeit des an Kindesſtatt Anzunehmenden ſtatt haben. Weun der an Kindesſtatt Angenommene noch ſeine beide Aeltern oder einen von beiden hat und noch nicht vollkommen fuͤnf und zwanzig Jahre alt iſt, ſo iſt er verbun⸗ den, die von ſeinen Aeltern oder dem Laͤngſtlebenden derſelben zur Annahme an Kindesſtatt gegebene Einwilligung beizu⸗ pringen, und, wenn er fuͤnf und zwanzig Jahre alt und alſo großiaͤhrig iſt, ihren Rath zu begehren⸗ 347. Die Annahme an Kindesſtatt ſoll den Namen des Annehmenden auf den Angenommenen uͤbertragen, welcher Letztere ihn ſeinem eigenen Namen beifugt. 348. Der an Kindesſtatt Angenommene ſoll in ſeiner an⸗ gebohrnen Familie verbleiben und daſelbſt alle ſeine Rechte peibehalten; jedoch iſt die Heurath zwiſchen dem an Kindes⸗ ſtatt Annehmenden und dem alſo Angenommenen und deſſen Abkoͤmmlingen, Zwiſchen den an Kindesſtatt angenommenen Kindern des nämlichen Individuums; Zwiſchen dem an Kindesſtatt Angenommenen und den Kin⸗ — 61— dern, die dem an Kindesſtatt Annebmenden noch können ge⸗ bohren werden; Zwiſchen dem an Kindesſtatt Angenommenen und dem Gat⸗ ten des an Kindesſtatt Annehmenden; und gegenſeitig zwiſchen dem an Kindesſtatt Annehmenden und dem Gatten des an Kindesſtatt Angenommenen verbothen. 349. Die natuͤrliche Obliegenheit, welche fortwaͤhrend zwi⸗ ſchen dem an Kindesſtatt Angenommenen und ſeinen Aeltern beſteben ſoll, ſich in den von dem Geſetze beſtimmten Faͤllen Nahrungsmittel zu veichen, muß auch zwiſchen dem an Kindes⸗ ſtatt Annehmenden und Angenommenen als gegen einander gemeinſchaftlich angeſehen werden. 380. Der an Kindesſtatt Angenommene ſoll auf die Guͤter der Verwanden des an Kindesſtatt Annehmenden kein Erbrecht erwerben; allein er ſoll auf die Erbſchaft des an Kindesſtatt Annehmenden die naͤmlichen Rechte haben, welche ein in der Ehe gebohrnes Kind auch darauf haͤtte, ſelbſt wenn andere ſeit der Annahme an Kindesſtatt gebohrne eheliche Kinder vorhanden waͤren.* z6r. Wenn der an Kindesſtatt Angenommene ohne recht⸗ maͤßige Abkoͤmmlinge zu hinterlaſſen ſirbt, ſo ſollen die von dem an Kindesſtatt Annehmenden gegebenen oder aus ſeiner Erbſchaft bezogenen Dinge, und welche zur Zeit des Abſter⸗ bens des an Kindesſtatt Angenommenen noch in Natur vor⸗ handen ſind, auf den an Kindesſtatt Annehmenden oder ſeine Erben zuruͤckfallen, mit dem Beding jedoch, zur Lilgung der Schulden beizutragen und den Rechten des Drittern unbe⸗ ſchadet. Der ueberreſt der Guͤter des an Kindesſtatt Angenommenen ſoll ſeinen eigenen Verwanden gehoͤren; und dieſe ſchließen, ſelbſt in Betreff der in dieſem Artikel benennten Gegenſtaͤnde alle Erben des an Kindesſtatt Annehmenden, wenn es nicht ſeine Abkoͤmmlinge ſind, aus. 362. Wenn bei Lebzeiten des an Kindesſtatt Annehmenden und nach dem Lodte des ſo Angenommenen des Letztern hin⸗ terlaſſene Kinder oder Abkoͤmmlinge ſelbſt obne Nachkommen⸗ ſchaft ſterben ſollten, ſo ſoll der an Kindesſtatt Annehmende die von ihm gegebenen Gegenſtuͤnde erben, ſo wie im vorher⸗ gehenden Artikel geſagt worden; allein dieſes Recht ſchraͤnkt ſich auf die Perſon deſſelben ein, und geht auf ſeine Erben ſelbſt jene in abſteigender Linie nicht, uber. Zzweiter Abſchnitt. Von den Formen der Annahme an Kindesſtatt. 363. Die Perſon, welche ſich vornimmt, an Kindesſtatt an⸗ zunehmen, und jene, welche ſo angenommen werden will, ſol⸗ len ſich vor dem Friedensrichter des Domiziliums des Anneh⸗ menden ftellen, um dort die Urkunde ihrer gegenſeitigen Ein⸗ willigung zu errichten. z84. Eine Ausfertigung dieſer Urkunde ſoll in den zehn darauf folgenden Tagen durch die ſleißigſte Parthei dem kai⸗ ſerlichen Prokurator bei dem Tribunal erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk ſich das Domitilium des an Kindesſtatt Annehmenden veſindet, uͤbergeben werden, um ſie der richterlichen Beſtaͤt⸗ tigung des Tribunals vorzulegen. 385. Das in dem Berathſchlagungszimmer vereinigte Sri⸗ bunal ſoll nach eingezogenen dienlichen Erlaͤuterungen un⸗ terſuchen, xtens: ob alle von dem Geſetze vorgeſchriebene Bedingniſſe erfuͤllt worden; atens; ob die Perſon, welche ſich vornimmt, an Kindesſtatt anzunehmen, in einem guten Rufe ſteht. 356. Das Lriblhal ſoll nach angehoͤrtem kaiſerlichen Pro⸗ kurator, und ohne weiters gerichtlich zu verfabren, auch ohne Gruͤnde anzugeben, in folgenden Worten ſprechen: Die An⸗ nahme an Rindesſtatt hat ſtatt oder: hat nicht ſtatt. 357 In dem Monathe, welcher auf das von dem Tri⸗ punal erſter Inſtanz ergangene urtheil folat, ſoll dieſes näm⸗ liche Urtheil auf Betreiben der fleiſigſten Parthei dem Appel⸗ lazionsgerichtshofe vorgelegt werden. Dieſer ſoll in den naͤm⸗ lichen Formen wie das Tribunal erſter Inſtanz verfahren, und ohne ſeine Beweggruͤnde anzugeben, ausſprechen: Das Urtheil iſt beſtaͤttigt, oder: das Urtheil iſt entkraͤftet, folglich hat die Annahme an Rindesſtatt ſtatt, oder: nicht ſtatt. 568. Jedes Urtheil des Appellazionsgerichtshof, welches eine Annahme an Kindesſtatt zulaͤßt, ſoll in der Audienz geſpro⸗ chen, und an den Orten und in der Anzahl von Abſchriften, welche das Sribunal ſchicklich findet, angeſchlagen werden. 360. In den drei Monathen, welche auf dieſes urtheil folgen, ſoll die Annahme an Kindesſtatt auf das Anſuchen der einen oder der andern Parthei auf die Regiſter des buͤrgerlichen Standes des Orts, wo der an Kindesſtatt An⸗ nehmende ſein Domizilium hat, eingeſchrieben werden. Dieſe Einſchreibung kann aber nur auf Anſicht einer förm⸗ lichen Ausſertigung des urtheils des Appellazionstribunals — 6 3— geſchehen; und die Annahme an Kindesſtatt ſoll ohne Wir⸗ kung ſein, wenn die Einſchreibung nicht in dieſer Zeitfriſt ge⸗ ſchehen iſt. z60. Wenn der an Kindesſtatt Annehmende ſterben ſollte, nachdem die Urkunde, welche ſeinen Willen, den Vertrag der Annahme an Kindesſtatt abzuſchließen, bewaͤhrt, von dem Frie⸗ densrichter aufgenommen und vor die Tribunalien verbracht worden, aber ehe dieſe Letztern endlich geſprochen haben, ſo ſoll das gerichtliche Verfabren fortgeſetzt, und die Annahme an Kindesſtatt, wenn ſie ſtatt haben kann, zugelaſſen werden. Die Erben des an Kindesſtatt Annehmenden koͤnnen, wenn ſie dieſe Annahme unzulaͤſſig glauben, dem kaiſerlichen Proku⸗ rator alle ihre ausgefuͤhrten Grunde(mémoires) und Bemer⸗ kungen uͤber dieſe Sache einhaͤndigen. Zweites Kapitel. Von der freiweilig uͤbernommenen wohlthaͤtigen Vormundſchaft. 361. Jedes Individuum, das älter als fuͤnfzig Jahre iſt, und keine Kinder oder geſetzmaͤßige Abkoͤmmlinge hat, und ein Individuum während ſeiner Minderjäͤhrigkeit durch einen ge⸗ ſetzlichen Titre ſich anhaͤnglich machen will, kann deſſen freiwil⸗ liger Vormund werden, wenn es die Einwilligung ſeiner Ael⸗ tern oder des Ueberlebenden derſelben, oder in deren Ermang⸗ lung jene eines Familienraths, oder endlich, wenn es keine be⸗ kannten Anverwanden hat, die Beiſtimmung der Verwalter des Hoſpitals, in welchem es aufgenommen worden, oder der Muntzipalitaͤt des Ortes ſeines Domizils erhaͤlt. z62. Ein Gatte kann nur mit Einwilligung ſeines Mittgat⸗ ten ein freiwilliger Vormund werden. 363. Der Friedensrichter des Domiziliums des Kindes ſoll uͤber die Geſuche und Einwilligungen in Bezug auf die frei⸗ willige Vormundſchaft Verbalprozeß errichten. 364. Dieſe Vormundſchaft kann nur zum Vortheil der Kin⸗ der, die noch nicht fuͤnfzehn Jahre alt ſind, ſtatt haben. Sie ſoll unbeſchadet aller anderer beſondern Verbindlichkeiten die Pflicht nach ſich ziehen, den Muͤndel zu ernaͤhren, zu erzie⸗ ben, und ihn in den Stand zu ſetzen, ſeinen Lebensunterbalt zu verdienen. 356. Wenn der Muͤndel einiges Vermoͤgen hat, und wenn er ſchon vorber unter Vormundſchaft ſtund, ſo geht die Ver⸗ — 64— waltung ſeiner Guͤter ſo wie die Obſorge uͤber ſeine Perſon auf den freiwilligen Vormund uͤber, welcher jedoch die Aus⸗ gaben fur die Erziehung nicht von den Einkuͤnften des Muͤn⸗ dels nehmen darf. 366. Wenn der freiwillige Vormund nach dem Verlauf von fuͤnf vollen Jahren nach uͤbernommener Vormundſchaft, und, da er voraus ſieht, daß er eher ſterben werde, als der Muͤndel großjaͤbrig wird, ihn in der Leſtamentsurkunde an Kindesſtatt annimmt, ſo ſoll dieſe Verfuͤgung guͤltig ſein, wenn anders der freiwillige Vormund keine rechtmaͤbige Kin⸗ der hinterlaͤßt. 376. Im Falle der freiwillige Vormund entweder vor de Verlauf dieſer fuͤnf Jahre oder auch nach dieſer Zeit ſtuͤrbe, ohne ſeinen Muͤndel an Kindesſtadt angenommen zu haben, ſo werden demſelben waͤhrend ſeiner Minderjaͤhrigkeit Nahrungs⸗ mittel gereicht, deren Betrag und Gattung, wenn nicht vorher durch eine foͤrmliche nebereinkunft dafuͤr geſorgt wor⸗ den iſt, entweder ſreundſchaftlich zwiſchen den beiderſeitigen Stellvertretern des Vormunds und des Muͤndels, oder im Falle der Zwiſtigkeit richterlich beſtimmt werden. 368. Wenn der freiwillige Vormund ſeinen Muͤndel bei ein⸗ tretender Großjaͤhrigkeit deſſelben an Kindesſtast annehmen will, und Letzterer darzu einwilligt, ſo ſoll zu dieſer Annahme nach den in dem vorhergehenden Kapitel vorgeſchriebenen For⸗ men geſchritten werden; und die Wirkungen ſollen in allem Betracht die naͤmlichen ſein. z69. Wenn innerhalb den drei Monathen, welche auf die Großjaͤhrigkeit des Muͤndes folgen, die von ihm an ſeinen freiwilligen Vormund geſtellten Geſuche, um an Kindesſtatt angenommen zu werden, ohne Wirkung geblieben ſind, und der Muͤndel ſich noch nicht im Stande findet ſeinen Lebensunter⸗ halt zu verdienen, ſo kann der freiwillige Vormund verurtheilt werden, denſelben wegen der Unfaͤhigkeit, in welcher er ſich vefinden mag, fur ſeinen Unterhalt zu ſorgen, zu entſchaͤdigen⸗ Dieſe Entſchaͤdigung ſoll in einer Unterſtutzung, die geeignet iſt, ihm ein Gewerb zu verſchaffen, beſtehen; alles dieſes aber unbeſchadet der Uebereinkuͤnfte, welche in Vorausſetzuug die⸗ ſes Falls haͤtten ſtatt haben koͤnnen. 370. Der freiwillige Vormund, welcher die Verwaltung einiger Puvillenauter ſeines Muͤndels uͤbernommen bat, muß in allen Fallen Rechenſchaft daruͤber ablegen. — 65— Neunter Titel. Von der vaͤterlichen Gewalt. (Dekretirt den aaten Maͤrz 1803, verkuͤndigt den zten April.) 371. Das Kind iſt ſeinen Aeltern in jedem Alter Ehre und Ehrerbiethung ſchuldig. 37. Es bleibt bis zu ſeiner Großjaͤhrigkeit oder Entlaſſung unter ibrer Gewalt. 373. Der Vater allein uͤbt waͤhrend der Ehe dieſe Gewalt aus. 374. Das Kind kann das väterliche Haus ohne die Erlaub⸗ niß des Vaters nicht verlaſſen, es geſchehe dann wegen einer freiwilligen Anwerbung nach zuruͤck gelegtem achtzehnten Jahre. 375. Der Vater, welcher ſehr wichtige urſachen hat, mit dem Betragen ſeines Sohnes mißvergnuͤgt zu ſein, ſoll fol⸗ gende Zuͤchtigungsmittel haben. 376. Wenn das Kind das ſechszehnte Jahr ſeines Alters noch nicht angetreten hat, ſo kann es der Vater während ei⸗ ner Zeit, deren Dauer jene eines Monaths nicht uberſchrei⸗ den darf, einſperren laſſen; zu dem Ende hin ſoll der Preſi⸗ tent des Bezirkstribunals auf des Vaters Begehren den Ver⸗ haftbefebl ausfertigen. 377. Von dem angetretenen Jahre des Alters bis zur Großjuͤhrigkeit oder Entlaſſung kann der Vater die Ein⸗ thuͤrmung ſeines Sohnes fuͤr ſechs Monatbe hoͤchſtens be⸗ gehren; er ſoll ſich deswegen an den Preſidenten des gedachten Tribunals wenden, welcher, nachdem er ſich mit dem kaiſerli⸗ chen Prokurator daruͤber beſprochen, den Verhaftbefehl ent⸗ weder ausfertigen oder verweisern, und welcher in dem erſten Falle die Zeit der von dem Vater anverlangten Verhaftung abkuͤrzen kann. 378. In keinem der beiden Faͤlle ſollen ſchriftliche Ver⸗ bandlungen oder gerichtliche Formalitaͤten obwalten, mit Aus⸗ nahme iedoch des Verhaſtbefehls, in welchem aber die Be⸗ weggruͤnde nicht ausgedruͤckt werden. Der Vater iſt nur verbunden, die Verbindlichteit, alle Koſten zu bezahlen und die gehörigen Nahrungsmittel zu lie⸗ fern, zu unterſchreiben. 379. Der Vater iſt immer bevollmächtigt, die Dauer der von ihm verordneten oder begehrten Einthuͤrmung abzukurzen. E — 66— Wenn nach der Loslaſſung das Kind in neue Verirrungen foͤllt, ſo kann die Einſperung von neuem auf die in den vor⸗ hergehenden Artikeln vorgeſchriebene Art verordnet werden. 380. Wenn der Vater von neuem verehlicht iſt, und er will ſein Kind erſter Ehe, wenn es auch noch nicht ſechszehn Jahre alt iſt, einſperren laſſen, ſo iſt er gehalten, ſich nach dem 387 Artikel zu fuͤgen. 381. Die uͤberlebende und nicht wieder verehlichte Mutter kann ihr Kind nur mit Zuziehung der zwei nächſten vaͤterli⸗ chen Verwandten und vermittels gerichtlicher Requiſizion nach Vorſchrift des 377 Artikels einſperren laſſen. 3s2. Wenn ein Kind ihm verſönlich zugehoͤrende Guter bat oder einen gewiſſen Stand ausuͤbt, ſo kann ſeine Einſperrung⸗ und wenn es auch noch nicht ſechszehn Jahre alt iſt, nur ver⸗ mittels des gerichtlichen Anſuchens und in Gefolg des 377 Artikels ſtatt finden. Das eingeſperrte Kind kann an den kaiſerlichen General⸗Pro⸗ kurator bei dem Appellazionsgerichtshofe eine mit Gruͤnden be⸗ legte Bittſchrift uͤberſenden. Dieſer Prokurator ſoll ſich von jenem bei dem Tribunal erſter Inſtanz Rechenſchaft ablegen laſſen und dem Preſidenten des Appellazionsgerichtsbofes Be⸗ richt erſtatten; dieſer, wenn er dem Vater Nachricht gegeben und alle Erkundigungen eingezogen hat, ſoll die von dem Preſidenten des Tribunels erſter Inſtanz gegebene Verordnung widerrufen oder mildern konnen. 333. Die Artikel 376, 377, 373 und 379 ſind auch auf die Aeltern der natuͤrlichen geſetzlich anerkannten Kinder anwendbar⸗ 38g. Der Vater ſoll während der Ehe, und nach der Auf⸗ löſung der Ehe der uͤberlebende Theil der beiden Aeltern den uͤter ihrer Kinder bis auf das Alter von acht⸗ Genuß der Guͤ zehn zuruͤckgelegten Jahren oder bis zu ihrer Entlaſſung, die noch vor achtzehn Jahren geſchehen kann, haben. 385. Die Laſten dieſes Genuſſes ſollen ſein: 1tens. Dieienigen, zu denen die Nutznießer gehalten ſind; atens. Die Ernährung, Unterhaltung und Erziehung der Kinder nach Verhältniß ibres Vermogens; ztens. Die Bezahlung der Ruͤckände oder der Zinſe der Kapitalien; gtens. Die Koͤſten der Beerdigung und jene der letzten Krankheit. 386. Dieſer Genuß ſol nicht ſtatt haben zum Vortheil des⸗ lenigen der Aeltern, wider welchen die Eheſcheidung wuͤrde aus⸗ geſprochen worden ſein; und er ſolt auch in Hinſicht der Mut⸗ ter, wenn ſie zu einer neuern Ehe ſchreitet, gänzlich aufhoͤren. 387. Er ſoll ſich nicht auf die Guͤter, welche die Kinder durch beſondere Arbeit oder Kunſtfleiß ſich erwerben, ausdeh⸗ nen, auch nicht auf diejenigen, die ihnen unter der ausdruͤck⸗ lichen Bedingniß, daß ihre Aeltern keinen Genuß davon ha⸗ ben ſollen, gegeben oder vermacht worden ſind. Zehnter Titel. Von der Minderjährigteit, Vormundſchaft und Entlaſſung(Emancipation). Dekretirt den 26ten März 1803, verkuͤndigt den 5ten April.) Erſtes Kapitel. Von der Minderjäͤhrigkeit. 388. Das Individuum des einen und des andern Geſchlechts, welches noch nicht ein und zwanzig volle Jahre zuruͤck ge⸗ legt hat, iſt minderjaͤhrig. Zweites Kapitel. Von der Vormundſchaft. Erſter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Aeltern. 389. Der Vater iſt waͤhrend der Ehe der Verwalter der perſoͤnlichen Guͤter ſeiner minderjaͤhrigen Kinder. Er hat die Pflicht, von dem Vermögen, deſſen Genuß er nicht hat, uͤber das Eigenthum und die Einkuͤnfte zugleich; von dem Vermögen aber, deſſen Nutznießung das Geſetz ihm geſtattet, uͤber das Eigentbum allein Rechnung zu ſtellen. 390. Nach der Aufloͤſung der Ehe, entweder durch den na⸗ turlichen oder burgerlichen Tod des einen der Gatten gehoͤrt die Vormundſchaft der minderjährigen oder noch nicht ent⸗ laſſenen Kinder mit vollem Recht dem überlebenden Sbeile der Aeltern. 391. Der Vater kann jedoch der uͤberlebenden Mutter und Vormuͤnderin einen beſondern Rechtsbeiſtand ernennen, ohne deſſen Gutachten ſie keine auf die Vormundſchaft Bezug ha⸗ bende Handlung verrichten darf. E2 Wenn der Vater die Handlungen einzeln benennt, fuͤr wel⸗ che der Rechtsbeiſtand aufgeſtellt iſt, ſo iſt die Vormuͤnderin befugt, alle andere ohne ſeinen Beiſtand zu verrichten. 392. Dieſe Ernennung des Rechtsbeiſtandes kann nur auf eine der folgenden Arten geſchehen: tens. Durch eine Urkunde der letzten Willensmeinung; ztens. Durch eine entweder vor dem von ſeinem Schreiber begleiteten Friedensrichter oder vor zwei Notarien geſchehene Erklaͤrung. 393. Wenn die Frau bei dem Abſterben des Mannes ſchwan⸗ ger iſt, ſo ſoll ihr von dem Familienratb ein Kurator ihrer Leibesfrucht ernennt werden. Bei der Geburt des Kindes wird die Mutter ſeine Vormuͤn⸗ derin und der Kurator wird mit vollem Recht beigeordneter Vormund. 394. Die Mutter iſt nicht gehalten, die Vormundſchaft anzu⸗ nehmen; jedoch, und im Falle ihrer Weigeruns muß ſie die Pflich⸗ ten davon erfullen, bis ſie einen Vormund hat ernennen laſſen. 395. Wenn die Mutter Vormuͤnderin ſich wieder verheu⸗ rathet, ſo muß ſie, ehe die Heurathsurkunde errichtet wird, den Familienrath zuſammen berufen, welcher entſcheiden muß, ob man ihr die Vormundſchaft noch ferner uͤberlaſſen ſoll. Bewertſtelligt ſie dieſe Zuſammenberufung nicht, ſo ſoll ſie ihre Vormundſchaft von rechtswegen verlieren, und ibr neuer Gatte ſoll mit ihr fuͤr alle Folgen der widerrechtlich beibe⸗ haltenen Vormundſchaft ſolidariſch verantwortlich ſein⸗ 396. Wenn der gehorig zuſammenberufene Familienrath der Mutter die Vormundſchaft ferner uberlaͤßt, ſo ſoll er ihr noth⸗ wendig den zweiten Gatten zum Mitvormund geben, welcher mit ſeiner Frau ſolidariſch fur die nach der Heurath uber⸗ nommene Verwaltung verantwortlich iſt. Zweiter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft, welche von dem Vater oder der Mutter übertragen worden. 397. Das individuelle Recht, einen Anverwandten, auch ſogar einen Fremden zum Vormund zu wählen, gehoͤrt nur dem Letzrſterbenden der Aeltern⸗ 393. Dieſes Recht kann nur nach den von dem 392 Artikel vorgeſchriebenen Formen, und unter den nachſtehenden Aus⸗ nahmen und Einſchraͤnkungen in Ausuͤbung gebracht werden. — 69— 399. Die wieder verehelichte, aber mit der Vormundſchaft ihrer Kinder erſter Ehe nicht wieder beauftragte Mutter darf ihnen keinen Vormund waͤhlen. zoo. Wenn die wieder verehelichte und mit der Vormund⸗ ſchaft ihrer Kinder erſter Ehe wieder beauſtragte Mutter den⸗ ſelben einen Vormund gewaͤhlt hat, ſo ſoll dieſe Wahl nicht giltig ſein, bis ein Familienrath ſie beſtätigt hat. 4o1. Der von dem Vater oder der Mutter gewaͤhlte Vor⸗ mund iſt nicht verbunden, die Vormundſchaft zu uͤbernehmen, wenn er anders nicht zu der Klaſſe derjenigen Perſonen ge⸗ hoͤrt, welche der Familienrath aus Mangel dieſer beſondern Wahl als Vormund haͤtte aufſtellen koͤnnen. Dritter Abſchnitt. der Vormundſchaft der Verwandten in auf⸗ ſteigender Linie. aoꝛ. Wenn dem Minderjaͤhrigen von dem Letztlebenden ſei⸗ ner Aeltern kein Vormund beſtellt worden, ſo gehoͤrt die Vor⸗ mundſchaft von Rechtswegen dem Großvater von väͤterlicher Seite, in Ermanglung deſſen aber dem Großvater von muͤt⸗ terlicher Seite; und ſo immer in aufſteigender Linie und der⸗ geſtalt, daß der aufſteigende Blutsverwandte vaͤterlicher Seits dem aufſteigenden Blutsverwandten muͤtterlicher Seits und von dem naͤmlichen Grade der Verwandſchaft immer vor⸗ gezogen werden ſoll. aoz. Wenn der Minderjährige weder von vaͤterlicher noch muͤtterlicher Seite einen Großvater hat, und alſo ein Wett⸗ ſtreit zwiſchen zwei aufſteigenden Anverwandten hoͤheren Gra⸗ des von der vaͤterlichen Linie des Minderjährigen entſtehen ſollte, ſo muß die Vormundſchaft auf denjenigen fallen, welcher der vaͤterliche Großvater des Vaters des Minderjaͤhrigen iſt. aog. Wenn der naͤmliche Wettſtreit zwiſchen zwei urgroß⸗ vaͤtern muͤtterlicher Seits ſich erhebt, ſo ſoll der Familien⸗ rath die Ernennung machen, der jedoch einen aus den beiden aufſteigenden Verwandten waͤhlen muß. Vierter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft, welche der Familienrath uͤbertragen hat. 4o5. Wenn ein minderjaͤhriges und nicht entlaſſenes Kind keine Aeltern⸗ keinen von ſeinen Aeltern ernennten Vormund⸗ —— — keine maͤnnliche Verwandten in aufſteigender Linie hot; ſo auch, wenn der Vormund von einer der oben bezeichneten Qualitäten ſich in dem Falle der Ausſchließungen, von de⸗ nen nachher geſprochen werden wird, befinden ſollte, oder wenn er guͤltige Entſchuldigungen hat, ſo ſoll der Familienrath fuͤr die Aufſtellung eines Vormunds Sorge tragen. gob. Dieſer Familienrath ſoll entweder auf das Anſuchen und das Betreiben der Verwandten des Minderjaͤhrigen, ſeiner Gläubiger oder anderer betheilisten Partheien; oder ſogar von amtswegen und auf Betreiben des Friedensrichters des Domiziliums des Minderjahrigen zuſammen berufen werden; Ein jeder kann dem Friedensrichter den Fall angeben, welcher zur Ernennung eines Vormundes Anlaß geben kann. 407. Der Familienrath ſoll nebſt dem Friedensrichter aus ſechs Verwandten oder Verſchwägerten beſtehen. Dieſe wer⸗ den ſowohl in der Gemeinde, wo die Vormundſchaft eroͤffnet wird, als auch in der Entfernung von zwei Myriametern, zur Halfte von väterlicher, zur Hälfte von muͤtterlicher Sel⸗ te, und zwar mit Beobachtung der naͤhern Anverwandſchaft in jeder Linie genommen. Der Blutsverwandte ſoll dem Verſchwägerten in dem naͤm⸗ lichen Grade, und der Aelteſte dem minder Alten unter den von dem naͤmlichen Grade vorgezogen wer⸗ en. 4og. Die leiblichen Bruͤder und die Ehegatten ſeiner leib⸗ lichen Schweſtern ſind allein von der Beſchraͤnkung der im vorbergehenden Artikel angeſetzten Zahl ausgenommen⸗ Wenn ſie ſechs oder noch mehr an der Zahl ſind, ſo ſind ſie alle Mitglieder des Familienraths und bilden denſelben allein mit den Wittwen der Anverwandten in aufſteigender Linie, und mit den guͤltig entſchuldigten Verwandten, wenn dergleichen vorhanden ſind. Wenn ſie in geringerer Anzahl ſind, ſo werden die andern Verwandten nur berufen, um den Rath vollſtaͤndig zu machen. zo9. Wenn die Verwandten oder Verſchwaͤgerten von der einen oder der andern Linie ſich in dem Hrte ſelbſt oder in der durch den 407 Artikel bezeichneten Entfernung nicht in hinreichender Anzahl vorfinden, ſo ſoll der Friedensrichter Ver⸗ wandten oder Verſchwaͤgerten von einer weitern Entfernung oder aus der Gemeinde ſelbſt ſolche Buͤrger berufen, welche dafur bekannt ſind, mit dem Vater oder der Mutter des Minderjährigen in anhaltenden Freundſchaftsverhältniſen ge⸗ ſtanden zu ſein. 410. Der Friedensrichter kann, wenn auch in dem Orte ſelbſt eine hinlaͤngliche Anzahl Verwanden oder Verſchwaͤger⸗ ten vorhanden wäre, erlauben, daß man Verwandten oder Verſchwuͤgerten von naͤhern oder von den naͤmlichen Graden als die gegenwärtigen Verwandten oder Verſchwaͤgerten, wie groß auch die Entfernung des Ortes ſein mag, wo ſie ihr Domizilium haben, vorlade; dieſes jedoch auf ſolche Art, daß cinige der Letztern nicht berufen werden, und daß man die in den vorhergehenden Artikeln feſtgeſette Zahl nicht uberſchreite. 411. Der Zeitpunkt der Erſcheinung ſoll von dem Friedens⸗ richter auf einen beſtimmten Tag, doch aber ſo feſtgeſetzt wer⸗ den, daß zwiſchen der bekannt gemachten Vorladung und dem zur Vereinigung angeſetzten Tage ein Zwiſchenraum von we⸗ nigſtens drei Sagen beobachtet werde, wenn naͤmlich die vorgeladenen Partheien entweder in der Gemeinde ſelbſt oder in der Entfernung von zwei Myriametern wohnen. Wenn ſich aber unter den Vorgeladenen ſolche befinden, welche in einer weitern Entfernung ihr Domizilium haben, ſo ſoll der Zwiſchenraum fuͤr jede drei Myriameter ijedesmal um einen Tag vermehrt werden. 412. Die alſo berufenen Verwandten, Verſchwaͤgerten oder Freunde ſind verbunden, ſich perſoͤnlich einzufinden, oder ſich durch einen beſonders Bevollmaͤchtigten vertreten zu laſſen. Der Bevollmaͤchtigte kann nicht mehr als eine Perſon ver⸗ treten. 41z. Jeder berufene Verwandte, Verſchwuͤgerte oder Freund, welcher, ohne eine geſetzliche Entſchuldigung zu haben, nicht erſcheint, verfaͤllt in eine Geldſtrafe, welche fuͤnfzis Franken nicht uͤberſteigen darf, und welche der Friedensrichter ausſpre⸗ chen ſoll, ohne daß man dargegen avpelliren koͤnne. ara. In dem Falle, wo hinlaͤngliche Entſchuldigung vor⸗ handen iſt, und man fuͤr zutraͤglich erachtet, das abweſende Mitglied entweder zu erwarten oder zu erſetzen, kann der Friedensrichter, ſo wie in allen andern Faͤllen, wo der Vor⸗ theil des Minderjaͤhrigen es zu erheiſchen ſcheint, die Ver⸗ ſammlung vertagen oder weiter hinaus verſchieben. 415. Dieſe Verſammlung wird von rechtswegen bei dem Friedensrichter gehalten; es ſei denn, er bezeichne ſelbſt einen andern Hrt. Es iſt noͤthig, daß wenigſtens drei Viertheile der berufenen Mitglieder verſammelt ſeien, um berathſchla⸗ gen zu konnen. 416. Der Friedensrichter hat den Vorſitz bei dem Familien⸗ rathe, ſo wie auch berathſchlagende, und im Falle getheilter Meinungen uͤberwiegende Stimme. 417. Wenn der in Frankreich domizilirte Minderjaͤhrige in den Kolonien Guͤter hat, oder im umgekehrten Falle, ſo ſoll die beſondere Verwaltung dieſer Guͤter einem Mitvor⸗ mund uͤbertragen werden. In dieſem Falle ſind der Vor⸗ mund und Mitvormund von einander unabhaͤngig, und haben fuͤr ihre beiderſeitige Verwaltung keine Verantwortlichkeit ge⸗ gen einander. 418. Der Vormund ſoll von dem Tage ſeiner Ernennung, wenn ſolche in ſeiner Gegenwart ſtatt hatte; im entgegenge⸗ ſetzten Falle aber von jenem an, wo ihm dieſelbe bekannt gemacht worden, ſein Geſchaͤft fuͤhren und verwalten. 419. Die Vormundſchaft iſt eine perſoͤnliche Laſt, welche auf die Erben des Vormunds nicht uͤbergeht. Sie haften nur fuͤr die Rechnungsfuͤhrung ihrer Erblaſſer, und, wenn ſie großjaͤhrig ſind, muͤſſen ſie dieſelbe bis zur Ernennung eines neuen Vormunds fortſetzen. Fuͤnfter Abſchnitt. Von dem beigeordneten Vormunde. 420. Bei jeder Vormundſchaft ſoll ein beigeordneter Vor⸗ mund ſein, den der Familienrath ernennt. Seine Amtsverrichtungen beſtehen darin, daß er fuͤr den Vortheil des Minderjaͤhrigen, wenn derſelbe mit jenem des Vormundes im Widerſpruche ſteht, handeln ſoll. 421. Wenn die Verrichtungen eines Vormundes einer Per⸗ ſon aͤbertragen ſind, welche eine von den in den 1, 2, und gten der oben angefuͤhrten Abſchnitten dieſes Kapitels gefoder⸗ ten Eigenſchaften hat, ſo ſoll dieſer Vormund, ehe er ſein Amt antrit, einen Familienrath, welcher ſo, wie es in dem aten Abſchnitte geſagt worden, beſtellt ſein ſoll, zuſammen berufen laſſen, um einen Beivormund zu ernennen, Wenn er ſich in dieſe Verrichtungen gemiſcht hat, ehe dieſe Formalitaͤt erfullt worden, ſo ſoll der eutweder auf das recht⸗ liche Begehren der Verwandten, Glaͤubiger oder anderer be⸗ theiligten Partheien; oder von amtswegen durch den Frie⸗ * densrichter zuſammenberufene Familienrath demſelben, wenn von ſeiner Seite Betrug ſtatt hatte, die Vormundſchaft mit Vorbehalt der Entſchaͤdigungen, die er dem Minderjaͤhrigen ſchuldig iſt, abnehmen. 4a. Bei allen andern Vormundſchaften ſoll die Ernennung des Beivormundes unmittelbar nach jener des Vormundes ſtatt haben. a23. In keinem Falle ſoll der Vormund zur Ernennung des Nebenvormundes ſeine Stimme geben koͤnnen. Letzterer ſoll, auſſer dem Falle, wo weibliche Bruͤder vorhanden ſind, aus jener der beiden Linien genommen werden, zu welcher der Vormund nicht geboͤrt. aag. Der beigeordnete Vormund erſetzt, wenn die Vor⸗ mundſchaft offen wird, oder wenn dieſelbe durch Abweſenheit verlaſſen worden, den Vormund nicht von rechtswegen; al⸗ lein er ſoll in dieſem Falle verbunden ſein, unter Strafe dem Minderjaͤhrigen allen erlittenen Schaden oder entbehrten Gewinn zu erſetzen, auf die Ernennung eines Vormundes anzutragen. a25. Die Verrichtungen des Beivormundes hoͤren mit der Vormundſchaft auf. 426. Die in den 6 und7 Abſchnitten des gegenwaͤrtigen Kapitels enthaltenen Verfuͤgungen ſollen auch auf die Bei⸗ vormunde anwendbar ſein. Gleichwohl darf der Vormund nicht auf die Abſetzung des Beivormunds antragen, noch in den zu dieſem Zweck zuſam⸗ menberufenen Familienrath ſeine Stimme geben. Sechster Abſchnitt. Von den Urſachen welche von der Vormundſchaft befreien. a27. Sind von der Vormundſchaft befreit: Die Perſonen, welche in den Liteln 3,§, 6, 3,9, 10 und Ider Verfaſſungs Urkunde vom 18. May 1804 bezeichnet ſind; Die Richter bei dem Kaſſazionsgerichtshoſe, der kaiſerliche General⸗Prokurator und deſſen Subſtituten bei dem nämli⸗ chen Gerichtshofe; Die Kommiſſäre des kaiſerlichen Rechnungsweſens; Die Prefekten; Jeder Buͤrger, welcher in einem andern Departemente als jenem, wo die Vormundſchaft errichtet wird, ein oͤffent⸗ liches Amt verſieht. „3. Sind ebenfalls von der Vormundſchaft befreiet: Die Kriegsleute in Dienſithaͤtigkeit und alle andern Buͤrger, welche mit einer Sendung von dem Kaiſer auſſerhalb des Gebieths des Reiches beauſtraget ſind. 429. Wenn die Sendung nicht ächt iſt oder angeſochten wird, ſo ſoll die Freiſprechung erſt dann ausgeſprochen werden, wann der Reklamirende das Zeugniß des Miniſters, in deſſen Geſchäftskreiß die zur Entſchuldigung angebene Sendung ge⸗ Hoͤrt, vorgezeigt haben wird. 430. Die Buͤrger, welche mit den in den vorſtehenden Artikeln gemeldeten Eigenſchaften bekleidet ſind, und welche nach ihren ubernommenen Verrichtungen, Dienſten oder Sen⸗ dungen, welche von Vormundſchaften freiſprechen, ſolche an⸗ genommen haben, ſollen nicht mehr zugelaſſen werden, ſich aus dieſen Urſachen davon entledigen zu wollen. a31. Diejenigen hingegen, denen gedachte Verrichtungen, Dienſte oder Sendungen nach der Uebernahme und Fuͤhrung einer Vormundſchaft uͤbertragen worden ſein, koͤnnen, wenn ſie ſolche nicht beibebalten wollen, innerhalb eines Monats einen Familienrath zuſammen berufen laſſen, damit derſelbe zu ihrer Erſetzung ſchreiten moge. Wenn nach Ablauf dieſer Verrichtungen, Dienſte oder Sen⸗ dungen der neue Vormund ſeine Entladung begehrt, oder der alte Vormund ſeine Vormundſchaft wieder zuruck verlangt. ſo kann ſie ihm durch den Familienrath wieder uͤbertragen werden. 432. Der Buͤrger, welcher kein Verwander oder Verſchwaͤ⸗ gerter iſt, kann nicht gezwungen werden, die Vormundſchaft anzunehmen; es ſei denn, es befinden ſich auf eine Entfer⸗ nung von vier Myriametern keine Verwanden oder Verſchwaͤ⸗ gerten, die im Stande wäͤren, die Vormundſchaft zu fuͤhren. 433. Jedes Individuum, welches fuͤnf und ſechszig volle Jahre alt iſt, kann die Vormundſchaft ablehnen. Jener, welcher vor dieſem Alter als Vormund aufgeſtellt worden, kann ſich im Alter von ſiebenzig Jahren davon losſprechen laſſen. 434. Jedes mit einer ſchweren und gehoͤrig bewaͤhrten Krankheit befallene Individuum iſt von der Vormundſchaft frei. Es kann ſich ſogar von derſelben entledigen laſſen, wenn es mit dieſer Krankbeit erſt ſeit ſeiner Ernennung befallen worden. 435. Zwei Vormundſchaften ſind fuͤr alle Perſonen ein gerechter Beweggrund, von der Dritten freigeſprochen zu werden, Der Gatte oder Vater, der ſchon mit einer Vormundſchaft belaſtet iſt, kann nicht angehalten werden, eine zweitere zu uͤbernehmen, es ſei denn jene ſeiner Kinder. 436. Jene, welche fuͤnf rechtmäͤßige Kinder haben, ſind von aller andern Vormundſchaft, jene ihrer Kinder jedoch aus⸗ genommen, freigeſprochen. Die in Dienſtthaͤtigkeit bei den Armeen des Kaiſers ver⸗ ſtorbenen Kinder ſollen immer mit gezäͤhlt werden, um dieſes Freiſprechen zu bewirken. Die andern verſtorbenen Kinder ſollen nicht darzu zählen, es ſei denn, ſie haben wirklich lebende Kinder hinterlaſſen. 437. Kinder, welche waͤhrend der Vormundſchaft geboren werden, berechtigen nicht, die Vormundſchaft abzugeben. 438. Wenn der Vormund bei der Verathſchlagung, welche ihm die Vormundſchaft uͤberträͤgt, gegenwaͤrtig iſt, ſo ſoll er auf der Stelle und unter Strafe, mit allen ſeinen fernern Einſpruchen nicht mehr zugelaſſen zu werden, ſeine Entſchuldi⸗ gungen vortragen, uͤber welche der Familienrath zu berath⸗ ſchlagen hat. 439. Wenn der Vormund der Berathſchlagung, welche ihm die Vormundſchaft uͤbertraͤgt, nicht beigewohnt hat, ſo kann er den Familienrath zuſammen berufen machen, um uͤber ſeine Entſchuldigungen zu berathſchlagen. In dieſer Hinſicht muß ſein Betreiben innerhalb der Zeit⸗ friſt von drei Tagen, gerechnet von der ihm geſchehenen Be⸗ kanntmachung ſeiner Ernennung, ſtatt haben. Dieſer Zeit⸗ raum ſoll fuͤr drei Myriameter Entfernung des Ortes ſeines Domiziliums von jenem, wo die Vormundſchaft eroͤffnet wird, mit einem Tage vermehrt werden. Iſt dieſe Zeitfriſt verſtrichen, ſo ſoll er nicht mehr zugelaſſen werden. 440. Sind dieſe Entſchuldigungen verworſen worden, ſo kann er ſich bei den Gerichtshofen vorſehen, um ſie anneh⸗ men zu machen; waͤhrend der Dauer deo Rechtsſtreites iſt er aber gehalten, einsweilen zu verwalten. 441. Wenn er die Freiſprechung von der Vormundſchaft erreicht, konnen diejenigen, welche ſeine Entſchuldigungen ver⸗ worfen haben, zu den Prozeßkoſten verurtheilt werden. — 76— Wenn er aber unterliegt, ſoll er ſelbſt dazu verdammt werden. Siebenter Abſchnitt. Von der Unfaͤhigkeit zu der Vormundſchaft; von der Ausſchließung und der Abſetzung von derſelben. z42. Es koͤnnen weder Vormunde noch Familienraͤthe ſein rtens. Die Minderjährigen; ſie ſeien dann Vater oder Mutter. 2tens. Die gerichtlich Unterſagten Ues interdits). ztens. Die Weiber; es ſeien denn die Mutter oder Verwan⸗ dinnen in aufſteigender Linie; gtens. Alle diejenigen, welche ſelbſt, oder deren Vater oder Mutter mit dem Minderjährigen einen Rechtsſtreit haben, in welchem der Stand dieſes Minderjaͤhrigen, ſein Vermoͤgen, oder ein anſehnlicher Theil ſeiner Guͤter auf das Spiel geſetzt ſind. gaz. Die Verdammung zu einer peinlichen oder entehrenden Strafe hat von rechtswegen die Ansſchließung von allen Vormundſchaften zur Folge. Sie hat ſogar die Abſetzung von einer fruͤher ubertragenen Vormundſchaft zur Folge. g44. Sind von der Vormundſchaft ausgeſchloſſen, und können, wenn ſie wirkliche Vormunde ſind, davon abgeſetzt werden: 1tens. Leute von einem vſſenbar ſchlechten Lebenswandel; atens. Jene, deren Amtsfuͤhrung von Unfaͤhigkeit oder Un⸗ treue zeigte. gas. Jedes Individuum, das von einer Vormundſchaft ausgeſchloſſen oder abgeſetzt worden, kann nicht Mitglied eines Familienraths ſein. g46. So oft ein Vormund abgeſetzt werden ſoll, ſo muß die Abſetzung durch den auf das Betreiben des beigeordne⸗ ten Vormunds, oder von amtswegen durch den Friedens⸗ richter zuſammen berufenen Familienrath ausgeſprochen werden. Letzterer kann die Zuſammenberufung nicht verweigern, wenn er um dieſelbe foͤrmlich von einem oder mehreren An⸗ verwanden oder Verſchwaͤgerten des Unmuͤndigen im Grade von Geſchwiſterkinder oder gar in noch naͤhern Graden an⸗ gegangen wird. za7. Jede Berathſchlagung des Familienraths, welche die Ausſchließung oder Abſetzung des Vormunds ausſpricht, ſoll mit ihren Gruͤnden belegt, und nicht eher genommen werden, bis der Vormund gehoͤrt oder vorgefodert worden. 4as. Wenn der Vormund der Berathſchlagung beiſtimmt, ſo ſoll davon Meldung geſcheben, und der neue Vormund ſogleich ſein Amt antreten. Wenn er Einwendungen dagegen macht, ſo ſoll der beige⸗ ordnete Vormund die gerichtliche Genehmigung(homologation) der Beratbſchlagung bei dem Lribunal erſter Inſtanz betrei⸗ ben, welches, vorbehaltlich jedoch der Appellazion, daruͤber ſpricht. Der ausgeſchloſſene oder abgeſetzte Vormund kann in dieſem Falle ſelbſt den beigeordneten Vormund vorladen, um zu ſehen, daß er als in der Vormundſchaft gehandhabt erklart werde. a49. Die Verwanden oder Verſchwaͤgerten, welche die Zuſam⸗ menberufung rechtlich aufgefodert haben, koͤnnen bei dieſem Rechtsſtreite, welcher als eine dringende Angelegenheit ein⸗ geleitet und abgeurtheilt werden ſoll, mit ihren Zwiſchenkla⸗ gen auftreten. * Achter Abſchnitt. Von der Verwaltung des Vormundes. 480. Der Vormund ſoll uber die Perſon des Minderjaͤhrigen Sorge tragen und denſelben in allen burgerlichen Verhand⸗ lungen vertreten.. Er ſoll als ein guter Familienvater deſſen Guͤtrr verwal⸗ ten, und fuͤr allen erlittenen Schaden und entbehrten Gewinn, welche aus einer uͤbeln Amtsfuͤhrung entſtehen koͤnnen, ver⸗ antwortlich ſein. Er kann die Guͤter des Muͤndels nicht kaufen noch in Pacht nehmen; es ſei denn, der Familienrath habe den beigeordneten Vormund bevöllmaͤchtigt, ſie ihm zu vervachten; eben ſo wenig kann er die Abtretung irgend eines Rechts oder einer Schuld⸗ foderung wider ſeinen Muͤndel annehmen. 481. Der Vormund ſoll in den zehn Lagen, welche auf ſeine ihm gebörig bekannt gewordene Ernennung folgen, auf die Abnahme der Siegel, wenn ſolche angelegt worden, recht⸗ lich antragen, und unmittelbar darauf in Beiſein des Beivormun⸗ des zum Inventarium der Guͤter des Minderjährigen ſchreiten. Wenn der Minderzaͤhrige ihm etwas ſchuldig iſt, ſo muß er es in dem Inventarium unter Strafe des Verluſtes ſeiner Foderung anzeigen, und dieſes zwar auf die rechtliche Auffor⸗ derung, welche der oͤfentliche Beamte an ihn zu thun verbun⸗ den ſein, und wovon in dem Verbalprozeß Meldung geſche⸗ hen ſoll. 482. In dem Monathe, welcher auf die Abſchließung des Inventariums folgt, ſoll der Vormund in Beiſein des Bei⸗ vormunds alle bewegliche Guͤter mit Ausnahme derjenigen, welche der Familienrath ihn bevollmaͤchtiget hat, in Natur zu behalten, nach gemachten Anſchlägen und Bekanntma⸗ chungen, wovon in dem Verkaufsverbalprozeß Meldung ge⸗ ſchehen ſoll, durch die von einem oͤffentlichen Beamten auf⸗ genommene Steigerungsgebothe verkaufen laſſen. 453. Die Aeltern ſind, ſo lange ſie den eigenthuͤmlichen und geſetzlichen Genuß der Guͤter des Minderjaͤhrigen haben, nicht gehalten, die beweglichen Guͤter zu verkaufen, wenn ſie vorziehen, ſie aufzubewahren, um ſie in Natur wieder zuruͤck zu geben. In dieſem Falle ſollen ſie auf ihre Koͤſten durch einen von dem beigeordneten Vormund ernennten und vor dem Friedens⸗ richter beeidigten Experten eine Abſchaͤtzung davon nach dem wahren Werth machen laſſen; und ſie ſollen fur die be⸗ weglichen Guter, welche ſie nicht in Natur wieder zurucklie⸗ ſern konnen, den durch die Abſchätzung beſtimmten Preiß bezahlen⸗ 464. Bei dem Antrit jeder Vormundſchaft, jene von Vater und Mutter ausgenommen, ſoll der Familienrath uͤberſchlaͤg⸗ lich(par appergu) und je nachdem die verwalteten Guͤter wichtig oder minder wichtig ſind, die Summe beſtimmen auf welche ſich die jaͤhrliche Ausgabe des Minderjaͤhrigen, ſo wie jene fur die Verwaltung ſeiner Guͤter belaufen duͤrfe. Dieſer nämliche Akt ſoll auch namentlich ausdruͤcken, ob der Vormund berechtiget iſt, ſich in ſeiner Amtsfuͤhrung von einem oder mehreren beſondern Verwaltern, welche beſoldet ſind und unter ſeiner Verantwortlichkeit ihr Geſchäͤft fuͤhren, helfen zu laſſen. 456. Dieſer Rath ſoll ausdruͤcklich die Summe beſtimmen, bei welcher fuͤr den Vormund die Verbindlichkeit anfaͤngt, den Ueberſchuß des Ertrags über die Ausgabe anzulegen; dieſe An⸗ legung muß in der Zeitfriſt von ſechs Monathen geſchehens läßt er dieſelben verſtreichen, ſo muß er wegen Vernachlaͤſi⸗ gung derſelben die Zinſe dafur erlegen. a66. Wenn der Vormund durch den Familienrath die Summe nicht bat beſtimmen laſſen, bei welcher die Anlegung anbehen ſoll, ſo muß er nach der in dem vorhergehenden Artikel be⸗ ſtimmten Zeitfriſt die Zinſen von der ganzen nicht angelegten Summe, ſo klein ſie auch ſein mag, entrichten. 457. Der Vormund, ſelbſt der Vater oder die Mutter kann fuͤr den Minderjäͤhrigen kein Anleihen machen, noch deſſen be⸗ wegliche Guͤter veraͤuſſern oder verpfaͤnden, ohne durch ein Familiengericht darzu berechtigt zu ſein. Dieſe Berechtigung darf nur aus dem Grunde einer unver⸗ meidlichen Nothwendigkeit oder eines augenſcheinlichen Vor⸗ theils zugeſtanden werden. In dem erſten Falle ſoll der Familienrath die Berechti⸗ gung nicht ertheilen, bis durch eine von dem Vormunde vorgelegte ſummariſche Rechnung dargethan iſt, daß die Gel⸗ der, beweglichen Eſſekten und Einkuͤnfte des Muͤndels unzurei⸗ chend ſind. Der Familienrath ſoll in allen Faͤllen die unbeweglichen Guͤter beſtimmen, welche vorzugsweiße verkauft werden ſol⸗ len, wie auch alle die Bedingniſſe, die er zuträglich erachtet. 458. Die auf dieſen Gegenſtand Bezug habenden Berath⸗ ſchlagungen des Familienrathes ſollen nicht vollzogen werden„ bis der Vormund die Homologazion derſelben von dem Cri⸗ bunal erſter Inſtanz begehrt und erhalten hat. Dieſer ſoll daruͤber in ſeinem Berathſchlagungszimmer und nach angeboͤr⸗ tem kaiſerlichen Prokurator entſcheiden. a69. Der Verkauf davon ſoll oͤffentlich, in Gegenwart des beigeordneten Vormundes auf die Steigerungsgebothe, welche von einem Mitgliede des buͤrgerlichen Tribunals oder einem dar⸗ zu aufgeſtellten Notarius nach drei an drei aufeinander folgen⸗ den Sonntagen an den im Kanton gewoͤhnlichen Hrten ange⸗ hefteten Anſchlagszetteln aufgenommen worden, geſchehen. Jeder von dieſen Anſchlagzetteln ſoll von dem Maire der Ge⸗ meinde, wo ſie angeheftet worden, viſirt und beglaubigt werden. 460 Die in den Artikeln 467 und 45s fuͤr die Veraͤußerungen der Guͤter des Minderjäͤhrigen vorgeſchriebenen Formalitäten ſind nicht auf den Fall anwendbar, wo die Veraußerung auf die Anfoderung eines Miteigenthuͤmmers in noch ungetheilten Guͤtern(par in divis) durch ein Urtheil verordnet worden waͤre. Die oͤffentliche Verſteigerung kann allein und in dieſem Falle nur nach der in dem vorbergehenden Artikel vorgeſchriebenen Formalität vorgenommen werden, und man muß die Fremden nothwendig dabei zulaſſen. — 80— 461. Der Vormund kann eine dem Minderjaͤhrigen zuge⸗ fallenene Erbſchaft ohne vorhergegangene Ermaͤchtigung des Fa⸗ milienraths weder annehmen noch abweiſen; die Annahme kann nur unter der Wohlthat des Inventariums geſchehen. g6ꝛ. In dem Falle, wo eine im Namen des Minderjaͤhri⸗ gen abgewieſene Erbſchaft von einem andern nicht angenommen worden, kann ſie entweder von dem durch eine neue Berath⸗ ſchlagung des Familienrathes darzu berechtigten Vormunde oder durch den großjaͤhrig gewordenen Minderjaͤhrigen wieder bezo⸗ gen werden; allein ſie muß in dem Stande, in dem ſie ſich im Augenblick des Wiederbeziehens befindet, angenommen werden, und man kann die Verkäufe und andere wäͤhrend der Zeit, da ſie ohne Beſitzer war, geſetzlich vollbrachten Akten nicht antaſten- 463. Eine dem Minderjährigen gemachte Schenkung kann ohne Berechtigung des Familienraths von dem Vormunde nicht an⸗ genommen werden. Sie ſoll in Hinſicht des Minderiährigen die naͤmliche Wir⸗ kung haben, welche ſie in Hinſicht des Großjaͤhrigen hat. 464. Kein Vormund ſoll ohne Ermächtigung des Familien⸗ raths eine auf die unbeweglichen Rechte des Muͤndlings Be⸗ zug habende Rechtsklage bei Gericht vorbringen, noch irgend ein auf die naͤmliche Rechte ſich beziehenden Anſpruch eingehen doͤrfen. 465. Die nämliche Bemchtigung ſoll dem Vormunde nöthig ſein, um zu einer Theilung auffodern zu koͤnnen; allein er fann ohne dieſe Bemaͤchtigung auf ein wider den Muͤndling gerichtetes Theilungsbegehren antworten. g66. Damit die Vertheilung in Hinſicht des Minderjäͤhri⸗ gen die naͤmlichen Wirkungen habe, die ſie in Hinſicht der Großjaͤhrigen hat, ſo ſoll ſie nach vorhergegangener durch Experten, die von dem buͤrgerlichen Tribunale des Ortes, wo die Erbſchaft eroͤffnet worden, ernennt wurden, geſchehene Abſchaͤtzung vor Gericht gemacht werden. Die Epverten ſollen, nach dem ſie vor dem Preſidenten des naͤmlichen Tribunals oder vor dem von ihm beauftragten Richter den Eid abgelegt haben, die ihnen aufgetragene Ver⸗ richtung wohl und getreu zu erfullen, zur Vertheilung der Erb⸗ ſchaften und Errichtung der Loſe ſchreiten. Dieſe Loſe ſollen in Gegenwart eines Richters des Lribunals oder eines von ibm aufgeſtellten Notairs, welcher die Auslieferung derſelben machen wird, gezogen werden⸗ — 81— Jede andre Vertheilung ſoll nur als vorlaͤufig betrachtet werden. 467. Der Vormund ſoll im Namen des Minderjaͤhrigen keinen Vergleich treffen koͤnnen; es ſei denn, er habe die Au⸗ toriſazion des Familienrathes und das Gutachten dreier Rechts⸗ gelehrten, welche der kaiſerliche Prokurator bei dem Civil⸗ tribunal bezeichnet hat, erhalten. Der getroffene Vergleich ſoll nicht eher guͤltig ſein, bis das Civiltribunal nach vorher vernommenem kaiſerlichen Proku⸗ rator denſelben homologirt hat. 46s. Der Vormund, welcher erhebliche urſachen hat, mit dem Betragen des Minderzaͤhrigen unzuftieden zu ſein, kann ſeine Klagen vor einen Familienrath bringen, und, wenn er von dieſem Rath darzu berechtiget worden, auf die Einſper⸗ rung des Minderjaͤhrigen in Gefolge deſſen, was uͤber dieſen Gegenſtand in dem Litel uber die väterliche Gewalt ver⸗ fugt worden, antragen. Neunter Abſchnitt. Von den Vormundſchafts⸗Rechnungen. 469. Jeder Vormund muß, wenn ſeine Amtsfuͤhrung zu Ende geht, Rechnung daruber ablegen. a7o. Jeder Vormund, Vater oder Mutter jedoch ausgenom⸗ men, ſoll auch waͤhrend der Dauer der Vormundſchaft ge⸗ halten ſein, dem Beivormunde zu den Zeitpunkten, welche der Familienrath fuͤr gut gefunden, feſtzuſetzen, Ueberſichten des Zuſtandes ſeiner Amtsfuͤhrung vorzulegen, obne daß er je⸗ doch angehalten werden konne, ſolche mehr als einmal in jedem Jabre vorzulegen. Dieſe Ueberſichten des Verwaltungszuſtandes ſollen ohne Koͤſten, auf ungeſtempeltem Papier und ohne alle gerichtli⸗ che Formen abgefaßt und vorgelegt werden⸗ 47 1. Die Schlußrechnung der Vormundſchaft ſoll auf Koͤſten des Minderjaͤhrigen, wenn er zu ſeiner Großjährigkeit ge⸗ kommen iſt oder ſeine Emanzipazion erhalten hat, abgelegt werden; der Vormund aber muß die Koſten vorſchießen. Man ſoll dem Vormunde glle hinlaͤnglich bewieſene Aus⸗ gaben, die einen nuͤtzlichen Gegenſtand haben, gutheißen. a7a. Jeder Vertrag, welcher zwiſchen dem Vormunde und dem großjaͤhrig gewordenen Muͤndel mag abgeſchloſſen wer⸗ ². den, ſoll nichtig ſein, wenn nicht wenigſtens zehn Tage vor dem Vertrage die Rechuung abgelegt und die Belegeſchriften ausgeliefert worden, und dies alles durch einen Schein deſſen, der die Rechnung abgenommen hat, erwieſen iſt. 473. Wenn die Ablegung der Rechnung zu Rechtsſtrittig⸗ keiten Anlaß gibt, ſo ſollen dieſelben wie andere Streitig⸗ keiten buͤrgerlicher Gegenſtade betrieben und abgeurtheilt wer⸗ den. 474. Die Summe, auf welche ſich der ueberſchuß belaͤuft, den der Vormund dem Muͤndel ſchuldig bleibt, ſoll, auch wenn es nicht begehrt wird, von dem Tage der abgeſchloſſe⸗ nen Rechnung Zinſe tragen. Die Zinſe von dem, was der Muͤndel dem Vormunde ſchul⸗ dig bleiben wird, ſollen nur von dem Tage, wo dieſelben nach abgeſchloſſener Rechnung gefordert werden, zu laufen an⸗ fangen. 476. Jede Rechtsklage des Minderjaͤhrigen gegen ſeinen Vormund in Bezug auf Sachen der Vormundſchaft verjaͤhrt ſich nach zehn Jahren, welche von der Großjaͤhrigkeit an zählen⸗ Drittes Kapitel. Von der Entlaſſung aus der Vormundſchaft (Emanzipazion). 476. Der Minderjbrige iſt durch die Heurath von rechts⸗ wegen entlaſſen(emanzipirt)⸗ 477. Der Minderjuͤhrige, wenn er auch nicht verheurathet iſt, kann von ſeinem Vater, und in deſſen Ermanglung, von ſeiner Mutter, wenn er das Alter von fuͤnfzehn vollen Jah⸗ ren erreicht hat, entlaſſen werden⸗ Dieſe Entlaſſung geſchieht durch die alleinige von dem Friedensrichter, der ſeinen Schreiber bei ſich hat, aufgenom⸗ mene Erklaͤrung des Vaters oder der Mutter. 47s. Der Minderjaͤhrige, welcher vater⸗ und mutterlos iſt⸗ kann ebenfalls, aber zuerſt nach ſeinem zuruͤckgelegten acht⸗ zehnten Jahre, wenn der Familienrath ihn darzu tauglich ſin⸗ det, entlaſſen werden⸗ In dieſem Falle ſoll die Entlaſſung auf die Berathſchlagung des Familienrathes, welche darzu autoriſirt hat, und auf die Er⸗ tlörung, welche der Friedensrichter als Preſident deſſelben in 1 der noͤmlichen Urkunde mit dem Ausdrucke, daß der min⸗ derjahrige entlaſſen iſt, gemacht hat, vollbracht ſein. a79. Wenn der Vormund die Entlaſſung des Minderjähri⸗ gen, von der im vorbergehenden Artikel Sprache war, nicht betrieben hat, und wenn einer oder mehrere Verwandten oder Verſchwägerten des Minderjuaͤhrigen in dem Grade von Ge⸗ ſchwiſterkinder oder noch naͤhern Graden ihn faͤhig glauben, entlaſſen zu werden, ſo können ſie den Friedensrichter requi⸗ riren, den Familienrath zuſammen zu berufen, um uͤber die⸗ ſen Gegenſtand zu berathſchlagen. Der Friedensrichter muß dieſer Requiſizion willfahren. aso. Die Vormundſchafts⸗Rechnung ſoll dem entlaſſenen und von einem Kurator, den der Familienrath ernennen ſoll, verbeiſtaͤndeten Minderjährigen abgeleat werden. as1. Der entlaſſene Minderjaͤhrige kann Pachten abſchlieſ⸗ ſen, deren Dauer neun Jahre nicht uͤberſchreiten darf; er beziebt ſeine Einkuͤnfte, ſtellt daruͤber Quittung aus und ver⸗ richtet alle zur alleinigen Verwaltung geboͤrige Handlungen; ohne wider dieſelben in den Stand der Minderjährigkeit zu⸗ ruͤck verſetzt werden zu koͤnnen, als in den Fallen, wo der Großjaͤbrige ſelbſt dahin wieder verſetzt wuͤrde. 482. Er ſoll ohne den Beiſtand ſeines Kurators keine Rechts⸗ klage uͤber unbewegliche Guͤter anfangen, noch ſich in einer gegen ihn angefangenen verantworten; er ſoll ohne dieſen Kurator kein bewegliches Kapital empfängen, noch daruͤber quittiren können; der Kurator ſoll in letzterm Falle uͤber die Anwendung des empfangenen Kapitals wachen. 483. Der entlaſſene Minderiaͤhrige kann unter keinem Vor⸗ wande ohne die Beratbſchlagung des Familienrathes, welche nach angehoͤrtem kaiſerlichen Prokurator die richterliche Ge⸗ nehmigung des Civiltribunals erhalten haben muß, Anleihen machen. 484. Eben ſo wenig ſoll er ohne die Beobachtung der dem nicht entlaſſenen Minderjaͤhrigen vorgeſchriebenen Formen ſeine unbeweglichen Guͤter verkaufen oder veraußern, noch irgend eine andere Verwaltungshandlung vornehmen koͤnnen. Betreffend die Verbindlichkeiten, die er durch Kaͤufe oder auf eine andere Art eingegangen, ſo können ſie im Falle der Ueberſetzung herunter geſetzt werden. Die Lribunale ſollen in dieſer Hinſicht das Vermoͤgen des Minderjährigen, die Redlichkeit oder Unredlichkeit der Perſonen, mit denen er F 2 —— — 84— Verträge abgeſchloſſen hat, und den Vortheil oder Nachtheil, der aus den gemachten Ausgaben entſpringt, in Betracht ziehen 485. Jeder entlaſſene Minderjaͤhrige, deſſen eingegangene Verbindlichkeiten in Kraft des vorhergehenden Artikels herun⸗ tergeſetzt worden, kann der Wohlthat der Entlaſſung beraubt werden, die man ihm unter Beobachtung der naͤmlichen For⸗ malitäten, mit welchen man ſie ihm bewilligt hat, wieder entzieht. 486. Von dem Tage an, wo die Entlaſſung zuruͤckgenom⸗ men worden, trit der Mindexjaͤhrige unter die Vormundſchaft zuruck und verbleibt unter derſelben bis zu ſeiner vollſtaͤndi⸗ gen Volljaͤhrigkeit. 437. Der entlaſſene Minderjuͤhrige, welcher Handlung treibt, iſt fur das, was ſeine Handlungsgeſchaͤfte angeht, als voll⸗ aͤhrig anzuſeben. Eilfter Titel. Von der Großjaͤhrigkeit, der Unterſagung(In⸗ terdikzion) und dem gerichtlichen Beiſtande. (Dekretirt den a9ten Maͤrz 1803, verkuͤndigt den sten April.) Erſtes Kapitel. Von der Großjaͤhrigkeit. as3. Die Großjährigkeit iſt auf das Alter von ein und zwanzig zuruͤckgelegten Jahren feſtgeſetzt. In dieſem Alter iſt man zu allen Handlungen des buͤrgerlichen Lebens, vorbe⸗ haltlich jedoch der in dem Litel von der Ebe gemachten Einſchraͤnkung faͤhig. Zweites Kapitel. Von der Unterſagung(Interdikzion). as9. Der Großjäͤhrige, welcher in einem beſtäͤndigen Zuſtande von Blödſinn, Tollheit oder Raſerei iſt, ſoll unterſagt(in⸗ terdizirt werden, wenn auch gleich dieſer Zuſtand durch ver⸗ nuͤnftige Augenblicke unterbrochen wird. 4o. Jeder Verwandte kann zugelaſſen werden, auf die Un⸗ terſagung ſeines Verwandten, ſo wie jeder Gatte, auf jene ſeines Mitgatten anzutragen. 491. Wenn im Falle der Raſerei die Unterſagung nicht von Seiten der Gatten oder Verwandten begehrt worden, ſo ſoll der kaiſerliche Prokurator darauf antragen, welcher dieſelbe im Falle des Blödſinns oder Tollheit auch gegen ein Indi⸗ viduum, welches weder bekannte Gatten noch Gattin, und auch keine ſonſtige bekannte Verwandten hat, gerichtlich be⸗ gehren kann. 492. Jeder Antrag, die Unterſagung zu erhalten, ſoll vor das Tribunal erſter Inſtanz gebracht werden. 493. Die Thatſachen, welche Bloͤdſinn, Lollheit oder Ra⸗ ſerei beweiſen, ſollen ſchriftlich dargeſtellt werden. Jene⸗ welche die Unterſagung betreiben wollen, ſollen die Zeugen aufſtellen und die Beweisſchriften vorlegen. 4. Das Cribunal ſoll verordnen, daß der in Geſolg der im Abſchnitt IV. Kapitel 11. des Ditels von der Minder⸗ jahrigkeit, der Vormundſchaft und der Entlaſſung ge⸗ gebenen Vorſchrift gebildete Familienratb uber den Zuſtand der Perſon, deren Unterſagung man begehrt, ſein Gutachten gebe. 495. Jene, welche auf Unterſagung angetragen haben, koͤn⸗ nen nicht Mitglieder des Familienrathes ſein; jedoch koͤnnen der Gatte oder die Gattin, und die Kinder der Perſon, um deren Unterſagung man anſteht, zugelaſſen werden, ohne je⸗ doch berathſchlagende Stimme dabei zu haben. 496. Wenn das Sribunal das Gutachten des Familienraths erhalten hat, ſo ſoll daſſelbe den Beklagten in ſeinem Berath⸗ ſchlagungszimmer vernehmen. Wenn er nicht erſcheinen kann, ſo ſoll er von einem darzu beauftragten Richter in Bei⸗ ſein des Gerichtſchreibers in ſeiner Wohnung vernommen wer⸗ den. In allen Fällen ſoll der kaiſerliche Prokurator dem Verhoͤr beiwohnen. 497. Das Tribunal ſoll nach dem erſten Verhoͤr, wenn Urſache vorhanden iſt, einen einsweiligen Verwalter aufſtellen, welcher fur die Perſon und die Guͤter des Beklagten Sorge haben ſoll. 493. Das auf einen Antrag zur Unterſagung zu fällende Urtheil kann nur bei öffentlicher Audienz, und nach dem die Partheien vernommen oder vorgeladen worden, ausgeſprochen werden. 499. Wenn das Tribunal das Unterſagungsbegehren ver⸗ wirft, ſo kann es doch, wenn es die Umſtände erheiſchen, verordnen, daß der Beklagte in Zukunft nicht mehr ſeine Rechts⸗ baͤndel vertheidigen, Vergleiche treßen, Anleihen machen, ein bewealiches Kapital empfangen, daruͤber Quittung aus⸗ ſtellen, veräuſſern, noch ſeine Guͤter mit Verpfaͤndungen be⸗ laſten könne ohne das Beiſein eines Rechtsbeiſtandes, welcher durch das naͤmliche Urtheil fuͤr ihn ſoll ernennt werden. Soo. Wenn von dem Urtheile des Tribunals erſter Inſtanz appellirt wird, ſo kann der Appellazionsgerichtshof die Perſon, deren Unterſagung anverlangt worden, wenn er es noͤthig er⸗ achtet, von neuem vernehmen oder durch einen Kommiſaͤr vernehmen laſſen. Jor. Jedes Appellazions⸗ oder Tribunals⸗Urtheil, welches eine Unterſagung oder Ernennung eines gerichtlichen Beiſtan⸗ des verordnet, muß auf das Betreiben der Klaͤger ausgefertigt, der Gegenparthei ſignifizirt und innerhalb zehn Tagen auf die Tafeln, welche in dem Hörſaale des Tribunals und in den Schreibſtuben der Notarien des Bezirks angeheftet ſein ſollen, angeſchlagen werden. Joa. Die Unterſagung oder Beiftands⸗Ernennung ſoll von dem Tage des gefaͤllten Urtheils ihre Wirkung haben. Alle von dem Unterſagten ſpäͤterhin oder ohne Beiſtand ſeines Rechtsbeiſtandes verrichtete Verhandlungen ſind von rechts⸗ wegen nichtig. Soz. Die vor der Unterſagung vollbrachten Verhandlungen konnen vernichtet werden, wenn zur Zeit, wo dieſe Verhand⸗ lungen vollbracht worden, die urſache der Unterſagung ſchon gemeinkuͤndig vorhanden war. 5og. Die Verbandlungen eines Individuums koͤnnen nach deſſelben Tod nur dann wegen Bloͤdſinn angetaſtet werden, wenn die Unterſagung noch vor ſeinem Abſterben ausgeſprochen oder begehrt worden war; es ſei denn, der Bloͤdſinn erhelle aus der Verhandlung ſelbſt, die man beſtreitet. Sos. Wenn von dem Urtheil des Sribunals erſter Inſtanz, welches die Unterſagung ausgeſprochen hat, nicht appellirt wird, oder wenn daſſelbe auf eingelegte Appellazion beſtütigt worden, ſo ſoll fuͤr die nach den in dem Litel von der Mminder⸗ jaͤhrigkeit, der vormundſchaft und Entlaſſung feſtgeſetzten Regeln zu machende Ernennung eines Vormunds und beigeord⸗ neten Vormunds des Unterſasten geſorgt werden. Der einswei⸗ lige Verwalter ſoll ſein Amt niederlegen, und dem Vormunde, wenn er nicht ſelbſt darzu ernennt worden, Rechnung ablegen⸗ — 87— Jos. Der Mann iſt von rechtswegen der Vormund ſeiner unterſagten Frau. Soy. Die Frau kann zur Vormuͤnderin ihres Mannes er⸗ nennt werden. In dieſem Falle ſoll der Familienrath die Art und Weiſe, ſo wie die Bedingniſſe der Verwaltung be⸗ ſtimmen; vorbehaltlich jedoch, daß der Frau offen ſteht, ſich an die Tribunale zu wenden, wenn ſie ſich durch den Schluß des Familienrathes beeintraͤchtiget glaubt. 9os. Niemand, ausgenommen jedoch die Gatten und Ver⸗ wandten in auf⸗ und abſteigender Linie, kann angehalten wer⸗ den, die Vormundſchaft uͤber einen Unterſagten laͤnger als zehn Jahre fortzufuͤhren. Nach Verlauf dieſer Zeitfriſt kann der Vormund begehren erſetzt zu werden, und man muß ſei⸗ nem Begehren willfahren. So9. Der Unterſagte wird dem Minderjährigen in Betreff ſeiner Perſon und ſeiner Guͤter gleich geachtet. Die Geſetze uͤber die Vormundſchaft der Minderjaͤhrigen ſollen auch auf die Vormundſchaften uͤber die Unterſagten angewendet werden. S1o. Die Einkuͤnfte des Unterſagten ſollen vorzuͤglich darzu verwendet werden, ſein Schickſal zu erleichtern und ſeine Hei⸗ lung zu beſchleunigen. Der Familienrath kann nach der Be⸗ ſchaffenheit ſeiner Krankheit und dem Zuſtand ſeines Vermoͤ⸗ gens beſchließen, daß er entweder in ſeiner Wohnung ver⸗ pfleget, oder in ein Krankenhaus, ja auch in ein Hoſpital verbracht werde. 511. Wenn von der Verheurathung des Kindes eines Un⸗ terſagten Sprache iſt, ſo ſollen die Morgengabe oder der Erbſchaftsvorſchuß ſo wie andere Ehevertraͤge durch ein Gut⸗ achten des Familienrathes in Ordnung gebracht, und daſſelbe von dem Tribunal auf die Konkluſionen des kaiſerlichen Pro⸗ kurators homologirt werden. S512. Die Unterſagung hoͤrt mit den urſachen, welche ſie veranlaßt haben, auf. Jedoch ſoll die Aufhebung des Be⸗ ſchlags nur mit Befolgung der Formalitaͤten, welche vorge⸗ ſchrieben ſind, um zur Unrerſagung zu gelangen, ausgeſpro⸗ chen werden, und der Unterſagte kann in die Ausuͤbung ſei⸗ ner Rechte zuerſt nach dem geſprochenen Urtheil der Aufhe⸗ bung wieder eintreten. — 6— Drittes Kapitel. Von dem gerichtlichen Beiſtande. S1z. Den Verſchwendern kann verboten werden, ohne Dar⸗ zwiſchenkunft des ihnen durch das Dribunal ernennten Bei⸗ ſtandes ihre Rechtsſachen zu vertheidigen, Vergleiche zu ſchließen, Anleihen zu machen, ein bewegliches Kapital zu erheben, daruͤber Qnittung auszuſtellen, zu veraͤußern oder ihre Guͤ⸗ ter mit Verpfaͤndungen zu belaſten. S14. Das Verboth, ohne Mitwirkung des Rechtsbeiſtan⸗ des etwas zu unternehmen, kann von denjenigen rechtlich verlangt werden, welche das Recht baben, auf die Unterſa⸗ gung anzutragen. Ihr Geſuch muß auf die naͤmliche Art betrieben und abgeurtheilt werden. Dieſes Verboth kann nur mit Beobachtung der naͤmlſchen Formalitaͤten aufgehoben werden. S15. In Unterſagungsgegenſtaͤnden und Beiſtandsernennun⸗ gen kann ſowohl in erſter Inſtanz als auch in Apvellazions⸗ fällen das Urtheil nur auf die Konkluſionen des oͤffentlichen Miniſteriums geſprochen werden. Ende des erſten Buchs. Napoleonſches Geſetzbuch. Zweites Buch. Von den Guͤtern und den verſchiedenen Beſchraͤnkungen des Eigenthums. Erſter Titell. Von dem unterſchiede der Guͤter. (Dekretirt den asten Jänner 1804, verkuͤndigt den 4ten Hornung.) 516. Aue Guͤter ſind entweder beweglich oder unbeweglich. Erſtes Kapitel. Von den unbeweglichen Guͤtern. s17. Die Guͤter ſind entweder nach ihrer Natur, oder nach ihrer Beſtimmung, oder nach dem Gegenſtand, auf welchen man ſie anwendet, unbeweglich. 51s. Grundſtuͤcke und Gehaͤude ſind ihrer Natur nach un⸗ beweglich⸗ s19. Waſſer⸗ oder Windmuͤhlen, welche auf Pfeilern ruhen und einen Theil des Gebaͤudes ausmachen, ſind ebenfalls ih⸗ rer Natur nach unbeweglich. s20. Die noch auf den Halmen ſtehenden Fruͤchten und die noch nicht gebrochenen Baumfruͤchte ſind ebenfalls un⸗ beweglich. Sobald die Feldfruͤchte geſchnitten und die Baumfruͤchte gebrochen ſind, ob ſie gleich noch nicht hinweg gefuͤhrt wor⸗ den, ſind ſie bewegliche Fruͤchten. Wenn nur ein Theil der Aernde geſchnitten iſt, ſo iſt die⸗ ſer geſchnittene Theil allein beweglich. s21. Die gewöhnlichen Holzſchlaͤge nieder⸗ vder hochſtaͤm⸗ miger zu regelmäßigen Schlaͤgen beſtimmter Waldungen wer⸗ den nur nach und nach, ſo wie die Baͤume gefaͤllt werden, bewegliches Gut. — 90— S22. Die Thiere, welche der Eigenthuͤmer der Grundſtuͤcke dem Paͤchter oder Hofbauern zum Anbaue liefert, ſie mögen abgeſchaͤtzt ſein oder nicht, ſind ſo lange als unbewegliche Guͤter anzuſehen, als ſie vermoͤge geſchehener Uebereinkunft zu den Grundſtuͤcken gehören. Die Thiere, welche er um die Hälfte der Nutzung(donnés à cheptel) andern als dem Paͤchter oder Hofbauer verpach⸗ tet, ſind bewegliche Guͤter. 523. Die Brunnenroͤhre, welche, um Waſſer in ein Haus oder anderes Grundſtuͤck zu fuͤhren, gelegt worden, ſind un⸗ beweglich und gehoͤren zu dem Boden, unter welchem ſie liegen. 524. Dle Gegenſtände, welche der Eigenthuͤmer eines Grund⸗ ſtuͤcks zum Dienſt und Benutzung des Grundſtuͤckes ange⸗ bracht hat, ſind durch ihre Beſtimmung unbeweglich. Folglich ſind Die zum Feldbaue beſtimmten Thiere; Die Pflug⸗ und Ackergeraͤthſchaften; Die den Paͤchtern oder theilweiſe anbauenden Ackersleuten gegebenen Saͤmereien; Die in Taubenſchlaͤgen aufbewahrten Tauben; Die Kaninchen in ihrem Gehaͤge; Die Bienenſtocke; Die Fiſche in Teichen; Die Keltern, Keſſel, Diſtilirkolben, Zuber und Tonnen; Die zur Betreibung der Eiſenſchmelzen, Papiermuͤhlen und anderer Gewerke noͤthigen Geraͤthſchaften; Stroh und Duͤnger unbeweglich nach ihrer Beſtimmung, wenn ſie durch den Ei⸗ genthuͤmer fur den Dienſt und die Benutzung der Grundſtüͤcke auf dieſelben gebracht worden. Sind ebenfalls ihrer Beſtimmung nach unbeweglich alle beweglichen Geraͤthſchaften, welche der Eigenthuͤmer zu den Grundſtuͤcken beſtimmt hat, um immer dabei zu bleiben. Sa. Man haͤlt dafuͤr, der Eigenthuͤmer habe bewegliche Ge⸗ raͤthſchaften zu den Grundſtucken beſtimmt, um immer dabei zu bleiben, wenn ſie mit Gips, Kalch oder Kuͤtte darauf feſtgemacht ſind, und man ſie davon nicht wieder losmachen kann, ohne verbrochen oder verdorben zu werden, oder ohne bei ihrer Wegnahme den Theil des Grundſtuͤckes, worauf ſie feſtgemacht ſind, zu zertruͤmmern oder zu verderben. —„1— Die Spiegel eines Zimmers ſollen angeſehen werden, als ſeien ſie beſtimmt fuͤr immer da zu bleiben, wenn das Holz⸗ werk, worauf ſie befeſtigt ſind, mit der hoͤlzernen Bekleidung des Zimmers ein Ganzes ausmacht. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit Gemaͤlden und andern Verzie⸗ rungen. Was die Bildſaͤulen betrifft, ſo ſind ſie unbeweglich, wenn ſie in einer zu ihrer Aufnahme beſonders angebrachten Blen⸗ de(niche) aufgeßellt ſind, wenn man ſie gleich, ohne ſie zu zerbrechen oder zu beſchaͤdigen, hinwegnehmen kann. Fa6. Sind unbewegliche Guͤter des Gegenſtandes halber, worauf ſie angewendet ſind Die Nutznießung unbeweglicher Dinge; Die auf dem Grund und Boden haftenden Dienſtbarkeiten und Grundgerechtigkeiten; Die Rechtsklagen, welche zur Abſicht haben, ein unbeweg⸗ liches Gut ſich wieder zu verſchaffen. Zweites Kapitel. Von den beweglichen Guͤtern(Mobilien). Sa7. Die Guͤter ſind entweder ihrer Natur nach oder durch die Beſtimmung des Geſetzes beweglich. Sag. Beweglich ihrer Natur nach ſind die Körper, die man aus einem Orte in den andern verſetzen kann; ſie moͤgen ſich nun ſelbſt bewegen, wie die Thiere; oder fremder Kraft noͤ⸗ thig haben, um dieſe Ortsveraͤnderung zu bewirken, wie die lebloſen Dinge. §29. Beweglich durch die Beſtimmung des Geſetzes ſind die Obligazionen und Rechtsklagen, welche Summen, die als Schulden ausſtehen, oder bewegliche Geraͤthſchaften zum Ge⸗ genſtand haben; die Akzien oder Theilhabungen in Finanz⸗ Handels⸗ oder Induſtriegeſellſchaften, wenn auch unbewegliche von dieſen Unternehmungen abhangende Guͤter den Geſellſchaf⸗ ten angehoͤren. Die Akzien oder Theilbabungen ſind als bewegliche Guͤter nur in Hinſicht jedes einzelnen Mitgeſell⸗ ſchafters, ſo lange die Geſellſchaft beſteht, anzuſehen. Sind auch beweglich durch die Veſtimmung des Geſetzes die ewigen oder Leibrenten, die entweder auf dem Staate oder auf Partikularen haften. — 92— s30.* Jede auf immer fuͤr den Kaufvreis eines unbeweg⸗ lichen Gutes errichtete oder als Bedingniß der mit einer unter einem laͤſtigen oder wohlthaͤtigen Titre geſchehenen Abtretung eines unbeweglichen Grundſtuͤcks aufgeſtellte Rente iſt ihrer Weſenheit nach ruͤckkaͤuflich⸗ Doch iſt es dem Glaͤubiger erlaubt, die Klauſeln und Be⸗ dingniſſe des Ruͤckkaufs feſtzuſetzen. Es iſt ihm auch erlaubt, zu verfuͤgen, daß die Rente ihm nur nach Verlauf einer gewiſſen Zeitfriſt, die aber dreißig Jahre nicht uͤberſteigen darf, wieder zuruͤck bezahlt werde. Jedes dieſem zuwiderſtrebende Ausbedingen iſt nichtig. S31. Die auf Fluͤſſen gehenden Schiffe, Faͤhren, Seeſchiffe, Schiffmuͤblen und Schiffbaͤder und uͤberhaupt alle nicht durch Pfäͤhler feſtgemachten, oder einen Dheil des Hauſes ausma⸗ chenden Werkſtaätte ſind bewegliche Guͤter. Jedoch kann die Arreſtanlegung(saisie) auf einige dieſer Gegenſtaͤnde beſon⸗ dern Formalitaͤten unterworfen werden, ſo wie dies in dem Geſetzbuche uͤber die Ctvilprozeßordnung wird erklaͤrt werden. 532. Die von dem Niederreißen eines Gebaͤudes herkom⸗ menden Bauſtoffe; jene, welche man beifuͤhrte, ein neues aufzurichten, ſind beweglich, bis der Handwerksmann ſie bei dem Baue angebracht hat. 633 Das Wort meuble(Mobilien), wenn es in geſetzli⸗ chen oder menſchlichen Verfuͤgungen ganz allein ohne irgend einen andern Zuſatz oder Bezeichnung gebraucht wird, be⸗ greift klingendes Geld, Edelgeſteine, Aktivſchulden, Buͤcher, Schaumuͤnzen, Inſtrumenten der Wiſſenſchaften, Kuͤnſte und Handwerker, Leibweißzeug, Pferde, Equipagen, Waffen, Getraide, Weine, Heu und andere Lebensmittel nicht in ſich. Auch iſt darunter nicht verſtanden, was ein Gegenſtand des Handels iſt. 534 Die Worte: meubles meublans(Geraͤthſchaften um ein Haus zu moͤbliren) begreifen nur die Geraͤthſchaften, welche zum Gebrauch und zur Verzierung der Zimmer be⸗ ſtimmt ſind; wie Tapeten, Bette, Stuͤhle, Wandſpiegel, Wanduhren, Siſche, Porzellan und andere Gegenſtaͤnde die⸗ ſer Art. Die Gemälde und Bildſaͤulen, welche einen Cheil der „Dieſer Artikel iſt am 2rten Maͤrz 1804 dekretirt und am zrten des naͤmlichen Monaths verkuͤndigt worden. Meubles eines Zimmers ausmachen, ſind auch darunter be⸗ griffen; aber nicht die Gemaͤldeſammlungen, welche in Bil⸗ derſaͤlen oder beſondern Zimmern ſich vorfinden koͤnnen. Eben ſo verhaͤlt es ſich auch mit dem Porzellan; nur jenes, was einen Theil der Verſchoͤnerung eines Zimmers ausmacht, kann zu den meubles meublans gezaͤhlt werden. 535. Der Ausdruck biens meubles(bewegliche Guͤter) je⸗ ner von mobilier(Mobilien) oder effets mohiliers(beweg⸗ liche Geraͤthſchaften) begreiffen uͤberhaupt alles das in ſich, was nach den oben aufgeſtellten Regeln fuͤr beweglich kann gehalten werden. Der Verkauf oder die Verſchenkung eines moͤblirten Hau⸗ ſes begreift nur die meubles meublans. s36. Der Verkauf oder die Verſchenkung eines Hauſes mit allem was ſich darin befindet, begreift das baare Geld oder die Aktivforderungen, noch andere Gerechtſame, wovon die urkunden in dem Hauſe aufbewahrt ſein konnen, nicht in ſich; aber alle ubrige Geraͤtbſchaften ſind darunter verſtanden. Drittes Kapitel. Von den Gütern in Bezug auf ihre Beſitzer. 537 Die Partikularen verfugen frei uͤber die Guͤter, wel⸗ che ihnen zugehören; jedoch unter den Einſchraͤnkungen, wel⸗ che das Geſetz aufſtellt. Die Guͤter, welche keinen Partikularen zugehoͤren, werden nach den eigends fur ſie beſtimmten Formen und Vorſchrif⸗ ten verwaltet, und koͤnnen nur nach eben dieſen Formen und Vorſchriften veraͤuſſert werden. 53. Die Wege, Straßen und Gaſſen, welche der Staat unterhalten muß, die ſchiff⸗ oder floͤßbaren Fluſſe und Bäche, die ufer, die Koſten, die An⸗ und Abſchwemmungen des Meers, die Haͤfen, Buchten und Rheden, ſo wie uͤberhaupt alle Theile des franzoſiſchen Gebiethes, welche kein Privateigenthum ſein koͤnnen, ſind als zu den Staatsgefällen gehoͤrig anzuſehen. 539. Alle erledigte und herrnloſe Guͤrer und jene der ohne Erben verſtorbenen Perſonen, oder deren Erbſchaften niemand annehmen will, gehoͤren zu den Staatsgefaͤllen. S4o. Die Thoren, Mauern, Graͤben, Waͤlle der Kriegs⸗ plaͤtze und Feſtungen machen auch einen Theil des Staats⸗ eigenthums aus. zuu. Eben ſo verbuͤlt es ſich mit den Grundſuͤcken der Feſtungswerke und Wälle der Plätze, welche keine Kriegsplätze mehr ſind; ſie gehoͤren dem Staate, wenn ſie anders nicht gultig veräuſſert worden, oder das Eigenthum derſelben nicht gegen den Staat verjäͤbrt worden iſt. Saa. Gemeindeguter ſind diejenigen, auf deren Eigenthum oder Ertrag die Inwobner einer oder mehrerer Gemeinden ein erworbenes Recht haben⸗ S43. Man kann auf Guͤter entweder das Eigenthumsrecht, oder das alleinige Recht des Genußſes, oder nur bloße Grund⸗ gerechtſame zu fodern baben⸗ Zweiter Titel. Von dem Eigenthume. (Dekretirt den 27ten Jaͤnner r804, verkuͤndiget den 6ten des Monaths Hornung.) S4g. Das Eigenthum iſt das Recht, auf eine ganz unbe⸗ dingte Weiſe eine Sache zu genießen und daruͤber zu verfuͤ⸗ gen, vorbehaltlich keinen Gebrauch davon zu machen, der durch Geſetze vder Verordnungen verboten iſt. S45. Niemand kann gezwungen werden, ſein Eigenthum abzutreten, es ſei denn, das gemeine Beſte dadurch zu beför⸗ dern und vermittels einer gerechten und vorlaͤufigen Entſchaͤ⸗ digung. 546. Das Eigentbum einer beweglichen oder unbeweglichen Sache gibt ein Recht auf alles, was ſie hervorbringt und alles, was ſich noch nebenher entweder naturlicher oder kuͤnſt⸗ licher Weiſe mit ihr verbindet. Dieſes Recht nennt man droit d'accession(Zuwachsrecht.) Prſter Abſchnitt. Von dem Zuwachsrecht auf das, was die Sache hervorbringt. S47. Die natuͤrlichen oder durch Kunſtfleiß erziehlten Fruch⸗ te der Erde; Die Civilfruchte; Die Vermehrung der Thiere durch Fortpflanzung gehören dem Eigenthuͤmer durch das Zuwachsrecht. S48. Die von einer Sache hervorgebrachten Fruͤchte gehö⸗ ren dem Eigenthumer nur in ſoweit, als er die von dem Drittern verrichteten Pfluͤgungen, Arbeiten und Ausſaͤungen wieder erſtattet. S49. Der bloſe Beſitzer macht die Fruͤchte ſich nicht eigen⸗ thuͤmlich als in dem Falle er redlicher Beſitzer iſt. Im ent⸗ gegengeſetzten Falle iſt er gehalten, dem das Gut rechtlich zu⸗ ruͤckfodernden Eigenthuͤmmer den Ertrag mit der Sache ſelbſt zuruͤck zu geben. S50. Der Beſitzer beſitzt rechtlich, wenn er als Eigenthuͤmer in Kraft einer Urkunde, welche ihm das Eigenthum uͤbertraͤgt, deren Maͤngel ihm aber unbekannt ſind, beſitzt. Er hoͤrt auf, rechtlich zu beſitzen, ſobald ihm dieſe Maͤngel bekannt werden. zweiter Abſchnitt. Von dem Zuwachsrecht auf das, was ſich mit dem Gegenſtand vereinigt und nur eine Sache mit ihr ausmacht. S62. Alles, was ſich mit der Sache vereinigt und nur eines mit ihr ausmacht, gehoͤrt nach den hiernach aufzuſtellenden Vorſchriften dem Eigenthuͤmer. S 1. Von dem Zunecſt in Bezug auf unbewegliche uter. S62. Das Eigenthum des Bodens gibt das Eigenthum von dem, was daruͤber oder darunter iſt. Der Eigenthuͤmer kann darauf alle Pflanzungen und Ge⸗ baude auffuͤhren, die ihm dienlich zu ſein ſcheinen, mit Vor⸗ behalt jedoch der Ausnahmen, welche in dem nachher aufzu⸗ ſtellenden vierten Litel von den Dienſtbarkeiten oder Grundge⸗ rechtigkeiten feſtgeſetzt ſind. Er kann unter der Oberflaͤche alles Bauen und Nachgraben, welches er fur dienlich findet, anſtellen, und den Ertrag, wel⸗ chen dieſes Nachgraben abwirft, beziehen, vorbehaſtlich jedoch der Einſchraͤnkungen, welche aus den Geſetzen und Vorſchriften uͤber die Minen und aus den Polizeigeſetzen und Verordnun⸗ gen herfließen. 553. Alle Auftuͤhrungen von Gebaͤuden, angelegten Pflan⸗ zungen und Werken, welche ober⸗ oder unterhalb eines Grund⸗ ſtuͤckes ſtatt haben, werden vermuthet, als errichte ſie der Eigenthuͤmer auf ſeine Koͤſten und gehoren ihm zu, wenn das Gegentheil nicht erwieſen iſt; unbeſchadet jedoch des Eigen⸗ thums, welches ein Dritterer durch Veriahrung auf ein un⸗ terirdiſches Gebuͤude unter dem Baue eines andern oder jedem — 96— andern Theile des Gebaͤudes kann erworben haben oder wird erwerben koͤnnen. Sa. Der Eigenthuͤmer des Bodens, welcher Gebaͤude, Pflan⸗ zungen oder Werke mit Materialien, die ihm nicht zugehoͤren, errichtet, muß den Werth derſelben bezahlen; er kann auch zum Erſatz des Schadens und entbehrten Gewinns, wenn ſolcher ſtatt bat, angehalten werdenz allein der Eigenthuͤmer der Ma⸗ terialien hat das Recht nicht, ſie hinweg zu nehmen. 666. Wenn die Pflanzungen, Baulichkeiten oder Werke durch einen Drittern und mit deſſen Materialien errichtet worden, ſo hat der Eigenthuͤmer des Grundſtuͤrkes das Recht, ſie ent⸗ weder fuͤr ſich zu behalten, oder denienigen der ſie errichtet hat, zu zwingen, ſie hinweg zu ſchaffen. Wenn der Eigenthuͤmer die Wegraͤumung der Pflanzungen und Baulichkeiten begehrt, ſo muß ſie auf Koſten deſſen, der ſie errichtet hat geſchehen, ohne daß er einige Entſchaͤdigung zu beſprechen habe; er kann ſogar wegen dem Nachtbeil, wel⸗ chen der Eigenthuͤmer des Grundſtuͤckes kann erlitten baben, zu Schadenerſatz, wenn er ſtatt hat, verurtheilt werden. Wenn der Eigenthuͤmer vorzieht, dieſe Pflanzungen und Baulichkeiten fur ſich zu bebalten, ſo iſt er zur Ruͤckerſtattung des Preißes der Materialien und des Handwerkslohnes ver⸗ pflichtet, ohne Ruͤckſicht jedoch der größern oder minder groſ⸗ ſen Wertbserhohung, welche das Grundſtuck kann erhalten ha⸗ ben. Wenn jedoch die Pflanzungen, Baulichkeiten und Werke von einem Drittern aus dem Beſitz Gewießenen errichtet wor⸗ den; dieſer aber, weil er redlicher Beſitzer war, zur Wiederer⸗ ſtattung der bezogenen Fruͤchte nicht verurtheilt ward, ſo kann der Eigenthuͤmer die Wegraͤumung der gedachten Werke, Pflanzungen und Baulichkeiten nicht begehren; doch ſoll er die Wahl haben, entweder den Werth der Materialien und den Preiß des Handwerkslohns, oder eine Summe, die je⸗ ner gleich koͤmmt, um welche das Grundſtuͤck an Wertb zuge⸗ nommen, zuruͤck zu zahlen. 556. Das Anwerfen und Zuwachſen, welches ſich nach und nach und ganz unvermerkt an den Grundſtuͤcken, welche auf Fluͤſe oder Väche ſtoßen, anſetzt, nennt man alluvion (Anſchwemmung). Die Anſchwemmung kömmt dem uferbeſitzer zum Beſten, es ſei nun von einem ſchiffbaren und flößbaren Fluße und Bache, oder einem Fluße und Bache, der es nicht iſt, die Redes doch hat, im Falle der Fluß und Bach ſchiffbar oder floßbar iſt, der Eigenthuͤmer die Verbindlichkeit, einen Fußweg oder Leinpfad nach den beſtehenden Verordnungen frei zu laſſen. 537. Eben ſo verhält es ſich mit dem Grund und Boden, welchen ein fließendes Waſſer zuruͤcklaͤßt, wenn es ſich un⸗ vermerkt von dem einen ufer entfernt und ſich auf das ande⸗ re hindraͤngt. Der Eigenthuͤmer des zuruckgelaſſenen Bodens bezieht den Vortheil der Anſchwemmung, ohne daß der Ufer⸗ eigenthuͤmer des entgegengeſetzten Ufers den ihm verloren ge⸗ gangenen Erdſtrich zuruͤck fodern koͤnne. Dieſes Recht findet aber in Hinſicht der Erdſtriche, welche das Meer zuruck laͤßt, nicht ſtatt. S58. Die Anſchwemmung findet in Betreff der Seen und Leiche nicht ſtatt; der Eigenthuͤmer behaͤlt immer das Erd⸗ reich, welches das Waſſer bedeckt, wenn es mit dem Abfluſſe des Teiches gleiche Höhe hat, und auch dann noch, wenn ſich die Maſſe des Waſſers nachher vermindert. Gegenſeitig erwirbt der Eigenthuͤmer des Leiches kein Recht auf die am ufer gelegenen Erdſtriche, welche ſein Waſſer bei auſſerordentlichem Anwuchſe bedeckt. 569. Wenn ein Strom, oder ein ſchiffbarer oder nicht ſchiff⸗ barer Bach durch eine vlotzliche Gewalt einen betraͤchtlichen und kennbaren Cheil eines am Ufer gelegenen Stuͤcks abreißt, und ſolchen unterhalb oder auf dem entgegen geſetzten ufer anſchwemmt, ſo kann der Eigenthuͤmer des abgeriſſenen Grund⸗ ſtuckes ſein Eigenthum zuruͤck fodern; allein er iſt verbunden, ſeine Klage innerhalb Jahresfriſt zu machenz nach Verlauf dieſer Zeit wird er nicht mehr zugelaſſen; es ſei denn, der Eigenthuͤmer des Feldes, mit dem der losgeriſſene Cheil ſich vereinigt hat, habe noch nicht Beſitz von letzterem ge⸗ nommen. 560. Die Inſeln, Inſelchen und Erdanſchwemmungen, wel⸗ che ſich in dem Bette von Fluſſen und ſchiffbaren oder floß⸗ baren Baͤchen bilden, gehoͤren dem Staate, wenn keine Ur⸗ kunde oder Verjährung von dem Gegentheile vorhanden iſt. 561. Die Inſeln und Erdanſchwemmungen, welche ſich in den nicht ſchiffbaren oder nicht floßbaren Bächen bilden, ge⸗ bören den Eigenthuͤmern, die auf jener Seite des ufers, auf welcher die Inſel ſich gebildet hat; begutert ſind; wenn ſie ſich nicht ganz auf einer Seite alleil bildet, ſo gehört ſie den auf beiden Seiten des Ufers beguͤterten Eigenthuͤmern, G von der Linie an, welche man als in der Mitte des Baches gezogen annimmt. S62. Wenn ein Bach oder Fluß einen neuen Arm bildet, und dadurch das Feld eines am ufer beguterten Eigenthuͤ⸗ mers durchſchneidet oder einfaßt und alſo eine Inſel daraus bildet, ſo behaͤlt dieſer Eigenthuͤmer das Eigenthum ſeines Feldes, wenn auch ſchon die Inſel in einem ſchiffbaren und ſioßbaren Bache ſich bildet. 5oz. Wenn ein Fluß oder ein ſchiffbarer und floͤßbarer Bach oder einer, der es nicht iſt, ſich, indem er ſein altes Bette verläßt, einen neuen Lauf bildet, ſo nehmen die Eigenthuͤmer der neu beſetzten Grundſtuͤcke zu ihrer Entſchaͤdiqung das ehemalige verlaſſene Bette, jeder in dem Verbaͤltniſſe des Theils von Grundſtuͤcken, welche ihm weggenommen worden. S64. Die Tauben, Kaninchen, Fiſche, welche in einen an⸗ dern Taubenſchlag, Gehaͤge oder Deich ubergehen, gehören dem Eigenthuͤmer dieſer Gegenſtaͤnde, wenn ſie nicht durch Betrug oder Kunſtgriff dahin gezogen worden. § 2 Von dem Zuwachsrecht in Bezug auf bewegliche Sachen. S65. Wenn das Zuwachsrecht zwei bewegliche Sachen, welche zweien verſchiedenen Herrn zugehören, zum Gegenſtand hat, ſo iſt es gaͤnzlich den Grundſaͤtzen der natuͤrlichen Bil⸗ ligkeit untergeordnet⸗ Folgende Regeln ſollen dem Richter als Muſter dienen, um ſich in den nicht vorgeſehenen Faͤllen nach den beſondern Umſtänden zu beſtimmen? S66. Wenn zwei Sachen, welche verſchiedenen Herrn zuge⸗ hoͤren, und welche ſo mit einander verbunden waren, daß ſie ein Ganzes ausmachten, doch ſo, daß eines ohne das andere beſtehen kann, ſo gebört das Ganze dem Eigenthuͤmer der Sache, welche den Haupttheil ausmacht, mit dem Beding, dem andern den Werth der Sache, welche damit vereinigt war, zu bezahlen. 567. Als Haupttheil wird diejenige Sache angeſehen mit welcher die andere nur zum Gebrauch zur Zierde oder Er⸗ gaͤnzung der erſtern vereinigt worden⸗ S6s. Wenn jedoch die vereinigte Sache viel koſtbarer iſt als die Hauptſache, oder wenn ſie ohne Vorwiſſen des Eigen⸗ thůmers gebraucht worden/ ſo kann dieſer begehren, daß die ver⸗ einigte Sache getrennt werde, um ſie ihm wieder zu geben; wenn auch eine Veſchaͤdigung der Sache, mit der ſie verei⸗ nigt war, daraus entſtehen ſollte. 569. Wenn von zwei Sachen, welche vereinigt ſind, um ein einziges Ganze zu bilden, die eine nicht als Nebenſache der andern angeſehen werden kann, ſo muß jene als Haupt⸗ ſache angeſehen werden, welche am meiſten an Werth hat; oder wenn der Werth von beiden faſt gleich iſt, welche am mei⸗ ſten an Ausdehnung hat. S7o. Wenn ein Handwerksmann oder jede andere Perſon einen Stoff, der ihr nicht angehoͤrte, angewendet hat, um eine Sache von neuer Art daraus zu bilden, es ſei nun, daß der Stoff ſeine erſte Bildung wieder annehmen kann oder nicht, ſo hat jener, welcher der Eigenthuͤmer davon war, das Recht, die Sache, welche daraus gebildet worden, zuruck zu fodern, indem er den Arbeitslohn dafuͤr bezahlt. 571. Wenn jedoch die daran verwendete Arbeit ſo wichtig waͤre, daß ſie den Werth des darzu gebrauchten Stoffes weit uberſtiege, ſo wuͤrde der Kunſifleiß alsdann als der Hauptheil angeſehen werden, und der Arbeiter das Recht haben die be⸗ arbeitete Sache zuruͤck zu behalten und dem Eigenthuͤmer den Werth des Stoffes zu verguͤten. s72. Wenn eine Perſon zum Theil den Stoff der ihr ange⸗ hoͤrte, und zum Theil jenen, der ihr nicht angehoͤrte, ange⸗ wendet hat, um eine Sache von neuer Art daraus zu bilden, ohne daß weder der eine noch der andere der beiden Stoffe gaͤnzlich zerſtort worden, jedoch ſo, daß ſie ohne Nachtheil nicht koͤnnen getrennt werden, ſo iſt die Sache den beiden Eigenthuͤmern gemeinſchaftlich; und zwar dem einen, wegen dem Stoffe, der ihm zugehoͤrte; und dem andern ſowohl wegen dem Stoffe, der ihm gehoͤrte, als auch wegen dem Werth ſeiner Handarbeit. 573. Wenn eine Sache durch Vermiſchung mehrerer Stof⸗ fe, welche verſchiedenen Eigenthuͤmern gehoͤren, wovon aber keiner als der Hauptſtoff kann angeſehen werden, gebildet worden, dieſe Stoffe aber wieder getrennt werden können, ſo kann derjenige, ohne deſſen Vorwiſſen die Vermiſchung der Stoffe geſchehen, die Trennung derſelben begehren. Wenn die Stoffe ohne Rachtheil nicht mehr koͤnnen getrennt werden, ſo erwerben die Eigenthuͤmer das gemeinſchaftliche Eigenthum der Sache; jeder von ihnen nach dem Verhaͤlt⸗ 62 — 100— niß der Beſchafenheit, der Menge und des Werths der ei⸗ nem jeden zuſtändigen Stoffe · S74. Wenn der einem der Eigenthuͤmer zuſtaͤndige Stoff den andern an Menge und Werth weit uͤbertrifft, ſo ſoll der Eigen⸗ thuͤmer des in hoͤherm Werth ſtehenden Stoffes ſich die aus der Vermiſchung gefertigte Sache zueignen koͤnnen, indem er dem andern den Werth ſeines Stoffes zuruckerſtattet. S78. Wenn die Sache den Eigentbuͤmern der Stoffe, wor⸗ aus ſie gebildet worden, gemeinſchaftlich verbleibt, ſo muß ſie zum gemeinſchaftlichen Beſten verſteigert werden. 676. In allen Fällen, wo der Eigenthuͤmer des Stoffes, der ohne ſein Vorwiſſen zur Vildung einer Sache von einer andern Art verwendet worden, das Eigenthum dieſer Sache an ſich ziehen kann, hat derſelbe die Wahl, die Wiedererſtat⸗ tung ſeines Stoffes in der naͤmlichen Natur, Menge, Ge⸗ wicht, Maaß und Guͤte oder Werth zu begehren. 577. Diejenigen, welche Stoffe, die andern zugehoͤren, ohne ihr Vorwiſſen angewendet haben, koͤnnen auch den Um⸗ ſtaͤnden nach zum Erſatz des Schadens und entbehrten Ge⸗ winns unbeſchadet der in vorkommenden Faͤllen anzuordnen⸗ den auſſerordentlichen Rechtsverfolgungen angehalten werden. Dritter Titel. Von der Nutznießung, von dem Gebrauche und der Wohnung. (Dekretirt am zoten Jänner 1304 verkuͤndigt den 9ten Hornung.) Erſtes Kapitel. Von der Nutznießung. 678. Die Nutznießung iſt das Recht, Sachen, wovon ein Anderer Eigenthuͤmer iſt, ſo zu benutzen, wie ſie der Eigen⸗ thuͤmer ſelbſt benutzt, mit der Obliegenheit jedoch, das We⸗ ſen der Sache zu erhalten. 579. Die Nutznießung wird entweder durch das Geſetz oder den Willen eines Menſchen geſtattet. 680. Die Nutznießung kann entweder unbedingt, oder bis auf en beſtimmten Tag oder unter gewiſſen Bedingniſſen geſtattet werden. S81. Sie kann auf jede Gattung beweglicher oder unbe⸗ weglicher Guͤter geſtattet werden⸗ — Jo07— Erſter Abſchnitt. Von den Rechten des Nutznießers. 582. Der Nutznießer hat das Recht, alle Arten von Fruͤch⸗ ten, ſie ſeien nun natuͤrlich, durch Kunſtfleiß erzweckt, oder buͤrgerlich, welche der Gegenſtand, wovon er die Nutznießung bat, hervorbringt, zu genießen. §583. Natuͤrliche Fruͤchte ſind jene, welche die Erde von ſelbſt hervorbringt. Der Ertrag des Viehes und deſſen Ver⸗ mehrung durch Fortoflanzung ſind auch natuͤrliche Fruͤchte. Die durch Kunſtfleiß erzweckten Fruͤchte eines Grundſtuͤcks ſind diejenigen, die man durch den Anbau deſſelben erhaͤlt. s84. Buͤrgerliche Fruͤchte ſind die Miethzinſe der Haͤuſer, die Zinſe der Summen, welche man wieder zuruͤck fodern kann und die Ruͤckſtaͤnde der Renten. Die Pachtſchillinge muͤſſen auch in die Klaſſe der burger⸗ lichen Fruͤchte geſetzt werden. S86. Die natuͤrlichen und durch Kunſtfleiß erzielten Fruͤch⸗ te, welche in dem Augenblicke, wo die Nutznießung eröfnet wird, an den Zweigen haͤngen oder auf den Halmen ſtehn, gehoͤren dem Nutznießer. Diejenigen, welche ſich in dem Augenblicke, wo die MNutz⸗ nießung aufhört, in dem naͤmlichen Zuſtande befinden, gehoͤ⸗ ren dem Eigenthuͤmer, ohne daß von einer oder der andern Seite eine Ruͤckerſtattung der Anbau⸗ und Saatkoſten ſtatt baben koͤnne; jedoch auch ohne Nachtheil der Fruchte, die ein theilhabender Pachter, wenn ein ſolcher zu Anfange oder bei dem Aufhoͤren der Nutznießung vorhanden war, koͤnnte erworben haben. 5s6. Die burgerlichen Fruchte werden angeſehen, als erwer⸗ be man ſie theilweiſe Tag vor Lag und gehören nach Maaß⸗ gabe der Dauer der Nutznießung dem Nutznießer. Dieſe Re⸗ gel iſt auch auf die Pachtſchillinge, auf Hausmiethen und andere buͤrgerliche Fruͤchte anwendbar. 587. Wenn die Nutznießung Dinge in ſich begreift, die man nicht benutzen kann, ohne ſie aufzuzehren, als Geld, Getraide, Getränke(iqueurs), ſo hat der Nutznießer das Recht, ſich derſelben zu bedienen, jedoch mit der Verbindlich⸗ keit, wenn die Nutzniehung zu Ende geht, gleiche Menge, Beſchaffenheit und Werth, oder den Preis, auf welchen ſie abgeſchaͤtzt worden, zuruck zu geben. S88. Die Nutznießung einer Leibrente gibt dem Nutznießer auch das Recht, waͤhrend der Dauer ſeiner Nutznießung die Ruͤckſtände davon zu beziehen, ohne zu einer Widererſtattung verpflichtet zu ſein. 589. Wenn die Nutznießung Dinge in ſich begreift, welche zwar nicht ſogleich aufgezehrt werden, ſich aber doch nach und nach durch den Gebrauch verſchlimmern, wie Weiszeug, Ge⸗ rathſchaften, ſo hat der Nutznießer das Recht, ſich derſelben zu dem Gebrauche, fuͤr welchen ſie beſtimmt ſind, zu bedie⸗ nen, und iſt nur gehalten, ſolche bei dem Verlauf der Mutz⸗ nießung in dem Stande, in welchem ſie ſich befinden, zuruͤck zu geben; doch duͤrfen ſie nicht durch von ihm geſpielten Betrug oder ſeine Schuld verſchlimmert worden ſein. 5oo. Wenn die Nutznießung Holzſchlaͤge in ſich faßt, ſo iſt der Nutznießer gehalten, die Ordnung und den Umfang der Schlaͤge gemaͤß der von den Eigenthuͤmern eingefuͤhrten wirthſchaftlichen Behandlung und beſtaͤndigen Gebrauches zu beobachten, ohne daß er oder ſeine Erben fuͤr die gewoͤhnlichen Schlage von niederſtaͤmmigen Reiß⸗ oder hochſtaͤmmigen Holze, die er waͤhrend ſeines Nießbrauchs nicht haͤtte faͤllen laſſen, eine Entſchaͤdigung begehren könnte. Die Baͤume, welche man aus einer Baumſchule beziehen kann, ohne derſelben zu ſchaden, gehoͤren auch zu der Nutz⸗ nießung, jedoch mit der Verbindlichkeit fuͤr den Nutznießer, ſich in Hinſicht der Wiederanpflanzung nach den Ortsgebraͤu⸗ chen zu fuͤgen. S91. Der Nutznießer genießt auch noch diejenigen Abthei⸗ lungen hochſtämmigen Gehölzes, welche zu regelmaͤßigen Schlaͤgen angelegt worden: es ſei nun, daß dieſe Schlaͤge zu gewiſſen beſtimmten Zeiten und auf einer gewiſſen Strecke Lan⸗ des gemacht werden, oder daß man eine gewiſſe Menge Bäu⸗ me, welche man ohne unterſchied auf der ganzen Pberflaͤche des Guts angeſchlagen, fälles er muß ſich jedoch immer nach den Faͤllungsfriſten und Gebraͤuchen der ebemaligen Eigen⸗ thuͤmer richten. 592. Ju allen ubrigen Faͤllen kann und darf der Nutznieber die hochſtämmigen Baͤume nicht antaſten; er kann zu den Ausbeſſerungen, welche ihm obliegen, die Baͤume benutzen, welche durch einen Zufall ausgeriſſen oder von der Wurzel abgeworfen worden; er kanh auch, wenn es nothwendig iſt, zu dieſem Behuf Baͤume füllen laſſen⸗ jedoch unter der Ver⸗ — 103— pindlichkeit, dieſe Notbwendigkeit mit dem Eigenthuͤmer be⸗ waͤhren zu laſſen. 593. Er kann in den Gehoͤlzen Pfaͤhle(Stiefel) fuͤr die Weinſtöcke nehmen; er kann auch den jaͤhrlichen oder zu ge⸗ wiſſen Zeiten eintretenden Ertrag der Baͤume abnehmen, alles nach dem Gebrauche des Landes und der Gewohnbeit der Eigenthuͤmer. So4. Die Obſtbäͤume, welche abſterben, ſelbſt jene, die der Unfall aus⸗oder abgeriſſen hat, gehoͤren dem Mutznießer, der jedoch verbunden iſt, ſie durch andere zu erſetzen. S95. Der Mutznießer kann ſein Recht entweder ſelbſt ge⸗ nießen oder einem andern verpachten, ja ſogar verkaufen oder verſchenken. Wenn er es verpachtet, ſo muß er ſich in Be⸗ treff der Zeitlaͤuften, wo die Pachten muſſen erneuert werden und ihrer Dauer, nach den Regeln fuͤgen, welche in dem Titel von dem Thevertrage und den gegenſeitigen Rechten der Ehegatten fur den Ehemann in Betreff der Guͤter der Frau aufgeſtellt ſind. 596. Der Nutznießer genießt den Zuwachs, welcher zu dem Gegenſtande ſeiner Nutznießung durch Anſchwemmung ge⸗ ſtoßen worden. So7. Er genießt die Rechte auf Dienſtbarkeiten, Durch⸗ gänge, und uͤberhaupt alle Rechte, die der Eigenthuͤmer ge⸗ nießen kann, und die der Eigenthuͤmer ſelbu genießt. S98. Er genießt auch auf die nämliche Weiſe, wie der Eigenthuͤmer, die Minen und Steinbruͤche, welche bei Er⸗ oͤffnung der Nutznießung ſich im Anbau und Bruch befanden. Wenn iedoch von einem Bergbaue die Rede iſt, welche ohne hohere Bewilligung nicht ſtatt haben kann, ſo darf der Nutz⸗ nießer nicht eher Gebrauch davon machen, bis er die Er⸗ laubniß der Regierung darzu erhalten hat. Auf Minen und Steinbruͤche, welche noch gar nicht er⸗ offnet worden; auf Lorfgruben, mit deren Ausgrabung man noch nicht angefangen hat, und auf den Schatz, welcher während der Dauer der Nutznießung koͤnnte entdeckt werden⸗ hat der Nutznießer gar kein Recht. 599. Der Eigenthuͤmer darf weder von ſeiner Seite, noch auf irgend eine andere Weiſe den Rechten des Rutznießers zu nahe treten. So kann auch der Nutznießer von ſeiner Seite, wenn die Nutznießung zu Ende gegangen, keine Entſchaͤdigung fur die — 104— Verbeſſerungen, welche er vorgibt gemacht jzu haben, und ſollte auch der Werth des Gegenſtandes dadurch erhoͤht wor⸗ den ſein, begehren. Jedoch kann er oder ſeine Erben die Spiegel, Gemaͤlde und andere Verzierungen, welche er anbringen ließ, hinweg⸗ nehmen, mit der Verbindlichkeit jedoch, die Orte wieder in ihren erſten Stand herzuſtellen. zweiter Abſſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Rutznießers. 6oo. Der Nutznießer uͤbernimmt die Sachen in dem Zu⸗ ſtande, in welchem ſie ſich beſinden; allein er kann in den wirklichen Genuß derſelben nicht eintreten, bis er in Gegen⸗ wart des Eigenthuͤmers, oder, nachdem dieſer gehoͤrig darzu berufen worden, eine Aufnahme der beweglichen und ein Verzeichniß der unbeweglichen Guͤter, die zur Nutznießung gegeben werden, verfertigen laſſen. 6or. Er leiſtet Buͤrgſchaft, daß er ſie als ein guter Haus⸗ vater benutzen will, es ſei denn, die Urkunde, durch welche die Nutznießung errichtet wird, ſpreche ihn davon frei. Je⸗ doch ſind die Aeſtern, welche die geſetzliche Nutznichung der Guͤter ihrer Kinder haben; jener, der unter dem Vorbehalt der Nutznießung verkauft oder verſchenkt, nicht gehalten, Buͤrgſchaft zu leiſten. 6oꝛ. Wenn der Nutznießer keine Buͤrgſchaft findet, ſo wer⸗ den die unbeweglichen Guͤter entweder verpachtet oder in Beſchlag genommen; Die in der Nutznießung begriffenen Summen werden auf Zinſen gelegt; Die Lebensmittel werden verkauft und der Ertrag davon ebenfalls auf Zinſen gelegt. Die Zinſen dieſer Summen und der Pachtſchilling gehoͤren in dieſem Falle dem Nutznießer. 6oz. Wenn der Nutznießer keine Buͤrgſchaft beibringt, ſo kann der Eigenthuͤmer begehren, daß die durch den Gebrauch zu Grunde gehenden beweglichen Guͤter verkauft werden, da⸗ mit der Erlös davon ſo wie jener fuͤr die Lebensmittel auf — 105— Zinſen gelegt werden; und alsdann bezieht der MNutznießer waͤhrend der Dauer ſeiner Nutznießung die Zinſen davon. Indeſſen kann der Nutznießer begehren und die Richter koͤn⸗ nen nach Befund der Umſtaͤnde verordnen, daß ein Theil der ihm zu ſeinem Gebrauche noͤthiger Geraͤthſchaften unter der alleinigen durch einen Eid uͤbernommenen Obliegenheit und Verbindlichkeit, ſie nach dem Verlauf der Nutznießung wieder darzuſtellen, ihm uͤberlaſſen werde. 604. Die Verzoͤgerung in Leiſtung der Buͤrgſchaft beraubt den Nutznießer der Fruͤchte nicht, zu denen er ein Recht ha⸗ ben kann; ſie gehoren ihm von dem Augenblicke, wo die Nutznießung eroͤffnet worden. 6o5. Der Nutznießer iſt nur zu den Ausbeſſerungen, welche der Unterhalt notbwendig macht, gehalten. Die Hauptausbeſſerungen liegen dem Eigenthuͤmer zur Laſt; es waͤre denn Sache, daß ſie durch Vernachlaͤßigung der Un⸗ terhaltungsausbeſſerung ſeit der Eroͤffnung der Nutznießung waͤren veranlaßt worden; in welchem Falle der Nutznießer auch darzu verbunden iſt. 6o6. Hauptausbeſſerungen ſind jene an großen Mauern und Gewoͤlben, die Wiederherſtellung der Balken und Dek⸗ kung des ganzen Daches. Die Wiederherſtellung der Daͤmme, der Stuͤtzungs⸗und Einſchließungsmauern im Ganzen⸗ Alle andere Ausbeſſerungen gehören zur unterhaltung. 6o7. Weder der Eigenthuͤmer noch der Nutznießer ſind ge⸗ halten, wieder aufzubauen, was durch Alter oder einen un⸗ erwarteten Zufall zertruͤmmert worden. 6os. Der Nutznießer iſt verbunden, waͤhrend der Dauer ſeines Genuſſes die alljaͤhrlichen auf dem Gute haftenden La⸗ ſten, naͤmlich die Steuern, und was man unter den auf die Fruͤchte gelegten Struern verſteht, zu entrichten. o9. Betreffend die Steuern, welche waͤhrend der Rutznießung auf das Eigenthum gelegt werden, ſo ſollen der Nutznießer und Eigenthuͤmer folgendermaaßen dazu beitragen: Der Eigenthuͤmer iſt verbunden, ſie zu bezahlen und der Nutznießer muß ihm die Zinſen verrechnen. Wenn der Nutznießer ſie vorgeſchoſſen hat, ſo hat er am Ende der Nutznießung das Recht, das Kapital zuruͤck zu for⸗ dern. 610. Jede von einem, der ein Leſtament gemacht, ver⸗ — 15— machte Leibrente oder ausgeworfener Nahrungsgehalt muß von demjenigen, dem die ganze Nutznießung vermacht wor⸗ den, in dem ganzen Betrag;(dans son intégrité) und von dem, welchem die Nutznießung unter einem Univerſaltitel vermacht worden, in Verhaͤltniß ſeines Genuſſes ohne irgend eine Anfoderung von Seiten ihrer machen zu koͤnnen, aus⸗ bezahlt werden. 611. Der Nutznießer unter einem beſondern Sitel iſt nicht verbunden, die Schulden, fur welche das Grundſtuͤck verpfaͤn⸗ det iſt, zu bezahlen. Wenn er genoͤthigt wird, ſie zu bezahlen, ſo hat er ſeinen Erſatz an den Eigenthuͤmer zu beſprechen, vorbehaltlich deſſen, was in dem 1020ten Artikel von den Schenkungen und Teſtamenten wird geſagt werden. 612. Der Univerſalnutznießer, ſo wie jener, der es unter einem Unverſaltitel iſt, muß mit dem Eigenthuͤmer zur Zab⸗ luna der Schulden auf folgende Art beitragen: Man ſchaͤtzt den Werth des der Nutznießung unterworfenen Grundſtuͤckes; man ſetzt alsdann den Beitrag zu den Schul⸗ den nach dem Verhaͤltniß dieſes Werthes feſt⸗ Wenn der Nutznießer die Summe, welche das Grundſtück beizutragen hat, vorſchießen will, ſo wird ihm nach Verlauf der Nutznießung das Kapital ohne Zinſen zuruͤck bezahlt. Wenn der Nutznießer dieſen Vorſchuß nicht machen will, ſo hat der Eigenthuͤmer die Wahl, entweder dieſe Summe zu bezahlen; und in dieſem Falle hält ihm der Nutznießer Rechnung von den Zinſen waͤhrend der Dauer der Nutz⸗ nießuna; oder einen Theil der der Nutznießung unterworfe⸗ nen Guͤter, bis die ſchuldige Summe erloͤßt iſt, verkaufen zu machen. 613. Der Nutznießer iſt nur zur Entrichtung derjenigen Prozeßkoſten, welche den Genuß betpeffen, und der andern Verurtheilungen, zu denen dieſer Prozeb mag Anlaß gegeben haben, gehalten. 614. Wenn waͤhrend der Dauer der Nutznießung ein Drit⸗ terer einen unrechtmaͤßigen Eingriff auf das Grundſtuͤck macht oder auf ſonſt eine Art den Rechten des Eigenthuͤmers zu nahe tritt, ſo iſt der Rutznießer gehalten, ihn demſelben an⸗ zugeben; thut er es nicht, ſo iſt er fuͤr allen Schaden, wel⸗ cher dem Eigenthuͤmer daraus erwachſen kann, verantwort⸗ lich, ſo wie er es fur die von ihm ſelbſt verurſachten Be⸗ ſchädigungen iſt 615. Wenn die Rutznießung nur auf ein Stuͤck Vieh er⸗ richtet iſt, und dieſes ohne Verſchulden des Nutznießers ver⸗ fällt, ſo iſt derſelbe weder verbunden, ein anderes in den Platz zu ſtellen, noch den Werth der Abſchaͤtzung dafuͤr zu bezahlen. 6rs. Wenn eine Heerde, auf welcher eine Nutznießung er⸗ richtet iſt, durch einen Zufall oder Krankheit und ohne Ver⸗ ſchulden des Nutznießers gaͤnzlich zu Grunde geht, ſo hat der⸗ ſelbe gegen den Eigenthuͤmer keine andere Pflicht, als ihm uͤber die Häͤute oder ihren Werth Rechnung abzulegen. Wenn die Heerde nicht ganz zu Grunde geht, ſo iſt der Nutznießer vervflichtet, die gefallenen Stuͤcke Viehes durch den Zuwachs des jungen Viehes in ſoweit ſich die Heerde da⸗ mit vermehrt hat, zu erſetzen. Dritter Abſchnitt. Wie die Nutznießung zu Ende geht.⸗ 617. Die Nutznießung erloſcht durch den natuͤrlichen und buͤrgerlichen Todt des Nutznießers. Durch den Ablauf der Zeit, fur welche ſie bewilligt worden; Durch Erwerbung des Eigenthums und Vereinigung der bei⸗ den Eigenſchaften des Nutznießers und Eigenthuͤmers in der naͤmlichen Perſon. Durch den Nichtgebrauch des Rechts waͤhrend dreibig Jahren⸗ Durch den ganzlichen Verluſt der Sache, auf welche die Nutznießung errichtet iſt. 618. Die Nutznießung kann auch durch den Mißbrauch⸗ welchen der Nutznießer von ſeinem Genuſſe gemacht hat, auf⸗ hören, wenn er nämlich auf dem Grundſtuͤcke ſich Beſchäͤdi⸗ gungen zur Laſt kommen oder ſelbes aus Mangel an Unterhal⸗ tung gänzlich zu Grunde gehn laͤßt. Die Glaͤubiger des Nutznießers koͤnnen an den Rechtsſtrei⸗ tigkeiten fur die Bewahrung ihrer Rechte Theil nehmen; ſie konnen ſich zur Wiederausbeſſerung der gemachten Beſchädi⸗ gungen und zur Buͤrgleiſtung fuͤr die Zukunft anbietben. Die Richter konnen nach der Wichtigkeit der Umſtande ent⸗ weder die gaͤnzliche Aufbebung der Nutznießung ausſprechen, oder den Eintritt des Eigenthuͤmers in den Genuß des mit der Nutznießung belaſteten Gegenſtandes nur unter der Ver⸗ vindlichkeit, dem Nutznießer oder ſeinem in der naͤmlichen Sache Nitbetheilisten bis auf den Augenblick wo die Nutzniebung baͤtte aufhören ſollen, eine beſtimmte Summe zu bezahlen verordnen⸗ 19. Die Nutznießung, welche keinen Partikularen zuge⸗ ſtanden worden, dauert nur dreiſig Jahre. 620. Die Nutznießung, welche zugeſtanden worden, bis ein Dritterer ein beſtimmtes Alter erreicht hat, dauert biß auf dieſen Zeitvunkt, wenn auch gleich der Drittere vor dieſem beſtimmten Alter verſtorben iſt. 621. Der Verkauf des der Nutznießung unterworfenen Ge⸗ genſtandes macht in dem Rechte des Nutznießers keine Veraͤn⸗ derung. Er faͤhrt fort, ſeine Nutznießung zu genießen, wenn er anders nicht formlich darauf Verzicht gethan hat. 622. Die Glaͤubiger des Mutznießers können die Verzicht⸗ leiſtung zernichten, wenn ſie zu ihrem Nachtheil geſchehen iſt. 623. Wenn nur ein Theil der Nutznteßung unterworfenen Sache zu Grunde gegangen iſt, ſo beſteht die Nutznießung auf dem uͤbrig bleibenden Theile. 624. Wenn die Nutznießung nur auf ein Gebaͤude errichtet worden, und dieſes Gebaude entweder durch einen Brand oder andern Zufall zu Grunde gerichtet worden, oder wenn es Alters wegen zuſammen gefallen iſt, ſo hat der Nutznießer das Recht nicht, den Grund und Boden oder die Bauſtoffe zu genießen. Wenn die Nutznießung auf ein Gut errichtet war, von dem das Gebaͤude einen Theil ausmachte, ſo hätte der Nutznießer den Grund. und Boden und die Bauſtoffe zu genießen. Zweites Kapitel. Von dem Gebrauch und der Einwohnung. 652. Die Rechte zu gebrauchen und einzuwohnen werden auf die nmliche Art wie die Nutznießung errichtet und verlohren. 66. Man kann in den Genuß derſelben nicht kommen, ohne vorher Buͤrgſchaft geleiſtet, ſo wie auch Verzeichniſſe und Auf⸗ nahme errichtet zu haben, wie es auch bei der Nutznießung der Fall iſt. 627 Jener der den Gebrauch und jener welchen das Einwoh⸗ nungsrecht hat, ſollen dieſelben als gute Familienvaͤter genießen. 623. Die Rechte des Gebrauchs und der Einwohnung werden durch die Urkunde, kraft welcher ſie errichtet werden, ange⸗ ordnet, und ſie erhalten nach den Verfuͤgungen derſelben eine größere oder minder große Ausdehnung. 629. Wenn die urkunde ſich uͤber die Ausdehnung dieſer Rechte nicht erktäͤrt, ſo werden ſie folgender Maaßen beſtimmt. 6zo. Jener, welcher den Gebrauch der Fruͤchte eines Grund⸗ ſtuͤckes hat, kann davon nicht mehr fodern als er fuͤr ſeine Be⸗ duͤrfniſſe und jene ſeiner Familie norhig hat. Er kann auch ſogar fuͤr die Beduͤrfniſſe derjenigen Kinder, welche er, ſeitdem er in den Gebrauch geſetzt worden, noch bekommen hat, fodern. 631. Jener, der den Gebrauch hat, kann ſein Recht an ei⸗ nen andern weder abtreten noch verlehnen. 632. Jener, welcher ein Einwohnungsrecht in einem Hauße hat, kann mit ſeiner Familie daſelbſt wohnen, wenn er auch ſogar zur Zeit, da ihm dieſes Recht gegeben worden, nicht waͤre verheurathet geweſen. 633. Das Einwohnungsrecht beſchraͤnkt ſich auf das, was zur Wohnung deſſen, dem dieſes Recht geſtattet worden, und ſeiner Familie nothwendig iſt. 634. Das Einwohnungsrecht kann weder abgetreten noch ver⸗ lehnt werden. 635. Wenn derjenige, welcher den Gebrauch hat, alle Fruͤchte des Grundſtuͤcks aufzehrt, oder wenn er den ganzen Umfang des Haußes bewohnt, ſo iſt er, wie der Nutznießer zu den Ko⸗ ſten des Anbaues, zu den Ausbeſſerungen des Unterhalts und zur Bezahlung der Steuern gehalten. Wenn er nur einen Theil der Fruͤchte nimmt oder nur ei⸗ nen Cheil des Haußes bewohnt, ſo traͤgt er nach Verhaͤltniß deſſen, was er gebraucht, bei. 636. Die Benutzung der Gehoͤlze und Waͤlder wird durch beſondere Geſetze angeordnet. Vierter Fitel Von den Grunddienſtbarkeiten(Servitudes) (Dekretirt den zuten Jaͤnner 1804, verkuͤndigt den roten des Monats Hornung.) 637. Eine Grunddienſtbarkeit iſt eine Laſt, welche auf ei⸗ nem Stuͤck Gut zum Gebrauche und Nutzen eines Guts, wel⸗ ches einem andern Eigenthuͤmer zugehört, haftet. 633. Die Grunddienſtbarkeit ſetzt keinen Vorzug des einen Gutes vor dem andern feſt. 639. Sie leitet ſich entweder aus der natuͤrlichen Lage der Hrte, oder aus Obliegenheiten, welche das Geſeßz auflegt, oder aus Vertraͤgen unter den Eigentbuͤmern her⸗ — LIO— Erſtes Kapitel. Von den Grunddienſtbarkeiten, welche aus der Lage der Orte hergeleitet werden. 69o. Die tiefer liegende Grundſtuͤcke ſind in Hinſicht der hoͤher liegenden mit der Dienſtbarkeit belaſtet, die Gewäͤſſer, welche auf natuͤrlichem Wege, und ohne daß eine menſchliche Hand darzu beigetragen habe, auf ſie herabfließen, aufzunehmen. Der Eigenthuͤmer des nieder liegenden Gutes darf keinen Damm aufwerfen, um dieſen Abfluß zu verhindern. Der Eigenthuͤmer des hoͤher liegenden Grundſtuͤcks darf nichts thun, was die Grunddienſtbarkeit des nieder liegenden Grundſtuͤcks erſchwert. 64r. Jener, welcher eine Quelle auf ſeinem Grundſtuͤcke hat, kann ſich derſelben nach ſeinem Willen bedienen, unbe⸗ ſchadet jedoch des Rechts, welches der Eigentbuͤmer des nie⸗ der liegenden Grundſtuͤcks entweder durch urkunde oder Ver⸗ jaͤhrung moͤgte erworben haben. 6gz. Die Verjaͤhrung kann aber in dieſem Falle nur durch einen ununterbrochenen und von dem Augenblicke an, wo der Eigenthuͤmer des niederliegenden Grundſtuͤckes in die Augen fallende und den Fall wie auch den Lauf des Waſſers auf ſein Eigenthum erleichternde Werke unternommen und beendigt hat, zaͤhlenden dreißigjährigen Genuß erreicht werden. baz. Der Eigenthuͤmer einer Quelle kann den Lauf derſelben nicht abaͤndern, wenn dieſelbe den Inwohnern einer Gemein⸗ de, eines Dorfes oder Weilers das ihnen noͤthige Waſſer liefert. Wenn aber die Inwohner die Benutzung nicht durch Erwerb oder Verjährung an ſich gebracht haben, ſo kann der Eigen⸗ thuͤmer eine Entſchaͤdigung beſprechen, welche durch Sach⸗ verſtaͤndige feſtgeſetzt wird. 644. Jener, deſſen Grundeigenthum das Geſtade eines lau⸗ fenden Waſſers, das aber von jenem unterſchieden iſt, welches durch den Artikel 38 von dem Unterſchiede der Guͤter nicht als von dem Grundeigenthum des Staats abhaͤngig er⸗ klart worden, ausmacht, kann ſich bei dem Vorbeifließen deſ⸗ ſelben zur Waͤſſerung ſeines Eigenthums bedienen. Derjenige, durch deßen Eigenthum ein ſolches Waſſer läuft, kann es ſogar in dem Zwiſchenraume, den es daſelbſt durchlaͤuft, benutzen, mit der Obliegenbeit jedoch, demſelben bei ſeinem Aus⸗ tritt aus ſeinem Eigenthume ſeinen gewoͤhnlichen Lauf wieder u geben. 648. Wenn ſich zwiſchen den Eigentbümern, denen dieſe Gewäſſet nutzlich ſein koͤnnen, eine Streitigkeit erhebt, ſo ſollen die Gerichtshöfe bei Schlichtung derſelben das Beſte des Ackerbaues mit der dem Eigenthume ſchuldigen Achtung zu vereinigen ſuchen; und in allen Fuͤllen ſollen die beſondern und ortlichen Verordnungen uͤber den Lauf und die Benußung der Waͤſſer beobachtet werden. 646. Jeder Eigenthuͤmer kann ſeinen Nachbarn zur Beſtei⸗ nung ihrer auf einander ſtoßenden Grundſtuͤcke verbinden⸗ Das Steinſetzen ſoll auf gemeinſchaftliche Koͤſten geſchehen. 647. Jeder Eigentbuͤmer kann ſein Grundeigenthum ein⸗ ſchließen, unbeſchadet jedoch der im 682 Artikel aufgeſtellten Ausnahme. 643. Der Eigenthuͤmer, welcher ſein Grundeigenthum ein⸗ ſchließen will, verliert ſein Recht auf den Weidſtrich und Stoppel⸗Weide parcours et vaine patuͤre) nach Verhaͤltniß des Erdreichs, welches er denſelben entzieht. Zweites Kapitel. Von den Grunddienſtbarkeiten, welche das Geſeßz auferlegt hat. 649. Die von dem Geſetze auferlegten Grunddienſtharkeiten paben entweder das Beſte des Staates, oder jenes der Ge⸗ meinden, oder jenes der Partikularen zum Gegenſtande. 65o. Jene, welche fuͤr das Beſte des Staates und jenes der Gemeinden eingefuͤhrt ſind, haben den Leinpfad. laͤngs den ſchif⸗ oder floͤßbaren Baͤchen, die Errichtung oder Ausbeſſe⸗ rung der Wege, ſo wie andere fur den Staut oder die Ge⸗ meinden errichtete Anlagen zum Gegenſtand. Alles, was dieſe Art von Grunddienſtbarkeiten betrifft, iſt entweder durch Geſetze oder beſondere Verordnungen beſtimmt. 661. Das Geſetz unterwirft die Eigenthumer zu verſchiede⸗ nen Verbindlichkeiten gegen einander, welche von jeder beſon⸗ dern Uebereinkunft unabhaͤngis ſind. 6hꝛ. Ein Theil dieſer Verbindlichkeit wird durch das Feld⸗ polizeigeſetzbuch angeordnet⸗ Die andern baben Bezug auf gemeinſchaftliche Mauern und Graͤben, auf den Fall, wo eine Gegenmauer zu errichten iſt; auf die Ausſicht uͤber das Eigenthum des Nachbarn; auf die Dachtraufe und auf das Recht, uͤber das Grundſtuck eines andern zu geben oder zu fahren⸗ — 112— Prſter Abſchnitt. Von den gemeinſchaftlichen Mauern und den Graͤben. 653. In den Staͤdten und auf dem Lande wird jede Mauer, welche als Scheidemauer zwiſchen Gebaͤuden, ſo weit ihre Hoͤbe gebt, oder zwiſchen Hofen und Gaͤrten, ja ſelbſt zwiſchen eingeſchloſſenen Plaͤtzen auf dem Felde dient, als gemeinſchaftli⸗ che Scheidemauer angeſeben, wenn nicht eine Urkunde oder ein Kennzeichen vorhanden iſt, welche das Gegentheil beweiſen. 654. Es iſt ein Kennzeichen vorhanden, daß dieſe Scheide⸗ mauer nicht gemeinſchaftlich ſei, wenn der Gipfel derſelben auf der einen Seite gerade und mit ihrer Außenſeite ſenk⸗ recht iſt, auf der andern Seite aber eine abhaͤngige Flaͤche darſtellt. Das Naͤmliche hat ſtatt, wenn auch nur auf einer Seite eine Mauerkappe oder Steinleiſten und Kragſteine, welche bei Erbauung der Mauer daſelbſt angebracht worden wären, vor⸗ ſindlich ſind. In dieſem Falle wird die Mauer angeſeben, als gehoͤre ſie ausſchließlich dem Eigenthuͤmer, auf deſſen Seite ſich die Dachrinne, oder die Kragſteine und Steinleiſten vorfinden. 655. Die Ausbeſſerung und Wiederaufbauung einer Scheide⸗ mauer faͤllt allen denjenigen zur Laſt, welche ein Recht dar⸗ auf haben und zwar nach Verbaͤltniß des Rechts, welches ſie darauf haben. 656. Jedoch kann jeder Miteigenthuͤmer einer Scheide⸗ Mauer ſich von den Beitraͤgen zur Ausbeſſerung und Wie⸗ deraufbauung frei machen, wenn er ſein Recht auf die Schei⸗ demauer abgibt, wenn dieſelbe anders nicht zur Stuͤtze eines Gebaͤudes dient, welches ihm zugehoͤrt. 657. Jeder Miteigenthuͤmer kann wider die Scheidemauer bauen und in die ganze Dicke der Mauer bis auf vier und fuͤnfzig Millimeter(zwei Zolle) Balken einſetzen laſſen; ohne Nachtheil des Rechtes, welches der Nachbar hat, den Bal⸗ ken mit dem Schrotmeißel bis auf die Haͤlfte abſtoßen zu laſſen, wenn er im Falle iſt, ſelbſt Balken an den naͤmlichen Hrt einzuſetzen oder einen Schornſtein anzulehnen. 658. Jeder Miteigenthuͤmer kann die Scheidemauer erhoͤ⸗ hen laſſen; aber er muß allein die Köſten der Erhoͤhung, die Unterhaltungsverbeſſerungen des uber der Hoͤbe der gemein⸗ ſchafklichen Einſchlußmauer errichteten Theils, und uͤberdies — 173— die Entſchadigung der Laſt nach Verhaͤltniß der Erhoͤhung und des Werthes tragen. 669. Wenn die Scheidemauer ſich nicht im Stande befindet, eine Erhoͤhung zu ertragen, ſo muß derjenige, welcher ſie erhoͤhen will, ſie von neuem ganz auf ſeine Koͤſten auffuͤhren laſſen, und der Zuwachs der Breite muß auf ſeiner Seite genommen werden. 660. Der Nachbar, welcher zur Erbhoͤhung nicht beigetra⸗ gen hat, kann die Gemeinſchaft derſelben ſich erwerben, wenn er die Haͤlfte deſſen, was ſie gekoſtet hat, und den Werth der Haͤlfte des Bodens, der fuͤr den Zuwachs der Breite, wenn ſolche vorhanden iſt, bergegeben worden, entrichtet. c61. Jeder Eigentbuͤmer, der an eine Mauer anſtoßt, hat ebenfalls die Vollmacht, ſelbige entweder ganz oder zum Sheil zur gemeinſchaftlichen Mauer zu machen, wenn er dem Ei⸗ genthuͤmer der Mauer die Haͤlfte des Werkhs derſelben, oder die Haͤlfte des Werths von dem Sheile, welchen er zur ge⸗ meinſchaftlichen Mauer machen will, und die Haͤlfte des Werths des Bodens, auf welchen die Mauer erbaut iſt, bezahlt. 662. Ein Nachbar kann die ganze Scheidemauer nicht durch⸗ brechen, noch daſelhſt irgend einiges Bauweſen anbringen oder anlehnen, ohne des andern Nachbars Einwilligung er⸗ halten zu haben; oder im Falle dieſer ſie verweigern ſollte, ohne durch Sachkundige die noͤthigen Mittel haben ausfindig machen zu laſſen, damit das neu aufzufuͤhrende Bauwerk den Rechten des Andern nicht nachtheilig ſei. 663 In den Staͤdten und Vorſtaͤdten kann jeder ſeinen Nachbarn noͤthigen, zu den Aufrichtungen und Ausbeſſerungen der Einſchließung, welche ihre in beſagten Staͤdten und Vor⸗ ſtaͤdten gelegene Haͤuſer, Hoͤfe und Gaͤrten trennen, beizu⸗ tragen. Die Hoͤhe der Scheidemauer ſoll durch beſondere Verordnungen oder durch die immerwaͤhrenden und anerkann⸗ ten Gebraͤuche beſtimmt werden. Sollten ſolche Gebraͤuche oder Verordnungen nicht vorhanden ſein, ſo ſoll jede in Zu⸗ kunft zwiſchen Nachbarn neu aufzufuͤhrende oder auszubeſ⸗ ſernde Scheidemauer in den Stäͤdten von fuͤnfzigtauſend oder mehreren Seelen wenigſtens zwei und dreißig Dezimeter(zehn Schuhe) mit Inbegriff der Mauerkappe; in den uͤbrigen Staͤdten aber ſechs und zwanzig Dezimeter(acht Schuhe) baben. 5H — 114— 66sg. Wenn die verſchiedenen Stockwerke eines Hauſes ver⸗ ſchiedenen Eigenthuͤmern zugehoͤren und die Eigentbumsur⸗ kunden die Art und Weiſe der Ausbeſſerungen und Wieder⸗ aufbauungen nicht feſtſetzen, ſo ſollen ſie auf folgende Art gemacht werden: Die Hauptmauern und das Dach liegt allen Eigentbuͤmern zu Laſt, jedem nach Verhoͤltniß des Werths des Stockwerks, welches ihm zugeboͤrt. Der Eigenthuͤmer eines jeden Stockwerks bat den Fuß⸗ boden, auf dem er geht, machen zu laſſen. Der Eigenthuͤmer des erſten Stockwerks macht die Treppe, welche auf daſſelbe fuͤhrt; der Eigenthuͤmer des zweiten Stock⸗ werks macht jene, welche von dem erſten Stockwerke, zu ihm fuͤhrt; und ſo weiter. 66. Wenn man eine gemeinſchaftliche Scheidemauer oder ein Haus wieder neu aufbaut, ſo dauern die alten Dienſt⸗ barkeiten in Hinſicht der neuen Mauer odes des neuen Hau⸗ ſes immer fort, ohne daß ſie jedoch erſchwert werden koͤnnen, und vorausgeſetzt, daß die Wiederaufbauung vor ſich gebe, ehe die Verjaͤhrung erworben worden. 666. AlleGraͤben zwiſchen zwei Grundſtucken werden als Schei⸗ degraͤben betrachtet, wenn keine Urkunde oder Merkmal vor⸗ handen iſt, welche das Gegentheil beweißt. 667. Es iſt ein Merkmal vorhanden, daß der Graben nicht gemeinſchaftlich ſei, wenn der Aufwurf oder Auswurf der Erde ſich nur auf einer Seite deſſelben befindet. 663. Der Graben wird angeſehen als gehöre er ausſchließlich demjenigen zu, auf deſſen Seite ſich der Auswurf vorfindet. 669. Der gemeinſchaftliche Scheidegraben muß auf gemein⸗ ſchaftliche Koſten unterhalten werden⸗ 670. Jeder Zaun, welcher Grundſtuͤcke trennt, wird als Scheidezaun angeſehen, es ſei denn, daß nur eines der Grund⸗ ſtuͤcke ſich in dem Zuſtande der Umzaumung befaͤnde, oder daß binlaͤnglich beweiſende Urkunde oder Beſitzſtand von Ge⸗ gentbeile vorhanden waͤre. 671. Es iſt nicht erlaubt, hochſtämmige Baͤume anders als in der Entfernung, welche durch beſondere wirklich beſtehen⸗ de Verordnungen, oder durch immerwaͤhrende und anerkannn⸗ te Gebraͤuche vorgeſchrieben iſt, zu pflanzen. Sollten ſolche Verordnungen und Gebraͤuche nicht vorbanden ſein,/ ſo iſt es — 115— nicht erlaubt, die hochſtaͤmmigen anders als auſ eine Ent⸗ fernung von zwei Metern von der Scheidungslinie; und wenn es andere Baͤume oder lebendige Hecken ſind, auf die Entfernung von einem halben Meter zu pflanzen. 672. Der Nachhar kann begehren, daß die in kleinerer Entfernung gepflanzten Baͤume und Zaͤune wieder ausgeriſ⸗ ſen werden. Derjenige, uͤber deſſen Eigenthum die Aeſte der Baͤume des Nachbarn ſich ausbreiten, kann denſelben zwingen, dieſe Aeſte abhauen zu laſſen. Wenn es die Wurzeln ſind, welche auf ſein Eigenthum vor⸗ dringen, ſo hat er das Recht, ſie dort ſelbſt abzuhauen. 673. Die Baͤume, welche ſich in dem gemeinſchaftlichen Scheidezaun befinden, ſind gemeinſchaftlich wie der Zaun ſelbſt, und jeder der beiden Eigenthuͤmer hat das Recht zu fodern, daß ſie abgehauen werden. zweiter Abſſchnitt. Von der Entfernung und den Zwiſchenwerken, wel⸗ che bei gewiſſen Gebaͤuden erforderlich ſind. 67a. Wer nahe an einer Mauer, ſie ſei nun gemeinſchaft⸗ lich oder nicht, einen Brunnen oder heimliches Gemach gra⸗ ben laͤßt; Wer daſelbſt einen Schonſtein, oder einen Feuerheerd, eine Schmiede, Back⸗ oder andere efen auffuͤhren laͤßt; Wer einen Stall an dieſelbe anbaut, Oder ein Magazin von Salz oder einen Haufen aͤtzender Stoffe gegen dieſelbe anlehnen will, Iſt verbunden, den durch beſondere Vorſchriften oder Ge⸗ braͤuche uber dieſe Gegenſtände vorgeſchriebenen Zwiſchenraum obwalten zu laſſen, oder die Arbeiten anzuordnen, welche durch die nämlichen Vorſchriften und Gebraͤuche beſtimmt ſind, um den Schaden des Nachbarn zu verhuͤten. Dritter Abſchnitt. Von den Ausſichten auf das Eigenthum ſeines Nachbarn. 675. Der Nachbar kann ohne die Einwilligung des Andern in die gemeinſchaftliche Mauer kein Fenſter oder Defnung, auf H3 — 116— welche Art es auch ſein ſollte, und waͤre es auch ein Fenſter, welches man nicht offnen kann, anbringen. 676. Der Eigenthuͤmer einer nicht gemeinſchaftlichen Mauer, welche unmittelbar auf das Grundſtuͤck eines andern ſtoßt, kann in dieſer Mauer Heffnungen oder Fenſter anbringen. Sie muͤſſen aber mit Eiſen vergittert und ſo gemacht ſein, daß man ſie nicht aufmachen kann. Dieſe Fenſter muͤſſen mit einem eiſernen Gitter beſetzt ſein, wovon die Staͤbe höchſtens einen Dezimer(ohnaefähr drei Zoll acht Linien) von einander ſteben und die Rahme ſo ge⸗ macht ſein muß, daß ſie nicht geoͤffnet werden kann. 677. Dieſe Fenſter oder Heffnungen koͤnnen nur ſechs und zwanzig Dezimeter(acht Schube) ober dem Fußboden des Zimmers, welches man erleuchten will, wenn es zur ebenen Erde liegt, und neunzehn Dezimeter(ſechs Schuhe) oder dem Fußboden in den hoͤbern Stoͤcken angebracht werden. 678. Man kann keine gerade Ausſichten, noch Fenſter, die man zur Ausſicht öffnen kann, noch Balkone oder andere her⸗ vorſpringende Erker auf das eingefaßte oder offene Gut ſeines Nachbarn haben, wenn nicht eine Entfernung von neunzehn Dezimetern(ſechs Schuhen) zwiſchen der Mauer, wo man ſie anlegt, und beſagtem Gute beſteht. 679 Man darf auch keine Seiten⸗ oder ſchiefe Ausſicht auf dieſes Gut haben, wenn nicht eine Entfernung von ſechs Dezimetern Gwei Schuhen) vorhanden iſt. 680. Die Entfernung, von welcher in den beiden vorherge⸗ henden Artikeln Sprache war, zaͤhlt von der auswaͤrtigen Wand der Mauer, wo die Beffnung angebracht wird; und wenn von Balkonen oder andern bervorragenden Erkern die Rede iſt, von ihrer ͤußern Linie bis zur Scheidungslinie der beiden Eigenthumsguͤter⸗ Dierter Abſchnitt. Von den Dachrinnen. 631. Jeder Etgentbümer ſoll die Daͤcher ſo anlegen, daß das Regenwaſſer entweder auf ſeinen eigenen Grund und Voden oder auf die öffentliche Straße ablaufe; er kann es nicht auf den Grund und Boden ſeines Nachbarn leiten. — 117— Fuͤnfter Abſchnitt. Von dem Durchgangsrechte. 682. Der Eigenthuͤmer, deſſen Grundſtuͤcke von andern rund um eingeſchloſſen ſind und der keinen Ausgang auf die oͤf⸗ fentliche Straße hat, kann fuͤr die Benutzung ſeines Gütes einen Durchgang uͤber die Grundſtuͤcke ſeiner Nachbarn begeh⸗ ren mit der Verpflichtung, eine mit dem Schaden, den er verur⸗ ſachen kann, verhaͤltnißmaͤßige Entſchaͤdigung zu entrichten. 683. Der Durchgang muß nach der Regel auf jener Seite genommen werden, wo der Uebergang von dem eingeſchloſſe⸗ nen Gute auf den oͤffentlichen Weg der kuͤrzeſte iſt. 63g. Doch muß er auch da bezeichnet werden, wo er dem⸗ jenigen, uͤber deſſen Gut er bewilligt wird, am wenigſten Schaden thut. 685. Die Rechtsklage auf Entſchadigung iſt in dem durch den 632 Artikel vorgeſehenen Falle verjaͤhrbar und der Durch⸗ gang muß fortgeſetzt werden, obgleich die Rechtsklage auf Entſchaͤdigung nicht mehr zulaͤſſig iſt. Drittes Kapitel. Von den Grunddienſtbarkeiten, welche durch die Handlungen eines Menſchen erworben werden. Erſter Abſchnitt. Von den verſchiedenen Gattungen der Grunddienſt⸗ barkeiten, welche auf die Guͤter gelegt werden koͤnnen. 686. Es iſt den Eigenthuͤmern erlaubt, auf ihre Beſitzun⸗ gen und zum Beſten ihrer Beſitzungen jene Grunddienſtbar⸗ keiten aufzuſtellen, welche ihnen gut duͤnken; vorbehaltlich jedoch, daß die aufgelegten Dienſte nicht auf die Perſon noch zum Vortheil der Perſon, ſondern nur auf ein Grundſtuͤck und zum Beſten eines Grundſtucks errichtet werden, und vorbehaltlich, daß dieſelben nichts in ſich halten, was der oͤffentlichen Ordnung zuwider läuft. Der Gebrauch und die Ausdehnung der alſo errichteten Grunddienſte werden durch die Urkunde, kraft welcher ſie er⸗ — 118— richtet worden, und in Abgang der Urkunde durch folgende Regeln beſtimmt. 687. Die Grunddienſtbarkeiten werden entweder fuͤr den Ge⸗ brauch der Gebaͤude oder fuͤr jenen der Grundſtuͤcke errichtet. Jene der erſtern Art heißen Stäͤdtiſche(urbaines); es ſei nun, daß die Gebaͤude, an die man ſie ſchuldig iſt, in der Stadt oder auf dem Lande gelegen ſeien⸗ Jene der zweitern Art nennt man Feld⸗Grunddienſtharkei⸗ ten,(rurales). e3s. Die Grunddienſtbarkeiten ſind entweder fortwaͤhrend, oder ſie koͤnnen unterbrochen werden(continues ou discon- tinues). Die fortwaͤhrenden Grunddienſtbarkeiten ſind jene, deren Gebrauch entweder fortdauernd iſt oder ſein kann, ohne des Zuthuns menſchlicher Haͤnde nothwendig zu haben. Solche find Waſſerableitungen, Dachrinnen, Ausſichten und andere dergleichen. Die Grunddienſtbarkeiten, welche können unterbrochen wer⸗ den, ſind jene, welche des Zuthuns menſchlicher Handlungen nothwendig haben, um in Ausuͤbung geſetzt zu werden. Der⸗ gleichen ſind: das Durchaangsrecht, das Recht am Brun⸗ nen zu ſchoͤpfen, die Huͤtungsgerechtigkeit und andere der⸗ gleichen. 689. Die Grunddienſtbarkeiten ſind entweder in die Augen fallend oder nicht in die Augen fallend. Die in die Augen fallenden Dienſtbarkeiten ſind jene, wel⸗ che ſich durch aͤußere Werke ankuͤndigen. Dergleichen ſind ein Thor, ein Fenſter, eine Waſſerleitung. Die nicht in die Augen fallenden ſind jene, welche kein zußeres Zeichen ihres Vorhandenſeins darſtellen, wie zum Beiſpiel: Das Verboth auf ein Grundſtuͤck zu bauen oder nur bis auf eine beſtimmte Hoͤhe zu bauen. Zweiter Abſchnitt. Wie die Grunddienſtbarkeiten erworben werden. 690. Die fortwaͤhrenden und in die Augen fallenden Grund⸗ vienſtbarkeiten werden entweder durch urkunde oder durch dreißigjaͤhrigen Beſitz erworben⸗ — 119— Die nicht in die Augen fallenden Dienſtbarkeiten, ſo welche unterbrochen werden koͤnnen, koͤnnen nur durch Urkunde erworben werden. Selbſt der undenkliche Beſitzſtand iſt nicht hinreichend, ſie zu errichten; jedoch kann man heute zu Tage die Grunddienſt⸗ barkeiten dieſer Art, welche man ſchon durch den Beſitzſtand errichtet hat, in den Laͤndern, wo man ſie auf dieſe Art er⸗ werben konnte, nicht antaſten. 692. Die Beſtimmung des Familienvaters gilt als Urkunde in Betreff der fortwaͤhrenden und in die Augen fallenden Dienſtbarkeiten. 693. Die Beſtimmung des Familienvaters iſt nur dann vor⸗ handen, wenn erwieſen iſt, daß zwei wirklich getheilte Grund⸗ ſtuͤcke dem naͤmlichen Eigenthuͤmer zugehoͤrten, und daß er es war, der die Sachen in Stand geſetzt hat, aus welchem die Dienſtbarkeit entſproſſen iſt. S9a. Wenn der Eigenthuͤmer von zwei Grundſtuͤcken zwiſchen welchen ein in die Augen fallendes Zeichen einer Dienſtbarkeit vorhanden iſt, eines derſelben veraͤußert, ohne daß der Ver⸗ trag irgend eine Uebereinkunft, welche auf die Dienſtharkeit Bezug hat, enthalte, ſo hat dieſelbe fortwaͤhrend zu Gunſten oder zur Laſt des veraͤußerten Grundſtucks ihr thaͤtiges oder leidendes Beſtehen⸗ 696. Die Errichtungsurkunde einer Grunddienſtbarkeit in Hinſicht derjenigen, welche man durch Verjaͤhrung nicht erlan⸗ gen kann, kann nur durch eine Urkunde, die von dem Sigen⸗ thuͤmer eines mit einer Dienſtbarkeit belaſteten Grundſtuckes berkömmt, und in welcher derſelbe dieſe Grunddienſtbarkeit anerkennt, erſetzt werden. 6o6. Wenn man eine Grunddienſtbarkeit errichtet, ſo wird man zugleich angeſehen, als geſtehe man alles zu, was notb⸗ wendig iſt, um ſich derſelben zu bedienen. So zieht, zum Beiſpiel, das Recht, an einem Bronnen Waſſer zu ſchoͤpfen das Recht des Durchgangs nothwendig nach ſich. Dritter Abſchnirt. Von den Rechten des Eigenthuͤmers des Grund⸗ ſtuͤckes, welchem die Grunddienſtbarkeit geleiſtet werden muß.. 697. Wer eine Grunddienſtbarkeit zu fordern hat, hat das Recht, zu dem Gebrauche und der Erhaltung derſelben alle noͤthigen Werke errichten zu laſſen. 698. Dieſe Werke muͤſſen auf ſeine Koſten uid nicht auf jene des Eigenthuͤmers, deſſen Grundüuͤck der Dienſtbarkeit unterforfen iſt, gufgefuͤhrt werden; es ſei denn, die Urkunde der Errichtung der Grunddienſtbarkeit ſage das Gegentheil. 699. Selbſt in dem Falle, wo der Eigenthuͤmer des der Dienſtbarkeit unterworfenen Grundſtuͤckes in Gefolge der ur⸗ kunde die Verbindlichkeit auf ſich hat, die zum Gebrauche und zur Erhaltung der Dienſtbarkeit noͤthigen Werke auf ſeine Koͤſten errichten zu laſſen, kann er ſich immer von dieſer Ver⸗ bindlichkeit befreien, wenn er das mit der Dienſtbarkeit bela⸗ ſtete Grundſtuͤck dem Eigenthuͤmer des Grundſtuͤckes, dem die Dienſtbarkeit geleiſtet werden muß, abtrit. 7oo. Wenn das Grundſtuck, zu deſſen Vortheil eine Grund⸗ dienſtbarkeit errichtet worden, vertheilt wird, ſo haftet die⸗ ſelbe auf jedem Theile fort, ohne daß jedoch der Zuſtand des belaſteten Grundſtuckes erſchwert werden kann. Wenn nun, zum Beiſpiel von einem Durchgange die Rede waͤre, ſo ſind alle Miteigenthuͤmer verbunden, denſelben 4 dem naͤmlichen Wege ausuͤben. 7o1. Der Eigenthuͤmer des Grundſtuͤckes, auf welchem die Dienſtbarkeit liegt, kann nichts thun, was dahin abzweckt, den Gebrauch derſelben zu ſchmaͤlern oder ihn unbequemer zu machen. Er kann alſo den Zuſtand der Orte nicht veraͤndern noch die Ausuͤbung der Dienſtbarkeit auf einem Hrt uͤbertragen, der von jenem unterſchieden iſt, auf den ſie urſpruͤnglich ange⸗ wieſen war. Wenn indeſſen dieſe urſpruͤngliche Anweiſung dem Eigentbuͤ⸗ mer des belaſteten Grundſtuͤckes laͤſtiger geworden waͤre oder ihn verhinderte, vortheilhafte Verbeſſerungen darauf anzubringen, — 121— ſo kann er dem Eigenthuͤmer des andern Grundſtuckes einen andern fuͤr die Ausuͤbung ſeiner Rechte eben ſo beguemen Ort anbiethen, und dieſer kann die Annahme deſſelben nicht verweigern. Fo2. Derjenige, welcher das Recht auf eine Grunddienſt⸗ barkeit hat, kann ſeiner Seits nur nach Ausweiſung ſeiner urkunde, und ohne irgend eine Neuerung weder auf dem mit der Dienſtbarkeit belaſteten Grundſtuͤcke, noch auf dem Grundftuͤcke, dem ſie gebuͤhrt, und welche den Zuſtand des erſtern erſchweren koͤnnte, vorzunehmen, davon Gebrauch machen. Vierter Abſchnitt. Wie die Grundgerechtigkeiten erloͤſchen. 7oz. Die Grunddienſtbarkeiten hoͤren auf, wenn ſie ſich in einem ſolchen Zuſtande befinden, daß man ſie nicht mehr ausuͤben kann. 704. Sie leben wieder auf, wenn die Dinge ſo hergeſtellt ſind, daß man ſie ausuͤben kann; es ſei denn, daß ein hin⸗ laͤnglicher Zeitraum verfloſſen waͤre, um die Grunddienbar⸗ keit als erloͤſcht anſehen zu koͤnnen, ſo wie es nachher in dem 707ten Artikel wird geſagt werden⸗ 7o5. Jede Grunddienſtbarkeit iſt erloſchen, wenn das Grund⸗ ſtuͤck, dem ſie gebuͤhrt, und dasjenige, auf dem ſie haftet, ſich in einer Hand befinden. 7o6. Die Grunddienſtbarkeit iſt durch einen dreißgjaͤhrigen Nichtgebrauch erloſchen. 707. Die dreiſig Jahre fangen nach den verſchiedenen Ar⸗ ten der Grunddienſtbarkeiten entweder von dem Tage, wo man aufhoͤrte, Gebrauch davon zu machen, wenn naͤmlich von Grunddienſtbarkeiten, welche unterbrochen werden koͤnnen, die Rede iſt; oder von dem Sage an, wo eine der Dienſtbarkeiten zu⸗ wider laufende Handlung vorgenommen worden, wenn naͤm⸗ lich von fortwaͤhrenden Dienſtbarkeiten die Rede iſt, zu zaͤh⸗ len an. 7os. Die Art der Grundgerechtigkeit kann, wie die Grund⸗ dienſtbarkeit ſelbſt und auf die nämliche Weiſe veriaͤhrt werden. — 122— „oo. Wenn das Grundſtuͤck, zu deſſen Gunſten die Grund⸗ dienſtbarkeit errichtet worden, mehrern ungetheilt zugehoͤrt, ſo hindert der Genuß des einen die Verjaͤhrung in Hinſicht al⸗ ler andern. 710. Wenn ſich unter den Mittbeilhabern einer befindet, wider welchen die Verjaͤhrung nicht haͤtte laufen koͤnnen, wie zum Beiſpiel ein Unmuͤndiger, ſo hat er das Recht al⸗ ler Andern zugleich erhalten. Ende des zweiten Buchs. Napoleonſches Geſetzbuch. Drittes Buch. Von den verſchiedenen Arten das Eigen⸗ thum zu erwerben. Allgemeine Verfuͤgungen. (Dekretirt den 19ten April 1303, verkuͤndigt den 29ten des nämlichen Monaths). 711. De Eigenthum der Guͤter wird durch Erbfolge⸗ durch Schenkung zwiſchen Lebenden, durch Schenkungen ver⸗ moͤge Leſtamenten oder durch die Wirkung eingegangener Ver⸗ bindlichkeiten erworben und uͤbertragen. 71a. Das Eigenthum wird auch durch Zuwachs oder Ein⸗ verleibung und durch Verjaͤhrung erworben. 713. Guͤter, welche keine. Eigenthuͤmer haben gehoͤren dem Staate. 714. Es gibt Dinge, welche niemanden zugehoͤren, und derer Gebrauch fuͤr alle gemeinſchaftlich iſt. Die Polizeiregeln ſchreiben die Art und Weiſe vor, wie man dieſelbe gebrauchen darf. 716. Die Befugniß zu jagen und zu fiſchen wird ebenfalls durch beſondere Geſetze verordnet. 716. Das Eigenthum eines Schatzes gehoͤrt demjenigen, welcher ihn auf ſeinem eigenen Grundſtuͤcke findet. Wenn der Schatz auf dem Grundſtuͤcke eines andern gefunden wird, ſo gehört die Hälſte davon dem Finder und die andere Haͤlf⸗ te dem Eigenthuͤmer des Grundſtuͤcks. Einen Schatz nennt man eine jede verborgene oder vergra⸗ bene Sache, auf welche Niemand ſein Eigenthum beweiſen kann, und welche durch einen bloßen Zufall entdeckt wird⸗ 717. Die Rechte auf Habſeligkeiten, welche in das Meer geworfen worden; auf Gegenſtaͤnde, die das Meer auswirft, auf Pflanzen und Kraͤuter, welche auf dem ufer des Meeres wachſen, ſind ebenfalls durch beſondere Geſetze beſtimmt⸗ Eben ſo verhält es ſich mit verlohrnen Sachen,/ wovon der Eigentbuͤmer ſich nicht darſtellt. — 124— Erſter tel. Von den Erbſchaften. (Dekretirt den 19ten April 1803, verkuͤndigt den 29ten des naͤmlichen Monaths.) Erſtes Kapitel. Von der Eroͤffnung der Erbſchaften und der Beſitzergreifung der Erben. 718. Die Erbſchaften werden durch den natuͤrlichen und buͤrgerlichen Tod offen. 719. Durch den buͤrgerlichen Sod wird die Erbfolge in dem Augenblicke offen, wo man denſelben in Gefolg der Verfuͤ⸗ gungen des zweiten Abſchnittes von dem zweiten Kapitel des Titels von dem Genuſſe und dem Verluſte der buͤrger⸗ lichen Rechte verwirkt hat. 720. Wenn mehrere Perſonen, wechſelweiſe, die eine zu der Erbſchaft der andern berufen in dem naͤmlichen unfalle umgekommen ſind, ohne daß man entſcheiden kann, welche von ihnen zuerſt geſtorben iſt, ſo wird die Vermuthung, wer den andern uͤberlebt baben moͤgte, aus den Umſtaͤnden des Zufalls, und wenn dieſe fehlen, nach der Kraft des Alters oder des Geſchlechtes beſtimmt. 721. Wenn diejenigen, welche miteinander umgekommen ſind, noch nicht fuͤnfzehn Jahre alt waren, ſo ſoll man ver⸗ muthen, der Aelteſte habe die Andern uͤberlebt. Wenn ſie alle uͤber ſechszig Jahre alt waren, ſo ſoll man vermuthen, der Juͤngſte habe die Andern uͤberlebt. Wenn einige davon noch nicht fuͤnfzehn, die andern aber mehr als ſechzig Jahre alt waren, ſo ſoll man dafuͤr halten, die Erſtery haben die Andern uͤberlebt. 7a2. Wenn diejenigen, welche mit einander umgekommen ſind, vollkommen fuͤnfzehn aber noch nicht ſechszig Jahre alt waren, ſo ſoll man dafuͤr halten, daß jene des maͤnnli⸗ chen Geſchlechts die Andern im Falle, wo ſie von gleichem Alter ſind, oder der unterſchied des Alters nicht uͤber ein Jahr hinaus geht, uberlebt haben. Wenn ſie von dem naͤmlichen Geſchlechte waren, ſo muß die Vermuthung des Ueberlebens, welche nach der Ordnung der Natur die Erbfolge eroͤffnet, angenommen werden. Man muß alſo dafur halten, der Juͤngere habe den Aeltern uͤberlebt. „a3. Das Geſetz beſtimmt die Ordnung der Erbfolge zwi⸗ ſchen den rechtmaͤßigen Erben. Sind keine ſolche vorhanden, ſo gebn die Guͤter auf die natuͤrlichen Kinder uͤber; ſodann auf den uͤberlebenden Gatten; und wenn auch ſolcher nicht vorhanden iſt, an den Staat. 724. Die rechtmaͤßigen Erben treten mit vollem Recht in die Guͤter, Rechte und Anſpruͤche des Verſtorbenen unter der Obliegenheit, alle auf der Erbſchaft haftende Laſten ab⸗ zutragen. Die natuͤrlichen Kinder, der uͤberlebende Gatte und der Staat muͤſſen ſich von Gerichtswegen und in den noch zu beſtimmenden Formen in den Beſitz einweiſen laſſen. Zweites Kapitel. Von den zur Erbfolge erforderlichen Eigen⸗ ſchaften. 726. Um eine Erbſchaft antreten zu koͤnnen, muß man nothwendig in dem Augenblicke, wo ſie eroͤffnet wird, leben. Alſo koͤnnen nicht erben Itens. Derjenige, welcher noch nicht empfangen iſt; ztens. Das Kind, welches nicht lebensfaͤhig gebohren worden; ztens. Derjenige, welcher buͤrgerlich todt iſt. 726. Ein Fremder wird nur in den Faͤllen und auf diejeni⸗ ge Art zugelaſſen, die Guͤter, welche ſein Verwandter, er ſei nun ein Auslaͤnder oder Franzoſe, auf dem Gebiethe des Reichs beſitzt, zu erben, in welchen und auf welche ein Franzoſe ſeinen Verwandten, welcher Guͤter in dem Lande dieſes Aus⸗ laͤnders beſitzt, erbt; in Gefolge der Verfuͤgungen des Litels uber den Genuß und den Verluſt der buͤrgerlichen Rechte. 727. Sind unwuͤrdig zu erben, und als ſolche alſo von den Erbſchaften ausgeſchloſſen rtens. Jener, welcher verurtheilt worden, weil er den Verſtorbenen umgebracht oder umzubringen getrachtet hat. atens. Jener, welcher gegen den Verſtorbenen eine Kriminal⸗ angebracht, welche aber verlaͤmderiſch befunden wor⸗ en; ztens. Der großjaͤhrige Erbe, der von den an dem Ver⸗ ſtorbenen vollbrachten Mord unterrichtet war und die An⸗ klage davon nicht bei Gericht angebracht hat. 7 8. Die Unterlaſſung der gerichtlichen Anklage kann jedoch den — 126— Verwanden des Moͤrders in auf⸗ und abſteigender Linie, ſeinen in dem naͤmlichen Grade Verſchwaͤgerten, ſeinem Gat⸗ ten oder Gattin, ſeinen Bruͤdern und Schweſtern, ſeinen Ohei⸗ men und Mubmen, ſeinen Neffen und Nichten nicht in dem Weg ſtehen. 729. Der von der Erbſchaft ſeiner Unwuͤrdigkeit wegen aus⸗ geſchloſſene Erbe iſt gebalten, alle Fruͤchte und Einkuͤnfte, wovon er von dem Tage der Eroͤfnung der Erbſchaft den Ge⸗ nuß batte, zuruͤck zu geben. 730. Die Kinder des Unwuͤrdigen, wenn ſie von ſich ſelbſt (de leur chef) und ohne die Huͤlfe der Stellvertretung zur Erbſchaft kommen, ſind wegen dei Fehler ihres Vaters nicht ausgeſchloſſen; dieſer aber kann in keinem Falle die Nutz⸗ nießung der Guͤter von dieſer Verlaſſenſchaft, welche das Geſetz den Aeltern von den Guͤtern ihrer Kinder zuſpricht, anſprechen. Drittes Kapitel. Von den verſchiedenen Ordnungen der Erbfolge. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. 731. Die Erbſchaften werden auf die Kinder und Abköͤmm⸗ linge des Verſtorbenen, auf ſeine Anverwanden in aufſteigen⸗ der Linie und ſeine Seitenverwanden in der Ordnung und nach den Regeln, die ſogleich werden aufgeſtellt werden, uͤbertragen⸗ 732. Das Geſetz betrachtet weder die Beſchaffenheit noch den Urſprung der Guͤter, um die Erbfolge davon anzuordnen. 733. Jede an Verwande in aufſteigender Linie oder an Sei⸗ tenverwande gefallene Erbſchaft zerfaͤllt in zwei gleiche Theile; der eine faͤllt auf die Verwanden der väterlichen Linie, der andere an jene der muͤtterlichen Linie. Die Halbbuͤrtigen Verwanden von der Mutter oder dem Vater werden von den vollbuͤrtigen nicht ausaeſchloſſen, aber ſie erben nur auf ihrer Linie, vorbehaltlich jedoch deſſen, was in dem unten folgenden 782 Artikel wird geſagt werden, Die Vollburtigen erben auf beiden Linien, Es jinder kein Uebergang von einer Linie auf die andere ſtatt, es ſei denn, daß kein Anverwander in aufſteigender Linie und auch kein Seitenverwander von einer der beiden Linien vor⸗ handen ſei. — 127— 34. Iſt dieſe erſte Cheilung zwiſchen der vaͤterlichen und muͤtterlichen Linte vollbracht, ſo findet keine Tbeilung mehr unter den verſchiedenen Zweigen ſtatt, ſondern die jeder Linie zugefallene Hälfte gehoͤrt dem oder den Erben zu, welche in dem Grade die naͤchſten ſind, vorbehaltlich des Falls der Stell⸗ vertretung, wovon nachher Sprache ſein wird. 735. Die Naͤhe der Verwandſchaft beſtimmt ſich durch die Anzahl der Generazionen; jede Generazion wird ein Grad ge⸗ nennt. 736. Die Reihefolge der Grade bildet die Linie. Die Reihe⸗ folge der Grade zwiſchen Perſonen, von denen eine von der andern abſtammt, wird die gerade Linie; und die Reihen⸗ folge der Grade zwiſchen Perſonen, von denen eine von der an⸗ dern nicht abſtammt, welche aber von einem gemeinſchaftlichen Stammvater abſtammen, wird die Seitenlinie genennt. Man unterſcheidet die grade Linie in abſteigende und auf⸗ ſteigende grade Linie. Erſtere iſt diejenige, welche den Stammvater mit denjeni⸗ gen, welche von ihm abſtammen, verbindet; die zweitere iſt diejenige welche eine Perſon mit denjenigen, von denen ſie ab⸗ ſtammt, verbindet. 737. Man zaͤhlt in gerader Linie eben ſo viele Grade, als es unter den Perſonen Generazionen gibt, So iſt alſo der Sohn in Hinſicht ſeines Vaters im erſten Grade, der Enkel im zwei⸗ tern; eben ſo verhalt es ſich mit dem Vater und Großvater in Hinſicht der Soͤhne und Enkel. 738s. Auf der Seitenlinie zaͤhlt man die Grade nach den Ge⸗ nerazionen von einem der Verwanden bis auf den gemeinſchaft⸗ lichen Stammvater, der aber nicht mitgezaͤhlt wird; und von dieſem bis auf den andern Verwanden. Dieſem zufolge ſind zwei Bruͤder in dem zweiten Grade; der Oheim und Neffe im dritten Grade; die Geſchwiſterkinder im vierten Grade, und ſo fort. zweiter Abſchnitt. Von der Stellvertretung. 739. Die Stellvertretung iſt eine Erdichtung des Geſetzes, die zur Wirkung hat, die Stellvertreter in die Stelle, den Grad und in die Rechte des Vertretenen eintreten zu laſſen. 740. Die Stellvertretung hat in gerader abſteigender Linie bis in das Unendliche ſtatt. 4 1 3 Sie wird in allen Fällen zugelaſſen; es ſei nun, daß die Kinder des Verſtorbenen mit den Abkoͤmmlingen eines vor⸗ herverſtorbenen Kindes die Erbſchaft zu beſprechen baben, oder daß, da alle Kinder des Verſtorbenen noch vor ihm verſtor⸗ ben find, die Abkoͤmmlinge beſagter Kinder ſich unter einan⸗ der in gleichen oder ungleichen Graden beſinden. 741. Die Stellvertretung hat zu Gunſten der Verwan⸗ den in aufſteigender Linie nicht ſtatt; der naͤchſte Verwande in jeder der beiden Linien ſchließt den Entferntern immer aus. 742. Auf der Seitenlinie wird die Stellvertretung zu Gun⸗ ſten der Kinder und Abkoͤmmlinge der Bruͤder und Schwe⸗ ſtern des Verſtorbenen angenommen, ſie moͤgen nun mit den Obeimen oder Danten ſich zu gleicher Zeit als Erben einſtel⸗ len; oder die Erbſchaft mag, weil alle Bruͤder und Schwe⸗ ſtern des Verſtorbenen vor ihm verſtorben ſind, auf ihre Ab⸗ koͤmmlinge in gleichen oder ungleichen Graden uͤbergegangen ſein. 7a3. In allen Faͤllen, wo die Stellvertretung zugelaſſen wird, wird die Theilung ſtammweiße gemacht. Wenn ein Stamm mehrere Zweige gegeben hat, ſo geſchieht die Unter⸗ abtheilung auf jedem Zweige abermal nach Staͤmmen, und die Glieder des nämlichen Zweiges theilen unter einander auf Koͤpfe. 744. Man kann die lebenden Perſonen nicht vertreten; nur bei jenen hat die Vertretung ſtatt, welche natuͤrlich oder buͤr⸗ gerlich todt ſind. Man kann die Stelle deſſen vertreten, auf deſſen Erbſchaft man Verzicht gethan hat. Dritter Ab ſchnitt. Von den Erbſchaften, welche auf Abkömmlinge uͤbergegangen ſind. 746. Die Kinder oder derſelben Abkömmlinge erben ihre Väter und Muͤtter, Großvaͤter und Großmuͤtter oder andere Verwanden in aufſteigender Linie ohne Unterſchied des Ge⸗ ſchlechts und der Erſtgeburt; ſollten ſie auch aus verſchiedenen Ehen entſproſſen ſein. Sie theilen unter ſich in gleichen Theilen und kopfweiſe, wenn ſie alle von dem erſten Grade und in ihrem eigenen Namen berufen ſind; ſie erben aber ſtammweiße, wenn ſie alle oder ein Theil von ihnen durch Stellvertretung darzu gelangen. — 129— Vierter Abſchuitt. Von den Erbſchaften, welche den Verwandten in aufſteigender Linie zufallen. 746. Wenn der Verſtorbene weder Nachkommenſchaft, we⸗ der Bruͤder oder Schweſtern, noch Abkoͤmmlinge von dieſen Letztern hinterlaſſen hat, ſo wird die Erbſchaft zur Hälfte unter den Verwandten in aufſteigender Linie von vaͤterlicher Seite und jenen von muͤtterlicher Seite getheilt. Der Verwandte in aufſteigender Linie, welcher der Nächſte im Grade iſt, bezieht die Hälfte der ſeiner Linie zufallenden Erbſchaft mit Ausſchließung aller Andern. Die Verwandten in aufſteigender Linie von dem nämlichen Grade erben kopfweiſe. 747. Die Verwandten in aufſteigender Linie erben mit Aus⸗ ſchluß aller Andern die Dinge, welche ſie ibren Kindern oder ohne Leibeserben verſtorbenen Abkoͤmmlingen gegeben haben, wenn die gegebenen Gegenſtaͤnde ſich in der Verlaſſenſchaft noch in Natur vorfinden. Sind dieſe Gegenſtaͤnde aber veraͤußert worden, ſo erben dieſe Verwandten in aufſteigender Linie den Kaufpreis, der dafuͤr noch ſchuldig ſein kann. Sie erben auch die Anſpruͤche auf Ruͤckfoderung, welche dem, der Geſchenk empfangen hat, zuſtehen kann. 748. Wenn die beiden Aeltern eine Perſon, welche ohne Nachkommenſchaft verſtorben iſt, uͤberlebt haben, dieſelbe aber Bruͤder oder Schweſtern oder Abkoͤmmlinge dieſer Letz⸗ tern hinterlaſſen hat, ſo wird die Erbſchaft in zwei gleiche Sbeile getheilt, wovon nur die Haͤlfte auf Vater oder Mut⸗ ter ubertragen wird, welche ſie unter ſich zu gleichen Thei⸗ len theilen. Die andere Haͤlfte gehoͤrt den Bruͤdern, Schweſtern oder Abkoͤmmlingen derſelben, wie es in bem Abſchnitte von der Seitenerbſchaft erklaͤrt werden wird. 7 49. In dem Falle, wo die ohne Nachkommenſchaft ver⸗ ſtorbene Perſon Bruͤder, Schweſtern oder Abkömmlinge von denſelben hinterläͤßt; der Vater und Mutter aber vorher ver⸗ ſtorben ſind, ſo faͤllt der Antheil, der dieſen Letztern in Gefolge des vorhergebenden Artikels zugefallen waͤre, zu der Haͤlfte welche den Bruͤdern oder Schweſtern oder ibren Stelvertre⸗ tern zugefallen iſt, ſo wie es nachher wird erklaͤrt werden. 8 16 zi — 130— Fuͤnfter Abſchnitt. Von der Seiten ⸗Erbſchaft. 76o. Wenn der Vater und die Mutter einer ohne Nach⸗ kommenſchaft verſtorbenen Perſon vor derſelben mit Tod abgegangen ſind, ſo werden ſeine Bruͤder, Schweſtern oder ihre Abkömmlinge mit Ausſchließung der Verwandten in auf⸗ ſteigender Linie und der andern Seitenerben zur Erbſchaft be⸗ rufen- Sie erben entweder auf ihr eignes Recht oder durch Stell⸗ vertretung, wie es in dem Abſchnitte von der Stellvertretung angeordnet worden. 761. Wenn der Vater und die Mutter die obne Nachkom⸗ menſchaft verſtorbene Perſon uͤberlebt haben, ſo werden ihre Geſchwiſter oder derſelben Abkömmlinge nur zur Haͤlfte zu der Erbſchaft berufen. Wenn entweder der Vater allein oder die Mutter allein dieſe Perſon uberlebt haben, ſo werden ſie berufen, die drei Viertheile der Erbſchaft einzuthun. 782. Die Theilung der Hälfte oder der drei Viertheile, welche in Gefolge des vorhergehenden Artikels auf die Bruͤ⸗ der oder Schweſtern uͤbergegangen ſind, geſchieht unter ihnen zu gleichen Cbeilen, wenn ſie aus der näͤmlichen Ehe ſind. Sind ſie aber aus verſchiedenen Ehen, ſo geſchieht die Thei⸗ lung zur Hälfte unter die beide Linien, die vaͤterliche naͤm⸗ lich und die mutterliche des Verſtorbenen. Die Vollburtigen theilen mit beiden Linien, und die blos vaͤterlichen oder blos muͤrterlichen Verwandten jede nur mit ihrer Linie. Wenn nur von einer Seite Bruͤder oder Schweſtern vorhanden ſind, ſo erben ſie das Ganze mit Ausſchließung aller uͤbrigen Ver⸗ wandten von der andern Linie. 763. Wenn keine Geſchwiſter oder keine Abkoͤmmlinge von ihnen und wenn auch keine Anverwandten in aufſteigender Linie auf der einen oder andern Linie vorhanden ſind, ſo wird die Erbſchaft zur Haͤlfte auf die uͤberlebenden Anver⸗ wandten in aufſteigender Linie, und die andere Haͤlfte auf die naͤchſten Anverwandten der andern Linie uͤbertragen⸗ Wenn Seitenverwandten in dem nämlichen Grade die Erb⸗ ſchaft anſprechen, ſo theilen ſie kopfweiſe. 754. In dem Falle des vorbergehenden Artikels hat der überlebende Vater oder die uͤberlebende Mutter die Nutz⸗ nießung von idem Drittel der Guͤter, welche ſie nicht als Eigentbum erben 755. Die Anverwandten uͤber den zwoͤlſten Grad hinaus erben nicht. In Ermanglung von Verwandten in einem erbfaͤhigen Gra⸗ de erben die Verwandten der andern Linie das Ganze. Viertes Kapitel. Von den unregelmaͤßigen Erbfolgen. Erſter Abſchnitt. Von den Rechten der natuͤrlichen Kinder auf die Guͤter ihres Vaters oder ihrer Mutter, und von den Grundſtuͤcken, welche natürliche ohne Nachkom⸗ menſchaft verſtorbene Kinder hinterlaſſen. 756. Die naturlichen Kinder erben nicht; das Geſetz geſtebt ibnen keine Rechte auf die Guͤter ihres verſtorbenen Vaters oder ihrer verſtorbenen Mutter zu, es ſei denn, daß ſie ge⸗ ſetzlich anerkannt worden ſind. Es bewilligt ihnen kein Recht auf die Guͤter der Verwandten ihres Vaters oder ihrer Mutter. 757. Das Recht des naturlichen Kindes auf die Guter ſei⸗ nes verſtorbenen Vaters oder ſeiner verſtorbenen Mutter iſt auf folgende Art beſtimmt. Wenn der Vater oder die Mutter rechtmaͤßige Nachkoͤmm⸗ linge hinterlaſſen, ſo iſt dieſes Recht auf das Drittheil des Erbantheils, welches das naturliche Kind bezogen haͤtte, wenn es ein rechtmaͤßiges Kind geweſen wäre, angeſetzt; es iſt auf die Haͤlfte angeſetzt, wenn der Vater oder die Mutter keine Abkoͤmmlinge, ſondern Verwandten in aufſteigender Linie, oder Bruͤder oder Schweſtern binterlaſſen; es iſt auf drei Vier⸗ theile angeſetzt, wenn der Vater oder Mutter weder Abkoͤmm⸗ linge noch Verwandten in aufſteigendee Linie, weder Bruͤder noch Schweſtern hinterlaſſen. 758. Das naturliche Lind hat das Recht auf die ganze Ver⸗ Jaſſenſchaft ſeines Vaters oder ſeiner Mutter, wenn beide keine erbfaͤhige Verwandten hinterlaſſen. 789. Stirbt das natuͤrliche Kind vorber, ſo koͤnnen ſeine Kinder oder Abkoͤmmlinge die in den vorhergebenden Artikeln feſtgeſetzten Rechte anſprechen. 760. Das natürliche Kind oder deſſen Abkoͤmmlinge ſind verbunden, dasjenige, was ſie ſchon von dem Vater oder der J2 — 732— Mutter, deren Erbſchaft offen iſt, erhalten haben, und was ſie nach den in dem zweiten Abſchnitte des ſechsten Kapitels des gegenwärtigen Titels aufgeſtellten Vorſchriften wieder zuruck bringen muͤßten, an dem, was ſie von rechtswegen zu fordern haben, abzurechnen. 761. Wenn ſie bei Lebzeiten ihres Vaters oder ihrer Mut⸗ ter die Haͤlfte von dem⸗ was ihnen durch die vorhergehenden Artikel zugeſast worden, erhalten haben, und wenn dieſe ihr Vater voder ihre Mutter die ausdruckliche Erklaͤrung von ſich gegeben haben, daß es ihre Willensmeinung iſt, das natuͤr⸗ liche Kind auf den Antheil, welchen ſie ihm angewieſen ha⸗ ben, zu veſchraͤnken, ſo iſt ibnen aller Anſpruch unterſagt. In dem Falle, wo dieſer Antheil geringer iſt, als die Haͤlf⸗ te von dem, was dem naturlichen Kinde zukommen ſollte, ſo kann es nichts als den Zuſchuß, welcher nothwendig iſt, um dieſe Haͤlfte zu erganzen, anſprechen. 762. Die Verfuͤgungen der Artikel 767 und 75s ſind nicht auf Kinder anwendbar, welche durch Ebebruch oder Blut⸗ ſchande erzeugt worden. Das Geſet ſpricht ihnen nichts als die Nabrungsmittel zu. 763. Dieſe Nahrungsmittel werden nach dem Verhltniß der Vermogensumſtaͤnde des Varers oder der Mutter und nach der Anzahl und Beſchaffenbeit der rechtmaͤbigen Erben be⸗ ſtimmt⸗ 76 4 Wenn der Vater oder die Mutter eines im Ehebruche oder in Blutſchande erzeu ten Kindes daſſelbe eine mechani⸗ ſche Kunſt erlernen ließen, oder wenn eines derſelben ihm bei ſeinen Lebenszeiten die Nahrungsmittel wird zugeſichert haben, ſo kann daſſelbe auf ibre Verlaſſenſchaft gar keine Anſpruͤche erheben. 765. Die PVerlaſſenſchaft des obne Nachkommen verſtorbe⸗ nen natuͤrlichen Kindes geht auf den Vater oder die Mutter uͤber, welche es anerkannt haben; oder ſie fäͤllt zur Haͤlfte auf alle beide, wenn es von beiden anerkannt worden. 766. In dem Falle, wo der Vater und die Mutter des na⸗ tuͤrlichen Kindes vorber verſtorben ſind, ſo gehen die Guͤter⸗ welche es von denſelben erhalten hat, auf die ehelichen Bruͤ⸗ der oder Schweſtern uͤber, wenn ſie ſich in Natur in der Erb⸗ ſchaft vorfinden⸗ Die Rechtsklagen auf Rückerſtattung, wenn dergleichen vorhanden ſind, oder der Kaufpreis ihrer veräußerten Guͤtet, wenn er noch nicht bezahlt iſt, ge⸗ pen ebenfalls auf dieſe ehelichen Bruͤder und Schweſtern uͤber. Alles uͤbrige Vermoͤgen wird den natuͤrlichen Bruͤdern und Schweſtern oder ihren Abkoͤmmlingen zu Theil. zweiter Abſchnitt. Von den Rechten des uͤberlebenden Ehegatten und jenen des Staates. 767. Wenn der Verſtorbene weder erbfaͤbige Verwandten noch natuͤrliche Kinder hinterlaͤßt, ſo gehoͤren die ſeine Ver⸗ laſſenſchaft ausmachenden Guͤter dem ihn uͤberlebenden von ihm nicht geſchiedenen Ehegatten. 768. In Ermanglung eines uͤberlebenden Ehegatten fullt die Verlaſſenſchaft dem Staate anheim. 769. Der uͤberlebende Ehegatte und die Verwaltung der Staatsgefaͤllen, welche vorgeben, ein Recht auf die Verlaſ⸗ ſenſchaft zu haben, ſind verbunden, Siegel anlegen und in den Formen, welche fuͤr die Annahme der Erbſchaften unter der Wohlthat des Inventariums vorgeſchrieben ſind, ſolches Inventarium errichten zu laſſen. 770. Sie ſollen die Einſetzung in den Beſitz von dem Sri⸗ bunal erſter Inſtanz, in deſſen Gerichtsbarkeit die Erbſchaft eroͤffnet worden, begehren. Das Lribunal kann auf das Ge⸗ ſuch nicht Recht ſprechen, bis drei Verkuͤndigungen geſchehen und Anſchlagzettel in den gehoͤrigen Formen angebefter und der kaiſerliche Prokurator vernommen worden. 771. Der uͤberlebende Ebegatte iſt uͤberdies noch gehalten, das bewegliche Vermoͤgen auf Zinſen anzulegen oder hinlaͤng⸗ liche Buͤrgſchaft zu leiſten, um die Wiedererſtattung zu ſichern, wenn ſich in dem Zwiſchenraume von drei Jahren Erben des Verſtorbenen zeigen ſollten. Iſt dieſe Zeitfriſt voruͤber, ſo iſt die Buͤrgſchaft entladen. 772. Der uͤberlebende Gatte oder die Verwaltung der Ge⸗ fäͤllen, welche die ihnen beiderſeits vorgeſchriebenen Formali⸗ täten nicht werden beobachtet haben, konnen zu Schadlos⸗ baltungen, wenn ſolche ſtatt ſinden, verurtheilt werden. 773. Die Verfuͤgungen der Artikel 769, 770, 771 und 772 ſind auch auf natuͤrliche Kinder, welche in Ermanglung von Anverwandten zu Erbſchaften berufen werden, anwendbar. — 134— Fuͤnftes Kapitel. Von der Annahme und dem Ausſchlagen der Erbſchaften. Erſter Abſchnitt. Von der Annahme. wa. Eine Erbſchaft kann geradezu unbedingt oder unter der Wohlthat des Inventariums angenommen werden. 77. Niemand iſt gezwungen, eine ihm zugefallene Erb⸗ ſchaft anzunehmen. 776. Die verheurathete Frau kann ohne die Ermäch⸗ tigung ihres Mannes oder der Gerichtsſtelle keine Erbſchaften antreten; und dies in Gefolg des Geſetzes uͤber die gegenſei⸗ tigen Rechte und Pflichten der Ehegatten. Kapitel VI von den Beurathen. Die den Minderjährigen oder Unterſagten heimgefallenen Erbſchaften koͤnnen nur unter Befolgung der Verfuͤgungen des Geſetzes von der Minderjährigkeit, der Vormund⸗ ſchaft und Entlaſſung guͤltig angenommen werden. 777. Die Wirkung der Annahme geht bis auf den Dag der Eroͤffnung der Erbſchaft zuruͤck. 738. Die Annahme kann entweder ausdruͤcklich oder ſiill⸗ ſchweigend ſein. Sie iſt ausdruͤcklich, wenn man in einer oͤffentlichen authentiſchen oder Privaturkunde die Benennung oder die Eigenſchaft eines Erben annimmt. Sie iſt ſtill⸗ ſchweigend, wenn der Erbe eine Handlung verrichtet, welche nothwendig ſeinen Entſchluß, die Erbſchaft anzunehmen, vor⸗ ausſetzt, und die er kein Recht hätte zu verrichten als nur in ſeiner Eigenſchaft als Erbe. 779. Die Handlungen, welche blos auf einsweilige Erhal⸗ tung, Bewachung und Verwaltung abzwecken/ ſind keine Erbſchaftsantritshandlungen, wenn man die Benennung oder die Eigenſchaft als Erbe nicht dabei angenommen hat. 780. Die Schenkung, der Verkauf oder Uebertrag, welche einer der Miterben entweder an einen Fremden, oder an alle ſeine Miterben, oder an einige aus ihnen von ſeinen Erbrech⸗ ten macht, hat ſeinerſeits die Annahme der Erbſchaft zur Folge⸗ Eben ſo verhält es ſich rtens. Mit der Verzichtleiſtung, wenn ſie auch unentgeltlich iſt, die einer der Erben zum Vor⸗ theil des einen oder mehrerer ſeiner Miterben macht⸗ ztens. Mit der Verzichtleiſtung, welche er ohne allen Un⸗ terſchied zum Vortheil aller ſeiner Miterben macht, wenn er eine Vergütung fuͤr ſeine Verzichtleiſtung erhält. 781. Wenn derjenige, dem eine Erbſchaft zugefallen iſt, ſtirbt, ohne dieſelbige ausgeſchlagen oder ohne ſie ausdruͤcklich oder ſtilſchweigend angenommen zu haben, ſo können ſeine Erben dieſelbe auf ihren Namen annehmen oder ausſchlagen 782. Wenn dieſe Erben nicht einig ſind, ob ſie dieſelbe an⸗ nehmen oder ausſchlagen wollen, ſo muß ſie unter der Wohl⸗ that des Inventariums angenommen werden. 733. Der Großjährige kann die ausdruͤckliche oder ſtillſchwei⸗ gende Annahme, die er von einer Erbſchaft gemacht, nur in dem Falle anfechten, wenn dieſe Annahme die Folge eines ihm geſpielten Betrugs geweſen waͤre. Er kann nie unter dem Vorwande einer Verletzung Anſpruͤche erheben, ausgenommen in dem alleinigen Falle, wo die Erbſchaft ſich durch die Ent⸗ deckung eines in dem Augenblicke der Annahme noch unbe⸗ kannt geweſenen Seſtamentes entweder ganz verſchlungen oder um mehr als die Haͤlfte vermindert finden ſollte. zweiter Abſchnitt. Von der Verzichtleiſtung auf Erbſchaften. 784. Die Verzichtleiſtung auf eine Erbſchaft wird nicht ver⸗ muthet. Sie kann nirgendswo als auf der Gerichtſchreiberei des Tribunals erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk die Erbſchaft offen geworden, auf ein beſonderes darzu gehaltenes Regiſter geſchehen. 785. Der Erbe, welcher Verzicht leiſtet, wird angeſehen, als ſei er niemals Erbe geweſen. 786. Der dem Entſagenden zugefallene Antbeil fuͤllt auf ſeinen Miterben. Wenn er der alleinige Erbe iſt, ſo faͤllt ſie auf den folgenden Grad. 787. Man kann durch Stellvertretung niemal zur Erb⸗ ſchaft gelangen, auf welche ein Erbe Verzicht geleiſtet hat⸗ Wenn der Verzichtleiſtende der einzige Erbe ſeines Grades iſt/ oder wenn alle ſeine Miterben Verzicht leiſten, ſo erben die Kinder auf ihr eigenes Recht und kopfweiſe. 788. Die Glaͤubiger desjenigen, der zum Nachtheil ihrer Rechte Verzicht leiſet, koͤnnen ſich vor Gericht ermächtigen laſſen, die Erbſchaft im Namen ihres Schuldners, imd an deſſen Platz und Stelle anzunehmen. In dieſem Falle iſt die Verzichtleiſtung nur zu Gunſten der Glaubiger und nur bis zu dem Betrag ihrer Schuldforderun⸗ gen zernichtet; ſie iſt es nicht zum Vortheil des Erben, wel⸗ cher Verzicht geleiſtet hat. 789. Die Befugniß, eine Erbſchaft anzunehmen oder dar⸗ auf Verzicht zu leiſten, verjaͤhrt ſich durch den Ablauf des Zeitraums, welcher zu der laͤngſten Verjaͤhrung der Rechte auf unbewegliche Dinge erfordert wird. 790. So lange die Verjaͤhrung des Rechtes der Annahme wider die Erben, welche Verzicht geleiſtet haben, nicht er⸗ worben iſt, haben ſie die Befugniß, die Erbſchaft noch an⸗ zunehmen, wenn ſie von andern Erben nicht ſchon angenom⸗ men worden. Dieſes jedoch ohne Nachtheil der Rechte, wel⸗ che ein Dritterer auf die Guͤter der Verlaſſenſchaft entweder durch Verjaͤhrung, oder durch urkunden, welche mit dem Kurator der ledig ſtehenden Erbſchaft guͤltig abgeſchloſſen worden, kann erworben haben⸗ 791. Man kann auf die Erbſchaft eines lebenden Menſchen nie, ſelbſt durch einen Henrathsvertrag nicht Verzicht leiſten, noch die allenfalſigen(ventuellen) Rechte, die man auf dieſe Verlaſſenſchaft haben kann, veraͤußern. 92. Die Erben, welche die zu einer Verlaſſenſchaft gehoͤ⸗ rigen Geraͤthſchaften auf Seite gebracht oder verheelt haben, ſind der Befugniß, darauf Verzicht zu leiſten, verluſtig. Sie bleiben ihrer Verzichtleiſtung ungeachtet, unbedingte und er⸗ klaͤrte Erben, ohne an den auf Seite gebrachten oder ver⸗ heelten Geraͤthſchaften einigen Antheil beſprechen zu konnen. Dritter Abſchnitt.⸗ Von der Rechtswohlthat des Inventariums, von ih⸗ ren Wirkungen, und von den Verbindlichkeiten des dieſe Wohlthat genießenden(Beneſiziar⸗) Erben. 793. Die Erklaͤrung eines Erben, daß er dieſe Eigenſchaft nur unter der Wohlthat des Inventariums annehmen wolle, muß auf der Schreiberei des Civil⸗Tribunals erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk die Erbſchaft eroͤffnet worden, geſchehen; ſie muß auf das Regiſter, welches zur Aufnahme der Verzicht⸗ leiſtungs⸗urkunden beſtimmt iſt, getragen werden. 04. Dieſe Erklaͤrung hat nur in ſofern Wirkung, als ihr eine getreue und genaue Aufnahme der zur Verlaſſenſchaft gehorigen Guͤter, welche in dem durch das Geſetzbuch uͤber die buͤrgerliche Prozeßordnung aufgeſtellten Formen und wäh⸗ rend den nachher beſtimmten Zeitfriſten errichtet worden, vor⸗ her geht oder darauf folgt. 795. Der Erbe hat von dem Lage der Eroͤffnung der Erb⸗ ſchaft drei Monatbe Zeit, das Inventarium zu fertigen. Er hat uͤberdies eine Zeitfriſt von vierzig Tagen, welche von dem TDage an, wo die drei zur Errichtung des Inventa⸗ riums gegebenen Monathe verfloſſen ſind, oder von dem Ta⸗ ge der Abſchließung des Inventariums, wenn ſie vor den dreien Monathen beendigt worden, zu zaͤhlen anfangen, um uͤber ſeine Annahme oder Verzichtleiſtung berathſchlagen zu koͤnnen. 796. Wenn ſich jedoch in der Verlaſſenſchaft Gegenſtaͤnde vorfinden, welche der Gefahr des Verderbens unterworfen ſind, oder deren Aufbewahrung zu koſtſpielig waͤre, ſo kann der Erbe in ſeiner Eigenſchaft als Erbberechtigter, und ohne daß man daraus auf ſeiner Seite auf eine Annabme ſchließen koͤnne, ſich von Gerichtswegen ermaͤchtigen laſſen, zum Verkaufe dieſer Geraͤthſchaften zu ſchreiten. Dieſer Verkauf muß durch einen oͤffentlichen Beamten, nach⸗ dem vorher die in dem Geſetzbuche uͤber die buͤrgerliche Pro⸗ zeßordnung verordneten Anſchlagzettel und Verkuͤndigungen gemacht worden, vorgenommen werden. 797. Waͤhrend der Dauer der zur Errichtung des Inven⸗ tariums und zur Berathſchlagung gegebenen Zeitfriſten kann der Erbe nicht genoͤthigt werden, dieſe oder jene Eigenſchaft an⸗ zunehmen, auch kann keine Verurtheilung wider ihn erlangt werden. Wenn er nach abgelaufener Zeitfriſt oder noch vorher Verzicht leiſtet, ſo ſind die rechtmaͤßig von ihm gemachten Koſten der Verlaſſenſchaft zur Laſt. 798. Nach Verlauf der oben bemerkten Zeitfriſten kann der Erbe, falls er gerichtlich verfolgt wird, eine neuere begehren, welche der Gerichtshof, bei welchem dieſe Rechtsſache anhaͤn⸗ gig iſt, zugeſteht oder abſchlaͤgt. 799. Die Koſten des gerichtlichen Verfahrens, wenn der Fall des vorhergehenden Artikels eintrit, ſind der Verlaſſen⸗ ſchaft zur Laſt, wenn der Erbe bewaͤhrt, daß er entweder von dem Abſterben keine Wiſſenſchaft gehabt habe, oder daß die Zeitfriſten tbeils wegen der Lage der Guͤter, theils wegen Strei⸗ tigkeiten, die ſich von neuem erhoben haben, unzureichend ſind. Bewährt er dieſes nicht, ſo fallen ihm die Koͤſten ver⸗ ſoͤnlich zur Laſt. 3 zoo. Der Erbe behält nichts deſtoweniger nach dem Ver⸗ lauf der durch den 796 Artikel zugeſtandenen Zeitfriſten, ja ſelbſt nach Verlauf jener, welche ihm in Gefolge des 798 Artikels der Richter gegeben hat, die Befugniß bei, das Inventarium noch zu machen und ſich unter dieſer Rechtswoblthat des In⸗ ventariums als Erbe darzuſtellen, wofern er nicht ſonſt ſchon eine Handlung verrichtet hat, die nur einem Erben zuſteht; oder wenn kein Urtheil, welches in Rechtskraft erwachſen iſt, gegen ihn vorhanden iſt, welches ihn als unbedingten Erben ohne weiters verurtheilt so1. Der Erbe, welcher ſich der Verheeluns ſchuldig ge⸗ macht, oder welcher gefliſſentlich und aus unredlichen Abſich⸗ ten unterlaſſen hat, Gerathſchaften in dem Inventarium der Ver⸗ laſſenſchaft anzugeben, iſt der Rechtswohlthat des Inventari⸗ ums verluſtigt. goꝛ. Die Wirkung der Rechtswohlthat des Inventariums beſtehr darinn, dem Erben den Vortheil zu geben tens. Nicht gehalten zu ſein, die Schulden, welche auf der Verlaſſenſchaft haften, weiter zu bezablen, als der Betrag der Guͤter, welche er geerbt hat, ausweißt; daß er ſich ſogar der Bezahlung der Schulden gaͤnzlich entziehen kann, indem er alle zur Verlaßſenſchaft gehoͤrigen Guͤter den Glaͤubigern und jenen, die mit einem Vermaͤchtniß bedacht worden,(“- gateurs) abtrit. atens. Daß ſeine eigenen und perſoͤnlichen Guͤter nicht mit jenen der Verlaſſenſchaft vermengt werden und er gegen dieſelbe ſich das Recht erhalte, die Bezahlung ſeiner Schuldfoderun⸗ gen zu beſprechen. soz. Der Erbe unter der Rechtswohltbat des Inventariums iſt mit der Verwaltung der zur Verlaſſenſchaft gehoͤrigen Guͤ⸗ ter beauftragt und muß den Glaͤubigern und denen, welche mit Vermaͤchtniſſen bedacht worden, von ſeiner Verwaltung Rechenſchaft ablegen. Er darf auf ſeine verſönliche Güter nicht gerichtlich verfolat werden, als bis er in Ruͤckſtand mit ſeiner Rechnungsablage iſt und er unterlaſſen hat, dieſer Obliegenheit Genuͤge zu leiſten. Wenn die Rechnung abgeſchloſſen iſt, kann er auf ſeine perſönliche Guͤter nicht gerichtlich verfolgt werden, es ſei denn fuͤr den Betrag der Summen, mit denen er in Ruͤckſtand ſteht. — 139— so4. Er iſt nur fuͤr grobe Fehler in der ihm aufgetragenen Verwaltung verantwortlich. Sos. Er kann die zur Verlaſſenſchaft gehoͤrigen beweglichen Guͤter nur durch Darzwiſchenkunft des oͤffentlichen Beamten, bei oͤffentlichen Steigerungen und nach gemachten uͤblichen Anſchlaszetteln und Bekanntmachungen verkaufen. Wenn er ſie in Natur darſtellt, ſo iſt er nur fuͤr die durch ſeine Nachlaͤßigkeit verurſachte Werthsverringerung und Be⸗ ſchaͤdigung verantwortlich. sc6. Er kann die unbeweglichen Guͤter nur nach den in dem Geſetzbuche uͤber die buͤrgerliche Prozeßordnung aufge⸗ ſtellten Formen verkaufen. Er iſt verbunden, den Erlös davon den Hypothekargläubigern, welche ſich zu erkennen gegeben haben, zu uͤberlaſſen. So7. Er iſt gehalten, wenn die Glaͤubiger oder andere be⸗ theiligte Perſonen es verlangen, fuͤr den Werth der in dem Inventarium vorfindlichen beweglichen Guͤter und des An⸗ theils des Erloͤſes der unbeweglichen Guͤter, welcher den Hy⸗ pothekarglaͤubigern nicht ausgeliefert worden, gute und zahl⸗ bare Buͤrgſchaft zu ſtelleu. Unterlaͤßt er, dieſe Buͤrgſchaft zu leiſten, ſo werden die bemeglichen Guͤter verkauft und der Erloͤs davon wird ſo wie der nicht an die Schuldner ausgelieferte Antheil des Preißes für die unbeweglichen Guͤter hinterlegt, um zur Ab⸗ tragung der auf der Verlaſſenſchaft haftenden Laſten verwen⸗ det zu werden. sos. Wenn Glaͤubiger vorhanden ſind, die Oppoſizion ma⸗ chen, ſo darf der unter der Rechtswohltbat des Inventariums aufgeſtellte Erbe nur in der von dem Richter vorgeſchriebe⸗ nen Ordnung und auf die von ihm angegebene Art und Weiße bezahlen. Wenn keine opponirende Glaͤubiger vorhanden ſind, ſo be⸗ zahlt er die Glaͤubiger und die mit Vermuaͤchtniſſen Bedach⸗ ten ſo wie ſich darſtellen. so9. Die keine Oppoſizion machenden Glaͤubiger, welche erſt nach abgelegter Rechnung und Abtragung des Ruͤckſtan⸗ des ſich darſtellen, koͤnnen ihre Foderungen nur gegen die mit Vermaͤchtniſſen Bedachten(Legatarien) geltend machen. In dem einen wie in dem andern Falle veriährt ſich das Recht des Regreſſes durch den Verlauf von drei Jahren, welche von dem Tage der Rechnungsablage und der Bezahlung des nberſchuſſes zu zahlen anfangen⸗ — 140— s10. Die Koſten fur Anlegung der Siegel, wenn ſolche ſtatt hatte; fuͤr die Errichtung des Inventariums und Ab⸗ legung der Rechnung fallen der Verlaſſenſchaft zur Laſt. Vierter Abſchnitt. Von den Erbſchaften, wozu ſich kein Erbe darſtellt. s11. Wenn nach Verlauf der zur Errichtung des Inventari⸗ ums und zur Berathſchlagung gegebenen Friſten ſich keine Perſon, welche die Erbſchaft anſpricht, darſtellt; wenn auch kein bekannter Erbe vorhanden iſt, oder wenn die bekannten Erben darauf Verzicht geleiſtet haben, ſo wird dieſe Verlaſſenſchaft als ledigſtehend angeſehen. 312. Das Sribunal erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk die⸗ ſelbe offen geworden, ernennt auf das Begehren der betheiligten Partheien oder auf die rechtliche Anforderung des kaiſerlichen Prokurators einen Kurator daruͤber. s13. Der Kurator einer ledisſtebenden Verlaſſenſchaft iſt gehalten, vor allem den Zuſtand derſelben durch ein Inven⸗ tarium bewähren zu laſſen; er uͤbt alle Rechte derſelben aus und betreibt ſie; er antwortet auf die gegen ſie erhobenen Anſpruͤche; er verwaltet ſie mit der Obliegenheit, das ſich in der Verlaſſenſchaft vorfindliche Geld, ſo wie den aus dem Verkaufe der beweglichen und unbeweglichen Guͤter berkom⸗ menden Erloͤß in die Kaſſe des Einnehmers der kaiſerlichen Regie zu ſchießen, er ſorget fuͤr die Bewahrung der Rechte und hat die Verbindlichkeit, an die Behoͤrde Rechnung abzulegen. g14. Die Verfuͤgungen des dritten Abſchnitts des gegen⸗ waͤrtigen Kapitels uͤber die Form des Inventariums, uͤber die Art der Verwaltung und uͤber die dem unter der Wohl⸗ that des Inventariums aufgeſtellten Erben abzulegende Rech⸗ nungen ſind uͤbrigens auf die Kuratoren ledigſtehender Ver⸗ laſſenſchaften anwendbar. Sechstes Kapitel. Von der Theilung und dem Wiedereinbringen. (rapports, Kollazion.) Erſter Abſchnitt. Von der Klage auf die Theilung und ihrer Form. 315. Niemand kann gezwungen werden, die Verlaſſenſchaft — 741— ungetheilt zu laſſen, und man kann aller Verbothe und ent⸗ gegen geſetzter Vertrage ohngeachtet um die Theilung an⸗ uchen. Man kann jedoch uͤbereinkommen, die Tbeilung auf eine beſchraͤnkte Zeit auszuſetzen. Dieſe Uebereinkunft kann nicht uber fuͤnf Jahre hinaus verbindlich ſein, allein man kann ſie erneuern. s16. Die Cheilung kann ſelbſt dann begehrt werden, wenn einer der Miterben einen Sheil der Guͤter der Verlaſſenſchaft insbeſondere genoſſen haͤtte, wenn lman anders keine Thei⸗ lungsurkunde, oder einen zur Erlangung der Verjaͤhrung hin⸗ reichenden Beſitzſtand darthun kann. s17. Die Rechtsklage auf Tbeilung in Bezug auf minder⸗ jaͤhrige oder unterſagte Miterben kann durch die von einem Familienratb beſonders dazu ermaͤchtigten Vormunde betrie⸗ ben werden. Betreffend die Abweſenden Miterben, ſo ſteht die Rechts⸗ klage den in den Beſitz geſetzten Verwanden zu. 318. Der Ehegatte kann ohne den Beitritt ſeiner Frau die Theilung jener beweglichen oder unbeweglichen ihr zugefalle⸗ nen Gexenſtuͤnde, welche in die Gemeinſchaft fallen, anſpre⸗ chen; betreffend die Gegenſtaͤnde, welche nicht in die Gemein⸗ ſchaft fallen, ſo kann er derſelben Theilung ohne Beitrit ſei⸗ ner Frau nicht anſprechen; er kann nur, wenn er naͤmlich das Recht hat, ihre Guͤter zu genießen, eine vorlaͤufige Thei⸗ lung begehren. Die Miterben der Frau koͤnnen die endliche Theilung nicht anders anfodern, als wenn Sie den Gatten und die Frau in den Rechtshandel verſetzen. 819. Wenn alle Miterben gegenwaͤrtig und großiaͤhrig ſind, ſo iſt die Anlegung der Siegel auf die Geräthſchaften der Verlaſſenſchaft nicht nothwendig, und die Theilung wird in der Form und in Kraft der Urkunde, wie die betheiligten Par⸗ theien ſie fur zutraͤglich erachten, vorgenommen. Wenn nicht alle Miterben gegenwaͤrtig ſind, oder ſich un⸗ ter denſelben Minderjaͤhrige oder Unterſagte befinden, ſo muͤſ⸗ ſen die Siegel in der kuͤrzeſten Zeitfriſt entweder auf das Be⸗ treiben des kaiſerlichen Prokurators bei dem Tribunal erſter Inſtanz oder von amtswegen durch den Friedensrichter, in deſſen Bezirk die Erbſchaft eroͤffnet worden, angelegt werden. s0. Die Glaͤuviger konnen in Kraft eines die Vollziehung — 142— verordnenden Rechtstitres oder der von dem Richter gegebenen Erlaubniß die Siegelanlegung rechtlich anſprechen. Sar. Wenn die Siegel angelegt ſind, ſo koͤnnen alle Gläͤu⸗ viger, wenn ſie auch keinen die Vollziehung verordnenden Rechtstitre oder richterliche Erlaubniß haben, ibre Oppoſi⸗ zionen dabei vorbringen. 3 Die bei Abnahme der Siegel und Verfertigung des Inven⸗ tariums zu beobachtenden Formalitaͤten ſind durch das Geſetz⸗ buch uͤber die buͤrgerliche Prozeßordnung angeordnet. s22. Die wegen der Theilung entſtandenen Rechtsklagen vder die ſich wahrend dem Laufe der Verbandlungen erbeben⸗ den Streitfragen werden dem Tribunale des Hrts, wo die Erbſchaft eröffnet worden, unterworfen. Vor dem naͤmlichen Tribunal ſchreitet man zu den Ver⸗ ſteigerungen und bringt die Geſuche an, welche auf die Sicher⸗ heitsleiſtung der Looſe unter den Mittheilenden oder aber die Zernichtung der gemachten Sbeilung Bezug haben. s23. Wenn einer der Miterben ſich weigert, der Theilung beizutreten, oder wenn ſich entweder uͤber die Art und Weiſe, wie ſie vorgenommen, oder uͤber jene, wie ſie abge⸗ ſchloſſen wird, Rechtsſtreitigkeiten erbeben, ſo ſpricht das Pribunal daruͤber wie in einer ſummariſchen Sache, oder ſtellt, wenn es der Fall iſt, fuͤr die Verbandlungen der Thei⸗ lung einen der Richter auf, auf deſſen Bericht es uͤber die erhobenen Streitigkeiten den Ausſpruch thut. ga4. Die Abſchatzung der unbeweglichen Guͤter geſchieht durch Sachkundige, welche von den betheiligten Partheien gewählt, oder, wo dieſe ſich weigern, ſie zu erwaͤhlen, von amtswegen ernennt werden. Der Verpalprozeß, den die Sachkundigen errichten, muß die Grundlagen der Abſchaͤtzungen vor Augen legen; er muß angeben, ob der abgeſchätzte Gegenſtand faͤalich und auf welche Art er getheilt werden kann, und wenn Uneinigkeit entſtanden iſt, einen jeden Antheil, den man aus der Ver⸗ laſſenſchaft machen kann und den Werth deſſelben angeben. Sa. Wenn die Abſchätzuug der beweglichen Guͤter nicht in einem regelmäſigen Inventarium gemacht worden, ſo ſoll ſie von ſachkundigen Leuten nach ihrem wahren Werthe und ohne die Abſchätzung noch zu erhoben Cans erue) vorgenommen werden. 326. Jeder der Miterben kann ſeinen Antheil an den beweg⸗ — 143— lichen und unbeweglichen Guͤtern der Verlaſſenſchaft in Natur verlangen; wenn jedoch Glaͤubiger vorhanden ſind, welche Be⸗ ſchlag anlegen oder Oppoſizionen erheben; oder wenn der groͤßere Theil der Erben den Verkauf zur Bezahlung der Schul⸗ den und Silgung der auf der Verlaſſenſchaft haftenden Laſten fur noͤthig erachtet, ſo werden die beweglichen Guͤter oͤffent⸗ lich und in gewoͤhnlicher Form verkauft. s27. Wenn die unbeweglichen Guͤter nicht fuͤglich koͤnnen getheilt werden, ſo muͤſſen ſie auf dem Wege der Steigerung vor dem Lribunal verkauft werden. Indeſſen können die Partheien, wenn ſie alle großjaͤhrig und, einwilligen, daß die Verſteigerung vor einem Norarius, uͤber deſſen Wahl ſie einig geworden ſind, vor ſich gehe. g2g. Wenn die beweglichen und unbeweglichen Guͤter ab⸗ geſchatzt und, wenn es der Fall iſt, verkauft worden ſind, ſo ſchickt der als Kommiſſaͤr aufgeſtellte Richter die Partheien vor einen Notarius, den ſie ſich entweder ſelbſt ernennen oder der ihnen von amtswegen ernennt worden, wenn ſie uͤber die Wabl deſſelben nicht einig werden koͤnnen. Vor dieſem Beamten ſchreitet man zur Ablegung der Rech⸗ nungen, die die Mittheilhabenden einander ſelbſt ſchuldig ſein moͤgen; man ſchreitet zur Bildung der Hauptmaſſe, zur Zu⸗ ſammenſetzung der Loſe, und zu den Auslieferungen, welche man einem jeden der Mittheilhabenden zu machen hat. s29. Jeder Miterbe bringt zu dieſer Maſſe nach den Vorſchriß⸗ ten, welche weiter unten werden aufgeſtellt werden, die Geſchenke, welche er erhalten hat, und die Summen, welche er ſchuldig iſt. s30. Wenn das Wiedereinbringen nicht in Natur geſchehen iſt, ſo erheben die Miterben, denen er es ſchuldig iſt, auf die Maſſe der Verlaſſenſchaft einen gleichen Theil zum voraus. Dieſes Vorauserheben geſchieht, ſo viel es moͤglich iſt, in Gegenſtaͤnden von der naͤmlichen Natur, Beſchaffenheit und Guͤte, als die Gegenſtaͤnde ſind, welche nicht in Natur beige⸗ bracht worden. s31. Wenn dieſe Vorauserhebungen geſchehen ſind, ſo ſchrei⸗ tet man zur Verfertigung von eben ſo vielen gleichen Looſen aus dem, was in der Maſſe uͤbrig bleibt, als mittheilha⸗ bende Erben oder Staͤmme vorhanden ſind. s32. In Bildung und Verfertigung der Looſe muß man, ſo viel es moͤglich iſt, verhuͤten, daß die Grundſtuͤcke nicht zer⸗ ßuͤckelt und der ſich aus gemachten Anlagen ergebende Er⸗ — 144— trag nicht getrennt werde; und es geziemt ſich, daß er, wenn es ſein kann, in einem jedem Lvos die naͤmliche Anzahl be⸗ weglicher Gegenſtaͤnde, unbeweglicher Guͤter, Rechte und aus⸗ ſtehender Schulden von der naͤmlichen Natur aufnehme. 833. Die in der Natur ungleichen Looſe werden durch eine Herausgabe entweder in Renten oder in Geld gleichgeſtellt. 34. Die Looſe werden durch einen der Miterben, wenn dieſelben uͤber die Wahl unter einander einig ſind, und wenn der Gewaͤhlte den Auftrag annimmt, gemacht; im entgegen⸗ geſetzten Falle werden ſie von einem Sachkundigen, den der als Kommiſſaͤr aufgeſtellte Richter ernennt bat, gemacht. Darauf werden die Lvoſe gezogen⸗ 836. Ehe man zur Ziehung der Loſe ſchreitet, wird jeder Mittheilhabende zugelaſſen, ſeine Einwendungen wider die Verfertigung derſelben vorzutragen. s36. Dieſe Regeln, welche man bei Vertbeilung der Maſſen zu befolgen hat, muͤſſen ebenfalls in den unter den mittheil⸗ habenden Staͤmmen zu machenden Untervertheilungen beob⸗ achtet werden. 837. Wenn ſich bei den vor einen Notarius verwieſenen Verhandlungen Streitigkeiten erheben, ſo ſoll derſelbe uͤber die ſtrittigen Gegenſtaͤnde und die gegenſeitigen Auſſagen der Partheien Verbalprozeß errichten und ſie vor den fuͤr die Theilung ernennten Kommiſſaͤr verweiſen; im uͤbrigen ſoll man nach den in dem Geſetzbuche uber die buͤrgerliche Ge⸗ richtsordnung vorgeſchriebenen Formen verfahren. 833. Wenn nicht alle Miterben gegenwoͤrtig ſind, oder wenn ſich unter denſelben Unterſagte oder Minderjaͤhrige be⸗ finden, ſollten letztere auch entlaſſen ſein; ſo muß die Thei⸗ lung gemaͤß der durch die 819 und folgende Artikel, bis auf den vorſtehenden und dieſen noch mit inbegriffen, vorgeſchriebe⸗ nen Regeln vor Gericht geſchehen. Wenn mehrere Minder⸗ jährige vorhanden ſind, welche ein entgegengeſetztes Intereſſe bei der Theilung haͤtten, ſo muß einem jeden ein ganz beſon⸗ derer und ihm allein eigener Vormund gegeben werden. 339. Wenn in dem Falle des vorhergehenden Artikels eine Steigerung ſtatt hat, ſo kann ſie nur vor Gericht und unter Beobachtung der fur die Veraͤußerung der Guͤter der Min⸗ derjährigen vorgeſchriebenen Formalitäten ſiatt haben. Die Fremden werden immer dabei zugelaſſen. s40. Die Cheilungen, welche ſo, wie es die oben aufgeſtell⸗ ten Regeln vorſchreiben, entweder durch die Vormunde unter Ermaͤchtigung des Familienraths, oder durch die entlaſſenen, von ihren Kuratoren verbeiſtäͤndeten Minderjaͤhrigen, oder im Namen der Abweſenden oder nicht Gegenwaͤrtigen vollbracht worden, ſind als abgeſchloſſen anzuſehen; ſie ſind aber nur einsweilig, wenn die vorgeſchriebenen Regeln nicht beobachtet wurden. sa1. Jede Perſon, wenn ſie auch mit dem Verſtorbenen verwand wäre, die aber deſſen Erbe nicht iß, und welcher ein Miterbe ſein Recht auf die Verlaſſenſchaft abgetreten haͤtte, kann entweder von allen Miterben oder auch nur von einem einzigen von der Theilung entfernt werden, wenn man ihr den Preis der Abtretung zuruͤck bezahlt. s42. Nach vollbrachter Theilung muͤſſen jedem der Mit⸗ theilhabenden die beſondern urkunden eingehaͤndigt werden, welche auf die ihm zugefallenen Gegenſtaͤnde Bezug haben. Die urkunden uͤber ein getheiltes Eigenthum ſollen demje⸗ nigen uͤbergeben werden, welcher den größten Antheil davon befommen hat, unter der Verbindlichkeit jedoch, demjenigen ſeiner Mittheilhaber, welche dabei betheiligt ſein koͤnnen⸗ damit auszuhelfen, wenn er darum wird angegangen werden. Die der Erbſchaft gemeinſchaftlichen urkunden werden dem⸗ jenigen uͤbergeben, welchen alle Erben gewaͤhlt haben, um der Aufbewahrer davon zu ſein, unter der Verbinblichkeit⸗ den Mittheilhabern auf jedes Anſuchen damit auszuhelfen. Wenn ſich uͤber dieſe Wahl Streitigkeiten erheben, ſo werden ſie durch den Richter geſchlichtet. zweiter Abſchnitt. Von dem Wiedereinbringen(rapports, Kollazion). saz. Jeder Erbe, ſelbſt der, welcher es unter der Rechts⸗ wohlthat des Inbentariums iſt, der zu einer Erbſchaft gelangt, muß ſeinen Miterben alles das wieder beibringen, was er von dem Verſtorbenen durch Schenkung unter Lebenden mittel⸗ bar oder unmittelbar bekommen hat. Er kann die Geſchenke nicht zuruͤckbehalten, noch auf die ihm von dem Verſtorbenen gemachten Vermaͤchtniſſe Anſpruch machen, es ſei denn, die Vermaͤchtniſſe ſeien ibm ausdrucklich zum voraus und außer ſeinem Erbtheil oder mit Freiſprechung von der Verbindlich⸗ keit, ſie wieder einzuhringen, gemacht worden⸗ H — g4a. Selbſ in dem Falle, wo dieſe Geſchenke und Vermaͤcht⸗ niſſe zum voraus oder mit Freiſprechung von der Verbind⸗ lichkeit ſie wieder einzubringen gemacht worden waͤren, kann der zur Theilung gelangende Erbe ſolche nur bis zu dem Be⸗ trag des Antheils, woruͤber verfuͤgt werden konnte, zuruͤck be⸗ balten; der Ueberſchuß muß wieder eingebracht werden⸗ sas. Der Erbe, welcher auf die Erbſchaft Verzicht leiſtet, kann jedoch die bei Lebzeiten gemachten Geſchenke zuruͤck be⸗ „halten, vder die ihm gemachten Vermaͤchtniſſe bis auf den Be⸗ trag des Antheils, woruͤber verfuͤgt werden kann, anſprechen⸗ s46. Der Geſchenknehmer, welcher zur Zeit der Schenkung kein vermurhlicher Erbe war, ſich aber am Tage der eroͤff⸗ neten Erbſchaft zu derſelben berufen findet, iſt ebenfalls zum Wiedereinbringen verpflichtet, es ſei denn, der Schenker habe ihn dieſer Verbindlichkeit entlaſſen. s47. Die Geſchenke und Vermächtniſſe, welche dem Sohne desjenigen, der ſich am Tage der Eroͤffnung der Erbſchaft zu derſeben berufen findet, gemacht worden, werden immer angeſehen, als ſeien ſie mit Freiſprechung von der Verbind⸗ lichkeit des Wiedereinbringens gemacht worden. Wenn der Vater zur Erbſchaft des Geſchenkgebers gelangt, ſo iſt er nicht gehalten, ſie wieder einzubringen. sas. Eben ſo iſt der Sohn, wenn er für ſich und in ſeinem ihm eigenthuͤmlichen Rechte zur Erbſchaft des Geſchenkgebers gelangt, nicht gehalten, das ſeinem Vater gemachte Geſchen⸗ ke wieder einzubringen, und wenn er auch deſſen Erbſchaft ubernommen haͤtte. Gelanst aber der Sohn nur durch Stell⸗ vertretung zur Erbſchaft, ſo muß er das, was ſeinem Vater geſchenkt worden, wieder beibringen⸗ auch ſogar in dem Falle, wenn er die Erbſchaft ausgeſchlagen haͤtte. Sa9. Die dem Gatten eines zur Erbſchaft berufenen Mit⸗ gatten gemachten Geſchenke und Vermaͤchtniſſe ſind anzuſehen, als ſeien ſie mit Freiſprechung von der Verbindlichkeit des Wiedereinbringens gemacht worden. Wenn dieſe Geſchenke und Vermaͤchtniſſe zweien Gatten ge⸗ meinſchaftlich gemacht worden, aber nur einer von ihnen zur Erbſchaft ſich berufen findet, ſo bringt dieſer Berufene die Haͤlfte davon wieder ein. Sind aber dieſe Geſchenke nur dem zur Erbſchaft Berufenen gemacht worden, ſo bringt er ſie ganz wieder ein. S6o. Das Wiedereinbringen geſchieht nur in die Verlaſſen⸗ ſchaft des Geſchenkgebers. — 147— ss1. Es muß wieder eingebracht werden, was fuͤr die Nie⸗ derlaſſung eines der Miterben oder zur Bezahlung ſeiner Schul⸗ den verwendet worden. s52. Die Nahrungs⸗Unterhaltungs⸗Erziehungs⸗ und Lehrgel⸗ deskoſten, die gewoͤhnlichen Koſten der Ausſteuer, die der Hochzeit und deruͤblichenGeſchenke durfen nicht wieder eingebracht werden. s63. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit den Vortheilen, welche der Erbe aus den mit dem Verſtorbenen abgeſchloſſenen Ver⸗ traͤgen gezogen haben kann, wenn dieſe Vertraͤge keinen in⸗ direkten Vortheil darbothen, als ſie abgeſchloſſen worden. ssg. Das Wiedereinbringen findet auch wegen geſellſchaft⸗ lichen Verbindungen, welche ohne Argliſt und Betrug zwi⸗ ſchen dem Verſtorbenen und ſeinen Erben eingegangen wor⸗ ren, nicht ſtatt, wenn die Bedingungen derſelben durch eine aͤcht beglaubte urkunde angeordnet waren. s58. Die unbeweglichen Guͤter, welche durch Zufall und ohne Schuld des Geſchenknehmers zu Grunde gegangen ſind, ſind dem Wiedereinbringen nicht unterworfen. s56. Die Fruͤchte und Zinſe der Gegenſtaͤnde, welche dem Wiedereinbringen unterworfen ſind, iſt man nur von dem Tage, wo die Erbſchaft eroͤffnet worden, zu entrichten ſchuldig. ss7. Das Wiedereinbringen geſchiebt nur von Miterbe zu Miterbe; man iſt es den mit Vermaͤchtniſſen Bedachten oder den Glaͤubigern der Erbſchaft nicht ſchuldig. ss3. Das Wiedereinbringen geſchieht in Natur oder durch das Wenigernehmen. 889. Es kann bei unbeweglichen Guͤtern immer in Natur gefordert werden, wenn das gegebene unbewegliche Gut von dem Geſchenknebmer nicht veraͤußert worden, und wenn ſich in der Verlaſſenſchaft keine andere unbewegliche Guͤter von gleicher Gattung, Werth und Guͤte vorfinden, aus welchen man ohnge⸗ faͤhr gleiche Lvoße fuͤr die uͤbrigen Miterben machen koͤnnte. s6o. Das Wiedereinbringen hat nur auf das Wenigerneh⸗ men ſtatt, wenn der Geſchenknehmer das unbewegliche Gut vor der Eröffnung der Erbſchaft veraͤußert hat; es wird alsdann nach dem Werthe, den das unbewegliche Gut zur Zeit der Erbſchaftseroͤffnung hatte, wieder eingebracht. S61. In allen Faͤllen muͤſſen dem Geſchenknehmer die Koſten zugerechnet werden, welche er zur Verbeſſerung der Sache angewendet hat, und zwar nach dem Maaßſtabe des Werths, um welchen ſich dieſelbe zur Zeit der Sbeilung erhoͤht findet. K 2 — 148— 362. Eben ſo muͤſſen ihm auch die zur Erhaltung ber Sache nothwendigen und von ihm angewendetti Koſten zu gut ge⸗ ſchrieben werden, ſollte auch das Weſen der Sache nicht ver⸗ beſſert worden ſein⸗ g63. So muß aber der Geſchenknehmer auch ſeiner Seits das, was er an dem unbeweglichen Gute entweder durch ſeine eigene Handlungen oder aus Verſchulden ſeiner Nachlaͤſſig⸗ keit verdorben und verſchlimmert hat, und wodurch der Werth deſſelben verringert worden, verguͤten. 864. Wenn das unbewegliche Gut von dem Geſchenknehmer veraͤußert worden, ſo muͤſſen die von dem Ankaͤufer gemach⸗ ten Verbeſſerungen oder Verſchlimmerungen in Gefolge der drei vorhergebenden Artikel aufgerechnet werden. s65. Wenn das Widereinbringen in Natur geſchieht, ſo wer⸗ den die Guͤter frei von allen Beſchwerden, die von dem Geſchenk⸗ nehmer auferlegt worden, mit der Maſſe der Verlaſſenſchaft vereinigt; aber die Hypothekarglaͤubiger koͤnnen ſich bei der Theilung ſtellen, um ſich zu opponiren, damit das Wieder⸗ einbringen nicht zum Nachtheil ihrer Rechte geſchehe. s66. Wenn das Geſchenk eines unbeweglichen Gutes, wel⸗ ches einem zur Erbſchaft Berufenen mit Freiſprechung von der Verbindlichkeit des Wiedereinbringens gemacht worden, den Antheil uberſteiot, woruͤber verfuͤgt werden konnte, ſo ge⸗ ſchieht die Wiedereinbringung des Ueberſchuſſes in Natur, wenn die Abſonderung dieſes Ueberſchuſſes bequem geſchehen kann⸗ Im entgegen geſetzten Falle, wenn der Ueberſchuß mehr als die Haͤlfte des Werthes des unbeweglichen Guts betraͤat, ſo muß der Geſchenknehmer daſſelbe ganz wieder einbringen, vor⸗ vehaltlich ſeines Rechtes, den Werth des Antheils, woruͤber verfugt werden konnte, aus der Maſſe vorher zu beziehen. Wenn dieſer Antheil die Haͤlfte des Werths uͤberſteigt, ſo kann der Schenknehmer das unbewegliche Gut ganz behalten, vorbehaltlich, ſoviel weniger zu nehmen, und ſeine Miter⸗ ben durch Geld oder auf eine andere Art zu entſchaͤdigen. 67. Der Miterbe, welcher ein unbewegliches Gut in Natur wieder einbrinat, kann den Beſitz deſſelben bis zur wirklichen Zuruͤckzahluna der Summen⸗ welche er fuͤr Verwendungen oder Verbeſſerungen zu fordern hat, behalten. S68. Das Wiedereinbringen der beweglichen Guͤter geſchieht nur dadurch, daß man weniger nimmt. Es geſchieht auf den Fuß des Werths dieſer Guͤter, welchen ſie zur Zeit der Schen⸗ — 149— kung in Gefolge des Abſchäͤtzungsverzeichniſſes, welches der Schenkunasurkunde beigefuͤgt iſt, hatten; oder, wenn dieſes Verzeichniß nicht vorhanden iſt, nach einer von Sachverſtaͤn⸗ digen nach billigen Preiſen und ohne einige Erböhung geſche⸗ benen Abſchaͤtzung s69. Das Wiedereinbringen des geſchenkten Geldes geſchieht dadurch, daß man von den Geldern der Verlaſſenſchaft we⸗ niger nimmt. Im Falle der Unzulaͤnglichkeit kann der Geſchenknehmer ſich von der Verbindlichkeit des Wiedereinbringens des Geldes frei machen, wenn er bis zu dem ſchuldigen Betrage beweg⸗ liche Guͤter, oder in deren Ermanglung unbewegliche Guͤter der Verlaſſenſchaft uͤberlaͤßt. Dritter Abſchnitt. Von der Bezahlung der Schulden. s70. Die Miterben tragen miteinander und jeder nach Ver⸗ baͤltniß deſſen, was et aus der Erbſchaft erhaͤlt, zur Zahlung der Schulden und Laſten, welche auf der Verlaſſenſchaft haften, bei. 871. Der unter einem Univerſaltitel mit einem Vermaͤcht⸗ niſſe Bedachte trägt nach dem Verhältniſſe ſeines Vortheils mit den Erben darzu bei; allein der mit einem Vermaͤchtniſſe unter einem Partikulartitel Bedachte iſt zur Bezahlung der Schulden und Laſten nicht gehalten; unbeſchadet jedoch der auf dem vermachten unbeweglichen Gute haftenden Hypotheke. 7a. Wenn unbewegliche Guͤter einer Verlaſſenſchaft durch Syezialhypotheken mit Renten belaſtet ſind, ſo kann ſeder der Miterben begehren, daß die Renten zuruͤck bezahlt und die unbeweglichen Guͤter frei gemacht werden, ehe man zur Bil⸗ dung der Looſe ſchreitet. Wenn die Miterben die Verlaſſen⸗ ſchaft in dem Stande, worin ſie ſich befindet, theilen, ſo muß das belaſtete unbewegliche Gut nach dem naͤmlichen Werth, wie die andern unbeweglichen Guͤter abgeſchaͤtzt wer⸗ den. Das Kapital der Rente wird ſodann von dem Preiſe des Ganzen abgezogen. Der Erbe, in deſſen Loos dies unbeweg⸗ liche Gut faͤllt, bleibt allein mit der Entrichtung der Rente behaftet und er muß ſeinen Miterben dafuͤr Buͤrsſchaft leiſten. s73. Die Erben haften für die Schulden und Laſten der Verlaſſenſchaft jeder perſönlich für ſein Erbtheil und Viril⸗ Antheil, hovothekariſch aber fuͤr das Ganze, vorbehalt⸗ — 150— lich ihrer Ruͤckfoderung entweder an die Miterben oder an die unter einem Univerſaltitel mit Vermaͤchtniſſen Bedachte nach dem Verhaͤltniſſe des Antheils, in welchem ſie zur Zah⸗ lung beitragen muͤſſen. s74. Der mit einem Vermaͤchtniſſe unter einem Partienlar⸗ titel Bedachte, welcher die Schuld, womit das ihm vermachte Gut belaſtet war, abgetragen hat, trit ein und bleibt in den Rechten des Glaͤubigers gegen die Erben und Nachfolger un⸗ ter einem Univerſaltitel. 375. Der Niterbe oder Nachfolger unter einem Univerſal⸗ titel, welcher kraft der Wirkung der Hypotheke an der gemein⸗ ſchaftlichen Schuld uͤber ſeinen Antheil bezahlt hat, har an die andern Miterben oder Nachfolger unter einem Univerſal⸗ titel nur fuͤr den Antheil, welchen jeder von ihnen perſoͤnlich davon zu uͤbernehmen hat, ſelbſt in dem Falle, wo der Miterbe, welcher die Schuld bezahlt hat, ſich in die Rechte der Glaͤubi⸗ ger baͤtte einſetzen laſſen, Regreß, ohne Nachtheil jedoch der Rechte eines Miterben, welcher durch die Wirkung der Rechts⸗ wohlthat des Inventarlums die Befugniß erhalten haͤtte, die Bezahlung ſeiner perſoͤnlichen Schuldfoderung, wie jeder andere Glaͤubiger, zu beſprechen⸗ 876. Im Falle der Zahlungsunfaͤhigkeit eines der Miterben oder Nachfolgers unter einem Univerſaltitel wird ſein Autheil an der Hypothekarſchuld auf alle andere nach dem Maas⸗ ſtabe ihres Antheils vertheilt. s77. Die gegen den Verſtorbenen exekutoriſchen Titres ſind ebenfalls gegen den Erben perſoͤnlich zu vollziehen. Doch konnen die Glaͤubiger die Vollziehung derſelben nicht eher, als acht Tage nach der Signifikazion dieſes Titres an den Erben entweder in Perſon oder an ſeinem Wohnorte betrei⸗ ben. 378. Sie koͤnnen in allen Faͤllen und gegen einen jeden Gläͤubiger die Trennung des Vermoͤgens von dem Vermoͤgen des Erben begehren. 379. Dieſes Recht kann jedoch nicht mehr in Ausuͤbung gebracht werden, wenn in der gegen den Verſtorbenen beſte⸗ henden Schuld dadurch eine Neuerung(Novazion) enſtan⸗ den, daß der Erbe als Schuldner angenommen worden. s8o. Es verjährt ſich in Betreff der beweglichen Guͤter durch den Verlauf von drei Jahren. In Betreff der unbeweglichen Guͤter kann die Rechtsklage ſo lange angeſtellt werden als ſie ſich in der Hand des Erben befinden. g81. Die Gläubiger des Erben werden nicht zugelaſſen, die Trennung des einen Vermoͤgens von dem andern gegen die Glaͤubiger der Verlaſſenſchaft zu begehren. 882. Die Glaͤubiger eines Miterben koͤnnen, um zu ver⸗ meiden, daß die Theilung nicht zum Nachtheil ihrer Rechte geſchehe, ſich opponiren, daß zu derſelben geſchritten werde, wenn ſie nicht gegenwaͤrtig ſind; ſie haben das Recht, auf ihre Koſten dabei gegenwaͤrtig zu ſein; allein ſie koͤnnen eine vollbrachte Theilung nicht angreifen, es ſei denn Sache, daß man ohne ſie und zum Nachtheil einer von ihnen eingelegten Dpypoſizion darzu geſchritten waͤre. Vierter Ab ſchnitt. Von den Wirkungen der Theilung und der Gewähr⸗ leiſtung der Looſe. s33. Jeder Erbe wird angeſehen, als habe er allein und unmittelbar alle in ſeinem Looſe begriffene oder ihm bei der Verſteigerung zugefallene Geraͤthſchaften geerbt; und als habe er niemals das Eigenthum der andern Geraͤthſchaften der Verlaſſenſchaft gehabt. ssa. Die Miterben bleiben gegenſeitig und einer gegen den andern wegen den Beunruhigungen und Vertreibungen (Evikzionen), welche nur aus einer der Theilung vorherge⸗ gangenen Urſache hergeleitet werden, Buͤrgen. Die Gewaͤhrleiſtung hat nicht ſtatt, wenn die Art der er⸗ littenen Vertreibung durch eine beſondere und ausdruͤckliche Klauſel der Theilungsurkunde ausgenommen worden iſt. Sie boͤrt ganz auf, wenn der Miterbe durch ſeine Schuld die Ver⸗ treibung erlitten hat.. Ss. Jeder Miterbe iſt perſonlich verbunden, ſeinen Mit⸗ erben nach Verhaͤltniß ſeines Erbantheils fuͤr den Verluſt, welchen ihm die Vertreibung verurſacht hat, zu entſchaͤdigen ⸗ Wenn einer der Miterben ſich zahlungsunfuaͤhig findet, ſo muß der Antheil, zu dem er verpflichtet iſt, zu gleichen Thei⸗ len zwiſchen dem Verbuͤrgten und allen zahlungsfähigen Mit⸗ erben vertheilt werden. s86. Die Klage auf Verbuͤrgung der Zahlungsfaͤhiakeit deſſen, der eine Rente ſchuldig iſt, kann nur in den fuͤnf Jahren, welche auf die Dheilung folgen, in Ausuͤbunz gebracht werden. Die Verbuͤrgung in Hinſicht der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners hat nicht ſtatt, wenn dieſelbe erſt nach vollzoge⸗ ner Theilung eingetreten iſt. Funfter Abſchnitt. Von der umſtoßung(Reſiſion) in Theilungsſachen. s37. Die Cheilungen koͤnnen wegen angewendeter Gewalt⸗ thaͤtigkeit oder angelegtem Betruge umgeſtoßen werden. Auch kann die Umſtoßung derſelben ſtatt haben, wenn einer der Miterben eine Verletzung von mehr als einem Viertheil darthut. Die alleinige Auslaſſung eines Gegenſtandes der Verlaſſenſchaft geſtattet die Eroͤffnung einer Rechtsklage auf umſtoßung nicht; ſie fodert hlos eine Ergaͤnzung der Theil⸗ lungsurkunde. ss8. Die Klage auf Umſtoßung wird gegen jede Urkunde, welche zum Gegenſtande hat, die unvertheiltheit zwiſchen Miterben aufhoͤren zu machen, wenn ſie auch unter der Be⸗ nennung als Verkauf, Dauſch oder Vertrag oder auf jede andere Art errichtet worden waͤre, zugelaſſen. Aber nach der Theilung oder nach der Urkunde, welche ihre Stelle vertrit, kann die Klage aufuUmſtoßung gegen den Vertrag, welcher uͤber die wirklichen Schwierigkeiten, die die erſte Urkunde darboth, abgeſchloſſen worden, nicht zuge⸗ laſſen werden, ſelbſt wenn auch uber dieſen Gegenſtand noch kein Rechtsſtreit erhoben worden waͤre. s89. Die Rechtsklage findet auch gegen den Verkauf, wo⸗ durch die andere Miterben oder einer aus ihnen einem der Miterben ihre oder ſeine Erbrechte ohne Betrug und auf ſeine eigene Gefahr verkauft haͤtten, nicht ſtatt⸗ s00. Um zu beurtheilen, ob eine Verletzung ſtatt hatte, ſchaͤtzt man die Gegenſtaͤnde nach dem Werthe, den ſie bei der Theilung hatten, ab. go1. Der auf das Umſtoßungsbegehren Beklagte kann den Fortgang der Rechtsklage aufhalten und eine neue Theilung verhindern, wenn er dem Klaͤger das, was zur Vollſtaͤndig⸗ machung ſeines Erbantbeils feblt, entweder in Geld oder in Natur ergänzt⸗ 892. Der Miterbe, welcher ſein Loos entweder im Ganzen oder nur einen Theil davon veraͤußert hat, kann nicht mehr angenommen werden, eine Rechtsklage auf Umſtoßung wegen Betrug oder Gewaltthätigkeit anzuſtellen, wenn die Veraͤuße⸗ rung, welche er vollbracht hat, nach der Entdeckung des Be⸗ trugs oder nach Aufhörung der Gewaltthaͤtigkeit, vor ſich gegangen iſt. Zweiter Titel. Von den Schenkungen zwiſchen Lebenden und den Teſtamenten. (Dekretirt den zten Mai 1803, verkundigt den rzten des naͤm⸗ lichen Monaths.) Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfuͤgungen. s93. Man kann uͤber ſeine Guͤter durch einen wohlthaͤtigen Litel nicht anders als durch Schenkungen zwiſchen Lebenden oder durch Teſtament nach den hier unten beſtimmren Formen verfuͤgen. s94. Die Schenkung zwiſchen Lebenden iſt eine Handlung, kraft deren der Geſchenkgeber ſich wirklich und unwiderruflich einer zu Gunſten des Geſchenknehmers gegebenen und von demſelben angenommenen Sache begibt. 896. Das Deſtament iſt eine Handlung, durch welche der Seſtirende uͤber das Ganze oder einen Theil ſeiner Guͤter fuͤr die Zeit, wo er nicht mehr leben verfuͤgt, die er aber widerrufen kann. s96. Die Unterſetzungen(nbtitutions) an eines andern Stelle ſind verbothen. Jede Verfuͤgung, kraft welcher der Geſchenknehmer, der eingeſetzte Erbe oder mit einem Vermaͤchtniſſe Bedachte ver⸗ pflichtet ſein ſoll, einem Drittern etwas aufzubewahren und zuruͤck zu geben, ſoll ſelbſt in Hinſicht auf den Geſchenkneh⸗ mer, den eingeſetzten Erben oder den mit einem Vermaͤcht⸗ niſſe Bedachten nichtig ſein. 897. Von dem vorhergehenden Artikel ſind die den Vaͤtern und Muͤttern, den Bruͤdern und Schweſtern in dem ſechsten Kapitel des zegenwůͤrtigen Liteli zugeſtandenen Verfuͤgungen ausgenommen. 898. Die Verfuͤgung, durch welche ein Dritterer berufen wuͤrde, das Geſchenk, die Erbſchaft oder das Vermaͤchtniß in Empfang zu nehmen, in dem Falle naͤmlich, wo der Ge⸗ ſchenknehmer, der eingeſetzte Erbe oder der mit einem Ver⸗ — 154— mächtniſſe Bedachte ſie nicht in Empfang nebmen wuͤrden, ſoll nicht als eine Unterſetzung angeſehen werden und guͤltig ſein. s99. Ein Gleiches gilt von der Schenkung zwiſchen den Lebenden oder einer Verfuͤgung durch ein Teſtament, kraft welcher dem Einen die Nutznießung und dem Andern das bloße Eigenthum gegeben wird. voo. Bei jeder Verfuͤgung zwiſchen Lebenden oder durch Seſtament ſollen die Bedingniſſe, deren Erfuͤllung unmoͤglich iſt, ſo wie jene, welche den Geſetzen und Sitten entgegen ſind⸗ als nicht geſchrieben angeſehen werden. Zweites Kapitel. Von der Fäͤhigkeit, durch Schenkungen zwiſchen Lebendigen oder durch Teſtamente zu verfügen oder ſolche Verfuͤgungen anzunehmen. Jo1. Um eine Schenkung unter Lebenden oder ein Leſtament machen zu koͤnnen, muß man bei geſunder Vernunft ſein. 9o2. Alle Perſonen, mit Ausnahme derjenigen, welche das Geſetz darzu unfaͤhig erklaͤrt, koͤnnen durch Schenkungen un⸗ ter Lebenden oder Teſtamente verfuͤgen oder empfangen. Joz. Der Minderjaͤhrige, welcher noch nicht ſechszehn Jahre alt iſt, kann noch gar nicht verfuͤgen, vorbehaltlich deſſen, was das neunte Kapitel des gegenwaͤrtigen Ditels ſagt. 9oz. Der Minderjahrige, welcher das Alter von ſechszehn Jahren erreicht hat, kann nur durch ein Teſtament und nur bis auf den Betrag der Haͤlfte des Vermogens, uͤber welche das Geſetz dem Großjaͤhrigen zu verfuͤgen erlaubt, vevfuͤgen⸗ 9o5. Die verheurathete Frau kann ohne den Beiſtand oder ohne die ausdruͤcktiche Einwilligung ihres Ehemannes; oder ohne darzu gerichtlich nach dem, was durch die Artikel 217 und 219 in dem Litel uͤber die Heurathen geſagt worden, ermaͤchtiget worden zu ſein, keine Schenkung unter Lebendi⸗ gen machen. Sie hat aber weder die Einwilligung des Ehemannes noch die gerichtliche Ermaͤchtigung noͤthig, um durch ein Teſtament zu verfuͤgen. os. um faͤhig zu ſein, durch Schenkungen unter Lebenden zu empfangen, iſt es hinreichend, im Augenblicke der Schen⸗ kung empfangen zu ſein. 1 um fabig zu ſein/ durch Deſtament zu empfangen, iſt es binreichend, zur Zeit des Abſcheidens deſſen, der das Teſta⸗ ment gemacht hat, empfangen zu ſein. Jedoch ſollen die Schenkung oder das Teſtament ihre Wirkung nur in ſo weit haben, als das Kind lebensfaͤhig gebohren worden. ooy. Der Minderjaͤhrige, und wenn er auch das Alter von ſechszehn Jahren erreicht hat, kann auch nicht einmal durch ein Deſtament zum Vortheil ſeines Vormundes verfuͤgen. Der großjaͤhrig gewordene Minderjaͤhrige kann weder durch Schenkung unter Lebenden noch durch ein Teſtament zum Vortheil desjenigen verfugen, der ſein Vormund geweſen iſt, wenn die endliche Vormundſchaftsrechnung nicht vorher ab⸗ gelegt und gutgeheiſſen worden. Sind in den zwei oben gedachten Faͤllen die Anverwanden in aufſteigender Linie des Minderjaͤhrigen, welche ſeine Vor⸗ munde ſind oder geweſen ſind, ausgenommen. o8. Die natuͤrlichen Kinder können weder durch Schenkung zwiſchen Lebenden noch durch Teſtamente etwas uͤber das binaus empfangen, was ihnen in dem Litel uͤber die Erb⸗ ſchaſten zugeſtanden worden. 909. Die Doktoren in der Arznei⸗oder Wundarzneikunde, die Geſundheitsbeamten und Apotheker, welche eine Perſon waͤhrend ihrer Krankheit behandelt haben, woran ſie ſtirbt, koͤnnen die Verfuͤgungen der Schenkungen unter Lebenden oder jene des Leſtaments, welche ſie zu ihren Gunſten waͤhrend dem Laufe dieſer Krankheit gemacht, nicht benutzen. Sind ausgenommen Itens: Die beſondern Verfuͤgungen, welche zur Belobnung der geleiſteten Dienſte, mit Hinſicht auf das Vermögen des Verfuͤgenden und die geleiſteten Dienſte gemacht worden ſind. atens: Die allgemeinen Verfuͤgungen im Falle der Ver⸗ wandſchaft bis auf den vierten Grad einſchließlich, wenn anders der Verſtorbene keine Erben in gerader Linie hat, und wenn nicht derjenige, zu deſſen Vortheil die Verfuͤgung ge⸗ macht worden, ſelbſt zu der Zahl dieſer Erben gehoͤrt. o10. Die Verfuͤgungen zwiſchen Lebenden oder durch ein geſtament zum Vortheil der Hoſpitaͤler, der Armen einer Gemeinde oder gemeinnuͤtzigen Anſtalten werden nur dann ihre Wirkung haben, wenn ſie durch einen Schluß der Re⸗ gierung werden genehmiget werden. 911. Jede Verfuͤgung zum Vortheil eines Unfaͤhigen ſoll nichtig ſein, man mag ſie nun unter der Form einer laͤſtigen Uebereinkunft verbergen oder unter dem Namen unterſtellter Perſonen machen. Als unterſtellte Perſonen werden angeſehen die Aeltern, die Kinder und Verwanden in abſteigender Linie und der Gatte der unfaͤhigen Perſon. 91z. Man kann zum Vortheil eines Auslaͤnders nur in dem Falle verfuͤgen, wenn auch dieſer zum Vortheil eines Fran⸗ zoſen verfuͤgen kann. Drittes Kapitel. Von dem Antheil des Vermögens, uͤber welchen verfuͤgt werden kann, und uͤber die Herunter⸗ ſetzung.(reduction.) Erſter Abſſchnitt. Von dem Antheile des Vermoͤgens uͤber welchen man verfuͤgen kann. o13. Die Freigebigkeiten, des Verfuͤgenden, ſie moͤgen nun durch eine urkunde zwiſchen Lebenden oder durch Seſtamente ge⸗ ſchehen, ſollen die Haͤlfte ſeines Vermoͤgens, wenn er bei ſeinem Abſterben ein rechtmäͤßiges Kind hinterlaͤßt, nicht uͤberſteigen konnen. Sie koͤnnen das Drittheil nicht uͤberſteigen, wenn er zwei; und das Viertel nicht, wenn er drei oder eine groͤßere An⸗ zahl von Kindern hat. o14. Es ſind in dem vorhergehenden Artikel unter dem Namen Kinder begriffen die Abköͤmmlinge, in welchem Grade es auch ſei; ſie werden aber nur fuͤr das Kind gezählt, welches ſie bei der Verlaſſenſchaft des Verfuͤgenden vorſtellen. o1s. Die Freigebigkeiten welche man durch Urkunden un⸗ ter Lebenden oder durch Seſtamente erzeigen will, können die Haͤlfte des Vermoͤgens nicht uͤberſchreiten, wenn der Verſtor⸗ bene zwar keine Kinder aber doch einen oder mehrere Ver⸗ wanden in aufſteigender Linie in den beiden Linien der väter⸗ lichen naͤmlich und muͤtter lichen hinterlaͤßt. Sie koͤnnen die drei Viertheile nicht uͤberſteigen, wenn er nur in einer Linie Anverwanden in aufſteigender Linie hinterlaͤßt. Das zum Vortheil der Verwanden in aufſteigender Linie auf dieſe Art vorbehaltene Vermoͤgen wird von ihnen in der Ordnung, in welcher ſie das Geſetz zur Erbſchaft aufruft, bezogen. Sie ſollen allein ein Recht auf dieſes vorbehaltene —— — — 167— Vermoͤgen haben in allen Fällen, wenn bei einer Theilung, wo auch Seitenverwanden ihre Anſpruͤche machen, derjenige Antheil von Vermögen ſich nicht fur ſie ergeben wuͤrde, wel⸗ cher fur ſie feſtgeſetzt iſt. 916. Wenn keine Verwanden in auf⸗und abſteigender Linie vorhanden ſind, ſo koͤnnen die durch urkunden zwiſchen Leben⸗ den oder Leſtamente gemacht werden ſollende Freigebigkeiten das ganze Vermoͤgen erſchoͤpfen. 917. Wenn die Verfuͤgung durch eine urkunde zwlſchen Lebenden oder durch ein Teſtament ſich uͤber eine Nutznießung oder eine Leibrente, deren Ertrag den Antbeil, woruͤber ver⸗ fuͤgt werden kann, uͤberſteigt, erſtreckt, ſo ſollen die Erben, zu deren Vortheil das Geſetz einen Vorbehalt gemacht hat, die freie Wahl haben, entweder dieſe Verfuͤgnng in Vollzug zu ſetzen, oder das Eigenthum des Antbeils, woruͤber ver⸗ fuͤgt werden kann, von ſich abzulehnen. 918. Der nach ſeinem vollen Eigenthum beſtimmte Werth des Vermoͤgens, welches an einen der in gerader Lnie zur Erbſchaft Berufenen entweder mit der Laſt einer abzutragen⸗ den Leibrente, oder, ohne daß man das Kapital zuruͤck fodern konne; G fonds perdu) oder mit dem Vorbehalte der Nutz⸗ nießung veraͤußert worden, ſoll auf den Antheil, uͤber wel⸗ chen verfuͤgt werden kann, angerechnet, und der Ueberſchuß, wenn ſich einer ergibt, zu der Maſſe geſchlagen werden. Dieſe Aufrechnung und dieſes Wiedereinbringen koͤnnen von jenen der andern in gerader Linie zur Erbſchaft Berufenen, welche zu dieſen Veraͤußerungen ihre Einwilligung gegeben haben, und in keinem Falle von den auf der Seitenlinie zur Erb⸗ ſchaft Berufenen begehrt werden. 919. Der Betragsantheil, uber welchen verfugt werden kann, kann entweder ganz oder theilweiſe, entweder durch eine zwi⸗ ſchen Lebenden errichtete Urkunde oder durch ein Seſtament den Kindern oder andern Erbfolgern des Geſchenkgebers gegeben werden, ohne von dem Geſchenknehmer oder mit Vermaͤchtniß Bedachten, der zur Erbſchaft berufen wird, wieder einge⸗ bracht werden zu muͤſſen, wenn dieſe Verfuͤgung ausdrucklich unter der Benennung als Voraustheil, oder Cheil, der nicht zur Erbſchaft gehoͤrt, gemacht worden. Die Erklaͤrung, daß das Geſchenk oder Vermächtniß als Voraustheil, oder Tbeil, der nicht zur Erbſchaft gehoͤrt, ge⸗ geben worden, kann entweder durch eine urkunde, welche dieſe 6— Verfuͤgung enthaͤlt, oder ſpaͤterhin in den Formen der Ver⸗ fuͤgungen zwiſchen Lebenden oder der Seſtamente gemacht werden. Zweiter Ab ſchnitt. Von der Herunterſetzung der Schenkungen und Ver⸗ maͤchtniſſe. 920. Die Verfuͤgungen, welche entweder unter Lebenden oder f den Fall des Abſterbens gemacht worden, und welche den Betragsantheil, uͤber den verfugt werden kann, uͤberſtei⸗ gen, ſollen auf dieſen Betragsantheil bei der Eroffnung der Erbſchaft herunter geſetzt werden. 9a1. Die Herunterſetzung der Verfuͤgungen zwiſchen Leben⸗ den kann nur von denjenigen begehrt werden, zu deren Beſten das Geſetz einen Vorbebalt macht, derſelben Erben oder in die naͤmliche Rechte Eingetretenen; die Geſchenknehmer, die mit Vermaͤchtniſſen Bedachten und die Glaͤubiger des Ver⸗ ſtorbenen konnen dieſe Herunterſetzung nicht begehren noch einen Vortheil davon ziehen. 92a. Die Herunterſetzung wird beſtimmt, wenn man von allen Gutern, welche bei dem Abſterben des Geſchenkgebers oder deſſen, der ein Teſtament gemacht, ſich vorfinden, eine Maſſe bildet. Man rechnet ſodann gedankenweiſe jene hinzu, woruͤber durch Schenkungen zwiſchen Lebenden verfuͤgt wor⸗ den, und zwar nach ihrem Zuſtande zur Zeit der gemachten Schenkungen und nach ihrem Werthe zur Zeit des Abſterbens des Geſchenkgebers. Man berechnet alsdann, nachdem man die Schulden davon abgezogen hat, welches in Hinſicht der Er⸗ ben, die er hinterlaͤßt, der Betragsantheil iſt, woruͤber er bat verfuͤgen koͤnnen. 923. Das Herunterſetzen der Schenkungen zwiſchen Lebenden kann nur dann ſtatt baben, wenn der Werth aller in den Ver⸗ fuͤgungen des Teſtaments entbaltenen Guͤter entſchoͤpft iſt; und wenn dieſes Herunterſetzen ſtatt haben wird, ſo ſoll es auf die Art geſchehen, daß man bei der letzten Schenkung an⸗ fange und ſofort von den letztern bis auf die aͤlteſten hinaufſteige. ag. Wenn die Schenkung unter Lebenden, welche herunter⸗ geſetzt werden ſoll, einem zu der Erbſchaft Berufenen gemacht worden, ſo kann er von den ihm geſchenkten Guͤtern den Werth des Antheils, der ihm als Erbe von den Guͤtern, uber welche nicht verfuͤgt werden konnte, wenn ſie anders von der naͤm⸗ lichen Art ſind, zuruck behalten. „a5. Wenn der Werth der Schenkungen zwiſchen Lebenden den Anthgil, woruͤber verfuͤgt werden kann, uͤberſteigt oder demſelben gleich koͤmmt, ſo ſind alle teſtamentariſche Verfuͤ⸗ gungen obne Wirkung. 26. Wenn die teſtamentariſchen Verfuͤgungen entweder den Antheil, woruͤber verfuͤgt werden kann, oder jenen Antheil dieſes Betrags, welcher uͤbrig bleibt, wenn der Werth der Schenkungen unter Lebenden abgezoaen worden, uͤberſteigt, ſo ſoll die Herunterſetzung verbaͤltnißmaͤßig obne einigen Unter⸗ ſchied zwiſchen den Univerſal⸗oder Partikularvermaͤchtniſſen geſcheben. 9a7. Jedoch kann in allen Fäͤllen, wo der Seſtamentma⸗ chende wird ausdruͤcklich erklaͤrt haben, daß es ſeine Willens⸗ meinung ſei, daß dieſes oder jenes Vermaͤchtniß vorzugsweiſe vor allen andern ſoll entrichtet werden, dieſer Vorzug ſtatt haben; und das Vermaͤchtniß, welches der Gegenſtand davon jſt, ſoll nur in ſoweit heruntergeſetzt werden, als der Wertbh der andern unzureichend waͤrc, den geſetzlichen Vorbehalt auszumachen. 9as. Der Geſchenknehmer ſoll die Fruͤchte von dem, was den Antheil, woruͤber verfügt werden kann, uberſteigt, von dem Tage des Abſterbens des Geſchenkgebers, wenn das Be⸗ gebren um Herunterſetzung in Zeit eines Jahres gemacht worden, wieder erſtatten; iſt dies aber nicht geſchehen, ſo muß er ſie von dem Tage des Begehrens zurück erſtatten. 929. Die unbeweglichen Guͤter, welche durch die Wirkung der Herunterſetzung wieder einzubringen ſind, fallen ohne ei⸗ nen von dem Geſchenknehmer gemachten Schuldenlaſt oder von ihm berruͤhrende Hypotheke zuruͤck. 930. Die Rechtsklage auf Herunterſetzung oder Zuruͤckfor⸗ derung ſoll von den Erben gegen die drittern Inhaber der unbeweglichen Guͤter, welche einen Theil der Schenkungen ausmachen und von den Geſchenknehmern veraͤuſſert worden, auf die naͤmliche Art und in der naͤmlichen Ordnung wie ge⸗ gen die Geſchenknebmer ſelbſt, und nachdem vorlaͤufig die Guͤ⸗ ter derſelben unterſucht worden ſind, ausgeuͤbt werden koͤn⸗ nen. Dieſe Rechtsklage muß nach der Ordnung der Tage, an welchen die Veraͤußerungen geſchehen, in Ausuͤbung ge⸗ bracht werden, und man muß bei der neueſten anfangen⸗ — 160— Viertes Kapitel. Von den Schenkungen unter Lebenden. Erſter Abſchnitt. Von der Form der Schenkungen unter Lebenden. o31. Alle Urkunden, welche eine Schenkung unter Leben⸗ den verfuͤgen, muͤſſen vor den Notarten in der bei Vertraͤgen uͤblichen Form errichtet werden. Die Urſchrift(minute) da⸗ von ſoll bei Strafe der Nichtigkeit zuruͤckbleiben. 932. Die Schenkuns zwiſchen Lebenden verbindet den Geſchenk⸗ geber nur von dem Tage an, an welchem dieſelbe mit ausdruͤck⸗ lichen Worten angenommen worden; nur von dieſem Tage an hat ſie ibre Wirkung. Die Annahme kann bei Lebzeiten des Geſchenkgebers durch eine ſpaͤtere und autbentiſche Urkunde, wovon auch die Ur⸗ ſchrift zuruͤckgelaſſen werden muß, geſchehen; alsdann aber bat die Schenkung in Ruͤckſicht des Geſchenkgebers nur von dem Tage an ihre Wirkung, wo die Urkunde, durch welche dieſe Annahme bewaͤhrt wird, ihm wird kund gethan worden ſein. 933. Wenn der Geſchenknehmer großjaͤhrig iſt, ſo muß die Annahme entweder durch ihn oder in ſeinem Namen von der⸗ jenigen Perſon geſcheben, welche mit ſeiner Vollmacht verſe⸗ hen iſt, wodurch ihr die Gewalt gegeben wird, die gemachte Schenkung anzunehmen, oder wodurch ſie unbeſchraͤnkte Ge⸗ walt erhaͤlt, alle Schenkungen anzunehmen, welche können gemacht worden ſein oder koͤnnen gemacht werden. Dieſe Vollmacht muß vor den Notarien errichtet werden; eine Ausfertigung davon muß der urſchrift der gemachten Schenkung oder der urſchrift der Annahme, wenn ſolche durch eine beſondere Urkunde bewaͤhrt worden, beigefuͤgt werden. 934. Die verheurathete Frau kenn ohne die Einwilligung ihres Ehemannes; oder im Falle dieſer ſie verweigern wuͤrde, ohne gerichtliche Ermaͤchtigung in Gefolge deſſen, was durch die Artikel 217 und 219 des Litels von den Zeurathen vorge⸗ ſchrieben worden, keine Schenkung annehmen. 938. Die Schenkung, welche einem nicht entlaſſenen Min⸗ derjaͤhrigen oder Unterſagten gemacht worden, muß in Ge⸗ folge des 463 Artikels des Titels von der Minderjahrigkeit der vormundſchaft und Entlaſſung von ſeinem Vormun⸗ de angenommen werden⸗ Der entlaſſene Minderjaͤhrige kann unter Beiſtand ſeines Kurators annehmen. Jedoch koͤnnen die Aeltern des Minderjaͤhrigen, er ſei nun entlaſſen oder nicht, oder die andern Anverwandten in auf⸗ ſteigender Linie ſelbſt bei Lebzeiten der Aeltern, und wenn ſie gleich weder Vormuͤnder noch Kuratoren des Minderjaͤhri⸗ gen ſind, fuͤr ihn annebmen. 936. Der Taubſtumme, welcher ſchreiben kann, darf ſelbſt oder durch ſeinen Bevollmaͤchtigten annebmen. Wenn er nicht ſchreiben kann, ſo muß die Annahme nach den in dem Litel uͤber die Minderjährigkeit, der Vor⸗ mundſchaft und Entlaſſung aufgeſtellten Regeln durch einen beſonders darzu ernennten Kurator geſchehen. 937. Die zum Vortheil der Hoſpitaͤler, der Armen einer Gemeinde oder gemeinnuͤtziger Anſtalten gemachten Schen⸗ kungen ſollen von den Verwaltern dieſer Gemeinden oder Anſtalten, wenn ſie gehörig darzu ermaͤchtigt worden ſind, angenommen werden. 938. Die gehoͤriger Weiſe angenommene Schenkung ſoll durch die alleinige Uebereinſtimmung der Partheien vollbracht ſein; und das Eigenthum der gegebenen Gegenſtaͤnde ſoll auf. den Geſchenknebmer uͤbertragen ſein, ohne daß noch eine an⸗ dere Auslieferung noͤthig waͤre. 939. Wenn eine Schenkung vorhanden iſt, die Guͤter in ſich begreift, welche einer Hyvotheke faͤhig ſind, ſo muß die ſchriftliche Eintragung(transscription) der urkunden, welche die Schen⸗ kung und Annahme enthalten, ſo wie auch die Kundmachung der geſchehenen Annahme, welche durch eine abgeſonderte Urkun⸗ de geſcheben ſein mag, auf dem Buͤreau der Hypothekenein⸗ ſchreibung, in deren Bezirk die Guͤter gelegen ſind, geſchehen. 9ao. Dieſe ſchriftliche Eintragung ſoll auf das Betreiben des Ehegatten geſchehen, wenn die Guͤter ſeiner Frau geſchenkt worden ſind; und wenn der Ehemann dieſe Formalitaͤt nicht beobachtet, ſo kann es die Frau, ohne darzu ermaͤchtiget zu ſein, thun. Wenn die Schenkung an Minderjaͤhrige, Unterſagte vder gemeinnutzige Anſtalten geſchehen iſt, ſo ſoll die ſchriftliche Eintragung auf Betreibung der Vormunde, Kuratoren oder Verwalter geſchehen. our. Die Unterlaſſung dieſer ſchriftlichen Eintragung kann von allen denienigen Perſonen, die dabei betheiligt ſind, einge⸗ L — 162— wendet werden, mit Ausnahme jedoch derjenigen, welche be⸗ auftragt ſind, dieſe ſchriftliche Eintragung zu beſorgen, oder der in ihre Rechte Eingetretenen, oder des Geſchenkgebers. 942. Die Minderjaͤhrigen, die Unterſagten und die verheu⸗ ratheten Frauen ſollen wider die unterlaſſene Annahme oder ſchriftliche Eintragung der Schenkungen nicht wieder einge⸗ ſetzt werden; es bleibt ihnen aber ibr Regreß gegen ibre Vor⸗ munde oder Ehemaͤnner, wenn ſolcher ſtatt hat, und ohne daß die Wiedereinſetzung in den vorigen Stand ſelbſt in dem Falle, wo die beſagten Vormunde oder Gatten zahlungsunfaͤ⸗ hig ſollten gefunden werden, vorbehalten. 43. Die Schenkung unter Lebenden kann nur diejenigen Guter begreifen, welche der Geſchenkgeber gegenwaͤrtig beſitzt. Wenn ſie Guͤter begreift, die er kuͤnftig beſitzen wird, ſo iſt ſie in Hinſicht dieſer letztern nichtig. „ag. Jede Schenkung, welche zwiſchen Lebenden unter Be⸗ dingungen, deren Vollziebung von dem alleinigen Willen des Geſchenkgebers abhaͤngt, gemacht worden, ſoll nichtig ſein. 946. Sie ſoll ebenfalls nichtig ſein, wenn ſie unter der Be⸗ dingung gemacht worden, andere, als jene Schulden und Laſten, welche zur Zeit der gemachten Schenkung vorhanden waren, oder welche entweder in der Schenkungsurkunde oder in dem Verzeichniße, welches derſelben beigebogen ſein ſollte, ausgedruͤckt ſind, zu entrichten. 46. Sollte ſich der Geſchenkgeber die Freiheit vorbehalten haben, uͤber einen in der Schenkung begriffenen Gegenſtand oder uͤber eine auf die geſchenkten Guͤter gelegte beſtimmte Summe zu verfuͤgen, ſo gehoͤrt gedachter Gegenſtand oder gedachte Summe, wenn er, ohne daruͤber verfuͤgt zu haben⸗ ſtirbt, den Erben des Geſchenkgebers, wenn auch dieſem ent⸗ gegengeſetzte Klauſeln und Bedingungen vorhanden waͤren⸗ 47. Die vier vorhergehenden Artikel ſind auf die Schen⸗ kungen, wovon in dem 6ten und sten Kapitel des gegenwaͤr⸗ tigen Titels Meldung geſchiebt, nicht anwendbar. pas. Jede Urkunde uber eine Schenkung von beweglichen Gegenſtanden ſoll nur fuͤr jene Gegenſtände, uͤber welche ein von dem Geſchenkaeber oder Geſchenknehmer, oder von jenen, welche ſie in des Letztern Namen annehmen, unterzeichnetes Verzeichniß vorhanden und der urſchrift der Schenkungsur⸗ funde beigefuͤst iſt, gultia ſein. s49. Es ſſt dem Geſchenknehmer erlaubt, zu ſeinem Be⸗ — 163— ſten und Vorbehalt oder zum Vortheil eines andern uͤber den Genuß oder die Nutznießung der geſchenkten beweglichen oder unbeweglichen Guͤter zu verfuͤgen. 95o. Wenn die beweglichen Gegenſtaͤnde mit Vorbehalt der Nutznießung geſchenkt worden ſind, ſo ſoll der Geſchenkneh⸗ mer gehalten ſein, nach Verlauf der Nutznießungszeit die ge⸗ ſchenkten Gegenſtaͤnde, welche noch in Natur vorhanden ſind, in dem Zuſtande, in welchem ſie ſich befinden werden, anzu⸗ nehmen; auch ſteht ihm die Rechtsklage gegen den Geſchenk⸗ geber oder ſeine Erben wegen den ſich nicht vorfindenden Ge⸗ genſtaͤnden bis auf den Betrag des Werths, der ibnen in dem Abſchaͤtzungsverzeichniſſe wird gegeben worden ſein, offen. 951. Der Geſchenkgeber kann ſich das Recht des Ruckfalls der geſchenkten Gegenſtaͤnde entweder fuͤr den Fall des Vor⸗ abſterbens des Geſchenfnehmers allein oder fuͤr den Fall des Vorabſterbens des Geſchenknehmers und ſeiner Abkoͤmmlinge ausbedingen. Dieſes Recht kann aber nur fuͤr den Geſchenknehmer allein ausbedungen werden. 952. Die Wirkung des Ruͤckfalls ſoll ſein, alle Veraͤuße⸗ rungen der geſchenkten Guͤter aufzuloͤſen, und ſie frei und ent⸗ ledigt von allen Laſten und Hyvotheken an den Geſchenkgeber zuruͤckkommen zu machen, vorbehaltlich jedoch der Hypothek fuͤr die Morgengabe und der Ehevertraͤge, wenn die andern Guͤter des geſchenknehmenden Ehegatten unzureichend ſind; und nur allein fuͤr den Fall, wo die Schenkung ihm waͤre durch den naͤmlichen Ebevertrag, aus welchem ſich dieſe Rechte und Hypotbeken herſchreiben, gemacht worden. Zweiter Abſchnitt. Von den Ausnahmen der Regel, daß die Schenkun⸗ gen zwiſchen Lebenden unwiderruflich ſind. 953. Die Schenkung zwiſchen Lebenden kann nur wegen der Nichtbefolgung der Bedingungen, unter welchen ſie ge⸗ macht worden, oder wegen Undankbarkeit, oder darum, daß dem Geſchenkgeber noch ſpaͤterhin Kinder gebohren worden, widerrufen werden. 95a. In dem Falle des Widerrufs wegen Nichtvollziehung der Bedingungen ſollen die Guͤter in die Hände des Geſchenk⸗ gebers frei von allen Laſten und Hypotheken, welche von dem Geſchenknehmer herruͤhren koͤnnten, zuruͤckkehren, und der L 2 — 164— Geſchenkgeber ſoll gegen Drittere, welche die geſchenkten unbeweglichen Guͤter zuruͤck behalten, alle Rechte haben, welche er gegen den Geſchenknehmer ſelbſt gehabt haͤtte. 955. Die Schenkung unter Lebenden kann wegen Undank⸗ barkeit nur in folgenden Faͤllen widerrufen werden: tens. Wenn der Geſchenknehmer dem Geſchenkgeber nach den Leben getrachtet hat. 2tens. Wenn er ſich gegen ihn Mißhandlungen, oder ſchwe⸗ re Vergehungen und Beleidigungen erlaubt hat. ztens. Wenn er ihm die Nahrunasmittel verſagt. 956. Die Wiederrufung wegen Nichtvollziehung der Be⸗ dingungen oder wegen Undank hat niemals von bloßem Recht⸗ und Geſetzeswegen ſtatt. 967. Das Begehren, wegen Undank widerrufen zu koͤnnen, muß innerhalb eines Jahres von dem Tage an zu zaͤhlen, wo das Verbrechen von dem Geſchenkgeber dem Geſchenknehmer aufgeburdet wird, oder von dem Dage an, wo der Geſchenk⸗ geber von dem Verbrechen wird Kenntniß haben koͤnnen, vor⸗ gelegt werden. Dieſe Widerrufung kann von dem Geſchenkgeber gegen die Erben des Geſchenknehmers, noch durch die Erben des Geſchenk⸗ gebers gegen den Geſchenknehmer nicht erhoben werden, es ſei denn, daß in dieſem letzten Falle die Rechtsklage von dem Geſchenkgeber wäre angefangen worden, oder daß er in Jah⸗ resfriſt von dem vergangenen Verbrechen an geſtorben waͤre. 968. Die Widerrufung wegen Undank ſoll weder den von dem Geſchenknehmer gemachten Veraͤußerungen noch den Hypothe⸗ ken und andern wirklichen Laſten, die er auf dem Gegenſtand der Schenkung bat legen können, nachtheilig ſein, vorausge⸗ ſetzt, daß alles vor der Einſchreibung des Auszugs der Klage auf Widerrufung am Rande der durch den 939ten Artikel vor⸗ geſchriebenen ſchriftlichen Eintragung geſcheben ſei. In dem Folle der Widerrufung ſoll der Geſchenknehmer ver⸗ urtheilt werden, den Wertb der veräußerten Gegenſtaͤnde mit Hinſicht auf die Zeit des Begehrens, und die Fruͤchte von dem Tage dieſes Begehrens wieder zu erſtatten⸗ 9s9. Die Schenkungen zu Gunſten einer Heuraath konnen nicht widerufen werden. o6o. Alle Schenkungen, welche zwiſchen Lebenden von Per⸗ ſonen gemacht worden ſind, welche zur Zeit der gemachten Schenkung keine wirklich lebende Kinder oder Abkömmlinge — 165— hatten; von was immer fuͤr einem Werth ſie ſein und unter welcher Benennung ſie moͤgen gemacht worden ſein, ſollten ſie auch wechſelſeitig oder zur Belohnung gegeben worden ſein; ſelbſt jene, welche zu Gunſten einer Heurath von andern als den Anverwandten in aufſteigender Linie den Ehegatten oder von einem Ehegatten zum Vortheil des Andern gemacht worden waͤren, ſind aus vollem Rechte durch die nachher ein⸗ tretende Geburt eines dem Geſchenkgeber gezeugten rechtmäßi⸗ gen Kindes, ſelbſt eines nach dem Tode des Vaters gebohr⸗ nen Kindes, oder durch das Rechtmaͤßiqmachep eines natuͤrli⸗ chen Kindes durch die nachfolaende Ehe, wenn es ſeit der Schenkung gebohren worden, widerrufen und aufgehoben. 961 Dieſe Widerrufuna ſoll auch ſtatt haben, wenn das Kind des Geſchenkgebers oder der Geſchenkgeberin zur Zeit der gemachten Schenkung nur erſt noch empfangen war. 962. Die Schenkung ſoll ebenfalls widerrufen bleiben, wenn der Geſchenknehmer auch ſchon in den Beſitz der geſchenkten Guͤter getreten war, und auch, wenn ihn der Geſchenkgeber waͤbrend der nachfolgenden Geburt des Kindes darin gelaſſen baͤtte; ohne daß jedoch der Geſchenknehmer verbunden ſei, die von ihm bezogenen Fruͤchte, von welcher Beſchaffenheit ſie auch ſein moͤgen, wieder zu erſtatten, es ſei denn von dem Tage an, wo die Geburt des Kindes, oder das Rechtmaͤßig⸗ machen deſſelben durch die darauf folgende Heurath ihm ge⸗ richtlich oder durch jede andere in guter Form errichtete Ur⸗ kunde bekannt gemacht worden; und dieſes zwar auch dann, wenn das Begehren, in die geſchenkten Guͤter wieder einzu⸗ treten erſt nach dieſer geſchebenen Bekanntmachung waͤre vor⸗ gelegt worden. 963. Die Guͤter, welche unter der mit vollem Rechte und von Geſetzeswegen widerrufenen Schenkung begriffen ſind, treten wie⸗ der zu dem vaͤterlichen Vermoͤgen frei von allen Laſten und Hy⸗ votheken, welche von dem Geſchenknebhmer herruͤbren koͤnnen, zu⸗ ruͤck; ſie können nicht, auch nicht einmal huͤlfsweiſe zum Er⸗ ſatz der Morgengabe der Frau dieſes Geſchenknehmers, oder deſſen, was ſie koͤnnte aus der Gemeinſchaft voraus zu fodern haben, oder deſſen, was ſie vermöge der Eheverträtze zu be⸗ ſprechen haben mag, verwendet werden. Dieſes hat auch ſtatt, wenn die Schenkung ſelbſt zu Gunſten der Heurath des Ge⸗ ſchenknehmers gemacht und in den Heurathsvertrag waͤre ein⸗ gefuͤhrt worden; auch, wenn ſich der Geſchenkgeber durch die — 166— Schenkunn als Buͤrge fuͤr die Vollziehung des Ehevertrags verbindlich gemacht haͤtte. 964. Dieſe ſolchermaßen widerrufenen Schenkungen konnen nicht mehr wieder aufleben oder von neuem ihre Wirkung haben weder durch den Sod des Kindes des Geſchenkgebers noch durch irgend eine Beſtaätigungsurkunde; und wenn der Geſchenkgeber dem Geſchenknehmer entweder vor oder nach dem Tode des Kindes, durch deſſen Geburt die Schenkung widerrufen worden, die naͤmlichen Guͤter wieder geben will ſo kann er es nur durch eine neuere Verfuͤgung thun. 966. Jede Klauſel oder Uebereinkunft, durch welche der Ge⸗ ſchenkgeber auf die Wiederrufung der Schenkung fuͤr den Fall einer ſpäter erfolgenden Geburt eines Kindes Verzicht gelei⸗ ſtet haͤtte, ſoll als nichtig angeſehen werden und von gar kei⸗ ner Wirkung ſein. 66. Der Geſchenknehmer, ſeine Erben oder in ſeine Rechte Eingetretenen, ſo wie jede Andere, welche die geſchenkten Gegenſtaͤnde zuruͤck behalten, können ſich auf die Verjaͤhrung nicht eher als nach einem Beſitz von dreißig Jabren berufen, um die durch die Geburt eines Kindes widerrufene Schenkung geltend zu machen. Dieſe dreißig Jabre koͤnnen nicht ehen⸗ der zu zaͤhlen anfangen, als von dem Tage der Geburt des letzten Kindes des Geſchenkgebers, wenn es auch ein nach ſei⸗ nem Lode gebobrnes Kind iſt, und dies ohne Nachtheil der rechtlich und geſetzlich beſtimmten Unterbrechungen der Ver⸗ iäbrung. Viertes Kapitel. Von den teſtamentariſchen Verfuͤgungen. Prſter Abſchnitt. Von den allgemeinen Regeln uͤber die Form der Teſtamente. 967. Jedermann ſoll durch ein Seſtament entweder unter der Beneunung der Erbeinſetzung oder jener der Vermaͤcht⸗ niſſe oder jeder anderer Benennung, welche geeignet iſt, ſeinen Willen zu offenbaren, verfugen koͤnnen. 96. Kein Teſtament kann in einem und demſelben Auf⸗ ſatze von zwei oder mehreren Perſonen oder zum Vortheil eines Drittern noch unter der Benennung einer wechſel⸗und gegenſeitigen Verfugung errichtet werden. — 167— 669. Ein Teſtament kann entweder ganz mit eigener Hand geſchrieben,(olographe) oder in Form einer oͤffentlichen Ur⸗ kunde oder in myſtiſcher Form errichtet werden. 970. Das mit eigener Hand geſchriebene Teſtament ſoll nicht gultig ſein, wenn es nicht von der Hand deſſen, der es macht, ganz geſchrieben, datirt und unterzeichnet iſt. Es iſt keiner andern Form unterworfen. r. Das in Form einer öffentlichen Urkunde errichtete Se⸗ ſtament iſt jenes, welches von zwei Notarien in Gegen⸗ wa zweier Zeugen oder von einem Notarius in Gegenwart von vier Zeugen aufgenommen worden- 972. Wenn das Leſtament von zweien Kotarien aufgenom⸗ men wird, ſo ſagt es ibnen jener, der es errichtet, in die Feder;(dicté) einer der beiden Notarien ſchreibt es, ſo wie es ihm in die Feder geſagt wird. Wenn nur ein Notarius vorhanden iſt, ſo wird es ihm von dem, der es errichtet, ebenfalls in die Feder geſagt, und er muß es ſchreiben. In beiden Fällen muß es dem das Seſtament Errichtenden (Teſtirer) in Gegenwart der Zeugen vorgeleſen werden. Von allem dieſem muß ausdruͤckliche Meldung geſchehen. 973. Das Leſtament muß von dem Teſtirer unterſchrieben werden; wenn er erklaͤrt, daß er nicht unterſchreiben kann oder außer Stand iſt, es zu thun, ſo ſoll in der Urkunde aus⸗ druͤckliche Meldung von ſeiner Erklaͤrung, ſo wie von der urſache, welche ihn zu unterſchreiben hindert, geſchehen⸗ 74. Das Teſtament muß von den Zeugen unterſchrieben werden; gleichwohl iſt es auf dem Lande hinreichend, daß einer der zwei Zeugen unterſchreibe, wenn das Seſtament durch zwei Notarien aufgenommen worden; und daß zwei von den vier Zeugen unterſchreiben, wenn es durch einen Notarius aufgenommen worden. 978. Die Zeugen des Teſtaments, welches durch eine of⸗ fentliche urkunde errichtet wird, koͤnnen nicht genommen wer⸗ den weder die mit Vermaͤchtniſſen, unter welchem Titel es auch ſein moͤge, Bedachten, noch ihre Verwandten oder Ver⸗ ſchwaͤgerten bis in den vierten Grad einſchließlich, noch die Schreiber der Notarien, von welchen die Urkunde aufgenom⸗ men worden. 76. Wenn der Leſtirer ein myſtiſches oder geheimes Te⸗ ſtament errichten will, ſo iſ er verpfichtet, ſeine Verfügun⸗ — 168— gen, es ſei nun, daß er ſie ſelbſt geſchrieben habe oder ſie durch einen andern habe ſchreiben laſſen, zu unterzeichnen. Das Papier, welches dieſe Verfuͤgungen enthaͤlt, oder das Papier, welches zum Umſchlage dienen wird, wenn einer vorhanden iſt, ſoll verſchloſſen und verſiegelt werden. Der Leſtirer uͤberreicht es alſo verſchloſſen und verſiegelt dem Notarius und wenigſtens ſechs Zeugen, oder er laͤßt es in ihrer Gegenwart ſchließen und verſiegeln und er erklaͤrt, daß das, was dieſes Papier in ſich enthaͤlt, ſein von ihm geſchrlebenes und un⸗ terſchriebenes oder von einem andern geſchriebenes und von ihm unterſchriebenes Deſtament ſei. Der Notarius ſoll die Ueberſchriftsurkunde, welche auf eben dieſes Papier oder auf das Blatt geſchrieben ſein muß, welches zum Umſchlag dient, daruͤber ſetzen. Dieſe Urkunde ſoll ſowohl von dem Teſtirer, als von dem Notarius und den Zeugen unterſchrieben wer⸗ den. Alles obige ſoll unausgeſetzt, und ohne zu andern Hand⸗ lungen zu ſchreiten, geſchehen; und in dem Falle als der Ce⸗ ſtirer wegen eines ihm ſeit der Unterzeichnung des Teſtaments zugeſtoßenen Hinderniſſes die ueberſchriftsurkunde nicht wuͤr⸗ de unterzeichnen können, ſo ſoll von der Erklaͤrung, welche er daruͤber machen wird, Meldung geſchehen, ohne daß man in dieſem Falle noͤthig habe, die Anzahl der Zeugen zu ver⸗ mehren. 77. Wenn der Seſtirer nicht ſchreiben kann oder wenn er nicht unterzeichnen konnte, als er ſeine Verfuͤgungen nieder⸗ ſchreiben ließ, ſo ſoll er zu der urkunde der Ueberſchrift noch einen Zeugen uͤber die in dem vorhergehenden Artikel be⸗ ſtimmte Anzahl beruſen laſſen, welcher dieſe Urkunde mit den andern Zeugen unterſchreiben muß; und es ſoll dabei Mel⸗ dung von der Urſache, warum dieſer Zeuge berufen worden, geſchehen. 978. Jene die nicht leſen gelernt haben, oder außer Stande ſind, es zu thun, können keine Verfuͤgungen in der Form ei⸗ nes myſtiſchen Teſtaments machen. 979. Wenn der Fall wäre, daß der Teſtirer nicht reden aber doch ſchreiben koͤnnte, ſo kann er dennoch ein myſtiſches Seſta⸗ ment machen mit der Bedingniß, daß es ganz von ſeiner Hand geſchrieben, datirt und unterſchrieben ſei, daß er es dem Notarius und den Zeugen vorlege, und daß er oben an der neberſchriftsurkunde in ihrer Gegenwart ſchreibe, das Papier, welches er uberreicht, ſei ſein Deſtament. Darauf ſoll der — 196— Notarius die ueberſchriftsurkunde ſchreiben, in welcher er Meldung thun ſoll, das der Teſtirer dieſe Worte in Gegen⸗ wart des Notarius und der Zeugen geſchrieben habe. Ueber⸗ dies ſoll noch alles, was durch den 976 Artikel vorgeſchrieben worden, beobachtet werden. 980. Die Zeugen, welche berufen werden, um bei den Seſta⸗ menten gegenwärtig zu ſein, muͤſſen maͤnnlichen Geſchlechts, Großjaͤhrig, Unterthanen des Kaiſers und in dem Genuße ibrer buͤrgerlichen Rechte ſein. Zweiter Abſchnitt. Von den beſondern Regeln uͤber die Form gewiſſer Teſtamente. „81. Die Leſtamente von Militaͤrperſonen und der bei den Armeen angeſtellten Individuen koͤnnen, in welchem Lande es auch ſein mag, von einem Bataillons ⸗oder Schwadrons⸗ Cbef oder von einem jeden Offizier von einem hoͤhern Grade in Gegenwart zweier Zeugen, oder von zweien Kriegskommiſ⸗ ſären, oder von einem Konmiſſaͤr in Gegenwart zweier Zeu⸗ gen aufgenommen werden. os2. Sie koͤnnen auch noch, wenn der Leſtirer krank oder verwundet iſt, von dem oberſten Geſundheitsbeamten unter Beiſtand des militäriſchen Befehlshabers, dem die Polizei des Hoſpitals uͤbertragen iſt, aufgenommen werden. 983. Die Verfuͤgungen der obigen Artikel ſollen nur zu Gunſten derjenigen, welche bei einer militäriſchen Expedizion, oder in Quartier, oder auſſerhalb des franzoͤſchen Gebiethes in Beſatzung oder in des Feindes Land gefangen ſind, ſtatt baben, ohne daß diejenigen, welche in dem Innern in Quar⸗ tier oder Beſatzung ſind, davon Gebrauch machen koͤnnen; es ſei denn, ſie befinden ſich in einem belagerten Kriegs⸗ vlatze, in einer Zitadelle oder andern Orten, deren Thore des Krieges wegen verſchloſſen oder deren Verbindungen aus eben dieſer Urſache unterbrochen ſind. 984. Das in der oben beſtimmten Form verfertigten Seſta⸗ ment ſoll ſechs Monathe nach der Zeit, als der Teſtirer an einen Ort gekommen iſt, wo er die Freiheit haben wird, die ge⸗ woͤhnlichen Formen zu gebrauchen, unguͤltig ſein. Die in einem Orte, mit welchem alle Verbindungen wegen Peſt oder anſteckender Krankheit unterbrochen ſind, gemachten Leſtamente koͤnnen von dem Friedensrichter oder einem Mu⸗ nizipalbeamten in Gegenwart zweier Zeugen aufgenommen werden. o66. Dieſe Verfuͤgung ſoll ſowohl in Ruckſicht derer, welche von ſolchen Krankheiten befallen ſind, als auch derer, welche ſich in den angeſteckten Orten befinden, wenn ſie auch nicht wirklich krank ſind, ſtatt baben. o87. Die Teſtamente, von denen in beiden vorſtehenden Ar⸗ tikeln Meldung war, werden ſechs Monathe nach der Wie⸗ derherſtellung der Verbindungen mit dem Hrte, wo der Seſti⸗ rer ſich befindet, oder nach ſechs Monathen, welche er in einem Orte zubrachte, worin ſie nicht unterbrochen worden, unguͤltig. 9s8. Die auf dem Meere in dem Laufe einer Seereiße ge⸗ machten Leſtamente koͤnnen aufgenommen werden; naͤmlich: Am Bord der Schiffe oder anderer Fahrzeuge des Kaiſers von dem das Schiff oder Fahrzeug kommandirenden Offizier oder in deſſen Ermanglung durch jenen, der ihn in der Dienſtordnung erſetzt; von dem einen oder dem andern in Ver⸗ bindung mit dem Verwaltungsbeamten oder jenem, der deſſel⸗ ben Verrichtungen verſieht. und an Bord der Kauffartheiſchiffe von dem Schreiber des Schiffes, oder jenem, der ſeine Verrichtungen verſieht; von von dem einen oder dem andern in Verbindung mit dem Ka⸗ pitän, dem Rheder oder Schiffspatronen, oder in deren Er⸗ manglung mit jenen, die ſie erſetzen. In ollen Fällen muͤſſen dieſe Teſtamente in Gegenwart zweier Zeugen aufgenommen werden. 989. Auf den Schiffen des Kaiſers kann das Seſtament des Kapitans oder jenes der Verwaltungsbeamten, und auf den Kauffartheiſchiffen jenes des Kapitaͤns, des Rheders, des Schiffspatrons oder jenes des Schreibers von denjenigen, die nach ihnen in der Dienſtordnung folgen, aufgenommen werden. Sie richten ſich uͤbrigens nach den Verordnungen des vorhergehenden Artikels. 990. In allen Fäͤllen ſoll von den Seſtamenten, von welchen in den beiden vorhergehenden Artikel Sprache war, eine dop⸗ pelte urſchrift ausgefertigt werden⸗ 991. Wenn das Schiff in einen auswaͤrtigen Hafen einlaͤuft, wo ſich ein franzoſiſcher Konſul beſindet, ſo ſind jene, welche das Seſtament aufgenommen haben, verpflichtet, eine von den urſchriften verſchloſſen oder verſiegelt in die Haͤnde die⸗ — — 171— ſes Konſuls niederzulegen; dieſer wird ſie an den Miniſter des Seeweſens gelangen, und Letzterer wird die Niederlage davon in der Schreiberei des Friedensgerichts des Orts, wo der Teſtirer ſein Domizitium hat, machen laſſen. 992. Bei der Zuruͤckkunft des Schiffes in Frankreich, es ſei nun in dem Hafen der Ausruͤſtung oder in jedem andern Hafen als jenem der Ausruͤſtung ſollen die beiden Urſchriften des Deſtaments ebenfalls verſchloſſen und verſiegelt; oder die zurukgebliebene Urſchrift, wenn in Gefolge des vorbergehen⸗ den Artikels eine waͤhrend dem Laufe der Reiſe waͤre nie⸗ dergelegt worden, in der Schreibſtube des Vorgeſetzten der Seeeinſchreibungen abgegeben werden. Dieſer Vorgeſetzte wird ſie obne Verzug an den Miniſter des Seeweſens abſenden, und dieſer die Niederlegung verordnen, wie ſolches in dem nämli⸗ chen Artikel geſagt worden. 993. Auf der Schiffsrolle ſoll da, wo der Name des Le⸗ ſtirers eingetragen worden, von der gemachten Uebergabe der urſchriften des Seſtaments entweder in die Haͤnde des Kon⸗ ſuls oder auf dem Bureau des Vorgeſetzten der Seeeinſchrei⸗ bungen am Rande Meldung geſchehen. 99g. Das Teſtament ſoll nicht angeſehen werden, als ſei es auf dem Meere gemacht worden, obſchon es in dem Laufe der Seereiſe gemacht wurde, wenn das Schiff zur Zeit wo es gemacht worden, an einem Lrnde, es ſei nun von fremder oder franzoſiſcher Herrſchaft, wo ſich ein franzoſiſcher offent⸗ licher Beamter befindet, gelandet hat. In dieſem Falle ſoll es nur dann guͤltig ſein, wenn es mit den in Frankreich vor⸗ geſchriebenen Formen oder mit jenen, welche in den Laͤndern, wo gemacht worden, gebraͤuchlich ſind, abgefaßt worden. 998. Die obigen Verfuͤaungen ſind auch auf die Seſtamente, welche von bloſen Reiſenden, welche nicht zur Schiffsmann⸗ ſchaft gehoͤren, gemacht worden ſind, anwendbar. 996. Das auf dem Meere in der durch den Artikel 988 vorgeſchrieben Form gemachte Seſtament ſoll nur in ſoferne guͤltig ſein, als der Teſtirer auf dem Meere, oder drei Mo⸗ nathe nachher als er an das Land oder an einen Ort, wo er es nicht nach den gewöhnlichen Formen konnte erneuern laſſen, geſtiegen, ſtirbt. 297. Das zur See gemachte Teſtament darf keine zu Gun⸗ ſten der Schiffsoffiziere gemachte Verfuͤgungen enthalten, es ſei denn, ſie ſind Verwanden des Teſtirers. En 6 * 5 — 772— 993. Die in den obigen Artikeln dieſes Abſchnittes begriffe⸗ nen TSeſtamente ſollen von den Leſtirern und von denen, welche ſie aufgenommen haben, unterzeichnet werden. Wenn der Seſtirer erklaͤrt, daß er nicht unterſchreiben kann, oder verhindert iſt, es zu thun, ſo muß von dieſer Erklaͤrung, ſo wie auch von der urſache welche ihn hindert zu unter⸗ ſchreiben, Meldung geſchehen. In den Faͤllen, wo die Gegenwatt von zweien Zeugen ge⸗ fordert wird, muß das Leſtament zum wenigüen von einem aus ihnen unterzeichnet ſein und von der Urſache, warum der andere nicht unterſchrieben hat, Meldung geſchehen. 999. Ein Franzoß, der ſich in dem Auslande befinden wird⸗ ſoll ſeine teſtamentariſche Verfuͤgungen durch eine Urkunde unter Privatunterſchrift, ſo wie es in dem Hoten Artikel vor⸗ geſchrieben iſt, oder durch eine authemtiſche Urkunde nach den an dem Hrte, wo ſie errichtet worden, gebraͤuchlichen Formen errichten koͤnnen. 10oo. Die in dem Auslande gemachten Teſtamente ſollen in Betreff des in Frankreich gelegenen Vermoͤgens nicht eher in Vollzug geſetzt werden konnen, bis ſie auf der Schreibſtube des Domiziliums des Teſtirers, wenn er eines beibehalten hat, und im entgegengeſetzten Falle auf der Schreibſtube ſei⸗ nes letzten bekannten Domiziliums in Frankreich einregiſtrirt worden. Und im Falle das Teſtament Verfuͤgungen uͤber un⸗ bewegliche in Frankreich gelegene Guͤter enthielte, ſo muß es auch auf der Schreibſtube, in deren Bezirk dieſe unbewegli⸗ chen Guter liegen, einregiſtrirt werden, ohne daß eine dov⸗ pelte Gebuͤhr dafur koͤnne erhoben werden. roor. Die Formalitaͤten, denen die verſchiedenen Seſta⸗ mente durch die Verfuͤgungen des gegenwaͤrtigen und vorher⸗ gehenden Artikels unterworfen ſind, muͤſſen unter Strafe der Nichtigkeit beobachtet werden. Dritter Abſchnitt. Von den Erbeinſetzungen und den Vermaͤchtniſſen uͤberhaupt. 2002. Die teſtamentariſchen Verfuͤgungen ſind entweder univerſal(die ganze Erbſchaft begreifend) oder ſie ſind unter einem Univerſaltitel G. B. eines Drittels, aller Möoͤbels) oder unter einem Partikulartitel G. B. eines einzigen Gegenſtandes.) — 17— Jede dieſer Verfuͤgungen, ſie ſei nun unter der Benennung von Erbeinſetzung oder jener eines Vermaͤchtniſſes ge nacht worden, wird ihre Wirkung bervorbringen nach den un⸗ ten aufgeſtellten Regeln fuͤr die Univerſal⸗Vermaͤchtniſſe, fuͤr die Vermächtniſſe auf Univerſaltitel oder fuͤr die Parti⸗ kular⸗Vermaͤchtniſſe. Vierter Ab ſchnmitt. Von den Univerſal-Vermaͤchtniſſen. 1ooz. Das Univerſal⸗Verſalmuͤchtniß iſt die teſtamentariſche Verfuͤgung, vermoͤge welcher der Teſtirer einer oder mehre⸗ ren Perſonen die Geſammtbeit des Vermoͤgens, welches er bei ſeinem Todte hinterlaͤßt, gibt. 1ooz. Wenn bei dem Abſterben des Seſtirers Erben vorhan⸗ den ſind, denen das Geſetz irgend einen Theil der Guͤter deſſel⸗ ben vorbehaͤlt, ſo treten dieſe Erben von Rechtswegen durch ſeinen Todt in alle ſeine Guͤter ein, und der mit dem Uni⸗ verſalvermaͤchtniſſe Bedachte iſt gehalten, von ihnen die Aus⸗ lieferung der in dem Leſtamente begriffenen Guͤter zu be⸗ gehren. 1ooÿ. Jedoch ſoll in den nämlichen Fäͤllen der mit dem Univerſalvermaͤchtniß Bedachte den Genuß der in dem Ceſta⸗ mente enthaltenen Guͤter von dem Dage des Abſterbens haben, wenn von dieſer Zeitfriſt an das Auslieferungsbegeh⸗ ren in Zeit eines Jahrs geſcheben iſt; wo aber das nicht der Fall iſt, ſo ſoll dieſer Genuß nur von dem Tage, wo das Begehren vor Gericht geſchehen iſt, oder von dem Tage an, wo die Auslieferung freiwillig ſtatt hatte, ſeinen Anfang nehmen. 1oos. Wenn bei dem Abſterben des Leſtirers keine Erben vorhanden ſind, welchen irgend ein Antheil dieſer Guͤter durch das Geſetz vorbehalten worden, ſo tritt der mit Univerſalver⸗ maͤchtniß Bedachte von Rechtswegen bei dem Abſterben ein, ohne daß er nothig haͤtte, die Auslieferung zu begehren. 10o7. Jedes mit eigener Hand geſchriebene Deſtament ſoll, ehe es vollzogen wird, dem Preſidenten des Tribunals erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk die Verlaſſenſchaft eroͤffnet worden, vorgelegt werden. Dieſes Teſtament ſoll eroffnet werden, wenn es verſiegelt iſt; der Preſident ſoll uͤber die Vorlegung, Er⸗ oͤffnung und den Zuſtand des Teſtamentes Verbalprozeß errich⸗ ten, und deſſen Niederlage in die Haͤnde des von ihm aufpe⸗ ſtellten Rotarins verordnen, — 3— Wenn das Seſtament in myſtiſcher Form abgefaßt iſt, ſo ſollen deſſen Vorlegung, Erofnung, Beſchreibung und Riederlage auf die naͤmliche Art geſchehen; allein die Eröffnung kann nur in Gegenwart derienigen Notarien und Zeugen welche die Ueberſchriftsurkunde unterzeichnet, und ſich an dem Hrte befinden oder dabin berufen worden, vorgenommen werden⸗ 1oog. Wenn in dem Falle des 1006 Artikels das Seſtament mit eigener Hand geſchrieben oder myſtiſch iſt, ſoll der mit Univerſalvermächtniß Bedachte gehalten ſein, ſie durch eine Ordonnanz des Preſidenten, die unter der Bittſchrift, wel⸗ cher der Hinterlegungsakt beigefuͤgt ſein muß, geſchrieben iſt, in Beſitz ſetzen zu laſſen, 1009. Der mit einem Univerſalvermaͤchtniß Bedachte, wel⸗ cher mit einem Erben, dem das Geſetz irgend einen Antheil der Guͤter vorbehaͤlt, die Verlaſſenſchaft beſpricht, ſoll gehalten ſein, fuͤr die auf der Verlaſſenſchaft des Teſtirers liegende Schulden und Laſten für ſeinen Theil und Antheil perſoͤn⸗ lich, bypothekariſch aber fuͤr das Ganze zu haften. Er ſoll verpflichtet ſein, alle Vermaͤchtniſſe zu entrichten, vorbehalt⸗ lich jedoch den Fall der Verminderung, wie es in den Arti⸗ keln 926 und 927 erklaͤrt iſt. Suͤnfter Abſchnitt. Von den Vermaͤchtniſſen unter einem Univerſaltitel. 101o. Ein Vermuͤchtniß unter einem Univerſaltitel iſt jenes, durch welches der Seſtirer einen beſtimmten Antheil der Guͤter, uͤber welche ibm das Geſetz zu verfugen erlaubt, vermacht, z. V. eine Hälfte, ein Drittel, alle ſeine unbewegliche Gü⸗ ter, alle ſeine bewegliche Geraͤthe oder einen beſtimmten An⸗ ſatz aller ſeiner entweder unbeweglichen oder beweglichen Guͤter. Jedes andere Vermaͤchtniß gilt nur als eine Verfuͤgung unter einem Partikular ⸗Litel. 1d11. Die mit Vermaͤchtniſſen unter einem Univerſaltitel Bedachten ſollen gebalten ſein, von den Erben, denen von dem Geſetze irgend einen Antbeil der Guͤter vorbehalten wor⸗ den; und in Abgang ſolcher Erben von den Univerſallegata⸗ rien, und wenn es auch deren keine hat, von den in der Ord⸗ nung, welche unter dem Litel von den Erbſchaften feſtgeſetzt worden, berufenen Erben die Auslieferung zu begehren. 1orz. Der mit einem Vermächtniſſe auf Univerſaltitel Be⸗ vachte ſoll, ſo wie der Univerſallegatäͤr gebaͤlten ſein⸗ fuͤr die auf der Verlaſſenſchaft des Seſtirers haftenden Schulden und Laſten fuͤr ſeinen Theil und Antheil perſoͤnlich und fuͤr das Ganze byvothekariſch zu ſtehen. 1013. Wenn der Leſtirer nur uͤber irgend einen ſichern An⸗ theil der Guͤter, uͤber die er verfuͤgen konnte, ſeine Verfuͤgun⸗ gen gemacht, und wenn er es auf Univerſaltitel gethan hat, ſo iſt der mit dieſem Vermaͤchtniſſe Bedachte gehalten, die be⸗ ſondern Vermächtniſſe durch Beitrag mit den natuͤrlichen Erben zu entrichten. Sechster Abſchnitt. Von den Partikular⸗Vermaͤchtniſſen. rorz. Jedes unbedingte Vermächtniß gibt dem mit Ver⸗ muͤchtnißbedachten von dem Tage des Abſterbens des Teſti⸗ rers ein Recht auf die vermachte Sache; ein Recht, welches auch auf ſeine Erben und in ſeine Steile Getretene uͤbergehn kann. Jedoch kann der mit einem Partikular⸗Vermaͤchtniſſe Bedachte ſich nicht in den Beſitz der vermachten Sache ſetzen, und weder die Fruͤchte noch die Zenſe davon begehren, als von dem Tage ſeines vermoͤge der in dem 1011 Artikel feſtgeſetzten Ordnung aufgeſtellten Begehrens oder von dem Dage, an wel⸗ chem man freiwillig in dieſe Auslieferung eingewilligt hat. 1015. Die Zinſe oder Fruͤchte der vermachten Sache laufen zum Beſten des mit Vermäͤchtniß Bedachten gleich von dem Tage des Abſterbens, und ohne daß er ſein Begehren gericht⸗ lich gemacht bat, rtens. Wenn der Leſtirer in dieſer Hinſicht ſeinen Willen in dem Leſtamente ausdruͤcklich erklärt hat. atens. Wenn eine Leibrente oder Nabhrungsgehalt unter der Benennung von Koſtgehalt vermacht worden. 1016. Die Koſten der Klage um Auslieſerung fallen der Verlaſſenſchaft zur Laſt, ohne daß jedoch eine Verminderung des geſetzlichen Vorbehalts daraus entſpringen koͤnnte. Der mit dem Vermaͤchtniſſe Bedachte muß die Koſten der Einregiſtrirung tragen. Alles dieſes geſchieht wenn es durch das Leſtament nicht anders verordnet worden. Jedes Vermaͤchtniß kann beſonders einregiſtrirt werden ohne daß dieſe Einſchreibung einem Andern als dem mit dem Ver⸗ muͤchtniffe Bedachten oder den in ſeine Stelle Getretenen ro17. Die Erben des Ceſtirers oder Andere, welche ein Vermaͤchtniß zu entrichten haben, ſind verſoͤnlich verbunden, und jeder nach Maaßgabe des Sheils, der ihnen von der Erbſchaft zu gute koͤmmt, es zu entrichten. Sie haften hypothekariſch fuͤr das Ganze bis zu dem Be⸗ lauſe des Wertbs der unbewezlichen Guͤter, welche zur Verlaſſenſchaft gehören, und welche ſie zuruͤckbebalten. 1o18. Die vermachte Sache ſoll mit dem noͤthigen Zuge⸗ hoͤr, und in dem Stande, in welchem ſie ſich am Tage des Abſterbens des Leſtirers befindet, ausgeliefert werden. rorg. Wenn derjenige, welcher das Eigenthum eines unbe⸗ weglichen Guts vermacht, daſſelbe noch durch neuere Er⸗ werbung vermehrt hat, ſo ſollen dieſe neuern Erwerbungen, wenn ſie auch an das Eigenthum anſtoßen, nicht angeſehen werden, als machen ſie einen Antheil des Vermächtniſſes aus, wenn nicht eine neuere Verfuͤgung daruͤber vorhanden iſt. Anders verhaͤlt es ſich mit den Verſchoͤnerungen oder neuern auf dem vermachten Grund und Boden aufgefuͤhrten Baulichkeiten oder einem eingeſchloſſenen Gutſtuͤcke, deſſen Umfang der Leſtirer erweitert haͤtte. 1020. Wenn vor oder nach dem gemachten Leſtamente die vermachte Sache fuͤr eine Schuld der Verlaſſenſchaft oder ſogar fuͤr die Schuld eines Drittern verpfaͤndet worden oder wenn dieſelbe mit einer Nutznießung belaſiet iſt; ſo iſt derje⸗ nige, welcher das Vermaͤchtniß abtragen muß, nicht gehalten, ſie freizumachen, wenn er nicht durch eine ausdruͤckliche Ver⸗ fuͤgung des Leſtirers beauftragt worden iſt, es zu thun. 1oꝛr. Wenn der Leſtirer die Sache eines Drittern vermacht hat, ſo ſoll das Vermaͤchtniß nichtig ſein; er habe nun ge⸗ wuſt, daß es ihm nicht zugebore oder babe es nicht gewuſt. 1oꝛz. Wenn das Vermächtniß eine unbeſtimmte Sache zum Gegenſtande hat, ſo ſoll der Erbe nicht verbunden ſein, ſie von der beſten Beſchaffenheit zu gebenz aber er darf ſie auch nicht von der ſchlechteſten Eigenſchaft anbiethen. roꝛ3. Wenn einem Gläubiger ein Vermächtniß beſtimmt worden iſt, ſo kann man es nicht als Bezahlung ſeiner Schuldfoderung anſehen; und wenn einem Hausbedienten eines gemacht wuͤrde, ſo kann es ihm nicht als Entrichtung des ſchuldigen Lohns angerechnet werden. 1024. Der unter einem Partikulartitel mit einem Ver⸗ — 177— maͤchtniſſe Bedachte ſoll nicht fuͤr die auf der Verlaſſenſchaft baftenden Schulden ſtehen; vorbehaltlich der Verminderung des Vermaͤchtniſſes, ſo wie oben geſagt worden, und vorbe⸗ haltlich der Hypothekarklage der Glaͤubiger. Siebenter Abſchnitt. Von den Vollziehern der Teſtamente. 1025. Der Teſtirer kann einen oder mehrere Vollzieher ſei⸗ nes Teſtaments ernennen. ro26. Er kann ihnen die Beſitznehmung ſeines ganzen be⸗ weglichen Vermoͤgens oder nur eines Sheils deſſelben geſtat⸗ ten; allein dieſer Beſitz kann nicht uͤber ein Jahr und Tag hinaus von ſeinem Abſterben an dauern. Wenn er ſolche Beſitznehmung ihnen nicht zugeſagt hat, können ſie dieſelbe auch nicht fordern. 1027. Der Erbe kann dieſe Beſitznahme aufhoͤren machen, wenn er ſich erbiethet, den Vollziehern des Teſtaments eine hinlaͤngliche Summe zur Entrichtung der Mobiliar⸗Ver⸗ maͤchtniſſe einzuhaͤndigen, oder wenn er die vollbrachte Ent⸗ richtung beweißt. 102s. Wer ſich nicht verbindlich machen kann, kann kein Seſtamentvollzieher ſein. 1029. Die verheurathete Frau kann nur mit Einwilligung ibres Mannes die Teſtamentvollziehung uͤber ſich nehmen. Wenn ſie, es ſei nun durch Heurathsvertrag oder durch ein urtheil von den Guͤtern getrennt iſt, ſo kann ſie ſolche mit Uebereinſtimmung ihres Mannes; oder, im Falle dieſer ein⸗ zuwilligen ſich weigert, mit gerichtlicher Berechtigung in Ge⸗ maͤßheit deſſen, was in den Artikeln 217 u. 219 in dem Si⸗ tel von den Zeurathen vorgeſchrieben worden, ubernehmen. rozo. Der Minderjaͤhrige kann auch mit Ermaͤchtigung ſei⸗ nes Vormundes oder Kurators nicht Teſtamentsvollzieher ſein. roz1. Die Vollzieher von Teſtamenten ſollen, wenn min⸗ derjährige, unterſagte oder abweſende Erben vorhanden ſind, Siegel anlegen laſſen. Sie ſollen entweder in Beiſein des vermuthlichen Erben, oder nachdem derſelbe gehorig berufen worden, das Inventa⸗ rium der zur Verlaſſenſchaft geboͤrigen Guͤter verfertigen laſſen. Sie ſollen den Verkauf der beweglichen Gegenſtände betrei⸗ ben, wenn das vorhandene Geld nicht hinreichend iſt, die Vermaͤchtniſſe zu entrichten. M Sie ſollen fur die Vollziebung des Teſtaments wachen, und ſie können, im Fall ſich uͤber dieſe Vollziehung Streitigkei⸗ ten erheben ſollten, ſich fuͤr die Guͤltigkeit deſſelben in das Mittel ſtellen. Sie ſollen nach Verlaufe eines Jahres von dem Abſterben des Teſtirers uͤber ibre Amtsfuͤhrung Rechnung ablegen. 1032. Die dem Vollzieher des Teſtaments gegebenen Voll⸗ machten geben nicht auf ſeine Erben uber. 1033. Wenn mehrere Seſtamentsvollzieher ernennt ſind, wel⸗ che die Vollziehung uͤbernommen haben, ſo kann einer in Ermanglung des andern handeln; ſie muͤſſen gemeinſchaftlich fur die Rechnung der ihnen anvertrauten beweglichen Gegen⸗ ſtande haften; es ſei denn, der Teſtirer habe ihre Verrich⸗ tungen getrennt und verordnet, daß ſich ein jeder nur mit derjenigen befaſſe, welche ihm angewieſen worden. 1o34· Die von dem Seſtamentsvollzieher fuͤr die Anlegung der Siegel, das Inventarium, die Rechnung und andere Aus⸗ lagen, welche auf ſeine Verrichtungen Bezug baben, gemach⸗ ten Koſten werden der Verlaſſenſchaft aufgerechnet. Achter Abſchnitt.⸗ Von der Widerrufuug der Teſtamente und den Fäl⸗ len, wo ſie nicht mehr verbindlich ſind(caducitè). 1oz8. Die Ceſtamente konnen entweder im Ganzen oder theilweiſe nur durch ein ſpaͤter gemachtes Teſtament oder durch eine vor Notarien errichtete urkunde, wodurch erklaͤrt wird, daß man ſeinen letzten Willen geandert habe, zuruck ge⸗ nommen werden. 1o36. Die ſpaͤtern Teſtamente, welche die fruhern nicht auf eine ausdruckliche Art umſtoßen⸗ ſollen in den letztern nur jene darin enthaltene Verfuͤgungen, welche mit den neuern durch⸗ aus unvertraͤglich oder denſelben gerade entgegen ſind, zernichten. 1037. Ein durch ein ſpaͤteres Teſtament gemachter Widerruf ſoll ſeine ganze Kraft haben, wenn auch gleich dieſe neue Ur⸗ kunde wegen der unfaͤhigkeit des eingeſetzten Erben oder des mit Vermaͤchtniß Bedachten, oder durch ihre Verweigerung, die Erbſchaft einzuthun, ohne Vollziehung bleibt. 1038. Jede Veraͤußerung⸗ ſelbſt ein mit Befugniß des Ruͤck⸗ kaufes oder durch Tauſch gemachter Verkauf der ganzen ver⸗ machten Sache oder eines Theils derſelben, den der Ceſtirer machen wird/ ſoll den Widerruf des Vermaͤchtniſſes in Betreff alles deſſen, was veraͤußert worden, wenn auch ſogar die ſpaͤ⸗ tere Veraͤußerung nichtig und der Gegenſtand wieder in die Haͤnde des Teſtirers zuruͤckgekommen ware, nach ſich ziehen. 1039. Jede Leſtamentsverfuͤgung ſoll verfallen ſein, wenn derjenige, zu deſſen Gunſten ſie gemacht worden, den Teſtirer nicht uͤberlebt hat. 1040. Jede Teſtamentsverfuͤgung, welche unter einer Be⸗ dingniß gemacht worden, die von einem ungewiſſen Ereigniſſe abbaͤngt, und zwar ſo, daß nach der Willensmeinung des Leſtirers dieſe Verfuͤgung nur in ſoweit in Vollzug geſetzt werden ſoll, als dieſes Ereigniß ſich zutragen oder nicht zu⸗ tragen wird, ſoll verfallen ſein, wenn der eingeſetzte Erbe oder mit einem Vermaͤchtniſſe Bedachte vor der Erfuͤllung dieſer Bedingniß ſtirbt. ro41. Die Bedingung, welche nach der Abſicht des Teſtirers den Vollzug der Verfuͤgung nur aufſchiebt, ſoll den eingeſetz⸗ ten Erben oder den mit einem Vermaͤchtniſſe Bedachten nicht bindern, ein wohlerworbenes Recht auf den vermachten Ge⸗ genſtand, welches auch auf ſeine Erben uͤbergehen kann, zu haben. roaꝛ. Das Vermaͤchtniß ſoll verfallen ſein, wenn die ver⸗ machte Sache noch bei Lebzeiten des Ceſtirers gaͤnzlich zu Grunde gegangen iſt. Ein gleiches hat ſtatt, wenn ſie von ſeinem Tode an ohne Zuthun und Verſchulden des Erben zu Grunde gegangen iſt, ohnerachtet man die an ihn zu machende Auslieferung ver⸗ ſpätet hat, wenn nämlich dieſelbe gleichfalls in den Haͤnden des mit Vermaͤchtniß Bedachten haͤtte zu Grunde gehen muͤſſen. 1043. Jede teſtamentariſche Verfuͤgung ſoll verfallen ſein, wenn der eingeſetzte Erbe oder der mit einem Vermaͤchtniſſe Bedachte dieſelbe ausſchlaͤgt oder unfähig iſt, ſie einzuthun. 1044. In dem Falle, wo ein Vermaͤchtniß mehreren zu⸗ ſammen gemacht worden, ſo ſoll ein Zuwachs zum Beſten der mit Vermaͤchtniſſen Bedachten ſtatt haben. Das Vermaͤchtniß ſoll angeſehen werden, als ſei es mehre⸗ ren zuſammen gemacht worden, wenn es durch eine und die naͤmliche Verfügung gemacht worden, und der Seſtirer nicht jedem der mit Vermächtniß Mitbedachten ſeinen Antheil an der vermachten Sache angewieſen hat. 104. Es ſoll auch noch angeſehen werden, als ſei es meh⸗ reren mit einander gemacht worden, wenn eine Sache, welche, M 2 * ohne ſie zu verderben nicht theilungsfäbig iſt, durch die näm⸗ liche urkunde mehreren Perſonen und zwar jeder beſonders wird gegeben worden ſein. 1046. Die naͤmlichen urſachen, welche in Gefolg des 954 und der erſten zwei Verfuͤgungen des 955 Artikels die Klage zum Widerruf der Schenkung zwiſchen Lebenden geſtatten, ſollen auch fuͤr die Klage zum Widerruf teſtamentariſcher Ver⸗ fugungen angenommen werden. 1047. Wenn dieſe Klage ſich auf eine grobliche Beſchimpfung, welche dem Andenken des Ceſtirers zugefuͤgt worden, gruͤn⸗ det, ſo muß dieſelbe innerbalb Jahresfriſt von dem Tage des begangenen Verbrechens an gerechnet, vorgebracht werden. Sechstes Kapitel. Von den Verfuͤgungen, welche zu Gunſten der Enkel des Beſchenkgebers oder des Teſtirers oder der Kinder ſeiner Geſchwiſter erlaubt ſind. 1043. Das Vermooen, über welches die Aeltern zu verfuͤ⸗ gen befugt ſind, kann von ihnen entweder im Ganzen oder theilweiſe einem oder mehreren ihrer Kinder durch Schenkungs⸗ urkunden zwiſchen Lebenden oder durch Teſtamentsurkunden gegeben werden, allein mit der Verbindlichkeit, daſſelbe den ſchon gebohrnen Kindern gedachter Geſchenknehmer oder jenen, die ihnen noch koͤnnen gebohren werden, jedoch nur im erſien Grade zuruͤck zu geben⸗ 1049. Im Falle des Abſterbens ohne Kinder ſoll die Ver⸗ fuͤgung, welche der Verſtorbene durch eine Schenkungsurkunde zwiſchen Lebenden voder durch eine Teſtamentsurkunde zum Vortheil eines oder mehrerer ſeiner Geſchwiſter uͤber das Ganze ſeines Vermoͤgens oder einen Theil deſſelben, welche in der Ver⸗ laſſenſchaft nicht vorbebalten worden ſind, gemacht hat, guͤl⸗ tig ſein, mit der Verbindlichkeit jedoch, dieſe Guͤter den ſchon gebohrnen Kindern der geſchenknehmenden Bruͤder oder Schwe⸗ ſtern, oder jenen, die ihnen noch koöͤnnen gebohren werden, jedoch nur in dem erſten Grade, zuruͤck zu geben⸗ rozo. Die durch die beiden vorhergehenden Artikel erlaubten Ve aungen ſollen nur dann guͤltig ſein, wenn die Verbind⸗ lichteit des Witdergebens zum Vortheil aller ſchon gebohrnen Kinder des alſo Verpfichteten, oder jener, die ihm nochkön⸗ d⸗ e — 181— nen gebohren werden, ohne Ausnahme noch Vorzug des Al⸗ ters oder des Geſchlechtes uͤbernommen worden. 1o51. Wenn in ſo eben geſetztem Falle der zu der Ruͤckgabe zum Vortheil ſeiner Kinder Vervflichtete ſtirbt, und Kinder von dem erſten Grade ſo wie Abkoͤmmlinge eines fruͤber ver⸗ ſtorbenen Kindes hinterlaͤßt, ſo thun letztere als Stellvertre⸗ ter den Antheil des fruͤher verſtorbenen Kindes ein. 1o52. Wenn das Kind, der Bruder oder Schweſter, denen Guͤter durch eine Schenkungsurkunde unter Lebenden ohne Verpflichtung der Ruͤckgabe gegeben worden ſind, eine neue Freigebigkeit durch Schenkungsurkunde zwiſchen Lebenden oder Ceſtamentsurkunde unter der Bedingung, daß die ſchon vor⸗ hergebenden Guͤter mit dieſer Verbindlichkeit belaſtet ſein ſol⸗ len, annimmt, ſo ſoll es ihnen nicht mehr erlaubt ſein, dieſe beiden zu ihrem Vortheile gemachten Verfuͤgungen zu tren⸗ nen, um auf die zweitere Verzicht zu leiſten, und ſich nur an die erſtere halten zu koͤnnen; auch dann nicht, wenn ſie ſogar das Anerbiethen machten, die in der zweitern Verfuͤgung enthaltenen Guͤter wieder zuruͤck zu geben. 1053. Die Rechte der Berufenen ſollen von dem Zeitpunkte an, wo, aus was immer fuͤr einer Urſache, der Genuß des Kindes, des Bruders oder der Schweſter, welche die Ver⸗ pflichtung der Ruͤckgabe auf ſich haben, aufhoͤren wird, offen ſein. Die zum Vortheil der Berufenen fruͤher gemachte Ab⸗ tretung des Genuſſes kann den Glaͤubigern des Verpflichteten, welche ſchon vor der Abtretung Forderungen an ihn zu machen hatten, nicht nachtbeilig ſein. 1o54. Die Weiber der Verpflichteten konnen auf die Guͤter, welche zuruͤck gegeben werden koͤnnen, in dem Falle der Un⸗ zulaͤnglichkeit der freien Guͤter derſelben nur fuͤr das Kapital der Ausſtattungsgelder, und dies nur in dem Falle, wo es der Teſtirer ausdruͤcklich verordnet haͤtte, einen untergeordne⸗ ten(Subsidiaire) Regreß haben. 1055. Jener, der Verfuͤgungen macht, zu denen die vorher⸗ gehenden Artikel ermaͤchtigen, kann durch die nämliche oder eine ſpaͤtere urkunde, die in rechtskraͤftiger Form abgefaßt iſt, einen Vormund ernennen, welcher den Auftrag hat, dieſe Verfuͤ⸗ gungen zu vollziehen. Dieſer Vormund kann nur wegen einer der in dem ſechsten Abſchnitte des Kapitels 11 des Sitels von der Minderjaͤhrigkeit, von der vormundſchaft und der Entlaſſung ausgedruckten urſachen freigeſyrochen werden. — 182— 1oʒ6. In Ermanglung dieſes Vormundes ſoll einer auf Betreiben des Vervflichteten; oder, wenn dieſer minderjaͤhrig iſt, ſeines Vormundes in Zeit eines Monaths von dem Ab⸗ ſterberben des Geſchenksebers oder Teſtirers, oder von dem Tage an, wo ſeit dem Abſterben die dieſe Anordnung enthal⸗ tende Verfuͤgung wird bekannt worden ſein, ernennt werden. 1057. Der Verpflichtete, welcher dem vorhergehenden Arti⸗ kel kein Genuͤgen geleiſtet haben wird, ſoll des Vortheils der Verfuͤgung verluſtig ſein; und in dieſem Falle ſoll auf das Betreihen entweder der Berufenen, wenn ſie großjaͤhrig ſind, oder ihrer Vormunde oder Kuratoren, wenn ſie minderjaͤhrig oder unterſagt ſind; oder jedes Anverwandten der großjaͤhri⸗ gen, minderjaͤhrigen oder unterſagten Berufenen; ja ſogar von amtswegen auf das Betreiben des kaiſerlichen Prokurators bei dem Tribunal erſter Inſtanz des Orts, wo die Verlaſſen⸗ ſchaft offen geworden, das Recht zum Vortheil der Berufe⸗ nen als eroͤffnet erklaͤrt werden können. 1053. Nach dem Abſterben desjenigen, welcher unter der Verpflichtung der Ruͤckgabe verfugt hat, ſoll in den gewoͤhn⸗ lichen Formen zu dem Inventarium aller Guͤter und Habſe⸗ ligkeiten geſchritten werden, den Fall jedoch ausgenommen, wo nur von einem Partikularvermaͤchtniſſe die Rede iſt. Die⸗ ſes Inventarium ſoll eine nach dem wahren Preis gemachte Ab⸗ ſchaͤtzung der beweglichen Geräthſchaften enthalten. 1059. Dieſes Inventarium ſoll auf Anſuchen des zur Ruͤck⸗ gabe Verpflichteten, in der in dem Litel von den Erb⸗ ſchaften feſtgeſetzten Zeitfriſt, in Gegenwart des zur Voll⸗ ziehung ernennten Vormundes gemacht werden. Die Koͤſten wer⸗ den von dem in der Verfuͤgung enthaltenen Vermoͤgen erhoben. 06o. Wenn die Inventur nicht auf das Anſuchen des Ver⸗ pflichteten in oben gedachter Zeitfriſt gemacht worden, ſo ſoll in dem darauf folgenden Monathe auf das Betreiben des zur Vollziebung ernennten Vormundes in Gegenwart des Ver⸗ pflichteteten oder deſſen Vormundes darzu geſchritten werden. 1061. Wenn den beiden vorhergebenden Artikeln kein Genuͤ⸗ ge geleiſtet worden, ſo ſoll auf das Betreiben der Perſonen, wel⸗ che in dem 1057 Artikel benennt worden, zum Inventarium ge⸗ ſchritten, und der Verpflichtete oder deſſen Vormund, ſo wie der zur Vollziehung ernennte Vormund darzu berufen werden. 1062. Der zur Ruͤckgabe Verpflichtete ſoll'gehalten ſein, nach angehefteten Anſchlagzetteln und durch Verſteigerung zum Verkauf aller in der Verfuͤgung entbaltener beweglichen Guͤter und Habſeligkeiten zu ſchreiten; mit Ausnahme jedoch derjenigen, welche in den beiden folgenden Artikeln enthalten ſind. 1063. Die Hausgeräthſchaften(meubles meublants) und andere bewegliche Sachen, welche in der Verfuͤgung mit der ausdruͤcklichen Bedingung wuͤrden enthalten worden ſein, ſie in Natur aufzubewahren, ſollen in dem Zuſtande, in welchem ſie ſich zur Zeit der Ruͤckgabe beſinden, wieder zuruͤck gegeben werden. 1054. Das Vieh und Feldgeraͤthe, welches darzu dient, den Arkerbau zu betreiben, ſollen angeſehen werden, als ſeien ſie in den Verfuͤgungen der Schenkungen unter Lebenden oder der Teſtamente, wodurch Feldſtuͤcke gegeben werden, enthal⸗ ten; und der Verpflichtete ſoll nur gehalten ſein, ſie aufneh⸗ men und abſchaͤtzen zu laſſen, um zur Zeit der Ruͤckgabe ei⸗ nen gleichen Werth dafuͤr zu erſtatten. 1065. Der Verpflichtete ſoll in einer Zeitfriſt von ſechs Mo⸗ nathen von dem Tage der Abſchließung des Inventariums ge⸗ rechnet das vorhandene baare Geld, jenes, welches aus den verkauften beweglichen Guͤtern und Habſeligkeiten erloͤßt wor⸗ den, und das, was von den Aktivſchulden wird eingegangen ſein, gehalten ſein, anzulegen. Dieſe Zeitfriſt kann, wenn urſache darzu vorhanden iſt, verlaͤngert werden. 1066. Der Verpflichtete ſoll gleichfalls gehalten ſein, die Gelder von Aktivſchulden, welche werden eingetrieben worden ſein, und die Ruͤckzahlungen von Renten, und dieſes ſpaͤteſtens drei Monathe nach dem Empfang dieſer Gelder anzulegen. 1o67. Dieſe Anlegung ſoll gemaͤß der Verordnung des Urhebers der Verfuͤgung, wenn er die Natur der Guͤter, in welchen dieſelbe gemacht werden ſoll, bezeichnet hat, geſchehen; hat er ſie nicht bezeichnet, ſo ſoll ſie nur in unbeweglichen Guͤ⸗ tern oder mit Privilegium auf unbewegliche Guͤter geſchehen. 106s. Die durch die vorhergehenden Artikel verordnete An⸗ leaung ſoll in Gegenwart und auf das Betreiben des zur Vollziehung ernennten Vormundes geſchehen. 1069. Die Verfuͤgungen durch urkunde zwiſchen Lebenden oder Teſtamente mit der Verpflichtung zur Ruͤckgabe ſollen auf Betreiben des Verpflichteten oder des zur Vollziehung ernennten Vormundes bekannt gemacht werden, namlich was — 154— vie unbeweglichen Guͤter angeht, durch ſchriftliche Uebertra⸗ gung der urkunden auf die Regiſter des Hypothekenbuͤreau des Drts, wo ſie liegen; und, was die mit Privilegium auf un⸗ bewegliche Guͤter ausgeliehenen Gelder angeht, durch die Ein⸗ ſchreibung auf die zu dem Privilegium verpfaͤndeten Guͤter. 107o. Die Unterlaſſung der ſchriftlichen Eintragung(tran- scription) der die Verfuͤgung enthaltenden Urkunde kann durch die Glaͤubiger und drittere Erwerber ſogar den Minderiähri⸗ gen und Unterſagten opponirt werden, vorbehaltlich des Re⸗ greſſes gegen den Verpflichteten und zur Vollziehung aufge⸗ ſtellten Vormund, und ohne daß die Minderjaͤhrigen oder Unterſagten wider dieſe Unterlaſſung der ſchriftlichen Ueber⸗ tragung, ſelbſt wenn der Verpflichtete und die Vormunde zahlungsunfaͤhig waͤren, wieder eingeſetzt werden. 1071. Die Unterlaſſung der ſchriftlichen Uebertragung kann durch die Kenntniß, welche die Glaͤubiger oder drittere Er⸗ werber auf jedem andern Wege als jenen der ſchriftlichen Ein⸗ tragung erlangt haben koͤnnen, nicht ergaͤnzt oder als gedeckt angeſehen werden ⸗ 10ya. Die Geſchenknehmer, die mit Vermaͤchtniſſen Bedach⸗ ten, ſelbſt die rechtmaͤßigen Erben desjenigen, welcher die Verfuͤgung gemacht hat, eben ſo wie die Geſchenknehmer, mit Erbſchaften Bedachten oder Erben dieſer Erſtern koͤnnen in keinem Falle gegen die Berufenen die Unterluſſung der ſchrift⸗ lichen Eintragung oder Einſchreibung einwenden. 1073. Der zur Vollziehung ernennte Vormund ſoll verſon⸗ lich verantwortlich ſein, wenn er ſich nicht in allen Punkten nach den oben aufgeſtellten Regeln, um den Zuſtand der Gü⸗ ter zu bewähren, fuͤr den Verkauf des beweglichen Vermo⸗ gens, für die Anlage der Gelder, fur die ſchriftliche Eintra⸗ gung und Einſchreibung gefuͤgt hat; und uͤberhaupt, wenn er nicht allen noͤtbigen Fleiß angewendet hat, damit die Ver⸗ pflichtung der Ruͤckgabe wohl und getreu erfuͤllt werde. 1074. Wenn der Derpflichtete minderiährig iſt, ſo kann er, ſelbſt in dem Falle der Zahlungsunfaͤhigkeit ſeines Vormun⸗ des, wegen der Nichtvollziehung der Regeln, welche ihm durch die Artikel des gegenwärtigen Kapitels vorgeſchrieben ſind⸗ nicht wieder in den vorigen Stand geſetzt werden. Siebentes Kapitel. Von den Theilungen, welche von dem Vater, der Mutter oder andern Verwanden in auf⸗ ſteigender Linie unter ihren Abkoͤmmlingen vorgenommen worden. 1076. Die Aeltern und andere Verwanden in aufſteigender Linie koͤnnen die Austheilung und Vertheilung ihrer Guͤter unter ihren Kindern und Nachkömmlingen machen⸗ 1076. Dieſe Theilungen koͤnnen durch Urkunden zwiſchen Lebenden oder Seſtamente nach den fuͤr die Schenkungen un⸗ ter Lebenden und Leſtamenten vorgeſchriebenen Formalitaͤten, Bedingungen und Regeln gemacht werden. Die durch Urkunden zwiſchen Lebenden gemachten Theilun⸗ gen können nur die gegenwaͤrtigen Guͤter zum Gegenſtande haben. 1077. Wenn nicht alle Guͤter, welche der Verwande in aufſteigender Linie an dem Tage ſeines Abſterbens hinterlaͤßt, in der Theilung begriffen ſind, ſo ſollen diejenigen dieſer Guͤter, welche nicht in der Theilung begriffen ſind, dem Geſetze ge⸗ maͤß vertheilt werden. 1073. Wenn die Theilung nicht unter alle Kinder, welche an dem Tage des Abſterbens bei Leben ſind und die Abkömm⸗ linge derienigen, welche vorher verſtorben ſind, geſchehen iſt, ſo ſoll die ganze Theilung nichtig ſein. Es kann durch die Kinder oder Abkömmlinge, welche keinen Theil erhalten haben, ja ſogar auch durch jene, unter welche die Theilung gemacht worden, eine neue in geſetzlicher Form vorzunehmende Thei⸗ lung verlangt werden koͤnnen. 1079. Die von einem Verwanden in aufſteigender Linie ge⸗ machte Theilung kann wegen einer Verletzung von mehr als einem Viertel angegriffen werden. Man kann ſie auch in dem Falle, wo aus der Theilung oder aus den fuͤr jemanden zum Voraus gemachten Verfuͤgungen ſich ergeben wuͤrde, daß einer der Mittheilhabenden einen groͤßeren Vortheil bezieht als das Geſetz es erlaubt, angreifen. roso. Das Kind, welches aus einer in dem vorhergebenden Artikel angebenen Urſache die von ſeinem Verwanden in auf⸗ ſteigender Linie gemachte Tbeilung angreifen will, muß die Koſten der Abſchätzung voraus erlegen; es muß ſie ohne Wiedererſatz, ſo wie die Koſten des Rechtsſtreites auslegen, wenn ſeine Beſchwerde nicht gegruͤndet iſt. Achtes Kapitel. Von den Schenkungen, welche in Gefolge von Heurat hsvertrag den Ehegatten und den Kin⸗ dern, welche aus der Ehe werden gezeugt werden, gemacht worden. 1ogr. Jede Schenkung zwiſchen Lebenden, von Guͤtern, welche man gegenwaͤrtia beſitzt, obnerachtet ſie in Gefolge eines Heu⸗ ratbsvertrages den beiden Gatten oder einem von beiden ge⸗ macht worden, ſoll den allgemeinen fuͤr die unter dieſer Be⸗ nennung gemachten Schenkungen vorgeſchriebenen Regeln un⸗ terworfen ſein. Sie kann zum Vortheil der Kinder, welche noch gebohren werden koͤnnen, nur in den in dem ſechsten Kapitel des ge⸗ genwaͤrtigen Sitels angezeigten Faͤllen ſtatt haben. 1082. Die Aeltern, die andern Verwanden in aufſteigender Linie, die Seitenverwanden der Ehegatten und ſelbſt die Fremden koönnen ſowohl zum Vortheil der gedachten Gatten als auch der Kinder, welche aus ihrer Ehe können gezeugt werden, in dem Falle, wo der Geſchenkgeber den geſchenk⸗ nehmenden Eheagatten uͤberleben wurde, durch Ehevertrag uͤber das Ganze oder einen Theil der Guͤter, welche ſie am Bage ihres Abſterbens hinterlaſſen werden, verfuͤgen. Eine ſolche Schenkung, ob ſie gleich nur zum Vortheil der Gatten oder eines von ihnen gemacht worden, ſoll immer in dem gedachten Falle des Ueberlebens des Geſchenkgebers ange⸗ ſehen werden, als ſei ſie zum Vortheil der Kinder und Ab⸗ koͤmmlinge, die aus dieſer Ehe koͤnnte erzeugt werden, ge⸗ macht worden. 1osz. Die in der Form, welche der vorhergehende Artikel angibt, gemachte Schenkung ſoll nur in dem Sinne, daß der Geſchenkgeber nicht mehr uͤber die in der Schenkung begriffenen Gegenſtaͤnde unter einem wohlthaͤtigen Titre, es ſei denn für maͤßige Summen, unter der Benennung von Belohnung oder einer andern Benennuna, verfugen kann, unwiderruflich ſein. 1084. Die in Gefolge von einem Heurathsvertrage gemachte Schenkung kann zu gleicher Zeit die Guͤter, welche man ge⸗ — 187— gegenwaͤrtig beſitzt, oder beſitzen wird, im Ganzen oder theil⸗ weiſe begreifen, mit der Bedingung jedoch, daß der Urkunde ein Verzeichniß der Schulden und Laſten des Geſchenkgebers, welche am Tage der Schenkung vorhanden ſind, beigefuͤgt werde; in welchem Falle es dem Geſchenknehmer bei eintre⸗ tendem Sterbfalle des Seſchenkgebers freiſtehen wird, ſich bloß an das gegenwaͤrtige Vermoͤgen des Geſchenkgebers zu halten und auf das uͤbrige Verzicht zu thun. 1085. Wenn das Verzeichniß, wovon in dem vorhergehen⸗ den Artikel Sprache war, der Urkunde, welche die Schen⸗ kung des gegenwaͤrtigen und zukuͤnftigen Vermoͤgens enthaͤlt, nicht beigefuͤgt iſt, ſo ſoll der Geſchenknehmer verbunden ſein, dieſe Schenkung im Ganzen entweder anzunehmen oder abzu⸗ lehnen. Nimmt er ſie an, ſo kann er nur die Guͤter, welche ſich am Tage des Abſterbens des Geſchenkgebers vorfinden, beſprechen, und er iſt gehalten, alle auf der Verlaſſenſchaft haftende Schulden und Laſten zu bezahlen. 1086. Die Schenkung durch Heurathsvertrag zu Gunſten der Ehegatten und der aus ihrer Ehe zu hoffenden Kinder kann auch noch unter der Bedingung, alle auf der Verlaſſen⸗ ſchaft haftende Schulden und Laſten ohne Unterſchied zu be⸗ zahlen, oder unter andern Bedingungen, deren Erfuͤllung von ſeinem Willen abhaͤngt, von welcher Perſon auch die Schen⸗ kung mag gemacht worden ſein, gemacht werden. Der Geſchenk⸗ nehmer ſoll gehalten ſein, dieſe Bedingungen zu erfuͤllen, wenn er nicht lieber auf die Schenkung Verzicht leiſten will. Und in dem Falle der Geſchenkgeber durch Heurathsvertrag ſich die Freiheit vorbehalten hätte, uͤber einen in der Schenkung ſei⸗ ner gegenwaͤrtigen Guͤter enthaltenen Gegenſtand oder eine be⸗ ſtimmte auf die naͤmliche Guͤter zu erhebende Summe zu verfuͤgen, ſo ſoll der Gegenſtand oder die Summe, wenn er ſtirbt, ohne daruͤber verfuͤgt zu haben, angeſehen werden, als ſei ſie in der Schenkung enthalten, und ſie ſoll dem Geſchenk⸗ nehmer oder ſeinen Erben gehoͤren. 1087. Die durch Heurathsvertrag gemachten Schenkungen koͤnnen unter dem Vorwande, als mangle die Annahme, nicht angegriffen noch zernichtet werden. 1os. Jede zu Gunſten einer Heurath gemachte Schenkung ſoll nichtig ſein, wenn die Heurath nicht von ſtatten geht. 1089. Die einem der Gatten, nach dem Inhalte der oben gedachten Artikel 1032, 1084 und 1os6 gemachten Schenkun⸗ — 188— gen ſollen verfallen ſein, wenn der Geſchenkgeber den geſchenk⸗ nehmenden Gatten oder deſſen Nachkommenſchaft uͤberlebt. 1090. Alle den Ehegatten vermoͤge ihres Ehevertrags ge⸗ machten Schenkungen ſollen bei Eroffnung der Verlaſſenſchaft des Geſchenkgebers auf den Antheil, woruͤber ihm das Geſetz zu verfugen erlaubt, herabgeſetzt werden. Neuntes Kapitel. Von den Verfuͤgungen zwiſchen Eheleuten, ent⸗ weder durch Heurathsvertrag oder waͤhrend der Ehe. 1091. Die Ehegatten ſollen ſich gegenſeitig durch Heuraths⸗ vertrag oder einer von beiden dem andern unter den nachſte⸗ henden Einſchraͤnkungen ſolche Schenkung machen konnen, die ſie fuͤr gut erachten. rooꝛ. Jede Schenkung, die das gegenwärtige Vermoͤgen betrift, und welche zwiſchen Ehegatten durch Heurathsver⸗ trag gemacht worden, ſoll nicht angeſehen werden, als ſei ſie unter Bedingung des Laͤngerlebens des Schenknehmers ge⸗ macht worden, wenn dieſe Bedingung nicht foͤrmlich ausge⸗ druͤckt worden. Sie ſoll allen fur dieſe Arten von Schenkun⸗ gen oben vorgeſchriebenen Regeln und Formen unterworfen ſein. 1093. Die Schenkung der zukuͤnftigen Guͤter oder des ge⸗ genwaͤrtigen und zukuͤnftigen Vermogens, welche zwiſchen Ehe⸗ gatten durch Heurathsvertrag gemacht worden, ſie ſei nun einſeitig oder gegenſeitig, ſoll den durch das vorhergehende Ka⸗ vitel in Hinſicht von dergleichen Schenkungen, die ihnen durch einen Drittern werden gemacht worden ſein, vorgeſchriebenen Regeln unterworfen ſein; vorbehaltlich, daß ſie nicht auf die aus der Ehe entſproſſenen Kinder im Falle des Abſterbens des geſchenknehmenden vor dem geſchenkgebenden Ehegatten ubertragen werden kann. ro94. Der Ehegatte kann entweder durch Heurathsvertrag oder waͤhrend der Ehe fur den Fall, wo er weder Kinder noch Abkömmlinge hinterließe, zu Gunſten des andern Gatten, und ſo, daß er Eigenthuͤmer ſei, uͤber alles das, woruͤber er zu Gunſten eines Fremden verfugen koͤnnte; und noch uͤber dies üͤber die Rutznießung des geſammten Antheils, woruͤber das Geſetz ihm zum Nachtheil der Erben zu verordnen verbiethet, verfuͤgen. Und in dem Falle, wo der geſchenkgebende Ehegatte Kinder — 189— oder Abkoöͤmmlinge hinterließe, ſo kann er dem andern Gatten entweder ein Viertel zum Eigenthum und ein anderes Viertel zur Nußnießung, oder die Hälfte ſeines ganzen Vermoͤgens zur alleinigen Nutznießung geben. 1095. Der Minderjaͤhrige kann durch Heurathsvertrag dem andern Gatten entweder durch einſeitige oder gegenſeitige Schenkung nur mit Bewilligung und unter Beiſtand derieni⸗ gen, deren Bewilligung zur Guͤltigkeit ſeiner Ehe erfoderlich iſt, ſchenken; und mit dieſer Bewilligung kann er alles das ſchenken, was das Geſetz dem großjaͤhrigen Gatten erlaubt dem andern Gatten zu ſchenken. 1096. Alle zwiſchen Gatten waͤhrend der Heuratb gemach⸗ ten Geſchenke, wenn ſie auch die Benennung der Schenkung zwiſchen Lebenden haben, koͤnnen immer wieder zuruͤck gerufen werden. Der Widerruf kann durch die Frau geſchehen, ohne darzu von dem Gatten oder von gerichtswegen ermaͤchtiget zu ſein. Dieſe Schenkungen werden durch ſpaͤter gebohrne Kinder nicht aufgehoben. roo7. Die Gatten konnen ſich waͤhrend der Ehe weder durch eine Urkunde zwiſchen Lebenden noch durch Seſtament eine gegen⸗ und wechſelſeitige Schenkung durch eine und die naͤm⸗ liche Urkunde machen. 109s. Der Mann oder die Frau, welcher oder welche Kin⸗ der von einer fruͤhern Ehe hat, und eine zweitere oder fol⸗ gende Ehe abſchließen wird, ſoll ihrem neuen Ehegatten nicht mehr als den Antheil eines ehelichen Kindes, das am wenig⸗ ſten bekoͤmmt, und ohne daß dieſe Schenkungen jemals den vierten Theil des Vermoͤgens uͤberſteigen konnen, geben koͤnnen. 1099. Die Ehegatten koͤnne ſich auch auf eine Nebenweiße nicht uͤber das hinaus ſchenken, was ihnen durch obenſtehen⸗ de Verfuͤgungen erlaubt iſt. Jede verſteckte oder unterſchobenen Perſonen gemachte Schenkung iſt nichtig. 1100. Als Schenkungen, die an unterſchobene Perſonen ge⸗ macht worden, ſollen angeſehen werden die Schenkungen des einen oder des andern Gatten an die Kinder oder an eines der Kinder des andern Gatten, die aus einer andern Ehe ent⸗ ſproſſen ſind, ſo wie jene, welche durch den Geſchenkgeber an die Verwanden, deren vermuthlicher Erbe der andere Gatte am Tage der Schenkung ſein wird, gemacht worden, wenn — 190— auch dieſer Letztere ſeinen geſchenknehmenden Verwanden nicht uͤberlebt hat. Dritter Titel. Von den Vertraͤgen und von den aus Ueberein⸗ kunft entſtehenden Verbindlichkeiten obliga- tions conventionelles) uͤberhaupt. (Dekretirt den 7ten Hornung 18c, verkuͤndigt den 17ten des nämlichen Monaths. Erſt es Kapitel. Vorlaͤufige Verfuͤgungen. 1101. Der Vertrag iſt eine Uebereinkunft, durch welche eine oder mehrere Perſonen ſich gegen eine oder mehrere verbinden, eine Sache zu geben, oder etwas zu thun, oder es nicht zu thun. 1roz. Der Vertrag iſt wechſelſeitig verbindend Gynallag- matique) oder zweiſeirig, wenn die Vertragſchlieſenden ſich gegenſeitig die einen gegen die andern verbindlich machen. 1103. Er iſt einſeitig, wenn eine oder mehrere Perſonen ge⸗ gen eine oder mehrere andere Verpflichtungen auf ſich haben, ohne daß von Seiten dieſer letztern eine Obligenheit obwaltet. r103. Er iſt tauſchartig, wenn jede der Partheien ſich an⸗ heiſchig macht, eine Sache zu geben oder zu thnn, welche man anſieht, als habe ſie gleichen Werth mit dem, was man ihr gibt oder was man fuͤr ſie thut. Wenn der gleiche Werth in dem gewagten Gewinn oder Verluſt fur jede der Partheien, der von einem ungewiſſen Er⸗ eigniſſe abhaͤngt, beſteht, ſo iſt dies ein gewagter Vertrag. 1105. Der Wohlthaͤtigkeitsvertrag iſt derjenige, in welchem die eine der Partheien der andern ganz umſonſt einen Vor⸗ theil verſchaft. 106. Der läſtige Vertrag iſt derienige, welcher eine jede der Partheien verpflichtet, etwas zu thun. 1107. Die Verträge, ſie mögen nun eine eigene Benennung oder keine haben, ſind gewiſſen allgemeinen Regeln unterwor⸗ fen, welche der Gegenſtand des gegenwärtigen Litels ſind⸗ Die gewiſſen Verträgen beſonders eigenen Regeln ſind unter den Titeln, die ſich auf jeden von ihnen beziehen, aufgeſtellt, und die Regeln, welche ſich eigends auf Handelsverträge be⸗ ziehen, ſind in den Geſetzen⸗ welche den Handel betreffen aufgeſtellt⸗ — 191— Zweites Kapitel. Von den Bedingungen, welche zur Guͤltigkeit der Vertraͤge weſentlich erfoderlich ſind. 1108. Damit ein Vertrag guͤltig ſei, ſind vier Bedingun⸗ gen weſentlich nochwendig: Die Einwilligung der Parthei, welche ſich verbindet. Ihre Faͤhigkeit, einen Vertrag ſchließen zu koͤnnen. Ein gewiſſer Gegenſtand, welcher den Stoff der Verbindlich⸗ keit ausmacht. Eine erlaubte urſache als Grund der Verbindung. Erſter Abſchnitt. Von der Einwilligung. 1109. Es iſt keine guͤltige Einwilligung vorhanden, wenn dieſelbe aus Irrthum gegeben, oder wenn ſie durch Gewalt erpreßt oder durch Betrug erſchlichen worden iſt. 1110. Der Irthum iſt nur dann ein Beweggrund zur Zer⸗ nichtung der Uebereinkunft, wenn derſelbe auf das Weſen der Sache ſelbſt, die der Gegenſtand davon iſt, faͤllt. Er iſt aber kein Beweggrund zur Zernichtnung, wenn er nur auf die Perſon, mit welcher man Willens iſt, einen Vertrag einzugebn, faͤllt, es ſei denn, die Achtung, welche man fuͤr dieſe Perſon hat, ſei der Hauptbeweggrund der Uebereinkunft. 1111. Die Gewaltſamkeit, welche man gegen denjenigen ausgeubt bat, welcher eine Verbindlichkeit uͤbernommen hat, iſt eine Urſache zur Zernichtung, wenn auch dieſe Gewalttha⸗ tigkeit durch einen Drittern, der von dem unterſchieden iſt, zu deſſen Vortheil der Vertrag abgeſchloſſen wurde, ausgeuͤbt worden. 1112. Es iſt Gewaltthaͤtigkeit vorhanden, wenn ſie von der Beſchaffenheit iſt, auf eine vernuͤnftige Perſon Eindruck zu machen, und wenn ſie ihr die Furcht einfloͤßt, ihre Perſon oder Vermoͤgen einem betraͤchtlichen und gegenwaͤrtigen Un⸗ gluͤcke auszuſetzen. In dieſem Falle nimmt man auf das Alter, das Geſchlecht und auf den Stand der Perſon Ruͤckſicht. 1113. Die Gewaltthaͤtigkeit iſt eine Urſache zur Zernichtung des Vertrags, nicht nur, wenn ſolche an der Vertrag ſchließen⸗ den Parthei, ſondern auch noch, wenn ſolche an ihrem Gat⸗ ten oder ihrer Gattin, an ihren Ankömmlingen oder Ver⸗ wandten in aufſteigender Linie veruͤbt worden. — 192— 1114. Die alleinige auf Ehrerbietigkeit gegen Vater und Mutter oder einen andern Verwandten in aufſteigender Linie gegrundete Furcht iſt, wenn keine Gewaltthätigkeit ausgeubt worden, nicht hinreichend, um einen Vertrag zu zernichten. 1115. Ein Vertrag kann auch nicht wegen Gewalttbätig⸗ keit angegriſſen werden, wenn, waͤhrend dieſe Gewaltthaͤtig⸗ keit aufgehoͤrt hat, dieſer Vertrag entweder ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend oder dadurch, daß man die durch das Geſetz feſtgeſetzte Zeit der Wiederherſtellung vorubergehn laͤßt, gut⸗ geheißen worden. 1116. Der Betrug iſt eine Urſache zur Zernichtung einer Uebereinkunft, wenn die von einer der Partheien angewende⸗ ten Raͤnke ſo beſchaffen ſind, daß es augenfallig iſt, die andere Parthei wuͤrde ohne dieſe angewendeten Ränke den Vertrag nicht abgeſchloſſen baben. Der Betrug wird nicht vermuthet, er muß bewieſen werden⸗ 1117. Die durch einen Irthum, Gewaltthaͤtigkeit oder Be⸗ trug abgeſchloſſene Uebereinkunft iſt nicht von rechtswegen nichtig; ſie gibr nur in den Faͤllen und auf die Art, welche in dem ſiebenden Abſchnitte des fuͤnften Kapitels des gegen⸗ waͤrtigen Litels erklaͤrt ſind, Urſache zu einer Rechtsklage auf Zernichtung oder Aufhebung. 1118. Die Verletzung entkraͤftet die Uebereinkunfte nur in gewiſſen Verträgen oder in Hinſicht gewiſſer Perſonen, ſo wie es in dem nämlichen Abſchnitte wird erklärt werden. 119. Man kann uberhaupt in ſeinem eigenen Namen nur durch ſich ſelbſt ſich anheiſchig machen oder gewiſſe Bedingun⸗ gen feſtſetzen. 1120. Jedoch kann man fuͤr einen Drittern gut ſehen, in⸗ dem man verſpricht, daß man das thun werde, was man fuͤr ihn verſpricht, mit dem Vorbehalt der Schadloshaltung, wel⸗ che derjenige, der gut geſprochen oder verſprochen hat, die. Genehmigung zu erhalten, wenn ſich naͤmlich der Drittere weigert, die Verpflichtung uͤber ſich zu nehmen, zu leiſten hat. 1121. Man kann gleichfalls zum Vortheil eines Drittern Vertrage abſchließen, wenn es die Ausbedingung einer Ange⸗ lobung iſt, welche man fuͤr ſich ſelbſt machen läßt oder einer Schenkung, welche man einem andern macht. Jener, wel⸗ cher dieſe Ausbedingung gemacht hat, kann ſie nicht wieder zuruͤckrufen, wenn der Drittere erklaͤrt, daß er ſie benutzen wolle⸗ — 11. Man wird angeſehen, als habe man fuͤr ſich, ſeine Erben und in ſeine Rechte Eingetretenen Vertraͤge eingegan⸗ gen, es ſei denn, man habe das Gegentbeil ausgedruͤckt oder daſſelbe ergebe ſich ſchon aus der Natur des Vertrags. zweiter Abſchnitt. Von der Fähigkeit der vertragſchließenden Partheien. 1123. Jede Perſon, wenn ſie das Geſetz nicht als unfaͤhig darzu erklaͤrt, kann Vertraͤge abſchließen. 1124. Sind unfäbig, Verträge abzuſchließen Die Minderjährigen; Die Unterſagten; Die verbeuratheten Frauen in den Fällen, welche das Ge⸗ ſetz beſtimmt hat; Und uberhaupt alle diejenigen, welchen das Geſetz die Ab⸗ ſchließung gewiſſer Verträge unterſagt hat. 1125. Perſonen, welche fäͤhig ſind, ſich verbindlich zu ma⸗ chen, koͤnnen die Unfaͤhigkeit des Minderjaͤhrigen, des Unter⸗ ſagten oder der verheuratbeten Frau, mit welchen ſie Vertraͤ⸗ Le gemacht baben, nicht opponiren. Dritter Abſchnitt. Von dem Gegenſtande und dem Stoffe der Verträge. 1126. Jeder Vertrag hat eine Sache, die eine Partbei zu geben, oder die eine Parthei zu thun oder nicht zu thun ſich verpflichtet, zum Gegenſtand. 1127. Der alleinige Gebrauch oder der alleinige Beſitz einer Sache kann, wie die Sache ſelbſt, der Gegenſtand des Ver⸗ trags ſein. 1128. Nur Dinge, welche in den Handel und Verkehr ge⸗ bören, konnen der Gegenſtand von Uebereinkuͤnften ſein. 1129. Jede Verbindlichkeit muß eine wenigſtens in ihrer Art beſtimmte Sache zum Gegenſtand haben. Der Betrag der Sache kam unbeſtimmt ſein, wenn er nur beſtimmt werden kann. 1130. Auch zukünftige Dinge können der Gegenſtand einer Verbindlichkeit ſein. Man kann übrigens auf eine noch nicht eroffnete Erbſchaft nicht Verzicht leiſten, auch auf dieſelbe hin keine Vertraͤge feſſetzen; ſelbſt dann nicht, wenn auch jener, von deſſen Ver⸗ laſſenſchaft die Sprache iſt, darzu einwilligt. N — 4— vierter Abſchnitt. Von dem Beweggrunde. 1131. Die Verbindlichkeit ohne Bewesgrund, oder die auf einem falſchen oder auf einem unerlaubten Beweggrunde be⸗ ruht, kann keine Wirkung haben. 11z2. Die nebereinkunft iſt aber dennoch guͤltig, wenn guch der Beweggrund nicht ausgedruͤckt iſt. 1133. Der Beweggrund iſt unerlaubt, wenn er durch das Geſetz verbothen, wenn er den guten Sitten oder der öͤffent⸗ lichen Ordnung entgegen iſt⸗ Drittes Kapitel. Von den Wirkungen der Vertraͤge. Prſter Abſchnitt⸗ Allgemeine Verfuͤgungen. 134. Die geſetzlich eingegangenen Uebereinkuͤnfte haben für jene, welche ſie abgeſchloſſen haben, Geſetzeskraft. Nur mit ihrer beiderſeitigen Uebereinſtimmung oder aus urſachen, welche das Geſetz gutheißt, koͤnnen ſie wieder auf⸗ geboben werden. Sie muſſen redlich vollzogen werden 1135. Die Vertraͤge verbinden nicht nur zu dem, was in denſelben ausgedruͤckt iſt, ſondern auch noch zu allen den Fol⸗ gen, welche die Billigkeit, der Gebrauch oder das Geſetz der Verbindlichkeit ihrer Natur nach beilegen⸗ zweiter Abſchnitt. Von der Verbinblichkeit etwas zu geben. 1136. Die Verbindlichkeit etwas zu geben hat jene, die Sache abzuliefern oder ſie bis zur Ablieferung aufzubewahren unter der Strafe des Erſatzes des erlittenen Schadens und nicht bezogenen Gewinns gegen den Schuldglaubiger zur Folge. 1137. Die Verbindlichkeit, füͤr die Erhaltung einer Sache zu wachen, die Uebereinkunft mag nun den alleinigen Nutzen einer der Partheien oder den gemeinſchaftlichen Nutzen zum Gegenſtande haben, macht es demjenigen, der damit beauftragt iſt, zur Pflicht, alle Sorgfalt eines guten Hausvaters darauf zu verwenden⸗ Dieſe Obliegenbeit iſt in Hinſicht auf gewiſſe Verträͤge, deren Wirkungen in dieſem Betracht in den Liteln, welche ſie petreffen, erklaͤrt werden, mehr voder weniger auogedehnt. — 195— 1zs. Die Verbindlichkeit, die Sache abzuliefern, iſt durch die alleinige Uebereinſtimmung der vertragſchließenden Par⸗ theien vollkommen. Sie macht den Gläubiger zum Eigentbuͤmer und gibt die Sache von dem Augenblicke an, wo ſie hat abgeliefert wer⸗ den ſollen, wenn auch die Ablieferung noch nicht geſchehen iſt, auf ſeine Gefabr; es ſei denn, der Schuldner verabſaͤu⸗ me die Ablieferung, in welchem Falle die Sache auf Geſahr und Verantwortung des Letztern bleibt. 1139. Der Schuldner befindet ſich in Saͤumniß, wenn er entweder durch eine förmliche Aufforderung oder durch eine andere gleiche Kraft habende Urkunde oder Kraft der neber⸗ einkunft ſelbſt darein verſetzt worden, wenn letztere nämlich ſagt, daß der Schuldner an dem alleinigen Verfall der feſtge⸗ ſetzten Zeit, und obne daß irgend eine urkunde noͤthig ſei, ſich in Saͤumniß befinde. 1140 Die Wirkungen der Verbindlichkeit, ein unbewegliches Gut zu geben oder auszuliefern, ſind in dem Litel von dem Verkaufe, und unter den Liteln von den Privilegien und Bypotheken angegeben 1141. Wenn die Sache, die man an zwei Perſonen nach und nach zu geben oder abzuliefern ſich verbunden hat, vollkommen beweslich iſt, ſo wird diejenige von beiden, welche in den wirk⸗ lichen Beſitz eingeſetzt worden, vorgezogen und bleibt Ei⸗ genthuͤmer davon, wenn auch ihr Rechtstitel gleichwohl von einem ſpaͤtern Datum iſt, wenn anders der Beſitzſtand redlich iſt. Dritter Abſchnitt. Von der Verbindlichkeit etwas zu thun oder nicht zu thun. 1raꝛ. JedeVerbindlichkeit, etwas zu thun vder nicht zu thun, lößt ſich in Erſatz des Schadens und entbehrten Gewinns im Falle der Nichtvollziehung von Seiten des Schuldners auf. 1raz. Nichtsdeſtoweniger hat der Gläubiger das Recht zu begehren, daß das, was der Verbindlichkeit zuwider gethan worden, aufgehoben werde, und er kann ſich ermächtigen laſ⸗ ſen, es auf die Koſten des Schuldners, ohne Nachtheil des Schadenerſatzes und der Vergutung des entbehrten Gewinns, in ſo ferne beides ſtatt hat, aufzuheben. 1144. Der Glaͤubiger kann auch im Falle der Nichtvollzie⸗ bung ermächtiget werden, die Verbindlichkeit ſelbſt und auf Koſten des Schuldners vollzieben zu laſſen. N2 — 196— 1145. Wenn man die Verbindlichkeit bat, etwas nicht zu thun, ſo iſt der Darwiderhandelnde durch das alleinige Dar⸗ widerhandeln zu Schadenerſatz und Verguͤtung des entbehr⸗ ten Gewinns verbunden⸗ Vierter Abſchnitt. Von dem Schadenerſatze und Zinſenentrichtung⸗ welche aus der Richtvollziehung der Verbinblichkeit ent⸗ ſpringt. 1146. Der Schuldner iſt nur dann zum Schadenerſatz und zur Entrichtung der Zinſe gebalten, wenn er verſaͤumt, ſeine Obliegenheit zu erfuͤlen, ausgenommen jedoch, wenn die Sache, die der Schuldner zu geben oder zu thun ſich ver⸗ band, nur in einer gewiſſen Zeit, die er verſtreichen ließ, konnte gegeben oder gethan werden⸗ 1147. Der Schuldner ſoll jedesmal, wenn Urſache darzu vorhanden iſt, entweder wegen Nichtvollziebung ſeiner Ver⸗ bindlichkeit oder wegen Verſpaͤtung in der Vollziehung zur Entrichtung des Schadenerſatzes und der Zinſe verurtheilt werden, wenn er nicht beweibßt, daß die Nichtvollziebung von einer auswärtigen urſache, welche ihm nicht kann aufgebuͤr⸗ det werden, herkomme und er ſich keine unredlichkeit dabei zu Schulden kommen ließ. 1148. Es hat keine Entrichtung von Schadenerſatz oder Zin⸗ ſen ſtatt, wenn in Gefolge einer Uebermacht oder eines un⸗ gefaͤhren Zufalls der Schuldner verhindert worden, das zu geben oder zu thun, worzu er ſich verbindlich gemacht hat, oder wenn er gethan, was ihm unterſagt war. 1149. Der Schadenerſatz und die Zinſen, welche der Glaͤubi⸗ ger fordern kann, werden im Allgemeinen nach dem Verluſt, den er erlitten hat, und nach dem Gewinn, deſſen er berauht worden iſt, berechnet, vorbehaltlich jedoch der nachſtehenden Ausnahmen und Beſchraͤnkungen. 1150. Der Schuldner iſt nur zu Entrichtung desjenigen Schadenerſatzes oder jener Zinſe, welche man bei Errichtung des Vertrags entweder vorgeſeben hat oder vorſehen konnte, gehalten, wenn er anders durch einen von ihm geſpielten Be⸗ trug die Vollziehung der Obliegenheit nicht hintertrieben bat⸗ 1181. In dem Falle ſogar, wo die Nichtvollziehung der Uebereinkunft aus dem Betrug des Schuldners entſpraͤnge, ſo koͤnnen die Schadlosbaltungen und Sinſe in Hinſicht auf den von dem Glaͤubiger erlittenen Verluſt und den ihm entzoge⸗ nen Gewinn nichts enthalten, als was eine gerade und un⸗ mittelbare Folge der Nichtvollziehung der Uebereinkunft iſt. 1Fa. Wenn die Uebereinkunft beſagt, daß derienige, wel⸗ cher ſie nicht vollziehen wird, eine gewiſſe Summe zur Ent⸗ ſchaͤdigung bezahlen ſoll, ſo kann der andern Parthei weder eine ſtärkere noch eine geringere Summe ausbezahlt werden. 1163. In den Verpflichtungen, welche ſich auf die Bezah⸗ lung einer gewiſſen Summe beſchraͤnken, beſtehen die Schad⸗ losbaltungen und Zinſe, welche aus der Verzoͤgerung der Voll⸗ ziehung entſpringen, niemalen in etwas anderes als in der Verurtheilung zur Entrichtung der Zinſe, welche das Geſetz feſtgeſetzt hat, unbeſchadet der beſondern Vorſchriften fuͤr den Handel und die Buͤrgſchaft. Der Schulduer muß dieſe Schadloshaltungen und Zinſen entrichten, ohne daß der Glaͤubiger gehalten iſt, irgend einen Verluſt zu beweiſen. Er iſt ſie aber nur von dem Lage des Begehrens ſchuldig, ausgenommen in dem Falle, wenn das Geſetz beſtimmt, daß ſie von rechtswegen laufen ſollen. r154. Die Zinſe der verfallenen Kapitalien koͤnnen entweder in Gefolge einer gerichtlichen Klage oder einer beſondern Ue⸗ bereinkunft wieder Zinſe tragen, wenn anders entweder in der Klage oder in der Uebereinkunft von den Zinſen wenigſtens ei⸗ nes ganzen Jahres die Rede iſt. 1165Nichtsdeſtoweniger tragen die verfallenen Einkuͤnfte, als da ſind, Pachte, Miethzinſe, Ruͤckſtaͤnde von ewigen oder Leibren⸗ ten von dem Tage des Begehrens oder der Uebereinkunft Zinſe⸗ Die naͤmliche Vorſchrift iſt auf die Wiedererſtattung von Fruͤchten und auf die von einem Drittern dem Glaͤubiger zur Abtragung der Schuld bezahlten Zinſe anwendbar. Fünfter Abſchnitt. Von der Auslegung der Verträge. 1156. In den Verträgen muß man vielmehr nachſuchen, welches die gemeinſchaftliche Willensmeinung der vertrag⸗ ſchließenden Partheien war, als ſich an dem buchſtäblichen Sinne der Worte aufhalten. 1167. Wenn eine Klauſel in einem doppelten Sinne ausge⸗ legt werden kann, ſo muß man dieſelbe vielmehr in jenem nehmen, in welchem ſie einige Wirkung haben kann, als in lenem, in welchem ſie gar keine Wirkung hervorbringen kann. — 198— 1153. Die Ausdruͤcke, welche eines doppelten Sinnes em⸗ pfaͤnglich ſind, muͤſſen in demienigen genommen werden, wel⸗ cher dem Gegenſtande des Vertrags am beſten angemeſſen iſt. 1169. Was zweideutig iſt, wird durch die Gebraͤuche des Landes, in welchem der Vertrag abgeſchloſſen worden, erklaͤrt. 1160. Man muß in dem Vertrage die Klauſeln, welche da⸗ ſelbſt gebrauchlich ſind, wenn ſie auch in demſelben nicht ausgedruckt worden, ergänzen. 1161. Alle in den Vertraͤgen enthaltene Klauſeln werden die einen durch die andern erklärt, indem man jeder den Sinn beilegt, welcher ſich aus der ganzen Vertragsurkunde ergibt. 1162. In dem Zweifel erkläͤrt man die Uebereinkunft wider denjenigen, welcher die Punkte derſelben aufgeſtellt, und zum deſſen, der die Verbindlichkeit auf ſich genommen at. 1163. Die Ausdruͤcke, in welchen eine uebereinkunft abge⸗ faßt iſt, mogen auch noch ſo allgemein ſein, ſo begreift die⸗ ſelbe doch nur die Dinge in ſich, uͤber welche die Partheien ſcheinen den Vorſatz gehabt zu haben, einen Vertrag abzu⸗ ſchließen. 1164. Wenn man in einen Vertrag einen gewiſſen Fall zur Erklaͤrung der Verbindlichkeit ausgedrückt hat, ſo ſoll man nicht dafär angeſehen werden, als habe man dadurch die Aus⸗ dehnung, welche die Verpflichtung in den nicht ausgedruckten Faͤllen von rechtswegen bat, einſchränken wollen⸗ Sechster Abſchnitt. Von der Wirkung der uebereinkuͤnfte in Hinſicht auf Drittere. 116. Die uebereinkänſte haben nur auf die vertragſchlieſ⸗ ſenden Partheien ihre Wirkung; ſie ſchaden keinem Drittern; ſie nutzen ihm aber auch nicht als nur in dem durch den 1121 Artikel vorgeſehenen Falle. 1166. Richtsdeſtoweniger können die Glaͤubiger alle Rechte und Rechtsklagen ihrer Glaͤubiger mit Ausnahme derjenigen, welche ausſchliehlich auf der Perſon haften, ausuͤben. 1167. Sie koͤnnen auch in ibrem perſoͤnlichen Namen die durch ihren Schuldner vollbrachte Handlungen, wodurch er ſie um ihre Rechte betrügen wollte, angreifen Sie muͤſſen aber dennoch in Betreff der Rechte, wovon in den Titeln von den Prbſchaften, von den Zeurathskon⸗ trakten und den wechſelſeitigen Rechten der Gatten die Sprache iſt, ſich nach den daſelbſt vorgeſchriebenen Regeln fugen. Viertes Kapitel. Von den verſchiedenen Arten der Verbindlichkeiten. Erſter Abſchnitt. Von den bedingnißweiſen Verpflichtungen. Erſter Paxagraph. Von der Bedingung uͤberhaupt und ihren verſchie⸗ denen Arten. 1163. Die Verbindlichkeit iſt bedingungsweis, wenn man ſie von einem zukuͤnftigen und ungewiſſen Ereigniſſe abhaͤngen macht, es ſei nun, daß man dieſelbe aufſchiebt, bis ſich die⸗ ſes Ereigniß zugetragen hat, oder daß man ſie aufhebt, je nachdem ſich das Ereiguiß zutraͤat oder nicht zutraͤgt. 1169. Die zufällige Bedingung iſt diejenige, welche von dem Ungefaͤhr abhängt, und welche keinesweas in der Ge⸗ walt weder des Glaͤubigers noch des Schuldners ſteht. 1170. Die gewalthabende oder willkuͤhrliche Bedingung iſt diejenige, welche die Vollziehung der Uebereinkunft von einem Ereigniſſe, welches die eine oder die andere der ver⸗ tragſchließenden Partheien geſchehen laſſen oder verbindern kann, abhaͤngen macht. 1171. Die vermiſchte Bedingung iſt diejenige, welche zu gleicher Zeit von dem Willen der einen Vertrag ſchließenden Partheien und von dem Willen eines Drittern abhängt. 1172. Jede Bedingung einer Sache, die unmoͤglich, oder den guten Sitten entgegen oder durch das Geſetz verbothen iſt, iſt nichtig und zernichtet die Uebereinkunft, welche davon abhaͤngt. 1173. Die Bedingung, eine unmoͤgliche Sache nicht zu thun, hebt die unter dieſer Bedingung eingegangene Ver⸗ bindlichkeit nicht auf. 1174. Jede Verbindlichkeit iſt nichtig, wenn ſie unter einer gewalthabenden oder willkuͤhrlichen Bedingung von Seiten desienigen, der ſich verbindet, eingegangen worden. — 200— 116. Jede Verbindung muß auf die Art erfullt werden, auf welche ſie die Partheien wahrſcheinlicher Weiſe wollten und wuͤnſchten erfullt zu ſehen. 1176. Wenn eine Verbindlichkeit unter der Bedingung, daß ein gewiſſes Ereigniß ſich in einer beſtimmten Zeit zutrage, eingegangen worden, ſo wird dieſe Bedingung als nichtig an⸗ geſehen werden, wenn die beſtimmte Zeitfriſt verfloſſen iſt, ohne daß das Ereigniß ſich zugetragen hat. Wenn aber keine Zeitfriſt feſtgeſetzt worden, ſo kann die Bedingung immer er⸗ fuͤllt werden; ſie wird aber als nichtig angeſehen, wenn man die Gewißheit erlangt hat, daß das Ereigniß ſich nicht zu⸗ tragen wird. 1177. Wenn eine Verbindlichkeit unter der Bedingung ein⸗ gegangen worden, daß ein gewiſſes Ereigniß ſich in einer feſt⸗ geſetzten Zeitfriſt nicht zutragen werde, ſo iſt dieſe Bedingung erfuͤllt, wenn dieſe feſtgeſetzte Zeitfriſt voruͤber gegangen iſt, ohne daß das Ereigniß ſich zugetragen hat. Sie iſt ebenfalls erfuͤllt, wenn vor dem Ablauf der Zeit Gewißheit vorhanden iſt, daß das Ereigniß ſich nicht zutragen wird. Wenn aber keine Zeit beſtimmt worden, ſo wird ſie nicht erfullt als bis es gewiß iſt, daß das Ereigniß nicht ſtatt baben werde. 1178. Man haͤlt die Bedingung fuͤr erfullt, wenn es der unter dieſer Bedingung verpflichtete Schuldner iſt, welcher die Erfuͤllung derſelben verhindert hat. 1179. Die erfuͤllte Bedingung hat eine ruͤckwirkende Kraft auf den Tag, an welchem die Verbindlichkeit eingegangen worden. Wenn der Glaͤubiger vor der Erfuͤllung der Bedin⸗ gung geſtorben iſt, ſo gehn ſeine Rechte auf ſeine Erben uͤber. r180. Der Gläubiger kann, ehe die Bedingung in Erfuͤllung geht, alle Handlungen verrichten, durch welche er ſein Recht erhalten kann. Zweiter Paragraph. Von der aufſchiebenden Bedingung. I31. Die unter einer auſſchiebenden Bedingung eingegan⸗ gene Verbindlichkeit iſt jene, welche entweder von einem zu⸗ kuͤnftigen und ungewiſſen Ereigniſſe, oder von einem ſolchen, welches ſich wirklich zugetragen hat, aber den Partheien noch unbekannt iſt, abhaͤngt. In dem erſten Falle kann die Verbindlichkeit erſt nach dem zugetragenen Ereigniſſe in Vollzug geſetzt werden. — 201— In dem zweitern Falle hat die Verbindlichkeit ihre Wirkung von dem Tage an, an welchem ſie eingegangen worden. 1182. Wenn die Verbindlichkeit unter einer aufſchiebenden Bedingung uͤbernommen worden, ſo bleibt die Sache, welche den Stoff der Uebereinkunft ausmacht, auf der Gefahr des Schuldners, welcher nicht ehender verbunden iſt, ſie abzulie⸗ fern, biß das ausbedungene Ereigniß ſich zugetragen hat. Wenn die Sache ohne die Schuld des Schuldners gaͤnzlich iu Grunde gegangen iſt, ſo iſt die Verbindlichkeit erloſchen. Wenn die Sache ohne Verſchulden des Schuldners verdor⸗ ben worden, ſo hat der Glaͤubiger die Wahl, entweder die Verbindlichkeit aufzuheben oder die Sache in dem Zuſtande, in welchem ſie ſich befindet, ohne Verminderung des Preißes uruͤck zu fodern. Wenn die Sache durch Verſchulden des Schuldners ver⸗ ſchlimmert worden, ſo hat der Gläubiger das Recht, entweder die Verbindlichkeit aufzuloͤſen oder die Sache in dem Zuſtande, in welchem ſie ſich befindet, mit Schadenerſatz und Zinſen zuruͤck zu fodern. Dritter Paragraph. Von der aufloͤſenden Bedingung. 1133. Die auflöſende Bedingung iſt diejenige, welche, wenn ſie in Erfuͤllung geht, die Aufloͤſung der eingegangenen Ver⸗ bindlichkeit bewirkt und die Dinge wieder in den Stand zu⸗ ſtellt, als wenn keine Verbindlichkeit vorbanden geweſen waͤre. Sie verſchiebt die Vollziehung der Verbindlichkeit nicht; ſie verbindet nur den Gläͤubiger, das zuruͤck zu geben, was er empfangen hat, in dem Falle nämlich, wo das in der Be⸗ dingung vorgeſehene Ereigniß ſich zuträgt. rsa. Die aufloͤſende Bedingung wird immer in den gegen⸗ ſeitig verbindenden Vertraͤgen in dem Falle, wo eine der beiden Partheien ihre Verpflichtung kein Genuge leiſtet, mitunter verſtanden. In dieſem Falle iſt der Vertrag nicht von rechtswegen auf⸗ gelößt. Die Parthei, gegen welche die Verpflichtung nicht er⸗ füllt worden, hat die Wahl, die andere„wenn Moͤglichkeit vorhanden iſt, zur Vollziebung der Uebereinkunft zu nöthigen, oder die Auflöſung derſelben unter Entrichtung des Schaden⸗ erſaßes und der Zinſe zu begehren. — 202— Die Aufloͤſung muß vor Gericht begehrt werden, und man kann dem Beklagten nach Beſchaffenheit der umſtaͤnde eine Zeitfriſt bewilligen. Erſter Ab ſchnitt. Von der Verbindlichkeit auf gewiſſe Zeitfriſt. 1185. Die gegebene Zeitfriſt it von der Bedingung darin unterſchieden, daß ſie die Verbindlichkeit nicht aufſchiebt, ſon⸗ dern deren Vollziehung nur verſpätet. 1186. Was man nur auf einen gewiſſen Termin ſchuldig iſt⸗ tann vor dem Verfall deſſelben nicht gefordert werden; aber das, was zum Voraus bezahlt worden, kann nicht wieder nachgefordert werden. 1187. Die gegebene Zahlungsfriſt wird immer angeſehen, als ſei ſie zu Gunſten des Schuldners ausbedungen worden; es ſei denn, es erhelle aus den feſtgeſetzten Bedingungen oder aus den Umſtänden, daß ſie auch zu Gunſten des Glaͤubigers ſei ausgehalten worden. 1138. Der Schuldner kann die Wohlthat der beſtimmten Zah⸗ lungsfriſt nicht mehr anſprechen, wenn er bankerutt geworden, oder wenn er die ſeinem Glaͤubiger durch den Vertrag gegebenen Sicherheiten durch ſein Verſchulden vermindert hat. Dritter Abſchnitt. Von den Verpflichtungen, wo man die Wahl hat. (alternatives.) 1189. Der Schuldner einer Verpflichtung bei welcher er die Wahl bat, iſt derſelben entledigt, wenn er eine von den bei⸗ den Dingen, welche in der Vervflichtung enthalten ſind, aus⸗ liefert. 1190. Die Wahl ſteht dem Schuldner zu, wenn ſie dem Gläubiger nicht ausdrucklich vorbehalten worden. 1191. Der Schuldner kann ſich ſeiner Verbindlichkeit entle⸗ digen, wenn er eines der beiden verſprochenen Dinge auslie⸗ fert; allein er kann den Glaͤubiger nicht zwingen, einen Cheil der einen und den andern Theil der andern Sache an⸗ zunehmen. 1192. Die Verbindlichkeit, vb ſie ſchon auf eine Art, bei der man die Wahl hat; uͤbernommen worden, wird unbedingt und einfach, wenn eine der beiden verſprochenen Sachen der Gegenſtand der Verbindlichkeit nicht ſein konnte. 1193. Die Verbindlichkeit, bei welcher man die Wahl hat, wird unbedingt und einfach, wenn eine der verſprochenen Sa⸗ chen zu Grunde geht und nicht mehr abgeliefert werden kann, ſollte es auch durch Verſchulden des Schuldners geſchehen ſein. Der Werth dieſer Sache kann nicht an der Stelle derſelben dargebothen werden. Wenn beide Dinge zu Grunde gegangen ſind und wenn der Schuldner die Schuld des gaͤnzlichen Verderbens der einen traͤgt, ſo muß er den Werth derienigen bezahlen, die am letzten zu Grunde gieng. 1194. Wenn in den durch den vorhergehenden Artikel vor⸗ geſehnen Fuͤllen die Wahl dem Glaͤubiger durch Uebereinkunft uͤbertragen worden; So iſt nur eine der beiden Sachen zu Grunde gegangen, und wenn der Verpflichtete gar keine Schuld daran hat, als⸗ dann der Glaͤubiger gehalten, die uͤbrig gebliebene zu nehmen⸗ Wenn aber der Schuldner die Schuld davon traͤgt, ſo kann der Glaͤubiger entweder die uͤbrig gebliebene Sache oder den Werth fuͤr die zu Grunde gegangene begehren. Oder ſind beide Dinge zu Grunde gegangen und der Schuld⸗ ner iſt an dem Zugrundegehen beider ſchuld, oder er traͤgt nur die Schuld einer von beiden, ſo kann der Gläubiger nach ſeiner Wahl die Entrichtung des Werths der einen oder der andern begehren. 1196. Wenn beide Dinge ohne Verſchulden des Schuldners und ehe er in Verſäumniß iſt, zu Grunde gegangen ſind, ſo iſt in Gefolge des 1302ten Artikels die Verbindlichkeit er⸗ loſchen. 1196. Die namlichen Grundſätze ſind auch auf den Fall anwendbar, wo mehr als zwei Dinge in der(alternativen) Verbindlichkeit, wo man die Wahl bat, begriffen ſind. vierter Abſchnitt. Von den ſolidariſchen Verbindlichkeiten. Erſter Paragraph. Von den ſolidariſchen Verbindlichkeiten unter den Glaͤubigern. 1197. Die Verbindlichkeit iſt zwiſchen mehreren Glaͤubigern ſolidariſch, wenn die urkunde einem jeden von ihnen das ausdruckliche Recht gibt, die Ausbezahlung der ganzen Schuldfoderung zu begehren, und wenn die an einen der Glaͤubiger gemachte Bezahlung den Schuldner von ſeiner Verbindlichkeit frei macht, wenn auch gleich der aus der⸗ ſelben entſpringende Vortheil theilbar waͤre und unter den verſchiedenen Glaͤubigern getheilt werden koͤnnte. 198. Es haͤngt von der Wahl des Schuldners ab, an den einen oder den andern der ſolidaͤriſchen Glaͤubiger abzuhezah⸗ len, ſo lange ihm naͤmlich nicht die gerichtliche Verfolgun⸗ gen des einen von ihnen zuvorgekommen ſind⸗ Wenn ihm jedoch nur einer der gemeinſchaftlichen Glaͤubi⸗ ger einen Erlaß geſtattet, ſo iſt er nur von dem dieſem Glaͤu⸗ biger zufallenden Antheil entladen. 1199. Jede Hondlung, welche in Hinſicht des einen der gemeinſchaftlichen Glaͤubiger die Verjaͤhrung unterbricht, nutzt allen andern Glaͤubigern. Zweiter Paragraph. Von der ſolidariſchen Verbindlichkeit(solidairité) von Seiten der Schuldner. rzoo. Es iſt gemeinſchaftliche Verbindlichkeit der Schuld⸗ ner vorhanden, wenn ſie miteinander zu der naͤmlichen Sache verpflichtet ſind, ſo zwar, daß jeder fuͤr das Ganze kann ge⸗ richtlich verfolgt werden, und daß die von dem einen geſche⸗ hene Bezahlung die andern von ihrer Verbindlichkeit gegen die Glaͤubiger freiſpricht. 1201. Die Verbindlichkeit kann ſolidariſch ſein, obgleich der eine von den Schuldnern auf eine andere Art als der an⸗ dere zur Bezahlung der naͤmlichen Sache verpflichtet iſt. Zum Beiſpiele: Wenn der eine nur bedingungsweiſe ver⸗ pflichtet iſt, waͤhrend dem die Verbindlichkeit des andern unbedingt und einfach iſt; oder wenn der eine eine beſtimmte Zablungsfriſt erhalten, welche dem andern nicht zugeſtan⸗ den worden. rzoz. Die ſolidariſche Verpflichtung wird nicht vermuthet, ſie muß ausdruͤcklich bedungen worden ſein. Dieſe Regel hoͤrt nur in dem Falle auf, wo die ſolidari⸗ ſche Verpflichtung von rechtswegen in Gefolg einer geſetzli⸗ chen Verfugung ſtatt hat. 1203z. Der Gläubiger einer mit ſolidariſcher Verpſlichtung ubernommenen Obligazion kann ſich an jenen der Schuld⸗ ner, welchen er waͤhlen will, wenden, ohne daß dieſer ihm die Wohltbat der Theilung dagegen einwenden kann. 1oa. Die wider den einen der Schuldner gerichteten gericht⸗ lichen Verfolgungen hindern den Glaͤubiger nicht, gleiche Ver⸗ folgungen auch wider die andern ergehen zu machen. 1205 Wenn die Sache durch das Verſchulden oder waͤh⸗ rend der Saͤtnniß des einen oder mehrerer der ſolidariſch verpflichteten Schuldner zu Grunde gegangen iſt, ſo ſind die andern Mitſchuldner von der Verbindlichkeit, den Werth der Sache zu bezahlen nicht freigeſprochen, allein ſie ſind zur Entrichtung der Schadloshaltungen und Zinſe nicht gehalten. Der Glaubiger kann die Schadloshaltung der Zinſe nur von jenen der Glaͤubiger, durch deren Verſchulden die Sache zu Grunde gegangen iſt, ſo wie auch von jenen, die in Saͤumniß waren, fordern. 1206. Die wider einen der ſolidariſchen Schuldner gerichte⸗ ten gerichtlichen Verſolgungen unterbrechen die Verzaͤhrung in Hinſicht aller anderer. 1207. Das Begehren der Zinſe, welches an einen der ſoli⸗ dariſchen Schuldner geſtellt worden, macht dieſe Zinſe in Be⸗ treff aller anderer laufen. 1208. Der ſolidariſch verpflichtete Mitſchuldner, welcher von dem Glaͤubiger gerichtlich verfolgt wird, kann alle die Einreden, welche aus der Natur der Verbindlichkeit ent⸗ ſpringen, ſo wie alle diejenigen, die ihm perſoͤnlich ſind, wie auch alle jene, die allen Mitſchuldnern gemeinſchaftlich ſind, entgegen ſetzen. Er kann auch jene Einreden, welche nur einigen der Mit⸗ ſchuldner perſoͤnlich ſind, entgegen ſetzen. 1209. Wenn einer der Schuldner der einzige Erbe des Glaͤu⸗ bigers wird, oder wenn der Glaͤubiger der einzige Erbe des einen der Schuldner wird, ſo löſcht dieſe Zuſammenſchmelzung die gemeinſchaftlich verbuͤrgte Schuldfoderung nur fuͤr den auf den Schuldner oder Glaͤubiger fallenden Antheil aus. ra1o. Der Glaͤubiger, welcher zugibt, daß die Schuld in Ruͤckſicht eines der Mitſchuldner getheilt wird, erhaͤlt ſeine ſolidariſche Rechtsklage gegen die andern, allein nachdem vorher der Tbeil des Schuldners abgezogen worden, wel⸗ chen er von der gemeinſchaftlichen Verbindung freigeſpro⸗ chen hat. 1211. Der Gläubiger, welcher den Antheil des einen der — 206— Ritſchuldner von den andern Sbeilen getrennt in Empfang nimmt, obne daß er in der Quittung ſich die ſolidariſche Verpflichtung oder ſeine Rechte uͤberhaupt vorbehaͤlt, thut nur in Hinſicht dieſes Schuldners auf die ſolidariſche Ver⸗ pflichtung Verzicht⸗ Der Glaͤnbiger wird nicht angeſehen, als laſſe er dem Schuld⸗ ner, wenn er von ihm eine Summe empfaͤntt, welche dem Antheil gleich kömmt, den er ſchuldig iſt, die ſolidariſche Verpflichtung nach, es ſei denn, die Quittung beſage, daß es fur ſeinen Antheil iſt. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit der einfachen Klage, welche wider einen der Ritſchuldner für den ihm zukommenden Antheil gefuͤhrt worden, wenn dieſer die Richtigkeit der Klage nicht eingeſtanden hat, oder kein Urtheil, welches ihn darzu verurtheilt, gefällt worden iſt. 212. Der Gläubiger, welcher abgeſondert und ohne Vor⸗ behalt den Antbeil des einen der Mitſchuldner, die Ruͤck⸗ ſtände oder Zinſe der Schuld annimmt, verliert die ſolidari⸗ ſche Verpflichtung nur fuͤr die verfallenen Ruͤckſtaͤnde oder Zinſe, nicht aber fur jene, welche noch verfallen werden; noch nicht fuͤr das Kapital, es ſei denn, daß die Theilungs⸗ weiße gemachte Zablung während zehn ununterbrochenen Jah⸗ ren waͤre fortgeſetzt worden. 1213. Die unter ſolidariſcher Verpflichtung gegen den Glaͤubiger eingegangene Verbindlichkeit vertheilt ſich von rechts⸗ wegen unter den Schuldnern, die unter ſich jeder nur fur ſei⸗ nen ihm zugefallenen Theil und Schuldantheil verpflichtet ſind. 1a14. Der Mitſchuldner einer ſolidaͤriſchen Schuld, welcher ſie ganz abgetragen hat, kann an die andern nur den Theil und Schuldantbeil anſprechen, den jeder von ibnen ſchuldig iſt. Wenn einer von ihnen ſich zablungsunfäͤhig ſindet, ſo wird der durch die Zahlungsunfaͤbigkeit verurſachte Verluſt zwi⸗ ſchen alle andere zahlungsfäbige Mitſchuldner und jenen, der die Zahlung geleiſtet hat, jeden fuͤr ſeinen Beitrag vertheilt. 1215. In dem Falle, wo der Glaͤubiger zum Vortheil ei⸗ nes der Schuldner auf die ſolidariſche Rechtsklage verzichtet, und einer oder mebrere der andern Mitſchuldner zahlungsun⸗ fäbig werden, ſo wird der Antheil der Zahlungsunfaͤhigen un⸗ ter alle Mitſchuldner, jeden fur ſeinen Antheil, und ſogar auch unter denjenigen, die ſchon vorher von dem Glaͤubiger von ih⸗ rer ſolidariſchen Verpflichtung entladen worden, vertheilt. 1216. Wenn die Angelegenheit, wegen welcher die Schuld unter ſolidariſcher Verbindung gemacht worden, nur einen der ſolidariſch Mitverbundenen betrifft, ſo iſt dieſer fuͤr die ganze Schuld gegen ſeine Mitſchuldner verpflichtet, welche letztere in Hinſicht auf ihn bloß als ſeine Buͤrgen angeſehen werden. Fuͤnfter Abſchnitt. Von den theilbaren und untheilbaren Verpfichtungen. 1217. Die Verbindlichkeit iſt theilbar oder untheilbar, je nachdem ſie eine Sache zum Gegenſtande hat, welche in ihrer Ablieferung, oder eine Thatſache, welche in ihrer Ausfuͤh⸗ rung einer wirklichen oder eingebildeten Theilung empfaͤng⸗ lich oder nicht empfaͤnglich iſt. 1218. Die Verbindlichkeit iſt untheilbar, obgleich die Sache oder Thatſache, welche der Gegenſtand davon iſt, ihrer Natur nach theilbar iſt, wenn das Verhäͤltniß, unter welchem ſie in der Verbindlichkeit betrachtet worden, ſie einer ſolchen Thei⸗ lung nicht empfaͤnglich macht. 1219. Die ausbedungene ſolidariſche Verpflichtung gibt der Verbindlichkeit die Eigenſchaft der Untheilbarkeit nicht. Erſter Paragraph. Von den Wirkungen der theilbaren Verbindlichkeit. 1azo. Die Verbindlichkeit, welche einer Theilung empfaͤng⸗ lich iſt, muß zwiſchen dem Glaͤubiger und dem Schuldner voll⸗ zogen werden, als wenn ſie untheilbar waͤre. Die Theilbar⸗ keit iſt nur in Hinſicht auf ihre Erben anwendbar, und dieſe konnen die Schuld nicht einfordern oder ſind nicht verpflich⸗ tet, ſie zu entrichten als fuͤr den ihnen zukommenden Antheil, oder worzu ſie als Stellvertreter des Glaͤubigers oder des Schuldners verbunden ſind. 1221. Der in dem vorhergehenden Artikel aufgeſtellte Grund⸗ ſatz leidet in Hinſicht der Erben des Schuldners eine Ausnahme — In dem Falle, wo fuͤr die Schuld eine Hypotheke aftet; atens. Wenn eine gewiſſe Sache(Korpus) in ihrer Hin⸗ ſicht ausgeliefert werden muß; ztens. Wenn von einer Schuld die Rede iſt, wobei der Glaͤubiger die Wahl unter Dingen hat, wovon das eine un⸗ theilbar iſt; 4tens Wenn einer der Erben allein vermoͤge der urkunde mit der Vollziehung der Verbindlichkeit beauftragt iß; ————— — 208— Stens. Wenn entweder aus der Natur der Verpflichtung, oder aus der Sache, welcher der Gegenſtand davon iſt, oder aus dem Zwecke, welchen man ſich bei dem Vertrage vorge⸗ ſteckt hat, erhellet, daß die Willensmeinung der Vertrag⸗ ſchließenden war, daß die Schuld nicht tbeilweiße abgetragen werden kann. In den drei erſten Fällen kann der Erbe, der die ſchuldige Sache oder das Grundſtuͤck, welches der Schuld zum Pfand dient, beſitzt, fur die ganze ſchuldige Sache oder auf das verpfaͤndete Grundſtuͤck, vorbehaltlich ſeines Regreſſes an ſeine Miterben verfolgt werden. In dem viertern Falle kann der alleinige mit der Schuld belaſtete Erbe, und in dem funften kann auch jeder Erbe fuͤr das Ganze vorbehaltlich ſei⸗ nes Regreſſes auf ſeine Miterben verfolgt werden. Zweiter Paragrapb. Von den Wirkungen der untheilbaren Verbindlichkeit. a. Ein jeder von denen, welche mit einander eine untheil⸗ vare Schuld gemacht haben, il für das ganze verbindlich, wenn auch die Verbindlichkeit nicht ſolidariſch eingegangen worden. 1a23. Eben ſo verbaͤlt es ſich mit den Erben desienigen, welcher eine ſolche Verbindlichkeit uͤbernommen hat. 1224. Jeder Erbe des Glaubigers kann die Vollziehung der untheilbaren Verbindlichkeit im Ganzen begehren. Er allein kann die Schuld im Ganzen nicht erlaſſen; er allein kann den Preiß der Sache ſtatt der Sache ſelbſt nicht annehmen. Wenn einer von den Erben die Schuld allein er⸗ laſſen oder den Werth ſtatt der Sache angenommen hat, ſo kann ſein Miterbe die untheilbare Sache nicht anders begehren, als daß er den Schuldantbeil des Miterben, welcher die Schuld erlaſſen oder den Preiß der Sache empfangen hat, verguͤte. 1a25. Der Erbe des fuͤr das Ganze der Verbindlichkeit vor⸗ geladenen Schuldners kann eine Zeitfriſt begehren, um ſeine Riterben ebenfalls in den Rechtsſtreit zu bringenz es ſei denn, die Schuld ſei von der Art, daß ſie nur von dem vorgeladenen Erben entrichtet werden koͤnne. Dieſer kann alsdann allein ver⸗ urtheilt werden, vorbehaltlich ſeines Regreſſes und Schadlos⸗ haltung gegen ſeine Miterben. Sechster Abſchnitt.⸗ Von den Verbindlichkeiten mit Klauſeln, die eine Strafe bedingen.(pénales) 1a26. Die eine Strafe bedingende Klauſel iſt jene, durch — 209— welche ſich eine Perſon zur Sicherſtellung der Vollziehung einer eingegangenen Verbindlichkeit im Falle der Nichtvollzie⸗ bung zu etwas anheiſchig macht. 12a7. Die Nichtigkeit der Hauptverbindlichkeit zieht die Nichtigkeit der eine Strafe bedingenden Klauſel nach ſich. Die Nichtigkeit der Strafeklauſel zieht aber nicht die Nich⸗ tigkeit der Hauptverbindlichkeit nach ſich. 1azs. Der Glaͤubiger kann, ſtatt die gegen den ſaumſeligen Schuldner bedungene Strafe zu begehren die Vollziehung der Hauptverbindlichkeit betreiben. 1aag. Die Strafeklauſel iſt die Vergeltung des Schadens und der Zinſe, welche der Glaͤubiger durch die Nichtvollzie⸗ bung der Hauptverbindlichkeit leidet: Er kann nicht zu gleicher Zeit die Vollziehung der Haupt⸗ verbindlichkeit und der Strafe fordern, es ſei denn, dieſelbe ſei fuͤr die bloße Verzoͤgerung ausbedungen worden. 1a30. Die urſpruͤngliche Verpflichtung mag nun eine Zeit⸗ friſt, innerhalb welcher ſie vollzogen werden muß, enthalten oder nicht enthalten, ſo iſt die Strafe nur dann verwirkt, wenn derjenige, welcher ſich entweder zu liefern, oder zu nehmen oder zu thun verbunden hat, in Saͤumniß iſt. 1231. Die Strafe kann durch den Richter gemildert wer⸗ den, wenn die Hauptverbindlichkeit zum Theil erfuͤllt worden iſt. 1232. Wenn die urſpruͤngliche Verbindlichkeit, welche mit einer Straſeklauſel uͤbernommen worden, eine untheilbare Sache zum Gegenſtande hat, ſo iſt die Strafe durch die Zu⸗ widerhandlung auch nur eines der Erben des Schuldners ver⸗ wirkt, und ſie kann entweder im Ganzen gegen denjenigen, welcher die Uebereinkunft abgeſchloſſen hat, oder gegen jeden der Miterben fuͤr ihren Theil und Schuldantheil und hypo⸗ thekariſch fuͤr das Ganze begehrt werden, vorbchaltlich ibres Regreſſes gegen denjenigen, welcher die Strafe verwirken machte. 1233. Wenn die Verbindlichkeit, welche unter einer Strafe uͤberommen worden, theilbar iſt, ſo hat nur jener der Erben des Schuldners die Strafe verwirkt, welcher der Verbindlich⸗ keit zuwider handelt, und nur fuͤr den Antheil, fuͤr den er ſich in der Hauprverbindlichkeit anheiſchig gemacht hat, obne daß eine Rechtsklage gegen dieienigen, welche ſie vollzogen haben, ſtatt haben koͤnne⸗ Dieſe Regel leidet eine Ausnahme, wenn, da die Strafe⸗ klauſel in der Abſicht beigefuͤgt worden, daß die Zablung nicht D — 210— theilweiſe geſchehen könne, ein Riterbe die Vollziehung der Verpflichtung fur das Ganze verhindert hat. In dieſem Falle kann die ganze Strafe wider ihn, und wider die andern Mit⸗ erben nur fuͤr ihren Schuldtheil allein vorbehaltlich ihres Regreſſes begebrt werden. Fuͤnftes Kapitel. Von der Erloſchung der Verpflichtungen⸗ 1234. Die Verpflichtungen erloſchen Durch die Bezahlung, Durch die Erneuerung(Novazion), Durch den freiwilligen Erlaß, Durch die Kompenſazion, Durch die Vereinigung der Cigenſchaften des Glaͤubigers und Schuldners in einer Perſon(confusion), Durch den Verluſt der Sache, Durch die Unaultigkeit oder gerichtliche Aufhebung, Durch die Wirkung der aufloͤſenden Bedingung, welche in dem vorhergehenden Kapitel erklaͤrt worden, Und durch die Verjährung, welche den Gegenſtand eines beſondern Kapitels ausmachen wird. Erſter Abſchnitt⸗ Von der Bezahlun g⸗ Erſter Paragrapb⸗ Von der Bezahlung uͤberhaupt. 1235. Jede Bezahlung ſetzt eine Schuld voraus. Was man vezahlt hat, ohne es ſchuldig zu ſein, kann zuruͤckgefordert werden. Die Ruͤckforderung kann in Hinſicht der natuͤrlichen freiwil⸗ lig abgetragenen Verbindlichkeiten nicht angenommen werden. 1236. Eine Verbindlichkeit kann von jeder Perſon, welche dabei betheiligt iſt, wie zum Beiſpiele von einem Mitverbun⸗ denen oder Buͤrgen abgetragen werden. Die Verbindlichkeit kann ſogar von einem Drittern, wel⸗ cher nicht dabei betheiligt iſt, abg tragen werben, wenn an⸗ ders dieſer Drittere in dem Namen und zur Zablungsentrich⸗ tung des Schuldners handelt; oder wenn er in ſeinem eige⸗ nen Namen bandelt, er nicht in die Rechte des Glaͤubigers ein⸗ geſetzt worden. 1237. Die Verbindlichkeit zu thun kann durch einen Drit⸗ — 21I— tern wider den Willen des Gläubigers, wenn dieſer Letztere ein Intereſſe dabei hat, daß dieſelbe durch den Schuldner ſelbſt erfullt werde, nicht vollzogen werden. 1a38. Um guͤltig zu bezahlen muß man Eigenthuͤmer der Sache ſein, die man an Bezahlung gibt und die Fäbigkeit haben zu veraͤußern. Nichtsdeſtoweniger kann die Bezahlung einer Summe in Geld oder einer andern Sache, welche durch den Gebrauch aufgezehrt wird, gegen den Glaͤubiger, welcher dieſelbe mit Redlichkeit aufgezehrt hat, ohnerachtet die Bezahlung dafuͤr von demienigen geleiſtet worden, welcher nicht Eigenthuͤmer davon war, oder welcher nicht faͤhig war zu veraͤußern, nicht zuruͤckgefordert werden. 1239. Die Bezahlung muß dem Glaͤubiger oder jemanden, der von ihm mit Vollmacht verſehen worden, oder dem, wel⸗ cher von gerichtswegen oder durch das Geſetz ermaͤchtiget wor⸗ den, fuͤr ibn einzunehmen, entrichtet werden. Die Bezahlung, welche demjenigen entrichtet worden, der keine Vollmacht hatte, fuͤr den Gläubiger einzunehmen, iſt gultig, wenn Letzterer ſie gutheißt oder Nutzen davon bezogen hat. 140. Die Bezahlung, welche redlicher Weiſe an denienigen entrichtet worden, der in dem Beſitz des Schuldtiters iſt, iſt guͤltig, wenn auch der Beſitzer in der Folge aus dem Beſitz gewieſen worden. 1a41. Die dem Glaͤubiger entrichtete Bezahlung iſt nichtig, wenn er unfaͤhig war zu empfangen; es ſei denn, der Schuld, ner beweiſe, daß die bezahlte Sache zum Nutzen des Glaͤu⸗ bigers verwendet worden ſei. 1242. Die von dem Schuldner ſeinem Glaͤubiger zum Nach⸗ theil eines Arreſts oder einer Oppoſizion gemachte Bezahlung iſt in Hinſicht der in Beſchlag nehmenden oder Einwand machenden Glaubiger nicht gultig. Sie konnen vermoͤge ihres Rechtes ihn gerichtlich zwingen, nochmal zu bezahlen, vorbe⸗ baltlich, jedoch in dieſem Falle allein, ſeines Regreſſes gegen den Glaͤubiger. 1243. Der Gläubiger kann nicht gezwungen werden, eine andere Sache für die, welche man ihm ſchuldig iſt, anzuneh⸗ men, wenn auch gleich der Werth der angebothenen Sache ienem der ſchuldigen Sache gleich oder noch hoͤher iſt. 1a44. Der Schuldner kann den Gläubiger nicht zwingen, O 3 — 3— die Bezahlung einer ſelbſt tbeilbaren Schuld theilweiſe an⸗ zunehmen⸗ 1 Jedoch koͤnnen die Richter in Erwaͤgung der Lage des Schuld⸗ ners, und, indem ſie ſich dieſes Rechtes mit der groͤßten Be⸗ hutſamkeit bedienen, gemaͤßiate Zablungsfriſten geſtatten, und die Vollziehung der gerichtlichen Verfolgungen fuͤr einige Zeit verſchieben, doch ſo, daß alles in ſeinem Zuſtande ver⸗ bleibt. 1245. Der Schuldner eines gewiſſen und beſtimmten Ge⸗ genſtandes iſt durch die Uebergabe der Sache in dem Zuſtan⸗ de, in welchem ſie ſich bei der Ueberlieferung befindet, ent⸗ laden, wenn anders das, was an derſelben verſchlimmert wor⸗ den, nicht durch ſein eigenes Zuthun oder ſein Verſchulden oder jenes der Perſonen, fuͤr welche er verantwortlich iſt, ge⸗ ſchah, oder wenn er vor dieſen Beſchaͤdigungen nicht in Säum⸗ niß war. 1246. Wenn die Schuld eine Sache betrift, welche nicht nach ihrer Art beſtimmt iſt, ſo ſoll der Schuldner nicht ge⸗ halten ſein, von der beſten Art zu geben, um entledigt zu werden; doch kann er auch nicht von der ſchlechteſten anbiethen. 1247. Die Zablung muß an dem in der uebereinkunft be⸗ ſtimmten Orte entrichtet werden⸗ Iſt dieſer Ort nicht be⸗ ſtimmt, ſo muß die Bezahlung, wenn von einem gewiſſen und beſtimmten Gegenſtande die Rede iſt, an dem Orte ent⸗ richtet werden, wo zur Zeit der eingegangenen Verbindlich⸗ keit die Sache, welche der Gegenſtand davon iſt, ſich befand. Außer dieſen beiden Faͤllen muß die Bezahlung in dem Wobnſitze des Schuldners entrichtet werden. 1248. Die Köſten der Bezahlung liegen dem Schuldner zur Laſt. Zweiter Paragrapb.⸗ Von der Bezahlung mit Einſetzung in die Rechte des Andern(Gubrogation). 1249. Die Einſetzung in die Rechte des Glaͤubigers zum Vortheil einer drittern Perſon, welche ihn bezahlt, iſt ent⸗ weder durch nebereinkunft bedungen oder geſetzlich. 1280. Dieſe Einſetzung in die Rechte des Glaͤubigers iſt durch Uebereinkunft bedungen tens. Wenn der Glaͤubiger, welcher ſeine Bezahlung von einer drittern Perſon erhält, dieſelbige in ſeine Rechte, Rechts⸗ klagen, Privilegien oder Hypotheken gegen den Schuldner m ſ⸗ iſ 6n ⸗ r — 213— einſetzt. Dieſe Einſetzung muß ausdruͤcklich und zur naͤmli⸗ chen Zeit geſchehen, als die Zahlung entrichtet wird. atens. Wenn der Schuldner eine Summe in der Abſicht lehnt, ſeine Schuld zu bezahlen und den Darleiber in die Rechte des Gläubigers einſetzt. Damit dieſe Einſetzung guͤl⸗ tig ſei, muß die Leibungsurkunde und die Quittung vor dem Notarius aufgeſetzt werden; in der Leibungsurkunde muß er⸗ klärt werden, daß die Summe geliehen worden iſt, um die Bezahlung zu leiſten; und in der Quittung muß erklaͤrt wer⸗ den, daß die Bezahlung von den zu dieſer Abſicht von dem neuen Glaͤubiger geſchoſſenen Geldern beſtritten worden. Dieſe Einſetzung geſchieht ohne den Willensbeitrit des Glaͤu⸗ bigers. 1251. Die Einſetzung in die Rechte des Gläubigers geſchieht von rechtswegen tens. Zum Vortheil desjenigen, der, indem er ſelbſt Glaͤu⸗ biger iſt, einen andern Glaͤubiger, welcher wegen ſeinen Pri⸗ vilegien oder Hopotbeken den Vorzug vor ihm hat, bezahlt. atens. Zum Vortheil des Erwerbers eines unbeweglichen Guts, welcher den Preis ſeiner gemachten Erwerbung zur Bezablung der Glaͤubiger, welchen dieſes Gut verpfuͤndet war, verwendet. ztens. Zum Vortheil desjenigen, welcher mit Andern oder für Andere zur Bezahlung einer Schuld verpflichtet war, ei⸗ nen Vortheil dabei fand, ſie abzutragen. atens. Zum Vortheil des Erben unter der Rechtswohlthat des Inventariums, welcher die auf der Verlaſſenſchaft haf⸗ tenden Schulden mit ſeinem Gelde abträgt. 1252. Die durch die vorbergehenden Artikel berechtigten Einſetzungen in die Rechte des Gläubigers haben ſowohl ge⸗ gen die Buͤrgen als gegen die Schuldner ſtatt; ſie kann dem Glaubiger, wenn er nur zum Theil bezahlt worden, nicht nachtheilig ſein; in dieſem Falle kann er ſeine Rechte fur das, was man ihm noch ſchuldig iſt, vorzugsweiſe vor demjenigen, dem er nur eine theilweiſe Bezahlung erhalten hat, aus⸗ uben. Drittter Paragraph. Von der Abrechnung der Bezahlungen. 1263. Der Schuldner von mehreren Schulden hat das Recht bei der Bezablung zu erklären, welche Schuld er abzutragen geſinnt iſt. — 214— 1254. Der Schuldner einer Schuld, welche Zinſe traͤgt oder Ruͤckſtaͤnde bringt, kann ohne die Einwilligung des Glaͤu⸗ bigers die Zahlung, welche er auf die Hauptſumme vorzugs⸗ weiſe vor den Ruͤckſtaͤnden oder Zinſen macht, nicht abrechnen. Die auf die Hauptſumme und Zinſe gemachte Bezahlung⸗ wenn ſie nicht der einen oder den andern gleich kömmt, wird zuerſt von den Zinſen abgerechnet. 1265. Wenn der Schuldner verſchiedener Schulden eine Quitrung angenommen bat, durch welche der Glaͤubiger das, was er empfangen hat, auf eine dieſer beſondern Schulden abrechnete, ſo kann der Schuldner die Abrechnung auf eine von dieſer verſchiedenen Schuld nicht mehr begehren, es muͤßte denn von Seiten des Glaͤubigers Betrug oder Ueberraſchung ſtatt finden. 1256. Wenn die Quittung von gar keiner Abrechnung ſpricht, ſo muß die Bezahlung auf jene Schuld abgerechnet werden, bei deren Entrichtung vor denienigen, die ebenfalls verfallen ſind, der Schuldner den meiſten Vortheil hat; und wenn dies nicht iſt, auf die verfallene Schuld, ob ſie gleich weni⸗ ger laͤſtig iſt als diejenigen, welche es nicht ſind. Wenn die Schulden von gleicher Beſchaffenheit ſind, ſo geſchieht die Abrechnung auf die aͤlteſte; wenn ſie ſich durch⸗ aus aͤhnlich befinden, ſo geſchieht die Abrechnung verhaͤltniß⸗ muͤßig. Vierter Paragraph. Von den Zahlungsanerbiethungen und den Hinter⸗ legungen(consignations). 1257. Wenn der Gläubiger ſich weigert, ſeine Bezahlung anzunehmen, ſo kann ihm der Schuldner gerichrliche Anerbie⸗ tung machen, und bei fernerer Weigerung, auch dieſe anzu⸗ nehmen, die angebothene Summe oder Sache hinterlegen. Die gerichtlichen Anerbiethungen⸗ auf welche die Hinterle⸗ dung folgt, entladen den Schuldner, wenn ſie gultiger Weiſe geſchehen ſind; und die ſo hinterlegte Sache ſteht auf Gefahr des Glaͤubigers. 1253. Damit die gerichtlichen Anerbiethungen guͤltis ſeien, ſo muͤſſen ſie 6 tens. Dem Glaubiger, der fäͤhig iſt, ſie zu empfangen, oder demjenigen, der Vollmacht bat, ſie zu empfangen, ge⸗ ſchehen; atens. Sie muͤſſen durch eine Perſon geſchehen, die im Stan⸗ de iſt, zu bezahlen; ztens. Sie muͤſſen ſich uͤber das Ganze der Summe, die man zu fordern hat, uͤber die ſchuldigen Ruͤckſtaͤnde oder Zinſe, uͤber die ausgemachten Koͤſten und eine Summe fuͤr die noch nicht ausgemachte mit Vorbehalt, dieſe Summe vollſtaͤndig zu machen, erſtrecken; atens. Die Zahlungsfriſt muß verfallen ſein, wenn dieſelbe zu Gunſten des Glaͤubigers ausbedungen worden; 5tens. Die Bedingung, unter welcher die Schuld gemacht worden, muß eingetroffen ſein; 6tens. Die Anerbiethungen muͤſſen an dem Hrte, den man uͤbereinkunftsweiſe fur die Bezahlungsentrichtung beſtimmt hat, geſchehen ſein, und, wenn keine beſondere Uebereinkunft uͤber den Ort, wo die Vezahlung entrichtet werden muß, vorhan⸗ den iſt, muͤſſen ſie entweder der Perſon des Gläubigers oder in deſſen Wohnort, oder in dem zur Vollziehung der Ueber⸗ einkunft gewaͤhlten Wohnorte gemacht worden ſein. 7tens. Dieſe Anerbiethungen muͤſſen durch einen zu ſolchen Verrichtungen aufgeſtellten und mit der Befugniß fuͤr der⸗ gleichen Arten gerichtlicher Handlungen bekleideten Beamten (officier ministériel) geſchehen ſein. 1259. Damit die Hinterlegung guͤltig ſei, iſt es nicht no⸗ noͤthig, daß der Richter dazu ermaͤchtige; es iſt hinreichend itens. Daß ihr eine gerichtliche Auffoderung vorbergehe, die dem Glaͤubiger gehoͤrig inſinuirt worden und welche den Tag, die Stunde und den Hrt angibt, wo die angebothene Sache werde hinterlegt werden; atens. Daß der Schuldner die angebothene Sache aus ſei⸗ nen Haͤnden gebe, indem er ſie in dem Niederlagsorte, den das Geſetz zum Empfang der Hinterlegungen mit den Zinſen bis auf den Tas der Niederlegung beſtimmt hat, abgibt. ztens. Daß ein Verbalprozeß von dem miniſteriellen Beam⸗ ten uͤber die Natur der angebothenen Geldſorten, uͤber die Weigerung, welche der Glaͤubiger macht, ſie anzunehmen oder uber deſſen Nichterſcheinung, und endlich von der Hinterle⸗ gung errichtet werde. atens. Daß in dem Falle der Nichterſcheinung von Seiten des Glaͤubigers der Verbalprozeß der Hinterlegung ihm ge⸗ richtlich inſinuirt werde, mit der Aufforderung die hinterlegte Sache an ſich zu ziehen. — 216— 1260. Die Koſten der gerichtlichen Anerbiethungen und der fallen, wenn ſie guͤltig ſind, dem Glaͤubiger zu aſt. 1a6r. So lange die Hinterlegung von dem Glaͤubiger nicht angenommen worden, kann der Schuldner ſie zuruckziebens und wenn er ſie zuruͤck zieht, ſind ſeine Mitglaͤubiger oder Buͤrgen nicht entladen. 1262. Wenn der Schuldner ſelbſt ein rechtskraͤftig gewor⸗ denes urtheil erhalten hat, welches ſeine Anerbiethungen und Hinterlegung als gut und gultig auerkennt, ſo kanner, ſelbſt mit Einwilligung des Glaͤubigers ſeine Hinterlegung zum Nachtheil ſeiner Mitſchuldigen und Buͤrgen nicht wieder zu⸗ ruͤck nehmen. 1263. Der Glaͤubiger, welcher eingewilligt hat, daß der Schuldner ſeine Hinterlegung, nachdem ſolche durch ein rechts⸗ kraͤftig gewordenes urtheil als guͤltig anerkannt worden, zu⸗ ruͤcknehme, kann, um ſeine Schuldforderung zahlbar zu ma⸗ chen, die Prlvilegien oder Hypotheken, welche darauf ver⸗ haftet waren, nicht mehr geltend machen; er hat keine Hy⸗ potheke mehr als von dem Tage, wo die Urkunde, durch welche er in Zuruͤcknahme der Hinterlegung gewilligt hat, mit den erforderlichen Formen bekleidet worden, um das Pfand⸗ recht zu erhalten⸗ 1264. Wenn die Sache, welche man ſchuldig iſt, ein ge⸗ wiſſer vollkommen beſtimmter Gegenſtand iſt, welcher an dem Ort, wo er ſich befindet, ausgeliefert werden muß, ſo muß der Schuldner ſeinen Glaͤubiger durch einen gerichtlichen ent⸗ weder ſeiner Perſon oder in ſeinem Wohnſitze oder in dem zur Vollziehung der Uebereinkunft beſtimmten Wohnſitze ſigniſizirten Akt auffodern, dieſelbe hinweg zu nehmen. Wenn nach dieſer gemachten Auffoderung der Glaͤubiger die Sache nicht an ſich zieht und der Schuldner den Platz nothig hat, auf welchem ſie ſich vorſindet, ſo kann Letzterer die richterli⸗ che Erlaubniß erhalten, dieſelbe an irgend einem andern Orte in Verwahrung zu hinterlegen. Fuͤnfter Paragraph. Von der Abtretung der Guͤter. 1265. Die Abtretung der Guͤter geſchieht, wenn der Schuld⸗ ner alle ſeine Guͤter ſeinen Gläubigern uͤberlaͤht, wenn er ſich außer Stande ſndet⸗ ſeine Schulden zu bezabhlen ⸗ — 217— 1266. Die Abtretung der Guͤter iſt entweder freiwillig oder gerichtlich. 1267. Die freiwillige Abtretung der Guͤter iſt jene, welche die Glaͤubiger freiwillig annehmen, und welche keine andere Wirkung bat als jene, welche ſelbſt aus den feſtgeſetzten Be⸗ dingungen des Vertrags, der zwiſchen ihnen und dem Schuld⸗ ner getroffen worden, entſpringt. 163. Die gerichtliche Abtretung iſt eine Wohlthat, welche das Geſetz dem unglucklichen und redlichen Schuldner zuge⸗ ſtebt, dem es erlaubt iſt, um die Freiheit ſeiner Perſon zu haben, vor Gericht die Abtretung aller ſeiner Guͤter an ſeine Glaͤubiger zu machen, ohne daß jede andere Ausbedingung ihn daran hindern koͤnne. 1269. Die gerichtliche Abtretung uͤbergibt den Glaͤubigern das Eigentbum nicht, ſie gibt ihnen nur das Recht, die Guͤ⸗ ter zu ibrem Vortheile zu verkaufen und bis zu dem Ver⸗ kaufe den Ertrag davon zu bezieben. 1270. Die Glaͤubiger können die gerichtliche Abtretung nicht ablehnen, es ſei denn in den durch das Geſetz ausgenomme⸗ nen Faͤllen. Sie bewirkt die Befreiung von der körverlichen Haft. Uebrigens entladet ſie den Schuldner nur bis auf den Be⸗ lauf des Werth ſeiner abgegebenen Guͤter, und wenn ſie ſoll⸗ ten unzureichend ſein, und ihm noch andere zukommen, ſo iſt er gehalten, auch dieſe bis zur vollſtändig ausgelieferten Zah⸗ lung abzutreten. zweiter Abſchnitt. Von der Erneuerung(Novation). 1271. Die Erneuerung geſchiebt auf drei Arten: itens. Wenn der Schuldner gegen ſeinen Gläubiger eine neue Schuld macht, welche in den Platz der alten nunmehr aufgehobenen trit. tens. Wenn ein neuer Schuldner an die Stelle des alten trit, welcher letztere von dem Glaͤubiger entladen wird. ztens. Wenn durch die Wirkung einer neuen Verpflichtung ein neuer Gläubiger in die Stelle des Alten trit, gegen wel⸗ chen der Schuldner ſich entladen findet. 127a. Die Erneuerung kann nur zwiſchen Perſonen, die fä⸗ big ſind, Vertrage abzuſchließen, ſatt haben. r7z. Die Erneuerung wird nicht vermuthet; der Wille ſie zu bewirken muß klar aus der Urkunde hervorleuchten⸗ 1274. Die Erneuerung durch Einſetzung eines neuen Schuld⸗ ners fann ohne das Zuthun des erſten Schuldners bewirkt werden⸗ rayʒ. Die Anweiſung, durch welche ein Schuldner dem Gläubiger einen andern Schuldner gibt, der ſich gegen den Glaͤubiger verpflichtet, bewirkt keine Erneuerung, wenn der Glaubiger nicht ausdrucklich erklärt hat, daß es ſeine Mei⸗ nung ſei, den Schuldner, welcher die Anweiſung gemacht har, zu entladen. 1276. Der Glaͤubiger, welcher den Schuldner, durch wel⸗ chen die Anweiſung gemacht worden, entladet, hat keinen Re⸗ greß gegen dieſen Schuldner, wenn der Angewieſene zahlungs⸗ unfaͤhig wird, es ſei denn, die Urkunde enthalte einen ausdruͤck⸗ lichen Vorbehalt daruͤber, oder der Angewieſene habe ſchon einen offenbaren Bankerutt gemacht oder befinde ſich in dem Augenblicke der Anweiſung in gaͤnzlichem Verderben. 1ay7. Die von dem Schuldner gemachte einfache Anzeigung der Perſon, welche ſtatt ſeiner bezahlen ſoll, bewirkt keine Erneuerung. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit der einfachen von dem Glaͤubiger gemachten Anzeige der Perſon, welche fuͤr ihn empfangen ſoll. 1273. Die Privilegien und Hypotheken des alten Schuld⸗ titers gehn nicht auf jenen uͤber, der an ſeine Stelle gekom⸗ men, es ſei denn, der Glaͤubiger habe ſolches ausdruͤcklich vorbehalten. 1279. Wenn die Erneuerung durch Unterſetzung eines neuen Schuldners bewirkt wird, ſo können die urſpruͤnglichen Privi⸗ legien und Hyvotheken des alten Schuldtiters nicht auf die Guͤter desjenigen, welcher die neue Schuld gemacht hat, uͤbergehen. 1aso. Wenn die Erneuerung zwiſchen dem Glaͤubiger und einem der ſolidariſchen Schuldner zu Stande köͤmmt, ſo koͤn⸗ nen die Privilegien und Hypotheken des alten Schuldtiters nur auf die Guͤter desjenigen vorbehalten werden, welcher die neue Schuld gemacht hat. 1231. Durch die zwiſchen dem Glaͤubiger und einem der ſo⸗ lidariſchen Schuldner gemachte Erneuerung ſind die Mitſchuld⸗ ner entlaſtet. Die in Hinſicht des Hauptſchuldners bewirkte Erneuerung entlaſtet die Buͤrgen⸗ — 219— Wenn dem ungeachtet der Glaͤubiger in dem erſten Falle den Beitrit der Mitſchuldner, oder in dem zweitern Falle jenen der Buͤrgen gefordert hat, ſo beſteht die alte Schuldfo⸗ derung, wenn die Mitſchuldner und Buͤrgen ſich weigern, einer neuern Anordnung beizutreten. Dritter Abſchnitt. Von der Erlaſſung der Schuld. 182. Die von dem Glaͤubiger an dem Schuldner freiwil⸗ lig vernichtete Ruͤckgabe des urſchriftlichen Schuldtiters unter Privatunterſchrift iſt ein Beweiß der Entladung. 1283. Die freiwillige Zuruͤckgabe der rechtskräftigen Haupt⸗ ausfertigung des Schuldtiters laͤßt den Nachlaß der Schuld oder derſelben Bezahlung vorhehaltlich des Beweißes vom Gegen⸗ theil vermuthen. 1284. Die Zuruͤckgabe des Driginalſchuldtiters unter Pri⸗ vatunterſchrift oder der rechtskräftigen Hauptausſertigung deſ⸗ ſelben an einen der ſolidariſchen Schuldner hat die naͤmliche Wirkung zum Vortheil ſeiner Mitſchuldner. rass. Die durch Uebereinkunft bedungene(conventionelle) Zuruͤckgabe oder Entladung zum Vortheil des einen der Mit⸗ ſchuldner entladet alle andere, es ſei denn, der Glaͤubiger habe ſich ſeine Rechte gegen dieſe letztere ausdruͤcklich vorbehalten. In dieſem letztern Falle kann er die Schuld bloß nach Abzug des Antheils desienigen, dem der Nachlaß zugeſtanden wor⸗ den, zuruckfordern. 1286. Die Zuruͤckgabe des zur Sicherheit uͤbergebenen Unter⸗ pfandes iſt nicht binreichend, um den Nachlaß der Schuld vermuthen zu laſſen. 1287. Die durch Uebereinkunft bedungene Nachlaſſung oder Entladung, welche dem Hauptſchuldner zugeſtanden worden, entladet die Buͤrgen. Die den Buͤrgen zugeſtandene Nachlaſſung oder Entladung entladet den Hauptſchuldner nicht. Die einem der Buͤrgen zugeſtandene Nachlaſſung oder Ent⸗ ladung entladet die andern Buͤrgen nicht. 1288. Das, was der Glaͤubiger von einem der Buͤrgen zur Entladung ſeiner Buͤrgſchaft empfangen hat, muß auf die Schuld abgerechnet und zur Entladung des Hauptſchuldners und der uͤbrigen Buͤrgen angeſchrieben werden. — 220— Vierter Abſchnitt. Von der Aufhebung(compensation). 1289. Wenn zwei Perſonen einander ſchuldig ſind, ſo trit zwiſchen ihnen eine Aufhebung ein, welche die beiden Schul⸗ den tilat, ſo wie es in den unten aufgeſtellten Faͤllen erklaͤrt iſt. 1290. Die Aufhebung trit von Rechtswegen durch die allei⸗ nige Machr des Geſetzes und ſogar ohne Vorwiſſen der Schuld⸗ ner ein. Die beiden Schulden erloͤſchen gegenſeitig bis zu dem Belaufe ihres jederſeitigen Betrags in dem Augenblicke, wo ſich ihr gleichzeitiges Daſein vorfindet. 1291⸗ Die Aufhebung hat nur zwiſchen zwei Summen ſtatt, welche gleichermaßen eine Summe Geldes oder eine ge⸗ wiſſe Anzahl Sachen, die nach Zahl, Maaß oder Gewicht verkauft werden, von der naͤmlichen Gattung, gleichermaßen anerkannt und verfallen ſind, zum Gegenſtande haben. Die unbeſtrittenen Lieferungen an Fruͤchten und Lebens⸗ mitteln, deren Preiß durch Marktpreiße feſtgeſetzt iſt, koͤnnen mit anerkannten und verfallenen Summen aufgehoben werden⸗ 1292. Die aus Nachſicht geſtattete Friſt ſetzt der Aufbe⸗ buns kein Hinderniß entgegen. 1293. Aufhebung hat ſtatt, was auch immer die eine oder andere Schuld fuͤr Urſachen haben mug, ausgenommen in dem Falle: itens. Einer Rechtsklage zur Wiedererſtattung einer Sache, derer der Eigenthuͤmer ungerechter Weiſe beraubt worden; ztens. Wenn eine in Verwahrung gegebene oder zum Ge⸗ brauche dargeliehene Sache zuruͤck gefodert wird; ztens. Wenn eine Schuld zuruͤcke begehrt wird; deren Ge⸗ genſtand Nahrungsgehalte ſind, welche man nicht in Beſchlag nehmen kann. 1294. Der Buͤrge kann die Kompenſation deſſen, was der Glaͤu⸗ biger dem Hauptſchuldner ſchuldig iſt, opponiren. Allein der Hauptſchuldner kann die Kompenſation deſſen, was der Glaͤubiger dem Buͤrgen ſchuldig iſt, nicht opponiren. Der ſolidariſche Schuldner kann eben ſo wenig die Aufhe⸗ bung deſſen, was der Glaͤubiser ſeinem Mitſchuldner ſchul⸗ dig iſt, opponiren. 1295. Der Schuldner, welcher geradehin und unbedingter Weiſe die Abtretung der Rechte, welche ein Glaͤubiger an einem Drittern gemacht bat, angenomwen, kann demienigen, an welchen die Abtretung gemacht worden, die Erſtattung, welche er vor der Annahme dem Abtretenden haͤtte opponiren koͤnnen, nicht mehr einwenden. Was die von dem Schuldner nicht angenommene ihm aber doch gerichtlich ſignifizierte Abtretung betrift, ſo bindert die⸗ ſelbe nur die Aufbebung derjenigen Schulden, welche ſpaͤter als dieſe Bekanntmachung ſind. 1296. Wenn die zwei gegenſeitigen Schulden nicht an dem naͤmlichen Orte zahlbar ſind, ſo kann man die Aufhebung nicht opponiren, als indem man ſich den mit der zu ubermachenden Zahlung verbundenen Koſten unterzieht. 1297. Wenn mebrere zur Aufbebung geeignete Schulden„ die eine und die naͤmliche Perſon ſchuldig iſt, vorbanden ſind, ſo befolgt man fuͤr die zu machende Aufhebung die fuͤr die Aufrechnung durch den 1256ten Artikel aufgeſtellten Regeln. 1298. Die Aufhebung kann zum Nachtheil der von einem Drittern erworbenen Rechte nicht ſtatt haben. Alſo kann derjenige Schuldner, welcher ſeit dem von einem Drittern in ſeinen Haͤnden angelegten Arreſte Gläͤubiger geworden iſt, die Aufbebung zum Nachtheil deſſen, der den Arreſt angelegt hat, nicht opponiren. 1299. Wer eine Schuld bezahlt hat, die von rechtswegen, durch Ausgleichung getilgt war, kann nicht mehr bei Ein⸗ forderung der Schuld, deren Ausgleichung er nicht opponirte die darauf haftende Vorrechte und Verpfaͤndungen ypo⸗ theken) zum Nachtheil dritterer Perſonen geltend machen, es ſei dann, daß er rechtmaͤßige urſachen hatte, die Forde⸗ rung nicht zu kennen, welche ſeine Schuld haͤtte ausgleichen ſollen. Fünfter Abſchnitt. Von der Vereinigug der Eigenſchaften des Glaͤubi⸗ gers und Schuldners in einer Perſon.(confusion) 1300. Wenn die Eigenſchaften als Glaͤnbiger und als Schuld⸗ ner ſich in der nemlichen Perſon vereinigen, ſo entſteht eine Konfuſion, welche die beiderſeitigen Forderungen aufhebt. 1301. Die Konfuſion, welche in der Perſon des Haupt⸗ ſchuldners entſteht, gereicht zum Vortheil ſeiner Buͤrgen; In der Perſon des Buͤrgen zieht ſie keineswegs die Tilgung der Hauptverpflichtung nach ſich; Entſteht dieſe Konfuſſon in der Perſon des Gläubigers, — 222— ſo kommt ſie ſeinen gemeinſchaftlichen Mitſchuldnern nur fuͤr den Antbeil, den er ſchuldig war, zu gut. Sechster Abſchnitt. Von dem Verluſte der ſchuldigen Sache. 1302. Wenn die gewiſſe und beſtimmte Sache, welche der Gegenſtand der Verbindlichkeit war, zu Grunde gebt, kein Gegen⸗ ſtand des Handels mehr iſt, oderſſich auf eine ſolche Art verliehrt⸗ daß ſein Daſein ſchlechterdings unbekannt iſt, ſo erloſcht die Ver⸗ bindlichkeit, wofern die Sache ohne Schuld des Schuldners und ehe er im Ruͤckſtand war, verloren gegangen oder ver⸗ dorben iſt. Sogar auch dann, wenn der Schuldner im Ruͤckſtand iſt, aber die Zufälle nicht uͤber ſich genommen hat, wird die Ver⸗ bindlichkeit getilot, wofern die Sache bei dem Glaͤubiger ebenfalls zu Grunde gegangen waͤre, wenn ſie ibm waͤre abge⸗ geliefert worden. Der Schuldner iſt gehalten, den angegebenen Zufall zu beweiſen. Auf welche Art auch eine geſtohlne Sache zu Grunde ge⸗ gangen oder verlohren worden iſt, ſo befreit ihr Verluſt den⸗ jenigen, der ſie entwendet hat, nicht von der Verbindung, ihren Werth zu erſetzen⸗ 1303. Wenn die Sache ohne Schuld des Schuldners zu Grunde gegangen, oder verlohren worden, ſo iſt er verbun⸗ den, die Rechte oder Klagen auf Entſchaͤdigung wegen dieſer Sache an ſeinen Glaͤubiger abzutreten. Stebenter Abſchnitt. Von der Klage auf Nichtigkeit oder auf Wiederauf⸗ hebung der Verträge. 1304. In allen Fällen, wo die Klage auf Unguͤltigkeit oder auf Zernichtung einer uebereinkunft nicht durch ein be⸗ ſonderes Geſetz auf eine kuͤrzere Zeitfriſt beſchraͤnkt iſt, findet ſie zehn Jahre ſtatt. Dieſe Friſt laͤuft, im Falle eines gewaltſamen Zwangs, erſt von dem Tage an, wo er aufgehoͤrt hat; im Falle eines Irrthums oder eines Betrugs von dem Tage der Entdeckung und in Anſehung der Akte, welche verheirathete Weiber, ohne bevollmaͤchtigt zu ſein, abgeſchloſſen haben, von dem Tage der Drennung ihrer Ehe. — 223— In Anſehung der von Unterſagten eingegangenen Akte laͤuft dieſe Zeit erſt von dem Tage an, wo die Unterſagung aufge⸗ boben worden iſt, und in Anſehung ſolcher, welche von Min⸗ deriaͤbrigen geſchloſſen worden ſind, von dem Tage ihrer Voll⸗ jaͤbrigkeit. 1305. Eine bloße Rechtsverletzung gibt zu Gunſten des nichtentlaſſenen Minderjaͤhrigen zur Wiederaufhebung der Vertraͤge jeder Art, und zu Gunſten des der Vormundſchaft entlaſſenen Minderjaͤhrigen zur Zernichtung ſolcher Vertraͤge Anlaß, welche die Grenzen ſeiner Befugniß uͤberſchreiten, ſo wie in dem Litel von der Minderjaͤhrigkeit, der vormund⸗ ſchaft und der Entlaſſung aus derſelbigen, feſtgeſetzt iſt. 1306. Der Minderjaͤhrige kann nicht, wegen Rechtsver⸗ letzung in den vorigen Zuſtand geſetzt werden, wenn dieſe aus einem zufaͤlligen und unvorhergeſehenen Ereigniß entſtanden iſt. 1307. Die bloße Erklaͤrung des Minderjaͤbrigen, daß er volljäbrig ſei, bindert nicht, ihn in den vorigen Stand zu ſtellen.(restituer) 1303. Der Minderjährige, welcher Handelsmann, Wechsler oder Kuͤnſtler iſt, kann nicht wider die Verbindlichlichkeiten, die er in Abſicht auf ſeinen Handel oder ſeine Kunſt eingegan⸗ gen iſt, auf Wiederherſtellung antragen. 1309. Des Minderjaͤhrige kann nicht wider die in ſeinem Ehevertrag enthaltene uebereinkuͤnfte reſtituirt werden, wo⸗ fern ſie mit Einwilligung und Beitrit derjenigen abgeſchloſ⸗ ſen worden ſind, deren Einwilligung zur Guͤltigkeit ſeiner Ebe erforderlich war. 1310. Er kann wider die Verbindlichkeiten, die aus ſeinem groͤßern oder mindern Vergehen entſtanden ſind, nicht wieder eingeſetzt werden. zrr. Er kann nicht mehr wider die Verbindlichkeit, welche er in ſeiner Minderzähr igkeit eingegangen, einkommen, wenn er ſie in ſeiner Volljaͤbrigkeit beſtätigt hat, dieſe Verbindlich⸗ keit mag nun in ihrer Form nichtig, oder blos der Wiederein⸗ ſeßung unterworfen ſein. 1311. Wenn die Minderjaͤhrigen, die Unterſagten oder die verheuratbeten Weiber, in dieſen Eigenſchaften wider ihre Ver⸗ bindlichkeiten zur Wiedereinſetzung zugelaſſen werden, ſo kann ih⸗ nen dieʒuruͤckzahlung deſſen nicht gefordert werden, was auf dieſe Verpflichtung hin waͤhrend der Minderjaͤhrigkeit, Unterſagung oder Ehe etwa bezahlt worden waͤre, es mußte dann erwieſen — 224— ſein, daß die bezahlten Summen zu ihrem Vortheil verwen⸗ det worden ſeien. rz13. Die Volljährigen können nur in den Fällen, und unter den Bedingungen, welche in dem gegenwäreigen Geſetz⸗ buch ausdruͤcklich angegeben ſind, wegen Rechtsverletzung wieder in den vorigen Stand geſetzt werden. 1314. Wenn die in Anſehung der Minderiährigen oder Unter⸗ ſagten verordneten Formalitaͤten, es ſey bey Veraͤuſſerung von unbeweglichem Vermoͤgen oder hei Erbſchaftstheilung er⸗ fuͤllt worden ſind, ſo werden ſie in Hinſicht auf dieſe Hand⸗ lungen ſo angeſehen, als ob ſie dieſelbigen in ihrer Volljaͤh⸗ rigkeit vder vor der Unterſagung vorgenommen haͤtten. Sechstes Kapitel. Von dem Beweiſe der Verbindlichkeiten und jenem der Bezahlung. 1315. Wer die Vollziebung einer Verbindlichkeit fordert, muß dieſe beweiſen⸗ Auf der andern Seite muß derjenige, welcher ſie abgetra⸗ gen zu haben behauptet, die Zablung oder die Thatſache, welche ſeine Verbindlichkeit getilgt bat, darthun. 1316. Die Regeln, welche den ſchriftlichen Beweis, den Be⸗ weis durch Zeugen, durch rechtliche Vermuthungen, durch Geſtändniß der Parthei und durch den Eid betreffen, werden in den folgenden Abſchnitten erklärt. Erſter Abſchnitt. Von dem ſchriftlichen Beweiſe. Erſter Paragraph. Von den authentiſchen Titeln. 1317. Eine authentiſche Urkunde iſt diejenige, welche mit den erforderlichen Rechtsformen durch ffentliche Beamten aufgenommen worden, die das Recht haben, an dem Ort, wo der Aufſatz gemacht worden iſt, gerichtliche Urkunden zu verfaſſen. 1318. Ein Aufſatz, der wegen der Unbefugniß oder der Un⸗ faͤbigkeit des Beamten, oder wegen einem Fehler in der Form nicht rechtsbeſtändig iſt, gilt als Privatſchrift, wofern er von den Partheien unterzeichnet iſt. 1319. Ein autbentiſcher Aufſatz beweißt vollkommen die darin enthaltene Uebereinkunft zwiſchen den abſchlieſſenden Partheien und ihren Erben oder Rechtsinbabern —2— Jedoch wird, im Falle die Klage wegen Verfaͤlſchung die Hauptklage iſt, die Vollziehung des fuͤr verfaͤlſcht angegebe⸗ nen Aktes durch die Verſetzung in den Anklageſtand ausgeſetzt; und im Falle man ſich nur beilaͤufig zu Erweiſung der Verfäl⸗ ſchung anheiſchig gemacht har, konnen die Gerichtshoͤfe nach Beſchaffenbeit der Umſtaͤnde die Vollziehung deſſelben einſt⸗ weilen ausſetzen. 13a0. Ein Aufſatz, er mag authentiſch oder unter Pri⸗ vatunterſchriſt verfaßt ſein, beweißt fuͤr die Partheien voll⸗ kommen, ſogar dasjenige, was darin nur erzaͤhlungsweiſe ange⸗ fuhrt iſt, wofern nur dieſe Erwaͤhnung unmittelbar auf die Ver⸗ fuͤgung Bezug hat. Erwaͤhnungen, welche die Verfuͤgung ſelbſt nicht betreffen, können nur als Anfang eines Beweiſes dienen. 1321. Gegen⸗Reſerve koͤnnen blos unter den abſchlieſenden Partheien Wirkung haben; gegen jeden Drittern ſind ſie ohne Wirkung. Zweiter Paragraph. Von den Urkunden unter Privatunterſchriften. 1322. Eine Urkunde unter Privatunterſchrift, welcher von dem⸗ jenigen dem ſie opponirt wird, anerkannt iſt, vder geſetzmaͤſig fur anerkannt gehalten wird, hat zwiſchen denen, die ihn unter⸗ zeichnet haben, und ihren Erben und in ihre Stelle Getretenen die naͤmliche Beweißkraft wie ein authentiſcher Akt. 1323. Derjenige, dem man einen Akt opponirt, iſt ge⸗ balten, ſeine Schrift oder Unterſchrift formlich anzuerkennen oder abzulaͤugnen. Seine Erben oder an ſeine Stelle Getretenen können ſich auf die Erklaͤrung beſchränken, daß ſie die Schrift oder Unterſchrift ihres Stammvaters nicht kennen. 1324. Im Falle, wo die Parthei ihre Schrift oder ihre Unterſchrift ablaͤugnet, und auch in dem Falle, wo ihre Er⸗ ben oder in ihre Stelle Getretenen erklaͤren, daß ſie ſie nicht kennen, wird von gerichtswegen verordnet, daß man daruͤbes Unterſuchung anſtellen ſoll. 1325. Die urkunden unter Privatunterſchrift, welche gegen⸗ ſeitige Eynalagmatique) Vertraͤge enthalten, ſind nur dann guͤltig, wenn ſie in eben ſo vielen Urſchriften ausgefertigt wor⸗ den ſind, als es Partheien gibt, welche ein verſchiedenes In⸗ tereſſe dabei haben. Eine Urſchrift iſ binlänglich fuͤr alle Perſonen, welche das nmliche Intereße haben. 5 — 226— Jede urſchrift ſoll Meldung von der Anzahl der Urſchriften thun, welche davon ausgefertigt worden ſind. Jedoch kann der Mangel der Meldung, daß die Schrift in dovpelter, dreifacher ꝛc. Urſchriſt aufgeſetzt worden iſt, nicht von demjenigen opponirt werden, der ſeinerſeits die darin ent⸗ haltene Uebereinkunft vollzogen hat. 1326. Der Schein oder das Verſprechen unter Privatunter⸗ ſchrift, wodurch eine Parthei allein ſich gegen die andere ver⸗ bindet, ihr eine Geldſumme oder eine Sache, die abgeſchaͤtzt werden kann, zu bezahlen, muß ganz von der Hand desjeni⸗ gen, welcher es unterzeichnet hat, geſchrieben ſein; oder er muß wenigſtens, außer ſeiner Unterſchrift ein Gut oder Ge⸗ nehmigt(bon ou approuvé), welches die Summe oder den Betrag der Sache in Buchſtaben geſchrieben enthaͤlt, eigen⸗ haͤndig beigeſchrieben haben. Ausgenommen iſt jedoch der Fall, wo der Aufſatz von Kauf⸗ leuten, Handwerkern, Ackersleuten, Weinbauern, Lagloͤhnern und Dienſtleuten berruhrt. 1 1327. Wenn die in dem Akte ſelbſt bezeichnete Summe von der in dem Gut angegebenen verſchieden iſt, ſo wird vermu⸗ thet, daß die Verpflichtung nur auf die geringſte Summe gehe, ſogar wenn der Aufſatz nebſt der Gut von der Hand des Verpflichteten ganz geſchrieben iſt, es muͤßte dann erwie⸗ ſen ſein, auſ welcher Seite geirrt iſt. r328. Die Akten unter Privatunterſchrift werden gegen je⸗ den Dritten erſt von dem Tage an anerkannt, wo ſie einre⸗ giſtrirt worden ſind, oder wo der, oder einer von denen, die ſie unterſchrieben haben, geſtorben iſt, vder von dem Tage an, wo deren Hauptinhalt in Schriften öffentlicher Beamten, z. B. urkunden von Siegel⸗Anlegung oder Inventarien rechtlich bekraͤftigt worden iſt. 1329. Die Buͤcher der Kaufleute geben gegen die Perſonen, welche keine Kaufleute ſind, keinen Beweis fur die darin an⸗ gefuhrten Lieferungen, vorbehaltlich deſſen, was in Hinſicht auf den Eid geſaat werden wird. 1330. Die Buͤcher der Kaufleute gelten als Beweis gegen ſie; wer ſie aber zu ſeinem Vortheil will geltend machen, muß ſie auch in dem annehmen, was gegen ſeine Behauptungen iſt. 1331. Die hauslichen Regiſter und Schriften geben keinen Rechtsbeweis fuͤr den, der ſie geſchrieben hat: Sie baben Beweiskraft wider ihn, itens: In allen Faͤllen, wo ſie , cht el uß iſ. ſen ben ſt — 227— foͤrmlich eine empfangene Zahlung anzeigen; atens: Wenn ſie die ausdruͤckliche Meldung enthalten, daß die Anmerkung gemacht worden iſt, um den Mangel eines Titels zu Gun⸗ ſten desjenigen zu erſetzen, zu deſſen Vortheil ſie eine Verbind⸗ lichkeit anzeigt. 1332. Das, was der Glaͤubiger unter einen Schuldſchein, der immer in ſeinen Haͤnden geblieben iſt, an den Rand oder auf die Ruͤckſeite deſſelbigen geſchrieben hat, iſt glaubwuͤrdig, auch wenn weder Datum noch ſeine Unterſchrift dabei iſt, wofern es die Entlaſtung des Schuldners zu begruͤnden abzielt. Das naͤmliche gilt von dem, was ein Glaͤubiger auf die Ruͤckſeite oder an den Rand oder an das Ende des Duplikats (double) eines Sitels oder einer Quittung geſchrieben hat, wofern dieſes Duplikat ſich in den Haͤnden des Schuldners befindet. Dritter Paragraph. n en er e 1333. Die ihren Muſtern entſprechenden Kerbhoͤlzer beglau⸗ bigen zwiſchen den Perſonen, welche gewobnt ſind, die im Kleinen gemachten oder empfangenen Lieferungen auf dieſe Art zu bewaͤhren. Vierter Paragraph. Von den Abſchriften der Urkunden. 1334. Wenn eine Urſchrift vorhanden iſt, ſo beweiſen die Abſchriften nur das, was in der urkunde, deren Vorlegung immer gefordert werden kann, enthalten iſt. 1335. Wenn die Urſchrift nicht mehr vorhanden iſt, ſo be⸗ weiſen die Abſchriften unter folgenden Einſchränkungen: tens. Gerichtliche oder erſte Ausfertigungen(grosses) be⸗ glaubigen eben ſo, wie die Urſchrift. Eben das gilt von den Abſchriften, welche auf obrigkeitlichen Befehl in Gegenwart oder nach Berufung der Partheien, ſo wie von denjenigen, die in Gegenwart und mit gegenſeitiger Einwilligung der Par⸗ theien verfertigt worden ſind. atens. Abſchriften, welche ohne obrigkeitlichen Befehl oder ohne Einwilligung der Partheien, und ſeit der Auslieferung der rechtskraͤftigen oder erſten Abſchriften, nach der urſchrift von dem Notar, der den Aufſatz ausgefertigt hat, oder von einem ſeiner Nachfolger, oder von oͤffentlichen Beam⸗ P2 — 228— ten, die in dieſer Eigenſchaft die Urſchriften aufbewahren, ausgefertigt worden ſind, koͤnnen, im Falle daß das Hriginal verloren geht, wofern ſie alt ſind, beglanbigend ſein. Sie werden als alt angeſeben, wenn ſie uͤber dreißig Jab⸗ re alt ſind. Sind ſie noch nicht dreißig Jahre alt, ſo koͤnnen ſie blos als Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes dienen. ztens. Sind die von der Urſchrift eines Aufſatzes“ genom⸗ menen Abſchriften nicht von dem Notar, welcher die Urkunde aufgeſetzt hat, oder von einem ſeiner Nachfolger oder von oͤf⸗ fentlichen Beamten, welche in dieſer Eigenſchaft Urſchriften aufbewahren, ausgefertigt worden, ſo koͤnnen ſie, welches Al⸗ ter ſie auch baben moͤgen, nur als Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes dienen. atens. Abſchriften von Abſchriften koͤnnen, nach Beſchaffen⸗ heit der umſtaͤnde, als bloße Anzeigen angeſehen werden. 1336. Die Eintragung eines Aufſatzes in die offentlichen Regiſter kann blos als Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes dienen; und ſelbſt hierzu wird noch erfordert, tens. Daß es außer Zweifel ſei, daß alle Urſchriften des Notars von dem Jahrgang, in welchem der Aufſatz errichtet worden zu ſein ſcheint, verlohren gegangen ſind, oder daß man beweiſe, daß ein beſonderer Zufall an dem Verluſt der Urſchrift ſchuld ſei. ztens. Daß ein regelmäßiges Verzeichniß des Notars vor⸗ handen ſei, welches beurkundet, daß der Aufſatz unter dem⸗ ſelben Datum verfaßt worden iſt. Wird wegen des Zuſammentreffens dieſer beiden Umſtaͤnde der Beweis durch Zeugen zugelaſſen, ſo muͤſſen nothwendig diejenigen, welche Zeugen bei dem Aufſatz waren, wofern ſie noch vorhanden ſind, abgehoͤrt werden. Fuͤnfter Paragraph. Von Anerkennungs- und Beſtaͤtigungs-Urkunden. 1237. Anerkennungsakten befreien nicht von der Verbind⸗ lichkeit die urſchrift aufzuweiſen, wenn ihr Inhalt nicht be⸗ ſonders darin eingefuͤhrt iſt. Was ſie mehr als dieſe, oder von dieſer Abweichendes ent⸗ halten, iſt ohne Wirkung. Gaͤbe es jedoch mehrere ubereinſtimmende, von dem Beſitz⸗ ſtand unterſtutzte Anerkennungsakten, wovon eine mebr „ — 229— als dreißig Jabre alt wäre, ſo könnte der Glaubiger von der Verbindlichkeit, den urſpruͤnglichen Aufſatz vorzulegen, freige⸗ ſprochen werden. 1338. Der Beſtaͤtigungs⸗ oder Genehmigungs⸗Akt, gegen welchen das Geſetz erlaubt, auf Unguͤltigkeit oder auf Zer⸗ nichtung anzutragen, gilt nur dann, wenn die Hauptſache dieſer Verpflichtung, die Meldung des Grundes zur Wieder⸗ aufhebungs⸗Klage, und die Abſicht, den Fehler zu verbeſſern, worauf dieſe Klage ſich gruͤndet, darin enthalten iſt. Iſt keine Beſtaͤtigungs⸗ oder Genehmigungsſchrift vorhan⸗ den, ſo iſt es hinreichend, wenn die Verbindlichkeit nach dem Zeitpunkt, worin ſie rechtsguͤltig beſtaͤtigt oder genehmigt werden konnte, freiwillig vollzogen worden iſt. Die Beſtaͤtigung, Genehmigung oder freiwillige Vollzie⸗ hung in der geſetzlich beſtimmten Form und Zeit zieht die Verzichtleiſtung auf die Rechtsmittel und Einreden, die man dem Auſſatz entgegen ſetzen konnte, nach ſich, jedoch unbe⸗ ſchadet dem Rechte jedes Dritten. 1339. Der Geſchenkgeber kann durch keinen Beſtätigungsakt die Fehler einer Schenkung zwiſchen Lebenden verbeſſern; iſt er der Form nach unguͤltig, ſo muß er in der geſetzlichen Form wieder von neuem gemacht werden. 1330. Die Beſtätigung oder Genehmigung oder die freiwil⸗ lige Vollziehung einer Schenkung von Seiten der Erben oder der in die Rechte Getretenen des Geſchenkgebers zieht die Ent⸗ ſagung auf das Recht, theils die Fehler der Form theils an⸗ dere Einreden zu opponiren nach ſich⸗ zweiter Abſchnitt. Von dem Zeugenbeweis. 1341. Ueber alles, was die Summe oder den Werth von hundert fuͤnfzig Franken uͤberſteigt, ſogar uͤber freiwillige Hinterlegungen ſoll ein Akt vor Notarien oder unter Privat⸗ unterſchrift verfaßt werden; und es wird kein Zeugenbeweis gegen das, oder außerdem, was die Akten enthalten, noch uͤber das, was behauptet wird, vor, bei oder ſeit der Entrich⸗ tung der Akten geſagt worden zu ſein, angenommen, ſogar wenn es eine geringere Summe oder einen geringern Wertb als hundert und fuͤnfzig Franken betraͤfe. Alles jedoch dem ohnbeſchadet, was in den den Handel be⸗ treffenden Geſetzen verordnet iſt. 1342. Die obige Regel iſt auch auf den Fall anzuwenden, wo außer der Forderung der Hauptſumme noch auf Zinſen geklagt wird, welche mit der Hauptſumme verbunden die Summe von hundert fuͤnfzig Franken uͤberſteigen. 13a3. Wer eine Forderung von mehr als hundert fuͤnfzig Franken gemacht hat, kann nicht mehr zum Zeugenbeweis zugelaſſen werden, ſogar wenn er ſeine urſpruͤngliche Forde⸗ rung einſchraͤnkte. 134g. Der Zeugenbeweis kann ſogar fuͤr die Klage einer Summe unter hundert fuͤnfzig Franken nicht zugelaſſen werden, wenn dieſe Summe als Ruͤckſtand oder als Theil einer ſtaͤrkern Schuldforderung, die nicht ſchriftlich bewieſen iſt, erklaͤrt wird. 1345. Wenn eine Parthei in derſelben Rechtsſache mehrere, nicht ſchriftlich beurkundete Forderungen macht, welche zuſam⸗ men genommen die Summe von hundert fuͤnfzig Franken uber⸗ ſteigen, ſo kann der Zeugenbeweis nicht zugelaſſen werden, wenn ſchon die Parthei behauptet, daß dieſe Forderungen von verſchiedenen Urſachen herruͤhren, und daß ſie in verſchiede⸗ nen Zeiten entſtanden ſind, es waͤre denn, daß dieſe Anſpruͤ⸗ che durch Erbſchaft, Schenkung oder eine andere Art von verſchie⸗ denen Perſonen entſprungen waͤren. 1346. Alle Klagen, unter welchem Litel es auch ſein mag, welche nicht hinreichend ſchriftlich bewieſen ſind, ſollen durch eine einzige Vorladung gemacht werden, nach welcher die an⸗ dern Forderungen, die nicht ſchriftlich bewieſen ſind, nicht mehr angenommen werden. 1347. Bei den obigen Regeln findet Ausnahme ſtatt, wenn ein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vorhanden iſt. So nennt man jeden Akt, der von demjenigen, gegen wel⸗ chen die Forderung gemacht wird, oder von dem, deſſen Stelle er vertrit, herruͤbrt, und die behauptete Thatſache wahrſchein⸗ lich macht. 1348. Ausuahmen finden ferner in allen den Faͤllen ſtatt, wo es dem Glaubiger unmoͤglich war, ſich einen ſchriftlichen Beweis von der mit ihm eingegangenen Verbindlichkeit zu verſchaffen. Dieſe zweite Ausnahme ſindet Anwendung 1tens. Bei den Verbindlichkeiten die aus unvollkommenen Vertraͤgen(quasi- contrats) und aus Vergehungen oder un⸗ vollkommenen Vergehungen(quasi-delits) entſpringen; — 231— ztens. Bei nothwendigen Hinterlegungen im Falle von Feuersbrunſt, Verheerung, Auflauf oder Schiffbruch, und vei denen, welche Reiſende wahrend ihrem Aufenthalt in ei⸗ nem Gaſthauſe gemacht haben; alles mit Ruͤckſicht auf die Beſchaffenheit der Perſonen und die umſtaͤnde der That⸗ ſache. ztens. Bei Verbindlichkeiten, die im Falle unvorhergeſehe⸗ ner Ereigniſſe, wo man nichts ſchriftliches haͤtte koͤnnen auf⸗ ſetzen laſſen, uͤbernommen worden ſind. ztens. Bei dem Falle, wo der Glaͤubiger die Urkunde, welche ihm als ſchriftlicher Beweis diente, durch einen zu⸗ faͤlligen, unvorhergeſehenen oder von uberlegener Gewalt ber⸗ kommenden Umſtand verlohren hat. Dritter Abſchnitt. Von den Vermuthungen. 149. Vermuthungen ſind Folgerungen, welche das Geſetz oder die Obrigkeit aus einer bekannten Thatſache auf eine unbekannte Thatſache leitet. Erſter Paragraph. Von den durch das Geſetz beſtimmten Vermuthungen. 1350. Eine geſetzliche Vermuthung iſt eine ſolche, welche durch ein heſonderes Geſes mit gewiſſen Akten oder gewiſſen Thatſachen verbunden worden iſt; dergleichen ſind tens. Die Akten, welche das Geſetz fur nichtig erklaͤrt; weil es von ihnen, ihrer Beſchaffenheit wegen, vermuthet, daß durch ſie ſeine Verfuͤgungen ſollten vereitelt werden. ztens. Die Fälle, in welchen das Geſetz erkaͤrt, doß ſich aus gewiſſen beſtimmten Umſtaͤnden das Eigenthum oder die Entlaſtung ergebe. ztens. Das Anſehen, welches das Geſetz den rechtskraͤftig gewordenen Urtheilen beilegt. atens. Die Kraft, welche das Geſetz dem Geſtaͤndniß der Parthei oder ihrem Eid beilegt. 1351. Das Anſehen der rechtskräͤftig gewordenen urtheile hat blos in Hinſicht auf das ſtatt, was den Gegenſtand des urtheils ausmacht. Die begehrte Sache muß die naͤmliche ſein; die Klage muß ſich auf die naͤmliche urſache gruͤn⸗ — 232— den, und zwiſchen den nämlichen Partheien und durch ſie und gegen ſie vorgebracht werden. 1362. Die geſetzliche Vermuthung befreit den, zu deſſen Gunſten ſie iſt, von jedem Beweiſe. Es wird kein Beweis wider die Vermuthung des Geſetzes zugelaſſen, wenn es auß dieſe Vermuthung hin gewiſſe Akten vernichtet, oder die Rechtsklage verweigert, wofern es nicht den Beweis des Gegentheils vorbehalten hat, und vorbebalt⸗ lich deſſen, was uͤber die gerichtliche Eide und Geſtändniſſe ge⸗ ſagt werden wird. Zweiter Paragraph. Von den durch das Geſetz nicht beſtimmten Vermu⸗ thungen. 1353. Die von dem Geſetze nicht beſtimmten Vermuthun⸗ gen ſind den Einſichten und der Klugheit der Obrigkeit uͤber⸗ laſſen, welche nur wichtige, beſtimmte und uͤbereinſtimmende Vermuthungen und blos in den Fallen zulaſſen ſoll, wo das Geſetz den Zeugenbeweis zugibt, wofern nicht anders der Akt wegen Betrug oder Argliſt angegriffen wird. Pierter Abſchnitt. Von dem Geſtaͤndniß der Gegenparthei. 1354. Das Geſtändniß, welches einer Parthei opponirt wird, iſt außergerichtlich oder gerichtlich. 1355. Die Berufung auf ein außergerichtliches, blos muͤnd⸗ liches Geſtaͤndniß iſt in allen den Fällen unnutz, wenn es eine S betrifft, bei dem der Zeugenbeweis nicht zulaͤſſig wäre. 1356. Das gerichtliche Geſtaͤndniß iſt eine Erklaͤrung, wel⸗ che die Gegenvarthei oder ibr beſonders Bevollmaͤchtigter vor Gericht macht. Es hat voͤlligen Glauben gegen den, welcher es abgelegt Dat. Ein Theil des Geſtaͤndniſſes kann nicht zu ſeinem Nach⸗ theil von dem andern getrennt werden. Es kann nicht widerrufen werden, es ſei dann, man be⸗ wieſe, daß es Folge eines Irthums in den Chatſachen war. Es kann nicht unter dem Vorwande eines Irthums in den Rechtomitteln widerrufen werden. Fuͤnfter Abſchnitt. Von dem Eide. 1357. Der gerichtliche Eid iſt zweierlei: utens. Der entſcheidende, welchen eine Parthei der an⸗ dern auflegt, um davon die Entſcheidung der Sache abhangen zu laſſen; atens. Derjenige, welchen der Richter von amtswegen der einen oder der andern Parthei auflegt. Erſter Paragraph. Vom entſcheidenden Eide. 1358. Der entſcheidende Eid kann bei jedem Rechtsſtreite auferlegt werden. ra59. Er kann nur uͤber eine Thatſache auferlegt werden, die der Partbei, welcher er auferlegt wird, perſoͤnlich iſt. 1360. Er kann immer, wie weit auch die Sache gekommen ſein mag, und ſelbſt dann auferlegt werden, wenn kein An⸗ fang eines Beweiſes uͤber die Klage oder die Einrede, uͤber welche er abgefordert wird, vorhanden iſt. 1361. Der, welchem der Eid auferlegt wird und der ihn verweigert, oder nicht einwilligt ihn auf ſeinen Gegner zuruͤck zu ſchieben, oder der Gegner, dem er zuruͤck geſchoben wor⸗ den iſt, und der ihn verweigert, ſoll in ſeiner Klage oder in ſeiner Einrede unterliegen. 1362. Der Eid kann nicht zuruͤckgeſchoben werden, wenn die Thatſache, welche der Gegenſtand deſſelben iſt, nicht bei⸗ den Partheien gemeinſchaftlich, ſondern blos derjenigen per⸗ ſoͤnlich iſt, welcher er auferlegt worden iſt. 1363. Wenn ein auferlegter oder zuruͤckgeſchobener Eid ab⸗ gelegt worden iſt, ſo kann der Gegner nicht zugelaſſen wer⸗ den, ſeine Falſchheit zu beweiſen. 1364. Die Parthei, welche den Eid auferlegt oder zuruͤck⸗ geſchoben hat, kann nicht mehr ihr Wort zuruͤck nehmen, wenn der Gegentheil ſich bereit erklaͤrt hat, dieſen Eid abzu⸗ legen- 1365. Ein abgelegter Eid beweißt nur zum Vortheil desje⸗ nigen, der ihn auferlegt hat, oder gegen ihn, und zum Vor⸗ theil ſeiner Erben und Rechtsinhaber, oder gegen ſie. Jedoch entladet der von einem der ſolidariſchen Gluaͤubi⸗ — 234— biger dem Schuldner auferlegte Eid dieſen nur fuͤr den An⸗ theil dieſes Glaͤubigers. Der dem Schuldner auferlegte Eid entladet auch die Buͤr⸗ gen. Der, welcher einem gemeinſchaftlichen Schuldner auferlegt worden, bringt auch den Mitſchuldnern Vortheil; und der, welcher dem Buͤrgen auferlegt worden, bringt dem Hauptſchuldner Vortheil. In dieſen beiden letztern Faͤllen nuͤtzt der Eid des gemein⸗ ſchaftlichen Mitſchuldners oder des Buͤrgen den andern Mit⸗ ſchuldnern oder dem Hauptſchuldner nur alsdann, wofern er uͤber die Schuld ſelbſt, und nicht uͤber die Thatſache der So⸗ lidareigenſchaft oder der Buͤrgſchaft abgefordert worden iſt. Zweiter Paragraph. Von dem ven amtswegen auferlegten Eide. 366. Der Richter kann einer der Partheien den Eid auf⸗ erlegen, entweder um die Entſcheidung der Sache davon ab⸗ haͤngen zu laſſen, oder nur um den Betrag der Verurtheilung feſtzuſetzen. 1367. Nur unter den zwei folgenden Bedingungen kann der Richter den Eid, entweder uͤber die Klage, oder uͤber die ihr entgegengeſetzte Einrede von amtswegen abfordern: tens. Die Klage oder die Einrede muß nicht voͤllig er⸗ wieſen, atens. Auch nicht ganz von Beweiſen entbloͤßt ſein. Außer dieſen heiden Faͤllen muß der Richter das Begehren geradehin zuſprechen oder abweiſen. 1368. Der Eid, welcher von amtswegen einer von den Par⸗ theien durch den Richter abgeſordert wird, kann von ihr nicht auf die andere zuruͤckgeſchoben werden. 1359. Der Eid uͤber den Werth der Sache, worauf geklagt worden, kann dem Klaͤger nur dann durch den Richter auf⸗ erlegt werden, wenn es unmoͤglich iſt, dieſen Werth auf ir⸗ gend eine andere Weiſe zu bewaͤhren. Der Richter ſoll ſogar in dieſem Falle die Summe feſtſetzen, bis zu deren Betrag dem Klaͤger auf ſeinen Eid geglaubt wer⸗ den ſoll. — 235— Vierter Titel. Von den Verbindlichkeiten, die ohne Ueberein⸗ kunft ſtatt ſinden. Dekretirt den gten Hornung 1804, verkundigt den 19ten des naͤmlichen Monaths 1370. Gewiſſe Verbindlichkeiten entſtehen, ohne daß weder von Seiten deſſen, welcher ſich verbindet, noch von Seiten desjenigen, gegen den er ſich verbunden hat, irgend eine Ue⸗ bereinkunft abgeſchloſſen worden ſei. Die einen entſpringen aus der alleinigen Geſetzesmacht; die andern entſtehen aus einer Thatſache, welche dem perſoͤnlich iſt, welcher ſich verpflichtet findet. Die erſten ſind die unwillkuͤhrlich eingegangenen Verpflich⸗ tungen; dergleichen ſind jene zwiſchen benachbarten Eigenthuͤ⸗ mern, oder jene der Vormuͤnder und anderer Verwalter, welche die ihnen aufgetragene Amtsverrichtung nicht ableh⸗ nen koͤnnen. Die Verpflichtungen, welche aus einer Shatſache entſprin⸗ gen, die demijenigen perſoͤnlich iſt, der ſich verpflichtet findet, entſtehen entweder aus den ſtillſchweigenden Vertraͤgen, oder aus Verbrechen, oder aus unvorſetzlichen durch bloße Nach⸗ laͤſſigkeit oder Unwiſſenheit begangenen Verbrechen; ſie machen den Gegenſtand des gegenwaͤrtigen Sitels aus. Erſtes Kapitel. Von den ſtillſchweigenden(Quaſi⸗) Vertraͤgen. 1371. Die Quaſi⸗Vertrage ſind die durchaus willkuͤhrli⸗ chen Thatſachen des Menſchen, woraus zu Zeiten eine Ver⸗ bindlichkeit gegen einen Dritten, und zu Zeiten eine gegen⸗ ſeitige Verbindlichkeit der beiden Partheien erfolgt. 1372. Wenn man freiwillig die Geſchaͤfte eines andern fuͤhrt, der Eigenthumer mag von dieſer Geſchaͤftsfuͤhrung Kenntniß haben oder dieſelbe ihm unbewußt ſein, ſo hat der Geſchaͤft⸗ ſuhrende die ſtillſchweigende Verbindlichkeit eingegangen, die angefangene Geſchäftsführung fortzuſetzen und zu beendigen, biß der Eigenchumer im Stande ſei, ſelbſt dafuͤr zu ſorgen. Er muß ſich ebenfalls aller Nebentheile dieſes naͤmlichen Ge⸗ ſchaͤftes annehmen. — 236— Er unterwirft ſich allen Verbindlichkeiten, welche aus ſei⸗ ner ausdrucklichen Vollmacht, die der Eigenthuͤmer ihm haͤtte geben koͤnnen, entſpringen. 1373. Er iſt gehalten, ſeine Geſchaͤftsfuͤhrung, ſollte auch der Eigenthuͤmer vor der Vollendung des Geſchaͤftes mit Tod abgegangen ſein, ſo lange fortzufuͤhren, bis der Erbe die Lei⸗ tung davon hat uͤbernehmen koͤnnen. 1373. Er iſt gehalten, auf die Geſchäͤftsfuͤhrung alle Sorg⸗ falt eines guten Familienvaters zu verwenden. Nichtsdeſtoweniger koͤnnen die Umſtaͤnde, welche ihn dahin geleitet haben, die Geſchaͤftsfuͤhrung uͤber ſich zu nehmen, den Richter ermaͤchtigen, den Schadenerſatz und Zinſe, wel⸗ che aus den Fehlern oder der Nachlaͤſſigkeit des Geſchaͤſtsfuͤh⸗ rers erfolgen koͤnnten, zu mildern. 1375. Der Eigenthuͤmer, deſſen Geſchaͤft wohl verwaltet worden, muß auch ſeinerſeits die Verpflichtungen in Erfuͤl⸗ lung ſetzen, welche der Geſchaͤftofuͤhrer in ſeinem Namen uͤber⸗ nommen hat, ihn fuͤr alle perſoͤnliche Verbindlichkeiten ent⸗ ſchaͤdigen, und ihm alle gemachte nutzliche oder nöthige Ausgaben zuruͤck zahlen. 1376. Wer durch Irthum oder wiſſentlich empfaͤngt, was er nicht zu fordern hat, verbindet ſich, es dem wieder zu er⸗ ſtatten, von dem er es rechtswidrig empfangen hat. 1377. Wenn eine Perſon aus Irthum ſich Schuldnerin glaub⸗ te, und deswegen eine Schuld abtrug, ſo hat ſie das Recht, den Betrag derſelben von dem Glaäͤubiger zuruͤckzufordern. Doch hort dieſes Recht in dem Falle, wo der Glaͤubiger in Gefolg dieſes geſchehenen Bezahlung ſeinen Schuldtiter ver⸗ nichtet hat, auf, vorbehaltlich des Regreſſes desjenigen, welcher die Schuld bezahlt hat, an den wahren Schuldner. 1378 Wenn von Seiten deſſen, der empfangen hat, Unred⸗ lichkeit ſtatt findet, ſo iſt derſelbe zur Wiedererſtattung ſowohl der Hauptſumme, als der Zinſe oder genoſſenen Fruͤchte von dem Tage der Zahlung an gehalten. 1379. Wenn die rechtswidriger Weiſe empfangene Sache ein unbewegliches Gut oder ein bewegliches koͤrperliches Gut iſt, ſo verbindet ſich derjenige, welcher ſie empfangen hat, ſie ent⸗ weder in Natur zuruͤck zu geben, wenn ſie noch vorhanden iſt; oder wenn ſie durch ſeine Schuld zu Grunde gegangen oder verdorben worden, den Werth dafuͤr zu erſtatten; und wenn er ſie unredlicherweiſe empfangen hat, ſo muß er ſogar Buͤrge dafuͤr ſein, wenn ſie durch einen ungefaͤhren Zufall zu Grun⸗ de geht. Wenn derjenige, der eine Sache auf gute Treue em⸗ pfing, dieſelbe verkauft hat, ſo iſt er nur zur Ruͤckſtattung des Kaufpreiſes verbunden. 1381. Derjenige, welchem die Sache wieder zugeſtellt wor⸗ den, muß ſogar dem unredlichen Beſitzer alle noͤthige und nuͤtzliche, zur Erhaltung der Sache gemachte Ausgaben wie⸗ der erſtatten⸗ Zweites Kapitel. Von den Verbrechen und den zufälliger Weiſe aus Unwiſſenheit oder Nachlaͤſſigkeit begange⸗ nen Verbrechen(Quaſi⸗Verbrechen). 1382. Jede Handlung eines Menſchen, von welcher Art ſie ſei, wodurch dem andern ein Schaden zugefuͤgt wird, ver⸗ bindet denjenigen, durch deſſen Verſchulden er ſich zugetra⸗ gen hat, ihn wieder gut zu machen. 1383. Jeder iſt verantwortlich fuͤr den Schaden, welchen er nicht allein durch ſeine Handlung, ſondern auch noch durch ſeine Nachlaͤſſigkeit oder Unbeſonnenheit verurſacht hat. 1384. Man iſt nicht nur fuͤr den Schaden, welchen man durch ſeine eigene Handlungen, ſondern auch noch fuͤr den⸗ jenigen, welchen Perſonen, fuͤr die man haften muß, oder Sachen die man unter ſeiner Obhut hat, verurſacht haben, verantwortlich. Der Vater, und nach dem Abſterben des Ehegatten, die Mutter, ſind fuͤr den durch ihre minderjaͤhrige bei ihnen wohnende Kinder verurſachten Schaden verantwortlich. Die Herren und diejenigen, welche Aufträge geben, ſind ver⸗ antwortlich fuͤr den Schaden, welcher durch ihre Dienſtbo⸗ then oder mit ihren Geſchaͤften Beauftragten in ihrer Ge⸗ ſchaͤftsfuͤhrung verurſacht worden. Die Lehrer und Handwerksmeiſter fuͤr den Schaden, der durch ihre Zoͤglinge und Lehrjungen, waͤhrend dieſelbe unter ihrer Wachſamkeit ſich befinden, verurſacht worden. Mehrgedachte Verantwortlichkeit hat ſtatt, es ſei denn die Aeltern, Lehrer und Handwerksmeiſter beweiſen, daß ſie die Thathandlung, welche zu dieſer Verantwortlichkeit Anlaß gibt, nicht verhindern konnten. — 238— 1385. Der Eigenthuͤmer eines Thieres, oder derjenige, der ſich deſſen bedient, iſt, ſo lange er Gebrauch davon macht, verantwortlich uͤber den Schaden, welchen es angerichtet hat, es ſei nun, daß es ſich unter ſeiner Aufſicht befinde, oder ſich verirrt babe, oder entlaufen ſei. 1386. Der Eigentbuͤmer eines Gebaͤudes iſt fuͤr den Scha⸗ den, welcher aus dem Einſturz deſſelben entſteht, wenn das Gebaͤude aus Mangel an Unterhalt oder durch einen Fehler in der Bauart verfallen iſt, verantwortlich. Fuͤnfter Titel. Von dem Heuraths⸗Vertrag und den gegenſeiti⸗ gen Rechten der Gatten. Dekretirt den 1oten Hornung 1304, verkuͤndigt den aoten des naͤmlichen Monats. Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 1387. Das Geſetz ſchreibt der ebelichen Verbindung in Hin⸗ ſicht auf die Guͤter keine Regeln vor, es ſei denn in Ermang⸗ lung beſonderer Uebereinkuͤnfte, welche die Ebegatten nach ihrem Gutduͤnken abſchließen koͤnnen, wenn ſie anders den guten Sitten nicht entgegen ſind, und nachſtehende Beſchraͤn⸗ kungen beobachten. 1388. Die Ehegatten koͤnnen weder den aus der Gewalt des Shemanns auf die Perſon der Frau und der Kinder entſprin⸗ genden oder dem Gatten als Haupt der Familie zuſehenden Rechten; auch nicht jenen, welche dem uͤberlebenden Gatten durch die Titel von der vaͤterlichen Gewalt, von der Vormundſchaft, von der Entlaſſung und Minderjah⸗ rigkeit uͤbertragen worden, endlich auch nicht den verbietenden Verfuͤgungen des gegenwaͤrtigen Geſetzbuches durch ihre be⸗ ſondere Verträge zuwider bandeln. 1289. Sie koͤnnen keine Uebereinkunft oder Verzichtleiſtung treffen, deren Gegenſtand waͤre, die geſetzliche Ordnung der Erbſolgen entweder in Hinſicht auf ſich ſelbſt, in der Erb⸗ ſolge ihrer Kinder und Abkömmlinge, oder in Hinſicht auf ibre Kinder unter einander abzuaͤndern, ohnbeſchan jedoch der Schenkungen unter Lebenden oder der Teſtamente, welche nach den Formen und in den durch das gegenwaͤrtige Geſetbuch veſtimmten Faͤllen ſtatt haben koͤnnen. 1390. Die Ehegatten können nicht mehr in allgemeinen Ausdruͤcken ausbedingen, daß ibre Verbindung eine der Ge⸗ wohnheiten, Geſetze oder oͤrtliche Verfuͤgungen, welche eb⸗ mals die verſchiedenen Theile des franzoͤſiſchen Gebiethes lei⸗ teten, und welche durch gegenwaͤrtiges Geſetzbuch abgeſchafft ſind, zur Vorſchrift habe. 1391. Sie können indeſſen doch auf eine aligemeine Art er⸗ klaͤren, daß ſie entſchloſſen ſind, ſich entweder unter Beob⸗ achtung der Vorſchriften uͤber die Guͤtergemeinſchaft, oder jener der Dotal⸗Rechte miteinander zu verheurathen. In dem erſtern Falle und unter Beobachtung der Vor⸗ ſchriften uͤber die Guͤtergemeinſchaft werden die Rechte der Chegatten und ihrer Erben durch die Verfuͤgungen des nach⸗ ſtehenden zweiten Kapitels feſtgeſetzt werden. Im zweitern Falle und unter Beobachtung der Dotal⸗Rech⸗ te werden ihre Rechte durch die Verfuͤgungen des dritten Kapitels angeordnet werden. 139a. Die bloße Ausbedingung, daß die Frau ſelbſt einige Guͤter in die Ehe bringe, oder daß man ihr Guͤter zur Aus⸗ ſteuer ausſetze, iſt nicht binlaͤnglich, dieſe Guͤter der Vor⸗ ſchrift uͤver die Dotal⸗Rechte zu unterwerfen, wenn nicht der Heurathsvertrag eine ausdruͤckliche Erklaͤrung daruͤber enthält. Die Unterwerfung unter die Vorſchrift der Dotal⸗Rechte erhellt auch nicht aus den bloßen von den Gatten gemachten Erklärungen, daß ſie ſich entweder ohne Guͤtergemeinſchaft verehlichen, oder in ihren Guͤtern getrennt ſein wollen. 1393. In Ermanglung beſonderer Ausbedingungen, welche die Vorſchrift uͤber die Gutergemeinſchaft aufheben oder be⸗ ſchraͤnken, ſind die in dem erſten Theile des zweiten Kavitels aufgeſtellten Regeln das gemeinſchaftliche Recht von Frankreich. 1394. Alle in Hinſicht auf die Ehe abzuſchließende Vertraͤ⸗ ge muͤſſen vor dem Heurathsabſchluß durch eine Urkunde vor einem Notarius abgefaßt werden. 1395 Nach der feierlichen Abſchließung der Heurath kanu keine Abaͤnderung mehr in denſelben ſtatt haben. 1396. Die Veranderungen, welche noch vor der feierlichen Heurathsabſchließung gemacht werden koͤnnen, muͤſſen durch eine in der nämlichen Form wie der Heurathsvertrag ſelbſt errichtete Urkunde bewaͤhrt werden. Uebrigens iſt keine Veranderung oder Gegenurkunde guͤltig, es ſeien denn alle Perſonen, welche in dem Heurathsvertrag — 240— als Partheien aufgetreten, gegenwaͤrtig, und haben zuſam⸗ men ibre Einwilligung gegeben. 1397. Alle Veraͤnderungen und Gegenurkunden, wenn ſie auch mit den in den vorhergehenden Artikeln vorgeſchriebenen Formen begleiret ſind, ſollen in Hinſicht der Drittern ohne Wirkung ſein, wenn ſie nicht als Anhang dem Heurathsvertrag ſelbſt beigefuͤgt worden; und der Notarius darf bei Strafe den betheiligten Partbeien allen Schaden und entbebrten Gewinn zu verguͤten, ja bei noch groͤßerer Strafe, wenn es der Fall iſt, weder urſchriften noch Ausfertigungen des Heurathsvertrages abgeben, ohne unten an dieſelben die gemachte Veraͤnderung oder Gegenurkunde beizuſetzen. 1398. Der zur Abſchließung einer Heurath fuͤhige Minder⸗ jahrige iſt auch geeignet, zu allen uebereinkuͤnften, deren dieſer Vertrag empfaͤnglich iſt, ſeine Einwilligung zu geben, und die getroffenen Uebereinkuͤnfte und dabei gemachten Ge⸗ ſchenke ſind guͤltig, wenn er bei Abſchließung des Vertrags diejenigen Perſonen zum Beiſtand hatte, deren Einwilligung zur Guͤltigkeit der Heurath nothwendig iſt. Zweites Kapitel. Von der Vorſchrift uͤber die Gutergemeinſchaft. r499. Die Guͤtergemeinſchaſt, ſie ſei nun geſetzmaͤßig oder beruhe auf einem getroffenen Vergleich, faänst von dem Lage an, wo die Heurath vor dem Beamten des buͤrgerlichen Stan⸗ des abgeſchloſſen worden. Man kann nicht ausbedingen, daß ſie von einem andern Zeitraume anfangen ſoll. Erſter Theil. Von der geſetzlichen Guͤtergemeinſchaft. 1400. Die Guͤtergemeinſchaft, welche durch die bloße Er⸗ klärung, daß man ſich unter der Vorſchrift uber dieſelbe verheuratbet, oder aus Mangel an irgend einer Uebereinkunft entſteht, iſt den in den folgenden ſechs Abſchnitten aufgeſtell⸗ ten Regeln unterworfen. —— Erſter Abſchnitt. Von dem was das aktive und paſſive Vermogen der Guͤtergemeinſchaft ausmacht. Erſter Paragraph. Von dem aktiven Vermoͤgen der Guͤtergemeinſchaft. 1qo1. Das aktive Vermoͤgen der Guͤtergemeinſchaft beſteht rtens. Aus dem geſammten beweglichen Vermoͤgen, welches die Ehegatten am Tage ihrer Heurathsabſchließung beſaßen, ſo wie auch aus dem ganzen beweglichen Vermoͤgen, welches ihnen waͤhrend der Heurath durch Erbſchaft oder Schenkung zufaͤllt, wenn der Geſchenkgeber das Gegentheil nicht ausge⸗ druͤckt bat. atens. Aus allen Fruͤchten, Einkuͤnften, Zinſen und Ruͤck⸗ ſtaͤnden, von welcher Art ſie auch ſein moͤgen, welche wäh⸗ rend der Ehe verfallen oder eingetban worden ſind, und von Guͤtern berkommen, welche den Ebegatten an dem Sage ih⸗ rer Hochzeitfeier angehoͤrten, oder auch von denen, welche ihnen waͤhrend der Ehe unter was immer fuͤr einem Rechts⸗ grunde zugefallen ſind. ztens. Aus allen unbeweglichen Guͤtern, welche ſie waͤh⸗ rend der Ehe an ſich gebracht haben. r40a. Jedes unbewealiche Gut wird angeſehen als ſei es durch die eheliche Gemeinſchaft erworben worden, wenn nicht bewieſen iſt, daß einer der Gatten vor der Ehe das rechtmaͤßi⸗ ge Eigenthum oder den geſetzlichen Beſitzſtand davon hatte, oder daß ihm ſolches unter der Benennung von Erbſchaft oder Schenkung zugefallen ſei. 140o3. Die Holzſchlaͤge und Ausbeute der Steinbruͤche und Minen fallen in Anſebung alles deſſen, was die Nutznießung angeht, nach den in dem Titel von der Nutznießung, dem Gebrauche und der Wohnung erklaͤrten Regeln zur Guͤtergemeinſchaft. Wenn die Holzſchläge, welche nach Befolgung dieſer Re⸗ geln waͤhrend der Gemeinſchaft haͤtten gemacht werden kön⸗ nen, nicht benutzt worden ſind, ſo iſt man demjenigen der Eheleute, der nicht Eigenthuͤmer von dem Grundſtuck iſt, oder ſeinen Erben den Erſatz dafur ſchuldig. Wenn die Steinbruͤche und Minen erſt waährend der Ebe aufgehrochen worden, ſo fäͤllt die Ausbeute davon nur unter D — 242— vorbehaltlicher Schadloshaltung oder Erſatz, fuͤr den Gatten, der ihn zu fodern haben mag, zur Guͤtergemeinſchaft. 14o4. Die unbeweglichen Guͤter, die die Ehegatten am Tage der Heurathsfeier beſaßen oder die ibnen im Eheſtand durch Erbfolge heimfallen, werden nicht in die Guͤtergemeinſchaft gerechnet. Nichtsdeſtoweniger, wenn einer der Gatten nach der Ab⸗ ſchließung des Heurathsvertrages, in welchem die Guͤterge⸗ meinſchaft ausbedungen worden, und noch vor dem ſeierlichen Begaͤngniſſe der Heurath ein unbewegliches Gut erworben bat, ſo fallt das waͤhrend dieſem Zwiſchenraume erworbene unbewegliche Gut in die Guͤtergemeinſchaft; es ſei denn, die Erwerbung ſei in Gefolg irgend einer Klauſel des Heuraths⸗ vertrags gemacht worden, in welchem Falle ſie nach der ge⸗ troffenen Uebereinkunft beurtheilt werden muß. 1405. Die Schenkungen von unbeweglichen Guͤtern, welche waͤhrend der Heurath nur einem der Ehegatten gemacht wor⸗ den ſind, fallen nicht in die Guͤtergemeinſchaft, und gehoren dem alleinigen Geſchenknehmer, es ſei denn, die gemachte Schenkung enthalte ausdruͤcklich, daß die geſchenkte Sache der Guͤtergemeinſchaft zugehoͤre. 1406. Das unbewegliche Gut, welches der Vater oder Mut⸗ ter, oder ein anderer Verwandter in aufſteigender Linie ei⸗ nem der beiden Ehegatten uͤberlaſſen oder abgetreten hat, entweder das zu ergaͤnzen, was er ihm ſchuldig iſt, oder mit der Verpflichtung, die Schulden, welche der Geſchenkgeber an Auswärtige hatte, zu entrichten, kann nicht mit der Guͤ⸗ tergemeinſchaft vereinigt werden, vorbehaltlich der Verguͤtung oder Schadloshaltung. 4o7. Das unbewegliche Gut, welches waͤhrend der Ehe durch Austauſchung gegen ein einem der beiden Ehegatten an⸗ gehorendes unbewegliches Gut waͤßrend der Ebe erworben wor⸗ den, zählt nicht zu der Guͤtergemeinſchaft; es trit an die Stelle und den Platz desjenigen, welches veraͤußert worden, mit Vorbehalt des Erſatzes, wenn eine Herausgabe bei dem Tauſch ſtatt hat. 1403. Die waͤhrend der Ebe entweder durch Verſteigerung oder auf eine andere Art gemachte Erwerbung des Antheils eines unbeweglichen Gutes, wovon der eine der Ebegatten in ungetheilter Gemeinſchaft Eigenthuͤmer war, macht keinen — 243— Cheil der ehelichen Errungenſchaft aus, jedoch muß die Ge⸗ meinſchaft fuͤr die Summe entſchaͤdiget werden, welche ſie zu dieſem Ankauf geſchoſſen hat. In dem Falle, wo der Ehegatte allein und in ſeinem per⸗ ſoͤnlichen Namen entweder den Antbeil oder das ganze un⸗ bewegliche Gut, welches der Frau unter dem Sitel der Unge⸗ theiltheit zugeboͤrt, kaufte oder ſteigerte, ſo hat dieſe Frau bei Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft die Wahl, entweder das Gut der Guͤtergemeinſchaft abzutreten, welche alsdann gegen eben dieſe Frau Schuldnerin von dem Antbeile des Kauf⸗ oder Steigpreiſes wird, welcher ihr zugehoͤrt; oder das unbe⸗ wegliche Gut an ſich zu ziehen und der Guͤtergemeinſchaft den Kauf⸗ oder Steigpreis zuruͤck zu erſtatten. Zweiter Paragrapb. Von dem paſſiven Vermoͤgen der Guͤtergemeinſchaft und von den Rechtsklagen, welche daraus gegen dieſelbe erhoben werden konnen. 1409. Das paſſive Vermoͤgen der Guͤtergemeinſchaft beſteht aus tens. Allen beweglichen Schulden, mit denen die Ehegat⸗ ten am Tage der Hochzeitsfeier belaſtet waren, oder womit die Erbſchaften, welche ihnen waͤbrend der Heurath zufallen, belaſtet ſind, vorbehaltlich der Verguͤtung fuͤr diejenigen, die auf die unbeweglichen Guͤter Bezug haben, welche dem einen oder dem andern Gatten eigenthuͤmlich zuſtehen. atens. Aus den Schulden ſowohl in Hauptſummen als Ruͤckſtaͤnden oder Zinſen, welchen der Gatte waͤhrend der Guͤtergemeinſchaft oder die Frau mit Einwilligung ibres Gat⸗ ten gemacht hat, vorbehaltlich der Wiedererſtattung in den Faͤllen, wo dieſelbige ſtatt haben kann. ztens. Aus den alleinigen Ruͤckſtaͤnden und Zinſen von Renten oder Paſſivſchulden, welche den beiden Gatten perſoͤn⸗ lich ſind. atens. Aus den nutznießlichen Ausbeſſerungen der unbeweg⸗ lichen Guter, welche nicht zu der Guͤtergemeinſchaft zaͤblen. stens. Aus den Nahrungsgebalten der Gatten, der Erzie⸗ bung und unterhaltung der Kinder und jeder anderer eheli⸗ chen Laſt. 1410. Die Guͤtergemeinſchaft haftet fur die Entrichtung der durch die Frau vor der Verheirathung gemachten Mobiliar⸗ ſchulden nur in ſo ferne, als ſolche aus einer authentiſchen Q2 — 244— der Heurath vorbergegangenen urkunde erhellen, oder wenn ſie vor dieſer naͤmlichen Zeitfriſt ein gewiſſes Datum entwe⸗ der durch die Einregiſtrirung oder durch das Abſterben eines oder mehrerer derienigen, welche gedachte Urkunde unterſchrie⸗ ben haben, erhielten. Der Glaͤubiger der Frau kann auf eine Urkunde hin, welche vor der Verheurathung keinen gewiſſen Datum hat, ſeine Be⸗ zahlung gegen ſie nur auf das alleinige Eigenthum ihrer per⸗ ſoͤnlichen unbeweglichen Guͤter gerichtlich betreiben. Der Gatte, welcher vorgeben wollte, fuͤr ſeine Frau eine Schuld dieſer Art bezahlt zu haben, kann die Ruͤckerſtattung davon weder von ſeiner Frau noch ihren Erben fodern. 1411. Die Schulden einer blos beweglichen Verlaſſenſchaft, welche den Ehegatten waͤhrend der Heurath zufallen, liegen dem Ganzen nach der Guͤtergemeinſchaft zur Laſt. 1412. Die Schulden einer blos unbeweglichen Verlaſſenſchaft, welche einem der Gatten waͤhrend der Heurath zufaͤllt, liegen der Guͤtergemeinſchaft nicht zur Laſt, vorbehaltlich des Rechts welches die Glaͤubiger haben, ibre Bezahlung auf die unbeweg⸗ lichen Guͤter dieſer Verlaſſenſchaft gerichtlich zu betreiben. Wenn jedoch die Verlaſſenſchaft dem Ehemanne zufaͤllt, ſo koͤnnen die Glaͤubiger derſelben ihre Bezahlung entweder auf die eigenthuͤmlichen Guͤter des Mannes, ja ſogar auf jene der Guͤtergemeinſchaft gerichtlich betreiben, mit Vorbebalt je⸗ doch in dieſem zweitern Falle des der Frau oder ihren Erben ſchuldigen Erſatzes. 1413. Wenn eine blos unbewegliche Verlaſſenſchaft der Frau zugefallen iſt, und dieſelbe ſolche mit Einwilligung ihres Mannes angenommen hat, ſo koͤnnen die Glaͤubiger der Ver⸗ laſſenſchaft ihre Bezahlung auf alle verſönliche Guͤter der Frau gerichtlich betreiben. Aber, wenn die Verlaſſenſchaft von der Frau, welche bei der Verweigerung der Einwilligung ihres Gatten gerichtlich ermaͤchtiget worden war, angenom⸗ men worden, ſo koͤnnen die Glaͤubiger in dem Falle der Un⸗ zuluͤnglichkeit der unbeweglichen Guͤter der Verlaſſenſchaft ſich nur auf das reine Eigenthum der andern perſoͤnlichen Guͤter der Frau gerichtlich vorſehen. 1414. Wenn die einem der Ehegatten zugefallene Erbſchaft theils aus beweglichen, theils aus unbeweglichen Guͤtern be⸗ ſteht, ſo fallen die Schulden, womit ſie belaſtet iſt, nur bis auf den Betrag desjenigen Antheils der unbeweglichen Guͤter, — 245— welche zur Silgung der Schulden beizutragen haben, nach an⸗ geſtelltem Vergleich des Werths der beweglichen gegen jenen der unbeweglichen Guͤter, der Guͤtergemeinſchaft zur Laſt⸗ Dieſer Antheil, welcher dazu beitragen muß, wird nach dem Inventarium beſtimmt, zu deſſen Verfertigung der Ehemann entweder fuͤr ſich ſelbſt, wenn die Erbſchaft ihn perſoͤnlich betrifft, oder als jener, der die Handlungen ſeiner Gattin leitet und ermaͤchtiget, wenn von einer derſelben zugefallenen Erbſchaft die Sprache iſt, Anſtalten treffen muß. 1415. In Ermanglung dieſes Inventariums und in allen Fuͤllen, wo deſſen Abgang der Frau nachtbeilig iſt, kann ſie oder ihre Erben bei Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft die ihr von rechtswegen zuſtehende Wiedererſtattung einklagen und ſogar durch urkunden und haͤusliche Schriften, als auch durch Zeugen, und noͤthigenfalls auch durch den gemeinen Ruf Beweis fuͤhren, worin das nicht inventirte bewegliche Vermoͤgen beſtanden habe und welches deſſelben Werth geweſen ſei. Der Ehemann wird niemal angenommen ſolchen Beweis zu führen. 1416. Die Verfuͤgungen des 14raten Artikels hindern die Glaͤubiger einer, theils aus beweglichen, theils aus unbeweg⸗ lichen Guͤtern beſtebenden Erbſchaft nicht, ihre Bezahlung auf die Guͤter der Gemeinſchaft gerichtlich zu verfolgen, dieſelbe mag nun entweder dem Gatten oder der Gattin mit Einwil⸗ ligung ihres Shemannes zu gefallen ſein, alles mit Vorbe⸗ halt gegenſeitiger Wiedererſtattungen. Eben ſo verhaͤlt es ſich, wenn die Erbſchaft uur von der gerichtlich ermaͤchtigten Ehefrau angenommen worden, und der bewegliche Theil davon dennoch ohne vorher gemachtes Inventarium mit der Guͤtergemeinſchaft vermengt worden. rz17. Wenn die Frau auf Weigerung ihres Mannes von Gerichtswegen ermaͤchtiget eine Verlaſſenſchaft angenommen hat, und ein Inventarium davon borhanden war, ſo koͤnnen die Glaͤubiger nur auf die beweglichen und unbeweglichen Guͤter gedachter Verlaſſenſchaft, und im Falle der unzulaͤnglichkeit der⸗ ſelben auf das alleinige Eigenthum der andern verſoͤnlichen Guͤ⸗ ter der Frau ihre Bezahlung gerichtlich betreiben. ra1s. Die durch den tarrten und die folgenden Artikel aufge⸗ ſtellten Regeln ordnen an, wie es mit den Schulden, die von einer Schenkung abhaͤngen, gehalten werden ſoll, ſo wie ſie vorſchreiben, wie es mit jenen zu halten iſt, die von einer Verlaſſenſchaft herkommen. — 246— 1419. Die Glaͤubiger koͤnnen die Bezahlung der Schulden, welche die Frau mit Einwilligung ihres Mannes gemacht hat, ſowohl auf die Guͤter der Guͤtergemeinſchaft als auch auf jene des Gatten oder der Frau gerichtlich betreiben, vor⸗ behaltlich des Wiedererſatzes, welcher an die Guͤtergemeinſchaft oder der Entſchaͤdigung, welche dem Manne zu erſtatten iſt. 1a20. Jede Schuld, welche von der Frau nur in Gefolge einer allgemeinen oder beſondern Vollmacht des Gatten ge⸗ macht worden, liegt der Guͤtergemeinſchaft zur Laſt; und der Glaͤubiger kann die Bezahlung weder gegen die Frau noch auf die ihr perſoͤnlichen Guͤter gerichtlich betreiben⸗ Zzweiter Abſchnitt. Von der Verwaltung der Guͤtergemeinſchaft und von der Wirkung der Urkunden des einen oder des an⸗ dern Ehegatten in Hinſicht auf die eheliche Ge⸗ ſellſchaft. 1421. Der Mann verwaltet allein die gemeinſchaftlichen Guͤter. Er kann ſie ohne Mitwirkung der Frau verkaufen, veraͤuſ⸗ ſern und verpfaͤnden. 1422. Er kann durch Schenkungen zwiſchen Lebenden we⸗ der uͤber die unbewegliche Guͤter der Gemeinſchaft, noch uͤber das Ganze oder einen Theil des beweglichen Vermogens verfuͤgen, wenn es nicht wegen der Niederlaſſung der gemein⸗ ſchaftlichen Kinder geſchieht. Er kann jedoch unter einem wohlthaͤtigen und Partikular⸗ Litel zum Beſten einer jeden Perſon uͤber bewegliche Habe verſuͤgen, wofern er ſich nicht die Nutznießung davon vorbehalt. 1423. Die teſtamentariſche Schenkung, welche der Mann macht, kann ſeinen Antheil an dem gemeinſchaftlichen Ver⸗ moͤgen nicht uͤberſteigen. Hat er in dieſer Form eine Sache aus der Gemeinſchaft geſchenkt, ſo kann ſie der Geſchenknehmer nur dann in Natur begehren, wenn die Sache durch die Theilung in das Loos der Erben des Mannes faͤllt. Faͤllt ſie dieſen nicht im Loos zu, ſo hat der mit Vermaͤchtniß Bedachte Anſpruch an Erſatz des volligen Werths der geſchenkten Sache aus dem Anthei⸗ le der Erben des Mannes an dem gemeinſchaftlichen und aus dem perſoͤnlichen Vermoͤgen dieſes letztern. — 247— r24. Die Geldſtrafen, die der Mann wegen Verbrechen, die den buͤrgerlichen Tod nicht nach ſich fuͤhren, ſich zugezo⸗ gen hat, koͤnnen gegen die gemeinſchaftlichen Guͤter verfolgt werden, mit Vorbehalt des der Frau gebuͤhrenden Erſatzes; Geldſtrafen, in welche die Frau verfallen iſt, koͤnnen, ſo lange die Guͤtergemeinſchaft dauert, nur gegen das bloße Ei⸗ genthum ibrer perſoͤnlichen Guͤter vollzogen werden. 1425. Die Verurtheilungen, welche gegen einen der Ehe⸗ gatten wegen Verbrechen, die den buͤrgerlichen Tod zur Folge haben, ausgeſprochen worden, treffen blos ſeinen Antheil an dem gemeinſchaftlichen und ſein perſonliches Vermoͤgen. 1426. Akte, welche die Frau ohne Beiſtimmung ihres Man⸗ nes, waͤre es auch mit Bevollmaͤchtigung der Gerichte, ge⸗ ſchloſſen hat, verbinden die gemeinſchaftlichen Guͤter nicht; es ſei denn, daß ſie als oͤffentliche Handelsfrau und in Sa⸗ chen ihres Handels Vertraͤge abſchließe. raa7. Die Frau kann ſich weder ſelbſt verpflichten noch die gemeinſchaftlichen Guͤter verpfaͤnden, ſogar auch nicht, um ihren Mann aus dem Gefaͤngniß zu befreien, oder wegen der Niederlaſſung ihrer Kinder im Falle der Abweſenheit des Man⸗ nes; wofern ſie nicht vorher gerichtlich dazu bevollmaͤchtigt worden iſt. 1428. Der Mann hat die Verwaltung aller perſonlich ei⸗ genthuͤmlichen Guͤter der Frau. Er kann alle Mobiliar⸗ und poſſeſſoriſche der Frau zuſte⸗ hende Klagen allein anſtellen. Er kann das ſeiner Frau perſönlich zugehoͤrige unbewegli⸗ che Vermoͤgen ohne ihre Beiſtimmung nicht veräußern. Er iſt fur jeden Verfall der verſonlichen Guͤter ſeiner Frau verantwortlich, wenn er unterlaſſen hat, die zu ihrer Erhal⸗ tung noͤthigen Maaßregeln zu treffen. r429. Die Verpachtungen, welche der Mann mit den Gü⸗ tern ſeiner Frau, fuͤr ſich allein, auf mehr als neun Jahre abgeſchloſſen hat, verbinden, im Falle der Auflöſung der Guͤ⸗ tergemeinſchaft, die Frau oder ihre Erben blos fur jene Zeit⸗ die an dem erſten Zeitraum von neun Jahren noch uͤbrig iſt, wenn die Partheien ſich noch in derſelben befinden, oder an dem zweiten, und ſo ferner, ſo daß der Päͤchter nur das Recht bat, den Genuß des neunjaͤhrigen Zeitraums, worin er ſich befindet, zu vollenden. razo. Die Verpachtungen von neun oder weniger Jahren, welche der Mann fuͤr ſich, mit den Guͤtern ſeiner Frau, mehr als — 248— drei Jahee vor dem Ende des laufenden Pachtvertrags, wenn es Feldguͤter, und mehr als zwei Jahre vor demſelben Zeit⸗ punkte, wenn es Häuſer betrifft, abgeſchloſſen oder erneuert hat, ſind ohne Wirkung, wofern ihre Vollziehung nicht vor der Aufloſung der Guͤtergemeinfchaft angefangen hat. 1431. Die Frau, welche ſich ſolidariſch mit ihrem Manne in Angelegenheiten der Guͤtergemeinſchaft oder jenen des Man⸗ nes verpflichtet, wird in Hinſicht auf dieſen nur als verpflich⸗ teter Buͤrge angeſehen; ſie muß fuͤr die von ihr uͤbernom⸗ menen Verbindlichkeit entſchaͤdigt werden. 1432. Der Mann, welcher, wenn ſeine Frau ein ihr per⸗ ſoͤnlich zugehoͤriges, unbewegliches Eigenthum verkauft hat, ſolidariſch oder auf andere Art ſich dafuͤr verbuͤrgt, hat ebenfalls ſeinen Ruͤckanſpruch an ſie, ſowohl gegen ihren An⸗ theil an den gemeinſchaftlichen als an ihren perſoͤnlichen Guͤ⸗ tern, wofern er deswegen beunruhigt wird. 1433. Wird ein, einem der Ehegatten zugehoͤriges, unbe⸗ wegliches Gut verkauft, oder ſind Grund⸗Dienſtleiſtungen, die einem eigenthuͤmlichen Erbgut des einen Gatten gebuͤhren, in Geld losgekauft, und der Betrag, ohne alle Wiederanle⸗ gung in die Gemeinſchaft eingeſchoſſen worden, ſo wird die⸗ ſer Betrag zum Vortheil des Gatten, welcher Eigenthuͤmer entweder des verkauften unbeweglichen Guts, oder der losge⸗ kauften Grund⸗Dienſtleiſtungen war, zum Voraus von dem gemeinſchaftlichen Vermoͤgen erhoben. 1a34. Man haͤlt dafuͤr, die Wiederanlegung ſei in Hinſicht des Mannes gemacht worden, wenn er bei einem iedesmali⸗ gen Erwerbkaufe erklaͤrt hat, derſelbe ſei aus den Geldern ge⸗ macht worden, die aus dem Verkaufe eines unbewegliches Gu⸗ tes herkommen, das ihm eigenthuͤmlich war, und ſei in der Abſicht geſcheben, ihm zum Ruͤckerſatze zu dienen. 1435. Die Erklaͤrung des Mannes, daß der Ankauf von dem Gelde geſchehen ſei, welches aus dem der Frau zugehörigen, verkauften unbeweglichen Gute erloͤßt worden, und daß der⸗ ſelbige als Wiederanlegung dienen ſoll, iſt nicht hinreichend, wofern nicht die Frau dieſe Wiederanlegung foͤrmlich angenom⸗ men hat; ſie hat in dieſem Falle, bei Auflöſung der Guͤter⸗ gemeinſchaft, blos Anſpruch auf Wiedererſatz des Kaufpreiſes ihres verkauften unbeweglichen Guts. 1435. Der Erſatz des Kaufpreiſes eines dem Manne zuſtän⸗ digen unbeweglichen Gutes kann nur aus dem gemeinſchaft — 249— lichen Vermoͤgen, der Erſatz aber des der Frau zugeboͤrigen, kann, wofern die gemeinſchaftliche Maſſe nicht hinreicht, auch aus den perſoͤnlichen Guͤtern des Mannes erſetzt werden. In allen Fällen findet der Erſatz nur auf dem Fuß des Verkaufes ſtatt, was auch immer uͤber den Werth des ver⸗ außerten unbeweglichen Guts angefuͤhrt werden mag. 1437. So oft eine Summe aus der Gemeinſchaft genom⸗ men wird, entweder um perſoͤnliche Schulden oder Laſten des einen Ehegatten, z. B. den Kaufpreis eines ihm eigenthuͤm⸗ lichen unbeweglichen Guts ganz oder zum Theil oder den Los⸗ kaufpreis von Grund⸗Dienſtleiſtungen abzutragen oder um ſeine perſoͤnlichen Guͤter wieder zu erlangen, zu erhalten oder zu verbeſſern, kurz ſo oſt einer der Ehegatten einen perſoͤn⸗ lichen Vortheil aus den gemeinſchaftlichen Guͤtern gezogen hat, iſt er zum Erſatz verpflichtet. 1438. Wenn der Vater und die Mutter ein gemeinſchaftli⸗ ches Kind mit einander ausgeſteuert haben, ohne zu erklaͤren, welchen Antheil jeder dazu beizutragen Willens war, ſo wer⸗ den ſie angeſehen, als habe jeder die Haͤlfte gegeben, die Aus⸗ ſteuer mag nun in Sachen aus dem gemeinſchaftlichen oder aus dem perſoͤnlichen Vermoͤgen des einen Ehegatten geliefert oder verſprochen worden ſein. In dem zweiten Falle hat derjenige Gatte, deſſen perſoͤn⸗ liches unbewegliches Gut oder Sache als Ausſteuer angewen⸗ det worden iſt, einen Entſchaͤdigungsanſpruch wegen der Haͤlfte der erwaͤhnten Ausſtattung, mit Ruͤckſicht auf den Werth der geſchenkten Sache zur Zeit der Schenkung, gegen das Ver⸗ moͤgen des andern Gatten. 1439. Die von dem Manne allein, dem gemeinſchaftlichen Kinde, in Gegenſtaͤnden des gemeinſchaftlichen Vermoͤgens feſtgeſetzte Ausſteuer, fuͤllt der Gemeinſchaft zur Laſt; und in dem Falle, wo die Gemeinſchaft von der Frau angenom⸗ men wird, muß dieſe die halbe Ausſteuer tragen, wofern der Mann nicht ausdruͤcklich erklaͤrt hat, daß er ſie ganz oder mehr als die Hälfte uͤbernehme. 1440. Jeder, der eine Ausſteuer feſtgeſetzt, hat die Gewähr⸗ leiſtung derſelben auf ſich; und ihre Zinſen laufen von dem Tage der Heurath an, ſogar wenn ein Lermin zur Zahlung beſtimmt iſt, wenn anders keine entgegengeſetzte Ausbedingung vorliegt. — 250— Dritter Abſchnitt. Von der Auſoͤfung der Guͤtergemeinſchaft und eini⸗ gen ihrer Folgen. 1441. Die Guͤtergemeinſchaft wird aufgeloͤßt: 1tens. Durch den natuͤrlichen, atens. Durch den buͤrgerlichen Tod, ztens. Durch die Eheſcheidung, atens. Durch die Abſonderung von Siſch und Bett, Ftens. Durch die Abſonderung der Guͤter. 1ga2. Die Ermanglung einer Vermoͤgensbeſchreibung nach dem natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Tode des einen Ehegatten gibt nicht urſache zur Fortſetzung der Guͤtergemeinſchaft, vor⸗ behaltlich der Klagen der dabei betheiligten Partheien in Be⸗ treff des Beſtandes der gemeinſchaftlichen Guͤter und Effekten, wovon der Beweis ſowohl durch urkunden als durch den oͤf⸗ fentlichen Ruf gefuͤhrt werden kann. Sind minderjaͤhrige Kinder vorhanden, ſo zieht die Unter⸗ laſſung einer Vermoͤgensbeſchreibung dem uͤberlebenden Gatten den Verluſt des Genuſſes ihrer Einkuͤnfte zu; und der zuge⸗ ordnete Vormund, welcher ihn nicht angehalten hat, inven⸗ tiren zu laſſen, iſt mit ihm ſolidariſch wegen allen Verurthei⸗ lungen verpflichtet, welche zum Vortheil der Minderiaͤhri⸗ gen ausgeſprochen werden koͤnnten. 1443. Die Guͤtertrennung kann von der Frau, deren Ein⸗ gebrachtes in Gefahr iſt, nur dann gerichtlich verfolgt wer⸗ werden, wenn die Unordnung in den Geſchäften des Mannes befuͤrchten laͤßt, daß ſein Vermoͤgen nicht binreichen möͤchte, um die Anſpruͤche und Zuruͤcknahme derſelben zu decken. Jede freiwillige Guͤtertrennung iſt unguͤltig. 1aa4. Die Trennung der Guͤter, auch wenn ſie gerichtlich ausgeſprochen worden, iſt nichtig, wenn ſie nicht durch wirk⸗ liche Bezahlung der Anſpruͤche und Entrichtung des Erſatzes der Frau, die durch eine rechtsbeſtaͤndige Urkunde, ſoweit das Vermoͤgen des Mannes reicht, geſchehen ſein muß, oder we⸗ nigſtens durch Pourſuiten, welche in den erſten vierzehn Ta⸗ gen nach dem urtheil angefangen und ſeitdem nicht unterbro⸗ chen worden ſind, vollzogen worden iſt. 1445. Jede Guͤter ⸗Abſonderung muß, bei Straße der Nich⸗ tigkeit, vor ihrer Vollziebung, durch Anſchlag auf einer dazu beſtimmten Lafel in dem Hauptſaale des Gerichtes erſter Inſtanz und ferner, wenn der Mann Kaufmann, Wechsler oder Handelsmann iſt, in dem Saale des Handelsgerichts ſeines Wohnorts bekannt gemacht werden. Das Urtheil, welches die Gutertrennung ausſpricht, greift in ſeinen Wirkungen bis zum Tage des Geſuchs zuruͤck. 1446. Die verſoͤnlichen Glaͤubiger der Frau konnen nicht obne ihre Einwilligung die Guͤtertrennung begehren⸗ Jedoch koͤnnen ſie, im Falle der Mann bankerot wuͤrde, oder zu Grunde gienge, die Rechte ihrer Schuldnerin bis zur Erreichung des Betrags ihrer Schuldfoderungen betreiben. 1447. Die Glaͤubiger des Mannes konnen gegen die aus⸗ geſprochene und ſogar vollzogene Guͤtertrennung, welche ſie um ihre Anſpruche betrugt, einkommen; ſie koͤnnen ſogar in dem Rechtsſtreite uͤber das Trennungsgeſuch als Darzwiſchen⸗ kommende auftreten um es zu beſtreiten. 1448. Die Frau, welche die Guͤter⸗Abſonderung erlangt hat, muß im Verhaͤltniß ihres Vermoͤgens mit jenem ihres Mannes ſowohl zu den Koſten der Haushaltung als der Er⸗ ziehung der gemeinſchaftlichen Kinder beitrasen⸗ Bleibt dem Manne nichts uͤbrig, ſo muß ſie dieſe Koſten allein tragen. rga9. Die von Liſch und Bett, oder blos in dem Vermoͤ⸗ gen abgeſonderte Frau bekoͤmmt wieder die freie Verwaltung deſſelben. Sie kann uͤber ihr bewegliches Eigenthum verfuͤgen und es veraͤuſſern. Ihr unbewegliches Gut kann ſie nur mit Einwilligung des Mannes, oder wenn er ſie verweigert, mit Bevollmaͤchtigung des Gerichts veraͤuſſern. 1450. Der Mann hat nicht fuͤr die Unterlaſſung der Anlegung oder Wiedererlegung des Kaufpreißes eines unbeweglichen Guts zu ſtehen, welches die abgeſonderte Frau mit Bevollmaͤchtigung des Gerichts veraͤuſſert hat, wofern er nicht zu dem Vertrag mitgewirkt hat, oder wenn es nicht erwieſen iſt, daß er die Gelder empfangen oder zu ſeinem Vortheil verwendet hat. Er ſteht fuͤr die Nichtanwendung oder Nichtwiederanwen⸗ dung, wenn der Verkauf in ſeiner Gegenwart und mit ſeiner Einwilligung geſchloſſen worden iſt, aber nicht fuͤr die Nuͤtz⸗ lichkeit dieſer Anlegung. 1451. Die durch Abſonderung von Liſch und Bett oder blos durch Guͤtertrennung aufgelößte Gemeinſchaft kann mit Einwilligung beider Partheien wieder hergeſtellt werden ⸗ Dieſes kann nur durch einen vor Notarien und mit ur⸗ ſchrift aufgeſetzten Akt, wovon eine Ausfertigung in der Form des raas Artikels angeſchlagen werden muß, geſchehen. In dieſem Falle geht die wiederhergeſtellte Gemeinſchaft in ihrer Wirkung bis zu dem Tage der Heurath zuruͤck; die Dinge werden wieder in den Zuſtand verſetzt als wenn keine Abſonderung ſtatt gehabt haͤtte, ohnbeſchadet jedoch der Voll⸗ ziehung der Akte, welche die Frau in der Zwiſchenzeit, dem 1445 Artikel gemäß, geſchloſſen haben kann. Jede Uebereinkunft, wodurch die Ehegatten ihre Gemein⸗ ſchaft unter andern Bedingungen, als denjenigen, die ſie vor⸗ her beſtimmten, wiederherſtellen wuͤrden, iſt nichtig. 1a5a. Die durch Eheſcheidung, oder durch Trennung von Diſch und Bett oder durch bloße Guͤtertrennung bewirkte Auf⸗ loßung der Gemeinſchaft eroͤfnet noch nicht fuͤr die Frau die Rechte des Ueberlebens; allein ſie bleibt befugt, ſie zur Zeit des natuͤrlichen oder buͤrgerlichen Todes ihres Mannes geltend zu machen. Pierter Abſchnitt. Von der Annahme der Guͤtergemeinſchaft, und von der Verzichtleiſtung die man darauf machen kann, mit den Bedingungen, welche dahin Bezug haben. 1453. Nach der Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft haben die Frau oder ihre Erben und in ihre Rechte Eingetretenen die Befugniß, ſie anzunehmen oder darauf Verzicht zu leiſten; jede zuwiderſtrebende Uebereinkunft iſt nichtig. 1464. Die Frau welche ſich einmal in die Guͤter der Guͤter⸗ gemeinſchaft gemiſcht hat, kann nicht mehr darauf Verzicht leiſten. Die Handlungen der alleinigen Verwaltung oder Erhaltung der Guͤter, laſſen nicht ſchließen, daß man ſich darein gemiſcht habe. r456. Die großjaͤhrige Frau, welche in einer Urkunde die Eigenſchaft als Theilbaberin an der Guͤtergemeinſchaft an⸗ genommen hat, kann nicht mehr darauf Verzicht leiſten, noch ſich gegen dieſe Eigenſchaft in den vorigen Stand wieder ein⸗ ſetzen laſſen, wenn ſie auch dieſelbe angenommen hätte, ehe ſie Inventarium der Guͤter verfertigen ließ, wenn anders von Seiten der Erben ihres Gatten kein Betrug ſtatt gehabt hat. — 253— 1466. Die uͤberlebende Ehefrau, welche, die Befugniß bei⸗ behalten will, auf die Guͤtergemeinſchaft Verzicht zu leiſten, muß innerhalb der drei Monathe von dem Tage des Abſter⸗ bens ihres Ehemannes gerechnet, gleichzeitig mit den Erben ihres Gatten oder ohne dieſelben, wenn ſie jedoch geſetzlich dazu aufgefodert worden, ein getreues und genaues Inventa⸗ rium aller zu der Guͤtergemeinſchaft gehoͤrigen Guͤter verfer⸗ tigen laſſen. Dieſes Inventarium muß ſie, wenn es geſchloſſen wird, von dem oͤffentlichen Beamten, welcher es niedergeſchrieben hat, als redlich und wahrhaft betheuern. 1487. In den drei Monathen und vierzig Tagen, nach dem Abſterben des Ehegatten, muß ſie ihre Verzichtleiſtung auf der Gerichtsſchreiberei des Tribunals erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk der Ehegatte ſein Domizilium hatte, machen. Dieſe urkunde muß auf das zur Aufnahme der Verzichtleiſtungen auf Erbſchaften errichtete Regiſter eingetragen werden. r453. Die Wittib kann nach Verſchiedenheit der Umſtaͤnde von dem buͤrgerlichen Gerichtshofe eine Verlaͤngerung der durch den vorhergehenden Artikel vorgeſchrieben Zeitfriſt be⸗ gehren, um ihre Verzichtleiſtung zu machen. Dieſe Verlaͤnge⸗ rung wird, nach dem auch die Erben des Gatten angehoͤrt worden, oder wenn ſie auch nicht angehoͤrt worden, doch ge⸗ ſetzmaͤßig berufen waren, ausgeſprochen werden. 1469. Die Wittib, welche in der oben angegebenen Zeitfriſt ihre Verzichtleiſtung nicht gemacht hat, iſt der Befugniß Ver⸗ zicht zu leiſten nicht verlußtiget, wenn ſie ſich nicht in die Guͤ⸗ tergemeinſchaft gemiſchet und ihr Inventarium gemacht hat; ſie kann nur ſo lange als Theilhaberin an der Guͤtergemeinſchaft gerichtlich verfolgt werden, bis ſie wirklich Verzicht gele iſtet bat, und ſie iſt ſchuldig die gegen ſie bis zu der Verzichtlei⸗ ſtung aufgelaufenen Koͤſten zu erlegen. Iſt das Inventarium vor dem Verlaufe von dreien Mona⸗ then geſchloſſen worden, ſo kann ſie ebenfalls gerichtlich be⸗ langt werden, ſobald von dem Abſchluße an gerechnet vier⸗ zig Tage verſtrichen ſind. 1460. Die Wittib, welche einige Geraͤthe der Guͤtergemein⸗ ſchaft beſeitiget oder verſteckt hat, iſt eben dadurch als Theil⸗ haberin an derſelben erklaͤrt, wenn ſie auch gleich Verzicht leiſtete; eben ſo verhaͤlt es ſich mit ihren Erben. 1461. Wenn die Wittib vor dem Verlauf der drei Mona⸗ — 254— then ſtirbt, ohne ihr Inventarium zu Ende gebracht zu haben, ſo ſollen ihre Erben, um daſſelbe zu machen oder machen zu laſſen, eine neue Zeitfriſt von drei Monathen von dem Sage des Abſterbens der Wittib gerechnet, und nach dem Schluſſe des Inventariums noch eine andere von vierzig Tagen zur Beratbſchlagung haben. Wenn die Wittib ſtirbt, nachdem das Inventarium ſchon geſchloſſen iſt, ſo ollen ibre Erben zur Berathſchlagung eine neue Zeiſtfriſt von vierzig Dagen von jenem des Abſterbens der Wittib gerechnet baben⸗ Sie koͤnnen uͤberdies nach den oben aufgeſtellten Formen auf die Guͤtergemeinſcbaft Verzicht leiſten, und die Artikel 1458 und 1489 ſind auf ſie anwendbar. ra62. Die Verfuͤgungen des r456ten und der folgenden Artikel ſind anwendbar auf die Weiber, deren Maͤnner buͤr⸗ gerlich geſtorben ſind, und dieſes von dem Augenblick an, wo der buͤrgerliche Tod angefangen hat⸗ 1463. Die geſchiedene oder dem Koͤrper nach getrennte Frau, welche in den auf die endlich ausgeſprochene Eheſcheidung oder korperliche Trennung folgenden drei Monatben und vierzig Tagen die Guͤtergemeinſchaft nicht angenommen hat, wird angeſehen als babe ſie darauf Vericht geleiſtet, es ſei denn, daß, da ſie ſich noch in der Zeitfriſt befindet, ſie von Ge⸗ richtswegen eine Verluͤngerung erhalten habe, nachdem auch ihr Chemann angehoͤrt oder doch wenigſiens geſetzlich vorgela⸗ den worden. 1464. Die Gläubiger der Frau können die Verzichtleiſtung, welche von ihr oder ihren Erben zum Nachtheil ihrer Schuld⸗ titer gemacht worden, gerichtlich angreiſen, und die Guͤter⸗ gemeinſchaft aus ihrer eigenen Macht uͤber ſich nehmen. 1465. Die Wittib, ſie mag nun die Guͤtergemeinſchaft an⸗ genommen oder darauf Verzicht geleiſtet baben, hat waͤhrend den drei Monatben und vierzig Tagen, welche ihr zugeſtan⸗ den worden, um das Inventarium zu machen und zu berath⸗ ſchlagen, das Recht, von den vorhandenen Lebensmitteln ihre und ihres Geſindes Nahrung zu nehmen; ſollten aber keine vorhanden ſein, ſo kann ſie auf Rechnung der gemeinſchaft⸗ lichen Maſſe Anleihen machen, mit der Obliegenheit jedoch, in dem Gebrauche dieſes Rechts mäͤßig zu verfahren Sie iſt keine Hausmiethe ſchuldig von dem Aufenthalte, welchen ſie in einem der zur Gutergemeinſchaft gehoͤrigen⸗ oder den Erben ihres Mannes zuſtändigen Haͤuſern waͤhrend obigen Zeitfriſten zubringen konnte, und, wenn das Haus, welches die beiden Gatten zur Zeit der Aufloͤſung der Guͤter⸗ gemeinſchaft bewohnten, von ihnen gemiethet war, ſo ſoll die Frau waͤhrend den gedachten Zeitfriſten zur Entrichtung des bedungenen Mietözinſes nichts beitragen, ſondern derſelbe ſoll aus der Maſſe genommen werden. 1466. In dem Falle der Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft durch den Sod der Frau, koͤnnen die Erben auf dieſelbe in den Zeitfriſten und Formen, welche das Geſetz der uͤberleben⸗ den Frau vorſchreibt, Verzicht leiſten. Fuͤnfter Abſchntitt. Von der Theilung der Guͤtergemeinſchaft nach der Annahme. 1467. Nach der durch die Frau oder ihre Erben gemachten Annahme der Guͤtergemeinſchaft wird das Aktivweſen getheilt, und das Paſſivweſen uͤbernommen auf nachſtehende Art. Erſter Paragraph. Von der Theilung des Aktivweſens. ra6s. Die Gatten oder ihre Erben bringen in die Maſſe vorhandener Guͤter alles das zuruͤck, was ſie unter der Be⸗ nennung von Erſatz oder Entſchaͤdigung in die Guͤtergemein⸗ ſchaft ſchuldig ſind, und dies nach den oben in dem zweiten Abſchnitte des erſten Theils von gegenwaͤrtigem Kapitel vor⸗ geſchriebenen Regeln. 1469. Jeder Gatte oder Erbe bringt ebenfalls die Summe, welche aus der Guͤtergemeinſchaft bezogen worden, oder den Werth der Guͤter, welche der Gatte genommen hat, um das aus einer andern Ehe abſtammende Kind auszuſtatten oder fuͤr ſich allein das aus der gemeinſchaftlichen Ehe entſproſſene Kind auszuſteuern, dahin zuruͤck. 1470. Aus dieſer Guͤtermaſſe beziebt jeder Gatte oder ſein Erbe voraus utens. Seine perſoͤnlichen Guͤter, welche nicht in die Gemein⸗ ſchaft gefallen ſind, wenn ſie noch in Natur vorhanden ſind, oder diejenigen, die zu derſelben Erſatz erworben worden. atens. Den Preis ſeiner unheweglichen Guter, welche waͤb⸗ — 256— rend der Dauer der Guͤtergemeinſchaft veraͤußert, und an deren Stelle keine andere angekauft worden. ztens. Die Entſchaͤdigungen, welche die Guͤtergemeinſchaft ihm ſchuldig iſt. 1471. Das was die Frau zu beziehen hat, nimmt ſie vor dem was der Mann beziehen ſoll, hinweg. Betreffend die Guͤter, welche nicht mehr in Natur vorhan⸗ den ſind, ſo bezieben ſie dafuͤr erſtens klingendes Geld, dann bewegliche und endlich buͤlfsweiſe unbewegliche Guͤter aus der Gemeinſchaft. In dieſem letztern Falle hat die Frau und ihre Erben die Wabl der unbeweglichen Guͤter. 1472. Der Ehemann kann das, was er zum Voraus bezie⸗ ben ſoll, nur aus dem Vermoͤgen der Guͤtergemeinſchaft zuruͤck nehmen. In dem Falle der unzulaͤnglichkeit der gemeinſchaftlichen Guͤter bezieht die Frau und ihre Erben das ihrige von den perſoͤnlichen Guͤtern des Ehemannes. 1473. Die Wiedererſtattungen und in die Stelle verkaufter, angekaufte Guͤter, welche die Guͤtergemeinſchaft den Gatten ſchuldig iſt, ſo wie die Wiedererſtattungen und Entſchädiaun⸗ gen, welche ſie der Guͤtergemeinſchaft ſchuldig ſind, tragen von rechtswegen von dem Tage der Aufloͤſung gedachter Guͤ⸗ tergemeinſchaft Zinſe. 1474. Wenn beide Gatten das Ihrige aus der Maſſe bezo⸗ gen haben, ſo wird der Ueberreſt zur Haͤlfte zwiſchen ihnen oder ihren Stellvertretern getheilt. 1476. Wenn die Erben der Frau unter ſich getheilt ſind, ſo daß einer die Guͤtergemeinſchaft angenommen, der andere aber auf ſie Verzicht geleiſtet hat, ſo kann derjenige, welcher ſie angenommen, nur ſeinen maͤnnlichen und erblichen Antheil aus den Guͤtern, welche der Frau zum Lvos heimgefallen ſind, beziehen. Der Ueberreſt davon bleibt dem Ehemanne, welcher gegen den verzichtleiſtenden Erben die Rechte anzuerkennen hat, wel⸗ che die Frau in dem Falle der Verzichtleiſtung hätte ausuͤben konnen, jedoch nur bis zu dem alleinigen Betrag des perſoͤnli⸗ chen Erbantbeils des Verzichtleiſtenden. 1476. Uebrigens iſt die Theilung der Guͤtergemeinſchaft in Hinſicht alles deſſen, was die Formen, die Verſteigerung der unbeweglichen Guͤter, wenn ſolche ſtatt hatte, die Wirkungen der Theilung, die daraus entſpringende Buͤrgſchaft und Her⸗ ausgabe zur Gleſchſtellung der Looſe allen den Regeln, welche — 257— unter dem Litel von den Erbſchaften fuͤr die Theilungen zwiſchen den Miterben aufgeſtellt ſind, unterworfen. 1477. Jener der Ehegatten, welcher einige Effekten der Guͤ⸗ tergemeinſchaft entwendet oder verheimlicht hat, iſt ſeines An⸗ theils an dieſen gedachten Effekten beraubt. 1478. Wenn die Theilung geſchloſſen, und einer der bei⸗ den Ehegatten der perſoͤnliche Schuldner des andern iſt; zum Beiſpiele, wenn der Wertb ſeines Guts angewendet worden, eine perſoͤnliche Schuld des andern Gatten zu bezahlen, oder wenn irgend eine andere Urſache vorhanden iſt, ſo macht er ſeine Schuldforderung auf denjenigen Antheil, der dieſem an⸗ dern Gatten in der Guͤtergemeinſchaft zugefallen iſt, oder auf deſſen perſonliche Guͤter geltend. ra9. Die perſönlichen Schuldforderungen, welche die Ehe⸗ gatten gegen einander zu beſprechen haben, tragen keine Zinſe als von dem Dage an, wo ſie vor Gericht eingeklagt werden. raso. Die Schenkungen, welche ein Gatte dem andern hat machen können, werden nur von dem Antheil, welchen der Geſchenkgeber an der Guͤtergemeinſchaft hat, und an ſeinen perſoͤnlichen Guͤtern genommen. 1481. Die Trauer, welche die Frau traͤgt, faͤllt den Erben des vorher verſtorbenen Gatten zu Laſt. Der Werth dieſer Drauer wird nach den Vermogensum⸗ ſtaͤnden des Gatten beſtimmt. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit der Frau, welche auf die Guͤ⸗ tergemeinſchaft Verzicht geleiſtet hat. Zweiter Paragraph. Von dem Paſſivweſen der Guͤtergemeinſchaft und den Beitraͤgen zur Tilgung der Schulden. 1482. Die Schulden der Guͤtergemeinſchaft kommen jedem der Ehegatten oder ibren Erben zur Häͤlfte zur Laſt; die Koͤſten fur die Siegelanlegung, das Inventarium, den Verkauf des Beweglichen, Liquidazion, Verſteigerung bei der Cbei⸗ lung machen einen Theil dieſer Schulden aus. 1483. Die Frau iſt zur Entrichtung der auf der Guͤterge⸗ meinſchaft baftenden Schulden, es ſei nun in Hinſicht ihres Gatten oder in Hinſicht der Glaͤubiger nur bis auf den Be⸗ trag ihres Vortheils verpflichtet, vorausgeſetzt, daß ein gutes und getreues Inventarium vorhanden ſei, und daß ſie ſo⸗ R — 28— wohl von dem Inhalt deſſelben als auch von dem, was ihr durch die Theilung zugefallen iſt, Rechnung ablege. 1434. Der Ehegatte iſt gehalten, den ganzen Betrag der auf der Guͤtergemeinſchaft haftenden Schulden, welche er gemacht hat, zu entrichten, vorbehaltlich ſeines Reareſſes gegen ſeine Frau oder derſelben Erben fuͤr die Haͤlfte dieſer Schulden. 1465. Er iſt nur fuͤr die Hälfte derjenigen, welche der Frau verſönlich, und nachher der Guͤtergemeinſchaft zur Laſt gefallen ſind, vepbindlich r466. Die Frau kann wegen dem ganzen Betrag der Schul⸗ den, welche von ihr ſelbſt herkommen, und der Guͤrergemein⸗ ſchaft einverleibt worden waren, gerichtlich belangt werden; vorbehaltlich ihres Regreſſes gegen den Ehemann oder ſeine Erben fur die Haͤlfte dieſer Schulden. i487. Die Frau, und ſollte ſie ſich auch perſoͤnlich fuͤr eine aus der Guͤtergemeinſchaft haftende Schuld verbindlich ge⸗ macht haben, kann dennoch nur fuͤr die Haͤlfte derſelben ge⸗ richtlich belangt werden, es ſei denn, die Verbindlichteit ſei ſolidariſch. 1438 Die Frau, welche an einer auf der Gemeinſchaft haftenden Schuld uber die Hälfte bezahlt hat, kann dieſes Ueberſchuſſes wegen an den Glaͤubiger keinen Anſpruch machen, es ſei denn, die daruͤber gegebene Quittung druͤcke nichts aus, als daß die Summe, welche ſie bezahlt hat, fuͤr ihre Haͤlfte ſei. 1489. Jener der beiden Gatten, welcher in Kraft einer Hy⸗ potheke, die auf einem unbeweglichen ihm zum Antheil zu⸗ gefallenen Gute haftet, fuͤr den ganzen Betrag einer Schuld, die zur Guͤtergemeinſchaft gehoͤrt, ſich gerichtlich verfolgt findet, hat von rechtswegen fuͤr die Haͤlfte dieſer Schuld ſeinen Regreß gegen ſeinen Mitgatten oder deſſen Erben. 1490. Die vorbergehenden Verfuͤgungen hindern nicht, daß nicht durch die Theilung der eine oder der andere von den Mittheilhabern verpflichtet werde, einen gewiſſen Betrag der Schulden uͤber die Haͤlfte, ja, daß er ſolche ganz bezahle. So oft der eine der Mittheilbabenden von den Schulden der Guͤtergemeinſchaft mehr bezahlt hat, als der Antheil be⸗ traat, zu deſſen Enrrichtung er verpflichtet war, ſo hat er je⸗ desmal ſeinen Regreß gegen denienigen, der in Verhaͤltniß auf ihn zu wenig bezahlt hat. 1491. Alles, was oben in Hinſicht auf den Ebemann oder die Ehefrau geſagt worden, hat auch Bezug auf die Erben des einen und der andern; und dieſe Erben uͤben die naͤmli⸗ chen Rechte aus und ſind den naͤmlichen Rechtsklagen unter⸗ worfen als der Gatte, deſſen Stelle ſie vertreten. Sechster Abſchnitt. Von der Verzichtleiſtung auf die Guͤtergemeinſchaft und den Wirkungen derſelben. 1492. Die auf die Guͤtergemeinſchaft verzichrleiſtende Frau verliert alles Recht auf die Guͤter der Gemeinſchaft, ſogar auf das bewegliche Weſen, welches unter ihrem Namen darzu eingebracht worden iſt. Sie zieht nur die zu ihrem Gebrauche noͤthige Leinwand⸗ und Kleidungsſtuͤcke daraus zuruͤcke. 1493. Die verzichtleiſtende Frau hat das Recht, wieder an ſich zu ziehen rtens. Die ihr zugehoͤrenden unbeweglichen Guͤter, wenn ſie noch in Natur vorhanden ſind, oder das unbewegliche Gut, welches an derſelben Erſatz erworben worden. atens. Den Werth fuͤr die unbeweglichen Guͤter, die ver⸗ ͤußert aber nicht erſetzt, oder deren Erſatz nicht angenommen worden, wie oben geſagt wurde. ztens. Alle Entſchaͤdigungen, welche die Guͤtergemeinſchaft ihr ſchuldig ſein mag. 1494. Die verzichtleiſtende Frau iſt von jedem Beitrage zu den Schulden der Guͤtergemeinſchaft ſowohhl in Hinſicht ihres Mannes als auch der Glaͤubiger entladen. Doch bleibt ſie gegen Letztere verpflichtet, wenn ſie ſich ſolidariſch mit ihrem Ehemanne verbunden hat, oder wenn die Schuld, welche nachher Schuld der Guͤtergemeinſchaft geworden, urſpruͤng⸗ lich von ihr ſelbſt herkam, alles dieſes mit Vorbehalt des Regreſſes gegen den Ehemann oder deſſen Erben. 1495. Sie kann alle oben aus einander geſetzte Rechtskla⸗ gen und Ruͤckforderungen ſowohl auf das Vermoͤgen der Guͤ⸗ tergemeinſchaft als auch auf die perſoͤnlichen Guͤter des Ehe⸗ mannes ausuͤben. Auch ihre Erben koͤnnen es mit dem naͤmlichen Rechte, mit Ausnahme jedoch deſſen, was das Vorauswegnehmen des Weiszeuges und der Kleidungsſtuͤcke, ſo wie die Wohnmiethe und den Nahrungsgehalt wäͤhrend der zur Verfertigung des Inventariums und zur Beratbſchlagung gegebenen R 2 — 2650— Zeitfriſt betrift, welche Rechte der uͤberlebenden Frau allein perſoͤnlich zuſteben. Verfuͤgungen in Hinſicht auf die geſetzliche Güter⸗ gemeinſchaft, wenn einer der beiden Ehegatten oder alle beide Kinder aus vorhergegangenen Ehen haben. 1496. Alles, was oben geſaat worden, ſoll auch dann beob⸗ achtet werden, wenn einer der Ehegatten oder alle beide, Kin⸗ der aus vorhergeganaenen Eben haben. Wenn jemal die Vermiſchung des beweglichen Vermoͤgens und der Schulden zum Vortbeil des einen der Ehegatten einen Vortheil bewirken ſollte, welcher betraͤchtlicher iſt als jener, wozu der 1098te Artikel in dem Ditel von den Schenkungen zwiſchen Lebenden und den Teſtamenten ermaͤchtiger, ſo haben die Kinder erſteret Ebe des andern Gat⸗ ten Rechtsklage auf Verminderung. Zweiter Theil. Von der auf Uebereinkunft gegruͤndeten Guͤtergemein⸗ ſchaft, und von den Verträgen, welche die geſetz⸗ liche Guͤtergemeinſchaft beſchränken oder ſogar ausſchließen koͤnnen. 1497. Die Ehegatten können die geſetzliche Guͤtergemein⸗ ſchaft durch jede Art von Vertraͤgen, welche den Artikeln 1387, 1388, 1389 und 1390 nicht zuwider ſind, beſchraͤnken. Die vorzuͤalichſten Beſchraͤnkungen ſind jene, welche ſtatt haben, indem man auf die eine oder andere der nachſtehen⸗ den Arten Ausbedingungen macht, naͤmlich rtens. Daß die Guͤtergemeinſchaft nur errungenes Gut in ſich begreife; atens. Daß das gegenwärtige oder zukuͤnftige bewegliche Vermoͤgen entweder gar nicht oder nur zum Theil zur Guͤ⸗ tergemeinſchaft geworfen werde; ztens. Daß man das ganze bewegliche Vermoͤgen oder einen Cbeil deſſelben, es ſei nun gegenwaͤrtig oder zukuͤnftig, als zu dem Mobiliarvermoͤgen geſchlagen darunter begreife; gtens. Daß jeder Ebegatte beſonders die Schulden bezahle, welche er vor ſeiner Verheurathung gemacht hat; Stens. Daß in dem Falle der Verzichtleiſtung die Frau ibr Beibringen frei und ledig zum voraus hinwegiiehes — 261— 6tens. Daß der uͤberlebende Gatte einen Vo raustbeil haben ſolle; 7tens. Daß die Ehegatten ungleiche Theile beziehen ſollen; stens. Daß unter ihnen eine Guͤtergemeinſchaft unter ei⸗ nem Univerſaltitel beſtehen ſolle. Erſter Abſſchnitt. Von der Guͤtergemeinſchaft, welche auf die Errun⸗ genſchaft beſchraͤnkt iſt. 1498. Wenn die Ehegatten unter ſich ausbedingen, daß unter ihnen nur eine Guͤtergemeinſchaft des errungenen Ver⸗ moͤgens ſtatt haben ſoll, ſo werden ſie angeſehen, als ſchließen ſie von der Guͤtergemeinſchaft die wirklichen und kuͤnftigen Schulden eines jeden von ihnen, ſo wie ihr jederſeitiges ge⸗ genwaͤrtiges und kuͤnftiges bewegliches Vermoͤgen aus. In dieſem Falle, und nachdem jeder der Gatten ſein recht⸗ lich bewaͤhrtes Beibrinaen zum Voraus bezogen hat, beſchraͤnkt ſich die Theilung auf die von beiden Ehegatten zuſammen oder von jedem beſonders waͤhrend der Ehe gemachte, und ſowohl von dem gemeinſchaftlichen Gewerbfleiße als von den an den Fruͤchten und Einkuͤnften der Guͤter der beiden Ehe⸗ gatten gemachten Erſparniſſen herkommende Rungenſchaft. 1499. Wenn das zur Zeit der abgeſchloſſenen Heurath vor⸗ handene oder waͤhrend der Zeit zugefallene bewegliche Ver⸗ moͤgen nicht durch ein Inventarium oder in guter Form er⸗ richtetes Verzeichniß bewaͤhrt worden, ſo wird es als Run⸗ genſchaft angeſehen. Zzweiter Abſchnitt. Von der Klauſel, welche das bewegliche Vermoͤgen entweder gaͤnzlich oder zum Theil von der Guͤter⸗ gemeinſchaft ausſchließt. 1500. Die Gatten können ihr ganzes gegenwaͤrtiges und zu⸗ kuͤnftiges bewegliches Vermoͤgen von ihrer Guͤtergemeinſchaft ausſchließen. Wenn ſie unter einander ausbedingen, daß ſie gegenſeitig bis auf den Betrag einer gewiſſen Summe oder eines beſtimm⸗ ten Werths in die Guͤtergemeinſchaft legen wollen, ſo werden ſie ſchon dadurch allein angeſehen, als behalten ſie ſich den Ueberſchuß vor. — 262— 1601. Dieſe Klauſel macht den Gatten zum Schuldner ge⸗ gen die Guͤtergemeinſchaft von der Summe, welche er ver. ſprochen hat, einzulegen, und ſie verbindet ihn, dieſes Einle⸗ gen zu beweiſen. 1502. Das Beibringen in Hinſicht des Mannes iſt hin⸗ laͤnglich durch die in ſeinem Heurathsvertrag ausgedruͤckte Er⸗ klärung, daß ſein bewegliches Gut von einem ſolchen Wertb iſt, bewaͤhrt. Es iſt hinlaͤnglich bewaͤhrt in Hinſicht der Ehefrau durch die Quittung, welche der Ehemann ihr oder denienigen, wel⸗ che ſie ausgeſteuert haben, gibt. 15oz. Jeder Gatte hat bei Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft das Recht, den Werth von dem, woran das bewegliche Gut, welches er bei der Heurath beigebracht hat oder ihm ſeither zugefallen iſt, ſeine Einlage in die Guͤtergemeinſchaft uber⸗ ſtieg, zuruͤck oder im Voraus wegzunehmen. 1504. Das bewegliche Gut, welches jedem der Ehegatten während der Dauer der Ehe zufäͤllt, muß durch ein Inven⸗ tarium bewaͤhrt werden. In Ermanglung eines Inventariums des den Ehegatten zugefallenen beweglichen Gutes oder in Ermanglung einer urkunde, die geeignet waͤre, deſſen Beſtand und Werth nach abgezogenen Schulden zu bewaͤhren, kann derſelbe ſeine Ruͤck⸗ nahme nicht in Ausuͤbung bringen. Wenn die Frau kein Inventarium uͤber das ihr zugefallene bewegliche Gut beibringt, ſo wird ſie oder ihre Erben zuge⸗ laſſen, entweder durch urkunden, oder durch Zeugen oder ſogar durch den gemeinen Ruf uͤber den Werth dieſes beweg⸗ lichen Gutes den Beweis zu fuͤhren. Dritter Abſchnitt. Von der Klauſel, wodurch unbewegliche Guͤter zum Mobiliarvermogen geſchlagen werden(Gmeublis- sement). 1605. Wenn die beiden Gatten oder einer von ihnen das Ganze oder einen Theil ihrer gegenwaͤrtigen oder kuͤnftigen unbeweglichen Guͤter in die Gutergemeinſchaft werfen, ſo nennt man dieſe Klauſel ameublissement. 1506. Das ameublissement kann beſtimmt oder unbeſtimmt ſein. — 263— Es iſt beſtimmt, wenn der Gatte erklaͤrt hat, daß er ein ſolches unbewegliches Gut entweder im Ganzen oder bis zum Betrag einer gewiſſen Summe zum beweglichen Vermoͤgen ſchlagen und in die Guͤtergemeinſchaft werfen wolle Es iſt unbeſtimmt, wenn der Gatte geradehin erklaͤrt hat, daß er ſeine unbewegliche Guͤter bis auf den Belauf einer gewiſſen Summe in die Guͤtergemeinſchaft bringen wolle. 15o7. Die Wirkung des beſtimmten ameublissement iſt, das unbewegliche Gut, oder die unbewealichen Guͤter, wel⸗ che darunter begriffen werden, zum Vermoͤgen der Guterge⸗ meinſchaft wie die beweglichen Guͤter ſelbſt zu machen⸗ Wenn das unbewegliche Gut oder die unveweglichen Guͤter der Frau ganz zu dem Mobiliarvermoͤgen geſchlagen worden, ſo kann der Gatte daruͤber wie uͤber andere Theile der Guͤ⸗ tergemeinſchaft verfuͤgen und ſie veraͤuſſern. Wenn das unbewegliche Gut nur fuͤr eine gewiſſe Sum⸗ me zu dem Mobiliarvermoͤgen geſchlagen worden, ſo kann es der Ehemahn nur mit Einwilligung der Frau veraͤußern; aber er kann es ohne dieſe Einwilligung, jedoch nur bis auf den Berrag des zum Mobiliarvermoͤgen geſchlagenen Antheils verpfaͤnden. 1os. Das unbeſtimmte amenblissement macht die Guͤter⸗ gemeinſchaft nicht zur Eigenthuͤmerin der unbeweglichen Guͤ⸗ ter, welche zu dem Mobiliarvermoͤgen geſchlagen werden. Die Wirkung deſſelben begrenzt ſich dahin, den Gatten, wel⸗ cher ſeine Einwilligung darzu gegeben hat, zu verbinden, bei der Aufloͤſung der Gutergemeinſchaft einige ſeiner unbeweg⸗ lichen Guͤter bis auf den Belauf der von ihm verſprochenen Summe in der Maſſe zu belaſſen. Der Ehemann kann, wie in dem vorhergehenden Artikel, ohne die Einwilligung ſeiner Frau die unbeweglichen Guͤter, auf welchen das unbeſtimmte ameublissement haftet, weder im Ganzen noch theilweiſe veraußern; allein er kann ſie bis auf ben Betrag, fuͤr den ſie zu der Mobiliarmaſſe geſchlagen worden ſind, verpfaͤnden. 1509. Der Gatte, welcher ein Grundſtuͤch zu dem beweglichen Vermogen geſchlagen, hat bei der Theilung das Vorrecht, es zuruͤckzubehalten, indem er es zum Voraus zu ſeinem Antheil fuͤr den Werth, welchen es alsdann haben wird, zaͤhlt. Auch ſeine Erben haben das naͤmliche Recht. — 264— Vierter Abſchnitt. Von der Klauſel der Trennung der Schulden von der Guͤtergemeinſchaft. 15ro. Die Klauſel, vermoͤge welcher die Eheleute unter ſich ausbedingen, daß jeder von ihnen insbeſondere ſeine perſoͤn⸗ liche Schulden bezahlen ſoll, verbindet ſie, wenn die Guͤter⸗ gemeinſchaft aufgeloͤßt wird, ſich gegenſeitig Rechnung zu halten von den Schulden, von denen bewaͤhrt werden kann, daß ſie zur Entladung desjenigen der Gatten, welcher der Schuldner davon war, durch die Guͤtergemeinſchaft ſind ab⸗ getragen worden. Dieſe Verbindlichkeit iſt die naͤmliche, es ſei nun, daß ein Inventarium vorhanden ſei oder nicht. Wenn aber das durch den einen der Ehegarten beigebrachte bewegliche Vermoͤgen weder durch ein Inventarium noch durch ein anderes der Ehe vorhergegangenes bewaͤhrtes Verzeichniß geboͤrig beglau⸗ biget worden, ſo koͤnnen die Glaͤubiger ſowohl des einen als des andern der beiden Ehegatten, ohne auf den Unterſchied der Guͤter, welcher hier angeſprochen werden koͤnnte, acht zu baben, ihre Bezahlung auf das nicht aufgenommene beweg⸗ liche Gut, ſo wie auf alle andere Theile der Guͤtergemein⸗ ſchaft gerichtlich betreiben. Die Glaͤubiger ſollen ſogar auf das den Ehegatten waͤh⸗ rend der Guͤtergemeinſchaft zugefallene bewegliche Vermoͤgen das Recht haben, wenn es ebenfalls weder durch ein Inven⸗ tarium noch beglaubtes Verzeichniß bewaͤhrt worden. 1511. Wenn die Ehegatten eine gewiſſe Summe oder ein gewiſſes beſtimmtes Gut in die Guͤtergemeinſchaft bringen, ſo bat ein ſolches Beibringen die ſtillſchweigende Uebereinkunft zur Folge, daß es nicht mit Schulden belaſtet iſt, welche vor der Heurath gemacht worden, und der Gatte, welcher Schuldner iſt, muß dem andern von allen jenen Schulden Rechnung halten, welche das verſprochene Beibringen vermindern koͤnnten. 1612. Die Klauſel der Guͤtertrennung hindert nicht, daß die Guͤtergemeinſchaft nicht mit den Zinſen und Ruͤckſtaͤnden belaſtet werde, welche waͤhrend der Heurath aufgelaufen ſind. 1613. Wenn die Guͤtergemeinſchaft wegen den Schulden des einen der Gatten, welcher durch Vertrag von allen vor der Verbeurathung gemachten Schulden frei und ledig erklaͤrt worden, verfolgt wird, ſo hat der andere Gatte das Recht auf eine Entſchaͤdigung, welche entweder von dem Antheil der Guͤtergemeinſchaft, welcher dem Gatten, der Schuldner — 266— iſt, zufäͤllt, oder von den perſönlichen Guͤtern des gedachten Gatten genommen wird; und im Falle der Unzulaͤnglichkeit kann dieſe Entſchaͤdigung auf dem Wege der Buͤrgſchaft gegen den Vater, die Mutter, den Anverwanden in aufſteigender Linie oder den Vormund, welche dieſen Gatten fuͤr frei und ledig erklaͤrt hatten, gerichtlich betrieben werden. Dieſe Klage auf Buͤrgſchaft kann ſogar von dem Gatten, waͤhrend der Dauer der Guͤtergemeinſchaft ausgeuͤbt werden, wenn die Schuld von der Frau auf ihren eigenen Namen herkoͤmmt; jedoch iſt in dieſem Falle die Zuruͤckzahlung, welche die Frau oder ihre Erben den Buͤrgen nach der Auf⸗ loͤſung der Guͤtergemeinſchaft ſchuldig ſind, vorbehalten. Suͤnfter Abſchnitt. Von der der Ehefrau zugeſtandenen Befugniß, ihr Ein⸗ bringen ſchuldenfrei zuruͤck zu nehmen. 1514. Die Frau kann ausbedingen, daß in dem Falle der Verzichtleiſtung auf die Guͤtergemeinſchaft ſie entweder alles oder einen Theil deſſen, was ſie entweder bei der Verheu⸗ rathung oder waͤhrend derſelben beigebracht hat, an ſich ziehe; allein dieſe Ausbedingung kann ſich nicht uͤber die foͤrmlich ausgedruͤckten Gegenſtaͤnde noch zum Vortheile anderer Per⸗ ſonen als jener, welche bezeichnet ſind, ausdehnen. So kann ſich alſo die Befugniß, das bewegliche Vermoͤgen, welches die Frau bei der Abſchließung der Heuratb beigebracht hat, an ſich zu ziehen, nicht auf jenes erſtrecken, welches ihr vielleicht waͤbrend der Heurath zugefallen iſt. So dehnt ſich die der Frau zugeſtandene Befugniß nicht auf die Kinder aus; jene, welche der Frau und den Kindern zugeſtanden worden, dehnt ſich nicht auf die Erben in aufſteigender Linie noch auf die Seitenerben aus. In allen Faͤllen kann das Einbringen nur dann zuruͤck ge⸗ zogen werden, wenn die der Frau verſoͤnlichen Schulden, die Guͤtergemeinſchaft bezahlt hat, vorher abgezogen worden. Sechster Abſchnitt. Von dem durch Uebereinkunft beſtimmten Voraustheil. 1515. Die Klauſel, kraft welcher der uͤberlebende Gatte ermaͤchtiget iſt, vor jeder Theilung eine gewiſſe Summe, oder einen gewiſſen Betrag beweglicher Gegenſtaͤnde in Natur — 266— zum Voraus zu bezieben, gibt zu dieſer Vorausbeziehung zum Vortheil der uͤberlebenden Frau kein Recht, als wenn ſie die Guͤt raemeinſchaft angenommen hat; es ſei denn, der Heu⸗ rathsvertrag habe ihr ſelbſt fuͤr den Fall der Verzichtleiſtung dieſes Recht vorbehalten. Auſſer dem Falle dieſes Vorbehaltens kann der Vor⸗ austheil nur von der theilbaren Maſſe und nicht von den per⸗ ſönlichen Guͤtern des vorher verſtorbenenGatten bezogen werden. 1516. Der Voraustheil wird nicht als ein Vortheil, der den Formalitaͤten der Schenkungen unterworfen iſt, ſondern als eine Heurathsuͤbereinkunft betrachtet 1517. Der natuͤrliche oder buͤrgerliche Todt oͤfnet die Bezie⸗ hung des Voraustheils. 1518. Wenn die Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft entweder durch die Eheſcheidung oder durch koͤrverliche Trennung be⸗ wirket wird, ſo hat die wirkliche Auslieferung des Voraustheils nicht ſtatt, allein der Gatte, welcher entweder die Eheſchei⸗ dung öder die körverliche Trennung erhalten hat, erhaͤlt fuͤr den Fall des Ueberlebens ſein Recht auf den Voraustheil. Wenn es die F au iſt, ſo bleibt die Sache oder die Summe, welche den Voraustheil ausmacht, immer vorlaͤufia dem Manne, mit der Verpflichtung, Buͤrgſchaft dafuͤr zu ſtellen⸗ 1519. Die Glaͤubiger der Guͤtergemeinſchaft baben immer das Recht die zu dem Voraustheil gehoͤrigen Gegenſtaͤnde verkaufen zu laſſen, vorbehaltlich des Regreſſes des Gatten, in Gefolge des 1515ten Artikels. Siebenter Abſchnitt. Von den Klauſeln, kraft welchen man jedem der Gatten ungleiche Theile in der Guͤtergemein⸗ ſchaft anweißt. 1620. Die Gatten konnen die durch das Geſetz vorgeſchriebe⸗ ne Theilung zu gleichen Theilen abſtellen, wenn ſie entweder dem uͤberlebenden Gatten oder ſeinen Erben einen geringern Antheil als die Hälfte iſt, an der Guͤrergemeinſchaft anwei⸗ ſen, oder ihm ſtatt alles ſeines Antheils an der Guͤtergemein⸗ ſchaft nur eine gewiſſe beſtimmte Summe geben; oder wenn ſie ausbedingen, daß die ganze Guͤtergemeinſchaft in gewiſſen Faͤllen dem uͤberlebenden Ehegatten oder nur einem von ih⸗ nen zugehoͤren ſoll. — 267— 15a1. Wenn ausbedungen worden, daß der eine Ehgeatte oder ſeine Erben nur einen gewiſſen Antheil an der Guͤterge⸗ meinſchaft, zum Beiſpiele, ein Drittel, ein Viertel, haben ſollen, ſo uͤbernehmen der alſo geſchmaͤlerte Gatte oder ſeine Erben an den Schulden der Guͤtergemeinſchaft nur in Verhaͤlt⸗ niß des Antheils, welchen ſie an dem aktiven Vermogen beziehen⸗ Die Uebereinkunft iſt nichtig, wenn ſie den ſo geſchmaͤler⸗ ten Garten oder ſeine Erben verbindet, einen großern Antheil zu uͤbernehmen, oder wenn ſie ſie freiſpricht, einen Theil der Schulden zu uͤbernehmen, welcher dem Antheil gleich iſt, welchen ſie an dem Aktivvermoͤgen beziehen. 1522. Wenn ausbedungen worden, daß einer der Ehegat⸗ ten oder ſeine Erben nur eine gewiſſe Summe fuͤr ihr gan⸗ zes Recht an der Guͤtergemeinſchaft beſprechen konnen, ſo iſt dieſe Klauſel eine Uebereinkunft, welche den andern Gatten oder ſeine Erben verbindet, die ausbedungene Summe zu be⸗ zahlen; die Guͤtergemeinfchaft mag nun gut oder uͤbel be⸗ ſtellt, hinreichend oder nicht binreichend ſein, die Summe zu entrichten. 1523. Wenn die Klauſel dieſe Verbindlichkeit nur in Hin⸗ ſicht der Erben des Gatten aufſtellt, ſo hat dieſer, wenn er ſie uberleben ſollte, das Recht zu einer geſetzlichen Theilung zur Haͤlfte. 624. Der Gatte oder ſeine Erben, welche in Kraft der Klauſel, wovon der 1520te Artikel ſpricht, das Ganze der Guͤtergemeinſchaft zuruckbehaͤlt, muß auch alle Schulden bezahlen. Die Glaͤubiger haben in dieſem Falle weder gegen die Frau noch gegen ihre Erben irgend eine Rechtsklage. Wenn es die uͤberlebende Frau iſt, welche vermittels einer ausbedungenen Summe das Recht hat, die ganze Guͤterge⸗ meinſchaft gegen die Erben ihres Mannes zuruͤckzubehalten, ſo hat ſie die Wahl, ihnen entweder dieſe Summe zu bezah⸗ len und zur Entrichtung aller Schulden verbunden zu bleiben, oder auf die Guͤtergemeinſchaft Verzicht zu leiſten, und den Erben ihres Mannes alle Guͤter und alle darauf haftende Laſten zu uͤberlaſſen. 1528. Es iſt den Ehegatten erlaubt auszubedingen, daß das Ganze der Guͤtergemeinſchaft entweder dem Ueberlebenden oder nur einem von ihnen zugehoren ſoll, vorbehaltlich den Erben des andern Gatten das Einbringen und die Kapitalien, welche von der Perſon ihres Erblaſſers in die Guͤtergemein⸗ ſchaft gefallen ſind, wieder zuruͤck zu nehmen. Dieſe Ausbedinsung wird nicht als ein Vortheil angeſehen, der den auf die Schenkungen Bezug habenden Regeln unter⸗ worfen iſt, man mag ihn nun an und fuͤr ſich ſelbſt oder nach ſeiner Form betrachten, ſondern blos als eine Ueberein⸗ kunft zwiſchen Perſonen, die ſich verheurahten oder zu einem Handel miteinander verbinden. Achter Abſchnitt. Von der Guͤtergemeinſchaft auf Univerſaltitel. raꝛs. Die Gatten können durch ihren Heurathsvertrag eine Univerſal ⸗Guͤtergemeinſchaft von ihren ſowohl bewegli⸗ chen als unbewealichen, gegenwaͤrtigen und zukuͤnftigen Guͤ⸗ tern, oder nur von ihren gegenwaͤrtigen oder nur von ihren zukuͤnftigen Guͤtern errichten. Verfuͤgungen, welche den acht obenſtehenden Abſchnit⸗ ten gemeinſchaftlich ſind. 1627. Was in den oben ſtehenden acht Abſchnitten geſagt worden, beſchraͤnket die Ausbedingungen, deren die auf Ueber⸗ einkunft gegruͤndete Guͤtergemeinſchaft empfaͤnglich iſt, in ih⸗ ren puͤnktlichen Verfuͤgungen nicht. Die Gatten koͤnnen jede andere Uebereinkunft machen, wie es in dem 1387ten Artikel geſagt worden und vorbehaltlich der Beſchraͤnkungen, welche in den Artikeln 1388, 1339 und 1390 angegeben ſind. Nichts deſto weniger ſoll in dem Falle, wo Kinder von einer vorhergehenden Ehe vorhanden ſind, jede Uebereinkunft, welche in ihren Wirkungen zum Zweck haͤtte, dem einen Ehegatten uͤber den in dem 1098ten Artikel des Titels von denSchen⸗ kungen unter Lebenden und den Seſtamenten be⸗ ſtimmten Antheil zu geben, fuͤr alles, was dieſen Antheil uͤberſteigt, ohne Wirkung ſein; allein die bloßen Vortheile, welche aus dem gemeinſchaftlichen Fleiße und aus den an den gegenſeitigen Erſparniſſen an den obgleich ungleichen Einkuͤnften der beiden Gatten gemacht werden, herkommen, werden nicht als ein Vortheil angeſehen, der zum Nachtheil der Kinder erſterer Ehe gemacht wird. — 269— 162. Die auf Uebereinkunft gegrundete Guͤtergemeinſchaft bleibt fur alle Faͤlle, wo weder ſtillſchweigend noch ausdruͤck⸗ lich durch den Heurathsvertrag Abbruch gemacht worden, den Regeln der Guͤtergemeinſchaft unterworfen. Neunter Abſchnitt. Von den uebereinkuͤnften, welche von der Guterge⸗ meinſchaft ausſchließen. 1529. Wenn Ehegatten, ohne ſich den Vorſchriften uͤber die Dotal⸗Rechte zu unterwerfen, erklaͤren, daß ſie ohne Guͤter⸗ gemeinſchaft heurathen oder daß ſie von Guͤtern getrennt ſein wollen, ſo werden die Wirkungen dieſer Ausbedingung angeordnet, wie folgt⸗ Erſter Paragrapb. Von der Klauſel, welche beſagt, daß die Ehegatten ſich ohne Guͤtergemeinſchaft verheurathen. 1530. Die Klauſel, welche beſagt, daß die Shegatten ſich ohne Guͤtergemeinſchaft verheurathen, gibt der Frau das Recht nicht, ihre Guͤter zu verwalten noch die Fruͤchte davon zu beziehen. Dieſe Fruͤchte werden angeſehen, als ſeien ſie dem Manne zugebracht worden, um die Ausgaben des Eheſtandes zu beſtreiten. 1531. Der Mann behaͤlt die Verwaltung der beweglichen und unbeweglichen Guͤter der Frau und folglich auch das Recht, das ganze bewegliche Vermoͤgen zu beziehen, welches ſie zum Heurathsgut mitbringt oder welches ihr waͤhrend der Ehe zufaͤllt; vorbehaltlich der Wiedererſtattung, welche er ihr davon nach der vor Gericht ausgeſprochenen Aufloͤßung der Heurath oder Trennung der Guͤter machen muß. 1532. Wenn unter den beweglichen Guͤtern, welche die Frau zum Heurathsgut gebracht hat oder ihr waͤhrend der Ehe zugefallen ſind, ſich Gegenſtaͤnde befinden, von denen man keinen Gebrauch machen kann ohne ſie aufzuzehren, ſo muß dem Heurathsvertrag ein Abſchaͤtzungsverzeichniß beige⸗ legt, oder da, wo dieſe Gegenſtände der Frau wirklich zufal⸗ len, ein Inventarium davon gemacht werden, und der Gatte muß den Werth dafuͤr nach der Abſchätzung zuruck erſtatten⸗ 1833. Der Ehegatte hat alle Laſten der Nutznießung zu tragen. — 270— 1534. Die in gegenwaͤrtigem Paragraphe ausgedruͤckte Klau⸗ ſel hindert nicht, eine Uebereinfunft zu machen, daß die Frau jaͤhrlich auf ihre alleinige Quittungen einen gewiſſen Antheil ihrer Einkuͤnfte fuͤr ihre unterhaltung und perſoͤn⸗ liche Nothwendigkeiten beziehe. 1635. Die zum Heurathsaut gegebenen unbeweglichen Guͤ⸗ ter ſind in dem Falle des gegenwaͤrtigen Paragraphes nicht unveraͤuſſerlich. Doch koͤnnen ſie nicht ohne die Einwilligung des Eheman⸗ nes und bei deſſen Weigerung ſie zu geben, ohne gerichtliche Ermaͤchtigung verkauft werden. Zweiter Paragrayb. Von der Klauſel der Guͤtertrennung. 1636. Wenn die Ehegatten durch ihren Heurathsvertrag ausbedungen haben, daß ſie von Guͤtern getrennt leben wol⸗ len, ſo behaͤlt die Frau die gaͤnzliche Verwaltung ihrer be⸗ weglichen und unbeweglichen Guͤter und den freien Genuß des Ertrags derſelben. 1537. Jeder der Gatten traͤat nach den in ihrem Heuraths⸗ vertrage entbaltenen Uebereinkuͤnften zu den Ausgaben des Eheſtandes bei, und wenn keine ſolche Uebereinkuͤnfte vorhan⸗ den ſind, ſo träat die Frau zu dieſen Ausgaben bis auf den Betrag des Drittels ihrer Einkuͤnfte bei. re33. In keinem Falle und ohne irgend ein Ausbedingen zu beguͤnſtigen kann die Frau ihre unbewegliche Guͤter ohne die beſondere Einwilligung ihres Mannes, oder, im Falle er dieſelbe verweigert, ohne die gerichtliche Ermaͤchtigung verkaufen. Jede der Frau im Allgemeinen entweder durch den Heu⸗ rathsvertrag oder waͤhrend der Verheurathung gegebene Er⸗ mäͤchtigung, ihre unbewegliche Guͤter zu veraͤuſſern, iſt nichtig. 1539. Wenn die getrennte Frau dem Manne den Genuß ihrer Guͤrter gelaſſen hat, ſo iſt dieſer entweder auf das Be⸗ gehren, welches die Frau an zhn ſtellen kann, oder bei der Aufloͤſung der Heurath nur zur Darſtellung der vorhandenen Fruͤchte verbunden und er hat uͤber jene, welche er bis dort⸗ hin aufgezehrt hat, gar keine Rechnung abzulegen. Drittes Kapitel. Von den Dotal⸗Rechten. 1540. Die Ausſteuer unter Vorſchrift der Dotalrechte ſo wie — 271— ſie unter den Beſtimmungen des zweiten Kapitels betrachtet wird, iſt das Gut, welches die Frau dem Gatten zubringt, um die Ausgaben des Eheſtandes zu beſtreiten. 1641. Alles, was ſich die Frau zum Heurathsgut macht oder was man ihr in Gefolg des Heurathsvertrags gibt, ge⸗ hoͤrt zur Ausſteuer, wenn keine Ausbedingung vorhanden iſt welche das Gegentheil beſagt. Erſter Abſchnitt. Von dem, was man zur Ausſteuer macht. 1642. Das, was man zur Ausſteuer macht, kann alle ge⸗ genwaͤrtige Guͤter, oder nur einen Theil ihrer gegenwaͤrtigen und kuͤnftigen Guͤter, oder ſogar nur einen einzelnen Gegen⸗ ſtand betreffen. Das, was man in dem allgemeinen Ausdrucke aller Guͤter der Frau zur Ausſteuer macht, begreift die kuͤnftigen Guͤter der⸗ ſelben nicht. 1543. Die Ausſteuer kann weder waͤhrend der Heurath be⸗ ſtimmt noch vermehrt werden. 1544. Wenn Aeltern mit einander eine Ausſteuer beſtim⸗ men, ohne daß jedes von ihnen ſeinen Antheil darzu beſtimmt, ſo haͤlt man dafuͤr, jedes habe einen gleichen Antheil dazu beigetragen. Wenn die Ausſteuer von dem Vater allein fuͤr das vaͤter⸗ liche und muͤtterliche Vermoͤgen beſtimmt worden, ſo ſoll die Mutter obgleich bei dem Vertrage gegenwaͤrtig, zu nichts verbunden werden, und die Ausſteuer bleibt dem Vater allein zur Laſt. 1545. Wenn der uͤberlebende Vater oder die uberlebende Mutter fuͤr das väterliche und muͤtterliche Vermonen eine Ausſteuer ausgeworfen, ohne die Antheile zu beſtimmen ſo nimmt man die Ausſteuer zuerſt von den Rechten welche der kuͤnftige Gat⸗ te auf das Vermoͤgen des vorher verſtorbenen Gatten hat, und den Reſt von den Guͤtern deſſen, der die Ausſteuer auswirft⸗ 1546. Obgleich die von ihren Aeltern ausgeſteuerte Tochter ihr eigenthuͤmlich zugehoͤrige Guͤter hat, welche ſie genießt, ſo muß die Ausſteuer doch von den Guͤtern derjenigen genom⸗ men werden, welche ſolche beſtimmen, es ſei denn das Ge⸗ gentheil ausbedungen worden. 1647. Diejenigen, welche eine Ausſteuer ausgeworfen ha⸗ ben, muͤſſen die ausgeworfenen Gegenſtaͤnde verbuͤrgen. — 272— 15us. Die Zinſen der Ausſteuer laufen von rechtswegen von dem Tage der Verheurathung gegen diejenigen, welche ſie ver⸗ ſprochen haben, und wenn auch gleich die Zahlungsfriſt be⸗ ſtimmt iſt, es ſei denn, man habe das Gegentheil ausbedungen. zweiter Abſchnitt. Von den Rechten des Ehemannes auf die Guͤter der Morgengabe und von der Veraͤußerlichkeit der zur Ausſteuer beſtimmten Grundſtuͤcke. 1549. Der Ehemann allein hat die Verwaltung der von der Ausſteuer herkommenden Guͤter waͤhrend des Eheſtandes. Er allein hat das Recht, die Schuldner und Ruͤckhalter der Ausſteuer gerichtlich zu verfolgen, die Fruͤchte und Zinſe davon zu beziehen und die Ruͤckzahlung der Kapitalien einzuthun. Jedoch kann durch den Heurathsvertrag ausbedungen wer⸗ den, daß die Frau alljäͤhrlich auf ihre alleinige Quittungen einen Theil ihrer Einkuͤnfte fuͤr ihre Unterhaltung und perſoͤn⸗ liche Beduͤrfniſſe beziehe. 160. Der Gatte iſt fuͤr die Uebernahme der Ausſteuer keine Buͤrgſchaft zu leiſten ſchuldig, wenn er nicht durch den Heurathsvertrag darzu angehalten wird. 1551. Wenn die Ausſteuer oder ein Theil derſelben in beweglichen Gegenſtaͤnden beſteht, welche durch den Heuraths⸗ vertrag abgeſchaͤtzt ſind, ohne daß dabei erklaͤrt worden, daß auf die Abſchatzung kein Verkauf folgen ſoll, ſo wird der Ehegatte Sigenthuͤmer davon und iſt nichts zu erſtatten ſchuldig als den Abſchätzungspreis der beweglichen Gegen⸗ ſtaͤnde. 1562. Die von dem unbeweglichen zur Ausſteuer beſtimm⸗ ten Gute gemachte Abſchaͤtzung uͤbertragt dem Ehegatten das Eigenthum davon nicht, wenn nicht eine ausdruͤckliche Er⸗ klärung daruͤber vorhanden iſt⸗ 1653. Das unbewegliche Gut, welches mit der Ausſteuer erworben worden, wird nicht zu der Ausſteuer gezaͤhlt, wenn die Bedingung nicht in dem Heurathsvertrage feſtgeſetzt wor⸗ den, daß der Ertrag des Brautſchatzes angelegt werden ſoll. Eben ſo verbaͤlt es ſich mit dem unbeweglichen Gute, welches an Zahlung der in Geld beſtimmten Ausſteuer gegeben worden⸗ 1564. Die unbeweglichen zur Ausſteuer gegebenen Guͤter koͤnnen waͤhrend der Ehe weder von dem Manne, noch von der Frau, noch von beiden zuſammen weder verkauft noch verpfaͤndet werden, unbeſchadet jedoch folgender Ausnahmen, 1555. Die Frau kann mit Ermaͤchtigung ihres Ehemannes, oder im Falle er ſolche verweigern wuͤrde, mit gerichtlicher Erlaubniß die Guͤter ihrer Ausſtener zur Niederlaſſung ibrer Kinder, welche ſie in einer vorhergehenden Ehe gezeugt hat, hingeben; wenn ſie aber nur von gerichtswegen darzu ermaͤchti⸗ get iſt, ſo muß ſie den Genuß davon ihrem Ehemanne vorbehalten. 1566. Sie kann auch mit Ermächtigung ihres Mannes die Guͤter ihrer Ausſteuer fuͤr die Wiederlaſſung ihrer gemein⸗ ſchaftlichen Kinder hingeben. 1567. Das zur Ausſteuer gegebene unbewegliche Gut kann veraͤußert werden, wenn dieſe Veraͤußerung durch den Heu⸗ rathsvertrag erlaubt worden. 1668. Das zur Ausſteuer gegebene unbewegliche Gut kann auch noch mit gerichtlicher Erlaubniß durch oͤffentliche nach dreimal angehefteten Anſchlaszetteln geſchehene Verſteigerung verkauft werden; um den Ehemann oder die Ehefrau aus dem Verhafte zu befreien; um der Familie in den durch die Artikel 203, 206 und 206 des Ditels von der Zeurath vorgeſehenen Faͤllen Nahrungs⸗ mittel zu verſchaffen; um die Schulden der Frau vder derjenigen, welche die Aus⸗ ſtener beſtimmt haben, zu bezahlen, wenn dieſe Schulden ei⸗ nen gewiſſen und dem abgeſchloſſenen Heurathsvertrag vor⸗ bergehenden Datum haben; um groͤßere und unvermeidliche Ausbeſſerungen, die zur Er⸗ haltung der unbeweglichen Ausſteuer noͤthig ſind, zu machen; Endlich; wenn ſich dieſes unbewegliche Gut mit Drittern unge⸗ theilt findet und man anerkennt, daß es nicht getheilt werden kann⸗ In allen dieſen Faͤllen bleibt der Ueberſchuß des Verkauf⸗ preiſes uͤber das anerkannte Beduͤrfniß Ausſteuer, und er ſoll als ſolche zum Vortheil der Frau angelegt werden. 1569. Das unbewegliche Heurathsgut kann, jedoch nur mit der Einwilligung der Frau gegen ein anderes unbewegliches Gut von dem nämlichen Wertb fuͤn die 6 Fuͤnftel wenigltens, — 1* und indem man den Nutzen des auſches erweiſet, die Er⸗ 5 maͤchtigung darzu von gerichtswegen erhalten hat, und die Abſchaͤtzung durch von dem Tribunale von amtswegen er⸗ J nennte Sachkundige gemacht worden, vertauſcht werden⸗ 3 In dieſem Falle iſt das durch Tauſch erhaltene unbeweg⸗ liche Gut zur Ausſteuer gehoͤria; der Ueberſchuß des Preiſes, wenn ein ſolcher vorhanden iſt, ſoll es auch ſein und als ſol⸗ cher zum Vortheil der Frau angelegt werden. 1560. Wenn außer den ſo eben erklaͤrten Ausnahmefaͤllen die Frau oder der Mann, oder beide zuſammen ein zur Aus⸗ ſteuer gehoͤrendes Grundſtuͤck veraͤußern, ſo koͤnnen die Frau oder ihre Erben nach der Auflöſung der Heurath dieſe Veraͤuße⸗ rung als unguͤltig widerrufen machen, ohne daß man waͤhrend 1 der Dauer derſelben die Verjaͤhrung ihnen entgegen ſetzen koͤnne⸗ Die Frau bat nach der Guͤtertrennung das naͤmliche Recht⸗ Der Ehemann ſelbſt kann waͤhrend des Eheſtandes die Ver⸗ zußerung als ungultig widerrufen machen, doch bleibt er fuͤr die Schadloshaltung und Zinſe des Käufers verpflichtet, wenn er nicht in dem Vertrage erklaͤrt hat, daß das verkaufte Gut ein Ausſteuergut iſt. 1861. Die zur Ausſteuer gehoͤrigen unbeweglichen Guͤter, welche durch den Heurathsvertrag nicht als veraͤußerlich er⸗ 1 tlaͤrt worden, ſind während des Eheſtandes unverjährbar, es ſei denn, die Verjaͤhrung habe ſchon vorber angefangen. 5 Sie werden jedoch verjährbar nach der Guͤtertrennung, welches auch der Zeitpunkt ſein mag, an welchem die Ver⸗ jährung angefangen. 1562. Der Ebegatte iſt in Anſehung der zur Ausſteuer gehoͤrigen Guͤter zu allen Obliegenheiten eines Nutznießers verpflichtet. Er iſt für alle durch ſeine Nachlaͤſſigkeit eingetroffene Ver⸗ jaͤhrungen und Gutesverwuͤſtungen verantwortlich⸗ 1503. Iſt die Ausſteuer irgend einer Gefahr preiß gegeben, ſo kann die Frau die Guͤtertrennung gerichtlich betreiben, wie es in dem rzaz und den folgenden Artikeln geſagt worden. Dritter Abſchnitt. Von der Wiedererſtattung der Ausſteuer. 1664. Wenn die Ausſteuer in unbeweglichen Guͤtern beſtebt; trag nicht abaeſchäͤtzt worden ſind, oder wenn ſie mit der Er⸗ klaͤrung abgeſchaͤtzt worden ſind, daß die Abſchatzung der Frau das Eigenthum nicht raubt, oder in beweglichen Guͤtern, die durch den Heurathsver⸗ So können der Ehemann oder deſſen Erben gerichtlich ge⸗ zwungen werden, dieſelbe nach der Auflöſung der Heurath unverzuͤglich zuruͤck zu geben. 1666. Wenn die Ausſteuer in einer Summe Geldes beſteht, Oder in beweglichen Guͤtern, welche durch den Ehevertrag abgeſchaͤtzt worden, aber ohne Erkläͤrung, daß die Abſchaͤtzung den Ehemann nicht zum Eigenthuͤmer davon macht, So kann die Zuruͤckgabe derſelben erſt im Jahr nach der Aufloͤſung der Heurath angeſprochen werden. 1666. Wenn die beweglichen Guͤter, deren Eigenthum der Frau uͤberlaſſen blieb, durch den Gebrauch und ohne die Schuld des Ehemannes zu Grunde gegangen ſind, ſo iſt er gehalten, nur iene, die noch vorhanden ſind, und in dem Zu⸗ ſtande, in welchem ſie ſich befinden werden, zuruͤck zu geben⸗ Nichtsdeſtoweniger kann die Ebefrau in allen Faͤllen ibr zu ihrem gegenwaͤrtigen Gebrauche noͤthiges Weiszeug und Klei⸗ dungsſtucke an ſich zieben, vorbehaltlich, den Werth davon, wenn dieſes Weiszeug und Kleidungsſtuͤcke urſpruͤnglich mit Abſchaͤtzung zum Heuratbsgut geworfen worden, zum voraus abzurechnen. 1667. Wenn die Ausſteuer Obligazionen oder ausgeſetzte Renten begreift, welche verloren gegangen ſind oder Ver⸗ minderungen erlitten haben, die man aber der Nachlaſſikeit des Ehemannes nicht zur Laſt legen kann, ſo hat er nicht dafuͤr zu haften, und er iſt von aller Verbindlichkeit frei, wenn er die ſchriftlichen Urkunden daruͤber zuruͤckgibt. 1568. Wenn man eine Nutznießung zur Ausſteuer gibt, ſo ſind der Ebemann oder deſſen Erben bei der Aufloͤſung der Heurath nur zur Wiedererſtattung des Nutznießungsrechtes nicht aber der waͤhrend des Eheſtandes zugefallenen Fruͤchte verpflichtet. 1569. Wenn die Ehe ſeit dem Ablauf der zur Zahlung der Ausſteuer feſtgeſetzten Zeitfriſten zehn Jahre gedauert hat, ſo können die Frau oder ihre Erben dieſelbe, nach der Aufloͤſung der Ebe von dem Manne zuruͤckfordern, ohne gehalten zu ſein zu beweiſen, daß er ſie auch wirklich empfangen hat; es ſei denn, der Ebemann liefere den Beweis, daß er unnuͤtzer Weiſe ſeinen Fleiß angewendet habe, um ſich die Auszahlung der⸗ ſelben zu verſchaffen. 1670. Wenn die Heurath durch den Bod der Frau aufge⸗ loͤßt worden, ſo laufen die Zinſen und Fruͤchte der Ausſteuer, S 2 — 276— welche zuruͤckerſtattet werden muß, von dem Sage der Auflb⸗ ſung von rechtswegen zum Vortheil ibrer Erben⸗ Wenn die Ebe durch den Tod des Mannes aufgeloͤßt wor⸗ den, ſo hat die Frau die Wahl, entweder die Zinſe von ibrer Ausſteuer waͤhrend dem Srauerijahre zu fordern, oder ſich auf Koͤſten der Verlaſſenſchaft des Ebemannes waͤhrend dieſem Trauerjahre den Nahrungsgehalt liefern zu laſſen. Allein in beiden Faͤllen muͤſſen ihr waͤhrend dieſem Jahre die Wohnung und die Trauerkleiduns von der Verlaſſenſchaft geliefert wer⸗ den, ohne daß man ihr dieſes auf die ihr ſchuldige Zinſen anrechnen kann. 1871. Bei der Aufloͤſung der Ehe werden die Fruͤchte der un⸗ beweglichen Ausſteuerguͤter zwiſchen dem Ehemanne und der Ehefrau oder ihren Erben nach Verhältniß der Zeik⸗ als die⸗ ſelbe noch waͤhrend dem letztern Jahre gedauert hat, getheilt. Das Jahr fängt von dem Tage an/ wo die Heurath feier⸗ lich abgeſchloſſen worden⸗ 1572. Die Frau oder ihre Erben haben bei der Ruͤckforde⸗ rung der Ausſteuer kein Vorrecht vor den Glaͤubigern, wel⸗ che eine fruͤhere Hypothek haben als ſie. 1873. Wenn der Ehemann ſchon zahlungsunfaͤhig war und weder Kunſt noch Gewerb hatte, als der Vater ſeiner Toch⸗ ter eine Ausſteuer ausgeworfen hat, ſo iſt dieſe nur verbun⸗ den ihr Klagrecht auf die Ruͤckerſtattung derſelben gegen die Familie ibres Mannes in die Verlaſſenſchaft ihres Vaters zuruͤck zu bringen. Wenn aber der Ehemann zuerſt waͤbrend des Ebeſtandes zahlungsunfaͤhig geworden, Oder wenn er ein Gewerb oder Handwerk hatte, welches bei ihm die Stelle des Vermoͤgens erſetzte, So faͤllt der Verluſt der Ausſteuer blos auf die Frau. Vvierter Abſchnitt. Von den Gütern, welche die Frau ihrem Manne außer der Ausſteuer zubringt(biens paraphernaux). 1574. Alle Guͤter, welche der Frau nicht als Ausſteuer aus⸗ geworfen worden, ſind Paraphernalguͤter.(Außer der Aus⸗ ſteuer zugebrachte Güter.) 1576. Wenn alle Guͤter der Frau Paraphernalguͤter ſind, und wenn ſich in dem Heuratbsvertrag keine uebereinkunft vorfindet, um ſie zur Uebergabe eines Theils der Ausgaben —————— ————— des Cheſtandes zu verpflichten, ſo träͤgt die Frau bis zu dem Betrag eines Drittels ihrer Einkuͤnfte darzu bei. 1576. Die Frau hat die Verwaltung und den Genuß ihrer Paraphernalguͤter. Allein ſie kann dieſelbe ohne Ermaͤchtigung ihres Eheman⸗ nes, oder wenn er ſie verweigert, ohne gerichtliche Erlaub⸗ niß weder veraͤußern noch dieſer Guͤter wegen vor Gericht er⸗ ſcheinen. 1677. Wenn die Frau dem Ehemanne die Vollmacht gibt, ihre Paraphernalguͤter mit der Obliegenheit, ihr von den Fruͤchten derſelben Rechnung zu halten, zu verwalten, ſo hat er gegen ſie die naͤmlichen Verpflichtungen, wie jeder an⸗ dere Bevollmaͤchtigte. 1678. Wenn der Ehemann die Paraphernalguͤter ſeiner Frau ohne Vollmacht, jedoch aber auch ohne Widerſyruch von Sei⸗ ten derſelben genoſſen hat, ſo iſt er bei der Aufloͤſung der Heu⸗ rath oder bei dem erſten Begehren, welches die Frau an ihn ſtellet, nur zur Darſtellung der vorhandenen Fruͤchte ver⸗ bunden, und er hat von denen, welche bis dahin aufgezehrt worden, keine Rechnung abzulegen. 1579. Wenn der Ehemann ohnerachtet des hinlaͤnglich be⸗ waͤhrten Widerſpruches ſeiner Frau derſelben Paraphernalguͤ⸗ ter genoſſen, ſo muß er ihr von allen ſowohl vorhandenen als aufgezebrten Fruͤchten Rechnung ablegen. 1580. Der Ehegatte, welcher die Paraphernalguͤter genießt, hat alle Obliegenheiten des Nutznießers auf ſich⸗ Beſondere Verfuͤgungen. 1581. Die Ehegatten können, wenn ſie ſich den Vorſchrif⸗ ten uͤber die Dotaſrechte unterwerfen, eine Geſellſchaft fir die Errungenſchaft ausbedingen. Die Wirkungen dieſer Ge⸗ ſellſchaft ſind durch die Artikel r498 und 1499 feſtgeſetzt⸗ Sechster Titel. Von dem Verkaufe. (Dekretirt den 6ten Maͤrz 1804, verkuͤndigt den 16ten des namlichen Monaths). Erſtes Kapitel. Von der Natur und der Form des Verkaufs. 1562. Der Verkauf iſt eine Uebereinkunft, wodurch der Eine — 278— ſich verbindet, eine Sache abzuliefern und der Andere, ſie zu bezahlen. Der Verkauf kann entweder durch eine beglaubte Urkunde oder unter Privatunterſchrift geſchehen. 1533. Der Verkauf iſt unter den Partheien vollſtaͤndig, und der Käufer hat von rechtswegen in Hinſicht auf den Verkaͤu⸗ fer das Eigentbum erworben, ſobald beide uͤber die Sache und den Preiß derſelben mit einander uͤbereingekommen ſind, wenn auch die Sache noch nicht abgeliefert und der Preiß dafuͤr noch nicht entrichtet worden⸗ 1584. Ein Verkauf kann geradehin und unbedingt oder un⸗ ter einer verſchiebenden Guspensive) oder aufbebenden(reso- lutoire) Bedingung geſchehen. Er kann auch zwei oder mehrere Dinge, unter denen man die Wahl hat,(alternatives) zum Gegenſtand haben. In allen dieſen Faͤllen wird die Wirkung deſſelben durch die allgemeinen Grundſaͤtze uͤber die Vertraͤge beſtimmt. 1585. Wenn die Waaren nicht im Bauſch und Bogen, ſondern nach dem Gewichte, nach der Zahl oder nach einem gewiſſen Maaße verkauft werden, ſo iſt der Verkauf in ſoweit nicht vollſtuͤndig, daß die verkauften Sachen ſo lange auf Gefahr des Verkaufers bleiben, bis ſie abgewogen, abgezaͤhlt oder dargemeſſen worden; allein der Kaͤufer iſt berechtigt, entweder ihre Auslieferung; oder im Falle der Nichterfuͤllung der Verpfichtung nach Beſchaffenheit der Umſtände Zinſe und Schadloshaitung zu, fodern. 1536. Wenn im Gegentheile die Wagren im Bauſch und Bogen verkauft worden, ſo iſt der Kauf vollbracht, obgleich die Waaren weder vorgewogen, noch vorgezaͤhlt, noch darge⸗ meſſen worden. 1687. In Hinſicht des Weins, des Hels und anderer Gegenſtaͤn⸗ de, welche man gewoͤhnlich koſtet ehe man ſie kauft, hat kein Kauf ſtatt, ehe der Kaͤufer ſie nicht gekoſtet und genehmiget hat. 1588. Jeder auf Probe und Verſuch abgeſchloſſene Verkauf wird immer angeſehen, als ſei er auf eine verſchiebende Be⸗ dingung abgeſchloſſen worden. 1589. Das Verſprechen etwas zu verkaufen gilt fuͤr einen wirklichen Verkauf, wenn uͤber den Gegenſtand und den Preiß gegenſeitige Einwilligung der Partheien vorhanden iſt⸗ 1690. Wenn das Verſprechen zu verkaufen mit Daraufgeld geſchloſſen worden, ſo ſteht es jedem der Kontrahenten frei wieder davon abzugehen; Dem, der es gegeben hat, mit Verluſt deſſelben; und jenem, der es genommen hat, mit Wiedererſtattung des Doppelten. 1591. Der Verkaufpreis muß von den Partheien beſtimmt und bezeichnet werden. 1592. Die Beſtimmung deſſelben kann indeſſen dem ſchieds⸗ richterlichen Gutachten eines Drittern uͤberlaſſen werden. Wenn dieſer Drittere die Abſchaͤtzung nicht machen will oder nicht machen kann, ſo hat der Verkauf nicht ſtatt. 1693. Die Koſten der urkunden und anderer bei dem Ver⸗ kaufe ſtatt habender Dinge liegen dem Kaͤufer zu Laſt. Zweites Kapitel. Wer kaufen oder verkaufen kann? 1694. Alle diejenige, denen es das Geſetz nicht unterſagt, koͤnnen kaufen oder verkaufen. 1598. Zwiſchen Eheleuten kann nur in folgenden drei Faͤl⸗ len ein Verkaufsvertrag ſtatt haben; tens. Wenn einer der Ehegatten dem andern, welcher ge⸗ richtlich von ihm getrennt iſt, Guͤter zur Zahlung ſeiner rechtlichen Anſpruͤche abtrit; atens. Wenn die Abtretung, welche der Mann ſeiner ſelbſt von ihm nicht getrennten Frau macht, eine geſetzliche Urſache hat, z. B. die Wiederverwendung des Kaufſchillinas von ihren unbeweglichen Guͤtern, welche veraͤußert worden, oder von ſonſtigen ihr zugehoͤrigen Summen, wenn dieſe unbeweglichen Guͤter oder dieſe Summen nicht zur Guͤtergemeinſchaft gehoͤren. ztens. Wenn die Frau ihrem Manne Guͤter zur Zahlung einer Summe abtrit, die ſie ihm zur Ausſteuer verſprochen hatte, und wenn Ausſchließung von der Guͤtergemeinſchaft vorhanden iſt. Selbſt in dieſen dreien Faͤllen bleiben die Rechte der Erben der vertragſchließenden Partheien, wenn ein nebenſeitiger Endirekter) Vortheil vorhanden iſt, unangetaſtet. 1596. Es können unter Strafe der Nichtigkeit weder ſelbſt noch durch unterſtellte Perſonen ſteigern. Die Vormunde die Guͤter derjenigen, uͤber welche ſie als Vormunde aufgeſtellt ſind; Die Bevollmächtigten die Guͤter, deren Verkauf man ih⸗ nen aufgetragen hat; — 280— Die Verwalter der Guͤter der Gemeinden oder öͤffentlichen 1 Anſtalten, welche ihrer Obſorge uͤbertragen ſind; Die oͤfentlichen Beamten die Nazionalguͤter, welche ſie kraft ihrer Amtsverrichtungen verkaufen. 1697. Die Richter, ihre Suppleanten, die kaiſerlichen Pro⸗ kuratoren, ibre Beigeordneten, die Gerichtſchreiber, Huiſſiers, 6 Sachwalter, amtliche Vertheidiger und Notarien duͤrfen ſich 1 keine Rechtsſtreite, ſtreitice Rechte und Klagen abtreten laſſen, welche von der Gerichtsbarkeit des Gerichtshofes ſind, in de⸗ 1 ren Bezirk ſie ihre Amtsverrichtungen verſehen, bei Strafe der Nichtigkeit, der Koſtenauslagen, Schadenerſatzes und Leiſtung der Zinſen. Drittes Kapitel. Von den Sachen welche verkauft werden konnen. 159. Alles was in den Handel einſchlägt, kann verkauft werden, wenn beſondere Geſetze die Veraͤußerung davon nicht 3 verbieten⸗ 6 1599. Der Verkauf einer Sache, die jemand anders zugehört, 35 iſt nichtig; er kann zu Schadloshaltung und Leiſtung der In⸗ tereſſe Anlaß geben, wenn der Ankaͤufer nicht gewußt hat, daß die verkaufte Sache einem andern zugehore. 1600. Man kann die Erbſchaft einer noch lebenden Perſon ſelbſt mit ihrer Einwilligung nicht verkaufen. 51 1601. Wenn in dem Augenblicke des Verkaufs die verkaufte Sache aaͤnzlich zu Grund gegangen war, ſo ſoll der Verkauf 1 nichtig ſein Wenn nur ein Theil der verkauften Sache zu Grund ge⸗ gangen, ſo hat der Kaͤnfer die Wahl, von dem Verkaufe ab⸗ zugehen, oder den noch nicht verdorbenen Theil zu verlangen; in welchem Falle er den Preiß derſelben durch eine gerichtli⸗ che Abſchaͤtzung nach Maaßſtab des fuͤr das Ganze bedunge⸗ nen Kaufvreiſes beſtimmen laͤßt. Viertes Kapitel. 1 Von den Obliegenheiten des Verkaͤufers. Erſter Abſchnitt.⸗ 1 Allgemeine Verfuͤgungen. 1soꝛ. Der Verkaͤufer iſt gehalten, dasjenige, worzu er ſich verbindet, deutlich zu erklären. — 281— Jeder dunkle oder zweideutige Vertrag wird gegen den Ver⸗ kaͤufer ausgeleat. 1603. Er hat zwei Hauptverbindlichkeiten, jene die ver⸗ kaufte Sache abzuliefern, und fuͤr ſie Buͤrge zu ſein. Zzweiter Abſchnitt. Von der Ablieferung. 1604. Die Ablieferung iſt die Uebertragung der verkauften Sache in die Gewalt und den Beſitz des Kaͤufers. 1605. Die Verbindlichkeit, unbewegliche Dinge abzuliefern iſt von Seiten des Verkaͤufers erfuͤllt, wenn er, wo von einem Gebaͤude die Rede iſt, den Schluͤſſel, oder von andern Ge⸗ genſtaͤnden die Eigenthumsurkunden abgeliefert hat. 1606. Die Ablieferung beweglicher Gegenſtaͤnde geſchiebt entweder durch derſelben wirkliche Uebergabe, Oder durch die Uebergabe der Schluͤſſel zu den Gebaͤuden, worin ſie enthalten ſind; Oder auch ſoaar durch die bloße Einwilligung der Partheien wenn die Uebertragung nicht in dem Augenblicke des Ver⸗ kaufs geſchehen kann, oder wenn ſie der Kaͤufer ſchon unter einer andern rechtlichen Benennung in ſeiner Gewalt hatte. 1607. Die Uebergabe von unkoͤrperlichen Gerechtſamen ge⸗ ſchieht entweder durch die Einlieferung der Urkunden, oder durch den Gebrauch, welchen der Ankaͤufer, mit Bewilligung des Verkäͤufers davon macht. 1608. Die Koſten der Auslieferung liegen dem Verkaͤufer, jene hingegen des Hinwegbringens dem Kaͤufer zur Laſt, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen worden. 1609. Die Auslieferung muß an dem Hrte geſchehen, wo ſich die Sache, welche der Gegenſtand des Verkaufs iſt, zur Zeit des gemachten Verkaufs befand, wenn man nicht anders miteinander uͤberein gekommen iſt. 1610. Wenn der Verkaͤufer mit der Auslieferung in der zwiſchen den Partheien ausbedungenen Zeit nicht einhaͤlt, ſo hat der Ankaͤufer die Wahl, entweder die Aufhebung des Ver⸗ kaufes oder ſeine Einſetzung in den Beſitz zu verlangen, wenn anders die Verzoͤgerung bloß von dem Verkäuſer herrubrt. 1611. In allen Fällen muß der Verkaͤufer zu Schadener⸗ ſatz und Zinſen verurtheilt werden, wenn aus Mangel der Ablieferung in einer gewiſſen Zeit dem Anküufer ein Nach⸗ theil erwochft. 161z. Der Verkäͤufer iſt nicht verbunden, die Sache aus⸗ zuliefern, wenn der Ankaͤufer ihm den Kaufſchilling nicht be⸗ zahlt und Erſterer ihm keine Zahlungsfriſt bewilliat hat. 1613. Er ſoll uͤberdies nicht zur Ablieferung gehalten ſein, und wenn er auch eine Zablungsfriſt bewilligt haͤtte, wenn der Ankaͤufer von der Zeit an, da der Verkauf ſtatt hatte, bankerott geworden oder vollig in Ruͤckgang gekommen iſt, ſo daß der Verkaͤufer ſich in einer augenſcheinlichen Gefahr be⸗, findet, den Verkaufvreiß zu verlieren; es ſei denn der Ankaͤufer ſtelle ihm fur die die in beſtimmter Zeit zu leiſtende Zahlung Buͤrsſchaft. 1614. Die verkaufte Sache muß in dem Zuſtande, in wel⸗ chem ſie ſich zur Zeit des Verkaufs befand, abgeliefert werden. Von dem Lage des Verkaufes gehoͤren alle Fruͤchte dem Kaͤufer⸗ 1616. Die Verbindlichkeit, die Sache auszuliefern, dehnt ſich auch auf alles Zugehoͤr derſelben und auf alles, was zu ihrem immerwaͤhrenden Gebrauche beſtimmt iü, aus. 1616. Der Verkaͤufer iſt verpflichtet, das Maaß, ſo wie es in dem Verkauſvertrage beſtimmt iſt, jedoch unter folgenden Beſchraͤnkungen abzuliefern. 1617. Wenn der Verkauf eines unbeweglichen Gegenſtandes mit Angabe des Flaͤcheninhalts zu ſoviel Maaß abgeſchloſſen worden, ſo iſt der Verkaͤufer verpflichtet, dem Ankaufer, wenn er es fordert, den in dem Verkaufsvertrage angegebe⸗ nen Maaßesbetrag auszuliefern. Wenn ihm dies nicht moͤglich iſt, oder wenn es der An⸗ kaufer nicht fordert, ſo iſt der Verkaͤufer verbunden, eine ver⸗ haͤltnißmaͤßige Verminderung des Kaufpreißes zu leiden. 1618. Wenn im Gegentbeile in dem Falle des vorherge⸗ henden Artikels ſich ein groͤßerer Flaͤcheninhalt vorfindet als in dem Kaufvertrage angegeben worden, ſo hat der Ankaͤufer die Wahl, entweder die verhaͤltnißmaͤßige Vermehrung des Verkaufpreißes zu entrichten, oder, wenn der Ueberſchuß ein Zwanziaſtel über den angegebenen Flaͤcheninhalt betraͤgt, von dem Kaufvertrage abzugehn. 1619. In allen andern Faͤllen, Es mag nun ein beſtimmtes und begraͤnztes Gut verkauft worden ſein; Oder der Verkauf mag verſchiedene von einander getrennte Grundſtuͤcke zum Gegenſtand habenz — 283— Oder er mag mit Angabe des Maates, oder mit der Be⸗ zeichnung des verkauften Gegenſtandes anfangen und nachher das Maaß angeben. So gibt die Angabe dieſes Maßes zu keinem Zuſchuße zu dem Kaufpreiße zum Vortheil des Verkaͤufers fuͤr den Ueber⸗ ſchuß des Maaßes, noch zu irgend einer Verminderung des Kaufpreißes zum Vortbeil des Ankaͤufers wegen dem gerin⸗ gern Maaße Anlaß; es ſei denn, der unterſchied des wirklich vorhandenen Maaßes betrage von dem in dem Kaufvertrage ausgedruͤckten Maaße ein Zwanzigſtel mehr oder weniger in Hinſicht auf den Wertb der Geſammtheil der verkauften Ge⸗ genſtaͤnde, oder es ſei das Gegentheil ausbedungen worden⸗ 1620. Im Falle, wo, in Gefolge des vorhergebenden Artikels wegen ueberſchuß an Maaß eine Vermehrung des Kaufpreißes ſtatt hat, ſo hat der Ankäufer die Wahl, ent⸗ weder von dem Kaufvertrage abzuſtehen, oder den Zuſchuß des Preiſes, und zwar, wenn er das unbewegliche Gut in Beſitz behalten hat, mit Zinſen zu erlegen. 161. In allen Fallen, wo der Ankaͤufer das Recht hat, von dem Kaufvertrag abzugehen, iſt der Verkaͤufer gehalten, ihm nebſt dem Kaufvreiße, wenn er ihn ſchon empfangen bat, die bei dem Kaufvertrage aufgelaufenen Koͤſten zuruͤck zu geben. 1822. Die Rechtsklage auf den Zuſchuß zu dem Kaufſchil⸗ ling von Seiten des Verkaͤufers oder jene auf Verminderung des Preiſes oder auch auf Aufbebung des Kaufvertrags von Seiten des Kaͤufers muß in Zeit eines Jahres von dem Tage des abgeſchloſſenen Kaufvertrags gerechnet unter Strafe nicht mehr angehoͤrt zu werden, angeſtellt werden. 1623. Wenn durch einen und denſelben Kaufvertrag fuͤr einen und denſelben Preiß zwei Grundſtuͤcke verkauft worden ſind und von jedem derſelben das Maaß angegeben worden iſt, daß eine aber von einem geringern und das andere von einem groͤßern Flaͤcheninhalt befunden worden, ſo gleichet man den Ueberſchuß und das Fehlende bis auf den zu lie⸗ fernden Betrag aus; und die Rechtsklage auf Zuſchuß oder Verminderung des Kauſpreißes hat nur nach den hier oben aufgeſtellten Regeln ſtatt. 19a4. Die Frage, ob dem Verkaͤufer oder Kaͤufer der Ver⸗ luſt oder die Verſchlimmerung der verkauften Sache vor ih⸗ rer Auslieferung zu Laſt falle, wird nach den im dem Eitel von den Vertraͤgen oder durch Uebereinkuͤnfte abge⸗ ſchloſſenen Herbindlichkeiten uͤberhaupt aufgeſtellten Re⸗ geln abgeurtheilt. Dritter Abſchnitt. Von der Gewaͤhrleiſtung. 1625. Die Gewaͤhrleiſtung, welche der Verkaͤufer dem Kaͤu⸗ fer ſchuldig iſt, hat zwei Gegenſtaͤnde; der erſtere iſt ruhige Beſitz der verkauften Sache; der zweite die verborgenen Maͤn⸗ gel, welche zur Zuruͤckgabe der verkauften Sache berechtigen. (redhibitoires) Erſter Paragraph. Von der Gewährleiſtung im Falle der Schadloshal⸗ tung.(viction.) 16a6. Obgleich bei dem Verkaufe keine Gewaͤhrleiſtung ausbedungen worden, ſo iſt doch der Verkaͤufer von rechtswe⸗ gen gehalten, dem Kaͤufer fuͤr den Schaden gut zu ſtehen, den er entweder an der Geſammtheit oder an einem Cheile des verkauften Gegenſtandes leiden kann, ſo wie auch fuͤr die Laſten, welche auf dieſem naͤmlichen Gegenſtande haften koͤnnen und bei dem Verkaufe nicht erklaͤrt worden ſind. 1627. Die Partbeien konnen durch beſondere Uebereinkunft dieſe rechtliche Verbindlichkeit vermehren oder die Wirkungen derſelben vermindern, ſie koͤnnen ſogar darin mit einander uͤbereinkommen, daß der Verkaͤufer keiner Gewaͤbrleiſtung un⸗ terworfen ſein ſoll. 162s. Wenn auch ausbedungen worden, daß der Verkaͤufer keiner Gewaͤhrleiſtung unterworfen ſein ſoll, ſo bleibt er doch immer zu derjenigen gehalten, die aus einer ihm verſoͤnlichen Thatſache herfließt. Jede entgegen geſetzte Uebereinkunft iſt nichtig. 1629. In dem naͤmlichen Falle, wo keine Gewaͤhrleiſtung ausbedungen worden, ſo iſt der Verkaͤufer, wenn Schadlos⸗ haltung eintritt, verbunden, den Kauſpreiß wieder zuruͤck zu geben, es ſei denn, der Kaͤufer babe zur Zeit des Verkaufes von der Gefahr des ihm bevorſtehenden Schadens Kenntniß gehabt, oder er habe auf ſeine eigene Gefahr hin gekauft. 1630. Wenn die Gewaͤhrleiſtung verſprochen worden oder wenn nichts in dieſer Hinſicht ausbedungen worden, ſo hat „ der Kaͤufer, wenn er wirklich ausgewieſen worden, das Recht, von dem Verkaͤufer zu begehren 1tens. Die Wiedererſtattung des Kaufpreißes; ztens. Die Wiedererſtattung der Fruͤchte, welche er dem Eigenthuͤmer, der ihn ausgewieſen hat, zuruͤck geben muſte⸗ ztens. Die durch Klage auf Gewaͤhrleiſtung von Seiten des Kaͤufers ausgelegten und die von dem urſpruͤnglichen Klaͤger gemachten Koſten. ztens. Endlich die Schadloshaltung und Zinſe, ſo wie auch die Nebenkoſten und Gerichtsgebuͤhren fuͤr den Vertrag. 1631. Wenn zur Zeit der Ausweiſung die verkaufte Sache ſich an Werth vermindert oder betraͤchtlich verdorben findet, und dieſes entweder durch Nachlaͤßigkeit des Kaͤufers oder durch Zufaͤlle einer ſtaͤrkern Gewalt geſchab; ſo iſt der Verkaͤufer nichts deſtoweniger verbunden, den ganzen Kauf⸗ preiß wieder herauszugeben. 1632. Wenn aber der Kaͤufer von den durch ihn verurſach⸗ ten Beſchaͤdigungen Vortheil bezogen hat, ſo iſt der Verkaͤu⸗ fer berechtiget, auf den Kaufpreiß eine dieſem Vortheil gleich⸗ kommende Summe zuruͤck zu behalten. 1633. Wenn die verkaufte Sache ſich zur Zeit der Aus⸗ weiſung auch ohne Zuthun des Kaͤufers in dem Preiße erhoͤ⸗ het findet, ſo iſt der Verkaͤufer gehalten, ihm das zu bezab⸗ len, was ſie mehr werth iſt, als der Kaufpreiß ausweißt. 1634. Der Verkaͤufer iſt verbunden, dem Ankaͤufer alle Aus⸗ beſſerungen und nuͤtzliche Verbeſſerungen, welche er auf den Grundſtuͤcken mag gemacht haben, ſelbſt zu erſetzen, oder durch den, der ihn aus gewieſen hat, erſetzen zu machen. 1635. Wenn der Verkaͤufer das Grundſtuck eines andern unredlicher Weiſe verkauft hat, ſo ſoll er verbunden ſein, dem Ankaͤufer alle auf das Grundſtuͤck verwendete Auslagen, ſeibſt die, welche blos zum Vergnügen oder Verſchoͤnerung dienen, wieder zu erſtatten. 1636. Wenn der Ankaͤufer nur aus einem Theile der ver⸗ kauften Sache ausgewieſen worden, dieſer Sbeil aber in Hin⸗ ſicht auf das Ganze von ſolcher Wichtiakeit iſt, daß der An⸗ kaͤufer es ohne den Theil, aus welchem er gewieſen worden, nicht gekauft hätte, ſo kann er die Aufhebung des Verkaufs verlangen. 1637. Wenn itl dem Falle der Ausweiſung aus einem Theile des verkauften Grundſtuckes der Verkauf nicht aufge⸗ * —. hoben worden, ſo wird dem Kaͤufer der Werth des Antheils, aus welchem er ausgewieſen worden, nach der Abſchätzung zur Zeit der Ausweiſung und nicht in Verhaͤltniß auf den ganzen Kaufſchilling von dem ganzen Gute, die verkaufte Sache habe nun an Werth zu⸗oder abgenommen, zuruͤck⸗ bezahlt. 1638. Wenn ein verkauftes Grundſtuͤck, ohne daß die Erklä⸗ rung davon gemacht worden, mit gewiſſen nicht in die Augen fallenden Grunddienſtbarkeiten beſchwert iſt, und dieſe ſo er⸗ heblich ſind, daß man Urſache habe, zu vermuthen, der An⸗ käufer habe das Grundſtuͤck nicht gekauft, wenn er davon unterrichtet geweſen waͤre, ſo kann er die Aufhebung des Kauſvertrags verlangen, wenn er ſich nicht lieber mit einer Entſchädigung begnuͤgen will. 1639. Die andern Fragen, zu denen die fur die Ankaͤufer aus dem Nichtvollzug des Verkaufs entſtebenden Schadlos⸗ haltungen Anlaß geben koͤnnen, muͤſſen nach den allgemeinen in dem LTitel von den Pertraͤgen oder von den aus Pebereinkuͤnften entſtehenden Verbindlichkeiten uͤber⸗ baupt aufgeſtellten Regeln entſchieden werden. 1640. Die Gewährleiſtuna füͤr den Fall der Ausweiſung hört auf, wenn ſich der Ankäufer durch ein Urtheil in letzter Inſtanz, oder durch ein Urtheil, von welchem keine Appella⸗ zion mehr ſtatt hat, verurtheilen ließ, ohne ſeinen Verkaͤufer ebenfalls vorzuladen; und wenn dieſer beweißt, daß hinlaͤng⸗ liche Mittel vorhanden ſind, die Klage verwerfen zu machen⸗ Zweiter Paragraph⸗ Von der Gewährleiſtung fuͤr die Mängel der ver⸗ verkauften Sache. 1691. Der Verkaufer iſt fuͤr alle verborgene Maͤngel der verkauften Sache, welche ſie fuͤr den Gebrauch, zu welchem ſie beſtimmt worden, untauglich machen, oder den Gebrauch derſelben ſo vermindern, daß der Ankaͤufer ſie nicht gekauft, oder einen geringern Preiß dafuͤr gegeben haben wuͤrde, wenn er dieſe Maͤngel gekannt hätte, Gewaͤhrleiſtung ſchuldia⸗ 1742. Der Verkäufer iſt fuͤr augenfaͤllige Febler, von denen der Käufer ſich ſelbſt haͤtte uͤberzeugen koͤnnen, keine Gewaͤhr⸗ leiſtung ſchuldig. iaz. Er iſt dieſe Sewůͤhrleiſung fuͤr die verborgenen Maͤngel ſelbſt dann ſchuldig, wenn er ſie auch gleich nicht gekannt bat, es ſei dann, er habe in dieſem Falle ausbedungen, da er zu keiner Gewaͤhrleiſtung verpflichtet ſei. 1644. Der Kaͤufer hat in den Faͤllen der Artikel 1641 und 1643 die Wabl, die Sache wieder zuruͤck zu geben und ſich den Kaufpreiß wieder erſtatten zu laſſen oder die Sache zu behalten und ſich einen Theil des Kaufſchillings, ſo wie er durch Sachkundige wird beſtimmt werden, zuruͤckzahlen zu laſſen. 1646. Wenn der Verkaͤufer die Maͤngel der Sache wußte, ſo iſt er nebſt der Ruͤckerſtattung des empfangenen Kaufſchillings zu allem Schadenerſatz und Zinſenentrichtung gegen den Kaͤu⸗ fer verbunden. 1746. Wenn dem Verkaͤufer die Maͤngel der Sache unbe⸗ kannt waren, ſo iſt er nur zur Ruͤckerſtattung des Kaufpreiſes und der durch den Kauf verurſachten Koͤſten gegen den Kau⸗ fer verpflichtet. 1647. Wenn die mangelhafte Sache durch eine Folge ihrer ſchlechten Beſchaffenheit zu Grunde gegangen iſt, ſo iſt der Verluſt fuͤr den Verkaͤufer, welcher gegen den Ankaͤufer die Verpflichtung bat, demſelben den Kaufpreiß und andere in den beiden vorhergehenden Artikeln benennte Entſchaͤdigungen wieder zu erſtatten. Wenn aber die Sache durch einen Zufall zu Grunde gegan⸗ gen, ſo faͤllt der daraus entſtehende Verluſt dem Kaͤufer zu Laſt. 1643. Die Rechtsklage, welche aus den Maͤngeln entſpringt, wegen welchen man berechtigt iſt, die gekaufte Sache wieder zuruͤck zu geben, muß von dem Ankaͤufer in einem kurzen Zeitraume nach der Beſchaffenheit der Maͤngel, welche zu der Zuruͤckgabe berechtigen, und nach dem Gebrauche des Drtes, wo der Kauf ſtatt hatte, angeſiellt werden. 1649. Sie findet bei den von gerichtswegen geſchehenen Verkaͤufen nicht ſtatt. Fuͤnftes Kapitel. Von den Verbindlichkeiten des Kaͤufers. 1650. Die vornehmſte Verbindlichkeit des Käufers iſt, den Kaufpreiß auf den Dag und an dem Orte, welche durch den Verkauf beſtimmt worden, zu erlegen. — 1651. Wenn bei dem Verkaufe in dieſer Hinſicht nichts feſtgeſetzt worden, ſo muß der Kaͤufer an dem Orte und zu der Zeit, wo die Ablieferung geſchieht, Zahlung leiſten. 1652. Der Kaͤufer iſt in folgenden drei Faͤllen bis zur Zab⸗ lung des Kavitals die Zinſe von dem Kaufpreiſe zu entrich⸗ ten ſchuldig; Wenn es bei dem Kaufe ſo ausbedungen worden; Wenn die verkaufte und abgelieferte Sache Fruͤchte oder andere Einkuͤnfte hervorbringt; Wenn der Kaͤufer aufgefodert worden, zu bezahlen. In dem letztern Falle laufen die Zinſe nur von dem Tage der Aufforderung. 1663. Wenn der RKaͤufer durch eine byvothekariſche oder ge⸗ richtliche Zuruͤckfoderunas⸗Rechtsklage geſtort wird, oder ge⸗ rechte Urſache hat zu fuͤrchten, er möge geſtort werden, ſo kann er die Erlegung des Kaufſchillinas ſo lange verſchieben, bis der Verkaͤufer der Stoͤhrung ein Ende gemacht bat, wenn dieſer nicht vorzieht, Buͤraſchaft zu leiſten, oder anders nicht ausbedungen worden iſt, daß der Kaͤufer der Stoͤhrung ungeachtet bezahlen muͤße. 1664. Wenn der Kaͤufer den Kaufpreiß nicht erlegt, ſo kann der Verkaͤufer die Aufhebung des Verkaufes begehren. 1655. Die Aufhebung des Verkaufes unbeweglicher Gegen⸗ ſtände wird auf der Stelle ausgeſprochen, wenn der Verkaͤu⸗ fer in Gefahr iſt, den Gegenſtand und den Kaufſchilling zu verlieren. Wenn dieſe Gefahr nicht vorhanden iſt, ſo kann der Richter dem Kaͤufer eine laͤngere oder kuͤrzere Zeitfriſt geſtat⸗ ten, wie es die Umſtaͤnde erheiſchen. Hat der Kaͤufer dieſe Zeitfriſt voruͤber gehen laſſen, obne zu bezahlen, ſo ſoll die Aufbebung des Verkauſs ausgeſpro⸗ chen werden. 1666. Wenn bei dem Verkaufe unbeweglicher Gegenſtaͤnde ausbedungen worden, daß der Verkauf von rechtswegen ſoll aufgeboben ſein, wenn die Erlegung des Kaufpreißes in der beſtimmten Zeitfriſt nicht ſtatt haben wuͤrde, ſo kann der Ankaufer dennoch auch nach dem Verlaufe dieſer Zeitfriſt noch bezahlen, wenn er nicht durch eine Auffoderung in Saͤum⸗ niß verſetzt worden iſt; aber nach dieſer Auffoderung kann ihm der Richter keine Zeitfriſt mehr zugeſtehen. r6ʒ7. Wenn Lebensmittel und bewealiche Gegenſtaͤnde ver⸗ kauft werden, ſo hat die Aufbebung des Verkaufs zum ———— — 289— Vortheil des Verkäufers von Rechtswegen und ohne Aufor⸗ derung ſtatt, ſobald die Zeit verfloſſen iſt, zu welcher ſie nach abgeſchloſſener Ubereinkunft abgenommen werden ſollte. Sechstes Kapitel. Von der Nichtigkeit und Aufhebung des Verkaufes. 1668. Unabhaͤngig von den urſachen, welche einen Verkauß zernichten oder aufheben, und welche ſchon in dieſem Litel er⸗ klrt worden, ſo wie von jenen, welche ſich auf alle Ueber⸗ einkuͤnfte anwendbar machen laſſen, kann der Kaufvertrag auch noch durch die Ausuͤbung der Befugniß zum Ruͤckkaufe und durch die Niedrigkeit des Preißes aufgehoben werden. Erſter Ab ſchnitt. Von der Befugniß zum Ruͤckkaufe. r65o. Die Befugniß des Wieder ⸗oder Ruͤckkaufes iſt ein Vertrag, durch welchen der Verkaͤufer ſich vorbehält, die verkaufte Sache vermittels der Wiedererſtattung des Haupt⸗ preißes und der Verguͤtung, von welcher der 1673te Artikel ſpricht wieder an ſich zu ziehen. 1660. Die Befugniß des Ruͤckkaufes kann auf keinen laͤngern Zeitraum hinaus als jenen von funf Jahren ausgehalten werden. Wenn ſie auf längere Zeit hinaus vorbehalten worden, ſo wird ſie auf dieſen Zeitraum heruntergeſetzt. 1661. Der feſtgeſetzte Zeitraum muß ſtrenge beobachtet werden; der Richter kann ihn nicht verlaͤngern. 1662. Wenn der Verkaͤuſer unterlaſſen hat, ſein Ruͤcktaufs⸗ recht in dem angeſetzten Zeitraume auszuuͤben, ſo bleibt der Kaͤufer unwiderruflicher Eigenthuͤmer. 1603. Dieſe Zeitfriſt läuft gegen alle Perſonen ſogar gegen die Minderzaͤhrigen, vorbehaltlich ihres Regreſſes nach Be⸗ ſchaffenheit der umſtaͤnde wider welchen ſolcher von rechts⸗ wegen ſtatt haben mag. 1664. Der Verkaufer, welcher ſich den Ruckkauf ausbedun⸗ gen, kann ſeine Handlung auch gegen einen zweitern Ankäufer ausuͤben, wenn auch gleich dieſe Befugniß des Ruckkaufes in dem zweitern Vertrag nicht wäre erklart worden. 1665. Der Anfäufer unter der Ausbedingung des Ruͤckkaufes uͤbt alle Rechte ſeines Verkaͤufers aus; er kann ſowohl gegen den wahren Eioenthuͤmer, als gegen diejenigen, welche irgend Anſpruͤche oder Hypotheken auf die verkaufte Sache zu haben behaupten, verjaͤhren. 1666. Er kann den Glaͤubigern ſeines Verkaͤufers die Rechts⸗ wohltbat des Vorausklagens anderer Schuldner(de la discus- sion) entaegen ſtellen. 1667. Wer unter Bedingung des Ruͤckkaufes ein in unver⸗ theilter Gemeinſchaft ſich befindendes Grundſtuͤck gekauft und nachher in einer gegen ihn aufgeforderten Verſteigerung das Ganze an ſich gebracht bat, kann den Verkaͤufer verbinden, wenn dieſer von ſeinem Ruͤckkaufsrechte Gebrauch machen will, das Ganze zu uͤbernehmen. 1666. Wenn mehrere miteinander und durch einen einzigen Vertrag ein Grundſtuͤck, daß ihnen gemeinſchaftlich zugehoͤrt, verkauft haben, ſo kann jeder ſein Ruͤcktaufsrecht nur fur den Antheil, den er daran hatte, ausuͤben. 1669. Eben ſo verhalt es ſich, wenn derjenige, welcher allein ein Grundſtuͤck verkauft hat, mehrere Erben hinterlaͤßt. Jeder dieſer Erben kann ſich des Ruͤckkaufsrechtes nur fuͤr den Antheil, der ihnen an der Erbſchaft zufaͤllt, bedienen. 1970. Allein der Ankaͤufer kann in den Faͤllen der beiden vorhergehenden Artikel fodern, daß alle Mitverkaͤufer oder Miterben in den Streit gezogen werden, um ſich miteinander uber die Zuruͤnahme des ganzen Grundſtuͤckes zu vereinigen⸗ Geſchicht dieſe Vereinigung nicht, ſo muß er von der Klage frei gegeben werden. 1671. Wenn der Verkauf eines Mehreren zugehorigen Grund⸗ ſtuͤckes nicht gemeinſchaftlich geſchehen und das Ganze Grund⸗ ſtuͤck nicht zuſammen verkauft worden iſt, und ein jeder nur den Antheil verkauft hat, den er daran hatte, ſo kann jeder von ihnen insbeſondere ſein Ruͤckkaufsrecht auf den Antheil, welcher ihm zugehörte, ausuͤben; Und der Ankaͤufer kann denjenigen, welcher es auf dieſe Art ausubt, nicht zwingen das Ganze an ſich zu ziehen. 1672. Wenn der Ankäufer mehrere Erben hinterlaſſen hat, ſo kann in dem Falle, wo die verkaufte Sache noch unver⸗ theilt iſt, ſo wie in jenem, wo ſie unter die Erben vertheilt worden, die Klage auf Ruͤckkauf gegen ieden derſelben nur fuͤr ſeinen Antheil angeſtellt werden⸗ — — 391— Allein wenn die Erbſchaft getheilt worden iſt und die ver⸗ kaufte Sache in das Loos eines der Erben gefallen iſt, ſo kann die Klage auf Ruͤckkauf wider ihn fuͤr das Ganze angeſtellt werden. 1673. Der Verkäufer, welcher ſich des Rechtes des Ruͤck⸗ kaufs bedient, muß nicht nur die Hauptſumme des Kauf⸗ ſchillings, ſondern auch alle gerichtliche und redliche Köſten des Verkaufs, die noͤthigen Ausbeſſerungen, und jene, welche den Werth des Grundſtuckes erhohet haben, bis auf den Be⸗ trag dieſer Vermehrung zuruͤckerſtatten. Er kann ſich nicht in den Beſitz ſetzen, bis er allen dieſen Obliegenbeiten Genuͤge geleiſtet hat. Wenn der Verkaͤufer durch die Ausübung ſeines Ruͤckkauf⸗ vertrags wieder in den Beſitz ſeines Grundſtuͤckes eintritt, ſo nimmt er es frei von allen Laſten und Hypotbeken, mit denen es der Käufer baͤtte beſchweren können, wieder zuruͤck. Er iſt aber verbunden, die ohne Hinterliſt von dem Ankaͤufer errichtete Pacht zu vollziehen. zweiter Abſchnttt. Von der Aufhebung des Verkaufes wegen Verletzung. 1674. Wenn der Verkäufer in dem Kaufpreiße eines unbe⸗ weglichen Gegenſtandes um mehr als ſieben zwolftel verletzt worden, ſo hat er das Recht, die Aufhebung des Verkaufes zu begehren und wenn er auch in dem Kaufvertrage aus⸗ druͤcklich auf die Befugniß„dieſe Aufbebung zu begehren, Verzicht geleiſtet und erklärt hätte, daß er das, was die Sache mehr iſt, ſchenken wolle. 1675. Um zu wiſſen, ob eine Verletzung von mehr als ſieben Zwölfteln vorhanden iſt, muß man den unbeweglichen Gegen⸗ ſtand nach ſeinem Zuſtande und Werth in dem Augenblicke des Verkaufes abſchätzen. 1676. Dieſe Klage iſt nach dem Verlaufe von zwei Jah⸗ ren von dem Tage desVerkaufes an gerechnet nicht mebr zulaͤßig. Dieſe Zeitfriſt lauft gegen die verheuratheten Frauen, gegen die Abweſenden, die Unterſagten und Minderjäbrigen, welche in die Rechte eines Großjäbrigen, der verkauſt hat, eingetreten ſind. Dieſe Zeitfriſt läuft ebenfalls während der zur Ausübung des Vertrags des Ruͤckkaufs ausbedungenen Zeitfriſt, und wird waͤhrend dieſer Zeit nicht verſchoben. D2 1677. Der Beweiß der Verletzung kann nur durch ein Urtheil und nur in dem Falle angenommen werden, wo die aufge⸗ ſtellten Thatſachen ziemlich wahrſcheinlich und wichtig genug ſind, um die Verletzung vermuthen zu laſſen. 1673. Dieſer Beweiß kann nur durch den Bericht dreier Sachkundigen gefuͤhrt werden. Dieſe ſollen verbunden ſein, einen einzigen gemeinſchaftlichen Verbalvrozeß aufzuſetzen und nur ein einziges Gutachten nach der Mebrbeit der Stimmen zu geben⸗ 1679. Wenn die Gutachten verſchieden ſind, ſo ſoll der Ver⸗ halprozeß die Beweggruͤnde derſelben enthalten, ohne daß es jedoch erlaubt ſei, zu erkennen zu geben, welcher Meinung jeder Sachkundige geweſen ſei. 1680. Die drei Sachkundigen ſollen von amtswegen ernennt werden, es ſei denn die Partheien ſeien miteinander uͤberein⸗ ſtimmend, ſie alle drei gemeinſchaftlich zu ernennen⸗ 1681. In dem Falle, wo die Rechtsklage auf Aufhebung des Verkaufs angenommen worden, ſo bat der Ankaͤufer die Wahl, entweder die Sache zuruͤck zu geben, und den Kauf⸗ ſchilling, welchen er bezahlt hat, wieder an ſich zu ziehen, oder das Grundſtuͤck zu behalten und den Zuſchuß zu dem wahrhaf⸗ ten aber feblenden Preiß mit Abzug jedoch des zebnten Tbeils von dem ganzen Wertbe zu entrichten. Der drittere Beſitzer hat das nämliche Recht, vorbehaltlich ſeiner Gewaͤhrleiſtung gegen ſeinen Verkaͤufer. 1662. Wenn der Ankäufer vorzieht, die Sache zu behalten und den durch den vorhergehenden Artikel angeſetzten Zuſchuß zu erlegen, ſo iſt er von dem Tage der Klage auf Aufhebung des Verkaufes von dieſem Zuſchuſſe Zinſe ſchuldig⸗ Wenn er vorzieht, die Sache zuruͤckzugeben und den Kauf⸗ ſchilling dafuͤr wieder zuruck zu nehmen, ſo gibt er die Fruͤchte davon von dem Dage der Klage zuruͤck. Die Zinſe von dem Kaufpreiße, welchen er erlegt hat, muſ⸗ ſen ihm auch von dem Tage der Klage, oder, wenn er keine Fruͤchte bezozen hat, von dem Tage der Bezahlung deſſelben angerechnet werden. 1683. Die Aufhebung des Verkaufes wegen Verletzung hat zu Gunſten des Kaͤufers nicht ſtatt. 684. Sie hat auch in allen den Verkaͤufen, welche dem Geſetze nach nur durch gerichtliche Obrigkeit vorgenommen werden koͤnnen, nicht ſtatt. 1685. Die in dem vorhergehenden Abſchnitte fuͤr die Faͤlle, wo mehrere entweder mit einander oder einzeln verkauft ha⸗ ben, oder fuͤr den Fall, wo der Verkaͤufer oder Kaͤufer meh⸗ rere Erben hinterlaſſen haben, aufgeſtellten Regeln muͤſſen auch fuͤr die Ausubung einer Rechtsklage auf Aufhebung des Verkaufs beobachtet werden. Siebentes Kapitel. Von der Verſteigerung. 1686. Wenn eine mehreren gemeinſchaftlich zugehoͤrende Sache nicht gemaͤchlich und ohne Verluſt getheilt werden kann, Oder wenn bei einer guͤtlich bewerkſtelligten Theilung ſich einige finden, welche keiner der Mittheilhaber annehmen kann oder will; So werden ſie verſteigert und der Steisſchilling wird unter die Miteigenthuͤmer vertheilt. 1687. Jeder der Miteigenthuͤmer hat das Recht zu begeh⸗ ren, daß Auswärtige zur Steigerung berufen werden; ja man muß ſolche nothwendig berufen, wenn einer der Miteigenthuͤ⸗ mer minderjaͤhrig iſt. 1688. Die Art und Weiſe der Verſteigerung und die dabei zu beobachtenden Formalitäten ſind in dem Titel von den Erb⸗ ſchaften und in dem Geſetzbuche uͤber das gerichtliche Verfah⸗ ren erklaͤrt. Achtes Kapitel. Von dem uUebertrag der Forderungen und an⸗ derer unkörperlichen Rechte. 1689. Bei dem Uebertrage einer Forderung eines Rechtes oder einer Rechtsklage auf einem Drittern wird die Auslie⸗ ferung zwiſchen dem Abtretenden und dem, an welchen ab⸗ getreten wird, durch die Uebergabe des Titers bewerkſtelligt. 1690. Der, dem man abtrit, wird in Hinſicht auf den Drittern erſt durch die dem Schuldner zu machende gericht⸗ liche Anzeige des geſchehenen Uebertrags eingeſetzt. Doch kann der, dem man abtrit, auch durch die von dem Schuldner in einer beglaubten urkunde geſchehene Annahme des gemachten Uebertrags eingeſetzt werden. 5 8 — 5 1691. Wenn, ehe der Abtretende, oder jener, dem abgetre⸗ ten wird, dem Schuldner den gemachten Uebertrag gerichtlich angezeiget, Letzterer den Abtretenden bezablt hat, ſo iſt er guͤltiger Weiſe ſeiner Schuld entledigt. 1692. Der Verkauf oder die Abtretung eines Schuldtiters begreift auch die zugehoͤrigen Rechte deſſelben, z. B. die Gewaͤhrleiſtung, Privilegien und Hypotheken. 1693. Wer eine Schuldforderung oder unkoͤrperliches Recht verkauft, muß das Vorhandenſein derſelben zur Zeit des Uebertrags verbuͤrgen, wenn gleich dieſer Verkauf ohne Ge⸗ waͤhrleiſtung geſchehen iſt. 1894. Er ſteht nicht fuͤr die Zahlungsfaͤhigkeit des Schuld⸗ ners, als wenn er ſich dazu anheiſchig gemacht hat und nur bis auf den Betrag des Preiſes, den er fuͤt ſeine Schuldſor⸗ derung bezogen bat. 1695. Wenn er verſprochen hat, fuͤr die Zahlungsfaͤbigkeit des Schuldners Gewaͤhrſchaft zu leiſten, ſo dehnt ſich dieſes Verſprechen nur auf die gegenwaͤrtige Zahlungsfähigkeit und nicht auf die kuͤnftige Zeit ans, wenn der Abtretende es nicht ausdruͤcklich bedungen hat. 1696. Wer eine Erbſchaſt verkauft ohne die Beſtandtheile derſelben einzeln anzugeben, hat nur fuͤr ſeine wirkliche Ei⸗ genſchaft als Erbe Gewaͤhr zu leiſten. 1697. Wenn er ſchon die Fruͤchte von einem oder dem an⸗ dern Grundſtuͤcke genoſſen oder den Betrag irgend eines Schuldtiters, der zu dieſer Erbſchaft gehört, bezogen, oder einige Gegenſtaͤnde der Verlaſſenſchaft verkauft hat, ſo iſt er verbunden ſie dem Ankaͤufer wieder zu erſtatten, wenn er ſie ſich bei dem Verkaufe nicht ausdrucklich vorbehalten hat. 1693. Der Kaͤufer muß von ſeiner Seite dem Verkaͤufer das, was er fuͤr die auf der Erbſchaft baftenden Schulden und Laſten bezahlt hat, wiedererſtatten, und ibm von allem, was er als Gläubiger zu fordern befugt war, Rechnung hal⸗ ten, wenn das Gegentheil nicht ausbedungen worden. 1699. Derienige/ wider welchen man ein ſtrittiges Recht abgetreten hat, kann alle Anſpräche deſſen, dem man es ab⸗ getreten hat, dadurch tilgen, daß er ihm den wahren Preiß der Abtretung mit den Koſten und gerichtlichen und redli⸗ chen Auslagen, die dadurch verurſacht worden, mit den Zin⸗ ſen von dem Tage an, wo der, dem die Abtretung geſchab den Preiß der an ihn geſchehenen Abtretung bezahlt bat, zu⸗ ruͤckerſtattet. 17oo. Die Sache wird als ſtrittig angeſehen, ſobald ein Rechtshandel und Streit uͤber den Grund des Rechtes vor⸗ handen iſt. 1701. Die Verfuͤgung des 1699ten Artikels hört auf rtens. In dem Falle, wo die Abtretung an einen Miterben oder Miteigenthuͤmer des abgetretenen Rechtes geſchehen iſt; atens. Wenn ſie einem Glaͤubiger zur Bezahluns deſſen, was man ihm ſchuldig iſt, gemacht worden; ztens. Wenn ſie dem Beſitzer einer Erbſchaft, welche dem ſtrittigen Rechte unterworfen iſt, gemacht worden. Siebenter Titel. Ueber den Tauſch. (Dekretirt den sten Maͤrz 1804, verkuͤndigt den 17ten des naͤmlichen Monaths). moꝛ. Der Tauſch iſt ein Vertrag, durch welchen ſich die Partheien wechſelsweiſe eine Sache fuͤr eine andere geben. 1703. Der Tauſch wird durch die bloße Einwilligung auf eben die Weiſe, wie der Verkauf bewirtt. 1704. Wenn einer von den Tauſchenden die ihm zum Tauſch gegebene Sache bereits empfangen hat, und er nachher be⸗ weißt, daß der andere Tauſchende der Eigenthuͤmer dieſer Sache nicht iſt, ſo kann er nicht gezwungen werden jene aus⸗ zuliefern, die er zum Gegentauſch verſprochen hat, ſondern nur jene wieder zuruͤck zu geben, die er empfangen hat. 1706. Der Mittauſchende, welcher aus der Sache, die er zum Tauſch empfangen hat, ausgewieſen worden, hat die Wahl auf Schadloshaltung und Zinſe zu klagen oder ſeine Sache zuruͤck zu fordern.. 1705. Die Aufhebung des Tauſches wegen Verletzung hat in dem Tauſchvertrage nicht ſtatt. 1707. Alle andere in den Kaufvertrag vorgeſchriebene Re⸗ geln ſind uͤbrigens auch auf den Tauſchhandel anwendbar. —— — — —————— — 296— Achter Titel. Von dem Miethvertrage. (Dekretirt den 7ten März 1soz, verkundigt den 17ten des namlichen Monaths.) 8 Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 1703. Es giebt zwei Arten von Miethvertraͤgen Jener von Sachen Und jener von Arbeit und Dienſte. 1709. Die Miethe von Sachen iſt ein Vertrag, durch wel⸗ chen eine der Partheien ſich verbindet, die andere eine gewiſſe Sache waͤhrend einer gewiſſen Zeit und vermittels eines ge⸗ wiſſen Preiſes, welchen Letztere Erſterer zu bezablen ſich ver⸗ pflichtet, genießen zu laſſen. 1710. Die Miethe einer Arbeit und eines Dienſtes iſt ein Vertrag, durch welchen eine der Partbeien ſich anheiſchig macht, fuͤr die andere vermittels eines zwiſchen ihnen aus⸗ bedungenen Preiſes etwas zu thun. 1711. Dieſe beiden Gattungen von Miethe werden in eine Unterabtheilung von verſchiedenen beſondern Gattungen zerlegt. Man nennt Miethpacht(bail à loyer) die Vermiethung der Haͤuſer und Geräthſchaften; Seldpacht(pail à ferme) die Vermiethung vonFeldguͤtern; Lohnpacht(Loyer) die Vermiethung der Arbeit oder des Dienſtes; Viehpacht(bail à cheptel) die Vermiethung der Thiere, wovon der Mutzen zwiſchen dem Eigenthuͤmer und jenem, dem er ſie anvertraut, getheilt wird; Die Ueberſchlaͤge, abgeſchloſſene Zändel oder gemach⸗ te Preiſe, um ein Werk vermittels eines gewiſſen Preiſes zu unternehmen ſind auch eine Miethe, wenn der Bauſtoff von demienigen geliefert wird, fuͤr den das Werk gemacht wird. Dieſe drei letztern Arten haben ihre beſondere Vorſchriften. 1712. Die Verpachtungen der Nazionalguͤter, der Gemein⸗ deguter und jener von öffentlichen Anſtalten ſind ebenfalls be⸗ ſondern Regeln unterworfen. Zweites Kapitel. Von der Verpachtung der Sachen. 1713. Man kann alle Arten von beweglichen oder unbe⸗ weglichen Guͤtern vermiethen oder miethen. —— Erſter Abſchnitt. Von den Regeln, welche den Verpachtungen der Haͤuſer und Feldguͤter gemeinſchaftlich ſind. 1714. Man kann ſchriftlich oder muͤndlich verpachten oder miethen. 1715. Wenn der blos muͤndlich gemachte Pacht noch auf keine Art in Ausuͤbung gebracht worden und eine der Par⸗ theien denſelben ablaͤugnet; ſo kann der Zeugenbeweis nicht angenommen werden, ſo gering auch der Preis davon waͤre und ohnerachtet man anfuͤhrte, daß man Daraufgeld gege⸗ ben habe. Man kann nichts anders thun, als dem, der die Pacht laͤugnet, den Eid auflegen. 1716. Wenn uͤber den Preis einer muͤndlichen Pacht, de⸗ ren Vollziehung angefangen hat, Rechtsſtreit entſteht, und keine Quittung vorhanden iſt, ſo ſoll man dem Eigenthuͤmer auf ſein Wort glauben, wenn der Miethsmann nicht vorzieht, auf die Abſchaͤtzung durch Sachkundige anzutragen; in welchem Falle aber Letzterem die Unterſuchungskoſten zur Laſt fallen, wenn die Abſchaͤtzung den von ihm angegebenen Preis uberſteigt. 1717. Der Pachter bat das Recht, unterpachter zu haben und ſogar noch, ſeine Pacht an einen andern abzutreten, wenn dieſe Befugniß ihm nicht unterſagt worden. Sie kann fuͤr das Ganze oder theilweiſe unterſagt werden. Dieſe Klauſel muß immer ſtrenge befolgt werden. 1718. Die Artikel des Titels von dem Zeurathsvertra⸗ ge und den gegenſeitigen Rechten der Gatten, welche auf die Pacht der verheuratheten Frauen Bezug haben, ſind auch auf die Pachten der Guͤter der Minderjaͤhrigen anwendbar. 1719. Der Verpachter iſt durch die Natur ſeines Vertra⸗ ges, und ohne daß es einer beſondern Ausbedingung beduͤrfe, verbunden, tens. Dem Pachter die geliehene Sache auszuliefern; atens. Dieſe Sache in dem Zuſtande zu erhalten, damit ſie zu dem Gebrauch dienen koͤnne, fur welchen ſie gemietbet worden; ztens. Den Pachter dieſelbe während der Dauer der Pacht ruhig genießen zu machen. 1720. Der Verpachter iſt verbunden, die Sache in gutem Stande von Ausbeſſerung jeder Art auszuliefern. — 298— Er muß an derſelben waͤhrend der Dauer der Pacht alle Ausbeſſerungen, welche nothwendia werden können, mit Aus⸗ nabme der Kleinern, die den Miethsmann angehen, machen⸗ 11. Man iſt dem Puͤchter fuͤr alle Fehler und Mäͤngel der geliehenen Sache, welche verhindern, Gebrauch von der⸗ ſelben zu machen, ſelbſt, wenn der Vervächter ſie zur Zeit der Errichtung der Pacht nicht gekannt haͤtte, Gewährleiſtung ſchuldig. Wenn aus dieſen Fehlern oder Maͤngeln irgend ein Verluſt fuͤr den Pachter entſteht, ſo iſt der Verpachter gehalten, ihn zu entſchaͤdigen. 1722. Wenn die vermiethete Sache waͤhrend der Dauer der Pacht durch einen ungefaͤhren Zufall gaͤnzlich zu Grunde ge⸗ gangen iſt, ſo iſt die Pacht von rechtswegen aufgehoben. Wenn ſie nur zum Theil zu Grunde gegangen, ſo kann der Pachter nach Verhaͤltniß der umſtaͤnde entweder eine Verrin⸗ gerung des Preiſes oder die Aufhebung der Pacht begehren; in beiden Faͤllen findet keine Entſchaͤdigung ſtatt. 1723. Der Verpachter kann während der Dauer der Pacht die Geſtalt der verpachteten Sache nicht veraͤndern. 17a. Wenn die vermiethete Sache waͤhrend der Pacht drin⸗ gender Ausbeſſerungen, welche bis zu Ende derſelben nicht verſchoben werden konnen, norhwendig hat, ſo muß der Pach⸗ ter ſie dulden, ſie mogen ihm auch noch ſo ungemaͤchlich fallen, und ohnerachtet er waͤhrend der Zeit, als dieſe Aus⸗ beſſerungen gemacht werden, eines Theils der gemietheten Sache entbehren muß ⸗ Wenn aber dieſe Ausbeſſerungen länger als vierzig Tage dauern, ſo muß der Pachtſchilling nach Verhaͤltniß der Zeit und des Antheils der gemietheten Sache, deren er beraubt geweſen iſt, vermindert werden Wenn dieſe Ausbeſſerungen ſo geartet ſind, daß ſie den An⸗ theil, der zur Wohnung des Puͤchters und ſeiner Familie noth⸗ wendig iſt, unbewohnbar machen, ſo kann dieſer die Pacht aufheben machen. 1725. Der Vervachter iſt nicht gehalten, den Paͤchter fuͤr die Störungen, welche Drittere ihm durch Gewaltthaͤtigkei⸗ ten in ſeinem Genuſſe verurſachen konnen, ohne jedoch irgend einiges Recht auf die gemiethete Sache zu be prechen, Gewähr zu leiſten. Es bleibt dem Pächter unbenommen, die Storer in ſeinem perſönlichen Namen gerichtlich zu verfolgen 1a6. Wenn im Gegentheile der Miethsmann oder Pachter in ihrem Genuſſe in Gefolge einer Handlung, die das Eigen⸗ thum des Grundſtuͤckes betrifft, geſtoͤrt worden ſind, ſo haben ſie auf eine verhaͤltnißmäͤßige Verminderung auf den Miethe⸗ oder Pachtzins Anſpruch, wenn anders dieſe Stoͤrung und Hinderung dem Eigenthuͤmer foͤrmlich angezeigt worden. 1728. Wenn dielenigen, welche die Gewaltthaͤttgkeiten began⸗ gen haben, vorgeben, einiges Recht auf die gemiethete Sache zu haben; oder wenn der Paͤchter ſelbſt vor Gericht geladen worden, um ſich zur Abtretung des Ganzen oder eines Theils dieſer Sache verurtheilt zu ſehen, oder die Ausuͤbung irgend einer Grunddienſtbarkeit zu dulden, ſo muß er den Vervach⸗ ter zur Gewaͤhrleiſtung vorladen, und er muß, wenn er es verlangt, außer Klage geſetzt werden, indem er den Verpach⸗ ter nennt, fuͤr den er in wirklichem Beſitz iſt. 1728. Der Paͤchter iſt zu zwei Hauptverbindlichkeiten ver⸗ pflichtet; rtens. Sich der gemietheten Sache als ein guter Familien⸗ vater und zwar nach der Beſtimmung, welche ihr nach dem Pachtbrief gegeben worden, oder welche in Ermanglung einer Uebereinkunft aus den Umütaͤnden kann vermuthet werden, zu bedienen. ztens. Den Pachtpreiß an den beſtimmten Lerminen zu entrichten. 1729. Wenn der Paͤchter die gemiethete Sache zu einem an⸗ dern Gebrauche verwendet als jener iſt, wozu ſie beſtimmt worden, oder wenn fuͤr den Verpaͤchter daraus ein Schaden entſtehen kann, ſo kann Letzterer nach Verbaͤltniß der Umſtan⸗ de die Pacht aufheben machen. 1730. Wenn zwiſchen dem Verpaͤchter und Paͤchter ein Ver⸗ zeichniß der Gebaͤude und Guͤter errichtet worden, ſo muß letzterer die Sache ſo, wie es dieſes Verzeichniß ausweiſet, wieder zuruͤck geben, jedoch mit Ausnahme deſſen, was al⸗ tershalber oder durch Gewalttbaͤtigkeit zu Grunde gegangen oder verdorben worden iſt. 1731. Wenn kein ſolches Verzeichniß der Gebaͤude und Guͤ⸗ ter errichtet worden, ſo wird vermuthet, der Paͤchter habe die Sache in einem guten Zuſtande von Ausbeſſerungen, die man bei Vermietbungen macht, erhalten. und in ſolchem Zuſtande muß er ſie auch wieder zuruͤck geben, es ſei denn, er beweiſe das Gegentheil. — 360— yze. Er iſt fuͤr das, was wäͤhrend ſeines Genuſſes verdor⸗ ben wird, oder zu Grunde geht, verantwortlich, es ſei denn er fuͤhre den Beweis, daß es ohne ſein Verſchulden geſcheben. 1733. Er iſt fuͤr Feuerbrunſt verantwortlich, oder er thue ar, Daß der Brand durch einen ungefähren Zufall, oder durch Gewaltthätigkeit oder durch einen Fehler in der Baulichkeit entſtanden ſei. Oder daß das Feuer aus einem benachbarten Hauſe einge⸗ drungen ſei. 1734. Wenn mehrere Miethleute vorbanden ſind, ſo ſind ſie ſolidariſch fur die entſtandene Feuersbrunſt verantwortlich; Es ſei denn, ſie beweiſen, daß der Brand in der Wohnuns des einen von ihnen ausgekommen ſei, in welchem Falle die⸗ ſer die Verantwortlichkeit allein auf ſich hat. Oder daß einige beweiſen, daß der Brand bei ihnen nicht habe entſtehen können, in welchem Falle dieſe nicht dafuͤr verantwortlich ſind. 1735. Der Pachter iſt fuͤr die Beſchaͤdigung und den Ver⸗ luſt, welche durch Thathandlungen von Perſonen, die zu ſeinem Hauſe gehoͤren, oder von ſeinen Unterlehnern verur⸗ ſacht werden, verantwortlich. 1736. Wenn die Pacht nicht ſchriftlich auſgeſetzt worden, ſo kann die eine der Partheien der andern nur mit Beobach⸗ tung der durch den Gebrauch der Orte feſtgeſetzten Zeitfriſten Aufkuͤndigung geben. 1737. Nach Verlauf der feſtaeſetzten Zeitfriſt hoͤrt bie Pacht von rechtswegen auf, ohne daß eine Aufkuͤndigung erforder⸗ lich ſei, wenn dieſelbe ſchriftlich aufgeſetzt worden. 1738. Wenn nach Verlaufe Zeſchriebener Pachte der Pach⸗ ter in Beſitz bleibt und darin belaſſen wird, ſo wird dadurch eine neue Pacht bewirkt, deren Wirkung durch den Artikel, welcher auf Vermiethungen, welche nicht ſchriftlich gemacht worden, Bezug hat, beſtimmt wird. 1739. Wenn eine Aufkuͤndigung gerichtlich angedeutet wor⸗ den, ſo kann der Päͤchter, ohnerachtet er ſeinen Genuß fort⸗ geſetzt, ſich nicht auf die ſtillſchweigende Pachtverlaͤngerung berufen. 1740. In den Fuͤllen der beiden vorhergehenden Artikel dehnt ſich die für die Pacht gegebene Buͤrgſchaft nicht auf die aus der Verlaͤngerung derſelben entſpyringende Verbindlichkeiten aus. 1741. Der Miethvertrag wird durch den Verluſt der vermie⸗ theten Sache und durch wechſelſeitige Vernachlaͤßigung des Verpaͤchters und Paͤchters, ihre Verpflichtuggen gegen einan⸗ der zu erfuͤllen, aufgehoben. 1742. Der Miethvertrag wird weder durch den Todt des Verpaͤchters noch durch das Abſterben des Pächters aufze⸗ hoben. 1743. Wenn der Verpaͤchter die vermiethete Sache ver⸗ kauft, ſo kann der Ankaͤufer den Paͤchter oder Miethsmann, welcher einen aͤchten und mit einem gewiſſen Datum verſehe⸗ nen Pachtbrief hat, nicht ausweiſen, es ſei denn, dieſes Recht ſei durch den Pachtbrief ausbedungen. 17ag. Wenn bei Abſchließung der Pacht die Uebereinkunft getroffen worden, daß in dem Falle des Verkaufs der Ankäu⸗ fer den Paͤchter oder Miethsmann ausweiſen kann und wenn uͤber Entſchaͤdigung und Zinſe nichts ausbedungen worden, ſo iſt der Verpaͤchter verpflichtet, den Paͤchter oder Miethsmann auf folgende Art zu entſchaͤdigen. 1745. Wenn von einem Hauſe, Zimmer oder Laden die Sprache iſt ſo zahlt der Paͤchter den ausgewieſenen Mieths⸗ manne fuͤr Entſchaͤdigung und Zinſe eine Summe, die dem Miethpreiße waͤhrend der Zeit, welche nach dem Gebrauche des Ortes zwiſchen der Aufkuͤndigung und dem Auszuge geſtattet werden muß, gleich koͤmmt. 1746. Wenn von Feldguͤtern die Sprache iſt, ſo ſoll der Verpachter dem Pachter das Drittel des Pachtpreißes fuͤr die Zeit, waͤhrend welcher die Pacht noch haͤtte dauern ſollen, zur Entſchäͤdigung bezahlen. 1747. Die Entſchaͤdigung ſoll durch Sachkundige beſtimmt werden, wenn von Manufakturen, Gewerkern oder andern Entrichtungen, welche große Vorſchuͤſſe fodern, die Sprache iſt. 1748. Der Ankäufer, welcher ſich des in dem Miethvertrage ausbedungenen Rechtes, den Paͤchter oder Miethsmann im Falle des Verkaufs auszuweiſen, bedienen will, iſt uͤberdies gehalten, dem Miethsmann zum Voraus, und zwar in der an dem Orte fuͤr die Aufkuͤndigung uͤblichen Zeit davon zu benachrichtigen. Er muß den Paͤchter von Feldguͤtern wenigſtens ein Jahr vorher davon benachrichtigen. 1749. Die Paͤchter oder Miethsmaͤnner koͤnnen nicht aus⸗ gewieſen werden, es ſei denn, der Verpaͤchter, oder in deſſen — 302— Ermanglung der neue Ankaͤufer haben ihnen die oben be⸗ ſtimmten Schadloshaltungen und Zinſen entrichtet. 1750. Wenn die Pacht nicht in einer rechtmaͤßigen Urkunde abgefaßt worden, oder keinen gewiſſen Datum hat, ſo iſt der Ankaͤuſer zu keiner Schadloshaltung oder Zinſenentrichtung verpflichtet. 1761. Der unter dem Vorbebalt des Ruͤckkaufs gewordene Ankäufer kann ſich der Befuaniß, den Paͤchter auszuweißen, ſo lange nicht bedienen, als die fuͤr den Ruͤckkauf angeſetzte Zeitfriſt nicht gaͤnzlich verfloſſen und er alſo unabänderlicher Eigenthuͤmer geworden iſt. zweiter Abſchnitt. Beſondere Regeln fuͤr die Miethvertraͤge von Haͤu⸗ ſern und Mobilten. 1752. Der Miethmann, welcher das Haus nicht mit hin⸗ länglichen Geraͤthſchaften beſtellt, kann ausgewieſen werden, es ſei denn er gebe hinlaͤngliche Sicherheit, welche fuͤr den Miethzinß Gewaͤhr leiſten könne. 1783. Der unterlebner iſt gegen den Eigentbuͤmer nur biß zum Betrage des Preißes ſeiner Unterlehnung vervflichtet, wovon er von dem Augenblicke des Beſchlages Schuldner ſein kann, ohne daß er auf vorausgemachte Bezahlungen ſich berufen koͤnne. Die von den Unterlehner entweder in Kraft einer in dem Miethsvertrage gemachten Ausbedingung oder in Gefolge des an dem Orte einaefuͤhrten Gebrauches gemachten Bezah⸗ lungen ſind nicht als ſolche anzuſehen, welche zum Voraus gemacht worden. 1754. Die Miethe⸗oder kleinere Unterhaltungsverbeſſerun⸗ gen, zu denen der Mietbsmann verpflichtet iſt, wenn keine Gegenklauſel ihn davon freiſpricht, ſind dieienigen, welche als ſolche durch die Ortsgebraͤuche aufgeſtellt ſind und unter andern die Ausbeſſerungen welche An den Feuerheerden, Ruͤckenblatten, Geſimſe und derſelben Einfaſſungen an den Kaminen, An dem betuͤnchten Untertbeile der Mauern der Zimmer oder anderer Wobnorte in der Hoͤhe eines Meters, An den mit Steinen oder vierekigten Platten ausgelesten Fußboden der Zimmer, wenn nur einige davon zerbrochen ſind. An den Fenſterſcheiben, woſern ſie nicht durch den Hagel oder andere auſſerordentliche Zufälle und Gewaltſamkeiten, wofuͤr der Miethsmann nicht ſtehen kann, verbrochen worden, An Thuͤren, Kreuzrahmen der Fenſter, Verſchlägen oder Ladenbeſchließungen von Brettern, Thuͤrangeln, Blechen mit Riegeln und Schloͤſſern zu machen ſind. 1758. Keine von den als Miethsverbeſſerungen anerkannte Ausbeſſerungen fallen den Miethsleuten zur Laſt, wenn ſie durch Alterthum oder Gewaltthaͤtigkeiten verurſacht worden. 1756. Die Reinigung der Bronnen und Unrathbehaͤltniſſe liegt dem Verpachter ob, wenn keine Klauſel das Gegentheil ausbedingt. 1757. Die Vermiethung von Geräthſchaften, welche gelie⸗ ſert werden, um ein ganzes Haus, ein ganzes Wohngebaͤude, einen Laden und jede andere Zimmer damit zu beſtellen, wird angeſehen, als daure ſie ſo lange als die Vermiethungen der Haͤuſer, der Wohngebaͤude, der Laͤden oder anderer Zimmer nach dem Gebrauche der Orte. 1758. Die Vermiethung eines mit Geräthſchaften beſetzten Zimmers wird angeſehen, als daure ſie ein Jahr, wenn man verſprochen hat, ſo viel des Jahrs zu geben. Sie wird angeſehen, als daure ſie einen Monath, wenn man ſo viel monathweiſe verſprochen. Sie wird angeſehen, als daure ſie einen Tag, wenn man ſo viel tagweiſe verſprochen. Wenn nichts erweißt, daß die Vermiethung fuͤr ſo viel des Jahrs, des Monats oder des Tages abgeſchloſſen worden, ſo wird die Vermietbung angeſehen, als ſei ſie nach den Orts⸗ gebraͤuchen eingegangen worden. 1569. Wenn der Miethsmann eines Hauſes oderZimmers ſeinen Genuß nach Verlauf der ſchriftlichen Pacht ohne Hin⸗ derniß von Seiten des Verpaͤchters fortgeſetzt, ſo wird er an⸗ geſehen, als beſitze er dieſelbe auf die naͤmliche Bedingungen fur die Zeitfriſt, welche durch die Ortsgebräuche beſtimmt iſt. Er kann nicht ausziehen noch ausgewieſen werden als nach einer Auftundigung, welche ihm nach den Ortsgebräu⸗ chen gemacht worden. 1760. Wenn der Miethvertrag durch Verſchulden des Mieths⸗ mannes, aufgehoben wird, ſo iſt dieſer gehalten, den Preis der Miethe waͤhrend der zur Wiedervermiethung nöthiaen Zeit, ohne Nachtheil der Schadlosbaltung und der Zinſe, — z 4— welche aus dem Mibßbrauche haben entſtehen koͤnnen, zu be⸗ zahlen. 1761. Der Verpachter kann die Vermiethung nicht aufbe⸗ ben, und wenn er auch erklaͤrte, das vermiethete Haus ſelbſt bewohnen zu wollen, wenn keine Uebereinkunft, welche das Gegentheil beſagt, vorhanden iſt. 1762. Wenn in dem Miethvertrage die Uebereinkunft ge⸗ troffen worden, daß der Verpaͤchter das Haus ſelbſt beziehen konnte, ſo iſt er verbunden, dem Paͤchter eine Aufkuͤndigung zu der durch die Brtsgebräuche beſtimmten Zeitfriſt zum Voraus gerichtlich einhaͤndigen zu laſſen. Dritter Abſchnitt. Beſondere Regeln fuͤr die Feldpachten. 1763. Jener, welcher unter der Bedingung, die Fruͤchte mit dem Vervaͤchter zu theilen, ein Landgut anbaut, kann weder Unterlehner haben noch abtreten, wenn ihm dieſe Befugniß durch die Pacht nicht ausdruͤcklich zugeſtanden worden. 1764. Im Falle der Zuwiderhandlung hat der Eigentbuͤmer das Recht, wieder in den Genuß einzutreten, und der Paͤch⸗ ter wird zu dem aus der Nichtvollziehung der Pacht entſprin⸗ genden Schadenerſatz verurtheilt. 1766. Wenn man in einer Feldpacht den Grundſtuͤcken einen kleinern oder groͤßern Flaͤcheninhalt gibt, als ſie wirk⸗ lich haben, ſo hat nur in dem unter dem Litel von dem Perkaufe ausgedruͤckten Falle und nach den eben daſelbſt aufgeſtellten Regeln eine Erboͤhung oder Verminderung des Pachtpreißes fuͤr den Pächter ſtatt. 1766. Wenn der Pächter eines Landguts daſſelbe nicht mit dem nothigen Viehe beſtellt, die noͤthigen Ackergeraͤth⸗ ſchaften zu deſſen Anbau nicht anſchaft, den Bau deſſelben vernachlaͤßigt, es nicht als ein guter Hausvater beſtellt; wenn er die gemiethete Sache zu einem andern Gebrauche als jenem, zu dem ſie beſtimmt iſt, anwendet, oder über⸗ haupt, wenn er die Klauſeln der Pacht nicht erfullt, und fuͤr den Verpaͤchter ein Schaden emſteht, ſo kann dieſer nach den Umſtaͤnden die Pacht aufheben machen. Wenn nun die Pacht durch Verſchulden des Paͤchters auf⸗ gehoben worden, ſo iſt dieſer vermoͤge der Verfuͤgung des rgsaten Artikels gehalten, Entſchädigung zu leiſten. m6r. Der Paͤchter eines Feldautes iſt gehalten, in die Orte einzuſcheuern, welche vermoͤge der Pacht darzu beſtimmt ſind⸗ 1763. Der Paͤchter eines Feldgutes iſt unter Strafe aller Koſten, Schadenerſatzes und Zinſenentrichtung verpflichtet, den Eigentbuͤmer von allen Rechtseingriffen, welche auf ſei⸗ nem Feldgut veruͤbt werden koͤnnen, zu benachrichtigen. Dieſe Benachrichtigung muß in der naͤmlichen Zeitfriſt, welche fuͤr den Fall einer gerichtlichen Vorladung nach der Entfernung der Prte vorgeſchrieben iſt, gegeben werden. 1769. Wenn die Pacht fuͤr mehrere Jahre abgeſchloſſen wor⸗ den, und wenn waͤhrend der Dauer derſelben die ganze Erndte oder wenisſtens die Haͤlfte davon durch ungefaͤhre Zufaͤlle zu Grund gegangen iſt, ſo kann der Pächter einen Nachlaß am Miethzinſe begehren, wenn er nicht durch die vorherge⸗ gangenen Erndten entſchaͤdigt worden. Iſ er nicht entſchaͤdigt worden, ſo kann die Abſchaͤtzung des Nachlaſſes erſt am Ende der Pacht geſchehen, zu welcher Zeit eine Gegenabrechnung aller Jahre des Genuſſes gemacht werden muß. Jedoch kann der Richter einsweilen den Paͤchter freiſpre⸗ chen, einen Theil des Miethvreiſes in Ruͤckſicht auf den er⸗ littenen Schaden zu entrichten. 1770. Wenn die Pacht nur fur ein Jahr gemacht worden, und wenn alle Fruͤchte, oder wenigſtens die Haͤlfte zu Grunde gegangen, ſo ſoll der Paͤchter von einem verhaͤltnißmaͤßigen Cheile des Pachtſchillings entladen werden. Er kann aber auf keinen Nachlaß Anſpruch machen, wenn weniger als die Haͤlfte zu Grunde gegangen. 1771. Der Paͤchter kann keinen Nachlaß erhalten, wenn er den Verluſt der Fruͤchte erlitten, da ſie ſchon von der Erde getrennt warenz es ſei denn, der Pachtbrief gebe dem Eigen⸗ thuͤmer einen Theil der Ernde in Natur. In dieſem Falle muß der Eigenthuͤmer ſeinen Antheil an dem Verluſt leiden, wenn anders der Paͤchter nicht in Säumniß war, ihm ſeinen Antheil an der Ernde zu liefern. Der Paͤchter kann ebenfalls keinen Nachlaß begehren, wenn die Urſache des Verluſtes ſchon zur Zeit, wo der Pachtbrief niedergeſchrieben worden, vorhanden und bekannt war. 1772. Der Paͤchter fann durch eine ausdruͤckliche Ausbedin⸗ gung das Ertragen ohngefährer Zufälle uͤber ſich nehmen muͤſſen. 1 — 306— 1773. Dieſe Ausbedingung dehnt ſich aber nur auf gewöhn⸗ liche Zufolle, z. B. Hagel, Feuer des Himmels, Froſt, Ab⸗ fallen der Fruͤchte aus. Sie dehnt ſich nicht auf außerordentliche Zufoͤlle, z. B⸗ Kriegsverwuſtung, eine Ueberſchwemmung, der das Land nicht gewohnlich unterworfen iſt, aus, es ſei denn, der Paͤchter habe alle gewohnliche und außerordentliche Zufaͤlle äber ſich ge⸗ nommen. 1774. Die Pacht eines Feldguts, welche nicht niedergeſchrie⸗ ben worden, wird angeſehen, als ſei ſie fuͤr die Zeit abge⸗ ſchloſſen, welche nothwendig iſt, damit der Paͤchter alle Fruͤch⸗ te des gepachteten Feldgutes einaͤrndten konne. Alſo wird die Pacht einer Wieſe, eines Wingerts und ei⸗ nes jeden andern Grundſtuͤckes, deſſen Fruͤchte ganzlich in einem Jahre eingethan werden, angeſehen, als ſei ſie füͤr ein Jahr abgeſchloſſen. Die Pacht von pfluͤgbaren Grundſtuͤcken, wenn dieſelben brach⸗ oder jahrzeitmaͤßig abgetheilt ſind, wird angeſehen, als ſei ſie fuͤr ſo viele Jahre gemacht, als Brache ſind⸗ 1776. Die Pacht der Feldſtuͤcke, ob ſie gleich nicht ſchrift⸗ lich gemacht worden, hoͤrt von rechtswegen auf, wenn die Zeit verſloſſen iſt, fuͤr welche ſie laut des vorhergebenden Artikels abgeſchloſſen worden zu ſein, dafuͤr gehalten wird. 1776. Wenn nach Ablauf der geſchriebenen Feldvachten der Pächter in dem Genuſſe bleibt und darin gelaſſen wird, ſo wird dadurch eine neue Pacht bewirkt, deren Wirkung durch den 1774ten Artikel beſtimmt iſt. 1777. Der abziehende Paͤchter muß dem, der ihm in dem Anbaue der Felder nachfolat, die ſchickliche Wohnungen und Beguemlichkeiten fur die Arbeiten des folgenden Jah⸗ res uberlaſſen⸗ und ſo muß gegenſeitig der eintretende Paͤchter dem austretenden die noͤthigen Wohnungen und andern Be⸗ quemlichkeiten fuͤr die Aufzehrung der Fuͤtterung und die noch u machenden Ernden verſchaffen. In beiden Fällen muß man ſich nach dem Hrtsgebrauche andere richten.. 1778. Der austretende Pächter muß auch das Stroh und wenn er beides bei dem Eintrit in den Dung des Jahres⸗ ſeinen Genuß emvfangen pat, zuruͤck laſſen; und ſollte er es auch nicht emvfangen haben, ſo kann es der Eigentbuͤmer vermoͤge Abſchaͤßung zuruͤck bebalten. — 307— Drittes Kapitel. Von dem Vermiethen der Arbeit der Dienſte und des Kunſtfleißes. 1779. Es gibt drei Hauptarten der Vermiethung der Ar⸗ beit, des Dienſtes und des Kunſtfleißes; 1tens. Die Vermiethung der Dienſtbothen und Arbeitsleu⸗ te, welche ſich zum Dienſte eines andern verpflichten; atens. Jene der Fuhren zu Waſſer und zu Lande, welche die Ueberfahrt von Perſonen oder Waaren uͤbernehmen; ztens. Jene der Kuͤnſtler und Uebernehmer von Werken nach Koſtenberechnungen oder abgeſchloſſenen Ver⸗ tragen. Erſter Abſchnitt. Von der Vermiethung der Dienſtbothen und Arbeiter. 1780. Man kann ſeine Dienſte nur fur eine gewiſſe Zeit oder fuͤr ein beſtimmtes Unternehmen vermiethen. 1731. Man glaubt dem Herrn auf ſeine eidliche Außage, was anbetrift Den Betrag des ausgemachten Lohns; Die Bezahlung des Lohns fuͤr das verfloſſene Jahr, Und die auf Abſchlag wäͤbrend dem laufenden Jahre gege⸗ benen Vorſchüſſe. zweiter Abſchnitt. Von den Fuhrleuten zu Land und Waſſer. 1752. Die Fuhrleute zu Land und Waſſer ſind, was dis Obhut und Aufbewahrung der ihnen anvertrauten Dinge be⸗ trift, den nämlichen Verbindlichkeiten unterworfen, welche die Gaſtwirthe haben und wovon in dem Litel von der verwahr⸗ lichen Zinterlegung und der Verwaltung eines einem Drittern zugehorenden Gutes(equestre) Sprache iſt. 1783. Sie ſind nicht nur fuͤr das, was ſie ſchon in ihrem Schiffe oder in ibrer Fuhre aufgenommen haben, ſondern auch noch fuͤr das, was ihnen auf der Anfurth oder Niederlage eingehändigt worden, um in ibrem Schiffe oder in ihrer Fuhre aufgeladen zu werden, verantwortlich. 1784. Sie ſind fuͤr den Verluſt und die Beſchädigungen der ihnen anvertrauten Gegenſtaͤnde verantwortlich, es ſei 1 2 denn, ſie beweiſen, daß ſie durch einen ungefuͤhren Zufall oder durch hoͤhere Gewalt zu Grunde gegangen oder beſchä⸗ diat worden ſind⸗ 1785. Die Unternehmer der oͤfentlichen Fuhren zu Waſſer und Land und jene der oſſentlichen Guͤterwägen muͤſſen von dem Gelde, den Geraͤthen und Päcken, welche ſie uͤbernehmen⸗ ein Regiſter halten. 1786. Die Unternehmer und Vorſteher von Fuhren und Guͤterwägen, die Bark⸗ und Schiffmeiſter ſind noch beſondern Vorſchriften unterworfen, die zwiſchen ihnen und andern Buͤr⸗ gern wie ein Geſetz beobachtet werden muͤſſen. Dritter Abſſchnitt. Von den Bauuͤberſchlägen und darauf hin abge⸗ ſchloſſenen Händeln. 1787. Wenn man jemanden den Auftrag gibt ein Werk zu verfertigen, ſo kann man mit einander uͤbereinkommen, daß er nur ſeine Arbeit oder ſeinen Kunſtfleiß, oder⸗ daß er auch den Stoff darzu liefern ſoll. 1738. Wenn in dem Falle, wo der Arbeiter den Stoff lie⸗ fert, die Sache vor der Ablieferung, auf welche Art es auch ſein mag, zu Grunde geht, ſo iſt der Verluſt fuͤr den Arbei⸗ ter, es ſei denn, der Beſtellende habe verſaͤumt, die Sache in Empfang zu nehmen. 1789. In dem Falle, wo der Arbeiter nur ſeine Arbeit oder ſeinen Kunſtfleiß liefert, und die Sache zu Grunde geht, ſo iſt der Arbeiter nur fuͤr ſein Verſeben verantwortlich⸗ 1790. Wenn in dem Falle des vorhergehenden Artifels die Sache zu Grunde gebt, ohne daß dem Arbeiter ein Verſehen dabei kann zu Laſt geleat werden, ehe die Arbeit in Empfang genommen worden, auch ohne daß der Beſtellende verſaͤumt haͤtte, ſie zu unterſuchen, ſo hat der Arbeiter keinen Gehalt dafuͤr zu beſprechen, es ſet denn, daß die Sache durch die Muͤngel des Stoffes zu Grunde gegangen ſei. 1791. Wenn von einer Arbeit, die aus mehreren Stuͤcken beſteht, oder nach dem Maaße verfertigt wird, die Rede iſt, ſo kann die Umerſuchung derſelben theilweiſe geſcheben. Sie wird angeſeben als ſei ſie fuͤr alle bezablten Theile vollendet, wenn der Herr den Arbeiter nach Verhaͤltniß der gefertigten Arbeir bezahlt⸗ ma. Wenn ein guf einen feſigeſetzten Preis verfertigtes Gebaͤnde durch einen Fehler im Bau gaͤnzlich oder zum Theil zu Grunde genangen iſt, wenn es ſogar durch einen Mangel des Vodens zu Grunde giens, ſo ſind der Baumeiſter und Unternehmer zehn Jahre dafuͤr verantwortlich. 1793. Wenn ein Baumeiſter oder Uebernehmer dieſe Auf⸗ fuͤhrung eines Gebaͤudes fuͤr eine beſtimmte Summe nach einem mit dem Eigenthuͤmer des Bodens feſtgeſetzten Plan uͤbernommen hat, ſo kann er weder unter dem Vorwande der Vermehrung des Taglohnes oder der Erhoͤhung der Bau⸗ ſtoffe, noch unter jenem der an dieſem Plan gemachten Veraͤnderungen oder Vermehrungen, wenn dieſe Letzten nicht ſchriftlich gebilligt und der Preiß mit dem Eigenthuͤmer aus⸗ gemacht worden, eine Preißeserhohung⸗begehren. 1794 Der Bauherr kann durch ſeine alleinige Willen?mei⸗ nung einen fuͤr eine gewiſſe Summe abgeſchloſſenen Handel, ohnerachtet das Werk ſchon angefangen iſt, aufbeben, wenn er den Unternehmer fuͤr alle ſeine Auslagen, Arbeiten und das, was er durch dieſe Uebernabme haͤtte gewinnen koͤnnen, ent⸗ ſchaͤdigt. 1795. Der Vertrag der Vermiethung der Arbeit wird durch den Todt des Arbeiters, des Baumeiſters oder Unternehmers aufgehoben; 1796. Allein der Eigenthuͤmer iſt verbunden an ihre Erben in Verhaͤltniß des uͤbereingekommenen Preißes den Werth der vollbrachten Arbeit und jenen der zubereiteten Stoffe, doch nur, wenn dieſe Arbeiten oder dieſe Stoffe ihm nuͤtzlich ſein koͤnnen, zu bezahlen. 1797. Der Uebernehmer iſt fuͤr die Arbeit der von ihm angeſtellten Perſonen verantwortlich. 1798. Die Maurer, Zimmerleute und andere Arbeiter, welche zur Auffuͤhrung eines uͤbernommenen Gebaͤudes oder anderer Arbeiten angeſtellt worden, haben wider jenen, fuͤr den dieſe Arbeiten aufgefuͤhrt worden, keine Rechtsklage, als nur auf den Belauf deſſen, was er dem Uebernebmer in dem Augenblicke, wo ſie ihre Rechtsklage anſtellen, ſchuldig iſt. 1799. Die Maurer, Zimmerleute, Schloſſer und andere Arbeiter, welche geradezu auf einen ausgedachten Preiß einen Handel abſchließen, ſind den in gegenwaͤrtigem Abſchnitte aufgeſtellten Regeln unterworfen. Sie ſind fuͤr den Theil, welchen ſie bearbeiten, Unternehmer. Viertes Kapitel. Von der Viehpacht. Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. 1800. Die Viehpacht(bail à cheptel), iſt ein Vertrag, durch welchen eine Parthei der andern eine gewiſſe Anzahl von Vieh ubergibt, um es zu huͤten, zu naͤhren, zu beſorgen, alles dieſes unter gewiſſen zwiſchen ihnen ausgemachten Bedin⸗ gungen. 1801. Es gibt mehrere Arten von Viehvachten; Die einfache oder gewoͤhnliche Viehvacht; Die Viehvacht zur Haͤlfte; Die dem Pachter oder um einen gewiſſen Theil von Fruͤch⸗ ten angeſtellten Pachter gegebene Viehpacht. Es gibt noch eine vierte Art von Vertrag, den man un⸗ eigentlich Viehpacht nennt. 102. Man kann alle Arten von Vieh, die eines Zuwuchſes oder eines Vortheils fuͤr den Ackerbau oder den Handel faͤhig ſind, auf Viehpacht geben. 1803. In Ermanglung beſonderer Uebereinkuͤnfte richten ſich dieſe Vertraͤge nach folgenden Grundſatzen. zweiter Abſchnitt. Von der einfachen Viehvacht. 1804. Die einfache Viebvacht iſt ein Vertrag, kraft deſſen man einem andern Vieh zu huͤten, zu naͤhern und zu be⸗ ſorgen gibt unter der Bedingung, daß der Pächter die Hälfte des Zuwachſes beziehe aber auch die Haͤlfte des Verluſtes leide. 1305. Die von dem Viehe bei Errichtung der Pacht ge⸗ machte Abſchatzung uͤbertraͤgt dem Paͤchter das Eigenthum davon nicht; ſie hat keinen andern Zweck, als den Verluſt oder den Vortheil, welcher ſich bei Endigung der Pacht allen⸗ falls vorfinden koͤnnte, zu beſtimmen. 1506 Der Viehpaͤchter muß auf das in Pacht gegebene Vieh die Sorgfalt eines guten Hausvaters verwenden. 1807. Er hat fuͤr keinen ungefuaͤhren Zufall zu ſtehen, als wenn demſelben irgend ein Fehler von ſeiner Seite vorhergeht, ohne welchen der Verluſt nicht erfolgt wäre. 1808. Im Falle des Rechtsſtreites iſt der Paͤchter den un⸗ — 311— gefähren Zufall und der Vervaͤchter den Fehler, welchen er dem Paͤchter aufbuͤrdet, zu beweiſen ſchuldig. 1809. Der Paͤchter, welcher des ungefaͤhren Zufalls wegen frei geſprochen worden, muß doch immer von den Haͤuten des Viehes Rechnung halten. 1810. Wenn alles in Pacht gegebene Vieh gänzlich ohne Verſchulden des Pächters zu Grunde geht, ſo muß der Ver⸗ paͤchter den Verluſt leiden. Wenn nur ein Theil davon zu Grund geht, ſo wird der Verluſt gemeinſchaftlich nach dem urſpruͤnglichen Abſchaͤtzungs⸗ preiß und ienem der am Ende des Viehvachtes gemachten Ab⸗ ſchaͤtzung getragen⸗ 1811. Man kann nicht ausbedingen, Daß der Pächter den ganzen Verluſt der Viehvacht leiden ſoll, ohnerachtet ſolcher ſich durch einen ungefähren Zufall und ohne ſein Verſchulden zugetragen; Oder daß er bei dem Verluſt einen Antbeil deſſelben, der groͤßer iſt, als ſein Vortheil, leiden ſoll, Oder daß der Vervaͤchter am Ende der Pacht etwas mehr hinwegnehmen ſoll als das Pachtvieh, welches er geftellt hat. Dieſe und ähnliche nebereinkuͤnfte ſind nichtig. Der Paͤchter zieht allein den Nutzen von der Milch, dem Duͤnger und der Arbeit des in Viehvacht gegebenen Viehes. Die Wolle und der Zuwachs werden getheilt. 1312. Der Pächter kann uͤber kein zur Herde gehoͤriges Vieh, es ſei nun von der urſpruͤnglichen Lieferung oder von dem Zuwachſe, obne Bewilligung des Paͤchters verfuͤgen, und letzterer kann eben ſo wenig ohne die Beſtimmung des Paͤchters daruͤber verfuͤgen. 1g1z. Wenn das Pachtvieh einem fremden Pächter gege⸗ ben worden, ſo muß dies dem Eigenthuͤmer von dem die⸗ ſer Pächter abhoͤngt, bekannt gemacht werden, widrigenfalls er daſſelbe in Beſchlag nehmen und fur das, was ſein Paͤchter ihm ſchuldig iſt, verkaufen laſſen kann. 18rz. Der Paͤchter kann das Vieh nicht ſcheren, ohne den Verpaͤchter davon benachrichtiget zu haben. 1815. Wenn die Zeit der Dauer der Viebvacht durch keine uebereinkunft beſtimmt worden, ſo wird ſie angeſehen, als daure ſie drei Jahre. 1816. Der Verpaͤchter kann die Aufhebung der Pacht fruͤher fodern, wenn der Pächter ſeine Verbindlichkeiten nicht erfullt. — 312— 1817. Zu Ende oder Aufhebung der Pacht macht man eine neue Abſchaͤtzung des in Pacht gegebenen Viehes. Der Verrachter kann Vieh von jeder Art bis zu dem Betrag der erſten Abſchaͤtzung voraus hinwegnehmen, der Ueberſchuß wird getheilt. Wenn nicht Vieh genug vorhanden iſt, um ſoviel zuruͤck geben zu koͤnnen, als die erſte Abſchaͤtzung betragt, ſo nimmt der Verpaͤchter alles was vorhanden iſt, und die Partheien halten unter und mit einander Rechnung von dem Verluſte. Drttter Abſchn Von der Viehpacht zur Haͤlfte. 1818. Die Viehpacht zur Haͤlfte iſt eine Geſellſchaft, in welcher jeder der Vertragſchließenden die Haͤlfte des Viehes liefert, welches dann einen gemeinſchaftlichen Vortheil oder Verluſt abwirft. 1319. Der Paͤchter allein hat, wie in der Einfachen Vieh⸗ pacht den Vortheil von der Milch, den Duͤnger und der Arbeit des Viehes. Der Vervachter hat nur auf die Haͤlfte der Wolle und des Zu⸗ wuchſes gerechten Anſpruch. Jede dieſer Vorſchrift entgegen geſetzte Uebereinkunft iſt nichtig; es ſei denn, der Verpachter ſei Eigenthuͤmer von dem Maierhofe, den der Paͤchter ebenfalls gepachtet hat oder auf dem er um einen gewiſſen Theil von Fruͤchten arbeitet. 1820. Alle andere Regeln der einfachen Viehpacht ſind auch auf die Viehvacht zu Haͤlfte anwendbar⸗ Vierter Abſchnitt. Von der Viehvacht, die der Eigenthuͤmer ſeinem Paͤchter oder ſeinen fuͤr einen gewiſſen Theil arbei⸗ tenden Paͤchter gibt. Erſter Paragrap Von der dem Paͤchter Viehvacht. 1821. Dieſe Viehpacht,(die man auch Eiſenvacht nennt) iſt jene, durch welche der Eigenthuͤmer eines Maierhofes den⸗ ſelben mit der Verbindlichkeit zur Pacht gibt, daß bei Ablauf derſelben der Päͤchter die Anzahl Viehes zuruͤcklaſſe, welches einen gleichen Abſchaͤtzungswerth mit demjenigen habe, das er en hat. Die Abſchuͤtzung des in Pacht gegebenen Viehes äber⸗ i Eigenthum davon auf den Paͤchter nicht, allein es wird ihm doch auf ſeine Gefahr gegeben. 1323. Alle Vortheile gehoͤren waͤhrend der Dauer der Pacht dem Paͤchter, wenn keine entgegengeſetzte Uebereinkunft ab⸗ geſchloſſen worden. 1824. In den dem Paͤchter gegebenen Viehvachten gehoͤrt der Duͤnger nicht zu den perſönlichen Vortheilen des Paͤch⸗ ters, ſondern er gehoͤrt zu dem Maic hofe, zu deſſen Beſtel⸗ lung er allein verwendet werden muß. 1825. Der Verluſt, ſogar der gaͤnzliche und von einem un⸗ gefaͤhren Zufall herruͤhrende faͤllt dem Paͤchter gaͤnzlich zur Laſt, wenn das Gegentheil nicht durch eine beſondere Ueberein⸗ kunft verabredet worden. 1826. Zu Ende der Pacht kann der Paͤchter das in Pacht gegebene Vieh vermittels Bezahlung der urſpruͤnglichen Ab⸗ ſchaͤtzung nicht zuruͤckbehalten; er muß Vieh von gleichem Werth mit demſelben, das er empfangen hat, zuruͤck laſſen. Iſt dieſer ganze Werth nicht vorhanden, ſo muß er ihn be⸗ zahlen; nur der Ueberſchuß gehoͤrt ihm zu. Zweiter Paragraph. Von der Viehvacht welche man dem fuͤr einen be⸗ ſtimmten Theil von Fruͤchten arbeitenden Pächter gibt. 1827. Wenn das in Pacht gegebene Vieh gaͤnzlich ohne Verſchulden des Paͤchters zu Grunde geht, ſo iſt der Ver⸗ luſt fuͤr den Verpächter. 1828. Man kann ausbedingen, daß ein ſolcherſ pichter dem Verpaͤchter ſeinen Antheil an der Schur um einen geringern Preiß als der gewoͤhnliche iſt, uͤberlaſſen muß; Daß der Verpaͤchter einen groͤßern Antheil an dem Vor⸗ theil haben ſoll; Daß er die Haͤlfte von der Milch beziehen ſoll; Aber man kann nicht ausbedingen, das 4 ſolcher Pächter den ganzen Verluſt tragen ſoll. 1829. Dieſe Viehpacht endigt ſich mit Pacht des Maier⸗ hofes. 1830. Sie iſt ubrigens allen Vorſchriften der einfachen Viehpacht unterworfen. Funfter Abſchnitt. Von dem Vertrage den man uneigentlich Viehvacht nennt. 1331. Wenn eine oder mehrere Kuͤhe bingegeben worden 5 ſind, um ſie in den Stall aufzunehmen und zu ernaͤhren, ſo bleibt der Vervaͤchter Eigenthuͤmer davon; er hat bloß den Nutzen von den Kaͤlbern, die ſie werfen. Reunter Titel. Von dem Geſellſchaftsvertrage. (Dekretirt den sten Maͤrz 1804, verkuͤndigt den sten des naͤmlichen Monathö.) Erſtes Kavitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 1832. Die Geſellſchaft iſt ein Vertrag, durch welchen zwei oder mehrere Perſonen mit einander ubereingekommen, etwas gemeinſchaftlich zuſammen zu legen in der Abſicht, den da⸗ raus entſpringenden Vortheil miteinander zu theilen. 1833. Jeder Geſellſchaftsvertrag muß einen erlaubten Ge⸗ genſtand haben und zum gemeinen Beſten der Partheien ab⸗ geſchloſſen ſein. Jedes Mitglied der Geſellſchaft muß entweder Geld, oder andere Guͤter, ſeine Muͤhe und Arbeit, oder ſeinen Kunſtfleiß beiſchießen. 16 1334. Alle Geſellſchaftsvertrage muͤſſen ſchriftlich verfaßt ſein, wenn derſelben Gegenſtand einen Werth von mehr als 3 hundert fuͤnfzig Franken betrift. Der Zeugenbeweiß wird nicht gegen noch auſſer dem In⸗ halte der Urkunde des Geſellſchaftsvertrags, noch uͤber das, was angefuͤhrt werden könnte, von oder zur Zeit oder nach 13 der Abſchließung derſelben geſagt worden zu ſein, angenom⸗ men, und wenn auch von einer Summe, die wen igr als bundert fuͤnfzig Franken betraͤgt, die Rede wäre. Zweites Kapitel. 34 Von den verſchiedenen Gattungen der Geſell⸗ 0 ſchaften. 1835. Es gibt allgemeine und beſondere Geſellſchaften⸗ Erſter Abſchnitt. Von den allgemeinen Geſellſchaften. 1336. Man unterſcheidet zwei Arten von allgemeinen Ge⸗ ſellſchaften; die Geſellſchaften von allen gegenwaͤrtigen Guͤ⸗ tern und die allgemeine Geſellſchaft des Gewinns. 1837. Die Geſellſchaft von allen gegenwaͤrtigen Guͤtern iſt dieienige, durch welche die Partheien alle bewegliche und unbewegliche Guͤter, welche ſie wirklich beſitzen, und die Vortbeile, welche ſie daraus werden beziehen konnen, ge⸗ meinſchaftlich zuſammen ſchießen. Sie koͤnnen auch eine jede andere Art von Gewinn dabei aufnehmen; allein die Guͤter, welche ihnen durch Erſchaft, Schenkung oder Vermaͤchtniß zufallen koͤnnten, koͤnnen nur fuͤr den Genuß derſelben zu der Geſellſchaft geſtoßen werden. Jede Ausbedingung, welche zur Abſicht hat, das Eigen⸗ thum derſelben der Geſellſchaft zuzuwenden, iſt verbothen; doch nicht zwiſchen Ehegatten und in Gefolg deſſen, was in Hinſicht derſelben angeordnet worden. 1838. Die allgemeine Geſellſchaft des Gewinnes begreift alles in ſich, was die Partheien durch ihren Kunſtfleiß, es ſei unter welcher Benennung es wolle, waͤhrend der Dauer der Geſellſchaft erwerben werden. Die beweglichen Guͤter, welche jeder der Geſellſchafter zur Zeit des Vertrags beſitzt, ſind auch darin begriffen; allein ihre unbewegliche perſoͤnliche Guͤter koͤnnen nur fuͤr derſelben Genuß darin aufgenommen werden. 1839. Die Uuebereinkunft einer allgemeinen Geſellſchaft, welche ohne weitere Erklaͤrung abgeſchloſſen worden, iſt nur als allgemeine Geſellſchaft des Gewinns anzuſehen. 1840. Jede allgemeine Geſellſchaft kann nur zwiſchen Per⸗ ſonen, die faͤhig ſind einander zu geben oder von einander zu em⸗ pfangen, und denen nicht verbothen iſt, ſich zum Nachtheil an⸗ derer Perſonen einen Vortbeil zu verſchaffen, ſtatt haben. zweiter Abſchnitt. Von der beſondern Geſellſchaft. 1841. Die beſondere Geſellſchaft iſt jens, die ſich nur auf gewiſſe beſtimmte Dinge, oder auf derſelben Gebrauch oder auf die daraus zu beziehenden Fruͤchte anwendbar machen laͤßt. 1842. Der Vertrag, durch welchen mehrere Perſonen mit einander in Geſellſchaft treten, entweder ein beſtimmtes Unternehmen zu wagen, oder ein gewiſſes Gewerb oder Hand⸗ werk auszuuͤben, iſt auch eine beſondere Geſellſchaft. — 316— Drittes Kapitel. Von den Verbindlichkeiten der Geſelſchafter unter ſich ſelbſt und in Anſehung Drit⸗ terer. Prſter Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten der Geſellſchafter unter ſich. 1sa3. Die Geſellſchaft fäͤngt von dem Augenblicke des ab⸗ geſchloſſenen Vertrags an, wenn derſelbe keine andere Zeitfriſt bezeichnet. 1844. Wenn uͤber die Dauer der Geſellſchaft keine Ueberein⸗ kunft abgeſchloſſen worden, ſo wird ſie angeſehen, als daure ſie, ſo lange die Geſellſchafter leben, doch unter der im 1869 Artikel ausgedruͤckten Beſchraͤnkung, oder wenn die Frage von einer Sache iſt, die eine beſtimmte Dauer hat; fuͤr die ganze Zeit, als dieſe Sache noch zu dauern hat. 1845. Jeder Geſellſchafter iſt Schuldner gegen die Geſell⸗ ſchaft von dem, was er verſprochen hat, beizuſchießen. Wenn dieſes Beibringen in einer ein Ganzes ausmachenden Sammlung von Guͤtern beſteht, und die Geſellſchaft daraus ausgewieſen worden, ſo iſt der Geſellſchafter der Geſellſchaft auf die naͤmliche Art wie ein Verkaͤufer ſeinem Kaͤufer Ge⸗ waͤhrleiſtung ſchuldig. 1846. Der Geſellſchafter, welcher eine Summe in die Ge⸗ ſellſchaft bringen ſollte und es nicht gethan hat, wird von rechtswegen und ohne alle rechtliche Foderung Schuldner von den Zinſen dieſer Summe von dem Tage an, wo ſie baͤtte be⸗ zahlt werden ſollen. Eben ſo verhaͤlt es ſich in Anſehung der Summen, welche er aus der Geſellſchaftskaſſe bezogen, von dem Tage an, wo er ſie zu ſeinem beſondern Vortheil bezogen hat; alles dieſes unbeſchadet groͤßeter Schadloshaltungen und Zinſen, wenn ſolche ſtatt finden. 347. Die Geſellſchafter, welche ſich verbindlich gemacht haben ihren Kunſtfleiß zu der Geſellſchaft zu liefern, ſind derſelben von allem Gewinn, welchen ſie durch die Art von Kunſtfleiß, welcher der Gegenſtand dieſer Geſellſchaft iſt, er⸗ worben baben, Rechnung ſchuldig. 1848. Wenn einer von den Geſellſchaftsmitgliedern fur ſeine deſondere Rechnung Glaͤubiger einer Summe iſt, die an eine Perſon kann gefordert werden, welche ſich in dem Falle be⸗ findet, auch der Geſellſchaft eine Summe, die beſprochen werden kann, ſchuldig zu ſein, ſo muß die Aufrechnung deſ⸗ ſen, was er von dieſem Schuldner empfuͤngt, auf den Schuld⸗ ſchein der Geſellſchaft und auf dem ſeinigen nach Verhaͤltniß der beiden Schuldforderungen geſchehen, wenn er auch gleich durch ſeine Quirtung die ganze Abrechnung auf ſeinen beſon⸗ dern Schuldſchein geſtellt haͤtte. Hat er aber in ſeiner Quit⸗ tung ertlaͤrt, daß die Abrechnung ganz auf den Schuldſchein der Geſellſchaft geſcheben ſoll, ſo ſoll dieſe Verordnung erfuͤllt werden. 1849. Wenn einer der Geſellſchafter ſeinen gaͤnzlichen An⸗ theil an dem gemeinſchaftlichen Schuldtitre erhalten hat und der Schuldner waͤhrend dieſer Zeit zahlungsunfaͤhig gewor⸗ den, ſo iſt dieſer Geſellſchafter verbunden, das, was er empfangen hat, in die gemeinſchaftliche Maſſe wieder zuruͤck zu bringen, wenn er auch gleich fuͤr ſeinen Theil beſonders Quittung ausgeſtellt haͤtte. 1250. Jeder Geſellſchafter iſt gegen die Geſellſchaft fuͤr den Schaden, welchen er ihr verurſacht hat, verantwortlich, ohne dieſen Schaden mit dem Vortheile, welchen ihr ſein Kunſt⸗ fleiß in andern Faͤllen könnte verſchafft haben, aufheben zu konnen. 1851. Wenn die Gegenſtände, von denen der alleinige Ge⸗ nuß in die Geſellſchaft gebracht worden, gewiſſe und beſtimm, te Gegenſtaͤnde ſind, welche ſich durch den Gebrauch nicht aufzehren, ſo ſteben ſie auf Gefahr des Geſellſchafters, wel⸗ cher der Eigenthuͤmer davon iſt. Wenn aber dieſe Gegenſtände aufgezehrt werden koͤnnen, wenn ſie durch das Aufbewahren verdorben werden, wenn ſie zum Verkaufe beſtimmt waren oder wenn ſie nach einer in der Aufnahme bemerkten Abſchaͤtzung in die Geſellſchaft ge⸗ liefert worden, ſo ſtehn ſie auf Gefahr der Geſellſchaft. Wenn der Gegenſtand abgeſchaͤtzt worden, ſo kann der Ge⸗ ſellſchafter nur den Betrag der Abſchaͤtzung zuruͤckfordern⸗ 1882. Ein Geſellſchafter kann gegen die Geſellſchaft nicht nur wegen den Summen, die er fur ſie ausbezahlt hat, ſon⸗ dern auch wegen den Verbindlichkeiten, welche er redlicher Weiſe fur die Geſchaͤfte der Geſellſchaft eingegansen und we⸗ gen den unvermeidlichen mit ſeiner Geſchaͤftsfuͤhrung verbun⸗ denen Gefahren Rechtsklage anſtellen⸗ 1863. Wenn die Geſellſchaftsurkunde den Antheil nicht be⸗ ſtimmt, welchen jedes Mitglied derſelben an den Vortheilen oder dem Verluſt derſelben haben ſoll, ſo wird dieſer Antheil nach Verhaͤltniß deſſen, was er zu dem Vermögen der Ge⸗ ſellſchaft geſchoſſen, beſtimmt. In Hinſicht desienigen, der nur ſeinen Kunſifleiß beige⸗ bracht, wird ſein Antheil an den Vortheilen oder an dem Verluſt ſo beſtimmt, als wenn ſeine Einlage derjenigen von dem Geſellſchafter, der am wenisſten eingelegt hat, beikomme. 1854. Wenn die Geſellſchafter die Uebereinkunft getroffen haben, ſich in Hinſicht der Beſtimmung der Antheile auf Einen aus ihnen oder auf einen Drittern zu beziehen, ſo kann dieſe Antheilsbeſtimmung nicht angegriffen werden, wenn ſie nicht offenbar der Billigkeit widerſtrebt Wenn mehr als drei Monathe verfloſſen ſind, waͤhrend die Partbei, welche ſich verletzt giaubt, von der Antheilsvertbei⸗ lung Kenntniß hat, oder wenn dieſelbe von ihrer Seite ſchon einen Theil ihrer Vollziehung erhalten, ſo wird keine Klage dagegen mehr angenommen. 1855. Eine Uebereinkunft, welche einem der Geſellſchafter alle und jede Vortheile zuſagte, iſt nichtig. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit der Ausbedingung, welche die zu dem Vermoͤgen der Geſellſchaft durch einen oder mehrere der Geſellſchafter geſchoſſene Summen oder in Scheinen be⸗ ſtehendes Vermoͤgen von allem Beitrage zu dem Verluſt frei⸗ ſprechen ſollte. 1956. Der durch eine beſondere Klauſel des Geſellſchafts⸗ vertrags mit der Verwaltung beauftragte Geſellſchafter kann ohnerachtet der Widerſetzlichkeit der andern Geſellſchafter alle urkunden errichten, welche von ſeiner Verwaltung abhaͤngen, wenn es anders ohne Betrug geſchieht. Dieſe Vollmacht kann, ſo lange die Geſellſchaft beſteht, ohne rechtmaͤßige urſache nicht zuruͤck genommen werden. Wenn ſie aber erſt durch eine Urkunde, welche ſpaͤter als der Geſellſchaſtsvertrag iſt, uͤbertragen worden, ſo kann ſie, wie ein einfacher Auftrag zuruͤckgenommen werden. rz67. Wenn mehrere Geſellſchafter mit der Verwaltung peauſtragt ſind, ohne daß ihre Verrichtungen beſtimmt an⸗ gewieſen ſind, oder ohne daß ausdrücklich geſagt worden, der eine koͤnne ohne den andern nichts unternehmen, ſo konnen ſie jeder insbeſondere alle Urkunden dieſer Verwaltung errichten⸗ — 319— 1858. Wenn ausbedungen worden, daß einer der Verwal⸗ ter ohne den andern nichts unternehmen könne, ſo kann der eine ohne eine neue Uebereinkunft in Abweſenheit des andern nichts vornehmen, auch dann nicht, wenn jener ſich in der wirklichen Unmoͤglichkeit befaͤnde, zu den Handlungen der Verwaltung beizutragen. 1859. In Ermanglung beſonderer Ausbedingungen uͤber die Art der Verwaltung befolgt man nachſtehende Regeln: itens. Die Geſellſchafter werden angeſehen, als haben ſie ſich gegenſeitig die Vollmacht gegeben, daß einer vor den an⸗ dern verwalten ſoll. Was alſo jeder thut, iſt ſogar fuͤr den Antheil ſeiner Mitgeſellſchafter gultig, ohne daß er zuvor ihre Einwilligung eingeholt habe; unbeſchadet des Rechtes, welches dieſe letztern oder einer aus ihnen haben, ſich der Verhandlung, ehe ſie abgeſchloſſen worden, zu widerſeßen. atens. Jeder Geſellſchafter kann ſich der der Geſellſchaft zu⸗ geboͤrenden Gegenſtände bedienen, wenn er anders ſie zu den durch ihre Beſtimmung angeordneten Gebrauche verwendet, und daß er ſich derſelben nicht gegen den Vortheil der Geſell⸗ ſchaft bedienet, oder auch auf eine Art, die ſeine Mitgeſell⸗ ſchafter nicht verhindert, dieſelbe nach ihrem Recht zu ge⸗ brauchen. ztens. Jeder Geſellſchafter hat das Recht, ſeine Mitgeſell⸗ ſchafter zu verbinden, mir ihm die zur Erhaltung der der Geſellſchaft zugehoͤrigen Gegenſtäͤnde noͤthigen Ausgaben zu machen. gtens. Einer der Geſellſchafter kann uͤber die unbeweglichen von der Geſellſchaft abhaͤngenden Guͤter keine Neuerungen machen, ſelbſt dann nicht, wenn er behauptet, ſie ſeien der Geſellſchaft vortheilhaft, wenn die andern Geſellſchafter nicht darzu einwilligen. 1860. Der Geſellſchafter, welcher nicht Verwalter iſt, kann die beweglichen Gegenſtaͤnde, welche von der Geſellſchaft ab⸗ baͤngen, weder veraͤußern noch verpfaͤnden. 1861. Jeder Geſellſchafter kann ohne die Einwilligung ſei⸗ ner Mitgeſellſchafter ſich eine drittere Perſon fuͤr den Antheil, welchen er an der Geſellſchaft hat, beigeſellen; er kann ſie aber nicht ohne dieſe Einwilligung der Geſellſchaft einverlei⸗ ben, und wenn er auch die Verwaltung derſelben uͤbernom⸗ men haͤtte. — 220— zweiter Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten der Geſellſchafter in Hin⸗ ſicht auf Drittere. 1862. In jeder andern Geſellſchaft als in den Handlungs⸗ geſellſchaften haften die Geſellſchafter nicht gemeinſchaftlich gegen einander fuͤr die geſellſchaftlichen Schulden; und der eine der Geſellſchafter kann die andern nicht verbinden, wenn dieſe ihm die Vollmacht darzu nicht uͤbertragen haben. 1863. Die Geſellſchafter ſind gegen den Glaͤubiger, mit welchem ſie Vertrag abgeſchloſſen haben 7jeder fuͤr eine glei⸗ che Summe und gleichen Theil, wenn auch gleich einer von ihnen einen geringern Antheil an der Geſellſchaft hat, ver⸗ pflichtet; es ſei denn, die Urkunde habe die Verbindlichkeit deſſelben auf den Fuß ſeines Antheils beſchraͤnkt. 1854. Die Ausbedingung, daß die Verbindlichkeit auf Rech⸗ nung der Geſellſchaft abgeſchloſſen worden, verbindet nur den vertragſchließenden Geſellſchafter nicht aber die andern; es ſei denn, ſie haben ihm Vollmacht darzu gegeben, oder die Sache ſei zum Vortheil der Geſellſchaft ausgeſchlagen. Viertes Kapitel. Von den verſchiedenen Arten, wie die Geſell⸗ ſchaft ſich endigt. 1366. Die Geſellſchaft endigt ſich itens. Durch den Ablauf der Zeit, fuͤr welche ſie errichtet worden; atens. Durch den Untergang des Gegenſtandes oder die Vollendung des Geſchaͤftes; ztens. Durch den natuͤrlichen Cod eines der Mitgeſell⸗ ſchafter; atens. Durch den buͤrgerlichen Tod, Unterſagung oder das gaͤnzliche Verderben des Einen von ihnen⸗ stens. Durch die Willensmeinung, welche ein einiger oder mehrere ausdrucken, nicht mehr in Geſellſchaft zu ſein. 1866. Die Verlaͤngerung einer Geſellſchaft auf eine beſtimm⸗ te Zeit kann nur durch einen ſchriftlichen mit den naͤmlichen Formen wie der Geſellſchaftsvertrag ſelbſt, bekleideten Akt erwieſen werden. 1367. Wenn einer der Nitgeſellſchafter verſprochen hat, das Eigenthum eines Gegenſtandes in die gemeinſchaftliche Maſſe zu geben, dieſer Gegenſtand aber, ehe er der Geſellſchaft abge⸗ liefert worden, zu Grunde gegangen, ſo bewirkt dieſer Verluſt die Auflöſung der Geſellſchaft in Hinſicht aller Mitglieder derſelben. Die Geſellſchaft wird ebenfalls in allen Fällen durch den Verluſt des Gegenſtandes aufgeloͤßt, wenn der alleinige Ge⸗ nuß davon zur Maſſe geliefert worden und das Eigenthum davon in den Haͤnden des Geſellſchafters zuruck geblieben iſt. Wenn aber der Gegenſtand, wovon das Eigenthum der Ge⸗ ſellſchaft ſchon zugebracht worden, zu Grunde gegangen, ſo iſt die Geſellſchaft nicht getrennt. 1868. Wenn ausbedungen worden, daß in dem Falle des Abſterbens des einen der Geſellſchafter die Geſellſchaft mit ſeinem Erben oder nur mit den uͤberlebenden Geſellſchaftern fortgefuͤhrt werden ſoll, ſo ſollen dieſe Verfuͤgungen befolgt werden. Im zweitern Falle hat der Erbe des Verſtorbenen kein weiteres Recht auf die Theilung der Geſellſchaft, als hinſichtlich auf die Lage derſelben zur Zeit des Sterbfalles. Er hat an den fernern Rechten nur in ſo weit Cheil, als ſie eine nothwendige Folge deſſen ſind, was vor dem Abſterben des Geſeliſchafters, welchen er geerbt hat, vorgenommen wor⸗ den war. 1869. Die Aufloͤſung der Geſellſchaft durch die Willensmei⸗ nung einer der Partheien iſt nur auf die Geſellſchaften an⸗ wendbar, deren Dauer unbeſchraͤnkt iſt, und wird durch eine allen Geſellſchaftern bekannt gemachte Verzichtleiſtung bewirkt, vorausgeſetzt, daß dieſe Verzichtleiſtung mit Redlichkeit und nicht zur Unzeit geſchehe. 1870. Die Verzichtleiſtung iſt nicht redlich, wenn der Ge⸗ ſellſchafter Verzicht leiſtet, um ſich allein den Vortheil zuzu⸗ eignen, welchen die Mitgeſellſchafter gemeinſchaftlich zu bezie⸗ ben ſich vorgenommen hatten. Die Verzichtleiſtung geſchieht zur Unzeit, wenn die Gegen⸗ ſtaͤnde nicht mehr in dem vorigen Zuſtande ſind, und der Ge⸗ ſellſchaft daran gelegen iſt, daß die Auflöſung derſelben ver⸗ ſchoben werde. 1871. Die Aufloſung der auf eine beſtimmte Zeit errichteten Geſellſchaften kann von einem einzelnen Geſellſchafter vor Verlauf der angeſetzten Zeitfriſt nicht begehrt es ſei denn, er babe gerechte Beweggruͤnde darzu; z. Be wenn ein anderer Mitgeſellſchafter ſeine Verbindlichkeiten nicht in Er⸗ fullung ſetzt, oder wenn eine anhaltende Krankheit ihn zu den Geſchaͤften der Geſellſchaft unfaͤbig macht, oder andere dergleichen Faͤlle, deren Rechtmaͤßigkeit und Wichtigkeit dem Gutachten des Richters uͤberlaſſen wird. 1872. Die Regeln, welche die Tbeilungen der Erbſchaften, die Form dieſer Theilung, und die Verbindlichkeiten, welche daraus fuͤr die Riterben entſtehen⸗ betreffen, ſind auch auf die Theilungen unter Geſellſchafter anwendbar. Verfuͤgung, welche auf die Handlungsgeſellſchaften Bezug hat.„ 1873. Die Verfuͤgungen des gegenwärtigen Litels ſind nicht auf die Handlungsgeſellſchaften als nur in denjenigen Punk⸗ ten, welche nichts, was den Handlungsgeſetzen und Gebraͤu⸗ chen entgegen ſtrebt, enthalten, anwendbar. Zehnter Titel. Von dem Leih⸗ und Darleihungs⸗Vertrage. (Dekretirt den ten Merz 18044 verkuͤndigt den 19ten des nämlichen Monats.) 1874. Es gibt zwei Arten von Verlehnungsvertraͤgen; Jene von Gegenſtaͤnden, welche man gebrauchen kann, ohne ſie zu zerſtoren; und jene von Gegenſtaͤnden, welche durch den Gebrauch⸗ welchen man davon macht, aufgezebrt werden. Die erſtere nennt man Verlehnung zum Gebrauche oder Leih⸗Vertrag(commodat.) Die zweitere nennt man Verlehnung zur Aufzehrung ⸗ Darlehen. Erſtes Kapitel. Von der Verlehnung zum Gebrauche oder von dem Leih⸗Vertrage.(commodat) Erſter Abſchnitt⸗ Von der Natur des Leih⸗Vertrags zum Gebrauche. 1875. Die Verlehnung zum Gebrauche oder das Commodat iſt ein Vertrag, durch welchen eine der Partheien der andern einen Gegenſtand liefert, um ſich deſſelben zu bedienen, mit der Verbindlichkeit, daß der Empfaͤnger ihn wieder zuruck gibt, wenn er ſich deſſelben bedient hat. R 1376. Dieſe Verlehnungiſt ihrem Weſen nach unentgeldlich · 1377. Der Verlebner bleibt Eigenthuͤmer des verlehnten Gegenſtandes. 1378. Alles, was in dem Handel iſt und durch den Gebrauch nicht aufgezehrt wird, kann ein Gegenſtand dieſes Vertrags ſein. 1879. Die Verpflichtungen, welche aus dem Verlehnungs⸗ vertrag entſteben, gehen auf die Erben deſſen, welcher verlehnt und lehnt, uͤber. Wenn man aber nur aus Achtung fuͤr den Lehner und nur ihm perſoͤnlich geliehen hat, ſo können die Erben nicht fort⸗ fahren, die geliehene Sache zu genießen. zweiter Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Lehners. 1880. Der Lehner iſt gehalten, als ein guter Familienvater fuͤr die Bewährung und Erhaltung der geliehenen Sache zu wachen. Er kann ſich derſelben nur zu dem durch ihre Natur oder durch Uebereinkunft beſtimmten Gebrauche bedienen, alles unter Strafe der allenfalſigen Entſchaͤdigung. 1831. Wenn der Lehner den Gegenſtand zu einem andern Gebrauche, oder fur eine läͤngere Zeit gls er ſollte, verwen⸗ det, ſo iſt er fur den Verluſt derſelben, wenn er ſich auch durch einen ungefähren Zufall ereignet, verantwortlich. 18s2. Wenn die geliehene Sache durch einen ungefähren Zufall, den der Lehner aber haͤtte von ihr abwenden koͤnnen, wenn er ſeiner eignen Sache ſich bedient hätte, zu Grunde geht, oder wenn er, da er nur eine von beiden hätte erhalten koͤn⸗ nen, vorgezogen hat, die ſeinige zu erhalten, ſo muß er fuͤr den Verluſt der andern haften. 1883. Wenn die Sache im Hinleihen abgeſchaͤtzt worden, ſo liegt der Verluſt davon, wenn er auch durch einen ungefaͤh⸗ ren Zufall erfolgt iſt, auf dem Lehner, wenn keine Ueberein⸗ kunft vorhanden iſt, welche das Gegentheil beſaat. 1884. Wenn die Sache durch den alleinigen Gebrauch, fuͤr welchen ſie gelehnt worden iſt, und ohne einiges Verſchulden von Seiten des Lehners verdorben worden, ſo iſt er fuͤr dieſes Verderben nicht verantwortlich. 1835. Der Lehner kann die geliehene Sache nicht zuruͤck⸗ behalten, um ſich fur das bezahlt zu machen, was der Ver⸗ lehner ihm ſchuldig iſt. 1886. Wenn mebrere die naͤmliche Sache gemeinſchaftlich miteinander geliehen haben, ſo muͤſſen ſie auch gemeinſchaft⸗ lich dem Verlehner dafuͤr haften. 2 — * — Dritter Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten desjenigen, der zum Gebrauche hinleiht. 1888. Der Verlehner kann die geliehene Sache erſt nach der ausbedungenen Zeitfriſt, oder in Ermanglung einer Ueber⸗ einkunft erſt dann, wenn ſie zu dem Gebrauche gedient hat fur den ſie geliehen worden, zuruͤckfordern. 1380. Wenn jedoch während dieſer Zeitfriſt, oder ehe das Bedurſniß des Lehners aufgehoͤrt hat, bei dem Verlebner ein unvorhergeſehenes und dringendes Beduͤrfniß ſeiner eigenen Sache eintrit, ſo kann der Richter nach Erfordermß der Umſtaͤnde den Lehner zwingen, ihm dieſelbe zuruͤck zu geben⸗ 1890. Wenn der Lehner wuͤhrend der Dauer der Lehnung genoͤthigt war, zur Erbaltung der Sache einige auſſerordent⸗ liche, nothige und ſo dringende Ausgaben zu machen, daß er dem Lehner davon keine Nachricht geben konnte, ſo iſt Letzte⸗ rer verbunden, ſie ihm wieder zu erſtatten⸗ 1391. Wenn die geliehene Sache ſolche Fehler hat, daß ſie dem, der ſie gebraucht, Nachtheil verurſachen kann, ſo iſt der PVerlehner, wenn ihm die Fehler bekannt waren, und den Lehner nicht davon zenachrichtiget hat, dafur verantwortlich⸗ Zweites Kapitel. Von der Verlehnung auf Aufzehrung oder dem eigentlichen Darlehen. Erſter Abſchnitt. Von der Beſchaffenheit des Darlehens. 1892. Das Darlehen iſt ein Vertrag, kraft deſſen die eine der Partheien der andern eine gewiſſe Menge von Gegenſtaͤn⸗ den, welche durch den Gebrauch aufgezehrt werden, unter der Verbindlichkeit fur dieſe Letztere, der Erſtern eben ſo viel von der nämlichen Art und Beſchaffenheit wieder zuruͤck zu geben, liefert. 1393. Durch die Wirkung dieſes Darleibens wird der Leh⸗ ner Eigenthuͤmer der geliebenen Sache; ſie mag zu Grunde gehn auf welche Art ſie will, ſo geht ſie fur ihn zu Grunde. 1894. Man kannunter der Benennung des Darlebens auf Aufzehrung ſolche Sachen nicht hingeben, die, ob ſie gleich zu derſelben Gattung gehoͤren, doch in ihrem individuellen Weſen verſchieden ſind; z. B. die Thiere. Dies wuͤrde ein Darleihen zum Gebrauch, oder ein Leihvertrag ſein. 1895. Die Verpflichtung, welche aus einem Darleihen an Gelde entſteht, beſchraͤnkt ſich allein auf den Erſatz der hinge⸗ zaͤhlten in dem Vertrage ausgedruͤckten Summe. Wenn die Geldſorten vor der Zahlungsfriſt eine Erhoͤhung oder Verminderung erlitten haben, ſo muß der Schuldner die ihm hingezaͤhlte geliebene Summe zuruͤck erſtatten, und er hat nichts als dieſe Summe in denjenigen Geldſorten, welche in dem Augenblicke der Bezahlung Muͤnzkurs haben, zuruͤck zu erſtatten. 1396. Die in dem vorhergehenden Artikel aufgeſtellte Regel hat nicht ſtatt, wenn das Darlehen in Gold⸗oder Silberſtan⸗ gen(Barren) gemacht worden. 1897. Wenn es Gold⸗oder Silberſtangen oder Lebensmittel ſind, welche weggeliehen worden, ſo muß der Schuldner, wel⸗ ches auch die Erhöhung oder Verminderung des Preißes der⸗ ſelben ſein mag, die naͤmliche Menge und Beſchaffenheit, und weiter nichts als dieſe zuruͤck geben. zweiter Abſchnitt. Von der Verbindlichkeit des Darleihers. 1898. Bei dem Darleihen auf Aufzehrung liegt die nm⸗ liche Verantwortlichkeit auf dem Verlehner, welche der 1891te Artikel fuͤr den Fall eines Leihvertrags aufgeſtellt hat. 1899. Der Verlehner kann die geliehene Sache vor der ausbedingten Zeitfriſt nicht zuruͤckfordern. 1900. Wenn fuͤr die Ruͤckgabe keine Zeitfriſt ausbedungen worden, ſo kann der Richter dem Lehner nach Erheiſch der Umſtände eine ſolche anberaumen. 190r. Wenn nur ausbedungen worden, daß der Lehner be⸗ zahlen ſoll, wann er kann oder wann er die Mittel darzu haben wird, ſo ſoll ihm der Richter nach Erheiſch der um⸗ ſtände eine Zahlungsfriſt anberaumen. Dritter Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Lehners. 190ꝛ. Der Lehner iſt verbunden, die geliehenen Sachen in der nämlichen Menge und Beſchaffenheit und zur anberaum⸗ ten Zeitfriſt zuruͤck zu geben. . moz. Wenn er ſich in der Unmoͤglichkeit beſindet, dieſer 3 Verbindlichkeit Genuͤge zu leiſten, ſo iſt er gehalten, den Werth 3 derſelben mit Ruͤckſicht auf die Zeit und den Hrt, wo die geliehene Sache nach der Uebereinkunft haͤtte zuruckgegeben 41 werden ſollen, zu erlegen. 1. Wenn dieſe Zeit und der Hrt nicht feſtgeſetzt worden, ſo ge⸗ 3 ſchieht die Zahlung nach dem Preiße der Zeit und des Orts, wo die Verlehnung geſchehen iſt. 1904. Wenn der Lehner zu ausbedungener Zeit die gelie⸗ 6 henen Gegenſtande oder den Werth dafuͤr nicht zuruck er⸗ ſtattet, ſo iſt er von dem Tage der vor Gericht angebrach⸗ ten Klage Zinſe davon zu entrichten ſchuldig. 5 Drittes Kapitel. Von dem Darlehen auf Zinſe. 3 190s. Es iſt erlaubt, fuͤr das Darlehen entweder in 3 Geld, oder Lebensmitteln oder andern beweglichen Gegen⸗ ſtaͤnden Zinſe auszubedingen. 19o6. Der Lehner, welcher Zinſe bezahlt, die nicht aus⸗ bedungen waren, kann ſelbe weder zuruͤckbegehren noch auf die Hauptſumme abrechnen. 1907. Die Zinſe ſind entweder geſetzlich oder durch Ueber⸗ einkunft beſtimmt. Erſtere beſtimmt das Geſetz; die durch Uebereinkunft beſtimmten Zinſen koͤnnen die geſetzlichen uͤber⸗ ſteigen, wenn das Geſetz es nicht verbiethet. Der Betrag der durch Uebereinkunft beſtimmten Zinſe muß ſchriftlich feſtgeſetzt werden. 19os. Die uber die Hauptſumine gegebene Quittung, wo von den Zinſen keine Meldung geſchieht, Uaͤßt vermuthen, das Letztere entrichtet worden, und ſpricht von denſelben frei. 1900. Man kann von einem Kapital, welches der Ver⸗ lehner zuruͤck zu fordern ſich unterſagt⸗ Zinſen ausbedingen. In dieſem Falle nennt man das Darleihen Errichtung ½ einer Rente(constitution de rente.) 1 1910. Dieſe Rente kann auf zwei Arten errichtet werden, als ewige oder Erbrente und Leibrente. 3 1911. Die auf ewig oder auf Erben errichtete Rente iſt . ihrer Weſenheit nach ruckkäuflich. Die Partheien können miteinander uͤbereinkommen, daß 1 der Ruͤcktauf nicht vor einer Zeitfriſt, welche zehn Jahre nicht überſteigen darf, oder ohne den Glaͤubiger nicht vorlaͤufig in einer von ihnen beſtimmten Zeitfriſt benachrichtiget zu haben, vor ſich gehe. 1912. Der Schuldner einer auf ewig errichteten Rente kann zum Ruͤckkaufe gerichtlich gezwungen werden. 1tens Wenn er waͤhrend zweien Jahren ſeine Verbindlich⸗ keiten zu erfuͤllen aufhoͤrt; ztens. Wenn er dem Darleiher die in dem Vertrage ver⸗ ſprochene Sicherheitsleiſtungen nicht verſchaft. 19rz. Das Kapital einer ewigen Rente kann auch in dem Falle des Bankeruts oder des gaͤnzlichen Verderbens des Schuld⸗ ners zuruͤck gefordert werden. 1914. Die Regeln, welche die Leibrenten betreffen, ſind in dem Litel von den gewagten Vertraͤgen aufgeſtellt. Eilfter Titel. Von der Hinterlegung und dem Beſchlage(Se⸗ queſtrazion). (Dekretirt den 14ten Maͤrz 1804, verkuͤndigt den aaten des nämlichen Monatho). Erſtes Kapitel. Von der Hinterlegung uͤberhaupt und ihren verſchiedenen Arten. 1915. Die Hinterlegung uͤberhaupt iſt eine Handlung, kraft welcher man die Sache eines andern in Empfang nimmt, um ſie aufzubewahren und in Natur wieder zuruͤck zu geben. 1916. Es gibt zwei Arten von Hinterlegung, jene im ei⸗ gentlichen Sinne und der Beſchlag oder Sequeſtrazion. Zweites Kapitel. Von der Hinterlegung im eigentlichen Sinne. Erſter Abſchnitt. Von der Natur und Weſenheit des Hinterlegungs⸗ Vertrags. 1917. Der Hinterlegungsvertrag im eigentlichen Sinne iſt ein ſeiner Weſenheit nach unentgeldlicher Vertrag. 1913. Er kann nur bewegliche Dinge zum Gegenſtande haben. — 328— xoro. Es wird nur durch die wahre oder uneigentliche Ue⸗ berlieferung der hinterlegten Sache vollſtaͤndig. Die uneigentliche Ueberlieferung iſt dann hinreichend, wenn der Verwahrnehmer(depositaire) die Sache, welche man bei ihm ihm zu hinterlegen einwilligt, ſchon unter einer andern Benennung in Beſitz hat. 1920. Die Hinterlegung iſt entweder freiwillig oder noth⸗ wendig. zweiter Abſchnitt. Von der freiwilligen Hinterlegung. 1921. Die freiwillige Hinterlegung geſchieht durch die ge⸗ genſeitige Einwilligung der Perſon, welche hinterlegt, und jener, welche die binterlegte Sache in Empfang nimmt. 1922. Die freiwillige Hinterlegung kann regelmaͤßig nur durch den Eigenthuͤmer der hinterlegten Sache oder mit deſſen ausdrucklicher oder ſtillſchweigender Einwilligung geſchehen. 1923. Die freiwillige Hinterlegung muß durch eine ſchrift⸗ liche Urkunde bewieſen werden. Der Zeugenbeweiß wird fuͤr einen hundert und fuͤnfzig Franken uͤherſteigenden Werth nicht angenommen. 1924. Wenn die bundert fuͤnfzig Fkanken uberſteigende Hin⸗ rerlegung nicht ſchriftlich erwieſen wird, ſo glaubt man dem⸗ jenigen, der als Verwahrnehmer angegangen wird, auf ſeine Erklärung entweder was die geſchehene Hinterlegung ſelbſt, oder was die Sache, welche der Gegenſtand derſelben iſt⸗ oder auch, was die geſchehene Ruͤckerſtattung anbelangt. 1925. Die freiwillige Hinterlegung kann nur zwiſchen Per⸗ ſonen, welche faͤhig ſind, einen Vertrag abzuſchließen, ſtatt haben. Wenn jedoch eine zum Vertragabſchließen faͤhige Perſon die Hinterlegung, welche eine Perſon, die nicht vertragsfaͤhig iſt, ihr macht, annimmt, ſo hat ſie alle Verbindlichkeiten eines wahrhaften Verwahrnehmers uber ſich; ſie kann durch den Vormund oder Verwalter der Perſon, welche die Hinterle⸗ gung gemacht, hat, gerichtlich verfolgt werden. 1926. Wenn die Hinterlegung von einer vertragsfaͤhigen Perſon an eine andere, welche es nicht iſt, gemacht worden⸗ ſo hat die hinterlegende Perſon keine andere Rechtsklage als iene der gerichtlichen Zuruͤckforderung(Vindikaziond, ſo lange ſich die Sache unter den Händen des Verwahrnebmers befin⸗ det, oder eine Rechtsklage auf Wiedererſtattung bis auf den Betrag deſſen, was zum Nutzen dieſes Letztern ausgefallen iſt. Dritter Abſchnitt. Von den Verbindlichkeiten des Verwahrnehmers. 1927. Der Verwahrnehmer muß die bei ihm hinterlegte Sache mit der naͤmlichen Sorgfalt, wie ſeine ſelbſt eigene bewachen. 1923. Die Verfuͤgung des vorhergehenden Artikels muß mit noch mehr Strenge beobachtet werden; ztens. Wenn der Verwahrnehmer ſich ſelbſt angebothen hat, das Hinterlegte aufzunehmen; atens. Wenn er ſich einen Lohn fuͤr die Bewa⸗ chung deſſelben ausbedungen hat;ztens. Wenn die Hinterlegung einzig und allein zum Vortheil des Verwahrnehmers geſchah; tens. Wenn ausdruͤcklich bedungen worden, daß der Ver⸗ wahrnehmer fur alle Arten von Vernachlaͤſſigung zu baften hat. 1929. Der Verwahrnehmer kann in keinem Falle fuͤr die Zufälle, die von Gewaltthätigkeit herruͤhren, verantwortlich ſein, er habe dann verſaͤumt, die hinterlegte Sache zuruͤck zu geben. 1930. Er kann ſich der hinterlegten Sache ohne die aus⸗ druͤckliche oder vermuthete Erlaubniß des Hinterlegenden nicht bedienen. 1931. Er darf nicht nachſuchen, um zu wiſſen, was fur Gegenſtaͤnde bei ihm hinterlegt worden, wenn ſie ihm in ei⸗ nem verſchloſſenen Koffer yder unter einem verſiegelten Um⸗ ſchlage anvertraut worden. 1932. Der Verwahrnehmer muß gerade die nämliche Sache, die er empfangen hat, wieder zuruͤckgeben. Alſo muß die Hinterlegung gemuͤnzter Summen in den nämlichen Geldſummen, worin ſie gemacht worden, wieder erſtattet werden, ſie moͤgen nun eine Werthserhoͤhung oder Verminderung erlitten haben. 1933. Der Verwahrnehmer iſt zu nichts verbunden, als die Sachen in dem Zuſtande wieder zu geben, in welchem ſie ſich in dem Augenblicke der Hinterlegung befanden. Was nicht durch ſeine Handlungen daran verdorben worden, liegt dem⸗ der ſie hinterlegt bat, zur Laſt. 134. Der Verwahrnehmer, dem die hinterlegte Sache durch Gewaltthäͤtigkeſt hinweggenommen worden, und der einen gewiſſen Preiß dafuͤr oder etwas anders an derſelben Stelle zuruͤck erhielt, muß das wieder zuruͤck geben, was er dafuͤr erhalten hat. 1935. Der Erbe des Verwahrnehmers, welcher redlicher Weiſe eine Sache, von der er nicht wußte, daß ſie hinterlegt war, verkaufte, muß nur den Preis, welchen er dafuͤr erhal⸗ ten hat, zuruͤckerſtatten oder ſeine Rechtsklage gegen den Kaͤu⸗ fer, wenn er den Verkaufspreis noch nicht bezogen hat, ab⸗ treten⸗ 1936. Wenn die hinterlegte Sache Fruͤchte hervorgebracht, welche der Verwahrnehmer bezogen hat, ſo iſt er verbunden, ſie zuruͤck zu geben. Er iſt von dem hinterlegten Gelde keine Zinſe ſchuldig, es ſei denn von dem Lage an, wo er in Saͤumniß geſetzt worden, daſſelbe zuruck zu erſtatten. 1937. Der Verwahrnehmer hat die hinterlegte Sache nur an den, der ſie ihm anvertraut hat, oder an den, in deſſen Namen die Hinterlegung geſchab, oder an den, der beſtimmt worden, ſie zuruͤck zu empfangen, wieder zu erſtatten. 1938. Er kann von dem, der die Hinterlegung gemacht hat, den Beweis, daß er Eigenthuͤmer der hinterlegten Sache war, nicht fordern. Wenn er jedoch entdeckt, daß die Sache geſtoblen worden und wer der wahre Eigenthuͤmer davon iſt, ſo muß er ihm die bei ihm gemachte Hinterlegung anzeigen und ihn auffor⸗ dern, dieſelbe in einer beſtimmten und hinlaͤnglichen Zeitfriſt gerichtlich zu beſprechen. Wenn derjenige, dem dieſe Anzeige geſchehen, vernachlaͤſſigt, das Hinterlegte zuruͤck zu fordern, ſo iſt der Verwahrnehmer durch die Zuruͤckgabe der Sache, welche er demjenigen macht, von dem er ſie empfangen hat, guͤltig entladen. 1939. In dem Falle des natuͤrlichen oder buͤrgerlichen So⸗ des der Perſon, welche hinterlegt hat, kann die hinterlegte Sache nur ihren Erben zuruͤckgegeben werden⸗ Wenn mehrere Erben vorhanden ſind, ſo muß ſie einem jeden derſelben fuͤr ſeinen Antheil zuruͤckgegeben werden. Wenn die hinterlegte Sache untheilbar iſt, ſo muͤſſen die Erben uͤber den Empfang derſelben mit einander Uebereinkunft treffen. 1940. Wenn die Perſon, welche hinterlegt hat, ihren Stand veraͤndert; z. B. wenn die Frau, welche zur Zeit der gemach⸗ ten Hinterlegung ledig war, ſich waͤhrend dieſer Zeit ver⸗ — 331— beurathet hat und ſich unter der Gewalt ihres Mannes be⸗ findet; oder wenn der hinterlegende Großjährige ſich unter⸗ ſagt befindet; in allen dieſen und andern Fällen dieſer Art kann die hinterlegte Sache nur dem zuruͤckgegeben werden, welcher die Verwaltung der Rechte und Guͤter des Hinter⸗ legenden uͤber ſich hat. 1941. Wenn die Hinterlegung durch einen Vormund, Ebe⸗ mann oder Verwalter in einer von dieſen Eigenſchaften ge⸗ ſchehen, und wenn ihre Amtsfuͤhrung oder Verwaltung zu Ende gegangen, ſo kann die hinterlegte Sache nur an dieje⸗ nige Perſon, welche dieſer Vormund, Ehemann oder dieſer Verwalter vorſtellten, zuruck erſtattet werden. 1942. Wenn der Hinterlegungsvertrag den Hrt bezeichnet⸗ wo die Ruͤckerſtattuna geſchehen muß, ſo iſt der Verwahrneh⸗ mer verbunden, die hinterleste Sache dahin zu verbringen. Wenn dieſes Verbringen Koſten verurſacht, ſo fallen ſie dem Hinterlegenden zur Laſt. 1943. Wenn der Vertrag den Ort, wo die Ruͤckgabe ge⸗ ſchehen ſoll, nicht bezeichnet, ſo muß ſie an dem Orte der Hinterlegung geſchehen. 144. Die hinterlegte Sache muß dem Hinterlegenden zu⸗ ruͤckgegeben werden, ſobald er ſie verlangt, ſelbſt wenn der Vertrag keine gewiſſe Zeitfriſt fuͤr die Zuruͤckgahe beſtimmt bätte, wenn anders nicht in den Haͤnden des Verwahrnehmers ein Verhaft, oder eine Oppoſizion gegen die Zuruͤckgabe der binterlegten Sache angelegt oder eine Verbringung derſelben an einen andern Ort verordnet worden iſt. 1945. Der ungetreue Verwahrnehmer kann zu der Rechts⸗ wohlthat der Guͤterabtretung nicht zugelaſſen werden. 196. Alle Verbindlichkeiten des Verwahrnehmers hören auf, wenn er entdeckt und beweiſt, daß er ſelbſt der Eigen⸗ thuͤmer der hinterlegten Sache iſt. Vierter Abſchnitt. Von den Obliegenheiten der Perſon, durch welche die Hinterlegung geſchehen. 1947. Die Perſon, welche hinterlegt hat, iſt gebalten, dem Verwahrnehmer die Auslagen, welche er fuͤr die Erhaltung der hinterlegten Sache gemacht hat, wieder zu erſtatten, und ihn fuͤr allen den Verluſt, welche die Hinterlegung ihm hat verurſachen können, zu entſchaͤdigen. 148. Der Verwahrnehmer kann die binterlegte Sache bis zur geleiſteten ganzen Bezahlung deſſen, was man ihm in Hinſicht auf derſelben Verwabrung ſchuldig ſein kann, zuruͤck behalten. 11 Fuͤnfter Abſchnitt. 1. Von der gezwungenen Hinterlegung. 1 1949. Die gezwungene Hinterlegung iſt diejenige, wozu man durch einen Zufall⸗ z. B⸗ durch eine Feuersbrunſt, einen 1 Einſturz, eine Pluͤnderung, einen Schiffbruch oder einen an⸗ dern unvorgeſehenen Zufall genoͤthigt worden. 1950. Der Beweis fuͤr eine gezwungene Hinterlegung iſt durch Zeugen annehmlich, ſelbſt, wenn von einem Werthe „ uͤber hundert fuͤnfzis Franken die Rede iſt. 3 3 1o6r. Uebrigens wird eine gezwungene Hinterlegung nach allen vorher aufgeſtellten Regeln behandelt. 3 1962. Die Gaſtgeber und Gaſtwirthe in großen Gaſthaͤuſern ſind als Verwahrnehmer fuͤr die von dem Reiſenden, der bei ibnen einkehrt, mitgebrachten Geraͤthſchaften verantwortlich; die Hinterlegung von dergleichen Arten von Geräthſchaften muß als eine gezwungene Hinterlegung angeſehen werden. 1963. Sie ſind fuͤr den Diebſtahl oder die Beſchädigung . der Geraͤthſchaften des Reiſenden verantwortlich, es ſei nun, daß der Diebſtahl oder die Beſchaͤdigung durch ihr Geſinde, und jene, welche der Wirthſchaft vorſtehen, oder durch Frem⸗ de, welche in dem Gaſthauſe aus⸗ und eingehen, geſchehen ſei. 1964. Sie ſind fuͤr Diebſtaͤhle, welche mit bewaffneter Hand oder uͤberlegene Gewaltthaͤtigkeiten vollbracht werden, nicht verantwortlich. Drittes Kapitel. Von dem Beſchlage(Sequeſtraziom. Erſter Ab ſchnitt. Von den verſchiedenen Arten des Beſchlags. . 1955. Der Beſchlag geſchiebt entweder durch Uebereinkunft oder gerichtlich zweiter Abſchnitt. Von dem durch Uebereinkunft angelegtem Beſchlage. 16. Der durch Uebereinkunft angelegte Beſchlag hat ſtatt, — wenn eine oder mehrere Perſonen eine ſtrittige Sache in die Haͤnde eines Drittern, welcher ſich verbindet, ſolche nach ge⸗ endigter Strittigkeit der Perſon, welcher ſie zuerkannt wor⸗ den ſein wird, zu uͤbergeben, binrerlegen. 1957. Dieſer Beſchlag muß nicht unentgeldlich ſein. 1963. Geſchieht er unentgeldlich, ſo iſt er den fuͤr die Hin⸗ terlegung im eigentlichen Sinne aufgeſtellten Regeln vorbe⸗ haltlich nachſtehender Abweichungen unterworfen. 1959. Der Beſchlag kann nicht nur bewegliches, ſondern ſogar unbewegliches Vermögen zum Gegenſtande baben. 1960. Der mit dem Beſchlag beauftragte Verwahrnehmer kann vor der Beendigung des Rechtsſtreites nur mit der Ein⸗ willigung aller betheiligten Partheien und wegen einer als rechtmaͤßig anerkannten Urſache entladen werden. Dritter Abſchnitt. Von dem gerichtlichen Beſchlag. 1961. Der Richter kann Beſchlag verordnen tens. Ueber bewegliche Gegenſtaͤnde, die man dem Schun⸗ ner ſchon mit Arreſt belegt hat; atens. Ueber ein unbewegliches Gut oder eine bewegliche Sache, deren Beſitz zwiſchen zwei oder mehreren Perſonen ſtrirtig iſt; ztens. Ueber Gegenſtaͤnde, welche ein Schuldner anbietbet, um von der Schuld entledigt zu werden. 1962. Die Aufſtellung eines gerichtlichen Huͤters bringt zwiſchen dem, der in Beſchlag nimmt, und dem Huͤter wech⸗ ſelſeitige Verbindlichkeiten hervor. Der Huter muß fuͤr die in Beſchlag genommenen Gegenſtaͤnde wie ein guter Familien⸗ vater ſorgen. Er muß ſie entweder zur Entladung deſſen, der ſie in Be⸗ ſchlag genommen bat, damit ſie verkauft werde, oder der Parthei, gegen welche die Vollziehung geſchah, wenn der Beſchlag aufgehoben worden iſt, darſtellen. Die Verbindlichkeit deſſen, der den Beſchlag angelegt hat, beſteht darin, dem Huͤter ſeinen von dem Geſetze feſtgeſetzten Gehalt zu bezahlen. 1963. Der gerichtliche Beſchlag wird entweder einer Per⸗ ſon uͤbertragen, uͤber welche ſich die Betheiligten unter ein⸗ ander verſtandigt haben, oder einer Perſon, die von amts⸗ wegen durch den Richter ernennt worden. — 334— In beiden Fälleu iſt derjenige, dem die in Beſchag genom⸗ mene Sache anvertraut worden, allen den Verbindlichkeiten unterworfen, welche der durch Uebereinkunft angelegte Be⸗ ſchlag nach ſich zieht. 8 witer Site Von den gewagten Vertraͤgen(contrats aléa- toires). (Dekretirt den 10ten März 1804, verkundigt den zoten des naͤmlichen Monaths). 1964. Der gewagte Vertrag iſt eine gegenſeitige Ueberein⸗ kunft, deren Wirkungen, ſowohl was die Vortheile als den Verluſt betrift; entweder fuͤr alle Partheien oder auch fuͤr eine oder mehrere aus ihnen von einem ungewiſſen Ereigniſ⸗ ſe abbaͤngt; dergleichen ſind: Der Verſicherungsvertrag(le contrat d'assurence). Das Darlehen auf Bodmerei(Seegefahr, le prét à grosse aventure). Das Spiel und die Wettung. Der Vertrag von Leibrenten. Die beiden erſten werden nach den Seegeſetzen geſchlichtet. Erſtes Kapitel. Von dem Spiele und der Wettung. 1965. Daß Geſetz geſteht fur eine Spielſchuld oder Zahlung einer Wettung keine Rechtsklage zu. 1966. Die Spiele, welche geeignet ſind, ſich in den Waf⸗ fen zu uͤben, das Wettrennen zu Fuße oder zu Pferd, das Wettrennen mit Waͤgen, das Ballſpiel oder andere Spiele dieſer Art, wo es auf Geſchicklichkeit und Leibesuͤbung an⸗ tömmt, ſind von der Verfügung des vorhergehenden Artikels ausgenommen. Jedoch kann das Tribunal die Klage verwerfen, wenn ihm die Summe uͤbertrieben ſcheint. 1967. In keinem Falle kann der Verlierende das, was er freiwillig bezablt hat, wieder zuruͤckfordern, es ſei denn, es habe von Seiten des Gewinnenden Betrug, neberliſtung oder Geldprellung ſtatt gehabt. — Zweites Kapitel. Von dem Leibrenten ⸗Vertrag. Erſter Abſchnittt. Von den Bedingungen, welche zur Guͤltigkeit des Vertrags erforderlich ſind. 1963. Eine Leibrente kann unter einem laͤſtigen Litel ver⸗ mittels eines Kapitals, oder fuͤr eine bewegliche Sache, die abgeſchaͤtzt werden kann, oder fuͤr ein unbewegliches Gut er⸗ richtet werden. 1969. Sie kann auch unter einem ganz wohlthaͤtigen Si⸗ tel durch Schenkungen unter Lebenden oder Leſtamente er⸗ richtet werden. Sie muß aber alsdann mit den von dem Geſetze vorgeſchriebenen Formalitaͤten begleitet ſein. 1970. In dem Falle des vorhergehenden Artikels kann die⸗ ſelbe, wenn ſie den Betrag, woruͤher zu verfuͤgen erlaubt iſt, uͤberſchreitet, beruntergeſetzt werden. Sie iſt ganz nichtig, wenn ſie zum Vortheil einer Perſon, die unfaͤhlg iſt, zu empfangen, errichtet worden waͤre. 1971. Die Leibrente kann entweder auf den Kopf(die Le⸗ bensit) deſſen, der den Preiß davon liefert, oder auf den Kopf eines Drittern, der gar kein Recht hat, dieſelbe zu ge⸗ nießen, errichtet werden. 1972. Sie kann auf einen oder mehrere Koͤpfe errichtet werden. 1973. Sie kann zum Vortbeil eines Drittern errichtet wer⸗ den, obſchon der Preis davon fuͤr eine andere Perſon geliefert worden. In letzterem Fglle, ob ſie gleich die Merkmale einer Frei⸗ gebigkeit hat, ſo ſie dennoch den fuͤr die Schenkungen er⸗ forderlichen Formalitaͤten nicht unterworfen, vorbehaltlich des Falles der Herunterſetzung und Nichtigkeit, von denen in dem 1970ten Artikel die Rede war. 1974. Jeder Vertrag von einer Leibrente, welche auf den Kopf einer Perſon, die am Sage des errichteten Vertrags todt war, errichtet worden, hringt gar keine Wirkung ervor. 1976. Eben ſo verhaͤlt es ſich mit dem Vertrage, durch wel⸗ chen die Rente auf den Kovf einer Perſon, die von einer Krank⸗ heit befallen war, an welcher ſie zwanzig Dage nach dem Datum des errichteten Vertrags verſtorben iſt, errichtet worden⸗ — 336— 1976. Die Leibrente kann auf den Betrag, den es den ver⸗ tragſchließenden Partheien gnzuſetzen belieben wird, errſchtet werden. Dritter Ab ſchnitt. Von den Wirkungen des Vertrags zwiſchen den ver⸗ tragſchließenden Partheien. 1977. Jener, zu deſſen Vortheil die Leibrente vermittels eines Preiſes errichtet worden, kann die Aufhebung des Ver⸗ trags begehren, wenn der Errichtende ihm nicht die ausbe⸗ dungene Sicherheit fuͤr die Vollziehung deſſelben gibt. 1978. Die alleinige Zahlungsunterlaſſung der Ruͤckſtaͤnde der Rente bemuͤchtigt denienigen, zu deſſen Vortheil ſie errichtet worden, nicht, die Ruͤckzahlung des Kapitals zu begehren oder die Wiedereinſetzung in das von ihm veraͤußerte Grundſtuck zu verlangen. Er bat blos das Recht, die Guͤter ſeines Schuld⸗ ners zu verkuͤmmern und zu verkaufen, ſo wie auch verordnen oder die Einwilligung geben zu laſſen, daß aus dem Ertrage des Verkaufs eine hinreichende Summe zur Entrichtung der Ruͤchſtaͤnde angewendet werde. 1979. Der die Leibrente Errichtende kann ſich nicht dadurch von der Zahlung der Leibrente frei machen, daß er die Ruͤckzahlung des Kapitals anbiethet, und auf die Ruͤckerſtattung der be⸗ zahlten Dermine Verzicht leiſtet. Er iſt verbunden, die Rente waͤhrend der ganzen Lebenszeit der Perſon oder der Perſonen, auf deren Koͤpfe dieſelbe errichtet worden, zu bezahlen; ſo lange auch das Leben dieſer Perſonen dauern mag, und wie läſtig ibm auch immer die Entrichtung der Rente fallen mag⸗ 1920. Der Eigenthumer erwirbt die Leibrente nur in Ver⸗ haͤltniß der Anzahl der Tage die er gelebt hat. Wenn man jedoch ubereingekommen iſt, daß ſie voraus be⸗ zahlt werden ſoll, ſo hat er ſich jeden n der bezahlt werden ſollte, an dem Tage, wo die Bezählung fallen ſollte, erworben. 1931. Man kann nicht ausbedingen, daß die Leibrente mit keinem Arreſt belegt werden koͤnne, als wenn ſie unter einer ganz unentgeldlichen Benennung errichtet wordem 1932. Die Leibrente erloſcht nicht durch den buͤrgerlichen Todt des Eigenthuͤmers; er muß fortfahren zu beſühlen, ſo lange ſein naturliches Leben dauert. 1933. Der Eigenthuͤmer einer Leibrente kann die Ruckſtände davon nicht begehren, als wenn er beweißt, daß er lebe — 337— oder daß die Perſon lebe, auf deren Kopf ſie errichtet wor⸗ den. Dreizehnter Titel. Von der Bevollmaͤchtigung(Mandat). (Dekretirt den roten März 1804, verkuͤndigt den aoten des naͤmlichen Monaths). Erſtes Kapitel. Von der Ratur und der Form der Bevollmaͤch⸗ tigung oder des Mandats. rysa. Das Mandat oder die Bevollmaͤchtigung iſt eine Handlung, durch welche eine Perſon einer andern die Macht ertheilt, etwas fuͤr die Vollmacht ertheilende Perſon und in ihrem Namen zu thun⸗ Dieſe Art von Vertrag wird nur durch die Annahme des Bevollmaͤchtigten abgeſchloſſen. 1985 Die Bevollmaͤchtigung kann entweder durch eine oͤf⸗ fentliche Urkunde, oder durch einen ſchriftlichen Aufſatz unter Privatunterſchrift, ja ſogar durch einen Brief gegeben wer⸗ den. Man kann ſie auch muͤndlich geben, allein der Zeugen⸗ beweis davon wird nur nach dem, was in dem Litel von den Vertraͤgen oder von den durch Uebereinkunft ab⸗ geſchloſſenen Verbindlichkeiten uͤberhaupt genommen geſagt worden, angenommen. Die Annahme der Bevollmaͤchtigung kann auch ſtillſchwei⸗ gend geſchehen und aus der Vollziebung, die ihr der Bevoll⸗ maͤchtigte gegeben, erhellen. 19s6. Die Bevollmaͤchtigung iſt unentgeltlich, wenn nicht das Gegentheil ausbedungen worden. 1987. Sie iſt entweder eine beſondere Bevollmaͤchtigung und fuͤr ein oder einige beſtimmte Geſchaͤfte gegeben, oder ſie iſt allgemein und fuͤr alle Geſchaͤfte des Vollmachtgebenden ertheilt. 1938. Eine in allgemeinen Ausdruͤcken abgefaßte Bevoll⸗ muͤchtigung hat nur Handlungen der Verwaltung zum Ge⸗ genſtand. Wenn von Veraͤußerung, Verpfaͤndung oder einer Hand⸗ lung uͤber das Eigenthum die Rede iſt, ſo muß die Bevoll⸗ maͤchtigung ausdruͤcklich davon — — 3%8— 1989. Der Bevollmächtigte kann nichts uͤber das, was in ſeiner Vollmacht ausgedruͤckt iſt, thun. Die Gewalt, Ver⸗ gleich zu ſchließen, faßt jene, ſich nach einem ſchiedsrichter⸗ lichen Urtheil zu fuͤgen, nicht in ſich. 1990. Die Weiber und entlaſſenen Minderjhrigen konnen als Bevollmaͤchtigte gewoͤhlt werden; allein der Vollmacht Ertheilende kann nur nach den allgemeinen auf die Vervflich⸗ tungen der Minderjährigen Bezug habenden Regeln gegen den Minderjaͤhrigen Bevollmaͤchtigten, und gegen die verbeurathete Frau, welche ohne Ermaͤchtigung ihres Ehemannes die Be⸗ vollmaͤchtigung angenommen bat, nach den im Litel von den veurathsvertraͤgen und den gegenſeitigen Rechten der Ehegatten aufgeſtellten Regeln ſeine Rechtsklage anſtellen. Zweites Kapitel. Von den Obliegenheiten des Vevollmächtigten. 1991. Der Bevollmächtigte iſt verbunden, ſo lange er mit der Vollmacht beauftraget iſt, den Inhalt derſelben zu erfuͤl⸗ len; er iſt fuͤr den Schaden, der aus der Nichtvollziehung entſtehen kann, verantworrlich. Er iſt zu gleicher Zeit gebalten, das bei dem Abſterben des Vollmacht Ertheilenden angefangene Geſchaͤft zu vollenden, wenn aus der Verſaͤumniß deſſelben Gefahr erwachſen koͤnnte. 1992. Der Beauftragte iſt nicht nur fuͤr den Betrug, ſon⸗ dern auch fuͤr die Fehler, welche er ſich in ſeiner Geſchaͤfts⸗ fuͤhrung zu Schulden kommen laͤßt, verantwortlich⸗ Doch iſt die Verantwortlichkeit in Hinſicht auf die Fehler weniger ſtrenge fuͤr den, der ſeinen Auftrag unentgeldlich ent⸗ richtet als fur den, der eine Bezahlung dafuͤr erhaͤlt. 1903 Jeder Bevollmaͤchtigte iſt verbunden, von ſeiner Ge⸗ ſchaͤftsfuͤhrung Rechenſchaft abzulegen und dem Vollmacht Ertheilenden von allem, was er kraft ſeiner Vollmacht empfan⸗ gen hat, Rechnung zu ſtellen, ſelbſt dann, wann dem Voll⸗ macht Ertheilenden das, was er empfangen hat, nicht ge⸗ buͤhrte. 1994. Der Bevollmäͤchtiate iſt fuͤr jenen, den er an ſeiner Stelle in ſeiner Geſchäftsfuhrung angeſtellt hat, verautwort⸗ lich: itens. Wenn er keine Vollmacht hatte ſich durch einen andern erſetzen zu laſſen; atens. Wenn ihm dieſe Vollmacht zwar ohne Bezeichnung der Perſon uͤbertragen worden, jene aber, die er gewaͤhlt hat, bekannter Maaben unfaͤhig oder zahlungsunfaͤhig war⸗ ——— —— In allen dieſen Faͤllen kann der, welcher die Vollmacht er⸗ theilt, geradezu gegen die Perſon, welche der Bevollmaͤch⸗ tigte in ſeinem Namen angeſtellt hat, handeln. 1995. Wenn durch die naͤmliche urkunde mehrere Bevoll⸗ maͤchtigte ernennt worden ſind, ſo haften ſie nicht ſolidariſch fuͤr einander als in ſoweit ſolches ausdruͤcklich in der Urkun⸗ de angedeutet iſt. 1996. Der Bevollmaͤchtigte muß von den Summen, wel⸗ che er zu ſeinem Gebrauche verwendet hat, von dem Tage dieſer Verwendung; und von denjenigen, die er nach abgeleg⸗ ter Rechnung ſchuldig bleibt, von dem Tage, wo er damit in Ruͤckſtand koͤmmt, Zinſe entrichten. 1997. Der Bevollmächtigte, welcher der andern Parthei, mit der er in dieſer Eigenſchaft Vertrag abſchließt, hinlaͤng⸗ liche Kenntniß von ſeiner Vollmacht gegeben hat, iſt nicht verbunden, fuͤr das, was er uͤber die Grenzen derſelben thut, Gewähr zu leiſten, wenn er ſich nicht perſoͤnlich dazu anhei⸗ ſchig gemacht hat. Drittes Kapitel. Von den Obliegenheiten deſſen, der Vollmacht gibt. 1998. Der Vollmachtgebende iſt gehalten, die Verbindlich, keiten, welche ſein Bevollmaͤchtigter in Gefolge der ihm ertheilten Vollmacht eingegangen, zu vollziehen. Er iſt auch verbunden zu vollziehen, was der Bevollmäch⸗ tigte uͤber die Grenzen ſeiner Vollmacht gethan, in ſo ferne er daſſelbe ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend genehmigt hat. 1999. Der Vollmachtgebende muß dem Bevollmächtigten die Vorſchuſſe und Koͤſten, welche dieſer fuͤr die Vollziehung ſeines Auftrags hatte, zuruͤck geben und ihm ſeinen Gehalt entrichten, wenn er ibm einen verſprochen hat. Wenn dem Bevollmaͤchtigten kein Fehler zur Laſt gelegt werden kann, ſo kann der Vollmachtgeber dieſe Ruͤckerſtattung und Bezahlung nicht verweigern, und ſollte auch das Geſchaͤft nicht gelungen ſein. Er kann auch den Betrag der Koͤſten und Auslagen unter dem Vorwande, daß ſie huͤtten geringer ſein koͤnnen, nicht herunter ſetzen. 20oo. Der Vollmachtgeber muß auch den Bevollmaͤchtigten für den Verluſt entſchäͤdigen, welchen dieſer bei Gelegenbeit ſeiner Geſchaͤftsfüͤhrung, ohne daß ihm eine Unvorſichtigkeit koͤnne zur Laſt gelegt werden, erlitten hat. Y 2 — 340— zco1. Der Vollmachtgeber iſt dem Bevollmachtigten die Zinſe ſeiner gemachten Auslagen von dem Tage an, wo die⸗ ſelben werden erwieſen ſein, zu entrichten ſchuldig. 2oo2. Wenn ein Bevollmaͤchtigter von mehreren Perſonen fur eine gemeinſchaftliche Sache aufgeſtellt worden, ſo iſt jede derſelben ihm ſolidariſch fuͤr alle rechtliche Wirkungen des Auſtrags zu haften verbunden. Viertes Kapitel. Von den verſchiedenen Arten, wie die Vollmacht aufhoͤrt. 20oz. Die Vollmacht hoͤrt auf Durch die Zuruͤckberufung der Vollmacht, Durch die Aufkuͤndigung des Bevollmaͤchtigten auf die Vollmacht; Durch den natuͤrlichen oder burgerlichen Tod, Unterſagung und gaͤnzlichen Ruͤckgang entweder des Vollmachtgebers oder des Bevollmaͤchtigten⸗ 20o4. Der Vollmachtgeber kann ſeine gegebene Vollmacht zuruͤckrufen, wenn es ihm gut duͤnkt; und, wenn Urſache dazu vorhanden iſt, den Bevollmaͤchtigten gerichtlich zwingen, ihm entweder den ſchriftlichen Aufſatz unter Privatunterſchrift, welcher die Vollmacht enthaͤlt, oder die urſchrift der Bevoll⸗ maͤchtigung, wenn ſolche auf einem fliegenden Blatte ohne Hinterlegung bei den Urkunden ausgefertigt worden; oder die Ausfertigung davon, wenn die Urſchrift aufbewahrt wor⸗ den, zuruͤck zu geben. 2005. Die dem Bevollmäͤchtigten allein angedeutete Wider⸗ rufung kann den Drittern, welche, ohne von derſelben Kennt⸗ niß zu haben, Vertraͤge abgeſchloſſen⸗ nicht ovponirt wer⸗ den; doch iſt dem Vollmachtgeber ſein Regreß gegen den Vevollmaͤchtigten vorbehalten. 2006. Die Aufſtellung eines neuen Bevollmaͤchrigten fuͤr das naͤmliche Geſchaͤft bat von dem Tage an, wo ſie dem er⸗ ſtern Bevollmächtigten bekannt gemacht worden, Zuruͤckberu⸗ fungskraft deſſelben 20o7. Det Bevollmächtigte kann ſeine Vollmacht aufkuͤn⸗ digen, wenn er dem Vollmachtgeber dieſe Ankuͤndigung be⸗ kannt macht. Wenn jedoch dieſe Ankuͤndigung dem Vollmachtgeber nach⸗ — — 34— theilig iſt, ſo muß ihn der Bevollmächtigte entſchaͤdigen; es ſei denn, Letzterer befinde ſich in der unmoͤglichkeit, ſeinen Auftrag zu vollfuͤhren, ohne ſelbſt einen betraͤchtlichen Nach⸗ theil dadurch zu leiden- 20o8. Wenn das Abſterben des Vollmachtgebers oder an⸗ dere urſachen, welche die Vollmacht aufheben, dem Bevoll⸗ maͤchtigten unbekannt ſind, ſo iſt das, was er in dieſer Un⸗ wiſſenheit gethan, guͤltig. 2009. In dieſem Falle muͤſſen die von dem Bevollmaͤchtig⸗ ten in Hinſicht dritrerer Perſonen, die auf Treue und Glauben bandelten, eingegangenen Verbindlichkeiten vollzogen werden. ꝛ010. Wenn der Bevollmaͤchtigte ſtirbt, muͤſſen ſeine Er⸗ ben den Vollmachtgeber davon benachrichtigen und indeſſen fur dasjenige ſorgen, was die Umſtände fuͤr den Vortbeil des Letztern erheiſchen. Vierzehnter Titel. Von der Buͤrgſchaftleiſtung. (Dekretirt den raten Hornung 1804, verkuͤndigt den aten des naͤmlichen Monaths). Erſtes Kapitel. Von der Natur und dem umfange der Buͤrgſchaft. 2011. Wer ſich als Buͤrge einer Schuld auſtellt, macht ſich gegen den Glaͤubiger anheiſchig, dieſelbe abzutragen, wenn der Schuldner ſelbſt ſie nicht bezahlt. 012. Man kann ſich nur fuͤr eine guͤltige Schuld verbuͤr⸗ gen. Man kann jedoch fur eine Schuld Buͤrge werden, wenn dieſelbe auch durch eine dem Verpflichteten blos perſönliche Einrede, z. B. im Falle der Minderjaͤbrigkeit zernichtet wer⸗ den kann. 2013. Die Verburgung kann das, was der Schuldner ſchul⸗ dig iſt, nicht uͤberſteigen noch unter laͤſtigeren Bedingniſſen eingegangen werden. Sie kann nur für einen Cheil der Schuld und unter we⸗ niger laͤſtigen Bedingniſſen eingegangen werden. — 342— Die Verbuͤrgung, welche die Schuld uͤberſteigt, oder un⸗ ter läͤſtigern Bedingniſſen eingegangen worden, iſt deswegen nicht nichtig; ſie kann blos nach Maaßgabe der Hauptver⸗ pflichtung herunter geſetzt werden. ao14. Man kann ohne Auftrag desjenigen, fuͤr den man ſich verbuͤrgt, ja ſogar ohne deſſen Vorwiſſen Buͤrge werden. Man kann nicht nur fuͤr den Hauvtſchuldner, ſondern auch für den, der ſich fur ihn verburgt hat, Buͤrge werden. 2o16. Die Buͤrgſchaftsleiſtung wird nicht vermuthet; ſie muß ausdruͤcklich ſein, und man kann ſie nicht uͤber die Gren⸗ zen, innerhalb welchen ſie abgeſchloſſen worden, ausdehnen. zo16. Die unbeſtimmte Verbuͤrgung fuͤr eine Hauptſchuld dehnt ſich auf alles, was zu der Schuld gehoͤrt, aus; ſie dehnt ſich ſogar auf die Koͤſten der erſten Klage und auf alle dieienigen aus, welche nach der Aufkuͤndigung, welche an die Buͤrgſchaft davon gemacht wurde, ſtatt hatten. 2017. Die Buͤrgſchaftsverpflichtungen gehn auf die Erben uber, mit Ausnahme der koͤrperlichen Haft, wenn die Ver⸗ pflichtung von der Art war, daß der Buͤrge ſich derſelben unterworfen hat. ꝛo18. Der zur Stellung einer Buͤraſchaft verbundene Schuldner muß eine ſolche Perſon darſtellen, welche fuͤhig iſt, einen Vertrag einzugehen, welche binlaͤngliches Vermoͤ⸗ gen hat, um fuͤr den Gegenſtand der Schuld haften zu koͤn⸗ nen, und deren Domizilium in dem Bezirke desjenigen Appel⸗ lazionsgerichtshofes iſt, wo ſie gegeben werden muhß. zo19. Die Zahlungsfähigkeit eines Buͤrgen wird nur in Hinſicht auf ſein Grundeigenthum abgeſchaͤtzt, ausgenommen in Handlungsſachen, oder wenn die Schuld nur maͤßig iſt. Man nimmt auf unbewegliche Guͤter, welche ſtrittig ſind, oder deren gerichtliche Verſteigerung wegen der Entfernung der Orte, wo ſie liegen, zu vielen Beſchwerlichkeiten unter⸗ worfen waͤre, keine Ruͤckſicht. zozo. Wenn ein von dem Glaͤubiger entweder freiwillig oder vor Gericht angenommener Buͤrge in der Folge zahlungsun⸗ fäͤhig geworden iſt, ſo muß ein anderer aufgeſtellt werden. Dieſe Regel leidet nur in dem Falle eine Ausnahme, wenn die Buͤrgſchaft nur durch eine Uebereinkunft, durch welche der Glaͤubiger gerade dieſe Perſon als Buͤrge verlangt hat, geſtellt worden iſt. Zweites Kapitel. Von der Wirkung der Buͤrgſchaftsleiſtung. Erſter Abſchnitt. Von der Wirkung der Buͤrgſchaftsleiſtung zwiſchen dem Glaͤubiger und dem Bürgen. zoz1. Der Buͤrge iſt nur in Ermanglung des Schuldners dem Glaͤubiger Zahlung zu leiſten ſchuldig. Dieſer Schuld⸗ ner muß vorher in ſeinem Vermoͤgenszuſtande angegriffen und ihm gerichtlich verſteigert werden, es ſei denn, der Buͤrge habe auf dieſe Wohlthat der Vorausklage Verzicht geleiſtet oder er habe ſich mit dem Schuldner ſolidariſch verbunden; in dieſem Falle richtet ſich die Wirkung ſeiner Verpflichtung nach den fuͤr die ſolidariſchen Schulden aufgeſtellten Grundſaͤtzen. 2022. Der Glaͤubiger iſt nicht verbunden, den Hauptſchuld⸗ ner auszuklagen, als wenn der Buͤrge auf die erſten gegen ibn gerichteten gerichtlichen Verfolgungen ihn dazu auffordert. ꝛo23. Der Buͤrge, welcher auf die Ausklage anträgt, muß dem Glaͤubiger die Guͤter des Hauptſchuldners angeben und die Summen vorſchießen, um dieſe Ausklage zu Ende zu bringen. Er darf ihm aber die Guͤter des Hauptſchuldners, welche außer dem Bezirke des Appellazionsgerichtshofes des Orts⸗ wo die Bezahlug geſchehen muß, noch ſtrittige Guͤter, noch ſolche, die zwar fuͤr die Schuld vervfaͤndet ſind, die aber der Schuldner nicht mehr in Beſitz hat, nicht angehen. ꝛoag. So oft der Buͤrge die Guͤter des Hauptſchuldners nach Vorſchrift des vorhergehenden Artikels angezeigt, und hinlaͤnglichen Vorſchuß fuͤr die Ausklage geleiſtet hat, ſo iſt der Glaͤubiger dem Buͤrgen bis auf den Betrag der angezeig⸗ ten Guͤter fuͤr die Zahlungsunfaͤhigkeit des Hauptſchuldners, wenn dieſelbe durch Vernachlaͤſſigung gerichtlicher Verfolgun⸗ gen entſtanden iſt, verantwortlich⸗ ꝛ025. Wenn mehrere Perſonen ſich fuͤr die nämliche Per⸗ ſon und die nämliche Schuld als Buͤrgen aufgeſtellt haben, ſo iſt jede derſelben fuͤr die ganze Schuld verpflichtet. ꝛ026. Jedoch kann jede derſelben, wenn ſie anders nicht auf die Rechtswohlthat der Theilung Verzicht geleiſtet hat, — 344— fordern, daß der Glaͤubiger zuerſt ſeine Rechtsklage theile und ſie auf den Antheil eines jeden Buͤrgen beſchraͤnke. Wenn zur Zeit, da einer der Buͤrgen die Tbeilug ausſpre⸗ chen ließ, ſich Zahlungsunfaͤhige unter denſelben befanden, ſo haftet dieſer Buͤrge verhaͤltnißmaͤßig fur dieſelbe; allein man kann denſelben wegen den Zahlungsunfaͤhigkeiten, wel⸗ che nach erfolgter Dheilung an den Tag gekommen ſind, nicht mehr angehen. ꝛ027. Wenn der Glaͤubiger ſelbſt und freiwillig ſeine Rechts⸗ klage getheilt hat, ſo kann er von dieſer Tbeilung nicht mehr abgehn, obgleich, ſogar vor der Zeit, wo er in dieſelbe einge⸗ willigt hat, zahlungsunfähige Buͤrgen vorhanden waren. zweiter Abſchnitt. Von der Wirkung der Buͤrgſchaftsleiſtung zwiſchen dem Schuldner und dem Buͤrgen. zozs. Der Buͤrge, welcher bezahlt hat, hat ſeinen Regreß gegen den Hauptſchuldner, es ſei nun, daß die Buͤrgſchaft mit oder ohne deſſen Wiſſen geleiſtet worden. Dieſer Regreß hat ſowohl fuͤr die Hauptſchuld als auch fuͤr die Zinſen und Koͤſten ſtatt, doch hat der Regreß nur fuͤr jene Koͤſten ſtatt, die er getragen hat, ſeitdem er dem Hauptſchuldner die gegen ihn gerichteten gerichtlichen Ver⸗ folgungen angezeigt hat. Er hat auch fuͤr Schadloshaltung und entbehrten Gewinn, wenn ſolche ſtatt haben, ſeinen Regreß⸗ zo29. Der Buͤrge, welcher die Schuld bezahlt hat, trit nun in alle Rechte ein, welche der Glaͤubiger gegen den Schuldner hatte. zozo. Wenn mehrere Haupt⸗ und Solidarſchuldner der naͤmlichen Schuld vorhanden ſind, ſo hat der Buͤrge, wel⸗ cher fuͤr ſie alle Buͤrgſchaft geleiſtet hat, gegen jeden aus ih⸗ nen ſeinen Regreß fur die Ruͤckforderung der ganzen Summe, welche er bezahlt hat. 2o31. Der Buͤrge, welcher einmal bezahlt hat, hat keinen Regreß gegen den Hauptſchuldner, welcher zum zweitenmal bezahlt hat, wenn er ihn nicht von der von ihm gemachten Bezablung benachrichtiget hat, unbeſchadet jedoch ſeiner Ruͤck⸗ forderungsklage gegen den Glaͤubiger. 3— Wenn der Buͤrge bezablt hat ohne gerichtlich verſolgt worden zu ſein und ohne den Schuldner davon benachrich⸗ tigt zu haben, ſo hat er in dem kFalle, wo dieſer Schuldner in dem Augenblicke der Bezahlung Mittel gehabt haͤtte, ſeine Schuld als erloſchen erklaͤren zu machen, keinen Regreß ge⸗ gen denſelben; doch bleibt ihm ſeine Rechtsklage gegen den Gläubiger unbenommen. 2032. Der Buͤrge kann, ſelbſt ehe er noch bezahlt hat, ge⸗ gen den Schuldner gerichtlich verfahren um entſchaͤdigt zu werden, itens. Wenn er wegen der Bezahlung vor Gericht ver⸗ folgt wird. atens. Wenn der Schuldner bankerut geworden oder gaͤnz⸗ lich in Verfall gerathen iſt; ztens. Wenn der Schuldner ſich anheiſchig gemacht bat, ibm in einer gewiſſen Zeit ſeinen Entladungsſchein beizubrin⸗ gen; atens. Wenn wegen dem Verlauf der Zeit, fuͤr welche die Schuld eingegangen worden, dieſelbe kann zuruckgefordert werden; stens. Nach Verlauf von zebn Jahren, wenn die Haupt⸗ verpflichtung keine beſtimmte Verfallzeit enthält, es ſei denn, die Hauptſchuld, z. B. eine Vormundſchaft, ſei nicht von der Art, daß ſie vor einer beſtimmten Zeit koͤnne getilgt werden. Dritter Abſchnitt. Von der Wirkung der Buͤrgſchaftsleiſtung zwiſchen Mitbuͤrgen. 2033. Wenn mehrere Perſonen fur den naͤmlichen Schuld⸗ ner und die naͤmliche Schuld Buͤrgen geworden, ſo hat der Buͤrge, welcher die Schuld bezahlt bat, gegen die andern Buͤrgen, und gegen jeden fuͤr ſeinen Antheil ſeines Regreß. Allein dieſer Regreß hat nicht anders ſtatt, als wenn der Buͤrge in einem der im vorbergehenden Artikel angefuͤhrten Faͤllen bezahlt hat. Drittes Kapitel. Von der Erloͤſchung der Burgſchaftsleiſtung. ꝛo34. Die Verbindlichkeit, welche aus der Buͤrgſchaftslei⸗ ſtung entſteht, erloͤſcht durch die nämlichen urſachen, durch welche auch andere Verhindlichkeiten erloͤſchen. — 2036. Das Einswerden,(Konſuſion) welches in der Per⸗ ſon des Hauptſchuldners und ſeines Buͤrgen bewirkt wird, wenn einer des andern Erbe wird, erloͤſcht die Rechtsklage des Glaͤubigers gegen jenen, der ſich als Buͤrge des Buͤrgen aufgeſtellt hat, nicht. 2036 Der Buͤrge kann dem Glaͤubiger alle Einreden, die dem Hauptſchuldner zuſtehen, und der Schuld ankleben, ent⸗ gegen ſtellen. Allein er kann die Einreden, welche dem Schuldner allein perſoͤnlich ſind, nicht entgegen ſtellen. 2037. Der Buͤrge iſt entladen, wenn die Einſetzung in die Rechte, Hypotheken und Privilegien des Glaͤubigers durch eine Thathandlung eben dieſes Glaͤubigers nicht mehr zu Gunſten des Buͤrgen bewirkt werden kann. 2038. Wenn der Glaͤubiger freiwillig ein unbewegliches Gut oder ſonſt irgend einen Gegenſtand an Bezahlung der Hauptſchuld angenommen hat, ſo eutladet dieſe Annahme den Buͤrgen, ſollte auch gleich der Glaͤubiger aus demſelben ausgewießen werden⸗ 2039. Die bloße Verlaͤngerung der Zahlungsfriſt, die der Glaͤubiger dem Hauptſchuldner zugeſteht, entladet den Buͤr⸗ gen nicht, welcher in dieſem Falle den Schuldner gerichtlich verfolgen kann, um ihn zur Zahlung zu zwingen. Viertes Kapitel. Von der geſetzlichen und von der gerichtlichen Buͤrgſchaftsleiſtung. ꝛ040. So oft eine Verſon durch das Geſetz oder durch einen urtheilsſpruch verbunden iſt, Buͤrgſchaft zu leiſten, ſo muß der dargeſtellte Buͤrge die durch die Artikel 2018 und 2019 vorgeſchriebenen Bedingniſſe erfuͤllen. Wenn von einer gerichtlichen Buͤrgſchaft die Rede iſt, ſo muß der Buͤrge noch uͤberdies der körperlichen Haft empfaͤng⸗ lich ſein ꝛ041. Wer keinen Buͤrgen finden kann, wird zugelaſſen, an deſſen Stelle ein binreichendes Unterpfand zur Sicherbeit zu geben⸗ zo42. Der gerichtliche Burge kann die Vorausklage des Hauptſchuldners nicht begehren. z03. Wer ſich geradehin fuͤr einen gerichtlichen Bürgen verbuͤrgt hat, kann nicht begebren, daß der Hauptſchulduer und der Buͤrge zuerſt ausgeklagt werden. — 347— Fuͤnfzehnter Titel. Von den Vergleichen.(transactions) (Dekretirt den 2oten Maͤrz 1804, verkuͤndigt den zoten des naͤmlichen Monats.) 2044. Der Vergleich iſt ein Vertrag, durch welchen die Partheien einen ſchon beſtehenden Rechtsſtreit heendigen oder einen, der entſtehen ſoll, verhuͤten. Dieſer Vertrag muß ſchriftlich abgefaßt werden. 2045. Um einen Vergleich zu treffen muß man faͤhig ſein, uͤber die in demſelben enthaltenen Gegenſtaͤnde zu verfuͤgen. Der Vormund kann fuͤr den Minderjaͤhrigen oder Unterſag⸗ ten nur nach der Vorſchrift des 467ten Artikels in dem Litel von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und Entlaſſung Vergleich treffen, und er kann mit dem groß⸗ jaͤhrig gewordenen Minderjaͤhrigen uͤber die Vormundſchafts⸗ rechnung nur nach der Verordnung des 7aten Artikels des naͤmlichen Titels Vergleich abſchließen. Die Gemeinden und oͤffentlichen Anſtalten koͤnnen nur mit der ausdruͤcklichen Ermaͤchtigung der Regierung Vergleiche eingehn. ꝛ046. Man kann uͤber das buͤrgerliche Intereſſe, welches aus einem Verbrechen einſpringt, ſich vergleichen. Dieſer Vergleich hindert aber die gerichtlichen Verfolgun⸗ gen der oͤffentlichen Beamten nicht. ꝛ0a7. Man kann bei einem Vergleiche eine Strafe gegen denjenigen, welcher denſelben nicht vollzieht, ausbedingen. 2048. Die Vergleiche beſchraͤnken ſich auf ihren Gegen⸗ ſtand; die Verzichtleiſtung, welche darin auf alle Rechte, Rechtsklagen und Anſpruͤche geſchah, dehnt ſich nur auf das aus, was auf die Streitigkeit, welche darzu Gelegenheit gab, Bezug hat. 2049. Die Vergleiche ſetzen nur jene Streitigkeiten ausein⸗ ander, welche darin enthalten ſind, die Partheien moͤgen nun ihre Willensmeinung durch beſondere oder allgemeine Aus⸗ druͤcke geͤuſſert haben, oder man mag dieſe Willensmeinung durch eine nothwendige Folge aus dem, was darin wirklich ausgedruͤckt iſt, erkennen. 2050. Wenn jemand ſich uͤber ein Recht verglichen bat, das ihm in ſeinem eigenen Namen zuſteht, und in der Folge ein gleiches Recht erwirbt, das einer andern Perſon auf ihren — eigenen Ramen zuſtund, ſo iſt er in Betreff des neuerworbe⸗ nen Rechts durch den vorbergehenden Vergleich nicht gebunden. 2051. Der von einem der Betheiligten gemachte Vergleich pindet die andern Betheiligten nicht, und kann von ihnen nicht opponirt werden. 2o52. Die Vergleiche haben unter den Partheien die naͤm⸗ liche Kraft als eine in letzter Inſtanz abgeurtheilte Rechtsſache. Sie konnen weder unter dem Vorwande eines Irthums in rechtlichen Grundſaͤtzen, noch wegen Verletzung angegriffen werden. 2053. Doch kann ein Vergleich zernichtet werden, wenn uber die Perſon oder den Gegenſtand des Streites ein Ir⸗ thum obwaltet. Er kann in allen Fällen, wo Betrug oder Gewaltthaͤtig⸗ keit ſtatt hatte,/ zernichtet werden. 2054. Man kann auch auf Zernichtung eines Vergleiches Rechtsklage anſtellen, wenn derſelbe zur Vollziehung einer Urkunde, die nichtig iſt, eingegangen worden, es ſei dann; die Partheien haben ausdrucklich uber dieſe Richtigkeit Vergleich abgeſchloſſen ⸗ ꝛ056. Ein auf Schriften, die ſeitdem als falſch anerkannt worden, abgeſchloſſener Vergleich iſt durchaus nichtig. z036. Der Vergleich uͤber einen Rechtsſtreit, der ſchon durch ein in Rechtskraft erwachſenes Urtheil, wovon aber die Par⸗ theien oder eine derſelben keine Kenntniß hatten, abgethan war, iſt nichtig. Wenn das den Partheien unbekannte Urtheil der Apypella⸗ zion unterworfen war, ſo iſt der Vergleich guͤltig. 2067. Wenn die Partheien uber alle Angelegenheiten, die ſie miteinander haben konnten, ſich uberhaupt verglichen haben, ſo ſind die ihnen damals unbekannten und ſpaͤter entdeckten urkunden keine urſachen, den Vergleich zu zernichten, es ſei denn, ſolche waͤren von einer der Partheien gefliſſentlich zu⸗ ruͤckgehalten worden. Allein der Vergleich waͤre nichtig, wenn er nur einen Ge⸗ genſtand hätte, von dem durch neu entdeckte Urkundeh erwie⸗ ſen wäre, daß eine der Partheien gar kein Recht gehabt paͤtte. aoss. Der Rechnungsfehler in einem Vergleiche muß be⸗ richtiget werden ⸗ — 349— Sechszehnter Titel. Von dem koͤrperlichen Arreſt als Vollziehungsmittel. (Dekretirt den 3ten Hornung 1304, verkuͤndigt den azten des naͤinlichen Monaths.) 2059. Der koͤrperliche Zwang hat ſtatt in Civilſachen wegen dem Stellionat. Man begeht Stellionat, wenn man ein unbewegliches Gut, von dem man wobl weiß, daß man deſſen Eigenthuͤmer nicht iſt, verkauft oder verpfaͤndet. Wenn man verpfaͤndete Guͤter als frei angibt, oder gerin⸗ gere Hypotbeken angibt, als jene, welche darauf haften. 2060. Der koͤrperliche Zwang hat gleichfalls ſtatt tens. Wegen einer gezwungenen Hinterlegung; ztens. Im Falle der Rechtsklage auf Wiedereinſetzung; um die von gerichtswegen angeordnete Raͤumung eines Grund⸗ ſtuͤckes zu bewirken, deſſen Eigenthuͤmer deſſelben gewaltſamer⸗ weiße beraubt worden; um fuͤr die Ruͤckerſtattung der waͤh⸗ rend dem ungerechten Beſitze bezogenen Fruͤchte, und um die Bezahlung der Schadloshaltung, die dem Eigenthuͤmer zugeſprochen worden. ztens. Wegen der Zuruͤckforderung von Geldern, welche in die Haͤnde oͤffentlicher eigends darzu aufgeſtellter Perſonen hinterlegt worden. atens. Wegen Darſtellung der bei der Beſchlagnehmung den Kommiſſären oder andern Huͤtern anvertrauten Gegenſtaͤnde. stens. Gegen gerichtliche Buͤrgen und die Buͤrgen derjeni⸗ gen, die der körperlichen Haft unterworfen ſind, wenn ſich naͤmlich dieſe Buͤrgen dieſem Zwange unterworfen haben. 6tens. Gegen alle öffentliche Beamten wegen Vorzeigung ihrer Urſchriften, wenn ſie verordnet iſt; 7tens. Gegen die Notarien, Sachwalter und Gerichtsdie⸗ ner fuͤr die Ruͤckgabe der ihnen anvertrauten Urkunden und die von ihnen fuͤr ihre Rechtsbefohlenen in Gefolg ihrer Amts⸗ verrichtungen eingenommenen Gelder. ꝛob1. Diejenigen, welche auf ein Petitorium, in den Beſitz eingeſetzt zu werden, durch ein in Rechtskraft erwachſenes Ur⸗ theil verdammt worden ſind, ein Grundſtuͤck zu rͤumen und Gehorſam verweigern, konten durch ein zweiteres Urtheil fuͤnf⸗ zebn Tage nachher, als das erſte Urtheil entweder der Perſon ſelbſt oder in ibrem Domizilium gerichtlich bekannt gemacht worden, mit koͤrperlicher Haft belegt werden. Wenn das Grundſtuͤck oder Landgut mehr als fünf Myria⸗ meter von dem Domizilium der verurtheilten Parthei entlegen, iſt, ſo ſoll zu dieſen funfzehn Tagen fuͤr jedesmalige fuͤuf Myria⸗ meter noch ein Tag hinzugegeben werden. z062. Der koͤrperliche Zwang kann gegen Paͤchter fuͤr die Bezahlung der gepachteten Landguͤter nicht verordnet werden, wenn derſelbe in der Pachtsurkunde nicht förmlich ausbedun⸗ gen worden; jedoch koͤnnen die Pachter und um einen Theil der Fruͤchte Arbeitende korperlich gezwungen werden, wenn ſie am Ende der Pacht das auf Pacht gegebene Vieh, die Saatfruͤchten und die ihnen anvertrauten Ackergeraͤthſchaften nicht zuruͤckgeben, es ſei denn, ſie beweiſen, daß der Abgang an dieſen Gegenſtaͤnden ihnen nicht aufgebuͤrdet werden koͤnne. ꝛ063. Auſſer den durch die vorhergehenden Artikel beſtimm⸗ ten Fällen, oder in denienigen, die noch durch ein foͤrmliches Geſetz beſtimmt werden könnten, iſt es allen Richtern ver⸗ bothen, den korperlichen Zwang auszuſprechen; es iſt allen Notarien und Gerichtsſchreibern verbothen, urkunden aufzu⸗ nehmen, in welchen derſelbe ausbedungen waͤre; es iſt allen Franzoſen verbothen, zu dergleichen urkunden ihre Einwilli⸗ gung zu geben, und wenn ſie auch in dem Auslande ſollten aufgeſetzt worden ſein; alles unter Strafe der Richtigkeit, der Koͤſtenerlegung, der Schadloshaltung und Erſetzung des entbehrten Gewinns. zong. Der körperliche Zwang kann ſelbſt in den hier oben ange⸗ füͤhrten Faͤllen gegen Minderjährige nicht ausgeſprochen werden. 206. Er kann wegen einer Summe, die geringer iſt, als dreihundert Franken, nicht ausgeſprochen werden. 2060. Er kann gegen Siebenzigiährige, Weiber und Maͤd⸗ cben nur im Falle des Stellionats ausgeſprochen werden. Es iſt genug, das ſiebenzigſte Jahr angefangen zu haben⸗ um die den Siebenzigjährigen zugeſtundene Beguͤnſtigung zu genießen. Der körverliche Zwang wegen Stellionat findet waͤhrend der Ehe gegen verheurathete Weiber nur dann ſtatt, wenn ſie in der Guͤtertrennung leben, oder wenn ſie Guͤter haben⸗ deren freie Verwaltung ſie ſich vorbebielten und in Ruͤckſicht guf Verpflichtungen, welche dieſe Guͤter betreffen. Die Weiber, welche in Gemeinſchaft der Guͤtek leben und ſich ſolidariſch mit ibren Ehemännern verpflichtet haben, kön⸗ nen wegen dieſen Vertraͤgen nicht als Stellionataire angeſe⸗ hen werden⸗ — 351— ꝛo67. Der korperliche Zwang kann ſelbſt in den Fällen, wo er durch das Geſetz genehmigt iſt, nur kraft eines netheils vollzogen werden. 068. Die Appellazion verſchiebt die körperliche Haft nicht, wenn ſolche durch ein Urtheil ausgeſprochen worden, welches gegen Erlegung von Buͤrgſchaft vorlaufig vollzogen werden kann. 2069. Die Ausuͤbung des körperlichen Zwangs verbindert oder verſchiebt die gerichtlichen Verfolgungen und Zwangs⸗ mittel auf die Guͤter nicht. ꝛ070. Die beſondern Geſetze, welche den gerichtlichen Zwang in Handlungsſachen, die Zuchtpolizeigeſetze, und jene,“ welche die Verwaltung oͤffentlicher Gelder angehen, ſind nicht abgeſchaft. Siebenzehnter Titel. Von dem Pfande oder Verſatz. MNantissement) (Dekretirt den 16ten März 1804, verkuͤndigt den z6ten des naͤmlichen Nonats.) 2071. Die Verpfändung iſt ein Vertrag, durch welchen der Schuldner ſeinem Gläubiger eine Sache zur Sicherheit ſei⸗ ner Schuld uͤbergibt. z07a. Die Verpfaͤndung einer beweglichen Sache nennt man Fauſtpfand(gage); Jene einer unbeweglichen Sache Antichreſe. Erſtes Kapitel. Von dem Fauſtpfande. 2073. Das Fauſtofand ubertraͤgt dem Glaͤubiger das Recht, ſich der verpfaͤndeten Sache durch ein Vorrecht und vorzugs⸗ weiſe vor den andern Glaͤubigern bezahlt zu machen. 2072. Dieſes Vorrecht bat nur dann ſtatt, wenn eine oͤf⸗ fentliche Urkunde oder eine unter Privatunterſchrift, die ge⸗ boͤrig einregiſtrirt iſt, ſich vorfindet, welche die Erklärung der ſchuldigen Summe, ſo wie die Art und Beſchaffenheit der zu Pfand gegebenen Sachen oder ein beigefuͤgtes Verzeichniß von ihren Beſchaffenheiten, Gewicht und Maaße enthaͤlt. Die ſchriftliche Abfaſſung der Urkunde und die Einregiſtri⸗ rung derſelben iſt jedoch nur fuͤr Gegenſtaͤnde, deren Werth bundert fuͤnfzig Franken uͤberſteigt, vorgeſchriehen. 1 1 * 4 5 . 1 — 332— 207. Das Vorzugsrecht, von dem der vorbergehende Arti⸗ kel ſpricht, wird auf unkoͤrverliche bewegliche Gegenſtaͤnde, z. B. bewegliche Schuldforderungen auch nur durch eine oͤffent⸗ liche oder eine mit Privatunterſchrift verſehene, ebenfalls ein⸗ regiſtrirte, und dem Schuldner der zum unterpfande gegebe⸗ 6 Schuldforderung gehoͤrig bekannt gemachte Urkunde er⸗ richtet. 2076. In allen Faͤllen beſteht das Privilegium auf das Un⸗ terpfand nur in ſo ferne, als dieſes unterpfand dem Glaͤubi⸗ ger oder einem Drittern von den Partheien Beliebten in Be⸗ ſitz gegeben worden und darin geblieben iſt. 2077. Das Unterpfand kann fuͤr den Schuldner durch einen Drittern gegeben werden. 2078. Der Glaͤubiger kann aus Nangel der Bezahlung uber das Fauſtpfand nicht verfugen, allein es iſt ibm vorbehalten, von Gerichtswegen verordnen zu laſſen, daß dieſes Pfand ihm weder bis zu dem Betrag ſeiner Forderung und nach einer von Kunſtverſtaͤndigen gemachten Abſchätzung an Zahlungsſtatt ver⸗ bleibe, oder durch oͤffentliche Verſteigerung verkauft werde. Jede Klauſel, welche den Glaͤubiger ermaͤchtigen wuͤrde, ſich das Pfand zuzueignen oder ohne Beobachtung obiger Formalitäten daruͤber zu verfugen, iſt nichtig. 2079. Der Schuldner bleibt, bis er aus dem Eigenthum ge⸗ trieben wird, Eigenthumer des Pfandes, welches in der Hand des Glaͤubigers nur eine Hinterlegung iſt, die dem Vorrechte deſſelben Sicherbeit gibt. 2080. Er iſt vermoge der in dem Titel von den Vertraͤ⸗ gen oder von den aus Uebereinkuͤnften entſtehenden Perbindlichkeiten uͤberhaupt aufgeſtellten Regeln fuͤr den Verluſt oder Verſchlimmerung des Pfandes, welche ſeine Nach⸗ läßigkeit verurſacht hätte, verantwortlich Der Schuldner iſt aber auf ſeiner Seite dem Glaͤubiger von den nutzlichen und noͤthigen Ausgaben, welche dieſer fuͤr die Erhaltung des Pfandes gemacht, Rechnung zu balten und Erſatz zu leiſten ſchuldig. zo31. Wenn von einer zum unterpfande gegebenen Schuld⸗ forderung die Rede iſt und dieſelbe Zinſe traͤgt, ſo rechnet der Gläubiger dieſelbe an jenen, welche er ay den Schuldner zu fordern haben mag, ab⸗ Wenn die Schuld, für deren Sicherbeit der Schuldtitre zum Unterpfande gegeben worden⸗ nicht ſelbſt Zinſe traͤgt, ſo — 8— wüſſen dieſelben auf die Hauptſumme der Schuld abgerech⸗ net werden.. os2. Der Schuldner kann die Ruͤckgabe des Pfandes, wenn anders der Inhaber deſſelben keinen Mißbrauch davon macht, nicht eher zuruͤck verlangen, als bis er Hauptſumme, Zinſe und Köſten der Schuld, fur deren Sicherbeit das Pfand ge⸗ geben worden, bezahlt hat. Wenn der naͤmliche Schuldner dem naͤmlichen Glaͤubiger eine andere Summe nach der Pfanderlegung ſchuldig gewor⸗ den, letztere aber vor der erſtern faͤllig iſt, ſo kann der Glau⸗ biger nicht angehalten werden, das Pfand herauszugeben, bis er fuͤr beide Schulden vollkommen befriedigt iſt, wenn auch nicht ausbedungen worden, daß das Pfand auch fuͤr die zwei⸗ tere Schuld in Verſatz ſein ſoll. 2083. Das Pfand iſt untheilbar, wenn auch gleich die Schuld zwiſchen den Erben des Schuldners oder jenen des Gläubigers theilbar iſt. Der Erbe des Schuldners, welcher ſeinen Antheil an der Schuld bezablt hat, kann die Ruͤrkerſtattung des Antheils, welchen er an dem Pfande hat, ſo lange nicht begehren, als lange die ganze Schuld nicht getilgt iſt. Und gegenſeitig kann der Erbe des Glaͤubigers, dem ſein Antheil an der Schuld bezahlt worden, das Unterpfand zum Nachtheil ſeiner Riterben, die noch nicht bezahlt ſind, nicht zuruͤck geben. 0s4. Oben ſtehende Verfuͤgungen ſind weder auf Hand⸗ lungsgegenſtaͤnde noch auf öffentlich errichtete und genehmig⸗ te Pfandhaͤuſer anwendbar. Man befolgt in Hinſicht der⸗ ſelben die ſie betreffenden Geſetze und Vorſchriſten. Zweites Kapitel. Von der Antichreſe. 2085. Der Vertrag, den man Antichreſe nennt, wird nur ſchriftlich errichtet. Der Glaͤubiger erwirbt durch dieſen Vertrag nichts als die Befugniß, die Fruͤchte eines unbeweglichen Gutes einzuthun mit der Obliegenheit ſie jäbrlich auf die Zinſe, wenn er ſul⸗ che zu fordern hat, und dann auf die Hauptſumme ſeiner Schuldforderung abzurechnen. 2066. Der Glaͤnbiger iſt gehalten, wenn es nicht anders ausbedungen worden, die Steuern und andere jaͤbrliche La⸗ — 33— ſten des unbeweglichen Guts, welches unter der Antichreſe begriffen iſt, zu bezahlen. Er muß ebenfalls unter Strafe der Schadloshaltung fuͤr den Unterhalt, wie auch fur die nutzlichen und noͤthigen Aus⸗ beſſerungen des unbewezlichen Gutes ſorgen unter Vorbehalt⸗ an den Fraͤchten ſich fur alle auf dieſe verſchiedenen Gegen⸗ ſtuͤnde Bezug babende Ausgaben voraus bezahlt zu machen⸗ 2087. Der Schuldner kann, ehe er die ganze Schuld be⸗ zahlt hat, den Genuß des unbeweglichen Gutes, welches er unter die Antichreſe gegeben, nicht zuruͤckſordern. Allein der Gläubiger, welcher ſich von den im vorberge⸗ benden Artikel angefübrten Verbindlichkeiten entladen will⸗ kann immer, wenn er anders nicht auf dieſes Recht Verzicht geleiſtet hat, den Schuldner gerichtlich zwingen, den Genuß ſeines unbeweglichen Guts wieder zuruͤck zu nehmen. zo53. Der Glaubiger wird, weil der Schuldner zur aus⸗ bedungenen Zeitfriſt nicht bezahlt, nicht Eigenthuͤmer des un⸗ beweglichen Guts. Jede entgegen geſetzte Klauſel iſt nichtig⸗ Im vorliegenden Falle fann er die Vertreibung aus dem Ei⸗ genthum ſeines Schuldners durch geſetzliche Wege gerichtlich betreiben. 2039. Wenn die Partbeien ausbedungen haben, daß die Fruͤchte mit den Zinſen entweder gänzlich oder bis auf einen gewiſſen Betrag ſollen gegen einander aufgehoben werden, ſo muß dieſe Uebereinkunft, ſo wie jede andere, welche durch die Geſetze nicht verbothen iſt, vollzogen werden. a09o. Die Verfugungem der Artikel 2077 und 2083 ſind auf die Antichreſe wie aut das Pfand anwendbar. z091. Alles, was in gegenwärtigen Kapitel verordnet wor⸗ den, bringt den Rechten, welche Drittere auf das unbeweg⸗ „ liche zu der Antichreſe gegebene Grundſtuͤck baben können, keinen Nachtheil. Wenn der mit dieſem Rechtstitre verſehene Glaͤubiger auch noch anderswoher geſetzlich begruͤndete und erhaltene Privile⸗ gien und Hypotheken auf dieſes Grundſtuͤck hat, ſo uͤbt er ſolche nach ſeiner Ordnung und wie jeder andere Glaͤubiger gus. — Achtzehnter Titel. Von den Privilegien und Hypotheken. (Dekretirt den 19ten Maͤrz 1804, verkuͤndigt den 20ten des naͤmlichen Monaths.) Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfuͤgungen. 092. Wer ſich perſoͤnlich zu etwas verbunden hat, iſt ge⸗ halten, fur alle ſeine Verbindlichkeiten mit allem ſeinem be⸗ weglichen und unbeweglichen, gegenwärtigen und zukuͤnftigen Vermoͤgen zu ſtehen. 2093. Die Guͤter des Schuldners ſind das gemeinſchaftliche Untervfand ſeiner Gläubiger. Der Preis davon wird nach Verhaͤltniß ihrer Forderungen unter ſie vertheilt, wenn nicht rechtmaͤßige Urſachen eines Vorzugs unter ihnen eintreten. 2094. Die rechtmaͤßigen Urſachen eines Vorzuges ſind die Privilegien und Hypotheken. Zweites Kapitel. Von den Privilegien. 2095. Das Privilegium iſt ein Recht, welches dem Glaͤu⸗ biger ein aus der Forderung herkommendes Recht verleiht, den andern Glaͤubigern und ſelbſt den Hypotheken vorgezo⸗ gen zu werden. 2096. Der Vorzug zwiſchen den privilegirten Glaͤubigern wird durch die verſchiedene Eigenſchaften der Privilegien feſt⸗ geſetzt. 2097. Die privilegirten Glaͤubiger von gleichem Range wer⸗ den in dem Verbaͤltniſſe der Eigenſchaften ihrer Forderungen bezahlt. 2093. Das Privilegium in Hinſicht der Rechte des öffentli⸗ chen Schatzes, und die Ordnung, in welcher es ausgeubt wird, ſind durch darauf Bezug habende Regeln angeordnet. Jedoch kann der öffentliche Schatz kein Privilegium zum Nachtheil der Rechte, welche Drittere fruͤher erworben haben, erhalten. 2099. Privilegien können auf bewegliche oder unbewegliche Guͤter gegeben werden. 3 2 Erſter Abſſchnitt. Von den Privilegien auf bewegliche Guͤter. 21oo. Die Privilegien ſind allgemeine oder beſondere Privi⸗ legien auf beſondere bewegliche Guͤter. Erſter Paragraph⸗ Von den allgemeinen Privilegien auf bewegliche Guͤter. z101. Die privilegirten Schuldforderungen auf die Allge⸗ meinheit der beweglichen Guͤter ſind nachſtehende und wer⸗ den in folgender Ordnung ausgeuͤbt: 1tens. Die Gerichtskoſten; atens. Die Leichenkoſten; ztens. Alle und jede Koſten der letten Krankheit. Alle die jenigen welche daran zu fordern haben, werden als Mitbe⸗ werber nach Verbaͤltniß ihrer Forderung bezahlt. 4tens. Der Lohn der Dienſtbothen fuͤr das verfloſſene Jahr und was ſie auf das laufende zu gut haben. stens. Die dem Schuldner und ſeiner Familie gemachten Lieferungen von Nahrungsmitteln; nämlich die, welche in den letzten ſechs Monathen durch Kaufleute ins Kleine, z. B⸗ Baͤckern, Metzgern und andern geliefert worden; und waͤb⸗ rend dem letzten Jahre von Koſtgebern und Handelsleuten ins Große⸗ Zweiter Paragrapb. Von den Privilegien uf gewiſſe bewegliche Gegen⸗ aͤnde. aroꝛ. Privilegirte Schulden auf gewiſſe bewegliche Gegen⸗ ſtände ſind: tens. Die Mieth⸗ und Pachtzinſe von unbeweglichen Gu⸗ tern auf die Fruchte der Ernde des Jahrs, und auf den Werth von allem dem, womit das gemiethete Haus oder der Meier⸗ hof beſetzt iſt, und von allem, was zum Anbau des Landguts dient; nämlich fuͤr alles, was verfallen iſt und faͤllig ſein wird, wenn die Pachtbrieſe von einem Notär errichtet ſind, oder, wenn ſie zwar unter Privatunterſchrift errichtet ſind, dennoch ein ge⸗ wiſſes Datum haben. In dieſen beiden Fällen haben die uͤbrigen Glaͤubiger das Recht, Haus und Hof fuͤr die ubrige Pachtzeit wie⸗ — ————„ — der zu vermiethen und daraus ihren Vortheil zu beziehen, je⸗ doch unter der Bedingung, dem Eigenthuͤmer alles, was ihm noch gebuͤhren mag, zu bezahlen. Und in Ermanglung von beglaubten Miethvertraͤgen, oder, wenn ſolche unter Privakunterſchrift errichtet worden, aber kein gewiſſes Datum haben, fuͤr ein Jahr von der Beendi⸗ gung des laufenden Jahrs an zu rechnen. Das nůmliche Privilegium hat fuͤr die von dem Mieth⸗ manne zu machende Ausbeſſerungen und fuͤr alles, was die Vollziehung der Miethe betrift, ſtatt. Doch werden in beiden Fällen die fuͤr die Saatfruͤchten und die Köſten fuͤr das Einthun der Ernde des Jahres ſchuldigen Summen von dem Preis der Ernde bezahlt; was fuͤr Ge⸗ raͤtbſchaften abzutragen iſt, geſchieht aus dem Erloͤs derſelben, und in beiden Faͤllen vorzugsweiſe vor dem Eigenthuͤmer. Der Eigenthuͤmer kann die Geraͤthſchaften, mit welchen ſein Haus oder Hof beſetzt ſind, in Beſchlag nehmen laſſen, wenn ſolche ohne ſeine Einwilligung weggeſchaft worden ſind. Er behaͤlt das Privilegium, welches er auf dieſelbe hat, wenn er nur die gerichtliche Zuruͤckforderung gemacht bat; naͤmlich, wenn von Geraͤthſchaften die Rede iſt, mit denen ein Meier⸗ hof beſetzt war, in einer Zeitfriſt von vierzig Tagen; und wenn von Geraͤthſchaften, womit ein Haus beſetzt iſt, Spra⸗ che iſt, in einer Zeitfriſt von fuͤnfzehn Tagen. atens. Jede Forderung auf das Pfand, welches der Glaͤu⸗ biger zu ſeiner Verſicherung in Haͤnden hat. ztens. Die Koͤſten fuͤr die Erhaltung der Sache. atens. Der Kaufpreis der nicht bezahlten Geräthſchaften, wenn der Schuldner ſie noch in Beſitz hat, er mag ſie nun auf Zahlungsfriſten oder ohne ſolche gekauft haben. Wenn der Verkauf ohne Zahlungsfriſt geſchéhen iſt, ſo kann der Verkaͤufer dieſe Geraͤthſchaften, ſo lange ſie in dem Beſitz des Kaͤufers ſind, wieder gerichtlich zuruͤck fordern und den Wiederverkauf verhindern, wenn anders die gerichtliche Zu⸗ ruͤckforderung innerhalb acht Tagen von der Ablieferung an gemacht worden und die Geraͤthſchaften ſich noch in dem naͤm⸗ lichen Zuſtande befinden, in welchem ſie bei der Ablieferung waren. Das Privilegium des Verkaͤufers folgt jedesmal nach jenem des Eigenthuͤmers von dem Hauſe oder dem Maierhofe, es ſei dann, man habe bewieſen, daß der Eigenthuͤmer unterrich⸗ —— ———— — 6— tet war, daß die Geräthſchaften und andere Gegenſtaͤnde, mit welchen daß Haus und der Hof beſetzt war, dem Mieths⸗ manne nicht zugehoͤrten. Es wird hier nichts an den Geſetzen und Gebraͤuchen des die gerichtliche Zuruckforderung er⸗ neuert. stens. Die Lieferungen eines Gaſtwirthes auf die Reiſege⸗ räthſchaften eines Reiſenden, welche in ſeinen Gaſthof ver⸗ bracht worden ſind. etens. Die Fracht und andere Nebenkoſten fuͤr die auf der Fuhr beigebrachte Sache. ytens Die Forderungen, welche aus den Mißbräuchen und xſlichtvergeſſenheiten, derer öffentliche Beamten in der Aus⸗ uͤbung ihrer Amtsverrichtungen ſich ſchuldig gemacht haben, auf das Kapital ihrer Buͤrgſchaft und die Zinſe, welche ib⸗ nen davon zuſtandig ſein kennen, entſtehen moͤgen. zweiter Abſchnitt. Von den Privilegien auf unbewegliche Guͤter. 21o3. Die privilegirten Glaͤubiger auf unbewegliche Guͤter ſind: tens. Der Verkäufer für die Zahlung des Kauſpreißes auf das verkaufte unbewegliche Gut · Wenn mehrere nach einander folgende Verkäͤufe ſtatt hat⸗ ten, wovon der Preiß eitweder im Ganzen oder zum Theil noch nicht bezahlt worden, ſo wird der erſte Verkaͤufer dem zweiten, der zweite dem dritten und ſo fort, vorgezogen. atens. Jene, welche zur Erwerbung eines unbeweglichen Gutes das Geld geſchoſſen haben, wenn anders durch die Dar⸗ leihungsurkunde glaubbar erwieſen iſt, daß die Summe zu dieſer Verwendung beſtimmt war, und wenn die Quittung des Verkaͤufers beweißt, daß die Bezahlung mit dieſem geliebenen Gelde gemacht worden. ztens. Die Miterben auf die unbeweglichen Guͤter der Erb⸗ ſchaft zur Gewährleiſtung der zwiſchen ihnen vorgenommenen Theilungen und desjenigen, was ein Loos dem andern zur Gleichſtellung herausgeben muß. atens. Die Baumeiſter, Bauunternehmer, Maurer und andere zur Auffuͤhrung⸗ Wiederaufbauen und Ausbeſſerungen der Ge⸗ bäude, Kanäle und ſonſtiger Werke jeder Art angeſtellten Arbeits⸗ leute; vorausgeſetzt jedoch, daß ein von amtswegen von dem —— Tribunal erſter Inſtanz, in deſſen Bezirk die Gebaͤude lie⸗ gen, ernennter Sachkundige vorlaͤufig einen Verbalprozeß er⸗ richtet habe, um den Znſtand der Orte, wo gebaut werden ſoll, in Hinſicht auf die Werke, welche der Eigenthuͤmer auf⸗ zufuͤhren Sinnes zu ſein erklaͤrt, zu bewähren, und daß die Arbeiten hoͤchſtens in ſechs Monathen von ihrer Vollendung an gerechnet ebenfalls von einem von amtswegen ernennten Sachkundigen aufgenommen worden. Allein der Betrag des Privilegiums kann jedoch den in dem zweiten Verbalprozeß bethaͤtigten Werth nicht uͤberſteigen, und er wird auf diejenige Summe, um welche das unbewegliche Gut zur Zeit der Veraͤußerung durch die daran vollbrachten Arbeiten hoͤher im Werth ſteht, als vor denſelben, berunter geſetzt. 5tens. Diejenigen, welche Gelder ſuiubhn baben, um die Arbeiter zu bezahlen oder ihre Auslagen zu erſetzen, ge⸗ nießen das naͤmliche Privilegium; vorausgeſetzt, daß dieſe Verwendung glaubbar durch die Leihungsurkunde und die Quittung der Arbeitsleute bewaͤhrt worden, ſo wie oben in Betreff jener geſagt worden, welche zur Anſchaffung eines unbeweglichen Gutes Geld dargeliehen haben. Dritter Ab ſchnitt. Von den Privilegien, welche ſich auf bewegliche und unbewegliche Guͤter zugleich ausdehnen. 210g. Die Privilegien, welche ſich auf bewegliche und un⸗ bewegliche Guͤter zugleich ausdehnen, ſind jene, von denen in dem 2101 Artikel geſprochen worden. z1os. Wenn in Ermanglung beweglicher Guͤter die in dem vorbergehenden Artikel gemeldeten Privilegirten ſich darſtel⸗ len, um von dem Preiße eines unbeweglichen Gutes mitbe⸗ werbungsweiſe mit den Glaͤubigern, die ein Privilegium auf das unbewegliche Gut haben, bezahlt zu werden, ſo geſchieht die Bezahlung in folgender Ordnung: itens. Die Gerichtskoſten und andere in dem s10rten Artikel bemeldete Forderungen, ztens. Die in dem z10zten Artikel bezeichneten Schulben. Vierter Abſchnitt. Wie die Privilegien in ihrer Kraft erhalten . werden? 2106. Die Privilegien haben unter den Glaͤubigern in Hin⸗ ſicht auf die unbeweglichen Guͤter nur in ſo ferne ihre Wir⸗ — 360— kung, als ſie durch die Einſchreibung auf die Regiſter des Hyvothekenbewahrers auf die von dem Geſetze beſtimmte Art, und von dem Datum dieſer Einſchreibung an zu rechnen oͤf⸗ fentlich geworden ſind; unter den alleinigen Ausnahmen, wel⸗ che hier folgen: 2107. Alle in dem 210rten Artikel bemeldeten Schuldforderun⸗ gen ſind von der Formalitaͤt der Einſchreibung ausgenommen. 2108. Der priviligirte Verkäufer erhaͤlt ſein Privilegium durch die ſchriftliche Eintragung der Urkunde, welche dem Kaͤufer das Eigenthum uͤbertragen hat, aber zugleich beweißt, daß derſelbe ihm den ganzen Kaufpreiß oder einen Theil da⸗ von noch ſchuldig iſt. Zu dieſem Ende ſoll die von dem Käu⸗ fer gemachte ſchriftliche Eintragung des Verkaufvertrags fuͤr den Verkaͤufer oder Darleiher, welcher ihm die bezablten Gel⸗ der geſchoſſen hat, und welcher durch den naͤmlichen Ver⸗ trag in die Rechte des Verkaͤufers eingeſetzt werden ſoll, ſtatt einer Einſchreibung dienen. Jedoch ſoll der Hyvothekenbe⸗ wahrer unter Strafe aller Entſchaͤdigungen gegen die Drittern gehalten ſein, die Schuldforderungen, welche aus der Urkunde, die das Eigenthum uͤbertraͤgt, ſowohl zum Vortheil des Ver⸗ kaͤufers als jenem der Darleiher herflieſen, von amtswegen auf ſein Regiſter einzutragen. Der Verkäufer und Darleiher konnen dieſe ſchriftliche Uebertragung des Verkaufvertrags, wenn ſie noch nicht geſchehen iſt, auch machen laſſen, um die Einſchreibung fuͤr das, was ſie auf den Kaufpreiß zu fordern haben, zu erhalten. 2109. Der Miterbe oder Mittheilende erhaͤlt ſein Vorrecht auf die Guter eines jeden Looſes oder auf das oͤffentlich verſtei⸗ gerte Gut fuͤr das, was ihm noch an den Looſen zukoͤmmt, oder fuͤr den Steigſchilling durch die auf ſein Vetreiben inner⸗ balb ſechszig Tagen, welche von dem Tage der Theilung oder des Zuſchlags in oͤffentlicher Verſteigerung zu zählen anfan⸗ gen, geſchehene Beſchreibung, während welcher Zeit keine Hy⸗ pothek auf das Gut, welches herausgeben muß, oder in öf⸗ fentlicher Verſteigerung zugeſchlagen worden, zum Nachtheil des Glaͤubigers der Herausgabe oder des Kaufſchillings ſtatt haben kann. 2210. Die Baumeiſter, Bauunternehmer, Maurer oder an⸗ dere zum Bauen, Wiederaufbauen oder Ausbeſſern der Gebaͤude, Kanaͤle und anderer Werke angeſtellten Arbeiter, und diejenigen, welche, um ſie zu bezahlen, oder ihre Auslagen zu erſtatten — 361— Gelder geliehen haben, deren Verwendung erwieſen iſt, er⸗ halten ihr Privilegium durch die doppelte Einſchreibung 1tens. Des Verbalprozeſſes, welcher den Zuſtand der Bauſtel⸗ len bewaͤhrt, atens. Des Verbalprozeſſes der Aufnahme der Bauarbeiten von dem Datum der Einſchreibung des erſten Verbalprozeſſes. 111. Die Glaͤubiger und mit Vermaͤchtniſſen Bedachten (Legataire) welche in Gefolge des 378 Artikels des Sitets von den Erbſchaften die Trennung des väterlichen Vermoͤ⸗ gens des Verſtorbenen verlangen, erhalten in Hinſicht der Glaͤubiger der Erben oder der Stellvertreter des Verſtorbenen ihr Privilegium auf die unbeweglichen Guͤter der Verlaſſen⸗ ſchaft durch die Einſchreibungen auf jedes dieſer Guͤter, welche in ſechs Monathen, von der Eroffnung der Erbſchaft zu zählen, geſchieht. Vor dem Verlauf dieſer Zeitfriſt kann keine Wirkung ha⸗ bende Hypotheke auf dieſe Guͤter durch die Erben oder Stell⸗ vertreter zum Nachtheil dieſer Glaͤubiger oder mit Vermaͤcht⸗ niß Bedachten errichtet werden. 2r1z. Diejenigen, welchen dieſe verſchiedenen privilegirten Schuldforderungen abgetreten worden, uben alle und die näm⸗ lichen Rechte wie die Abtretenden an ihrer Stelle und nach ibrer Rangordnung aus. ertz. Alle der Formalität der Einſchreibung unterworſene privilegirte Schuldforderungen, in Hinſicht derer die fuͤr die Erhaltung ihrer Privilegien vorgeſchriebenen Bedingungen nicht erfuͤllt worden ſind, hoͤren deswegen nicht auf, hypothe⸗ kariſche Schuldforderungen zu ſein; allein die Hypotheke hat in Hinſicht auf drittere Perſonen erſt von der Zeit der Ein⸗ ſchreibungen an, welche haͤtten gemacht werden ſollen, ſo wie es nachher wird erklaͤrt werden, gewiſſes Datum. Drittes Kapitel. Von den Hypotheken. 2114. Die Hypotbeke iſt ein wirkliches auf den unbewegli⸗ chen Guͤtern, welche zur Zahlung einer Schuld zur Sicher⸗ beit geſetzt ſind, haftendes Recht. Sie iſt ihrer Natur nach untheilbar und beſteht gänzlich auf allen zur Sicherheit ausgeſtellten beweglichen Gütern, auf iedem insbeſondere und auf jedem Theile dieſer unbeweglichen Guͤter. —— ——— £ 2—— — 362— a115. Die Hypotheke hat nur in den von dem Geſetze er⸗ laubten Fallen und nach den von ihm beſtimmten Formenſtatt. 2116. Sie iſt entweder geſetzlich oder gerichtlich oder durch Uebereinkunft errichtet.. 2117. Die geſetzliche Hypothe iſt jene, welche aus dem Geſetze entſpringt. Die gerichtliche Hypotheke iſt jene, welche aus Urtheilen oder richterlichen Verhandlungen entſpringt. Die durch Uebereinkuͤnſte errichtete Hypotheke iſt jene, wel⸗ che von Uebereinkuͤnften und von der aͤußern Form der Ur⸗ kunden und Vertraͤge abbaͤngt. a11 Sind allein der Hypotheken empfaͤnglich 1tens. Die unbeweglichen Guͤter, welche in dem Handel ſecken, und was ihnen angehoͤrt, wenn es als unbeweglich angeſehen wird⸗ atens. Die Nutznießung der naͤmlichen Guͤter und was ih⸗ nen angehoͤrt, waͤhrend der Zeit ihrer Dauer. 2119. Bewegliche Guͤter koͤnnen wegen Hypotheke wider ei⸗ nen Drittern nicht verfolat werden. zrzo. Gegenwaͤrtiaes Geſetzbuch erneuert nichts an den Ver⸗ fugungen der Seegeſetze welche Schiffe und Fahrzeuge betreffen · Prſter Abſchnitt. Von den geſetzlichen Hypotheken. a1a1. Die Rechte und Schuldforderungen, denen die geſetz⸗ liche Hyvotheke zugetheilt iſt, ſind folgende: Jene der verheuratheten Weiber auf die Guͤter ibret Manner; Jene der Minderiährigen und Unterſagten auf die Guͤter ihrer Vormunde. Jene des Staates, der Gemeinden und öffentlichen Anſtalten auf die Guͤter der Einnehmer und rechnungspflichtigen Ver⸗ walter. arzz. Der Glaͤubiger, welcher eine geſetzliche Hypotheke hat, kann ſein Recht auf alle ſeinem Schuldner angehorige unbe⸗ wegliche Guͤter, und jene, die ihm noch in der Folge moͤgen zugehören können, unter den Beſchräͤnkungen, welche nachber ſollen angegeben werden, ausäben. Zweiter Abſchnitt. Von den gerichtlichen Hypotheken. araz. Die gerichtliche Hyvotheke entſpringt aus Urtheilen⸗ ſie ſeien nun kontradiktoriſch, im Nichterſcheinungsfall erlaſſen endlich entſcheidend oder vorlaͤufig, zu Gunſten desjenigen, der ſie erhalten. Sie entſteht auch aus den in der Aburtheilung gemaͤchten Anerkennungen oder Bewaͤhrungen der Unterſchrif⸗ ten, aus den aus einer verbindenden Urkunde unter Privatun⸗ ſchrift beigefuͤgten Namensunterzeichnungen. Nan kann ſie auf die wirklichen unbeweglichen Guͤter des Glaͤubigers, und jene, die er noch erwerben kann, unter Vorbe⸗ halt der Beſchronkungen, welche nachher ſollen angegeben wer⸗ den, ausuͤben. Die ſchiedsrichterlichen Entſcheidungen haben die Hypotheke nicht zur Folge, als in ſo ferne ſie mit Er gerichtlichen Ver⸗ ordnung zur Vollziehung bekleidet ſind. Die Hypotheke kann gleichfalls nicht aus urtheilen entſprin⸗ gen, welche in dem Auslande gefallt worden, als wenn ein franzoͤſiſcher Gerichtshof erklaͤrt hat, daß man ſie in Voll⸗ ziehung ſetzen koͤnne, ohne Nachtheil jedoch der entgegen geſetzten Verfuͤgungen, welche in politiſchen Geſetzen oder Traktaten koͤnnen enthalten ſein. Dritter Abſchnitt. Von den aus uebereinkunft entſtehenden Hypotheken. zraz. Zu den durch Uebereinkunſt entſtehenden Hypotheken koͤnnen nur jene ihre Einwilligung geben, welche die Fähig⸗ keit baben, die unbeweglichen Guͤter zu veräußern, welche ſie derſelben unterwerfen. z1a5. Diejenigen, welche auf ein unbewegliches Gut nur ein von einer gewiſſen Bedingung abhaͤngendes oder in gewiſ⸗ ſen Fällen aufloßbares oder der Aufhebung unterworfenes Recht haben, koͤnnen zu keiner andern Hypotheke, als zu einer ſolchen, welche der naͤmlichen Bedingung oder der nämlichen Aufhebung unterworfen iſt, ihre Sinwilligung geben. 2126. Die Guͤter der Minderjaͤhrigen, der Unterſagten und jene der Abweſenden koͤnnen, ſo lange derſelben Beſitz nur vor⸗ laufig ubertragen iſt, nur aus den Urſachen und unter den Formen, welche das Geſetz aufgeſtellt hat, oder in Kraft richter⸗ licher Urtheile verpfaͤndet werden. 2127. Die durch Uebereinkunft entſtehende Hyvotheke kann nur durch eine in beglaubter Form vor zwei Notarien oder vor einem Notarins und zweien Zeugen errichtete Urkunde be⸗ williget werden. 2rag. Die in einem fremden Lande abgeſchloſſenen Vertraͤge können auf die in Frankreich liegenden Guͤter keine Hypotheke geben, wenn in den politiſchen Geſetzen oder Traktaten keine dieſem Grundſatze widerſprechende Verfuͤaungen enthalten ſind. a129. Nur jene durch Uebereinkunft errrichtete Hypothke iſt giltis, welche entweder in der beglaubten Errichtungsurkunde der Schuldforderung oder in einer beglaubten ſpaͤtern Urkunde insbeſondere die Beſchaffenheit und die Lage eines jeden dem Schuldner gegenwaͤrtig zugehörigen Gutes, auf welche die Verpfaͤndung mit ſeiner Einwilligung errichtet werden ſoll, angibt. Jedes ſeiner gegenwärtigen Guͤter kann namentlich der Verpfaͤndung unterworfen werden⸗ Die zukuͤnftigen Guͤter können nicht vervfaͤndet werden. 2130. Wenn jedoch die gegenwaͤrtigen und freien Guͤter des Schuldners fuͤr die Sicherheit der Schuldforderung unzurei⸗ chend ſind, ſo kann er mit Anmeldung dieſer Unzulaͤnglichkeit eiinwilligen, daß jedes Gut, welches er in der Folge enwerben wird, ſo wie er es nach und nach erwerben wird, der Ver⸗ pfaͤndung beigefuͤgt werden und bleiben ſoll. zzr. Eben ſo kann der Glaͤubiger in dem Falle, wo das oder die gegenwäͤrtigen unbeweglichen vervfandeten Guͤter zu grunde gegangen oder verſchlimmert worden wären, ſo, daß ſie fur die Sicherheit deſſelben nicht mehr hinreichende Zu⸗ länglichkeit haͤtten, von itzt an entweder ſeine Zuruckzahlung fordern, oder eine Ergaͤnzung der Verpfaͤndung verlangen. z132. Die durch Uebereinkunft errichtete Hypotheke iſt nur in ſo ferne guͤltig, als die Summe, fuͤr welche ſie bewilligt worden, durch die urkunde gewiß und genau beſtimmt iſt. Wenn die aus der Verbindlichkeit entſtebende Schuldforderung entweder in Hinſicht auf ihr Daſein bedingt oder in ihrem Werth unbeſtimmt iſt, ſo kann der Glaͤubiger die Einſchrei⸗ bung, von welcher nachher wird geſprochen werden, nur bis auf den Betrag eines von ihm ausdruͤcklich erklaͤrten Ab⸗ ſchaͤtzungswerthes, zu deſſen Herabſetzung, wenn ſie ſtatt haben kann, der Schuldner das Recht hat, beſprechen. a133. Die erworbene Hypotheke dehnt ſich auf alle Verbeſſe⸗ rungen, welche an dem unbeweglichen Gut angebracht wor⸗ den, aus. vierter Abſchnitt. Von dem Range der Hypotheken unter einander. arzg. Die Hypotheke, ſie mag nun geſetzlich, richterlich oder durch Uebereinkunft entſtanden ſein, hat unter den Gl ubi ern nur von dem Tage der Einſchreibung, welche der Glaͤubiger in der von dem Geſetze vorgeſchriebegen Form und Weiße auf die Regiſter des Hypothekenbewahrers ſich verſchaft hat, ihren Rang, vorbehaltlich den in dem nachfolgenden Artikel aufge⸗ ſtellten Ausnahmen. 2136. Die Hyypotheke beſtebt unabhaͤngig von ieder Ein⸗ ſchreibung. rtens. Zum Vortheil der Minderjaͤhrigen und Unterſaaten auf die unbeweglichen Guͤter ihrer Vormunde in Hinſicht auf deren Geſchaͤftsfuͤhrung von dem Lage der Annahme der Vormundſchaft; atens. Zum Vortheil der Weiber in Hinſicht ihrer Aus⸗ ſtener auf die unbeweglichen Guͤter ihres Gatten von dem Lage der Heurath. Die Frau hat fuͤr die Ausſteurunasſummen, welche aus den ihr waͤhrend der Heurath zugefallenen Summen oder ihr gemachten Schenkungen berkommen, nur von dem Tage, wo die Schenkungen in Wirklichkeit geſetzt worden, Hypotheke. Sie hat in Hinſicht der Entſchaͤdigung fuͤr die Schulden, welche ſie mit ihrem Manne gemacht hat und fuͤr die Wie⸗ deraulegung ihres veraͤuſſerten Eigenthums nur von dem Tage der gemachten Schuld oder des geſchehenen Verkaufes Hypotbeke. In keinem Falle kann die Verfuͤgung des gegenwaͤrtigen Artikels den von Drittern vor der Verkuͤndigung des gegen⸗ waͤrtigen Titels erworbenen Rechten Nachtheil verurſachen⸗ a1z6. Jedoch ſind die Ehegatten und Vormunde jedesmal verbunden, die Hypotheken, womit ihre Guͤter belaſtet ſind, bekannt zu machen, und, um dies zu bewerkſtelligen, ſelbſt ohne irgend einen Zeitverluſt, auf den darzu errichteten Schrei⸗ beſtuben die Einſchreibung auf die ihnen zugehoͤrigen unbeweg⸗ lichen Guͤter, und auf jene, welche ihnen in der Folge noch moͤgen zugehoren koͤnnen, zu betreiben. Die Ebegatten und Vormunde, welche unterlaſſen haben, die durch den gegenwaͤrtigen Artikel verordneten Einſchreibun⸗ gen zu betreiben und machen zu laſſen, und bewilligt oder zu⸗ gelaſſen haben, daß man Privilegien oder Hyvotheken auf ihre unbeweglichen Guͤter nehme, ohne ausdruͤcklich zu erklaͤren, daß gedachte unbewegliche Guͤter geſetzlich fuͤr die Weiber und Minderjaͤhrigen verpfaͤndet ſind, ſollen fuͤr Stelliongtaͤre gehalten und als ſolche körperlich verhaftet werden. arz7. Die beigeordneten Vormunde ſollen die Pflicht auf ſich haben, unter ihrer perſonlichen Verantwortlichkeit und unter der Strafe der Schadloshaltung zu wachen, daß die Ein⸗ ſchreibungen auf die Guter des Vormundes in Hinſicht ſeiner Amtsfuͤhrung unverzuglich bewerkſtelligt werden; ja er ſoll gedachte Einſchreibungen ſelbſt machen laſſen. 2138. Wenn die Ehegatten, Vormunde und Beivormunde unterlaſſen, die durch die vorhergehenden Artikel verordneten Einſchreibungen machen zu laſſen, ſo ſoll der kaiſerliche Pro⸗ kurator bei dem Civil⸗Tribunal des Domiziliums der Ehe⸗ gatten und Vormunde, oder des Ortes, wo die Guͤter liegen, dieſelbe betreiben. 2139. Auch die Anverwanden entweder des Ehemannes oder der Ehefrau und die Verwanden des Minderjaͤhrigen, oder in Ermanglung der Verwanden ſeine Freunde koͤnnen gedachte Einſchreibungen betreiben; ſie können auch durch die Frau und die Minderjaͤhrigen betrieben werden. 2140. Wenn in dem Heurathsvertrage die großjaͤhrigen Partheien uͤbereingekommen ſind„daß die Einſchreibung nur auf ein Gut oder gewiſſe unbewegliche Guͤter des Ehemannes moͤge bewirkt werden, ſo ſollen die unbeweglichen Guͤter, welche nicht zur Einſchreibung beſtimmt ſind, von der Verpfaͤndung fur die Ausſteuer der Frau, fur das was ſie wieder zuruck⸗ nehmen · kann und fuͤr die ehelichen Uebereinkuͤnſte, frei und ledig ſein. Man kann nicht uͤbereinkommen, gar keine Ein⸗ ſchreibungen zu machen. 2141. Eben ſo ſoll es mit den unbeweglichen Guͤtern des Vormundes gehalten werden, wenn die in einem Familien⸗ rathe verſammelten Verwanden der Meinung geweſen ſind„ daß die Einſchreibung nur auf gewiſſe unbewegliche Guͤter ſoll genommen werden. 2142. In dem Falle der beiden vorhergehenden Artikel ſol⸗ len der Ehemann, der Vormund und Beivormund nur zur Bewirkung der Einſchreibung auf die angezeigten unbewegli⸗ chen Guter vervflichtet ſein⸗ 2143. Wenn die Hypotbeke durch die Ernennungsurkunde des Vormundes nicht beſchraͤnkt worden, ſo kann dieſer in dem Falle, wo die allgemeine Hyvotheke auf ſeine unbewegliche Guͤter die hinreichende Sicherheitsleiſtung fur ſeine Amtsfuh⸗ rung bekannter Weiße uberſteigt, begehren, daß dieſe Hypo⸗ theke auf unbewegliche Guͤter, welche hinreichend ſind, eine vollſtaͤndige Sicherheitsleiſtung zu Gunſten des Minderjähri⸗ gen zu begruͤnden, beſchraͤnkt werde. Das Begehren muß wider den Beivormund gemacht wer⸗ den und es muß demſelben ein Gutachten der Familie vor⸗ angehn. 2144. Auch kann der Ehegatte mit Bewilligung ſeiner Frau und nach eingeholtem Gutachten der vier naͤchſten in einem Familienrathe verſammelten Anverwanden derſelben begehren, daß die allgemeine Hypotheke auf alle ſeine unbewegliche Guͤter in Hinſicht auf die Ausſteuer, die Gegenſtaͤnde, welche ſie zu⸗ ruͤck nehmen kann und die Ehebedingungen auf unbewegliche Guͤter, welche fuͤr die gaͤnzliche Erbaltung der Rechte der Frau hinreichend ſind, beſchraͤnkt werde. 2145. Die Urtheile auf das Anſuchen der Ehemaͤnner und der Vormunde ſollen nicht eher, als nach dem der kaiſerliche Prokuraror angehoͤrt worden, und kontradiktoriſch zwiſchen ihm und den Anſuchenden gefaͤllt werden. In dem Falle, wo das Tribunal uͤber die Beſchraͤnkung der Hypotheke auf gewiſſe unbewegliche Guͤter zuſprechen wird, ſo ſollen die auf die andern Guͤter bewerkſtelligten Ein⸗ ſchreibungen ausgeſtrichen werden. Viertes Kapitel. Von der Art und Weiße der Einſchreibung der Privilegien und Hypotheken. 2146. Die Einſchreibungen geſcheben auf der Schreibſtube der Hypothekenbewahrung, in deren Bezirk die dem Privile⸗ gium oder der Hypotheke zugewieſenen Guͤter gelegen ſind. Sie haben gar keine Wirkung, wenn ſie vor dem Ausbruche eines Bankerotts waͤhrend der Zeitfriſt genommen worden, wo die Handlungen des Gemeinſchuldners als nichtig erklaͤrt worden ſind. Eben ſo verhaͤlt es ſich zwiſchen den Glaͤubigern einer Erb⸗ ſchaft, wenn die Einſchreibung nur von einem aus ihnen erft während der Eroͤffnung derſelben und in dem Falle, wo die Erbſchaft nur unter der Rechtswohlthat des Inventariums angenommen worden iſt, betrieben wurde. 2174. Alle an dem naͤmlichen Tage eingeſchriebenen Glaͤu⸗ biger haben zuſammen eine Hyvotheke von dem naͤmlichen Datum, ohne unter den des Morgens oder des Abends ge⸗ — 368— der Hypothekenbewahrung liegt. terſcheiden koͤnne. fallen ſind; 30 machten Einſchreibungen einen Unterſchied zu machen, wenn . Hypothekenbewahrer dieſen Unterſchied allenfalls bemerkt haͤtte. 2149. Um die Einſchreibung zu bewerkſtelligen, legt der 4 Glaͤubiger entweder ſelbſt oder durch einen Drittern dem Hy⸗ 1 pothekenbewahrer die Urſchrift, welche noch nicht hinterlegt iſt, 1 oder eine beglaubte Ausfertigung des Urtheils oder der Ur⸗ 13 funde vor, welche das Privilegium oder die Hyvotheke entüe⸗ ſ hen machte. Er legt zwei auf geſtempelt Payvier geſchriebene Auszuͤge bei, wovon einer auf die Ausfertigung der Urkunden ſelbſt geſetzt werden kann. Dieſelben enthalten tens Die Namen, Vornamen, das Domitilium des Glaͤubi⸗ gers; ſein Gewerb, wenn er eines hat, die Wahl eines Domi⸗ ziliums fuͤr ihn an irgend einem Hrte, der in dem Bezirke atens. Die Namen, Vornamen, das Domizilium des Schuld⸗ ners, ſein Gewerb, wenn er ein bekanntes hat, oder eine ſolche nur auf eine einzelne Perſon paſſende und ganz beſon⸗ dere Bezeichnung, daß der Hypothekenbewahrer in allen Faͤllen die mit einer Hypotheke belaſtete Perſon erkennen und un⸗ ztens. Das Datum und die Beſchaffenheit des Titers ztens. Den Betrag des Kapitals der Schuldforderungen, welche in dem Hitre ausgedruͤckt oder durch den Einſchreiben⸗ den, wenn von Reuten oder Lieferungen, oder von zufaͤlligen, bedingungsweißen oder unbeſtimnkten Rechten die Rede iſt, abgeſchaͤtzt worden; in den Faͤllen naͤmlich, wo dieſe Ab⸗ ſchaͤtzung verordnet worden; ſo auch den Betrag der Ne⸗ bengelder dieſer Kapitalien und den Zeitpunkt, wo ſie ver⸗ Stens. Die Anzeige der Beſchaffenbeit und Lage der Guͤter, auf die er ſein Privilegium oder ſeine Hypotheke erhalten will. Dieſe letztere Verfuͤgung iſt in dem Falle geſetzlicher oder 6 gerichtlicher Hyvotheken nicht nothwendig. In Ermanglung einer Uebereinkunft trift eine einzige Einſchreibung dieſer Hy⸗ potheken ulle in dem Bezirke der Schreibſtube der Hyvothe⸗ „ Fenbewahrung liegende unbewegliche Guter. 2149. Die Einſchreibungen, welche auf die Guͤter eines Ver⸗ ſtorbenen genommen werden ſollen, können auf die alleinige Bezeichnung des Verſtorbenen, wie unter No. ⁊. des vorberge⸗ benden Artikels geſagt worden, geſchehen. z16o. Der Hypothenbewahrer thut auf ſeinem Regiſter von dem, was in den Verzeichnißen enthalten iſt, Meldung er gibt dem, der die Einſchreibung verlangt, ſowohl die ur⸗ kunde oder derſelben Ausfertigung, als auch eines der Ver⸗ zeichniſſe, an deſſen Ende er die Einſchreibung bezeuget, zuruͤck. a151. Der fur ein Kapital, das Zinſe oder Ruͤckſtände trägt, eingeſchriebene Glaͤubiger hat das Recht, nur fuͤr zwei Jahre nebſt dem laufenden Jahre in den naͤmlichen Rang der Hypotheke, wie ſein Kapital geſetzt zu werden; ohne Nachtheil der beſon⸗ dern Einſchreibungen, welche er fuͤr diejenigen Ruͤckſtaͤnde, welche kein Vorrecht mehr kraft der erſten Einſchreibung haben, noch nebenher bewerkſtelligen koͤnnen, und welche von ihrem Datum an eine Hypotheke bewirken. ars2. Es ſteht jenem, der eine Einſchreibung begehrt hat, ſo wie ſeinen durch eine beglaubte Urkunde aufgeſtellten Stell⸗ vertretern, und auch denen, welchen er ſein Gut abgetreten hat, frei, auf dem Hypothekenregiſter das von ihm erwaͤhlte Do⸗ mizilium zu veraͤndern mit der Verbindlichkeit jedoch, ein an⸗ ders in dem naͤmlichen Bezirke zu waͤblen und anzugeben. 2153. Die blos geſetzlichen Hypotbekarrechte des Staates, der Gemeinden und oͤffentlichen Anſtalten auf die Guͤter der Rechnungsvflichtigen, jene der Minderjaͤhrigen oder Unterſagten auf die Vormunde, der verheuratheten Weiber auf ihre Ehe⸗ gatten ſollen auf die Vorzeigung zweier Verzeichniße einge⸗ ſchrieben werden. Dieſe Verzeichniße follen nur enthalten rtens. Den Namen, die Vornamen, das Gewerb und das⸗ wirkliche Domizilium des Gläͤubigers und das Domizilium, welches von ihm oder fuͤr ihn in dem Bezirke gewaͤhlt worden; atens. Den Namen, die Vornamen, das Gewerb, das Do⸗ mizilium oder die genaue Bezeichnung des Schuldners. ztens. Die Beſchaffenheit der Rechte, welche man erhalten will und den Betrag des Werths fuͤr die beſtimmten Gegen⸗ ſtaͤnde, ohne verbunden zu ſein, denſelben in Hinſicht auf jene, welche zufällig, von Bedingungen abhaͤngend oder unbeſtimmt ſind, feſtzuſetzen. 214. Die Einſchreibungen erhalten die Hypotheke oder das Privilegium wuͤhrend zehn Jahren, von dem Tage ihres Da⸗ tums an zu zählen. Ihre Wirkung hoͤrt auf, wenn dieſe Ein⸗ ſchreibungen nicht vor dem Verlaufe dieſer Zeitfriſt erneuert worden. Aa — 370— a1s8. Die Einſchreibungsgebuͤhren fallen dem Schuldner zu Laſt, wenn das Gegentheil nicht ausbedungen worden. Der Einſchreibende muß den Vorſchuß machen, wenn nicht von geſetzlichen Hypotheken die Rede iſt, fur deren Einſchreibung der Hyvotbekenbewahrer ſeinen Regreß an den Schuldner bat⸗ Die Gebuͤhren fuͤr die Einſchreibung, welche der Verkaͤufer begehren kann, liegen dem Kaͤufer zu Laſt. 2156. Die Rechtsklagen, zu welchen die Einſchreibungen gegen die Glaͤubiger Anlaß geben koͤnnen, muͤßen vor dem be⸗ hoͤrenden Gerichtshofe angeſtellt, und durch Vorladungen, die ihnen entweder in Perſon oder in dem letzten von ihnen auf dem Regiſter gewählten Domizilium eingelegt werden mußen, ange⸗ fangen werden; und dies auch in dem Falle, wenn der Glaͤu⸗ biger, oder jene, bei denen er ſein Domizilium erwaͤht hat, verſtorben waͤren. Fünftes Kapitel- Von der Ausſtreichung und Verminderung(Re⸗ dukzion) der Einſchreibungen. 2157. Die Einſchreibungen werden mit Einwilligung der betheiliaten und Faͤbigkeit darzu beſitzenden Partbeien, oder in Kraft eines in letzter Inſtanz geſprochenen oder in Rechtskraft ubergegangenen Urtbeils ausgeſtrichen. 2153. In beiden Fällen legen dieienigen, welche die Aus⸗ ſtreichung betreiben, eine Ausfertigung der beglaubten Urkunde, welche die Einwilligung oder das Urtheil entbaͤlt, auf der Schreibſtube des Hypothekenbewahrers nieder. 2189. Die nicht bewilligte Ausſtreichung wird von dem Sri⸗ bunal, in deſſen Bezirk die Einſchreibung gemacht worden⸗ begehrt; es ſei denn, dieſe Einſchreibung habe zur Sicherheit einer in die Zukunft gerichteten oder unbeſtimmten Verur⸗ theilung, uͤber deren Vollziehung oder Berichtigung der Schuld⸗ ner und vorgebliche Gläubiger vor demſelben in Rechtsſtreit befangen ſind, oder von einem andern Tribunal abgeurtheilt werden muß, ſtatt gebabt. In dieſem Falle muß das Aus⸗ ſtreichungsbegehren daſelbſt eingereicht oder dabin verwieſen werden. Indeſſen ſoll die zwiſchen dem Glaͤubiger und dem Schuld⸗ ene Uebereinkunft, in dem Falle eines Rechts⸗ ner abgeſchloſſ ink ſtreites ihre Klage pei einem andern von ihnen bezeichne⸗ ten Gerichtshoſe einzugeben, vollzogen werden. — 371— a160. Die Ausſtreichung muß durchaus von den Gerichts⸗ höfen verordnet werden, wenn die Einſchreibung gemacht wor⸗ den, ohne auf das Geſetz noch auf eine Urkunde gegruͤndet zu ſein, oder wenn'ſie in Kraft eines entweder unregelmaͤßigen, oder erloſchenen, oder bezablten Schuldtiters gemacht worden, oder wenn die Privilegien und Hypothekenrechte auf geſetz⸗ lichen Wegen getilgt ſind. 2161. So oft die Einſchreibungen, welche durch einen Glau⸗ biger genommen worden, der nach dem Geſetze das Recht häͤtte, dergleichen auf die gegenwaͤrtigen oder kuͤnftigen Guͤter des Schuldners zu nehmen, ohne daß eine Beſchraͤnkung ausbedun⸗ gen worden, auf mehrere der verſchiedenen Guͤter, als zur Sicherheit der Schuldforderung noͤthig ſind, genommen wor⸗ den ſind, ſtebt dem Schuldner die Rechtsklage auf Vermin⸗ derung der Einſchreibungen oder auf Ausſtreichung eines Tbeiles derſelben, in ſo weit ſie nämlich das billige Verhalt⸗ niß uͤberſchreiten, offen. Man befolgt bier die in dem 2159 Ar⸗ tikel aufgeſtellten Regeln von der gerichtlichen Behoͤrde. Die Verfuͤgung des gegenwaͤrtigen Artikels iſt auf die durch Uebereinkunft entſtandenen Hypotheken nicht anwendhar. 216a. Jene Einſchreibungen werden als ubertrieben angeſe⸗ ben, welche auf mehreren Guͤtern liegen, wenn der Werth von einem einzigen oder von einigen derſelben den Betrag der Schuldforderungen in Hauptſumme und geſetzlichen Nebengel⸗ dern mebr als um ein Drittel in frei⸗und ledigen Gruͤndſtuͤ⸗ ken uͤberſteigt. 2163. Auch jene Einſchreibungen, welche nach der von dem Glaͤubiger gemachten Abſchaͤtzung der Schuldforderungen, die in Betreff der zu ihrer Sicherbeit zu errichtenden Hypotheke, nicht durch Uebereinkunfte feſtseſetzt worden, und welche ihrer Natur nach bedingr, zufaͤllig oder unbeſtimmt ſind, genom⸗ men worden, können als uͤbertrieben heruntergeſetzt werden. 2164. In dieſem Falle wird das Ueberſetzte durch die Rich⸗ ter nach den Umſtaͤnden, nach den Wahrſcheinlichkeiten, die fuͤr eine oder die andere Parthei ſtreiten, nach den Vermu⸗ thungen, welche man aus Thatſachen herleiten kann, und ſo, daß die wahrſcheinlichen Rechte des Gläubigers mit dem Intereſſe, das der Schuldner hat, ſeinen Kredit ſo viel moͤg⸗ lich, vernuͤnftiger Weiſe erhalten zu ſehen, ermeſſen, ohnbe⸗ ſchadet des Rechtes ſich neuere e⸗ mit Hypotbek⸗ a 2 — 27— „ von dem Lage ibres Datums, wenn der Zufall die unbeſtimm⸗ ten Forderungen zu einer viel ſtaͤrkern Summe erhoben hat, zu verſchaffen⸗ 2166. Der Wertb der unbeweglichen Guͤter, welche man mit jenem der Schuldforderungen und dem Drittel daruber zu vergleichen hat, wird bei Guͤtern, welche keinem nach und nach erfolgenden Verfalle preiß gegeben ſind, nach dem fuͤnfzehn⸗ fachen Betrage ihres Einkommens beſtimmt, ſo wie daſſelbe auf der Mutterrolle der Grundſteuer angegeben iſt, oder wie es ſich nach dem Verhältniße, welches in der Gemeinde, in deren Banne die Guͤter liegen, zwiſchen dieſer Mutterrolle oder dem juͤhrlichen Steueranſchlag und dem Einkommen der liegenden Guͤter beſteht, aus dem Sreueranſchlage ergibt, und fuͤr die dieſem nach und nach erfolgenden Verfalle ausgeſetzten Guͤter nach dem zehnfachen Betrage dieſes Einkommens. Die Richter koͤnnen ſich jedoch noch äber dies durch die Aufklä⸗ rungen, welche aus unverdaͤchtigen Pachtbriefen, aus Abſchaͤ⸗ tzungsverbalprozeſſen, welche vorher und zwar zu den Zeitvunk⸗ ten, welche denienigen nahe kommen, wo die Sache abgetban werden ſoll, vielleicht errichtet worden ſind, und andern derglei⸗ chen urkunden ſich ergeben, helfen, und das Einkommen auf die Mittelſumme zwiſchen jenen⸗ die ſich aus den verſchiede⸗ nen Aufklaͤrungen ergeben/ feſtſetzen. Sechstes Kapitel. Von der Wirkung der Privilegien und Hypo⸗ theken gegen drittere dermalige Beſitzer 2166. Die Glaͤubiger, welche ein auf ein unbewegliches Gut eingeſchriebenes Privilegium oder eingeſchriebene Hypotheke baben, halten ſich an dieſes Gut, es falle in welche Haͤnde es wolle, um nach der Reihe ihrer Schuldforderungen oder Ein⸗ ſchreibungen geſetzt und bezahlt zu werden⸗ 2r67. Wenn der drittere wirkliche Beſitzer nicht die Forma⸗ litäten erfuͤllt, welche nachber werden angeordnet werden, um ſein Eigenthum frei zu machen, ſo baftet er durch die allei⸗ nige Wirkung der Einſchreibungen fur alle Hypothekarſchul⸗ den, und genießt die dem urſpruͤnglichen Schuldner zugeſtan⸗ denen Sermine und Zahlungsfriſten. 2168. Der drittere Beſitzer iſt in dem naͤmlichen Falle ge⸗ halten, alle verfallene Zinſe und Hauptſummen⸗ ſo hoch ſie ſich auch belaufen mögen, zu bezahlen, oder das verpfaͤndete unbewegliche Gut ohne irgend einen Vorbehalt abzutreten⸗ — 373— 2169. Wenn der drittere Beſitzer unterlaͤßt, einer dieſer Ob⸗ liegenheiten vollkommen Genuͤge zu leiſten, ſo hat jeder Hy⸗ vothekargläͤubiger das Recht, das ihm verpfaͤnde unbeweg⸗ liche Gut dreiſig Tage nach einem dem urſpruͤnglichen Schuld⸗ ner eingehaͤndigten Zahlungsbefehl(commandement) und einer an den dritteren Beſitzer geſchehenen Aufforderung, die ver⸗ fallene Schuld zu bezahlen oder das Grundſtuͤck abzugeben, verkaufen zu laſſen. 2170. Doch kann der drittere wirkliche Beſitzer/ der nicht fuͤr ſeine Perſon fuͤr die Schuld verpflichtet iſt, ſich dem Ver⸗ kaufe des verpfaͤndeten und an ihn uͤbergegangenen Grund⸗ ſtuͤckes oproniren, wenn noch andere fuͤr die nämliche Schuld verpfaͤndete unbewegliche Guͤter in dem Beſitze des oder der Hauptſchuldner geblieben ſind. Er kann alſo die vorlaͤufige Guͤterverſteigerung nach der in dem Litel von der Gewaͤhr⸗ leiſtung angeordneten Form betreiben. Waͤhrend dieſes ge⸗ richtlichen Verfahrens bleibt der Verkauf des verpfaͤndeten Grundſtuckes verſchoben. 2171. Die Einwendung der Vorausklage kann dem privi⸗ legirten Gläubiger, oder dem, der eine beſondere Hypotheke auf das unbewegliche Gut hat, nicht opponirt werden. 2172. Die Abtretung der Hypotheke wegen Verpfaͤndung kann von allen drittern Beſitzern, welche nicht verſoͤnlich fuͤr die Schuld verbunden ſind, und welche die Faͤhigkeit zu ver⸗ aͤuſſern haben, geſchehen. 2173. Sie kann ſogar noch geſchehen, wenn der drittere Be⸗ ſitzer die Wirklichkeit der Schuld erkannt bat oder in dieſer Ei⸗ genſchaft allein darzu verurtheilt worden iſt. Die Abtretung hindert nicht, daß bis zu dem Verkaufe der drittere Beſitzer das unbewegliche Gut an ſich zuruͤck nehmen koͤnne, wenn er die ganze Schuld und die Koſten bezahlt. 2174. Die Abtretung wegen Hypotheke geſchieht in der Gerichtſchreiberei des Tribunals, wo die Guͤter liegen, und das Tribunal gibt Urkunde daruͤber. Auf das Anſuchen der fleißigſten Parthei wird fur das un⸗ bewegliche abgetretene Gut ein Kurator ernennt, wider wel⸗ chen der Verkauf deſſelben in den fuͤr die Ausweiſung aus dem Eigenthume vorgeſchriebenen Formen betrieben wird⸗ 2175. Die Verſchlimmerungen, welche durch die Thathand⸗ lungen oder die Nachlaͤhigkeit des Drittern Beſitzers zum Nach⸗ theil der privilegirten oder Hypothekarglaͤubiger entſtehen, ge⸗ ben zu einer Rechtsklage auf Entſchaͤdigung gegen ihn An⸗ — 374— laß; allein er kann ſeine Verwendungen und Verbeſſerungen nur bis zu dem Betrage deſſen, was das Gut durch die Ver⸗ beſſerung an Werth zugenommen, beſprechen. 2176. Der drittere Beſitzer iſt verbunden, die Fruͤchte des verpfaͤndeten Guts nur von dem Lage an zu erſetzen, wo er zur Bezahlung oder Zuruͤckgabe deſſelben aufgefordert worden, und wenn die angefangenen gerichtlichen Verfolgungen waͤh⸗ rend dreien Jahren unterlaſſen worden, von dem Tage der neuerdings an ihn gemachten Aufforderung. 2177. Die Dienſtbarkeiten und wirklichen Rechte, welche der drittere Beſitzer vor ſeinem Beſitze auf das unbewegliche Gut hatte, leben nach der Abtretung oder nach der wider ihn ge⸗ machten Verſteigerung deſſelben wieder auf. Seine perſönliche Gläubiger uben nach allen jenen, welche auf das vorhergehende Eigenthum eingeſchrieben ſind, ihre Hopotheke nach ihrem Range auf das abgegebene oder verſtei⸗ gerte Gut aus. 2173. Der drittere Beſitzer, welcher die Hypothekſchuld be⸗ zahlt oder das veypfuͤndete unbewegliche Gut abgegeben oder die Ausweiſung aus demſelben uͤberſtanden hat, hat gegen den Hauptſchuldner den Regreß auf Gewaͤhrleiſtung, welche ihm von rechtswegen zukömmt. 2179. Der drittere Beſitzer, welcher ſein Eigenthum durch Entrichtung des Preißes bezahlen will, beobachtet die Forma⸗ litaten, welche in dem achten Kapitel des gegenwaͤrtigen Titels angeordnet ſind. Siebentes Kapitel. Vor der Erloͤſchung der Privilegien und Hypotheken. arso. Die Privileaien und Hypotbeken erloſchen tens Durch das Erloͤſchen der Hauptſchuld; atens. Durch die Verzichtleiſtung des Gläubigers auf die Hypotheke. ztens. Durch die Erfullung der den drittern Beſitzern zum Freimachen der von ihnen erworbenen Guͤter vorgeſchriebenen Formalitaͤten und Bedingungen; atens. Durch die Verjährung. Der Schuldner erwirbt die Verjährung in Hinſicht der Guͤ⸗ ter, welche ſich in ſeinen Haͤnden befinden, durch die fuͤr die Verjäͤhrung der Rechtsklagen, welche Hypotheke oder Privile⸗ gium geben, feſtgeſetzte Zeit. Was die Guͤter, welche ſich in den Haͤnden eines drittern Beſitzers befinden, angeht, ſo erwirbt er ſie durch die Zeit, welche fur die Verjaͤhrung des Eigenthums zu ſeinem Vortheil anberaumt iſt. In dem Falle, wo die Verjährung eine ur⸗ kunde vorausſetzt, ſo fuͤngt ſie nur von dem Tage, an wel⸗ chem die urkunde auf die Regiſter des Hyvothekenbewahrers eingetragen worden, zu laufen an. Die von dem Gläubiger genommenen Einſchreibungen un⸗ terbrechen den Lauf der Verjaͤhrung nicht, welche das Ge⸗ ſetz zu Gunſten des Schuldners oder drittern Beſitzers er⸗ richtet bat. Achtes Kapitel. Von der Art und Weiſe, das Eigenthum von Pri⸗ vilegien und Hypotheken zu befreien. a182. Die Vertraͤge, welche das Eigenthum von unbeweg⸗ lichen Guͤtern oder wirklichen unbeweglichen Rechten, die ein dritterer Beſitzer von Privilegien und Hypotheken frei machen will, ubertragen, ſollen durch den Hypothekenbewahrer, in deſſen Bezirke die Guͤter liegen, ganz in ſein Regiſter einge⸗ tragen werden. Dieſes Eintragen ſoll auf ein darzu beſtimmtes Regiſter ge⸗ ſchehen, und der Hypothekenbewahrer ſoll gebalten ſein, dem anſuchenden Theil Schein daruͤber zu ertheilen. 21s2. Die bloße Einſchreibung der urkunden, welche das Eigenthum uͤbertragen, auf das Regiſter des Hypothekenbe⸗ wahrers, befreit das unbewegliche Gut von den auf ihm ru⸗ henden Privilegien und Hypotheken nicht. Der Verkaͤufer uͤbertraͤgt an den Kaͤufer nur das Eigen⸗ thum und die Rechte, welche er ſelbſt auf die verkaufte Sache hatte; er uͤbertraͤgt ſie mit den nämlichen Privilegien und Hypotheken beſchwert, womit er ſelbſt belaſtet war. a1s3. Wenn der neue Eigenthuͤmer ſich von der Wirkung der in dem ſechsten Kapitel des gegenwoͤrtigen Sitels gut ge⸗ heiſſenen gerichtlichen Verfolgungen befreien will, ſo iſt er ver⸗ bunden, entweder vor dieſen Verfolgungen oder ſpäteſtens in dem Monathe von der erſten an ihn ergangenen Aufforderung den Glaͤubigern in den von ihnen in ihren Einſchreibungen ge⸗ wählten Domizilien ſignifiziren zu laſſen rtens. Auszug ſeiner Urkunde, der allein das Datum und die Beſchaffenbeit derſelben; den Namen und die genaue Bezeichnung des Verkaͤufers oder Geſchenkgebers; die Be⸗ ſchaffenheit und Lage der verkauften oder geſchenkten Sache; und wenn von einer ganzen Beſitzuug mehrerer Grundſtucke die Rede iſt, nur die allgemeine Benennung des Guts und der Bezirke, in welchen es liegt, den Preiß und die Laſten, wel⸗ che einen Theil des Verkaufpreißes ausmachen, oder die Ab⸗ ſchaͤtzung der Sache, wenn ſolche geſchenkt worden. ztens. Auszug aus der gemachten ſchriftlichen Einſchreibung der Verkaufsurkunde; ztens. Ein Verzwichniß zu drei Abtheilungen, von welchen die erſtere das Datum der Hypotheken und ihrer Einſchrei⸗ bungen; die zweitere die Namen der Glaͤubiger und die dritte . der eingeſchriebenen Schuldforderungen enthalten muß. 3 2184. Der Kaͤufer, oder jener, welcher das Geſchenk erhal⸗ ten, ſoll in der naͤmlichen Urkunde erklaͤren, daß er bereit iſt, auf der Stelle die Hypothekarſchulden und Laſten, doch nur bis auf den Betrag des Preiſes und ohne Unterſchied der ver⸗ fallenen oder noch nicht verfallenen Schulden zu bezahlen. a1s5. Wenn der neue Eigenthuͤmer dieſe Anzeige in der angeſetzten Zeitfriſt gemacht hat, ſo kann jeder Glaͤubiger, deſſen Urkunde eingeſchrieben iſt, auf die Verſteigerung des unbeweglichen Gutes an den Meiſtbiethenden antragen; aber unter der Verbindlichkeit rtens. Daß dieſer Antrag ſpaͤteſtens in vierzig Tagen von der gemachten Inſinuazion an zu rechnen, die auf An⸗ ſuchen des neuen Eigenthuͤmers gemacht worden iſt, dieſem Letztern zugeſtellt werde; man ſetzt dieſer Zeitfriſt jedesmal zwei Tage fur fuͤnf Myriameter Entfernung zwiſchen dem er⸗ wählten und dem wirklichen Domizilium eines jeden der an⸗ fordernden Glaͤubiger bei. ztens. Das ſie das Anerbieten des Antragenden enthalte, den Preiß auf ein Zehntel hoher anzuſetzen oder anſetzen zu laſſen als jener iſt, welcher in dem Vertrage ausbedungen pder von dem neuen Eigenthuͤmer angegeben worden war; tens. Daß die naͤmliche Inſinuazion in der nämlichen Zeit⸗ frit dem vorigen Eigenthuͤmer als Hauptſchuldner gemacht werde; atens. Daß Urſchrift und Abſchriften von dieſen Sianiſikazio⸗ nen durch den antragenden Glaͤubiger oder ſeinen ausdrucklich Bevollmäͤchtigten unterzeichnet werden, welcher letztere in dieſem Falle verbunden iſt, von ſeiner Vollmacht Abſchrift zu geben. — 377— stens. Daß er das Anerbieten mache, fuͤr den Betrag des Kaufpreißes und der Laſten Gewaͤhrſchaft leiſten. Alles dieſes unter Strafe der Nullitaͤt. 2186. Wenn die Gläubiger unterlaſſen baben, auf die Ver⸗ ſteigerung in der vorgeſchriebenen Zeitfriſt und Formen anzu⸗ tragen, ſo bleibt der Werth des unbeweglichen Gutes unab⸗ aͤnderlich auf den in dem Vertrage beſtimmten oder von dem neuen Eigentbuͤmer angegebenen Preiße feſtgeſetzt. Letzterer iſt folglich, wenn er den gedachten Preiß den Glaͤubigern, die denſelben nach ihrer Ordnung empfangen, bezahlt, oder wehn er denſelben hinterlegt, von allen Privilegien und Hypotheken befreit. 2187. Im Falle eines zweitern Verkaufs an die Meiſtbie⸗ tbenden muß derſelbe nach den fuͤr die gezwungene Aus⸗ weißung aus den Guͤtern angeordneten Formen auf das Be⸗ treiben entweder des Glaͤubigers, der darauf antrug, oder des neuen Eigenthuͤmers vorgenommen werden. Der gerichtlich Verfolgende ſoll in ſeinen Anſchlagzetteln den in dem Vertrage beſtimmten oder angegebenen Preiß, ſo wie die Summe uͤber dieſen Preiß, auf welche der Glaͤubiger denſelben anzuſetzen oder anſetzen zu laſſen ſich verbunden hat, beſtimmt ausdruͤcken. 21s8. Der Steigerer iſt verpflichtet, dem auſſer Beſitz ge⸗ ſetzten Kaͤufer oder Geſchenknehmer neben dem Steigerungs⸗ preiße die Koſten und redlich gemachten Auslagen ſeines Ver⸗ trags, jene der Einſchreibung auf die Regiſter des Hypotheken⸗ bewahrers, jene der Bekanntmachungen, und jene, welche von ihm gemacht worden, um den neuern Verkauf zu be⸗ wirken, zu erlegen. 2189. Der Kaͤufer oder Geſchenknehmer, welcher das auf Steigerung gebrachte unbewegliche Gut behaͤlt, weil er der Letztbiethende iſt, iſt nicht verbunden, das Steigerungsurtheil einſchreiben zu laſſen. 2190. Die Verzichtleiſtung des Glaͤubigers, welcher auf die Verſteigerung an den Meiſtbiethenden antraͤgt, kann die oͤffent⸗ li e Verſteigerung ſelbſt dann, wenn der Glaͤubiger den Betrag ſeines Anerbiethens erlegen wuͤrde, nicht hindern, wenn es nicht mit ausdruͤcklicher Bewilligung aller anderer hypothe⸗ kariſchen Glaͤubiger geſchieht. 2191. Der Kaͤufer, welcher Steigerer geworden, hat fuͤr die Wiedererſtattung deſſen, was den von ſeiner Urkunde an⸗ —— — — — 57— gegebenen Preiß uͤberſteigt, und fuͤr die Zinſe dieſer uberſtei⸗ genden Summe von dem Dage einer jeden gemachten Bezah⸗ lung ſeinen Regreß nach den Grundſaͤtzen des Rechts. 2192. In dem Falle, als die Urkunde des neuen Eigenthuͤ⸗ mers unbewegliche und bewegliche oder mehrere unbewegliche Guͤter in ſich enthielte, von denen einige verpfaͤndet, andere aber frei waͤren, die in dem naͤmlichen oder in verſchiedenen Bezirken von hypothekariſchen Einſchreibungen liegen, die fuͤr eine und die noͤmliche Symme oder fuͤr unterſchiedene und getrennte Summen veraͤußert worden, die man zuſammen oder jedes insbeſondere anbaut, ſo ſoll der Preiß eines jeden unbe⸗ weglichen Gutes, auf dem beſondere und getrennte Einſchrei⸗ bungen haften, in der Ankuͤndigung des neuen Eigentbuͤmers, und zwar nach gerichtlicher Abſchaͤtzung des ganzen in der uUrkunde ausgedruckten Preißes, wenn ſolche ſtatt haben kann, angegeben werden. Der Glaͤubiger, welcher ein Nachgeboth thut, kann in keinem Falle gezwungen werden, ſein Gebot weder auf be⸗ wegliche Gegenſtände hoch auf andere unbewegliche Guͤter als jene, welche ſeiner Schuldfoderung verpfaͤndet und in dem naͤmlichen Bezirke gelegen ſind, auszudehnen; vorbehaltlich des Regreſſes des neuen Eigentbuͤmers gegen jene, die ſie ver⸗ anſtaltet haben in Betreff der Entſchaͤdigung fuͤr den Scha⸗ den, der ihm entweder aus der Theilung der Gegenſtaͤnde ſei⸗ nes erkauften Gutes oder durch jene des Nutzens, welchen ſie abwerfen, zuwachſen wuͤrde. Neuntes Kapitel. Von der Art und Weiße, die Güter der Männer und Vormunde von der Verpfaͤndung frei zu machen, wenn keine Einſchreibung auf ſie vorhanden iſt. 2193. Die Kaͤufer unbeweglicher, Ehegatten oder Vormuͤn⸗ dern zugehörigen Guͤter können, wenn wegen der Amtsfuͤhrung der Vormundſchaft, oder der des Heuratbsgutes, Verwaltung oder der Gegenſtände, welche von der Frau wieder zuruͤck ge⸗ nommen werden koͤnnen oder den ehelichenUebereinkuͤnften auf ge⸗ dachte unbewegliche Guͤter keine Einſchreibung vorhanden iſt, die von ihnen gekauften Guͤter von den vorhandenen Hypothe⸗ ken frei machen. 2194. Sie ſollen, um dieſen Zwek zu erreichen, in der Schreibſtube des Civil⸗Lribunals des Hrtes, wo —— die Guͤter liegen, eine gehoͤrig beglaubte Abſchrift des Ver⸗ trages, der ihnen das Eigenthum zuweißt, niederlegen, und ſowohl der Frau oder dem beigeordneten Vormunde als auch dem kaiſerlichen Prokurator bei dem Tribunal durch einen inſi⸗ nuirten Akt von der durch ſie gemachten Hinterlegung Ver⸗ ſicherung geben. Ein Auszug aus dieſem Vertrage, der deſſen Datum, den Namen, die Vornamen, das Gewerb und das Domizilium der Vertragſchließenden, die Bezeichnung der Beſchaffenheit und der Lage der Guͤter, den Preiß und andere Koſten des Verkaufes enthaͤlt, ſoll zwei Monathe in dem Au⸗ dienzſaale des Tribunals angeſchlagen bleiben; während die⸗ ſer Zeit ſollen die Weiber, die Ebemaͤnner, die Vormunde, die Beivormunde, die Minderjaͤhrigen, die Unterſagten, die Verwanden oder Freunde und der kaiſevliche Prokurator an⸗ genommen werden, auf der Schreibſtube des Hypothekenbe⸗ wahrers Einſchreibungen auf das unbewegliche veraͤuſerte Gut, wenn ſolche ſtatt haben koͤnnen, zu begehren und machen zu laſſen, welche die naͤmliche Wirkung haben ſollen, als wenn ſie an dem Lage des Heurathsvertrags ſelbſt, oder an dem TDage, wo der Vormund ſeine Amtsfuͤhrung angetreten hat, waͤren genommen worden; ohnbeſchadet der gerichtlichen Ver⸗ folgungen, welche, wie oben geſagt worden, gegen die Ehemaͤn⸗ ner und Vormunde wegen Hypotheken, in die ſie zum Vor⸗ theil dritterer Perſonen einwilligten, ohne ihnen erklaͤrt zu haben, daß ihre unbeweglichen Guͤter ſchon mit Hypotheken wegen ihrer Heurath oder Vormundſchaft belaſtet ſeien, ſtatt baben koͤnnten. 2196. Wenn in dem Laufe der zwei Monathe des ange⸗ hefteten Vertrags in dem eigenen Namen der Frauen, Min⸗ derjaͤhrigen oder Unterſagten auf die unbeweglichen verkauften Guͤter keine Einſchreibungen gemacht worden, ſo gehen ſie, ohne irgend eine Ruͤckſicht auf. Ausſteuer, zuruͤcknehmliche Ge⸗ genſtaͤnde, eheliche Uebereinkuͤnfte der Frau oder die Amts⸗ fuͤhrung des Vormundes zu nehmen, und vorbehaltlich des Regreſſes gegen den Ehemann und den Vormund, an den Kaͤufer uͤber. Wenn auf die Namen dieſer Weiber, Minderjaͤbrigen und Unterſagten Einſchreibungen genommen worden und noch fruͤhere Glaͤubiger vorhanden ſind, welche den Kaufpreis ent⸗ weder gaͤnzlich oder zum Theil an ſich ziehen, ſo iſt der Kaͤu⸗ fer fuͤr den ganzen Preiß oder fuͤr den Sheil des Preißes, welcher an die in gehörige Ordnung geſetzte Glaͤubiger bezahlt worden, ledig und frei, und die Einſchreibungen, welche auf den Namen der Weiber, Minderjaͤhrigen oder Unterſagten ge⸗ nommen worden, ſollen entweder gaͤnzlich oder nach dem ver⸗ haͤltnißmaͤßigen Betrag ausgeſtrichen werden. Wenn die Einſchreibungen auf den Namen der Weiber, Minderjährigen oder Unterſagten die aͤlteſten ſind, ſo kann der Kaͤufer zum Nachtheil gedachter Einſchreibungen, welche, wie oben geſagt worden, das Datum des Heurathsvertrages, oder des Antrits der Amtsfuͤhrung des Vormundes haben, von dem Kaufpreiße keine Zahlungen machen; und in dieſem Falle ſollen die Einſchreibungen der andern Schuldforderun⸗ gen, welche nicht in die Reihe der Glaubiger geſtellt worden, ausgeſtrichen werden⸗ Zehntes Kapitel. Von der Sffenkundigkeit(Publizitaͤt) der Regiſter und der Verantwortlichkeit der Hypotheken⸗ bewahrer. 2196. Die Hypothekenbewahrer ſind verbunden, allen den⸗ jenigen, die ſie darum angehn, Abſchrift der auf ihre Regi⸗ ſter ſchriftlich uͤbertragenen urkunden und der wirklich beſte⸗ henden Einſchreibungen, oder ein Zeugniß, daß keine derglei⸗ chen vorhanden ſind, auszufertigen. 2197. Sie ſind fuͤr den Nachtheil verantwortlich, welcher entſpringt, wenn ſie rtens. unterlaſſen, die Einſchreibungen der Veraͤnderungs⸗ urkunden, und die auf ihren Schreibſtuben verlangten Ein⸗ ſchreibungen in ihre Regiſter einzutragen; atens. Wenn ſie unterlaſſen, in ihren Zeugniſſen von ei⸗ ner oder mehreren vorhandenen Einſchreibungen Meldung zu thun, es ſei denn, daß in letzterem Falle der Febler von Un⸗ zureichenden Bezeichnungen, die ihnen nicht aufgebuͤrdet wer⸗ den können, herkomme. 2198. Das unbewegliche Gut, in Hinſicht deſſen der Hy⸗ pothekenbewahrer in ſeinen Zeugniſſen eine oder mehrere der wirklich eingeſchriebenen Laſten ausgelaſſen hat, bleibt unbe⸗ ſchadet der Verantwortlichkeit des Hyvothekenbewahrers in den Haͤnden des neuen Beſitzers frei und ledig, vorausge⸗ ſetzt, daß dieſer das Zeugniß ſeit der Eintragung ſeiner Ur⸗ kunde verlangt habe, doch ohne Nachtheil des Rechtes der Glaͤubiger, ſich in die ihnen gebuͤhrende Ordnung ſtellen zu laſſen, ſo lange der Kaͤufer den Kaufpreiß nicht bezahlt hat, oder ſo lange die Ordnung, in welche die Glaͤubiger geſtellt worden, nicht beſtättigt(homologirt) iſt. 2199. In keinem Falle koͤnnen die Hypothekenbewahrer die Eintragung der Veraͤnderungsurkunden, die Einſchreibung der Hyvothekarrechte, die Ausfertigung der Zeugniſſe ver⸗ weigern oder aufſchieben; unter Strafe, die Partbeien zu entſchaͤdigen. Dieſem zu Folge ſollen uͤber die Verweigerun⸗ gen oder das Aufſchieben auf Betreiben der Anſuchenden auf der Stelle entweder durch den Friedensrichter, oder von einem in dem Audienzſaale des Dribunals die Partheien aufrufenden Huiſſier oder von einem andern Huiſſier, oder aber von einem mit zwei Zeugen verbeiſtaͤndeten Notarius Verbalpro⸗ zeß errichtet werden. 2200. Die Hypothekenbewahrer ſind gebalten, ein Regiſter zu haben, auf welches ſie Tag vor Tag und nach der Zab⸗ lenordnung die ihnen uͤbertragenen Veräͤnderungsurkunden oder einzuſchreibenden Verzeichniſſe eintragen muͤſſen. Sie ſollen dem Aufſuchenden einen Schein auf geſtempeltem Papier geben, welcher die Nummer des Regiſters, unter welcher die Uebergabe geſchrieben ſein mag, anfuͤhren muß; und ſie koͤnnen die Veraͤnderungsurkunden weder eintragen noch die Verzeichniſſe einſchreiben, es ſei denn nach dem Datum und nach der Ordnung der Vebergaben, die ihnen davon gemacht worden ſind. zao1. Alle Regiſter der Hypotbekenbewahrer werden auf geſtaͤmpeltem Papier gefuͤhrt; ſie werden auf jeder Seite mit der Bezeichnung der erſten und der letzten durch einen der Richter des Tribunals, in deſſen Bezirk die Schreibſtube er⸗ richtet iſt, mit der Seitenzahl und dem Handzug deſſelben verſehen. Dieſe Regiſter werden jeden Dag, wie jene der Ein⸗ regiſtrirung der Urkunden geſchloſſen. 2oz. Die Hypothekenbewahrer ſind gebalten, ſich in der Ausuͤbung ihrer Amtsverrichtungen nach allen Verfuͤgungen des gegenwaͤrtigen Kapitels unter Strafe einer Geldbuße von 20o bis 1000 Franken fuͤr die erſte Vergebung und der Ab⸗ ſetzung fur die zweite zu fuͤgen; unbeſchadet noch der Schadlos⸗ haltungen der Partheſen, welche vor der Geldſtrafe erlegt werden muͤſſen. 1a02. Die Angabe von Hinterlegung, die Einſchreibungen und Uebertragungen werden auf den Regiſtern in einem fort, ohne einen weißen Raum zu laſſen oder Einſchaltung zu machen, eingetragen, unter einer von dem Hypothekenbewahrer zu erlegenden Geldbuße von 1000 bis 2000 Franken und der Schadloshaltung der Partheien, welche ebenfalls vor der Geldſtrafe erlegt werden muß⸗ Neunzehnter Titel. Von der gerichtlichen Ausſtoßung aus dem Eigenthume(expropriation forcec) und von der Rangordnung zwiſchen den Glaͤubigern. (Dekretirt den 19ten Maͤrz 1804, verkundigt den a9ten des naͤmlichen Monaths. Erſtes Kapitel. Von der gerichtlichen Ausſtoßung aus dem Ei⸗ genthume.(expropriation.) azog. Der Gläubiger kann die gerichtliche Ausſtoßung tens. aus den unbeweglichen Guͤtern und was zu denſelben gehoͤrt und ebenfalls als unbeweglich angeſeben wird, die ſei⸗ nem Schuldner eigenthuͤmlich zugehoͤren, 2tens. aus der Nutznießung, die der Schuldner aus Guͤtern von der naͤm⸗ lichen Art beziebt, gerichtlich betreiben. 2205. Doch kann der noch nicht getheilte Antheil eines Miterben an den unbeweglichen Guͤtern einer Verlaſſenſchaft von den perſoͤnlichen Glaͤubigern vor der Theilung oder Stei⸗ gerung, welche die Erben begehren koͤnnen, wenn ſie es raͤth⸗ lich finden, oder bei welcher ſie den ssaten Artikel in dem Litel von den Prbſchaften gemaͤß mit auftreten koͤnnen, nicht zum Verkauf aufgeſtellt werden. ac6. Die unbeweglichen Guͤter eines, ſogar entlaſſenen Minderiährigen oder Unterſagten koͤnnen vor der Verkaufung ſeines beweglichen Vermögens nicht verſteigert werden. 2207. Die Verſteigerung des beweglichen Vermoͤgens iſt vor der gerichtlichen Ausweiſung aus den unbeweglichen Guͤtern, die ein Groß⸗ und Minderiaͤbriger oder Unterſagter mit ein⸗ ander ungetheilt beſaßen, nicht erforderlich, wenn die Schuld ſie gemeinſchaftlich angehtz ſie iſt auch in dem Falle nicht notbig, —— wenn die gerichtlichen Verfolgungen gegen einen Großjahri⸗ gen oder von der Unterſagung angefangen worden. 2205. Die gerichtliche Ausweiſung aus dem Eigenthume von unbeweglichen Guͤtern, welche einen Theil der Guͤter⸗ gemeinſchaft ausmachen, wird allein gegen den Ehemann als Schuldner gerichtlich betrieben, obgleich die Frau ſich auch fuͤr die Schuld verbunden hat. Die Ausweiſung aus den unbeweglichen Guͤtern der Frau, welche nicht zu der Guͤtergemeinſchaft geworfen worden, werden gegen die Frau und den Mann betrieben. Die Frau kann, wenn der Mann ſich weigert, den Prozeß mit ihr zu fuͤhren, oder wenn er minderjäͤhrig iſt, von gerichtswegen darzu ermaͤchtiget werden. Im Falle der Minderiährigkeit des Mannes und der Frau oder der Minderjaͤhrigkeit der Frau allein, wird von dem Sribunal, wenn der großfährige Mann ſich weigert, den Prozeß mit ihr zu fuͤhren, der Frau ein Vormund gegeben, gegen welchen die gerichtlichen Verfolgungen ausgeubt werden. 2209. Der Glaͤubiger kann den Verkauf von unbeweglichen Guͤtern, welche ihm nicht verpfaͤndet ſind, nur in dem Falle der Unzulaͤnglichkeit der ihm verpfaͤndeten Guͤter betreiben. 2210. Der gezwungene Verkauf der in verſchiedenen Bezir⸗ ken liegenden Guͤter kann nur nach und nach betrieben werden, es ſei denn, ſie machen zuſammen nur ein und das naͤmliche Landgut aus. Er wird bei dem Tribunal, in deſſen Bezirk der Haupt⸗ theil des Landgutes liegt, oder, wenn man keinen ſolchen Haupttheil kennt, da, wo nach Ausweiſung der Mutterrolle das groͤſte Einkommen ſich ergibt, betrieben. a211. Wenn die dem Glaͤubiger verpfaͤndeten, und die ihm nicht verpfaͤndeten, und die in verſchiedenen Bezirken liegenden Guͤter nur ein und das naͤmliche Landgut ausmachen, ſo wird der Verkauf aller derſelben Guͤter mit einander betreiben, wenn der Schuldner darum anſteht, und der Steigſchilling wird nach Maaßgabe des Ganzen auf die Theile nach Er⸗ heiſchung der umſtaͤnde bezeichnet. 1z. Wenn der Schuldner durch beglaubte Pachtbriefe darthut, daß der reine und freie Ertrag ſeiner unbeweglichen Guͤter waͤhrend eines Jahres hinreichend iſt, das Kapital, die Zinſe und Köſten ſeiner Schuld abzutragen, und wenn er die Abtretung deſſelhen ſeinem Glaubiger anbiethet, ſo — 384— kann die gerichtliche Verfolgung durch die Richter verſchoben werden, vorbehaltlich, ſie wieder in Thätigkeit zu ſetzen, wenn ſich der Bezahlung einiges Hinderniß oder Wiederſtand entge⸗ gen ſtellt. 2213. Der gezwungene Verkauf unbeweglicher Gäter kann nur kraft einer beglaubten und zur Vollziehung geeigneten, eine gewiſſe und unbezweifelte Schuld betreſſenden Urkunde betrieben werden. Wenn die Schuld noch nicht liquidirte Gegenſtände betrift, ſo iſt die gerichtliche Verfolgung guͤltig aber die Verſteigerung kann erſt nach der Liauidazion geſchehen. 2214. Derienige dem eine zur Vollziehung geeignete Urkunde abgetreten worden, kann die gerichtliche Ausweiſung aus dem Eigentbume nur dann betreiben, wenn er die ihm gemachte Uebertragung dem Schuldner hat behoͤrend ſigniſiziren laſſen. 2215. Die Verfolgung kann in Kraft eines vorlaͤufigen oder Endurtheils, welches einſtweilen zur Vollziehung geeig⸗ net worden, ohnerachtet davon appellirt wird, ſtatt haben, allein die Verſteigerung kann nur nach einem Endurtheile in letzter Inſtanz, oder eines ſolchen⸗ das in Rechtskraft erwach⸗ ſen iſt, vor ſich gebn⸗ Die Verfolgung kann in kraft eines wegen nicht Erſchei⸗ nung gefullten Urtbeils in der Zeitfriſt, in welcher man dage⸗ gen einkommen kann, nicht betrieben werden. 2216. Die Verfolgung kann unter dem Vorwande, daß der Glaͤubiger dieſelbe wegen einer Summe, die viel ſtaͤrker iſi, als die Schuld, angefangen habe, nicht aufgehoben werden⸗ 2217. Jeder Verfolgung auf gezwungene Ausſtoßung aus den eigenthuͤmlichen unbeweglichen Guͤtern muß ein Komman⸗ dement, welches auf Betreiben und Anſuchen des Glaͤubigers der Perſon oder in dem Domizilium des Schuldners durch die Dienſtverrichtung eines Huſſiers ſignifizirt werden muß, vor⸗ hergehen. Die Formen des Kommandements und jene der Verfol⸗ gung auf Ausſtoßung aus dem Eigenthume werden durch die Geſetze uͤber die gerichtliche Prozeßordnung angeordnet. Zweites Kapitel Von der Rangordnung und Vertheilung des Kauf⸗ preiſſes zwiſchen den Glaͤubigern. aa1. Die Rangordnung und Vertheilung des Kaufpreißes von unbeweglichen Guͤtern, und die Art und Weiſe, dabei zu „ — verfahren, ſind durch Geſetze uber die gerichtliche Prozeßord⸗ nung beſtimmt. Zwanzigſter Titel. Von der Verjaͤhrung. (Dekretirt den 15ten Maͤrz 1809, verkuͤndigt den asten des naͤmlichen Monats. Erſtes Kapitel. Allgemeine Verfuͤgungen. aa19. Die Verjaͤhrung iſt ein Mittel, durch den Verlauf einer gewiſſen Zeit und unter denen durch das Geſetz beſtimm⸗ ten Bedingungen entweder zu erwerben oder ſich frei zu machen. anzo. Man kann auf die kuͤnftige Verjahrung nicht zum Vor⸗ aus Verzicht leiſten, man kann nur auf eine ſchon erworbene Verjoͤhrung verzichten. aaar. Die Verzichtleiſtung auf die Verjaͤhrung iſt entweder ausdruͤcklich oder ſtillſchweigend; Letztere entſpringt aus einer Thatſache, welche vermuthen laͤßt, daß man ſein erworbenes Recht fahren laſſe. 222z. Wer nicht veräußern kann, kann guch auf eine er⸗ worbene Verjaͤhrung nicht Verzicht leiſten. 2223. Die Richter duͤrfen die aus der Verjährung entſprin⸗ genden Vertheidigungsmittel nicht von amtswegen ergaͤnzen. a224. Die Verjährung kann, welches auch der Zuſtand des Rechtshandels ſein mag, ſogar vor dem Appellazionsgerichts⸗ hofe eingeworfen werden, es ſei denn, daß die Parthei, wel⸗ che das Rechtsmittel der Verjaͤhrung noch nicht eingeworfen hat, nach den Umſtänden angeſehen werden muͤße, als habe ſie darauf Verzicht geleiſtet. 22a5. Die Glaͤubiger oder jede andere Perſon, die ein In⸗ tereſſe dabei haben, daß die Verzaͤhrung erworben werde, kön⸗ nen, und wenn auch der Schuldner oder der Eigenthuͤmer darauf verzichtet, ſich auf dieſelbe beziehen. 2226. Man kann auf das Eigenthum von Dingen, die ſich nicht in dem Handel befinden, keine Verjaͤhrung errichten. 2227. Der Staat, die oͤffentlichen Anſtalten und die Ge⸗ meinden ſind den nämlichen Verjährungen, wie die Partiku⸗ laren unterworfen und koͤnnen ſich ebenfalls darauf berufen. B b — 386— Zweites Kapitel. Von dem Beſiitze. aag. Der Beſitz iſt die Inbabung oder der Genuß einek Sache, oder eines Rechtes, welches wir entweder durch uns ſelbſt oder durch einen andern, der es in unſerm Namen inne hat oder ausuͤbt, inne haben oder ausuben. 2229. Um verjahren zu koͤnnen, muß man einen immer fort⸗ waͤhrenden ununterbrochenen, ruhigen, oͤffentlichen, nicht zwei⸗ dentigen und auf die Benennnng als Eigenthuͤmer gedruͤnde⸗ ten Beſitz haben. 2230. Es wird immer vermuthet, als beſitze man fur ſich und als Eigenthuͤmer, wenn nicht erwieſen iſt, daß man an⸗ gefangen habe fur einen andern zu beſitzen. 2231. Wenn man angefangen bat fuͤr einen andern zu beſi⸗ tzen, ſo wird immer vermuthet, als beſitze man unter demſel⸗ ben Titel, wenn das Gegentheil nicht erwieſen iſt. 2232. Die Handlungen der bloßen Willkuͤhr und jene einer bloßen Verguͤnſtigung konnen weder Beſitz noch Verjaͤhrung hegruͤnden. 2233. Die Handlungen der Gewaltthaͤtigkeit koͤnnen eben⸗ falls keinen Beſitz begruͤnden, der fahig waͤre, eine Verjaͤh⸗ rung bervorzubringen. Der nuͤtzliche Beſitz faͤngt erſt dann an, wenn die Gewalt⸗ thaͤtigkeit aufgehoͤrt hat. 2234. Der gegenwärtige Beſitzer, welcher beweißt, vormal beſeſſen zu haben, wird angeſehen, als habe er auch in der Zwiſchenzeit beſeſſen, oder das Gegentheil muß erwieſen werden⸗ z236. Um die Verjährung vollſtandig zu machen, kann man zu ſeinem Beſitz jenen ſeines Vorgaͤngers, auf was immer fuͤr eine Art man ihm auch in dem Beſitze nachgefolgt iſt, näm⸗ lich entweder auf Univerſal⸗oder Partikulartitel, entweder auf wohlthätigen oder laͤſtigen Titel, rechnen. Drittes Kapitel. Von den urſachen, welche die Verjaͤhrung verhindern. 2a36. Diejenigen, welche fur einen andern beſitzen, verjaͤh⸗ ren nie, wenn gleich noch ſo lange Zeit verfließt. Alſo können der Pachter, der, bei dem etwas hinterleat iſt der Nutznießer und alle andere, welche bloß aus Verguͤnſtigung die Sache des Eigenthůmers inne baben, dieſelbe nicht verjaͤhren. 2237. Die Erben derienigen, welche die Sache von jeman⸗ 223 den unter einer der im vorhergehenden Artikel bezeichneten Benennungen inne haben, koͤnnen ebenfalls nicht verjaͤhren. a238. Doch konnen die in den Artikeln a236 und 2237 be⸗ nennten Perſonen verjaͤhren, wenn ihre Beſitzungsurkunde ent⸗ weder durch eine von einem Drittern herkommende Urſache, oder durch den Widerſpruch, welchen ſie dem Rechte des Eigen⸗ thuͤmers entgegen geſtellt haben, verändert befunden worden. 2239. Diejenigen, denen die Pächter, die Depoſitaire und andere Inhaber aus Verguͤnſtigung etwas unter der Benen⸗ nung der Uebertragung des Eigentbums uͤbergeben haben, koͤnnen daſfelbe verjähren. 2240. Man kann nichts gegen ſeinen Litre in dem Sinne, daß man die Urſache und den Grund ſeiner Beſitzung ſich nicht ſelbſt veraͤndern koͤnne, verjaͤhren. 2241. Man kann gegen ſeinen Titre in dem Sinne verjaͤhren, daß man die Entledigung von der Verbindlichkeit, welche man uͤber ſich genommen hat, verjaͤhre. Viertes Kapitel. Von den Urſachen, welche den Lauf der Ver⸗ jahrung unterbrechen oder ſtill ſtehen machen. Erſter Abſchnitt. Von den Urſachen, welche die Verjährung unterbrechen. aa4z. Die Verjaͤhrung kann natuͤrlich oder buͤrgerlich un⸗ terbrochen werden. aꝛaz. Sie wird natuͤrlich unterbrochen, wenn der Beſitzer laͤnger als ein Jahr des Genußes der Sache entweder von dem alten Beſitzer oder ſelbſt von einem Drittern beraubt worden. 2244. Eine Vorladung vor Gericht, ein Kommandement„ ein Beſchlag, der jenem gerichtlich angeſagt worden, den man bindern will zu verjähren, machen eine burgerliche Unter⸗ hrechung. a45. Die Vorladung zur Vermittlung vor dem Friedens⸗ gerichte unterbricht die Verzährung von ihrem Datum an, wenn eine in den rechtlichen Zeitfriſten gegebene Vorladung vor Gericht zu erſcheinen, darauf folgt. 2246. Die Vorladung vor Gericht und ſogar vor einem inkompetenten Richter zu erſcheinen unterbricht die Verjaͤhrung. 47. Wenn die Vorladung wegen nicht beobachteten For⸗ men nichtig iſt; Bba — 388— Wenn der Kluͤger von ſeiner Klage abſteht, oder wenn die Klage verworfen wird, ſo wird dieſe unterbrechung als nichr geſchehen angeſehen. a248. Die Verjährung wird dadurch, daß der Schuldner oder Beſitzer das Recht deſſen, gegen den er verjaͤhrte, aner⸗ kennt, unterbrochen⸗ 2249. Die Aufforderung, welche in Gefolge obiger Artikel an einen der ſolidariſch verbuͤrgten Schuldner ergebt oder die von ihm geſchebene Anerkennung unterbricht die Verjaͤh⸗ rung in Hinſicht aller anderer, ſelbſt in Hinſicht ihrer Erben⸗ Die Aufforderung, welche an einen der Erben des einen der ſolidariſch verbuͤrgten Schuldner ergeht; oder die von dieſem Erben geaͤuſſerte Anerkennung unterbricht die Verjährung in Hinſicht der andern Riterben nicht, wenn auch gleich die Forderung hypothekariſch waͤre; wenn anders die Verbindlich⸗ keit nicht untheilbar iſt. Dieſe Aufforderung oder dieſe Anerkennung unterbricht die Verjaͤhrung in Hinſicht der andern Mitſchuldner nur fuͤr je⸗ nen Antheil, fuͤr welchen dieſer Erbe verpflichtet iſt. Wenn man die Veriährung im Ganzen in Hinſicht der an⸗ dern Mitſchuldner unterbrechen will, ſo muß man alle Er⸗ ben des verſtorbenen Schuldners auffordern, oder alle Erben muͤßen die Schuld anerkennen. 2260. Die an den Hauptſchuldner gemachte Aufforderung oder ſeine Anerkennung unterbricht die Verjuaͤhrung in Hin⸗ ſicht auf den Buͤrgen⸗ zweiter Abſchnitt. Von den Urſachen, welche den Lauf der Verjaͤhrung in Stillſtand ſetzen. a251. Die Verjährung läuft gegen alle Perſonen, es ſei denn ſie befinden ſich in irgend einer von der dem Geſetze an⸗ geordneten Ausnahme. 226a. Die Verjaͤhrung lzuft nicht gegen die Minderjaͤhri⸗ en und Unterſagtenz vorbehaltlich deſſen, was in dem 2278 Artikel geſagt iſt, und mit Ausnabme der uͤbrigen durch das Geſetz beſtimmten Faͤllen. a253. Sie läuft nicht unter den Ehegatten. 2264. Die Verjaͤhrung laͤuft gegen die verbeurathete Frau in Hinſicht der Guter, wovon der Gatte die Verwaltung hat, wenn ſie auch weder durch Heurathsvertrag noch von Ge⸗ — richtswegen getrennt iſt, vorbehaltlich ihres Regleſſes gegen ihren Gatten. a265. Sie laͤuft jedoch nicht in Gefolge des 1567 Artikels des Ditels von dem Zeurathsvertrage und den gegenſei⸗ tigen Rechten der Ehegatten waͤhrend der Ehe in Hinſicht der Verauſſerung eines nach Dotalrechten zur Ausſteuer be⸗ ſtimmten Grundſtuckes. 2256. Die Verjaͤhrung iſt ebenfalls waͤhrend der Ebe im Stillſtand. rtens. In dem Falle, wo die Rechtsklage der Frau erſt nach einer Wahl zwiſchen der Annahme der Gutergemeinſchaft und der Verzichtleiſtung auf dieſelbe ausgeuͤbt werden kann; ztens. In dem Falle, wo der Gatte das eigene Gut der Frau ohne ihre Einwilligung verkauft hat und alſo Gewährsmann des Verkaufs iſt, und in allen andern Faͤllen, wo die Rechts⸗ klage der Frau auf den Mann zuruͤckwuͤrken wuͤrde. 2267. Die Verjaͤhrung laͤuft nicht in Hinſicht einer Schuld⸗ forderung, welche von einer Bedingung abhaͤngt, biß dieſe Be⸗ dingung eintrift. In Hinſicht einer Rechtsklage auf Gewaͤhrleiſtung, biß die⸗ ſelbe ſtatt gehabt hat; In Hinſicht einer Schuldforderung auf einen beſtimmten Tag, biß dieſer Tag eingetroffen iſt. 2258. Die Verjaͤhrung laͤuft nicht gegen einen Beneſiziar⸗ erben in Hinſicht der Schuldforderungen, die er gegen die Verlaſſenſchaft hat. Sie laͤuft gegen eine offen ſtehende Verlaſſenſchaft, wenn man auch noch keinen Kurator fur dieſelbe ernennt hat. 2259. Sie laͤuft noch waͤhrend den drei Monathen, welche zur Verfertigung des Inventariums; und den vierzig Sagen, welche zur Beratbſchlagung gegeben werden. Fuͤnftes Kapitel. Von der zur Verjaͤhrung erforderlichen Zeit. Erſter Abſchnitt⸗ Allgemeine Verfuͤgungen. ꝛa60. Die Verjährung wird Tage⸗und nicht Stundenweiß gezͤhlt. — 390— Sie iſt erworben, wenn der letzte Tag der Zeitfriſt, ver⸗ ſrichen iſt. Zweiter Abſchnitt. Von der dreiſigjahrigen Verjaͤhrung. 2262. Alle ſowohl perſonliche als dingliche Rechtsklagen ſind nach dreiſig Jahren verjährt, ohne daß derjenige, welcher dieſe Verjährung anfuͤhrt, verbunden ſei, eine urkunde dar⸗ uͤber beizubringen, oder daß man ihm die Einrede, als habe er unredlich gehandelt, entgegen ſtellen konne. 2263. Nach acht und zwanzig Jahren von dem Datum der letzten urkunde kann der Schuldner einer Rente gerichtlich ge⸗ zwungen werden, ſeinem Gläubiger oder deſſen Mitbetbeilig⸗ ten eine neue urkunde auf ſeine Koſten zu liefern. 2264. Die Regeln der Verjaͤhrung uber andere Gegenſtande, als jene in dem gegenwaͤrtigen Titel angefuͤhrten werden in den ihnen eigenen Titeln erklaͤrt. Dritter Abſchnitt. Von der zehn⸗und zwanzigiährigen Verjaͤhrung. 2269. Derienige, welcher redlicher Weiße und durch einen rechtmaßigen Litre ein unbewegliches Gut erwirbt, verjaͤhrt das Eigenthum davon in zehn Jahren, wenn der wahrhafte Eigenthuͤmer davon in dem Bezirke des Apypellazionsge⸗ richtshofes, in deſſen Umfange das unbewegliche Gut liegt, wohnt, und durch zwanzig Johre, wenn er auſſer dieſem Be⸗ zirte ſein Domizilium hat. 2266. Wenn der wahre Eigenthuͤmer ſein Domizilium zu verſchiedenen Zeiten in und auſſer dieſem Bezirke gehabt hat, ſo muß man, um die Verjaͤhrung zu vollenden, zu derjenigen Zahl von Jahren, während welchen er wirklich in dieſem Be⸗ zirke gewohnt hat, doppelt ſo viele Jahre hinzuſetzen, als daran fehlen, um die Zahl von zehn Jahren wirkliches Do⸗ miziliums daſelbſt vollſtäͤndig zu machen. 2267. Ein Titre, der aus Nangel beobachteter Form nich⸗ tig iſt, kann nicht zur Grundlage einer zehn⸗oder zwanzig⸗ jährigen Verjaͤhrung dienen ⸗ —˖————— 226s. Die Redlichkeit wird immer vermuthet, und wer Unredlichkeit anfuͤhren will, muß dieſelbe beweißen. 2269. Es iſt hinreichend, daß die Redlichkeit im Augenblike der Erwerbung vorhanden war. 2270. Der Baumeiſter und die Bauunternehmer ſind nach zehn Jahren von der Gewaͤhrleiſtung fuͤr wichtige große Werke, welche ſie gemacht oder geleitet haben, ihrer Ver⸗ bindlichkeit entledigt. Vierter Abſchnitt. Von einigen beſondern Verjaͤhrungen. 2271. Die Rechtsklagen der Meiſter und Lehrer in Kuͤnſten und Wiſſenſchaften fuͤr den Unterricht, den ſie monatbs⸗ weiſe geben; Jene der Gaſt⸗und Speiſewirthe fuͤr Wohnung und Koſt, welche ſie geben; Jene der Arbeitsleute und Sagloͤhner fuͤr die Zahlung ih⸗ res Taglohns, gemachter Lieferungen und ibres Lohns; verjaͤhren in ſechs Monathen. 2272. Die Rechtsklage der Aerzte, Wundaͤrzte und Apothe⸗ ker fuͤr ihre Beſuche, Operazionen und gelieferte Arzneimittel; Jene der Huiſſier fuͤr die Gebuͤhren der Akten, welche ſie ſignifiziren und der Auftraͤge, welche ſie vollfuͤhren; Jene der Kaufleute fuͤr die Waaren, welche ſie an Einzelne verkaufen, die nicht Kaufleute ſind; Jene der Vorſteher der Erziehungsanſtalten fuͤr Koſtgeld ihrer Soͤglinge, und andere Meiſter wegen des Lehrgelds; Jene der Dienſtbothen, welche ſich jahrweiſe verdingen wegen Beziehung ihres Lohns verfübren ſich in einem Jahre. 2273. Die Rechtsklage der Sachwalter für die Bezahlung ihrer Koſten und Gebuͤhren verſhrt ſich in zweten Jahren von dem in der Rechtsſache gefaͤllten Urtheile, vhe von der Vereinigung der Partheien oder von dem Wibeluf der ge⸗ dachtem Sachwalter gegebenen Vollmacht. In Hinſicht der noch nicht beendigten Rechtshaͤndel koͤnnen ſie keine Klage fuͤr Koſten und Gebuͤhren, die uͤber fuͤnf Jahre hinauf ſtei⸗ gen wuͤrden, anſtellen. 2274. Die Verjaͤhrung hat in den oben angefuͤhrten Faͤllen ſtatt, wenn man auch gleich fortgefahren, Lieferungen zu ma⸗ chen, Dienſte und Arbeiten zu verwenden. — 392— Sie hort nicht auf zu laufen, als bis eine abgeſchloſſene Rechnung, Schuldverſchreibung oder Anerkennung oder eine nicht erloſchene Vorladung, vor Gericht zu erſcheinen, vor⸗ handen iſt. 2275. Nichtsdeſtoweniger koͤnnen diejenigen, denen dieſe Ver⸗ 36 jährungen opponirt werden, denen, die ſolche ovponiren, j uber die Frage: Ob die Sache wirklich bezablt worden ſei? den Eid auftragen. Der Eid kann den Wittwen und Erben oder den Vormun⸗ 3 den dieſer letztern, wenn ſie minderjaͤhrig ſind, aufgetragen werden, daß ſie erkläͤren ſollen, ob ſie nicht wiſſen, daß die Sache noch nicht bezahlt worden ſei. ———— 2276. Die Richter und Sachwalter ſind fuͤnf Jahre nach der Aburtheilung der Rechtsſtreite von der Verbindlichkeit, die ibnen anvertrauten Schriften zuruck zu geben, entledigt. Die Huiſſier ſind nach zweien Jahren von der Vollziehung des Auftrags oder gerichtlichen Einhaͤndigungen der Akten⸗ womit ſie beauftragt waren, ebenfalls entledigt⸗ 2277. Die Ruͤckſtande von fallig gewordenen ewigen Leib⸗ i renten; Jene der Nahrungsgehalte;(Koſtgelder) Die Hausmiethen und Pachtgelder von Feldguͤtern; 5 Die Zinſe geliehener Summen und uͤberhaupt alles, was jahrweiße oder zu feſtgeſetzten noch kurzern Zeiten bezahlt wird, veriaͤhren ſich in fuͤnf Jahren. 2278. Die Verjaͤhrungen, von denen gegenwaͤrtiger Arti⸗ kel handelt, laufen gegen Minderjaͤhrige und Unterſagte vor⸗ vebaltlich ihres Regreſſes gegen ihre Vormunde. 4279. In Hinſicht beweglicher Gegenſtande gilt der Beſitz an Litelsſtatt. Doch kann jener, der eine Sache verlohren hat oder dem ſie geſtohlen worden, dieſelbe innerbalb dreier Jahre von dem Tage des Verluſtes oder Diebſtahls gegen jenen, in deſſen 16 Händen er ſie findet, zuruͤckfordern, vorbehalten bleibt die⸗ ſem Letztern ſein Regreß gegen jenen, von dem er ſie hatte. a285. Wenn der gegenwaͤrtige Beſitzer der geſtohlenen oder ver⸗ lohrnen Sache ſie auf einer Meſſe oder Markte oder bei einem öfentlichen Verkaufe, oder von einem Kaufmaune, der ſolche Dinge verkauft, gekauft hat, ſo kann der urſpruͤngliche Eigen⸗ thuͤmer ſie ſich nur dann wieder zuruͤckgeben machen, wenn er dem Beſitzer den Preiß, welchen ſie koſtete, zurüͤckerſtattet⸗ „. aa81. Die zur Zeit der Verkuͤndigung des gegenwaͤrtigen Li⸗ tels angefangenen Verjaͤhrungen ſollen nach den alten Geſe⸗ zen behandelt werden. Doch ſollen die Verjaͤhrungen, die damals ſchon angefan⸗ gen waren, und zu deren Vollſtaͤndigmachung nach den alten Geſetzen noch mehr als dreiſig Jahre von der nämlichen Zeit⸗ friſt an gerechnet erforderlich waͤren, durch den Verlauf die⸗ ſer dreiſig Jahre wirklich vollſtaͤndig ſein. Unterſchrieben: Napoleon. Auf Befehl des Kaiſers Der Staatsſekretaͤr unterſchrieben: Zugues B. Maret. Seſehen, der Großrichter Miniſter der Gerechtigkeitspflege. Unterſchrieben: Regnier. Ende des Napoleonſchen Geſetzbuches. §S ſ a t. Voruͤbergehende Geſetze⸗ 6 eſet, welches auf die Annahmen an Kindesſtatt, die vor der Verkuͤndigung des achten Titels des Rapo⸗ leoniſchen Geſetzbuches ſtatt hatten, Bezug hat. (Dekretirt den 15ten April 1803. verkuͤndigt den 25ten des nuͤmlichen Monats.) r. Alle Annahmen an Kindesſtatt, welche durch beglaubte urkunden ſeit dem 18ten Jenner 1792 bis auf die Verkuͤndi⸗ gung der Verfuͤgungen des Napoleonſchen Geſetzbuches, die auf dieſe Annahme Bezug haben, vor ſich gegangen, ſind guͤl⸗ tig, wenn ſie auch mit keiner von den Bedingnißen begleitet waͤren, welche bis itzt vorgeſchrieben worden, um an Kindes⸗ ſtatt annehmen und angenommen werden zu koͤnnen. z. Doch kann derienige, welcher in der Minderjährigkeit angenommen worden und heute großjaͤhrig iſt, in den drei Monathen, welche auf die Verkundigung des gegenwärtigen Geſetzes folgen, auf dieſe Annahme Verzicht leiſten ⸗ Die naͤmliche Befugniß kaun durch jeden heute an Kindes⸗ ſtatt angenommenen Minderjaͤhrigen in den drei Monathen/ welche auf ſeine Großjäͤhrigkeit folgen, ausgeuͤbt werden. In beiden Faͤllen muß die Verzichtleiſtung vor dem Beam⸗ ten des burgerlichen Standes des Domiziliums des an Kindes⸗ ſtatt Angenommenen geſchehen und dem Annehmenden in einer Zeitfriſt von drei Monathen behoͤrend bekannt gemacht werden⸗ z. Die Annahmen an Kindesſtatt, auf welche der Ange⸗ nommene nicht Verzicht geleiſtet bat, ſollen folgende Wirkun⸗ gen hervorbringen. Wenn dieſe Rechte durch eine Urkunde oder beglaubten Ver⸗ trag, Verfuͤgung zwiſchen Lebenden und wegen Todtesfall ohne Verletzung des kindlichen Pflichttheils, Uebereinkunft oder in Rechtskraft erwachſenes urtheil feſtgeſetzt worden, ſo ſollen gedachte urkunde, Vertrag⸗ Verfugung, Uebereinkunft oder 3 urtbeil nicht angetaſtet werden; man ſoll ſie nach ihrer Form und Inhalt vollziehen. 4. In Abweſenheit oder Ermanglung jeder Art von beglaub⸗ ten Urkunden, welche genau verzeichnen, was der an Kindes⸗ ſtatt Annehmende dem Angenommenen geben will, ſoll jener alle in dem Napoleonſchen Geſetzbuche zugeſtandene Rechte ge⸗ nießen, wenn in den ſechs Monathen, welche auf die Verkuͤn⸗ digung des gegenwaͤrtigen Geſetzes folgen, der Annehmende ſich nicht vor dem Friedensrichter ſeines Domiziliums ſtellt, um dort zu erklären, daß es ſeine Abſicht nicht geweſen ſei, dem Angenommenen alle Rechte der Erbfaͤhigkeit, die einem rechtmaͤßigen Kinde zuſtehn, zu uͤbertragen. Dieſe Befugniß, ſeine Willensmeinung zu erklaͤren, iſt ein dem Annehmenden perſoͤnlich zuſtehendes Recht und ſoll ſeinem Erben nicht eigen ſein. S. In dem Falle, wo der Annehmende die in dem vorher⸗ gehenden Artikel angeregte Erklaͤrung und in der durch den⸗ ſelben feſtgeſetzten Zeitfriſt wird gemacht haben, ſollen die Rechte des Angenommenen, was die Erbfaͤhigkeit betrift, auf das Drittel derjenigen, welche einem rechtmaͤßigen Kinde wuͤr⸗ den angehoͤrt haben, beſchraͤnkt werden. 6. Wenn aus einer durch den zten Artikel beibehaltenen Ur⸗ kunde erhellte, daß die Rechte des Angenommenen jenen nicht gleich ſtehen wuͤrden, ſo koͤnnen ihm dieſelbe durch eine neuere Annabme an Kindesſtatt, welche nach den Verfuͤgungen des napoleonſchen Geſetzbuches errichtet wird, gaͤnzlich uͤbertragen werden, allein obne irgend eine andere Bedingung von Sei⸗ ten des Annehmenden; daß er naͤmlich keine Kinder oder ge⸗ ſetzliche Abköͤmmlinge habe, fuͤnfzehn Jahre älter ſei als der Angenommene, und wenn erſterer verheurathet ißt, die Ein⸗ willigung des Mittgatten erhalten habe. 7. Die Artikel 3a7, 348, 349, 351 und 362 des Napoleonſchen Geſetzbuches in dem Sitel von der Annahme ſind uͤbrigens auf alle waͤhrend dem Dekret vom 18ten Jenner 1292 und andern dahin Bezug habenden Geſetzen an Kindesſtatt Ange⸗ nommene anwendbar. G e ſet, welches auf die vor der Verkuͤndigung des ſechsten Titels des Napoleonſchen Geſetzbuches ausgeſprochene oder begehrte Eheſcheidung Bezug hat. (Dekretirt den 16ten April 1803, verkuͤndigt den a6ten des naͤmlichen Monaths.) Alle von öffentlichen Beamten des buͤrgerlichen Standes vor der Verkuͤndigung des Litels des Napoleonſchen Geſetzbuches⸗ der auf die Eheſcheidung Bezug hat, ausgeſprochene oder durch ein Urtheil berechtigte Eheſcheidungen ſollen in Gefol⸗ ge der vor dieſer Verkuͤndigung beſtehenden Geſetze ihre Wir⸗ kungen haben. In Hinſicht der vor dieſem nämlichen Zeitvunkte gemachten Klagen ſoll man mit Betreibung derſelben fortfahren; die Ehe⸗ ſcheidungen ſollen ausgeſprochen werden und nach den zur Zeit der gemachten Klage beſtehenden Geſetzen ihre Wirkun⸗ gen haben. G e ſet welches auf die Art und Weiſe, wie der Stand und die Rechte der natuͤrlichen Kinder, deren Vater und Mutter waͤhrend dem Geſetze vom 12ten November 1795 bis zur Verkuͤndigung der Titel des Rapoleon⸗ ſchen Geſetzbuches uber die Vaterſchaft, Kindſchaft und uͤber die Erbſchaften geſtorben ſind, anzuord⸗ nen ſind. (Dekretirt den r4ten May 7803 verkuͤndigt den zaten des naͤmlichen Monaths.) 1. Der Stand und die Rechte der auſſer der Ehe gebohrnen Kinder, deren Aeltern während der Verkuͤndigung des Geſe⸗ tzes vom 12ten November 1795 bis zur Verkuͤndigung der Titel des Napoleonſchen Geſetzbuches uͤber die Pater⸗und RBind⸗ ſchaft und uͤber die Erbſchaften geſtorben ſind, ſollen auf die durch dieſe Titel vorgeſchriebene Art angeordnet werden. 2. Jedoch ſollen die Verfuͤgungen zwiſchen Lebenden oder der Deſtamente, welche noch fruͤher ſind als die Verkuͤndigung der nämlichen Titel des NapoleonſchenGeſetzbuches, und in wel⸗ chen man die Rechte der natuͤrlichen Kinder feltgeſett hat, vollzogen werden; vorbehaltlich der Herunterſetzung auf den Antheil, uber welchen nach den Worten des Napoleonſchen Ge⸗ —————— — ſetzbuches verfuͤgt werden kann, vorbebaltlich auch einer Er⸗ gaͤnzung in Gefolge des 761 Artikels des Geſetzes uͤber die Erbſchaften in dem Falle, wo der gegebene oder vermachte Antheil um die Haͤlfte geringer waͤre als das, was nach dem naͤmlichen Geſetze einem natuͤrlichen Kinde zufallen muß. 3. Die Uebereinkuͤnfte und in Rechtskraft erwachſene Ur⸗ theile, durch welche der Stand und die Rechte gedachter na⸗ turlicher Kinder angeordnet worden ſind, ſollen nach ihrer Form und Inhalt vollzogen werden. . ueberſicht der Entfernungen aller Haupt⸗Orte der Departemente von Paris, in Kilometern, Myria⸗ metern und aiten Lieues. — * Namen der Entfernungen in ———— 1——— Deypartemente.] Haupt⸗Hrte. 15 25 52 = S68 S2 Ain„ourg 4 86 2 Aisne on 27 127 232 Allier Moulins 289 28 9 574 Alpen(niedere). Bigne f75 26 311 Alpen(obere) Gap 565665 133„ Alpen(See) Vice 60 6 0 1 Ardeche„Privas 505 60 6 1a1 Urdennen.„Mezierres 234 234 46 4 Prriege. Soip 1 ubt„ ſörcyeg.. 01 2 314 ude.„Larcaſſonne 765 76 5 153 Rveyron„ſRhodes 692 69 2 138 2 Ealvados„CLaen 263263 213 Cantal Vurillac 53953 2 74 Eharente„Angouleme 45445 4 4 Eharente(untere) Saintes 43448 4 4 Eher Bourges„23333 46 3 Correze Fulles 451 461 27 Freuze„Gueret 428 42 8 363 Doire vre f821821ſ16 1 Bonnersberg Mainz 43648 109 3 Bordogne. Perigneur 470 47 ½ 94 2 Boubs.„Beſängon 3963916 791 Brome„ Balende ſ56 0 112„ pie„ rüſſel. 306 30651 Fscaut„Gand 33333 3 553 re 10410 4 204 Ture und Loire ſEhartres 2 92 182 Finiſtere OQuimper⸗ 62362 3124 3 Fard Himes 7027021492 Garonne(obere) Coulouſe 6661334 Gers. Ruch 174374 3 148 3 Gironde Bordeaur f57367314 3 Goldtuſten Hijon 3 61 Golo Baſtia 731743 Berault Nontvellier. ſ76752102 Zile und Villaine Rennes„„134613416 1 691 Namen der — Departemente. Haupt⸗Hrte. Jhdre Indre und goire Iſere Jemmappe. S Tandes. Leman Liamone Foire und Cher. Loire. Foire(obete) Loire(untere) Loiret„ Lot.„ ⸗ ot und Garonne Lesere LpPs Maas„ Maas(untere) Maine und Loire Manche Marengo. Marne. Warne(obere) Mayenne Meurthe.. Mont⸗blanc. Morbihan.. Moſel. Methen Gweh Wiebre Nordkuſten Vord§ Giſe. Gurthe Re de⸗Calais Pey de⸗Dome (nied.) Ppreneen(obere) Pyreneen, Orient Chateau⸗ Tours. Grenoble. Mons Lons le Soulnier MWont de Marſan Genf Aiaccio.„„ Tlentvriſon⸗. ePup Rantes. Brieans Cahors. igen Mende„„ Bruges Bar ſur Ornain Maſtricht. Wgers„ Saint Lo. Alepandrien: halons. Chaumont. Laval„ Vancy.. Chambery. Pannes.. e Antwerpen Vevers. Saint Brieux Lille- „„ „„„ „ Alengon Luttich. Abras Wirin Clermont„ Pa Tarbes. . Berpignan. Entfernungen in 259 25 9514 242 24 2 48 2 568 56 8 ſ1133 244 24 4 48 4 411 41 1ſ 8zT 70270 2 140 2 514 51 4 102 4 873 87 2 174 3 181 181ſ36 1 443 44 3883 505Foſ5 ſ1o1⸗ 389 389 77 4 123 12 03 24 3 658 55 8 ſ1113 714 71 4 142 4 56bj 56 6 1131 1 383 38 3 763 251 25 15o1 448 44 8ſ839 3 300 3o o0 6o 326 32 6 65ſ1 852 85 2 ſ170 2 164 16 4 324 247 247 49 2 281 28 1ſ56 1 334 334 664 56556 5 ſ113 Sooſ Foſo ſicoſ⸗ 308 30f8 613 38536 571„ 236 236 47 1 446 44 6 389 1 236 23 6 471 1 38 881713 191 19 1381 41141 8eſr 193 19 3 881 3 763 76 3 115213 384 38 476 4 781 78 1 ſ156 1 s15 81 5 ſ163 8 3 177 — 400— ——— Namen der Entfernungen in ———————— 2 288 Departemente. Haupt⸗Orte⸗ 2*2 3 Rhein(Wieder) Strasburg 1464 46 4 224 Rhein(Ober) Colmsr. 481 48 16r Rhein und MoſelſEoblens 327397 119 2 Rhone Lyon 460 456 31 Rihonemuͤndung Marſeille s13 81 3 162 3 Ruhr lachen„4747212 Sambre u. Maas Namur. 1345 34 569 Saone(obere) Veſoul. 354 35 4704 Saone u. Loire. Macon 1329 392 224 Sar„„ Trier 40 410 82„ Sarthe„Le⸗ans„21121141 Seine Paris——— Seine(untere) Kouen 137 137 272 Seine u. Marhe Melun 4642 6 9 1 Seine und Giſe. Perſailles 21 21 41 Seſia Derceil„236 33 6 167 1 Severn(zwei)[Wiort„46 415 231 Somme Amiens.„128 1218 25 3 Stura. Coni. f343 84 3 168 3 Fanaro. ſti 616816 ſ1631 Fäarn. by. 657 65 7 ſ1312 Bar„Dräguignan. 390 s9 o ſ178⸗ Paucluſſe„ Avignon 707 707 14 2 Pendee. fFontenay 447 44 7822 Pienne PDoitiers 24324 3 683 Bienne(obere) Fimoges 330 38 o076 Posges. Ppinal.. 38138 176 1 Walder.„Luremburg 367 36 717312 Ponne„ Aurerre 1681 161 8 331 3 In5 al des Napoleonſchen Geſetzbuches. Geſetz uͤber die Vereinigung der buͤrgerlichen Geſetze in eine vollſtaͤndige Sammlung unter der Benennung des Napo⸗ leonſchen Geſetzbuches. Seite v Vorlaͤufiger Sitel. Von der Verkuͤndigung, den Wir⸗ kungen und der Anwendung der Geſetze im Allge⸗ meiñen. Seite 1 Erſtes Buch. Don den Perſonen. Erſter Litel. Von dem Genuße und dem Yerluſte der buͤrgerlichen Rechte. Von dem Genuße der buͤrger⸗ lichen Réchte. 3 Von dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte. 4 Von dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte durch den Ver⸗ luſt der Eigenſchaft eines Franzoſen. ebend. Von dem Verluſte der buͤrgerlichen Rechte in Gefolg gerichtli⸗ cher Verurtheilungen. 6 Sweiter Litel. Hon den Urkunden des buͤrgerlichen Standes. Allgemeine Verfuͤgungen. 8 Von den Geburtsurkunden. 11 Von den Heuraths⸗urkunden. 13 Von den Sterbe⸗Urkunden. 16 Von den Urkunden des buͤrgerlichen Standes in Betreff der Soldaten auſſerhalb dem Gebiethe des Reichs. 19 Von der Berichtigung der urkunde des buͤrgerlichen Standes. 21 Dritter Sitel. Pon dem Domizilium. ebend. Vierter Titel. Pon den Abweſenden. Von der Ver⸗ muthung der Abweſenheit. 5 24 5 5 Von der Erklaͤrung der Abweſenheit. 23 Von den Wirkungen der Abweſenheit. 24 Von den Wirkungen der Abweſenbeit in Hinſicht auf die Guͤter, welche der Abweſende am Tage ſeines Verſchwin⸗ dens beſaß⸗ ebend⸗ Von den Wirkungen der Abweſenbeit in Hinſicht auf in der Folge ſich ergebende(éventuels) Rechte, welche den Abwe⸗ ſenden zufallen koͤnnen. 27 Von den Wirkungen der Abweſenheit in Betreff der Ehe. ebend⸗ Von der Aufſicht uͤber die minderjaͤhrigen Kinder des Vaters, welcher verſchwunden iſt. 25 Fuͤnfter Litel. Von der Ehe. Von den Eigenſchaften und Bedingniſſen, welche erfordert werden, um ein Ehehund⸗ niß ſchließen zu koͤnnen⸗ e ebend. 6 — 402— on den Formalitäten, welche auf die feierli i en che auf die feierliche wſchleſun Von den Einwendungen gegen die Heuratb. 32 Von den Klagen auf Mullitaͤt der Ehe. 33 Von den aus der Ehe entſpringenden Verbindlichkeiten. 37 Von den gegenſeitigen Rechten und Pflichten der Eheleute. 38 Von der Aufloͤßung der Ebe. 40 Von den zweitern Ehen⸗ ebend. Sechster Titel. Von der Eheſcheidung. Von den Urſachen der Eheſcheidung. 40 Von der Ebeſcheidung aus beſtimmter urſache. 41 Von den Formen der Eheſcheidung wegen beſtimmter Urſache. Von der Form des Verfahrens bei der Eheſcheidung wegen einer beſtimmten Urſache. ebend⸗ Von den vorlaͤufigen Maaßregeln, zu denen die Ebeſcheidungs⸗ 7 klage aus beſtimmter Urſache Anlaß geben kann. 4 Von den Beweggruͤnden der Unzulaͤßigkeit der Ehrſcheidungs⸗ klage wegen beſtimmter urſache abzulehnen. 48 Von der Eheſcheidung mit gegenſeitiger Einwilligung⸗ ebend. Von den Wirkungen der Ebeſcheidung. 52 Von der Srennung von Siſch und Bett. 64 Siebenter Direl. Von der Vaterſchaft und Rind⸗ ſchaft. Von der Kindſchaft der rechtmaͤßigen oder aus der Ebe eutſproſſenen Kinder. 55 Von den Beweiſen der Kindſchaft rechtmaͤßiger Kinder. 56 Von den natuͤrlichen Kindern⸗ 53 Von dem Rechtmäßigmachen(6gitimation) der natuͤrlichen Kinder. ebend⸗ Von der Anerkennung der natuͤrlichen Kinder⸗ ebend⸗ Achter Titel. Von der Annahme an Rindesſtatt und der freiwillig ubernommenen wohlthatigen Vormund⸗ ſchaft. Von der Annahme an Kindesſtatt. 69 Von der Annahme an Kindesſtatt und ihren Wirkungen. ebend. Von den Formen der Annahme an Kindesſtatt⸗ 62 Von der freiwillig uͤbernommenen Vormundſchaft. 63 Neunter Sitel. Von der wäterlichen Gewalt. 65 Zehnter Titel. Pon der minderjaͤhrigkeit, Por⸗ mundſchaft u. Entlaſſung. Von der Minderjährigkeit 67 Von der Vormundſchaft. ebend. Bon der Vormundſchaft der Aeltern. ebend⸗ Von der Vormundſchaft, welche von dem Vater oder der Mut⸗ ter uͤbertragen worden. 68 Von der Vormundſchaft derVerwanden in aufſteigenderLinie 69 vz der Vormundſchaſt, welche der Familienratb iberaen Von dem beigeordneten Vormunde. Seite 72 Van den urſachen, welche von der Vormundſchaft be⸗ reien. 73 Von der Unfoͤhigkeit der Vormundſchaft, von der Ausſchlieſ⸗ ſung und der Abſetzung von derſeſben. 76 Von der Verwaltung des Vormundes. 77 Von den Vormundſchaftsrechnungen. 81 Von Entlaſſung aus der Vormundſchaft.(Emanziva⸗ zion 82 Eilfter Titel. Von der Großiährigkeit, der Unter⸗ ſagung und dem gerichtlichen Beiſtande. Von der Großjaͤhrigkeit. 34 on der Unterſagung. ebend. Von dem gerichtlichen Beiſtande. 38 Zweytes Buch. Von den Guͤtern, und den verſchiedenen Beſchraͤnkun⸗ gen des Pigenthums. Erſter Titel. won dem Unterſchiede der Guͤter. Von den unbeweglichen Gätern⸗ 39 Von den beweglichen Guͤtern.(Mobilien) 91 on den Guͤtern, in Bezug auf ihre Beſitzer. 93 Zweiter Litel. von dem Eigenthume. Von dem Zu⸗ wachsrecht, auf das, was die Sache bervorbringt. 94 Von dem Zuwachsrecht auf das, was ſich mit dem Gegenſtan⸗ de vereinigt und nur eine Sache mit ihm ausmacht⸗ 95 Von dem Zuwachsrecht in Bezug auf unbewegliche Guͤter. ebend. Von dem Zuwachsrecht in Bezug auf bewegliche Sachen. 98 Dritter Litel. Von der Nutznießung, von dem Ge⸗ brauche und der Wohnung. Von der Ruznießung⸗ 100 Von den Rechten des Nutznießers. ror Von den Verbindlichkeiten des Nutznießers 104 Wie die Nutznießung zu Ende geht. ro on dem Gebrauche und der Einwohnung. 108 Vierter Litel. Von den Grunddienſtbarkeiten. Gervidudes,) 109 Von den Grunddienftbarkeiten, welche aus der Lage der Orte hergeleitet werden. 110 6 den Grunddienſtbarkeiten, welche das Geſetz auferleat ak⸗ 111 Von den gemeinſchaſtlichen Mauern und Gräben. 112 Von der Entfernung und den Zwiſchenwerken, welche bei ge⸗ wiſſen Gebaͤuden erforderlich ſind. 115 Von den Ausſichten auf das S Nachbars. ebend. — 404— Von den Dachrinnen. Seite 116 Von dem Durchgangsrechte. 117 Von den Grunddienſtbarkeiten, welche durch die Haud⸗ lungen eines Menſchen erworben werden. 117 Von den verſchiedenen Gattungen der Grunddienſtbarkeiten⸗ end⸗ welche auf die Guͤter gelegt werden können. e Wie die Grunddienſtbarkeiten erworben werden. 118 Von den Rechten des Eigenthuͤmers des Grundſtuͤckes, welche die Grunddienſtbarkeit geleiſtet werden muß⸗ 120 Wie die Grundgerechtigkeiten erlöſchen. 121 Drittes Buch. won den verſchiedenen Arten das Eigenthum zu erwerben. Allgemeine Verfuͤgungen. 123 Erſter Sitel. Von den Erbſchaften. Von der Eroff⸗ nung der Erbſchaften und Beſitzergreifung der Erben. 124 Von den zur Erbfolge erforderlichen Eigenſchaften. 125 Von den verſchiedenen Ordnungen der Erbfolgen 126 Allgemeine Verfuͤgungen. ebend. Von der Stellvertretung. 127 Von den Erbſchaften, welche auf Abkoͤmmlinge uͤbergegan⸗ 128 gen find. Von den Erbſchaften, welche den Verwanden in aufſteigen⸗ der Linie zufallen⸗ 129 Von der Seiten⸗Erbſchaft. 130 Von den unregelmaͤhigen Erbfolgen. 131 Von den Rechten der natürlichen Kinder auf die Guͤter ibrers Vaters oder ihrer Mutter, und von den Grundſtuͤcken, wel⸗ che natuͤrliche ohne Nachkommenſchaft verſtorbene Kinder hinterlaſſen. ebend. Von den Rechten des uberlebenden Ebegatten und jenen des Staates⸗ S 133 Von der Annabme und dem Ausſchlagen der Erbſchaften 134 Von der Annahme. ebend. Von der Verzichtleiſtung auf Erbſchaften. 135 Von der Rechtswohlthat des Inventariums, von ihren Wir⸗ kungen, und von den Verbindlichkeiten des dieſe Wohlthat genieſenden(Beneſiziar) Erben. 136 Von den Erbſchaften wozu ſich kein Erbe darßtellt. 140 Von der Theilung und dem Wiedereinbringen(rapports) Kollazion. 140 Von der Klage auf die Theilung und ibrer Form. ebend · Von dem Wiedereinbringen(rapports.) Kollazion 145 — —— — 405— Von der Bezahlung der Schulden. Seite 149 Von den Wirkungen der Theilung und der Gewährleiſtung der Looſe. 167 Von der Umſtoßung(Reſtiſion) in Theilungsſachen. 152 Zweiter Litel. Von den Schenkungen zwiſchen den Lebenden und den Teſtamenten. Allgemeèine Ver⸗ fuͤgungen. 153 Von der Fähigkeit, durch Schenfungen zwiſchen Lebendigen oder durch Teſtamente zu verfuͤgen oder ſolche Verſügun⸗ gen anzunehmen. 154 on dem Antheil des Vermögens, uͤber welchen verfuͤgt wer⸗ den kann, und uͤber die Herunterſetzung.(reduction) 156 Von dem Antheile des Vermoͤgens, uber welchen man ver⸗ fuͤgen kann. ebend. 1 der Herunterſetzung der Schenkungen und Vermaͤcht⸗ niſſe. 158 Von den Schenkungen unter Lebenden. 160 Von der Form der Schenkungen unter Lebenden. ebend. Von den Ausnahmen der Regel, daß die Schenkungen zwi⸗ ſchen Lebenden unwiderruflich ſind. 163 on den teſtamentariſchen Verfuͤgungen. 166 Von den allgemeinen Regeln uͤber die Form der Teſta⸗ mente. ebend. Von den beſondern Regeln uͤber die Form gewiſſer Teſta⸗ mente. 169 Von den Erbeinſetzungen und den Vermaͤchtniſſen uber⸗ haupt. 172 Von den Univerſal⸗Vermaͤchtniſſen. 173 Von den Vermaͤchtniſſen unter einem Univerſaltitel. 174 Von den Partikular⸗Vermaͤchtniſſen. 175 Von den Vollziebern der Teſtammente. 177 Von der Widerrufung der Leſtamente und den Fällen wo ſie nicht mehr verbindlich ſind.(caducité) 178 on den Verfuͤgungen, welche zu Gunſten der Enfel des Ge⸗ ſchenfgebers oder des Teſtirers oder der Kinder ſeiner Ge⸗ ſchwiſter erlaubt ſind. 180 on den Theilungen, welche von dem Vater, der Mutter oder andern Verwanden in aufſteigender Linie unter ihren Ab⸗ koͤmmlingen vorgenommen worden. 185 Von den Schenkungen, welche in Gefolge von Heurathover⸗ trag den Ehegatten und den Kindern, weiche aus der Ehe werden gezeugt werden, gemacht worden. 186 Von den Verfügungen zwiſchen Eheleuten, entweder durch Heurathsvertrag oder während der Ehe. 1⁸5 — 406— Dritter Sitel. Von den Vertraͤgen und von den ſi aus Uebereinkunft entſtehenden Derbindlichkeiten. (obligations conventioneiles) uberhaupt. Vorlaufige Brfu Seite. 190 on den Bedingungen, welche zur Guͤltigkeit der Verträge ne Von der Einwilligung. ebend. Von der Faͤhigkeit der vertrasſchließenden Partheien. 193 * Von dem Gegenſtande und dem Stoffe der Verträge. ebend⸗ Von dem Beweggrunde. 194 Von den Wirkungen der Vertraͤge. ebend. Allgemeine Verfuͤgungen. ebend. Von der Verbindlichkeit etwas zu geben. ebend. Von der Verbindlichkeit etwas zu thun oder nicht zu thun. 196 Von dem Schadenerſatze und Zinſenentrichtung, welche aus der Richtvollziehung der Verbindlichkeit entſpringt. 196 Von der Auslegung der Verträge. 197 i Wirkung der Uebereinkuͤnfte in Hinſicht auf. Von den verſchiedenen Arten der Verbindlichkeiten⸗ 199 Von den bedingnißweiſen Verpflichtungen. ebend. Von der Bedingung uͤberbaubt und ibren verſchiedenen Ar⸗ ten. ebend. Von der aufſchiebenden Bedingung. 200 Von der aufloßenden Bedingung. ꝛ0r Von der Verbindlichkeit auf gewiſſe Zeitfriſt. 202 Von den Vervflichtungen, wo man die Wabl bat. Glter- natives.) ebend. Von den ſolidariſchen Verbindlichkeiten. 203 Von der ſolidariſchen Verbindlichkeit unter den Glaͤubigern. 203 Pon der ſolidariſchen Verbindlichkeit von Seiten der Schuld⸗ ner. 204 PVon den theilbaren und untheilbaren Verpflichtungen. 207 PVon den Wirkungen der theilbaren Verbindlichkeit. ebend. Von den Wirkungen der untheilbaren Verbindlichkeit. 203 Von den Verbindlichkeiten mit Klauſeln, die eine Strafe be⸗ dingen(pénales) ebend. Von der Erloͤſchung der Verpflichtungen. 210 Von der Bezahlung. ebend. Von der Bezahlung uͤberhaupt. ebend. Von der Bezahlung mit Einſetzung in die Rechte des Andern. (ubrogation) 212 Von der Abrechnung der Bezahlungen. 215 Von den Zahlungsanerbietbungen und den Hinterlegungen. (consignations.) Seite 214 Von der Abtretung der Guͤter. 216 Von der Erneuerung.(Novation) 217 Von der Entlaſſung der Schuld. 219 Von der Aufhebung.(compensation) 220 Von der Vereinigung der Eigenſchaften des Glaͤubigers und Schuldners in einer Perſon(confusion) 221 Von dem Verluſte der ſchuldigen Sache. 222 Von der Klage auf Nichtigkeit oder auf Wiederaufhebung der Vertraͤge. ebend. Vyn dem Beweiſe der Verbindlichkeiten und dem der Bezah⸗ ung. 224 Von dem ſchriftlichen Beweiſe. ebend. Von den authentiſchen Siteln. ebend. Von den Urkunden unter Privatunterſchriften. 225 Von den Kerbhölzern. 22 Von den Abſchriften der Urkunden. ebend. Von Anerkennungs⸗ und Beſtätigungs⸗Urkunden. 223 Von dem Zeugenbeweiß. 229 Von den Vermuthungen. 231 Von den durch das Geſetz beſtimmten Vermuthungen. ebend⸗ Von den durch das Geſetz nicht beſtimmten Vermuthungen. 232 Von dem Geſtaͤndniß der Gegenparthei. ebend. Von dem Eide. 233 Vom entſcheidenden Eide. ebend. Von dem von amtswegen auferlegten Eide. 234 Vierter Titel. Von den Verbindlichkeiten, die ohne Uebereinkunft ſtatt finden. Von den ſtiillſchweigenden (Quaſi⸗ Vertraͤgen. 235 Von den Verhrechen und den zufölliger Weiſe aus Unwiſſenheit oder Nachlaͤßigkeit begangenen(Quaſi⸗) Verbrechen. 237 Fuͤnfter Sitel. Von dem Beurathsvertrag und den gegenſeitigen Rechten der Gatten. Allgemeine i gungen. Von der Vorſchrift uber die Gütergemeinſchaft. P Von der geſetzlichen Guͤtergemeinſchaft. ebend. Von dem, was das aktive und paſſive Vrrmogen der Güter⸗ gemeinſchaft ausmacht. 23 Von dem aktiven Vermögen der Gütergemeinſchaft. ebend. Von dem paſſiven Vermögen der Guͤtergemeinſchaft, und von den Rechtsklagen, welche daraus gegen dieſelbe erboben wer⸗ den koͤnnen. 243 — 408— Von der Verwaltuhg der Guͤtergemeinſchaft und von der Wir⸗ kung der Urkunden des einen oder des andern Gatten in Hin⸗ ſicht auf die eheliche Geſellſchaft⸗ Seite 246 Von der Aufloͤſung der Guͤtergemeinſchaft und einigen ihrer Folgen. 260 Von der Annahme der Guͤtergemeinſchaft, und von der Ver⸗ zichtieiſtung, die man darauf machen kann, mit den Bedin⸗ gungen, welche dahin Bezug haben. 252 Von der Theilung der Guͤtergemeinſchaſt nach der Annahme. 256 Von der Cheilung des Aktivweſens. ebend. Von dem Paſſivweſen der Guͤtergemeinſchaft und den Bei⸗ traͤgen zur Silgung der Schulden. 257 Von der Verzichtleiſtung auf die Guͤtergemeinſchaft und den Wirkungen derſelben. 269 Von der auf Uebereinkunft gegruͤndeten Guͤtergemeinſchaft, und von den Verträͤgen welche die geſetzliche Guͤtergemein⸗ ſchaft beſchraͤnken oder ſogar ausſchließen koͤnnen. 260 Von der Guͤtergemeinſchaft, welche auf die Errungenſchaft beſchraͤnkt iſt. 261 Von der Klauſel, welche das bewegliche Vermoͤgen entweder gaͤnzlich oder zum Theil von der Guͤtergemeinſchaft aus⸗ ſchließt. ebend. Von der Klauſel, wodurch unbewegliche Guͤter zum Mobiliar⸗ vermoͤgen geſchlagen werden(ameublissement) 262 Von der Klauſel der Trennung der Schulden von der Guͤ⸗ tergemeinſchaft. 264 Von der der Ebefrau zugeſtandenen Befugniß, ihe Einbringen ſchuldenfrei zuruͤck zu nehmen. 265 Von dem durch Uebhereinkunft beſtimmten Vorausthil. ebend. Von den Klauſeln, kraft welcher man jedem der Gatten un⸗ gleiche Theile in der Guͤtergemeinſchaft anweißt. 266 Von der Guͤtergemeinſchaft auf Univerſaltitel. 268 Verfuͤgungen, welche den acht obenſtehenden Abſchnitten ge⸗ meinſchaftlich ſind. ebend. Von den uUebereinkuͤnften, welche von der Guͤtergemeinſchaft ausſchließen. 269 Von der Klauſel, welche beſagt, daß die Gatten ſich ohne Guͤtergemeinſchaft verheurathen. ebend. Von der Klauſel der Guͤtertrennung⸗ 270 Von den Dotal⸗Rechten. ebend. Von dem, was man zur Ausſteuer macht. 271 Von den Rechten des Ehemannes auf die Guͤter der Morgengabe und von der Veraͤuherlichkeit der zur Ausſteuer beſtimmten Grundſtucke. 272 Pon der Wiedererſtattung der Ausſteuer. 274 — 409— Von den Gätern, welche die Feau ihrem Manne auſſer der Ausſteuer zubringt.(hiens paraphernaux). Seite a76 Beſondere Verfuͤgungen. 277 Sechster Litel. Von dem Verkaufe. Von der Natur und Form des Verkaufs. ebend. Wer kaufen oder verkaufen kann? 279 Von den Sachen, welche verkauft werden koͤnnen. 280 Von den Obliegenheiten des Verkaufers. ebend. Allgemeine Verfuͤgungen. ebend. Von der Ablieferung. 281 Von der Gewaͤhrleiſtung 284 Von der Gewährleiſtung im Falle der Schadloshaltung⸗ (viction). ebend. Von der Gewaͤbrleiſtung fuͤr die Maͤngel der verkauften Sache. 286 Von den Verbindlichkeiten des Käͤufers. a37 Von der Richtigkeit und Aufhobung des Verkaufes. 239 Von der Befugniß zum Ruͤckkaufe. ebend. Von der Aufhebung des Verkaufes wegen Verletzung. 29r Von der Verſteigerung. 293 Von dem uebertrag der Forderungen und anderer unkoͤrper⸗ lichen Rechte. ebend, Siebenter Titel. Ueber den Tauſch. 295 Achter Titel. Von dem Miethvertrage. Allgemeine Verfuͤgungen. 296 Von der Verpachtung der Sachen. ebend. Von den Regeln, welche den Verpachtungen der Haͤußer und Feldguͤter gemeinſchaftlich ſind. 297 Beſondere Regeln fuͤr die Miethvertraͤge von Haͤußern und Mobilien. 302 Beſondere Regeln fuͤr die Feldpachten. 30 ½ Von dem Vermiethen der Arbeit, der Dienſte und des Kunſtfleißes. 307 Von der Vermiethung der Dienſtbothen und Arbeiter. ebend. Von den Fuhrleuten zu Land u. Waſſer. ebend. Von den Bauuͤberſchlaͤgen und darauf hin abgeſchloſſenen Haͤndeln. 308 Von der Viehpacht. 310 Allgemeine Verfuͤgungen. ebend. Von der einfachen Viehpacht. ebend. Von der Viebpacht zur Hälfte. 312 Von der Viebpacht, die der Eigenthömer ſeinem Pichter oder ſeinem fur einen gewiſſen Theil arbeitenden Paͤchter gibt. 312 Von der dem Puͤchter gegebenen Viehpacht. ebend. Von der Viebvacht, welche man dem für einen beſtimmten Theil von Fruͤchten arbeitenden Päͤchter gibt. Seite 313 Von dem Vertrage, den man uneigentlich Viehpacht nennt. 313 Neunter Titel. Pon dem Geſellſchaftsvertrage. All⸗ 14 gemeine Verfuͤgungen. 3 Von den verſchiedenen Gattungen der Geſellſchaften. ebend. Von den allgemeinen Geſellſchaften. ebend. Von der beſondern Geſellſchaft. 315 Von den Verbindlichkeiten der Geſellſchafter unter ſich ſelbſt und in Anſehung Dritterer. 316 Von den Verbindlichkeiten der Geſellſchafter unter ſich, ebend. Von den Verbindlichkeiten der Geſellſchafter in Hinſicht auf Drittere. 330 Von den verſchiedenen Arten wie die Geſellſchaft ſich en⸗ digt. ebend. Zehnter Litel. Von dem Leih⸗ und Darleihungs⸗ vertrage. Von der Verlehnuns zum Gebrauche oder von dem Leibvertrage.(commodat) 322 Von der Natur des Leihvertrages zum Gebrauche. ebend. Von den Verbindlichkeiten des Lehners. 323 Von den Verbindlichkeiten desjenigen, der zum Gebrauche hinleibt. 324 Von der Verlehnung auf Aufzehrung oder den eigentlichen Darleihen. ebend. Von der Beſchaffenheit der Verlehnung auf Aufzehrung⸗ ebend. Von der Verbindlichkeit des Darleihers. 325 Von den Verbindlichkeiten des Lehners. ebend⸗ Von dem Darlehen auf Zinſe. 356 Eilfter Litel. Yon der Binterlegung und dem Beſchlage(Sequeſtration). Von der Hinterlegung uber⸗ haupt und ihren verſchiedenen Arten. 327 Von der Hinterlegung im eigentlichen Sinne. ebend. Von der Natur und Weſenheit des Hinterlegungs⸗Ver⸗ trags. ebend. Von der freiwilligen Hinterlegung. 323 Von den Verbindlichkeiten des Verwahrnehmers. 329 Von den Obliegenheiten der Perſonen, durch welche die Hin⸗ terlegungen Zeſchehen. 331 Von der gezwungenen Hinterlegung. 332 Von dem Beſchlage(Sequeſtrazion.) ebend. RBon den verſchiedenen Arteu des Beſchlags. ebend. Von dem gerichtlichen Beſchlage. 333 Zwolfter Titel. Von den gewagten wertraͤgen. *(contrats elatoires) Von dem Spiele und der Wettung. 334 Von dem Leibrenten⸗Vertrag. Seite 335 Von den Bedingungen, welche zur Guͤltigkeit des Vertrags erforderlich ſind. ebend. Von den Wirkungen des Vertrags zwiſchen den vertragſchlieſ⸗ ſenden Partheien. 336 Dreizehnter Titel. VPon der Beyollmaͤchtigung. Von der Natur und der Form der Bevollmaͤchtigung oder des Mandats. 337 Von den Obliegenheiten des Bevvümächtigten. 338 Von den Obliegenheiten deſſen, der Vollmacht gibt. 339 Von den verſchiedenen Arten, wie die Vollmacht aufhoͤrt. 340 Vierzehnter Titel. Von der Burgſchaftsleiſtung. Von der Natur und dem Umfange der Buͤrgſchaft. 331 Von der Wirkung der Buͤrgſchafteleiſtung⸗ 343 Von der Wuͤrkung der Buͤrgſchaftsleiſtung zwiſchen dem Glau⸗ biger und dem Buͤrgen. ebend. Von der Wirkung der Buͤrgſchaftsleiſtung zwiſchen dem Schuld⸗ ner und dem Bürgen⸗ 344 Von der Wirkung der Buͤrgſchaftsleiſtung zwiſchen Mitbuͤr⸗ gen. 345 Von der Erlöſchung der Buͤrgſchaftsleiſtung. ebend. Von der geſetzlichen und von der gerichtlichen Buͤrgſchafts⸗ leiſtung. 346 Fuͤnfzehnter Litel. Von den vergleichen(trans- actions). 347 Sechszehnter Sitel. Von dem koͤrperlichen Arreſt als Vollziehungsmittel. 349 Siebenzehnter Sitel. Von dem Pfande oder ver⸗ ſatz.(nantissement.) Von dem Fauſtpfande. 361 Von der Antichreſe. 353 Achtzehnter Litel. Von den Privilegien und Zy⸗ potheken. Allgemeine Verfuͤgungen. 356 Von den Privilegien.. ebend. Von den Privilegien auf bewegliche Guͤter. 366 Von den allgemeinen Privilegien auf bewegliche Guͤter. ebend. Von den Privilegien auf gewiſſe bewegliche Gegenſtaͤnde. ebend. Von den Privilegien auf unbewegliche Guͤter. 368 Von den Privilegien, welche ſich auf bewegliche und unbe⸗ wegliche Guͤter zugleich ausdehnen. 359 Wie die Privilegien in ihrer Kraft erhalten werden? ebend. Von den Hypotheken. 361 Von den geſetzlichen Hypotbheken. 362 Von den gerichtlichen Hypotheken. ebend⸗ Von den aus Uebereinkunft entſtehenden Hyvotheken. 363 Von dem Range der Hyypotheken untereinander. 364 — 412— Von der Art und Weiſe der Einſchreibung der Privilegien und Hypotheken. Seite 367 Von der Ausſtreichung und Verminderung der Einſchreibun⸗ gen. 370 Von der Wirkung der Privilegien und Hypotheken gegen drit⸗ tere dermalige Beſitzer. 372 Von der Erloͤſchung der Privilegien und Hyvotheken⸗ 374 Von der Art und Weiſe, das Eigenthum von Privilegien und Hypotheken zu befreien. 375 Von der Art und Weiſe, die Guͤter der Maͤnner und Vormunde von der Verpfaͤndung frei zu machen, wenn keine Einſchrei⸗ bung auf ſie vorhanden i. 378 Von der Offenkundigkeit(Publizität) der Regiſter und der Verantwortlichkeit der Hypothekenbewahrer. 380 Neunzehnter Litel. Von der gerichtlichen Ausſtoſ⸗ ſung aus dem Eigenthume(expropriation forese) und von den GOrdnungen zwiſchen den Glaͤubigern. 382 Von der gerichtlichen Ausſtoßung aus dem Eigenthume. ebend⸗ Von der Rangordnung und Vertbeilung des Kaufpreißes zwi⸗ ſchen den Gläubigern. 384 Zwanzig ſter itel. Von der Veriaͤhrung. Allge⸗ meine Verfuͤgungen. 388 Von dem Beſitze. 386 Von den Urſachen, welche die Verjaͤhrung verhindern. ebend. Von den Urſachen, welche den Lauf der Veriäbrung ver⸗ ſchieben. 388 Von der zur Verjahrung erforderlichen Zeit. 389 Von der dreiſigjaͤhrigen Verjaͤhrung. 390 Von der zehn⸗ und zwanzigjaͤbrigen Verjaͤhrung. 391 Von einigen beſondern Verjährungen. 39½ Zu ſatz. Geſetz, welches auf die Annabmen an Kindesſtatt, welche vor der Verkuͤndigung des Sten Titels des Napoleonſchen Geſetzbuches ſtatt hatten, Bezug bat. 394 Geſetz, welches auf die vor der Verkuͤndigung des éten Litels des Napoleonſchen Geſetzbuchs ausgeſprochenen oder begehrten Eheſcheidungen Bezug hat. 396 Geſetz, welches auf die Art und Weiſe, wie der Stand und die Rechte der naturlichen Kinder, deren Vater und Mutter während den Geſetze vom r2ten November 179 bis zur Verkuͤndigung der Litel des Navoleonſchen Geſetzbuches uͤber die Vaterſiadt, Kindſchaft und uͤber die Erbſchaften geſtorben ſind, anzuordnen ſind. 396 Ueberſicht der Entfernungen aller Hauptorte der Departe⸗ ſ von Paris, in Kilometern, Myriametern und eues. Alphabetiſches und ausfuͤhrliches Vereich n ß der Gegenſtaͤnde. A.. Abkuͤrzungen ſind in den Urkundon des buͤrgerlichen Stan⸗ des verbothen. Artikel 42. Ablehnung der Erbſchaften iß jedem Erben erlaubt. 775. ſ. Verzichtleiſtung. Abſchaͤtzung(die) der unbewealichen Guͤter einer Erbſchaft. s24. Die Abſchaͤtzung der beweglichen Guͤter. 1644. Wenn der aus einem Cbeile der Sache ausgewieſene Kaͤufer den Ue⸗ berreſt behaͤlt. 1637.— Wenn aus verſchiedenen auch ver⸗ ſchiedenen Eigenthuͤmern zugehoͤrigen Gegenſtaͤnden nur ei⸗ ne Sache gemacht worden. 673. Wenn die Urkunde des neuen Eigenthuͤmers verſchiedene Guͤter, wovon einige verſetzt, an⸗ dere nicht verſetzt ſind, enthaͤlt. arg2. Wenn der Glaͤubi⸗ ger die gezwungene Ausweiſſung aus den Guͤtern, die ei⸗ nen Theil von einem einzigen Landgute ausmachen, die aber uicht alle fuͤr ſeine Schuldforderung verpfaͤndet iwa⸗ ren, betreibt. 2211. Abſterben(das) muß vor der Beerdigung von dem Beamten des buͤrgerlichen Standes bewaͤhrt werden. 77. ſ. Sterbe⸗ Urkunden. Abtheilung der Guͤter in bewegliche oder unbewegliche 516. Abtretung(die) von Guͤtern iſt freiwillig oder gerichtlich, 1266. Die gerichtliche Abtretung gibt nur zum Verkauf der Guͤter des Abtretenden Recht, 1269. Sie kann von den Glaͤubigern nicht verweigert werden und befreit den Schuld⸗ ner nur von der koͤrperlichen Haft und von dem Werthe der abgetretenen Guͤter. 1270. Die Abtretung einer Schuld⸗ forderung geſchieht durch die Uebergabe des Schuldtiters. 1689. Die Abtretung durch Hyypotbeke gibt dem drittern Beſitzer einen Regreß auf Gewaͤhrleiſtung gegen den Hauptſchuld⸗ ner, 2178. Sie kann von dem drittern Beſitzer, welcher die Hypothekarſchulden nicht bezahlen will, gefordert wer⸗ den, 2163. Sie kann von jedem drittern Beſitzer geſche⸗ hen, welcher ſich nicht perſoͤnlich verbunden hat. ar72. Sie geſchieht auf der Gerichtſchreiberei des Tribunals des Ortes, wo die Guͤter liegen. 2174. Leuten, die bei Ge⸗ richt angeſtellt ſind, kann man keine ſtrittige Rechte in dem Bezirke des Tribunals, von dem dieſe Rechte abhängen, uͤbertragen. 1697. Abweſenheit und Abweſende. Das Tribunal erſter In⸗ ſtanz ſorgt fuͤr die Guͤtertrennung der Abweſenden. 112. Nach vier Jahren der Verſchwindung können die Bethei⸗ ligten begehren, daß die Abweſenheit erklärt werde. ri5. Der Gerichtshof verordnet ein Zeugenverhoͤr und erklaͤrt nach einem Jabre die Abweſenheit. 119. Wirkungen der Abweſen⸗ heit. 120. 135. 139. Aufſicht uͤber die minderjährigen Kin⸗ der des Abweſenden. 141. Die in dem Beſitz der Guͤter des Abweſenden geſetzten Verwanden vertreten ihn bei einer Thei⸗ lung. 317. Dieſe Theilung geſchieht vor Gericht. 838. Ackergeraͤthſchaften(die) ſind unbeweglich nach ibrer Be⸗ ſtimmung. 524. Aerzte. Ihre Rechtsklage fuͤr Bezahlung ibrer Beſuche ver⸗ jaͤhrt ſich nach Verlauf eines Jahrs, 2272. Akzien(die) welche füllige Summen oder Theilhabungen in einigen Geſellſchaften zum Gegenſtande haben, ſind be⸗ wegliche Guͤter. 529. Akzeſſion(Zuwachsrecht) iſt das Recht des Eigenthuͤmers auf alles, was die Sache hervorbringt. S46. Worauf ſich dieſes Recht ausdehnt. 547. 651. 656. Es hat Bezug auf unbewegliche Dinge. 562. Auch auf bewegliche. 506. Die Akzeſſton gibt das Eigenthum. 721. Sie gibt dem Eigenthuͤ⸗ mer eines Grundſtuͤckes das Recht, ſich das alles zuzu⸗ eignen oder zu vertilgen, was darauf gepflanzt oder gebaut worden.§55. Alter, in welchem man an Kindesſtatt annehmen kann, 343. in welchem man angenommen werden kann, 346. in welchem man entlaſſen werden kann, 477. Jenes der Großiährigkeit. ass. Um zu heurathen, 144. Fur die ehr⸗ furchtsvolle Aufſaͤtze, 161. Das hoöhere Alter gibt dem zuteſten von zwei Verwanden des naͤmlichen Grades den Vor⸗ zug in der Vormundſchaft, 407. Es macht unter den Mit⸗ erben keinen Unterſchied, 745. Ameubliſſement, iſt beſtimmt oder unbeſtimmt, 1606. Be⸗ ſtimmtes Ameubliſſement 1507. Wirkung des unbeſtimm⸗ ten Ameubliſſement, 1508. Anerbiethungen der Zahlung, wirkliche, mit Hinterlegung begleitet, wenn ſie gultig gemacht worden, befreien den Schuldner, 1257. Was zur Gultigkeit derſelben erforderlich iſt. 1123. ſ. Binterlegung. Anerkennung des Rindes, die urkunde daruͤber wird auf die Regiſter des buͤrgerlichen Standes eingeſchrieben, 62. Die Anerkennung eines natuͤrlichen Kindes geſchieht durch eine beglaubte Urkunde, 334. Sie kann in Hinſicht auf Kinder, die aus Ebebruch oder Blutſchande gezeugt worden, nicht ſtatt haben, 335. Das anerkannte natuͤrliche Kind bat nicht die naͤmlichen Rechte wie das eheliche Kind. 338. Was es beziebt wenn ſein Vater weder ehelige Abkoͤmmlinge, noch Verwanden in aufſteigender Linie, weder Bruͤder noch Schweſtern binterlaͤßt, 787. Anerkennungs⸗ und Beſtaͤttigungsurkunden ſprechen nicht von der Verbindlichkeit los, den urſpruͤnglichen Ditre beizubringen, 1337. Sie machen die Maͤngel einer in ihrer Form nichtigen Schenkung nicht gut. 1339. Wenn ſie nach dem Abſterben des Schenkgebers durch ſeine Erben gemacht worden, benehmen ſie ihnen die Befugniß, die Maͤngel der Form entgegen zu ſtellen, 1340. Ankläger, der verläͤumderiſche iſt unwuͤrdig, dem Angeklag⸗ ten zu erben. 727. Annahme(die) der Guͤtergemeinſchaft iſt der Wittib erlaubt, 1453. einer Schenkung zwiſchen Lebenden kann bei Lebzeiten des Geſchenkgebers ſtatt haben, 932. Sie geſchieht von Sei⸗ ten des Geſchenknehmers, wenn er großjaͤhrig iſt, 933. Durch ſeinen Vormund, wenn er minderjaͤhrig iſt, 236. Durch die geſchenknehmende Frau, wenn ſie von ihrem Manne oder von Gerichtswegen ermuͤchtiget iſt, 34. Sie macht die Schenkung vollſtaͤndig, o33. Jene einer Erbſchaft kann ge⸗ radehin oder unter der Wohlthat des Inventariums geſche⸗ hen. 774. Derſelben Wirkung geht bis auf den Tag der Er⸗ oͤfnung der Erbſchaft hinauf, 777. Sie iſt ausdrucklich oder ſtillſchweigend, 778. Sie entſuringt nicht aus Handlungen, die zur Erhaltung oder Verwaltung abzwecken, 779. Wann und von wem ſie angegriffen werden kann? 783. Der Erbe hat drei Monathe und vierzig Tage um zu beratbſchlagen, 795. Die Befugniß anzunehmen verjaͤhrt ſich durch die laͤngſte Verjaͤhrung der unbeweglichen Rechte, 789. Annahme an Rindesſtatt, Adopzion,(die) fuͤgt dem Na⸗ men des angenommenen jenen des Annehmenden bei, 347. iſt Perſonen die keine Kinder haben und wenisſtens fuͤnfzis Jühre alt ſind, erlaubt, 343. kaun vor der Großiähriakeit des Angenommenen nicht ſtatt baben, 346. verbiethet gewiſſe — 416— Heutathen, 34s. Die Formen derſelben, 357. Annahmen, die vor der Verkuͤndigung des Napoleonſchen Geſetzbuches gemacht worden ſind, ſind guͤltig. In dem Zuſatze, Seite 3o4. Doch kann der Angenommene in den drei Monathen, die auf ſeine Großjährigkeit folgen, darauf Verzichtthun, daſ⸗ Rechte des an Kindesſtatt Angenommenen, S. 395. Anſchwemmungen(Alluvion) der Flůͤße und Bache geho⸗ ren den auf das ufer ſtoßenden Eigenthuͤmern, s66, jene des Meeres machen einen Tbeil der Staatseinkuͤnfte aus, 533. Sie haben in Hinſicht der Seen und Teiche nicht ſtatt, 568. Sie ſind zum Vortheil des Nutznieſſers fur deſſen Genuß/ S9b. Anſpruch auf Stand. Die Rechtsklage auf Anſpruch des Standes iſt in Hinſicht auf das Kind unverjaͤhrbar, 328. Antichreſe(die) iſt das Unterpfandeiner unbeweglichen Sache, 2072. Sie gibt nur den Genuß der Fruͤchte des unbeweg⸗ lichen Gutes, 20s5. Sie wird nur ſchriftlich gemacht, ebend⸗ Sie verbindet zu jaͤhrlichen Laſten und Ausbeſſerungen, 2086. Arbeit. Die Vermiethung der Arbeit und des Kunſtfleißes begreift jene der Arbeiter, der Fuhrleute und jene der Un⸗ ternehmer von Werken, 1779. Arbeiter(die) können ſich nur. fuͤr eine beſtimmte Zeit oder ein beſtimmtes Unternehmen anheiſchig machen, 1780. Die Rechtsklage, welche ſie fur ihre Bezahlung baben, verjährt ſich durch ſechs Monathe, 2271. Aufhebung, Rompenſazion,(die) gegenſeitige, geſchieht zwiſchen zwei Perſonen, die einander ſchuldig ſind, 1289. Welche Schulden der gegenſeitigen Aufhebung nicht unter⸗ worfen ſind, 1293. Dieſelbe kann den Rechten eines Drittern nicht nachtheilig ſeyn, 1293. Aufhebung einer Pacht, 1761. Wann der Lehner ausgewieſen werden kann, 1752. Wenn die Aufhebung ſtatt hatte, weil der Lehner ſolche verſchuldet hat⸗ muß er den Lehnungspreiß bis zu Ende ſeiner Lehnung bezah len, 1760. Aufbebung eines verpachteren Landgutes, 1764 1766. Aufhebung des Lehnvertrags, 1741 Aufbebung des Kaufs, 1656. Wie lange die Aufhebung der Uebereinkuͤnfte begehrt werden kann, 1304. Die bloße Verletzung gibt zu Gunſten des Ninderjaͤhrigen Anlaß zur Aufhebung, 1305. Wann ſie nicht mehr begehrt werden kann, 1311. Aufbebung der uebereinkuͤnfte, 1717. 1706. Aufbebung einer Theilung. 387. Der auf das Begehren zur Aufhebung der Cheilung Beklagte kann den Lauf der Klage aufhalten, wenn er dem — 417— Kläger die Ergaͤnzung ſeines Erbantheils liefert, s91. Sie hat gegen einen Verkauf der Erbſchaftsrechte an einen ſei⸗ ner Miterben auf deſſen Gefahr nicht ſtatt, 389. Aufhebung des Verkaufs, 1658. 1674. 1655. Aufhebung wegen Ver⸗ letzung, 1683. 1601. 1610. 161. 163. 1644. Die Rechts⸗ klage wegen verborgenen Maͤngeln muß in einer kurzen Zeit⸗ friſt angeſtellt werden, 1648. Sie hat wegen von Gerichts⸗ wegen vorgenommenen Verkäufen nicht ſtatt, 1649. Wann der Kaͤufer die Aufhebung des Verkaufs begehren kann? 1636. 1630. Aufkuͤndigung, wann die fur nicht niedergeſchriebene Pach⸗ ten gemacht wird, 1736. Sie iſt zu Ende einer geſchriebenen Pacht unnuͤtz, 1737. Aufloͤſung(ie) der Guͤtergemeinſchaft, wenn ſie ſtatt hat? 1441. 227. Aufnahme(das Inventarium) wird durch den Vormund in den zehn auf ſeine Ernennung folgenden Tagen gemacht, 451. Der Erbe hat drei Monathe um die Aufnahme zu machen, 795 Der der Verheimlichung in dem Inventarium ſchuldige Erbe iſt der Rechtswohlthat des Inventariums ver⸗ luſtigt, sor. Von welchen Guͤtern der Ehegatten es errichtet werden muß? 1504. Aufrechnung(die) der Bezahlung kann nicht auf die Haupt⸗ ſumme einer Schuld, die Zinſe traͤgt, geſchehen, 1254. Auf welche Schuld ſie geſchehen kann? 1255. 1256. Aufſatz Cehrfurchtsvoller) wird vor der Abſchlieſſung der Heurath gefodert, 151. Aufſuchung der Paterſchaft(die) iſt verhothen, 340. Jene der Mutterſchaft iſt erlaubt, 34r. Aufwuͤhlung. 652. Ausbeſſerungen. Welche fallen dem Nutznießer zu Laſt? 605. Welche fallen dem Eigenthuͤmer zu Laſt? 60. Wichtigere Ausbeſſerungen, 606. Welche liegen dem Verlehner ob? 1720. Der Paͤchter muß die dringenden waͤhrend vierzig Da⸗ gen dulten, 724. Der Paͤchter iſt nur zu den oͤrtlichen Aus⸗ beſſerungen verbunden, 1754. Wenn ſie dem Paͤchter nicht zur Laſt liegen 2 1755. Jene der Scheidemauern geſchieht auf gemeinſchaftliche Köſten, 65. Jeder Eigenthuͤmer kann ſich davon entledigen, indem er das Scheiderecht abgibt, 666. Welche Ausbeſſerungen auf gemeinſchaftliche Koſten geſche⸗ ben, 664. Dd — 478— 5 Ausfertigung, Glaubwuͤrdigkeit der erſten Ausfertigungen. 1335 . Nusgleichung · Die in ihrer Natur ungleichen Looſe werden 1 durch eine Ausgleichung gleich geſtellt, 333. Der Geſchenk⸗ 3 geber kann das Recht der Ausgleichung der geſchenkten Gü⸗ ter in dem Falle des Vorſterbens des Geſchenknebmers nur zu ſeinem Vortbeil ausbedingen, 951. Ausſicht, Ein Nachbar kann ohne die Einwilligung des an⸗ 4 dern keine Hefnung in einer gemeinſchaftlichen Mauer an⸗ bringen, 675. Der Sigenthuͤmer einer nicht gemeinſchaftli⸗ chen Scheidemauer kann Fenſter, die mit Eiſen vergittert ſind, und nicht geöfnet werden koͤnnen, anbringen, 676. Be⸗ ſchaffenheit der Fenſter, 677. Entfernung einer geraden Aus⸗ ſicht auf das Eigenthum ſeines Nachbars, 678. Entfernung einer ſchiefen Ausſicht, 679. 3 d Ausſohnung(die) der Gatten zernichtet die Rechtsklage auf Eheſcheidung, 272. bungen werden mit Einwilli⸗ Ausſtreichungen. Die Einſchrei gung der Partheien oder in Kraft eines Urtheils ausgeſtri⸗ chen, 2187. S. Einſchreibungen · ½ † Ausweiſung, gerichtlich gezwungene. Der Glaͤubiger 1 tann ſie gerichtlich betreiben, 2204. Der noch nicht getbeilte 3 Antheil eines Miterben an einer Verlaſſenſchaft iſt dieſer gezwungenen Ausweiſung vor der Theilung nicht unterwor⸗ fen, a205. Die unbeweglichen Guͤter eines Minderjaͤhrigen, wenn er auch ſchon entlaſſen iſt, oder eines Unterſasten kon⸗ nen erſt nach dem Verkaufe des beweglichen Vermoͤgens 3. verkauft werden, 2206. Gezwungene Ausweiſung aus den Guͤtern, die in verſchiedenen Departementen liegen, a2100 Sie kann nur in Kraft einer beglaubten Urkunde betrieben 3 werden, 2213. Wann es aufgeſchoben werden kann, 2412. z B. 1 5 Bach. Wenn ein Bach oder Fluß ſich einen neuen Lauf oͤffnet, ſo gehort ſein altes Bett den Eigenthuͤmern der von ihm 1 neuerdings beſetzten Grundſtuͤcke, 663. Die ſchiffbaren 6 Bäche machen einen Theil der Staatsgefaͤlle aus, 538 3 Wie die kleinen Bäche in ihrem Laufe von dem Eigenthuͤ⸗ 16 mer unterbrochen werden konnen, 644. 5½ Bäume. Wie ſie gepflanzt werden muͤſſen, 671. In einem . gemeinſchaftlichen Zaune ſind ſie gemeinſchaftlich, 673 · 6 Die auf dem Boden eines andern gepflanzten, 55s Die Baͤume der Baumſchulen, 520. Die abgeſtandenen, ausgeriſſenen oder zerſplitterten Obſtbaͤume, 594. Baulichkeiten,(alle) werden angeſehen, als habe ſie der Ei⸗ genthuͤmer bes Grundes und Bodens errichtet, 563. Jene der Bronnen, Unrathsbehaͤlter, Kamine, Schmieden, Back⸗ oͤfen, Ställe, Salzbebälter können nur in der durch die Verordnungen vorgeſchriebenen Entfernung von der gemein⸗ ſchaftlichen Mauer errichtet werden, 674. Baumeiſter(der) iſt von der Gewaͤhrleiſtung großer Werke nach Verlauf von zehn Jahren entledigt, 2270. Bauſtoffe(die) ſind beweglich„ſo lange ſie nicht an den Bau angebracht worden, Bauuͤberſchlag(der) iſt eine Art von Leihungsvertrag; 1711. Wofuͤr der Arbeiter verantwortlich iſt, wenn er den Stoff liefert, 1788. und wenn er nur ſeine Arbeit liefert, 1789. 1797. Er kann keine Bezahlung fodern, wenn die Sache, ſelbſt ohne ſein Verſchulden vor der Ablieferung zu Grunde geht, 1790. Dieſe Verantwortlichkeit dauert zehn Jahre, 1792. Beamten. Wann die miniſteriellen unterſagt werden können, 176. Beamte(öffentliche) 2060. Beamten Geſundheits⸗) 66. S1. 909. 931. Beamten des buͤrgerlichen Standes, 36. Bedingung(die) iſt zufaͤllig, 1169. Sie iſt gewalthabend, 1170. Sie iſt vermiſcht, 1171. Sie iſt aufſchiebend, 1131. Sie iſt auflößend, 1183. 1184. Jede unmoͤgliche, unmo⸗ raliſche oder unerlaubte Bedingung iſt nichtig, 1172. In einem Seſtamente wird ſie angeſehen als ſei ſie nicht ge⸗ ſchrieben worden, 1040. Weſentliche Bedingungen fur die Guͤltigkeit der Vertraͤge, r10. Erforderliche Bedingun⸗ gen fuͤr die Guͤltigkeit eines Vertrags einer Leibrente, 1968. Begräbniß(die) kann ohne Ermaͤchtigung des Beamten des buͤrgerlichen Standes nicht ſtatt haben, 77. Beibringen(das) des Ehemannes, 1502. Jenes der Frau, ebend. Es kann frei und ledig von der Frau, welche auf die Guͤtergemeinſchaft Verzicht leiſtet, zuruͤckgenommen werden, 1514. Beiſchlaͤferin, wann ſie urſache zur Eheſcheidung gibt, 230. Beiſtand(ein) kann von dem Vater der uͤberlebenden mit der Vormundſchaft beauftragten Mutter gegeben werden, 371. Durch eine urkunde des jetzten Willens oder durch Dd 2 420— eine Erklaͤrung vor dem Friedensrichter, 392. Wem ein gerichtlicher Beiſtand gegeben werden kann,§13. 614. 499. Wer einen ſolchen verlangen kann; 614. Bekanntmachungen(gerichtliche) koͤnnen in d ten Domizilium gemacht werden, 111. Berichtigung(iquidation) Wer die Abweſenden dabei ver⸗ trit? 113. Wie jene(rectification) der Urkunden des buͤr⸗ gerlichen Standes, 99. Wenn das Berichtigungsurtbeil opponirt werden kann, 100, Beſchaͤdigungen Oie dem Geſchenknehmer zur Laſt liegen⸗ s63. Die dem Pachter zur Laſt liegen, 1732. Beſchlag(der)(Sequestration) iſt durch Uebereinkunft oder richterlich angelegt, 1955. Der durch Uebereinkunft ange⸗ legte Beſchlag, 1956. 1957 1332. Der gerichtliche Be⸗ ſchlag, 1961. 1963. S. Binterlegung. Beſitz(der) muß mit Redlichkeit geſchehen, S49. In Hin⸗ ſicht beweglicher Gegenſtaͤnde gilt der Beſitz ſtatt einer Ur⸗ kunde, 2279. Beſitz um zu verjähren, 2229. Handlungen der Gewaltthätigkeit gruͤnden teinen zur Verjährung dien⸗ lichen Beſitz, 2233. Der Beſitz, den Stand eines ebelichen Kindes zu haben, iſt in Ermanglung der urkunde binrei⸗ chend die Kindſchaft zu beweiſen. 320 · Beſitzer(der) drittere. Wann und wofur er verpflichtet iſt? 2167. Er kann ſtatt die Schuld zu bezahlen⸗ das unbewegliche Gut abgeben, wenn er fahig iſt, zu veraͤuſſern, 2172. Sein Regreß, 2178. Im Falle des Wiederrufs einer Schenkung hat der Geſchenkgeber ge⸗ gen den drittern Beſizer der in der Scherkung ent⸗ baltenen Guͤter alle Rechte, die er gegen den Geſchenkneh⸗ mer ſelbſt haͤtte, 964. Beſitznahme, die der Teſtator den Vollziehern ſeines Eeſta⸗ ments geben kann, 1026. Wann ſie der Erbe aufboren machen kann. 1127. Betragen(das unziemende) eines Kindes gibt dem Vater das Recht, es einſperren zu laſſen. 375. Es gibt dem Vor⸗ munde das nämliche Recht gegen den Minderjaͤhrigen mit Ermäͤchtigung des Familienraths, 468. Es ſchließt von der Vormundſchaft aus, 444. Betrug(der) zernichtet Uebereinkünfte, rrI6. eine Theilung⸗ S87. die Annahme einer Erbſchaft, 783. die betruͤgeriſch an ſich gebrachte Vormundſchaft, 421. em gewaͤbl⸗ — 421— Bevollmaͤchtigung(die) können die Partheien erſetzen, wel⸗ che zur perſoͤnlichen Erſcheinung nicht gehalten ſind, 36. S. Vollmacht. Die Weiber und entlaſſenen Minderjuaͤhri⸗ gen koͤnnen bevollmaͤchtigt werden, 1790. Pflichten des Minderjaͤhrigen, 1991. 1993. Der Vollmacht ertheilende muß die von ſeinem Bevollmaͤchtigten eingegangenen Ver⸗ bindlichkeiten erfuͤllen, 1998. Was die Vollmacht auf⸗ bebt, 2003. Beweiß(der) der Kindſchaft, 319. 3a0. 323. Bezahlung(die) ſetzt immer eine Schuld voraus, 1236. Wenn ſie und durch wen ſie gemacht wird, 1239. 1238. unguͤltige Zahlungen, 1241. 1242. Die Koſten fallen dem Schuldner zu Laſt, r248. An welcher Schuld ſie abgerech⸗ net werden kann, 1283. 1266. Wann man ſie hinterlegen kann, 1257. Die Bezahlung eines gekauften Gegenſtan⸗ des muß zu beſtimmtem Tage und Hrte gemacht werden, 1650. 1663. Im Falle der Streitigkeit muß die gemachte Bezahlung bewieſen werden, 1316. Wann die Bezahlung mit Unterſtellung ſtatt hat, 1250. 1261. Bezahlung der Schulden einer Verlaſſenſchaft, s70. und durch den Uni⸗ verſalerben, 10o9. und von den unter Univerſaltitel mit Vermaͤchtniß Bedachten, 1012 und 71. Bienenkoͤrbe, wann ſie unbeweglich ſind, S24. Bildſaulen, wann ſie unbeweglich ſind, 5as. Bronnen,(ein) in welcher Entfernung er kann gegraben werden; 674. Bruͤder(die) ſind im zweiten Grad der Verwandſchaft, 738. Die Bruͤder und Schweſtern koͤnnen einander nicht heura⸗ then, 162. Wann ſie gegen eine Heurath Oppoſizion ein⸗ legen koͤnnen, 174. Wann ſie ihre Geſchwiſter ganz, 749. wann ſie ſie zur Haͤlfte erben, 748. wann ſie ihren natuͤr⸗ lichen Bruder erben, 766. Die Bruͤder oder Schweſtern koͤnnen bei einer Verlaſſenſchaft durch ihre Kinder oder Ab⸗ kömmlinge vertreten werden, 742. Wie Sie Geſchenkneh⸗ mer ihrer Bruͤder ſein koͤnnen, 1049. Buͤrge und Burgſchaft. Der Buͤrgen Verbindlichkeit, zo11. Derſelbe iſt nicht eher verbunden, bis dem Schuld⸗ ner verkauft worden, 2021. Wer dieſen Verkauf begehrt, muß die Guͤter des Schuldners angeben, 2023. Deſſen Regreß, 2023. 2032. Der verbuͤrgte Schuldner kann die gegenſeitige Gleichſtellung deſſen, was der Glaͤubiger dem verbuͤrgten Schuldner ſchuldig iſt, opponiren, 1294. Wenn — 422— mehrere Buͤrgen fuͤr die näͤmliche Schuld vorhanden ſind, hat jener, der bezahlt hat, ſeinen Regreß an die andern, 2033. Der fremde Klaͤger vor Gericht muß einen Buͤr⸗ 5 gen ſtellen, 16. eben ſo der Nutznießer, 601. Der Erbe 1 unter der Rechtswohlthat des Inventariums, 307. Die 1 vorlaͤuſig in den Beſitz der Guͤter des Abweſenden einge⸗ 130 ſetzten Erben, rz0. Der uͤberlebende Gatte, welcher aus ſ Mangel gegenwaͤrtiger Erben ſeines Mitgatten denſelben geerbt hat, 771. Aus Mangel an Buͤrgſchaft kann man ein Unterpfand geben, 20a1. Die Verbindlichkeiten des Buͤr⸗ gen gehn auf ſeine Erben uͤber, 2017. Eigenſchaften des Buͤrgen, ao13. 2017. Die Buͤrgſchaft erlöſcht wie andere ſ Verbindlichkeiten. 2034. Dachrinnen. 6s1. 2 Darleihung(die) unentgeldliche iſt weſentlich unentgeld⸗ lich, 1876. Die daraus entſpringenden Verbindlichkeiten gehn auf die Erben der Partheien uͤber, 1879. Datum. Kein Datum kann in Ziffern auf die Urkunden des buͤrgerlichen Standes geſetzt werden, 42. Wodurch die 3 urkunden unter Privatunterſchrift ibr Datum erhalten, 13a8. 1 Dienſtbarkeiten oder Grunddienſte ſind unbeweglich 526. Woraus Sie hergeleitet werden, 639. Welche zu den er⸗ 6 ſtern gehoͤren, 640. 643. Gegenſtaͤnde des zweitern, 650. 653. 674. 675. 681. 632. Die Eigenthuͤmer können auf ihren Grundftuͤcken die ihnen gutſcheinenden Dienſtbarkeiten er⸗ 16 richten, 686. Die Dienſtbarkeiten ſind ſtaͤdtiſch oder laͤnd⸗ lich, 687. fortwaͤhren? oder unterbrochen, 6s8. Scheinbar oder nicht ſcheinbar, 660. Wie werden die Letztern erworben, 690. Die nicht ſcheinbaren werden nur durch urkunden errichtet, 691. Plflicht deſſen, der eine Dienſtbarkeit zu beſorechen hat, 697. Er kann nichts thun, was ſie erſchweren koͤnne, 702. Jener der ſie leiſten muß, darf nichts thun, was ſie vermindern könne, 701. Wenn ſie erloͤſchen, 703. 706. Wann ſie wieder aufleben, 704. Dotalrechte und was darzu gehorig. Man kann ſich unter dem Dotalrecht oder jener der Guͤtergemeinſchaft verbeurg⸗ 6 then, 1391. Was darzu gehoͤrt, 1541. 1542. Sie kann waͤh⸗ rend der Ehe nicht vermehrt werden, 1543. Der Ebemann hat allein waͤhrend der Ehe die Verwaltung der Ausſteuer⸗ guͤter, 1649. Wann er das Eignethum davon hat, 1652. Wann das unbewegliche Ausſteuergut veraͤuſſert werden kann. 1557. 1558. Die unbeweglichen Ausſteuerguͤter, die nicht veraͤuſſert werden doͤrfen, ſind waͤhrend der Ehe un⸗ verjaͤhrbar, es ſei denn, die Verjaͤhrung habe vor der Heurath angefangen, 1661. Verbindlichkeiten des Ehe⸗ mannes dabei, 1562. Wenn die Ausſteuer ſich in Gefahr befindet, ſo kann die Frau die Guͤtertrennung gerichtlich betreiben, 1563. Wann der Ehemann angehalten werden kann, dieſelbe nach der Aufloͤſung der Ehe unverzuͤglich herauszugeben, 1564. Wann die Wiedererſtattung erſt ein Jahr nach der Auflößung der Ehe gefodert werden kann, 1566. Die Fruͤchte der unbeweglichen Ausſteuerguͤter wer⸗ den bei der Aufloͤßung der Ehe zwiſchen dem Manne und der Frau getheilt, 1571. Duͤnger(der) iſt unbeweglich, wenn er zum Anbau eines Landguts gehoͤrt, S24. 2 Ehe. Zwiſchen wem ſie verbothen iſt, 162. 163. Das zur Ehe erforderliche Alter, rag. 145. Einwilligung der Ael⸗ tern, 14s8. Eyrfurchtsvolle Aufſatze, 162. 153. Alter und Bedingungen fuͤr das natuͤrliche nicht anerkannte Kind, oder das weder Vater noch Mutter hat, 159. Die Heu⸗ rathsvertraͤge des Kindes von einem Unterſagten werden durch einen Familienrath angeordnet, Srr. Heurathsver⸗ kuͤndigung, 63. 65. 94. Wenn Einwaͤnde ſtatt haben, ſo ſpricht das Lribunal erſter Inſtanz in zehn Tagen daruͤber ab, 177. Die Heurath kann erſt nach gehobenen Einwaͤnden ab⸗ geſchloſſen werden, 6s. Die Aufhebung der Einwaͤnde, oder Meldung, daß keine ſtatt hatten, muß in der Heurathsur⸗ kunde bemerkt werden, 76. Von wem die Ehe geſchloſſen wird, 165. Pflichten der Ehegatten, 203. 212. Wer ge⸗ ſetzwidrige Ehen angreifen kann? 183. 120. 182. Aufloͤßung der Ehe, 2ay. Die Frau kann ſich erſt zehn Monatbe nach der erſten Ebe wieder verheurathen, 22s. Die Ehe kann nie ſtatt haben zwiſchen dem Gatten, gegen welchen die Eheſcheidung wegen Ehebruch ausgeſprochen worden, und deſſen Mitſchuldigen, 293. a9s. Ebevertrag, 1337. Schen⸗ kungen durch Ehevertrag, 1031. Wann ein geſetzlicher Kindstheil gegeben werden darf? 1098. Vortheile aus gemeinſchaftlichen Arbeiten und den auf das Einkommen gemachten Erſyarniſſen der Ebegatten, 1527. — 424— Thebruch,(der) iſt eine urſache zur Eheſcheidung, 229. 298. Wann der Ehemann berechtigt iſt, das Kind nicht anzuerkennen, 313. Ehegatten Wann die Benennung eines Ehegatten angeſpro⸗ chen werden kann, 194. Eheſcheidung.(die) Weswegen ſie begehrt werden kann? 229. 231. 232. Sie kann aus beiderſeitiger Einwilligung ſtatt haben, 233. Aus was immer fur einer Urſache ge⸗ ſchiedene Gatten, koͤnnen einander nie mehr heurathen, 295. Alter zur Eheſcheidung mit beiderſeitiger Einwilligung, 75. Sie kann erſt zwei Jahre nach der abgeſchloſſenen Ehe ſtatt haben, 276. Wann ſie nicht mehr ſtatt hat, 287. Bei der Eheſcheidung mit beiderſeitigen Einwilligung ſind die Gatten verbunden, ibre gegenſeitige Rechte in Ordnung zu ſetzen, 279. Wann die geſchiedenen Ehegatten ſich wie⸗ der verheurathen doͤrfen? 297. Wo wird die Eheſcheidung betrieben, 234. Indeſſen hat der Ebemann die einſtweilige Obſorge der Kinder, 267. Pflicht der Frau, die das Do⸗ mizilium ihres Ebemannes verlaͤßt, 26s. Die Rechtsklage auf Eheſcheidung erloͤſcht durch die Wiederverſoͤhnung der Ehegatten, lanz. Die Eheſcheidung vor der Verkundigung des Napoleonſchen Geſetzbuches. Zuſatz Seite 396. Eid(der) iſt entſcheidend und gerichtlich, 1357. Wem er aufgetragen werden kann, 2267. Woruͤber er aufgetragen werden kann, 1358. 1359. Dieſer kann ihm auch dem an⸗ dern uͤbertragen, wenn die Thatſache beiden Partheien per⸗ ſönlich iſt, 1362. Der gerichtliche Eid kann der andern Parthei nicht uͤbertragen werden, 1368. æigenſchaft. Wie man die Eigenſchaft eines Franzo⸗ ſen verliert, 17. Wie man ſie wieder erhaͤlt, 18. Die in einer Urkunde angenommene Eigenſchaft eines Erben hat die Annahme der Erbſchaft zur Folge, 773. Waͤhrend der dem Erben unter der Rechtswoblthat des Inventariums zugeſtandenen Zeitfriſt kann er nicht gezwungen werden, dieſe Eigenſchaft anzunehmen, 797. Eigenthum. Wie es erworben und uͤbertragen wird, 711. 712. Wozu es Recht gibt,§a6. 551. 552. Recht des Ei⸗ gentbuͤmers eines Grundſtuͤckes, auf dem ein Dritterer Pflanzungen oder Baulichkeiten angelegt hat, 665. Die Anſchwemmung iſt den auf das Ufer ſoßenden Eigentbuͤ⸗ mern zum Vortheil, 556. Linfaſſung. Iſt jedem Eigenthuͤmer erlaubt, 647. Was er dabei verliert, 648. Pingeſperrte(das) Kind kann eine Vorſtellung an den kai⸗ ſerlichen Prokurator bei dem Appellazionsgerichtshofe gelan⸗ gen laſſen, 382. Einkommen. Wozu jenes des Unterſagten angewendet wer⸗ den ſoll, S1o. Die Verwendung des Einkommens eines Minderjaͤhrigen, 465. Der entlaſſene Minderjaͤhrige thut ſein Einkommen ein, as1. Wann jenes eines Abweſenden ihm wieder erſtattet wird, 127. Alles waͤhrend der Ehe zugefallene Einkommen geht in die Guͤtergemeinſchaft, 1401. Wann Gatten einander Vortbheile geben koͤnnen, 127. Wann die Frau einen Theil ihrer Einkuͤnfte beziehen kann, 1549. 1676. Wann ſie den Genuß ihres ganzen Einkom⸗ mens hat, 1536. 1837. 1676. Einregiſtrirung(die) geſchiebt auf Köſten deſſen, dem ver⸗ macht worden, 1016. Wann werden in dem Auslande ge⸗ machte Teſtamente vollzogen, 1000. Einſchreibung. Welche Verfuͤgungen ſie offenkundig macht, 1069. Wann die Einſchreibung der Privilegien und Hypo⸗ theken von keiner Wirkung iſt, 2146. Einſchreibungen von dem naͤmlichen Tage, a147. 2154. Der fuͤr ein Kapital, das Zinſe traͤgt, eingeſchriebene Glaͤubiger kann fuͤr zwei Jahre Zinſe und fuͤr das laufende Jahr und zu gleicher Zeit fuͤr das Kapital eingeſchrieben werden, a1s1. Wo die Ausſtreichung einer nicht bewilligten Einſchreibung begehrt wird, 2159. Die uͤbertriebenen Einſchreibungen koͤnnen berunter geſetzt werden, 2161. Die Einſchreibungsgebuͤh⸗ ren fallen dem Schuldner zu Laſt, 2155. Einſperrung(die) Wann, von wem und auf wie lange die Einſperrung des ungerathenen Kindes begehrt werden kann, 381. 376. 377. Einwendung zur Nichtſtatthabung der Rlage, wann und gegen wen oder was ſie ſtatt hat? 13. 181. Man kann wegen Verſchiebung der Rechtsklage auf Ebeſcheidung, welche wegen gerichtlicher Verfolgung eines Verbrechens ſtatt hatte, nicht ſchließen, daß die Einwendung zur Nicht⸗ ſtatthabung der Klage anweñdbar ſei, 236. In Eheſchei⸗ dungsſachen entſcheidet der Gerichtshof vor allem andern über die Einwendung zur Nichtſtatthabung der Klage, 296. Wann der Vater wird mit der Einwendung, daß er ein vor dem bundert achtzigſten Tage der abgeſchloſſenen Ehe 5 — 426— gebohrnes Kind nicht anerkenne, abgewieſen wird, 314. Die Entſchuldigungen zur Nichtannahme der Vormundſchaft ſind nicht annehmbar, als wenn ſie unverzuglich gemacht werden, 433. Der Miterbe, welcher ſein Loos im Ganzen oder Tbeilweiſe veraͤuſſert hat, wird mit dem Begehren, die Sheilung zu zernichten, nicht mehr angenommen, 892. Einwilligung. Wann und wo ſie nothwendig iſt? 1108. ra6. 148. 238. Die beiderſeitige Einwilligung der Gatten kann eine Urſache zur Eheſcheidung ſein, 233. Tinwurf gegen eine Heurath, wer ihn machen kann? 172. 173. 174. In welcher Zeit uͤber die Aufhebung des Ein⸗ wurfs geſprochen werden muß, 177. 178. Die Einwendungs⸗ urkunden muͤſſen von den Einwendenden unterſchrieben wer⸗ den, 66. und die Eigenſchaft ausdruͤcken, welche zum Einwande berechtiget, 176. iſenhaͤmmer, die nicht auf Pfeilern ruhen und keinen Ebeil des Gebaͤudes ausmachen, ſind bewegliches Gut, 631. Empfangniß. Die Wirkung jener einer Frau ſechs Mo⸗ nathe vor der Ebe, 1ss. Das in dem Augenblicke der Schenkung empfangene Kind kann unter Lebenden Geſchen⸗ ke empfangen, Jo6. Jenes, das bei Eroͤffnung einer Ver⸗ laſſenſchaft noch nicht empfangen iſt, kann nicht erben, 728. Das waͤbrend der Ehe empfangene Kind hat den Ehemann zum Vater, 312. Entlaſſung(die) hat von rechtswegen durch die Ehe ſtatt, 476. Wann kann der Minderjaͤhrige entlaſſen werden, a77. 47s. Was der entlaſſene Minderjhrige thun oder nicht thun kann, 483. 4s4. 486. Der einen Handel treiben⸗ de entlaſſene Minderjährige it, was ſeinen Handel an⸗ geht, großjaͤhrig, 487. Entſchaͤdigung. Wem ſie gebuͤhrt, 174a. Worin ſie be⸗ ſteht, 1746. 1747. Der Eigenthuͤmer der keinen Ausweg auf den oͤffentlichen Weg hat, kann unter Bezahlung der Entſchaͤdigung einen ſolchen begehren, 682. Erbe(der) unter der Rechtswohlthat des Inventariums hat drei Monathe um die Aufnahme zu machen und vierzig Tage, um uber derſelben Annabme zu berathſchlagen, 795. Strafe des Erben, welcher ſich der Verheelung in dem Inventarium ſchuldig gemacht, sor. Die rechtmaͤßigen Erben treten von rechtswegen in die Guͤter des Verſtorbe⸗ nen, 724. Die naturlichen Kinder ſind keine Erben, 736. Wann können die vermuthlichen Erben eines Abweſenden die vorlaͤufige Einſetzung in den Beſitz der Guͤter des Abwe⸗ ſenden begehren, 120. 121. Der Erbe unter der Rechts⸗ wohlthat iſt fuͤr die Schulden, die ſeinen Antheil an der Erbſchaft uͤberſteigen, nicht verpflichtet, s02. Er hat die Verwaltung der Guͤter der Erbſchaft, 803. Erbeinſetzung(die) iſt jedem, der ein Teſtament macht er⸗ laubt, 967. Sie hat ihre Wirkung wie die Verfuͤgung unter der Benennung der Vermaͤchtniße, 1002. S. Teſta⸗ ment. Erbſchaften. Wann, wo und wie werden ſie offen? 718. 110. 130. An wen ſie in Ermanglung rechtmaͤßiger Eben fällt, 723. Wer erben und nicht erben kann? 725. 28. 135. 727. Wie die Erbſchaft getheilt wird und auf wen ſie ſtufenweiſe uͤbergeht? 733. 748. 746. 790. 781. 753. 768. Das Recht des natuͤrlichen Kindes auf die Verlaſſenſchaft ſeiner Aeltern, 767. 768. Wann erbt die uͤberlebende Gattin? 767. Wann der Staat? 768. Wie kann eine Erbſchaft angenommen werden, 774. Niemand iſt zur Annahme ei⸗ ner ihm zugefallenen Erbſchaft gebunden, 775. 7s6. Man kann auf die Verlaſſenſchaft einer lebenden Perſon nicht Verzicht leiſten, 791. noch auch, ſollte ſie auch einwilligen, die darauf habende Rechte verkauffen, 1600. Wer eine ihm zugefallene Erbſchaft verkauft, muß nur fuͤr ſeine Erb⸗ eigenſchaft Gewaͤhr leiſten, 1696. Wie kann der Vormund eine ſeinem Muͤndel zugefallene Erbſchaft annehmen oder abweißen, a61. Wann wird ſie als ſtehend angeſehen, s11. sra. Jeder Erbe kann die Theilung der Verlaſſenſchaft, auf welche er ein Recht bat, begehren, 315. Rechte der rechtmaͤßigen Erben der natuͤrlichen Kinder und uͤberleben⸗ den Gatten, 724. Siehe Theilung, Stellvertretung, Verzichtleiſtung, Abnahme Erbtheil. Rechte der Glaͤubiger einer Verlaſſenſchaft, da⸗ rauf, 378. Wann dieſe Rechte erloͤſchen, 879. Wann ſie in Betreff beweglicher Guͤter verjaͤhren, und was in Hinſicht der unbeweglichen Guͤter ſtatt hat, 880. Erklaͤrung(die) der Abweſenheit, r15. 119. Erklaͤrung des Domiziliums, 104. Die Erklaͤrung einer Geburt, S6. Wer ein Kind findet, muß die Erklaͤrung davon machen,§8. Erkundigung hat ſtatt bei Erklaͤrung der Abweſenheit, 116. bei der Ebeſcheidung aus beſtimmter Urſache, 255. bei der Unterſagung, 496. Trrichtung von Beurathsgut(die) 1542. Jene einer Leibrente, 1968. 1969. 1972. Erwerben. Die Frau kann nur mit Zutritt ihres Mannes bei der Urkunde erwerben, 217. Erwerbungen entbalten alles, was nicht einem der beiden Gatten vor der Verheuratbung zugehorte, 1402. Die Guͤ⸗ tergemeinſchaft kann auf die Erwerbungen beſchraͤnkt wer⸗ den, 1498 Erziehung. Wann ſie die Mutter beſorgt, 141. 303. 852. Wer die Koſten dafuͤr bezahlt, 385. Sähren, Nachen, Bäder u Muͤhlen auf Schiffen ſind als bewegliche Guͤter angeſehen, 531. Zamilienrath(der) nennt einen Vormund, 4os. Bildung deſſelben, 704. 416 Verrichtungen deſſelben, 454. 455. Fenſter, Entfernungen derſelben, 678. Der Eigenthuͤmer einer Scheidemauer kann in dieſelbe vergrillte Fenſter ma⸗ chen, 676. Feuerheerde(die) muͤſſen von dem Lehner ausgebeſſert wer⸗ den, 1784. Seuersbrunſt. Wann die Miethsleute dafuͤr verantwortlich ſind, 1733. Siſcherei und Jagd/ werden durch beſondere Geſetze be⸗ ſtimmt. 715. Franzoſe. Jedes von einem Franzoſen im Auslande ge⸗ bohren Kind iſt ein Franzoſe, 10. Frau(die) derſelben Pflichten, 213. 214. Eine Auslaͤnderin, die einen Franzoſen beurathet, folgt dem Stande ihres Mannes, 12. Ebenſo verhaͤlt es ſich mit einer Franzoͤſin, die einen Auslaͤnder heurathet, 19. Derſelben Domizilium, 1os. Was Sie ohne Ermächtigung ihres Mannes oder des Richters nicht thun kann, 215. 217. 776. 934 905. 1124. 1427. Sie kann ihre eingegangene Verbindlichkeiten nur in den von dem Geſetze vorgeſehenen Faͤllen angreiffen, 1raz. Rechte der einen oͤffentlichen Handel treibenden Frau, z20. Die verheurathere Frau kann bevollmächtigt werden, 1990. Was Sie mit Ermächtigung ihres Mannes oder des Richters thun kann, 1556. 1668. Wann ſie als Buͤrge an⸗ geſehen wird, 1431. Die verheurathete Frau hat Hypo⸗ theke auf die Guͤter ihres Mannes, 2ra1. Ihr Regreß ge⸗ gen ihren Mann, 2254. Wann ſie ihrem Manne Guͤter ab⸗ — 429— treten kann, 1596. Sie hat die Verwaltung und den Ge⸗ nuß der Paraphernalguͤter, 1576. Sie kann ohne irgend eine Ermaͤchtigung durch ein Teſtament verfuͤgen, 908. Wann ſie ihrem Manne Guͤter abtreten kann, 228. 296. Wann ſie die Eheſcheidung begebren kann, 230. 268. 269. Wann, wo und auf wie lange Zeit ſie des Ehebruchs we⸗ gen eingeſverrt werden kann, z03. Rechte der Frau, wenn ſie die Abweſenheit ihres Mannes erklaͤrt, 124. 1483. 1492. 1493. Die Hinwegnabmen der Frau geſcheben vor jenen des Mannes, 1471. 1524. Freigebigkeiten(die) können das ganze Vermoͤgen desjeni⸗ gen entſchoͤpfen, der weder Abkoͤmmlinge noch Verwanden in aufſteigender Linie hat, 916. S. Schenkungen und Teſtamente. Freiſprechungen, Uurſachen welche von der Vormundſchaft freiſprechen, 427. 428. 433. 435. 436. Man kann ſolche erhalten, um vor dem feſtgeſetzten Alter zu heurathen, 145. und um die zweitere Eheverkundigung zu uͤbergehen, r69. Fremde(der) von dem Kaiſer in Frankreich aufgenommene, 13. In jedem andern Falle wird er behandelt, wie man einen Franzoſen in dem Vaterlande dieſes Fremden behan⸗ delt, 11. Der Fremde, welcher bei Gericht klagt, muß fuͤr die Koſten Buͤrgſchaft leiſten, 16. Die Auslaͤnderin, welche einen Franzoſen heurathet, folgt dem Stande ihres Mannes, 12. Eben ſo die Franzöſin, die einen Fremden heurathet, 10. Wie der Fremde in Frankreich erbt, 726. Der Fremde kann von einem Franzoſen nicht empfangen, als wenn er ſelbſt zu Gunſten eines Franzoſen verfuͤgen kann, 912. Friedensrichter(der) hat den Vorſitz bei dem Familien⸗ rathe fuͤr die Ernennung eines Vormundes, 416. Fruͤchte(die) ſind unbeweglich, ſo lange ſie nicht von den Baͤumen gepfluckt ſind, 520. Sie geboͤren dem Eigentbuͤ⸗ mer des Grundſtuͤckes, 547. Sie geboͤren dem Nutznießer nach Verhaͤltniß der Dauer ſeiner Nutznießung, 486. Sie geboͤren dem Gebrauchhabenden nur fuͤr den zu ſeinen und ſeiner Familie nöthigen Gebrauche, 630. Die Fruͤchte und Zinſe der Gegenſtände, welche der Wiedereinbringung un⸗ terworfen ſind, iſt man nur von dem Tage der Eroffnung einer Erbſchaft ſchuldig, 366. Fuhrleute. Derſelben Gewährleiſtung. 1723. Ihre Verant⸗ wortlichkeit, 1733. 1734. — 4 ½— G.. . Gaſtgeber, ihre Verantwortlichkeit, 1962. 1963. Die Rechts⸗ klage, welche ſie fuͤr die Bezahlung des Zimmers und der 1. gelieferten Nahrung anſtellen, verjaͤhrt ſich durch ſechs Monathe, 2271. Gebaͤude, ſind unbeweglich, 513. Gebrauch. Wie die Rechte des Gebrauchs und der Wohnung erworben und verlehren werden, 625. Jener, der den Ge⸗ ¹ brauch der Fruͤchte eines Grundſtuckes hat, kann davon 1 nur ſo viel fodern, als er fuͤr ſeine und ſeiner Familie Beduͤrfniſſe noͤthig hat, 630. Der den Gebrauch hat, kann ½ ſein Recht an einen andern nicht abtreten noch verlehnen, zr. Er traͤgt zu den Baukoſten und Steuern nach Ver⸗ 1 hoͤltniß ſeines Genuſſes bei, 635. Gegenſcheine haben gegen Drittere keine Wirkung, 132r. Jene fuͤr die Heuratbsvertraͤge haben eine Wirkung gegen Drittere, wenn ſie der Urſchrift des Vertrages beigefuͤgt worden, 1397. Gegenſtaͤnde, Gegenſtand und Stoff des Vertrags, 1126. Die Verbindlichkeit hat nothwendig einen beſtimmten Ge⸗ genſtand, 1129. Nur was zu dem Handel gehört, kann ein Gegenſtand der Uebeinkuͤnfte ſein, rr28. Gehorſam. Die Frau iſt ihrem Manne Gehorſam, der Mann 3 iſt ibr Schutz ſchuldig, a13. Geldbuße. Wenn ſie erlegt wird. So. 192. 156. Wann 13 konnen ſie auf die Guͤtergemeinſchaft betrieben werden, ra24. Generazionen. Die Naͤbe der Verwandſchaft entſteht aus der Anzahl der Generazionen, 735. Gerichtsſchreiber(die) des Gerichtshofes erſter Inſtanz, 3 ihre Verricht ungen, 784. 739. Mann kann ihnen ſrittige Rechte von' der Kompetenz des Tribunals, wo ſie ihr Amt verrichten, nicht abtreten, 1607. Verrichtungen jener der 43 peinlichen Gerichtshöfe, 33. Geſchenke und Vermaͤchtniſſe, das Wiedereinbringen der⸗ ſelben. 343. s44. Was der Verzichtleiſtende Erbe zurück⸗ behalten oder anſprechen kann, S46. Geſchlecht,(das) muß in der Geburtsurkunde eines Kindes ausgedruͤckt werden 67. Unter den Erben iſt kein Vorrecht 6 des Geſchlechts oder der Erſtgeburt, 748. 5 Geſchwiſterkinder ſind in dem vierten Grade der Seiten⸗ linie, 738 — 431— Geſellſchaft, derſelben Gegenſtand, 1833. Jeder Geſellſchafts⸗ vertrag muß ſchriftlich abgefaßt ſein, 1334. Derſelben An⸗ fang, 1843. Die Uebereinkunft, welche einem der Mitge⸗ ſellſchafter alle Vortheile zuſchreibt, iſt nichtig, 1355. Bei⸗ fuͤgung eines Drittern 1361. Schulden der Geſellſchaft, 1862, Die Geſellſchaft loßt ſich auf verſchiedene Arten auf, 1366. Wann jene von unbeſtimmter Dauer aufgehoben werden koͤnnen, 1369. Handelsgeſellſchaften haben beſondere Geſetze, 1373. Die Geſellſchaften ſind allgemeine oder be⸗ ſondere, 1835. 1841. 1836. Die bloße Uebereinkunft einer allgemeinen Geſellſchaft beziebt ſich nur auf alle Gewinnſte, 1839. Wänn eine Geſellſchaft ſtatt haben kann. 1840. S. Witgeſellſchafter · Geſetze(die) muͤſſen von dem Augenblicke an vollzogen wer⸗ den, als ihre Verkuͤndigung bekannt ſein kann, 1. ſie haben keine ruͤckwirkende Kraft, 2. Man kann jene, welche die oͤffentliche Ordnung und gute Sitten angeben, nicht beſei⸗ tigen, 6. Geſinde(das) hat ſein Domizilium bei ſeinem Herrn, 109. Sie können bei einer Klage auf Eheſcheidung als Zeu⸗ gen auftreten, 261. Ein dem Geſinde gemachtes Ver⸗ maͤchtniß wird nicht ſeinen Lohn abgerechnet, 1023. Gewährleiſtung der Lvoſe hat unter Miterben ſtatt, 384. Der Verkaͤufer muß fur die verkaufte Sache Gewaͤhr lei⸗ ſten, 1625. Wann ſie ferner ſtatt hat, 1626. 1641. Gewaltthatigkeit. Wirkung derſelben. 1109. I111. Getraide. Wann es unbeweglich iſt, S20. 624. Glaͤubiger, wann und welche Erbſchaft ſie annehmen tin⸗ nen, 733. Ihre Rechte, 807. So8. 882. 320. 406. Glaͤu⸗ biger eines Verſtorbenen, 921. 1023. Graben zur Verſenkung des Unrathes ꝛc. 674. Wem ſie zur Laſt liegen, 1556. Die Graͤben zwiſchen zweien Grund⸗ ſtuͤcken werden als gemeinſchaftlich angeſehen, 666. Wenn Erde aufgeworfen worden, ſo wird der Graben angeſehen, als gehoͤre er dem zu, auf deſſen Seite ſich die aufgewor⸗ fene Erde befindet. 668. Grade. Jede Generazion macht einen Grad in gerader Linie, 737. Wie ſie in der Seitenlinie gezaͤhlt werden, 738. Die Verwanden uͤber den zwoͤlften Grad hinaus erben nicht, 755. Großjaͤhrigkeit(die) iſt auf ein und zwanzig volle Jahre angeſett, 488. — — 33— Grund und Boden. Das Eigentbum deſſelben begreift⸗ was darauf und darunter iſt, 562. Grundſtuͤcke, ſind unbeweglich, 518. Jener, der nicht von einem Grundſtuͤck bleiben will, deſſen Wiedererſtattung ihm von dem Richter verordnet worden, kann durch koͤrperliche Haft darzu gezwungen werden, 2060. Guͤter(die) ſind beweglich oder unbeweglich, s16, ibrer Natur oder ihrer Beſtimmung nach,§17 und 527. Ihr Verhaͤltniß mit denen, welche ſie beſitzen, 537. Man kann nur das Recht des Genuſſes der Grunddienſtbarkeiten ha⸗ ben, Sa3. Guͤter der Kinder, die noch nicht achtzehn Jabre alt und noch nicht entlaſſen ſind, 384. Guͤter der Ausſteuer werden von dem Ehemanne verwaltet, 1549. Bewegliche Guͤter, 435. Paraphernalguͤter, 1574. Ledig gewordene Guͤter, 539. Güter(bewegliche) ihrer Natur nach, 528. Beweglich durch die Beſtimmung des Geſetzes, 529. Biens meubles oder effets mobiliers, 535. Meubles, 533. Meubles meublants, 534. Die beweglichen Guͤter einer Verlaſſenſchaft werden durch Sachkundige abgeſchaͤtzt, 825. Das Wiedereinbringen der Geſchenkten, 368. Sie koͤnnen durch den Erben unter der Rechtswohlthat des Inventariums an den Meiſtbiethenden vertauft werden, 303. Die verlohrnen beweglichen Gegen⸗ ſtͤnde koͤnnen waͤhrend dreien Jahren wieder ruckgefodert werden, 2279. S. bewegliches Vermogen. Guͤter(unbewegliche) ihrer Natur nach, 518. 5a0. Unbe⸗ wegliche nach ihrer Beſtimmung, S24. Die Guͤter des Ninderjährigen, as7. Jene des entlaſſenen Minderjaͤhri⸗ gen, as4. s24. Wann ſie oͤffentlich verſteigert werden muͤſſen, 827. Guͤtergemeinſchaft. Recht des in derſelben lebenden Gat⸗ ten eines Abweſenden, 124. Die Guͤtergemeinſchaft iſt ohne den Beitritt des Mannes fur die oͤffentlichen Han⸗ del treibende Frau, 220. Anfang der geſetzlichen oder aus uebereinkunft entſtehenden Guͤtergemeinſchaft, 1399. Die durch Uebereinkunft errichtete, 1527 und 1487. Was ſie vorzuglich erlaubt, 1498. 1500. 1504. 1505. 1913. 1514. 1515. 1520. 1524. 16a6. In wie weit ſie unter den Ver⸗ fuͤgungen der geſetzlichen Guͤtergemeinſchaft bleibt, 1528. Die geſetzliche Guͤtergemeinſchaft, 1400. Das Aktive der⸗ ſelben, 1401. Die Holzſchläge, der Ertrag der Steinhruͤche — und Minen geboͤren zu der Guͤtergemeinſchaft, 1403. Das paſſive derſelben, r4o0o. In Ermanglung eines Inventa⸗ riums kann die Frau allein oder ihre Erben uͤber den Werth des nicht aufgenommenen beweglichen Vermoͤgens Beweiß fuͤhren, 1415. Rechte des Ebemannes dabei, 1a21. 1422. 1423. Was jeder Gatte der Guͤtergemeinſchaft erſetzen muß, 1437. Derſelben Aufloͤſung, 1441. Wie ſie wieder hergeſtellt werden kann, 1451. Rechte der Frau bei der Aufloßung derſelben, 1447. r453. und 1456. Die darauf verzichtende Frau verliert alle ihre Rechte darauf, 1492. Was die darauf verzichtleiſtende Frau zuruͤck nimmt, 1493. Sie iſt activ und paſſiv, 1467. Sie iſt aktiv zur Haͤlfte, 1482. Auch paſſiv zur Häͤlftera74. Wann koͤnnen gerichtliche Pour⸗ ſuiten darauf gemacht werden, 1as4. Die geſetzliche Guͤ⸗ tergemeinſchaft wird nicht anders angeordnet, wenn die Gatten Kinder aus vorhergegangenen Ebe haben, 1496. Pammerwerk oder Schmidte. Was zu derſelben Bearbei⸗ tung gehoͤrt, iſt unbeweglich, S24. Sie koͤnnen nur nach den beſondern Vorſchriften und Gebraͤuchen an eine Schei⸗ demauer angelehnt werden, 674. Bandel. Das Recht der Handeltreibenden Frau, aa0. Der entlaſſene Minderjährige wird in Gegenſtaͤnden des Handels als großijäbrig angeſehen, as7. Handlungsniederlagen in fremden Laͤndern, 1. Baus(das) väterliche darf das minderjährige Kind ohne Erlaubniß ſeines Vaters nur im Falle der Anwerbung ver⸗ laſſen. 374. Sebammen(die) machen die Geburtserklärungen, 66. Zeerde. Wer entſchaͤdigen muß, wenn dieſelbe ganz oder zum Theil zu Grunde geht, 615. S. Viebweide. Beimfall. Wann derſelbe ſtatt hat, 733. Zerr. Dem Herrn glaubt man auf ſeine Auſſage uber den Betrag des Lohnes ſeines Geſindes, 1781. Berunterſetzung. Wann koͤnnen die Verbindlichkeiten des Minderjaͤhrigen, der entlaſſen iſt, herunter geſetzt werden, 4sa. Durch dieſe Herunterſetzung verliert der Minderjaͤb⸗ rige ſeine Wohltbat der Eutlaſſung, 486. Herunterſetzung der Geſchenke und Vermächtniſſe, welche den verfuͤglichen Antbeil uͤberſteigen, 930. Jene der Geſchenke unter Leben⸗ den, 927. 6. — 44— zuͤlfsleiſtungen(gegenſeitige) ſind Ebeleute einander ſchul⸗ dig, 212. Welche man dem an Kindesſtatt anzunehmen⸗ den ſchuldig iſt, 346. vinwegnahme eines Rindes. Wann der Hinwegnehmende als Vater des Kindes erklaͤrt werden kann, 340. Pinterlegt, der bei dem hinterlegt wird und deſſelben Pflich⸗ ten, 1927. 1930. 1931. 1932. 197. 1938. Wann er aller ſeiner Verbindlichkeiten enthoben iſt, 1946. Der ungetreue Depoſitaire wird zur Wohlthat der Abtretung nicht zuge⸗ laſſen, 1945 Binterlegung⸗ Sie iſt entweder eine eigentliche Hinterle⸗ gung oder ein Beſchlag, 1916. Die Hinterlegung iſt ibrer Weſenheit nach unentgeltllch, 1912. Wirkung der guͤltig gemachten Hinterlegung, 1947. Die Hinterlegung iſt frei⸗ willig oder nothwendig, 1o20. Die binterlegten gemuͤnz⸗ ten Summen muͤſſen in den nämlichen Geldſorten zuruͤck⸗ gegeben werden, 1932. Die nothwendige Hinterlegung, 1949. 1951. Die freiwillige Hinterlegung, 1921. 1945. Wirkung der guͤltig gemachten Hinterlegung, 1287. 12610 ochzeit. Die Koͤſten derſelben ſind der Wiedereinbringung nicht unterworfen 852. Boſpitaͤler. Die in denſelben ſatt habenden Sterbfaͤlle, 37. So. Die ihnen gemachten Schenkungen, 937. Zuiſſiers,(die) baben ein Jahr, um die Bezahlung ihres Gebaltes anzuſprechen. a272. Wann ſie von der Ruͤckgabe der Schriften entledigt ſind. a276. 1597. Vypotheke(die) iſ ein wirkliches Recht auf das unbeweg⸗ liche Gut, welches verpfändet iſt, 2114. Wie vielerlei ſie iſt 7 2123 21a4. Derſelben Rang, 2134. Hypotbeken des Min⸗ derzährigen auf die Guͤter ſeines Vormundes, jene der Frau auf die Guͤter ihres Mannes, al3. Wie die Ein⸗ ſchreibungen der Hyypotheken ausgeſtrichen werden, 2157. Das Recht der eingeſchriebenen Hypotheke 2166. Wie die Hyvotheken und Privilegien erlöſchen, 2180. Die Forma⸗ litäten dabei, a1s1. a1s4. Die Hypotbeken und Privile⸗ gien einer Schuldforderung gehen nicht auf den neuen Eigenthuͤmer derſelben uͤber, 1278. S. Privilegium. Zypothekenbewahrer/ pflichten und Verantwortlichkeiten derſelben, 2160. 2197 Inſeln. Wem ſie gebören, sö0. z61. Inventsrium. S. Aufnahme. — 435— Irthum. Wann er einen Vertrag vernichtet? 1110. R. Räufer, deſſen Verbindlichkeit, 1650. Im Falle der Stoͤh⸗ rung kann man ſeine Bezahlung verſchieben, 1663. Er kann Schadloshaltungen fordern, 1885. 1699. 1601. Koſten die er tragen muß, 1393. 1608. Sein Recht, wenn er in dem Meſſen weniger bekoͤmmt, 1617. Im ent⸗ gegen geſetzten Falle zahlt er den Ueberſchuß oder geht von dem Vertrage ab, 1618. Wenn man nicht auf ein be⸗ Rimmtes Maaß verkauft bat, ſo haben dieſe Verfuͤgun⸗ gen nur dann ſtatt, wann der Ueberſchuß um ein Zwan⸗ zigſtel ſtaͤrker it, 1619. Wann kann er den Mietbsmann oder Paͤchter nicht ausweiſen, 1743. 1748. I751. Raninengehege ſind unbeweglich durch Beſtimmung, 5a4. Jene, die in ein anderes Gehaͤge ubergebn, gehoren den Eigenthuͤmern dieſer Gehege, s64. Raufmannsbuͤcher beweiſen gegen die Kaufleute, 1330. S. Regiſter. Rerbhoͤlzer haben Glauben unter Perſonen, welche ſich der⸗ ſelben gewoͤhnlich bedienen, 1333. Rinder(die) muͤſſen dem Beamten des buͤrgerlichen Stan⸗ des, der den Geburtsakt aufſetzt, vorgezeigt werden, 56. Wem ſie bei Betreibung der Eheſcheidung vorlaͤufig an⸗ vertraut werden, 267. Wem ſie nach der Ebeſcheidung gegeben werden, 302. Was die Kinder den Aeltern ſchul⸗ dig ſind, zo4. 205. 371. 762. Natuͤrliche Kinder, 396. Natuͤrliche aber nicht aus Ebebruch oder Blutſchande er⸗ zeugte Kinder, 331. 333. 334. 338. 756. 757. 908. Das gefundene Kind muß von demienigen, der es gefunden hat, dem Beamten des buͤrgerlichen Standes uͤbergeben wer⸗ den,§8 Rindſchaft. Der rechtmaͤßigen Kinder, 319. 320. Rolonien. Die Guͤter, welche ein Minderjaͤbriger in den Kolonien beſitzt, werden durch einen beſonders darzu er⸗ nennten Nebenvormund verwaltet, 417. Roſten(die) der Siegelanlegung, der Errichtung des In⸗ ventariums und Stellung der Rechnung, s10. Jene der Nahrung, des Uuterhalts und der Erziebung der Kinder, ſo wie jene des Leichenbegaͤngnißes und der letzten Krank⸗ heit, 386. Dieſe Koſten, ſo wie jene des Lehrgeldes, der Se — 436— Ausſtattung und der Hochzeit muͤſſen nicht wieder in die Verlaſſenſchaft eingebracht werden, 852. Rrankheit eine ſchwere ſpricht von der Vormundſchaft frei, 434 Rurator. Deſſen Pflichten und Rechte, 480. 175. Wem einer gegeben wird, 25. 936. Der zu einer ledig ſteben⸗ den Verlaſſenſchaft ernennte, 313. Der fuͤr das Kind in Mutterleibe ernennte, 393. Sie muͤßen die ihren Muͤnd⸗ lingen gemachten Schenkungen ſchriftlich eintragen laſ⸗ ſen, 940. L. gehnung(die) wird in Lehnung der Dinge und in Lebnung der Arbeit abgetheilt, 1703. Verſchiedene Gattungen der⸗ ſelben, 1711. Man kann alle Arten beweglicher oder un⸗ beweglicher Guͤter lehnen, 1713. ſchriftlich oder muͤndlich, 1714. Der Lehnungsvertrag wird durch den Verluſt der gelehnten Sache aufgehoben, war. Er wird weder durch den Dodt des Verlehners noch jenen des Lehners aufge⸗ hoben, 1742. Die Lehnung der Arbeit und des Kunſifleißes iſt von dreierlei Arten, 1779. Sie wird durch den Tod des Arbeiters aufgehoben, 1796. Die Lehnung der Arbeiter und des Geſindes kann nur auf eine beſchraͤnkte Zeit ge⸗ ſchehen, 1780. Lehner. Deſſelben Pflichten, 1880. 1885. 1902. Lehrer. Der Gehalt fuͤr den monathweiße gegebenen Unter⸗ richt verjaͤhrt ſich durch ſechs Monathe, 2271. Leihen(das) der Vormund, ja ſelbſt Vater und Mutter koͤnnen ohne Ermaͤchtigung des Familienraths fuͤr den Minderjaͤhrigen kein Anleihen machen, 487. Linie. Wie in der Seitenlinie die Grade gezäͤhlt werden, 73s. Wie ſie in gerader Linie, 735. Die gerade Linie wird in die auf⸗und abſteigende getheilt, 736. Die vaͤter⸗ liche und mutterliche Linie beziehen jede die Hälfte bei ei⸗ ner Erbſchaft, 733. Looße muͤßen gleich ſein, sz1. Einer der Mittheilbaber macht ſie und ſie werden durch das Loos gezogen, S4. Im Falle der Ausweiſung leiſten die Erben einander Ge⸗ waͤhr, 384. Dieſe Gewährleiſtung wird bei dem Tribunal des Orts, wo die Erbſchaft eroͤfnet worden, betrieben, 582. maͤngel der verkauften Sache. Wann der Verkäufer fuͤr die verborgenen Maͤngel verantwortlich iſt, 1641. 1645. 1646. Er iſt nicht verbunden, die ſcheinbaren Maͤngel an⸗ zugeben, 1742. Der Kaͤufer kann die Aufhebung des Kaufes begehren, wenn er nicht vorzieht die Sache um einen ver⸗ minderten Preiß zu behalten, 1644. Mahlereien. Wann ſie als unbeweglich angeſehen wer⸗ den, 525. Mauer. Wann ſie dem Eigenthuͤmer gehoͤrt, 654. Kein Nachbar kann ohne des anderen Einwilligung in die Schei⸗ demauer eine Deffnung machen, 675. Miethsmann. Wann er eine Unterverlebnung machen oder ſeinen Pacht abtreten kann, 1717. Welche Ausbeſſerun⸗ gen er dulten muß, 1724. Wann er ein Recht auf Ver⸗ minderung hat, 1726. Er muß die dem Lehner obliegen⸗ den Ausbeſſerungen beſorgen, 173r. Fuͤr welchen Verluſt er verantwortlich iſt, 1733. Der Lehner, welcher das Hanß nicht mit hinreichenden Geraͤthſchaften beſetzt, kann ausgewieſen werden, 1732. WMinderjaͤhrige. Deſſen Domizilium, 10s. Welche Ver⸗ fuͤgungen und wie er ſie machen kann, 903. 1095. Woruͤber er durch ein Seſtament verfuͤgen kann, 04. Wann er ent⸗ laſſen wird und entlaſſen werden kann, 476. 477. 478. Wann er die Aufhebung der Vertraͤge wodurch er Scha⸗ den leidet, begehren und nicht begehren kann, 1305. 1306. 1308. 1309. Minderjaͤhrigkeit(die) dauert, bis ein und zwanzig volle Jahre erreicht worden, z388. Mitgeſellſchafter. Derſelben Pflichten, 1843. 1845. 1847. 1850. 1862. Woͤrder(der) kann nicht erben, 727. Muͤhlen. Die unbeweglichen, S19. Die beweglichen, S31. Muhme(die) kann ihres Bruders oder Schweſter Sohn nicht heurathen, 163. muſterungsaufſeher(der) macht die Verrichtungen des oͤffentlichen Beamten bei den Armeen, 39. Mutter Derſelben Rechte, 141. 390. Der Vater kann ihr einen Beiſtand ernennen, 391. Sie iſt nicht gehalten die Vormund⸗ ſchaft anzunehmen, 394. Sie kann, wann ſie ſich wieder verheurathet, durch einen Familienrath in der Vormund⸗ ſchaft erhalten werden, 395. Das neberlebende von Va⸗ und Mutter hat das Recht einen Vormund zu erwah⸗ en„ 397. Mutterſchaft Wann iſt die Aufſuchung derſelben erlaubt und nicht erlaubt, 341. 342. myſtiſch. Das myſtiſche Teſtament, 976. S. Teſtament. N. Nachgebohrne Rinder ſind eine urſache, Geſchenke zu wie⸗ derrufen, 963. Wann dieſe Wiederrufung von rechtswe⸗ gen ſtatt hat, 960. Nahrung. Die Nahrungskoſten ſind dem Wiedereinbrin⸗ gen nicht unterworfen, s52. Nahrungsgehalt Wann iſt der Mann ſeiner Frau, wann ein Gatte dem andern ſolchen ſchuldig, 268. 301. Wame(der) des an Kindesſtatt Annehmenden wird dem Na⸗ men des Angenommenen beigefuͤgt, 347. Der eine und nämliche Namen kann dazu beitragen, die Kindſchaft zu be⸗ weiſen, 321. Narrheit. Die Seitenerben kuͤnnen ſich wegen der Narrheit des kuͤnftigen Gatten der Heurath widerſetzen mit der Ver⸗ pindlichkeit, ihn unterſagen zu machen, 174. Der in Narr⸗ heit verfalleue Großjaͤhrige muß unterſagt werden, 489. Naturaliſazion(die) in einem fremden Lande macht die Eigenſchaft eines Franzoſiſchen Buͤrgers verlieren, 17. Nebenvormund. Wann er ernennt und nicht ernennt wird, 421. 422. Seine Rechte und Pflichten, g20. 424 Seine Verrichtungen horen mit der Vormundſchaft auf, 425. Der dem Kinde in Mutterleib gegebene Kurator wird von rechtswegen Nebenvormund, wenn das Kind gebohren iſt⸗ zo3. Die mit der Vormundſchaft veauftragte ſich wieder verbeurathete Frau bat ihren neuen Gatten zum Mitvor⸗ munde, 396. Neuerung. Wie und zwiſchen wem ſie ſtatt hat, 1271. 1272. Sie uberträgt dem neuen Eigenthuͤmer die Privile⸗ gien und Hypotheken des Schuldtiters nicht, es ſei denn, der Glaͤubiger habe ſie ausdrucklich vorbehalten, 127. Die in Hinſicht des Hauptſchuldners bewirkte Neuerung entle⸗ digt die Buͤrgen, 1281. Nichtigkeit(die) der Vertrage kann uͤberhaupt innerhalb zehn Jahren begehrt werden 1305. In einer Schenkung ſind unmoͤgliche, unerlaubte und unmoraliſche Verfuͤgun⸗ — 439— gen nichtig, 900. Die Ausuͤbung von der Vefugniß des Ruͤckkaufes macht alle Arten von Verkauf nichtig, 1668. Wann und von wem kann auf iene der Ehe angetragen werden, 180. 182. 184. S. Aufhebung, Ehe, Michtig⸗ keit der Teſtamente, 1035. niederlaſſung(die) einem Kind gegebene, kann den Beſitz des Standes beweiſen, z21. Die fuͤr die Niederlaſſung eines Miterben gemachten Ausgaben muͤſſen in die Verlaſ⸗ ſenſchaft wieder eingebracht werden, s51⸗ Das Kind hat wegen Niederlaſſung ſeiner Aeltern keine Rechtsklage gegen ſie, 204. Wotarien koͤnnen durch Koͤrverzwang angehalten werden, die ihnen anvertrauten urkunden wieder heraus zu ge⸗ ben, 2060. Nutzen(oͤffentlicher). Wann und wie man zur Abtretung ſeines Eigenthums gezwungen werden kann, 546. Nutznießung. 57s. Der Nutznießer geniebt alle Fruͤchte, 682. Worauf ſie ſich erſtreckt, 581. 585. 596. Er kann am Ende der Nutznießung fuͤr die Verbeſſerungen, die er mag angebracht haben, keine Entſchaͤdigung fordern, 599. Der Nutznieſer nimmt die Dinge in dem Zuſtande in welchem ſie ſich be⸗ finden, 600. Deſſelben Pflichten, 601. 606. 608. 613. 614. Wie wird die Nutznießung aufgehoben? 617. 618. Wie lange ſie dauert, 620. Die Nutznießung unbeweglicher Gegenſtuͤnde iſt unbeweglich, Sa6. Welchen Vorbehalt der Geſchenkgeber machen kann, 949. Der Gatte, welcher uͤber die Gegenſtaͤnde der Guͤtergemeinſchaft verfuͤgt, kann ſich die Nutznießung davon nicht vorbehalten, 1422. O. Oheim(der) iſt in dem dritten Grade mit ſeinem Bruders⸗ oder Schweſterkinde, 738. Er kann ſeine Bruders⸗oder Schweſtertochter nicht beurathen, 163. Glograph. Das olographiſche Teſtament, No. P. Pachte werden in verſchiedene Arten abgetheilt, 1717. Vieb⸗ pacht, 1800. Pacht eines Landguts, 1763. Wann ſie nicht geſchrieben worden, 1774. Plflcht des Mieths⸗ mannes, 1752. 1754. Wenn die Hausmiethe nicht geſchrie⸗ ben iſt, 1763. Pachte von neun Jahren und darunter koͤn⸗ nen von dem emlaſſenen Minderjährigen errichtet wer⸗ — 440— den, 481. Verſchiedene Gattungen derſelben, wann ſie verbindlich ſind, 1420. Welche und wann ſie nichtig ſind, 430. Die Pachte der Guͤter der Minderiaͤhrigen, 1718. Die Pacht der Nazlonalguͤter, 712. Die Pacht der Haͤu⸗ ſer oder Feldguͤter, 17r4. Sind ſie muͤndlich gemacht, ſo glaubt man dem Eigenthuͤmer auf ſeinen Eid uͤber den Pachtſchilling, 1716. Sie konnen einem Drittern abgetre⸗ ten werden, 1717. Sie verbinden den Vervaͤchter zu wich⸗ tigen Ausbeſſerungen, 1720. Pfiichten und Verantwort⸗ lichkeit des Paͤchters, 1732. 1738. 1763. Wann die Pachte aufgehoben und nicht aufgehoben ſind, 1741. 1742. Paͤchter. Jener, welcher unter der Bedingung, die Früchte mit dem Eigenthuͤmer zu theilen bant, kann keine Unter⸗ lehnung machen, noch abtreten, 1763. Wann er Nachlaß begehren und nicht begehren kann, 1769. 1771. Pflichten des austretenden Paͤchters. 1777. 1778. 2060. Paraphernalguͤter, 1574. 1576. 1580. peſt. Leſtamente, die zur Zeit der Peſt gemacht worden, 985. pfand, 207ꝛ. Recht des Glaͤubigers darauf, 2073. Das Pfand kann von einem Drittern fuͤr die Schuld gegeben werden, 2077. Die Zinſe des Pfandes, 2081. Das Pfand iſt untheilbar, 20sz. Unterpfand und Antichreſe, 2072. Ein Pfand kann ſtatt eines Buͤrgen gelten, z041. pflanzungen. Derſelben Entfernung von der Scheidungs⸗ linie, 71. Pflanzungen und Baulichkeiten auf dem Grund eines Drittern, 555. Prefekten(die) ſind von Vormundſchaften frei, 427. Privilegien(die) werden nach ihrer verſchiedenen Eigen⸗ genſchaft bezablt, 2096. Allgemeine Privilegien auf be⸗ wegliche Gegenſtaͤnde, a10r. Dieſe Privilegien erſtrecken ſich uͤber bewegliche und unbewegliche Guͤter, 2104. Sie ſind von der Formalitaͤt der Einſchreibung befreit, 2107. Privilegien auf gewiſſe Gegenſtaͤnde, 2102. Privilegien auf unbewegliche Guͤter, 2103. Dieſe Privilegien gehn auf jene uͤber, denen die Schuldtiters abgetreten werden, 2112. Ausnahme davon, 1278. Derſelben Kraft und Datum, 2106. 2154. a166. Wann der drittere Beſitzer alle Hypo⸗ thekarſchulden bezahlen muß, 2167. 2183. Wann und ge⸗ gen wen er ſeinen Regreß hat, 217s. Wann die Privile⸗ gien erloͤſchen, auso. — 441— Prokurator(kaiſerlicher) bei dem Tribunal erſter Inſtanz, 53. 72. 99. 184. 239. 292. 293. 458. 483. 496. 812. 1057. O. Ouelle. Rechte und Beſchraͤnkungen des Eigentbuͤmers da⸗ rauf, 641. 643. R. Rechnüng. Wer muß Rechnung ſtellen, 125. 813. 828. 803. 1031. Rechnungsablegung. Auf weſſen Koſten und in weſſen Gegenwart ſie geſchieht? 471. 430. S. Pormundſchafts⸗ rechnung, Vormundſchaft. Rechte Guͤrgerliche) werden unabhaͤngig von der Eigenſchaft als Buͤrger ausgeuͤbt, 7. Wie werden ſie verloren, 17. 22. Rechte, zufaͤllige auf eine Erbſchaft, 791. Streitige Rechte, 1597. Rechtmaͤßigmachen. Wann hat es ſtatt, 331. 332. Rech⸗ te der legitimirten Kinder, 333. Rechtsklage auf Eheſcheidung, 272. Die Rechtsklage auf Zernichtung oder Aufhebung, 1304. Jene auf Tbeilung kann durch Verjaͤhrung nicht erworben werden, 815. 822. Die unbewegliche Rechtsklage, 482. Rechtsklagen, die faͤllige Summen oder ein Intereſſe in einigen Geſellſchaf⸗ ten zum Gegenſtand haben, 529. Jene, um ein unbeweg⸗ liches Gut ſich wieder zu verſchaffen, 526. Rechtswohlthat(die) des Inventatiums, 782. 793. Sor. Regiſter(die) des buͤrgerlichen Standes, g1. 42. 45. 46 49. 53. 1330. Rente eine errichtete, 1909. Eine auf ewig errichtete Rente, 1911. Wann der Ruͤckkauf einer Rente gefordert werden kann, 1912. 1913. Die Leibrente, 1964. Wie kann ſie errichtet werden, 1968. Die unentgeldliche kann herunter⸗ geſetzt werden, 1970. Auf welchen Preiß und auf wie viele Koͤpfe kann die Leibrente errichtet werden? 1972. 1976. Wann ſie ohne Wirkung iſt, 1974. Die Renten ſind beweglich, S29. Die auf unbewegliche Guͤter einer Verlaſſenſchaft verpfaͤndeten Renten, 372. Wie lange die Gewäͤbrleiſtung der Zablungofaͤhigkeit des Schuldners ei⸗ ner Rente unter den Riterben ſtatt hat, 886. Die auf ewig fuͤr den Werth eines unheweglichen Gutes errichtete Rente, 330. — 442— nichter, 4. 5. 1697. 2276. Ruckkauf. Wie lange und gegen wen kann derſelbe ausge⸗ uͤbt werden, 1660. 1664. Pflichten des ihn ausuͤben Verkaͤufers, 1676. 2 Ruckſtände Verjäbrung und Zinſe derſelben, a74. 2277. Ruſtung, die Koͤſten dafuͤr ſind dem Wiedereinbringen nicht unterworfen, 852. S. Saamenfruchte(die) von dem Eigenthuͤmer des Grundſtü⸗ ckes gegebenen ſind unbeweglich, S24. Sachkundige. Warum ſie ernennt werden, 126. 324. 453 466. Es werden drei ernennt, um ein verkauftes Gut im Falle der Aufhebung des Verkaufs wegen Verletzung ab⸗ zuſchoͤtzen, 1680. Sachwalter. Welche Rechte man ihnen nicht abtreten kann, 1697. Beſtimmung der Zeit um ihre Koſten und Gehalte zu begebren, 2273. Fuͤnf Jabre nach dem Urtheile ſind ſie fuͤr die Beweißſchriften nicht mehr verantwortlich, 2276. Sie koͤnnen koͤrperlich gezwungen werden, um die ihnen anvertrauten Beweißſchrifren oder die ihnen von ihren Rechtsbefohlenen bezablten Gelder zuruͤck zu geben, 2060. Schadloshaltung. Wer ſie zu leiſten ſchuldig iſt, 68. 179. 424. 450 772. 52. 1146. 1148. 1149. Schatz. Wem er gehoͤrt, 716. Scheidemauer. Was wird als ſolche angeſehen, 653. 666. Wie wird ſie unterhalten? 658. 669. Wie befreit man ſich von dieſer Unterbaltung, 656. Wie erwirbt man ſich das Recht auf eine Scheidemauer, 661. Schenkungen unter Lebenden ſind unwiderruflich, s94. Um eine ſolche Schenkung machen zu koͤnnen, muß man bei Verſtand ſein, 903. Wer kann ſie nicht machen, 905. Woruͤber ſie ſich erſtreken, 913. 215. Wer kann ſie ma⸗ chen? 916. Wann koͤnnen Schenkungen herunter geſetzt werden, 920. Alle Schenkungen zwiſchen Lebenden muͤßen vor einem Notarius errichtet werden, 931. Wann ſie auf⸗ gehoben werden, 933. Die Widerrufung einer Schenkung unter Lebenden wegen Undankbarkeit muß innerhalb eines Jahres begehrt werden, 337. Verjaͤhrung jener wegen nachgebohrnen Kindern⸗ 966. Vorbehalt bei jeder Schen⸗ kung, 949. Ausbedingung dahei, o61. Wann iſt jene be⸗ weglicher Gegenſtaͤnde unguͤltig, 948. Erforderniß ſie zu empfangen, 906. Wer fuͤr den Minderjährigen empfaͤngt, 461. Welchen Regeln jene unter Lebenden durch Heuratbs⸗ vertrag unterworfen ſind, os1. Zu weſſen Vortheil ſie gemacht werden, 10ga. 1084. Sie kann aus Mangel der Annahme nicht angegriffen noch zernichtet werden, 1087. Wann ſie nich⸗ tig ſind, 1089. Jene unter Ehegatten, 1091. 1094. 1096. 1097. Schiffe werden als beweglich angeſehen, 533. Schulden einer Verlaſſenſchaft. Wer ſie bezahlen muß, 612. 802. 870. 873. 876. 1008. 1012. 1044. Wer nichts zu bezahlen hat, 611. Schuldentlaſſung. Wie ſie bewieſen wird, 1282. 1283. Die Nachlaſſung des Pfandes laͤßt die Nachlaſſung der Schuld nicht vermuthen, 1286. Wann ſind die ſolidari⸗ ſchen Mitſchuldner von der Zahlung befreit, 1285. Schuldforderung. Wann die Abtretung derſelben voll⸗ ſtaͤndig iſt, 1690. Sie begreift, was noch zu der abgetre⸗ tenen Schuld gehoͤrt, 1692. Verbindlichkeit des Abtreten⸗ den, 1694. Seitenerbſchaften, 760. Seitenlinie, Siehe Linie. Setzen der Markſteine, 646. Sicherheit. Die Geſetze der Polizei und Sicherheit verbin⸗ den alle, die auf dem franzoͤſiſchen Boden wohnen, 3. Siegel, Wer die Anlegung derſelben fordern kann und muß, 269. 270. 820. Wann ſie unnoͤthig iſt. s3190. Wer die Ab⸗ nahme derſelben und wann man ſie begehren muß, 45r. Sitten. Man kann keine Vertraͤge machen, die den guten Sitten und Geſetzen zuwider ſind, 6. In einer Schenkung ſind Verfuͤgungen von dieſer Art als nicht geſchrieben an⸗ zuſehen, 900. Soldaten in Dienſtthaͤtigkeit ſind von der Vormundſchaft freigeſprochen, z28. Wer ihr buͤrgerlicher Beamter itt, und deſſelben Pflichten, 89. 95. 97. Wer ihre Teſtamente auß⸗ nimmt, 931. Wänn dieſelben nichtig ſind, 84. Spiegel. Wann ſie als unbeweglich angeſehen werden, 525. Spiel. Wann Rechtsklagen darauf, und wann ſie nicht ſtatt haben, 1965. 1966. Stall(ein) kann nur mit Beobachtung beſonderer Vorſchrif⸗ ten an eine Scheideinauer angelebnt werden, 674. Stamm. Im Falle angenommener Stellvertretung wird die Theilung nach Staͤmmen gemacht, 743. — 444— Stand. Beſitz des Standes, 195. Stand der Rechkmaſigkeit eines Kindes, 320. Wer daruͤber entſcheidet, 326. Rechts⸗ klage uͤber den Standesanſpruch, 328. Von wem und wann ſie angeſtellt werden kann, 329. Stand(buͤrgerlicher) S. Urkunden des buͤrgerlichen Standes. 66 63. 77. Steigerung. Was der Vormund verſteigern muß, 462. 452. Auch der Erbe unter der Rechtswohlthat des Inventariums muß offentlich verſteigern, 305. Wer kann nicht ſteigern, 1596. Stellionat, 2069, 2066. Stellvertretung. Wann ſie ſtatt und nicht ſtatt hat, 740. 741. 742. 744. 787. S. Verzichtleiſtung. Stillſchweigen(das) des Geſetzes kann fur den Richter kein Vorwand ſein, Recht zu ſprechen, 4. Strafe(eine entehrende) iſt Urſache zur Eheſcheidung, 232. Eine Strafklauſel wird mit der Hauptverbinblichkeit aufge⸗ hoben, 1227. Stroh, das der Eigenthuͤmer zum Anbau des Feldgutes gege⸗ ben, iſt unbeweglich, 524. Tauben und Siſche, die Landbaue von dem Eigenthuͤ⸗ mer beſtimmt worden, ſind unbeweglich, S24. Sie gehoͤren dem Eigenthuͤmer des Ceiches oder Taubenſchlages, wohin ſie ziehen. 564. Taubſtumme(der) kann ſelbſt empſangen, wann er ſchreiben kann, 936. Tauſch, 1702. Wie er errichtet wird und was er zernichtet. 1702. 1703. 1038. Cermin, deſſelben unterſchied von der Bedingung⸗ 1185. Sermine fuͤr Schulden, fuͤr geliehene Dinge⸗ fuͤr Auslie⸗ ſerung und Entrichtung des Kaufſchillings, 1136. 1890 1611. 1650. Teſtament. s9s. um ein Ceſtament zu machen⸗ muß man bei guter Vernunft ſein, oor. Wer, fuͤr welchen Betrag, zu weſſen Gunſten man ein Leſtament machen und nicht ma⸗ chen kann, 904. 905. 906. 907. 909. 911. Antheil des Ver⸗ mogens, woruͤber verfuͤgt und nicht verfugt werden kann, 918. 925. 926. Nur eine einzige Perſon kann in der näm⸗ lichen Urkunde ein Seſtament machen, 968. Das ologra⸗ pbiſche Deſtament, 970. Das moſtiſche Teſtament, 976. Ein Teſtament in öffentlicher Urkunde, 971. Die Seſtamente — 446— der Soldaten bei den Armeen, 98r. 984. Die Leſtamente an Orten, die von der Peſt angeſteckt ſind, 985. 987. Die auf dem Meere gemachten Deſtamente, 988. 990. 991. 992. 996. 997. Leſtament des Franzoſen in einem fremden Lande, 299. ro00. Teſtamentsverfuͤgungen ſind Univerſal, oder unter Univerſal⸗Eitel oder unter Partikular⸗Titel, 1coꝛ. Was mit dem olographiſchen und myſtiſchen Leſtamente geſche⸗ ben muß, 1007. Wann der Univerſalerbe mit vollem Rechte in den Beſitz eintrit, 1006. 1008. Widerruf der Teſtamente, 1035. 1037. Wann die teſtamentariſche Ver⸗ fuͤgungen nichtig werden 1030, 1040, 1042. 1043. Siehe Schenkungen, Wiederrufung, verfuͤglicher Antheil. Teſtamentsvollzieher. Der Teſtirer kann einen oder mebrere ernennen, 1025. Wer es ſein und nicht ſein kann, 1028. 1030. Derſelben Pflichten und Vollmachten, 1031. 1032. Teſtirer. Unter welcher Bedingung er ſeinen Kindern und Geſchwiſtern Geſchenke machen kann, 1048. 1049. Siehe wWiedererſtattung. Thatlichkeiten oder ſchwere Beleidigungen geben Urſache zur Eheſcheidung, a3r. und zur Wiederrufung der Schenkun⸗ gen, 956. Theilung, Wenn man ſie begehren kann, 815. 816. Wer ſie begehren kann, 817. 8138. Wer uͤber die Rechtsklagen auf Theilung entſcheidet, s2⁊2. Wie man bei Cheilungen verfaͤhrt, 324. 825. 826. 327. 829. 830. 331. 834. 335. 342. ss4. Welcher Urſachen wegen können die Theilungen ver⸗ nichtet werden, s87. Wer die Abweſenden dabei vertrit, 113. Theilung der Guͤtergemeinſchaft. Wie dieſelbe vollzogen wird, 1468. 1470. 1471. ra72. 1474. 1452. 1483, 1484. 1476. Theilungen, wie dieſelben gemacht werden, 1076. 1076. 1079. Thiere. Welche als beweglich und welche als unbeweglich be⸗ trachtet werden, 522. 5a4. Ihre Vermehrung, 547. Titel, unentgeldlicher oder läſtiger, Verfuͤgungen daruber durch Schenkungen oder Teſtamente, 93. Wie die Leibrente errich⸗ tet werden kann, 1971. 1072. Rechte der von Guͤtern getrenn⸗ ten Frau wegen einem lſtigen Titel. 217. Titre. Ein neuer Litre. a263. Litre bei einer Theilung. 34. Erecutoriſcher Sitre gegen einen Verſtorbenen oder ſeinen Erben. 377. Wirkung eines zchten Titers, 1319, Die Ab⸗ — 446— ſchriſten des Siters baben nur in Ermanglung der urſchrif⸗ ten Glauben, 1334. S. Urkunden ⸗ ſind ihren Schwiegeraͤltern Nahrung ſchul⸗ ig, 206. Tod(der) natůrliche oder burgerliche oͤffnet die Erbſchaften, 718. S. Abſterben, Der buͤrgerliche Todt hat durch Ver⸗ urtheilung zum Todt ſtatt. Wirkungen des buͤrgerlichen Fodtes, 25, 33. 1617. 617. 1982. Lrauerkleider(die) der Frau werden auf Koͤſten der Erben des verſtorbenen Mannes beſtritten, 1451. Crennung. Bedingungen der Shegatten dabei und derſelben Folgen, 1536. 1510. 1637. 1538. 1613. Wann kann die Frau die Guͤtertrennung betreiben, 1443. Was können die verſönlichen Gläubiger der Ebefrau und des Ebegatten da⸗ bei thun, 1446. 1447. Wann muß die Frau die ganze Haus⸗ haltung beſtreiten, 306. 1445. Wann kann die Eheſchei⸗ dung begehrt werden, 310. Die Koͤrpertrennung hat im⸗ mer die Guͤtertrennung zur Folge, 311. Die von Korper und Guͤtern odet nur von Guͤtern getrennte Frau uͤber⸗ nimmt die Verwaltung davon, 14490 Sie behuͤlt die Be⸗ fugniſſe, ihre Rechte des Ueberlebens auszuuben 1452. Wie fann die Gutergemeinſchaft wieder hergeſtellt werden, 1451. U. Uebergabe Bei der gebörig angenommenen Schenkung iſt teine Uebergabe nöthig, 938, Uebergabe der Geräthſchaften oder der Schluͤſſel zu dem Gebaͤude, welches ſie enthaͤlt, 606. uebergabe nicht törperlicher Rechte, 1606. 1607. 1609 Die Uebergabe der Vermächtniſſe, 1011. 1014. 1016. Ueberlebung⸗ Schenkungen unter Gatten unter der Bedin⸗ gung des Ueberlebens des Geſchenknehmers, 1092. Wie es erwieſen wird. 720. Bei gleichem Alter halt man dafür, der Mann habe uberlebt, 722. Unter fuͤnfzehn Jabren iſt es der äͤltere, uͤber ſechszig Jahren und in allen andern Faͤllen iſt es der jungere, 7a1. Ueberſchuß(der) ergaͤnzt die Ungleichheit der Looſe, 833. Uebertragung der Schuldtitres. 1689. Wenn der, dem ab⸗ getreten worden, Beſitz ergreift/ 1690. Was ſie begreift, 1692. Pflicht des Abtretenden, 1693. Pflicht desjenigen, der eine Erbſchaft verkauft, 1696. Folge der Uebertragung der Erbſchaftrechte, 780 S. Abtretung. — 47— Uebertragung, ſchriftliche. Derſelhen Einſchreibung, a1gr. 339. Oppoſizion bei Ermanglung derſelben, 941. 1070. Die Verfuͤgungen unter Lebenden oder durch Teſtamente mit der Pflicht der Ruͤckerſtattung werden durch die ſchrift⸗ liche Uebertragung offenkundig, 1069. Die ſchriftliche Ueber⸗ tragung kann nicht ergaͤnzt werden, 1071. Die ſchriftliche Uebertragung der Urkunden kaun nur als ein Anfang des Be⸗ weiſes dienen, 1336. Undankbarkeit. Wozu ſie berechtiget und nicht berechtiget. 1046. 965 989. Unfahig zu erben. Welche es ſind. 725. Ungetheiltheit der Guͤter, 878. Unterhalt(er) liegt den Aeltern ob, welche in dem Genuſſe der Guͤter ihrer Kinder ſind, 388. Unternehmungspreiße, 1711. 1787. Unterſagung.(Interdikzion) Veranlaſſung und Folgen der⸗ ſelben. 489. 493. 5o3. Was geſchieht, wann ſie nicht an⸗ genommen worden, 499. 614. Wann ſie aufboͤrt, 12, Der⸗ ſelben Vormunde, 507. 509.§10. Unterſetzung r250. 1251. 1252. S. Bezahlung. Unterſchiebungen ſind verbothen, 896. Unterzeichnung eines myſtiſchen Teſtaments, 76. Urkunde(eine) ächte 1317. Privatunterſchrift, 131. Of⸗ fenkundigkeitsurkunden, 70. 71. 72. urkunde unter Pri⸗ vatunterſchrift, 1322. Wenn ſie gegenſeitige Vertraͤge ent⸗ halten, ſo muß jede Parthei ein Hriginal haben, 1325. Sie enthalten durch die Einregiſtrirung Datum gegen Drit⸗ tern, 132s. Urkunden uͤber das Abſterben, 73. 30. 39. 96. Urkunden des burgerlichen Standes, 34. 39. 47 48. 99. urkunden des buͤrgerlichen Standes betreffend die Soldaten auſſer dem franzoͤſiſchen Gebiethe, s8. Heurathsurkunden, 63, 96. Geburtsurkunden,§58. 56. 59. 66. 92. 176. Urſache(eine) falſche oder unerlaubte, 1131. Urſchrift. Von allen Schenkungen unter Lebenden muß unter Strafe der Nichtigkeit eine urſchrift zuruͤck bleiben, 931. V. Pater, 267. 389. 384. 337. S. Mutter, Patergewalt, Schenkungen, Theilung. Patergewalt. Das Kind bleibt unter der Gewalt ſeiner Aeltern bis zur Großiädrigkeit oder Entlaſſung, 372. Wann — 448— 1215. Miterben 884. und Wirkungen, 711. 1177. 1773. entſtehende Verbindlichkeitrn, 1101. 5 Vertraͤge. 3 Verbrechen⸗ wortlichkeit dafuͤr, 1384. 1385 den nicht angefuͤhrt, s6. werfaͤlſchung in den Urkunden des, 52. Verjährung, der Strafe, 32. * 712. 2180. 2164. 1 Verzichtleiſtung darauf, 2220. darzu, 2229. 2236. und wie lange kann der Vater ſein Kind einſperren laſſen, 376. 376. 377. S. Vater, Mutter. waterſchaft. 312. 313. 340. S. Wutterſchaft, Rind⸗ ſchaft, natuͤrliche Rinder, Rechtmäſigmachen. verantwortlichkeit. Jene des Beamten des buͤrgerlichen Standes, s1. Jene der Hypotbekenbewahrer, des Vormundes, 395. 396. a17. 419. verbindlichkeit ſolidariſche, 1197. 1200. Sie wird nicht vermuthet, 1302. Gerichtliche Verfolgungen gegen ſolida⸗ 3. 1₰ riſch verbundene, 1206. Derſelben Zahlungsunfuͤhigkeit 1219. Jene in Handlungsgeſellſchaften, 1862 des zweiten Mannes und Mitvormundes, 396. Jene der verbindlichkeit zu geben, 1136. Wann ſie erfuͤllt iſt, 1605. 1606. Verbindlichkeit zu thun oder nicht zu thun, 1142. Die theilbare Verbindlichkeit, 1217. 1220. Verbindlichkeit, 1222. 1225. Nicht vollzogene oder ver⸗ ſpaͤtigte Verbindlichkeiten, 1147. 1315. Derſelben Folgen 1234. S. Uebereinkuͤnfte, Ver⸗ träͤge. Verbindlichkeiten mit Wahl, 1189. 1190. 1193. 1188. Rechte des Gläubigers, 1228. 1229. weiſe Verbindlichkeiten, 1168. Derſelben Wirkung, 1176. Die unter einer gewalthabenden Bedingung eingegangene Verbindlichkeit, 1174. Aus Uebereinkunft S. Uebereinkuͤnfte, Derſelben Wirkungen, 95. 1352. Verant⸗ in den Sterbeurkun⸗ Eine Verdammung wegen Nicht⸗ erſt nach fuͤnf Jah⸗ buͤrgerlichen Rechte Verdammung(ie) zum Todte wird 3. erſcheinung hat den buͤrgerlichen Tod ren zur Folge, 27. Jene, welche der beraubt, hat den buͤrgerlichen Tod zur Folge des buͤrgerlichen Stan⸗ verfuͤglicher Antheil der Guͤter, o13. 916. 916. Virkungen der Veriährung, Wann man ſie opponiren kann, 2224. Man kan das, was nicht in dem Handel iſt, nicht verjaͤhren, 2226. Wie ſie unterbrochen werden kann — — 449— 2142. 2243. 2244. Gegen wen ſie laͤuft und nicht laͤuft, za51. 2252. 2263. 2278. Wie ſie gezaͤhlt wird, 2260. Die dreiſigjaͤhrige Verjaͤhrung, 2262. Jene von zehn Jah⸗ ren, 2270. 2265. Die ſechsmonatliche Veriahrung, 2271* Jene von einem Jahre 2272. Jene von zwei Jahren, 2273. 2276. Jene von fuͤnf Jahren, 2276. 2277. Die laͤngſte Verjaͤhrung unbeweglicher Rechte, 789. Jene von drei Jah⸗ ren, 880. Yerkauf, 1682. 1691. Das Verſprechen des Verkaufes, 1689. Wer kaufen oder verkaufen, und wer nicht kaufen oder ver⸗ kaufen kann, 1596. 450. 484. 1428. 1576. 1598. Pflicht des Verkaͤufers, 1603. 1608. 1626. 1641. Vernichtung des Verkaufs, 1659. 1684. 1686. 1689. Verkauf der Erbſchafts⸗ rechten, 780. S. Gewaͤhrleiſtung, Ausweiſung, Ver⸗ letzung, Verſteigerung, Verbindlichkeiten des Rau⸗ fers und Yerkaͤufers, Aufhebung. Der gezwungene Verkauf 2213. S. gezwungene Ausweiſung.(Expro⸗ priazion.) Perkaufsgewaͤhrleiſtung, 1626. 1629. 884. Verkuͤndigung der Geſetze, 1. Jene der Heurakh, 63. 166. 69. 64. 65. 94. Yerlehnung. Derſelben Gattungen, 1874. 1876. 1878. Pflich⸗ ten des Lehners, 1880. 1885. Pflichten des Verlehners, 1888. 1891. 1898. Die Aufzehrungslehnung, 1893. Die Verbindlichkeit einer Lehnung in Geld, 1898. 1902. Zinſe dafuͤr, 1905. 1706. 1907. Verletzung, derſelben Wirkungen, 1118. 1305. 837. 1079. 1674. 1683. 1706. Yerluſt(der) Verluſt einer Sache ohne Verſchulden 1302. Vermoͤchtniſſe, 1o4. Wenn man ſie von dem Erben zu⸗ ruͤckfordern kann, s43. Die von dem Wiedereinbringen ausgenommen, s47, sas, 849. Derſelben Herunterſetzung, 1o39. 1042. ro43. Vermaͤchtniſſe unter beſonderer Benen⸗ nung ſind von dem Dage des Abſterbens des Seſtirers ſchuldig, o1g. Wer ſie entrichten muß, 1009. 610. 1010. 1ort. 1013. 1024. Worzu es verbindet, 1012. Das all⸗ gemeine Vermaͤchtniß, 1003. 1004. 1009. Permiſchung 1300. 1301. vermoͤgen,(wirkliches) der Guͤtergemeinſchaft, 1401. 1464 und folg. Permuthung(die) der Abweſenbeit, 1 Vermuthungen, F —— 1349. Geſetzliche Vermuthungen, 1360. 1352. Die durch das Geſetz nicht aufgeſtellten Vermuthungen, 1353. werpſlichtungen, die ſich ohne Uebereinkunft bilden, 1370. Perſchwägerte im Grade von Bruder und Schweſter, 162. Yerſchwender, 613. Yerſprechen. Erforderniß eines Verſprechens oder einer Hand⸗ ſchrift unter Privatunterſchrift, 1326. Yerſteigerung. Wer verſteigern muß, 452. 459. 805. Wo und wann ſie geſchieht, 822. 327. 1686 Wann muͤſ⸗ ſen Auswärtige darzu berufen werden, 1687. 838. 839. Zweitere Verſteigerung, 2185. vertrag, 1101. Er iſt beiderſeitig, 1112. Er iſt Tauſch⸗ vertrag, 1104. Er iſt einſeitig, 1103. Jeder Vertrag muß eine urſache haben, 1126. Hat er keine, ober eine falſche oder unerlaubte, ſo iſt er nichtig, 1131. Der un⸗ entgeldliche oder woblthätige, 1105. Der laͤſtige, 1106. Der Verſicherungsvertrag, 1964. Der Miethungsvertrag, os. Der Heurathsvertrag, 1337. 1391. 1395. 1396. 1529. 1830. 1536. 1052 1832. Gewagte Vertraͤge 1964. Stillſchweigende Vertraͤge, 1371. 1320. Die Ver⸗ traͤge, 20a4. 2046. Der von einem der Betheiligten ge⸗ machte Vertrag hindert die andern nicht, 2061. Sie be⸗ ſchraͤnken ſich in ihrem Gegenſtande, 2048. Sie koͤnnen wegen einem rechtlichen Irthum oder wegen Verletzung nicht angegriffen werden, 2092. Wann ſie aufgelößt wer⸗ den, 2053. Welche Verträge nichtig ſind, 2054. 2056. Wann kann der Vormund Vertraͤge ſchließen, 467. Die Ehegatten, welche ibre Ehe mit beiderſeitiger Einwilli⸗ gung aufloͤßen wollen, können uber ihre jederſeitige Rechte mit einander Vertrag abſchließen, 297. verwaltung Jene des Gatten, 1441. 1428. 1549. Die Frau hat jene der Paraphernalguter, 1576. Jene waͤh⸗ rend der Betreibung der Unterſagung, 497. Sie boͤrt bei der Ernennung eines Vormundes auf, 505. Verwanden(die) in aufſteigender Linie, 150. 142. 161. 203. 402. 746. Die Verwanden uͤberhaupt, 406. a07. 40. Die Naͤhe der Verwandſchaft, 737. Lheilung und Erbſchaft unter denſelben, 733. 753. 755* Verweigerung der Gerechtigkeit, 4. Perzichtleiſtung auf die Guͤtergemeinſchaft, 1483. 1457. 1459. Wem ſie unterſagt iſt, 1460. Derſelben Wirkungeh⸗ — 451— 1492. 1493. 1494. Die Verzichtleiſtung auf eine Erbſchaft 775. 792. 796. 789. 784. 736. Gläubiger des Verzicht⸗ leiſtenden, 7388. Man kann auf die Verlaſſenſchaft eines Lebenden nicht Verzicht leiſten, 701. Man kömmt niemal durch Stellvertretung eines Erben, der Verzicht geleiſtet hat, zur Erbſchaft 787. Man kann aber jenen vertreten, auf deſſen Verlaſſenſchaft man verzichtet hat, 744. Siehe Annahm, Erbſchaften. Pich,(das) 1064. Piehpacht, 1800. Das dem Pachter auf ein Drittel gege⸗ bene Pachtvieh, 1813. Viehvacht zur Haͤlfte, 1818. Die dem um einen beſtimmten Antheil von Fruͤchten arbeitenden Pachter, gegebene Viehvacht, 1827. Verbindlichkeit des Pachters, 1321. 1825. Deſſen Vortheil, 823. Die einfache Viehpacht, 1804. Deſſen Verantwortlichkeit, 1807. Vollmacht(die) iſt unentgeldlich, 1936. Eine in allgemei⸗ nen Ausdruͤcken abgefaßte Vollmacht, 1988. Ein Bevoll⸗ mächtigter bei einem Familienrath, 412. Bevollmaͤchtig⸗ ter bei den urkunden des buͤrgerlichen Standes, 36. Was ein Bevollmaͤchtigter tbun kann, 66. 139. 243, 933. Voraustheil, 844. 919. 1515. 1516. 1613. Vorbehalt, den der Geſchenkgeber macht, 949. Der geſetz⸗ liche,„ar. Woruͤber er ſich erſtreckt, 913. 9r5. Vorladung(die) unterbricht die Veriährung, 2244. 2247. Vormund, 159. vormundſchaft. Sie gehoͤrt von rechtswegen dem uͤber⸗ lebenden Vater oder Mutter, 390. Der Letztſterbende von den Aeltern kann einen Vormund ernennen, 397. Wer iſt Vormund bei Abgang der Aeltern, 402. 405. Die Mut⸗ ter iſt nicht verbunden, die Vormundſchaft anzunehmen, 394. Wer iſt der Beivormund der wieder verehelichten Vormuͤnderin Mutter, 395. 396. Dex von dem Vater oder der Mutter gewäͤhlte Vormund iſt nicht gehalten, die Vormundſchaft anzunehmen, 40r. Familienrath zur Er⸗ nennung des Vormundes, 407. 413. Bei⸗oder Nebenvor⸗ mund, 420. Wer iſt von der Vormundſchaft frei, 427. 428. 433. 434. 435. 436. Wer iſt dazu unfaͤhig, aa2. aag. Pflichten des Vormundes, 480. 451. 455. 467. 461. 467. 469. 472. 907. 2045. 1065. 1056. S. Pormund⸗ ſchaftsrechnung, Samilienrath, Nebenvormund. Ff2 1— 452— 1 Die freiwillig uͤbernommene Vormundſchaft, z61. 361. 363. 366. 368. 370. Vormundſchaftsrechnung, 469. a71. 472. . W. Wachſamkeit, 779. waͤlder. Bewegliche, S22. Der Nutznießer derſelben, 590 Weib, ehebrecheriſches, 29. Weidſtrich, 646. wettung(die) iſt eine Art von gewagtem Vertrage, 1964. Man hat keine Rechtsklage auf Bezahlung einer Wet⸗ b tung, 1965. . Wiederaufbauung, 607. 1„ Wiedereinſetzung, 2060. . wiedererſtattung. Geſchenke mit dem Auftrag der Wie⸗ dererſtattung, 1048. 1049. 1050. 1096. Was der Geſchenk⸗ 3 nehmer nach Abſterben des Geſchenkgebers zu thun hat, 1059 1062. 1063. 1064. Die wegen Wiedererſtattung ge⸗ machte Schuld, r293. Die Wiedererſtattung des Heuraths⸗ 3 gutes, 1564. 1665. Die Frau hat fur die Wiedererſtat⸗ tung der Ausſteuer von den Glaͤubigern, die in der Hypo⸗ theke fruͤher ſind, als ſie, kein Privilegium 1572. Die Wiedererſtattung einer hinterlegten Sache muß wirk⸗ lich mit der naͤmlichen Sache, oder, wenn es eine Summe Geldes iſt, mit den nämlichen Sorten geſchehen, 1932. Jene des Pfandes kann nicht verlangt werden, bis der . Schuldner den Glaͤubiger gaͤnzlich befriediat hat, 2082. Jene einer Geldſumme muß in der in dem Vertrage aus⸗ gedruͤckten Summe beſtehen, die Geldſorten moͤgen nun im Werthe zu oder abgenommen haben, 1895. Wann ſie gefordert werden kann, 1899. widerruf der Schenkung unter Lebenden, 953. Wann und gegen wen der Widerruf wegen undank geſchehen muß, 967. 960. Der Widerruf wegen nachgebobrnen Kindern, 960. Teſtamente konnen nur durch ſpaͤtere Seſtamente, oder ei⸗ 3 ne beglaubte Urkunde, widerrufen werden, 1035. 1037. wohnſitz,(Domizilium) 102. 108. 109. Der Ort einer eröffneten Verlaſſenſchaft, 10. Jede Urkunde, welche die Wahl des Wohnſitzes beſtimmt, muß in dem gewaͤhlten Wohnſitze vollzogen werden, L11. — 453— Wohnung(die) wird wie die Nutznießung erworben und verlohren, 625. Dieſes Recht wird nach der Urkunde, welche es errichtet hat, angeordnet, 6ag. Es beſchraͤnkt ſich auf das was zur Wohnung desjenigen, dem ſie gebuͤhrt, und jener ſeiner Familie noͤthig iſt, 633. Es kann nicht an einen andern verlehnt noch abgetreten werden, 634. Die wirkliche Wohnung an einem Orte beſtimmt den Wohn⸗ ſitz daſelbſt, 103. 5. Zahlungsunfahigkeit(die) eines Erben, 376. 386. Zaun(ein) zwiſchen zwei Guͤtern wird als Scheidezaun an⸗ geſehen, 670. Er kann nur auf einen halben Meter Ent⸗ fernung von der Scheidungslinie angelegt werden, 671. Zeugen(die) bei den Urkunden des buͤrgerlichen Standes muͤſſen maͤnnlichen Geſchlechts und wenigſtens ein und zwan⸗ zig Jahre alt ſein, 37. Bei den Geburtsakten muͤſſen es zwei ſein, 56. Sieben Zeugen aus dem einen oder andern Geſchlechte muͤſſen die Offenkundigkeitsurkunde unterſchrei⸗ ben, die bei der Heurath die Geburtsurkunde erſetzen ſoll⸗ 71. Die Ehe wird in Gegenwart von vier Zeugen gefeiert, 76. Die Sterbeurkunden werden auf die Erklaͤrug von zweien Zeugen niedergeſchrieben, 7s. Die fuͤr die Ebe⸗ ſcheidung vorgeſchlagenen Zeugen koͤnnen auf das jederſeitige Begehren der Partheien beſeitigt werden, 250. Alle andre Verwanden, nur die Abkoͤmmlinge nicht, und das Geſinde, koͤnnen bei der Eheſcheidungshandlung Zeugen ſein, 251. Die Thatſachen, auf welche hin man die Unterſagung be⸗ gehrt, muͤſſen ſchriftlich verfaßt und durch Zeugen bewieſen werden, 403. Der Beweiß der Kindſchaft kann in Ermang⸗ lung von urkunden durch Zeugen gemacht werden, 323. Man muß zwei Notarien und zwei Zeugen oder einen No⸗ tarius und vier Zeugen zur Aufnahme eines Deſtaments haben, 971. Alle Zeugen muͤſſen das Seſtament unterſchrei⸗ ben, auf dem Lande iſt es genug wenn nur die Haͤlfte unterſchreibt, 74. Wenn das Teſtament myſtiſch iſt, ſo ſoll die Unterzeichnungsurkunde von ſechs Zeugen unter⸗ ſchrieben werden, 976. Die bei einem Leſtamente gegen⸗ wärtige Zeugen muͤſſen maͤnnlichen Geſchlechts, großjaͤhrig, Bewohner des Reichs und im Genuße ibrer buͤrgerlichen Rechte ſein, o30. Wann der Zeugenbeweiß nicht angenom⸗ men wird, 1341. — 464— Zeugungsunvermoͤgen/ 313. Zuruͤckbringen. Wer und was zuruͤckgebracht werden muß, 329. 344. Was nicht zuruͤck gebracht werden muß, 347. 8a8. 349. 852. Wie das Zuruͤckbringen geſchiebt, 863. Das Zuruͤckbringen eines unbeweglichen Gures von einem Er⸗ ben, 367. Jenes des Gatten, 1468, 1469. Zuruͤcknahmen · Eheliche Zuruͤcknahme der Frau, 1471. Zuruͤckfoderung.(gerichtliche) Die Rechtsklage darauf oder auf die ubertriebenen Schenkungen kann durch die Erben in Ausubung gebracht werden, 930. Zwang korperlicher(der) hat wegen mehreren urſachen ſtatt, 2060. Vorzuͤglich wegen des Stellionats, 2069. Er kann in den Akten aus keiner andern Urſache ausgeſprochen und ausbedungen werden, als jenen die in den Art. 2059. z660 und 2063 angefuhrt ſind. Er kann nie fuͤr eine Sum⸗ me, die geringer als 300 Franken iſt, verordnet werden, 2066. Er hat nur in Gefolge eines Urtheils ſtatt, 2067. Die Vollziehung hindert die gerichtliche Verfolaungen auf das Vermögen nicht 2060. Gegen Weiber und Loͤchter kann er nur wegen Stellionat ausgeſprochen werden, 2066. Er kann in keinem Falle gegen Minderjährige ausgeſpro⸗ chen werden, 2064. Remus AUERK — 5 g 16 ehndqae